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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-06 00:36:08 -0800 |
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Oeffinger - -Release Date: June 19, 2016 [EBook #52373] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE MILCHSTRAßE *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net. - - - - - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. - - Im Original gesperrter Text ist +so ausgezeichnet+. - - Im Original in Antiqua gesetzter Text ist ~so ausgezeichnet~. - - Im Original fetter Text ist =so ausgezeichnet=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des - Buches. - - - - -[Illustration: Die Milchstraße - -von Dr. Fritz Kahn] - - - - -Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Stuttgart - - -Die Gesellschaft Kosmos will die Kenntnis der Naturwissenschaften und -damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer Erscheinungen -in den weitesten Kreisen unseres Volkes verbreiten. -- Dieses Ziel -glaubt die Gesellschaft durch Verbreitung guter naturwissenschaftlicher -Literatur zu erreichen mittels des - - =Kosmos=, Handweiser für Naturfreunde - - Jährlich 12 Hefte. Preis M 2.80; - -ferner durch Herausgabe neuer, von ersten Autoren verfaßter, im guten -Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts. Es -erscheinen im Vereinsjahr 1915 (Änderungen vorbehalten): - - =Wilh. Bölsche, Die Zukunft des Menschen.= - - Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W. - - =Dr. Kurt Floericke, Gepanzerte Ritter.= Aus der - Naturgeschichte der Krebse. - - Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K. 1.20 h ö. W. - - =Dr. Kurt Weule, Schrift und Sprache.= - - Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K. 1.20 h ö. W. - -Ferner sind vorgesehen Bände von =Dr. Herm. Dekker= und =Arno Marx=. -Falls diese nicht rechtzeitig fertig werden, da beide Verfasser im -Krieg sind, werden sie durch andere gleichwertige ersetzt werden, -worüber noch im Kosmos-Handweiser berichtet wird. - -Diese Veröffentlichungen sind durch +alle Buchhandlungen+ zu beziehen; -daselbst werden Beitrittserklärungen (Jahresbeitrag nur M 4.80) zum -=Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde= (auch nachträglich noch -für die Jahre 1904/14 unter den gleichen günstigen Bedingungen), -entgegengenommen. (Satzung, Bestellkarte, Verzeichnis der erschienenen -Werke usw. siehe am Schlusse dieses Werkes.) - - -Geschäftsstelle des Kosmos: Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart. - - - - - Die Milchstraße - - Von - - Dr. Fritz Kahn - - Mit einem farbigen Umschlag und zahlreichen - Abbildungen nach Photographien u. Zeichnungen - von Georg +Helbig+, R. +Oeffinger+ und andern - - [Illustration] - - Stuttgart - - Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde - Geschäftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung - 1914 - - - - - Alle Rechte, besonders das Übersetzungsrecht vorbehalten. - - Gesetzliche Formel für den Rechtsschutz in - den Vereinigten Staaten von Amerika: - - ~Copyright by Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart.~ - - - ~STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI - HOLZINGER & CO. STUTTGART~ - - - - -[Illustration] - - -Wenn man in einer klaren Sternennacht aus der Lichtnähe menschlicher -Behausungen in die Dunkelheit hinaustritt und den Blick zum Himmel -wendet, sieht man zuerst nur die hellsten Sterne als leuchtende Punkte -auf schwarzem Grund. Je länger man aber im Finstern weilt, um so mehr -Sterne tauchen aus dem Dunkel; Hunderte, Tausende, erst vereinzelt, -dann in Scharen, und wenn sich das Auge gänzlich an die Finsternis -gewöhnt hat, so gewahrt es tief hinter dem Heer der übrigen Sterne -einen schimmernden Nebelstreifen, der sich wie ein silbergraues Band um -die Himmelskugel schlängelt -- die +Milchstraße+. - -Sie erhebt sich als ein 10--12 Mondscheiben breiter Lichtstreifen von -unregelmäßiger Helle und Gestalt zwischen den beiden auffallenden -Sternen Sirius und Prokyon über den Horizont, steigt zwischen dem -glänzenden Bild des Orion und den Zwillingssternen Kastor und Pollux -aufwärts durch das Dreieck des Fuhrmanns empor mitten durch den Perseus -und überbrückt im ~W~ der Kassiopeia den Zenit in ihrer größten -Annäherung an den Himmelspol. Von der Kassiopeia läuft sie zum hellen -Stern Deneb im Schwan, wo sie sich in zwei Arme teilt, von denen der -hellere und breitere genau über den Stern Atair im Adler, der schmälere -und schwächere dagegen am Sternbild der Leier vorüber den Horizont -hinabstrebt, um sich für unsere Breiten hier im Dunst der Atmosphäre -zu verlieren. Auf der uns unsichtbaren Südhälfte des Himmels setzt -sich die Milchstraße in genau der gleichen Weise fort. Die beiden Arme -laufen getrennt zwischen Schütze und Skorpion und vereinigen sich, -nachdem sie ein Drittel des ganzen Kreisumfangs gesondert waren, am -hellen Stern Alpha im Centauern. Von hier aus läuft der ungeteilte -Ring durch das schönste aller Sternbilder, das Kreuz, dem Südpol zu -und steigt dann durch das ausgedehnte Bild des Schiffes hinüber in -die Gegend des Orion, wo sich der Milchstraßengürtel wieder unserem -nördlichen Firmament nähert. - -[Illustration: Abb. 1. Die Milchstraße auf der südlichen Himmelshälfte.] - -Erhöbe man sich so hoch über die Erde, daß kein irdischer Horizont mehr -den Blick begrenzte, so würde man demnach die Milchstraße als einen -ununterbrochenen Ring um das ganze Himmelsgewölbe ziehen sehen wie -einen silbernen Reifen um eine gläserne Kugel. - -Die Milchstraße ist keineswegs ein regelmäßige Gebilde. In einem -Drittel ihres Laufes vom Schwan bis zum Centauern ist sie in zwei Arme -geteilt wie ein Fluß, der eine Insel umfließt. Ihre Breite wechselt, -erreicht ihr größtes Maß im Bild des Skorpions, ihre geringste -Ausdehnung nahe dem Südpol im Kreuz. Seitenarme zweigen von ihr ab, -verlieren sich allmählich im Dunkel des Himmels oder brechen scharf und -hart ab, als seien sie abgeschnitten. Ihre Lichthelle ist wechselnd. -An manchen Stellen erscheint sie wolkenartig zusammengeballt und -auffallend lichtstark, dicht daneben schwach, schattenhaft, zerrissen -und zerklüftet, ja völlig von finsteren Räumen und Gängen durchbrochen, -von denen man die zwei größten südlich im Kreuz und nördlich im Schwan -als die beiden »Kohlensäcke« der Milchstraße bezeichnet hat. (Abb. 1.) - -[Illustration: Abb. 2. Die Milchstraße auf der nördlichen -Himmelshälfte.] - -Uns, die wir in hellerleuchteten Städten leben und, wenn wir reisen, -im Expreßzug sicher unsere Schienenstraße zwischen Telegraphendrähten -entlangsausen, kommt das Sternenband der Milchstraße nur selten zu -Gesicht. Wir müssen es suchen, um es zu finden. Uns Kindern der -Kultur ist zwischen Bogenlampe und Laternenpfahl der Glanz der Sterne -entschwunden, und der Silbergürtel der Milchstraße gehört nicht zu den -Schönheiten unserer täglichen Betrachtung. Wozu brauchen wir zu den -Sternen aufzuschauen? Wann müßten wir durch einen Blick zum Himmel -einen Weg erkunden, eine Stunde berechnen, eine Jahreszeit bestimmen? -Der Sekundenschlag der Uhren zählt uns unsere Minuten, Turmglocken -und Fabriksignale künden uns den Mittag, der Kalender führt uns durch -Wochen und Monde, Telegraphenstangen und Eisenbahngleise weisen uns -den Weg über wohlgepflegte Straßen und Dämme, Seekarte und Kompaß -leiten unsere Dampfer über die Weiten vielbefahrener Meere. Was sind -uns die Sterne? Sind sie uns mehr als ein Abendschmuck der Natur? Ist -es uns nicht ein Erlebnis, wenn wir einmal auf Gebirg oder Meer den -Sternenhimmel in ungetrübter Schönheit sehen? Wer von uns kennt den -Lauf des nächtlichen Nebelbandes der Milchstraße? - -Aber es gab Zeiten, in denen es anders war. Kein Rauch aus steinernen -Schloten hüllte die Städte ein, kein Lichterglanz der Straßen rötete -den Himmel über den Dächern der Häuser. Der Schein der Sterne fiel in -ungedeckte Hallen und in stillverträumte Gärten. Auf seinem Wege durch -das Land begleitete den Wanderer nichts als am Tag die Sonne und des -Nachts die Gestirne. Von Meilenstein zu Meilenstein über Busch und -Tal waren ihm die Himmelsbilder die einzigen Weiser seines Pfades. -Den Schiffen auf weitem Meere zeigte nichts den Weg zur Heimat als -die Plejaden und die Milchstraße. Odysseus sitzt des Nachts am Steuer -und schaut empor zum Großen Bären; die drei Weisen wandern aus dem -Morgenland einem Sterne nach gen Bethlehem; Kolumbus segelt über das -Weltmeer unter dem blauen Banner der Sterne. Monde und Jahre wurden -durch nichts anderes bestimmt als durch die Stellung der Gestirne. -Wenn der Strahl des Sirius zum ersten Male durch den Mauerspalt des -Hathortempels fiel und den Altar des Heiligtums mit mildem Glanze -übergoß, verkündete der ägyptische Priester die Sonnenwende, und der -Jahrestanz zu Dendera begann. Wenn das Regengestirn in der Dämmerung -emporstieg, kehrt der Fischer heim vom Meere zur attischen Küste, -treibt der Hirte seine Herde von den Bergen des Apennin, bricht der -römische Imperator in Britannien seine Zelte ab, denn sie alle wissen, -daß der Herbst mit seinen Stürmen naht. Den alten Völkern war der -Sternenhimmel die Weltenuhr und die Milchstraße der große Zeiger -auf dem gestirnten Zifferblatt. Der Mensch der Vorzeit fand sich am -Himmel unter den Sternen zurecht wie wir uns in Fahrplan und Kalender -zwischen Zahlen und Rubriken. Dem Menschen der Vergangenheit war der -Sternenhimmel ebenso vertraut, wie er dem Menschen der Gegenwart es -nicht ist. - -Leider. Denn jenseits von allem trockenen Wissen geht dem Menschen, -der den Himmel nicht kennt, ein sittlicher Reichtum verloren, der ihm -in der maschinenschnellen Zeit der Moderne doppelt not und doppelt -teuer wäre. Klein ist die Mühe, groß und nimmer endend der Lohn, ihn -zu kennen. Ein abendlicher Blick vom Fenster seines Zimmers, vom Wege -seines Gartens, von der Luke seines Daches, ein kurzes Stillestehen -beim nächtlichen Gang durch den Park oder beim Überschreiten einer -Wiese, und bald ist dem Naturfreund mit Hilfe einer Sternenkarte oder -eines Sternbüchleins der Himmel bekannt. Wir wollen absehen von dem -Hochgenuß, den ihm das Wissen über die Natur des Himmels bereitet. -Jedes Wissen birgt Genüsse. Aber einzig und unvergleichlich ist die -Wirkung auf das Gemüt, die aus der Kenntnis des gestirnten Himmels -auf den Menschen niederstrahlt. Wer zu den Sternen aufschaut wie zu -nimmer wankenden Freunden, dem gibt ihre ewige Ruhe im Strom des -Lebens ein Bild von der Unendlichkeit und Größe der Welt, von der -Kleinheit und Flüchtigkeit menschlichen Erlebens, den erhebt ihr -Anblick über die kleinlichen Nöte des menschlichen Tagesdaseins und -lenkt allabendlich wie ein Nachtgebet seine Gedanken aus der Tiefe des -Alltagslebens zur Natur, zum Weltempfinden, zur Ewigkeitsidee. Und -wenn er mit seinen Gedanken aus den Fernen des Universums zurückkehrt -zu sich, zur Menschheit, zur Erde und bedenkt, daß in derselben Stunde -Tausende Gleichgesinnter in allen Zonen der Erde zu diesem Himmelsbilde -aufschauen, Tausende in seinem Anblick das Wesen der Welt bedenken, -Ruhe, Kraft und Erbauung finden, daß Hunderte von Sternkundigen ihre -Teleskope ebenso auf den Höhen der Cordilleren wie auf den Türmen des -Vatikans, ebenso an den eisigen Felsenküsten des Nordens wie in der -dunklen Tropennacht des Kaps auf diese Sternenpunkte richten, alle -von gleichem Empfinden beseelt, von der gleichen Schönheit bezaubert --- dann findet seine nächtliche Gedankenfahrt ins Reich der Sterne -einen würdigen Abschluß durch das erhebende Gefühl von der Einheit der -strebenden Menschheit, von dem friedlichen Zusammenschluß, von der -geistigen Brüderschaft aller naturforschenden und naturverehrenden -Völker und Menschen. - -Unter allen Erscheinungen des Sternenhimmels mußte von frühester Zeit -an das Band der Milchstraße Geist und Phantasie des Himmelsbetrachters -am stärksten locken. Ein Nebelweg hoch zwischen glitzernden Sternen, -der sich vom Firmament aus unerforschter Ferne emporhebt, in -schwindelnder Höhe das Land überbrückt und jenseits hinter den Bergen, -hinter denen das Glück wohnt, geheimnisvoll versinkt -- kann etwas die -Sehnsucht des Menschen mehr reizen, den Wissensdurst des Denkers mehr -entfachen? In den ältesten Volksmärchen und Göttersagen der grauen -Vorzeit taucht das Problem der Milchstraße hervor. - -Zeus, so erzählt die griechische Sage, wollte seinem Lieblingssohn -Herkules Unsterblichkeit verleihen und legte ihn daher heimlich an die -Brust der schlafenden Hera. Als diese erwachte, schleuderte sie im -Zorn den ihr verhaßten Säugling von sich fort, daß sich die Milch im -Bogen über den Himmel ergoß und so die Milchstraße bildete. Nach einer -anderen Sage entstand die Milchstraße bei jenem Weltbrand, den Phaëton -verschuldete. Phaëton, ein Sohn des Sonnengottes, beschwor seinen -Vater, ihn einmal den Sonnenwagen über den Himmel lenken zu lassen. -Der Führung unkundig und in der ungewohnten Höhe schwindelig geworden, -verlor er die Herrschaft über das Gefährt, die Sonnenrosse jagten -zügellos über das Gewölbe und entfachten jenen ungeheuren Himmelsbrand, -durch den nach griechischer Auffassung die Wüsten verdorrten, die -Vulkane entflammten und die Neger schwarz gebrannt wurden. Als Spur -dieses Feuerweges, gleichsam als Asche dieses Weltbrands ist die -Milchstraße geblieben. - -In der römischen Mythologie beschreibt Ovid die Milchstraße als den -Weg, auf dem die Götter vom Olymp zum Palast des Zeus hinschreiten, -und zu dessen Seiten die Behausungen der Unsterblichen liegen. Bei -den Arabern ist sie die Mutter des Himmels, die mit ihrer Milch die -Sternkinder nährt, oder der große Himmelsfluß, an dem die Sternbilder -der Tiere zur Tränke ziehen. Schön und sinnvoll nannten die Mexikaner -die Milchstraße die Schwester des Regenbogens, poetisch und -gedankenreich nennen andere Völker sie den Pfad der Toten hinüber ins -Land der Seligkeit. - -Im Kreise dieser Volksvorstellungen wurde die Wissenschaft geboren. -Bei Chinesen, Indern, Ägyptern und Chaldäern blühte die Astronomie, -als Europa noch eine Wildnis war. Aber ihre Wissenschaft war auf das -Praktische gerichtet und beschränkt auf Landvermessung, Kalenderkunde -und Finsternisberechnungen. Für die Nebelferne der Milchstraße hatten -die Astronomen zu Peking und die Irispriester am Nil kein Auge. Um -sich mit einer so wenig hervortretenden schattenhaften Erscheinung -zu befassen, mußte man Philosoph sein und den Himmel nicht als ein -Kalendarium, sondern als eine Naturerscheinung, als ein Welträtsel -betrachten, das man zu lösen sucht. Daher finden wir die ersten ernsten -Gedanken über die Milchstraße bei den griechischen Philosophen. Wie -es sich oft ereignet, daß man in kindlicher Unbefangenheit im ersten -Zugreifen der Wahrheit näher kommt als durch gewissenhafte Bemühungen, -so erfaßten die griechischen Philosophen ohne alle wissenschaftlichen -Grundlagen nur von Vernunft, Gedankenklarheit, Schönheitssinn und -Wahrheitsdrang geleitet das Bild der Welt in jenen Grundzügen der -Wahrheit, die erst durch eine jahrtausendlange Forschung Allgemeingut -der Menschheit geworden sind. Man könnte die griechischen Philosophen -geradezu die Propheten der Wissenschaft nennen. Pythagoras hat das -Wesen der Algebra, Euklid die Fundamente der Geometrie, Aristoteles -die Methoden der Naturbeschreibung, Demokrit die Atomlehre, Aristarch -die Mechanik unseres Sonnensystems, Epikur mit Lukrez später den -Entwicklungsgedanken mit allen seinen Konsequenzen durchgeführt. Unsere -ganze moderne naturwissenschaftliche Weltanschauung, die sich erst -im 19. Jahrhundert zur vollen Blüte entfaltete, finden wir bei den -griechischen Philosophen vor über 2000 Jahren als Knospe sprießen. - -Im Kreise dieser Männer wurde das Milchstraßenproblem zum ersten Mal -als wissenschaftliche Frage aufgeworfen. Die Pythagoräer knüpfen noch -an die Phaëtonmythe an und erklären die Milchstraße für die Spur einer -ehemaligen Sonnenbahn. Aristoteles hält sie für ein gewaltiges Meteor, -sein Nachfolger Theophrast beschreibt sie als die Fuge zwischen den -beiden Halbkugeln des Himmels, durch die das Licht des Zentralfeuers -hindurchschimmere. +Demokrit+ von Abdera, der geistvolle Begründer der -Atomlehre (460 v. Chr.), war der erste Sterbliche, der die Milchstraße -als das erkannte, was sie nach den unzweifelhaften Ergebnissen der -modernen Wissenschaft in Wahrheit ist: +als eine Anhäufung unendlich -ferner dichtgedrängter Sterne+. - -Die Größe dieser Vorstellung im Hirn eines antiken Griechen können -wir heute kaum noch würdigen. Man muß bedenken, daß sie im Kopf -eines Menschen reifte, der in den Anschauungen erzogen wurde, Wald -und Triften seien bevölkert von Nymphen und Faunen, drüben über den -Schneegipfeln des Olymp wohnten in Saus und Braus die weltregierenden -Götter, die Sonne sei der Wagen des Phoebus Apollo, dem die Mondgöttin -Luna in der Nacht verliebt über die himmlischen Gefilde nachschweife, -und das Tal zu Delphi sei der Nabel der Welt. In Demokrit verehren wir -den Vater der Milchstraßenforschung. - -Wie all die köstliche Prophetenweisheit der griechischen Philosophen, -so verhallten auch die Seherworte des Demokrit von der Natur der -Milchstraße in der allgemeinen Nacht der naturwissenschaftlichen -Unbildung des Mittelalters. Kein einziger Forscher der nächsten zwei -Jahrtausende befaßt sich ernsthaft mit dieser Frage, nur in Legenden -und theologischen Weltbeschreibungen wird hie und da die Milchstraße -kurz gestreift. Sie soll die Hufspur der Pferde des Attila sein, -berichtet eine Königssage. Kirchengelehrte halten sie für die Weltfuge, -in der die beiden Schalen des Firmaments zusammengefügt sind, und -betrachten die Milchstraße sozusagen als den Leim, der die beiden -Kugelhälften zusammenkleistert. Niemand nimmt den großen Gedanken des -Demokrit mehr auf. War das edle Wissen der Griechen spurlos in alle -Winde zerflattert? War der Menschengeist im Mittelalter wirklich so -verkommen und gesunken, wie es uns die Zeit zu lehren scheint? Schwankt -die Kurve der geistigen Entwicklung der Menschheit wirklich so zwischen -steiler Höhe und tiefem Abfall? Mit nichten. Wie in der Entwicklung der -Lebewelt die einzelnen Tierarten nacheinander die Erde beherrschen, die -Kreidetiere, die Ammoniten, die Lurche, die Saurier sich abwechseln -und heute die Menschen den Planeten regieren, so beherrschen in der -geistigen Entwicklung nacheinander die verschiedenen Ideenarten die -Menschheit. Die Art, die Richtung, nicht die Höhe des Geistes schwankt -in den Jahrhunderten. Derselbe Sinn, der im Altertum die schönsten -Früchte wissenschaftlicher und künstlerischer Leistungen reifen ließ, -war im Mittelalter auf das Religiöse, auf das Mystisch-Phantastische -gerichtet und daher für die Wissenschaft unfruchtbar. Ein Mensch, der -zur Zeit der Pythagoräer durch seine geistigen Gaben auffiel, wurde -zu den Naturphilosophen in die Schule gebracht und wurde Philosoph, -Mathematiker, Naturforscher. Überragte ein Knabe im Mittelalter -seine Genossen, so kam er ins Kloster und wurde im Ideenkreis der -Religion erzogen und in die Laufbahn kirchlicher Würden gedrängt. -Die Intelligenz des Mittelalters wurde von der Kirche aufgesogen wie -das Wasser eines Beckens von einem riesigen Schwamm, und wir finden -in ihrem Dienste +alle+ geistigen Elemente vom frömmsten bis zum -unreligiösesten vereinigt: kriegerische Päpste, weltlich gesinnte -Kirchenfürsten, schürzenjägerische Kardinäle, freigeistige Mönche, der -Wissenschaft mehr als dem Glauben huldigende Priester. Wieviel echte -Milchstraßenforscher mag es unter ihnen gegeben haben! In wieviel -Tausend erleuchteten Geistern, die nie eine ihrer Überzeugungen zu -Papier gebracht, nie eine ihrer Ideen zu Papier bringen durften, mag -der Gedanke Demokrits nachgeleuchtet haben? Wie oft mögen Freunde, die -in stiller Nacht über Fluren wandelten, zu den Sternen emporgeblickt -und über das Nebelband zu ihren Häupten gesprochen haben, wie oft -mögen Priester, wenn sie auf dem Turm ihrer Kirche standen, Mönche -auf dem Hof ihrer Abtei, Talmudisten in der Gasse ihres Ghettos sich -in den Anblick der Milchstraße versenkt, sie als ferne Sternenheere -erkannt haben und in Andacht versunken sein vor dieser geisterhaften -Offenbarung der Unendlichkeit? Kein Lied, kein Heldenbuch nennt ihre -Namen, versunken und vergessen ... - -2000 Jahre nach Demokrit, um 1550, trat Kopernikus, der Domherr zu -Frauenburg, mit seiner Schrift über die Bewegungen der Gestirne auf, -in der er die antike Weltanschauung, daß die Erde im Mittelpunkt des -Alls stehe und die Sonne um sie kreise, widerlegte und durch die Lehre -ersetzte, daß die Sonne das Zentrum sei, um das Erde und Planeten -sich bewegten. Durch diesen Weltgedanken erwarb sich Kopernikus -unsterbliche Verdienste um den Fortschritt der Menschheit. Aber er -begründete keineswegs, wie die meisten Menschen annehmen, unsere -moderne Auffassung vom Universum. Er glaubte, daß die Sonne der -ruhende Pol des ganzen Weltalls sei, und daß die Fixsterne an einem -Kugelhimmel angeheftet sich mit diesem um die Sonne drehten. Seine -Theorie, ideenreich und gedankentief genug, den ganzen Inhalt eines -großen Forscherlebens auszufüllen, erstreckte sich nur auf den Raum -unseres Planetensystems. Zum Flug ins Universum hinauf in die Ferne -der Milchstraße reichte seines Geistes Flügelkraft nicht hin. Das war -seinem jüngeren Zeitgenossen und begeisterten Herold seiner Lehre, -+Giordano Bruno+ (geboren 1548), vorbehalten. - -Giordano Bruno war wie Kopernikus im Dienst der Kirche aufgewachsen. -Als ihm das Buch des Kopernikus zu Gesicht kam, griff er diese neue -Weltidee mit Feuereifer auf, entfloh im offenen Zwiespalt mit der -Kirchenlehre dem Kloster und wurde auf jahrelangen Reisen durch ganz -Europa der Wanderprophet der neuen Weltanschauung. Giordano Bruno ist -in der Tat ein prophetisches Phänomen. In noch ausgeprägterer Art -als bei den griechischen Philosophen erleben wir an ihm das Wunder, -daß ein Mensch ohne alle Mittel sicheren Wissens, nur von Gefühl, -Vernunft und Phantasie geleitet die wissenschaftlichen Ergebnisse der -kommenden Jahrhunderte vorausahnt. Er hat den Beweis erbracht, daß der -phantasiebeschwingte Gedanke, der Sinn für Wahrheit, Größe, Rhythmus -und Einheit mit seinen Dichterflügeln weiter reicht als aller grübelnde -Verstand, hinausreicht über den Kreis der Planeten in das Reich der -Sterne und über die Grenzen der Milchstraße hinaus in jene Bezirke der -Unendlichkeit, in denen sich für alle Zeit der menschliche Gedanke -hoffnungslos verlieren wird. Giordano Bruno ist der Kopernikus des -Universums. Was jener für das Sonnensystem, ist Giordano Bruno für die -Fixsterne, für die Milchstraße, für das Weltall. Während Kopernikus -als Abschluß des erforschlichen Diesseits die Kristallsphäre der Alten -mit den in ihr schwebenden Fixsternen bestehen ließ, zerbrach Giordano -Bruno das gläserne Gewölbe, zerstörte den Wahn von der Übersinnlichkeit -der Sternenwelt und eröffnete der Forschung das Universum, die -schrankenlose äthererfüllte Unendlichkeit, wie er es selbst in -poetischer Verzückung ausgesprochen in den Versen: - - »Die Schwingen darf ich selbstgewiß entfalten, - nicht fürcht' ich ein Gewölbe von Kristall, - wenn ich des Äthers blauen Duft zerteile, - und nun empor zu Sternenwelten eile, - tief unten lassend diesen Erdenball - und alle niederen Triebe, die hier walten.« - -Als erster Sterblicher, der die Gedankenfahrt hinauswagt aus dem engen -Bezirk unseres Sonnensystems in die unermeßliche Weite der Sternenwelt, -berauscht sich Giordano Bruno förmlich an der Größe und Schönheit -des Alls. »Einzig ist der Himmel,« so beginnt einer seiner berühmten -Dialoge, »der unermeßliche Raum, das Universum, der allumfassende -Äther, in dem sich alles regt und bewegt. In ihm sind unzählige -Gestirne, Weltkugeln, Sonnen und Planeten, wahrnehmbare und unzählige -andere nicht mehr wahrnehmbare müssen vernünftigerweise angenommen -werden.« »Es gibt zahllose Sonnen und zahllose Erden, die alle in -gleicher Weise ihre Sonnen umkreisen, so wie wir es an den sieben -Planeten unseres Systems sehen. Wir erblicken nur die Sonnen, weil -sie die größten Körper sind und leuchten. Ihre Planeten aber bleiben, -weil sie kleiner sind und nicht leuchten, für uns unsichtbar.« Er -durchdenkt diesen Gedanken bis in seine letzten Folgerungen und kommt -zur Überzeugung von der Bewohnbarkeit der Welten: »Die unzähligen -Welten des Alls sind um nichts schlechter und nichts weniger bewohnt -als unsere Erde. Denn unmöglich kann ein vernünftiger Verstand sich -einbilden, daß jene unzähligen Welten, die doch ebenso und vielleicht -noch prächtiger sind als unsere, denen doch ebenso wie uns eine -Sonne befruchtende Strahlen zusendet, unbewohnt seien und nicht -ähnliche oder gar vollkommenere Bewohner trügen als unsere Erde. -Die ungezählten Welten des Alls sind alle von der gleichen Gestalt, -demselben Rang, denselben Kräften und denselben Gesetzen untertan.« -Mit seinem Seherauge schaut er in die Zukunft kommender Jahrhunderte -und prophezeit der Wissenschaft ihre Aufgaben und Erfolge: »Schenk -uns die Lehre von der Universalität der irdischen Gesetze auf allen -Welten und von der Gleichheit aller kosmischen Stoffe! Vernichte -die Theorien von dem Weltmittelpunkt der Erde! Zerschmettere die -überirdischen Mächte, die die Welt bewegen sollen, und die Schalen -der sogenannten Himmelskugeln! Öffne uns das Tor, durch welches -wir hinausblicken können in die unermeßliche, einheitliche, ohne -Unterschiede zusammengesetzte Sternenwelt, zeige uns, daß die anderen -Welten im Äthermeer schwimmen wie die unsere! Erkläre uns, daß die -Bewegungen aller Welten aus inneren Kräften hervorgehen, und lehre uns -im Lichte solcher Anschauungen mit sicherem Schritt vorwärts schreiten -in der Erforschung und der Erkenntnis der Natur.« Hoffnungsvoll ruft er -seinen Jüngern das Zukunftswort entgegen: »Seid getrost, die Zeit wird -kommen, wo alle sehen werden, was ich sehe!« - -Schöner, als er es ahnen konnte, kam diese Zeit. Zwar schien es -hoffnungslos, daß man jemals das Rätsel der Sterne lösen könnte. Keine -Kunde dringt zu uns aus jenen Fernen, keine Sphärenmusik klingt, wie -die Pythagoräer glaubten, durch den Weltraum. Nacht für Nacht zieht -das Heer der Sterne schweigend herauf und hernieder. Nur ein einziger -stummer Bote eilt vom Himmel zu uns herab: das Licht. Aber bringt uns -dieser Bote auf leuchtenden Schwingen auch eine Kunde? Birgt sich -hinter diesen Lichtpünktchen des Himmels eine Sprache wie hinter den -Punkten des Morsetelegramms? Wird je eine Zeit kommen, in der die -Menschen diese Himmelssprache auch enträtseln? Diese Zeit kam. - -Kaum war die Asche verraucht auf dem Scheiterhaufen Giordano Brunos, -auf dem er am 16. Februar 1600 zu Rom für sein Weltbekenntnis den -Märtyrertod erlitten, da drang aus Holland die Kunde nach Italien, daß -man durch Zusammenstellung mehrerer Linsen ein Instrument verfertigen -könnte, durch das man ferne Gegenstände nahe sieht. Galilei baute ein -solches Instrument: das +Fernrohr+ war erfunden. Das goldene Zeitalter -der Astronomie brach an. Galilei richtete sein Rohr zum Himmel und -machte wunderbare Entdeckungen. Er sah, daß der Mond eine Kugel war wie -die Erde, mit Bergen, Tälern und Meeresflächen, daß der Jupiter von -Monden umkreist wurde wie unser Planet, daß die Sonne ein glühender -Ball war, auf dem es loderte und brodelte wie in Feuerschlünden, -und daß er sich um seine Achse drehte wie Erde, Mond, Jupiter und -Saturn. Die Einheit des Sonnensystems war erkannt, der Sieg der -Kopernikanischen Lehre über die alte Weltanschauung wurde in allen -Ländern proklamiert. - -Aber für die Milchstraßenforschung war der Frühlingstag noch nicht -gekommen. Sie hatte von der neuen Erfindung keinen Gewinn. Im -Gegenteil, man war grenzenlos enttäuscht und konnte sich des Spottes -der Gegner nicht erwehren. Die Fixsterne erschienen im Fernrohr -noch kleiner und punkthafter als vordem. Die Milchstraße blieb ein -undurchdringlicher Nebel, der im schmalen Gesichtsfeld des Fernrohrs -noch geisterhafter, überirdischer, unerforschlicher aussah. Nur -schüchtern wagte Galilei angesichts der Unzahl der im Fernrohr -sichtbaren Sterne den Gedanken Demokrits aufzunehmen, daß die -Milchstraße aus dichtgedrängten Sternscharen bestehe. Die Gegner des -Kopernikus triumphierten. Ihr habt recht, sagten sie, Erde und Planeten -drehen sich um die Sonne. Aber die Sonne ist der Mittelpunkt der Welt, -»das Herz des Universums«. Jenseits des Saturn wird die Welt vom -kristallenen Himmelsgewölbe begrenzt, in dem die himmlischen Lichter -der Fixsterne aufgehängt sind. - -Die beobachtende und rechnende Astronomie war ohnmächtig gegenüber -der Erscheinung der Milchstraße. Aber der grübelnde Sinn des Menschen -gibt sich nicht zufrieden mit den Schranken des Wissens. Was er sieht, -will er begreifen, und was er nicht mehr zu sehen vermag, sucht er -durch Ideen auszufüllen. Wo das exakte Wissen aufhört, setzt der -Vernunftsschluß, setzt die Spekulation ein. Die Grenze der Wissenschaft -ist der Markstein der Philosophie; wo jene endet, nimmt diese ihren -Anfang. So finden wir im 18. Jahrhundert das Milchstraßenproblem wieder -wie in den Tagen Alt-Griechenlands in den Händen der Philosophen -und sehen, wie wissensdurstige Männer unabhängig von Berechnung -und Instrument sich auf den Flügeln ihres Geistes erheben, um das -Geheimnis der Milchstraße zu entschleiern, und wir erleben abermals die -Genugtuung, daß der kühne geistvolle Gedanke, daß die klare logische -Idee über die Grenzen unseres ach, so beschränkten Wissens hinaus auch -die letzten und größten Wahrheiten in ihren Grundzügen zu erfassen -vermag; ja, was die Leser dieser Zeilen als Freunde der Natur ganz -besonders fesseln wird, die befruchtenden Gedanken über das Wesen der -Milchstraße, die zu den erhabensten gehören, die je dem Menschengeist -entsprungen sind, gingen nicht aus von zahlenkundigen Astronomen, nicht -von Männern mit Doktorhut und akademischen Würden, sondern von Menschen -niederster Herkunft und einfachster Bildung, von Dilettanten in der -Wissenschaft, die nichts anderes mitgebracht als Liebe zur Allnatur und -ihrer Erkenntnis, Wissensdrang und unablässige Streben nach den Quellen -der Wahrheit. - -Über das Weltmeer fährt ein armer Matrose. Er war als Sohn eines -Zimmermanns geboren, zwischen Takelwerk und Teerfaß aufgewachsen und -führte nun ein hartes Dasein in Wind und Wellen. Stürmisch wie der -Ozean war sein Leben, einsam und freudlos wie die Wasserwüste waren -seine Tage. Aber nachts, wenn die Sterne heraufzogen über das Meer, -dann lag er vorn am Bug des Seglers auf den Tauen und blickte auf -zu den Lichtern, die über der Wasserfläche glänzten, und wenn in -der Klarheit der Meeresluft das Band der Milchstraße mit all seinem -Reichtum an Nebeln, Wolken, Unterbrechungen und Seitenarmen hervortrat, -dann versenkte sich dieser einfache Seemann in die Wunder des Himmels -und seine ganze Sehnsucht ging dahin, dieses Weltband zu enträtseln. Er -erkannte auf seinen Reisen durch alle Zonen, daß die Milchstraße ein -lückenloser Ring war um den ganzen Himmel. Als ihm später in seinem -englischen Heimatland ein sorgenloses Dasein winkte, da schrieb dieser -ehemalige Matrose eine Schrift über das Wesen der Milchstraße und den -Bau der Welt unter dem Titel »Neue Hypothese über das Weltall« 1740. - -Zwei Männer schöpften aus dieser Schrift des Seemanns +Thomas -Wright+ ihre Ideen über den Aufbau des Universums. Der eine war ein -Schneidergeselle aus dem Elsaß, der es durch Fleiß und Talent und -durch die verdiente Gunst Friedrich des Großen bis zum Mitglied der -Akademie der Wissenschaften brachte, +Heinrich Lambert+. Seine populär -geschriebenen »Kosmologischen Briefe« (1761) erregten überall durch -ihren feurig-enthusiastischen Stil die Begeisterung des Publikums -und wurden in vielen Tausend Exemplaren über alle Länder verbreitet. -Der andere war der Sohn eines Sattlers. Er kam nie über die Grenze -seiner abgelegenen Vaterstadt hinaus. Aber sein Geist kannte keine -Schranken und erhob sich bis in die Weiten des Himmels, dessen Bau und -Entwicklung er so grundlegend darstellte, daß wir noch heute auf seinem -Werke fußen. Dieser dritte war +Immanuel Kant+. - -Diese drei Männer, vor allem in höchster Vollendung Kant, bauten -folgendes Weltbild auf. Wir leben auf unserer Erde im Sonnensystem. In -der Mitte unseres Systems steht die strahlende Sonne, um sie kreisen -in elliptischen Bahnen die Planeten, deren einer unsere Erde ist. -Im Gegensatz zur leuchtenden Sonne sind die Planeten infolge ihrer -Kleinheit erkaltet und dunkel. Dieses Planetensystem ist als ein System -erster Ordnung zu betrachten. +Jeder Stern am Himmel ist eine glühende -Sonne wie unsere.+ Diese Sonnen sind so unausdenklich fern, daß sie uns -als Punkte erscheinen und selbst im Fernrohr kleinste Punkte bleiben. -Mit größter Wahrscheinlichkeit besitzt jede dieser Sonnen um sich ein -System von Planeten, die wir aber wegen der großen Entfernung und ihrer -Dunkelheit nicht wahrnehmen. Mit ebenso großer Wahrscheinlichkeit sind -diese Planeten zum Teil bewohnt wie die Erde. - -[Illustration: Abb. 3. Sternhaufen im Centaurn. (Photogr. von Gill.)] - -Diese Idee von der Sonnennatur der Sterne, von den unsichtbaren -Planeten dieser Sonnen und der Bewohnbarkeit dieser Welten hatte -schon Giordano Bruno ausgesprochen. Nun aber überflügeln ihn die drei -Weltdenker des 18. Jahrhunderts vermöge ihrer größeren astronomischen -Kenntnisse. Es waren nämlich durch das Fernrohr am Himmel außer einer -Unzahl kleinerer Sterne ungefähr 100 Sternhaufen und Nebelflecke -entdeckt worden. Mit unbewaffnetem Auge sind die größten Sternhaufen -eben als verschwommene Lichtpünktchen wahrnehmbar wie der berühmte -Sternhaufen im Perseus*[1] genau in der Mitte zwischen dem ~W~ der -Kassiopeia und den Hauptsternen des Perseus. Im Fernrohr enthüllt -sich solch ein Sternhaufen als eine kugelförmige Anhäufung Hunderter, -ja Tausender Sterne, die eng zusammengedrängt sind wie die Brillanten -eines Diadems. Der Anblick eines solchen Himmelsdiadems gehört zu dem -schönsten, das die Natur überhaupt dem Menschen zu offenbaren vermag -(Abb. 3). - - [1] Sämtliche mit einem Stern bezeichnete Himmelsobjekte sind - auf der Sternkarte S. 21 hervorgehoben. - -Außer diesen Sternhaufen entdeckte man noch nebelig verwaschene Gebilde -von teils unregelmäßig zerklüfteter, teils regelmäßig scheiben-, ring- -und linsenförmiger Gestalt, die man +Nebelflecke+ nannte. Auch von -ihnen sind die größten mit bloßem Auge gerade noch wahrnehmbar, so -der Nebelfleck im Bilde der Andromeda* und als größter von allen der -berühmte Nebel im Orion* dicht unter dem Dreigestirn des Jakobstabes. - -Die Sterne sind, so schlossen Wright, Lambert und Kant, nicht -regellos im Raum verteilt, sondern zu Sternenhaufen gruppiert. Diese -Sternenhaufen sind die Systeme zweiter Ordnung. Auch wir leben im -Innern eines Fixsternhaufens. Unsere Sonne bildet mit allen helleren -Sternen des nächtlichen Himmels zusammen einen Sternenhaufen, wie wir -ihn im Bilde des Centaurn oder des Perseus aus großer Ferne erblicken. -Uns erscheinen die helleren Sterne am Himmel so verstreut, weil wir -uns inmitten dieses Haufens befinden und nach allen Seiten von diesen -Nachbarsternen umgeben sind. Würden wir aber aus anderen Sternhaufen, -beispielsweise aus dem abgebildeten Haufen im Centaurn auf unsere Sonne -herniederschauen, so würden wir die Sterne des Centaurnhaufens rings um -uns am Himmel verteilt sehen als hellere Sterne, unsere Sonne dagegen -im Innern eines fernen zusammengedrängten Sternhaufens nach Art des -abgebildeten als lichtschwaches Pünktchen erblicken. Aber auch diese -Sternhaufen sind nicht regellos im Raum zerstreut. Sie sind genau so zu -einem System geordnet wie die Planeten unseres Sonnensystems. Sie sind -alle in einer Ebene neben- und hintereinander, aber nicht übereinander -gelagert, so wie unsere Planeten alle in einer Ebene, der sogenannten -Ekliptik, schweben, und kreisen in dieser Ebene wahrscheinlich um einen -Weltmittelpunkt wie die Planeten um die Sonne. Während die Sternhaufen -als Ganzes in dieser Ebene dahinfliegen, bewegen sich die Sonnen -innerhalb ihres einzelnen Haufens um den Mittelpunkt desselben, so wie -die Monde während der Sonnenreise ihrer Planeten diese in Kreisen -umschwingen. Lambert hielt den Orionnebel, Kant den Sirius* für den -Mittelpunkt unseres Sternhaufen. Alle diese Sternhaufen zusammen bilden -ein System dritter Ordnung. Die Gestalt dieses Systems ist die einer -Linse, wie man sie erhält, wenn man zwei Suppenteller mit ihren Rändern -aufeinanderstellt. Der Sternhaufen, dem unsere Sonne angehört, befindet -sich in der Mitte einer solchen ungeheuren Weltlinse. Schauen wir durch -diese Sternenhaufenlinse nach den Breitseiten, den Polen zu, so sehen -wir verhältnismäßig wenig Sterne. Blicken wir dagegen flach durch das -ganze Linsensystem, in der Richtung der Sternhaufenebene, so müssen -wir durch die ganze Masse der Sterne und Sternhaufen hindurchsehen, -und sie erscheinen uns als ein Ring von dichtgedrängten Sternen und -Sternhaufen, so fein und so dicht, daß wir ihre Gesamtmasse nur als -einen zusammenhängenden, verwaschenen Nebelgürtel rings um den Himmel -wahrnehmen, -- die Milchstraße. - -[Illustration: Abb. 4. Sternkarte mit Hervorhebung der für die -Milchstraßenforschung wichtigen und erwähnten Himmelsobjekte.] - -Die Milchstraße ist also nach der Hypothese dieser drei Männer die -Erscheinung eines ungeheuren Sternsystems, einer linsenförmigen -Weltinsel, in deren Mitte sich unsere Sonne als ein Stern in einem -Sternhaufen befindet (Abb. 5). Von den sichtbaren Sternen gehören die -helleren unserem Sternhaufen, die schwächeren und alle jene, deren -Licht wir nur als Nebel wahrnehmen, den andern Sternhaufen an, alle -aber dem einen großen Weltsystem der Milchstraße. - -Man stelle sich vor, wir ständen nachts auf dem Deck eines -illuminierten Schiffes. Vor, hinter, neben und über uns sehen wir -die Lichter unseres Schiffes in den Masten und am Bordrand hängen. -In allen Himmelsrichtungen sind wir also von einzelnen hellen, -uns sehr nahen Lampen umgeben. In weiter Ferne ist das ganze Meer -bevölkert von gleichfalls illuminierten Schiffen. Man sieht von diesen -Schiffen, da es Nacht ist, nur die Lichter. Die näheren erkennt man -als zusammengedrängte Haufen von Lichtern. Hier eine solche Anhäufung -von Lichtern, ein Schiff, dort eine andere Lichtergruppe, ein zweites -Schiff. Von den fernen Schiffen nimmt man keine einzelnen Lichtpunkte -mehr wahr, sondern nur noch einen unbestimmten Schimmer. Da die Schiffe -weiter verteilt sind, als unser Auge reicht, und allseitig um uns das -Meer befahren, so sind wir rings umgeben von einem mattleuchtenden -nebeligen Schein, von einem Lichtgürtel, der den Horizont ringförmig -umschließt. - -Das Meer ist der Weltraum. Das Schiff, auf dem wir uns befinden, ist -der Sternhaufen, dem unsere Sonne angehört. Die nächste größte Laterne -ist unsere Sonne selbst. Die kleinen Lichter über, neben und hinter uns -sind die übrigen Sterne unseres Haufens. In mäßiger Entfernung, aber -immer noch tausendmal weiter als die letzten Sterne unseres Haufens -sehen wir andere Sterngruppen als Sternhaufen. Die weitaus meisten -Sternhaufen aber sind von uns so weit entfernt, daß ihr Glanz mit -dem der übrigen hinter, neben und vor ihnen verschwimmt, und so ihre -Gesamtheit uns als leuchtender Gürtel, als Milchstraße umgibt. - -Hört die Welt jenseits der Milchstraße auf? Nein. Die Milchstraßenlinse -ist zwar unvorstellbar groß, aber ein durchaus festbegrenztes -endliches Gebilde. Sie ist eine Weltinsel. Das Weltall aber ist -unendlich. Andere Milchstraßensysteme bevölkern es. Diese fremden -Milchstraßensysteme sehen wir als Nebel von Linsengestalt aus -ungeheurer Ferne schimmern. Der Andromedanebel ist solch ein fernes -Milchstraßensystem, das wir weit außerhalb unserer Weltinsel im -Raum schweben sehen. Unendlich wie das All ist die Zahl solcher -Milchstraßen. Auch sie sind wieder zu Systemen geordnet, Systemen 4., -5. und 6. Ordnung, kreisen um- und ineinander wie Räder, jede von ihnen -ein Rad im Getriebe einer großen Weltmaschine, ein Rädchen an der -großen Weltenuhr, deren unerforschlicher Gang dem Menschen ein ewiges -Rätsel bleibt ... - -[Illustration: Abb. 5. Das Milchstraßensystem als Weltlinse nach -Wright, Kant und Lambert.] - -Kann etwas kühner sein als die Hypothese dieser drei Männer? Kopernikus -stieß die Erde von ihrem ruhenden Thron und wälzte sie zu ewigem Lauf -um ihre Sonne. Diese Männer hoben die Sonne aus ihrer Angel und stießen -sie hinein in den Weltraum, daß sie in ihm kreise, ein Stern unter -Sternen, ein Lichtpunkt im großen Weltgewühl der Milchstraße. Sie -ordnen mit weltenschöpferischer Kraft das Heer der Sterne zum wahren -Kosmos, zum Schmuck, zur Weltordnung, zur harmonischen Einheit von Raum -und Materie, Kraft und Stoff, Masse und Bewegung. - -Was konnten sie zur Begründung einer solch kühnen Weltanschauung -vorbringen? Konnten sie beweisen, daß die Sonne nur ein Stern war und -nicht, wie Kepler glaubte, »das Herz des Universums«? Daß die Sterne -Sonnen waren und nur ihrer Ferne wegen als Punkte erschienen? Konnten -sie beweisen, daß Planeten um sie kreisen, und sie sich wirklich -zu Haufen gruppieren? Daß die Sonne sich in einem solchen Haufen -befindet? Daß sich die Sterne im Raum bewegen und keine ~prima sphaera -immobilis~, keine höchste unbewegliche Himmelssphäre bildeten? Daß sie -eine Einheit waren aus gleichen Stoffen gebaut, von gleichen Kräften -regiert? Daß die Milchstraße in der Tat aus Sternen zusammengesetzt -und keine Fuge im Himmelsgewölbe ist, und daß die Nebelflecke ferne -Milchstraßensysteme vorstellen? - -Alles das hätten sie Punkt für Punkt beweisen müssen, wenn sie ihre -philosophische Spekulation zum Rang einer wissenschaftlichen Hypothese -erheben wollten. Und was konnten sie beweisen? Nichts. Der Mond -war erforscht, die Sonne studiert, Planetenbahnen waren berechnet, -Kometen bestimmt, aber die Welt der Sterne, die Milchstraße, war ein -unerforschte Land. Sie schien aller irdischen Erkenntnis zu spotten -und für die Menschheit, die auf diesem winzigen Erdplaneten gebannt -ist, ein Rätsel ohne Lösung zu bleiben. Wer hätte auch in jene Fernen -dringen können? In jene Fernen, in denen Sonnen zu Punkten werden und -selbst im Fernrohr sich nicht einmal zur kleinsten Scheibe verbreitern, -ja, in denen selbst diese Punkte schwinden und in ihrer Unzahl zu einem -milchigen Schimmer verschwimmen, der uns als Nebelgürtel umleuchtet; -und in jene noch tausendmal größeren Fernen, in denen ganze Systeme -dieser Art, ganze Milchstraßen zu einem Wölkchen verblassen, so klein, -daß das Auge sie kaum in den klarsten Nächten als Fleckchen wahrnimmt! -Mußte nicht für alle Zeiten das junggeniale Machtwort Schillers hier -dem Menschen eine ewige Grenze bieten: - - »Steh! du segelst umsonst -- vor dir Unendlichkeit!« - »Steh! Du segelst umsonst -- Pilger, auch hinter mir! -- - Senke nieder, - Adlergedank', dein Gefieder! - Kühne Seglerin, Phantasie, - Wirf ein mutloses Anker hie.« - -Wer hätte in jene Fernen dringen können, in denen selbst die Phantasie -ein mutlos Anker wirft? Wer? - -Im Jahre 1759 zog die Regimentskapelle der Hannoverschen Grenadiere -nach England. Mit ihr wanderte ihr Hoboebläser, ein blutarmer -19jähriger Musikant, dessen Vater selbst Militärmusiker gewesen war, -aus seiner Heimat aus. In England entsagte er bald dem Dienst und -schlug sich kümmerlich als Musiklehrer durch. In den Pausen zwischen -den Stunden aber setzte er sich hin und studierte die Gesetze der -Optik, um sich ein Fernrohr zu bauen, da er kein Geld besaß, ein -fertiges zu erwerben. Des Nachts richtete er seine selbstkonstruierten -Rohre gegen den Himmel und studierte die Welt der Sterne. Das Geheimnis -der Milchstraße zu entschleiern, war das Ideal seines Lebens. Bruder -und Schwester entflammte er für sein hohes Ziel, und dieser arme, -aber erlauchte Kreis der drei Geschwister wetteiferte im Studium der -Milchstraße. Kein Rohr genügte dieser Aufgabe. Da die Linsen, je größer -sie geschliffen wurden, um so unschärfere Bilder lieferten, baute er -Spiegelteleskope, in denen ein Hohlspiegel das Bild der Sterne auffängt -und in einem Brennpunkt sammelt. Immer größere Spiegel stellte er her, -immer längere Rohre setzte er zusammen. Es entstanden Teleskope von -unerhörten Dimensionen. 1781 entdeckte er mit seinem Rieseninstrument -den Planeten Uranus, sein Ruhm drang bis zum König, der ihn zum -Hofastronomen ernannte und ihm ein sorgenfreies Leben für weitere -Forschungen verschaffte. Mit seinem neuen Instrument, dessen Spiegel -126 ~cm~ Durchmesser und dessen Rohr 12 ~m~ Länge besaß, »durchbrach« -der ehemalige Militärmusiker +William Herschel+, wie es auf seiner -Grabschrift heißt, »die Schranken des Himmels« und begründete so die -moderne Fixstern- und Milchstraßenforschung. - -Herschels Riesenteleskope waren die ersten Instrumente, die die -Milchstraße wirklich auflösten. Er berichtet über seine erste -Beobachtung der Milchstraße der Kgl. Gesellschaft im Juni 1784: »Als -ich mein Fernrohr auf einen Teil der Milchstraße richtete, fand -ich, daß es den weißen Nebel in kleine Sterne auflöste, was meine -früheren Rohre nicht vermocht hatten. Die bewunderungswerte Zahl von -Sternen aller Größe, die sich hier meinem Blick offenbarten, war -in der Tat zum Erstaunen. Ich ließ während einer Stunde die Sterne -der Milchstraße durch das Gesichtsfeld meines Teleskopes ziehen und -vermochte nicht weniger als 50000 einzelne zu zählen. Aber es waren -gewiß doppelt so viel, von denen ich aber wegen ihrer Lichtschwäche -nur einen unbestimmten Schimmer wahrnehmen konnte.« Die Zahl aller -mit seinem Rohr erkennbaren Sterne schätzte Herschel auf ungefähr -30 Millionen. +Die Unzählbarkeit der Sterne, die Sternnatur der -Milchstraße war bewiesen.+ Auch Herschel kam zu der Überzeugung, daß -das Milchstraßensystem tatsächlich eine Weltinsel aus vielen Millionen -Sternen sei. Die meisten dieser Sterne sind zu Haufen gruppiert, die in -einer linsenförmigen Schicht von großer Ausdehnung und verhältnismäßig -geringer Dicke verteilt sind. Zwischen diesen Haufen von Sternen -schweben weite Nebelmassen von verschiedenster Gestalt. Da ihm aber -seine Rohre in der Milchstraße jene mannigfachen Einzelheiten, -Verzweigungen, Wolken, Schattierungen, Spalten und Öffnungen -enthüllten, die wir bei der Beschreibung des Lichtgürtels erwähnten, -konnte das Milchstraßensystem nach seiner Ansicht nicht die Gestalt -einer regelmäßigen Linse, sondern nur die Form einer unregelmäßig -verzweigten Sternenplatte besitzen, deren Umrisse er durch sorgfältige -Studien zu bestimmen suchte (Abb. 6). - -Auch die Stellung der Sonne in diesem System suchte er durch folgende -Überlegung zu bestimmen. Da der Milchstraßengürtel uns allseitig fast -in gleicher Breite erscheint, müssen wir uns ungefähr in der Mitte -des Systems befinden. Die nördliche Hälfte ist etwas breiter als -die südliche, also stehen wir dieser etwas näher und nicht genau im -Zentrum. Außerdem schwebt die Sonne nicht ganz genau in der Mittelebene -des Systems, sondern etwas nördlich über der allgemeinen Ebene der -Sternhaufen. - -Aber je weiter sich Herschel in die Wunder der Milchstraße versenkte, -um so klarer erkannte er, daß sein Milchstraßenbild unvollkommen war -und keineswegs die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen erschöpfte. Es -war seinem Wissen als Forscher und seinem Scharfsinn als Denker nicht -möglich, alle Widersprüche zu bannen und alle Probleme durch ein -großes einheitliches Weltbild zu umspannen. Er widerrief in späteren -Jahren seine Hypothese und bekannte resigniert, daß weder Fernrohr -noch Gedanke reiche, ein zufriedenstellendes Bild der Welt zu geben, -und daß es einem späteren Geschlecht vorbehalten sei, das Land, das er -entdeckt, in seiner wahren Gestalt zu erforschen. - -Daß Herschel als erster, mit großen Instrumenten ausgerüstet, -zielbewußt die Milchstraße erforschte, und ein, wie er selber gestand, -ungenügende Bild ihrer Natur entwarf, reicht wahrlich nicht hin, ihm -eine so führende Stellung in der modernen Wissenschaft anzuweisen, -daß man ihn den »Vater der Stellarastronomie« nennt. Herschels -unvergleichliches Verdienst liegt tiefer: er lehrte uns das Fernrohr -für die Erforschung der Fixsternwelt und des Milchstraßengürtels -anzuwenden. Herschel lehrte uns sehen. - -[Illustration: Abb. 6. Das Milchstraßensystem nach Herschel.] - -Das Auge des Menschen ist eine Camera obscura wie der photographische -Apparat. Er besteht aus einer Linse, die das Licht der Außenwelt -auffängt, sammelt, und als verkleinertes verschärftes Bild auf eine -lichtempfindliche Platte, die Netzhaut, wirft. Linse und Netzhaut -sind die beiden wesentlichen Teile des Auges. Das Fernrohr ist -eine künstliche Linse, die sich der Mensch zur Verstärkung seiner -natürlichen vor das Auge stellt. Die teleskopische Linse ist hundertmal -größer, schärfer, lichtstärker. Dadurch verhundertfacht sie die -Leistungen des menschlichen Auges. Während das Auge günstigenfalls 6000 -Sterne am ganzen Himmel, also von einem Standpunkt aus 3000 wahrnimmt, -die man nach ihrer Helligkeit in sechs Klassen von der ersten bis -sechsten Größe einteilt, sieht das Fernrohr viele Millionen bis zur -12., 13. und 14. Größe. Auf einer Himmelsfläche von dem Umfang einer -Mondscheibe zählte Herschel 2400 Sterne! Man sieht also im Fernrohr -tatsächlich »wie Gras der Nacht Myriaden Welten keimen«. - -Neben der Erkenntnis der ungeheueren Zahl der Milchstraßensterne -ermöglicht das Fernrohr genaue Untersuchungen über die +Verteilung+ -dieser Sternheere. Herschel begann diese Untersuchungen mit -seinen berühmten Sterneichungen, d. s. Auszählungen der Sterne -nach Stichproben; vollendet wurden sie in unseren Tagen durch die -eingehenden »Untersuchungen über die Verteilung der Fixsterne« des -Münchener Forschers v. Seeliger. Diese mühevollen Studien gipfeln in -dem Ergebnis, daß alle uns sichtbaren Sterne tatsächlich, wie Wright, -Kant und Lambert angenommen haben, in einer flachen, linsenförmigen -Scheibe, dem Milchstraßensystem, angeordnet sind. Je mehr man sich von -den Polen ausgehend dem Milchstraßenäquator nähert, um so zahlreicher, -dichtgedrängter erscheinen die Sterne als Zeichen ihrer Anordnung in -einer großen Ebene, der Milchstraße. - -Fast noch wichtiger als die Bestimmung der allgemeinen Sternverteilung -ist die genaue Ortsbestimmung einzelner Sterne durch gewissenhafte -Fernrohrbeobachtung, da sie allein zur Ermittlung der +Sternentfernung+ -führen kann. Die Kunst, das Fernrohr zu gebrauchen, sollte bald auf -diesem Gebiet die schönsten Früchte reifen lassen. - -Wenn wir uns in einem Eisenbahnzug durch eine Landschaft bewegen, -so fliegen die Bäume und Kirchturmspitzen an uns vorbei, wobei sie -sich gegen ihren Hintergrund, den Horizont, verschieben. Je ferner -ein Gegenstand sich von uns befindet, umso geringer ist diese -scheinbare Verschiebung. Man nennt diese scheinbare Verschiebung eines -Gegenstandes gegen seinen Hintergrund bei Ortswechsel des Betrachters -die +Parallaxe+. Man halte seinen Zeigefinger vor dieses Buch und -betrachte ihn abwechselnd mit dem rechten und dem linken Auge. Dann -verschiebt sich seine scheinbare Stellung gegen den Buchhintergrund. -Aus dieser Parallaxe des Fingers kann man seine Entfernung vom Auge -berechnen, wenn man den Abstand der beiden Augen voneinander kennt. - -Bekanntlich steht die Erde nicht still, sondern bewegt sich in einem -Kreis um die Sonne. Der Durchmesser dieser Erdbahn beträgt 300 -Millionen Kilometer. Wir stehen im Frühling um 300 Millionen Kilometer -von jener Stelle entfernt, an der wir uns im Herbst befunden haben. -Es müssen sich demnach die Gestirne zwischen der Frühlings- und der -Herbstbetrachtung gegen den Himmelshintergrund genau so verschieben, -wie der Finger, den wir einmal mit dem rechten, einmal mit dem linken -Auge betrachten (Abb. 7). - -[Illustration: Abb. 7. Entstehung der Sternparallaxe infolge des -Erdumlaufs um die Sonne.] - -Diese Verschiebung ist so minimal, daß sie weder Galilei noch Herschel -trotz eifrigster Bemühungen feststellen konnten. Dieses gelang erst -im Jahre 1837 dem berühmten Königsberger Astronomen +Bessel+, der in -seiner Jugend Kaufmann gewesen war, mit einem neuen stereoskopartigen -Fernrohr, dem Heliometer. Das von Fraunhofer konstruierte Heliometer -ist ein so feines Instrument, daß man damit in der Entfernung eines -Kilometer die Verschiebung eines Körpers um ½ ~mm~ auf das genaueste -bestimmen kann. Nach jahrelanger, unverdrossener Beobachtung bestimmte -Bessel die Parallaxe eines kleinen Sternes 61 im Schwan und berechnete -seine Entfernung auf 80 Billionen ~km~, d.h. auf das 500000fache der -Sonnenentfernung, die 150 Millionen ~km~ beträgt. +Die unvorstellbare -Entfernung der Fixsterne war bewiesen.+ Sternentfernungen zu fassen, -ist Menschensinnen versagt. Wir können uns Meter und Kilometer -vorstellen, aber nicht Sonnenabstände oder Sternenweiten. Die kühnste -Phantasie scheitert an jedem Versuch, die Räume des Universums zu -messen. Wir sind Erdensöhne und durch unsere irdische Organisation an -planetarische Maße gebunden. Was jenseits dieser Erdenwelt gelegen, -können wir bewundern, verehren, aber fassen können wir es nicht. -Astronomische Entfernungen in Kilometer auszudrücken ist ebenso töricht -wie ein Land in Quadratmillimetern zu vermessen. Fehler, die selbst -Millionen dieser Einheiten betrügen, wären immer noch unbestimmbar -klein. Daher hat man als Normalmaß in der Astronomie das +Lichtjahr+ -eingeführt. Die Lichtschwingung des Weltäthers ist die schnellste -Bewegung, die wir kennen. Die Lichtwelle pflanzt sich in einer Sekunde -um 300000 ~km~ fort. Man lege seine Hand an seinen Puls und zähle. -Zwischen zwei Pulsschlägen schwingt die Lichtwelle achtmal um den -Erdball. Diesen Weg bezeichnet man als Lichtsekunde. Den Weg, den -das Licht in einem Jahr zurücklegt, ein Jahr hat über 30 Millionen -Sekunden, d.h. also 10 Millionen mal eine Million ~km~ = 10 Billionen -~km~ bezeichnet man als ein Lichtjahr und sagt, ein Stern ist 10 -Lichtjahre von uns entfernt, wenn das Licht 10 Jahre braucht, um von -ihm zu uns zu gelangen. 1 ~km~ verhält sich zu einem Lichtjahr wie -eine Sekunde zu 60000 Jahren. Die Entfernungen zwischen den einzelnen -Sternen sind ungeheuer. Sie betragen Lichtjahre, Lichtjahrzehnte, -Lichtjahrhunderte. Selbst zwischen den benachbarten Sternen einer -Gruppe gähnen Räume von unheimlicher Länge und Weite, unüberbrückbar -selbst für den Gedanken. Der nächste Stern ist von der Sonne über 4 -Lichtjahre entfernt, ¼ Million mal weiter als sie von uns. Nur durch -ein Bild kann man sich einer Vorstellung von den Maßen der Sternenwelt -nähern. Denkt man sich die Erdkugel, unsere schöne große weite Erdkugel -zu einer Erbse geschrumpft, so läge die Sonne 100 ~m~ von ihr als ein -großer Kürbis. Läge dieses Sonnensystem in Berlin, wo würde dann das -nächste Fixsternsystem liegen? Das allernächste? Draußen vor der Stadt? -Oder in einem Vorort? Oder gar in Leipzig? In München? Vielleicht -selbst in Rom, 1500 ~km~ weit entfernt? Nein, es läge über zehnmal -weiter, 25000 ~km~ weit, also irgendwo im Innern Australien oder in -der Südsee jenseits dieses Erdteils nahe dem Südpol. Der zweitnächste -Stern, um die Hälfte weiter entfernt, fände auf Erden gar keinen -Raum mehr und schwebte jenseits des Gegenpols draußen im Weltraum! -Wir Menschen sind Wesen auf einer Erbse, die irgendwo im Grase -versteckt in Mitteleuropa liegt. Im Polareis des Südpols zwischen den -gefrorenen Schollen liegt ein kürbisgroßer Stein und einige Schritte -von ihm entfernt liegen wahrscheinlich einige Erbsen, das ist unsere -nächste Schwesterwelt im Universum! Wenn wir seiner überhaupt fähig -waren, welch trostloses Einsamkeitsgefühl müßte uns ergreifen! Welch -grauenhafte Öde umschauert uns als toter kalter dunkler Raum! Was ist -der Mensch im All? Wenn die Erde eine Erbse wäre in einem Raum so groß -wie ein Zimmer, so wäre sie schon klein zu nennen und nicht wert, den -Mittelpunkt der Welt zu bilden. Schon dann wäre es Hochmut, wenn der -Mensch, der auf dieser Erbse in ganzen Völkerscharen lebt, sich für -den Herrn der Welt, für die Krone der Schöpfung hielte. Eine Erbse -inmitten einer großen Stadt ist schon ein Nichts, ein unauffindbares, -verschwindendes Nichts, dessen Dasein oder Nichtdasein am Bilde der -Stadt auch nicht einen Deut veränderte. Aber irgendwo im Grase eines -leeren Europa, vielleicht im Geröll der Alpen oder in einem Sumpfried -der sibirischen Steppe oder im öden Sande der Sahara oder in den Wellen -des Atlantischen Ozeans eine Erbse zu sein und auf ihr zu leben, -weniger, 100000 mal weniger als ein Bazillus -- »wenn ich den Himmel -anschaue, den Mond und die Sterne, was ist der Mensch, daß du seiner -gedenkst, und der Menschensohn, daß du auf ihn achtest?« - -Nur von den allernächsten Sternen, die naturgemäß die größte Parallaxe -besitzen, sind zuverlässige Bestimmungen gelungen, so daß wir von nur -ungefähr 200 der nächsten Sterne die genaue Entfernung kennen, während -wir von all den übrigen Millionen nur sagen können, daß sie um ein -vielfaches ferner sein müssen als diese Schwesterwelten, mit denen wir -zusammen eine Sterngruppe bilden. Von den bekannten Sternen sind von -uns entfernt: - - Alpha Centauri, der nächste aller Fixsterne 4,3 Lichtj. - Sirius im Großen Hund 8,6 " - Prokyon im Kleinen Hund 9,5 " - Atair im Adler 14 " - Kastor in den Zwillingen 17 " - Aldebaran im Stier 30 " - Regulus im Löwen 36 " - Wega in der Leier 39 " - Kapella im Fuhrmann 40 " - Polarstern im Kleinen Bären 46 " - Pollux in den Zwillingen 57 " - Arktur im Bootes 136 " - Beteigeuze im Orion 142 " - Rigel im Orion 320 " - -Man wende seinen Blick zum glänzenden Pollux*. Die Lichtwellen, die -jetzt unser Auge treffen, haben vor 57 Jahren diese Sonne verlassen. -Dieser Stern steht gar nicht an jener Stelle, wo wir ihn jetzt sehen, -so wenig wie der Sirius oder die Kapella sich in Wirklichkeit jetzt -an ihrem scheinbaren Platz befinden, sondern stand vor 57 Jahren an -diesem Punkt. Als diese Ätherwellen, die jetzt unsere Netzhaut erregen, -dem flammenden Chaos dieser Welt vor 57 Jahren entwirbelten, waren wir -noch nicht geboren, unsere Eltern kannten sich in jener Stunde noch -nicht, und während jener Strahl durch den Weltraum zu uns eilte, 57 -Jahre lang in jeder Sekunde 300000 ~km~ fliegend, wuchsen wir heran aus -einer kleinen Gallertzelle, wurden wir als ein hilf- und ahnungsloses -Wesen geboren, lagen wir in der Wiege, lernten wir gehen und sprechen, -lesen und schreiben vom ABC und Einmaleins durch Märchenbuch und -Räubergeschichte bis zu diesen Zeilen, die uns Kunde bringen von den -Wundern, die uns umschwingen. Was haben wir nicht alles in dieser Zeit -gesehen und gehört, erlebt und erlitten? Was ist nicht alles geschehen -auf diesem kleinen Erdball in 57 Jahren! Und was auf jener Sternenwelt -dort droben? Vielleicht ist sie in dieser Zeit erloschen, vielleicht -zusammengeprallt mit einem dunklen Körper und in den Weltraum -zerstoben, ist vielleicht vor 30 Jahren in glühenden Nebel verdampft -und existiert nicht mehr. Wir aber sehen dann in dieser Stunde etwas, -was gar nicht mehr ist, und werden es morgen noch sehen und in zehn -und in zwanzig Jahren, und wenn die Lichtwellen, die jetzt jene Welt -verlassen, in 57 Jahren unsere Atmosphäre überfluten, liegen wir längst -draußen im Feld unter dem Rasen, heimgekehrt in den Allmutterschoß -der Erde, und kein Sehnerv zittert mehr in unserer Augenhöhle, keine -Zellfaser schwingt mehr in unserer Hirnschale in dem Gedanken von der -Größe und Erhabenheit der Welt -- kurz ist die Frist, die dem Menschen -gegeben, zu forschen und zu fühlen, kürzer als die Spanne, die das -Licht von einem Stern zum andern schwingt -- ~carpe diem~, nützen wir -den Tag und die Stunde! - -Die äußersten Sterne des Milchstraßensystems, deren verschwommener, -zusammenfließender Schein das Milchlicht dieses Gürtels erzeugt, sind -von uns 10000 Lichtjahre entfernt. Wenn wir auf den Planeten einer -solchen Sonne lebten und unsere Erde beobachten könnten, so sähen wir -die Welt vor drei-, sechs-, acht-, zehntausend Jahren. Die Bewohner -einer Sternenwelt in der noch mäßigen Entfernung von 3000 Lichtjahren -sähen heute Griechen und Trojaner in der Ebene von Ilion kämpfen, -sähen den greisen Priamus im Kreis der Alten auf der Mauer, die schöne -Helena auf ihrem Ruhelager im fürstlichen Gemach, Achill grübelnd in -seinem Zelte sitzen und Hektor im Kampf mit dem fallenden Patroklus. -Wenn wirklich denkende Wesen uns aus dieser Ferne beobachteten -- -und wer will diese Möglichkeit in unserer Welt der Wunder einfach -leugnen? -- so sähen sie Europa als Sumpf und Urwald, bevölkert von -Heiden und Barbaren, und spotten vielleicht unserer, nicht ahnend, -daß auf derselben Stelle, wo sie Götzenaltäre und Göttereichen sehen, -in Wahrheit schon Kuppelhallen stehen mit gewaltigen Teleskopen, -elektrischen Uhren, Tabellen und Sterntafeln, und daß Menschen unter -ihnen sitzen, die die Geheimnisse des Weltalls bis in tausendjährige -Lichtentfernungen ergründen ... - -Bei den genauen Ortsbestimmungen, die zur Feststellung der Parallaxe -notwendig waren, entdeckte Bessel an manchen Sternen kleine -Verschiebungen, die sich nicht durch die Bewegung der Erde um die -Sonne erklären ließen. Vor allem an den beiden hellen Sternen Sirius -und Prokyon fielen ihm kleine periodische Bahnbewegungen auf, die -er nach jahrelanger reiflicher Beobachtung und Überlegung auf die -Anwesenheit unsichtbarer Trabanten zurückführte. Der Sirius sollte -von einer Begleitsonne umkreist werden, die ihn in 50 Jahren umläuft -und durch ihre Anziehungskraft die Störungen der Siriusstellung -hervorruft. Dieser von Bessel vermutete Siriusbegleiter war aber -selbst in den stärksten Fernrohren nicht zu entdecken. 18 Monate nach -Veröffentlichung seiner Arbeit über den unsichtbaren Siriusbegleiter -starb Bessel. Sein Nachfolger Peters führte die Untersuchungen fort und -berechnete, daß dieser Begleiter augenblicklich in dem und dem Abstand -an einem ganz bestimmten Punkt stehen müßte. Eine verwegene Behauptung! -Einen Körper in einer Entfernung von ½ Millionen Sonnenweiten, den -kein menschliche Auge sehen konnte, nicht nur zu vermuten, sondern -sogar genau seine Bahn, seine Bewegungsgeschwindigkeit, seinen Standort -zu berechnen! Klingt es nicht wie ein Märchen, daß ein Mensch im -Dunkel nie gesehener Welten, in Fernen, die sich keine Vorstellung -mehr auszudenken vermag, unsichtbare Trabanten berechnet, und mit der -Bestimmtheit einer eidlichen Versicherung ihr Gewicht, ihre Entfernung, -ihre Bahn und ihre Geschwindigkeit zu kennen behauptet? Wer sollte den -Sternenguckern solche Phantasien glauben, zumal niemand selbst mit -den immer besseren Teleskopen der folgenden Jahre diesen Begleiter zu -entdecken vermochte! Aber es kam anders, als die Zweifler glaubten -und die Spötter lachten. 20 Jahre nach dem Tode Bessels erprobte der -berühmte amerikanische Linsengießer Clark sein neuestes Glas, richtet -es auf den Sirius -- und entdeckt genau an der Stelle, die Peters -für dieses Jahr als Stand des Siriustrabanten angegeben hatte, ein -Sternchen! Man verfolgte seinen Lauf und siehe da, es bewegte sich -in 50 Jahren um den Sirius und stand in jedem Jahr an jenem Punkt, -den Bessel und Peters vor seiner Entdeckung für diese Zeit berechnet -hatten! Welches Wunder ist größer? Daß es Welten gibt in dieser Fülle -und in diesen Fernen, die sich umkreisen wie Sonne und Planeten, oder -daß auf einem dunklen Sonnenstäubchen zwischen ihnen ein Eintagswesen -lebt mit einer grauen Gallertmasse in seiner Schädelschale, das die -Bahnen dieser Welten bestimmt, ohne sie in ihrer Größe und Entfernung -sich vorstellen zu können, ja selbst ohne sie im schärfsten Fernrohr -überhaupt zu sehen? - -Sterne, die mit einem anderen Stern ein kreisendes System bilden, nennt -man Doppelsterne. Fast jeder dritte Stern unserer näheren Umgebung -ist ein Doppelstern, so daß wir heute ungefähr 15000 Doppelsterne -kennen. Weit auseinander stehende Doppelsterne wie das Sternpaar rechts -neben dem Aldebaran* kann man mit bloßem Auge als solche erkennen, -die meisten aber sind erst im Fernrohr und sehr viele auch mit diesem -nicht mehr zu trennen. Die Umlaufszeiten der Doppelsterne schwanken -zwischen einigen Tagen und mehreren Tausend Jahren, je nach dem Abstand -der Sonnen, wie ja auch die Umlaufszeiten unserer Planeten von Merkur -bis Neptun zwischen 88 Tagen und 165 Jahren voneinander abweichen. Die -Umlaufszeiten betragen im Doppelsystem des - - Prokyon 40 Jahre - Sirius 50 " - Alpha Centauri 87 " - Kastor 997 " - -Es gibt aber nicht nur Systeme von zwei Sonnen, sondern solche von 3, -4, 6, 8, 16, ja 20 Sonnen. Dicht neben der Wega in der Leier steht ein -Sternsystem*, von dem ein mäßiges Auge nur ein Pünktchen sieht; ein -gutes Auge sieht diesen Stern als längliche Linie; ein sehr gutes Auge -erkennt zwei eng zusammenstehende Sterne 5. Größe. Schon ein kleines -Fernrohr aber zerlegt jeden dieser beiden Sterne in zwei Körper, so daß -wir hier ein Sternsystem von vier Sonnen vor uns haben. Der hellste -Stern der Plejadengruppe,* Alkyone, ist ein vierfacher, der mittlere -Deichselstern im großen Wagen Mizar* ist ein fünffacher Stern. Der -Lichtschimmer des Orionnebels* unter dem Jakobstab geht von einem -sechsfachen Sternsystem aus, das seiner Gestalt wegen Trapez genannt -wird. - -Die Entdeckung dieser Doppelsterne und ihrer Bewegungen bedeutet einen -großen Fortschritt in der Erkenntnis des Milchstraßensystems. Diese -umeinanderkreisenden Sonnen beweisen uns das Wirken der Schwerkraft -zwischen den Sternsystemen anderer Welten. Dieselbe Kraft, die uns -an den Boden unseres Planeten fesselt, die den Mond an die Erde, -die Erde an die Sonne kettet, waltet droben zwischen den Sonnen der -Milchstraßenferne und heißt sie umeinanderkreisen in nimmer endendem -Doppellauf. +Die Doppelsterne beweisen die Einheit und Allheit der -Schwerkraft im System der Milchstraße.+ - -Aber nicht nur dies. Die Planeten unseres Systems bewegen sich nach -bestimmten Gesetzen um die Sonne, die nach ihrem Entdecker die -Keplerschen Gesetze genannt werden. Die drei Keplerschen Gesetze -sagen, daß die Planeten sich in Ellipsen um die Sonne bewegen, die im -Brennpunkt dieser Ellipsen steht, daß die Bewegung der Planeten um so -rascher wird, je näher sie der Sonne kommen, und daß ihre Umlaufszeiten -in bestimmtem Verhältnis von ihrer Sonnenentfernung abhängig sind. -Als man die Bahnen der Doppelsterne verfolgte, fand man, daß sie sich -genau nach den Keplerschen Gesetzen wie die Planeten unseres Systems -bewegen. Mit Hilfe der Keplerschen Gesetze kann man, und das haben ja -die Vorentdecker des Sirius- und Prokyontrabanten getan, die Stellung -jedes Doppelsterns für jeden beliebigen Zeitpunkt der Zukunft ebenso -genau bestimmen, wie wir es von den Ortsbestimmungen der Planeten -gewöhnt sind. +Durch diese Entdeckung ist neben der Einheit der Kraft -die Einheit des Gesetzes innerhalb des Milchstraßensystems bewiesen.+ - -Die Planetengesetze wirken im All. Gibt es aber auch Planeten, die -ihnen folgen? Werden die Sonnen von dunklen Körpern umkreist wie unsere? - -Es gibt dunkle Sterntrabanten. Rechts abseits von der hellen Sternlinie -des Perseus steht ein einzelner auffälliger Stern 2. Größe, Algol*. -Dieser Stern wechselt seine Lichtstärke. Zwei Tage 20 Stunden 48 -Minuten 53 Sekunden ist er hell, dann sinkt sein Licht innerhalb 4½ -Stunden von der 2. auf die 4. Größe, so daß er ein unscheinbares -Pünktchen wird, verharrt 18 Minuten in dieser Lichtschwäche, um danach -wieder in 4½ Stunden zur gewöhnlichen Helle anzusteigen. Derartige -»Algolsterne« kennt man über 50, und jährlich werden neue Vertreter -dieses Algoltypus entdeckt. Das charakteristische für die Algolsterne -liegt in der astronomischen Pünktlichkeit ihrer Periode. Mit derselben -Genauigkeit, mit der sich eine Sonnenfinsternis für 100 und für 1000 -Jahre voraussagen läßt, kann man von jedem Algolstern die Zeiten -seiner Verdunkelungen auf die Sekunde vorhersagen, so daß es keinem -Zweifel unterliegt, daß wir hier tatsächlich die Verfinsterungen von -Sonnen durch dunkle Begleiter wahrnehmen (Abb. 8). Alle Algolsterne -sind Sonnen, die von dunklen Trabanten umkreist und verfinstert werden. -+Die Algolsterne beweisen die allgemeine Existenz von Planeten um die -Sonnen des Milchstraßensystems.+ - -[Illustration: Abb. 8. Das Algolsystem im Augenblick der größten -Verfinsterung.] - -Natürlich können wir nur große und den Sonnen nahe Planeten wahrnehmen, -denn nur solche können eine merkliche Verfinsterung verursachen. Ein -Planet von der Größe und der Sonnenentfernung der Erde, der sich zu -seiner Sonne verhält wie einer dieser hier gedruckten Lettern zur -ganzen Buchseite und dabei von dieser Seite noch 30 ~m~ entfernt -wäre, kann keinen verdunkelnden Schatten durch den Weltraum werfen. -Außerdem können nur solche Planeten nachgewiesen werden, deren Bahn -in der Blickrichtung gelegen ist, also von uns aus gesehen an der -Sonnenscheibe vorbei und nicht daneben oder darüber hinwegzieht, da -sonst von uns keine Verfinsterung beobachtet werden kann. Infolge ihrer -Größe und Sonnennähe leuchten diese Planeten vom Algoltypus meist noch -selbstständig. Wenn es aber große leuchtende sonnennahe Planeten gibt, -die nach den Keplerschen Gesetzen ihr Zentralgestirn umkreisen, so gibt -es auch ganz gewiß kleinere kalte und sonnenferne Planeten, wie wir sie -in unserem System sehen und wie einer von ihnen unsere Erde ist; und -um diese Planeten schwingen ganz gewiß Ringe und Monde wie um Erde, -Mars und Saturn. So erhebt uns die Kenntnis der Algolsterne abermals -um eine Stufe auf der Leiter der Milchstraßenerforschung. Blicken wir -empor zu den Sternen, die uns zu Häupten glühen und die zu Myriaden -zusammengedrängt den Schimmer der Milchstraße zu uns niedersenden --- jeder einzelne von ihnen ist eine Sonne, umkreist von Trabanten, -eine Welt von Planeten und Monden, von denselben Kräften, denselben -Gesetzen beherrscht wie unsere, und so weitet sich uns der Anblick -des sternbesäten Firmaments zu einem Gedanken von überwältigender -Größe und Erhabenheit, während andererseits vor dem geistigen Auge des -Weltbetrachters unser groß-gewaltiges harmonisches Sonnensystem mit all -seinem Reichtum an Licht, Farben, Körpern und Leben abermals schrumpft, -zusammenschrumpft zu einem Pünktchen im All, einem Lichtfünkchen in dem -großen leuchtenden Sonnenkranz der Milchstraße. - -Auf allen Lippen schwebt an dieser Stelle eine Frage: sind diese Welten -auch bewohnt wie unsere? Wir wissen es nicht. Wie könnten wir auch aus -diesen Weiten, in denen ganze Welten Punkte werden, ein Lebenszeichen -erwarten? Aber es gibt ein höheres als das verstandesmäßige Wissen, das -uns Instrument und Zahlenreihe vermitteln, das ist der Gedankenschluß -der Vernunft. Dieselbe Vernunft, die Demokrit und Giordano Bruno, -Wright, Kant und Lambert geleitet und ihrem Seherauge die Welt in -jenem Lichte offenbarte, in dem sie sich Jahrhunderte später unseren -Instrumenten enthüllte, dieselbe Vernunft läßt uns mit Giordano Bruno -schwören, daß es unzählige bewohnte Welten gibt. Anzunehmen, daß -unsere Erde, dieses dunkle unsichtbare Sonnenstäubchen, dieses Nichts -im System der Milchstraße einzig und allein belebt sei, während jene -100 Millionen andere Sonnensysteme, jene Milliarden andere Planeten -der Milchstraße, die alle aus den gleichen Stoffen und in den gleichen -Größen wie unsere Welt gebaut sind, von denselben Kräften und denselben -Gesetzen gelenkt werden wie diese, unter den gleichen Bedingungen sich -entwickeln, daß alle diese tot und öde wären, zu nichts und abernichts -kreisten, als allein um unsere Nacht zu schmücken, dieses anzunehmen, -verlangte einen Mut, den man nur als Hochmut bezeichnen kann. Der -Schimmelpilz, der in einem dunklen Honigtopfe wuchert und sich für das -einzig lebende Wesen auf der Erde erklärt, ist weniger anmaßend als -der Mensch, der sich zum Alleinbewohner des Universums proklamiert. -Was nützen uns alle Wissenschaften, was alle Zahlen mit 10 Nullen, -alle Teleskope mit ihren Schrauben und Hebeln, alle Kenntnisse des -Weltenbaues, wenn wir nichts +lernen+!? Kopernikus und Kepler, Newton -und Herschel hätten umsonst gelebt, wenn wir uns in dieser höchsten -aller Fragen, in der Lebensfrage zurückbegäben auf den geistigen -Standpunkt des Ptolemäus, der das Weltall um die Erde kreisen läßt. -Hüten wir uns, daß wir nicht groß sind in Taten und klein in Gedanken. -Kühn wie das Fernrohr und zielsicher wie die Rechnung des Astronomen -sei unser Geist und füge sich den Wundern, die die Wissenschaft -entdeckt: wenn die Sonne ein Stern ist unter Legionen von Sternen -gleicher Art, unser System eine Welt unter ungezählten Schwesterwelten, -die Erde ein Planet unter Milliarden ähnlicher Planeten, dann sind auch -wir ein Volk unter Völkern, eine Blüte am großen Stamm des Lebens, der -sich durch den Sonnengarten des Universums rankt. - - »Aus allewigem Grün des Frühlings steigt der Lebensbaum empor; - Milchstraß' und Plejaden reichen diesem Baum zur Leiter nicht.« - -Wenn die Milchstraße wirklich ein großes Sternsystem darstellt, in -dem die Schwerkraft wirkt, müssen sich alle Glieder dieses Systems -gegenseitig anziehen -- und bewegen. Dann können die Gestirne keine -Fixsterne, Haftsterne sein, angeheftet an das Himmelsdach wie die -Glühbirnen an die Decken unserer Zimmer, sondern müssen Sonnen sein, -die im Raume schweben wie die unsere und der Schwerkraft unterliegen, -sich in Bahnen bewegen wie Planeten, Planeten jenes einzig wahren -großen Sonnensystems, dessen Sternenfülle uns als Milchstraßengürtel -nächtlich umschimmert. - -[Illustration: Abb. 9. Der große Wagen vor 50000 Jahren, heute und in -50000 Jahren.] - -Als im Jahre 1718 der berühmte Kometenberechner Halley die Sternkarten -seiner Zeit mit denen des Altertums verglich, bemerkte er, daß -der Stern Aldebaran sich um ⅕, Arktur um 1½ und Sirius sogar um 2 -Vollmondbreiten von ihrem Standpunkt vor ungefähr 2000 Jahren entfernt -haben müßten. Diese erste Bemerkung von Sternortsveränderungen -wurde später durch mehrere Forscher bestätigt. Die Sterne sind kein -»festgenagelt unbeweglich Heer«, sondern bewegen sich. Natürlich -ist diese Sternbewegung nicht unmittelbar zu verfolgen. Die kurze -Spanne eines Menschenlebens von 70 Jahren reicht nicht aus, die -Ortsveränderungen eines Sternes zu bemerken, so wenig 70 Sekunden -genügen, um die Bewegung eines Schiffes am Horizont festzustellen, -selbst wenn es in voller Fahrt dahinsegelt. Wenn Aristoteles aus seinem -Todesschlaf erstünde und den Himmel anschaute, würde er an seinem -falschen Lehrsatz von der ewigen Unveränderlichkeit des Himmels -festhalten. Das Bild des Orion, die Plejaden und der Große Bär würden -ihm in derselben Stellung erscheinen, die er vor 20 Jahrhunderten sich -einprägte. Würde er dagegen den Himmel nach 20 Jahrtausenden wieder -erblicken, so böte sich ihm ein völlig verändertes Bild, und der große -Forscher des Altertums würde des Satzes belehrt, den wir mit unseren -Instrumenten als unwiderlegliche Tatsache erkannt haben: +alle Sterne -bewegen sich+. Der große Himmelswagen konnte ebensowenig vor 50000 -Jahren in der Urzeit als ein Wagen gelten wie nach 50000 Jahren in -der Zukunft, denn seine Sterne streben gruppenweise in verschiedener -Richtung auseinander (Abb. 9). Der Sirius bewegt sich in je 1500 -Jahren um eine scheinbare Vollmondsbreite von seinem Standort und -würde demnach in 1 Million Jahren den ganzen Himmel umkreist haben. -Die größte im Bild festgehaltene Sternverschiebung zeigt der Stern -1830, der sich zwischen den Jahren 1800 und 1900 um ¼ Vollmondsbreite -gegen das benachbarte Sternenpaar verschoben hat (Abb. 10). Als man -die Sterne in der Umgebung dieses Objektes untersuchte, stellte man -eine auffallend ähnlich starke Eigenbewegung an den beiden benachbarten -Sternen 21258 und 21185 fest. Man verfolgte die Richtungen, aus denen -diese drei schnellfliegenden Sterne kommen, und fand zur großen -Überraschung, daß sie von einem gemeinsamen Punkt nach verschiedenen -Seiten auseinanderstreben wie die Splitter einer explodierten Granate. -Sind sie vielleicht Weltensplitter einer Sonnenexplosion? - -[Illustration: Abb. 10. Ortsverschiebung des Sternes 1830 zwischen den -Jahren 1800 und 1900.] - -Wir wissen es nicht. Aber wir sehen hier drei Weltkörper in einer -Bewegung, die mit größter Wahrscheinlichkeit +eine+ treibende -Ursache besitzt. Wir sehen hier drei Sterne in einer offenbaren -+Gruppenbewegung+. Diese Beobachtungen regten die Forscher an, auch -die Sonnen der großen Sterngruppen Plejaden*, Hyaden*, Haar der -Berenice* auf ihre Eigenbewegung zu untersuchen. Wie erstaunt war -man, als man in der Tat an diesen großen Sterngruppen einheitliche -Bewegungen entdeckte! Die fünf mittleren Hauptsterne des Großen Bären -bilden nicht nur eine scheinbare, sondern tatsächlich zusammengehörige -»Bärenfamilie«. Ihre durchschnittliche Entfernung von uns beträgt 6 -Millionen Sonnenweiten = 100 Lichtjahre. Auch untereinander ist ihr -Abstand trotz ihrer Zusammengehörigkeit noch gewaltig. Der äußerste -Stern Merak in der rechten unteren Ecke des Vierecks ist von Mizar in -der Deichsel viermal weiter als der Sirius von uns entfernt, und das -Licht braucht zum Durcheilen dieser Strecke 30 Jahre. Trotzdem verraten -diese Sterne durch Übereinstimmung ihrer Entfernung, Größe, Farbe, -Temperatur, stofflichen Beschaffenheit und Bewegung ihre unzweifelhafte -Zusammengehörigkeit. Sie bewegen sich sämtlich mit der gleichen -Geschwindigkeit in der Richtung auf den Stern Wega* in der Leier und -legen auf diesem Sonnenlauf jährlich 600 Millionen Kilometer zurück. -Weniger schwer als bei dieser ausgedehnten Sternfamilie läßt sich die -Zusammengehörigkeit jener eng gedrängten Sonnen verstehen, die wir -als die bekannten Sternhaufen Plejaden, Krippe und Hyaden am Himmel -erblicken. 45 von den 150 helleren Sternen der Plejaden* besitzen neben -gemeinsamer Entfernung, Größe, Temperatur und Stoffbeschaffenheit -eine gemeinsame Eigenbewegung, an der sich von den mit bloßem Auge -sichtbaren Sternen Elektra, Atlas und das Alkyonesystem beteiligen. -Fast noch auffälliger ist die gemeinsame Bewegung der benachbarten -Hyadengruppe im Stier rings um den Hauptstern Aldebaran. Ihre -Entfernung von uns beträgt ungefähr 120 Lichtjahre. Zeichnet man die -Bewegung dieser Sterne auf, so laufen alle Richtungslinien in einem -Punkt des Fuhrmanns zusammen (Abb. 11). Eilen diese Sterne unaufhaltsam -einer Katastrophe entgegen? Werden sie eines Tages an diesem Punkt -zusammenprallen und das Firmament durch einen ungeheuren Weltbrand -entflammen? Nein. Diese Sterne entfernen sich von uns und laufen auf -diesem Wege parallel nebeneinander her wie die Gleise einer Eisenbahn, -und wie die Schienen scheinbar in der Ferne zusammenlaufen, während -sie in Wahrheit in immer gleichem Abstand bleiben, so scheinen die -Hyaden auf ihrem Lauf in die Himmelstiefe zusammenzuströmen, während -sie in der Tat nur in einer Richtung nebeneinander eilen. Um 40 ~km~ -entfernen sie sich in jeder Sekunde von uns, enger und enger für -unsere Blicke zusammenströmend wie die roten Lichter eines enteilenden -Zuges. In 50000 Jahren haben sie sich um die Länge der eingezeichneten -Pfeile bewegt, in 50 Millionen Jahren ist die ausgedehnte Gruppe -für uns in der Weltraumferne zusammengeschrumpft zu einem winzigen -Haufen, in dem nur das Fernrohr kleinste Sterne 10. Größe wahrnimmt -- -für immer verschwunden wie ein Zug von Vögeln, der sich im Blau der -Ferne als Punkt verliert. Nicht sehr fern von den Hyaden steht eine -Sterngruppe, Praesepe oder Krippe* genannt. Zehn Sterne dieser Gruppe -stimmen in der Richtung ihrer Bewegung, in ihrer Schnelligkeit, ihrer -physischen Beschaffenheit, Temperatur und Größe so vollkommen mit den -Hyadensternen überein, daß an einer inneren Verwandtschaft zwischen -den Sternen dieser beiden Gruppen wohl kaum ein Zweifel bestehen kann. -Leider gestattet die Lückenhaftigkeit unserer Kenntnisse uns heute -noch nicht einmal eine Wahrscheinlichkeitshypothese über das Wesen der -Verwandtschaft zwischen diesen beiden hervorragenden Sternfamilien. - -[Illustration: Abb. 11. Gruppenbewegung der Hyaden. Die Länge der -Pfeile gibt die Ortsveränderung in 50000 Jahren an.] - -Diese Gruppenbewegungen der Sterne offenbaren uns ein neues -Prinzip in der Mechanik der Milchstraße: +es herrscht Ordnung im -Milchstraßensystem und in den Bewegungen seiner Sonnen+. Die Sterne -sind nicht regellos wie der Sand am Meer verstreut, die Schwerkraft -treibt sie nicht wahllos durch den weiten Plan. Sie sind geordnet -zu Paaren und Familien, sie bewegen sich in Gruppen und Zügen, wie -Zugvögel fliegen sie durch das All. Angesichts dieser Gruppenbewegungen -fühlen wir das Wirken sonnenordnender Mächte und weltbeherrschender -Gesetze, uns durchweht ein Ahnen vom »Kosmos«, vom großen Schmuck -des Alls, von der Weltenordnung des Universums. Aber die Grenzen -dieses Wissens und Gefühls sind beschränkt. Alle jene Sterne, deren -Gruppenbewegung wir verfolgt, sind unsere Nachbarwelten, sind -Glieder jenes kleinen im Ring der Milchstraße verschwindend kleinen -Haufens, in dessen Mitte unsere Sonne sich befindet. Was wir über -die Bewegung dieser helleren Sterne erfahren, betrifft immer nur das -Leben dieser kleinen Sternenfamilie von einigen hundert Sternen und -nicht den großen millionenzähligen Sonnenstrom der Milchstraße. Um -die allgemeine Sternbewegung im System der Milchstraße zu ergründen, -müßten wir die Ortsverschiebung all jener unzähligen kleinsten und -feinsten Lichtpünktchen, deren Herschel Tausende auf dem Raum einer -Vollmondscheibe zählte, erforschen, müßten wir den Sternort jedes -dieser Sonnenfünkchen, deren Gesamtlicht uns als Milchschimmer -entgegendämmert, aufs genaueste bestimmen. Ein aussichtsloses -Unternehmen! Welcher Menschenfleiß könnte diese Scharen bannen? Eine -Armee von Astronomen müßte dieser Riesenarbeit ihr Leben opfern. Ganze -Batterien von Teleskopen müßten gegen die Milchstraße aufgefahren -werden. Und auch dann wäre es unmöglich, sich mit Menschensinnen ohne -Irren zurechtzufinden in dem Lichtgeflimmer dieser dichtgedrängten -Legionen. Wer kann die Tropfen zählen, die aus Wolken fallen, wer die -Flocken berechnen, die im Schneegestöber wirbeln? Der Mensch hätte -bedingungslos auf die Erfüllung dieses Wunsches verzichten müssen, -wenn es ihm nicht gelungen wäre, der Erfindung des Fernrohrs, das ihm -diese Wunder enthüllte, eine zweite hinzuzufügen, die ihm diese Wunder -festhielt: die +Photographie+. - -Die photographische Kamera kann man das dritte Auge der Menschheit -nennen. Sie ist ein echtes Auge. Sie besteht aus einem Augenkasten, -der wie der menschliche Augapfel schwarz ausgekleidet ist, einer Linse -wie die menschliche Linse und einer lichtempfindlichen Tapete wie die -Netzhaut unseres Augenhintergrundes. Genau wie das menschliche Auge -stellt sich dieses dritte Auge ein auf nah und fern. Aber es übertrifft -das Menschenauge in der verschiedensten Weise. Das menschliche Auge -besitzt nur einen Momentverschluß. Es nimmt nur Augenblicksbilder von -jedem Punkt auf. Bei scharfer Einstellung auf einen Punkt ermüdet es -nach wenigen Augenblicken und liefert nunmehr nur noch verschwommene -Bilder. Das photographische Auge arbeitet mit Zeitaufnahmen. Es sieht -10 Minuten, 10 Stunden. Je länger es offen steht, desto mehr sieht -es. Es blickt 5 Tausendstel Sekunden hin und sieht die 20 hellsten -Sterne erster Größe. Es blickt 10 Tausendstel Sekunden und sieht die -50 Sterne 2. Größe. Es schaut 30 Tausendstel Sekunden und erblickt 200 -Sterne 3. Größe. Es öffnet sich 1 Zehntel Sekunde und bannt 600 Sterne -4. Größe auf seine künstliche Netzhaut. Nach 2 Zehntel Sekunden gibt -es uns das Bild von 1200 Sternen 5. Größe und nach 5 Zehntel Sekunden -das von 4000 Sternen 6. Größe. Wir sind an die Grenze dessen gelangt, -was das menschliche Auge unbewaffnet sieht. Eine Sekunde braucht das -photographische Auge, um die Sterne 7. Größe, 3 Sekunden, um die der -8. Größe, 8 Sekunden, um die der 9., 20 Sekunden, um die Sterne 10. -und 30 Sekunden, um die Sterne 11. Größe, die in der Entfernung von -1000 Lichtjahren leuchten, festzuhalten. Nach 2 Minuten sieht es alle -Sterne der 12., nach 5 Minuten alle Sonnen 13. Klasse. In 13 Minuten -hat es 44 Millionen Sterne 14. Klasse erfaßt, in 33 Minuten 134 -Millionen 15. und in 80 Minuten 400 Millionen Sterne 16. Größe. Die -drei Bilder der Abb. 12 illustrieren die Sehkraft des photographischen -Auges. Das unbewaffnete Auge sieht an dieser Stelle nur den Stern -Deneb*. Im Fernrohr nimmt es noch die Sterne des oberen Feldes wahr, -die photographische Platte erblickt in vier Stunden die Sterne des -mittleren und in 13 Stunden die Sterne des unteren Feldes. - -Da die photographische Platte außerdem im Gegensatz zum menschlichen -Auge für die unsichtbaren ultravioletten Strahlen sehr empfindlich ist, -sieht die Camera obscura Tausende von Sternen ultravioletter Farbe, die -das Menschenauge selbst in phantastisch großen Teleskopen nie erblicken -könnte. - -Das photographische Auge sieht also mehr. Es sieht aber auch ohne -Fehler. Es fälscht nicht wie der menschliche Sehapparat. Wenn ein -Astronom einen Sternort bestimmt, muß er das Bild von seiner Netzhaut -in die Sehsphäre des Großhirns, von hier ins Muskelerregungszentrum -leiten, von hier durch die Nervenbahnen des Rückenmarks in die -Handmuskeln schicken, die das Bild des Sternes in ein vorgedrucktes -Netz eintragen. Wieviel Fehler können und müssen sich auf diesem -mehrfachen Schaltweg einschleichen? Das photographische Auge kennt -keine Umschaltung. Es vereinigt auf seiner Netzhaut Sehen, Erfassen und -Zeichnen. Was es sieht, hat es schon erfaßt, und was es erfaßt hat, ist -schon in seinem Bilde eingezeichnet. Es hält das Bild da fest, wo es -physikalisch in Wirklichkeit erscheint. Jedes Pünktchen, und sei es das -kleinste, steht an seiner Stelle und keinen Deut daneben. - -Das photographische Auge arbeitet schneller. In einer Stunde entwirft -es eine Himmelskarte, zu deren Anfertigung ein Astronom ein Jahr -gebraucht. Während nämlich das menschliche Auge zu einer Zeit nur -eine Stelle scharf erkennen kann, das menschliche Hirn nur eine -Ortsbestimmung übernehmen, die menschliche Hand nur eine Sternzeichnung -ausführen kann, sieht das photographische Auge zu gleicher Zeit -1000 Sterne und zeichnet alle 1000 in Sekunden auf die Platte ein. -Jedes Bromsilberkörnchen in der Gelatineschicht einer Platte ist -ein Auge, ein Hirn, eine Hand für sich, ist ein Mensch, der für uns -sieht, denkt und zeichnet, und eine einzige unscheinbare gelbe Platte -ersetzt die Arbeitskraft einer ganzen Warte. Die Photographie hat -durch den automatisch technischen Betrieb das Maschinentempo in die -Himmelsforschung eingeführt. - -Das photographische Auge besitzt eine grenzenlose Erinnerung. Während -der Eindruck eines Bildes auf der menschlichen Netzhaut verblaßt, -sobald der Lidverschluß sich senkt, und von nun an immer mehr -verwischt, so daß ein Bild, das nicht sofort übertragen wird, schon -nach Minuten für alle Zeit verloren ist, bewahrt die photographische -Platte den Eindruck des Moments für alle Zukunft. Was es in der Nacht -gesehen, enthüllt das photographische Auge am Tage, was es in den -Tropen erschaut, erzählt es ohne einen Schattenhauch zu lügen nach -einem Jahr in London und Paris. Ehedem mußte der Astronom in Nacht und -Kälte an dem Fernrohr sitzen, Stern für Stern aufsuchen, einstellen, -ausmessen, berechnen und einzeichnen. An einem anderen Abend mußte er -diese Arbeit genau so wiederholen, um die Ergebnisse zu kontrollieren -und bei Entdeckung von Fehlern zum dritten Male ausführen. Und heute? -Am hellen Tage bei Wolkenhimmel und Nebelatmosphäre werden alle -Vorbereitungen für eine Sternphotographie erledigt. Man erwartet die -Nacht, prüft den Stand des Rohres, ein Hebeldruck, das photographische -Auge öffnet sich, blickt stumm in Finsternis, die Menschenaugen nichts -enthüllt, stumm schließt es sich -- tausend Sterne sind fixiert. - -[Illustration: Abb. 12. Die Gegend des Sternes Deneb, wie sie sich 1. -dem Auge. 2. der photographischen Platte nach vier Stunden, 3. nach 13 -Stunden offenbart.] - -Nur dem photographischen Auge verdanken wir die Erfüllung eines -Wunsches, der vor 100 Jahren einem Herschel und selbst vor 50 noch -einem Argelander als märchenhafter Traum erscheinen mußte und für -die Milchstraßenforschung ein Ereignis ersten Ranges bedeutet: die -Anfertigung einer Himmelskarte, in der alle Sterne bis zu den kleinsten -hinab aufs genaueste eingezeichnet sind. Im Jahre 1887 trat in Paris -ein internationaler Astronomenkongreß zusammen, der die Ausführung -einer photographischen Himmelskarte beschloß. Die Aufgabe, nach -festgelegten Grundsätzen mit einem bestimmten Instrument den ganzen -Himmel photographisch aufzunehmen, wurde verteilt unter die Sternwarten -Greenwich, Oxford, Helsingfors, Potsdam, Paris, San Fernando, Tacubaya, -Perth, Kapstadt, Sidney, Melbourne, Santiago, Hyderabad, Kordoba und La -Plata. Jede Sternwarte hatte eine Himmelszone zu photographieren und -zwar in zwei Serien. Sie hat 1200 Aufnahmen von 5 Minuten und 1200 von -50 Minuten Belichtungsdauer anzufertigen. Die kurzen Aufnahmen, die -400000 Sterne bis zur 11. Größe festhalten, werden zu einem Katalog -vereinigt, die langen Aufnahmen, die über 3 Millionen Sterne fixieren, -sind für einen Himmelsatlas bestimmt. Jede Platte umfaßt den 10313. -Teil des Himmels. Dadurch, daß die Ecke jeder folgenden Platte mit dem -Mittelpunkt der vorhergehenden zusammenfällt, ist jeder Stern auf zwei -verschiedenen Platten aufzufinden, wodurch vorkommende Plattenfehler -aufgedeckt und ausgeschaltet werden. Im ganzen werden 40000 Platten -angefertigt, die in Paris gesammelt und mit besonderen Meßapparaten -ausgemessen werden. - -Gerade in unseren Tagen geht dieses Gigantenwerk seiner Vollendung -entgegen. Nicht das Werk eines Mannes, nicht die Tat eines Volkes, -nicht die Leistung eines Kontinents, hier wird ein Menschheitswerk -vollbracht. Länder überbrücken ihre Grenzen, Völker reichen sich die -Hände, Antipoden grüßen sich. Über den Dächern von Paris, in den Ebenen -Schottlands, an Spaniens südlichster Küste, am Kap der guten Hoffnung, -am Abhang des südamerikanischen Hochgebirges, auf den Mauern indischer -Festen, an den Küsten des 5. Erdteils in der Südsee -- überall richten -sich die Rohre gegen den Himmel, öffnen sich die stummen Augen der -Camera obscura, und ihr Blick bannt auf die gläserne Netzhaut für -alle Zeit das Bild der Sterne, wie es sich der Menschheit um die -Wende des 20. Jahrhunderts darbot. Schon der Geist, der über diesem -internationalen Friedenswerke liegt, ist erhebend, und um seinetwillen -ist es die Mühe wert. Menschen, die sich nie gesehen, nie voneinander -gehört, ihre Sprache nicht verstehen, einen sich zu gemeinsamem Tun, -dienen einer Idee; widmen ihre Arbeitskraft, ihre Lebensideale einem -Werk, an das sich nie der Name derer knüpft, die es verwirklicht, -von dem die Schaffer nicht einmal den Lohn genießen werden. Denn die -photographische Himmelskarte ist ein Werk der Zukunft. Die Astronomen, -die heute den Himmel photographieren, handeln selbstlos wie jener -Greis, der Bäume pflanzte, damit die Enkel Schatten und Früchte -genießen. Sie selbst pflücken nicht die Früchte ihrer Arbeit. Aber die -Saat, die sie ausstreuen, verheißt den Enkeln eine reiche Ernte. In 50 -Jahren nämlich wird man die photographische Himmelskarte wiederholen, -und dann wird jede noch so geringe Verschiebung auch der kleinsten -und letzten Sternchen aufs genaueste festgestellt werden. Nach der -Neuauflage der internationalen Himmelskarte in einem halben Jahrhundert -wird man die Eigenbewegungen nicht von hundert, sondern von 100000 -Sternen feststellen können, und einen, wenn auch infolge der kurzen -Zeitspanne nur allgemeinen, so doch umfassenden Einblick in das Wesen -der Sternbewegungen innerhalb der Milchstraße gewinnen. - -Bei aller Großartigkeit gibt uns die photographische Maßmethode -doch nur ein einseitiges Bild von den Bewegungen im Weltall. Sie -unterrichtet uns nur über die seitlichen Verschiebungen der Sterne -in der Bildfläche, über die Sternbewegungen in der Bildtiefe, in der -Blickrichtung gibt sie uns keinen Aufschluß. Der einfache Verstand -kann sich keine einzige Methode ausdenken, die uns über die Annäherung -oder die Entfernung der Sterne Aufschluß zu geben vermöchte. Jeder -dieser Sterne ist ein Pünktchen, seit Jahrtausenden unverändert, -und er müßte um ein Zehntel, um ein Viertel, um die Hälfte seines -ungeheuren Abstandes näher oder weiter rücken, müßte also in viel -tausend Jahren phantastisch große Strecken zurücklegen, ehe wir an -der Zu- oder Abnahme seiner Helligkeit die Richtung seiner Bewegung -erkennen könnten. Und wenn wir selbst durch irgendeinen wunderbaren -Apparat die Richtung dieser Bewegung in kurzer Zeit feststellen, -könnten wir jemals hoffen, die Geschwindigkeit dieser Bewegung zu -erfahren? Könnten wir nicht eher glauben, daß die Träume Jules Vernes -von der Mondfahrt und der Reise ins Zentrum der Erde Wahrheit würden, -als daß wir sagen können, der Sirius nähert sich uns in jeder Sekunde -um 7 ~km~, Aldebaran dagegen entfernt sich von der Erde mit einer -Sekundeneile von 50 ~km~? Müßten dazu nicht Märchen Wahrheit werden? - -Diese Märchen sind Wahrheit geworden. Zwar kümmert sich die große -Welt nicht um diese Wunder, weiß nichts von ihnen. Seit jeher war -es so der Lauf der Dinge, daß Marktgeschrei und Tagessensation die -Menschen locken. Vor einem neuen Gauklertrick jauchzt das Parterre, vor -einem neuen Lichteffekt staut sich die Menge, ein neuer Sportrekord -begeistert das Publikum, und das Wunder sucht man in Bühnenromantik -und am Spiritistentisch. Einen altrömischen König nicht zu kennen, die -Jahreszahl eines Kreuzzuges nicht zu wissen, den Roman des neuesten -Tagesdichters nicht gelesen zu haben, schämt sich der »Gebildete«. Aber -am wahren Wissen, an den wahren Wundern geht die Welt vorüber. Denn die -wahren Wunder sind stumm und bescheiden. - -Das Fernrohr ist die künstliche Linse, die photographische Platte -die künstliche Netzhaut der Menschheit. Sie sind nichts anderes als -Verbesserungen unseres natürlichen Sehapparates. Sie erschließen -uns nichts neues, unbekanntes, sondern verstärken nur die beiden -Grundfähigkeiten unseres Auges: mit der Linse Licht zu sammeln und -ein Bild zu entwerfen, mit der Netzhaut dieses Bild aufzunehmen und -festzuhalten. Das dritte Instrument des Astronomen aber bereichert -uns um eine ganz neue Anschauungsmöglichkeit, es schenkt uns ein -neues Organ, gleichsam einen sechsten Sinn. Es eröffnet uns eine -ganz neue Welt, sozusagen eine vierte Dimension. Dieses neue -Weltbetrachtungsorgan ist das +Prisma+. - -Jeder kennt das Prisma oder den Dreikant. Zu Dutzenden hängt es an den -alten Kronleuchtern und hat uns schon als Kind Freude gemacht durch -die Buntheit seiner Lichter. Jede geschliffene Spiegelkante ist ein -Prisma. Der Kristallschliff unserer Vasen und Schalen zerlegt die -glatte Glasfläche in lauter kleine Prismen. Jeder Diamant ist in seinem -Schliff ein vielfaches Prisma. - -Das Prisma ist das Gegenteil der Linse. Die Linse ist rund, glatt und -strebt nach Breite und Wölbung. Das Prisma ist eben, eckig und strebt -nach Kante und Spitze. Die Linse sammelt das Licht zu einem Punkt, -das Prisma breitet es aus zu einem Band. Wenn man den Lichtstrahl -mit einem Zentimeterband vergleicht, so kann man sagen: die Linse -rollt dieses Band zusammen, das Prisma rollt es auseinander. Diese -Fähigkeit des Prismas, Lichtbündel bandartig zu entfalten, ist den -Organismen fremd. Wenn es Menschen gäbe, die Fernrohrlinsen in den -Augen und photographische Platten als Netzhaut trügen, so würden -sie die Welt genau so sehen wie wir. Wenn es aber Menschen gäbe mit -Prismen statt Linsen im Auge, so würden sie ein völlig neues Bild der -Welt erhalten. Sie würden alle Dinge statt verkleinert und zu Bildern -zusammengedrängt, auseinandergezerrt und zu bunten Bändern entfächert -sehen. Welch anderes und doch auch wiederum naturgetreue Bild würden -jene Wesen mit Prismenaugen von der Welt erhalten! Wie anders würden -sie die Welt erforschen und beurteilen! - -Da wir von Natur aus nicht gewohnt sind, mit Prismen statt mit Linsen -zu sehen, so sind uns seine Eigenschaften nicht so vertraut und ohne -gewisse Vorkenntnisse über die Natur des Lichtes nicht verständlich. -Das Licht fassen wir als eine Wellenbewegung des Weltäthers auf. -Der Weltäther ist ein unendlich feiner Stoff mit einzigartigen -Eigenschaften, der das ganze Weltall von den kleinsten Zwischenräumen -zwischen den einzelnen Atomen bis zu den Räumen zwischen den Sternen -ausfüllt. Entsprechend seiner Feinheit -- er soll 15 Trillionen mal -leichter sein als die Luft, -- pflanzen sich die Wellen dieses Äthers -unvorstellbar schnell fort, und zwar mit der Geschwindigkeit von -300000 ~km~ in der Sekunde. Aber nicht alle Lichtwellen sind gleich -lang. So wie ein großer Dampfer größere Wasserwellen von sich wirft -als ein kleiner, wie eine Kanone größere Luftwellen aussendet als -eine Pistole, so senden die schwingenden Moleküle und Atome je nach -ihrer Größe Ätherwellen von verschiedener Länge aus. Die Röntgenröhre -erzeugt Ätherwellen von ein Zehnmilliontstel ~mm~, die Röntgenstrahlen, -die infolge ihrer Kleinheit die meisten Stoffe durchdringen. Der -Telefunkenapparat entsendet Ätherwellen von 5 ~km~ Länge, die infolge -ihrer Größe über den ganzen Erdball schwingen. Da alle Ätherwellen -unabhängig von ihrer Länge in der Sekunde 300000 ~km~ zurücklegen, -schwingen die langen in der Sekunde nicht so häufig wie die kurzen, -so wie ein Mensch mit langen Beinen nicht so viel Schritte zu machen -braucht wie ein ebenso schnell laufender mit kurzen Beinen. Es folgen -sich in der Sekunde nur 60000 telegraphische Wellen, dagegen viele -Tausend Billionen Röntgenwellen. Wir können nur einen ganz bestimmten -Teil von Ätherwellen direkt wahrnehmen. Wir empfinden nur Ätherwellen -zwischen 100 und 1000 Billionen Schwingungen in der Sekunde, die erste -Hälfte davon als Wärme, die zweite Hälfte davon als Licht, und zwar als - - rot Äther- von 700 million- ~mm~ Länge mit 450 Billionen Wellen - wellen stel - orange " " 600 " " " " 500 " " - gelb " " 550 " " " " 550 " " - grün " " 500 " " " " 600 " " - blau " " 475 " " " " 650 " " - indigo " " 425 " " " " 700 " " - violett " " 400 " " " " 775 " " - -Diese Ätherwellen werden von den schwingenden Atomen und Molekülen der -leuchtenden Körper erzeugt. Die schwingenden Atome eines glühenden -Sternes schlagen den Weltäther, wie Mühlräder oder Schiffsschaufeln -Wasser in Wellen von sich schlagen. Diese Wellen pflanzen sich im -Weltäther des Weltraumes fort, gelangen in unsere Atmosphäre, und -wir empfinden sie als das Licht des Sternes. Von der Geschwindigkeit -der Atomumdrehungen, von der Zahl und Länge der Wellen hängt die -Farbe eines Körpers ab. Schwingt eine Atomart z. B. das Natriumatom -allein in ungestörtem Rhythmus, so erzeugt sie eine Ätherwellenart -von bestimmter Größe und Zahl und zwar 550 Billionen in der Sekunde, -also gelb erscheinende Wellen. Natriumlicht ist gelb. Die Ätherwelle -der Kaliumatome erscheint rot, der Indiumatome blau usf. Schwingen -dagegen die Atome verschiedener Stoffe mit verschiedenem Rhythmus -durcheinander, so laufen diese verschiedenen Ätherwellen neben- und -durcheinander her, und es entsteht kein reiner Rhythmus, keine reine -Farbe, sondern ein Gemisch von verschiedenen Farben: weiß. Das weiße -Licht ist gemischtes Licht und verhält sich zu den einzelnen Farben wie -ein vielstimmiges Geräusch zu den einzelnen Tönen. Die Sterne senden -gemischtes Licht aus. Treffen Ätherwellen nun ein Prisma, so werden -sie von diesem abgelenkt, weil das Glas des Prismas für Ätherwellen -ein ähnliches Hindernis bildet wie etwa ein Wehr für Wasserwellen oder -ein Sandhaufen für einen Fußgänger. Aber das Prisma hält nicht alle -Ätherwellen gleichmäßig auf, sondern lenkt natürlich die großen und -kräftigen Ätherwellen weniger ab als die kleinen und schwachen, wie -eine Klippe im Meer die großen Wellen weniger stört als die kleinen. -Kommt also ein schmales Bündel Sternenlicht, das alle Wellenarten -enthält, durch ein Prisma, so lenkt dieses die einzelnen Wellenarten -nach ihrer Länge geordnet, die längsten roten am wenigsten, die -kürzesten violetten am stärksten von ihrem Wege ab und breitet so das -weiße Lichtbündel, in dem alle diese Strahlen zusammenlaufen zu einem -Band auseinander, in dem die einzelnen Wellenarten, d. h. Farben nach -Wellenlänge sortiert nebeneinander erscheinen. Solch ein Farbenband, -das die Farben rot, orange, gelb, grün, blau, indigo, violett -nebeneinander enthält, nennt man Spektrum (Abb. 13). Über einem solchen -Spektrum, das jedermann vom Anblick des Regenbogens kennt, kann man -eine Skala anbringen, die die Anzahl der Ätherwellen an den einzelnen -Punkten des Spektrums anzeigt. Am roten Ende steht dann die Zahl 450 -(Billionen), über dem orange 500, an der Grenze zwischen grün und blau -600, am violetten Ende die Zahl 800. Man weiß dann, an dem Teilstrich -800 des Spektrums treffen in der Sekunde 800 Billionen Ätherwellen -ein, die die Farbenempfindung violett in uns hervorrufen, an dem -Teilstrich 500 500 Billionen Wellen, die orangefarben erscheinen. - -[Illustration: Abb. 13. Entstehung eines Spektrums bei Durchgang eines -Lichtbündels durch ein Prisma.] - -Bewegt sich nun eine Lichtquelle mit großer Geschwindigkeit auf uns zu, -so treffen uns natürlich in der Sekunde mehr Ätherwellen, entfernt sie -sich von uns, so nimmt die Zahl der Wellen in der Sekunde ab. Steht ein -Stern im Raum still, und entrollen wir durch ein Prisma sein Licht zu -einem Spektrum, so werden an dem Teilstrich 600 unserer Skala in der -Sekunde 600 Billionen Wellen in der Sekunde eintreffen. Es wird hier -die Grenze zwischen grün und blau liegen. Nähert sich uns dieser Stern -mit einer gewissen Geschwindigkeit, so treffen statt 600 Billionen 650 -Billionen Ätherwellen ein, diese Stelle des Spektrums erscheint blau. -Entfernt sich dieser Stern, so kommen nur 550 Billionen Ätherwellen in -der Sekunde an und diese Stelle erscheint grün. Genau so ändert sich -natürlich das Spektrum in allen seinen anderen Teilen. Bei Annäherung -der Lichtquelle wandelt sich das Rot in Orange, das Gelb in Grün, das -Blau in Indigo und dieses in Violett um. Bei Annäherung der Lichtquelle -verschiebt sich das ganze Spektrum im Vergleich zum Farbenband eines -ruhenden Körpers nach der Seite des Violett, bei Entfernung der -Lichtquelle verschiebt es sich umgekehrt nach dem roten Ende. Aus der -Größe dieser Verschiebung, die in Wahrheit natürlich nur mikroskopisch -wahrnehmbar ist, läßt sich die Geschwindigkeit selbst der fernsten -Sterne bis auf ½ ~km~ Genauigkeit für die Sekundenbewegung in der -Blickrichtung bestimmen (Abb. 14). - -Die Anwendung dieser einfach erscheinenden Methode ist in der Praxis -äußerst kompliziert. Das Prisma wird in einen Apparat eingebaut, den -man Spektroskop nennt. Dieser wird an ein Fernrohr angeschlossen. Um -das winzige Spektrum breit auseinanderzuziehen, schaltet man eine ganze -Reihe von Prismen hintereinander, von denen jedes folgende das Spektrum -des vorhergehenden wieder verbreitert. In neuester Zeit verwendet man -an Stelle der Prismen die wirkungsvolleren Beugungsgitter, Spiegel mit -feinsten eingeschliffenen Querstrichen, die so eng zusammenstehen, daß -600 von ihnen zwischen 2 Millimeterstrichen nebeneinander laufen. Diese -Rowlandschen Konkavgitter stellen sozusagen Tausende kleinster Prismen -nebeneinander vor. Das Spektrum wird nicht mit dem Auge betrachtet, -sondern photographiert. Das photographische Spektroskop nennt man -Spektrograph. Die Photographie wird mit besonders eingerichteten -Mikroskopen durchmustert. Neben der Genauigkeit und Arbeitsersparnis -deckt die Photographie, da das Bromsilber für die unsichtbaren -ultravioletten Strahlen sehr empfindlich ist, noch jene ultravioletten -Teile des Spektrums jenseits des violetten Endes auf, die das Auge -nicht mehr wahrnimmt. Dagegen ist die photographische Platte für die -langwelligen unsichtbaren ultraroten Strahlen jenseits des roten -Spektralendes nicht empfindlich. Aber diese Strahlen erzeugen weit über -die Grenze der Sichtbarkeit hinaus noch Wärme. Diese Wärme wird mit -einem thermoelektrischen Apparat des Amerikaners Langley gemessen, dem -Bolometer. Dieser Apparat registriert Temperaturunterschiede von ein -Zehnmillionstel Grad Celsius. Also während ein gewöhnliches Thermometer -um einen einzigen Grad ohne Zwischenstufe steigt, kann das Bolometer -auf dieser Strecke an 10 Millionen verschiedenen Punkten haltmachen. -Ja, selbst Schwankungen von ein Hundertmillionstel Grad ergeben am -Bolometer noch einen nachweisbaren Ausschlag des Zeigers. Das Bolometer -hat »im dunklen Reich des Lichts« Entdeckungen gemacht, wie sie in -ähnlicher Feinheit selbst Auge und Photographie im sichtbaren Teile -des Spektrums nicht erreichen können. Mit dem Bolometer erwies sich -der unsichtbare Teil des Spektrums jenseits des Rot um 20mal länger -als der sichtbare! Mit Hilfe dieser »Spektroskopie« kann man die -Bewegungsgeschwindigkeit der Sterne auf uns zu und von uns weg aufs -genaueste berechnen. Die Fehlergröße beträgt selbst bei Sternen, die -100 Lichtjahre von uns entfernt sind, noch nicht 1 ~km~. Man bedenke: -wir sehen über uns am Himmelsgrund kleine Pünktchen, die sich selbst im -größten Fernrohr nicht verändern. Seit Menschengedenken stehen diese -Pünktchen angeheftet an ihrem Himmelsplatz wie aufgehängte Lampen. -Wir wissen nun nicht nur, daß diese Pünktchen Sonnen sind wie unsere -Sonne, daß sie 100 Lichtjahre von uns entfernt sind, von Planeten -umkreist werden wie unsere Sonne, nein, wir richten unser Rohr auf -solch einen Punkt, stellen einen Prismenapparat an sein Okular und -schrauben an das untere Ende eine photographische Kamera. Wir öffnen -den Lichtschlitz, schließen ihn nach einer Weile wieder, gehen mit -einer verschlossenen Kassette in ein Dunkelzimmer, tauchen eine gelbe -Glasplatte in ein Bad, legen sie unter ein Mikroskop und sagen: diese -Sonne in 100 Lichtjahren Entfernung bewegt sich auf uns zu mit einer -Sekundengeschwindigkeit von 23 ~km~. Wir sind bereit zu schwören, daß -es nicht 30 und nicht 20 sind, sondern 23. Ist der Mensch nicht auch -ein Wunder, den größten Wundern des Weltalls ebenbürtig? - -[Illustration: Abb. 14. Verschiebung der Spektrallinien eines Sternes -bei (oben) 38, (unten) 72 ~km~ Entfernung in der Sekunde. Man erkennt -deutlich, wie die Linien gegen das Spektrum des ruhenden Eisens (die -weißen Linien an den Rändern) nach rechts verschoben sind.] - -Die spektroskopischen Untersuchungen haben auch bei diesen -Sternbewegungen die Einheit des Milchstraßensystem glänzend bewiesen. -Sämtliche Sterngeschwindigkeiten schwanken innerhalb kleiner Grenzen. -Es gibt im System der Milchstraße keine gesetzlosen Ausnahmen. -Phantastische Sonnengeschwindigkeiten, die etwa der Lichteile -gleichkommen, sind in ihm ebensowenig zu finden wie Stillstand, größere -Abweichungen vom Mittelwert als das Zehnfache werden kaum gefunden. Im -allgemeinen bewegen sich die Sterne mit denselben Schnelligkeiten, die -wir an den Welten unseres Planetensystems bemerken. Die Geschwindigkeit -des Erdlaufes um die Sonne, 30 ~km~ in der Sekunde oder 100000 ~km~ in -der Stunde, ist geradezu ein Mittelwert für die Bewegungen der Sterne -innerhalb der Milchstraße. Von den bekannten Sternen - - entfernen sich von uns: - - Pollux Sek.-Geschwindigkeit 3 ~km~ - Bellatrix " 9 " - Rigel " 17 " - Beteigeuze " 17 " - Sterne d. Jakobstabes - der linke " 18 " - der rechte " 23 " - Kapella " 24 " - Die Hyaden " 40 " - Aldebaran " 51 " - - nähern sich uns: - - Kastor Sek.-Geschwindigkeit 1 ~km~ - Deneb " 2 " - Algol " 4 " - Arktur " 5 " - Bärenfamilie " 6 " - Prokyon " 6,5 " - Sirius " 7,5 " - Regulus " 9 " - Wega " 13 " - Polarstern " 13 " - Mizar " 31 " - Atair " 38 " - -Der Gedanke, daß eine gewaltige Sonne wie der Sirius sich uns in jeder -Stunde um 25000 ~km~ nähert, übt zuerst einen eigenartig unheimlichen -Eindruck aus. In der Phantasie sieht man diesen glühenden Weltball -größer und größer werden, zur Scheibe anschwellen, unsere Nacht zum -Tag erleuchten, uns mit Wärme überfluten, schließlich das Firmament -mit seiner gewaltigen Sonnensphäre füllen und eines Tages, nachdem -gewaltige Störungen das ganze Planetensystem ins Schwanken gebracht -haben, zerschellt unsere Welt an dem Koloß, und in einem feurigen -Rachen versinkt die ganze Herrlichkeit unseres Daseins! Weit gefehlt! -Nur der Mensch in seiner eingeborenen Beschränktheit kann sich einem -solchen Trugbild hingeben. Selbst der nahe Sirius braucht fast eine -Million Jahre, ehe er unseren jetzigen Standpunkt im Weltall erreicht. -Aber wenn alles kreist und alles sich bewegt, kann dann die Sonne -stille stehen? Ist sie der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht, das -»Herz des Universums«, wie es Kepler glaubte? Nein, die Sonne ist ein -Stern unter Sternen, schwebt dahin mit ihrem ganzen Anhang von Planeten -wie alle Sterne: - - »Die Sonne tönt in alter Weise - in Brudersphären Wettgesang, - und ihre vorgeschriebene Reise - vollendet sie mit Donnergang.« - -Die Sonne bewegt sich mit einer Sekundengeschwindigkeit von ungefähr 29 -~km~ durch den Weltraum, und wenn der Sirius in 1 Million Jahren jene -Stelle passiert, an der wir uns jetzt befinden, ist die Sonne um 600 -Billionen ~km~, um 60 Lichtjahre von ihrem heutigen Standort entfernt. -Unser Sonnensystem fliegt durch den Weltraum! Während wir uns auf der -Erdkugel um die Erdachse bewegen und durch diese Drehung im Lauf von -24 Stunden aus der Sonnenseite in die Schattenhälfte herumrollen (Tag -und Nacht), und während wir mit einer Sekundengeschwindigkeit von 30 -~km~ in gewaltiger Bahn um die Sonne kreisen und durch die Jahreszeiten -Frühling, Sommer, Herbst und Winter rollen, fliegt unser ganzes System -von der Sonne bis zum Neptun mit all seinem Inhalt durch den Weltraum. - -Wir stehen im Sonnenschein auf dem Deck eines Schiffes und spielen -mit einem Kreisel. Dieser Kreisel ist die Erde. Er dreht sich rasch -um seine eigene Achse, jeder Punkt seiner Oberfläche läuft bei jeder -Drehung zur Hälfte über die Sonnenseite, zur Hälfte über die abgekehrte -Schattenseite. Dies ist das Spiel von Tag und Nacht. Der Kreisel steht -aber nicht still an seinem Fleck. In langsamem Lauf beschreibt er große -Kreise über den Boden des Decks. Diese Kreise sind der Jahreslauf der -Erde um die Sonne. Außerdem fährt das ganze Schiff über das Weltmeer. -Das Schiff ist das Sonnensystem, das Weltmeer ist das Weltall. Wie -dieses Schiff, so steuert auch das Sonnensystem nicht ziellos durch den -Weltraum. Es bewegt sich um das Schwerkraftzentrum des Sternenhaufens, -in dessen Innern es sich befindet, gemeinsam mit allen helleren -Sternen des Himmels, die diesem Haufen angehören. Die Sonne läuft auf -einer Linie, die ungefähr vom Sirius* zur Wega* in der Leier oder dem -benachbarten Stern Deneb* im Schwan führt. Welch wundersames Empfinden -muß den denkenden Menschen überschleichen, wenn er den hellen Stern -Wega betrachtet. Zu ihm ist unsere Sonnenfahrt gerichtet. In jeder -Sekunde, da wir ihn anschauen, nähern wir uns ihm um 30 ~km~. Ehe -wir diese Seite hinabgelesen haben, sind wir ihm schon um 1000 ~km~ -nähergerückt, und wenn wir ihn heute abend betrachtet haben, uns -niederlegen, morgen unser kurzes Tagewerk verrichten und ihn des Abends -wieder anschauen, so sind wir ihm in diesen 24 Stunden um 2 Millionen -~km~ näher gekommen. Tag für Tag zwei Millionen Kilometer, und dabei -steht sein Bild seit Jahrtausenden unverrückt, als gäbe es keine -Bewegung im All! Täglich 2 Millionen ~km~! Das sind die Pendelschläge -der großen Weltuhr, auf der die Tage Sekunden, die Jahre Minuten, -Jahrhunderte die Stunden und Jahrtausende die Tage sind. Empfand nicht -schon der biblische Sänger diesen Rhythmus des Weltenlaufs, als er die -Worte sprach: »Und tausend Jahre sind vor ihm als wie ein Tag«? - -Die Ansicht der älteren Astronomen, daß die Sternbewegungen regellos -seien, ist im Hinblick auf die wunderbare Harmonie der Weltbewegungen -geradezu unbegreiflich. Wie könnte in einem so entwickelten System, wie -es die Milchstraße darstellt, irgendwo Gesetzlosigkeit und Anarchie -herrschen? Die neueren Forschungen haben sogar über die erwähnten -Gruppenbewegungen hinaus eine Gesetzmäßigkeit der Sternbewegungen -aufgedeckt, die geradezu an den Kreislauf des Blutes im tierischen -Körper erinnert und so abermals in die Harmonie des Weltganzen einen -neuen vollen Akkord hineinträgt. Die Mehrzahl der untersuchten Sterne -bewegt sich nämlich in gewissen Sternströmen, in zwei »Heerstraßen«, -die in entgegengesetzter Richtung aneinander vorbeilaufen wie zwei sich -begegnende Eisenbahnzüge, oder, noch richtiger, sich wahrscheinlich -in Kreislinien aneinander vorbeibewegen, wie die beiden Ringe mancher -modernen Karussels, von denen der innere Ring sich links herum, der -äußere rechts herum im Kreise dreht. Der eine Sternstrom ist gegen das -Bild des Orion zum Stern Beteigeuze gerichtet.* In ihm fliegen die -Hyaden. Der andere entgegengesetzte Strom, dem unsere Sonne angehört, -strebt in die Gegend zwischen Adler, Schwan und Leier.* In ihm fliegen -die Sterne des Großen Bären, die »Bärenfamilie«. Beide Ströme liegen -in der Ebene der Milchstraße. Als man 1924 Sterne auf ihr Verhalten zu -diesen beiden Heerstraßen untersuchte, fand man, daß sich unzweifelhaft -1023 in dem einen Strom, 574 in dem anderen bewegten. Bei 207 Sternen -ist die Zugehörigkeit noch zweifelhaft, während nur 110 Sterne, also -ungefähr 5% sich abweichend von den Heerstraßen bewegen. - -Es ist nicht zu entscheiden, ob diese Heerstraßen den allgemeinen -großen Sternzügen in der Milchstraße angehören oder ob sie nur -die Bahnen der Sterne in unserem Sonnensternhaufen darstellen. -Höchstwahrscheinlich ist letzteres der Fall. Unsere Sonne kreist -mit allen ihr benachbarten Sternen in diesen Heerstraßen innerhalb -ihres Sternhaufens um einen gemeinsamen Schwerpunkt, und während -diese Sonnen auf ihren beiden aneinander vorbeifließenden Heerstraßen -diesen abgeschlossenen Sternhaufen wahrscheinlich in steigenden und -fallenden Spiralbahnen durchwandern, fliegt die ganze kreisende -Sterngruppe auf einer weiteren Bahn durch das große allgemeine System -der Milchstraße. Wie dem auch sei, auf jeden Fall enthüllt diese -Entdeckung der entgegenlaufenden Heerstraßen, daß die Sternbewegungen -zwar keineswegs plan- und gesetzlos sind, daß aber andererseits in den -Sternhaufen und wahrscheinlich ebenso in der Milchstraße nicht jene -einfach einheitliche Bewegungsmechanik herrscht wie im Planetensystem, -in dem sich alle Sterne in einer Richtung und einer Ebene bewegen. +Die -Entdeckung der Heerstraßen beweist die Einheit und Gesetzmäßigkeit der -Sternbewegungen im Milchstraßensystem.+ - -So wichtig und grundlegend die Entdeckung der Heerstraßen auch ist, -so hat sie uns doch nur über die Existenz geordneter Sonnenströme, -nicht über die Natur und Bahn der Sternbewegungen innerhalb der -Milchstraße aufgeklärt. Kommende Geschlechter, die die begonnene Arbeit -unserer zeitgenössischen Astronomen fortsetzen, werden erst die Pfade -entschleiern, auf denen die Sonnen im System kreisen. - -Die Kraft, die diese Sterne in die Bahnen geordneter Heerstraßen -bannt, kann entweder eine Explosivkraft sein, die die Sonnen wie die -Funken einer explodierenden Rakete in Wirbeln durch den Weltraum -treibt oder eine Schwerkraft, die von Massen ausgeht. Die älteren -Astronomen, an der Spitze Lambert und Kant, suchten nach einer riesigen -Zentralsonne, die im Mittelpunkt des Systems stehend die Sterne um sich -kreisen läßt wie die Sonne die Planeten. Lambert hielt den Orionnebel, -Kant den Sirius, Mädler später den Hauptstern der Plejadengruppe -Alkyone für die Zentralsonne, und diese Vorstellung einer gewaltigen -Allweltssonne erfüllte sie und ihre Zeitgenossen so tief, daß sie -selbst in den Dichtern Widerhall fand. Schillers Lied an die Freude ist -ein Hymnus über die Organisation des Weltalls. Klopstock sang: - - »Um Erden wandeln Monde, - Erden um Sonnen; - Aller Sonnen Heere wandeln - Um eine große Sonne.« - -Die moderne Astronomie hat diese Idee einer Zentralsonne aufgegeben. -Eine Sonne, die durch ihre Anziehungskraft eine solche Unzahl von -Sternen um sich bewegt, müßte durch ihre phantastische Größe nicht nur -alle Grenzen der Wahrscheinlichkeit überschreiten, sondern auch mit -den Gesetzen der Physik und Chemie in Widerspruch stehen. Heute weiß -man, daß ein System ein Schwerkraftszentrum besitzen kann ohne eine -Masse im Mittelpunkt. Es gibt keine Zentralsonne im Milchstraßensystem. -Die Milchstraße ist im Gegensatz zum monarchischen Sonnensystem, in -dem die übermächtige Herrscherin Sonne im Mittelpunkt steht, ein -republikanisches Sternsystem, in dem sich alle Sterne gegenseitig -anziehen und im Gleichgewicht halten. Sucht man das ideale Zentrum -der uns bekannten Sternbewegungen, so findet man als Achsenpunkt der -beiden Heerstraßen eine Stelle im Schwan, die genau mit dem von Easton -berechneten Mittelpunkt des gesamten Milchstraßensystems übereinstimmt. - -Aber der gläserne Zauberstab des Astronomen, das Prisma, hat uns mehr -gelehrt als die Einheit der Sternbewegungen. Es hat uns die letzte -größte und grundlegendste Einheit des Milchstraßensystems bewiesen, -+die Einheit des Stoffes und seiner Entwicklung+. - -Das Licht ist eine Schwingung des Weltäthers, wie der Schall eine -Schwingung der Luft ist. Diese Ätherwellen werden von den schwingenden -Atomen der Elemente erzeugt wie die Luftwellen von schwingenden Saiten. -Wie es verschiedene Arten von Saiten gibt, so gibt es verschiedene -Atomarten, die wir als einzelne Elemente bezeichnen. Eisen, Gold, -Wasserstoff, Stickstoff, Natrium, Kalzium, Titan sind Elemente. Wie -jede Saitenart eine ganz bestimmte Luftschwingung, einen bestimmten -Ton hervorbringt, so erzeugt jede Atomart bei ihren Schwingungen -eine bestimmte Art von Lichtwellen. Die ~a~-Saite sendet immer 435 -Luftwellen aus, den Ton ~a~, eine ~c~-Saite 530 Wellen, die wir als -den Ton ~c~ empfinden. Die Atome des Elements Natrium senden immer 505 -Billionen Ätherwellen aus, die als gelbe Farbe erscheinen, das Element -Kalzium 750 Billionen Wellen, die als Violett empfunden werden. - -Läßt man in einem Zimmer vor einem offenen Klavier eine ~a~-Saite -schwingen, so versetzt der Rhythmus dieser 435 Wellen in der Sekunde -von allen Saiten des Klaviers natürlich nur jene in Schwingungen, -die ebenfalls 435 mal in der Sekunde schwingen kann, also die Saite -~a~. An den Schwingungen der Saite ~a~ im Klavier kann man, ohne -die tönende Saite zu sehen oder zu hören, erkennen, daß hier am -Entstehungsort der Luftwellen eine ~a~-Saite schwingt. Genau dasselbe -geschieht mit den Ätherwellen im Prisma. Glüht das Element Natrium, -und man läßt die Ätherwellen durch ein Prisma gehen, so tritt im -Spektrum in der Klaviatur der Farben an dem Teilstrich 505 der Skala -eine gelbe Linie auf, die nur das Natrium aussendet. Erscheint also -in einem Spektrum an dieser Stelle eine gelbe Linie, so kann man mit -absoluter Sicherheit sagen, diese Lichtwellen gehen von glühendem -Natrium aus. Erscheinen an einem ganz bestimmten Platz zwei rote -Linien, so weiß man, daß hier das Element Kalium glüht, denn keine -andere Atomart entsendet diesen Doppelton des Lichts. Jedes Element -erzeugt im Spektrum ganz bestimmte unveränderliche helle Linien, an -deren Farbe, Stellung, Zahl und Verteilung man dieses Element erkennen -kann. Glüht Sauerstoff, so erscheinen zwei Linien im Rot bei 392 und -433 (Billionen Ätherwellen), leuchtet Wasserstoff, so erscheinen -drei Linien bei 454 im Gelb, 613 im Blaugrün und 694 im Violett usw. -Der Anblick eines Spektrums gibt uns also genau Auskunft über die -chemische Natur der Stoffe, die in der Lichtquelle glühen. Man nennt -diese Methode, aus dem Spektrum die chemische Natur der glühenden -Stoffe zu erkennen, die +Spektralanalyse+. In der Praxis ist die -Spektralanalyse ein äußerst schwieriges Verfahren. Neben den erwähnten -Hauptlinien erscheinen nämlich noch Nebenlinien, die das Bild eines -Spektrums bis zur Unkenntlichkeit verwirren. Die Zahl dieser Linien -steigt im allgemeinen mit der Höhe des Atomgewichts, also mit der -Größe des Atoms, mit der Zahl der Elektronen, die ein Atom aufbauen. -Die Linienzahl beträgt bei den leichten Elementen Natrium 8, Chlor 11, -Kohlenstoff 13, Kalium 27, Stickstoff 89; bei den schweren Elementen -Silber 372, Eisen 1517, Thorium 2070, Uran 5270. Im ganzen sind bis -heute ungefähr 50000 Spektrallinien bestimmt worden. Aber für die -Schwierigkeit entschädigt die Feinheit der Methode im vollsten Maß. -Die Genauigkeit des spektroskopischen Nachweises übertrifft nämlich -nicht nur alle übrigen Verfahren, sondern überhaupt jede menschliche -Vorstellung. Man kann mit dem Spektroskop von dem Element Natrium noch -den 3 Milliardstel Teil eines Gramms = 1/3000000000 ~g~ nachweisen. -Wo uns nur ein Lichtpünktchen entgegenstrahlt, stark genug, daß wir -es zum Bande auseinanderziehen können, daß wir die Linien erkennen, -die in seinem Streifen leuchten, da gibt dieses Lichttelegramm uns -Kunde von den Stoffen, die in Sternweiten auf fremden Sonnen glühen. -In Flammenlettern, die niemals trügen, spricht das Universum zu uns. -Und was hat es uns gekündet? Kurz und bündig wie ein Telegramm ist das -Spektrum eines Sternes. Wie ein Depeschenstreifen entrollt es sich, -und wie Morsezeichen stehen die Linien auf dem Band. Aber wie ein -Telegrammstreif dem Kundigen in Strichen und Punkten Schlachtberichte -und Liebesgrüße, Freudenbotschaft und Hiobsposten kündet, so erzählt -das Lichttelegramm dem Wissenden die ganze Lebensgeschichte des -Weltalls. - -Die spektralanalytische Untersuchung von über 10000 Sternen erwies, -daß auf allen Sternen die gleichen chemischen Elemente glühen, die -wir in unserer Sonne leuchten sehen und die sich am Aufbau der Erde -beteiligen. Wenn es auch noch nicht gelungen ist, all die Tausende von -Spektrallinien restlos zu entziffern, +so hat uns die Spektralanalyse -dennoch schon heute die stoffliche Einheit des Milchstraßensystems in -geradezu grandioser Beweisführung dargelegt+. Die spektroskopische -Erforschung des Weltalls ist einer der größten Triumphe des -Menschengeists und das Diadem in der Kette der Beweise für die Einheit -des Milchstraßensystems. - -Aber hinter diesen telegraphisch kurzen Flammenlinien der -Lichtdepeschen bergen sich tiefere Geheimnisse. - -Wenn in einem Raum 10 verschiedene Saiten frei nebeneinander schwingen, -so sendet jede ihre Wellenart aus, und im Nebenraum zittern am offenen -Klavier die 10 entsprechenden Saiten mit und belehren uns über die -Natur der im Nachbarzimmer schwingenden Saiten, ohne daß wir sie zu -sehen oder zu hören brauchen. Wenn 10 verschiedene Atomarten frei -schwingen, erscheinen 10 verschiedene Liniensysteme im Spektrum, und -wir erkennen die Natur der 10 glühenden Elemente. Saiten können nur -frei vibrieren, wenn ihnen genügend Platz zur Verfügung steht, Atome -nur frei schwingen, wenn ihnen Raum dazu gegeben ist. Dies ist nur der -Fall, wenn sie sich in jenem fein verteilten Zustand befinden, den wir -als den »gasförmigen Zustand« bezeichnen. Sind dagegen die 10 Saiten -zusammengespannt oder zu Bündeln gefaßt, so können sie beim Anschlagen -nicht frei schwingen, stören sich gegenseitig und erzeugen keine -reinen 10 Töne, sondern zittern unregelmäßig und rufen ein Geräusch -hervor, in dem alle möglichen Wellenarten durcheinander schwirren. In -diesem Geräusch sind alle Töne, alle Wellenarten neben-, durch- und -nacheinander enthalten, und so schwingen am offenen Klavier nicht die -10 entsprechenden Saiten mit, sondern +alle+ Saiten vibrieren. Man kann -also die Natur der schwingenden Saiten nicht erkennen, weiß nicht, -welche 10 Saiten schwingen, wohl aber, daß sie eng zusammengepackt sein -müssen. Glühen 10 Elemente nicht in freier Gasform, sondern in festem -oder flüssigem Zustand, so sind die Atome so zusammengedrängt, daß -sie ihre Schwingungen nicht frei ausführen können, sich gegenseitig -stören und alle möglichen Arten von Ätherwellen aussenden. Folglich -erscheinen im Farbenklavier des Spektrums nicht die 10 Einzelsysteme -von Linien, sondern alle Linien, alle Farben treten auf, so dicht -aneinandergedrängt, daß sie zusammenfließen zu breiten Farben+bändern+. -Der Regenbogen, das Spektrum hinter den Prismen der Kronleuchter -sind solche Farbenbänder. Aus der Art des Spektrums kann man also -auf den Zustand der glühenden Materie Schlüsse ziehen. Erscheint ein -zusammenhängendes Bänderspektrum, wie es der Regenbogen darstellt, so -befindet sich der leuchtende Stoff in festem oder flüssigem Zustand; -erscheinen im Spektrum einzelne scharfe Linien, so befindet sich der -leuchtende Stoff in gasförmigem Zustand. - -Wir schlagen im Nebenzimmer 10 verschiedene Saiten an, von denen eine -eine ~a~-Saite ist. Am offenen Klavier zittern die 10 entsprechenden -Saiten, und wir erkennen, welche Saiten drüben schwingen. Jetzt -schließen wir die beiden Zimmer schalldicht voneinander ab und lassen -nur eine kleine Öffnung in der Zwischenwand, durch die die Schallwellen -hindurchdringen. In diese Öffnung spannen wir eine ~a~-Saite. Schlagen -wir jetzt drüben die 10 Saiten an, so dringen alle Wellen ungehindert -durch die Öffnung. Die Wellen der ~a~-Saite dagegen werden, da sie -genau die Länge und Häufigkeit der ~a~-Saitenschwingung besitzen, -die in der Wandöffnung eingespannte ~a~-Saite in Bewegung setzen und -hierbei ihre Kraft einbüßen. Sie werden bei der Ankunft am Klavier -fehlen. Die ~a~-Saite bleibt stumm. Spannen wir nun die 10 Saiten zu -einem Bündel zusammen und lassen dieses schwingen, so entsteht ein -Geräusch, und +alle+ Saiten des Klaviers erzittern, nur die ~a~-Saite -ruht, da eine ~a~-Saite in der Öffnung eingespannt ist, die von allen -Wellenarten nur die ~a~-Wellen auffängt. An dem Ruhen der ~a~-Saite -erkennen wir die Existenz einer ~a~-Saite +zwischen+ der Tonquelle und -dem Klavier. - -Wir ahmen dieses Experiment mit den Lichtwellen und dem Spektrum -nach. Wir bringen in die Wandöffnung statt der ~a~-Saite ein Gefäß -mit Natriumdampf. Dann lassen wir ein Lichtbündel, das von den -verschiedensten glühenden Elementen in flüssigem Zustand ausgeht, -durch diese Öffnung laufen, fangen es drüben mit dem Prisma auf und -beobachten das Spektrum. Alle Lichtwellen laufen ungehindert durch den -Natriumdampf, das ganze Spektrum leuchtet als Farbenband auf. Nur die -Natriumwellen fehlen. Sie haben beim Passieren des Natriumdampfes die -Natriumatome in Schwingungen versetzt, hierbei ihre Kraft verloren -und fehlen im Spektrum. Wo sie sonst stehen, an der Zahl 505 der -Skala, ist eine dunkle Lücke im Spektrum, tritt im farbigen Band eine -schwarze Linie auf (Abb. 15). Das Auftreten von dunklen Linien im -Spektrum beweist, daß das Licht dieses Spektrums durch eine Dampfhülle -hindurchgegangen ist, in der jene Elemente sich befinden, deren Linien -im Farbenband fehlen. - -Nehmen wir an, die Erde würde in ihrem heutigen Zustand leuchten -und wir fingen ihre Strahlen im Weltraum mit einem Prisma auf. Die -Lichtwellen müßten dann die Lufthülle, in der sich Stickstoff und -Sauerstoff befinden, durchlaufen. Die Strahlen aller irdischen Elemente -würden diese Atmosphäre ungehindert passieren, nur die Stickstoff- -und Sauerstoffwellen würden in der Atmosphäre dadurch, daß sie die -Stickstoff- und Sauerstoffatome in Schwingungen versetzen, ihre -Kraft verlieren und würden fehlen. An dem Fehlen der Stickstoff- und -Sauerstofflinien im Spektrum würden wir erkennen: die Erde besteht aus -einem festen, leuchtenden Kern, der von einer Atmosphäre umgeben ist, -in der sich Stickstoff und Sauerstoff befinden. - -Das Spektrum der Sterne zeigt ein Farbenband, in dem nicht eine, nicht -10 dunkle Linien, sondern viele Hunderte und Tausende von verschiedener -Stellung und Stärke stehen (Abb. 14). Diese viellinigen Farbenbänder -beweisen uns, daß Sonne und Sterne aus einem feuerflüssigen oder -festgasigen leuchtenden Kern bestehen, der von einer Gashülle, einer -Dampfatmosphäre umgeben ist, in der jene Elemente sich befinden, deren -Linien mit den dunklen Lücken im Spektrum übereinstimmen. - -[Illustration: Abb. 15. Die Auslöschung der hellen Natriumlinie (unten) -beim Durchgang von Licht durch Natriumdampf.] - -Diese Erklärung der Sternspektren, die uns jetzt so einfach, fast -selbstverständlich erscheint, war ein Jahrhundert hindurch eines -der schwersten Probleme der Naturwissenschaft. Man versetze sich -in die Lage der ersten Beobachter. Sie sehen hinter dem Prisma, -das das Sternenlicht ablenkt, ein Farbenband erscheinen, durch das -Tausende dunkler Linien ziehen, bald weiter auseinanderstehend, -bald dicht aneinandergedrängt, bald einzeln, bald zu Gruppen sich -findend. Was konnten diese Linien bedeuten? Man denke sich, wir -senden den Marsbewohnern ein Morsetelegramm aus Strichen und Punkten -zusammengesetzt; wie sollen sie es entzaubern? Ein stummer Streifen, -aus nichts als Linien und Punkten zusammengesetzt! Geht es uns anders? -Die Sterne senden uns Lichttelegramme, bunte Bänder, und in den -Farben Linien, Linien, nichts als Linien! Assyrische Hieroglyphen zu -entziffern, ist ein Kinderspiel gegenüber der Aufgabe, ein Spektrum zu -lösen. 30 Zeichen hat die Sprache der Tonscherben, jedes von anderer -Gestalt; 30000 hat die Sprache der Sonnen, eines wie das andere eine -Linie. Um dieses Riesenalphabet des Weltalls zu erfassen, mußte ein -Genie geboren werden. - -Dieses Genie war +Joseph Fraunhofer+. Als Sohn eines armen Glasers -geboren, hatte er als Schleiferlehrling das Unglück oder vielmehr -Glück, von einem stürzenden Spiegel schwer verletzt zu werden. Für -die 18 Dukaten Schmerzensgeld nämlich, die ihm der König von Bayern -zahlen ließ, kaufte er sich Bücher und Instrumente und wurde einer -der größten Optiker und scharfsinnigsten Naturforscher, die je gelebt -haben. Er entdeckte zu Beginn des vorigen Jahrhunderts im Spektrum -der Sonne die nach ihm benannten +Fraunhoferschen Linien+. Ehe er sie -zu erklären vermochte, starb er im frühen Alter von 39 Jahren zum -unersetzlichen Schaden der Wissenschaft. Sein vorzeitiger Tod hielt -den Fortschritt der Himmelskunde um ein halbes Jahrhundert auf. Denn -50 Jahre währte es, bis Männer von ihm ebenbürtigem Genie das Spektrum -erforschten und das Wesen der dunklen Linien erkannten. Diese beiden -Männer waren +Kirchhoff+ und +Bunsen+, deren spektralanalytische -Gesetze das Fundament dieser einzigartigen Wissenschaft bilden, die -uns die chemische Einheit des Weltalls bewies. Wie einfach in ihren -Mitteln, wie großartig in ihren Resultaten ist diese Spektralanalyse! -Ein gläsernes Prisma lehrt uns die Stoffe, den Zustand, die Temperatur, -den Kern und die Hülle fernster Sonnen erkennen! Ein Glassplitter wird -unter den Händen vernunftgemäß handelnder Menschen zum Diamant, der -alle Brillantgeschmeide der Welt überstrahlt. Was haben die Diamanten -aus den Gruben Afrikas der Menschheit genützt? Steingewordene Tränen -sind sie, und das Gold, das sie umrahmt, ist geschmolzene Blut. Kriege -wurden um sie geführt, ganze Völker in Amerika ihretwegen ausgerottet, -und tagtäglich zerstören Menschen um diesen Flitterglanz, an dem -alles hängt und zu dem alles drängt, Frieden und Glück ihres Lebens -und Hauses. Aber der einfache Dreikant aus Glas wurde in der Hand -forschender Geister zum Schlüssel der Himmelspforte und hat uns den -Glanz der Himmelsherrlichkeit schöner erschauen lassen, als es die -Vergangenheit selbst in ihren kühnsten Hoffnungen je erwarten konnte. - -Den Abschluß und die Krone der spektralanalytischen Forschung bildet -die Enthüllung des +Entwicklungsprinzips im Weltall+. Im System der -Milchstraße herrschen nicht nur jene äußeren Bewegungsformen, die wir -als Planetenumläufe, als Trabantenbahn und Sternenflug erkundet haben, -in ihm herrscht das weltbewegende und weltenfördernde Prinzip der -Entwicklung in dem gleichen Sinn, in dem es Darwin für die irdische -Welt uns enthüllte. Sterne werden geboren, entwickeln sich, entfalten -Kraft und Glanz, altern und sterben wie Mensch, Tier und Pflanze. +Ein+ -Prinzip ist es, das die Sonnen oben in den Himmeln leitet und den Wurm -im Sande lenkt, durch dessen Macht im Gras die Blumen blühen und im -Raum Kometen glühen, das den Stein am Grunde formt und den Stern im -Nebel ballt -- +Entwicklung+. - -[Illustration: Abb. 16. ~a~ Spektrum eine Nebelflecks, ~b~ Spektrum -eines Sternes 1. Klasse (Deneb im Schwan), ~c~ Spektrum eines Sternes -2. Klasse (Sonne), ~d~ Spektrum eines Sternes 3. Klasse (roter Stern).] - -Sterne entstehen aus Nebel. Wenn das Fernrohr das Milchstraßensystem -durchstreift, entdeckt es eine Fülle von Nebeln kugeliger Gestalt. -Tausende sind bekannt, Hunderttausende existieren. Diese Nebel -erscheinen im Fernrohr als matte Scheiben wie Planeten, weswegen -man ihnen den schlechten Namen planetarische Nebel gegeben hat, -obwohl sie mit Planeten und unserem Planetensystem nichts gemein -haben. Sie sind Gaskugeln, von denen die kleinsten vielleicht unser -Sonnensystem bis zur Neptunbahn ausfüllen würden, während die größeren -tausend- und hunderttausendmal größer sein müssen (Abb. 18~a~). -Diese Gaskugeln schweben zwischen den Sternen der Milchstraße in -außerordentlichen Entfernungen von uns und bewegen sich wie diese -mit Geschwindigkeiten zwischen 5 und 50 ~km~ in der Sekunde in der -allgemeinen Milchstraßenebene. Das Spektrum dieser Kugelnebel beweist -uns, daß wir leuchtende Materie im gasigen Zustand vor uns sehen. Es -erscheinen in ihm drei helle Linien auf dunklem Grund, eine im Blau, -die dem Wasserstoffgas entspricht, und zwei im Grün, von denen eine -höchstwahrscheinlich dem Stickstoff angehört, während die andere noch -nicht gedeutet ist (Abbildung 16~a~). Offenbar befindet sich die -Materie in einem solchen kosmischen Gasball in einem Urzustand, wie -wir ihn auf der chemisch hochentwickelten Erde nicht mehr finden, und -wahrscheinlich sehen wir hier die Elemente in Vorstufen, vielleicht -sogar in ihrer gemeinsamen Mutterform als jenes Urelement vor uns, aus -dem sich alle übrigen entwickeln. Seitdem man durch die Radiumforschung -die Wandlungsfähigkeit der Elemente experimentell bewiesen hat, -gewinnt die Ansicht, daß alle Elemente sich aus einem Urelement -allmählich entwickeln, immer mehr an Wahrscheinlichkeit. Wenn alles -sich entwickelt, kann dann die Materie selbst, aus der sich dieses -alles bildet, ohne Entwicklung bleiben? Ist nicht alle Entwicklung von -Stein, Pflanze, Tier eigentlich nichts anderes als Entwicklung der -Materie, der Elektronen, Atome und Moleküle? Auch die Elemente, die -wir als die Grundstoffe aller Dinge anzusehen gewöhnt sind, stellen -schon hohe Stufen der Weltentwicklung, der Materiebildung dar, die in -jenen Gasnebeln noch nicht erreicht sind. Offenbar entwickeln sich -aus dieser Urmaterie nach- und nebeneinander die einzelnen Elemente, -und zwar scheinen sich zuerst die leichten Atomarten Wasserstoff und -Stickstoff, die ja noch heute auf unserer Erde die verbreitetsten -und grundlegendsten Elemente sind, zu bilden, während die übrigen -in gesetzmäßiger Reihenfolge nacheinander auftreten, wie in der -Entwicklungsgeschichte der Tierwelt in geordneter Folge Urtiere, -Würmer, Fische, Lurche, Säuger erscheinen. - -Die weitverstreuten Atome des Gasnebels ziehen sich gegenseitig -an, nähern sich, wodurch der ganze Nebelball sich verdichtet und -geraten dadurch in immer schnellere Schwingung: es entsteht Wärme. -(Abb. 18~b~). Durch die Zusammendrängung der Materie im Zentrum der -Kugel entsteht ein glühender Kern, um den der Nebel eine ungeheure -Gashülle bildet, -- der Nebel ist zum Stern geworden. Infolge der -Zusammenziehung ist seine ehemals gewaltige scheibenförmige Ausdehnung -auf die Punktgröße aller Sterne gesunken, und nur das Spektroskop gibt -uns durch die Spektral+linien+ Kunde von der Nebelnatur dieser jüngsten -Sterne. Man bezeichnet diese jungen weitausgedehnten dünngasigen Sterne -als +Nebelstern+ (Abb. 18~c~). - -[Illustration: Abb. 17. Die Plejaden.] - -Aus diesen kugeligen Nebeln entstehen nicht nur einzelne Sterne, -sondern bei genügender Anhäufung von Materie ganze Sternhaufen. Wie -sich die Tropfen in einem dampferfüllten Zimmer an den kalten Wänden -und Scheiben niederschlagen, treten aus dem Dunst des Nebelballs -infolge der Abkühlung durch die Weltraumkälte Sonnen hervor. Man kennt -solche Gaskugeln im Stadium der Sternhaufenbildung. Im Herkules sieht -man solch einen entstehenden Sternhaufen*, in dem 3000 Sonnen sich aus -Nebelmaterie bilden. In der Mitte dieses Systems stehen die Sonnen so -dicht, daß sich ihre Nebelatmosphären berühren, an den Rändern stehen -sie weit voneinander und bilden isolierte freischwebende Sonnensysteme -(vgl. Abb. 3 S. 19). Ein vorgeschrittenes Stadium der gruppenweisen -Sternbildung aus Nebelmaterie stellen die Plejaden* dar, die schönste -aller Sterngruppen des nördlichen Sternhimmels. Diese Gruppe ist, -wie die Photographie enthüllt hat, von ungeheuren Nebeln durchzogen -und umwoben, von Sonne zu Sonne ziehen sich Nebelbrücken durch das -ganze System, und weit über die Grenzen der Gruppe hinaus kann man die -verwehenden Reste des chaotischen Nebels verfolgen (Abb. 17). - -Auf dieser Stufe der Entwicklung, auf der die Sterne eben aus Nebeln -hervortreten, erreichen sie ihren größten Glanz und ihre höchste -Temperatur, die man auf 20000 Grad schätzt. In ihrer weiten Atmosphäre -glüht neben dem Wasserstoff vor allem das Helium in so herrschendem -Maß, daß man diese heißesten Sterne auch +Heliumsterne+ nennt. Kühlt -sich die Atmosphäre dieser Sterne ab, so daß ihr eigenes Licht -schwächer wird als das des inneren Kernes, so fängt die Gashülle in der -beschriebenen Weise die einzelnen Wellen des Kernlichtes ab, und es -erscheinen die dunklen Fraunhoferschen Linien im Spektralband. Zuerst -wenig und schwach und fast nur Wasserstofflinien (Abb. 16~b~). Dem -Auge erscheint ihr Licht strahlend weiß. Sirius, Wega in der Leier, -Deneb im Schwan, Atair im Adler, Regulus im Löwen, Prokyon im Kleinen -Hund gehören dieser nach dem Vorschlag des verstorbenen Potsdamer -Astronomen +Vogel+ als 1. Spektralklasse zusammengefaßten Gruppe an, -die man nach ihrem glänzendsten Vertreter als Klasse der +Siriussterne+ -bezeichnet. (Abb. 18~d~). Fast alle jene zahllosen kleinen Sterne, -die den Nebelschimmer der Milchstraße erzeugen, sind heiße Sonnen der -ersten Spektralklasse, vielleicht darum in der Milchstraße so zahlreich -erscheinend, weil sie hier wirklich in der Überzahl sind, vielleicht -auch nur darum, weil aus jenen Fernen nur ihr strahlendes Licht, aber -nicht mehr das der schwächeren kälteren Sterne zu uns dringt. Die -Temperatur dieser Siriussterne in Weißglut beträgt ungefähr 12000 Grad. - -[Illustration: - - ~a~ Planetarischer Nebel - ~b~ Verdichteter Nebel - ~c~ Nebelstern - ~d~ Siriusstern - ~e~ Sonnenstern - ~f~ Roter Stern - ~g~ Veränderlicher Stern - ~h~ Erloschener Stern - -Abb. 18. Entwicklungsgeschichte der Sterne.] - -Die zunehmende Verdichtung und hierdurch bedingte Wärmeerzeugung der -Sterne vermag der Abkühlung durch die Weltraumkälte nicht die Wagschale -zu halten. Die Sonnen kühlen sich unaufhaltsam ab (Abb. 18~e~). Ist -die Temperatur eines weißen Sternes der ersten Klasse um abermals -ungefähr die Hälfte auf 6000 Grad gefallen, so treten neue Elemente -in der glühenden Atmosphäre auf. Neben dem noch immer überwiegenden -Wasserstoff erscheint vor allem das Kalzium, dessen Verbindungen als -Kalk am Aufbau der Weltkörper großen Anteil haben, daneben durch -Tausende schwarzer Spektrallinien sich ankündend Eisen, Nickel, -Kobalt, Titan, Mangan, Chrom, Kohle, Magnesium, Natrium, Silizium, -Aluminium, Strontium, Baryum, Kupfer, Zink, Silber, Zinn, Blei, Kalium -und andere Metalle. Das Spektrum dieser Sterne, die nicht mehr weiß, -sondern schon blasser in gelbem Lichtton leuchten, stimmt so völlig -mit dem unserer ebenfalls gelben Sonne überein, daß man sie als 2. -Spektralklasse oder +Sonnensterne+ bezeichnet (Abb. 16~c~). Während die -heißen weißen Sterne der ersten Klasse vornehmlich in dem weiten Bogen -der Milchstraße angehäuft scheinen, stehen die gelben kühleren Sterne -in ihrer Mehrzahl uns näher. Arktur, Aldebaran, der Mittelstern im -Perseus, Pollux sind Sonnensterne; das Spektrum der Kapella im Fuhrmann -gleicht sogar bis in die feinsten Einzelheiten seiner 20000 dunklen -Linien so vollkommen dem unseres Zentralgestirns, daß man die Kapella -geradezu als Bruderstern unserer Sonne bezeichnen muß, und kaum ein -Zweifel an der innigsten Verwandtschaft dieser beiden Sterne bestehen -kann. Wahrscheinlich ging unser Sonnensystem unter denselben Umständen -aus der gleichen Nebelmaterie hervor wie die Welt der Kapella, die -wir als unsere Schwesterwelt im All verehren können, wenngleich ihr -entgegengesetzter Lauf sie von uns um die Weite von 40 Lichtjahren -entfernte. Offenbar bilden die gelben Sonnensterne im Gegensatz zu den -weißen Milchstraßensternen jenen großen Haufen, in dessen Mitte sich -unsere Sonne mit ungefähr 400 Nachbarwelten befindet. Aus großer Ferne -betrachtet, würden wir unsere Sonne wahrscheinlich inmitten dieses -Sternenhaufens sehen, dessen Glieder Kapella, Arktur, Aldebaran, Pollux -und viele andere wären, und in dem die Sterne sich ebenso an Größe, -Alter und Beschaffenheit gleichen, wie die Sterne der Plejaden und der -Hyaden oder des Sternenhaufens im Herkules und im Centaurn. - -[Illustration: Abb. 19. Entstehung des Lichtwechsels des Sternes Mira -Ceti nach Zoellner.] - -Wie das Eisen, das weißglühend aus dem Feuer geholt wird, zuerst in -Gelbglut übergeht und dann rot und röter glüht und verglüht, wie die -Sonne, wenn sie sich dem Untergange nähert, im Dunst der Atmosphäre -immer blasser, gelber, röter strahlt und schließlich als glutroter -Sonnenball den Horizont berührt, so verglühen die Sonnen im All auf -ihrer Lebensbahn. Rot ist die Farbe des Sternenalters. Schon der -rötliche Arktur ist älter, kälter als die Sonne, sein Spektrum ist -linienreicher, verwaschener. Der rötliche Stern Beteigeuze* in der -linken oberen Ecke des Orionbildes ist der auffallendste Vertreter -dieser Klasse der alternden +roten Sterne+. (Abb. 16~d~ u. 18~f~). -Höchst bemerkenswert ist, daß man in der Gashülle dieser roten Sterne -nicht nur freie Elemente, sondern sogar die Verbindungen dieser -Elemente und unter diesen Kohlenstoffverbindungen nachgewiesen hat, -dieselben Kohlenstoffverbindungen, aus denen bei weiterer Entwicklung -auf unserer Erde das Leben, die höchste Form des uns bekannten -kosmischen Daseins, entstanden ist. - -Auch unsere Sonne zeigt Spuren des nahenden Alters, sozusagen Falten -und Runzeln auf ihrem strahlenden Antlitz, das sind die Sonnenflecken. -Sonnenflecke sind dunkle, in ihrem Wesen noch keineswegs aufgeklärte -Stellen der Sonnenoberfläche, an denen wir jedenfalls, wie die -Spektralanalyse beweist, die Sonnenmaterie in einem vorgeschritteneren -Zustand der Abkühlung vor uns sehen. Das Spektrum der roten Sterne -stimmt mit dem der Sonnenflecken so vollkommen überein, daß man diese -geradezu als Sonnenfleckensterne bezeichnen kann. Unter zunehmender -Erkaltung der Sonne und Ausbreitung der Flecken müssen schließlich -ungeheure Schollen die Oberfläche solcher Sterne bedecken, ganze -Kontinente erkalteter Materie müssen auf den glühenden Feuermeeren -dieser Sonnen schwimmen (Abb. 18~g~). Sind diese Massen unregelmäßig -verteilt wie Meere und Festländer auf unserer Erde, und dreht sich -solch ein Stern wie unsere Sonne um seine Achse, so wenden sich -uns bald die leuchtenden Meere, bald die dunklen Schollen zu, die -Helligkeit dieses Sternes wird also wechseln. Dieser Lichtwechsel wird -zwar auch gemäß der Umdrehungszeit des Sternes in ziemlich regelmäßigen -Zeitabständen eintreten, aber je nach der Form der Schlackenkontinente -in unregelmäßiger Folge und keineswegs in jener mathematischen Kurve -wie bei den Algolsternen ablaufen, die von Planeten verfinstert werden. -Tatsächlich finden sich auffallend viele unregelmäßig veränderliche -Sterne gerade unter den roten Sternen. Seit Jahrhunderten berühmt -ist die Mira Ceti*, der Wunderstern im Walfisch, dessen Helligkeit -in einer Periode von ungefähr 11 Monaten zwischen 2. und 9. Größe in -unregelmäßiger Kurve schwankt (Abb. 19). - -Schließlich ist die ganze Sonnenoberfläche von Flecken überdeckt, -verdunkelt, erkaltet, -- der Stern ist erloschen; als dunkler toter -Körper kreist er durch das All (Abb. 18~h~). Da man als sicher annehmen -muß, daß der Glutzustand im Leben eines Sternes, so wie die Jugend im -Menschendasein, nur den kürzeren Teil seiner Entwicklung darstellt, so -treiben gewiß mehr erloschene Sonnen als leuchtende im Raum. Wenn sich -uns 100 Millionen strahlende Sterne durch ihren Glanz offenbaren, so -mögen Milliarden nichtleuchtender Sonnen das All bevölkern, unsichtbar -für Menschenblicke, unerforschbar für die Wissenschaft, bis der Fleiß -der Astronomen auch diese durch Zahl und Formel aus dem Dunkel hebt, -so wie Adams und Leverrier den unentdeckten Neptun, wie Bessel und -Peters die unsichtbaren Trabanten des Sirius und Prokyon, wie Vogel und -Scheiner die dunkle Dreiwelt des Algol, ohne daß ein Menschenauge sie -gesehen, nach Größe, Zahl, Gewicht und Bahn berechnet haben. - -[Illustration: Abb. 20. Photographie der Nebelspiralen um den neuen -Stern im Perseus 1901 von Ritchey.] - -Jahrtausende, Jahrmillionen treiben diese erloschenen Sonnen durch -den Äther mit ihrem Anhang von erkalteten Planeten und verglühten -Kometen. Alles Leben ist auf ihnen erstorben, die Kultur, die auf -diesen Erden blühte, ist in Nacht und Eis versunken. Das ganze System -ein gewaltiger Friedhof. Wie ein Wrack mit seinen leeren Kabinen, -seinen verrosteten Maschinen, seinen verwesten Leichnamen über das -Weltmeer treibt, so wandert solch ein erstorbenes Sonnensystem als -unheimliches Gespensterschiff durch das Äthermeer des Weltalls. Äonen -mag es gefahrlos durch die Räume treiben, denn die Weltkörper sind -ja so spärlich verteilt, als wenn man ein Dutzend Erbsen über den -Atlantischen Ozean verstreute und sie treiben ließe. Selbst wenn -sich die Sonnen, was nicht der Fall ist, in geraden Linien regellos -durcheinander bewegten, und wenn es hundertmal mehr erloschene Sonnen -gäbe, als wir wahrnehmen können, so träfe die Wahrscheinlichkeit -eines Sternzusammenstoßes je einmal in 1000000 mal 1000000 Jahren -ein. Aber sind im All nicht tausend Jahre wie ein Tag? Gibt es in -der Ewigkeit Jahrhunderte und Jahrmillionen? Schließlich kommt auch -für jedes erloschene System die Zeit des völligen Unterganges -- und -der Wiedergeburt. Die tote Sonnenwelt gerät in das Anziehungsbereich -einer anderen Sonne, die beiden Weltkörper lenken sich ab von ihrer -Bahn, umkreisen sich in weiten, dann in immer engeren Spiralen -als Doppelstern, näher und näher, schneller und schneller sich -umschwingend, bis sie in rasender Spiraldrehung zusammenprallen; -oder das dunkle System gerät auf seiner Fahrt in eine jener weit -verbreiteten Nebelwolken, die den leeren Raum erfüllen; oder es saust -in einen Hagel kosmischen Staubes, in eine Meteorwolke -- wie die -Sternschnuppe, die in unsere Atmosphäre jagt, durch die Reibung an der -Luft aufglüht und zerstiebt, so entflammt der erstarrte Sonnenkörper -bei dieser Katastrophe und verdampft wie ein gewaltiges Meteor. In -Spiralen, die durch die Kreisnatur aller kosmischen Bewegung entstehen, -verflüchtet sich der glühende Nebel in Nacht und Raum. Am 21. Februar -1901 genossen wir das Schauspiel eines solchen Sonnenunterganges. In -der Milchstraßenebene im Bilde des Perseus leuchtete innerhalb 30 -Stunden ein bis dahin unsichtbarer Stern zu solcher Helligkeit auf, -daß er nur vom Sirius an Glanz übertroffen wurde. Das Spektroskop -zeigte, daß das Licht von zwei Massen ausging, von denen die eine die -normale Geschwindigkeit von 20 ~km~ besaß, die andere dagegen fast 50 -mal schneller auf diese zustürzte. Ihre Bewegungen waren gegeneinander -gerichtet. Die Entfernung des Katastrophenortes betrug ungefähr 200 -Lichtjahre, so daß der Zusammenstoß in Wahrheit um das Jahr 1700 -erfolgt sein mußte. Die Materie der zusammengeprallten Welten -- -oder vielleicht auch jener einen Welt, die hier in eine Meteorwolke -geraten war, -- verdampfte. Man sah die glühenden Gase in Spiralen mit -Lichtgeschwindigkeit hinauseilen in den Weltraum -- zwei tote Sonnen, -die sich einst aus Nebel geballt, geleuchtet hatten und erloschen -waren, kehrten hier zurück in die Urform des Sterndaseins, in den -Urzustand aller Materie, in den Nebel (Abb. 21). - -[Illustration: Abb. 21. Der Kreislauf der Sternmaterie vom Spiralnebel -zum Doppelstern über die Sternenkatastrophe zurück zum Spiralnebel.] - -Der Kreislauf ist vollendet. Von Nebel zu Sonne, von Sonne zu Nebel, -das ist der Kreislauf im Leben der Sterne. Staub bist du und Staub -wirst du sein! ruft man dem Erdensohn an seinem Grabe nach, Nebel warst -du und Nebel wirst du sein! kann man den Sternen in ihrer flammenden -Todesnacht entgegenrufen. - -Da nicht nur die Sonnen innerhalb ihres Haufens einsam durch ihre -Bezirke wandern, sondern ganze Sterngruppen, ganze Sternhaufen -dahinziehen wie die Hyaden, die Bärenfamilie, der Sternhaufen im -Perseus, so gehen nicht nur einzelne Sonnen, sondern ganze Sonnenhaufen -unter. Dann muß sich ein Weltbrand von überwältigender Größe und Tragik -abspielen. Während wir Untergang und Wiedergeburt von Einzelsternen -schon mehrere hundert Male sahen und jetzt mit der photographischen -und spektroskopischen Methode alljährlich beobachten, wurde solch ein -Schauspiel, das sich in sichtbarer Nähe vielleicht in Trillionen Jahren -einmal zutragen mag, von Menschenaugen nicht erschaut. Aber wir sehen -einen gewaltigen Nebel, der möglicherweise durch den Untergang eines -Sternhaufens entstanden ist, und in dessen wilddurchwühltem Chaos sich -nun die Sonnengeburt neuer Weltsysteme vollzieht: den Orionnebel*. - -[Illustration: Abb. 22. Photographie des Orionnebels. (Phot. Wolf.)] - -Die Entfernung dieses größten aller Himmelsnebel, den selbst ein -ungeübtes Auge mühelos unter den drei Sternen des Jakobstabes schimmern -sieht, schätzt man auf 500 Lichtjahre. Wenn man auch seit den 30 Jahren -der Himmelsphotographie noch keine Veränderung wahrgenommen hat, so -ist doch alles an ihm untrüglich in Wallen und Wogen begriffen wie in -Sturmeswolken, die der Orkan zerfetzt. Welche Fülle phantastischer -Bilder zaubert der Anblick dieses Nebels nicht in uns hervor! -Phantasien ohne Ende, ohne Schranken, aber auch ohne Halt und Beweis. -Daher wollen wir uns bescheiden mit dem, was die Photographie uns als -Tatsache von dieser Urwelt offenbarte: während in den Außenbezirken die -Nebel in weiten Bögen und Zügen zehnmal weiter sichtbar, als dieses -Bild hier reicht, sich im Raum verlieren, bilden sich im Kern schon -neue Sonnen, neue Welten -- aus der Asche steigt verjüngt der Phönix -des Alls empor. - -Und wir? Unsere Sonne leuchtet nicht mehr in Weißglut, Sonnenflecken, -die Runzeln des Alters auf dem Antlitz der Sterne, trüben schon -den Glanz ihrer Oberfläche, die äußersten Planeten, einst die -Lieblingskinder der Mutter Sonne, sind erkaltet, erstorben, sind tote -Felsenkugeln, auf denen selbst die Luft zu Eis gefror. Mag es noch -Millionen und Millionen Jahre dauern, einst wird auch unsere Sonne in -Rotglut verglühen und dann -- auf Erden ist längst alles Leben erstarrt --- treiben wir hin durch den Raum, ein Totenschiff im weiten Ozean des -Alls, hin in jene Gegend, in der das Bild des Schwanes glänzt. Eine -alte Sage erzählt, daß die Milchstraße den Schwalben den Weg zeige auf -ihrem Flug, und daß sie dem Schwan am Himmel folgten. Die Legende des -Volkes wird im Gewand der Wissenschaft zur Wahrheit. Fliegen wir nicht -dahin wie ein Schwarm von Vögeln, wir Planeten und Monde, geschart um -unsere Führerin im glänzenden Gefieder, um unsere Mutter Sonne, fliegen -und fliegen, bis sich an uns das tragisch-schöne Dichterwort erfüllt: - - »Einst wird vom raschen Flug ihr strahlend Heer, - ein müdes Schwalbenvolk, heruntersinken«? - -Mit diesem Flammentod der Sterne findet nicht nur ihre -Entwicklungsgeschichte, sondern auch unser Wissen über die Sonnen, -die das Milchstraßensystem zusammensetzen, einen natürlichen -Abschluß. Wir haben von der Zusammensetzung, von den Einzelgliedern -der Milchstraße ein zwar in fast allen Einzelheiten unsicheres, in -seinen Grundzügen aber gewißlich zutreffendes Bild gewonnen. Was -alle hervorragenden Weltbetrachter seit Demokrit vermutet haben, -ist nunmehr wissenschaftlich bewiesen: die Milchstraße ist ein -ungeheures Sternsystem. Ihr gürtelförmiger Anblick entsteht durch -unsere Stellung inmitten dieser Weltinsel. Alle Sterne, die wir am -Himmel erblicken, gehören diesem System an. Die helleren von ihnen -sind uns verhältnismäßig nah und bilden mit unserer Sonne einen -Sternhaufen, wie wir deren im Centaurn, im Herkules, im Tukan und an -vielen anderen Stellen sehen. Die Zahl der Sterne, die das ganze System -vereinigt, schätzt man auf 50--200 Millionen leuchtende und vielleicht -hundertmal mehr nichtleuchtende Weltkörper. Der Abstand der Sterne -voneinander ist unvorstellbar groß: das Licht braucht Jahre, um ihn -zu überbrücken. Nichtsdestoweniger bildet das Milchstraßensystem eine -geschlossene Einheit. Alle seine Sterne werden durch die Schwerkraft -zusammengehalten. Jeder Stern ist eine Sonne von ähnlicher Größe und -Beschaffenheit wie unsere Sonne, alle Sonnen sind aus den gleichen -Elementen aufgebaut; alle entstehen in gleicher Weise aus Nebelkugeln -durch Abkühlung und Zusammenziehung der gasigen Materie, leuchten -zuerst weiß, dann gelb und verglühen schließlich in Rotglut; viele, -wahrscheinlich alle werden von dunklen Planeten umkreist, die sich -genau wie unsere Planeten nach den Keplerschen Gesetzen in Ellipsen -um ihr Zentralgestirn bewegen und wie diese auf einem gewissen -Stadium der Abkühlung nach allen Voraussetzungen der Vernunft und -Wahrscheinlichkeit als bewohnbar und bewohnt anzusehen sind; alle -diese Sonnensysteme bewegen sich mit ungefähr gleicher Geschwindigkeit -von durchschnittlich 30 ~km~ in der Sekunde in ihren Sternhaufen -und diese wieder durch das Milchstraßensystem; diese Bewegung ist -nicht regellos, sondern erfolgt einerseits in Gruppen (Plejaden, -Hyaden), andererseits in bestimmten Strömen, den sog. Heerstraßen der -Sterne; auf ihrer Sonnenfahrt geraten die Sterne früher oder später -in das Anziehungsbereich eines Nachbarsterns, bilden mit ihm ein -Doppelsystem, indem sie sich in immer engeren Spiralen umkreisen, bis -sie nach unvorstellbar langem Lebenslauf, meist längst erloschen, -zusammenprallen und wieder zu Nebel verdampfen, womit der Kreislauf der -Weltmaterie von neuem beginnt. - -An der Existenz des Milchstraßensystems und seiner Einheit in Kraft, -Stoff, Gesetz, Form und Entwicklungsgang kann somit kein Zweifel mehr -bestehen. Das Milchstraßensystem existiert. Aber nun erst tauchen die -großen Schlußfragen nach Gestalt, Größe und Mechanik des Gesamtsystems -in ihrer ganzen Inhaltsschwere vor uns auf. - -Die ersten mehr philosophierenden als forschenden -Milchstraßenbetrachter hielten sie für ein einfaches linsenförmiges -System, in dem die Sterne gleichmäßig verteilt sind. Nach ihrer Ansicht -ist die Milchstraße nicht etwa, wie es uns scheint, als ein Ring von -Sternen um uns vorhanden, sondern tritt nur dadurch in Erscheinung, -daß wir in der Richtung der Linsenfläche außerordentlich viel weiter -durch die gleichmäßig verteilten Sterne hindurchsehen müssen als in der -Richtung der kurzen Linsenachse. - -Allein von dieser Annahme einer gleichmäßigen Verteilung der Sterne -kam schon Herschel durch seine Sterneichungen ab. Er erkannte, daß die -Sterne in der Milchstraßenebene viel dichter zusammengedrängt stehen -als außerhalb dieser Fläche, daß also die Milchstraße keine einfache -optische Erscheinung infolge der Linsengestalt des Systems, sondern -das Innenbild einer tatsächlich existierenden +Sternebene+ ist. Von -dieser Ansicht, daß die Mehrzahl der Sonnen des Milchstraßensystems -in einer Hauptebene zusammengedrängt sind, ist kein späterer Forscher -mehr abgewichen. Schon Kant bekennt sich zu ihr und vergleicht in -tiefdenkerischer Betrachtung die Sonnenebene der Milchstraße mit jener -Ebene, in der sich die Planeten des Sonnensystems bewegen (Ekliptik). -Um jenen Spalt, der den Milchstraßengürtel auf ein Drittel seines -Umfangs in zwei Ströme teilt, zu erklären, nehmen Herschel und Kant -nicht eine, sondern zwei Hauptebenen im System an, die gegeneinander -leicht geneigt sind und sich kreuzen wie die Bahnebenen der Planeten, -und deren Auseinanderweichen uns als Stromspalt erscheint. - -Aber die genauere Durchforschung der Milchstraße mit Fernrohr und -vor allem mit der photographischen Platte hat eine solche Fülle -von Einzelheiten und so viele Spuren feinerer Struktur in ihr -zutage gefördert, daß auch diese Hypothesen nicht zur Erklärung der -tatsächlichen Erscheinungen ausreichen. Schon die verschiedenen -Seitenarme, die von der Milchstraße ausgehen und entweder scharf im -Dunkel des Raumes abbrechen oder sich allmählich in den Weiten des -Universums verlieren, widerstehen der Annahme einer Linsengestalt des -Systems, auch wenn man diesem System zwei sich kreuzende Hauptebenen -zuspricht. Einer dieser Seitenäste trennt sich im Bild der Kassiopeia -vom Hauptstrom und verliert sich zwischen Hyaden und Plejaden. Ein -anderer Nebenast geht von der Teilungsstelle bei Alpha Centauri ab und -verliert sich im Sternbild des Wolfs. Ein dritter scharf abbrechender -Ausläufer ist im südlichen Bilde des Schiffes wahrzunehmen. Außerdem -bemerkt schon das unbewaffnete Auge, daß die Milchstraße keineswegs -in gleichmäßigem Lichte schimmert, daß sie also nicht aus gleichmäßig -verteilten Sternen besteht, sondern daß die Sterne in Haufen, Wolken -und Zügen angeordnet sind. Nicht Myriaden einzelner Sterne, sondern -hunderttausend Sternhaufen, deren jeder einige Hundert oder Tausend -Sonnen vereinigt, setzen das System zusammen. Wie die Wolken über uns -in einzelnen Ballen und Haufen ziehen, wie ein Heer nicht aus einzelnen -Soldaten, sondern aus Regimentern und Bataillonen zusammengesetzt -ist, so schweben die Sonnen in der Milchstraße in Gruppen, Scharen -und Heereszügen. Die auffallendste der leicht wahrnehmbaren Wolken -ist die berühmte Lichtwolke im Schwan.* Bei ihrem Anblick kann man -sich des Gefühls nicht erwehren, daß hier Teile der Milchstraße uns -bedeutend näher stehen als die übrigen lichtschwächeren Partien. -Neben solchen Lichtwolken und Sternanhäufungen findet man wieder, -wie ebenfalls schon erwähnt wurde, auffallend stern- und nebelarme -Stellen, ja direkte Lücken, Risse, Spalten, Kanäle und Löcher. Die -größte Milchstraßenöffnung liegt gerade dicht neben der Lichtwolke -im Schwan und wurde von Oehl die dunkle Weltwolke genannt, von den -späteren Forschern dagegen mit dem jetzt üblichen Namen »nördlicher -Kohlensack«* bezeichnet. Der große südliche Kohlensack liegt im -Kreuz. Der hervorragende Milchstraßenforscher Easton, der 10 Jahre -seines Lebens von 1882 bis 1892 dem Studium der Milchstraße widmete, -führt in einem besonderen Katalog 164 helle und dunkle Flecke in ihrem -Gürtel an. Von diesen geben uns die prachtvollen Photographien der -Milchstraße, wie sie uns namentlich Wolf, Barnard, Gill, geliefert -haben, eine anschauliche Vorstellung. - -[Illustration: Abb. 23. Photographie eines Teiles der Milchstraße.] - -Welch eine Macht strahlt uns von diesen Bildern! Kann ein Abendmahl -von Leonardo, eine Madonna von Raffael, eine Toteninsel von Böcklin -tiefer auf uns wirken als diese schwarze Fläche besprenkelt mit Punkten -und Pünktchen? Jeder Punkt eine Welt! Wir selbst, unsere große weite -Erde, ja unsere ganze Sonnenwelt bis zum 4000 Millionen ~km~ entfernten -Neptun, nichts als ein kleiner leuchtender Punkt! Gibt es einen -Gedanken, der einerseits gewaltiger und erhabener ist, andererseits uns -zu tieferer Demut führen kann als ein solches Bild der Milchstraße? -Verwirklicht sich in diesen Photographien nicht geradezu jene Vision, -die den jugendlichen Schiller angesichts des Himmels begeisterte zu der -Hymne von der Größe der Welt: - - »Anzufeuern den Flug weiter zum Reich des Nichts, - Steur' ich mutig fort, nehme den Flug des Lichts, - Neblicht trüber - Himmel an mir vorüber, - Weltsysteme, Fluten im Bach, - Strudeln dem Sonnenwanderer nach.« - -Gewinnt nicht das Goethesche Wort »Seele des Menschen, wie gleichst -du dem Wasser, Schicksal des Menschen, wie gleichst du dem Wind« -angesichts dieser Offenbarungen des Himmels einen geradezu kosmischen -Inhalt? Wehen diese Sonnen nicht dahin im All wie Sand im Winde? -Bezeugt uns nicht jedes dieser Pünktchen, daß nicht nur das Leben des -einzelnen Menschen, sondern das Leben unseres ganzen Geschlechts, der -ganzen Erde, unserer ganzen immensen Sonnenwelt nur eine Welle ist im -großen Ozean der Welt, emportaucht als eine Welle aus dem Chaos des -Urnebels, um nach kurzen Rhythmen zu verrinnen im großen Strom der -Sonnen? Aber zu der Demut, im Ring der Milchstraße mit all unserem -Können, Wissen und Wollen, mit unserer ganzen heiß errungenen Kultur -und Kulturgeschichte nur ein Staubkorn in der Nähe eines solchen -leuchtenden Pünktchens zu sein, fügt sich der Stolz, von diesem -Sonnenstäubchen Erde dieses Bild der Welt erfaßt zu haben kraft des -Geistes, der uns beseelt, kraft der moralischen Idee, die uns befiehlt, -das Erforschliche zu erforschen und das Unerforschliche zu verehren, -und die Kant, der große bahnbrechende Milchstraßenforscher, der Macht -des Himmels als einzig würdig gegenüber gestellt in seinem berühmten -Satz: »Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender -Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken -damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische -Gesetz in mir.« - -[Illustration: Abb. 24. Milchstraßensystem nach Proktor.] - -Um alle Einzelheiten des Milchstraßenanblicks durch eine einheitliche -Hypothese zu erklären, nahm +Proktor+ an, sie sei ein Ringsystem von -Sternen, wie es uns der berühmte Ringnebel in der Leier vor Augen führt -(Abb. 25). Entweder sei sie ein offener aufgerollter Ring, dessen eines -Drittel sich nahe an uns vorbei winde und so erstens die Lichthelle -der Schwanwolke, zweitens infolge des Durchblicks die Stromspaltung -und drittens durch seine Öffnung den Kohlensack neben der Schwanwolke -erkläre (Abb. 24~a~). Oder aber, und das schien ihm wahrscheinlicher, -die Milchstraße sei ein Doppelringsystem mit leicht spiralischer -Aufrollung, das aus einem inneren kleineren Ring besteht, in dem sich -die Sonne befindet und dem die hellen Milchstraßenteile angehören, -und einem entfernteren größeren Ring, dem die matten Teile des Gürtels -entsprechen. Durch die Lage der Bänder, durch Unregelmäßigkeiten, -Unterbrechungen und Schlingen ließen sich die Einzelheiten des -Milchstraßenbildes erklären (Abb. 24~b~). - -Die Milchstraßenhypothese von Proktor ist als ein großer Fortschritt -gegenüber den Kant-Herschelschen Ideen zu bezeichnen, da sie wenigstens -die Haupterscheinungen zu erklären sucht. Aber abgesehen davon, daß -sie in vieler Hinsicht einer tieferen Kritik nicht standhält, ist -ihre Hauptstütze, nämlich der Hinweis auf das Vorhandensein ähnlicher -ringförmiger Sternsysteme am Himmel, hinfällig geworden. Alle -Ringnebel sind, wie die Spektralanalyse bewiesen hat, echte Gasnebel -in verhältnismäßig geringer Entfernung, stehen unzweifelhaft innerhalb -der Milchstraße und sind keine entfernten nebelig erscheinenden -Sternsysteme. Der Ringnebel in der Leier* ist nur ungefähr 32 -Lichtjahre von uns entfernt, also eines der uns allernächsten -Himmelsobjekte und dementsprechend kein gewaltiges Sternsystem, sondern -nur etwa 100- bis 1000fach größer als unser Sonnensystem. Der Ring, der -schon einzelne Lichtknoten zeigt und offenbar kurz vor seinem Zerfall -in einzelne Weltkörper steht, umläuft sein schon stark verdichtetes -Zentrum in schätzungsweise 10000 Jahren. - -Dagegen hat ein anderer Forscher, +Easton+, mit größerem Glück -versucht, die Milchstraße gewissen Nebelgebilden gleichzusetzen, -die wir am Himmel erblicken, nämlich den +Spiralnebeln+. Um nämlich -von einem Nebel sagen zu können, er sei ein sehr fernes als Nebel -erscheinendes Milchstraßensystem, muß man von ihm beweisen oder -wenigstens wahrscheinlich machen können, daß er nicht innerhalb -unserer Milchstraße, sondern weit außerhalb derselben im freien -Allraum schwebt. Wenn es uns auch bis heute noch nicht gelungen ist, -von irgendeinem Nebel eine sichere zahlenmäßige Bestimmung seiner -Entfernung auszuführen, so kann man doch von den meisten aus ihrer -Stellung ihre Zugehörigkeit zum Milchstraßensystem erkennen. Die -planetarischen Nebel, aus deren Gaskugeln sich durch Verdichtung -die Sonnen bilden, und die eigentlich nichts anderes vorstellen als -Sonnen und Sonnenhaufen in jugendlichem Zustand, finden sich fast -ausschließlich in der schmalen Zone der Milchstraße und hier in solcher -Fülle, daß ihre Zugehörigkeit zur Milchstraße nicht angezweifelt werden -kann. Ebenso schließen sich die ihnen verwandten Ringnebel, wie -jener in der Leier, eng an die Milchstraße an. Die Sternhaufen, die -aus diesen Kugel- und Ringnebeln entstehen, und deren Entfernung wir -ebenfalls nicht genau bestimmen können, sind in der Milchstraßenebene -so dicht zusammengedrängt, daß sie geradezu eine Kette bilden, die -mit der Milchstraße zusammen den Himmel umschließt. Zeichnet man in -eine Sternkarte unter Fortlassung der Milchstraße alle bekannten -Sternhaufen ein, so erhält man ein Sternhaufenband, das genau dem Laufe -der Milchstraße entspricht und das man die Milchstraße der Sternhaufen -nennen könnte. - -[Illustration: Abb. 25. Ringnebel in der Leier (Phot. Ritchey.)] - -Im Gegensatz zu den regelmäßigen Nebeln und den Sternhaufen, die im -Milchstraßenzug gruppiert sind, bekunden die unregelmäßig gestalteten -Gasnebel ihre Zugehörigkeit zum System gerade durch ihre Stellung -außerhalb der Milchstraßenzone und durch ihre Anhäufung an den Polen -der Milchstraße, also an jenen Stellen, die von dieser am weitesten -entfernt sind. Der nördliche Pol* der Milchstraße liegt im Haar -der Berenice, nicht weit vom Arktur. Hier sind die Nebel so dicht -zusammengedrängt, daß sie ganze Ketten und Gruppen bilden, die man -»Nebelnester« nennt. Der erfolgreiche Milchstraßenforscher Max Wolf in -Heidelberg, dem wir die meisten unserer Nebelphotographien verdanken, -entdeckte hier auf einer einzigen photographischen Platte 1528 einzelne -Nebel! In gleicher Fülle sind am entgegengesetzten Südpol, der jedoch -bei weitem noch nicht so genau erforscht ist, Tausende von Gasnebeln -aufs engste zusammengeschart. Aber auch zwischen Milchstraßenpol und -Äquator ist der ganze Himmel mit Nebeln aller Art geradezu übersät. -Die photographische Durchforschung des Himmels, die bisher schon -Zehntausende entdeckt hat, wird diese Zahl auf 100000 vermehren. -Trotz der Überfülle der Nebel, die den ganzen Raum um uns allseitig -bevölkern, scheinen auch hier gewisse Verteilungsgesetze zu wirken. -So zieht ein besonders dichter Zug vom Milchstraßenpol über das Bild -des Großen Bären, kreuzt die Milchstraße im ~W~ der Kassiopeia und -läuft durch die Andromeda zum Südhimmel hinüber, wo er sich offenbar -fortsetzt, um sich wieder zum vollständigen Kreis zu schließen. Dieser -Nebelstrang, den man »die Milchstraße der Nebelflecke«* genannt -hat, läuft also senkrecht zur Milchstraßenebene von Pol zu Pol, so -wie die Erdachse senkrecht zur Äquatorebene von Nordpol zu Südpol -läuft. Für die weitere Erklärung der Milchstraßenmechanik wird diese -Nebelstraße von großer Bedeutung sein. Jedenfalls verrät die Stellung -der planetarischen Nebel und der aus ihnen hervorgehenden Sternhaufen -in der Milchstraßenebene und der unregelmäßigen Nebel in der Nähe und -in der Verbindungslinie der Milchstraßenpole einen Gegensatz, der gewiß -nicht seiner tieferen Ursachen entbehrt und in jedem Erklärungsversuch -des Milchstraßensystems unbedingt weitgehendste Berücksichtigung -erfahren muß. - -[Illustration: Abb. 26. Photographie des Heringsnebels (nach Wolf).] - -Von diesen unzweifelhaft systematisch verteilten und dem -Milchstraßensystem angehörenden echten Gasnebeln sind jene Nebelflecke -streng zu trennen, die nicht aus leuchtenden Gasen, sondern aus -einzelnen Weltkörpern zusammengesetzt sind. Im Fernrohr sind sie von -jenen nicht zu unterscheiden und wurden -- und werden noch leider -allzuhäufig -- mit ihnen ohne Unterschied zusammengestellt und zusammen -behandelt, als seien es dieselben Gebilde. Während sich aber alle -echten Gasnebel durch ihr helliniges Spektrum als leuchtende Urmaterie -zu erkennen geben und einzig darum so hell und plastisch erscheinen -können, weil sie uns verhältnismäßig nahe stehen, enthüllen uns die -nun zu besprechenden Nebelgebilde ein von dunklen Linien durchzogenes -schwaches Bänderspektrum, wie es die Sonne und die Sterne zeigen, -und charakterisieren sich uns damit als tausendmal weiter entfernte -gewaltige Sternsysteme, als Weltinseln, als Milchstraßen, die von uns -so fern sind, daß ihr ganzer Glanz zu einem blassen Nebelschimmer -verschwimmt, den kein Auge, kein Fernrohr, sondern nur noch das -Spektroskop und die photographische Platte als Sonnenwelt erkennen. Wem -ist es nicht schon zugestoßen, daß er eine Wolke, die im Abendglühen -über seinem Hause schwebte, für eine Alpenlandschaft ansah, in der er -Berge und Täler, Firne und Gletscher, Nebel und Himmel und dahinter -ein weites blaues Meer zu sehen vermeinte? Und wer sah nicht schon -ein Gebirge in der Ferne am Horizont aus dem Dunst der Atmosphäre -emportauchen mit echten Bergen und Tälern, Firnen und Gletschern, so -weit und so entfernt, daß es wie eine Wolke erschien, die am Firmamente -hängt? Wie die nahe Wolke so umschweben uns in Sternennähe jene -Nebel aus leuchtenden Gasen. Aber wie das wolkenartig schattenhaft -erscheinende Gebirge, so schimmern aus Unendlichkeitsfernen jenseits -unserer Milchstraßenwelt uns die fremden Sternsysteme entgegen, Wolken -scheinend, doch in Wahrheit Sonnenwelten, Milchstraßen. - -[Illustration: Abb. 27. Photographie des Nebels ~H. V.~ 24 (nach Wolf).] - -Diese Milchstraßensysteme besitzen ausnahmslos Spiralgestalt, die sich -je nach der Lage des Systems mehr oder minder deutlich zu erkennen -gibt. Im Haar der Berenice entdeckte Wolf den Nebel der Abb. 26, -den die Astronomen den »Hering« nennen. Aber dieser Hering ist ein -Weltsystem von unerkennbar vielen Sonnen, ist eine Milchstraße von -der Kante gesehen. Wenn uns eine Macht in jene Fernen des Weltalls -führte, in denen dieser Heringsnebel schwebt, und uns in sein Inneres -versetzte, so weitete sich dieses Wölkchen vor und um uns zum -Milchstraßengürtel, der unseren Himmel umringte, unsere Milchstraße -hinter uns aber schrumpfte und schrumpfte, bis sie in der Ferne -entschwände, verdämmernd zu einem Heringsstreif. - -Dicht daneben fand Wolf den Nebel der Abb. 27, der zu den schönsten -Erscheinungen des Himmels gehört. Er unterscheidet sich vom Hering -durch seinen deutlich hervortretenden Kern, wodurch er auffällig -an den ringsumkreisten Saturn erinnert. Aber dieser Nebel ist kein -naheschwebender Planet im frühen Zustand seines Werdens, auch er ist -ein Weltsystem von Sonnen wie unsere Milchstraße, das durch seine -ungeheure Entfernung, -- Wolf schätzt sie auf 500000 Lichtjahre -- als -zierlicher Nebel erscheint. Schon an diesem flach gesehenen Nebel kann -man besonders in der oberen Hälfte deutlich die Spiralen erkennen, in -denen die Sonnen um das Zentrum des Systems kreisen. - -Erheben wir uns mit unserem Blick noch mehr über die Fläche einer -solchen Sonnenwelt, so erscheint sie uns in der entrollten Schönheit -des großen Andromedanebels*, den das unbewaffnete Auge in klaren -Nächten rechts neben dem oberen Leitstern im Bilde der Andromeda -als verwaschenes Fleckchen erkennt (Abb. 28). Linse, Prisma und -photographische Platte haben sich erfolgreich wie in keinem anderen -Fall zur Enträtselung dieses Nebelpünktchens verbündet und unter der -Feldherrnführung scharfsinniger Astronomen einen der schönsten Triumphe -der entdeckenden Himmelsforschung erstritten. Kein Himmelsgebilde -jenseits unseres Planetensystems ist mit dem gleichen Aufwand von Fleiß -und Ausdauer erforscht worden wie dieser Nebel. Der Astronom +Bohlin+ -allein soll den Andromedanebel über 40000 mal eingestellt haben. Aber -wie überall, wo sich Können und Wollen zur Tat vereinigten, ist auch -hier die Mühe belohnt worden, denn über keine Erscheinung ähnlicher Art -sind wir annähernd so gut unterrichtet wie über den Andromedanebel. - -Auch hier glühen uns nicht, wie es den Anschein hat, leuchtende Gase -in chaotischer Glut entgegen, sondern Sonnen: der Andromedanebel ist -ein fernes Sternsystem und zwar von allen das unserer Milchstraße nach -Bau, Entwicklungsstand und Form ähnlichste. Wie in unserer Milchstraße -sind in ihm echte Sonnen und verstreute Nebelmaterie gemischt. Diese -Sonnen, die wir einzeln nicht erkennen, sondern nur mit Hilfe der -Spektralanalyse durch die Natur ihres Gesamtlichts erforschen können, -bestehen wie die Sonnen unserer Milchstraßen aus einem feuerflüssigen -oder festgasigen Kern und einer leuchtenden Gasatmosphäre. In diesen -Sonnen des Andromedanebels glühen dieselben Stoffe Wasserstoff, Helium, -Eisen, Kohlenstoff, Titan unter denselben Bedingungen wie in unserer -Milchstraße. Die Welt ist eines, einzig und einig! - -Während aber in unserer Milchstraße die jungen heißen Siriussonnen -der ersten Spektralklasse weitaus überwiegen und die kälteren Sterne -von der Art unserer Sonne in der Minderzahl sind, setzt sich das -Andromedasystem aus vorwiegend gelbleuchtenden Sternen der zweiten -Spektralklasse zusammen. Das Andromedasystem ist älter als unsere -Milchstraße. Ganz unverkennbar ist die Spiralnatur dieser Welt. Von -einer gewaltigen Sternanhäufung im Mittelpunkt laufen die Sonnenströme -in drei großen Spiralwindungen um das Zentrum. Die einzelnen Spiralen -sind durch sternleere Spalten getrennt. An den Umbiegungsstellen -der Spiralen scheinen die Sonnen dichter zusammenzustehen als in -den Längsseiten. Die Entfernung des Systems schätzt Wolf auf 32000, -Scheiner sogar auf 500000 Lichtjahre. Seine Eigenbewegung im Raum -nähert es uns in jeder Sekunde um 300 ~km~. - -[Illustration: Abb. 28. Photographie des Andromedanebels.] - -Wer kann von nun an ohne tieferes Gefühl zu diesem Wolkenpünktchen -am Himmel aufschauen? Der Andromedanebel ein Weltsystem wie unsere -Milchstraße! 100 Millionen Sonnen kreisen in ihm wie in unserer -Milchstraße, jede einer Schar von Planeten und Monden Licht und -Wärme spendend, Planeten, auf denen Wesen wohnen wie auf unserer -Erde oder gewohnt haben wie auf Neptun und Uranus oder einst wohnen -werden, wie vielleicht auf Jupiter und Venus! Auf wieviel Myriaden -sonnenbeschienener Planeten dieses Weltsystems mögen Wesen wohnen auf -der gleichen Stufe der geistigen und körperlichen Entwicklung wie -auf unserem Erdball, auf wievielen mögen naive Wesen hinausschauen -in die Nacht und Märchen und Legenden spinnen über die leuchtende -Pracht zu ihren Häupten, wie es unsere Vorfahren getan. Auf wieviel -anderen mögen forschende Wesen ansässig sein, die mit Instrumenten, -mit Fernrohrlinsen, Prismenapparaten ins Universum lugen und -unsere Milchstraßenwelt als ein Wölkchen am Firmament erblicken, -unseren großen himmelfüllenden Sonnenkranz, unsere weltumspannende -Milchstraßenherrlichkeit -- ein Wölkchen in dunkler Nacht! - -Der Andromedanebel ist das einzige Gebilde, von dem man mit einer -Wahrscheinlichkeit, die fast an Gewißheit grenzt, behaupten kann, daß -es ein fernes Milchstraßensystem darstellt. Hier müßte alles trügen, -wenn wir nicht eine Milchstraßenwelt vor uns sehen. Weit weniger -sicher erscheint uns die Milchstraßennatur des Spiralnebels im Großen -Bären, der ebenfalls aus Sonnen und Nebeln zusammengesetzt ist und -unzweifelhaft jenes Bild darbietet, das eine Milchstraßenspirale in -voller Flächenansicht uns vor Augen führen würde (Abb. 29). - -Von einem Nebelzentrum laufen sternbesäte Spiralen in harmonischen -Windungen nach allen Seiten aus wie die Feuerarme einer kreisenden -Rakete, bis sie in immer schwächeren Läufen sich in Nacht und -Nichts verlieren. Aber im Gegensatz zu dem dämmerig schimmernden -Andromedanebel, in dem alle Teile der breiten Spiralen in gleichmäßiger -Mattheit verschwimmen, ist dieser Nebel so plastisch reich an -Einzelheiten, an scharfen Kontrasten zwischen Lichtknoten und -dunklen Stellen, an Übergängen und Ausläufern, Nebelschweifen und -Wolkenbrücken, daß man sich des Gefühls -- nur das Gefühl vermag -hier zu entscheiden -- nicht erwehren kann, dieses Gebilde ist uns -unverhältnismäßig näher als der Andromedanebel, schwebt innerhalb -unserer Milchstraße und ist kein Weltsystem, sondern ein Sternnebel, -aus dem sich die Sonnen eines engen Haufens aus Nebelchaos ringen. Mag -er nur 370, oder, wie Wolf schätzt, 370000 Lichtjahre von uns entfernt -sein, mag er ein wahres Schwestersystem unserer Milchstraße sein oder -nur ein Sternhaufen in ihr und uns nur lehren, daß im Kosmos auch das -kleinere Einzelsystem ein treues Spiegelbild des großen Ganzen ist, auf -jeden Fall gibt uns dieser Spiralnebel eine anschauliche Vorstellung -von dem Anblick einer Sternspirale in ihrer ganzen Flächenausbreitung. - -[Illustration: Abb. 29. Photographie des Spiralnebels im Großen Bären -(nach Wolf).] - -Die Reihenübersicht über die Spiralgebilde vom Kantenbild des Herings -über die Schrägansicht des Andromedanebels zur Flächenbetrachtung des -Sternsystems im Großen Bären wird vervollständigt durch die Erscheinung --- der Milchstraße. +Die Milchstraße ist nach der Hypothese von -Easton das Innenbild einer großen Weltspirale.+ Wir leben im Innern -eines Spiralsystems, wie wir es als Andromedanebel in weiter Ferne -erblicken. Von ihrer genaueren Gestalt entwarf Easton folgendes Bild. -Von einem Zentralkern, der von uns aus betrachtet in der Richtung des -Schwans gelegen ist, und den wir als Lichtwolke im Schwan leuchten -sehen, laufen die Sternzüge in drei breiten Hauptspiralen aus. Der -erste uns nächste Arm umkreist uns direkt und läuft -- immer in der -scheinbaren Projektion auf die uns nahen Sternbilder gesehen -- -vom Schwan über den Adler um den ganzen südlichen Himmel, bis er -sich an der Gegenseite in der Nähe des Sirius verläuft. Der zweite -Hauptarm liegt von uns aus betrachtet hinter dem ersten, ist uns also -ferner und daher lichtschwächer. Indem er sich dicht hinter seiner -Ursprungsstelle vom ersten Arm trennt und bald darauf wieder mit -ihm vereinigt, entsteht nahe der Lichtwolke im Schwan der nördliche -Kohlensack, durch den wir zwischen den beiden Armen in den dunklen -Raum hinausschauen. Nach seiner Trennung vom ersten Arm umkreist er -das ganze System und hat den Hauptanteil an der Gürtelerscheinung der -südlichen Milchstraße. Der dritte kurze kräftige Hauptarm läuft in -entgegengesetzter Richtung nach Norden ins Bild des Perseus, wo er -ziemlich scharf und unvermittelt abbricht. Zwischen seinem und des -ersten Armes Ende bleibt eine Lücke im Milchstraßenring, jene dunkle -Gasse, die wir zwischen dem Fuhrmann und dem Perseus erkennen. Diese -drei Spiralarme liegen nicht genau in einer Ebene, sondern weichen -ähnlich wie die Planetenbahnen im Sonnensystem etwas vom idealen -Äquator des Systems ab. Da außerdem zwischen ihnen ebenso wie zwischen -den Armen des Andromedasystems sternfreie Spalten bleiben, so sehen -wir zwischen den beiden Hauptspiralen hindurch in den dunklen Weltraum -hinaus -- die Milchstraße erscheint uns in einem Drittel ihres Laufes -durch einen dunklen Spalt in zwei Ströme geteilt. Dieser oft erwähnte -Milchstraßenspalt entspricht also genau den dunklen Spalten, die wir -zwischen den Spiralwindungen des Andromedanebels erkennen. - -Die wahre Größe dieser Spirale kann man natürlich nur schätzungsweise -bestimmen. Die Milchstraße ist offenbar wie der Andromedanebel -ungefähr halb so breit wie lang und von geringer Höhe, so daß man an -die Linsengestalt des Systems, wie sie Kant und Herschel vorschwebte, -festhalten kann. Aus der Entfernung der äußersten Sterne hat man die -Längsachse des Systems auf 15000--50000 Lichtjahre, die Querachse auf -5000--20000 Lichtjahre geschätzt, Grenzwerte, die zwar in ihren Zahlen -stark voneinander abweichen, aber übereinstimmen in einem, in ihrer -Unfaßlichkeit für menschliche Begriffe. - -[Illustration: Abb. 30. Milchstraßensystem nach Easton (unter Benutzung -einer Zeichnung von Riem).] - -Mit größerer Sicherheit läßt sich die Stellung unserer Sonne in diesem -Spiralsystem bestimmen. Da uns der Milchstraßengürtel von Einzelheiten -abgesehen allseitig fast gleich breit und hell erscheint, müssen wir -uns im zentralen Teil des Systems befinden. Stände die Sonne genau in -der Äquatorebene der Milchstraße, so müßte ihr Ring den Himmel in zwei -genau gleiche Hälften teilen, sie müßte, wie der technische Ausdruck -lautet, einen größten Kreis am Himmel beschreiben. Dies ist aber nicht -der Fall. Die Milchstraße schneidet den Himmel in zwei Teile, die sich -wie 7:8 verhalten. Da der nördliche Teil der größere ist, steht unsere -Sonne etwas nördlich von der Mittelebene des Systems. Sie schwebt aber -nicht etwa isoliert außerhalb der allgemeinen Ebene, sondern inmitten -eines kugeligen, leicht abgeplatteten Haufens, dem fast alle helleren -Sterne des uns sichtbaren Himmels angehören, und dessen Mittelebene -gegen die Milchstraße um 20 Grad geneigt ist. Der Mittelpunkt dieses -Haufens, gegen den sich die Sterne ebenso verdichten wie in dem S. 19 -abgebildeten Haufen im Centaurn, liegt im Sternbild Norma (auf dem -südlichen Himmel nicht weit von Alpha Centauri). In diesem Sternhaufen, -dessen Sterne fast sämtlich der 2. Spektralklasse, dem Sonnentyp, -angehören, stehen wir ziemlich weit in der Richtung auf den Perseus vom -Zentrum entfernt. Unsere Sonne bildet hier mit den 6 Sternen Kapella, -Beteigeuze, Wega, Atair, Theta im Großen Bären und dem berühmten -Doppelstern 61 im Schwan, an dem Bessel die erste Fixsternentfernung -bestimmte, eine engere Gruppe nach Art der Plejaden, die durch eine -gemeinsame Gruppenbewegung auch äußerlich charakterisiert ist. -Vielleicht gehören diesem Siebengestirn, dessen Entdeckung wir dem -verdienstvollen Fixsternforscher Kobold in Kiel verdanken, noch die -drei Sterne Antares im Skorpion, Aldebaran und Etha in der Kassiopeia -an. Die beiden fernsten Sterne dieser Gruppe, Beteigeuze und Antares, -stehen 150 Lichtjahre, also fünfmal weiter auseinander als die beiden -äußersten Sterne der Bärenfamilie Merak und Mizar. Rings um den großen -Sternhaufen, in dem dieses Siebengestirn eine kleine Gruppe bildet, -liegt eine sternarme Zone wie um den Haufen im Centaurn. Aber auch -dieser große Haufen ist keineswegs vom allgemeinen Spiralzug der -Milchstraßensterne getrennt. Es scheint vielmehr, als ob von ihm aus -zwei kleinere Sternströme ins Milchstraßeninnere führen, einer direkt -zum Knotenpunkt im Schwan, der andere in die Gegend des Fuhrmanns -laufend, so daß uns in diesen beiden Richtungen die Sterne mittlerer -Größe, also jene Sterne, die uns näher stehen als die eigentlichen -Milchstraßensterne aber ferner als die Sterne unseres Haufens, dichter -und zahlreicher erscheinen als in den übrigen Teilen des Himmels. Die -Entfernung unseres Sonnensternhaufens von der Lichtwolke im Schwan, dem -Knotenpunkt der Milchstraßenspirale, beträgt ungefähr 1300 Lichtjahre. - -So sind wir im Rahmen einer großzügigen Hypothese über die Gestalt -des Milchstraßensystem und über unsere Stellung in ihm gut -unterrichtet. Bedeutend haltloser ist unser Wissen über den Ursprung, -die Entwicklung und den Bewegungsmechanismus dieser Sterninsel. Daß -unsere Milchstraßenwelt keine tote Schöpfung, kein starr glitzerndes -Naturgemälde, sondern eine treibende Weltmaschine ist, bedarf -keines Beweises mehr. Wenn es uns die Tatsachen der allgemeinen -Sternbewegungen, das Aufleuchten neuer Sterne, das Dahinstieben -dampfender Nebel und der Reichtum der Übergänge von heißen Nebelsternen -bis zu halberloschenen Sonnenkörpern nicht untrüglich verraten hätten, -so würde es uns ebenso der Anblick der fremden Weltnebel auf allen -Stadien der Entwicklung und Bewegung wie die Umschau in der Milchstraße -selbst bezeugen. Die Spiralsysteme des Himmels sind sprühende -Weltraketen und jeder Funke ist eine Sonne! +Wir+ sehen diese Bewegung -nicht, sehen nicht das Sprühen und Glühen, Drehen und Wehen, wir -nicht, wir staubgeborenen Erdensöhne. Denn wenn eine einzige Umdrehung -dieser Weltraketen nach der Schätzung der Astronomen 20 Millionen -Jahre dauert, und wenn, wie wir erfahren haben, diese Sonnenräder so -weit von uns entfernt sind, daß die ganze Milchstraßenpracht zu einem -Nebelpünktchen verblaßt, wie sollten Menschen, die 70 Jahre leben, auch -nur die Hälfte, ein Viertel, ja ein Hundertstel oder Zehntausendstel -solcher Umdrehung sehen? Wir stehen vor diesen Welten wie ein Mensch, -dem man in finsterer Nacht eine hunderträdrige Maschine während -eines kurzen Blitzes schauen läßt. Die Maschine dreht sich, aber -die Blitzsekunde ist zu kurz, um auch nur +einen+ Radlauf, +einen+ -Kolbengang, +einen+ Hebelschwung zu sehen -- die kreisende Maschine -steht vor seinem Auge still. Kann man erwarten, daß dieser Mensch den -Mechanismus der Maschine in diesem Bruchteil der Sekunde begreift? - -[Illustration: Abb. 31. Der Kokon-Nebel im Schwan. (Phot. Wolf.)] - -Unbeweglich starr und stumm steht die Milchstraße in allen ihren -Teilen vor uns. Aber selbst in ihrer Starrheit gibt uns jeder Punkt -und jedes Wölkchen Kunde von dem großen πάντα ῥεῖ, dem »alles fließt« -im Sternenstrom der Welt. Wohin wir das Fernrohr richten, überall -sehen wir neben dem ruhigen Fluß der großen Milchstraßenspiralen die -Spuren gewaltiger katastrophaler Bewegungen. Allenthalben entdeckt das -Fernrohr Nebelströme, Wolkenzüge, vom Weltsturm zerfetzte Streifen, -vom Strom der Sonnen durchflutete Kanäle; bald kreuzen sich die Züge, -bald spalten sich die Straßen; hier lodern Nebel wie Weltenfackeln, -dort stieben Sonnen auseinander wie Granatensplitter; feurige Kugeln -bahnen sich durch kosmisches Gewölk ihren Flammenweg, alles verheerend, -was sich ihnen entgegenstellt, beiseite schiebend, was ihnen ihren -Sonnenflug versperrt. Wie eine Kartätsche durch Wolkenfetzen schlägt, -so bahnt sich jener Feuerball, den wir als den sog. Kokonnebel im -Bild des Schwans erblicken, seinen Weg durch die Weltwolken der -Milchstraße, weit hinter sich durch eine dunkle Gasse die Spuren seines -Pfades verratend. (Abb. 31). Wieviel Trillionen Meilen mag sich diese -Weltgranate durch den Sternenstrom geschlagen haben, seit wieviel Äonen -von Jahren mag sie schon auf ihrer Fahrt begriffen sein? Wieviel -Myriaden von Welten mag sie auf ihrer Flammenbahn zermalmt, versengt, -vernichtet haben? - -Im Schlangenträger sehen wir einen Kranz von glühenden Welten wie -Fackeln in neblichter Nacht schwelen (Abb. 32). Leuchten hier die -Totenfackeln einer Sternengruppe, ähnlich den Plejaden unserer -Nachbarschaft, Totenfackeln, die uns an die Vergänglichkeit +aller+ -Dinge dieser Welt, auch an den Tod der Sterne mahnen? - -[Illustration: Abb. 32. Photographie der Milchstraße im -Schlangenträger. (Phot. der Yerkes-Sternwarte.)] - -Im Bilde des Schwans, jener Himmelsstelle, an der uns die Milchstraße -durch ihre wahrscheinliche Nähe die größte Zahl von Wundern -offenbart, fand Wolf auf photographischem Weg einen Nebel, von dem -selbst das stärkste Fernrohr keine Spur entdecken ließ, weil er in -ultraviolettem Lichte leuchtet. Er nannte diesen Nebel wegen seiner -Ähnlichkeit mit dem amerikanischen Kontinent den Amerikanebel. (Abb. -33). Wir sehen diese Nebelwolke nur in der Fläche. Man muß sie sich -aber als plastischen Körper denken, von der Gestalt eines Kreisels, -wahrscheinlich sogar hohl wie ein Trichter. Dieser Nebeltrichter -sprudelt offenbar in rasender Wirbelbewegung mit seiner abwärts -gerichteten Spitze nach vorn durch den Raum, alle Welten, denen er -sich naht, in seinen feurigen Wirbel reißend, so daß er rings von -einer sternarmen Hülle, von einer verödeten Himmelszone umrändert -ist. Wo gibt es eine Phantasie, die sich die Wirklichkeit, die hinter -diesem wallenden Nebel sich verschleiert, auszumalen imstande wäre, -wo einen Geist, der diese Welttragödie, deren Aktschluß wir hier in -Flammenschrift geschrieben sehen, in Gedanken zu umspannen vermöchte? - -So überzeugend diese Bilder für die Bewegungen im Milchstraßensystem -sprechen, so wenig klären sie uns über die Natur und die Gesetze dieser -Bewegung auf. Nur eines können wir unmittelbar aus dem Überblick -über die Richtungen der Nebelzüge, Brücken und Kanäle wahrnehmen. -+Die allgemeine Drehrichtung des Milchstraßensystems ist eine -einheitliche+ und zwar ebenso wie die unseres Planetensystems und die -der Doppelsterne eine linksläufige, dem Uhrzeiger entgegengesetzt. Die -Einheitlichkeit der Gesamtbewegung des Systems erhellt auch aus der -Spiralgestalt, die nur durch eine gesetzmäßige Drehung zustande kommen -kann. Es ist unentschieden, ob diese Spirale durch den Zusammenstoß -zweier sich bewegender Systeme entstand, wie wir es von den Gasnebeln, -z. B. dem Orionnebel annehmen müssen, oder ob sie sich, was -wahrscheinlicher ist, als natürliche Folge einfacher Systemdrehungen -einstellt. Da sich nämlich in jedem kreisenden System die inneren -Massen schneller bewegen als die äußeren, so bleiben diese hinter jenen -zurück, wodurch das System allmählich Spiralgestalt annimmt (Abb. 34). - -[Illustration: Abb. 33. Photographie des Amerikanebels (nach Wolf).] - -Auch unser Planetensystem ist in Wirklichkeit ein Spiralsystem, dessen -wahre Gestalt wir nicht wahrnehmen, weil es nur aus wenigen Körpern -besteht. Wären die Planeten durch Nebelmassen verbunden oder in so -großer Zahl vorhanden wie die Milchstraßensterne, so würde auch dieses -uns als Spirale erscheinen. Denn während sich der äußerste Planet -Neptun einmal um die Sonne bewegt, haben Uranus 2, Saturn 6, Jupiter -15, die Erde 200 und Merkur fast 1000 Umläufe vollendet. Je älter ein -Spiralsystem ist, je mehr Umdrehungen seine Glieder vollführt haben, um -so windungsreicher muß es werden, wovon der ältere Andromedanebel mit -seinen 5 Hauptwindungen gegenüber dem dreiarmigen Milchstraßensystem -ein Zeugnis gibt. Da außerdem die Sonnen eines solchen Spiralsystems -nach den Gesetzen der Schwerkraft dem Mittelpunkt zustreben müssen, so -wie unsere Planeten der Sonne in Spiralzügen näher und näher rücken, -muß sich ein Milchstraßensystem mit zunehmendem Alter im Mittelpunkt -verdichten. Der ältere Andromedanebel scheint in der Tat ein viel -dichteres Zentrum zu besitzen als unsere Milchstraße, in der die -Überzahl der Sonnen noch in den äußeren Spiralzügen zerstreut ist. - -Versucht man alle Ergebnisse der Milchstraßenforschung mit diesen -theoretischen Erwägungen in Einklang zu bringen, so kann man im Rahmen -einer Hypothese ein großartiges Naturgemälde vom Entwicklungsgang -und Kreislauf des Milchstraßensystems entwerfen, das an äußerer -Größe und innerem Reichtum einzig dasteht und unser gesamtes Wissen -vom Weltall in eine große Formel bringt. Eine solche Hypothese ist -unter anderen von Adolf Drescher vertreten worden und verdient durch -ihre Übereinstimmung mit den Tatsachen der Forschung und durch die -sinngemäße Verwertung des Gedankens von der Entwicklung und dem -Kreislauf aller Materie wohl als ideale Krone unsere Betrachtungen über -die Milchstraße zum Abschluß zu bringen. - -[Illustration: Abb. 34. Entstehung der Milchstraßenspirale infolge der -schnellen Umdrehung der Innenteile.] - -Nach dieser Hypothese bewegen sich die Sonnen zu Haufen geordnet -im Spiralsystem der Milchstraße von den äußeren Windungen nach -dem inneren Zentrum. Sie beginnen ihre Spiralfahrt als Nebel, als -kugelige Gasmassen, die wir als planetarische Nebel in der Milchstraße -schwebend sehen. Während diese Nebel in der äußeren Spirale ihren -Umlauf vollenden, kühlen sie sich ab, verdichten sie sich und werden zu -Sonnen oder Sonnenhaufen, zuerst zu Nebelsternen, dann zu den heißen -weißglühenden Siriussternen der ersten Klasse, wie wir sie in allen -Teilen der fernen Milchstraße neben den planetarischen Nebeln angehäuft -finden. Auf der Spiralfahrt ins Zentrum schreitet der Abkühlungs- und -Verdichtungsprozeß immer weiter fort. Die Sonnen schnüren Planeten -ab und bilden jene Sonnensysteme, in denen alle Bedingungen für die -höhere Entwicklung der Materie und für das Auftreten des Lebens gegeben -sind. In den inneren Windungen angekommen -- man kann einen Umlauf in -den äußeren auf 100, in den inneren Spiralen auf 20 Millionen Jahre -schätzen -- haben die Sonnen über die Hälfte ihrer Wärme verloren -und leuchten nunmehr nur noch in gelblichem Licht wie unsere Sonne. -Die meisten Sterne unserer Nachbarschaft, die mit uns nicht weit -vom Zentrum des Systems in einer inneren Windung kreisen, sind im -Gegensatz zu den Siriussonnen der äußeren Windungen, deren Weißglut -eine Hitze von 16000 Grad vermuten läßt, Sterne der 2. Spektralklasse -vom Sonnentyp, deren Wärme auf 6000 Grad gesunken ist. Je mehr sich -die Sonnen dem Mittelpunkt des Systems nähern, um so enger werden -natürlich die Spiralen, um so geringer der Raum, so daß sie immer näher -aneinander rücken müssen. Sie gelangen in das Machtbereich einer ihrer -Nachbarsonnen, werden von dieser abgelenkt, beginnen mit ihr um einen -gemeinsamen Schwerpunkt erst in großen, dann in immer engeren Bahnen zu -kreisen, bis sie mit ihr ein Doppelsystem, einen Doppelstern bilden. -Über ein Drittel der sonnennahen Sterne ist bereits in dieses Stadium -der Doppelsysteme gelangt. Die Wärmeerzeugung durch Verdichtung wird -immer geringer, die Schnelligkeit der Abkühlung immer größer, die -Temperatur der Sonnen sinkt um Tausende von Graden, die Sonnenflecken -werden größer und größer, das gelbe Licht geht in Rotglut über, -Schlacken bedecken ihre Oberfläche und verdunkeln in unregelmäßiger -Kurve ihren Glanz: die Sterne werden »veränderlich«, eine Sonne nach -der anderen erlischt. Als tote Weltkörper treiben die erloschenen -Sonnen und Doppelsonnen in den innersten Spiralen dem Knotenpunkt der -Milchstraße zu, immer enger sich zusammendrängend, bis sie schließlich -in der Mitte des Zentrums mit unvorstellbarer Geschwindigkeit gegen -einander rasend zusammenprallen. Der Zusammenstoß entfacht mit der -Gewalt einer Explosion ungeheure Energien, die gehemmte Bewegung des -Gesamtkörpers setzt sich um in Schwingung seiner kleinsten Teile, -der Atome, in Wärme. Die zusammengeprallten Sonnen leuchten auf als -»neue Sterne«. Ihre Materie verdampft und eilt als glühender Nebel -in Spiralen aus dem Innern des Systems davon, nach allen Richtungen -sich verbreitend, zurück in die Milchstraße und hier jene Nebel, -Feuerkugeln und Kanäle bildend, die wir hier zu Hunderten entdecken, -aber auch über die Ebene der Milchstraße hinaus hinauf nach den Polen -des Systems fliehend. In ihrer feinen Verteilung entschwinden uns -diese leuchtenden Gase bald, so wie der Rauch einer Zigarre verweht. -Aber je weiter diese Gasmassen hinauseilen in den kalten Weltraum, -desto mehr kühlen sie sich ab, verdichten sie sich wieder, und wie -die Wasserdämpfe, die unsichtbar der Erde entfliehen, sich in den -kühleren Höhen zu sichtbaren Wolken verdichten, so ballen sich an -den Polen der Milchstraße hoch über der Ebene der Sternspirale die -Sonnengase zu Wolken zusammen, zu jenen Nebeln, die wir in der Polachse -der Milchstraße und besonders an ihren Polen selbst als Nebelzüge -und Nebelnester auftauchen sehen. Je weiter diese Nebel hinauseilen, -um so mehr verlieren sie an lebendiger Bewegung. Mit zunehmender -Verdichtung unterliegen sie wieder der gegenseitigen Anziehung und der -Schwerkraft des ganzen Systems, die Spiralbahnen, in denen sie wie -Tabaksdämpfe höher und höher entflohen, werden flacher und flacher, -bis sie umkehren und sie wieder zur Milchstraßenebene hinabführen. An -den Grenzen des Systems treiben die Nebel in weiten Spiralen aus der -Polhöhe zur Äquatorebene hinab, wo sie durch die ständige Verdichtung -und den dauernden Zustrom kosmischer Materie als Gaskugeln wieder in -die Milchstraßenebene einmünden und hier von neuem ihren Kreislauf von -Nebelkugel zum Sonnenball beginnen (Abb. 35). - -[Illustration: Abb. 35. Kreislauf der Sonnen im Milchstraßensystem.] - -Diese Milchstraßenhypothese, die nach Zeit, Raum und Inhalt wohl der -umfassendste Gedanke ist, den ein Mensch auf naturwissenschaftlichem -Boden erdenken kann, setzt uns in den Innenteil einer großen -Sternspirale als Trabantenbewohner einer erlöschenden Sonne, der das -Schicksal winkt, mit einer ihrer Schwestern einst zusammenzuprallen und -im Zentrum des Systems zu verdampfen. Aber keine bange Menschenfurcht -um unser kleines Leben braucht darum das Herz zu beschleichen. -Millionen und Abermillionen Jahre werden vergehen, ehe wir an jenem -End- und Sterbepunkt des Sonnenstromes angelangt sind und hier in -Asche und Dampf zerschellen. Längst ist bis dahin alles Sein auf -Erden geschwunden. Selbst auf der erkaltenden Sonne hat Leben sich -entwickelt, geblüht und ist längst wieder erstorben, denn aller -Lebenslauf vom Urschleim bis zum Menschen und über ihn hinaus bis -zum Endglied, das trotz Technik und Kultur im Planeteneis erfriert -und unter der Eisdecke der kristallisierten Luft in Weltraumkälte -versteint, -- das alles ist im Strom des Sonnenlaufs nur wie ein -Frühling und ein Herbst auf Erden. Wenn also in Wirklichkeit jenes -Katastrophenende kommt, -- sterben wir dann nicht, um neu zu leben? -Flammt dann nicht alles, was kalt, erloschen, tot, morsch und gefühllos -ist, auf zu neuem Kreislauf, neuem Dasein, neuem Leben? Ist dieses -Ende nicht eine Erlösung, eine Auferstehung, eine Wiedergeburt? So -großartig, so gewaltig, so gerecht, wie kein Weltgericht gerechter, -größer und gewaltiger sein kann? Sonnen werden neu geboren, Planeten -erwachen, Monde verjüngen sich. Und was als flammende Wiedergeburt -hinausdampft in den Weltenraum, das sind +wir+, das ist die Materie, -die in +uns+ gelebt und geliebt, gelitten und genossen. Was in -jener Katastrophennacht den Sternenwelten des Alls als neuer Stern -entgegenstrahlt, das hat einst als Goethe, Darwin, Plato und Homer über -diese Welt geleuchtet, und was als Dampf dort neu entfacht hinauseilt, -das trägt in sich den Keim zu neuen Welten, neuem Leben, neuer Kultur. -Vielleicht führt diese Neugeburt uns über Nebelwolken und Sonnenglut -einem schöneren Dasein zu mit weiteren Entwicklungsmöglichkeiten, -höheren Erkenntnisfähigkeiten, durch die wir tiefer einzudringen -vermögen in das Rätsel der Milchstraße, als es uns die Wissenschaft -des Menschenhirns gewährt. Denn selbst im höchsten Stolze seines -Wissens darf der wahre Weltbetrachter eines nie vergessen: mögen -wir das System der Milchstraße mit Linse, Platte und Prisma noch -so tief erforschen, mögen uns Instrumente mit tausendmal größeren -Kräften zur Verfügung stehen, so daß wir lückenlos das Sternendasein -vom Nebelchaos bis zur Sonnenkatastrophe überschauen, so enthüllt -sich uns durch diese Wissenschaft doch immer nur die +Form+ und die -+Mechanik+ des Weltgeschehens. Über das innere +Wesen+ des Universums, -über den Sinn all dieser Sonnenwelten und Weltspiralen, über ihren -Ursprung und den Zweck ihres Daseins gibt uns weder die astronomische -Forschung noch irgendeine andere geistige Erkenntnismöglichkeit, -mag sie sich Philosophie, Wissenschaft oder Glaube nennen, auch nur -den kleinsten Aufschluß. Niemals können wir als Teile des Ganzen -das Ganze begreifen, können wir als ein Produkt der Welt die Welt -enträtseln, niemals werden wir, selbst nichts als denkende Materie, -das Wesen dieser Materie erdenken. Seien wir auch am Abschluß dieses -erhabensten Naturbildes, das der menschlichen Forschung zugänglich ist, -im Angesicht der Milchstraße uns dieser ewigen Grenzen menschlichen -Wissens bewußt. - - - - -Sachregister. - - - Algol 35 - - Algolsterne 35, 36 - - Amerikanebel 94 - - Andromedanebel 86 ff. - - - Bär Gr. 39, 40, 57 - - Bessel 28 - - Beteigeuze 71 - - Bewohnbarkeit der Welten 15, 37 - - Bohlin 86 - - Bolometer 53 - - Bunsen 64 - - - Clark 33 - - - Demokrit 11 - - Deneb 43 - - Doppelsterne 34, 73, 97 - - - Easton 80, 82, 89 ff. - - - Fernrohr 27 - - Fraunhofer 64 - - Fraunhofersche Linien 64 - - - Galilei 16 - - Gruppenbewegung der Sterne 40, 41 - - - Halley 38 - - Heerstraßen der Sterne 56 - - Heliumsterne 68 - - Heringsnebel 84, 85 - - Herschel 25 - - Himmelskarte, photogr. 46, 47 - - Hyaden 41 - - - Kant 18 - - Kirchhoff 64 - - Kohlensack 7, 79, 81, 90 - - Kopernikus 13 - - Krippe 41 - - - Lambert 18 - - Lichtjahr 29 - - Lichtwolke im Schwan 78, 81, 89 - - - Milchstraße - - -- Äquator 23, 98 - - -- Drehrichtung 95 - - -- Entstehung der Spirale 95 - - -- Größe 90 - - -- Hypothese von Demokrit 11 - - -- Hypothese von Easton 89 ff. - - -- Hypothese von Herschel 25 - - -- Hypothese von Proktor 81, 82 - - -- Hypothese von Wright, Kant, Lambert 18 ff. - - -- Kohlensäcke 7, 79, 81, 90 - - -- Lauf am Himmel 5 - - -- Mechanik 97 ff. - - -- Pol 23, 83 - - -- Seitenäste 78 - - -- Stromspalt 5, 81, 90 - - -- Umlaufszeit 98 - - -- Zahl der Milchstraßensonnen 76 - - -- Zentralsonne 58 - - -- Zentrum 89 - - ~Mira Ceti~ 70, 72 - - - Nebel - - -- Amerikanebel 94 - - -- Andromedanebel 86 ff. - - -- Nebel im gr. Bären 88 - - -- Entfernung 82 ff. - - -- Entstehung 73 - - -- Gestalt 20 - - -- Heringsnebel 84, 85 - - -- Kokonnebel 93 - - -- Nebel in der Leier 82, 83 - - -- Milchstraße der Nebelflecke 84 - - -- Nebelnester 83 - - -- Orionnebel 75 - - -- Planetarische Nebel 65 - - -- Ringnebel 82, 83 - - -- Nebel im Schlangenträger 94 - - -- Spektrum 66 - - -- Spiralnebel 82 ff. - - -- Verteilung 83, 84 - - -- Zahl 83 - - Nebelsterne 67 - - Neue Sterne 73 - - - Orionnebel 75 - - - Parallaxe 28 - - Peters 33 - - Photographie 43 ff. - - Plejaden 40, 67 - - Prisma 48 - - - Rowlandsches Konkavgitter 52 - - - Sirius 31, 33, 38, 54 - - Siriussterne 68 - - Sonne 55, 69, 70, 73, 76, 90, 91, 100 - - Sonnenflecke 71 - - Sonnensterne 70 - - Spektralanalyse 59 ff. - - Spektrograph 52 - - Spektroskop 52 - - Spektrum 51, 59 ff. - - Sterne - - -- Algolsterne 35, 36 - - -- Bewohnbarkeit 15, 37 - - -- Chemische Beschaffenheit 60 ff., 68 - - -- Eigenbewegung 38 ff., 53, 54 - - -- Entfernung 29 ff. - - -- Entwicklung 65 ff. - - -- Erloschene Sterne 72 - - -- Gruppenbewegung 40 - - -- Heliumsterne 68 - - -- Kreislauf der Sterne 73, 97 ff. - - -- Nebelsterne 67 - - -- Neue Sterne 73 - - -- Rote Sterne 71 - - -- Siriussterne 68 - - -- Spektren 65 ff. - - -- Untergang 98 - - -- Veränderliche Sterne 35, 36 71 ff. - - -- Verteilung 28 - - -- Zahl 76 - - -- Zusammenstoß 73, 98 - - Sternhaufen - - -- im Centaurn 20 - - -- im Herkules 67 - - -- Sonnenhaufen 91 - - - Veränderliche Sterne 35, 36, 71 ff. - - Vogel 68 - - - Wega 40, 56 - - Weltuntergang 73, 100 - - Wolf 83 ff. - - Wright 18 - - - Zentralsonne 58 - - Zoellner 70 - - - - -Naturwissenschaftliche Bildung ist die Forderung des Tages! - - -Zum Beitritt in den »Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde«, laden wir - - alle Naturfreunde - -jeden Standes, sowie alle Schulen, Volksbüchereien, Vereine usw. ein. --- Außer dem geringen - - Jahresbeitrag von nur M 4.80 - - (Beim Bezug durch den Buchhandel 20 Pf. Bestellgeld, - durch die Post Porto besonders.) - -= K 5.80 h ö. W. = Frs 6.40 erwachsen dem Mitglied =keinerlei= -Verpflichtungen, dagegen werden ihm folgende große Vorteile geboten: - -Die Mitglieder erhalten laut § 5 als Gegenleistung für ihren -Jahresbeitrag im Jahre 1915 kostenlos: - - I. =Die Monatsschrift Kosmos, Handweiser für Naturfreunde.= - Reich illustr. Mit mehreren Beiblättern. - Preis für Nichtmitgl. M. 2.80. - - II. =Die ordentlichen Veröffentlichungen.= - - Nichtmitglieder zahlen den Einzelpreis von M 1.-- pro Band. - - =Wilhelm Boelsche, Die Zukunft des Menschen.= - - =Dr. Kurt Floericke, Gepanzerte Ritter.= - Aus der Naturgeschichte der Krebse. - - =Dr. Kurt Weule, Schrift und Sprache.= - - Ferner sind vorgesehen die Bände von =Dr. Herm. Dekker= und - =Arno Marx=. Falls diese nicht rechtzeitig fertig werden, - da beide Verfasser im Krieg sind, werden sie durch andere - gleichwertige ersetzt werden, worüber noch im Kosmos-Handweiser - berichtet wird. - - III. =Vergünstigungen beim Bezuge von hervorragenden - naturwissenschaftlichen Werken= (siehe nächste Seite). - - - Jedermann kann jederzeit Mitglied werden. - Bereits Erschienenes wird nachgeliefert. - - - - -Die Mitglieder des +Kosmos+ haben bekanntlich nach Paragraph 5 III das -Recht, außerordentliche Veröffentlichungen und die den Mitgliedern -angebotenen Bücher zu +einem Ausnahmepreis+ zu beziehen. Es befinden -sich u. a. darunter folgende Werke: - - +------+-------- - |Preis |Mit- - |f. |glieder- - |Nicht-|preis - |mitgl.| - +------+-------- - =Altpeter, ABC der Chemie= | 2.40 | 1.-- - =Bergmiller, Erfahr. a. d. Gebiete d. hoh. Jagd.= | | - Geb. | 4.50 | 3.50 - =Bölsche, W., Der Sieg des Lebens.= Fein gebunden | 1.80 | 1.50 - =Diezels Erfahrungen a. d. Gebiete d. Niederjagd.= | | - Geb. | 4.50 | 2.90 - =Ewald, Mutter Natur erzählt.= Gebunden | 4.80 | 3.60 - =Ewald, Der Zweifüssler.= Gebunden | 4.80 | 3.60 - =Ewald, Vier feine Freunde.= Gebunden | 4.80 | 3.60 - =Fabre, J. H., Sternhimmel.= Gebunden | 4.80 | 3.60 - =Fabre, J. H., Bilder a. d. Insektenwelt.= | | - I/II, III/IV. 2 Bde. geb. je | 4.50 | 3.40 - =Fabre, J. H., Blick ins Käferleben.= Broschiert | 1.-- |--.50 - =Floericke, Dr. Kurt, Deutsches Vogelbuch.= Gebunden|10.-- | 8.40 - =Floericke, Dr. Kurt, Taschenbuch zum | | - Vogelbestimmen.= Geb. | 3.80 | 2.90 - =Fruwirth, Die Pflanzen der Feldwirtschaft.= Geb. | 3.80 | 2.90 - =Gräbner, Taschenbuch zum Pflanzenbestimmen.= Geb. | 3.80 | 2.90 - =Hepner, Cl., 100 neue Tiergeschichten.= Gebunden | 3.60 | 2.80 - =Jaeger, Prof. Dr. Gust., Das Leben im Wasser.= | | - Kart. | 4.50 | 1.70 - =Kuhlmann, Wunderwelt des Wassertropfens.= Brosch. | 1.-- |--.50 - =Lange, Der Garten und seine Bepflanzung.= Geb. | 4.50 | 3.50 - =Leben der Pflanze.= Bd. I, II, III, IV, V, VI, | | - VII, VIII, geb. je |15.00 |13.50 - =Lindemann, Die Erde.= Bd. I. Gebunden | 9.-- | 8.-- - =Lindemann, Die Erde.= Bd. II. Gebunden | 9.-- | 8.-- - =Meyer, Dr. M. Wilh., Die ägyptische Finsternis.= | | - Geb. | 3.-- | 1.90 - =Monographien unserer Haustiere.= Bd. I Schumann, | | - Kaninchen; Bd. II Schuster, Hauskatze; Bd. III | | - Morgan, Hund; Bd. IV Schwind, Haushuhn ~à~ | 1.40 | 1.05 - =Sauer, Prof. Dr. A., Mineralkunde.= Gebunden |13.60 |12.20 - =Schrader, Liebesleben der Tiere.= Broschiert | 1.40 | 1.10 - =Schroeder-Rothe, Handbuch f. Naturfreunde.= Bd. I | | - geb. | 4.20 | 3.60 - =Schroeder-Rothe, Handbuch f. Naturfreunde.= Bd. II | | - geb. | 3.80 | 3.30 - =Schwind-Gemen, Rosenbüchlein.= Gebunden | 1.50 | 1.25 - =Stevens, Frank, Ausflüge ins Ameisenreich.= Geb. | 2.50 | 1.85 - =Stevens, Frank, Die Reise ins Bienenland.= Geb. | 2.50 | 1.85 - =Strandbüchlein.= Gebunden | 1.25 | 1.-- - =Stridde, Allgemeine Zoologie.= Gebunden | 7.-- | 6.20 - =Thompson, E. S., Bingo u. a. Tiergeschichten.= Geb.| 4.80 | 3.60 - =Thompson, E. S., Prärietiere und ihre Schicksale.= | | - Fein geb. | 4.80 | 3.60 - =Thompson, E. S., Tierhelden.= Fein gebunden | 4.80 | 3.60 - =Wurm, Waldgeheimnisse.= Gebunden | 4.80 | 3.60 - -und zahlreiche andere Werke mehr. - - - - -Vollständige Chronik des europäisch. Krieges - - - Der Krieg - - Illustrierte Chronik des Krieges 1914 - - Monatlich zwei reich illustrierte Hefte - - Preis je 30 Pfennig - -Die Herausgeber dieser Kriegs-Chronik haben sich die Aufgabe gestellt, -aus der Fülle der sich oft widersprechenden und übertriebenen -Nachrichten mit scharfem Blick von erhöhter Warte aus das Wesentliche -und Wahre des gewaltigen Kampfes der Völker Europas herauszuschälen und -historisch richtig darzustellen. - -Jedes der reich ausgestatteten Hefte wird eine fortlaufende Chronik der -wichtigeren Ereignisse enthalten, dann - -=packende Schlachtschilderungen= - -aus der Feder erster Schriftsteller wie - -=Dr. Kurt Floericke, Anton Fendrich u. a.= - -Lebensbilder der Heerführer; Berichte von See- und Luftkrieg und vieles -andere mehr. Besonderer Wert wird gelegt auf vorzüglichen Bilderschmuck -und gutes Kartenmaterial; von allen in Betracht kommenden Ländern -erscheinen - -=ausgezeichnete Reliefkarten=. - -Bestellungen nimmt jede Buchhandlung entgegen - -Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart - - -Das Kriegsbuch der Gebildeten - - -[Illustration] - -[Illustration] - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtlich fehlerhafte Zeichensetzung wurde stillschweigend - korrigiert. Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht. - - Der Schmutztitel wurde entfernt. - - Korrekturen (das korrigierte Wort ist in {} eingeschlossen): - - S. 47: ist → ist es - um seinetwillen {ist es} die Mühe wert - - S. 53: Sonnen → Sonne - daß diese Pünktchen Sonnen sind wie unsere {Sonne} - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Die Milchstraße, by Fritz Kahn - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE MILCHSTRAßE *** - -***** This file should be named 52373-0.txt or 52373-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/2/3/7/52373/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net. - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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