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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-06 03:48:07 -0800 |
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You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Harck Olufs aus der Insul Amron im Stifte Ripen in Jütland, gebürtig, sonderbare Avanturen, so sich mit ihm insonderheit zu Constantine und an andern Orten in Africa zugetragen. - -Author: Otto Riese - Hark Olufs - -Translator: Hermann Noodt - -Release Date: August 5, 2016 [EBook #52725] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HARCK OLUFS AUS DER INSUL *** - - - - -Produced by Peter Becker, Jens Sadowski, and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This -transcription was produced from images generously made -available by Universitäts- und Landesbibliothek -Sachsen-Anhalt. - - - - - - - Harck Olufs - - aus der Insul Amron im Stifte Ripen - in Jütland, gebürtig, - - - - - sonderbare - Avanturen, - - - so sich mit ihm insonderheit zu - Constantine und an andern Orten in - Africa zugetragen. - - Ihrer Merkwürdigkeit wegen in - Dänischer Sprache zum Drucke befördert, - itzo aber - ins Deutsche übersetzet. - - - Flensburg, - in Verlag Johann Christoph Kortens, - 1751. - - - - -Da es dem HErrn gefallen, mich, vor vielen tausend andern Menschen, auf -sonderbare Weise zu führen, hat man von mir verlanget, daß die seltsame -Begebenheiten, so mir wiederfahren, ihrer Merckwürdigkeit wegen mögten -in die Feder gefaßt und dem Drucke überlieffert werden, damit selbige -hinkünftig zu einem Beweise dienen könnten, wie wunderbarlich GOtt die -Kinder der Menschen führe, und daß er auch nach seinem Wohlgefallen, das -Hertze eines Unchristen zur Barmhertzigkeit neigen könne. - -Im Jahr 1708 den 19 Julii erblickte ich zuerst das Licht dieser Welt, -auf einer kleinen Insul Amrom genannt, so in der West-See liegt, und zum -Stifte Ripen in Jütland gehöret. Wie meine Landes-Leute ihre Nahrung von -der See haben, so bin ich auch in Zeiten, von meinem zwölfften Jahre an, -beflissen gewesen, dereinst einen tüchtigen See-Mann abzugeben; Ich habe -bis ins dritte Jahr eine und andere Reise gethan, da ich zugleich mit -dreyen meiner Landes-Leute, _Richard Flor_, _Jens Nikelsen_ und _Hark -Nikelsen_, _Jürgen Oksen_ von _Föhr_, und dreyen vom Elbstrom, mich bey -der Stelle im Canal, so _Sordels_ genannt wird, den 10 Martii 1724 von -einem türckischen Caper muste gefangen nehmen und nach _Algier_ -schleppen lassen. Ich wurde auf dem Marckte für 1000 _Cartuches_, oder -1000 Marck Lüb. verkauft, den Tag aber hernach überließ mich mein -Kauffmann an einen andern mit 100 Cartuchers Profit. Bey diesem Herrn -war ich ohngefehr 14 Tage, und war meine Arbeit, eins und das andere im -Garten zu bestellen, ingleichen Maulbeer-Blätter für meines Patrons -Seiden-Würmer einzusammlen, und hiernächst Wasser zu tragen und das Hauß -rein zu halten. Indem aber der Constantinische _Bey_, mit Nahmen -_Assin_, seinen Commißionair zu _Algier_ hatte, Sclaven einzukauffen, -bekam er Lust zu mir, und mein Patron überließ mich ihm für 450 Stück -von Achten. Dieser Bey _Assin_ kan wie ein kleiner König angesehen -werden, dessen Haupt-Stadt _Constantine_, eine ansehnliche Stadt und -Vestung ist, und nach meiner Muthmaßung 12 Tage-Reisen oder 60 Meilen -von _Algier_ gegen Süden liegt. So viel ich weiß, stand er auf keine -Weise unter dem Groß-Sultan, sondern er war Souverain in seinem Lande; -er war, wie ich in seine Dienste trat, schon ein Herr von hohem Alter, -hitzigen Kopfs und gesunder Complexion; er war beherzt und hatte eine -gute Kriegs-Erfahrung, indem er vorher, und stets bey meiner Zeit, mit -seiner Armee zu Felde lag, und zum öftern mit seinen Nachbaren -Streitigkeiten hatte. Einen Monat hielte er sich zum wenigsten in jedem -Jahr zu _Constantine_ auf. Er hatte zwey Weiber, so von mehr als 40 -Bedienten Männern und Weibern, unter welchen 4 Verschnittene zu -Cammerdienern bestellet waren, aufgewartet wurden. Er selbst ließ sich, -von 30 bis 40 Laquaien, wovon die Hälffte Renegaten, und hernach mit den -besten Bedienungen im Lande abgefunden wurden, bedienen. - -Ich muß hier, ehe ich weiter gehe, mit wenigen Worten etwas von den -Eigenschaften des Landes, hiernächst der Nation und endlich von meinem -eigenen Schicksal melden. Das Land ist voller Klippen, wovon einige so -hoch, daß sie stets mit Schnee bedeckt sind, obschon das Land unten an -denen Klippen so heiß ist, daß wann die Cameelen hievon im Anfang gantze -Trachten herunter brachten, doch der Schnee meistens, bis auf kleine -Klumpen zerschmoltzen, ehe sie am Fuß der Klippen gekommen. Sonst ist -das Land sehr fruchtbar, und trägt allerley Korn, Trauben, Mandeln, -Datteln, Feigen, Granat-Aepffel, Wasser-Limonien &c: doch mit dem -Unterscheide, daß die eine Provintz besser in einem, und eine andere in -anderen Dingen ist, und müssen beständig von allen Städten Lieferungen -geschehen zum Lager, wo der König sich mit seinen Königinnen aufhält. Es -wird sehr feine Wolle, wie auch Wachs und Honig aus dem Lande verführt, -verschiedener Apothecker-Waaren, rarer Felle von Löwen, Tygern und -dergleichen zu geschweigen. Ob andere Metallen als Bley ausgegraben -werden, weiß ich nicht. Für diejenigen, so im Lande gebohren, muß die -Luft sehr gesund seyn, indem es nichts ungewöhnliches, daselbst Leute zu -sehen von 100 und 120 Jahren und darüber. Man bemercket dann und wann -Erdbeben und viel Gewitter, sonderlich im Sommer. Ausser freßigen wilden -Thieren, als Löwen, Tygern und dergleichen, welche oft Menschen -angreiffen, haben die Einwohner viele Plage von unterschiedenen Arten -giftiger Schlangen, doch am meisten von Scorpionen, so in gewissen -Gegenden in solcher Menge gefunden werden, daß man kaum einen Stein von -der Erde aufheben kan, worunter nicht ein oder zweene liegen sollten. -Hiezu kommen auch die verdrießliche Mücken und Fliegen, welche die -Schlafenden sehr verunruhigen. - -Das Land wird von Türcken und Mohren, welche letztere beydes weiß und -schwartz fallen, bewohnt: Ihre Sprache ist von der Türckischen -unterschieden, und nennen sie solche Arabisch, aber beede Nationen, so -unter der Herrschafft vorgemeldten _Beys_ gehören, werden mit einem -Nahmen _Schirck_ genannt, welcher so viel sagen will, als das Volck, so -gegen Süden wohnet. In der Religion, sind die Mohren nicht viel von den -Türcken, ausgenommen etwas in den Ceremonien, unterschieden. Ich muß -auch den Türcken überhaupt den Ruhm geben, daß sie aufrichtiger als die -Mohren, also daß, was den Umgang betrifft, unter den Türcken insgemein -eben so viele Ehrlichkeit, als unter uns Christen, angetroffen werde. In -ihrer falschen Religion sind sie eifrig, und soll kaum jemand gefunden -werden, der vorsetzlich wider die Dinge handeln sollte, welche sie für -die Pflicht eines Mahometaners halten. Sobald der Tag grauet, wird von -einem Thurm oder anderem erhabenen Orte, von dem der hierzu bestellet, -wann er einen Finger in jedes Ohr gestecket, geruffen: _Eschet velej -elej lala. Eschet enne Mahammet arasu lala ella velun Zelleth, ala hoat -warth, ala hoat warth._ Hierauf steht jedermann auf, und nachdem sie die -Hände bis an die Ellenbogen und die Füsse bis an die Enckel gewaschen, -den Mund und die Nase gereiniget, und zugleich mit der verkehrten Hand -das Angesicht und hinter den Ohren gestrichen, wird ihr gewöhnliches -Gebet, so 5 mal des Tages, und zum ersten mal vor Aufgang der Sonne -verrichtet wird, gehalten. Die Worte lauten in der Arabischen Sprache -also: _Al ham dilola Robbi laïro min rachmana rachim mänik jumidin, -jäken abeddo, jäken estohiim tokino soratin lädino en en dalohiim al ham -dilolah robbi läiro mìn._ Sie stehn in den Gedancken, daß nicht leicht -ein Türcke verdammt werde. Von Christo, den sie _Eisa_ und die Jungfer -Maria, so sie _Lella Maria_ nennen, reden sie mit Ehrerbietigkeit, von -dem Teufel aber, als von einem solchen, der böses thut. Ihre -Beschneidung wird zuerst in dem vierten, fünften, ja sechsten Jahr -vorgenommen. Schweinefleisch essen sie nicht, auch trinckt kein -Mahometaner Wein oder anderes starckes Geträncke, sondern an deren -Stelle entweder Wasser oder _Schorbet_, welches ein Wasser, das mit -Rosinen gekocht ist, und auf unterschiedliche Art kan zubereitet werden. -Ihre Fast-Tage, _Ramadam_ genannt, werden jedes Jahr einen gantzen Monat -gehalten, da man des Tages über nichts genießt, hingegen des Nachts ißt -und trincket. In den letzten Jahren kunte mein Patron nicht vertragen zu -fasten, sondern aß heimlich ein wenig. Ihre Todten werden in Leinewand -gewickelt und also in die Erde gelegt. Die Mohren stimmen gemeiniglich -ein Klage-Lied über ihre Todten an, da beedes Männer und Weiber sich mit -ihren Nägeln auf das Kinn und vor der Stirne ritzen. Wann sie sich -verheyrathen, bekommt der Bräutigam seine Braut nicht vorher zu sehen, -sondern wann er mit seinen Gästen am Hochzeit-Tage gegessen und -getruncken, wobey zuweilen auf einer Cither gespielet wird, wird er in -das Frauenzimmer Gemach geführet, woselbst die Braut zugleich mit andern -Weibern, so alle das Angesicht verhüllet, befindlich, ihm aber wird ein -Zeichen gegeben, woran er die Braut erkennen kan. Zu ihr geht er dann -hin und nimmt das Geld, so er zur Morgen-Gabe geben will und kan, in -einem Schnupftuch, giebt ihr damit einen Streich, und geht hierauf in -die Schlaf-Kammer. Sie folget nach, er fragt sie hierauf zweyenmal um -ihren Nahmen? aber sie antwortet nicht, bis er zum drittenmal fragt; -hierauf wirfft er das Schnupftuch mit dem Gelde auf die Tiele, und -breitet einen kleinen Teppich auf den Boden, tritt darauf und verrichtet -sein Gebet. Die Braut leget inzwischen die Kleider ab und geht zu Bette, -und er folget nach. Die meisten Weiber sind sehr jung, wann sie sich -verheyrathen. Im Essen und Trincken leben die Türcken, wie ich erfahren -habe, sparsam; es werden nicht viele Gerichte aufgetragen, vielerley -Arten Früchte aber bey der Mahlzeit aufgesetzet. Sie speisen des Morgens -zuerst eine Art Gebackenes, hierauf trinckt man Caffe, (der Thee wird -nicht geachtet) um 10 Uhr speißt man zu Mittage, hierauf ruhet man -einige Stunden, und speißt wiederum des Nachmittags ohngefehr gegen 4 -Uhr. - -Was nun insbesondere meine Schicksale angehet, so habe ich erstlich -drittehalb Jahr bey diesem meinem Patron als Laquai gedienet, und wie -ich in dieser Zeit _Lingua Franca_, wie auch die Türckische und -Arabische Sprache erlernte, und nach und nach in denen Dingen, so -vorfielen, geübet wurde, so erweckte mir GOtt Gnade bey meinem Patron, -also daß er jederzeit große Gewogenheit gegen mich hegte. Er vertrauete -mir das Amt an, welches von großer Wichtigkeit und _Gassenadahl_ oder -_Gasnadi_ benannt wird, nach der Redens-Art aber unseres Landes -_Ober-Caßirer_ heißt. Ich bekleidete dieses Amt erstlich in 4 Jahren, -und mein jährlicher Gehalt war 1700 Stück von Achten, ausser was mir an -Lande, Cameelen, Schafen, und dergleichen gehörete. Zween Schreibern, so -stets bey mir waren, gab mein Patron die Besoldung, zwantzig Bedienten -aber und bisweilen darüber, reichte ich selbsten den Lohn. Dreymal im -Jahr hatte ich eine reichlich mit Gold und Silber gestickte Montur. -Ausser dieser meiner Bestallung, wurde mir annoch ein Commando von 500 -Pferden anvertrauet, dann ich hatte annoch als Caßirer, bey -unterschiedenen Gelegenheiten, gegebener Ordre nach, eine Art Bravoure, -so meinem Patron gefallen, bewiesen, obschon meine Tapferkeit im Grunde -eher eine Verwegenheit, als ein ordentlicher Muth und Hertzhaftigkeit zu -nennen; dann ich war in meinem Sinn nicht vergnügt, und eben darum war -es mir einerley, ob ich lebte oder todt wäre. Obgleich ich ein bey der -Nation angesehener Mann war, und viele mir mein Glück mißgönneten; so -sahe ich doch die Sache selbst besser ein, daß ich diesem allen -ohnerachtet ein Sclave geworden, und daß ein kleines Versehen, bey einem -barbarischen Herrn, der Macht hatte zu thun, was ihm selbst gelüstete, -leicht verursachen konnte, daß ich eben so tief erniedriget würde, als -ich war erhöhet worden, ja jeden Tag mein Leben in meinen Händen tragen -müste. Diese bemeldte 500 Mann zu Pferde, waren stets um mich und -konnten als meines Patrons Leib-Garde angesehen werden. Es trug sich zu, -daß sich ein Krieg entspann, zwischen meinem Patron und einem andern, -mit Nahmen _Boâssâse_ von _Thefés_, welcher als ein kleiner Fürst konnte -angesehen werden, und das Haupt einer vornehmen Familie war. Diesem -_Boâssâse_ kam im Sinn, daß er sich eines gewissen Stückes Landes, so -meinem Patron gehörte, bemächtigen wollte. Ich gehe hier die -verschiedentlich vorgefallene kleine Scharmützel mit Stillschweigen -vorbey, indem täglich, so lange zwo Partheyen wider einander zu Felde -lagen, gefochten wurde. Hie und dort geschahen beständige Attaquen. Man -bedienete sich einer andern Kriegs-Art, als in unsern Ländern, -ordentlich zu Wercke zu gehen. Das mehreste beruhete hauptsächlich auf -einen hitzigen Angriff. Von diesen kleinen Scharmützeln waren folgende -zwey die wichtigsten: In dem ersteren waren wir glücklich, in dem andern -hingegen hatte der Feind einen Vortheil. Nachdem man auf beyden Seiten -einige tausend Cameele, Pferde, Schafe und dergleichen geplündert, wurde -ich einstens mit 500 Pferden commandiret zu recognosciren, und wie wir -bey dieser Gelegenheit bemerckten, daß der Feind sich zur Ruhe begeben, -resolvirten wir einen Einfall zu thun. Solcher glückte so wohl, daß der -Feind, indem er vermuthlich gedachte, unsere gantze Macht, so -gemeiniglich 9 bis 10000 Mann starck, wäre zur Stelle, die Flucht -ergriffe. Zwey und funfzig Köpfe führten wir mit uns zurücke, wogegen -wir nur fünf Mann verlohren. Wir fertigten einen Courier ab, meinem -Patron Nachricht von unserem Siege zu bringen. Wie wir ankamen, befahl -der König, daß jeder, so einen Kopf mit sich gebracht, hervor treten, -und solchen im Gezelte zu seinen Füßen werffen sollte. Er regalirete -alle durchgehends mit Gelde, mir aber wurden insonderheit -unterschiedliche Ehren-Bezeugungen erwiesen, indem den vornehmsten -Bedienten anbefohlen wurde, mir aufzuwarten, und von selbigem Tage an, -wurde mir das Commando über die ganze Cavallerie, welche Bedienung _Laga -di Dejra_, oder Obrister über die Cavallerie, benannt wird, anvertrauet, -welcherhalben ich aber mir vieler Haß und Mißgunst auf den Halß lude. Es -währete nicht lange, daß ich abermals sollte einen Versuch wider -dieselben Feinde thun, es geschahe auch, aber zu meinem und derer, so -bey mir waren, Nachtheil. Dann da der Feind flohe, und wir ihm -nachsetzten, musten wir zwischen einigen Klippen defiliren. Der Feind -hatte den Paß mit Fußvolck belegt, von welchem ein Theil unseres Volcks -erschossen, dem andern Theil, so sich gefangen gabe, der Paß -abgeschnitten wurde, der Ueberrest aber sich mit der Flucht salviren -muste. Ich befand mich unter den Gefangenen, mein Pferd war unter mir -erschossen, man nahm mein Leibgehänge und spannte damit meine Hände auf -dem Rücken zusammen; Fünf und viertzig von unseren Leuten, so gefangen -waren, wurden massacriret, und man hatte Anfangs im Sinn, auf gleiche -Weise mit uns zu verfahren, indem man aber hoffte, eine gute Rantzion -für uns zu bekommen, behielten ihrer funfzehn, worunter ich mich befand, -das Leben; obschon einer von meinen Dienern, so ich bey mir hatte und -sonderlich liebte, vor meinen Augen erstochen wurde. Wie wir nun in -Verwahrsam gebracht waren, kam des vorgemeldten _Boâssâses_ Gemahlin, -mit Nahmen _Elgia_, ins Gefängniß, nach türckischer Manier also -verhüllet, daß nichts an ihr bloß zu sehen, als ihre Augen und Hände, so -nach ihrer Gewohnheit, mit verschiedenen tief einbeissenden Farben bunt -gemahlet waren. Sie kam größtentheils aus Neu-Begierde ins Gefängniß -mich zu sehen, sintemalen sie vernommen, daß ich ein Christ wäre. Sie -fragte: welcher es von uns sey? und nach wiederhohlter Frage, warf ich -mich zu ihren Füßen, da ich ohnehin unter den andern kenntlich genug, -sintemalen die Augen der andern Gefangenen nicht alleine auf mich -gerichtet, sondern auch ich von den andern, an der Farbe unterschieden -war. Ihre Fragen an mich waren mancherley, unter andern: Ob man in -unserm Lande an einen GOtt glaubte, der über Himmel und Erde regiere? -Wie ich diese Frage mit Ja beantwortete, machte sie den Einwurf, daß sie -in Europa Holtz und gemahlte Bilder anbeteten. Diese irrige Meynung mag -vielleicht daher gekommen seyn, daß sie solches entweder von den -Catholicken gehört oder gesehen. Ferner: Ob wir Pferde, Cameele, Milch, -Oel, Brod und dergleichen hätten? Endlich ging sie weg, ich rieff ihr in -einem beweglichen Ton und mit heller Stimme nach, für mich bey ihrem -Herrn eine Fürbitte einzulegen, worauf sie antwortete, ich sollte nicht -so ruffen; Welche Worte ich also aufnahm, als ob sie zornig geworden -wäre, in wenigen Stunden aber kam der Schmidt, und machte mich loß. Ich -hatte hierauf die Gnade, vor dem _Schey_, welcher so viel als ein Printz -bedeutet, geführet zu werden, und mir wurde zu meiner Erquickung viel -gutes erwiesen. Dieser _Schey_ war ein Enckel des alten _Boâssâse_, bey -welchem ich also in Gnade zu kommen, das Glück hatte, daß mir nicht -alleine viele Gutthaten bewiesen und unterschiedliche Dinge zu meiner -Erquickung präsentiret wurden, sondern auch, daß er seinen Aelter-Vater -ersuchte, daß er mich mit auf die Jagd nehmen mögte. Wie man an einem -Tage, einige Stunden nach Mittage, die Pferde ein wenig bey seite -geführet, belustigte sich dieser _Schey_ mit denen Herren, so bey ihm -waren, nach dem Ziel zu schießen. Wie ich inzwischen in tieffen -Gedancken über mein Schicksal stunde, und von ohngefehr meine Augen auf -die Pferde gewandt, vermeynte der junge Herr ich besähe die Pferde, und -fragte mich daher, ob diese Pferde wohl so gut wären, als diejenigen, so -ich zu _Constantine_ hinterlassen? Ich unterstunde mich nicht diese -Frage zu beantworten, bis ich mir die Gnade ausgebeten, die Wahrheit -sagen zu mögen; denn ich hätte allezeit gehört, sagte ich, es gezieme -sich nicht etwas anders vor großen Herren, als die Wahrheit zu reden. -Ich berichtete anbey, daß die Pferde, so ich zu _Constantine_ oder im -Lande meines Herrn gesehen, mir wohl so rasch und schöne vorkämen. Er -befahl, daß ich auf einem von diesen reiten sollte; wie ich es aber -nicht sonderlich rühmte, ließ er mich sein eigen Reit-Pferd probiren. -Ich flanquirte hiemit in etwas herum, und wie ich an diesem Pferde eine -besondere Munterkeit verspürte, kam mir gleich im Sinn, daß mir hier -eine treffliche, obschon gefährliche Gelegenheit gegeben würde, zu -entfliehen. Mein Hertz schlug in meinem Leibe. O! gedachte ich, dürfte -ich nur! Ich faßte kurtze Resolution, folgte meinem Triebe, gab dem -Pferde die volle Sporen und entrann. Ich war schon ein kleines Stück -Weges fort, ehe man meinen Anschlag gewiß wissen kunnte, sie schrien -hinter mir her, und alsobald setzten 20 bis 30 Mann zu Pferde mir nach, -es geschahen auch einige Schüsse, so, daß etliche Kugeln zu meiner Seite -im Sande staubeten. Vor Verlauff drey Stunden aber, war ich ihnen schon -zu weit aus dem Gesichte gekommen. Des Nachts ritte ich, des Tages aber -bekam das Pferd etwas in den Wäldern zu fressen. Meine Speise in dieser -Zeit, waren einige Früchte und eine Art Salat, so im Lande wächset. Ich -brachte auf diesem Wege in allen zwo Nächte und etwas über einen Tag zu, -da ich zu meines Patrons größtem Vergnügen mich wiederum im Lager -einfand. Nach einer und der andern Dispute, wurde endlich zwischen -meinem Patron und dem ermeldten _Boâssâse_ von _Thefes_ Friede -geschlossen. Dieser Friede wurde meines Erachtens um so vielmehr für -rathsam angesehen, als mein Patron an dem Bey, der zu _Tunis_ -residirete, einige Bewegungen wahrgenommen. Es kam auch endlich zu einem -Kriege zwischen ihnen, wobey zwischen _Boâssâse_ und meinem Patron eine -genaue Alliance geschlossen wurde. Das Glück war im Anfang fast auf -beyden Seiten gleich, am Ende aber bekamen wir Gelegenheit, uns mit -unserer Armee in des Feindes Lande aufzuhalten. Ein halb Jahr hatten wir -gegen einander in Gewehr gestanden, da es uns endlich an Proviant -gebrach; dann die Cameelen, so uns Oel und Brod zuführten, wurden von -einem, so meines Patrons Freund nicht war und _Murath_ hieß, und an den -Gräntzen des _Tunesischen_ Landes wohnte, geraubet. Dieser Mangel -nöthigte uns eine kurtze Resolution zu fassen, und den Feind -anzugreiffen, es glücke wie es wolle. Aber, wie die Macht des Feindes -stärcker als unsere, obschon wir niemals zu meiner Zeit, eine so -zahlreiche Armee gehabt, welche dießmal zum wenigsten 40000 Mann starck -war; so war es nöthig, gute Vorsicht zu gebrauchen und die Umstände von -der Postirung des Feindes einigermassen zu wissen. Mein Patron und -_Boâssâse_ beschlossen, einen abzusenden, diese Dinge nach Möglichkeit -zu erforschen. Wie man aber hierüber Rath pflegte, wer hiezu am besten -könne gebraucht werden, fiel des _Boâssâse_ Wahl auf mich. Er sagte, der -Christ, der _Gassenadahl_ ist gut genug hiezu: er wußte auf welche Art -ich mich zuvor von seinem Enckel fortgeschlichen, und wollte mir, wann -er konnte, am liebsten wiederum einen Possen spielen. Mein Patron, so -mich liebete und darum ungern mir eine so mißliche Verrichtung auflegen -wollte, fragte mich, ob ich Lust hiezu hätte? Ich antwortete: Hier ist -nicht die Frage, ob ich Lust habe? sondern was _Afendi_ (das ist mein -gnädiger Herr) befiehlet. Kurtz, ich bekam seine Ordre, mit dem Zusatz, -daß, wann es glücklich ginge, ich, wann ich wollte, mit Ehren meinen -Abschied nach meinem Vaterlande haben solle. Ich näherte mich des Nachts -zu Fuße dem Lager, das nahe bey uns stunde, aber ehe ich dahin kam, -begegneten mir einige Reuter. Ich wuste in dieser Eilfertigkeit nicht -was ich thun sollte, doch fiel mir ein, meinen Säbel und meine Pistolen -von mir zu werffen, und mich für einen Deserteur auszugeben, der -zugleich etwas wichtiges mit dem König von _Tunis_ zu reden hätte, wann -ich die Gnade genießen könnte vor ihm geführet zu werden. Wie diese an -meinen Kleidern abnahmen, daß ich einer von den vornehmsten Officirern -seyn müsse, freueten sie sich hierüber und kamen meinem Begehren nach. -Der _Tunesische Bey_ kannte mich alsobald und fragte mich: warum ich als -_Gassenadahl_ und _Laga di Dejra_, der bey seinem Herrn in solchem -Ansehen stünde, zu ihm käme? Ich küßte seine Hand, und bat mir -unterthänigst seine Beschirmung aus, wo nicht, wäre es eben so viel, ob -ich sollte mein Leben in seinen oder meines vorigen Patrons Händen -lassen, der, wie ich vorgab, mich tödten wollte, weilen an einem und -andern Mangel im Lager, welches mir zur Last gelegt würde, gleich als -wenn solcher sich durch mein Versäumniß eingefunden, obschon es -offenbar, daß _Murath_ sich unsers Proviants bemächtiget. Mein Leben -wäre mir lieb, wollte er es schonen, so versicherte ich, ihm treulich zu -dienen, wann er mich hiezu wollte für tüchtig ansehen. Der _Tunische -Bey_ zeigte sich sehr vergnügt über meine Ankunfft, und forschte genau, -ob es sich so verhielte, daß in unserem Lager Mangel an Proviant und -Munition wäre, wie er von einigen Deserteurs erfahren? Ich sagte ja, -doch verhielte sich letzteres nicht also, dann an Kraut und Loth fehlete -es nicht. Ich wurde weiter gefragt: Ob ich gesonnen wider meinen vorigen -Patron zu fechten? Ich antwortete: wann ich ein Pferd mit behöriger -Rüstung bekäme, wollte ich mich hiezu willig finden lassen, und dieses -um so viel ernstlicher, weil ich, als ein Ueberläuffer, niemalen bey ihm -Pardon zu gewarten. Es geschahe, und ich kan nicht läugnen, daß, wie ich -von diesem Herrn so wohl ausgerüstet und aufgenommen wurde, wider meinen -ersten Entschluß, der Vorsatz bey mir aufstiege, bey ihm zu bleiben, -vornemlich da es zu vermuthen stunde, daß die _Tunische_ Armee das Feld -behalten, und die _Constantinische_ genöthiget werden würde, entweder -mit dem fördersamsten eine desperate Attaque zu thun, oder auch, wegen -des ermeldten Mangels, sich über Hals und Kopf zu retiriren. Ich fand -bey diesem _Tunischen Bey_ guten Glauben; mir wurde erlaubt, bey der -Armee herum zu fahren und die Artillerie zu besehen, wobey ich zugleich -von dem Zustande unserer Armee und denen Anstalten genau befraget wurde. -Zu meinem Verdruß kamen am dritten Tage einige Ueberläuffer an, die -gantz wohl wußten, daß ich mitnichten bey meinem Patron in Ungnade sey, -sondern urtheilten, daß ich ausgesandt wäre, die Anstalten des Feindes -auszuforschen. Es hatte ein Renegate gehört, daß dieses Gerüchte vor dem -_Tunischen Bey_ gekommen, und fragte mich also um die Beschaffenheit der -Sache? Ich that böse und wollte wissen, wer so von mir gesprochen? Er -antwortete, einige von euren eigenen Ueberläuffern. Inzwischen merckte -ich schon was die Glocke geschlagen, und speculirte demnach, wie ich -davon kommen mögte, und machte also Mine, als wann ich einen Gang mit -dem Feinde wagen wollte. Dann dieses ist ihre Weise, bald mit 100, bald -mit 200 Pferden und darüber, einen Einfall auf einander zu thun. Ich -bekam 100 Mann mit mir und setzte mit ihnen an; wie ich aber den -Meinigen so nahe kam, als mir gut dauchte, gab ich ein Zeichen, daß ich -zu ihnen übergehen wollte, welche mich dann auch mit Freuden empfingen, -und zu meines Patrons grosser Verwunderung, in mein voriges Lager -escortirten. Nun war ich im Stande, von allen Dingen genaue Nachricht zu -geben, und rieth, noch in derselbigen Nacht den Feind anzugreiffen, und -auf der Ecke einzufallen, wo er es unmöglich, nemlich von hinten an ihn -zu kommen, vermuthen konnte. Die _Constantinische_ waren wohl so gute -Soldaten als die _Tunische_, hiezu kam die Noth, so uns zwang auf der -einen Seite, und noch mehr die Hoffnung zur Beute und überflüßigen -Proviant auf der andern Seite. Mein Patron hatte gewisse Belohnungen auf -gewisse Dinge gesetzet, welche man sich von dem Feinde bemächtigen -würde, zum Exempel auf ein Stück 1000 Thaler und so weiter. Es kam, -kurtz zu erzählen, zu einer Haupt-Bataille, die so wohl für uns ausfiel, -daß unser Volck nach Verlauff einiger Stunden den Feind verjagte und das -feindliche Lager erbeutete. In diesem Treffen aber kam mein Patron von -seinem Pferde, und wie ich mich mehrentheils nahe bey ihm aufhielte, -offerirte ich ihm mein Pferd, und stand in den Gedancken, wann er -erstlich im Sattel, hinten aufspringen zu wollen; wir kamen aber in -solches Gedränge, daß es mir nicht möglich war, doch hielt ich annoch -beym Schwantze, in der Hoffnung, mich hindurch zu dringen; indem ich -aber corpulent und schwer zu Fuße war, mußte ich loßlassen, und war kein -anderer Rath für mich, als mich auf die Erde unter die Erschlagenen zu -werffen. Die eine Hand ließ ich ausgestreckt liegen, die andere lag -unter meinen beyden Messern, so die Türcken auf der Brust tragen. Wie -ich nun einige Zeit in solcher Positur gelegen, hörte ich, daß einer zu -dem andern sagte: Hier finde ich einen in proprer Montur, die muß ich -gewiß haben. Er stieg vom Pferde, und fing an mich aufzuheben, und -umzuwerffen; aber in selbigem Augenblick griff ich ihn mit der einen -Hand an, und gab ihm mit der andern einen Messerstich in die Brust, -also, daß er und ich nicht weniger ein starckes Geschrey machte, dann -ich war so beklemmt ums Hertz, daß, wann ich nicht, meiner Meynung nach, -zum Schreyen gekommen, ich Todes verfahren müssen. Des Getödteten Pferd -diente mir also vom Wahl-Platze zu kommen, worauf ich abermal meinen -alten Patron vorfand. - -Diese Avanturen waren die vornehmsten von denen, so im Kriege vorfielen; -was die übrige kleine Debatten betrifft, so ist es viel zu weitläufftig, -solche anzuführen. Dann viele habe ich auf Ordre massacriret und viele -ohne Ordre, indem mir in den letzten Jahren alles anvertrauet wurde, und -ich vollkommene Macht über Leben und Tod hatte. Mein Patron wurde alt, -und sahe am liebsten, daß die Sachen durch mich abgethan würden. -Oefters, wann er sich des Mittags zur Ruhe legte, war schon eine oder -andere Execution an den Straffälligen vollbracht, ehe er erwachte. Unter -denen, so ich auf Befehl getödtet, liegen mir zweene Mauermeister am -meisten im Sinn. Zu zweyenmalen fiel nemlich meinem Patron zu meiner -Zeit ein, einen ansehnlichen Theil Ducaten in einen Thurm einzumauren. -Wie der Mauermeister für seine Mühe war bezahlet worden, hatte ich den -Befehl, ihm, wann er vor mir die Treppe nieder gienge, den Hals zu -brechen, welches ich thun mußte, wo ich nicht meinen eigenen zu setzen -wollte. Hiezu hatte mein Patron zwo Ursachen; die eine, daß die Stelle, -wo das Geld lag, verborgen bliebe, die andere, weilen die Türcken in dem -Aberglauben stehen, daß die Seele, dessen, so ermordet worden, gleichsam -über den Schatz schwebe oder wache, daß Niemand solchen als der -Eigenthümer bekommen könne. So kan der Satan sich des Hertzens eines -Menschen bemächtigen, wenn er erst von einem oder andern Haupt-Laster -eingenommen worden. Itzo will ich auch etwas von andern -Merckwürdigkeiten melden. - -Es trug sich während der Zeit, da ich ausserhalb dem Vaterlande war, zu, -daß ich das Vergnügen hatte, 5 Europäer zu sehen, so vom Könige -_Augusto_ in Polen ausgesandt waren, sich nach der Beschaffenheit des -_Africanischen Landes_ zu erkundigen. Der Vornehmste unter ihnen war -_Doctor Johann Hebenstreit_; auch befand sich in der Gesellschafft ein -Gärtner, von der Insul _Alsen_ gebürtig, der mir der Landsmannschafft -wegen, desto angenehmer war; der sechste war, so viel ich weiß, auf der -Reise gestorben. Mein Patron erzeigte sich sehr höflich gegen sie, und -befahl, ich sollte Anstalt machen, daß nichts an ihrer Verpflegung -gebrechen mögte. Es war mir eine Freude, dem Doctor einige silberne und -güldene Münzen, die, so viel ich weiß, römische waren, zu verehren, -obschon solche im Lande meines Patrons gefunden worden. Er bekam auch -unterschiedliche Felle von Löwen, Tygern und dergleichen. Dem Gärtner -war ich behülflich unterschiedliche Gewächse, Wurzeln und Blumen zu -sammeln. Letztern verwahrte er in einem eigenen Buche zwischen grau -Papier. Der Doctor war einige Meilen fortgereiset, ein altes verfallenes -Gebäude, deren unterschiedliche im Lande gefunden werden, und woran -annoch zu erkennen, daß sie zu ihren Zeiten kostbar gewesen, zu besehen. -Bey diesem Gebäude wurden einige Steine gefunden, worinnen in alten -Zeiten lateinische Buchstaben gehauen. Wie mein Patron durch mich fragen -ließ, was rares der Doctor dorten vorgefunden, wurde ihm zur Antwort -ertheilet, daß der Doctor sich bey diesen Inscriptionen so vergnügt -bezeiget, als wann er einige 100 Ducaten gefunden. Hierüber lachte er -hertzlich sagte: _O! was sind die Christen für große Narren._ Ich weiß -gewiß, der gute Doctor würde mir gerne meine Dienste bezahlet haben, -aber ich gebrauchte kein Geld, verlangte aber doch ein teutsches -geistreiches Buch zu sehen, dann meine Eltern hatten die Vorsorge für -mich gehabt, mich, ehe ich auf die See kam, im Lesen und Schreiben -unterrichten zu lassen. Meines Wunsches wurde ich gewähret: dann sobald -der Doctor _Hebenstreit_ in Sachsen angekommen, sandte er _Speners -Reise-Postill_, worinnen er forne seinen Nahmen mit dem Wunsche meiner -Befreyung geschrieben, über _Livorno_ und _Algier_ nach _Constantine_. -Selbiges Buch habe ich annoch in meiner Verwahrung, und zu seinem -Gedächtniß mit mir nach _Amrom_ gebracht. Er hatte auch ein Buch bey -sich, worinnen verschiedene Freunde und Gönner ihren Nahmen geschrieben, -dieses präsentirte er mir in der Absicht, in selbiges meinen Nahmen und -Geburths-Ort einzuzeichnen. - -Acht Jahr war ich in _Africa_ gewesen, wie mein Patron beschloß, eine -Caravane nach _Mecca_ in _Arabien_ anzustellen, welchen Ort die Türcken -heilig halten, weilen ihr Prophet _Mahomet_ daselbst gebohren. Diese -Caravane oder Reise-Gesellschaft bestand ohngefehr aus 6000 Mann, von -welchen 4000 auf eigene, aber 2000 auf Kosten meines Herrn reiseten. Das -Beschwerlichste bey dieser Reise war, daß es an vielen Stellen an -Wasser, welches auf Cameelen in großen ledernen Schläuchen mit uns mußte -geführet werden, gebrechen wollte. Wir kamen unterwegens, auf dieser -Seite von _Mecca_, zu der Stelle, wo _Hagar_ vormals mit ihrem Sohn -wegen Wasser-Mangels in Noth gewesen. Der Brunnen, so heilig gehalten -und daselbst vorgezeiget wird, heisset auf ihrer Sprache _Il me Sim -Sim_. Es gingen 13 Monathe vorüber, ehe wir diese Reise vollendeten. -Mein Patron wurde, der, bey dieser Reise bewiesenen Andacht halber, mit -dem Zunahmen _Hatje_ das ist: der _Heilige_, beehret. Einige Zeit -hernach, wurde eine Verbindung gestiftet, zwischen einer von meines -Patrons Verwandtinnen und dem Könige zu _Marocco_. Ich wurde mit einigen -andern erkohren, diese Prinzeßin dorthin zu führen, hatte aber eben so -wenig die Ehre ihr Angesicht zu sehen, als der Gemahlinnen meines -Patrons, obschon ich so viele Jahre in seinen Diensten gewesen. Sie -wurde von einem Cameel getragen, worauf ein Verdeck, wie eine -Portechaise, gebauet, und selbst war sie am gantzen Angesicht verhüllet. -Der König zu _Marocco_, bey dem ich meine Aufwartung machte, war zur -selbigen Zeit _Sidim Mahomet_, _Mula Debbi_, wovon die beeden letzte -Worte zu seinem Titul gehören, und so viel, als ein _Herr über das -Gold_, sagen wollen. - -Einige von den merckwürdigsten Dingen im Lande, worinnen ich gefangen -war, sind meines Erachtens folgende: Es wird zwischen _Algier_ und -_Constantine_ ein Stein von ziemlicher Größe gefunden, so von aussen und -innen grüner Farbe. Wann etwas von diesem Stein pulverisiret und -eingenommen wird, sagt man, daß er das Fieber curire, und wird solcher -auf ihre Sprache: _Hedjar Sidna se Eisa_, _des Herrn Christi Stein_ -genannt, dann man hat eine Tradition, daß der Herr Christus auf dieser -Stelle mit seinen Jüngern geruhet habe. - -In einem großen Land-Dorffe _Omgaus_ genannt, sollen einige begraben -liegen, welche sie die Sieben-Schläfer nennen. Wann etwas gestohlen ist, -wird der Verdächtige dorthin über diese Gräber geführet, da er schweren -muß, daß, wann er schuldig, er nicht davon gehen möge, ohne am Kopff, -Arm, Bein oder anderem Gliede Schaden zu nehmen, wie es denn niemals -(wie die Türcken sagen) fehl schlagen soll, daß der Schuldige nicht -Schaden nehme. - -Noch wunderbarer verhält es sich mit einigen Leuten, so sich hin und -wieder im Lande aufhalten, und für die Geistliche der Türcken können -angesehen werden und _Maroboth_ heissen. Durch diese werden, dessen ich -selbst Zeuge bin, wunderliche Dinge ausgerichtet, ob es durch des -Teuffels Kunst geschehe, weiß ich nicht. Ich selbst habe gesehen, daß -sie durch ihr blosses Hauchen Feuer angemacht, zum Exempel, durch -Anhauchen, eine Pfeiffe Taback angestecket. Auch war ich gegenwärtig, -wie folgende Historie sich zutrug: Die eine von meines Patrons -Gemahlinnen, bekam eine Geschwulst über dem Magen, als von einer -Wassersucht. Es wurde ein _Maraboth_ gehohlet und um Rath gefraget. -Dieser ließ eine von ihren Cammer-Mädgen hohlen, und wie er ein -kupffernes Geschirr auf glüende Kohlen gesetzet und einen Theil Weyrauch -darauf geworffen, nahm er die Hand des Cammer-Mädgens und befahl, daß -sie, nachdem er in der Hand einen Kreiß von Baumwolle gemacht, und -mitten drinnen etwas Oel gegossen, solche über den Rauch halten sollte. -Hierauf fing der _Maroboth_ an, vieles und mit großer Heftigkeit -herzuplaudern, worbey es mir vorkam, daß viele fremde Wörter aus -allerhand Sprachen zusammen gemischet waren. Gewiß genug war es, daß ich -nichts von allem dem verstehen kunte, was er mit erhabner Stimme -vorbrachte. Er fragte inzwischen: Ob sie etwas in ihrer Hand sähe? Sie -antwortete: Nein. Hierauf fing er aufs neue mit eben der Heftigkeit an, -da sie zuletzt rieff: Ich sehe viele Leute. Er fragte: Was für Leute? -Sie antwortete: Vornehme Leute, welche _Divan_ halten wollen? Er sagte: -Frage Sie: Was der Frauen fehle? Sie: Sie sagen, daß sie auf einer bösen -Stelle gewesen, wovon sie Schaden genommen. Er: Frage, welchen Rath man -zu gebrauchen habe? Sie: Sie sagen, man solle die und die Kräuter nehmen -und solche kochen, hievon solle sie trincken und mit diesen Dingen solle -sie sich baden. Es geschahe, die Frau wurde gesund, das Cammer-Mädgen -aber fiel in Ohnmacht, wurde als todt weggetragen und kam in den ersten -24 Stunden nicht wieder zu sich selber. Einige Zeit hernach fragte ich -sie: Ob sie nicht etwas gehört und gesehen? Sie antwortete, daß sie von -keinem Dinge zu sagen wüßte, ausser daß sie in meines Patrons, eines -_Maraboths_ und meiner Gegenwart, ihre Hand hätte in einem Rauch -gehalten, den der _Maraboth_ angemacht. Viele andere Dinge geschehen -durch diese Leute, als zum Exempel, daß sie können den Arm in den Leib -eines Pferdes jagen, also, daß er mit Blut gefärbet ist, wann sie solche -wiederum herausziehen, hierauf sprechen sie einige Worte, lassen dem -Pferde gleich darauf zu essen und zu trincken geben, worauf man an -selbigem nicht das allergeringste wahrnehmen kan. Sie wissen dem -gestohlnen nachzureisen, und was solcher Dinge mehr seyn können. Einige -von diesen Leuten gehen in schönen grünen Kleidern, welches, wie sie -sagen, Christo zu Ehren geschehen soll, weilen sie vermeinen, diese -Farbe gefalle ihm, vorermeldten grünen Steins wegen. Einige hingegen -gehen in gantz geringen Kleidern einher. Es wird auch in Lande ein Thier -gefunden _Dyx_ genannt, das sich mehrentheils von wildem Honig ernähret, -und einige Aehnlichkeit mit einem Schweine hat. Von selbigem -wunderlichen Thiere haben die Türcken die Meinung, daß es zuvor ein -_Maraboth_ gewesen, oder daß die Seele eines _Maraboths_ in selbiges -gefahren. Die Ursache ihrer Präsumtion ist diese, weilen das Thier, wann -man ihme einen Brief oder ein Blat aus einem Buche giebt, das Papier in -den fördersten Füßen nimmt und vor sich hält, hierauf beginnet -vielfältig zu plaudern, gleich als wenn es lesen könnte, und wann man -das Papier von ihm nehmen will, zornig wird und es in Stücken reißet. - -Ich komme aber wiederum zu meiner eignen Historie, insonderheit zu -meiner Loßgebung, so nicht lange nach dem letzten Kriege mit _Tunis_, -erfolgte. Mein Patron hatte mir hierüber seine Zusage gegeben, und einer -von den Bedienten des _Bey_ zu _Algier_ legte Fürbitte für mich ein. - -Selbiger war dessen _Gassenadahl_ und darneben sein Schwester-Sohn, mit -Nahmen _Ali Goje_, der nach meiner Abreise _Bey_ oder _König_ zu -_Algier_ soll geworden seyn. Er stellete meine treue Dienste, und -verschiedener Expeditionen glücklichen Ausgang vor. Es war auch die -höchste Zeit, wie meine Dimißion mir zugestanden wurde, dann mein Patron -hatte schon das 95 Jahr erreichet, als, daß ich jeden Tag mußte eine -Veränderung vermuthen, bey welcher es schlecht für mich würde ausgesehen -haben, vornehmlich da diejenigen, so am meisten in Gnade gestanden, von -dem folgenden Regenten am meisten, des Geldes wegen, pflegen geplagt zu -werden, und wann dessen Begierde unersättlich, werden oft diejenigen zu -Tode gepeiniget und geplaget, von welchen sie suchen größere Capitalien, -als das Land zu wege bringen kann, zu erpressen: wie dann gleicher -Gestalt die Geld-Begierde fast meines Patrons Haupt-Laster war, obschon -ich ihn eben nicht des Geitzes beschuldigen kann. Ich hatte zwar wohl im -Sinn, wann sich ein Todes-Fall sollte ereignet haben, zu einem meiner -gnädigen Frauen Brüder zu fliehen, dem ich angelobet, so es mir irgend -möglich seine Schwester zuzuführen. Ich hatte auch ihm 1000 Ducaten zur -Verwahrung anvertrauet, indem ich aber nicht so lange wartete, verdroß -es mich nicht, sie im Stiche zu laßen. Des Abends zuvor, ehe ich von -_Constantine_ zog, hatte ich annoch mit meinem Patron verschiedene -Discurse, und wie man zur selbigen Zeit in einem Gezelt, nicht weit von -meines Herrn Gezelt, einen Lerm hörte, fragte er: Was zu thun sey? Ich -antwortete: es wären die Mohren, welche einen verstorbenen Amtmann ihrer -Nation, beklagten. Ja, sagte er, er ist ietzo wohl daran, aber du, wo -gedenckest du hin? Siehe! Du reisest ietzo von hier, du gehest weg und -stirbest heute oder morgen, ich nehme keinen Theil an deinem Verderben, -es sey auf deinen Schultern, denn ich habe dir zu deinem Besten -gerathen, deine Verantwortung wird darum größer seyn, weilen du, weit -vor deinen Mitchristen Gelegenheit gehabt hast, ein Muselmann zu werden. -Den Tag hernach, ging ich, wie ich reisefertig war, zu meinem Patron, -küßte ihm die Hand und sagte: _Afendi!_ Ich dancke für das Brod und den -Sold, so ich nun in 12 Jahren von Ihren Händen empfangen, ich erbitte -mir Ihren Seegen, und die Vergebung derer Dinge, worinnen ich mich -versehen haben mögte. Seine Antwort war diese: Ich dancke dir Capitain -für deine Dienste und habe ich dir etwas zuwider gethan, wollest du es -mir gleichergestalt verzeihen. Bey den letzten Worten, weinte ich und -umfaßte seine Knie, der alte Herr aber richtete mich auf, und legte, -indem man die Thränen auf seinen Wangen sehen kunte, seine Hand auf mein -Haupt, und sprach: _Fahre mit GOtt, nimm dich in acht für starckes -Geträncke, für Weibes-Volck und für die Juden zu Algier, daß sie dir -nicht dein Geld ablauren._ Hierauf ertheilte er mir einen Paß auf -Pergament, so ich zu _Algier_ könnte vorzeigen. Wie ich daselbst ankam, -fragte mich der dorten gegenwärtige _Bey_: Wie lange ich zu -_Constantine_ gewesen? Ich antwortete 12 Jahr. Wohl sagte er, ietzo -kanst du mir wohl eben so lange dienen; wie ich hierauf antwortete: daß -ich es für eine Gnade achten würde, einen so vornehmen Herrn -aufzuwarten, sagte er; du meynest es nicht und setzte ein kleines -Scheldwort hinzu, gab mir aber doch so viel an Golde als 7 Reichsthl. -und theilte mir ohne Bezahlung einen Passeport mit, so sonsten über 70 -Rthlr. gekostet haben würde, sagend: Deines Herrn und deiner treuen -Dienste wegen, verlanget man nichts. Indem er aber sich gegen einen -andern Herrn so bey ihm war, wandte, sprach er: Ist es nicht eine -Schande für uns? Wir erwerben die Christen mit unserm Blute, und hernach -lassen wir sie aus dem Lande gehen mit unsern Mitteln. Dann es war ihm -bekannt, daß mein Herr mich behalten lassen, was ich dorten besaß, -obschon ich meine Mittel weit höher hätte bringen können, wenn ich mich -nicht in solcher Eil genöthiget gesehen, sie zusammen zu sammlen, und -viele Dinge für den halben Werth verkauffen müssen. Folgende Historie -wurde mir dorten erzählet: Vier oder fünff Sclaven zu _Algier_ hätten -mit einander in der Stille überlegt, ein Boot zu verfertigen, und -hiermit in die Christenheit zu entfliehen. Einer von Ihnen hätte die -Abrede genommen, daß sie des Abends, da sie zu entfliehen gedächten, -sich sollten mit dem Boote bey einem gewissen Garten einfinden, der -seinem Patron gehörete, und parat seyn, diejenige Person einzunehmen, -die er bey einer Laterne ihnen zuführen wollte. Inzwischen wäre dem -Patron eine silberne Kumme weggekommen, und der Sclave nicht ohne -Ursache dessen beschuldiget worden; er hätte aber vermeynet hierum zu -wissen und hingegen gesagt, eine Kunst in Europa erlernet zu haben, dem -verlohrnen nachreisen oder entdecken zu können, welches, wie er vorgab -des Abends geschehen sollte. Er hätte zu dem Ende den Patron mit sich -bey einer Laterne an den Garten geführet, und vorgegeben, daß das -Gestohlne daselbst sollte gefunden werden. Wie er ihn hätte herum -geführet, wären sie zuletzt an die Stelle gekommen, woselbst die andern -gewesen, und hätte gesagt: hier soll es sich finden, da jene sich des -Türcken bemächtiget und ihn mit sich in die Christenheit geführet. - -Meine Reise ging über _Marseille_, _Lion_, _Paris_ und _Hamburg_. In -_Paris_ sahe ich annoch mein voriges Pferd, auf welchem ich von -_Boâssâse_ entwichen, dann es wurde von mir an den frantzösischen Consul -zu _Algier_ verkauft, von dem es auf des Königs Stall gekommen. Wie ich -zu _Hamburg_ ankam, kam mir mein Vater _Oluff Janßen_, welcher annoch im -Leben ist, und zwey Jahr zuvor zu meiner Rantzion 800 Marck weggesandt -hatte, entgegen; wie er aber auf Schreiben des Kauffmanns in _Hamburg_ -kam mich abzuholen, mußte er zu seinem großen Leidwesen vernehmen, daß -man gefehlet hätte, wo nicht in dem Nahmen, doch in der Person, indem -ein Soldat aus Bremen für diese Geld-Summe loßgegeben worden. Meines -Vatern Geld war weg und sein Sohn gleichwohl in der Türckey; doch wie er -kurtz hierauf Brieffe von mir, von meinem Wohlstande und der Hoffnung zu -meiner gewissen Erlösung erhalten, gab er sich einigermassen zufrieden. -Seine Hoffnung wurde erfüllet, da ich das Früh-Jahr hernach ankam und er -abermals sich zu _Hamburg_ einfand. So wenig er aber ersteren kennete, -so wenig kunte er ietzo mich erkennen. Er hatte mich nicht gesehen, seit -dem ich ein Knabe von 14 Jahren, ietzo aber wohl gewachsen, anbey -corpulent und mit zierlichen Kleidern angethan war. Ich kam also gesund -und vergnügt wiederum in meinem Vaterlande an, fast um selbige Zeit als -ich vor 13 Jahr gefangen worden, und brachte an raren Kleidern, Meublen -und baarem Gelde ziemliche Mittel mit mir, welches alles ich mit -Vorwissen meines Patrons, mit mir aus der Türckey genommen. In _Tundern_ -hatte ich die Gnade dem Hochseel. Könige Christian dem Sechsten -vorgestellet zu werden, welcher sich allergnädigst gefallen ließ, etwas -von denen Dingen anzuhören, die sich mit mir zugetragen. Kan ich dann -mich nicht selbst mit _Joseph_ in Ansehung seiner Unschuld vergleichen, -so kan es doch einigermassen in Absicht auf sein Glück geschehen, und -mein alter Vater hat etwas vom Schicksal _Jacobs_ erfahren, sowohl in -Ansehung seiner Betrübniß als Freude über mich, indem er vorher eben so -wenig glauben konnte, daß es mir so wohl ginge, als jemals gedencken, -mich wieder zu sehen. Der Gott Abrahams, Isaacs und Jacobs, der mich bis -diese Stunde unter vielen Gefährlichkeiten erhalten, gebe mir seine -Gnade, damit seine Furcht mir vor Augen sey, daß ich mit _Joseph_ für -alles das Böse, so ihm zuwider, mich hüten, und in Ruhe, Glauben und -Zuversicht zu ihm, von dem Getümmel und Unruhe dieser eitelen Welt -entfernet, den Rest meiner Tage zubringen möge. - - - - -Anmerkungen zur Transkription - -Die Schreibweise der Namen und der fremdsprachigen Textabschnitte -wurde mit einer dänischen Originalausgabe abgeglichen: - - Hark Olufs besynderlige Avanturer eller forunderlige Skiæbne i - Tyrkiet, samt hans lykkelige Hiemkomst derfra til sit Fædreneland: - Øen Amrom, i Riber-Stift. Haderslev, 1761. - -Der häufig vorkommende Name Boâssâse wurde einheitlich so geschrieben. -Die ebenfalls vorkommende Schreibweise Boässäse wurde entsprechend -korrigiert. Alle weiteren Differenzen wurden wie in der dieser -Transkription zu Grunde liegenden deutschen Fassung belassen. Im -Besonderen gilt dies für Seite 9, wo es im dänischen Original heißt: - - Al ham dilola Robbi läiro min rachmana - rachim mänik jumidin, jäken abeddo jäken - astohiim tokino soratin lädino en ne dalohiim al - ham dilolah robbi läiro min. - -Seite 14, wo die Bezeichnung Thefés im dänischen Text einfach nur -Thefes ist, sowie Seite 35, wo das dänische Original so lautet: - - Herjar Sidna se Eisa - -Weitere Fehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt, zum Teil unter -Anwendung der dänischen Originalausgabe (vorher/nachher): - - [S. 13]: - ... als ein ordentlicher Muht und ... - ... als ein ordentlicher Muth und ... - - [S. 23]: - ... man aber hierüber Raht pflegte, wer hiezu ... - ... man aber hierüber Rath pflegte, wer hiezu ... - - [S. 23]: - ... Reuter. Ist wuste in dieser Eilfertigkeit ... - ... Reuter. Ich wuste in dieser Eilfertigkeit ... - - [S. 31]: - ... Es trug sich währender Zeit, da ich ... - ... Es trug sich während der Zeit, da ich ... - - [S. 31]: - ... ich das Vergnügen hatte, S. Europäer zu ... - ... ich das Vergnügen hatte, 5 Europäer zu ... - - [S. 31]: - ... machen, daß nichtes an ihrer Verpflegung ... - ... machen, daß nichts an ihrer Verpflegung ... - - [S. 33]: - ... Nahmen und Gebuhrts-Ort einzuzeichnen. ... - ... Nahmen und Geburths-Ort einzuzeichnen. ... - - [S. 40]: - ... Selbiger war dessen Gassenadhal und ... - ... Selbiger war dessen Gassenadahl und ... - - [S. 45]: - ... hier soll es sich finden, da jene sich der ... - ... hier soll es sich finden, da jene sich des ... - - [S. 48]: - ... ginge, als jemals gedencken, euch wieder zu sehen. ... - ... ginge, als jemals gedencken, mich wieder zu sehen. ... - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Harck Olufs aus der Insul Amron im -Stifte Ripen in Jütland, gebürtig, sonderbare Avanturen, so sich mit ihm insonderheit zu Constantine und an andern Orten in Africa zugetragen., by Otto Riese and Hark Olufs - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HARCK OLUFS AUS DER INSUL *** - -***** This file should be named 52725-8.txt or 52725-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/2/7/2/52725/ - -Produced by Peter Becker, Jens Sadowski, and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Harck Olufs aus der Insul Amron im Stifte Ripen in Jütland, gebürtig, sonderbare Avanturen, so sich mit ihm insonderheit zu Constantine und an andern Orten in Africa zugetragen. - -Author: Otto Riese - Hark Olufs - -Translator: Hermann Noodt - -Release Date: August 5, 2016 [EBook #52725] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HARCK OLUFS AUS DER INSUL *** - - - - -Produced by Peter Becker, Jens Sadowski, and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This -transcription was produced from images generously made -available by Universitäts- und Landesbibliothek -Sachsen-Anhalt. - - - - - - -</pre> - - -<div class="frontmatter"> -<p class="aut"> -Harck Olufs -</p> - -<p class="aut2"> -aus der Insul Amron im Stifte Ripen<br /> -in Jütland, gebürtig, -</p> - -<h1 class="title"> -<span class="line1">sonderbare</span><br /> -<span class="line2">Avanturen,</span> -</h1> - -<p class="subt"> -<span class="line1">so sich mit ihm insonderheit zu</span><br /> -<span class="line2">Constantine und an andern Orten in</span><br /> -<span class="line3">Africa zugetragen.</span> -</p> - -<p class="trn"> -<span class="line1">Ihrer Merkwürdigkeit wegen in</span><br /> -<span class="line2">Dänischer Sprache zum Drucke befördert,</span><br /> -<span class="line3">itzo aber</span><br /> -<span class="line4">ins Deutsche übersetzet.</span> -</p> - -<p class="pub"> -<span class="line1">Flensburg,</span><br /> -<span class="line2">in Verlag <span class="gesperrt">Johann Christoph Kortens</span>,</span><br /> -<span class="line3">1751.</span> -</p> - -</div> - -<div class="centerpic pbb" id="img-003"> -<a id="page-3" class="pagenum" title="3"></a><img src="images/003.jpg" alt="" /></div> - -<p class="dropart"> -<span class="firstchar"><img src="images/drop_d.jpg" alt="D" /><span class="hidden">D</span></span>a es dem HErrn gefallen, -mich, vor vielen tausend -andern Menschen, auf sonderbare -Weise zu führen, -hat man von mir verlanget, -daß die seltsame Begebenheiten, -so mir wiederfahren, ihrer -Merckwürdigkeit wegen mögten in die Feder -gefaßt und dem Drucke überlieffert -werden, damit selbige hinkünftig zu einem -Beweise dienen könnten, wie wunderbarlich -GOtt die Kinder der Menschen -führe, und daß er auch nach seinem -Wohlgefallen, das Hertze eines Unchristen -zur Barmhertzigkeit neigen könne. -</p> - -<p> -Im Jahr 1708 den 19 Julii erblickte -ich zuerst das Licht dieser Welt, auf -einer kleinen Insul Amrom genannt, so -in der West-See liegt, und zum Stifte -Ripen in Jütland gehöret. Wie meine -Landes-Leute ihre Nahrung von der See -<a id="page-4" class="pagenum" title="4"></a> -haben, so bin ich auch in Zeiten, von -meinem zwölfften Jahre an, beflissen gewesen, -dereinst einen tüchtigen See-Mann -abzugeben; Ich habe bis ins dritte Jahr -eine und andere Reise gethan, da ich zugleich -mit dreyen meiner Landes-Leute, -<em>Richard Flor</em>, <em>Jens Nikelsen</em> und -<em>Hark Nikelsen</em>, <em>Jürgen Oksen</em> von -<em>Föhr</em>, und dreyen vom Elbstrom, mich -bey der Stelle im Canal, so <em>Sordels</em> -genannt wird, den 10 Martii 1724 von -einem türckischen Caper muste gefangen -nehmen und nach <em>Algier</em> schleppen lassen. -Ich wurde auf dem Marckte für 1000 -<em>Cartuches</em>, oder 1000 Marck Lüb. -verkauft, den Tag aber hernach überließ -mich mein Kauffmann an einen andern -mit 100 Cartuchers Profit. Bey diesem -Herrn war ich ohngefehr 14 Tage, -und war meine Arbeit, eins und das andere -im Garten zu bestellen, ingleichen -Maulbeer-Blätter für meines Patrons -Seiden-Würmer einzusammlen, und -hiernächst Wasser zu tragen und das -Hauß rein zu halten. Indem aber der -Constantinische <em>Bey</em>, mit Nahmen <em>Assin</em>, -<a id="page-5" class="pagenum" title="5"></a> -seinen Commißionair zu <em>Algier</em> -hatte, Sclaven einzukauffen, bekam er -Lust zu mir, und mein Patron überließ -mich ihm für 450 Stück von Achten. -Dieser Bey <em>Assin</em> kan wie ein kleiner -König angesehen werden, dessen Haupt-Stadt -<em>Constantine</em>, eine ansehnliche -Stadt und Vestung ist, und nach meiner -Muthmaßung 12 Tage-Reisen oder 60 -Meilen von <em>Algier</em> gegen Süden liegt. -So viel ich weiß, stand er auf keine Weise -unter dem Groß-Sultan, sondern er -war Souverain in seinem Lande; er war, -wie ich in seine Dienste trat, schon ein -Herr von hohem Alter, hitzigen Kopfs -und gesunder Complexion; er war beherzt -und hatte eine gute Kriegs-Erfahrung, -indem er vorher, und stets bey meiner -Zeit, mit seiner Armee zu Felde lag, -und zum öftern mit seinen Nachbaren -Streitigkeiten hatte. Einen Monat hielte -er sich zum wenigsten in jedem Jahr zu -<em>Constantine</em> auf. Er hatte zwey Weiber, -so von mehr als 40 Bedienten Männern -und Weibern, unter welchen 4 Verschnittene -zu Cammerdienern bestellet waren, -<a id="page-6" class="pagenum" title="6"></a> -aufgewartet wurden. Er selbst ließ -sich, von 30 bis 40 Laquaien, wovon die -Hälffte Renegaten, und hernach mit den -besten Bedienungen im Lande abgefunden -wurden, bedienen. -</p> - -<p> -Ich muß hier, ehe ich weiter gehe, -mit wenigen Worten etwas von den Eigenschaften -des Landes, hiernächst der -Nation und endlich von meinem eigenen -Schicksal melden. Das Land ist voller -Klippen, wovon einige so hoch, daß sie -stets mit Schnee bedeckt sind, obschon -das Land unten an denen Klippen so heiß -ist, daß wann die Cameelen hievon im -Anfang gantze Trachten herunter brachten, -doch der Schnee meistens, bis auf -kleine Klumpen zerschmoltzen, ehe sie am -Fuß der Klippen gekommen. Sonst ist -das Land sehr fruchtbar, und trägt allerley -Korn, Trauben, Mandeln, Datteln, -Feigen, Granat-Aepffel, Wasser-Limonien -&c: doch mit dem Unterscheide, -daß die eine Provintz besser in einem, und -eine andere in anderen Dingen ist, und -müssen beständig von allen Städten Lieferungen -<a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a> -geschehen zum Lager, wo der -König sich mit seinen Königinnen aufhält. -Es wird sehr feine Wolle, wie auch -Wachs und Honig aus dem Lande verführt, -verschiedener Apothecker-Waaren, -rarer Felle von Löwen, Tygern und dergleichen -zu geschweigen. Ob andere Metallen -als Bley ausgegraben werden, -weiß ich nicht. Für diejenigen, so im -Lande gebohren, muß die Luft sehr gesund -seyn, indem es nichts ungewöhnliches, -daselbst Leute zu sehen von 100 -und 120 Jahren und darüber. Man -bemercket dann und wann Erdbeben und -viel Gewitter, sonderlich im Sommer. -Ausser freßigen wilden Thieren, als Löwen, -Tygern und dergleichen, welche oft -Menschen angreiffen, haben die Einwohner -viele Plage von unterschiedenen Arten -giftiger Schlangen, doch am meisten -von Scorpionen, so in gewissen Gegenden -in solcher Menge gefunden werden, -daß man kaum einen Stein von der Erde -aufheben kan, worunter nicht ein oder -zweene liegen sollten. Hiezu kommen -auch die verdrießliche Mücken und Fliegen, -<a id="page-8" class="pagenum" title="8"></a> -welche die Schlafenden sehr verunruhigen. -</p> - -<p> -Das Land wird von Türcken und -Mohren, welche letztere beydes weiß und -schwartz fallen, bewohnt: Ihre Sprache -ist von der Türckischen unterschieden, und -nennen sie solche Arabisch, aber beede -Nationen, so unter der Herrschafft vorgemeldten -<em>Beys</em> gehören, werden mit -einem Nahmen <span class="antiqua">Schirck</span> genannt, welcher -so viel sagen will, als das Volck, so gegen -Süden wohnet. In der Religion, -sind die Mohren nicht viel von den Türcken, -ausgenommen etwas in den Ceremonien, -unterschieden. Ich muß auch -den Türcken überhaupt den Ruhm geben, -daß sie aufrichtiger als die Mohren, also -daß, was den Umgang betrifft, unter -den Türcken insgemein eben so viele Ehrlichkeit, -als unter uns Christen, angetroffen -werde. In ihrer falschen Religion -sind sie eifrig, und soll kaum jemand -gefunden werden, der vorsetzlich wider -die Dinge handeln sollte, welche sie für -die Pflicht eines Mahometaners halten. -<a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a> -Sobald der Tag grauet, wird von einem -Thurm oder anderem erhabenen Orte, -von dem der hierzu bestellet, wann er einen -Finger in jedes Ohr gestecket, geruffen: -<span class="antiqua">Eschet velej elej lala. Eschet enne -Mahammet arasu lala ella velun Zelleth, -ala hoat warth, ala hoat warth.</span> -Hierauf steht jedermann auf, und nachdem -sie die Hände bis an die Ellenbogen -und die Füsse bis an die Enckel gewaschen, -den Mund und die Nase gereiniget, -und zugleich mit der verkehrten Hand -das Angesicht und hinter den Ohren gestrichen, -wird ihr gewöhnliches Gebet, -so 5 mal des Tages, und zum ersten mal -vor Aufgang der Sonne verrichtet wird, -gehalten. Die Worte lauten in der Arabischen -Sprache also: <span class="antiqua">Al ham dilola -Robbi laïro min rachmana rachim mänik -jumidin, jäken abeddo, jäken estohiim -tokino soratin lädino en en dalohiim -al ham dilolah robbi läiro mìn.</span> -Sie stehn in den Gedancken, daß nicht -leicht ein Türcke verdammt werde. Von -Christo, den sie <span class="antiqua">Eisa</span> und die Jungfer -Maria, so sie <span class="antiqua">Lella Maria</span> nennen, reden -<a id="page-10" class="pagenum" title="10"></a> -sie mit Ehrerbietigkeit, von dem Teufel -aber, als von einem solchen, der böses -thut. Ihre Beschneidung wird zuerst -in dem vierten, fünften, ja sechsten Jahr -vorgenommen. Schweinefleisch essen sie -nicht, auch trinckt kein Mahometaner -Wein oder anderes starckes Geträncke, -sondern an deren Stelle entweder Wasser -oder <em>Schorbet</em>, welches ein Wasser, -das mit Rosinen gekocht ist, und auf unterschiedliche -Art kan zubereitet werden. -Ihre Fast-Tage, <em>Ramadam</em> genannt, -werden jedes Jahr einen gantzen Monat -gehalten, da man des Tages über nichts -genießt, hingegen des Nachts ißt und -trincket. In den letzten Jahren kunte -mein Patron nicht vertragen zu fasten, -sondern aß heimlich ein wenig. Ihre -Todten werden in Leinewand gewickelt -und also in die Erde gelegt. Die Mohren -stimmen gemeiniglich ein Klage-Lied -über ihre Todten an, da beedes Männer -und Weiber sich mit ihren Nägeln auf -das Kinn und vor der Stirne ritzen. -Wann sie sich verheyrathen, bekommt -der Bräutigam seine Braut nicht vorher -<a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a> -zu sehen, sondern wann er mit seinen Gästen -am Hochzeit-Tage gegessen und getruncken, -wobey zuweilen auf einer Cither -gespielet wird, wird er in das Frauenzimmer -Gemach geführet, woselbst die -Braut zugleich mit andern Weibern, so -alle das Angesicht verhüllet, befindlich, -ihm aber wird ein Zeichen gegeben, woran -er die Braut erkennen kan. Zu ihr -geht er dann hin und nimmt das Geld, -so er zur Morgen-Gabe geben will und -kan, in einem Schnupftuch, giebt -ihr damit einen Streich, und geht hierauf -in die Schlaf-Kammer. Sie folget -nach, er fragt sie hierauf zweyenmal um -ihren Nahmen? aber sie antwortet nicht, -bis er zum drittenmal fragt; hierauf -wirfft er das Schnupftuch mit dem Gelde -auf die Tiele, und breitet einen kleinen -Teppich auf den Boden, tritt darauf und -verrichtet sein Gebet. Die Braut leget -inzwischen die Kleider ab und geht zu -Bette, und er folget nach. Die meisten -Weiber sind sehr jung, wann sie sich verheyrathen. -Im Essen und Trincken leben -die Türcken, wie ich erfahren habe, -<a id="page-12" class="pagenum" title="12"></a> -sparsam; es werden nicht viele Gerichte -aufgetragen, vielerley Arten Früchte aber -bey der Mahlzeit aufgesetzet. Sie -speisen des Morgens zuerst eine Art Gebackenes, -hierauf trinckt man Caffe, -(der Thee wird nicht geachtet) um 10 -Uhr speißt man zu Mittage, hierauf ruhet -man einige Stunden, und speißt wiederum -des Nachmittags ohngefehr gegen -4 Uhr. -</p> - -<p> -Was nun insbesondere meine Schicksale -angehet, so habe ich erstlich drittehalb -Jahr bey diesem meinem Patron als -Laquai gedienet, und wie ich in dieser -Zeit <span class="antiqua">Lingua Franca</span>, wie auch die Türckische -und Arabische Sprache erlernte, -und nach und nach in denen Dingen, so -vorfielen, geübet wurde, so erweckte mir -GOtt Gnade bey meinem Patron, also -daß er jederzeit große Gewogenheit gegen -mich hegte. Er vertrauete mir das Amt -an, welches von großer Wichtigkeit und -<span class="antiqua">Gassenadahl</span> oder <span class="antiqua">Gasnadi</span> benannt wird, -nach der Redens-Art aber unseres Landes -<em>Ober-Caßirer</em> heißt. Ich bekleidete -<a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a> -dieses Amt erstlich in 4 Jahren, und -mein jährlicher Gehalt war 1700 Stück -von Achten, ausser was mir an Lande, -Cameelen, Schafen, und dergleichen -gehörete. Zween Schreibern, so stets -bey mir waren, gab mein Patron die Besoldung, -zwantzig Bedienten aber und -bisweilen darüber, reichte ich selbsten den -Lohn. Dreymal im Jahr hatte ich eine -reichlich mit Gold und Silber gestickte -Montur. Ausser dieser meiner Bestallung, -wurde mir annoch ein Commando -von 500 Pferden anvertrauet, dann ich -hatte annoch als Caßirer, bey unterschiedenen -Gelegenheiten, gegebener Ordre -nach, eine Art Bravoure, so meinem -Patron gefallen, bewiesen, obschon meine -Tapferkeit im Grunde eher eine Verwegenheit, -als ein ordentlicher <a id="corr-1"></a>Muth und -Hertzhaftigkeit zu nennen; dann ich war -in meinem Sinn nicht vergnügt, und eben -darum war es mir einerley, ob ich -lebte oder todt wäre. Obgleich ich ein -bey der Nation angesehener Mann war, -und viele mir mein Glück mißgönneten; -so sahe ich doch die Sache selbst besser ein, -<a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a> -daß ich diesem allen ohnerachtet ein Sclave -geworden, und daß ein kleines Versehen, -bey einem barbarischen Herrn, der -Macht hatte zu thun, was ihm selbst gelüstete, -leicht verursachen konnte, daß ich -eben so tief erniedriget würde, als ich -war erhöhet worden, ja jeden Tag mein -Leben in meinen Händen tragen müste. -Diese bemeldte 500 Mann zu Pferde, -waren stets um mich und konnten als meines -Patrons Leib-Garde angesehen werden. -Es trug sich zu, daß sich ein Krieg -entspann, zwischen meinem Patron und -einem andern, mit Nahmen <span class="antiqua">Boâssâse</span> -von <span class="antiqua">Thefés</span>, welcher als ein kleiner Fürst -konnte angesehen werden, und das Haupt -einer vornehmen Familie war. Diesem -<span class="antiqua">Boâssâse</span> kam im Sinn, daß er sich eines -gewissen Stückes Landes, so meinem -Patron gehörte, bemächtigen wollte. Ich -gehe hier die verschiedentlich vorgefallene -kleine Scharmützel mit Stillschweigen -vorbey, indem täglich, so lange zwo Partheyen -wider einander zu Felde lagen, -gefochten wurde. Hie und dort geschahen -beständige Attaquen. Man bedienete -<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a> -sich einer andern Kriegs-Art, als in -unsern Ländern, ordentlich zu Wercke zu -gehen. Das mehreste beruhete hauptsächlich -auf einen hitzigen Angriff. Von -diesen kleinen Scharmützeln waren folgende -zwey die wichtigsten: In dem ersteren -waren wir glücklich, in dem andern hingegen -hatte der Feind einen Vortheil. -Nachdem man auf beyden Seiten einige -tausend Cameele, Pferde, Schafe und -dergleichen geplündert, wurde ich einstens -mit 500 Pferden commandiret zu recognosciren, -und wie wir bey dieser Gelegenheit -bemerckten, daß der Feind sich -zur Ruhe begeben, resolvirten wir einen -Einfall zu thun. Solcher glückte so -wohl, daß der Feind, indem er vermuthlich -gedachte, unsere gantze Macht, so -gemeiniglich 9 bis 10000 Mann starck, -wäre zur Stelle, die Flucht ergriffe. -Zwey und funfzig Köpfe führten wir mit -uns zurücke, wogegen wir nur fünf -Mann verlohren. Wir fertigten einen -Courier ab, meinem Patron Nachricht -von unserem Siege zu bringen. Wie -wir ankamen, befahl der König, daß -<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a> -jeder, so einen Kopf mit sich gebracht, -hervor treten, und solchen im Gezelte zu -seinen Füßen werffen sollte. Er regalirete -alle durchgehends mit Gelde, mir -aber wurden insonderheit unterschiedliche -Ehren-Bezeugungen erwiesen, indem den -vornehmsten Bedienten anbefohlen wurde, -mir aufzuwarten, und von selbigem -Tage an, wurde mir das Commando über -die ganze Cavallerie, welche Bedienung -<span class="antiqua">Laga di Dejra</span>, oder Obrister über -die Cavallerie, benannt wird, anvertrauet, -welcherhalben ich aber mir vieler -Haß und Mißgunst auf den Halß lude. -Es währete nicht lange, daß ich abermals -sollte einen Versuch wider dieselben -Feinde thun, es geschahe auch, aber zu -meinem und derer, so bey mir waren, -Nachtheil. Dann da der Feind flohe, -und wir ihm nachsetzten, musten wir zwischen -einigen Klippen defiliren. Der -Feind hatte den Paß mit Fußvolck belegt, -von welchem ein Theil unseres Volcks erschossen, -dem andern Theil, so sich gefangen -gabe, der Paß abgeschnitten wurde, -der Ueberrest aber sich mit der Flucht salviren -<a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a> -muste. Ich befand mich unter den -Gefangenen, mein Pferd war unter mir -erschossen, man nahm mein Leibgehänge -und spannte damit meine Hände auf dem -Rücken zusammen; Fünf und viertzig -von unseren Leuten, so gefangen waren, -wurden massacriret, und man hatte Anfangs -im Sinn, auf gleiche Weise mit -uns zu verfahren, indem man aber hoffte, -eine gute Rantzion für uns zu bekommen, -behielten ihrer funfzehn, worunter -ich mich befand, das Leben; obschon -einer von meinen Dienern, so ich bey -mir hatte und sonderlich liebte, vor -meinen Augen erstochen wurde. Wie -wir nun in Verwahrsam gebracht waren, -kam des vorgemeldten <span class="antiqua">Boâssâses</span> Gemahlin, -mit Nahmen <span class="antiqua">Elgia</span>, ins Gefängniß, -nach türckischer Manier also verhüllet, -daß nichts an ihr bloß zu sehen, als -ihre Augen und Hände, so nach ihrer -Gewohnheit, mit verschiedenen tief einbeissenden -Farben bunt gemahlet waren. -Sie kam größtentheils aus Neu-Begierde -ins Gefängniß mich zu sehen, sintemalen -sie vernommen, daß ich ein Christ wäre. -<a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a> -Sie fragte: welcher es von uns -sey? und nach wiederhohlter Frage, -warf ich mich zu ihren Füßen, da ich ohnehin -unter den andern kenntlich genug, -sintemalen die Augen der andern Gefangenen -nicht alleine auf mich gerichtet, sondern -auch ich von den andern, an der -Farbe unterschieden war. Ihre Fragen -an mich waren mancherley, unter andern: -Ob man in unserm Lande an einen -GOtt glaubte, der über Himmel und -Erde regiere? Wie ich diese Frage mit Ja -beantwortete, machte sie den Einwurf, -daß sie in Europa Holtz und gemahlte -Bilder anbeteten. Diese irrige Meynung -mag vielleicht daher gekommen -seyn, daß sie solches entweder von den -Catholicken gehört oder gesehen. Ferner: -Ob wir Pferde, Cameele, Milch, -Oel, Brod und dergleichen hätten? Endlich -ging sie weg, ich rieff ihr in einem -beweglichen Ton und mit heller Stimme -nach, für mich bey ihrem Herrn eine -Fürbitte einzulegen, worauf sie antwortete, -ich sollte nicht so ruffen; Welche -Worte ich also aufnahm, als ob sie zornig -<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a> -geworden wäre, in wenigen Stunden -aber kam der Schmidt, und machte -mich loß. Ich hatte hierauf die Gnade, -vor dem <em>Schey</em>, welcher so viel als ein -Printz bedeutet, geführet zu werden, -und mir wurde zu meiner Erquickung -viel gutes erwiesen. Dieser <em>Schey</em> war -ein Enckel des alten <span class="antiqua">Boâssâse</span>, bey welchem -ich also in Gnade zu kommen, das -Glück hatte, daß mir nicht alleine viele -Gutthaten bewiesen und unterschiedliche -Dinge zu meiner Erquickung präsentiret -wurden, sondern auch, daß er seinen Aelter-Vater -ersuchte, daß er mich mit auf -die Jagd nehmen mögte. Wie man an -einem Tage, einige Stunden nach Mittage, -die Pferde ein wenig bey seite geführet, -belustigte sich dieser <em>Schey</em> mit -denen Herren, so bey ihm waren, nach -dem Ziel zu schießen. Wie ich inzwischen -in tieffen Gedancken über mein Schicksal -stunde, und von ohngefehr meine Augen -auf die Pferde gewandt, vermeynte der -junge Herr ich besähe die Pferde, und -fragte mich daher, ob diese Pferde wohl -so gut wären, als diejenigen, so ich zu -<a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a> -<em>Constantine</em> hinterlassen? Ich unterstunde -mich nicht diese Frage zu beantworten, -bis ich mir die Gnade ausgebeten, -die Wahrheit sagen zu mögen; denn -ich hätte allezeit gehört, sagte ich, es gezieme -sich nicht etwas anders vor großen -Herren, als die Wahrheit zu reden. Ich -berichtete anbey, daß die Pferde, so ich -zu <em>Constantine</em> oder im Lande meines -Herrn gesehen, mir wohl so rasch und -schöne vorkämen. Er befahl, daß ich -auf einem von diesen reiten sollte; wie -ich es aber nicht sonderlich rühmte, ließ -er mich sein eigen Reit-Pferd probiren. -Ich flanquirte hiemit in etwas herum, -und wie ich an diesem Pferde eine besondere -Munterkeit verspürte, kam mir -gleich im Sinn, daß mir hier eine treffliche, -obschon gefährliche Gelegenheit gegeben -würde, zu entfliehen. Mein Hertz -schlug in meinem Leibe. O! gedachte -ich, dürfte ich nur! Ich faßte kurtze Resolution, -folgte meinem Triebe, gab dem -Pferde die volle Sporen und entrann. -Ich war schon ein kleines Stück Weges -fort, ehe man meinen Anschlag gewiß -<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a> -wissen kunnte, sie schrien hinter mir her, -und alsobald setzten 20 bis 30 Mann zu -Pferde mir nach, es geschahen auch einige -Schüsse, so, daß etliche Kugeln zu -meiner Seite im Sande staubeten. Vor -Verlauff drey Stunden aber, war ich ihnen -schon zu weit aus dem Gesichte gekommen. -Des Nachts ritte ich, des -Tages aber bekam das Pferd etwas in -den Wäldern zu fressen. Meine Speise -in dieser Zeit, waren einige Früchte und -eine Art Salat, so im Lande wächset. -Ich brachte auf diesem Wege in allen -zwo Nächte und etwas über einen Tag -zu, da ich zu meines Patrons größtem -Vergnügen mich wiederum im Lager einfand. -Nach einer und der andern Dispute, -wurde endlich zwischen meinem Patron -und dem ermeldten <span class="antiqua">Boâssâse</span> von -<span class="antiqua">Thefes</span> Friede geschlossen. Dieser Friede -wurde meines Erachtens um so vielmehr -für rathsam angesehen, als mein -Patron an dem Bey, der zu <em>Tunis</em> residirete, -einige Bewegungen wahrgenommen. -Es kam auch endlich zu einem -Kriege zwischen ihnen, wobey zwischen -<a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a> -<span class="antiqua">Boâssâse</span> und meinem Patron eine genaue -Alliance geschlossen wurde. Das Glück -war im Anfang fast auf beyden Seiten -gleich, am Ende aber bekamen wir Gelegenheit, -uns mit unserer Armee in des -Feindes Lande aufzuhalten. Ein halb -Jahr hatten wir gegen einander in Gewehr -gestanden, da es uns endlich an -Proviant gebrach; dann die Cameelen, -so uns Oel und Brod zuführten, wurden -von einem, so meines Patrons -Freund nicht war und <em>Murath</em> hieß, -und an den Gräntzen des <em>Tunesischen</em> -Landes wohnte, geraubet. Dieser Mangel -nöthigte uns eine kurtze Resolution zu -fassen, und den Feind anzugreiffen, es -glücke wie es wolle. Aber, wie die -Macht des Feindes stärcker als unsere, -obschon wir niemals zu meiner Zeit, eine -so zahlreiche Armee gehabt, welche dießmal -zum wenigsten 40000 Mann starck -war; so war es nöthig, gute Vorsicht -zu gebrauchen und die Umstände von der -Postirung des Feindes einigermassen zu -wissen. Mein Patron und <span class="antiqua">Boâssâse</span> beschlossen, -einen abzusenden, diese Dinge -<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a> -nach Möglichkeit zu erforschen. Wie -man aber hierüber <a id="corr-3"></a>Rath pflegte, wer hiezu -am besten könne gebraucht werden, -fiel des <span class="antiqua">Boâssâse</span> Wahl auf mich. Er -sagte, der Christ, der <span class="antiqua">Gassenadahl</span> ist -gut genug hiezu: er wußte auf welche Art -ich mich zuvor von seinem Enckel fortgeschlichen, -und wollte mir, wann er konnte, -am liebsten wiederum einen Possen -spielen. Mein Patron, so mich liebete -und darum ungern mir eine so mißliche -Verrichtung auflegen wollte, fragte mich, -ob ich Lust hiezu hätte? Ich antwortete: -Hier ist nicht die Frage, ob ich Lust habe? -sondern was <span class="antiqua">Afendi</span> (das ist mein -gnädiger Herr) befiehlet. Kurtz, ich -bekam seine Ordre, mit dem Zusatz, daß, -wann es glücklich ginge, ich, wann ich -wollte, mit Ehren meinen Abschied nach -meinem Vaterlande haben solle. Ich -näherte mich des Nachts zu Fuße dem -Lager, das nahe bey uns stunde, aber -ehe ich dahin kam, begegneten mir einige -Reuter. <a id="corr-5"></a>Ich wuste in dieser Eilfertigkeit -nicht was ich thun sollte, doch fiel -mir ein, meinen Säbel und meine Pistolen -<a id="page-24" class="pagenum" title="24"></a> -von mir zu werffen, und mich für einen -Deserteur auszugeben, der zugleich -etwas wichtiges mit dem König von <em>Tunis</em> -zu reden hätte, wann ich die Gnade -genießen könnte vor ihm geführet zu werden. -Wie diese an meinen Kleidern abnahmen, -daß ich einer von den vornehmsten -Officirern seyn müsse, freueten sie -sich hierüber und kamen meinem Begehren -nach. Der <em>Tunesische Bey</em> kannte -mich alsobald und fragte mich: warum -ich als <span class="antiqua">Gassenadahl</span> und <span class="antiqua">Laga di Dejra</span>, -der bey seinem Herrn in solchem Ansehen -stünde, zu ihm käme? Ich küßte seine -Hand, und bat mir unterthänigst seine -Beschirmung aus, wo nicht, wäre es -eben so viel, ob ich sollte mein Leben in -seinen oder meines vorigen Patrons Händen -lassen, der, wie ich vorgab, mich -tödten wollte, weilen an einem und andern -Mangel im Lager, welches mir zur -Last gelegt würde, gleich als wenn solcher -sich durch mein Versäumniß eingefunden, -obschon es offenbar, daß <em>Murath</em> -sich unsers Proviants bemächtiget. -Mein Leben wäre mir lieb, wollte er es -<a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a> -schonen, so versicherte ich, ihm treulich -zu dienen, wann er mich hiezu wollte für -tüchtig ansehen. Der <em>Tunische Bey</em> -zeigte sich sehr vergnügt über meine Ankunfft, -und forschte genau, ob es sich so -verhielte, daß in unserem Lager Mangel -an Proviant und Munition wäre, wie -er von einigen Deserteurs erfahren? Ich -sagte ja, doch verhielte sich letzteres nicht -also, dann an Kraut und Loth fehlete es -nicht. Ich wurde weiter gefragt: Ob -ich gesonnen wider meinen vorigen Patron -zu fechten? Ich antwortete: wann -ich ein Pferd mit behöriger Rüstung bekäme, -wollte ich mich hiezu willig finden -lassen, und dieses um so viel ernstlicher, -weil ich, als ein Ueberläuffer, niemalen -bey ihm Pardon zu gewarten. Es geschahe, -und ich kan nicht läugnen, daß, -wie ich von diesem Herrn so wohl ausgerüstet -und aufgenommen wurde, wider -meinen ersten Entschluß, der Vorsatz bey -mir aufstiege, bey ihm zu bleiben, vornemlich -da es zu vermuthen stunde, daß -die <em>Tunische</em> Armee das Feld behalten, -und die <em>Constantinische</em> genöthiget werden -<a id="page-26" class="pagenum" title="26"></a> -würde, entweder mit dem fördersamsten -eine desperate Attaque zu thun, oder -auch, wegen des ermeldten Mangels, -sich über Hals und Kopf zu retiriren. -Ich fand bey diesem <em>Tunischen Bey</em> -guten Glauben; mir wurde erlaubt, bey -der Armee herum zu fahren und die Artillerie -zu besehen, wobey ich zugleich von -dem Zustande unserer Armee und denen -Anstalten genau befraget wurde. Zu -meinem Verdruß kamen am dritten Tage -einige Ueberläuffer an, die gantz wohl -wußten, daß ich mitnichten bey meinem -Patron in Ungnade sey, sondern urtheilten, -daß ich ausgesandt wäre, die Anstalten -des Feindes auszuforschen. Es -hatte ein Renegate gehört, daß dieses -Gerüchte vor dem <em>Tunischen Bey</em> gekommen, -und fragte mich also um die -Beschaffenheit der Sache? Ich that böse -und wollte wissen, wer so von mir gesprochen? -Er antwortete, einige von euren -eigenen Ueberläuffern. Inzwischen -merckte ich schon was die Glocke geschlagen, -und speculirte demnach, wie ich davon -kommen mögte, und machte also Mine, -<a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a> -als wann ich einen Gang mit dem -Feinde wagen wollte. Dann dieses ist -ihre Weise, bald mit 100, bald mit 200 -Pferden und darüber, einen Einfall auf -einander zu thun. Ich bekam 100 Mann -mit mir und setzte mit ihnen an; wie ich -aber den Meinigen so nahe kam, als mir -gut dauchte, gab ich ein Zeichen, daß ich -zu ihnen übergehen wollte, welche mich -dann auch mit Freuden empfingen, und -zu meines Patrons grosser Verwunderung, -in mein voriges Lager escortirten. -Nun war ich im Stande, von allen Dingen -genaue Nachricht zu geben, und rieth, -noch in derselbigen Nacht den Feind anzugreiffen, -und auf der Ecke einzufallen, -wo er es unmöglich, nemlich von hinten -an ihn zu kommen, vermuthen konnte. -Die <em>Constantinische</em> waren wohl so gute -Soldaten als die <em>Tunische</em>, hiezu kam -die Noth, so uns zwang auf der einen -Seite, und noch mehr die Hoffnung zur -Beute und überflüßigen Proviant auf der -andern Seite. Mein Patron hatte gewisse -Belohnungen auf gewisse Dinge gesetzet, -welche man sich von dem Feinde -<a id="page-28" class="pagenum" title="28"></a> -bemächtigen würde, zum Exempel auf ein -Stück 1000 Thaler und so weiter. Es -kam, kurtz zu erzählen, zu einer Haupt-Bataille, -die so wohl für uns ausfiel, daß -unser Volck nach Verlauff einiger Stunden -den Feind verjagte und das feindliche -Lager erbeutete. In diesem Treffen aber -kam mein Patron von seinem Pferde, -und wie ich mich mehrentheils nahe bey -ihm aufhielte, offerirte ich ihm mein -Pferd, und stand in den Gedancken, -wann er erstlich im Sattel, hinten aufspringen -zu wollen; wir kamen aber in -solches Gedränge, daß es mir nicht möglich -war, doch hielt ich annoch beym -Schwantze, in der Hoffnung, mich hindurch -zu dringen; indem ich aber corpulent -und schwer zu Fuße war, mußte ich -loßlassen, und war kein anderer Rath für -mich, als mich auf die Erde unter die Erschlagenen -zu werffen. Die eine Hand ließ ich ausgestreckt -liegen, die andere lag unter meinen -beyden Messern, so die Türcken auf -der Brust tragen. Wie ich nun einige -Zeit in solcher Positur gelegen, hörte ich, -daß einer zu dem andern sagte: Hier finde -<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a> -ich einen in proprer Montur, die muß -ich gewiß haben. Er stieg vom Pferde, -und fing an mich aufzuheben, und umzuwerffen; -aber in selbigem Augenblick -griff ich ihn mit der einen Hand an, und -gab ihm mit der andern einen Messerstich -in die Brust, also, daß er und ich nicht -weniger ein starckes Geschrey machte, -dann ich war so beklemmt ums Hertz, -daß, wann ich nicht, meiner Meynung -nach, zum Schreyen gekommen, ich Todes -verfahren müssen. Des Getödteten -Pferd diente mir also vom Wahl-Platze -zu kommen, worauf ich abermal meinen -alten Patron vorfand. -</p> - -<p> -Diese Avanturen waren die vornehmsten -von denen, so im Kriege vorfielen; -was die übrige kleine Debatten betrifft, -so ist es viel zu weitläufftig, solche anzuführen. -Dann viele habe ich auf Ordre -massacriret und viele ohne Ordre, indem -mir in den letzten Jahren alles anvertrauet -wurde, und ich vollkommene Macht -über Leben und Tod hatte. Mein Patron -wurde alt, und sahe am liebsten, -daß die Sachen durch mich abgethan -<a id="page-30" class="pagenum" title="30"></a> -würden. Oefters, wann er sich des Mittags -zur Ruhe legte, war schon eine oder -andere Execution an den Straffälligen -vollbracht, ehe er erwachte. Unter -denen, so ich auf Befehl getödtet, liegen -mir zweene Mauermeister am meisten im -Sinn. Zu zweyenmalen fiel nemlich -meinem Patron zu meiner Zeit ein, einen -ansehnlichen Theil Ducaten in einen -Thurm einzumauren. Wie der Mauermeister -für seine Mühe war bezahlet worden, -hatte ich den Befehl, ihm, wann -er vor mir die Treppe nieder gienge, den -Hals zu brechen, welches ich thun -mußte, wo ich nicht meinen eigenen zu setzen -wollte. Hiezu hatte mein Patron -zwo Ursachen; die eine, daß die Stelle, -wo das Geld lag, verborgen bliebe, die -andere, weilen die Türcken in dem Aberglauben -stehen, daß die Seele, dessen, -so ermordet worden, gleichsam über den -Schatz schwebe oder wache, daß Niemand -solchen als der Eigenthümer bekommen -könne. So kan der Satan sich des -Hertzens eines Menschen bemächtigen, -wenn er erst von einem oder andern -<a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a> -Haupt-Laster eingenommen worden. -Itzo will ich auch etwas von andern -Merckwürdigkeiten melden. -</p> - -<p> -Es trug sich <a id="corr-7"></a>während der Zeit, da ich -ausserhalb dem Vaterlande war, zu, daß -ich das Vergnügen hatte, <a id="corr-8"></a>5 Europäer zu -sehen, so vom Könige <em>Augusto</em> in Polen -ausgesandt waren, sich nach der Beschaffenheit -des <em>Africanischen Landes</em> -zu erkundigen. Der Vornehmste unter -ihnen war <em>Doctor Johann Hebenstreit</em>; -auch befand sich in der Gesellschafft -ein Gärtner, von der Insul <em>Alsen</em> -gebürtig, der mir der Landsmannschafft -wegen, desto angenehmer war; der -sechste war, so viel ich weiß, auf der Reise gestorben. -Mein Patron erzeigte sich sehr höflich -gegen sie, und befahl, ich sollte Anstalt -machen, daß <a id="corr-9"></a>nichts an ihrer Verpflegung -gebrechen mögte. Es war mir eine -Freude, dem Doctor einige silberne -und güldene Münzen, die, so viel ich -weiß, römische waren, zu verehren, obschon -solche im Lande meines Patrons gefunden -worden. Er bekam auch unterschiedliche -<a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a> -Felle von Löwen, Tygern und -dergleichen. Dem Gärtner war ich behülflich -unterschiedliche Gewächse, Wurzeln und -Blumen zu sammeln. Letztern verwahrte -er in einem eigenen Buche zwischen grau -Papier. Der Doctor war einige Meilen -fortgereiset, ein altes verfallenes Gebäude, -deren unterschiedliche im Lande gefunden -werden, und woran annoch zu erkennen, -daß sie zu ihren Zeiten kostbar -gewesen, zu besehen. Bey diesem Gebäude -wurden einige Steine gefunden, -worinnen in alten Zeiten lateinische Buchstaben -gehauen. Wie mein Patron durch -mich fragen ließ, was rares der Doctor -dorten vorgefunden, wurde ihm zur Antwort -ertheilet, daß der Doctor sich bey -diesen Inscriptionen so vergnügt bezeiget, -als wann er einige 100 Ducaten gefunden. -Hierüber lachte er hertzlich sagte: -<em>O! was sind die Christen für große -Narren.</em> Ich weiß gewiß, der gute -Doctor würde mir gerne meine Dienste -bezahlet haben, aber ich gebrauchte kein -Geld, verlangte aber doch ein teutsches -geistreiches Buch zu sehen, dann meine -<a id="page-33" class="pagenum" title="33"></a> -Eltern hatten die Vorsorge für mich gehabt, -mich, ehe ich auf die See kam, im -Lesen und Schreiben unterrichten zu lassen. -Meines Wunsches wurde ich gewähret: -dann sobald der Doctor <em>Hebenstreit</em> -in Sachsen angekommen, sandte -er <em>Speners Reise-Postill</em>, worinnen -er forne seinen Nahmen mit dem Wunsche -meiner Befreyung geschrieben, über -<em>Livorno</em> und <em>Algier</em> nach <em>Constantine</em>. -Selbiges Buch habe ich annoch in -meiner Verwahrung, und zu seinem Gedächtniß -mit mir nach <em>Amrom</em> gebracht. -Er hatte auch ein Buch bey sich, worinnen -verschiedene Freunde und Gönner ihren -Nahmen geschrieben, dieses präsentirte -er mir in der Absicht, in selbiges meinen -Nahmen und <a id="corr-10"></a>Geburths-Ort einzuzeichnen. -</p> - -<p> -Acht Jahr war ich in <em>Africa</em> gewesen, -wie mein Patron beschloß, eine Caravane -nach <em>Mecca</em> in <em>Arabien</em> anzustellen, -welchen Ort die Türcken heilig -halten, weilen ihr Prophet <em>Mahomet</em> -daselbst gebohren. Diese Caravane oder -<a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a> -Reise-Gesellschaft bestand ohngefehr aus -6000 Mann, von welchen 4000 auf eigene, -aber 2000 auf Kosten meines -Herrn reiseten. Das Beschwerlichste -bey dieser Reise war, daß es an vielen -Stellen an Wasser, welches auf Cameelen -in großen ledernen Schläuchen mit -uns mußte geführet werden, gebrechen -wollte. Wir kamen unterwegens, auf -dieser Seite von <em>Mecca</em>, zu der Stelle, -wo <em>Hagar</em> vormals mit ihrem Sohn wegen -Wasser-Mangels in Noth gewesen. -Der Brunnen, so heilig gehalten und daselbst -vorgezeiget wird, heisset auf ihrer -Sprache <span class="antiqua">Il me Sim Sim</span>. Es gingen 13 -Monathe vorüber, ehe wir diese Reise -vollendeten. Mein Patron wurde, -der, bey dieser Reise bewiesenen Andacht -halber, mit dem Zunahmen <em>Hatje</em> das -ist: der <em>Heilige</em>, beehret. Einige Zeit -hernach, wurde eine Verbindung gestiftet, -zwischen einer von meines Patrons -Verwandtinnen und dem Könige zu <em>Marocco</em>. -Ich wurde mit einigen andern -erkohren, diese Prinzeßin dorthin zu führen, -hatte aber eben so wenig die Ehre -<a id="page-35" class="pagenum" title="35"></a> -ihr Angesicht zu sehen, als der Gemahlinnen -meines Patrons, obschon ich so -viele Jahre in seinen Diensten gewesen. -Sie wurde von einem Cameel getragen, -worauf ein Verdeck, wie eine Portechaise, -gebauet, und selbst war sie am gantzen -Angesicht verhüllet. Der König zu -<em>Marocco</em>, bey dem ich meine Aufwartung -machte, war zur selbigen Zeit <span class="antiqua">Sidim -Mahomet</span>, <span class="antiqua">Mula Debbi</span>, wovon die -beeden letzte Worte zu seinem Titul gehören, -und so viel, als ein <em>Herr über -das Gold</em>, sagen wollen. -</p> - -<p> -Einige von den merckwürdigsten Dingen -im Lande, worinnen ich gefangen -war, sind meines Erachtens folgende: -Es wird zwischen <em>Algier</em> und <em>Constantine</em> -ein Stein von ziemlicher Größe gefunden, -so von aussen und innen grüner -Farbe. Wann etwas von diesem Stein -pulverisiret und eingenommen wird, sagt -man, daß er das Fieber curire, und -wird solcher auf ihre Sprache: <span class="antiqua">Hedjar -Sidna se Eisa</span>, <em>des Herrn Christi -Stein</em> genannt, dann man hat eine -<a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a> -Tradition, daß der Herr Christus auf -dieser Stelle mit seinen Jüngern geruhet -habe. -</p> - -<p> -In einem großen Land-Dorffe <em>Omgaus</em> -genannt, sollen einige begraben liegen, -welche sie die Sieben-Schläfer nennen. -Wann etwas gestohlen ist, wird -der Verdächtige dorthin über diese Gräber -geführet, da er schweren muß, daß, -wann er schuldig, er nicht davon gehen -möge, ohne am Kopff, Arm, Bein oder -anderem Gliede Schaden zu nehmen, -wie es denn niemals (wie die Türcken -sagen) fehl schlagen soll, daß der Schuldige -nicht Schaden nehme. -</p> - -<p> -Noch wunderbarer verhält es sich mit einigen -Leuten, so sich hin und wieder im -Lande aufhalten, und für die Geistliche -der Türcken können angesehen werden -und <em>Maroboth</em> heissen. Durch diese -werden, dessen ich selbst Zeuge bin, -wunderliche Dinge ausgerichtet, ob es -durch des Teuffels Kunst geschehe, weiß -ich nicht. Ich selbst habe gesehen, daß -<a id="page-37" class="pagenum" title="37"></a> -sie durch ihr blosses Hauchen Feuer angemacht, -zum Exempel, durch Anhauchen, -eine Pfeiffe Taback angestecket. Auch -war ich gegenwärtig, wie folgende Historie -sich zutrug: Die eine von meines -Patrons Gemahlinnen, bekam eine Geschwulst -über dem Magen, als von einer -Wassersucht. Es wurde ein <em>Maraboth</em> -gehohlet und um Rath gefraget. Dieser -ließ eine von ihren Cammer-Mädgen -hohlen, und wie er ein kupffernes Geschirr -auf glüende Kohlen gesetzet und einen -Theil Weyrauch darauf geworffen, -nahm er die Hand des Cammer-Mädgens -und befahl, daß sie, nachdem er in -der Hand einen Kreiß von Baumwolle -gemacht, und mitten drinnen etwas Oel -gegossen, solche über den Rauch halten -sollte. Hierauf fing der <em>Maroboth</em> an, -vieles und mit großer Heftigkeit herzuplaudern, -worbey es mir vorkam, daß -viele fremde Wörter aus allerhand Sprachen -zusammen gemischet waren. Gewiß -genug war es, daß ich nichts von allem -dem verstehen kunte, was er mit erhabner -Stimme vorbrachte. Er fragte inzwischen: -<a id="page-38" class="pagenum" title="38"></a> -Ob sie etwas in ihrer Hand -sähe? Sie antwortete: Nein. Hierauf -fing er aufs neue mit eben der Heftigkeit -an, da sie zuletzt rieff: Ich sehe viele Leute. -Er fragte: Was für Leute? Sie antwortete: -Vornehme Leute, welche <em>Divan</em> halten -wollen? Er sagte: Frage Sie: Was der -Frauen fehle? Sie: Sie sagen, daß sie -auf einer bösen Stelle gewesen, wovon -sie Schaden genommen. Er: Frage, -welchen Rath man zu gebrauchen habe? -Sie: Sie sagen, man solle die und die -Kräuter nehmen und solche kochen, hievon -solle sie trincken und mit diesen Dingen -solle sie sich baden. Es geschahe, -die Frau wurde gesund, das Cammer-Mädgen -aber fiel in Ohnmacht, wurde -als todt weggetragen und kam in den ersten -24 Stunden nicht wieder zu sich selber. -Einige Zeit hernach fragte ich sie: -Ob sie nicht etwas gehört und gesehen? -Sie antwortete, daß sie von keinem Dinge -zu sagen wüßte, ausser daß sie in meines -Patrons, eines <em>Maraboths</em> und -meiner Gegenwart, ihre Hand hätte in -einem Rauch gehalten, den der <em>Maraboth</em> -<a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a> -angemacht. Viele andere Dinge geschehen -durch diese Leute, als zum Exempel, -daß sie können den Arm in den Leib eines -Pferdes jagen, also, daß er mit Blut -gefärbet ist, wann sie solche wiederum -herausziehen, hierauf sprechen sie einige -Worte, lassen dem Pferde gleich darauf -zu essen und zu trincken geben, worauf -man an selbigem nicht das allergeringste -wahrnehmen kan. Sie wissen dem gestohlnen -nachzureisen, und was solcher -Dinge mehr seyn können. Einige von -diesen Leuten gehen in schönen grünen -Kleidern, welches, wie sie sagen, Christo -zu Ehren geschehen soll, weilen sie vermeinen, -diese Farbe gefalle ihm, vorermeldten -grünen Steins wegen. Einige -hingegen gehen in gantz geringen Kleidern -einher. Es wird auch in Lande ein Thier -gefunden <em>Dyx</em> genannt, das sich mehrentheils -von wildem Honig ernähret, und -einige Aehnlichkeit mit einem Schweine -hat. Von selbigem wunderlichen Thiere -haben die Türcken die Meinung, daß es -zuvor ein <em>Maraboth</em> gewesen, oder daß -die Seele eines <em>Maraboths</em> in selbiges -<a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a> -gefahren. Die Ursache ihrer Präsumtion -ist diese, weilen das Thier, wann -man ihme einen Brief oder ein Blat aus -einem Buche giebt, das Papier in den -fördersten Füßen nimmt und vor sich hält, -hierauf beginnet vielfältig zu plaudern, -gleich als wenn es lesen könnte, und -wann man das Papier von ihm nehmen -will, zornig wird und es in Stücken -reißet. -</p> - -<p> -Ich komme aber wiederum zu meiner -eignen Historie, insonderheit zu meiner -Loßgebung, so nicht lange nach dem letzten -Kriege mit <em>Tunis</em>, erfolgte. Mein -Patron hatte mir hierüber seine Zusage gegeben, -und einer von den Bedienten des -<em>Bey</em> zu <em>Algier</em> legte Fürbitte für mich -ein. -</p> - -<p> -Selbiger war dessen <span class="antiqua"><a id="corr-13"></a>Gassenadahl</span> und -darneben sein Schwester-Sohn, mit -Nahmen <span class="antiqua">Ali Goje</span>, der nach meiner Abreise -<em>Bey</em> oder <em>König</em> zu <em>Algier</em> soll geworden -seyn. Er stellete meine treue -Dienste, und verschiedener Expeditionen -<a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a> -glücklichen Ausgang vor. Es war auch -die höchste Zeit, wie meine Dimißion -mir zugestanden wurde, dann mein -Patron hatte schon das 95 Jahr erreichet, -als, daß ich jeden Tag mußte -eine Veränderung vermuthen, bey welcher -es schlecht für mich würde ausgesehen -haben, vornehmlich da diejenigen, -so am meisten in Gnade gestanden, von -dem folgenden Regenten am meisten, des -Geldes wegen, pflegen geplagt zu werden, -und wann dessen Begierde unersättlich, -werden oft diejenigen zu Tode gepeiniget -und geplaget, von welchen sie suchen größere -Capitalien, als das Land zu wege -bringen kann, zu erpressen: wie dann -gleicher Gestalt die Geld-Begierde fast -meines Patrons Haupt-Laster war, obschon -ich ihn eben nicht des Geitzes beschuldigen -kann. Ich hatte zwar wohl -im Sinn, wann sich ein Todes-Fall sollte -ereignet haben, zu einem meiner gnädigen -Frauen Brüder zu fliehen, dem -ich angelobet, so es mir irgend möglich seine -Schwester zuzuführen. Ich hatte auch -ihm 1000 Ducaten zur Verwahrung anvertrauet, -<a id="page-42" class="pagenum" title="42"></a> -indem ich aber nicht so lange -wartete, verdroß es mich nicht, sie im -Stiche zu laßen. Des Abends zuvor, -ehe ich von <em>Constantine</em> zog, hatte ich -annoch mit meinem Patron verschiedene -Discurse, und wie man zur selbigen Zeit -in einem Gezelt, nicht weit von meines -Herrn Gezelt, einen Lerm hörte, fragte -er: Was zu thun sey? Ich antwortete: es -wären die Mohren, welche einen verstorbenen -Amtmann ihrer Nation, beklagten. -Ja, sagte er, er ist ietzo wohl daran, -aber du, wo gedenckest du hin? Siehe! -Du reisest ietzo von hier, du gehest weg -und stirbest heute oder morgen, ich -nehme keinen Theil an deinem Verderben, -es sey auf deinen Schultern, -denn ich habe dir zu deinem Besten gerathen, -deine Verantwortung wird darum -größer seyn, weilen du, weit vor deinen -Mitchristen Gelegenheit gehabt hast, ein -Muselmann zu werden. Den Tag hernach, -ging ich, wie ich reisefertig war, -zu meinem Patron, küßte ihm die Hand -und sagte: <span class="antiqua">Afendi!</span> Ich dancke für das -Brod und den Sold, so ich nun in 12 -<a id="page-43" class="pagenum" title="43"></a> -Jahren von Ihren Händen empfangen, -ich erbitte mir Ihren Seegen, und die -Vergebung derer Dinge, worinnen ich -mich versehen haben mögte. Seine Antwort -war diese: Ich dancke dir Capitain -für deine Dienste und habe ich dir etwas -zuwider gethan, wollest du es mir gleichergestalt -verzeihen. Bey den letzten -Worten, weinte ich und umfaßte seine -Knie, der alte Herr aber richtete mich -auf, und legte, indem man die Thränen -auf seinen Wangen sehen kunte, seine -Hand auf mein Haupt, und sprach: -<em>Fahre mit GOtt, nimm dich in acht -für starckes Geträncke, für Weibes-Volck -und für die Juden zu Algier, -daß sie dir nicht dein Geld ablauren.</em> -Hierauf ertheilte er mir einen Paß auf -Pergament, so ich zu <em>Algier</em> könnte vorzeigen. -Wie ich daselbst ankam, fragte -mich der dorten gegenwärtige <em>Bey</em>: Wie -lange ich zu <em>Constantine</em> gewesen? Ich -antwortete 12 Jahr. Wohl sagte er, -ietzo kanst du mir wohl eben so lange dienen; -wie ich hierauf antwortete: daß ich -es für eine Gnade achten würde, einen -<a id="page-44" class="pagenum" title="44"></a> -so vornehmen Herrn aufzuwarten, sagte -er; du meynest es nicht und setzte ein kleines -Scheldwort hinzu, gab mir aber doch -so viel an Golde als 7 Reichsthl. und theilte -mir ohne Bezahlung einen Passeport -mit, so sonsten über 70 Rthlr. gekostet -haben würde, sagend: Deines Herrn und -deiner treuen Dienste wegen, verlanget -man nichts. Indem er aber sich gegen einen -andern Herrn so bey ihm war, wandte, -sprach er: Ist es nicht eine Schande -für uns? Wir erwerben die Christen mit -unserm Blute, und hernach lassen wir -sie aus dem Lande gehen mit unsern Mitteln. -Dann es war ihm bekannt, daß -mein Herr mich behalten lassen, was ich -dorten besaß, obschon ich meine Mittel -weit höher hätte bringen können, wenn -ich mich nicht in solcher Eil genöthiget gesehen, -sie zusammen zu sammlen, und -viele Dinge für den halben Werth verkauffen -müssen. Folgende Historie wurde -mir dorten erzählet: Vier oder fünff -Sclaven zu <em>Algier</em> hätten mit einander -in der Stille überlegt, ein Boot zu verfertigen, -und hiermit in die Christenheit -<a id="page-45" class="pagenum" title="45"></a> -zu entfliehen. Einer von Ihnen hätte die -Abrede genommen, daß sie des Abends, -da sie zu entfliehen gedächten, sich sollten -mit dem Boote bey einem gewissen Garten -einfinden, der seinem Patron gehörete, -und parat seyn, diejenige Person einzunehmen, -die er bey einer Laterne ihnen -zuführen wollte. Inzwischen wäre dem -Patron eine silberne Kumme weggekommen, -und der Sclave nicht ohne Ursache -dessen beschuldiget worden; er hätte aber -vermeynet hierum zu wissen und hingegen -gesagt, eine Kunst in Europa erlernet zu -haben, dem verlohrnen nachreisen oder -entdecken zu können, welches, wie er -vorgab des Abends geschehen sollte. Er -hätte zu dem Ende den Patron mit sich -bey einer Laterne an den Garten geführet, -und vorgegeben, daß das Gestohlne -daselbst sollte gefunden werden. Wie er -ihn hätte herum geführet, wären sie zuletzt -an die Stelle gekommen, woselbst -die andern gewesen, und hätte gesagt: -hier soll es sich finden, da jene sich <a id="corr-15"></a>des -Türcken bemächtiget und ihn mit sich in -die Christenheit geführet. -</p> - -<p> -<a id="page-46" class="pagenum" title="46"></a> -Meine Reise ging über <em>Marseille</em>, -<em>Lion</em>, <em>Paris</em> und <em>Hamburg</em>. In -<em>Paris</em> sahe ich annoch mein voriges -Pferd, auf welchem ich von <span class="antiqua">Boâssâse</span> entwichen, -dann es wurde von mir an den -frantzösischen Consul zu <em>Algier</em> verkauft, -von dem es auf des Königs Stall gekommen. -Wie ich zu <em>Hamburg</em> ankam, -kam mir mein Vater <em>Oluff Janßen</em>, -welcher annoch im Leben ist, und zwey -Jahr zuvor zu meiner Rantzion 800 Marck -weggesandt hatte, entgegen; wie er aber -auf Schreiben des Kauffmanns in <em>Hamburg</em> -kam mich abzuholen, mußte er zu seinem -großen Leidwesen vernehmen, daß man -gefehlet hätte, wo nicht in dem Nahmen, -doch in der Person, indem ein Soldat -aus Bremen für diese Geld-Summe loßgegeben -worden. Meines Vatern Geld -war weg und sein Sohn gleichwohl in der -Türckey; doch wie er kurtz hierauf Brieffe -von mir, von meinem Wohlstande und -der Hoffnung zu meiner gewissen Erlösung -erhalten, gab er sich einigermassen zufrieden. -Seine Hoffnung wurde erfüllet, da -ich das Früh-Jahr hernach ankam und -<a id="page-47" class="pagenum" title="47"></a> -er abermals sich zu <em>Hamburg</em> einfand. -So wenig er aber ersteren kennete, so wenig -kunte er ietzo mich erkennen. Er hatte -mich nicht gesehen, seit dem ich ein Knabe -von 14 Jahren, ietzo aber wohl gewachsen, -anbey corpulent und mit zierlichen -Kleidern angethan war. Ich kam -also gesund und vergnügt wiederum in meinem -Vaterlande an, fast um selbige Zeit -als ich vor 13 Jahr gefangen worden, -und brachte an raren Kleidern, Meublen -und baarem Gelde ziemliche Mittel mit -mir, welches alles ich mit Vorwissen meines -Patrons, mit mir aus der Türckey -genommen. In <em>Tundern</em> hatte ich die -Gnade dem Hochseel. Könige Christian -dem Sechsten vorgestellet zu werden, welcher -sich allergnädigst gefallen ließ, etwas -von denen Dingen anzuhören, die sich mit -mir zugetragen. Kan ich dann mich -nicht selbst mit <em>Joseph</em> in Ansehung seiner -Unschuld vergleichen, so kan es doch -einigermassen in Absicht auf sein Glück geschehen, -und mein alter Vater hat etwas -vom Schicksal <em>Jacobs</em> erfahren, sowohl -in Ansehung seiner Betrübniß als -<a id="page-48" class="pagenum" title="48"></a> -Freude über mich, indem er vorher eben so -wenig glauben konnte, daß es mir so wohl -ginge, als jemals gedencken, <a id="corr-18"></a>mich wieder zu sehen. -Der Gott Abrahams, Isaacs und Jacobs, der -mich bis diese Stunde unter vielen -Gefährlichkeiten erhalten, gebe mir seine -Gnade, damit seine Furcht mir vor Augen -sey, daß ich mit <em>Joseph</em> für alles das -Böse, so ihm zuwider, mich hüten, und -in Ruhe, Glauben und Zuversicht zu -ihm, von dem Getümmel und Unruhe -dieser eitelen Welt entfernet, den -Rest meiner Tage zubringen -möge. -</p> - -<div class="centerpic" id="img-048"> -<img src="images/048.jpg" alt="" /></div> - - -<div class="trnote"> -<p id="trnote" class="chapter"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p> - -<p> -Die Schreibweise der Namen und der fremdsprachigen Textabschnitte -wurde mit einer dänischen Originalausgabe abgeglichen: -</p> - -<p class="bq"> - Hark Olufs besynderlige Avanturer eller forunderlige Skiæbne i - Tyrkiet, samt hans lykkelige Hiemkomst derfra til sit Fædreneland: - Øen Amrom, i Riber-Stift. Haderslev, 1761. -</p> - -<p> -Der häufig vorkommende Name Boâssâse wurde einheitlich so geschrieben. -Die ebenfalls vorkommende Schreibweise Boässäse wurde entsprechend -korrigiert. Alle weiteren Differenzen wurden wie in der dieser -Transkription zu Grunde liegenden deutschen Fassung belassen. Im -Besonderen gilt dies für <a href="#page-9">Seite 9</a>, wo es im dänischen Original heißt: -</p> - -<p class="bq"> - Al ham dilola Robbi läiro min rachmana - rachim mänik jumidin, jäken abeddo jäken - astohiim tokino soratin lädino en ne dalohiim al - ham dilolah robbi läiro min. -</p> - -<p> -<a href="#page-14">Seite 14</a>, wo die Bezeichnung Thefés im dänischen Text einfach nur -Thefes ist, sowie <a href="#page-35">Seite 35</a>, wo das dänische Original so lautet: -</p> - -<p class="bq"> - Herjar Sidna se Eisa -</p> - -<p> -Weitere Fehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt, zum Teil unter -Anwendung der dänischen Originalausgabe (vorher/nachher): -</p> - -<ul> - -<li> -... als ein ordentlicher <span class="underline">Muht</span> und ...<br /> -... als ein ordentlicher <a href="#corr-1"><span class="underline">Muth</span></a> und ...<br /> -</li> - -<li> -... man aber hierüber <span class="underline">Raht</span> pflegte, wer hiezu ...<br /> -... man aber hierüber <a href="#corr-3"><span class="underline">Rath</span></a> pflegte, wer hiezu ...<br /> -</li> - -<li> -... Reuter. <span class="underline">Ist</span> wuste in dieser Eilfertigkeit ...<br /> -... Reuter. <a href="#corr-5"><span class="underline">Ich</span></a> wuste in dieser Eilfertigkeit ...<br /> -</li> - -<li> -... Es trug sich <span class="underline">währender</span> Zeit, da ich ...<br /> -... Es trug sich <a href="#corr-7"><span class="underline">während der</span></a> Zeit, da ich ...<br /> -</li> - -<li> -... ich das Vergnügen hatte, <span class="underline">S.</span> Europäer zu ...<br /> -... ich das Vergnügen hatte, <a href="#corr-8"><span class="underline">5</span></a> Europäer zu ...<br /> -</li> - -<li> -... machen, daß <span class="underline">nichtes</span> an ihrer Verpflegung ...<br /> -... machen, daß <a href="#corr-9"><span class="underline">nichts</span></a> an ihrer Verpflegung ...<br /> -</li> - -<li> -... Nahmen und <span class="underline">Gebuhrts</span>-Ort einzuzeichnen. ...<br /> -... Nahmen und <a href="#corr-10"><span class="underline">Geburths</span></a>-Ort einzuzeichnen. ...<br /> -</li> - -<li> -... Selbiger war dessen <span class="underline">Gassenadhal</span> und ...<br /> -... Selbiger war dessen <a href="#corr-13"><span class="underline">Gassenadahl</span></a> und ...<br /> -</li> - -<li> -... hier soll es sich finden, da jene sich <span class="underline">der</span> ...<br /> -... hier soll es sich finden, da jene sich <a href="#corr-15"><span class="underline">des</span></a> ...<br /> -</li> - -<li> -... ginge, als jemals gedencken, <span class="underline">euch</span> wieder zu sehen. ...<br /> -... ginge, als jemals gedencken, <a href="#corr-18"><span class="underline">mich</span></a> wieder zu sehen. ...<br /> -</li> -</ul> -</div> - - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Harck Olufs aus der Insul Amron im -Stifte Ripen in Jütland, gebürtig, sonderbare Avanturen, so sich mit ihm insonderheit zu Constantine und an andern Orten in Africa zugetragen., by Otto Riese and Hark Olufs - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HARCK OLUFS AUS DER INSUL *** - -***** This file should be named 52725-h.htm or 52725-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/2/7/2/52725/ - -Produced by Peter Becker, Jens Sadowski, and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net. 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It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. 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