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-The Project Gutenberg EBook of James Watt und die Erfindung der
-Dampfmaschine, by Georg Biedenkapp
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
-
-
-Title: James Watt und die Erfindung der Dampfmaschine
-
-Author: Georg Biedenkapp
-
-Release Date: July 3, 2016 [EBook #52492]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK JAMES WATT UND DIE ERFINDUNG ***
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-
-Produced by Peter Becker and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net
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- James Watt
-
- und die Erfindung der Dampfmaschine
-
-[Illustration]
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-
- Die »Technischen Monatshefte«
-
- sind die erste auch allgemeinverständliche technische Zeitschrift.
-
-Der vorliegende Band ist von den »Technischen Monatsheften«, Stuttgart,
-herausgegeben. Er geht den Abonnenten des Jahrgangs 1911 dieser
-Zeitschrift kostenlos zu.
-
-
- Technische Monatshefte
-
- Zeitschrift für Technik, Kultur und Leben
-
- Unter Mitwirkung hervorragender Fachleute herausgegeben von
- Ing. ~Dr. phil. et jur.~ J. Kollmann und Dipl.-Ing. ~Dr.~ Ad. Reitz.
-
- Von den zahlreichen Mitarbeitern nennen wir nur:
-
- Dipl.-Ing. Direktor L. _Brinkmann_, Madrid. Dir. Ing. Friedrich
- _Dessauer_, Aschaffenburg. Dr.-Ing. E. _Foerster_, Blankenese.
- Prof. Dr. _Franz_, Charlottenburg. Hanns _Günther_, Stuttgart.
- Dr.-Ing. Ludwig _Günther_, Berlin. Dr. Bruno _Heinemann_, Assistent
- an der Handelskammer, Magdeburg. _Otto Kahn_, Mailand. Prof. Dr.
- _Lassar-Cohn_, Königsberg. Joseph Aug. _Lux_, München. Walter
- _Mahlberg_, Dozent a. d. Handelshochschule, Köln. Prof. Dr. Bruno
- _Meyer_, Berlin. Diplomingenieur _Michel_, Cöthen. Dr. Oskar
- _Nagel_, Chemiker, New York. Geh. Hofrat Prof. Dr. _Ostwald_,
- Großbothen. Dr. _Alfons Paquet_, Frankfurt a. M. Dr.-Ing.
- _Ritzmann_, Karlsruhe. Prof. Dr. F. _Schoen_, Cahoes (Frankreich).
- Dipl.-Ing. Otto Ernst _Sutter_, Frankfurt a. M. Rechtsanwalt Dr.
- Ludwig _Wertheimer_, Frankfurt a. M. Dr. A. _Zart_, Vohwinkel.
- Prof. Otto _Kammerer_, Charlottenburg.
-
-Die »Technischen Monatshefte« wollen
-
- dem strebenden Laien und der studierenden Jugend
-
-stete Belehrung und Anregung bieten, daneben aber auch der
-Allgemeinbildung der
-
- Techniker, Industriellen, Kaufleute und Beamten
-
-dienen.
-
-Die »Technischen Monatshefte« erscheinen monatlich etwa im Umfang von
-2 Bogen. Sie enthalten ein Hauptblatt und dazu die Beiblätter »Technik
-und Schule«, »Technik und Hygiene« und »Industrielle Monographien«,
-denen sich später weitere angliedern sollen.
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-Die »Technischen Monatshefte« bieten ihren Abonnenten ganz besondere
-Vorteile. Es werden außer den vornehm ausgestatteten Monatsheften
-jährlich vier in sich abgeschlossene, reich illustrierte Buchbeigaben
-geliefert.
-
-Im Jahre 1910 erschienen:
-
-1. Max Eyth, ein deutscher Ingenieur und Dichter.
-
-2. Der Ingenieur. Essays verschiedener Verfasser.
-
-3. Deutsche Elektrotechnik im Ausland.
-
-4. Deutsche Arbeit Bd. ~I~: Das Saargebiet.
-
-Für 1911 sind vorgesehen:
-
-1. James Watt und die Erfindung der Dampfmaschine.
-
-2. Musterkatalog: Technische Bücherei.
-
-3. Deutsche Arbeit. Bd. ~II~: Die deutsche Schmuckindustrie.
-
-4. Aus Industrie und Werkstatt. Technische Plaudereien.
-
-Der Preis der »Technischen Monatshefte« beträgt jährlich nur M 7.--.
-Dafür werden also 12 Hefte und 4 Bücher als Sonderbeilagen geliefert.
-
- Verlag der »Technischen Monatshefte«, Stuttgart
- (Franckh'sche Verlagshandlung).
-
-Probehefte sind durch jede Buchhandlung kostenlos zu beziehen. --
-Abonnement jederzeit, bereits Erschienenes wird nachgeliefert.
-
-
-
-
- James Watt
- und die Erfindung der Dampfmaschine
-
- _Eine biographische Skizze_
-
- von
-
- Dr. Georg Biedenkapp
-
- Mit 23 Abbildungen
-
- [Illustration]
-
- 1911
-
- Verlag der Technischen Monatshefte
-
- :: Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart ::
-
-
-
-
-Inhalt
-
-
- Seite
- Watt und Nietzsche 5
- Watts engere Heimat und ihre berühmten Männer 7
- Watts Vorfahren 8
- Watts Jugend 9
- Watts Lehrzeit 13
- Watt als Universitätsmechaniker 15
- Geschichte der Dampfmaschine bis auf Watt 17
- Eine verbesserte Newcomenmaschine im Roman 27
- Watt erfindet den Kondensator 29
- Watts erste Maschine im Modell 31
- ~Many a clip 'twixt cup and lip~ 33
- »Mein Herz blutet für ihn« 34
- Boulton 37
- Die Retterin der Cornwallgruben 39
- Drehbewegung, Doppelwirkung, Dampfsteuerung, Drosselklappe 43
- Prozesse 47
- Andre Entdeckungen und Erfindungen Watts 49
- Watt, Darwins Großvater und Goethe 51
- Watts Lebensabend und Tod 53
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Watt und Nietzsche.
-
-
-»Eine tolle Zusammenstellung«, wird vielleicht mancher sagen, wenn er
-diese beiden Großen so nebeneinander gerückt findet!
-
-Was hat der Erfinder eines zwar sehr nützlichen, aber sonst »öden
-Mechanismus«, -- was hat der Förderer menschlicher Bequemlichkeit
-und des krassen Materialismus mit dem idealen Streben eines einsamen
-Philosophen gemein, der erhabenste Gedanken der Schnellkraft
-geflügelter Worte anvertraute und sich der Massenwucht, der
-Herrschaftslüsternheit der Pöbeltriebe entgegenstemmte?
-
-Was hat der nüchterne Techniker und Mechaniker Watt mit dem poetisch
-gestaltenden Denker zu schaffen?
-
-Wie kommt die Grauheit des Fabrikbetriebs zur Buntheit der
-Nietzscheschen Gedankenwelt?
-
-Verbietet es wirklich nicht der gute Geschmack, den Mann, der Millionen
-von Pferdekräften aus dem Boden stampfte und dem Menschen eine bis
-dahin unerhörte Macht über die Elemente und Schätze der Natur gab, in
-einem Atem zu nennen mit dem Lenker der Geister, der neue seelische
-Schätze ans Licht hob und Millionen von Geisteskräften freimachte? Soll
-im Ernste der Schöpfer der modernen _Dampfmaschine_ mit dem »_Umwerter
-aller Werte_« verglichen werden?
-
-Ohne mit einer Wimper zu zucken, behaupten wir, daß jeder nur zu
-seinem Nutzen und Besten sich von dem übertriebenen Gerede über die
-Umwertung aller Werte durch Nietzsche hinwenden wird zu dem Urheber der
-gewaltigen Umwertung vieler Werte, als der James Watt unbestritten in
-aller Zukunft wird gelten müssen.
-
-Wir wollen Nietzsche das Verdienst nicht absprechen, daß er dazu
-beitrug, das bessere Individuum gegenüber den Herdentrieben zur
-Selbstbesinnung zu bringen. Wir wollen uns vieler seiner glänzenden,
-scharfsinnigen, in so künstlerische Form gegossenen Gedanken
-freuen, darüber wollen wir aber auch ihre Mängel, ihr unlogisches
-Widereinanderstreben, ihr schwachen Gemütern gefährliches Wesen nicht
-übersehen! Gerade aber weil mit der »Umwertung aller Werte«, als einer
-Leistung Nietzsches, soviel Unfug getrieben worden ist und immer noch
-getrieben wird, wollen wir zeigen, daß der große Schotte und Mehrer
-menschlicher Machtmittel eine jedenfalls ganz unübersehbare, heute
-noch nicht zum Stillstand gelangte Umwertung der Werte eingeleitet
-hat. Mehr noch als der erste Napoleon, dessen glänzende Taten und
-Leistungen immer mit dem entsetzlichsten Blutgeruch behaftet bleiben
-werden, hat der vom Norden Englands gekommene Erfinder das äußere
-Antlitz der Erde umgestaltet. Die Revolution im Wirtschaftsleben, die
-von Watts Hirn ihren Ausgang nahm, war wohl nicht minder folgenreich
-als die große französische Revolution, die bald nach der Erfindung
-der Dampfmaschine ausbrach. Denn durch den still beschaulichen Sproß
-einer schottischen Mathematikerfamilie ist Dampf hinter alle Dinge
-gekommen, konnten die Schächte tiefer in die Erde getrieben werden,
-wurden Meere ausgetrocknet, Berge versetzt, Zünfte und Sticklüfte
-beseitigt, die schaffenstüchtige Menschheit um Millionen leidloser,
-eiserner Knechte bereichert, zahlreiche Gewerbe umgeschaffen und die
-Bevölkerungsmöglichkeit der Kulturländer ganz gewaltig gesteigert.
-
-Eine unmittelbare Folge der Dampfmaschine waren Dampfschiff und
-Eisenbahn, und diese neuen Verkehrsmittel haben überhaupt erst das
-Aufblühen Europas und Amerikas ermöglicht. Sie gaben dem Volkskörper
-der weißen Rasse, der sich über Europa hinaus reckte, neue Nerven und
-Adern, neue Arme, Beine und Hirne.
-
-Als Watt Armeen eiserner, unfühlender Diener fast aus dem Boden
-stampfte, schuf er einen neuen Begriff menschlicher Leistungsfähigkeit,
-gab er dem Denken Vertrauen zu sich selber, half er somit den
-menschlichen Geist aus den starren Banden aufgepfropfter oder
-eingewurzelter Vorstellungen befreien. Schon dadurch also war er ein
-Umwerter vieler Werte.
-
-Durch Eisenbahn und Dampfschiff, die Watt erst ermöglichte, schrumpften
-Räume und Zeiten zusammen. Die Entfernungen verkürzten sich, die
-Begriffe _nah und fern_, _lang und kurz_, _schnell und langsam_ wurden
-umgewertet. Mit dem Anfang der Eisenbahnen in Deutschland war das Ende
-der traurigen Kleinstaaterei gekommen. Der Unfug hörte auf, daß der
-Sachse, der Thüringer, der Schwabe schon innerhalb eines Tagemarsches
-oder binnen weniger Stunden ins »Ausland« gelangen konnten. Fortab war
-der Deutsche nicht mehr Ausländer für den Deutschen. Mithin haben wir
-hier ein Beispiel für politische Umwertungen, und nur eines für viele.
-Geldfürstentümer von unerhörtem Reichtume wuchsen aus dem Boden. Der
-alte Schwertadel verarmte. Dazwischen schob sich durch streberhafte
-Gefügigkeit emporgekommener Ämteradel. Mit solchen Wandlungen aber
-ergab sich eine Umwertung der Begriffe _reich_ und _arm_, _hoch_ und
-_niedrig_, _vornehm_ und _gemein_, _edel_ und _unedel_, _gut_ und
-_schlecht_. Und nur logische Folgerungen aus technischen Prämissen
-waren die Untersuchungen Nietzsches über die Begriffe gut und böse.
-
-Unverständige und Übelwollende gefallen sich gern darin, die Technik
-als die Mutter »öder Mechanismen«, als die Amme eines krassen
-Materialismus anzuschwärzen. Nicht nur wird dabei geflissentlich
-übersehen, daß die Technik oft die Retterin aus größten Nöten war;
-man will auch nicht Wort haben, daß die Technik hohen Gemütswert
-besitzt, daß sie eine poetische Seite hat und zur Quelle ästhetischer
-Befriedigung werden kann. Dichter und Ingenieure in einer Person
-waren nicht nur und nicht erst die Deutschen _Max Eyth_ und _Heinrich
-Seidel_. James Watt selber war Poet und Mechaniker zugleich, wie
-Nietzsche Poet und Philosoph. Und die vielseitigere Natur besaß
-vielleicht der Schotte. Denn er vereinigte mit der nüchternen
-Sachlichkeit des tiefgründigen Forschers die zähe Beharrlichkeit
-des Tatmenschen und den Phantasiereichtum einer künstlerischen
-Persönlichkeit. _Erasmus Darwin_, des berühmten Zoologen Großvater,
-war vom Zauber der Wattschen Dampfmaschine so sehr entzückt, daß er
-ihr eine längere Dichtung widmete, die in seinem Werke »Der Botanische
-Garten« erschien. So alt ist also bereits das Thema von der Poesie der
-Technik, und auch hier ist Watt der Einleiter einer Umwertung geworden.
-
-In der gleichen Stadt Glasgow, wo Watt seine Laufbahn als Mechaniker
-begann, war der berühmte Begründer der Nationalökonomie, _Adam Smith_,
-als Professor tätig, und Watt und Smith gehörten, wie Smiles in einem
-Werke über »Boulton und Watt« erzählt, _einem_ Klub an. Der große
-Nationalökonom aber hat später in seinem Werke über die Ursachen des
-Reichtums der Nationen gerade die Berufstätigkeit nicht genügend
-beachtet und veranschlagt, die von Watt vertreten wurde, die _Technik_.
-Das war sein Schaden, denn das wurde zur Fehlerquelle des Werks.
-
-So schreibt mit Recht Eugen _Dühring_ in seiner Geschichte der
-Nationalökonomie: »Wie Adam Smith schon die Technik überhaupt nicht
-als erste produktive Macht ansah, so konnte er insbesondere noch viel
-weniger die Bedeutung würdigen, die diejenigen ausschließlich geistigen
-Tätigkeiten haben, die auf Erfindungen hinarbeiten oder sie unmittelbar
-machen. Die auf technische Erfindungen gerichtete Forschung ist so
-gewaltig produktiv, daß sich mit ihr keine andere wirtschaftliche
-Macht messen kann.« Man wird es dem Schotten Adam Smith zugut halten
-müssen, daß erst durch seinen jüngeren Landsmann James Watt der
-Welt in glänzendster Weise dargetan werden mußte, was technische
-Schöpferkraft und Erforschung der Natur _wirtschaftlich_ zu bedeuten
-haben. Indem Watt also die noch von Smith nicht gebührend gewürdigte
-Technik zu Glanz und Geltung brachte, hat er auch in dieser Richtung
-»Werte umgewertet«. Die Herausbildung neuer Berufsstände, nämlich
-der Ingenieure, Monteure usw., knüpft sich zu einem wesentlichen
-Teile an das Schaffen des ehemaligen Mechanikers. Prozentual nehmen
-im Volkskörper die Personen zu, die einen Teil ihrer Vorbildung auf
-den strengsten Gebieten der Wissenschaft empfangen, auf den Gebieten
-der Mathematik und Mechanik. Somit sehen wir hier James Watt als den
-Ausgangspunkt sozialer Verschiebungen und Umwertungen.
-
-Nur eines kurzen Hinweises bedarf es auf die Arbeiterfrage, die sich
-beim Heraufkommen des Maschinenzeitalters entwickelt hat. Auch hier
-trug Watt dazu bei, daß neue Fragestellungen sich erhoben, Werte
-zusammenbrachen und neue entstanden. Die von ihm unabsichtlich
-eingeleitete Wertumwertung ist heute noch nicht zu ihrem Abschluß
-gelangt.
-
-Es wäre eine reizvolle Aufgabe, den Vergleich Watts mit Nietzsche
-ausführlicher zu behandeln, als es hier im Rahmen einer Wattbiographie
-möglich ist. Aber auf einige weitere Vergleichspunkte sei doch noch
-kurz hingewiesen. Wie Nietzsche seinen »Zarathustra« auf sonnigen
-Spaziergängen binnen wenigen Tagen im Geiste entwarf, so empfing Watt
-die Hauptidee seiner Erfindung auf einem Spaziergang im Freien. Wie
-der Dichterphilosoph seine Werke zur Welt brachte unter jahrelangen
-Kopfschmerzen, so zieht sich durch die Schaffenszeit Watts die immer
-wiederholte Klage über das gleiche Elend. Wie Nietzsche ein Entzücken
-gerade an der gedrungenen Begriffsfülle der lateinischen Sprache
-empfand, so begegnen wir in Watts Briefen einer Menge lateinischer
-Zitate, die man dem Mechaniker bei all seiner Belesenheit kaum
-zutrauen sollte. »Um die Erfinder neuer Werte dreht sich die Welt«,
-sagt der Einsiedler von Sils-Maria, »unhörbar dreht sie sich. Die
-stillsten Stunden sind es, die den Sturm bringen. Der Pöbel aber
-glaubt, die Welt drehe sich um die Erfinder neuen Lärms.« Ist es
-nicht eine hübsche Gleichläufigkeit dazu, wenn Watt an seinen Freund
-und Geschäftsteilhaber, den vornehmen Industriellen Boulton, in
-einem Briefe über die Aufstellung einer der ersten Dampfmaschinen im
-Cornwaller Grubenbezirk folgendes berichtet: »Geschwindigkeit, Kraft,
-Größe und der furchtbare Lärm der Maschine haben jetzt alle, die sie
-sahen, ob Freund, ob Feind, befriedigt. Ich hatte sie ein- oder zweimal
-so eingestellt, daß ihr Gang ruhiger war, und sie weniger Lärm machte;
-aber Mister Wilson (der Besitzer) kann nicht schlafen, wenn sie nicht
-tobt. Da habe ich sie denn dem Maschinenwärter überlassen. Nebenbei
-gesagt -- _die Leute scheinen von der Größe des Lärms auf die Kraft der
-Maschine zu schließen. Das bescheidene Verdienst wird hier ebensowenig
-anerkannt wie bei den Menschen_.«
-
-
-
-
-Watts engere Heimat und ihre berühmten Männer.
-
-
-Seiner Herkunft nach ist Watt ein Sohn Schottlands, in dessen
-nördlichsten Teil vor einem Jahrtausend die Kelten von den andringenden
-Angelsachsen zurückgedrängt wurden. Heute noch wird im schottischen
-Hochland meist keltisch gesprochen. Das Land ist durchweg gebirgig.
-Tiefe Meeresbuchten zerfransen die Küste. Wald und Weide, Seen und
-zahlreiche Wasserläufe erhöhen die landschaftlichen Reize, die aber
-wiederum durch Nebel, Regen und mehr windiges als kaltes Wetter
-beeinträchtigt werden. Noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts,
-also noch zu Lebzeiten Watts, zählte Schottland im ganzen nicht
-mehr Einwohner als eine moderne Riesenstadt: etwas über anderthalb
-Millionen. Aber darin gleicht dieses dünn bevölkerte Land andern
-merkwürdigen europäischen Landstrichen wie Schweden, der Normandie, dem
-Elsaß, Schwaben, Thüringen und dem Harzgebiet, daß es eine auffallend
-große Zahl ganz ausgezeichneter Männer hervorbrachte. Hervorragende
-Kenner der Wissensgeschichte pflegen den feineren schottischen
-Geist über den gröberen englischen zu stellen, der sich in breiten
-Ausspinnungen gefällt.
-
-Zur selben Zeit, da Watt durch seine Dampfmaschine eine Umwertung
-vieler Werte einleitete, lebte, wie schon erwähnt, der Schotte Adam
-Smith, dann Hume, Black und Burns, lauter berühmte Schotten. Burns war
-der bekannte Lyriker, der auch in Deutschland Nachahmer und Bewunderer
-fand. Adam Smith begründete die moderne Nationalökonomie; er machte die
-Arbeit zum Grundstein seines Systems, während vor ihm der Boden oder
-der Handel als alleinige Ursachen des Wohlstandes der Völker in den
-Vordergrund gerückt worden waren. Smith bewies in seinem Werke bereits
-großes Wohlwollen für die arbeitende Klasse und wollte die Einmischung
-des Staates in die wirtschaftlichen Vorgänge aufs äußerste beschränkt
-wissen.
-
-Mit Smith eng befreundet war der aus Edinburg stammende berühmte
-Philosoph David Hume, der durch seine klassischen Arbeiten drei
-wissenschaftlichen Gebieten angehört, der Philosophie, der
-Geschichtsschreibung und der Nationalökonomie. Wir brauchen uns nur zu
-vergegenwärtigen, was Kant dem schottischen Denker schuldet, um einen
-Begriff von Humes Bedeutung zu bekommen. Humes Untersuchungen über den
-menschlichen Verstand waren es, die den Königsberger Philosophen »aus
-seinem dogmatischen Schlummer erweckten«. Hume setzte die von Locke
-begonnene Erkenntniskritik fort. Er übte tief einschneidende Kritik
-an den metaphysischen Ideen und erweckte dem Verstand wieder Lust
-und Vertrauen zu sich selbst. Bis auf den heutigen Tag hat Hume in
-Sachen des Denkens einen wachsenden Einfluß ausgeübt. Erinnern wir uns
-deshalb hier, daß auch Watts mehr in die Augen fallende Leistung dazu
-beigetragen hat, dem menschlichen Geiste einen erhöhten Begriff von
-seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten beizubringen!
-
-Wie Smith auf nationalökonomischem, Hume auf philosophischem und
-historischem, Watt auf technischem Gebiete ein Bahnbrecher war, so
-erstand in Black, der erst in Glasgow, dann in Edinburg als Professor
-der Medizin wirkte, ein Bahnbrecher auf dem Gebiete der Chemie und der
-Physik. Black war der erste Chemiker, der den Gewichtsveränderungen
-einen entscheidenden Einfluß auf die Erklärung von chemischen Vorgängen
-einräumte, und der erste Entdecker eines von der Luft verschiedenen
-Gases: der Kohlensäure, die er »fixe Luft« nannte. Ferner hat Black
-die latente oder Schmelzwärme entdeckt und dadurch auch Beziehungen
-zur Geschichte der Dampfmaschine erhalten. Wir werden noch sehen, wie
-gerade seine Freundschaft sich für Watt als sehr nützlich erwies. Hier
-aber wollen wir nochmals betonen, wie merkwürdig es doch ist, daß
-ein so kleines, dünn bevölkertes Stückchen Europas, wie Schottland,
-um die gleiche Zeit vier auf modernen Gebieten bahnbrechende Männer
-hervorbringen konnte, einen Hume, Smith, Black und Watt! Und wie
-vorher den Logarithmenerfinder Lord Napier, so hat es später noch den
-Philanthropen Carnegie hervorgebracht.
-
-
-
-
-Watts Vorfahren.
-
-
-Watts Urgroßvater war als Pächter bei Aberdeen ansässig und kam
-in einem Gefecht der presbyterianischen Covenanter gegen die
-königlichen Truppen ums Leben. Dessen Sohn, also Watts Großvater,
-wurde von Verwandten erzogen und ließ sich später in einem Orte bei
-Greenock als Lehrer der Mathematik und Schiffahrtskunde nieder. Sein
-Protestantismus stempelte ihn in den Augen der damaligen Regierung
-zu einem widerspenstigen, gesetzeswidrigen Schulmeister (~disorderly
-schoolmaster officiating contrary to law~). Aber das hinderte nicht,
-daß Thomas Watt in seiner Gemeinde bürgerliche und kirchliche Ämter
-versah, bis er hochangesehen im Alter von 92 Jahren als Professor
-der Mathematik das Zeitliche segnete. Er bekleidete in Greenock
-verschiedene Ämter, war Ratsherr, Gemeinderechner und Bürgermeister.
-Watts Vater hatte, obwohl der Mathematikprofessor Watt seinen beiden
-Söhnen Vermögen hinterließ, einen praktischen Beruf ergriffen, während
-der Oheim des Erfinders, also der andre Sohn des Mathematikprofessors,
-wiederum Mathematiker wurde. Der Vater des Erfinders entwickelte als
-Häuser- und Schiffsbauer, als Schreiner, Tischler, Zimmermann, als
-Reeder, Kaufmann und Schiffsgeräteverfertiger im Laufe eines langen
-Lebens eine bedeutende Vielseitigkeit, die offenbar durch die dürftigen
-Verhältnisse des kleinen Platzes bedingt wurde. Denn Greenock war zu
-Beginn des 18. Jahrhunderts nur ein Fischerdorf, entwickelte sich
-aber bald darauf derart, daß es das Örtchen Crawfordsdyke, wo Watts
-Großvater sich angesiedelt hatte, überholte und in sich aufnahm.
-
-Die männliche Linie der Familie Watt starb im Jahre 1848 mit dem Sohne
-des Erfinders aus. Auch dieser Sohn hatte eine mathematisch-technische
-Bildung erhalten, so daß wir von vier Generationen dieser Familie
-sagen können: sie gehörten dem mathematisch-mechanischen Gebiete an,
-erreichten alle vier ein außerordentlich hohes Alter, waren aber
-dennoch ein aussterbendes Geschlecht. Auf Rechtschaffenheit und
-Glaubenstreue wurde von Urgroßvaters Zeiten her besonders gehalten.
-
-Übrigens wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß uns der Familienname
-Watt als der eines adligen Geschlechtes in der Schweiz begegnet. Ein
-Joachim von Watt, 1484 in Sankt Gallen geboren, studierte in Wien,
-führte dort eine Zeitlang ein tolles Raufleben, wurde mit dreißig
-Jahren Professor und ließ sich später in Sankt Gallen als Arzt nieder.
-Mit Zwingli, Erasmus und Luther befreundet, war er ein Hauptförderer
-der Reformation und amtierte auch als Bürgermeister. Von seinen
-zahlreichen Schriften ist seine Chronik der Äbte von Sankt Gallen die
-wichtigste. Das Kloster Sankt Gallen ist von irischen oder, wie sie im
-Mittelalter genannt wurden, _skotischen_, also _schottischen_ Mönchen
-gegründet worden. Indessen ist es höchst unwahrscheinlich, daß etwa
-schottische Watts sich im Schutze des genannten Klosters angesiedelt
-hätten. Eher möchte man vermuten, daß Abkömmlinge des schweizerischen
-Rittergeschlechtes nach England auswanderten.
-
-So sehen wir zum Beispiel den Erfinder selbst die Hilfe eines aus
-der Schweiz zugewanderten Färbers in Anspruch nehmen, um Deutsch zu
-lernen, dessen er zum Verständnis von Leupolds »~Theatrum machinarum~«
-benötigte. Vielleicht gelingt es einer künftigen Forschung, hier noch
-Licht zu schaffen.
-
-
-
-
-Watts Jugend.
-
-
-Den Vater haben wir schon als ungemein rührigen, vom Vertrauen seiner
-Mitbürger getragenen Mann kennen gelernt. Die Mutter des Erfinders wird
-als unübertreffliche Frau von großem Liebreiz, mit trefflichen Gaben
-des Geistes und des Gemütes geschildert. Sie entstammte einer Familie
-Muirhead, die zu Professorenkreisen gehörte; ein Professor Muirhead,
-Verwandter von Watts Mutter, war durch eine Homerausgabe berühmt. Von
-fünf Kindern starben drei in frühester Jugend, ein Bruder Watts, der
-auf einem Schiffe seines Vaters nach Amerika fuhr, fand bei Sturm auf
-hoher See den Untergang. Für das Verhältnis des einzig überlebenden
-Sohnes James zu seiner Mutter ist es bezeichnend, daß sie in ihm alles
-fand, was sie von einer Tochter Liebes hätte erwarten dürfen. Denn
-Watt war ein außerordentlich schwächliches Kind und gedieh nur dank
-sorgsamster Pflege. So wurde er eben ein Muttersöhnchen. Und weil er
-infolge häufiger Kränklichkeit und oft wochenlangen Kopfschmerzes nicht
-mit den übrigen Knaben mittun, nicht mit ihnen an den Ufern des Clyde
-herumspielen oder Entdeckungs- und Räuberfahrten in die Umgebung machen
-konnte, im Gegenteil wegen seiner Schwächlichkeit dem Spott und der
-Roheit der stärkeren Jungen ausgesetzt war, so mußte sich das ganze
-Wesen dieses Kindes nach innen entfalten und Anschluß bei der Mutter
-suchen. Erinnern wir uns hier, daß die alten Völker, die schwächliche
-Kinder einfach beseitigten, sich gerade dadurch oft der besten, nämlich
-der geistigsten, Kräfte beraubten! Ein Kepler, ein Newton, ein Watt
-wären im alten Sparta Kinder des Todes gewesen.
-
-Ein hübscher Zufall wollte es, daß der wohl größte Techniker seiner
-Zeit fast in der gleichen Woche wie der wohl größte Mathematiker der
-gleichen Epoche zur Welt kam. Lagrange wurde am 25. Januar 1736 zu
-Turin geboren, Watt am 19. oder 31. Januar dieses Jahres zu Greenock am
-Clydeflusse. In allen Biographien Watts findet man als Geburtsdatum den
-19. Januar angegeben. Das muß aber auf einem mit rührender Treue immer
-wieder nachgeschriebenen Irrtum beruhen, vielleicht dadurch veranlaßt,
-daß Watt am 19. August des Jahres 1819 starb. Er selbst schreibt am
-31. Januar 1770 an seinen Freund ~Dr.~ Small in Birmingham: »Ich trat
-heute (~to-day~) in das 35. Jahr meines Lebens und ich glaube, ich habe
-noch nicht für 35 Pfennig Gutes auf der Welt getan, aber ich kann's
-nicht ändern.« Hier bezeichnet also Watt den 31. Januar als seinen
-Geburtstag. Aber ob so oder so, es sind nur wenige Tage Unterschied vom
-Geburtstage des großen französischen Mathematikers. Im Mannesstamm sind
-die Familien Watt und Lagrange heute ausgestorben.
-
-Allerhand Anekdoten werden von der Frühreife des späteren Erfinders
-überliefert. Dabei ist zu beachten, daß selbst Personen, wie der
-französische Naturforscher Arago, sie ohne Zweifelsbekundung
-wiedergeben und von Watts Sohne selber Berichte empfingen oder
-empfangen konnten. Von der Mutter im Lesen, vom Vater im Schreiben und,
-den Familientraditionen entsprechend, früh in Mathematik unterrichtet,
-soll er bereits als Sechsjähriger über geometrischen Aufgaben gesessen
-haben. Mit einem Stück Kreide in der Hand stand er am Herde, als ein
-Bekannter seines Vaters zu diesem äußerte, er solle doch den Knaben
-in die Schule schicken, statt ihn zu Hause seine Zeit vertrödeln zu
-lassen. »Sehen Sie erst, was der Junge macht,« versetzte der Vater,
-»bevor Sie ihn verurteilen.« Klein-Jamie befaßte sich gerade mit
-einer geometrischen Aufgabe. Ein andermal tadelte ihn seine Tante
-mütterlicherseits, weil er seit einer Stunde, ohne ein Wort zu sprechen
-und ohne ein nützliches Buch zur Hand zu nehmen, am Teekessel spielte,
-indem er über die Mündung bald einen Löffel, bald eine Tasse hielt
-und die Tropfen zählte, die sich bildeten. Während Arago in seiner
-Wattbiographie dies jugendliche Experiment als eine Vorbereitung zu
-späteren Dampfbändigungstaten darstellt, hat Watt selber jedenfalls
-in seinen Auslassungen über die ersten Anregungen zum Studium der
-Dampfmaschine nichts von solchen Kindheitserinnerungen erwähnt, und
-dies Schweigen scheint mir gegen die Anekdote zu sprechen. Auch Smiles
-mißt in seiner großen Biographie »Boulton und Watt« der Anekdote keine
-Bedeutung bei. Von außerordentlicher Tragweite war dagegen der Umstand,
-daß Watt neben und in einer Werkstatt aufwuchs, wo er die Handhabung
-aller möglichen Geräte kennen lernte, die Zimmerleute und Mechaniker
-bei ihrer Arbeit sah und selber von klein auf bosselte und drechselte.
-Die Werkleute seines Vaters sagten von ihm, er habe ein Vermögen in
-seinen Fingern. Schon in frühester Kindheit also beginnt bei ihm die
-Vorbereitung für den späteren Beruf eines Mechanikers, und wir können
-uns hier erinnern, daß einem Heinrich Hertz, einem Philipp Reis und
-Grafen Zeppelin die früh erworbene Geschicklichkeit der Hand und
-Fertigkeit im Drechseln und Bosseln für ihre Erfindungen von großem
-Nutzen gewesen ist. Regelmäßigen Schulunterricht empfing Watt vor dem
-vierzehnten Jahre nicht. Teils war seine Kränklichkeit die Ursache,
-teils wohl auch der Wille des Vaters, der sich sagen mochte, daß der
-schwächliche Junge von mechanischen Arbeiten gleichen Nutzen für den
-Körper wie für den Geist haben würde. Soweit aber James die Schule
-besuchte, erwies er sich als _unter dem Durchschnitt, als dumm und
-hinter seinen Jahren zurückgeblieben_. Das änderte sich erst, als er
-in die Mathematikklasse kam, wo er sich bald auszeichnete. Wir haben
-hier also ein neues Beispiel zu der langen Reihe berühmter Forscher
-und Erfinder, die auf der Schule sehr geringe Erwartungen weckten und
-später durch ihr Leben und Wirken glänzend enttäuschten: Robert Mayer,
-Darwin, Gustav Jäger, Liebig, Berzelius, Linné, Bessel, Alexander v.
-Humboldt, Werner Siemens, Riggenbach, List, Thaer u. a. Der gleiche
-Knabe, der seinen Lehrern so schwerfällig und zurückgeblieben erschien,
-konnte Erwachsene durch seine frei erfundenen Erzählungen stundenlang
-in höchste Spannung versetzen. Man kann als sicher annehmen, daß Watt,
-als Sohn eines Geistlichen und infolgedessen zuerst vorwiegend mit
-Literatur und Sprachen genährt, wohl einer der fruchtbarsten Dichter
-Schottlands geworden wäre. Ehe er vierzehn Jahre zählte, brachte ihn
-seine Mutter Luftwechsels wegen zu Verwandten nach Glasgow. Damals
-war es ein kleines Universitätsstädtchen, das noch keinen einzigen
-großen Fabrikschornstein kannte. Jeden Abend vor dem Schlafengehen
-begann Jung-Jamie seine Tante in ein Gespräch zu verwickeln, in dessen
-Verlaufe er eine Geschichte nach der andern, fröhlichen oder gruseligen
-Inhalts, erzählte, während die ganze Familie auf den jedesmaligen
-Ausgang gespannt war. So verstrichen die Stunden, und die gute Tante
-kam nicht mehr zu genügendem Schlafe, so daß sie den Jungen nach
-Greenock zurückbrachte, um die Ordnung ihres Lebens wieder ins Geleise
-zu bringen. An der Glaubhaftigkeit dieser Anekdote dürfte um deswillen
-nicht zu rütteln sein, weil auch Walter Scott aus eigner Beobachtung
-und von Hörensagen wußte, daß noch der hoch betagte Erfinder ein
-Meister in selbsterfundenen Geschichten war. Als er in hohem Alter in
-Gesellschaft eines Tages den Faden seiner frei erfundenen Erzählung
-nicht schnell genug weiterspinnen konnte, vielmehr durch reichliche
-Griffe in die Schnupftabaksdose Kunstpausen erzielte und dadurch die
-Frage veranlaßte, ob er heute etwa eine von ihm selbst erfundene
-Geschichte berichte, soll er geantwortet haben: »Diese Frage setzt
-mich in Erstaunen. Seit vielen Jahren verbringe ich meine Abende in
-ihrer Gesellschaft und tue nichts anderes.« Wir haben also sowohl
-aus der Jugend wie aus dem Alter die gut bezeugte Überlieferung, daß
-Watt einen unerschöpflichen Phantasiereichtum, eine seltene Gabe für
-packende, anschauliche Erzählungen besaß. Der große Mechaniker war auch
-ein hochbegabter Poet, und seine Briefe, fast die einzigen von ihm
-erhaltenen Schriftstücke literarischen Charakters, bestätigen diese
-Behauptung, denn Watts Sprache verrät einen wahren Bilderreichtum.
-
-Doch verfolgen wir den Gang seiner weiteren Schulbildung. Von der
-Handelsschule, die er bis zu seinem vierzehnten Jahre mit reichlichen
-Unterbrechungen besuchte, kam er in die Latein- oder Grammarschule.
-Dort machte er gute Fortschritte in Latein und Griechisch, noch
-bessere aber in Mathematik. In diesem Fache war er der Beste. Zu
-Hause wurde Zeichnen, Schnitzen, Konstruieren geübt; Jamie besserte
-Kompasse, Quadranten und sonstige Schiffsinstrumente aus. Watts ganze
-Denkrichtung hatte sich durch den Mangel an körperlicher Betätigung
-früh von den Trieben der gleichaltrigen Jugend abzweigen müssen. Vater,
-Mutter und gute Bücher bildeten den hauptsächlichen Umgang. Und da
-der Umgang mit Büchern immer auch ein Umgang mit den Menschen ist, die
-diese Bücher schrieben, so wuchs eben Jamie in der besten Gesellschaft
-auf, die damals in Greenock zu haben war. Unterhaltungslektüre,
-Balladen und Geschichten las er so oft, bis er die besten Sachen
-auswendig wußte.
-
-In die Jugendzeit Watts fiel das letzte Aufflackern der schottischen
-Rebellion gegen die britische Herrschaft. Bis in die unmittelbare
-Nähe von Greenock kam eine Streifschar wilder Bewohner der Hochlande.
-So lernte der Knabe denn die Aufregungen des Krieges, die ihm
-aus vielen Erzählungen bekannt waren, auch aus dem unmittelbaren
-Erleben in der engeren Heimat kennen. Aber mehr fesselten ihn doch
-Instrumente und Maschinen, deren Geheimnis zu enträtseln er keine
-Ruhe hatte. Wir erfahren, daß er vor Vollendung des fünfzehnten
-Jahres mit größter Aufmerksamkeit bereits zweimal die Elemente der
-Naturphilosophie, wir würden sagen der Naturwissenschaft, von 's
-Gravesande durchgegangen hatte. Das Buch gehörte seinem Vater und
-ist vermutlich das große zweibändige Werk 's Gravesandes, betitelt
-»~Physices Elementa Mathematica experimentis confirmata~«, das 1720
-erschien, und von dem mir eine vierte Auflage aus dem Jahre 1748
-vorliegt, also aus einem Jahre, da Watt 12 Winter zählte. Dies Werk
-ist lateinisch geschrieben, mit schönen großen lateinischen Typen
-gedruckt und so reich mit Kupferstichen ausgestattet, wie man es heute
-kaum bei einem wissenschaftlichen Werke findet. Selbst wenn Watt
-aus der englischen Ausgabe in englischer Übersetzung gelernt haben
-sollte, so dürfte doch anzunehmen sein, daß auch diese die Gesetze der
-Mechanik, des Luft- und Dampfdruckes, des Lichtes, der Elektrizität
-usw. mit reichlichen Illustrationen erläutert hat. Vergegenwärtigen
-wir uns überhaupt einmal, welcherlei naturwissenschaftlich wichtige
-Tatsachen als Neufunde in den Gesichtskreis des jungen Watt getreten
-sein mögen, um uns ein Bild der damaligen Zeit in wissenschaftlicher
-Hinsicht zu machen! Das Werk 's Gravesandes selbst veranschaulicht uns
-auf das lebhafteste, mit welchem Anteil man der Zusammensetzung des
-weißen Lichtes aus den bunten Farben nachging, mit welchem Eifer man
-elektrische Versuche anstellte, wie man sich freute, einen luftleeren
-Raum herstellen zu können, nachdem das Mittelalter mit seinem Glauben
-an den Abscheu der Natur vor dem Leeren abgewirtschaftet hatte. Man
-lebte unter dem Eindruck eines glänzenden Aufschwungs der auf Versuche
-sich stützenden Forschung und der Mathematik. Die Zeit unmittelbar
-_vor_ Watt war an naturwissenschaftlichen Entdeckungen vielleicht
-noch reicher als unsre eigene. Galilei hatte mit dem Fernrohr neue
-Welten am Firmament entdeckt, hatte den leichten Hauch, das Nichts,
-die Luft gewogen. Sein Schüler Torricelli maß den Luftdruck. Das
-Barometer wurde erfunden. Otto von Guericke hatte die Luftpumpe und
-die erste Elektrisiermaschine erdacht. Huygens konstruierte eine
-Pulverexplosionsmaschine, in der die Pulvergase einen luftverdünnten
-Raum erzeugten und der äußere Luftdruck verwendet wurde, durch die
-Maschine Wasser in die Höhe zu heben. Von da aus nahm die Geschichte
-der Dampfmaschine ihren Anfang. Newton hatte Versuche über die
-Zusammensetzung des Lichtes angestellt, das Gravitationsgesetz
-gefunden, die Infinitesimalrechnung geschaffen. Huygens bewies, daß das
-Licht eine Art Wellenbewegung sein müsse. Der Schotte und Landsmann
-Watts, Lord Napier von Merchiston, hatte die Logarithmen eingeführt
-und damit eine neue Art Hexerei gelehrt. Gerade auf den Gebieten der
-exakten Wissenschaften ist also das Jahrhundert vor Watts Geburt ein
-klassisches zu nennen. Aber man würde sich gewaltig irren, wenn man
-meinte, alle die hochinteressanten Dinge, die _uns_ heute über das
-Leben der Tiere und Pflanzen, insbesondere über die Kleinlebewelt,
-über die Insekten und Polypen in ungezählten volkstümlichen Schriften
-dargeboten werden, seien jenem Zeitalter fremd geblieben. Hales
-hatte in England physiologische Versuche über das Leben der Pflanze
-veröffentlicht. Linné war fast zwei Jahrzehnte vor Watt geboren. Der
-ehemalige Angestellte eines Tuchgeschäftes Anton Leeuwenhoek hatte mit
-einem selbstgefertigten Kleinseher (Mikroskop nennt man es auf deutsch)
-die Welt der kleinen Ungeheuer im Wassertropfen entdeckt. Swammerdam
-lehrte den kunstvollen Bau eines Bienenleibes kennen. Als Watt acht
-Jahre alt war, gab der Genfer Trembley seinen Zeitgenossen die
-merkwürdige Entdeckung bekannt, daß der zentimetergroße Süßwasserpolyp
-sich Umstülpung und zehnfache Zerschneidung gefallen läßt, ohne daß
-sein Leben endet. Jedes Schnittstück wird sogar wieder ein ganzer
-Polyp. In die Kindheit Watts fällt die Herausgabe eines sechsbändigen
-Werkes über das Leben der Insekten, in dem der französische Physiker
-Réaumur, der gleiche, dem wir die bekannte Thermometerskala verdanken,
-die erstaunlichen Leistungen der Insekten im Weben und Spinnen, im
-Bauen und Zusammenarbeiten schildert. Und als Watt aus seinem 's
-Gravesande die damals noch mit dem ganzen Reiz der Neuheit verklärten
-elektrischen Versuche und Tatsachen kennen lernte, da dauerte es
-keine drei Jahre mehr, bis aus Amerika die Nachricht kam, dort habe
-einer den Beweis erbracht, der Blitz sei nur eine große elektrische
-Entladung -- worüber sich die Londoner Königliche Gesellschaft der
-Wissenschaften pflichtschuldig erst lustig machte. Ja, so groß war im
-Anfang des 18. Jahrhunderts die Anteilnahme an den Naturwissenschaften,
-daß der Hamburger Dichter Brockes in seinen poetischen Werken, die
-er »Irdisches Vergnügen in Gott« betitelte, gar nicht so üble Verse
-auf allerhand physikalische, zoologische und sonstige Erscheinungen
-brachte, Verse, die man auch heute noch lesen kann. Ich wünschte,
-ich könnte dem Leser hier einen Begriff geben, mit wie zahlreichen
-belehrenden Abbildungen Werke damaliger Zeit ausgestattet waren, um
-glaubhaft zu machen, daß James, ein unersättlicher Leser in seiner
-Jugend, voll Interesse für Physik und Mechanik, für Botanik und
-Geologie, der lebhaftesten Anregungen selbst in dem weltentlegenen
-Greenock mit seinen Strohdächern nicht entbehrte. Und wenn der
-Fünfunddreißigjährige später einmal klagt, er habe noch nichts auf
-der Welt genützt, so wollen wir angesichts dieser Bekundung von
-Ehrgeiz nicht unerwähnt lassen, daß auch das Gerücht von andren als
-wissenschaftlichen Heldentaten an sein jugendliches Ohr drang: die
-Taten Friedrichs des Großen, des Philosophen auf dem Throne, der einen
-Voltaire, einen Lagrange in seine Umgebung berief und ein Kriegsheld
-ersten Ranges war.
-
-Ein Genie ohne die Fähigkeit zum Alleinsein, ohne Hang zur Einsamkeit
-und Zwiesprache mit sich selbst, dürfte ein Widerspruch in sich
-sein. Daher wird uns auch von Watt berichtet, daß er gerne bei
-Nacht einsame Spaziergänge machte, Mond und Sterne beobachtete,
-ohne Begleitung ausgedehnte Streifzüge in die Umgebung unternahm,
-in einsame Täler und zu endlos sich streckenden Wasserflächen.
-Ein Sohn der Schmerzen, insonderheit des Kopfwehs von Jugend auf,
-las er auch gerne medizinische Bücher, wo er ihrer habhaft werden
-konnte, und zu seinem Sohne soll er später gesagt haben, er wäre
-Arzt geworden, hätte er sich fähig gefühlt, das Leiden der Kranken
-mitanzusehen. Bekanntlich kamen auch Darwin und Herder, beide Väter
-der Entwicklungslehre, dadurch vom medizinischen Studium ab, daß
-sie den Anblick der zu ihrer Zeit freilich noch entsetzlich blutig
-verlaufenden Operationen nicht ertragen konnten. Gerade weil aber für
-feinere Naturen das ärztliche Studium schwere Hindernisse bietet,
-will es mir um so unglaubhafter erscheinen, was durch Smiles und
-Arago, die beide aus bester Quelle schöpfen konnten, berichtet wird:
-Watt sei eines Tages dabei betroffen worden, wie er den Kopf eines
-an einer ungewöhnlichen Krankheit gestorbenen Kindes in sein Zimmer
-trug, um ihn zu sezieren. Dazu gehörten doch wohl nicht nur starke,
-sondern auch rohe Nerven. Das Fehlen näherer Einzelheiten, nach denen
-doch die Überlieferer dieser Nachricht hätten forschen müssen, macht
-die Sache höchst unglaubhaft. Zur Ehre Watts wollen wir annehmen,
-daß es eine auf Mißverständnis beruhende Anekdote ist. Wir wissen
-ja aus unsrer eignen Zeit, wie selbst berühmte lebende Forscher
-in wissenschaftlichen Nachschlagewerken tot oder als im Irrenhaus
-befindlich verzeichnet wurden; wir wissen, wie Unwahrheiten sich
-jahrzehntelang in wissenschaftlichen Werken trotz längst erfolgter
-Widerlegungen erhalten: da mag leicht auch über einen berühmten Mann
-des 18. Jahrhunderts eine unwahrscheinliche Anekdote vermeintlich zu
-seiner Ehre, in Wahrheit zu seinem Schaden in Umlauf gebracht worden
-sein. Es entspricht ein solcher Zug durchaus nicht dem Charakter des
-großen Erfinders. Watt war es ein unerträglicher Gedanke, daß andre
-Leute durch seine technischen Projekte sollten zu Schaden kommen; wie
-hätte er sich da auch nur im Geiste an einer Kindesleiche, an den
-Gefühlen der nichtsahnenden Eltern versündigen können, abgesehen davon,
-daß es früher selbst große Gelehrte Kämpfe gekostet hat, in den Besitz
-von Leichen zu gelangen. Auf diese Art sich Wissen zu verschaffen,
-stimmt auch nicht zum Wesen eines Mannes, der in seinen Kindertagen
-täglich im Hause auf die Bilder zweier solcher Geistesriesen zu schauen
-gewohnt war, wie Newtons und des Logarithmenschöpfers Lord Napiers.
-
-Schon aus den bisher vorgetragenen Bemerkungen über wissenschaftliche
-und literarische Neigungen des jungen Watt dürfte hervorgehen, daß
-hier eine außerordentlich vielseitige geistige Beanlagung, ein höchst
-seltenes Beieinander verschiedenster Talente vorhanden war, die
-Hand geschickt zu feinsten Zeichnungen, zum Schnitzen, Bosseln und
-Drechseln, -- der Verstand den mathematischen Naturwissenschaften
-zugewandt und gewachsen, -- die Phantasie üppig sprudelnd wie die
-des fruchtbarsten Romanschriftstellers, -- und ein Charakter, dem
-es vielleicht zur Empfehlung gereicht, daß er sich mit der übrigen
-Jugend nicht gemein machen konnte, sondern lieber für sich blieb. Wir
-haben Schilderungen, die den jungen Mann und den ehrwürdigen Greis im
-gleichen Sinne darstellen. Hier sei zunächst nur das Zeugnis Walter
-Scotts angeführt, von welcher reichen Vielseitigkeit Watt in seinen
-alten Tagen noch glänzende Proben ablegte. In der Vorrede zum »Kloster«
-äußert sich der schottische Romanschriftsteller folgendermaßen:
-
-»Watt war nicht nur der tiefste Gelehrte und derjenige, der mit dem
-glücklichsten Erfolge aus gewissen Kombinationen von Zahlen und Kräften
-brauchbare Anwendungen gezogen hatte, er nahm nicht nur unter denen,
-die durch die Allgemeinheit ihrer Bildung sich auszeichnen, einen der
-ersten Plätze ein: er war auch der beste, der liebenswürdigste Mensch.
-Das einzige Mal, wo ich mit ihm zusammengetroffen bin, war er von einer
-kleinen Gesellschaft Gelehrter aus dem Norden umgeben.... Da sah und
-hörte ich, was ich niemals wieder sehen und hören werde. Der muntere,
-liebenswürdige, wohlwollende Greis von 81 Jahren nahm an allen Fragen
-einen lebhaften Anteil; seine Kenntnisse standen jedem zur Verfügung,
-der sie in Anspruch nahm. Er verbreitete über jeden Gegenstand die
-Schätze seiner Talente und seiner Einbildungskraft. Unter den Gentlemen
-befand sich ein gelehrter Philologe; Watt unterredete sich mit ihm über
-den Ursprung des Alphabets, als wenn er der Zeitgenosse des Kadmos
-gewesen wäre. Als ein berühmter Kunstrichter sich zu ihnen gesellte,
-hätte man behaupten mögen, daß der Greis sein ganzes Leben dem Studium
-der schönen Wissenschaften oder der Nationalökonomie gewidmet habe.
-Es würde überflüssig sein, die exakten Wissenschaften zu erwähnen:
-sie bildeten seine glänzende und spezielle Lebensaufgabe; wenn er
-indessen mit unserem Landsmann Jedediah Cleishbotham sprach, so hätte
-man darauf geschworen, daß er der Zeitgenosse Claverhouses und Burleys,
-der Verfolger und der Verfolgten, gewesen wäre; daß er wirklich genau
-die Flintenschüsse gezählt hätte, die die Dragoner auf die flüchtigen
-Covenanter abfeuerten. Wir entdeckten endlich, daß kein Roman von nur
-einigem Ruf ihm entgangen war, und daß die Leidenschaft des berühmten
-Gelehrten für diese Art von Schriften derjenigen an Lebhaftigkeit
-gleichkam, die sie einer jungen Putzmacherin von 18 Jahren einflößen.«
-
-Indessen sollte sich doch diesem so reich beanlagten und
-verschwenderisch ausgestatteten Jüngling, dem Sohn eines der
-angesehensten und wohlhabendsten Bürger von Greenock, nicht die
-gelehrte Laufbahn öffnen. Watts Vater war durch kaufmännische
-Unternehmungen, durch den Verlust von Seeschiffen in seinen
-Vermögensverhältnissen zurückgekommen. Er mußte deshalb darauf
-Bedacht nehmen, den Sohn und dessen jüngeren Bruder bald etwas
-Praktisches lernen zu lassen. Die Aussicht, Professor der Mathematik
-oder Naturwissenschaft zu werden, war durch düstere finanzielle
-Wolken verhängt. Daher galt es, eine Wahl zu treffen, die der
-Forderung der angeborenen Neigungen und des praktischen Nutzens
-gleicherweise entsprach: Watt entschied sich für den Beruf eines
-mathematischen Instrumentenmachers, um als Feinmechaniker immer noch
-den Überlieferungen der Vorfahren, dem Geiste Newtons und Napiers, den
-Mahnungen ihrer Wandbilder, treu bleiben zu können. Wir kommen damit zu
-Watts Lehrjahren.
-
-
-
-
-Watts Lehrzeit.
-
-
-Achtzehn Jahre alt, verließ James Watt das Vaterhaus, um in dem nicht
-allzuweit entfernten Städtchen Glasgow bei einem geeigneten Meister
-in die Lehre zu treten. Dort fehlte es ihm nicht an einflußreichen
-Verwandten, und von der Gefahr, auf Abwege zu geraten, konnte keine
-Rede sein. Nur zwei sich kreuzende Hauptstraßen besaß das Städtchen
-damals, dessen meiste Häuser aus Holz gebaut und mit Stroh gedeckt
-waren. Selten, daß sich auf dem vorbeifließenden Clyde ein größeres
-mehrmastiges Schiff zeigte, obwohl die angesehensten Bürger Händler
-mit Virginiatabak waren, die gar stolz in ihren Scharlachröcken,
-Hahnfederhüten und Puderzöpfen die kurze Hauptstraße durchwandelten.
-Wirtshäuser und Zeitungen gab es nicht; die Neuigkeiten der Welt
-kamen den Glasgowern eine Woche später durch ein Londoner Blättchen
-zur Kenntnis. Man traf sich, nach Beruf und Neigung zusammengeführt,
-abends in den Klubs. Theater waren ebenfalls nicht zu finden, und als
-im Jahre 1752 ein hölzernes Theater errichtet wurde, fand sich das Volk
-in seinen religiösen Gefühlen so verletzt, daß es die Bude stürmte
-und die Besucher mißhandelte. Und als der Bau eines Theaters im Jahre
-1762 wiederum ins Auge gefaßt wurde, wollte niemand Grund und Boden
-dazu verkaufen. Zu neuen Ausschreitungen kam es zwei Jahre später,
-als man vor den Stadttoren dennoch ein Theater baute. Waren also die
-biederen Glasgower zwar Feinde des Theaters, so doch nicht eines
-kräftigen und reichlich bemessenen Trunkes, eine Schwäche, die dem nie
-ganz gesunden Watt jedenfalls nichts anhaben konnte. Zunächst freilich
-sollte sein Aufenthalt in dem kleinen Universitätsstädtchen, in dem
-er nach einigen Jahren die wichtigste Erfindung für die Dampfmaschine
-machte, nicht von langer Dauer sein. Der Meister, bei dem er in die
-Lehre trat, nannte sich zwar Optiker und war auch ein sehr vielseitiger
-Mann, der Brillen, Geigen und Spinette verkaufte oder zur Ausbesserung
-annahm, auch einfachere mathematische Instrumente zur Not wieder
-instand setzte, aber um des Lebens Notdurft willen auch Angelruten und
-Fischnetze oder was sonst gewünscht wurde, herstellte. Da man sich aber
-die Ausbildung des jungen Watt zum mathematischen Instrumentenmacher
-doch etwas gründlicher und tiefer vorgestellt hatte, so erhielt Watt
-von dem Professor der Naturwissenschaft Dick den Rat und die nötigen
-Empfehlungsbriefe zur Übersiedlung nach London. Sie erfolgte in
-Begleitung eines Verwandten. Hoch zu Roß gelangte der Jüngling in
-ebensoviel Tagen von Glasgow nach der britischen Hauptstadt, wie es
-heute mit der Eisenbahn Stunden erfordert, wenn man den bummeligsten
-Zug nimmt. Watts Unterbringung bei einem Londoner Meister machte aber
-große Schwierigkeiten. Niemand wollte oder durfte ihn nehmen, da er
-die vorgeschriebene Bedingung, nämlich siebenjährige Lehrlingschaft
-bei einem eingesessenen Meister, weder erfüllt hatte noch erfüllen
-konnte. Nach vierzehntägigem vergeblichem Suchen schrieb Watt an seinen
-Vater, höchstens gegen Draufzahlung eines Lehrgeldes würde ihn ein
-Meister für ein Jahr bei sich aufnehmen. So entschloß er sich denn,
-zunächst bei einem ihm durch seinen Verwandten bekannt gewordenen
-Uhrmacher namens Neale ohne jede Vergütung in Dienst zu treten.
-Bei diesem übte er sich in der Kunst des Gravierens. Bald jedoch
-glückte es ihm, bei einem regelrechten Verfertiger mathematischer
-Instrumente, namens Morgan, gegen ein Lehrgeld von zwanzig Guineen und
-Überlassung seiner Arbeitsergebnisse für ein Jahr unterzukommen. Rasch
-erwarb sich der eifrige Jüngling Fertigkeit in der Herstellung von
-messingnen Transporteuren, Quadranten, Azimutalkompassen, Theodoliten,
-Verhältniszirkeln und was der mathematischen Instrumente noch mehr
-sind. Er lernte auch die Vorteile einer weitgehenden Arbeitsteilung
-kennen. Im Bestreben, möglichst bald keiner väterlichen Zuschüsse
-mehr zu bedürfen, schränkte sich Watt aufs äußerste ein, und wo er
-durch Arbeiten in seiner Freizeit etwas verdienen konnte, setzte er
-die Stunden der Nacht daran. Schlimme Zustände herrschten damals in
-London und seiner Umgebung. Das Schicksal, das den deutschen Dichter
-Seume und viele andre unglückliche Opfer fürstlicher Habsucht und
-Gewissenlosigkeit traf, über See als Soldat verkauft zu werden,
-drohte auch einem Watt, wenn er unvorsichtig war. Truppen von Werbern
-griffen junge Männer auf und zwangen sie, Matrosen zu werden;
-Agenten der Ostindiengesellschaft führten dieser zwangsweise Leute
-für den Kolonialdienst zu, Seelenverkäufer lieferten eingefangenes
-Menschenmaterial auch an die amerikanischen Pflanzer. Wehe dem, der in
-seinen Personalverhältnissen nicht ganz einwandfrei war! Er entrann
-nicht mehr seinen Häschern, und Watt hätte sich ebenfalls nicht vor
-dem Lordmayor genügend legitimieren können, denn er befand sich in
-einer gesetzlich nicht erlaubten Lehrlingsstellung, er hatte die
-vorgeschriebenen sieben Jahre Lehrzeit nicht durchgemacht. So konnte
-er sich immer noch in der Werkstatt seines Meisters am sichersten
-fühlen, seine zehn Stunden herunterarbeiten und abends, abgerackert und
-mit zitternden Händen, wie er selbst schrieb, sein Lager aufsuchen.
-Sein Arbeitsplatz in der Nähe der Ladentür zog ihm aber eine schlimme
-Erkältung, Husten und Rheumatismus zu. Das Übel wich nicht, so daß Watt
-im Herbst 1756 nach der schottischen Heimat zurückkehrte, mit Bions
-Werk über mathematische Instrumente und allem Handwerkszeug versehen,
-das zur Niederlassung als Meister im Norden erforderlich war.
-
-
-
-
-Watt als Universitätsmechaniker.
-
-
-Nachdem der Zwanzigjährige in der Pflege des Elternhauses seine
-Gesundheit wiederhergestellt hatte, wollte er sich im benachbarten
-Glasgow als Meister niederlassen. Aber der Mann, dessen revolutionäre,
-in Eisen gebundene Werke bald alle Zunftschranken über den Haufen
-stürzen sollten, mußte sich zunächst von der Glasgower Zunft der
-Hammerschmiede bedeuten lassen, daß es am Ort keinen Raum für jemanden
-gäbe, der nicht die regelmäßige Lehrzeit bei einem Glasgower Meister
-durchgemacht noch einen eingesessenen Bürger zum Vater habe. Es
-ist ja so ziemlich in den meisten Fällen für die einem Zeitalter
-allernötigsten Menschen kein Raum gewesen. In Watts Falle aber wurde
-der Schaden, den die eine Zunft stiftete, durch eine andere Zunft,
-die Glasgower Professoren, gutgemacht. Watt war mit den Professoren
-Muirhead und Anderson verwandt. Den Professor Anderson muß man schon um
-deswillen rühmend hervorheben, weil er der erste war, der Vorlesungen
-für Arbeiter und Handwerker einführte, Naturwissenschaft ins Volk zu
-bringen suchte und die volkstümlichen Zwecken gewidmete Andersonian
-University stiftete. Professor Dick verschaffte dem jungen Meister
-zunächst den Auftrag, eine Sammlung mathematisch-astronomischer
-Instrumente wieder instand zu setzen. Diese Instrumente waren über
-See gekommen und zum Teil verrostet. Sie entstammten dem Nachlaß
-eines auf Jamaika gestorbenen Kaufmanns Macfarlane, der sich in
-seinen Mußestunden mit astronomischen Beobachtungen beschäftigte.
-Und weil die Glasgower Handwerkerzunft Watt nicht einmal eine
-Werkstatt zu Experimenten beziehen lassen wollte, so ernannte die
-Professorenschaft den jungen Verwandten zweier ihrer Mitglieder zum
-Universitätsmechaniker, der den Professoren der Naturwissenschaft mit
-der Herstellung von Instrumenten an die Hand gehen sollte. Innerhalb
-der Universitätsräume, in denen die Handwerker nichts zu sagen hatten,
-wurde Watts Werkstatt eingerichtet, auch durfte er sich noch einen
-Laden nach der Straße zu halten. Freilich, zu verdienen bekam er nicht
-viel. Es bestand keine zureichende Nachfrage nach seinen Instrumenten,
-und der Vater mußte hier und da noch aushelfen. Watt verlegte sich
-auf den Verkauf von Karten, besserte Geigen, Flöten und Gitarren
-aus, fertigte auch solche Instrumente und baute sogar auf Bestellung
-Drehorgeln.
-
-Es ist nicht ohne einen geheimen Reiz, daß der Schöpfer der
-vervollkommten _Dampfmaschine_ eine Zeitlang _Musikinstrumentenmacher_
-war; die reine Unterhaltungs- und Vergnügungskunst der Musik war hier,
-wie in manch andern interessanten Fällen, die Amme der Technik. So
-begann auch der englische Physiker Wheatstone, den die Geschichte
-der Telegraphie kennt, seine Laufbahn als Musikinstrumentenmacher,
-Hughes war erst Musiklehrer, ehe er in die Telegraphie eingriff,
-Chladni kam von der Musik her zur Physik, und derartige Beziehungen
-zwischen Musik und Technik, zwischen einem ästhetischen und dem rein
-praktischen Gebiet, gibt es noch mehrere, ein Vergnügen für Leute,
-die gerne verknüpfende Fäden zwischen Gegensätzen aufsuchen. Aus
-jener Zeit so schlechten Geschäftsganges wird uns berichtet, daß
-Watt auch, seine Muße auszufüllen, Erzählungen und Verse schrieb --
-schade, daß uns davon nichts erhalten ist. Dank seiner Vielseitigkeit
-und den Freundschaften, die er sich erst in Professorenkreisen, dann
-bei Studenten und Glasgowern Bürgern zu erwerben verstand, brachte
-er allmählich sein Geschäft doch in die Höhe. Er mietete einen Laden
-in der Stadt, verband sich 1760 mit einem gewissen Craig, der die
-kaufmännische Leitung übernahm, und beschäftigte vier Jahre später
-bereits 16 Arbeiter. Da er nun achtundzwanzig Jahre zählte, war es
-Zeit, sich nach einer Lebensgefährtin umzuschauen. Die Wahl fiel
-auf eine Base, namens Miller, ein Mädchen, das ihm eine treue, nie
-verzagende, aber leider früh entrissene Gefährtin wurde.
-
-Ein Jahr nach seiner Verheiratung machte Watt, als Frucht sorgfältiger
-experimenteller Forschungen, jene für die Umgestaltung der
-Dampfmaschine so folgenreiche Erfindung des Kondensators. Ehe wir
-darauf weiter eingehen, müssen wir unsre Aufmerksamkeit noch einer
-Person zuwenden, die etwa ums Jahr 1758 den jungen Watt zum ersten Male
-auf die Verwertung der Dampfkraft hinlenkte.
-
-Robison war es, der, noch etwas jünger als Watt und voll Interesses
-für mechanische Erfindungen und Gesetze, die Absicht hegte, einen
-durch Dampfkraft getriebenen Wagen zu erfinden und zu diesem Zwecke
-Watts Mitarbeit wünschte. Deshalb wollen wir einige Stellen sowohl
-aus Watts Äußerungen über Robison als aus dessen Mitteilungen über
-Watt hierhersetzen. Den Siebzigern nahe, schrieb Watt in seinen
-Erinnerungen an den eben verstorbenen, im Leben treu bewährten Robison
-folgendes: »Unsre Bekanntschaft begann im Jahre 1756 oder 57, als ich
-von der Universität Glasgow beauftragt wurde, einige astronomische
-Instrumente, die ihr Doktor Macfarlane in Jamaika vermacht hatte, in
-Ordnung zu bringen. Mr. Robison war damals ein sehr hübscher junger
-Mann und ziemlich jünger als ich. Er führte sich bei mir ein, und
-ich war glücklich, in ihm eine Person zu finden, die so viel besser
-über mathematische und philosophische Gegenstände unterrichtet war
-als ich und, während sie äußerst mitteilsam war, eine sehr klare Art
-besaß, ihre Gedanken darzulegen. Zwischen zwei jungen Leuten feurigen
-Geistes und ähnlicher Ziele bildete sich bald eine Freundschaft. --
--- Bald darnach ließ ich mich als mathematischer Instrumentenmacher
-im Glasgower Universitätshause nieder und wurde häufig durch Mr.
-Robisons Gesellschaft beglückt, bis er gegen Ende 1758 die Universität
-verließ und, wie ich glaube, in einem von Sr. Majestät Schiffen auf
-See ging. Während dieser Periode lenkte er meine Aufmerksamkeit auf
-die Dampfmaschine, eine Maschine, von der ich damals sehr wenig
-Kenntnis besaß, und meinte, daß sie verwendet werden könnte, Räderwagen
-Bewegung zu geben, und daß es zu diesem Zwecke sehr angebracht sein
-würde, den Zylinder mit seinem offenen Ende nach unten zu setzen, um
-die Notwendigkeit zu vermeiden, einen Balancier zu gebrauchen. Diese
-letztere Idee hatte er einige Zeit zuvor im ‚Universal Magazine‛
-veröffentlicht. Demgemäß begann ich ein Modell, mit zwei Zylindern von
-Zinnblech, die mittels Zahngetriebes abwechselnd auf zwei Räder auf
-der Achse der Wagenräder wirken sollten. Aber das Modell entsprach,
-weil zu leicht und ungenau gearbeitet, nicht den Erwartungen. Beide,
-Mr. Robison und ich, hatten andre Geschäfte, die dringend zu erledigen
-waren; und da keiner von uns beiden eine Idee von den wahren Prinzipien
-der Maschine hatte, so wurde der Plan verlassen.« Watt erzählt weiter,
-wie er dann seine Experimente wieder aufnahm, wie ferner noch einmal
-im Jahre 1765 Robison ihm die Anregung gab, einen perspektivischen
-Zeichenapparat des Doktor Lind zu verbessern, wie drei Jahrzehnte
-später, 1799, Robison, obwohl schwer leidend, im Winter von Edinburg
-nach London reiste, um in Watts Patentprozeß ein glänzendes Zeugnis
-für den Erfinder abzulegen. Zum Schluß entwirft Watt noch mit
-einigen Strichen ein glänzendes Charakterbild seines Freundes, dem
-er nachrühmt, daß niemand ihm in der schnellen und klaren Erfassung
-wissenschaftlicher Probleme gleichkam.
-
-In sehr anmutiger Weise wird diese Schilderung des Charakters Robisons
-durch dessen Worte über Watt ergänzt. Wir müssen sie hierhersetzen,
-schon weil sie uns den bezaubernden Eindruck beschreiben, den der
-junge Feinmechaniker auf seine studierte oder studierende Umgebung
-ausübte. Freilich müssen wir dabei, um kritisch zu bleiben, mit
-veranschlagen, daß der also gelobte Watt damals bereits der berühmte
-Erfinder war, den in jungen Jahren gekannt und bewundert zu haben man
-stolz sein durfte. Robison nun gibt folgende Schilderung: »Ich sah
-einen Handwerker und erwartete nicht mehr; war aber erstaunt, einen
-Forscher zu sehen, so jung wie ich selbst und allzeit bereit, mich
-zu belehren. Ich hatte die Eitelkeit, mich für einen ansehnlich weit
-vorgeschrittenen Kopf in meinem Lieblingsfache (Naturwissenschaft
-und Mechanik) zu halten, fühlte mich aber ziemlich vernichtet, Mr.
-Watt mir so sehr überlegen zu finden.« Weiter schildert Robison, wie
-er Watt immer auf vorher nicht von andern betretenen Wegen fand, und
-wie er selber, statt Führer zu sein, ihm folgen mußte. »Alle jungen
-Leute, die wegen irgendeiner wissenschaftlichen Liebhaberei bekannt
-waren, wurden Besucher Watts; und sein Zimmer war ein Stelldichein
-für all dergleichen Leute. Kam irgendeinem von uns eine zu harte
-Nuß zwischen die Zähne, so gingen wir zu Mr. Watt. Er brauchte nur
-angeregt zu werden; alles wurde ihm Ausgangspunkt eines neuen und
-ernsthaften Studiums, und wir wußten, daß er es nicht fahren lassen
-würde, bis er entweder seine Bedeutungslosigkeit entdeckt oder etwas
-daraus gemacht hatte. Einerlei, in welcher Richtung, -- Sprachen,
-Altertum, Naturgeschichte, ja sogar auch Poesie, Kunstkritik, Werke
-von Geschmack wie auch jedes beliebige in der Richtung auf Zivil-
-oder Kriegsingenieurkunst -- er war überall zu Hause und bereit zu
-unterrichten. Kaum je wurden Projekte wie Kanäle, Flußvertiefungen,
-Kartenaufnahmen oder dergleichen in der Nachbarschaft unternommen, ohne
-Mr. Watt zu befragen; und er wurde sogar dazu gedrängt, sich einige
-beträchtliche Arbeiten auf den Hals zu laden, obwohl sie derart waren,
-daß er darin nicht die geringste Erfahrung besaß. Fügt man noch zur
-Überlegenheit seines Wissens, die jedermann zugab, die ungezwungene
-Einfachheit und Lauterkeit von Mr. Watts Charakter, so ist es kein
-Wunder, daß die Anhänglichkeit seiner Bekannten stark war. Ich habe
-ein Stück von der Welt gesehen und ich muß sagen, daß ich nie einen
-zweiten Fall so allgemeiner und herzlicher Zuneigung zu einer Person,
-die alle als ihnen überlegen anerkannten, gesehen habe. Doch wurde
-diese Überlegenheit unter der liebenswürdigsten Lauterkeit verborgen,
-unter bereitwilliger Anerkennung jeden Verdienstes eines andern. Mr.
-Watt war der erste, der Begabung eines Freundes Dinge zuzuschreiben,
-die oft nichts anderes waren als seine eignen Anregungen, weiter
-entwickelt und ausgestaltet durch einen andern. Ich bin wohl berechtigt
-dies zu sagen, denn ich habe es oft in meinem eignen Falle erfahren.«
-Weiter führt Robison in seinem begeisterten Lobeshymnus auf den jungen
-Watt aus, wie dieser Deutsch lernte, nur um Leupolds »Schauplatz der
-Maschinen« verstehen zu können, wie Robison selber deshalb ebenfalls
-die schwere Sprache in Angriff nahm, wie sie beide in einem andern
-Falle sich an das Italienische machten. Und dann hebt Robison hervor,
-daß Watt sein Wissen nicht für sich, sondern stets zum allgemeinen
-Besten erstrebt und aufgespeichert habe. So mitteilsam und offenherzig
-sei er hinsichtlich seiner Erfindungen und Ideen gewesen, daß er in
-andern Kreisen, etwa in London, seines geistigen Eigentums hätte
-leicht beraubt werden können, da andre auf Erfindungen, von denen er
-kein Aufhebens machte, gleich mehrere Patente genommen haben würden.
-Tatsächlich werden ja mehrere Erfindungen Watts auf dem Gebiete der
-Nivellierkunst und der Vermessung namhaft gemacht, auf die andre sich
-früher oder später Patente erteilen ließen. Brachte es doch sogar der
-Knopffabrikant Pickard fertig, sich die Watt durch Verrat entwendete
-Idee der Kurbelbenutzung zur Erzielung von Drehbewegung patentieren
-zu lassen, während der erste Erfinder gezwungen war, seine eigne,
-aber einem andern patentierte Idee zu umgehen. Zahlreiche Erfahrungen
-solcher Art, dazu die jahrelangen Kämpfe nur um das nackte Dasein und
-das Gelingen seiner Pläne machten freilich aus dem allseits beliebten
-jungen Manne fast einen Menschenfeind, der sich in den stärksten
-Ausdrücken über Plagiate und »Schuftigkeit des größten Teiles der
-Menschheit« erging. Neun Zehntel seien schurkig, der Rest meist Narren.
-Oder »Die Schuftigkeit der Menschheit übersteigt jede Vorstellung«.
-Er hatte von seinem Standpunkte aus recht. Gerade die überquellende
-Begeisterung des bei seinen Landsleuten berühmten Professors Robison
-darf uns eine Gewähr sein, daß der junge Meister Watt jene Erfahrung
-durchlebte, die Schiller in seinem kleinen Gedichte »Licht und Wärme«
-folgendermaßen beschreibt:
-
- »Der bessre Mensch tritt in die Welt
- Mit fröhlichem Vertrauen
- Und glaubt, was ihm die Seele schwellt,
- Auch außer sich zu schauen,
- Und weiht, von edlem Eifer warm,
- Der Wahrheit seinen treuen Arm.
- Doch alles ist so klein, so eng.
- Hat er es erst erfahren,
- So sucht er in dem Weltgedräng
- Sich selbst nur zu bewahren.
- Das Herz in kalter, stolzer Ruh'
- Schließt endlich sich der Liebe zu.«
-
-Erst als Watt, der Existenzsorgen und ewigen Kopfleiden enthoben, sich
-eines behaglichen Alters erfreuen konnte, scheint das Gewinnende und
-Einnehmende seiner Jugend wiedergekehrt zu sein. Doch wir haben uns
-nunmehr dem Hauptabschnitt seines Lebens zuzuwenden, der die Geschichte
-seiner Dampfmaschine umfaßt. Und da ist es an der Zeit, die Geschichte
-der Dampfmaschine vor dem Eingreifen Watts kurz hier vor Augen zu
-führen.
-
-
-
-
-Geschichte der Dampfmaschine bis auf Watt.
-
-
-[Illustration: Abb. 1. Püstrich.
-
-(Aus Feldhaus, Ruhmesblätter der Technik.)]
-
-[Illustration: Abb. 2. Vorrichtung zum Öffnen von Tempeltüren.
-
-(Aus Feldhaus, Ruhmesblätter der Technik.)]
-
-Mindestens seit fünftausend Jahren hat die europäische und asiatische
-Menschheit in oft riesigen bauchigen Gefäßen, die, mit Wasser gefüllt,
-über dem Feuer hingen oder standen, sich Dampf entwickeln sehen.
-Unmittelbar vor Augen hatten da denkende Köpfe ein Beispiel für die
-auch sonst in der Natur beobachtete Verwandlung eines Stoffes in einen
-anderen, von Wasser in Luft, -- denn der Dampf wurde noch vor einigen
-Jahrhunderten eben als Luft bezeichnet, -- von Feuer oder Wärme in
-Wasser -- denn das Wasser nahm die Wärme, das Feuer also, in sich
-auf, -- und daß das Wasser Erde in sich enthält, lehren die Flüsse:
-Ägypten z. B. ist ja ein Geschenk des Niles! Den umgekehrten Weg der
-Stoffverwandlung beobachtete man beim Gewitter: aus der Regenwolke
-(dem Dampfe) fällt Wasser und Feuer herunter; Wasser scheint, zumal
-in heißen Ländern, die Pflanzen plötzlich zu nähren; die Pflanzen
-wieder, die Hölzer, geben Feuer! So bildete sich bereits vor
-mindestens dreitausend Jahren hier und da, bei Indern und Griechen
-nachweisbar, wohl auch bei Babyloniern und Ägyptern und später auch
-bei den Germanen, die Einheitslehre, daß das Feuer das Urelement der
-Welt sei, das Feuer, das in den Gestirnen, in der Sonne, im Blitz, im
-Wolkenwasser, im Bauch der Tiere und Menschen sitzt, das Feuer, das aus
-den roten Rosen und anderen gelben oder flammroten Blüten hervorlodert.
-Erst heute fassen wir, belehrt durch älteste Mythologie, Philosophie
-und Dichtung, bei vergleichender Betrachtung dieser Gebiete, welch
-große Denkarbeit bereits von scheinbar kindlichen Zeitaltern geleistet
-worden ist. Aber noch weit war der Weg, den Urgott, das Urelement
-Feuer, in der Feuermaschine (wie die Dampfmaschine noch im vorigen
-Jahrhundert hieß) uns dienstbar zu machen. Erst hat sich der Feuergott
-reichlich verehren und von den Priestern zu mancherlei Volksbetrug
-mißbrauchen lassen, ehe im alexandrinischen Zeitalter, nachdem eine
-vielhundertjährige Aufklärungsarbeit durch griechische Philosophen
-geleistet war, Gelehrte ohne Schaden für ihr leibliches Wohl,
-gewissermaßen ohne Furcht vor der Rache des verratenen Feuergottes, so
-manches Priesterkunststückchen in ihren Büchern beschreiben konnten,
-bei dem unter Benutzung von Dampf oder erhitzter Luft dem Volke Wunder
-vor Augen geführt wurden. Ja, wenn wir heute dank babylonischer
-Forschungsarbeit erkennen, wie selbst ausgeprägte Religionslehren und
-Kultgebräuche in merkwürdiger, auffallender Übereinstimmung sich von
-Vorderasien bis nach Nordeuropa hin erstrecken, -- wenn wir in den
-_Püstrichen_ des germanischen Mittelalters (Abb. 1) noch Nachkommen
-jener Dampfmaschinerien erblicken dürfen, mit denen man Götterfurcht
-erzeugte, dann möchte man fast glauben, daß der Dampf im Geheimwissen
-der Priester bereits seit fünftausend Jahren eine völkerbezwingende
-Rolle spielte. Vielleicht hat sich mit seiner Hilfe das Priestertum vom
-Ganges-, Nil- und Euphratgebiet bis nach Britannien hin organisiert.
-Freilich geben uns zu solchen fast tollkühn scheinenden Vermutungen
-erst Forschungsergebnisse der jüngsten Vergangenheit die Berechtigung.
-Heron von Alexandria, der zu einer Zeit lebte, wo er von Arminius und
-den ersten Christen gehört haben konnte, beschreibt uns ein Modell,
-bei dem mit Hilfe des Druckes, den eingeschlossene und erwärmte Luft
-ausübt, ein Gewicht abwärts bewegt und dadurch zwei _Tempeltüren_
-geöffnet werden (Abb. 2). Er beschreibt uns auch eine Turbine oder,
-wenn man will, Dampfmaschine, die auf dem Rückstoß ausströmenden
-Dampfes beruht. Der Äolipile oder dem Äolsball strömten aus einem
-Wassergefäß durch seitlich einmündende Röhren Dämpfe zu. Die gleichen
-Dämpfe entwichen dann aus angelöteten Röhrchen und führten eine
-Drehung herbei. Dergleichen kann man ja heute bei Rasensprengern
-in Gärten beobachten. Übrigens hatte man nicht erst die Vorgänge
-im Heronsball (Abb. 3) nötig, um das Erdbeben unter Berufung auf
-Dampfausbrüche zu erklären. Schon das Bullern des siedenden Wassers
-im Kessel leistete diesen Dienst. Sicher hat das Mittelalter noch
-manche Kunde von Dampfmechanismen aus dem Altertum besessen, die
-verloren gegangen sind. Eine Dampfkanone, den Erzdonnerer, beschreibt
-uns Leonardo da Vinci, der gewaltige, seiner Zeit oft um ein halbes
-Jahrtausend vorauseilende Denker, Künstler und Forscher, der schon ein
-Jahrhundert vor Galilei eindringlich experimentelle Naturwissenschaft
-trieb und sie dem Wortgelehrtentum der Aristoteliker entgegensetzte.
-Leonardo schreibt die Dampfkanonen einem als bekannt vorausgesetzten
-Archimedes zu, der aber nicht unbedingt identisch zu sein braucht mit
-dem großen griechischen Mathematiker und Verteidiger von Syrakus. In
-einen erhitzten Raum wurde Wasser eingelassen, so daß es plötzlich
-verdampfte und eine Kugel vom Gewicht eines Talentes sechs Stadien,
-also rund einen Kilometer, weit schleuderte. Wieder hundert Jahre
-später beschreibt uns der Italiener Branca, ein Zeitgenosse Galileis,
-in einem Werke über seine verschiedenen Maschinen einen Turbinenapparat
-(Abb. 4). Aus dem Munde eines Mannskopfes hervorströmender Dampf
-treibt ein Schaufelrad, wie ein Waldbach das Rad einer Mühle. Diese
-Drehung wird dann zum Drehen von Bratspießen verwendet, und es lag
-nahe, entsprechende Variationen zu ersinnen, zum Beispiel ein kleines
-Farbenstampfwerk treiben zu lassen. Wenn Giambattista della Porta in
-seinem 1606, also noch vor Branca erschienenen Buche einen Apparat
-beschreibt, womit durch den Druck des Dampfes Wasser gehoben wird, so
-war dies auch im Prinzip nichts andres als jene von Heron beschriebene
-Heißluftverwendung zum Öffnen von Tempeltüren; Dampf war ja bis in die
-Neuzeit hinein nichts anderes als »Luft«.
-
-[Illustration: Abb. 3. Heronsball (Äolipile).]
-
-[Illustration: Abb. 4. Brancas Dampfrad 1629.]
-
-Daß bei genauerem Durchsuchen der älteren Literatur immer mehr
-Schriftsteller gefunden werden, die von fern her in die Geschichte der
-Dampfmaschine gehören, darf nicht wundernehmen. Sie haben aber meist
-nur das Verdienst, ein Problem am Einschlafen verhindert zu haben.
-Ein Salomon de Caus verschwindet unter dieser neueren Betrachtung
-fast ganz aus der Vorgeschichte der Feuermaschine, nachdem er durch
-Dokumentenfälscher zu einem Märtyrer der Technik und Forschung geworden
-war. Was es für eine Bewandtnis mit der Maschine des Engländers David
-Ramseye hat, der 1630 ein Patent auf die Erfindung nahm, Wasser aus
-tiefen Gruben durch Feuer zu heben, wissen wir nicht. Ebensowenig
-ist man sich darüber klar, was es mit der Maschine des Engländers
-Edward Somerset, Marquis of Worcester, auf sich hat. Dieser tief in
-die politischen Kämpfe seiner Zeit verwickelte Edelmann kam in der
-Kerkerhaft dazu, unter hundert angeblich von ihm erfundenen Maschinen
-und Vorrichtungen auch eine »wunderbare und höchst kraftvolle Art zu
-erwähnen, Wasser durch Feuer in die Höhe zu treiben.«
-
-Vieles Phantastische in den 1663 veröffentlichten »Hundert Namen
-und Proben« solcher Erfindungen, die er versucht und vollkommen
-gemacht zu haben sich rühmt, machten den katholischen Royalisten in
-den Augen nüchterner Forscher seiner Zeit verdächtig, es mehr auf
-Geld und Reklame als auf Ehre abgesehen zu haben. Indessen scheint
-doch der Marquis nur einem verständnislosen Zeitalter gegenüber
-gestanden zu haben, denn daß die größten Gelehrten ihn verwarfen,
-darf nicht irremachen; auch in den letzten Menschenaltern haben
-»größte Gelehrte« gediegenste Erfindungen und Entdeckungen verworfen
-oder nicht zu würdigen verstanden. Merkwürdig ist noch, daß der 1667
-verstorbene unglückliche Marquis sich eines deutschen Mechanikers
-Kalthof bei seinen Erfindungen bediente; vielleicht war gerade dieser
-Mechaniker der ~spiritus rector~, wie man denn auch im 19. Jahrhundert
-Mechanikererfindungen, um ihnen besseren Absatz zu sichern, mit
-Professorennamen taufte. Gerade das höchst unglückliche Schicksal des
-Marquis spricht wohl dafür, daß er ein bedeutender Kopf war, der sich
-bei wirklichen Schwindelabsichten leicht ein besseres Dasein hätte
-schaffen können.
-
-In einer 1683 erschienenen Schrift über die Hebung von Wasser durch
-Maschinen schreibt der Engländer Samuel Moorland, das durch die Kraft
-des Feuers verdampfte Wasser werde sogleich einen zweitausendmal
-größeren Raum als zuvor einnehmen, so plötzlich, daß es, nach den
-Gesetzen der Statik regiert und von der Wissenschaft dem Gesetze von
-Maß, Druck und Gleichgewicht unterworfen, als Dampf seine Last tragen
-werde, »guten Pferden vergleichbar«.
-
-Wie man sieht, ziehen sich durch das ganze 17. Jahrhundert Versuche
-hin, Wasser durch Feuer zu heben. Kein Wunder, denn schon im 16.
-Jahrhundert waren die Schriften Herons von Alexandria wieder im Druck
-erschienen. Daß man wesentlich über die Künste des Altertums auf diesem
-Gebiete hinauskam, hing aber nunmehr mit der Forschungstätigkeit
-Galileis zusammen. Er hat die Gesetze der Bewegung und der
-Kraftbetätigung mathematisch und durch Versuche festgestellt, hat dem
-Verstand, der in Anbetung des Aristoteles erstarb, durch Widerlegung
-der Aristotelischen Weisheit bezüglich des freien Falles wieder
-Lust und Vertrauen zu sich selber geschaffen, auch bewiesen, daß
-die Luft Gewicht habe, und sich die Krone des Märtyrers erworben,
-als er die kopernikanische Lehre vertrat und stützte. Von seinen
-_Bewegungsgesetzen_ führt eine ununterbrochene Linie zur rasend
-beschleunigten _Bewegung von Gütern_, Menschen und Gedanken im 19.
-Jahrhundert.
-
-Aristoteles hatte gelehrt, daß die Luft absolute Leichtigkeit, d. h.
-das Bestreben habe, sich in gerader Richtung vom Mittelpunkte der
-Erde fortzubewegen. Galilei meinte, dann müsse verdichtete Luft
-noch leichter sein als gewöhnliche denn das Bestreben nach oben sei
-stärker. Durch Abwägen aber stellte er fest, daß ein Glaskolben mit
-hineingepreßter, also verdichteter Luft _schwerer_ ist als bei Füllung
-mit gewöhnlicher Luft! Die Aristoteliker lehrten, um das Saugen,
-das Aneinanderhaften von Platten, das Aufsteigen von Flüssigkeiten
-in Pumpen zu erklären, die Natur habe einen Abscheu vor dem leeren
-Raum, den bekannten »~horror vacui~«. Galilei suchte durch Versuche
-die Größe des Widerstandes zu bestimmen, den dieser angebliche Horror
-bietet. Und es machte ihn stutzig, daß das Wasser in Pumpen trotz
-allen Abscheus nicht mehr in die Höhe stieg, wenn das Saugrohr _über_
-zehn Meter lang war. Sein Schüler Torricelli verfolgte die Sache
-weiter. Da mit einer Wassersäule von zehn Metern Höhe nicht leicht zu
-experimentieren war, so ersann er den Versuch, wie groß der Abscheu
-der Natur bei der Benutzung von Quecksilber wäre. Man nahm eine mit
-Quecksilber gefüllte Glasröhre von einem Meter Länge und stülpte sie
-über ein mit Quecksilber gefülltes flaches Gefäß, so daß ein Teil des
-Quecksilbers aus der langen Röhre auslief. Es zeigte sich, daß die
-lange Röhre noch etwa zu drei Vierteln gefüllt war, das leere Viertel
-mußte einen richtigen leeren Raum darstellen, hier war also der Beweis
-erbracht, daß die Natur nicht immer die Leere scheut. Offenbar hielt
-die Quecksilbersäule in der langen Röhre einer Luftsäule vom gleichen
-Querschnitt und von der Höhe der Atmosphäre das Gleichgewicht. Der
-Franzose Pascal ließ dann gleich im nächsten Jahre durch einen Versuch
-auf dem Puy de Dome feststellen, daß die Länge der Quecksilbersäule
-in der Glasröhre um so mehr abnimmt, je höher man sich über den
-Meeresspiegel erhebt. Das Barometer war damit erfunden.
-
-Um die gleiche Zeit machte Magdeburgs Bürgermeister, Otto v.
-Guericke, ebenfalls Versuche über den »~horror vacui~«. Er erfand
-dabei die Luftpumpe und erregte durch das bekannte Experiment mit
-den Magdeburger Halbkugeln das größte Aufsehen. Diese Leistungen
-Torricellis und Guerickes fielen um die Mitte des 17. Jahrhunderts.
-Jetzt fehlte nur noch die erste Verwertung dieser Entdeckungen, die
-um so erstaunlicher waren, als sie einen fast zweitausendjährigen
-Aberglauben beseitigten. Die Luft, von der man sich bisher nur
-hatte Segel blähen und Windmühlen treiben lassen, mußte nun zum
-ersten Male dem Menschen auch bei völliger Windstille Dienste
-leisten, ohne erst angefeuert, das heißt erwärmt zu werden, wie es
-in jenen Heißluftmaschinen, die Heron beschrieb, erforderlich war.
-Der französische Mechaniker Hautefeuille beschreibt in einem 1678
-erschienenen Buche, wie er durch Pulverexplosion in einem geschlossenen
-Behälter unter Verdrängung der Luft einen luftverdünnten Raum schafft,
-in den der äußere Luftdruck Wasser hineindrücken soll. Ferner
-beschreibt er die erste Gaskraftmaschine, wie sie erst im vorigen
-Jahrhundert zur Ausbildung gekommen ist. Drei Jahre später schlug
-Huygens vor, die Fliehkraft der Pulvergase für eine Kolbenmaschine
-nutzbar zu machen. Das war das gleiche, was Hautefeuille wollte.
-Huygens Schüler und Assistent aber war Denis Papin, der die erste den
-Namen mit Recht tragende Dampfmaschine entwarf und erprobte.
-
-Es lassen sich im Leben oft genug Beispiele beobachten, wie Leutchen
-kleinen Talentes, aller Stümpereien ungeachtet, immer nur die Treppe
-hinauffallen, Beförderung auf Beförderung erlangen, ohne es verdient
-zu haben. Umgekehrt gibt es nicht selten begabte Menschen, die mit
-jeder noch so fruchtbaren Idee, jeder noch so tüchtigen Leistung
-sich nur die Treppe hinabbefördern, Leute, die sich gewissermaßen
-mit jedem Werk ihres Geistes ein Gewicht mehr schaffen, das sie beim
-Schwimmen im Lebensstrom in die Tiefe zu ziehen trachtet. Solch ein
-Genie war der 1647 in Blois in Frankreich geborene Denis Papin.
-Ein außerordentlich fruchtbarer Erfinder, reich an Gedanken und an
-praktischem Geschick, ein scharfer Denker und Freund von Huygens,
-Boyle, Leibniz, ist er schließlich in London verschollen. Von ihm ging
-der Gedanke aus, statt des explodierenden Pulvers zur Herstellung eines
-luftverdünnten Raumes die Spannkraft des Wasserdampfes zu benutzen,
-der einen Kolben fortzudrücken hätte. Sein Digestor, in dem er größere
-Dampfspannungen zum Garmachen unter Heizmaterialersparnis verwendete,
-seine Zentrifugalpumpe, der Zentrifugalventilator, ein Entwurf zur
-Kraftübertragung, die Verbesserung der Luftpumpe, der Versuch eines
-Unterseeboots, das Modell eines Dampfwagens und noch eine Menge
-andrer Erfindungen und Ideen zu solchen begründen seine Ansprüche
-auf dauernden Nachruhm. Nur ist es falsch, ihm das erste Dampfschiff
-zuzuschreiben, und dafür ist ihm in Kassel sogar ein Denkmal errichtet
-worden. Anfangs ließ sich Papins Laufbahn gut an, insofern er unter
-einem so großen Mathematiker und Physiker wie Huygens, dem Erfinder
-der Pendeluhr, als dessen Assistent arbeiten durfte. Noch ehe ihm die
-Aufhebung des Ediktes von Nantes den Aufenthalt in Frankreich unmöglich
-machte, ging er nach London und hatte auch dort den Beifall der
-Besten für sich. Aber allzugut mögen seine Leistungen nicht honoriert
-worden sein, sonst wäre er nicht einem Rufe des Landgrafen von Hessen
-nach Marburg gefolgt. In der kleinen hessischen Universitätsstadt
-und später in Kassel verbrachte er, wenigstens der allerdrückendsten
-Nahrungssorgen einigermaßen enthoben, die fruchtbarsten Jahre seines
-Lebens. Eine Berufung nach London schlug er aus, da ihm gerade damals
-gute Aussichten auf Verwirklichung seiner Lieblingspläne winkten. Aber
-es kam anders. Enttäuschungen folgten auf Enttäuschungen, so daß er
-schließlich sich aufmachte, in London nochmals sein Glück zu versuchen.
-Das Schiff, mit dem er die Weser hinabfuhr, wurde ihm von der
-Schiffergilde im Streit um die Durchfahrt zerstört. Die Privilegien der
-Gilde gestatteten nicht, daß jemand, der nicht zur Gilde gehörte, die
-Weser befuhr. Wie Watt, der Vollender, so mußte Papin, der Beginner,
-die Gegnerschaft jener Zünfte erfahren, deren Dasein gerade durch
-die Dampfmaschine untergraben worden ist. In London wollte man aber
-den Mann, den man erst zu gewinnen gesucht hatte, seinem Schicksale,
-das heißt dem Untergange, überlassen. Die Königliche Akademie der
-Wissenschaften ließ alle Gesuche Papins unbeachtet. Nicht einmal eine
-Stelle als Physiklehrer erhielt er. Gerade, daß er lange mit Leibniz
-in Verbindung gestanden hatte, schadete ihm hier. Leibniz war in
-den Augen der Briten der, der ihrem Newton die Differentialrechnung
-entwendet hatte. Im tiefsten Grunde waren es wieder die engherzigen und
-neidischen Gelehrten, die einen Beweis eigner Überlegenheit zu liefern
-wähnten, wenn sie einen überlegenen Mann elend verkommen ließen. Unter
-welchen Umständen Papin 1712 aus dem Leben schied, wissen wir nicht
-genau. Es besagt genug, wenn er im letzten uns erhaltenen Briefe
-klagt, selbst wenn er das Beste leiste, ziehe er sich nur Feindschaft
-zu. Achten wir darauf, daß die Orte seines Wirkens Paris, London und
-Marburg waren, so erinnert uns das an den Schicksalsverwandten Giordano
-Bruno, der gleichfalls von Paris über London nach Marburg ging, stets
-das Gegenteil der Sippe, die die Treppe hinauffällt, zum Scheiterhaufen
-schließlich klaglos bereit, weil ihm das Leben genügend verleidet war.
-
-[Illustration: Abb. 5. Papins Pulvermaschine 1688.]
-
-Huygens Pulvermaschine hatte Papin durch Anbringung einer Zündpfanne
-verbessert (Abb. 5). Aber das erzielte Vakuum war zu gering und der
-Betrieb zu gefährlich. Statt des Pulvers versuchte es nun der Gelehrte
-mit dem Wasserdampf. Ein zylindrisches Gefäß wurde zum geringen Teile
-mit Wasser gefüllt, auf dessen obere Fläche sich der Kolben aufsetzte.
-Die Kolbenstange führte durch den Deckel des Gefäßes. Eben durch
-diesen Deckel konnte auch durch eine Öffnung Luft entweichen. Wurde
-das Wasser verdampft, so schob der Dampf den Kolben in die Höhe,
-drängte die Luft aus dem Zylinder und drückte den Kolben so weit nach
-oben, bis eine Klinke in die Nut der Kolbenstange einschnappte und
-den Kolben jetzt festhielt. Durch Entfernung der Feuerung kam der
-Dampf zur Verdichtung. Es entstand ein luftverdünnter Raum. Gab man
-jetzt die Kolbenstange wieder frei, so wurde sie durch den äußeren
-Luftdruck heruntergetrieben. Dabei konnte sie ein Gewicht hochziehen,
-das mit ihr durch eine über Rollen geleitete Schnur in Verbindung stand
-(Abb. 6). Papin wollte bereits seine Maschine für den Bergwerkbetrieb
-verwenden, sie sollte Wasser und Erze aus den Gruben schaffen, aber
-auch unter Benutzung von Schaufelrädern Schiffe gegen den Wind treiben.
-Die Umwandlung der hin und her gehenden Bewegung in eine Drehbewegung
-sollte durch eine Vorrichtung geschehen, die im vorigen Jahrhundert
-Otto, der Erfinder der atmosphärischen Gasmaschine, benutzte: eine
-gezahnte Kolbenstange griff beim Heraufgehen in Triebräder ein, die
-lose auf ihrer Achse liefen, beim Herabgehen des Kolbens aber durch
-Sperrklinken mit der Welle gekuppelt wurden, so daß die auf der Welle
-sitzenden Räder, Schaufelräder oder Wagenräder, zur Drehung gelangten.
-Die Ausführung dieser Maschine gelang aber Papin nicht, weil es weder
-geeignete Werkleute noch eine zulängliche Technik zur Herstellung
-der großen Zylinder gab. Hatte noch zwei Menschenalter später ein
-Watt trotz seiner Verbindung mit Englands größten Industriellen ein
-Jahrzehnt nötig, um nur geeignete Zylinder zu erhalten, so war Papin
-in noch schlimmerer Lage. Schon 1690 empfahl er daher die Errichtung
-einer Fabrik für große Zylinder. Dazu hätten aber Geld, sichere
-Absatzaussichten und weitblickende Männer gehört, und das war alles
-nicht vorhanden.
-
-[Illustration: Abb. 6. Papins atmosphärische Kolbenmaschine 1690.]
-
-Papin baute eine zweite Maschine, in der er den Dampf zum Heben des
-Wassers benutzte, ohne dabei das Hinströmen der Luft nach einem
-luftverdünnten Raume zu verwenden. Die Hilfe des Landgrafen von Hessen,
-in dessen Diensten er zwanzig Jahre stand, und der eine Maschine zum
-Wasserheben wünschte, erlangte er nach anfangs mißlungenen Versuchen
-erst wieder, als von England die Nachricht kam, dort baue Savery eine
-Maschine, die im Bergwerkbetriebe Verwendung finden solle. Wir wollen
-uns also zunächst zu Saverys Dampfdruckmaschinen wenden.
-
-Savery, um die gleiche Zeit wie Papin geboren, entstammte einer
-in Devon ansässigen Familie, war also nicht weit von dem großen
-Bergwerksgebiet Cornwall entfernt, in dem seine, Newcomens und
-Watts Maschinen der Reihe nach ihre erste Verbreitung fanden. Als
-Ingenieuroffizier machte er verschiedene Erfindungen, aber mit seinem
-Schaufelradboot fand er beim Marineamt keine Gegenliebe, wohl aber
-Anlaß zu bitteren Beschwerden über das Beamtentum und seinen grünen
-Tisch. Die Not des Cornwaller Bergbaus mit den die Gruben ersäufenden
-Wassern veranlaßte Savery, der ja in dieser Gegend aufgewachsen war,
-sich um eine geeignete Maschine zu bemühen. Dabei machte man ihm
-den Vorwurf, er habe Worcesters Gedanken benutzt. Selbst wenn das
-geschehen ist, so bleibt ihm immer das Verdienst der praktischen
-Ausgestaltung, die ja immer noch wahre Erfindungsarbeit im kleinen
-und Unvorhergesehenen erheischt. Ein Patent auf eine Feuermaschine
-zum Wasserheben aus Bergwerken, zur Wasserversorgung von Städten,
-zum Mühlenbetriebe und andern Zwecken erhielt er 1698 auf 14 Jahre,
-eine Frist, die ihm später noch verlängert wurde, da er nachwies,
-wieviel Geld und Arbeit ihn die Maschine gekostet habe. In der Schrift
-»Der Freund des Bergmanns« beschrieb er 1702 die Maschine, die sich
-in der tatsächlichen Ausführung folgendermaßen gestaltete (Abb. 7).
-In zwei eichelförmigen kupfernen Behältern wurde abwechselnd, das
-heißt innerhalb desselben Behälters und zwischen den beiden Behältern
-abwechselnd, durch Dampfeinlaß und Dampfverdichtung ein luftverdünnter
-Raum erzeugt. Dieser saugte von unten durch die Saugröhre Wasser
-herauf, das dann durch neuen Dampf weiter nach oben in die Druckröhre
-gehoben wurde. Der Dampfzutritt nach den kupfernen Eicheln wurde durch
-eine auf dem Deckel des Dampfkessels befindliche schwingende Platte
-geregelt, das älteste Dampfverteilungsorgan, das, durch eine Stange von
-der Hand bewegt, im selben Augenblick den Dampf von der einen Eichel
-absperrte, wo es dem Dampf zum andern Arbeitsraum, zur andern Eichel,
-den Zutritt öffnete. Die Dampfverdichtung erfolgte durch Übergießen der
-Eicheln mit Wasser, das aus einem über die Eichel gerückten Rohrende
-strömte.
-
-Diese Maschine des Thomas Savery wurde vielfach für Wasserversorgung
-von Städten und Schlössern verwandt; für die Bergwerke war ihr Betrieb
-meist zu teuer und nicht wirksam genug. Auch schreckten häufige
-Explosionen ab. Immerhin war sie ein großer Fortschritt. Savery
-kannte auch schon die Expansionswirkung, das Vermögen des Dampfes,
-bei der Ausdehnung noch Arbeit zu leisten. Er führte als Maß der
-Arbeitsleistung die Pferdestärke ein, denn die Pferde wurden beim
-Göpelbetriebe verwandt, mit dem man Wasser, Erze und Gesteine aus den
-Schächten heraufbeförderte, die Dampfmaschine aber ersetzte die Arbeit
-der Pferde.
-
-[Illustration: Abb. 7. Saverys Dampfpumpe.]
-
-Als die erste Zeichnung einer Saveryschen Maschine durch Leibnizens
-Vermittlung an Papin gelangte, vermochte dieser den hessischen
-Landgrafen zu überzeugen, daß jene Maschine im Prinzip mit der
-von Papin geplanten übereinstimme. Er erhielt die Mittel zu
-weiteren Versuchen, bei denen er aber von Dampfverdichtung und
-luftverdünntem Raume absah. Die 1707 beschriebene Konstruktion war
-eine Dampfdruckpumpe ohne Kondensation (Abb. 8). Aus dem links
-befindlichen Kessel, der mit Ventil versehen ist, strömt der Dampf
-in den in der Mitte stehenden zylindrischen Arbeitsraum, wo er eine
-Kolbenfläche nach unten drückt. Dadurch wird Wasser in einen (rund
-einen halben Dezimeter breiten und fast vierzehnmal so hohen) Zylinder
-gehoben, von wo aus es ein Wasserrad oder dergleichen in Bewegung
-setzen kann. Die Kolbenbreite oder der Schwimmer im mittleren Gefäß
-hatte eine Vertiefung, in die von außen glühendes Eisen gehalten
-wurde, um die Spannkraft des Dampfes zu erhöhen. Hatte der Dampf
-unter Entspannung Arbeit geleistet, so konnte er durch einen Hahn am
-mittleren Zylinder entweichen. Leibniz machte Papin darauf aufmerksam,
-daß der Abdampf verwandt werden könnte, die Luft in dem Behälter
-rechts zu erwärmen, die dann auch ihrerseits das Wasser noch weiter
-heben oder drücken könnte. Auch wies Leibniz darauf hin, daß das
-Öffnen und Schließen der Hähne bei dieser Maschine durch deren Gang
-selbsttätig bewirkt werden könnte. Das wird besonders jetzt betont,
-seit man die Erfindung des Knaben Potter, die automatische Steuerung,
-ins Reich der Fabeln verweisen zu müssen glaubt. Eine im Jahre 1706 dem
-Landgrafen vorgeführte Maschine hob Wasser ein Stockwerk hoch. Aber die
-ungünstigen politischen Verhältnisse wendeten das Interesse des Fürsten
-von der Technik ab, und Papin, der meist sein eigner Zeichner, Schmied
-und Monteur gewesen war, schiffte sich im nächsten Jahre nach England
-ein, wo man ihn wohl nicht nur als den Freund von Leibniz, sondern auch
-als den Rivalen Saverys jeder Hilfe oder auch nur vom Anstand gebotenen
-Unterstützung verlustig gehen ließ, so daß er dort im Elend verkam.
-
-[Illustration: Abb. 8. Papins Dampfpumpe 1707.]
-
-Gleich Savery stammt aus der Gegend von Cornwall auch Newcomen, der
-nächste in der Reihe der Männer, die Watts Vorläufer waren. Er wurde
-zu Dartmouth an der Südküste Cornwalls geboren. Einem Newcomen als
-Grobschmied und Eisenhändler kam es zustatten, daß er bei seinen
-Schmiedearbeiten nicht auf fremde Leistungen angewiesen war. Von
-seinem Leben wissen wir sonst wenig. Er soll als frommer Baptist
-selber sonntäglich gepredigt haben und für Savery ein Gegenstand der
-Ausnutzung gewesen sein.
-
-Da er in der Nähe Saverys lebte, so ist es glaubhaft, daß er von dessen
-Bemühungen um eine Maschine für den Cornwaller Bergbau Kunde bekam,
-zumal Savery stets nach geschickten Werkleuten suchte. Andererseits
-wird auch berichtet, Newcomen sei bei der Patentierung seiner Maschine
-von dem einflußreichen Savery überholt und verdrängt worden. Ob er mit
-seinen Maschinen viel verdiente, wissen wir nicht. Aber seine Maschine
-war für Watt die nachhaltige Anregung und der Anlaß zu einer Reihe
-von weittragenden Verbesserungen. Bemerkt sei noch, daß Newcomen
-geschäftlich mit einem Glaser namens Cawley verbunden war, der sehr
-rührig und verständnisvoll dem schlichten und frommen Maschinenbauer
-beistand. Als Newcomen im Jahre 1729 in London starb, war seine
-atmosphärische Maschine schon ziemlich verbreitet. Nur zögernd aber
-hatte sie sich vom Jahre 1712 ab Eingang verschafft. Newcomen soll
-sich, als er sich mit der Absicht trug, eine Maschine eigner Erfindung
-zu bauen, zunächst an den berühmten Gelehrten Hooke gewandt haben.
-Dieser verwies ihn -- wie man erzählte -- auf Papins Versuche (die
-Newcomen aber wahrscheinlich gekannt hat) und riet ihm im ganzen
-von Bemühungen gerade in dieser Richtung ab. Newcomen muß wohl den
-gelehrten Herrn trotz dessen Berühmtheit richtig eingeschätzt haben.
-Denn er baute seine Maschine doch, und wenn sie im Prinzip gar nichts
-anderes ist als die erste Papinsche Kolbenmaschine mit Erzeugung
-luftverdünnten Raumes, so bleibt ihm doch der Ruhm, das Projekt zur
-Lebensfähigkeit gebracht und im großen ausgeführt zu haben. Er lief
-damit ja eine Gefahr, deren Größe wir aus den uns näher bekannten
-Schicksalen Watts ermessen können, und die wir wahrlich nicht gering
-veranschlagen dürfen.
-
-[Illustration: Abb. 9. Newcomenmaschine 1712.]
-
-Bei Newcomen dürfen wir auch nicht übersehen, daß er eben nur ein
-Grobschmied war und nicht zur Zunft derer gehörte, die gelehrte
-Geschichte schreiben. Sonst würde er wohl längst unter die genialen
-Erfinder gerückt worden sein, denn, wie wir noch sehen werden, hat
-er durch eine Beobachtung und ihre richtige Deutung sowie praktische
-Verwertung die Dampfmaschine bedeutend leistungsfähiger gemacht. In
-der Dampfmaschine Newcomens (Abb. 9) strömt der Dampf aus dem Kessel
-in den Zylinder und schiebt dort einen dicht abschließenden Kolben in
-die Höhe. Dabei wird der Kolben gleichzeitig durch das Pumpengestänge,
-das vom andern Ende des Schwingbalkens oder Balanciers in die Tiefe
-des Schachtes hinabhängt, hochgezogen. Hat der Kolben seine Höchstlage
-erreicht, so wird der darunter befindliche Dampf verdichtet. Anfangs
-geschah dies nur durch Kühlung des Kupferbehälters von außen durch
-Einlaß von Wasser in den Zwischenraum zwischen dem Zylinder und einem
-ihn umschließenden Mantel. Unter dem Kolben entstand ein luftverdünnter
-Raum. Damit erhielt aber die oben auf den Kolben drückende Luftsäule
-über das Pumpengestänge das Übergewicht und drückte den Kolben hinab.
-Das entgegengesetzte Ende des Balancier genannten Wagebalkens ging
-gleichzeitig in die Höhe und damit auch das Pumpengestänge, das unten
-im Schacht das zu hebende Wasser ansaugte und in die Höhe beförderte.
-Eines Tages fiel es Newcomen auf, daß seine Maschine plötzlich viel
-schneller arbeitete. Er forschte der Ursache nach und prüfte, ob der
-Kolben überall noch gut abdichte. Es fand sich ein Loch im Kolben,
-durch das Wasser von der über dem Kolben zur besseren Dichtung
-befindlichen Wasserschicht in den luftverdünnten Raum dringen konnte.
-Sofort soll Newcomen sich gesagt haben, daß das eindringende Wasser
-die Verdichtung des Dampfes beschleunigte und es deshalb rätlich sei,
-regelrecht Wasser in den Arbeitsraum des Dampfes und nachfolgenden
-Vakuums einzuspritzen. Dieser Gedanke, mag er nun dem Zufall oder der
-Überlegung entsprungen sein, erwies sich außerordentlich wertvoll.
-An Stelle der Oberflächenkondensation des Dampfes trat jetzt die
-Einspritzverdichtung. Das vermehrte die Hubzahl der Maschine bedeutend.
-Die beiden Hähne, von denen der eine den Dampf vom Kessel nach dem
-Zylinder, der andre das Einspritzwasser in den dampfgefüllten Zylinder
-strömen ließ, wurden sehr bald derart mit der Bewegung des Wagbalkens
-oder Schwingbaums verbunden, daß die ganze Steuerung der Maschine
-selbsttätig arbeitete. Daß der berühmte Knabe Humphrey Potter zuerst
-die Hebel der von ihm gewarteten Hähne mit dem Balancier verbunden hat,
-wird jetzt stark angezweifelt, doch auch nicht genügend widerlegt.
-Und man fragt vergebens, ob sich eine derartige Überlieferung habe
-aus der Luft greifen lassen. Noch zu Newcomens Lebzeiten wurde durch
-Henry Beighton die selbsttätige Steuerung folgendermaßen gestaltet
-(Abb. 10). Ein sogenannter Steuerbaum hing vom diesseitigen Hebelarm
-des Balanciers herunter und bewegte sich mit ihm auf und ab.
-Zapfen an diesem Steuerbaum drückten auf die Steuerhebel, brachten
-Überfallgewichte zum Kippen und bewirkten dadurch ein schnelles Öffnen
-oder Schließen der Dampf-, bzw. Einspritzöffnung.
-
-[Illustration: Abb. 10. Beightons Steuerung 1718.]
-
-Beim Dampfeinlaß wurde eine Platte, die sich auf der Innenseite des
-Kessels befand und sich mit einer durch die Kesselwand gehenden
-beweglichen Achse drehte, weggeschoben. Diese Achse wurde mittelbar
-durch den Steuerbaum hin und her gedreht. Ebenso ließ sich der
-Einspritzhahn durch Hin- und Herdrehen einer Achse unter Vermittlung
-des Steuerbaums bewegen. Abbildung 10 veranschaulicht die selbsttätige,
-von Beighton eingeführte Steuerung sehr klar. Links den Steuerbaum mit
-den quergesteckten Zapfen denke man sich aufwärts bewegt. Der oberste
-Zapfen wird dann den gebogenen Hebelarm heben und dadurch die obere
-Steuerwelle drehen, so daß das oben befindliche Gewicht kippt und
-der eine Gabelarm des umgekehrten Ypsilons in den Querzapfen einer
-wagrecht angeordneten Zugstange eingreift. Man verfolge nun den Weg
-zum Dampfeinlaß. Dann wird man leicht bemerken, daß die gestrichelt
-gezeichnete schwingende Dampfeinlaßplatte sich innen im Kessel vor den
-Dampfauslaß stellen muß. Der untere Zapfen am Steuerbaum aber wird beim
-Hinaufgehen den Hebel in die Höhe drücken, der die zweite Steuerwelle
-dreht. Daran befindet sich ein Zahnradabschnitt. Dieser gezähnte
-Sektor greift in einen zweiten gleichartigen Zahnradabschnitt ein und
-betätigt den Hahn der Kühlwassereinspritzleitung. Schon vor Smeaton,
-dem Rechtsanwaltssohn, der die Newcomenmaschine durch systematische
-Forschung bedeutend verbesserte, wurde ein Organ zur Regulierung der
-Hubzahl oder Arbeitsgeschwindigkeit der Maschine verwandt, Katarakt
-(Wasserfall) genannt (Abb. 11). Der Gang der Maschine war abhängig vom
-Tempo der Kühlwassereinspritzung. Diese Einspritzung wurde ausgelöst
-durch das Emporgehen des links unten in dem Behälter befindlichen
-schräg gestellten Hebelarms des Winkelhebels. Sein senkrechter
-Winkelarm trägt ein Trichtergefäß, das von oben durch Wasserfluß so
-weit gefüllt wird, bis es umkippt und den nach unten gerichteten
-Hebelarm in die gestrichelt gezeichnete höhere Lage bringt. Dadurch
-wird unten eine Klinke ausgehoben und der Kühlwassereinlaß geöffnet.
-Die Hubzahl konnte daher durch Einstellung des kleinen Zuflußhahnes
-über dem Katarakt beliebig bemessen werden. Im Munde der Bergleute hieß
-der Katarakt scherzweise »~Jack in the box~« (»Hans in der Büchse«).
-Das Einspritzwasser, das seine Arbeit getan hatte, wurde durch eine
-Abflußröhre aus dem Zylinder entfernt. Die Luft gelangte durch das
-sogenannte Schnüffelventil aus dem Dampfarbeitsraum ins Freie, indem
-sie ein Ansatzrohr am unteren Zylinderende passierte und, Blasen
-werfend, durch das Wasser entwich, das sich über dem Klappventil
-befand, um das Eindringen der äußeren Luft zu verhindern. Aus unserer
-Beschreibung geht zur Genüge hervor, daß sich an dieser atmosphärischen
-Maschine vor dem Eingreifen Watts bereits mancher höchst sinnreiche
-Mechanismus befand, daß das Ganze sich überhaupt schon der Papinschen
-Vakuumkolbenmaschine gegenüber im Verhältnis des etwas noch plumpen,
-aber doch ausgewachsenen Mannes zum unbehilflichen, aber alle Anlagen
-enthaltenden Kindlein befand.
-
-[Illustration: Abb. 11. Katarakt.]
-
-
-
-
-Eine verbesserte Newcomenmaschine im Roman.
-
-
-Die Newcomenschen Feuermaschinen wurden in der Folgezeit mannigfach
-verbessert. Besondere Ersparnisse an Feuerungsmaterial erzielte der
-Erbauer des Eddystoneleuchtturmes Smeaton, der berühmte Ingenieur und
-Freund Watts, der Watt nach dessen eigenem Zeugnis wie die jüngeren
-Ingenieure überhaupt technisch denken gelehrt hat. Als die Wattschen
-Maschinen aufkamen, hörte man noch lange nicht auf, Newcomensche
-Feuermaschinen zu bauen, zumal da, wo die Kohle reichlich und billig
-war. Auch Wattsche Verbesserungen wurden dabei verwandt, so zum
-Beispiel die Schließung des Zylinders auch oben, die Durchführung der
-Kolbenstange durch eine gutgedichtete Stopfbüchse, die Lenkung des
-Dampfes so, daß er bald über, bald unter dem Kolben eintritt und so
-die Arbeit übernimmt, die vorher der Luftdruck allein besorgt hatte.
-Eine solche Maschine beschreibt uns Max Eyth in seinem Roman »Der
-Schneider von Ulm«. Sie war zu Anfang des 19. Jahrhunderts in der
-Friedrichsgrube bei Tarnowitz in Oberschlesien tätig; gerade aber die
-bedeutendsten Wattschen Verbesserungen, der getrennte Kondensator und
-das Parallelogramm zur Geradführung der Kolbenstange, fehlten nach der
-Beschreibung. Diese Maschine, im Grunde eine Mischung Newcomenscher und
-Wattscher Ideen, ist aber gerade, weil ihr das Wichtigste der Wattschen
-Maschine abgeht, nämlich der gesonderte Dampfverdichtungsraum oder
-Kondensator, mehr als eine Newcomensche denn als Wattsche Feuermaschine
-zu bezeichnen. Weil sie den Übergang von der einen zur andern gut
-veranschaulicht, wollen wir die Stelle aus dem Eythschen Roman
-hierhersetzen:
-
-»Auf dem Weg nach dem Maschinenhaus hörten sie die dumpfen,
-geheimnisvollen Schläge des Ungetüms mit jedem Schritt deutlicher.
-Vor dem Haus schien der Boden zu zittern, Ketten klirrten, Stangen
-rasselten; hinter dem Haus hörte man Wasser rauschen, als ob ein
-mächtiger Bach über Felsen stürzte. -- Als sie in den hohen, matt
-erhellten Raum eintraten, war es zunächst schwierig, irgend etwas zu
-unterscheiden. Ein finsteres, formloses Ding, wie die Trommel einer
-riesigen Säule, stand auf einem Untersatz aus roh behauenen Quadern.
-Dies war der neue Zylinder, aus dem eine blinkende, runde Stange
-emporschoß, um sodann wieder in seinem Inneren zu versinken. Die Stange
-hing an einer schweren Kette, die hoch oben, fast am Dach des Gebäudes,
-von einem Arm aus wuchtigen Holzbalken in die Höhe gezogen wurde,
-der sich langsam und feierlich auf und ab bewegte, aber bei jedem
-Niedergang mit dröhnendem Lärm auf eine Unterlage aufschlug, die im
-Mauerwerk angebracht war. Hinter dem Steinpfeiler, der den Drehzapfen
-dieses wagebalkenartigen Doppelarmes trug, hing, wieder an einer Kette,
-das gewaltige Pumpengestäng, das in der unergründlichen Tiefe einer
-schwarzen Schachtöffnung verschwand. Von den Armen des Schwingbaums
-hingen vor und hinter dem Pfeiler weitere Stangen herab, von denen die
-eine an wunderlich geformten Hebeln und Knaggen zog und drückte, die
-manchmal dem Gang der Stange folgten, dann wieder plötzlich, als ob
-sie ärgerlich wären, selbständige, unerwartete, schnappende Bewegungen
-machten. Die Stange auf der andern Seite des Pfeilers saugte an einer
-kleinen Pumpe, die in einer Grube verdeckt stand und in heftigen Stößen
-dampfendes Wasser in eine Rinne warf, das gurgelnd durch ein Loch in
-der Mauer davonlief. Das also war die Feuermaschine. Neben ihr, in
-einen unförmlichen Backsteinmantel eingemauert, stand der Dampfkessel,
-vor dessen feuersprühender Esse ein schweißtriefender, kohlenschwarzer
-Mann hantierte. Wenn er die Feuertür öffnete, um frische Kohlen auf
-die sausende Glut zu werfen, glühten der ganze Raum, die Hebeln und
-Knaggen, die blinkende Kolbenstange und die schwarzen Ketten in
-flammrotem Licht, das wildbewegte, fast greifbare Schatten in die Ecken
-und Winkel des finsteren Gebäudes warf. Das Unheimlichste waren die
-Töne des Ungetüms. Das knarrte und ächzte, knallte und krachte, zischte
-und sauste, seufzte und stöhnte, bald da, bald dort, als ob in jedem
-Winkel ein andrer Kobold säße. Alles aber übertönte der donnerähnliche
-Schlag in der Höhe, wenn der Schwingbaum auf seine Unterlage traf.
-Dem Schlag folgte eine fünf Sekunden lange feierliche Stille. Dann
-war es, als ob jemand auf den Boden, auf ein Blech klopfte; langsam,
-widerwillig setzte der Schwingbaum sich wieder in Bewegung, unten im
-Schacht räusperten sich die Pumpen, und das grause Spiel, das Ächzen
-und Stöhnen, das Sausen und Zischen, das Knallen und Schlagen begann
-aufs neue. Wer erinnert sich an all das, wenn er in den spiegelblanken
-Salon tritt, in dem heutzutage eine Dampfmaschine von tausend
-Pferdekräften mit einem kaum hörbaren Seufzer, wenn nicht ganz lautlos,
-ihre Riesenarbeit verrichtet? So aber sah und hörte es sich an, als
-die Dampfmaschine in ihrer Kindheit die Glieder zu regen begann!« Die
-folgende Schilderung von der Dampfsteuerung bald über, bald unter den
-Kolben betrifft eine Anordnung, die erst Watt aufgebracht hat; dagegen
-beachte man, daß die Kondensation nicht in einem besonderen Behälter
-wie bei Watt, sondern unmittelbar noch wie bei Newcomen unter dem
-Kolben erfolgt. Von der fundamentalsten Erfindung Watts ist also hier
-kein Gebrauch gemacht.
-
-Es heißt da im Roman weiter: »Die Knaggen und Hebel, die ein vom
-Schwingbaum auf- und abgezogener Rahmen in Bewegung setzte, öffneten
-und schlossen die Ventile, die den Dampf bald in den oberen, bald in
-den unteren Zylinderraum eintreten ließen. Das aber ging so zu: zuerst
-strömte der Dampf in den oberen Zylinderraum und drückte den Kolben
-nach unten. War der Kolben am Boden angelangt, so schloß sich das
-Einlaßventil, und ein anderes öffnete sich, so daß der Dampf aus dem
-oberen in den unteren Zylinderraum treten konnte, während das Gewicht
-des Pumpengestänges am andern Ende des Schwingbaums den Kolben nach
-oben zog. War der Kolben wieder oben und infolgedessen aller Dampf
-im Zylinder in den unteren Zylinderraum getreten, so schloß sich das
-Ventil zwischen dem oberen und unteren Raum. Gleichzeitig spritzte
-eine kleine Hilfspumpe kaltes Wasser in den Zylinder, so daß sich der
-dort befindliche Dampf kondensierte und ein luftleerer Raum entstand,
-der den Kolben wieder herabzusaugen suchte. Wenige Sekunden nachher
-öffnete sich aber auch das Ventil wieder, das frischen Dampf in den
-oberen Zylinderraum zuließ, so daß sich der Kolben wieder mit voller
-Kraft abwärts bewegte und das Pumpengestäng aufs neue emporhob,
-worauf sich diese Bewegungen wie zuvor wiederholten. Das Gewicht
-des Pumpengestänges drückten die Grubenwasser in die Höhe; was die
-Feuermaschine tat, war, nach jedem Pumpenstoß das Gestäng wieder zu
-heben oder, in andern Worten, die vierzig Pferde zu ersetzen, die
-vordem an dem Pumpengestäng gezogen hatten.«
-
-
-
-
-Watt erfindet den Kondensator.
-
-
-Watts jugendlicher Freund Robison hatte die Aufmerksamkeit des
-Erfinders zum ersten Male auf die Dampfmaschine gelenkt, als er ihm
-vorschlug, die in Newcomenschen Maschinen bereits so erfolgreich
-verwertete Dampfkraft zur Bewegung von Wagen heranzuziehen. Das ist
-nach Watts eigner Angabe 1759, vielleicht oder schon etwas früher
-gewesen. Sobald seine Geschäfte es ihm wieder erlaubten, befaßte
-er sich mit Versuchen, indem er auf einen Papinschen Digestor
-oder Kochtopf eine Röhre mit beweglichem Kolben aufsetzte, den
-hochgespannten Dampf durch eine verschließbare Öffnung in diese Röhre
-treten und darin den ziemlich belasteten Kolben hochschieben ließ.
-In dieser Richtung auf eine Dampfmaschine hinzuarbeiten, gab er aber
-auf, als ihm klar wurde, daß genügende Dichtung nicht zu erreichen
-und die Explosionsgefahr zu groß war. Jedenfalls aber sah er sich
-bereits in der Literatur über Dampfmaschinen um, zumal, als ihm 1763
-von der Universität der Auftrag wurde, das Modell einer Newcomenschen
-Maschine (Abb. 12) wieder instand zu setzen. Diesen Auftrag hatte Watt
-vielleicht selbst durch Vermittlung des ihm befreundeten Professors
-Anderson herbeigeführt, als ihm bekannt wurde, daß dies Modell
-vorhanden war und sich bei einem Londoner Mechaniker zur Ausbesserung
-befand, ohne dort in Angriff genommen zu werden. Watt studierte
-fleißig die Werke von Desaguliers und Belidor über die Geschichte der
-Dampfmaschine. Nachdem er jenes Modell vom mechanischen Standpunkt aus
-völlig instand gesetzt hatte, fand er, daß trotz des großen Kessels
-nicht genügend Dampf erzeugt wurde, um einen Hub zu erzielen, dabei
-war der Dampfkessel im Gegensatz zu den wirklichen Maschinen sogar
-unverhältnismäßig groß. Dies setzte Watt in nicht geringes Erstaunen.
-Wo lag der Grund, daß im kleinen trotz verhältnismäßig größeren Kessels
-der Apparat nicht arbeitete? Watt stellte Versuche an, ob vielleicht
-das ungünstige Verhältnis der Gesamtoberfläche des Zylinders zum
-Zylinderinhalt schuld trüge. Er stellte sich ferner Zylinder aus anderm
-Material, aus Eisen und Holz statt aus Bronze her, woraus der Zylinder
-des Modells gemacht war. Vielleicht waren die Wärmeleitungsverhältnisse
-dieser Stoffe entscheidend? Aber alle diese Versuche führten zu
-keinem befriedigenden Ergebnis. Was er da fand, stand in schwer
-vereinbarem Gegensatz zu den Tatsachen bei großen Maschinen. Erzielte
-er durch stärkere Kühlwassereinspritzung ein schnelleres, größeres
-und kräftigeres Vakuum, so bedurfte es gleich hinterher wieder viel
-mehr Dampfes, da die Abkühlung der Zylinderwände größer geworden war
-und nunmehr ein Teil des Dampfes seiner Elastizität durch die größere
-Abkühlung verlustig ging. Auch ward es Watt offenbar, daß bei minder
-starker Abkühlung im Vakuum ein Teil des Einspritzwassers unter dem
-niedrigeren Druck schneller verdampfte als unter Atmosphärendruck.
-
-[Illustration: Abb. 12. Modell einer atmosphärischen Maschine
-(Newcomenmaschine) um 1750, wie es Watt zur Instandsetzung übergeben
-wurde.]
-
-Es half nichts. Wollte der junge Mechaniker eine auf Maß, Zahl und
-Gewicht zurückgeführte Klarheit über diese Verhältnisse gewinnen, so
-mußte untersucht werden, bei welchen Temperaturen Wasser unter größeren
-als atmosphärischen Drucken kocht, mußte festgestellt werden, welche
-Menge Dampfes sich aus einer bestimmten Menge Wassers entwickelt,
-mußte erforscht werden, wieviel Wärme der Dampf an Wasser abgibt, wenn
-er dessen Wärme auf seine eigene Temperatur erhöht.
-
-Als Arago, ein französischer Physiker, der das Leben Watts im
-Rahmen eines Akademievortrages behandelte, diese von Watt noch vor
-seiner Haupterfindung angestellten Untersuchungen aufzählte, kam
-er zu dem Schlusse, das sei Stoff genug gewesen, das Leben eines
-fleißigen Naturforschers auszufüllen, und damit dürfte er nicht so
-unrecht haben. Aber wie einfach waren die Mittel, mit denen Watt
-seine Untersuchungen machte! Nicht einmal ein Laboratorium stand ihm
-zur Verfügung, und doch gelangte er zu Ergebnissen, die ein halbes
-Jahrhundert später mit weitaus besseren Mitteln nicht wesentlich
-genauer erzielt wurden. Er untersuchte das Verhältnis, in dem bei
-wachsenden Temperaturen die Spannungen des Wasserdampfes zunehmen.
-Die Werte der Temperaturen trug er als Abszissen, der Spannungen als
-Ordinaten in ein Koordinatensystem ein und fand, daß die Temperaturen
-im arithmetischen, die Spannungen im geometrischen Verhältnis zunehmen.
-In dem Werke Desaguliers stieß er bei der Berechnung, welches
-Quantum Dampf einer bestimmten Menge Wassers bei Atmosphärendruck
-entspricht, auf einen groben Rechenfehler. Das ermutigte ihn, diese
-Frage noch einmal zu untersuchen. In einen Glaskolben füllte er eine
-geringe Menge Wassers und befestigte in der Mündung eine beiderseits
-offene, unten bis auf das Wasser reichende Glasröhre, so daß Luft
-aus diesem Gefäße nur durch die Röhre entweichen konnte. Das Gefäß
-wurde dann in einem Ofen so erhitzt, daß das Wasser darin verdampfte.
-Der aufsteigende Dampf riß an Luft alles, was nicht schon infolge
-der Wärme entwichen war, mit sich zur Röhre hinaus. Als der letzte
-Wassertropfen verdampft war, wurde die Glasröhre geschlossen, das Gefäß
-aus dem Ofen genommen, und ein kalter Luftstrom gegen eine Stelle des
-Gefäßes gerichtet, damit sich der darin befindliche Dampf verdichte.
-Abwiegen des Gefäßes mit und ohne den jetzigen Inhalt, weiter des
-gänzlich ausgetrockneten und danach des mit Wasser ganz gefüllten
-Gefäßes ergab die Werte, aus denen Watt berechnete, daß ein bestimmtes
-Wasserquantum bei Verwandlung in Dampf von der Temperatur des siedenden
-Wassers sich auf das Achtzehnhundertfache seines Rauminhalts ausdehnt.
-Es war Watt aufgefallen, daß eine verhältnismäßig sehr große Menge
-Einspritzwassers durch die Dampffüllung des Zylinders, die aus einer
-sehr viel geringeren Menge Wassers herrührte, so stark erwärmt wurde.
-Um die Sache genauer zu untersuchen, stellte er Wasser in einem gegen
-Wärmeverluste geschützten Behälter neben einen Teekessel, in dem Wasser
-verdampft wurde. Der ausströmende Dampf wurde so lange durch eine erst
-wagrecht, dann senkrecht verlaufende Glasröhre in den Wasserbehälter
-geleitet, bis das Wasser darin fast kochte, d. h. aufhörte, noch
-länger Dampf zu verdichten. Beim Wiegen fand sich, daß das erwärmte
-Wasser, das den ausströmenden Dampf aufgenommen hatte, sich um ⅙
-seines Gewichtes vermehrt hatte. Watt folgerte, daß Wasser, in Dampf
-verwandelt, sechsmal sein eignes Gewicht Brunnenwassers zur Siedehitze
-bringe. Damit war Watt für seine Person selbständig zur Entdeckung
-der latenten Wärme gelangt, und er wurde nicht wenig überrascht,
-daß der ihm befreundete ~Dr.~ Black, ein Mediziner an der Glasgower
-Universität, dem er seine Resultate mitteilte, schon früher zur
-Entdeckung dieser Tatsachen gelangt war. Black hatte gefunden, daß eine
-bestimmte Gewichtsmenge Eis von 0° ~C~ in einer gleichen Gewichtsmenge
-Wassers von 80° ~C~ schmilzt und daß die Temperatur der beiden
-Gewichtsmengen flüssigen Wassers 0 ist, während eine Gewichtsmenge
-Wassers von 0° ~C~, mit gleicher Gewichtsmenge Wassers von 80° ~C~
-gemischt, eine gemeinsame Temperatur von 40° ~C~ ergibt. Er schloß
-daraus, es müßte die aus dem Eise hervorgegangene Wassermenge 80° ~C~
-Wärme in sich aufgenommen haben, ohne daß diese verborgene (latente)
-Wärme für unsere Instrumente unmittelbar meßbar wäre. Wenn Watt nun
-feststellte, daß verdampftes Wasser das Sechsfache seines eignen
-Gewichtes an Brunnenwasser auf Siedehitze bringen könne, so war diese
-Temperaturerhöhung auch nur möglich dank der im Dampf latenten, mit dem
-Thermometer nicht meßbaren Wärme.
-
-An Wasserstandsgläsern, die Watt statt der Probierhähne bei den
-Dampfkesseln einführte, konnte er jederzeit ablesen, wieviel Wasser
-verdampft war. Er konnte also auch feststellen, wievielmal eine
-bestimmte Menge Wassers den Zylinder mit Dampf füllte. Den Schluß,
-den er nun aus allen diesen mehrfach abgeänderten Versuchen und
-Feststellungen zog, hätte er vielleicht auch ohne sie gewinnen können.
-Es ist nicht abzusehen, warum der Gedanke, die Dampfkondensation in
-einen besonderen Raum abseits vom Zylinder zu verlegen, nicht hätte
-auftauchen können, nachdem man sich einmal klar geworden war, daß die
-abwechselnde Erhitzung und Abkühlung des Zylinders überflüssigerweise
-viel Brennstoff vertat. Dergleichen läßt sich aber nur hinterher leicht
-sagen. Gerade die zahlenmäßigen Feststellungen gaben Watt erst recht
-deutliche Vorstellungen, erhöhten sein Erstaunen und schärften sein
-Nachdenken, wie der Brennstoffverschwendung abzuhelfen sei.
-
-Helmholtz schilderte einmal in einer Tischrede, wie ihm am besten und
-ehesten erlösende Gedanken kämen, wenn er wochenlang der gleichen
-Sache nachging und sie auf Spaziergängen in sonniger, bergiger
-Landschaft mit sich herumtrüge. Nietzsche schuf unter ähnlichen
-Umständen seinen Zarathustra. Watt hat sich auf eine Anfrage Harts
-über das erstmalige Aufblitzen der erlösenden Idee, nämlich des
-getrennten Dampfverdichtungsraumes, folgendermaßen geäußert: »Eines
-Sonntagnachmittags hatte ich im Glasgower Grün einen Spaziergang
-unternommen: als ich halbwegs zwischen Hirts Haus und Arns Brunnen
-war und meine Gedanken sich natürlicherweise mit jenen Experimenten
-beschäftigten, die ich gerade anstellte, um Wärme im Zylinder zu
-sparen, so kam mir eben auf jener Wegstrecke der Gedanke in den Sinn,
-daß, weil Dampf ein elastischer Dunst (~Vapour~) war, er sich ausdehnen
-und in einen vorher luftleer gemachten Raum stürzen würde; und daß,
-wenn ich einen luftverdünnten Raum in einem getrennten Gefäß herstellen
-würde, dazu auch eine Verbindung zwischen dem Dampf im Zylinder und dem
-luftleer gemachten Gefäß, jene Folge eintreten müßte.« Es war im Anfang
-des Jahres 1765, daß Watt diese nachträglich so selbstverständlich
-erscheinende Idee faßte. Mit ihr zugleich ergaben sich binnen zwei
-Tagen alle übrigen Erfindungen zur Verbesserung der Dampfmaschine
-gewissermaßen nur als Ergänzungen und von selbst. Die Entfernung
-des Einspritz- und Kondensationswassers sowie der mit dem Wasser
-eingedrungenen Luft mußte durch Pumpen erfolgen. Die Dichtung des
-Kolbens in der Newcomenmaschine durch eine auf der oberen Kolbenfläche
-ruhende, immer neu ergänzte Wasserschicht vertrug sich nicht mit dem
-neuen Prinzip, den Zylinder andauernd so heiß als möglich zu erhalten.
-Das Wasser über dem Kolben wäre verdampft oder hätte den Zylinder
-gekühlt. Andre Dichtungsmittel, Wachs, Talg, Fett, Dung, mußten somit
-erprobt werden. Auch die Luft über dem Kolben konnte in dem oben
-offenen Newcomenschen Zylinder dessen Temperatur erniedrigen. Also war
-der Zylinder oben zu schließen. Die Kolbenstange mußte durch ein Loch
-des Deckels, durch eine Stopfbüchse, durchgehen. Dann ließ sich aber
-auch der Dampf _über_ den Kolben leiten und dazu verwenden, den Druck
-der atmosphärischen Luft zu ersetzen und den Kolben herabzudrücken. Um
-nun auch von außerhalb des Zylinders die Kühlung durch umgebende Luft
-zu verhindern, mußte der Zylinder von einem Mantel umgeben werden,
-der Wärme nach außen nicht abgab und weit genug vom Zylinder abstand,
-damit zwischen Mantel und Zylinderwandung Dampf eintreten konnte,
-der die Temperatur innerhalb des Zylinders gleichmäßig erhielt. Alle
-diese Verbesserungen ergaben sich, wie Watt selbst schreibt, in einem
-oder zwei Tagen ungezwungen aus der einzigen, so fruchtbaren Idee vom
-getrennten Kondensator. Und nun machte sich Watt an die experimentelle
-Prüfung, um auch hier wieder zu zeigen, mit wie geringen Mitteln das
-Genie Großes leistet.
-
-
-
-
-Watts erste Maschine im Modell.
-
-
-Viel Zeit und mehr Geld, als sich mit einem schuldenfreien Dasein
-vertrug, hatte Watt an seine theoretischen und experimentellen
-Untersuchungen gewandt, um die Größenbeziehungen zwischen Wasser,
-Dampf, Zylinderfüllung und verdampftem Wasser herauszubekommen. Lange
-war er im dunkeln weitergetappt, gefoppt von manchem Irrlicht, bis ihm
-in wenig Stunden eine ganze Reihe neuer Ideen oder eine Hauptidee, die
-aber eine Reihe andrer in ihrem Schoße barg, aufblitzte. Sofort machte
-er sich an die Herstellung eines Maschinenmodells. Dieser denkwürdige
-Apparat (Abb. 13) ist noch erhalten. Er befindet sich in London im
-Kensingtonmuseum. »Ich nahm eine große Messingspritze, eindreiviertel
-Zoll Durchmesser und zehn Zoll lang, machte aus Zinnblech einen Deckel
-und Boden daran, dazu eine Röhre, die (zu der als Zylinder dienenden
-Spritze) vom Kessel her den Dampf nach beiden Enden des Zylinders
-führen sollte; eine zweite Röhre hatte den Dampf von dem oberen Ende
-des Zylinders nach dem Kondensator zu leiten -- denn um Apparat zu
-sparen, kehrte ich den Zylinder um (so daß die Kolbenstange nach
-unten hing und das Vakuum oberhalb des Kolbens erzeugt wurde); ich
-bohrte der Länge nach durch die Kolbenstange ein Loch und befestigte
-am unteren Ende ein Ventil, das Wasser herauszulassen, das bei
-der ersten Zylinderfüllung durch den verdichteten Dampf entstehen
-würde. Der Kondensator, den ich benutzte, bestand aus zwei Röhren
-dünnen Zinnblechs, zehn oder zwölf Zoll lang und etwa ein sechstel
-Zoll Durchmesser. Diese Röhren standen senkrecht und waren oben in
-Verbindung mit einer kurzen wagrechten Röhre großen Durchmessers.
-Letztere hatte auf der Oberseite eine Öffnung, die durch ein nach außen
-gehendes Ventil geschlossen wurde. Diese Röhren wurden unten verbunden
-mit einer andern senkrechten Röhre, die als Luft- und Wasserpumpe
-diente. Beide Kondensatorröhren und die Luftpumpe wurden in eine
-kleine, mit kaltem Wasser gefüllte Büchse gestellt. Diese Konstruktion
-des Kondensators wurde gewählt, weil ich wußte, daß Wärme sehr
-rasch dünne Metallplatten durchdrang, und bedachte, daß, wenn keine
-Einspritzung in ein luftleer gemachtes Gefäß erfolgte, nur das Wasser,
-aus dem der Dampf bestanden hatte, und die Luft, die mit dem Dampf oder
-durch undichte Stellen eintrat, herauszuschaffen wären. Die Dampfröhre
-wurde an einen kleinen Kessel befestigt.
-
-[Illustration: Abb. 13. Watts erstes Modell einer Dampfmaschine mit
-getrenntem Kondensator 1765.
-
-(Aus »Zeitschr. d. Vereins D. Ingenieure« 1896, S. 979.)]
-
-Der erzeugte Dampf wurde in den Zylinder gelassen und trat bald durch
-die Höhlung der Kolbenstange und am Ventil des Kondensators aus. Als
-angenommen werden konnte, daß die Luft hinausgetrieben war, wurde der
-Dampfhahn (der den Kessel mit dem Zylinder verband) geschlossen, und
-die Luftpumpenkolbenstange in die Höhe gezogen; sie ließ dadurch die
-kleinen Röhren des Kondensators im Zustand eines luftverdünnten Raumes,
-der Dampf schoß da hinein und wurde (weil die Kondensatorenröhren
-von kaltem Wasser umspült waren) verdichtet. Unmittelbar darauf
-ging der Kolben des Zylinders in die Höhe und hob damit ein Gewicht
-von achtzehn Pfund, das ans untere Ende der Kolbenstange gehängt
-war. Der Auspumphahn (der den Zylinder mit den Kondensatorröhren in
-Verbindung setzte) wurde geschlossen, der Dampf von neuem in den
-Zylinder gelassen, und der Vorgang wiederholt; die Menge verbrauchten
-Dampfes und gehobenen Gewichtes wurde beobachtet, und, abgesehen von
-der Nichtanwendung eines Dampfmantels und äußerer Umkleidung, war die
-Erfindung vollständig, soweit die Ersparung von Dampf und Brennstoff
-in Betracht kam. Ein großes Modell mit einem äußeren Zylinder und
-einem hölzernen Behälter darum wurde gleich darnach hergestellt; die
-damit gemachten Versuche bestätigten die Erwartungen, die ich hegte,
-und erhoben den Vorteil der Erfindung über jeden Zweifel. Später wurde
-es dienlich gefunden, den Röhrenkondensator durch ein leeres Gefäß zu
-ersetzen, gewöhnlich von zylindrischer Form, in das eine Einspritzung
-spielte, und weil nunmehr Wasser und Luft herauszuziehen war, mußte
-die Luftpumpe vergrößert werden. Diese Änderung wurde vorgenommen,
-weil zur Verdichtung des Dampfes einer großen Maschine eine genügend
-ausgedehnte Oberfläche beschafft werden muß, der Röhrenkondensator aber
-alsdann einen zu großen Raum beansprucht hätte, und weil das schlechte
-Wasser, womit die Maschinen häufig gespeist werden, die Zinnplatten
-überkrustete und sie verhindert haben würde, die Wärme rasch genug
-nach außen abzugeben. Die Zylinder wurden mit ihren Mündungen nach
-oben gestellt und mit einem Arbeitsbalken, dem Balancier, und andern
-Vorrichtungen versehen, die in den alten Maschinen üblich waren, denn
-die Umkehrung des Zylinders oder richtiger nur der Kolbenstange im
-Modell war ja nur ein Mittel gewesen, leichter die neue Erfindung zu
-versuchen, bei großen Maschinen unterlag sie manchen Bedenken.«
-
-Mit diesen Worten, zu denen wir nur in Klammern einige Verdeutlichungen
-zufügten, beschreibt Watt selber sein erstes Versuchsmodell. Seinem
-Freunde Robison teilte er übrigens die gefundene Lösung zunächst nur
-andeutungsweise mit, denn er hatte es übelgenommen, daß Robison in
-einer andern Angelegenheit Anvertrautes nicht vorsichtig genug bewahrt
-hatte. Robison schrieb später ein Werk über »~Mechanical philosophy~«,
-wir würden sagen über die »Prinzipien der Mechanik«, worin er auch
-natürlich der Erfindung, der er so nahe stand, eingehend gedenkt. Watt
-hat Zusätze und Berichtigungen dazu geschrieben, da Robison vor ihm aus
-dem Leben schied. Robison stellt es so dar, als habe Professor Black
-die Untersuchungen über die Wärmeverhältnisse der Newcomenmaschine
-bei Watt angeregt und sei dadurch Miturheber der Erfindung geworden.
-Aber Watt stellt mit klaren entschiedenen Worten die Mitvaterschaft
-Blacks in Abrede. Auch beruft er sich auf Black selbst, der in einer
-schriftlichen Niederlegung ausdrücklich Watts alleiniges Verdienst um
-die Erfindung des Kondensators hervorhebt.
-
-
-
-
-~Many a clip 'twixt cup and lip.~[1]
-
-
-Hätte Watt geahnt, was die Erfindung ihn noch für Aufregungen,
-Entbehrungen und bittere Erfahrungen kosten würde, hätte er
-vorausgesehen, daß nacheinander zwei der tatkräftigsten Unternehmer und
-selber als geniale Männer anerkannte Industrielle hart an den Rand des
-Untergangs gelangen würden, ehe seine von ihnen übernommenen Patente
-wenigstens dem Erfinder selbst ein sorgenfreies Dasein zu bereiten
-begannen, -- hätte ihm jemand den Ärger vorausgesagt, den er im Laufe
-mehrjähriger Prozesse über Patentverletzungen, Advokatenleistungen
-und Richterstumpfsinn durchkosten mußte, dann würde er vielleicht
-seine Erfindung von vornherein verflucht haben. Denn Äußerungen
-wie »~I curse my inventions~« (ich verwünsche meine Erfindungen)
-oder »~of all things in life there is nothing more foolish than
-inventing~« (von allen Dingen im Leben ist nichts törichter als das
-Erfinden), -- solche Aussprüche finden sich viele Jahre lang in Watts
-Briefwechsel. Er war genau im Denken und Forschen, aber auch wohl genau
-in Geldsachen. Wir haben noch einen Brief seines Sohnes, worin dieser
-sich in einer Geldverlegenheit nicht an seinen Vater, sondern an dessen
-Geschäftsteilhaber Boulton wendet, -- bezeichnend genug! Aus dieser
-Genauigkeit in Geldsachen verstehen wir auch seine Äußerung, »er könne
-den Gedanken nicht ertragen, daß andre Leute durch seine Pläne Geld
-verlieren würden«. Und gerade diesem peinlich denkenden Manne sollte es
-beschieden sein, in Schulden zu geraten, einen seiner Förderer Bankrott
-machen zu sehen und seinen Geschäftsteilhaber Boulton in eine sehr
-bedenkliche Lage zu bringen. Zwanzig Jahre schwerster Mühen dauerte es
-noch, bis Watt mit einiger Ruhe in die Zukunft sehen konnte! Gründlich
-mußte er die Wahrheit des Sprichwortes erproben: »~There is many a
-clip -- 'twixt cup and lip~« -- eine Lebensweisheit, die Watt auch
-launig anders wiedergab: »~In mechanics many things fall out between
-the cup and the mouth~«, »In der Mechanik geht viel zugrund zwischen
-Bechersrand und Mund«. So gab es schon bei den Versuchsmaschinen, die
-Watt zunächst immer noch in kleinerem Maßstabe ausführte, mancherlei
-Schwierigkeiten und unvorhergesehene Zwischenfälle. Mit einer gewissen
-Heimlichkeit mußten die Versuche schon gemacht werden, sollte das Wesen
-der neuen Erfindung nicht rasch Gemeingut der Erfindungsdiebe werden.
-So mietete Watt einen geräumigen Keller, und dort baute er mit Hilfe
-eines Klempnermeisters die erste Versuchsmaschine. Der Feinmechaniker
-mußte sich jetzt zum Maschinenbauer ausbilden. Die neuartigen Teile,
-die er Schmieden und Klempnern in Arbeit gab, wurden oft genug verkehrt
-angefertigt. Besondere Mühe machte die Herstellung passender Zylinder.
-Überall fehlte es an geschulten Arbeitern und einer zuverlässigen
-Zylinderbohrtechnik. Natürlich konnte sich Watt nicht mehr so eingehend
-um sein Geschäft kümmern, das ja ohnehin seine Arbeitskraft in die
-verschiedensten Richtungen zersplittert hatte. Als sein Partner Craig
-starb, gab deshalb Watt das Geschäft ganz auf. Die neue Maschine ließ
-seine Gedanken nicht mehr los. Aber die Versuche kosteten immer mehr
-Geld. Watt hatte Familie, und wenn ihn auch seine brave, tapfere Frau
-stets ermutigte und ihm Trost zusprach, so drückten doch die Schulden.
-... Und dann kamen wieder einmal die bösen Kopfschmerzen dazwischen,
-das alte Übel, unter dessen Pein der Erfinder die Zukunft nur in den
-schwärzesten Farben sah. Aber Watts hochmögende Freunde, besonders der
-Professor Black, waren ihm immer noch zugetan. Black, der von sich
-selbst später gestand, das Geldsparen und Kapitalistwerden mache ihm
-Freude, half öfters mit kleineren Summen aus. Noch wichtiger aber war,
-daß Black, der berühmte schottische Chemiker, Beziehungen zu Roebuck
-hatte, dem Besitzer der Carronwerke, und daß er diesen Mann auf Watt
-aufmerksam machte, so daß unser Erfinder nun mit einem kapitalkräftigen
-und unternehmungslustigen Industriellen Verbindung erhielt. Wer war
-nun dieser ~Dr.~ Roebuck, dem die Geschichte immer das große Verdienst
-nachzurühmen haben wird, dem Vervollkommner der Dampfmaschine zuerst
-tatkräftig unter die Arme gegriffen zu haben?
-
-[1] Manch eine Klippe zwischen Becher und Lippe, oder auch:
-Zwischen Lipp' und Kelchesrand schwebt der dunklen Mächte Hand.
-
-
-
-
-Mein Herz blutet für ihn.
-
-
-In kürzeren Darstellungen des Lebens unsres Erfinders, in
-Lesebuchstücken und Lexikonartikeln finden wir ~Dr.~ Roebuck fast
-ausnahmslos mit schnödem Undank behandelt. Es heißt da, Watt habe sich
-mit einem Industriellen namens Roebuck verbunden, der Mann habe aber
-bald Bankrott gemacht und Watt hätte Mühe gehabt, aus dem Schiffbruch
-des Kapitalisten auch nur sein nacktes Patent zu retten. Roebuck
-gehört aber nicht nur selber unter die Erfinder, sondern auch unter
-die großen Männer der Tat. Das gleiche Nachschlagewerk, das ihm nicht
-einmal ein besonderes Artikelchen widmet, muß Roebuck in der Liste
-der Erfinder und Entdecker bringen. Mitten unter den stolzesten Namen
-des 18. Jahrhunderts befindet sich auch der seine als des Erfinders
-der Schwefelsäurefabrikation in Bleikammern. Der Schilderer des
-Lebens so vieler berühmter englischer Ingenieure und Erfinder, Samuel
-Smiles, verzeichnet in einem Buche spöttisch das gleiche, was wir hier
-tadelten. In der zu Glasgow erschienenen »~Cyclopedia of Biography~«,
-einem biographischen Nachschlagewerke, heißt es nämlich von Roebuck:
-»Roebuck, John, ein Arzt und Experimentalchemiker, geboren 1718 zu
-Sheffield; starb, nachdem er sich durch seine Projekte selber ruiniert
-hatte, 1794.« Das ist alles! Als Sohn eines Messerfabrikanten in der
-Stadt Sheffield, fühlte sich der junge Roebuck unwiderstehlich zu
-wissenschaftlichen Studien hingezogen. Er studierte Medizin und Chemie,
-war in Edinburg mit keinem Geringeren als Hume befreundet, erwarb in
-Leiden den Doktortitel und ließ sich in Birmingham als Arzt nieder.
-Hier wurde er auf die Dürftigkeit der Materialien und Methoden in
-der Birminghamer Metallfabrikation aufmerksam und machte sich daran,
-ein neues Eisenschmelzverfahren zu erfinden. Dies gelang ihm unter
-Verwendung der Steinkohle statt der Holzkohle. Ferner ersann er andre
-Verfahren zur Reindarstellung von Gold und Silber. Auch verdanken wir
-ihm vorteilhaftere Verfahren zur Gewinnung verschiedener Chemikalien,
-insbesondere die schon erwähnte Herstellung von Schwefelsäure in
-Bleikammern in großen Mengen, während sie bis dahin nur in kleinen
-Mengen in Glasgefäßen hatte gewonnen werden können. In Schottland
-errichtete er 1749 eine glänzend rentierende Schwefelsäurefabrik. Und
-dort schuf er auch bei Prestonpans eine Porzellan- und Tonwarenfabrik.
-Von seinen Erfolgen verleitet, wohl auch von dem edlen Ehrgeiz
-befangen, dem Lande nützliche Industrien zuzuführen, errichtete Roebuck
-mit Heranziehung des Geldes von Verwandten und Freunden am Carronflusse
-ein großes Eisenwerk, das erste in Schottland. Geschickte Werkleute,
-Gießer und Schmiede wurden aus England herübergeholt, und 1760 der
-erste Hochofen angeblasen. Roebuck leistete gleichzeitig als Erfinder,
-der immer neue Patente entnahm, und als Geschäftsmann in vielseitigster
-Tätigkeit Hervorragendes. Die Carronwerke erlangten Berühmtheit. Die
-Beförderung der neuen Industrieerzeugnisse erzwang geradezu neue
-Verkehrswege. Daher begann in den nächsten Jahrzehnten der Bau oder
-die Vermessung verschiedener Kanäle. Das waren Arbeiten, bei denen
-auch Watt einige Jahre sein Brod fand, so daß schon hier Roebuck im
-Grunde vorteilhaft in Watts Leben eingriff. Roebuck machte sich aber
-auch daran, die reichen Kohlenlager in Schottland auszubeuten. Immer
-neue Kapitalien wurden in aussichtsreiche Unternehmungen gesteckt,
-bis auf einmal, ehe noch die Unternehmungen Früchte trugen, das Geld
-knapp wurde und Roebuck Konkurs machte. Doch eilen wir dem Verlauf
-der Dinge nicht vor. Roebuck brauchte für seine Kohlenschächte zur
-Herausschaffung der Grubenwasser leistungsfähigere Maschinen, als es
-die Newcomenschen waren. Black, der Chemiker, machte ihn auf seinen
-jungen Freund Watt aufmerksam, der da eben eine neue, vielversprechende
-Erfindung gemacht habe. Das Prinzip dieser neuen Schöpfung mußte einem
-erfinderischen Kopfe wie Roebuck schnell einleuchten. Er übernahm daher
-die Deckung der Schulden, die Watt bisher für seine Versuche gemacht
-hatte. Daß sie sich auf 20000 Mark beliefen, möchte ich nicht glauben,
-obwohl alle einschlägigen Schriftsteller das nachbeten. Wahrscheinlich
-ist in dieser Summe gleichzeitig eine Vergütung für Watt einbegriffen
-gewesen. Roebuck machte sich ferner anheischig, die Kapitalien für
-fernere Versuche aufzubringen. Dafür sollte er ⅔ des Gewinns von dem
-Bau der Maschine erhalten. Um seinen Kohlenbergwerken nahe zu sein,
-hatte Roebuck den Edelsitz Kinneil House am Firth of Forth, der früher
-dem Herzog von Hamilton gehörte, bezogen. In dessen Nähe baute Watt
-in ziemlicher Heimlichkeit eine kleinere Maschine, an der aber bald
-dies, bald jenes mißriet. Während das den Mut Watts stets sinken ließ,
-regte es Roebucks Tatkraft nur zur Weiterarbeit an. Wohl nicht ohne
-Berechtigung mag Roebucks Gattin die Äußerung getan haben, ohne Roebuck
-würde Watt selber seine Erfindung aufgegeben haben. Nicht am Prinzip,
-sondern an der noch mangelhaften Technik der Zylinderherstellung und
-der feineren Mechanikerarbeiten sowie am Fehlen geschulter Arbeiter lag
-die Schuld. Watt konnte nicht immer zugegen sein; war er aber abwesend,
-dann ging alles verkehrt, und man mußte hernach die Arbeit von neuem
-anfangen. Daß die Maschine Geld brachte, daran war für die nächste
-Zeit nicht zu denken. So mußte sich denn Watt entschließen, von seiner
-Kenntnis der Meßinstrumente und der Mathematik Gebrauch zu machen: er
-wurde Zivilingenieur und Geometer, der teils Vermessungsarbeiten für
-die Kanalgesellschaften, teils Ingenieurarbeiten für Glasgow und die
-Nachbarorte übernahm. Nach seinen Entwürfen wurde z. B. die Clydebrücke
-bei Hamilton gebaut. Auch Hafenanlagen, Krane und was ihm sonst der
-Zufall an ähnlichen Aufträgen brachte, führte er aus. Dazwischen wurde
-langsam an der Maschine weitergearbeitet.
-
-Der Kanalbauten wegen mußte Watt 1767 nach London reisen, um dort vom
-Parlament gewisse Genehmigungen zu erlangen. Aber er wußte weder die
-Arbeiter, die seinem Befehle unterstanden, noch die hartgesottenen
-Politiker des Parlamentes richtig zu behandeln. Er konnte wohl die
-Natur bemeistern, indem er ihre schwache Seite herausfand. Aber
-Menschen zu meistern, war ihm, dem feinen Kopf und Verächter des
-Gemeinen, nicht gegeben. Er haßte Geschäftsverhandlungen und wollte
-lieber -- wie er schrieb -- vor eine geladene Kanone treten als
-eine Rechnung aufsetzen oder einen Handel abschließen, für den er
-verantwortlich war. Wohl erreichte er sein Ziel in der britischen
-Hauptstadt; aber bezeichnend ist, was er über die Parlamentarier
-äußerte: er habe nie eine größere Menge fauler Köpfe (~wrongheaded
-men~) beisammen gesehen. Das stimmt überein mit dem, was ein andrer
-Schotte, der berühmte »Schmieder der Volkswirtschaftslehre« Adam Smith,
-sagt: der Politiker sei ein »~insidious animal~«, ein hinterhaltiges
-Tier. Aber mit dem verwünschten Parlament mußte Watt bereits im
-nächsten Jahre wieder in Verbindung treten; es galt, ein Patent
-auf seine Maschine zu erwirken. Es wäre ein Wunder, wenn wir nicht
-aus dieser Zeit Klagen über Zeitverlust durch bequemes Beamtentum
-hätten. Kopfschmerzen und schlaflose Nächte brachten Watt in eine
-verzweifelte Stimmung, aber Roebuck drängte zur Weiterarbeit. Eine
-leistungsfähigere Maschine war ja der Bergwerkindustrie nötig wie
-das liebe Brot. Auf der Heimkehr von London hatte Watt die erste
-Begegnung mit dem Metallwarenfabrikanten Boulton in Soho, dessen Fabrik
-er schon im vorhergehenden Jahre als einen großen, gut geleiteten,
-siebenhundert Arbeiter zählenden Betrieb kennen gelernt hatte. Schon
-seit einiger Zeit bearbeitete nämlich Watt seinen Freund ~Dr~. Small,
-daß dieser den ihm eng befreundeten, weitschauenden und sehr begabten
-Boulton für seine Maschine gewinnen möge. Boulton wurde durch Watts
-Wesen von vornherein eingenommen, aber es dauerte doch noch ein
-halbes Dutzend Jahre, ehe er der Wattschen Erfindung auch mit Kapital
-näher trat. Mittlerweile tröstete Small, ein ausgezeichneter Mann,
-den Erfinder brieflich: er hoffte immer noch mit einem Feuerwagen
-Wattscher Herkunft fahren zu können. Daß Watt sich nach einem andern
-Kapitalisten umsah, hing mit Roebucks plötzlich sehr mißlich gewordenen
-Vermögensverhältnissen zusammen. Es war überhaupt eine Zeit schlechten
-Geschäftsganges. Daher bei Boulton keine Lust zu neuen Unternehmungen,
-bei Roebuck aber Geldschwierigkeiten, die so groß wurden, daß er nicht
-einmal mehr die Kosten für die Patententnahme 1769 aufbringen konnte.
-Wenn Black nicht die Summe vorgeschossen hätte, wäre Watt übel daran
-gewesen. Und dann fielen wieder neue Versuche mit der Maschine in
-Kinneil House nicht befriedigend aus, wiederum ein Grund für Boulton
-zurückzuhalten. Watt geriet in eine verzweifelte Stimmung. Doch ein
-Trost war es, daß wenigstens im vorhergehenden Jahre, 1769, das Patent
-gesichert war, im gleichen Jahre mit Arkwrights Patent auf die durch
-Wasserkraft getriebene Garnspinnmaschine.
-
-[Illustration: Abb. 14. Faksimile von Watts Handschrift: Vorschlag des
-Schraubenpropellers. (Nach Muirhead.)]
-
-Im Jahre 1770 schickte Watt Zeichnungen der in Kinneil House
-errichteten Maschine nach Soho. Boulton wollte dort, wo bessere
-Werkleute und besseres Material zur Verfügung standen, einen Versuch
-mit dem Bau einer Wattschen Maschine machen. Damals trug sich Boulton
-mit dem Gedanken, auf einem bei Birmingham vorbeiführenden Kanal
-die Boote durch Dampfmaschinen befördern zu lassen. Small schrieb
-Watt von diesem Plane. Watt schlug in seinem Antwortschreiben vor,
-Spiralruder anzuwenden. So haben wir eigentlich schon bei Watt den
-Schraubenpropeller (Abb. 14), als dessen Erfinder Ressel gilt, obwohl
-die Idee sogar schon vor Watt vertreten war. Man würde irren, wenn
-man glaubte, der Erfinder habe sich damals nur mit der Dampfmaschine
-beschäftigt. Seine Vermessungsarbeiten führten ihn auf mancherlei
-Verbesserungen der Nivellierinstrumente und auf neue Erfindungen
-auch auf diesem Gebiete. Dazwischen gab es gelegentlich chemische
-Versuche. Black und Roebuck, mit denen Watt damals verkehrte, waren ja
-beide Chemiker. Freilich kamen dann auch ganze Monate, in denen Watt
-froh war, sein Tagewerk bei Schnee und Regen, in Schmutz und Sturm,
-voll Ärger über Arbeiter und Unternehmer hinter sich zu haben. Aber
-gesundheitlich bekam ihm der Aufenthalt im Freien nicht schlecht. Dafür
-war er wieder wochenlang von seinen Lieben getrennt, und nachts zehrte
-die Sorge: er wurde grau, ohne für Weib und Kind Ersparnisse gemacht zu
-haben. Infolge der großen Geldschwierigkeiten, in die Roebuck geraten
-war, stockte auch die Weiterentwicklung der Maschine. Watt verdiente
-damals bei den Vermessungsarbeiten am Monklandkanal, wo er hundert Mann
-unter sich hatte, 4000 Mark im Jahre. Auch war er bei einer Töpferei
-beteiligt, die nach seiner eignen Äußerung scheußlich schlechte Ware
-erzeugte, aber doch blühte. -- Freilich dauerte die Herrlichkeit
-nicht lange, denn schon das nächste Jahr (1772) brachte wieder eine
-Geschäftskrise. Die Kanalarbeiten stockten, und Watt wurde entlassen.
-Aber er fand bald wieder Arbeit am Kaledonischen Kanal, der freilich
-erst ein Menschenalter später fertig wurde. Die späteren Ingenieure
-benutzten dabei noch Watts als vorzüglich anerkannte Geländeaufnahmen.
-In diesem Jahre traf ein harter Schlag unsern Erfinder. Durch die
-Krankheit seiner Frau wurde er plötzlich von seinen Arbeiten abgerufen.
-Daheim fand er eine Tote. In einem Briefe schildert er, wie er
-damals beim Betreten seines Hauses allen Mut zusammennehmen mußte,
-wenn ihm nicht mehr, wie früher, die treue, bewährte Lebensgefährtin
-entgegenkam, die nur seine Sorgen und Mühen, nicht seinen Sieg
-miterlebte....
-
-Der finanzielle Zusammenbruch Roebucks war die Ursache, daß Boulton
-sich entschloß, der Wattschen Erfindung auch als Teilhaber näher zu
-treten. Roebuck hatte das Vermögen seiner Frau und seiner Verwandten
-herangezogen, um seine weitangelegten, riesigen Unternehmungen über
-Wasser zu halten. Der Zusammenbruch verschlang alles. Von der Höhe
-einer glänzenden und für das Gemeinwohl hoch verdienstlichen Laufbahn
-stürzte der gewaltige Mann in die Tiefe. Unbeachtet und zurückgezogen
-lebte er noch bis 1794. Wie schmerzlich muß es wohl für ihn gewesen
-sein zu sehen, daß er eine Erfindung in der Hand gehabt hatte, die
-später so glänzende Einnahmen erzielte! Watt gibt Roebuck das Zeugnis,
-daß er ohne ihn unter seiner Last zusammengebrochen wäre. »Mein Herz
-blutet für ihn,« schrieb er einem Freunde, »aber ich kann nichts für
-ihn tun; ich habe lange bei ihm ausgehalten, die Pflicht für meine
-Familie zwingt mich, nach einem andern Unternehmer mich umzutun.«
-
-
-
-
-Boulton.
-
-
-Mit Recht ist gesagt worden, Watt hätte ganz Europa durchsuchen
-können, ohne einen geeigneteren Mann als Boulton zu finden, um seine
-Erfindung in die Praxis einzuführen. Man hört in unsern Tagen oft das
-phrasenhafte Wort vom königlichen Kaufmann; auf Boulton angewandt, ist
-es aber am Platze. Ein hoch begabter, trefflich gebildeter, ehrenhaft
-denkender Mann, hatte sich Boulton die Aufgabe gestellt, den wenig
-guten Ruf der Birminghamer kunstgewerblichen Erzeugnisse zu heben.
-Nur erstklassige Fabrikate sollten seine Metallwerkstätten verlassen.
-Boulton beschäftigte Künstler aus Italien und Frankreich und erwarb
-sich ein Verdienst durch die Vervielfältigung vornehmster Kunstwerke,
-wobei ihn sein König und der Adel durch leihweise Überlassung ihrer
-Kunstschätze zur Nachbildung unterstützten. Der Ruf seiner Firma drang
-weit über Englands Grenzen. Kaiser und Könige, Künstler und Gelehrte
-verfehlten nicht, die berühmte Fabrik zu Soho zu besichtigen und
-sich von ihrem gastlichen und vornehmen Besitzer bewirten zu lassen.
-Boultons größtes Verdienst war aber nicht nur die Durchbringung
-der Dampfmaschine, sondern auch sein Kampf und Sieg über die
-Münzfälschungen. Nachdem er nämlich der Wattschen Erfindung durch seine
-außerordentliche Tatkraft unter größten finanziellen Bedrängnissen zum
-Siege verholfen hatte, warf er sich mit Macht auf das Münzproblem,
-d. h. die Herstellung von schwer durch Fälscher nachzumachenden Münzen.
-Ein großer Teil des damals umlaufenden Geldes war das Erzeugnis
-von Fälschern. Boulton hat ihnen durch neue Münzprägemaschinen das
-Handwerk erschwert. Zu den Letzten, die seiner Münze Aufträge gaben,
-gehörten natürlich seine lieben Landsleute. Daran war aber nur der
-träge Beamtenstand schuld. Die königlichen Münzbeamten sahen nämlich
-mit Verdruß, daß wieder ein Kaufmann, keiner der Ihren, die Initiative
-ergriff, dem Münzübel zu wehren. So rührten sie sich nicht, den Mann zu
-unterstützen, der erst auf dem Wege über das Ausland zur Autorität für
-sie werden mußte. Boulton war selbst auch, wie Roebuck, Erfinder und
-Ingenieur, seine Vielseitigkeit sei beleuchtet durch die Anschaffung
-einer wertvollen Virgilausgabe, durch Fossiliensammlungen, chemische
-und elektrische Versuche, seine Freundschaft mit Männern wie Watt,
-Erasmus Darwin, Priestley, Small, Wilhelm Herschel u. a. Boulton war um
-so eher für Watts Erfindung zu gewinnen, als er selbst schon mit einem
-eigenen Dampfmaschinenmodell Versuche gemacht hatte.
-
-Roebuck, früher in Birmingham ansässig, war mit Boulton befreundet.
-Dieser hatte ihm 24000 Mark geliehen und konnte sie von ihm nicht
-zurückerhalten. Auf Anregung Watts war Boulton bereit, unter Verzicht
-auf die geliehene Summe den Anteil Roebucks an Watts Erfindung, also
-Zweidrittelgewinn, zu übernehmen. Das war für Watt Grund zu neuen
-Hoffnungen! Schon hatte er in verzweifelter Stimmung daran gedacht,
-wenn sonst kein Geld aus der Erfindung zu machen sei, wenigstens
-ein Buch darüber zu schreiben und die Ehre der Erfindung zu retten.
-Seiner schottischen Heimat war er damals so überdrüssig, daß er Land
-und Leute, Klima und Vermessungsarbeiten förmlich haßte. Bis ins Herz
-fühlte er sich krank. Ihn drängte es hinaus aus Verhältnissen, die ihn
-fast nur an Mißerfolge und gar an den Tod einer geliebten, edlen Frau
-mahnten. Da mußte er es wohl mit Freuden begrüßen, daß er nunmehr die
-in Kinneil hergestellten Maschinenteile nach Soho schicken konnte, um
-selbst in Boultons Dienste zu treten. Zunächst galt es, die Maschine
-in Soho zusammenzusetzen. Dabei übernahm aber Watt auch gelegentlich
-andre Dienstleistungen für Boulton. Und ein Glück war es, daß die
-zusammengesetzte Maschine gute Arbeit leistete! Jetzt knüpfte Boulton
-seine Bereitwilligkeit, mit aller Kraft die Fabrikation in Angriff zu
-nehmen, nur noch an eine freilich schwere Bedingung: Watt mußte nach
-London und bei den querköpfigen (»~wrongheaded~«) Parlamentsmitgliedern
-um Verlängerung seines Patentes einkommen. Von den vierzehn Jahren
-gewährten Schutzes waren bereits fast sechs herum. Die übrigen acht
-Jahre waren eine zu kurze Frist, um das große Geschäftsrisiko zu wagen,
-das in der Fabrikation eines so gänzlich neuen und bald von andern
-Fabriken nachgeahmten Artikels bestand. Zwar die Bergwerksbesitzer
-und Minenpächter, die bereits davon gehört hatten, es sei eine neue
-Kraftmaschine erfunden, die von keinem Geringeren als dem bekannten
-und einflußreichen Boulton hergestellt werde, boten alles auf, einen
-Parlamentsbeschluß zu hintertreiben, der ihnen die Benutzung der
-neuen Erfindung verteuern mußte. Aber sie richteten nichts aus. Das
-Parlament bewilligte die Verlängerung des Patentes auf 25 Jahre in
-Anbetracht der Schwierigkeit und der großen Geldaufwendungen, die das
-neue Unternehmen erforderte. Watt hatte nun nicht mehr nötig, sich nach
-einer Stelle umzusehen, wo er taglöhnern konnte. Selbst das Anerbieten,
-das ihm von Rußland auf Vorschlag des dorthin gegangenen Robison damals
-gemacht wurde, gegen eine Besoldung von 20000 Mark jährlich dorthin
-überzusiedeln, konnte er ablehnen. Und das tat er um so lieber, als er
-kein Vertrauen in die Freiheitsbürgschaften dieses Reiches setzte.
-
-Aber nicht nur in den Hafen der fabrikmäßigen Herstellung seiner
-Erfindung lief Watt damals ein. Er gelangte auch, ein Jahr darnach,
-in den Hafen einer neuen Ehe. Bei einem Besuche Glasgows lernte
-der nun vierzigjährige Erfinder die Tochter Anna des Färbers
-Macgregor kennen. Seine Werbung fand Gehör, doch der vorsichtige
-Schwiegervater wollte, bevor er seine Einwilligung gab, Einsicht in die
-Vermögensverhältnisse und Zukunftsaussichten des Tochtermanns haben,
-und dieser schwiegerväterlichen Härte verdanken wir ein Schriftstück,
-worin Boulton auf Watts Bitte hin ausdrücklich schriftlich die zwischen
-ihm und Watt bereits mündlich getroffenen Vereinbarungen anerkennt. »Es
-ist schwierig,« so schreibt der Fabrikant, »den wirklichen Wert Ihrer
-Eigentumsrechte bei unsrer Teilhaberschaft festzusetzen. Jedenfalls
-will ich es bestimmt bezeichnen, und ich kann wohl sagen, ich würde
-Ihnen gern zwei-, auch dreitausend Pfund für die Übertragung Ihres
-Drittels an dem Patent geben. Es würde mir aber leid tun, mit Ihnen
-einen für Sie so unvorteilhaften Handel abzuschließen, und ich würde
-jedes Geschäft bedauern, das mich Ihrer Freundschaft, Zuneigung und
-tatkräftigen Hilfe berauben würde. Ich hoffe, daß wir in Liebe und
-Eintracht die 25 Jahre zusammen aushalten werden, und das wird mir
-lieber sein, als wenn ich als alleiniger Inhaber so reich wie ein Nabob
-werden könnte. Ich würde Ihnen gerne sofort die betreffende Anweisung
-und den Vertrag über unsere Teilhaberschaft übersenden. Leider ist es
-mir unmöglich, da der Rechtsanwalt Herr Dadley plötzlich nach London
-gerufen wurde und ich das Aktenstück nicht vor seiner Rückkehr erhalten
-kann. Wenn Sie aber vielleicht mit Ihren Freunden darüber verhandeln
-wollen, so können Sie ihnen von folgenden Hauptpunkten eine Abschrift
-geben. Ich habe sie aus unsrer Korrespondenz ausgezogen, und soviel
-ich weiß, enthalten sie das Hauptsächlichste unsres Vertrages. Sie
-überweisen mir ⅔ des Patentes unter folgenden Bedingungen: Ich habe
-die Kosten für die Versuche, für die Erwerbung des Patentes sowie für
-das, was für die Maschine vom Juni 1775 gebraucht wurde, zu tragen,
-auch die Ausgaben für die ferneren Versuche zu bestreiten. All dies
-Geld ist von mir unverzinslich herzugeben und darf nicht gegen Sie
-verrechnet werden. Die Versuchsmaschinen sind mein Eigentum, da sie
-von meinem Gelde gekauft werden. Ferner habe ich das Kapital, das zum
-Geschäftsbetriebe nötig ist, gegen übliche Zinsen vorzuschießen. Der
-Gewinn des Geschäftes nach Bezahlung oder Abschreibung der Zinsen, der
-Arbeitslöhne und aller Geschäftsunkosten, soweit sie sich auf unser
-Dampfmaschinengeschäft beziehen, ist in 3 Teile zu teilen, von denen
-Sie einen, ich zwei erhalte. Sie haben die Zeichnungen zu entwerfen,
-die Angaben zu machen und die Leitung zu übernehmen. Die Auslagen
-für Geschäftsreisen ersetzt das Geschäft. Ich habe die Bücher genau
-zu führen und dafür Sorge zu tragen, daß jährlich Abschluß gemacht
-wird. Ferner habe ich Sie in der Leitung der Arbeiter zu unterstützen,
-Geschäfte abzuschließen sowie überhaupt alles das zu tun, was wir
-beide von Interesse für das Geschäft halten. Ein Buch ist zu führen,
-worin alle neueren Übereinkommen zwischen uns zu Protokoll genommen
-werden, die, mit unsrer beider Unterschrift versehen, dieselbe Kraft
-haben wie unser Vertrag. Keiner darf seinen Anteil ohne Zustimmung des
-andern veräußern. Sollte einer von uns sterben oder zu gemeinsamer
-Tätigkeit unfähig werden, so soll der andere der einzige Leiter sein,
-ohne Kontrolle der Erben, Testamentsvollstrecker oder gesetzlichen
-Nachfolger. Die Bücher jedoch können von ihnen eingesehen werden,
-auch kann der tätige Teilhaber eine vernünftige Entschädigung für
-seine Mühewaltung beanspruchen. Der Vertrag tritt mit dem 1. Juni
-1775 auf 25 Jahre in Kraft. Unsre Erben, Testamentsvollstrecker usw.
-sind zur Beobachtung des Vertrages verpflichtet. Im Falle wir beide
-sterben, sind unsre Erben usw. unsre Nachfolger auf Grund des gleichen
-Vertrages.«
-
-Und damit wenden wir uns den Arbeiten zu, die jetzt von Soho aus in die
-Welt gingen, den ~black devils~, schwarzen Teufeln, oder ~iron angels~,
-eisernen Engeln.
-
-
-
-
-Die Retterin der Cornwallgruben.
-
-
-Vom nördlichsten zum südlichsten Teile der britischen Halbinsel,
-das war der Wechsel, den die nächsten Jahre für Watt nach seiner
-Übersiedlung zur Sohoer Fabrik brachten. Vom nördlichen Schottland,
-wo er Kanäle vermessen hatte, warf ihn das Schicksal nach dem
-Bergwerkbezirk Cornwall. Denn von hier kamen die meisten Bestellungen
-auf Wattsche Maschinen, weil viele Grubenbesitzer und Pächter vor
-dem Ruin, vor Aufgabe ihres Grubenbetriebes standen, wenn es nicht
-gelang, die die Gruben ersäufenden unterirdischen Wasser rechtzeitig
-heraufzuschaffen. Erst Wasserräder, die Schöpfwerke ähnlich den
-Eimerreihen unsrer Baggermaschinen antrieben, -- dann die Verwendung
-vieler Hunderte von Pferden, um die Bewegung eines wagrechten Rades
-auf ein senkrechtes zu übertragen, Pumpen zu betreiben, die das Wasser
-emporschafften, -- schließlich die ungefügen Newcomenschen Maschinen,
-die die Pferde ersetzten: das waren die Mittel, mit denen sich der
-Bergbau damals gegen die Wasser der Tiefe wehrte. Im Grubenbezirk
-von Cornwall war zur Zeit Watts die Not aufs äußerste gestiegen.
-Viele Schächte schienen verlassen werden zu müssen, weil mit den
-Newcomenschen, von Smeaton verbesserten Feuermaschinen nichts mehr
-zu erreichen war. Ein ganzer Landstrich, Tausende von Familien sahen
-schlimmsten Zeiten entgegen. Kaum war es daher bekannt, daß Boulton
-und Watt eine eigne Fabrik zur Herstellung neuer Kraftmaschinen
-errichteten, als auch schon Bestellungen einliefen. Und weil von dem
-Ausfall der ersten Maschinen und ihrer Leistungen in den bedrohtesten
-Gruben der Ruf des ganzen Unternehmens der Firma Boulton und Watt
-abhing, so weilte Watt selber in den nächsten Jahren mit kurzen
-Unterbrechungen meist im Cornwaller Grubenbezirk. Es war eine
-aufregende Zeit für Watt. Die Cornwaller Bergwerkbesitzer und Pächter
-und erst recht die Arbeiter waren gerade kein gemütlicher Umgang. Immer
-wieder mußte er »hinaus ins feindliche Leben«, widerspenstige Maschinen
-in Ordnung zu bringen und die Maschineninhaber zum Bezahlen anzuhalten.
-Davon schienen diese Leute meist keine Freunde zu sein, ging es ihnen
-doch oft selber schlecht. So suchten sie sich ihren Verpflichtungen
-zu entziehen, indem sie mit Boulton und Watt rechteten. Ein Drittel
-der Kohlenersparnis sollten sie zahlen, und dies nachzurechnen hatte
-Watt einen Hubzähler am Schwingbaum angebracht. Aber bald fühlte
-sich dieser, bald jener Pächter im berechneten Quantum ersparter
-Kohle benachteiligt. Das gab schwere Verdrießlichkeiten, und zehn
-Jahre dauerte es, bis die Sohoer Firma Überschüsse erzielte. Fast
-eine Million, genauer vier Fünftel dieses Betrags, hatte Boulton in
-das Geschäft stecken müssen. Boulton wußte oft am Sonnabend nicht,
-womit er seine Arbeiter löhnen sollte. Von den Bankiers waren nur
-mit Mühe Vorschüsse zu erlangen und die neu eingegangenen Schulden
-drückten auf Watts Gemüt bis zur verzweifeltsten Schwarzseherei. Dazu
-traten immer neue Aufgaben. Er mußte Zeichnungen neuer Maschinen
-entwerfen, konstruktive Einzelheiten durchprobieren, dann aber bei
-andrängender Arbeitsfülle wegen Kopfschmerzen alles liegen lassen.
-Das gab oft recht schwere Zeiten. Als sich aber die ersten Maschinen
-in den Bergwerkbetrieben bewährt hatten, kamen auch bald zahlreiche
-Bestellungen, und es dauerte nicht lange, da waren fast alle
-Newcomenschen Feuermaschinen aus Cornwall verdrängt und durch Wattsche
-ersetzt. Zunächst war es die einfachwirkende Niederdruckmaschine, die
-dort überall Eingang fand, und wir haben jetzt diese Retterin Cornwalls
-kurz zu betrachten (Abb. 15).
-
-[Illustration: Abb. 15. Watts einfachwirkende Dampfmaschine 1788. (Nach
-Farey.)]
-
-Rechts zeigt die Abbildung den Kessel ~c~, in dem der Dampf erzeugt
-wird. In den Kessel führen zwei Wasserstandsröhren ~y~ hinein. Die
-Flammen und Rauchgase gehen von unten um den Kessel herum durch den
-Kanal 9 in den Schornstein. Ein Dämpfer ~w~ kann durch Zug an seinem
-Gegengewicht, mit dem er durch eine über eine Rolle führende Kette
-verbunden ist, höher oder niedriger gestellt werden und dadurch die
-Stärke des Luftstroms beeinflussen, der den Kamin durchstreicht,
-mithin den Brand unter dem Kessel anfachen oder dämpfen. Oben vom
-Kessel führt die Röhre ~a~ den Rauch hinüber nach den »Nüstern« oder
-~nozzles~ des Zylinders, nämlich zu den Ventilgehäusen ~b~ und ~e~
-und der senkrechten Röhre ~d~. Das Ventilgehäuse ~b~ enthält das
-Ventil, durch welches der Dampf in den Zylinder ~E~ gelassen wird, wenn
-der Kolben herabgehen soll. Der Zylinder ist oben geschlossen, die
-Kolbenstange geht durch eine mit einer Hanfpackung luftdicht gemachte
-Öffnung des Zylinderdeckels. Der Zylinder ist von einem Behälter
-eingeschlossen, und zwar so, daß zwischen Zylinder und Behälter eine
-heiße Dampfschicht lagert, die von der Röhre ~a~ aus durch eine kurze
-Rohrabzweigung rechts oben beim Zylinder eintritt. Hat der Dampf
-durch das Ventil ~b~ Eintritt erlangt, so geht er durch ~c~ nach dem
-Raum über dem Kolben. Ist das Ventil im Ventilgehäuse ~e~ geöffnet,
-so tritt der Dampf durch dieses und die wagerechte Röhre ~f~ in den
-Raum unter dem Zylinder. Das Ventil ~e~ heißt Gleichgewichtsventil,
-weil nunmehr der Dampf über und unter dem Kolben durch die Röhre ~d~
-miteinander in Verbindung steht. Der Kolben geht in die Höhe nur
-durch das Übergewicht des Pumpengestänges, das am linken Ende des
-Schwingbaumes ~LL~ aufgehängt ist. Die senkrechte Röhre ~g~ verbindet
-den Raum unter dem Kolben mit dem Kondensator ~F~, wenn das Ventil
-im Gehäuse ~i~ geöffnet ist. Der Kondensator ~F~, gleich der links
-von ihm befindlichen Luftpumpe ~H~ von kaltem Wasser umspült, ist der
-Raum, wo der Dampf verdichtet wird, so daß unter dem Kolben im Zylinder
-ein luftleerer Raum entsteht und nun der über dem Kolben drückende
-Dampf den Kolben herunterdrückt. Dabei wird das Pumpengestänge gehoben
-und unten im Schacht Wasser angesaugt. Bei ~x~ führt eine kleine
-Kupferröhre nach außen. Die äußere Mündung endigt unter Wasser. Durch
-diese Röhre kann die Luft beim Ingangsetzen der Maschine ins Freie
-austreten, nachdem sie durch das Wasser gegangen ist. Das nach außen
-sich öffnende Ventil ist das Schnüffelventil. Es hat seinen Namen
-von dem Geräusch, das die durch das Wasser aufquellende Luft erregt.
-Links vom Kondensator befindet sich, gleichfalls im Kühlwasserbehälter
-~GG~, die Luftpumpe ~H~. Ihr Kolben ist doppelt durchbohrt, die oberen
-Öffnungen sind durch nach oben gehende Klappen verschlossen. Durch
-diese Klappen kann Wasser und Luft aus dem Kondensator nach oben
-entweichen, ohne daß das Kühlwasser von außen in die Luftpumpe dringt.
-Die ausgepumpte Luft oder Flüssigkeit passiert dann noch das Ventil
-~m~; da das Kondenswasser aber warm ist, so wird es jetzt aus dem
-Behälter ~J~, der vom Kühlwassergefäß getrennt ist, durch die Pumpe
-~S~, die vom Schwingbaum aus betätigt wird, gleich wieder durch die mit
-8 bezeichnete, wagrechte, gestrichelt angedeutete Röhre hinüber nach
-~T~ und hinunter in den Kessel zur Dampferzeugung geleitet. Nachtragen
-müssen wir noch, daß sich auch zwischen dem Kondensatorraum und der
-Luftpumpe unten ein Ventil ~k~ befindet, das wie ~m~ nur nach links den
-Weg gibt, nicht nach rechts. Der Dampf im Kondensatorraum wird durch
-eine Einspritzung niedergeschlagen, die vom Kühlwasserbehälter durch
-ein Ventil im Gefäß ~j~ ausgeht. Das Einspritzventil wird ebenfalls
-mittelbar vom Schwingbaum aus betätigt. Der eichene Wagebalken,
-Schwingbaum oder Balancier ~LL~ dreht sich um den Zapfen ~p~. Von
-dem Kreisstück 7 geht die Stange ~l~ senkrecht nach unten. Ihr
-breites Mittelstück ist der Steuerbaum. Das untere Ende betätigt die
-Luftpumpe. Der Steuerbaum hat an drei Stellen, von denen man auf der
-Abbildung nur 1 und 2 sieht, vorspringende Zapfen. Sie stoßen beim
-Auf- und Niedergehen des Steuerbaums an die Handgriffe ~r~, ~s~, 3 der
-Dampfsteuerungen, die nach den Ventilgehäusen ~b~, ~e~ und ~i~ gehen.
-Bei ~t~, ~u~ und 4 befinden sich die Steuerwellen. Wenn zum Beispiel
-1 auf ~r~ drückt, dann geht der Hebelarm rechts von ~t~ in die Höhe.
-Damit geht aber auch die Zugstange hoch, die den Hebelarm des Ventils
-~b~ außerhalb des Ventilgehäuses ~b~ hebt und infolgedessen innen im
-Ventilgehäuse das gezähnte Kreisstück, das Zahnstangenstück, in das der
-Hebelarm eingreift, hinabdrückt. Dadurch wird das Ventil geschlossen.
-Geht der Zapfen bei 1 wieder in die Höhe, so wird das Ventil ~b~
-dadurch geöffnet, daß ein Gewicht auf einen Hebelarm wirkt, der die
-Steuerwelle ~t~ von links nach rechts dreht. Gewicht und Hebelarm sind
-auf der Abbildung nicht zu sehen. In gleicher Weise werden die beiden
-andern Ventile geschlossen und geöffnet. Man muß sich, um eine klare
-Vorstellung zu bekommen, mit einiger Geduld in die Zeichnung versenken
-und sich vor allem vergegenwärtigen, daß die Steuerwellen ~t~, ~u~
-und 4, die senkrecht zur Papierfläche stehen, noch wagrechte kurze,
-nicht gezeichnete Hebelarme tragen, an denen Gewichte so ziehen, daß
-die Steuerwelle eine Drehung beschreibt, sobald nicht die Handgriffe
-~r~, ~s~ und 3 von den Zapfen des Steuerbaums oder von der Hand des
-Maschinisten auf einen bestimmten Weg gezwungen werden. Wir verweisen
-hier auf die zwei Dampfsteuerungen von Maschinen, die im Gegensatz zu
-der hier beschriebenen einfachwirkenden doppelt wirkend sind. Es heißt
-das, daß der Dampf bei ihnen nicht nur über und unter den Kolben tritt,
-sondern daß er auch auf beiden Seiten Arbeit leistet (Abb. 16 u. 17).
-
-[Illustration: Abb. 16. Steuerung an den ersten doppeltwirkenden
-Wattschen Maschinen.]
-
-[Illustration: Abb. 17. Zylinder, Steuerung, Kondensator, Luftpumpe,
-Schnüffelventil an Watts doppeltwirkenden Maschinen mit Drehbewegung
-1787-1800.]
-
-Wie fast alles Neue, hatte auch die Wattsche Kondensatormaschine gerade
-in zünftigen Kreisen ihre Gegner, die mit überlegener Miene erklärten
-und im Lande aufschrien, diese Maschine stelle so hohe Anforderungen an
-genaue Werkstättenarbeit, daß keine Werkleute noch Werkzeugmaschinen
-ihnen entsprechen könnten, und daß daher die Maschinen selbst sich nie
-bewähren würden. Boulton und Watt konnten mit Ruhe gegen derartige
-Aussprengungen ihre Erfolge reden lassen. In ganz England und bald
-auch im Ausland wurde bekannt, was die Maschinen in den Cornwaller
-Bergwerken leisteten. Mancher Besitzer von Kupferwalzwerken oder
-Mühlen oder wer sonst auf Wasserräder als Betriebskraft angewiesen
-war, wünschte sich im stillen, wenn Dürre oder Frost das Wasserrad zum
-Stillstand brachte, ebenfalls die Vorteile der neuen Dampfmaschine,
-die die Grubenbesitzer ihr nachrühmten. Die Dampfmaschine konnte Tag
-und Nacht, winters und sommers arbeiten. Frost oder Dürre ließ sie,
-bei aller Wärme, »kalt«. Obwohl nun Watt angesichts der vielen neuen
-Aufgaben wenig Lust hatte, die Dampfmaschine auch für andre Betriebe
-einzurichten, so drängte ihn doch Boulton unaufhörlich, diesem Gedanken
-näher zu treten. Boulton sah voraus, daß das Bergwerksgeschäft, der
-Absatz für Grubenbezirke, ein zu beschränktes Feld sei. Er wollte die
-neue Maschine für alle möglichen Gewerbebetriebe verwendet sehen, und
-Watt mußte nachgeben. Vor allem war es nötig, die hin und her gehende
-Bewegung der Balanciermaschine in eine drehende zu verwandeln. Man
-hatte damals noch keine Erfahrung auf diesem Gebiete, so daß selbst
-ein so gewiegter Ingenieur wie Smeaton, dem Watt nachrühmt, daß
-»seine Lehren und Beispiele sie alle zu Ingenieuren gemacht hätten«,
-1781 erklärte, eine Dampfmaschine sei niemals als Ersatz eines
-Wasserrades für den gleichmäßigen Betrieb zu gebrauchen, dabei sei es
-ganz einerlei, ob sie mit Kurbel oder sonst etwas zur Erzeugung der
-Drehbewegung versehen sei.
-
-
-
-
-Drehbewegung, Doppelwirkung, Steuerung, Drosselklappe.
-
-
-[Illustration: Abb. 18. Sonnen- und Planetenradgetriebe.]
-
-Schon 1771 sprach Watt sich dahin aus, daß man bei der Verwendung
-einer Kurbel eine drehende Bewegung erzeugen könne. Später, als er
-sich schon lange vom Sohoer Werk zurückgezogen hatte, äußerte er
-sich über den wirklichen Erfinder der Kurbeldrehbewegung als einen
-Mann, der leider nicht göttlich gesprochen worden sei, obwohl er die
-gewöhnliche Fußdrehbank erfunden habe. Diese Kurbelbewegung auf die
-Maschine zu übertragen, hätte nicht mehr Erfindungsgeist erfordert als
-der Gedanke, ein Brotmesser zum Käseschneiden zu verwenden. Durch die
-Versuche Watts, mit der Kurbel bei der Dampfmaschine Drehbewegungen
-zu erzielen, wurden Fremde, die fast immer bei Boulton und Watt Neues
-auszuspionieren suchten, aufmerksam gemacht. Und eines Tages ließ sich
-der Birminghamer Knopffabrikant Pickard, dem durch Washborough, einen
-sonst fähigen Erfinder, die Sache zu Ohren gekommen war, ein Patent
-auf die Anwendung der Kurbel bei der Dampfmaschine geben. Da Watt dies
-Patent nicht anfechten wollte, weil er seinen zahlreichen Feinden
-damit vielleicht einen Anlaß bot, unter Berufung auf Scheingründe
-auch seine eigenen Patente anzufechten, so war er jetzt von der
-Benutzung seiner eignen Idee ausgeschlossen. Von verschiedenen Arten,
-eine Drehbewegung zu erzielen, die er sich 1781 patentieren ließ,
-verwertete er praktisch das sogenannte Sonnen- und Planetenradgetriebe
-(Abb. 18), das eigentlich Murdock erfunden haben soll, auf den wir noch
-zurückkommen werden. Vermutlich sah sich Watt als den geistigen Vater
-dieser Erfindung an, die sofort wieder aufgegeben und durch einfache
-Kurbelbewegung ersetzt wurde, als das Pickardsche Patent erlosch. Im
-nächsten Jahre (1782) nahm Watt ein Patent auf die doppeltwirkende
-Maschine, deren Idee er schon fünfzehn Jahre vorher ausgesprochen
-hatte. Jetzt wurde, wie schon beschrieben, auf beiden Seiten des
-Kolbens der Dampf und ebenso auf beiden Seiten die Luftverdünnung
-durch Kondensation benutzt. Solche Maschinen konnten auch bei
-kleineren Ausmessungen mehr leisten als die einfachwirkenden. Aber es
-bedurfte bei ihnen auch wieder neuer Erfindungen in Einzelheiten. Hier
-wendete Watt zuerst die Geradlenkung der Kolbenstange, das Wattsche
-Parallelogramm an, auf das er, obschon nicht um Ruhm besorgt, am
-stolzesten zu sein gelegentlich vorgab. Bei diesem Parallelogramm (Abb.
-19) dürfte auch sein Freund Robison ein kleines Verdienst haben. Vor
-vielen Jahren, als Watt noch Meister in Glasgow war, hatte Robison ihn
-angeregt, einen perspektivischen Zeichenapparat durch Verwendung einer
-Parallelogrammvorrichtung zu verbessern, und Watt war mit Erfolg dieser
-Anregung nachgekommen. Das Patent auf die Lenkergeradführung fiel in
-das Jahr 1784. Die Dampfverteilungsvorgänge bei der doppeltwirkenden
-Maschine veranschaulichen uns die Abb. 16 u. 17. Bei Abb. 17 muß man
-sich vorstellen, daß der Steuerbaum auf die Handgriffe mit seinen
-Knaggen oder Zapfen aufdrückt und dadurch eine Drehung der Steuerwellen
-verursacht. Oben und unten befinden sich je zwei Ventile untereinander,
-ein Ein- und ein Auslaßventil. Wie Abb. 17 zeigt, sind abwechselnd
-zusammen oben das Einlaß- und unten das Auslaßventil, oder umgekehrt
-oben das Auslaß- und unten das Einlaßventil geschlossen. Gewichte,
-die an den scheinbar abgebrochenen, senkrecht herabhängenden Stangen
-hängen, bewirken, sobald der daumenartige, kurze Hebel der Steuerwelle
-aus der ihn festhaltenden Klinke befreit wird, das Öffnen der Ventile.
-
-[Illustration: Abb. 19. Ausgeführte Niederdruckmaschine mit dem
-Wattschen Parallelogramm (rechts und links am Balancier).]
-
-Ein Schwungrad gestaltete den Gang der doppeltwirkenden Maschine
-möglichst gleichmäßig. Es glich aber nur periodische Schwankungen
-von Kraft und Widerstand aus, wie sie die Kurbelbewegung mit sich
-brachte. Für plötzlich eintretende Änderungen des Dampfdruckes oder
-der Belastung durch die in Bewegung gesetzten oder ausgerückten
-Arbeitsmaschinen bedurfte es des Regulators (Abb. 20). Er wirkte
-auf eine Klappe im Dampfzuleitungsrohr, die so verstellt wurde, daß
-sie mehr oder weniger Dampf durchließ. Die Klappe drosselte einen
-Teil des Dampfes ab, daher der Name Drosselklappe. Die Änderung der
-Klappenstellung wird durch eine Hebelanordnung herbeigeführt, auf die
-die Drehung eines Kugelpaares ~K K~ wirkt. Von den Trägern der Kugeln
-gehen Arme nach der Hülse ~H~, die auf der von ihr umfaßten, durch
-die Achse des Schwungrades mitgedrehten Stange auf und ab gleitet,
-je nachdem die Kugeln bei schnellerer oder langsamerer Drehung der
-senkrechten Stange durch die Zentrifugalkraft weiter aus- oder näher
-aneinander gehen. Die Hebung und Senkung der Hülse wirkt wieder auf das
-Hebelsystem, das mit der Drosselklappe ~D~ in Verbindung steht. Diesen
-Zentrifugalregulator übernahm Watt aus dem Mühlenbetriebe.
-
-[Illustration: Abb. 20. Regulator.]
-
-Den Muschelschieber im Dampfverteilungsraum (Abb. 21), den wir aus
-Abbildungen der Dampfmaschine in Schulbüchern kennen, hat Watt nicht
-selbst erfunden. Dies Verdienst gebührt dem als bedeutenden Erfinder
-bekannten obersten Betriebsingenieur des Sohoer Werkes: Murdock,
-der 1779 als einfacher Arbeiter bei Boulton und Watt eintrat.
-Ein herkulisch gebauter Mann, Sohn eines Mühlenbauers und selber
-Mühlenbauer, fand Murdock bei Boulton sofort Arbeit, als Boulton
-darauf aufmerksam wurde, daß Murdock einen Hut eigner Erfindung und
-Herstellung in der Hand trug. Murdock war in den nächsten Jahren der
-einzige Arbeiter, auf den man sich immer verlassen konnte. Während
-die andern, stolz auf ihre Stellung in dem berühmten Werke, sich
-oft gewaltige Räusche leisteten, kam es Murdock nicht darauf an,
-Tage und Nächte durchzuarbeiten, um einen Maschinendefekt, eine
-Betriebsstörung in Ordnung zu bringen. Wo alles nichts mehr half, mußte
-Murdock kommen. Die Grubenbesitzer in Cornwall, mit deren ungeberdigen
-Betriebsführern Murdock manchen schweren Handel buchstäblich ausboxte,
-boten ihm eine große Summe, falls er die Überwachung ihrer Maschinen
-übernähme. Doch Murdock blieb seiner Firma treu. Er baute 1784 das
-erste Modell einer Lokomotive mit Benutzung der Wattschen Maschine und
-im Jahre 1785 die erste Dampfmaschine mit schwingendem Zylinder. Auch
-führte er zuerst in der Fabrik von Soho und in andern Birminghamer
-Betrieben die Gasbeleuchtung ein. Als er später zum Schutze seiner
-Erfinderehre von einer Parlamentskommission vernommen wurde, meinte
-einer der weisen Politiker, Murdock versuche doch zuviel zu beweisen,
-wenn er sich anheischig mache, ein Licht ohne Docht zu liefern. Auch
-die Erfindung des ~D~-Schiebers, aus dem sich der Muschelschieber als
-Dampfverteilungsorgan entwickelte, war Murdocks Verdienst. Er hat
-viele Jahre lang das Werk in Soho als erster Ingenieur geleitet, eine
-schlichte, markige, vorbildliche Persönlichkeit, eine würdige Gestalt
-neben Boulton und Watt.
-
-[Illustration: Abb. 21. Muschelschieber im Dampfverteilungsraum. Die
-Abbildungen veranschaulichen gleichzeitig die Bewegung des Kolbens
-unter dem Druck des Dampfes.]
-
-Watt baute nur sogenannte Niederdruckmaschinen, in denen höchstens 1¼
-Atmosphärendruck verwendet wurde. Den Typus von Maschinen mit höheren
-Dampfspannungen stellt Abbildung 22 dar.
-
-[Illustration: Abb. 22. Hochdruckmaschine, wie sie erst nach Watt
-gebaut wurde, vertikale Einzylindermaschine. ~E~ Dampfweg vom Kessel
-nach dem Dampfverteilungsbehälter oder Schieberkasten ~K~, zwischen ~E~
-und ~K~ die Drosselklappe. ~A~ Dampfzylinder, ~e~ und ~d~ lassen den
-Dampf ein und aus, der entweichende Dampf geht durch ~g~ und ~r~ ins
-Freie. ~B~ Kolben, ~R~ Kreuzkopf, ~P~ Pleuel- (oder Kurbelstange), ~Q~
-Kurbelzapfen, ~f~ Exzenterscheibe, auf der durch ~Q~ gedrehten Welle
-sitzend, die auch das Schwungrad ~x~ dreht, die Exzenterscheibe bewegt
-den Dampfschieber in ~K~ auf und ab; ~h a v~ Regulator, hochgehendes
-~h~ hebt ~b~ und dreht die Drosselklappe zwischen ~K~ und ~E~. ~c~
-Exzenterscheibe, betätigt Speisepumpe ~o~, die den Dampfkessel mit
-Wasser versorgt.]
-
-Die Verwendung der Expansion des Dampfes, das heißt der Eigenschaft
-des Dampfes, im Zylinderraum Arbeit durch Entspannung zu leisten,
-obwohl die Dampfzufuhr abgesperrt wird, wenn erst ein kleiner Bruchteil
-des Zylinderraums gefüllt ist, diese in der späteren Entwicklung der
-Dampfmaschine nach Watt bedeutungsvoll gewordene Eigenschaft des
-Dampfes beschrieb Watt selber bereits in einem Briefe an ~Dr.~ Small
-im Jahre 1769. »Ich erwähnte gegen Sie ein Verfahren, das mich in
-Stand setzt, auf ziemlich leichte Weise die Wirkung des Dampfes zu
-verdoppeln, indem man die Spannkraft des Dampfes, die jetzt unbenutzt
-im Kondensator verloren geht, wirken läßt. Das würde aber zu große
-Zylinder erfordern. Die Idee ist daher am ersten für rotierende
-Dampfmaschinen von Bedeutung. Öffnen Sie das eine Dampfventil und
-lassen Sie so viel Dampf ein, bis der vierte Teil des in Frage
-kommenden Raumes mit Dampf gefüllt ist, schließen Sie jetzt den
-Dampfzutritt ab, dann wird der Dampf fortfahren, sich auszudehnen, und
-mit abnehmender Kraft seine Wirkung ausüben, bis er mit einem Viertel
-der anfänglichen Kraftäußerung endet. Die Summe dieser Reihe werden Sie
-größer finden als ½, obwohl nur ⅓ des Dampfes angewendet wurde. Die
-Kraftleistung wird allerdings ungleichmäßig sein, doch kann man diesem
-Übelstand durch ein Schwungrad oder auf andre Weise abhelfen.«
-
-Nachdem die Expansion mit der Sohoer Versuchsmaschine erprobt
-worden, baute Watt für ein Londoner Wasserwerk die erste
-Expansionsdampfmaschine mit ⅔ Füllung. Ein Patent auf die
-Expansionsmaschine nahm er im Jahre 1782. Von der Ausführung dieser
-Maschine kam er aber bald zurück, weil die Dampfmaschinenwärter lieber
-mit vollem Dampf arbeiteten. Dafür waren die Verhältnisse des Kessels
-natürlich nicht vorgesehen, der Kessel lieferte bald nicht mehr
-genügend Dampf, und Klagen über Klagen liefen bei der Firma ein. So
-beschloß Watt, keine weiteren Expansionsmaschinen zu bauen, solange
-mit der Untauglichkeit des Wärterpersonals zu rechnen sei. Dagegen
-führte sich die doppeltwirkende Maschine mit Drehbewegung rasch in die
-verschiedensten Betriebe ein, so in Walzwerke und Mühlen aller Art. Für
-die Gebläse von Eisenhütten war die einfachwirkende Maschine mit hin
-und her gehender Bewegung verwendbar. Um in London aller Welt vor Augen
-zu führen, was die doppeltwirkende Maschine mit Drehbewegung leisten
-könne, errichtete Boulton 1786 unter großen Kosten eine Dampfmühle. Das
-Kapital wurde von einer Gesellschaft aufgebracht. Diese Dampfmühle, die
-den stärksten Widerstand der Mühlenbesitzer erfuhr, arbeitete anfangs
-nicht richtig. Da mußte Murdock herbei, um sie in Gang zu bringen.
-Die Albionmühle wurde ein Stelldichein für die vornehme Welt. Man
-bewunderte das neue Werk der Firma Boulton und Watt und wollte sogar
-ein Maskenfest darin abhalten. Das gestattete aber Watt keineswegs.
-Einige Jahre warf die Maschine keinen Gewinn ab, obwohl sie in einer
-Woche Mehl für 150000 Menschen mahlte. Als man hoffen durfte, daß sie
-sich bezahlt mache, wurde sie böswillig in Brand gesteckt, ein großer
-Geldverlust für die Gesellschafter. Die Täter ermittelte man nie.
-
-
-
-
-Prozesse.
-
-
-Vom Jahre 1785 ab begann endlich das Werk zu Soho Überschüsse zu
-zeitigen. Watt wurde in kurzer Zeit ein vermögender Mann. Er beeilte
-sich, sein sauer verdientes Vermögen in Grundbesitz anzulegen, so daß
-er Boulton nicht einmal beispringen konnte, als dieser nach einigen
-Jahren noch einmal mit großen Geldschwierigkeiten zu kämpfen hatte.
-
-Eine stete Sorge war von den ersten Jahren des Sohoer Betriebes an die
-Furcht vor unlauterem Wettbewerb gewesen. Man hatte unter verschiedenen
-Patentverletzungen zu leiden. Die widerrechtlich von Konkurrenten
-hergestellten Maschinen taugten nichts, und dann hieß es, die Wattsche
-Maschine enttäusche. Das schädigte natürlich den Ruf der Firma sehr.
-Mit großer Besorgnis blickte Watt auch auf die Bemühungen fähiger
-Ingenieure, sein Patent zu umgehen, d. h. ebenfalls eine Wattsche
-Dampfmaschine zu bauen, aber ohne in juristisch nachweisbarer Form
-Watts Patent zu verletzen, wenn immer schon die Idee die gleiche
-war. Jonathan Hornblower war der Ingenieur, von dem man am ehesten
-Wettbewerb zu besorgen hatte. Schon 1776 baute er eine Maschine mit
-Expansion. Er benützte zwei verschieden große Zylinder, ließ den
-Dampf aus dem kleineren in den größeren Zylinder weichen und auch
-darin auf den Kolben wirken. Diese Maschine wurde 1781 patentiert.
-Watt sah darin eine Verletzung seines Patentes. Die Hornblowers
-hatten im Dienste der Firma Boulton und Watt seine Maschine genau
-kennen gelernt. Im letzten Jahrzehnt des Schutzes für die Wattsche
-Maschine kam es daher noch zu schwierigen Patentprozessen, die sich
-jahrelang hinzogen. Die Rechtsanwälte schienen, wie Watt bemerkte,
-sich verabredet zu haben, den Prozeß zu einer milchenden Kuh zu
-machen. Und von den Richtern war nicht zu verlangen, daß sie in heißer
-Inbrunst, dem Verletzten Recht zu schaffen, ihre Pflicht taten. Eine
-einzige Anwaltsrechnung für Bemühungen in Patentprozessen in den
-vier letzten Schutzjahren 1796-1800 belief sich auf mehr als 100000
-Mark. Nun überlege man aber, was diese Prozesse Männer wie Watt und
-Boulton noch an Zeit, Aufregungen und Verdrießlichkeiten gekostet
-haben! Wir begegnen ja im Leben auch andrer höchst verdienter Erfinder
-solchen Patentprozessen, die Hunderttausende von Mark verschlangen.
-Die verklagten Patentverletzer erhoben gegen das Wattsche Patent vom
-Jahre 1769 die lächerlichsten Einwendungen: die Patentschrift sei nicht
-klar genug, um auf ihrer Grundlage eine Maschine zu bauen. Deshalb
-verdienten die Patentinhaber keinen Schutz. Ein zweiter Einwand war
-der, daß Watt seine Einspritzmethode nicht näher gekennzeichnet habe.
-In dieser Beziehung wollte aber Watt gar nichts Neues erfunden haben.
-Drittens machte man geltend, Watt habe nicht die Größenverhältnisse
-angegeben, in denen sich Zylinder, Kondensator und Luftpumpe zueinander
-befinden. Ferner sollte sich von den verschiedenen Dichtungsmitteln,
-die Watt erwähnt habe, nur eins, Tierfett, bewährt haben. Und fünftens
-bemängelten die Verletzer das Fehlen einer Zeichnung oder eines
-Modells bei der Patentschrift. Aber Watt hatte sich weislich auf
-Blacks und Smalls Rat gehütet, in seiner Spezifikation eine einzelne
-Maschine mit bestimmten Abmessungen zu beschreiben. Denn dann wären
-sofort die Nachahmer gekommen, hätten die gleiche Maschine in andern
-Größenverhältnissen und mit unwesentlichen Abweichungen gebaut und
-hätten sich, falls sie verklagt wurden, darauf berufen, die geschützte
-Maschine sei ja ganz verschieden von der ihren. Deshalb hatte Watt
-sich eine »Methode« patentieren lassen, den Dampfverbrauch und
-Brennstoffverbrauch durch gewisse Grundsätze zu verringern, von denen
-der Kondensator der wichtigste und die ausschlaggebende neue Erfindung
-war. Watt gibt selbst zu, alles andre an der Dampfmaschine nenne er
-nicht sein.
-
-Von großem Gewicht im Prozesse gegen Hornblower war das Zeugnis des
-damals berühmten Professors Robison, der mitten im Winter von Edinburg
-herbeieilte, trotz körperlicher Leiden vor Gericht eine begeisterte
-Rede auf Watt zu halten. Obwohl Watt im Prozesse siegte, äußert er
-doch die Bemerkung, es habe ihm die juristische Zulänglichkeit der
-Richter nicht gerade imponiert. Mit der Ungunst der Richter war
-insofern zu rechnen, als Watt und Boulton ein Monopol genossen, und
-schon von den ersten Dampfmaschinen an die Grubenbesitzer in Cornwall
-undankbar genug die Inhaber der Sohoer Firma »Monopolisten, Tyrannen,
-Unterdrücker« nannten. Die Richter hatten vielleicht Verwandte, denen
-das Patent unbequem war, wer weiß? Schon oft hatten die Richter, die
-ja in weltgeschichtlich berühmten Prozessen selten die Gelegenheit
-verpaßten, sich der schlechteren Sache zuzuneigen, in Patentprozessen
-andrer Erfinder, zum Beispiel Arkwrights, dem Unrecht zum Rechte
-verholfen. Wenn sich brieflich auch einmal bei Watt die Äußerung
-findet, daß er mehr auf die Richter als auf die Gesetze vertraue, so
-ist doch wieder eine andere Äußerung des Erfinders bezeichnend, daß er
-Prozesse verabscheue und eine Sache für halb verloren erachte, die vor
-Gericht müsse. Den Eindruck, den Watt von den Spitzfindigkeiten sowohl
-der Advokaten wie der Richter empfing, kennzeichnen des Erfinders
-Worte: »Seit ich mich soviel unter den zweifelsüchtigen Gliedern der
-Juristenzunft bewege, ist es mir wahrhaft unmöglich, eine feste Ansicht
-über irgend etwas zu gewinnen.« Und wenn Watt später eine übertriebene
-Rechnung zu bezahlen hatte, pflegte er zu bemerken, »diese Rechnung
-könnte beinahe einem Londoner Rechtsanwalt Ehre machen«.
-
-Von den im Prozeß gegen Hornblower verhörten gegnerischen Zeugen rührte
-sich später noch in einem Schmähschriftstücke der als geschickter
-Mechaniker und Erfinder bekannte Joseph Bramah. Man weiß im Publikum
-sehr wenig von den Leuten, die als Zeitgenossen eines Genies sich
-selber für weiser und besser hielten und sich in den unglaublichsten
-Schmähungen der Männer ergingen, an die sie nicht heranreichten.
-Welche elende, unreife Bürschchen haben sich sogar dem großen Galilei
-gegenüber als Meister aufspielen wollen! Welche dreisten Subjekte
-verhöhnten einen Robert Mayer! Und ein Bramah warf einem Watt
-Unklarheit, unverdaute, unzusammenhängende, unmögliche Ideen vor,
-nannte den Kondensator eine verzwickte und fragwürdige Sache: Watt
-hätte in Wahrheit nichts erfunden, als was dem Publikum mehr Schaden
-denn Nutzen zu bereiten geeignet wäre! Und in einer 1827 erschienenen
-Geschichte der Dampfmaschine von Tredgold wird behauptet, die Idee
-des Kondensators hätte auch einem andern früher oder später kommen
-müssen, und die Erzgruben wären dann schon lange vor dem Erlöschen des
-Wattschen Patentes besser entwässert worden.
-
-
-
-
-Andre Erfindungen und Entdeckungen Watts.
-
-
-Warum hat Watt nicht bereits selber seine Dampfmaschine dazu verwendet,
-Schiffe und Wagen zu bewegen? Aus dem sehr einfachen Grunde, weil er
-Geld verdienen mußte, um für seine Familie zu sorgen, und seine ganze
-Arbeitskraft brauchte, um die Maschinen fertigzustellen, die für die
-Bergwerke, die Walzwerke, Brauereien, Hochöfen und sonstige Betriebe
-benötigt wurden. Zwanzig Jahre lang hatte es gedauert, bis er auf
-einen grünen Zweig zu kommen begann. Zehn Jahre, das heißt: solange
-die Sohoer Fabrik noch keine Überschüsse erzielte, war Watt dem Namen
-nach Geschäftsteilhaber von Boulton, im Grunde aber, da er jährlich
-von der Firma 6600 Mark Gehalt erhielt, deren freilich unentbehrlicher
-Ingenieur. Indessen haben die Lebensschicksale andrer Erfinder, zum
-Beispiel Porters, gezeigt, daß kaufmännische Leiter intelligent genug
-sein können, den besten und unentbehrlichsten Mann aus dem Geschäfte
-zu drängen. Wäre Boulton nicht mehr als ein reiner Geschäftsmensch
-gewesen, Watt hätte schwerlich bei ihm ausgehalten. Vorläufig war er ja
-nur Angestellter und dachte gar nicht daran, immer auf neue Erfindungen
-auszuschauen, die sich vielleicht erst nach Jahrzehnten verwerten
-ließen. Lief er ja doch bei jeder Erfindung Gefahr, bestohlen und um
-die Früchte seines Geistes gebracht zu werden. Als Murdock, nach den
-Besitzern der beste Mann der Firma, 1784 eine Lokomotive baute, war
-Watt dagegen, nicht nur, weil er einen Eingriff in seine Patentrechte
-befürchtete, sondern weil er einen so fähigen und unersetzlichen Mann
-wie Murdock nicht auf Gebieten sehen wollte, wo er von den dringenden
-Aufgaben des Tages abgezogen würde. Wenn nun aber Watt auch sich
-nicht weiter mit der Verwertung der Dampfmaschine für Schiffahrt und
-Fuhrwerke befaßte, so hat er doch immer noch eine ganze Reihe andrer
-Erfindungen und Entdeckungen gemacht. Die allerbekannteste und heute
-in kaufmännischen Betrieben überall verbreitete ist die Kopiermaschine
-(Abbild. 23). Watt hatte, während er von Boulton getrennt war -- es
-mußte sich ja jahrelang fast immer einer von den beiden im Minenbezirk
-Cornwall aufhalten, um bei den Maschinen nach dem Rechten zu sehen, --
-fast täglich ausführliche Briefe an Boulton zu schreiben. Beide Männer
-standen schriftlich in ununterbrochenem Gedankenaustausch. Da brachte
-die lästige Pflicht, Abschriften von diesem Briefwechsel zu machen,
-den Erfinder auf ein mechanisches Verfahren zur Herstellung solcher
-Abschriften. Die Kopierpresse, anfänglich als Walzenpresse ausgeführt,
-wurde erfunden. Boulton führte sie 1780 ins Geschäftsleben ein, indem
-er sie zuerst in London der vornehmen Welt und den Parlamentariern
-zeigte. Die Maschine begegnete großem Widerwillen. Man fürchtete, die
-Münz- und Notenfälscher würden das Papiergeld auch mit einer solchen
-Maschine nachahmen, und an falschem Gelde lief im Lande schon genug
-um. Einige Tage lang schimpfte ganz London über die Erfindung. Hörte
-Boulton doch selber, wie man ihn an den Galgen wünschte. Trotzdem trat
-die Maschine bald ihren Siegeszug um die Erde an.
-
-[Illustration: Abb. 23. Kopierpresse (Zeitschr. d. Ver. D. Ing. 1896.)]
-
-Für die verschiedenen Typen von Maschinen, die in Soho hergestellt
-wurden, stellte Watt in Verbindung mit Southern Rechenformeln
-zur Abmessung der voneinander abhängigen Größen auf. Daß er den
-gewöhnlichen Rechenschieber durch Zufügung logarithmischer Skalen
-verbesserte, erinnert uns an Watts Landsmann Lord Napier, den Erfinder
-der natürlichen Logarithmen, zu dessen Bild Watt von Kind auf im
-Vaterhause aufgeschaut hatte.
-
-Napier war auch Erfinder der Rechenstäbchen, die die Vielfachen der
-einzelnen Ziffern bis zum Neunfachen enthalten. Watt aber war eine
-Zeitlang damit beschäftigt, eine Rechenmaschine zum Multiplizieren und
-Dividieren zu erfinden.
-
-Das Bestreben, in den Kesselfeuerungen eine möchlichst rauchfreie
-Verbrennung zu erzielen, führte Watt 1787 im Briefwechsel mit Argand
-zu Vorschlägen für verbesserte Lampen mit ständiger Ölzufuhr durch
-ein kleines Pumpwerk mit Federbelastung und Aufziehwerk. Dieser
-Gedanke ist, wie Prof. Ernst in seiner Arbeit über Watt und die
-Grundlagen des modernen Dampfmaschinenbaues schreibt, erst vor fünf
-Jahrzehnten in Deutschland bei der Moderateurlampe verwendet,
-durch die Petroleumbeleuchtung aber verdrängt worden. Im Jahre 1788
-teilte Watt seinem berühmten Freunde Black mit, er habe ein neues
-Instrument erfunden, das gestatte, sehr einfach das spezifische
-Gewicht von Flüssigkeiten zu ermitteln. Es war eine sich in zwei
-Äste gabelnde Glasröhre, die mit der Mündung des einen Astes auf
-die Einheitsflüssigkeit, mit der andern auf die zu bestimmende
-Flüssigkeit gesetzt wurde. Dabei standen die beiden Flüssigkeitsspiegel
-gleich hoch. Saugte man oben an dem gemeinsamen Stiel, so traten
-die Flüssigkeiten in die Röhrenäste ein, die leichteren höher, die
-schwereren tiefer. Maß man nun, das Wievielfache der niederen die
-höhere Flüssigkeitssäule war, so hatte man das spezifische Gewicht der
-zu bestimmenden Flüssigkeit in Hinsicht auf die als Einheitsflüssigkeit
-benützte.
-
-Die bleichende Wirkung des Chlors lernte Watt durch einen französischen
-Freund Berthollet kennen, und er veranlaßte daraufhin seinen
-Schwiegervater Macgregor, die Chlorbleiche in die Gewebeindustrie
-einzuführen. Ebenfalls für seinen Schwiegervater tätig war er durch
-Erfindung der Walzentrockenmaschine mit Dampfheizung (1781). Bis in die
-letzten Tage seines Lebens beschäftigte er sich mit der Herstellung
-einer Kopiermaschine für Medaillen und Büsten in Metall, Holz, Stein
-und Elfenbein. Viele dieser Büsten gelangen sehr gut und wurden
-Freunden »als Versuche eines jungen Anfängers«, geschenkt, wie Watt
-scherzend zu sagen pflegte.
-
-Auf seine Erfindungen zur Verbesserung der Nivellierinstrumente, das
-prismatische Mikrometer, eine Teilungsschraube, die einen Zoll in
-tausend Teile teilte, und dergleichen wollen wir nicht weiter eingehen.
-Watt gehörte als Boultons Freund der sogenannten Mondgesellschaft
-an, einem erlesenen Kreis hervorragender Männer der Wissenschaft
-und Literatur, der sich zur Vollmondszeit versammelte, damit das
-große Licht den Heimweg erleuchte. Zu diesem Kreise gehörte auch
-Priestley, der Verfasser liberaler theologischer Streitschriften,
-einer Geschichte der Elektrizität und Entdecker des Sauerstoffs,
-ein ungemein vielseitiger Mann, der sich den glücklichsten Menschen
-nannte, immer heiter dreinblickte und doch stets in einen Federkrieg
-verwickelt war. Watt erlebte es mit, daß zur Zeit der französischen
-Revolution eine betörte Volksmenge unter dem Rufe »Kirche und König«
-das Haus Priestleys anzündete. Der große Chemiker und Theologe mußte
-damals fliehen, und tagelang wütete die offenbar von orthodoxen
-Geistlichen aufgestachelte Menge in Birmingham, so daß auch Boulton
-und Watt für ihre Sicherheit fürchteten, obwohl sie bekannt dafür
-waren, daß sie mit »Kirche und König« gingen. Durch Priestley lernte
-Watt den Versuch kennen, bei dem eine bestimmte Mischung brennbarer
-und entphlogistisierter (unentzündlicher) Luft (modern ausgedrückt:
-eine Mischung von Wasserstoff und Sauerstoff oder von gewöhnlicher
-Luft und Wasserstoff) durch den elektrischen Funken entzündet wird.
-Dabei wurde beobachtet, daß sich nach der Entladung am Glasgefäß innen
-Flüssigkeitströpfchen wie Tau ansetzten. Warltire stellte das gleiche
-Experiment an, um zu sehen, ob Wärme schwer ist oder nicht. Wir müssen
-uns in diese Zeit zurückversetzen, die noch nicht die Zusammensetzung
-des Wassers, auch nicht die Natur der Wärme als einer Kraft kannte,
-sie vielmehr für einen Stoff hielt. Auch Cavendish, der die
-Zusammensetzung der Luft entdeckt hatte, machte 1781 diesen Versuch,
-und er beobachtete ebenfalls den feuchten Niederschlag. Cavendish soll
-sofort vermutet haben, daß das Verschwinden der entphlogistisierten
-Luft, des Sauerstoffs, und das Erscheinen des wässrigen Niederschlages
-im Zusammenhang ständen und auf die Zusammensetzung des Wassers
-hinwiesen. Ende Januar 1784 stellte Cavendish seine Versuche an und
-gab dann seine Auffassung, daß Wasser aus Wasserstoff und Sauerstoff
-bestehe, der Gelehrtenwelt bekannt. Vor ihm aber hatte Watt schon als
-der Mann, der seit Jahrzehnten Zeuge war, wie Wasser in Luft (das
-heißt in Dampf) überging, herausgefunden, daß, wenn ganz trockene
-brennbare Luft (Wasserstoff) und ganz trockene entphlogistisierte
-Luft (Sauerstoff) durch den elektrischen Funken entzündet wurden,
-nach Abkühlung des Gefäßes die Menge des an der Innenwand des Gefäßes
-haftenden Wassers nahezu dem Gewicht der ganzen Luft gleich war.
-Daraus schloß Watt: das Wasser entsteht aus entphlogistisierter Luft
-(Sauerstoff) und brennbarer Luft (Wasserstoff) oder Phlogiston,
-das seiner latenten Wärme teilweise beraubt ist und sich mit Wärme
-und Licht vereinigt hat. »Und wenn Licht nur eine Modifikation von
-Wärme ist oder ein wesentlicher Bestandteil von Phlogiston, dann
-besteht reine Luft aus Wasser, das seines Phlogistons oder seiner
-latenten Wärme beraubt ist.« Das heißt: reine Luft ist Wasser ohne
-Wasserstoff, also Sauerstoff. In einem Briefe an Priestley setzte
-Watt 1783 seine Theorie auseinander. Dieser Brief, bestimmt vor der
-angesehensten Londoner Gelehrtengesellschaft, der Royal Society,
-vorgelesen zu werden, kam durch Watts eigene Schuld erst April 1784
-zum Vortrag, nachdem Cavendish im Januar vorher seine Ansicht gleicher
-Richtung bekanntgegeben hatte, ohne Watt zu nennen. Watt hat Cavendish
-des »~plagiarism~«, des wissenschaftlichen Diebstahls einer Idee,
-beschuldigt, auch gibt es von ihm folgende briefliche Bemerkung: »Ich
-hatte, wie andere große Männer, die Ehre, mir meine Ideen gestohlen zu
-sehen. Nachdem ich meinen ersten Aufsatz über den Gegenstand schrieb,
-setzte ~Dr.~ Blagden (Cavendishs Freund und Vermögenserbe) meine
-Theorie Herrn Lavoisier in Paris auseinander. Bald darnach erfand
-Lavoisier sie selber und las einen Aufsatz über den gleichen Gegenstand
-vor der Königlichen Akademie der Wissenschaften. Seitdem hat Herr
-Cavendish eine Abhandlung vor der Königlichen Gesellschaft über die
-gleiche Idee vorgelesen, ohne mich im mindesten zu erwähnen. Lassen
-Sie uns beide immer in unsrer Vorwurfslosigkeit verharren und solche
-Verfahren verachten!« Später, nach Jahren, soll Watt sich weniger
-scharf über Cavendish ausgesprochen haben. Doch ist hier nicht der Ort,
-diese Frage zu entscheiden. Es genügt, daß Watt unbestritten als erster
-Entdecker in Frage kommt.
-
-Und nun haben wir noch ein Verdienst Watts zu erwähnen: seinen Anteil
-an der Einführung eines für Europa und damit für die Erdenmenschheit
-einheitlichen Maß- und Gewichtssystems. Wir erinnern uns, daß Watt
-Deutsch lernte, um Leupolds großes technisches Werk »Schauplatz
-der Maschinen« lesen zu können. Ebenso erlernte er nach Robisons
-Zeugnis das Italienische. Watt fand beim Studium fremdsprachlicher
-Gelehrtenwerke den Mißstand, daß zur Vergleichung der Größenangaben
-immer von einem Land zum andern umgerechnet werden mußte. So schlug
-er denn schon 1783 vor, man solle von der Längeneinheit ausgehen,
-zur Gewichtseinheit die mit Wasser gefüllte Kubikeinheit nehmen, die
-Gewichtseinheit nach dem Zehnersystem von 1 bis 10000 abstufen, die
-Flüssigkeiten wägen, nicht messen und die Gewichte der Gase auf die
-Kubikeinheit des Wassers beziehen, so daß spezifische und absolute
-Gewichte durch die gleiche Gewichtseinheit ausgedrückt würden. Als
-Längeneinheit sollte das Sekundenpendel gelten, wie es Huygens
-bereits vorgeschlagen hatte. Statt des Sekundenpendels wurde später
-von der französischen Akademie der Wissenschaften das Meter gewählt.
-Schon 1783 brachte Watt dieses Maß- und Gewichtssystem französischen
-Gelehrten nahe, und da Watt mit Laplace, Monge, Berthollet und andern
-hervorragenden Franzosen Briefe tauschte, auch bei einem Aufenthalt in
-Paris persönlich mit ihnen verkehrte, so ist sein Verdienst um diese
-ideelle Einigung Europas nicht abzustreiten. Auch in dieser Hinsicht
-hat er fast buchstäblich »Werte umgewertet«.
-
-
-
-
-Watt, Darwins Großvater und Goethe.
-
-
-Wie hoch Watt seiner persönlichen Eigenschaften wegen auch von dem
-Großvater Darwins, dem Dichter und Arzte Erasmus Darwin, geschätzt
-wurde, der ebenfalls der Mondgesellschaft angehörte, geht aus einer
-Bitte E. Darwins hervor. Für seinen »Botanischen Garten« wünschte er
-eine von Watt geschriebene, kurze Geschichte der Dampfmaschine, soweit
-diese Geschichte von Watt selber gemacht worden war. Für die Vorgänger
-wollte Darwin selber etwas zusammenschreiben. Eine Stelle aus Watts
-Antwort auf diese briefliche Bitte ist für den Charakter des Mannes
-bezeichnend: »Bei dem, was ich Ihnen zu schicken gedenke, sollen
-Sie nicht befürchten, daß ich mich auf Rechnungen oder Mathematik
-einlassen werde. Meine Seele verabscheut beide und alle andern
-abstrakten Wissenschaften. Ich werde Ihnen einige Tatsachen mitteilen
-zur Erklärung einiger Warum und Weswegen, aber ich hoffe, Ihre Zeit
-nur mit zwei Quartseiten in Anspruch zu nehmen. Die Wahrheit zu sagen,
-obwohl ich nicht glaube, daß alle Ruhmsucht (~vain glory~) bei mir
-erstorben ist, so ist doch der Wunsch nach Ehre fast gesättigt; nichts
-bleibt jetzt übrig als das Verlangen nach Geld; es zu bekommen, kann
-ich mir gleichwohl nicht viel Mühe geben. Ich finde nämlich, es kann
-weder Gesundheit noch Glück kaufen. Deshalb würde ich meinetwegen
-mir nicht die Mühe machen zu schreiben, was Sie wünschen, aber ich
-kann mich nicht weigern, auf ein so ehrendes Ersuchen einzugehen.
-Doch verspreche ich Ihnen, es nur unter der Bedingung zu tun, daß
-Sie mir kein unmäßiges Lob zollen, wie Sie es letzthin taten, als Sie
-die Güte hatten, die Maschine im Druck zu erwähnen. Ohne mädchenhafte
-Schüchternheit zu erheucheln: -- Sie machten mich in meinen eigenen
-Augen verächtlich, wenn ich bedenke, wieweit meine Ansprüche oder die
-der Dampfmaschine zurückblieben auf der Leiter menschlicher Erfindung
--- ich, der selber weiß, daß ich dem größten Teile erleuchteter Männer
-in den meisten Dingen nachstehe! Habe ich mich wirklich ausgezeichnet,
-so denke ich, es war durch Zufall und durch das Versehen andrer.
-Bewahren Sie die Würde eines Forschers und Geschichtsschreibers; melden
-Sie die Tatsachen und lassen Sie die Nachwelt richten. Verdiene ich es,
-so mögen einige meiner Landsleute, von Patriotismus begeistert, sagen:
-‚~Hoc a Scoto factum fuit~‛ (dies wurde von einem Schotten geleistet).«
-
-In Preußen lebte zur Zeit, da Watt seine Maschinen in Cornwall
-aufstellte, noch Friedrich der Große. Ihn machte der Geheimrat
-Gansauge, der auf seinem Kohlenbergwerk bereits eine Feuermaschine
-verwendete, auf die neue Erfindung aufmerksam, und der alte Fritz
-beauftragte seine Beamten, alles daran zu setzen, um den Bau der
-Wattschen Maschinen genau kennen zu lernen. Der Oberbergrat Waitz von
-Eschen und der Bergassessor Bückling wurden nach England gesandt, die
-Wattsche Maschine auszukundschaften.
-
-England hatte damals Ausfuhrverbote erlassen und suchte seine
-Industriegeheimnisse durch hohe, auf ihren Verrat gesetzte Strafen zu
-schützen. Die preußischen Sendlinge mußten Arbeiter der Sohoer und
-andrer Werke aushorchen. Bückling soll sogar als Arbeiter in Watts
-Betrieb gelangt und so genauer Kenner seiner Maschinen geworden sein;
-schließlich habe er fliehen müssen, um schwerer Strafe zu entgehen.
-Auch der Freiherr vom Stein wird unter denen genannt, die sich das
-Werk in Soho besahen. Ein Jahr vor dem Tode des großen Königs wurde
-bei Hettstedt im Mansfelder Kreise eine einfachwirkende Wattsche
-Dampfniederdruckmaschine in Betrieb gesetzt. Danach wurden in
-Oberschlesien bei Tarnowitz Maschinen aufgestellt. Die erste ist wohl
-die, die wir aus der Eythschen Beschreibung kennen lernten. Goethe hat
-die Feuermaschine auf einer Reise durch Oberschlesien vielleicht nur an
-diesem Exemplar kennen gelernt; 1790 schrieb er in das Fremdenbuch, das
-den Besuchern der Feuermaschine in Oberschlesien vorgelegt wurde:
-
- »Fern von gebildeten Menschen, am Ende des Reiches, wer hilft Euch
- Schätze finden und sie glücklich bringen ans Licht?
- Nur Verstand und Redlichkeit helfen; es führen die beiden
- Schlüssel zu jeglichem Schatz, welchen die Erde bewahrt.«
-
-Indessen war man nicht gerade durch Redlichkeit zu den Feuermaschinen
-gekommen; und die Schlesier haben sich bei Goethe beschwert, daß er
-sie »fern von gebildeten Menschen« nennt! Aber diese Zeilen beleuchten
-noch nicht das Verhältnis des Dichters zur Dampfmaschine oder zu
-Watt. Vielmehr nahm Goethe Interesse an einer kleinen Dichtung des
-Harfenmachers J. A. Stumpf, die unter der Überschrift »Der Kampf der
-Elemente« die Dampfmaschine verherrlichte. Goethe feilte die Dichtung
-durch und rückte sie in seine Zeitschrift ein, weil sie Zeugnis ablegt,
-wie mächtig poetische Gemüter von dem neuen Triumph menschlichen
-Geistes bewegt wurden. So seien diese Verse hier mitgeteilt, als
-Beweis, wie frühe schon die Poesie der Technik sich regte, die sich
-erst in jüngster Vergangenheit ein wenig Beachtung erobert, nachdem
-schon sogar im 16. Jahrhundert der Franzose Nicolaus Bourbon in
-lateinischen Versen eine Dichtung »Der Eisenhammer« verfaßt hatte
-(Ferraria, übersetzt und erläutert von ~Dr.~ L. H. Schütz, Göttingen
-1895): --
-
- »Gott sah, was er gemacht, und siehe, es war gut.
- So schrieb ein Mann mit großem Geist und Mut.
- Doch diese Lehre will der Welt nicht mehr behagen.
- Der Zweifler macht bedenklich bittere Klagen.
- Er ruft: Man werfe nur, nur einen flücht'gen Blick
- In's Lebensspiel; was blickt man? Menschenglück?
- Nein, Not und Tod und Elend sieht man hausen,
- Die Elemente stets im Wechselkampfe brausen,
- Und Sturm der Leidenschaft, die ewig Feindschaft brüten.
- So murrt gar mancher trüb, raubt sich des Lebens Frieden!
- Warum denn wurden wir so rund umgeben
- Vom rohen Stoff, von Kräften aller Art?
- Was will in unserer Brust das stete Streben,
- Das sich mit ewig reger Neugier paart?
- Gestalten soll der Herr die Erden?
- Harrt hier nicht alles auf des Bildners Hand?
- Ein Schöpfer soll der Mensch, wie Gott wohltätig werden?
- Drum gab er ihm Stoff, Kräfte und Verstand.
- So jener Mann, dem manches Werk gelungen,
- Und dessen Geist nach Wahrheit stets gerungen,
- Geprüft des Feuers, des Wassers Macht,
- Kurz, der zuerst das Werk erdacht,
- Wie durch der Elemente Kampf,
- Des Feuers Wut, des Wassers Dampf,
- Der Mensch Gewinn und nicht Verderben fand.
- Die Wut des Feuers, des Wassers Macht
- Ward von dem Künstler angefacht,
- Er trennt durch eine dünne Wand
- Die Feinde, die von Wut entbrannt.
- Die Flammen an dem Kessel wüten,
- In dem voll Zorns die Wellen sieden
- Und streben, sich am Feind zu rächen,
- Den starken Kerker zu zerbrechen.
- Ein blanker Stab steigt magisch hoch empor
- Vom Dampf verfolgt, durch ein gewaltig Rohr;
- Im Nu stürzt in die heiße Flut
- Ein kalter Strom, schreckt seine Wut;
- Gleich sinkt der Stab -- im Augenblick
- Scheucht ihn der heiße Dampf zurück,
- Der blanke Stahl steigt auf und nieder,
- Belebt zum Streben alle Glieder
- Nach einem Ziel, der große Bau
- Folgt stets des Meisters Sinn genau --
- Wie mancher tadelt nicht den Wunderlauf der Dinge
- Und ungeprüft schilt, was er nicht versteht.
- Der Forscher sieht entzückt, wie in der Wesen Ringe
- Sich Teil und Ganzes stets im schönsten Bunde dreht.«
-
-Daß Goethe an diesen Versen nicht achtlos vorüberging, sollte denen
-zu denken geben, die vom »öden Materialismus der Technik« reden und
-es nicht Wort haben wollen, daß hier nicht nur für den Kopf, sondern
-auch für das Herz etwas entstanden ist. Wenn Goethe im zweiten Teil des
-Faust seinen Helden die reinste und die höchste Freude empfinden läßt,
-als dem Meere Land abgerungen wird, so hat die Dampfmaschine bei der
-Entwässerung der Haarlemer Bucht in Holland gezeigt, wie Land im großen
-der See abgetrotzt werden kann. Damit begann die Dampfmaschine ja in
-Cornwall ihren Siegeszug um die Erde, daß sie innerhalb der Bergwerke
-das Land den Fluten der Schächte entriß.
-
-
-
-
-Watts Lebensabend und Tod.
-
-
-Im Alter von 63 Jahren hatte Watt noch die Aufregungen eines
-Patentprozesses zu durchkosten. Ein Jahr später erlosch der ihm
-gewährte Erfindungsschutz, und damit zog sich Watt ganz vom Geschäft
-zurück. Sein Sohn James und Boultons Sohn waren schon seit Jahren als
-Mitinhaber in das Geschäft eingetreten und bewährten sich zur Freude
-ihrer Väter. Boulton hatte sich auf Watts Ersuchen dazu verstanden,
-ihm statt des vertraglich zustehenden ⅓ die Hälfte des Reingewinns zu
-zahlen. So wurde Watt an seinem Lebensabend noch ein reicher Mann,
-auch seine Gesundheit besserte sich. Wie nach einem regnerischen und
-stürmischen Tage abends schließlich noch die Sonne hervorkommt und
-den Mann, der tagsüber stark geistig gearbeitet hat, hinaus ins Freie
-lockt, so gestaltete sich Watts Leben im ganzen: geistige Freuden
-bei stürmischen, widrigen Schicksalen, gegen Schluß aber Durchbruch
-sonnigen Friedens und Wohlstands.
-
-Watts Vater war 75 Jahre alt geworden. Er selber brachte es auf 83.
-Natürlich sah er die meisten Freunde vor sich aus dem Leben scheiden:
-den rüstigen Boulton, der 1809 starb, Erasmus Darwin und Black, Robison
-u. a. Von seinen Kindern überlebte ihn nur der Sohn James aus erster
-Ehe, der 1848 kinderlos starb. Damit endigte die männliche Linie der
-Familie Watt, die sich von dem Mathematikprofessor ableitete, dessen
-Vater noch als Pächter bei Aberdeen in Schottland gesessen hatte. Aus
-der ersten Ehe waren Watt zwei Kinder in jugendlichem Alter gestorben,
-ein Kind wurde totgeboren. Aus der zweiten Ehe starben erst eine
-Tochter an einem Lungenleiden, dann ein herrlich aufgeblühter, mit
-allen Gaben des Körpers und Geistes ausgestatteter Jüngling ebenfalls
-an Schwindsucht. Für den greisen Erfinder war es ein schwerer Schlag,
-an tückischem Leiden einen Sohn hinsiechen zu sehen, von dem die
-höchsten Leistungen zu erwarten waren. Sein Sohn James hatte eine
-Zeitlang in der französischen Revolution eine Rolle gespielt. Soll er
-doch ein Duell zwischen Danton und Robespierre vereitelt haben, von
-Robespierre aber dann als englischer Spion verdächtigt, in tosender
-Versammlung den Verleumder zur Seite gestoßen und sich glänzend vom
-Verdachte gereinigt haben. Vor dem Haß Robespierres mußte er dann
-fliehen. In England wurde er von Burke als Jakobiner denunziert, vom
-selben Burke, der einst gegen Watts Patent gearbeitet hatte. Der alte
-Watt war einige Zeit in großer Sorge über das Schicksal des Sohnes.
-Offenbar aber hatte James doch Temperament und Anlagen. Wir wollen
-nicht verfehlen, dies hervorzuheben, denn es ist sehr selten und fast
-nur in Mathematikerfamilien nachzuweisen, daß vier Generationen oder
-mehr in gerader Linie immer tüchtige, den Durchschnitt überragende
-Leute hervorbringen.
-
-Auf seinem Landgute in Heathfield bei Birmingham hatte sich der
-greise Erfinder eine Schmiede und Werkstatt hergerichtet, und bis ins
-letzte Jahr hinein beschäftigten ihn allerlei Erfindungen, zumal die
-oben erwähnte Skulpturkopiermaschine. Alljährlich reiste er einmal
-nach London, dort an den Schaufenstern und besonders den Buchläden
-sich freuend, zugleich wahrnehmend, wie seine Dampfmaschine die Welt
-allmählich umgestaltete. Im Jahre 1802 unternahm er eine Reise nach
-Belgien, den Rhein hinauf und nach Frankfurt a. Main, dann über
-Straßburg nach Paris. Kleinere Reisen durch Englands schönste Gegenden
-brachten Abwechslung in das Leben des Mannes, dem ein Freund nach dem
-andern im Tode voranging. Daß Watt ein wenig unter dem Pantoffel stand,
-überliefert uns sein Biograph Smiles. Watts Frau, die Färberstochter,
-hielt mit militärischer Strenge auf Sauberkeit. Ihren Mann durfte sie
-im Arbeitskostüm nicht zu Gesicht bekommen. Seine Schnupftabaksdose
-schloß sie weg, wo immer sie ihr in die Hände fiel. Um des lieben
-Friedens willen und als weiser Mann fügte sich Watt dem gestrengen
-weiblichen Regimente. Waren abends Freunde bei ihm zu Gast, so
-erwartete seine Frau, wenn sie sich aus dem Speisezimmer zurückgezogen
-hatte, daß er bald nachfolgte. Geschah es nicht, so kam ein Diener und
-drehte das von Murdock erfundene Gaslicht ab. Und der große Erfinder
-fügte sich lächelnd: »Wir müssen gehen!« Dafür aber war er in seiner
-Werkstatt in eignem Reich, und er soll sich dort auch oft Essen gekocht
-haben, um ungestört bei der Arbeit bleiben zu können. Vielleicht aber
-lag die hausfräuliche Strenge in Watts eigenstem, gesundheitlichen
-Interesse.
-
-Im selben Jahre, in dem der erste Dampfer, die Savannah, teilweise noch
-mit Segelbenützung, den Ozean von Amerika nach Europa durchkreuzte,
-starb Watt, am 19. August 1819. Seine Geisteskräfte waren ihm bis
-ans Ende erhalten geblieben. Dankbar segnete er das Leben, das ihm
-soviel Freude bereitet habe. Ohne schweres Leiden verschied er nach
-kurzer Krankheit. Neben Boulton wurde er in der Handsworth Church bei
-Heathfield beigesetzt. Nicht weit davon wurde auch der treue, nie
-versagende Murdock, der ebenfalls ein hohes Alter erreichte, zur Ruhe
-bestattet.
-
-Wir wollen nicht lang und breit erzählen, welche Ehren dem großen
-Erfinder von Gelehrten- und andern Gesellschaften erwiesen wurden.
-Auch nur erwähnen wollen wir die Aufstellung von Watts Büste in
-der Westminsterabtei unter den Helden des Krieges, der Dichtung
-und Wissenschaft. Die von Lord Brougham verfaßte Inschrift feiert
-den Erfinder als den Mann, der die Hilfsquellen seines Landes
-erweiterte und die Kraft des Menschen vermehrte. Statt uns aber auf
-solche Ruhmeshymnen einzulassen, die dem Erfolge oft genug auch da
-nachtrotten, wo das Verdienst kaum zulänglich ist, wollen wir von Watt
-lieber damit Abschied nehmen, daß wir uns noch einige seiner Aussprüche
-merken, damit nicht nur durch sein Werk, sondern auch durch sein Wort
-der große Mann noch in unsrer Erinnerung lebe. Vielleicht sind es
-besonders drei Äußerungen Watts, die man sich mit Nutzen merken kann:
-
- ~Without a hobby-horse, what is life~: Ohne ein Steckenpferd, was
- ist da das Leben?
-
- ~Nature can be conquered, if we can but find out her weak side~:
- Die Natur kann besiegt werden, wir müssen nur ihre schwache Seite
- finden.
-
- ~It is a great thing to know what to do without~: Es ist wichtig zu
- wissen, ohne was man etwas machen kann!
-
-
-
-
-Auf den Gebieten der freien und angewandten Kunst, der Literatur,
-des Theaters usw. haben wir in Deutschland eine ganze Reihe von
-Sammelwerken, die in Einzeldarstellungen schildern, was daraus dem
-Gebildeten zu wissen notwendig ist. Für die Industrie und die Technik,
-die bestimmenden Faktoren unserer Zeit, fehlen derartige Werke noch
-vollkommen. Und doch bezeichnet sich unser Jahrhundert selber mit
-eherner Stimme als
-
- das Jahrhundert der Technik
-
-Ist es da nicht die Pflicht jedes Gebildeten, sollte es nicht das
-eifrige Streben jedes wahrhaft modernen Menschen sein, dies Jahrhundert
-in seinem innersten Fühlen verstehen zu lernen? Man wird die Frage
-selten verneinen, aber man wird meist hilflos dastehen, wenn man diese
-Erkenntnis in die Tat umsetzen will, weil es keinen kundigen Führer
-gibt, der hier die Wege weist. Solche Führer
-
- braucht
-
-also unsere Zeit ebenso wie Führer für die Reise nach fernen Ländern.
-
-
- Führer in die deutsche Industrie u. Technik
-
- wollen nun die Bände sein, die wir unter dem Sammeltitel »Deutsche
- Arbeit« im Anschluß an unsere »Technischen Monatshefte« herausgeben.
-
-Berufene Fachleute sollen in diesen Bänden darstellen, was sie von
-ihrem Spezialgebiet für allgemein wissenswert halten. Reiche bildliche
-Darstellungen werden den Text ergänzen.
-
-
- Als erster dieser Führer erschien:
-
- J. Kollmann,
-
- Die Großindustrie des Saargebiets.
-
- Mit 1 Karte und 50 Abbildungen, geh. M 2.--, geb. M 2.80.
-
-
- Demnächst werden sich anschließen:
-
- Die deutsche Schmuckindustrie.
- Das rheinisch-westfälische Industriegebiet.
- Deutsche Werftbetriebe.
- Deutsche Porzellanfabriken.
- Der oberschlesische Industriebezirk.
- Deutsche Glashütten.
- usw. usw.
-
-Der Preis der einzelnen Bände wird je nach Umfang und Ausstattung M
-1.-- bis M 2.-- für das geheftete, M 2.-- bis M 3.-- für das gebundene
-Exemplar betragen. So wird auch dem Minderbemittelten die Anschaffung
-möglich sein und jeder wird sich hier Kenntnisse verschaffen können,
-die praktisches Wissen darstellen, das sich im Lebenskampf jederzeit
-nutzbar machen läßt.
-
-
-In unserer Sammlung
-
- Lebensbilder
- aus Industrie und Technik
-
-erschien als erster Band
-
- Max Eyth
- ein deutscher Ingenieur und Dichter
-
- Eine biographische Skizze, mit Proben aus
- seinen Werken und vielen Abbildungen
-
- von
-
- ~Dr.~ Georg Biedenkapp
-
- Abnehmer des Jahrgangs 1910 der Technischen Monatshefte
- erhalten den Band kostenlos.
-
- Ladenpreis kart. M 1.--, in hübschem Leinwandband M 1.80
-
-In Vorbereitung befinden sich als weitere Bände der Sammlung
-
- George Stephenson
- Alfred Krupp
- Leonardo da Vinci
- Morse und Reis
- John Ericsson
- usw. usw.
-
-Die Abonnenten der »Technischen Monatshefte« erhalten die einzelnen
-Bände jeweils kostenlos oder zu sehr ermäßigten Preisen.
-
- Verlag der »Technischen Monatshefte«
- (Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart)
-
-
-
-
- +--------------------------------------------------------------+
- | Anmerkungen zur Transkription |
- | |
- | Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen |
- | gebräuchlich waren, wie: |
- | |
- | andere -- andre |
- | benutzte -- benützte |
- | Bergwerkbesitzer -- Bergwerksbesitzer |
- | Brod -- Brot |
- | danach -- darnach |
- | eigene -- eigne |
- | gezahnte -- gezähnte |
- | Pumpengestäng -- Pumpengestänge |
- | Schwingbaumes -- Schwingbaums |
- | unsere -- unsre |
- | Wagbalken -- Wagebalken |
- | wagerechte -- wagrechte |
- | Wohlstandes -- Wohlstands |
- | |
- | Interpunktion wurde ohne Erwähnung korrigiert. |
- | Im Text wurden folgende Änderungen vorgenommen: |
- | |
- | S. 20 »Moorland« in »Morland« geändert. |
- | S. 27 »Gradführung« in »Geradführung« geändert. |
- | S. 34 »Nachschlagwerke« in »Nachschlagewerke« geändert. |
- | S. 53 »der vertraglich zustehenden 2/3« in »des vertraglich |
- | zustehenden 1/3« geändert. |
- | S. 53 »Dante« in »Danton« geändert. |
- +--------------------------------------------------------------+
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of James Watt und die Erfindung der
-Dampfmaschine, by Georg Biedenkapp
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK JAMES WATT UND DIE ERFINDUNG ***
-
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-such as creation of derivative works, reports, performances and
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-redistribution.
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-used on or associated in any way with an electronic work by people who
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-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
-and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
-works. See paragraph 1.E below.
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-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
-or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
-Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
-collection are in the public domain in the United States. If an
-individual work is in the public domain in the United States and you are
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-are removed. Of course, we hope that you will support the Project
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-1.E.9.
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-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
-WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
-WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
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-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
-If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
-law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
-interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
-the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
-provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
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-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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-harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
-that arise directly or indirectly from any of the following which you do
-or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
-work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
-Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
-
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of computers
-including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
-because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
-people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
-http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
-permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
-Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
-throughout numerous locations. Its business office is located at
-809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
-business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
-information can be found at the Foundation's web site and official
-page at http://pglaf.org
-
-For additional contact information:
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To
-SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
-particular state visit http://pglaf.org
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
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-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations.
-To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
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-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
-works.
-
-Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
-concept of a library of electronic works that could be freely shared
-with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
-Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
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-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
-unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
-keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
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-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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