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-The Project Gutenberg EBook of Die Kathedrale, by Ruth Schaumann
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-Title: Die Kathedrale
- Gedichte
-
-Author: Ruth Schaumann
-
-Release Date: June 20, 2016 [EBook #52381]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KATHEDRALE ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
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- Ruth Schaumann
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-
- Die Kathedrale
-
-
- Gedichte
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-
- Kurt Wolff Verlag München
-
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-
- Bücherei der »Jüngste Tag« Band 83
-
- Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig
-
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-
- Copyright 1920 by Kurt Wolff Verlag in München
-
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- Sonett
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- Es greifen rote Sträucher in die weißen
- Und Au und Himmel um bewärmte Stämme;
- Den Himmel wieder enge Felsenkämme
- Mit scharfen Zügen in die Höhe reißen.
-
- Und Pferdeleiber bräunen durch die Schwemme,
- Sich überspülend mit erloschnem Gleißen.
- Ich weiß wie ich und diese alle heißen,
- Und alle Namen sind wie hohe Dämme,
-
- Die unsre Ahnen furchtsam aufgeführt,
- Um nah gelegne Ströme weit zu trennen.
- Wir haben erbhaft nie daran gerührt --
-
- Wie lange währt dies »Nur beim Namen nennen«
- Wann sind die vielen Wasser reif geschürt
- Sich brausend ineinander zu bekennen.
-
-
-
-
- Die Arche Noah
-
-
- Hoch liegt die Luke offen und beklommen
- Das Grau erschöpfter Tage ihr im Rahmen
- Und heilt des Vogels Weg, den er entkommen.
-
- Die Luft ist jedem Raume am Erlahmen,
- Nicht kann die überschwere Kuh gebären,
- Die Speicher seufzen nachts vom Drang der Samen.
-
- Und Holz beginnt im letzten Schacht zu gären,
- Und Nässe graut herein, als wenn die Sünden
- Des toten Volks in sie gesammelt wären.
-
- Wir heben uns von den zerstreuten Bünden
- Und schichten sie und spreiten sie nach Stunden
- Erneut zum Schlafen über Deinen Gründen.
-
- Du hast mein Leben auf dem Fels gefunden,
- Den Gipfel, den kein Blick einst ganz erklärte,
- Und Deine Reue bleibt an mich gebunden.
-
- Viel schmerzt die Lende mich, die unbewährte;
- Im Traum zeugt sie mir immer Kain zu Abel --
- Und doch lockt schon der Taube Brutgefährte
- Ihr zu und junges Reis aus ihrem Schnabel.
-
-
-
-
- Prüfung Abrahams
-
-
- Gib den erwählten Berg aus diesen Massen;
- Im zweiten Tag selbst will der Pfad nicht enden
- Und jeder Schritt versucht mich Dich zu lassen.
-
- Der volle Gürtel greift in meine Lenden;
- Schon fühle ich den Knaben Fragen sinnen --
- Sei gnädig diese von mir abzuwenden.
-
- Nur jene Wolke laß uns nicht gerinnen;
- Wohl dürstet seine müde Haut, doch trocken
- Ist alles Reisig auf den Eselinnen.
-
- Durch keinen Stein erlaubst Du mir zu stocken,
- Es geht so still einher, die Halfter schwanken,
- Und durch die Zehen fällt der Staub in Flocken.
-
- Ich möchte Dir wie sonst den Abend danken,
- Nur weiß ich keines seiner Worte wieder;
- Denn unter Dir die armen Sinne sanken
- Wie aufgewühlter Wegsand in sich nieder.
-
-
-
-
- David
-
-
- Mich fremdet matt, wie Leinen mich berührt,
- Das grüne, brustgekreuzt mit Lederriemen,
- Daß meine Schulter jenen kleinen Striemen
- Von eines Erstlings Tragung wieder spürt.
-
- Auf eines Hügels Schwinge lag ich her
- Und wurde brudergleich dem Angeschauten,
- Den Wolken und der Würze blauer Rauten,
- Selbst Berge überstanden mich nicht mehr.
-
- In Allem war ich, Alles war in mir
- Und lag auf sich bewegt in Deinem Schoße,
- Bis unbewußt ich mich daraus verstoße
- Und meine Herde weide unter Dir.
-
-
-
-
- Tempelgang Mariä
-
-
- Da ist die große Treppe und der Bogen
- Voll Dunkelheit, darein die Leute sinken,
- Von ihrer höchsten Schwelle aufgezogen.
-
- Nein, meine Mutter, ich mag nicht mehr trinken,
- Nimm Du den Reiseschlauch, ich möchte warten
- Bis jene Greise in den Grund verwinken.
-
- In Röcken, die von Gold und Steinen starrten
- Sind die und doch so milde, als die Blüten
- Ausruhn und offen stehn im Mittaggarten.
-
- Und alle gehn wie Hirten, so sie hüten;
- Und wieder gleichend meinem jüngsten Lamme
- Nach meinem Ruf und dann der Hand Begüten.
-
- Und wo sie einziehn, ist wohl eine Flamme;
- Mit andern Augen treten sie von innen
- Und schatten ab vom steingebauten Stamme.
-
- Und blicken um ein Tierlein zu gewinnen;
- Keins wird gebracht, nun wird ihr Feuer kleiner;
- Und sterben. -- Unter meinen Füßen rinnen
- Die Stufen abwärts und nun trägt mich einer.
-
-
-
-
- Der Engel Gabriel
-
-
- Mir sträubten alle Federn aus den Poren
- Vom Schimmern ihres Haares und dem Streifen
- Geneigter Stirn, und ich vernahm das Reifen
- Von meiner Gegenwart in ihren Ohren.
-
- Und hob die Botschaft an, in unsern Worten;
- Nur denkend, aber schon verstand die Leise
- Im Auseinanderrinnen roter Kreise,
- Vor deren Zug die meinen wie verdorrten.
-
- In steilen Flügeln hing ich bis sie schwangen
- Und ich geblendet glitt vom Sonnenstaube,
- Gefolgt vom tiefen Schlummerruf der Taube,
- Die sich dem reinsten Nestraum unterfangen.
-
-
-
-
- St. Joseph
-
-
- Und vorüber wächst der Mondenflecken,
- Meine Kniee dürfen sich nicht strecken,
- Denn sie würden mich dem Schlaf verschwachen,
- Und noch ist in ihrer Zelle Wachen.
-
- Und ich muß auf frischgedeckten Kissen
- Wieder, mir so fremd, die Jungfrau wissen.
- Hörbar wird aus tiefem Atemsammeln
- Süßes, immer wiederholtes Stammeln.
-
- Nun nichts mehr, als Duft von Simons Schafen,
- Um das ferne Kind ist sie entschlafen,
- Und ich darf mich bis zum Ruf der Gassen
- Meines Lagers Einsamkeiten lassen.
-
-
-
-
- Advent
-
-
- Nach hohem Schweben ward die Kerze den Schnee am Sims gewahr
- Und sprach ihn durch die Scheiben auf seine Weise warm;
- Vor mein Gerät zurück fand neigend mich Dein Arm
- Und ferne schwang dahin verzogene Gefahr.
-
- Und meiner Tage viele gabst Du Dir anzusehn,
- So wie Gedanken blühn bevor der Mund sie spricht;
- Und Abende für mich trug sinnend Dein Gesicht
- Und ließ vor schwerem Glück sie auseinandergehn.
-
- Und alles hob heran und senkte vor mein Knien
- Der einen Stunde Schoß, die mich nach Deiner Macht
- In sich empfangen wird so weit wie eine Nacht,
- Wo aus dem Fall der Frucht die müden Zweige ziehn.
-
-
-
-
- Die Hirten auf dem Felde
-
-
- Auf brach die Nacht im Himmel, wie von Früchten
- Die wir in heißer Asche berstend rösten.
- Als Finsternisse dann vom Quellen lösten
- Hing es wie Sturz und sah uns alle flüchten.
-
- Da ward die Glanzfaust mild, uns übereilend,
- Gekehrt in Strahlen wider unser Staunen.
- In ihrem Anfang aber und Posaunen
- Stand eine Stimme hin, sich uns erteilend.
-
- Und wurde tief, daß er uns leuchten solle,
- In die verstummte Luft als Stern geschlagen;
- Und läßt sein Licht vor uns vom Felde tragen
- Auf reger Herden Hügelmeer und Wolle.
-
-
-
-
- Mariä Trauer
-
-
- War dieses Krüglein meiner Hand zu schwer --
- So schüchtern kommt sie aus den heilgen Wochen,
- Nun netzt es keines Wandrers Dürre mehr.
-
- An meiner Vorsicht habe ich's zerbrochen;
- Wie nach Erfüllung war es leere Kühle
- Und hat doch süß vom letzten Trank gerochen.
-
- Geschah dies also -- wie ich mich befühle,
- Daß nach dem schweren, morgenroten Wein
- Kein Wasser den geneigten Rand bespüle?
-
- Der Fluß, der Regen -- sind denn die gemein?
- Was weiß ich wohl davon in meinem Stalle --
- Ich möchte nun nie mehr voll Wassers sein.
-
- Herr, Vater meines Sohns, gib mir zu sterben,
- Nur daß ich Dir entlang getröstet falle
- Und Du zu Füßen Dir am Boden findest
- Vom Dufte Deines Weins belebte Scherben.
-
-
-
-
- Das Engelkonzert
-
-
- Da sie im Rosenhage aus dem Kinde
- Sein Lächeln frug, wie es noch nie gegeben,
- Stand ein gemeines Rispengras daneben,
- Das bog sich an ihr Kleid geheimem Winde.
-
- Die Innigsten vom himmlischen Gesinde
- Gelangten aus des Mittags Lichtbestreben;
- Vertieften sich in ihr verklärtes Leben
- Und wagten es im Spiel zum Angebinde.
-
- Entzückte Einfalt, ehemals in Taten
- Von einer armen Magd, ward hier zu Klängen
- Die zart des Kindes Zehentraum umbaten.
-
- So kam von angeschwungnen Saitensträngen
- Der Engelschar Erinnern und Erraten --
- Und Gottes Mutter ließ die Lider hängen.
-
-
-
-
- Nach Christi Tempelweile
-
-
- Nicht müde bin ich, Sohn, ich stand ganz stille;
- Die Wege alle waren es, die gingen,
- Die namenlos vor meiner Sorge zogen.
- Nur einmal sah ich braune Vögel singen
- Und einen Apfelbaum in Blüten schweigen,
- Wo kleine, strohgewebte Nester hingen.
-
- Da dachte ich, dies sollte ich Dir zeigen;
- Doch Du warst fort und ich um Dich zu finden
- Und ließ die Straßen durch die Augen steigen.
- Ich fühlte große Leeren aus mir schwinden,
- Auf jede folgten viele schmerzlich neue,
- Dann glaubte ich für immer zu erblinden.
-
- Die Stadt kam auf mich zu so ohne Reue,
- Dein weißes Kleid das kam und Du darin --
- Sieh mir nicht an, wie mühsam ich mich freue.
- Es ist mir nur wie graues Haar gekommen,
- Daß ich nun, da Dich Gott ergriffen hat,
- Wohl nichts mehr als ein Nest im Frühling bin,
-
- Das große Hände plötzlich ausgenommen.
-
-
-
-
- Die Schwestern des Lazarus
-
-
- Nun kann ich die verborgne Sonne hören;
- Ihr Sinken rauscht noch hinter Hügeln weiter,
- Nicht Tier noch Blatt wagt dies Geräusch zu stören.
-
- Nur Du blickst laut, weil ich dem Abend heiter
- Darin zum viertenmal des Bruders Schuhe
- So rechtlos liegen bei der Dattelleiter.
-
- Er aber in des Felsens kalter Ruhe
- Mit Tod durchtränkt den Wohlgeruch der Öle,
- Der Kräuter und die Linnen Deiner Truhe.
-
- Als wir ihn damals trugen bis zur Höhle
- Erwartet ich den Meister jede Wendung,
- Und daß er uns zu halten anbeföhle.
-
- Doch nach des Grabes zögernder Beendung
- Empfing ich Freude aus dem Wuchs der Weile,
- Die uns der Herr nicht kommt auf alle Sendung.
-
- Auch dieser Tag ist fromm in karger Eile,
- Und noch vor Nacht sich neue Knospen weiten,
- Mich für das Kommen einer lichten Steile
- Die größer als Dein Trauern zu bereiten.
-
-
-
-
- Die Jünger im Garten
-
-
- Zur atemlosen Einsamkeit des Hügels
- Hat sich der Meister zagend aufgetrauert.
- Wir wachen Ihm im Schutz des Ölbaumflügels.
-
- Der Garten hat sich zu uns hingekauert;
- Stumm lauschend wie in seinem dunkeln Grunde
- Ein Vogel seine bange Brut bedauert.
-
- Die Ferne murrt gleich einem müden Hunde
- Sich in die eigne Wärme mit Behagen;
- Und tief am Himmel heilt des Nachtrots Wunde.
-
- Nun bettet Christi Mutter sich in Klagen,
- Denn wieder ist Er undurchdenkbar eigen
- Und was Er tut will nichts als Tod besagen.
-
- Saht ihr sie einmal blaß die Lippen neigen
- Im Anblick der verlaßnen Muttertiefe,
- Die nichts ersehnt, als daß ihr Sohn im Schweigen
- Noch einmal Leib und Seele in sie schliefe.
-
-
-
-
- Der Grabwächter Christi
-
-
- Ich schlief vom Stehn hernieder, nur gewahr
- Der feuchten Erde dann mit flachem Haupte;
- Als nächstes noch ein Strauch, der sich belaubte,
- In meiner Stirn und herb den Nüstern war.
-
- Geträum verschlang mich mehrmals, doch der Geist
- Blieb bloß und schwimmend auf der Tiefe liegen
- Und hörte Hauch vom Grab, und schwach entfliegen
- Das Siegelband, bis taumelnd es verkreist.
-
- Kühl, wie ein Talraum seine Frühe, blies
- Durch Felsenfugen Staunen in den Garten
- Und überschwand betäubend mein Erwarten,
- Bis schwarz die offne Tür mich in sich stieß.
-
-
-
-
- Apostelweg
-
-
- Das Haar uns in vollbrachte Strecke steht,
- Vom Sturm und Sturz der Bäume so gehalten;
- Aus den Gesichtern flattern alle Falten
- Und im Gewand die Leiber sind verweht.
-
- Dazwischen ruht Dein Wort und Bildnis bloß
- Greift aufgerichtet in die schwanken Seiten,
- Bezwingt sie in ein heißes Vorwärtsschreiten
- Und Deine Stille läßt darin nicht los.
-
- Wenn in entrückter Stadt, wohin Du willst,
- Erst unsre Glieder wieder um Dich schließen,
- Von Dir wird unser Körper überfließen,
- Bis Du auch dort Dir neu ein Strombett schwillst.
-
-
-
-
- St. Agnes
-
-
- Stumm steigt ihr Schatten vor ihr über Feld,
- Streift aus der Luft verlaßne Falterkreise
- Und ruht nun knieend in dem Ackergleise
- Vom Blühn der wilden Blumen dicht durchstellt.
-
- Und über ihren braunen Nacken träuft
- Der Sonne Hügelabend wie ein Sinnen,
- Da samtnes Bunt sich im vertieften Linnen
- Aus dem Gezirp gepflückter Stengel häuft.
-
- Blick hin! Der grünen Hecke müder Flaum
- Weht auf vor eines Widderlammes Helle,
- Und einsam treibt an ihres Herzens Quelle
- Des langgelockten Fließes weißer Schaum.
-
-
-
-
- Trennung
-
-
- Mit allen Tagen nun vergeht die liebe Farbe,
- Von Sonnenwegen voll in Dein Gesicht gelangt;
- Auch Deine Hände sind, wie wenn der Meerstrand darbe
- Und Sand durch seiner Flut Versinken sichtbar bangt.
-
- Dir gleich sah ich allein nur einen Hirten hören,
- Besorgt ob seine Schar am letzten Naß schon leckt --
- Die Heide blühte wohl, stand rot in Bienenchören,
- Doch Lamm an Lamm umsonst zum Quellenbett gestreckt.
-
- Die Hänge fern der Stadt sind jetzt vom Herbst erworben,
- Auch Deiner Neigung Duft ist dort vom Gras verbraucht.
- Erkundend steht Dein Blick, bevor er halb erstorben
- Aus leerem Feld zurück in Deinen Herzschlag taucht.
-
-
-
-
- Herbst
-
-
- Wie Flaum an totem Vogelleib im Sand
- Bewegt mein Nahn das Haar an Deiner Schläfe,
- Als ob auch Dich des Laubes Siechtum träfe
- Welkt Lächeln über Deines Mundes Rand.
-
- Sich selbst umschlingend gleiten durch den Zaun
- Der Wiese silbergrau geweifte Fäden --
- Du legst die Lider auf wie weiße Läden
- Und läßt mich leere Sterberäume schaun.
-
-
-
-
- Dachraum
-
-
- Im Fenstergarten wird das Farben matt,
- Beharrlich gilbt daraus nur eine Winde,
- In sich gedeckt, wie er sich sternig finde,
- Steht der ergraute Abend auf der Stadt.
-
- Die eingelegten Scheiben lassen schon
- Die Spiegelzüge unsres Bundes blassen;
- Und aus den Giebeln stimmenmüder Gassen
- Erweitert sich ein Mond wie roter Mohn.
-
- Wir wissen nicht, was nun an uns geschieht,
- Wo wir nicht lächeln können und Nichts denken
- Als nur des Tones klagenloses Senken
- Am Ende einem alten Pilgerlied.
-
-
-
-
- Neigung
-
-
- Mehr als Du meinst, daß ich vollendet sei
- Wenn erst ich Dich durch meinen Tod begreife,
- Will ich Dir werden, daß an meiner Reife
- Dein Mund sich netze einer Furche frei.
-
- Um diesen Willen weißt Du und die Gier,
- Der nicht genügt was Du mir zugeboren,
- Und siehst mich doch nicht an wie einen Toren
- Und überläßt die Erde offen mir.
-
- Gibst mir die hohe Sonnenwiese hin,
- Auf daß ich teil aus ihrem Leben habe
- Und, eh Du Dich versehen, Deine Labe
- Vor der Erschaffung eines Abends bin.
-
-
-
-
- Versenkung
-
-
- Als ich mein letztes Anschaun hingeschenkt,
- In feierlicher Freude wie an Erben,
- Den Rüstern vor der Tür, den frühlingsherben,
- Ward Nacht um sie und ich in Dich versenkt.
-
- Kelchgleich empfingest Du und ließest mich
- Bis in den tiefsten Deiner Kreise gleiten,
- Daß mein Gefühl aus seinen flachen Weiten
- Gesegnet in sich selbst zusammenwich.
-
- Wie eine Abendlilie am Stiel
- Sankst Du, und ich verging in langem Rollen
- Beschwert, ein Tau, mit süßen Blütenpollen,
- Der duftend im gebeugten Leib zerfiel.
-
-
-
-
- Zuflucht
-
-
- Die Seele nimm mir auf und halte bitte
- Für eine kurze Weile ihr Verzagen,
- Wie man mich trug in kranken Kindertagen,
- Daß ich des Lagers Härten nicht so litte.
-
- Geduldig laß mich Dir in Armen zittern,
- Wie Du auch duldest Beben eines Blattes,
- Dem kleinen Lamm entschuldigst sein Ermatten
- Beim Schmerzen fremder Kräuter, selten bittern.
-
- Aus Deiner Hände liebendem Befassen
- Strömt Güte in mich ein von Deinem Herzen,
- Und unbesorgt kannst Du gleich freien Kerzen
- Mich wieder klar alleine brennen lassen.
-
-
-
-
- Die Brücke
-
-
- Kleid und Leib durchstreicht mir Frost,
- Daß sie um mich sind wie Rinde.
- Schattenblätter einer Linde
- Kommen aus des Gitters Rost.
-
- Der gefüllte Mond zerbrach
- Im Gestrüpp der Uferpflanzen,
- Wellen, die vor ihnen tanzen,
- Salben ihn einander nach.
-
- Wartend liegt mein weitrer Gang
- Sich voll Tau und Nebelschwaden,
- Mich bedacht hinweg zu baden
- Als der Stelle Überschwang.
-
-
-
-
- Domplatz
-
-
- Obgleich schon Mittag in den Uhren der vielen Türme summt,
- Bleibt dieses Morgens Knospe verhalten wie mein Herz,
- Das sich nicht rühren kann und ungestillten Schmerz
- Gleich einen Säugling durch ein immer altes Wort umstummt.
-
- Du stehst mir bei, wie einst aus Joseph auch Marie,
- Der nur mit fernem Blick ihr Haupt vom Strohbett trug,
- Bis die gedrängte Stirn ein blauer Schweiß beschlug
- Und Deines Sohnes Bild in Deine Gnade schrie.
-
- Kein Laut und Mensch des Wegs vom Stadtdom tritt mich ein,
- Die Augen sind mir fremd im Angesicht gemacht,
- Behorchend, wie gebannt, den geistgelegnen Schacht
- Dem aus der Wandung blickt, von Dir begehrt, ein Stein.
-
-
-
-
- Ruf
-
-
- Wie in ein Feld von weißen Orchideen
- Steigt blank in Wolken ab des Himmels Schein;
- Noch einmal wacht zu atemreichem Drehen
- Das Kraut und jedes Blatt der Buchen ein.
-
- Der Umriß meines Körpers steht vom Wege
- Als schwarzes Maß dem goldnen Rainberg vor,
- Und nimmt ein seitwärts schattendes Gehege
- Und dunkles Abbild eines Farns empor.
-
- Und eines Kiesels Lösung lautet zagend
- Die nächste Steinwand her und vor dem Grund
- Erneuter Stille öffnet sich versagend
- Um Deines Namens Heiligkeit mein Mund.
-
-
-
-
- Fiat
-
-
- Behalte mich Dir vor, so Du begehrst
- Daß einer Deines Namens wegen leide,
- Demütig sich in hänfne Stricke kleide
- Vor Händen, die Du auserwählt bewehrst.
-
- Mir sind gewiß die Pfeile nicht zu scharf,
- Der Lanzen keine sollte meiner schonen,
- Denn jede läßt mich tiefer in Dir wohnen,
- In den ich bis zur Neige gehen darf.
-
- Wund stehst Du vor mir und ich liebe Dich,
- Noch außer Dir und schon in Dich genommen --
- Und Viele wird der Eingang überkommen,
- Daß sie ihn selig suchen, Herr, wie ich.
-
-
-
-
- Ahnung
-
-
- Diese Nacht war ich nur Dank
- Über allen meinen Träumen,
- Als von starken Fensterbäumen
- Blatt zu Blatt vorübersank.
-
- Hörbar gaben sie sich kahl,
- Hofwärts und durch Nichts belichtet,
- Doch das Rauschen ging gesichtet
- Hin vor Deiner Augen Tal.
-
- Und ich spürte irgendwo
- Schon den Tag beim Atemfinden,
- Und ward willig zum Erblinden
- Meiner Zeit bereit und froh.
-
-
-
-
- Bergung
-
-
- Bewege Dich und sei mir gütesacht
- Nur eine weite Höhle ohne Feuchte,
- Daß ich mich selbst darinnen ganz verleuchte
- Vor fremden Wesen und der großen Nacht.
-
- Ich werde dort mich wie ein armes Wild
- Warm, aber stumm und hungerlos verhalten,
- Nur wunde Glieder aus den Schmerzen falten,
- Denn Deine Finsternis ist keusch und mild.
-
- Der Tag krankt unter mir und nahend ist
- Geruch von Nachtgetier und Lavaflüssen,
- Und dennoch stirbt mir jedes Fürchtenmüssen,
- Weil Du schon dunkel wachsend um mich bist.
-
-
-
-
- Endung
-
-
- Mir wird die Wendung meines Wegs bewußt,
- Da nun mein Gang so anders in mich lautet,
- Wie über Hänge, wo der Sommer krautet
- Für sich und ohne zeitlichen Verlust.
-
- Ich rege mich nur wie ein Gras sich regt,
- Doch stetig ist die Gegend mehr entlegen
- Und naht Dich immer faßlicher zugegen,
- Daß schon die Hand sich mir zum Herzen legt;
-
- Das atmend widergeht, als wenn es bald
- Gelind die dünngewachte Wand durchtrete,
- Sich innig dann in sein Verhängnis bete,
- Wie eine Vogelstimme in den Wald.
-
-
-
-
- Elevation
-
-
- Nur eines Lächeln fehlt noch, sonst begänne
- Ich schlanken Aufstieg mit geschloßnen Füßen,
- Daß bald mich von des Hanges Gräsergrüßen
- Der hochverklärte Stundenduft gewänne.
-
- Und ich auf Licht in gleicher Höhe stände
- Mit dem verschmiegten Nest der braunen Meise,
- Daß ihres Brütens scheues Lauschen leise
- In mein Gefühl durch weiche Augen fände.
-
- Und weilte in Erhebung aller Stille;
- Vernehmend durch die Bildung innrer Schleier
- Den zarten Bruch der ersten Vogeleier
- Bevor ich mir an Deine Brust entquille.
-
-
-
-
- Frühwinter
-
-
- Immer klarer lasse ich
- Die Gestalt im Schneetrieb ragen
- Und ein auferlöstes Tagen
- Fühlt und leuchtet sie an Dich.
-
- Durch das netzgewordne Wehn
- Deiner Zeit und Deiner Himmel
- Faßt sich ganz mein Wortgewimmel
- In ein stummes Eingestehn.
-
- Leise, während ich dabei
- Unverschrien mit Dir alleine,
- Schmilzt der schwersten Flocken eine
- Sich auf meiner Lippe frei.
-
-
-
-
- Füllung
-
-
- Nah fühle ich, in meine Seele sinkt
- Geweihte Schwere, dunkel sie erweiternd;
- Still wird sie wie ein Kind, das schlaferheiternd
- Die erst geballten Hände offen trinkt.
-
- Nicht bete ich mehr, denn mein ganzes Sein
- Ist nach erblaßter Scheu Dir unterlegen,
- Und keine Frage duldet Dir entgegen,
- Weil alles ohne Wort und Wille Dein.
-
- Nur die vollbrachte Tiefe ruft Dich an,
- Des letzten irdischen Gesichts gedenkend,
- Wo eine weiße Birke niedersenkend
- In offne Gräserkelche Tau verrann.
-
-
-
-
- Gottesstunde
-
-
- Verbrachte Stunden sammeln sich der Seele;
- Etwelche jeder Art von der ich lebe,
- Undringlich kommen sie, daß auch sich hebe
- Die jüngste auf, gleich einer armen Schmele.
-
- Und einzig dieser gönnst Du ein Bewegen
- Vor Dir und mir durch segnendes Umschweigen,
- Befiehlst dem Dunkel rings und ihrem Steigen
- Ist keine Wand und keine Zeit entgegen.
-
- Und so entgeht sie mir, wie gute Hände
- Aus andrer Halt sich nehmen ohne Sträuben,
- Erblüht mich ferner und ihr Samenstäuben
- Beginnt auf eines Deiner Nachtgelände.
-
-
-
-
- Heimgang
-
-
- Nur Weißdornbuschwerk duftet meine Lider
- Noch manchmal auf für ein verhaltnes Schauen;
- Sonst ohne Blicke und der Steine Stauen
- Gerate ich den Tannengang hernieder,
-
- Der finster wird, wie ich voll süßem Schämen,
- Denn Deine Trift und goldne Wolkenriesen
- Hast Du dem Wald zuvor in mich gewiesen
- Als in den Raum, da sie zu schlafen kämen.
-
- Herbergend habe ich, nun sie sich legen,
- Was ich besaß gebreitet wie auf Dielen
- Gelöste Garben Strohs, daß in sie fielen
- Der Schläfer großes Atmen und Bewegen.
-
-
-
-
- Terrasse
-
-
- Der wilde, rote Wein ward schwarz und hängt im Abend
- Und Zeit der Sterne ist, die hinter Wolken stehn,
- Aus Häusern kommt das Licht, in Bäumen sich erlabend,
- Die dunkel eingewölbt nur noch im Innern wehn.
-
- Bewegung träumt mein Sitz im Steinbalkon als stammten
- Die Züge Dir vom Mund, der Deinen Atem wiegt,
- Und wieder werde ich in allen Tiefen samten
- Und wunschlos wie ein Tod, wenn er mit Lächeln liegt.
-
- Bis in die Augen steigt mir Ruhe ohne Gleiche,
- Rinnt in die kühle Nacht, noch warm von meinem Sinn.
- Ernst wie dem großen Wild sein später Durst zum Teiche
- Rührt Deine Zuversicht auf alle Stille hin.
-
-
-
-
- Mond
-
-
- Wie der Geist von Deinem Geist
- Strömt der Mond in meine Züge,
- Kühlt zu reinlichster Genüge
- Dinge, die noch Nichts gespeist.
-
- Laut und lauter klingt das Licht
- Über finstere Platanen;
- Und das sonst gedrängte Ahnen
- Dehnt sich aus und ruht sich schlicht.
-
- Alle Sterne stehn wie Wald
- Blau erhöht an beiden Ufern,
- Wo Getön von frommen Rufern
- In der Stillung Bann verhallt.
-
-
-
-
- Anhöhe
-
-
- Behutsam darf ich aus dem Saum des Ranftes
- Des Löwenzahnes graues Lichtrund steigern,
- Was taubeschwert die Winde ihm verweigern
- Erfüllen als ein unbedenkbar Sanftes.
-
- So löst mein leise abgesetztes Blasen
- Die stillen Scharen der geschirmten Samen,
- Und folgsam treiben sie in Deinem Namen
- Wie eine Zirruswolke in den Rasen.
-
- Du aber schweigst dabei den Abend tiefer,
- Der Du die Erde bist und bist mein Hauchen
- Und meines Wesens fließend Untertauchen
- Im fernen Einglühn einer schwarzen Kiefer.
-
-
-
-
- Der Mönch
-
-
- Wer bin ich, daß der Himmel mir sein Falben
- Bis in die stillsten Farbentöne deutet
- Und meiner Sinne Suchen ausgereutet
- Vom Fluggetümmel abendtrunkner Schwalben.
-
- Da Glied um Glied, das Schlummer vorgekostet,
- Demütig wird im Hängen und Berühren
- Des groben Hanfes in den Lendenschnüren,
- Die Sonnenheimgang zärtlich überrostet.
-
- Du läßt die Klarheit also um mich schwellen,
- Daß ich im satten Bade nicht zerfalle,
- Nur ausgebaut zum ruhenden Kristalle
- Durchscheinend allen Ufern, allen Wellen.
-
-
-
-
- Die Sternnacht
-
-
- Meine Augen schlossest Du
- Nur ein Blick blieb außer ihnen,
- Im Gesumm der Sternenbienen
- Sieht er meinen Händen zu.
-
- Wie sie schwer und ewig tun
- Um ein Nachtgebet geflochten,
- Also vor den Brunnen mochten
- Herden einst um Jakob ruhn.
-
- Und der Decke Leinwand liegt
- Unter ihnen mir am Leben,
- Liegt auch so, nur ohne Schweben,
- Wenn es eingeholt versiegt.
-
-
-
-
- Abend
-
-
- Der Anblick schlafgedämpfter Vogelspiele
- Durch knospenschwere Zweige sanfte Sicht
- Auf letzte hingetriebne Wolkenkiele
- Baut lautlos meinen Tag vollendungsdicht.
-
- Ein Raum steigt er empor und ich empfinde
- Ihn größer in mir als den Leib umher,
- Und ist lebendig still, wie kühle Winde
- In Dünen sind aus nahversenktem Meer.
-
- Und wie ihn nun der Mond, aus fernem Tale
- Durch halben Abend gleitend, ruhig schließt,
- Steht er als endlich werte Kathedrale
- Gewärtig, daß Du rauschend sie beziehst.
-
-
-
-
- Inhalt:
-
-
- Sonett 5
- Die Arche Noah 6
- Prüfung Abrahams 7
- David 8
- Tempelgang Mariä 9
- Der Engel Gabriel 10
- St. Joseph 11
- Advent 12
- Die Hirten auf dem Felde 13
- Mariä Trauer 14
- Das Engelkonzert 15
- Nach Christi Tempelweile 16
- Die Schwestern des Lazarus 17
- Die Jünger im Garten 18
- Der Grabwächter Christi 19
- Apostelweg 20
- St. Agnes 21
- Trennung 22
- Herbst 23
- Dachraum 24
- Neigung 25
- Versenkung 26
- Zuflucht 27
- Die Brücke 28
- Domplatz 29
- Ruf 30
- Fiat 31
- Ahnung 32
- Bergung 33
- Endung 34
- Elevation 35
- Frühwinter 36
- Füllung 37
- Gottesstunde 38
- Heimgang 39
- Terrasse 40
- Mond 41
- Anhöhe 42
- Der Mönch 43
- Die Sternnacht 44
- Abend 45
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription
-
-
-Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt
-(vorher/nachher):
-
- [S. 21]:
- ... Des langgelocken Fließes weißer Schaum. ...
- ... Des langgelockten Fließes weißer Schaum. ...
-
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Die Kathedrale, by Ruth Schaumann
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KATHEDRALE ***
-
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-<body>
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-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Die Kathedrale, by Ruth Schaumann
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
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-
-Title: Die Kathedrale
- Gedichte
-
-Author: Ruth Schaumann
-
-Release Date: June 20, 2016 [EBook #52381]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KATHEDRALE ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
-
-
-
-
-</pre>
-
-
-<div class="frontmatter">
-<div class="rightpic logo" id="img-logo">
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-
-</div>
-
-<div class="frontmatter">
-<p class="aut">
-Ruth Schaumann
-</p>
-
-<h1 class="title">
-Die Kathedrale
-</h1>
-
-<p class="subt">
-Gedichte
-</p>
-
-<p class="pub">
-<span class="line1">Kurt Wolff Verlag München</span>
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="frontmatter">
-<p class="ser">
-Bücherei der &bdquo;Jüngste Tag&ldquo; Band 83
-</p>
-
-<p class="printer">
-Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig
-</p>
-
-<p class="cop">
-Copyright 1920 by Kurt Wolff Verlag in München
-</p>
-
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-1">
-<a id="page-5" class="pagenum" title="5"></a>
-Sonett
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Es greifen rote Sträucher in die weißen</p>
- <p class="verse">Und Au und Himmel um bewärmte Stämme;</p>
- <p class="verse">Den Himmel wieder enge Felsenkämme</p>
- <p class="verse">Mit scharfen Zügen in die Höhe reißen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und Pferdeleiber bräunen durch die Schwemme,</p>
- <p class="verse">Sich überspülend mit erloschnem Gleißen.</p>
- <p class="verse">Ich weiß wie ich und diese alle heißen,</p>
- <p class="verse">Und alle Namen sind wie hohe Dämme,</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die unsre Ahnen furchtsam aufgeführt,</p>
- <p class="verse">Um nah gelegne Ströme weit zu trennen.</p>
- <p class="verse">Wir haben erbhaft nie daran gerührt &mdash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie lange währt dies &bdquo;Nur beim Namen nennen&ldquo;</p>
- <p class="verse">Wann sind die vielen Wasser reif geschürt</p>
- <p class="verse">Sich brausend ineinander zu bekennen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-2">
-<a id="page-6" class="pagenum" title="6"></a>
-Die Arche Noah
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hoch liegt die Luke offen und beklommen</p>
- <p class="verse">Das Grau erschöpfter Tage ihr im Rahmen</p>
- <p class="verse">Und heilt des Vogels Weg, den er entkommen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Luft ist jedem Raume am Erlahmen,</p>
- <p class="verse">Nicht kann die überschwere Kuh gebären,</p>
- <p class="verse">Die Speicher seufzen nachts vom Drang der Samen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und Holz beginnt im letzten Schacht zu gären,</p>
- <p class="verse">Und Nässe graut herein, als wenn die Sünden</p>
- <p class="verse">Des toten Volks in sie gesammelt wären.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir heben uns von den zerstreuten Bünden</p>
- <p class="verse">Und schichten sie und spreiten sie nach Stunden</p>
- <p class="verse">Erneut zum Schlafen über Deinen Gründen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du hast mein Leben auf dem Fels gefunden,</p>
- <p class="verse">Den Gipfel, den kein Blick einst ganz erklärte,</p>
- <p class="verse">Und Deine Reue bleibt an mich gebunden.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Viel schmerzt die Lende mich, die unbewährte;</p>
- <p class="verse">Im Traum zeugt sie mir immer Kain zu Abel &mdash;</p>
- <p class="verse">Und doch lockt schon der Taube Brutgefährte</p>
- <p class="verse">Ihr zu und junges Reis aus ihrem Schnabel.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-3">
-<a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a>
-Prüfung Abrahams
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Gib den erwählten Berg aus diesen Massen;</p>
- <p class="verse">Im zweiten Tag selbst will der Pfad nicht enden</p>
- <p class="verse">Und jeder Schritt versucht mich Dich zu lassen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der volle Gürtel greift in meine Lenden;</p>
- <p class="verse">Schon fühle ich den Knaben Fragen sinnen &mdash;</p>
- <p class="verse">Sei gnädig diese von mir abzuwenden.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nur jene Wolke laß uns nicht gerinnen;</p>
- <p class="verse">Wohl dürstet seine müde Haut, doch trocken</p>
- <p class="verse">Ist alles Reisig auf den Eselinnen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Durch keinen Stein erlaubst Du mir zu stocken,</p>
- <p class="verse">Es geht so still einher, die Halfter schwanken,</p>
- <p class="verse">Und durch die Zehen fällt der Staub in Flocken.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich möchte Dir wie sonst den Abend danken,</p>
- <p class="verse">Nur weiß ich keines seiner Worte wieder;</p>
- <p class="verse">Denn unter Dir die armen Sinne sanken</p>
- <p class="verse">Wie aufgewühlter Wegsand in sich nieder.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-4">
-<a id="page-8" class="pagenum" title="8"></a>
-David
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mich fremdet matt, wie Leinen mich berührt,</p>
- <p class="verse">Das grüne, brustgekreuzt mit Lederriemen,</p>
- <p class="verse">Daß meine Schulter jenen kleinen Striemen</p>
- <p class="verse">Von eines Erstlings Tragung wieder spürt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auf eines Hügels Schwinge lag ich her</p>
- <p class="verse">Und wurde brudergleich dem Angeschauten,</p>
- <p class="verse">Den Wolken und der Würze blauer Rauten,</p>
- <p class="verse">Selbst Berge überstanden mich nicht mehr.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">In Allem war ich, Alles war in mir</p>
- <p class="verse">Und lag auf sich bewegt in Deinem Schoße,</p>
- <p class="verse">Bis unbewußt ich mich daraus verstoße</p>
- <p class="verse">Und meine Herde weide unter Dir.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-5">
-<a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a>
-Tempelgang Mariä
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da ist die große Treppe und der Bogen</p>
- <p class="verse">Voll Dunkelheit, darein die Leute sinken,</p>
- <p class="verse">Von ihrer höchsten Schwelle aufgezogen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nein, meine Mutter, ich mag nicht mehr trinken,</p>
- <p class="verse">Nimm Du den Reiseschlauch, ich möchte warten</p>
- <p class="verse">Bis jene Greise in den Grund verwinken.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">In Röcken, die von Gold und Steinen starrten</p>
- <p class="verse">Sind die und doch so milde, als die Blüten</p>
- <p class="verse">Ausruhn und offen stehn im Mittaggarten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und alle gehn wie Hirten, so sie hüten;</p>
- <p class="verse">Und wieder gleichend meinem jüngsten Lamme</p>
- <p class="verse">Nach meinem Ruf und dann der Hand Begüten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wo sie einziehn, ist wohl eine Flamme;</p>
- <p class="verse">Mit andern Augen treten sie von innen</p>
- <p class="verse">Und schatten ab vom steingebauten Stamme.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und blicken um ein Tierlein zu gewinnen;</p>
- <p class="verse">Keins wird gebracht, nun wird ihr Feuer kleiner;</p>
- <p class="verse">Und sterben. &mdash; Unter meinen Füßen rinnen</p>
- <p class="verse">Die Stufen abwärts und nun trägt mich einer.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-6">
-<a id="page-10" class="pagenum" title="10"></a>
-Der Engel Gabriel
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mir sträubten alle Federn aus den Poren</p>
- <p class="verse">Vom Schimmern ihres Haares und dem Streifen</p>
- <p class="verse">Geneigter Stirn, und ich vernahm das Reifen</p>
- <p class="verse">Von meiner Gegenwart in ihren Ohren.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und hob die Botschaft an, in unsern Worten;</p>
- <p class="verse">Nur denkend, aber schon verstand die Leise</p>
- <p class="verse">Im Auseinanderrinnen roter Kreise,</p>
- <p class="verse">Vor deren Zug die meinen wie verdorrten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">In steilen Flügeln hing ich bis sie schwangen</p>
- <p class="verse">Und ich geblendet glitt vom Sonnenstaube,</p>
- <p class="verse">Gefolgt vom tiefen Schlummerruf der Taube,</p>
- <p class="verse">Die sich dem reinsten Nestraum unterfangen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-7">
-<a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a>
-St. Joseph
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und vorüber wächst der Mondenflecken,</p>
- <p class="verse">Meine Kniee dürfen sich nicht strecken,</p>
- <p class="verse">Denn sie würden mich dem Schlaf verschwachen,</p>
- <p class="verse">Und noch ist in ihrer Zelle Wachen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und ich muß auf frischgedeckten Kissen</p>
- <p class="verse">Wieder, mir so fremd, die Jungfrau wissen.</p>
- <p class="verse">Hörbar wird aus tiefem Atemsammeln</p>
- <p class="verse">Süßes, immer wiederholtes Stammeln.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nun nichts mehr, als Duft von Simons Schafen,</p>
- <p class="verse">Um das ferne Kind ist sie entschlafen,</p>
- <p class="verse">Und ich darf mich bis zum Ruf der Gassen</p>
- <p class="verse">Meines Lagers Einsamkeiten lassen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-8">
-<a id="page-12" class="pagenum" title="12"></a>
-Advent
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nach hohem Schweben ward die Kerze den Schnee am Sims gewahr</p>
- <p class="verse">Und sprach ihn durch die Scheiben auf seine Weise warm;</p>
- <p class="verse">Vor mein Gerät zurück fand neigend mich Dein Arm</p>
- <p class="verse">Und ferne schwang dahin verzogene Gefahr.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und meiner Tage viele gabst Du Dir anzusehn,</p>
- <p class="verse">So wie Gedanken blühn bevor der Mund sie spricht;</p>
- <p class="verse">Und Abende für mich trug sinnend Dein Gesicht</p>
- <p class="verse">Und ließ vor schwerem Glück sie auseinandergehn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und alles hob heran und senkte vor mein Knien</p>
- <p class="verse">Der einen Stunde Schoß, die mich nach Deiner Macht</p>
- <p class="verse">In sich empfangen wird so weit wie eine Nacht,</p>
- <p class="verse">Wo aus dem Fall der Frucht die müden Zweige ziehn.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-9">
-<a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a>
-Die Hirten auf dem Felde
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auf brach die Nacht im Himmel, wie von Früchten</p>
- <p class="verse">Die wir in heißer Asche berstend rösten.</p>
- <p class="verse">Als Finsternisse dann vom Quellen lösten</p>
- <p class="verse">Hing es wie Sturz und sah uns alle flüchten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da ward die Glanzfaust mild, uns übereilend,</p>
- <p class="verse">Gekehrt in Strahlen wider unser Staunen.</p>
- <p class="verse">In ihrem Anfang aber und Posaunen</p>
- <p class="verse">Stand eine Stimme hin, sich uns erteilend.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wurde tief, daß er uns leuchten solle,</p>
- <p class="verse">In die verstummte Luft als Stern geschlagen;</p>
- <p class="verse">Und läßt sein Licht vor uns vom Felde tragen</p>
- <p class="verse">Auf reger Herden Hügelmeer und Wolle.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-10">
-<a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a>
-Mariä Trauer
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">War dieses Krüglein meiner Hand zu schwer &mdash;</p>
- <p class="verse">So schüchtern kommt sie aus den heilgen Wochen,</p>
- <p class="verse">Nun netzt es keines Wandrers Dürre mehr.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">An meiner Vorsicht habe ich&rsquo;s zerbrochen;</p>
- <p class="verse">Wie nach Erfüllung war es leere Kühle</p>
- <p class="verse">Und hat doch süß vom letzten Trank gerochen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Geschah dies also &mdash; wie ich mich befühle,</p>
- <p class="verse">Daß nach dem schweren, morgenroten Wein</p>
- <p class="verse">Kein Wasser den geneigten Rand bespüle?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Fluß, der Regen &mdash; sind denn die gemein?</p>
- <p class="verse">Was weiß ich wohl davon in meinem Stalle &mdash;</p>
- <p class="verse">Ich möchte nun nie mehr voll Wassers sein.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Herr, Vater meines Sohns, gib mir zu sterben,</p>
- <p class="verse">Nur daß ich Dir entlang getröstet falle</p>
- <p class="verse">Und Du zu Füßen Dir am Boden findest</p>
- <p class="verse">Vom Dufte Deines Weins belebte Scherben.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-11">
-<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a>
-Das Engelkonzert
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da sie im Rosenhage aus dem Kinde</p>
- <p class="verse">Sein Lächeln frug, wie es noch nie gegeben,</p>
- <p class="verse">Stand ein gemeines Rispengras daneben,</p>
- <p class="verse">Das bog sich an ihr Kleid geheimem Winde.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Innigsten vom himmlischen Gesinde</p>
- <p class="verse">Gelangten aus des Mittags Lichtbestreben;</p>
- <p class="verse">Vertieften sich in ihr verklärtes Leben</p>
- <p class="verse">Und wagten es im Spiel zum Angebinde.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Entzückte Einfalt, ehemals in Taten</p>
- <p class="verse">Von einer armen Magd, ward hier zu Klängen</p>
- <p class="verse">Die zart des Kindes Zehentraum umbaten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">So kam von angeschwungnen Saitensträngen</p>
- <p class="verse">Der Engelschar Erinnern und Erraten &mdash;</p>
- <p class="verse">Und Gottes Mutter ließ die Lider hängen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-12">
-<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a>
-Nach Christi Tempelweile
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nicht müde bin ich, Sohn, ich stand ganz stille;</p>
- <p class="verse">Die Wege alle waren es, die gingen,</p>
- <p class="verse">Die namenlos vor meiner Sorge zogen.</p>
- <p class="verse">Nur einmal sah ich braune Vögel singen</p>
- <p class="verse">Und einen Apfelbaum in Blüten schweigen,</p>
- <p class="verse">Wo kleine, strohgewebte Nester hingen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da dachte ich, dies sollte ich Dir zeigen;</p>
- <p class="verse">Doch Du warst fort und ich um Dich zu finden</p>
- <p class="verse">Und ließ die Straßen durch die Augen steigen.</p>
- <p class="verse">Ich fühlte große Leeren aus mir schwinden,</p>
- <p class="verse">Auf jede folgten viele schmerzlich neue,</p>
- <p class="verse">Dann glaubte ich für immer zu erblinden.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Stadt kam auf mich zu so ohne Reue,</p>
- <p class="verse">Dein weißes Kleid das kam und Du darin &mdash;</p>
- <p class="verse">Sieh mir nicht an, wie mühsam ich mich freue.</p>
- <p class="verse">Es ist mir nur wie graues Haar gekommen,</p>
- <p class="verse">Daß ich nun, da Dich Gott ergriffen hat,</p>
- <p class="verse">Wohl nichts mehr als ein Nest im Frühling bin,</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Das große Hände plötzlich ausgenommen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-13">
-<a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a>
-Die Schwestern des Lazarus
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nun kann ich die verborgne Sonne hören;</p>
- <p class="verse">Ihr Sinken rauscht noch hinter Hügeln weiter,</p>
- <p class="verse">Nicht Tier noch Blatt wagt dies Geräusch zu stören.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nur Du blickst laut, weil ich dem Abend heiter</p>
- <p class="verse">Darin zum viertenmal des Bruders Schuhe</p>
- <p class="verse">So rechtlos liegen bei der Dattelleiter.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Er aber in des Felsens kalter Ruhe</p>
- <p class="verse">Mit Tod durchtränkt den Wohlgeruch der Öle,</p>
- <p class="verse">Der Kräuter und die Linnen Deiner Truhe.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Als wir ihn damals trugen bis zur Höhle</p>
- <p class="verse">Erwartet ich den Meister jede Wendung,</p>
- <p class="verse">Und daß er uns zu halten anbeföhle.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch nach des Grabes zögernder Beendung</p>
- <p class="verse">Empfing ich Freude aus dem Wuchs der Weile,</p>
- <p class="verse">Die uns der Herr nicht kommt auf alle Sendung.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auch dieser Tag ist fromm in karger Eile,</p>
- <p class="verse">Und noch vor Nacht sich neue Knospen weiten,</p>
- <p class="verse">Mich für das Kommen einer lichten Steile</p>
- <p class="verse">Die größer als Dein Trauern zu bereiten.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-14">
-<a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a>
-Die Jünger im Garten
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Zur atemlosen Einsamkeit des Hügels</p>
- <p class="verse">Hat sich der Meister zagend aufgetrauert.</p>
- <p class="verse">Wir wachen Ihm im Schutz des Ölbaumflügels.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Garten hat sich zu uns hingekauert;</p>
- <p class="verse">Stumm lauschend wie in seinem dunkeln Grunde</p>
- <p class="verse">Ein Vogel seine bange Brut bedauert.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Ferne murrt gleich einem müden Hunde</p>
- <p class="verse">Sich in die eigne Wärme mit Behagen;</p>
- <p class="verse">Und tief am Himmel heilt des Nachtrots Wunde.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nun bettet Christi Mutter sich in Klagen,</p>
- <p class="verse">Denn wieder ist Er undurchdenkbar eigen</p>
- <p class="verse">Und was Er tut will nichts als Tod besagen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Saht ihr sie einmal blaß die Lippen neigen</p>
- <p class="verse">Im Anblick der verlaßnen Muttertiefe,</p>
- <p class="verse">Die nichts ersehnt, als daß ihr Sohn im Schweigen</p>
- <p class="verse">Noch einmal Leib und Seele in sie schliefe.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-15">
-<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a>
-Der Grabwächter Christi
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich schlief vom Stehn hernieder, nur gewahr</p>
- <p class="verse">Der feuchten Erde dann mit flachem Haupte;</p>
- <p class="verse">Als nächstes noch ein Strauch, der sich belaubte,</p>
- <p class="verse">In meiner Stirn und herb den Nüstern war.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Geträum verschlang mich mehrmals, doch der Geist</p>
- <p class="verse">Blieb bloß und schwimmend auf der Tiefe liegen</p>
- <p class="verse">Und hörte Hauch vom Grab, und schwach entfliegen</p>
- <p class="verse">Das Siegelband, bis taumelnd es verkreist.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kühl, wie ein Talraum seine Frühe, blies</p>
- <p class="verse">Durch Felsenfugen Staunen in den Garten</p>
- <p class="verse">Und überschwand betäubend mein Erwarten,</p>
- <p class="verse">Bis schwarz die offne Tür mich in sich stieß.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-16">
-<a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a>
-Apostelweg
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Das Haar uns in vollbrachte Strecke steht,</p>
- <p class="verse">Vom Sturm und Sturz der Bäume so gehalten;</p>
- <p class="verse">Aus den Gesichtern flattern alle Falten</p>
- <p class="verse">Und im Gewand die Leiber sind verweht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dazwischen ruht Dein Wort und Bildnis bloß</p>
- <p class="verse">Greift aufgerichtet in die schwanken Seiten,</p>
- <p class="verse">Bezwingt sie in ein heißes Vorwärtsschreiten</p>
- <p class="verse">Und Deine Stille läßt darin nicht los.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wenn in entrückter Stadt, wohin Du willst,</p>
- <p class="verse">Erst unsre Glieder wieder um Dich schließen,</p>
- <p class="verse">Von Dir wird unser Körper überfließen,</p>
- <p class="verse">Bis Du auch dort Dir neu ein Strombett schwillst.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-17">
-<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a>
-St. Agnes
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Stumm steigt ihr Schatten vor ihr über Feld,</p>
- <p class="verse">Streift aus der Luft verlaßne Falterkreise</p>
- <p class="verse">Und ruht nun knieend in dem Ackergleise</p>
- <p class="verse">Vom Blühn der wilden Blumen dicht durchstellt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und über ihren braunen Nacken träuft</p>
- <p class="verse">Der Sonne Hügelabend wie ein Sinnen,</p>
- <p class="verse">Da samtnes Bunt sich im vertieften Linnen</p>
- <p class="verse">Aus dem Gezirp gepflückter Stengel häuft.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Blick hin! Der grünen Hecke müder Flaum</p>
- <p class="verse">Weht auf vor eines Widderlammes Helle,</p>
- <p class="verse">Und einsam treibt an ihres Herzens Quelle</p>
- <p class="verse">Des <a id="corr-0"></a>langgelockten Fließes weißer Schaum.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-18">
-<a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a>
-Trennung
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mit allen Tagen nun vergeht die liebe Farbe,</p>
- <p class="verse">Von Sonnenwegen voll in Dein Gesicht gelangt;</p>
- <p class="verse">Auch Deine Hände sind, wie wenn der Meerstrand darbe</p>
- <p class="verse">Und Sand durch seiner Flut Versinken sichtbar bangt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dir gleich sah ich allein nur einen Hirten hören,</p>
- <p class="verse">Besorgt ob seine Schar am letzten Naß schon leckt &mdash;</p>
- <p class="verse">Die Heide blühte wohl, stand rot in Bienenchören,</p>
- <p class="verse">Doch Lamm an Lamm umsonst zum Quellenbett gestreckt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Hänge fern der Stadt sind jetzt vom Herbst erworben,</p>
- <p class="verse">Auch Deiner Neigung Duft ist dort vom Gras verbraucht.</p>
- <p class="verse">Erkundend steht Dein Blick, bevor er halb erstorben</p>
- <p class="verse">Aus leerem Feld zurück in Deinen Herzschlag taucht.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-19">
-<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a>
-Herbst
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie Flaum an totem Vogelleib im Sand</p>
- <p class="verse">Bewegt mein Nahn das Haar an Deiner Schläfe,</p>
- <p class="verse">Als ob auch Dich des Laubes Siechtum träfe</p>
- <p class="verse">Welkt Lächeln über Deines Mundes Rand.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sich selbst umschlingend gleiten durch den Zaun</p>
- <p class="verse">Der Wiese silbergrau geweifte Fäden &mdash;</p>
- <p class="verse">Du legst die Lider auf wie weiße Läden</p>
- <p class="verse">Und läßt mich leere Sterberäume schaun.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-20">
-<a id="page-24" class="pagenum" title="24"></a>
-Dachraum
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Im Fenstergarten wird das Farben matt,</p>
- <p class="verse">Beharrlich gilbt daraus nur eine Winde,</p>
- <p class="verse">In sich gedeckt, wie er sich sternig finde,</p>
- <p class="verse">Steht der ergraute Abend auf der Stadt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die eingelegten Scheiben lassen schon</p>
- <p class="verse">Die Spiegelzüge unsres Bundes blassen;</p>
- <p class="verse">Und aus den Giebeln stimmenmüder Gassen</p>
- <p class="verse">Erweitert sich ein Mond wie roter Mohn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir wissen nicht, was nun an uns geschieht,</p>
- <p class="verse">Wo wir nicht lächeln können und Nichts denken</p>
- <p class="verse">Als nur des Tones klagenloses Senken</p>
- <p class="verse">Am Ende einem alten Pilgerlied.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-21">
-<a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a>
-Neigung
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mehr als Du meinst, daß ich vollendet sei</p>
- <p class="verse">Wenn erst ich Dich durch meinen Tod begreife,</p>
- <p class="verse">Will ich Dir werden, daß an meiner Reife</p>
- <p class="verse">Dein Mund sich netze einer Furche frei.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Um diesen Willen weißt Du und die Gier,</p>
- <p class="verse">Der nicht genügt was Du mir zugeboren,</p>
- <p class="verse">Und siehst mich doch nicht an wie einen Toren</p>
- <p class="verse">Und überläßt die Erde offen mir.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Gibst mir die hohe Sonnenwiese hin,</p>
- <p class="verse">Auf daß ich teil aus ihrem Leben habe</p>
- <p class="verse">Und, eh Du Dich versehen, Deine Labe</p>
- <p class="verse">Vor der Erschaffung eines Abends bin.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-22">
-<a id="page-26" class="pagenum" title="26"></a>
-Versenkung
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Als ich mein letztes Anschaun hingeschenkt,</p>
- <p class="verse">In feierlicher Freude wie an Erben,</p>
- <p class="verse">Den Rüstern vor der Tür, den frühlingsherben,</p>
- <p class="verse">Ward Nacht um sie und ich in Dich versenkt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kelchgleich empfingest Du und ließest mich</p>
- <p class="verse">Bis in den tiefsten Deiner Kreise gleiten,</p>
- <p class="verse">Daß mein Gefühl aus seinen flachen Weiten</p>
- <p class="verse">Gesegnet in sich selbst zusammenwich.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie eine Abendlilie am Stiel</p>
- <p class="verse">Sankst Du, und ich verging in langem Rollen</p>
- <p class="verse">Beschwert, ein Tau, mit süßen Blütenpollen,</p>
- <p class="verse">Der duftend im gebeugten Leib zerfiel.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-23">
-<a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a>
-Zuflucht
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Seele nimm mir auf und halte bitte</p>
- <p class="verse">Für eine kurze Weile ihr Verzagen,</p>
- <p class="verse">Wie man mich trug in kranken Kindertagen,</p>
- <p class="verse">Daß ich des Lagers Härten nicht so litte.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Geduldig laß mich Dir in Armen zittern,</p>
- <p class="verse">Wie Du auch duldest Beben eines Blattes,</p>
- <p class="verse">Dem kleinen Lamm entschuldigst sein Ermatten</p>
- <p class="verse">Beim Schmerzen fremder Kräuter, selten bittern.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Aus Deiner Hände liebendem Befassen</p>
- <p class="verse">Strömt Güte in mich ein von Deinem Herzen,</p>
- <p class="verse">Und unbesorgt kannst Du gleich freien Kerzen</p>
- <p class="verse">Mich wieder klar alleine brennen lassen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-24">
-<a id="page-28" class="pagenum" title="28"></a>
-Die Brücke
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kleid und Leib durchstreicht mir Frost,</p>
- <p class="verse">Daß sie um mich sind wie Rinde.</p>
- <p class="verse">Schattenblätter einer Linde</p>
- <p class="verse">Kommen aus des Gitters Rost.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der gefüllte Mond zerbrach</p>
- <p class="verse">Im Gestrüpp der Uferpflanzen,</p>
- <p class="verse">Wellen, die vor ihnen tanzen,</p>
- <p class="verse">Salben ihn einander nach.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wartend liegt mein weitrer Gang</p>
- <p class="verse">Sich voll Tau und Nebelschwaden,</p>
- <p class="verse">Mich bedacht hinweg zu baden</p>
- <p class="verse">Als der Stelle Überschwang.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-25">
-<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a>
-Domplatz
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Obgleich schon Mittag in den Uhren der vielen Türme summt,</p>
- <p class="verse">Bleibt dieses Morgens Knospe verhalten wie mein Herz,</p>
- <p class="verse">Das sich nicht rühren kann und ungestillten Schmerz</p>
- <p class="verse">Gleich einen Säugling durch ein immer altes Wort umstummt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du stehst mir bei, wie einst aus Joseph auch Marie,</p>
- <p class="verse">Der nur mit fernem Blick ihr Haupt vom Strohbett trug,</p>
- <p class="verse">Bis die gedrängte Stirn ein blauer Schweiß beschlug</p>
- <p class="verse">Und Deines Sohnes Bild in Deine Gnade schrie.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kein Laut und Mensch des Wegs vom Stadtdom tritt mich ein,</p>
- <p class="verse">Die Augen sind mir fremd im Angesicht gemacht,</p>
- <p class="verse">Behorchend, wie gebannt, den geistgelegnen Schacht</p>
- <p class="verse">Dem aus der Wandung blickt, von Dir begehrt, ein Stein.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-26">
-<a id="page-30" class="pagenum" title="30"></a>
-Ruf
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie in ein Feld von weißen Orchideen</p>
- <p class="verse">Steigt blank in Wolken ab des Himmels Schein;</p>
- <p class="verse">Noch einmal wacht zu atemreichem Drehen</p>
- <p class="verse">Das Kraut und jedes Blatt der Buchen ein.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Umriß meines Körpers steht vom Wege</p>
- <p class="verse">Als schwarzes Maß dem goldnen Rainberg vor,</p>
- <p class="verse">Und nimmt ein seitwärts schattendes Gehege</p>
- <p class="verse">Und dunkles Abbild eines Farns empor.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und eines Kiesels Lösung lautet zagend</p>
- <p class="verse">Die nächste Steinwand her und vor dem Grund</p>
- <p class="verse">Erneuter Stille öffnet sich versagend</p>
- <p class="verse">Um Deines Namens Heiligkeit mein Mund.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-27">
-<a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a>
-Fiat
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Behalte mich Dir vor, so Du begehrst</p>
- <p class="verse">Daß einer Deines Namens wegen leide,</p>
- <p class="verse">Demütig sich in hänfne Stricke kleide</p>
- <p class="verse">Vor Händen, die Du auserwählt bewehrst.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mir sind gewiß die Pfeile nicht zu scharf,</p>
- <p class="verse">Der Lanzen keine sollte meiner schonen,</p>
- <p class="verse">Denn jede läßt mich tiefer in Dir wohnen,</p>
- <p class="verse">In den ich bis zur Neige gehen darf.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wund stehst Du vor mir und ich liebe Dich,</p>
- <p class="verse">Noch außer Dir und schon in Dich genommen &mdash;</p>
- <p class="verse">Und Viele wird der Eingang überkommen,</p>
- <p class="verse">Daß sie ihn selig suchen, Herr, wie ich.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-28">
-<a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a>
-Ahnung
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Diese Nacht war ich nur Dank</p>
- <p class="verse">Über allen meinen Träumen,</p>
- <p class="verse">Als von starken Fensterbäumen</p>
- <p class="verse">Blatt zu Blatt vorübersank.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hörbar gaben sie sich kahl,</p>
- <p class="verse">Hofwärts und durch Nichts belichtet,</p>
- <p class="verse">Doch das Rauschen ging gesichtet</p>
- <p class="verse">Hin vor Deiner Augen Tal.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und ich spürte irgendwo</p>
- <p class="verse">Schon den Tag beim Atemfinden,</p>
- <p class="verse">Und ward willig zum Erblinden</p>
- <p class="verse">Meiner Zeit bereit und froh.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-29">
-<a id="page-33" class="pagenum" title="33"></a>
-Bergung
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Bewege Dich und sei mir gütesacht</p>
- <p class="verse">Nur eine weite Höhle ohne Feuchte,</p>
- <p class="verse">Daß ich mich selbst darinnen ganz verleuchte</p>
- <p class="verse">Vor fremden Wesen und der großen Nacht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich werde dort mich wie ein armes Wild</p>
- <p class="verse">Warm, aber stumm und hungerlos verhalten,</p>
- <p class="verse">Nur wunde Glieder aus den Schmerzen falten,</p>
- <p class="verse">Denn Deine Finsternis ist keusch und mild.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Tag krankt unter mir und nahend ist</p>
- <p class="verse">Geruch von Nachtgetier und Lavaflüssen,</p>
- <p class="verse">Und dennoch stirbt mir jedes Fürchtenmüssen,</p>
- <p class="verse">Weil Du schon dunkel wachsend um mich bist.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-30">
-<a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a>
-Endung
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mir wird die Wendung meines Wegs bewußt,</p>
- <p class="verse">Da nun mein Gang so anders in mich lautet,</p>
- <p class="verse">Wie über Hänge, wo der Sommer krautet</p>
- <p class="verse">Für sich und ohne zeitlichen Verlust.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich rege mich nur wie ein Gras sich regt,</p>
- <p class="verse">Doch stetig ist die Gegend mehr entlegen</p>
- <p class="verse">Und naht Dich immer faßlicher zugegen,</p>
- <p class="verse">Daß schon die Hand sich mir zum Herzen legt;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Das atmend widergeht, als wenn es bald</p>
- <p class="verse">Gelind die dünngewachte Wand durchtrete,</p>
- <p class="verse">Sich innig dann in sein Verhängnis bete,</p>
- <p class="verse">Wie eine Vogelstimme in den Wald.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-31">
-<a id="page-35" class="pagenum" title="35"></a>
-Elevation
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nur eines Lächeln fehlt noch, sonst begänne</p>
- <p class="verse">Ich schlanken Aufstieg mit geschloßnen Füßen,</p>
- <p class="verse">Daß bald mich von des Hanges Gräsergrüßen</p>
- <p class="verse">Der hochverklärte Stundenduft gewänne.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und ich auf Licht in gleicher Höhe stände</p>
- <p class="verse">Mit dem verschmiegten Nest der braunen Meise,</p>
- <p class="verse">Daß ihres Brütens scheues Lauschen leise</p>
- <p class="verse">In mein Gefühl durch weiche Augen fände.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und weilte in Erhebung aller Stille;</p>
- <p class="verse">Vernehmend durch die Bildung innrer Schleier</p>
- <p class="verse">Den zarten Bruch der ersten Vogeleier</p>
- <p class="verse">Bevor ich mir an Deine Brust entquille.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-32">
-<a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a>
-Frühwinter
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Immer klarer lasse ich</p>
- <p class="verse">Die Gestalt im Schneetrieb ragen</p>
- <p class="verse">Und ein auferlöstes Tagen</p>
- <p class="verse">Fühlt und leuchtet sie an Dich.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Durch das netzgewordne Wehn</p>
- <p class="verse">Deiner Zeit und Deiner Himmel</p>
- <p class="verse">Faßt sich ganz mein Wortgewimmel</p>
- <p class="verse">In ein stummes Eingestehn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Leise, während ich dabei</p>
- <p class="verse">Unverschrien mit Dir alleine,</p>
- <p class="verse">Schmilzt der schwersten Flocken eine</p>
- <p class="verse">Sich auf meiner Lippe frei.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-33">
-<a id="page-37" class="pagenum" title="37"></a>
-Füllung
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nah fühle ich, in meine Seele sinkt</p>
- <p class="verse">Geweihte Schwere, dunkel sie erweiternd;</p>
- <p class="verse">Still wird sie wie ein Kind, das schlaferheiternd</p>
- <p class="verse">Die erst geballten Hände offen trinkt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nicht bete ich mehr, denn mein ganzes Sein</p>
- <p class="verse">Ist nach erblaßter Scheu Dir unterlegen,</p>
- <p class="verse">Und keine Frage duldet Dir entgegen,</p>
- <p class="verse">Weil alles ohne Wort und Wille Dein.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nur die vollbrachte Tiefe ruft Dich an,</p>
- <p class="verse">Des letzten irdischen Gesichts gedenkend,</p>
- <p class="verse">Wo eine weiße Birke niedersenkend</p>
- <p class="verse">In offne Gräserkelche Tau verrann.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-34">
-<a id="page-38" class="pagenum" title="38"></a>
-Gottesstunde
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Verbrachte Stunden sammeln sich der Seele;</p>
- <p class="verse">Etwelche jeder Art von der ich lebe,</p>
- <p class="verse">Undringlich kommen sie, daß auch sich hebe</p>
- <p class="verse">Die jüngste auf, gleich einer armen Schmele.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und einzig dieser gönnst Du ein Bewegen</p>
- <p class="verse">Vor Dir und mir durch segnendes Umschweigen,</p>
- <p class="verse">Befiehlst dem Dunkel rings und ihrem Steigen</p>
- <p class="verse">Ist keine Wand und keine Zeit entgegen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und so entgeht sie mir, wie gute Hände</p>
- <p class="verse">Aus andrer Halt sich nehmen ohne Sträuben,</p>
- <p class="verse">Erblüht mich ferner und ihr Samenstäuben</p>
- <p class="verse">Beginnt auf eines Deiner Nachtgelände.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-35">
-<a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a>
-Heimgang
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nur Weißdornbuschwerk duftet meine Lider</p>
- <p class="verse">Noch manchmal auf für ein verhaltnes Schauen;</p>
- <p class="verse">Sonst ohne Blicke und der Steine Stauen</p>
- <p class="verse">Gerate ich den Tannengang hernieder,</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der finster wird, wie ich voll süßem Schämen,</p>
- <p class="verse">Denn Deine Trift und goldne Wolkenriesen</p>
- <p class="verse">Hast Du dem Wald zuvor in mich gewiesen</p>
- <p class="verse">Als in den Raum, da sie zu schlafen kämen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Herbergend habe ich, nun sie sich legen,</p>
- <p class="verse">Was ich besaß gebreitet wie auf Dielen</p>
- <p class="verse">Gelöste Garben Strohs, daß in sie fielen</p>
- <p class="verse">Der Schläfer großes Atmen und Bewegen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-36">
-<a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a>
-Terrasse
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der wilde, rote Wein ward schwarz und hängt im Abend</p>
- <p class="verse">Und Zeit der Sterne ist, die hinter Wolken stehn,</p>
- <p class="verse">Aus Häusern kommt das Licht, in Bäumen sich erlabend,</p>
- <p class="verse">Die dunkel eingewölbt nur noch im Innern wehn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Bewegung träumt mein Sitz im Steinbalkon als stammten</p>
- <p class="verse">Die Züge Dir vom Mund, der Deinen Atem wiegt,</p>
- <p class="verse">Und wieder werde ich in allen Tiefen samten</p>
- <p class="verse">Und wunschlos wie ein Tod, wenn er mit Lächeln liegt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Bis in die Augen steigt mir Ruhe ohne Gleiche,</p>
- <p class="verse">Rinnt in die kühle Nacht, noch warm von meinem Sinn.</p>
- <p class="verse">Ernst wie dem großen Wild sein später Durst zum Teiche</p>
- <p class="verse">Rührt Deine Zuversicht auf alle Stille hin.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-37">
-<a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a>
-Mond
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie der Geist von Deinem Geist</p>
- <p class="verse">Strömt der Mond in meine Züge,</p>
- <p class="verse">Kühlt zu reinlichster Genüge</p>
- <p class="verse">Dinge, die noch Nichts gespeist.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Laut und lauter klingt das Licht</p>
- <p class="verse">Über finstere Platanen;</p>
- <p class="verse">Und das sonst gedrängte Ahnen</p>
- <p class="verse">Dehnt sich aus und ruht sich schlicht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Alle Sterne stehn wie Wald</p>
- <p class="verse">Blau erhöht an beiden Ufern,</p>
- <p class="verse">Wo Getön von frommen Rufern</p>
- <p class="verse">In der Stillung Bann verhallt.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-38">
-<a id="page-42" class="pagenum" title="42"></a>
-Anhöhe
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Behutsam darf ich aus dem Saum des Ranftes</p>
- <p class="verse">Des Löwenzahnes graues Lichtrund steigern,</p>
- <p class="verse">Was taubeschwert die Winde ihm verweigern</p>
- <p class="verse">Erfüllen als ein unbedenkbar Sanftes.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">So löst mein leise abgesetztes Blasen</p>
- <p class="verse">Die stillen Scharen der geschirmten Samen,</p>
- <p class="verse">Und folgsam treiben sie in Deinem Namen</p>
- <p class="verse">Wie eine Zirruswolke in den Rasen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du aber schweigst dabei den Abend tiefer,</p>
- <p class="verse">Der Du die Erde bist und bist mein Hauchen</p>
- <p class="verse">Und meines Wesens fließend Untertauchen</p>
- <p class="verse">Im fernen Einglühn einer schwarzen Kiefer.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-39">
-<a id="page-43" class="pagenum" title="43"></a>
-Der Mönch
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wer bin ich, daß der Himmel mir sein Falben</p>
- <p class="verse">Bis in die stillsten Farbentöne deutet</p>
- <p class="verse">Und meiner Sinne Suchen ausgereutet</p>
- <p class="verse">Vom Fluggetümmel abendtrunkner Schwalben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da Glied um Glied, das Schlummer vorgekostet,</p>
- <p class="verse">Demütig wird im Hängen und Berühren</p>
- <p class="verse">Des groben Hanfes in den Lendenschnüren,</p>
- <p class="verse">Die Sonnenheimgang zärtlich überrostet.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du läßt die Klarheit also um mich schwellen,</p>
- <p class="verse">Daß ich im satten Bade nicht zerfalle,</p>
- <p class="verse">Nur ausgebaut zum ruhenden Kristalle</p>
- <p class="verse">Durchscheinend allen Ufern, allen Wellen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-40">
-<a id="page-44" class="pagenum" title="44"></a>
-Die Sternnacht
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Meine Augen schlossest Du</p>
- <p class="verse">Nur ein Blick blieb außer ihnen,</p>
- <p class="verse">Im Gesumm der Sternenbienen</p>
- <p class="verse">Sieht er meinen Händen zu.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie sie schwer und ewig tun</p>
- <p class="verse">Um ein Nachtgebet geflochten,</p>
- <p class="verse">Also vor den Brunnen mochten</p>
- <p class="verse">Herden einst um Jakob ruhn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und der Decke Leinwand liegt</p>
- <p class="verse">Unter ihnen mir am Leben,</p>
- <p class="verse">Liegt auch so, nur ohne Schweben,</p>
- <p class="verse">Wenn es eingeholt versiegt.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-41">
-<a id="page-45" class="pagenum" title="45"></a>
-Abend
-</h2>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Anblick schlafgedämpfter Vogelspiele</p>
- <p class="verse">Durch knospenschwere Zweige sanfte Sicht</p>
- <p class="verse">Auf letzte hingetriebne Wolkenkiele</p>
- <p class="verse">Baut lautlos meinen Tag vollendungsdicht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ein Raum steigt er empor und ich empfinde</p>
- <p class="verse">Ihn größer in mir als den Leib umher,</p>
- <p class="verse">Und ist lebendig still, wie kühle Winde</p>
- <p class="verse">In Dünen sind aus nahversenktem Meer.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wie ihn nun der Mond, aus fernem Tale</p>
- <p class="verse">Durch halben Abend gleitend, ruhig schließt,</p>
- <p class="verse">Steht er als endlich werte Kathedrale</p>
- <p class="verse">Gewärtig, daß Du rauschend sie beziehst.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-42">
-<a id="page-46" class="pagenum" title="46"></a>
-Inhalt:
-</h2>
-
-<div class="table">
-<table class="toc" summary="TOC">
-<tbody>
- <tr>
- <td class="col1">Sonett</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-5">5</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Die Arche Noah</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-6">6</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Prüfung Abrahams</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-7">7</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">David</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-8">8</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Tempelgang Mariä</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-9">9</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der Engel Gabriel</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-10">10</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">St. Joseph</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-11">11</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Advent</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-12">12</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Die Hirten auf dem Felde</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-13">13</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Mariä Trauer</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-14">14</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Das Engelkonzert</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-15">15</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Nach Christi Tempelweile</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-16">16</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Die Schwestern des Lazarus</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-17">17</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Die Jünger im Garten</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-18">18</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der Grabwächter Christi</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-19">19</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Apostelweg</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-20">20</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">St. Agnes</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-21">21</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Trennung</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-22">22</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Herbst</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-23">23</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Dachraum</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-24">24</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Neigung</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-25">25</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Versenkung</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-26">26</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Zuflucht</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-27">27</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Die Brücke</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-28">28</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Domplatz</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-29">29</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Ruf</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-30">30</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1"><a id="page-47" class="pagenum" title="47"></a>Fiat</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-31">31</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Ahnung</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-32">32</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Bergung</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-33">33</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Endung</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-34">34</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Elevation</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-35">35</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Frühwinter</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-36">36</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Füllung</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-37">37</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Gottesstunde</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-38">38</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Heimgang</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-39">39</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Terrasse</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-40">40</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Mond</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-41">41</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Anhöhe</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-42">42</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Der Mönch</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-43">43</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Die Sternnacht</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-44">44</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">Abend</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-45">45</a></td>
- </tr>
-</tbody>
-</table>
-</div>
-
-
-<div class="trnote">
-<p id="trnote" class="chapter"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p>
-
-<p>
-Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
-</p>
-
-<ul>
-
-<li>
-... Des <span class="underline">langgelocken</span> Fließes weißer Schaum. ...<br />
-... Des <a href="#corr-0"><span class="underline">langgelockten</span></a> Fließes weißer Schaum. ...<br />
-</li>
-</ul>
-</div>
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Die Kathedrale, by Ruth Schaumann
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KATHEDRALE ***
-
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-OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
-LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
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-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
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-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org
-
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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