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Koning - -Release Date: March 16, 2016 [EBook #51474] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER TABAK *** - - - - -Produced by Peter Becker, Jana Palkova and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This -file was produced from images generously made available -by The Internet Archive) - - - - - - - - - -DER TABAK - -VON - -C. J. KONING. - - - - -DER TABAK - - -Studien über seine Kultur und Biologie - -VON - -C. J. KONING. - - -AMSTERDAM, LEIPZIG, -J. H. & G. VAN HETEREN. WILHELM ENGELMANN. - -1900. - - - - -=J. FORSTER=, M. D., LL. D. (Edinburgh), - - Professor der Hygiene und Bacteriologie an der Universität - Strassburg, Correspondierendem Mitglied der Kgl. Academie der - Wissenschaften zu Amsterdam, u. s. w., - - gewidmet. - - - - -_Bei den chemischen Prozessen der Bildung und Zersetzung von Stoffen, -die in der Natur täglich stattfinden, spielt die Lebensthätigkeit -kleinster Organismen eine mächtige, einflussreiche Rolle. Nicht -bloss für den Biologen, auch für die Entwicklung des Chemikers -ist es demnach von hervorragender Bedeutung, neben der Chemie, -die Bacteriologie, die Lehre von diesen Organismen, zu betreiben. -Von dieser Erwägung ausgehend wünschte ich mich, nachdem ich mein -Fachstudium an der Amsterdamer Universität vollendet hatte, auch mit -dieser jungen Wissenschaft zu beschäftigen, die seit kurzem eine hohe -Flucht genommen hat und in die verschiedensten Gebiete eingreift. Die -günstige Lage meines Wohnortes in der Nähe von Amsterdam ermöglichte -mir den weiteren Besuch der Universitätsanstalten, und so wendete ich -mich an Sie, verehrter_ ~Professor Forster~, _mit der Bitte, mir den -Weg auf dem mir fremden Terrain zu zeigen. Freundlich haben Sie mich -in Ihr Laboratorium aufgenommen und mich mit den bacteriologischen -Untersuchungsmethoden bekannt gemacht._ - -_Ich erinnere mich noch lebhaft, wie Sie nun vor vier Jahren mich auf -die Fermentation des Tabaks aufmerksam machten, mit welcher Sie sich -seit längerer Zeit schon gelegentlich beschäftigt hatten. Sie legten -mir diesen Gegenstand besonders ans Herz und wiesen mich damit auf ein -Gebiet, das nach verschiedenen Richtungen hin urbar gemacht werden -könne._ - -_Nachdem ich nun einmal unter Ihrer Leitung begonnen hatte, auf -diesem Gebiete zu arbeiten, trat mir bald, wie Sie voraus gesagt, -der hohe Nutzen deutlich vor Augen, den die eingehende Untersuchung -der Tabakskultur vom wissenschaftlichen Standpunkte aus und mit -Zuhilfenahme des durch die Bacteriologie gewonnenen Wissens bietet. -Die Beschäftigung hiermit wurde mir täglich lieber und regte mich zu -fortwährender neuer Arbeit an._ - -_Ihnen, verehrter_ ~Professor Forster~, _fühle ich mich zu Dank -verpflichtet. Sie haben mir den Weg eröffnet, auf dem ich das Kleine -in der Natur, das so mächtige Wirkung übt, kennen lernte. Sie haben -mir in den freundlichen Räumen des Laboratoriums an der Amsterdamer -Universität stets Ihre Beihilfe verliehen._ - -_Ihnen verdanke ich meine Entwicklung in dieser biologischen -Wissenschaft, zu der meine Neigung mich hin zog; und deshalb ist es mir -eine angenehme Pflicht, Ihnen hiermit die Frucht meiner Arbeit in der -Form dieses Buches zuzueignen._ - - -Bussum, November 1899. - -C. J. KONING. - - - - -DER TABAK - -VON - -C. J. KONING. - - ~Hanausek~ erwähnt im Anschluss an das von ~Suchsland~ - vorgeschlagene verbesserte Tabaksgährungsverfahren durch - reingezüchtete Bakterien, dass nach ~Semmler~ in Cuba einige - beschädigte Tabakblätter von untadelhaftem Aroma in Wasser - zum Faulen gebracht werden und dieses Wasser zum Besprengen - des ausgegohrenen Tabaks gebraucht wird, wodurch das Aroma - verbessert werden soll. - - ~Koch's~ Jahresbericht über die Fortschritte in der Lehre von - den Gährungsorganismen 1892. - - -Vor mehr als zwei Jahren lenkte Professor ~Forster~ in Amsterdam -meine Aufmerksamkeit auf die Untersuchung der Gährung des Tabaks. -Die Vermutung lag nahe, dass entweder die Hefen, oder die Bakterien -bei der Gährung eine Funktion ausübten (~Suchsland~). Die Proben -sind also von mir in der Richtung hin genommen worden, dass ich in -erster Linie ungebrühten Tabak im Laboratorium künstlich zum Gähren -brachte, um später die natürliche Gährung mit dem erhaltenen Resultate -vergleichen zu können. Ich habe, durch verschiedene Umstände dazu -gebracht, die Untersuchung ausgedehnt und sowohl den anatomischen Bau -der Pflanze, besonders des Blattes, als die Düngung und die chemische -Zusammensetzung des lebenden, des sterbenden und des toten Gewebes -untersucht. Dann habe ich die Gährung und die dabei hervortretenden -Erscheinungen genau betrachtet und schliesslich die Krankheiten, welche -sich am meisten bei den Pflanzen zeigen, studiert. - -Ehe ich diese Gegenstände zu beschreiben anfange, spreche ich zuerst -Herrn Professor ~Forster~, jetzt in Strassburg, meinen Dank aus, der -mir zum Anstellen der Versuche seinen Rath und sein Laboratorium -zur Verfügung stellte, dann den Herren ~Herschel~ in Amersfoort und -~de Hartog~ in Wageningen, die mir den nichtfermentierten Tabak -zusandten und mir Gelegenheit gaben, öfters die gährenden Haufen -Tabak in Wageningen zu untersuchen und mich dadurch in den Stand -setzten, die Kulturen zu den bakteriologischen Untersuchungen an Ort -und Stelle anlegen zu können, dem Herrn ~N. v. Os~ in Amerongen für -seine Bereitwilligkeit, mir die lebenden, toten und kranken Pflanzen -zuzuschicken und für seine vielen wichtigen Mitteilungen bei meinem -wiederholten Besuche in den Tabaksfeldern. Allen meinen Dank für ihre -Hülfe und Freundlichkeit, deren ich mich stets erfreut habe. - -Als ~Columbus~ 1492 auf der Insel Guanahani landete, sah er, wie -die Rothäute aus Nase und Mund Rauchwolken bliesen. Sie hatten ein -Kraut, welches, nachdem es getrocknet war, in ein Maisblatt hinein -gewickelt, an der einen Seite angezündet und am andern Ende im Munde -gehalten wurde. Dieses aufgerollte Kraut trug den Namen »Tabaco«. -Andere behaupten, der Name Tabak stamme von einer zu den Antillen -gehörigen Insel Tabago her. Wie dem auch sei, soviel ist sicher, dass -im Jahre 1558 in Lissabon eine Tabakspflanze aus Florida von ~Gonzales -Hernandes~ eingeführt wurde, wovon ~Jean Nicot~ allda im Jahre 1560 -mittels Samen viele Pflanzen aufzog und diese in verschiedene Länder -Europas mit wunderlichen Erzählungen verbreiten liess. Allmählich wurde -die Pflanze in verschiedenen Gegenden angepflanzt, bald mit mehr, -bald mit weniger Erfolg. Von den am meisten kultivierten Arten können -genannt werden: _Nicotiana Tabacum_, _N. rustica_ und _N. macrophylla_. -Die Pflanze gehört nach dem System von ~Eichler~ zu den _Tubiflorae_ -und zwar zu der Unterabteilung der _Solonaceae_. Sie ist also der -_Datura Stramonium_, _Hyoscyamus niger_, _Capiscum annuum_, _Solanum -tuberosum_, _Lycopersicum esculentum_, _Atropa belladonna_ u. a. nahe -verwandt. Die Familie hat also zahlreiche Vertreter, welche kräftig -wirkende Gifte bilden. - -In den Tabaksblättern zeigt sich das bekannte flüssige Alcaloid -Nicotin, gebunden an Apfelsäure und zwar in wechselnden Quantitäten -von 0,7-5%, abhängig vom Alter der Pflanze und den verschiedenen -Witterungsverhältnissen. Die schönen Untersuchungen von ~Ladenburg~, -~Hoffmann~ und ~Pinner~ liessen das Nicotin als ein Derivat von Pyridin -erkennen. Die chemische Structur dieses kräftig wirkenden Giftes ist -bekannt geworden und daher die Synthese möglich. - - - - -Handel und Anwendung. - - -Ein jeder, welcher die Gegend um Wageningen, Elst und Amerongen, von -Amersfoort und Nijkerk, die Dörfer in der Betuwe und in Maaswaal -besucht und dort durch die Tabaksfelder geht, wird den Eindruck -bekommen, dass die Tabakskultur hier im Lande noch eine grosse -Ausdehnung hat. Besonders fiel mir überall die aussergewöhnliche -Sorgfalt auf, welche auf die Kultur, auf die Ernte, auf das Trocknen -und auf die Brühung verwendet wurde. Es möge den holländischen -Tabakspflanzern ein erfreuliches Zeichen sein, dass diese wirklich -grosse Kultur und dieser grosse Handel in den letzten zwei Jahren -wiederum Fortschritte machen. Ehemals brachte der getrocknete, noch -nicht fermentierte Tabak 25 Gulden per 100 Pfund ein, in den schlechten -Jahren (87-92), als viele Züchter die Kultur einstellten, 7-12 Gulden, -und jetzt wieder 17-20 Gulden. - -Man unterscheidet im Handel: - -1^o _Boden- oder Sandgut._ Dies sind Tabaksblätter, welche zuerst -gepflückt werden, die untersten Blätter, welche viel Erde und Sand -enthalten und schon Ende Juli geerntet werden. - -2^o _Erdgut._ Dies sind die mittelsten Blätter, die wohl den besten -Teil der Pflanze bilden. - -3^o _Bestgut._ Dies ist weniger gut und wird vom oberen, der Knospe -beraubten Teil der Pflanze, erhalten. - -4^o _Geizen._ Es sind diejenigen Blätter, welche nach dem Pflücken noch -am Stengel wachsen, es sind Ausläufer, welche die Pflanze so viel wie -nur möglich aussaugen. - -Die Durchschnittsernte ist gewöhnlich 2 à 3 Millionen Pfund. - -Von unserm holländischen Tabak geht 7/8 der Ernte nach Deutschland, -Belgien, Österreich, Italien, Schweden, Norwegen und England; 1/8 -bleibt im Lande zu verschiedenen Zwecken als Kerbtabak und Deckblatt. - -Der Schnupf- und Kautabak wird hauptsächlich geliefert von Amerongen, -Nijkerk, Wageningen, Rhenen und Umgegend; es ist »Bestgut« und wird zum -grössten Teil nach England, Belgien, Italien und Deutschland versandt, -während das »Erdgut« nach Österreich, Frankreich und auch nach Italien -und Deutschland geht. - -Das Blatt aus Nijkerk ist, wie man es nennt »üppiger«; es ist -elastischer und »piepst«, wenn man es mit den Fingern spannt. Es sieht -auch fetter und dicker aus und eignet sich daher besser zum schweren -Kautabak und zum Schnupftabak. Die Betuwe liefert mit ihrem schweren -Lehmboden immer den besten Cigarrentabak, der deshalb mit 2 Gulden -per 100 Pfund mehr bezahlt wird. Der Tabak von Valburg jedoch mit -seinem hellgefärbten Blatt zeichnet sich vor allen andern aus und ist -sogar 8 Gulden per 100 Pfund mehr wert.--Der Tabak, der nach Schweden, -Norwegen, Dänemark und Deutschland »ungebrüht« versandt wird, kommt -aus Valburg und Bemmel und zum kleinen Teil von Maaswaal. Er wird im -getrockneten Zustande, »kalt gebrüht«, wie man es nennt, also ohne der -Fermentation ausgesetzt gewesen zu sein, sofort gebraucht. Dieser Tabak -hat eine helle, goldgelbe Farbe. Der Schnupf- und Kautabak hat ein -dickes Blatt; schon mit der Hand kann man bei gleich grossen Büscheln -den Gewichtsunterschied von dem Cigarrentabak deutlich herausfühlen -(Betuwe). - -Um die hohen Zollabgaben in England, Deutschland und Belgien zu -umgehen, wird die Mittelnarbe aus den Blättern herausgenommen, die -Blatthälften auf einander gelegt und in zierliche Büschel gebunden. -Den gleichen Erfolg erhält man, wenn man den Tabak »ausdämpft« d. h. das -Gewicht vermindert, indem man den Wassergehalt verringert. Auf diese -Weise ist es möglich, 50 kg auf ein Gewicht von 35 herabzudrücken. Ich -meine, dass die englische Regierung eine bestimmte Grenze gezogen hat, -und dass der Tabak also nicht so trocken gedämpft werden darf, wie man -dies früher that. - -Der Einfluss ausländischer Ernten kann hier durch die Änderung des -Preises zu Tage treten. Wenn das Ausland eine Missernte oder weniger -gute Ernte hat, so steigen die Preise hier und umgekehrt. - -Die Zeit für den Verkauf ihres Tabaks kann von den Züchtern selbst -bestimmt werden; der Grosshandel bezieht die getrockneten Blätter von -ihnen, wenn die Preise annehmbar sind. - -Dieser Handel beruht hauptsächlich bei den Herren ~Herschel~ in -Amersfoort, ~de Hartog~, ~de Voogt~ und ~Koch~ in Wageningen, ~Frowein~ -in Arnheim und ~de Block~ und C^o. in Amsterdam, nebst einigen -Spekulanten in Maaswaal. - - - - -Düngung. - - -Das Klima, der Boden, die Düngung, die Trocknungsweise der Blätter und -die Fermentation üben einen grossen Einfluss auf die so sehr erwünschte -gute Qualität der Tabaksblätter aus. Es ist also nicht möglich, alle -diese Bedingungen künstlich hervorzurufen oder zu beeinflussen. - -Eine gute Ernte ist sehr abhängig von den Witterungsverhältnissen. Ein -einziger Hagelschauer kann in einigen Minuten ein zu Felde stehendes -Gewächs fast vernichten, während auf der anderen Seite eine Krankheit -unter den Pflanzen bisweilen zahlreiche Opfer heischt. Auch beim -Tabak findet ein Wechsel im Anbau statt; wozu die Leguminosen gewählt -werden. Durch die eingehenden Untersuchungen von ~Hellriegel~, ~Nobbe~ -und ~Hiltner~ ist dieser Wechsel studiert und erklärt worden. Die -Pflanze, die im Allgemeinen viel Stickstoff zum Aufbau des Eiweisses -bedarf, erhält diesen Stickstoff aus dem Boden und der zugeführten -Nahrung. Wenn ein und dasselbe Gewächs während einiger Jahre auf einem -Acker gezogen wird, so wird dieser Acker ungeachtet der Düngung stets -ärmer an der gewünschten Nahrung für die Pflanze werden. Durch die -Abwechslung in der Anpflanzung, die man nicht erklären konnte, wurde -diesem Übel einigermassen abgeholfen. Man findet in den Leguminosen -(Erbsen, Bohnen m. a. W. Hülsenfrüchte) Pflanzen, die den Acker für -das nächste Jahr verbessern. Jetzt hat sich herausgestellt, dass -die kleinen Wurzelknöllchen jener Hülsenfrüchte eine sehr wichtige -Funktion bei der Assimilation des Stickstoffs ausüben. Die Besprechung -des höchst interessanten Baues jener kleinen Knollen, sowohl als -die Entwicklung der Bakterien, welche da hinein dringen, das Gewebe -angreifen und dieses umbilden, würde zu weit führen. - -Jedoch sei darauf hingewiesen, dass bestimmte Arten von Bakterien durch -die Wurzelhaare oder Verletzungen in die Wurzeln hineindringen, sich -stark vermehren und ein neues Pflanzengewebe hervorbringen, welches -sich in knollenartigen Verdickungen zeigt. Die Wirkung dieser kleinen -Knollen fängt erst dann an, wenn die auflösbaren Stickstoffverbindungen -aus dem Boden verbraucht sind. - -[Illustration: Fig. 1. Nicht-geimpfte und mit bacterien-geimpfte -Serradella (Ornithopus sativus).] - -Reinkulturen von verschiedenen Bakterien, welche augenscheinlich -dieselben kleinen Knollen bilden, habe ich jetzt unter dem -Namen »Stikstofverzamelaars« (Stickstoffsammler) in den Handel -gebracht. Eine Weinflasche dieser Kultur genügt für 1/4 ha. So hat -man »Stikstofverzamelaars« für _Pisum Sativum_ (gewöhnliche Erbse) _für_ -_P. arvense_ (Sanderbse), _Lupinus_, _Ornithopus sativus_, _Trifolium -pratense_, _Lathyrus Sylvestris_ u. s. w. - -Vergleichende Proben, mit diesen Kulturen genommen, zeigen in der -That den grossen Unterschied in der Entwicklung und in dem Wachstum -der Pflanze auf einem Acker mit solchen Reinkulturen gedüngt, und dem -gleichen Acker, welcher im natürlichen Zustande geblieben ist[A]. - -Jeder Züchter ist davon überzeugt, dass die Anwendung einer bestimmten -Art Dünger für ein bestimmtes Gewächs die Ernte bedeutend verbessern -kann. Das schwierige Problem, welcher Dünger in unserm Lande für unsern -Tabak verwendet werden muss, ist zwar noch nicht ganz gelöst, doch ist -ein Fortschritt in der Kulturweise der Pflanzen schon zu bemerken, dank -der Sorgfalt, die viele Pflanzer ihrem Gewächse widmen. Die Anweisung -tüchtiger wissenschaftlich gebildeter Agronomen, Chemiker, und in der -letzten Zeit Bakteriologen ist von höchster Wichtigkeit, um Versuche -nach einer bestimmten Richtung hin anzustellen. - -Die Erfahrung lehrt, dass ein hoher Gehalt an Chlorsäure die -Brennbarkeit des Tabaksblattes nicht fördert, sondern sie stark -verringert. Ebenso wie in Ostindien hat man auch hier die Erfahrung -gemacht, dass derselbe Boden nicht jedes Jahr ein gleich gut brennendes -Produkt liefert (Salm 1877). - -Viele aufmerksame Pflanzer meinen, ein tüchtig beregneter Tabak liefere -meistens ein besser brennbares Produkt. In der Asche gut brennbaren -Tabaks findet sich viel kohlensaures Kali, in derjenigen des schlecht -brennbaren sehr wenig von diesem Salze; dahingegen viel schwefelsaures -Kali und Chlorkalium. Das kohlensaure Kali ist in diesem Zustande nicht -im Blatte anwesend, sondern entsteht beim Verbrennen aus Apfelsäure, -Citronensäure und oxalsaurem Kalium. Die sehr verbreitete Meinung, dass -der Salpeter die Brennbarkeit vermehre, ist nicht ganz richtig. Denn -Algier liefert Tabaksarten, welche viel Salpeter enthalten und doch -schlecht brennen. Dagegen bestehen andere Arten, welche keinen Salpeter -enthalten und doch gut brennen. - -Man hat Recht, wenn man Zusammenhang sucht zwischen der Brennbarkeit -und dem Vorhandensein von organischen Salzen, und dies kann man -erklären und beweisen. (Indische Kulturen von ~Van Gorkom~.) -Unbrennbarer Tabak, welcher durch eine Auflösung eines organischen -Kalisalzes gezogen und nachher getrocknet wird, ist durch diese -Behandlung wirklich brennbar geworden. Macht man die nämliche Probe -mit gut brennbarem Tabak und einem anorganischen, einem Magnesium- oder -Kalk-Salze, so ergiebt sich, dass die Brennbarkeit gewichen ist. Die -Asche wird in diesem Falle kein kohlensaures Kali enthalten, das -wohl nach dem ersten Experimente gefunden wurde. Der Tabak erheischt -Kalium, viel Kalium, und damit jene Salze in die Pflanze aufgenommen -oder in ihr gebildet werden, muss man die Chlorverbindung vermeiden. -Die kohlensauren-, salpetersauren und schwefelsauren Salze des Kalium -dahingegen werden von den organischen Säuren analysiert. Alljährlich -werden von unsern Züchtern Tausende von Gulden auf die Düngung ihrer -Felder verwendet. Die Tabakspflanze braucht eine kräftige Nahrung, -wodurch sie zu gleicher Zeit eine gewisse Immunität den fungischen -Sporen gegenüber erhält. - -Es ist sehr beachtenswert, dass die Pilzarten im Tabak, welcher in -unfruchtbaren Boden gepflanzt war, welcher also wenig gedüngt wurde, -sich später gerne in der Pflanze entwickeln. Der schlechte finanzielle -Zustand des Pflanzers ist indirekt Ursache davon. Allgemein kann man -bei sorgfältiger Behandlung des Tabaks annehmen, dass ein Hektar von -Boden, welcher schon in Kultur genommen ist, 35000 kg. Schafsmist -braucht, mit einem Durchschnittswert von 350 Gulden (etwa 600 Mk.) -Die Experimente mit der Tabakskultur in Zeeland haben bis jetzt nicht -den erwünschten Erfolg gehabt. Der hohe Gehalt des Meeresthons an -Chloriden ist höchst wahrscheinlich Ursache davon. Im Zusammenhang mit -dem dortigen Futter der Schafe ist auch der Mist dieser Tiere (_f_ -1,50 per 1300 kg.) weniger wert als derjenige, welcher aus der Provinz -Utrecht und Süd-Holland angeführt wird. Im grossen Ganzen ist die -Düngung unsrer Tabaksfelder noch sehr verschieden. Einen sehr guten -Erfolg erzielt man durch Anwendung von 45000 kg. Schafsmist und 500 -kg. Chilisalpeter- Superphosphat per Hektar. Gleich günstig wirkt eine -Düngung mit 45000 kg. Schafsmist und 350 kg. gemalenem (= aufgelöstem) -Peruguano. - -Die Zusammensetzung dieser Düngstoffe ist für 1000 kg. frischen -Schafsmistes in ihren wirksamsten Bestandteilen angegeben: Stickstoff -8.3, Phosphorsäure 2.3, Kali 6.7, Natron 2.2, Kalk 3.3, Chlor und Fluor -1.7 im Werte von _f_ 8,-- per 1000 kg., welche durch die Kosten für -Fracht, Arbeitslohn, bis zu _f_ 9,-- steigen. Chilisalpeter enthält 15% -Stickstoff im Werte von _f_ 11,50 à _f_ 12,50 per 100 kg. - -Aufgelöster (= gemalener) Peruguano: 7% Stickstoff und 9.5% auflösbare -Phosphorsäure im Werte von _f_ 10,-- per 100 kg. - -Ebenso wie die meisten anderen künstlichen Düngstoffe, welche -unter Kontrolle gestellt werden können, wird der Gehalt für -Chilisalpeter-Superphosphat angegeben mit 7% Stickstoff und 9% -Phosphorsäure etwa im Werte von _f_ 8,50 per 100 kg. Unter dem -Namen »Delidünger« der besonders nach Indien geschafft wurde, war eine -Mischung im Handel, welche 6% Stickstoff, 5% Phosphorsäure und 5% Kali -enthielt. Man behauptete, durch Anwendung dieses Kunstdüngers erhielte -man ein hell gefärbtes Blatt. - -In der letzten Zeit ist die Aufmerksamkeit auf die Torfstreu gelenkt -worden, welche aus den Pferdeställen herstammt. Sie zeichnet sich vor -allen anderen tierischen Düngstoffen dadurch aus, dass mit ihr der -Boden porös bleibt und deshalb mehr Feuchtigkeit festhält als bei einer -Düngung mit Kuhmist. - -Ein mir bekannter Züchter, der eine Reihe von Jahren Versuche mit -verschiedenen Düngstoffen machte, einzeln und gemischt, hat es jetzt so -weit gebracht, dass ein für Holland sehr gutes Produkt erzielt wird, -zu gleicher Zeit noch mit dem Vorteile, dass die Kosten für Düngung -bedeutend geringer sind. - -Einige Züchter gebrauchen nebst Schafs- oder Kuhmist noch Taubenmist auf -ihren Feldern und zwar 20 bis 30 h.l. per h.a. Die Erfahrung lehrt, -dass so der Tabak kräftiger ist, schwerer wiegt und mehr Glanz besitzt. -Ein gleiches Resultat wird hervorgebracht mit dem viel billigeren -Peruguano. - -Alle 4 bis 5 Jahre werden auf dem Felde Leguminosen gezogen und noch -nachher im nämlichen Jahre weisse Rüben, auch wohl Futtermöhren. In -diesem Falle wird im Monat März der Möhrensamen zu gleicher Zeit mit -Erbsen ausgesät, die Rüben hingegen erst Ende Juli, nachdem die Erbsen -eingeerntet sind. Im darauffolgenden Jahre wächst auf solchem Acker -die Tabakspflanze üppiger, trägt ein dünneres, schöneres Blatt, das -besser brennt, doch weniger Gewicht hat bei gleicher Düngung als auf -anderem Boden. Wir sehen hier nochmals die kräftige Nachwirkung der -Leguminosen, das Resultat des Wechselbaues. - -Allgemein wird bemerkt, dass ein warmer, trockner Sommer ein dickeres, -schwerer brennbares Blatt liefert, ein feuchter regnerischer Sommer ein -dünneres, besser brennbares Blatt. ~Nessler~ suchte die Erklärung dafür -in der verschiedenen Absorptionsfähigkeit des Bodens dem Chlor und -Kalium gegenüber, wonach in trocknen Sommern besonders die Chlorsalze -(NaCl.) mit dem Grundwasser aufsteigen sollten, indem diese in nassen -Sommern hinweggespült würden. Wie dem auch sei, es scheint mir, dass -der anatomische Bau des Blattes einen nicht unbedeutenden Anteil an -der Brennbarkeit hat. Ein Tabaksfeld in der Nähe von Amerongen war zum -Teil gelegen an einer mit schweren Buchen bewachsenen Allee; dieser -Teil wurde fast den ganzen Tag beschattet, war also feuchter als der -von der Sonne beschienene. Die Pflanzen im Schatten waren höher und mit -grösseren Blättern versehen. - -Die mikroskopischen Untersuchungen zeigen in der That, dass -die Struktur der Blätter feiner ist, und dass besonders das -Schwammparenchym mit grösseren Luftgefässen versehen ist als dasselbe -Gewebe der von der Sonne beschienenen Blätter. Ebenso, jedoch in -schwächerem Grade, kennzeichneten sich die Blätter der Pflanzen, welche -durch den Schatten der Trockenscheunen nach 1 Uhr Nachmittags keine -Sonne mehr bekamen. Im Anschluss hieran lehrten mich die Versuche, -dass ein Blattteil ohne Hauptrippen einer beschatteten Pflanze weniger -wog als ein ebensogrosser Teil von einem besonnten Blatte. Als -Durchschnittswert bei frischen Blattteilen fand ich für die im Schatten -wachsenden Pflanzen, bei einer Oberfläche von 23 cm^2, 0.530 Gramm, für -die im Sonnenlicht wachsenden Pflanzen 0.650 Gramm, also im Verhältnis -von 100 zu 122. - -Zugleicherzeit muss hier die Bemerkung gemacht werden, dass Pflanzen, -welche im Schatten wachsen, im grossen Ganzen ein besser brennbares -Blatt liefern. - -Aus diesen Betrachtungen erhellt die Macht der Düngung und der Einfluss -des Lichtes auf den anatomischen Bau des Blattes[B]. - -[Fußnote A: Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur«, 17 Dec. 1898: -De Stikstofvoeding der Leguminosen.] - -[Fußnote B: Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur«, 13 Mai -1899, »Martellin, een nieuwe meststof.«] - - - - -Kultur - - -Anfang März wird der Samen der Tabakspflanze auf eine sehr -eigentümliche Weise zur Aussaat präpariert. Zu einem Hektar braucht man -nur 18 Fingerhütchen von diesem sehr winzigen Samen. Man bringt weissen -Sand in Blumentöpfe und oben darauf den ein wenig angefeuchteten Samen. -Eine Reihe dieser Töpfe, meistens für verschiedene Züchter, wird in -ein kaltes mit Glasscheiben verschlossenes Mistbeet gestellt, in -welchem durch Brühung des hineingebrachten Pferdemistes die erwünschte -Temperatur erhalten wird, um die Saat keimen zu lassen. Sobald das -Würzelchen sich zeigt, wird der Samen mit trocknem Sande vermischt -und dann in die Mistbeete ausgesät. Der Boden dieser Mistbeete ist -mit Pferdemist und etwas Taubenmist zubereitet. In der Gegend von -Wageningen und Amerongen ist dieser Vogelmist leicht zu bekommen, -durch das Recht, welches einigen Herrlichkeiten gewährt ist, hunderte -ja sogar tausende meist verwilderte Tauben halten zu dürfen. Von -diesen uralten Herrlichkeiten können genannt werden: _Amerongen_, -_Molenstein_, _Zandenburg_ und _Leeuwenburg_. Der Handelswert dieses -Taubenmistes ist etwa 2 Gulden per Malter. - -Die Kiste oder das Mistbeet, wovon der Glasrahmen mit geöltem Papier -verklebt ist, wird jetzt derartig behandelt, dass der Pferdemist etwa 1 -cm., der Taubenmist dahingegen etwa 3 à 4 cm. unter den Boden zu liegen -kommt. Nachher wird das Mistbeet triefnass gemacht, und der Samen mit -Sand vermischt darüber gestreut. Die ersten 10 Tage braucht es nicht -begossen zu werden. Etwa am 15-30 Mai sind die Pflänzchen so gross, -dass die besten ausgesucht und gepflanzt werden können. Dies geschieht -auf dem schon schwer gedüngten Land und zwar so, dass zwei Reihen der -Pflänzchen auf einen einigermassen erhöhten Erdrücken gestellt werden. - -Man erhält hierdurch eine gute ~Ab~-wässerung und zugleicherzeit eine -sehr gute Gelegenheit, um später beim Einernten zwischen die Pflänzchen -zu gelangen. - -Auf einem ha. stehen ungefähr 38000 Pflanzen, welche je 45 cm. von -einander entfernt sind. Die Umgebung der jungen Pflänzchen wird immer -sorgfältig mittels Schaufel und Hacke vom Unkraute gesäubert. - -Die gefürchteten Feinde der Pflanzen sind nun die »Käfer- und -Grauwürmer«, die auf allen Tabaksfeldern, und die Erdraupen, die nur -auf einigen Feldern gefunden werden. Nicht selten werden während des -ersten Monats 2000 per ha. mit der Hand, also durch Ablesen entfernt. -Nach dieser Zeit verschwinden diese gefürchteten Eindringlinge von -selbst. Die Anpflanzung einer Reihe Salat längs der hohen Erbsen- und -Bohnenhecken, scheint ein Lockmittel für die Erdraupen zu sein; auf -diese Weise wird das Suchen und Entfernen erleichtert. - -Der Geldersche Landmann versteht unter Käferwürmern »Engerlinge«, das -sind die Larven des Maikäfers, _Melolontha vulgaris_. Unter Grauwürmern -versteht man gewöhnlich die »Emelten«, die Larven der Erdschnaken: -_Tipula oleracea_, _T. paludosa_, _T. maculosa_, u. s. w. Unter -Nadelwürmern versteht man gewöhnlich Erdraupen: _Agrotis segetum_, -_A. tritici_, _A. exclamationis_ u. s. w. Die Züchter verwechseln -gewöhnlich diese Namen. Herr ~Professor Ritzema Bos~ hatte die Güte, -mir hier die richtigen Benennungen anzugeben. Nach 6 bis 7 Wochen ist -die Pflanze schon so gross, dass sie »geköpft« werden kann, d. h. in den -Morgenstunden wird mit geölten oder mit Speck eingeriebenen Fingern die -Knospe herausgenommen. Die Pflanze trägt bald darauf 14 à 15 tüchtige -Blätter. An einer geringen Zahl gut gewählter Pflanzen lässt man Samen -schiessen, entfernt die kleinen Blumen oder Früchte und lässt die -Grösseren zur vollen Reife kommen. Der Samen, der von überseeischen -Besitzungen zum Anstellen von Versuchen hierher gebracht wurde, ist -im Laufe der Jahre durch die natürliche Kreuzbestäubung stets zurück -gegangen. Man hält jetzt auf die beschriebene Weise eine Auslese zur -Ziehung der besten Arten. Ende Juli werden die untersten fünf Blätter, -das sogenannte Sandgut, gepflückt, 2 bis 3 Wochen später das Erdgut, -und wieder nach derselben Zeit das Bestgut. - -Die Blätter werden nach jeder Ernte in dem Hauptnerv eingeschnitten, -an Stäbe oder Stangen gesteckt und dicht auf einander 3 bis 4 Wochen -in dazu hergerichteten, gut ventilierten, meistens hölzernen Scheunen -zum Trocknen aufgehängt. Bei feuchtem Wetter geschieht dies Trocknen -nicht immer nach Wunsch, die Blätter trocknen schlecht und in Folge -dessen entsteht die sogenannte »Anschwellung«, die in Fäulnis übergehen -kann. Dadurch, dass man niedrige Feuer unter die trocknenden Blätter -anlegt, kann diesem Übel abgeholfen werden, besonders im Spätsommer: -am 10^{ten} Tag der Trocknung wird dies beim Bestgut beobachtet, -die »Anschwellung« zeigt sich dann dadurch, dass die hängenden Blätter -sich gerade ausbreiten. - -Das Sandgut, Bestgut und Erdgut, von dem beim Anfange der Trocknung -etwa 30 à 40 Blätter an einer Stange hingen, wird nach 3 bis 4 Wochen -umgesteckt und zwar derartig, dass die Blätter von 4 Stäben auf eine -Stange gesteckt werden. Dann werden diese Stangen zu Haufen aufgetürmt -und zwar so, dass ein Kubus gebildet wird, dessen Höhe aus etwa 20 bis -25 Schichten besteht, wovon die Blätter alle nach innen gerichtet sind. - -So bleiben sie liegen bis zum Oktober oder November, um dann sortiert -und in Büschel zusammen gebunden zu werden. - - - - -Anatomie und Physiologie. - - -Die Brennbarkeit des Tabaksblattes, wie wir schon sahen, ist abhängig -von der Anwesenheit organischer Kaliumsalze. - -Die Art, wie die Pflanze diese bildet und aus welchen Salzen sie -entstehen, ist nicht mit Bestimmtheit anzugeben. Jede lebende Pflanze -(die meisten Parasiten ausgenommen) baut aus anorganischen Stoffen -diejenigen Körper auf, welche sie braucht. In welcher Weise das Nicotin -von der Tabakspflanze aufgebaut wird, ist unbekannt. Dies Alcaloid -scheint sich in allen Teilen der Pflanze zu finden. - -Mit den allgemeinen Alcaloidreagentien wird überall im -Pallissadengewebe wie im Schwammparenchym eine Reaktion beobachtet. - -Die Funktionen, welche die Organe der Pflanze ausüben, sind genau -bekannt; man kennt die Rolle vom Xylem, Phloëm, Parenchym, Collenchym, -Sclerenchym und von sovielen andern. Weniger bekannt ist die Weise, -in welcher die Pflanze die organischen Stoffe aufbaut, Stoffe, welche -so zusammengesetzt sind, dass man noch nicht den mindesten Begriff -hat von ihrer Konstitution oder ihrem chemischen Bau. Vor einigen -Jahren gab ~Baeyer~ seine Hypothese über die Bildung der Kohlhydrate -unter dem Einflüsse des Chlorophylls. Nach dieser Vermutung, die noch -nicht widerlegt worden ist, geht die Kohlensäure in Ameisensäure -über, diese mittels Reduktion in Aldehyd, und dieses wieder unter -Polymerisation in ein Kohlhydrat, einen Zucker, ein Monosaccharid. -Nach den Untersuchungen von ~Curtius~, die im Anfange des Jahres -1897 bekannt gemacht wurden, ist es ihm gelungen, aus dem Brei der -Pappel- und Eschenblätter, mittels M--Nitrobenzhydrazid, ein Aldehyd -auszuscheiden und anzuzeigen, (C_{7} H_{11} O C O H). Weiter ist -bekannt, dass Asparagin oder Amido- Apfelsäure ein stickstoffreicher, -kristallisirbarer Körper ist, welcher mit Traubenzucker Eiweiss bilden -kann, und umgekehrt, dass das Eiweiss den Stickstoff wieder abgeben -kann, um Asparagin aufzubauen, welches durch die Gewebe nach den -Myristemen geführt werden kann, um da zur Stelle wieder das erwünschte -Eiweiss entstehen zu lassen. - -Der Bau des Tabaksblattes ist dem Typus der Dicotylenblätter gleich. -Wenn wir ein Tabaksblatt mikroskopisch auf dessen Querdurchschnitt -betrachten, sehen wir zu allererst die Cuticula, welche mit Wachs -überzogen ist; sie bildet einen Teil der Epidermis, die in unserm Falle -sowohl an der Aussen- als Innenwand cuticularisiert ist. Diese Epidermis -besteht aus flachen tafelförmigen Zellen, welche mit unregelmässig -wellenden Linien in einander schliessen und hier und da Spaltöffnungen -zwischen sich lassen. - -Obgleich die Spaltöffnungen in der Regel sich nur an der Unterseite der -Blätter zeigen, ist dieses beim Tabak nicht der Fall; sie finden sich -da an beiden Seiten. - -[Illustration: Fig. 2. Querdurchschnitt eines jungen Tabaksblättchens -aus der Knospe genommen (Amerongen), 150 Male vergrössert.] - -Viele Zellen der Epidermis sind zu Haaren ausgewachsen. Die Form -dieser Haare ist sehr verschieden und kennzeichnend. Die meisten -sind mehrzellig, sehr lang und tragen oben einen mit ätherischem -Öl gefüllten mehrzelligen Körper; eine zweite Art ist gleichfalls -lang, doch endigt in einer Spitze, während eine dritte Art auf einem -kurzen einzelligen Stiele einen grossen angeschwollenen, mehrzelligen -Körper trägt. An beiden Seiten der Blätter zeigen sich Haare. Im -allerjüngsten Zustande des Blattes sah ich sogar einige, welche stark -verzweigt waren. Unter der Epidermis liegt das Pallissadengewebe, -welches aus langen blattgrünreichen Zellen besteht, die sich dicht an -einander anschliessen. Darunter laufen, doch nicht an allen Stellen, -die Gefässbündel, welche aus Xylem und Phloëm bestehen, von denen das -erstere zur Weiterbeförderung des Wassers, das letztere zum Transporte -des Eiweisses dient. - -Die Holz- oder Xylemgefässe zeigen durch die eigentümlichen bandförmigen -Anschwellungen die wohlbekannte Spirale, die Phloëmgefässe kennzeichnen -sich durch die durchbohrten Zwischenwände oder Siebplatten; weiter -treffen wir das Schwammparenchym, dass aus sehr grossen, gleichfalls -chlorophyllreichen Zellen besteht, welche zahlreiche grosse Luftröhren -zwischen sich einschliessen. Dann folgt wieder nach der Unterseite die -Epidermis mit ihren vielen Spaltöffnungen und zu Haaren ausgewachsenen -Zellen. - -In beigehender Zeichnung, die nach einem Querdurchschnitt von mir -angefertigt wurde, sehen wir die Lage der Organe. Der Durchschnitt -eines jungen Blattes, aus dem Keimpunkte genommen 12 cm. lang, ist -derartig, dass der Nerv und an beiden Seiten davon der Anfang der -beiden Blatthälften mit einem Teil des Gefässbündels, der sich nach -dem Blatte zuwendet, deutlich sichtbar ist. Wir sehen in der Mitte den -Xylembündel, aus Holzgefässen bestehend, ringförmig umschlossen vom -Phloëm. Um den Gefässbündel herum liegt das Collenchym, kenntlich an -den Anschwellungen der Zellenwände in den Ecken. Das Collenchym ist -sehr dehnbar und in geringem Masse elastisch; daher kommt es, dass es -nach Ausreckung nicht wieder vollkommen die frühere Länge annimmt. Es -besteht aus langen Zellen mit platten Enden; die Wände sind weich und -wasserreich, wodurch es unter dem Mikroskop bläulich aussieht. - -Was die chemische Zusammensetzung betrifft, finden wir in den -Zellenwänden und in den cuticulären Schichten Suberin, einen Stoff, der -mit dem Korkstoff identisch ist. In den frischen Blättern sind Spuren -von Asparagin deutlich nachzuweisen (Alcohol abs.) Dieser Körper ist -quantitativ mit Nitras hydrargyrosus zu bestimmen, wozu vorerst der -Farbstoff mit basischem Bleiacetat niedergeschlagen wird. Quantitative -Bestimmungen von Asparagin und Eiweiss (letztere Bestimmung nach der -Methode ~Stutzer~) in den reifen Blättern, und während des Trocknens -der Blätter gemacht, deuten auf einen Übergang von Eiweiss in -Asparagin. Je länger die Blätter trocknen, desto reicher werden sie an -diesem Crystalloid. - -Weiter kann im Blatte ein inversionsfähiges Kohlhydrat erkannt werden, -mutmasslich Rohrzucker. Von organischen Salzen sind anwesend: die der -Apfelsäure, Citronensäure und Oxalsäure, von denen das letztere als -Calciumoxalat durch mikrochemische Reaktionen im Parenchym dargethan -werden kann (man sehe die Figur). Von den anorganischen Salzen müssen -die Chloride, Phosphate und Sulfate erwähnt werden. Das Kalium ist -teils an organische Säuren, teils an Salpetersäure gebunden. - -Unmittelbar hier anschliessend wünsche ich die Prozesse zu behandeln, -die beim Trocknen der Blätter stattfinden. Sobald die Blätter in den -Trockenscheunen aufgehängt werden, sehen wir, wie in den ersten Tagen -schon grosse Änderungen vor sich gehen: die Farbe der Blätter geht über -in ein fahles Gelb und läuft durch verschiedene Farben bis ins Braune. -Wir haben nach dem Pflücken nicht sofort mit einem toten, abgestorbenen -Blatte zu thun, sondern die Lebensfunktionen dauern noch Tage, ja -Wochen lang fort. Das sterbende Blatt schafft in seinem Gewebe völlige -Wandlungen, die schon durch die sichtbare Farbenänderung angezeigt -werden. Durch Plasmolyse und durch Verwendung von Farbstoffen, wie -Eosin und Picro-Carminsaures-Ammoniak, kann dargethan werden, dass die -Zelle noch Tage lang eine zum Leben gehörige Function vollbringen kann. - -Ich fand für Blätter, die von mir selbst gepflückt und aufgehängt -wurden, dass dies 15 bis 20 Tage dauern kann. - -Wenn Schnitte eines reifen Blattes in eine Jod-jodkaliumlösung gebracht -werden, sehen wir, dass das Stärkemehl in äusserst kleinen Körnchen -in grosser Zahl vorhanden ist; die Chlorophyllkörner erscheinen -wie Riesen daneben. Während des Trocknens des Blattes nehmen sie -in Anzahl ab, indem sie Zucker bilden. Die Versuche sind leicht zu -machen. Ein Blatt oder ein Teil davon wird in Wasser gekocht, mit -Kalilauge durchscheinend gemacht, nachher mit Essigsäure neutralisiert -und weiter auf einen Porzellanteller ausgebreitet, in welchen man -Jodalcohol mit Wasser gebracht hat. Nach einiger Zeit zeigt sich aus -der Intensität der Färbung die Lage des Stärkemehls. Wenn hingegen ein -Blatt mittels Chloroformdampf getötet wird, so findet die Umsetzung -nicht statt, die Farbe verwandelt sich nicht in Gelb, ein Beweis, -dass das sterbende Blatt Lebensfunktionen besitzt und zeigt. Die -Verschwindung des Stärkemehls geht zusammen mit der Entstehung von -Glucose, aber auch dieses Kohlhydrat ist während des Trocknens nicht -bleibend, verschwindet jedoch auch nicht ganz. Ich meine, dass einige -amerikanische Tabaksarten künstlich schnell getrocknet werden; doch -dann fragt es sich, ob sich dieser Prozess günstig für den Tabak -erweist. Während der Trocknung wächst auch der Gehalt an organischen -Säuren, und da wir sahen, dass ein grosser Teil dieser Säuren an -Kalium gebunden war, muss dies wieder die Brennbarkeit des Blattes -beeinflussen. - -Quantitative Bestimmungen des Nicotin nach der Methode ~Kissling~ -zeigen, dass dies Alcaloid während der Trocknung keiner Änderung -unterworfen ist; ebensowenig werden die Nitrate angegriffen. Die -Eiweisse hingegen vermindern und als Produkte hiervon zeigen sich Amine -(~Behrens~). - -Aus diesen Versuchen und Betrachtungen geht hervor, dass die Trocknung -der Tabaksblätter langsam geschehen muss. Die chemischen Prozesse, -welche unter dem Einfluss des Lebens während der Trocknung durchgemacht -werden, sind von grosser Wichtigkeit für die hierauf folgende -Fermentation. Wir werden da sehen, dass lebende Organismen, Bakterien, -den Gährungsprozess einleiten und beendigen. - - - - -Fermentation. Physische und chemische Untersuchung. - - -Durch die Fermentation wird der Tabak einer völligen Änderung -unterzogen, und ohne Zweifel üben die Brühungsweise, die Temperatur und -die Bakterien einen grossen Einfluss aus auf die Bildung derjenigen -Zersetzungsprodukte, welche was Geruch und Geschmack betrifft, -kennzeichnend sind. Ich bin fest überzeugt, dass hauptsächlich die -Bakterien und nicht die ~Loew'~schen Enzyme[C], die Hauptrolle spielen. -Wir werden später sehen, dass bei künstlicher Impfung mit Reinkulturen -ganz andere Prozesse stattfinden. ~Suchsland~ war der erste, welcher in -einer vorläufigen Mitteilung bekannt machte, dass Geruch und Geschmack -durch die Lebensprozesse der Mikroben entstehen; jedoch hat er später -nie wieder diesen höchst interessanten Gegenstand aufgenommen. - -In der Einleitung erwähnte ich schon, dass die Herren ~Herschel~ in -Amersfoort und ~de Hartog~ in Wageningen mir immer bereitwilligst Hilfe -verliehen, und dass in den Scheunen, wo die gährenden Haufen Tabak -umgesetzt wurden, ein improvisiertes kleines Laboratorium mit den -allernötigsten Instrumenten von uns eingerichtet war. - -Mit der grössten Sorgfalt wird ein Haufen Tabak zusammengesetzt. Die -musterhaft zusammengebundenen Büschel werden aufgeschichtet, so dass -man Haufen von etwa 3 m. hoch, 3.5 m. breit und 3.5 m. lang bekommt. -Diese Ziffern sind nicht normal, sondern Form und Grösse richten sich -nach dem anwesenden Raum, ein Haufen ist desshalb grösser als der -andere. Das Gewicht variiert gleichfalls, man hat solche von 15000 -bis 30000 Pfund. Wenn ein Haufen fertig da steht, ist es wirklich -ein reizender Anblick. Man sieht von allen Seiten die »Köpfe« der -sorgfältig zusammengebundenen Büschel, welche dem Ganzen das Ansehen -eines Flechtwerks geben. Wenn ein Haufen einige Tage steht, fängt er -an zu sinken. Indem man lange Stangen hineinsteckt, kann man, wenn -man dieselben herauszieht und mit der Hand anfühlt, die Temperatur -beobachten und zugleicherzeit den Geruch beurteilen. Die Personen, -welche sich hiermit beschäftigen, haben, was dies betrifft, eine -jahrelange Erfahrung. Es währt nicht lange so wird der Haufen warm und -feucht, die Brühung oder Fermentation fängt an. Weil die Temperatur -immer steigt, kommen von allen Seiten Insekten hinzu, welche mit dem -Namen »Läuse« angedeutet werden. Bei meiner Anwesenheit habe ich -dieselben nicht gesehen und habe also keine Gelegenheit gehabt, sie zu -bestimmen. - -[Illustration: Fig. 3. - -Eine Fermentationsscheune des Herrn ~Herschel~in Amersfoort.] - -In Wageningen hat man die Erfahrung gemacht, dass Tabak aus der Veluwe -wohl, der aus der Betuwe nicht diese Insekten bei der Gährung zeigt. - -Ein Haufen bleibt ungefähr 3 oder 4 Monate in Gährung, doch wird -während dieser Zeit meistens 3 mal umgesetzt, wodurch die äusseren -Teile, welche frei an die Luft grenzen, sich auch an der Brühung -beteiligen können. - -Eine bestimmte Regel ist hierfür nicht anzugeben, die Erfahrung ist -die beste Lehrerin. Ein Haufen von 20000 Pfund Bestgut von der Veluwe, -von einem mit Schafsmist gedüngten Acker, wird, nachdem er 4 Wochen -gestanden hat, umgesetzt. Dieses Umsetzen, womit 5 Personen 2 bis 3 -Tage beschäftigt sind, geschieht meisten 3-mal. Erd- und Sandgut aus der -Betuwe (Valburg 60000 kg. Kuhmist per ha., ± 200 Gulden an Wert) wird -gleichfalls 3-mal umgesetzt. Doch braucht man 4 Monate, um die Gährung -zum erwünschten Ziel zu bringen. - -Gemischte Haufen, das sind Haufen, welche Tabak von verschiedenen -Gegenden, Sandgut, Erdgut, Bestgut oder Geizen enthalten, brauchen eine -nicht zu bestimmende Gährungszeit, die Erfahrung muss dies entscheiden. -Einige Male geschieht es wohl, dass Tabak schwer oder gar nicht zum -Gähren kommt (Erd- und Sandgut von 94 und 96); dies werde ich sofort -erklären. - -Zu gleicher Zeit glaube ich unsern Tabakspflanzern und Händlern eine -Mitteilung machen zu müssen, die vielleicht Veranlassung zu einem -Versuche geben könnte. Die Vermutung liegt nämlich nahe, dass ein hoher -Stickstoffgehalt des Tabaks die Gährung zwar nicht bedingt aber doch -stark dazu beiträgt. Durch das Hineinbringen von gewöhnlichem Klee -(Trifolium pratense) zwischen die Haufen sollte sie zu erreichen sein. -Man weiss, dass die Leguminosen stickstoffreich sind. - -Wenn die Gährung beendigt ist, werden die Büschel zu schmalen Reihen -angehäuft. Hierdurch beugt man der Nachgährung soviel wie nur möglich -vor. - -Bei einer Gelegenheit, wo ein Haufen zum zweiten Male umgesetzt wurde, -nahm ich auf ungefähr 60 cm. Tiefe eine Temperatur von 56° C. wahr. Der -Wassergehalt der Blätter war etwa von 25-35 %, welcher natürlicherweise -wechselt mit dem kürzeren oder längeren Stand des Haufens. Im -Algemeinen kann festgestellt werden, dass Tabak, welcher im Dezember -oder Januar gekauft wurde, nach der Brühung 6 % an Gewicht verloren -hat. Bei der Fermentation findet also Verlust an Gewicht statt. - -Beim Umsetzen des Haufens zeigte sich deutlich ein honigsüsser, etwas -prickelnder Geruch, zugleicherzeit stieg ein feuchter Dunst empor, der -als Dampf sichtbar war. - -Lackmuspapier, rotes und blaues, und ebenso Curcumapapier zeigten, -nachdem sie eine halbe Stunde zwischen den feuchten Blättern auf gut -1/2 m. Tiefe gelegen hatten, keine Reaktion, sodass man als sicher -annehmen darf, dass dieser Haufen im Augenblicke der Gährung neutral -reagierte. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Tabak aus der Betuwe -entwickelt kein oder sehr wenig Ammoniak, der von der Veluwe hingegen -liefert als Zersetzungsprodukt Ammoniak. Später werden wir sehen, dass -auch hier Bakterien Ursache davon sind, und dass dies durch künstliche -Impfung entsteht. Es gelang mir, einige dieser Ammoniakbilder zu -isolieren. Nach diesen wenigen vorhandenen Angaben, ist die Vermutung -berechtigt, dass in unsern überseeischen Besitzungen sich Mikroben -finden werden, die ihre eigenen Zersetzungsprodukte bilden; wir -sahen ja in dem Augusthefte der Monatsschrift »de Natuur«, dass -~Hansen~ »Gährungszellen« gefunden hat, die in kleinen Entfernungen von -Baumschule zu Baumschule übersiedeln konnten, und auf der Oberfläche -süsser, saftiger Früchte lebten und Umsetzungen vollzogen[D]. - -Bei einigen Tabakgährungen wird angegeben, dass Kohlensäure entsteht, -aber es ist mir nicht gelungen, in den gährenden Haufen oder im Raume -der Scheunen einen höheren CO_{2}-Gehalt der Luft darzuthun als -in der umgebenden Aussenluft. Auch die Versuche in den V-förmigen -Gährungsröhren gaben dies zu erkennen. Glaubwürdige Mitteilungen, -dass bisweilen CO_{2} entsteht, würden einen Beweis mehr liefern: -_dass Tabaksarten von bestimmten Gegenden von bestimmten Bakterien -beeinflusst werden und ungleiche Zersetzungsprodukte abgeben_. - -Mutmasslich jedoch wird zu einer bestimmten Zeit im Haufen CO_{2} -entstehen können. Wenn sich zugleicherzeit NH_{3} bildet, so werden -beide im Status nascens ein Salz liefern. Das Gas hat also keine -Gelegenheit zu entweichen. Bei einem gährenden Haufen haben wir -es wahrscheinlich mit Anaëroben zu thun, es sei fakultativen oder -obligaten, oder mit obligaten Aëroben. - -Was den chemischen Teil betrifft, so finden wir einen grossen -Unterschied in der Zusammensetzung des Tabaks beim Anfange und beim -Ende der Gährung. Allen stattfindenden Zersetzungen nachzuforschen -ist unmöglich bei dem gegenwärtigen Stand der analytischen Chemie; -wir haben es nicht nur mit Lebensprozessen zu thun, sondern auch mit -den Umsetzungen der Stoffe, welche vom Leben herstammen. Von einer -Tabaksart fand ich die folgende Analyse, welche gemacht war vor und -nach der Fermentation (~Behrens~). - -V = trockne, sandfreie Blätter vor und N = die Blätter nach der -Fermentation. - - V. N. - - Totaler Stickstoffgehalt 3.09 % 3.24 % - Eiweissstickstoff 1.30 1.36 - Nicotin 1.464 1.075 - Ätherextract 9.41 8.34 - Darin anwesende Säure, als - Milchsäure berechnet 0.446 0.450 - Organische, nicht flüchtige Säure, - als Apfelsäure berechnet 16.81 14.45 - Mit Wasserdampf flüchtige Säuren, - als Buttersäure berechnet 0.124 0.299 - Reduzierender Zucker, nach - Klärung mit Bleiessig 1.26 0. - Salpetersäure (N_{2} O_{5}) 0.201 0. - Schwefelsäure (SO_{3}) 2.147 2.201 - Sandfreie Asche 19.83 21.01 - - -Unter dem Einflusse verschiedener Düngerarten und verschiedener -Mikroben, die bei der Gährung wirksam sind, variiert die Analyse. Nach -den Personen, welche sich bei uns mit der Fermentation beschäftigen, -sollte der Veluwer Tabak durch die Düngung mit Schafsmist nicht -selten viel NH_{3} entwickeln, was natürlich den Stickstoffgehalt -beeinflusst. Nach obiger Analyse sinkt der Nicotingehalt, jedoch nicht -durch Verflüchtigung des Alcaloids, da der totale Stickstoffgehalt -ungefähr konstant bleibt. Nicht unwahrscheinlich werden bestimmte -Mikroorganismen sich daran beteiligen. - -Dass das Nicotin auf niedrige Organismen bisweilen nicht als Gift -wirkt, lehrt die _Botrytis cinereae_, welche lebt und sich vermehrt in -einem Nahrungsboden, welcher dieses Alcaloid enthält. - -Die Versuche, welche ich mit den Reinkulturen der NH_{3}-Bildner nahm, -deuten darauf hin, dass höchstwahrscheinlich das N von dem Eiweiss -(Protoplasma) herstammt. Es ist mir jedoch später gelungen, die -Nitrate, Asparagin und Ammoniumsalze derartig zu ändern, dass NH_{3} -als Zersetzungsprodukt auftrat. Das Asparagin, die Amido-Apfelsäure, -ist nach der Fermentation des Tabaks nicht mehr zu finden und hat sich -also auch an den Zersetzungsprozessen beteiligt. - -Aus diesen Betrachtungen erhellt, welche tief eingreifende -Veränderungen bei der Gährung stattfinden. Muss man jetzt noch daran -zweifeln, dass durch die Gährung neu gebildete aromatische flüchtige -und nicht flüchtige Körper entstehen, welche dem Tabaksblatte eine -gute oder weniger gute Qualität verleihen? Die Gährung nimmt ihren -Verlauf, abhängig von den anwesenden Mikroorganismen. Sie werden einen -biologischen Prozess hervorrufen, abhängig von dem Boden, der ihnen zur -Nahrung dient. Dort, wo beide, oder eins von beiden, verschieden sind, -muss auch das Endprodukt der Wirkung verschieden sein. - -Ich zweifle nicht daran, dass die Reinkulturen, welche von edeln -Tabaksarten gezogen werden, unsern einheimischen Tabak verbessern, wenn -sie auf denselben geimpft werden. Im folgenden bakteriologischen Teil -werde ich den experimentellen Beweis liefern, dass Mikroorganismen, die -Bakterien, die bedeutendste Funktion bei der Gährung erfüllen. - -[Fußnote C: Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur« vom 24. Juni -1899. Een critische beschouwing over ~Loew's~ theorie der »oxidizing -enzymation.«] - -[Fußnote D: Siehe meine Abhandlung in »De Natuur«, Augustus -1897. »Micro-organismen en het onderzoek der lucht«.] - - - - -Bakteriologische Untersuchungen. - - -Die Untersuchungen der Fermentation und besonders das Suchen nach -den Bakterien, die hierbei funktionieren, sind Untersuchungen, die -viel Zeit kosten. Wenn wir bedenken, dass das Tabaksblatt nach der -Entfaltung der Knospe der Luft ausgesetzt ist und immer die Einflüsse -der Witterungszustände erfährt, wobei die an Bakterien reiche Luft -dieselben oder die Sporen der Mikroorganismen auf dessen Oberfläche -deponiert, wenn wir bedenken, dass der Staub in den Scheunen sehr reich -ist an Mikroben, dann brauchen wir uns nicht mehr zu fragen, wie es -kommt, dass beim Anlegen der bakteriologischen Kulturen so viele Arten -von Organismen gefunden werden. Um zu einem Resultate zu gelangen, -sind Hunderte von Kulturschälchen von mir angelegt worden und eben -so viele Teilungs- oder Trennungskulturen um zu entscheiden, ob die -Reinkulturen auch »rein« seien. Zuallererst suchte ich nach Hefen, doch -diese Untersuchungen erwiesen sich bald als fruchtlos. Weder die sofort -angestellten mikroskopischen Untersuchungen noch die Malzgelatine -zeigten mir das Erscheinen von Hefenarten bei dieser Fermentation. Dann -wurden Versuche mit der alkalischen Gelatine gemacht. Der ungebrühte -Tabak wird in kleine Stücke geschnitten und in gut schliessenden -gläsernen Schälchen zusammengepresst. Der also zubereitete und mit -sterilem Wasser angefeuchtete Tabak wird mit einer Bleischeibe -beschwert und mit einigen andern Schälchen in eine Glasglocke gebracht -(fig. 4, D). Ein andrer Teil des grob geschnittenen Tabaks wird in eine -Glasglocke gebracht, deren oberer Teil hermetisch an den unteren Teil -schliesst und deren Deckel obendrein noch mit einer gläsernen Röhre und -einem Hahn mit der Aussenluft correspondiert. Auch dieser Tabak ist -angefeuchtet und mittels einer Bleischeibe beschwert. - -[Illustration: Fig. 4. - -Versuchsanordnungen, welche die Methode, um die Aëroben und Anaëroben -zu züchten, angeben.] - -Von einer Wasserstrahlluftpumpe, verbunden mit Manometer, wird die Luft -herausgesogen und Wasserstoffgas hineingebracht. Dies wird einige Male -wiederholt, um die Gewissheit zu erhalten, dass alle Luft ausgetrieben -ist, schliesslich ist und bleibt die Glocke mit Wasserstoff angefüllt, -damit die Anaëroben die Gelegenheit haben, sich zu entwickeln (fig. 4, -A). Wie die Schälchen wird auch diese Glocke in einen Brutschrank bei -40° C. gestellt. Nach Verlauf einiger Tage ist am Geruch merkbar, dass -die Gährung angefangen hat. - -Die Aërobenkulturen werden wie gewöhnlich in Petri'schen Schälchen -angelegt. Ein Wenig des gährenden Tabaks wird mit sterilen -Instrumenten aus einem der Schälchen genommen, auf sterilem Papier -feingeschnitten und in flüssige alkalische Gelatine gebracht. Die -Stückchen werden tüchtig mit einer ausgeglühten Platinnadel abgerieben -und gleichmässig durch Schwenken der Röhre in derselben verteilt. Um -Verdünnungen von dieser Röhre zu machen, wird eine geringe Quantität -dieser Gelatine mittels einer Platinspirale, die in diesem Falle 50 -mgr. aufnimmt, in eine zweite Röhre hineingebracht, und hiervon nach -guter Teilung eine oder mehr Spiralen in eine dritte Röhre u. s. w. -Jede Röhre wird dann in ein Kulturschälchen ausgegossen. Nach einigen -Tagen haben die Bakterien sichtbare Kolonien gebildet, mit denen man -weitere Versuche anstellen kann. - -Die Anlage der Anaërobenkulturen geschieht in anderer Weise, und zwar -nach der Methode ~Liborius~ und ~Buchner~. - -Im ersten Falle wird wieder der fein geschnittene Tabak aus der -mit Wasserstoff gefüllten Glocke in flüssige Gelatine gebracht und -verteilt, und hiervon werden wieder die nämlichen Verdünnungen gemacht. -In kaltem Wasser lässt man die Gelatine fest werden und nachher wird -die ganze Röhre bis zum Wattepfropfen mit steriler Gelatine angefüllt -(fig. 4, B). - -Im zweiten Falle wird der Tabak aus der nämlichen Glocke in derselben -Weise in die Gelatine-Röhre hineingebracht und werden gleichfalls -Verdünnungen angelegt. Nachdem die Gelatine fest geworden ist, wird -der Wattepfropfen fast bis zum Gelatine-niveau geschoben und nachdem -der obere Teil der Röhre mit einem Diamanten abgeschnitten worden ist, -wird diese kurze Röhre in eine weite Reagirröhre auf ein sich dort -befindendes kleines Stück Metallgaze gebracht (fig. 4, C). In diese -grosse Röhre ist unter das Drahtnetz, welches der Kulturröhre zum -Ruhepunkt dient, 2 Gramm Pyrogallol gebracht. Wenn dies alles fertig -ist, lässt man mit einer Pipette 10 cm^3 von einer 1 % KOH-lösung in -die weite Röhre hinein fliessen und schliesst dann sofort die Röhre -mit einem gut schliessenden Kautschukstöpsel, der obendrein noch mit -Paraffin umgeben wird. - -Nach beiden Methoden gelangen die Anaëroben zum Wachstum und bilden, -obgleich langsam, gut sichtbare Koloniën. Damit man hiervon Impfungen -machen kann, wird die Gelatineröhre an denjenigen Stellen mit einem -Diamanten durchschnitten, an denen man die Kolonien mit einer Nadel -erreichen kann. Auch diese Impfungen, Strich- oder Stichkulturen, -geschehen derartig, dass entweder durch das Aufgiessen von Gelatine -oder in der genannten Weise mit alkalischer Pyrogallollösung die -Anaëroben sich in dem sauerstofffreien Raum entwickeln können. Auf -diese Weise habe ich eine Anzahl Versuche gemacht, und als sich ergab, -dass die Anaëroben fakultative Anaëroben waren, wurden die Versuche -mit der alkalischen Gelatine in Petri'schen Schälchen fortgesetzt. In -der Zwischenzeit, im Winter von 96-97, wurde mir, wie beschrieben ist, -durch chemische Analyse bekannt, welche Stoffe bei der Fermentation -angegriffen wurden. Damals ist der Nährboden, wie folgt, von mir -geändert worden: - - - alkalische Gelatine (Koch) 100 - Kalium-nitrat 0.2 - Asparagin 0.1 - Glycerin 1.5 - Glucose 0.5 - Nicotin Spuren. - - -Auf diesem Boden entwickeln die Kolonien sich schneller und in grosser -Menge. Ein Beweis, wie nützlich es ist, eine Untersuchung, welche -ursprünglich nur die Gährung betraf, auf ein völliges Studium des -Tabaks auszudehnen. - -Bei der Untersuchung der Platten zeigen sich noch eine Menge -Schwierigkeiten, welche zu Irrtum Veranlassung geben könnten. Sehr -verführerisch scheinen die Verdünnungsplatten, auf denen sich 10 -oder 20 Kolonien zeigen, die makroskopisch gleich aussehen und -doch nicht bei der Gährung funktionieren: ich betrachte dieselben -entweder als zufällige örtliche Verunreinigungen in dem gährenden -Tabak, oder als Kolonien, welche durch Teilung einer Bakterienkette -während der mechanischen Behandlung beim Anlegen der Kulturen -entstehen. Im ersteren Falle finden sich doch im gährenden Tabak die -Lebensbedingungen für eine bestimmte Bakterienart; es ist dort, dass -sie örtlich zur Entwicklung und Vermehrung kommen. - -Dergleichen Erscheinungen beim Anlegen der Kulturen erschweren die -Untersuchungen. Auch später fand ich bei den Untersuchungen der -lebenden Blätter, dass ihre Oberfläche durch das Wachstum bestimmter -Bakterienarten eingenommen wird (~Rhizobium Frank~ u. a.). Auch hier -scheint also auf der Blattoberfläche der Kampf ums Dasein zu bestehen. -Nicht selten gelang es mir, von den Blättern die nämlichen Arten zu -isolieren. Der Gebrauch starker Verdünnungen ist bei Untersuchungen -wie diese Hauptsache. Ein Quantum gährenden Tabaks, welches noch -nicht die Oberfläche von einem Gulden einnahm, brachte in einzelnen -Fällen tausende Kolonien zur Entwicklung. In einem zuerst angelegten -Petri-Schälchen berechnete ich einmal 40.000 Kolonien, ein Beweis, dass -Verdünnung das angezeigte Mittel ist, Ordnung in das Chaos zu bringen. - -Von dem Tabak, welcher in den Schälchen und in der Glocke zum -Gähren gebracht wurde, wurden einmal die Woche, neun Wochen lang, -die Kulturen angelegt. Dadurch, dass eine grosse Menge Platten auf -diese Weise untersucht wurden, war es nicht schwer, diejenigen -Kolonien zu isolieren, welche schon in grosser Masse anwesend waren. -Besonders in den ersten Wochen zeigten sie sich in wachsender Anzahl -und verursachten deshalb nicht selten, dass die Platten ganz sich -verflüssigten, ungeachtet der starken Verdünnungen, auf die man soviel -Sorgfalt verwendet hatte. In derselben eben beschriebenen Weise wurden -in Wageningen die Kulturen angelegt. - - * * * * * - -Fast nie fehlte der _B. mycoides_ und der _B. subtilis_; beide sind -streng aërobe Bakterien. Ersterer bildet NH_{3} aus Eiweiss, doch lebt -nur in O-haltigen Räumen, der zweite könnte gleichfalls bei der Gährung -die Rolle spielen, dass er daran mitarbeitet dem Haufen die nötige -Temperatur zu geben. Der _B. subtilis_, der nach ~Cohn~ die Brühung des -Heus und des Stalldüngers verursacht, könnte gleichfalls in dem bereit -stehenden Haufen den noch anwesenden freien O verbrauchen. - -Wenn also in dieser Weise die Lebensbedingungen auch für die Anaëroben -geschaffen werden, wird sich die Temperatur durch die biologischen -Prozesse der Mikroben zu jener Höhe steigern, die im gährenden Haufen -beobachtet wurde. Jedoch muss hier wieder bemerkt werden, dass immer -fakultative Anaëroben aus den Kulturen von mir isoliert worden sind, -die also zusammen mit dem _Mycoides_ und _Subtilis_ erst den Sauerstoff -verbrauchen, um später getrennt von diesen letzeren Mikroben, welche -streng aërob sind, ihre Lebensfunktionen fortzusetzen. Durch den -Einfluss dieser fakultativen Anaëroben bekommt der Tabak sein Arom, -insofern wir bei unserm holländischen Tabak davon reden können. - -Bei der Fermentation haben wir also zu thun mit Zersetzungen, -nicht hervorgerufen durch chemische Agentien, sondern durch einige -Mikroorganismen. Dass die von mir isolierten Mikroben eine entschiedene -Wirkung ausüben, stimmt mit meinen letzten Untersuchungen, die noch im -Monat September des Jahres 1897 gemacht worden sind, überein. Alsdann -ist es mir gelungen, als ich nach der Ursache der Mosaikkrankheit -suchte, von der Epidermis der lebenden Blätter, Bakterien zu isolieren, -welche denjenigen, die ich in grosser Zahl aus dem gährenden Haufen -in Kultur brachte, völlig glichen. Sie fanden sich auf jenen Blättern -nicht als latente Mikroben, als Sporen, sondern in vegetativen Formen -als »Örtliche Kulturen«. Hierdurch auch zeigten meine Kulturplatten -jenen Reichtum, nicht an Arten, sondern an »Reinkulturen«. Die -Bakterien, die ich im Allgemeinen im gährenden Tabak fand, sind, -ausser den genannten _Mycoides_ und _Subtilis_, Mikroben, welche ich -in »Flügges« System in die Gruppe der _Subtilis_ und _Proteus_ bringe. - -In Figur 5, I-V sind deren Kulturen, in Gelatine, auf Agar und -Kartoffel wiedergegeben, ebenso die Form der Bakterien und der -Kolonien in den verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung. Ich nenne die -funktionierenden Bakterien: _Bacillus Tabaci I_, _II_, u. s. w. - -Wie die Figur zeigt, haben die Gelatine-Stichkulturen I_a_ und IV_c_ -nebst VI_a_ mit B. anthracis (zur Vergleichung) grosse Ähnlichkeit; -gleichfalls die Kulturen auf Kartoffel von I_c_ und II_c_, wobei -erstere hell rosa und feinkörnig, letztere milchweiss und schwer -gefaltet ist. Weiter zeigen die Strichkulturen auf Gelatine von IV_b_ -und V_a_ Übereinkunft in den Ausläufern, welche federartig sind; bei -IV_b_ liegen sie auf der Gelatine und durchdringen dieselbe, bei V_a_ -liegen sie besonders regelmässig nur auf der Gelatine. Alle von I-V -sind Stäbchen oder _Bacillen_. Von den Eigenschaften der Kulturen I, -II und IV nenne ich die Bildung von NH_{2} aus Eiweiss. Ebenso wie der -_B. Mycoides_, ist der _B. Tabaci I_, _II_ und _IV_ im Stande, die -Eiweisse, Peptone und den sterilen Tabak derartig zu zersetzen, dass -NH_{3} entsteht. --Es sind Aëroben.-- - -[Illustration: Fig. 5. (I-V) Reinkulturen der Bakterien, welche -allgemein in gährendem Tabak angetroffen werden und wobei die _B. T. -I_ und _III_ die Hauptrolle spielen. VI zur Vergleichung _Bacillus -anthracis_.] - -Der _B. Tabaci III_ bewirkt den neutralen Verlauf der Gährung; -dabei wächst er anaërob, doch ist selbst eine fakultativ -anaërobe Bakterie. Er besitzt jedoch unter ihren verwandten -Formen »Eiweissfermente« und »Saprophyten der Fäulnis«; er bildet weiter -2 Sporen (?) in einem etwas gekrümmten Stäbchen (III), ist nicht -beweglich, bildet kein Indol, macht Löfflersche Bouillon trübe, und -bildet ein dünnes Häutchen an der Oberfläche. Er verflüssigt die -Gelatine, giebt einen dünnen, matt ausgebreiteten Niederschlag auf Agar -und eine rahmartige, dicke nicht gefaltete Kultur auf Kartoffel. Dieser -_B. Tabaci III_ muss in die Gruppe des _Subtilis_ untergebracht -werden. - -Der _B. T. IV_ gehört wie der _B. T. I._ zu der Gruppe des »Proteus« und -ich betrachte sie als sehr nahe verwandt mit dem _B. Proteus Zopfii_. - -Die Entstehung der Kolonien auf und in alkalischer Gelatine ist sehr -eigentümlich. In der Figur ist IV_e_ und IV_g_ die Kolonie, welche an -der Oberfläche, IV_ff_ dieselbe welche in Gelatine wächst. - -Ursprünglich ist diese letztere hellblau von Farbe und geht allmählich -in hellgrün über. Es besteht also in diesem Wachstum, mikroskopisch -betrachtet, eine Ähnlichkeit mit dem _B. Mycoides_, jedoch bildet _B. -T. IV_ keine Sporen. Die Kolonie wächst anaërob sehr schwach. - -Von der ursprünglich gebildeten Kolonie IV_e_ strahlen Bakterienfäden -in allen Richtungen aus. An bestimmten Punkten entstehen -Tochterkolonien, welche wiederum Fäden aussenden, um neue Kolonien zu -bilden, wie IV_f_, _g_ zeigt. Auch bei _B. anthracis_ wird bekanntlich -eine derartige Erscheinung beobachtet, VI_b_. - -Höchst wahrscheinlich spielt der verwandte _B. Tabaci V_ auch eine -Rolle bei der Gährung. In einer grossen Anzahl Platten habe ich ihn -gefunden; auch er ist, ebenso wie _B. T. IV_, schwach anaërob und -stimmt in vielen Eigenschaften mit diesem überein. - -Das Wachstum der Kolonie in der Gelatine zeigt die nämliche Erscheinung -wie beim _B. T. IV_. In Unmasse entstehen um die ursprünglich gebildete -Kolonie Tochterkolonien, V_c_. Durch eine chemotactische Wirkung des -noch unverbrauchten Nährbodens entsteht die concentrische Anordnung der -Tochterkolonien, die alle einem einzigen Bakterienfaden, der von der -Mutterkolonie radial austritt, ihre Entstehung verdanken. - -In groben Zügen ist dies die Beschreibung der Mikroben, welche -die Gährung unseres Tabaks verursachen. Später komme ich hierauf -ausführlich zurück. - -Die Erscheinung, dass der Betuwer Tabak weniger NH_{3} bildet, muss -höchstwahrscheinlich der geringen Anwesenheit des _B. T. I_, _II_, -_IV_ oder _V_ zugeschrieben werden, da der _B. Mycoides_ allgemein -verbreitet ist. Wenn der Betuwer Tabak künstlich mit _B. T. I_, _II_, -_IV_ oder _V_ geimpft wird, entsteht im Anfange der Gährung reichlich -NH_{3}. - -Es zeigte sich in den Jahren 1894 und 96 (Tabak von 94 und 96), dass -das Erd- und Sandgut nicht brühen wollte, während das Bestgut, welches -zuletzt gepflückt worden war, sich nicht so hartnäckig erwies. Es -muss hierfür eine Ursache vorhanden sein. Es fiel mir auf, als ich -in den Monaten August und September des Jahres 1897 die lebenden -Blätter untersuchte, dass der _B. T. I_, _IV_ und _V_ fast immer von -mir gefunden wurden, während ich sie nicht auf den jungen Blättern im -regnerischen Monat Juni fand. - -Alle Bakterien, welche auf die Blätter fallen, kommen von der -Erdoberfläche und werden durch Luftströme darauf gebracht. Im Anschluss -an meine Untersuchungen der Luft, die ich früher mitgeteilt habe, -ist die Luft am ärmsten an Keimen, wenn der Boden nass ist. Desshalb -vermute ich, dass die regnerischen Sommer von 94 und 96 einen nicht -geringen Anteil an dem trägen Verlauf der genannten Gährung gehabt -haben. Die Tabakspflanzer und Fermentierer sollten künftighin -darauf achten. Das Bestgut, welches länger der Luft ausgesetzt war, -hat auch besser Gelegenheit gehabt, während der verschiedensten -Witterungszustände mehr Bakterien auf seinen Blättern festzuhalten. - -Hiermit am Ende dieser Arbeit, habe ich Veluwer Tabak von einer -Sorte in gläsernen Schälchen sterilisiert, mit den Kulturen _B. T. -I_, _II_, _III_, _IV_, _I_ + _II_, _I_ + _III_ u. s. w. geimpft, mit -einer Bleischeibe beschwert und langsam auf eine Temperatur von 40° C. -gebracht. Die Gährung habe ich reichlich 6 Wochen ihren Verlauf nehmen -lassen und dann gehemmt. Die Reaktion wurde stets kontrolliert und in -Übereinstimmung gefunden mit dem, was schon beschrieben worden ist. - -Dann habe ich unparteiisch diesen Tabak von erfahrenen Händlern und -Züchtern beurteilen lassen, mit dem Erfolge, dass alle, nl. die Herren -~A. Herschel~ in Amersfoort, ~H. de Hartog~ und ~v. Druijnen~ in -Wageningen, ~Gijsberts Jr.~, in Valburg und ~N. v. Os Fz.~ in Amerongen -ohne Zaudern denjenigen Tabak erwählten, welcher geimpft war mit _B. -Tabaci I_ + _III_, während ein alter Arbeiter der Impfung mit _B. T. -IV_ den Vorzug gab und nach dieser gleichfalls die Impfung mit _B. T. -I_ + _III_ als die beste angab. - -Durch die Impfung mit der Reinkultur von _Bacillus Tabaci I_ + _III_ -erhält der Tabak ein angenehmes, honigsüsses Aroma. Die Zukunft wird -zeigen, wie die Gährung unseres Tabaks verlaufen wird, wenn ich diesen -mit den Reinkulturen impfe, welche ich aus unserm indischen und dem -Havanna-Tabak isolieren werde. Von der Versuchsstation in Buitenzorg -erwarte ich eine Sendung ungebrühten Tabaks edler Arten, und dann -hoffe ich später das Resultat dieser Untersuchungen mitzuteilen. Ebenso -nehme ich mir vor, _nicht-sterilisierten_ Tabak mit Reinkulturen zu -impfen. - - - - -Krankheiten. - - -Von einer grossen Zahl Mikroorganismen ist bewiesen worden, dass sie -Tier und Pflanze zu infizieren vermögen. Ebenso wie der künstlich -präparierte Nährboden sie zur Entwicklung bringen kann, kann das -lebende Wesen, sei es Tier oder Pflanze, solches thun. In beiden Fällen -wachsen und vermehren sie sich auf Kosten der angebotenen Nahrung; im -erstern Falle wird die tote Materie, der Nährboden, im zweiten Falle -werden das Gewebe und die Säfte des lebenden Organismus durch ihr -Wachstum geändert. Die Änderungen, welche Tier und Pflanze, im ganzen -genommen, hier zeigen, treten hervor als »_Krankheitserscheinungen_«. - -Man nennt die Mikroorganismen Parasiten, wenn sie sich in oder auf dem -lebenden Organismus entwickeln und vermehren, Saprophyten wenn sie auf -totem, organischem Stoff leben. - -Die Sporen vieler Fungi, Hefen und Bakterien, und auch die nicht -Sporenbildenden Formen, können die Gesundheit von Tier und Pflanze also -bedrohen und sogar den Tod verursachen, aber die lebenden Wesen sind -nicht alle gleich empfindlich für dieselben pathogenen Mikroben. - -Meerschweinchen und Kaninchen sind sehr empfindlich für Tuberkulose, -weniger ist dies der Fall mit den Feldmäusen, Katzen, weissen Mäusen, -Ratten und Hunden, während die kaltblütigen Tiere dem Bacillus -tuberculosis gegenüber sogar immun sind (Koch). - -Die natürliche und künstliche Immunität kann auf verschiedene Weisen -entstehen oder erhalten werden. - -In den jüngsten Jahren hat sich herausgestellt, dass, die schon längst -bekannte parasitäre Wucherung der höheren Fungi ausgenommen, auch die -Bakterien Krankheiten unter den Pflanzen verursachen (_Migula_, _Ludwig -Russell_, _Heintz_ u. a.), und es würde mich nicht Wunder nehmen, -wenn durch die eigentümliche Nahrung (Düngung) unserer Tabakspflanze, -wodurch die Gewebe und Säfte einen gewissen Reichtum an bestimmten -anorganischen und organischen Salzen erhalten, diese Pflanze, der -nachher näher zu beschreibenden Ursache der Mosaikkrankheit gegenüber, -nicht so »immunisiert« wäre, wie andere. Verwandte der Familie der -_Solanaceae_ sind dem das Tabaksblatt krankmachenden Gewebesaft der -Tabakspflanze, welche an Fleckkrankheit leidet, gegenüber immun. - -Von Pflanzenkrankheiten, die durch Bacterien verursacht werden, sind -schon bekannt und beschrieben: - - - 1^o der Pear-blight und Apple-blight der Amerikaner, - 2^o der Hirsebrand, - 3^o die Bakterienkrankheit des Mais, - 4^o der Rotz der Hyazinthen, - 5^o die Nassfäule der Kartoffeln, - 6^o die Gallenkrankheit der Aleppokiefer, - 7^o die Gallenkrankheit der Oliven, - 8^o der gelbe Rotz der Hyazinthen, - 9^o die Bakteriosis der Weintrauben, - 10^o die Bakteriosis der Zuckerrüben. - - -~Flügge~ giebt diese Namen (1-9) in seinem »Mikroorganismen« Bd. I, pg. 418. - - * * * * * - -Die Folge der Infektion ist bei der Pflanze meistens eine -Zellendegeneration, Wucherung oder Sekretion. Sehr wenig -Pflanzenvarietäten sind empfänglich für den nämlichen infizierenden -Stoff, die meisten sind immun. - -Meistens hat man hier die natürliche Immunität in dem Bau der Gewebe -zu suchen. Viele Arten von Birnbäumen, welche bei der natürlichen -Infection den Geschlechtsorganen entlang resistent sind, können nach -Injection in das parenchymatöse Gewebe ebenso gut infiziert werden -mit dem _Bacillus Amylovorus_ wie die empfindlichen Arten. Durch die -mehr oder weniger grosse Festigkeit der Zellenwände wird der Lauf des -Infektionsstoffes durch die Pflanzengewebe beherrscht, daher, dass die -jüngsten Sprossen bei den Pflanzen die empfindlichsten Teile für die -Verbreitung der Krankheit sind (Mosaikkrankheit). - -Viele Mikroorganismen weiterhin können sich nicht den sauren Zellensaft -entwickeln, während andere darin wohl gedeihen. Bis jetzt ist es -aber nicht gelungen, im Pflanzengewebe einen mikrobiciden Stoff zu -finden, so wie das »Alexin« von ~Buchner~ im tierischen Organismus. -Nährversuche, Chlornatrium- und Sulfatinjektionen von mir an gesunden -Tabakspflanzen gemacht, werden vielleicht lehren, ob es möglich ist, -einen alexin-artigen Stoff aufzufinden oder zu verstärken, welcher -den Bakterien der Fleckkrankheit gegenüber baktericide Eigenschaften -besitzt. - -Eine specifische Immunität, welche nach Heilung einer -Infektionskrankheit erhalten werden kann, ist bei der Pflanze noch -nicht beobachtet worden. Ein ganzes Feld bietet sich hier der Forschung -dar. - - * * * * * - -Als ich im Sommer 1897 nach der Ursache der Fleckkrankheit bei unserm -Tabak suchte, brauchten meine hierzu verwendeten Pflänzchen noch einige -Wochen um sich kräftig zu entwickeln. In jener Zwischenzeit wurde -der »Rost« des Sumatra-Tabaks mikroskopisch von mir untersucht. Dass das -unerwünschte Hervortreten dieser Flecken bei jenem Tabak nicht ohne -Wichtigkeit ist, ergiebt sich aus dem Wert der von mir empfangenen -Blätter, der von _f_ 0.35 bis _f_ 0.40 per lb betrug, während bei -Abwesenheit dieser zahlreichen grösseren und kleineren Flecken der Wert -mit _f_ 4.--bis _f_ 4.50 angegeben wird. - -Unter dem Namen »Rost« oder »Bunt« werden eine Anzahl Krankheiten -der Tabaksblätter zusammengefasst, welche alle darin mit einander -übereinstimmen, dass sie sich als Flecken zeigen, die aber im Ursprung -völlig von einander verschieden sind. Was man hier in Holland »Roest« -oder »Brand« nennt, ist meistens die Krankheit, welche auch wohl mit -dem Namen »Mosaikkrankheit« bezeichnet wird. Auf den frischen Blättern -findet man mosaikartig abwechselnde helle und dunkle Flecken; letztere -haben ein stärkeres Wachstum, die Zellen der dunkelgrünen Flecken -sterben später und letztere werden dann braungelb wie das tote Blatt. -Die unregelmässigen Windungen der Blattoberfläche entstehen durch das -ungleiche Wachsen der verschiedenen Teile; dadurch bekommt jene ein -höckeriges Ansehen. Die Narben und Närbchen laufen durch jene Flecken -mit einer rein hellgrünen Farbe wie Kanälchen weiter. Örtlich liegen -die dunkelgrünen Flecken ursprünglich immer zwischen den kleinen Narben -oder in den Ecken derselben. Nach dem Trocknen und der Fermentation -ist das Blatt derartig gefleckt und spröde, dass es keinen Wert mehr -hat, es sei denn, dass man schwach gefleckte Exemplare noch so viel wie -möglich heraussucht. - -Bei unserm Sumatra-Tabak entstehen die Flecken und Fleckchen durch -verschiedene Ursachen. Es ist bekannt, dass durch das Stieben des -Sandes oder durch Thau oder Regentropfen nach kräftigem Sonnenschein -sich Fleckchen bilden; im ersteren Falle ist die mechanische Wirkung -des Sandes, im letzteren Falle sind die als Linsen wirkenden Tropfen -schuld daran. - -Mikroskopisch sieht man den Unterschied zwischen hier und der Wucherung -der Fungi. Auf folgende Weise gelang es mir, sehr deutliche Präparate -der trocknen Blätter zu bekommen. - -Zuerst wird ein gefleckter Teil einige Minuten in KOH schwach erhitzt, -dann gut in Wasser ausgespült und nachher mit Essigsäure neutralisiert; -auf die nämliche Art werden die Querschnitte behandelt. Bei 100 maliger -Vergrösserung ist das Blatt noch durchsichtig und können an vielen -Stellen Myceliumfäden oder Hyphen beobachtet werden. Viele dieser -Hyphen finden durch die Spaltöffnungen ihren Weg in die Blätter. In -einigen Fällen konnte ich in diesen Flecken Stärkemehl auffinden, -woraus sich folgern lässt, dass unter dem Einflusse der krankhaften -Beschaffenheit die früher beschriebene Wandlung von Amylum in Dextrose -im sterbenden Blatte, also unmittelbar nach dem Pflücken, nicht -stattgefunden hat; es sind also diese Fungi saprophytisch aufgetreten. - -Hier und da sah ich braune Hyphen, welche Sporen bildeten. Es stellte -sich heraus, dass sie zu _Cladosporium_ gehörten; an einer andern -Stelle fand ich ein _Macrosporium_, einen Pilz, der ebenfalls in der -Lebensweise dem _Cladosporium_ verwandt ist. Diese Fungi entwickeln -das Mycelium in dem Gewebe der toten Pflanzen und senden dann -Hyphen aus; es sind gewöhnlich Saprophyten, aber sie werden auch -auf Blättern, Stengeln und Halmen von reifem Getreide gefunden. Der -Freundlichkeit der Herren ~Prof. Ritzema Bos~ und ~Prof. C. A. J. A. -Oudemans~ verdanke ich es, die Namen der gefundenen Pilze mitteilen zu -können; höchstwahrscheinlich haben dieselben sich saprophytisch auf -den sterbenden Blättern entwickelt: _Phyllosticta Tabaci Passerini_, -_Cladosporium herbarum Link_, _Macrosporium commune Rabenhorst_. - -Die Bibitkrankheit des Tabaks auf Sumatra's Ostküste, welche zuerst im -Jahre '89 beobachtet wurde, wird nach einem vorläufigen offiziellen -Bericht von ~Dr. van Breda de Haan~ (1893) gleichfalls von einem Pilz -verursacht (_Peronosporeae_). - -Derselbe Autor (1896) erwähnt eine Krankheit im Delitabak, welche -durch das Tabaksälchen verursacht wird. Als Ursache der Flecken auf -unserm Tabak, ausgenommen diejenigen, welche von der Mosaikkrankheit -hervorgerufen werden, kann genannt werden _Phyllosticta Tabaci_. -Hierbei erscheinen die Blätter durch die Anwesenheit zahlreicher -heller Stellen gefleckt, welche später austrocknen und weiss werden; -an einzelnen Punkten sind nicht selten _Pycniden_ als kleine schwarze -Pünktchen sichtbar. - -Wenn _Ascochyta Nicotianae_, gleichfalls ein Pilz, Ursache der -Erkrankung ist, so zeigen sich trockne, braune Flecken von -unregelmässiger Form. - -Ebenso entstehen Flecken durch _Thrips Tabaci_, ein kleines Insekt, das -höchstens 1 mm lang ist. Man sieht hierbei schmale, bandförmige, weisse -Flecken an der Mittelnarbe und entlang den Seitennarben. Hier hat das -Insekt die eine Oberhaut und das Blattparenchym bis auf die unterste -Oberhaut weggefressen. - -Ganz anders ist bei unserm Tabak die Ursache der Fleckkrankheit, die -mehr speziell _Mosaikkrankheit_ genannt wird. - -In »de Tabaksteelt« von ~H. Hartog~ (Haarlem 1889) wird mitgeteilt, dass -der in Holland bestehende »Roest« durch einen Pilz verursacht wird; von -Fleck- oder Mosaikkrankheit ist nicht die Rede. - -In »Die landwirthschaftlichen Versuchs-Stationen«, Berlin 1885, macht -~Prof. Adolf Mayer~ die erste Mitteilung über die Mosaikkrankheit. Mit -vielem Scharfsinn beobachtete er die Erscheinungen und gab als seine -Vermutung zu erkennen, dass höchstwahrscheinlich Bakterien die Ursache -davon sein sollten. - -In »Die schädlichsten Insekten des Tabaks in Bessarabien«, Moskau -1888, beschreibt Dr. ~K. Lindeman~ eine Krankheit, die mit unserer -Fleckkrankheit viel Übereinkunft zu haben scheint. In Russland ist sie -sehr verbreitet und verursacht viel Schaden. - -Im Laufe des Sommers 1897 habe ich persönlich bei unsern -Tabakspflanzern über die Mosaikkrankheit viele Erkundigungen eingezogen -und die sonderbaren Erscheinungen dabei beobachtet. Die Pflanzer -teilten mir mit, dass diese gefürchtete Krankheit laut Überlieferung -nicht abnimmt, sondern sich stärker ausbreitet. Sowohl in der Betuwe, -wie auf der Veluwe heischt sie ihre Opfer. In Elst in der Betuwe -und zwar auf »de Vergert« traf ich einen kleinen Acker (~Wittwe -Jansen~), der so weit die Erinnerung reicht, niemals kranke Exemplare -hervorgebracht hat. Die Düngung geschieht da mit Kuhmist wie auf vielen -andern Feldern. - -Wenn man nach der mutmasslichen Ursache der Fleckkrankheit fragt, sind -die Antworten sehr verschieden und können zunächst keine Veranlassung -zum Stellen einer Hypothese geben. Die bedeutensten Züchter aber, und -unter ihnen finden sich sehr gebildete Leute, die mit grossem Interesse -auf alle Einzelheiten aber auch auf für sie gleichfalls unerklärliche -Sachen hinweisen, haben mir solche Auskünfte gegeben und solche -abweichende Krankheitsbilder gezeigt, dass ich im Stande bin, hier eine -vorläufige Mitteilung über die mutmassliche Ursache der Mosaikkrankheit -zu machen. - -Wie ich schon sagte, sind die Antworten sehr verschieden. Der eine -Züchter sucht die Ursache in der weniger guten oder schlechten Düngung, -wodurch die Pflanze durch unzureichende Nahrung krank wird und dadurch -Flecken auf ihren Blättern zeigt. - -Ein anderer meint, der Witterungswechsel habe schuld daran. Oftmals -zeigen die Blätter, z. B. nach kalten Nächten, dunkelgrüne Flecken -»Kopbont« wie man sagt. Wenn diese Erscheinungen sich nur schwach -offenbaren, verschwinden die Flecken allmählich wieder. - -Ein dritter vermutet, der Zustand des Bodens, eine grosse Feuchtigkeit, -rufe die Fleckenkrankheit hervor. - -Ein vierter glaubt sicher, dass ein ihm unbekannter Zustand des Samens -und dessen Herkunft einen nicht geringen Anteil habe. - -Noch andere nehmen ihre Zuflucht zu übernatürlichen Kräften, und -erwähnen Personen, welche keine glückliche Hand beim Pflanzen der -jungen Pflänzchen haben. Einer der Arbeiter erhielt sogar den -Namen »Jantje Bont« (~Mayer~). - -Ferner misst man einigen Frauen eine Kraft bei, die eine derartige -Wirkung auf die Pflanzen hat, dass die Fleckkrankheit entsteht. - -Die Düngung mit Taubenmist und mit menschlichen Faeces, wird auch nicht -selten herbeigezogen, als sollte dies die Krankheit hervorrufen. - -Grössere Bedeutung muss folgendem beigelegt werden: - -Die Krankheit dehnt sich immer mehr aus; wenn sie einmal auf einem -Felde ist, so bleibt sie da. Ich sah Felder in der Nähe von Amerongen, -welche die Fleckkrankheit fast Blatt für Blatt zeigten, die grossen -Blätter schienen blutübergossen; jedes Jahr findet sich die Krankheit -daselbst und Wechselbau alle 4 Jahre hat keine Änderung darin -gebracht. Die Pflanzen kamen aus den nämlichen Mistbeeten wie die -andern, welche auf dem unmittelbar daran grenzenden Felde standen -und nur im geringen Masse die Fleckenkrankheit zeigten. Meine Frage, -ob bei einem kleinen Teile (etwa 12 Pflanzen, die zusammen standen), -welcher die Krankheit zeigte, im vorigen Jahre auf derselben Stelle die -Erscheinung auch beobachtet war, wurde bejaht. - -Wenn man eine kranke Pflanze aus dem Boden herauszieht und an derselben -Stelle eine gesunde einpflanzt, so zeigen sich etwa nach 4 Wochen auch -die Flecken bei den Blättern der letzteren. - -Auf neuen in Kultur gebrachten Feldern zeigte sich die Krankheit nicht, -wenn auf diese Felder die Mistbeete gestellt waren. Wenn man jedoch -Pflanzen einbringt, welche von einem Felde herstammen, auf dem die -Fleckkrankheit jedes Jahr erscheint, so ist es sehr wahrscheinlich, -dass einige Pflanzen angegriffen werden. - -Wenn ein Teil des Feldes oder eines Mistbeetes, das jedes Jahr kranke -Pflanzen hervorbringt, 30 bis 40 cm. ausgegraben wird, und wenn Erde -von weit entlegenen Feldern oder »~Vom Berge~« wie man in der Gegend von -Amerongen sagt, hier hineingebracht wird, so ist die Mosaikkrankheit -vertrieben, und die Pflanzen entwickeln sich normal darauf. - -Um die Zeit, zu welcher die letzten Blätter geerntet werden, sieht man, -dass die Ausläufer oder Geizen in grosser Zahl die Kennzeichen der -Fleckenkrankheit tragen, während die Pflanze früher keine gefleckten -Blätter hatte. - -Viele geschulte Züchter sagen, die Mistbeete seien schuld an der -Fleckenkrankheit. Wenn das Mistbeet angesteckt ist, so erkranken von -den 1000 Pflanzen etwa 900 nach der Pflanzung auf das Feld, wenn -das Mistbeet nicht angesteckt ist, so werden von 1000 z. B. 100 die -Fleckenkrankheit zeigen. Diese letztere Erscheinung, diese -niedrige Ziffer, ist der Art, dass man dennoch nicht den Mistbeeten -allein die Schuld geben darf; aber daraus erhellt, ebenso wie aus -all dem Vorhergehenden, _dass der Boden ein infizierendes Vermögen -besitzt_. Sehr bemerkenswert, jedoch nur von einer Wahrnehmung -herstammend, ist der Fall, dass nach einer Düngung mit 35000 kg. -Schafsmist, 500 kg. Kainit und 500 kg. Thomasphosphat die Krankheit -unter den Pflanzen abnahm und dass das gleiche ein nächstes Jahr wieder -beobachtet wurde. - -Als ich zu der Überzeugung gekommen war, dass ein infizierendes Etwas -vorhanden sein musste, habe ich mit einer Reihe von Pflanzen Versuche -angestellt, wobei ich zu folgenden in Kürze angegebenen Ergebnissen -gelangte: - -1^o Bringt man in einem Einschnitt in die Hauptnarbe einer gesunden -Pflanze einen kleinen Streifen von einem kranken Blatte (gefleckter -Teil). - -2^o Bringt man den Saft von kranken Blättern irgendwo, gleichviel wo, -in das Gewebe gesunder Pflanzen. - -3^o Bringt man den Saft von kranken Blättern rund um die Wurzel herum, -also auf die Erde. - -4^o Zerreibt man zwischen den Fingern ein krankes Blatt und bringt -den feuchten Finger an die Wundfläche eines abgebrochenen Blattes bei -einer gesunden Pflanze, so zeigen sich in all diesen Fällen, bei jungen -Pflanzen innerhalb 3 bis 4 Wochen, die Flecken an den jüngsten Blättern. - -Abwechselndes Wetter, z. B. tagelang Sonnenschein und nachher ein -einzelner Regenschauer, ist im Stande, die Flecken rascher entstehen zu -lassen und dadurch sichtbar zu machen, jedoch nie früher als innerhalb -14 Tagen habe ich diese Wirkung beobachtet. - -Das Kochen und die Papierfiltration entnehmen nach ~Prof. Adolf Mayer~ -dem Safte das Vermögen zu infizieren. Aus seinen Nachforschungen -erhellt, dass weder die chemische Zusammensetzung der Erde eines -angesteckten Feldes oder eines angesteckten Mistbeetes, noch die -plötzliche künstliche Änderung der Temperatur beim Auspflanzen, -noch die Verletzungen oder Verdrehungen der Wurzel die Krankheit -herbeiführen können. - -Aus einer grossen Menge bakteriologischer Kulturen, welche angelegt -waren mit Tabaksaft-Malz-Gelatine, habe ich oft, doch nicht immer, eine -Mikrobe isolieren können, welche in der That eine infizierende Kraft -besitzt. - -Da es sich nun zeigt, dass wir hier mit einem infizierendem Stoff -zu thun haben, müssen alle Mittel zu Hülfe genommen werden, die -Übertragung desselben zu verhindern. - -Es scheint mir nicht unmöglich, (vergleiche sub 4) dass die Personen, -welche mit dem Köpfen der Pflanzen und dem Ernten der Blätter -beauftragt sind, mit ihren von kranken Blattteilen infizierten Fingern -den Ansteckungsstoff auf gesunde Pflanzen bringen können; daher im -Spätsommer die zahlreichen Fälle, wo die Geizen und jungen Blätter die -Fleckkrankheit zeigen. Die Gründüngung ist auf Feldern, welche die -Mosaikkrankheit zeigen, aus obengenannten Gründen nicht zu empfehlen. - -Die mikroskopischen Untersuchungen der kranken Blätter lassen eine -Desorganisation des Chlorophyll erkennen, das schliesslich ganz und gar -aus dem Zelleninhalt verschwindet. Sehr bemerkenswert sind die kurzen -Luftstreifen zwischen den Pallisadenzellen und der linienförmigen -Zeichnung der Zellenwand. Myceliumfäden oder Hyphen können es nicht -sein. - -Da ich im Winter '97 Gelegenheit habe, die Versuche fortzusetzen, hoffe -ich später diesen Gegenstand wieder aufzunehmen. - - - - -Mittel zur Verbesserung unsres Tabaks. - - -Aus allen Untersuchungen, die bis jetzt mit Bezug auf die Düngung -angestellt worden sind, können keine allgemeinen Regeln mehr abgeleitet -werden als die schon angegebenen, die sich hauptsächlich auf den -Chlor-, Stickstoff- und Kaligehalt beziehen. - -Chloridreiche natürliche oder künstliche Düngstoffe müssen vermieden -werden, ebenso ein zu hoher Gehalt an Stickstoffverbindungen. Eine -Düngung mit mehr Stickstoff als angezeigt, entwickelt ein dunkelgrünes, -fleischiges, lang gedehntes, schmal dicknarbiges Blatt, das sich also -nicht zum Cigarrentabak eignet. - -Schon ~Hermbstadt~ nahm wahr, dass humusreiche Pflanzenerde und Kuhmist -den besten Tabak liefern. - -Wie ich schon schrieb: Die Tabakspflanze fordert Kalium, viel Kalium! - -Die ganze Tabakskultur muss darauf hinzielen, dass sie einen -kalireichen Stalldünger bekommt. - -In der letzten Zeit hat sich aus Versuchen ergeben, dass die -Tabakspflanze viel kohlensaures Kali vertragen kann, mehr als man -früher je dachte. - -Eine Düngung im Frühjahr sogar mit 1000 kg. kohlensaurem Kali per ha, -was man früher nicht zu thun wagte, hat keine schädlichen Folgen gehabt. - -Als Versuch sei dies unsern Pflanzern anempfohlen. Die -bekannten »Internationale Guano- und Superphosphatwerke« in Zwijndrecht -bringen dieses Salz in den Handel mit einem Gehalt von 50-55 Prozent -Kali und zu einem Wert von _f_ 20 (etwa 34 Mk) per 100 kg. Wegen der -Eigentümlichkeit dieser Kali-pottasche, die Feuchtigkeit anzuziehen, -wird sie in doppelten Säcken von 62-1/2 kg. verpackt. - -Der innere Sack ist präpariert, hemmt also die Aufnahme der -Feuchtigkeit aus der umringenden Luft. - -Schon längst hat man bemerkt, dass man durch Holzasche und Pferdemist -einen hellfarbigen Tabak erhält, Ziegen- und Schafsmist dahingegen geben -ein dunkles Produkt. - -In Japan bekommt man sogar ein schönes hell gefärbtes Blatt, angenehm -von Geschmack, dadurch, dass man es mit Kuchen von Leinsamen düngt -nebst ein wenig Stalldünger. - -Wir wissen, dass Valburg den besten Cigarrentabak unsres Landes -liefert, (_f_ 28.25 per 100 lb) und dass dort die einfache Düngung -mit Kuhmist auf dem sandigen Boden (dem Teil des Dorfes, welcher »Het -Hoog« (= Die Anhöhe) genannt wird), ohne dass man jemals sich des -Wechselbaus bediente, das schöne goldgelbe, breitgeformte Blatt -hervorbringt. - -Die Überführung von Erde aus Valburg (wo man auch Lehmboden antrifft) -auf die Veluwe, hat keine Resultate beim Anbau des Tabaks geliefert. - -Jeder Züchter muss die Düngversuche auf seinem eigenen Boden anstellen -und dabei der Gefahren eingedenk sein, die entstehen können, wenn man -die genannten schädlichen Elemente oder Salze anwendet. In der letzten -Zeit hat man die Aufmerksamkeit auf die Düngung mit Silicaten gerichtet -(Martellin = Kalium-silicat), wodurch die Brennbarkeit und die Farbe, -nebst dem anatomischen Bau des Blattes verbessert wird[E]. - -Nach der schönen Lehre von ~Darwin~, welche sich auf wissenschaftliche -Forschungen gründet, wird die Pflanzen- und Tierwelt in einer Gegend -sich den da anwesenden physischen Lebensbedingungen anpassen und -sich demgemäss entwickeln. In »_the struggle for life_« werden die -bevorzugtesten Arten, Rassen und Varietäten siegreich aus dem Kampfe -hervorgehen, bekränzt, nicht mit der Siegespalme, sondern mit der -kräftigen Lebensfähigkeit für ihren Stamm. - -Dies muss auch anwendbar sein auf unsere Tabakskultur. - -Meine Nachforschungen gaben mir die Überzeugung, dass viele -Tabakspflanzer ihr Fach wissenschaftlich auffassen und weder Mühe noch -Kosten scheuen, Versuche zu machen, welche die Kultur fördern können. - -Ich kann nicht genug darauf hinweisen, dass man die grösste Sorgfalt -auf das Gewinnen des Samens verwende. Man muss hiezu nicht einige -Pflanzen in zeitweise günstige Lebensverhältnisse bringen dadurch, -dass man sie besser oder örtlich starker düngt, sie auf gut gewählten -geräumigen Stellen des Feldes Samen schiessen lässt, sondern man -muss diejenigen Pflanzen mitten auf dem Felde auswählen, welche sich -durch schönen Bau, Blattform u. s. w. auszeichnen, dann hat man die -grösste Gewähr, dass die erblichen Eigenschaften des Samens auf die -Nachkommenschaft übertragen werden. - -Durch die Kultur der Tabakspflanze hat der Bau der Blume sich geändert. -Die bei uns schwach vorhandene Protogynie ist im Naturzustande -deutlicher und schärfer hervortretend, wodurch Kreuzbestäubung mehr -erwartet werden kann. Der Bau der Kulturblume ist jetzt derartig, -dass Staubfäden und Stempel nicht nur etwa auf derselben Höhe stehen, -sondern dass die weibliche Periode der Blume in unserm Klima im -geschlossenen Knospenzustand verlebt wird. - -Dies erleichtert uns die künstliche Kreuzbestäubung; man braucht nur -die Knospe welche im Entfalten begriffen ist, zu öffnen und die Pollen -von gleichfalls gut gewählten Pflanzen mit einem kleinen Pinsel auf -den Stempel zu bringen. Nach zwei Stunden ist die Gefahr vorüber, dass -Insekten durch ihren Besuch andere Pollen mit demselben in Berührung -bringen. Verhüllung mit Gaze oder mit einem Papierbeutelchen während -einiger Stunden sei deshalb empfohlen. Auf diese Weise kann kräftiger -Samen gewonnen werden. - -Weiter lehren die Versuche, dass die mittelsten Blumen (Samenkapsel) -am Stengel den kräftigsten Samen enthalten. Sehr erwünscht ist es -zugleicherzeit, die gewählten Pflanzen die Blätter behalten zu lassen -und sie nicht abzureissen, wie es bisweilen geschieht. - -Kräftig entwickelte Pflanzen werden den Kampf ums Dasein leichter -bestehen als schwächere, sie werden zugleich besser im Stande sein, den -Krankheiten zu widerstehen. - -In Valburg hat man eine eigentümliche Gewohnheit, den Samen zum Keimen -zu bringen. Man bringt ihn in ein angefeuchtetes Leinenläppchen oder -Säckchen, nachdem es im Wasser angeschwollen ist. - -Dann hängt man es in mässiger Entfernung vom warmen Ofen auf. Die -Folge hiervon ist, dass der Samen zwar sichtlich gut ausläuft, aber -dabei mittels Diffusion lösliche Nahrungsstoffe abgiebt, welche als -Reservenahrung dem zukünftigen Pflänzchen entzogen werden. Auf diese -Weise wird das keimende Pflänzchen geschwächt und der Kampf, den es -beim Übergange zu einer sich selbst nährenden Pflanze zu bestehen hat, -wird ihm erschwert. - -Dass der Verlust von Salzen, Aschenbestandteilen, grösser ist als man -sich denkt, geht hieraus hervor, dass, wenn der Aschengehalt des Samens -4% ist, dieser nach Behandlung mit Wasser während der 24 Stunden des -Tages 1/4 Teil verloren hat. In dieser Weise verliert der Samen schon -einen grossen Teil des so sehr erwünschten Kali, nl. 25.8%, und 6.4% -Phosphorsäure (~Behrens~). - -Weiter lässt man in Valburg, nach dem Pflücken, die Blätter noch -einige Tage auf dem Felde liegen, erst dann werden sie an Stangen -angereiht. Aus der Physiologie des sterbenden Blattes ersahen wir, -dass das Trocknen langsam geschehen soll. Hierdurch entstehen -Zersetzungsprodukte, welche bei der Gährung erwünscht sind. - -Beim Gährungsverlauf haben wir gesehen, dass bei unserm Tabak der -Bacillus Tabaci I + III, die Hauptrolle spielt, er giebt ihm den reinen -Geruch und Geschmack, insofern wir dies bei unserm Tabak wahrnehmen -können. Da, wo die Gährung nicht stattfindet oder nicht gut verläuft, -können diese Mikroben künstlich angebracht oder geimpft werden. - -Die Versuche, die Mosaikkrankheit zu verhindern, könnten schon jetzt -beim Wechselbau angestellt werden. Der Anbau von Erbsen, Bohnen, Klee -und andern Hülsenfrüchten sei anempfohlen. - -Folgende Düngung wird von einigen grossen Züchtern versucht werden. - -Im Spätjahr wird per ha. 750-3000 kg. ungelöschter Kalk auf die -Oberfläche des Feldes gebracht und gleichmässig darauf ausgestreut. -Dies lässt man ungefähr einen Monat liegen und bringt dann 400-600 kg. -Kainit und 400-600 kg. Thomasphosphat hinzu, nachher wird es im Januar -oder Februar, wenn der Witterungszustand dies erlaubt, mit dem Spaten -untergegraben. Auf die gebräuchliche Weise werden dann die Erbsen, -Bohnen u. a. gepflanzt oder gesät. - -Die Versuche, welche angestellt werden, um auf eine andere Weise der -Mosaikkrankheit vorzubeugen, werden fortgesetzt, nehmen aber viel Zeit -in Anspruch. - -Die Gründüngung auf angesteckten Feldern kann aus obenerwähnten Gründen -nicht empfohlen werden. - -Das Ausgraben der infizierten Mistbeete etwa 30 cm. tief und das -Hineinbringen gesunder Erde, also von unbebautem Boden, verdient -Empfehlung. Ein Pflanzer, der niemals Fleckkrankheit auf seinem Felde -gehabt hat, könnte dadurch, dass er junge Pflänzchen, welche von -infiziertem Boden herstammten, lieh oder kaufte, sein Feld auf immer -anstecken und dadurch die Mosaikkrankheit hervorrufen. - - * * * * * - -Und hiermit habe ich einen Gegenstand behandelt, der immer mehr mein -Interesse erregte. Dabei habe ich viele unsrer Tabakspflanzer als -Personen kennen gelernt, die alles aus Liebe zur Sache thun, und -ungeachtet des grossen Aufschwunges unsrer indischen Kultur, wodurch -soviele edle Tabakssorten über die ganze Welt verbreitet werden, mit -Mut, Ausdauer und Lust zur Arbeit, unsern einheimischen Tabak züchten, -bearbeiten, und zu verbessern trachten. Mögen sie, indem sie so -fortfahren, auch die Früchte ihrer Arbeit geniessen! - -[Fußnote E: Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur« 13 Mai -1899 »Martellin, een nieuwe meststof«.] - - - - -Verbesserung durch Reinkulturen. - -(Fortsetzung der Untersuchungen von 1897). - - -Die Untersuchung der Gährung unseres einheimischen Tabaks ist, da -wir es hier mit einem Prozesse zu thun haben, bei dem fakultative -anaërobe Bakterien eine Rolle spielen, enorm von mir gekürzt worden. -Später wurde ich mit den an der Oberfläche der Platten angelegten -bakteriologischen Kulturen bekannt, wodurch man makroskopisch schon -deutlich die verschiedenen Arten des Wachstums von Bakterien und andern -Mikroorganismen wahrnemen kann. - -Dies Verfahren hat unendlich viel vor derjenigen Untersuchungsmethode -voraus, bei der die Kulturen auch in Gelatineplatten wachsen. - -Im letzteren Falle doch sieht man, nur einige Variationen in -verfliessenden Kulturen ausgenommen, welche meistens kugelförmig in -der Gelatine wachsen, fast immer gelbe Pünktchen, bald rund, bald -linsenförmig. - -Will man gerade jene Mikroorganismen auffinden, welche aërob oder -fakultativ anaërob sind und bei irgend einem Prozesse eine Funktion -zu erfüllen haben, so bietet diese Methode sehr grosse Vorteile und -nicht weniger eine Abkürzung was die Zeit betrifft. Sogar zu einer -quantitativen Bestimmung von Mikroorganismen eignet sich diese -Untersuchungsmethode. Was die Untersuchungen der Tabaksgährung -betrifft, so sind diese in folgender Weise abgekürzt worden. - -Die früher beschriebenen Stückchen fein geschnittenen Tabaks werden in -ein Röhrchen mit 10 cm³ physiologische Kochsalzlösung (0.75 Prozent) -gebracht und mit der Platinnadel wiederholt in dieser Flüssigkeit -bewegt, während man sie dann und wann noch durch einander schüttelt. - -Vom Inhalte dieses Röhrchens werden dann eine oder mehr Platinspiralen -(welche in meinem Falle 0.048 gr. Flüssigkeit festhalten) auf ein -zweites und drittes Röhrchen gebracht. Die Erfahrung giebt hier bald -einen Fingerzeig. Es stehen einige sterile Kulturschälchen mit dem -beschriebenen festen Nährboden bereit. Nun wird der Inhalt des I^{en}, -II^{en} u. s. w. Rohres über die Oberfläche ausgegossen. Was zu viel -ist an Flüssigkeit, lässt man wegfliessen, indem man einfach das ein -wenig geöffnete Schälchen schräg hält. Weiter bewegt man das Schälchen -noch einen Augenblick hin und her, um die geringe Quantität Wasser, -in welchem die Mikroorganismen verteilt liegen, gut zu verbreiten. -Die Berechnung lehrte mich, dass die Oberfläche des beschriebenen -Petri-Schälchens während dieser Manipulationen ungefähr 0.5 gr. -Flüssigkeit festhielt. - -Wenn man genauer dieses Gewicht kennen lernen will, so kann das -Schälchen vor und nach dem Anfeuchten gewogen werden, und dies Gewicht -berechnet werden auf die respektiven Röhrchen und die gebrauchte -Quantität Tabak im Röhrchen I, der zwischen zwei sterilen Uhrgläsern -vor dem Experiment gewogen wird. - -Nach Verlauf einiger Tage kommen die Plattenkulturen zur sichtbaren -Entwickelung und ist es viel leichter, eine Übersicht über den -Totalgehalt an Sorten zu bekommen. Quantitativ betrachtet hat diese -Methode Fehler. Die Ursache davon liegt darin, dass die Bakterien in -mehr oder weniger starkem Masse in den von ihnen selbst abgeschiedenen -Schleimhüllen liegen und dadurch sehr am Medium haften, dem Blatte, -auf dem sie, sei es auch kurze Zeit, lebten, und später ein latentes -Leben führten, um bei der Gährung wieder energisch aufzuleben. Weder -durch Abreibung mit der Platinnadel, noch durch immerwährendes Hin- und -Herschütteln, kann man alle Mikroorganismen vom Substrat trennen. Damit -hier eine Verbesserung angebracht werde, habe ich die Sache anders -gemacht und habe dies schon im Prinzip im »Pharm. Weekblad« No. 10, -1898, beschrieben. Das Resultat dieser Untersuchungsweise war ein -brillantes und hat die allergünstigsten Folgen gehabt. Diese Methode, -die ich zuerst auf den Tabak anwendete, lässt sich auf eine Unmasse -anderer Gegenstände anwenden. - -Sie ist wie folgt. In einige Reagirröhren werden gewöhnliche Pinselchen -so hineingebracht, dass der Federkiel auf dem Boden der Röhre ruht und -das Büschelchen nach oben gerichtet ist. Durch einen Wattepfropfen -werden die Röhren geschlossen und dann während einer Stunde bei 110° -C. in strömendem Dampfe erhitzt. Die Temperatur übt keine nachteilige -Wirkung auf die Pinsel aus. Ferner wird ein hohes Petrischälchen -gewählt, 10 cm^3 sterilisierte physiologische Kochsalzlösung -hineingebracht und natürlich sofort geschlossen. - -Ein Teil eines gährenden Tabaksblattes wird in diese Flüssigkeit -hineingetaucht und einige Minuten daselbst in Ruhe gelassen. Dann -nimmt man mit einer sterilen Pincette das Pinselchen aus einem der -Reagierröhrchen und reibt, indem man eins der Enden des Blattes mit der -Pincette festhält, kräftig über die Oberfläche der beiden Blatthälften. -Indem man das Schälchen hin- und herbewegt, werden die Mikroorganismen -gleichmässig im Wasser verteilt. Von dieser bakterienreichen -Flüssigkeit werden 1 cm^3, 1/2 cm^3 oder Verdünnungen hiervon mittels -steriler Pipetten über die Oberfläche der Platten gebracht. - -Auf diese Weise werden nach der »Bohnmethode« (der Name ist von mir -nach dem Bohnen der Fussboden gewählt) auch diejenigen Bakterien -von der Blattoberfläche entfernt, welche innig mit diesem Substrate -zusammenhingen. Nach Berechnung kann man auf diese Weise bestimmen, -wieviel Bakterien sich auf den beiden Blatthälften befanden. - -[Illustration: Fig. 6. - -_Bohnmethode._ Links Pinselstriche von Betuwer Tabak im Anfange der -Gährung (Diplococcen). Rechts während der Gährung (B. T. I + B. -subtilis + B. mycoides).] - -Wenn es sich um eine qualitative Bestimmung handelt, so bekommt -man nicht weniger schöne Kulturplatten auf folgende Weise. Das -Tabaksblättchen, das schon im Wasser untergetaucht war und nicht -bewegt wurde, wird mit einer sterilen Pincette auf sterilisiertes -Papier gelegt. - -Es liegt also feucht darauf. Nachher wird die obere Seite des -Blättchens mit dem trocknen Pinsel, welcher also steril ist, -abgebohnt. Mit diesem noch nassen Pinsel macht man Striche über die -festen Oberflächen von Gelatineplatten. Nach einigen Tagen sieht man -denn, dass der erste Strich die grösste Zahl Kolonien hervortreten -lässt, gewöhnlich zu viel als dass man sie unterscheiden könnte; der -zweite Strich schon weniger, der dritte und vierte noch weniger, u. -s. w. Letztere Methode wurde immer von mir angewendet bei unserm -einheimischen Tabak, beim Deli- und Havanna-Tabak. - -Das Resultat war ein glänzendes. Die Untersuchungen nach der Gährung -des Tabaks erlauben diese Methode, weil hierbei keine obligaten -anäeroben Bakterien im Spiele sind. Sie ist natürlich unbrauchbar, -wenn es sich um Mikroorganismen handelt, welche Sauerstoff nicht -ertragen. Die Petri'schen Kulturplatten sind auf lichtempfindliches -Papier gesetzt, 25 Secunden vom Sonnenlicht beschienen und oben -photographisch, ohne Retouche reproduziert. Die Glaskratzer am Boden -des Schälchens sind hierbei deutlich sichtbar. - -Bei den Untersuchungen unsres einheimischen Tabaks, die im Jahr 1897 -von mir in »de Natuur« publiziert wurden, hat sich herausgestellt, dass -wir es hier zu thun haben mit einer Gährung, bei welcher fakultative -anaërobe Bakterien, also auch unter Hinzutretung von freiem Sauerstoff -oder Luft, eine Rolle spielen. Sogleich ergab sich daraus, dass im -gährenden Tabak von verschiedener Herkunft aus unsern Gegenden (Betuwe, -Veluwe, Maaswaal) verschiedene Mikroorganismen mehr oder weniger häufig -anwesend waren, jedoch in überwiegender Zahl diejenigen, welche sich an -der Gährung beteiligten. - -Meine zunächst liegende Vermutung hat sich bestätigt. Fünf verschiedene -Bakterien, welche, aus verschiedenem Tabak herstammten, sind damals von -mir abgebildet und kurz nach ihren morphologischen und biologischen -Eigenschaften beschrieben worden. Alsdann ist Tabak von mir -sterilisiert worden, d. h. alle Mikroorganismen, welche sich auf und in -demselben befanden, wurden getötet und nachher ist jener Tabak mit den -verschiedenen Reinkulturen geimpft worden. Alsdann stellte sich heraus, -dass die Impfung mit dem B. T. I. und III (Bacillus Tabaci I. und III) -dem Tabak das richtige Arom verlieh, ein Arom, welches, hier in Holland -für das beste gehalten wird. Meine Vermutung, dass jene Gährung doch -noch einen andern Verlauf haben würde, wenn die nämliche Tabaksart -nicht sterilisiert, dahingegen mit den genannten Tabaksbakterien -geimpft würde, hat sich bestätigt. Jedoch müssen wir hierbei in -Betracht ziehen, dass nebst den in grosser Zahl künstlich angebrachten -Mikroben, noch mehr Arten ihre Wirkung ausüben, Arten, welche -gleichfalls das feuchtgewordene Tabaksblatt angreifen, aber ausserhalb -der eigentlichen Gährung stehen und nichts anders thun können als -Zersetzungen hervorrufen, welche ungünstig wirken oder gar nicht dazu -beitragen, ein erwünschtes Produkt zu erhalten. Es ergab sich, dass die -Impfung mit den Tabaksbakterien, welche günstig beim sterilen Tabak -wirkten und ihm das reine Arom gaben, in nicht sterilem Tabak ohne -Wirkung blieben, insofern ohne Wirkung, dass jenes Arom bei weitem -nicht so ausgesprochen war als beim sterilen Tabak. Diese Versuche -wurden im Februar 1898 in den Gährungsscheunen des Herrn ~de Hartog~ in -Wageningen angestellt. Damals musste die Frage gelöst werden, wie das -Produkt der natürlichen Gährung, also ohne Sterilisation übertroffen -werden konnte, wenn man von den Impfungen mit einer oder mehreren -Reinkulturen auf die nämlichen, also nicht sterilisierten Tabaksarten -Gebrauch machte. - -Die Versuche im Laboratorium lehrten also, dass steriler Tabak durch -Impfung mit zwei Mikroben vorzügliche Eigenschaften erhielt, sodass -dieser Tabak sofort von den Fachmännern als der beste bezeichnet werden -konnte. Die Quantität war jedoch eine zu geringe, als dass man Cigarren -davon anfertigen lassen und alle Eigenschaften, die man so gerne -kennen lernen möchte, kontrollieren konnte. Eine Sterilisation des -Tabaks im Grossen ist faktisch unmöglich. Damit das Resultat der schon -beschriebenen Untersuchung praktisch verwendet werden konnte, mussten -also Versuche mit verschiedenen Reinkulturen und deren Mischungen -angestellt werden. Es stellte sich heraus, dass einige dreissig -Büschel, welche ohne Sterilisation mit den B. T. I + III + IV geimpft, -im Februar in Haufen gelegt und nachher der Gährung ausgesetzt worden -waren, nicht solche günstige Eigenschaften erhalten hatten als der -sterilisierte und nachher geimpfte Tabak, wie es in meinem Laboratorium -stattfand. - -Zugleicherzeit erwähne ich hier, dass der nicht-fermentierte -Deli-Tabak, der mir aus Batavia von ~Dr. v. Breda de Haan~ zugesandt -wurde, gleichfalls einer Untersuchung unterzogen worden ist. Nach dem -Beispiele von ~Semmler~ aus Cuba habe ich einen kleinen Teil dieses -Tabaks mit Wasser faulen lassen und mit diesem Wasser einheimischen -Tabak, der dann gleichfalls mit andern Büscheln in den Haufen hinein -gelegt wurde, besprengt. Dieser Tabak gerieth zwar in Fermentation, -aber als die Gährung beendigt war, ergab sich, dass die besprengten -Büschel keine andern Eigenschaften bekommen hatten als eine Änderung -in der Farbe der Blätter, die von der feuchten Behandlung herrührte. -Dieser Versuch, welcher durch einen Zufall auf Cuba günstig verlief, -ist Ursache gewesen, dass man die Aufmerksamkeit auf die Tabaksgährung -hinlenkte und die Vermutung laut werden liess, dass Mikroorganismen bei -jener Gährung sich wirksam bethätigten. - -Als es mir nach wiederholten Versuchen deutlich geworden war, dass -die Impfung unseres einheimischen Tabaks mit den B. T. I + III also -nicht ganz den Erfolg hatte, wie immer beim sterilen Tabak, habe ich -diesen Gegenstand weiter untersucht und eine Reihe von Versuchen -mit Mischungen von Reinkulturen angestellt. Die Herren ~de Hartog~ -und ~v. Druijnen~ in Wageningen, welche diesem Gegenstand ihre ganze -Aufmerksamkeit widmeten, halfen mir bei diesen Versuchen und gaben -mir jedesmal ihr Urteil ab, ein Urteil, das ich sehr schätzte, da es -ausgesprochen ward von sehr kundigen, erfahrungsreichen Fachmännern. -Nicht entmutigt empfing ich am 8. März die Nachricht, dass man -damit anfangen würde, einen Haufen gährenden Tabak aus der Betuwe -umzusetzen. Es war die beste Tabaksart, welche Holland hervorbringt. -Am 10. März besuchte ich die Fermentierscheune und stellte wiederum -Versuche an, aber in der jetzt sehr gekürzt beschriebenen Weise. Es -war ein schöner Anblick, jenen prachtvoll aufgebauten Haufen mit -den Tausenden goldgelben Büscheln emporragen zu sehen. Eine grosse -Menge Kulturschälchen wurde von mir infiziert mit Blattfragmenten der -obersten Tabaksbüschel (± 22° C.) Nach einigen Tagen zeigten sich die -Kolonien, und mit Bewunderung sah ich wieder die im vorigen Jahre von -mir beschriebenen Arten zum Vorschein kommen. Meine Aufmerksamkeit -richtete sich auch noch, nicht auf die bekannten Verunreinigungen, -sondern auf andere Arten, welche ich nun bei niedriger Temperatur -in grosser Anzahl vorfand. Einige davon brachte ich in Kultur und -wartete darauf, welche Rolle sie mit andern Bakterienarten in nicht -sterilisiertem Tabak spielen würden. - -Um den praktischen Teil des Problems zu lösen, hatte ich damals -sechs Arten Tabaksbakterien, welche bezüglich ihrer Wirkung in nicht -sterilem Tabak controlliert werden mussten, und die also den überall -herrschenden »Struggle for life« kämpfen mussten. Es war nicht vorher -zu sagen, wer siegen würde. Ein logisches Verfahren nach Wahl war -nicht möglich, der Versuch musste entscheiden. Um die Frage der -Tabaksverbesserung zu lösen dadurch, dass man Gebrauch machte von den, -in dem vorzüglichsten Betuwer Tabak vorgefundenen Mikroben, wurden -eine Menge nicht sterilisierter Tabaksarten mit Reinkulturen und deren -Mischungen bespritzt. Dieses Bespritzen lässt sich ausgezeichnet -durch den Druck der Wasserleitung bewerkstelligen; ich werde durch -Abbildung zeigen, wie das Verstieben in meinem Laboratorium geschieht. -Was die sehr geringe Farbenveränderung des Blattes betrifft, die -durch Befeuchtung verursacht wird, so ist es mir als bald gelungen, -hierin eine Verbesserung anzubringen, indem ich die Reinkulturen -von Agar- Oberflächen mit feinem Tabakspulver vermischte und dies -gleichfalls in die Büschel hineinspritzte oder verstieben liess, also -der trocknen Behandlung gemäss. Nach Beendigung der Gährung wurden -die Eigenschaften der derartig behandelten Sorten kontrolliert, und -diese sorgfältig ausgesucht. Ich werde hier all diese Versuche, die -noch nicht den erwünschten Erfolg hatten, der Kürze halber nicht -aufzählen; nur lohnt es sich, zu wissen, dass ich daraus den Schluss -zog, dass viele Arten von Mikroorganismen, unter denen auch die von mir -abgebildeten, die Temperaturerhöhung verursachen, und dass ich drei -Arten in Mischung, künstlich in grosser Menge in die verschiedenen -Tabaksarten hinein brachte. Es waren die Reinkulturen von Bacillus -Tabaci I, B. T. III und dem neu isolierten Diplococcus Tabaci. Diese -Mischungen erhielten folgende Marken: - - - Marke I: Bacillus Tabaci Hollandicus I. - " " " III. - Marke II: Diplococcus Tabaci Hollandicus. - Bacillus " " III. - Marke III: Mischung der Marke I und Marke II. - - -Diese Reinkulturen von Agar-Oberflächen wurden sorgfältig in steriles -Wasser verteilt. - -Die unten angegebenen Tabaksarten wurden mit dem Inhalte dieser -Fläschchen bespritzt und von den Herren ~de Hartog~ und ~v. Druijnen~ -mit den gegebenen Marken versehen. Erst nachdem die Gährung beendigt, -die Cigarren gemacht, und mein Urteil abgegeben war, sollte das -Resultat dieser Versuche, die auch von andern in unserer Umgebung -beurteilt werden sollten, bekannt gemacht werden. - - - A. geimpft: B. nicht geimpft: - - I _a_ = Betuwer Erdgut _a_^1 = Betuwer Erdgut - _b_ = Veluwer Erdgut _b_^1 = Veluwer Erdgut - II _c_ = Betuwer Sandgut _c_^1 = Betuwer Sandgut - _d_ = Veluwer Sandgut _d_^1 = Veluwer Sandgut - III _e_ = Betuwer Erdgut _e_^1 = Betuwer Erdgut - _f_ = Veluwer Erdgut _f_^1 = Veluwer Erdgut - - -Ende Juli habe ich diese Cigarren, nur mit den Marken _a_, _a_^1, -_b_, _b_^1 u. s. w. empfangen. Nichts war bekannt von Impfung oder -nicht Impfung, von Nummer u. s. w. Jetzt befand ich mich in der -schwierigen Lage, mein Urteil abgeben zu müssen. Es handelte sich ja -hier um kleine Unterschiede in der Brennbarkeit, Konsistenz der Asche, -des Aroms, des Geschmacks u. s. w. Aus dem Grunde habe ich dies den -befugteren Personen, den eigentlichen Fachmännern überlassen, die ihrer -Beschäftigung gemäss dies viel besser beurteilen können. Herr ~G. P. -Voorwijk~ in Amsterdam, welcher in der Tabakswelt seines richtigen -Urteils wegen so günstig bekannt ist, hat sehr freundlich meiner -Bitte, einige Abende zu mir zu kommen und zu rauchen, Folge geleistet, -wofür ich ihm hiermit herzlich danke. Jedes Packetchen bestand aus -2 Cigarren, die nur die Marke _a_, _a_^1, _b_ oder _b_^1 u. s. w. -trugen. Als die Reihenfolge _a_ und _a_^1 abgeraucht war, untersuchte -Herr ~Voorwijk~, indem er dabei die andere Cigarre aus dem nämlichen -Packetchen benutzte, ob die Eigenschaften der Cigarren aus ein und -demselben Packetchen dieselben wären, was völlig stimmte. Den 29 Juli -schrieb ich Herrn ~de Hartog~ folgendes: - - -_Geehrter Herr_, - - -Weil mein Geschmack, was den Tabak im allgemeinen betrifft, nicht -so besonders entwickelt ist, und es sich hier höchstwahrscheinlich -um kleine Unterschiede und typische Kennzeichen der Brennbarkeit, -Konsistenz der Asche und die grössere oder geringere Leichtigkeit -handelt, mit der eine Cigarre zieht, so habe ich mein Urteil über diese -Versuche, welche einen praktischen Leitfaden abgeben sollen, befugteren -Personen übertragen. Da die Impfung von dieser oder jener Marke nur -Ihnen allein bekannt ist, und da ich nicht daran zweifle, dass Sie aus -den jetzt von mir gegebenen Nummern oder Buchstaben unsere Urteile -vergleichen werden, so habe ich Ihnen die Überreste der gerauchten -Cigarren gesandt, jedoch mit der Bitte, nochmals die Zeichen auf ihre -Richtigkeit hin zu kontrollieren, da dies von grosser Wichtigkeit ist. - -Unten folgt das Urteil des Herrn ~Voorwijk~, der durch tägliche -Fachbeschäftigung bedeutend mehr berechtigt ist, eine Meinung hierüber -auszusprechen, als ich es thun kann. - -_a_ ist enorm besser als _a_^1, das Aroma des Rauches ist zwar das -nämliche und in dem Aroma des Deckblattes ist wenig Unterschied, aber -die Art _a_ hat ein säuerlicheres, volleres Aroma als _a_^1. Die -Brennbarkeit ist bei _a_ und _a_^1 die nämliche; soweit man es von -einheimischem Gewächs erwarten kann, brennen sie sehr gut. - -_b_ und _b_^1 haben die nämlichen Eigenschaften, aber, wenn man -weiter raucht, bleibt _b_ besser von Geschmack als _b_^1. Beim ersten -Anbrennen und in der ganzen Breite geraucht, hat _b_ eine geringe -Ähnlichkeit mit _a_. Hierbei muss bemerkt werden, dass für gewöhnlich -der einheimische Tabak einen holzartigen Geschmack hat, der noch an -_a_, _a_^1, _b_ und _b_^1 auffällig ist. Bei _b_ ist die Asche etwas -weniger hart als bei _b_^1. - -_c_ und _c_^1 zeigen keinen Unterschied. Beide sind schmackhaft, jedoch -ist bei _c_ die Brennbarkeit besser als bei _c_^1. - -_d_ ist etwas günstiger als _d_^1, hierbei ist die Asche viel besser -und lockerer als bei _d_^1. - -_e_ ist viel besser als _e_^1. Die Brennbarkeit ist hier auch sehr -verschieden und zum Vorteile von _e_. Bei diesen zwei Arten wird bis -jetzt der grösste Unterschied wahrgenommen, _e_ und _e_^1 sind zugleich -schwerer von Geschmack. - -_f_ und _f_^1 sind gleichfalls schwerer von Geschmack als die vorigen, -_f_ ist edeler von Aroma und Geschmack als _f_^1, die letztere ist -sogar ordinär. Falls _f_ geimpft wurde, so ist diese Sorte viel -veredelt und verbessert.--Ein Fachmann, wie Herr ~Voorwijk~ macht die -Mitteilung, dass das einheimische Gewächs dieses Jahr besonders gut ist. - - -Hochachtungsvoll und mit freundlichem Danke, - -~C. J. KONING~. - -_Bussum, 29/7 '98._ - - -Einige Tage nach diesem Schreiben empfing ich die Antwort, dass durch -die Impfung der Tabak faktisch verbessert ist, und dass nur die Reihe -A. geimpft war. - -Der _Diplococcus Tabaci Hollandicus_ besteht, wie der Name schon -andeutet, aus kugelförmigen Mikroben, Coccen, welche je zwei und -zwei liegen, also zwei gegen einander liegenden Kugeln am besten zu -vergleichen sind. Dieser Organismus wächst auf Gelatine in der Form -eines hellgelben, scharf begrenzten dicken Streifens, welcher die -Gelatine nicht verflüssigt. Auf Agar entsteht gleichfalls ein gelber, -breiter Streifen und auf Kartoffel eine prachtvoll gelb hochaufragende -Kultur. Alcalische Bouillon wird schwach getrübt. Dieser aërobe -Organismus erzeugt gleichfalls im Anfang der Gährung Ammoniak. - -Vergleichende Versuche mit den Agarreinkulturen, angestellt bei -erhöhter Temperatur, zeigen, dass der _Bacillus Tabaci Hollandicus I_ -bei niedriger Temperatur sich schneller vermehrt als der Diplococcus, -der bei 24° (?) C. sein Optimum erreicht. Hieraus lässt sich folgern, -dass die Gährung unseres Tabaks verschiedene Phasen durchläuft. - -Von praktischem Interesse ist in Bezug hierauf das wiederholte Umsetzen -der Haufen, wodurch sowohl die Luft wieder Zutritt erhält, um die -Aëroben und fakultative Anaëroben energischer leben zu lassen, als auch -die äusseren Büschel der genannten Wirkung ausgesetzt werden. Wird -die Temperatur von mehr als 60° C. erreicht, so wird der biologische -Prozess, welcher ausschliesslich der Gährung eigen ist, zum Stehen -gebracht. - -Zugleich mit den temperaturerhöhenden Mikroorganismen entwickeln sich -im Anfange der Gährung die Diplococcen und die B. T. H. I., welche den -oben mitgetheilten Impfproben nach, die Brennbarkeit und das Aroma -verbessern; jetzt schon entsteht Ammoniak als Zersetzungsprodukt. Wenn -die Temperatur steigt, geraten die Diplococcen auf den Hintergrund -und entwickeln die B. T. H. sich kräftiger, sodass durch ihre -Lebensthätigkeit das Tabaksblatt derartig zersetzt wird, dass das Aroma -sich bessert. - -In beifolgender Figur ist die Steigerung der Temperatur in einem -gährenden Haufen angegeben. Die Erfahrung hat hier gelehrt, dass man -bei ± 53° C. den Haufen ohne Schaden umsetzen kann, wodurch schon eine -Zeitersparnis erzielt wird. Die Temperatur wurde mittels mehrerer -Thermometer beobachtet, welche in die Spalte eines hölzernen Stabes -gestellt worden sind. Diese Stäbe liegen in Bambusköchern und werden -einige Meter weit in den Haufen hineingeschoben. Nach der graphischen -Darstellung findet die stärkste Temperaturerhöhung statt von 29°-50° C. -Vor und nach diesen senken sich die Linien bedeutend. - -[Illustration: Fig. 7. - -Graphische Darstellung der Temperaturerhöhung in den gährenden -Haufen Tabak A, B und C, im Monat Juni aufgestellt.] - -Merkwürdig und sehr beachtenswert sind die Eigenschaften, welche an a. -beobachtet werden. Aus der nämlichen Tabaksart, aus dem Betuwer Erdgut -also, ist der B. T. I. isoliert worden. Wenn dieser in _grösserer -Menge_ künstlich in diesen Tabak hineingebracht wird, so bessert -sich das Aroma desselben beim Anbrennen beträchtlich. Ein Beweis um -so mehr dafür, dass eine grosse Zahl Mikroben, welche sich auf der -Blattoberfläche befinden oder künstlich darauf angebracht worden sind, -bedeutend dazu mitwirken, die guten Eigenschaften, welche guter, -einheimischer Tabak besitzen soll, ansehnlich zu verstärken und dadurch -den Tabak zu verbessern. - -Aus den Impfungen erhellt ausserdem, dass durch B. T. I. das Aroma -(siehe A. I.), durch den Diplococcus die Brennbarkeit (A. II.) -verbessert wird; wenn sie zugleicherzeit angewendet werden, verbessern -sie Aroma und Brennbarkeit. (A. III.) B. T. I. überträgt sogar, durch -seine Lebensfunktionen, das Aroma des Betuwer Tabaks auf andere -Tabaksarten (A. I. b.). - -Wir erkennen aus diesen Versuchen deutlich die Wirkung der Mikroben -bei der Gährung, und dass es jetzt auf praktischem Wege möglich ist, -der Fermentation einen günstigen Verlauf zu geben. Am Schluss dieser -Beschreibung einige kurze Mitteilungen. - - * * * * * - -Vor allem meinen Dank den Herren ~Dr. v. Breda de Haan~ in Buitenzorg -für die Zusendung des unfermentierten Deli-Tabaks ausgezeichneter -Qualität, wodurch ich Gelegenheit gehabt habe, Indischen Tabak in -meinem Laboratorium zum Gähren zu bringen und Nachforschungen darüber -anzustellen. - -~Dr. A. van Bijlert~, gleichfalls in Buitenzorg, für seine erneuten -Untersuchungen der Deli-Bodenarten, auf denen der Tabak solche -bekannten vorzüglichen Eigenschaften erhält, und in denen ein -colloidales Silicat solch eine günstige Wirkung hat. - -Nicht weniger wichtig ist der von Herrn ~Dr. v. Breda de Haan~ gegebene -Bericht über »Regenfall und Reboisation in Deli«, welcher von so grosser -Bedeutung für die Zukunft dieses Landes ist. - -Die Untersuchungen des Deli- und des Havanna- Tabaks sind, was -den bakteriologischen Teil betrifft, von mir angestellt worden. -Die praktische Anwendung der Reinkulturen werde ich hier nicht -antizipieren, doch nur die Mitteilung machen, dass beide, ebenso wie -unser einheimischer Tabak eine ammoniakale Gährung durchmachen, welche -Mitteilung, was den Deli betrifft, mit dem Bericht des Herrn ~Dr. -Vernhout~ stimmt. - -Dieser hatte die Güte, mir das Ergebnis der Untersuchungen, welche -mit etwa siebzig Blättern angestellt wurden, zuzuschicken. Auch hier -stellte sich heraus, dass die Gährung durch die Wirkung von Mikroben -verursacht wird. Es gelang ~Vernhout~ immer, dieselben in Reinkultur -zu bekommen. Diese Untersuchungen, welche in den Tropen mit solchen -grossen Schwierigkeiten verbunden sind, werden fortgesetzt. - -Aus dem Deli-Tabak isolierte ich Bakterien und eine Hefenzelle. Die -Bakterien sind sehr klein, während immer eine gefunden wurde, die bei -37° C. gar nicht mehr auf dem Nährboden wuchs, sondern bei 24° C. ihr -Wachstumsoptimum hatte; weiter ein Stäbchen, welches keine Sporen -bildete, ein Diplococcus und ein der Rosahefe verwandter Saccharomyceet. - -In Folge des Amerikanisch-Spanischen Krieges, war keine Gelegenheit, -unfermentierten Tabak zu bekommen, so dass ich, ohne diesen -Untersuchungen viel Gewicht beizumessen, die Mikroorganismen aus -Büscheln Tabak isolierte, welche acht Jahre lang in Amsterdam gut -aufgehoben gelegen hatten. Merkwürdig ist es jedoch, dass daraus -doch einige Arten, alles »Bakterien«, isoliert worden sind. Aus den -Büscheln habe ich unter allen Vorsichtsmassregeln die inneren Blätter -herausgesucht und sie von neuem in eine feuchte Umgebung und erhöhte -Temperatur gebracht. Trotzdem sie acht Jahre trocken gelegen hatten, -sind daraus 7 Arten Mikroorganismen in Reinkultur gezüchtet worden. -Nach dem Petunieren des amerikanischen Tabaks mit Ammonsalzen, wobei -eine Alkalinität des Blattes entsteht, und nunmehr ein intensives -Bacterienleben möglich ist, ist eine bakteriologische Untersuchung ohne -Werth. - - * * * * * - -Weiter ist von mir ein deutsches Präparat, um den Tabak, was den -Geschmack betrifft, zu verbessern, untersucht worden. - -Weil es einfach benutzt wird, um die Tabaksblätter, ehe sie zu Cigarren -verarbeitet werden, einzureiben, und diese schon sofort nachher -gebraucht werden können, kann von einer eigentlichen Gährung, bei -welcher Reinkulturen mit im Spiele sind, nicht die Rede sein. Die -Untersuchungen betreffen nur ein Muster, das mir zufälligerweise nach -einem Schreiben des Herrn ~Haas~ in London in die Hände geriet. Es ist -eine gelbliche Flüssigkeit, welche sauer reagiert, ein spezifisches -Gewicht von 1.10 besitzt und ein gelbbraunes Sediment enthält. Der -Geruch ähnelt altem Biere, der Gehalt an festem Stoff, in Extractform -bei 100° C. getrocknet, ist 1.34 Prozent, während der Glühverlust 1.05 -Prozent beträgt. Bei der Glühung wird ein höchst unangenehmer Geruch -bemerkt. In der Flüssigkeit lässt sich weiter Nitrat, Phosphorsäure, -reduzierender Zucker und Alcohol nachweisen. - -Mikroskopisch betrachtet, besteht das Sediment aus langen wurstformigen -Hefenzellen, die bekanntlich, wenn sie mehrmals in Reinkultur gebracht -werden, in eiförmige übergehen. Auf der sauren Malzgelatine bilden sich -graue Kolonien, mit weissem Saume, welcher wieder ins Graue übergeht. -Wahrscheinlich ist diese Hefenzelle eine Verunreinigung des Präparates. - -Weiter ist noch ein Präparat im Handel, welches hellbraun gefärbt ist, -und aus aromatischen Körpern, sogenannten Estern, von angenehmem Aroma -besteht, welches einigermassen an Amylacetat erinnert. - -Nach einer beigegebenen Erklärung wird auch dieses Präparat benutzt, -um das Aroma zu verbessern. Ich glaube nicht, das die genannten -Hilfsmittel Beifall gefunden haben. Nach meiner Meinung muss da, wo -wir die meteorologischen Einflüsse nicht in unserer Gewalt haben, -die Verbesserung unsres Tabaks darin gesucht werden, dass der Samen -in der vorher beschriebenen Weise eingesammelt wird, weiter in der -Düngung und, zu nicht geringem Teil, in der Fermentationsweise. Möge -die Zukunft uns zeigen, dass die Arbeit des Herrn ~Dr. v. Bijlert~ -mit seinen interessanten Untersuchungen der Bodenarten von Deli, wo -das Colloidal-Silicat und der Colloidal-Silicat-Humat-Complex eine so -grosse Rolle spielt, auch für unsere Kultur von Wichtigkeit ist. - - - - -Morphologie und Biologie der Tabaksbakterien. - - -Die Hauptrolle bei der Gährung unseres Tabaks spielen der _Bacillus -Tabaci I_ und der _Diplococcus Tabaci_. In ihrer Form und Lebensweise -ist, wie hierunten beschrieben wird, ein sehr grosser Unterschied. - -_Der Bacillus Tabaci Hollandicus I_ ist ein Stäbchen von wechselnder -Grösse, je nach der Beschaffenheit des Mediums, in oder auf welchem -er sich entwickelt. Eine 24 Stunden alte Agarkultur zeigt bei einer -Temperatur von 37° C. Stäbchen von 5-7 Mikron Länge und 1-3 Mikron -Dicke. (Fig. 8). - -[Illustration: Fig. 8.] - -Eine 24 Stunden alte Agarkultur, welche bei 24° C. gestanden hat, zeigt -Stäbchen von 6-8 Mikron Länge und von 1-1.2 Mikron Dicke. - -Der Bacillus Tabaci I wächst auf der schwach alkalischen Gelatine sehr -eigentümlich und ausserordentlich schön in der Farbe, Entwicklung und -Form. - -[Illustration: Fig. 9.] - -Erstens entstehen an der Oberfläche kleine graue Pünktchen, die -vom Rande ab schon früh einen wellenartigen Lauf zeigen. Besonders -am Rande wird die Kolonie zierlich gewellt und sie bekommt bei -auffallendem Lichte eine graublaue, bei durchfallendem Lichte eine -schöne himmelblaue, eisartige oder eine blassblaue Farbe. (Fig. 9). -Bald treten vom Rande ein oder mehr Fäden aus, welche gleichfalls -wellenartig über die Gelatine verlaufen. Von einigen Punkten aus -läuft ein Faden ganz isoliert weiter, an andern Stellen geschieht -das Auswachsen von der Mutterkolonie mittels mehrerer Fäden, welche -neben einander sich ausstrecken. Es will mich bedünken, dass die -Bakterien in den isolierten Fäden länger sind als dort, wo Gruppen -von Fäden sich einen Weg durch die Gelatine bahnen. Bei 24° C., nach -3 × 24 Stunden sinkt die jetzt grünliche Kolonie, während sie radiale -Falten bildet, peptonisiert die Gelatine sehr schwach und bildet dann -an ihrer Oberfläche ein grünliches gefaltetes Häutchen. Die Bakterie -entwickelt Ammoniak aus diesem Nährboden. Bei einem durch Carbolfuchsin -gefärbtem Klatschpräparat sieht man bei den jungen Kulturen die schöne -Lage der Fäden und ihren Fortschritt über die Gelatine. Die Kolonien -unter der Oberfläche bleiben klein, erscheinen gelb und sind rund oder -linsenformig. - -Der Gelatinestrich ist ebenso wie das Wachstum auf den Platten, er -zeigt aber die blaue eisartige Färbung der Kolonie in ihrem gelappten -Rand noch zierlicher. Die Gelatine verfliesst nach ein paar Tagen bei -Zimmertemperatur, wobei sie ein runzliches, graulichgrünes Häutchen mit -sich führt. - -Der Gelatinestich lässt erkennen, dass die Bakterie eine aerobe ist, -sie verfliesst oben und bildet oft in der Nähe der Oberfläche weiche, -kleine, baumartige Ausläufer. - -Der Stich in glukosehaltiger Gelatine ist kräftiger entwickelt als in -der gewöhnlichen Gelatine; eine Gasbildung wird jedoch nicht dabei -wahrgenommen. - -Der Strich auf dem gewöhnlichen alkalischen Agar ist hellgrau und -glänzend. Das Temperaturoptimum liegt zwischen 37 und 40° C. - -Der Stich in alkalischem Agar zeigt wie der Gelatinestich sehr schwache -Ausläufer; das Wachstum weist auch hier auf eine aerobe Bakterie. -In alkalischer Bouillon entstehen Flöckchen, die von der Oberfläche -nach dem Boden des Reagierröhrchens hinabsinken; daselbst entsteht -ein schleimiges Sediment, dass sich beim Schütteln spiralförmig in -die Höhe windet und am Boden festgeklebt bleibt. Auch hier bildet -sich Ammoniak, das mittels Lakmuspapier und Aufnahme des Gases in -~Nessler's~ Flüssigkeit bei Zimmertemperatur nachgewiesen werden kann. -Das Wachstum in Bouillon, welche 2 % Glukose enthält, ist kräftiger, -als in zuckerfreier Bouillon. - -In saurer Bouillon findet kein Wachstum statt. - -Auf einem Nährboden, der wie folgt zusammengesetzt ist, wächst die -Bakterie ausserordentlich gut: - - - Tabakssaft 15.0 - Kaliumphosphat 0.050 - Asparagin 0.5 - Glukose 2.0 - Agar 2.0 - Wasser 100.0 - Reaction schwach alcalisch. - - -Die Strichkultur ist auf diesem dunkeln Agar-Nährboden grau, glänzend, -glatt, dick und mit scharfem Rande versehen. Konnte ich in den soeben -beschriebenen Nährböden, auch nach monatelanger Beobachtung, wenig -Veränderung in der Form des Bakterienkörpers wahrnehmen, so liegt hier -die Sache ganz anders. Nach einer Woche erleiden die Stäbchen eine -eigentümliche Veränderung (Fig. 10). Oberflächlich betrachtet wäre man -geneigt anzunehmen, dass wir es hier nicht mit einer Reinkultur zu thun -haben. Nachdem das intensive Wachstum auf dem Tabakssaftenthaltenden -Medium stattgefunden hat, verdicken sich die Stäbchen und gehen -ein, wobei nicht selten die Lage der Individuen an Saccharomyceten -denken lässt. Einige Stäbchen, welche mehr Lebensenergie besitzen, -haben noch ihre Form behalten, während auch ihr Bakterienkörper mehr -gleichmässig die basischen Anilinfarben aufnimmt. Wenn man sie während -15-30 Sekunden mit kaltem Karbolfuchsin färbt, kommt der Unterschied -in der Beschaffenheit des Bakterienprotoplasmas mehr zum Vorschein. -Das Protoplasma erleidet von einem Punkte aus eine Veränderung. Diese -Veränderung greift von dort aus mehr und mehr um sich, bis endlich der -ganze Körper, ausgenommen die beiden Enden, die Eigenschaft verloren -hat, den Farbstoff gleichmässig festzuhalten. Die Enden des Stäbchens -färben sich viel stärker als der Inhalt. Meistens sind noch ein oder -mehrere Pünktchen im Körper nachzuweisen, die gleichfalls den Farbstoff -stärker aufnehmen. - -[Illustration: Fig. 10.] - -Nach einigen Sekunden Färbung habe ich oft ein schwach gefärbtes -Pünktchen sich längs einer der Seiten im Bakterienkörper hin und her -bewegen sehen, als ob da gewissermassen ein Todeskampf dem chemischen -Agens gegenüber stattfände. Legt man von diesen Hemmungsbildungen -Strich- oder Plattenkulturen an, so zeigt sich wieder die Stäbchenform, -während einige der älteren Formen noch im Ruhezustand sind, jedoch -erkennt man leicht, dass man es mit einer Reinkultur zu thun hat. -Dieser Nährboden ist noch weiter merkwürdig, da die Bakterie hier bei -37° C. noch mit einem Alkaliegehalt von 15 cm^3 normal KOH auf 100 -Teile Nährboden wächst. - -In einer Tabakssaftlösung, wie sie oben angegeben, zeigen sich die -nämlichen Erscheinungen. Hierin kommen lange Fäden mit kurzen Gliedern -zur Entwicklung. Auch dies Nährmaterial entwickelt Ammoniak. Von Natur -liefert der Tabakssaft der grünen und trocknen Blätter Nitrat, welches -von der Bakterie zu Nitrit reduziert wird. - -Die Bakterie trübt eine schwach alkalische Tabakssaftflüssigkeit und -Wasser (20: 100) während sie kleine Flöckchen bildet. - -In einer von Haus aus schwach sauren, Tabakssaft enthaltenden -Flüssigkeit findet anfänglich fast kein Wachstum statt. Der Säuregehalt -vermindert langsam, damit wächst die Bakterie dann besser. - -Der Bacillus Tabaci I wächst zu sehr langen Fäden mit kurzen Gliedern -in einer Flüssigkeit, die auf folgende Weise zusammengesetzt ist: - - - Kaliumphosphat 0.050 - Asparagin 0.5 - Glukose 2. - Wasser 100. - Reaction nicht geändert. - - -Das Asparagin wird zersezt und als Zersetsungsprodukt ist Ammoniak -nachzuweisen, sowohl wenn man rotes Lakmuspapier über der Flüssigkeit -anbringt, als dadurch, dass man beim Erhitzen, die gasförmigen -Zersetzungsprodukte in ~Nessler's~ Flüssigkeit auffängt. Dies Reagens -kann man nicht anwenden im Kulturmedium, da Glukose bei niedriger -Temperatur gleichfalls mit gelber Verfärbung auf ~Nessler's~ -Flüssigkeit einwirkt. - -Damit man die Wirkung auf Nitrat beobachten könne, wird die Bakterie in -die hierunten angegebene Flüssigkeit geimpft. - - - Kaliumphosphat 0.050 - Asparagin 0.5 - Kaliumnitrat 0.2 - Glukose 2.0 - Wasser 100. - Reaction nicht geändert. - - -Sowohl diese als die vorige Flüssigkeit reagiert sehr schwach -alkalisch. Die Bakterie zersetzt hier das Nitrat zu Nitrit, welches -man leicht mit der bekannten Jodzinkstärkelösung und sehr deutlich mit -Metaphenylendiamin nachweisen kann. - -Bei den oben angegebenen Nährböden ist, unter gleichen Bedingungen -wie Grösse der Gefässe, Temperatur u. s. w. nach der colorimetrischen -~Fleck'~schen Methode mehr Ammoniak nachzuweisen; woraus folgt, dass -wie bei den ~Petri'~schen und ~Lewandowski'~schen Versuchen der -_Bacillus Proteus vulgaris_, auch der _Bacillus Tabaci I_ Nitrat zu -Nitrit und teilsweise zu Ammoniak reduziert. - -Gelatine-Nährböden, welche aus Pflanzensäften (Leguminosen) mit -Hinzufügung von 2% Glukose zusammengesetzt sind, lassen die B. T. I -nicht zur Entwicklung kommen. Wenn die Reaktion schwach alkalisch -genommen wird, so tritt eine sehr kräftige Verflüssigung ein. - -Weder in saurem noch alkalischem Malz (gehopfte Würze aus den -Tropfsäcken) findet Entwicklung statt. - -In ~Löfflers~ Bouillon wird kein Indol gebildet. - -Auf Kartoffeln, sowohl normalen wie alkalischen, findet ein kräftiges -Wachstum statt. Auch hier wird die Alkalessenz vorgezogen. Es bildet -sich eine graulichbraune, dicke, glänzende Kultur. Monatelang sieht man -darin microscopisch die Stäbchenform. - -Auf alkalischer Kartoffelgelatine ist das Wachstum ein sehr langsames. - -Milch, sowohl die normale als die alkalische oder saure, wird nicht von -der Bakterie verändert, ebensowenig wächst sie auf Blutserum. - -Wenn auch Zahlenangaben über eine Verminderung von Glukose ohne -besonderen Werth sind, weil wir es mit eine aëroben Bakterie zu thun -haben, ist es doch wichtig zu wissen, dass die Glukose zersetzt wird. - -In ein ~Erlenmeyer~'sches Kölbchen wurden 100 cm³ der auf Seite 50 -angegebenen Flüssigkeit (ohne Agar) gebracht und mit der Bakterie -geimpft. Nach verlauf van 8 Tage war der Glukosegehalt von 2% auf -1.6-1.7% vermindert. - -Vorher habe ich schon angegeben, dass keine Vergährung der Glukose -stattfindet. Nach der Möglichkeit, ob Milchsäure oder eine andre -organische Säure gebildet wird, werden Versuchen angestellt. - -Der Bacillus Tabaci I ist eine obligat aërobe, unbewegliche Bakterie, -welche auf verschiedenen Nährböden sehr verschieden ist in der Grösse. -Sie färbt sich leicht mit den basischen Anilinfarben, dagegen entfärbt -sie sich nach der Methode _Gram_. Sie bildet keine Sporen und wird -bei 100° C. innerhalb einer Minute getötet. Sie stirbt bei folgender -Temperatur: - - - 100° C. innerhalb 1 Minute. - 60° C. nach 5 Minuten. - 55° C. " 15 " - 50° C. " 30 " - - -Diese Bakterie gehört, den beschriebenen Eigenschaften nach, zu der -Gruppe der »_Proteus_«. - -Der _Diplococcus Tabaci Hollandicus_ zeigt viel weniger Abweichung in -seinem Wachstum als der B. T. I. Die beiden Coccen haben eine Länge -von etwa 2.5 Mikron. In allen Kulturen findet man auch isolierte -Coccen. (Fig. 11). - -[Illustration: Fig. 11.] - -Dieser Diplococcus wächst auf der schwach alkalischen Gelatineplatte -als eine scharf begrenzte, runde, glänzende, citronengelbe, -kleine Kolonie, woran nicht viel besonderes zu bemerken ist. Bei -Zimmertemperatur wächst der Organismus am besten und entwickelt -Ammoniak wie der B. T. I. - -Der Gelatinestich hat auch hier eine citronengelbe Farbe und lässt erst -nach einigen Wochen eine sehr schwache Verflüssigung erkennen. - -Der Gelatinestich bietet nichts Besonderes; nur erkennt man an ihm -schon den aëroben Charakter der Kultur. - -Auf alkalischem Agar wachst der Diplococcus gleichfalls sehr langsam -und bildet eine citronengelbe Kolonie, welche sich allmählich in -die Breite ausdehnt. Der Stich in Agar zeigt auch hier nichts -Bemerkenswerthes. - -Alkalische Bouillon wird schwach getrübt, während auch die saure -Bouillon sich wenig verändert. - -Auf dem Agartabakssaftnährboden, wie er beim B. T. I beschrieben -worden, wächst der Diplococcus mit einer gelblichgrauen Farbe. Die -Alkalitätsgrenze liegt hier bei 3 cm³ normal KOH auf 100 Teile -Nährboden, ist also viel niedriger als beim B. T. I gefunden worden ist. - -Auch in einer derartig zusammengesetzen Flüssigkeit findet Wachstum -statt; dabei werden die Lagen an der Oberfläche, welche mit der Luft in -Berührung kommen, etwas dunkel gefärbt. - -Der Diplococcus verträgt im Gegensatz zu dem B. T. I ein _saures_ -Medium. - -In der beschriebenen Asparagin-Flüssigkeit kommt der Diplococcus nicht -zur Entwicklung. - -Gelatinenährböden, welche aus Pflanzensäften mit Hinzufügung von 2% -Glukose zusammengesetzt sind, verflüssigen sich schneller als die -gebräuchliche Nährgelatine, die alkalisch reagiert. Auch auf saurer -Malzgelatine wächst der Diplococcus mit einer gelblichweissen Farbe, -wobei er sehr langsam die Gelatine verflüssigt. - -In saurem Malz entsteht ein geringer Niederschlag. - -Auf Kartoffel, welche schwach sauer reagiert, wächst der Diplococcus -langsam mit einer prachtvoll citronengelben Farbe, während er auf -alkalischer Kartoffel fast nicht wächst. - -Milch, sowohl normale wie alkalische oder saure, wird nicht vom -Diplococcus verändert. - -Auf Blutserum entsteht sehr langsam eine hell-graulich-gelbe Kolonie. - -Der Diplococcus ist ebenso wie der B. T. I ein obligat aërober -Organismus, welcher sich nicht bewegt; vielleicht besitzen die -Diplococcen, welche von der sauren Malzgelatine genommen wurden, einige -Bewegungsfähigkeit. - -Es besteht wenig Unterschied in der Länge der Diplococcen auf den -verschiedenen Nährböden. - -Der Organismus färbt sich leicht mit den basischen Anilinfarben und -entfärbt sich nach der _Gramschen_ Methode. Bei der Färbung fallen -die Diplococcen gewöhnlich auseinander, wobei zugleicherzeit die nicht -selten ovale Form der kugelrunden weicht. - -Der Diplococcus wird bei der nämlichen Temperatur getötet, wie der B. -T. I. - -Es findet keine Indolbildung statt. - -Auf den beschriebenen Nährböden hat der Diplococcus sein kräftigstes -Wachstum bei 24°-30° C. - -Merkwürdig ist die Eigenschaft, dass er im Gegensatz zu dem B. T. I -eine saure Umgebung verträgt und sich darin vermehrt, während der B. T. -I bei höherer Alkalität ebenso gut wächst als bei niedrigerer. - -Hiermit sind die vornehmsten Eigenschaften des Diplococcus beschrieben; -Morphologie und Biologie bieten also hier nicht so viel Merkwürdiges -als bei dem B. T. I. - -Ausser den beschriebenen Mikroorganismen sind immer in grösserer oder -geringerer Menge _während_ der Gährung »_Proteusarten_« von mir gefunden -worden. Auch deren Morphologie und Biologie ist höchst interessant. -Schon früher habe ich in Kürze ihr Wachstum auf den verschiedenen -Nährböden angegeben und abgebildet und zugleicherzeit die fakultative -anaërobe B. T. III behandelt, welche wahrscheinlich einen nicht -geringen Anteil an der Temperaturerhöhung hat. - -Die _Proteusarten_, welche keine Sporen bilden und bei 50° C. schon -nach kurzer Zeit sterben, sind also nach einem günstigen Verlauf der -Fermentation _nicht mehr zurückzufinden_. - -In den meisten Fällen sieht man im allgemeinen Grade bei der -Bruttemperatur von 37° C. (30-40), dass die Mikroben kräftigere -Lebensenergie besitzen. Jene Lebensenergie geht mit dem schnellen -Temperaturwechsel zusammen, welcher zwischen 30-40° C. bei unserer -holländischen Tabaksgährung beobachtet wird. - -Hier schliessen sich die beschriebenen Versuche mit den Reinkulturen -der _Proteusartigen_ an, welche immer in grosser Zahl _während_ der -Gährung bei 30-40° C. nachgewiesen werden können, und die bei der -darauffolgenden langsamen Temperaturerhöhung, wie schon früher von mir -beschrieben wurde, langsam aber gewiss ihrem Tode entgegen gehen. - -Diese _Proteusarten_ entwickeln sich zu gleicher Zeit mit dem B. T. -I (der gleichfalls zu dieser Gruppe gehört) und mit dem Diplococcus -beim Anfange der Fermentation. Erst hört der Diplococcus auf, -sich zu vermehren (nahe bei 30° C.), wonach die _Proteusarten_ -energisch zu leben anfangen, sodass nicht selten die Temperatur -_innerhalb 24 Stunden von_ 31° auf 34° C. _steigt_. Die Subtilis, -die Mycoides und andere Bakterien, welche obligat aërob sind, jedoch -in grosser Minderheit in diesem Stadium der Fermentation über die -Blattoberfläche verteilt sind, werden gleichfalls den Sauerstoff aus -dem Haufen benutzen und dadurch mit Ursache sein, dass die Gruppe der -_Proteus_ (B. T. IV u. a. aber nicht der B. T. I) ihren anaëroben -Charakter offenbart. Weil diese bei höherer Temperatur und der damit -zusammenhängenden verringerten Lebensenergie einen verminderten -Stoffwechsel haben, so wird die Temperatur von nun an langsamer -steigen, bis der Tod der _Proteus_ eintritt. Die übriggebliebenen -Bakterien leben noch weiter in dieser so veränderten Umgebung und -bilden schliesslich Sporen, wodurch der biologische Prozess dieser -Gährung zum Stehen gebracht wird. - -Der Tabakshaufen wird bei 52°-56° C. umgesetzt, sodass neue Blätter, -welche sich noch nicht an der Fermentation beteiligten, nach innen -kommen und der Prozess wiederum von neuem anfängt. Die Personen, welche -sich bei uns mit der Fermentation beschäftigen, versicherten mir, dass -der Tabak, welcher einmal an der Brühung Teil genommen hat, nicht mehr -im Stande sei, von neuem in energische Gährung zu treten. Dies erklärt -sich durch das Absterben des Diplococcus und des B. T. I nebst der -andern _Proteusarten_ bei ungefähr 50° C. - -Die Gährung unseres Tabaks hat also verschiedene Phasen aufzuweisen, -welche mit dem Temperaturoptimum der wirksamen Bakterien übereinstimmen. - -Die Gährung wird also von Aëroben und facultative Anaëroben eingeleitet -und vollendet. - -Den Forschern, welche sich also mit der Beobachtung der Fermentation -des Tabaks von irgend welchem Weltteil beschäftigen, muss man also aus -den beschriebenen Gründen anraten, die Blätter _während_ der Gährung zu -untersuchen[F]. - -Der angezeigte Weg möchte das Anfertigen einer graphischen Darstellung -der Temperaturerhöhung sein, woraus man am besten erkennen kann, wie -die Temperatur verläuft. Nachher können links und rechts von den -Stellen der Linie, wo die stärkste Steigung der Temperatur wahrgenommen -wird, Plattenkulturen angelegt werden, damit beobachtet werden -könne, welche Mikroorganismen auftreten, welche bei einer bestimmten -Temperatur eine kräftige Lebensenergie besitzen, und welche von ihnen -bei höherer Temperatur nicht mehr aufgefunden werden, also gestorben -sind. - -Weiter bemerke ich hier, dass man bei einem biologischen Prozesse, wie -er hier stattfindet, nicht erwarten muss, dass durch die Bakterien das -Gewebe vernichtet wird. Denn die verschiedenen Mikroorganismen scheiden -Stoffe aus, welche sich durch die Stomata, Membrane und Gefässe -verbreiten können, um da ihre chemische Wirkung zu entfalten. - -Wahrscheinlich sind dies günstig wirkende Enzyme oder andere höchst -zusammengesetzte Körper. - -Bei dem Delitabak, der bei mir in Fermentation gebracht wurde, fand ich -eine mit unsrer einheimischen Tabaksgährung analoge Gährung. Ich sah -dort bestimmte Sorten von Mikroorganismen auftreten, andere bei höherer -Temperatur kräftiger leben, dagegen wieder andere sterben. Ich erwähne -hier nur ein Stäbchen, welches von einer, auf alkalischer Gelatine -wachsenden, runden, blauglänzenden Kolonie herstammte, welches sich -bei 37° C. nicht mehr vermehrt und bei 50° C. stirbt. Welche Funktion -dieses bei der Gährung ausübte, konnte ich praktisch nicht bestimmen, -jedoch bleibt in dergleichen Fällen die Möglichkeit, dass die nur kurze -Zeit lebenden Mikroorganismen ein Enzym bilden können, das grade bei -höherer Temperatur kräftiger einwirkt. - -Aus dieser umfangreichen Untersuchung der Fermentation geht hervor, -dass »Bakterien«, also Mikroorganismen, die Gährung einleiten und -beendigen. Von einer eigentlichen »_Gährung_«, wobei _massenhaft -entweichende Gase_ entstehen, kann man allerdings hier _nicht_ sprechen. - -Im Vorstehenden habe ich beschrieben, wie Mikroorganismen während -ihrer Lebensfunktionen das Blatt angreifen, Ammoniak entwickeln, -Glukose, Nitrate und Asparagin zersetzen, um schließlich aus dem -Tabake ein Produkt zu bilden, wie es der Handel wünscht. Ebenso habe -ich die Wirkung der wiederholten künstlichen Impfung mit Reinkulturen -beschrieben und auf dem Wege der Empirie gezeigt, welche Veränderungen -in Geruch, und Brennbarkeit dabei auftreten. Die weitere Erfahrung muss -zeigen, welchen Nutzen die Praxis aus dem bisher Erkannten ziehen kann. - -[Fußnote F: Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur« 24 Juni -1899. »Een critische beschouwing over ~Loew's~ theorie der oxidizing -enzymation.«] - - - - -Gifte und Infektionskrankheiten. - - -Die Fleckenkrankheit beim Tabak ist noch immer ein Gegenstand -des Studiums, und wenn auch die wahre Ursache, die nur durch das -Experiment festzustellen ist, noch nicht bekannt geworden, so habe -ich doch Beobachtungen genug, um ein Urteil über ihr Wesen abgeben zu -können. Meine Untersuchungen sind von langer Dauer gewesen, weil die -Erscheinungen, welche ausschliesslich bei dieser Krankheit auftreten, -sich bei den gesunden Pflanzen in den günstigsten Verhältnissen erst -drei Wochen nach der Infektion zu zeigen anfangen. Eine grosse Zahl von -Pflanzen sind von mir verschiedenen Versuchen unterzogen worden. Dass -hier ein sehr toxischer Stoff wirksam ist, geht schon aus der Thatsache -hervor, dass 5 mgr. eines getrockneten kranken Blattes im Stande sind, -die kräftigsten Pflanzen zu infizieren. (Ich gebrauche hier das Wort -Infektion und nicht Intoxikation; später wird sich zeigen aus welchem -Grund). Wie ich früher schrieb, habe ich oft, jedoch _nicht immer_, -eine Mikrobe isolieren können, welche ein infizierendes Vermögen -besitzt. - -Wenn wirklich Bakterien Ursache der Fleckenkrankheit sind, so müssen -diese doch immer aus kranken Exemplaren von _Nicotiana_ isoliert werden -können, um den Beweis zu liefern, dass nur ihnen eine infizierende -Kraft zukommt. Bis jetzt ist noch nicht eine Bakterie in Kultur -gebracht worden, welche für _Nicotiana_ als pathogen zu betrachten -ist. Aus der grossen Menge Versuche werden wir ersehen, dass wir es -zu thun haben mit einem schweren Gifte, gebildet von unbekannten -Mikroorganismen, oder richtiger gesagt, von unsichtbaren Teilchen, -welche sich selbst vermehren und sich in den Pflanzen, oder auch in der -Nähe derselben, befinden können. - -Wenn wir nach dem heutigen Stand der Wissenschaft folgende Regel, -welche bei den Infektionskrankheiten beobachtet wird, festhalten, so -handelt es sich hier um allerwinzigste Wesen, Teilchen, welche sich -vermehren, und welche als Gift für die Pflanzen zu betrachten sind. - -I. Wenn der durch eine ~Chamberland~-Pasteurkerze filtrierte kranke -Blattgewebesaft gesunde Pflanzen infiziert, und dieser Saft wieder nach -Filtration neue Exemplare u. s. w., so haben wir es mit Mikroorganismen -zu thun, mit einem infektiösen Pflanzen-Krankheitskeim (vergleiche -später Maul- und Klauenseuche). - -II. Wenn der filtrierte kranke Blattgewebesaft in gesunde Pflanzen -hineingebracht wird und die Krankheit verursacht, wenn weiter der aus -den zweiterkrankten Pflanzen gewonnene Saft wieder nach Filtration -einer neuen Reihe Pflanzen eingespritzt wird, und dies keine Krankheit -erregt, so handelt es sich um toxische Stoffen, welche gebildet sind -von Mikroorganismen in der ersten Versuchsreihe (wie bei Diphtherie, -Tetanus.) - -Ehe ich mich über diesen Gegenstand verbreite, folgen hier einige -allgemeine Betrachtungen über Gifte und Infektionskrankheiten. Eine -Übersicht hiervon ist notwendig, um später die Fleckenkrankheit damit -vergleichen zu können. - -Zuerst hat man Gifte, welche von Mikroorganismen erzeugt werden, -abgesondert aus faulenden organischen Stoffen. Es waren meist -stickstoffhaltige Basen. ~Selmi~ nannte diese entweder giftigen oder -nicht giftigen Basen »Kadaver-Alkaloide« oder »Ptomaine«. Damals waren -diese Gifte noch nicht chemisch rein gewonnen sondern noch mit toxisch -wirkenden Extraktionsstoffen vermischt. Erst ~Nencki~ gelang es, -aus faulender Gelatine und faulendem Eiweiss einen kristallinischen -Stoff zu isolieren von der Zusammensetzung C_{8} H_{11} N mit einer -wahrscheinlichen Struktur von: - - - -- CH_{3} -- -C_{6}H_{4} NH_{2} - -- CH_{2} -- - - -Diese Basis ist also isomer mit _Collidin_, doch verhält sich bei -Erhitzung anders. Von vielen Forschern wurden bald toxische Stoffe in -sehr reinem Zustande isoliert, so z. B. von ~Gautier~ 2 Alkaloide aus -faulendem Fisch, _Parvolin_, C_{9} H_{13} N, und das stark reduzierende -_Hydrocollidin_, C_{8} H_{13} N; von ~Guareschi~ aus faulendem -Rindfleisch eine Basis von der Zusammensetzung C_{10} H_{15} N. - -Dieses Suchen nach den Giften ist mit eigentümlichen Schwierigkeiten -verbunden. Nicht nur, dass der Amylalcohol, welchen man beim -Ausschütteln der Flüssigkeiten nötig hat, selbst Spuren von Giften -enthält, sondern nach ~Gram~ könnte auch das _Cholin_, welches, nach -~Brieger~ wieder, immer die _Ptomaine_ begleitet oder einen Teil -derselben ausmacht, leicht in das giftige _Neurin_ übergeführt werden. - -Besonders ~Brieger~ hat die Untersuchungen der Gifte übernommen und -glänzende Resultate erzielt. Aus verschiedenen faulenden Substanzen -hat er stickstoffhaltige Basen isoliert, von denen viele keine giftige -Wirkung zeigten, andere dahingegen als schwere Gifte auftraten. -Letztere nannte er »_Toxine_«. - -Zu den nicht giftigen oder zu denen, welche erst in grossen Dosen als -Gift wirkten, gehören: - -_Neuridin_, C_{5} H_{14} N_{2}, welches sich allgemein vorfindet -beim Faulen von Käse, Fleisch und nach 3 Tagen bei der Fäulnis von -Menschenleichen, - -_Gadinin_, C_{7} H_{17} NO_{2}, aus faulendem Fisch, - -_Cadaverin_, C_{5} H_{16} N_{2}, in Leichnamen nach dem 4^{ten} Tage, - -_Putrescin_, C_{4} H_{12} N_{2}, wie oben, - -_Saprin_, wie oben, - -_Cholin_, C_{5} H_{15} NO_{2}, wie oben, aber in den ersten Tagen; es -zersetzt sich später in _Di-_ und _Trimethylamin_ und _Triaethylamin_; - -das _Cholin_ ist zu betrachten als -_Trimethyl-oxyaethylammonium-hydroxyd_. (CH_{3}){3} N. OH. C_{2} H_{4} -OH; - -_Mydatoxin_ und _Mydin_, wie oben. - -Zu den äusserst giftigen Basen gehören: - -_Peptotoxin_, der giftige Bestandteil vieler Peptone; es entsteht z. -B. auch bei der Verdauung von Fibrin durch künstlichen Magensaft, -wahrscheinlich ebenfalls durch die peptonisierende Wirkung von Mikroben, - -_Neurin_, C_{5} H_{13} N O, aus faulendem Fleische nach 5-6 Tagen, - -_Muscarin_, C_{5} H_{15} N O_{3}, ein Oxydationsprodukt von _Cholin_, - -_Tyrotoxicon_, ein schweres Gift, gefunden in Vanille-Eis von -~Vaughan~, weiter in Milch und vielen andern Nahrungsmitteln, besonders -während der heissen Sommertage. - -Chemisch nähert sich dieser Körper den _Diazobenzol_-verbindungen. -Die toxische Wirkung giebt sich durch Diarrhöen kund. Es ist ~Flügge~ -gelungen, dieses heftig wirkende Gift abzusondern und durch Versuche an -Tieren zu zeigen, dass furchtbare Diarrhöen dadurch entstehen können, -und sogar der Tod eintreten kann. - -Man behauptet, dieses Gift entstehe durch eine sporenbildende, -mittels Abkochung nicht zu tötende Bakterie, welche bei der günstigen -Temperatur, wodurch im Sommer schnelle Vermehrung stattfindet, das -Eiweiss so zersetzt, dass heftig wirkende Toxine gebildet werden. - -Noch bedeutender waren die Untersuchungen der Gifte, welche aus -Reinkulturen gewonnen waren. Auch hier hat ~Brieger~ sich äusserst -verdienstlich gemacht. Er bekam aus dem _Staphylococcus pyogenes -aureus_ und dem _Streptococcus pyogenes_ nicht giftige Ptomaine. -Ersterer entwickelt hauptsächlich Ammoniak, letzterer Trimethylamin. -Aus Typhusbacillen erhielt ~Brieger~ einen sehr toxischen Stoff, -das _Typhotoxin_ C_{7} H_{17} N O_{2}. Weiter aus Cholera-Mikroben -_Spermin_, aus Tetanusbacillen 4 Toxine, von denen das _Tetanin_ sehr -giftig ist, dann das _Tetanotoxin_ und das _Spasmotoxin_. - -Ausser diesen Alkaloid-artigen Stoffen wurden aus den Reinkulturen -anderer pathogenen Mikroben noch Gifte isoliert, welche eine sehr -toxische Wirkung besitzen, jedoch in chemischer Zusammensetzung sich -mehr den Eiweissen nähern und deshalb auch wohl »_Toxalbumine_« genannt -werden. In wässeriger Lösung sind diese Gifte von schwachem Bau, -da sie schon bei 60° C. in kurzer Zeit, bei 100° sehr schnell -zerstört werden. Ferner besitzen sie noch die Eigenschaft, dass sie -in Wasser oder verdünntem Alcohol gelöst, durch starken Alcohol -präcipitiert werden, durch ~Chamberland-Pasteur~-Kerzen gehen, langsam -oder gar nicht dialysieren und die Eiweissreaktionen geben. Diese -Eiweissreaktionen sind nicht nur dem Eiweisse, sondern auch dessen -Zersetzungsprodukten eigen. Das eigentliche Gift kann also, ausser dem -Eiweisse, auch Verunreinigungen zugeschrieben werden. ~Brieger~ und -~de Boer~ nl. haben das Tetanus- und Diphtheriegift durch Präcipitation -mit Zinkchlorid als Doppelverbindung, ausgeschieden und es nicht nur -qualitativ, sondern auch quantitativ bestimmt und zwar aus Lösungen, -welche nicht die Spur von Eiweiss enthielten. - -Die Absonderung der Toxalbumine, Toxine u. s. w. von den -Bakterien geschieht meistens mittels Filtration durch -~Chamberland-Pasteur~-Kerzen, oder, da sie, nach ~Sirotinin~, nicht -alle gelösten Stoffe durchlassen, durch ~Berckefeld-Nordtmeijers~ -Infusorienerdefilter. - -[Illustration: Fig. 12. Filtration durch eine -~Chamberland-Pasteur~-Kerze unter dem Drucke der Wasserleitung.] - -In beigehender Figur 12 ist die Einrichtung wiedergegeben, wie sie -in meinem Laboratorium besteht, und wie sie benutzt wird, um die -Reinkulturen, welche in einen Vaporisator gebracht worden sind, in die -Tabaksbüschel unter Luftdruck verstieben zu lassen. Links sieht man -eine Wasserstrahlluftpumpe abgebildet, welche zugleicherzeit durch -Wasserleitungsdruck einen konstanten Luftstrom erzielt. Die Vorrichtung -ist oberhalb eines Kübels aufgestellt. Der Wasserleitungshahn lässt das -Wasser (der Minimumdruck ist 2 Atmosphären) in der Richtung der Pfeile -W die Vorrichtung durchströmen, während zugleicherzeit die Luft in -der Richtung der Pfeile L durch die Kautschukverbindung in die rechts -abgebildete ~Chamberland-Pasteur~-Kerze gepresst wird. - -Diese Kerze ist in einem gläsernen Mantel mit der gebräuchlichen -Fürsorge mittels Watte abgeschlossen, mittels strömenden Wasserdampfes -eine Stunde bei 110° C. sterilisiert worden und, um etwaiger Infektion -von aussen vorzubeugen, unmittelbar in Anwendung gebracht. - -Diese Kerze wird nach Benutzung noch mittels Lufteinpressung -kontrolliert, ob sie etwa unsichtbare Sprünge oder Risse hat, in -dem Falle bilden sich Luftblasen unter Wasser. In die Kerze wird ± -20cm^3 kranken Gewebesaftes von _Nicotiana_ gebracht, der Verschluss -hergestellt und die Filtration unternommen. Durch die zusammengepresste -Luft wird innerhalb der Kerze ein Druck ausgeübt, sodass der grüne, -immer bakterienreiche Gewebesaft nun hell braungelb und frei von -Bakterien, die auf der Kerze zurückbleiben, aus der Kerze hervortritt. - -Diese Filtration geschieht sehr langsam und das Filtrat ist vollkommen -steril. Aus der Kontrolleprobe, welche auf dieses Filtrat angewendet -wurde, ergiebt sich, dass 10-20 Tropfen auf dem sauren und alkalischen -Nährboden (~Koch~) keine einzige Kolonie entstehen lassen. Alle -Mikroben, welche bis jetzt mit den stärksten Vergrösserungen und als -Kontrolle auf von ihnen angelegten Kulturen wahrgenommen werden können, -dringen also nicht durch das unverglaste Porzellan hindurch. - -Der Fall kann vorkommen, doch er würde einzig dastehen in der -Litteratur, dass bei genannten Vorsorgen Mikroorganismen bestehen -(siehe Maul- und Klauenseuche), welche unmittelbar die Kerze -durchdringen, doch deren Dasein sich weder bei den mikroskopischen -Untersuchungen noch nach dem Inkulturbringen auf diversen Nährboden -offenbart. Letzteres ist nicht von so überwiegender Bedeutung, da viele -sichtbare, besonders für den Menschen pathogene Mikroorganismen, lange -nicht beim Züchten auf künstlichen Nährboden zur Entwicklung gebracht -werden konnten. - -Ferner erwähne ich, dass erst neulich (Sept. '98) mir der Fall bekannt -geworden ist, dass ein Filtrat, sichtbar und bei den Untersuchungen, -frei von lebenden Wesen, eine unbegrenzte Infektion von Individuum auf -Individuum entfaltete. Ein Gramm kranken Gewebesaftes von _Nicotiana_ -enthielt meinen Kulturproben nach reichlich 2900 Mikroorganismen in -sechs Arten, und keine von allen konnte Pflanzen infizieren. - -Das schon genannte _Tetanusgift_, genau von ~Kitasato~ studiert, wird -bei Erhitzung auf 65° C. innerhalb weniger Minuten, bei 55° innerhalb -anderthalb Stunden vernichtet. - -Bei Eintrocknung in einem Exsiccator zeigt sich, dass es seine toxische -Wirkung behalten hat. Diffuses Tageslicht nimmt dem Gifte innerhalb -einiger Wochen, helles Sonnenlicht innerhalb 15-18 Stunden seine -Wirkung, in beiden Versuchen mit Zutritt von Luft. ~Brieger~ und ~Cohn~ -fanden, dass 0,000.0003 gr. dieses Giftes innerhalb 4 Tagen eine weisse -Maus von 20 gr. tötete, es ist also ein Gift von eminenter Wirkung. -Zum Verständnis der Fleckenkrankheit beim Tabak ist es auch nicht ohne -Interesse, hier zu bemerken, dass ~Petri~ aus Cholerakulturen nebst -anderen Giften auch eine giftigen Substanz isolierte, welche in ihren -Reaktionen an die Peptone denken lässt, das sogenannte _Toxopepton_, -das sogar die Temperatur von 100° C. _längere Zeit_ erträgt, also nicht -zersetzt wird, und seine toxische Wirkung dabei behält. - -Weiter muss bemerkt werden, dass in den ersten Tagen der Fäulnis viele -Fäulnisbakterien zusammen äusserst giftige Toxalbumine erzeugen, dass -diese Giftstoffe jedoch nach Verlauf von 14 Tagen verschwunden sein -können. (~Scholl-Nielsen~). - -Zum Schluss dieser allgemeinen Betrachtungen, welche notwendig waren -zum Verständnis der Gifte, einige die Fermente betreffende Mitteilungen. - -Unter Enzymen und Fermenten versteht man sehr zusammengesetzte -organische, sich leicht zersetzende Stoffe, welche innerhalb bestimmter -Temperaturgrenzen relativ sehr grosse Mengen anderer Stoffe umsetzen -können. In der Physiologie spielen sie eine grosse Rolle. Ihre -Aufgabe ist es, die Stoffe, welche sich in einem, zur Aufnahme in den -Organismus ungeeigneten Zustande befinden, derartig umzubilden, dass -sie aufgenommen werden können. - -Ich nenne hier nur den Übergang von Eiweiss in Pepton, Amylum und -Cellulose in Zucker, Fette in Fettsäure und Glycerin, Saccharose in -Glukose und Fructose u. s. w. Meistens können diese Umsetzungen auch -durch physische und chemische Wirkungen hervorgerufen werden. So u. -a. die von Eiweiss in Pepton durch Wasserdampf unter Druck, die des -Rohrzuckers durch die Abkochung mit Säuren; jedoch sind diese Mittel -natürlich für den lebenden Organismus nicht passend. Aus dem Grunde -stehen den lebenden Wesen die Fermente zur Verfügung, sowohl den am -meisten zusammengesetzten wie den einfachsten Wesen. Bei ersteren -liegt die Fermentproduktion in bestimmten Drüsen, bei den letzteren -in dem Zellenkörper selbst. Eine kleine Menge Ferment ist im Stande, -eine scheinbar unbestimmte Quantität Stoff umzusetzen, und zwar in -solcher Weise, dass das Ferment selbst sich dabei kaum ändert. Dies -war Ursache, dass man früher das Ferment in die nämliche Klasse wie -die allereinfachsten Wesen einreihte, welche Gährung und Fäulnis -zum Vorschein rufen. Lebende Wesen, welche Gährung verursachten und -Enzyme, wurden mit dem nämlichen Namen »Ferment« bezeichnet. Schwieriger -wurde die Unterscheidung da, wo bei der Gährung zugleicherzeit Enzym -produziert wurde. Einen deutlicheren Unterschied kann man erst angeben -nach dem Studium der Gährung und der Enzym-Wirkung. - -Enzyme im engeren Sinne sind chemisch aufgebaute, also unorganisierte -Körper. ~Buchner~ in Tübingen hat in der letzten Zeit Versuche mit -dem ausgepressten Saft feingeriebener Hefezellen angestellt, welcher -unter einem Drucke von 500 Atmosphären gewonnen ist. Dieser kann -unabhängig von lebenden Wesen die Gährung erwecken und erhalten. -Der Gährungsprozess muss also seiner Meinung nach nicht als eine -physiologische Funktion, sondern als ein verwickelter chemischer -Prozess betrachtet werden, welcher durch einen enzym-artigen Stoff, die -_Zymase_, hervorgerufen wird, der aber in der Natur nur in der lebenden -Hefezelle gebildet wird. Später stellte sich allerdings heraus, dass -dieser ausgepresste Saft eine sehr beschränkte Wirkung habe. - - * * * * * - -Pathogene Mikroorganismen können sich in bestimmten Wesen vermehren, -Krankheiten erregen und sogar den Tod verursachen. Einmal geschieht -die Vermehrung örtlich, d. h. auf oder in sehr begrenzten Teilen -des lebenden Individuums, ein anderes Mal findet man, dass sie -sich langsam im Körper oder auch ganz durch die Organe verbreiten. -Es ist also möglich, den Effekt der Infektion an einem Punkte zu -finden, ohne die Mikrobe, welche doch Ursache hiervon ist, entdecken -zu können. All diese Fälle muss man in Betracht ziehen, und sie -erleichtern die Untersuchungen nicht. Alle infektiöse Mikroben haben -eine lokale Wirkung und reagieren kräftig im lebenden Individuum. -Jetzt zweifelt man nicht mehr daran, dass solche Effekte durch die -Verbreitung aufgelöster Stoffe entstehen, welche ihren Ausgang von -der Infektionsstelle nehmen, m. a. W. »_die Infektion geht zusammen -mit einer Vergiftung_«. Auch bei denjenigen Krankheiten, wo die -pathogenen Mikroben durch den ganzen Körper verbreitet sind, wie bei -den _Septicaemieën_ der höheren Wesen, muss man die Anwesenheit solcher -Gifte annehmen. Der Unterschied liegt nur hierin, dass im letzteren -Falle das Gift einen kürzeren Weg zurückzulegen hat, um die Zellen und -Gewebe zu erreichen und anzugreifen. Warum sollte dergleichen bei der -Pflanze im allgemeinen nicht auch möglich sein? In der Erde, die sie -umgiebt, an den Wurzeln oder in denselben, in den Gefässbündeln, im -Xylem oder Phloëm, im Parenchym und an andern Stellen können doch auch -örtliche Bakterienwucherungen entstehen, welche Gifte absondern und -diese weiter führen und dann irgendwo anders das Bild der Krankheit -erzeugen. Bei der Fleckenkrankheit wird aus der grossen Menge Versuche, -welche an Pflanzen von mir gemacht worden sind, erhellen, dass es sich -hier um ein stark wirkendes Gift handelt, welches nach unmittelbarer -Wahrnehmung frei von Mikroorganismen ist, geradeso wie ein offenbar -toxischer Stoff gesunde Pflanzen vergiftet. - -Dies ist nicht unmöglich und schliesst sich dem an, was vorher -behandelt worden ist. Merkwürdiger wird der Fall, wenn diese kranken -Pflanzen wieder gesunde Pflanzen, in einer grossen Reihe auf einander -folgender Versuche, befällt und da eine Infektion erregt. Man müsste -also annehmen, dass wir es hier mit einem sich vermehrenden Gifte -zu thun haben, wobei die unmittelbare oder mittelbare Wirkung der -Mikroorganismen notwendig ist. - -Zwar ist z. B. ein Individuum empfänglich für Diphterie, zwar bilden -sich da örtlich die Toxine nach der Infektion und verbreiten sich von -da aus, und zwar lässt das Filtrat der Diphterie-Bouillon-Kulturen -ein zweites Individuum erkranken, aber dieses ist wegen der grossen -Abschwächung des Giftes und durch die Bildung von baktericiden Stoffen -nicht im Stande, andere Individuen zu vergiften oder zu töten. - - * * * * * - -Voriges Jahr erzielte ich mit Reinkulturen einer Bakterienart, der -_Rhizobium Leguminosarum_, und mit einer _Beggiatoa_ Infektion, jedoch -nicht immer. - -Wenn ich eine Quantität von krankem Gewebesaft benutze, um Platten -davon anzulegen, so bringe ich doch das unbekannte Virus auf oder in -die Gelatine. - -Die ganze Menge Gelatine wird gewiss die Pflanzen vergiften, also dort -Intoxikation oder Infektion entstehen lassen, denn der Gewebesaft thut -es ja. - -Es scheint mir denn auch gar nicht so unmöglich, ja selbst -sehr wahrscheinlich, dass weder die Bakterienkultur, noch die -_Beggiatoa_-Art die Pflanze infiziert, sondern das anklebende Gift -oder das unbekannte, unsichtbar lebende Virus. Wenn man immer neu -geimpfte Reinkulturen gebrauchte und hiermit die Pflanzen einspritzte, -könnte man in diesem Punkte sicher gehen; dann ist das Gift oder der -unbekannte Mikroorganismus, welcher sich auf dem künstlichen Medium, -das ihm kein Nährboden ist, nicht entwickelt, zu sehr verdünnt, oder zu -viel verbreitet um immerfort Infektion oder Intoxikation hervorzurufen. - -Bei der stärksten Vergrösserung unter Immersion, bemerkt man im kranken -Gewebe, im Protoplasma, schwach unregelmässig sich bewegende Teilchen, -wahrscheinlich in der _Brownsche_ Molekülarbewegung begriffen. Auch -beim gesunden Gewebe wird dies wahrgenommen, und wer wird, selbst -mit dem bewaffneten Auge, lebende Wesen von so äusserst winzigen -Dimensionen von dem körnigen Protoplasma unterscheiden können? - -Es ist von Bedeutung hier noch einen Augenblick über die _Hundswut_ -(_Rabies Canina_) zu sprechen. Hier hat man es mit einem für alle -warmblütigen Tiere schweren Gifte zu thun, das in der Regel mittels des -Speichels der hundswütigen Tiere übertragen wird. Meistens wird der -Hund, doch auch der Wolf, die Katze u. a. davon ergriffen. - -Der Infektionsstoff befindet sich nach den Untersuchungen -~Pasteurs~ besonders im Centralnervensystem. Bis jetzt hat man noch -keine Mikroorganismen darin nachweisen können, obwohl ~Gibier~, -~Fol~, ~Babes~ und ~Cornil~ verschiedene Formen gefunden haben. -Infektionsversuche, welche hiermit angestellt wurden, blieben ohne -Erfolg. Verschiedene Forscher wie ~Golgi~, ~Germano~, ~Schaffer~, -~Giantarco~ u. a. haben ziemlich dieselben histologischen Veränderungen -im Rückenmark und dem Gehirne der angesteckten Tiere nachgewiesen. -Ausser an diesen Stellen findet sich der Infektionsstoff noch in den -grossen peripherischen Nervenstämmen und, schon einige Tage vor dem -Auftreten der Krankheitserscheinungen, im Sekret der Speicheldrüsen. - -Die Infektion ist am sichersten zu erzielen durch Einspritzungen -einer Rückenmark-Emulsion der Menschen und Tiere, welche an der -Hundswut starben (subdurale Einspritzung). Eine subcutane Einspritzung -ruft nicht immer diese gefürchtete Krankheit hervor. Nach ~Helmann~ -erklärt dies sich hieraus, dass bald Nerven verletzt werden, bald -wieder nicht; daher auch, dass grosse Verletzungen, welche bis in -die Muskel hineindringen, und weiter Bisse in nervenreiche Teile, -wie des Antlitzes und der Hand, besonders gefährlich sind. Nicht -unwahrscheinlich wird bei Bissen durch Kleidungsstücke hindurch -das Gift entweder nicht oder nur in geringer Menge in die Wunde -hineingebracht. Die Verbreitung des Giftes kann so schnell stattfinden, -dass das Ausbrennen der Wunden, oft kurz nach der Infektion, ohne -Erfolg bleibt. Die Krankheit offenbart sich bei Menschen selten vor -dem 15^{ten} Tag, gewöhnlich erst im Laufe des zweiten Monats, selten -nach dem dritten und ausnahmsweise erst nach dem sechsten Monat. -Zwischen dem Augenblicke der Infektion und dem Ausbrechen der Tollwut -werden die Einspritzungen nach der von ~Pasteur~ angegebenen Methode -verrichtet. Er hat das unbekannte Gift zuerst durch wiederholte -Impfungen auf Affen geschwächt, und auch durch wiederholte Impfungen -von Kaninchen auf Kaninchen, einen Krankheitsstoff von bestimmtem -Infektionsvermögen erhalten. Indem man das Gift durch eine Reihe -von, durch ~Pasteur~ ausgewählten, Tieren hindurch gehen liess, und -deren Rückenmark in einem mit Watte verschlossenen Kolben, über -Kalk aufgehängt, konservierte, erhielt man innerhalb 14 Tagen ein -einigermassen geschwächtes Material, welches Hunde nicht mehr tötete, -sondern gegen die Krankheit schützte. Hunde, welche täglich subcutan -kleine Stücke dieses Materials injiciert bekamen, das 14, 13, 12 Tage -u. s. w. bis auf einen Tag auf obige Weise getrocknet worden war, -wurden unempfindlich gegen das schwere oder ungeschwächte Gift[G]. - -Das Gift der Hundswut, dies muss noch erwähnt werden, kann durch Licht, -durch erhöhte Temperatur (50°-60° C.) durch Antiseptica, weiter durch -künstliche Behandlung geschwächt und vernichtet werden. Filtration des -giftigen Rückenmarks durch Gypsplatten lieferte ein Filtrat, welches -nach ~Paul Bert~ nicht mehr infizieren konnte. - -Nachdrücklich muss ich darauf hinweisen, dass es vom grössten Interesse -ist zu wissen, auf welch specielle Weise eine infektiöse Krankheit -entsteht, und wie die Gifte sich physicalischen und chemischen -Einflüssen gegenüber verhalten. - - * * * * * - -Zum Schlusse noch eine kurze Besprechung der _Maul- und Klauenseuche_ -(_Aphthae epizoöticae_), in Bezug auf welche in der letzten Zeit solche -wichtigen Entdeckungen gemacht worden sind, deren Kenntnis von grösster -Bedeutung hinsichtlich der Fleckenkrankheit des Tabaks ist. Um genügend -Aufschlüsse über die Ergebnisse der jüngsten Nachforschungen auf diesem -Gebiete zu erhalten, habe ich mich an die Herren Tierärzte ~Van der -Sluys~, Unterdirector am Abattoir in Amsterdam, und ~Busing~ in Naarden -gewandt, die mir bereitwilligst ihre Litteratur in Bezug auf diesen -Gegenstand zur Verfügung stellten. Beiden meinen herzlichsten Dank für -ihre Hilfe. - -In allen Ländern Europas zeigt sich diese für das Rindvieh so -gefürchtete Seuche. Sie verbreitet sich von einem Individuum zum -andern, also mittels Contact. Maul- und Klauenseuche wird, wie man -annehmen muss, verursacht durch noch unbekannte, unsichtbar lebende -Wesen, Mikroorganismen, die entweder selber oder durch die von ihnen -abgesonderten Stoffe die Krankheitserscheinungen schon nach einigen -Tagen auslösen. Alle bisher gefundenen Bakterien (~Starcovici~, -~Piana~, ~Fiorentini~, ~Behla~, ~Jurgens~, ~Bussenius-Siegel~) -Protozoen, protoplasmatische Körperchen oder andere corpusculäre -Elemente, und irgend welche, mit dem Mikroskop sichtbare Teilchen, -haben offenbar mit der Ätiologie der Maul- und Klauenseuche nichts zu -schaffen. Kein Wunder also bei dem einander vielfach widersprechenden -Befunden, dass eine ganze Reihe Forscher sich diesem für Ackerbau -und Viehzucht so wichtigen Gegenstand widmen. In den letzten zwei -Jahren ist denn auch die »Berliner Tierärztliche Wochenschrift« und -überhaupt die tierärztliche Literatur voll von Meinungen, Theorien und -experimentellen Nachforschungen. Jedenfalls sind die Untersuchungen -nach der Ursache dieser Krankheit eben so schwierig wie nach derjenigen -der Blattern, Masern, des Flecktyphus und Scharlachfiebers. Unstreitig -hat in dieser Frage aber Herr ~C. Hecker~, Tierarzt in Ermsleben, sich -sehr verdient gemacht. Er hat den Weg gezeigt, die Tiere gegen Maul- und -Klauenseuche zu schützen m. a. W. sie zu immunisieren (B. T. W. No. -1897). - -Dass die deutsche Regierung einsah, wie nützlich die Bekämpfung dieser -Krankheit ist, geht daraus hervor, dass sie eine Kommission ernannte, -in welcher ~Prof. Dr. Loeffler~ und ~Dr. Frosch~ Sitzung hatten. Mit -Aufopferung grosser Kosten hat die Regierung sie mit den Untersuchungen -beauftragt, und diese sind von ihnen derartig angestellt worden, -dass sie die strengste wissenschaftliche Kritik bestehen können. Der -Bericht dieser höchst wichtigen Untersuchungen, in welchem wir analoge -Erscheinungen wie bei der Fleckenkrankheit des Tabaks antreffen werden, -ist u. a. aufgenommen worden im »Centralblatt für Bakteriologie, -Parasitenkunde und Infektionskrankheiten« No. 9/10 pag. 371, dem auch -folgendes entnommen worden ist. - -Wie der Name andeutet, zeigt sich die Maul- und Klauenseuche, beim -Rindvieh, in der Form von Bläschen am Munde, an den Klauen und Eutern. -Der Inhalt jener Bläschen besteht aus einer Flüssigkeit, einer Lymphe, -worin sich corpusculäre Elemente vorfinden, doch worin normal keine -Bakterien zu finden sind. Die von ~Siegel~ und ~Bussenius~ aus den -Bläschen isolierte Mikrobe ist von aussen hineingedrungen, besitzt eine -starke Giftwirkung im Darmkanal, ist jedoch nicht als das ätiologische -Moment der Maul- und Klauenseuche zu betrachten. ~Loeffler~ und ~Frosch~ -fanden konstant in den Bläschen farblose Lymphzellen, gekörnte Zellen, -rote Blutkörperchen, kleine runde granulierte Scheibchen ohne Kern, -bewegliche, unregelmässige, protoplasmatische Körperchen und stark -lichtbrechende Körner verschiedener Grösse, keine selbstständigen -Mikroorganismen. Die Krankheit kann durch die Lymphe übertragen -werden auf Rinder und Kälber, bei Schweinen erkrankt nur die Hälfte. -Immun scheinen sich zu verhalten: Kaninchen, Meerschweinchen, Katzen, -(wiewohl ~Hecker~ von der Katze das Gegenteil behauptet in B. T. W. -No. 6, 1898) Ratten, Mäuse, Hühner und Tauben. - -Der Inhalt der frischen Bläschen ist äusserst virulent, während das -Blutserum erkrankter Tiere bis zu 14 cm³, drei Kälbern subcutan -eingespritzt, das Krankheitsbild nicht hervorrief. Drei Kälber, -die 12, 17, und 22 Tage nach der ersten Einspritzung mit sehr -wirksamem Material eingespritzt waren, erkrankten mit typischer -Temperaturerhöhung, ohne dass sich Bläschen an Maul oder Klauen -zeigten. Nur das erste Kalb zeigte sehr kleine Bläschen an der Stelle, -wo die Einspritzung geschehen war. Unfehlbar die Krankheit erregend -zeigte sich die Einspritzung der Lymphe ins Blut. Hierbei entstehen -schon nach 24-48 Stunden die Bläschen an Maul und Klauen und beim -Milchvieh an dem Euter. Ganz unsicher wirkt dieselbe Lymphe, wenn sie -in oder unter die Haut eingespritzt wird (Vergl. Hundswut). - -Weiter ist es von Bedeutung, zu wissen, dass die Lymphe durch -Eintrocknung bei Sommertemperatur während 24 Stunden, durch Erhitzung -auf 37° C. während 12 Stunden, und durch Erhitzung auf 70° während 1/2 -Stunde unwirksam wird. - -In kapillaren Röhrchen bei 0° C. bewahrt, bleibt die Lymphe 3-4 -Monate wirksam. Dass wir es hier mit einem höchst giftigen Stoff zu -thun haben, beweist die kleine Menge, welche benötigt ist, um nach -Einspritzung die Krankheit hervorzurufen; nl. bei 1/5000 cm^3 ist die -Wirkung gewiss, erst bei Mengen von 1/10000-1/20000 ungewiss. - -Zweckdienlich und Schutz gewährend gegen Maul- und Klauenseuche zeigten -sich die Einspritzungen mit einer Mischung von Lymphe und Serum von -Tieren, welche die Krankheit durchgemacht hatten. - -Wie schon mitgeteilt, erhalten nicht alle Tiere, welche die Krankheit -überstanden haben, Immunität. Dies gab Anlass zu der Meinung, dass es -nicht möglich sei, mittels Impfung oder Einspritzung gegen die Maul- und -Klauenseuche zu schützen (~Friedberger~, ~Fröhner~). Etwas Ähnliches -nimmt man aber auch wahr bei den Blattern und Masern des Menschen. -Auch hier erhalten nicht alle Individuen nach überstandener Krankheit -sichere Immunität. Es zeigen sich also hier Unterschiede in der -natürlichen Immunität, in der grösseren oder geringeren Empfänglichkeit. - -Wird jedoch Blutserum von gesunden Tieren genommen und dies mit Lymphe -vermischt, so erscheint die Maul- und Klauenseuche wohl. Um mich jedoch -in meinen Mitteilungen über diesen so bedeutungsvollen Gegenstand kurz -zu fassen, folgen nur noch einige merkwürdige Eigenschaften des -unbekannten Giftes. Die schon früher beschriebenen Filtrationsversuche -mittels Kerzen werden wahrscheinlich auch ein Licht aufgehen lassen -über vielerlei Krankheiten, deren Ursache noch im Dunkeln liegt. -~Loeffler~ und ~Frosch~ filtrierten 1 cm^3 Lymphe verdünnt mit 39 -Teilen Wasser mit Hinzufügung des _Bacillus fluorescens_ zur Kontrolle. -Das Filtrat zeigte sich als ein ganz keimfreies. Weder die zugefügte -Bakterie noch andre Mikroorganismen kamen in ihren Kulturplatten zum -Vorschein. Das Filtrat erzeugte die Maul- und Klauenseuche, als es in -das Blut von Kälbern eingebracht wurde. Die nämliche Erscheinung, die -als Intoxication bezeichnet wird, ist auch bei andern Krankheiten -beobachtet worden; was jedoch noch unbekannt war, ist, dass der Inhalt -der jetzt gebildeten Bläschen neuerdings filtriert, immerfort wieder -die Krankheit hervorrief. - -Im Filtrate befinden sich also Krankheitskeime, welche durch die Poren -der Kerze hindurchdrangen, es wäre denn, dass das Filtrat ein Gift von -eminenter Wirkung enthielte. Nach mancherlei Versuchen hat sich jedoch -herausgestellt, dass eine Vermehrung des Giftes stattfindet. ~Brieger~ -fand, dass 1 cm^3 des so heftigen Tetanus-giftes 20000 Mäuse tötete. -Die Berechnung jedoch giebt bei dem Filtrate ~Löffler's~ zu erkennen, -dass eine Verdünnung von 1: 2-1/2 Trillion noch im Stande ist, Tiere -zu vergiften, und zwar schon als das unbekannte Virus nur durch zwei -Tiere hindurch gegangen war. Solche und noch durch weitere Tierpassage -hervorgerufenen Verdünnungen können nicht mehr auf ein gelöstes Gift -bezogen werden. - -In einem späteren Bericht der mehrere Male erwähnten Kommission, -welcher u. a. in der »Wochenschrift für Tierheilkunde und Viehzucht«, -No. 39, Sept. '98 enthalten ist, finden wir, dass wiederholte -Filtration der verdünnten Lymphe durch sehr dichte ~Kitasato~-Kerzen -die Tiere nicht mehr mit Maul- und Klauenseuche krank machen konnte. -Das krankheiterregende Agens ist also jetzt zurückgehalten worden. Wir -haben es demnach zu thun mit »_Infektion_.« Weiter giebt die Kommission -noch die Mitteilung, dass Rinder noch immunisiert werden können mit -einer Mischung von Immun-Serum und Lymphe, welche also eine Zeit lang -mit einander in Kontakt gewesen sind. Wichtig ist auch die Beobachtung, -dass das Junge eines immunisierten Rindes, welches vor dem Anstellen -des Versuches sich schon in den Ställen befand, nach der Geburt sich -sofort als immun erwies. Drei Tage nach der Geburt wurde es mit 1/100 -cm^3 sehr wirksamer Lymphe mit dem Resultate behandelt, dass das -Tier nicht erkrankte, selbst nicht nach einer zweiten Einspritzung -mit 1/10 cm^3 6 Tage später. Die Mutter hat hier ihre Immunität auf -das Junge übertragen. Da das von der immunen Kuh geworfene Kalb -sich immun zeigte, ist es deutlich, dass die Einspritzung gegen -Maul- und Klauenseuche, bei kräftigen Tieren angewendet, eine immune -Nachkommenschaft erzeugen wird. - -Es ist zu erwarten, dass die Resultate der hier geschilderten Versuche -bald fruchtbringend in der Praxis angewendet werden können. - -Die kleinsten der bekannten lebenden Wesen sind die von ~Pfeiffer~ -aufgefundenen Influenzabakterien. Wären die Mikroorganismen der -Maul- und Klauenseuche 1/10-1/5 so gross wie diese, was nicht unmöglich -sein würde, so könnten sie nach der Berechnung von ~Prof. Abbe~ in -Jena, als die Grenze des Vergrösserungsvermögens unserer Mikroskope -übersteigend, selbst unter den besten modernen Immersionssystemen nicht -mehr wahrgenommen werden. Die Untersuchungen nach ihrer Anwesenheit im -Filtrate werden fortgesetzt und sind von grösster Wichtigkeit. Die Zeit -wird dann ausweisen, ob andere ansteckende Krankheiten, deren Ursachen -jetzt noch unbekannt sind, auch ähnliche Verhältnisse darbieten. -Man denke nur an die Blattern, das Scharlachfieber, die Masern, den -Flecktyphus, die Rinderpest u. a. m., nach deren Ursache so oft -vergebens gesucht worden ist. - -Aus diesen Beschreibungen der Gifte, welche Krankheiten erregen -und oft den Tod zur Folge haben, erhellt, dass sie sich chemischen -Reagenzien, physicalischen Einflüssen, der Filtration durch Kerzen -und dem Experimente auf lebenden Wesen gegenüber ungleich verhalten. -Fremdartig und noch unerklärlich ist hierbei das Gift der Hundswut und -das der Maul- und Klauenseuche. - -Jetzt nach diesen Betrachtungen über verschiedene Krankheitsstoffe ist -zu sehen, wie es mit dem Gift der Fleckenkrankheit beim Tabak steht, -und mit welchem Virus es sich vergleichen lässt. - -[Fußnote G: Aus diesen für den Menschen später so wichtigen -Versuchen, erhellt der Nutzen des Tierexperiments, welches allerdings -nur erfahrenen Personen anvertraut werden darf. Meiner Meinung nach -muss jedoch der zwecklos wiederholte Nachweis schon konstatierter -Vergiftungen bei Tieren auf mechanischem, chemischem oder -bakteriologischem Wege unterlassen werden, wenn, was nach dem heutigen -Stande der Technik möglich ist, durch die Projektion von Lichtbildern -ein deutliches Bild der Versuche geliefert werden kann.] - - - - -Die Flecken- oder Mosaikkrankheit des holländischen Tabaks. - - -Wie bereits im vergangenen Jahre mitgeteilt, offenbart sich die -Flecken- oder Mosaikkrankheit bei unserem Tabak in der Form von -dunkelgrünen Flecken, die stets bei jungen Blättern zwischen den Nerven -und längs derselben ihren Ursprung nehmen. Bei älteren Pflanzen zeigt -sie sich in der Form von unregelmässig liegenden Flecken, die allmählig -braun werden. Wenn auch in der Regel der Tod der Pflanze bei dieser -Krankheit nicht eintritt, so werden die Blätter doch so verändert und -missgestaltet, dass sie keinen Handelswert mehr besitzen. Wenn man in -Betracht zieht, dass die von den Züchtern so sehr gefürchtete Krankheit -jedes Jahr mehr um sich greift, so ist es nicht ohne Bedeutung, ihre -Ursache zu erforschen und wo möglich die Mittel liefern, welche der -Flecken- oder Mosaikkrankheit vorbeugen. Im Laufe dieses Jahres sind -mit einer grossen Anzahl von Pflanzen Versuche angestellt worden. Um -ein deutliches Bild von dem Verlauf der Krankheit zu erhalten, folgt -hier die Beschreibung eines der zahlreichen Fälle, bei welchen die -Fleckenkrankheit künstlich verursacht worden ist. - -Am 2. Juni 1898 wurden mir durch Herrn ~N. van Os~ zu Amerongen einige -Hundert junge Tabakspflanzen geschickt, die soweit sichtbar, vollkommen -gesund waren. Einige Tage später erhielt ich zwei fleckenkranke -Pflanzen, die streng isoliert und in ständiger Beobachtung gehalten -wurden. Diese kranken Exemplare wuchsen sehr langsam; die Flecken -wurden immer dunkler, während die Krankheit sich in den verschiedenen -Blättern langsam verbreitete. - -Eine vollkommen gesunde, junge Pflanze erhielt am 5. Juli, wie Figur -13 _A_ angiebt, einen Einschnitt mit einem sterilisierten Messer in -den Stengel bis an das Gefässbündel. In diesen Einschnitt wurde ein -sehr kleines Stückchen eines gefleckten Blattes von einer der kranken -Pflanzen gebracht. Ein gleiches Stückchen Tabaksblatt wurde gewogen, -nach Trocknung der Gewichtsverlust bestimmt und dieser als die -Menge Gewebesaft berechnet, der ursprünglich darin war. Nach meiner -Berechnung waren ungefähr 34 mgr. Blattsaft in den Einschnitt gebracht -worden. Man kann aber ruhig annehmen, dass unter den günstigsten -Verhältnissen wenige Milligramm, ja vielleicht nur Zehntel oder -Hundertel eines Milligramms durch das Gefässbündel aufgenommen und -fortgeführt werden. Am 20. Juli begann sich am Rande eines jungen -Blattes zwischen ein paar kleinen dünnen Nerven ein dunkles Fleckchen -zu zeigen. Im Verlauf der folgenden Tage erschienen an den anderen -jungen Blättern ebenfalls Fleckchen, während das Blatt selbst durch -~Vergrösserung des Pallisadengewebes~ ein unebenes, unregelmässiges -Aussehen bekam. Auch der Blattrand wurde gleichzeitig sehr abnormal, -hier und da eingeschnürt oder eingebuchtet. (S. die Formen der fünf -jungen Blättchen rechts unten in fig. 14.) - -[Illustration: Fig. 13. Die Flecken- oder Mosaikkrankheit des Tabaks.] - -Die Anzahl der Flecken, die noch stets von Tag zu Tag an Ausdehnung -zunahmen, jedoch untereinander isoliert blieben, wurde ständig grösser. -Am 1. August waren die inneren Blätter vollkommen dunkelgrün und -zeigten nur hier und da noch das reine normale Hellgrün. Einige der -älteren Blätter, solche also, die sich unten an der Pflanze befanden, -hatten unregelmässig liegende, kleine Fleckchen von einer andern Farbe. -Man sollte nicht vermuten, dass die Krankheit auf solche verschiedene -Art in die Erscheinung treten kann, da doch die Ursache dieselbe ist. -Wir finden hier eben die Wirkung des Giftes auf junge, zarte und auf -ältere Gewebeelemente. Am 9. August waren zwei der untersten Blätter -stark punktiert. Hier lagen die Fleckchen nicht zwischen den Nerven, -sondern scheinbar ganz unregelmässig verteilt. In _B_ sehen wir den -Zustand eines jungen, also Spitzenblattes, in _C_ denjenigen eines der -untersten Blätter abgebildet. Die Farbe der Fleckchen der punktierten -Blätter zeigt sich zuerst als graublau, doch geht sie im Laufe der -Tage in rotbraun über und endigt dort mit dem Tod des Gewebes. Bei -den grösseren Flecken nimmt man konzentrisch gefärbte Ringe wahr, von -denen die am meisten nach aussen liegenden stets am dunkelsten sind. -(Fig. _M_.) Wenn wir die Tabaksfelder besuchen, sehen wir bei den -kranken Exemplaren die jüngsten Blätter im Zustande _B_, die älteren im -Zustande _C_. Einige Felder sind selbst rot gefärbt und scheinen wie -mit Blut übergossen. Die Krankheit herrscht dann auf solch einem Felde -sehr stark und zeigt sich in dieser Form Jahr für Jahr. Es ist eine -öfters beobachtete Erscheinung, dass Pflanzen, die verwundet oder krank -sind, einen roten Zellsaft bilden. Wahrscheinlich ist dieser Umstand, -auch nach den neueren Untersuchungen von ~Flammarion~, günstig für die -Atmung. Nicht alle Lichtstrahlen haben dabei eine gleiche Wirkung. Im -gelben Licht ist die Zerlegung der Kohlensäure am stärksten und nimmt -nach den Spektrumfarben nach links und rechts ab. Die Spaltung der -Kohlensäure findet also stärker hinter gelben und roten, schwächer -dagegen hinter blauen Farben statt. Dies ist auffallend, da doch gerade -die blauen Farben mit ihrer kürzeren Wellenlänge zu den intensiv -wirkenden chemischen Strahlen gehören, und z. B. das photographische -Papier am stärksten zersetzen. Könnte auch hier nicht die rotbraune -Farbe der Flecken die Pflanze im Kampfe gegen die schädlichen Einflüsse -der Krankheit beschützen und dadurch die Assimilation befördern? Im -September sind alle jungen Blätter dunkelgrün gefleckt und dabei -vollständig missgestaltet, während die älteren ganz dunkelbraun -gefleckt sind. Nicht selten fallen aus den Blättern ganze Stücke heraus -und scheint es, als ob Insekten das Blatt ausgefressen hätten. (S. die -punktierte Linie in Fig. _C_)[H]. - -Dies ist der gewöhnliche Verlauf der Krankheit. Unter den günstigsten -Verhältnissen werden im Sommer und nach abwechselndem Wetter die jungen -Pflanzen innerhalb drei Wochen krank. Gelangt das Virus in ältere -Pflanzen, dann entsteht die Krankheit etwas später. Dabei ist noch ein -Unterschied in der Zeit zu beobachten, wenn das Gift in den Stamm oder -in den Hauptnerv der jungen oder älteren Blätter gebracht wird. Bei -einer nur oberflächlichen Verwundung des Parenchyms des Stammes habe -ich mehrere Male die Krankheit ausbleiben sehen. Es hat den Anschein, -als ob das Gift sich den Gefässbündeln entlang verbreitet und dann ist -das Phloëmbündel hierfür der angewiesene Weg. - -Die mikroskopische Untersuchung der kranken Blattteile bringt nicht -viel an's Licht. Man sollte eigentlich das Gegenteil vermuten, da -doch gerade das Krankheitsbild hier so scharf umschrieben ist. Im -allerjüngsten Zustand der Fleckchen bei sehr jungen Blättern, wo noch -keine Trennung in Pallisaden- und Schwammparenchym stattgefunden hat, -trifft man zwischen den Zellen dunkelblaugrün aussehende Streifen sowie -Bläschen an, die man am besten mit Luftstreifchen vergleichen kann, -welche sich zwischen den Zellenwänden befinden (_D_). Es ist mir nicht -gelungen, die Flecken dadurch zum Verschwinden zu bringen, dass ich ein -Blatt in einen luftleeren Raum brachte und darin behielt. Auch in einem -älteren Stadium, wo bereits die Trennung zwischen Pallisadengewebe -und Schwammparenchym eingetreten ist, werden Streifen und Bläschen -noch angetroffen (_E_). Macht man einen Längsschnitt, dann wird wieder -dasselbe wahrgenommen (_F_ _H_). Stets zeigen sich bei den dunkelgrünen -Flecken obige Abweichungen zwischen den Zellen, die ich durch schwarze -hier und da untergebrochene Linien angegeben habe (_D_ _E_ _F_ _H_). An -der Oberhaut (_I_) werden keine Veränderungen beobachtet. Betrachtet -man die Flecken _C_ bei stärkerer Vergrösserung, dann sieht man die -Oberhaut zusammengeschrumpft, vertrocknet und verfärbt. Das Chlorophyll -ist desorganisiert und ~die Zellwände sind verschwunden~. Es ist gerade -so, als ob Insekten das Blattparenchym weggefressen hätten (_G_). Dies -sind die einzigen Veränderungen, die mit dem Mikroskop beobachtet -werden konnten. - -Eine grosse Anzahl Pflanzen ist von mir auf Mikroorganismen untersucht -worden, jedoch nur in einzelnen Fällen habe ich Bakterien in -Pallisadenzellen gefunden, welche aber nach wiederholter Übertragung -auf Nährböden, wobei wie beschrieben das vielleicht vorhandene, -unsichtbare Virus verdünnt wurde, keine Pflanzen zu infizieren -vermochten. Wiederholte Versuche wurden gemacht, um vermittelst feiner -Pincetten von einem kranken Blattteilchen die Epidermis an beiden -Seiten zu entfernen, was einige Male gelang. Vom Inneren des Blattes -wurden dann Plattenkulturen angelegt, die abgesehen von einzelnen -bekannten, sehr viel vorkommenden Pilzcolonien scheinbar steril -blieben. Als Nährböden hierfür wurden gebraucht die alkalische und -saure Nährgelatine von ~Koch~, Tabakssaft-Gelatine, Malz-Gelatine -und der von ~Beyerinck~ angegebene _Leguminosen_-Nährboden. Ebenso -entwickelten sich auf oder in einem sauren oder alkalisch reagierenden -Nährboden, der wie folgt zusammengestellt war, keine Kolonien: -Tabakssaft 5, Kaliumphosphat 0, 050, Asparagin 0,5, Glukose 2,0, -Gelatine 10,0 oder Agar 1,5, Wasser 100,0. - -Ein einziges Mal entwickelte sich Gas in schwach alkalischer Bouillon, -welche zu anaërober Kultur benutzt wurde (verursacht durch einen -Organismus, welcher schwierig von Coccen zu unterscheiden ist). - -Viele Male sind auch grössere kranke Blattteile zur Untersuchung -genommen worden. Zuerst wurden die beiden Blattoberflächen gut -abgewaschen, dann mit sterilen, nassen Wattepfropfen abgerieben und -darauf mit sterilem Wasser abgespritzt. Es gelang mir unter einer -ganzen Reihe von Platten mehrere Male, Mikroorganismen zu isolieren, -die, von der Plattenoberfläche genommen, junge Tabakspflanzen krank -machten. Die Krankheit trat ~nicht stets ein~, wenn ich mit viele -Malen übergeimpften Kulturen arbeitete. Ich erreichte eine Erkrankung -mit drei Mikroorganismen, mit einem _Rhizobium Leguminosarum_, einer -_Beggiatoa-_ und einer _Streptothrix_-Art. Wie gesagt, trat eine -Erkrankung öfters nicht ein, wenn ich Überimpfungen gebrauchte. Das -fiel mir besonders auf, und bestärkte mich in meiner schon oben -erwähnten Ansicht, dass die von den ursprünglichen Platten abgenommen -Kulturen ein unbekanntes, ~unsichtbares~ Gift, wenn auch in höchst -starker Verdünnung, enthielten; denn eine minimale Menge ~Saftes~ von -krankem Gewebe ist immer im Stande, die Fleckenkrankheit zu verursachen. - -Im Oktober 1897 wurde in einen kühlen Treibkasten Tabakssamen gesät, -um Versuchspflanzen zu bekommen. In der Zwischenzeit wurde Erde, -in der kranke Pflanzen gestanden hatten, und die an deren Wurzeln -hängende Erde auf Mikroorganismen untersucht. Nach Lage der Sache ist -dies eine sehr schwierige Untersuchung, wenn man bedenkt, dass die -Anzahl Mikroorganismen per Gramm darin einige Hunderttausenden bis -Millionen beträgt. Aus einer grossen Anzahl Platten wurden damals -8 Mikroorganismen isoliert, die im Februar 1898 auf junge Pflanzen -geimpft, die Fleckenkrankheit ~nicht~ hervorbrachten. Sie waren also -nicht das ätiologische Moment derselben. Auffallend war es, dass an -den jungen Wurzeln der Tabakpflanzen häufig _Streptothrix chromogena -Gasperini_ angetroffen wurde. - -Dieser Mikroorganismus, welcher zur Familie der _Streptothricheen_ oder -besser _Actinomyceten_ gehört, hat in seiner Form viel Ähnlichkeit mit -den Fadenpilzen, auch erinnert er an die Bakterien. Ebenso wie die -Pilze bildet er aus runden Keimzellen (Sporen) cylindrische Fäden, -welche sich dichotomisch verzweigen, und sich dem unbewaffneten Auge -als ein Mycelium darstellen. Einige fruchttragende Hyphen erheben sich -über dem Substrat in die Luft und fallen dann, als Oldien in Ketten von -runden Keimzellen oder Sporen aus einander. Bei starker Vergrösserung -zeigen die _Streptothricheen_ viel Ähnlichkeit mit den Bakterien. Es -sind sehr dünne Faden, welche ursprünglich keine Scheidewände besassen, -und welche sich durch Sprossungen verzweigen. In älteren Kulturen -zerfallen die Fäden in kurze Stäbchen und kokkenartige Glieder. Nicht -selten findet man auch die Spirillenform, weil die _Streptothricheen_ -stark gekrümmt und gewunden sind. Die Untersuchungen, welche in der -letzten Zeit über diese Pilzgruppe angestellt wurden, haben die Frage -aufwerfen lassen, ob sie nicht im genetischen Verhältnis zu der Gruppe -der _Diphtherie_ und der _Tuberculose_ stehen. - -Dies ist noch nicht ganz sicher festgestellt, jedoch könnten dann die -beiden letzteren Gruppen von den _Actinomyceten_ hergeleitet werden. -Es sind sehr verbreitete Saprophyten, die pathogenen unter denselben -(_Aktinomyces_ bovis etc., _S._ sen _A. violacea_ u. a.) scheinen nicht -selten parasitisch werden zu können. Genannte _S._ sen _A. chromogena -Gasperini_ ist bekannt als einer, der aus Nitraten leicht Nitrite -bildet. Wie sich später zeigen wird, ist er nicht als pathogen für -_Nicotiana_ zu betrachten, wiewohl ich nach Impfung der Pflanze mit -Erde eine Veränderung im Blatte traf. - -Häufig habe ich, wie ich schon in »de Natuur« pg. 330, 1899 beschrieben -habe, den _St._ sen _A. chromogena_ in den Risse der verwitternden -Granite, Basalte und Hornblendeschiefer der erratischen Blöcke unseres -~Gooilän~dischen Diluviums, und in ~Zandbergen's~ Waldboden, wenn ich -nach ~Frank's~ Mykorhizen vergebens suchte, aufgefunden. - -Wenn der _Löffler'_schen Bouillon ein wenig Nitrat zugesetzt wird, -so ist innerhalb 24 Stunden nach Impfung mit diesem Pilze durch das -bekannte Reagens schon Nitrit nachzuweisen. In Leitungswasser geschieht -dies nicht. - -Erst nachdem ich die Überzeugung erhalten hatte, dass auf diese Weise -die pathogenen Mikroorganismen nicht aufzufinden wären (weder durch -aërobe noch durch anaërobe Methoden), habe ich einen anderen Weg -eingeschlagen, um dem unbekannten Virus auf die Spur zu kommen. - -Allein schon die Thatsache, die auch weiter unten bei den Versuchen -angegeben ist, dass eine kleine Menge--einige Milligramme--Saft von -krankem Gewebe im Stande ist, gesunde Pflanzen krank zu machen, und -einige Milligramme Blattgewebe dieser letzteren Pflanzen immer wieder -von Neuem auf andere gesunde Pflanzen die Krankheit übertragen können, -diese Thatsache musste in mir die Vermutung erwecken, dass hier -eine Vermehrung des Giftes vorlag, und dass diese Vermehrung nichts -anderem zugeschrieben werden konnte, als lebenden Organismen, die sich -vorläufig noch der Wahrnehmung entzogen. - -Die folgenden Versuche machen dies deutlich. Die Versuche sind nicht -an einzelnen Exemplaren, bei denen es sich um etwas Zufälliges handeln -könnte, sondern bei mindestens 5-10 Pflanzen angestellt worden. - - -Versuchsreihen. - -I. Erde, aus Amerongen stammend, in der im Herbst 1897 kranke Pflanzen -gestanden hatten, wurde durch eine ~Chamberland~kerze im Verhältnisse -von 300 Erde zu 300 Wasser filtriert. Etwas von dem Filtrat wurde -in die Hauptnerven eines jungen Blattes gebracht. Es entstand keine -Erkrankung. - -II. Dieselbe Erde, nicht filtriert, bewirkte ebenfalls keine Erkrankung. - -III. Erde aus Amerongen, in der im Frühjahr 1898 kranke Pflanzen -gestanden hatten, wurde wie oben filtriert und vom Filtrat etwas in den -Hauptnerv eines jungen Blattes gebracht. Keine Erkrankung. - -IV. Dieselbe Erde, nicht filtriert, verursachte auch keine Erkrankung. - -V. Erde aus Amerongen, im September 1897 von den Würzelchen kranker -Pflanzen gesammelt, im Verhältnisse von 20 Erde zu 20 Wasser wie oben -filtriert, gab keine Veranlassung zur Erkrankung. - -VI. Dieselbe Erde, nicht filtriert, auch nicht. - -VII. Erde, im Juni 1898 von den Würzelchen kranker Pflanzen gewonnen -und filtriert, liess die Krankheit nicht zur Entwickelung kommen. - -VIII. Dieselbe nicht filtrierte Erde war auch wirkungslos. - -IX. Im Oktober 1897 wurden 8 Pflanzen, die alle krank waren und in -Töpfen standen, abgeschnitten. Die Töpfe mit der Erde wurden dann -draussen an einem trockenen Platz aufbewahrt. Im Frühjahr 1898 wurden -die Erde und die noch anwesenden Wurzeln fein zerrieben. Darauf wurden -in diese junge Pflanzen gesetzt, die das ganze Jahr hindurch gesund -blieben. Bei einem gleichen Versuch, der ausserhalb meines Wohnsitzes -angestellt wurde, hatte man beobachtet, dass nur einige Pflanzen in -diesem Sommer Flecken zeigten, und dass die Flecken bald darauf wieder -verschwanden. Dies stimmt wahrscheinlich überein mit dem sogenannten -»~Kopbont~«, von dem die Züchter behaupten, dass es der Einwirkung -kalter Nächte zugeschrieben werden muss. - -Aus all diesen Erdversuchen erhellt, dass das Krankheitsagens aus -der Erde verschwinden oder doch so abgeschwächt werden kann, dass es -nicht mehr im Stande ist, die Krankheit zu erregen. Im Versuch VII -und VIII wird wahrscheinlich das Virus nicht vorhanden gewesen sein. -Ich vermute auf Grund obiger Versuche, ~dass im Boden Verhältnisse -obwalten können, die das Gift entweder zerstören oder abschwächen~. -Dies stimmt mit dem überein, was in Wirklichkeit auf den Tabaksfeldern -beobachtet wird. Es würde traurig mit der ganzen Kultur bestellt sein, -wenn das Gift sich ständig im Boden hielte. Die unvermeidliche Folge -würde sein, dass im Laufe der Jahre dort, wo einmal die Krankheit -bestanden hat, sie sich stets auf ~alle~ Pflanzen ausbreiten würde. -Wird eine kranke Pflanze aus dem Boden herausgezogen und auf demselben -Platz eine gesunde eingesetzt, dann zeigt diese bald die Symptome der -Fleckenkrankheit. Dies ist eine allgemein beobachtete Thatsache. Ein -infizierendes Vermögen muss dem Boden, auf dem die Pflanzen stehen, -bestimmt zugeschrieben werden. Das ~Trocknen~ infizierter Erde scheint -auf Grund der oben beschriebenen Versuche ~desinfizierend~ zu wirken. - -X. Ein Streifchen eines getrockneten kranken Blattes vom Herbst 1897 -wurde in den Stamm einer gesunden Pflanze gebracht mit dem Resultat, -dass die Fleckenkrankheit eintrat, allerdings etwas später, als man -erwartet hatte. - -XI. Ein Streifchen eines frischen kranken Blattes, von einer der mir -zugesandten kranken Pflanzen herstammend, wurde in den Stamm einer -gesunden Pflanze gebracht. Nach drei Wochen begann sich die Erkrankung -an den jungen Blättern zu zeigen. Wenn ich hier annehme, dass die mir -zugeschickte Pflanze das thatsächliche Agens der Fleckenkrankheit -enthielt, dann repräsentiert die geimpfte Pflanze die erste -Versuchsreihe. Hier könnte also noch eine »Intoxikation« eingetreten -sein. - -XII. Unter den nöthigen Vorsichtsmaassregeln wurde aus dem Stamm der -Pflanze XI das Xylem- und Phloëmbündel in der Nähe des Hauptnerven eines -Blattes ausgeschnitten, und in den Hauptnerven eines jungen Blattes -einer gesunden Pflanze gebracht. Die Fleckenkrankheit trat ein. Hier -haben wir die zweite Versuchsreihe vor uns und hier kann man schon -weniger gut annehmen, dass eine »Intoxikation« stattgefunden habe. -Mikroskopisch zeigt der Gefässbündelschnitt absolut keine ~Ab~weichung. -Das Präparat ist in allen seinen Teilen durchsichtig, und es befinden -sich in ihm keine Luftstreifen. - -XIII. Kranke, fein geschnittene Blattteile wurden in frischem Zustande -im September 1897 in Glycerin ausgezogen. Den Winter über sind diese -stehen geblieben mit dem Zweck, wenn möglich ein organisches Gift oder -Enzym aus ihnen zu erhalten. Junge, gesunde Pflanzen zeigten nach -Einspritzung des filtrierten oder nicht filtrierten Glycerins keine -Erkrankung. Es schien mir, als ob die Pflanzen in gewisser Weise unter -der Einwirkung des Glycerins litten, was sich durch ein schlaffes -Herabhängen der Blätter offenbarte. - -XIV. In gleicher Weise wurde eine grosse Menge kranker Erde mit -ebenfalls negativem Resultat behandelt. In den beiden letzten Fällen -hatten sowohl das erkrankte Blattgewebe wie die Erde ihre Giftigkeit -verloren. ~Glycerin wirkt also zerstörend.~ - -XV. In geschlossenen Röhrchen wurde Saft von krankem Blattgewebe, -von Pflanze XII abstammend, zehnmal mit Wasser verdünnt und in -verschiedener Weise erwärmt. - - - 30 Minuten bei 40° C. - 20 " " 50° C. - 20 " " 60° C. - 10 " " 70° C. - 10 " " 80° C. - 5 " " 90° C. - 5 " " 100° C. - - -Mit dem so behandelten Gewebesaft wurden gesunde Pflanzen in den -Hauptnerven eines Blattes geimpft mit dem Erfolg, dass alle Pflanzen -krank wurden. Hier haben wir also mit der ~dritten~ Impfungsreihe -zu thun. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mit einem Toxin zu thun -hatte, wurde geringer. ~Alle Versuche wiesen auf die Anwesenheit von -Mikroorganismen hin.~ Voraussetzend, dass alle Pflanzen gleich stark -waren, ist allerdings nach Erwärmung auf 100° eine ~Abschwächung~ des -Krankheitsagens wahrgenommen worden. Die Erkrankung trat hier beinahe -14 Tage später auf als in den andern Fällen. - -XVI. Ein Streifchen eines kranken Blattes von einer der Pflanzen aus XV -wurde in den Hauptnerven eines jungen Blattes einer gesunden Pflanze -gebracht. Es kam wiederum zur Erkrankung, ohne dass eine Abschwächung -sich durch eine Verlängerung der Inkubationszeit bemerkbar machte. Wir -befinden uns hier bereits in der vierten Reihe der Ueberimpfungen. - -XVII. Der verdünnte Blattsaft einiger durch die Fleckenkrankheit -angegriffenen Pflanzen wurde durch eine ~Chamberland~kerze filtriert. -Das Filtrat war, soweit wahrzunehmen, steril. Wenn mit dem Filtrat -gesunde Pflanzen in den Blattnerven geimpft wurden, trat wiederum die -Krankheit auf. Die Zeit zwischen Impfung und Erkrankung war ~viel -grösser~ als sonst, ebenso wie bei XV beobachtet wurde[I]. - -~Wiederholte Filtration~ (2-4 mal) von Gewebesaft kranker Pflanzen -lieferte ein Filtrat, das nicht mehr im Stande war, die Pflanze zu -infizieren. - -XVIII. Der Saft der kranken Blätter von XVII wurde ebenfalls filtriert -mit dem Erfolg, dass gesunde hiermit geimpfte Pflanzen auch erkrankten. -Ich meine, dass dieser Versuch überzeugend darthut, ~dass man hier mit -Mikroorganismen~ zu thun hat, die so klein sind, dass sie die Kerzen -durchdringen können. Ich habe es hier mit ~einem sich vermehrenden, -also lebendigen Gifte~ zu thun und bringe daher dies Virus zu den -Mikroorganismen. Wir hätten hier also eine »~Infektion~« vor uns. -Wahrscheinlich besitzt der unbekannte Organismus zwei Formen, eine -vegetative und eine Sporenform, analog den Bakterien. - -XIX. Der Saft kranker Blätter wurde mit absolutem Alkohol behandelt. -Die klar obenstehende Flüssigkeit wurde mittels Hebels abgenommen -und neuer absoluter Alkohol hinzugefügt. Dieses wurde einige Male -wiederholt, um die Einwirkung des starken Alkohols auf den Gewebesaft -zu erhalten. Es entstand ein grau-grüner Niederschlag, der bei -niedriger Temperatur eingedampft wurde. Das so erhaltene Präcipitat -wurde in den Blattnerven einer gesunden Pflanze gebracht. Erkrankung -trat nicht ein. ~Absoluter Alkohol wirkt also zerstörend.~ - -XX. Den Saft von erkrankten Blattteilen, der Pflanzen »infiziert«, hatte -ich 4 Wochen lang in einem durch Watte verschlossenen Kölbchen sich -selbst überlassen. Wurden hiermit Pflanzen geimpft, dann blieben sie -vollkommen gesund. Das unbekannte Virus wird also zerstört, wenn man -den infektionstüchtigen ~Saft längere Zeit stehen lässt~. - -XXI. Die an den Wurzeln von _Nicotiana_ gefundene _St._ sen _A. -chromogena Gasperini_ konnte Pflanzen nicht infizieren. Einige Pflanzen -wurden einer kräftigen Ernährung mit Kaliumnitrat ausgesetzt. Die in -die umgebende Erde und in das Gewebe gebrachte _Streptothrix_ machte -die Pflanze nicht krank. Es scheint hier nicht so viel Nitrit gebildet -zu werden, dass dies schädlich auf die Pflanzen wirkt. Jedoch zeigten -die sehr dunkelgrünen Blätter viele reinweisse Pünktchen. Ob dies -zufällig war, konnte ich nicht entscheiden, da nur an zwei Pflanzen -dieser Versuch gemacht worden war. Auf einigen Feldern beobachtete man -viele dieser weissen Pünktchen auf den Blättern. - -XXII. In den Monaten September und October erweckten die Einspritzungen -des Saftes von kranken Blättern in gesunde Pflanzen, die draussen -standen, keine Mosaikkrankheit. Ende November sind diese Pflanzen -bis auf 20 cm mit sterilen Messern abgeschnitten und an einem Orte -aufgestellt worden, wo nicht geheizt wurde. Während der Wintermonate -entstanden die Geizen, woran sich im Monat März erst Flecken zeigten. - -XXIII. Bei den Pflanzen, welche im September in den Geizen die Flecken -zeigten, _verschwanden diese allmälig beim Eintritt der Kälte_, so dass -die gefleckten Blätter im November wiederum die normale grüne Farbe -bekamen. - -Wie ich früher angab, wird dies auf den Feldern auch beobachtet und -schreibt man es den kalten Nächten zu. _Die Temperatur scheint also von -Einfluss zu sein auf das Virus._ - -XXIV. Auf den von ~Fermi~ angegebenen 1% Carbol-10% Gelatine-Platten -konnte kein proteolytisches Enzym in den Blättern und Stengeln -von lebendigen gesunden und fleckenkranken Tabakspflanzen von mir -nachgewiesen werden, ebensowenig in den trocknen fermentierten und -nicht fermentierten Blättern. - -Es fiel mir besonders auf, dass die fleckenkranken Blatt- und -Stengelteile auf diesen Platten sich stärker rosa färbten als dieselben -Theile von gesunden Pflanzen. Es kam mir so vor, als ob in den kranken -Pflanzen ein oxydierender Körper entstünde, der kräftiger auf Carbol -einwirkt, als das oxydierende Agens der gesunden Pflanzenteile. - -XXV. Unter den erforderlichen Vorsichtsmassregeln gelang es mir, -einige Stengelteile von gesunden Tabakspflanzen rein in Röhrchen auf -Wattepfröpfchen zu bekommen. - -Ein Tröpfchen durch eine ~Chamberland~kerze filtrierter Saft von -kranken Pflanzen hierauf geimpft, zeigte auch jetzt, obgleich viel -weniger kräftig, einen Unterschied in Farbe gegenüber dem nämlichen -Safte von gesunden Pflanzen. - -XXVI. In ein ~Erlenmeijer'~sches Kölbchen wurde Saft von gesunden -Pflanzen filtriert und mit einem Tröpfchen filtriertem Saft von -kranken Pflanzen geimpft. Nach 3 Monaten entstand in diesem Safte ein -Niederschlag, der nicht von Mikroorganismen herrührte. Der Saft war -wohl virulent, doch war keine Verstärkung der Wirkung zu constatieren. - -XXVII. _Datura Stramonium_, _Hyoscyamus niger_, _Solanum tuberosum_ -und _Petunia nyctaginiflora_ reagierten nicht auf den Saft von kranken -Tabakspflanzen[J]. - -Aus diesen Versuchen geht hervor, dass unser Agens Übereinstimmung -besitzt mit dem Agens der Maul- und Klauenseuche, obgleich ich die -Lebewesen bei der Fleckenkrankheit für grösser halte. Im Filtrat finden -wir bei den letzteren eine Abschwächung, bei der Maul- und Klauenseuche -absolut nicht. Wenn es sich bei den ersteren um eine Bacterie handelt, -so müsste diese eine sporenbildende sein. (Vergl. XV.) - -Obgleich es noch nicht gelungen ist, den Mikroorganismus, der als -Ursache der Fleckenkrankheit betrachtet werden muss, zu sehen oder zu -züchten, so habe ich dennoch in diesem Jahre (1898) eine Reihe von -Versuchen zur Bekämpfung der Krankheit vorgenommen. Ausgehend von der -Meinung, dass die Ernährung der Pflanzen auf die Zusammensetzung des -Gewebssaftes von _Nicotiana_ Einfluss haben könnte, und dass durch -diese Veränderung das unbekannte Virus in irgend einer Weise tangiert -werden könnte, habe ich einer grossen Anzahl Pflanzen bestimmte -Salze gegeben, manchmal in Mengen, die nicht vertragen wurden. Viele -Pflanzen gingen daran zu Grunde. Wenn die Salzgabe, einmal in der -Woche bei trockenem Sommerwetter in Lösung gegeben, sich durch das -Hinsiechen oder den Tod der Pflanze als zu gross erwies, wurde die Gabe -vermindert. Zuerst erhielten die Pflanzen 1 gr., später 0,5 bis 0,25 -gr. u. s. w., so viel sie nur ertragen konnten. Nach dem Absterben -einer Pflanze wurden also die anderen, die in derselben Reihe auf -freiem Felde standen, mit kleineren Mengen Salz gefüttert. Da mir -weiter bekannt war, dass Züchter schon lange beobachtet hatten, -dass sich die Fleckenkrankheit auf Feldern, die mit ~Kainit~ oder -~Thomasphosphat~ gedüngt waren, sehr wenig zeigte, habe ich auch mit -diesem Salzgemisch Versuche angestellt. Ich erhielt also die folgenden -Versuchsreihen: - - - Fütterung mit: - - 1. Kaliumkarbonat, - 2. Kaliumsulfat, - 3. Natriumchlorid, - 4. Kaliumnitrat, - 5. Kaliumphosphat, - 6. Kaliumnitrit, - 7. Kainit und Thomasphosphat. - - -[Illustration: Fig. 14. - -Tabakspflanzen, welche nach starker Düngung mit anorganischen Salzen am -Leben geblieben sind.] - -Die Ernährung mit ~Kaliumnitrit~ musste, wie zu erwarten war, schon -bald aufgegeben werden, da 0,5 gr. bereits innerhalb weniger -Stunden tötlich wirkten. Weiter herrschte ein grosses Absterben -unter den Pflanzen, die ~phosphorsaures Kali~, ~Chlornatrium~ und -~Kaliumkarbonat~ erhalten hatten. In nebenstehenden Figuren sind einige -Pflanzen und deren Blätter abgebildet, die bei obiger Fütterung am -Leben blieben. Die mittlere zwergartige Pflanze (Fig. 14) ist in Folge -der Kochsalzfütterung sehr zurückgeblieben; dabei sind alle Blätter -missgestaltet. Auch bei den anderen Salzernährungen wurde Ähnliches -wahrgenommen. In Fig. 15 sind die Blätter in derselben Höhe der -Pflanzen abgenommen und abgebildet. - -[Illustration: Fig. 15. Blätter von Tabakspflanzen, die im freien Lande -übermässig gedüngt worden sind mit Natriumchlorid (I), mit Kaliumsulfat -(II), mit Kaliumkarbonat (III) und Kaliumphosphat (IV).] - -I. ist das Blatt einer Pflanze, die mit Kochsalz, II. mit Kaliumsulfat, -III. mit Kaliumkarbonat und IV. mit Kaliumphosphat gefüttert war. -Auffallend sind hier die unregelmäßige Blattform und die sehr langen -Spitzen an den Blättern. Hierbei ist es von Interesse zu wissen, dass -die Pflanzen im Schatten gestanden haben; dasselbe ist bei Pflanzen -beobachtet worden, die unter ~normalen~ Ernährungsverhältnissen im -Schatten gestanden haben, wenn auch in weit geringerem Masse. Am 1. -September wurden alle diese Pflanzen mit infektionstüchtigem Gewebesaft -in die Hauptnerven eines Blattes geimpft. Alle Pflanzen wurden krank, -jedoch nicht in derselben Zeit. Trat früher die Krankheit in der Regel -nach drei Wochen ein, so war dies bei der Kainitfütterung erst viel -später der Fall. ~Wenn auch sicherlich Kainit und Thomasphosphat die -Pflanzen gegen die Fleckenkrankheit nicht schützen können, so scheint -doch eine Abschwächung des Giftes eingetreten zu sein.~ Im Laufe der -Wochen sah ich dann auch bei den drei übriggebliebenen Pflanzen die -Flecken kleiner werden, einige selbst ganz verschwinden, ohne dass die -anderen Krankheitserscheinungen auftraten. (Fig. 13 _C_.) - -Durch diese Fütterungsversuche wurde also das Ziel noch nicht -erreicht. Ein ganz anderes Resultat aber hatte der folgende im Grossen -angestellte Versuch. - -Es drängte sich die Frage auf, ob es möglich wäre, ein Feld, auf dem -jedes Jahr die Krankheit sich an beinahe allen Pflanzen zeigte, zu -desinfizieren und zwar durch einen Stoff, der ätzend wirkte. Das Mittel -musste so gewählt werden, dass die zukünftige Ernte nicht darunter zu -leiden hatte. Das Gift musste also durch Zersetzung wieder unwirksam -werden. Herr ~N. van Os~ in Amerongen, der sich lebhaft für die Sache -interessierte, hat diesen Versuch mit sehr günstigem Erfolg im Grossen -ausgeführt. Im Februar 1898 wurde auf das am stärksten infizierte -Feld, wo jedes Jahr beinahe alle Pflanzen erkrankten, ~ungelöschter -Kalk~ in einer Menge von 10 hl. pro Hektar gebracht. Nach Verlauf -einiger Wochen wurde das Land umgearbeitet und im Monat Mai die jungen -Tabakspflänzchen eingesetzt. Jedes Jahr hatte die Krankheit sonst fast -alle Pflanzen befallen; diesmal war dies nicht der Fall: die Zahl der -erkrankten Pflanzen betrug nur 7%. - -Weiter sind von Herrn ~van Os~ auf mein Ersuchen im vergangenen Jahre -eine grosse Anzahl Düngversuche angestellt worden, wofür ich ihm hier -meinen herzlichen Dank ausspreche. Die Versuche erstrecken sich nicht -auf einige Pflanzen, sondern auf einen halben Hektar. Folgende Tabelle -giebt eine Übersicht der Versuche und ihrer Ergebnisse: - -Feldversuche mit Bezug auf die Fleckenkrankheit. - - -===================++==============+===========+===========+========= - || | =Krank- | =Krank- | =Krank- - =Dünger.= || =Gewächs | heit im | heit in | heit im - || 1898.= | Gewächs.= | »zuig- | Gewächs - || | | ers«=[K]. | 1897.= -===================++==============+===========+===========+========= - I. Torfstreu- || gut. | 3%. | alle. | keine. - Pferdemist || | | | - 70000 K. || | | | - pr. ha. || | | | - || | | | - II. Torfstreu, || prächtig, | keine. | keine. | 10%. - Kainit || schwerer | | | - 700 Kilo, || Tabak, steht | | | - Schlacken- || dunkel auf | | | - mehl || dem Feld und | | | - 700 Kilo. || ist nach | | | - || Trocknen von | | | - || guter Farbe | | | - || | | | - III. Torfstreu, || etwas | keine. | 30%. | 10%. - Peruguano || weniger | | | - 500 Kilo. || als II. | | | - || | | | - IV. Frischer || gut, doch | keine. | keine. | keine. - Schweine- || kleines | | | - mist || Blatt. | | | - 70000 Kilo, || | | | - Heiderasen, || | | | - Patent- Kali || | | | - 500 Kilo. || | | | - || | | | - V. Frischer || gut. | keine. | spora- | Erbsen, - Schweine- || | | disch. | Karotten - mist || | | | gebaut. - 70000 Kilo, || | | | - Heiderasen, || | | | - ohne || | | | - Patent-Kali. || | | | - || | | | - VI. Torfstreu, || keine | keine. | 30%. | keine. - Patent-Kali || grossen | | | - 500 Kilo. || Pflanzen, | | | - || Farbe nicht | | | - || besser als | | | - || da, wo kein | | | - || Patent-Kali | | | - || gebraucht | | | - || worden ist. | | | - || | | | - VII. Pferde- || gut. | keine. | keine. | keine. - Kuhmist || | | | - 100000 Kilo,|| | | | - Heiderasen. || | | | - || | | | -VIII. Schafsmist || gutes, | 2%. | 15%. | 5%. - 70000 K. || kräftiges | | | - || Blatt. | | | - || | | | - IX. Torfstreu- || gut. | keine. | 20%. | keine. - Ruth. || | | | - || | | | - X. Torfstreu- || gut. | 7%. | 40%. | 100%. - Kalk (CaO) || | | | - 10 HL. || | | | - || | | | - XI. Compost- || vorzüglich | keine. | keine. | keine. - Fäkalien || gefärbtes | | | - 45000 Kilo, || Blatt. | | | - Peruguano || | | | - 500 Kilo. || | | | - - -Aus diesen Versuchen erhellt, dass in Bezug auf die Fleckenkrankheit -mit ~Kainit~ und ~Thomasphosphat~ ein ausgezeichnetes Resultat erreicht -worden ist. - -Eine gleich günstige Wirkung halten die Düngstoffe, die mit -~Heiderasen~ gemengt waren. Die Verwendung von den genannten -Düngstoffen und von Erde, die wie der Heideboden von einem ~reinen~ -Terrain herstammt, kann ebenso wie die Anwendung von ~ungelöschtem -Kalk~ empfohlen werden. - -Was die Düngung mit Kompost-Fäkalien und Peruguano (f. 135 pro Hektar -= 225 Mk.) betrifft, so erwies sich diese als ausgezeichnet und ist f. -250 = 416 Mk. billiger als die Düngung mit Schafmist und Peruguano. - -Auch mit Bezug auf die Ursachen, welche die Krankheit so allgemein an -den »Zuigers« hervortreten lassen, sind sehr interessante Versuche -angestellt worden. Die Vermutung, die ich im vorigen Jahre hatte (s. -»de Natuur« 1897 pag. 371), hat sich als richtig erwiesen. Herr ~van -Os~ hat die Güte gehabt, Versuche in grossem Massstabe zu machen. -Einige kranke Pflanzen wurden geköpft und unmittelbar darauf wurde -einer grossen Anzahl gesunder Pflanzen mit den »infizierten« Fingern -die Spitze abgebrochen. Alle Pflanzen blieben unter Beobachtung; das -Resultat war, dass 88% derselben krank wurden. - -Aus diesem Grunde verdient es Empfehlung, zuerst alle kranken Pflanzen -zu entspitzen und nach Desinfektion der Hände oder einige Tage später -die anderen, gesunden Pflanzen. Auf diese Weise wird das Gift nicht -übertragen und werden also durch die Hand des Pflanzers gesunde -Pflanzen nicht infiziert. Erst, wenn das schädliche Agens gefunden, -und weiter seine künstliche Kultur im Laboratorium gelungen ist, erst -dann wird es durch ein eingehendes Studium seiner Eigenschaften möglich -sein, auf einem anderen Wege unsere Tabakskultur gegen eine der am -meisten gefürchteten Krankheiten zu schützen. - - -_Bussum_, Nov. 1899. - -[Fußnote H: Im Sommer 1899 habe ich die Tabaksfelder mit dem Zweck -besucht, zu erforschen, ob auch Pflanzen zu finden wären, welche die -nicht infektiöse Pockenkrankheit zeigten, (~Iwanowski~). Allerdings -waren auf _einem_ Feld drei Pflanzen vorhanden, die auf den mittelsten -Blättern kleine Fleckchen hatten, die von denen der Mosaikkrankheit -abwichen. Bei einem zweiten Besuch nach Verlauf von etwa 10 Tagen -jedoch erwies es sich, dass dieselben Pflanzen in ihren Spitzenblättern -die Symptome der Fleckenkrankheit zeigten. - -Ich hoffe, hierauf später zurückzukommen, wenn ich für diese -Untersuchung geeignetes Material finden kann.] - -[Fußnote I: Nach dem Erscheinen meiner holländischen Veröffentlichung -im Jahre 1898 und 1899 und meiner Publikation in »Zeitschrift für -Pflanzenkrankheiten herausgegeben von ~Prof. Sorauer~ (IX. Bd., 2. -Heft)« wurde mir durch Briefwechsel mit ~Dr. Iwanowski~ in Petersburg -bekannt, dass er bereits früher durch die Filtrationsversuche mit -mosaikkranken Blättern von _Nicotiana_ zu demselben Resultat gekommen -war. Auch ~Beijerinck~ beschreibt im Centralblatt für Bacteriologie, -Parasitenkunde und Infectionskrankheiten, II^e Abth., pg. 27, 1899, -ähnliche Erscheinungen bei der Filtration durch Porzellanfilter. Weiter -sind die »voorloopige Mededeelingen over het Peh-sem of de Mozaiekziekte -in de Tabak te _Deli_« von ~Dr. van Breda de Haan~ (Teysmannia 9den -jaargang afl. 11-12) sehr interessant.] - -[Fußnote J: Als Bemerkung möchte ich hier hinzufügen, dass die -veredelten Sorten von _Beta vulgaris_ nicht selten dunkelgrüne Flecken -in den Blättern zeigen mit den nämlichen Abweichungen, wie bei -_Nicotiana Tabacum_ beschrieben ist. Der Saft dieser gefleckten Blätter -konnte normal gebildete Exemplare von _Beta vulgaris_ nicht krank -machen. Das Auftreten dieser Flecken ist also von ganz verschiedener -Art wie bei _Nicotiana Tabacum_.] - -[Fußnote K: Zuiger ist wohl mit »Geize« zu übersetzen, bezeichnet aber -nur die Seitenzweige, die aus den Achseln der abgenommenen Blätter sich -entwickeln.] - - - - -DRUCKFEHLER. - - -Seite 1 Zeile 4 von oben lies Versuchen statt Proben. - " 2 " 13 " unten " Solanaceae " Solonaceae. - " 2 " 12 " " " Capsicum " Capiscum. - " 3 " 5 und 14 " " " versand " versandt. - " 6 " 3 " oben " Versuchen " Proben. - " 7 " 3 " " " zersetzt " analysiert. - " 13 " 17 " " " m.M. " c.m. - " 17 " 1 " unten " Hefezellen " Gährungszellen. - " 19 " 13 " oben " Nährboden " Nahrungsboden. - " 23 " 12 " " " fakultative Anaëroben - und Aeroben statt fakultative Anaëroben. - " 23 " 16 von oben lies fakultative Anaëroben - und Aeroben statt fakultative Anaëroben. - " 37 " 14 von unten lies fakultative Anaëroben - und Aeroben statt fakultative Anaëroben. - -Anmerkungen zur Transkription: - - hochgestellte Zeichen als z.B. 10^{ten} präsentiert - tiefgestellte Zeichen als z.B. C_{7} präsentiert - mit _ Symbol ist kursiv gedruckter Text präsentiert - mit = ist fett gedruckter Text präsentiert - mit ~ Symbol ist gesperrt präsentiert - Interpunktion Fehler gelöscht - "ï" präsentiert als "i" - gunstige korrigiert als günstige - groszen korrigiert als grossen - is korrigiert als ist - gewönhnlich korrigiert als gewöhnlich - Phloem korrigiert als Phloëm - beiten korrigiert als beiden - aüsseren korrigiert als äusseren - Zersetsungsprodukte korrigiert als Zersetzungsprodukte - Zersetsungen korrigiert als Zersetzungen - Blelessig korrigiert als Bleiessig - Zollen korrigiert als Zellen - frisschen korrigiert als frischen - letzere korrigiert als letztere - mittgeteilt korrigiert als mitgeteilt - allmälich korrigiert als allmählich - letzere korrigiert als letztere - was korrigiert als war - einen korrigiert als einem - ganzo korrigiert als ganze - Weize korrigiert als Weise - anäerobe korrigiert als anaërobe - geimfpte korrigiert als geimpfte - wio korrigiert als wie - sorfältig korrigiert als sorgfältig - Geerhter korrigiert als Geehrter - ensteht korrigiert als entsteht - ans korrigiert als an - Laboratium korrigiert als Laboratorium - Troztdem korrigiert als Trotzdem - angenehnem korrigiert als angenehmem - durchfallenden korrigiert als durchfallendem - Bij korrigiert als Bei - swach korrigiert als schwach - wahrnemen korrigiert als wahrnehmen - lasst korrigiert als lässt - volendet korrigiert als vollendet - kan korrigiert als kann - herrgestellt korrigiert als hergestellt - enstehen korrigiert als entstehen - wurden korrigiert als worden - missgetaltet korrigiert als missgestaltet - gift korrigiert als Gift - Schwamm-parenchym korrigiert als Schwammparenchym - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der Tabak, by C. J. Koning - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER TABAK *** - -***** This file should be named 51474-8.txt or 51474-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/1/4/7/51474/ - -Produced by Peter Becker, Jana Palkova and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This -file was produced from images generously made available -by The Internet Archive) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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J. Koning - -This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with -almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Der Tabak - Studien über seine Kultur und Biologie - -Author: C. J. Koning - -Release Date: March 16, 2016 [EBook #51474] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER TABAK *** - - - - -Produced by Peter Becker, Jana Palkova and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This -file was produced from images generously made available -by The Internet Archive) - - - - - - -</pre> - - - - - - - - - -<h1>DER TABAK</h1> - -<p class="center">VON</p> - -<p class="center">C. J. KONING.</p> - - - - -<hr class="chap" /> - - -<p class="halftitle">DER TABAK</p> - - - - -<p class="titlepage">Studien über seine Kultur und Biologie<br /> -<br /> -VON<br /> -<br /> -C. J. KONING.<br /> -</p> - -<div class="center"> - - -<div class="parallel"> - - -AMSTERDAM,<br /> -J. H. & G. VAN HETEREN. -</div> -<div class="parallel"> -LEIPZIG,<br /> - -WILHELM ENGELMANN. - -</div> -</div> -<p class="center">1900.</p> - -<hr class="chap" /> - - -<p class="blockquot2"> -<em class="antiqua">J. FORSTER</em>, M. D., LL. D. (Edinburgh),</p> - - - - -<p class="blockquot2">Professor der Hygiene und Bacteriologie -an der Universität Strassburg, -Correspondierendem Mitglied der -Kgl. Academie der Wissenschaften zu -Amsterdam, u. s. w.,</p> - - -<p class="blockquot2">gewidmet.</p> - - - - - -<p><a name="Bei_den_chemischen_Prozessen_der_Bildung_und_Zersetzung_von_Stoffen_die_in_der" id="Bei_den_chemischen_Prozessen_der_Bildung_und_Zersetzung_von_Stoffen_die_in_der"><i>Bei den chemischen Prozessen der Bildung und Zersetzung von Stoffen, die in der -Natur täglich stattfinden, spielt die Lebensthätigkeit kleinster Organismen eine mächtige, -einflussreiche Rolle. Nicht bloss für den Biologen, auch für die Entwicklung des -Chemikers ist es demnach von hervorragender Bedeutung, neben der Chemie, die -Bacteriologie, die Lehre von diesen Organismen, zu betreiben. Von dieser Erwägung -ausgehend wünschte ich mich, nachdem ich mein Fachstudium an der Amsterdamer -Universität vollendet hatte, auch mit dieser jungen Wissenschaft zu beschäftigen, die -seit kurzem eine hohe Flucht genommen hat und in die verschiedensten Gebiete eingreift. -Die günstige Lage meines Wohnortes in der Nähe von Amsterdam ermöglichte mir -den weiteren Besuch der Universitätsanstalten, und so wendete ich mich an Sie, verehrter</i> -<em class="gesperrt">Professor Forster</em>, <i>mit der Bitte, mir den Weg auf dem mir fremden Terrain -zu zeigen. Freundlich haben Sie mich in Ihr Laboratorium aufgenommen und mich -mit den bacteriologischen Untersuchungsmethoden bekannt gemacht.</i></a></p> - -<p><i>Ich erinnere mich noch lebhaft, wie Sie nun vor vier Jahren mich auf die Fermentation -des Tabaks aufmerksam machten, mit welcher Sie sich seit längerer Zeit -schon gelegentlich beschäftigt hatten. Sie legten mir diesen Gegenstand besonders ans -Herz und wiesen mich damit auf ein Gebiet, das nach verschiedenen Richtungen hin -urbar gemacht werden könne.</i></p> - -<p><i>Nachdem ich nun einmal unter Ihrer Leitung begonnen hatte, auf diesem Gebiete -zu arbeiten, trat mir bald, wie Sie voraus gesagt, der hohe Nutzen deutlich vor Augen, -den die eingehende Untersuchung der Tabakskultur vom wissenschaftlichen Standpunkte -aus und mit Zuhilfenahme des durch die Bacteriologie gewonnenen Wissens bietet. Die -Beschäftigung hiermit wurde mir täglich lieber und regte mich zu fortwährender -neuer Arbeit an.</i></p> - -<p><i>Ihnen, verehrter</i> <em class="gesperrt">Professor Forster</em>, <i>fühle ich mich zu Dank verpflichtet. -Sie haben mir den Weg eröffnet, auf dem ich das Kleine in der Natur, das so mächtige -Wirkung übt, kennen lernte. Sie haben mir in den freundlichen Räumen des Laboratoriums -an der Amsterdamer Universität stets Ihre Beihilfe verliehen.</i></p> - -<p><i>Ihnen verdanke ich meine Entwicklung in dieser biologischen Wissenschaft, zu der -meine Neigung mich hin zog; und deshalb ist es mir eine angenehme Pflicht, Ihnen -hiermit die Frucht meiner Arbeit in der Form dieses Buches zuzueignen.</i></p> - -<p>Bussum, November 1899.</p> -<p class="right">C. J. KONING.</p> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_1" id="Page_1">[ 1]</a></span></p> - - - - -<p class="halftitle"><a name="DER_TABAK" id="DER_TABAK">DER TABAK</a></p> - -<p class="center">VON</p> - -<p class="center large">C. J. KONING.</p> - -<p class="blockquot1"><b><em class="gesperrt">Hanausek</em> erwähnt im Anschluss an das von<br /> -<em class="gesperrt">Suchsland</em> vorgeschlagene verbesserte Tabaksgährungsverfahren<br /> -durch reingezüchtete Bakterien,<br /> -dass nach <em class="gesperrt">Semmler</em> in Cuba einige beschädigte<br /> -Tabakblätter von untadelhaftem Aroma in Wasser<br /> -zum Faulen gebracht werden und dieses Wasser zum<br /> -Besprengen des ausgegohrenen Tabaks gebraucht<br /> -wird, wodurch das Aroma verbessert werden soll.<br /> -<br /> -<em class="gesperrt">Koch's</em> Jahresbericht über die Fortschritte in<br /> -der Lehre von den Gährungsorganismen 1892.</b></p> - -<p>Vor mehr als zwei Jahren lenkte Professor <em class="gesperrt">Forster</em> in Amsterdam meine -Aufmerksamkeit auf die Untersuchung der Gährung des Tabaks. Die Vermutung lag -nahe, dass entweder die Hefen, oder die Bakterien bei der Gährung eine Funktion -ausübten (<em class="gesperrt">Suchsland</em>). Die Proben sind also von mir in der Richtung hin -genommen worden, dass ich in erster Linie ungebrühten Tabak im Laboratorium -künstlich zum Gähren brachte, um später die natürliche Gährung mit dem erhaltenen -Resultate vergleichen zu können. Ich habe, durch verschiedene Umstände -dazu gebracht, die Untersuchung ausgedehnt und sowohl den anatomischen Bau -der Pflanze, besonders des Blattes, als die Düngung und die chemische Zusammensetzung -des lebenden, des sterbenden und des toten Gewebes untersucht. Dann -habe ich die Gährung und die dabei hervortretenden Erscheinungen genau betrachtet und -schliesslich die Krankheiten, welche sich am meisten bei den Pflanzen zeigen, studiert.</p> - -<p>Ehe ich diese Gegenstände zu beschreiben anfange, spreche ich zuerst Herrn -Professor <em class="gesperrt">Forster</em>, jetzt in Strassburg, meinen Dank aus, der mir zum Anstellen -der Versuche seinen Rath und sein Laboratorium zur Verfügung stellte, dann den -Herren <em class="gesperrt">Herschel</em> in Amersfoort und <em class="gesperrt">de Hartog</em> in Wageningen, die mir den<span class="pagenum"><a name="Page_2" id="Page_2">[ 2]</a></span> -nichtfermentierten Tabak zusandten und mir Gelegenheit gaben, öfters die gährenden -Haufen Tabak in Wageningen zu untersuchen und mich dadurch in den Stand -setzten, die Kulturen zu den bakteriologischen Untersuchungen an Ort und Stelle -anlegen zu können, dem Herrn <em class="gesperrt">N. v. Os</em> in Amerongen für seine Bereitwilligkeit, -mir die lebenden, toten und kranken Pflanzen zuzuschicken und für seine vielen -wichtigen Mitteilungen bei meinem wiederholten Besuche in den Tabaksfeldern. -Allen meinen Dank für ihre Hülfe und Freundlichkeit, deren ich mich stets -erfreut habe.</p> - -<p>Als <em class="gesperrt">Columbus</em> 1492 auf der Insel Guanahani landete, sah er, wie die -Rothäute aus Nase und Mund Rauchwolken bliesen. Sie hatten ein Kraut, welches, -nachdem es getrocknet war, in ein Maisblatt hinein gewickelt, an der einen Seite -angezündet und am andern Ende im Munde gehalten wurde. Dieses aufgerollte -Kraut trug den Namen »Tabaco«. Andere behaupten, der Name Tabak stamme von -einer zu den Antillen gehörigen Insel Tabago her. Wie dem auch sei, soviel -ist sicher, dass im Jahre 1558 in Lissabon eine Tabakspflanze aus Florida von -<em class="gesperrt">Gonzales Hernandes</em> eingeführt wurde, wovon <em class="gesperrt">Jean Nicot</em> allda im Jahre -1560 mittels Samen viele Pflanzen aufzog und diese in verschiedene Länder Europas -mit wunderlichen Erzählungen verbreiten liess. Allmählich wurde die Pflanze in -verschiedenen Gegenden angepflanzt, bald mit mehr, bald mit weniger Erfolg. -Von den am meisten kultivierten Arten können genannt werden: <i>Nicotiana -Tabacum</i>, <i>N. rustica</i> und <i>N. macrophylla</i>. Die Pflanze gehört nach dem System -von <em class="gesperrt">Eichler</em> zu den <i>Tubiflorae</i> und zwar zu der Unterabteilung der <i>Solonaceae</i>. -Sie ist also der <i>Datura Stramonium</i>, <i>Hyoscyamus niger</i>, <i>Capiscum annuum</i>, <i>Solanum -tuberosum</i>, <i>Lycopersicum esculentum</i>, <i>Atropa belladonna</i> u. a. nahe verwandt. Die -Familie hat also zahlreiche Vertreter, welche kräftig wirkende Gifte bilden.</p> - -<p>In den Tabaksblättern zeigt sich das bekannte flüssige Alcaloid Nicotin, -gebunden an Apfelsäure und zwar in wechselnden Quantitäten von 0,7-5%, -abhängig vom Alter der Pflanze und den verschiedenen Witterungsverhältnissen. -Die schönen Untersuchungen von <em class="gesperrt">Ladenburg</em>, <em class="gesperrt">Hoffmann</em> und <em class="gesperrt">Pinner</em> liessen -das Nicotin als ein Derivat von Pyridin erkennen. Die chemische Structur dieses -kräftig wirkenden Giftes ist bekannt geworden und daher die Synthese möglich.</p> - - - -<hr class="chap" /> -<h2><a name="Handel_und_Anwendung" id="Handel_und_Anwendung">Handel und Anwendung.</a></h2> - - -<p>Ein jeder, welcher die Gegend um Wageningen, Elst und Amerongen, von -Amersfoort und Nijkerk, die Dörfer in der Betuwe und in Maaswaal besucht und<span class="pagenum"><a name="Page_3" id="Page_3">[ 3]</a></span> -dort durch die Tabaksfelder geht, wird den Eindruck bekommen, dass die Tabakskultur -hier im Lande noch eine grosse Ausdehnung hat. Besonders fiel mir überall -die aussergewöhnliche Sorgfalt auf, welche auf die Kultur, auf die Ernte, auf das Trocknen -und auf die Brühung verwendet wurde. Es möge den holländischen Tabakspflanzern -ein erfreuliches Zeichen sein, dass diese wirklich grosse Kultur und dieser grosse -Handel in den letzten zwei Jahren wiederum Fortschritte machen. Ehemals brachte -der getrocknete, noch nicht fermentierte Tabak 25 Gulden per 100 Pfund ein, in den -schlechten Jahren (87-92), als viele Züchter die Kultur einstellten, 7-12 Gulden, -und jetzt wieder 17-20 Gulden.</p> - -<p>Man unterscheidet im Handel:</p> - -<p>1<sup>o</sup> <i>Boden- oder Sandgut.</i> Dies sind Tabaksblätter, welche zuerst gepflückt werden, -die untersten Blätter, welche viel Erde und Sand enthalten und schon Ende Juli -geerntet werden.</p> - -<p>2<sup>o</sup> <i>Erdgut.</i> Dies sind die mittelsten Blätter, die wohl den besten Teil der -Pflanze bilden.</p> - -<p>3<sup>o</sup> <i>Bestgut.</i> Dies ist weniger gut und wird vom oberen, der Knospe beraubten -Teil der Pflanze, erhalten.</p> - -<p>4<sup>o</sup> <i>Geizen.</i> Es sind diejenigen Blätter, welche nach dem Pflücken noch am Stengel -wachsen, es sind Ausläufer, welche die Pflanze so viel wie nur möglich aussaugen.</p> - -<p>Die Durchschnittsernte ist gewöhnlich 2 à 3 Millionen Pfund.</p> - -<p>Von unserm holländischen Tabak geht 7/8 der Ernte nach Deutschland, Belgien, -Österreich, Italien, Schweden, Norwegen und England; 1/8 bleibt im Lande zu verschiedenen -Zwecken als Kerbtabak und Deckblatt.</p> - -<p>Der Schnupf- und Kautabak wird hauptsächlich geliefert von Amerongen, Nijkerk, -Wageningen, Rhenen und Umgegend; es ist »Bestgut« und wird zum grössten Teil -nach England, Belgien, Italien und Deutschland versandt, während das »Erdgut« nach -Österreich, Frankreich und auch nach Italien und Deutschland geht.</p> - -<p>Das Blatt aus Nijkerk ist, wie man es nennt ȟppiger«; es ist elastischer und -»piepst«, wenn man es mit den Fingern spannt. Es sieht auch fetter und dicker -aus und eignet sich daher besser zum schweren Kautabak und zum Schnupftabak. -Die Betuwe liefert mit ihrem schweren Lehmboden immer den besten Cigarrentabak, -der deshalb mit 2 Gulden per 100 Pfund mehr bezahlt wird. Der Tabak von Valburg -jedoch mit seinem hellgefärbten Blatt zeichnet sich vor allen andern aus und ist -sogar 8 Gulden per 100 Pfund mehr wert. — Der Tabak, der nach Schweden, -Norwegen, Dänemark und Deutschland »ungebrüht« versandt wird, kommt aus -Valburg und Bemmel und zum kleinen Teil von Maaswaal. Er wird im getrockneten -Zustande, »kalt gebrüht«, wie man es nennt, also ohne der Fermentation ausgesetzt -gewesen zu sein, sofort gebraucht. Dieser Tabak hat eine helle, goldgelbe Farbe. -Der Schnupf- und Kautabak hat ein dickes Blatt; schon mit der Hand kann man<span class="pagenum"><a name="Page_4" id="Page_4">[ 4]</a></span> -bei gleich grossen Büscheln den Gewichtsunterschied von dem Cigarrentabak deutlich -herausfühlen (Betuwe).</p> - -<p>Um die hohen Zollabgaben in England, Deutschland und Belgien zu umgehen, -wird die Mittelnarbe aus den Blättern herausgenommen, die Blatthälften auf -einander gelegt und in zierliche Büschel gebunden. Den gleichen Erfolg erhält -man, wenn man den Tabak »ausdämpft« d. h. das Gewicht vermindert, indem man -den Wassergehalt verringert. Auf diese Weise ist es möglich, 50 kg auf ein -Gewicht von 35 herabzudrücken. Ich meine, dass die englische Regierung eine -bestimmte Grenze gezogen hat, und dass der Tabak also nicht so trocken -gedämpft werden darf, wie man dies früher that.</p> - -<p>Der Einfluss ausländischer Ernten kann hier durch die Änderung des Preises -zu Tage treten. Wenn das Ausland eine Missernte oder weniger gute Ernte hat, -so steigen die Preise hier und umgekehrt.</p> - -<p>Die Zeit für den Verkauf ihres Tabaks kann von den Züchtern selbst bestimmt -werden; der Grosshandel bezieht die getrockneten Blätter von ihnen, wenn die -Preise annehmbar sind.</p> - -<p>Dieser Handel beruht hauptsächlich bei den Herren <em class="gesperrt">Herschel</em> in Amersfoort, -<em class="gesperrt">de Hartog</em>, <em class="gesperrt">de Voogt</em> und <em class="gesperrt">Koch</em> in Wageningen, <em class="gesperrt">Frowein</em> in Arnheim und -<em class="gesperrt">de Block</em> und C<sup>o</sup>. in Amsterdam, nebst einigen Spekulanten in Maaswaal.</p> - - - -<hr class="chap" /> -<h2><a name="Dungung" id="Dungung">Düngung.</a></h2> - - -<p>Das Klima, der Boden, die Düngung, die Trocknungsweise der Blätter und -die Fermentation üben einen grossen Einfluss auf die so sehr erwünschte gute -Qualität der Tabaksblätter aus. Es ist also nicht möglich, alle diese Bedingungen -künstlich hervorzurufen oder zu beeinflussen.</p> - -<p>Eine gute Ernte ist sehr abhängig von den Witterungsverhältnissen. Ein einziger -Hagelschauer kann in einigen Minuten ein zu Felde stehendes Gewächs fast vernichten, -während auf der anderen Seite eine Krankheit unter den Pflanzen bisweilen -zahlreiche Opfer heischt. Auch beim Tabak findet ein Wechsel im Anbau statt; wozu -die Leguminosen gewählt werden. Durch die eingehenden Untersuchungen von <em class="gesperrt">Hellriegel</em>, -<em class="gesperrt">Nobbe</em> und <em class="gesperrt">Hiltner</em> ist dieser Wechsel studiert und erklärt worden. Die -Pflanze, die im Allgemeinen viel Stickstoff zum Aufbau des Eiweisses bedarf, erhält -diesen Stickstoff aus dem Boden und der zugeführten Nahrung. Wenn ein und dasselbe -Gewächs während einiger Jahre auf einem Acker gezogen wird, so wird dieser -Acker ungeachtet der Düngung stets ärmer an der gewünschten Nahrung für die<span class="pagenum"><a name="Page_5" id="Page_5">[ 5]</a></span> -Pflanze werden. Durch die Abwechslung in der Anpflanzung, die man nicht erklären -konnte, wurde diesem Übel einigermassen abgeholfen. Man findet in den Leguminosen -(Erbsen, Bohnen m. a. W. Hülsenfrüchte) Pflanzen, die den Acker für das -nächste Jahr verbessern. Jetzt hat sich herausgestellt, dass die kleinen Wurzelknöllchen -jener Hülsenfrüchte eine sehr wichtige Funktion bei der Assimilation -des Stickstoffs ausüben. Die Besprechung des höchst interessanten Baues jener -kleinen Knollen, sowohl als die Entwicklung der Bakterien, welche da hinein -dringen, das Gewebe angreifen und dieses umbilden, würde zu weit führen.</p> - -<p>Jedoch sei darauf hingewiesen, dass bestimmte Arten von Bakterien durch die -Wurzelhaare oder Verletzungen in die Wurzeln hineindringen, sich stark vermehren -und ein neues Pflanzengewebe hervorbringen, welches sich in knollenartigen Verdickungen -zeigt. Die Wirkung dieser kleinen Knollen fängt erst dann an, wenn -die auflösbaren Stickstoffverbindungen aus dem Boden verbraucht sind.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 450px;"> -<img src="images/fig01.jpg" width="450" height="286" alt="" /> -<div class="caption"><p>Fig. 1. Nicht-geimpfte und mit bacterien-geimpfte Serradella (Ornithopus sativus).</p></div> -</div> - -<p>Reinkulturen von verschiedenen Bakterien, welche augenscheinlich dieselben -kleinen Knollen bilden, habe ich jetzt unter dem Namen »Stikstofverzamelaars« (Stickstoffsammler) -in den Handel gebracht. Eine Weinflasche dieser Kultur genügt für 1/4 ha. So<span class="pagenum"><a name="Page_6" id="Page_6">[6]</a></span> -hat man »Stikstofverzamelaars« für <i>Pisum Sativum</i> (gewöhnliche Erbse) <i>für</i> <i>P. arvense</i> -(Sanderbse), <i>Lupinus</i>, <i>Ornithopus sativus</i>, <i>Trifolium pratense</i>, <i>Lathyrus Sylvestris</i> u. s. w.</p> - -<p>Vergleichende Proben, mit diesen Kulturen genommen, zeigen in der That den -grossen Unterschied in der Entwicklung und in dem Wachstum der Pflanze auf einem -Acker mit solchen Reinkulturen gedüngt, und dem gleichen Acker, welcher im -natürlichen Zustande geblieben ist<a name="FNanchor_A_1" id="FNanchor_A_1"></a><a href="#Footnote_A_1" class="fnanchor">[A]</a>.</p> - -<p>Jeder Züchter ist davon überzeugt, dass die Anwendung einer bestimmten Art -Dünger für ein bestimmtes Gewächs die Ernte bedeutend verbessern kann. Das -schwierige Problem, welcher Dünger in unserm Lande für unsern Tabak verwendet -werden muss, ist zwar noch nicht ganz gelöst, doch ist ein Fortschritt in der Kulturweise -der Pflanzen schon zu bemerken, dank der Sorgfalt, die viele Pflanzer ihrem -Gewächse widmen. Die Anweisung tüchtiger wissenschaftlich gebildeter Agronomen, -Chemiker, und in der letzten Zeit Bakteriologen ist von höchster Wichtigkeit, um -Versuche nach einer bestimmten Richtung hin anzustellen.</p> - -<p>Die Erfahrung lehrt, dass ein hoher Gehalt an Chlorsäure die Brennbarkeit des -Tabaksblattes nicht fördert, sondern sie stark verringert. Ebenso wie in -Ostindien hat man auch hier die Erfahrung gemacht, dass derselbe Boden nicht jedes -Jahr ein gleich gut brennendes Produkt liefert (Salm 1877).</p> - -<p>Viele aufmerksame Pflanzer meinen, ein tüchtig beregneter Tabak liefere -meistens ein besser brennbares Produkt. In der Asche gut brennbaren Tabaks findet -sich viel kohlensaures Kali, in derjenigen des schlecht brennbaren sehr wenig von -diesem Salze; dahingegen viel schwefelsaures Kali und Chlorkalium. Das kohlensaure -Kali ist in diesem Zustande nicht im Blatte anwesend, sondern entsteht beim Verbrennen -aus Apfelsäure, Citronensäure und oxalsaurem Kalium. Die sehr verbreitete Meinung, -dass der Salpeter die Brennbarkeit vermehre, ist nicht ganz richtig. Denn Algier -liefert Tabaksarten, welche viel Salpeter enthalten und doch schlecht brennen. Dagegen -bestehen andere Arten, welche keinen Salpeter enthalten und doch gut brennen.</p> - -<p>Man hat Recht, wenn man Zusammenhang sucht zwischen der Brennbarkeit -und dem Vorhandensein von organischen Salzen, und dies kann man erklären und -beweisen. (Indische Kulturen von <em class="gesperrt">Van Gorkom</em>.) Unbrennbarer Tabak, welcher -durch eine Auflösung eines organischen Kalisalzes gezogen und nachher getrocknet -wird, ist durch diese Behandlung wirklich brennbar geworden. Macht man die -nämliche Probe mit gut brennbarem Tabak und einem anorganischen, einem -Magnesium- oder Kalk-Salze, so ergiebt sich, dass die Brennbarkeit gewichen ist. -Die Asche wird in diesem Falle kein kohlensaures Kali enthalten, das wohl nach -dem ersten Experimente gefunden wurde. Der Tabak erheischt Kalium, viel Kalium, -und damit jene Salze in die Pflanze aufgenommen oder in ihr gebildet werden,<span class="pagenum"><a name="Page_7" id="Page_7">[ 7]</a></span> -muss man die Chlorverbindung vermeiden. Die kohlensauren-, salpetersauren -und schwefelsauren Salze des Kalium dahingegen werden von den organischen -Säuren analysiert. Alljährlich werden von unsern Züchtern Tausende von Gulden -auf die Düngung ihrer Felder verwendet. Die Tabakspflanze braucht eine kräftige -Nahrung, wodurch sie zu gleicher Zeit eine gewisse Immunität den fungischen Sporen -gegenüber erhält.</p> - -<p>Es ist sehr beachtenswert, dass die Pilzarten im Tabak, welcher in unfruchtbaren -Boden gepflanzt war, welcher also wenig gedüngt wurde, sich später gerne in -der Pflanze entwickeln. Der schlechte finanzielle Zustand des Pflanzers ist indirekt -Ursache davon. Allgemein kann man bei sorgfältiger Behandlung des Tabaks annehmen, -dass ein Hektar von Boden, welcher schon in Kultur genommen ist, 35000 kg. -Schafsmist braucht, mit einem Durchschnittswert von 350 Gulden (etwa 600 Mk.) Die -Experimente mit der Tabakskultur in Zeeland haben bis jetzt nicht den erwünschten -Erfolg gehabt. Der hohe Gehalt des Meeresthons an Chloriden ist höchst wahrscheinlich -Ursache davon. Im Zusammenhang mit dem dortigen Futter der Schafe -ist auch der Mist dieser Tiere (<i>f</i> 1,50 per 1300 kg.) weniger wert als derjenige, -welcher aus der Provinz Utrecht und Süd-Holland angeführt wird. Im grossen -Ganzen ist die Düngung unsrer Tabaksfelder noch sehr verschieden. Einen sehr -guten Erfolg erzielt man durch Anwendung von 45000 kg. Schafsmist und 500 kg. -Chilisalpeter-Superphosphat per Hektar. Gleich günstig wirkt eine Düngung mit -45000 kg. Schafsmist und 350 kg. gemalenem (= aufgelöstem) Peruguano.</p> - -<p>Die Zusammensetzung dieser Düngstoffe ist für 1000 kg. frischen Schafsmistes -in ihren wirksamsten Bestandteilen angegeben: Stickstoff 8.3, Phosphorsäure 2.3, -Kali 6.7, Natron 2.2, Kalk 3.3, Chlor und Fluor 1.7 im Werte von <i>f</i> 8,— per -1000 kg., welche durch die Kosten für Fracht, Arbeitslohn, bis zu <i>f</i> 9,— steigen. -Chilisalpeter enthält 15% Stickstoff im Werte von <i>f</i> 11,50 à <i>f</i> 12,50 per 100 kg.</p> - -<p>Aufgelöster (= gemalener) Peruguano: 7% Stickstoff und 9.5% auflösbare Phosphorsäure -im Werte von <i>f</i> 10,— per 100 kg.</p> - -<p>Ebenso wie die meisten anderen künstlichen Düngstoffe, welche unter Kontrolle -gestellt werden können, wird der Gehalt für Chilisalpeter-Superphosphat angegeben -mit 7% Stickstoff und 9% Phosphorsäure etwa im Werte von <i>f</i> 8,50 per 100 kg. -Unter dem Namen »Delidünger« der besonders nach Indien geschafft wurde, war -eine Mischung im Handel, welche 6% Stickstoff, 5% Phosphorsäure und 5% Kali -enthielt. Man behauptete, durch Anwendung dieses Kunstdüngers erhielte man ein -hell gefärbtes Blatt.</p> - -<p>In der letzten Zeit ist die Aufmerksamkeit auf die Torfstreu gelenkt worden, -welche aus den Pferdeställen herstammt. Sie zeichnet sich vor allen anderen -tierischen Düngstoffen dadurch aus, dass mit ihr der Boden porös bleibt und deshalb -mehr Feuchtigkeit festhält als bei einer Düngung mit Kuhmist.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_8" id="Page_8">[ 8]</a></span></p> - -<p>Ein mir bekannter Züchter, der eine Reihe von Jahren Versuche mit verschiedenen -Düngstoffen machte, einzeln und gemischt, hat es jetzt so weit gebracht, dass ein für -Holland sehr gutes Produkt erzielt wird, zu gleicher Zeit noch mit dem Vorteile, -dass die Kosten für Düngung bedeutend geringer sind.</p> - -<p>Einige Züchter gebrauchen nebst Schafs- oder Kuhmist noch Taubenmist auf -ihren Feldern und zwar 20 bis 30 h.l. per h.a. Die Erfahrung lehrt, dass so der -Tabak kräftiger ist, schwerer wiegt und mehr Glanz besitzt. Ein gleiches Resultat -wird hervorgebracht mit dem viel billigeren Peruguano.</p> - -<p>Alle 4 bis 5 Jahre werden auf dem Felde Leguminosen gezogen und noch nachher -im nämlichen Jahre weisse Rüben, auch wohl Futtermöhren. In diesem Falle wird -im Monat März der Möhrensamen zu gleicher Zeit mit Erbsen ausgesät, die Rüben -hingegen erst Ende Juli, nachdem die Erbsen eingeerntet sind. Im darauffolgenden -Jahre wächst auf solchem Acker die Tabakspflanze üppiger, trägt ein dünneres, -schöneres Blatt, das besser brennt, doch weniger Gewicht hat bei gleicher Düngung -als auf anderem Boden. Wir sehen hier nochmals die kräftige Nachwirkung der -Leguminosen, das Resultat des Wechselbaues.</p> - -<p>Allgemein wird bemerkt, dass ein warmer, trockner Sommer ein dickeres, -schwerer brennbares Blatt liefert, ein feuchter regnerischer Sommer ein dünneres, -besser brennbares Blatt. <em class="gesperrt">Nessler</em> suchte die Erklärung dafür in der verschiedenen -Absorptionsfähigkeit des Bodens dem Chlor und Kalium gegenüber, wonach in -trocknen Sommern besonders die Chlorsalze (NaCl.) mit dem Grundwasser -aufsteigen sollten, indem diese in nassen Sommern hinweggespült würden. Wie -dem auch sei, es scheint mir, dass der anatomische Bau des Blattes einen nicht -unbedeutenden Anteil an der Brennbarkeit hat. Ein Tabaksfeld in der Nähe von -Amerongen war zum Teil gelegen an einer mit schweren Buchen bewachsenen -Allee; dieser Teil wurde fast den ganzen Tag beschattet, war also feuchter als -der von der Sonne beschienene. Die Pflanzen im Schatten waren höher und mit -grösseren Blättern versehen.</p> - -<p>Die mikroskopischen Untersuchungen zeigen in der That, dass die Struktur -der Blätter feiner ist, und dass besonders das Schwammparenchym mit grösseren -Luftgefässen versehen ist als dasselbe Gewebe der von der Sonne beschienenen -Blätter. Ebenso, jedoch in schwächerem Grade, kennzeichneten sich die Blätter der -Pflanzen, welche durch den Schatten der Trockenscheunen nach 1 Uhr Nachmittags -keine Sonne mehr bekamen. Im Anschluss hieran lehrten mich die Versuche, -dass ein Blattteil ohne Hauptrippen einer beschatteten Pflanze weniger wog als -ein ebensogrosser Teil von einem besonnten Blatte. Als Durchschnittswert bei -frischen Blattteilen fand ich für die im Schatten wachsenden Pflanzen, bei einer -Oberfläche von 23 cm<sup>2</sup>, 0.530 Gramm, für die im Sonnenlicht wachsenden Pflanzen -0.650 Gramm, also im Verhältnis von 100 zu 122.</p><p><span class="pagenum"><a name="Page_9" id="Page_9">[ 9]</a></span></p> - -<p>Zugleicherzeit muss hier die Bemerkung gemacht werden, dass Pflanzen, welche -im Schatten wachsen, im grossen Ganzen ein besser brennbares Blatt liefern.</p> - -<p>Aus diesen Betrachtungen erhellt die Macht der Düngung und der Einfluss des -Lichtes auf den anatomischen Bau des Blattes<a name="FNanchor_B_2" id="FNanchor_B_2"></a><a href="#Footnote_B_2" class="fnanchor">[B]</a>.</p> - - -<hr class="chap" /> - -<h2><a name="Kultur" id="Kultur">Kultur</a></h2> - - -<p>Anfang März wird der Samen der Tabakspflanze auf eine sehr eigentümliche -Weise zur Aussaat präpariert. Zu einem Hektar braucht man nur 18 Fingerhütchen -von diesem sehr winzigen Samen. Man bringt weissen Sand in Blumentöpfe und -oben darauf den ein wenig angefeuchteten Samen. Eine Reihe dieser Töpfe, meistens -für verschiedene Züchter, wird in ein kaltes mit Glasscheiben verschlossenes Mistbeet -gestellt, in welchem durch Brühung des hineingebrachten Pferdemistes die erwünschte -Temperatur erhalten wird, um die Saat keimen zu lassen. Sobald das Würzelchen -sich zeigt, wird der Samen mit trocknem Sande vermischt und dann in die Mistbeete -ausgesät. Der Boden dieser Mistbeete ist mit Pferdemist und etwas Taubenmist -zubereitet. In der Gegend von Wageningen und Amerongen ist dieser Vogelmist -leicht zu bekommen, durch das Recht, welches einigen Herrlichkeiten gewährt ist, -hunderte ja sogar tausende meist verwilderte Tauben halten zu dürfen. Von diesen -uralten Herrlichkeiten können genannt werden: <i>Amerongen</i>, <i>Molenstein</i>, <i>Zandenburg</i> -und <i>Leeuwenburg</i>. Der Handelswert dieses Taubenmistes ist etwa 2 Gulden per Malter.</p> - -<p>Die Kiste oder das Mistbeet, wovon der Glasrahmen mit geöltem Papier verklebt -ist, wird jetzt derartig behandelt, dass der Pferdemist etwa 1 cm., der Taubenmist -dahingegen etwa 3 à 4 cm. unter den Boden zu liegen kommt. Nachher wird das -Mistbeet triefnass gemacht, und der Samen mit Sand vermischt darüber gestreut. -Die ersten 10 Tage braucht es nicht begossen zu werden. Etwa am 15-30 Mai -sind die Pflänzchen so gross, dass die besten ausgesucht und gepflanzt werden -können. Dies geschieht auf dem schon schwer gedüngten Land und zwar so, dass zwei -Reihen der Pflänzchen auf einen einigermassen erhöhten Erdrücken gestellt werden.</p> - -<p>Man erhält hierdurch eine gute <em class="gesperrt">Ab</em>wässerung und zugleicherzeit eine sehr gute -Gelegenheit, um später beim Einernten zwischen die Pflänzchen zu gelangen.</p> - -<p>Auf einem ha. stehen ungefähr 38000 Pflanzen, welche je 45 cm. von einander -entfernt sind. Die Umgebung der jungen Pflänzchen wird immer sorgfältig mittels -Schaufel und Hacke vom Unkraute gesäubert.</p> - -<p>Die gefürchteten Feinde der Pflanzen sind nun die »Käfer- und Grauwürmer«, -die auf allen Tabaksfeldern, und die Erdraupen, die nur auf einigen Feldern gefunden -werden. Nicht selten werden während des ersten Monats 2000 per ha. mit der<span class="pagenum"><a name="Page_10" id="Page_10">[ 10]</a></span> -Hand, also durch Ablesen entfernt. Nach dieser Zeit verschwinden diese gefürchteten -Eindringlinge von selbst. Die Anpflanzung einer Reihe Salat längs der hohen Erbsen- -und Bohnenhecken, scheint ein Lockmittel für die Erdraupen zu sein; auf diese -Weise wird das Suchen und Entfernen erleichtert.</p> - -<p>Der Geldersche Landmann versteht unter Käferwürmern »Engerlinge«, das sind -die Larven des Maikäfers, <i>Melolontha vulgaris</i>. Unter Grauwürmern versteht man -gewöhnlich die »Emelten«, die Larven der Erdschnaken: <i>Tipula oleracea</i>, <i>T. paludosa</i>, -<i>T. maculosa</i>, u. s. w. Unter Nadelwürmern versteht man gewöhnlich Erdraupen: -<i>Agrotis segetum</i>, <i>A. tritici</i>, <i>A. exclamationis</i> u. s. w. Die Züchter verwechseln -gewöhnlich diese Namen. Herr <em class="gesperrt">Professor Ritzema Bos</em> hatte die Güte, mir -hier die richtigen Benennungen anzugeben. Nach 6 bis 7 Wochen ist die Pflanze schon so -gross, dass sie »geköpft« werden kann, d. h. in den Morgenstunden wird mit geölten -oder mit Speck eingeriebenen Fingern die Knospe herausgenommen. Die Pflanze trägt -bald darauf 14 à 15 tüchtige Blätter. An einer geringen Zahl gut gewählter Pflanzen -lässt man Samen schiessen, entfernt die kleinen Blumen oder Früchte und lässt die -Grösseren zur vollen Reife kommen. Der Samen, der von überseeischen Besitzungen -zum Anstellen von Versuchen hierher gebracht wurde, ist im Laufe der Jahre durch -die natürliche Kreuzbestäubung stets zurück gegangen. Man hält jetzt auf die -beschriebene Weise eine Auslese zur Ziehung der besten Arten. Ende Juli werden -die untersten fünf Blätter, das sogenannte Sandgut, gepflückt, 2 bis 3 Wochen später -das Erdgut, und wieder nach derselben Zeit das Bestgut.</p> - -<p>Die Blätter werden nach jeder Ernte in dem Hauptnerv eingeschnitten, an -Stäbe oder Stangen gesteckt und dicht auf einander 3 bis 4 Wochen in dazu hergerichteten, -gut ventilierten, meistens hölzernen Scheunen zum Trocknen aufgehängt. -Bei feuchtem Wetter geschieht dies Trocknen nicht immer nach Wunsch, die Blätter -trocknen schlecht und in Folge dessen entsteht die sogenannte »Anschwellung«, die -in Fäulnis übergehen kann. Dadurch, dass man niedrige Feuer unter die trocknenden -Blätter anlegt, kann diesem Übel abgeholfen werden, besonders im Spätsommer: -am 10<sup>ten</sup> Tag der Trocknung wird dies beim Bestgut beobachtet, die »Anschwellung« -zeigt sich dann dadurch, dass die hängenden Blätter sich gerade ausbreiten.</p> - -<p>Das Sandgut, Bestgut und Erdgut, von dem beim Anfange der Trocknung etwa -30 à 40 Blätter an einer Stange hingen, wird nach 3 bis 4 Wochen umgesteckt und -zwar derartig, dass die Blätter von 4 Stäben auf eine Stange gesteckt werden. -Dann werden diese Stangen zu Haufen aufgetürmt und zwar so, dass ein Kubus -gebildet wird, dessen Höhe aus etwa 20 bis 25 Schichten besteht, wovon die Blätter -alle nach innen gerichtet sind.</p> - -<p>So bleiben sie liegen bis zum Oktober oder November, um dann sortiert und -in Büschel zusammen gebunden zu werden.</p> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_11" id="Page_11">[11]</a></span></p> - - -<h2><a name="Anatomie_und_Physiologie" id="Anatomie_und_Physiologie">Anatomie und Physiologie.</a></h2> - - -<p>Die Brennbarkeit des Tabaksblattes, wie wir schon sahen, ist abhängig von -der Anwesenheit organischer Kaliumsalze.</p> - -<p>Die Art, wie die Pflanze diese bildet und aus welchen Salzen sie entstehen, -ist nicht mit Bestimmtheit anzugeben. Jede lebende Pflanze (die meisten Parasiten -ausgenommen) baut aus anorganischen Stoffen diejenigen Körper auf, welche -sie braucht. In welcher Weise das Nicotin von der Tabakspflanze aufgebaut wird, -ist unbekannt. Dies Alcaloid scheint sich in allen Teilen der Pflanze zu finden.</p> - -<p>Mit den allgemeinen Alcaloidreagentien wird überall im Pallissadengewebe -wie im Schwammparenchym eine Reaktion beobachtet.</p> - -<p>Die Funktionen, welche die Organe der Pflanze ausüben, sind genau bekannt; -man kennt die Rolle vom Xylem, Phloëm, Parenchym, Collenchym, Sclerenchym -und von sovielen andern. Weniger bekannt ist die Weise, in welcher die Pflanze -die organischen Stoffe aufbaut, Stoffe, welche so zusammengesetzt sind, dass man -noch nicht den mindesten Begriff hat von ihrer Konstitution oder ihrem chemischen -Bau. Vor einigen Jahren gab <em class="gesperrt">Baeyer</em> seine Hypothese über die Bildung der Kohlhydrate -unter dem Einflüsse des Chlorophylls. Nach dieser Vermutung, die noch nicht -widerlegt worden ist, geht die Kohlensäure in Ameisensäure über, diese mittels -Reduktion in Aldehyd, und dieses wieder unter Polymerisation in ein Kohlhydrat, -einen Zucker, ein Monosaccharid. Nach den Untersuchungen von <em class="gesperrt">Curtius</em>, die im -Anfange des Jahres 1897 bekannt gemacht wurden, ist es ihm gelungen, aus dem Brei -der Pappel- und Eschenblätter, mittels M — Nitrobenzhydrazid, ein Aldehyd auszuscheiden -und anzuzeigen, (C<sub>7</sub> H<sub>11</sub> O C O H). Weiter ist bekannt, dass Asparagin -oder Amido-Apfelsäure ein stickstoffreicher, kristallisirbarer Körper ist, welcher mit -Traubenzucker Eiweiss bilden kann, und umgekehrt, dass das Eiweiss den Stickstoff -wieder abgeben kann, um Asparagin aufzubauen, welches durch die Gewebe nach -den Myristemen geführt werden kann, um da zur Stelle wieder das erwünschte -Eiweiss entstehen zu lassen.</p> - -<p>Der Bau des Tabaksblattes ist dem Typus der Dicotylenblätter gleich. Wenn -wir ein Tabaksblatt mikroskopisch auf dessen Querdurchschnitt betrachten, sehen -wir zu allererst die Cuticula, welche mit Wachs überzogen ist; sie bildet einen -Teil der Epidermis, die in unserm Falle sowohl an der Aussen- als Innenwand -cuticularisiert ist. Diese Epidermis besteht aus flachen tafelförmigen Zellen, welche -mit unregelmässig wellenden Linien in einander schliessen und hier und da Spaltöffnungen -zwischen sich lassen.</p> - -<p>Obgleich die Spaltöffnungen in der Regel sich nur an der Unterseite der Blätter -zeigen, ist dieses beim Tabak nicht der Fall; sie finden sich da an beiden Seiten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_12" id="Page_12">[12]</a></span></p> - -<p>Viele Zellen der Epidermis sind zu Haaren ausgewachsen. Die Form dieser Haare -ist sehr verschieden und kennzeichnend. Die meisten sind mehrzellig, sehr lang und -tragen oben einen mit ätherischem Öl gefüllten mehrzelligen Körper; eine zweite -Art ist gleichfalls lang, doch endigt in einer Spitze, während eine dritte Art auf einem -kurzen einzelligen Stiele einen grossen angeschwollenen, mehrzelligen Körper trägt.<span class="pagenum"><a name="Page_13" id="Page_13">[13]</a></span> -An beiden Seiten der Blätter zeigen sich Haare. Im allerjüngsten Zustande des -Blattes sah ich sogar einige, welche stark verzweigt waren. Unter der Epidermis -liegt das Pallissadengewebe, welches aus langen blattgrünreichen Zellen besteht, -die sich dicht an einander anschliessen. Darunter laufen, doch nicht an allen -Stellen, die Gefässbündel, welche aus Xylem und Phloëm bestehen, von denen -das erstere zur Weiterbeförderung des Wassers, das letztere zum Transporte des -Eiweisses dient.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 600px;"> -<img src="images/fig02.jpg" width="600" height="588" alt="" /> -<div class="caption"><p>Fig. 2. Querdurchschnitt eines jungen Tabaksblättchens aus der Knospe genommen (Amerongen), -150 Male vergrössert.</p></div> -</div> - -<p>Die Holz- oder Xylemgefässe zeigen durch die eigentümlichen bandförmigen -Anschwellungen die wohlbekannte Spirale, die Phloëmgefässe kennzeichnen sich -durch die durchbohrten Zwischenwände oder Siebplatten; weiter treffen wir das -Schwammparenchym, dass aus sehr grossen, gleichfalls chlorophyllreichen Zellen -besteht, welche zahlreiche grosse Luftröhren zwischen sich einschliessen. Dann folgt -wieder nach der Unterseite die Epidermis mit ihren vielen Spaltöffnungen und zu -Haaren ausgewachsenen Zellen.</p> - -<p>In beigehender Zeichnung, die nach einem Querdurchschnitt von mir angefertigt -wurde, sehen wir die Lage der Organe. Der Durchschnitt eines jungen Blattes, aus dem -Keimpunkte genommen 12 cm. lang, ist derartig, dass der Nerv und an beiden Seiten -davon der Anfang der beiden Blatthälften mit einem Teil des Gefässbündels, der -sich nach dem Blatte zuwendet, deutlich sichtbar ist. Wir sehen in der Mitte den -Xylembündel, aus Holzgefässen bestehend, ringförmig umschlossen vom Phloëm. Um -den Gefässbündel herum liegt das Collenchym, kenntlich an den Anschwellungen -der Zellenwände in den Ecken. Das Collenchym ist sehr dehnbar und in geringem -Masse elastisch; daher kommt es, dass es nach Ausreckung nicht wieder vollkommen die -frühere Länge annimmt. Es besteht aus langen Zellen mit platten Enden; die Wände -sind weich und wasserreich, wodurch es unter dem Mikroskop bläulich aussieht.</p> - -<p>Was die chemische Zusammensetzung betrifft, finden wir in den Zellenwänden -und in den cuticulären Schichten Suberin, einen Stoff, der mit dem Korkstoff identisch -ist. In den frischen Blättern sind Spuren von Asparagin deutlich nachzuweisen (Alcohol -abs.) Dieser Körper ist quantitativ mit Nitras hydrargyrosus zu bestimmen, wozu vorerst -der Farbstoff mit basischem Bleiacetat niedergeschlagen wird. Quantitative Bestimmungen -von Asparagin und Eiweiss (letztere Bestimmung nach der Methode -<em class="gesperrt">Stutzer</em>) in den reifen Blättern, und während des Trocknens der Blätter gemacht, -deuten auf einen Übergang von Eiweiss in Asparagin. Je länger die Blätter trocknen, -desto reicher werden sie an diesem Crystalloid.</p> - -<p>Weiter kann im Blatte ein inversionsfähiges Kohlhydrat erkannt werden, mutmasslich -Rohrzucker. Von organischen Salzen sind anwesend: die der Apfelsäure, -Citronensäure und Oxalsäure, von denen das letztere als Calciumoxalat durch mikrochemische -Reaktionen im Parenchym dargethan werden kann (man sehe die Figur). -Von den anorganischen Salzen müssen die Chloride, Phosphate und Sulfate<span class="pagenum"><a name="Page_14" id="Page_14">[14]</a></span> -erwähnt werden. Das Kalium ist teils an organische Säuren, teils an Salpetersäure -gebunden.</p> - -<p>Unmittelbar hier anschliessend wünsche ich die Prozesse zu behandeln, die -beim Trocknen der Blätter stattfinden. Sobald die Blätter in den Trockenscheunen -aufgehängt werden, sehen wir, wie in den ersten Tagen schon grosse Änderungen -vor sich gehen: die Farbe der Blätter geht über in ein fahles Gelb und läuft durch -verschiedene Farben bis ins Braune. Wir haben nach dem Pflücken nicht sofort -mit einem toten, abgestorbenen Blatte zu thun, sondern die Lebensfunktionen -dauern noch Tage, ja Wochen lang fort. Das sterbende Blatt schafft in seinem -Gewebe völlige Wandlungen, die schon durch die sichtbare Farbenänderung angezeigt -werden. Durch Plasmolyse und durch Verwendung von Farbstoffen, wie Eosin und -Picro-Carminsaures-Ammoniak, kann dargethan werden, dass die Zelle noch Tage lang -eine zum Leben gehörige Function vollbringen kann.</p> - -<p>Ich fand für Blätter, die von mir selbst gepflückt und aufgehängt wurden, dass -dies 15 bis 20 Tage dauern kann.</p> - -<p>Wenn Schnitte eines reifen Blattes in eine Jod-jodkaliumlösung gebracht -werden, sehen wir, dass das Stärkemehl in äusserst kleinen Körnchen in grosser -Zahl vorhanden ist; die Chlorophyllkörner erscheinen wie Riesen daneben. -Während des Trocknens des Blattes nehmen sie in Anzahl ab, indem sie -Zucker bilden. Die Versuche sind leicht zu machen. Ein Blatt oder ein Teil -davon wird in Wasser gekocht, mit Kalilauge durchscheinend gemacht, nachher -mit Essigsäure neutralisiert und weiter auf einen Porzellanteller ausgebreitet, in -welchen man Jodalcohol mit Wasser gebracht hat. Nach einiger Zeit zeigt sich -aus der Intensität der Färbung die Lage des Stärkemehls. Wenn hingegen ein Blatt -mittels Chloroformdampf getötet wird, so findet die Umsetzung nicht statt, die Farbe -verwandelt sich nicht in Gelb, ein Beweis, dass das sterbende Blatt Lebensfunktionen -besitzt und zeigt. Die Verschwindung des Stärkemehls geht zusammen mit der -Entstehung von Glucose, aber auch dieses Kohlhydrat ist während des Trocknens nicht -bleibend, verschwindet jedoch auch nicht ganz. Ich meine, dass einige amerikanische -Tabaksarten künstlich schnell getrocknet werden; doch dann fragt es sich, ob sich -dieser Prozess günstig für den Tabak erweist. Während der Trocknung wächst -auch der Gehalt an organischen Säuren, und da wir sahen, dass ein grosser -Teil dieser Säuren an Kalium gebunden war, muss dies wieder die Brennbarkeit -des Blattes beeinflussen.</p> - -<p>Quantitative Bestimmungen des Nicotin nach der Methode <em class="gesperrt">Kissling</em> zeigen, -dass dies Alcaloid während der Trocknung keiner Änderung unterworfen ist; -ebensowenig werden die Nitrate angegriffen. Die Eiweisse hingegen vermindern -und als Produkte hiervon zeigen sich Amine (<em class="gesperrt">Behrens</em>).</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_15" id="Page_15">[15]</a></span></p> - -<p>Aus diesen Versuchen und Betrachtungen geht hervor, dass die Trocknung der -Tabaksblätter langsam geschehen muss. Die chemischen Prozesse, welche unter -dem Einfluss des Lebens während der Trocknung durchgemacht werden, sind -von grosser Wichtigkeit für die hierauf folgende Fermentation. Wir werden da -sehen, dass lebende Organismen, Bakterien, den Gährungsprozess einleiten und -beendigen.</p> - - - -<hr class="chap" /> -<h2><a name="Fermentation_Physische_und_chemische_Untersuchung" id="Fermentation_Physische_und_chemische_Untersuchung">Fermentation. Physische und chemische Untersuchung.</a></h2> - - -<p>Durch die Fermentation wird der Tabak einer völligen Änderung unterzogen, -und ohne Zweifel üben die Brühungsweise, die Temperatur und die Bakterien einen -grossen Einfluss aus auf die Bildung derjenigen Zersetzungsprodukte, welche was -Geruch und Geschmack betrifft, kennzeichnend sind. Ich bin fest überzeugt, dass -hauptsächlich die Bakterien und nicht die <em class="gesperrt">Loew'</em>schen Enzyme<a name="FNanchor_C_3" id="FNanchor_C_3"></a><a href="#Footnote_C_3" class="fnanchor">[C]</a>, die Hauptrolle -spielen. Wir werden später sehen, dass bei künstlicher Impfung mit Reinkulturen -ganz andere Prozesse stattfinden. <em class="gesperrt">Suchsland</em> war der erste, welcher in einer -vorläufigen Mitteilung bekannt machte, dass Geruch und Geschmack durch die -Lebensprozesse der Mikroben entstehen; jedoch hat er später nie wieder diesen -höchst interessanten Gegenstand aufgenommen.</p> - -<p>In der Einleitung erwähnte ich schon, dass die Herren <em class="gesperrt">Herschel</em> in Amersfoort -und <em class="gesperrt">de Hartog</em> in Wageningen mir immer bereitwilligst Hilfe verliehen, und -dass in den Scheunen, wo die gährenden Haufen Tabak umgesetzt wurden, ein -improvisiertes kleines Laboratorium mit den allernötigsten Instrumenten von uns -eingerichtet war.</p> - -<p>Mit der grössten Sorgfalt wird ein Haufen Tabak zusammengesetzt. Die musterhaft -zusammengebundenen Büschel werden aufgeschichtet, so dass man Haufen von etwa -3 m. hoch, 3.5 m. breit und 3.5 m. lang bekommt. Diese Ziffern sind nicht normal, -sondern Form und Grösse richten sich nach dem anwesenden Raum, ein Haufen -ist desshalb grösser als der andere. Das Gewicht variiert gleichfalls, man hat solche -von 15000 bis 30000 Pfund. Wenn ein Haufen fertig da steht, ist es wirklich ein -reizender Anblick. Man sieht von allen Seiten die »Köpfe« der sorgfältig zusammengebundenen -Büschel, welche dem Ganzen das Ansehen eines Flechtwerks geben. -Wenn ein Haufen einige Tage steht, fängt er an zu sinken. Indem man lange Stangen -hineinsteckt, kann man, wenn man dieselben herauszieht und mit der Hand anfühlt,<span class="pagenum"><a name="Page_16" id="Page_16">[16]</a></span> -die Temperatur beobachten und zugleicherzeit den Geruch beurteilen. Die Personen, -welche sich hiermit beschäftigen, haben, was dies betrifft, eine jahrelange Erfahrung. -Es währt nicht lange so wird der Haufen warm und feucht, die Brühung oder -Fermentation fängt an. Weil die Temperatur immer steigt, kommen von allen Seiten -Insekten hinzu, welche mit dem Namen »Läuse« angedeutet werden. Bei meiner -Anwesenheit habe ich dieselben nicht gesehen und habe also keine Gelegenheit -gehabt, sie zu bestimmen.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 445px;"> -<img src="images/fig03.jpg" width="445" height="324" alt="" /> -<div class="caption"><p>Fig. 3. Eine Fermentationsscheune des Herrn <em class="gesperrt">Herschel</em> in Amersfoort.</p></div> -</div> - -<p>In Wageningen hat man die Erfahrung gemacht, dass Tabak aus der Veluwe -wohl, der aus der Betuwe nicht diese Insekten bei der Gährung zeigt.</p> - -<p>Ein Haufen bleibt ungefähr 3 oder 4 Monate in Gährung, doch wird während -dieser Zeit meistens 3 mal umgesetzt, wodurch die äusseren Teile, welche frei an -die Luft grenzen, sich auch an der Brühung beteiligen können.</p> - -<p>Eine bestimmte Regel ist hierfür nicht anzugeben, die Erfahrung ist die beste -Lehrerin. Ein Haufen von 20000 Pfund Bestgut von der Veluwe, von einem mit Schafsmist -gedüngten Acker, wird, nachdem er 4 Wochen gestanden hat, umgesetzt. Dieses<span class="pagenum"><a name="Page_17" id="Page_17">[17]</a></span> -Umsetzen, womit 5 Personen 2 bis 3 Tage beschäftigt sind, geschieht meisten 3-mal. -Erd- und Sandgut aus der Betuwe (Valburg 60000 kg. Kuhmist per ha., ± 200 Gulden -an Wert) wird gleichfalls 3-mal umgesetzt. Doch braucht man 4 Monate, um die -Gährung zum erwünschten Ziel zu bringen.</p> - -<p>Gemischte Haufen, das sind Haufen, welche Tabak von verschiedenen Gegenden, -Sandgut, Erdgut, Bestgut oder Geizen enthalten, brauchen eine nicht zu bestimmende -Gährungszeit, die Erfahrung muss dies entscheiden. Einige Male geschieht es wohl, -dass Tabak schwer oder gar nicht zum Gähren kommt (Erd- und Sandgut von 94 -und 96); dies werde ich sofort erklären.</p> - -<p>Zu gleicher Zeit glaube ich unsern Tabakspflanzern und Händlern eine Mitteilung -machen zu müssen, die vielleicht Veranlassung zu einem Versuche geben könnte. -Die Vermutung liegt nämlich nahe, dass ein hoher Stickstoffgehalt des Tabaks die -Gährung zwar nicht bedingt aber doch stark dazu beiträgt. Durch das Hineinbringen -von gewöhnlichem Klee (Trifolium pratense) zwischen die Haufen sollte -sie zu erreichen sein. Man weiss, dass die Leguminosen stickstoffreich sind.</p> - -<p>Wenn die Gährung beendigt ist, werden die Büschel zu schmalen Reihen -angehäuft. Hierdurch beugt man der Nachgährung soviel wie nur möglich vor.</p> - -<p>Bei einer Gelegenheit, wo ein Haufen zum zweiten Male umgesetzt wurde, nahm -ich auf ungefähr 60 cm. Tiefe eine Temperatur von 56° C. wahr. Der Wassergehalt -der Blätter war etwa von 25-35 %, welcher natürlicherweise wechselt mit dem -kürzeren oder längeren Stand des Haufens. Im Algemeinen kann festgestellt werden, -dass Tabak, welcher im Dezember oder Januar gekauft wurde, nach der Brühung -6 % an Gewicht verloren hat. Bei der Fermentation findet also Verlust an -Gewicht statt.</p> - -<p>Beim Umsetzen des Haufens zeigte sich deutlich ein honigsüsser, etwas -prickelnder Geruch, zugleicherzeit stieg ein feuchter Dunst empor, der als Dampf -sichtbar war.</p> - -<p>Lackmuspapier, rotes und blaues, und ebenso Curcumapapier zeigten, nachdem -sie eine halbe Stunde zwischen den feuchten Blättern auf gut 1/2 m. Tiefe gelegen -hatten, keine Reaktion, sodass man als sicher annehmen darf, dass dieser Haufen -im Augenblicke der Gährung neutral reagierte. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. -Tabak aus der Betuwe entwickelt kein oder sehr wenig Ammoniak, der von -der Veluwe hingegen liefert als Zersetzungsprodukt Ammoniak. Später werden wir -sehen, dass auch hier Bakterien Ursache davon sind, und dass dies durch künstliche -Impfung entsteht. Es gelang mir, einige dieser Ammoniakbilder zu isolieren. Nach -diesen wenigen vorhandenen Angaben, ist die Vermutung berechtigt, dass in unsern -überseeischen Besitzungen sich Mikroben finden werden, die ihre eigenen Zersetzungsprodukte -bilden; wir sahen ja in dem Augusthefte der Monatsschrift »de Natuur«, -dass <em class="gesperrt">Hansen</em> »Gährungszellen« gefunden hat, die in kleinen Entfernungen von<span class="pagenum"><a name="Page_18" id="Page_18">[18]</a></span> -Baumschule zu Baumschule übersiedeln konnten, und auf der Oberfläche süsser, -saftiger Früchte lebten und Umsetzungen vollzogen<a name="FNanchor_D_4" id="FNanchor_D_4"></a><a href="#Footnote_D_4" class="fnanchor">[D]</a>.</p> - -<p>Bei einigen Tabakgährungen wird angegeben, dass Kohlensäure entsteht, aber es -ist mir nicht gelungen, in den gährenden Haufen oder im Raume der Scheunen einen -höheren CO<sub>2</sub>-Gehalt der Luft darzuthun als in der umgebenden Aussenluft. Auch die -Versuche in den V-förmigen Gährungsröhren gaben dies zu erkennen. Glaubwürdige -Mitteilungen, dass bisweilen CO<sub>2</sub> entsteht, würden einen Beweis mehr liefern: <i>dass -Tabaksarten von bestimmten Gegenden von bestimmten Bakterien beeinflusst werden -und ungleiche Zersetzungsprodukte abgeben</i>.</p> - -<p>Mutmasslich jedoch wird zu einer bestimmten Zeit im Haufen CO<sub>2</sub> entstehen -können. Wenn sich zugleicherzeit NH<sub>3</sub> bildet, so werden beide im Status nascens -ein Salz liefern. Das Gas hat also keine Gelegenheit zu entweichen. Bei einem -gährenden Haufen haben wir es wahrscheinlich mit Anaëroben zu thun, es sei -fakultativen oder obligaten, oder mit obligaten Aëroben.</p> - -<p>Was den chemischen Teil betrifft, so finden wir einen grossen Unterschied in -der Zusammensetzung des Tabaks beim Anfange und beim Ende der Gährung. Allen -stattfindenden Zersetzungen nachzuforschen ist unmöglich bei dem gegenwärtigen -Stand der analytischen Chemie; wir haben es nicht nur mit Lebensprozessen zu -thun, sondern auch mit den Umsetzungen der Stoffe, welche vom Leben herstammen. -Von einer Tabaksart fand ich die folgende Analyse, welche gemacht war vor und -nach der Fermentation (<em class="gesperrt">Behrens</em>).</p> - -<p>V = trockne, sandfreie Blätter vor und N = die Blätter nach der Fermentation.<span class="pagenum"><a name="Page_19" id="Page_19">[19]</a></span></p> - -<div> -<table class="center" border="0" cellpadding="6" cellspacing="0" summary=""> - -<tr> -<td></td> -<td>V.</td> -<td> N.</td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>Totaler Stickstoffgehalt</td> -<td>3.09 %</td> -<td>3.24 %</td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>Eiweissstickstoff</td> -<td> 1.30</td> -<td> 1.36</td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>Nicotin</td> -<td> 1.464</td> -<td> 1.075</td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>Ätherextract</td> -<td> 9.41</td> -<td>8.34</td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>Darin anwesende Säure,</td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>als Milchsäure berechnet</td> -<td> 0.446</td> -<td> 0.450</td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>Organische, nicht flüchtige Säure,</td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>als Apfelsäure berechnet</td> -<td>16.81</td> -<td>14.45</td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>Mit Wasserdampf flüchtige Säuren,</td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>als Buttersäure berechnet</td> -<td>0.124</td> -<td>0.299</td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>Reduzierender Zucker, nach</td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>Klärung mit Bleiessig</td> -<td>1.26</td> -<td> 0.</td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>Salpetersäure (N <sub>2</sub> O_ <sub>5</sub>)</td> -<td>0.201</td> -<td>0.</td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>Schwefelsäure (SO_{3})</td> -<td> 2.147</td> -<td> 2.201</td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>Sandfreie Asche</td> -<td> 19.83</td> -<td> 21.01</td> -</tr> - -</table></div> - -<p>Unter dem Einflusse verschiedener Düngerarten und verschiedener Mikroben, die -bei der Gährung wirksam sind, variiert die Analyse. Nach den Personen, welche sich bei -uns mit der Fermentation beschäftigen, sollte der Veluwer Tabak durch die Düngung -mit Schafsmist nicht selten viel NH<sub>3</sub> entwickeln, was natürlich den Stickstoffgehalt -beeinflusst. Nach obiger Analyse sinkt der Nicotingehalt, jedoch nicht durch -Verflüchtigung des Alcaloids, da der totale Stickstoffgehalt ungefähr konstant bleibt. -Nicht unwahrscheinlich werden bestimmte Mikroorganismen sich daran beteiligen.</p> - -<p>Dass das Nicotin auf niedrige Organismen bisweilen nicht als Gift wirkt, lehrt -die <i>Botrytis cinereae</i>, welche lebt und sich vermehrt in einem Nahrungsboden, welcher -dieses Alcaloid enthält.</p> - -<p>Die Versuche, welche ich mit den Reinkulturen der NH<sub>3</sub>-Bildner nahm, deuten -darauf hin, dass höchstwahrscheinlich das N von dem Eiweiss (Protoplasma) herstammt. -Es ist mir jedoch später gelungen, die Nitrate, Asparagin und Ammoniumsalze -derartig zu ändern, dass NH<sub>3</sub> als Zersetzungsprodukt auftrat. Das Asparagin, die -Amido-Apfelsäure, ist nach der Fermentation des Tabaks nicht mehr zu finden und -hat sich also auch an den Zersetzungsprozessen beteiligt.</p> - -<p>Aus diesen Betrachtungen erhellt, welche tief eingreifende Veränderungen bei der -Gährung stattfinden. Muss man jetzt noch daran zweifeln, dass durch die Gährung -neu gebildete aromatische flüchtige und nicht flüchtige Körper entstehen, welche -dem Tabaksblatte eine gute oder weniger gute Qualität verleihen? Die Gährung -nimmt ihren Verlauf, abhängig von den anwesenden Mikroorganismen. Sie werden -einen biologischen Prozess hervorrufen, abhängig von dem Boden, der ihnen zur -Nahrung dient. Dort, wo beide, oder eins von beiden, verschieden sind, muss auch -das Endprodukt der Wirkung verschieden sein.</p> - -<p>Ich zweifle nicht daran, dass die Reinkulturen, welche von edeln Tabaksarten -gezogen werden, unsern einheimischen Tabak verbessern, wenn sie auf denselben -geimpft werden. Im folgenden bakteriologischen Teil werde ich den experimentellen -Beweis liefern, dass Mikroorganismen, die Bakterien, die bedeutendste Funktion bei -der Gährung erfüllen.</p> - - - -<hr class="chap" /> -<h2><a name="Bakteriologische_Untersuchungen" id="Bakteriologische_Untersuchungen">Bakteriologische Untersuchungen.</a></h2> - - -<p>Die Untersuchungen der Fermentation und besonders das Suchen nach den -Bakterien, die hierbei funktionieren, sind Untersuchungen, die viel Zeit kosten. -Wenn wir bedenken, dass das Tabaksblatt nach der Entfaltung der Knospe der Luft<span class="pagenum"><a name="Page_20" id="Page_20">[ 20]</a></span> -ausgesetzt ist und immer die Einflüsse der Witterungszustände erfährt, wobei die -an Bakterien reiche Luft dieselben oder die Sporen der Mikroorganismen auf dessen -Oberfläche deponiert, wenn wir bedenken, dass der Staub in den Scheunen sehr -reich ist an Mikroben, dann brauchen wir uns nicht mehr zu fragen, wie es kommt, -dass beim Anlegen der bakteriologischen Kulturen so viele Arten von Organismen -gefunden werden. Um zu einem Resultate zu gelangen, sind Hunderte von Kulturschälchen -von mir angelegt worden und eben so viele Teilungs- oder Trennungskulturen um -zu entscheiden, ob die Reinkulturen auch »rein« seien. Zuallererst suchte ich nach -Hefen, doch diese Untersuchungen erwiesen sich bald als fruchtlos. Weder die -sofort angestellten mikroskopischen Untersuchungen noch die Malzgelatine zeigten -mir das Erscheinen von Hefenarten bei dieser Fermentation. Dann wurden Versuche -mit der alkalischen Gelatine gemacht. Der ungebrühte Tabak wird in kleine Stücke -geschnitten und in gut schliessenden gläsernen Schälchen zusammengepresst. Der also -zubereitete und mit sterilem Wasser angefeuchtete Tabak wird mit einer Bleischeibe -beschwert und mit einigen andern Schälchen in eine Glasglocke gebracht (fig. 4, D).</p> - -<div class="figcenter"> -<img src="images/fig04.jpg" width="447" height="660" alt="" /> -<div class="caption">Fig. 4. Versuchsanordnungen, welche die -Methode, um die Aëroben und Anaëroben zu -züchten, angeben.</div></div> - - -<p>Ein andrer Teil des grob geschnittenen -Tabaks wird in eine Glasglocke gebracht, -deren oberer Teil hermetisch an den unteren -Teil schliesst und deren Deckel obendrein -noch mit einer gläsernen Röhre und einem -Hahn mit der Aussenluft correspondiert. -Auch dieser Tabak ist angefeuchtet und -mittels einer Bleischeibe beschwert. -Von einer Wasserstrahlluftpumpe, verbunden -mit Manometer, wird die Luft -herausgesogen und Wasserstoffgas hineingebracht. -Dies wird einige Male wiederholt, -um die Gewissheit zu erhalten, dass -alle Luft ausgetrieben ist, schliesslich ist -und bleibt die Glocke mit Wasserstoff -angefüllt, damit die Anaëroben die Gelegenheit -haben, sich zu entwickeln (fig. 4, A). -Wie die Schälchen wird auch diese Glocke -in einen Brutschrank bei 40° C. gestellt. -Nach Verlauf einiger Tage ist am Geruch -merkbar, dass die Gährung angefangen hat.</p> - -<p>Die Aërobenkulturen werden wie gewöhnlich -in Petri'schen Schälchen angelegt. -Ein Wenig des gährenden Tabaks wird<span class="pagenum"><a name="Page_21" id="Page_21">[ 21]</a></span> -mit sterilen Instrumenten aus einem der Schälchen genommen, auf sterilem Papier -feingeschnitten und in flüssige alkalische Gelatine gebracht. Die Stückchen werden -tüchtig mit einer ausgeglühten Platinnadel abgerieben und gleichmässig durch -Schwenken der Röhre in derselben verteilt. Um Verdünnungen von dieser Röhre -zu machen, wird eine geringe Quantität dieser Gelatine mittels einer Platinspirale, -die in diesem Falle 50 mgr. aufnimmt, in eine zweite Röhre hineingebracht, und -hiervon nach guter Teilung eine oder mehr Spiralen in eine dritte Röhre u. s. w. Jede -Röhre wird dann in ein Kulturschälchen ausgegossen. Nach einigen Tagen haben -die Bakterien sichtbare Kolonien gebildet, mit denen man weitere Versuche -anstellen kann.</p> - -<p>Die Anlage der Anaërobenkulturen geschieht in anderer Weise, und zwar nach -der Methode <em class="gesperrt">Liborius</em> und <em class="gesperrt">Buchner</em>.</p> - -<p>Im ersten Falle wird wieder der fein geschnittene Tabak aus der mit Wasserstoff -gefüllten Glocke in flüssige Gelatine gebracht und verteilt, und hiervon werden wieder -die nämlichen Verdünnungen gemacht. In kaltem Wasser lässt man die Gelatine -fest werden und nachher wird die ganze Röhre bis zum Wattepfropfen mit steriler -Gelatine angefüllt (fig. 4, B).</p> - -<p>Im zweiten Falle wird der Tabak aus der nämlichen Glocke in derselben Weise -in die Gelatine-Röhre hineingebracht und werden gleichfalls Verdünnungen angelegt. -Nachdem die Gelatine fest geworden ist, wird der Wattepfropfen fast bis zum Gelatine-niveau -geschoben und nachdem der obere Teil der Röhre mit einem Diamanten -abgeschnitten worden ist, wird diese kurze Röhre in eine weite Reagirröhre auf -ein sich dort befindendes kleines Stück Metallgaze gebracht (fig. 4, C). In diese -grosse Röhre ist unter das Drahtnetz, welches der Kulturröhre zum Ruhepunkt -dient, 2 Gramm Pyrogallol gebracht. Wenn dies alles fertig ist, lässt man mit einer -Pipette 10 cm<sup>3</sup> von einer 1 % KOH-lösung in die weite Röhre hinein fliessen und -schliesst dann sofort die Röhre mit einem gut schliessenden Kautschukstöpsel, der -obendrein noch mit Paraffin umgeben wird.</p> - -<p>Nach beiden Methoden gelangen die Anaëroben zum Wachstum und bilden, -obgleich langsam, gut sichtbare Koloniën. Damit man hiervon Impfungen machen -kann, wird die Gelatineröhre an denjenigen Stellen mit einem Diamanten durchschnitten, -an denen man die Kolonien mit einer Nadel erreichen kann. Auch diese -Impfungen, Strich- oder Stichkulturen, geschehen derartig, dass entweder durch -das Aufgiessen von Gelatine oder in der genannten Weise mit alkalischer -Pyrogallollösung die Anaëroben sich in dem sauerstofffreien Raum entwickeln -können. Auf diese Weise habe ich eine Anzahl Versuche gemacht, und als sich -ergab, dass die Anaëroben fakultative Anaëroben waren, wurden die Versuche -mit der alkalischen Gelatine in Petri'schen Schälchen fortgesetzt. In der -Zwischenzeit, im Winter von 96-97, wurde mir, wie beschrieben ist, durch<span class="pagenum"><a name="Page_22" id="Page_22">[ 22]</a></span> -chemische Analyse bekannt, welche Stoffe bei der Fermentation angegriffen wurden. -Damals ist der Nährboden, wie folgt, von mir geändert worden:</p> - -<div class="center"> -<table class="center" border="0" cellpadding="6" cellspacing="0" summary="Feldversuche mit Bezug auf die Fleckenkrankheit." > -<tr> -<td align='left'>alkalische Gelatine (Koch)</td> -<td>100</td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>Kalium-nitrat</td> -<td>0.2</td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>Asparagin</td> -<td>0.1</td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>Glycerin</td> -<td>1.5</td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>Glucose</td> -<td>0.5</td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>Nicotin</td> -<td>Spuren.</td> -</tr> -</table></div> - -<p>Auf diesem Boden entwickeln die Kolonien sich schneller und in grosser Menge. -Ein Beweis, wie nützlich es ist, eine Untersuchung, welche ursprünglich nur die -Gährung betraf, auf ein völliges Studium des Tabaks auszudehnen.</p> - -<p>Bei der Untersuchung der Platten zeigen sich noch eine Menge Schwierigkeiten, -welche zu Irrtum Veranlassung geben könnten. Sehr verführerisch scheinen die -Verdünnungsplatten, auf denen sich 10 oder 20 Kolonien zeigen, die makroskopisch -gleich aussehen und doch nicht bei der Gährung funktionieren: ich betrachte -dieselben entweder als zufällige örtliche Verunreinigungen in dem gährenden Tabak, -oder als Kolonien, welche durch Teilung einer Bakterienkette während der mechanischen -Behandlung beim Anlegen der Kulturen entstehen. Im ersteren Falle finden -sich doch im gährenden Tabak die Lebensbedingungen für eine bestimmte Bakterienart; -es ist dort, dass sie örtlich zur Entwicklung und Vermehrung kommen.</p> - -<p>Dergleichen Erscheinungen beim Anlegen der Kulturen erschweren die Untersuchungen. -Auch später fand ich bei den Untersuchungen der lebenden Blätter, -dass ihre Oberfläche durch das Wachstum bestimmter Bakterienarten eingenommen -wird (<em class="gesperrt">Rhizobium Frank</em> u. a.). Auch hier scheint also auf der Blattoberfläche -der Kampf ums Dasein zu bestehen. Nicht selten gelang es mir, von den Blättern -die nämlichen Arten zu isolieren. Der Gebrauch starker Verdünnungen ist bei -Untersuchungen wie diese Hauptsache. Ein Quantum gährenden Tabaks, welches -noch nicht die Oberfläche von einem Gulden einnahm, brachte in einzelnen Fällen -tausende Kolonien zur Entwicklung. In einem zuerst angelegten Petri-Schälchen -berechnete ich einmal 40.000 Kolonien, ein Beweis, dass Verdünnung das angezeigte -Mittel ist, Ordnung in das Chaos zu bringen.</p> - -<p>Von dem Tabak, welcher in den Schälchen und in der Glocke zum Gähren -gebracht wurde, wurden einmal die Woche, neun Wochen lang, die Kulturen -angelegt. Dadurch, dass eine grosse Menge Platten auf diese Weise untersucht -wurden, war es nicht schwer, diejenigen Kolonien zu isolieren, welche schon in -grosser Masse anwesend waren. Besonders in den ersten Wochen zeigten sie sich -in wachsender Anzahl und verursachten deshalb nicht selten, dass die Platten ganz -sich verflüssigten, ungeachtet der starken Verdünnungen, auf die man soviel Sorgfalt<span class="pagenum"><a name="Page_23" id="Page_23">[ 23]</a></span> -verwendet hatte. In derselben eben beschriebenen Weise wurden in Wageningen -die Kulturen angelegt.</p> - -<p>Fast nie fehlte der <i>B. mycoides</i> und der <i>B. subtilis</i>; beide sind streng -aërobe Bakterien. Ersterer bildet NH<sub>3</sub> aus Eiweiss, doch lebt nur in O-haltigen -Räumen, der zweite könnte gleichfalls bei der Gährung die Rolle spielen, dass er -daran mitarbeitet dem Haufen die nötige Temperatur zu geben. Der <i>B. subtilis</i>, -der nach <em class="gesperrt">Cohn</em> die Brühung des Heus und des Stalldüngers verursacht, könnte -gleichfalls in dem bereit stehenden Haufen den noch anwesenden freien O verbrauchen.</p> - -<p>Wenn also in dieser Weise die Lebensbedingungen auch für die Anaëroben -geschaffen werden, wird sich die Temperatur durch die biologischen Prozesse der -Mikroben zu jener Höhe steigern, die im gährenden Haufen beobachtet wurde. Jedoch -muss hier wieder bemerkt werden, dass immer fakultative Anaëroben aus den Kulturen -von mir isoliert worden sind, die also zusammen mit dem <i>Mycoides</i> und <i>Subtilis</i> -erst den Sauerstoff verbrauchen, um später getrennt von diesen letzeren Mikroben, -welche streng aërob sind, ihre Lebensfunktionen fortzusetzen. Durch den Einfluss -dieser fakultativen Anaëroben bekommt der Tabak sein Arom, insofern wir bei -unserm holländischen Tabak davon reden können.</p> - -<p>Bei der Fermentation haben wir also zu thun mit Zersetzungen, nicht -hervorgerufen durch chemische Agentien, sondern durch einige Mikroorganismen. -Dass die von mir isolierten Mikroben eine entschiedene Wirkung ausüben, stimmt -mit meinen letzten Untersuchungen, die noch im Monat September des Jahres 1897 -gemacht worden sind, überein. Alsdann ist es mir gelungen, als ich nach der Ursache -der Mosaikkrankheit suchte, von der Epidermis der lebenden Blätter, Bakterien zu -isolieren, welche denjenigen, die ich in grosser Zahl aus dem gährenden Haufen in -Kultur brachte, völlig glichen. Sie fanden sich auf jenen Blättern nicht als latente -Mikroben, als Sporen, sondern in vegetativen Formen als »Örtliche Kulturen«. -Hierdurch auch zeigten meine Kulturplatten jenen Reichtum, nicht an Arten, -sondern an »Reinkulturen«. Die Bakterien, die ich im Allgemeinen im gährenden -Tabak fand, sind, ausser den genannten <i>Mycoides</i> und <i>Subtilis</i>, Mikroben, welche -ich in »Flügges« System in die Gruppe der <i>Subtilis</i> und <i>Proteus</i> bringe.</p> - -<p>In Figur 5, I-V sind deren Kulturen, in Gelatine, auf Agar und Kartoffel -wiedergegeben, ebenso die Form der Bakterien und der Kolonien in den verschiedenen -Stadien ihrer Entwicklung. Ich nenne die funktionierenden Bakterien: <i>Bacillus -Tabaci I</i>, <i>II</i>, u. s. w.</p> - -<p>Wie die Figur zeigt, haben die Gelatine-Stichkulturen I<i>a</i> und IV<i>c</i> nebst VI<i>a</i> -mit B. anthracis (zur Vergleichung) grosse Ähnlichkeit; gleichfalls die Kulturen auf -Kartoffel von I<i>c</i> und II<i>c</i>, wobei erstere hell rosa und feinkörnig, letztere milchweiss -und schwer gefaltet ist. Weiter zeigen die Strichkulturen auf Gelatine<span class="pagenum"><a name="Page_24" id="Page_24">[ 24]</a></span> -von IV<i>b</i> und V<i>a</i> Übereinkunft in den Ausläufern, welche federartig sind; bei IV<i>b</i> -liegen sie auf der Gelatine und durchdringen dieselbe, bei V<i>a</i> liegen sie besonders<span class="pagenum"><a name="Page_25" id="Page_25">[ 25]</a></span> -regelmässig nur auf der Gelatine. Alle von I-V sind Stäbchen oder <i>Bacillen</i>. Von -den Eigenschaften der Kulturen I, II und IV nenne ich die Bildung von NH<sub>2</sub> aus -Eiweiss. Ebenso wie der <i>B. Mycoides</i>, ist der <i>B. Tabaci I</i>, <i>II</i> und <i>IV</i> im Stande, die -Eiweisse, Peptone und den sterilen Tabak derartig zu zersetzen, dass NH<sub>3</sub> entsteht. -— Es sind Aëroben. —</p> - -<div class="figcenter" style="width: 426px;"> -<img src="images/fig05.jpg" width="426" height="468" alt="" /> -<div class="caption"><p>Fig. 5. (I-V) Reinkulturen der Bakterien, welche allgemein in gährendem Tabak angetroffen werden -und wobei die <i>B. T. I</i> und <i>III</i> die Hauptrolle spielen. VI zur Vergleichung <i>Bacillus anthracis</i>.</p></div> -</div> - -<p>Der <i>B. Tabaci III</i> bewirkt den neutralen Verlauf der Gährung; dabei wächst -er anaërob, doch ist selbst eine fakultativ anaërobe Bakterie. Er besitzt jedoch unter -ihren verwandten Formen »Eiweissfermente« und »Saprophyten der Fäulnis«; er -bildet weiter 2 Sporen (?) in einem etwas gekrümmten Stäbchen (III), ist nicht -beweglich, bildet kein Indol, macht Löfflersche Bouillon trübe, und bildet ein -dünnes Häutchen an der Oberfläche. Er verflüssigt die Gelatine, giebt einen dünnen, -matt ausgebreiteten Niederschlag auf Agar und eine rahmartige, dicke nicht gefaltete -Kultur auf Kartoffel. Dieser <i>B. Tabaci III</i> muss in die Gruppe des <i>Subtilis</i> untergebracht -werden.</p> - -<p>Der <i>B. T. IV</i> gehört wie der <i>B. T. I.</i> zu der Gruppe des »Proteus« und ich -betrachte sie als sehr nahe verwandt mit dem <i>B. Proteus Zopfii</i>.</p> - -<p>Die Entstehung der Kolonien auf und in alkalischer Gelatine ist sehr eigentümlich. -In der Figur ist IV<i>e</i> und IV<i>g</i> die Kolonie, welche an der Oberfläche, IV<i>ff</i> dieselbe -welche in Gelatine wächst.</p> - -<p>Ursprünglich ist diese letztere hellblau von Farbe und geht allmählich in hellgrün -über. Es besteht also in diesem Wachstum, mikroskopisch betrachtet, eine Ähnlichkeit -mit dem <i>B. Mycoides</i>, jedoch bildet <i>B. T. IV</i> keine Sporen. Die Kolonie wächst -anaërob sehr schwach.</p> - -<p>Von der ursprünglich gebildeten Kolonie IV<i>e</i> strahlen Bakterienfäden in allen -Richtungen aus. An bestimmten Punkten entstehen Tochterkolonien, welche wiederum -Fäden aussenden, um neue Kolonien zu bilden, wie IV<i>f</i>, <i>g</i> zeigt. Auch bei <i>B. anthracis</i> -wird bekanntlich eine derartige Erscheinung beobachtet, VI<i>b</i>.</p> - -<p>Höchst wahrscheinlich spielt der verwandte <i>B. Tabaci V</i> auch eine Rolle bei -der Gährung. In einer grossen Anzahl Platten habe ich ihn gefunden; auch er ist, -ebenso wie <i>B. T. IV</i>, schwach anaërob und stimmt in vielen Eigenschaften mit -diesem überein.</p> - -<p>Das Wachstum der Kolonie in der Gelatine zeigt die nämliche Erscheinung wie -beim <i>B. T. IV</i>. In Unmasse entstehen um die ursprünglich gebildete Kolonie Tochterkolonien, -V<i>c</i>. Durch eine chemotactische Wirkung des noch unverbrauchten -Nährbodens entsteht die concentrische Anordnung der Tochterkolonien, die alle -einem einzigen Bakterienfaden, der von der Mutterkolonie radial austritt, ihre -Entstehung verdanken.</p> - -<p>In groben Zügen ist dies die Beschreibung der Mikroben, welche die Gährung -unseres Tabaks verursachen. Später komme ich hierauf ausführlich zurück.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_26" id="Page_26">[ 26]</a></span></p> - -<p>Die Erscheinung, dass der Betuwer Tabak weniger NH<sub>3</sub> bildet, muss höchstwahrscheinlich -der geringen Anwesenheit des <i>B. T. I</i>, <i>II</i>, <i>IV</i> oder <i>V</i> zugeschrieben -werden, da der <i>B. Mycoides</i> allgemein verbreitet ist. Wenn der Betuwer Tabak -künstlich mit <i>B. T. I</i>, <i>II</i>, <i>IV</i> oder <i>V</i> geimpft wird, entsteht im Anfange der Gährung -reichlich NH<sub>3</sub>.</p> - -<p>Es zeigte sich in den Jahren 1894 und 96 (Tabak von 94 und 96), dass das -Erd- und Sandgut nicht brühen wollte, während das Bestgut, welches zuletzt gepflückt -worden war, sich nicht so hartnäckig erwies. Es muss hierfür eine Ursache vorhanden -sein. Es fiel mir auf, als ich in den Monaten August und September des Jahres 1897 -die lebenden Blätter untersuchte, dass der <i>B. T. I</i>, <i>IV</i> und <i>V</i> fast immer von mir -gefunden wurden, während ich sie nicht auf den jungen Blättern im regnerischen -Monat Juni fand.</p> - -<p>Alle Bakterien, welche auf die Blätter fallen, kommen von der Erdoberfläche -und werden durch Luftströme darauf gebracht. Im Anschluss an meine Untersuchungen -der Luft, die ich früher mitgeteilt habe, ist die Luft am ärmsten an -Keimen, wenn der Boden nass ist. Desshalb vermute ich, dass die regnerischen -Sommer von 94 und 96 einen nicht geringen Anteil an dem trägen Verlauf der -genannten Gährung gehabt haben. Die Tabakspflanzer und Fermentierer sollten -künftighin darauf achten. Das Bestgut, welches länger der Luft ausgesetzt war, -hat auch besser Gelegenheit gehabt, während der verschiedensten Witterungszustände -mehr Bakterien auf seinen Blättern festzuhalten.</p> - -<p>Hiermit am Ende dieser Arbeit, habe ich Veluwer Tabak von einer Sorte in -gläsernen Schälchen sterilisiert, mit den Kulturen <i>B. T. I</i>, <i>II</i>, <i>III</i>, <i>IV</i>, <i>I</i> + <i>II</i>, -<i>I</i> + <i>III</i> u. s. w. geimpft, mit einer Bleischeibe beschwert und langsam auf eine -Temperatur von 40° C. gebracht. Die Gährung habe ich reichlich 6 Wochen ihren -Verlauf nehmen lassen und dann gehemmt. Die Reaktion wurde stets kontrolliert -und in Übereinstimmung gefunden mit dem, was schon beschrieben worden ist.</p> - -<p>Dann habe ich unparteiisch diesen Tabak von erfahrenen Händlern und Züchtern -beurteilen lassen, mit dem Erfolge, dass alle, nl. die Herren <em class="gesperrt">A. Herschel</em> in -Amersfoort, <em class="gesperrt">H. de Hartog</em> und <em class="gesperrt">v. Druijnen</em> in Wageningen, <em class="gesperrt">Gijsberts Jr.</em>, -in Valburg und <em class="gesperrt">N. v. Os Fz.</em> in Amerongen ohne Zaudern denjenigen Tabak -erwählten, welcher geimpft war mit <i>B. Tabaci I</i> + <i>III</i>, während ein alter Arbeiter -der Impfung mit <i>B. T. IV</i> den Vorzug gab und nach dieser gleichfalls die Impfung -mit <i>B. T. I</i> + <i>III</i> als die beste angab.</p> - -<p>Durch die Impfung mit der Reinkultur von <i>Bacillus Tabaci I</i> + <i>III</i> erhält -der Tabak ein angenehmes, honigsüsses Aroma. Die Zukunft wird zeigen, wie -die Gährung unseres Tabaks verlaufen wird, wenn ich diesen mit den Reinkulturen -impfe, welche ich aus unserm indischen und dem Havanna-Tabak isolieren werde. -Von der Versuchsstation in Buitenzorg erwarte ich eine Sendung ungebrühten<span class="pagenum"><a name="Page_27" id="Page_27">[ 27]</a></span> -Tabaks edler Arten, und dann hoffe ich später das Resultat dieser Untersuchungen -mitzuteilen. Ebenso nehme ich mir vor, <i>nicht-sterilisierten</i> Tabak mit Reinkulturen -zu impfen.</p> - - - -<hr class="chap" /> -<h2><a name="Krankheiten" id="Krankheiten">Krankheiten.</a></h2> - - -<p>Von einer grossen Zahl Mikroorganismen ist bewiesen worden, dass sie -Tier und Pflanze zu infizieren vermögen. Ebenso wie der künstlich präparierte -Nährboden sie zur Entwicklung bringen kann, kann das lebende Wesen, sei -es Tier oder Pflanze, solches thun. In beiden Fällen wachsen und vermehren -sie sich auf Kosten der angebotenen Nahrung; im erstern Falle wird die -tote Materie, der Nährboden, im zweiten Falle werden das Gewebe und die -Säfte des lebenden Organismus durch ihr Wachstum geändert. Die Änderungen, -welche Tier und Pflanze, im ganzen genommen, hier zeigen, treten hervor als -»<i>Krankheitserscheinungen</i>«.</p> - -<p>Man nennt die Mikroorganismen Parasiten, wenn sie sich in oder auf dem -lebenden Organismus entwickeln und vermehren, Saprophyten wenn sie auf totem, -organischem Stoff leben.</p> - -<p>Die Sporen vieler Fungi, Hefen und Bakterien, und auch die nicht Sporenbildenden -Formen, können die Gesundheit von Tier und Pflanze also bedrohen -und sogar den Tod verursachen, aber die lebenden Wesen sind nicht alle gleich -empfindlich für dieselben pathogenen Mikroben.</p> - -<p>Meerschweinchen und Kaninchen sind sehr empfindlich für Tuberkulose, weniger -ist dies der Fall mit den Feldmäusen, Katzen, weissen Mäusen, Ratten und Hunden, -während die kaltblütigen Tiere dem Bacillus tuberculosis gegenüber sogar immun -sind (Koch).</p> - -<p>Die natürliche und künstliche Immunität kann auf verschiedene Weisen entstehen -oder erhalten werden.</p> - -<p>In den jüngsten Jahren hat sich herausgestellt, dass, die schon längst bekannte -parasitäre Wucherung der höheren Fungi ausgenommen, auch die Bakterien Krankheiten -unter den Pflanzen verursachen (<i>Migula</i>, <i>Ludwig Russell</i>, <i>Heintz</i> u. a.), und es -würde mich nicht Wunder nehmen, wenn durch die eigentümliche Nahrung (Düngung) -unserer Tabakspflanze, wodurch die Gewebe und Säfte einen gewissen Reichtum -an bestimmten anorganischen und organischen Salzen erhalten, diese Pflanze, der -nachher näher zu beschreibenden Ursache der Mosaikkrankheit gegenüber, nicht so -»immunisiert« wäre, wie andere. Verwandte der Familie der <i>Solanaceae</i> sind dem -das Tabaksblatt krankmachenden Gewebesaft der Tabakspflanze, welche an Fleckkrankheit -leidet, gegenüber immun.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_28" id="Page_28">[ 28]</a></span></p> - -<p>Von Pflanzenkrankheiten, die durch Bacterien verursacht werden, sind schon -bekannt und beschrieben:</p> - -<blockquote><p> -1<sup>o</sup> der Pear-blight und Apple-blight der Amerikaner,<br /> -2<sup>o</sup> der Hirsebrand,<br /> -3<sup>o</sup> die Bakterienkrankheit des Mais,<br /> -4<sup>o</sup> der Rotz der Hyazinthen,<br /> -5<sup>o</sup> die Nassfäule der Kartoffeln,<br /> -6<sup>o</sup> die Gallenkrankheit der Aleppokiefer,<br /> -7<sup>o</sup> die Gallenkrankheit der Oliven,<br /> -8<sup>o</sup> der gelbe Rotz der Hyazinthen,<br /> -9<sup>o</sup> die Bakteriosis der Weintrauben,<br /> -10<sup>o</sup> die Bakteriosis der Zuckerrüben.<br /> -<em class="gesperrt">Flügge</em> giebt diese Namen (1-9) in seinem »Mikroorganismen« Bd. I, pg. 418.</p></blockquote> - - -<p>Die Folge der Infektion ist bei der Pflanze meistens eine Zellendegeneration, -Wucherung oder Sekretion. Sehr wenig Pflanzenvarietäten sind empfänglich für den -nämlichen infizierenden Stoff, die meisten sind immun.</p> - -<p>Meistens hat man hier die natürliche Immunität in dem Bau der Gewebe zu -suchen. Viele Arten von Birnbäumen, welche bei der natürlichen Infection den -Geschlechtsorganen entlang resistent sind, können nach Injection in das parenchymatöse -Gewebe ebenso gut infiziert werden mit dem <i>Bacillus Amylovorus</i> wie -die empfindlichen Arten. Durch die mehr oder weniger grosse Festigkeit der Zellenwände -wird der Lauf des Infektionsstoffes durch die Pflanzengewebe beherrscht, -daher, dass die jüngsten Sprossen bei den Pflanzen die empfindlichsten Teile für die -Verbreitung der Krankheit sind (Mosaikkrankheit).</p> - -<p>Viele Mikroorganismen weiterhin können sich nicht den sauren Zellensaft -entwickeln, während andere darin wohl gedeihen. Bis jetzt ist es aber nicht gelungen, -im Pflanzengewebe einen mikrobiciden Stoff zu finden, so wie das »Alexin« von -<em class="gesperrt">Buchner</em> im tierischen Organismus. Nährversuche, Chlornatrium- und Sulfatinjektionen -von mir an gesunden Tabakspflanzen gemacht, werden vielleicht lehren, -ob es möglich ist, einen alexin-artigen Stoff aufzufinden oder zu verstärken, welcher -den Bakterien der Fleckkrankheit gegenüber baktericide Eigenschaften besitzt.</p> - -<p>Eine specifische Immunität, welche nach Heilung einer Infektionskrankheit -erhalten werden kann, ist bei der Pflanze noch nicht beobachtet worden. Ein ganzes -Feld bietet sich hier der Forschung dar.</p> - -<p>Als ich im Sommer 1897 nach der Ursache der Fleckkrankheit bei unserm -Tabak suchte, brauchten meine hierzu verwendeten Pflänzchen noch einige Wochen -um sich kräftig zu entwickeln. In jener Zwischenzeit wurde der »Rost« des Sumatra-Tabaks<span class="pagenum"><a name="Page_29" id="Page_29">[ 29]</a></span> -mikroskopisch von mir untersucht. Dass das unerwünschte Hervortreten -dieser Flecken bei jenem Tabak nicht ohne Wichtigkeit ist, ergiebt sich aus dem -Wert der von mir empfangenen Blätter, der von <i>f</i> 0.35 bis <i>f</i> 0.40 per lb betrug, -während bei Abwesenheit dieser zahlreichen grösseren und kleineren Flecken der -Wert mit <i>f</i> 4.— bis <i>f</i> 4.50 angegeben wird.</p> - -<p>Unter dem Namen »Rost« oder »Bunt« werden eine Anzahl Krankheiten der -Tabaksblätter zusammengefasst, welche alle darin mit einander übereinstimmen, dass -sie sich als Flecken zeigen, die aber im Ursprung völlig von einander verschieden sind. -Was man hier in Holland »Roest« oder »Brand« nennt, ist meistens die Krankheit, -welche auch wohl mit dem Namen »Mosaikkrankheit« bezeichnet wird. Auf den -frischen Blättern findet man mosaikartig abwechselnde helle und dunkle Flecken; -letztere haben ein stärkeres Wachstum, die Zellen der dunkelgrünen Flecken sterben -später und letztere werden dann braungelb wie das tote Blatt. Die unregelmässigen -Windungen der Blattoberfläche entstehen durch das ungleiche Wachsen der verschiedenen -Teile; dadurch bekommt jene ein höckeriges Ansehen. Die Narben und -Närbchen laufen durch jene Flecken mit einer rein hellgrünen Farbe wie Kanälchen -weiter. Örtlich liegen die dunkelgrünen Flecken ursprünglich immer zwischen den -kleinen Narben oder in den Ecken derselben. Nach dem Trocknen und der Fermentation -ist das Blatt derartig gefleckt und spröde, dass es keinen Wert mehr hat, es sei denn, -dass man schwach gefleckte Exemplare noch so viel wie möglich heraussucht.</p> - -<p>Bei unserm Sumatra-Tabak entstehen die Flecken und Fleckchen durch verschiedene -Ursachen. Es ist bekannt, dass durch das Stieben des Sandes oder durch Thau oder -Regentropfen nach kräftigem Sonnenschein sich Fleckchen bilden; im ersteren Falle -ist die mechanische Wirkung des Sandes, im letzteren Falle sind die als Linsen -wirkenden Tropfen schuld daran.</p> - -<p>Mikroskopisch sieht man den Unterschied zwischen hier und der Wucherung der -Fungi. Auf folgende Weise gelang es mir, sehr deutliche Präparate der trocknen -Blätter zu bekommen.</p> - -<p>Zuerst wird ein gefleckter Teil einige Minuten in KOH schwach erhitzt, -dann gut in Wasser ausgespült und nachher mit Essigsäure neutralisiert; auf die -nämliche Art werden die Querschnitte behandelt. Bei 100 maliger Vergrösserung -ist das Blatt noch durchsichtig und können an vielen Stellen Myceliumfäden oder -Hyphen beobachtet werden. Viele dieser Hyphen finden durch die Spaltöffnungen -ihren Weg in die Blätter. In einigen Fällen konnte ich in diesen Flecken Stärkemehl -auffinden, woraus sich folgern lässt, dass unter dem Einflusse der krankhaften -Beschaffenheit die früher beschriebene Wandlung von Amylum in Dextrose im -sterbenden Blatte, also unmittelbar nach dem Pflücken, nicht stattgefunden hat; es -sind also diese Fungi saprophytisch aufgetreten.</p> - -<p>Hier und da sah ich braune Hyphen, welche Sporen bildeten. Es stellte sich<span class="pagenum"><a name="Page_30" id="Page_30">[ 30]</a></span> -heraus, dass sie zu <i>Cladosporium</i> gehörten; an einer andern Stelle fand ich ein -<i>Macrosporium</i>, einen Pilz, der ebenfalls in der Lebensweise dem <i>Cladosporium</i> verwandt -ist. Diese Fungi entwickeln das Mycelium in dem Gewebe der toten Pflanzen und -senden dann Hyphen aus; es sind gewöhnlich Saprophyten, aber sie werden -auch auf Blättern, Stengeln und Halmen von reifem Getreide gefunden. Der Freundlichkeit -der Herren <em class="gesperrt">Prof. Ritzema Bos</em> und <em class="gesperrt">Prof. C. A. J. A. Oudemans</em> -verdanke ich es, die Namen der gefundenen Pilze mitteilen zu können; höchstwahrscheinlich -haben dieselben sich saprophytisch auf den sterbenden Blättern -entwickelt: <i>Phyllosticta Tabaci Passerini</i>, <i>Cladosporium herbarum Link</i>, <i>Macrosporium -commune Rabenhorst</i>.</p> - -<p>Die Bibitkrankheit des Tabaks auf Sumatra's Ostküste, welche zuerst im Jahre -'89 beobachtet wurde, wird nach einem vorläufigen offiziellen Bericht von <em class="gesperrt">Dr. van -Breda de Haan</em> (1893) gleichfalls von einem Pilz verursacht (<i>Peronosporeae</i>).</p> - -<p>Derselbe Autor (1896) erwähnt eine Krankheit im Delitabak, welche durch das -Tabaksälchen verursacht wird. Als Ursache der Flecken auf unserm Tabak, ausgenommen -diejenigen, welche von der Mosaikkrankheit hervorgerufen werden, kann -genannt werden <i>Phyllosticta Tabaci</i>. Hierbei erscheinen die Blätter durch die -Anwesenheit zahlreicher heller Stellen gefleckt, welche später austrocknen und -weiss werden; an einzelnen Punkten sind nicht selten <i>Pycniden</i> als kleine schwarze -Pünktchen sichtbar.</p> - -<p>Wenn <i>Ascochyta Nicotianae</i>, gleichfalls ein Pilz, Ursache der Erkrankung ist, -so zeigen sich trockne, braune Flecken von unregelmässiger Form.</p> - -<p>Ebenso entstehen Flecken durch <i>Thrips Tabaci</i>, ein kleines Insekt, das höchstens -1 mm lang ist. Man sieht hierbei schmale, bandförmige, weisse Flecken an der Mittelnarbe -und entlang den Seitennarben. Hier hat das Insekt die eine Oberhaut und das -Blattparenchym bis auf die unterste Oberhaut weggefressen.</p> - -<p>Ganz anders ist bei unserm Tabak die Ursache der Fleckkrankheit, die mehr -speziell <i>Mosaikkrankheit</i> genannt wird.</p> - -<p>In »de Tabaksteelt« von <em class="gesperrt">H. Hartog</em> (Haarlem 1889) wird mitgeteilt, dass -der in Holland bestehende »Roest« durch einen Pilz verursacht wird; von Fleck- oder -Mosaikkrankheit ist nicht die Rede.</p> - -<p>In »Die landwirthschaftlichen Versuchs-Stationen«, Berlin 1885, macht <em class="gesperrt">Prof. -Adolf Mayer</em> die erste Mitteilung über die Mosaikkrankheit. Mit vielem Scharfsinn -beobachtete er die Erscheinungen und gab als seine Vermutung zu erkennen, dass -höchstwahrscheinlich Bakterien die Ursache davon sein sollten.</p> - -<p>In »Die schädlichsten Insekten des Tabaks in Bessarabien«, Moskau 1888, -beschreibt Dr. <em class="gesperrt">K. Lindeman</em> eine Krankheit, die mit unserer Fleckkrankheit -viel Übereinkunft zu haben scheint. In Russland ist sie sehr verbreitet und -verursacht viel Schaden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_31" id="Page_31">[ 31]</a></span></p> - -<p>Im Laufe des Sommers 1897 habe ich persönlich bei unsern Tabakspflanzern -über die Mosaikkrankheit viele Erkundigungen eingezogen und die sonderbaren -Erscheinungen dabei beobachtet. Die Pflanzer teilten mir mit, dass diese gefürchtete -Krankheit laut Überlieferung nicht abnimmt, sondern sich stärker ausbreitet. -Sowohl in der Betuwe, wie auf der Veluwe heischt sie ihre Opfer. In Elst in der -Betuwe und zwar auf »de Vergert« traf ich einen kleinen Acker (<em class="gesperrt">Wittwe Jansen</em>), -der so weit die Erinnerung reicht, niemals kranke Exemplare hervorgebracht hat. -Die Düngung geschieht da mit Kuhmist wie auf vielen andern Feldern.</p> - -<p>Wenn man nach der mutmasslichen Ursache der Fleckkrankheit fragt, sind -die Antworten sehr verschieden und können zunächst keine Veranlassung zum Stellen -einer Hypothese geben. Die bedeutensten Züchter aber, und unter ihnen finden sich -sehr gebildete Leute, die mit grossem Interesse auf alle Einzelheiten aber auch auf für -sie gleichfalls unerklärliche Sachen hinweisen, haben mir solche Auskünfte gegeben -und solche abweichende Krankheitsbilder gezeigt, dass ich im Stande bin, hier eine -vorläufige Mitteilung über die mutmassliche Ursache der Mosaikkrankheit zu machen.</p> - -<p>Wie ich schon sagte, sind die Antworten sehr verschieden. Der eine Züchter -sucht die Ursache in der weniger guten oder schlechten Düngung, wodurch die -Pflanze durch unzureichende Nahrung krank wird und dadurch Flecken auf ihren -Blättern zeigt.</p> - -<p>Ein anderer meint, der Witterungswechsel habe schuld daran. Oftmals zeigen -die Blätter, z. B. nach kalten Nächten, dunkelgrüne Flecken »Kopbont« wie man sagt. -Wenn diese Erscheinungen sich nur schwach offenbaren, verschwinden die Flecken -allmählich wieder.</p> - -<p>Ein dritter vermutet, der Zustand des Bodens, eine grosse Feuchtigkeit, rufe -die Fleckenkrankheit hervor.</p> - -<p>Ein vierter glaubt sicher, dass ein ihm unbekannter Zustand des Samens und -dessen Herkunft einen nicht geringen Anteil habe.</p> - -<p>Noch andere nehmen ihre Zuflucht zu übernatürlichen Kräften, und erwähnen -Personen, welche keine glückliche Hand beim Pflanzen der jungen Pflänzchen haben. -Einer der Arbeiter erhielt sogar den Namen »Jantje Bont« (<em class="gesperrt">Mayer</em>).</p> - -<p>Ferner misst man einigen Frauen eine Kraft bei, die eine derartige Wirkung -auf die Pflanzen hat, dass die Fleckkrankheit entsteht.</p> - -<p>Die Düngung mit Taubenmist und mit menschlichen Faeces, wird auch nicht -selten herbeigezogen, als sollte dies die Krankheit hervorrufen.</p> - -<p>Grössere Bedeutung muss folgendem beigelegt werden:</p> - -<p>Die Krankheit dehnt sich immer mehr aus; wenn sie einmal auf einem Felde -ist, so bleibt sie da. Ich sah Felder in der Nähe von Amerongen, welche die Fleckkrankheit -fast Blatt für Blatt zeigten, die grossen Blätter schienen blutübergossen; -jedes Jahr findet sich die Krankheit daselbst und Wechselbau alle 4 Jahre hat keine<span class="pagenum"><a name="Page_32" id="Page_32">[ 32]</a></span> -Änderung darin gebracht. Die Pflanzen kamen aus den nämlichen Mistbeeten wie -die andern, welche auf dem unmittelbar daran grenzenden Felde standen und nur -im geringen Masse die Fleckenkrankheit zeigten. Meine Frage, ob bei einem kleinen -Teile (etwa 12 Pflanzen, die zusammen standen), welcher die Krankheit zeigte, im -vorigen Jahre auf derselben Stelle die Erscheinung auch beobachtet war, wurde bejaht.</p> - -<p>Wenn man eine kranke Pflanze aus dem Boden herauszieht und an derselben -Stelle eine gesunde einpflanzt, so zeigen sich etwa nach 4 Wochen auch die -Flecken bei den Blättern der letzteren.</p> - -<p>Auf neuen in Kultur gebrachten Feldern zeigte sich die Krankheit nicht, wenn -auf diese Felder die Mistbeete gestellt waren. Wenn man jedoch Pflanzen einbringt, -welche von einem Felde herstammen, auf dem die Fleckkrankheit jedes Jahr erscheint, -so ist es sehr wahrscheinlich, dass einige Pflanzen angegriffen werden.</p> - -<p>Wenn ein Teil des Feldes oder eines Mistbeetes, das jedes Jahr kranke Pflanzen -hervorbringt, 30 bis 40 cm. ausgegraben wird, und wenn Erde von weit entlegenen -Feldern oder »<em class="gesperrt">Vom Berge</em>« wie man in der Gegend von Amerongen sagt, hier -hineingebracht wird, so ist die Mosaikkrankheit vertrieben, und die Pflanzen entwickeln -sich normal darauf.</p> - -<p>Um die Zeit, zu welcher die letzten Blätter geerntet werden, sieht man, dass -die Ausläufer oder Geizen in grosser Zahl die Kennzeichen der Fleckenkrankheit -tragen, während die Pflanze früher keine gefleckten Blätter hatte.</p> - -<p>Viele geschulte Züchter sagen, die Mistbeete seien schuld an der Fleckenkrankheit. -Wenn das Mistbeet angesteckt ist, so erkranken von den 1000 Pflanzen etwa 900 -nach der Pflanzung auf das Feld, wenn das Mistbeet nicht angesteckt ist, so werden -von 1000 z. B. 100 die Fleckenkrankheit zeigen. Diese letztere Erscheinung, diese -niedrige Ziffer, ist der Art, dass man dennoch nicht den Mistbeeten allein die Schuld -geben darf; aber daraus erhellt, ebenso wie aus all dem Vorhergehenden, <i>dass -der Boden ein infizierendes Vermögen besitzt</i>. Sehr bemerkenswert, jedoch nur von -einer Wahrnehmung herstammend, ist der Fall, dass nach einer Düngung mit 35000 kg. -Schafsmist, 500 kg. Kainit und 500 kg. Thomasphosphat die Krankheit unter den -Pflanzen abnahm und dass das gleiche ein nächstes Jahr wieder beobachtet wurde.</p> - -<p>Als ich zu der Überzeugung gekommen war, dass ein infizierendes Etwas -vorhanden sein musste, habe ich mit einer Reihe von Pflanzen Versuche angestellt, -wobei ich zu folgenden in Kürze angegebenen Ergebnissen gelangte:</p> - -<p>1<sup>o</sup> Bringt man in einem Einschnitt in die Hauptnarbe einer gesunden Pflanze -einen kleinen Streifen von einem kranken Blatte (gefleckter Teil).</p> - -<p>2<sup>o</sup> Bringt man den Saft von kranken Blättern irgendwo, gleichviel wo, in das -Gewebe gesunder Pflanzen.</p> - -<p>3<sup>o</sup> Bringt man den Saft von kranken Blättern rund um die Wurzel herum, -also auf die Erde.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_33" id="Page_33">[ 33]</a></span></p> - -<p>4<sup>o</sup> Zerreibt man zwischen den Fingern ein krankes Blatt und bringt den -feuchten Finger an die Wundfläche eines abgebrochenen Blattes bei einer gesunden -Pflanze, so zeigen sich in all diesen Fällen, bei jungen Pflanzen innerhalb 3 bis -4 Wochen, die Flecken an den jüngsten Blättern.</p> - -<p>Abwechselndes Wetter, z. B. tagelang Sonnenschein und nachher ein einzelner -Regenschauer, ist im Stande, die Flecken rascher entstehen zu lassen und dadurch -sichtbar zu machen, jedoch nie früher als innerhalb 14 Tagen habe ich diese Wirkung -beobachtet.</p> - -<p>Das Kochen und die Papierfiltration entnehmen nach <em class="gesperrt">Prof. Adolf Mayer</em> dem -Safte das Vermögen zu infizieren. Aus seinen Nachforschungen erhellt, dass weder -die chemische Zusammensetzung der Erde eines angesteckten Feldes oder eines -angesteckten Mistbeetes, noch die plötzliche künstliche Änderung der Temperatur -beim Auspflanzen, noch die Verletzungen oder Verdrehungen der Wurzel die Krankheit -herbeiführen können.</p> - -<p>Aus einer grossen Menge bakteriologischer Kulturen, welche angelegt waren -mit Tabaksaft-Malz-Gelatine, habe ich oft, doch nicht immer, eine Mikrobe isolieren -können, welche in der That eine infizierende Kraft besitzt.</p> - -<p>Da es sich nun zeigt, dass wir hier mit einem infizierendem Stoff zu thun -haben, müssen alle Mittel zu Hülfe genommen werden, die Übertragung desselben -zu verhindern.</p> - -<p>Es scheint mir nicht unmöglich, (vergleiche sub 4) dass die Personen, welche -mit dem Köpfen der Pflanzen und dem Ernten der Blätter beauftragt sind, mit ihren -von kranken Blattteilen infizierten Fingern den Ansteckungsstoff auf gesunde Pflanzen -bringen können; daher im Spätsommer die zahlreichen Fälle, wo die Geizen und -jungen Blätter die Fleckkrankheit zeigen. Die Gründüngung ist auf Feldern, welche -die Mosaikkrankheit zeigen, aus obengenannten Gründen nicht zu empfehlen.</p> - -<p>Die mikroskopischen Untersuchungen der kranken Blätter lassen eine Desorganisation -des Chlorophyll erkennen, das schliesslich ganz und gar aus dem Zelleninhalt -verschwindet. Sehr bemerkenswert sind die kurzen Luftstreifen zwischen den -Pallisadenzellen und der linienförmigen Zeichnung der Zellenwand. Myceliumfäden -oder Hyphen können es nicht sein.</p> - -<p>Da ich im Winter '97 Gelegenheit habe, die Versuche fortzusetzen, hoffe ich -später diesen Gegenstand wieder aufzunehmen.</p> - - - -<hr class="chap" /> -<h2><a name="Mittel_zur_Verbesserung_unsres_Tabaks" id="Mittel_zur_Verbesserung_unsres_Tabaks">Mittel zur Verbesserung unsres Tabaks.</a></h2> - - -<p>Aus allen Untersuchungen, die bis jetzt mit Bezug auf die Düngung angestellt -worden sind, können keine allgemeinen Regeln mehr abgeleitet werden als die<span class="pagenum"><a name="Page_34" id="Page_34">[ 34]</a></span> -schon angegebenen, die sich hauptsächlich auf den Chlor-, Stickstoff- und Kaligehalt -beziehen.</p> - -<p>Chloridreiche natürliche oder künstliche Düngstoffe müssen vermieden werden, -ebenso ein zu hoher Gehalt an Stickstoffverbindungen. Eine Düngung mit mehr -Stickstoff als angezeigt, entwickelt ein dunkelgrünes, fleischiges, lang gedehntes, -schmal dicknarbiges Blatt, das sich also nicht zum Cigarrentabak eignet.</p> - -<p>Schon <em class="gesperrt">Hermbstadt</em> nahm wahr, dass humusreiche Pflanzenerde und Kuhmist -den besten Tabak liefern.</p> - -<p>Wie ich schon schrieb: Die Tabakspflanze fordert Kalium, viel Kalium!</p> - -<p>Die ganze Tabakskultur muss darauf hinzielen, dass sie einen kalireichen -Stalldünger bekommt.</p> - -<p>In der letzten Zeit hat sich aus Versuchen ergeben, dass die Tabakspflanze viel -kohlensaures Kali vertragen kann, mehr als man früher je dachte.</p> - -<p>Eine Düngung im Frühjahr sogar mit 1000 kg. kohlensaurem Kali per ha, was -man früher nicht zu thun wagte, hat keine schädlichen Folgen gehabt.</p> - -<p>Als Versuch sei dies unsern Pflanzern anempfohlen. Die bekannten »Internationale -Guano- und Superphosphatwerke« in Zwijndrecht bringen dieses Salz in den Handel -mit einem Gehalt von 50-55 Prozent Kali und zu einem Wert von <i>f</i> 20 (etwa 34 Mk) -per 100 kg. Wegen der Eigentümlichkeit dieser Kali-pottasche, die Feuchtigkeit -anzuziehen, wird sie in doppelten Säcken von 62-1/2 kg. verpackt.</p> - -<p>Der innere Sack ist präpariert, hemmt also die Aufnahme der Feuchtigkeit aus -der umringenden Luft.</p> - -<p>Schon längst hat man bemerkt, dass man durch Holzasche und Pferdemist -einen hellfarbigen Tabak erhält, Ziegen- und Schafsmist dahingegen geben ein -dunkles Produkt.</p> - -<p>In Japan bekommt man sogar ein schönes hell gefärbtes Blatt, angenehm von -Geschmack, dadurch, dass man es mit Kuchen von Leinsamen düngt nebst ein wenig -Stalldünger.</p> - -<p>Wir wissen, dass Valburg den besten Cigarrentabak unsres Landes liefert, -(<i>f</i> 28.25 per 100 lb und dass dort die einfache Düngung mit Kuhmist auf dem sandigen -Boden (dem Teil des Dorfes, welcher »Het Hoog« (= Die Anhöhe) genannt wird), -ohne dass man jemals sich des Wechselbaus bediente, das schöne goldgelbe, breitgeformte -Blatt hervorbringt.</p> - -<p>Die Überführung von Erde aus Valburg (wo man auch Lehmboden antrifft) auf -die Veluwe, hat keine Resultate beim Anbau des Tabaks geliefert.</p> - -<p>Jeder Züchter muss die Düngversuche auf seinem eigenen Boden anstellen -und dabei der Gefahren eingedenk sein, die entstehen können, wenn man die -genannten schädlichen Elemente oder Salze anwendet. In der letzten Zeit hat man -die Aufmerksamkeit auf die Düngung mit Silicaten gerichtet (Martellin = Kalium-silicat),<span class="pagenum"><a name="Page_35" id="Page_35">[ 35]</a></span> -wodurch die Brennbarkeit und die Farbe, nebst dem anatomischen Bau des -Blattes verbessert wird<a name="FNanchor_E_5" id="FNanchor_E_5"></a><a href="#Footnote_E_5" class="fnanchor">[E]</a>.</p> - -<p>Nach der schönen Lehre von <em class="gesperrt">Darwin</em>, welche sich auf wissenschaftliche -Forschungen gründet, wird die Pflanzen- und Tierwelt in einer Gegend sich den da -anwesenden physischen Lebensbedingungen anpassen und sich demgemäss entwickeln. -In »<i>the struggle for life</i>« werden die bevorzugtesten Arten, Rassen und Varietäten -siegreich aus dem Kampfe hervorgehen, bekränzt, nicht mit der Siegespalme, sondern -mit der kräftigen Lebensfähigkeit für ihren Stamm.</p> - -<p>Dies muss auch anwendbar sein auf unsere Tabakskultur.</p> - -<p>Meine Nachforschungen gaben mir die Überzeugung, dass viele Tabakspflanzer -ihr Fach wissenschaftlich auffassen und weder Mühe noch Kosten scheuen, Versuche -zu machen, welche die Kultur fördern können.</p> - -<p>Ich kann nicht genug darauf hinweisen, dass man die grösste Sorgfalt auf das -Gewinnen des Samens verwende. Man muss hiezu nicht einige Pflanzen in zeitweise -günstige Lebensverhältnisse bringen dadurch, dass man sie besser oder örtlich -starker düngt, sie auf gut gewählten geräumigen Stellen des Feldes Samen schiessen -lässt, sondern man muss diejenigen Pflanzen mitten auf dem Felde auswählen, -welche sich durch schönen Bau, Blattform u. s. w. auszeichnen, dann hat man die -grösste Gewähr, dass die erblichen Eigenschaften des Samens auf die Nachkommenschaft -übertragen werden.</p> - -<p>Durch die Kultur der Tabakspflanze hat der Bau der Blume sich geändert. -Die bei uns schwach vorhandene Protogynie ist im Naturzustande deutlicher und -schärfer hervortretend, wodurch Kreuzbestäubung mehr erwartet werden kann. -Der Bau der Kulturblume ist jetzt derartig, dass Staubfäden und Stempel nicht -nur etwa auf derselben Höhe stehen, sondern dass die weibliche Periode der -Blume in unserm Klima im geschlossenen Knospenzustand verlebt wird.</p> - -<p>Dies erleichtert uns die künstliche Kreuzbestäubung; man braucht nur die -Knospe welche im Entfalten begriffen ist, zu öffnen und die Pollen von gleichfalls -gut gewählten Pflanzen mit einem kleinen Pinsel auf den Stempel zu bringen. -Nach zwei Stunden ist die Gefahr vorüber, dass Insekten durch ihren Besuch -andere Pollen mit demselben in Berührung bringen. Verhüllung mit Gaze oder -mit einem Papierbeutelchen während einiger Stunden sei deshalb empfohlen. Auf -diese Weise kann kräftiger Samen gewonnen werden.</p> - -<p>Weiter lehren die Versuche, dass die mittelsten Blumen (Samenkapsel) am -Stengel den kräftigsten Samen enthalten. Sehr erwünscht ist es zugleicherzeit, -die gewählten Pflanzen die Blätter behalten zu lassen und sie nicht abzureissen, -wie es bisweilen geschieht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_36" id="Page_36">[ 36]</a></span></p> - -<p>Kräftig entwickelte Pflanzen werden den Kampf ums Dasein leichter bestehen -als schwächere, sie werden zugleich besser im Stande sein, den Krankheiten zu -widerstehen.</p> - -<p>In Valburg hat man eine eigentümliche Gewohnheit, den Samen zum Keimen -zu bringen. Man bringt ihn in ein angefeuchtetes Leinenläppchen oder Säckchen, -nachdem es im Wasser angeschwollen ist.</p> - -<p>Dann hängt man es in mässiger Entfernung vom warmen Ofen auf. Die Folge -hiervon ist, dass der Samen zwar sichtlich gut ausläuft, aber dabei mittels Diffusion -lösliche Nahrungsstoffe abgiebt, welche als Reservenahrung dem zukünftigen -Pflänzchen entzogen werden. Auf diese Weise wird das keimende Pflänzchen -geschwächt und der Kampf, den es beim Übergange zu einer sich selbst nährenden -Pflanze zu bestehen hat, wird ihm erschwert.</p> - -<p>Dass der Verlust von Salzen, Aschenbestandteilen, grösser ist als man sich -denkt, geht hieraus hervor, dass, wenn der Aschengehalt des Samens 4% ist, dieser -nach Behandlung mit Wasser während der 24 Stunden des Tages 1/4 Teil verloren -hat. In dieser Weise verliert der Samen schon einen grossen Teil des so sehr -erwünschten Kali, nl. 25.8%, und 6.4% Phosphorsäure (<em class="gesperrt">Behrens</em>).</p> - -<p>Weiter lässt man in Valburg, nach dem Pflücken, die Blätter noch einige -Tage auf dem Felde liegen, erst dann werden sie an Stangen angereiht. Aus der -Physiologie des sterbenden Blattes ersahen wir, dass das Trocknen langsam geschehen -soll. Hierdurch entstehen Zersetzungsprodukte, welche bei der Gährung erwünscht sind.</p> - -<p>Beim Gährungsverlauf haben wir gesehen, dass bei unserm Tabak der Bacillus -Tabaci I + III, die Hauptrolle spielt, er giebt ihm den reinen Geruch und Geschmack, -insofern wir dies bei unserm Tabak wahrnehmen können. Da, wo die Gährung nicht -stattfindet oder nicht gut verläuft, können diese Mikroben künstlich angebracht -oder geimpft werden.</p> - -<p>Die Versuche, die Mosaikkrankheit zu verhindern, könnten schon jetzt beim -Wechselbau angestellt werden. Der Anbau von Erbsen, Bohnen, Klee und andern -Hülsenfrüchten sei anempfohlen.</p> - -<p>Folgende Düngung wird von einigen grossen Züchtern versucht werden.</p> - -<p>Im Spätjahr wird per ha. 750-3000 kg. ungelöschter Kalk auf die Oberfläche des -Feldes gebracht und gleichmässig darauf ausgestreut. Dies lässt man ungefähr einen -Monat liegen und bringt dann 400-600 kg. Kainit und 400-600 kg. Thomasphosphat -hinzu, nachher wird es im Januar oder Februar, wenn der Witterungszustand dies -erlaubt, mit dem Spaten untergegraben. Auf die gebräuchliche Weise werden dann -die Erbsen, Bohnen u. a. gepflanzt oder gesät.</p> - -<p>Die Versuche, welche angestellt werden, um auf eine andere Weise der -Mosaikkrankheit vorzubeugen, werden fortgesetzt, nehmen aber viel Zeit in -Anspruch.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_37" id="Page_37">[ 37]</a></span></p> - -<p>Die Gründüngung auf angesteckten Feldern kann aus obenerwähnten Gründen -nicht empfohlen werden.</p> - -<p>Das Ausgraben der infizierten Mistbeete etwa 30 cm. tief und das Hineinbringen -gesunder Erde, also von unbebautem Boden, verdient Empfehlung. Ein -Pflanzer, der niemals Fleckkrankheit auf seinem Felde gehabt hat, könnte dadurch, -dass er junge Pflänzchen, welche von infiziertem Boden herstammten, lieh oder -kaufte, sein Feld auf immer anstecken und dadurch die Mosaikkrankheit hervorrufen.</p> - - -<p>Und hiermit habe ich einen Gegenstand behandelt, der immer mehr mein -Interesse erregte. Dabei habe ich viele unsrer Tabakspflanzer als Personen -kennen gelernt, die alles aus Liebe zur Sache thun, und ungeachtet des grossen -Aufschwunges unsrer indischen Kultur, wodurch soviele edle Tabakssorten -über die ganze Welt verbreitet werden, mit Mut, Ausdauer und Lust zur -Arbeit, unsern einheimischen Tabak züchten, bearbeiten, und zu verbessern -trachten. Mögen sie, indem sie so fortfahren, auch die Früchte ihrer Arbeit -geniessen!</p> - - - -<hr class="chap" /> -<h2><a name="Verbesserung_durch_Reinkulturen" id="Verbesserung_durch_Reinkulturen">Verbesserung durch Reinkulturen.</a></h2> - -<p class="center">(Fortsetzung der Untersuchungen von 1897).</p> - - -<p>Die Untersuchung der Gährung unseres einheimischen Tabaks ist, da wir es -hier mit einem Prozesse zu thun haben, bei dem fakultative anaërobe Bakterien -eine Rolle spielen, enorm von mir gekürzt worden. Später wurde ich mit den an -der Oberfläche der Platten angelegten bakteriologischen Kulturen bekannt, wodurch -man makroskopisch schon deutlich die verschiedenen Arten des Wachstums von -Bakterien und andern Mikroorganismen wahrnemen kann.</p> - -<p>Dies Verfahren hat unendlich viel vor derjenigen Untersuchungsmethode voraus, -bei der die Kulturen auch in Gelatineplatten wachsen.</p> - -<p>Im letzteren Falle doch sieht man, nur einige Variationen in verfliessenden -Kulturen ausgenommen, welche meistens kugelförmig in der Gelatine wachsen, -fast immer gelbe Pünktchen, bald rund, bald linsenförmig.</p> - -<p>Will man gerade jene Mikroorganismen auffinden, welche aërob oder fakultativ -anaërob sind und bei irgend einem Prozesse eine Funktion zu erfüllen haben, -so bietet diese Methode sehr grosse Vorteile und nicht weniger eine Abkürzung -was die Zeit betrifft. Sogar zu einer quantitativen Bestimmung von Mikroorganismen<span class="pagenum"><a name="Page_38" id="Page_38">[ 38]</a></span> -eignet sich diese Untersuchungsmethode. Was die Untersuchungen der Tabaksgährung -betrifft, so sind diese in folgender Weise abgekürzt worden.</p> - -<p>Die früher beschriebenen Stückchen fein geschnittenen Tabaks werden in -ein Röhrchen mit 10 cm³ physiologische Kochsalzlösung (0.75 Prozent) gebracht -und mit der Platinnadel wiederholt in dieser Flüssigkeit bewegt, während man -sie dann und wann noch durch einander schüttelt.</p> - -<p>Vom Inhalte dieses Röhrchens werden dann eine oder mehr Platinspiralen -(welche in meinem Falle 0.048 gr. Flüssigkeit festhalten) auf ein zweites und drittes -Röhrchen gebracht. Die Erfahrung giebt hier bald einen Fingerzeig. Es stehen -einige sterile Kulturschälchen mit dem beschriebenen festen Nährboden bereit. -Nun wird der Inhalt des I<sup>en</sup>, II<sup>en</sup> u. s. w. Rohres über die Oberfläche ausgegossen. -Was zu viel ist an Flüssigkeit, lässt man wegfliessen, indem man einfach das ein -wenig geöffnete Schälchen schräg hält. Weiter bewegt man das Schälchen noch -einen Augenblick hin und her, um die geringe Quantität Wasser, in welchem die -Mikroorganismen verteilt liegen, gut zu verbreiten. Die Berechnung lehrte mich, -dass die Oberfläche des beschriebenen Petri-Schälchens während dieser Manipulationen -ungefähr 0.5 gr. Flüssigkeit festhielt.</p> - -<p>Wenn man genauer dieses Gewicht kennen lernen will, so kann das -Schälchen vor und nach dem Anfeuchten gewogen werden, und dies Gewicht -berechnet werden auf die respektiven Röhrchen und die gebrauchte Quantität -Tabak im Röhrchen I, der zwischen zwei sterilen Uhrgläsern vor dem Experiment -gewogen wird.</p> - -<p>Nach Verlauf einiger Tage kommen die Plattenkulturen zur sichtbaren Entwickelung -und ist es viel leichter, eine Übersicht über den Totalgehalt an Sorten zu -bekommen. Quantitativ betrachtet hat diese Methode Fehler. Die Ursache davon liegt -darin, dass die Bakterien in mehr oder weniger starkem Masse in den von ihnen -selbst abgeschiedenen Schleimhüllen liegen und dadurch sehr am Medium haften, dem -Blatte, auf dem sie, sei es auch kurze Zeit, lebten, und später ein latentes Leben führten, -um bei der Gährung wieder energisch aufzuleben. Weder durch Abreibung mit der -Platinnadel, noch durch immerwährendes Hin- und Herschütteln, kann man alle -Mikroorganismen vom Substrat trennen. Damit hier eine Verbesserung angebracht -werde, habe ich die Sache anders gemacht und habe dies schon im Prinzip im -»Pharm. Weekblad« N<sup>o</sup>. 10, 1898, beschrieben. Das Resultat dieser Untersuchungsweise -war ein brillantes und hat die allergünstigsten Folgen gehabt. Diese Methode, -die ich zuerst auf den Tabak anwendete, lässt sich auf eine Unmasse anderer -Gegenstände anwenden.</p> - -<p>Sie ist wie folgt. In einige Reagirröhren werden gewöhnliche Pinselchen -so hineingebracht, dass der Federkiel auf dem Boden der Röhre ruht und das -Büschelchen nach oben gerichtet ist. Durch einen Wattepfropfen werden die<span class="pagenum"><a name="Page_39" id="Page_39">[ 39]</a></span> -Röhren geschlossen und dann während einer Stunde bei 110° C. in strömendem -Dampfe erhitzt. Die Temperatur übt keine nachteilige Wirkung auf die Pinsel aus. -Ferner wird ein hohes Petrischälchen gewählt, 10 cm<sup>3</sup> sterilisierte physiologische -Kochsalzlösung hineingebracht und natürlich sofort geschlossen.</p> - -<p>Ein Teil eines gährenden Tabaksblattes wird in diese Flüssigkeit hineingetaucht -und einige Minuten daselbst in Ruhe gelassen. Dann nimmt man mit einer sterilen -Pincette das Pinselchen aus einem der Reagierröhrchen und reibt, indem man eins -der Enden des Blattes mit der Pincette festhält, kräftig über die Oberfläche der -beiden Blatthälften. Indem man das Schälchen hin- und herbewegt, werden die Mikroorganismen -gleichmässig im Wasser verteilt. Von dieser bakterienreichen Flüssigkeit -werden 1 cm<sup>3</sup>, 1/2 cm<sup>3</sup> oder Verdünnungen hiervon mittels steriler Pipetten über -die Oberfläche der Platten gebracht.</p> - -<p>Auf diese Weise werden nach der »Bohnmethode« (der Name ist von mir nach -dem Bohnen der Fussboden gewählt) auch diejenigen Bakterien von der Blattoberfläche -entfernt, welche innig mit diesem Substrate zusammenhingen. Nach Berechnung -kann man auf diese Weise bestimmen, wieviel Bakterien sich auf den beiden -Blatthälften befanden.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 450px;"> -<img src="images/fig06.jpg" width="450" height="217" alt="" /> -<div class="caption"><p>Fig. 6. <i>Bohnmethode.</i> Links Pinselstriche von Betuwer Tabak im Anfange der Gährung (Diplococcen). Rechts während -der Gährung (B. T. I + B. subtilis + B. mycoides).</p></div> -</div> - -<p>Wenn es sich um eine qualitative Bestimmung handelt, so bekommt man -nicht weniger schöne Kulturplatten auf folgende Weise. Das Tabaksblättchen, das<span class="pagenum"><a name="Page_40" id="Page_40">[ 40]</a></span> -schon im Wasser untergetaucht war und nicht bewegt wurde, wird mit einer -sterilen Pincette auf sterilisiertes Papier gelegt.</p> - -<p>Es liegt also feucht darauf. Nachher wird die obere Seite des Blättchens mit dem -trocknen Pinsel, welcher also steril ist, abgebohnt. Mit diesem noch nassen Pinsel macht -man Striche über die festen Oberflächen von Gelatineplatten. Nach einigen Tagen -sieht man denn, dass der erste Strich die grösste Zahl Kolonien hervortreten lässt, -gewöhnlich zu viel als dass man sie unterscheiden könnte; der zweite Strich schon -weniger, der dritte und vierte noch weniger, u. s. w. Letztere Methode wurde -immer von mir angewendet bei unserm einheimischen Tabak, beim Deli- und -Havanna-Tabak.</p> - -<p>Das Resultat war ein glänzendes. Die Untersuchungen nach der Gährung des -Tabaks erlauben diese Methode, weil hierbei keine obligaten anäeroben Bakterien -im Spiele sind. Sie ist natürlich unbrauchbar, wenn es sich um Mikroorganismen -handelt, welche Sauerstoff nicht ertragen. Die Petri'schen Kulturplatten sind auf -lichtempfindliches Papier gesetzt, 25 Secunden vom Sonnenlicht beschienen und -oben photographisch, ohne Retouche reproduziert. Die Glaskratzer am Boden des -Schälchens sind hierbei deutlich sichtbar.</p> - -<p>Bei den Untersuchungen unsres einheimischen Tabaks, die im Jahr 1897 von -mir in »de Natuur« publiziert wurden, hat sich herausgestellt, dass wir es hier zu -thun haben mit einer Gährung, bei welcher fakultative anaërobe Bakterien, also -auch unter Hinzutretung von freiem Sauerstoff oder Luft, eine Rolle spielen. Sogleich -ergab sich daraus, dass im gährenden Tabak von verschiedener Herkunft aus unsern -Gegenden (Betuwe, Veluwe, Maaswaal) verschiedene Mikroorganismen mehr oder -weniger häufig anwesend waren, jedoch in überwiegender Zahl diejenigen, welche -sich an der Gährung beteiligten.</p> - -<p>Meine zunächst liegende Vermutung hat sich bestätigt. Fünf verschiedene -Bakterien, welche, aus verschiedenem Tabak herstammten, sind damals von -mir abgebildet und kurz nach ihren morphologischen und biologischen Eigenschaften -beschrieben worden. Alsdann ist Tabak von mir sterilisiert worden, d. h. -alle Mikroorganismen, welche sich auf und in demselben befanden, wurden getötet -und nachher ist jener Tabak mit den verschiedenen Reinkulturen geimpft worden. -Alsdann stellte sich heraus, dass die Impfung mit dem B. T. I. und III (Bacillus -Tabaci I. und III) dem Tabak das richtige Arom verlieh, ein Arom, welches, hier -in Holland für das beste gehalten wird. Meine Vermutung, dass jene Gährung -doch noch einen andern Verlauf haben würde, wenn die nämliche Tabaksart nicht -sterilisiert, dahingegen mit den genannten Tabaksbakterien geimpft würde, hat -sich bestätigt. Jedoch müssen wir hierbei in Betracht ziehen, dass nebst den -in grosser Zahl künstlich angebrachten Mikroben, noch mehr Arten ihre Wirkung -ausüben, Arten, welche gleichfalls das feuchtgewordene Tabaksblatt angreifen,<span class="pagenum"><a name="Page_41" id="Page_41">[ 41]</a></span> -aber ausserhalb der eigentlichen Gährung stehen und nichts anders thun können als -Zersetzungen hervorrufen, welche ungünstig wirken oder gar nicht dazu beitragen, -ein erwünschtes Produkt zu erhalten. Es ergab sich, dass die Impfung mit den Tabaksbakterien, -welche günstig beim sterilen Tabak wirkten und ihm das reine Arom -gaben, in nicht sterilem Tabak ohne Wirkung blieben, insofern ohne Wirkung, dass -jenes Arom bei weitem nicht so ausgesprochen war als beim sterilen Tabak. Diese -Versuche wurden im Februar 1898 in den Gährungsscheunen des Herrn <em class="gesperrt">de Hartog</em> -in Wageningen angestellt. Damals musste die Frage gelöst werden, wie das Produkt -der natürlichen Gährung, also ohne Sterilisation übertroffen werden konnte, wenn -man von den Impfungen mit einer oder mehreren Reinkulturen auf die nämlichen, -also nicht sterilisierten Tabaksarten Gebrauch machte.</p> - -<p>Die Versuche im Laboratorium lehrten also, dass steriler Tabak durch Impfung -mit zwei Mikroben vorzügliche Eigenschaften erhielt, sodass dieser Tabak sofort -von den Fachmännern als der beste bezeichnet werden konnte. Die Quantität war -jedoch eine zu geringe, als dass man Cigarren davon anfertigen lassen und alle -Eigenschaften, die man so gerne kennen lernen möchte, kontrollieren konnte. Eine -Sterilisation des Tabaks im Grossen ist faktisch unmöglich. Damit das Resultat der -schon beschriebenen Untersuchung praktisch verwendet werden konnte, mussten -also Versuche mit verschiedenen Reinkulturen und deren Mischungen angestellt -werden. Es stellte sich heraus, dass einige dreissig Büschel, welche ohne Sterilisation -mit den B. T. I + III + IV geimpft, im Februar in Haufen gelegt und -nachher der Gährung ausgesetzt worden waren, nicht solche günstige Eigenschaften -erhalten hatten als der sterilisierte und nachher geimpfte Tabak, wie es in meinem -Laboratorium stattfand.</p> - -<p>Zugleicherzeit erwähne ich hier, dass der nicht-fermentierte Deli-Tabak, der -mir aus Batavia von <em class="gesperrt">Dr. v. Breda de Haan</em> zugesandt wurde, gleichfalls einer -Untersuchung unterzogen worden ist. Nach dem Beispiele von <em class="gesperrt">Semmler</em> aus -Cuba habe ich einen kleinen Teil dieses Tabaks mit Wasser faulen lassen und mit -diesem Wasser einheimischen Tabak, der dann gleichfalls mit andern Büscheln in den -Haufen hinein gelegt wurde, besprengt. Dieser Tabak gerieth zwar in Fermentation, aber -als die Gährung beendigt war, ergab sich, dass die besprengten Büschel keine andern -Eigenschaften bekommen hatten als eine Änderung in der Farbe der Blätter, die von -der feuchten Behandlung herrührte. Dieser Versuch, welcher durch einen Zufall auf -Cuba günstig verlief, ist Ursache gewesen, dass man die Aufmerksamkeit auf die -Tabaksgährung hinlenkte und die Vermutung laut werden liess, dass Mikroorganismen -bei jener Gährung sich wirksam bethätigten.</p> - -<p>Als es mir nach wiederholten Versuchen deutlich geworden war, dass die Impfung -unseres einheimischen Tabaks mit den B. T. I + III also nicht ganz den Erfolg hatte, wie -immer beim sterilen Tabak, habe ich diesen Gegenstand weiter untersucht und eine Reihe<span class="pagenum"><a name="Page_42" id="Page_42">[ 42]</a></span> -von Versuchen mit Mischungen von Reinkulturen angestellt. Die Herren <em class="gesperrt">de Hartog</em> -und <em class="gesperrt">v. Druijnen</em> in Wageningen, welche diesem Gegenstand ihre ganze Aufmerksamkeit -widmeten, halfen mir bei diesen Versuchen und gaben mir jedesmal ihr -Urteil ab, ein Urteil, das ich sehr schätzte, da es ausgesprochen ward von sehr -kundigen, erfahrungsreichen Fachmännern. Nicht entmutigt empfing ich am 8. März -die Nachricht, dass man damit anfangen würde, einen Haufen gährenden Tabak -aus der Betuwe umzusetzen. Es war die beste Tabaksart, welche Holland hervorbringt. -Am 10. März besuchte ich die Fermentierscheune und stellte wiederum Versuche -an, aber in der jetzt sehr gekürzt beschriebenen Weise. Es war ein schöner Anblick, -jenen prachtvoll aufgebauten Haufen mit den Tausenden goldgelben Büscheln emporragen -zu sehen. Eine grosse Menge Kulturschälchen wurde von mir infiziert mit -Blattfragmenten der obersten Tabaksbüschel (± 22° C.) Nach einigen Tagen zeigten -sich die Kolonien, und mit Bewunderung sah ich wieder die im vorigen Jahre von -mir beschriebenen Arten zum Vorschein kommen. Meine Aufmerksamkeit richtete -sich auch noch, nicht auf die bekannten Verunreinigungen, sondern auf andere -Arten, welche ich nun bei niedriger Temperatur in grosser Anzahl vorfand. Einige -davon brachte ich in Kultur und wartete darauf, welche Rolle sie mit andern -Bakterienarten in nicht sterilisiertem Tabak spielen würden.</p> - -<p>Um den praktischen Teil des Problems zu lösen, hatte ich damals sechs Arten -Tabaksbakterien, welche bezüglich ihrer Wirkung in nicht sterilem Tabak controlliert -werden mussten, und die also den überall herrschenden »Struggle for life« -kämpfen mussten. Es war nicht vorher zu sagen, wer siegen würde. Ein logisches -Verfahren nach Wahl war nicht möglich, der Versuch musste entscheiden. Um -die Frage der Tabaksverbesserung zu lösen dadurch, dass man Gebrauch machte -von den, in dem vorzüglichsten Betuwer Tabak vorgefundenen Mikroben, wurden -eine Menge nicht sterilisierter Tabaksarten mit Reinkulturen und deren Mischungen -bespritzt. Dieses Bespritzen lässt sich ausgezeichnet durch den Druck der Wasserleitung -bewerkstelligen; ich werde durch Abbildung zeigen, wie das Verstieben in -meinem Laboratorium geschieht. Was die sehr geringe Farbenveränderung des Blattes -betrifft, die durch Befeuchtung verursacht wird, so ist es mir als bald gelungen, hierin -eine Verbesserung anzubringen, indem ich die Reinkulturen von Agar-Oberflächen -mit feinem Tabakspulver vermischte und dies gleichfalls in die Büschel hineinspritzte -oder verstieben liess, also der trocknen Behandlung gemäss. Nach Beendigung -der Gährung wurden die Eigenschaften der derartig behandelten Sorten -kontrolliert, und diese sorgfältig ausgesucht. Ich werde hier all diese Versuche, die -noch nicht den erwünschten Erfolg hatten, der Kürze halber nicht aufzählen; nur -lohnt es sich, zu wissen, dass ich daraus den Schluss zog, dass viele Arten von -Mikroorganismen, unter denen auch die von mir abgebildeten, die Temperaturerhöhung -verursachen, und dass ich drei Arten in Mischung, künstlich in grosser<span class="pagenum"><a name="Page_43" id="Page_43">[ 43]</a></span> -Menge in die verschiedenen Tabaksarten hinein brachte. Es waren die Reinkulturen -von Bacillus Tabaci I, B. T. III und dem neu isolierten Diplococcus Tabaci. Diese -Mischungen erhielten folgende Marken:</p> - -<p class="center"> -Marke I: Bacillus Tabaci Hollandicus I.<br /> -<span style="margin-left: 6.5em;">" " " III.</span><br /> -Marke II: Diplococcus Tabaci Hollandicus.<br /> -<span style="margin-left: 5em;">Bacillus " " III.</span><br /> -Marke III: Mischung der Marke I und Marke II.<br /> -</p> - -<p>Diese Reinkulturen von Agar-Oberflächen wurden sorgfältig in steriles Wasser -verteilt.</p> - -<p>Die unten angegebenen Tabaksarten wurden mit dem Inhalte dieser Fläschchen -bespritzt und von den Herren <em class="gesperrt">de Hartog</em> und <em class="gesperrt">v. Druijnen</em> mit den gegebenen -Marken versehen. Erst nachdem die Gährung beendigt, die Cigarren gemacht, und -mein Urteil abgegeben war, sollte das Resultat dieser Versuche, die auch von -andern in unserer Umgebung beurteilt werden sollten, bekannt gemacht werden.</p> - -<div > -<table class="center" border="0" cellpadding="6" cellspacing="0" summary=""> - -<tr> -<td align='right'>A.</td> -<td align='left'> geimpft:</td> -<td align='right'> B.</td> -<td align='left'> nicht geimpft:</td> -</tr> - -<tr> -<td align='right'>I <i>a</i> =</td> -<td align='left'>Betuwer Erdgut</td> -<td align='right'><i>a</i><sup>1</sup> =</td> -<td align='left'>Betuwer Erdgut</td> -</tr> - -<tr> -<td align='right'><i>b</i> =</td> -<td align='left'>Veluwer Erdgut</td> -<td align='right'><i>b</i><sup>1</sup> =</td> -<td align='left'>Veluwer Erdgut</td> -</tr> - -<tr> -<td align='right'>II <i>c</i> =</td> -<td align='left'> Betuwer Sandgut</td> -<td align='right'><i>c</i><sup>1</sup> =</td> -<td align='left'>Betuwer Sandgut</td> -</tr> - -<tr> -<td align='right'><i>d</i> =</td> -<td align='left'>Veluwer Sandgut</td> -<td align='right'><i>d</i><sup>1</sup> =</td> -<td align='left'>Veluwer Sandgut</td> -</tr> - -<tr> -<td align='right'>III <i>e</i> =</td> -<td align='left'>Betuwer Erdgut</td> -<td align='right'><i>e</i><sup>1</sup> =</td> -<td align='left'>Betuwer Erdgut</td> -</tr> - -<tr> -<td align='right'><i>f</i> =</td> -<td align='left'>Veluwer Erdgut</td> -<td align='right'><i>f</i><sup>1</sup> =</td> -<td align='left'>Veluwer Erdgut</td> -</tr> -</table></div> - -<p>Ende Juli habe ich diese Cigarren, nur mit den Marken <i>a</i>, <i>a</i><sup>1</sup>, <i>b</i>, <i>b</i><sup>1</sup> u. s. w. -empfangen. Nichts war bekannt von Impfung oder nicht Impfung, von Nummer -u. s. w. Jetzt befand ich mich in der schwierigen Lage, mein Urteil abgeben zu -müssen. Es handelte sich ja hier um kleine Unterschiede in der Brennbarkeit, -Konsistenz der Asche, des Aroms, des Geschmacks u. s. w. Aus dem Grunde habe -ich dies den befugteren Personen, den eigentlichen Fachmännern überlassen, die ihrer -Beschäftigung gemäss dies viel besser beurteilen können. Herr <em class="gesperrt">G. P. Voorwijk</em> -in Amsterdam, welcher in der Tabakswelt seines richtigen Urteils wegen so günstig -bekannt ist, hat sehr freundlich meiner Bitte, einige Abende zu mir zu kommen und zu -rauchen, Folge geleistet, wofür ich ihm hiermit herzlich danke. Jedes Packetchen bestand -aus 2 Cigarren, die nur die Marke <i>a</i>, <i>a</i><sup>1</sup>, <i>b</i> oder <i>b</i><sup>1</sup> u. s. w. trugen. Als die Reihenfolge -<i>a</i> und <i>a</i><sup>1</sup> abgeraucht war, untersuchte Herr <em class="gesperrt">Voorwijk</em>, indem er dabei die -andere Cigarre aus dem nämlichen Packetchen benutzte, ob die Eigenschaften der -Cigarren aus ein und demselben Packetchen dieselben wären, was völlig stimmte.<span class="pagenum"><a name="Page_44" id="Page_44">[ 44]</a></span> -Den 29 Juli schrieb ich Herrn <em class="gesperrt">de Hartog</em> folgendes:</p> - - -<p class="center"> -<i>Geehrter Herr</i>, -</p> - -<p>Weil mein Geschmack, was den Tabak im allgemeinen betrifft, nicht so -besonders entwickelt ist, und es sich hier höchstwahrscheinlich um kleine -Unterschiede und typische Kennzeichen der Brennbarkeit, Konsistenz der Asche -und die grössere oder geringere Leichtigkeit handelt, mit der eine Cigarre zieht, so -habe ich mein Urteil über diese Versuche, welche einen praktischen Leitfaden -abgeben sollen, befugteren Personen übertragen. Da die Impfung von dieser -oder jener Marke nur Ihnen allein bekannt ist, und da ich nicht -daran zweifle, dass Sie aus den jetzt von mir gegebenen Nummern oder -Buchstaben unsere Urteile vergleichen werden, so habe ich Ihnen die Überreste -der gerauchten Cigarren gesandt, jedoch mit der Bitte, nochmals die Zeichen -auf ihre Richtigkeit hin zu kontrollieren, da dies von grosser Wichtigkeit ist.</p> - -<p>Unten folgt das Urteil des Herrn <em class="gesperrt">Voorwijk</em>, der durch tägliche Fachbeschäftigung -bedeutend mehr berechtigt ist, eine Meinung hierüber auszusprechen, -als ich es thun kann.</p> - - -<p><i>a</i> ist enorm besser als <i>a</i><sup>1</sup>, das Aroma des Rauches ist zwar das nämliche -und in dem Aroma des Deckblattes ist wenig Unterschied, aber die Art <i>a</i> hat -ein säuerlicheres, volleres Aroma als <i>a</i><sup>1</sup>. Die Brennbarkeit ist bei <i>a</i> und <i>a</i><sup>1</sup> die -nämliche; soweit man es von einheimischem Gewächs erwarten kann, brennen -sie sehr gut.</p> - -<p><i>b</i> und <i>b</i><sup>1</sup> haben die nämlichen Eigenschaften, aber, wenn man weiter raucht, -bleibt <i>b</i> besser von Geschmack als <i>b</i><sup>1</sup>. Beim ersten Anbrennen und in der ganzen -Breite geraucht, hat <i>b</i> eine geringe Ähnlichkeit mit <i>a</i>. Hierbei muss bemerkt -werden, dass für gewöhnlich der einheimische Tabak einen holzartigen Geschmack -hat, der noch an <i>a</i>, <i>a</i><sup>1</sup>, <i>b</i> und <i>b</i><sup>1</sup> auffällig ist. Bei <i>b</i> ist die Asche etwas weniger -hart als bei <i>b</i><sup>1</sup>.</p> - -<p><i>c</i> und <i>c</i><sup>1</sup> zeigen keinen Unterschied. Beide sind schmackhaft, jedoch ist -bei <i>c</i> die Brennbarkeit besser als bei <i>c</i><sup>1</sup>.</p> - -<p><i>d</i> ist etwas günstiger als <i>d</i><sup>1</sup>, hierbei ist die Asche viel besser und lockerer -als bei <i>d</i><sup>1</sup>.</p> - -<p><i>e</i> ist viel besser als <i>e</i><sup>1</sup>. Die Brennbarkeit ist hier auch sehr verschieden -und zum Vorteile von <i>e</i>. Bei diesen zwei Arten wird bis jetzt der grösste -Unterschied wahrgenommen, <i>e</i> und <i>e</i><sup>1</sup> sind zugleich schwerer von Geschmack.</p> - -<p><i>f</i> und <i>f</i><sup>1</sup> sind gleichfalls schwerer von Geschmack als die vorigen, <i>f</i> ist -<span class="pagenum"><a name="Page_45" id="Page_45">[ 45]</a></span>edeler von Aroma und Geschmack als <i>f</i><sup>1</sup>, die letztere ist sogar ordinär. Falls -<i>f</i> geimpft wurde, so ist diese Sorte viel veredelt und verbessert. — Ein Fachmann, -wie Herr <em class="gesperrt">Voorwijk</em> macht die Mitteilung, dass das einheimische Gewächs -dieses Jahr besonders gut ist.</p> - -<p> -Hochachtungsvoll und mit freundlichem Danke,<br /></p> -<p class="right"><em class="gesperrt">C. J. KONING</em>.</p> - -<p><i>Bussum, 29/7 '98.</i></p> - - -<p>Einige Tage nach diesem Schreiben empfing ich die Antwort, dass durch die -Impfung der Tabak faktisch verbessert ist, und dass nur die Reihe A. geimpft war.</p> - -<p>Der <i>Diplococcus Tabaci Hollandicus</i> besteht, wie der Name schon andeutet, -aus kugelförmigen Mikroben, Coccen, welche je zwei und zwei liegen, also -zwei gegen einander liegenden Kugeln am besten zu vergleichen sind. Dieser -Organismus wächst auf Gelatine in der Form eines hellgelben, scharf begrenzten -dicken Streifens, welcher die Gelatine nicht verflüssigt. Auf Agar entsteht gleichfalls -ein gelber, breiter Streifen und auf Kartoffel eine prachtvoll gelb hochaufragende -Kultur. Alcalische Bouillon wird schwach getrübt. Dieser aërobe Organismus erzeugt -gleichfalls im Anfang der Gährung Ammoniak.</p> - -<p>Vergleichende Versuche mit den Agarreinkulturen, angestellt bei erhöhter -Temperatur, zeigen, dass der <i>Bacillus Tabaci Hollandicus I</i> bei niedriger Temperatur -sich schneller vermehrt als der Diplococcus, der bei 24° (?) C. sein Optimum -erreicht. Hieraus lässt sich folgern, dass die Gährung unseres Tabaks verschiedene -Phasen durchläuft.</p> - -<p>Von praktischem Interesse ist in Bezug hierauf das wiederholte Umsetzen -der Haufen, wodurch sowohl die Luft wieder Zutritt erhält, um die Aëroben und -fakultative Anaëroben energischer leben zu lassen, als auch die äusseren Büschel -der genannten Wirkung ausgesetzt werden. Wird die Temperatur von mehr als -60° C. erreicht, so wird der biologische Prozess, welcher ausschliesslich der Gährung -eigen ist, zum Stehen gebracht.</p> - -<p>Zugleich mit den temperaturerhöhenden Mikroorganismen entwickeln sich im -Anfange der Gährung die Diplococcen und die B. T. H. I., welche den oben mitgetheilten -Impfproben nach, die Brennbarkeit und das Aroma verbessern; -jetzt schon entsteht Ammoniak als Zersetzungsprodukt. Wenn die Temperatur -steigt, geraten die Diplococcen auf den Hintergrund und entwickeln die B. T. H. sich -kräftiger, sodass durch ihre Lebensthätigkeit das Tabaksblatt derartig zersetzt wird, -dass das Aroma sich bessert.</p> - -<p>In beifolgender Figur ist die Steigerung der Temperatur in einem gährenden Haufen -angegeben. Die Erfahrung hat hier gelehrt, dass man bei ± 53° C. den Haufen -ohne Schaden umsetzen kann, wodurch schon eine Zeitersparnis erzielt wird. Die<span class="pagenum"><a name="Page_46" id="Page_46">[ 46]</a></span> -Temperatur wurde mittels mehrerer Thermometer beobachtet, welche in die -Spalte eines hölzernen Stabes gestellt worden sind. Diese Stäbe liegen in -Bambusköchern und werden einige Meter weit in den Haufen hineingeschoben. Nach -der graphischen Darstellung findet die stärkste Temperaturerhöhung statt von 29°-50° C. -Vor und nach diesen senken sich die Linien bedeutend.</p> - -<div class="figcenter" style="width: 427px;"> -<img src="images/fig07.jpg" width="427" height="369" alt="" /> -<div class="caption"><p>Fig. 7. Graphische Darstellung der Temperaturerhöhung in den gährenden -Haufen Tabak A, B und C, im Monat Juni aufgestellt.</p></div> -</div> - -<p>Merkwürdig und sehr beachtenswert sind die Eigenschaften, welche an a. -beobachtet werden. Aus der nämlichen Tabaksart, aus dem Betuwer Erdgut also, -ist der B. T. I. isoliert worden. Wenn dieser in <i>grösserer Menge</i> künstlich in -diesen Tabak hineingebracht wird, so bessert sich das Aroma desselben beim -Anbrennen beträchtlich. Ein Beweis um so mehr dafür, dass eine grosse Zahl -Mikroben, welche sich auf der Blattoberfläche befinden oder künstlich darauf -angebracht worden sind, bedeutend dazu mitwirken, die guten Eigenschaften, welche -guter, einheimischer Tabak besitzen soll, ansehnlich zu verstärken und dadurch den -Tabak zu verbessern.</p> - -<p>Aus den Impfungen erhellt ausserdem, dass durch B. T. I. das Aroma (siehe<span class="pagenum"><a name="Page_47" id="Page_47">[ 47]</a></span> -A. I.), durch den Diplococcus die Brennbarkeit (A. II.) verbessert wird; wenn sie -zugleicherzeit angewendet werden, verbessern sie Aroma und Brennbarkeit. (A. III.) -B. T. I. überträgt sogar, durch seine Lebensfunktionen, das Aroma des Betuwer -Tabaks auf andere Tabaksarten (A. I. b.).</p> - -<p>Wir erkennen aus diesen Versuchen deutlich die Wirkung der Mikroben bei -der Gährung, und dass es jetzt auf praktischem Wege möglich ist, der Fermentation -einen günstigen Verlauf zu geben. Am Schluss dieser Beschreibung einige kurze -Mitteilungen.</p> - - -<p>Vor allem meinen Dank den Herren <em class="gesperrt">Dr. v. Breda de Haan</em> in Buitenzorg -für die Zusendung des unfermentierten Deli-Tabaks ausgezeichneter Qualität, wodurch -ich Gelegenheit gehabt habe, Indischen Tabak in meinem Laboratorium zum Gähren -zu bringen und Nachforschungen darüber anzustellen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Dr. A. van Bijlert</em>, gleichfalls in Buitenzorg, für seine erneuten Untersuchungen -der Deli-Bodenarten, auf denen der Tabak solche bekannten vorzüglichen -Eigenschaften erhält, und in denen ein colloidales Silicat solch eine günstige -Wirkung hat.</p> - -<p>Nicht weniger wichtig ist der von Herrn <em class="gesperrt">Dr. v. Breda de Haan</em> gegebene -Bericht über »Regenfall und Reboisation in Deli«, welcher von so grosser Bedeutung -für die Zukunft dieses Landes ist.</p> - -<p>Die Untersuchungen des Deli- und des Havanna-Tabaks sind, was den -bakteriologischen Teil betrifft, von mir angestellt worden. Die praktische -Anwendung der Reinkulturen werde ich hier nicht antizipieren, doch nur die -Mitteilung machen, dass beide, ebenso wie unser einheimischer Tabak eine -ammoniakale Gährung durchmachen, welche Mitteilung, was den Deli betrifft, -mit dem Bericht des Herrn <em class="gesperrt">Dr. Vernhout</em> stimmt.</p> - -<p>Dieser hatte die Güte, mir das Ergebnis der Untersuchungen, welche mit etwa -siebzig Blättern angestellt wurden, zuzuschicken. Auch hier stellte sich heraus, dass -die Gährung durch die Wirkung von Mikroben verursacht wird. Es gelang <em class="gesperrt">Vernhout</em> -immer, dieselben in Reinkultur zu bekommen. Diese Untersuchungen, welche in den -Tropen mit solchen grossen Schwierigkeiten verbunden sind, werden fortgesetzt.</p> - -<p>Aus dem Deli-Tabak isolierte ich Bakterien und eine Hefenzelle. Die Bakterien -sind sehr klein, während immer eine gefunden wurde, die bei 37° C. gar nicht -mehr auf dem Nährboden wuchs, sondern bei 24° C. ihr Wachstumsoptimum hatte; -weiter ein Stäbchen, welches keine Sporen bildete, ein Diplococcus und ein der -Rosahefe verwandter Saccharomyceet.</p> - -<p>In Folge des Amerikanisch-Spanischen Krieges, war keine Gelegenheit, unfermentierten<span class="pagenum"><a name="Page_48" id="Page_48">[ 48]</a></span> -Tabak zu bekommen, so dass ich, ohne diesen Untersuchungen viel Gewicht -beizumessen, die Mikroorganismen aus Büscheln Tabak isolierte, welche acht Jahre -lang in Amsterdam gut aufgehoben gelegen hatten. Merkwürdig ist es jedoch, -dass daraus doch einige Arten, alles »Bakterien«, isoliert worden sind. Aus den -Büscheln habe ich unter allen Vorsichtsmassregeln die inneren Blätter herausgesucht -und sie von neuem in eine feuchte Umgebung und erhöhte Temperatur -gebracht. Trotzdem sie acht Jahre trocken gelegen hatten, sind daraus 7 Arten -Mikroorganismen in Reinkultur gezüchtet worden. Nach dem Petunieren des amerikanischen -Tabaks mit Ammonsalzen, wobei eine Alkalinität des Blattes entsteht, -und nunmehr ein intensives Bacterienleben möglich ist, ist eine bakteriologische -Untersuchung ohne Werth.</p> - - -<p>Weiter ist von mir ein deutsches Präparat, um den Tabak, was den Geschmack -betrifft, zu verbessern, untersucht worden.</p> - -<p>Weil es einfach benutzt wird, um die Tabaksblätter, ehe sie zu Cigarren verarbeitet -werden, einzureiben, und diese schon sofort nachher gebraucht werden -können, kann von einer eigentlichen Gährung, bei welcher Reinkulturen mit im -Spiele sind, nicht die Rede sein. Die Untersuchungen betreffen nur ein Muster, das -mir zufälligerweise nach einem Schreiben des Herrn <em class="gesperrt">Haas</em> in London in die Hände -geriet. Es ist eine gelbliche Flüssigkeit, welche sauer reagiert, ein spezifisches -Gewicht von 1.10 besitzt und ein gelbbraunes Sediment enthält. Der Geruch ähnelt -altem Biere, der Gehalt an festem Stoff, in Extractform bei 100° C. getrocknet, -ist 1.34 Prozent, während der Glühverlust 1.05 Prozent beträgt. Bei der Glühung -wird ein höchst unangenehmer Geruch bemerkt. In der Flüssigkeit lässt sich weiter -Nitrat, Phosphorsäure, reduzierender Zucker und Alcohol nachweisen.</p> - -<p>Mikroskopisch betrachtet, besteht das Sediment aus langen wurstformigen -Hefenzellen, die bekanntlich, wenn sie mehrmals in Reinkultur gebracht werden, in -eiförmige übergehen. Auf der sauren Malzgelatine bilden sich graue Kolonien, mit -weissem Saume, welcher wieder ins Graue übergeht. Wahrscheinlich ist diese -Hefenzelle eine Verunreinigung des Präparates.</p> - -<p>Weiter ist noch ein Präparat im Handel, welches hellbraun gefärbt ist, und -aus aromatischen Körpern, sogenannten Estern, von angenehmem Aroma besteht, -welches einigermassen an Amylacetat erinnert.</p> - -<p>Nach einer beigegebenen Erklärung wird auch dieses Präparat benutzt, -um das Aroma zu verbessern. Ich glaube nicht, das die genannten Hilfsmittel Beifall -gefunden haben. Nach meiner Meinung muss da, wo wir die meteorologischen -Einflüsse nicht in unserer Gewalt haben, die Verbesserung unsres Tabaks darin -gesucht werden, dass der Samen in der vorher beschriebenen Weise eingesammelt wird, -weiter in der Düngung und, zu nicht geringem Teil, in der Fermentationsweise. Möge die<span class="pagenum"><a name="Page_49" id="Page_49">[ 49]</a></span> -Zukunft uns zeigen, dass die Arbeit des Herrn <em class="gesperrt">Dr. v. Bijlert</em> mit seinen interessanten -Untersuchungen der Bodenarten von Deli, wo das Colloidal-Silicat und der -Colloidal-Silicat-Humat-Complex eine so grosse Rolle spielt, auch für unsere Kultur -von Wichtigkeit ist.</p> - - - -<hr class="chap" /> -<h2><a name="Morphologie_und_Biologie_der_Tabaksbakterien" id="Morphologie_und_Biologie_der_Tabaksbakterien">Morphologie und Biologie der Tabaksbakterien.</a></h2> - - -<p>Die Hauptrolle bei der Gährung unseres Tabaks spielen der <i>Bacillus Tabaci I</i> -und der <i>Diplococcus Tabaci</i>. In ihrer Form und -Lebensweise ist, wie hierunten beschrieben -wird, ein sehr grosser Unterschied.</p> - - -<p><i>Der Bacillus Tabaci Hollandicus I</i> ist ein -Stäbchen von wechselnder Grösse, je nach -der Beschaffenheit des Mediums, in oder auf -welchem er sich entwickelt. Eine 24 Stunden -alte Agarkultur zeigt bei einer Temperatur von -37° C. Stäbchen von 5-7 Mikron Länge und -1-3 Mikron Dicke. (Fig. 8).</p> - -<div class="figleft" style="width: 200px;"> -<img src="images/fig08_09.jpg" width="200" height="423" alt="" /> -<div class="caption"><p>Fig. 8, Fig. 9.</p></div> -</div> - -<p>Eine 24 Stunden alte Agarkultur, welche -bei 24° C. gestanden hat, zeigt Stäbchen von -6-8 Mikron Länge und von 1-1.2 Mikron -Dicke.</p> - -<p><i>Der Bacillus Tabaci I</i> wächst auf der -schwach alkalischen Gelatine sehr eigentümlich -und ausserordentlich schön in der Farbe, -Entwicklung und Form.</p> - -<p>Erstens entstehen an der Oberfläche kleine -graue Pünktchen, die vom Rande ab schon früh -einen wellenartigen Lauf zeigen. Besonders am -Rande wird die Kolonie zierlich gewellt und -sie bekommt bei auffallendem Lichte eine graublaue, -bei durchfallendem Lichte eine schöne -himmelblaue, eisartige oder eine blassblaue -Farbe. (Fig. 9). Bald treten vom Rande -ein oder mehr Fäden aus, welche gleichfalls -wellenartig über die Gelatine verlaufen. Von einigen Punkten aus läuft ein Faden ganz -isoliert weiter, an andern Stellen geschieht das Auswachsen von der Mutterkolonie<span class="pagenum"><a name="Page_50" id="Page_50">[ 50]</a></span> -mittels mehrerer Fäden, welche neben einander sich ausstrecken. Es will mich bedünken, -dass die Bakterien in den isolierten Fäden länger sind als dort, wo Gruppen von Fäden -sich einen Weg durch die Gelatine bahnen. Bei 24° C., nach 3 × 24 Stunden sinkt -die jetzt grünliche Kolonie, während sie radiale Falten bildet, peptonisiert die Gelatine -sehr schwach und bildet dann an ihrer Oberfläche ein grünliches gefaltetes Häutchen. -Die Bakterie entwickelt Ammoniak aus diesem Nährboden. Bei einem durch Carbolfuchsin -gefärbtem Klatschpräparat sieht man bei den jungen Kulturen die schöne -Lage der Fäden und ihren Fortschritt über die Gelatine. Die Kolonien unter der -Oberfläche bleiben klein, erscheinen gelb und sind rund oder linsenformig.</p> - -<p>Der Gelatinestrich ist ebenso wie das Wachstum auf den Platten, er zeigt -aber die blaue eisartige Färbung der Kolonie in ihrem gelappten Rand noch zierlicher. -Die Gelatine verfliesst nach ein paar Tagen bei Zimmertemperatur, wobei sie ein -runzliches, graulichgrünes Häutchen mit sich führt.</p> - -<p>Der Gelatinestich lässt erkennen, dass die Bakterie eine aerobe ist, sie verfliesst -oben und bildet oft in der Nähe der Oberfläche weiche, kleine, baumartige Ausläufer.</p> - -<p>Der Stich in glukosehaltiger Gelatine ist kräftiger entwickelt als in der gewöhnlichen -Gelatine; eine Gasbildung wird jedoch nicht dabei wahrgenommen.</p> - -<p>Der Strich auf dem gewöhnlichen alkalischen Agar ist hellgrau und glänzend. -Das Temperaturoptimum liegt zwischen 37 und 40° C.</p> - -<p>Der Stich in alkalischem Agar zeigt wie der Gelatinestich sehr schwache Ausläufer; -das Wachstum weist auch hier auf eine aerobe Bakterie. In alkalischer Bouillon -entstehen Flöckchen, die von der Oberfläche nach dem Boden des Reagierröhrchens -hinabsinken; daselbst entsteht ein schleimiges Sediment, dass sich beim Schütteln -spiralförmig in die Höhe windet und am Boden festgeklebt bleibt. Auch hier bildet -sich Ammoniak, das mittels Lakmuspapier und Aufnahme des Gases in <em class="gesperrt">Nessler's</em> -Flüssigkeit bei Zimmertemperatur nachgewiesen werden kann. Das Wachstum in -Bouillon, welche 2 % Glukose enthält, ist kräftiger, als in zuckerfreier Bouillon.</p> - -<p>In saurer Bouillon findet kein Wachstum statt.</p> - -<p>Auf einem Nährboden, der wie folgt zusammengesetzt ist, wächst die Bakterie -ausserordentlich gut:</p> - -<div> -<table class="center" border="0" cellpadding="6" cellspacing="0" summary=""> -<tr> -<td>Tabakssaft </td> -<td>15.0</td> -</tr> - -<tr> -<td>Kaliumphosphat</td> -<td>0.050</td> -</tr> - -<tr> -<td>Asparagin </td> -<td> 0.5</td> -</tr> - -<tr> -<td>Glukose</td> -<td>2.0</td> -</tr> - - -<tr><td>Agar</td> -<td>2.0</td> -</tr> - -<tr> -<td>Wasser</td> -<td>100.0</td> -</tr> - -<tr> -<td>Reaction</td> -<td>schwach alcalisch.</td> -</tr> - -</table></div> - -<p>Die Strichkultur ist auf diesem dunkeln Agar-Nährboden grau, glänzend, glatt,<span class="pagenum"><a name="Page_51" id="Page_51">[ 51]</a></span> -dick und mit scharfem Rande versehen. Konnte ich in den soeben beschriebenen -Nährböden, auch nach monatelanger Beobachtung, wenig Veränderung in der Form -des Bakterienkörpers wahrnehmen, so liegt hier die Sache ganz anders. Nach einer -Woche erleiden die Stäbchen eine eigentümliche -Veränderung (Fig. 10). Oberflächlich betrachtet -wäre man geneigt anzunehmen, dass wir es hier -nicht mit einer Reinkultur zu thun haben. Nachdem -das intensive Wachstum auf dem Tabakssaftenthaltenden -Medium stattgefunden hat, -verdicken sich die Stäbchen und gehen ein, -wobei nicht selten die Lage der Individuen an -Saccharomyceten denken lässt. Einige Stäbchen, -welche mehr Lebensenergie besitzen, haben noch -ihre Form behalten, während auch ihr Bakterienkörper -mehr gleichmässig die basischen Anilinfarben -aufnimmt. Wenn man sie während -15-30 Sekunden mit kaltem Karbolfuchsin -färbt, kommt der Unterschied in der Beschaffenheit des Bakterienprotoplasmas -mehr zum Vorschein. Das Protoplasma erleidet von einem Punkte aus eine -Veränderung. Diese Veränderung greift von dort aus mehr und mehr um sich, bis -endlich der ganze Körper, ausgenommen die beiden Enden, die Eigenschaft verloren -hat, den Farbstoff gleichmässig festzuhalten. Die Enden des Stäbchens färben sich -viel stärker als der Inhalt. Meistens sind noch ein oder mehrere Pünktchen im -Körper nachzuweisen, die gleichfalls den Farbstoff stärker aufnehmen.</p> - -<div class="figleft" style="width: 200px;"> -<img src="images/fig10.jpg" width="200" height="201" alt="" /> -<div class="caption"><p>Fig. 10.</p></div> -</div> - -<p>Nach einigen Sekunden Färbung habe ich oft ein schwach gefärbtes Pünktchen -sich längs einer der Seiten im Bakterienkörper hin und her bewegen sehen, als ob -da gewissermassen ein Todeskampf dem chemischen Agens gegenüber stattfände. -Legt man von diesen Hemmungsbildungen Strich- oder Plattenkulturen an, so zeigt -sich wieder die Stäbchenform, während einige der älteren Formen noch im -Ruhezustand sind, jedoch erkennt man leicht, dass man es mit einer Reinkultur -zu thun hat. Dieser Nährboden ist noch weiter merkwürdig, da die Bakterie hier -bei 37° C. noch mit einem Alkaliegehalt von 15 cm<sup>3</sup> normal KOH auf 100 Teile -Nährboden wächst.</p> - -<p>In einer Tabakssaftlösung, wie sie oben angegeben, zeigen sich die nämlichen -Erscheinungen. Hierin kommen lange Fäden mit kurzen Gliedern zur Entwicklung. Auch -dies Nährmaterial entwickelt Ammoniak. Von Natur liefert der Tabakssaft der grünen -und trocknen Blätter Nitrat, welches von der Bakterie zu Nitrit reduziert wird.</p> - -<p>Die Bakterie trübt eine schwach alkalische Tabakssaftflüssigkeit und Wasser -(20 : 100) während sie kleine Flöckchen bildet.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_52" id="Page_52">[ 52]</a></span></p> - -<p>In einer von Haus aus schwach sauren, Tabakssaft enthaltenden Flüssigkeit -findet anfänglich fast kein Wachstum statt. Der Säuregehalt vermindert langsam, -damit wächst die Bakterie dann besser.</p> - -<p>Der Bacillus Tabaci I wächst zu sehr langen Fäden mit kurzen Gliedern in -einer Flüssigkeit, die auf folgende Weise zusammengesetzt ist:</p> - -<div > -<table class="center" border="0" cellpadding="6" cellspacing="0" summary=""> - -<tr> -<td>Kaliumphosphat</td> -<td> 0.050</td> -</tr> - -<tr> -<td>Asparagin</td> -<td>0.5</td> -</tr> - -<tr> -<td>Glukose</td> -<td> 2.</td> -</tr> - -<tr> -<td>Wasser </td> -<td> 100.</td> -</tr> - -<tr> -<td>Reaction </td> -<td> nicht geändert.</td> -</tr> - -</table></div> - -<p>Das Asparagin wird zersezt und als Zersetsungsprodukt ist Ammoniak nachzuweisen, -sowohl wenn man rotes Lakmuspapier über der Flüssigkeit anbringt, als -dadurch, dass man beim Erhitzen, die gasförmigen Zersetzungsprodukte in <em class="gesperrt">Nessler's</em> -Flüssigkeit auffängt. Dies Reagens kann man nicht anwenden im Kulturmedium, da -Glukose bei niedriger Temperatur gleichfalls mit gelber Verfärbung auf <em class="gesperrt">Nessler's</em> -Flüssigkeit einwirkt.</p> - -<p>Damit man die Wirkung auf Nitrat beobachten könne, wird die Bakterie in -die hierunten angegebene Flüssigkeit geimpft.</p> - -<div> -<table class="center" border="0" cellpadding="6" cellspacing="0" summary=""> - -<tr> -<td>Kaliumphosphat</td> -<td>0.050</td> -</tr> - -<tr> -<td>Asparagin</td> -<td>0.5</td> -</tr> - -<tr> -<td>Kaliumnitrat</td> -<td> 0.2</td> -</tr> - -<tr> -<td>Glukose</td> -<td>2.0</td> -</tr> - -<tr> -<td>Wasser</td> -<td>100.</td> -</tr> - -<tr> -<td>Reaction</td> -<td>nicht geändert.</td> -</tr> - -</table></div> - -<p>Sowohl diese als die vorige Flüssigkeit reagiert sehr schwach alkalisch. Die Bakterie -zersetzt hier das Nitrat zu Nitrit, welches man leicht mit der bekannten Jodzinkstärkelösung -und sehr deutlich mit Metaphenylendiamin nachweisen kann.</p> - - -<p>Bei den oben angegebenen Nährböden ist, unter gleichen Bedingungen wie Grösse -der Gefässe, Temperatur u. s. w. nach der colorimetrischen <em class="gesperrt">Fleck'</em>schen Methode -mehr Ammoniak nachzuweisen; woraus folgt, dass wie bei den <em class="gesperrt">Petri'</em>schen und -<em class="gesperrt">Lewandowski'</em>schen Versuchen der <i>Bacillus Proteus vulgaris</i>, auch der <i>Bacillus -Tabaci I</i> Nitrat zu Nitrit und teilsweise zu Ammoniak reduziert.</p> - -<p>Gelatine-Nährböden, welche aus Pflanzensäften (Leguminosen) mit Hinzufügung -von 2% Glukose zusammengesetzt sind, lassen die B. T. I nicht zur Entwicklung -kommen. Wenn die Reaktion schwach alkalisch genommen wird, so tritt eine sehr- -kräftige Verflüssigung ein.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_53" id="Page_53">[ 53]</a></span></p> - -<p>Weder in saurem noch alkalischem Malz (gehopfte Würze aus den Tropfsäcken) -findet Entwicklung statt.</p> - -<p>In <em class="gesperrt">Löfflers</em> Bouillon wird kein Indol gebildet.</p> - - -<p>Auf Kartoffeln, sowohl normalen wie alkalischen, findet ein kräftiges Wachstum -statt. Auch hier wird die Alkalessenz vorgezogen. Es bildet sich eine -graulichbraune, dicke, glänzende Kultur. Monatelang sieht man darin microscopisch -die Stäbchenform.</p> - -<p>Auf alkalischer Kartoffelgelatine ist das Wachstum ein sehr langsames.</p> - -<p>Milch, sowohl die normale als die alkalische oder saure, wird nicht von der -Bakterie verändert, ebensowenig wächst sie auf Blutserum.</p> - -<p>Wenn auch Zahlenangaben über eine Verminderung von Glukose ohne besonderen -Werth sind, weil wir es mit eine aëroben Bakterie zu thun haben, ist es -doch wichtig zu wissen, dass die Glukose zersetzt wird.</p> - -<p>In ein <em class="gesperrt">Erlenmeyer</em>'sches Kölbchen wurden 100 cm³ der auf Seite 50 -angegebenen Flüssigkeit (ohne Agar) gebracht und mit der Bakterie geimpft. -Nach verlauf van 8 Tage war der Glukosegehalt von 2% auf 1.6-1.7% vermindert.</p> - -<p>Vorher habe ich schon angegeben, dass keine Vergährung der Glukose stattfindet. -Nach der Möglichkeit, ob Milchsäure oder eine andre organische Säure gebildet wird, -werden Versuchen angestellt.</p> - -<p>Der Bacillus Tabaci I ist eine obligat aërobe, unbewegliche Bakterie, welche -auf verschiedenen Nährböden sehr verschieden ist in der Grösse. Sie färbt sich -leicht mit den basischen Anilinfarben, dagegen entfärbt sie sich nach der Methode -<i>Gram</i>. Sie bildet keine Sporen und wird bei 100° C. innerhalb einer Minute getötet. -Sie stirbt bei folgender Temperatur:</p> - -<div > -<table class="center" border="0" cellpadding="6" cellspacing="0" summary=""> -<tr> -<td>100° C.</td> -<td>innerhalb</td> -<td></td> -<td>1</td> -<td>Minute.</td> -</tr> - -<tr> -<td>60° C.</td> -<td>nach</td> -<td></td> -<td> 5</td> -<td>Minuten.</td> -</tr> - -<tr> -<td>55° C.</td> -<td> "</td> -<td></td> -<td>15</td> -<td> "</td> -</tr> - -<tr> -<td>50° C.</td> -<td> "</td> -<td> 30</td> -<td></td> -<td>"</td> -</tr> -</table></div> - -<p>Diese Bakterie gehört, den beschriebenen Eigenschaften nach, zu der Gruppe -der »<i>Proteus</i>«.</p> - -<p>Der <i>Diplococcus Tabaci Hollandicus</i> zeigt viel weniger Abweichung in seinem<span class="pagenum"><a name="Page_54" id="Page_54">[ 54]</a></span> -Wachstum als der B. T. I. Die beiden Coccen haben eine Länge von etwa 2.5 Mikron. -In allen Kulturen findet man auch isolierte -Coccen. (Fig. 11).</p> - -<div class="center"> -<img src="images/fig11.jpg" width="200" height="198" alt="" /> -<div class="caption"><p>Fig. 11.</p></div> -</div> - -<p>Dieser Diplococcus wächst auf der schwach -alkalischen Gelatineplatte als eine scharf begrenzte, -runde, glänzende, citronengelbe, kleine -Kolonie, woran nicht viel besonderes zu bemerken -ist. Bei Zimmertemperatur wächst der Organismus -am besten und entwickelt Ammoniak -wie der B. T. I.</p> - -<p>Der Gelatinestich hat auch hier eine -citronengelbe Farbe und lässt erst nach einigen -Wochen eine sehr schwache Verflüssigung -erkennen.</p> - -<p>Der Gelatinestich bietet nichts Besonderes; -nur erkennt man an ihm schon den aëroben Charakter der Kultur.</p> - -<p>Auf alkalischem Agar wachst der Diplococcus gleichfalls sehr langsam und -bildet eine citronengelbe Kolonie, welche sich allmählich in die Breite ausdehnt. -Der Stich in Agar zeigt auch hier nichts Bemerkenswerthes.</p> - -<p>Alkalische Bouillon wird schwach getrübt, während auch die saure Bouillon sich -wenig verändert.</p> - -<p>Auf dem Agartabakssaftnährboden, wie er beim B. T. I beschrieben worden, -wächst der Diplococcus mit einer gelblichgrauen Farbe. Die Alkalitätsgrenze liegt -hier bei 3 cm³ normal KOH auf 100 Teile Nährboden, ist also viel niedriger als -beim B. T. I gefunden worden ist.</p> - -<p>Auch in einer derartig zusammengesetzen Flüssigkeit findet Wachstum statt; -dabei werden die Lagen an der Oberfläche, welche mit der Luft in Berührung -kommen, etwas dunkel gefärbt.</p> - -<p>Der Diplococcus verträgt im Gegensatz zu dem B. T. I ein <i>saures</i> Medium.</p> - -<p>In der beschriebenen Asparagin-Flüssigkeit kommt der Diplococcus nicht zur -Entwicklung.</p> - -<p>Gelatinenährböden, welche aus Pflanzensäften mit Hinzufügung von 2% Glukose -zusammengesetzt sind, verflüssigen sich schneller als die gebräuchliche Nährgelatine, -die alkalisch reagiert. Auch auf saurer Malzgelatine wächst der Diplococcus mit -einer gelblichweissen Farbe, wobei er sehr langsam die Gelatine verflüssigt.</p> - -<p>In saurem Malz entsteht ein geringer Niederschlag.</p> - -<p>Auf Kartoffel, welche schwach sauer reagiert, wächst der Diplococcus langsam -mit einer prachtvoll citronengelben Farbe, während er auf alkalischer Kartoffel -fast nicht wächst.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_55" id="Page_55">[ 55]</a></span></p> - -<p>Milch, sowohl normale wie alkalische oder saure, wird nicht vom Diplococcus -verändert.</p> - -<p>Auf Blutserum entsteht sehr langsam eine hell-graulich-gelbe Kolonie.</p> - -<p>Der Diplococcus ist ebenso wie der B. T. I ein obligat aërober Organismus, -welcher sich nicht bewegt; vielleicht besitzen die Diplococcen, welche von der -sauren Malzgelatine genommen wurden, einige Bewegungsfähigkeit.</p> - -<p>Es besteht wenig Unterschied in der Länge der Diplococcen auf den verschiedenen -Nährböden.</p> - -<p>Der Organismus färbt sich leicht mit den basischen Anilinfarben und entfärbt -sich nach der <i>Gramschen</i> Methode. Bei der Färbung fallen die Diplococcen gewöhnlich -auseinander, wobei zugleicherzeit die nicht selten ovale Form der kugelrunden -weicht.</p> - -<p>Der Diplococcus wird bei der nämlichen Temperatur getötet, wie der B. T. I.</p> - -<p>Es findet keine Indolbildung statt.</p> - -<p>Auf den beschriebenen Nährböden hat der Diplococcus sein kräftigstes Wachstum -bei 24°-30° C.</p> - -<p>Merkwürdig ist die Eigenschaft, dass er im Gegensatz zu dem B. T. I eine -saure Umgebung verträgt und sich darin vermehrt, während der B. T. I bei höherer -Alkalität ebenso gut wächst als bei niedrigerer.</p> - -<p>Hiermit sind die vornehmsten Eigenschaften des Diplococcus beschrieben; -Morphologie und Biologie bieten also hier nicht so viel Merkwürdiges als bei -dem B. T. I.</p> - - -<p>Ausser den beschriebenen Mikroorganismen sind immer in grösserer oder -geringerer Menge <i>während</i> der Gährung »<i>Proteusarten</i>« von mir gefunden worden. -Auch deren Morphologie und Biologie ist höchst interessant. Schon früher habe ich -in Kürze ihr Wachstum auf den verschiedenen Nährböden angegeben und abgebildet -und zugleicherzeit die fakultative anaërobe B. T. III behandelt, welche wahrscheinlich -einen nicht geringen Anteil an der Temperaturerhöhung hat.</p> - -<p>Die <i>Proteusarten</i>, welche keine Sporen bilden und bei 50° C. schon nach -kurzer Zeit sterben, sind also nach einem günstigen Verlauf der Fermentation -<i>nicht mehr zurückzufinden</i>.</p> - -<p>In den meisten Fällen sieht man im allgemeinen Grade bei der Bruttemperatur -von 37° C. (30-40), dass die Mikroben kräftigere Lebensenergie besitzen. Jene -Lebensenergie geht mit dem schnellen Temperaturwechsel zusammen, welcher -zwischen 30-40° C. bei unserer holländischen Tabaksgährung beobachtet wird.</p> - -<p>Hier schliessen sich die beschriebenen Versuche mit den Reinkulturen der -<i>Proteusartigen</i> an, welche immer in grosser Zahl <i>während</i> der Gährung bei -30-40° C. nachgewiesen werden können, und die bei der darauffolgenden langsamen<span class="pagenum"><a name="Page_56" id="Page_56">[ 56]</a></span> -Temperaturerhöhung, wie schon früher von mir beschrieben wurde, langsam -aber gewiss ihrem Tode entgegen gehen.</p> - -<p>Diese <i>Proteusarten</i> entwickeln sich zu gleicher Zeit mit dem B. T. I (der gleichfalls -zu dieser Gruppe gehört) und mit dem Diplococcus beim Anfange der Fermentation. -Erst hört der Diplococcus auf, sich zu vermehren (nahe bei 30° C.), wonach -die <i>Proteusarten</i> energisch zu leben anfangen, sodass nicht selten die Temperatur -<i>innerhalb 24 Stunden von</i> 31° auf 34° C. <i>steigt</i>. Die Subtilis, die Mycoides und -andere Bakterien, welche obligat aërob sind, jedoch in grosser Minderheit in -diesem Stadium der Fermentation über die Blattoberfläche verteilt sind, werden -gleichfalls den Sauerstoff aus dem Haufen benutzen und dadurch mit Ursache -sein, dass die Gruppe der <i>Proteus</i> (B. T. IV u. a. aber nicht der B. T. I) ihren -anaëroben Charakter offenbart. Weil diese bei höherer Temperatur und der damit -zusammenhängenden verringerten Lebensenergie einen verminderten Stoffwechsel -haben, so wird die Temperatur von nun an langsamer steigen, bis der Tod der -<i>Proteus</i> eintritt. Die übriggebliebenen Bakterien leben noch weiter in dieser so -veränderten Umgebung und bilden schliesslich Sporen, wodurch der biologische -Prozess dieser Gährung zum Stehen gebracht wird.</p> - -<p>Der Tabakshaufen wird bei 52°-56° C. umgesetzt, sodass neue Blätter, welche -sich noch nicht an der Fermentation beteiligten, nach innen kommen und der -Prozess wiederum von neuem anfängt. Die Personen, welche sich bei uns mit der -Fermentation beschäftigen, versicherten mir, dass der Tabak, welcher einmal an -der Brühung Teil genommen hat, nicht mehr im Stande sei, von neuem in energische -Gährung zu treten. Dies erklärt sich durch das Absterben des Diplococcus und des -B. T. I nebst der andern <i>Proteusarten</i> bei ungefähr 50° C.</p> - -<p>Die Gährung unseres Tabaks hat also verschiedene Phasen aufzuweisen, welche -mit dem Temperaturoptimum der wirksamen Bakterien übereinstimmen.</p> - -<p>Die Gährung wird also von Aëroben und facultative Anaëroben eingeleitet und -vollendet.</p> - -<p>Den Forschern, welche sich also mit der Beobachtung der Fermentation -des Tabaks von irgend welchem Weltteil beschäftigen, muss man also aus -den beschriebenen Gründen anraten, die Blätter <i>während</i> der Gährung zu untersuchen<a name="FNanchor_F_6" id="FNanchor_F_6"></a><a href="#Footnote_F_6" class="fnanchor">[F]</a>.</p> - -<p>Der angezeigte Weg möchte das Anfertigen einer graphischen Darstellung der -Temperaturerhöhung sein, woraus man am besten erkennen kann, wie die Temperatur -verläuft. Nachher können links und rechts von den Stellen der Linie, wo -die stärkste Steigung der Temperatur wahrgenommen wird, Plattenkulturen angelegt<span class="pagenum"><a name="Page_57" id="Page_57">[ 57]</a></span> -werden, damit beobachtet werden könne, welche Mikroorganismen auftreten, -welche bei einer bestimmten Temperatur eine kräftige Lebensenergie besitzen, und -welche von ihnen bei höherer Temperatur nicht mehr aufgefunden werden, also -gestorben sind.</p> - -<p>Weiter bemerke ich hier, dass man bei einem biologischen Prozesse, wie er hier -stattfindet, nicht erwarten muss, dass durch die Bakterien das Gewebe vernichtet -wird. Denn die verschiedenen Mikroorganismen scheiden Stoffe aus, welche sich durch -die Stomata, Membrane und Gefässe verbreiten können, um da ihre chemische Wirkung -zu entfalten.</p> - -<p>Wahrscheinlich sind dies günstig wirkende Enzyme oder andere höchst zusammengesetzte -Körper.</p> - -<p>Bei dem Delitabak, der bei mir in Fermentation gebracht wurde, fand ich eine -mit unsrer einheimischen Tabaksgährung analoge Gährung. Ich sah dort bestimmte -Sorten von Mikroorganismen auftreten, andere bei höherer Temperatur kräftiger -leben, dagegen wieder andere sterben. Ich erwähne hier nur ein Stäbchen, welches -von einer, auf alkalischer Gelatine wachsenden, runden, blauglänzenden Kolonie -herstammte, welches sich bei 37° C. nicht mehr vermehrt und bei 50° C. stirbt. -Welche Funktion dieses bei der Gährung ausübte, konnte ich praktisch nicht -bestimmen, jedoch bleibt in dergleichen Fällen die Möglichkeit, dass die nur kurze -Zeit lebenden Mikroorganismen ein Enzym bilden können, das grade bei höherer -Temperatur kräftiger einwirkt.</p> - -<p>Aus dieser umfangreichen Untersuchung der Fermentation geht hervor, dass -»Bakterien«, also Mikroorganismen, die Gährung einleiten und beendigen. Von einer -eigentlichen »<i>Gährung</i>«, wobei <i>massenhaft entweichende Gase</i> entstehen, kann man -allerdings hier <i>nicht</i> sprechen.</p> - -<p>Im Vorstehenden habe ich beschrieben, wie Mikroorganismen während ihrer -Lebensfunktionen das Blatt angreifen, Ammoniak entwickeln, Glukose, Nitrate und -Asparagin zersetzen, um schließlich aus dem Tabake ein Produkt zu bilden, wie -es der Handel wünscht. Ebenso habe ich die Wirkung der wiederholten künstlichen -Impfung mit Reinkulturen beschrieben und auf dem Wege der Empirie -gezeigt, welche Veränderungen in Geruch, und Brennbarkeit dabei auftreten. Die -weitere Erfahrung muss zeigen, welchen Nutzen die Praxis aus dem bisher -Erkannten ziehen kann.</p> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_58" id="Page_58">[ 58]</a></span></p> - - - - -<h2><a name="Gifte_und_Infektionskrankheiten" id="Gifte_und_Infektionskrankheiten">Gifte und Infektionskrankheiten.</a></h2> - - -<p>Die Fleckenkrankheit beim Tabak ist noch immer ein Gegenstand des Studiums, -und wenn auch die wahre Ursache, die nur durch das Experiment festzustellen ist, -noch nicht bekannt geworden, so habe ich doch Beobachtungen genug, um ein Urteil -über ihr Wesen abgeben zu können. Meine Untersuchungen sind von langer Dauer -gewesen, weil die Erscheinungen, welche ausschliesslich bei dieser Krankheit auftreten, -sich bei den gesunden Pflanzen in den günstigsten Verhältnissen erst drei Wochen -nach der Infektion zu zeigen anfangen. Eine grosse Zahl von Pflanzen sind von mir -verschiedenen Versuchen unterzogen worden. Dass hier ein sehr toxischer Stoff -wirksam ist, geht schon aus der Thatsache hervor, dass 5 mgr. eines getrockneten -kranken Blattes im Stande sind, die kräftigsten Pflanzen zu infizieren. (Ich gebrauche -hier das Wort Infektion und nicht Intoxikation; später wird sich zeigen aus welchem -Grund). Wie ich früher schrieb, habe ich oft, jedoch <i>nicht immer</i>, eine Mikrobe isolieren -können, welche ein infizierendes Vermögen besitzt.</p> - -<p>Wenn wirklich Bakterien Ursache der Fleckenkrankheit sind, so müssen diese -doch immer aus kranken Exemplaren von <i>Nicotiana</i> isoliert werden können, um -den Beweis zu liefern, dass nur ihnen eine infizierende Kraft zukommt. Bis jetzt -ist noch nicht eine Bakterie in Kultur gebracht worden, welche für <i>Nicotiana</i> als -pathogen zu betrachten ist. Aus der grossen Menge Versuche werden wir ersehen, -dass wir es zu thun haben mit einem schweren Gifte, gebildet von unbekannten -Mikroorganismen, oder richtiger gesagt, von unsichtbaren Teilchen, welche sich selbst -vermehren und sich in den Pflanzen, oder auch in der Nähe derselben, befinden -können.</p> - -<p>Wenn wir nach dem heutigen Stand der Wissenschaft folgende Regel, welche -bei den Infektionskrankheiten beobachtet wird, festhalten, so handelt es sich hier -um allerwinzigste Wesen, Teilchen, welche sich vermehren, und welche als Gift -für die Pflanzen zu betrachten sind.</p> - -<p>I. Wenn der durch eine <em class="gesperrt">Chamberland</em>-Pasteurkerze filtrierte kranke Blattgewebesaft -gesunde Pflanzen infiziert, und dieser Saft wieder nach Filtration neue -Exemplare u. s. w., so haben wir es mit Mikroorganismen zu thun, mit einem -infektiösen Pflanzen-Krankheitskeim (vergleiche später Maul- und Klauenseuche).</p> - -<p>II. Wenn der filtrierte kranke Blattgewebesaft in gesunde Pflanzen hineingebracht -wird und die Krankheit verursacht, wenn weiter der aus den zweiterkrankten -Pflanzen gewonnene Saft wieder nach Filtration einer neuen Reihe Pflanzen eingespritzt -wird, und dies keine Krankheit erregt, so handelt es sich um toxische Stoffen, welche -gebildet sind von Mikroorganismen in der ersten Versuchsreihe (wie bei Diphtherie, -Tetanus.)</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_59" id="Page_59">[ 59]</a></span></p> - -<p>Ehe ich mich über diesen Gegenstand verbreite, folgen hier einige allgemeine -Betrachtungen über Gifte und Infektionskrankheiten. Eine Übersicht hiervon ist -notwendig, um später die Fleckenkrankheit damit vergleichen zu können.</p> - -<p>Zuerst hat man Gifte, welche von Mikroorganismen erzeugt werden, abgesondert -aus faulenden organischen Stoffen. Es waren meist stickstoffhaltige Basen. <em class="gesperrt">Selmi</em> -nannte diese entweder giftigen oder nicht giftigen Basen »Kadaver-Alkaloide« oder -»Ptomaine«. Damals waren diese Gifte noch nicht chemisch rein gewonnen sondern -noch mit toxisch wirkenden Extraktionsstoffen vermischt. Erst <em class="gesperrt">Nencki</em> gelang es, -aus faulender Gelatine und faulendem Eiweiss einen kristallinischen Stoff zu isolieren -von der Zusammensetzung C<sub>8</sub> H<sub>11</sub> N mit einer wahrscheinlichen Struktur von:</p> - -<div > -<table class="center" border="0" cellpadding="2" cellspacing="0" summary=""> - -<tr> -<td></td> -<td>— CH<sub>3</sub> —</td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td>C<sub>6</sub> H<sub>4</sub></td> -<td></td> -<td> NH<sub>2</sub></td> -</tr> - -<tr> -<td></td> -<td>— CH<sub>2</sub> —</td> -<td></td> -</tr> -</table></div> - -<p>Diese Basis ist also isomer mit <i>Collidin</i>, doch verhält sich bei Erhitzung -anders. Von vielen Forschern wurden bald toxische Stoffe in sehr reinem Zustande -isoliert, so z. B. von <em class="gesperrt">Gautier</em> 2 Alkaloide aus faulendem Fisch, <i>Parvolin</i>, C<sub>9</sub> H<sub>13</sub> N, -und das stark reduzierende <i>Hydrocollidin</i>, C<sub>8</sub> H<sub>13</sub> N; von <em class="gesperrt">Guareschi</em> aus faulendem -Rindfleisch eine Basis von der Zusammensetzung C<sub>10</sub> H<sub>15</sub> N.</p> - -<p>Dieses Suchen nach den Giften ist mit eigentümlichen Schwierigkeiten verbunden. -Nicht nur, dass der Amylalcohol, welchen man beim Ausschütteln der -Flüssigkeiten nötig hat, selbst Spuren von Giften enthält, sondern nach <em class="gesperrt">Gram</em> -könnte auch das <i>Cholin</i>, welches, nach <em class="gesperrt">Brieger</em> wieder, immer die <i>Ptomaine</i> -begleitet oder einen Teil derselben ausmacht, leicht in das giftige <i>Neurin</i> übergeführt -werden.</p> - -<p>Besonders <em class="gesperrt">Brieger</em> hat die Untersuchungen der Gifte übernommen und glänzende -Resultate erzielt. Aus verschiedenen faulenden Substanzen hat er stickstoffhaltige -Basen isoliert, von denen viele keine giftige Wirkung zeigten, andere dahingegen -als schwere Gifte auftraten. Letztere nannte er »<i>Toxine</i>«.</p> - -<p>Zu den nicht giftigen oder zu denen, welche erst in grossen Dosen als Gift -wirkten, gehören:</p> - -<p><i>Neuridin</i>, C<sub>5 </sub> H<sub>14</sub> N<sub>2</sub>, welches sich allgemein vorfindet beim Faulen von Käse, -Fleisch und nach 3 Tagen bei der Fäulnis von Menschenleichen,</p> - -<p><i>Gadinin</i>, C<sub>7</sub> H<sub>17</sub> NO<sub>2</sub>, aus faulendem Fisch,</p> - -<p><i>Cadaverin</i>, C <sub>5</sub> H <sub>16</sub> N <sub>2</sub>, in Leichnamen nach dem 4<sup>ten</sup> Tage,</p> - -<p><i>Putrescin</i>, C<sub>4</sub> H<sub>12</sub> N<sub>2</sub>, wie oben,</p> - -<p><i>Saprin</i>, wie oben,</p> - -<p><i>Cholin</i>, C<sub>5</sub> H<sub>15</sub> NO<sub>2</sub>, wie oben, aber in den ersten Tagen; es zersetzt sich später -in <i>Di-</i> und <i>Trimethylamin</i> und <i>Triaethylamin</i>;</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_60" id="Page_60">[ 60]</a></span></p> - -<p>das <i>Cholin</i> ist zu betrachten als <i>Trimethyl-oxyaethylammonium-hydroxyd</i>. (CH<sub>3</sub>)<sub>3</sub> N. -OH. C<sub>2</sub> H<sub>4</sub> OH;</p> - -<p><i>Mydatoxin</i> und <i>Mydin</i>, wie oben.</p> - -<p>Zu den äusserst giftigen Basen gehören:</p> - -<p><i>Peptotoxin</i>, der giftige Bestandteil vieler Peptone; es entsteht z. B. auch bei -der Verdauung von Fibrin durch künstlichen Magensaft, wahrscheinlich ebenfalls -durch die peptonisierende Wirkung von Mikroben,</p> - -<p><i>Neurin</i>, C<sub>5</sub> H<sub>13</sub> N O, aus faulendem Fleische nach 5-6 Tagen,</p> - -<p><i>Muscarin</i>, C<sub>5</sub> H<sub>15</sub> N O<sub>3</sub>, ein Oxydationsprodukt von <i>Cholin</i>,</p> - -<p><i>Tyrotoxicon</i>, ein schweres Gift, gefunden in Vanille-Eis von <em class="gesperrt">Vaughan</em>, weiter -in Milch und vielen andern Nahrungsmitteln, besonders während der heissen -Sommertage.</p> - -<p>Chemisch nähert sich dieser Körper den <i>Diazobenzol</i>-verbindungen. Die toxische -Wirkung giebt sich durch Diarrhöen kund. Es ist <em class="gesperrt">Flügge</em> gelungen, dieses heftig -wirkende Gift abzusondern und durch Versuche an Tieren zu zeigen, dass furchtbare -Diarrhöen dadurch entstehen können, und sogar der Tod eintreten kann.</p> - -<p>Man behauptet, dieses Gift entstehe durch eine sporenbildende, mittels Abkochung -nicht zu tötende Bakterie, welche bei der günstigen Temperatur, wodurch -im Sommer schnelle Vermehrung stattfindet, das Eiweiss so zersetzt, dass heftig -wirkende Toxine gebildet werden.</p> - -<p>Noch bedeutender waren die Untersuchungen der Gifte, welche aus Reinkulturen -gewonnen waren. Auch hier hat <em class="gesperrt">Brieger</em> sich äusserst verdienstlich gemacht. Er -bekam aus dem <i>Staphylococcus pyogenes aureus</i> und dem <i>Streptococcus pyogenes</i> -nicht giftige Ptomaine. Ersterer entwickelt hauptsächlich Ammoniak, letzterer -Trimethylamin. Aus Typhusbacillen erhielt <em class="gesperrt">Brieger</em> einen sehr toxischen Stoff, -das <i>Typhotoxin</i> C<sub>7</sub> H<sub>17</sub> N O<sub>2</sub>. Weiter aus Cholera-Mikroben <i>Spermin</i>, aus Tetanusbacillen -4 Toxine, von denen das <i>Tetanin</i> sehr giftig ist, dann das <i>Tetanotoxin</i> -und das <i>Spasmotoxin</i>.</p> - -<p>Ausser diesen Alkaloid-artigen Stoffen wurden aus den Reinkulturen anderer -pathogenen Mikroben noch Gifte isoliert, welche eine sehr toxische Wirkung -besitzen, jedoch in chemischer Zusammensetzung sich mehr den Eiweissen nähern -und deshalb auch wohl »<i>Toxalbumine</i>« genannt werden. In wässeriger Lösung -sind diese Gifte von schwachem Bau, da sie schon bei 60° C. in kurzer Zeit, bei -100° sehr schnell zerstört werden. Ferner besitzen sie noch die Eigenschaft, dass -sie in Wasser oder verdünntem Alcohol gelöst, durch starken Alcohol präcipitiert -werden, durch <em class="gesperrt">Chamberland-Pasteur</em>-Kerzen gehen, langsam oder gar nicht -dialysieren und die Eiweissreaktionen geben. Diese Eiweissreaktionen sind nicht -nur dem Eiweisse, sondern auch dessen Zersetzungsprodukten eigen. Das eigentliche -Gift kann also, ausser dem Eiweisse, auch Verunreinigungen zugeschrieben<span class="pagenum"><a name="Page_61" id="Page_61">[ 61]</a></span> -werden. <em class="gesperrt">Brieger</em> und <em class="gesperrt">de Boer</em> nl. haben das Tetanus- und Diphtheriegift durch -Präcipitation mit Zinkchlorid als Doppelverbindung, ausgeschieden und es nicht nur -qualitativ, sondern auch quantitativ bestimmt und zwar aus Lösungen, welche nicht -die Spur von Eiweiss enthielten.</p> - -<p>Die Absonderung der Toxalbumine, Toxine u. s. w. von den Bakterien geschieht -meistens mittels Filtration durch <em class="gesperrt">Chamberland-Pasteur</em>-Kerzen, oder, da sie, -nach <em class="gesperrt">Sirotinin</em>, nicht alle gelösten Stoffe durchlassen, durch <em class="gesperrt">Berckefeld-Nordtmeijers</em> -Infusorienerdefilter.</p> - -<div class="center"> -<img src="images/fig12.jpg" width="438" height="428" alt="" /> -<div class="caption"><p>Fig. 12. Filtration durch eine <em class="gesperrt">Chamberland-Pasteur</em>-Kerze unter dem Drucke -der Wasserleitung.</p></div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_62" id="Page_62">[ 62]</a></span></p> - -<p>In beigehender Figur 12 ist die Einrichtung wiedergegeben, wie sie in meinem -Laboratorium besteht, und wie sie benutzt wird, um die Reinkulturen, welche in -einen Vaporisator gebracht worden sind, in die Tabaksbüschel unter Luftdruck -verstieben zu lassen. Links sieht man eine Wasserstrahlluftpumpe abgebildet, welche -zugleicherzeit durch Wasserleitungsdruck einen konstanten Luftstrom erzielt. Die -Vorrichtung ist oberhalb eines Kübels aufgestellt. Der Wasserleitungshahn lässt -das Wasser (der Minimumdruck ist 2 Atmosphären) in der Richtung der Pfeile W -die Vorrichtung durchströmen, während zugleicherzeit die Luft in der Richtung der -Pfeile L durch die Kautschukverbindung in die rechts abgebildete <em class="gesperrt">Chamberland-Pasteur</em>-Kerze -gepresst wird.</p> - -<p>Diese Kerze ist in einem gläsernen Mantel mit der gebräuchlichen Fürsorge -mittels Watte abgeschlossen, mittels strömenden Wasserdampfes eine Stunde bei -110° C. sterilisiert worden und, um etwaiger Infektion von aussen vorzubeugen, -unmittelbar in Anwendung gebracht.</p> - -<p>Diese Kerze wird nach Benutzung noch mittels Lufteinpressung kontrolliert, -ob sie etwa unsichtbare Sprünge oder Risse hat, in dem Falle bilden sich Luftblasen -unter Wasser. In die Kerze wird ± 20cm<sup>3</sup> kranken Gewebesaftes von <i>Nicotiana</i> -gebracht, der Verschluss hergestellt und die Filtration unternommen. Durch die -zusammengepresste Luft wird innerhalb der Kerze ein Druck ausgeübt, sodass der -grüne, immer bakterienreiche Gewebesaft nun hell braungelb und frei von Bakterien, -die auf der Kerze zurückbleiben, aus der Kerze hervortritt.</p> - -<p>Diese Filtration geschieht sehr langsam und das Filtrat ist vollkommen steril. -Aus der Kontrolleprobe, welche auf dieses Filtrat angewendet wurde, ergiebt sich, -dass 10-20 Tropfen auf dem sauren und alkalischen Nährboden (<em class="gesperrt">Koch</em>) keine -einzige Kolonie entstehen lassen. Alle Mikroben, welche bis jetzt mit den stärksten -Vergrösserungen und als Kontrolle auf von ihnen angelegten Kulturen wahrgenommen -werden können, dringen also nicht durch das unverglaste Porzellan -hindurch.</p> - -<p>Der Fall kann vorkommen, doch er würde einzig dastehen in der Litteratur, -dass bei genannten Vorsorgen Mikroorganismen bestehen (siehe Maul- und Klauenseuche), -welche unmittelbar die Kerze durchdringen, doch deren Dasein sich weder -bei den mikroskopischen Untersuchungen noch nach dem Inkulturbringen auf diversen -Nährboden offenbart. Letzteres ist nicht von so überwiegender Bedeutung, da viele -sichtbare, besonders für den Menschen pathogene Mikroorganismen, lange nicht -beim Züchten auf künstlichen Nährboden zur Entwicklung gebracht werden -konnten.</p> - -<p>Ferner erwähne ich, dass erst neulich (Sept. '98) mir der Fall bekannt geworden -ist, dass ein Filtrat, sichtbar und bei den Untersuchungen, frei von lebenden Wesen, -eine unbegrenzte Infektion von Individuum auf Individuum entfaltete. Ein Gramm<span class="pagenum"><a name="Page_63" id="Page_63">[ 63]</a></span> -kranken Gewebesaftes von <i>Nicotiana</i> enthielt meinen Kulturproben nach -reichlich 2900 Mikroorganismen in sechs Arten, und keine von allen konnte -Pflanzen infizieren.</p> - -<p>Das schon genannte <i>Tetanusgift</i>, genau von <em class="gesperrt">Kitasato</em> studiert, wird bei -Erhitzung auf 65° C. innerhalb weniger Minuten, bei 55° innerhalb anderthalb -Stunden vernichtet.</p> - -<p>Bei Eintrocknung in einem Exsiccator zeigt sich, dass es seine toxische Wirkung -behalten hat. Diffuses Tageslicht nimmt dem Gifte innerhalb einiger Wochen, -helles Sonnenlicht innerhalb 15-18 Stunden seine Wirkung, in beiden Versuchen -mit Zutritt von Luft. <em class="gesperrt">Brieger</em> und <em class="gesperrt">Cohn</em> fanden, dass 0,000.0003 gr. dieses Giftes -innerhalb 4 Tagen eine weisse Maus von 20 gr. tötete, es ist also ein Gift von -eminenter Wirkung. Zum Verständnis der Fleckenkrankheit beim Tabak ist es auch -nicht ohne Interesse, hier zu bemerken, dass <em class="gesperrt">Petri</em> aus Cholerakulturen nebst -anderen Giften auch eine giftigen Substanz isolierte, welche in ihren Reaktionen an -die Peptone denken lässt, das sogenannte <i>Toxopepton</i>, das sogar die Temperatur von -100° C. <i>längere Zeit</i> erträgt, also nicht zersetzt wird, und seine toxische Wirkung -dabei behält.</p> - -<p>Weiter muss bemerkt werden, dass in den ersten Tagen der Fäulnis viele -Fäulnisbakterien zusammen äusserst giftige Toxalbumine erzeugen, dass diese Giftstoffe -jedoch nach Verlauf von 14 Tagen verschwunden sein können. (<em class="gesperrt">Scholl-Nielsen</em>).</p> - -<p>Zum Schluss dieser allgemeinen Betrachtungen, welche notwendig waren zum -Verständnis der Gifte, einige die Fermente betreffende Mitteilungen.</p> - -<p>Unter Enzymen und Fermenten versteht man sehr zusammengesetzte organische, -sich leicht zersetzende Stoffe, welche innerhalb bestimmter Temperaturgrenzen -relativ sehr grosse Mengen anderer Stoffe umsetzen können. In der Physiologie -spielen sie eine grosse Rolle. Ihre Aufgabe ist es, die Stoffe, welche sich in einem, zur -Aufnahme in den Organismus ungeeigneten Zustande befinden, derartig umzubilden, -dass sie aufgenommen werden können.</p> - -<p>Ich nenne hier nur den Übergang von Eiweiss in Pepton, Amylum und Cellulose -in Zucker, Fette in Fettsäure und Glycerin, Saccharose in Glukose und -Fructose u. s. w. Meistens können diese Umsetzungen auch durch physische und -chemische Wirkungen hervorgerufen werden. So u. a. die von Eiweiss in Pepton durch -Wasserdampf unter Druck, die des Rohrzuckers durch die Abkochung mit Säuren; -jedoch sind diese Mittel natürlich für den lebenden Organismus nicht passend. -Aus dem Grunde stehen den lebenden Wesen die Fermente zur Verfügung, sowohl -den am meisten zusammengesetzten wie den einfachsten Wesen. Bei ersteren liegt -die Fermentproduktion in bestimmten Drüsen, bei den letzteren in dem Zellenkörper -selbst. Eine kleine Menge Ferment ist im Stande, eine scheinbar unbestimmte<span class="pagenum"><a name="Page_64" id="Page_64">[ 64]</a></span> -Quantität Stoff umzusetzen, und zwar in solcher Weise, dass das Ferment selbst -sich dabei kaum ändert. Dies war Ursache, dass man früher das Ferment in die -nämliche Klasse wie die allereinfachsten Wesen einreihte, welche Gährung und Fäulnis -zum Vorschein rufen. Lebende Wesen, welche Gährung verursachten und Enzyme, -wurden mit dem nämlichen Namen »Ferment« bezeichnet. Schwieriger wurde die -Unterscheidung da, wo bei der Gährung zugleicherzeit Enzym produziert wurde. -Einen deutlicheren Unterschied kann man erst angeben nach dem Studium der -Gährung und der Enzym-Wirkung.</p> - -<p>Enzyme im engeren Sinne sind chemisch aufgebaute, also unorganisierte Körper. -<em class="gesperrt">Buchner</em> in Tübingen hat in der letzten Zeit Versuche mit dem ausgepressten -Saft feingeriebener Hefezellen angestellt, welcher unter einem Drucke von -500 Atmosphären gewonnen ist. Dieser kann unabhängig von lebenden Wesen die -Gährung erwecken und erhalten. Der Gährungsprozess muss also seiner Meinung -nach nicht als eine physiologische Funktion, sondern als ein verwickelter chemischer -Prozess betrachtet werden, welcher durch einen enzym-artigen Stoff, die <i>Zymase</i>, -hervorgerufen wird, der aber in der Natur nur in der lebenden Hefezelle gebildet -wird. Später stellte sich allerdings heraus, dass dieser ausgepresste Saft eine sehr -beschränkte Wirkung habe.</p> - -<p>Pathogene Mikroorganismen können sich in bestimmten Wesen vermehren, -Krankheiten erregen und sogar den Tod verursachen. Einmal geschieht die Vermehrung -örtlich, d. h. auf oder in sehr begrenzten Teilen des lebenden Individuums, -ein anderes Mal findet man, dass sie sich langsam im Körper oder auch ganz durch -die Organe verbreiten. Es ist also möglich, den Effekt der Infektion an einem -Punkte zu finden, ohne die Mikrobe, welche doch Ursache hiervon ist, entdecken zu -können. All diese Fälle muss man in Betracht ziehen, und sie erleichtern die Untersuchungen -nicht. Alle infektiöse Mikroben haben eine lokale Wirkung und reagieren -kräftig im lebenden Individuum. Jetzt zweifelt man nicht mehr daran, dass solche -Effekte durch die Verbreitung aufgelöster Stoffe entstehen, welche ihren Ausgang -von der Infektionsstelle nehmen, m. a. W. »<i>die Infektion geht zusammen mit einer -Vergiftung</i>«. Auch bei denjenigen Krankheiten, wo die pathogenen Mikroben durch den -ganzen Körper verbreitet sind, wie bei den <i>Septicaemieën</i> der höheren Wesen, muss man -die Anwesenheit solcher Gifte annehmen. Der Unterschied liegt nur hierin, dass im -letzteren Falle das Gift einen kürzeren Weg zurückzulegen hat, um die Zellen und -Gewebe zu erreichen und anzugreifen. Warum sollte dergleichen bei der Pflanze im -allgemeinen nicht auch möglich sein? In der Erde, die sie umgiebt, an den Wurzeln -oder in denselben, in den Gefässbündeln, im Xylem oder Phloëm, im Parenchym -und an andern Stellen können doch auch örtliche Bakterienwucherungen entstehen,<span class="pagenum"><a name="Page_65" id="Page_65">[ 65]</a></span> -welche Gifte absondern und diese weiter führen und dann irgendwo anders das -Bild der Krankheit erzeugen. Bei der Fleckenkrankheit wird aus der grossen Menge -Versuche, welche an Pflanzen von mir gemacht worden sind, erhellen, dass es sich -hier um ein stark wirkendes Gift handelt, welches nach unmittelbarer Wahrnehmung -frei von Mikroorganismen ist, geradeso wie ein offenbar toxischer Stoff gesunde -Pflanzen vergiftet.</p> - -<p>Dies ist nicht unmöglich und schliesst sich dem an, was vorher behandelt -worden ist. Merkwürdiger wird der Fall, wenn diese kranken Pflanzen wieder -gesunde Pflanzen, in einer grossen Reihe auf einander folgender Versuche, befällt -und da eine Infektion erregt. Man müsste also annehmen, dass wir es hier mit -einem sich vermehrenden Gifte zu thun haben, wobei die unmittelbare oder mittelbare -Wirkung der Mikroorganismen notwendig ist.</p> - -<p>Zwar ist z. B. ein Individuum empfänglich für Diphterie, zwar bilden sich da -örtlich die Toxine nach der Infektion und verbreiten sich von da aus, und zwar -lässt das Filtrat der Diphterie-Bouillon-Kulturen ein zweites Individuum erkranken, -aber dieses ist wegen der grossen Abschwächung des Giftes und durch die Bildung -von baktericiden Stoffen nicht im Stande, andere Individuen zu vergiften oder -zu töten.</p> - -<p>Voriges Jahr erzielte ich mit Reinkulturen einer Bakterienart, der <i>Rhizobium -Leguminosarum</i>, und mit einer <i>Beggiatoa</i> Infektion, jedoch nicht immer.</p> - -<p>Wenn ich eine Quantität von krankem Gewebesaft benutze, um Platten davon -anzulegen, so bringe ich doch das unbekannte Virus auf oder in die Gelatine.</p> - -<p>Die ganze Menge Gelatine wird gewiss die Pflanzen vergiften, also dort Intoxikation -oder Infektion entstehen lassen, denn der Gewebesaft thut es ja.</p> - -<p>Es scheint mir denn auch gar nicht so unmöglich, ja selbst sehr wahrscheinlich, -dass weder die Bakterienkultur, noch die <i>Beggiatoa</i>-Art die Pflanze infiziert, sondern -das anklebende Gift oder das unbekannte, unsichtbar lebende Virus. Wenn man -immer neu geimpfte Reinkulturen gebrauchte und hiermit die Pflanzen einspritzte, -könnte man in diesem Punkte sicher gehen; dann ist das Gift oder der unbekannte -Mikroorganismus, welcher sich auf dem künstlichen Medium, das ihm kein Nährboden -ist, nicht entwickelt, zu sehr verdünnt, oder zu viel verbreitet um immerfort -Infektion oder Intoxikation hervorzurufen.</p> - -<p>Bei der stärksten Vergrösserung unter Immersion, bemerkt man im kranken -Gewebe, im Protoplasma, schwach unregelmässig sich bewegende Teilchen, wahrscheinlich -in der <i>Brownsche</i> Molekülarbewegung begriffen. Auch beim gesunden -Gewebe wird dies wahrgenommen, und wer wird, selbst mit dem bewaffneten Auge, -lebende Wesen von so äusserst winzigen Dimensionen von dem körnigen Protoplasma -unterscheiden können?</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_66" id="Page_66">[ 66]</a></span></p> - -<p>Es ist von Bedeutung hier noch einen Augenblick über die <i>Hundswut</i> (<i>Rabies -Canina</i>) zu sprechen. Hier hat man es mit einem für alle warmblütigen Tiere -schweren Gifte zu thun, das in der Regel mittels des Speichels der hundswütigen -Tiere übertragen wird. Meistens wird der Hund, doch auch der Wolf, die Katze -u. a. davon ergriffen.</p> - -<p>Der Infektionsstoff befindet sich nach den Untersuchungen <em class="gesperrt">Pasteurs</em> besonders -im Centralnervensystem. Bis jetzt hat man noch keine Mikroorganismen darin -nachweisen können, obwohl <em class="gesperrt">Gibier</em>, <em class="gesperrt">Fol</em>, <em class="gesperrt">Babes</em> und <em class="gesperrt">Cornil</em> verschiedene -Formen gefunden haben. Infektionsversuche, welche hiermit angestellt wurden, -blieben ohne Erfolg. Verschiedene Forscher wie <em class="gesperrt">Golgi</em>, <em class="gesperrt">Germano</em>, <em class="gesperrt">Schaffer</em>, -<em class="gesperrt">Giantarco</em> u. a. haben ziemlich dieselben histologischen Veränderungen im Rückenmark -und dem Gehirne der angesteckten Tiere nachgewiesen. Ausser an diesen -Stellen findet sich der Infektionsstoff noch in den grossen peripherischen Nervenstämmen -und, schon einige Tage vor dem Auftreten der Krankheitserscheinungen, -im Sekret der Speicheldrüsen.</p> - -<p>Die Infektion ist am sichersten zu erzielen durch Einspritzungen einer -Rückenmark-Emulsion der Menschen und Tiere, welche an der Hundswut starben -(subdurale Einspritzung). Eine subcutane Einspritzung ruft nicht immer diese gefürchtete -Krankheit hervor. Nach <em class="gesperrt">Helmann</em> erklärt dies sich hieraus, dass bald Nerven -verletzt werden, bald wieder nicht; daher auch, dass grosse Verletzungen, welche -bis in die Muskel hineindringen, und weiter Bisse in nervenreiche Teile, wie -des Antlitzes und der Hand, besonders gefährlich sind. Nicht unwahrscheinlich -wird bei Bissen durch Kleidungsstücke hindurch das Gift entweder nicht oder -nur in geringer Menge in die Wunde hineingebracht. Die Verbreitung des Giftes -kann so schnell stattfinden, dass das Ausbrennen der Wunden, oft kurz nach -der Infektion, ohne Erfolg bleibt. Die Krankheit offenbart sich bei Menschen -selten vor dem 15<sup>ten</sup> Tag, gewöhnlich erst im Laufe des zweiten Monats, selten -nach dem dritten und ausnahmsweise erst nach dem sechsten Monat. Zwischen -dem Augenblicke der Infektion und dem Ausbrechen der Tollwut werden die Einspritzungen -nach der von <em class="gesperrt">Pasteur</em> angegebenen Methode verrichtet. Er hat das -unbekannte Gift zuerst durch wiederholte Impfungen auf Affen geschwächt, und -auch durch wiederholte Impfungen von Kaninchen auf Kaninchen, einen Krankheitsstoff -von bestimmtem Infektionsvermögen erhalten. Indem man das Gift -durch eine Reihe von, durch <em class="gesperrt">Pasteur</em> ausgewählten, Tieren hindurch gehen -liess, und deren Rückenmark in einem mit Watte verschlossenen Kolben, über -Kalk aufgehängt, konservierte, erhielt man innerhalb 14 Tagen ein einigermassen -geschwächtes Material, welches Hunde nicht mehr tötete, sondern gegen -die Krankheit schützte. Hunde, welche täglich subcutan kleine Stücke dieses -Materials injiciert bekamen, das 14, 13, 12 Tage u. s. w. bis auf einen Tag auf<span class="pagenum"><a name="Page_67" id="Page_67">[ 67]</a></span> -obige Weise getrocknet worden war, wurden unempfindlich gegen das schwere oder -ungeschwächte Gift<a name="FNanchor_G_7" id="FNanchor_G_7"></a><a href="#Footnote_G_7" class="fnanchor">[G]</a>.</p> - -<p>Das Gift der Hundswut, dies muss noch erwähnt werden, kann durch Licht, -durch erhöhte Temperatur (50°- 60° C.) durch Antiseptica, weiter durch künstliche -Behandlung geschwächt und vernichtet werden. Filtration des giftigen -Rückenmarks durch Gypsplatten lieferte ein Filtrat, welches nach <em class="gesperrt">Paul Bert</em> -nicht mehr infizieren konnte.</p> - -<p>Nachdrücklich muss ich darauf hinweisen, dass es vom grössten Interesse ist -zu wissen, auf welch specielle Weise eine infektiöse Krankheit entsteht, und wie -die Gifte sich physicalischen und chemischen Einflüssen gegenüber verhalten.</p> - -<p>Zum Schlusse noch eine kurze Besprechung der <i>Maul- und Klauenseuche</i> -(<i>Aphthae epizoöticae</i>), in Bezug auf welche in der letzten Zeit solche wichtigen -Entdeckungen gemacht worden sind, deren Kenntnis von grösster Bedeutung -hinsichtlich der Fleckenkrankheit des Tabaks ist. Um genügend Aufschlüsse über -die Ergebnisse der jüngsten Nachforschungen auf diesem Gebiete zu erhalten, habe -ich mich an die Herren Tierärzte <em class="gesperrt">Van der Sluys</em>, Unterdirector am Abattoir in -Amsterdam, und <em class="gesperrt">Busing</em> in Naarden gewandt, die mir bereitwilligst ihre Litteratur -in Bezug auf diesen Gegenstand zur Verfügung stellten. Beiden meinen herzlichsten -Dank für ihre Hilfe.</p> - -<p>In allen Ländern Europas zeigt sich diese für das Rindvieh so gefürchtete -Seuche. Sie verbreitet sich von einem Individuum zum andern, also mittels Contact. -Maul- und Klauenseuche wird, wie man annehmen muss, verursacht durch noch -unbekannte, unsichtbar lebende Wesen, Mikroorganismen, die entweder selber oder -durch die von ihnen abgesonderten Stoffe die Krankheitserscheinungen schon nach -einigen Tagen auslösen. Alle bisher gefundenen Bakterien (<em class="gesperrt">Starcovici</em>, <em class="gesperrt">Piana</em>, -<em class="gesperrt">Fiorentini</em>, <em class="gesperrt">Behla</em>, <em class="gesperrt">Jurgens</em>, <em class="gesperrt">Bussenius-Siegel</em>) Protozoen, protoplasmatische -Körperchen oder andere corpusculäre Elemente, und irgend welche, mit -dem Mikroskop sichtbare Teilchen, haben offenbar mit der Ätiologie der Maul- und -Klauenseuche nichts zu schaffen. Kein Wunder also bei dem einander vielfach -widersprechenden Befunden, dass eine ganze Reihe Forscher sich diesem für Ackerbau -und Viehzucht so wichtigen Gegenstand widmen. In den letzten zwei Jahren ist -denn auch die »Berliner Tierärztliche Wochenschrift« und überhaupt die tierärztliche<span class="pagenum"><a name="Page_68" id="Page_68">[ 68]</a></span> -Literatur voll von Meinungen, Theorien und experimentellen Nachforschungen. Jedenfalls -sind die Untersuchungen nach der Ursache dieser Krankheit eben so schwierig -wie nach derjenigen der Blattern, Masern, des Flecktyphus und Scharlachfiebers. -Unstreitig hat in dieser Frage aber Herr <em class="gesperrt">C. Hecker</em>, Tierarzt in Ermsleben, sich -sehr verdient gemacht. Er hat den Weg gezeigt, die Tiere gegen Maul- und -Klauenseuche zu schützen m. a. W. sie zu immunisieren (B. T. W. N<sup>o</sup>. 1897).</p> - -<p>Dass die deutsche Regierung einsah, wie nützlich die Bekämpfung dieser Krankheit -ist, geht daraus hervor, dass sie eine Kommission ernannte, in welcher <em class="gesperrt">Prof. Dr. -Loeffler</em> und <em class="gesperrt">Dr. Frosch</em> Sitzung hatten. Mit Aufopferung grosser Kosten hat die -Regierung sie mit den Untersuchungen beauftragt, und diese sind von ihnen derartig -angestellt worden, dass sie die strengste wissenschaftliche Kritik bestehen können. -Der Bericht dieser höchst wichtigen Untersuchungen, in welchem wir analoge -Erscheinungen wie bei der Fleckenkrankheit des Tabaks antreffen werden, ist u. a. -aufgenommen worden im »Centralblatt für Bakteriologie, Parasitenkunde und Infektionskrankheiten« -N<sup>o</sup>. 9/10 pag. 371, dem auch folgendes entnommen worden ist.</p> - -<p>Wie der Name andeutet, zeigt sich die Maul- und Klauenseuche, beim Rindvieh, -in der Form von Bläschen am Munde, an den Klauen und Eutern. Der Inhalt jener -Bläschen besteht aus einer Flüssigkeit, einer Lymphe, worin sich corpusculäre -Elemente vorfinden, doch worin normal keine Bakterien zu finden sind. Die von -<em class="gesperrt">Siegel</em> und <em class="gesperrt">Bussenius</em> aus den Bläschen isolierte Mikrobe ist von aussen -hineingedrungen, besitzt eine starke Giftwirkung im Darmkanal, ist jedoch -nicht als das ätiologische Moment der Maul- und Klauenseuche zu betrachten. -<em class="gesperrt">Loeffler</em> und <em class="gesperrt">Frosch</em> fanden konstant in den Bläschen farblose Lymphzellen, -gekörnte Zellen, rote Blutkörperchen, kleine runde granulierte Scheibchen ohne -Kern, bewegliche, unregelmässige, protoplasmatische Körperchen und stark lichtbrechende -Körner verschiedener Grösse, keine selbstständigen Mikroorganismen. -Die Krankheit kann durch die Lymphe übertragen werden auf Rinder und Kälber, -bei Schweinen erkrankt nur die Hälfte. Immun scheinen sich zu verhalten: Kaninchen, -Meerschweinchen, Katzen, (wiewohl <em class="gesperrt">Hecker</em> von der Katze das Gegenteil -behauptet in B. T. W. N<sup>o</sup>. 6, 1898) Ratten, Mäuse, Hühner und Tauben.</p> - -<p>Der Inhalt der frischen Bläschen ist äusserst virulent, während das Blutserum -erkrankter Tiere bis zu 14 cm³, drei Kälbern subcutan eingespritzt, das Krankheitsbild -nicht hervorrief. Drei Kälber, die 12, 17, und 22 Tage nach der ersten -Einspritzung mit sehr wirksamem Material eingespritzt waren, erkrankten mit -typischer Temperaturerhöhung, ohne dass sich Bläschen an Maul oder Klauen -zeigten. Nur das erste Kalb zeigte sehr kleine Bläschen an der Stelle, wo die -Einspritzung geschehen war. Unfehlbar die Krankheit erregend zeigte sich die -Einspritzung der Lymphe ins Blut. Hierbei entstehen schon nach 24-48 Stunden die -Bläschen an Maul und Klauen und beim Milchvieh an dem Euter. Ganz unsicher<span class="pagenum"><a name="Page_69" id="Page_69">[ 69]</a></span> -wirkt dieselbe Lymphe, wenn sie in oder unter die Haut eingespritzt wird (Vergl. -Hundswut).</p> - -<p>Weiter ist es von Bedeutung, zu wissen, dass die Lymphe durch Eintrocknung -bei Sommertemperatur während 24 Stunden, durch Erhitzung auf 37° C. während -12 Stunden, und durch Erhitzung auf 70° während 1/2 Stunde unwirksam wird.</p> - -<p>In kapillaren Röhrchen bei 0° C. bewahrt, bleibt die Lymphe 3-4 Monate -wirksam. Dass wir es hier mit einem höchst giftigen Stoff zu thun haben, beweist -die kleine Menge, welche benötigt ist, um nach Einspritzung die Krankheit -hervorzurufen; nl. bei 1/5000 cm<sup>3</sup> ist die Wirkung gewiss, erst bei Mengen von -1/10000-1/20000 ungewiss.</p> - -<p>Zweckdienlich und Schutz gewährend gegen Maul- und Klauenseuche zeigten -sich die Einspritzungen mit einer Mischung von Lymphe und Serum von Tieren, -welche die Krankheit durchgemacht hatten.</p> - -<p>Wie schon mitgeteilt, erhalten nicht alle Tiere, welche die Krankheit überstanden -haben, Immunität. Dies gab Anlass zu der Meinung, dass es nicht möglich -sei, mittels Impfung oder Einspritzung gegen die Maul- und Klauenseuche zu -schützen (<em class="gesperrt">Friedberger</em>, <em class="gesperrt">Fröhner</em>). Etwas Ähnliches nimmt man aber auch wahr -bei den Blattern und Masern des Menschen. Auch hier erhalten nicht alle Individuen -nach überstandener Krankheit sichere Immunität. Es zeigen sich also hier Unterschiede -in der natürlichen Immunität, in der grösseren oder geringeren Empfänglichkeit.</p> - -<p>Wird jedoch Blutserum von gesunden Tieren genommen und dies mit Lymphe -vermischt, so erscheint die Maul- und Klauenseuche wohl. Um mich jedoch in meinen -Mitteilungen über diesen so bedeutungsvollen Gegenstand kurz zu fassen, folgen nur -noch einige merkwürdige Eigenschaften des unbekannten Giftes. Die schon früher -beschriebenen Filtrationsversuche mittels Kerzen werden wahrscheinlich auch ein -Licht aufgehen lassen über vielerlei Krankheiten, deren Ursache noch im Dunkeln -liegt. <em class="gesperrt">Loeffler</em> und <em class="gesperrt">Frosch</em> filtrierten 1 cm<sup>3</sup> Lymphe verdünnt mit 39 Teilen -Wasser mit Hinzufügung des <i>Bacillus fluorescens</i> zur Kontrolle. Das Filtrat zeigte -sich als ein ganz keimfreies. Weder die zugefügte Bakterie noch andre Mikroorganismen -kamen in ihren Kulturplatten zum Vorschein. Das Filtrat erzeugte die -Maul- und Klauenseuche, als es in das Blut von Kälbern eingebracht wurde. Die -nämliche Erscheinung, die als Intoxication bezeichnet wird, ist auch bei andern -Krankheiten beobachtet worden; was jedoch noch unbekannt war, ist, dass der -Inhalt der jetzt gebildeten Bläschen neuerdings filtriert, immerfort wieder die -Krankheit hervorrief.</p> - -<p>Im Filtrate befinden sich also Krankheitskeime, welche durch die Poren der -Kerze hindurchdrangen, es wäre denn, dass das Filtrat ein Gift von eminenter -Wirkung enthielte. Nach mancherlei Versuchen hat sich jedoch herausgestellt, dass -<span class="pagenum"><a name="Page_70" id="Page_70">[ 70]</a></span>eine Vermehrung des Giftes stattfindet. <em class="gesperrt">Brieger</em> fand, dass 1 cm<sup>3</sup> des so heftigen -Tetanus-giftes 20000 Mäuse tötete. Die Berechnung jedoch giebt bei dem Filtrate -<em class="gesperrt">Löffler's</em> zu erkennen, dass eine Verdünnung von 1 : 2-1/2 Trillion noch im Stande -ist, Tiere zu vergiften, und zwar schon als das unbekannte Virus nur durch zwei -Tiere hindurch gegangen war. Solche und noch durch weitere Tierpassage hervorgerufenen -Verdünnungen können nicht mehr auf ein gelöstes Gift bezogen werden.</p> - -<p>In einem späteren Bericht der mehrere Male erwähnten Kommission, welcher -u. a. in der »Wochenschrift für Tierheilkunde und Viehzucht«, N<sup>o</sup>. 39, Sept. '98 -enthalten ist, finden wir, dass wiederholte Filtration der verdünnten Lymphe durch -sehr dichte <em class="gesperrt">Kitasato</em>-Kerzen die Tiere nicht mehr mit Maul- und Klauenseuche -krank machen konnte. Das krankheiterregende Agens ist also jetzt zurückgehalten -worden. Wir haben es demnach zu thun mit »<i>Infektion</i>.«</p> - -<p>Weiter giebt die Kommission noch die Mitteilung, dass Rinder noch immunisiert -werden können mit einer Mischung von Immun-Serum und Lymphe, welche -also eine Zeit lang mit einander in Kontakt gewesen sind. Wichtig ist auch die -Beobachtung, dass das Junge eines immunisierten Rindes, welches vor dem Anstellen -des Versuches sich schon in den Ställen befand, nach der Geburt sich sofort als -immun erwies. Drei Tage nach der Geburt wurde es mit 1/100 cm<sup>3</sup> sehr wirksamer -Lymphe mit dem Resultate behandelt, dass das Tier nicht erkrankte, selbst nicht -nach einer zweiten Einspritzung mit 1/10 cm<sup>3</sup> 6 Tage später. Die Mutter hat hier -ihre Immunität auf das Junge übertragen. Da das von der immunen Kuh geworfene -Kalb sich immun zeigte, ist es deutlich, dass die Einspritzung gegen Maul- und -Klauenseuche, bei kräftigen Tieren angewendet, eine immune Nachkommenschaft -erzeugen wird.</p> - -<p>Es ist zu erwarten, dass die Resultate der hier geschilderten Versuche bald -fruchtbringend in der Praxis angewendet werden können.</p> - -<p>Die kleinsten der bekannten lebenden Wesen sind die von <em class="gesperrt">Pfeiffer</em> aufgefundenen -Influenzabakterien. Wären die Mikroorganismen der Maul- und Klauenseuche -1/10-1/5 so gross wie diese, was nicht unmöglich sein würde, so könnten sie -nach der Berechnung von <em class="gesperrt">Prof. Abbe</em> in Jena, als die Grenze des Vergrösserungsvermögens -unserer Mikroskope übersteigend, selbst unter den besten modernen -Immersionssystemen nicht mehr wahrgenommen werden. Die Untersuchungen nach -ihrer Anwesenheit im Filtrate werden fortgesetzt und sind von grösster Wichtigkeit. -Die Zeit wird dann ausweisen, ob andere ansteckende Krankheiten, deren Ursachen -jetzt noch unbekannt sind, auch ähnliche Verhältnisse darbieten. Man denke nur -an die Blattern, das Scharlachfieber, die Masern, den Flecktyphus, die Rinderpest -u. a. m., nach deren Ursache so oft vergebens gesucht worden ist.</p> - -<p>Aus diesen Beschreibungen der Gifte, welche Krankheiten erregen und oft den -Tod zur Folge haben, erhellt, dass sie sich chemischen Reagenzien, physicalischen -Einflüssen, der Filtration durch Kerzen und dem Experimente auf lebenden Wesen<span class="pagenum"><a name="Page_71" id="Page_71">[ 71]</a></span> -gegenüber ungleich verhalten. Fremdartig und noch unerklärlich ist hierbei das -Gift der Hundswut und das der Maul- und Klauenseuche.</p> - -<p>Jetzt nach diesen Betrachtungen über verschiedene Krankheitsstoffe ist zu -sehen, wie es mit dem Gift der Fleckenkrankheit beim Tabak steht, und mit -welchem Virus es sich vergleichen lässt.</p> - - -<hr class="chap" /> -<h2><a name="Die_Flecken-_oder_Mosaikkrankheit_des_hollandischen" id="Die_Flecken-_oder_Mosaikkrankheit_des_hollandischen">Die Flecken- oder Mosaikkrankheit des holländischen -Tabaks.</a></h2> - - -<p>Wie bereits im vergangenen Jahre mitgeteilt, offenbart sich die Flecken- oder -Mosaikkrankheit bei unserem Tabak in der Form von dunkelgrünen Flecken, die -stets bei jungen Blättern zwischen den Nerven und längs derselben ihren Ursprung -nehmen. Bei älteren Pflanzen zeigt sie sich in der Form von unregelmässig liegenden -Flecken, die allmählig braun werden. Wenn auch in der Regel der Tod der Pflanze bei -dieser Krankheit nicht eintritt, so werden die Blätter doch so verändert und missgestaltet, -dass sie keinen Handelswert mehr besitzen. Wenn man in Betracht zieht, dass die -von den Züchtern so sehr gefürchtete Krankheit jedes Jahr mehr um sich greift, -so ist es nicht ohne Bedeutung, ihre Ursache zu erforschen und wo möglich die Mittel -liefern, welche der Flecken- oder Mosaikkrankheit vorbeugen. Im Laufe dieses Jahres -sind mit einer grossen Anzahl von Pflanzen Versuche angestellt worden. Um ein deutliches -Bild von dem Verlauf der Krankheit zu erhalten, folgt hier die Beschreibung eines -der zahlreichen Fälle, bei welchen die Fleckenkrankheit künstlich verursacht worden ist.</p> - -<p>Am 2. Juni 1898 wurden mir durch Herrn <em class="gesperrt">N. van Os</em> zu Amerongen einige -Hundert junge Tabakspflanzen geschickt, die soweit sichtbar, vollkommen gesund -waren. Einige Tage später erhielt ich zwei fleckenkranke Pflanzen, die streng isoliert -und in ständiger Beobachtung gehalten wurden. Diese kranken Exemplare wuchsen -sehr langsam; die Flecken wurden immer dunkler, während die Krankheit sich in -den verschiedenen Blättern langsam verbreitete.</p> - -<p>Eine vollkommen gesunde, junge Pflanze erhielt am 5. Juli, wie Figur 13 <i>A</i> -angiebt, einen Einschnitt mit einem sterilisierten Messer in den Stengel bis an -das Gefässbündel. In diesen Einschnitt wurde ein sehr kleines Stückchen eines -gefleckten Blattes von einer der kranken Pflanzen gebracht. Ein gleiches Stückchen -Tabaksblatt wurde gewogen, nach Trocknung der Gewichtsverlust bestimmt und -dieser als die Menge Gewebesaft berechnet, der ursprünglich darin war. Nach -meiner Berechnung waren ungefähr 34 mgr. Blattsaft in den Einschnitt gebracht -worden. Man kann aber ruhig annehmen, dass unter den günstigsten Verhältnissen -wenige Milligramm, ja vielleicht nur Zehntel oder Hundertel eines -Milligramms durch das Gefässbündel aufgenommen und fortgeführt werden. Am<span class="pagenum"><a name="Page_72" id="Page_72">[ 72]</a></span> -20. Juli begann sich am Rande eines jungen Blattes zwischen ein paar kleinen -dünnen Nerven ein dunkles Fleckchen zu zeigen. Im Verlauf der folgenden Tage -erschienen an den anderen jungen Blättern ebenfalls Fleckchen, während das Blatt -selbst durch <em class="gesperrt">Vergrösserung des Pallisadengewebes</em> ein unebenes, unregelmässiges -Aussehen bekam. Auch der Blattrand wurde gleichzeitig sehr abnormal, -hier und da eingeschnürt oder eingebuchtet. (S. die Formen der fünf jungen -Blättchen rechts unten in fig. 14.)</p> - -<div class="center"> -<img src="images/fig13.jpg" width="428" height="303" alt="" /> -<div class="caption"><p>Fig. 13. Die Flecken- oder Mosaikkrankheit des Tabaks.</p></div> -</div> - -<p>Die Anzahl der Flecken, die noch stets von Tag zu Tag an Ausdehnung -zunahmen, jedoch untereinander isoliert blieben, wurde ständig grösser. Am 1. August -waren die inneren Blätter vollkommen dunkelgrün und zeigten nur hier und da noch -das reine normale Hellgrün. Einige der älteren Blätter, solche also, die sich unten -an der Pflanze befanden, hatten unregelmässig liegende, kleine Fleckchen von einer -andern Farbe. Man sollte nicht vermuten, dass die Krankheit auf solche verschiedene -Art in die Erscheinung treten kann, da doch die Ursache dieselbe ist. -Wir finden hier eben die Wirkung des Giftes auf junge, zarte und auf ältere -Gewebeelemente. Am 9. August waren zwei der untersten Blätter stark punktiert.<span class="pagenum"><a name="Page_73" id="Page_73">[ 73]</a></span> -Hier lagen die Fleckchen nicht zwischen den Nerven, sondern scheinbar ganz -unregelmässig verteilt. In <i>B</i> sehen wir den Zustand eines jungen, also Spitzenblattes, -in <i>C</i> denjenigen eines der untersten Blätter abgebildet. Die Farbe der -Fleckchen der punktierten Blätter zeigt sich zuerst als graublau, doch geht sie -im Laufe der Tage in rotbraun über und endigt dort mit dem Tod des Gewebes. -Bei den grösseren Flecken nimmt man konzentrisch gefärbte Ringe wahr, von -denen die am meisten nach aussen liegenden stets am dunkelsten sind. (Fig. <i>M</i>.) -Wenn wir die Tabaksfelder besuchen, sehen wir bei den kranken Exemplaren -die jüngsten Blätter im Zustande <i>B</i>, die älteren im Zustande <i>C</i>. Einige Felder -sind selbst rot gefärbt und scheinen wie mit Blut übergossen. Die Krankheit -herrscht dann auf solch einem Felde sehr stark und zeigt sich in dieser Form Jahr -für Jahr. Es ist eine öfters beobachtete Erscheinung, dass Pflanzen, die verwundet -oder krank sind, einen roten Zellsaft bilden. Wahrscheinlich ist dieser Umstand, -auch nach den neueren Untersuchungen von <em class="gesperrt">Flammarion</em>, günstig für die -Atmung. Nicht alle Lichtstrahlen haben dabei eine gleiche Wirkung. Im gelben -Licht ist die Zerlegung der Kohlensäure am stärksten und nimmt nach den -Spektrumfarben nach links und rechts ab. Die Spaltung der Kohlensäure findet -also stärker hinter gelben und roten, schwächer dagegen hinter blauen Farben -statt. Dies ist auffallend, da doch gerade die blauen Farben mit ihrer kürzeren -Wellenlänge zu den intensiv wirkenden chemischen Strahlen gehören, und z. B. -das photographische Papier am stärksten zersetzen. Könnte auch hier nicht die -rotbraune Farbe der Flecken die Pflanze im Kampfe gegen die schädlichen Einflüsse -der Krankheit beschützen und dadurch die Assimilation befördern? Im September -sind alle jungen Blätter dunkelgrün gefleckt und dabei vollständig missgestaltet, -während die älteren ganz dunkelbraun gefleckt sind. Nicht selten fallen aus den -Blättern ganze Stücke heraus und scheint es, als ob Insekten das Blatt ausgefressen -hätten. (S. die punktierte Linie in Fig. <i>C</i>)<a name="FNanchor_H_8" id="FNanchor_H_8"></a><a href="#Footnote_H_8" class="fnanchor">[H]</a>.</p> - -<p>Dies ist der gewöhnliche Verlauf der Krankheit. Unter den günstigsten -Verhältnissen werden im Sommer und nach abwechselndem Wetter die jungen -Pflanzen innerhalb drei Wochen krank. Gelangt das Virus in ältere Pflanzen, dann -entsteht die Krankheit etwas später. Dabei ist noch ein Unterschied in der Zeit<span class="pagenum"><a name="Page_74" id="Page_74">[ 74]</a></span> -zu beobachten, wenn das Gift in den Stamm oder in den Hauptnerv der jungen oder -älteren Blätter gebracht wird. Bei einer nur oberflächlichen Verwundung des Parenchyms -des Stammes habe ich mehrere Male die Krankheit ausbleiben sehen. Es hat -den Anschein, als ob das Gift sich den Gefässbündeln entlang verbreitet und dann -ist das Phloëmbündel hierfür der angewiesene Weg.</p> - -<p>Die mikroskopische Untersuchung der kranken Blattteile bringt nicht viel an's -Licht. Man sollte eigentlich das Gegenteil vermuten, da doch gerade das Krankheitsbild -hier so scharf umschrieben ist. Im allerjüngsten Zustand der Fleckchen -bei sehr jungen Blättern, wo noch keine Trennung in Pallisaden- und Schwammparenchym -stattgefunden hat, trifft man zwischen den Zellen dunkelblaugrün -aussehende Streifen sowie Bläschen an, die man am besten mit Luftstreifchen -vergleichen kann, welche sich zwischen den Zellenwänden befinden (<i>D</i>). Es ist mir -nicht gelungen, die Flecken dadurch zum Verschwinden zu bringen, dass ich ein -Blatt in einen luftleeren Raum brachte und darin behielt. Auch in einem älteren -Stadium, wo bereits die Trennung zwischen Pallisadengewebe und Schwammparenchym -eingetreten ist, werden Streifen und Bläschen noch angetroffen (<i>E</i>). Macht man einen -Längsschnitt, dann wird wieder dasselbe wahrgenommen (<i>F</i> <i>H</i>). Stets zeigen sich bei den -dunkelgrünen Flecken obige Abweichungen zwischen den Zellen, die ich durch schwarze -hier und da untergebrochene Linien angegeben habe (<i>D</i> <i>E</i> <i>F</i> <i>H</i>). An der Oberhaut (<i>I</i>) -werden keine Veränderungen beobachtet. Betrachtet man die Flecken <i>C</i> bei stärkerer -Vergrösserung, dann sieht man die Oberhaut zusammengeschrumpft, vertrocknet und -verfärbt. Das Chlorophyll ist desorganisiert und <em class="gesperrt">die Zellwände sind verschwunden</em>. -Es ist gerade so, als ob Insekten das Blattparenchym weggefressen hätten (<i>G</i>). Dies -sind die einzigen Veränderungen, die mit dem Mikroskop beobachtet werden konnten.</p> - -<p>Eine grosse Anzahl Pflanzen ist von mir auf Mikroorganismen untersucht -worden, jedoch nur in einzelnen Fällen habe ich Bakterien in Pallisadenzellen -gefunden, welche aber nach wiederholter Übertragung auf Nährböden, wobei wie -beschrieben das vielleicht vorhandene, unsichtbare Virus verdünnt wurde, keine -Pflanzen zu infizieren vermochten. Wiederholte Versuche wurden gemacht, um -vermittelst feiner Pincetten von einem kranken Blattteilchen die Epidermis an beiden -Seiten zu entfernen, was einige Male gelang. Vom Inneren des Blattes wurden dann -Plattenkulturen angelegt, die abgesehen von einzelnen bekannten, sehr viel vorkommenden -Pilzcolonien scheinbar steril blieben. Als Nährböden hierfür wurden -gebraucht die alkalische und saure Nährgelatine von <em class="gesperrt">Koch</em>, Tabakssaft-Gelatine, -Malz-Gelatine und der von <em class="gesperrt">Beyerinck</em> angegebene <i>Leguminosen</i>-Nährboden. Ebenso -entwickelten sich auf oder in einem sauren oder alkalisch reagierenden Nährboden, -der wie folgt zusammengestellt war, keine Kolonien: Tabakssaft 5, -Kaliumphosphat 0, 050, Asparagin 0,5, Glukose 2,0, Gelatine 10,0 oder Agar 1,5, -Wasser 100,0.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_75" id="Page_75">[ 75]</a></span></p> - -<p>Ein einziges Mal entwickelte sich Gas in schwach alkalischer Bouillon, welche -zu anaërober Kultur benutzt wurde (verursacht durch einen Organismus, welcher -schwierig von Coccen zu unterscheiden ist).</p> - -<p>Viele Male sind auch grössere kranke Blattteile zur Untersuchung genommen -worden. Zuerst wurden die beiden Blattoberflächen gut abgewaschen, dann mit -sterilen, nassen Wattepfropfen abgerieben und darauf mit sterilem Wasser abgespritzt. -Es gelang mir unter einer ganzen Reihe von Platten mehrere Male, Mikroorganismen -zu isolieren, die, von der Plattenoberfläche genommen, junge Tabakspflanzen -krank machten. Die Krankheit trat <em class="gesperrt">nicht stets ein</em>, wenn ich mit viele -Malen übergeimpften Kulturen arbeitete. Ich erreichte eine Erkrankung mit drei -Mikroorganismen, mit einem <i>Rhizobium Leguminosarum</i>, einer <i>Beggiatoa-</i> und einer -<i>Streptothrix</i>-Art. Wie gesagt, trat eine Erkrankung öfters nicht ein, wenn ich -Überimpfungen gebrauchte. Das fiel mir besonders auf, und bestärkte mich in meiner -schon oben erwähnten Ansicht, dass die von den ursprünglichen Platten abgenommen -Kulturen ein unbekanntes, <em class="gesperrt">unsichtbares</em> Gift, wenn auch in höchst starker Verdünnung, -enthielten; denn eine minimale Menge <em class="gesperrt">Saftes</em> von krankem Gewebe ist -immer im Stande, die Fleckenkrankheit zu verursachen.</p> - -<p>Im Oktober 1897 wurde in einen kühlen Treibkasten Tabakssamen gesät, um -Versuchspflanzen zu bekommen. In der Zwischenzeit wurde Erde, in der kranke -Pflanzen gestanden hatten, und die an deren Wurzeln hängende Erde auf Mikroorganismen -untersucht. Nach Lage der Sache ist dies eine sehr schwierige Untersuchung, -wenn man bedenkt, dass die Anzahl Mikroorganismen per Gramm darin einige Hunderttausenden -bis Millionen beträgt. Aus einer grossen Anzahl Platten wurden damals -8 Mikroorganismen isoliert, die im Februar 1898 auf junge Pflanzen geimpft, die Fleckenkrankheit -<em class="gesperrt">nicht</em> hervorbrachten. Sie waren also nicht das ätiologische Moment derselben. -Auffallend war es, dass an den jungen Wurzeln der Tabakpflanzen häufig -<i>Streptothrix chromogena Gasperini</i> angetroffen wurde.</p> - -<p>Dieser Mikroorganismus, welcher zur Familie der <i>Streptothricheen</i> oder besser -<i>Actinomyceten</i> gehört, hat in seiner Form viel Ähnlichkeit mit den Fadenpilzen, -auch erinnert er an die Bakterien. Ebenso wie die Pilze bildet er aus runden -Keimzellen (Sporen) cylindrische Fäden, welche sich dichotomisch verzweigen, und -sich dem unbewaffneten Auge als ein Mycelium darstellen. Einige fruchttragende -Hyphen erheben sich über dem Substrat in die Luft und fallen dann, als Oldien -in Ketten von runden Keimzellen oder Sporen aus einander. Bei starker Vergrösserung -zeigen die <i>Streptothricheen</i> viel Ähnlichkeit mit den Bakterien. Es sind sehr -dünne Faden, welche ursprünglich keine Scheidewände besassen, und welche sich -durch Sprossungen verzweigen. In älteren Kulturen zerfallen die Fäden in kurze -Stäbchen und kokkenartige Glieder. Nicht selten findet man auch die Spirillenform, -weil die <i>Streptothricheen</i> stark gekrümmt und gewunden sind. Die Untersuchungen,<span class="pagenum"><a name="Page_76" id="Page_76">[ 76]</a></span> -welche in der letzten Zeit über diese Pilzgruppe angestellt wurden, haben die -Frage aufwerfen lassen, ob sie nicht im genetischen Verhältnis zu der Gruppe der -<i>Diphtherie</i> und der <i>Tuberculose</i> stehen.</p> - -<p>Dies ist noch nicht ganz sicher festgestellt, jedoch könnten dann die beiden -letzteren Gruppen von den <i>Actinomyceten</i> hergeleitet werden. Es sind sehr verbreitete -Saprophyten, die pathogenen unter denselben (<i>Aktinomyces</i> bovis etc., <i>S.</i> sen <i>A. -violacea</i> u. a.) scheinen nicht selten parasitisch werden zu können. Genannte <i>S.</i> sen -<i>A. chromogena Gasperini</i> ist bekannt als einer, der aus Nitraten leicht Nitrite -bildet. Wie sich später zeigen wird, ist er nicht als pathogen für <i>Nicotiana</i> zu -betrachten, wiewohl ich nach Impfung der Pflanze mit Erde eine Veränderung im -Blatte traf.</p> - -<p>Häufig habe ich, wie ich schon in »de Natuur« pg. 330, 1899 beschrieben habe, -den <i>St.</i> sen <i>A. chromogena</i> in den Risse der verwitternden Granite, Basalte und -Hornblendeschiefer der erratischen Blöcke unseres <em class="gesperrt">Gooilän</em>dischen Diluviums, und -in <em class="gesperrt">Zandbergen's</em> Waldboden, wenn ich nach <em class="gesperrt">Frank's</em> Mykorhizen vergebens -suchte, aufgefunden.</p> - -<p>Wenn der <i>Löffler'</i>schen Bouillon ein wenig Nitrat zugesetzt wird, so ist innerhalb -24 Stunden nach Impfung mit diesem Pilze durch das bekannte Reagens -schon Nitrit nachzuweisen. In Leitungswasser geschieht dies nicht.</p> - -<p>Erst nachdem ich die Überzeugung erhalten hatte, dass auf diese Weise die -pathogenen Mikroorganismen nicht aufzufinden wären (weder durch aërobe noch -durch anaërobe Methoden), habe ich einen anderen Weg eingeschlagen, um dem -unbekannten Virus auf die Spur zu kommen.</p> - -<p>Allein schon die Thatsache, die auch weiter unten bei den Versuchen angegeben -ist, dass eine kleine Menge — einige Milligramme — Saft von krankem Gewebe im -Stande ist, gesunde Pflanzen krank zu machen, und einige Milligramme Blattgewebe -dieser letzteren Pflanzen immer wieder von Neuem auf andere gesunde Pflanzen -die Krankheit übertragen können, diese Thatsache musste in mir die Vermutung -erwecken, dass hier eine Vermehrung des Giftes vorlag, und dass diese Vermehrung -nichts anderem zugeschrieben werden konnte, als lebenden Organismen, die sich -vorläufig noch der Wahrnehmung entzogen.</p> - -<p>Die folgenden Versuche machen dies deutlich. Die Versuche sind nicht an -einzelnen Exemplaren, bei denen es sich um etwas Zufälliges handeln könnte, -sondern bei mindestens 5-10 Pflanzen angestellt worden.</p> - - -<p><span class="smcap">Versuchsreihen.</span></p> - -<p>I. Erde, aus Amerongen stammend, in der im Herbst 1897 kranke Pflanzen -gestanden hatten, wurde durch eine <em class="gesperrt">Chamberland</em>kerze im Verhältnisse von<span class="pagenum"><a name="Page_77" id="Page_77">[ 77]</a></span> -300 Erde zu 300 Wasser filtriert. Etwas von dem Filtrat wurde in die Hauptnerven -eines jungen Blattes gebracht. Es entstand keine Erkrankung.</p> - -<p>II. Dieselbe Erde, nicht filtriert, bewirkte ebenfalls keine Erkrankung.</p> - -<p>III. Erde aus Amerongen, in der im Frühjahr 1898 kranke Pflanzen gestanden -hatten, wurde wie oben filtriert und vom Filtrat etwas in den Hauptnerv eines -jungen Blattes gebracht. Keine Erkrankung.</p> - -<p>IV. Dieselbe Erde, nicht filtriert, verursachte auch keine Erkrankung.</p> - -<p>V. Erde aus Amerongen, im September 1897 von den Würzelchen kranker -Pflanzen gesammelt, im Verhältnisse von 20 Erde zu 20 Wasser wie oben filtriert, -gab keine Veranlassung zur Erkrankung.</p> - -<p>VI. Dieselbe Erde, nicht filtriert, auch nicht.</p> - -<p>VII. Erde, im Juni 1898 von den Würzelchen kranker Pflanzen gewonnen -und filtriert, liess die Krankheit nicht zur Entwickelung kommen.</p> - -<p>VIII. Dieselbe nicht filtrierte Erde war auch wirkungslos.</p> - -<p>IX. Im Oktober 1897 wurden 8 Pflanzen, die alle krank waren und in Töpfen -standen, abgeschnitten. Die Töpfe mit der Erde wurden dann draussen an einem -trockenen Platz aufbewahrt. Im Frühjahr 1898 wurden die Erde und die noch -anwesenden Wurzeln fein zerrieben. Darauf wurden in diese junge Pflanzen gesetzt, -die das ganze Jahr hindurch gesund blieben. Bei einem gleichen Versuch, der -ausserhalb meines Wohnsitzes angestellt wurde, hatte man beobachtet, dass nur -einige Pflanzen in diesem Sommer Flecken zeigten, und dass die Flecken bald darauf -wieder verschwanden. Dies stimmt wahrscheinlich überein mit dem sogenannten -»<em class="gesperrt">Kopbont</em>«, von dem die Züchter behaupten, dass es der Einwirkung kalter -Nächte zugeschrieben werden muss.</p> - -<p>Aus all diesen Erdversuchen erhellt, dass das Krankheitsagens aus der Erde -verschwinden oder doch so abgeschwächt werden kann, dass es nicht mehr im Stande -ist, die Krankheit zu erregen. Im Versuch VII und VIII wird wahrscheinlich das -Virus nicht vorhanden gewesen sein. Ich vermute auf Grund obiger Versuche, <em class="gesperrt">dass -im Boden Verhältnisse obwalten können, die das Gift entweder -zerstören oder abschwächen</em>. Dies stimmt mit dem überein, was in Wirklichkeit -auf den Tabaksfeldern beobachtet wird. Es würde traurig mit der ganzen -Kultur bestellt sein, wenn das Gift sich ständig im Boden hielte. Die unvermeidliche -Folge würde sein, dass im Laufe der Jahre dort, wo einmal die Krankheit bestanden -hat, sie sich stets auf <em class="gesperrt">alle</em> Pflanzen ausbreiten würde. Wird eine kranke Pflanze aus -dem Boden herausgezogen und auf demselben Platz eine gesunde eingesetzt, dann zeigt -diese bald die Symptome der Fleckenkrankheit. Dies ist eine allgemein beobachtete -Thatsache. Ein infizierendes Vermögen muss dem Boden, auf dem die Pflanzen -stehen, bestimmt zugeschrieben werden. Das <em class="gesperrt">Trocknen</em> infizierter Erde scheint -auf Grund der oben beschriebenen Versuche <em class="gesperrt">desinfizierend</em> zu wirken.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_78" id="Page_78">[ 78]</a></span></p> - -<p>X. Ein Streifchen eines getrockneten kranken Blattes vom Herbst 1897 wurde -in den Stamm einer gesunden Pflanze gebracht mit dem Resultat, dass die Fleckenkrankheit -eintrat, allerdings etwas später, als man erwartet hatte.</p> - -<p>XI. Ein Streifchen eines frischen kranken Blattes, von einer der mir zugesandten -kranken Pflanzen herstammend, wurde in den Stamm einer gesunden Pflanze gebracht. -Nach drei Wochen begann sich die Erkrankung an den jungen Blättern zu zeigen. -Wenn ich hier annehme, dass die mir zugeschickte Pflanze das thatsächliche Agens -der Fleckenkrankheit enthielt, dann repräsentiert die geimpfte Pflanze die erste -Versuchsreihe. Hier könnte also noch eine »Intoxikation« eingetreten sein.</p> - -<p>XII. Unter den nöthigen Vorsichtsmaassregeln wurde aus dem Stamm der -Pflanze XI das Xylem- und Phloëmbündel in der Nähe des Hauptnerven eines -Blattes ausgeschnitten, und in den Hauptnerven eines jungen Blattes einer gesunden -Pflanze gebracht. Die Fleckenkrankheit trat ein. Hier haben wir die zweite Versuchsreihe -vor uns und hier kann man schon weniger gut annehmen, dass eine »Intoxikation« -stattgefunden habe. Mikroskopisch zeigt der Gefässbündelschnitt absolut keine -<em class="gesperrt">Ab</em>weichung. Das Präparat ist in allen seinen Teilen durchsichtig, und es befinden -sich in ihm keine Luftstreifen.</p> - -<p>XIII. Kranke, fein geschnittene Blattteile wurden in frischem Zustande im -September 1897 in Glycerin ausgezogen. Den Winter über sind diese stehen geblieben -mit dem Zweck, wenn möglich ein organisches Gift oder Enzym aus ihnen zu erhalten. -Junge, gesunde Pflanzen zeigten nach Einspritzung des filtrierten oder nicht filtrierten -Glycerins keine Erkrankung. Es schien mir, als ob die Pflanzen in gewisser Weise -unter der Einwirkung des Glycerins litten, was sich durch ein schlaffes Herabhängen -der Blätter offenbarte.</p> - -<p>XIV. In gleicher Weise wurde eine grosse Menge kranker Erde mit ebenfalls -negativem Resultat behandelt. In den beiden letzten Fällen hatten sowohl das -erkrankte Blattgewebe wie die Erde ihre Giftigkeit verloren. <em class="gesperrt">Glycerin wirkt -also zerstörend.</em></p> - -<p>XV. In geschlossenen Röhrchen wurde Saft von krankem Blattgewebe, von -Pflanze XII abstammend, zehnmal mit Wasser verdünnt und in verschiedener -Weise erwärmt.</p> - -<div> -<table class="center" border="0" cellpadding="6" cellspacing="0" summary=""> - -<tr> -<td>30 Minuten bei</td> -<td></td> -<td>40° C.</td> -</tr> - -<tr> -<td>20 " "</td> -<td></td> -<td>50° C.</td> -</tr> - -<tr> -<td>20 " "</td> -<td></td> -<td>60° C.</td> -</tr> - -<tr> -<td>10 " "</td> -<td></td> -<td> 70° C.</td> -</tr> - -<tr> -<td>10 " " </td> -<td></td> -<td>80° C.</td> -</tr> - -<tr> -<td> 5 " "</td> -<td></td> -<td>90° C.</td> -</tr> - -<tr> -<td> 5 " "</td> -<td></td> -<td>100° C.</td> -</tr> -</table></div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_79" id="Page_79">[ 79]</a></span></p> - -<p>Mit dem so behandelten Gewebesaft wurden gesunde Pflanzen in den Hauptnerven -eines Blattes geimpft mit dem Erfolg, dass alle Pflanzen krank wurden. -Hier haben wir also mit der <em class="gesperrt">dritten</em> Impfungsreihe zu thun. Die Wahrscheinlichkeit, -dass ich mit einem Toxin zu thun hatte, wurde geringer. <em class="gesperrt">Alle Versuche -wiesen auf die Anwesenheit von Mikroorganismen hin.</em> Voraussetzend, -dass alle Pflanzen gleich stark waren, ist allerdings nach Erwärmung -auf 100° eine <em class="gesperrt">Abschwächung</em> des Krankheitsagens wahrgenommen worden. Die -Erkrankung trat hier beinahe 14 Tage später auf als in den andern Fällen.</p> - -<p>XVI. Ein Streifchen eines kranken Blattes von einer der Pflanzen aus XV -wurde in den Hauptnerven eines jungen Blattes einer gesunden Pflanze gebracht. -Es kam wiederum zur Erkrankung, ohne dass eine Abschwächung sich durch eine -Verlängerung der Inkubationszeit bemerkbar machte. Wir befinden uns hier bereits -in der vierten Reihe der Ueberimpfungen.</p> - -<p>XVII. Der verdünnte Blattsaft einiger durch die Fleckenkrankheit angegriffenen -Pflanzen wurde durch eine <em class="gesperrt">Chamberland</em>kerze filtriert. Das Filtrat war, soweit -wahrzunehmen, steril. Wenn mit dem Filtrat gesunde Pflanzen in den Blattnerven -geimpft wurden, trat wiederum die Krankheit auf. Die Zeit zwischen Impfung -und Erkrankung war <em class="gesperrt">viel grösser</em> als sonst, ebenso wie bei XV beobachtet -wurde<a name="FNanchor_I_9" id="FNanchor_I_9"></a><a href="#Footnote_I_9" class="fnanchor">[I]</a>.</p> - -<p><em class="gesperrt">Wiederholte Filtration</em> (2-4 mal) von Gewebesaft kranker Pflanzen -lieferte ein Filtrat, das nicht mehr im Stande war, die Pflanze zu infizieren.</p> - -<p>XVIII. Der Saft der kranken Blätter von XVII wurde ebenfalls filtriert mit -dem Erfolg, dass gesunde hiermit geimpfte Pflanzen auch erkrankten. Ich meine, -dass dieser Versuch überzeugend darthut, <em class="gesperrt">dass man hier mit Mikroorganismen</em> -zu thun hat, die so klein sind, dass sie die Kerzen durchdringen können. -Ich habe es hier mit <em class="gesperrt">einem sich vermehrenden, also lebendigen Gifte</em> -zu thun und bringe daher dies Virus zu den Mikroorganismen. Wir hätten -hier also eine »<em class="gesperrt">Infektion</em>« vor uns. Wahrscheinlich besitzt der unbekannte -Organismus zwei Formen, eine vegetative und eine Sporenform, analog den -Bakterien.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_80" id="Page_80">[ 80]</a></span></p> - -<p>XIX. Der Saft kranker Blätter wurde mit absolutem Alkohol behandelt. Die -klar obenstehende Flüssigkeit wurde mittels Hebels abgenommen und neuer absoluter -Alkohol hinzugefügt. Dieses wurde einige Male wiederholt, um die Einwirkung des -starken Alkohols auf den Gewebesaft zu erhalten. Es entstand ein grau-grüner -Niederschlag, der bei niedriger Temperatur eingedampft wurde. Das so erhaltene -Präcipitat wurde in den Blattnerven einer gesunden Pflanze gebracht. Erkrankung -trat nicht ein. <em class="gesperrt">Absoluter Alkohol wirkt also zerstörend.</em></p> - -<p>XX. Den Saft von erkrankten Blattteilen, der Pflanzen »infiziert«, hatte -ich 4 Wochen lang in einem durch Watte verschlossenen Kölbchen sich selbst -überlassen. Wurden hiermit Pflanzen geimpft, dann blieben sie vollkommen gesund. -Das unbekannte Virus wird also zerstört, wenn man den infektionstüchtigen <em class="gesperrt">Saft -längere Zeit stehen lässt</em>.</p> - -<p>XXI. Die an den Wurzeln von <i>Nicotiana</i> gefundene <i>St.</i> sen <i>A. chromogena -Gasperini</i> konnte Pflanzen nicht infizieren. Einige Pflanzen wurden einer kräftigen -Ernährung mit Kaliumnitrat ausgesetzt. Die in die umgebende Erde und in das -Gewebe gebrachte <i>Streptothrix</i> machte die Pflanze nicht krank. Es scheint hier -nicht so viel Nitrit gebildet zu werden, dass dies schädlich auf die Pflanzen wirkt. -Jedoch zeigten die sehr dunkelgrünen Blätter viele reinweisse Pünktchen. Ob dies -zufällig war, konnte ich nicht entscheiden, da nur an zwei Pflanzen dieser Versuch -gemacht worden war. Auf einigen Feldern beobachtete man viele dieser weissen -Pünktchen auf den Blättern.</p> - -<p>XXII. In den Monaten September und October erweckten die Einspritzungen des -Saftes von kranken Blättern in gesunde Pflanzen, die draussen standen, keine Mosaikkrankheit. -Ende November sind diese Pflanzen bis auf 20 cm mit sterilen Messern -abgeschnitten und an einem Orte aufgestellt worden, wo nicht geheizt wurde. -Während der Wintermonate entstanden die Geizen, woran sich im Monat März -erst Flecken zeigten.</p> - -<p>XXIII. Bei den Pflanzen, welche im September in den Geizen die Flecken zeigten, -<i>verschwanden diese allmälig beim Eintritt der Kälte</i>, so dass die gefleckten Blätter -im November wiederum die normale grüne Farbe bekamen.</p> - -<p>Wie ich früher angab, wird dies auf den Feldern auch beobachtet und -schreibt man es den kalten Nächten zu. <i>Die Temperatur scheint also von Einfluss -zu sein auf das Virus.</i></p> - -<p>XXIV. Auf den von <em class="gesperrt">Fermi</em> angegebenen 1% Carbol-10% Gelatine-Platten -konnte kein proteolytisches Enzym in den Blättern und Stengeln von lebendigen -gesunden und fleckenkranken Tabakspflanzen von mir nachgewiesen werden, ebensowenig -in den trocknen fermentierten und nicht fermentierten Blättern.</p> - -<p>Es fiel mir besonders auf, dass die fleckenkranken Blatt- und Stengelteile auf diesen -Platten sich stärker rosa färbten als dieselben Theile von gesunden Pflanzen. Es<span class="pagenum"><a name="Page_81" id="Page_81">[ 81]</a></span> -kam mir so vor, als ob in den kranken Pflanzen ein oxydierender Körper entstünde, -der kräftiger auf Carbol einwirkt, als das oxydierende Agens der gesunden -Pflanzenteile.</p> - -<p>XXV. Unter den erforderlichen Vorsichtsmassregeln gelang es mir, einige -Stengelteile von gesunden Tabakspflanzen rein in Röhrchen auf Wattepfröpfchen -zu bekommen.</p> - -<p>Ein Tröpfchen durch eine <em class="gesperrt">Chamberland</em>kerze filtrierter Saft von kranken -Pflanzen hierauf geimpft, zeigte auch jetzt, obgleich viel weniger kräftig, einen -Unterschied in Farbe gegenüber dem nämlichen Safte von gesunden Pflanzen.</p> - -<p>XXVI. In ein <em class="gesperrt">Erlenmeijer'</em>sches Kölbchen wurde Saft von gesunden Pflanzen -filtriert und mit einem Tröpfchen filtriertem Saft von kranken Pflanzen geimpft. -Nach 3 Monaten entstand in diesem Safte ein Niederschlag, der nicht von Mikroorganismen -herrührte. Der Saft war wohl virulent, doch war keine Verstärkung der -Wirkung zu constatieren.</p> - -<p>XXVII. <i>Datura Stramonium</i>, <i>Hyoscyamus niger</i>, <i>Solanum tuberosum</i> und <i>Petunia -nyctaginiflora</i> reagierten nicht auf den Saft von kranken Tabakspflanzen<a name="FNanchor_J_10" id="FNanchor_J_10"></a><a href="#Footnote_J_10" class="fnanchor">[J]</a>.</p> - -<p>Aus diesen Versuchen geht hervor, dass unser Agens Übereinstimmung -besitzt mit dem Agens der Maul- und Klauenseuche, obgleich ich die Lebewesen bei -der Fleckenkrankheit für grösser halte. Im Filtrat finden wir bei den letzteren eine -Abschwächung, bei der Maul- und Klauenseuche absolut nicht. Wenn es sich bei den -ersteren um eine Bacterie handelt, so müsste diese eine sporenbildende sein. (Vergl. XV.)</p> - -<p>Obgleich es noch nicht gelungen ist, den Mikroorganismus, der als Ursache -der Fleckenkrankheit betrachtet werden muss, zu sehen oder zu züchten, so habe -ich dennoch in diesem Jahre (1898) eine Reihe von Versuchen zur Bekämpfung der -Krankheit vorgenommen. Ausgehend von der Meinung, dass die Ernährung der -Pflanzen auf die Zusammensetzung des Gewebssaftes von <i>Nicotiana</i> Einfluss haben -könnte, und dass durch diese Veränderung das unbekannte Virus in irgend einer -Weise tangiert werden könnte, habe ich einer grossen Anzahl Pflanzen bestimmte -Salze gegeben, manchmal in Mengen, die nicht vertragen wurden. Viele Pflanzen -gingen daran zu Grunde. Wenn die Salzgabe, einmal in der Woche bei trockenem -Sommerwetter in Lösung gegeben, sich durch das Hinsiechen oder den Tod der -Pflanze als zu gross erwies, wurde die Gabe vermindert. Zuerst erhielten die -Pflanzen 1 gr., später 0,5 bis 0,25 gr. u. s. w., so viel sie nur ertragen konnten. Nach -dem Absterben einer Pflanze wurden also die anderen, die in derselben Reihe auf<span class="pagenum"><a name="Page_82" id="Page_82">[ 82]</a></span> -freiem Felde standen, mit kleineren Mengen Salz gefüttert. Da mir weiter bekannt -war, dass Züchter schon lange beobachtet hatten, dass sich die Fleckenkrankheit -auf Feldern, die mit <em class="gesperrt">Kainit</em> oder <em class="gesperrt">Thomasphosphat</em> gedüngt waren, sehr wenig -zeigte, habe ich auch mit diesem Salzgemisch Versuche angestellt. Ich erhielt also -die folgenden Versuchsreihen:</p> - -<p> -Fütterung mit:</p> - -<p> -1. Kaliumkarbonat,<br /> -2. Kaliumsulfat,<br /> -3. Natriumchlorid,<br /> -4. Kaliumnitrat,<br /> -5. Kaliumphosphat,<br /> -6. Kaliumnitrit,<br /> -7. Kainit und Thomasphosphat.</p> - - - -<div class="center"> -<img src="images/fig14.jpg" width="438" height="348" alt="" /> -<div class="caption"><p>Fig. 14. Tabakspflanzen, welche nach starker Düngung mit anorganischen Salzen -am Leben geblieben sind.</p></div> -</div> - -<p>Die Ernährung mit <em class="gesperrt">Kaliumnitrit</em> musste, wie zu erwarten war, schon bald<span class="pagenum"><a name="Page_83" id="Page_83">[ 83]</a></span> -aufgegeben werden, da 0,5 gr. bereits innerhalb weniger Stunden tötlich wirkten. -Weiter herrschte ein grosses Absterben unter den Pflanzen, die <em class="gesperrt">phosphorsaures -Kali</em>, <em class="gesperrt">Chlornatrium</em> und <em class="gesperrt">Kaliumkarbonat</em> erhalten hatten. In nebenstehenden -Figuren sind einige Pflanzen und deren Blätter abgebildet, die bei obiger Fütterung -am Leben blieben. Die mittlere zwergartige Pflanze (Fig. 14) ist in Folge der -Kochsalzfütterung sehr zurückgeblieben; dabei sind alle Blätter missgestaltet. Auch -bei den anderen Salzernährungen wurde Ähnliches wahrgenommen. In Fig. 15 sind -die Blätter in derselben Höhe der Pflanzen abgenommen und abgebildet.</p> - -<div class="center"> -<img src="images/fig15.jpg" width="439" height="328" alt="" /> -<div class="caption"><p>Fig. 15. Blätter von Tabakspflanzen, die im freien Lande übermässig gedüngt worden sind mit Natriumchlorid -(I), mit Kaliumsulfat (II), mit Kaliumkarbonat (III) und Kaliumphosphat (IV).</p></div> -</div> - -<p>I. ist das Blatt einer Pflanze, die mit Kochsalz, II. mit Kaliumsulfat, III. mit -Kaliumkarbonat und IV. mit Kaliumphosphat gefüttert war. Auffallend sind hier -die unregelmäßige Blattform und die sehr langen Spitzen an den Blättern. Hierbei -ist es von Interesse zu wissen, dass die Pflanzen im Schatten gestanden haben;<span class="pagenum"><a name="Page_84" id="Page_84">[ 84]</a></span> -dasselbe ist bei Pflanzen beobachtet worden, die unter <em class="gesperrt">normalen</em> Ernährungsverhältnissen -im Schatten gestanden haben, wenn auch in weit geringerem Masse. -Am 1. September wurden alle diese Pflanzen mit infektionstüchtigem Gewebesaft in -die Hauptnerven eines Blattes geimpft. Alle Pflanzen wurden krank, jedoch nicht -in derselben Zeit. Trat früher die Krankheit in der Regel nach drei Wochen ein, -so war dies bei der Kainitfütterung erst viel später der Fall. <em class="gesperrt">Wenn auch sicherlich -Kainit und Thomasphosphat die Pflanzen gegen die Fleckenkrankheit -nicht schützen können, so scheint doch eine Abschwächung des -Giftes eingetreten zu sein.</em> Im Laufe der Wochen sah ich dann auch bei den -drei übriggebliebenen Pflanzen die Flecken kleiner werden, einige selbst ganz -verschwinden, ohne dass die anderen Krankheitserscheinungen auftraten. (Fig. 13 <i>C</i>.)</p> - -<p>Durch diese Fütterungsversuche wurde also das Ziel noch nicht erreicht. Ein -ganz anderes Resultat aber hatte der folgende im Grossen angestellte Versuch.</p> - -<p>Es drängte sich die Frage auf, ob es möglich wäre, ein Feld, auf dem jedes -Jahr die Krankheit sich an beinahe allen Pflanzen zeigte, zu desinfizieren und -zwar durch einen Stoff, der ätzend wirkte. Das Mittel musste so gewählt werden, -dass die zukünftige Ernte nicht darunter zu leiden hatte. Das Gift musste also -durch Zersetzung wieder unwirksam werden. Herr <em class="gesperrt">N. van Os</em> in Amerongen, der -sich lebhaft für die Sache interessierte, hat diesen Versuch mit sehr günstigem -Erfolg im Grossen ausgeführt. Im Februar 1898 wurde auf das am stärksten -infizierte Feld, wo jedes Jahr beinahe alle Pflanzen erkrankten, <em class="gesperrt">ungelöschter Kalk</em> -in einer Menge von 10 hl. pro Hektar gebracht. Nach Verlauf einiger Wochen -wurde das Land umgearbeitet und im Monat Mai die jungen Tabakspflänzchen -eingesetzt. Jedes Jahr hatte die Krankheit sonst fast alle Pflanzen befallen; diesmal -war dies nicht der Fall: die Zahl der erkrankten Pflanzen betrug nur 7%.</p> - -<p>Weiter sind von Herrn <em class="gesperrt">van Os</em> auf mein Ersuchen im vergangenen Jahre -eine grosse Anzahl Düngversuche angestellt worden, wofür ich ihm hier meinen -herzlichen Dank ausspreche. Die Versuche erstrecken sich nicht auf einige Pflanzen, -sondern auf einen halben Hektar. Folgende Tabelle giebt eine Übersicht der Versuche -und ihrer Ergebnisse:</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_85" id="Page_85">[85]</a></span> -Feldversuche mit Bezug auf die Fleckenkrankheit.</p> -<div > -<table class="center" border="2" cellpadding="6" cellspacing="0" summary="Feldversuche mit Bezug auf die Fleckenkrankheit." rules="cols"> - -<tr> -<td></td> -<td></td> -<td><b>Krank-</b></td> -<td><b>Krankheit</b></td> -<td><b>Krankheit</b></td> -</tr> - -<tr> -<td><b>Dünger.</b></td> -<td> <b>Gewächs 1898.</b></td> -<td><b>heit im</b></td> -<td><b>in</b></td> -<td><b>im Gewächs</b></td> -</tr> - -<tr> -<td> </td> -<td> </td> -<td><b>Gewächs.</b></td> -<td><b>»zuigers«</b><a name="FNanchor_K_11" id="FNanchor_K_11"></a><a href="#Footnote_K_11" class="fnanchor">[K]</a>.</td> -<td><b>1897.</b></td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'> I. Torfstreu-Pferdemist</td> -<td>gut.</td> -<td>3%.</td> -<td>alle.</td> -<td>keine.</td> -</tr> - -<tr> -<td>70 000 K. pr.ha.</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr><td></td><td></td><td></td><td></td><td></td></tr> -<tr> -<td align='left'>II. Torfstreu, Kainit</td> -<td>prächtig, schwerer</td> -<td>keine.</td> -<td>keine.</td> -<td> 10%.</td> -</tr> - -<tr> -<td>700 Kilo, Schlacken-</td> -<td>Tabak, steht dun-</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td></td> -<td>kel auf dem Feld</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td></td> -<td>und ist nach Trock-</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td></td> -<td>nen von guter Farbe</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>III. Torfstreu, Peruguano</td> -<td>etwas weniger</td> -<td>keine</td> -<td>30%</td> -<td>10%</td> -</tr> - -<tr> -<td>500 Kilo.</td> -<td align='center'>als II.</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>IV. Frischer Schweine-</td> -<td>gut, doch kleines</td> -<td>keine.</td> -<td>keine.</td> -<td>keine.</td> -</tr> - -<tr> -<td>mist 70 000 Kilo,</td> -<td align='center'>Blatt.</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td>Kali 500 Kilo</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'> V. Frischer Schweine-</td> -<td> gut.</td> -<td> keine.</td> -<td> sporadisch.</td> -<td> Erbsen,</td> -</tr> - -<tr> -<td>mist 70 000 Kilo,</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -<td>Karoten</td> -</tr> - -<tr> -<td>Heiderasen, ohne</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -<td>gebaut.</td> -</tr> - -<tr> -<td>Patent Kali.</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>VI. Torfstreu, Patent</td> -<td>keine grossen</td> -<td>keine.</td> -<td>30%</td> -<td>keine.</td> -</tr> - -<tr> -<td>Kali 500 Kilo.</td> -<td>Pflanzen, Farbe</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td></td> -<td>nicht besser als</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td></td> -<td>da, wo kein Patent</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td></td> -<td>Kali gebraucht</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td></td> -<td>worden ist.</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>VII. Pferde Kuhmist</td> -<td>gut.</td> -<td>keine.</td> -<td>keine.</td> -<td>keine.</td> -</tr> - -<tr> -<td>100 000 Kilo,</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td>Heiderasen,</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>VIII. Schafmist 70 000 K.</td> -<td>gutes, kräftiges</td> -<td>2%</td> -<td>15%</td> -<td>5%</td> -</tr> - -<tr> -<td></td> -<td>Blatt.</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>IX. Torfstreu - Ruth</td> -<td>gut.</td> -<td> keine.</td> -<td>20%.</td> -<td>keine.</td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>X. Torfstreu-Kalk</td> -<td>gut.</td> -<td>7%</td> -<td>40%</td> -<td>100%</td> -</tr> - -<tr> -<td>(CaO) 10 HL.</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td align='left'>XI. Compost-Fäkalien</td> -<td>Farbe nichtvorzüglich</td> -<td>keine.</td> -<td>keine.</td> -<td>keine.</td> -</tr> - -<tr> -<td>45 000 Kilo, Peru-</td> -<td>gefarbtes Blatt.</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -<tr> -<td>guano 500 Kilo.</td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -<td></td> -</tr> - -</table></div> - - -<p>Aus diesen Versuchen erhellt, dass in Bezug auf die Fleckenkrankheit mit -<em class="gesperrt">Kainit</em> und <em class="gesperrt">Thomasphosphat</em> ein ausgezeichnetes Resultat erreicht worden ist.</p> - - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_86" id="Page_86">[ 86]</a></span></p> - -<p>Eine gleich günstige Wirkung halten die Düngstoffe, die mit <em class="gesperrt">Heiderasen</em> gemengt -waren. Die Verwendung von den genannten Düngstoffen und von Erde, die wie der -Heideboden von einem <em class="gesperrt">reinen</em> Terrain herstammt, kann ebenso wie die Anwendung -von <em class="gesperrt">ungelöschtem Kalk</em> empfohlen werden.</p> - -<p>Was die Düngung mit Kompost-Fäkalien und Peruguano (f. 135 pro Hektar = -225 Mk.) betrifft, so erwies sich diese als ausgezeichnet und ist f. 250 = 416 Mk. -billiger als die Düngung mit Schafmist und Peruguano.</p> - -<p>Auch mit Bezug auf die Ursachen, welche die Krankheit so allgemein an den -»Zuigers« hervortreten lassen, sind sehr interessante Versuche angestellt worden. -Die Vermutung, die ich im vorigen Jahre hatte (s. »de Natuur« 1897 pag. 371), hat -sich als richtig erwiesen. Herr <em class="gesperrt">van Os</em> hat die Güte gehabt, Versuche in grossem -Massstabe zu machen. Einige kranke Pflanzen wurden geköpft und unmittelbar darauf -wurde einer grossen Anzahl gesunder Pflanzen mit den »infizierten« Fingern die -Spitze abgebrochen. Alle Pflanzen blieben unter Beobachtung; das Resultat war, -dass 88% derselben krank wurden.</p> - -<p>Aus diesem Grunde verdient es Empfehlung, zuerst alle kranken Pflanzen zu -entspitzen und nach Desinfektion der Hände oder einige Tage später die anderen, -gesunden Pflanzen. Auf diese Weise wird das Gift nicht übertragen und werden -also durch die Hand des Pflanzers gesunde Pflanzen nicht infiziert. Erst, wenn das -schädliche Agens gefunden, und weiter seine künstliche Kultur im Laboratorium -gelungen ist, erst dann wird es durch ein eingehendes Studium seiner Eigenschaften -möglich sein, auf einem anderen Wege unsere Tabakskultur gegen eine der am -meisten gefürchteten Krankheiten zu schützen.</p> - -<p> -<i>Bussum</i>, Nov. 1899.<br /> -</p> - - - - -<div class="footnotes"> - - -<p class="footnote"><a name="Footnote_A_1" id="Footnote_A_1"></a><a href="#FNanchor_A_1"><span class="label">[A]</span></a> Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur«, 17 Dec. 1898: De Stikstofvoeding -der Leguminosen.</p> - -<p class="footnote"><a name="Footnote_B_2" id="Footnote_B_2"></a><a href="#FNanchor_B_2"><span class="label">[B]</span></a> Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur«, 13 Mai 1899, »Martellin, een nieuwe meststof.«</p> - -<p class="footnote"><a name="Footnote_C_3" id="Footnote_C_3"></a><a href="#FNanchor_C_3"><span class="label">[C]</span></a> Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur« vom 24. Juni 1899. Een critische beschouwing -over <em class="gesperrt">Loew's</em> theorie der »oxidizing enzymation.«</p> - -<p class="footnote"><a name="Footnote_D_4" id="Footnote_D_4"></a><a href="#FNanchor_D_4"><span class="label">[D]</span></a> Siehe meine Abhandlung in »De Natuur«, Augustus 1897. »Micro-organismen en het onderzoek -der lucht«.</p> - -<p class="footnote"><a name="Footnote_E_5" id="Footnote_E_5"></a><a href="#FNanchor_E_5"><span class="label">[E]</span></a> Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur« 13 Mai 1899 »Martellin, een nieuwe meststof«.</p> - -<p class="footnote"><a name="Footnote_F_6" id="Footnote_F_6"></a><a href="#FNanchor_F_6"><span class="label">[F]</span></a> Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur« 24 Juni 1899. »Een critische beschouwing -over <em class="gesperrt">Loew's</em> theorie der oxidizing enzymation.«</p> - -<p class="footnote"><a name="Footnote_G_7" id="Footnote_G_7"></a><a href="#FNanchor_G_7"><span class="label">[G]</span></a> Aus diesen für den Menschen später so wichtigen Versuchen, erhellt der Nutzen des Tierexperiments, -welches allerdings nur erfahrenen Personen anvertraut werden darf. Meiner Meinung -nach muss jedoch der zwecklos wiederholte Nachweis schon konstatierter Vergiftungen bei Tieren -auf mechanischem, chemischem oder bakteriologischem Wege unterlassen werden, wenn, was nach -dem heutigen Stande der Technik möglich ist, durch die Projektion von Lichtbildern ein deutliches -Bild der Versuche geliefert werden kann.</p> - -<p class="footnote"><a name="Footnote_H_8" id="Footnote_H_8"></a><a href="#FNanchor_H_8"><span class="label">[H]</span></a> Im Sommer 1899 habe ich die Tabaksfelder mit dem Zweck besucht, zu erforschen, ob auch -Pflanzen zu finden wären, welche die nicht infektiöse Pockenkrankheit zeigten, (<em class="gesperrt">Iwanowski</em>). -Allerdings waren auf <i>einem</i> Feld drei Pflanzen vorhanden, die auf den mittelsten Blättern kleine -Fleckchen hatten, die von denen der Mosaikkrankheit abwichen. Bei einem zweiten Besuch nach -Verlauf von etwa 10 Tagen jedoch erwies es sich, dass dieselben Pflanzen in ihren Spitzenblättern -die Symptome der Fleckenkrankheit zeigten. -</p> -<p class="footnote"> -Ich hoffe, hierauf später zurückzukommen, wenn ich für diese Untersuchung geeignetes Material -finden kann.</p> - - -<p class="footnote"><a name="Footnote_I_9" id="Footnote_I_9"></a><a href="#FNanchor_I_9"><span class="label">[I]</span></a> Nach dem Erscheinen meiner holländischen Veröffentlichung im Jahre 1898 und 1899 und -meiner Publikation in »Zeitschrift für Pflanzenkrankheiten herausgegeben von <em class="gesperrt">Prof. Sorauer</em> -(IX. Bd., 2. Heft)« wurde mir durch Briefwechsel mit <em class="gesperrt">Dr. Iwanowski</em> in Petersburg bekannt, dass -er bereits früher durch die Filtrationsversuche mit mosaikkranken Blättern von <i>Nicotiana</i> zu -demselben Resultat gekommen war. Auch <em class="gesperrt">Beijerinck</em> beschreibt im Centralblatt für Bacteriologie, -Parasitenkunde und Infectionskrankheiten, II<sup>e</sup> Abth., pg. 27, 1899, ähnliche Erscheinungen bei der -Filtration durch Porzellanfilter. Weiter sind die »voorloopige Mededeelingen over het Peh-sem of -de Mozaiekziekte in de Tabak te <i>Deli</i>« von <em class="gesperrt">Dr. van Breda de Haan</em> (Teysmannia 9den jaargang -afl. 11-12) sehr interessant.</p> - -<p class="footnote"><a name="Footnote_J_10" id="Footnote_J_10"></a><a href="#FNanchor_J_10"><span class="label">[J]</span></a> Als Bemerkung möchte ich hier hinzufügen, dass die veredelten Sorten von <i>Beta vulgaris</i> -nicht selten dunkelgrüne Flecken in den Blättern zeigen mit den nämlichen Abweichungen, wie -bei <i>Nicotiana Tabacum</i> beschrieben ist. Der Saft dieser gefleckten Blätter konnte normal gebildete -Exemplare von <i>Beta vulgaris</i> nicht krank machen. Das Auftreten dieser Flecken ist also von ganz -verschiedener Art wie bei <i>Nicotiana Tabacum</i>.</p> - -<p class="footnote"><a name="Footnote_K_11" id="Footnote_K_11"></a><a href="#FNanchor_K_11"><span class="label">[K]</span></a> Zuiger ist wohl mit »Geize« zu übersetzen, bezeichnet aber nur die Seitenzweige, die aus -den Achseln der abgenommenen Blätter sich entwickeln.</p></div> - - -<h2><a name="DRUCKFEHLER" id="DRUCKFEHLER">DRUCKFEHLER.</a></h2> - -<div> -<table class="center" border="0" cellpadding="6" cellspacing="0" summary=""> - -<tr> -<td>Seite 1 -</td> -<td>Zeile 4 von oben lies -</td> -<td>Versuchen -</td> -<td>statt -</td> -<td>Proben. -</td> -</tr> - -<tr> -<td>Seite 2 -</td> -<td>Zeile 13 von unten lies -</td> -<td>Solanaceae -</td> -<td>statt -</td> -<td>Solonaceae. -</td> -</tr> - -<tr> -<td>Seite 2 -</td> -<td>Zeile 12 von unten lies -</td> -<td>Capsicum -</td> -<td>statt -</td> -<td>Capiscum. -</td> -</tr> - -<tr> -<td>Seite 3 -</td> -<td>Zeile 5 und 14 von unten lies -</td> -<td>versand -</td> -<td>statt -</td> -<td>versandt. -</td> -</tr> - -<tr> -<td>Seite 6 -</td> -<td>Zeile 3 von oben lies -</td> -<td>Versuchen -</td> -<td>statt -</td> -<td>Proben. -</td> -</tr> - -<tr> -<td>Seite 7 -</td> -<td>Zeile 3 von oben lies -</td> -<td>zersetzt -</td> -<td>statt -</td> -<td>analysiert. -</td> -</tr> - -<tr> -<td>Seite 13 -</td> -<td>Zeile 17 von oben lies -</td> -<td>m.M. -</td> -<td>statt -</td> -<td>c.m. -</td> -</tr> - -<tr> -<td>Seite 17 -</td> -<td>Zeile 1 von unten lies -</td> -<td>Hefezellen -</td> -<td>statt -</td> -<td>Gährungszellen. -</td> -</tr> - -<tr> -<td>Seite 19 -</td> -<td>Zeile 13 von oben lies -</td> -<td>Nährboden -</td> -<td>statt -</td> -<td>Nahrungsboden. -</td> -</tr> - -<tr> -<td>Seite 23 -</td> -<td>Zeile 12 von oben lies -</td> -<td>fakultative Anaëroben und Aeroben -</td> -<td>statt -</td> -<td>fakultative Anaëroben. -</td> -</tr> - -<tr> -<td>Seite 23 -</td> -<td>Zeile 16 von oben lies -</td> -<td>fakultative Anaëroben und Aeroben -</td> -<td>statt -</td> -<td>fakultative Anaëroben. -</td> -</tr> - -<tr> -<td>Seite 37 -</td> -<td>Zeile 14 von unten lies -</td> -<td>fakultative Anaëroben und Aeroben -</td> -<td>statt -</td> -<td>fakultative Anaëroben. -</td> -</tr> - -</table></div> - - -<hr style="width: 65%;" /> - - -<div class="transnote" id="transnote">Anmerkungen zur Transkription: - -<p>Interpunktion Fehler gelöscht</p> - -<p>"ï" präsentiert als "i"</p> - -<p>gunstige korrigiert als günstige</p> - -<p>groszen korrigiert als grossen</p> - -<p>is korrigiert als ist</p> - -<p>gewönhnlich korrigiert als gewöhnlich</p> - -<p>Phloem korrigiert als Phloëm</p> - -<p>beiten korrigiert als beiden</p> - -<p>aüsseren korrigiert als äusseren</p> - -<p>Zersetsungsprodukte korrigiert als Zersetzungsprodukte</p> - -<p>Zersetsungen korrigiert als Zersetzungen</p> - -<p>Blelessig korrigiert als Bleiessig</p> - -<p>Zollen korrigiert als Zellen</p> - -<p>frisschen korrigiert als frischen</p> - -<p>letzere korrigiert als letztere</p> - -<p>mittgeteilt korrigiert als mitgeteilt</p> - -<p>allmälich korrigiert als allmählich</p> - -<p>letzere korrigiert als letztere</p> - -<p>was korrigiert als war</p> - -<p>einen korrigiert als einem</p> - -<p>ganzo korrigiert als ganze</p> - -<p>Weize korrigiert als Weise</p> - -<p>anäerobe korrigiert als anaërobe</p> - -<p>geimfpte korrigiert als geimpfte</p> - -<p>wio korrigiert als wie</p> - -<p>sorfältig korrigiert als sorgfältig</p> - -<p>Geerhter korrigiert als Geehrter</p> - -<p>ensteht korrigiert als entsteht</p> - -<p>ans korrigiert als an</p> - -<p>Laboratium korrigiert als Laboratorium</p> - -<p>Troztdem korrigiert als Trotzdem</p> - -<p>angenehnem korrigiert als angenehmem</p> - -<p>durchfallenden korrigiert als durchfallendem</p> - -<p>Bij korrigiert als Bei</p> - -<p>swach korrigiert als schwach</p> - -<p>wahrnemen korrigiert als wahrnehmen</p> - -<p>lasst korrigiert als lässt</p> - -<p>volendet korrigiert als vollendet</p> - -<p>kan korrigiert als kann</p> - -<p>herrgestellt korrigiert als hergestellt</p> - -<p>enstehen korrigiert als entstehen</p> - -<p>wurden korrigiert als worden</p> - -<p>missgetaltet korrigiert als missgestaltet</p> - -<p>gift korrigiert als Gift</p> - -<p>Schwamm-parenchym korrigiert als Schwammparenchym</p> - - -</div> - - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der Tabak, by C. J. Koning - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER TABAK *** - -***** This file should be named 51474-h.htm or 51474-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/1/4/7/51474/ - -Produced by Peter Becker, Jana Palkova and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This -file was produced from images generously made available -by The Internet Archive) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. Special rules, -set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to -copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to -protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project -Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you -charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you -do not charge anything for copies of this eBook, complying with the -rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose -such as creation of derivative works, reports, performances and -research. They may be modified and printed and given away--you may do -practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License (available with this file or online at -http://gutenberg.org/license). - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy -all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession. -If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project -Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the -terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or -entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement -and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic -works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation" -or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project -Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the -collection are in the public domain in the United States. If an -individual work is in the public domain in the United States and you are -located in the United States, we do not claim a right to prevent you from -copying, distributing, performing, displaying or creating derivative -works based on the work as long as all references to Project Gutenberg -are removed. 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It exists -because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from -people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. -To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 -and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive -Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at -http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent -permitted by U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. -Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered -throughout numerous locations. Its business office is located at -809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email -business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact -information can be found at the Foundation's web site and official -page at http://pglaf.org - -For additional contact information: - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To -SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any -particular state visit http://pglaf.org - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. -To donate, please visit: http://pglaf.org/donate - - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic -works. - -Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm -concept of a library of electronic works that could be freely shared -with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project -Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. - - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. -unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily -keep eBooks in compliance with any particular paper edition. - - -Most people start at our Web site which has the main PG search facility: - - http://www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - - -</pre> - -</body> -</html> diff --git a/old/51474-h/images/cover.jpg b/old/51474-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9e94e6b..0000000 --- a/old/51474-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/51474-h/images/fig01.jpg b/old/51474-h/images/fig01.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index f5586ac..0000000 --- a/old/51474-h/images/fig01.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/51474-h/images/fig02.jpg b/old/51474-h/images/fig02.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 74f2087..0000000 --- a/old/51474-h/images/fig02.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/51474-h/images/fig03.jpg b/old/51474-h/images/fig03.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index c3198b6..0000000 --- a/old/51474-h/images/fig03.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/51474-h/images/fig04.jpg b/old/51474-h/images/fig04.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 023c485..0000000 --- a/old/51474-h/images/fig04.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/51474-h/images/fig05.jpg b/old/51474-h/images/fig05.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 6b1f712..0000000 --- a/old/51474-h/images/fig05.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/51474-h/images/fig06.jpg b/old/51474-h/images/fig06.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 885e461..0000000 --- a/old/51474-h/images/fig06.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/51474-h/images/fig07.jpg b/old/51474-h/images/fig07.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 7f553af..0000000 --- a/old/51474-h/images/fig07.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/51474-h/images/fig08_09.jpg b/old/51474-h/images/fig08_09.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 2534c62..0000000 --- a/old/51474-h/images/fig08_09.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/51474-h/images/fig10.jpg b/old/51474-h/images/fig10.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 3d92056..0000000 --- a/old/51474-h/images/fig10.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/51474-h/images/fig11.jpg b/old/51474-h/images/fig11.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 6d90d74..0000000 --- a/old/51474-h/images/fig11.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/51474-h/images/fig12.jpg b/old/51474-h/images/fig12.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index aa59fe4..0000000 --- a/old/51474-h/images/fig12.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/51474-h/images/fig13.jpg b/old/51474-h/images/fig13.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index f252c49..0000000 --- a/old/51474-h/images/fig13.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/51474-h/images/fig14.jpg b/old/51474-h/images/fig14.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 81b8d50..0000000 --- a/old/51474-h/images/fig14.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/51474-h/images/fig15.jpg b/old/51474-h/images/fig15.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 5d407b9..0000000 --- a/old/51474-h/images/fig15.jpg +++ /dev/null |
