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-The Project Gutenberg EBook of Der Tabak, by C. J. Koning
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
-
-
-Title: Der Tabak
- Studien über seine Kultur und Biologie
-
-Author: C. J. Koning
-
-Release Date: March 16, 2016 [EBook #51474]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER TABAK ***
-
-
-
-
-Produced by Peter Becker, Jana Palkova and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This
-file was produced from images generously made available
-by The Internet Archive)
-
-
-
-
-
-
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-
-
-DER TABAK
-
-VON
-
-C. J. KONING.
-
-
-
-
-DER TABAK
-
-
-Studien über seine Kultur und Biologie
-
-VON
-
-C. J. KONING.
-
-
-AMSTERDAM, LEIPZIG,
-J. H. & G. VAN HETEREN. WILHELM ENGELMANN.
-
-1900.
-
-
-
-
-=J. FORSTER=, M. D., LL. D. (Edinburgh),
-
- Professor der Hygiene und Bacteriologie an der Universität
- Strassburg, Correspondierendem Mitglied der Kgl. Academie der
- Wissenschaften zu Amsterdam, u. s. w.,
-
- gewidmet.
-
-
-
-
-_Bei den chemischen Prozessen der Bildung und Zersetzung von Stoffen,
-die in der Natur täglich stattfinden, spielt die Lebensthätigkeit
-kleinster Organismen eine mächtige, einflussreiche Rolle. Nicht
-bloss für den Biologen, auch für die Entwicklung des Chemikers
-ist es demnach von hervorragender Bedeutung, neben der Chemie,
-die Bacteriologie, die Lehre von diesen Organismen, zu betreiben.
-Von dieser Erwägung ausgehend wünschte ich mich, nachdem ich mein
-Fachstudium an der Amsterdamer Universität vollendet hatte, auch mit
-dieser jungen Wissenschaft zu beschäftigen, die seit kurzem eine hohe
-Flucht genommen hat und in die verschiedensten Gebiete eingreift. Die
-günstige Lage meines Wohnortes in der Nähe von Amsterdam ermöglichte
-mir den weiteren Besuch der Universitätsanstalten, und so wendete ich
-mich an Sie, verehrter_ ~Professor Forster~, _mit der Bitte, mir den
-Weg auf dem mir fremden Terrain zu zeigen. Freundlich haben Sie mich
-in Ihr Laboratorium aufgenommen und mich mit den bacteriologischen
-Untersuchungsmethoden bekannt gemacht._
-
-_Ich erinnere mich noch lebhaft, wie Sie nun vor vier Jahren mich auf
-die Fermentation des Tabaks aufmerksam machten, mit welcher Sie sich
-seit längerer Zeit schon gelegentlich beschäftigt hatten. Sie legten
-mir diesen Gegenstand besonders ans Herz und wiesen mich damit auf ein
-Gebiet, das nach verschiedenen Richtungen hin urbar gemacht werden
-könne._
-
-_Nachdem ich nun einmal unter Ihrer Leitung begonnen hatte, auf
-diesem Gebiete zu arbeiten, trat mir bald, wie Sie voraus gesagt,
-der hohe Nutzen deutlich vor Augen, den die eingehende Untersuchung
-der Tabakskultur vom wissenschaftlichen Standpunkte aus und mit
-Zuhilfenahme des durch die Bacteriologie gewonnenen Wissens bietet.
-Die Beschäftigung hiermit wurde mir täglich lieber und regte mich zu
-fortwährender neuer Arbeit an._
-
-_Ihnen, verehrter_ ~Professor Forster~, _fühle ich mich zu Dank
-verpflichtet. Sie haben mir den Weg eröffnet, auf dem ich das Kleine
-in der Natur, das so mächtige Wirkung übt, kennen lernte. Sie haben
-mir in den freundlichen Räumen des Laboratoriums an der Amsterdamer
-Universität stets Ihre Beihilfe verliehen._
-
-_Ihnen verdanke ich meine Entwicklung in dieser biologischen
-Wissenschaft, zu der meine Neigung mich hin zog; und deshalb ist es mir
-eine angenehme Pflicht, Ihnen hiermit die Frucht meiner Arbeit in der
-Form dieses Buches zuzueignen._
-
-
-Bussum, November 1899.
-
-C. J. KONING.
-
-
-
-
-DER TABAK
-
-VON
-
-C. J. KONING.
-
- ~Hanausek~ erwähnt im Anschluss an das von ~Suchsland~
- vorgeschlagene verbesserte Tabaksgährungsverfahren durch
- reingezüchtete Bakterien, dass nach ~Semmler~ in Cuba einige
- beschädigte Tabakblätter von untadelhaftem Aroma in Wasser
- zum Faulen gebracht werden und dieses Wasser zum Besprengen
- des ausgegohrenen Tabaks gebraucht wird, wodurch das Aroma
- verbessert werden soll.
-
- ~Koch's~ Jahresbericht über die Fortschritte in der Lehre von
- den Gährungsorganismen 1892.
-
-
-Vor mehr als zwei Jahren lenkte Professor ~Forster~ in Amsterdam
-meine Aufmerksamkeit auf die Untersuchung der Gährung des Tabaks.
-Die Vermutung lag nahe, dass entweder die Hefen, oder die Bakterien
-bei der Gährung eine Funktion ausübten (~Suchsland~). Die Proben
-sind also von mir in der Richtung hin genommen worden, dass ich in
-erster Linie ungebrühten Tabak im Laboratorium künstlich zum Gähren
-brachte, um später die natürliche Gährung mit dem erhaltenen Resultate
-vergleichen zu können. Ich habe, durch verschiedene Umstände dazu
-gebracht, die Untersuchung ausgedehnt und sowohl den anatomischen Bau
-der Pflanze, besonders des Blattes, als die Düngung und die chemische
-Zusammensetzung des lebenden, des sterbenden und des toten Gewebes
-untersucht. Dann habe ich die Gährung und die dabei hervortretenden
-Erscheinungen genau betrachtet und schliesslich die Krankheiten, welche
-sich am meisten bei den Pflanzen zeigen, studiert.
-
-Ehe ich diese Gegenstände zu beschreiben anfange, spreche ich zuerst
-Herrn Professor ~Forster~, jetzt in Strassburg, meinen Dank aus, der
-mir zum Anstellen der Versuche seinen Rath und sein Laboratorium
-zur Verfügung stellte, dann den Herren ~Herschel~ in Amersfoort und
-~de Hartog~ in Wageningen, die mir den nichtfermentierten Tabak
-zusandten und mir Gelegenheit gaben, öfters die gährenden Haufen
-Tabak in Wageningen zu untersuchen und mich dadurch in den Stand
-setzten, die Kulturen zu den bakteriologischen Untersuchungen an Ort
-und Stelle anlegen zu können, dem Herrn ~N. v. Os~ in Amerongen für
-seine Bereitwilligkeit, mir die lebenden, toten und kranken Pflanzen
-zuzuschicken und für seine vielen wichtigen Mitteilungen bei meinem
-wiederholten Besuche in den Tabaksfeldern. Allen meinen Dank für ihre
-Hülfe und Freundlichkeit, deren ich mich stets erfreut habe.
-
-Als ~Columbus~ 1492 auf der Insel Guanahani landete, sah er, wie
-die Rothäute aus Nase und Mund Rauchwolken bliesen. Sie hatten ein
-Kraut, welches, nachdem es getrocknet war, in ein Maisblatt hinein
-gewickelt, an der einen Seite angezündet und am andern Ende im Munde
-gehalten wurde. Dieses aufgerollte Kraut trug den Namen »Tabaco«.
-Andere behaupten, der Name Tabak stamme von einer zu den Antillen
-gehörigen Insel Tabago her. Wie dem auch sei, soviel ist sicher, dass
-im Jahre 1558 in Lissabon eine Tabakspflanze aus Florida von ~Gonzales
-Hernandes~ eingeführt wurde, wovon ~Jean Nicot~ allda im Jahre 1560
-mittels Samen viele Pflanzen aufzog und diese in verschiedene Länder
-Europas mit wunderlichen Erzählungen verbreiten liess. Allmählich wurde
-die Pflanze in verschiedenen Gegenden angepflanzt, bald mit mehr,
-bald mit weniger Erfolg. Von den am meisten kultivierten Arten können
-genannt werden: _Nicotiana Tabacum_, _N. rustica_ und _N. macrophylla_.
-Die Pflanze gehört nach dem System von ~Eichler~ zu den _Tubiflorae_
-und zwar zu der Unterabteilung der _Solonaceae_. Sie ist also der
-_Datura Stramonium_, _Hyoscyamus niger_, _Capiscum annuum_, _Solanum
-tuberosum_, _Lycopersicum esculentum_, _Atropa belladonna_ u. a. nahe
-verwandt. Die Familie hat also zahlreiche Vertreter, welche kräftig
-wirkende Gifte bilden.
-
-In den Tabaksblättern zeigt sich das bekannte flüssige Alcaloid
-Nicotin, gebunden an Apfelsäure und zwar in wechselnden Quantitäten
-von 0,7-5%, abhängig vom Alter der Pflanze und den verschiedenen
-Witterungsverhältnissen. Die schönen Untersuchungen von ~Ladenburg~,
-~Hoffmann~ und ~Pinner~ liessen das Nicotin als ein Derivat von Pyridin
-erkennen. Die chemische Structur dieses kräftig wirkenden Giftes ist
-bekannt geworden und daher die Synthese möglich.
-
-
-
-
-Handel und Anwendung.
-
-
-Ein jeder, welcher die Gegend um Wageningen, Elst und Amerongen, von
-Amersfoort und Nijkerk, die Dörfer in der Betuwe und in Maaswaal
-besucht und dort durch die Tabaksfelder geht, wird den Eindruck
-bekommen, dass die Tabakskultur hier im Lande noch eine grosse
-Ausdehnung hat. Besonders fiel mir überall die aussergewöhnliche
-Sorgfalt auf, welche auf die Kultur, auf die Ernte, auf das Trocknen
-und auf die Brühung verwendet wurde. Es möge den holländischen
-Tabakspflanzern ein erfreuliches Zeichen sein, dass diese wirklich
-grosse Kultur und dieser grosse Handel in den letzten zwei Jahren
-wiederum Fortschritte machen. Ehemals brachte der getrocknete, noch
-nicht fermentierte Tabak 25 Gulden per 100 Pfund ein, in den schlechten
-Jahren (87-92), als viele Züchter die Kultur einstellten, 7-12 Gulden,
-und jetzt wieder 17-20 Gulden.
-
-Man unterscheidet im Handel:
-
-1^o _Boden- oder Sandgut._ Dies sind Tabaksblätter, welche zuerst
-gepflückt werden, die untersten Blätter, welche viel Erde und Sand
-enthalten und schon Ende Juli geerntet werden.
-
-2^o _Erdgut._ Dies sind die mittelsten Blätter, die wohl den besten
-Teil der Pflanze bilden.
-
-3^o _Bestgut._ Dies ist weniger gut und wird vom oberen, der Knospe
-beraubten Teil der Pflanze, erhalten.
-
-4^o _Geizen._ Es sind diejenigen Blätter, welche nach dem Pflücken noch
-am Stengel wachsen, es sind Ausläufer, welche die Pflanze so viel wie
-nur möglich aussaugen.
-
-Die Durchschnittsernte ist gewöhnlich 2 à 3 Millionen Pfund.
-
-Von unserm holländischen Tabak geht 7/8 der Ernte nach Deutschland,
-Belgien, Österreich, Italien, Schweden, Norwegen und England; 1/8
-bleibt im Lande zu verschiedenen Zwecken als Kerbtabak und Deckblatt.
-
-Der Schnupf- und Kautabak wird hauptsächlich geliefert von Amerongen,
-Nijkerk, Wageningen, Rhenen und Umgegend; es ist »Bestgut« und wird zum
-grössten Teil nach England, Belgien, Italien und Deutschland versandt,
-während das »Erdgut« nach Österreich, Frankreich und auch nach Italien
-und Deutschland geht.
-
-Das Blatt aus Nijkerk ist, wie man es nennt »üppiger«; es ist
-elastischer und »piepst«, wenn man es mit den Fingern spannt. Es sieht
-auch fetter und dicker aus und eignet sich daher besser zum schweren
-Kautabak und zum Schnupftabak. Die Betuwe liefert mit ihrem schweren
-Lehmboden immer den besten Cigarrentabak, der deshalb mit 2 Gulden
-per 100 Pfund mehr bezahlt wird. Der Tabak von Valburg jedoch mit
-seinem hellgefärbten Blatt zeichnet sich vor allen andern aus und ist
-sogar 8 Gulden per 100 Pfund mehr wert.--Der Tabak, der nach Schweden,
-Norwegen, Dänemark und Deutschland »ungebrüht« versandt wird, kommt
-aus Valburg und Bemmel und zum kleinen Teil von Maaswaal. Er wird im
-getrockneten Zustande, »kalt gebrüht«, wie man es nennt, also ohne der
-Fermentation ausgesetzt gewesen zu sein, sofort gebraucht. Dieser Tabak
-hat eine helle, goldgelbe Farbe. Der Schnupf- und Kautabak hat ein
-dickes Blatt; schon mit der Hand kann man bei gleich grossen Büscheln
-den Gewichtsunterschied von dem Cigarrentabak deutlich herausfühlen
-(Betuwe).
-
-Um die hohen Zollabgaben in England, Deutschland und Belgien zu
-umgehen, wird die Mittelnarbe aus den Blättern herausgenommen, die
-Blatthälften auf einander gelegt und in zierliche Büschel gebunden.
-Den gleichen Erfolg erhält man, wenn man den Tabak »ausdämpft« d. h. das
-Gewicht vermindert, indem man den Wassergehalt verringert. Auf diese
-Weise ist es möglich, 50 kg auf ein Gewicht von 35 herabzudrücken. Ich
-meine, dass die englische Regierung eine bestimmte Grenze gezogen hat,
-und dass der Tabak also nicht so trocken gedämpft werden darf, wie man
-dies früher that.
-
-Der Einfluss ausländischer Ernten kann hier durch die Änderung des
-Preises zu Tage treten. Wenn das Ausland eine Missernte oder weniger
-gute Ernte hat, so steigen die Preise hier und umgekehrt.
-
-Die Zeit für den Verkauf ihres Tabaks kann von den Züchtern selbst
-bestimmt werden; der Grosshandel bezieht die getrockneten Blätter von
-ihnen, wenn die Preise annehmbar sind.
-
-Dieser Handel beruht hauptsächlich bei den Herren ~Herschel~ in
-Amersfoort, ~de Hartog~, ~de Voogt~ und ~Koch~ in Wageningen, ~Frowein~
-in Arnheim und ~de Block~ und C^o. in Amsterdam, nebst einigen
-Spekulanten in Maaswaal.
-
-
-
-
-Düngung.
-
-
-Das Klima, der Boden, die Düngung, die Trocknungsweise der Blätter und
-die Fermentation üben einen grossen Einfluss auf die so sehr erwünschte
-gute Qualität der Tabaksblätter aus. Es ist also nicht möglich, alle
-diese Bedingungen künstlich hervorzurufen oder zu beeinflussen.
-
-Eine gute Ernte ist sehr abhängig von den Witterungsverhältnissen. Ein
-einziger Hagelschauer kann in einigen Minuten ein zu Felde stehendes
-Gewächs fast vernichten, während auf der anderen Seite eine Krankheit
-unter den Pflanzen bisweilen zahlreiche Opfer heischt. Auch beim
-Tabak findet ein Wechsel im Anbau statt; wozu die Leguminosen gewählt
-werden. Durch die eingehenden Untersuchungen von ~Hellriegel~, ~Nobbe~
-und ~Hiltner~ ist dieser Wechsel studiert und erklärt worden. Die
-Pflanze, die im Allgemeinen viel Stickstoff zum Aufbau des Eiweisses
-bedarf, erhält diesen Stickstoff aus dem Boden und der zugeführten
-Nahrung. Wenn ein und dasselbe Gewächs während einiger Jahre auf einem
-Acker gezogen wird, so wird dieser Acker ungeachtet der Düngung stets
-ärmer an der gewünschten Nahrung für die Pflanze werden. Durch die
-Abwechslung in der Anpflanzung, die man nicht erklären konnte, wurde
-diesem Übel einigermassen abgeholfen. Man findet in den Leguminosen
-(Erbsen, Bohnen m. a. W. Hülsenfrüchte) Pflanzen, die den Acker für
-das nächste Jahr verbessern. Jetzt hat sich herausgestellt, dass
-die kleinen Wurzelknöllchen jener Hülsenfrüchte eine sehr wichtige
-Funktion bei der Assimilation des Stickstoffs ausüben. Die Besprechung
-des höchst interessanten Baues jener kleinen Knollen, sowohl als
-die Entwicklung der Bakterien, welche da hinein dringen, das Gewebe
-angreifen und dieses umbilden, würde zu weit führen.
-
-Jedoch sei darauf hingewiesen, dass bestimmte Arten von Bakterien durch
-die Wurzelhaare oder Verletzungen in die Wurzeln hineindringen, sich
-stark vermehren und ein neues Pflanzengewebe hervorbringen, welches
-sich in knollenartigen Verdickungen zeigt. Die Wirkung dieser kleinen
-Knollen fängt erst dann an, wenn die auflösbaren Stickstoffverbindungen
-aus dem Boden verbraucht sind.
-
-[Illustration: Fig. 1. Nicht-geimpfte und mit bacterien-geimpfte
-Serradella (Ornithopus sativus).]
-
-Reinkulturen von verschiedenen Bakterien, welche augenscheinlich
-dieselben kleinen Knollen bilden, habe ich jetzt unter dem
-Namen »Stikstofverzamelaars« (Stickstoffsammler) in den Handel
-gebracht. Eine Weinflasche dieser Kultur genügt für 1/4 ha. So hat
-man »Stikstofverzamelaars« für _Pisum Sativum_ (gewöhnliche Erbse) _für_
-_P. arvense_ (Sanderbse), _Lupinus_, _Ornithopus sativus_, _Trifolium
-pratense_, _Lathyrus Sylvestris_ u. s. w.
-
-Vergleichende Proben, mit diesen Kulturen genommen, zeigen in der
-That den grossen Unterschied in der Entwicklung und in dem Wachstum
-der Pflanze auf einem Acker mit solchen Reinkulturen gedüngt, und dem
-gleichen Acker, welcher im natürlichen Zustande geblieben ist[A].
-
-Jeder Züchter ist davon überzeugt, dass die Anwendung einer bestimmten
-Art Dünger für ein bestimmtes Gewächs die Ernte bedeutend verbessern
-kann. Das schwierige Problem, welcher Dünger in unserm Lande für unsern
-Tabak verwendet werden muss, ist zwar noch nicht ganz gelöst, doch ist
-ein Fortschritt in der Kulturweise der Pflanzen schon zu bemerken, dank
-der Sorgfalt, die viele Pflanzer ihrem Gewächse widmen. Die Anweisung
-tüchtiger wissenschaftlich gebildeter Agronomen, Chemiker, und in der
-letzten Zeit Bakteriologen ist von höchster Wichtigkeit, um Versuche
-nach einer bestimmten Richtung hin anzustellen.
-
-Die Erfahrung lehrt, dass ein hoher Gehalt an Chlorsäure die
-Brennbarkeit des Tabaksblattes nicht fördert, sondern sie stark
-verringert. Ebenso wie in Ostindien hat man auch hier die Erfahrung
-gemacht, dass derselbe Boden nicht jedes Jahr ein gleich gut brennendes
-Produkt liefert (Salm 1877).
-
-Viele aufmerksame Pflanzer meinen, ein tüchtig beregneter Tabak liefere
-meistens ein besser brennbares Produkt. In der Asche gut brennbaren
-Tabaks findet sich viel kohlensaures Kali, in derjenigen des schlecht
-brennbaren sehr wenig von diesem Salze; dahingegen viel schwefelsaures
-Kali und Chlorkalium. Das kohlensaure Kali ist in diesem Zustande nicht
-im Blatte anwesend, sondern entsteht beim Verbrennen aus Apfelsäure,
-Citronensäure und oxalsaurem Kalium. Die sehr verbreitete Meinung, dass
-der Salpeter die Brennbarkeit vermehre, ist nicht ganz richtig. Denn
-Algier liefert Tabaksarten, welche viel Salpeter enthalten und doch
-schlecht brennen. Dagegen bestehen andere Arten, welche keinen Salpeter
-enthalten und doch gut brennen.
-
-Man hat Recht, wenn man Zusammenhang sucht zwischen der Brennbarkeit
-und dem Vorhandensein von organischen Salzen, und dies kann man
-erklären und beweisen. (Indische Kulturen von ~Van Gorkom~.)
-Unbrennbarer Tabak, welcher durch eine Auflösung eines organischen
-Kalisalzes gezogen und nachher getrocknet wird, ist durch diese
-Behandlung wirklich brennbar geworden. Macht man die nämliche Probe
-mit gut brennbarem Tabak und einem anorganischen, einem Magnesium- oder
-Kalk-Salze, so ergiebt sich, dass die Brennbarkeit gewichen ist. Die
-Asche wird in diesem Falle kein kohlensaures Kali enthalten, das
-wohl nach dem ersten Experimente gefunden wurde. Der Tabak erheischt
-Kalium, viel Kalium, und damit jene Salze in die Pflanze aufgenommen
-oder in ihr gebildet werden, muss man die Chlorverbindung vermeiden.
-Die kohlensauren-, salpetersauren und schwefelsauren Salze des Kalium
-dahingegen werden von den organischen Säuren analysiert. Alljährlich
-werden von unsern Züchtern Tausende von Gulden auf die Düngung ihrer
-Felder verwendet. Die Tabakspflanze braucht eine kräftige Nahrung,
-wodurch sie zu gleicher Zeit eine gewisse Immunität den fungischen
-Sporen gegenüber erhält.
-
-Es ist sehr beachtenswert, dass die Pilzarten im Tabak, welcher in
-unfruchtbaren Boden gepflanzt war, welcher also wenig gedüngt wurde,
-sich später gerne in der Pflanze entwickeln. Der schlechte finanzielle
-Zustand des Pflanzers ist indirekt Ursache davon. Allgemein kann man
-bei sorgfältiger Behandlung des Tabaks annehmen, dass ein Hektar von
-Boden, welcher schon in Kultur genommen ist, 35000 kg. Schafsmist
-braucht, mit einem Durchschnittswert von 350 Gulden (etwa 600 Mk.)
-Die Experimente mit der Tabakskultur in Zeeland haben bis jetzt nicht
-den erwünschten Erfolg gehabt. Der hohe Gehalt des Meeresthons an
-Chloriden ist höchst wahrscheinlich Ursache davon. Im Zusammenhang mit
-dem dortigen Futter der Schafe ist auch der Mist dieser Tiere (_f_
-1,50 per 1300 kg.) weniger wert als derjenige, welcher aus der Provinz
-Utrecht und Süd-Holland angeführt wird. Im grossen Ganzen ist die
-Düngung unsrer Tabaksfelder noch sehr verschieden. Einen sehr guten
-Erfolg erzielt man durch Anwendung von 45000 kg. Schafsmist und 500
-kg. Chilisalpeter- Superphosphat per Hektar. Gleich günstig wirkt eine
-Düngung mit 45000 kg. Schafsmist und 350 kg. gemalenem (= aufgelöstem)
-Peruguano.
-
-Die Zusammensetzung dieser Düngstoffe ist für 1000 kg. frischen
-Schafsmistes in ihren wirksamsten Bestandteilen angegeben: Stickstoff
-8.3, Phosphorsäure 2.3, Kali 6.7, Natron 2.2, Kalk 3.3, Chlor und Fluor
-1.7 im Werte von _f_ 8,-- per 1000 kg., welche durch die Kosten für
-Fracht, Arbeitslohn, bis zu _f_ 9,-- steigen. Chilisalpeter enthält 15%
-Stickstoff im Werte von _f_ 11,50 à _f_ 12,50 per 100 kg.
-
-Aufgelöster (= gemalener) Peruguano: 7% Stickstoff und 9.5% auflösbare
-Phosphorsäure im Werte von _f_ 10,-- per 100 kg.
-
-Ebenso wie die meisten anderen künstlichen Düngstoffe, welche
-unter Kontrolle gestellt werden können, wird der Gehalt für
-Chilisalpeter-Superphosphat angegeben mit 7% Stickstoff und 9%
-Phosphorsäure etwa im Werte von _f_ 8,50 per 100 kg. Unter dem
-Namen »Delidünger« der besonders nach Indien geschafft wurde, war eine
-Mischung im Handel, welche 6% Stickstoff, 5% Phosphorsäure und 5% Kali
-enthielt. Man behauptete, durch Anwendung dieses Kunstdüngers erhielte
-man ein hell gefärbtes Blatt.
-
-In der letzten Zeit ist die Aufmerksamkeit auf die Torfstreu gelenkt
-worden, welche aus den Pferdeställen herstammt. Sie zeichnet sich vor
-allen anderen tierischen Düngstoffen dadurch aus, dass mit ihr der
-Boden porös bleibt und deshalb mehr Feuchtigkeit festhält als bei einer
-Düngung mit Kuhmist.
-
-Ein mir bekannter Züchter, der eine Reihe von Jahren Versuche mit
-verschiedenen Düngstoffen machte, einzeln und gemischt, hat es jetzt so
-weit gebracht, dass ein für Holland sehr gutes Produkt erzielt wird,
-zu gleicher Zeit noch mit dem Vorteile, dass die Kosten für Düngung
-bedeutend geringer sind.
-
-Einige Züchter gebrauchen nebst Schafs- oder Kuhmist noch Taubenmist auf
-ihren Feldern und zwar 20 bis 30 h.l. per h.a. Die Erfahrung lehrt,
-dass so der Tabak kräftiger ist, schwerer wiegt und mehr Glanz besitzt.
-Ein gleiches Resultat wird hervorgebracht mit dem viel billigeren
-Peruguano.
-
-Alle 4 bis 5 Jahre werden auf dem Felde Leguminosen gezogen und noch
-nachher im nämlichen Jahre weisse Rüben, auch wohl Futtermöhren. In
-diesem Falle wird im Monat März der Möhrensamen zu gleicher Zeit mit
-Erbsen ausgesät, die Rüben hingegen erst Ende Juli, nachdem die Erbsen
-eingeerntet sind. Im darauffolgenden Jahre wächst auf solchem Acker
-die Tabakspflanze üppiger, trägt ein dünneres, schöneres Blatt, das
-besser brennt, doch weniger Gewicht hat bei gleicher Düngung als auf
-anderem Boden. Wir sehen hier nochmals die kräftige Nachwirkung der
-Leguminosen, das Resultat des Wechselbaues.
-
-Allgemein wird bemerkt, dass ein warmer, trockner Sommer ein dickeres,
-schwerer brennbares Blatt liefert, ein feuchter regnerischer Sommer ein
-dünneres, besser brennbares Blatt. ~Nessler~ suchte die Erklärung dafür
-in der verschiedenen Absorptionsfähigkeit des Bodens dem Chlor und
-Kalium gegenüber, wonach in trocknen Sommern besonders die Chlorsalze
-(NaCl.) mit dem Grundwasser aufsteigen sollten, indem diese in nassen
-Sommern hinweggespült würden. Wie dem auch sei, es scheint mir, dass
-der anatomische Bau des Blattes einen nicht unbedeutenden Anteil an
-der Brennbarkeit hat. Ein Tabaksfeld in der Nähe von Amerongen war zum
-Teil gelegen an einer mit schweren Buchen bewachsenen Allee; dieser
-Teil wurde fast den ganzen Tag beschattet, war also feuchter als der
-von der Sonne beschienene. Die Pflanzen im Schatten waren höher und mit
-grösseren Blättern versehen.
-
-Die mikroskopischen Untersuchungen zeigen in der That, dass
-die Struktur der Blätter feiner ist, und dass besonders das
-Schwammparenchym mit grösseren Luftgefässen versehen ist als dasselbe
-Gewebe der von der Sonne beschienenen Blätter. Ebenso, jedoch in
-schwächerem Grade, kennzeichneten sich die Blätter der Pflanzen, welche
-durch den Schatten der Trockenscheunen nach 1 Uhr Nachmittags keine
-Sonne mehr bekamen. Im Anschluss hieran lehrten mich die Versuche,
-dass ein Blattteil ohne Hauptrippen einer beschatteten Pflanze weniger
-wog als ein ebensogrosser Teil von einem besonnten Blatte. Als
-Durchschnittswert bei frischen Blattteilen fand ich für die im Schatten
-wachsenden Pflanzen, bei einer Oberfläche von 23 cm^2, 0.530 Gramm, für
-die im Sonnenlicht wachsenden Pflanzen 0.650 Gramm, also im Verhältnis
-von 100 zu 122.
-
-Zugleicherzeit muss hier die Bemerkung gemacht werden, dass Pflanzen,
-welche im Schatten wachsen, im grossen Ganzen ein besser brennbares
-Blatt liefern.
-
-Aus diesen Betrachtungen erhellt die Macht der Düngung und der Einfluss
-des Lichtes auf den anatomischen Bau des Blattes[B].
-
-[Fußnote A: Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur«, 17 Dec. 1898:
-De Stikstofvoeding der Leguminosen.]
-
-[Fußnote B: Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur«, 13 Mai
-1899, »Martellin, een nieuwe meststof.«]
-
-
-
-
-Kultur
-
-
-Anfang März wird der Samen der Tabakspflanze auf eine sehr
-eigentümliche Weise zur Aussaat präpariert. Zu einem Hektar braucht man
-nur 18 Fingerhütchen von diesem sehr winzigen Samen. Man bringt weissen
-Sand in Blumentöpfe und oben darauf den ein wenig angefeuchteten Samen.
-Eine Reihe dieser Töpfe, meistens für verschiedene Züchter, wird in
-ein kaltes mit Glasscheiben verschlossenes Mistbeet gestellt, in
-welchem durch Brühung des hineingebrachten Pferdemistes die erwünschte
-Temperatur erhalten wird, um die Saat keimen zu lassen. Sobald das
-Würzelchen sich zeigt, wird der Samen mit trocknem Sande vermischt
-und dann in die Mistbeete ausgesät. Der Boden dieser Mistbeete ist
-mit Pferdemist und etwas Taubenmist zubereitet. In der Gegend von
-Wageningen und Amerongen ist dieser Vogelmist leicht zu bekommen,
-durch das Recht, welches einigen Herrlichkeiten gewährt ist, hunderte
-ja sogar tausende meist verwilderte Tauben halten zu dürfen. Von
-diesen uralten Herrlichkeiten können genannt werden: _Amerongen_,
-_Molenstein_, _Zandenburg_ und _Leeuwenburg_. Der Handelswert dieses
-Taubenmistes ist etwa 2 Gulden per Malter.
-
-Die Kiste oder das Mistbeet, wovon der Glasrahmen mit geöltem Papier
-verklebt ist, wird jetzt derartig behandelt, dass der Pferdemist etwa 1
-cm., der Taubenmist dahingegen etwa 3 à 4 cm. unter den Boden zu liegen
-kommt. Nachher wird das Mistbeet triefnass gemacht, und der Samen mit
-Sand vermischt darüber gestreut. Die ersten 10 Tage braucht es nicht
-begossen zu werden. Etwa am 15-30 Mai sind die Pflänzchen so gross,
-dass die besten ausgesucht und gepflanzt werden können. Dies geschieht
-auf dem schon schwer gedüngten Land und zwar so, dass zwei Reihen der
-Pflänzchen auf einen einigermassen erhöhten Erdrücken gestellt werden.
-
-Man erhält hierdurch eine gute ~Ab~-wässerung und zugleicherzeit eine
-sehr gute Gelegenheit, um später beim Einernten zwischen die Pflänzchen
-zu gelangen.
-
-Auf einem ha. stehen ungefähr 38000 Pflanzen, welche je 45 cm. von
-einander entfernt sind. Die Umgebung der jungen Pflänzchen wird immer
-sorgfältig mittels Schaufel und Hacke vom Unkraute gesäubert.
-
-Die gefürchteten Feinde der Pflanzen sind nun die »Käfer- und
-Grauwürmer«, die auf allen Tabaksfeldern, und die Erdraupen, die nur
-auf einigen Feldern gefunden werden. Nicht selten werden während des
-ersten Monats 2000 per ha. mit der Hand, also durch Ablesen entfernt.
-Nach dieser Zeit verschwinden diese gefürchteten Eindringlinge von
-selbst. Die Anpflanzung einer Reihe Salat längs der hohen Erbsen- und
-Bohnenhecken, scheint ein Lockmittel für die Erdraupen zu sein; auf
-diese Weise wird das Suchen und Entfernen erleichtert.
-
-Der Geldersche Landmann versteht unter Käferwürmern »Engerlinge«, das
-sind die Larven des Maikäfers, _Melolontha vulgaris_. Unter Grauwürmern
-versteht man gewöhnlich die »Emelten«, die Larven der Erdschnaken:
-_Tipula oleracea_, _T. paludosa_, _T. maculosa_, u. s. w. Unter
-Nadelwürmern versteht man gewöhnlich Erdraupen: _Agrotis segetum_,
-_A. tritici_, _A. exclamationis_ u. s. w. Die Züchter verwechseln
-gewöhnlich diese Namen. Herr ~Professor Ritzema Bos~ hatte die Güte,
-mir hier die richtigen Benennungen anzugeben. Nach 6 bis 7 Wochen ist
-die Pflanze schon so gross, dass sie »geköpft« werden kann, d. h. in den
-Morgenstunden wird mit geölten oder mit Speck eingeriebenen Fingern die
-Knospe herausgenommen. Die Pflanze trägt bald darauf 14 à 15 tüchtige
-Blätter. An einer geringen Zahl gut gewählter Pflanzen lässt man Samen
-schiessen, entfernt die kleinen Blumen oder Früchte und lässt die
-Grösseren zur vollen Reife kommen. Der Samen, der von überseeischen
-Besitzungen zum Anstellen von Versuchen hierher gebracht wurde, ist
-im Laufe der Jahre durch die natürliche Kreuzbestäubung stets zurück
-gegangen. Man hält jetzt auf die beschriebene Weise eine Auslese zur
-Ziehung der besten Arten. Ende Juli werden die untersten fünf Blätter,
-das sogenannte Sandgut, gepflückt, 2 bis 3 Wochen später das Erdgut,
-und wieder nach derselben Zeit das Bestgut.
-
-Die Blätter werden nach jeder Ernte in dem Hauptnerv eingeschnitten,
-an Stäbe oder Stangen gesteckt und dicht auf einander 3 bis 4 Wochen
-in dazu hergerichteten, gut ventilierten, meistens hölzernen Scheunen
-zum Trocknen aufgehängt. Bei feuchtem Wetter geschieht dies Trocknen
-nicht immer nach Wunsch, die Blätter trocknen schlecht und in Folge
-dessen entsteht die sogenannte »Anschwellung«, die in Fäulnis übergehen
-kann. Dadurch, dass man niedrige Feuer unter die trocknenden Blätter
-anlegt, kann diesem Übel abgeholfen werden, besonders im Spätsommer:
-am 10^{ten} Tag der Trocknung wird dies beim Bestgut beobachtet,
-die »Anschwellung« zeigt sich dann dadurch, dass die hängenden Blätter
-sich gerade ausbreiten.
-
-Das Sandgut, Bestgut und Erdgut, von dem beim Anfange der Trocknung
-etwa 30 à 40 Blätter an einer Stange hingen, wird nach 3 bis 4 Wochen
-umgesteckt und zwar derartig, dass die Blätter von 4 Stäben auf eine
-Stange gesteckt werden. Dann werden diese Stangen zu Haufen aufgetürmt
-und zwar so, dass ein Kubus gebildet wird, dessen Höhe aus etwa 20 bis
-25 Schichten besteht, wovon die Blätter alle nach innen gerichtet sind.
-
-So bleiben sie liegen bis zum Oktober oder November, um dann sortiert
-und in Büschel zusammen gebunden zu werden.
-
-
-
-
-Anatomie und Physiologie.
-
-
-Die Brennbarkeit des Tabaksblattes, wie wir schon sahen, ist abhängig
-von der Anwesenheit organischer Kaliumsalze.
-
-Die Art, wie die Pflanze diese bildet und aus welchen Salzen sie
-entstehen, ist nicht mit Bestimmtheit anzugeben. Jede lebende Pflanze
-(die meisten Parasiten ausgenommen) baut aus anorganischen Stoffen
-diejenigen Körper auf, welche sie braucht. In welcher Weise das Nicotin
-von der Tabakspflanze aufgebaut wird, ist unbekannt. Dies Alcaloid
-scheint sich in allen Teilen der Pflanze zu finden.
-
-Mit den allgemeinen Alcaloidreagentien wird überall im
-Pallissadengewebe wie im Schwammparenchym eine Reaktion beobachtet.
-
-Die Funktionen, welche die Organe der Pflanze ausüben, sind genau
-bekannt; man kennt die Rolle vom Xylem, Phloëm, Parenchym, Collenchym,
-Sclerenchym und von sovielen andern. Weniger bekannt ist die Weise,
-in welcher die Pflanze die organischen Stoffe aufbaut, Stoffe, welche
-so zusammengesetzt sind, dass man noch nicht den mindesten Begriff
-hat von ihrer Konstitution oder ihrem chemischen Bau. Vor einigen
-Jahren gab ~Baeyer~ seine Hypothese über die Bildung der Kohlhydrate
-unter dem Einflüsse des Chlorophylls. Nach dieser Vermutung, die noch
-nicht widerlegt worden ist, geht die Kohlensäure in Ameisensäure
-über, diese mittels Reduktion in Aldehyd, und dieses wieder unter
-Polymerisation in ein Kohlhydrat, einen Zucker, ein Monosaccharid.
-Nach den Untersuchungen von ~Curtius~, die im Anfange des Jahres
-1897 bekannt gemacht wurden, ist es ihm gelungen, aus dem Brei der
-Pappel- und Eschenblätter, mittels M--Nitrobenzhydrazid, ein Aldehyd
-auszuscheiden und anzuzeigen, (C_{7} H_{11} O C O H). Weiter ist
-bekannt, dass Asparagin oder Amido- Apfelsäure ein stickstoffreicher,
-kristallisirbarer Körper ist, welcher mit Traubenzucker Eiweiss bilden
-kann, und umgekehrt, dass das Eiweiss den Stickstoff wieder abgeben
-kann, um Asparagin aufzubauen, welches durch die Gewebe nach den
-Myristemen geführt werden kann, um da zur Stelle wieder das erwünschte
-Eiweiss entstehen zu lassen.
-
-Der Bau des Tabaksblattes ist dem Typus der Dicotylenblätter gleich.
-Wenn wir ein Tabaksblatt mikroskopisch auf dessen Querdurchschnitt
-betrachten, sehen wir zu allererst die Cuticula, welche mit Wachs
-überzogen ist; sie bildet einen Teil der Epidermis, die in unserm Falle
-sowohl an der Aussen- als Innenwand cuticularisiert ist. Diese Epidermis
-besteht aus flachen tafelförmigen Zellen, welche mit unregelmässig
-wellenden Linien in einander schliessen und hier und da Spaltöffnungen
-zwischen sich lassen.
-
-Obgleich die Spaltöffnungen in der Regel sich nur an der Unterseite der
-Blätter zeigen, ist dieses beim Tabak nicht der Fall; sie finden sich
-da an beiden Seiten.
-
-[Illustration: Fig. 2. Querdurchschnitt eines jungen Tabaksblättchens
-aus der Knospe genommen (Amerongen), 150 Male vergrössert.]
-
-Viele Zellen der Epidermis sind zu Haaren ausgewachsen. Die Form
-dieser Haare ist sehr verschieden und kennzeichnend. Die meisten
-sind mehrzellig, sehr lang und tragen oben einen mit ätherischem
-Öl gefüllten mehrzelligen Körper; eine zweite Art ist gleichfalls
-lang, doch endigt in einer Spitze, während eine dritte Art auf einem
-kurzen einzelligen Stiele einen grossen angeschwollenen, mehrzelligen
-Körper trägt. An beiden Seiten der Blätter zeigen sich Haare. Im
-allerjüngsten Zustande des Blattes sah ich sogar einige, welche stark
-verzweigt waren. Unter der Epidermis liegt das Pallissadengewebe,
-welches aus langen blattgrünreichen Zellen besteht, die sich dicht an
-einander anschliessen. Darunter laufen, doch nicht an allen Stellen,
-die Gefässbündel, welche aus Xylem und Phloëm bestehen, von denen das
-erstere zur Weiterbeförderung des Wassers, das letztere zum Transporte
-des Eiweisses dient.
-
-Die Holz- oder Xylemgefässe zeigen durch die eigentümlichen bandförmigen
-Anschwellungen die wohlbekannte Spirale, die Phloëmgefässe kennzeichnen
-sich durch die durchbohrten Zwischenwände oder Siebplatten; weiter
-treffen wir das Schwammparenchym, dass aus sehr grossen, gleichfalls
-chlorophyllreichen Zellen besteht, welche zahlreiche grosse Luftröhren
-zwischen sich einschliessen. Dann folgt wieder nach der Unterseite die
-Epidermis mit ihren vielen Spaltöffnungen und zu Haaren ausgewachsenen
-Zellen.
-
-In beigehender Zeichnung, die nach einem Querdurchschnitt von mir
-angefertigt wurde, sehen wir die Lage der Organe. Der Durchschnitt
-eines jungen Blattes, aus dem Keimpunkte genommen 12 cm. lang, ist
-derartig, dass der Nerv und an beiden Seiten davon der Anfang der
-beiden Blatthälften mit einem Teil des Gefässbündels, der sich nach
-dem Blatte zuwendet, deutlich sichtbar ist. Wir sehen in der Mitte den
-Xylembündel, aus Holzgefässen bestehend, ringförmig umschlossen vom
-Phloëm. Um den Gefässbündel herum liegt das Collenchym, kenntlich an
-den Anschwellungen der Zellenwände in den Ecken. Das Collenchym ist
-sehr dehnbar und in geringem Masse elastisch; daher kommt es, dass es
-nach Ausreckung nicht wieder vollkommen die frühere Länge annimmt. Es
-besteht aus langen Zellen mit platten Enden; die Wände sind weich und
-wasserreich, wodurch es unter dem Mikroskop bläulich aussieht.
-
-Was die chemische Zusammensetzung betrifft, finden wir in den
-Zellenwänden und in den cuticulären Schichten Suberin, einen Stoff, der
-mit dem Korkstoff identisch ist. In den frischen Blättern sind Spuren
-von Asparagin deutlich nachzuweisen (Alcohol abs.) Dieser Körper ist
-quantitativ mit Nitras hydrargyrosus zu bestimmen, wozu vorerst der
-Farbstoff mit basischem Bleiacetat niedergeschlagen wird. Quantitative
-Bestimmungen von Asparagin und Eiweiss (letztere Bestimmung nach der
-Methode ~Stutzer~) in den reifen Blättern, und während des Trocknens
-der Blätter gemacht, deuten auf einen Übergang von Eiweiss in
-Asparagin. Je länger die Blätter trocknen, desto reicher werden sie an
-diesem Crystalloid.
-
-Weiter kann im Blatte ein inversionsfähiges Kohlhydrat erkannt werden,
-mutmasslich Rohrzucker. Von organischen Salzen sind anwesend: die der
-Apfelsäure, Citronensäure und Oxalsäure, von denen das letztere als
-Calciumoxalat durch mikrochemische Reaktionen im Parenchym dargethan
-werden kann (man sehe die Figur). Von den anorganischen Salzen müssen
-die Chloride, Phosphate und Sulfate erwähnt werden. Das Kalium ist
-teils an organische Säuren, teils an Salpetersäure gebunden.
-
-Unmittelbar hier anschliessend wünsche ich die Prozesse zu behandeln,
-die beim Trocknen der Blätter stattfinden. Sobald die Blätter in den
-Trockenscheunen aufgehängt werden, sehen wir, wie in den ersten Tagen
-schon grosse Änderungen vor sich gehen: die Farbe der Blätter geht über
-in ein fahles Gelb und läuft durch verschiedene Farben bis ins Braune.
-Wir haben nach dem Pflücken nicht sofort mit einem toten, abgestorbenen
-Blatte zu thun, sondern die Lebensfunktionen dauern noch Tage, ja
-Wochen lang fort. Das sterbende Blatt schafft in seinem Gewebe völlige
-Wandlungen, die schon durch die sichtbare Farbenänderung angezeigt
-werden. Durch Plasmolyse und durch Verwendung von Farbstoffen, wie
-Eosin und Picro-Carminsaures-Ammoniak, kann dargethan werden, dass die
-Zelle noch Tage lang eine zum Leben gehörige Function vollbringen kann.
-
-Ich fand für Blätter, die von mir selbst gepflückt und aufgehängt
-wurden, dass dies 15 bis 20 Tage dauern kann.
-
-Wenn Schnitte eines reifen Blattes in eine Jod-jodkaliumlösung gebracht
-werden, sehen wir, dass das Stärkemehl in äusserst kleinen Körnchen
-in grosser Zahl vorhanden ist; die Chlorophyllkörner erscheinen
-wie Riesen daneben. Während des Trocknens des Blattes nehmen sie
-in Anzahl ab, indem sie Zucker bilden. Die Versuche sind leicht zu
-machen. Ein Blatt oder ein Teil davon wird in Wasser gekocht, mit
-Kalilauge durchscheinend gemacht, nachher mit Essigsäure neutralisiert
-und weiter auf einen Porzellanteller ausgebreitet, in welchen man
-Jodalcohol mit Wasser gebracht hat. Nach einiger Zeit zeigt sich aus
-der Intensität der Färbung die Lage des Stärkemehls. Wenn hingegen ein
-Blatt mittels Chloroformdampf getötet wird, so findet die Umsetzung
-nicht statt, die Farbe verwandelt sich nicht in Gelb, ein Beweis,
-dass das sterbende Blatt Lebensfunktionen besitzt und zeigt. Die
-Verschwindung des Stärkemehls geht zusammen mit der Entstehung von
-Glucose, aber auch dieses Kohlhydrat ist während des Trocknens nicht
-bleibend, verschwindet jedoch auch nicht ganz. Ich meine, dass einige
-amerikanische Tabaksarten künstlich schnell getrocknet werden; doch
-dann fragt es sich, ob sich dieser Prozess günstig für den Tabak
-erweist. Während der Trocknung wächst auch der Gehalt an organischen
-Säuren, und da wir sahen, dass ein grosser Teil dieser Säuren an
-Kalium gebunden war, muss dies wieder die Brennbarkeit des Blattes
-beeinflussen.
-
-Quantitative Bestimmungen des Nicotin nach der Methode ~Kissling~
-zeigen, dass dies Alcaloid während der Trocknung keiner Änderung
-unterworfen ist; ebensowenig werden die Nitrate angegriffen. Die
-Eiweisse hingegen vermindern und als Produkte hiervon zeigen sich Amine
-(~Behrens~).
-
-Aus diesen Versuchen und Betrachtungen geht hervor, dass die Trocknung
-der Tabaksblätter langsam geschehen muss. Die chemischen Prozesse,
-welche unter dem Einfluss des Lebens während der Trocknung durchgemacht
-werden, sind von grosser Wichtigkeit für die hierauf folgende
-Fermentation. Wir werden da sehen, dass lebende Organismen, Bakterien,
-den Gährungsprozess einleiten und beendigen.
-
-
-
-
-Fermentation. Physische und chemische Untersuchung.
-
-
-Durch die Fermentation wird der Tabak einer völligen Änderung
-unterzogen, und ohne Zweifel üben die Brühungsweise, die Temperatur und
-die Bakterien einen grossen Einfluss aus auf die Bildung derjenigen
-Zersetzungsprodukte, welche was Geruch und Geschmack betrifft,
-kennzeichnend sind. Ich bin fest überzeugt, dass hauptsächlich die
-Bakterien und nicht die ~Loew'~schen Enzyme[C], die Hauptrolle spielen.
-Wir werden später sehen, dass bei künstlicher Impfung mit Reinkulturen
-ganz andere Prozesse stattfinden. ~Suchsland~ war der erste, welcher in
-einer vorläufigen Mitteilung bekannt machte, dass Geruch und Geschmack
-durch die Lebensprozesse der Mikroben entstehen; jedoch hat er später
-nie wieder diesen höchst interessanten Gegenstand aufgenommen.
-
-In der Einleitung erwähnte ich schon, dass die Herren ~Herschel~ in
-Amersfoort und ~de Hartog~ in Wageningen mir immer bereitwilligst Hilfe
-verliehen, und dass in den Scheunen, wo die gährenden Haufen Tabak
-umgesetzt wurden, ein improvisiertes kleines Laboratorium mit den
-allernötigsten Instrumenten von uns eingerichtet war.
-
-Mit der grössten Sorgfalt wird ein Haufen Tabak zusammengesetzt. Die
-musterhaft zusammengebundenen Büschel werden aufgeschichtet, so dass
-man Haufen von etwa 3 m. hoch, 3.5 m. breit und 3.5 m. lang bekommt.
-Diese Ziffern sind nicht normal, sondern Form und Grösse richten sich
-nach dem anwesenden Raum, ein Haufen ist desshalb grösser als der
-andere. Das Gewicht variiert gleichfalls, man hat solche von 15000
-bis 30000 Pfund. Wenn ein Haufen fertig da steht, ist es wirklich
-ein reizender Anblick. Man sieht von allen Seiten die »Köpfe« der
-sorgfältig zusammengebundenen Büschel, welche dem Ganzen das Ansehen
-eines Flechtwerks geben. Wenn ein Haufen einige Tage steht, fängt er
-an zu sinken. Indem man lange Stangen hineinsteckt, kann man, wenn
-man dieselben herauszieht und mit der Hand anfühlt, die Temperatur
-beobachten und zugleicherzeit den Geruch beurteilen. Die Personen,
-welche sich hiermit beschäftigen, haben, was dies betrifft, eine
-jahrelange Erfahrung. Es währt nicht lange so wird der Haufen warm und
-feucht, die Brühung oder Fermentation fängt an. Weil die Temperatur
-immer steigt, kommen von allen Seiten Insekten hinzu, welche mit dem
-Namen »Läuse« angedeutet werden. Bei meiner Anwesenheit habe ich
-dieselben nicht gesehen und habe also keine Gelegenheit gehabt, sie zu
-bestimmen.
-
-[Illustration: Fig. 3.
-
-Eine Fermentationsscheune des Herrn ~Herschel~in Amersfoort.]
-
-In Wageningen hat man die Erfahrung gemacht, dass Tabak aus der Veluwe
-wohl, der aus der Betuwe nicht diese Insekten bei der Gährung zeigt.
-
-Ein Haufen bleibt ungefähr 3 oder 4 Monate in Gährung, doch wird
-während dieser Zeit meistens 3 mal umgesetzt, wodurch die äusseren
-Teile, welche frei an die Luft grenzen, sich auch an der Brühung
-beteiligen können.
-
-Eine bestimmte Regel ist hierfür nicht anzugeben, die Erfahrung ist
-die beste Lehrerin. Ein Haufen von 20000 Pfund Bestgut von der Veluwe,
-von einem mit Schafsmist gedüngten Acker, wird, nachdem er 4 Wochen
-gestanden hat, umgesetzt. Dieses Umsetzen, womit 5 Personen 2 bis 3
-Tage beschäftigt sind, geschieht meisten 3-mal. Erd- und Sandgut aus der
-Betuwe (Valburg 60000 kg. Kuhmist per ha., ± 200 Gulden an Wert) wird
-gleichfalls 3-mal umgesetzt. Doch braucht man 4 Monate, um die Gährung
-zum erwünschten Ziel zu bringen.
-
-Gemischte Haufen, das sind Haufen, welche Tabak von verschiedenen
-Gegenden, Sandgut, Erdgut, Bestgut oder Geizen enthalten, brauchen eine
-nicht zu bestimmende Gährungszeit, die Erfahrung muss dies entscheiden.
-Einige Male geschieht es wohl, dass Tabak schwer oder gar nicht zum
-Gähren kommt (Erd- und Sandgut von 94 und 96); dies werde ich sofort
-erklären.
-
-Zu gleicher Zeit glaube ich unsern Tabakspflanzern und Händlern eine
-Mitteilung machen zu müssen, die vielleicht Veranlassung zu einem
-Versuche geben könnte. Die Vermutung liegt nämlich nahe, dass ein hoher
-Stickstoffgehalt des Tabaks die Gährung zwar nicht bedingt aber doch
-stark dazu beiträgt. Durch das Hineinbringen von gewöhnlichem Klee
-(Trifolium pratense) zwischen die Haufen sollte sie zu erreichen sein.
-Man weiss, dass die Leguminosen stickstoffreich sind.
-
-Wenn die Gährung beendigt ist, werden die Büschel zu schmalen Reihen
-angehäuft. Hierdurch beugt man der Nachgährung soviel wie nur möglich
-vor.
-
-Bei einer Gelegenheit, wo ein Haufen zum zweiten Male umgesetzt wurde,
-nahm ich auf ungefähr 60 cm. Tiefe eine Temperatur von 56° C. wahr. Der
-Wassergehalt der Blätter war etwa von 25-35 %, welcher natürlicherweise
-wechselt mit dem kürzeren oder längeren Stand des Haufens. Im
-Algemeinen kann festgestellt werden, dass Tabak, welcher im Dezember
-oder Januar gekauft wurde, nach der Brühung 6 % an Gewicht verloren
-hat. Bei der Fermentation findet also Verlust an Gewicht statt.
-
-Beim Umsetzen des Haufens zeigte sich deutlich ein honigsüsser, etwas
-prickelnder Geruch, zugleicherzeit stieg ein feuchter Dunst empor, der
-als Dampf sichtbar war.
-
-Lackmuspapier, rotes und blaues, und ebenso Curcumapapier zeigten,
-nachdem sie eine halbe Stunde zwischen den feuchten Blättern auf gut
-1/2 m. Tiefe gelegen hatten, keine Reaktion, sodass man als sicher
-annehmen darf, dass dieser Haufen im Augenblicke der Gährung neutral
-reagierte. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Tabak aus der Betuwe
-entwickelt kein oder sehr wenig Ammoniak, der von der Veluwe hingegen
-liefert als Zersetzungsprodukt Ammoniak. Später werden wir sehen, dass
-auch hier Bakterien Ursache davon sind, und dass dies durch künstliche
-Impfung entsteht. Es gelang mir, einige dieser Ammoniakbilder zu
-isolieren. Nach diesen wenigen vorhandenen Angaben, ist die Vermutung
-berechtigt, dass in unsern überseeischen Besitzungen sich Mikroben
-finden werden, die ihre eigenen Zersetzungsprodukte bilden; wir
-sahen ja in dem Augusthefte der Monatsschrift »de Natuur«, dass
-~Hansen~ »Gährungszellen« gefunden hat, die in kleinen Entfernungen von
-Baumschule zu Baumschule übersiedeln konnten, und auf der Oberfläche
-süsser, saftiger Früchte lebten und Umsetzungen vollzogen[D].
-
-Bei einigen Tabakgährungen wird angegeben, dass Kohlensäure entsteht,
-aber es ist mir nicht gelungen, in den gährenden Haufen oder im Raume
-der Scheunen einen höheren CO_{2}-Gehalt der Luft darzuthun als
-in der umgebenden Aussenluft. Auch die Versuche in den V-förmigen
-Gährungsröhren gaben dies zu erkennen. Glaubwürdige Mitteilungen,
-dass bisweilen CO_{2} entsteht, würden einen Beweis mehr liefern:
-_dass Tabaksarten von bestimmten Gegenden von bestimmten Bakterien
-beeinflusst werden und ungleiche Zersetzungsprodukte abgeben_.
-
-Mutmasslich jedoch wird zu einer bestimmten Zeit im Haufen CO_{2}
-entstehen können. Wenn sich zugleicherzeit NH_{3} bildet, so werden
-beide im Status nascens ein Salz liefern. Das Gas hat also keine
-Gelegenheit zu entweichen. Bei einem gährenden Haufen haben wir
-es wahrscheinlich mit Anaëroben zu thun, es sei fakultativen oder
-obligaten, oder mit obligaten Aëroben.
-
-Was den chemischen Teil betrifft, so finden wir einen grossen
-Unterschied in der Zusammensetzung des Tabaks beim Anfange und beim
-Ende der Gährung. Allen stattfindenden Zersetzungen nachzuforschen
-ist unmöglich bei dem gegenwärtigen Stand der analytischen Chemie;
-wir haben es nicht nur mit Lebensprozessen zu thun, sondern auch mit
-den Umsetzungen der Stoffe, welche vom Leben herstammen. Von einer
-Tabaksart fand ich die folgende Analyse, welche gemacht war vor und
-nach der Fermentation (~Behrens~).
-
-V = trockne, sandfreie Blätter vor und N = die Blätter nach der
-Fermentation.
-
- V. N.
-
- Totaler Stickstoffgehalt 3.09 % 3.24 %
- Eiweissstickstoff 1.30 1.36
- Nicotin 1.464 1.075
- Ätherextract 9.41 8.34
- Darin anwesende Säure, als
- Milchsäure berechnet 0.446 0.450
- Organische, nicht flüchtige Säure,
- als Apfelsäure berechnet 16.81 14.45
- Mit Wasserdampf flüchtige Säuren,
- als Buttersäure berechnet 0.124 0.299
- Reduzierender Zucker, nach
- Klärung mit Bleiessig 1.26 0.
- Salpetersäure (N_{2} O_{5}) 0.201 0.
- Schwefelsäure (SO_{3}) 2.147 2.201
- Sandfreie Asche 19.83 21.01
-
-
-Unter dem Einflusse verschiedener Düngerarten und verschiedener
-Mikroben, die bei der Gährung wirksam sind, variiert die Analyse. Nach
-den Personen, welche sich bei uns mit der Fermentation beschäftigen,
-sollte der Veluwer Tabak durch die Düngung mit Schafsmist nicht
-selten viel NH_{3} entwickeln, was natürlich den Stickstoffgehalt
-beeinflusst. Nach obiger Analyse sinkt der Nicotingehalt, jedoch nicht
-durch Verflüchtigung des Alcaloids, da der totale Stickstoffgehalt
-ungefähr konstant bleibt. Nicht unwahrscheinlich werden bestimmte
-Mikroorganismen sich daran beteiligen.
-
-Dass das Nicotin auf niedrige Organismen bisweilen nicht als Gift
-wirkt, lehrt die _Botrytis cinereae_, welche lebt und sich vermehrt in
-einem Nahrungsboden, welcher dieses Alcaloid enthält.
-
-Die Versuche, welche ich mit den Reinkulturen der NH_{3}-Bildner nahm,
-deuten darauf hin, dass höchstwahrscheinlich das N von dem Eiweiss
-(Protoplasma) herstammt. Es ist mir jedoch später gelungen, die
-Nitrate, Asparagin und Ammoniumsalze derartig zu ändern, dass NH_{3}
-als Zersetzungsprodukt auftrat. Das Asparagin, die Amido-Apfelsäure,
-ist nach der Fermentation des Tabaks nicht mehr zu finden und hat sich
-also auch an den Zersetzungsprozessen beteiligt.
-
-Aus diesen Betrachtungen erhellt, welche tief eingreifende
-Veränderungen bei der Gährung stattfinden. Muss man jetzt noch daran
-zweifeln, dass durch die Gährung neu gebildete aromatische flüchtige
-und nicht flüchtige Körper entstehen, welche dem Tabaksblatte eine
-gute oder weniger gute Qualität verleihen? Die Gährung nimmt ihren
-Verlauf, abhängig von den anwesenden Mikroorganismen. Sie werden einen
-biologischen Prozess hervorrufen, abhängig von dem Boden, der ihnen zur
-Nahrung dient. Dort, wo beide, oder eins von beiden, verschieden sind,
-muss auch das Endprodukt der Wirkung verschieden sein.
-
-Ich zweifle nicht daran, dass die Reinkulturen, welche von edeln
-Tabaksarten gezogen werden, unsern einheimischen Tabak verbessern, wenn
-sie auf denselben geimpft werden. Im folgenden bakteriologischen Teil
-werde ich den experimentellen Beweis liefern, dass Mikroorganismen, die
-Bakterien, die bedeutendste Funktion bei der Gährung erfüllen.
-
-[Fußnote C: Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur« vom 24. Juni
-1899. Een critische beschouwing over ~Loew's~ theorie der »oxidizing
-enzymation.«]
-
-[Fußnote D: Siehe meine Abhandlung in »De Natuur«, Augustus
-1897. »Micro-organismen en het onderzoek der lucht«.]
-
-
-
-
-Bakteriologische Untersuchungen.
-
-
-Die Untersuchungen der Fermentation und besonders das Suchen nach
-den Bakterien, die hierbei funktionieren, sind Untersuchungen, die
-viel Zeit kosten. Wenn wir bedenken, dass das Tabaksblatt nach der
-Entfaltung der Knospe der Luft ausgesetzt ist und immer die Einflüsse
-der Witterungszustände erfährt, wobei die an Bakterien reiche Luft
-dieselben oder die Sporen der Mikroorganismen auf dessen Oberfläche
-deponiert, wenn wir bedenken, dass der Staub in den Scheunen sehr reich
-ist an Mikroben, dann brauchen wir uns nicht mehr zu fragen, wie es
-kommt, dass beim Anlegen der bakteriologischen Kulturen so viele Arten
-von Organismen gefunden werden. Um zu einem Resultate zu gelangen,
-sind Hunderte von Kulturschälchen von mir angelegt worden und eben
-so viele Teilungs- oder Trennungskulturen um zu entscheiden, ob die
-Reinkulturen auch »rein« seien. Zuallererst suchte ich nach Hefen, doch
-diese Untersuchungen erwiesen sich bald als fruchtlos. Weder die sofort
-angestellten mikroskopischen Untersuchungen noch die Malzgelatine
-zeigten mir das Erscheinen von Hefenarten bei dieser Fermentation. Dann
-wurden Versuche mit der alkalischen Gelatine gemacht. Der ungebrühte
-Tabak wird in kleine Stücke geschnitten und in gut schliessenden
-gläsernen Schälchen zusammengepresst. Der also zubereitete und mit
-sterilem Wasser angefeuchtete Tabak wird mit einer Bleischeibe
-beschwert und mit einigen andern Schälchen in eine Glasglocke gebracht
-(fig. 4, D). Ein andrer Teil des grob geschnittenen Tabaks wird in eine
-Glasglocke gebracht, deren oberer Teil hermetisch an den unteren Teil
-schliesst und deren Deckel obendrein noch mit einer gläsernen Röhre und
-einem Hahn mit der Aussenluft correspondiert. Auch dieser Tabak ist
-angefeuchtet und mittels einer Bleischeibe beschwert.
-
-[Illustration: Fig. 4.
-
-Versuchsanordnungen, welche die Methode, um die Aëroben und Anaëroben
-zu züchten, angeben.]
-
-Von einer Wasserstrahlluftpumpe, verbunden mit Manometer, wird die Luft
-herausgesogen und Wasserstoffgas hineingebracht. Dies wird einige Male
-wiederholt, um die Gewissheit zu erhalten, dass alle Luft ausgetrieben
-ist, schliesslich ist und bleibt die Glocke mit Wasserstoff angefüllt,
-damit die Anaëroben die Gelegenheit haben, sich zu entwickeln (fig. 4,
-A). Wie die Schälchen wird auch diese Glocke in einen Brutschrank bei
-40° C. gestellt. Nach Verlauf einiger Tage ist am Geruch merkbar, dass
-die Gährung angefangen hat.
-
-Die Aërobenkulturen werden wie gewöhnlich in Petri'schen Schälchen
-angelegt. Ein Wenig des gährenden Tabaks wird mit sterilen
-Instrumenten aus einem der Schälchen genommen, auf sterilem Papier
-feingeschnitten und in flüssige alkalische Gelatine gebracht. Die
-Stückchen werden tüchtig mit einer ausgeglühten Platinnadel abgerieben
-und gleichmässig durch Schwenken der Röhre in derselben verteilt. Um
-Verdünnungen von dieser Röhre zu machen, wird eine geringe Quantität
-dieser Gelatine mittels einer Platinspirale, die in diesem Falle 50
-mgr. aufnimmt, in eine zweite Röhre hineingebracht, und hiervon nach
-guter Teilung eine oder mehr Spiralen in eine dritte Röhre u. s. w.
-Jede Röhre wird dann in ein Kulturschälchen ausgegossen. Nach einigen
-Tagen haben die Bakterien sichtbare Kolonien gebildet, mit denen man
-weitere Versuche anstellen kann.
-
-Die Anlage der Anaërobenkulturen geschieht in anderer Weise, und zwar
-nach der Methode ~Liborius~ und ~Buchner~.
-
-Im ersten Falle wird wieder der fein geschnittene Tabak aus der
-mit Wasserstoff gefüllten Glocke in flüssige Gelatine gebracht und
-verteilt, und hiervon werden wieder die nämlichen Verdünnungen gemacht.
-In kaltem Wasser lässt man die Gelatine fest werden und nachher wird
-die ganze Röhre bis zum Wattepfropfen mit steriler Gelatine angefüllt
-(fig. 4, B).
-
-Im zweiten Falle wird der Tabak aus der nämlichen Glocke in derselben
-Weise in die Gelatine-Röhre hineingebracht und werden gleichfalls
-Verdünnungen angelegt. Nachdem die Gelatine fest geworden ist, wird
-der Wattepfropfen fast bis zum Gelatine-niveau geschoben und nachdem
-der obere Teil der Röhre mit einem Diamanten abgeschnitten worden ist,
-wird diese kurze Röhre in eine weite Reagirröhre auf ein sich dort
-befindendes kleines Stück Metallgaze gebracht (fig. 4, C). In diese
-grosse Röhre ist unter das Drahtnetz, welches der Kulturröhre zum
-Ruhepunkt dient, 2 Gramm Pyrogallol gebracht. Wenn dies alles fertig
-ist, lässt man mit einer Pipette 10 cm^3 von einer 1 % KOH-lösung in
-die weite Röhre hinein fliessen und schliesst dann sofort die Röhre
-mit einem gut schliessenden Kautschukstöpsel, der obendrein noch mit
-Paraffin umgeben wird.
-
-Nach beiden Methoden gelangen die Anaëroben zum Wachstum und bilden,
-obgleich langsam, gut sichtbare Koloniën. Damit man hiervon Impfungen
-machen kann, wird die Gelatineröhre an denjenigen Stellen mit einem
-Diamanten durchschnitten, an denen man die Kolonien mit einer Nadel
-erreichen kann. Auch diese Impfungen, Strich- oder Stichkulturen,
-geschehen derartig, dass entweder durch das Aufgiessen von Gelatine
-oder in der genannten Weise mit alkalischer Pyrogallollösung die
-Anaëroben sich in dem sauerstofffreien Raum entwickeln können. Auf
-diese Weise habe ich eine Anzahl Versuche gemacht, und als sich ergab,
-dass die Anaëroben fakultative Anaëroben waren, wurden die Versuche
-mit der alkalischen Gelatine in Petri'schen Schälchen fortgesetzt. In
-der Zwischenzeit, im Winter von 96-97, wurde mir, wie beschrieben ist,
-durch chemische Analyse bekannt, welche Stoffe bei der Fermentation
-angegriffen wurden. Damals ist der Nährboden, wie folgt, von mir
-geändert worden:
-
-
- alkalische Gelatine (Koch) 100
- Kalium-nitrat 0.2
- Asparagin 0.1
- Glycerin 1.5
- Glucose 0.5
- Nicotin Spuren.
-
-
-Auf diesem Boden entwickeln die Kolonien sich schneller und in grosser
-Menge. Ein Beweis, wie nützlich es ist, eine Untersuchung, welche
-ursprünglich nur die Gährung betraf, auf ein völliges Studium des
-Tabaks auszudehnen.
-
-Bei der Untersuchung der Platten zeigen sich noch eine Menge
-Schwierigkeiten, welche zu Irrtum Veranlassung geben könnten. Sehr
-verführerisch scheinen die Verdünnungsplatten, auf denen sich 10
-oder 20 Kolonien zeigen, die makroskopisch gleich aussehen und
-doch nicht bei der Gährung funktionieren: ich betrachte dieselben
-entweder als zufällige örtliche Verunreinigungen in dem gährenden
-Tabak, oder als Kolonien, welche durch Teilung einer Bakterienkette
-während der mechanischen Behandlung beim Anlegen der Kulturen
-entstehen. Im ersteren Falle finden sich doch im gährenden Tabak die
-Lebensbedingungen für eine bestimmte Bakterienart; es ist dort, dass
-sie örtlich zur Entwicklung und Vermehrung kommen.
-
-Dergleichen Erscheinungen beim Anlegen der Kulturen erschweren die
-Untersuchungen. Auch später fand ich bei den Untersuchungen der
-lebenden Blätter, dass ihre Oberfläche durch das Wachstum bestimmter
-Bakterienarten eingenommen wird (~Rhizobium Frank~ u. a.). Auch hier
-scheint also auf der Blattoberfläche der Kampf ums Dasein zu bestehen.
-Nicht selten gelang es mir, von den Blättern die nämlichen Arten zu
-isolieren. Der Gebrauch starker Verdünnungen ist bei Untersuchungen
-wie diese Hauptsache. Ein Quantum gährenden Tabaks, welches noch
-nicht die Oberfläche von einem Gulden einnahm, brachte in einzelnen
-Fällen tausende Kolonien zur Entwicklung. In einem zuerst angelegten
-Petri-Schälchen berechnete ich einmal 40.000 Kolonien, ein Beweis, dass
-Verdünnung das angezeigte Mittel ist, Ordnung in das Chaos zu bringen.
-
-Von dem Tabak, welcher in den Schälchen und in der Glocke zum
-Gähren gebracht wurde, wurden einmal die Woche, neun Wochen lang,
-die Kulturen angelegt. Dadurch, dass eine grosse Menge Platten auf
-diese Weise untersucht wurden, war es nicht schwer, diejenigen
-Kolonien zu isolieren, welche schon in grosser Masse anwesend waren.
-Besonders in den ersten Wochen zeigten sie sich in wachsender Anzahl
-und verursachten deshalb nicht selten, dass die Platten ganz sich
-verflüssigten, ungeachtet der starken Verdünnungen, auf die man soviel
-Sorgfalt verwendet hatte. In derselben eben beschriebenen Weise wurden
-in Wageningen die Kulturen angelegt.
-
- * * * * *
-
-Fast nie fehlte der _B. mycoides_ und der _B. subtilis_; beide sind
-streng aërobe Bakterien. Ersterer bildet NH_{3} aus Eiweiss, doch lebt
-nur in O-haltigen Räumen, der zweite könnte gleichfalls bei der Gährung
-die Rolle spielen, dass er daran mitarbeitet dem Haufen die nötige
-Temperatur zu geben. Der _B. subtilis_, der nach ~Cohn~ die Brühung des
-Heus und des Stalldüngers verursacht, könnte gleichfalls in dem bereit
-stehenden Haufen den noch anwesenden freien O verbrauchen.
-
-Wenn also in dieser Weise die Lebensbedingungen auch für die Anaëroben
-geschaffen werden, wird sich die Temperatur durch die biologischen
-Prozesse der Mikroben zu jener Höhe steigern, die im gährenden Haufen
-beobachtet wurde. Jedoch muss hier wieder bemerkt werden, dass immer
-fakultative Anaëroben aus den Kulturen von mir isoliert worden sind,
-die also zusammen mit dem _Mycoides_ und _Subtilis_ erst den Sauerstoff
-verbrauchen, um später getrennt von diesen letzeren Mikroben, welche
-streng aërob sind, ihre Lebensfunktionen fortzusetzen. Durch den
-Einfluss dieser fakultativen Anaëroben bekommt der Tabak sein Arom,
-insofern wir bei unserm holländischen Tabak davon reden können.
-
-Bei der Fermentation haben wir also zu thun mit Zersetzungen,
-nicht hervorgerufen durch chemische Agentien, sondern durch einige
-Mikroorganismen. Dass die von mir isolierten Mikroben eine entschiedene
-Wirkung ausüben, stimmt mit meinen letzten Untersuchungen, die noch im
-Monat September des Jahres 1897 gemacht worden sind, überein. Alsdann
-ist es mir gelungen, als ich nach der Ursache der Mosaikkrankheit
-suchte, von der Epidermis der lebenden Blätter, Bakterien zu isolieren,
-welche denjenigen, die ich in grosser Zahl aus dem gährenden Haufen
-in Kultur brachte, völlig glichen. Sie fanden sich auf jenen Blättern
-nicht als latente Mikroben, als Sporen, sondern in vegetativen Formen
-als »Örtliche Kulturen«. Hierdurch auch zeigten meine Kulturplatten
-jenen Reichtum, nicht an Arten, sondern an »Reinkulturen«. Die
-Bakterien, die ich im Allgemeinen im gährenden Tabak fand, sind,
-ausser den genannten _Mycoides_ und _Subtilis_, Mikroben, welche ich
-in »Flügges« System in die Gruppe der _Subtilis_ und _Proteus_ bringe.
-
-In Figur 5, I-V sind deren Kulturen, in Gelatine, auf Agar und
-Kartoffel wiedergegeben, ebenso die Form der Bakterien und der
-Kolonien in den verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung. Ich nenne die
-funktionierenden Bakterien: _Bacillus Tabaci I_, _II_, u. s. w.
-
-Wie die Figur zeigt, haben die Gelatine-Stichkulturen I_a_ und IV_c_
-nebst VI_a_ mit B. anthracis (zur Vergleichung) grosse Ähnlichkeit;
-gleichfalls die Kulturen auf Kartoffel von I_c_ und II_c_, wobei
-erstere hell rosa und feinkörnig, letztere milchweiss und schwer
-gefaltet ist. Weiter zeigen die Strichkulturen auf Gelatine von IV_b_
-und V_a_ Übereinkunft in den Ausläufern, welche federartig sind; bei
-IV_b_ liegen sie auf der Gelatine und durchdringen dieselbe, bei V_a_
-liegen sie besonders regelmässig nur auf der Gelatine. Alle von I-V
-sind Stäbchen oder _Bacillen_. Von den Eigenschaften der Kulturen I,
-II und IV nenne ich die Bildung von NH_{2} aus Eiweiss. Ebenso wie der
-_B. Mycoides_, ist der _B. Tabaci I_, _II_ und _IV_ im Stande, die
-Eiweisse, Peptone und den sterilen Tabak derartig zu zersetzen, dass
-NH_{3} entsteht. --Es sind Aëroben.--
-
-[Illustration: Fig. 5. (I-V) Reinkulturen der Bakterien, welche
-allgemein in gährendem Tabak angetroffen werden und wobei die _B. T.
-I_ und _III_ die Hauptrolle spielen. VI zur Vergleichung _Bacillus
-anthracis_.]
-
-Der _B. Tabaci III_ bewirkt den neutralen Verlauf der Gährung;
-dabei wächst er anaërob, doch ist selbst eine fakultativ
-anaërobe Bakterie. Er besitzt jedoch unter ihren verwandten
-Formen »Eiweissfermente« und »Saprophyten der Fäulnis«; er bildet weiter
-2 Sporen (?) in einem etwas gekrümmten Stäbchen (III), ist nicht
-beweglich, bildet kein Indol, macht Löfflersche Bouillon trübe, und
-bildet ein dünnes Häutchen an der Oberfläche. Er verflüssigt die
-Gelatine, giebt einen dünnen, matt ausgebreiteten Niederschlag auf Agar
-und eine rahmartige, dicke nicht gefaltete Kultur auf Kartoffel. Dieser
-_B. Tabaci III_ muss in die Gruppe des _Subtilis_ untergebracht
-werden.
-
-Der _B. T. IV_ gehört wie der _B. T. I._ zu der Gruppe des »Proteus« und
-ich betrachte sie als sehr nahe verwandt mit dem _B. Proteus Zopfii_.
-
-Die Entstehung der Kolonien auf und in alkalischer Gelatine ist sehr
-eigentümlich. In der Figur ist IV_e_ und IV_g_ die Kolonie, welche an
-der Oberfläche, IV_ff_ dieselbe welche in Gelatine wächst.
-
-Ursprünglich ist diese letztere hellblau von Farbe und geht allmählich
-in hellgrün über. Es besteht also in diesem Wachstum, mikroskopisch
-betrachtet, eine Ähnlichkeit mit dem _B. Mycoides_, jedoch bildet _B.
-T. IV_ keine Sporen. Die Kolonie wächst anaërob sehr schwach.
-
-Von der ursprünglich gebildeten Kolonie IV_e_ strahlen Bakterienfäden
-in allen Richtungen aus. An bestimmten Punkten entstehen
-Tochterkolonien, welche wiederum Fäden aussenden, um neue Kolonien zu
-bilden, wie IV_f_, _g_ zeigt. Auch bei _B. anthracis_ wird bekanntlich
-eine derartige Erscheinung beobachtet, VI_b_.
-
-Höchst wahrscheinlich spielt der verwandte _B. Tabaci V_ auch eine
-Rolle bei der Gährung. In einer grossen Anzahl Platten habe ich ihn
-gefunden; auch er ist, ebenso wie _B. T. IV_, schwach anaërob und
-stimmt in vielen Eigenschaften mit diesem überein.
-
-Das Wachstum der Kolonie in der Gelatine zeigt die nämliche Erscheinung
-wie beim _B. T. IV_. In Unmasse entstehen um die ursprünglich gebildete
-Kolonie Tochterkolonien, V_c_. Durch eine chemotactische Wirkung des
-noch unverbrauchten Nährbodens entsteht die concentrische Anordnung der
-Tochterkolonien, die alle einem einzigen Bakterienfaden, der von der
-Mutterkolonie radial austritt, ihre Entstehung verdanken.
-
-In groben Zügen ist dies die Beschreibung der Mikroben, welche
-die Gährung unseres Tabaks verursachen. Später komme ich hierauf
-ausführlich zurück.
-
-Die Erscheinung, dass der Betuwer Tabak weniger NH_{3} bildet, muss
-höchstwahrscheinlich der geringen Anwesenheit des _B. T. I_, _II_,
-_IV_ oder _V_ zugeschrieben werden, da der _B. Mycoides_ allgemein
-verbreitet ist. Wenn der Betuwer Tabak künstlich mit _B. T. I_, _II_,
-_IV_ oder _V_ geimpft wird, entsteht im Anfange der Gährung reichlich
-NH_{3}.
-
-Es zeigte sich in den Jahren 1894 und 96 (Tabak von 94 und 96), dass
-das Erd- und Sandgut nicht brühen wollte, während das Bestgut, welches
-zuletzt gepflückt worden war, sich nicht so hartnäckig erwies. Es
-muss hierfür eine Ursache vorhanden sein. Es fiel mir auf, als ich
-in den Monaten August und September des Jahres 1897 die lebenden
-Blätter untersuchte, dass der _B. T. I_, _IV_ und _V_ fast immer von
-mir gefunden wurden, während ich sie nicht auf den jungen Blättern im
-regnerischen Monat Juni fand.
-
-Alle Bakterien, welche auf die Blätter fallen, kommen von der
-Erdoberfläche und werden durch Luftströme darauf gebracht. Im Anschluss
-an meine Untersuchungen der Luft, die ich früher mitgeteilt habe,
-ist die Luft am ärmsten an Keimen, wenn der Boden nass ist. Desshalb
-vermute ich, dass die regnerischen Sommer von 94 und 96 einen nicht
-geringen Anteil an dem trägen Verlauf der genannten Gährung gehabt
-haben. Die Tabakspflanzer und Fermentierer sollten künftighin
-darauf achten. Das Bestgut, welches länger der Luft ausgesetzt war,
-hat auch besser Gelegenheit gehabt, während der verschiedensten
-Witterungszustände mehr Bakterien auf seinen Blättern festzuhalten.
-
-Hiermit am Ende dieser Arbeit, habe ich Veluwer Tabak von einer
-Sorte in gläsernen Schälchen sterilisiert, mit den Kulturen _B. T.
-I_, _II_, _III_, _IV_, _I_ + _II_, _I_ + _III_ u. s. w. geimpft, mit
-einer Bleischeibe beschwert und langsam auf eine Temperatur von 40° C.
-gebracht. Die Gährung habe ich reichlich 6 Wochen ihren Verlauf nehmen
-lassen und dann gehemmt. Die Reaktion wurde stets kontrolliert und in
-Übereinstimmung gefunden mit dem, was schon beschrieben worden ist.
-
-Dann habe ich unparteiisch diesen Tabak von erfahrenen Händlern und
-Züchtern beurteilen lassen, mit dem Erfolge, dass alle, nl. die Herren
-~A. Herschel~ in Amersfoort, ~H. de Hartog~ und ~v. Druijnen~ in
-Wageningen, ~Gijsberts Jr.~, in Valburg und ~N. v. Os Fz.~ in Amerongen
-ohne Zaudern denjenigen Tabak erwählten, welcher geimpft war mit _B.
-Tabaci I_ + _III_, während ein alter Arbeiter der Impfung mit _B. T.
-IV_ den Vorzug gab und nach dieser gleichfalls die Impfung mit _B. T.
-I_ + _III_ als die beste angab.
-
-Durch die Impfung mit der Reinkultur von _Bacillus Tabaci I_ + _III_
-erhält der Tabak ein angenehmes, honigsüsses Aroma. Die Zukunft wird
-zeigen, wie die Gährung unseres Tabaks verlaufen wird, wenn ich diesen
-mit den Reinkulturen impfe, welche ich aus unserm indischen und dem
-Havanna-Tabak isolieren werde. Von der Versuchsstation in Buitenzorg
-erwarte ich eine Sendung ungebrühten Tabaks edler Arten, und dann
-hoffe ich später das Resultat dieser Untersuchungen mitzuteilen. Ebenso
-nehme ich mir vor, _nicht-sterilisierten_ Tabak mit Reinkulturen zu
-impfen.
-
-
-
-
-Krankheiten.
-
-
-Von einer grossen Zahl Mikroorganismen ist bewiesen worden, dass sie
-Tier und Pflanze zu infizieren vermögen. Ebenso wie der künstlich
-präparierte Nährboden sie zur Entwicklung bringen kann, kann das
-lebende Wesen, sei es Tier oder Pflanze, solches thun. In beiden Fällen
-wachsen und vermehren sie sich auf Kosten der angebotenen Nahrung; im
-erstern Falle wird die tote Materie, der Nährboden, im zweiten Falle
-werden das Gewebe und die Säfte des lebenden Organismus durch ihr
-Wachstum geändert. Die Änderungen, welche Tier und Pflanze, im ganzen
-genommen, hier zeigen, treten hervor als »_Krankheitserscheinungen_«.
-
-Man nennt die Mikroorganismen Parasiten, wenn sie sich in oder auf dem
-lebenden Organismus entwickeln und vermehren, Saprophyten wenn sie auf
-totem, organischem Stoff leben.
-
-Die Sporen vieler Fungi, Hefen und Bakterien, und auch die nicht
-Sporenbildenden Formen, können die Gesundheit von Tier und Pflanze also
-bedrohen und sogar den Tod verursachen, aber die lebenden Wesen sind
-nicht alle gleich empfindlich für dieselben pathogenen Mikroben.
-
-Meerschweinchen und Kaninchen sind sehr empfindlich für Tuberkulose,
-weniger ist dies der Fall mit den Feldmäusen, Katzen, weissen Mäusen,
-Ratten und Hunden, während die kaltblütigen Tiere dem Bacillus
-tuberculosis gegenüber sogar immun sind (Koch).
-
-Die natürliche und künstliche Immunität kann auf verschiedene Weisen
-entstehen oder erhalten werden.
-
-In den jüngsten Jahren hat sich herausgestellt, dass, die schon längst
-bekannte parasitäre Wucherung der höheren Fungi ausgenommen, auch die
-Bakterien Krankheiten unter den Pflanzen verursachen (_Migula_, _Ludwig
-Russell_, _Heintz_ u. a.), und es würde mich nicht Wunder nehmen,
-wenn durch die eigentümliche Nahrung (Düngung) unserer Tabakspflanze,
-wodurch die Gewebe und Säfte einen gewissen Reichtum an bestimmten
-anorganischen und organischen Salzen erhalten, diese Pflanze, der
-nachher näher zu beschreibenden Ursache der Mosaikkrankheit gegenüber,
-nicht so »immunisiert« wäre, wie andere. Verwandte der Familie der
-_Solanaceae_ sind dem das Tabaksblatt krankmachenden Gewebesaft der
-Tabakspflanze, welche an Fleckkrankheit leidet, gegenüber immun.
-
-Von Pflanzenkrankheiten, die durch Bacterien verursacht werden, sind
-schon bekannt und beschrieben:
-
-
- 1^o der Pear-blight und Apple-blight der Amerikaner,
- 2^o der Hirsebrand,
- 3^o die Bakterienkrankheit des Mais,
- 4^o der Rotz der Hyazinthen,
- 5^o die Nassfäule der Kartoffeln,
- 6^o die Gallenkrankheit der Aleppokiefer,
- 7^o die Gallenkrankheit der Oliven,
- 8^o der gelbe Rotz der Hyazinthen,
- 9^o die Bakteriosis der Weintrauben,
- 10^o die Bakteriosis der Zuckerrüben.
-
-
-~Flügge~ giebt diese Namen (1-9) in seinem »Mikroorganismen« Bd. I, pg. 418.
-
- * * * * *
-
-Die Folge der Infektion ist bei der Pflanze meistens eine
-Zellendegeneration, Wucherung oder Sekretion. Sehr wenig
-Pflanzenvarietäten sind empfänglich für den nämlichen infizierenden
-Stoff, die meisten sind immun.
-
-Meistens hat man hier die natürliche Immunität in dem Bau der Gewebe
-zu suchen. Viele Arten von Birnbäumen, welche bei der natürlichen
-Infection den Geschlechtsorganen entlang resistent sind, können nach
-Injection in das parenchymatöse Gewebe ebenso gut infiziert werden
-mit dem _Bacillus Amylovorus_ wie die empfindlichen Arten. Durch die
-mehr oder weniger grosse Festigkeit der Zellenwände wird der Lauf des
-Infektionsstoffes durch die Pflanzengewebe beherrscht, daher, dass die
-jüngsten Sprossen bei den Pflanzen die empfindlichsten Teile für die
-Verbreitung der Krankheit sind (Mosaikkrankheit).
-
-Viele Mikroorganismen weiterhin können sich nicht den sauren Zellensaft
-entwickeln, während andere darin wohl gedeihen. Bis jetzt ist es
-aber nicht gelungen, im Pflanzengewebe einen mikrobiciden Stoff zu
-finden, so wie das »Alexin« von ~Buchner~ im tierischen Organismus.
-Nährversuche, Chlornatrium- und Sulfatinjektionen von mir an gesunden
-Tabakspflanzen gemacht, werden vielleicht lehren, ob es möglich ist,
-einen alexin-artigen Stoff aufzufinden oder zu verstärken, welcher
-den Bakterien der Fleckkrankheit gegenüber baktericide Eigenschaften
-besitzt.
-
-Eine specifische Immunität, welche nach Heilung einer
-Infektionskrankheit erhalten werden kann, ist bei der Pflanze noch
-nicht beobachtet worden. Ein ganzes Feld bietet sich hier der Forschung
-dar.
-
- * * * * *
-
-Als ich im Sommer 1897 nach der Ursache der Fleckkrankheit bei unserm
-Tabak suchte, brauchten meine hierzu verwendeten Pflänzchen noch einige
-Wochen um sich kräftig zu entwickeln. In jener Zwischenzeit wurde
-der »Rost« des Sumatra-Tabaks mikroskopisch von mir untersucht. Dass das
-unerwünschte Hervortreten dieser Flecken bei jenem Tabak nicht ohne
-Wichtigkeit ist, ergiebt sich aus dem Wert der von mir empfangenen
-Blätter, der von _f_ 0.35 bis _f_ 0.40 per lb betrug, während bei
-Abwesenheit dieser zahlreichen grösseren und kleineren Flecken der Wert
-mit _f_ 4.--bis _f_ 4.50 angegeben wird.
-
-Unter dem Namen »Rost« oder »Bunt« werden eine Anzahl Krankheiten
-der Tabaksblätter zusammengefasst, welche alle darin mit einander
-übereinstimmen, dass sie sich als Flecken zeigen, die aber im Ursprung
-völlig von einander verschieden sind. Was man hier in Holland »Roest«
-oder »Brand« nennt, ist meistens die Krankheit, welche auch wohl mit
-dem Namen »Mosaikkrankheit« bezeichnet wird. Auf den frischen Blättern
-findet man mosaikartig abwechselnde helle und dunkle Flecken; letztere
-haben ein stärkeres Wachstum, die Zellen der dunkelgrünen Flecken
-sterben später und letztere werden dann braungelb wie das tote Blatt.
-Die unregelmässigen Windungen der Blattoberfläche entstehen durch das
-ungleiche Wachsen der verschiedenen Teile; dadurch bekommt jene ein
-höckeriges Ansehen. Die Narben und Närbchen laufen durch jene Flecken
-mit einer rein hellgrünen Farbe wie Kanälchen weiter. Örtlich liegen
-die dunkelgrünen Flecken ursprünglich immer zwischen den kleinen Narben
-oder in den Ecken derselben. Nach dem Trocknen und der Fermentation
-ist das Blatt derartig gefleckt und spröde, dass es keinen Wert mehr
-hat, es sei denn, dass man schwach gefleckte Exemplare noch so viel wie
-möglich heraussucht.
-
-Bei unserm Sumatra-Tabak entstehen die Flecken und Fleckchen durch
-verschiedene Ursachen. Es ist bekannt, dass durch das Stieben des
-Sandes oder durch Thau oder Regentropfen nach kräftigem Sonnenschein
-sich Fleckchen bilden; im ersteren Falle ist die mechanische Wirkung
-des Sandes, im letzteren Falle sind die als Linsen wirkenden Tropfen
-schuld daran.
-
-Mikroskopisch sieht man den Unterschied zwischen hier und der Wucherung
-der Fungi. Auf folgende Weise gelang es mir, sehr deutliche Präparate
-der trocknen Blätter zu bekommen.
-
-Zuerst wird ein gefleckter Teil einige Minuten in KOH schwach erhitzt,
-dann gut in Wasser ausgespült und nachher mit Essigsäure neutralisiert;
-auf die nämliche Art werden die Querschnitte behandelt. Bei 100 maliger
-Vergrösserung ist das Blatt noch durchsichtig und können an vielen
-Stellen Myceliumfäden oder Hyphen beobachtet werden. Viele dieser
-Hyphen finden durch die Spaltöffnungen ihren Weg in die Blätter. In
-einigen Fällen konnte ich in diesen Flecken Stärkemehl auffinden,
-woraus sich folgern lässt, dass unter dem Einflusse der krankhaften
-Beschaffenheit die früher beschriebene Wandlung von Amylum in Dextrose
-im sterbenden Blatte, also unmittelbar nach dem Pflücken, nicht
-stattgefunden hat; es sind also diese Fungi saprophytisch aufgetreten.
-
-Hier und da sah ich braune Hyphen, welche Sporen bildeten. Es stellte
-sich heraus, dass sie zu _Cladosporium_ gehörten; an einer andern
-Stelle fand ich ein _Macrosporium_, einen Pilz, der ebenfalls in der
-Lebensweise dem _Cladosporium_ verwandt ist. Diese Fungi entwickeln
-das Mycelium in dem Gewebe der toten Pflanzen und senden dann
-Hyphen aus; es sind gewöhnlich Saprophyten, aber sie werden auch
-auf Blättern, Stengeln und Halmen von reifem Getreide gefunden. Der
-Freundlichkeit der Herren ~Prof. Ritzema Bos~ und ~Prof. C. A. J. A.
-Oudemans~ verdanke ich es, die Namen der gefundenen Pilze mitteilen zu
-können; höchstwahrscheinlich haben dieselben sich saprophytisch auf
-den sterbenden Blättern entwickelt: _Phyllosticta Tabaci Passerini_,
-_Cladosporium herbarum Link_, _Macrosporium commune Rabenhorst_.
-
-Die Bibitkrankheit des Tabaks auf Sumatra's Ostküste, welche zuerst im
-Jahre '89 beobachtet wurde, wird nach einem vorläufigen offiziellen
-Bericht von ~Dr. van Breda de Haan~ (1893) gleichfalls von einem Pilz
-verursacht (_Peronosporeae_).
-
-Derselbe Autor (1896) erwähnt eine Krankheit im Delitabak, welche
-durch das Tabaksälchen verursacht wird. Als Ursache der Flecken auf
-unserm Tabak, ausgenommen diejenigen, welche von der Mosaikkrankheit
-hervorgerufen werden, kann genannt werden _Phyllosticta Tabaci_.
-Hierbei erscheinen die Blätter durch die Anwesenheit zahlreicher
-heller Stellen gefleckt, welche später austrocknen und weiss werden;
-an einzelnen Punkten sind nicht selten _Pycniden_ als kleine schwarze
-Pünktchen sichtbar.
-
-Wenn _Ascochyta Nicotianae_, gleichfalls ein Pilz, Ursache der
-Erkrankung ist, so zeigen sich trockne, braune Flecken von
-unregelmässiger Form.
-
-Ebenso entstehen Flecken durch _Thrips Tabaci_, ein kleines Insekt, das
-höchstens 1 mm lang ist. Man sieht hierbei schmale, bandförmige, weisse
-Flecken an der Mittelnarbe und entlang den Seitennarben. Hier hat das
-Insekt die eine Oberhaut und das Blattparenchym bis auf die unterste
-Oberhaut weggefressen.
-
-Ganz anders ist bei unserm Tabak die Ursache der Fleckkrankheit, die
-mehr speziell _Mosaikkrankheit_ genannt wird.
-
-In »de Tabaksteelt« von ~H. Hartog~ (Haarlem 1889) wird mitgeteilt, dass
-der in Holland bestehende »Roest« durch einen Pilz verursacht wird; von
-Fleck- oder Mosaikkrankheit ist nicht die Rede.
-
-In »Die landwirthschaftlichen Versuchs-Stationen«, Berlin 1885, macht
-~Prof. Adolf Mayer~ die erste Mitteilung über die Mosaikkrankheit. Mit
-vielem Scharfsinn beobachtete er die Erscheinungen und gab als seine
-Vermutung zu erkennen, dass höchstwahrscheinlich Bakterien die Ursache
-davon sein sollten.
-
-In »Die schädlichsten Insekten des Tabaks in Bessarabien«, Moskau
-1888, beschreibt Dr. ~K. Lindeman~ eine Krankheit, die mit unserer
-Fleckkrankheit viel Übereinkunft zu haben scheint. In Russland ist sie
-sehr verbreitet und verursacht viel Schaden.
-
-Im Laufe des Sommers 1897 habe ich persönlich bei unsern
-Tabakspflanzern über die Mosaikkrankheit viele Erkundigungen eingezogen
-und die sonderbaren Erscheinungen dabei beobachtet. Die Pflanzer
-teilten mir mit, dass diese gefürchtete Krankheit laut Überlieferung
-nicht abnimmt, sondern sich stärker ausbreitet. Sowohl in der Betuwe,
-wie auf der Veluwe heischt sie ihre Opfer. In Elst in der Betuwe
-und zwar auf »de Vergert« traf ich einen kleinen Acker (~Wittwe
-Jansen~), der so weit die Erinnerung reicht, niemals kranke Exemplare
-hervorgebracht hat. Die Düngung geschieht da mit Kuhmist wie auf vielen
-andern Feldern.
-
-Wenn man nach der mutmasslichen Ursache der Fleckkrankheit fragt, sind
-die Antworten sehr verschieden und können zunächst keine Veranlassung
-zum Stellen einer Hypothese geben. Die bedeutensten Züchter aber, und
-unter ihnen finden sich sehr gebildete Leute, die mit grossem Interesse
-auf alle Einzelheiten aber auch auf für sie gleichfalls unerklärliche
-Sachen hinweisen, haben mir solche Auskünfte gegeben und solche
-abweichende Krankheitsbilder gezeigt, dass ich im Stande bin, hier eine
-vorläufige Mitteilung über die mutmassliche Ursache der Mosaikkrankheit
-zu machen.
-
-Wie ich schon sagte, sind die Antworten sehr verschieden. Der eine
-Züchter sucht die Ursache in der weniger guten oder schlechten Düngung,
-wodurch die Pflanze durch unzureichende Nahrung krank wird und dadurch
-Flecken auf ihren Blättern zeigt.
-
-Ein anderer meint, der Witterungswechsel habe schuld daran. Oftmals
-zeigen die Blätter, z. B. nach kalten Nächten, dunkelgrüne Flecken
-»Kopbont« wie man sagt. Wenn diese Erscheinungen sich nur schwach
-offenbaren, verschwinden die Flecken allmählich wieder.
-
-Ein dritter vermutet, der Zustand des Bodens, eine grosse Feuchtigkeit,
-rufe die Fleckenkrankheit hervor.
-
-Ein vierter glaubt sicher, dass ein ihm unbekannter Zustand des Samens
-und dessen Herkunft einen nicht geringen Anteil habe.
-
-Noch andere nehmen ihre Zuflucht zu übernatürlichen Kräften, und
-erwähnen Personen, welche keine glückliche Hand beim Pflanzen der
-jungen Pflänzchen haben. Einer der Arbeiter erhielt sogar den
-Namen »Jantje Bont« (~Mayer~).
-
-Ferner misst man einigen Frauen eine Kraft bei, die eine derartige
-Wirkung auf die Pflanzen hat, dass die Fleckkrankheit entsteht.
-
-Die Düngung mit Taubenmist und mit menschlichen Faeces, wird auch nicht
-selten herbeigezogen, als sollte dies die Krankheit hervorrufen.
-
-Grössere Bedeutung muss folgendem beigelegt werden:
-
-Die Krankheit dehnt sich immer mehr aus; wenn sie einmal auf einem
-Felde ist, so bleibt sie da. Ich sah Felder in der Nähe von Amerongen,
-welche die Fleckkrankheit fast Blatt für Blatt zeigten, die grossen
-Blätter schienen blutübergossen; jedes Jahr findet sich die Krankheit
-daselbst und Wechselbau alle 4 Jahre hat keine Änderung darin
-gebracht. Die Pflanzen kamen aus den nämlichen Mistbeeten wie die
-andern, welche auf dem unmittelbar daran grenzenden Felde standen
-und nur im geringen Masse die Fleckenkrankheit zeigten. Meine Frage,
-ob bei einem kleinen Teile (etwa 12 Pflanzen, die zusammen standen),
-welcher die Krankheit zeigte, im vorigen Jahre auf derselben Stelle die
-Erscheinung auch beobachtet war, wurde bejaht.
-
-Wenn man eine kranke Pflanze aus dem Boden herauszieht und an derselben
-Stelle eine gesunde einpflanzt, so zeigen sich etwa nach 4 Wochen auch
-die Flecken bei den Blättern der letzteren.
-
-Auf neuen in Kultur gebrachten Feldern zeigte sich die Krankheit nicht,
-wenn auf diese Felder die Mistbeete gestellt waren. Wenn man jedoch
-Pflanzen einbringt, welche von einem Felde herstammen, auf dem die
-Fleckkrankheit jedes Jahr erscheint, so ist es sehr wahrscheinlich,
-dass einige Pflanzen angegriffen werden.
-
-Wenn ein Teil des Feldes oder eines Mistbeetes, das jedes Jahr kranke
-Pflanzen hervorbringt, 30 bis 40 cm. ausgegraben wird, und wenn Erde
-von weit entlegenen Feldern oder »~Vom Berge~« wie man in der Gegend von
-Amerongen sagt, hier hineingebracht wird, so ist die Mosaikkrankheit
-vertrieben, und die Pflanzen entwickeln sich normal darauf.
-
-Um die Zeit, zu welcher die letzten Blätter geerntet werden, sieht man,
-dass die Ausläufer oder Geizen in grosser Zahl die Kennzeichen der
-Fleckenkrankheit tragen, während die Pflanze früher keine gefleckten
-Blätter hatte.
-
-Viele geschulte Züchter sagen, die Mistbeete seien schuld an der
-Fleckenkrankheit. Wenn das Mistbeet angesteckt ist, so erkranken von
-den 1000 Pflanzen etwa 900 nach der Pflanzung auf das Feld, wenn
-das Mistbeet nicht angesteckt ist, so werden von 1000 z. B. 100 die
-Fleckenkrankheit zeigen. Diese letztere Erscheinung, diese
-niedrige Ziffer, ist der Art, dass man dennoch nicht den Mistbeeten
-allein die Schuld geben darf; aber daraus erhellt, ebenso wie aus
-all dem Vorhergehenden, _dass der Boden ein infizierendes Vermögen
-besitzt_. Sehr bemerkenswert, jedoch nur von einer Wahrnehmung
-herstammend, ist der Fall, dass nach einer Düngung mit 35000 kg.
-Schafsmist, 500 kg. Kainit und 500 kg. Thomasphosphat die Krankheit
-unter den Pflanzen abnahm und dass das gleiche ein nächstes Jahr wieder
-beobachtet wurde.
-
-Als ich zu der Überzeugung gekommen war, dass ein infizierendes Etwas
-vorhanden sein musste, habe ich mit einer Reihe von Pflanzen Versuche
-angestellt, wobei ich zu folgenden in Kürze angegebenen Ergebnissen
-gelangte:
-
-1^o Bringt man in einem Einschnitt in die Hauptnarbe einer gesunden
-Pflanze einen kleinen Streifen von einem kranken Blatte (gefleckter
-Teil).
-
-2^o Bringt man den Saft von kranken Blättern irgendwo, gleichviel wo,
-in das Gewebe gesunder Pflanzen.
-
-3^o Bringt man den Saft von kranken Blättern rund um die Wurzel herum,
-also auf die Erde.
-
-4^o Zerreibt man zwischen den Fingern ein krankes Blatt und bringt
-den feuchten Finger an die Wundfläche eines abgebrochenen Blattes bei
-einer gesunden Pflanze, so zeigen sich in all diesen Fällen, bei jungen
-Pflanzen innerhalb 3 bis 4 Wochen, die Flecken an den jüngsten Blättern.
-
-Abwechselndes Wetter, z. B. tagelang Sonnenschein und nachher ein
-einzelner Regenschauer, ist im Stande, die Flecken rascher entstehen zu
-lassen und dadurch sichtbar zu machen, jedoch nie früher als innerhalb
-14 Tagen habe ich diese Wirkung beobachtet.
-
-Das Kochen und die Papierfiltration entnehmen nach ~Prof. Adolf Mayer~
-dem Safte das Vermögen zu infizieren. Aus seinen Nachforschungen
-erhellt, dass weder die chemische Zusammensetzung der Erde eines
-angesteckten Feldes oder eines angesteckten Mistbeetes, noch die
-plötzliche künstliche Änderung der Temperatur beim Auspflanzen,
-noch die Verletzungen oder Verdrehungen der Wurzel die Krankheit
-herbeiführen können.
-
-Aus einer grossen Menge bakteriologischer Kulturen, welche angelegt
-waren mit Tabaksaft-Malz-Gelatine, habe ich oft, doch nicht immer, eine
-Mikrobe isolieren können, welche in der That eine infizierende Kraft
-besitzt.
-
-Da es sich nun zeigt, dass wir hier mit einem infizierendem Stoff
-zu thun haben, müssen alle Mittel zu Hülfe genommen werden, die
-Übertragung desselben zu verhindern.
-
-Es scheint mir nicht unmöglich, (vergleiche sub 4) dass die Personen,
-welche mit dem Köpfen der Pflanzen und dem Ernten der Blätter
-beauftragt sind, mit ihren von kranken Blattteilen infizierten Fingern
-den Ansteckungsstoff auf gesunde Pflanzen bringen können; daher im
-Spätsommer die zahlreichen Fälle, wo die Geizen und jungen Blätter die
-Fleckkrankheit zeigen. Die Gründüngung ist auf Feldern, welche die
-Mosaikkrankheit zeigen, aus obengenannten Gründen nicht zu empfehlen.
-
-Die mikroskopischen Untersuchungen der kranken Blätter lassen eine
-Desorganisation des Chlorophyll erkennen, das schliesslich ganz und gar
-aus dem Zelleninhalt verschwindet. Sehr bemerkenswert sind die kurzen
-Luftstreifen zwischen den Pallisadenzellen und der linienförmigen
-Zeichnung der Zellenwand. Myceliumfäden oder Hyphen können es nicht
-sein.
-
-Da ich im Winter '97 Gelegenheit habe, die Versuche fortzusetzen, hoffe
-ich später diesen Gegenstand wieder aufzunehmen.
-
-
-
-
-Mittel zur Verbesserung unsres Tabaks.
-
-
-Aus allen Untersuchungen, die bis jetzt mit Bezug auf die Düngung
-angestellt worden sind, können keine allgemeinen Regeln mehr abgeleitet
-werden als die schon angegebenen, die sich hauptsächlich auf den
-Chlor-, Stickstoff- und Kaligehalt beziehen.
-
-Chloridreiche natürliche oder künstliche Düngstoffe müssen vermieden
-werden, ebenso ein zu hoher Gehalt an Stickstoffverbindungen. Eine
-Düngung mit mehr Stickstoff als angezeigt, entwickelt ein dunkelgrünes,
-fleischiges, lang gedehntes, schmal dicknarbiges Blatt, das sich also
-nicht zum Cigarrentabak eignet.
-
-Schon ~Hermbstadt~ nahm wahr, dass humusreiche Pflanzenerde und Kuhmist
-den besten Tabak liefern.
-
-Wie ich schon schrieb: Die Tabakspflanze fordert Kalium, viel Kalium!
-
-Die ganze Tabakskultur muss darauf hinzielen, dass sie einen
-kalireichen Stalldünger bekommt.
-
-In der letzten Zeit hat sich aus Versuchen ergeben, dass die
-Tabakspflanze viel kohlensaures Kali vertragen kann, mehr als man
-früher je dachte.
-
-Eine Düngung im Frühjahr sogar mit 1000 kg. kohlensaurem Kali per ha,
-was man früher nicht zu thun wagte, hat keine schädlichen Folgen gehabt.
-
-Als Versuch sei dies unsern Pflanzern anempfohlen. Die
-bekannten »Internationale Guano- und Superphosphatwerke« in Zwijndrecht
-bringen dieses Salz in den Handel mit einem Gehalt von 50-55 Prozent
-Kali und zu einem Wert von _f_ 20 (etwa 34 Mk) per 100 kg. Wegen der
-Eigentümlichkeit dieser Kali-pottasche, die Feuchtigkeit anzuziehen,
-wird sie in doppelten Säcken von 62-1/2 kg. verpackt.
-
-Der innere Sack ist präpariert, hemmt also die Aufnahme der
-Feuchtigkeit aus der umringenden Luft.
-
-Schon längst hat man bemerkt, dass man durch Holzasche und Pferdemist
-einen hellfarbigen Tabak erhält, Ziegen- und Schafsmist dahingegen geben
-ein dunkles Produkt.
-
-In Japan bekommt man sogar ein schönes hell gefärbtes Blatt, angenehm
-von Geschmack, dadurch, dass man es mit Kuchen von Leinsamen düngt
-nebst ein wenig Stalldünger.
-
-Wir wissen, dass Valburg den besten Cigarrentabak unsres Landes
-liefert, (_f_ 28.25 per 100 lb) und dass dort die einfache Düngung
-mit Kuhmist auf dem sandigen Boden (dem Teil des Dorfes, welcher »Het
-Hoog« (= Die Anhöhe) genannt wird), ohne dass man jemals sich des
-Wechselbaus bediente, das schöne goldgelbe, breitgeformte Blatt
-hervorbringt.
-
-Die Überführung von Erde aus Valburg (wo man auch Lehmboden antrifft)
-auf die Veluwe, hat keine Resultate beim Anbau des Tabaks geliefert.
-
-Jeder Züchter muss die Düngversuche auf seinem eigenen Boden anstellen
-und dabei der Gefahren eingedenk sein, die entstehen können, wenn man
-die genannten schädlichen Elemente oder Salze anwendet. In der letzten
-Zeit hat man die Aufmerksamkeit auf die Düngung mit Silicaten gerichtet
-(Martellin = Kalium-silicat), wodurch die Brennbarkeit und die Farbe,
-nebst dem anatomischen Bau des Blattes verbessert wird[E].
-
-Nach der schönen Lehre von ~Darwin~, welche sich auf wissenschaftliche
-Forschungen gründet, wird die Pflanzen- und Tierwelt in einer Gegend
-sich den da anwesenden physischen Lebensbedingungen anpassen und
-sich demgemäss entwickeln. In »_the struggle for life_« werden die
-bevorzugtesten Arten, Rassen und Varietäten siegreich aus dem Kampfe
-hervorgehen, bekränzt, nicht mit der Siegespalme, sondern mit der
-kräftigen Lebensfähigkeit für ihren Stamm.
-
-Dies muss auch anwendbar sein auf unsere Tabakskultur.
-
-Meine Nachforschungen gaben mir die Überzeugung, dass viele
-Tabakspflanzer ihr Fach wissenschaftlich auffassen und weder Mühe noch
-Kosten scheuen, Versuche zu machen, welche die Kultur fördern können.
-
-Ich kann nicht genug darauf hinweisen, dass man die grösste Sorgfalt
-auf das Gewinnen des Samens verwende. Man muss hiezu nicht einige
-Pflanzen in zeitweise günstige Lebensverhältnisse bringen dadurch,
-dass man sie besser oder örtlich starker düngt, sie auf gut gewählten
-geräumigen Stellen des Feldes Samen schiessen lässt, sondern man
-muss diejenigen Pflanzen mitten auf dem Felde auswählen, welche sich
-durch schönen Bau, Blattform u. s. w. auszeichnen, dann hat man die
-grösste Gewähr, dass die erblichen Eigenschaften des Samens auf die
-Nachkommenschaft übertragen werden.
-
-Durch die Kultur der Tabakspflanze hat der Bau der Blume sich geändert.
-Die bei uns schwach vorhandene Protogynie ist im Naturzustande
-deutlicher und schärfer hervortretend, wodurch Kreuzbestäubung mehr
-erwartet werden kann. Der Bau der Kulturblume ist jetzt derartig,
-dass Staubfäden und Stempel nicht nur etwa auf derselben Höhe stehen,
-sondern dass die weibliche Periode der Blume in unserm Klima im
-geschlossenen Knospenzustand verlebt wird.
-
-Dies erleichtert uns die künstliche Kreuzbestäubung; man braucht nur
-die Knospe welche im Entfalten begriffen ist, zu öffnen und die Pollen
-von gleichfalls gut gewählten Pflanzen mit einem kleinen Pinsel auf
-den Stempel zu bringen. Nach zwei Stunden ist die Gefahr vorüber, dass
-Insekten durch ihren Besuch andere Pollen mit demselben in Berührung
-bringen. Verhüllung mit Gaze oder mit einem Papierbeutelchen während
-einiger Stunden sei deshalb empfohlen. Auf diese Weise kann kräftiger
-Samen gewonnen werden.
-
-Weiter lehren die Versuche, dass die mittelsten Blumen (Samenkapsel)
-am Stengel den kräftigsten Samen enthalten. Sehr erwünscht ist es
-zugleicherzeit, die gewählten Pflanzen die Blätter behalten zu lassen
-und sie nicht abzureissen, wie es bisweilen geschieht.
-
-Kräftig entwickelte Pflanzen werden den Kampf ums Dasein leichter
-bestehen als schwächere, sie werden zugleich besser im Stande sein, den
-Krankheiten zu widerstehen.
-
-In Valburg hat man eine eigentümliche Gewohnheit, den Samen zum Keimen
-zu bringen. Man bringt ihn in ein angefeuchtetes Leinenläppchen oder
-Säckchen, nachdem es im Wasser angeschwollen ist.
-
-Dann hängt man es in mässiger Entfernung vom warmen Ofen auf. Die
-Folge hiervon ist, dass der Samen zwar sichtlich gut ausläuft, aber
-dabei mittels Diffusion lösliche Nahrungsstoffe abgiebt, welche als
-Reservenahrung dem zukünftigen Pflänzchen entzogen werden. Auf diese
-Weise wird das keimende Pflänzchen geschwächt und der Kampf, den es
-beim Übergange zu einer sich selbst nährenden Pflanze zu bestehen hat,
-wird ihm erschwert.
-
-Dass der Verlust von Salzen, Aschenbestandteilen, grösser ist als man
-sich denkt, geht hieraus hervor, dass, wenn der Aschengehalt des Samens
-4% ist, dieser nach Behandlung mit Wasser während der 24 Stunden des
-Tages 1/4 Teil verloren hat. In dieser Weise verliert der Samen schon
-einen grossen Teil des so sehr erwünschten Kali, nl. 25.8%, und 6.4%
-Phosphorsäure (~Behrens~).
-
-Weiter lässt man in Valburg, nach dem Pflücken, die Blätter noch
-einige Tage auf dem Felde liegen, erst dann werden sie an Stangen
-angereiht. Aus der Physiologie des sterbenden Blattes ersahen wir,
-dass das Trocknen langsam geschehen soll. Hierdurch entstehen
-Zersetzungsprodukte, welche bei der Gährung erwünscht sind.
-
-Beim Gährungsverlauf haben wir gesehen, dass bei unserm Tabak der
-Bacillus Tabaci I + III, die Hauptrolle spielt, er giebt ihm den reinen
-Geruch und Geschmack, insofern wir dies bei unserm Tabak wahrnehmen
-können. Da, wo die Gährung nicht stattfindet oder nicht gut verläuft,
-können diese Mikroben künstlich angebracht oder geimpft werden.
-
-Die Versuche, die Mosaikkrankheit zu verhindern, könnten schon jetzt
-beim Wechselbau angestellt werden. Der Anbau von Erbsen, Bohnen, Klee
-und andern Hülsenfrüchten sei anempfohlen.
-
-Folgende Düngung wird von einigen grossen Züchtern versucht werden.
-
-Im Spätjahr wird per ha. 750-3000 kg. ungelöschter Kalk auf die
-Oberfläche des Feldes gebracht und gleichmässig darauf ausgestreut.
-Dies lässt man ungefähr einen Monat liegen und bringt dann 400-600 kg.
-Kainit und 400-600 kg. Thomasphosphat hinzu, nachher wird es im Januar
-oder Februar, wenn der Witterungszustand dies erlaubt, mit dem Spaten
-untergegraben. Auf die gebräuchliche Weise werden dann die Erbsen,
-Bohnen u. a. gepflanzt oder gesät.
-
-Die Versuche, welche angestellt werden, um auf eine andere Weise der
-Mosaikkrankheit vorzubeugen, werden fortgesetzt, nehmen aber viel Zeit
-in Anspruch.
-
-Die Gründüngung auf angesteckten Feldern kann aus obenerwähnten Gründen
-nicht empfohlen werden.
-
-Das Ausgraben der infizierten Mistbeete etwa 30 cm. tief und das
-Hineinbringen gesunder Erde, also von unbebautem Boden, verdient
-Empfehlung. Ein Pflanzer, der niemals Fleckkrankheit auf seinem Felde
-gehabt hat, könnte dadurch, dass er junge Pflänzchen, welche von
-infiziertem Boden herstammten, lieh oder kaufte, sein Feld auf immer
-anstecken und dadurch die Mosaikkrankheit hervorrufen.
-
- * * * * *
-
-Und hiermit habe ich einen Gegenstand behandelt, der immer mehr mein
-Interesse erregte. Dabei habe ich viele unsrer Tabakspflanzer als
-Personen kennen gelernt, die alles aus Liebe zur Sache thun, und
-ungeachtet des grossen Aufschwunges unsrer indischen Kultur, wodurch
-soviele edle Tabakssorten über die ganze Welt verbreitet werden, mit
-Mut, Ausdauer und Lust zur Arbeit, unsern einheimischen Tabak züchten,
-bearbeiten, und zu verbessern trachten. Mögen sie, indem sie so
-fortfahren, auch die Früchte ihrer Arbeit geniessen!
-
-[Fußnote E: Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur« 13 Mai
-1899 »Martellin, een nieuwe meststof«.]
-
-
-
-
-Verbesserung durch Reinkulturen.
-
-(Fortsetzung der Untersuchungen von 1897).
-
-
-Die Untersuchung der Gährung unseres einheimischen Tabaks ist, da
-wir es hier mit einem Prozesse zu thun haben, bei dem fakultative
-anaërobe Bakterien eine Rolle spielen, enorm von mir gekürzt worden.
-Später wurde ich mit den an der Oberfläche der Platten angelegten
-bakteriologischen Kulturen bekannt, wodurch man makroskopisch schon
-deutlich die verschiedenen Arten des Wachstums von Bakterien und andern
-Mikroorganismen wahrnemen kann.
-
-Dies Verfahren hat unendlich viel vor derjenigen Untersuchungsmethode
-voraus, bei der die Kulturen auch in Gelatineplatten wachsen.
-
-Im letzteren Falle doch sieht man, nur einige Variationen in
-verfliessenden Kulturen ausgenommen, welche meistens kugelförmig in
-der Gelatine wachsen, fast immer gelbe Pünktchen, bald rund, bald
-linsenförmig.
-
-Will man gerade jene Mikroorganismen auffinden, welche aërob oder
-fakultativ anaërob sind und bei irgend einem Prozesse eine Funktion
-zu erfüllen haben, so bietet diese Methode sehr grosse Vorteile und
-nicht weniger eine Abkürzung was die Zeit betrifft. Sogar zu einer
-quantitativen Bestimmung von Mikroorganismen eignet sich diese
-Untersuchungsmethode. Was die Untersuchungen der Tabaksgährung
-betrifft, so sind diese in folgender Weise abgekürzt worden.
-
-Die früher beschriebenen Stückchen fein geschnittenen Tabaks werden in
-ein Röhrchen mit 10 cm³ physiologische Kochsalzlösung (0.75 Prozent)
-gebracht und mit der Platinnadel wiederholt in dieser Flüssigkeit
-bewegt, während man sie dann und wann noch durch einander schüttelt.
-
-Vom Inhalte dieses Röhrchens werden dann eine oder mehr Platinspiralen
-(welche in meinem Falle 0.048 gr. Flüssigkeit festhalten) auf ein
-zweites und drittes Röhrchen gebracht. Die Erfahrung giebt hier bald
-einen Fingerzeig. Es stehen einige sterile Kulturschälchen mit dem
-beschriebenen festen Nährboden bereit. Nun wird der Inhalt des I^{en},
-II^{en} u. s. w. Rohres über die Oberfläche ausgegossen. Was zu viel
-ist an Flüssigkeit, lässt man wegfliessen, indem man einfach das ein
-wenig geöffnete Schälchen schräg hält. Weiter bewegt man das Schälchen
-noch einen Augenblick hin und her, um die geringe Quantität Wasser,
-in welchem die Mikroorganismen verteilt liegen, gut zu verbreiten.
-Die Berechnung lehrte mich, dass die Oberfläche des beschriebenen
-Petri-Schälchens während dieser Manipulationen ungefähr 0.5 gr.
-Flüssigkeit festhielt.
-
-Wenn man genauer dieses Gewicht kennen lernen will, so kann das
-Schälchen vor und nach dem Anfeuchten gewogen werden, und dies Gewicht
-berechnet werden auf die respektiven Röhrchen und die gebrauchte
-Quantität Tabak im Röhrchen I, der zwischen zwei sterilen Uhrgläsern
-vor dem Experiment gewogen wird.
-
-Nach Verlauf einiger Tage kommen die Plattenkulturen zur sichtbaren
-Entwickelung und ist es viel leichter, eine Übersicht über den
-Totalgehalt an Sorten zu bekommen. Quantitativ betrachtet hat diese
-Methode Fehler. Die Ursache davon liegt darin, dass die Bakterien in
-mehr oder weniger starkem Masse in den von ihnen selbst abgeschiedenen
-Schleimhüllen liegen und dadurch sehr am Medium haften, dem Blatte,
-auf dem sie, sei es auch kurze Zeit, lebten, und später ein latentes
-Leben führten, um bei der Gährung wieder energisch aufzuleben. Weder
-durch Abreibung mit der Platinnadel, noch durch immerwährendes Hin- und
-Herschütteln, kann man alle Mikroorganismen vom Substrat trennen. Damit
-hier eine Verbesserung angebracht werde, habe ich die Sache anders
-gemacht und habe dies schon im Prinzip im »Pharm. Weekblad« No. 10,
-1898, beschrieben. Das Resultat dieser Untersuchungsweise war ein
-brillantes und hat die allergünstigsten Folgen gehabt. Diese Methode,
-die ich zuerst auf den Tabak anwendete, lässt sich auf eine Unmasse
-anderer Gegenstände anwenden.
-
-Sie ist wie folgt. In einige Reagirröhren werden gewöhnliche Pinselchen
-so hineingebracht, dass der Federkiel auf dem Boden der Röhre ruht und
-das Büschelchen nach oben gerichtet ist. Durch einen Wattepfropfen
-werden die Röhren geschlossen und dann während einer Stunde bei 110°
-C. in strömendem Dampfe erhitzt. Die Temperatur übt keine nachteilige
-Wirkung auf die Pinsel aus. Ferner wird ein hohes Petrischälchen
-gewählt, 10 cm^3 sterilisierte physiologische Kochsalzlösung
-hineingebracht und natürlich sofort geschlossen.
-
-Ein Teil eines gährenden Tabaksblattes wird in diese Flüssigkeit
-hineingetaucht und einige Minuten daselbst in Ruhe gelassen. Dann
-nimmt man mit einer sterilen Pincette das Pinselchen aus einem der
-Reagierröhrchen und reibt, indem man eins der Enden des Blattes mit der
-Pincette festhält, kräftig über die Oberfläche der beiden Blatthälften.
-Indem man das Schälchen hin- und herbewegt, werden die Mikroorganismen
-gleichmässig im Wasser verteilt. Von dieser bakterienreichen
-Flüssigkeit werden 1 cm^3, 1/2 cm^3 oder Verdünnungen hiervon mittels
-steriler Pipetten über die Oberfläche der Platten gebracht.
-
-Auf diese Weise werden nach der »Bohnmethode« (der Name ist von mir
-nach dem Bohnen der Fussboden gewählt) auch diejenigen Bakterien
-von der Blattoberfläche entfernt, welche innig mit diesem Substrate
-zusammenhingen. Nach Berechnung kann man auf diese Weise bestimmen,
-wieviel Bakterien sich auf den beiden Blatthälften befanden.
-
-[Illustration: Fig. 6.
-
-_Bohnmethode._ Links Pinselstriche von Betuwer Tabak im Anfange der
-Gährung (Diplococcen). Rechts während der Gährung (B. T. I + B.
-subtilis + B. mycoides).]
-
-Wenn es sich um eine qualitative Bestimmung handelt, so bekommt
-man nicht weniger schöne Kulturplatten auf folgende Weise. Das
-Tabaksblättchen, das schon im Wasser untergetaucht war und nicht
-bewegt wurde, wird mit einer sterilen Pincette auf sterilisiertes
-Papier gelegt.
-
-Es liegt also feucht darauf. Nachher wird die obere Seite des
-Blättchens mit dem trocknen Pinsel, welcher also steril ist,
-abgebohnt. Mit diesem noch nassen Pinsel macht man Striche über die
-festen Oberflächen von Gelatineplatten. Nach einigen Tagen sieht man
-denn, dass der erste Strich die grösste Zahl Kolonien hervortreten
-lässt, gewöhnlich zu viel als dass man sie unterscheiden könnte; der
-zweite Strich schon weniger, der dritte und vierte noch weniger, u.
-s. w. Letztere Methode wurde immer von mir angewendet bei unserm
-einheimischen Tabak, beim Deli- und Havanna-Tabak.
-
-Das Resultat war ein glänzendes. Die Untersuchungen nach der Gährung
-des Tabaks erlauben diese Methode, weil hierbei keine obligaten
-anäeroben Bakterien im Spiele sind. Sie ist natürlich unbrauchbar,
-wenn es sich um Mikroorganismen handelt, welche Sauerstoff nicht
-ertragen. Die Petri'schen Kulturplatten sind auf lichtempfindliches
-Papier gesetzt, 25 Secunden vom Sonnenlicht beschienen und oben
-photographisch, ohne Retouche reproduziert. Die Glaskratzer am Boden
-des Schälchens sind hierbei deutlich sichtbar.
-
-Bei den Untersuchungen unsres einheimischen Tabaks, die im Jahr 1897
-von mir in »de Natuur« publiziert wurden, hat sich herausgestellt, dass
-wir es hier zu thun haben mit einer Gährung, bei welcher fakultative
-anaërobe Bakterien, also auch unter Hinzutretung von freiem Sauerstoff
-oder Luft, eine Rolle spielen. Sogleich ergab sich daraus, dass im
-gährenden Tabak von verschiedener Herkunft aus unsern Gegenden (Betuwe,
-Veluwe, Maaswaal) verschiedene Mikroorganismen mehr oder weniger häufig
-anwesend waren, jedoch in überwiegender Zahl diejenigen, welche sich an
-der Gährung beteiligten.
-
-Meine zunächst liegende Vermutung hat sich bestätigt. Fünf verschiedene
-Bakterien, welche, aus verschiedenem Tabak herstammten, sind damals von
-mir abgebildet und kurz nach ihren morphologischen und biologischen
-Eigenschaften beschrieben worden. Alsdann ist Tabak von mir
-sterilisiert worden, d. h. alle Mikroorganismen, welche sich auf und in
-demselben befanden, wurden getötet und nachher ist jener Tabak mit den
-verschiedenen Reinkulturen geimpft worden. Alsdann stellte sich heraus,
-dass die Impfung mit dem B. T. I. und III (Bacillus Tabaci I. und III)
-dem Tabak das richtige Arom verlieh, ein Arom, welches, hier in Holland
-für das beste gehalten wird. Meine Vermutung, dass jene Gährung doch
-noch einen andern Verlauf haben würde, wenn die nämliche Tabaksart
-nicht sterilisiert, dahingegen mit den genannten Tabaksbakterien
-geimpft würde, hat sich bestätigt. Jedoch müssen wir hierbei in
-Betracht ziehen, dass nebst den in grosser Zahl künstlich angebrachten
-Mikroben, noch mehr Arten ihre Wirkung ausüben, Arten, welche
-gleichfalls das feuchtgewordene Tabaksblatt angreifen, aber ausserhalb
-der eigentlichen Gährung stehen und nichts anders thun können als
-Zersetzungen hervorrufen, welche ungünstig wirken oder gar nicht dazu
-beitragen, ein erwünschtes Produkt zu erhalten. Es ergab sich, dass die
-Impfung mit den Tabaksbakterien, welche günstig beim sterilen Tabak
-wirkten und ihm das reine Arom gaben, in nicht sterilem Tabak ohne
-Wirkung blieben, insofern ohne Wirkung, dass jenes Arom bei weitem
-nicht so ausgesprochen war als beim sterilen Tabak. Diese Versuche
-wurden im Februar 1898 in den Gährungsscheunen des Herrn ~de Hartog~ in
-Wageningen angestellt. Damals musste die Frage gelöst werden, wie das
-Produkt der natürlichen Gährung, also ohne Sterilisation übertroffen
-werden konnte, wenn man von den Impfungen mit einer oder mehreren
-Reinkulturen auf die nämlichen, also nicht sterilisierten Tabaksarten
-Gebrauch machte.
-
-Die Versuche im Laboratorium lehrten also, dass steriler Tabak durch
-Impfung mit zwei Mikroben vorzügliche Eigenschaften erhielt, sodass
-dieser Tabak sofort von den Fachmännern als der beste bezeichnet werden
-konnte. Die Quantität war jedoch eine zu geringe, als dass man Cigarren
-davon anfertigen lassen und alle Eigenschaften, die man so gerne
-kennen lernen möchte, kontrollieren konnte. Eine Sterilisation des
-Tabaks im Grossen ist faktisch unmöglich. Damit das Resultat der schon
-beschriebenen Untersuchung praktisch verwendet werden konnte, mussten
-also Versuche mit verschiedenen Reinkulturen und deren Mischungen
-angestellt werden. Es stellte sich heraus, dass einige dreissig
-Büschel, welche ohne Sterilisation mit den B. T. I + III + IV geimpft,
-im Februar in Haufen gelegt und nachher der Gährung ausgesetzt worden
-waren, nicht solche günstige Eigenschaften erhalten hatten als der
-sterilisierte und nachher geimpfte Tabak, wie es in meinem Laboratorium
-stattfand.
-
-Zugleicherzeit erwähne ich hier, dass der nicht-fermentierte
-Deli-Tabak, der mir aus Batavia von ~Dr. v. Breda de Haan~ zugesandt
-wurde, gleichfalls einer Untersuchung unterzogen worden ist. Nach dem
-Beispiele von ~Semmler~ aus Cuba habe ich einen kleinen Teil dieses
-Tabaks mit Wasser faulen lassen und mit diesem Wasser einheimischen
-Tabak, der dann gleichfalls mit andern Büscheln in den Haufen hinein
-gelegt wurde, besprengt. Dieser Tabak gerieth zwar in Fermentation,
-aber als die Gährung beendigt war, ergab sich, dass die besprengten
-Büschel keine andern Eigenschaften bekommen hatten als eine Änderung
-in der Farbe der Blätter, die von der feuchten Behandlung herrührte.
-Dieser Versuch, welcher durch einen Zufall auf Cuba günstig verlief,
-ist Ursache gewesen, dass man die Aufmerksamkeit auf die Tabaksgährung
-hinlenkte und die Vermutung laut werden liess, dass Mikroorganismen bei
-jener Gährung sich wirksam bethätigten.
-
-Als es mir nach wiederholten Versuchen deutlich geworden war, dass
-die Impfung unseres einheimischen Tabaks mit den B. T. I + III also
-nicht ganz den Erfolg hatte, wie immer beim sterilen Tabak, habe ich
-diesen Gegenstand weiter untersucht und eine Reihe von Versuchen
-mit Mischungen von Reinkulturen angestellt. Die Herren ~de Hartog~
-und ~v. Druijnen~ in Wageningen, welche diesem Gegenstand ihre ganze
-Aufmerksamkeit widmeten, halfen mir bei diesen Versuchen und gaben
-mir jedesmal ihr Urteil ab, ein Urteil, das ich sehr schätzte, da es
-ausgesprochen ward von sehr kundigen, erfahrungsreichen Fachmännern.
-Nicht entmutigt empfing ich am 8. März die Nachricht, dass man
-damit anfangen würde, einen Haufen gährenden Tabak aus der Betuwe
-umzusetzen. Es war die beste Tabaksart, welche Holland hervorbringt.
-Am 10. März besuchte ich die Fermentierscheune und stellte wiederum
-Versuche an, aber in der jetzt sehr gekürzt beschriebenen Weise. Es
-war ein schöner Anblick, jenen prachtvoll aufgebauten Haufen mit
-den Tausenden goldgelben Büscheln emporragen zu sehen. Eine grosse
-Menge Kulturschälchen wurde von mir infiziert mit Blattfragmenten der
-obersten Tabaksbüschel (± 22° C.) Nach einigen Tagen zeigten sich die
-Kolonien, und mit Bewunderung sah ich wieder die im vorigen Jahre von
-mir beschriebenen Arten zum Vorschein kommen. Meine Aufmerksamkeit
-richtete sich auch noch, nicht auf die bekannten Verunreinigungen,
-sondern auf andere Arten, welche ich nun bei niedriger Temperatur
-in grosser Anzahl vorfand. Einige davon brachte ich in Kultur und
-wartete darauf, welche Rolle sie mit andern Bakterienarten in nicht
-sterilisiertem Tabak spielen würden.
-
-Um den praktischen Teil des Problems zu lösen, hatte ich damals
-sechs Arten Tabaksbakterien, welche bezüglich ihrer Wirkung in nicht
-sterilem Tabak controlliert werden mussten, und die also den überall
-herrschenden »Struggle for life« kämpfen mussten. Es war nicht vorher
-zu sagen, wer siegen würde. Ein logisches Verfahren nach Wahl war
-nicht möglich, der Versuch musste entscheiden. Um die Frage der
-Tabaksverbesserung zu lösen dadurch, dass man Gebrauch machte von den,
-in dem vorzüglichsten Betuwer Tabak vorgefundenen Mikroben, wurden
-eine Menge nicht sterilisierter Tabaksarten mit Reinkulturen und deren
-Mischungen bespritzt. Dieses Bespritzen lässt sich ausgezeichnet
-durch den Druck der Wasserleitung bewerkstelligen; ich werde durch
-Abbildung zeigen, wie das Verstieben in meinem Laboratorium geschieht.
-Was die sehr geringe Farbenveränderung des Blattes betrifft, die
-durch Befeuchtung verursacht wird, so ist es mir als bald gelungen,
-hierin eine Verbesserung anzubringen, indem ich die Reinkulturen
-von Agar- Oberflächen mit feinem Tabakspulver vermischte und dies
-gleichfalls in die Büschel hineinspritzte oder verstieben liess, also
-der trocknen Behandlung gemäss. Nach Beendigung der Gährung wurden
-die Eigenschaften der derartig behandelten Sorten kontrolliert, und
-diese sorgfältig ausgesucht. Ich werde hier all diese Versuche, die
-noch nicht den erwünschten Erfolg hatten, der Kürze halber nicht
-aufzählen; nur lohnt es sich, zu wissen, dass ich daraus den Schluss
-zog, dass viele Arten von Mikroorganismen, unter denen auch die von mir
-abgebildeten, die Temperaturerhöhung verursachen, und dass ich drei
-Arten in Mischung, künstlich in grosser Menge in die verschiedenen
-Tabaksarten hinein brachte. Es waren die Reinkulturen von Bacillus
-Tabaci I, B. T. III und dem neu isolierten Diplococcus Tabaci. Diese
-Mischungen erhielten folgende Marken:
-
-
- Marke I: Bacillus Tabaci Hollandicus I.
- " " " III.
- Marke II: Diplococcus Tabaci Hollandicus.
- Bacillus " " III.
- Marke III: Mischung der Marke I und Marke II.
-
-
-Diese Reinkulturen von Agar-Oberflächen wurden sorgfältig in steriles
-Wasser verteilt.
-
-Die unten angegebenen Tabaksarten wurden mit dem Inhalte dieser
-Fläschchen bespritzt und von den Herren ~de Hartog~ und ~v. Druijnen~
-mit den gegebenen Marken versehen. Erst nachdem die Gährung beendigt,
-die Cigarren gemacht, und mein Urteil abgegeben war, sollte das
-Resultat dieser Versuche, die auch von andern in unserer Umgebung
-beurteilt werden sollten, bekannt gemacht werden.
-
-
- A. geimpft: B. nicht geimpft:
-
- I _a_ = Betuwer Erdgut _a_^1 = Betuwer Erdgut
- _b_ = Veluwer Erdgut _b_^1 = Veluwer Erdgut
- II _c_ = Betuwer Sandgut _c_^1 = Betuwer Sandgut
- _d_ = Veluwer Sandgut _d_^1 = Veluwer Sandgut
- III _e_ = Betuwer Erdgut _e_^1 = Betuwer Erdgut
- _f_ = Veluwer Erdgut _f_^1 = Veluwer Erdgut
-
-
-Ende Juli habe ich diese Cigarren, nur mit den Marken _a_, _a_^1,
-_b_, _b_^1 u. s. w. empfangen. Nichts war bekannt von Impfung oder
-nicht Impfung, von Nummer u. s. w. Jetzt befand ich mich in der
-schwierigen Lage, mein Urteil abgeben zu müssen. Es handelte sich ja
-hier um kleine Unterschiede in der Brennbarkeit, Konsistenz der Asche,
-des Aroms, des Geschmacks u. s. w. Aus dem Grunde habe ich dies den
-befugteren Personen, den eigentlichen Fachmännern überlassen, die ihrer
-Beschäftigung gemäss dies viel besser beurteilen können. Herr ~G. P.
-Voorwijk~ in Amsterdam, welcher in der Tabakswelt seines richtigen
-Urteils wegen so günstig bekannt ist, hat sehr freundlich meiner
-Bitte, einige Abende zu mir zu kommen und zu rauchen, Folge geleistet,
-wofür ich ihm hiermit herzlich danke. Jedes Packetchen bestand aus
-2 Cigarren, die nur die Marke _a_, _a_^1, _b_ oder _b_^1 u. s. w.
-trugen. Als die Reihenfolge _a_ und _a_^1 abgeraucht war, untersuchte
-Herr ~Voorwijk~, indem er dabei die andere Cigarre aus dem nämlichen
-Packetchen benutzte, ob die Eigenschaften der Cigarren aus ein und
-demselben Packetchen dieselben wären, was völlig stimmte. Den 29 Juli
-schrieb ich Herrn ~de Hartog~ folgendes:
-
-
-_Geehrter Herr_,
-
-
-Weil mein Geschmack, was den Tabak im allgemeinen betrifft, nicht
-so besonders entwickelt ist, und es sich hier höchstwahrscheinlich
-um kleine Unterschiede und typische Kennzeichen der Brennbarkeit,
-Konsistenz der Asche und die grössere oder geringere Leichtigkeit
-handelt, mit der eine Cigarre zieht, so habe ich mein Urteil über diese
-Versuche, welche einen praktischen Leitfaden abgeben sollen, befugteren
-Personen übertragen. Da die Impfung von dieser oder jener Marke nur
-Ihnen allein bekannt ist, und da ich nicht daran zweifle, dass Sie aus
-den jetzt von mir gegebenen Nummern oder Buchstaben unsere Urteile
-vergleichen werden, so habe ich Ihnen die Überreste der gerauchten
-Cigarren gesandt, jedoch mit der Bitte, nochmals die Zeichen auf ihre
-Richtigkeit hin zu kontrollieren, da dies von grosser Wichtigkeit ist.
-
-Unten folgt das Urteil des Herrn ~Voorwijk~, der durch tägliche
-Fachbeschäftigung bedeutend mehr berechtigt ist, eine Meinung hierüber
-auszusprechen, als ich es thun kann.
-
-_a_ ist enorm besser als _a_^1, das Aroma des Rauches ist zwar das
-nämliche und in dem Aroma des Deckblattes ist wenig Unterschied, aber
-die Art _a_ hat ein säuerlicheres, volleres Aroma als _a_^1. Die
-Brennbarkeit ist bei _a_ und _a_^1 die nämliche; soweit man es von
-einheimischem Gewächs erwarten kann, brennen sie sehr gut.
-
-_b_ und _b_^1 haben die nämlichen Eigenschaften, aber, wenn man
-weiter raucht, bleibt _b_ besser von Geschmack als _b_^1. Beim ersten
-Anbrennen und in der ganzen Breite geraucht, hat _b_ eine geringe
-Ähnlichkeit mit _a_. Hierbei muss bemerkt werden, dass für gewöhnlich
-der einheimische Tabak einen holzartigen Geschmack hat, der noch an
-_a_, _a_^1, _b_ und _b_^1 auffällig ist. Bei _b_ ist die Asche etwas
-weniger hart als bei _b_^1.
-
-_c_ und _c_^1 zeigen keinen Unterschied. Beide sind schmackhaft, jedoch
-ist bei _c_ die Brennbarkeit besser als bei _c_^1.
-
-_d_ ist etwas günstiger als _d_^1, hierbei ist die Asche viel besser
-und lockerer als bei _d_^1.
-
-_e_ ist viel besser als _e_^1. Die Brennbarkeit ist hier auch sehr
-verschieden und zum Vorteile von _e_. Bei diesen zwei Arten wird bis
-jetzt der grösste Unterschied wahrgenommen, _e_ und _e_^1 sind zugleich
-schwerer von Geschmack.
-
-_f_ und _f_^1 sind gleichfalls schwerer von Geschmack als die vorigen,
-_f_ ist edeler von Aroma und Geschmack als _f_^1, die letztere ist
-sogar ordinär. Falls _f_ geimpft wurde, so ist diese Sorte viel
-veredelt und verbessert.--Ein Fachmann, wie Herr ~Voorwijk~ macht die
-Mitteilung, dass das einheimische Gewächs dieses Jahr besonders gut ist.
-
-
-Hochachtungsvoll und mit freundlichem Danke,
-
-~C. J. KONING~.
-
-_Bussum, 29/7 '98._
-
-
-Einige Tage nach diesem Schreiben empfing ich die Antwort, dass durch
-die Impfung der Tabak faktisch verbessert ist, und dass nur die Reihe
-A. geimpft war.
-
-Der _Diplococcus Tabaci Hollandicus_ besteht, wie der Name schon
-andeutet, aus kugelförmigen Mikroben, Coccen, welche je zwei und
-zwei liegen, also zwei gegen einander liegenden Kugeln am besten zu
-vergleichen sind. Dieser Organismus wächst auf Gelatine in der Form
-eines hellgelben, scharf begrenzten dicken Streifens, welcher die
-Gelatine nicht verflüssigt. Auf Agar entsteht gleichfalls ein gelber,
-breiter Streifen und auf Kartoffel eine prachtvoll gelb hochaufragende
-Kultur. Alcalische Bouillon wird schwach getrübt. Dieser aërobe
-Organismus erzeugt gleichfalls im Anfang der Gährung Ammoniak.
-
-Vergleichende Versuche mit den Agarreinkulturen, angestellt bei
-erhöhter Temperatur, zeigen, dass der _Bacillus Tabaci Hollandicus I_
-bei niedriger Temperatur sich schneller vermehrt als der Diplococcus,
-der bei 24° (?) C. sein Optimum erreicht. Hieraus lässt sich folgern,
-dass die Gährung unseres Tabaks verschiedene Phasen durchläuft.
-
-Von praktischem Interesse ist in Bezug hierauf das wiederholte Umsetzen
-der Haufen, wodurch sowohl die Luft wieder Zutritt erhält, um die
-Aëroben und fakultative Anaëroben energischer leben zu lassen, als auch
-die äusseren Büschel der genannten Wirkung ausgesetzt werden. Wird
-die Temperatur von mehr als 60° C. erreicht, so wird der biologische
-Prozess, welcher ausschliesslich der Gährung eigen ist, zum Stehen
-gebracht.
-
-Zugleich mit den temperaturerhöhenden Mikroorganismen entwickeln sich
-im Anfange der Gährung die Diplococcen und die B. T. H. I., welche den
-oben mitgetheilten Impfproben nach, die Brennbarkeit und das Aroma
-verbessern; jetzt schon entsteht Ammoniak als Zersetzungsprodukt. Wenn
-die Temperatur steigt, geraten die Diplococcen auf den Hintergrund
-und entwickeln die B. T. H. sich kräftiger, sodass durch ihre
-Lebensthätigkeit das Tabaksblatt derartig zersetzt wird, dass das Aroma
-sich bessert.
-
-In beifolgender Figur ist die Steigerung der Temperatur in einem
-gährenden Haufen angegeben. Die Erfahrung hat hier gelehrt, dass man
-bei ± 53° C. den Haufen ohne Schaden umsetzen kann, wodurch schon eine
-Zeitersparnis erzielt wird. Die Temperatur wurde mittels mehrerer
-Thermometer beobachtet, welche in die Spalte eines hölzernen Stabes
-gestellt worden sind. Diese Stäbe liegen in Bambusköchern und werden
-einige Meter weit in den Haufen hineingeschoben. Nach der graphischen
-Darstellung findet die stärkste Temperaturerhöhung statt von 29°-50° C.
-Vor und nach diesen senken sich die Linien bedeutend.
-
-[Illustration: Fig. 7.
-
-Graphische Darstellung der Temperaturerhöhung in den gährenden
-Haufen Tabak A, B und C, im Monat Juni aufgestellt.]
-
-Merkwürdig und sehr beachtenswert sind die Eigenschaften, welche an a.
-beobachtet werden. Aus der nämlichen Tabaksart, aus dem Betuwer Erdgut
-also, ist der B. T. I. isoliert worden. Wenn dieser in _grösserer
-Menge_ künstlich in diesen Tabak hineingebracht wird, so bessert
-sich das Aroma desselben beim Anbrennen beträchtlich. Ein Beweis um
-so mehr dafür, dass eine grosse Zahl Mikroben, welche sich auf der
-Blattoberfläche befinden oder künstlich darauf angebracht worden sind,
-bedeutend dazu mitwirken, die guten Eigenschaften, welche guter,
-einheimischer Tabak besitzen soll, ansehnlich zu verstärken und dadurch
-den Tabak zu verbessern.
-
-Aus den Impfungen erhellt ausserdem, dass durch B. T. I. das Aroma
-(siehe A. I.), durch den Diplococcus die Brennbarkeit (A. II.)
-verbessert wird; wenn sie zugleicherzeit angewendet werden, verbessern
-sie Aroma und Brennbarkeit. (A. III.) B. T. I. überträgt sogar, durch
-seine Lebensfunktionen, das Aroma des Betuwer Tabaks auf andere
-Tabaksarten (A. I. b.).
-
-Wir erkennen aus diesen Versuchen deutlich die Wirkung der Mikroben
-bei der Gährung, und dass es jetzt auf praktischem Wege möglich ist,
-der Fermentation einen günstigen Verlauf zu geben. Am Schluss dieser
-Beschreibung einige kurze Mitteilungen.
-
- * * * * *
-
-Vor allem meinen Dank den Herren ~Dr. v. Breda de Haan~ in Buitenzorg
-für die Zusendung des unfermentierten Deli-Tabaks ausgezeichneter
-Qualität, wodurch ich Gelegenheit gehabt habe, Indischen Tabak in
-meinem Laboratorium zum Gähren zu bringen und Nachforschungen darüber
-anzustellen.
-
-~Dr. A. van Bijlert~, gleichfalls in Buitenzorg, für seine erneuten
-Untersuchungen der Deli-Bodenarten, auf denen der Tabak solche
-bekannten vorzüglichen Eigenschaften erhält, und in denen ein
-colloidales Silicat solch eine günstige Wirkung hat.
-
-Nicht weniger wichtig ist der von Herrn ~Dr. v. Breda de Haan~ gegebene
-Bericht über »Regenfall und Reboisation in Deli«, welcher von so grosser
-Bedeutung für die Zukunft dieses Landes ist.
-
-Die Untersuchungen des Deli- und des Havanna- Tabaks sind, was
-den bakteriologischen Teil betrifft, von mir angestellt worden.
-Die praktische Anwendung der Reinkulturen werde ich hier nicht
-antizipieren, doch nur die Mitteilung machen, dass beide, ebenso wie
-unser einheimischer Tabak eine ammoniakale Gährung durchmachen, welche
-Mitteilung, was den Deli betrifft, mit dem Bericht des Herrn ~Dr.
-Vernhout~ stimmt.
-
-Dieser hatte die Güte, mir das Ergebnis der Untersuchungen, welche
-mit etwa siebzig Blättern angestellt wurden, zuzuschicken. Auch hier
-stellte sich heraus, dass die Gährung durch die Wirkung von Mikroben
-verursacht wird. Es gelang ~Vernhout~ immer, dieselben in Reinkultur
-zu bekommen. Diese Untersuchungen, welche in den Tropen mit solchen
-grossen Schwierigkeiten verbunden sind, werden fortgesetzt.
-
-Aus dem Deli-Tabak isolierte ich Bakterien und eine Hefenzelle. Die
-Bakterien sind sehr klein, während immer eine gefunden wurde, die bei
-37° C. gar nicht mehr auf dem Nährboden wuchs, sondern bei 24° C. ihr
-Wachstumsoptimum hatte; weiter ein Stäbchen, welches keine Sporen
-bildete, ein Diplococcus und ein der Rosahefe verwandter Saccharomyceet.
-
-In Folge des Amerikanisch-Spanischen Krieges, war keine Gelegenheit,
-unfermentierten Tabak zu bekommen, so dass ich, ohne diesen
-Untersuchungen viel Gewicht beizumessen, die Mikroorganismen aus
-Büscheln Tabak isolierte, welche acht Jahre lang in Amsterdam gut
-aufgehoben gelegen hatten. Merkwürdig ist es jedoch, dass daraus
-doch einige Arten, alles »Bakterien«, isoliert worden sind. Aus den
-Büscheln habe ich unter allen Vorsichtsmassregeln die inneren Blätter
-herausgesucht und sie von neuem in eine feuchte Umgebung und erhöhte
-Temperatur gebracht. Trotzdem sie acht Jahre trocken gelegen hatten,
-sind daraus 7 Arten Mikroorganismen in Reinkultur gezüchtet worden.
-Nach dem Petunieren des amerikanischen Tabaks mit Ammonsalzen, wobei
-eine Alkalinität des Blattes entsteht, und nunmehr ein intensives
-Bacterienleben möglich ist, ist eine bakteriologische Untersuchung ohne
-Werth.
-
- * * * * *
-
-Weiter ist von mir ein deutsches Präparat, um den Tabak, was den
-Geschmack betrifft, zu verbessern, untersucht worden.
-
-Weil es einfach benutzt wird, um die Tabaksblätter, ehe sie zu Cigarren
-verarbeitet werden, einzureiben, und diese schon sofort nachher
-gebraucht werden können, kann von einer eigentlichen Gährung, bei
-welcher Reinkulturen mit im Spiele sind, nicht die Rede sein. Die
-Untersuchungen betreffen nur ein Muster, das mir zufälligerweise nach
-einem Schreiben des Herrn ~Haas~ in London in die Hände geriet. Es ist
-eine gelbliche Flüssigkeit, welche sauer reagiert, ein spezifisches
-Gewicht von 1.10 besitzt und ein gelbbraunes Sediment enthält. Der
-Geruch ähnelt altem Biere, der Gehalt an festem Stoff, in Extractform
-bei 100° C. getrocknet, ist 1.34 Prozent, während der Glühverlust 1.05
-Prozent beträgt. Bei der Glühung wird ein höchst unangenehmer Geruch
-bemerkt. In der Flüssigkeit lässt sich weiter Nitrat, Phosphorsäure,
-reduzierender Zucker und Alcohol nachweisen.
-
-Mikroskopisch betrachtet, besteht das Sediment aus langen wurstformigen
-Hefenzellen, die bekanntlich, wenn sie mehrmals in Reinkultur gebracht
-werden, in eiförmige übergehen. Auf der sauren Malzgelatine bilden sich
-graue Kolonien, mit weissem Saume, welcher wieder ins Graue übergeht.
-Wahrscheinlich ist diese Hefenzelle eine Verunreinigung des Präparates.
-
-Weiter ist noch ein Präparat im Handel, welches hellbraun gefärbt ist,
-und aus aromatischen Körpern, sogenannten Estern, von angenehmem Aroma
-besteht, welches einigermassen an Amylacetat erinnert.
-
-Nach einer beigegebenen Erklärung wird auch dieses Präparat benutzt,
-um das Aroma zu verbessern. Ich glaube nicht, das die genannten
-Hilfsmittel Beifall gefunden haben. Nach meiner Meinung muss da, wo
-wir die meteorologischen Einflüsse nicht in unserer Gewalt haben,
-die Verbesserung unsres Tabaks darin gesucht werden, dass der Samen
-in der vorher beschriebenen Weise eingesammelt wird, weiter in der
-Düngung und, zu nicht geringem Teil, in der Fermentationsweise. Möge
-die Zukunft uns zeigen, dass die Arbeit des Herrn ~Dr. v. Bijlert~
-mit seinen interessanten Untersuchungen der Bodenarten von Deli, wo
-das Colloidal-Silicat und der Colloidal-Silicat-Humat-Complex eine so
-grosse Rolle spielt, auch für unsere Kultur von Wichtigkeit ist.
-
-
-
-
-Morphologie und Biologie der Tabaksbakterien.
-
-
-Die Hauptrolle bei der Gährung unseres Tabaks spielen der _Bacillus
-Tabaci I_ und der _Diplococcus Tabaci_. In ihrer Form und Lebensweise
-ist, wie hierunten beschrieben wird, ein sehr grosser Unterschied.
-
-_Der Bacillus Tabaci Hollandicus I_ ist ein Stäbchen von wechselnder
-Grösse, je nach der Beschaffenheit des Mediums, in oder auf welchem
-er sich entwickelt. Eine 24 Stunden alte Agarkultur zeigt bei einer
-Temperatur von 37° C. Stäbchen von 5-7 Mikron Länge und 1-3 Mikron
-Dicke. (Fig. 8).
-
-[Illustration: Fig. 8.]
-
-Eine 24 Stunden alte Agarkultur, welche bei 24° C. gestanden hat, zeigt
-Stäbchen von 6-8 Mikron Länge und von 1-1.2 Mikron Dicke.
-
-Der Bacillus Tabaci I wächst auf der schwach alkalischen Gelatine sehr
-eigentümlich und ausserordentlich schön in der Farbe, Entwicklung und
-Form.
-
-[Illustration: Fig. 9.]
-
-Erstens entstehen an der Oberfläche kleine graue Pünktchen, die
-vom Rande ab schon früh einen wellenartigen Lauf zeigen. Besonders
-am Rande wird die Kolonie zierlich gewellt und sie bekommt bei
-auffallendem Lichte eine graublaue, bei durchfallendem Lichte eine
-schöne himmelblaue, eisartige oder eine blassblaue Farbe. (Fig. 9).
-Bald treten vom Rande ein oder mehr Fäden aus, welche gleichfalls
-wellenartig über die Gelatine verlaufen. Von einigen Punkten aus
-läuft ein Faden ganz isoliert weiter, an andern Stellen geschieht
-das Auswachsen von der Mutterkolonie mittels mehrerer Fäden, welche
-neben einander sich ausstrecken. Es will mich bedünken, dass die
-Bakterien in den isolierten Fäden länger sind als dort, wo Gruppen
-von Fäden sich einen Weg durch die Gelatine bahnen. Bei 24° C., nach
-3 × 24 Stunden sinkt die jetzt grünliche Kolonie, während sie radiale
-Falten bildet, peptonisiert die Gelatine sehr schwach und bildet dann
-an ihrer Oberfläche ein grünliches gefaltetes Häutchen. Die Bakterie
-entwickelt Ammoniak aus diesem Nährboden. Bei einem durch Carbolfuchsin
-gefärbtem Klatschpräparat sieht man bei den jungen Kulturen die schöne
-Lage der Fäden und ihren Fortschritt über die Gelatine. Die Kolonien
-unter der Oberfläche bleiben klein, erscheinen gelb und sind rund oder
-linsenformig.
-
-Der Gelatinestrich ist ebenso wie das Wachstum auf den Platten, er
-zeigt aber die blaue eisartige Färbung der Kolonie in ihrem gelappten
-Rand noch zierlicher. Die Gelatine verfliesst nach ein paar Tagen bei
-Zimmertemperatur, wobei sie ein runzliches, graulichgrünes Häutchen mit
-sich führt.
-
-Der Gelatinestich lässt erkennen, dass die Bakterie eine aerobe ist,
-sie verfliesst oben und bildet oft in der Nähe der Oberfläche weiche,
-kleine, baumartige Ausläufer.
-
-Der Stich in glukosehaltiger Gelatine ist kräftiger entwickelt als in
-der gewöhnlichen Gelatine; eine Gasbildung wird jedoch nicht dabei
-wahrgenommen.
-
-Der Strich auf dem gewöhnlichen alkalischen Agar ist hellgrau und
-glänzend. Das Temperaturoptimum liegt zwischen 37 und 40° C.
-
-Der Stich in alkalischem Agar zeigt wie der Gelatinestich sehr schwache
-Ausläufer; das Wachstum weist auch hier auf eine aerobe Bakterie.
-In alkalischer Bouillon entstehen Flöckchen, die von der Oberfläche
-nach dem Boden des Reagierröhrchens hinabsinken; daselbst entsteht
-ein schleimiges Sediment, dass sich beim Schütteln spiralförmig in
-die Höhe windet und am Boden festgeklebt bleibt. Auch hier bildet
-sich Ammoniak, das mittels Lakmuspapier und Aufnahme des Gases in
-~Nessler's~ Flüssigkeit bei Zimmertemperatur nachgewiesen werden kann.
-Das Wachstum in Bouillon, welche 2 % Glukose enthält, ist kräftiger,
-als in zuckerfreier Bouillon.
-
-In saurer Bouillon findet kein Wachstum statt.
-
-Auf einem Nährboden, der wie folgt zusammengesetzt ist, wächst die
-Bakterie ausserordentlich gut:
-
-
- Tabakssaft 15.0
- Kaliumphosphat 0.050
- Asparagin 0.5
- Glukose 2.0
- Agar 2.0
- Wasser 100.0
- Reaction schwach alcalisch.
-
-
-Die Strichkultur ist auf diesem dunkeln Agar-Nährboden grau, glänzend,
-glatt, dick und mit scharfem Rande versehen. Konnte ich in den soeben
-beschriebenen Nährböden, auch nach monatelanger Beobachtung, wenig
-Veränderung in der Form des Bakterienkörpers wahrnehmen, so liegt hier
-die Sache ganz anders. Nach einer Woche erleiden die Stäbchen eine
-eigentümliche Veränderung (Fig. 10). Oberflächlich betrachtet wäre man
-geneigt anzunehmen, dass wir es hier nicht mit einer Reinkultur zu thun
-haben. Nachdem das intensive Wachstum auf dem Tabakssaftenthaltenden
-Medium stattgefunden hat, verdicken sich die Stäbchen und gehen
-ein, wobei nicht selten die Lage der Individuen an Saccharomyceten
-denken lässt. Einige Stäbchen, welche mehr Lebensenergie besitzen,
-haben noch ihre Form behalten, während auch ihr Bakterienkörper mehr
-gleichmässig die basischen Anilinfarben aufnimmt. Wenn man sie während
-15-30 Sekunden mit kaltem Karbolfuchsin färbt, kommt der Unterschied
-in der Beschaffenheit des Bakterienprotoplasmas mehr zum Vorschein.
-Das Protoplasma erleidet von einem Punkte aus eine Veränderung. Diese
-Veränderung greift von dort aus mehr und mehr um sich, bis endlich der
-ganze Körper, ausgenommen die beiden Enden, die Eigenschaft verloren
-hat, den Farbstoff gleichmässig festzuhalten. Die Enden des Stäbchens
-färben sich viel stärker als der Inhalt. Meistens sind noch ein oder
-mehrere Pünktchen im Körper nachzuweisen, die gleichfalls den Farbstoff
-stärker aufnehmen.
-
-[Illustration: Fig. 10.]
-
-Nach einigen Sekunden Färbung habe ich oft ein schwach gefärbtes
-Pünktchen sich längs einer der Seiten im Bakterienkörper hin und her
-bewegen sehen, als ob da gewissermassen ein Todeskampf dem chemischen
-Agens gegenüber stattfände. Legt man von diesen Hemmungsbildungen
-Strich- oder Plattenkulturen an, so zeigt sich wieder die Stäbchenform,
-während einige der älteren Formen noch im Ruhezustand sind, jedoch
-erkennt man leicht, dass man es mit einer Reinkultur zu thun hat.
-Dieser Nährboden ist noch weiter merkwürdig, da die Bakterie hier bei
-37° C. noch mit einem Alkaliegehalt von 15 cm^3 normal KOH auf 100
-Teile Nährboden wächst.
-
-In einer Tabakssaftlösung, wie sie oben angegeben, zeigen sich die
-nämlichen Erscheinungen. Hierin kommen lange Fäden mit kurzen Gliedern
-zur Entwicklung. Auch dies Nährmaterial entwickelt Ammoniak. Von Natur
-liefert der Tabakssaft der grünen und trocknen Blätter Nitrat, welches
-von der Bakterie zu Nitrit reduziert wird.
-
-Die Bakterie trübt eine schwach alkalische Tabakssaftflüssigkeit und
-Wasser (20: 100) während sie kleine Flöckchen bildet.
-
-In einer von Haus aus schwach sauren, Tabakssaft enthaltenden
-Flüssigkeit findet anfänglich fast kein Wachstum statt. Der Säuregehalt
-vermindert langsam, damit wächst die Bakterie dann besser.
-
-Der Bacillus Tabaci I wächst zu sehr langen Fäden mit kurzen Gliedern
-in einer Flüssigkeit, die auf folgende Weise zusammengesetzt ist:
-
-
- Kaliumphosphat 0.050
- Asparagin 0.5
- Glukose 2.
- Wasser 100.
- Reaction nicht geändert.
-
-
-Das Asparagin wird zersezt und als Zersetsungsprodukt ist Ammoniak
-nachzuweisen, sowohl wenn man rotes Lakmuspapier über der Flüssigkeit
-anbringt, als dadurch, dass man beim Erhitzen, die gasförmigen
-Zersetzungsprodukte in ~Nessler's~ Flüssigkeit auffängt. Dies Reagens
-kann man nicht anwenden im Kulturmedium, da Glukose bei niedriger
-Temperatur gleichfalls mit gelber Verfärbung auf ~Nessler's~
-Flüssigkeit einwirkt.
-
-Damit man die Wirkung auf Nitrat beobachten könne, wird die Bakterie in
-die hierunten angegebene Flüssigkeit geimpft.
-
-
- Kaliumphosphat 0.050
- Asparagin 0.5
- Kaliumnitrat 0.2
- Glukose 2.0
- Wasser 100.
- Reaction nicht geändert.
-
-
-Sowohl diese als die vorige Flüssigkeit reagiert sehr schwach
-alkalisch. Die Bakterie zersetzt hier das Nitrat zu Nitrit, welches
-man leicht mit der bekannten Jodzinkstärkelösung und sehr deutlich mit
-Metaphenylendiamin nachweisen kann.
-
-Bei den oben angegebenen Nährböden ist, unter gleichen Bedingungen
-wie Grösse der Gefässe, Temperatur u. s. w. nach der colorimetrischen
-~Fleck'~schen Methode mehr Ammoniak nachzuweisen; woraus folgt, dass
-wie bei den ~Petri'~schen und ~Lewandowski'~schen Versuchen der
-_Bacillus Proteus vulgaris_, auch der _Bacillus Tabaci I_ Nitrat zu
-Nitrit und teilsweise zu Ammoniak reduziert.
-
-Gelatine-Nährböden, welche aus Pflanzensäften (Leguminosen) mit
-Hinzufügung von 2% Glukose zusammengesetzt sind, lassen die B. T. I
-nicht zur Entwicklung kommen. Wenn die Reaktion schwach alkalisch
-genommen wird, so tritt eine sehr kräftige Verflüssigung ein.
-
-Weder in saurem noch alkalischem Malz (gehopfte Würze aus den
-Tropfsäcken) findet Entwicklung statt.
-
-In ~Löfflers~ Bouillon wird kein Indol gebildet.
-
-Auf Kartoffeln, sowohl normalen wie alkalischen, findet ein kräftiges
-Wachstum statt. Auch hier wird die Alkalessenz vorgezogen. Es bildet
-sich eine graulichbraune, dicke, glänzende Kultur. Monatelang sieht man
-darin microscopisch die Stäbchenform.
-
-Auf alkalischer Kartoffelgelatine ist das Wachstum ein sehr langsames.
-
-Milch, sowohl die normale als die alkalische oder saure, wird nicht von
-der Bakterie verändert, ebensowenig wächst sie auf Blutserum.
-
-Wenn auch Zahlenangaben über eine Verminderung von Glukose ohne
-besonderen Werth sind, weil wir es mit eine aëroben Bakterie zu thun
-haben, ist es doch wichtig zu wissen, dass die Glukose zersetzt wird.
-
-In ein ~Erlenmeyer~'sches Kölbchen wurden 100 cm³ der auf Seite 50
-angegebenen Flüssigkeit (ohne Agar) gebracht und mit der Bakterie
-geimpft. Nach verlauf van 8 Tage war der Glukosegehalt von 2% auf
-1.6-1.7% vermindert.
-
-Vorher habe ich schon angegeben, dass keine Vergährung der Glukose
-stattfindet. Nach der Möglichkeit, ob Milchsäure oder eine andre
-organische Säure gebildet wird, werden Versuchen angestellt.
-
-Der Bacillus Tabaci I ist eine obligat aërobe, unbewegliche Bakterie,
-welche auf verschiedenen Nährböden sehr verschieden ist in der Grösse.
-Sie färbt sich leicht mit den basischen Anilinfarben, dagegen entfärbt
-sie sich nach der Methode _Gram_. Sie bildet keine Sporen und wird
-bei 100° C. innerhalb einer Minute getötet. Sie stirbt bei folgender
-Temperatur:
-
-
- 100° C. innerhalb 1 Minute.
- 60° C. nach 5 Minuten.
- 55° C. " 15 "
- 50° C. " 30 "
-
-
-Diese Bakterie gehört, den beschriebenen Eigenschaften nach, zu der
-Gruppe der »_Proteus_«.
-
-Der _Diplococcus Tabaci Hollandicus_ zeigt viel weniger Abweichung in
-seinem Wachstum als der B. T. I. Die beiden Coccen haben eine Länge
-von etwa 2.5 Mikron. In allen Kulturen findet man auch isolierte
-Coccen. (Fig. 11).
-
-[Illustration: Fig. 11.]
-
-Dieser Diplococcus wächst auf der schwach alkalischen Gelatineplatte
-als eine scharf begrenzte, runde, glänzende, citronengelbe,
-kleine Kolonie, woran nicht viel besonderes zu bemerken ist. Bei
-Zimmertemperatur wächst der Organismus am besten und entwickelt
-Ammoniak wie der B. T. I.
-
-Der Gelatinestich hat auch hier eine citronengelbe Farbe und lässt erst
-nach einigen Wochen eine sehr schwache Verflüssigung erkennen.
-
-Der Gelatinestich bietet nichts Besonderes; nur erkennt man an ihm
-schon den aëroben Charakter der Kultur.
-
-Auf alkalischem Agar wachst der Diplococcus gleichfalls sehr langsam
-und bildet eine citronengelbe Kolonie, welche sich allmählich in
-die Breite ausdehnt. Der Stich in Agar zeigt auch hier nichts
-Bemerkenswerthes.
-
-Alkalische Bouillon wird schwach getrübt, während auch die saure
-Bouillon sich wenig verändert.
-
-Auf dem Agartabakssaftnährboden, wie er beim B. T. I beschrieben
-worden, wächst der Diplococcus mit einer gelblichgrauen Farbe. Die
-Alkalitätsgrenze liegt hier bei 3 cm³ normal KOH auf 100 Teile
-Nährboden, ist also viel niedriger als beim B. T. I gefunden worden ist.
-
-Auch in einer derartig zusammengesetzen Flüssigkeit findet Wachstum
-statt; dabei werden die Lagen an der Oberfläche, welche mit der Luft in
-Berührung kommen, etwas dunkel gefärbt.
-
-Der Diplococcus verträgt im Gegensatz zu dem B. T. I ein _saures_
-Medium.
-
-In der beschriebenen Asparagin-Flüssigkeit kommt der Diplococcus nicht
-zur Entwicklung.
-
-Gelatinenährböden, welche aus Pflanzensäften mit Hinzufügung von 2%
-Glukose zusammengesetzt sind, verflüssigen sich schneller als die
-gebräuchliche Nährgelatine, die alkalisch reagiert. Auch auf saurer
-Malzgelatine wächst der Diplococcus mit einer gelblichweissen Farbe,
-wobei er sehr langsam die Gelatine verflüssigt.
-
-In saurem Malz entsteht ein geringer Niederschlag.
-
-Auf Kartoffel, welche schwach sauer reagiert, wächst der Diplococcus
-langsam mit einer prachtvoll citronengelben Farbe, während er auf
-alkalischer Kartoffel fast nicht wächst.
-
-Milch, sowohl normale wie alkalische oder saure, wird nicht vom
-Diplococcus verändert.
-
-Auf Blutserum entsteht sehr langsam eine hell-graulich-gelbe Kolonie.
-
-Der Diplococcus ist ebenso wie der B. T. I ein obligat aërober
-Organismus, welcher sich nicht bewegt; vielleicht besitzen die
-Diplococcen, welche von der sauren Malzgelatine genommen wurden, einige
-Bewegungsfähigkeit.
-
-Es besteht wenig Unterschied in der Länge der Diplococcen auf den
-verschiedenen Nährböden.
-
-Der Organismus färbt sich leicht mit den basischen Anilinfarben und
-entfärbt sich nach der _Gramschen_ Methode. Bei der Färbung fallen
-die Diplococcen gewöhnlich auseinander, wobei zugleicherzeit die nicht
-selten ovale Form der kugelrunden weicht.
-
-Der Diplococcus wird bei der nämlichen Temperatur getötet, wie der B.
-T. I.
-
-Es findet keine Indolbildung statt.
-
-Auf den beschriebenen Nährböden hat der Diplococcus sein kräftigstes
-Wachstum bei 24°-30° C.
-
-Merkwürdig ist die Eigenschaft, dass er im Gegensatz zu dem B. T. I
-eine saure Umgebung verträgt und sich darin vermehrt, während der B. T.
-I bei höherer Alkalität ebenso gut wächst als bei niedrigerer.
-
-Hiermit sind die vornehmsten Eigenschaften des Diplococcus beschrieben;
-Morphologie und Biologie bieten also hier nicht so viel Merkwürdiges
-als bei dem B. T. I.
-
-Ausser den beschriebenen Mikroorganismen sind immer in grösserer oder
-geringerer Menge _während_ der Gährung »_Proteusarten_« von mir gefunden
-worden. Auch deren Morphologie und Biologie ist höchst interessant.
-Schon früher habe ich in Kürze ihr Wachstum auf den verschiedenen
-Nährböden angegeben und abgebildet und zugleicherzeit die fakultative
-anaërobe B. T. III behandelt, welche wahrscheinlich einen nicht
-geringen Anteil an der Temperaturerhöhung hat.
-
-Die _Proteusarten_, welche keine Sporen bilden und bei 50° C. schon
-nach kurzer Zeit sterben, sind also nach einem günstigen Verlauf der
-Fermentation _nicht mehr zurückzufinden_.
-
-In den meisten Fällen sieht man im allgemeinen Grade bei der
-Bruttemperatur von 37° C. (30-40), dass die Mikroben kräftigere
-Lebensenergie besitzen. Jene Lebensenergie geht mit dem schnellen
-Temperaturwechsel zusammen, welcher zwischen 30-40° C. bei unserer
-holländischen Tabaksgährung beobachtet wird.
-
-Hier schliessen sich die beschriebenen Versuche mit den Reinkulturen
-der _Proteusartigen_ an, welche immer in grosser Zahl _während_ der
-Gährung bei 30-40° C. nachgewiesen werden können, und die bei der
-darauffolgenden langsamen Temperaturerhöhung, wie schon früher von mir
-beschrieben wurde, langsam aber gewiss ihrem Tode entgegen gehen.
-
-Diese _Proteusarten_ entwickeln sich zu gleicher Zeit mit dem B. T.
-I (der gleichfalls zu dieser Gruppe gehört) und mit dem Diplococcus
-beim Anfange der Fermentation. Erst hört der Diplococcus auf,
-sich zu vermehren (nahe bei 30° C.), wonach die _Proteusarten_
-energisch zu leben anfangen, sodass nicht selten die Temperatur
-_innerhalb 24 Stunden von_ 31° auf 34° C. _steigt_. Die Subtilis,
-die Mycoides und andere Bakterien, welche obligat aërob sind, jedoch
-in grosser Minderheit in diesem Stadium der Fermentation über die
-Blattoberfläche verteilt sind, werden gleichfalls den Sauerstoff aus
-dem Haufen benutzen und dadurch mit Ursache sein, dass die Gruppe der
-_Proteus_ (B. T. IV u. a. aber nicht der B. T. I) ihren anaëroben
-Charakter offenbart. Weil diese bei höherer Temperatur und der damit
-zusammenhängenden verringerten Lebensenergie einen verminderten
-Stoffwechsel haben, so wird die Temperatur von nun an langsamer
-steigen, bis der Tod der _Proteus_ eintritt. Die übriggebliebenen
-Bakterien leben noch weiter in dieser so veränderten Umgebung und
-bilden schliesslich Sporen, wodurch der biologische Prozess dieser
-Gährung zum Stehen gebracht wird.
-
-Der Tabakshaufen wird bei 52°-56° C. umgesetzt, sodass neue Blätter,
-welche sich noch nicht an der Fermentation beteiligten, nach innen
-kommen und der Prozess wiederum von neuem anfängt. Die Personen, welche
-sich bei uns mit der Fermentation beschäftigen, versicherten mir, dass
-der Tabak, welcher einmal an der Brühung Teil genommen hat, nicht mehr
-im Stande sei, von neuem in energische Gährung zu treten. Dies erklärt
-sich durch das Absterben des Diplococcus und des B. T. I nebst der
-andern _Proteusarten_ bei ungefähr 50° C.
-
-Die Gährung unseres Tabaks hat also verschiedene Phasen aufzuweisen,
-welche mit dem Temperaturoptimum der wirksamen Bakterien übereinstimmen.
-
-Die Gährung wird also von Aëroben und facultative Anaëroben eingeleitet
-und vollendet.
-
-Den Forschern, welche sich also mit der Beobachtung der Fermentation
-des Tabaks von irgend welchem Weltteil beschäftigen, muss man also aus
-den beschriebenen Gründen anraten, die Blätter _während_ der Gährung zu
-untersuchen[F].
-
-Der angezeigte Weg möchte das Anfertigen einer graphischen Darstellung
-der Temperaturerhöhung sein, woraus man am besten erkennen kann, wie
-die Temperatur verläuft. Nachher können links und rechts von den
-Stellen der Linie, wo die stärkste Steigung der Temperatur wahrgenommen
-wird, Plattenkulturen angelegt werden, damit beobachtet werden
-könne, welche Mikroorganismen auftreten, welche bei einer bestimmten
-Temperatur eine kräftige Lebensenergie besitzen, und welche von ihnen
-bei höherer Temperatur nicht mehr aufgefunden werden, also gestorben
-sind.
-
-Weiter bemerke ich hier, dass man bei einem biologischen Prozesse, wie
-er hier stattfindet, nicht erwarten muss, dass durch die Bakterien das
-Gewebe vernichtet wird. Denn die verschiedenen Mikroorganismen scheiden
-Stoffe aus, welche sich durch die Stomata, Membrane und Gefässe
-verbreiten können, um da ihre chemische Wirkung zu entfalten.
-
-Wahrscheinlich sind dies günstig wirkende Enzyme oder andere höchst
-zusammengesetzte Körper.
-
-Bei dem Delitabak, der bei mir in Fermentation gebracht wurde, fand ich
-eine mit unsrer einheimischen Tabaksgährung analoge Gährung. Ich sah
-dort bestimmte Sorten von Mikroorganismen auftreten, andere bei höherer
-Temperatur kräftiger leben, dagegen wieder andere sterben. Ich erwähne
-hier nur ein Stäbchen, welches von einer, auf alkalischer Gelatine
-wachsenden, runden, blauglänzenden Kolonie herstammte, welches sich
-bei 37° C. nicht mehr vermehrt und bei 50° C. stirbt. Welche Funktion
-dieses bei der Gährung ausübte, konnte ich praktisch nicht bestimmen,
-jedoch bleibt in dergleichen Fällen die Möglichkeit, dass die nur kurze
-Zeit lebenden Mikroorganismen ein Enzym bilden können, das grade bei
-höherer Temperatur kräftiger einwirkt.
-
-Aus dieser umfangreichen Untersuchung der Fermentation geht hervor,
-dass »Bakterien«, also Mikroorganismen, die Gährung einleiten und
-beendigen. Von einer eigentlichen »_Gährung_«, wobei _massenhaft
-entweichende Gase_ entstehen, kann man allerdings hier _nicht_ sprechen.
-
-Im Vorstehenden habe ich beschrieben, wie Mikroorganismen während
-ihrer Lebensfunktionen das Blatt angreifen, Ammoniak entwickeln,
-Glukose, Nitrate und Asparagin zersetzen, um schließlich aus dem
-Tabake ein Produkt zu bilden, wie es der Handel wünscht. Ebenso habe
-ich die Wirkung der wiederholten künstlichen Impfung mit Reinkulturen
-beschrieben und auf dem Wege der Empirie gezeigt, welche Veränderungen
-in Geruch, und Brennbarkeit dabei auftreten. Die weitere Erfahrung muss
-zeigen, welchen Nutzen die Praxis aus dem bisher Erkannten ziehen kann.
-
-[Fußnote F: Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur« 24 Juni
-1899. »Een critische beschouwing over ~Loew's~ theorie der oxidizing
-enzymation.«]
-
-
-
-
-Gifte und Infektionskrankheiten.
-
-
-Die Fleckenkrankheit beim Tabak ist noch immer ein Gegenstand
-des Studiums, und wenn auch die wahre Ursache, die nur durch das
-Experiment festzustellen ist, noch nicht bekannt geworden, so habe
-ich doch Beobachtungen genug, um ein Urteil über ihr Wesen abgeben zu
-können. Meine Untersuchungen sind von langer Dauer gewesen, weil die
-Erscheinungen, welche ausschliesslich bei dieser Krankheit auftreten,
-sich bei den gesunden Pflanzen in den günstigsten Verhältnissen erst
-drei Wochen nach der Infektion zu zeigen anfangen. Eine grosse Zahl von
-Pflanzen sind von mir verschiedenen Versuchen unterzogen worden. Dass
-hier ein sehr toxischer Stoff wirksam ist, geht schon aus der Thatsache
-hervor, dass 5 mgr. eines getrockneten kranken Blattes im Stande sind,
-die kräftigsten Pflanzen zu infizieren. (Ich gebrauche hier das Wort
-Infektion und nicht Intoxikation; später wird sich zeigen aus welchem
-Grund). Wie ich früher schrieb, habe ich oft, jedoch _nicht immer_,
-eine Mikrobe isolieren können, welche ein infizierendes Vermögen
-besitzt.
-
-Wenn wirklich Bakterien Ursache der Fleckenkrankheit sind, so müssen
-diese doch immer aus kranken Exemplaren von _Nicotiana_ isoliert werden
-können, um den Beweis zu liefern, dass nur ihnen eine infizierende
-Kraft zukommt. Bis jetzt ist noch nicht eine Bakterie in Kultur
-gebracht worden, welche für _Nicotiana_ als pathogen zu betrachten
-ist. Aus der grossen Menge Versuche werden wir ersehen, dass wir es
-zu thun haben mit einem schweren Gifte, gebildet von unbekannten
-Mikroorganismen, oder richtiger gesagt, von unsichtbaren Teilchen,
-welche sich selbst vermehren und sich in den Pflanzen, oder auch in der
-Nähe derselben, befinden können.
-
-Wenn wir nach dem heutigen Stand der Wissenschaft folgende Regel,
-welche bei den Infektionskrankheiten beobachtet wird, festhalten, so
-handelt es sich hier um allerwinzigste Wesen, Teilchen, welche sich
-vermehren, und welche als Gift für die Pflanzen zu betrachten sind.
-
-I. Wenn der durch eine ~Chamberland~-Pasteurkerze filtrierte kranke
-Blattgewebesaft gesunde Pflanzen infiziert, und dieser Saft wieder nach
-Filtration neue Exemplare u. s. w., so haben wir es mit Mikroorganismen
-zu thun, mit einem infektiösen Pflanzen-Krankheitskeim (vergleiche
-später Maul- und Klauenseuche).
-
-II. Wenn der filtrierte kranke Blattgewebesaft in gesunde Pflanzen
-hineingebracht wird und die Krankheit verursacht, wenn weiter der aus
-den zweiterkrankten Pflanzen gewonnene Saft wieder nach Filtration
-einer neuen Reihe Pflanzen eingespritzt wird, und dies keine Krankheit
-erregt, so handelt es sich um toxische Stoffen, welche gebildet sind
-von Mikroorganismen in der ersten Versuchsreihe (wie bei Diphtherie,
-Tetanus.)
-
-Ehe ich mich über diesen Gegenstand verbreite, folgen hier einige
-allgemeine Betrachtungen über Gifte und Infektionskrankheiten. Eine
-Übersicht hiervon ist notwendig, um später die Fleckenkrankheit damit
-vergleichen zu können.
-
-Zuerst hat man Gifte, welche von Mikroorganismen erzeugt werden,
-abgesondert aus faulenden organischen Stoffen. Es waren meist
-stickstoffhaltige Basen. ~Selmi~ nannte diese entweder giftigen oder
-nicht giftigen Basen »Kadaver-Alkaloide« oder »Ptomaine«. Damals waren
-diese Gifte noch nicht chemisch rein gewonnen sondern noch mit toxisch
-wirkenden Extraktionsstoffen vermischt. Erst ~Nencki~ gelang es,
-aus faulender Gelatine und faulendem Eiweiss einen kristallinischen
-Stoff zu isolieren von der Zusammensetzung C_{8} H_{11} N mit einer
-wahrscheinlichen Struktur von:
-
-
- -- CH_{3} --
-C_{6}H_{4} NH_{2}
- -- CH_{2} --
-
-
-Diese Basis ist also isomer mit _Collidin_, doch verhält sich bei
-Erhitzung anders. Von vielen Forschern wurden bald toxische Stoffe in
-sehr reinem Zustande isoliert, so z. B. von ~Gautier~ 2 Alkaloide aus
-faulendem Fisch, _Parvolin_, C_{9} H_{13} N, und das stark reduzierende
-_Hydrocollidin_, C_{8} H_{13} N; von ~Guareschi~ aus faulendem
-Rindfleisch eine Basis von der Zusammensetzung C_{10} H_{15} N.
-
-Dieses Suchen nach den Giften ist mit eigentümlichen Schwierigkeiten
-verbunden. Nicht nur, dass der Amylalcohol, welchen man beim
-Ausschütteln der Flüssigkeiten nötig hat, selbst Spuren von Giften
-enthält, sondern nach ~Gram~ könnte auch das _Cholin_, welches, nach
-~Brieger~ wieder, immer die _Ptomaine_ begleitet oder einen Teil
-derselben ausmacht, leicht in das giftige _Neurin_ übergeführt werden.
-
-Besonders ~Brieger~ hat die Untersuchungen der Gifte übernommen und
-glänzende Resultate erzielt. Aus verschiedenen faulenden Substanzen
-hat er stickstoffhaltige Basen isoliert, von denen viele keine giftige
-Wirkung zeigten, andere dahingegen als schwere Gifte auftraten.
-Letztere nannte er »_Toxine_«.
-
-Zu den nicht giftigen oder zu denen, welche erst in grossen Dosen als
-Gift wirkten, gehören:
-
-_Neuridin_, C_{5} H_{14} N_{2}, welches sich allgemein vorfindet
-beim Faulen von Käse, Fleisch und nach 3 Tagen bei der Fäulnis von
-Menschenleichen,
-
-_Gadinin_, C_{7} H_{17} NO_{2}, aus faulendem Fisch,
-
-_Cadaverin_, C_{5} H_{16} N_{2}, in Leichnamen nach dem 4^{ten} Tage,
-
-_Putrescin_, C_{4} H_{12} N_{2}, wie oben,
-
-_Saprin_, wie oben,
-
-_Cholin_, C_{5} H_{15} NO_{2}, wie oben, aber in den ersten Tagen; es
-zersetzt sich später in _Di-_ und _Trimethylamin_ und _Triaethylamin_;
-
-das _Cholin_ ist zu betrachten als
-_Trimethyl-oxyaethylammonium-hydroxyd_. (CH_{3}){3} N. OH. C_{2} H_{4}
-OH;
-
-_Mydatoxin_ und _Mydin_, wie oben.
-
-Zu den äusserst giftigen Basen gehören:
-
-_Peptotoxin_, der giftige Bestandteil vieler Peptone; es entsteht z.
-B. auch bei der Verdauung von Fibrin durch künstlichen Magensaft,
-wahrscheinlich ebenfalls durch die peptonisierende Wirkung von Mikroben,
-
-_Neurin_, C_{5} H_{13} N O, aus faulendem Fleische nach 5-6 Tagen,
-
-_Muscarin_, C_{5} H_{15} N O_{3}, ein Oxydationsprodukt von _Cholin_,
-
-_Tyrotoxicon_, ein schweres Gift, gefunden in Vanille-Eis von
-~Vaughan~, weiter in Milch und vielen andern Nahrungsmitteln, besonders
-während der heissen Sommertage.
-
-Chemisch nähert sich dieser Körper den _Diazobenzol_-verbindungen.
-Die toxische Wirkung giebt sich durch Diarrhöen kund. Es ist ~Flügge~
-gelungen, dieses heftig wirkende Gift abzusondern und durch Versuche an
-Tieren zu zeigen, dass furchtbare Diarrhöen dadurch entstehen können,
-und sogar der Tod eintreten kann.
-
-Man behauptet, dieses Gift entstehe durch eine sporenbildende,
-mittels Abkochung nicht zu tötende Bakterie, welche bei der günstigen
-Temperatur, wodurch im Sommer schnelle Vermehrung stattfindet, das
-Eiweiss so zersetzt, dass heftig wirkende Toxine gebildet werden.
-
-Noch bedeutender waren die Untersuchungen der Gifte, welche aus
-Reinkulturen gewonnen waren. Auch hier hat ~Brieger~ sich äusserst
-verdienstlich gemacht. Er bekam aus dem _Staphylococcus pyogenes
-aureus_ und dem _Streptococcus pyogenes_ nicht giftige Ptomaine.
-Ersterer entwickelt hauptsächlich Ammoniak, letzterer Trimethylamin.
-Aus Typhusbacillen erhielt ~Brieger~ einen sehr toxischen Stoff,
-das _Typhotoxin_ C_{7} H_{17} N O_{2}. Weiter aus Cholera-Mikroben
-_Spermin_, aus Tetanusbacillen 4 Toxine, von denen das _Tetanin_ sehr
-giftig ist, dann das _Tetanotoxin_ und das _Spasmotoxin_.
-
-Ausser diesen Alkaloid-artigen Stoffen wurden aus den Reinkulturen
-anderer pathogenen Mikroben noch Gifte isoliert, welche eine sehr
-toxische Wirkung besitzen, jedoch in chemischer Zusammensetzung sich
-mehr den Eiweissen nähern und deshalb auch wohl »_Toxalbumine_« genannt
-werden. In wässeriger Lösung sind diese Gifte von schwachem Bau,
-da sie schon bei 60° C. in kurzer Zeit, bei 100° sehr schnell
-zerstört werden. Ferner besitzen sie noch die Eigenschaft, dass sie
-in Wasser oder verdünntem Alcohol gelöst, durch starken Alcohol
-präcipitiert werden, durch ~Chamberland-Pasteur~-Kerzen gehen, langsam
-oder gar nicht dialysieren und die Eiweissreaktionen geben. Diese
-Eiweissreaktionen sind nicht nur dem Eiweisse, sondern auch dessen
-Zersetzungsprodukten eigen. Das eigentliche Gift kann also, ausser dem
-Eiweisse, auch Verunreinigungen zugeschrieben werden. ~Brieger~ und
-~de Boer~ nl. haben das Tetanus- und Diphtheriegift durch Präcipitation
-mit Zinkchlorid als Doppelverbindung, ausgeschieden und es nicht nur
-qualitativ, sondern auch quantitativ bestimmt und zwar aus Lösungen,
-welche nicht die Spur von Eiweiss enthielten.
-
-Die Absonderung der Toxalbumine, Toxine u. s. w. von den
-Bakterien geschieht meistens mittels Filtration durch
-~Chamberland-Pasteur~-Kerzen, oder, da sie, nach ~Sirotinin~, nicht
-alle gelösten Stoffe durchlassen, durch ~Berckefeld-Nordtmeijers~
-Infusorienerdefilter.
-
-[Illustration: Fig. 12. Filtration durch eine
-~Chamberland-Pasteur~-Kerze unter dem Drucke der Wasserleitung.]
-
-In beigehender Figur 12 ist die Einrichtung wiedergegeben, wie sie
-in meinem Laboratorium besteht, und wie sie benutzt wird, um die
-Reinkulturen, welche in einen Vaporisator gebracht worden sind, in die
-Tabaksbüschel unter Luftdruck verstieben zu lassen. Links sieht man
-eine Wasserstrahlluftpumpe abgebildet, welche zugleicherzeit durch
-Wasserleitungsdruck einen konstanten Luftstrom erzielt. Die Vorrichtung
-ist oberhalb eines Kübels aufgestellt. Der Wasserleitungshahn lässt das
-Wasser (der Minimumdruck ist 2 Atmosphären) in der Richtung der Pfeile
-W die Vorrichtung durchströmen, während zugleicherzeit die Luft in
-der Richtung der Pfeile L durch die Kautschukverbindung in die rechts
-abgebildete ~Chamberland-Pasteur~-Kerze gepresst wird.
-
-Diese Kerze ist in einem gläsernen Mantel mit der gebräuchlichen
-Fürsorge mittels Watte abgeschlossen, mittels strömenden Wasserdampfes
-eine Stunde bei 110° C. sterilisiert worden und, um etwaiger Infektion
-von aussen vorzubeugen, unmittelbar in Anwendung gebracht.
-
-Diese Kerze wird nach Benutzung noch mittels Lufteinpressung
-kontrolliert, ob sie etwa unsichtbare Sprünge oder Risse hat, in
-dem Falle bilden sich Luftblasen unter Wasser. In die Kerze wird ±
-20cm^3 kranken Gewebesaftes von _Nicotiana_ gebracht, der Verschluss
-hergestellt und die Filtration unternommen. Durch die zusammengepresste
-Luft wird innerhalb der Kerze ein Druck ausgeübt, sodass der grüne,
-immer bakterienreiche Gewebesaft nun hell braungelb und frei von
-Bakterien, die auf der Kerze zurückbleiben, aus der Kerze hervortritt.
-
-Diese Filtration geschieht sehr langsam und das Filtrat ist vollkommen
-steril. Aus der Kontrolleprobe, welche auf dieses Filtrat angewendet
-wurde, ergiebt sich, dass 10-20 Tropfen auf dem sauren und alkalischen
-Nährboden (~Koch~) keine einzige Kolonie entstehen lassen. Alle
-Mikroben, welche bis jetzt mit den stärksten Vergrösserungen und als
-Kontrolle auf von ihnen angelegten Kulturen wahrgenommen werden können,
-dringen also nicht durch das unverglaste Porzellan hindurch.
-
-Der Fall kann vorkommen, doch er würde einzig dastehen in der
-Litteratur, dass bei genannten Vorsorgen Mikroorganismen bestehen
-(siehe Maul- und Klauenseuche), welche unmittelbar die Kerze
-durchdringen, doch deren Dasein sich weder bei den mikroskopischen
-Untersuchungen noch nach dem Inkulturbringen auf diversen Nährboden
-offenbart. Letzteres ist nicht von so überwiegender Bedeutung, da viele
-sichtbare, besonders für den Menschen pathogene Mikroorganismen, lange
-nicht beim Züchten auf künstlichen Nährboden zur Entwicklung gebracht
-werden konnten.
-
-Ferner erwähne ich, dass erst neulich (Sept. '98) mir der Fall bekannt
-geworden ist, dass ein Filtrat, sichtbar und bei den Untersuchungen,
-frei von lebenden Wesen, eine unbegrenzte Infektion von Individuum auf
-Individuum entfaltete. Ein Gramm kranken Gewebesaftes von _Nicotiana_
-enthielt meinen Kulturproben nach reichlich 2900 Mikroorganismen in
-sechs Arten, und keine von allen konnte Pflanzen infizieren.
-
-Das schon genannte _Tetanusgift_, genau von ~Kitasato~ studiert, wird
-bei Erhitzung auf 65° C. innerhalb weniger Minuten, bei 55° innerhalb
-anderthalb Stunden vernichtet.
-
-Bei Eintrocknung in einem Exsiccator zeigt sich, dass es seine toxische
-Wirkung behalten hat. Diffuses Tageslicht nimmt dem Gifte innerhalb
-einiger Wochen, helles Sonnenlicht innerhalb 15-18 Stunden seine
-Wirkung, in beiden Versuchen mit Zutritt von Luft. ~Brieger~ und ~Cohn~
-fanden, dass 0,000.0003 gr. dieses Giftes innerhalb 4 Tagen eine weisse
-Maus von 20 gr. tötete, es ist also ein Gift von eminenter Wirkung.
-Zum Verständnis der Fleckenkrankheit beim Tabak ist es auch nicht ohne
-Interesse, hier zu bemerken, dass ~Petri~ aus Cholerakulturen nebst
-anderen Giften auch eine giftigen Substanz isolierte, welche in ihren
-Reaktionen an die Peptone denken lässt, das sogenannte _Toxopepton_,
-das sogar die Temperatur von 100° C. _längere Zeit_ erträgt, also nicht
-zersetzt wird, und seine toxische Wirkung dabei behält.
-
-Weiter muss bemerkt werden, dass in den ersten Tagen der Fäulnis viele
-Fäulnisbakterien zusammen äusserst giftige Toxalbumine erzeugen, dass
-diese Giftstoffe jedoch nach Verlauf von 14 Tagen verschwunden sein
-können. (~Scholl-Nielsen~).
-
-Zum Schluss dieser allgemeinen Betrachtungen, welche notwendig waren
-zum Verständnis der Gifte, einige die Fermente betreffende Mitteilungen.
-
-Unter Enzymen und Fermenten versteht man sehr zusammengesetzte
-organische, sich leicht zersetzende Stoffe, welche innerhalb bestimmter
-Temperaturgrenzen relativ sehr grosse Mengen anderer Stoffe umsetzen
-können. In der Physiologie spielen sie eine grosse Rolle. Ihre
-Aufgabe ist es, die Stoffe, welche sich in einem, zur Aufnahme in den
-Organismus ungeeigneten Zustande befinden, derartig umzubilden, dass
-sie aufgenommen werden können.
-
-Ich nenne hier nur den Übergang von Eiweiss in Pepton, Amylum und
-Cellulose in Zucker, Fette in Fettsäure und Glycerin, Saccharose in
-Glukose und Fructose u. s. w. Meistens können diese Umsetzungen auch
-durch physische und chemische Wirkungen hervorgerufen werden. So u.
-a. die von Eiweiss in Pepton durch Wasserdampf unter Druck, die des
-Rohrzuckers durch die Abkochung mit Säuren; jedoch sind diese Mittel
-natürlich für den lebenden Organismus nicht passend. Aus dem Grunde
-stehen den lebenden Wesen die Fermente zur Verfügung, sowohl den am
-meisten zusammengesetzten wie den einfachsten Wesen. Bei ersteren
-liegt die Fermentproduktion in bestimmten Drüsen, bei den letzteren
-in dem Zellenkörper selbst. Eine kleine Menge Ferment ist im Stande,
-eine scheinbar unbestimmte Quantität Stoff umzusetzen, und zwar in
-solcher Weise, dass das Ferment selbst sich dabei kaum ändert. Dies
-war Ursache, dass man früher das Ferment in die nämliche Klasse wie
-die allereinfachsten Wesen einreihte, welche Gährung und Fäulnis
-zum Vorschein rufen. Lebende Wesen, welche Gährung verursachten und
-Enzyme, wurden mit dem nämlichen Namen »Ferment« bezeichnet. Schwieriger
-wurde die Unterscheidung da, wo bei der Gährung zugleicherzeit Enzym
-produziert wurde. Einen deutlicheren Unterschied kann man erst angeben
-nach dem Studium der Gährung und der Enzym-Wirkung.
-
-Enzyme im engeren Sinne sind chemisch aufgebaute, also unorganisierte
-Körper. ~Buchner~ in Tübingen hat in der letzten Zeit Versuche mit
-dem ausgepressten Saft feingeriebener Hefezellen angestellt, welcher
-unter einem Drucke von 500 Atmosphären gewonnen ist. Dieser kann
-unabhängig von lebenden Wesen die Gährung erwecken und erhalten.
-Der Gährungsprozess muss also seiner Meinung nach nicht als eine
-physiologische Funktion, sondern als ein verwickelter chemischer
-Prozess betrachtet werden, welcher durch einen enzym-artigen Stoff, die
-_Zymase_, hervorgerufen wird, der aber in der Natur nur in der lebenden
-Hefezelle gebildet wird. Später stellte sich allerdings heraus, dass
-dieser ausgepresste Saft eine sehr beschränkte Wirkung habe.
-
- * * * * *
-
-Pathogene Mikroorganismen können sich in bestimmten Wesen vermehren,
-Krankheiten erregen und sogar den Tod verursachen. Einmal geschieht
-die Vermehrung örtlich, d. h. auf oder in sehr begrenzten Teilen
-des lebenden Individuums, ein anderes Mal findet man, dass sie
-sich langsam im Körper oder auch ganz durch die Organe verbreiten.
-Es ist also möglich, den Effekt der Infektion an einem Punkte zu
-finden, ohne die Mikrobe, welche doch Ursache hiervon ist, entdecken
-zu können. All diese Fälle muss man in Betracht ziehen, und sie
-erleichtern die Untersuchungen nicht. Alle infektiöse Mikroben haben
-eine lokale Wirkung und reagieren kräftig im lebenden Individuum.
-Jetzt zweifelt man nicht mehr daran, dass solche Effekte durch die
-Verbreitung aufgelöster Stoffe entstehen, welche ihren Ausgang von
-der Infektionsstelle nehmen, m. a. W. »_die Infektion geht zusammen
-mit einer Vergiftung_«. Auch bei denjenigen Krankheiten, wo die
-pathogenen Mikroben durch den ganzen Körper verbreitet sind, wie bei
-den _Septicaemieën_ der höheren Wesen, muss man die Anwesenheit solcher
-Gifte annehmen. Der Unterschied liegt nur hierin, dass im letzteren
-Falle das Gift einen kürzeren Weg zurückzulegen hat, um die Zellen und
-Gewebe zu erreichen und anzugreifen. Warum sollte dergleichen bei der
-Pflanze im allgemeinen nicht auch möglich sein? In der Erde, die sie
-umgiebt, an den Wurzeln oder in denselben, in den Gefässbündeln, im
-Xylem oder Phloëm, im Parenchym und an andern Stellen können doch auch
-örtliche Bakterienwucherungen entstehen, welche Gifte absondern und
-diese weiter führen und dann irgendwo anders das Bild der Krankheit
-erzeugen. Bei der Fleckenkrankheit wird aus der grossen Menge Versuche,
-welche an Pflanzen von mir gemacht worden sind, erhellen, dass es sich
-hier um ein stark wirkendes Gift handelt, welches nach unmittelbarer
-Wahrnehmung frei von Mikroorganismen ist, geradeso wie ein offenbar
-toxischer Stoff gesunde Pflanzen vergiftet.
-
-Dies ist nicht unmöglich und schliesst sich dem an, was vorher
-behandelt worden ist. Merkwürdiger wird der Fall, wenn diese kranken
-Pflanzen wieder gesunde Pflanzen, in einer grossen Reihe auf einander
-folgender Versuche, befällt und da eine Infektion erregt. Man müsste
-also annehmen, dass wir es hier mit einem sich vermehrenden Gifte
-zu thun haben, wobei die unmittelbare oder mittelbare Wirkung der
-Mikroorganismen notwendig ist.
-
-Zwar ist z. B. ein Individuum empfänglich für Diphterie, zwar bilden
-sich da örtlich die Toxine nach der Infektion und verbreiten sich von
-da aus, und zwar lässt das Filtrat der Diphterie-Bouillon-Kulturen
-ein zweites Individuum erkranken, aber dieses ist wegen der grossen
-Abschwächung des Giftes und durch die Bildung von baktericiden Stoffen
-nicht im Stande, andere Individuen zu vergiften oder zu töten.
-
- * * * * *
-
-Voriges Jahr erzielte ich mit Reinkulturen einer Bakterienart, der
-_Rhizobium Leguminosarum_, und mit einer _Beggiatoa_ Infektion, jedoch
-nicht immer.
-
-Wenn ich eine Quantität von krankem Gewebesaft benutze, um Platten
-davon anzulegen, so bringe ich doch das unbekannte Virus auf oder in
-die Gelatine.
-
-Die ganze Menge Gelatine wird gewiss die Pflanzen vergiften, also dort
-Intoxikation oder Infektion entstehen lassen, denn der Gewebesaft thut
-es ja.
-
-Es scheint mir denn auch gar nicht so unmöglich, ja selbst
-sehr wahrscheinlich, dass weder die Bakterienkultur, noch die
-_Beggiatoa_-Art die Pflanze infiziert, sondern das anklebende Gift
-oder das unbekannte, unsichtbar lebende Virus. Wenn man immer neu
-geimpfte Reinkulturen gebrauchte und hiermit die Pflanzen einspritzte,
-könnte man in diesem Punkte sicher gehen; dann ist das Gift oder der
-unbekannte Mikroorganismus, welcher sich auf dem künstlichen Medium,
-das ihm kein Nährboden ist, nicht entwickelt, zu sehr verdünnt, oder zu
-viel verbreitet um immerfort Infektion oder Intoxikation hervorzurufen.
-
-Bei der stärksten Vergrösserung unter Immersion, bemerkt man im kranken
-Gewebe, im Protoplasma, schwach unregelmässig sich bewegende Teilchen,
-wahrscheinlich in der _Brownsche_ Molekülarbewegung begriffen. Auch
-beim gesunden Gewebe wird dies wahrgenommen, und wer wird, selbst
-mit dem bewaffneten Auge, lebende Wesen von so äusserst winzigen
-Dimensionen von dem körnigen Protoplasma unterscheiden können?
-
-Es ist von Bedeutung hier noch einen Augenblick über die _Hundswut_
-(_Rabies Canina_) zu sprechen. Hier hat man es mit einem für alle
-warmblütigen Tiere schweren Gifte zu thun, das in der Regel mittels des
-Speichels der hundswütigen Tiere übertragen wird. Meistens wird der
-Hund, doch auch der Wolf, die Katze u. a. davon ergriffen.
-
-Der Infektionsstoff befindet sich nach den Untersuchungen
-~Pasteurs~ besonders im Centralnervensystem. Bis jetzt hat man noch
-keine Mikroorganismen darin nachweisen können, obwohl ~Gibier~,
-~Fol~, ~Babes~ und ~Cornil~ verschiedene Formen gefunden haben.
-Infektionsversuche, welche hiermit angestellt wurden, blieben ohne
-Erfolg. Verschiedene Forscher wie ~Golgi~, ~Germano~, ~Schaffer~,
-~Giantarco~ u. a. haben ziemlich dieselben histologischen Veränderungen
-im Rückenmark und dem Gehirne der angesteckten Tiere nachgewiesen.
-Ausser an diesen Stellen findet sich der Infektionsstoff noch in den
-grossen peripherischen Nervenstämmen und, schon einige Tage vor dem
-Auftreten der Krankheitserscheinungen, im Sekret der Speicheldrüsen.
-
-Die Infektion ist am sichersten zu erzielen durch Einspritzungen
-einer Rückenmark-Emulsion der Menschen und Tiere, welche an der
-Hundswut starben (subdurale Einspritzung). Eine subcutane Einspritzung
-ruft nicht immer diese gefürchtete Krankheit hervor. Nach ~Helmann~
-erklärt dies sich hieraus, dass bald Nerven verletzt werden, bald
-wieder nicht; daher auch, dass grosse Verletzungen, welche bis in
-die Muskel hineindringen, und weiter Bisse in nervenreiche Teile,
-wie des Antlitzes und der Hand, besonders gefährlich sind. Nicht
-unwahrscheinlich wird bei Bissen durch Kleidungsstücke hindurch
-das Gift entweder nicht oder nur in geringer Menge in die Wunde
-hineingebracht. Die Verbreitung des Giftes kann so schnell stattfinden,
-dass das Ausbrennen der Wunden, oft kurz nach der Infektion, ohne
-Erfolg bleibt. Die Krankheit offenbart sich bei Menschen selten vor
-dem 15^{ten} Tag, gewöhnlich erst im Laufe des zweiten Monats, selten
-nach dem dritten und ausnahmsweise erst nach dem sechsten Monat.
-Zwischen dem Augenblicke der Infektion und dem Ausbrechen der Tollwut
-werden die Einspritzungen nach der von ~Pasteur~ angegebenen Methode
-verrichtet. Er hat das unbekannte Gift zuerst durch wiederholte
-Impfungen auf Affen geschwächt, und auch durch wiederholte Impfungen
-von Kaninchen auf Kaninchen, einen Krankheitsstoff von bestimmtem
-Infektionsvermögen erhalten. Indem man das Gift durch eine Reihe
-von, durch ~Pasteur~ ausgewählten, Tieren hindurch gehen liess, und
-deren Rückenmark in einem mit Watte verschlossenen Kolben, über
-Kalk aufgehängt, konservierte, erhielt man innerhalb 14 Tagen ein
-einigermassen geschwächtes Material, welches Hunde nicht mehr tötete,
-sondern gegen die Krankheit schützte. Hunde, welche täglich subcutan
-kleine Stücke dieses Materials injiciert bekamen, das 14, 13, 12 Tage
-u. s. w. bis auf einen Tag auf obige Weise getrocknet worden war,
-wurden unempfindlich gegen das schwere oder ungeschwächte Gift[G].
-
-Das Gift der Hundswut, dies muss noch erwähnt werden, kann durch Licht,
-durch erhöhte Temperatur (50°-60° C.) durch Antiseptica, weiter durch
-künstliche Behandlung geschwächt und vernichtet werden. Filtration des
-giftigen Rückenmarks durch Gypsplatten lieferte ein Filtrat, welches
-nach ~Paul Bert~ nicht mehr infizieren konnte.
-
-Nachdrücklich muss ich darauf hinweisen, dass es vom grössten Interesse
-ist zu wissen, auf welch specielle Weise eine infektiöse Krankheit
-entsteht, und wie die Gifte sich physicalischen und chemischen
-Einflüssen gegenüber verhalten.
-
- * * * * *
-
-Zum Schlusse noch eine kurze Besprechung der _Maul- und Klauenseuche_
-(_Aphthae epizoöticae_), in Bezug auf welche in der letzten Zeit solche
-wichtigen Entdeckungen gemacht worden sind, deren Kenntnis von grösster
-Bedeutung hinsichtlich der Fleckenkrankheit des Tabaks ist. Um genügend
-Aufschlüsse über die Ergebnisse der jüngsten Nachforschungen auf diesem
-Gebiete zu erhalten, habe ich mich an die Herren Tierärzte ~Van der
-Sluys~, Unterdirector am Abattoir in Amsterdam, und ~Busing~ in Naarden
-gewandt, die mir bereitwilligst ihre Litteratur in Bezug auf diesen
-Gegenstand zur Verfügung stellten. Beiden meinen herzlichsten Dank für
-ihre Hilfe.
-
-In allen Ländern Europas zeigt sich diese für das Rindvieh so
-gefürchtete Seuche. Sie verbreitet sich von einem Individuum zum
-andern, also mittels Contact. Maul- und Klauenseuche wird, wie man
-annehmen muss, verursacht durch noch unbekannte, unsichtbar lebende
-Wesen, Mikroorganismen, die entweder selber oder durch die von ihnen
-abgesonderten Stoffe die Krankheitserscheinungen schon nach einigen
-Tagen auslösen. Alle bisher gefundenen Bakterien (~Starcovici~,
-~Piana~, ~Fiorentini~, ~Behla~, ~Jurgens~, ~Bussenius-Siegel~)
-Protozoen, protoplasmatische Körperchen oder andere corpusculäre
-Elemente, und irgend welche, mit dem Mikroskop sichtbare Teilchen,
-haben offenbar mit der Ätiologie der Maul- und Klauenseuche nichts zu
-schaffen. Kein Wunder also bei dem einander vielfach widersprechenden
-Befunden, dass eine ganze Reihe Forscher sich diesem für Ackerbau
-und Viehzucht so wichtigen Gegenstand widmen. In den letzten zwei
-Jahren ist denn auch die »Berliner Tierärztliche Wochenschrift« und
-überhaupt die tierärztliche Literatur voll von Meinungen, Theorien und
-experimentellen Nachforschungen. Jedenfalls sind die Untersuchungen
-nach der Ursache dieser Krankheit eben so schwierig wie nach derjenigen
-der Blattern, Masern, des Flecktyphus und Scharlachfiebers. Unstreitig
-hat in dieser Frage aber Herr ~C. Hecker~, Tierarzt in Ermsleben, sich
-sehr verdient gemacht. Er hat den Weg gezeigt, die Tiere gegen Maul- und
-Klauenseuche zu schützen m. a. W. sie zu immunisieren (B. T. W. No.
-1897).
-
-Dass die deutsche Regierung einsah, wie nützlich die Bekämpfung dieser
-Krankheit ist, geht daraus hervor, dass sie eine Kommission ernannte,
-in welcher ~Prof. Dr. Loeffler~ und ~Dr. Frosch~ Sitzung hatten. Mit
-Aufopferung grosser Kosten hat die Regierung sie mit den Untersuchungen
-beauftragt, und diese sind von ihnen derartig angestellt worden,
-dass sie die strengste wissenschaftliche Kritik bestehen können. Der
-Bericht dieser höchst wichtigen Untersuchungen, in welchem wir analoge
-Erscheinungen wie bei der Fleckenkrankheit des Tabaks antreffen werden,
-ist u. a. aufgenommen worden im »Centralblatt für Bakteriologie,
-Parasitenkunde und Infektionskrankheiten« No. 9/10 pag. 371, dem auch
-folgendes entnommen worden ist.
-
-Wie der Name andeutet, zeigt sich die Maul- und Klauenseuche, beim
-Rindvieh, in der Form von Bläschen am Munde, an den Klauen und Eutern.
-Der Inhalt jener Bläschen besteht aus einer Flüssigkeit, einer Lymphe,
-worin sich corpusculäre Elemente vorfinden, doch worin normal keine
-Bakterien zu finden sind. Die von ~Siegel~ und ~Bussenius~ aus den
-Bläschen isolierte Mikrobe ist von aussen hineingedrungen, besitzt eine
-starke Giftwirkung im Darmkanal, ist jedoch nicht als das ätiologische
-Moment der Maul- und Klauenseuche zu betrachten. ~Loeffler~ und ~Frosch~
-fanden konstant in den Bläschen farblose Lymphzellen, gekörnte Zellen,
-rote Blutkörperchen, kleine runde granulierte Scheibchen ohne Kern,
-bewegliche, unregelmässige, protoplasmatische Körperchen und stark
-lichtbrechende Körner verschiedener Grösse, keine selbstständigen
-Mikroorganismen. Die Krankheit kann durch die Lymphe übertragen
-werden auf Rinder und Kälber, bei Schweinen erkrankt nur die Hälfte.
-Immun scheinen sich zu verhalten: Kaninchen, Meerschweinchen, Katzen,
-(wiewohl ~Hecker~ von der Katze das Gegenteil behauptet in B. T. W.
-No. 6, 1898) Ratten, Mäuse, Hühner und Tauben.
-
-Der Inhalt der frischen Bläschen ist äusserst virulent, während das
-Blutserum erkrankter Tiere bis zu 14 cm³, drei Kälbern subcutan
-eingespritzt, das Krankheitsbild nicht hervorrief. Drei Kälber,
-die 12, 17, und 22 Tage nach der ersten Einspritzung mit sehr
-wirksamem Material eingespritzt waren, erkrankten mit typischer
-Temperaturerhöhung, ohne dass sich Bläschen an Maul oder Klauen
-zeigten. Nur das erste Kalb zeigte sehr kleine Bläschen an der Stelle,
-wo die Einspritzung geschehen war. Unfehlbar die Krankheit erregend
-zeigte sich die Einspritzung der Lymphe ins Blut. Hierbei entstehen
-schon nach 24-48 Stunden die Bläschen an Maul und Klauen und beim
-Milchvieh an dem Euter. Ganz unsicher wirkt dieselbe Lymphe, wenn sie
-in oder unter die Haut eingespritzt wird (Vergl. Hundswut).
-
-Weiter ist es von Bedeutung, zu wissen, dass die Lymphe durch
-Eintrocknung bei Sommertemperatur während 24 Stunden, durch Erhitzung
-auf 37° C. während 12 Stunden, und durch Erhitzung auf 70° während 1/2
-Stunde unwirksam wird.
-
-In kapillaren Röhrchen bei 0° C. bewahrt, bleibt die Lymphe 3-4
-Monate wirksam. Dass wir es hier mit einem höchst giftigen Stoff zu
-thun haben, beweist die kleine Menge, welche benötigt ist, um nach
-Einspritzung die Krankheit hervorzurufen; nl. bei 1/5000 cm^3 ist die
-Wirkung gewiss, erst bei Mengen von 1/10000-1/20000 ungewiss.
-
-Zweckdienlich und Schutz gewährend gegen Maul- und Klauenseuche zeigten
-sich die Einspritzungen mit einer Mischung von Lymphe und Serum von
-Tieren, welche die Krankheit durchgemacht hatten.
-
-Wie schon mitgeteilt, erhalten nicht alle Tiere, welche die Krankheit
-überstanden haben, Immunität. Dies gab Anlass zu der Meinung, dass es
-nicht möglich sei, mittels Impfung oder Einspritzung gegen die Maul- und
-Klauenseuche zu schützen (~Friedberger~, ~Fröhner~). Etwas Ähnliches
-nimmt man aber auch wahr bei den Blattern und Masern des Menschen.
-Auch hier erhalten nicht alle Individuen nach überstandener Krankheit
-sichere Immunität. Es zeigen sich also hier Unterschiede in der
-natürlichen Immunität, in der grösseren oder geringeren Empfänglichkeit.
-
-Wird jedoch Blutserum von gesunden Tieren genommen und dies mit Lymphe
-vermischt, so erscheint die Maul- und Klauenseuche wohl. Um mich jedoch
-in meinen Mitteilungen über diesen so bedeutungsvollen Gegenstand kurz
-zu fassen, folgen nur noch einige merkwürdige Eigenschaften des
-unbekannten Giftes. Die schon früher beschriebenen Filtrationsversuche
-mittels Kerzen werden wahrscheinlich auch ein Licht aufgehen lassen
-über vielerlei Krankheiten, deren Ursache noch im Dunkeln liegt.
-~Loeffler~ und ~Frosch~ filtrierten 1 cm^3 Lymphe verdünnt mit 39
-Teilen Wasser mit Hinzufügung des _Bacillus fluorescens_ zur Kontrolle.
-Das Filtrat zeigte sich als ein ganz keimfreies. Weder die zugefügte
-Bakterie noch andre Mikroorganismen kamen in ihren Kulturplatten zum
-Vorschein. Das Filtrat erzeugte die Maul- und Klauenseuche, als es in
-das Blut von Kälbern eingebracht wurde. Die nämliche Erscheinung, die
-als Intoxication bezeichnet wird, ist auch bei andern Krankheiten
-beobachtet worden; was jedoch noch unbekannt war, ist, dass der Inhalt
-der jetzt gebildeten Bläschen neuerdings filtriert, immerfort wieder
-die Krankheit hervorrief.
-
-Im Filtrate befinden sich also Krankheitskeime, welche durch die Poren
-der Kerze hindurchdrangen, es wäre denn, dass das Filtrat ein Gift von
-eminenter Wirkung enthielte. Nach mancherlei Versuchen hat sich jedoch
-herausgestellt, dass eine Vermehrung des Giftes stattfindet. ~Brieger~
-fand, dass 1 cm^3 des so heftigen Tetanus-giftes 20000 Mäuse tötete.
-Die Berechnung jedoch giebt bei dem Filtrate ~Löffler's~ zu erkennen,
-dass eine Verdünnung von 1: 2-1/2 Trillion noch im Stande ist, Tiere
-zu vergiften, und zwar schon als das unbekannte Virus nur durch zwei
-Tiere hindurch gegangen war. Solche und noch durch weitere Tierpassage
-hervorgerufenen Verdünnungen können nicht mehr auf ein gelöstes Gift
-bezogen werden.
-
-In einem späteren Bericht der mehrere Male erwähnten Kommission,
-welcher u. a. in der »Wochenschrift für Tierheilkunde und Viehzucht«,
-No. 39, Sept. '98 enthalten ist, finden wir, dass wiederholte
-Filtration der verdünnten Lymphe durch sehr dichte ~Kitasato~-Kerzen
-die Tiere nicht mehr mit Maul- und Klauenseuche krank machen konnte.
-Das krankheiterregende Agens ist also jetzt zurückgehalten worden. Wir
-haben es demnach zu thun mit »_Infektion_.« Weiter giebt die Kommission
-noch die Mitteilung, dass Rinder noch immunisiert werden können mit
-einer Mischung von Immun-Serum und Lymphe, welche also eine Zeit lang
-mit einander in Kontakt gewesen sind. Wichtig ist auch die Beobachtung,
-dass das Junge eines immunisierten Rindes, welches vor dem Anstellen
-des Versuches sich schon in den Ställen befand, nach der Geburt sich
-sofort als immun erwies. Drei Tage nach der Geburt wurde es mit 1/100
-cm^3 sehr wirksamer Lymphe mit dem Resultate behandelt, dass das
-Tier nicht erkrankte, selbst nicht nach einer zweiten Einspritzung
-mit 1/10 cm^3 6 Tage später. Die Mutter hat hier ihre Immunität auf
-das Junge übertragen. Da das von der immunen Kuh geworfene Kalb
-sich immun zeigte, ist es deutlich, dass die Einspritzung gegen
-Maul- und Klauenseuche, bei kräftigen Tieren angewendet, eine immune
-Nachkommenschaft erzeugen wird.
-
-Es ist zu erwarten, dass die Resultate der hier geschilderten Versuche
-bald fruchtbringend in der Praxis angewendet werden können.
-
-Die kleinsten der bekannten lebenden Wesen sind die von ~Pfeiffer~
-aufgefundenen Influenzabakterien. Wären die Mikroorganismen der
-Maul- und Klauenseuche 1/10-1/5 so gross wie diese, was nicht unmöglich
-sein würde, so könnten sie nach der Berechnung von ~Prof. Abbe~ in
-Jena, als die Grenze des Vergrösserungsvermögens unserer Mikroskope
-übersteigend, selbst unter den besten modernen Immersionssystemen nicht
-mehr wahrgenommen werden. Die Untersuchungen nach ihrer Anwesenheit im
-Filtrate werden fortgesetzt und sind von grösster Wichtigkeit. Die Zeit
-wird dann ausweisen, ob andere ansteckende Krankheiten, deren Ursachen
-jetzt noch unbekannt sind, auch ähnliche Verhältnisse darbieten.
-Man denke nur an die Blattern, das Scharlachfieber, die Masern, den
-Flecktyphus, die Rinderpest u. a. m., nach deren Ursache so oft
-vergebens gesucht worden ist.
-
-Aus diesen Beschreibungen der Gifte, welche Krankheiten erregen
-und oft den Tod zur Folge haben, erhellt, dass sie sich chemischen
-Reagenzien, physicalischen Einflüssen, der Filtration durch Kerzen
-und dem Experimente auf lebenden Wesen gegenüber ungleich verhalten.
-Fremdartig und noch unerklärlich ist hierbei das Gift der Hundswut und
-das der Maul- und Klauenseuche.
-
-Jetzt nach diesen Betrachtungen über verschiedene Krankheitsstoffe ist
-zu sehen, wie es mit dem Gift der Fleckenkrankheit beim Tabak steht,
-und mit welchem Virus es sich vergleichen lässt.
-
-[Fußnote G: Aus diesen für den Menschen später so wichtigen
-Versuchen, erhellt der Nutzen des Tierexperiments, welches allerdings
-nur erfahrenen Personen anvertraut werden darf. Meiner Meinung nach
-muss jedoch der zwecklos wiederholte Nachweis schon konstatierter
-Vergiftungen bei Tieren auf mechanischem, chemischem oder
-bakteriologischem Wege unterlassen werden, wenn, was nach dem heutigen
-Stande der Technik möglich ist, durch die Projektion von Lichtbildern
-ein deutliches Bild der Versuche geliefert werden kann.]
-
-
-
-
-Die Flecken- oder Mosaikkrankheit des holländischen Tabaks.
-
-
-Wie bereits im vergangenen Jahre mitgeteilt, offenbart sich die
-Flecken- oder Mosaikkrankheit bei unserem Tabak in der Form von
-dunkelgrünen Flecken, die stets bei jungen Blättern zwischen den Nerven
-und längs derselben ihren Ursprung nehmen. Bei älteren Pflanzen zeigt
-sie sich in der Form von unregelmässig liegenden Flecken, die allmählig
-braun werden. Wenn auch in der Regel der Tod der Pflanze bei dieser
-Krankheit nicht eintritt, so werden die Blätter doch so verändert und
-missgestaltet, dass sie keinen Handelswert mehr besitzen. Wenn man in
-Betracht zieht, dass die von den Züchtern so sehr gefürchtete Krankheit
-jedes Jahr mehr um sich greift, so ist es nicht ohne Bedeutung, ihre
-Ursache zu erforschen und wo möglich die Mittel liefern, welche der
-Flecken- oder Mosaikkrankheit vorbeugen. Im Laufe dieses Jahres sind
-mit einer grossen Anzahl von Pflanzen Versuche angestellt worden. Um
-ein deutliches Bild von dem Verlauf der Krankheit zu erhalten, folgt
-hier die Beschreibung eines der zahlreichen Fälle, bei welchen die
-Fleckenkrankheit künstlich verursacht worden ist.
-
-Am 2. Juni 1898 wurden mir durch Herrn ~N. van Os~ zu Amerongen einige
-Hundert junge Tabakspflanzen geschickt, die soweit sichtbar, vollkommen
-gesund waren. Einige Tage später erhielt ich zwei fleckenkranke
-Pflanzen, die streng isoliert und in ständiger Beobachtung gehalten
-wurden. Diese kranken Exemplare wuchsen sehr langsam; die Flecken
-wurden immer dunkler, während die Krankheit sich in den verschiedenen
-Blättern langsam verbreitete.
-
-Eine vollkommen gesunde, junge Pflanze erhielt am 5. Juli, wie Figur
-13 _A_ angiebt, einen Einschnitt mit einem sterilisierten Messer in
-den Stengel bis an das Gefässbündel. In diesen Einschnitt wurde ein
-sehr kleines Stückchen eines gefleckten Blattes von einer der kranken
-Pflanzen gebracht. Ein gleiches Stückchen Tabaksblatt wurde gewogen,
-nach Trocknung der Gewichtsverlust bestimmt und dieser als die
-Menge Gewebesaft berechnet, der ursprünglich darin war. Nach meiner
-Berechnung waren ungefähr 34 mgr. Blattsaft in den Einschnitt gebracht
-worden. Man kann aber ruhig annehmen, dass unter den günstigsten
-Verhältnissen wenige Milligramm, ja vielleicht nur Zehntel oder
-Hundertel eines Milligramms durch das Gefässbündel aufgenommen und
-fortgeführt werden. Am 20. Juli begann sich am Rande eines jungen
-Blattes zwischen ein paar kleinen dünnen Nerven ein dunkles Fleckchen
-zu zeigen. Im Verlauf der folgenden Tage erschienen an den anderen
-jungen Blättern ebenfalls Fleckchen, während das Blatt selbst durch
-~Vergrösserung des Pallisadengewebes~ ein unebenes, unregelmässiges
-Aussehen bekam. Auch der Blattrand wurde gleichzeitig sehr abnormal,
-hier und da eingeschnürt oder eingebuchtet. (S. die Formen der fünf
-jungen Blättchen rechts unten in fig. 14.)
-
-[Illustration: Fig. 13. Die Flecken- oder Mosaikkrankheit des Tabaks.]
-
-Die Anzahl der Flecken, die noch stets von Tag zu Tag an Ausdehnung
-zunahmen, jedoch untereinander isoliert blieben, wurde ständig grösser.
-Am 1. August waren die inneren Blätter vollkommen dunkelgrün und
-zeigten nur hier und da noch das reine normale Hellgrün. Einige der
-älteren Blätter, solche also, die sich unten an der Pflanze befanden,
-hatten unregelmässig liegende, kleine Fleckchen von einer andern Farbe.
-Man sollte nicht vermuten, dass die Krankheit auf solche verschiedene
-Art in die Erscheinung treten kann, da doch die Ursache dieselbe ist.
-Wir finden hier eben die Wirkung des Giftes auf junge, zarte und auf
-ältere Gewebeelemente. Am 9. August waren zwei der untersten Blätter
-stark punktiert. Hier lagen die Fleckchen nicht zwischen den Nerven,
-sondern scheinbar ganz unregelmässig verteilt. In _B_ sehen wir den
-Zustand eines jungen, also Spitzenblattes, in _C_ denjenigen eines der
-untersten Blätter abgebildet. Die Farbe der Fleckchen der punktierten
-Blätter zeigt sich zuerst als graublau, doch geht sie im Laufe der
-Tage in rotbraun über und endigt dort mit dem Tod des Gewebes. Bei
-den grösseren Flecken nimmt man konzentrisch gefärbte Ringe wahr, von
-denen die am meisten nach aussen liegenden stets am dunkelsten sind.
-(Fig. _M_.) Wenn wir die Tabaksfelder besuchen, sehen wir bei den
-kranken Exemplaren die jüngsten Blätter im Zustande _B_, die älteren im
-Zustande _C_. Einige Felder sind selbst rot gefärbt und scheinen wie
-mit Blut übergossen. Die Krankheit herrscht dann auf solch einem Felde
-sehr stark und zeigt sich in dieser Form Jahr für Jahr. Es ist eine
-öfters beobachtete Erscheinung, dass Pflanzen, die verwundet oder krank
-sind, einen roten Zellsaft bilden. Wahrscheinlich ist dieser Umstand,
-auch nach den neueren Untersuchungen von ~Flammarion~, günstig für die
-Atmung. Nicht alle Lichtstrahlen haben dabei eine gleiche Wirkung. Im
-gelben Licht ist die Zerlegung der Kohlensäure am stärksten und nimmt
-nach den Spektrumfarben nach links und rechts ab. Die Spaltung der
-Kohlensäure findet also stärker hinter gelben und roten, schwächer
-dagegen hinter blauen Farben statt. Dies ist auffallend, da doch gerade
-die blauen Farben mit ihrer kürzeren Wellenlänge zu den intensiv
-wirkenden chemischen Strahlen gehören, und z. B. das photographische
-Papier am stärksten zersetzen. Könnte auch hier nicht die rotbraune
-Farbe der Flecken die Pflanze im Kampfe gegen die schädlichen Einflüsse
-der Krankheit beschützen und dadurch die Assimilation befördern? Im
-September sind alle jungen Blätter dunkelgrün gefleckt und dabei
-vollständig missgestaltet, während die älteren ganz dunkelbraun
-gefleckt sind. Nicht selten fallen aus den Blättern ganze Stücke heraus
-und scheint es, als ob Insekten das Blatt ausgefressen hätten. (S. die
-punktierte Linie in Fig. _C_)[H].
-
-Dies ist der gewöhnliche Verlauf der Krankheit. Unter den günstigsten
-Verhältnissen werden im Sommer und nach abwechselndem Wetter die jungen
-Pflanzen innerhalb drei Wochen krank. Gelangt das Virus in ältere
-Pflanzen, dann entsteht die Krankheit etwas später. Dabei ist noch ein
-Unterschied in der Zeit zu beobachten, wenn das Gift in den Stamm oder
-in den Hauptnerv der jungen oder älteren Blätter gebracht wird. Bei
-einer nur oberflächlichen Verwundung des Parenchyms des Stammes habe
-ich mehrere Male die Krankheit ausbleiben sehen. Es hat den Anschein,
-als ob das Gift sich den Gefässbündeln entlang verbreitet und dann ist
-das Phloëmbündel hierfür der angewiesene Weg.
-
-Die mikroskopische Untersuchung der kranken Blattteile bringt nicht
-viel an's Licht. Man sollte eigentlich das Gegenteil vermuten, da
-doch gerade das Krankheitsbild hier so scharf umschrieben ist. Im
-allerjüngsten Zustand der Fleckchen bei sehr jungen Blättern, wo noch
-keine Trennung in Pallisaden- und Schwammparenchym stattgefunden hat,
-trifft man zwischen den Zellen dunkelblaugrün aussehende Streifen sowie
-Bläschen an, die man am besten mit Luftstreifchen vergleichen kann,
-welche sich zwischen den Zellenwänden befinden (_D_). Es ist mir nicht
-gelungen, die Flecken dadurch zum Verschwinden zu bringen, dass ich ein
-Blatt in einen luftleeren Raum brachte und darin behielt. Auch in einem
-älteren Stadium, wo bereits die Trennung zwischen Pallisadengewebe
-und Schwammparenchym eingetreten ist, werden Streifen und Bläschen
-noch angetroffen (_E_). Macht man einen Längsschnitt, dann wird wieder
-dasselbe wahrgenommen (_F_ _H_). Stets zeigen sich bei den dunkelgrünen
-Flecken obige Abweichungen zwischen den Zellen, die ich durch schwarze
-hier und da untergebrochene Linien angegeben habe (_D_ _E_ _F_ _H_). An
-der Oberhaut (_I_) werden keine Veränderungen beobachtet. Betrachtet
-man die Flecken _C_ bei stärkerer Vergrösserung, dann sieht man die
-Oberhaut zusammengeschrumpft, vertrocknet und verfärbt. Das Chlorophyll
-ist desorganisiert und ~die Zellwände sind verschwunden~. Es ist gerade
-so, als ob Insekten das Blattparenchym weggefressen hätten (_G_). Dies
-sind die einzigen Veränderungen, die mit dem Mikroskop beobachtet
-werden konnten.
-
-Eine grosse Anzahl Pflanzen ist von mir auf Mikroorganismen untersucht
-worden, jedoch nur in einzelnen Fällen habe ich Bakterien in
-Pallisadenzellen gefunden, welche aber nach wiederholter Übertragung
-auf Nährböden, wobei wie beschrieben das vielleicht vorhandene,
-unsichtbare Virus verdünnt wurde, keine Pflanzen zu infizieren
-vermochten. Wiederholte Versuche wurden gemacht, um vermittelst feiner
-Pincetten von einem kranken Blattteilchen die Epidermis an beiden
-Seiten zu entfernen, was einige Male gelang. Vom Inneren des Blattes
-wurden dann Plattenkulturen angelegt, die abgesehen von einzelnen
-bekannten, sehr viel vorkommenden Pilzcolonien scheinbar steril
-blieben. Als Nährböden hierfür wurden gebraucht die alkalische und
-saure Nährgelatine von ~Koch~, Tabakssaft-Gelatine, Malz-Gelatine
-und der von ~Beyerinck~ angegebene _Leguminosen_-Nährboden. Ebenso
-entwickelten sich auf oder in einem sauren oder alkalisch reagierenden
-Nährboden, der wie folgt zusammengestellt war, keine Kolonien:
-Tabakssaft 5, Kaliumphosphat 0, 050, Asparagin 0,5, Glukose 2,0,
-Gelatine 10,0 oder Agar 1,5, Wasser 100,0.
-
-Ein einziges Mal entwickelte sich Gas in schwach alkalischer Bouillon,
-welche zu anaërober Kultur benutzt wurde (verursacht durch einen
-Organismus, welcher schwierig von Coccen zu unterscheiden ist).
-
-Viele Male sind auch grössere kranke Blattteile zur Untersuchung
-genommen worden. Zuerst wurden die beiden Blattoberflächen gut
-abgewaschen, dann mit sterilen, nassen Wattepfropfen abgerieben und
-darauf mit sterilem Wasser abgespritzt. Es gelang mir unter einer
-ganzen Reihe von Platten mehrere Male, Mikroorganismen zu isolieren,
-die, von der Plattenoberfläche genommen, junge Tabakspflanzen krank
-machten. Die Krankheit trat ~nicht stets ein~, wenn ich mit viele
-Malen übergeimpften Kulturen arbeitete. Ich erreichte eine Erkrankung
-mit drei Mikroorganismen, mit einem _Rhizobium Leguminosarum_, einer
-_Beggiatoa-_ und einer _Streptothrix_-Art. Wie gesagt, trat eine
-Erkrankung öfters nicht ein, wenn ich Überimpfungen gebrauchte. Das
-fiel mir besonders auf, und bestärkte mich in meiner schon oben
-erwähnten Ansicht, dass die von den ursprünglichen Platten abgenommen
-Kulturen ein unbekanntes, ~unsichtbares~ Gift, wenn auch in höchst
-starker Verdünnung, enthielten; denn eine minimale Menge ~Saftes~ von
-krankem Gewebe ist immer im Stande, die Fleckenkrankheit zu verursachen.
-
-Im Oktober 1897 wurde in einen kühlen Treibkasten Tabakssamen gesät,
-um Versuchspflanzen zu bekommen. In der Zwischenzeit wurde Erde,
-in der kranke Pflanzen gestanden hatten, und die an deren Wurzeln
-hängende Erde auf Mikroorganismen untersucht. Nach Lage der Sache ist
-dies eine sehr schwierige Untersuchung, wenn man bedenkt, dass die
-Anzahl Mikroorganismen per Gramm darin einige Hunderttausenden bis
-Millionen beträgt. Aus einer grossen Anzahl Platten wurden damals
-8 Mikroorganismen isoliert, die im Februar 1898 auf junge Pflanzen
-geimpft, die Fleckenkrankheit ~nicht~ hervorbrachten. Sie waren also
-nicht das ätiologische Moment derselben. Auffallend war es, dass an
-den jungen Wurzeln der Tabakpflanzen häufig _Streptothrix chromogena
-Gasperini_ angetroffen wurde.
-
-Dieser Mikroorganismus, welcher zur Familie der _Streptothricheen_ oder
-besser _Actinomyceten_ gehört, hat in seiner Form viel Ähnlichkeit mit
-den Fadenpilzen, auch erinnert er an die Bakterien. Ebenso wie die
-Pilze bildet er aus runden Keimzellen (Sporen) cylindrische Fäden,
-welche sich dichotomisch verzweigen, und sich dem unbewaffneten Auge
-als ein Mycelium darstellen. Einige fruchttragende Hyphen erheben sich
-über dem Substrat in die Luft und fallen dann, als Oldien in Ketten von
-runden Keimzellen oder Sporen aus einander. Bei starker Vergrösserung
-zeigen die _Streptothricheen_ viel Ähnlichkeit mit den Bakterien. Es
-sind sehr dünne Faden, welche ursprünglich keine Scheidewände besassen,
-und welche sich durch Sprossungen verzweigen. In älteren Kulturen
-zerfallen die Fäden in kurze Stäbchen und kokkenartige Glieder. Nicht
-selten findet man auch die Spirillenform, weil die _Streptothricheen_
-stark gekrümmt und gewunden sind. Die Untersuchungen, welche in der
-letzten Zeit über diese Pilzgruppe angestellt wurden, haben die Frage
-aufwerfen lassen, ob sie nicht im genetischen Verhältnis zu der Gruppe
-der _Diphtherie_ und der _Tuberculose_ stehen.
-
-Dies ist noch nicht ganz sicher festgestellt, jedoch könnten dann die
-beiden letzteren Gruppen von den _Actinomyceten_ hergeleitet werden.
-Es sind sehr verbreitete Saprophyten, die pathogenen unter denselben
-(_Aktinomyces_ bovis etc., _S._ sen _A. violacea_ u. a.) scheinen nicht
-selten parasitisch werden zu können. Genannte _S._ sen _A. chromogena
-Gasperini_ ist bekannt als einer, der aus Nitraten leicht Nitrite
-bildet. Wie sich später zeigen wird, ist er nicht als pathogen für
-_Nicotiana_ zu betrachten, wiewohl ich nach Impfung der Pflanze mit
-Erde eine Veränderung im Blatte traf.
-
-Häufig habe ich, wie ich schon in »de Natuur« pg. 330, 1899 beschrieben
-habe, den _St._ sen _A. chromogena_ in den Risse der verwitternden
-Granite, Basalte und Hornblendeschiefer der erratischen Blöcke unseres
-~Gooilän~dischen Diluviums, und in ~Zandbergen's~ Waldboden, wenn ich
-nach ~Frank's~ Mykorhizen vergebens suchte, aufgefunden.
-
-Wenn der _Löffler'_schen Bouillon ein wenig Nitrat zugesetzt wird,
-so ist innerhalb 24 Stunden nach Impfung mit diesem Pilze durch das
-bekannte Reagens schon Nitrit nachzuweisen. In Leitungswasser geschieht
-dies nicht.
-
-Erst nachdem ich die Überzeugung erhalten hatte, dass auf diese Weise
-die pathogenen Mikroorganismen nicht aufzufinden wären (weder durch
-aërobe noch durch anaërobe Methoden), habe ich einen anderen Weg
-eingeschlagen, um dem unbekannten Virus auf die Spur zu kommen.
-
-Allein schon die Thatsache, die auch weiter unten bei den Versuchen
-angegeben ist, dass eine kleine Menge--einige Milligramme--Saft von
-krankem Gewebe im Stande ist, gesunde Pflanzen krank zu machen, und
-einige Milligramme Blattgewebe dieser letzteren Pflanzen immer wieder
-von Neuem auf andere gesunde Pflanzen die Krankheit übertragen können,
-diese Thatsache musste in mir die Vermutung erwecken, dass hier
-eine Vermehrung des Giftes vorlag, und dass diese Vermehrung nichts
-anderem zugeschrieben werden konnte, als lebenden Organismen, die sich
-vorläufig noch der Wahrnehmung entzogen.
-
-Die folgenden Versuche machen dies deutlich. Die Versuche sind nicht
-an einzelnen Exemplaren, bei denen es sich um etwas Zufälliges handeln
-könnte, sondern bei mindestens 5-10 Pflanzen angestellt worden.
-
-
-Versuchsreihen.
-
-I. Erde, aus Amerongen stammend, in der im Herbst 1897 kranke Pflanzen
-gestanden hatten, wurde durch eine ~Chamberland~kerze im Verhältnisse
-von 300 Erde zu 300 Wasser filtriert. Etwas von dem Filtrat wurde
-in die Hauptnerven eines jungen Blattes gebracht. Es entstand keine
-Erkrankung.
-
-II. Dieselbe Erde, nicht filtriert, bewirkte ebenfalls keine Erkrankung.
-
-III. Erde aus Amerongen, in der im Frühjahr 1898 kranke Pflanzen
-gestanden hatten, wurde wie oben filtriert und vom Filtrat etwas in den
-Hauptnerv eines jungen Blattes gebracht. Keine Erkrankung.
-
-IV. Dieselbe Erde, nicht filtriert, verursachte auch keine Erkrankung.
-
-V. Erde aus Amerongen, im September 1897 von den Würzelchen kranker
-Pflanzen gesammelt, im Verhältnisse von 20 Erde zu 20 Wasser wie oben
-filtriert, gab keine Veranlassung zur Erkrankung.
-
-VI. Dieselbe Erde, nicht filtriert, auch nicht.
-
-VII. Erde, im Juni 1898 von den Würzelchen kranker Pflanzen gewonnen
-und filtriert, liess die Krankheit nicht zur Entwickelung kommen.
-
-VIII. Dieselbe nicht filtrierte Erde war auch wirkungslos.
-
-IX. Im Oktober 1897 wurden 8 Pflanzen, die alle krank waren und in
-Töpfen standen, abgeschnitten. Die Töpfe mit der Erde wurden dann
-draussen an einem trockenen Platz aufbewahrt. Im Frühjahr 1898 wurden
-die Erde und die noch anwesenden Wurzeln fein zerrieben. Darauf wurden
-in diese junge Pflanzen gesetzt, die das ganze Jahr hindurch gesund
-blieben. Bei einem gleichen Versuch, der ausserhalb meines Wohnsitzes
-angestellt wurde, hatte man beobachtet, dass nur einige Pflanzen in
-diesem Sommer Flecken zeigten, und dass die Flecken bald darauf wieder
-verschwanden. Dies stimmt wahrscheinlich überein mit dem sogenannten
-»~Kopbont~«, von dem die Züchter behaupten, dass es der Einwirkung
-kalter Nächte zugeschrieben werden muss.
-
-Aus all diesen Erdversuchen erhellt, dass das Krankheitsagens aus
-der Erde verschwinden oder doch so abgeschwächt werden kann, dass es
-nicht mehr im Stande ist, die Krankheit zu erregen. Im Versuch VII
-und VIII wird wahrscheinlich das Virus nicht vorhanden gewesen sein.
-Ich vermute auf Grund obiger Versuche, ~dass im Boden Verhältnisse
-obwalten können, die das Gift entweder zerstören oder abschwächen~.
-Dies stimmt mit dem überein, was in Wirklichkeit auf den Tabaksfeldern
-beobachtet wird. Es würde traurig mit der ganzen Kultur bestellt sein,
-wenn das Gift sich ständig im Boden hielte. Die unvermeidliche Folge
-würde sein, dass im Laufe der Jahre dort, wo einmal die Krankheit
-bestanden hat, sie sich stets auf ~alle~ Pflanzen ausbreiten würde.
-Wird eine kranke Pflanze aus dem Boden herausgezogen und auf demselben
-Platz eine gesunde eingesetzt, dann zeigt diese bald die Symptome der
-Fleckenkrankheit. Dies ist eine allgemein beobachtete Thatsache. Ein
-infizierendes Vermögen muss dem Boden, auf dem die Pflanzen stehen,
-bestimmt zugeschrieben werden. Das ~Trocknen~ infizierter Erde scheint
-auf Grund der oben beschriebenen Versuche ~desinfizierend~ zu wirken.
-
-X. Ein Streifchen eines getrockneten kranken Blattes vom Herbst 1897
-wurde in den Stamm einer gesunden Pflanze gebracht mit dem Resultat,
-dass die Fleckenkrankheit eintrat, allerdings etwas später, als man
-erwartet hatte.
-
-XI. Ein Streifchen eines frischen kranken Blattes, von einer der mir
-zugesandten kranken Pflanzen herstammend, wurde in den Stamm einer
-gesunden Pflanze gebracht. Nach drei Wochen begann sich die Erkrankung
-an den jungen Blättern zu zeigen. Wenn ich hier annehme, dass die mir
-zugeschickte Pflanze das thatsächliche Agens der Fleckenkrankheit
-enthielt, dann repräsentiert die geimpfte Pflanze die erste
-Versuchsreihe. Hier könnte also noch eine »Intoxikation« eingetreten
-sein.
-
-XII. Unter den nöthigen Vorsichtsmaassregeln wurde aus dem Stamm der
-Pflanze XI das Xylem- und Phloëmbündel in der Nähe des Hauptnerven eines
-Blattes ausgeschnitten, und in den Hauptnerven eines jungen Blattes
-einer gesunden Pflanze gebracht. Die Fleckenkrankheit trat ein. Hier
-haben wir die zweite Versuchsreihe vor uns und hier kann man schon
-weniger gut annehmen, dass eine »Intoxikation« stattgefunden habe.
-Mikroskopisch zeigt der Gefässbündelschnitt absolut keine ~Ab~weichung.
-Das Präparat ist in allen seinen Teilen durchsichtig, und es befinden
-sich in ihm keine Luftstreifen.
-
-XIII. Kranke, fein geschnittene Blattteile wurden in frischem Zustande
-im September 1897 in Glycerin ausgezogen. Den Winter über sind diese
-stehen geblieben mit dem Zweck, wenn möglich ein organisches Gift oder
-Enzym aus ihnen zu erhalten. Junge, gesunde Pflanzen zeigten nach
-Einspritzung des filtrierten oder nicht filtrierten Glycerins keine
-Erkrankung. Es schien mir, als ob die Pflanzen in gewisser Weise unter
-der Einwirkung des Glycerins litten, was sich durch ein schlaffes
-Herabhängen der Blätter offenbarte.
-
-XIV. In gleicher Weise wurde eine grosse Menge kranker Erde mit
-ebenfalls negativem Resultat behandelt. In den beiden letzten Fällen
-hatten sowohl das erkrankte Blattgewebe wie die Erde ihre Giftigkeit
-verloren. ~Glycerin wirkt also zerstörend.~
-
-XV. In geschlossenen Röhrchen wurde Saft von krankem Blattgewebe,
-von Pflanze XII abstammend, zehnmal mit Wasser verdünnt und in
-verschiedener Weise erwärmt.
-
-
- 30 Minuten bei 40° C.
- 20 " " 50° C.
- 20 " " 60° C.
- 10 " " 70° C.
- 10 " " 80° C.
- 5 " " 90° C.
- 5 " " 100° C.
-
-
-Mit dem so behandelten Gewebesaft wurden gesunde Pflanzen in den
-Hauptnerven eines Blattes geimpft mit dem Erfolg, dass alle Pflanzen
-krank wurden. Hier haben wir also mit der ~dritten~ Impfungsreihe
-zu thun. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mit einem Toxin zu thun
-hatte, wurde geringer. ~Alle Versuche wiesen auf die Anwesenheit von
-Mikroorganismen hin.~ Voraussetzend, dass alle Pflanzen gleich stark
-waren, ist allerdings nach Erwärmung auf 100° eine ~Abschwächung~ des
-Krankheitsagens wahrgenommen worden. Die Erkrankung trat hier beinahe
-14 Tage später auf als in den andern Fällen.
-
-XVI. Ein Streifchen eines kranken Blattes von einer der Pflanzen aus XV
-wurde in den Hauptnerven eines jungen Blattes einer gesunden Pflanze
-gebracht. Es kam wiederum zur Erkrankung, ohne dass eine Abschwächung
-sich durch eine Verlängerung der Inkubationszeit bemerkbar machte. Wir
-befinden uns hier bereits in der vierten Reihe der Ueberimpfungen.
-
-XVII. Der verdünnte Blattsaft einiger durch die Fleckenkrankheit
-angegriffenen Pflanzen wurde durch eine ~Chamberland~kerze filtriert.
-Das Filtrat war, soweit wahrzunehmen, steril. Wenn mit dem Filtrat
-gesunde Pflanzen in den Blattnerven geimpft wurden, trat wiederum die
-Krankheit auf. Die Zeit zwischen Impfung und Erkrankung war ~viel
-grösser~ als sonst, ebenso wie bei XV beobachtet wurde[I].
-
-~Wiederholte Filtration~ (2-4 mal) von Gewebesaft kranker Pflanzen
-lieferte ein Filtrat, das nicht mehr im Stande war, die Pflanze zu
-infizieren.
-
-XVIII. Der Saft der kranken Blätter von XVII wurde ebenfalls filtriert
-mit dem Erfolg, dass gesunde hiermit geimpfte Pflanzen auch erkrankten.
-Ich meine, dass dieser Versuch überzeugend darthut, ~dass man hier mit
-Mikroorganismen~ zu thun hat, die so klein sind, dass sie die Kerzen
-durchdringen können. Ich habe es hier mit ~einem sich vermehrenden,
-also lebendigen Gifte~ zu thun und bringe daher dies Virus zu den
-Mikroorganismen. Wir hätten hier also eine »~Infektion~« vor uns.
-Wahrscheinlich besitzt der unbekannte Organismus zwei Formen, eine
-vegetative und eine Sporenform, analog den Bakterien.
-
-XIX. Der Saft kranker Blätter wurde mit absolutem Alkohol behandelt.
-Die klar obenstehende Flüssigkeit wurde mittels Hebels abgenommen
-und neuer absoluter Alkohol hinzugefügt. Dieses wurde einige Male
-wiederholt, um die Einwirkung des starken Alkohols auf den Gewebesaft
-zu erhalten. Es entstand ein grau-grüner Niederschlag, der bei
-niedriger Temperatur eingedampft wurde. Das so erhaltene Präcipitat
-wurde in den Blattnerven einer gesunden Pflanze gebracht. Erkrankung
-trat nicht ein. ~Absoluter Alkohol wirkt also zerstörend.~
-
-XX. Den Saft von erkrankten Blattteilen, der Pflanzen »infiziert«, hatte
-ich 4 Wochen lang in einem durch Watte verschlossenen Kölbchen sich
-selbst überlassen. Wurden hiermit Pflanzen geimpft, dann blieben sie
-vollkommen gesund. Das unbekannte Virus wird also zerstört, wenn man
-den infektionstüchtigen ~Saft längere Zeit stehen lässt~.
-
-XXI. Die an den Wurzeln von _Nicotiana_ gefundene _St._ sen _A.
-chromogena Gasperini_ konnte Pflanzen nicht infizieren. Einige Pflanzen
-wurden einer kräftigen Ernährung mit Kaliumnitrat ausgesetzt. Die in
-die umgebende Erde und in das Gewebe gebrachte _Streptothrix_ machte
-die Pflanze nicht krank. Es scheint hier nicht so viel Nitrit gebildet
-zu werden, dass dies schädlich auf die Pflanzen wirkt. Jedoch zeigten
-die sehr dunkelgrünen Blätter viele reinweisse Pünktchen. Ob dies
-zufällig war, konnte ich nicht entscheiden, da nur an zwei Pflanzen
-dieser Versuch gemacht worden war. Auf einigen Feldern beobachtete man
-viele dieser weissen Pünktchen auf den Blättern.
-
-XXII. In den Monaten September und October erweckten die Einspritzungen
-des Saftes von kranken Blättern in gesunde Pflanzen, die draussen
-standen, keine Mosaikkrankheit. Ende November sind diese Pflanzen
-bis auf 20 cm mit sterilen Messern abgeschnitten und an einem Orte
-aufgestellt worden, wo nicht geheizt wurde. Während der Wintermonate
-entstanden die Geizen, woran sich im Monat März erst Flecken zeigten.
-
-XXIII. Bei den Pflanzen, welche im September in den Geizen die Flecken
-zeigten, _verschwanden diese allmälig beim Eintritt der Kälte_, so dass
-die gefleckten Blätter im November wiederum die normale grüne Farbe
-bekamen.
-
-Wie ich früher angab, wird dies auf den Feldern auch beobachtet und
-schreibt man es den kalten Nächten zu. _Die Temperatur scheint also von
-Einfluss zu sein auf das Virus._
-
-XXIV. Auf den von ~Fermi~ angegebenen 1% Carbol-10% Gelatine-Platten
-konnte kein proteolytisches Enzym in den Blättern und Stengeln
-von lebendigen gesunden und fleckenkranken Tabakspflanzen von mir
-nachgewiesen werden, ebensowenig in den trocknen fermentierten und
-nicht fermentierten Blättern.
-
-Es fiel mir besonders auf, dass die fleckenkranken Blatt- und
-Stengelteile auf diesen Platten sich stärker rosa färbten als dieselben
-Theile von gesunden Pflanzen. Es kam mir so vor, als ob in den kranken
-Pflanzen ein oxydierender Körper entstünde, der kräftiger auf Carbol
-einwirkt, als das oxydierende Agens der gesunden Pflanzenteile.
-
-XXV. Unter den erforderlichen Vorsichtsmassregeln gelang es mir,
-einige Stengelteile von gesunden Tabakspflanzen rein in Röhrchen auf
-Wattepfröpfchen zu bekommen.
-
-Ein Tröpfchen durch eine ~Chamberland~kerze filtrierter Saft von
-kranken Pflanzen hierauf geimpft, zeigte auch jetzt, obgleich viel
-weniger kräftig, einen Unterschied in Farbe gegenüber dem nämlichen
-Safte von gesunden Pflanzen.
-
-XXVI. In ein ~Erlenmeijer'~sches Kölbchen wurde Saft von gesunden
-Pflanzen filtriert und mit einem Tröpfchen filtriertem Saft von
-kranken Pflanzen geimpft. Nach 3 Monaten entstand in diesem Safte ein
-Niederschlag, der nicht von Mikroorganismen herrührte. Der Saft war
-wohl virulent, doch war keine Verstärkung der Wirkung zu constatieren.
-
-XXVII. _Datura Stramonium_, _Hyoscyamus niger_, _Solanum tuberosum_
-und _Petunia nyctaginiflora_ reagierten nicht auf den Saft von kranken
-Tabakspflanzen[J].
-
-Aus diesen Versuchen geht hervor, dass unser Agens Übereinstimmung
-besitzt mit dem Agens der Maul- und Klauenseuche, obgleich ich die
-Lebewesen bei der Fleckenkrankheit für grösser halte. Im Filtrat finden
-wir bei den letzteren eine Abschwächung, bei der Maul- und Klauenseuche
-absolut nicht. Wenn es sich bei den ersteren um eine Bacterie handelt,
-so müsste diese eine sporenbildende sein. (Vergl. XV.)
-
-Obgleich es noch nicht gelungen ist, den Mikroorganismus, der als
-Ursache der Fleckenkrankheit betrachtet werden muss, zu sehen oder zu
-züchten, so habe ich dennoch in diesem Jahre (1898) eine Reihe von
-Versuchen zur Bekämpfung der Krankheit vorgenommen. Ausgehend von der
-Meinung, dass die Ernährung der Pflanzen auf die Zusammensetzung des
-Gewebssaftes von _Nicotiana_ Einfluss haben könnte, und dass durch
-diese Veränderung das unbekannte Virus in irgend einer Weise tangiert
-werden könnte, habe ich einer grossen Anzahl Pflanzen bestimmte
-Salze gegeben, manchmal in Mengen, die nicht vertragen wurden. Viele
-Pflanzen gingen daran zu Grunde. Wenn die Salzgabe, einmal in der
-Woche bei trockenem Sommerwetter in Lösung gegeben, sich durch das
-Hinsiechen oder den Tod der Pflanze als zu gross erwies, wurde die Gabe
-vermindert. Zuerst erhielten die Pflanzen 1 gr., später 0,5 bis 0,25
-gr. u. s. w., so viel sie nur ertragen konnten. Nach dem Absterben
-einer Pflanze wurden also die anderen, die in derselben Reihe auf
-freiem Felde standen, mit kleineren Mengen Salz gefüttert. Da mir
-weiter bekannt war, dass Züchter schon lange beobachtet hatten,
-dass sich die Fleckenkrankheit auf Feldern, die mit ~Kainit~ oder
-~Thomasphosphat~ gedüngt waren, sehr wenig zeigte, habe ich auch mit
-diesem Salzgemisch Versuche angestellt. Ich erhielt also die folgenden
-Versuchsreihen:
-
-
- Fütterung mit:
-
- 1. Kaliumkarbonat,
- 2. Kaliumsulfat,
- 3. Natriumchlorid,
- 4. Kaliumnitrat,
- 5. Kaliumphosphat,
- 6. Kaliumnitrit,
- 7. Kainit und Thomasphosphat.
-
-
-[Illustration: Fig. 14.
-
-Tabakspflanzen, welche nach starker Düngung mit anorganischen Salzen am
-Leben geblieben sind.]
-
-Die Ernährung mit ~Kaliumnitrit~ musste, wie zu erwarten war, schon
-bald aufgegeben werden, da 0,5 gr. bereits innerhalb weniger
-Stunden tötlich wirkten. Weiter herrschte ein grosses Absterben
-unter den Pflanzen, die ~phosphorsaures Kali~, ~Chlornatrium~ und
-~Kaliumkarbonat~ erhalten hatten. In nebenstehenden Figuren sind einige
-Pflanzen und deren Blätter abgebildet, die bei obiger Fütterung am
-Leben blieben. Die mittlere zwergartige Pflanze (Fig. 14) ist in Folge
-der Kochsalzfütterung sehr zurückgeblieben; dabei sind alle Blätter
-missgestaltet. Auch bei den anderen Salzernährungen wurde Ähnliches
-wahrgenommen. In Fig. 15 sind die Blätter in derselben Höhe der
-Pflanzen abgenommen und abgebildet.
-
-[Illustration: Fig. 15. Blätter von Tabakspflanzen, die im freien Lande
-übermässig gedüngt worden sind mit Natriumchlorid (I), mit Kaliumsulfat
-(II), mit Kaliumkarbonat (III) und Kaliumphosphat (IV).]
-
-I. ist das Blatt einer Pflanze, die mit Kochsalz, II. mit Kaliumsulfat,
-III. mit Kaliumkarbonat und IV. mit Kaliumphosphat gefüttert war.
-Auffallend sind hier die unregelmäßige Blattform und die sehr langen
-Spitzen an den Blättern. Hierbei ist es von Interesse zu wissen, dass
-die Pflanzen im Schatten gestanden haben; dasselbe ist bei Pflanzen
-beobachtet worden, die unter ~normalen~ Ernährungsverhältnissen im
-Schatten gestanden haben, wenn auch in weit geringerem Masse. Am 1.
-September wurden alle diese Pflanzen mit infektionstüchtigem Gewebesaft
-in die Hauptnerven eines Blattes geimpft. Alle Pflanzen wurden krank,
-jedoch nicht in derselben Zeit. Trat früher die Krankheit in der Regel
-nach drei Wochen ein, so war dies bei der Kainitfütterung erst viel
-später der Fall. ~Wenn auch sicherlich Kainit und Thomasphosphat die
-Pflanzen gegen die Fleckenkrankheit nicht schützen können, so scheint
-doch eine Abschwächung des Giftes eingetreten zu sein.~ Im Laufe der
-Wochen sah ich dann auch bei den drei übriggebliebenen Pflanzen die
-Flecken kleiner werden, einige selbst ganz verschwinden, ohne dass die
-anderen Krankheitserscheinungen auftraten. (Fig. 13 _C_.)
-
-Durch diese Fütterungsversuche wurde also das Ziel noch nicht
-erreicht. Ein ganz anderes Resultat aber hatte der folgende im Grossen
-angestellte Versuch.
-
-Es drängte sich die Frage auf, ob es möglich wäre, ein Feld, auf dem
-jedes Jahr die Krankheit sich an beinahe allen Pflanzen zeigte, zu
-desinfizieren und zwar durch einen Stoff, der ätzend wirkte. Das Mittel
-musste so gewählt werden, dass die zukünftige Ernte nicht darunter zu
-leiden hatte. Das Gift musste also durch Zersetzung wieder unwirksam
-werden. Herr ~N. van Os~ in Amerongen, der sich lebhaft für die Sache
-interessierte, hat diesen Versuch mit sehr günstigem Erfolg im Grossen
-ausgeführt. Im Februar 1898 wurde auf das am stärksten infizierte
-Feld, wo jedes Jahr beinahe alle Pflanzen erkrankten, ~ungelöschter
-Kalk~ in einer Menge von 10 hl. pro Hektar gebracht. Nach Verlauf
-einiger Wochen wurde das Land umgearbeitet und im Monat Mai die jungen
-Tabakspflänzchen eingesetzt. Jedes Jahr hatte die Krankheit sonst fast
-alle Pflanzen befallen; diesmal war dies nicht der Fall: die Zahl der
-erkrankten Pflanzen betrug nur 7%.
-
-Weiter sind von Herrn ~van Os~ auf mein Ersuchen im vergangenen Jahre
-eine grosse Anzahl Düngversuche angestellt worden, wofür ich ihm hier
-meinen herzlichen Dank ausspreche. Die Versuche erstrecken sich nicht
-auf einige Pflanzen, sondern auf einen halben Hektar. Folgende Tabelle
-giebt eine Übersicht der Versuche und ihrer Ergebnisse:
-
-Feldversuche mit Bezug auf die Fleckenkrankheit.
-
-
-===================++==============+===========+===========+=========
- || | =Krank- | =Krank- | =Krank-
- =Dünger.= || =Gewächs | heit im | heit in | heit im
- || 1898.= | Gewächs.= | »zuig- | Gewächs
- || | | ers«=[K]. | 1897.=
-===================++==============+===========+===========+=========
- I. Torfstreu- || gut. | 3%. | alle. | keine.
- Pferdemist || | | |
- 70000 K. || | | |
- pr. ha. || | | |
- || | | |
- II. Torfstreu, || prächtig, | keine. | keine. | 10%.
- Kainit || schwerer | | |
- 700 Kilo, || Tabak, steht | | |
- Schlacken- || dunkel auf | | |
- mehl || dem Feld und | | |
- 700 Kilo. || ist nach | | |
- || Trocknen von | | |
- || guter Farbe | | |
- || | | |
- III. Torfstreu, || etwas | keine. | 30%. | 10%.
- Peruguano || weniger | | |
- 500 Kilo. || als II. | | |
- || | | |
- IV. Frischer || gut, doch | keine. | keine. | keine.
- Schweine- || kleines | | |
- mist || Blatt. | | |
- 70000 Kilo, || | | |
- Heiderasen, || | | |
- Patent- Kali || | | |
- 500 Kilo. || | | |
- || | | |
- V. Frischer || gut. | keine. | spora- | Erbsen,
- Schweine- || | | disch. | Karotten
- mist || | | | gebaut.
- 70000 Kilo, || | | |
- Heiderasen, || | | |
- ohne || | | |
- Patent-Kali. || | | |
- || | | |
- VI. Torfstreu, || keine | keine. | 30%. | keine.
- Patent-Kali || grossen | | |
- 500 Kilo. || Pflanzen, | | |
- || Farbe nicht | | |
- || besser als | | |
- || da, wo kein | | |
- || Patent-Kali | | |
- || gebraucht | | |
- || worden ist. | | |
- || | | |
- VII. Pferde- || gut. | keine. | keine. | keine.
- Kuhmist || | | |
- 100000 Kilo,|| | | |
- Heiderasen. || | | |
- || | | |
-VIII. Schafsmist || gutes, | 2%. | 15%. | 5%.
- 70000 K. || kräftiges | | |
- || Blatt. | | |
- || | | |
- IX. Torfstreu- || gut. | keine. | 20%. | keine.
- Ruth. || | | |
- || | | |
- X. Torfstreu- || gut. | 7%. | 40%. | 100%.
- Kalk (CaO) || | | |
- 10 HL. || | | |
- || | | |
- XI. Compost- || vorzüglich | keine. | keine. | keine.
- Fäkalien || gefärbtes | | |
- 45000 Kilo, || Blatt. | | |
- Peruguano || | | |
- 500 Kilo. || | | |
-
-
-Aus diesen Versuchen erhellt, dass in Bezug auf die Fleckenkrankheit
-mit ~Kainit~ und ~Thomasphosphat~ ein ausgezeichnetes Resultat erreicht
-worden ist.
-
-Eine gleich günstige Wirkung halten die Düngstoffe, die mit
-~Heiderasen~ gemengt waren. Die Verwendung von den genannten
-Düngstoffen und von Erde, die wie der Heideboden von einem ~reinen~
-Terrain herstammt, kann ebenso wie die Anwendung von ~ungelöschtem
-Kalk~ empfohlen werden.
-
-Was die Düngung mit Kompost-Fäkalien und Peruguano (f. 135 pro Hektar
-= 225 Mk.) betrifft, so erwies sich diese als ausgezeichnet und ist f.
-250 = 416 Mk. billiger als die Düngung mit Schafmist und Peruguano.
-
-Auch mit Bezug auf die Ursachen, welche die Krankheit so allgemein an
-den »Zuigers« hervortreten lassen, sind sehr interessante Versuche
-angestellt worden. Die Vermutung, die ich im vorigen Jahre hatte (s.
-»de Natuur« 1897 pag. 371), hat sich als richtig erwiesen. Herr ~van
-Os~ hat die Güte gehabt, Versuche in grossem Massstabe zu machen.
-Einige kranke Pflanzen wurden geköpft und unmittelbar darauf wurde
-einer grossen Anzahl gesunder Pflanzen mit den »infizierten« Fingern
-die Spitze abgebrochen. Alle Pflanzen blieben unter Beobachtung; das
-Resultat war, dass 88% derselben krank wurden.
-
-Aus diesem Grunde verdient es Empfehlung, zuerst alle kranken Pflanzen
-zu entspitzen und nach Desinfektion der Hände oder einige Tage später
-die anderen, gesunden Pflanzen. Auf diese Weise wird das Gift nicht
-übertragen und werden also durch die Hand des Pflanzers gesunde
-Pflanzen nicht infiziert. Erst, wenn das schädliche Agens gefunden,
-und weiter seine künstliche Kultur im Laboratorium gelungen ist, erst
-dann wird es durch ein eingehendes Studium seiner Eigenschaften möglich
-sein, auf einem anderen Wege unsere Tabakskultur gegen eine der am
-meisten gefürchteten Krankheiten zu schützen.
-
-
-_Bussum_, Nov. 1899.
-
-[Fußnote H: Im Sommer 1899 habe ich die Tabaksfelder mit dem Zweck
-besucht, zu erforschen, ob auch Pflanzen zu finden wären, welche die
-nicht infektiöse Pockenkrankheit zeigten, (~Iwanowski~). Allerdings
-waren auf _einem_ Feld drei Pflanzen vorhanden, die auf den mittelsten
-Blättern kleine Fleckchen hatten, die von denen der Mosaikkrankheit
-abwichen. Bei einem zweiten Besuch nach Verlauf von etwa 10 Tagen
-jedoch erwies es sich, dass dieselben Pflanzen in ihren Spitzenblättern
-die Symptome der Fleckenkrankheit zeigten.
-
-Ich hoffe, hierauf später zurückzukommen, wenn ich für diese
-Untersuchung geeignetes Material finden kann.]
-
-[Fußnote I: Nach dem Erscheinen meiner holländischen Veröffentlichung
-im Jahre 1898 und 1899 und meiner Publikation in »Zeitschrift für
-Pflanzenkrankheiten herausgegeben von ~Prof. Sorauer~ (IX. Bd., 2.
-Heft)« wurde mir durch Briefwechsel mit ~Dr. Iwanowski~ in Petersburg
-bekannt, dass er bereits früher durch die Filtrationsversuche mit
-mosaikkranken Blättern von _Nicotiana_ zu demselben Resultat gekommen
-war. Auch ~Beijerinck~ beschreibt im Centralblatt für Bacteriologie,
-Parasitenkunde und Infectionskrankheiten, II^e Abth., pg. 27, 1899,
-ähnliche Erscheinungen bei der Filtration durch Porzellanfilter. Weiter
-sind die »voorloopige Mededeelingen over het Peh-sem of de Mozaiekziekte
-in de Tabak te _Deli_« von ~Dr. van Breda de Haan~ (Teysmannia 9den
-jaargang afl. 11-12) sehr interessant.]
-
-[Fußnote J: Als Bemerkung möchte ich hier hinzufügen, dass die
-veredelten Sorten von _Beta vulgaris_ nicht selten dunkelgrüne Flecken
-in den Blättern zeigen mit den nämlichen Abweichungen, wie bei
-_Nicotiana Tabacum_ beschrieben ist. Der Saft dieser gefleckten Blätter
-konnte normal gebildete Exemplare von _Beta vulgaris_ nicht krank
-machen. Das Auftreten dieser Flecken ist also von ganz verschiedener
-Art wie bei _Nicotiana Tabacum_.]
-
-[Fußnote K: Zuiger ist wohl mit »Geize« zu übersetzen, bezeichnet aber
-nur die Seitenzweige, die aus den Achseln der abgenommenen Blätter sich
-entwickeln.]
-
-
-
-
-DRUCKFEHLER.
-
-
-Seite 1 Zeile 4 von oben lies Versuchen statt Proben.
- " 2 " 13 " unten " Solanaceae " Solonaceae.
- " 2 " 12 " " " Capsicum " Capiscum.
- " 3 " 5 und 14 " " " versand " versandt.
- " 6 " 3 " oben " Versuchen " Proben.
- " 7 " 3 " " " zersetzt " analysiert.
- " 13 " 17 " " " m.M. " c.m.
- " 17 " 1 " unten " Hefezellen " Gährungszellen.
- " 19 " 13 " oben " Nährboden " Nahrungsboden.
- " 23 " 12 " " " fakultative Anaëroben
- und Aeroben statt fakultative Anaëroben.
- " 23 " 16 von oben lies fakultative Anaëroben
- und Aeroben statt fakultative Anaëroben.
- " 37 " 14 von unten lies fakultative Anaëroben
- und Aeroben statt fakultative Anaëroben.
-
-Anmerkungen zur Transkription:
-
- hochgestellte Zeichen als z.B. 10^{ten} präsentiert
- tiefgestellte Zeichen als z.B. C_{7} präsentiert
- mit _ Symbol ist kursiv gedruckter Text präsentiert
- mit = ist fett gedruckter Text präsentiert
- mit ~ Symbol ist gesperrt präsentiert
- Interpunktion Fehler gelöscht
- "ï" präsentiert als "i"
- gunstige korrigiert als günstige
- groszen korrigiert als grossen
- is korrigiert als ist
- gewönhnlich korrigiert als gewöhnlich
- Phloem korrigiert als Phloëm
- beiten korrigiert als beiden
- aüsseren korrigiert als äusseren
- Zersetsungsprodukte korrigiert als Zersetzungsprodukte
- Zersetsungen korrigiert als Zersetzungen
- Blelessig korrigiert als Bleiessig
- Zollen korrigiert als Zellen
- frisschen korrigiert als frischen
- letzere korrigiert als letztere
- mittgeteilt korrigiert als mitgeteilt
- allmälich korrigiert als allmählich
- letzere korrigiert als letztere
- was korrigiert als war
- einen korrigiert als einem
- ganzo korrigiert als ganze
- Weize korrigiert als Weise
- anäerobe korrigiert als anaërobe
- geimfpte korrigiert als geimpfte
- wio korrigiert als wie
- sorfältig korrigiert als sorgfältig
- Geerhter korrigiert als Geehrter
- ensteht korrigiert als entsteht
- ans korrigiert als an
- Laboratium korrigiert als Laboratorium
- Troztdem korrigiert als Trotzdem
- angenehnem korrigiert als angenehmem
- durchfallenden korrigiert als durchfallendem
- Bij korrigiert als Bei
- swach korrigiert als schwach
- wahrnemen korrigiert als wahrnehmen
- lasst korrigiert als lässt
- volendet korrigiert als vollendet
- kan korrigiert als kann
- herrgestellt korrigiert als hergestellt
- enstehen korrigiert als entstehen
- wurden korrigiert als worden
- missgetaltet korrigiert als missgestaltet
- gift korrigiert als Gift
- Schwamm-parenchym korrigiert als Schwammparenchym
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Der Tabak, by C. J. Koning
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER TABAK ***
-
-***** This file should be named 51474-8.txt or 51474-8.zip *****
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-Produced by Peter Becker, Jana Palkova and the Online
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-file was produced from images generously made available
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-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
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-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of computers
-including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
-because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
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-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
-http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
-permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
-Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
-throughout numerous locations. Its business office is located at
-809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
-business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
-information can be found at the Foundation's web site and official
-page at http://pglaf.org
-
-For additional contact information:
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
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-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
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-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
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-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
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-status with the IRS.
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-charities and charitable donations in all 50 states of the United
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-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
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-where we have not received written confirmation of compliance. To
-SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
-particular state visit http://pglaf.org
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-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
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-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
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- The Project Gutenberg eBook of Der Tabak, by C. J. KONING
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-The Project Gutenberg EBook of Der Tabak, by C. J. Koning
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-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
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-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
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-
-Title: Der Tabak
- Studien über seine Kultur und Biologie
-
-Author: C. J. Koning
-
-Release Date: March 16, 2016 [EBook #51474]
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-Language: German
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-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER TABAK ***
-
-
-
-
-Produced by Peter Becker, Jana Palkova and the Online
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-file was produced from images generously made available
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-
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-<h1>DER TABAK</h1>
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-</div>
-<p class="center">1900.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-
-<p class="blockquot2">
-<em class="antiqua">J. FORSTER</em>, M. D., LL. D. (Edinburgh),</p>
-
-
-
-
-<p class="blockquot2">Professor der Hygiene und Bacteriologie
-an der Universität Strassburg,
-Correspondierendem Mitglied der
-Kgl. Academie der Wissenschaften zu
-Amsterdam, u. s. w.,</p>
-
-
-<p class="blockquot2">gewidmet.</p>
-
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-<p><a name="Bei_den_chemischen_Prozessen_der_Bildung_und_Zersetzung_von_Stoffen_die_in_der" id="Bei_den_chemischen_Prozessen_der_Bildung_und_Zersetzung_von_Stoffen_die_in_der"><i>Bei den chemischen Prozessen der Bildung und Zersetzung von Stoffen, die in der
-Natur täglich stattfinden, spielt die Lebensthätigkeit kleinster Organismen eine mächtige,
-einflussreiche Rolle. Nicht bloss für den Biologen, auch für die Entwicklung des
-Chemikers ist es demnach von hervorragender Bedeutung, neben der Chemie, die
-Bacteriologie, die Lehre von diesen Organismen, zu betreiben. Von dieser Erwägung
-ausgehend wünschte ich mich, nachdem ich mein Fachstudium an der Amsterdamer
-Universität vollendet hatte, auch mit dieser jungen Wissenschaft zu beschäftigen, die
-seit kurzem eine hohe Flucht genommen hat und in die verschiedensten Gebiete eingreift.
-Die günstige Lage meines Wohnortes in der Nähe von Amsterdam ermöglichte mir
-den weiteren Besuch der Universitätsanstalten, und so wendete ich mich an Sie, verehrter</i>
-<em class="gesperrt">Professor Forster</em>, <i>mit der Bitte, mir den Weg auf dem mir fremden Terrain
-zu zeigen. Freundlich haben Sie mich in Ihr Laboratorium aufgenommen und mich
-mit den bacteriologischen Untersuchungsmethoden bekannt gemacht.</i></a></p>
-
-<p><i>Ich erinnere mich noch lebhaft, wie Sie nun vor vier Jahren mich auf die Fermentation
-des Tabaks aufmerksam machten, mit welcher Sie sich seit längerer Zeit
-schon gelegentlich beschäftigt hatten. Sie legten mir diesen Gegenstand besonders ans
-Herz und wiesen mich damit auf ein Gebiet, das nach verschiedenen Richtungen hin
-urbar gemacht werden könne.</i></p>
-
-<p><i>Nachdem ich nun einmal unter Ihrer Leitung begonnen hatte, auf diesem Gebiete
-zu arbeiten, trat mir bald, wie Sie voraus gesagt, der hohe Nutzen deutlich vor Augen,
-den die eingehende Untersuchung der Tabakskultur vom wissenschaftlichen Standpunkte
-aus und mit Zuhilfenahme des durch die Bacteriologie gewonnenen Wissens bietet. Die
-Beschäftigung hiermit wurde mir täglich lieber und regte mich zu fortwährender
-neuer Arbeit an.</i></p>
-
-<p><i>Ihnen, verehrter</i> <em class="gesperrt">Professor Forster</em>, <i>fühle ich mich zu Dank verpflichtet.
-Sie haben mir den Weg eröffnet, auf dem ich das Kleine in der Natur, das so mächtige
-Wirkung übt, kennen lernte. Sie haben mir in den freundlichen Räumen des Laboratoriums
-an der Amsterdamer Universität stets Ihre Beihilfe verliehen.</i></p>
-
-<p><i>Ihnen verdanke ich meine Entwicklung in dieser biologischen Wissenschaft, zu der
-meine Neigung mich hin zog; und deshalb ist es mir eine angenehme Pflicht, Ihnen
-hiermit die Frucht meiner Arbeit in der Form dieses Buches zuzueignen.</i></p>
-
-<p>Bussum, November 1899.</p>
-<p class="right">C. J. KONING.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_1" id="Page_1">[ 1]</a></span></p>
-
-
-
-
-<p class="halftitle"><a name="DER_TABAK" id="DER_TABAK">DER TABAK</a></p>
-
-<p class="center">VON</p>
-
-<p class="center large">C. J. KONING.</p>
-
-<p class="blockquot1"><b><em class="gesperrt">Hanausek</em> erwähnt im Anschluss an das von<br />
-<em class="gesperrt">Suchsland</em> vorgeschlagene verbesserte Tabaksgährungsverfahren<br />
-durch reingezüchtete Bakterien,<br />
-dass nach <em class="gesperrt">Semmler</em> in Cuba einige beschädigte<br />
-Tabakblätter von untadelhaftem Aroma in Wasser<br />
-zum Faulen gebracht werden und dieses Wasser zum<br />
-Besprengen des ausgegohrenen Tabaks gebraucht<br />
-wird, wodurch das Aroma verbessert werden soll.<br />
-<br />
-<em class="gesperrt">Koch's</em> Jahresbericht über die Fortschritte in<br />
-der Lehre von den Gährungsorganismen 1892.</b></p>
-
-<p>Vor mehr als zwei Jahren lenkte Professor <em class="gesperrt">Forster</em> in Amsterdam meine
-Aufmerksamkeit auf die Untersuchung der Gährung des Tabaks. Die Vermutung lag
-nahe, dass entweder die Hefen, oder die Bakterien bei der Gährung eine Funktion
-ausübten (<em class="gesperrt">Suchsland</em>). Die Proben sind also von mir in der Richtung hin
-genommen worden, dass ich in erster Linie ungebrühten Tabak im Laboratorium
-künstlich zum Gähren brachte, um später die natürliche Gährung mit dem erhaltenen
-Resultate vergleichen zu können. Ich habe, durch verschiedene Umstände
-dazu gebracht, die Untersuchung ausgedehnt und sowohl den anatomischen Bau
-der Pflanze, besonders des Blattes, als die Düngung und die chemische Zusammensetzung
-des lebenden, des sterbenden und des toten Gewebes untersucht. Dann
-habe ich die Gährung und die dabei hervortretenden Erscheinungen genau betrachtet und
-schliesslich die Krankheiten, welche sich am meisten bei den Pflanzen zeigen, studiert.</p>
-
-<p>Ehe ich diese Gegenstände zu beschreiben anfange, spreche ich zuerst Herrn
-Professor <em class="gesperrt">Forster</em>, jetzt in Strassburg, meinen Dank aus, der mir zum Anstellen
-der Versuche seinen Rath und sein Laboratorium zur Verfügung stellte, dann den
-Herren <em class="gesperrt">Herschel</em> in Amersfoort und <em class="gesperrt">de Hartog</em> in Wageningen, die mir den<span class="pagenum"><a name="Page_2" id="Page_2">[ 2]</a></span>
-nichtfermentierten Tabak zusandten und mir Gelegenheit gaben, öfters die gährenden
-Haufen Tabak in Wageningen zu untersuchen und mich dadurch in den Stand
-setzten, die Kulturen zu den bakteriologischen Untersuchungen an Ort und Stelle
-anlegen zu können, dem Herrn <em class="gesperrt">N. v. Os</em> in Amerongen für seine Bereitwilligkeit,
-mir die lebenden, toten und kranken Pflanzen zuzuschicken und für seine vielen
-wichtigen Mitteilungen bei meinem wiederholten Besuche in den Tabaksfeldern.
-Allen meinen Dank für ihre Hülfe und Freundlichkeit, deren ich mich stets
-erfreut habe.</p>
-
-<p>Als <em class="gesperrt">Columbus</em> 1492 auf der Insel Guanahani landete, sah er, wie die
-Rothäute aus Nase und Mund Rauchwolken bliesen. Sie hatten ein Kraut, welches,
-nachdem es getrocknet war, in ein Maisblatt hinein gewickelt, an der einen Seite
-angezündet und am andern Ende im Munde gehalten wurde. Dieses aufgerollte
-Kraut trug den Namen »Tabaco«. Andere behaupten, der Name Tabak stamme von
-einer zu den Antillen gehörigen Insel Tabago her. Wie dem auch sei, soviel
-ist sicher, dass im Jahre 1558 in Lissabon eine Tabakspflanze aus Florida von
-<em class="gesperrt">Gonzales Hernandes</em> eingeführt wurde, wovon <em class="gesperrt">Jean Nicot</em> allda im Jahre
-1560 mittels Samen viele Pflanzen aufzog und diese in verschiedene Länder Europas
-mit wunderlichen Erzählungen verbreiten liess. Allmählich wurde die Pflanze in
-verschiedenen Gegenden angepflanzt, bald mit mehr, bald mit weniger Erfolg.
-Von den am meisten kultivierten Arten können genannt werden: <i>Nicotiana
-Tabacum</i>, <i>N. rustica</i> und <i>N. macrophylla</i>. Die Pflanze gehört nach dem System
-von <em class="gesperrt">Eichler</em> zu den <i>Tubiflorae</i> und zwar zu der Unterabteilung der <i>Solonaceae</i>.
-Sie ist also der <i>Datura Stramonium</i>, <i>Hyoscyamus niger</i>, <i>Capiscum annuum</i>, <i>Solanum
-tuberosum</i>, <i>Lycopersicum esculentum</i>, <i>Atropa belladonna</i> u. a. nahe verwandt. Die
-Familie hat also zahlreiche Vertreter, welche kräftig wirkende Gifte bilden.</p>
-
-<p>In den Tabaksblättern zeigt sich das bekannte flüssige Alcaloid Nicotin,
-gebunden an Apfelsäure und zwar in wechselnden Quantitäten von 0,7-5%,
-abhängig vom Alter der Pflanze und den verschiedenen Witterungsverhältnissen.
-Die schönen Untersuchungen von <em class="gesperrt">Ladenburg</em>, <em class="gesperrt">Hoffmann</em> und <em class="gesperrt">Pinner</em> liessen
-das Nicotin als ein Derivat von Pyridin erkennen. Die chemische Structur dieses
-kräftig wirkenden Giftes ist bekannt geworden und daher die Synthese möglich.</p>
-
-
-
-<hr class="chap" />
-<h2><a name="Handel_und_Anwendung" id="Handel_und_Anwendung">Handel und Anwendung.</a></h2>
-
-
-<p>Ein jeder, welcher die Gegend um Wageningen, Elst und Amerongen, von
-Amersfoort und Nijkerk, die Dörfer in der Betuwe und in Maaswaal besucht und<span class="pagenum"><a name="Page_3" id="Page_3">[ 3]</a></span>
-dort durch die Tabaksfelder geht, wird den Eindruck bekommen, dass die Tabakskultur
-hier im Lande noch eine grosse Ausdehnung hat. Besonders fiel mir überall
-die aussergewöhnliche Sorgfalt auf, welche auf die Kultur, auf die Ernte, auf das Trocknen
-und auf die Brühung verwendet wurde. Es möge den holländischen Tabakspflanzern
-ein erfreuliches Zeichen sein, dass diese wirklich grosse Kultur und dieser grosse
-Handel in den letzten zwei Jahren wiederum Fortschritte machen. Ehemals brachte
-der getrocknete, noch nicht fermentierte Tabak 25 Gulden per 100 Pfund ein, in den
-schlechten Jahren (87-92), als viele Züchter die Kultur einstellten, 7-12 Gulden,
-und jetzt wieder 17-20 Gulden.</p>
-
-<p>Man unterscheidet im Handel:</p>
-
-<p>1<sup>o</sup> <i>Boden- oder Sandgut.</i> Dies sind Tabaksblätter, welche zuerst gepflückt werden,
-die untersten Blätter, welche viel Erde und Sand enthalten und schon Ende Juli
-geerntet werden.</p>
-
-<p>2<sup>o</sup> <i>Erdgut.</i> Dies sind die mittelsten Blätter, die wohl den besten Teil der
-Pflanze bilden.</p>
-
-<p>3<sup>o</sup> <i>Bestgut.</i> Dies ist weniger gut und wird vom oberen, der Knospe beraubten
-Teil der Pflanze, erhalten.</p>
-
-<p>4<sup>o</sup> <i>Geizen.</i> Es sind diejenigen Blätter, welche nach dem Pflücken noch am Stengel
-wachsen, es sind Ausläufer, welche die Pflanze so viel wie nur möglich aussaugen.</p>
-
-<p>Die Durchschnittsernte ist gewöhnlich 2 à 3 Millionen Pfund.</p>
-
-<p>Von unserm holländischen Tabak geht 7/8 der Ernte nach Deutschland, Belgien,
-Österreich, Italien, Schweden, Norwegen und England; 1/8 bleibt im Lande zu verschiedenen
-Zwecken als Kerbtabak und Deckblatt.</p>
-
-<p>Der Schnupf- und Kautabak wird hauptsächlich geliefert von Amerongen, Nijkerk,
-Wageningen, Rhenen und Umgegend; es ist »Bestgut« und wird zum grössten Teil
-nach England, Belgien, Italien und Deutschland versandt, während das »Erdgut« nach
-Österreich, Frankreich und auch nach Italien und Deutschland geht.</p>
-
-<p>Das Blatt aus Nijkerk ist, wie man es nennt »üppiger«; es ist elastischer und
-»piepst«, wenn man es mit den Fingern spannt. Es sieht auch fetter und dicker
-aus und eignet sich daher besser zum schweren Kautabak und zum Schnupftabak.
-Die Betuwe liefert mit ihrem schweren Lehmboden immer den besten Cigarrentabak,
-der deshalb mit 2 Gulden per 100 Pfund mehr bezahlt wird. Der Tabak von Valburg
-jedoch mit seinem hellgefärbten Blatt zeichnet sich vor allen andern aus und ist
-sogar 8 Gulden per 100 Pfund mehr wert. &mdash; Der Tabak, der nach Schweden,
-Norwegen, Dänemark und Deutschland »ungebrüht« versandt wird, kommt aus
-Valburg und Bemmel und zum kleinen Teil von Maaswaal. Er wird im getrockneten
-Zustande, »kalt gebrüht«, wie man es nennt, also ohne der Fermentation ausgesetzt
-gewesen zu sein, sofort gebraucht. Dieser Tabak hat eine helle, goldgelbe Farbe.
-Der Schnupf- und Kautabak hat ein dickes Blatt; schon mit der Hand kann man<span class="pagenum"><a name="Page_4" id="Page_4">[ 4]</a></span>
-bei gleich grossen Büscheln den Gewichtsunterschied von dem Cigarrentabak deutlich
-herausfühlen (Betuwe).</p>
-
-<p>Um die hohen Zollabgaben in England, Deutschland und Belgien zu umgehen,
-wird die Mittelnarbe aus den Blättern herausgenommen, die Blatthälften auf
-einander gelegt und in zierliche Büschel gebunden. Den gleichen Erfolg erhält
-man, wenn man den Tabak »ausdämpft« d. h. das Gewicht vermindert, indem man
-den Wassergehalt verringert. Auf diese Weise ist es möglich, 50 kg auf ein
-Gewicht von 35 herabzudrücken. Ich meine, dass die englische Regierung eine
-bestimmte Grenze gezogen hat, und dass der Tabak also nicht so trocken
-gedämpft werden darf, wie man dies früher that.</p>
-
-<p>Der Einfluss ausländischer Ernten kann hier durch die Änderung des Preises
-zu Tage treten. Wenn das Ausland eine Missernte oder weniger gute Ernte hat,
-so steigen die Preise hier und umgekehrt.</p>
-
-<p>Die Zeit für den Verkauf ihres Tabaks kann von den Züchtern selbst bestimmt
-werden; der Grosshandel bezieht die getrockneten Blätter von ihnen, wenn die
-Preise annehmbar sind.</p>
-
-<p>Dieser Handel beruht hauptsächlich bei den Herren <em class="gesperrt">Herschel</em> in Amersfoort,
-<em class="gesperrt">de Hartog</em>, <em class="gesperrt">de Voogt</em> und <em class="gesperrt">Koch</em> in Wageningen, <em class="gesperrt">Frowein</em> in Arnheim und
-<em class="gesperrt">de Block</em> und C<sup>o</sup>. in Amsterdam, nebst einigen Spekulanten in Maaswaal.</p>
-
-
-
-<hr class="chap" />
-<h2><a name="Dungung" id="Dungung">Düngung.</a></h2>
-
-
-<p>Das Klima, der Boden, die Düngung, die Trocknungsweise der Blätter und
-die Fermentation üben einen grossen Einfluss auf die so sehr erwünschte gute
-Qualität der Tabaksblätter aus. Es ist also nicht möglich, alle diese Bedingungen
-künstlich hervorzurufen oder zu beeinflussen.</p>
-
-<p>Eine gute Ernte ist sehr abhängig von den Witterungsverhältnissen. Ein einziger
-Hagelschauer kann in einigen Minuten ein zu Felde stehendes Gewächs fast vernichten,
-während auf der anderen Seite eine Krankheit unter den Pflanzen bisweilen
-zahlreiche Opfer heischt. Auch beim Tabak findet ein Wechsel im Anbau statt; wozu
-die Leguminosen gewählt werden. Durch die eingehenden Untersuchungen von <em class="gesperrt">Hellriegel</em>,
-<em class="gesperrt">Nobbe</em> und <em class="gesperrt">Hiltner</em> ist dieser Wechsel studiert und erklärt worden. Die
-Pflanze, die im Allgemeinen viel Stickstoff zum Aufbau des Eiweisses bedarf, erhält
-diesen Stickstoff aus dem Boden und der zugeführten Nahrung. Wenn ein und dasselbe
-Gewächs während einiger Jahre auf einem Acker gezogen wird, so wird dieser
-Acker ungeachtet der Düngung stets ärmer an der gewünschten Nahrung für die<span class="pagenum"><a name="Page_5" id="Page_5">[ 5]</a></span>
-Pflanze werden. Durch die Abwechslung in der Anpflanzung, die man nicht erklären
-konnte, wurde diesem Übel einigermassen abgeholfen. Man findet in den Leguminosen
-(Erbsen, Bohnen m. a. W. Hülsenfrüchte) Pflanzen, die den Acker für das
-nächste Jahr verbessern. Jetzt hat sich herausgestellt, dass die kleinen Wurzelknöllchen
-jener Hülsenfrüchte eine sehr wichtige Funktion bei der Assimilation
-des Stickstoffs ausüben. Die Besprechung des höchst interessanten Baues jener
-kleinen Knollen, sowohl als die Entwicklung der Bakterien, welche da hinein
-dringen, das Gewebe angreifen und dieses umbilden, würde zu weit führen.</p>
-
-<p>Jedoch sei darauf hingewiesen, dass bestimmte Arten von Bakterien durch die
-Wurzelhaare oder Verletzungen in die Wurzeln hineindringen, sich stark vermehren
-und ein neues Pflanzengewebe hervorbringen, welches sich in knollenartigen Verdickungen
-zeigt. Die Wirkung dieser kleinen Knollen fängt erst dann an, wenn
-die auflösbaren Stickstoffverbindungen aus dem Boden verbraucht sind.</p>
-
-<div class="figcenter" style="width: 450px;">
-<img src="images/fig01.jpg" width="450" height="286" alt="" />
-<div class="caption"><p>Fig. 1. Nicht-geimpfte und mit bacterien-geimpfte Serradella (Ornithopus sativus).</p></div>
-</div>
-
-<p>Reinkulturen von verschiedenen Bakterien, welche augenscheinlich dieselben
-kleinen Knollen bilden, habe ich jetzt unter dem Namen »Stikstofverzamelaars« (Stickstoffsammler)
-in den Handel gebracht. Eine Weinflasche dieser Kultur genügt für 1/4 ha. So<span class="pagenum"><a name="Page_6" id="Page_6">[6]</a></span>
-hat man »Stikstofverzamelaars« für <i>Pisum Sativum</i> (gewöhnliche Erbse) <i>für</i> <i>P. arvense</i>
-(Sanderbse), <i>Lupinus</i>, <i>Ornithopus sativus</i>, <i>Trifolium pratense</i>, <i>Lathyrus Sylvestris</i> u. s. w.</p>
-
-<p>Vergleichende Proben, mit diesen Kulturen genommen, zeigen in der That den
-grossen Unterschied in der Entwicklung und in dem Wachstum der Pflanze auf einem
-Acker mit solchen Reinkulturen gedüngt, und dem gleichen Acker, welcher im
-natürlichen Zustande geblieben ist<a name="FNanchor_A_1" id="FNanchor_A_1"></a><a href="#Footnote_A_1" class="fnanchor">[A]</a>.</p>
-
-<p>Jeder Züchter ist davon überzeugt, dass die Anwendung einer bestimmten Art
-Dünger für ein bestimmtes Gewächs die Ernte bedeutend verbessern kann. Das
-schwierige Problem, welcher Dünger in unserm Lande für unsern Tabak verwendet
-werden muss, ist zwar noch nicht ganz gelöst, doch ist ein Fortschritt in der Kulturweise
-der Pflanzen schon zu bemerken, dank der Sorgfalt, die viele Pflanzer ihrem
-Gewächse widmen. Die Anweisung tüchtiger wissenschaftlich gebildeter Agronomen,
-Chemiker, und in der letzten Zeit Bakteriologen ist von höchster Wichtigkeit, um
-Versuche nach einer bestimmten Richtung hin anzustellen.</p>
-
-<p>Die Erfahrung lehrt, dass ein hoher Gehalt an Chlorsäure die Brennbarkeit des
-Tabaksblattes nicht fördert, sondern sie stark verringert. Ebenso wie in
-Ostindien hat man auch hier die Erfahrung gemacht, dass derselbe Boden nicht jedes
-Jahr ein gleich gut brennendes Produkt liefert (Salm 1877).</p>
-
-<p>Viele aufmerksame Pflanzer meinen, ein tüchtig beregneter Tabak liefere
-meistens ein besser brennbares Produkt. In der Asche gut brennbaren Tabaks findet
-sich viel kohlensaures Kali, in derjenigen des schlecht brennbaren sehr wenig von
-diesem Salze; dahingegen viel schwefelsaures Kali und Chlorkalium. Das kohlensaure
-Kali ist in diesem Zustande nicht im Blatte anwesend, sondern entsteht beim Verbrennen
-aus Apfelsäure, Citronensäure und oxalsaurem Kalium. Die sehr verbreitete Meinung,
-dass der Salpeter die Brennbarkeit vermehre, ist nicht ganz richtig. Denn Algier
-liefert Tabaksarten, welche viel Salpeter enthalten und doch schlecht brennen. Dagegen
-bestehen andere Arten, welche keinen Salpeter enthalten und doch gut brennen.</p>
-
-<p>Man hat Recht, wenn man Zusammenhang sucht zwischen der Brennbarkeit
-und dem Vorhandensein von organischen Salzen, und dies kann man erklären und
-beweisen. (Indische Kulturen von <em class="gesperrt">Van Gorkom</em>.) Unbrennbarer Tabak, welcher
-durch eine Auflösung eines organischen Kalisalzes gezogen und nachher getrocknet
-wird, ist durch diese Behandlung wirklich brennbar geworden. Macht man die
-nämliche Probe mit gut brennbarem Tabak und einem anorganischen, einem
-Magnesium- oder Kalk-Salze, so ergiebt sich, dass die Brennbarkeit gewichen ist.
-Die Asche wird in diesem Falle kein kohlensaures Kali enthalten, das wohl nach
-dem ersten Experimente gefunden wurde. Der Tabak erheischt Kalium, viel Kalium,
-und damit jene Salze in die Pflanze aufgenommen oder in ihr gebildet werden,<span class="pagenum"><a name="Page_7" id="Page_7">[ 7]</a></span>
-muss man die Chlorverbindung vermeiden. Die kohlensauren-, salpetersauren
-und schwefelsauren Salze des Kalium dahingegen werden von den organischen
-Säuren analysiert. Alljährlich werden von unsern Züchtern Tausende von Gulden
-auf die Düngung ihrer Felder verwendet. Die Tabakspflanze braucht eine kräftige
-Nahrung, wodurch sie zu gleicher Zeit eine gewisse Immunität den fungischen Sporen
-gegenüber erhält.</p>
-
-<p>Es ist sehr beachtenswert, dass die Pilzarten im Tabak, welcher in unfruchtbaren
-Boden gepflanzt war, welcher also wenig gedüngt wurde, sich später gerne in
-der Pflanze entwickeln. Der schlechte finanzielle Zustand des Pflanzers ist indirekt
-Ursache davon. Allgemein kann man bei sorgfältiger Behandlung des Tabaks annehmen,
-dass ein Hektar von Boden, welcher schon in Kultur genommen ist, 35000 kg.
-Schafsmist braucht, mit einem Durchschnittswert von 350 Gulden (etwa 600 Mk.) Die
-Experimente mit der Tabakskultur in Zeeland haben bis jetzt nicht den erwünschten
-Erfolg gehabt. Der hohe Gehalt des Meeresthons an Chloriden ist höchst wahrscheinlich
-Ursache davon. Im Zusammenhang mit dem dortigen Futter der Schafe
-ist auch der Mist dieser Tiere (<i>f</i> 1,50 per 1300 kg.) weniger wert als derjenige,
-welcher aus der Provinz Utrecht und Süd-Holland angeführt wird. Im grossen
-Ganzen ist die Düngung unsrer Tabaksfelder noch sehr verschieden. Einen sehr
-guten Erfolg erzielt man durch Anwendung von 45000 kg. Schafsmist und 500 kg.
-Chilisalpeter-Superphosphat per Hektar. Gleich günstig wirkt eine Düngung mit
-45000 kg. Schafsmist und 350 kg. gemalenem (= aufgelöstem) Peruguano.</p>
-
-<p>Die Zusammensetzung dieser Düngstoffe ist für 1000 kg. frischen Schafsmistes
-in ihren wirksamsten Bestandteilen angegeben: Stickstoff 8.3, Phosphorsäure 2.3,
-Kali 6.7, Natron 2.2, Kalk 3.3, Chlor und Fluor 1.7 im Werte von <i>f</i> 8,&mdash; per
-1000 kg., welche durch die Kosten für Fracht, Arbeitslohn, bis zu <i>f</i> 9,&mdash; steigen.
-Chilisalpeter enthält 15% Stickstoff im Werte von <i>f</i> 11,50 à <i>f</i> 12,50 per 100 kg.</p>
-
-<p>Aufgelöster (= gemalener) Peruguano: 7% Stickstoff und 9.5% auflösbare Phosphorsäure
-im Werte von <i>f</i> 10,&mdash; per 100 kg.</p>
-
-<p>Ebenso wie die meisten anderen künstlichen Düngstoffe, welche unter Kontrolle
-gestellt werden können, wird der Gehalt für Chilisalpeter-Superphosphat angegeben
-mit 7% Stickstoff und 9% Phosphorsäure etwa im Werte von <i>f</i> 8,50 per 100 kg.
-Unter dem Namen »Delidünger« der besonders nach Indien geschafft wurde, war
-eine Mischung im Handel, welche 6% Stickstoff, 5% Phosphorsäure und 5% Kali
-enthielt. Man behauptete, durch Anwendung dieses Kunstdüngers erhielte man ein
-hell gefärbtes Blatt.</p>
-
-<p>In der letzten Zeit ist die Aufmerksamkeit auf die Torfstreu gelenkt worden,
-welche aus den Pferdeställen herstammt. Sie zeichnet sich vor allen anderen
-tierischen Düngstoffen dadurch aus, dass mit ihr der Boden porös bleibt und deshalb
-mehr Feuchtigkeit festhält als bei einer Düngung mit Kuhmist.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_8" id="Page_8">[ 8]</a></span></p>
-
-<p>Ein mir bekannter Züchter, der eine Reihe von Jahren Versuche mit verschiedenen
-Düngstoffen machte, einzeln und gemischt, hat es jetzt so weit gebracht, dass ein für
-Holland sehr gutes Produkt erzielt wird, zu gleicher Zeit noch mit dem Vorteile,
-dass die Kosten für Düngung bedeutend geringer sind.</p>
-
-<p>Einige Züchter gebrauchen nebst Schafs- oder Kuhmist noch Taubenmist auf
-ihren Feldern und zwar 20 bis 30 h.l. per h.a. Die Erfahrung lehrt, dass so der
-Tabak kräftiger ist, schwerer wiegt und mehr Glanz besitzt. Ein gleiches Resultat
-wird hervorgebracht mit dem viel billigeren Peruguano.</p>
-
-<p>Alle 4 bis 5 Jahre werden auf dem Felde Leguminosen gezogen und noch nachher
-im nämlichen Jahre weisse Rüben, auch wohl Futtermöhren. In diesem Falle wird
-im Monat März der Möhrensamen zu gleicher Zeit mit Erbsen ausgesät, die Rüben
-hingegen erst Ende Juli, nachdem die Erbsen eingeerntet sind. Im darauffolgenden
-Jahre wächst auf solchem Acker die Tabakspflanze üppiger, trägt ein dünneres,
-schöneres Blatt, das besser brennt, doch weniger Gewicht hat bei gleicher Düngung
-als auf anderem Boden. Wir sehen hier nochmals die kräftige Nachwirkung der
-Leguminosen, das Resultat des Wechselbaues.</p>
-
-<p>Allgemein wird bemerkt, dass ein warmer, trockner Sommer ein dickeres,
-schwerer brennbares Blatt liefert, ein feuchter regnerischer Sommer ein dünneres,
-besser brennbares Blatt. <em class="gesperrt">Nessler</em> suchte die Erklärung dafür in der verschiedenen
-Absorptionsfähigkeit des Bodens dem Chlor und Kalium gegenüber, wonach in
-trocknen Sommern besonders die Chlorsalze (NaCl.) mit dem Grundwasser
-aufsteigen sollten, indem diese in nassen Sommern hinweggespült würden. Wie
-dem auch sei, es scheint mir, dass der anatomische Bau des Blattes einen nicht
-unbedeutenden Anteil an der Brennbarkeit hat. Ein Tabaksfeld in der Nähe von
-Amerongen war zum Teil gelegen an einer mit schweren Buchen bewachsenen
-Allee; dieser Teil wurde fast den ganzen Tag beschattet, war also feuchter als
-der von der Sonne beschienene. Die Pflanzen im Schatten waren höher und mit
-grösseren Blättern versehen.</p>
-
-<p>Die mikroskopischen Untersuchungen zeigen in der That, dass die Struktur
-der Blätter feiner ist, und dass besonders das Schwammparenchym mit grösseren
-Luftgefässen versehen ist als dasselbe Gewebe der von der Sonne beschienenen
-Blätter. Ebenso, jedoch in schwächerem Grade, kennzeichneten sich die Blätter der
-Pflanzen, welche durch den Schatten der Trockenscheunen nach 1 Uhr Nachmittags
-keine Sonne mehr bekamen. Im Anschluss hieran lehrten mich die Versuche,
-dass ein Blattteil ohne Hauptrippen einer beschatteten Pflanze weniger wog als
-ein ebensogrosser Teil von einem besonnten Blatte. Als Durchschnittswert bei
-frischen Blattteilen fand ich für die im Schatten wachsenden Pflanzen, bei einer
-Oberfläche von 23 cm<sup>2</sup>, 0.530 Gramm, für die im Sonnenlicht wachsenden Pflanzen
-0.650 Gramm, also im Verhältnis von 100 zu 122.</p><p><span class="pagenum"><a name="Page_9" id="Page_9">[ 9]</a></span></p>
-
-<p>Zugleicherzeit muss hier die Bemerkung gemacht werden, dass Pflanzen, welche
-im Schatten wachsen, im grossen Ganzen ein besser brennbares Blatt liefern.</p>
-
-<p>Aus diesen Betrachtungen erhellt die Macht der Düngung und der Einfluss des
-Lichtes auf den anatomischen Bau des Blattes<a name="FNanchor_B_2" id="FNanchor_B_2"></a><a href="#Footnote_B_2" class="fnanchor">[B]</a>.</p>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<h2><a name="Kultur" id="Kultur">Kultur</a></h2>
-
-
-<p>Anfang März wird der Samen der Tabakspflanze auf eine sehr eigentümliche
-Weise zur Aussaat präpariert. Zu einem Hektar braucht man nur 18 Fingerhütchen
-von diesem sehr winzigen Samen. Man bringt weissen Sand in Blumentöpfe und
-oben darauf den ein wenig angefeuchteten Samen. Eine Reihe dieser Töpfe, meistens
-für verschiedene Züchter, wird in ein kaltes mit Glasscheiben verschlossenes Mistbeet
-gestellt, in welchem durch Brühung des hineingebrachten Pferdemistes die erwünschte
-Temperatur erhalten wird, um die Saat keimen zu lassen. Sobald das Würzelchen
-sich zeigt, wird der Samen mit trocknem Sande vermischt und dann in die Mistbeete
-ausgesät. Der Boden dieser Mistbeete ist mit Pferdemist und etwas Taubenmist
-zubereitet. In der Gegend von Wageningen und Amerongen ist dieser Vogelmist
-leicht zu bekommen, durch das Recht, welches einigen Herrlichkeiten gewährt ist,
-hunderte ja sogar tausende meist verwilderte Tauben halten zu dürfen. Von diesen
-uralten Herrlichkeiten können genannt werden: <i>Amerongen</i>, <i>Molenstein</i>, <i>Zandenburg</i>
-und <i>Leeuwenburg</i>. Der Handelswert dieses Taubenmistes ist etwa 2 Gulden per Malter.</p>
-
-<p>Die Kiste oder das Mistbeet, wovon der Glasrahmen mit geöltem Papier verklebt
-ist, wird jetzt derartig behandelt, dass der Pferdemist etwa 1 cm., der Taubenmist
-dahingegen etwa 3 à 4 cm. unter den Boden zu liegen kommt. Nachher wird das
-Mistbeet triefnass gemacht, und der Samen mit Sand vermischt darüber gestreut.
-Die ersten 10 Tage braucht es nicht begossen zu werden. Etwa am 15-30 Mai
-sind die Pflänzchen so gross, dass die besten ausgesucht und gepflanzt werden
-können. Dies geschieht auf dem schon schwer gedüngten Land und zwar so, dass zwei
-Reihen der Pflänzchen auf einen einigermassen erhöhten Erdrücken gestellt werden.</p>
-
-<p>Man erhält hierdurch eine gute <em class="gesperrt">Ab</em>wässerung und zugleicherzeit eine sehr gute
-Gelegenheit, um später beim Einernten zwischen die Pflänzchen zu gelangen.</p>
-
-<p>Auf einem ha. stehen ungefähr 38000 Pflanzen, welche je 45 cm. von einander
-entfernt sind. Die Umgebung der jungen Pflänzchen wird immer sorgfältig mittels
-Schaufel und Hacke vom Unkraute gesäubert.</p>
-
-<p>Die gefürchteten Feinde der Pflanzen sind nun die »Käfer- und Grauwürmer«,
-die auf allen Tabaksfeldern, und die Erdraupen, die nur auf einigen Feldern gefunden
-werden. Nicht selten werden während des ersten Monats 2000 per ha. mit der<span class="pagenum"><a name="Page_10" id="Page_10">[ 10]</a></span>
-Hand, also durch Ablesen entfernt. Nach dieser Zeit verschwinden diese gefürchteten
-Eindringlinge von selbst. Die Anpflanzung einer Reihe Salat längs der hohen Erbsen-
-und Bohnenhecken, scheint ein Lockmittel für die Erdraupen zu sein; auf diese
-Weise wird das Suchen und Entfernen erleichtert.</p>
-
-<p>Der Geldersche Landmann versteht unter Käferwürmern »Engerlinge«, das sind
-die Larven des Maikäfers, <i>Melolontha vulgaris</i>. Unter Grauwürmern versteht man
-gewöhnlich die »Emelten«, die Larven der Erdschnaken: <i>Tipula oleracea</i>, <i>T. paludosa</i>,
-<i>T. maculosa</i>, u. s. w. Unter Nadelwürmern versteht man gewöhnlich Erdraupen:
-<i>Agrotis segetum</i>, <i>A. tritici</i>, <i>A. exclamationis</i> u. s. w. Die Züchter verwechseln
-gewöhnlich diese Namen. Herr <em class="gesperrt">Professor Ritzema Bos</em> hatte die Güte, mir
-hier die richtigen Benennungen anzugeben. Nach 6 bis 7 Wochen ist die Pflanze schon so
-gross, dass sie »geköpft« werden kann, d. h. in den Morgenstunden wird mit geölten
-oder mit Speck eingeriebenen Fingern die Knospe herausgenommen. Die Pflanze trägt
-bald darauf 14 à 15 tüchtige Blätter. An einer geringen Zahl gut gewählter Pflanzen
-lässt man Samen schiessen, entfernt die kleinen Blumen oder Früchte und lässt die
-Grösseren zur vollen Reife kommen. Der Samen, der von überseeischen Besitzungen
-zum Anstellen von Versuchen hierher gebracht wurde, ist im Laufe der Jahre durch
-die natürliche Kreuzbestäubung stets zurück gegangen. Man hält jetzt auf die
-beschriebene Weise eine Auslese zur Ziehung der besten Arten. Ende Juli werden
-die untersten fünf Blätter, das sogenannte Sandgut, gepflückt, 2 bis 3 Wochen später
-das Erdgut, und wieder nach derselben Zeit das Bestgut.</p>
-
-<p>Die Blätter werden nach jeder Ernte in dem Hauptnerv eingeschnitten, an
-Stäbe oder Stangen gesteckt und dicht auf einander 3 bis 4 Wochen in dazu hergerichteten,
-gut ventilierten, meistens hölzernen Scheunen zum Trocknen aufgehängt.
-Bei feuchtem Wetter geschieht dies Trocknen nicht immer nach Wunsch, die Blätter
-trocknen schlecht und in Folge dessen entsteht die sogenannte »Anschwellung«, die
-in Fäulnis übergehen kann. Dadurch, dass man niedrige Feuer unter die trocknenden
-Blätter anlegt, kann diesem Übel abgeholfen werden, besonders im Spätsommer:
-am 10<sup>ten</sup> Tag der Trocknung wird dies beim Bestgut beobachtet, die »Anschwellung«
-zeigt sich dann dadurch, dass die hängenden Blätter sich gerade ausbreiten.</p>
-
-<p>Das Sandgut, Bestgut und Erdgut, von dem beim Anfange der Trocknung etwa
-30 à 40 Blätter an einer Stange hingen, wird nach 3 bis 4 Wochen umgesteckt und
-zwar derartig, dass die Blätter von 4 Stäben auf eine Stange gesteckt werden.
-Dann werden diese Stangen zu Haufen aufgetürmt und zwar so, dass ein Kubus
-gebildet wird, dessen Höhe aus etwa 20 bis 25 Schichten besteht, wovon die Blätter
-alle nach innen gerichtet sind.</p>
-
-<p>So bleiben sie liegen bis zum Oktober oder November, um dann sortiert und
-in Büschel zusammen gebunden zu werden.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_11" id="Page_11">[11]</a></span></p>
-
-
-<h2><a name="Anatomie_und_Physiologie" id="Anatomie_und_Physiologie">Anatomie und Physiologie.</a></h2>
-
-
-<p>Die Brennbarkeit des Tabaksblattes, wie wir schon sahen, ist abhängig von
-der Anwesenheit organischer Kaliumsalze.</p>
-
-<p>Die Art, wie die Pflanze diese bildet und aus welchen Salzen sie entstehen,
-ist nicht mit Bestimmtheit anzugeben. Jede lebende Pflanze (die meisten Parasiten
-ausgenommen) baut aus anorganischen Stoffen diejenigen Körper auf, welche
-sie braucht. In welcher Weise das Nicotin von der Tabakspflanze aufgebaut wird,
-ist unbekannt. Dies Alcaloid scheint sich in allen Teilen der Pflanze zu finden.</p>
-
-<p>Mit den allgemeinen Alcaloidreagentien wird überall im Pallissadengewebe
-wie im Schwammparenchym eine Reaktion beobachtet.</p>
-
-<p>Die Funktionen, welche die Organe der Pflanze ausüben, sind genau bekannt;
-man kennt die Rolle vom Xylem, Phloëm, Parenchym, Collenchym, Sclerenchym
-und von sovielen andern. Weniger bekannt ist die Weise, in welcher die Pflanze
-die organischen Stoffe aufbaut, Stoffe, welche so zusammengesetzt sind, dass man
-noch nicht den mindesten Begriff hat von ihrer Konstitution oder ihrem chemischen
-Bau. Vor einigen Jahren gab <em class="gesperrt">Baeyer</em> seine Hypothese über die Bildung der Kohlhydrate
-unter dem Einflüsse des Chlorophylls. Nach dieser Vermutung, die noch nicht
-widerlegt worden ist, geht die Kohlensäure in Ameisensäure über, diese mittels
-Reduktion in Aldehyd, und dieses wieder unter Polymerisation in ein Kohlhydrat,
-einen Zucker, ein Monosaccharid. Nach den Untersuchungen von <em class="gesperrt">Curtius</em>, die im
-Anfange des Jahres 1897 bekannt gemacht wurden, ist es ihm gelungen, aus dem Brei
-der Pappel- und Eschenblätter, mittels M &mdash; Nitrobenzhydrazid, ein Aldehyd auszuscheiden
-und anzuzeigen, (C<sub>7</sub> H<sub>11</sub> O C O H). Weiter ist bekannt, dass Asparagin
-oder Amido-Apfelsäure ein stickstoffreicher, kristallisirbarer Körper ist, welcher mit
-Traubenzucker Eiweiss bilden kann, und umgekehrt, dass das Eiweiss den Stickstoff
-wieder abgeben kann, um Asparagin aufzubauen, welches durch die Gewebe nach
-den Myristemen geführt werden kann, um da zur Stelle wieder das erwünschte
-Eiweiss entstehen zu lassen.</p>
-
-<p>Der Bau des Tabaksblattes ist dem Typus der Dicotylenblätter gleich. Wenn
-wir ein Tabaksblatt mikroskopisch auf dessen Querdurchschnitt betrachten, sehen
-wir zu allererst die Cuticula, welche mit Wachs überzogen ist; sie bildet einen
-Teil der Epidermis, die in unserm Falle sowohl an der Aussen- als Innenwand
-cuticularisiert ist. Diese Epidermis besteht aus flachen tafelförmigen Zellen, welche
-mit unregelmässig wellenden Linien in einander schliessen und hier und da Spaltöffnungen
-zwischen sich lassen.</p>
-
-<p>Obgleich die Spaltöffnungen in der Regel sich nur an der Unterseite der Blätter
-zeigen, ist dieses beim Tabak nicht der Fall; sie finden sich da an beiden Seiten.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_12" id="Page_12">[12]</a></span></p>
-
-<p>Viele Zellen der Epidermis sind zu Haaren ausgewachsen. Die Form dieser Haare
-ist sehr verschieden und kennzeichnend. Die meisten sind mehrzellig, sehr lang und
-tragen oben einen mit ätherischem Öl gefüllten mehrzelligen Körper; eine zweite
-Art ist gleichfalls lang, doch endigt in einer Spitze, während eine dritte Art auf einem
-kurzen einzelligen Stiele einen grossen angeschwollenen, mehrzelligen Körper trägt.<span class="pagenum"><a name="Page_13" id="Page_13">[13]</a></span>
-An beiden Seiten der Blätter zeigen sich Haare. Im allerjüngsten Zustande des
-Blattes sah ich sogar einige, welche stark verzweigt waren. Unter der Epidermis
-liegt das Pallissadengewebe, welches aus langen blattgrünreichen Zellen besteht,
-die sich dicht an einander anschliessen. Darunter laufen, doch nicht an allen
-Stellen, die Gefässbündel, welche aus Xylem und Phloëm bestehen, von denen
-das erstere zur Weiterbeförderung des Wassers, das letztere zum Transporte des
-Eiweisses dient.</p>
-
-<div class="figcenter" style="width: 600px;">
-<img src="images/fig02.jpg" width="600" height="588" alt="" />
-<div class="caption"><p>Fig. 2. Querdurchschnitt eines jungen Tabaksblättchens aus der Knospe genommen (Amerongen),
-150 Male vergrössert.</p></div>
-</div>
-
-<p>Die Holz- oder Xylemgefässe zeigen durch die eigentümlichen bandförmigen
-Anschwellungen die wohlbekannte Spirale, die Phloëmgefässe kennzeichnen sich
-durch die durchbohrten Zwischenwände oder Siebplatten; weiter treffen wir das
-Schwammparenchym, dass aus sehr grossen, gleichfalls chlorophyllreichen Zellen
-besteht, welche zahlreiche grosse Luftröhren zwischen sich einschliessen. Dann folgt
-wieder nach der Unterseite die Epidermis mit ihren vielen Spaltöffnungen und zu
-Haaren ausgewachsenen Zellen.</p>
-
-<p>In beigehender Zeichnung, die nach einem Querdurchschnitt von mir angefertigt
-wurde, sehen wir die Lage der Organe. Der Durchschnitt eines jungen Blattes, aus dem
-Keimpunkte genommen 12 cm. lang, ist derartig, dass der Nerv und an beiden Seiten
-davon der Anfang der beiden Blatthälften mit einem Teil des Gefässbündels, der
-sich nach dem Blatte zuwendet, deutlich sichtbar ist. Wir sehen in der Mitte den
-Xylembündel, aus Holzgefässen bestehend, ringförmig umschlossen vom Phloëm. Um
-den Gefässbündel herum liegt das Collenchym, kenntlich an den Anschwellungen
-der Zellenwände in den Ecken. Das Collenchym ist sehr dehnbar und in geringem
-Masse elastisch; daher kommt es, dass es nach Ausreckung nicht wieder vollkommen die
-frühere Länge annimmt. Es besteht aus langen Zellen mit platten Enden; die Wände
-sind weich und wasserreich, wodurch es unter dem Mikroskop bläulich aussieht.</p>
-
-<p>Was die chemische Zusammensetzung betrifft, finden wir in den Zellenwänden
-und in den cuticulären Schichten Suberin, einen Stoff, der mit dem Korkstoff identisch
-ist. In den frischen Blättern sind Spuren von Asparagin deutlich nachzuweisen (Alcohol
-abs.) Dieser Körper ist quantitativ mit Nitras hydrargyrosus zu bestimmen, wozu vorerst
-der Farbstoff mit basischem Bleiacetat niedergeschlagen wird. Quantitative Bestimmungen
-von Asparagin und Eiweiss (letztere Bestimmung nach der Methode
-<em class="gesperrt">Stutzer</em>) in den reifen Blättern, und während des Trocknens der Blätter gemacht,
-deuten auf einen Übergang von Eiweiss in Asparagin. Je länger die Blätter trocknen,
-desto reicher werden sie an diesem Crystalloid.</p>
-
-<p>Weiter kann im Blatte ein inversionsfähiges Kohlhydrat erkannt werden, mutmasslich
-Rohrzucker. Von organischen Salzen sind anwesend: die der Apfelsäure,
-Citronensäure und Oxalsäure, von denen das letztere als Calciumoxalat durch mikrochemische
-Reaktionen im Parenchym dargethan werden kann (man sehe die Figur).
-Von den anorganischen Salzen müssen die Chloride, Phosphate und Sulfate<span class="pagenum"><a name="Page_14" id="Page_14">[14]</a></span>
-erwähnt werden. Das Kalium ist teils an organische Säuren, teils an Salpetersäure
-gebunden.</p>
-
-<p>Unmittelbar hier anschliessend wünsche ich die Prozesse zu behandeln, die
-beim Trocknen der Blätter stattfinden. Sobald die Blätter in den Trockenscheunen
-aufgehängt werden, sehen wir, wie in den ersten Tagen schon grosse Änderungen
-vor sich gehen: die Farbe der Blätter geht über in ein fahles Gelb und läuft durch
-verschiedene Farben bis ins Braune. Wir haben nach dem Pflücken nicht sofort
-mit einem toten, abgestorbenen Blatte zu thun, sondern die Lebensfunktionen
-dauern noch Tage, ja Wochen lang fort. Das sterbende Blatt schafft in seinem
-Gewebe völlige Wandlungen, die schon durch die sichtbare Farbenänderung angezeigt
-werden. Durch Plasmolyse und durch Verwendung von Farbstoffen, wie Eosin und
-Picro-Carminsaures-Ammoniak, kann dargethan werden, dass die Zelle noch Tage lang
-eine zum Leben gehörige Function vollbringen kann.</p>
-
-<p>Ich fand für Blätter, die von mir selbst gepflückt und aufgehängt wurden, dass
-dies 15 bis 20 Tage dauern kann.</p>
-
-<p>Wenn Schnitte eines reifen Blattes in eine Jod-jodkaliumlösung gebracht
-werden, sehen wir, dass das Stärkemehl in äusserst kleinen Körnchen in grosser
-Zahl vorhanden ist; die Chlorophyllkörner erscheinen wie Riesen daneben.
-Während des Trocknens des Blattes nehmen sie in Anzahl ab, indem sie
-Zucker bilden. Die Versuche sind leicht zu machen. Ein Blatt oder ein Teil
-davon wird in Wasser gekocht, mit Kalilauge durchscheinend gemacht, nachher
-mit Essigsäure neutralisiert und weiter auf einen Porzellanteller ausgebreitet, in
-welchen man Jodalcohol mit Wasser gebracht hat. Nach einiger Zeit zeigt sich
-aus der Intensität der Färbung die Lage des Stärkemehls. Wenn hingegen ein Blatt
-mittels Chloroformdampf getötet wird, so findet die Umsetzung nicht statt, die Farbe
-verwandelt sich nicht in Gelb, ein Beweis, dass das sterbende Blatt Lebensfunktionen
-besitzt und zeigt. Die Verschwindung des Stärkemehls geht zusammen mit der
-Entstehung von Glucose, aber auch dieses Kohlhydrat ist während des Trocknens nicht
-bleibend, verschwindet jedoch auch nicht ganz. Ich meine, dass einige amerikanische
-Tabaksarten künstlich schnell getrocknet werden; doch dann fragt es sich, ob sich
-dieser Prozess günstig für den Tabak erweist. Während der Trocknung wächst
-auch der Gehalt an organischen Säuren, und da wir sahen, dass ein grosser
-Teil dieser Säuren an Kalium gebunden war, muss dies wieder die Brennbarkeit
-des Blattes beeinflussen.</p>
-
-<p>Quantitative Bestimmungen des Nicotin nach der Methode <em class="gesperrt">Kissling</em> zeigen,
-dass dies Alcaloid während der Trocknung keiner Änderung unterworfen ist;
-ebensowenig werden die Nitrate angegriffen. Die Eiweisse hingegen vermindern
-und als Produkte hiervon zeigen sich Amine (<em class="gesperrt">Behrens</em>).</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_15" id="Page_15">[15]</a></span></p>
-
-<p>Aus diesen Versuchen und Betrachtungen geht hervor, dass die Trocknung der
-Tabaksblätter langsam geschehen muss. Die chemischen Prozesse, welche unter
-dem Einfluss des Lebens während der Trocknung durchgemacht werden, sind
-von grosser Wichtigkeit für die hierauf folgende Fermentation. Wir werden da
-sehen, dass lebende Organismen, Bakterien, den Gährungsprozess einleiten und
-beendigen.</p>
-
-
-
-<hr class="chap" />
-<h2><a name="Fermentation_Physische_und_chemische_Untersuchung" id="Fermentation_Physische_und_chemische_Untersuchung">Fermentation. Physische und chemische Untersuchung.</a></h2>
-
-
-<p>Durch die Fermentation wird der Tabak einer völligen Änderung unterzogen,
-und ohne Zweifel üben die Brühungsweise, die Temperatur und die Bakterien einen
-grossen Einfluss aus auf die Bildung derjenigen Zersetzungsprodukte, welche was
-Geruch und Geschmack betrifft, kennzeichnend sind. Ich bin fest überzeugt, dass
-hauptsächlich die Bakterien und nicht die <em class="gesperrt">Loew'</em>schen Enzyme<a name="FNanchor_C_3" id="FNanchor_C_3"></a><a href="#Footnote_C_3" class="fnanchor">[C]</a>, die Hauptrolle
-spielen. Wir werden später sehen, dass bei künstlicher Impfung mit Reinkulturen
-ganz andere Prozesse stattfinden. <em class="gesperrt">Suchsland</em> war der erste, welcher in einer
-vorläufigen Mitteilung bekannt machte, dass Geruch und Geschmack durch die
-Lebensprozesse der Mikroben entstehen; jedoch hat er später nie wieder diesen
-höchst interessanten Gegenstand aufgenommen.</p>
-
-<p>In der Einleitung erwähnte ich schon, dass die Herren <em class="gesperrt">Herschel</em> in Amersfoort
-und <em class="gesperrt">de Hartog</em> in Wageningen mir immer bereitwilligst Hilfe verliehen, und
-dass in den Scheunen, wo die gährenden Haufen Tabak umgesetzt wurden, ein
-improvisiertes kleines Laboratorium mit den allernötigsten Instrumenten von uns
-eingerichtet war.</p>
-
-<p>Mit der grössten Sorgfalt wird ein Haufen Tabak zusammengesetzt. Die musterhaft
-zusammengebundenen Büschel werden aufgeschichtet, so dass man Haufen von etwa
-3 m. hoch, 3.5 m. breit und 3.5 m. lang bekommt. Diese Ziffern sind nicht normal,
-sondern Form und Grösse richten sich nach dem anwesenden Raum, ein Haufen
-ist desshalb grösser als der andere. Das Gewicht variiert gleichfalls, man hat solche
-von 15000 bis 30000 Pfund. Wenn ein Haufen fertig da steht, ist es wirklich ein
-reizender Anblick. Man sieht von allen Seiten die »Köpfe« der sorgfältig zusammengebundenen
-Büschel, welche dem Ganzen das Ansehen eines Flechtwerks geben.
-Wenn ein Haufen einige Tage steht, fängt er an zu sinken. Indem man lange Stangen
-hineinsteckt, kann man, wenn man dieselben herauszieht und mit der Hand anfühlt,<span class="pagenum"><a name="Page_16" id="Page_16">[16]</a></span>
-die Temperatur beobachten und zugleicherzeit den Geruch beurteilen. Die Personen,
-welche sich hiermit beschäftigen, haben, was dies betrifft, eine jahrelange Erfahrung.
-Es währt nicht lange so wird der Haufen warm und feucht, die Brühung oder
-Fermentation fängt an. Weil die Temperatur immer steigt, kommen von allen Seiten
-Insekten hinzu, welche mit dem Namen »Läuse« angedeutet werden. Bei meiner
-Anwesenheit habe ich dieselben nicht gesehen und habe also keine Gelegenheit
-gehabt, sie zu bestimmen.</p>
-
-<div class="figcenter" style="width: 445px;">
-<img src="images/fig03.jpg" width="445" height="324" alt="" />
-<div class="caption"><p>Fig. 3. Eine Fermentationsscheune des Herrn <em class="gesperrt">Herschel</em> in Amersfoort.</p></div>
-</div>
-
-<p>In Wageningen hat man die Erfahrung gemacht, dass Tabak aus der Veluwe
-wohl, der aus der Betuwe nicht diese Insekten bei der Gährung zeigt.</p>
-
-<p>Ein Haufen bleibt ungefähr 3 oder 4 Monate in Gährung, doch wird während
-dieser Zeit meistens 3 mal umgesetzt, wodurch die äusseren Teile, welche frei an
-die Luft grenzen, sich auch an der Brühung beteiligen können.</p>
-
-<p>Eine bestimmte Regel ist hierfür nicht anzugeben, die Erfahrung ist die beste
-Lehrerin. Ein Haufen von 20000 Pfund Bestgut von der Veluwe, von einem mit Schafsmist
-gedüngten Acker, wird, nachdem er 4 Wochen gestanden hat, umgesetzt. Dieses<span class="pagenum"><a name="Page_17" id="Page_17">[17]</a></span>
-Umsetzen, womit 5 Personen 2 bis 3 Tage beschäftigt sind, geschieht meisten 3-mal.
-Erd- und Sandgut aus der Betuwe (Valburg 60000 kg. Kuhmist per ha., ± 200 Gulden
-an Wert) wird gleichfalls 3-mal umgesetzt. Doch braucht man 4 Monate, um die
-Gährung zum erwünschten Ziel zu bringen.</p>
-
-<p>Gemischte Haufen, das sind Haufen, welche Tabak von verschiedenen Gegenden,
-Sandgut, Erdgut, Bestgut oder Geizen enthalten, brauchen eine nicht zu bestimmende
-Gährungszeit, die Erfahrung muss dies entscheiden. Einige Male geschieht es wohl,
-dass Tabak schwer oder gar nicht zum Gähren kommt (Erd- und Sandgut von 94
-und 96); dies werde ich sofort erklären.</p>
-
-<p>Zu gleicher Zeit glaube ich unsern Tabakspflanzern und Händlern eine Mitteilung
-machen zu müssen, die vielleicht Veranlassung zu einem Versuche geben könnte.
-Die Vermutung liegt nämlich nahe, dass ein hoher Stickstoffgehalt des Tabaks die
-Gährung zwar nicht bedingt aber doch stark dazu beiträgt. Durch das Hineinbringen
-von gewöhnlichem Klee (Trifolium pratense) zwischen die Haufen sollte
-sie zu erreichen sein. Man weiss, dass die Leguminosen stickstoffreich sind.</p>
-
-<p>Wenn die Gährung beendigt ist, werden die Büschel zu schmalen Reihen
-angehäuft. Hierdurch beugt man der Nachgährung soviel wie nur möglich vor.</p>
-
-<p>Bei einer Gelegenheit, wo ein Haufen zum zweiten Male umgesetzt wurde, nahm
-ich auf ungefähr 60 cm. Tiefe eine Temperatur von 56° C. wahr. Der Wassergehalt
-der Blätter war etwa von 25-35 %, welcher natürlicherweise wechselt mit dem
-kürzeren oder längeren Stand des Haufens. Im Algemeinen kann festgestellt werden,
-dass Tabak, welcher im Dezember oder Januar gekauft wurde, nach der Brühung
-6 % an Gewicht verloren hat. Bei der Fermentation findet also Verlust an
-Gewicht statt.</p>
-
-<p>Beim Umsetzen des Haufens zeigte sich deutlich ein honigsüsser, etwas
-prickelnder Geruch, zugleicherzeit stieg ein feuchter Dunst empor, der als Dampf
-sichtbar war.</p>
-
-<p>Lackmuspapier, rotes und blaues, und ebenso Curcumapapier zeigten, nachdem
-sie eine halbe Stunde zwischen den feuchten Blättern auf gut 1/2 m. Tiefe gelegen
-hatten, keine Reaktion, sodass man als sicher annehmen darf, dass dieser Haufen
-im Augenblicke der Gährung neutral reagierte. Dies ist jedoch nicht immer der Fall.
-Tabak aus der Betuwe entwickelt kein oder sehr wenig Ammoniak, der von
-der Veluwe hingegen liefert als Zersetzungsprodukt Ammoniak. Später werden wir
-sehen, dass auch hier Bakterien Ursache davon sind, und dass dies durch künstliche
-Impfung entsteht. Es gelang mir, einige dieser Ammoniakbilder zu isolieren. Nach
-diesen wenigen vorhandenen Angaben, ist die Vermutung berechtigt, dass in unsern
-überseeischen Besitzungen sich Mikroben finden werden, die ihre eigenen Zersetzungsprodukte
-bilden; wir sahen ja in dem Augusthefte der Monatsschrift »de Natuur«,
-dass <em class="gesperrt">Hansen</em> »Gährungszellen« gefunden hat, die in kleinen Entfernungen von<span class="pagenum"><a name="Page_18" id="Page_18">[18]</a></span>
-Baumschule zu Baumschule übersiedeln konnten, und auf der Oberfläche süsser,
-saftiger Früchte lebten und Umsetzungen vollzogen<a name="FNanchor_D_4" id="FNanchor_D_4"></a><a href="#Footnote_D_4" class="fnanchor">[D]</a>.</p>
-
-<p>Bei einigen Tabakgährungen wird angegeben, dass Kohlensäure entsteht, aber es
-ist mir nicht gelungen, in den gährenden Haufen oder im Raume der Scheunen einen
-höheren CO<sub>2</sub>-Gehalt der Luft darzuthun als in der umgebenden Aussenluft. Auch die
-Versuche in den V-förmigen Gährungsröhren gaben dies zu erkennen. Glaubwürdige
-Mitteilungen, dass bisweilen CO<sub>2</sub> entsteht, würden einen Beweis mehr liefern: <i>dass
-Tabaksarten von bestimmten Gegenden von bestimmten Bakterien beeinflusst werden
-und ungleiche Zersetzungsprodukte abgeben</i>.</p>
-
-<p>Mutmasslich jedoch wird zu einer bestimmten Zeit im Haufen CO<sub>2</sub> entstehen
-können. Wenn sich zugleicherzeit NH<sub>3</sub> bildet, so werden beide im Status nascens
-ein Salz liefern. Das Gas hat also keine Gelegenheit zu entweichen. Bei einem
-gährenden Haufen haben wir es wahrscheinlich mit Anaëroben zu thun, es sei
-fakultativen oder obligaten, oder mit obligaten Aëroben.</p>
-
-<p>Was den chemischen Teil betrifft, so finden wir einen grossen Unterschied in
-der Zusammensetzung des Tabaks beim Anfange und beim Ende der Gährung. Allen
-stattfindenden Zersetzungen nachzuforschen ist unmöglich bei dem gegenwärtigen
-Stand der analytischen Chemie; wir haben es nicht nur mit Lebensprozessen zu
-thun, sondern auch mit den Umsetzungen der Stoffe, welche vom Leben herstammen.
-Von einer Tabaksart fand ich die folgende Analyse, welche gemacht war vor und
-nach der Fermentation (<em class="gesperrt">Behrens</em>).</p>
-
-<p>V = trockne, sandfreie Blätter vor und N = die Blätter nach der Fermentation.<span class="pagenum"><a name="Page_19" id="Page_19">[19]</a></span></p>
-
-<div>
-<table class="center" border="0" cellpadding="6" cellspacing="0" summary="">
-
-<tr>
-<td></td>
-<td>V.</td>
-<td> N.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>Totaler Stickstoffgehalt</td>
-<td>3.09 %</td>
-<td>3.24 %</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>Eiweissstickstoff</td>
-<td> 1.30</td>
-<td> 1.36</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>Nicotin</td>
-<td> 1.464</td>
-<td> 1.075</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>Ätherextract</td>
-<td> 9.41</td>
-<td>8.34</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>Darin anwesende Säure,</td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>als Milchsäure berechnet</td>
-<td> 0.446</td>
-<td> 0.450</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>Organische, nicht flüchtige Säure,</td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>als Apfelsäure berechnet</td>
-<td>16.81</td>
-<td>14.45</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>Mit Wasserdampf flüchtige Säuren,</td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>als Buttersäure berechnet</td>
-<td>0.124</td>
-<td>0.299</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>Reduzierender Zucker, nach</td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>Klärung mit Bleiessig</td>
-<td>1.26</td>
-<td> 0.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>Salpetersäure (N&nbsp;<sub>2</sub> O_&nbsp;<sub>5</sub>)</td>
-<td>0.201</td>
-<td>0.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>Schwefelsäure (SO_{3})</td>
-<td> 2.147</td>
-<td> 2.201</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>Sandfreie Asche</td>
-<td> 19.83</td>
-<td> 21.01</td>
-</tr>
-
-</table></div>
-
-<p>Unter dem Einflusse verschiedener Düngerarten und verschiedener Mikroben, die
-bei der Gährung wirksam sind, variiert die Analyse. Nach den Personen, welche sich bei
-uns mit der Fermentation beschäftigen, sollte der Veluwer Tabak durch die Düngung
-mit Schafsmist nicht selten viel NH<sub>3</sub> entwickeln, was natürlich den Stickstoffgehalt
-beeinflusst. Nach obiger Analyse sinkt der Nicotingehalt, jedoch nicht durch
-Verflüchtigung des Alcaloids, da der totale Stickstoffgehalt ungefähr konstant bleibt.
-Nicht unwahrscheinlich werden bestimmte Mikroorganismen sich daran beteiligen.</p>
-
-<p>Dass das Nicotin auf niedrige Organismen bisweilen nicht als Gift wirkt, lehrt
-die <i>Botrytis cinereae</i>, welche lebt und sich vermehrt in einem Nahrungsboden, welcher
-dieses Alcaloid enthält.</p>
-
-<p>Die Versuche, welche ich mit den Reinkulturen der NH<sub>3</sub>-Bildner nahm, deuten
-darauf hin, dass höchstwahrscheinlich das N von dem Eiweiss (Protoplasma) herstammt.
-Es ist mir jedoch später gelungen, die Nitrate, Asparagin und Ammoniumsalze
-derartig zu ändern, dass NH<sub>3</sub> als Zersetzungsprodukt auftrat. Das Asparagin, die
-Amido-Apfelsäure, ist nach der Fermentation des Tabaks nicht mehr zu finden und
-hat sich also auch an den Zersetzungsprozessen beteiligt.</p>
-
-<p>Aus diesen Betrachtungen erhellt, welche tief eingreifende Veränderungen bei der
-Gährung stattfinden. Muss man jetzt noch daran zweifeln, dass durch die Gährung
-neu gebildete aromatische flüchtige und nicht flüchtige Körper entstehen, welche
-dem Tabaksblatte eine gute oder weniger gute Qualität verleihen? Die Gährung
-nimmt ihren Verlauf, abhängig von den anwesenden Mikroorganismen. Sie werden
-einen biologischen Prozess hervorrufen, abhängig von dem Boden, der ihnen zur
-Nahrung dient. Dort, wo beide, oder eins von beiden, verschieden sind, muss auch
-das Endprodukt der Wirkung verschieden sein.</p>
-
-<p>Ich zweifle nicht daran, dass die Reinkulturen, welche von edeln Tabaksarten
-gezogen werden, unsern einheimischen Tabak verbessern, wenn sie auf denselben
-geimpft werden. Im folgenden bakteriologischen Teil werde ich den experimentellen
-Beweis liefern, dass Mikroorganismen, die Bakterien, die bedeutendste Funktion bei
-der Gährung erfüllen.</p>
-
-
-
-<hr class="chap" />
-<h2><a name="Bakteriologische_Untersuchungen" id="Bakteriologische_Untersuchungen">Bakteriologische Untersuchungen.</a></h2>
-
-
-<p>Die Untersuchungen der Fermentation und besonders das Suchen nach den
-Bakterien, die hierbei funktionieren, sind Untersuchungen, die viel Zeit kosten.
-Wenn wir bedenken, dass das Tabaksblatt nach der Entfaltung der Knospe der Luft<span class="pagenum"><a name="Page_20" id="Page_20">[ 20]</a></span>
-ausgesetzt ist und immer die Einflüsse der Witterungszustände erfährt, wobei die
-an Bakterien reiche Luft dieselben oder die Sporen der Mikroorganismen auf dessen
-Oberfläche deponiert, wenn wir bedenken, dass der Staub in den Scheunen sehr
-reich ist an Mikroben, dann brauchen wir uns nicht mehr zu fragen, wie es kommt,
-dass beim Anlegen der bakteriologischen Kulturen so viele Arten von Organismen
-gefunden werden. Um zu einem Resultate zu gelangen, sind Hunderte von Kulturschälchen
-von mir angelegt worden und eben so viele Teilungs- oder Trennungskulturen um
-zu entscheiden, ob die Reinkulturen auch »rein« seien. Zuallererst suchte ich nach
-Hefen, doch diese Untersuchungen erwiesen sich bald als fruchtlos. Weder die
-sofort angestellten mikroskopischen Untersuchungen noch die Malzgelatine zeigten
-mir das Erscheinen von Hefenarten bei dieser Fermentation. Dann wurden Versuche
-mit der alkalischen Gelatine gemacht. Der ungebrühte Tabak wird in kleine Stücke
-geschnitten und in gut schliessenden gläsernen Schälchen zusammengepresst. Der also
-zubereitete und mit sterilem Wasser angefeuchtete Tabak wird mit einer Bleischeibe
-beschwert und mit einigen andern Schälchen in eine Glasglocke gebracht (fig. 4, D).</p>
-
-<div class="figcenter">
-<img src="images/fig04.jpg" width="447" height="660" alt="" />
-<div class="caption">Fig. 4. Versuchsanordnungen, welche die
-Methode, um die Aëroben und Anaëroben zu
-züchten, angeben.</div></div>
-
-
-<p>Ein andrer Teil des grob geschnittenen
-Tabaks wird in eine Glasglocke gebracht,
-deren oberer Teil hermetisch an den unteren
-Teil schliesst und deren Deckel obendrein
-noch mit einer gläsernen Röhre und einem
-Hahn mit der Aussenluft correspondiert.
-Auch dieser Tabak ist angefeuchtet und
-mittels einer Bleischeibe beschwert.
-Von einer Wasserstrahlluftpumpe, verbunden
-mit Manometer, wird die Luft
-herausgesogen und Wasserstoffgas hineingebracht.
-Dies wird einige Male wiederholt,
-um die Gewissheit zu erhalten, dass
-alle Luft ausgetrieben ist, schliesslich ist
-und bleibt die Glocke mit Wasserstoff
-angefüllt, damit die Anaëroben die Gelegenheit
-haben, sich zu entwickeln (fig. 4, A).
-Wie die Schälchen wird auch diese Glocke
-in einen Brutschrank bei 40° C. gestellt.
-Nach Verlauf einiger Tage ist am Geruch
-merkbar, dass die Gährung angefangen hat.</p>
-
-<p>Die Aërobenkulturen werden wie gewöhnlich
-in Petri'schen Schälchen angelegt.
-Ein Wenig des gährenden Tabaks wird<span class="pagenum"><a name="Page_21" id="Page_21">[ 21]</a></span>
-mit sterilen Instrumenten aus einem der Schälchen genommen, auf sterilem Papier
-feingeschnitten und in flüssige alkalische Gelatine gebracht. Die Stückchen werden
-tüchtig mit einer ausgeglühten Platinnadel abgerieben und gleichmässig durch
-Schwenken der Röhre in derselben verteilt. Um Verdünnungen von dieser Röhre
-zu machen, wird eine geringe Quantität dieser Gelatine mittels einer Platinspirale,
-die in diesem Falle 50 mgr. aufnimmt, in eine zweite Röhre hineingebracht, und
-hiervon nach guter Teilung eine oder mehr Spiralen in eine dritte Röhre u. s. w. Jede
-Röhre wird dann in ein Kulturschälchen ausgegossen. Nach einigen Tagen haben
-die Bakterien sichtbare Kolonien gebildet, mit denen man weitere Versuche
-anstellen kann.</p>
-
-<p>Die Anlage der Anaërobenkulturen geschieht in anderer Weise, und zwar nach
-der Methode <em class="gesperrt">Liborius</em> und <em class="gesperrt">Buchner</em>.</p>
-
-<p>Im ersten Falle wird wieder der fein geschnittene Tabak aus der mit Wasserstoff
-gefüllten Glocke in flüssige Gelatine gebracht und verteilt, und hiervon werden wieder
-die nämlichen Verdünnungen gemacht. In kaltem Wasser lässt man die Gelatine
-fest werden und nachher wird die ganze Röhre bis zum Wattepfropfen mit steriler
-Gelatine angefüllt (fig. 4, B).</p>
-
-<p>Im zweiten Falle wird der Tabak aus der nämlichen Glocke in derselben Weise
-in die Gelatine-Röhre hineingebracht und werden gleichfalls Verdünnungen angelegt.
-Nachdem die Gelatine fest geworden ist, wird der Wattepfropfen fast bis zum Gelatine-niveau
-geschoben und nachdem der obere Teil der Röhre mit einem Diamanten
-abgeschnitten worden ist, wird diese kurze Röhre in eine weite Reagirröhre auf
-ein sich dort befindendes kleines Stück Metallgaze gebracht (fig. 4, C). In diese
-grosse Röhre ist unter das Drahtnetz, welches der Kulturröhre zum Ruhepunkt
-dient, 2 Gramm Pyrogallol gebracht. Wenn dies alles fertig ist, lässt man mit einer
-Pipette 10 cm<sup>3</sup> von einer 1 % KOH-lösung in die weite Röhre hinein fliessen und
-schliesst dann sofort die Röhre mit einem gut schliessenden Kautschukstöpsel, der
-obendrein noch mit Paraffin umgeben wird.</p>
-
-<p>Nach beiden Methoden gelangen die Anaëroben zum Wachstum und bilden,
-obgleich langsam, gut sichtbare Koloniën. Damit man hiervon Impfungen machen
-kann, wird die Gelatineröhre an denjenigen Stellen mit einem Diamanten durchschnitten,
-an denen man die Kolonien mit einer Nadel erreichen kann. Auch diese
-Impfungen, Strich- oder Stichkulturen, geschehen derartig, dass entweder durch
-das Aufgiessen von Gelatine oder in der genannten Weise mit alkalischer
-Pyrogallollösung die Anaëroben sich in dem sauerstofffreien Raum entwickeln
-können. Auf diese Weise habe ich eine Anzahl Versuche gemacht, und als sich
-ergab, dass die Anaëroben fakultative Anaëroben waren, wurden die Versuche
-mit der alkalischen Gelatine in Petri'schen Schälchen fortgesetzt. In der
-Zwischenzeit, im Winter von 96-97, wurde mir, wie beschrieben ist, durch<span class="pagenum"><a name="Page_22" id="Page_22">[ 22]</a></span>
-chemische Analyse bekannt, welche Stoffe bei der Fermentation angegriffen wurden.
-Damals ist der Nährboden, wie folgt, von mir geändert worden:</p>
-
-<div class="center">
-<table class="center" border="0" cellpadding="6" cellspacing="0" summary="Feldversuche mit Bezug auf die Fleckenkrankheit." >
-<tr>
-<td align='left'>alkalische Gelatine (Koch)</td>
-<td>100</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>Kalium-nitrat</td>
-<td>0.2</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>Asparagin</td>
-<td>0.1</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>Glycerin</td>
-<td>1.5</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>Glucose</td>
-<td>0.5</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>Nicotin</td>
-<td>Spuren.</td>
-</tr>
-</table></div>
-
-<p>Auf diesem Boden entwickeln die Kolonien sich schneller und in grosser Menge.
-Ein Beweis, wie nützlich es ist, eine Untersuchung, welche ursprünglich nur die
-Gährung betraf, auf ein völliges Studium des Tabaks auszudehnen.</p>
-
-<p>Bei der Untersuchung der Platten zeigen sich noch eine Menge Schwierigkeiten,
-welche zu Irrtum Veranlassung geben könnten. Sehr verführerisch scheinen die
-Verdünnungsplatten, auf denen sich 10 oder 20 Kolonien zeigen, die makroskopisch
-gleich aussehen und doch nicht bei der Gährung funktionieren: ich betrachte
-dieselben entweder als zufällige örtliche Verunreinigungen in dem gährenden Tabak,
-oder als Kolonien, welche durch Teilung einer Bakterienkette während der mechanischen
-Behandlung beim Anlegen der Kulturen entstehen. Im ersteren Falle finden
-sich doch im gährenden Tabak die Lebensbedingungen für eine bestimmte Bakterienart;
-es ist dort, dass sie örtlich zur Entwicklung und Vermehrung kommen.</p>
-
-<p>Dergleichen Erscheinungen beim Anlegen der Kulturen erschweren die Untersuchungen.
-Auch später fand ich bei den Untersuchungen der lebenden Blätter,
-dass ihre Oberfläche durch das Wachstum bestimmter Bakterienarten eingenommen
-wird (<em class="gesperrt">Rhizobium Frank</em> u. a.). Auch hier scheint also auf der Blattoberfläche
-der Kampf ums Dasein zu bestehen. Nicht selten gelang es mir, von den Blättern
-die nämlichen Arten zu isolieren. Der Gebrauch starker Verdünnungen ist bei
-Untersuchungen wie diese Hauptsache. Ein Quantum gährenden Tabaks, welches
-noch nicht die Oberfläche von einem Gulden einnahm, brachte in einzelnen Fällen
-tausende Kolonien zur Entwicklung. In einem zuerst angelegten Petri-Schälchen
-berechnete ich einmal 40.000 Kolonien, ein Beweis, dass Verdünnung das angezeigte
-Mittel ist, Ordnung in das Chaos zu bringen.</p>
-
-<p>Von dem Tabak, welcher in den Schälchen und in der Glocke zum Gähren
-gebracht wurde, wurden einmal die Woche, neun Wochen lang, die Kulturen
-angelegt. Dadurch, dass eine grosse Menge Platten auf diese Weise untersucht
-wurden, war es nicht schwer, diejenigen Kolonien zu isolieren, welche schon in
-grosser Masse anwesend waren. Besonders in den ersten Wochen zeigten sie sich
-in wachsender Anzahl und verursachten deshalb nicht selten, dass die Platten ganz
-sich verflüssigten, ungeachtet der starken Verdünnungen, auf die man soviel Sorgfalt<span class="pagenum"><a name="Page_23" id="Page_23">[ 23]</a></span>
-verwendet hatte. In derselben eben beschriebenen Weise wurden in Wageningen
-die Kulturen angelegt.</p>
-
-<p>Fast nie fehlte der <i>B. mycoides</i> und der <i>B. subtilis</i>; beide sind streng
-aërobe Bakterien. Ersterer bildet NH<sub>3</sub> aus Eiweiss, doch lebt nur in O-haltigen
-Räumen, der zweite könnte gleichfalls bei der Gährung die Rolle spielen, dass er
-daran mitarbeitet dem Haufen die nötige Temperatur zu geben. Der <i>B. subtilis</i>,
-der nach <em class="gesperrt">Cohn</em> die Brühung des Heus und des Stalldüngers verursacht, könnte
-gleichfalls in dem bereit stehenden Haufen den noch anwesenden freien O verbrauchen.</p>
-
-<p>Wenn also in dieser Weise die Lebensbedingungen auch für die Anaëroben
-geschaffen werden, wird sich die Temperatur durch die biologischen Prozesse der
-Mikroben zu jener Höhe steigern, die im gährenden Haufen beobachtet wurde. Jedoch
-muss hier wieder bemerkt werden, dass immer fakultative Anaëroben aus den Kulturen
-von mir isoliert worden sind, die also zusammen mit dem <i>Mycoides</i> und <i>Subtilis</i>
-erst den Sauerstoff verbrauchen, um später getrennt von diesen letzeren Mikroben,
-welche streng aërob sind, ihre Lebensfunktionen fortzusetzen. Durch den Einfluss
-dieser fakultativen Anaëroben bekommt der Tabak sein Arom, insofern wir bei
-unserm holländischen Tabak davon reden können.</p>
-
-<p>Bei der Fermentation haben wir also zu thun mit Zersetzungen, nicht
-hervorgerufen durch chemische Agentien, sondern durch einige Mikroorganismen.
-Dass die von mir isolierten Mikroben eine entschiedene Wirkung ausüben, stimmt
-mit meinen letzten Untersuchungen, die noch im Monat September des Jahres 1897
-gemacht worden sind, überein. Alsdann ist es mir gelungen, als ich nach der Ursache
-der Mosaikkrankheit suchte, von der Epidermis der lebenden Blätter, Bakterien zu
-isolieren, welche denjenigen, die ich in grosser Zahl aus dem gährenden Haufen in
-Kultur brachte, völlig glichen. Sie fanden sich auf jenen Blättern nicht als latente
-Mikroben, als Sporen, sondern in vegetativen Formen als »Örtliche Kulturen«.
-Hierdurch auch zeigten meine Kulturplatten jenen Reichtum, nicht an Arten,
-sondern an »Reinkulturen«. Die Bakterien, die ich im Allgemeinen im gährenden
-Tabak fand, sind, ausser den genannten <i>Mycoides</i> und <i>Subtilis</i>, Mikroben, welche
-ich in »Flügges« System in die Gruppe der <i>Subtilis</i> und <i>Proteus</i> bringe.</p>
-
-<p>In Figur 5, I-V sind deren Kulturen, in Gelatine, auf Agar und Kartoffel
-wiedergegeben, ebenso die Form der Bakterien und der Kolonien in den verschiedenen
-Stadien ihrer Entwicklung. Ich nenne die funktionierenden Bakterien: <i>Bacillus
-Tabaci I</i>, <i>II</i>, u. s. w.</p>
-
-<p>Wie die Figur zeigt, haben die Gelatine-Stichkulturen I<i>a</i> und IV<i>c</i> nebst VI<i>a</i>
-mit B. anthracis (zur Vergleichung) grosse Ähnlichkeit; gleichfalls die Kulturen auf
-Kartoffel von I<i>c</i> und II<i>c</i>, wobei erstere hell rosa und feinkörnig, letztere milchweiss
-und schwer gefaltet ist. Weiter zeigen die Strichkulturen auf Gelatine<span class="pagenum"><a name="Page_24" id="Page_24">[ 24]</a></span>
-von IV<i>b</i> und V<i>a</i> Übereinkunft in den Ausläufern, welche federartig sind; bei IV<i>b</i>
-liegen sie auf der Gelatine und durchdringen dieselbe, bei V<i>a</i> liegen sie besonders<span class="pagenum"><a name="Page_25" id="Page_25">[ 25]</a></span>
-regelmässig nur auf der Gelatine. Alle von I-V sind Stäbchen oder <i>Bacillen</i>. Von
-den Eigenschaften der Kulturen I, II und IV nenne ich die Bildung von NH<sub>2</sub> aus
-Eiweiss. Ebenso wie der <i>B. Mycoides</i>, ist der <i>B. Tabaci I</i>, <i>II</i> und <i>IV</i> im Stande, die
-Eiweisse, Peptone und den sterilen Tabak derartig zu zersetzen, dass NH<sub>3</sub> entsteht.
-&mdash; Es sind Aëroben. &mdash;</p>
-
-<div class="figcenter" style="width: 426px;">
-<img src="images/fig05.jpg" width="426" height="468" alt="" />
-<div class="caption"><p>Fig. 5. (I-V) Reinkulturen der Bakterien, welche allgemein in gährendem Tabak angetroffen werden
-und wobei die <i>B. T. I</i> und <i>III</i> die Hauptrolle spielen. VI zur Vergleichung <i>Bacillus anthracis</i>.</p></div>
-</div>
-
-<p>Der <i>B. Tabaci III</i> bewirkt den neutralen Verlauf der Gährung; dabei wächst
-er anaërob, doch ist selbst eine fakultativ anaërobe Bakterie. Er besitzt jedoch unter
-ihren verwandten Formen »Eiweissfermente« und »Saprophyten der Fäulnis«; er
-bildet weiter 2 Sporen (?) in einem etwas gekrümmten Stäbchen (III), ist nicht
-beweglich, bildet kein Indol, macht Löfflersche Bouillon trübe, und bildet ein
-dünnes Häutchen an der Oberfläche. Er verflüssigt die Gelatine, giebt einen dünnen,
-matt ausgebreiteten Niederschlag auf Agar und eine rahmartige, dicke nicht gefaltete
-Kultur auf Kartoffel. Dieser <i>B. Tabaci III</i> muss in die Gruppe des <i>Subtilis</i> untergebracht
-werden.</p>
-
-<p>Der <i>B. T. IV</i> gehört wie der <i>B. T. I.</i> zu der Gruppe des »Proteus« und ich
-betrachte sie als sehr nahe verwandt mit dem <i>B. Proteus Zopfii</i>.</p>
-
-<p>Die Entstehung der Kolonien auf und in alkalischer Gelatine ist sehr eigentümlich.
-In der Figur ist IV<i>e</i> und IV<i>g</i> die Kolonie, welche an der Oberfläche, IV<i>ff</i> dieselbe
-welche in Gelatine wächst.</p>
-
-<p>Ursprünglich ist diese letztere hellblau von Farbe und geht allmählich in hellgrün
-über. Es besteht also in diesem Wachstum, mikroskopisch betrachtet, eine Ähnlichkeit
-mit dem <i>B. Mycoides</i>, jedoch bildet <i>B. T. IV</i> keine Sporen. Die Kolonie wächst
-anaërob sehr schwach.</p>
-
-<p>Von der ursprünglich gebildeten Kolonie IV<i>e</i> strahlen Bakterienfäden in allen
-Richtungen aus. An bestimmten Punkten entstehen Tochterkolonien, welche wiederum
-Fäden aussenden, um neue Kolonien zu bilden, wie IV<i>f</i>, <i>g</i> zeigt. Auch bei <i>B. anthracis</i>
-wird bekanntlich eine derartige Erscheinung beobachtet, VI<i>b</i>.</p>
-
-<p>Höchst wahrscheinlich spielt der verwandte <i>B. Tabaci V</i> auch eine Rolle bei
-der Gährung. In einer grossen Anzahl Platten habe ich ihn gefunden; auch er ist,
-ebenso wie <i>B. T. IV</i>, schwach anaërob und stimmt in vielen Eigenschaften mit
-diesem überein.</p>
-
-<p>Das Wachstum der Kolonie in der Gelatine zeigt die nämliche Erscheinung wie
-beim <i>B. T. IV</i>. In Unmasse entstehen um die ursprünglich gebildete Kolonie Tochterkolonien,
-V<i>c</i>. Durch eine chemotactische Wirkung des noch unverbrauchten
-Nährbodens entsteht die concentrische Anordnung der Tochterkolonien, die alle
-einem einzigen Bakterienfaden, der von der Mutterkolonie radial austritt, ihre
-Entstehung verdanken.</p>
-
-<p>In groben Zügen ist dies die Beschreibung der Mikroben, welche die Gährung
-unseres Tabaks verursachen. Später komme ich hierauf ausführlich zurück.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_26" id="Page_26">[ 26]</a></span></p>
-
-<p>Die Erscheinung, dass der Betuwer Tabak weniger NH<sub>3</sub> bildet, muss höchstwahrscheinlich
-der geringen Anwesenheit des <i>B. T. I</i>, <i>II</i>, <i>IV</i> oder <i>V</i> zugeschrieben
-werden, da der <i>B. Mycoides</i> allgemein verbreitet ist. Wenn der Betuwer Tabak
-künstlich mit <i>B. T. I</i>, <i>II</i>, <i>IV</i> oder <i>V</i> geimpft wird, entsteht im Anfange der Gährung
-reichlich NH<sub>3</sub>.</p>
-
-<p>Es zeigte sich in den Jahren 1894 und 96 (Tabak von 94 und 96), dass das
-Erd- und Sandgut nicht brühen wollte, während das Bestgut, welches zuletzt gepflückt
-worden war, sich nicht so hartnäckig erwies. Es muss hierfür eine Ursache vorhanden
-sein. Es fiel mir auf, als ich in den Monaten August und September des Jahres 1897
-die lebenden Blätter untersuchte, dass der <i>B. T. I</i>, <i>IV</i> und <i>V</i> fast immer von mir
-gefunden wurden, während ich sie nicht auf den jungen Blättern im regnerischen
-Monat Juni fand.</p>
-
-<p>Alle Bakterien, welche auf die Blätter fallen, kommen von der Erdoberfläche
-und werden durch Luftströme darauf gebracht. Im Anschluss an meine Untersuchungen
-der Luft, die ich früher mitgeteilt habe, ist die Luft am ärmsten an
-Keimen, wenn der Boden nass ist. Desshalb vermute ich, dass die regnerischen
-Sommer von 94 und 96 einen nicht geringen Anteil an dem trägen Verlauf der
-genannten Gährung gehabt haben. Die Tabakspflanzer und Fermentierer sollten
-künftighin darauf achten. Das Bestgut, welches länger der Luft ausgesetzt war,
-hat auch besser Gelegenheit gehabt, während der verschiedensten Witterungszustände
-mehr Bakterien auf seinen Blättern festzuhalten.</p>
-
-<p>Hiermit am Ende dieser Arbeit, habe ich Veluwer Tabak von einer Sorte in
-gläsernen Schälchen sterilisiert, mit den Kulturen <i>B. T. I</i>, <i>II</i>, <i>III</i>, <i>IV</i>, <i>I</i> + <i>II</i>,
-<i>I</i> + <i>III</i> u. s. w. geimpft, mit einer Bleischeibe beschwert und langsam auf eine
-Temperatur von 40° C. gebracht. Die Gährung habe ich reichlich 6 Wochen ihren
-Verlauf nehmen lassen und dann gehemmt. Die Reaktion wurde stets kontrolliert
-und in Übereinstimmung gefunden mit dem, was schon beschrieben worden ist.</p>
-
-<p>Dann habe ich unparteiisch diesen Tabak von erfahrenen Händlern und Züchtern
-beurteilen lassen, mit dem Erfolge, dass alle, nl. die Herren <em class="gesperrt">A. Herschel</em> in
-Amersfoort, <em class="gesperrt">H. de Hartog</em> und <em class="gesperrt">v. Druijnen</em> in Wageningen, <em class="gesperrt">Gijsberts Jr.</em>,
-in Valburg und <em class="gesperrt">N. v. Os Fz.</em> in Amerongen ohne Zaudern denjenigen Tabak
-erwählten, welcher geimpft war mit <i>B. Tabaci I</i> + <i>III</i>, während ein alter Arbeiter
-der Impfung mit <i>B. T. IV</i> den Vorzug gab und nach dieser gleichfalls die Impfung
-mit <i>B. T. I</i> + <i>III</i> als die beste angab.</p>
-
-<p>Durch die Impfung mit der Reinkultur von <i>Bacillus Tabaci I</i> + <i>III</i> erhält
-der Tabak ein angenehmes, honigsüsses Aroma. Die Zukunft wird zeigen, wie
-die Gährung unseres Tabaks verlaufen wird, wenn ich diesen mit den Reinkulturen
-impfe, welche ich aus unserm indischen und dem Havanna-Tabak isolieren werde.
-Von der Versuchsstation in Buitenzorg erwarte ich eine Sendung ungebrühten<span class="pagenum"><a name="Page_27" id="Page_27">[ 27]</a></span>
-Tabaks edler Arten, und dann hoffe ich später das Resultat dieser Untersuchungen
-mitzuteilen. Ebenso nehme ich mir vor, <i>nicht-sterilisierten</i> Tabak mit Reinkulturen
-zu impfen.</p>
-
-
-
-<hr class="chap" />
-<h2><a name="Krankheiten" id="Krankheiten">Krankheiten.</a></h2>
-
-
-<p>Von einer grossen Zahl Mikroorganismen ist bewiesen worden, dass sie
-Tier und Pflanze zu infizieren vermögen. Ebenso wie der künstlich präparierte
-Nährboden sie zur Entwicklung bringen kann, kann das lebende Wesen, sei
-es Tier oder Pflanze, solches thun. In beiden Fällen wachsen und vermehren
-sie sich auf Kosten der angebotenen Nahrung; im erstern Falle wird die
-tote Materie, der Nährboden, im zweiten Falle werden das Gewebe und die
-Säfte des lebenden Organismus durch ihr Wachstum geändert. Die Änderungen,
-welche Tier und Pflanze, im ganzen genommen, hier zeigen, treten hervor als
-»<i>Krankheitserscheinungen</i>«.</p>
-
-<p>Man nennt die Mikroorganismen Parasiten, wenn sie sich in oder auf dem
-lebenden Organismus entwickeln und vermehren, Saprophyten wenn sie auf totem,
-organischem Stoff leben.</p>
-
-<p>Die Sporen vieler Fungi, Hefen und Bakterien, und auch die nicht Sporenbildenden
-Formen, können die Gesundheit von Tier und Pflanze also bedrohen
-und sogar den Tod verursachen, aber die lebenden Wesen sind nicht alle gleich
-empfindlich für dieselben pathogenen Mikroben.</p>
-
-<p>Meerschweinchen und Kaninchen sind sehr empfindlich für Tuberkulose, weniger
-ist dies der Fall mit den Feldmäusen, Katzen, weissen Mäusen, Ratten und Hunden,
-während die kaltblütigen Tiere dem Bacillus tuberculosis gegenüber sogar immun
-sind (Koch).</p>
-
-<p>Die natürliche und künstliche Immunität kann auf verschiedene Weisen entstehen
-oder erhalten werden.</p>
-
-<p>In den jüngsten Jahren hat sich herausgestellt, dass, die schon längst bekannte
-parasitäre Wucherung der höheren Fungi ausgenommen, auch die Bakterien Krankheiten
-unter den Pflanzen verursachen (<i>Migula</i>, <i>Ludwig Russell</i>, <i>Heintz</i> u. a.), und es
-würde mich nicht Wunder nehmen, wenn durch die eigentümliche Nahrung (Düngung)
-unserer Tabakspflanze, wodurch die Gewebe und Säfte einen gewissen Reichtum
-an bestimmten anorganischen und organischen Salzen erhalten, diese Pflanze, der
-nachher näher zu beschreibenden Ursache der Mosaikkrankheit gegenüber, nicht so
-»immunisiert« wäre, wie andere. Verwandte der Familie der <i>Solanaceae</i> sind dem
-das Tabaksblatt krankmachenden Gewebesaft der Tabakspflanze, welche an Fleckkrankheit
-leidet, gegenüber immun.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_28" id="Page_28">[ 28]</a></span></p>
-
-<p>Von Pflanzenkrankheiten, die durch Bacterien verursacht werden, sind schon
-bekannt und beschrieben:</p>
-
-<blockquote><p>
-1<sup>o</sup> der Pear-blight und Apple-blight der Amerikaner,<br />
-2<sup>o</sup> der Hirsebrand,<br />
-3<sup>o</sup> die Bakterienkrankheit des Mais,<br />
-4<sup>o</sup> der Rotz der Hyazinthen,<br />
-5<sup>o</sup> die Nassfäule der Kartoffeln,<br />
-6<sup>o</sup> die Gallenkrankheit der Aleppokiefer,<br />
-7<sup>o</sup> die Gallenkrankheit der Oliven,<br />
-8<sup>o</sup> der gelbe Rotz der Hyazinthen,<br />
-9<sup>o</sup> die Bakteriosis der Weintrauben,<br />
-10<sup>o</sup> die Bakteriosis der Zuckerrüben.<br />
-<em class="gesperrt">Flügge</em> giebt diese Namen (1-9) in seinem »Mikroorganismen« Bd. I, pg. 418.</p></blockquote>
-
-
-<p>Die Folge der Infektion ist bei der Pflanze meistens eine Zellendegeneration,
-Wucherung oder Sekretion. Sehr wenig Pflanzenvarietäten sind empfänglich für den
-nämlichen infizierenden Stoff, die meisten sind immun.</p>
-
-<p>Meistens hat man hier die natürliche Immunität in dem Bau der Gewebe zu
-suchen. Viele Arten von Birnbäumen, welche bei der natürlichen Infection den
-Geschlechtsorganen entlang resistent sind, können nach Injection in das parenchymatöse
-Gewebe ebenso gut infiziert werden mit dem <i>Bacillus Amylovorus</i> wie
-die empfindlichen Arten. Durch die mehr oder weniger grosse Festigkeit der Zellenwände
-wird der Lauf des Infektionsstoffes durch die Pflanzengewebe beherrscht,
-daher, dass die jüngsten Sprossen bei den Pflanzen die empfindlichsten Teile für die
-Verbreitung der Krankheit sind (Mosaikkrankheit).</p>
-
-<p>Viele Mikroorganismen weiterhin können sich nicht den sauren Zellensaft
-entwickeln, während andere darin wohl gedeihen. Bis jetzt ist es aber nicht gelungen,
-im Pflanzengewebe einen mikrobiciden Stoff zu finden, so wie das »Alexin« von
-<em class="gesperrt">Buchner</em> im tierischen Organismus. Nährversuche, Chlornatrium- und Sulfatinjektionen
-von mir an gesunden Tabakspflanzen gemacht, werden vielleicht lehren,
-ob es möglich ist, einen alexin-artigen Stoff aufzufinden oder zu verstärken, welcher
-den Bakterien der Fleckkrankheit gegenüber baktericide Eigenschaften besitzt.</p>
-
-<p>Eine specifische Immunität, welche nach Heilung einer Infektionskrankheit
-erhalten werden kann, ist bei der Pflanze noch nicht beobachtet worden. Ein ganzes
-Feld bietet sich hier der Forschung dar.</p>
-
-<p>Als ich im Sommer 1897 nach der Ursache der Fleckkrankheit bei unserm
-Tabak suchte, brauchten meine hierzu verwendeten Pflänzchen noch einige Wochen
-um sich kräftig zu entwickeln. In jener Zwischenzeit wurde der »Rost« des Sumatra-Tabaks<span class="pagenum"><a name="Page_29" id="Page_29">[ 29]</a></span>
-mikroskopisch von mir untersucht. Dass das unerwünschte Hervortreten
-dieser Flecken bei jenem Tabak nicht ohne Wichtigkeit ist, ergiebt sich aus dem
-Wert der von mir empfangenen Blätter, der von <i>f</i> 0.35 bis <i>f</i> 0.40 per lb betrug,
-während bei Abwesenheit dieser zahlreichen grösseren und kleineren Flecken der
-Wert mit <i>f</i> 4.— bis <i>f</i> 4.50 angegeben wird.</p>
-
-<p>Unter dem Namen »Rost« oder »Bunt« werden eine Anzahl Krankheiten der
-Tabaksblätter zusammengefasst, welche alle darin mit einander übereinstimmen, dass
-sie sich als Flecken zeigen, die aber im Ursprung völlig von einander verschieden sind.
-Was man hier in Holland »Roest« oder »Brand« nennt, ist meistens die Krankheit,
-welche auch wohl mit dem Namen »Mosaikkrankheit« bezeichnet wird. Auf den
-frischen Blättern findet man mosaikartig abwechselnde helle und dunkle Flecken;
-letztere haben ein stärkeres Wachstum, die Zellen der dunkelgrünen Flecken sterben
-später und letztere werden dann braungelb wie das tote Blatt. Die unregelmässigen
-Windungen der Blattoberfläche entstehen durch das ungleiche Wachsen der verschiedenen
-Teile; dadurch bekommt jene ein höckeriges Ansehen. Die Narben und
-Närbchen laufen durch jene Flecken mit einer rein hellgrünen Farbe wie Kanälchen
-weiter. Örtlich liegen die dunkelgrünen Flecken ursprünglich immer zwischen den
-kleinen Narben oder in den Ecken derselben. Nach dem Trocknen und der Fermentation
-ist das Blatt derartig gefleckt und spröde, dass es keinen Wert mehr hat, es sei denn,
-dass man schwach gefleckte Exemplare noch so viel wie möglich heraussucht.</p>
-
-<p>Bei unserm Sumatra-Tabak entstehen die Flecken und Fleckchen durch verschiedene
-Ursachen. Es ist bekannt, dass durch das Stieben des Sandes oder durch Thau oder
-Regentropfen nach kräftigem Sonnenschein sich Fleckchen bilden; im ersteren Falle
-ist die mechanische Wirkung des Sandes, im letzteren Falle sind die als Linsen
-wirkenden Tropfen schuld daran.</p>
-
-<p>Mikroskopisch sieht man den Unterschied zwischen hier und der Wucherung der
-Fungi. Auf folgende Weise gelang es mir, sehr deutliche Präparate der trocknen
-Blätter zu bekommen.</p>
-
-<p>Zuerst wird ein gefleckter Teil einige Minuten in KOH schwach erhitzt,
-dann gut in Wasser ausgespült und nachher mit Essigsäure neutralisiert; auf die
-nämliche Art werden die Querschnitte behandelt. Bei 100 maliger Vergrösserung
-ist das Blatt noch durchsichtig und können an vielen Stellen Myceliumfäden oder
-Hyphen beobachtet werden. Viele dieser Hyphen finden durch die Spaltöffnungen
-ihren Weg in die Blätter. In einigen Fällen konnte ich in diesen Flecken Stärkemehl
-auffinden, woraus sich folgern lässt, dass unter dem Einflusse der krankhaften
-Beschaffenheit die früher beschriebene Wandlung von Amylum in Dextrose im
-sterbenden Blatte, also unmittelbar nach dem Pflücken, nicht stattgefunden hat; es
-sind also diese Fungi saprophytisch aufgetreten.</p>
-
-<p>Hier und da sah ich braune Hyphen, welche Sporen bildeten. Es stellte sich<span class="pagenum"><a name="Page_30" id="Page_30">[ 30]</a></span>
-heraus, dass sie zu <i>Cladosporium</i> gehörten; an einer andern Stelle fand ich ein
-<i>Macrosporium</i>, einen Pilz, der ebenfalls in der Lebensweise dem <i>Cladosporium</i> verwandt
-ist. Diese Fungi entwickeln das Mycelium in dem Gewebe der toten Pflanzen und
-senden dann Hyphen aus; es sind gewöhnlich Saprophyten, aber sie werden
-auch auf Blättern, Stengeln und Halmen von reifem Getreide gefunden. Der Freundlichkeit
-der Herren <em class="gesperrt">Prof. Ritzema Bos</em> und <em class="gesperrt">Prof. C. A. J. A. Oudemans</em>
-verdanke ich es, die Namen der gefundenen Pilze mitteilen zu können; höchstwahrscheinlich
-haben dieselben sich saprophytisch auf den sterbenden Blättern
-entwickelt: <i>Phyllosticta Tabaci Passerini</i>, <i>Cladosporium herbarum Link</i>, <i>Macrosporium
-commune Rabenhorst</i>.</p>
-
-<p>Die Bibitkrankheit des Tabaks auf Sumatra's Ostküste, welche zuerst im Jahre
-'89 beobachtet wurde, wird nach einem vorläufigen offiziellen Bericht von <em class="gesperrt">Dr. van
-Breda de Haan</em> (1893) gleichfalls von einem Pilz verursacht (<i>Peronosporeae</i>).</p>
-
-<p>Derselbe Autor (1896) erwähnt eine Krankheit im Delitabak, welche durch das
-Tabaksälchen verursacht wird. Als Ursache der Flecken auf unserm Tabak, ausgenommen
-diejenigen, welche von der Mosaikkrankheit hervorgerufen werden, kann
-genannt werden <i>Phyllosticta Tabaci</i>. Hierbei erscheinen die Blätter durch die
-Anwesenheit zahlreicher heller Stellen gefleckt, welche später austrocknen und
-weiss werden; an einzelnen Punkten sind nicht selten <i>Pycniden</i> als kleine schwarze
-Pünktchen sichtbar.</p>
-
-<p>Wenn <i>Ascochyta Nicotianae</i>, gleichfalls ein Pilz, Ursache der Erkrankung ist,
-so zeigen sich trockne, braune Flecken von unregelmässiger Form.</p>
-
-<p>Ebenso entstehen Flecken durch <i>Thrips Tabaci</i>, ein kleines Insekt, das höchstens
-1 mm lang ist. Man sieht hierbei schmale, bandförmige, weisse Flecken an der Mittelnarbe
-und entlang den Seitennarben. Hier hat das Insekt die eine Oberhaut und das
-Blattparenchym bis auf die unterste Oberhaut weggefressen.</p>
-
-<p>Ganz anders ist bei unserm Tabak die Ursache der Fleckkrankheit, die mehr
-speziell <i>Mosaikkrankheit</i> genannt wird.</p>
-
-<p>In »de Tabaksteelt« von <em class="gesperrt">H. Hartog</em> (Haarlem 1889) wird mitgeteilt, dass
-der in Holland bestehende »Roest« durch einen Pilz verursacht wird; von Fleck- oder
-Mosaikkrankheit ist nicht die Rede.</p>
-
-<p>In »Die landwirthschaftlichen Versuchs-Stationen«, Berlin 1885, macht <em class="gesperrt">Prof.
-Adolf Mayer</em> die erste Mitteilung über die Mosaikkrankheit. Mit vielem Scharfsinn
-beobachtete er die Erscheinungen und gab als seine Vermutung zu erkennen, dass
-höchstwahrscheinlich Bakterien die Ursache davon sein sollten.</p>
-
-<p>In »Die schädlichsten Insekten des Tabaks in Bessarabien«, Moskau 1888,
-beschreibt Dr. <em class="gesperrt">K. Lindeman</em> eine Krankheit, die mit unserer Fleckkrankheit
-viel Übereinkunft zu haben scheint. In Russland ist sie sehr verbreitet und
-verursacht viel Schaden.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_31" id="Page_31">[ 31]</a></span></p>
-
-<p>Im Laufe des Sommers 1897 habe ich persönlich bei unsern Tabakspflanzern
-über die Mosaikkrankheit viele Erkundigungen eingezogen und die sonderbaren
-Erscheinungen dabei beobachtet. Die Pflanzer teilten mir mit, dass diese gefürchtete
-Krankheit laut Überlieferung nicht abnimmt, sondern sich stärker ausbreitet.
-Sowohl in der Betuwe, wie auf der Veluwe heischt sie ihre Opfer. In Elst in der
-Betuwe und zwar auf »de Vergert« traf ich einen kleinen Acker (<em class="gesperrt">Wittwe Jansen</em>),
-der so weit die Erinnerung reicht, niemals kranke Exemplare hervorgebracht hat.
-Die Düngung geschieht da mit Kuhmist wie auf vielen andern Feldern.</p>
-
-<p>Wenn man nach der mutmasslichen Ursache der Fleckkrankheit fragt, sind
-die Antworten sehr verschieden und können zunächst keine Veranlassung zum Stellen
-einer Hypothese geben. Die bedeutensten Züchter aber, und unter ihnen finden sich
-sehr gebildete Leute, die mit grossem Interesse auf alle Einzelheiten aber auch auf für
-sie gleichfalls unerklärliche Sachen hinweisen, haben mir solche Auskünfte gegeben
-und solche abweichende Krankheitsbilder gezeigt, dass ich im Stande bin, hier eine
-vorläufige Mitteilung über die mutmassliche Ursache der Mosaikkrankheit zu machen.</p>
-
-<p>Wie ich schon sagte, sind die Antworten sehr verschieden. Der eine Züchter
-sucht die Ursache in der weniger guten oder schlechten Düngung, wodurch die
-Pflanze durch unzureichende Nahrung krank wird und dadurch Flecken auf ihren
-Blättern zeigt.</p>
-
-<p>Ein anderer meint, der Witterungswechsel habe schuld daran. Oftmals zeigen
-die Blätter, z. B. nach kalten Nächten, dunkelgrüne Flecken »Kopbont« wie man sagt.
-Wenn diese Erscheinungen sich nur schwach offenbaren, verschwinden die Flecken
-allmählich wieder.</p>
-
-<p>Ein dritter vermutet, der Zustand des Bodens, eine grosse Feuchtigkeit, rufe
-die Fleckenkrankheit hervor.</p>
-
-<p>Ein vierter glaubt sicher, dass ein ihm unbekannter Zustand des Samens und
-dessen Herkunft einen nicht geringen Anteil habe.</p>
-
-<p>Noch andere nehmen ihre Zuflucht zu übernatürlichen Kräften, und erwähnen
-Personen, welche keine glückliche Hand beim Pflanzen der jungen Pflänzchen haben.
-Einer der Arbeiter erhielt sogar den Namen »Jantje Bont« (<em class="gesperrt">Mayer</em>).</p>
-
-<p>Ferner misst man einigen Frauen eine Kraft bei, die eine derartige Wirkung
-auf die Pflanzen hat, dass die Fleckkrankheit entsteht.</p>
-
-<p>Die Düngung mit Taubenmist und mit menschlichen Faeces, wird auch nicht
-selten herbeigezogen, als sollte dies die Krankheit hervorrufen.</p>
-
-<p>Grössere Bedeutung muss folgendem beigelegt werden:</p>
-
-<p>Die Krankheit dehnt sich immer mehr aus; wenn sie einmal auf einem Felde
-ist, so bleibt sie da. Ich sah Felder in der Nähe von Amerongen, welche die Fleckkrankheit
-fast Blatt für Blatt zeigten, die grossen Blätter schienen blutübergossen;
-jedes Jahr findet sich die Krankheit daselbst und Wechselbau alle 4 Jahre hat keine<span class="pagenum"><a name="Page_32" id="Page_32">[ 32]</a></span>
-Änderung darin gebracht. Die Pflanzen kamen aus den nämlichen Mistbeeten wie
-die andern, welche auf dem unmittelbar daran grenzenden Felde standen und nur
-im geringen Masse die Fleckenkrankheit zeigten. Meine Frage, ob bei einem kleinen
-Teile (etwa 12 Pflanzen, die zusammen standen), welcher die Krankheit zeigte, im
-vorigen Jahre auf derselben Stelle die Erscheinung auch beobachtet war, wurde bejaht.</p>
-
-<p>Wenn man eine kranke Pflanze aus dem Boden herauszieht und an derselben
-Stelle eine gesunde einpflanzt, so zeigen sich etwa nach 4 Wochen auch die
-Flecken bei den Blättern der letzteren.</p>
-
-<p>Auf neuen in Kultur gebrachten Feldern zeigte sich die Krankheit nicht, wenn
-auf diese Felder die Mistbeete gestellt waren. Wenn man jedoch Pflanzen einbringt,
-welche von einem Felde herstammen, auf dem die Fleckkrankheit jedes Jahr erscheint,
-so ist es sehr wahrscheinlich, dass einige Pflanzen angegriffen werden.</p>
-
-<p>Wenn ein Teil des Feldes oder eines Mistbeetes, das jedes Jahr kranke Pflanzen
-hervorbringt, 30 bis 40 cm. ausgegraben wird, und wenn Erde von weit entlegenen
-Feldern oder »<em class="gesperrt">Vom Berge</em>« wie man in der Gegend von Amerongen sagt, hier
-hineingebracht wird, so ist die Mosaikkrankheit vertrieben, und die Pflanzen entwickeln
-sich normal darauf.</p>
-
-<p>Um die Zeit, zu welcher die letzten Blätter geerntet werden, sieht man, dass
-die Ausläufer oder Geizen in grosser Zahl die Kennzeichen der Fleckenkrankheit
-tragen, während die Pflanze früher keine gefleckten Blätter hatte.</p>
-
-<p>Viele geschulte Züchter sagen, die Mistbeete seien schuld an der Fleckenkrankheit.
-Wenn das Mistbeet angesteckt ist, so erkranken von den 1000 Pflanzen etwa 900
-nach der Pflanzung auf das Feld, wenn das Mistbeet nicht angesteckt ist, so werden
-von 1000 z. B. 100 die Fleckenkrankheit zeigen. Diese letztere Erscheinung, diese
-niedrige Ziffer, ist der Art, dass man dennoch nicht den Mistbeeten allein die Schuld
-geben darf; aber daraus erhellt, ebenso wie aus all dem Vorhergehenden, <i>dass
-der Boden ein infizierendes Vermögen besitzt</i>. Sehr bemerkenswert, jedoch nur von
-einer Wahrnehmung herstammend, ist der Fall, dass nach einer Düngung mit 35000 kg.
-Schafsmist, 500 kg. Kainit und 500 kg. Thomasphosphat die Krankheit unter den
-Pflanzen abnahm und dass das gleiche ein nächstes Jahr wieder beobachtet wurde.</p>
-
-<p>Als ich zu der Überzeugung gekommen war, dass ein infizierendes Etwas
-vorhanden sein musste, habe ich mit einer Reihe von Pflanzen Versuche angestellt,
-wobei ich zu folgenden in Kürze angegebenen Ergebnissen gelangte:</p>
-
-<p>1<sup>o</sup> Bringt man in einem Einschnitt in die Hauptnarbe einer gesunden Pflanze
-einen kleinen Streifen von einem kranken Blatte (gefleckter Teil).</p>
-
-<p>2<sup>o</sup> Bringt man den Saft von kranken Blättern irgendwo, gleichviel wo, in das
-Gewebe gesunder Pflanzen.</p>
-
-<p>3<sup>o</sup> Bringt man den Saft von kranken Blättern rund um die Wurzel herum,
-also auf die Erde.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_33" id="Page_33">[ 33]</a></span></p>
-
-<p>4<sup>o</sup> Zerreibt man zwischen den Fingern ein krankes Blatt und bringt den
-feuchten Finger an die Wundfläche eines abgebrochenen Blattes bei einer gesunden
-Pflanze, so zeigen sich in all diesen Fällen, bei jungen Pflanzen innerhalb 3 bis
-4 Wochen, die Flecken an den jüngsten Blättern.</p>
-
-<p>Abwechselndes Wetter, z. B. tagelang Sonnenschein und nachher ein einzelner
-Regenschauer, ist im Stande, die Flecken rascher entstehen zu lassen und dadurch
-sichtbar zu machen, jedoch nie früher als innerhalb 14 Tagen habe ich diese Wirkung
-beobachtet.</p>
-
-<p>Das Kochen und die Papierfiltration entnehmen nach <em class="gesperrt">Prof. Adolf Mayer</em> dem
-Safte das Vermögen zu infizieren. Aus seinen Nachforschungen erhellt, dass weder
-die chemische Zusammensetzung der Erde eines angesteckten Feldes oder eines
-angesteckten Mistbeetes, noch die plötzliche künstliche Änderung der Temperatur
-beim Auspflanzen, noch die Verletzungen oder Verdrehungen der Wurzel die Krankheit
-herbeiführen können.</p>
-
-<p>Aus einer grossen Menge bakteriologischer Kulturen, welche angelegt waren
-mit Tabaksaft-Malz-Gelatine, habe ich oft, doch nicht immer, eine Mikrobe isolieren
-können, welche in der That eine infizierende Kraft besitzt.</p>
-
-<p>Da es sich nun zeigt, dass wir hier mit einem infizierendem Stoff zu thun
-haben, müssen alle Mittel zu Hülfe genommen werden, die Übertragung desselben
-zu verhindern.</p>
-
-<p>Es scheint mir nicht unmöglich, (vergleiche sub 4) dass die Personen, welche
-mit dem Köpfen der Pflanzen und dem Ernten der Blätter beauftragt sind, mit ihren
-von kranken Blattteilen infizierten Fingern den Ansteckungsstoff auf gesunde Pflanzen
-bringen können; daher im Spätsommer die zahlreichen Fälle, wo die Geizen und
-jungen Blätter die Fleckkrankheit zeigen. Die Gründüngung ist auf Feldern, welche
-die Mosaikkrankheit zeigen, aus obengenannten Gründen nicht zu empfehlen.</p>
-
-<p>Die mikroskopischen Untersuchungen der kranken Blätter lassen eine Desorganisation
-des Chlorophyll erkennen, das schliesslich ganz und gar aus dem Zelleninhalt
-verschwindet. Sehr bemerkenswert sind die kurzen Luftstreifen zwischen den
-Pallisadenzellen und der linienförmigen Zeichnung der Zellenwand. Myceliumfäden
-oder Hyphen können es nicht sein.</p>
-
-<p>Da ich im Winter '97 Gelegenheit habe, die Versuche fortzusetzen, hoffe ich
-später diesen Gegenstand wieder aufzunehmen.</p>
-
-
-
-<hr class="chap" />
-<h2><a name="Mittel_zur_Verbesserung_unsres_Tabaks" id="Mittel_zur_Verbesserung_unsres_Tabaks">Mittel zur Verbesserung unsres Tabaks.</a></h2>
-
-
-<p>Aus allen Untersuchungen, die bis jetzt mit Bezug auf die Düngung angestellt
-worden sind, können keine allgemeinen Regeln mehr abgeleitet werden als die<span class="pagenum"><a name="Page_34" id="Page_34">[ 34]</a></span>
-schon angegebenen, die sich hauptsächlich auf den Chlor-, Stickstoff- und Kaligehalt
-beziehen.</p>
-
-<p>Chloridreiche natürliche oder künstliche Düngstoffe müssen vermieden werden,
-ebenso ein zu hoher Gehalt an Stickstoffverbindungen. Eine Düngung mit mehr
-Stickstoff als angezeigt, entwickelt ein dunkelgrünes, fleischiges, lang gedehntes,
-schmal dicknarbiges Blatt, das sich also nicht zum Cigarrentabak eignet.</p>
-
-<p>Schon <em class="gesperrt">Hermbstadt</em> nahm wahr, dass humusreiche Pflanzenerde und Kuhmist
-den besten Tabak liefern.</p>
-
-<p>Wie ich schon schrieb: Die Tabakspflanze fordert Kalium, viel Kalium!</p>
-
-<p>Die ganze Tabakskultur muss darauf hinzielen, dass sie einen kalireichen
-Stalldünger bekommt.</p>
-
-<p>In der letzten Zeit hat sich aus Versuchen ergeben, dass die Tabakspflanze viel
-kohlensaures Kali vertragen kann, mehr als man früher je dachte.</p>
-
-<p>Eine Düngung im Frühjahr sogar mit 1000 kg. kohlensaurem Kali per ha, was
-man früher nicht zu thun wagte, hat keine schädlichen Folgen gehabt.</p>
-
-<p>Als Versuch sei dies unsern Pflanzern anempfohlen. Die bekannten »Internationale
-Guano- und Superphosphatwerke« in Zwijndrecht bringen dieses Salz in den Handel
-mit einem Gehalt von 50-55 Prozent Kali und zu einem Wert von <i>f</i> 20 (etwa 34 Mk)
-per 100 kg. Wegen der Eigentümlichkeit dieser Kali-pottasche, die Feuchtigkeit
-anzuziehen, wird sie in doppelten Säcken von 62-1/2 kg. verpackt.</p>
-
-<p>Der innere Sack ist präpariert, hemmt also die Aufnahme der Feuchtigkeit aus
-der umringenden Luft.</p>
-
-<p>Schon längst hat man bemerkt, dass man durch Holzasche und Pferdemist
-einen hellfarbigen Tabak erhält, Ziegen- und Schafsmist dahingegen geben ein
-dunkles Produkt.</p>
-
-<p>In Japan bekommt man sogar ein schönes hell gefärbtes Blatt, angenehm von
-Geschmack, dadurch, dass man es mit Kuchen von Leinsamen düngt nebst ein wenig
-Stalldünger.</p>
-
-<p>Wir wissen, dass Valburg den besten Cigarrentabak unsres Landes liefert,
-(<i>f</i> 28.25 per 100 lb und dass dort die einfache Düngung mit Kuhmist auf dem sandigen
-Boden (dem Teil des Dorfes, welcher »Het Hoog« (= Die Anhöhe) genannt wird),
-ohne dass man jemals sich des Wechselbaus bediente, das schöne goldgelbe, breitgeformte
-Blatt hervorbringt.</p>
-
-<p>Die Überführung von Erde aus Valburg (wo man auch Lehmboden antrifft) auf
-die Veluwe, hat keine Resultate beim Anbau des Tabaks geliefert.</p>
-
-<p>Jeder Züchter muss die Düngversuche auf seinem eigenen Boden anstellen
-und dabei der Gefahren eingedenk sein, die entstehen können, wenn man die
-genannten schädlichen Elemente oder Salze anwendet. In der letzten Zeit hat man
-die Aufmerksamkeit auf die Düngung mit Silicaten gerichtet (Martellin = Kalium-silicat),<span class="pagenum"><a name="Page_35" id="Page_35">[ 35]</a></span>
-wodurch die Brennbarkeit und die Farbe, nebst dem anatomischen Bau des
-Blattes verbessert wird<a name="FNanchor_E_5" id="FNanchor_E_5"></a><a href="#Footnote_E_5" class="fnanchor">[E]</a>.</p>
-
-<p>Nach der schönen Lehre von <em class="gesperrt">Darwin</em>, welche sich auf wissenschaftliche
-Forschungen gründet, wird die Pflanzen- und Tierwelt in einer Gegend sich den da
-anwesenden physischen Lebensbedingungen anpassen und sich demgemäss entwickeln.
-In »<i>the struggle for life</i>« werden die bevorzugtesten Arten, Rassen und Varietäten
-siegreich aus dem Kampfe hervorgehen, bekränzt, nicht mit der Siegespalme, sondern
-mit der kräftigen Lebensfähigkeit für ihren Stamm.</p>
-
-<p>Dies muss auch anwendbar sein auf unsere Tabakskultur.</p>
-
-<p>Meine Nachforschungen gaben mir die Überzeugung, dass viele Tabakspflanzer
-ihr Fach wissenschaftlich auffassen und weder Mühe noch Kosten scheuen, Versuche
-zu machen, welche die Kultur fördern können.</p>
-
-<p>Ich kann nicht genug darauf hinweisen, dass man die grösste Sorgfalt auf das
-Gewinnen des Samens verwende. Man muss hiezu nicht einige Pflanzen in zeitweise
-günstige Lebensverhältnisse bringen dadurch, dass man sie besser oder örtlich
-starker düngt, sie auf gut gewählten geräumigen Stellen des Feldes Samen schiessen
-lässt, sondern man muss diejenigen Pflanzen mitten auf dem Felde auswählen,
-welche sich durch schönen Bau, Blattform u. s. w. auszeichnen, dann hat man die
-grösste Gewähr, dass die erblichen Eigenschaften des Samens auf die Nachkommenschaft
-übertragen werden.</p>
-
-<p>Durch die Kultur der Tabakspflanze hat der Bau der Blume sich geändert.
-Die bei uns schwach vorhandene Protogynie ist im Naturzustande deutlicher und
-schärfer hervortretend, wodurch Kreuzbestäubung mehr erwartet werden kann.
-Der Bau der Kulturblume ist jetzt derartig, dass Staubfäden und Stempel nicht
-nur etwa auf derselben Höhe stehen, sondern dass die weibliche Periode der
-Blume in unserm Klima im geschlossenen Knospenzustand verlebt wird.</p>
-
-<p>Dies erleichtert uns die künstliche Kreuzbestäubung; man braucht nur die
-Knospe welche im Entfalten begriffen ist, zu öffnen und die Pollen von gleichfalls
-gut gewählten Pflanzen mit einem kleinen Pinsel auf den Stempel zu bringen.
-Nach zwei Stunden ist die Gefahr vorüber, dass Insekten durch ihren Besuch
-andere Pollen mit demselben in Berührung bringen. Verhüllung mit Gaze oder
-mit einem Papierbeutelchen während einiger Stunden sei deshalb empfohlen. Auf
-diese Weise kann kräftiger Samen gewonnen werden.</p>
-
-<p>Weiter lehren die Versuche, dass die mittelsten Blumen (Samenkapsel) am
-Stengel den kräftigsten Samen enthalten. Sehr erwünscht ist es zugleicherzeit,
-die gewählten Pflanzen die Blätter behalten zu lassen und sie nicht abzureissen,
-wie es bisweilen geschieht.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_36" id="Page_36">[ 36]</a></span></p>
-
-<p>Kräftig entwickelte Pflanzen werden den Kampf ums Dasein leichter bestehen
-als schwächere, sie werden zugleich besser im Stande sein, den Krankheiten zu
-widerstehen.</p>
-
-<p>In Valburg hat man eine eigentümliche Gewohnheit, den Samen zum Keimen
-zu bringen. Man bringt ihn in ein angefeuchtetes Leinenläppchen oder Säckchen,
-nachdem es im Wasser angeschwollen ist.</p>
-
-<p>Dann hängt man es in mässiger Entfernung vom warmen Ofen auf. Die Folge
-hiervon ist, dass der Samen zwar sichtlich gut ausläuft, aber dabei mittels Diffusion
-lösliche Nahrungsstoffe abgiebt, welche als Reservenahrung dem zukünftigen
-Pflänzchen entzogen werden. Auf diese Weise wird das keimende Pflänzchen
-geschwächt und der Kampf, den es beim Übergange zu einer sich selbst nährenden
-Pflanze zu bestehen hat, wird ihm erschwert.</p>
-
-<p>Dass der Verlust von Salzen, Aschenbestandteilen, grösser ist als man sich
-denkt, geht hieraus hervor, dass, wenn der Aschengehalt des Samens 4% ist, dieser
-nach Behandlung mit Wasser während der 24 Stunden des Tages 1/4 Teil verloren
-hat. In dieser Weise verliert der Samen schon einen grossen Teil des so sehr
-erwünschten Kali, nl. 25.8%, und 6.4% Phosphorsäure (<em class="gesperrt">Behrens</em>).</p>
-
-<p>Weiter lässt man in Valburg, nach dem Pflücken, die Blätter noch einige
-Tage auf dem Felde liegen, erst dann werden sie an Stangen angereiht. Aus der
-Physiologie des sterbenden Blattes ersahen wir, dass das Trocknen langsam geschehen
-soll. Hierdurch entstehen Zersetzungsprodukte, welche bei der Gährung erwünscht sind.</p>
-
-<p>Beim Gährungsverlauf haben wir gesehen, dass bei unserm Tabak der Bacillus
-Tabaci I + III, die Hauptrolle spielt, er giebt ihm den reinen Geruch und Geschmack,
-insofern wir dies bei unserm Tabak wahrnehmen können. Da, wo die Gährung nicht
-stattfindet oder nicht gut verläuft, können diese Mikroben künstlich angebracht
-oder geimpft werden.</p>
-
-<p>Die Versuche, die Mosaikkrankheit zu verhindern, könnten schon jetzt beim
-Wechselbau angestellt werden. Der Anbau von Erbsen, Bohnen, Klee und andern
-Hülsenfrüchten sei anempfohlen.</p>
-
-<p>Folgende Düngung wird von einigen grossen Züchtern versucht werden.</p>
-
-<p>Im Spätjahr wird per ha. 750-3000 kg. ungelöschter Kalk auf die Oberfläche des
-Feldes gebracht und gleichmässig darauf ausgestreut. Dies lässt man ungefähr einen
-Monat liegen und bringt dann 400-600 kg. Kainit und 400-600 kg. Thomasphosphat
-hinzu, nachher wird es im Januar oder Februar, wenn der Witterungszustand dies
-erlaubt, mit dem Spaten untergegraben. Auf die gebräuchliche Weise werden dann
-die Erbsen, Bohnen u. a. gepflanzt oder gesät.</p>
-
-<p>Die Versuche, welche angestellt werden, um auf eine andere Weise der
-Mosaikkrankheit vorzubeugen, werden fortgesetzt, nehmen aber viel Zeit in
-Anspruch.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_37" id="Page_37">[ 37]</a></span></p>
-
-<p>Die Gründüngung auf angesteckten Feldern kann aus obenerwähnten Gründen
-nicht empfohlen werden.</p>
-
-<p>Das Ausgraben der infizierten Mistbeete etwa 30 cm. tief und das Hineinbringen
-gesunder Erde, also von unbebautem Boden, verdient Empfehlung. Ein
-Pflanzer, der niemals Fleckkrankheit auf seinem Felde gehabt hat, könnte dadurch,
-dass er junge Pflänzchen, welche von infiziertem Boden herstammten, lieh oder
-kaufte, sein Feld auf immer anstecken und dadurch die Mosaikkrankheit hervorrufen.</p>
-
-
-<p>Und hiermit habe ich einen Gegenstand behandelt, der immer mehr mein
-Interesse erregte. Dabei habe ich viele unsrer Tabakspflanzer als Personen
-kennen gelernt, die alles aus Liebe zur Sache thun, und ungeachtet des grossen
-Aufschwunges unsrer indischen Kultur, wodurch soviele edle Tabakssorten
-über die ganze Welt verbreitet werden, mit Mut, Ausdauer und Lust zur
-Arbeit, unsern einheimischen Tabak züchten, bearbeiten, und zu verbessern
-trachten. Mögen sie, indem sie so fortfahren, auch die Früchte ihrer Arbeit
-geniessen!</p>
-
-
-
-<hr class="chap" />
-<h2><a name="Verbesserung_durch_Reinkulturen" id="Verbesserung_durch_Reinkulturen">Verbesserung durch Reinkulturen.</a></h2>
-
-<p class="center">(Fortsetzung der Untersuchungen von 1897).</p>
-
-
-<p>Die Untersuchung der Gährung unseres einheimischen Tabaks ist, da wir es
-hier mit einem Prozesse zu thun haben, bei dem fakultative anaërobe Bakterien
-eine Rolle spielen, enorm von mir gekürzt worden. Später wurde ich mit den an
-der Oberfläche der Platten angelegten bakteriologischen Kulturen bekannt, wodurch
-man makroskopisch schon deutlich die verschiedenen Arten des Wachstums von
-Bakterien und andern Mikroorganismen wahrnemen kann.</p>
-
-<p>Dies Verfahren hat unendlich viel vor derjenigen Untersuchungsmethode voraus,
-bei der die Kulturen auch in Gelatineplatten wachsen.</p>
-
-<p>Im letzteren Falle doch sieht man, nur einige Variationen in verfliessenden
-Kulturen ausgenommen, welche meistens kugelförmig in der Gelatine wachsen,
-fast immer gelbe Pünktchen, bald rund, bald linsenförmig.</p>
-
-<p>Will man gerade jene Mikroorganismen auffinden, welche aërob oder fakultativ
-anaërob sind und bei irgend einem Prozesse eine Funktion zu erfüllen haben,
-so bietet diese Methode sehr grosse Vorteile und nicht weniger eine Abkürzung
-was die Zeit betrifft. Sogar zu einer quantitativen Bestimmung von Mikroorganismen<span class="pagenum"><a name="Page_38" id="Page_38">[ 38]</a></span>
-eignet sich diese Untersuchungsmethode. Was die Untersuchungen der Tabaksgährung
-betrifft, so sind diese in folgender Weise abgekürzt worden.</p>
-
-<p>Die früher beschriebenen Stückchen fein geschnittenen Tabaks werden in
-ein Röhrchen mit 10 cm³ physiologische Kochsalzlösung (0.75 Prozent) gebracht
-und mit der Platinnadel wiederholt in dieser Flüssigkeit bewegt, während man
-sie dann und wann noch durch einander schüttelt.</p>
-
-<p>Vom Inhalte dieses Röhrchens werden dann eine oder mehr Platinspiralen
-(welche in meinem Falle 0.048 gr. Flüssigkeit festhalten) auf ein zweites und drittes
-Röhrchen gebracht. Die Erfahrung giebt hier bald einen Fingerzeig. Es stehen
-einige sterile Kulturschälchen mit dem beschriebenen festen Nährboden bereit.
-Nun wird der Inhalt des I<sup>en</sup>, II<sup>en</sup> u. s. w. Rohres über die Oberfläche ausgegossen.
-Was zu viel ist an Flüssigkeit, lässt man wegfliessen, indem man einfach das ein
-wenig geöffnete Schälchen schräg hält. Weiter bewegt man das Schälchen noch
-einen Augenblick hin und her, um die geringe Quantität Wasser, in welchem die
-Mikroorganismen verteilt liegen, gut zu verbreiten. Die Berechnung lehrte mich,
-dass die Oberfläche des beschriebenen Petri-Schälchens während dieser Manipulationen
-ungefähr 0.5 gr. Flüssigkeit festhielt.</p>
-
-<p>Wenn man genauer dieses Gewicht kennen lernen will, so kann das
-Schälchen vor und nach dem Anfeuchten gewogen werden, und dies Gewicht
-berechnet werden auf die respektiven Röhrchen und die gebrauchte Quantität
-Tabak im Röhrchen I, der zwischen zwei sterilen Uhrgläsern vor dem Experiment
-gewogen wird.</p>
-
-<p>Nach Verlauf einiger Tage kommen die Plattenkulturen zur sichtbaren Entwickelung
-und ist es viel leichter, eine Übersicht über den Totalgehalt an Sorten zu
-bekommen. Quantitativ betrachtet hat diese Methode Fehler. Die Ursache davon liegt
-darin, dass die Bakterien in mehr oder weniger starkem Masse in den von ihnen
-selbst abgeschiedenen Schleimhüllen liegen und dadurch sehr am Medium haften, dem
-Blatte, auf dem sie, sei es auch kurze Zeit, lebten, und später ein latentes Leben führten,
-um bei der Gährung wieder energisch aufzuleben. Weder durch Abreibung mit der
-Platinnadel, noch durch immerwährendes Hin- und Herschütteln, kann man alle
-Mikroorganismen vom Substrat trennen. Damit hier eine Verbesserung angebracht
-werde, habe ich die Sache anders gemacht und habe dies schon im Prinzip im
-»Pharm. Weekblad« N<sup>o</sup>. 10, 1898, beschrieben. Das Resultat dieser Untersuchungsweise
-war ein brillantes und hat die allergünstigsten Folgen gehabt. Diese Methode,
-die ich zuerst auf den Tabak anwendete, lässt sich auf eine Unmasse anderer
-Gegenstände anwenden.</p>
-
-<p>Sie ist wie folgt. In einige Reagirröhren werden gewöhnliche Pinselchen
-so hineingebracht, dass der Federkiel auf dem Boden der Röhre ruht und das
-Büschelchen nach oben gerichtet ist. Durch einen Wattepfropfen werden die<span class="pagenum"><a name="Page_39" id="Page_39">[ 39]</a></span>
-Röhren geschlossen und dann während einer Stunde bei 110° C. in strömendem
-Dampfe erhitzt. Die Temperatur übt keine nachteilige Wirkung auf die Pinsel aus.
-Ferner wird ein hohes Petrischälchen gewählt, 10 cm<sup>3</sup> sterilisierte physiologische
-Kochsalzlösung hineingebracht und natürlich sofort geschlossen.</p>
-
-<p>Ein Teil eines gährenden Tabaksblattes wird in diese Flüssigkeit hineingetaucht
-und einige Minuten daselbst in Ruhe gelassen. Dann nimmt man mit einer sterilen
-Pincette das Pinselchen aus einem der Reagierröhrchen und reibt, indem man eins
-der Enden des Blattes mit der Pincette festhält, kräftig über die Oberfläche der
-beiden Blatthälften. Indem man das Schälchen hin- und herbewegt, werden die Mikroorganismen
-gleichmässig im Wasser verteilt. Von dieser bakterienreichen Flüssigkeit
-werden 1 cm<sup>3</sup>, 1/2 cm<sup>3</sup> oder Verdünnungen hiervon mittels steriler Pipetten über
-die Oberfläche der Platten gebracht.</p>
-
-<p>Auf diese Weise werden nach der »Bohnmethode« (der Name ist von mir nach
-dem Bohnen der Fussboden gewählt) auch diejenigen Bakterien von der Blattoberfläche
-entfernt, welche innig mit diesem Substrate zusammenhingen. Nach Berechnung
-kann man auf diese Weise bestimmen, wieviel Bakterien sich auf den beiden
-Blatthälften befanden.</p>
-
-<div class="figcenter" style="width: 450px;">
-<img src="images/fig06.jpg" width="450" height="217" alt="" />
-<div class="caption"><p>Fig. 6. <i>Bohnmethode.</i> Links Pinselstriche von Betuwer Tabak im Anfange der Gährung (Diplococcen). Rechts während
-der Gährung (B. T. I + B. subtilis + B. mycoides).</p></div>
-</div>
-
-<p>Wenn es sich um eine qualitative Bestimmung handelt, so bekommt man
-nicht weniger schöne Kulturplatten auf folgende Weise. Das Tabaksblättchen, das<span class="pagenum"><a name="Page_40" id="Page_40">[ 40]</a></span>
-schon im Wasser untergetaucht war und nicht bewegt wurde, wird mit einer
-sterilen Pincette auf sterilisiertes Papier gelegt.</p>
-
-<p>Es liegt also feucht darauf. Nachher wird die obere Seite des Blättchens mit dem
-trocknen Pinsel, welcher also steril ist, abgebohnt. Mit diesem noch nassen Pinsel macht
-man Striche über die festen Oberflächen von Gelatineplatten. Nach einigen Tagen
-sieht man denn, dass der erste Strich die grösste Zahl Kolonien hervortreten lässt,
-gewöhnlich zu viel als dass man sie unterscheiden könnte; der zweite Strich schon
-weniger, der dritte und vierte noch weniger, u. s. w. Letztere Methode wurde
-immer von mir angewendet bei unserm einheimischen Tabak, beim Deli- und
-Havanna-Tabak.</p>
-
-<p>Das Resultat war ein glänzendes. Die Untersuchungen nach der Gährung des
-Tabaks erlauben diese Methode, weil hierbei keine obligaten anäeroben Bakterien
-im Spiele sind. Sie ist natürlich unbrauchbar, wenn es sich um Mikroorganismen
-handelt, welche Sauerstoff nicht ertragen. Die Petri'schen Kulturplatten sind auf
-lichtempfindliches Papier gesetzt, 25 Secunden vom Sonnenlicht beschienen und
-oben photographisch, ohne Retouche reproduziert. Die Glaskratzer am Boden des
-Schälchens sind hierbei deutlich sichtbar.</p>
-
-<p>Bei den Untersuchungen unsres einheimischen Tabaks, die im Jahr 1897 von
-mir in »de Natuur« publiziert wurden, hat sich herausgestellt, dass wir es hier zu
-thun haben mit einer Gährung, bei welcher fakultative anaërobe Bakterien, also
-auch unter Hinzutretung von freiem Sauerstoff oder Luft, eine Rolle spielen. Sogleich
-ergab sich daraus, dass im gährenden Tabak von verschiedener Herkunft aus unsern
-Gegenden (Betuwe, Veluwe, Maaswaal) verschiedene Mikroorganismen mehr oder
-weniger häufig anwesend waren, jedoch in überwiegender Zahl diejenigen, welche
-sich an der Gährung beteiligten.</p>
-
-<p>Meine zunächst liegende Vermutung hat sich bestätigt. Fünf verschiedene
-Bakterien, welche, aus verschiedenem Tabak herstammten, sind damals von
-mir abgebildet und kurz nach ihren morphologischen und biologischen Eigenschaften
-beschrieben worden. Alsdann ist Tabak von mir sterilisiert worden, d. h.
-alle Mikroorganismen, welche sich auf und in demselben befanden, wurden getötet
-und nachher ist jener Tabak mit den verschiedenen Reinkulturen geimpft worden.
-Alsdann stellte sich heraus, dass die Impfung mit dem B. T. I. und III (Bacillus
-Tabaci I. und III) dem Tabak das richtige Arom verlieh, ein Arom, welches, hier
-in Holland für das beste gehalten wird. Meine Vermutung, dass jene Gährung
-doch noch einen andern Verlauf haben würde, wenn die nämliche Tabaksart nicht
-sterilisiert, dahingegen mit den genannten Tabaksbakterien geimpft würde, hat
-sich bestätigt. Jedoch müssen wir hierbei in Betracht ziehen, dass nebst den
-in grosser Zahl künstlich angebrachten Mikroben, noch mehr Arten ihre Wirkung
-ausüben, Arten, welche gleichfalls das feuchtgewordene Tabaksblatt angreifen,<span class="pagenum"><a name="Page_41" id="Page_41">[ 41]</a></span>
-aber ausserhalb der eigentlichen Gährung stehen und nichts anders thun können als
-Zersetzungen hervorrufen, welche ungünstig wirken oder gar nicht dazu beitragen,
-ein erwünschtes Produkt zu erhalten. Es ergab sich, dass die Impfung mit den Tabaksbakterien,
-welche günstig beim sterilen Tabak wirkten und ihm das reine Arom
-gaben, in nicht sterilem Tabak ohne Wirkung blieben, insofern ohne Wirkung, dass
-jenes Arom bei weitem nicht so ausgesprochen war als beim sterilen Tabak. Diese
-Versuche wurden im Februar 1898 in den Gährungsscheunen des Herrn <em class="gesperrt">de Hartog</em>
-in Wageningen angestellt. Damals musste die Frage gelöst werden, wie das Produkt
-der natürlichen Gährung, also ohne Sterilisation übertroffen werden konnte, wenn
-man von den Impfungen mit einer oder mehreren Reinkulturen auf die nämlichen,
-also nicht sterilisierten Tabaksarten Gebrauch machte.</p>
-
-<p>Die Versuche im Laboratorium lehrten also, dass steriler Tabak durch Impfung
-mit zwei Mikroben vorzügliche Eigenschaften erhielt, sodass dieser Tabak sofort
-von den Fachmännern als der beste bezeichnet werden konnte. Die Quantität war
-jedoch eine zu geringe, als dass man Cigarren davon anfertigen lassen und alle
-Eigenschaften, die man so gerne kennen lernen möchte, kontrollieren konnte. Eine
-Sterilisation des Tabaks im Grossen ist faktisch unmöglich. Damit das Resultat der
-schon beschriebenen Untersuchung praktisch verwendet werden konnte, mussten
-also Versuche mit verschiedenen Reinkulturen und deren Mischungen angestellt
-werden. Es stellte sich heraus, dass einige dreissig Büschel, welche ohne Sterilisation
-mit den B. T. I + III + IV geimpft, im Februar in Haufen gelegt und
-nachher der Gährung ausgesetzt worden waren, nicht solche günstige Eigenschaften
-erhalten hatten als der sterilisierte und nachher geimpfte Tabak, wie es in meinem
-Laboratorium stattfand.</p>
-
-<p>Zugleicherzeit erwähne ich hier, dass der nicht-fermentierte Deli-Tabak, der
-mir aus Batavia von <em class="gesperrt">Dr. v. Breda de Haan</em> zugesandt wurde, gleichfalls einer
-Untersuchung unterzogen worden ist. Nach dem Beispiele von <em class="gesperrt">Semmler</em> aus
-Cuba habe ich einen kleinen Teil dieses Tabaks mit Wasser faulen lassen und mit
-diesem Wasser einheimischen Tabak, der dann gleichfalls mit andern Büscheln in den
-Haufen hinein gelegt wurde, besprengt. Dieser Tabak gerieth zwar in Fermentation, aber
-als die Gährung beendigt war, ergab sich, dass die besprengten Büschel keine andern
-Eigenschaften bekommen hatten als eine Änderung in der Farbe der Blätter, die von
-der feuchten Behandlung herrührte. Dieser Versuch, welcher durch einen Zufall auf
-Cuba günstig verlief, ist Ursache gewesen, dass man die Aufmerksamkeit auf die
-Tabaksgährung hinlenkte und die Vermutung laut werden liess, dass Mikroorganismen
-bei jener Gährung sich wirksam bethätigten.</p>
-
-<p>Als es mir nach wiederholten Versuchen deutlich geworden war, dass die Impfung
-unseres einheimischen Tabaks mit den B. T. I + III also nicht ganz den Erfolg hatte, wie
-immer beim sterilen Tabak, habe ich diesen Gegenstand weiter untersucht und eine Reihe<span class="pagenum"><a name="Page_42" id="Page_42">[ 42]</a></span>
-von Versuchen mit Mischungen von Reinkulturen angestellt. Die Herren <em class="gesperrt">de Hartog</em>
-und <em class="gesperrt">v. Druijnen</em> in Wageningen, welche diesem Gegenstand ihre ganze Aufmerksamkeit
-widmeten, halfen mir bei diesen Versuchen und gaben mir jedesmal ihr
-Urteil ab, ein Urteil, das ich sehr schätzte, da es ausgesprochen ward von sehr
-kundigen, erfahrungsreichen Fachmännern. Nicht entmutigt empfing ich am 8. März
-die Nachricht, dass man damit anfangen würde, einen Haufen gährenden Tabak
-aus der Betuwe umzusetzen. Es war die beste Tabaksart, welche Holland hervorbringt.
-Am 10. März besuchte ich die Fermentierscheune und stellte wiederum Versuche
-an, aber in der jetzt sehr gekürzt beschriebenen Weise. Es war ein schöner Anblick,
-jenen prachtvoll aufgebauten Haufen mit den Tausenden goldgelben Büscheln emporragen
-zu sehen. Eine grosse Menge Kulturschälchen wurde von mir infiziert mit
-Blattfragmenten der obersten Tabaksbüschel (± 22° C.) Nach einigen Tagen zeigten
-sich die Kolonien, und mit Bewunderung sah ich wieder die im vorigen Jahre von
-mir beschriebenen Arten zum Vorschein kommen. Meine Aufmerksamkeit richtete
-sich auch noch, nicht auf die bekannten Verunreinigungen, sondern auf andere
-Arten, welche ich nun bei niedriger Temperatur in grosser Anzahl vorfand. Einige
-davon brachte ich in Kultur und wartete darauf, welche Rolle sie mit andern
-Bakterienarten in nicht sterilisiertem Tabak spielen würden.</p>
-
-<p>Um den praktischen Teil des Problems zu lösen, hatte ich damals sechs Arten
-Tabaksbakterien, welche bezüglich ihrer Wirkung in nicht sterilem Tabak controlliert
-werden mussten, und die also den überall herrschenden »Struggle for life«
-kämpfen mussten. Es war nicht vorher zu sagen, wer siegen würde. Ein logisches
-Verfahren nach Wahl war nicht möglich, der Versuch musste entscheiden. Um
-die Frage der Tabaksverbesserung zu lösen dadurch, dass man Gebrauch machte
-von den, in dem vorzüglichsten Betuwer Tabak vorgefundenen Mikroben, wurden
-eine Menge nicht sterilisierter Tabaksarten mit Reinkulturen und deren Mischungen
-bespritzt. Dieses Bespritzen lässt sich ausgezeichnet durch den Druck der Wasserleitung
-bewerkstelligen; ich werde durch Abbildung zeigen, wie das Verstieben in
-meinem Laboratorium geschieht. Was die sehr geringe Farbenveränderung des Blattes
-betrifft, die durch Befeuchtung verursacht wird, so ist es mir als bald gelungen, hierin
-eine Verbesserung anzubringen, indem ich die Reinkulturen von Agar-Oberflächen
-mit feinem Tabakspulver vermischte und dies gleichfalls in die Büschel hineinspritzte
-oder verstieben liess, also der trocknen Behandlung gemäss. Nach Beendigung
-der Gährung wurden die Eigenschaften der derartig behandelten Sorten
-kontrolliert, und diese sorgfältig ausgesucht. Ich werde hier all diese Versuche, die
-noch nicht den erwünschten Erfolg hatten, der Kürze halber nicht aufzählen; nur
-lohnt es sich, zu wissen, dass ich daraus den Schluss zog, dass viele Arten von
-Mikroorganismen, unter denen auch die von mir abgebildeten, die Temperaturerhöhung
-verursachen, und dass ich drei Arten in Mischung, künstlich in grosser<span class="pagenum"><a name="Page_43" id="Page_43">[ 43]</a></span>
-Menge in die verschiedenen Tabaksarten hinein brachte. Es waren die Reinkulturen
-von Bacillus Tabaci I, B. T. III und dem neu isolierten Diplococcus Tabaci. Diese
-Mischungen erhielten folgende Marken:</p>
-
-<p class="center">
-Marke I: Bacillus Tabaci Hollandicus I.<br />
-<span style="margin-left: 6.5em;">"&nbsp; &nbsp; &nbsp; "&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; "&nbsp; &nbsp; &nbsp; III.</span><br />
-Marke II: Diplococcus Tabaci Hollandicus.<br />
-<span style="margin-left: 5em;">Bacillus&nbsp; &nbsp; &nbsp; "&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; "&nbsp; &nbsp; &nbsp; III.</span><br />
-Marke III: Mischung der Marke I und Marke II.<br />
-</p>
-
-<p>Diese Reinkulturen von Agar-Oberflächen wurden sorgfältig in steriles Wasser
-verteilt.</p>
-
-<p>Die unten angegebenen Tabaksarten wurden mit dem Inhalte dieser Fläschchen
-bespritzt und von den Herren <em class="gesperrt">de Hartog</em> und <em class="gesperrt">v. Druijnen</em> mit den gegebenen
-Marken versehen. Erst nachdem die Gährung beendigt, die Cigarren gemacht, und
-mein Urteil abgegeben war, sollte das Resultat dieser Versuche, die auch von
-andern in unserer Umgebung beurteilt werden sollten, bekannt gemacht werden.</p>
-
-<div >
-<table class="center" border="0" cellpadding="6" cellspacing="0" summary="">
-
-<tr>
-<td align='right'>A.</td>
-<td align='left'> geimpft:</td>
-<td align='right'> B.</td>
-<td align='left'> nicht geimpft:</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='right'>I <i>a</i> =</td>
-<td align='left'>Betuwer Erdgut</td>
-<td align='right'><i>a</i><sup>1</sup> =</td>
-<td align='left'>Betuwer Erdgut</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='right'><i>b</i> =</td>
-<td align='left'>Veluwer Erdgut</td>
-<td align='right'><i>b</i><sup>1</sup> =</td>
-<td align='left'>Veluwer Erdgut</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='right'>II <i>c</i> =</td>
-<td align='left'> Betuwer Sandgut</td>
-<td align='right'><i>c</i><sup>1</sup> =</td>
-<td align='left'>Betuwer Sandgut</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='right'><i>d</i> =</td>
-<td align='left'>Veluwer Sandgut</td>
-<td align='right'><i>d</i><sup>1</sup> =</td>
-<td align='left'>Veluwer Sandgut</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='right'>III <i>e</i> =</td>
-<td align='left'>Betuwer Erdgut</td>
-<td align='right'><i>e</i><sup>1</sup> =</td>
-<td align='left'>Betuwer Erdgut</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='right'><i>f</i> =</td>
-<td align='left'>Veluwer Erdgut</td>
-<td align='right'><i>f</i><sup>1</sup> =</td>
-<td align='left'>Veluwer Erdgut</td>
-</tr>
-</table></div>
-
-<p>Ende Juli habe ich diese Cigarren, nur mit den Marken <i>a</i>, <i>a</i><sup>1</sup>, <i>b</i>, <i>b</i><sup>1</sup> u. s. w.
-empfangen. Nichts war bekannt von Impfung oder nicht Impfung, von Nummer
-u. s. w. Jetzt befand ich mich in der schwierigen Lage, mein Urteil abgeben zu
-müssen. Es handelte sich ja hier um kleine Unterschiede in der Brennbarkeit,
-Konsistenz der Asche, des Aroms, des Geschmacks u. s. w. Aus dem Grunde habe
-ich dies den befugteren Personen, den eigentlichen Fachmännern überlassen, die ihrer
-Beschäftigung gemäss dies viel besser beurteilen können. Herr <em class="gesperrt">G. P. Voorwijk</em>
-in Amsterdam, welcher in der Tabakswelt seines richtigen Urteils wegen so günstig
-bekannt ist, hat sehr freundlich meiner Bitte, einige Abende zu mir zu kommen und zu
-rauchen, Folge geleistet, wofür ich ihm hiermit herzlich danke. Jedes Packetchen bestand
-aus 2 Cigarren, die nur die Marke <i>a</i>, <i>a</i><sup>1</sup>, <i>b</i> oder <i>b</i><sup>1</sup> u. s. w. trugen. Als die Reihenfolge
-<i>a</i> und <i>a</i><sup>1</sup> abgeraucht war, untersuchte Herr <em class="gesperrt">Voorwijk</em>, indem er dabei die
-andere Cigarre aus dem nämlichen Packetchen benutzte, ob die Eigenschaften der
-Cigarren aus ein und demselben Packetchen dieselben wären, was völlig stimmte.<span class="pagenum"><a name="Page_44" id="Page_44">[ 44]</a></span>
-Den 29 Juli schrieb ich Herrn <em class="gesperrt">de Hartog</em> folgendes:</p>
-
-
-<p class="center">
-<i>Geehrter Herr</i>,
-</p>
-
-<p>Weil mein Geschmack, was den Tabak im allgemeinen betrifft, nicht so
-besonders entwickelt ist, und es sich hier höchstwahrscheinlich um kleine
-Unterschiede und typische Kennzeichen der Brennbarkeit, Konsistenz der Asche
-und die grössere oder geringere Leichtigkeit handelt, mit der eine Cigarre zieht, so
-habe ich mein Urteil über diese Versuche, welche einen praktischen Leitfaden
-abgeben sollen, befugteren Personen übertragen. Da die Impfung von dieser
-oder jener Marke nur Ihnen allein bekannt ist, und da ich nicht
-daran zweifle, dass Sie aus den jetzt von mir gegebenen Nummern oder
-Buchstaben unsere Urteile vergleichen werden, so habe ich Ihnen die Überreste
-der gerauchten Cigarren gesandt, jedoch mit der Bitte, nochmals die Zeichen
-auf ihre Richtigkeit hin zu kontrollieren, da dies von grosser Wichtigkeit ist.</p>
-
-<p>Unten folgt das Urteil des Herrn <em class="gesperrt">Voorwijk</em>, der durch tägliche Fachbeschäftigung
-bedeutend mehr berechtigt ist, eine Meinung hierüber auszusprechen,
-als ich es thun kann.</p>
-
-
-<p><i>a</i> ist enorm besser als <i>a</i><sup>1</sup>, das Aroma des Rauches ist zwar das nämliche
-und in dem Aroma des Deckblattes ist wenig Unterschied, aber die Art <i>a</i> hat
-ein säuerlicheres, volleres Aroma als <i>a</i><sup>1</sup>. Die Brennbarkeit ist bei <i>a</i> und <i>a</i><sup>1</sup> die
-nämliche; soweit man es von einheimischem Gewächs erwarten kann, brennen
-sie sehr gut.</p>
-
-<p><i>b</i> und <i>b</i><sup>1</sup> haben die nämlichen Eigenschaften, aber, wenn man weiter raucht,
-bleibt <i>b</i> besser von Geschmack als <i>b</i><sup>1</sup>. Beim ersten Anbrennen und in der ganzen
-Breite geraucht, hat <i>b</i> eine geringe Ähnlichkeit mit <i>a</i>. Hierbei muss bemerkt
-werden, dass für gewöhnlich der einheimische Tabak einen holzartigen Geschmack
-hat, der noch an <i>a</i>, <i>a</i><sup>1</sup>, <i>b</i> und <i>b</i><sup>1</sup> auffällig ist. Bei <i>b</i> ist die Asche etwas weniger
-hart als bei <i>b</i><sup>1</sup>.</p>
-
-<p><i>c</i> und <i>c</i><sup>1</sup> zeigen keinen Unterschied. Beide sind schmackhaft, jedoch ist
-bei <i>c</i> die Brennbarkeit besser als bei <i>c</i><sup>1</sup>.</p>
-
-<p><i>d</i> ist etwas günstiger als <i>d</i><sup>1</sup>, hierbei ist die Asche viel besser und lockerer
-als bei <i>d</i><sup>1</sup>.</p>
-
-<p><i>e</i> ist viel besser als <i>e</i><sup>1</sup>. Die Brennbarkeit ist hier auch sehr verschieden
-und zum Vorteile von <i>e</i>. Bei diesen zwei Arten wird bis jetzt der grösste
-Unterschied wahrgenommen, <i>e</i> und <i>e</i><sup>1</sup> sind zugleich schwerer von Geschmack.</p>
-
-<p><i>f</i> und <i>f</i><sup>1</sup> sind gleichfalls schwerer von Geschmack als die vorigen, <i>f</i> ist
-<span class="pagenum"><a name="Page_45" id="Page_45">[ 45]</a></span>edeler von Aroma und Geschmack als <i>f</i><sup>1</sup>, die letztere ist sogar ordinär. Falls
-<i>f</i> geimpft wurde, so ist diese Sorte viel veredelt und verbessert. &mdash; Ein Fachmann,
-wie Herr <em class="gesperrt">Voorwijk</em> macht die Mitteilung, dass das einheimische Gewächs
-dieses Jahr besonders gut ist.</p>
-
-<p>
-Hochachtungsvoll und mit freundlichem Danke,<br /></p>
-<p class="right"><em class="gesperrt">C. J. KONING</em>.</p>
-
-<p><i>Bussum, 29/7 '98.</i></p>
-
-
-<p>Einige Tage nach diesem Schreiben empfing ich die Antwort, dass durch die
-Impfung der Tabak faktisch verbessert ist, und dass nur die Reihe A. geimpft war.</p>
-
-<p>Der <i>Diplococcus Tabaci Hollandicus</i> besteht, wie der Name schon andeutet,
-aus kugelförmigen Mikroben, Coccen, welche je zwei und zwei liegen, also
-zwei gegen einander liegenden Kugeln am besten zu vergleichen sind. Dieser
-Organismus wächst auf Gelatine in der Form eines hellgelben, scharf begrenzten
-dicken Streifens, welcher die Gelatine nicht verflüssigt. Auf Agar entsteht gleichfalls
-ein gelber, breiter Streifen und auf Kartoffel eine prachtvoll gelb hochaufragende
-Kultur. Alcalische Bouillon wird schwach getrübt. Dieser aërobe Organismus erzeugt
-gleichfalls im Anfang der Gährung Ammoniak.</p>
-
-<p>Vergleichende Versuche mit den Agarreinkulturen, angestellt bei erhöhter
-Temperatur, zeigen, dass der <i>Bacillus Tabaci Hollandicus I</i> bei niedriger Temperatur
-sich schneller vermehrt als der Diplococcus, der bei 24° (?) C. sein Optimum
-erreicht. Hieraus lässt sich folgern, dass die Gährung unseres Tabaks verschiedene
-Phasen durchläuft.</p>
-
-<p>Von praktischem Interesse ist in Bezug hierauf das wiederholte Umsetzen
-der Haufen, wodurch sowohl die Luft wieder Zutritt erhält, um die Aëroben und
-fakultative Anaëroben energischer leben zu lassen, als auch die äusseren Büschel
-der genannten Wirkung ausgesetzt werden. Wird die Temperatur von mehr als
-60° C. erreicht, so wird der biologische Prozess, welcher ausschliesslich der Gährung
-eigen ist, zum Stehen gebracht.</p>
-
-<p>Zugleich mit den temperaturerhöhenden Mikroorganismen entwickeln sich im
-Anfange der Gährung die Diplococcen und die B. T. H. I., welche den oben mitgetheilten
-Impfproben nach, die Brennbarkeit und das Aroma verbessern;
-jetzt schon entsteht Ammoniak als Zersetzungsprodukt. Wenn die Temperatur
-steigt, geraten die Diplococcen auf den Hintergrund und entwickeln die B. T. H. sich
-kräftiger, sodass durch ihre Lebensthätigkeit das Tabaksblatt derartig zersetzt wird,
-dass das Aroma sich bessert.</p>
-
-<p>In beifolgender Figur ist die Steigerung der Temperatur in einem gährenden Haufen
-angegeben. Die Erfahrung hat hier gelehrt, dass man bei ± 53° C. den Haufen
-ohne Schaden umsetzen kann, wodurch schon eine Zeitersparnis erzielt wird. Die<span class="pagenum"><a name="Page_46" id="Page_46">[ 46]</a></span>
-Temperatur wurde mittels mehrerer Thermometer beobachtet, welche in die
-Spalte eines hölzernen Stabes gestellt worden sind. Diese Stäbe liegen in
-Bambusköchern und werden einige Meter weit in den Haufen hineingeschoben. Nach
-der graphischen Darstellung findet die stärkste Temperaturerhöhung statt von 29°-50° C.
-Vor und nach diesen senken sich die Linien bedeutend.</p>
-
-<div class="figcenter" style="width: 427px;">
-<img src="images/fig07.jpg" width="427" height="369" alt="" />
-<div class="caption"><p>Fig. 7. Graphische Darstellung der Temperaturerhöhung in den gährenden
-Haufen Tabak A, B und C, im Monat Juni aufgestellt.</p></div>
-</div>
-
-<p>Merkwürdig und sehr beachtenswert sind die Eigenschaften, welche an a.
-beobachtet werden. Aus der nämlichen Tabaksart, aus dem Betuwer Erdgut also,
-ist der B. T. I. isoliert worden. Wenn dieser in <i>grösserer Menge</i> künstlich in
-diesen Tabak hineingebracht wird, so bessert sich das Aroma desselben beim
-Anbrennen beträchtlich. Ein Beweis um so mehr dafür, dass eine grosse Zahl
-Mikroben, welche sich auf der Blattoberfläche befinden oder künstlich darauf
-angebracht worden sind, bedeutend dazu mitwirken, die guten Eigenschaften, welche
-guter, einheimischer Tabak besitzen soll, ansehnlich zu verstärken und dadurch den
-Tabak zu verbessern.</p>
-
-<p>Aus den Impfungen erhellt ausserdem, dass durch B. T. I. das Aroma (siehe<span class="pagenum"><a name="Page_47" id="Page_47">[ 47]</a></span>
-A. I.), durch den Diplococcus die Brennbarkeit (A. II.) verbessert wird; wenn sie
-zugleicherzeit angewendet werden, verbessern sie Aroma und Brennbarkeit. (A. III.)
-B. T. I. überträgt sogar, durch seine Lebensfunktionen, das Aroma des Betuwer
-Tabaks auf andere Tabaksarten (A. I. b.).</p>
-
-<p>Wir erkennen aus diesen Versuchen deutlich die Wirkung der Mikroben bei
-der Gährung, und dass es jetzt auf praktischem Wege möglich ist, der Fermentation
-einen günstigen Verlauf zu geben. Am Schluss dieser Beschreibung einige kurze
-Mitteilungen.</p>
-
-
-<p>Vor allem meinen Dank den Herren <em class="gesperrt">Dr. v. Breda de Haan</em> in Buitenzorg
-für die Zusendung des unfermentierten Deli-Tabaks ausgezeichneter Qualität, wodurch
-ich Gelegenheit gehabt habe, Indischen Tabak in meinem Laboratorium zum Gähren
-zu bringen und Nachforschungen darüber anzustellen.</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Dr. A. van Bijlert</em>, gleichfalls in Buitenzorg, für seine erneuten Untersuchungen
-der Deli-Bodenarten, auf denen der Tabak solche bekannten vorzüglichen
-Eigenschaften erhält, und in denen ein colloidales Silicat solch eine günstige
-Wirkung hat.</p>
-
-<p>Nicht weniger wichtig ist der von Herrn <em class="gesperrt">Dr. v. Breda de Haan</em> gegebene
-Bericht über »Regenfall und Reboisation in Deli«, welcher von so grosser Bedeutung
-für die Zukunft dieses Landes ist.</p>
-
-<p>Die Untersuchungen des Deli- und des Havanna-Tabaks sind, was den
-bakteriologischen Teil betrifft, von mir angestellt worden. Die praktische
-Anwendung der Reinkulturen werde ich hier nicht antizipieren, doch nur die
-Mitteilung machen, dass beide, ebenso wie unser einheimischer Tabak eine
-ammoniakale Gährung durchmachen, welche Mitteilung, was den Deli betrifft,
-mit dem Bericht des Herrn <em class="gesperrt">Dr. Vernhout</em> stimmt.</p>
-
-<p>Dieser hatte die Güte, mir das Ergebnis der Untersuchungen, welche mit etwa
-siebzig Blättern angestellt wurden, zuzuschicken. Auch hier stellte sich heraus, dass
-die Gährung durch die Wirkung von Mikroben verursacht wird. Es gelang <em class="gesperrt">Vernhout</em>
-immer, dieselben in Reinkultur zu bekommen. Diese Untersuchungen, welche in den
-Tropen mit solchen grossen Schwierigkeiten verbunden sind, werden fortgesetzt.</p>
-
-<p>Aus dem Deli-Tabak isolierte ich Bakterien und eine Hefenzelle. Die Bakterien
-sind sehr klein, während immer eine gefunden wurde, die bei 37° C. gar nicht
-mehr auf dem Nährboden wuchs, sondern bei 24° C. ihr Wachstumsoptimum hatte;
-weiter ein Stäbchen, welches keine Sporen bildete, ein Diplococcus und ein der
-Rosahefe verwandter Saccharomyceet.</p>
-
-<p>In Folge des Amerikanisch-Spanischen Krieges, war keine Gelegenheit, unfermentierten<span class="pagenum"><a name="Page_48" id="Page_48">[ 48]</a></span>
-Tabak zu bekommen, so dass ich, ohne diesen Untersuchungen viel Gewicht
-beizumessen, die Mikroorganismen aus Büscheln Tabak isolierte, welche acht Jahre
-lang in Amsterdam gut aufgehoben gelegen hatten. Merkwürdig ist es jedoch,
-dass daraus doch einige Arten, alles »Bakterien«, isoliert worden sind. Aus den
-Büscheln habe ich unter allen Vorsichtsmassregeln die inneren Blätter herausgesucht
-und sie von neuem in eine feuchte Umgebung und erhöhte Temperatur
-gebracht. Trotzdem sie acht Jahre trocken gelegen hatten, sind daraus 7 Arten
-Mikroorganismen in Reinkultur gezüchtet worden. Nach dem Petunieren des amerikanischen
-Tabaks mit Ammonsalzen, wobei eine Alkalinität des Blattes entsteht,
-und nunmehr ein intensives Bacterienleben möglich ist, ist eine bakteriologische
-Untersuchung ohne Werth.</p>
-
-
-<p>Weiter ist von mir ein deutsches Präparat, um den Tabak, was den Geschmack
-betrifft, zu verbessern, untersucht worden.</p>
-
-<p>Weil es einfach benutzt wird, um die Tabaksblätter, ehe sie zu Cigarren verarbeitet
-werden, einzureiben, und diese schon sofort nachher gebraucht werden
-können, kann von einer eigentlichen Gährung, bei welcher Reinkulturen mit im
-Spiele sind, nicht die Rede sein. Die Untersuchungen betreffen nur ein Muster, das
-mir zufälligerweise nach einem Schreiben des Herrn <em class="gesperrt">Haas</em> in London in die Hände
-geriet. Es ist eine gelbliche Flüssigkeit, welche sauer reagiert, ein spezifisches
-Gewicht von 1.10 besitzt und ein gelbbraunes Sediment enthält. Der Geruch ähnelt
-altem Biere, der Gehalt an festem Stoff, in Extractform bei 100° C. getrocknet,
-ist 1.34 Prozent, während der Glühverlust 1.05 Prozent beträgt. Bei der Glühung
-wird ein höchst unangenehmer Geruch bemerkt. In der Flüssigkeit lässt sich weiter
-Nitrat, Phosphorsäure, reduzierender Zucker und Alcohol nachweisen.</p>
-
-<p>Mikroskopisch betrachtet, besteht das Sediment aus langen wurstformigen
-Hefenzellen, die bekanntlich, wenn sie mehrmals in Reinkultur gebracht werden, in
-eiförmige übergehen. Auf der sauren Malzgelatine bilden sich graue Kolonien, mit
-weissem Saume, welcher wieder ins Graue übergeht. Wahrscheinlich ist diese
-Hefenzelle eine Verunreinigung des Präparates.</p>
-
-<p>Weiter ist noch ein Präparat im Handel, welches hellbraun gefärbt ist, und
-aus aromatischen Körpern, sogenannten Estern, von angenehmem Aroma besteht,
-welches einigermassen an Amylacetat erinnert.</p>
-
-<p>Nach einer beigegebenen Erklärung wird auch dieses Präparat benutzt,
-um das Aroma zu verbessern. Ich glaube nicht, das die genannten Hilfsmittel Beifall
-gefunden haben. Nach meiner Meinung muss da, wo wir die meteorologischen
-Einflüsse nicht in unserer Gewalt haben, die Verbesserung unsres Tabaks darin
-gesucht werden, dass der Samen in der vorher beschriebenen Weise eingesammelt wird,
-weiter in der Düngung und, zu nicht geringem Teil, in der Fermentationsweise. Möge die<span class="pagenum"><a name="Page_49" id="Page_49">[ 49]</a></span>
-Zukunft uns zeigen, dass die Arbeit des Herrn <em class="gesperrt">Dr. v. Bijlert</em> mit seinen interessanten
-Untersuchungen der Bodenarten von Deli, wo das Colloidal-Silicat und der
-Colloidal-Silicat-Humat-Complex eine so grosse Rolle spielt, auch für unsere Kultur
-von Wichtigkeit ist.</p>
-
-
-
-<hr class="chap" />
-<h2><a name="Morphologie_und_Biologie_der_Tabaksbakterien" id="Morphologie_und_Biologie_der_Tabaksbakterien">Morphologie und Biologie der Tabaksbakterien.</a></h2>
-
-
-<p>Die Hauptrolle bei der Gährung unseres Tabaks spielen der <i>Bacillus Tabaci I</i>
-und der <i>Diplococcus Tabaci</i>. In ihrer Form und
-Lebensweise ist, wie hierunten beschrieben
-wird, ein sehr grosser Unterschied.</p>
-
-
-<p><i>Der Bacillus Tabaci Hollandicus I</i> ist ein
-Stäbchen von wechselnder Grösse, je nach
-der Beschaffenheit des Mediums, in oder auf
-welchem er sich entwickelt. Eine 24 Stunden
-alte Agarkultur zeigt bei einer Temperatur von
-37° C. Stäbchen von 5-7 Mikron Länge und
-1-3 Mikron Dicke. (Fig. 8).</p>
-
-<div class="figleft" style="width: 200px;">
-<img src="images/fig08_09.jpg" width="200" height="423" alt="" />
-<div class="caption"><p>Fig. 8, Fig. 9.</p></div>
-</div>
-
-<p>Eine 24 Stunden alte Agarkultur, welche
-bei 24° C. gestanden hat, zeigt Stäbchen von
-6-8 Mikron Länge und von 1-1.2 Mikron
-Dicke.</p>
-
-<p><i>Der Bacillus Tabaci I</i> wächst auf der
-schwach alkalischen Gelatine sehr eigentümlich
-und ausserordentlich schön in der Farbe,
-Entwicklung und Form.</p>
-
-<p>Erstens entstehen an der Oberfläche kleine
-graue Pünktchen, die vom Rande ab schon früh
-einen wellenartigen Lauf zeigen. Besonders am
-Rande wird die Kolonie zierlich gewellt und
-sie bekommt bei auffallendem Lichte eine graublaue,
-bei durchfallendem Lichte eine schöne
-himmelblaue, eisartige oder eine blassblaue
-Farbe. (Fig. 9). Bald treten vom Rande
-ein oder mehr Fäden aus, welche gleichfalls
-wellenartig über die Gelatine verlaufen. Von einigen Punkten aus läuft ein Faden ganz
-isoliert weiter, an andern Stellen geschieht das Auswachsen von der Mutterkolonie<span class="pagenum"><a name="Page_50" id="Page_50">[ 50]</a></span>
-mittels mehrerer Fäden, welche neben einander sich ausstrecken. Es will mich bedünken,
-dass die Bakterien in den isolierten Fäden länger sind als dort, wo Gruppen von Fäden
-sich einen Weg durch die Gelatine bahnen. Bei 24° C., nach 3 × 24 Stunden sinkt
-die jetzt grünliche Kolonie, während sie radiale Falten bildet, peptonisiert die Gelatine
-sehr schwach und bildet dann an ihrer Oberfläche ein grünliches gefaltetes Häutchen.
-Die Bakterie entwickelt Ammoniak aus diesem Nährboden. Bei einem durch Carbolfuchsin
-gefärbtem Klatschpräparat sieht man bei den jungen Kulturen die schöne
-Lage der Fäden und ihren Fortschritt über die Gelatine. Die Kolonien unter der
-Oberfläche bleiben klein, erscheinen gelb und sind rund oder linsenformig.</p>
-
-<p>Der Gelatinestrich ist ebenso wie das Wachstum auf den Platten, er zeigt
-aber die blaue eisartige Färbung der Kolonie in ihrem gelappten Rand noch zierlicher.
-Die Gelatine verfliesst nach ein paar Tagen bei Zimmertemperatur, wobei sie ein
-runzliches, graulichgrünes Häutchen mit sich führt.</p>
-
-<p>Der Gelatinestich lässt erkennen, dass die Bakterie eine aerobe ist, sie verfliesst
-oben und bildet oft in der Nähe der Oberfläche weiche, kleine, baumartige Ausläufer.</p>
-
-<p>Der Stich in glukosehaltiger Gelatine ist kräftiger entwickelt als in der gewöhnlichen
-Gelatine; eine Gasbildung wird jedoch nicht dabei wahrgenommen.</p>
-
-<p>Der Strich auf dem gewöhnlichen alkalischen Agar ist hellgrau und glänzend.
-Das Temperaturoptimum liegt zwischen 37 und 40° C.</p>
-
-<p>Der Stich in alkalischem Agar zeigt wie der Gelatinestich sehr schwache Ausläufer;
-das Wachstum weist auch hier auf eine aerobe Bakterie. In alkalischer Bouillon
-entstehen Flöckchen, die von der Oberfläche nach dem Boden des Reagierröhrchens
-hinabsinken; daselbst entsteht ein schleimiges Sediment, dass sich beim Schütteln
-spiralförmig in die Höhe windet und am Boden festgeklebt bleibt. Auch hier bildet
-sich Ammoniak, das mittels Lakmuspapier und Aufnahme des Gases in <em class="gesperrt">Nessler's</em>
-Flüssigkeit bei Zimmertemperatur nachgewiesen werden kann. Das Wachstum in
-Bouillon, welche 2 % Glukose enthält, ist kräftiger, als in zuckerfreier Bouillon.</p>
-
-<p>In saurer Bouillon findet kein Wachstum statt.</p>
-
-<p>Auf einem Nährboden, der wie folgt zusammengesetzt ist, wächst die Bakterie
-ausserordentlich gut:</p>
-
-<div>
-<table class="center" border="0" cellpadding="6" cellspacing="0" summary="">
-<tr>
-<td>Tabakssaft </td>
-<td>15.0</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Kaliumphosphat</td>
-<td>0.050</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Asparagin </td>
-<td> 0.5</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Glukose</td>
-<td>2.0</td>
-</tr>
-
-
-<tr><td>Agar</td>
-<td>2.0</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Wasser</td>
-<td>100.0</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Reaction</td>
-<td>schwach alcalisch.</td>
-</tr>
-
-</table></div>
-
-<p>Die Strichkultur ist auf diesem dunkeln Agar-Nährboden grau, glänzend, glatt,<span class="pagenum"><a name="Page_51" id="Page_51">[ 51]</a></span>
-dick und mit scharfem Rande versehen. Konnte ich in den soeben beschriebenen
-Nährböden, auch nach monatelanger Beobachtung, wenig Veränderung in der Form
-des Bakterienkörpers wahrnehmen, so liegt hier die Sache ganz anders. Nach einer
-Woche erleiden die Stäbchen eine eigentümliche
-Veränderung (Fig. 10). Oberflächlich betrachtet
-wäre man geneigt anzunehmen, dass wir es hier
-nicht mit einer Reinkultur zu thun haben. Nachdem
-das intensive Wachstum auf dem Tabakssaftenthaltenden
-Medium stattgefunden hat,
-verdicken sich die Stäbchen und gehen ein,
-wobei nicht selten die Lage der Individuen an
-Saccharomyceten denken lässt. Einige Stäbchen,
-welche mehr Lebensenergie besitzen, haben noch
-ihre Form behalten, während auch ihr Bakterienkörper
-mehr gleichmässig die basischen Anilinfarben
-aufnimmt. Wenn man sie während
-15-30 Sekunden mit kaltem Karbolfuchsin
-färbt, kommt der Unterschied in der Beschaffenheit des Bakterienprotoplasmas
-mehr zum Vorschein. Das Protoplasma erleidet von einem Punkte aus eine
-Veränderung. Diese Veränderung greift von dort aus mehr und mehr um sich, bis
-endlich der ganze Körper, ausgenommen die beiden Enden, die Eigenschaft verloren
-hat, den Farbstoff gleichmässig festzuhalten. Die Enden des Stäbchens färben sich
-viel stärker als der Inhalt. Meistens sind noch ein oder mehrere Pünktchen im
-Körper nachzuweisen, die gleichfalls den Farbstoff stärker aufnehmen.</p>
-
-<div class="figleft" style="width: 200px;">
-<img src="images/fig10.jpg" width="200" height="201" alt="" />
-<div class="caption"><p>Fig. 10.</p></div>
-</div>
-
-<p>Nach einigen Sekunden Färbung habe ich oft ein schwach gefärbtes Pünktchen
-sich längs einer der Seiten im Bakterienkörper hin und her bewegen sehen, als ob
-da gewissermassen ein Todeskampf dem chemischen Agens gegenüber stattfände.
-Legt man von diesen Hemmungsbildungen Strich- oder Plattenkulturen an, so zeigt
-sich wieder die Stäbchenform, während einige der älteren Formen noch im
-Ruhezustand sind, jedoch erkennt man leicht, dass man es mit einer Reinkultur
-zu thun hat. Dieser Nährboden ist noch weiter merkwürdig, da die Bakterie hier
-bei 37° C. noch mit einem Alkaliegehalt von 15 cm<sup>3</sup> normal KOH auf 100 Teile
-Nährboden wächst.</p>
-
-<p>In einer Tabakssaftlösung, wie sie oben angegeben, zeigen sich die nämlichen
-Erscheinungen. Hierin kommen lange Fäden mit kurzen Gliedern zur Entwicklung. Auch
-dies Nährmaterial entwickelt Ammoniak. Von Natur liefert der Tabakssaft der grünen
-und trocknen Blätter Nitrat, welches von der Bakterie zu Nitrit reduziert wird.</p>
-
-<p>Die Bakterie trübt eine schwach alkalische Tabakssaftflüssigkeit und Wasser
-(20 : 100) während sie kleine Flöckchen bildet.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_52" id="Page_52">[ 52]</a></span></p>
-
-<p>In einer von Haus aus schwach sauren, Tabakssaft enthaltenden Flüssigkeit
-findet anfänglich fast kein Wachstum statt. Der Säuregehalt vermindert langsam,
-damit wächst die Bakterie dann besser.</p>
-
-<p>Der Bacillus Tabaci I wächst zu sehr langen Fäden mit kurzen Gliedern in
-einer Flüssigkeit, die auf folgende Weise zusammengesetzt ist:</p>
-
-<div >
-<table class="center" border="0" cellpadding="6" cellspacing="0" summary="">
-
-<tr>
-<td>Kaliumphosphat</td>
-<td> 0.050</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Asparagin</td>
-<td>0.5</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Glukose</td>
-<td> 2.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Wasser </td>
-<td> 100.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Reaction </td>
-<td> nicht geändert.</td>
-</tr>
-
-</table></div>
-
-<p>Das Asparagin wird zersezt und als Zersetsungsprodukt ist Ammoniak nachzuweisen,
-sowohl wenn man rotes Lakmuspapier über der Flüssigkeit anbringt, als
-dadurch, dass man beim Erhitzen, die gasförmigen Zersetzungsprodukte in <em class="gesperrt">Nessler's</em>
-Flüssigkeit auffängt. Dies Reagens kann man nicht anwenden im Kulturmedium, da
-Glukose bei niedriger Temperatur gleichfalls mit gelber Verfärbung auf <em class="gesperrt">Nessler's</em>
-Flüssigkeit einwirkt.</p>
-
-<p>Damit man die Wirkung auf Nitrat beobachten könne, wird die Bakterie in
-die hierunten angegebene Flüssigkeit geimpft.</p>
-
-<div>
-<table class="center" border="0" cellpadding="6" cellspacing="0" summary="">
-
-<tr>
-<td>Kaliumphosphat</td>
-<td>0.050</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Asparagin</td>
-<td>0.5</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Kaliumnitrat</td>
-<td> 0.2</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Glukose</td>
-<td>2.0</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Wasser</td>
-<td>100.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Reaction</td>
-<td>nicht geändert.</td>
-</tr>
-
-</table></div>
-
-<p>Sowohl diese als die vorige Flüssigkeit reagiert sehr schwach alkalisch. Die Bakterie
-zersetzt hier das Nitrat zu Nitrit, welches man leicht mit der bekannten Jodzinkstärkelösung
-und sehr deutlich mit Metaphenylendiamin nachweisen kann.</p>
-
-
-<p>Bei den oben angegebenen Nährböden ist, unter gleichen Bedingungen wie Grösse
-der Gefässe, Temperatur u. s. w. nach der colorimetrischen <em class="gesperrt">Fleck'</em>schen Methode
-mehr Ammoniak nachzuweisen; woraus folgt, dass wie bei den <em class="gesperrt">Petri'</em>schen und
-<em class="gesperrt">Lewandowski'</em>schen Versuchen der <i>Bacillus Proteus vulgaris</i>, auch der <i>Bacillus
-Tabaci I</i> Nitrat zu Nitrit und teilsweise zu Ammoniak reduziert.</p>
-
-<p>Gelatine-Nährböden, welche aus Pflanzensäften (Leguminosen) mit Hinzufügung
-von 2% Glukose zusammengesetzt sind, lassen die B. T. I nicht zur Entwicklung
-kommen. Wenn die Reaktion schwach alkalisch genommen wird, so tritt eine sehr-
-kräftige Verflüssigung ein.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_53" id="Page_53">[ 53]</a></span></p>
-
-<p>Weder in saurem noch alkalischem Malz (gehopfte Würze aus den Tropfsäcken)
-findet Entwicklung statt.</p>
-
-<p>In <em class="gesperrt">Löfflers</em> Bouillon wird kein Indol gebildet.</p>
-
-
-<p>Auf Kartoffeln, sowohl normalen wie alkalischen, findet ein kräftiges Wachstum
-statt. Auch hier wird die Alkalessenz vorgezogen. Es bildet sich eine
-graulichbraune, dicke, glänzende Kultur. Monatelang sieht man darin microscopisch
-die Stäbchenform.</p>
-
-<p>Auf alkalischer Kartoffelgelatine ist das Wachstum ein sehr langsames.</p>
-
-<p>Milch, sowohl die normale als die alkalische oder saure, wird nicht von der
-Bakterie verändert, ebensowenig wächst sie auf Blutserum.</p>
-
-<p>Wenn auch Zahlenangaben über eine Verminderung von Glukose ohne besonderen
-Werth sind, weil wir es mit eine aëroben Bakterie zu thun haben, ist es
-doch wichtig zu wissen, dass die Glukose zersetzt wird.</p>
-
-<p>In ein <em class="gesperrt">Erlenmeyer</em>'sches Kölbchen wurden 100 cm³ der auf Seite 50
-angegebenen Flüssigkeit (ohne Agar) gebracht und mit der Bakterie geimpft.
-Nach verlauf van 8 Tage war der Glukosegehalt von 2% auf 1.6-1.7% vermindert.</p>
-
-<p>Vorher habe ich schon angegeben, dass keine Vergährung der Glukose stattfindet.
-Nach der Möglichkeit, ob Milchsäure oder eine andre organische Säure gebildet wird,
-werden Versuchen angestellt.</p>
-
-<p>Der Bacillus Tabaci I ist eine obligat aërobe, unbewegliche Bakterie, welche
-auf verschiedenen Nährböden sehr verschieden ist in der Grösse. Sie färbt sich
-leicht mit den basischen Anilinfarben, dagegen entfärbt sie sich nach der Methode
-<i>Gram</i>. Sie bildet keine Sporen und wird bei 100° C. innerhalb einer Minute getötet.
-Sie stirbt bei folgender Temperatur:</p>
-
-<div >
-<table class="center" border="0" cellpadding="6" cellspacing="0" summary="">
-<tr>
-<td>100° C.</td>
-<td>innerhalb</td>
-<td></td>
-<td>1</td>
-<td>Minute.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>60° C.</td>
-<td>nach</td>
-<td></td>
-<td> 5</td>
-<td>Minuten.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>55° C.</td>
-<td> "</td>
-<td></td>
-<td>15</td>
-<td> "</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>50° C.</td>
-<td> "</td>
-<td> 30</td>
-<td></td>
-<td>"</td>
-</tr>
-</table></div>
-
-<p>Diese Bakterie gehört, den beschriebenen Eigenschaften nach, zu der Gruppe
-der »<i>Proteus</i>«.</p>
-
-<p>Der <i>Diplococcus Tabaci Hollandicus</i> zeigt viel weniger Abweichung in seinem<span class="pagenum"><a name="Page_54" id="Page_54">[ 54]</a></span>
-Wachstum als der B. T. I. Die beiden Coccen haben eine Länge von etwa 2.5 Mikron.
-In allen Kulturen findet man auch isolierte
-Coccen. (Fig. 11).</p>
-
-<div class="center">
-<img src="images/fig11.jpg" width="200" height="198" alt="" />
-<div class="caption"><p>Fig. 11.</p></div>
-</div>
-
-<p>Dieser Diplococcus wächst auf der schwach
-alkalischen Gelatineplatte als eine scharf begrenzte,
-runde, glänzende, citronengelbe, kleine
-Kolonie, woran nicht viel besonderes zu bemerken
-ist. Bei Zimmertemperatur wächst der Organismus
-am besten und entwickelt Ammoniak
-wie der B. T. I.</p>
-
-<p>Der Gelatinestich hat auch hier eine
-citronengelbe Farbe und lässt erst nach einigen
-Wochen eine sehr schwache Verflüssigung
-erkennen.</p>
-
-<p>Der Gelatinestich bietet nichts Besonderes;
-nur erkennt man an ihm schon den aëroben Charakter der Kultur.</p>
-
-<p>Auf alkalischem Agar wachst der Diplococcus gleichfalls sehr langsam und
-bildet eine citronengelbe Kolonie, welche sich allmählich in die Breite ausdehnt.
-Der Stich in Agar zeigt auch hier nichts Bemerkenswerthes.</p>
-
-<p>Alkalische Bouillon wird schwach getrübt, während auch die saure Bouillon sich
-wenig verändert.</p>
-
-<p>Auf dem Agartabakssaftnährboden, wie er beim B. T. I beschrieben worden,
-wächst der Diplococcus mit einer gelblichgrauen Farbe. Die Alkalitätsgrenze liegt
-hier bei 3 cm³ normal KOH auf 100 Teile Nährboden, ist also viel niedriger als
-beim B. T. I gefunden worden ist.</p>
-
-<p>Auch in einer derartig zusammengesetzen Flüssigkeit findet Wachstum statt;
-dabei werden die Lagen an der Oberfläche, welche mit der Luft in Berührung
-kommen, etwas dunkel gefärbt.</p>
-
-<p>Der Diplococcus verträgt im Gegensatz zu dem B. T. I ein <i>saures</i> Medium.</p>
-
-<p>In der beschriebenen Asparagin-Flüssigkeit kommt der Diplococcus nicht zur
-Entwicklung.</p>
-
-<p>Gelatinenährböden, welche aus Pflanzensäften mit Hinzufügung von 2% Glukose
-zusammengesetzt sind, verflüssigen sich schneller als die gebräuchliche Nährgelatine,
-die alkalisch reagiert. Auch auf saurer Malzgelatine wächst der Diplococcus mit
-einer gelblichweissen Farbe, wobei er sehr langsam die Gelatine verflüssigt.</p>
-
-<p>In saurem Malz entsteht ein geringer Niederschlag.</p>
-
-<p>Auf Kartoffel, welche schwach sauer reagiert, wächst der Diplococcus langsam
-mit einer prachtvoll citronengelben Farbe, während er auf alkalischer Kartoffel
-fast nicht wächst.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_55" id="Page_55">[ 55]</a></span></p>
-
-<p>Milch, sowohl normale wie alkalische oder saure, wird nicht vom Diplococcus
-verändert.</p>
-
-<p>Auf Blutserum entsteht sehr langsam eine hell-graulich-gelbe Kolonie.</p>
-
-<p>Der Diplococcus ist ebenso wie der B. T. I ein obligat aërober Organismus,
-welcher sich nicht bewegt; vielleicht besitzen die Diplococcen, welche von der
-sauren Malzgelatine genommen wurden, einige Bewegungsfähigkeit.</p>
-
-<p>Es besteht wenig Unterschied in der Länge der Diplococcen auf den verschiedenen
-Nährböden.</p>
-
-<p>Der Organismus färbt sich leicht mit den basischen Anilinfarben und entfärbt
-sich nach der <i>Gramschen</i> Methode. Bei der Färbung fallen die Diplococcen gewöhnlich
-auseinander, wobei zugleicherzeit die nicht selten ovale Form der kugelrunden
-weicht.</p>
-
-<p>Der Diplococcus wird bei der nämlichen Temperatur getötet, wie der B. T. I.</p>
-
-<p>Es findet keine Indolbildung statt.</p>
-
-<p>Auf den beschriebenen Nährböden hat der Diplococcus sein kräftigstes Wachstum
-bei 24°-30° C.</p>
-
-<p>Merkwürdig ist die Eigenschaft, dass er im Gegensatz zu dem B. T. I eine
-saure Umgebung verträgt und sich darin vermehrt, während der B. T. I bei höherer
-Alkalität ebenso gut wächst als bei niedrigerer.</p>
-
-<p>Hiermit sind die vornehmsten Eigenschaften des Diplococcus beschrieben;
-Morphologie und Biologie bieten also hier nicht so viel Merkwürdiges als bei
-dem B. T. I.</p>
-
-
-<p>Ausser den beschriebenen Mikroorganismen sind immer in grösserer oder
-geringerer Menge <i>während</i> der Gährung »<i>Proteusarten</i>« von mir gefunden worden.
-Auch deren Morphologie und Biologie ist höchst interessant. Schon früher habe ich
-in Kürze ihr Wachstum auf den verschiedenen Nährböden angegeben und abgebildet
-und zugleicherzeit die fakultative anaërobe B. T. III behandelt, welche wahrscheinlich
-einen nicht geringen Anteil an der Temperaturerhöhung hat.</p>
-
-<p>Die <i>Proteusarten</i>, welche keine Sporen bilden und bei 50° C. schon nach
-kurzer Zeit sterben, sind also nach einem günstigen Verlauf der Fermentation
-<i>nicht mehr zurückzufinden</i>.</p>
-
-<p>In den meisten Fällen sieht man im allgemeinen Grade bei der Bruttemperatur
-von 37° C. (30-40), dass die Mikroben kräftigere Lebensenergie besitzen. Jene
-Lebensenergie geht mit dem schnellen Temperaturwechsel zusammen, welcher
-zwischen 30-40° C. bei unserer holländischen Tabaksgährung beobachtet wird.</p>
-
-<p>Hier schliessen sich die beschriebenen Versuche mit den Reinkulturen der
-<i>Proteusartigen</i> an, welche immer in grosser Zahl <i>während</i> der Gährung bei
-30-40° C. nachgewiesen werden können, und die bei der darauffolgenden langsamen<span class="pagenum"><a name="Page_56" id="Page_56">[ 56]</a></span>
-Temperaturerhöhung, wie schon früher von mir beschrieben wurde, langsam
-aber gewiss ihrem Tode entgegen gehen.</p>
-
-<p>Diese <i>Proteusarten</i> entwickeln sich zu gleicher Zeit mit dem B. T. I (der gleichfalls
-zu dieser Gruppe gehört) und mit dem Diplococcus beim Anfange der Fermentation.
-Erst hört der Diplococcus auf, sich zu vermehren (nahe bei 30° C.), wonach
-die <i>Proteusarten</i> energisch zu leben anfangen, sodass nicht selten die Temperatur
-<i>innerhalb 24 Stunden von</i> 31° auf 34° C. <i>steigt</i>. Die Subtilis, die Mycoides und
-andere Bakterien, welche obligat aërob sind, jedoch in grosser Minderheit in
-diesem Stadium der Fermentation über die Blattoberfläche verteilt sind, werden
-gleichfalls den Sauerstoff aus dem Haufen benutzen und dadurch mit Ursache
-sein, dass die Gruppe der <i>Proteus</i> (B. T. IV u. a. aber nicht der B. T. I) ihren
-anaëroben Charakter offenbart. Weil diese bei höherer Temperatur und der damit
-zusammenhängenden verringerten Lebensenergie einen verminderten Stoffwechsel
-haben, so wird die Temperatur von nun an langsamer steigen, bis der Tod der
-<i>Proteus</i> eintritt. Die übriggebliebenen Bakterien leben noch weiter in dieser so
-veränderten Umgebung und bilden schliesslich Sporen, wodurch der biologische
-Prozess dieser Gährung zum Stehen gebracht wird.</p>
-
-<p>Der Tabakshaufen wird bei 52°-56° C. umgesetzt, sodass neue Blätter, welche
-sich noch nicht an der Fermentation beteiligten, nach innen kommen und der
-Prozess wiederum von neuem anfängt. Die Personen, welche sich bei uns mit der
-Fermentation beschäftigen, versicherten mir, dass der Tabak, welcher einmal an
-der Brühung Teil genommen hat, nicht mehr im Stande sei, von neuem in energische
-Gährung zu treten. Dies erklärt sich durch das Absterben des Diplococcus und des
-B. T. I nebst der andern <i>Proteusarten</i> bei ungefähr 50° C.</p>
-
-<p>Die Gährung unseres Tabaks hat also verschiedene Phasen aufzuweisen, welche
-mit dem Temperaturoptimum der wirksamen Bakterien übereinstimmen.</p>
-
-<p>Die Gährung wird also von Aëroben und facultative Anaëroben eingeleitet und
-vollendet.</p>
-
-<p>Den Forschern, welche sich also mit der Beobachtung der Fermentation
-des Tabaks von irgend welchem Weltteil beschäftigen, muss man also aus
-den beschriebenen Gründen anraten, die Blätter <i>während</i> der Gährung zu untersuchen<a name="FNanchor_F_6" id="FNanchor_F_6"></a><a href="#Footnote_F_6" class="fnanchor">[F]</a>.</p>
-
-<p>Der angezeigte Weg möchte das Anfertigen einer graphischen Darstellung der
-Temperaturerhöhung sein, woraus man am besten erkennen kann, wie die Temperatur
-verläuft. Nachher können links und rechts von den Stellen der Linie, wo
-die stärkste Steigung der Temperatur wahrgenommen wird, Plattenkulturen angelegt<span class="pagenum"><a name="Page_57" id="Page_57">[ 57]</a></span>
-werden, damit beobachtet werden könne, welche Mikroorganismen auftreten,
-welche bei einer bestimmten Temperatur eine kräftige Lebensenergie besitzen, und
-welche von ihnen bei höherer Temperatur nicht mehr aufgefunden werden, also
-gestorben sind.</p>
-
-<p>Weiter bemerke ich hier, dass man bei einem biologischen Prozesse, wie er hier
-stattfindet, nicht erwarten muss, dass durch die Bakterien das Gewebe vernichtet
-wird. Denn die verschiedenen Mikroorganismen scheiden Stoffe aus, welche sich durch
-die Stomata, Membrane und Gefässe verbreiten können, um da ihre chemische Wirkung
-zu entfalten.</p>
-
-<p>Wahrscheinlich sind dies günstig wirkende Enzyme oder andere höchst zusammengesetzte
-Körper.</p>
-
-<p>Bei dem Delitabak, der bei mir in Fermentation gebracht wurde, fand ich eine
-mit unsrer einheimischen Tabaksgährung analoge Gährung. Ich sah dort bestimmte
-Sorten von Mikroorganismen auftreten, andere bei höherer Temperatur kräftiger
-leben, dagegen wieder andere sterben. Ich erwähne hier nur ein Stäbchen, welches
-von einer, auf alkalischer Gelatine wachsenden, runden, blauglänzenden Kolonie
-herstammte, welches sich bei 37° C. nicht mehr vermehrt und bei 50° C. stirbt.
-Welche Funktion dieses bei der Gährung ausübte, konnte ich praktisch nicht
-bestimmen, jedoch bleibt in dergleichen Fällen die Möglichkeit, dass die nur kurze
-Zeit lebenden Mikroorganismen ein Enzym bilden können, das grade bei höherer
-Temperatur kräftiger einwirkt.</p>
-
-<p>Aus dieser umfangreichen Untersuchung der Fermentation geht hervor, dass
-»Bakterien«, also Mikroorganismen, die Gährung einleiten und beendigen. Von einer
-eigentlichen »<i>Gährung</i>«, wobei <i>massenhaft entweichende Gase</i> entstehen, kann man
-allerdings hier <i>nicht</i> sprechen.</p>
-
-<p>Im Vorstehenden habe ich beschrieben, wie Mikroorganismen während ihrer
-Lebensfunktionen das Blatt angreifen, Ammoniak entwickeln, Glukose, Nitrate und
-Asparagin zersetzen, um schließlich aus dem Tabake ein Produkt zu bilden, wie
-es der Handel wünscht. Ebenso habe ich die Wirkung der wiederholten künstlichen
-Impfung mit Reinkulturen beschrieben und auf dem Wege der Empirie
-gezeigt, welche Veränderungen in Geruch, und Brennbarkeit dabei auftreten. Die
-weitere Erfahrung muss zeigen, welchen Nutzen die Praxis aus dem bisher
-Erkannten ziehen kann.</p>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_58" id="Page_58">[ 58]</a></span></p>
-
-
-
-
-<h2><a name="Gifte_und_Infektionskrankheiten" id="Gifte_und_Infektionskrankheiten">Gifte und Infektionskrankheiten.</a></h2>
-
-
-<p>Die Fleckenkrankheit beim Tabak ist noch immer ein Gegenstand des Studiums,
-und wenn auch die wahre Ursache, die nur durch das Experiment festzustellen ist,
-noch nicht bekannt geworden, so habe ich doch Beobachtungen genug, um ein Urteil
-über ihr Wesen abgeben zu können. Meine Untersuchungen sind von langer Dauer
-gewesen, weil die Erscheinungen, welche ausschliesslich bei dieser Krankheit auftreten,
-sich bei den gesunden Pflanzen in den günstigsten Verhältnissen erst drei Wochen
-nach der Infektion zu zeigen anfangen. Eine grosse Zahl von Pflanzen sind von mir
-verschiedenen Versuchen unterzogen worden. Dass hier ein sehr toxischer Stoff
-wirksam ist, geht schon aus der Thatsache hervor, dass 5 mgr. eines getrockneten
-kranken Blattes im Stande sind, die kräftigsten Pflanzen zu infizieren. (Ich gebrauche
-hier das Wort Infektion und nicht Intoxikation; später wird sich zeigen aus welchem
-Grund). Wie ich früher schrieb, habe ich oft, jedoch <i>nicht immer</i>, eine Mikrobe isolieren
-können, welche ein infizierendes Vermögen besitzt.</p>
-
-<p>Wenn wirklich Bakterien Ursache der Fleckenkrankheit sind, so müssen diese
-doch immer aus kranken Exemplaren von <i>Nicotiana</i> isoliert werden können, um
-den Beweis zu liefern, dass nur ihnen eine infizierende Kraft zukommt. Bis jetzt
-ist noch nicht eine Bakterie in Kultur gebracht worden, welche für <i>Nicotiana</i> als
-pathogen zu betrachten ist. Aus der grossen Menge Versuche werden wir ersehen,
-dass wir es zu thun haben mit einem schweren Gifte, gebildet von unbekannten
-Mikroorganismen, oder richtiger gesagt, von unsichtbaren Teilchen, welche sich selbst
-vermehren und sich in den Pflanzen, oder auch in der Nähe derselben, befinden
-können.</p>
-
-<p>Wenn wir nach dem heutigen Stand der Wissenschaft folgende Regel, welche
-bei den Infektionskrankheiten beobachtet wird, festhalten, so handelt es sich hier
-um allerwinzigste Wesen, Teilchen, welche sich vermehren, und welche als Gift
-für die Pflanzen zu betrachten sind.</p>
-
-<p>I. Wenn der durch eine <em class="gesperrt">Chamberland</em>-Pasteurkerze filtrierte kranke Blattgewebesaft
-gesunde Pflanzen infiziert, und dieser Saft wieder nach Filtration neue
-Exemplare u. s. w., so haben wir es mit Mikroorganismen zu thun, mit einem
-infektiösen Pflanzen-Krankheitskeim (vergleiche später Maul- und Klauenseuche).</p>
-
-<p>II. Wenn der filtrierte kranke Blattgewebesaft in gesunde Pflanzen hineingebracht
-wird und die Krankheit verursacht, wenn weiter der aus den zweiterkrankten
-Pflanzen gewonnene Saft wieder nach Filtration einer neuen Reihe Pflanzen eingespritzt
-wird, und dies keine Krankheit erregt, so handelt es sich um toxische Stoffen, welche
-gebildet sind von Mikroorganismen in der ersten Versuchsreihe (wie bei Diphtherie,
-Tetanus.)</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_59" id="Page_59">[ 59]</a></span></p>
-
-<p>Ehe ich mich über diesen Gegenstand verbreite, folgen hier einige allgemeine
-Betrachtungen über Gifte und Infektionskrankheiten. Eine Übersicht hiervon ist
-notwendig, um später die Fleckenkrankheit damit vergleichen zu können.</p>
-
-<p>Zuerst hat man Gifte, welche von Mikroorganismen erzeugt werden, abgesondert
-aus faulenden organischen Stoffen. Es waren meist stickstoffhaltige Basen. <em class="gesperrt">Selmi</em>
-nannte diese entweder giftigen oder nicht giftigen Basen »Kadaver-Alkaloide« oder
-»Ptomaine«. Damals waren diese Gifte noch nicht chemisch rein gewonnen sondern
-noch mit toxisch wirkenden Extraktionsstoffen vermischt. Erst <em class="gesperrt">Nencki</em> gelang es,
-aus faulender Gelatine und faulendem Eiweiss einen kristallinischen Stoff zu isolieren
-von der Zusammensetzung C<sub>8</sub> H<sub>11</sub> N mit einer wahrscheinlichen Struktur von:</p>
-
-<div >
-<table class="center" border="0" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="">
-
-<tr>
-<td></td>
-<td>&mdash; CH<sub>3</sub> &mdash;</td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>C<sub>6</sub>&nbsp;H<sub>4</sub></td>
-<td></td>
-<td> NH<sub>2</sub></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td></td>
-<td>&mdash; CH<sub>2</sub> &mdash;</td>
-<td></td>
-</tr>
-</table></div>
-
-<p>Diese Basis ist also isomer mit <i>Collidin</i>, doch verhält sich bei Erhitzung
-anders. Von vielen Forschern wurden bald toxische Stoffe in sehr reinem Zustande
-isoliert, so z. B. von <em class="gesperrt">Gautier</em> 2 Alkaloide aus faulendem Fisch, <i>Parvolin</i>, C<sub>9</sub> H<sub>13</sub> N,
-und das stark reduzierende <i>Hydrocollidin</i>, C<sub>8</sub> H<sub>13</sub> N; von <em class="gesperrt">Guareschi</em> aus faulendem
-Rindfleisch eine Basis von der Zusammensetzung C<sub>10</sub> H<sub>15</sub> N.</p>
-
-<p>Dieses Suchen nach den Giften ist mit eigentümlichen Schwierigkeiten verbunden.
-Nicht nur, dass der Amylalcohol, welchen man beim Ausschütteln der
-Flüssigkeiten nötig hat, selbst Spuren von Giften enthält, sondern nach <em class="gesperrt">Gram</em>
-könnte auch das <i>Cholin</i>, welches, nach <em class="gesperrt">Brieger</em> wieder, immer die <i>Ptomaine</i>
-begleitet oder einen Teil derselben ausmacht, leicht in das giftige <i>Neurin</i> übergeführt
-werden.</p>
-
-<p>Besonders <em class="gesperrt">Brieger</em> hat die Untersuchungen der Gifte übernommen und glänzende
-Resultate erzielt. Aus verschiedenen faulenden Substanzen hat er stickstoffhaltige
-Basen isoliert, von denen viele keine giftige Wirkung zeigten, andere dahingegen
-als schwere Gifte auftraten. Letztere nannte er »<i>Toxine</i>«.</p>
-
-<p>Zu den nicht giftigen oder zu denen, welche erst in grossen Dosen als Gift
-wirkten, gehören:</p>
-
-<p><i>Neuridin</i>, C<sub>5 </sub>&nbsp; H<sub>14</sub>&nbsp; N<sub>2</sub>, welches sich allgemein vorfindet beim Faulen von Käse,
-Fleisch und nach 3 Tagen bei der Fäulnis von Menschenleichen,</p>
-
-<p><i>Gadinin</i>, C<sub>7</sub>&nbsp; H<sub>17</sub>&nbsp; NO<sub>2</sub>, aus faulendem Fisch,</p>
-
-<p><i>Cadaverin</i>, C&nbsp;<sub>5</sub> H&nbsp;<sub>16</sub> N&nbsp;<sub>2</sub>, in Leichnamen nach dem 4<sup>ten</sup> Tage,</p>
-
-<p><i>Putrescin</i>, C<sub>4</sub>&nbsp; H<sub>12</sub>&nbsp; N<sub>2</sub>, wie oben,</p>
-
-<p><i>Saprin</i>, wie oben,</p>
-
-<p><i>Cholin</i>, C<sub>5</sub>&nbsp; H<sub>15</sub>&nbsp; NO<sub>2</sub>, wie oben, aber in den ersten Tagen; es zersetzt sich später
-in <i>Di-</i> und <i>Trimethylamin</i> und <i>Triaethylamin</i>;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_60" id="Page_60">[ 60]</a></span></p>
-
-<p>das <i>Cholin</i> ist zu betrachten als <i>Trimethyl-oxyaethylammonium-hydroxyd</i>. (CH<sub>3</sub>)<sub>3</sub> N.
-OH.&nbsp; C<sub>2</sub>&nbsp; H<sub>4</sub>&nbsp; OH;</p>
-
-<p><i>Mydatoxin</i> und <i>Mydin</i>, wie oben.</p>
-
-<p>Zu den äusserst giftigen Basen gehören:</p>
-
-<p><i>Peptotoxin</i>, der giftige Bestandteil vieler Peptone; es entsteht z. B. auch bei
-der Verdauung von Fibrin durch künstlichen Magensaft, wahrscheinlich ebenfalls
-durch die peptonisierende Wirkung von Mikroben,</p>
-
-<p><i>Neurin</i>, C<sub>5</sub> H<sub>13</sub> N O, aus faulendem Fleische nach 5-6 Tagen,</p>
-
-<p><i>Muscarin</i>, C<sub>5</sub> H<sub>15</sub> N O<sub>3</sub>, ein Oxydationsprodukt von <i>Cholin</i>,</p>
-
-<p><i>Tyrotoxicon</i>, ein schweres Gift, gefunden in Vanille-Eis von <em class="gesperrt">Vaughan</em>, weiter
-in Milch und vielen andern Nahrungsmitteln, besonders während der heissen
-Sommertage.</p>
-
-<p>Chemisch nähert sich dieser Körper den <i>Diazobenzol</i>-verbindungen. Die toxische
-Wirkung giebt sich durch Diarrhöen kund. Es ist <em class="gesperrt">Flügge</em> gelungen, dieses heftig
-wirkende Gift abzusondern und durch Versuche an Tieren zu zeigen, dass furchtbare
-Diarrhöen dadurch entstehen können, und sogar der Tod eintreten kann.</p>
-
-<p>Man behauptet, dieses Gift entstehe durch eine sporenbildende, mittels Abkochung
-nicht zu tötende Bakterie, welche bei der günstigen Temperatur, wodurch
-im Sommer schnelle Vermehrung stattfindet, das Eiweiss so zersetzt, dass heftig
-wirkende Toxine gebildet werden.</p>
-
-<p>Noch bedeutender waren die Untersuchungen der Gifte, welche aus Reinkulturen
-gewonnen waren. Auch hier hat <em class="gesperrt">Brieger</em> sich äusserst verdienstlich gemacht. Er
-bekam aus dem <i>Staphylococcus pyogenes aureus</i> und dem <i>Streptococcus pyogenes</i>
-nicht giftige Ptomaine. Ersterer entwickelt hauptsächlich Ammoniak, letzterer
-Trimethylamin. Aus Typhusbacillen erhielt <em class="gesperrt">Brieger</em> einen sehr toxischen Stoff,
-das <i>Typhotoxin</i> C<sub>7</sub> H<sub>17</sub> N O<sub>2</sub>. Weiter aus Cholera-Mikroben <i>Spermin</i>, aus Tetanusbacillen
-4 Toxine, von denen das <i>Tetanin</i> sehr giftig ist, dann das <i>Tetanotoxin</i>
-und das <i>Spasmotoxin</i>.</p>
-
-<p>Ausser diesen Alkaloid-artigen Stoffen wurden aus den Reinkulturen anderer
-pathogenen Mikroben noch Gifte isoliert, welche eine sehr toxische Wirkung
-besitzen, jedoch in chemischer Zusammensetzung sich mehr den Eiweissen nähern
-und deshalb auch wohl »<i>Toxalbumine</i>« genannt werden. In wässeriger Lösung
-sind diese Gifte von schwachem Bau, da sie schon bei 60° C. in kurzer Zeit, bei
-100° sehr schnell zerstört werden. Ferner besitzen sie noch die Eigenschaft, dass
-sie in Wasser oder verdünntem Alcohol gelöst, durch starken Alcohol präcipitiert
-werden, durch <em class="gesperrt">Chamberland-Pasteur</em>-Kerzen gehen, langsam oder gar nicht
-dialysieren und die Eiweissreaktionen geben. Diese Eiweissreaktionen sind nicht
-nur dem Eiweisse, sondern auch dessen Zersetzungsprodukten eigen. Das eigentliche
-Gift kann also, ausser dem Eiweisse, auch Verunreinigungen zugeschrieben<span class="pagenum"><a name="Page_61" id="Page_61">[ 61]</a></span>
-werden. <em class="gesperrt">Brieger</em> und <em class="gesperrt">de Boer</em> nl. haben das Tetanus- und Diphtheriegift durch
-Präcipitation mit Zinkchlorid als Doppelverbindung, ausgeschieden und es nicht nur
-qualitativ, sondern auch quantitativ bestimmt und zwar aus Lösungen, welche nicht
-die Spur von Eiweiss enthielten.</p>
-
-<p>Die Absonderung der Toxalbumine, Toxine u. s. w. von den Bakterien geschieht
-meistens mittels Filtration durch <em class="gesperrt">Chamberland-Pasteur</em>-Kerzen, oder, da sie,
-nach <em class="gesperrt">Sirotinin</em>, nicht alle gelösten Stoffe durchlassen, durch <em class="gesperrt">Berckefeld-Nordtmeijers</em>
-Infusorienerdefilter.</p>
-
-<div class="center">
-<img src="images/fig12.jpg" width="438" height="428" alt="" />
-<div class="caption"><p>Fig. 12. Filtration durch eine <em class="gesperrt">Chamberland-Pasteur</em>-Kerze unter dem Drucke
-der Wasserleitung.</p></div>
-</div>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_62" id="Page_62">[ 62]</a></span></p>
-
-<p>In beigehender Figur 12 ist die Einrichtung wiedergegeben, wie sie in meinem
-Laboratorium besteht, und wie sie benutzt wird, um die Reinkulturen, welche in
-einen Vaporisator gebracht worden sind, in die Tabaksbüschel unter Luftdruck
-verstieben zu lassen. Links sieht man eine Wasserstrahlluftpumpe abgebildet, welche
-zugleicherzeit durch Wasserleitungsdruck einen konstanten Luftstrom erzielt. Die
-Vorrichtung ist oberhalb eines Kübels aufgestellt. Der Wasserleitungshahn lässt
-das Wasser (der Minimumdruck ist 2 Atmosphären) in der Richtung der Pfeile W
-die Vorrichtung durchströmen, während zugleicherzeit die Luft in der Richtung der
-Pfeile L durch die Kautschukverbindung in die rechts abgebildete <em class="gesperrt">Chamberland-Pasteur</em>-Kerze
-gepresst wird.</p>
-
-<p>Diese Kerze ist in einem gläsernen Mantel mit der gebräuchlichen Fürsorge
-mittels Watte abgeschlossen, mittels strömenden Wasserdampfes eine Stunde bei
-110° C. sterilisiert worden und, um etwaiger Infektion von aussen vorzubeugen,
-unmittelbar in Anwendung gebracht.</p>
-
-<p>Diese Kerze wird nach Benutzung noch mittels Lufteinpressung kontrolliert,
-ob sie etwa unsichtbare Sprünge oder Risse hat, in dem Falle bilden sich Luftblasen
-unter Wasser. In die Kerze wird ± 20cm<sup>3</sup> kranken Gewebesaftes von <i>Nicotiana</i>
-gebracht, der Verschluss hergestellt und die Filtration unternommen. Durch die
-zusammengepresste Luft wird innerhalb der Kerze ein Druck ausgeübt, sodass der
-grüne, immer bakterienreiche Gewebesaft nun hell braungelb und frei von Bakterien,
-die auf der Kerze zurückbleiben, aus der Kerze hervortritt.</p>
-
-<p>Diese Filtration geschieht sehr langsam und das Filtrat ist vollkommen steril.
-Aus der Kontrolleprobe, welche auf dieses Filtrat angewendet wurde, ergiebt sich,
-dass 10-20 Tropfen auf dem sauren und alkalischen Nährboden (<em class="gesperrt">Koch</em>) keine
-einzige Kolonie entstehen lassen. Alle Mikroben, welche bis jetzt mit den stärksten
-Vergrösserungen und als Kontrolle auf von ihnen angelegten Kulturen wahrgenommen
-werden können, dringen also nicht durch das unverglaste Porzellan
-hindurch.</p>
-
-<p>Der Fall kann vorkommen, doch er würde einzig dastehen in der Litteratur,
-dass bei genannten Vorsorgen Mikroorganismen bestehen (siehe Maul- und Klauenseuche),
-welche unmittelbar die Kerze durchdringen, doch deren Dasein sich weder
-bei den mikroskopischen Untersuchungen noch nach dem Inkulturbringen auf diversen
-Nährboden offenbart. Letzteres ist nicht von so überwiegender Bedeutung, da viele
-sichtbare, besonders für den Menschen pathogene Mikroorganismen, lange nicht
-beim Züchten auf künstlichen Nährboden zur Entwicklung gebracht werden
-konnten.</p>
-
-<p>Ferner erwähne ich, dass erst neulich (Sept. '98) mir der Fall bekannt geworden
-ist, dass ein Filtrat, sichtbar und bei den Untersuchungen, frei von lebenden Wesen,
-eine unbegrenzte Infektion von Individuum auf Individuum entfaltete. Ein Gramm<span class="pagenum"><a name="Page_63" id="Page_63">[ 63]</a></span>
-kranken Gewebesaftes von <i>Nicotiana</i> enthielt meinen Kulturproben nach
-reichlich 2900 Mikroorganismen in sechs Arten, und keine von allen konnte
-Pflanzen infizieren.</p>
-
-<p>Das schon genannte <i>Tetanusgift</i>, genau von <em class="gesperrt">Kitasato</em> studiert, wird bei
-Erhitzung auf 65° C. innerhalb weniger Minuten, bei 55° innerhalb anderthalb
-Stunden vernichtet.</p>
-
-<p>Bei Eintrocknung in einem Exsiccator zeigt sich, dass es seine toxische Wirkung
-behalten hat. Diffuses Tageslicht nimmt dem Gifte innerhalb einiger Wochen,
-helles Sonnenlicht innerhalb 15-18 Stunden seine Wirkung, in beiden Versuchen
-mit Zutritt von Luft. <em class="gesperrt">Brieger</em> und <em class="gesperrt">Cohn</em> fanden, dass 0,000.0003 gr. dieses Giftes
-innerhalb 4 Tagen eine weisse Maus von 20 gr. tötete, es ist also ein Gift von
-eminenter Wirkung. Zum Verständnis der Fleckenkrankheit beim Tabak ist es auch
-nicht ohne Interesse, hier zu bemerken, dass <em class="gesperrt">Petri</em> aus Cholerakulturen nebst
-anderen Giften auch eine giftigen Substanz isolierte, welche in ihren Reaktionen an
-die Peptone denken lässt, das sogenannte <i>Toxopepton</i>, das sogar die Temperatur von
-100° C. <i>längere Zeit</i> erträgt, also nicht zersetzt wird, und seine toxische Wirkung
-dabei behält.</p>
-
-<p>Weiter muss bemerkt werden, dass in den ersten Tagen der Fäulnis viele
-Fäulnisbakterien zusammen äusserst giftige Toxalbumine erzeugen, dass diese Giftstoffe
-jedoch nach Verlauf von 14 Tagen verschwunden sein können. (<em class="gesperrt">Scholl-Nielsen</em>).</p>
-
-<p>Zum Schluss dieser allgemeinen Betrachtungen, welche notwendig waren zum
-Verständnis der Gifte, einige die Fermente betreffende Mitteilungen.</p>
-
-<p>Unter Enzymen und Fermenten versteht man sehr zusammengesetzte organische,
-sich leicht zersetzende Stoffe, welche innerhalb bestimmter Temperaturgrenzen
-relativ sehr grosse Mengen anderer Stoffe umsetzen können. In der Physiologie
-spielen sie eine grosse Rolle. Ihre Aufgabe ist es, die Stoffe, welche sich in einem, zur
-Aufnahme in den Organismus ungeeigneten Zustande befinden, derartig umzubilden,
-dass sie aufgenommen werden können.</p>
-
-<p>Ich nenne hier nur den Übergang von Eiweiss in Pepton, Amylum und Cellulose
-in Zucker, Fette in Fettsäure und Glycerin, Saccharose in Glukose und
-Fructose u. s. w. Meistens können diese Umsetzungen auch durch physische und
-chemische Wirkungen hervorgerufen werden. So u. a. die von Eiweiss in Pepton durch
-Wasserdampf unter Druck, die des Rohrzuckers durch die Abkochung mit Säuren;
-jedoch sind diese Mittel natürlich für den lebenden Organismus nicht passend.
-Aus dem Grunde stehen den lebenden Wesen die Fermente zur Verfügung, sowohl
-den am meisten zusammengesetzten wie den einfachsten Wesen. Bei ersteren liegt
-die Fermentproduktion in bestimmten Drüsen, bei den letzteren in dem Zellenkörper
-selbst. Eine kleine Menge Ferment ist im Stande, eine scheinbar unbestimmte<span class="pagenum"><a name="Page_64" id="Page_64">[ 64]</a></span>
-Quantität Stoff umzusetzen, und zwar in solcher Weise, dass das Ferment selbst
-sich dabei kaum ändert. Dies war Ursache, dass man früher das Ferment in die
-nämliche Klasse wie die allereinfachsten Wesen einreihte, welche Gährung und Fäulnis
-zum Vorschein rufen. Lebende Wesen, welche Gährung verursachten und Enzyme,
-wurden mit dem nämlichen Namen »Ferment« bezeichnet. Schwieriger wurde die
-Unterscheidung da, wo bei der Gährung zugleicherzeit Enzym produziert wurde.
-Einen deutlicheren Unterschied kann man erst angeben nach dem Studium der
-Gährung und der Enzym-Wirkung.</p>
-
-<p>Enzyme im engeren Sinne sind chemisch aufgebaute, also unorganisierte Körper.
-<em class="gesperrt">Buchner</em> in Tübingen hat in der letzten Zeit Versuche mit dem ausgepressten
-Saft feingeriebener Hefezellen angestellt, welcher unter einem Drucke von
-500 Atmosphären gewonnen ist. Dieser kann unabhängig von lebenden Wesen die
-Gährung erwecken und erhalten. Der Gährungsprozess muss also seiner Meinung
-nach nicht als eine physiologische Funktion, sondern als ein verwickelter chemischer
-Prozess betrachtet werden, welcher durch einen enzym-artigen Stoff, die <i>Zymase</i>,
-hervorgerufen wird, der aber in der Natur nur in der lebenden Hefezelle gebildet
-wird. Später stellte sich allerdings heraus, dass dieser ausgepresste Saft eine sehr
-beschränkte Wirkung habe.</p>
-
-<p>Pathogene Mikroorganismen können sich in bestimmten Wesen vermehren,
-Krankheiten erregen und sogar den Tod verursachen. Einmal geschieht die Vermehrung
-örtlich, d. h. auf oder in sehr begrenzten Teilen des lebenden Individuums,
-ein anderes Mal findet man, dass sie sich langsam im Körper oder auch ganz durch
-die Organe verbreiten. Es ist also möglich, den Effekt der Infektion an einem
-Punkte zu finden, ohne die Mikrobe, welche doch Ursache hiervon ist, entdecken zu
-können. All diese Fälle muss man in Betracht ziehen, und sie erleichtern die Untersuchungen
-nicht. Alle infektiöse Mikroben haben eine lokale Wirkung und reagieren
-kräftig im lebenden Individuum. Jetzt zweifelt man nicht mehr daran, dass solche
-Effekte durch die Verbreitung aufgelöster Stoffe entstehen, welche ihren Ausgang
-von der Infektionsstelle nehmen, m. a. W. »<i>die Infektion geht zusammen mit einer
-Vergiftung</i>«. Auch bei denjenigen Krankheiten, wo die pathogenen Mikroben durch den
-ganzen Körper verbreitet sind, wie bei den <i>Septicaemieën</i> der höheren Wesen, muss man
-die Anwesenheit solcher Gifte annehmen. Der Unterschied liegt nur hierin, dass im
-letzteren Falle das Gift einen kürzeren Weg zurückzulegen hat, um die Zellen und
-Gewebe zu erreichen und anzugreifen. Warum sollte dergleichen bei der Pflanze im
-allgemeinen nicht auch möglich sein? In der Erde, die sie umgiebt, an den Wurzeln
-oder in denselben, in den Gefässbündeln, im Xylem oder Phloëm, im Parenchym
-und an andern Stellen können doch auch örtliche Bakterienwucherungen entstehen,<span class="pagenum"><a name="Page_65" id="Page_65">[ 65]</a></span>
-welche Gifte absondern und diese weiter führen und dann irgendwo anders das
-Bild der Krankheit erzeugen. Bei der Fleckenkrankheit wird aus der grossen Menge
-Versuche, welche an Pflanzen von mir gemacht worden sind, erhellen, dass es sich
-hier um ein stark wirkendes Gift handelt, welches nach unmittelbarer Wahrnehmung
-frei von Mikroorganismen ist, geradeso wie ein offenbar toxischer Stoff gesunde
-Pflanzen vergiftet.</p>
-
-<p>Dies ist nicht unmöglich und schliesst sich dem an, was vorher behandelt
-worden ist. Merkwürdiger wird der Fall, wenn diese kranken Pflanzen wieder
-gesunde Pflanzen, in einer grossen Reihe auf einander folgender Versuche, befällt
-und da eine Infektion erregt. Man müsste also annehmen, dass wir es hier mit
-einem sich vermehrenden Gifte zu thun haben, wobei die unmittelbare oder mittelbare
-Wirkung der Mikroorganismen notwendig ist.</p>
-
-<p>Zwar ist z. B. ein Individuum empfänglich für Diphterie, zwar bilden sich da
-örtlich die Toxine nach der Infektion und verbreiten sich von da aus, und zwar
-lässt das Filtrat der Diphterie-Bouillon-Kulturen ein zweites Individuum erkranken,
-aber dieses ist wegen der grossen Abschwächung des Giftes und durch die Bildung
-von baktericiden Stoffen nicht im Stande, andere Individuen zu vergiften oder
-zu töten.</p>
-
-<p>Voriges Jahr erzielte ich mit Reinkulturen einer Bakterienart, der <i>Rhizobium
-Leguminosarum</i>, und mit einer <i>Beggiatoa</i> Infektion, jedoch nicht immer.</p>
-
-<p>Wenn ich eine Quantität von krankem Gewebesaft benutze, um Platten davon
-anzulegen, so bringe ich doch das unbekannte Virus auf oder in die Gelatine.</p>
-
-<p>Die ganze Menge Gelatine wird gewiss die Pflanzen vergiften, also dort Intoxikation
-oder Infektion entstehen lassen, denn der Gewebesaft thut es ja.</p>
-
-<p>Es scheint mir denn auch gar nicht so unmöglich, ja selbst sehr wahrscheinlich,
-dass weder die Bakterienkultur, noch die <i>Beggiatoa</i>-Art die Pflanze infiziert, sondern
-das anklebende Gift oder das unbekannte, unsichtbar lebende Virus. Wenn man
-immer neu geimpfte Reinkulturen gebrauchte und hiermit die Pflanzen einspritzte,
-könnte man in diesem Punkte sicher gehen; dann ist das Gift oder der unbekannte
-Mikroorganismus, welcher sich auf dem künstlichen Medium, das ihm kein Nährboden
-ist, nicht entwickelt, zu sehr verdünnt, oder zu viel verbreitet um immerfort
-Infektion oder Intoxikation hervorzurufen.</p>
-
-<p>Bei der stärksten Vergrösserung unter Immersion, bemerkt man im kranken
-Gewebe, im Protoplasma, schwach unregelmässig sich bewegende Teilchen, wahrscheinlich
-in der <i>Brownsche</i> Molekülarbewegung begriffen. Auch beim gesunden
-Gewebe wird dies wahrgenommen, und wer wird, selbst mit dem bewaffneten Auge,
-lebende Wesen von so äusserst winzigen Dimensionen von dem körnigen Protoplasma
-unterscheiden können?</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_66" id="Page_66">[ 66]</a></span></p>
-
-<p>Es ist von Bedeutung hier noch einen Augenblick über die <i>Hundswut</i> (<i>Rabies
-Canina</i>) zu sprechen. Hier hat man es mit einem für alle warmblütigen Tiere
-schweren Gifte zu thun, das in der Regel mittels des Speichels der hundswütigen
-Tiere übertragen wird. Meistens wird der Hund, doch auch der Wolf, die Katze
-u. a. davon ergriffen.</p>
-
-<p>Der Infektionsstoff befindet sich nach den Untersuchungen <em class="gesperrt">Pasteurs</em> besonders
-im Centralnervensystem. Bis jetzt hat man noch keine Mikroorganismen darin
-nachweisen können, obwohl <em class="gesperrt">Gibier</em>, <em class="gesperrt">Fol</em>, <em class="gesperrt">Babes</em> und <em class="gesperrt">Cornil</em> verschiedene
-Formen gefunden haben. Infektionsversuche, welche hiermit angestellt wurden,
-blieben ohne Erfolg. Verschiedene Forscher wie <em class="gesperrt">Golgi</em>, <em class="gesperrt">Germano</em>, <em class="gesperrt">Schaffer</em>,
-<em class="gesperrt">Giantarco</em> u. a. haben ziemlich dieselben histologischen Veränderungen im Rückenmark
-und dem Gehirne der angesteckten Tiere nachgewiesen. Ausser an diesen
-Stellen findet sich der Infektionsstoff noch in den grossen peripherischen Nervenstämmen
-und, schon einige Tage vor dem Auftreten der Krankheitserscheinungen,
-im Sekret der Speicheldrüsen.</p>
-
-<p>Die Infektion ist am sichersten zu erzielen durch Einspritzungen einer
-Rückenmark-Emulsion der Menschen und Tiere, welche an der Hundswut starben
-(subdurale Einspritzung). Eine subcutane Einspritzung ruft nicht immer diese gefürchtete
-Krankheit hervor. Nach <em class="gesperrt">Helmann</em> erklärt dies sich hieraus, dass bald Nerven
-verletzt werden, bald wieder nicht; daher auch, dass grosse Verletzungen, welche
-bis in die Muskel hineindringen, und weiter Bisse in nervenreiche Teile, wie
-des Antlitzes und der Hand, besonders gefährlich sind. Nicht unwahrscheinlich
-wird bei Bissen durch Kleidungsstücke hindurch das Gift entweder nicht oder
-nur in geringer Menge in die Wunde hineingebracht. Die Verbreitung des Giftes
-kann so schnell stattfinden, dass das Ausbrennen der Wunden, oft kurz nach
-der Infektion, ohne Erfolg bleibt. Die Krankheit offenbart sich bei Menschen
-selten vor dem 15<sup>ten</sup> Tag, gewöhnlich erst im Laufe des zweiten Monats, selten
-nach dem dritten und ausnahmsweise erst nach dem sechsten Monat. Zwischen
-dem Augenblicke der Infektion und dem Ausbrechen der Tollwut werden die Einspritzungen
-nach der von <em class="gesperrt">Pasteur</em> angegebenen Methode verrichtet. Er hat das
-unbekannte Gift zuerst durch wiederholte Impfungen auf Affen geschwächt, und
-auch durch wiederholte Impfungen von Kaninchen auf Kaninchen, einen Krankheitsstoff
-von bestimmtem Infektionsvermögen erhalten. Indem man das Gift
-durch eine Reihe von, durch <em class="gesperrt">Pasteur</em> ausgewählten, Tieren hindurch gehen
-liess, und deren Rückenmark in einem mit Watte verschlossenen Kolben, über
-Kalk aufgehängt, konservierte, erhielt man innerhalb 14 Tagen ein einigermassen
-geschwächtes Material, welches Hunde nicht mehr tötete, sondern gegen
-die Krankheit schützte. Hunde, welche täglich subcutan kleine Stücke dieses
-Materials injiciert bekamen, das 14, 13, 12 Tage u. s. w. bis auf einen Tag auf<span class="pagenum"><a name="Page_67" id="Page_67">[ 67]</a></span>
-obige Weise getrocknet worden war, wurden unempfindlich gegen das schwere oder
-ungeschwächte Gift<a name="FNanchor_G_7" id="FNanchor_G_7"></a><a href="#Footnote_G_7" class="fnanchor">[G]</a>.</p>
-
-<p>Das Gift der Hundswut, dies muss noch erwähnt werden, kann durch Licht,
-durch erhöhte Temperatur (50°- 60° C.) durch Antiseptica, weiter durch künstliche
-Behandlung geschwächt und vernichtet werden. Filtration des giftigen
-Rückenmarks durch Gypsplatten lieferte ein Filtrat, welches nach <em class="gesperrt">Paul Bert</em>
-nicht mehr infizieren konnte.</p>
-
-<p>Nachdrücklich muss ich darauf hinweisen, dass es vom grössten Interesse ist
-zu wissen, auf welch specielle Weise eine infektiöse Krankheit entsteht, und wie
-die Gifte sich physicalischen und chemischen Einflüssen gegenüber verhalten.</p>
-
-<p>Zum Schlusse noch eine kurze Besprechung der <i>Maul- und Klauenseuche</i>
-(<i>Aphthae epizoöticae</i>), in Bezug auf welche in der letzten Zeit solche wichtigen
-Entdeckungen gemacht worden sind, deren Kenntnis von grösster Bedeutung
-hinsichtlich der Fleckenkrankheit des Tabaks ist. Um genügend Aufschlüsse über
-die Ergebnisse der jüngsten Nachforschungen auf diesem Gebiete zu erhalten, habe
-ich mich an die Herren Tierärzte <em class="gesperrt">Van der Sluys</em>, Unterdirector am Abattoir in
-Amsterdam, und <em class="gesperrt">Busing</em> in Naarden gewandt, die mir bereitwilligst ihre Litteratur
-in Bezug auf diesen Gegenstand zur Verfügung stellten. Beiden meinen herzlichsten
-Dank für ihre Hilfe.</p>
-
-<p>In allen Ländern Europas zeigt sich diese für das Rindvieh so gefürchtete
-Seuche. Sie verbreitet sich von einem Individuum zum andern, also mittels Contact.
-Maul- und Klauenseuche wird, wie man annehmen muss, verursacht durch noch
-unbekannte, unsichtbar lebende Wesen, Mikroorganismen, die entweder selber oder
-durch die von ihnen abgesonderten Stoffe die Krankheitserscheinungen schon nach
-einigen Tagen auslösen. Alle bisher gefundenen Bakterien (<em class="gesperrt">Starcovici</em>, <em class="gesperrt">Piana</em>,
-<em class="gesperrt">Fiorentini</em>, <em class="gesperrt">Behla</em>, <em class="gesperrt">Jurgens</em>, <em class="gesperrt">Bussenius-Siegel</em>) Protozoen, protoplasmatische
-Körperchen oder andere corpusculäre Elemente, und irgend welche, mit
-dem Mikroskop sichtbare Teilchen, haben offenbar mit der Ätiologie der Maul- und
-Klauenseuche nichts zu schaffen. Kein Wunder also bei dem einander vielfach
-widersprechenden Befunden, dass eine ganze Reihe Forscher sich diesem für Ackerbau
-und Viehzucht so wichtigen Gegenstand widmen. In den letzten zwei Jahren ist
-denn auch die »Berliner Tierärztliche Wochenschrift« und überhaupt die tierärztliche<span class="pagenum"><a name="Page_68" id="Page_68">[ 68]</a></span>
-Literatur voll von Meinungen, Theorien und experimentellen Nachforschungen. Jedenfalls
-sind die Untersuchungen nach der Ursache dieser Krankheit eben so schwierig
-wie nach derjenigen der Blattern, Masern, des Flecktyphus und Scharlachfiebers.
-Unstreitig hat in dieser Frage aber Herr <em class="gesperrt">C. Hecker</em>, Tierarzt in Ermsleben, sich
-sehr verdient gemacht. Er hat den Weg gezeigt, die Tiere gegen Maul- und
-Klauenseuche zu schützen m. a. W. sie zu immunisieren (B. T. W. N<sup>o</sup>. 1897).</p>
-
-<p>Dass die deutsche Regierung einsah, wie nützlich die Bekämpfung dieser Krankheit
-ist, geht daraus hervor, dass sie eine Kommission ernannte, in welcher <em class="gesperrt">Prof. Dr.
-Loeffler</em> und <em class="gesperrt">Dr. Frosch</em> Sitzung hatten. Mit Aufopferung grosser Kosten hat die
-Regierung sie mit den Untersuchungen beauftragt, und diese sind von ihnen derartig
-angestellt worden, dass sie die strengste wissenschaftliche Kritik bestehen können.
-Der Bericht dieser höchst wichtigen Untersuchungen, in welchem wir analoge
-Erscheinungen wie bei der Fleckenkrankheit des Tabaks antreffen werden, ist u. a.
-aufgenommen worden im »Centralblatt für Bakteriologie, Parasitenkunde und Infektionskrankheiten«
-N<sup>o</sup>. 9/10 pag. 371, dem auch folgendes entnommen worden ist.</p>
-
-<p>Wie der Name andeutet, zeigt sich die Maul- und Klauenseuche, beim Rindvieh,
-in der Form von Bläschen am Munde, an den Klauen und Eutern. Der Inhalt jener
-Bläschen besteht aus einer Flüssigkeit, einer Lymphe, worin sich corpusculäre
-Elemente vorfinden, doch worin normal keine Bakterien zu finden sind. Die von
-<em class="gesperrt">Siegel</em> und <em class="gesperrt">Bussenius</em> aus den Bläschen isolierte Mikrobe ist von aussen
-hineingedrungen, besitzt eine starke Giftwirkung im Darmkanal, ist jedoch
-nicht als das ätiologische Moment der Maul- und Klauenseuche zu betrachten.
-<em class="gesperrt">Loeffler</em> und <em class="gesperrt">Frosch</em> fanden konstant in den Bläschen farblose Lymphzellen,
-gekörnte Zellen, rote Blutkörperchen, kleine runde granulierte Scheibchen ohne
-Kern, bewegliche, unregelmässige, protoplasmatische Körperchen und stark lichtbrechende
-Körner verschiedener Grösse, keine selbstständigen Mikroorganismen.
-Die Krankheit kann durch die Lymphe übertragen werden auf Rinder und Kälber,
-bei Schweinen erkrankt nur die Hälfte. Immun scheinen sich zu verhalten: Kaninchen,
-Meerschweinchen, Katzen, (wiewohl <em class="gesperrt">Hecker</em> von der Katze das Gegenteil
-behauptet in B. T. W. N<sup>o</sup>. 6, 1898) Ratten, Mäuse, Hühner und Tauben.</p>
-
-<p>Der Inhalt der frischen Bläschen ist äusserst virulent, während das Blutserum
-erkrankter Tiere bis zu 14 cm³, drei Kälbern subcutan eingespritzt, das Krankheitsbild
-nicht hervorrief. Drei Kälber, die 12, 17, und 22 Tage nach der ersten
-Einspritzung mit sehr wirksamem Material eingespritzt waren, erkrankten mit
-typischer Temperaturerhöhung, ohne dass sich Bläschen an Maul oder Klauen
-zeigten. Nur das erste Kalb zeigte sehr kleine Bläschen an der Stelle, wo die
-Einspritzung geschehen war. Unfehlbar die Krankheit erregend zeigte sich die
-Einspritzung der Lymphe ins Blut. Hierbei entstehen schon nach 24-48 Stunden die
-Bläschen an Maul und Klauen und beim Milchvieh an dem Euter. Ganz unsicher<span class="pagenum"><a name="Page_69" id="Page_69">[ 69]</a></span>
-wirkt dieselbe Lymphe, wenn sie in oder unter die Haut eingespritzt wird (Vergl.
-Hundswut).</p>
-
-<p>Weiter ist es von Bedeutung, zu wissen, dass die Lymphe durch Eintrocknung
-bei Sommertemperatur während 24 Stunden, durch Erhitzung auf 37° C. während
-12 Stunden, und durch Erhitzung auf 70° während 1/2 Stunde unwirksam wird.</p>
-
-<p>In kapillaren Röhrchen bei 0° C. bewahrt, bleibt die Lymphe 3-4 Monate
-wirksam. Dass wir es hier mit einem höchst giftigen Stoff zu thun haben, beweist
-die kleine Menge, welche benötigt ist, um nach Einspritzung die Krankheit
-hervorzurufen; nl. bei 1/5000 cm<sup>3</sup> ist die Wirkung gewiss, erst bei Mengen von
-1/10000-1/20000 ungewiss.</p>
-
-<p>Zweckdienlich und Schutz gewährend gegen Maul- und Klauenseuche zeigten
-sich die Einspritzungen mit einer Mischung von Lymphe und Serum von Tieren,
-welche die Krankheit durchgemacht hatten.</p>
-
-<p>Wie schon mitgeteilt, erhalten nicht alle Tiere, welche die Krankheit überstanden
-haben, Immunität. Dies gab Anlass zu der Meinung, dass es nicht möglich
-sei, mittels Impfung oder Einspritzung gegen die Maul- und Klauenseuche zu
-schützen (<em class="gesperrt">Friedberger</em>, <em class="gesperrt">Fröhner</em>). Etwas Ähnliches nimmt man aber auch wahr
-bei den Blattern und Masern des Menschen. Auch hier erhalten nicht alle Individuen
-nach überstandener Krankheit sichere Immunität. Es zeigen sich also hier Unterschiede
-in der natürlichen Immunität, in der grösseren oder geringeren Empfänglichkeit.</p>
-
-<p>Wird jedoch Blutserum von gesunden Tieren genommen und dies mit Lymphe
-vermischt, so erscheint die Maul- und Klauenseuche wohl. Um mich jedoch in meinen
-Mitteilungen über diesen so bedeutungsvollen Gegenstand kurz zu fassen, folgen nur
-noch einige merkwürdige Eigenschaften des unbekannten Giftes. Die schon früher
-beschriebenen Filtrationsversuche mittels Kerzen werden wahrscheinlich auch ein
-Licht aufgehen lassen über vielerlei Krankheiten, deren Ursache noch im Dunkeln
-liegt. <em class="gesperrt">Loeffler</em> und <em class="gesperrt">Frosch</em> filtrierten 1 cm<sup>3</sup> Lymphe verdünnt mit 39 Teilen
-Wasser mit Hinzufügung des <i>Bacillus fluorescens</i> zur Kontrolle. Das Filtrat zeigte
-sich als ein ganz keimfreies. Weder die zugefügte Bakterie noch andre Mikroorganismen
-kamen in ihren Kulturplatten zum Vorschein. Das Filtrat erzeugte die
-Maul- und Klauenseuche, als es in das Blut von Kälbern eingebracht wurde. Die
-nämliche Erscheinung, die als Intoxication bezeichnet wird, ist auch bei andern
-Krankheiten beobachtet worden; was jedoch noch unbekannt war, ist, dass der
-Inhalt der jetzt gebildeten Bläschen neuerdings filtriert, immerfort wieder die
-Krankheit hervorrief.</p>
-
-<p>Im Filtrate befinden sich also Krankheitskeime, welche durch die Poren der
-Kerze hindurchdrangen, es wäre denn, dass das Filtrat ein Gift von eminenter
-Wirkung enthielte. Nach mancherlei Versuchen hat sich jedoch herausgestellt, dass
-<span class="pagenum"><a name="Page_70" id="Page_70">[ 70]</a></span>eine Vermehrung des Giftes stattfindet. <em class="gesperrt">Brieger</em> fand, dass 1 cm<sup>3</sup> des so heftigen
-Tetanus-giftes 20000 Mäuse tötete. Die Berechnung jedoch giebt bei dem Filtrate
-<em class="gesperrt">Löffler's</em> zu erkennen, dass eine Verdünnung von 1 : 2-1/2 Trillion noch im Stande
-ist, Tiere zu vergiften, und zwar schon als das unbekannte Virus nur durch zwei
-Tiere hindurch gegangen war. Solche und noch durch weitere Tierpassage hervorgerufenen
-Verdünnungen können nicht mehr auf ein gelöstes Gift bezogen werden.</p>
-
-<p>In einem späteren Bericht der mehrere Male erwähnten Kommission, welcher
-u. a. in der »Wochenschrift für Tierheilkunde und Viehzucht«, N<sup>o</sup>. 39, Sept. '98
-enthalten ist, finden wir, dass wiederholte Filtration der verdünnten Lymphe durch
-sehr dichte <em class="gesperrt">Kitasato</em>-Kerzen die Tiere nicht mehr mit Maul- und Klauenseuche
-krank machen konnte. Das krankheiterregende Agens ist also jetzt zurückgehalten
-worden. Wir haben es demnach zu thun mit »<i>Infektion</i>.«</p>
-
-<p>Weiter giebt die Kommission noch die Mitteilung, dass Rinder noch immunisiert
-werden können mit einer Mischung von Immun-Serum und Lymphe, welche
-also eine Zeit lang mit einander in Kontakt gewesen sind. Wichtig ist auch die
-Beobachtung, dass das Junge eines immunisierten Rindes, welches vor dem Anstellen
-des Versuches sich schon in den Ställen befand, nach der Geburt sich sofort als
-immun erwies. Drei Tage nach der Geburt wurde es mit 1/100 cm<sup>3</sup> sehr wirksamer
-Lymphe mit dem Resultate behandelt, dass das Tier nicht erkrankte, selbst nicht
-nach einer zweiten Einspritzung mit 1/10 cm<sup>3</sup> 6 Tage später. Die Mutter hat hier
-ihre Immunität auf das Junge übertragen. Da das von der immunen Kuh geworfene
-Kalb sich immun zeigte, ist es deutlich, dass die Einspritzung gegen Maul- und
-Klauenseuche, bei kräftigen Tieren angewendet, eine immune Nachkommenschaft
-erzeugen wird.</p>
-
-<p>Es ist zu erwarten, dass die Resultate der hier geschilderten Versuche bald
-fruchtbringend in der Praxis angewendet werden können.</p>
-
-<p>Die kleinsten der bekannten lebenden Wesen sind die von <em class="gesperrt">Pfeiffer</em> aufgefundenen
-Influenzabakterien. Wären die Mikroorganismen der Maul- und Klauenseuche
-1/10-1/5 so gross wie diese, was nicht unmöglich sein würde, so könnten sie
-nach der Berechnung von <em class="gesperrt">Prof. Abbe</em> in Jena, als die Grenze des Vergrösserungsvermögens
-unserer Mikroskope übersteigend, selbst unter den besten modernen
-Immersionssystemen nicht mehr wahrgenommen werden. Die Untersuchungen nach
-ihrer Anwesenheit im Filtrate werden fortgesetzt und sind von grösster Wichtigkeit.
-Die Zeit wird dann ausweisen, ob andere ansteckende Krankheiten, deren Ursachen
-jetzt noch unbekannt sind, auch ähnliche Verhältnisse darbieten. Man denke nur
-an die Blattern, das Scharlachfieber, die Masern, den Flecktyphus, die Rinderpest
-u. a. m., nach deren Ursache so oft vergebens gesucht worden ist.</p>
-
-<p>Aus diesen Beschreibungen der Gifte, welche Krankheiten erregen und oft den
-Tod zur Folge haben, erhellt, dass sie sich chemischen Reagenzien, physicalischen
-Einflüssen, der Filtration durch Kerzen und dem Experimente auf lebenden Wesen<span class="pagenum"><a name="Page_71" id="Page_71">[ 71]</a></span>
-gegenüber ungleich verhalten. Fremdartig und noch unerklärlich ist hierbei das
-Gift der Hundswut und das der Maul- und Klauenseuche.</p>
-
-<p>Jetzt nach diesen Betrachtungen über verschiedene Krankheitsstoffe ist zu
-sehen, wie es mit dem Gift der Fleckenkrankheit beim Tabak steht, und mit
-welchem Virus es sich vergleichen lässt.</p>
-
-
-<hr class="chap" />
-<h2><a name="Die_Flecken-_oder_Mosaikkrankheit_des_hollandischen" id="Die_Flecken-_oder_Mosaikkrankheit_des_hollandischen">Die Flecken- oder Mosaikkrankheit des holländischen
-Tabaks.</a></h2>
-
-
-<p>Wie bereits im vergangenen Jahre mitgeteilt, offenbart sich die Flecken- oder
-Mosaikkrankheit bei unserem Tabak in der Form von dunkelgrünen Flecken, die
-stets bei jungen Blättern zwischen den Nerven und längs derselben ihren Ursprung
-nehmen. Bei älteren Pflanzen zeigt sie sich in der Form von unregelmässig liegenden
-Flecken, die allmählig braun werden. Wenn auch in der Regel der Tod der Pflanze bei
-dieser Krankheit nicht eintritt, so werden die Blätter doch so verändert und missgestaltet,
-dass sie keinen Handelswert mehr besitzen. Wenn man in Betracht zieht, dass die
-von den Züchtern so sehr gefürchtete Krankheit jedes Jahr mehr um sich greift,
-so ist es nicht ohne Bedeutung, ihre Ursache zu erforschen und wo möglich die Mittel
-liefern, welche der Flecken- oder Mosaikkrankheit vorbeugen. Im Laufe dieses Jahres
-sind mit einer grossen Anzahl von Pflanzen Versuche angestellt worden. Um ein deutliches
-Bild von dem Verlauf der Krankheit zu erhalten, folgt hier die Beschreibung eines
-der zahlreichen Fälle, bei welchen die Fleckenkrankheit künstlich verursacht worden ist.</p>
-
-<p>Am 2. Juni 1898 wurden mir durch Herrn <em class="gesperrt">N. van Os</em> zu Amerongen einige
-Hundert junge Tabakspflanzen geschickt, die soweit sichtbar, vollkommen gesund
-waren. Einige Tage später erhielt ich zwei fleckenkranke Pflanzen, die streng isoliert
-und in ständiger Beobachtung gehalten wurden. Diese kranken Exemplare wuchsen
-sehr langsam; die Flecken wurden immer dunkler, während die Krankheit sich in
-den verschiedenen Blättern langsam verbreitete.</p>
-
-<p>Eine vollkommen gesunde, junge Pflanze erhielt am 5. Juli, wie Figur 13 <i>A</i>
-angiebt, einen Einschnitt mit einem sterilisierten Messer in den Stengel bis an
-das Gefässbündel. In diesen Einschnitt wurde ein sehr kleines Stückchen eines
-gefleckten Blattes von einer der kranken Pflanzen gebracht. Ein gleiches Stückchen
-Tabaksblatt wurde gewogen, nach Trocknung der Gewichtsverlust bestimmt und
-dieser als die Menge Gewebesaft berechnet, der ursprünglich darin war. Nach
-meiner Berechnung waren ungefähr 34 mgr. Blattsaft in den Einschnitt gebracht
-worden. Man kann aber ruhig annehmen, dass unter den günstigsten Verhältnissen
-wenige Milligramm, ja vielleicht nur Zehntel oder Hundertel eines
-Milligramms durch das Gefässbündel aufgenommen und fortgeführt werden. Am<span class="pagenum"><a name="Page_72" id="Page_72">[ 72]</a></span>
-20. Juli begann sich am Rande eines jungen Blattes zwischen ein paar kleinen
-dünnen Nerven ein dunkles Fleckchen zu zeigen. Im Verlauf der folgenden Tage
-erschienen an den anderen jungen Blättern ebenfalls Fleckchen, während das Blatt
-selbst durch <em class="gesperrt">Vergrösserung des Pallisadengewebes</em> ein unebenes, unregelmässiges
-Aussehen bekam. Auch der Blattrand wurde gleichzeitig sehr abnormal,
-hier und da eingeschnürt oder eingebuchtet. (S. die Formen der fünf jungen
-Blättchen rechts unten in fig. 14.)</p>
-
-<div class="center">
-<img src="images/fig13.jpg" width="428" height="303" alt="" />
-<div class="caption"><p>Fig. 13. Die Flecken- oder Mosaikkrankheit des Tabaks.</p></div>
-</div>
-
-<p>Die Anzahl der Flecken, die noch stets von Tag zu Tag an Ausdehnung
-zunahmen, jedoch untereinander isoliert blieben, wurde ständig grösser. Am 1. August
-waren die inneren Blätter vollkommen dunkelgrün und zeigten nur hier und da noch
-das reine normale Hellgrün. Einige der älteren Blätter, solche also, die sich unten
-an der Pflanze befanden, hatten unregelmässig liegende, kleine Fleckchen von einer
-andern Farbe. Man sollte nicht vermuten, dass die Krankheit auf solche verschiedene
-Art in die Erscheinung treten kann, da doch die Ursache dieselbe ist.
-Wir finden hier eben die Wirkung des Giftes auf junge, zarte und auf ältere
-Gewebeelemente. Am 9. August waren zwei der untersten Blätter stark punktiert.<span class="pagenum"><a name="Page_73" id="Page_73">[ 73]</a></span>
-Hier lagen die Fleckchen nicht zwischen den Nerven, sondern scheinbar ganz
-unregelmässig verteilt. In <i>B</i> sehen wir den Zustand eines jungen, also Spitzenblattes,
-in <i>C</i> denjenigen eines der untersten Blätter abgebildet. Die Farbe der
-Fleckchen der punktierten Blätter zeigt sich zuerst als graublau, doch geht sie
-im Laufe der Tage in rotbraun über und endigt dort mit dem Tod des Gewebes.
-Bei den grösseren Flecken nimmt man konzentrisch gefärbte Ringe wahr, von
-denen die am meisten nach aussen liegenden stets am dunkelsten sind. (Fig. <i>M</i>.)
-Wenn wir die Tabaksfelder besuchen, sehen wir bei den kranken Exemplaren
-die jüngsten Blätter im Zustande <i>B</i>, die älteren im Zustande <i>C</i>. Einige Felder
-sind selbst rot gefärbt und scheinen wie mit Blut übergossen. Die Krankheit
-herrscht dann auf solch einem Felde sehr stark und zeigt sich in dieser Form Jahr
-für Jahr. Es ist eine öfters beobachtete Erscheinung, dass Pflanzen, die verwundet
-oder krank sind, einen roten Zellsaft bilden. Wahrscheinlich ist dieser Umstand,
-auch nach den neueren Untersuchungen von <em class="gesperrt">Flammarion</em>, günstig für die
-Atmung. Nicht alle Lichtstrahlen haben dabei eine gleiche Wirkung. Im gelben
-Licht ist die Zerlegung der Kohlensäure am stärksten und nimmt nach den
-Spektrumfarben nach links und rechts ab. Die Spaltung der Kohlensäure findet
-also stärker hinter gelben und roten, schwächer dagegen hinter blauen Farben
-statt. Dies ist auffallend, da doch gerade die blauen Farben mit ihrer kürzeren
-Wellenlänge zu den intensiv wirkenden chemischen Strahlen gehören, und z. B.
-das photographische Papier am stärksten zersetzen. Könnte auch hier nicht die
-rotbraune Farbe der Flecken die Pflanze im Kampfe gegen die schädlichen Einflüsse
-der Krankheit beschützen und dadurch die Assimilation befördern? Im September
-sind alle jungen Blätter dunkelgrün gefleckt und dabei vollständig missgestaltet,
-während die älteren ganz dunkelbraun gefleckt sind. Nicht selten fallen aus den
-Blättern ganze Stücke heraus und scheint es, als ob Insekten das Blatt ausgefressen
-hätten. (S. die punktierte Linie in Fig. <i>C</i>)<a name="FNanchor_H_8" id="FNanchor_H_8"></a><a href="#Footnote_H_8" class="fnanchor">[H]</a>.</p>
-
-<p>Dies ist der gewöhnliche Verlauf der Krankheit. Unter den günstigsten
-Verhältnissen werden im Sommer und nach abwechselndem Wetter die jungen
-Pflanzen innerhalb drei Wochen krank. Gelangt das Virus in ältere Pflanzen, dann
-entsteht die Krankheit etwas später. Dabei ist noch ein Unterschied in der Zeit<span class="pagenum"><a name="Page_74" id="Page_74">[ 74]</a></span>
-zu beobachten, wenn das Gift in den Stamm oder in den Hauptnerv der jungen oder
-älteren Blätter gebracht wird. Bei einer nur oberflächlichen Verwundung des Parenchyms
-des Stammes habe ich mehrere Male die Krankheit ausbleiben sehen. Es hat
-den Anschein, als ob das Gift sich den Gefässbündeln entlang verbreitet und dann
-ist das Phloëmbündel hierfür der angewiesene Weg.</p>
-
-<p>Die mikroskopische Untersuchung der kranken Blattteile bringt nicht viel an's
-Licht. Man sollte eigentlich das Gegenteil vermuten, da doch gerade das Krankheitsbild
-hier so scharf umschrieben ist. Im allerjüngsten Zustand der Fleckchen
-bei sehr jungen Blättern, wo noch keine Trennung in Pallisaden- und Schwammparenchym
-stattgefunden hat, trifft man zwischen den Zellen dunkelblaugrün
-aussehende Streifen sowie Bläschen an, die man am besten mit Luftstreifchen
-vergleichen kann, welche sich zwischen den Zellenwänden befinden (<i>D</i>). Es ist mir
-nicht gelungen, die Flecken dadurch zum Verschwinden zu bringen, dass ich ein
-Blatt in einen luftleeren Raum brachte und darin behielt. Auch in einem älteren
-Stadium, wo bereits die Trennung zwischen Pallisadengewebe und Schwammparenchym
-eingetreten ist, werden Streifen und Bläschen noch angetroffen (<i>E</i>). Macht man einen
-Längsschnitt, dann wird wieder dasselbe wahrgenommen (<i>F</i> <i>H</i>). Stets zeigen sich bei den
-dunkelgrünen Flecken obige Abweichungen zwischen den Zellen, die ich durch schwarze
-hier und da untergebrochene Linien angegeben habe (<i>D</i> <i>E</i> <i>F</i> <i>H</i>). An der Oberhaut (<i>I</i>)
-werden keine Veränderungen beobachtet. Betrachtet man die Flecken <i>C</i> bei stärkerer
-Vergrösserung, dann sieht man die Oberhaut zusammengeschrumpft, vertrocknet und
-verfärbt. Das Chlorophyll ist desorganisiert und <em class="gesperrt">die Zellwände sind verschwunden</em>.
-Es ist gerade so, als ob Insekten das Blattparenchym weggefressen hätten (<i>G</i>). Dies
-sind die einzigen Veränderungen, die mit dem Mikroskop beobachtet werden konnten.</p>
-
-<p>Eine grosse Anzahl Pflanzen ist von mir auf Mikroorganismen untersucht
-worden, jedoch nur in einzelnen Fällen habe ich Bakterien in Pallisadenzellen
-gefunden, welche aber nach wiederholter Übertragung auf Nährböden, wobei wie
-beschrieben das vielleicht vorhandene, unsichtbare Virus verdünnt wurde, keine
-Pflanzen zu infizieren vermochten. Wiederholte Versuche wurden gemacht, um
-vermittelst feiner Pincetten von einem kranken Blattteilchen die Epidermis an beiden
-Seiten zu entfernen, was einige Male gelang. Vom Inneren des Blattes wurden dann
-Plattenkulturen angelegt, die abgesehen von einzelnen bekannten, sehr viel vorkommenden
-Pilzcolonien scheinbar steril blieben. Als Nährböden hierfür wurden
-gebraucht die alkalische und saure Nährgelatine von <em class="gesperrt">Koch</em>, Tabakssaft-Gelatine,
-Malz-Gelatine und der von <em class="gesperrt">Beyerinck</em> angegebene <i>Leguminosen</i>-Nährboden. Ebenso
-entwickelten sich auf oder in einem sauren oder alkalisch reagierenden Nährboden,
-der wie folgt zusammengestellt war, keine Kolonien: Tabakssaft 5,
-Kaliumphosphat 0, 050, Asparagin 0,5, Glukose 2,0, Gelatine 10,0 oder Agar 1,5,
-Wasser 100,0.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_75" id="Page_75">[ 75]</a></span></p>
-
-<p>Ein einziges Mal entwickelte sich Gas in schwach alkalischer Bouillon, welche
-zu anaërober Kultur benutzt wurde (verursacht durch einen Organismus, welcher
-schwierig von Coccen zu unterscheiden ist).</p>
-
-<p>Viele Male sind auch grössere kranke Blattteile zur Untersuchung genommen
-worden. Zuerst wurden die beiden Blattoberflächen gut abgewaschen, dann mit
-sterilen, nassen Wattepfropfen abgerieben und darauf mit sterilem Wasser abgespritzt.
-Es gelang mir unter einer ganzen Reihe von Platten mehrere Male, Mikroorganismen
-zu isolieren, die, von der Plattenoberfläche genommen, junge Tabakspflanzen
-krank machten. Die Krankheit trat <em class="gesperrt">nicht stets ein</em>, wenn ich mit viele
-Malen übergeimpften Kulturen arbeitete. Ich erreichte eine Erkrankung mit drei
-Mikroorganismen, mit einem <i>Rhizobium Leguminosarum</i>, einer <i>Beggiatoa-</i> und einer
-<i>Streptothrix</i>-Art. Wie gesagt, trat eine Erkrankung öfters nicht ein, wenn ich
-Überimpfungen gebrauchte. Das fiel mir besonders auf, und bestärkte mich in meiner
-schon oben erwähnten Ansicht, dass die von den ursprünglichen Platten abgenommen
-Kulturen ein unbekanntes, <em class="gesperrt">unsichtbares</em> Gift, wenn auch in höchst starker Verdünnung,
-enthielten; denn eine minimale Menge <em class="gesperrt">Saftes</em> von krankem Gewebe ist
-immer im Stande, die Fleckenkrankheit zu verursachen.</p>
-
-<p>Im Oktober 1897 wurde in einen kühlen Treibkasten Tabakssamen gesät, um
-Versuchspflanzen zu bekommen. In der Zwischenzeit wurde Erde, in der kranke
-Pflanzen gestanden hatten, und die an deren Wurzeln hängende Erde auf Mikroorganismen
-untersucht. Nach Lage der Sache ist dies eine sehr schwierige Untersuchung,
-wenn man bedenkt, dass die Anzahl Mikroorganismen per Gramm darin einige Hunderttausenden
-bis Millionen beträgt. Aus einer grossen Anzahl Platten wurden damals
-8 Mikroorganismen isoliert, die im Februar 1898 auf junge Pflanzen geimpft, die Fleckenkrankheit
-<em class="gesperrt">nicht</em> hervorbrachten. Sie waren also nicht das ätiologische Moment derselben.
-Auffallend war es, dass an den jungen Wurzeln der Tabakpflanzen häufig
-<i>Streptothrix chromogena Gasperini</i> angetroffen wurde.</p>
-
-<p>Dieser Mikroorganismus, welcher zur Familie der <i>Streptothricheen</i> oder besser
-<i>Actinomyceten</i> gehört, hat in seiner Form viel Ähnlichkeit mit den Fadenpilzen,
-auch erinnert er an die Bakterien. Ebenso wie die Pilze bildet er aus runden
-Keimzellen (Sporen) cylindrische Fäden, welche sich dichotomisch verzweigen, und
-sich dem unbewaffneten Auge als ein Mycelium darstellen. Einige fruchttragende
-Hyphen erheben sich über dem Substrat in die Luft und fallen dann, als Oldien
-in Ketten von runden Keimzellen oder Sporen aus einander. Bei starker Vergrösserung
-zeigen die <i>Streptothricheen</i> viel Ähnlichkeit mit den Bakterien. Es sind sehr
-dünne Faden, welche ursprünglich keine Scheidewände besassen, und welche sich
-durch Sprossungen verzweigen. In älteren Kulturen zerfallen die Fäden in kurze
-Stäbchen und kokkenartige Glieder. Nicht selten findet man auch die Spirillenform,
-weil die <i>Streptothricheen</i> stark gekrümmt und gewunden sind. Die Untersuchungen,<span class="pagenum"><a name="Page_76" id="Page_76">[ 76]</a></span>
-welche in der letzten Zeit über diese Pilzgruppe angestellt wurden, haben die
-Frage aufwerfen lassen, ob sie nicht im genetischen Verhältnis zu der Gruppe der
-<i>Diphtherie</i> und der <i>Tuberculose</i> stehen.</p>
-
-<p>Dies ist noch nicht ganz sicher festgestellt, jedoch könnten dann die beiden
-letzteren Gruppen von den <i>Actinomyceten</i> hergeleitet werden. Es sind sehr verbreitete
-Saprophyten, die pathogenen unter denselben (<i>Aktinomyces</i> bovis etc., <i>S.</i> sen <i>A.
-violacea</i> u. a.) scheinen nicht selten parasitisch werden zu können. Genannte <i>S.</i> sen
-<i>A. chromogena Gasperini</i> ist bekannt als einer, der aus Nitraten leicht Nitrite
-bildet. Wie sich später zeigen wird, ist er nicht als pathogen für <i>Nicotiana</i> zu
-betrachten, wiewohl ich nach Impfung der Pflanze mit Erde eine Veränderung im
-Blatte traf.</p>
-
-<p>Häufig habe ich, wie ich schon in »de Natuur« pg. 330, 1899 beschrieben habe,
-den <i>St.</i> sen <i>A. chromogena</i> in den Risse der verwitternden Granite, Basalte und
-Hornblendeschiefer der erratischen Blöcke unseres <em class="gesperrt">Gooilän</em>dischen Diluviums, und
-in <em class="gesperrt">Zandbergen's</em> Waldboden, wenn ich nach <em class="gesperrt">Frank's</em> Mykorhizen vergebens
-suchte, aufgefunden.</p>
-
-<p>Wenn der <i>Löffler'</i>schen Bouillon ein wenig Nitrat zugesetzt wird, so ist innerhalb
-24 Stunden nach Impfung mit diesem Pilze durch das bekannte Reagens
-schon Nitrit nachzuweisen. In Leitungswasser geschieht dies nicht.</p>
-
-<p>Erst nachdem ich die Überzeugung erhalten hatte, dass auf diese Weise die
-pathogenen Mikroorganismen nicht aufzufinden wären (weder durch aërobe noch
-durch anaërobe Methoden), habe ich einen anderen Weg eingeschlagen, um dem
-unbekannten Virus auf die Spur zu kommen.</p>
-
-<p>Allein schon die Thatsache, die auch weiter unten bei den Versuchen angegeben
-ist, dass eine kleine Menge &mdash; einige Milligramme &mdash; Saft von krankem Gewebe im
-Stande ist, gesunde Pflanzen krank zu machen, und einige Milligramme Blattgewebe
-dieser letzteren Pflanzen immer wieder von Neuem auf andere gesunde Pflanzen
-die Krankheit übertragen können, diese Thatsache musste in mir die Vermutung
-erwecken, dass hier eine Vermehrung des Giftes vorlag, und dass diese Vermehrung
-nichts anderem zugeschrieben werden konnte, als lebenden Organismen, die sich
-vorläufig noch der Wahrnehmung entzogen.</p>
-
-<p>Die folgenden Versuche machen dies deutlich. Die Versuche sind nicht an
-einzelnen Exemplaren, bei denen es sich um etwas Zufälliges handeln könnte,
-sondern bei mindestens 5-10 Pflanzen angestellt worden.</p>
-
-
-<p><span class="smcap">Versuchsreihen.</span></p>
-
-<p>I. Erde, aus Amerongen stammend, in der im Herbst 1897 kranke Pflanzen
-gestanden hatten, wurde durch eine <em class="gesperrt">Chamberland</em>kerze im Verhältnisse von<span class="pagenum"><a name="Page_77" id="Page_77">[ 77]</a></span>
-300 Erde zu 300 Wasser filtriert. Etwas von dem Filtrat wurde in die Hauptnerven
-eines jungen Blattes gebracht. Es entstand keine Erkrankung.</p>
-
-<p>II. Dieselbe Erde, nicht filtriert, bewirkte ebenfalls keine Erkrankung.</p>
-
-<p>III. Erde aus Amerongen, in der im Frühjahr 1898 kranke Pflanzen gestanden
-hatten, wurde wie oben filtriert und vom Filtrat etwas in den Hauptnerv eines
-jungen Blattes gebracht. Keine Erkrankung.</p>
-
-<p>IV. Dieselbe Erde, nicht filtriert, verursachte auch keine Erkrankung.</p>
-
-<p>V. Erde aus Amerongen, im September 1897 von den Würzelchen kranker
-Pflanzen gesammelt, im Verhältnisse von 20 Erde zu 20 Wasser wie oben filtriert,
-gab keine Veranlassung zur Erkrankung.</p>
-
-<p>VI. Dieselbe Erde, nicht filtriert, auch nicht.</p>
-
-<p>VII. Erde, im Juni 1898 von den Würzelchen kranker Pflanzen gewonnen
-und filtriert, liess die Krankheit nicht zur Entwickelung kommen.</p>
-
-<p>VIII. Dieselbe nicht filtrierte Erde war auch wirkungslos.</p>
-
-<p>IX. Im Oktober 1897 wurden 8 Pflanzen, die alle krank waren und in Töpfen
-standen, abgeschnitten. Die Töpfe mit der Erde wurden dann draussen an einem
-trockenen Platz aufbewahrt. Im Frühjahr 1898 wurden die Erde und die noch
-anwesenden Wurzeln fein zerrieben. Darauf wurden in diese junge Pflanzen gesetzt,
-die das ganze Jahr hindurch gesund blieben. Bei einem gleichen Versuch, der
-ausserhalb meines Wohnsitzes angestellt wurde, hatte man beobachtet, dass nur
-einige Pflanzen in diesem Sommer Flecken zeigten, und dass die Flecken bald darauf
-wieder verschwanden. Dies stimmt wahrscheinlich überein mit dem sogenannten
-»<em class="gesperrt">Kopbont</em>«, von dem die Züchter behaupten, dass es der Einwirkung kalter
-Nächte zugeschrieben werden muss.</p>
-
-<p>Aus all diesen Erdversuchen erhellt, dass das Krankheitsagens aus der Erde
-verschwinden oder doch so abgeschwächt werden kann, dass es nicht mehr im Stande
-ist, die Krankheit zu erregen. Im Versuch VII und VIII wird wahrscheinlich das
-Virus nicht vorhanden gewesen sein. Ich vermute auf Grund obiger Versuche, <em class="gesperrt">dass
-im Boden Verhältnisse obwalten können, die das Gift entweder
-zerstören oder abschwächen</em>. Dies stimmt mit dem überein, was in Wirklichkeit
-auf den Tabaksfeldern beobachtet wird. Es würde traurig mit der ganzen
-Kultur bestellt sein, wenn das Gift sich ständig im Boden hielte. Die unvermeidliche
-Folge würde sein, dass im Laufe der Jahre dort, wo einmal die Krankheit bestanden
-hat, sie sich stets auf <em class="gesperrt">alle</em> Pflanzen ausbreiten würde. Wird eine kranke Pflanze aus
-dem Boden herausgezogen und auf demselben Platz eine gesunde eingesetzt, dann zeigt
-diese bald die Symptome der Fleckenkrankheit. Dies ist eine allgemein beobachtete
-Thatsache. Ein infizierendes Vermögen muss dem Boden, auf dem die Pflanzen
-stehen, bestimmt zugeschrieben werden. Das <em class="gesperrt">Trocknen</em> infizierter Erde scheint
-auf Grund der oben beschriebenen Versuche <em class="gesperrt">desinfizierend</em> zu wirken.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_78" id="Page_78">[ 78]</a></span></p>
-
-<p>X. Ein Streifchen eines getrockneten kranken Blattes vom Herbst 1897 wurde
-in den Stamm einer gesunden Pflanze gebracht mit dem Resultat, dass die Fleckenkrankheit
-eintrat, allerdings etwas später, als man erwartet hatte.</p>
-
-<p>XI. Ein Streifchen eines frischen kranken Blattes, von einer der mir zugesandten
-kranken Pflanzen herstammend, wurde in den Stamm einer gesunden Pflanze gebracht.
-Nach drei Wochen begann sich die Erkrankung an den jungen Blättern zu zeigen.
-Wenn ich hier annehme, dass die mir zugeschickte Pflanze das thatsächliche Agens
-der Fleckenkrankheit enthielt, dann repräsentiert die geimpfte Pflanze die erste
-Versuchsreihe. Hier könnte also noch eine »Intoxikation« eingetreten sein.</p>
-
-<p>XII. Unter den nöthigen Vorsichtsmaassregeln wurde aus dem Stamm der
-Pflanze XI das Xylem- und Phloëmbündel in der Nähe des Hauptnerven eines
-Blattes ausgeschnitten, und in den Hauptnerven eines jungen Blattes einer gesunden
-Pflanze gebracht. Die Fleckenkrankheit trat ein. Hier haben wir die zweite Versuchsreihe
-vor uns und hier kann man schon weniger gut annehmen, dass eine »Intoxikation«
-stattgefunden habe. Mikroskopisch zeigt der Gefässbündelschnitt absolut keine
-<em class="gesperrt">Ab</em>weichung. Das Präparat ist in allen seinen Teilen durchsichtig, und es befinden
-sich in ihm keine Luftstreifen.</p>
-
-<p>XIII. Kranke, fein geschnittene Blattteile wurden in frischem Zustande im
-September 1897 in Glycerin ausgezogen. Den Winter über sind diese stehen geblieben
-mit dem Zweck, wenn möglich ein organisches Gift oder Enzym aus ihnen zu erhalten.
-Junge, gesunde Pflanzen zeigten nach Einspritzung des filtrierten oder nicht filtrierten
-Glycerins keine Erkrankung. Es schien mir, als ob die Pflanzen in gewisser Weise
-unter der Einwirkung des Glycerins litten, was sich durch ein schlaffes Herabhängen
-der Blätter offenbarte.</p>
-
-<p>XIV. In gleicher Weise wurde eine grosse Menge kranker Erde mit ebenfalls
-negativem Resultat behandelt. In den beiden letzten Fällen hatten sowohl das
-erkrankte Blattgewebe wie die Erde ihre Giftigkeit verloren. <em class="gesperrt">Glycerin wirkt
-also zerstörend.</em></p>
-
-<p>XV. In geschlossenen Röhrchen wurde Saft von krankem Blattgewebe, von
-Pflanze XII abstammend, zehnmal mit Wasser verdünnt und in verschiedener
-Weise erwärmt.</p>
-
-<div>
-<table class="center" border="0" cellpadding="6" cellspacing="0" summary="">
-
-<tr>
-<td>30 Minuten bei</td>
-<td></td>
-<td>40° C.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>20 &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; " &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; "</td>
-<td></td>
-<td>50° C.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>20 &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; " &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; "</td>
-<td></td>
-<td>60° C.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>10 &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; " &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; "</td>
-<td></td>
-<td> 70° C.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>10 &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; " &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; " </td>
-<td></td>
-<td>80° C.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td> 5 &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; " &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; "</td>
-<td></td>
-<td>90° C.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td> 5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; " &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; "</td>
-<td></td>
-<td>100° C.</td>
-</tr>
-</table></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_79" id="Page_79">[ 79]</a></span></p>
-
-<p>Mit dem so behandelten Gewebesaft wurden gesunde Pflanzen in den Hauptnerven
-eines Blattes geimpft mit dem Erfolg, dass alle Pflanzen krank wurden.
-Hier haben wir also mit der <em class="gesperrt">dritten</em> Impfungsreihe zu thun. Die Wahrscheinlichkeit,
-dass ich mit einem Toxin zu thun hatte, wurde geringer. <em class="gesperrt">Alle Versuche
-wiesen auf die Anwesenheit von Mikroorganismen hin.</em> Voraussetzend,
-dass alle Pflanzen gleich stark waren, ist allerdings nach Erwärmung
-auf 100° eine <em class="gesperrt">Abschwächung</em> des Krankheitsagens wahrgenommen worden. Die
-Erkrankung trat hier beinahe 14 Tage später auf als in den andern Fällen.</p>
-
-<p>XVI. Ein Streifchen eines kranken Blattes von einer der Pflanzen aus XV
-wurde in den Hauptnerven eines jungen Blattes einer gesunden Pflanze gebracht.
-Es kam wiederum zur Erkrankung, ohne dass eine Abschwächung sich durch eine
-Verlängerung der Inkubationszeit bemerkbar machte. Wir befinden uns hier bereits
-in der vierten Reihe der Ueberimpfungen.</p>
-
-<p>XVII. Der verdünnte Blattsaft einiger durch die Fleckenkrankheit angegriffenen
-Pflanzen wurde durch eine <em class="gesperrt">Chamberland</em>kerze filtriert. Das Filtrat war, soweit
-wahrzunehmen, steril. Wenn mit dem Filtrat gesunde Pflanzen in den Blattnerven
-geimpft wurden, trat wiederum die Krankheit auf. Die Zeit zwischen Impfung
-und Erkrankung war <em class="gesperrt">viel grösser</em> als sonst, ebenso wie bei XV beobachtet
-wurde<a name="FNanchor_I_9" id="FNanchor_I_9"></a><a href="#Footnote_I_9" class="fnanchor">[I]</a>.</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Wiederholte Filtration</em> (2-4 mal) von Gewebesaft kranker Pflanzen
-lieferte ein Filtrat, das nicht mehr im Stande war, die Pflanze zu infizieren.</p>
-
-<p>XVIII. Der Saft der kranken Blätter von XVII wurde ebenfalls filtriert mit
-dem Erfolg, dass gesunde hiermit geimpfte Pflanzen auch erkrankten. Ich meine,
-dass dieser Versuch überzeugend darthut, <em class="gesperrt">dass man hier mit Mikroorganismen</em>
-zu thun hat, die so klein sind, dass sie die Kerzen durchdringen können.
-Ich habe es hier mit <em class="gesperrt">einem sich vermehrenden, also lebendigen Gifte</em>
-zu thun und bringe daher dies Virus zu den Mikroorganismen. Wir hätten
-hier also eine »<em class="gesperrt">Infektion</em>« vor uns. Wahrscheinlich besitzt der unbekannte
-Organismus zwei Formen, eine vegetative und eine Sporenform, analog den
-Bakterien.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_80" id="Page_80">[ 80]</a></span></p>
-
-<p>XIX. Der Saft kranker Blätter wurde mit absolutem Alkohol behandelt. Die
-klar obenstehende Flüssigkeit wurde mittels Hebels abgenommen und neuer absoluter
-Alkohol hinzugefügt. Dieses wurde einige Male wiederholt, um die Einwirkung des
-starken Alkohols auf den Gewebesaft zu erhalten. Es entstand ein grau-grüner
-Niederschlag, der bei niedriger Temperatur eingedampft wurde. Das so erhaltene
-Präcipitat wurde in den Blattnerven einer gesunden Pflanze gebracht. Erkrankung
-trat nicht ein. <em class="gesperrt">Absoluter Alkohol wirkt also zerstörend.</em></p>
-
-<p>XX. Den Saft von erkrankten Blattteilen, der Pflanzen »infiziert«, hatte
-ich 4 Wochen lang in einem durch Watte verschlossenen Kölbchen sich selbst
-überlassen. Wurden hiermit Pflanzen geimpft, dann blieben sie vollkommen gesund.
-Das unbekannte Virus wird also zerstört, wenn man den infektionstüchtigen <em class="gesperrt">Saft
-längere Zeit stehen lässt</em>.</p>
-
-<p>XXI. Die an den Wurzeln von <i>Nicotiana</i> gefundene <i>St.</i> sen <i>A. chromogena
-Gasperini</i> konnte Pflanzen nicht infizieren. Einige Pflanzen wurden einer kräftigen
-Ernährung mit Kaliumnitrat ausgesetzt. Die in die umgebende Erde und in das
-Gewebe gebrachte <i>Streptothrix</i> machte die Pflanze nicht krank. Es scheint hier
-nicht so viel Nitrit gebildet zu werden, dass dies schädlich auf die Pflanzen wirkt.
-Jedoch zeigten die sehr dunkelgrünen Blätter viele reinweisse Pünktchen. Ob dies
-zufällig war, konnte ich nicht entscheiden, da nur an zwei Pflanzen dieser Versuch
-gemacht worden war. Auf einigen Feldern beobachtete man viele dieser weissen
-Pünktchen auf den Blättern.</p>
-
-<p>XXII. In den Monaten September und October erweckten die Einspritzungen des
-Saftes von kranken Blättern in gesunde Pflanzen, die draussen standen, keine Mosaikkrankheit.
-Ende November sind diese Pflanzen bis auf 20 cm mit sterilen Messern
-abgeschnitten und an einem Orte aufgestellt worden, wo nicht geheizt wurde.
-Während der Wintermonate entstanden die Geizen, woran sich im Monat März
-erst Flecken zeigten.</p>
-
-<p>XXIII. Bei den Pflanzen, welche im September in den Geizen die Flecken zeigten,
-<i>verschwanden diese allmälig beim Eintritt der Kälte</i>, so dass die gefleckten Blätter
-im November wiederum die normale grüne Farbe bekamen.</p>
-
-<p>Wie ich früher angab, wird dies auf den Feldern auch beobachtet und
-schreibt man es den kalten Nächten zu. <i>Die Temperatur scheint also von Einfluss
-zu sein auf das Virus.</i></p>
-
-<p>XXIV. Auf den von <em class="gesperrt">Fermi</em> angegebenen 1% Carbol-10% Gelatine-Platten
-konnte kein proteolytisches Enzym in den Blättern und Stengeln von lebendigen
-gesunden und fleckenkranken Tabakspflanzen von mir nachgewiesen werden, ebensowenig
-in den trocknen fermentierten und nicht fermentierten Blättern.</p>
-
-<p>Es fiel mir besonders auf, dass die fleckenkranken Blatt- und Stengelteile auf diesen
-Platten sich stärker rosa färbten als dieselben Theile von gesunden Pflanzen. Es<span class="pagenum"><a name="Page_81" id="Page_81">[ 81]</a></span>
-kam mir so vor, als ob in den kranken Pflanzen ein oxydierender Körper entstünde,
-der kräftiger auf Carbol einwirkt, als das oxydierende Agens der gesunden
-Pflanzenteile.</p>
-
-<p>XXV. Unter den erforderlichen Vorsichtsmassregeln gelang es mir, einige
-Stengelteile von gesunden Tabakspflanzen rein in Röhrchen auf Wattepfröpfchen
-zu bekommen.</p>
-
-<p>Ein Tröpfchen durch eine <em class="gesperrt">Chamberland</em>kerze filtrierter Saft von kranken
-Pflanzen hierauf geimpft, zeigte auch jetzt, obgleich viel weniger kräftig, einen
-Unterschied in Farbe gegenüber dem nämlichen Safte von gesunden Pflanzen.</p>
-
-<p>XXVI. In ein <em class="gesperrt">Erlenmeijer'</em>sches Kölbchen wurde Saft von gesunden Pflanzen
-filtriert und mit einem Tröpfchen filtriertem Saft von kranken Pflanzen geimpft.
-Nach 3 Monaten entstand in diesem Safte ein Niederschlag, der nicht von Mikroorganismen
-herrührte. Der Saft war wohl virulent, doch war keine Verstärkung der
-Wirkung zu constatieren.</p>
-
-<p>XXVII. <i>Datura Stramonium</i>, <i>Hyoscyamus niger</i>, <i>Solanum tuberosum</i> und <i>Petunia
-nyctaginiflora</i> reagierten nicht auf den Saft von kranken Tabakspflanzen<a name="FNanchor_J_10" id="FNanchor_J_10"></a><a href="#Footnote_J_10" class="fnanchor">[J]</a>.</p>
-
-<p>Aus diesen Versuchen geht hervor, dass unser Agens Übereinstimmung
-besitzt mit dem Agens der Maul- und Klauenseuche, obgleich ich die Lebewesen bei
-der Fleckenkrankheit für grösser halte. Im Filtrat finden wir bei den letzteren eine
-Abschwächung, bei der Maul- und Klauenseuche absolut nicht. Wenn es sich bei den
-ersteren um eine Bacterie handelt, so müsste diese eine sporenbildende sein. (Vergl. XV.)</p>
-
-<p>Obgleich es noch nicht gelungen ist, den Mikroorganismus, der als Ursache
-der Fleckenkrankheit betrachtet werden muss, zu sehen oder zu züchten, so habe
-ich dennoch in diesem Jahre (1898) eine Reihe von Versuchen zur Bekämpfung der
-Krankheit vorgenommen. Ausgehend von der Meinung, dass die Ernährung der
-Pflanzen auf die Zusammensetzung des Gewebssaftes von <i>Nicotiana</i> Einfluss haben
-könnte, und dass durch diese Veränderung das unbekannte Virus in irgend einer
-Weise tangiert werden könnte, habe ich einer grossen Anzahl Pflanzen bestimmte
-Salze gegeben, manchmal in Mengen, die nicht vertragen wurden. Viele Pflanzen
-gingen daran zu Grunde. Wenn die Salzgabe, einmal in der Woche bei trockenem
-Sommerwetter in Lösung gegeben, sich durch das Hinsiechen oder den Tod der
-Pflanze als zu gross erwies, wurde die Gabe vermindert. Zuerst erhielten die
-Pflanzen 1 gr., später 0,5 bis 0,25 gr. u. s. w., so viel sie nur ertragen konnten. Nach
-dem Absterben einer Pflanze wurden also die anderen, die in derselben Reihe auf<span class="pagenum"><a name="Page_82" id="Page_82">[ 82]</a></span>
-freiem Felde standen, mit kleineren Mengen Salz gefüttert. Da mir weiter bekannt
-war, dass Züchter schon lange beobachtet hatten, dass sich die Fleckenkrankheit
-auf Feldern, die mit <em class="gesperrt">Kainit</em> oder <em class="gesperrt">Thomasphosphat</em> gedüngt waren, sehr wenig
-zeigte, habe ich auch mit diesem Salzgemisch Versuche angestellt. Ich erhielt also
-die folgenden Versuchsreihen:</p>
-
-<p>
-Fütterung mit:</p>
-
-<p>
-1. Kaliumkarbonat,<br />
-2. Kaliumsulfat,<br />
-3. Natriumchlorid,<br />
-4. Kaliumnitrat,<br />
-5. Kaliumphosphat,<br />
-6. Kaliumnitrit,<br />
-7. Kainit und Thomasphosphat.</p>
-
-
-
-<div class="center">
-<img src="images/fig14.jpg" width="438" height="348" alt="" />
-<div class="caption"><p>Fig. 14. Tabakspflanzen, welche nach starker Düngung mit anorganischen Salzen
-am Leben geblieben sind.</p></div>
-</div>
-
-<p>Die Ernährung mit <em class="gesperrt">Kaliumnitrit</em> musste, wie zu erwarten war, schon bald<span class="pagenum"><a name="Page_83" id="Page_83">[ 83]</a></span>
-aufgegeben werden, da 0,5 gr. bereits innerhalb weniger Stunden tötlich wirkten.
-Weiter herrschte ein grosses Absterben unter den Pflanzen, die <em class="gesperrt">phosphorsaures
-Kali</em>, <em class="gesperrt">Chlornatrium</em> und <em class="gesperrt">Kaliumkarbonat</em> erhalten hatten. In nebenstehenden
-Figuren sind einige Pflanzen und deren Blätter abgebildet, die bei obiger Fütterung
-am Leben blieben. Die mittlere zwergartige Pflanze (Fig. 14) ist in Folge der
-Kochsalzfütterung sehr zurückgeblieben; dabei sind alle Blätter missgestaltet. Auch
-bei den anderen Salzernährungen wurde Ähnliches wahrgenommen. In Fig. 15 sind
-die Blätter in derselben Höhe der Pflanzen abgenommen und abgebildet.</p>
-
-<div class="center">
-<img src="images/fig15.jpg" width="439" height="328" alt="" />
-<div class="caption"><p>Fig. 15. Blätter von Tabakspflanzen, die im freien Lande übermässig gedüngt worden sind mit Natriumchlorid
-(I), mit Kaliumsulfat (II), mit Kaliumkarbonat (III) und Kaliumphosphat (IV).</p></div>
-</div>
-
-<p>I. ist das Blatt einer Pflanze, die mit Kochsalz, II. mit Kaliumsulfat, III. mit
-Kaliumkarbonat und IV. mit Kaliumphosphat gefüttert war. Auffallend sind hier
-die unregelmäßige Blattform und die sehr langen Spitzen an den Blättern. Hierbei
-ist es von Interesse zu wissen, dass die Pflanzen im Schatten gestanden haben;<span class="pagenum"><a name="Page_84" id="Page_84">[ 84]</a></span>
-dasselbe ist bei Pflanzen beobachtet worden, die unter <em class="gesperrt">normalen</em> Ernährungsverhältnissen
-im Schatten gestanden haben, wenn auch in weit geringerem Masse.
-Am 1. September wurden alle diese Pflanzen mit infektionstüchtigem Gewebesaft in
-die Hauptnerven eines Blattes geimpft. Alle Pflanzen wurden krank, jedoch nicht
-in derselben Zeit. Trat früher die Krankheit in der Regel nach drei Wochen ein,
-so war dies bei der Kainitfütterung erst viel später der Fall. <em class="gesperrt">Wenn auch sicherlich
-Kainit und Thomasphosphat die Pflanzen gegen die Fleckenkrankheit
-nicht schützen können, so scheint doch eine Abschwächung des
-Giftes eingetreten zu sein.</em> Im Laufe der Wochen sah ich dann auch bei den
-drei übriggebliebenen Pflanzen die Flecken kleiner werden, einige selbst ganz
-verschwinden, ohne dass die anderen Krankheitserscheinungen auftraten. (Fig. 13 <i>C</i>.)</p>
-
-<p>Durch diese Fütterungsversuche wurde also das Ziel noch nicht erreicht. Ein
-ganz anderes Resultat aber hatte der folgende im Grossen angestellte Versuch.</p>
-
-<p>Es drängte sich die Frage auf, ob es möglich wäre, ein Feld, auf dem jedes
-Jahr die Krankheit sich an beinahe allen Pflanzen zeigte, zu desinfizieren und
-zwar durch einen Stoff, der ätzend wirkte. Das Mittel musste so gewählt werden,
-dass die zukünftige Ernte nicht darunter zu leiden hatte. Das Gift musste also
-durch Zersetzung wieder unwirksam werden. Herr <em class="gesperrt">N. van Os</em> in Amerongen, der
-sich lebhaft für die Sache interessierte, hat diesen Versuch mit sehr günstigem
-Erfolg im Grossen ausgeführt. Im Februar 1898 wurde auf das am stärksten
-infizierte Feld, wo jedes Jahr beinahe alle Pflanzen erkrankten, <em class="gesperrt">ungelöschter Kalk</em>
-in einer Menge von 10 hl. pro Hektar gebracht. Nach Verlauf einiger Wochen
-wurde das Land umgearbeitet und im Monat Mai die jungen Tabakspflänzchen
-eingesetzt. Jedes Jahr hatte die Krankheit sonst fast alle Pflanzen befallen; diesmal
-war dies nicht der Fall: die Zahl der erkrankten Pflanzen betrug nur 7%.</p>
-
-<p>Weiter sind von Herrn <em class="gesperrt">van Os</em> auf mein Ersuchen im vergangenen Jahre
-eine grosse Anzahl Düngversuche angestellt worden, wofür ich ihm hier meinen
-herzlichen Dank ausspreche. Die Versuche erstrecken sich nicht auf einige Pflanzen,
-sondern auf einen halben Hektar. Folgende Tabelle giebt eine Übersicht der Versuche
-und ihrer Ergebnisse:</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_85" id="Page_85">[85]</a></span>
-Feldversuche mit Bezug auf die Fleckenkrankheit.</p>
-<div >
-<table class="center" border="2" cellpadding="6" cellspacing="0" summary="Feldversuche mit Bezug auf die Fleckenkrankheit." rules="cols">
-
-<tr>
-<td></td>
-<td></td>
-<td><b>Krank-</b></td>
-<td><b>Krankheit</b></td>
-<td><b>Krankheit</b></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td><b>Dünger.</b></td>
-<td> <b>Gewächs 1898.</b></td>
-<td><b>heit im</b></td>
-<td><b>in</b></td>
-<td><b>im Gewächs</b></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td> </td>
-<td> </td>
-<td><b>Gewächs.</b></td>
-<td><b>»zuigers«</b><a name="FNanchor_K_11" id="FNanchor_K_11"></a><a href="#Footnote_K_11" class="fnanchor">[K]</a>.</td>
-<td><b>1897.</b></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'> I. Torfstreu-Pferdemist</td>
-<td>gut.</td>
-<td>3%.</td>
-<td>alle.</td>
-<td>keine.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>70&nbsp;000 K. pr.ha.</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr><td></td><td></td><td></td><td></td><td></td></tr>
-<tr>
-<td align='left'>II. Torfstreu, Kainit</td>
-<td>prächtig, schwerer</td>
-<td>keine.</td>
-<td>keine.</td>
-<td> 10%.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>700 Kilo, Schlacken-</td>
-<td>Tabak, steht dun-</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td></td>
-<td>kel auf dem Feld</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td></td>
-<td>und ist nach Trock-</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td></td>
-<td>nen von guter Farbe</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>III. Torfstreu, Peruguano</td>
-<td>etwas weniger</td>
-<td>keine</td>
-<td>30%</td>
-<td>10%</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>500 Kilo.</td>
-<td align='center'>als II.</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>IV. Frischer Schweine-</td>
-<td>gut, doch kleines</td>
-<td>keine.</td>
-<td>keine.</td>
-<td>keine.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>mist 70&nbsp;000 Kilo,</td>
-<td align='center'>Blatt.</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Kali 500 Kilo</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'> V. Frischer Schweine-</td>
-<td> gut.</td>
-<td> keine.</td>
-<td> sporadisch.</td>
-<td> Erbsen,</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>mist 70&nbsp;000 Kilo,</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td>Karoten</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Heiderasen, ohne</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td>gebaut.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Patent Kali.</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>VI. Torfstreu, Patent</td>
-<td>keine grossen</td>
-<td>keine.</td>
-<td>30%</td>
-<td>keine.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Kali 500 Kilo.</td>
-<td>Pflanzen, Farbe</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td></td>
-<td>nicht besser als</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td></td>
-<td>da, wo kein Patent</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td></td>
-<td>Kali gebraucht</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td></td>
-<td>worden ist.</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>VII. Pferde Kuhmist</td>
-<td>gut.</td>
-<td>keine.</td>
-<td>keine.</td>
-<td>keine.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>100&nbsp;000 Kilo,</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Heiderasen,</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>VIII. Schafmist 70&nbsp;000 K.</td>
-<td>gutes, kräftiges</td>
-<td>2%</td>
-<td>15%</td>
-<td>5%</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td></td>
-<td>Blatt.</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>IX. Torfstreu - Ruth</td>
-<td>gut.</td>
-<td> keine.</td>
-<td>20%.</td>
-<td>keine.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>X. Torfstreu-Kalk</td>
-<td>gut.</td>
-<td>7%</td>
-<td>40%</td>
-<td>100%</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>(CaO) 10 HL.</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td align='left'>XI. Compost-Fäkalien</td>
-<td>Farbe nichtvorzüglich</td>
-<td>keine.</td>
-<td>keine.</td>
-<td>keine.</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>45&nbsp;000 Kilo, Peru-</td>
-<td>gefarbtes Blatt.</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>guano 500 Kilo.</td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-<td></td>
-</tr>
-
-</table></div>
-
-
-<p>Aus diesen Versuchen erhellt, dass in Bezug auf die Fleckenkrankheit mit
-<em class="gesperrt">Kainit</em> und <em class="gesperrt">Thomasphosphat</em> ein ausgezeichnetes Resultat erreicht worden ist.</p>
-
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_86" id="Page_86">[ 86]</a></span></p>
-
-<p>Eine gleich günstige Wirkung halten die Düngstoffe, die mit <em class="gesperrt">Heiderasen</em> gemengt
-waren. Die Verwendung von den genannten Düngstoffen und von Erde, die wie der
-Heideboden von einem <em class="gesperrt">reinen</em> Terrain herstammt, kann ebenso wie die Anwendung
-von <em class="gesperrt">ungelöschtem Kalk</em> empfohlen werden.</p>
-
-<p>Was die Düngung mit Kompost-Fäkalien und Peruguano (f. 135 pro Hektar =
-225 Mk.) betrifft, so erwies sich diese als ausgezeichnet und ist f. 250 = 416 Mk.
-billiger als die Düngung mit Schafmist und Peruguano.</p>
-
-<p>Auch mit Bezug auf die Ursachen, welche die Krankheit so allgemein an den
-»Zuigers« hervortreten lassen, sind sehr interessante Versuche angestellt worden.
-Die Vermutung, die ich im vorigen Jahre hatte (s. »de Natuur« 1897 pag. 371), hat
-sich als richtig erwiesen. Herr <em class="gesperrt">van Os</em> hat die Güte gehabt, Versuche in grossem
-Massstabe zu machen. Einige kranke Pflanzen wurden geköpft und unmittelbar darauf
-wurde einer grossen Anzahl gesunder Pflanzen mit den »infizierten« Fingern die
-Spitze abgebrochen. Alle Pflanzen blieben unter Beobachtung; das Resultat war,
-dass 88% derselben krank wurden.</p>
-
-<p>Aus diesem Grunde verdient es Empfehlung, zuerst alle kranken Pflanzen zu
-entspitzen und nach Desinfektion der Hände oder einige Tage später die anderen,
-gesunden Pflanzen. Auf diese Weise wird das Gift nicht übertragen und werden
-also durch die Hand des Pflanzers gesunde Pflanzen nicht infiziert. Erst, wenn das
-schädliche Agens gefunden, und weiter seine künstliche Kultur im Laboratorium
-gelungen ist, erst dann wird es durch ein eingehendes Studium seiner Eigenschaften
-möglich sein, auf einem anderen Wege unsere Tabakskultur gegen eine der am
-meisten gefürchteten Krankheiten zu schützen.</p>
-
-<p>
-<i>Bussum</i>, Nov. 1899.<br />
-</p>
-
-
-
-
-<div class="footnotes">
-
-
-<p class="footnote"><a name="Footnote_A_1" id="Footnote_A_1"></a><a href="#FNanchor_A_1"><span class="label">[A]</span></a> Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur«, 17 Dec. 1898: De Stikstofvoeding
-der Leguminosen.</p>
-
-<p class="footnote"><a name="Footnote_B_2" id="Footnote_B_2"></a><a href="#FNanchor_B_2"><span class="label">[B]</span></a> Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur«, 13 Mai 1899, »Martellin, een nieuwe meststof.«</p>
-
-<p class="footnote"><a name="Footnote_C_3" id="Footnote_C_3"></a><a href="#FNanchor_C_3"><span class="label">[C]</span></a> Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur« vom 24. Juni 1899. Een critische beschouwing
-over <em class="gesperrt">Loew's</em> theorie der »oxidizing enzymation.«</p>
-
-<p class="footnote"><a name="Footnote_D_4" id="Footnote_D_4"></a><a href="#FNanchor_D_4"><span class="label">[D]</span></a> Siehe meine Abhandlung in »De Natuur«, Augustus 1897. »Micro-organismen en het onderzoek
-der lucht«.</p>
-
-<p class="footnote"><a name="Footnote_E_5" id="Footnote_E_5"></a><a href="#FNanchor_E_5"><span class="label">[E]</span></a> Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur« 13 Mai 1899 »Martellin, een nieuwe meststof«.</p>
-
-<p class="footnote"><a name="Footnote_F_6" id="Footnote_F_6"></a><a href="#FNanchor_F_6"><span class="label">[F]</span></a> Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur« 24 Juni 1899. »Een critische beschouwing
-over <em class="gesperrt">Loew's</em> theorie der oxidizing enzymation.«</p>
-
-<p class="footnote"><a name="Footnote_G_7" id="Footnote_G_7"></a><a href="#FNanchor_G_7"><span class="label">[G]</span></a> Aus diesen für den Menschen später so wichtigen Versuchen, erhellt der Nutzen des Tierexperiments,
-welches allerdings nur erfahrenen Personen anvertraut werden darf. Meiner Meinung
-nach muss jedoch der zwecklos wiederholte Nachweis schon konstatierter Vergiftungen bei Tieren
-auf mechanischem, chemischem oder bakteriologischem Wege unterlassen werden, wenn, was nach
-dem heutigen Stande der Technik möglich ist, durch die Projektion von Lichtbildern ein deutliches
-Bild der Versuche geliefert werden kann.</p>
-
-<p class="footnote"><a name="Footnote_H_8" id="Footnote_H_8"></a><a href="#FNanchor_H_8"><span class="label">[H]</span></a> Im Sommer 1899 habe ich die Tabaksfelder mit dem Zweck besucht, zu erforschen, ob auch
-Pflanzen zu finden wären, welche die nicht infektiöse Pockenkrankheit zeigten, (<em class="gesperrt">Iwanowski</em>).
-Allerdings waren auf <i>einem</i> Feld drei Pflanzen vorhanden, die auf den mittelsten Blättern kleine
-Fleckchen hatten, die von denen der Mosaikkrankheit abwichen. Bei einem zweiten Besuch nach
-Verlauf von etwa 10 Tagen jedoch erwies es sich, dass dieselben Pflanzen in ihren Spitzenblättern
-die Symptome der Fleckenkrankheit zeigten.
-</p>
-<p class="footnote">
-Ich hoffe, hierauf später zurückzukommen, wenn ich für diese Untersuchung geeignetes Material
-finden kann.</p>
-
-
-<p class="footnote"><a name="Footnote_I_9" id="Footnote_I_9"></a><a href="#FNanchor_I_9"><span class="label">[I]</span></a> Nach dem Erscheinen meiner holländischen Veröffentlichung im Jahre 1898 und 1899 und
-meiner Publikation in »Zeitschrift für Pflanzenkrankheiten herausgegeben von <em class="gesperrt">Prof. Sorauer</em>
-(IX. Bd., 2. Heft)« wurde mir durch Briefwechsel mit <em class="gesperrt">Dr. Iwanowski</em> in Petersburg bekannt, dass
-er bereits früher durch die Filtrationsversuche mit mosaikkranken Blättern von <i>Nicotiana</i> zu
-demselben Resultat gekommen war. Auch <em class="gesperrt">Beijerinck</em> beschreibt im Centralblatt für Bacteriologie,
-Parasitenkunde und Infectionskrankheiten, II<sup>e</sup> Abth., pg. 27, 1899, ähnliche Erscheinungen bei der
-Filtration durch Porzellanfilter. Weiter sind die »voorloopige Mededeelingen over het Peh-sem of
-de Mozaiekziekte in de Tabak te <i>Deli</i>« von <em class="gesperrt">Dr. van Breda de Haan</em> (Teysmannia 9den jaargang
-afl. 11-12) sehr interessant.</p>
-
-<p class="footnote"><a name="Footnote_J_10" id="Footnote_J_10"></a><a href="#FNanchor_J_10"><span class="label">[J]</span></a> Als Bemerkung möchte ich hier hinzufügen, dass die veredelten Sorten von <i>Beta vulgaris</i>
-nicht selten dunkelgrüne Flecken in den Blättern zeigen mit den nämlichen Abweichungen, wie
-bei <i>Nicotiana Tabacum</i> beschrieben ist. Der Saft dieser gefleckten Blätter konnte normal gebildete
-Exemplare von <i>Beta vulgaris</i> nicht krank machen. Das Auftreten dieser Flecken ist also von ganz
-verschiedener Art wie bei <i>Nicotiana Tabacum</i>.</p>
-
-<p class="footnote"><a name="Footnote_K_11" id="Footnote_K_11"></a><a href="#FNanchor_K_11"><span class="label">[K]</span></a> Zuiger ist wohl mit »Geize« zu übersetzen, bezeichnet aber nur die Seitenzweige, die aus
-den Achseln der abgenommenen Blätter sich entwickeln.</p></div>
-
-
-<h2><a name="DRUCKFEHLER" id="DRUCKFEHLER">DRUCKFEHLER.</a></h2>
-
-<div>
-<table class="center" border="0" cellpadding="6" cellspacing="0" summary="">
-
-<tr>
-<td>Seite 1
-</td>
-<td>Zeile 4 von oben lies
-</td>
-<td>Versuchen
-</td>
-<td>statt
-</td>
-<td>Proben.
-</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Seite 2
-</td>
-<td>Zeile 13 von unten lies
-</td>
-<td>Solanaceae
-</td>
-<td>statt
-</td>
-<td>Solonaceae.
-</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Seite 2
-</td>
-<td>Zeile 12 von unten lies
-</td>
-<td>Capsicum
-</td>
-<td>statt
-</td>
-<td>Capiscum.
-</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Seite 3
-</td>
-<td>Zeile 5 und 14 von unten lies
-</td>
-<td>versand
-</td>
-<td>statt
-</td>
-<td>versandt.
-</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Seite 6
-</td>
-<td>Zeile 3 von oben lies
-</td>
-<td>Versuchen
-</td>
-<td>statt
-</td>
-<td>Proben.
-</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Seite 7
-</td>
-<td>Zeile 3 von oben lies
-</td>
-<td>zersetzt
-</td>
-<td>statt
-</td>
-<td>analysiert.
-</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Seite 13
-</td>
-<td>Zeile 17 von oben lies
-</td>
-<td>m.M.
-</td>
-<td>statt
-</td>
-<td>c.m.
-</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Seite 17
-</td>
-<td>Zeile 1 von unten lies
-</td>
-<td>Hefezellen
-</td>
-<td>statt
-</td>
-<td>Gährungszellen.
-</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Seite 19
-</td>
-<td>Zeile 13 von oben lies
-</td>
-<td>Nährboden
-</td>
-<td>statt
-</td>
-<td>Nahrungsboden.
-</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Seite 23
-</td>
-<td>Zeile 12 von oben lies
-</td>
-<td>fakultative Anaëroben und Aeroben
-</td>
-<td>statt
-</td>
-<td>fakultative Anaëroben.
-</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Seite 23
-</td>
-<td>Zeile 16 von oben lies
-</td>
-<td>fakultative Anaëroben und Aeroben
-</td>
-<td>statt
-</td>
-<td>fakultative Anaëroben.
-</td>
-</tr>
-
-<tr>
-<td>Seite 37
-</td>
-<td>Zeile 14 von unten lies
-</td>
-<td>fakultative Anaëroben und Aeroben
-</td>
-<td>statt
-</td>
-<td>fakultative Anaëroben.
-</td>
-</tr>
-
-</table></div>
-
-
-<hr style="width: 65%;" />
-
-
-<div class="transnote" id="transnote">Anmerkungen zur Transkription:
-
-<p>Interpunktion Fehler gelöscht</p>
-
-<p>"ï" präsentiert als "i"</p>
-
-<p>gunstige korrigiert als günstige</p>
-
-<p>groszen korrigiert als grossen</p>
-
-<p>is korrigiert als ist</p>
-
-<p>gewönhnlich korrigiert als gewöhnlich</p>
-
-<p>Phloem korrigiert als Phloëm</p>
-
-<p>beiten korrigiert als beiden</p>
-
-<p>aüsseren korrigiert als äusseren</p>
-
-<p>Zersetsungsprodukte korrigiert als Zersetzungsprodukte</p>
-
-<p>Zersetsungen korrigiert als Zersetzungen</p>
-
-<p>Blelessig korrigiert als Bleiessig</p>
-
-<p>Zollen korrigiert als Zellen</p>
-
-<p>frisschen korrigiert als frischen</p>
-
-<p>letzere korrigiert als letztere</p>
-
-<p>mittgeteilt korrigiert als mitgeteilt</p>
-
-<p>allmälich korrigiert als allmählich</p>
-
-<p>letzere korrigiert als letztere</p>
-
-<p>was korrigiert als war</p>
-
-<p>einen korrigiert als einem</p>
-
-<p>ganzo korrigiert als ganze</p>
-
-<p>Weize korrigiert als Weise</p>
-
-<p>anäerobe korrigiert als anaërobe</p>
-
-<p>geimfpte korrigiert als geimpfte</p>
-
-<p>wio korrigiert als wie</p>
-
-<p>sorfältig korrigiert als sorgfältig</p>
-
-<p>Geerhter korrigiert als Geehrter</p>
-
-<p>ensteht korrigiert als entsteht</p>
-
-<p>ans korrigiert als an</p>
-
-<p>Laboratium korrigiert als Laboratorium</p>
-
-<p>Troztdem korrigiert als Trotzdem</p>
-
-<p>angenehnem korrigiert als angenehmem</p>
-
-<p>durchfallenden korrigiert als durchfallendem</p>
-
-<p>Bij korrigiert als Bei</p>
-
-<p>swach korrigiert als schwach</p>
-
-<p>wahrnemen korrigiert als wahrnehmen</p>
-
-<p>lasst korrigiert als lässt</p>
-
-<p>volendet korrigiert als vollendet</p>
-
-<p>kan korrigiert als kann</p>
-
-<p>herrgestellt korrigiert als hergestellt</p>
-
-<p>enstehen korrigiert als entstehen</p>
-
-<p>wurden korrigiert als worden</p>
-
-<p>missgetaltet korrigiert als missgestaltet</p>
-
-<p>gift korrigiert als Gift</p>
-
-<p>Schwamm-parenchym korrigiert als Schwammparenchym</p>
-
-
-</div>
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Der Tabak, by C. J. Koning
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER TABAK ***
-
-***** This file should be named 51474-h.htm or 51474-h.zip *****
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-or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
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-through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
-Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
-1.E.9.
-
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-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
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-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
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