diff options
Diffstat (limited to 'old/51208-8.txt')
| -rw-r--r-- | old/51208-8.txt | 5798 |
1 files changed, 0 insertions, 5798 deletions
diff --git a/old/51208-8.txt b/old/51208-8.txt deleted file mode 100644 index a490f70..0000000 --- a/old/51208-8.txt +++ /dev/null @@ -1,5798 +0,0 @@ -The Project Gutenberg EBook of Gedanken über Religion, by George John Romanes - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most -other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Gedanken über Religion - Die religiöse Entwicklung eines Naturforschers vom Atheismus - zum Christentum. - -Author: George John Romanes - -Translator: E. Dennert - -Release Date: February 13, 2016 [EBook #51208] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDANKEN ÜBER RELIGION *** - - - - -Produced by Ralph Janke, Marilynda Fraser-Cunliffe, Norbert -Müller and the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - - - - - - - Gedanken über Religion - - - von - - - George John Romanes. - - - Die religiöse Entwicklung eines Naturforschers vom - Atheismus zum Christentum. - - - Autorisierte Übersetzung nach der 7. Auflage des englischen Originals - - von - - _Dr. phil._ E. Dennert. - - - Göttingen - - Vandenhoeck und Ruprecht - - 1899. - - - - - Vorwort des Uebersetzers. - - -In dem Verhältnis der Naturforscher zur Religion ist in den letzten -Jahrzehnten eine merkwürdige Wendung vor sich gegangen. Bekanntlich -herrschte in den fünfziger und sechsziger Jahren eine kraß -materialistische Strömung, welche in Deutschland von Männern wie Vogt -und Moleschott angebahnt war. Die namhaften Naturforscher blieben -jedoch von ihr unberührt, sie hatten fast alle eine religions- und -christentumsfreundliche Stellung. Als aber in den siebenziger Jahren -die Lehre Darwins mehr und mehr Eingang fand und Haeckel seinen -Monismus predigte, änderte sich das Verhältnis, und die Stellung der -in den beiden folgenden Jahrzehnten, wie auch noch in dem laufenden -maßgebenden Naturforscher zur Religion wurde eine zum mindesten -gleichgiltige. Die Naturwissenschaft und die induktive Methode steht -bei den meisten dieser Männer so sehr im Mittelpunkt des Denkens und -des Lebens, daß alles andere, was sonst ein Menschenleben erfüllt und -ausmacht, bei ihnen weit zurücktritt. - -Wenn manche dieser Forscher nach ihrem religiösen Standpunkt gefragt -werden, so erklären sie sich für »=Agnostiker=«, sie wissen nichts -von religiösen Fragen oder überhaupt von Fragen, die jenseits des -naturwissenschaftlichen Gebiets auftauchen. Dieses Wort wurde jedoch -von vielen in dem Sinn gebraucht, daß man jenseits der natürlichen -Kausalität überhaupt nichts wissen, keine Gewißheit je erlangen -=könne=. Eine große Reihe von Naturforschern stand, wenn sie nicht -geradezu glaubensfeindlich waren, vor 10-20 Jahren so. Zu erklären -ist diese Erscheinung sicherlich durch den Einfluß der gewaltigen -Entwicklung der Naturwissenschaft überhaupt und des Darwinismus -im speziellen: es gab viele, denen erschien alles Erforschte als -unantastbare Wahrheit, und die Zeit schien ihnen nicht fern, in der die -ganze Natur, auch alles Leben und Werden, für den Forscher völlig klar -und durchsichtig sein würde; bei solchen Gedanken mußte eine Verkennung -des Wertes der naturwissenschaftlichen Methode nur zu nahe liegen, sie -erschien daher vielen als der einzig mögliche Weg zur Erkenntnis der -Wahrheit. - -Allein es ist dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel -wachsen, das kann man auch auf diesem Gebiete sagen: allmählich -trat vor allem in Bezug auf den Darwinismus eine Ernüchterung ein, -im eignen Lager wurde an dem vermeintlich unzerstörbaren Bollwerk -gerüttelt, und da seine Festigkeit eine eingebildete war, so konnte -nicht ausbleiben, daß es um so schneller fiel, bezw. fällt. Dieser -Zerbröckelungsprozeß setzt sich noch weiter fort, aber es ist nicht -anzunehmen, daß abgesehen von einigen »Alten«, die sich noch um -Haeckel und Weismann scharen, echte Darwinianer ihren Einzug in das -neue Jahrhundert halten werden. Das ist aber nicht ohne Einfluß auf -die philosophischen und religiösen Anschauungen der Naturforscher -geblieben. Zwar wird sich das alte Verhältnis, d. h. ein Überwiegen der -religiös und christlich gerichteten Forscher, so schnell noch nicht -wieder herstellen -- kommen wird es ganz sicher wieder --; aber eine -Anbahnung ist schon heute gar nicht zu verkennen. Diese äußert sich -zunächst in einer viel freundlicheren Stellung zu religiösen Fragen und -vor allem in der Anerkennung, daß Religion und Naturwissenschaft zwei -getrennte Gebiete sind, die mit einander nur wenig zu thun haben. Aus -dieser Erkenntnis wird sich dann sicherlich mehr und mehr die andere -entwickeln, daß man bei allem naturwissenschaftlichen Wissen auch einen -persönlichen religiösen Glauben besitzen kann, weil die Quellen der -wissenschaftlichen und religiösen Erkenntnisse ganz verschieden sind. - -Der =Agnostizismus=, wie ich ihn oben gekennzeichnet habe, erhält -unter diesem Einfluß ein ganz anderes Gesicht; allerdings sagt er sehr -richtig auch jetzt noch, daß man mit naturwissenschaftlichem Wissen -und naturwissenschaftlicher Methode auf religiösem Gebiet nichts -ausrichten, nichts erkennen kann, allein er fügt nun hinzu: vielleicht -kann man es auf anderem Wege, und dieser Möglichkeit steht er ganz -unparteiisch gegenüber. - -Zu den Männern, welche die letztgenannte Art von Agnostizismus -vertraten, gehört vor allem G. Romanes, der englische Biologe, er ist -am 26. Mai 1848 zu Kingston in Kanada geboren, war ein Freund Darwins, -der ihm eine Reihe von unveröffentlichten Manuskripten hinterließ, von -denen Romanes einige veröffentlichte. Romanes selbst schrieb ein Werk -über »physiologische Zuchtwahl«, eines über »tierische Intelligenz«, -»Vor und nach Darwin«, »eine Prüfung der Lehre Weismanns« u. a. m., -er starb schon am 23. Mai 1894. Romanes zeigt an sich selbst die -eigentümliche Entwicklung, welche das Verhältnis der Naturforschung -zur Religion in den letzten Jahrzehnten genommen hat: von Haus aus dem -Glauben zugethan, wurde er durch die Darwinsche Strömung allgemach zu -vollem Skeptizismus und Unglauben getrieben, aus dem er sich jedoch -wieder emporarbeitete, so daß er sogar als ein gläubiger Christ -gestorben ist. Diese religiöse Entwicklung spiegelt sich nun auch in -seinen religionsphilosophischen Schriften wieder, alle eben genannten -Stufen finden sich in letzteren, und es ist daher im höchsten Grade -interessant, sie zu vergleichen und die stufenweise Rückkehr des -Verfassers zum Glauben zu verfolgen. Die letzte dieser Schriften zu -vollenden und zu veröffentlichen ist dem Entschlafenen leider nicht -vergönnt gewesen. Nach seinem Tode aber hat sein Freund Charles Gore, -Kanonikus an Westminster, in liebevollster Weise die Herausgabe dieser -Schrift, sowie der anderen, die einen Einblick in das innere Leben des -Verfassers gestatten, besorgt. Diese Aufsätze sind vor 3 Jahren unter -dem Titel »_Thoughts on religion_« erschienen und haben innerhalb -zweier Jahre in England sieben Auflagen erlebt. Das Buch verdient es -im höchsten Grade, auch in Deutschland bekannt zu werden, um auch -bei uns in ähnlicher Weise wie die Werke des auch leider zu früh -entschlafenen Drummond ein Zeuge dafür zu sein, daß Glaube und Wissen -keine Gegensätze sind. - -Der Unterzeichnete hat, nachdem er das Buch kennen lernte, die deutsche -Ausgabe um so lieber übernommen, als der Inhalt dieses Buches in -derselben Richtung liegt wie manche seiner eignen Schriften, und er -übergiebt seine Bearbeitung nunmehr der Öffentlichkeit mit dem Wunsche, -daß sie bei seinen naturwissenschaftlichen Fachgenossen ebenso wie bei -anderen zum weiteren Nachdenken anregen möchte. -- Wie die Übersetzung -nicht immer leicht gewesen ist, so wird es auch die Lektüre nicht -immer sein; dieselbe fordert an manchen Stellen Aufmerksamkeit und -Nachdenken, wird aber auch den Leser, der beides nicht scheut, ganz -gewiß reichlich belohnen. - -Die letzten Abschnitte sind Fragmente, die leider unvollendet blieben, -der Verfasser ist eben mitten in der Arbeit an dem Buch und mit ihm -an seinem religiösen Glauben abberufen worden, niemand wird anders -können als mit Canon Gore voller Wehmut bedauern, daß es nur Fragmente -sind. Aber der Übersetzer ist auch überzeugt, niemand wird dieses Buch -aus der Hand legen, ohne ein Gefühl der Verehrung für den edlen Mann, -dessen unbeugsames, »unbefangenes«, reines und selbstloses Streben nach -Wahrheit in ihm so lebhaft und schön zum Ausdruck kommt. - -Einen besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle noch dem englischen -Herausgeber Canon Ch. Gore an Westminster für sein lebhaftes Interesse -an der Übersetzung aussprechen, dasselbe zeigte sich auch darin, daß er -eine Korrektur des Druckes gelesen hat. - - Rüngsdorf-Godesberg. _Dr. phil._ =E. Dennert=. - - - - - Einleitung des Übersetzers[1]. - - -Romanes hat mit 25 Jahren 1873 eine Abhandlung geschrieben, in der -er das Verhältnis des Gebets zur Unabänderlichkeit der Naturgesetze -erörtert. Hier zeigt er einen ganz theistischen Standpunkt, ja, er -ist damals sogar noch Anhänger des christlichen Offenbarungsglaubens, -den er mit der Unabänderlichkeit der Naturgesetze zu versöhnen sucht. -Bald nach jener Zeit jedoch muß er sich innerlich merkwürdig schnell -geändert haben, wie das seine anonym im Jahr 1878 veröffentlichte -»Unbefangene Prüfung des Theismus« zeigt. Hier untersucht er mit großer -Gewissenhaftigkeit und Schärfe die Frage nach dem Dasein Gottes. Sein -Gedankengang ist ungefähr folgender: - -Der Theismus erklärt die Welt nicht besser als der Atheismus. Daß -unser Herz einen Gott fordern soll, ist ganz subjektiv und beweist -obendrein auch nicht, daß ein Gott existiert, jedenfalls nicht für -die, deren Herz einen Gott =nicht= fordert. Daß die Menschheit in dem -Glauben an einen Gott übereinstimmt, ist nicht der Fall; daß die Welt -eine =erste= Ursache haben müsse logisch nicht haltbar; ebenso wenig -läßt sich beweisen, daß alle Kausalität einem Willen entspringen -müsse. Auch der Gedanke, daß unser Geist auf einen anderen Geist als -Ursache hinweise, ist (hierbei offenbart sich der Einfluß des damaligen -naturwissenschaftlichen Materialismus auf Romanes) zurückzuweisen, -ebenso die aus »vermeintlicher« Willensfreiheit und sittlichem -Bewußtsein abgeleiteten Argumente: jene existiert nicht, dieses ist das -Ergebnis einer natürlichen Entwicklung (nach Darwin). - -Die Wichtigkeit des aus dem Zweck gefolgerten Beweises für das Dasein -Gottes ist anzuerkennen, trotzdem ist er nicht stichhaltig. Auch -die wundervolle Schönheit und Harmonie des Weltalls läßt sich mit -Notwendigkeit aus der Erhaltung des Stoffes und seinen Eigenschaften -ableiten. So brechen also alle Beweise für das Dasein Gottes scheinbar -hoffnungslos zusammen. Ist der Satz, daß zur Erklärung der Welt eine -intelligente Ursache nötig sei, nun nicht aber doch nur ein solcher, -der höchstens =Wahrscheinlichkeit=, nicht aber =Gewißheit= beansprucht? -Kann höhere Erkenntnis ihn am Ende nicht ganz umstoßen? Ja, es ist -möglich, daß die Wahrscheinlichkeit, die Natur sei ohne Gott, vom -naturwissenschaftlichen Standpunkt aus sehr groß, vom logischen aus -aber ganz wertlos ist; jene Wahrscheinlichkeit ist thatsächlich keine -absolute, und das um so weniger als es in dem Zusammenwirken der -Naturgesetze doch noch einen unerklärbaren Rest giebt, nämlich die -kosmische Harmonie; -- diese Abänderung der Zweckmäßigkeitslehre nennt -Romanes =metaphysische Teleologie=, ihre Grundlage liegt jenseits der -Naturwissenschaft und ist der letzteren ganz unzugänglich. Nun fragt es -sich aber noch, ob diese Grundlage sonst ganz einwandfrei ist, ob also -die metaphysische Teleologie die Harmonie des Weltalls begreiflicher -macht als der Atheismus? Romanes kommt in seiner Untersuchung zu dem -Resultat, daß keine von beiden Erklärungen vor der anderen etwas voraus -habe. Man wird über die Annahme der einen oder der anderen Erklärung -nach seiner sonstigen Gewohnheit zu denken entscheiden müssen. -Gewißheit läßt sich darüber nicht erlangen. Romanes selbst kommt hier -zu einer völligen Verneinung Gottes, allein mit ergreifenden Worten (I, -§ 7) bekennt er, daß damit das Weltall für ihn die »liebenswerte Seele« -verloren habe. - -Zweierlei fällt in dieser Abhandlung besonders auf: der Glaube an das -ausschließliche Recht der naturwissenschaftlichen Methode und der Ton -der Gewißheit. Beides hat sich nachher bei Romanes sehr geändert. Er -hat sich von jener Zeit an wieder mehr und mehr von dem schroffen -Skeptizismus abgewendet; es ist bezeichnend, daß er schon 1885 in der -Schrift »Geist und Bewegung« eine strenge Kritik der materialistischen -Ansicht vom Geist liefert und einem pantheistischen oder auch schon -theistischen Monismus zuneigt. Drei Jahre darauf schrieb Romanes -einige bisher nicht veröffentlichte Artikel über den »Einfluß der -Naturwissenschaft auf die Religion«. Zwei von diesen bilden den zweiten -Hauptabschnitt dieses Buches. Sie enthalten eine Kritik jener anonymen -»Unbefangenen Prüfung des Theismus«, haben aber noch einen ganz -skeptischen Schluß. - -Nach diesen Vorbemerkungen wird ihr Inhalt keine Schwierigkeiten -machen. - - - - - I. - - Einleitung des Herausgebers (Charles Gore) - - und - - Bericht über frühere Arbeiten des Verfassers. - - -=George John Romanes=, der heimgegangene Verfasser von »Darwin und -nach Darwin«, so wie von »Prüfung der Weismannschen Lehre«, nahm in -den letzten Jahrzehnten eine hervorragende Stellung in der Biologie -ein. Aber er beschäftigte sich auch unaufhörlich und je länger desto -mehr mit den Problemen der Metaphysik und Theologie. Bei seinem im -Frühsommer dieses Jahres (1894) erfolgten Tode hinterließ er unter -seinen Papieren einige Notizen, welche zumeist im vorhergehenden Winter -geschrieben und für ein Werk über die Grundfragen der Religion bestimmt -waren. Er hatte angeordnet, daß diese Aufzeichnungen mir gegeben werden -sollten, damit ich mit ihnen nach meinem Dafürhalten verführe. - -Nach seinem Tode wurden sie mir demgemäß zugleich mit einigen noch -nicht veröffentlichten Abhandlungen, von denen zwei den ersten Teil -dieses Buches bilden, eingehändigt. Nachdem ich die Notizen gelesen -und das für mich maßgebende Urteil Anderer über sie gehört habe, trage -ich kein Bedenken, ihren bei weitem größeren Teil zu veröffentlichen -und zwar mit dem Namen des Autors, obwohl das Buch ursprünglich anonym -erscheinen sollte. Nach dem Wenigen, was mir George Romanes selbst -darüber gesagt hat, zweifle ich keinen Augenblick, daß er damit -einverstanden sein würde, wenn die Veröffentlichung nach seinem Tode -unter seinem Namen geschieht. - -Ich sagte, daß ich nach der Lektüre dieser Notizen nicht daran -zweifelte, daß sie veröffentlicht werden sollten. Sie verdienen es -wegen ihres inneren Wertes und auch deshalb, weil sie die religiöse -Denkweise eines Naturforschers beleuchten, der im hohen Grade begabt, -vielseitig gebildet und in seltenem Maße unparteiisch und offenherzig -war. Von allen diesen Eigenschaften legen die Notizen, die ich hiermit -der Öffentlichkeit übergebe, unzweifelhaft Zeugnis ab. - -Nach größeren Bedenken entschloß ich mich, auch die anderen schon -erwähnten, bisher noch ungedruckten Abhandlungen zu veröffentlichen. Da -dieselben einen früheren Standpunkt als jene Aufzeichnungen vertreten, -so setze ich sie natürlich an erste Stelle. - -Die Abhandlungen und die Notizen offenbaren aber beide die Entwicklung -eines Geistes vom Unglauben zum Glauben an die christliche Offenbarung. -Sie zeigen das Streben eines Mannes, der Gott sucht, »ob er doch -ihn fühlen und finden möchte«, nicht den Standpunkt festbegründeter -christlicher Überzeugung. Selbst die Notizen enthalten in der That noch -manches, was ein im Glauben feststehender Mensch nicht aussprechen -könnte. Bei dieser Sachlage muß ich natürlich ein Wort darüber sagen, -wie ich mein Amt als Herausgeber verstanden habe. - -Ich habe die Frage, ob ich diese oder jene Notiz veröffentlichen -sollte, lediglich darnach entschieden, ob sie hinreichend bearbeitet -war, um verständlich zu sein und habe streng jede Frage nach meiner -eignen Übereinstimmung oder Nicht-Übereinstimmung ausgeschlossen. -Besonders bei =einer= Notiz wäre es mir unklar gewesen, ob ich sie -hätte veröffentlichen sollen, hätte meine bestimmte Abweichung von -ihrem Inhalt mich nicht fürchten lassen, daß nur Vorurteile mich -geneigt machten, sie dem Leser vorzuenthalten. Die Notizen samt den -vorhergehenden Abhandlungen sind, denke ich, besser zu verstehen, -wenn ich einige erläuternde Bemerkungen über ihre Vorläufer, d. h. -über Romanes frühere die religiösen Fragen betreffenden Schriften -voranschicke. - -Im Jahre 1873 erhielt George Romanes auf Grund einer Abhandlung den -»Burney-Preis« in Cambridge. Der Gegenstand dieser Abhandlung war das -christliche Gebet in Beziehung zu dem Glauben, »daß der Allmächtige -die Welt nach feststehenden Naturgesetzen regiert.« Sie wurde 1874 mit -einem Anhang über »die physische Kraft des Gebets« veröffentlicht. In -dieser Abhandlung, die Romanes mit 25 Jahren geschrieben hat, zeigten -sich schon die charakteristischen Eigenschaften seines Geistes und -Stils. Da offenbarte sich schon die Liebe zur Wissenschaft, wie man es -ja von einem Naturforscher erwarten kann. Da finden wir die logische -Schärfe und die Vorliebe für exakte Definitionen, auch die natürliche -Frömmigkeit und die Wertschätzung des christlichen Gebets, welche -spätere Reflexionen im Grunde doch niemals ausrotten konnten. Auch -dieser Aufsatz zeugt schon von hervorragender Befähigung. - -Einerseits wird zum Zweck der Beweisführung das Dasein eines -persönlichen Gottes angenommen, desgleichen die Gewißheit der -christlichen Offenbarung, die uns ein Recht zusichert, wenn auch -bedingungsweise und in gewissen Grenzen, doch wirkliche Antworten auf -Gebete um irdische Güter zu erwarten. Andrerseits wird der Glaube als -selbstverständlich angenommen, daß allgemeine Naturgesetze das der -Beobachtung zugängliche Gebiet der Natur beherrschen. - -Dann wird die Frage erörtert: »Wie läßt sich die physische Wirksamkeit -des Gebets, welche der Christ auf Grund der Offenbarung annimmt, mit -der wissenschaftlich erkannten Thatsache vereinbaren, daß Gott die Welt -durch feststehende Naturgesetze regiert?« - -Die Antwort sucht er hauptsächlich dadurch zu geben, daß er die enge -Begrenzung jenes Gebiets mit Nachdruck hervorhebt, innerhalb welcher -wissenschaftliche Forschung angestellt und wissenschaftliche Erkenntnis -erlangt werden kann. Es können besondre göttliche Antworten auf Gebete -selbst im Gebiet der Natur vorkommen --, ja es können sogar als Antwort -auf Gebete Naturkräfte in Erscheinung treten; aber dennoch brauchen sie -nicht Phänomene hervorzubringen, welche die Naturwissenschaft beachten -und als wunderbar und die gewöhnliche Ordnung der Dinge durchbrechend -ansehen müßte. - -An einer Stelle kommen die Notizen auf diese Abhandlung zurück, und -häufiger, wie wir darauf aufmerksam machen werden, wiederholen sich -Gedanken, die schon in jener früheren Abhandlung ausgesprochen, aber -inzwischen verworfen waren. Ich weiß nicht, ob Romanes im Grunde -genommen wirklich von der Spekulation und der Schlußfolgerung seiner -Erstlingsarbeit befriedigt blieb, jedenfalls sah er sich bald nach -der Veröffentlichung jener Abhandlung veranlaßt, die dort zugegebene -Grundlage des Theismus zu verwerfen: Er wandte sich nämlich rasch und -entschieden zu einem skeptischen Standpunkt, auf dem er das Dasein -Gottes überhaupt bezweifelte. - -Die genannte Abhandlung wurde im Jahre 1874 veröffentlicht. Schon 1876 -wenigstens hatte er ein anonymes Werk mit einem gänzlich skeptischen -Schluß geschrieben, der Titel desselben lautete: »Eine unbefangene -Prüfung des Theismus,[2] von Physicus«[3]. - -Da die »Notizen« mit direkter Bezugnahme auf dieses Werk geschrieben -wurden, so scheint mir eine nähere Erörterung seiner Beweisführung -notwendig, und diese finden wir in dem letzten Kapitel des Werkes -selbst, wo der Verfasser die Ergebnisse zusammenfaßt. Ich gebe daher -dieses Kapitel ausführlich wieder.[4] - - * * * * * - -§ 1. Unsre Auseinandersetzung ist nun zu Ende, und wenige Worte werden -genügen, um einen kurzen Ueberblick über die zahlreichen Thatsachen und -Schlüsse zu gewinnen, deren Betrachtung für unsern Zweck nötig war. - -Wir sprachen zuerst von der offenbar thörichten Annahme, daß der Anfang -aller Dinge oder das Geheimnis des Daseins, [d. h. die Thatsache, -daß überhaupt irgend etwas existiert] durch die Theorie des Theismus -irgendwie besser als durch die Theorie des Atheismus erklärt würde. -Dann wurde gezeigt, daß das Argument »unser Herz fordert einen Gott« -deshalb hinfällig ist, weil wir sahen, daß solch eine =subjektive= -Notwendigkeit, selbst wenn sie bewiesen wäre, doch nicht hinreichte, um -=objektiv= die Existenz Gottes zu beweisen oder auch nur wahrscheinlich -zu machen. In Bezug auf das weitere Argument, daß die Thatsache -unseres theistischen Verlangens nach Gott auf Gott selbst als auf ihre -erklärende Ursache hinweise, mußten wir bemerken, daß dasselbe nur dann -zulässig sein könnte, wenn die Möglichkeit der Wirkung natürlicher -Ursachen [eben bei dem Entstehen unsers Verlangens nach Gott] -abgeschlossen wäre. In ähnlicher Weise wurde gefunden, daß das Argument -von der mutmaßlichen, unmittelbar erkannten Notwendigkeit des Gedankens -eines einzelnen Individuums, [d. h. die Behauptung, daß die Menschen -sich nicht von der Überzeugung befreien können, daß Gott existiert], -unhaltbar ist: erstens, weil diese mutmaßliche Notwendigkeit nur für -jenen einzelnen besteht; und zweitens, weil es thatsächlich höchst -unwahrscheinlich ist, daß diese =mutmaßliche= Notwendigkeit eine -=wirkliche= ist, selbst auch nur für den, der sie behauptet, während -sie dies für die große Mehrheit des Menschengeschlechts ganz sicherlich -nicht ist. Da das Argument von der allgemeinen Übereinstimmung der -Menschheit[5] den Thatsachen gegenüber ganz augenscheinlich ein -trügerisches ist, so wurde dieses ohne weitere Besprechung übergangen. -Das Argument ferner: Die Welt =müsse= eine =erste= Ursache haben, -- -enthält einen logischen Selbstmord. Das letzte Argument lautete: Da -der menschliche Wille die Kausalität der Natur beeinflußt, so ist -wahrscheinlich =alle= Kausalität ihrem Wesen nach der Ausfluß eines -Willens. -- Dieses Argument besteht, wie gezeigt wurde, aus einer Reihe -so ungeheuerlicher Schlüsse, daß es wertlos ist. - -§ 2. Bezüglich der weniger oberflächlichen Argumente zu Gunsten des -Theismus zeigte sich zuerst, daß der Vernunftschluß: alle bekannten -Geister stammen von einem unbekannten Geist ab; unser Geist ist ein -bekannter Geist; daher stammt auch er von einem unbekannten Geist ab --- aus zwei Gründen unzulässig ist. Erstens ist es keine Erklärung des -Geistes, wenn man ihn auf einen früheren Geist als seinen Ursprung -zurückführt, und wenn diese Hypothese, falls zulässig, nun auch eine -Erklärung für einen =bekannten= Geist ergeben würde, so ist sie doch -als Beweis für die Existenz eines =unbekannten= Geistes, dessen Annahme -doch ihre Grundlage bildet, ganz nutzlos. Und ferner: Wenn man sagt, -daß der Geist derartig ein Wesen eigener Art ist, daß er entweder aus -sich selbst existiert oder aber einen andern Geist als Ursache haben -muß, so giebt es auch für diese Behauptung keinen wirklich zureichenden -Grund. Das ist der zweite Einwand gegen den obigen Vernunftschluß; -denn nichts in dem ganzen Gebiet des Möglichen könnte unseres Wissens -imstande sein, eine selbstbewußte Intelligenz zu erzeugen. Deshalb -braucht sich ein Gegner des obigen Vernunftschlusses überhaupt keine -Theorie von dem ersten Ursprung aller Dinge zu bilden; aber gerade -gegenüber zu der klaren und bestimmten Lehre des Materialismus ist der -obige Vernunftschluß nicht besonders beweiskräftig. Wohl wissen wir, -daß das, was wir =Kraft= und =Stoff= nennen, allem Anschein nach ewig -ist, wir haben aber hingegen keinen entsprechenden, ebenso sicheren -Beweis dafür, daß ein =Geist= ewig wäre. Ferner ist der Geist, so weit -die Erfahrung reicht, stets mit hochdifferenzierten Kombinationen von -Stoff und Kraft verbunden,[6] und viele Thatsachen beweisen den Schluß, --- keine einzige aber widerspricht ihm -- daß der Grad der Intelligenz -stets von einem entsprechenden Grad der Gehirnentwickelung abhängt -oder doch wenigstens mit ihm verbunden ist. Darnach besteht sowohl -qualitativ als auch quantitativ[7] eine Beziehung zwischen Intelligenz -und Gehirnorganisation. Wenn man dann aber einwirft, daß Materie und -Bewegung kein Bewußtsein hervorbringen konnten, weil dies unfaßbar ist, -so haben wir gesehen, daß dies nichts entscheidet. Es handelt sich hier -ja um etwas zugegebener maßen Transzendentales, auch steht es fest, -daß das Wesen des Geistes unerkennbar sein =muß=, und es ist doch wohl -von vornherein wahrscheinlich, daß die Ursache dieses unerfaßbaren -Wesens viel schwieriger zu erkennen sein wird, als der Inhalt jeder -andern Hypothese, die für den Verstand faßbarer ist. Wenn man auch -sagt, daß die begreiflichere Ursache auch die wahrscheinlichere ist, -so haben wir gesehen, daß man in unserm Fall unmöglich die Gültigkeit -dieses Ausspruchs anerkennen kann. Die Behauptung endlich, daß die -Ursache aktuell schon alles enthalten muß, was ihre Wirkungen enthalten -können, ist logisch unzulässig und wird durch tägliche Erfahrung -widerlegt, während das Argument von der vermeintlichen Willensfreiheit -und der Thatsache des moralischen Sinnes sowohl deduktiv durch die -Entwicklungslehre, als auch induktiv durch die Lehre des Utilitarismus -zurückgewiesen wird. Die Lehre vom freien Willen ist in der That -durchaus unhaltbar[8] und der Beweis dafür, daß der moralische Sinn das -Ergebnis einer völlig natürlichen Entwicklung[9] ist, überwältigend, -und diese Erkenntnis, zu welcher wir aus allgemeinen Gründen gelangten, -wird auch mit unwiderstehlicher Gewalt durch die Darstellung des -menschlichen Gewissens bestätigt, welche die Theorie des Utilitarismus -liefert, und diese gründet sich auf die breitesten und auf ausnahmslos -gültige Induktionen.[10] - -Kurz, wir müssen in Bezug auf das Argument vom Dasein des menschlichen -Geistes sagen, daß ihm jeder nachweisbare Wert fehlt: man ist nicht -berechtigt, den Schluß zu ziehen, daß unser Geist durch einen anderen -Geist hervorgebracht worden ist; mit gleichem Recht könnte geschlossen -werden, er sei durch irgend etwas anderes sonst verursacht. - -§ 3. In Bezug auf das Argument vom Zweck ist zu bemerken, daß -Mills Auseinandersetzung desselben [in seiner Abhandlung über -den Theismus] nur eine Wiederholung desselben Arguments ist, das -schon Paley, Bell und Chalmers aufstellten. Wir sahen, daß der -erstgenannte Schriftsteller den ganzen Gegenstand mit einer Schwäche -und Ungenauigkeit behandelte, welche bei ihm sehr überrascht, -denn während er gar kein Gewicht auf den induktiven Beweis der -organischen Entwicklungslehre legt, nimmt er andererseits anstandslos -eine übernatürliche Erklärung der biologischen Erscheinungen an -und ist überdies merkwürdiger Weise in der Auseinandersetzung des -Zweckarguments selbst fehl gegangen, indem er ebenso wenig wie -alle früheren Schriftsteller beachtete, daß wir ganz unmöglich die -Beziehungen zwischen dem Zwecksetzer und dem Bezweckten wissen; -noch viel weniger können wir von =der= Behauptung ausgehen, daß der -höchste Geist -- seine Existenz einmal angenommen -- die Welt durch -irgend eine besondere Denkoperation hervorgebracht hat. Alle Anwälte -des Zweckarguments haben nicht bemerkt, daß wir, selbst wenn wir von -dem Dasein der Natur auf einen schöpferischen Geist schließen, doch -mit keinem Schatten eines Rechts folgern dürfen, daß dieser Geist -seine schöpferische Kraft nur durch irgend eine Denkoperation habe -ausüben können. Wie thöricht muß es daher sein, die vermeintliche -Gewißheit solcher Denkoperation zu einem Beweise für das Dasein -eines Schöpfergeistes selbst zu erweitern! Wenn aber ein Theist -erwidert, es sei von geringer Bedeutung, ob wir die Art und Weise, -=wie= die Schöpfung vor sich ging, erraten können, wenn nur die -Thatsachen bezeugen, daß die Naturerscheinungen aus irgend einer -höchsten Intelligenz als letzter Ursache herzuleiten sind, -- dann -bin ich der erste, der dem zustimmt. Es ist mir von jeher eine der -unbegreiflichsten Thatsachen in der Geschichte der Spekulation gewesen, -daß so viele maßgebende Gelehrten den Zweck als einen Beweis für den -Theismus ansehen, wissen sie doch alle sehr wohl, daß sie keine Mittel -haben, das Wesen des höchsten Geistes zu erkennen, dessen Dasein das -Argument erweisen soll. In Wahrheit kann und darf sich das Argument -vom Zweck nur einzig und allein auf die der Beobachtung zugänglichen -Thatsachen der Natur stützen, es darf aber nicht auf die geistigen -Prozesse, durch welche diese Thatsachen vermutlich zu erklären sind, -bezugnehmen. Bei dem gegenwärtigen Stand unsrer Erkenntnis müssen wir -dann aber an Stelle des Zweckarguments in seiner groben, von Paley -herrührenden Form das Argument von der allgegenwärtigen Wirkung des -Naturgesetzes setzen. - -§ 4. Das Zweckargument[11] sagt: es muß einen Gott geben, weil -der Bau eines organisierten Gebildes einen geistigen Prozeß[12] -voraussetzt. Das aus der allgegenwärtigen Wirkung der Naturgesetze -gefolgerte Argument besagt: »es muß einen Gott geben, weil der Bau -eines organisierten Gebildes =schließlich= auf eine Intelligenz -zurückzuführen ist.« Jedes organische Gebilde zeigt nämlich mehr oder -weniger verwickelt das Prinzip der Ordnung, jedes Ding ist ferner -mit allen andern Dingen zu einer allgemeinen Naturordnung verbunden. -Wegen dieser Allgemeinheit der Ordnung ist es unvernünftig, die -Zufalls-Hypothese auf das Weltall anzuwenden. »Wir mögen von einer -höchsten Ursache denken, was wir wollen, die Thatsache bleibt bestehen, -daß aus ihr ununterbrochen ein unmittelbarer Einfluß ausgeht und -zwar so verblüffend, großartig und exakt, wie es nur unsrer höchsten -Vorstellung von der Gottheit würdig ist.«[13] Dieses Argument haben -wir mit den Worten von Prof. Baden Powell folgendermaßen erläutert: -»Was Vernunft und Denken erfordert, um verstanden zu werden, muß selbst -Vernunft und Denken sein. Was nur der Geist erforschen oder ausdrücken -kann, muß selbst Geist sein. Und wenn der höchste Begriff, den man -von einem zu erforschenden Geist oder einer zu erforschenden Vernunft -erlangt, nur unvollkommen ist, dann sind beide größer als der Geist -und die Vernunft dessen, der sie erforscht. Wenn mit der gründlichen -Erforschung der dadurch offenbarte notwendige Zusammenhang der Dinge um -so ausgedehnter und komplizierter wird, dann wird auch die Größe und -der Umfang der Vernunft, die sich derartig doch immer nur teilweise -offenbart, um so augenscheinlicher; auch wird es dann sicherer, daß sie -wirklich in der unwandelbar verbundenen Ordnung der Dinge unabhängig -von dem Geist des Forschers existiert.« Dieses aus einem universellen -Kosmos gefolgerte Argument hat den Vorteil, daß es durchaus unabhängig -von der Art und Weise ist, wie die Dinge das wurden, was sie jetzt -sind. Es wird also von der Annahme einer Entwicklung nicht berührt. Bis -vor kurzem schien es daher thatsächlich auch unantastbar zu sein.[14] - -»Wir sind aber nichtsdestoweniger zu dem Bekenntnis gezwungen, daß -seine scheinbare Stichhaltigkeit vor der unbestreitbaren Thatsache zu -nichte wird, daß jedes Naturgesetz, wenn Kraft und Stoff seit Ewigkeit -gewesen sind, ganz natürlich entstanden sein muß. ... Man darf keinen -Augenblick daran zweifeln, daß die wundervolle Schönheit und Harmonie -der Natur notwendig und unvermeidlich aus der Erhaltung der Kraft und -aus den Ureigenschaften des Stoffes folgen, gerade so zweifellos wie -der Satz, daß die Kraft erhalten wird oder daß der Stoff Ausdehnung -besitzt oder undurchdringlich ist.[15] ... Man wird sich erinnern, -daß ich diese Wahrheit lange und mit großem Ernst erörterte, nicht -allein weil sie in Rücksicht auf unsern Gegenstand so unermeßlich -wichtig ist, sondern auch, weil kein anderer sie bis jetzt in diesem -Zusammenhange erörtert hat.« Es wurde auch auseinandergesetzt, daß -der Zusammenhang und die Übereinstimmung des Makrokosmos des Weltalls -mit dem Mikrokosmos des menschlichen Geistes daraus entspringen kann, -daß der menschliche Geist nur ein Produkt der allgemeinen Entwicklung -ist; denn seine subjektiven Beziehungen werden notwendiger Weise jene -äußeren Beziehungen, deren Produkt sie selbst sind, wiederspiegeln.[16] - -§ 5. Unsere weitere Erörterung milderte indessen den unerbittlich -strengen Schluß aus dem gänzlichen und hoffnungslosen Zusammenbruch -aller etwa möglichen Beweise zu Gunsten des Theismus. Als wir nämlich -ausführlich dargelegt hatten, daß es nicht einmal einen Schatten eines -positiven Beweises zu Gunsten der theistischen Theorie giebt, da -entstand die Gefahr, daß manche nun irrtümlicher Weise weiter schließen -könnten: aus diesem Grunde sei die theistische Theorie selbst falsch. -Es war nun also noch folgendes zu erwägen: wenn auch die Natur nach dem -Stande unserer heutigen Erkenntnis keiner intelligenten Ursache zur -Erklärung irgend einer ihrer Erscheinungen bedarf, sollten wir dann -nicht bei =höher entwickelter= Erkenntnis möglicher Weise doch einmal -entdecken können, daß die Natur ihr Dasein doch einer intelligenten -Ursache verdanken muß? Die Wahrscheinlichkeit, daß eine intelligente -Ursache unnötig ist, um irgend eine Naturerscheinung zu erklären, ist -dann nicht größer als die andere, daß die Lehre von der Erhaltung der -Kraft überall und zu allen Zeiten gegolten hat. - -Zum Schluß unserer Auseinandersetzung verließen wir daher ganz das -Gebiet der Erfahrung, wir ließen sogar die eigentlichen Grundlagen -der Naturwissenschaft und damit auch die sicherste aller relativen -Wahrheiten außer Acht und verlegten unsere Untersuchung in die -transzendentale Region rein formaler Betrachtungsweise. Und hier -stellten wir die Regel auf: »daß sich der Wert irgend einer -Wahrscheinlichkeit im letzten Grunde nach der Zahl, der Wichtigkeit -und der Bestimmtheit ihrer bekannten Beziehungen, verglichen mit ihren -unbekannten Beziehungen richtet«, und daraus folgerten wir, daß in -Fällen, wo die unbekannten Beziehungen zahlreicher, wichtiger oder -unbestimmter sind als die bekannten, der Wert unserer Folgerung um so -geringer ist. Aus dieser Regel ergiebt sich aber Folgendes: da das -Problem des Theismus das am weitesten zurückgehende aller Probleme ist -und daher in seinen unbekannten Beziehungen alles für den Menschen -Unbekannte und Unerkennbare enthält, so müssen diese Beziehungen -für die unbestimmtesten von allen erklärt werden, die ein Mensch je -betrachten kann; und obgleich wir die ganze Erfahrungsreihe, von der -aus wir argumentieren können, vor uns haben, so sind wir aus jenem -Grunde dennoch unfähig, den wahren Wert irgend eines solchen Argumentes -abzuschätzen. Da die unbekannten Beziehungen in der von uns versuchten -Induktion sowohl hinsichtlich ihrer Anzahl als auch ihrer Wichtigkeit -im Vergleich mit den bekannten Beziehungen durchaus unbestimmt sind, so -ist es für uns unmöglich, irgend eine Wahrscheinlichkeit für oder wider -das Dasein Gottes zu erlangen. - -Obgleich wir daher gewißlich, soweit menschliche Wissenschaft -vordringen und menschliches Denken Schlüsse ziehen kann, keinen -Beweis für einen Gott finden können, so haben wir doch noch -nicht das Recht, daraus zu schließen, es gäbe keinen Gott. Mag -daher die Wahrscheinlichkeit, daß die Natur ohne Gott ist, vom -naturwissenschaftlichen Gesichtspunkt aus noch so groß sein, ja, sich -naturwissenschaftlich geradezu beweisen lassen, -- so ist dies dennoch -vom logischen Gesichtspunkt aus durchaus wertlos. Obgleich es so sicher -ist wie die Grundlage aller Naturwissenschaft und aller Erfahrung, daß -die Annahme des Daseins Gottes, wenn er wirklich existiert, als Ursache -des Weltalls überflüssig ist, so kann es dennoch wahr sein, daß das -Weltall nie existiert haben würde, wenn es keinen Gott gäbe. - -Diese formalen Betrachtungen beweisen dann folgerichtig, daß wir trotz -aller =relativ= großen Wahrscheinlichkeit zu Gunsten des Atheismus doch -kein Recht haben, diese =Wahrscheinlichkeit= als absolute =Gewißheit= -zu betrachten. Daraus entsteht die Möglichkeit eines anderen Arguments -zu Gunsten des Theismus -- oder wir wollen lieber sagen: die -Möglichkeit der Wiederaufnahme des teleologischen Beweises in anderer -Form. Denn wenn man sagen kann, daß diese formalen Betrachtungen wohl -einen absoluten, aber keinen relativen Schluß für oder wider die -Gottheit ausschließen, und wenn also doch noch einige theistische -Deduktionen übrig bleiben, die füglich aus der Erfahrung gezogen -werden dürfen, so können diese jetzt in Anschlag gebracht werden, um -den atheistischen Folgerungen aus dem Gesetz von der Erhaltung der -Kraft die Wage zu halten. -- Denn wenn unsere letzten Deduktionen auch -klar gezeigt haben, daß das Dasein Gottes vom naturwissenschaftlichen -Standpunkt aus überflüssig erscheint, so haben die formalen -Betrachtungen nicht weniger klar jenseits der naturwissenschaftlichen -Sphäre einen möglichen Platz für das Dasein Gottes erschlossen, so daß -wir, wenn durch Erfahrung irgend welche Thatsachen beigebracht werden -können, zu deren Erklärung die atheistischen Deduktionen ungenügend -erscheinen, berechtigt sind, dieselben wenigstens relativ durch die -theistische Hypothese zu begründen. Und es muß zugestanden werden, -daß wir solch einen unerklärbaren Rest in dem Zusammenwirken der -Naturgesetze bei der Entstehung der kosmischen Harmonie finden. - -Es macht gar nichts aus -- so kann man bei diesem Argument fortfahren --- daß wir unfähig sind, die Art und Weise zu erkennen, wie der -vermeintliche Geist bei der Erschaffung der kosmischen Harmonie etwa -verfahren hat, auch bedeutet es nichts, daß sein Handeln jetzt in -ein Gebiet jenseits der Naturwissenschaft verbannt werden muß. Wohl -aber ist es wichtig, daß wir bei einem Blick auf die Natur als ein -Ganzes unmöglich den Umfang und die Mannigfaltigkeit ihrer Harmonie -begreifen können, wenn wir sie nicht als Wirkung einer intelligenten -Ursache anerkennen. Diese geläuterte Form des teleologischen Arguments -nannte ich dann »=metaphysische Teleologie=«, um sie scharf von -allen früheren Formen jenes Beweises zu unterscheiden, die ich im -Gegensatz dazu als naturwissenschaftliche Teleologie bezeichnete. -Der Unterschied aber ist folgender: während alle früheren Formen -der Teleologie auf einer Grundlage beruhten, welche nicht jenseits -des Bereichs der Naturwissenschaft lagen und daher der Möglichkeit -naturwissenschaftlicher Widerlegung ausgesetzt waren, kann das -metaphysische System der Teleologie niemals naturwissenschaftlich -widerlegt werden, weil es eben auf einer Grundlage beruht, die -der Naturwissenschaft völlig unzugänglich ist. Daß aber dieses -metaphysische System der Teleologie auf einer solchen Grundlage beruht, -ist unbestreitbar, denn während es die größten Wahrheiten anerkennt, -welche die Naturwissenschaft jemals erlangen kann, nämlich das Gesetz -von der Erhaltung der Kraft und den sich aus ihm mit Notwendigkeit -ergebenden Ursprung des Naturgesetzes, -- so wird es doch trotz alledem -der zwingenden Thatsache gerecht, daß der Geist auf diese Weise als -letzte Ursache der Dinge noch nicht aus der Welt geschafft ist, wie -auch der anderen, daß, wenn die Naturwissenschaft verlangt, die -Wirkung eines Gottesgeistes in eine jenseits ihres Gebiets liegende -Region zu versetzen, dieselbe dann auch wirklich hierhin verlegt -werden muß. Diese Behauptung erscheint im ersten Augenblick ohne -Zweifel willkürlich, da die Naturwissenschaft ihrer ja, soweit sie auch -vordringen mag, überhaupt nicht bedarf, -- weil die kosmische Harmonie -als eine physikalisch notwendige Folgerung aus der vereinten Thätigkeit -der Naturgesetze und diese wiederum als eine physikalisch notwendige -Folgerung aus der Erhaltung der Kraft und den primären Qualitäten -der Materie folgt. Aber wenn auch unbestreitbar wahr ist, daß die -metaphysische Teleologie, naturwissenschaftlich betrachtet, durchaus -willkürlich ist, so möchte sie doch, psychologisch betrachtet, nicht -ganz willkürlich sein. Wenn es also verständlicher ist, daß im Geist -die letzte Ursache der Weltharmonie liegt und nicht in der Erhaltung -der Kraft, dann ist es nicht unvernünftig, die begreiflichere Hypothese -an Stelle der weniger begreiflichen anzunehmen, vorausgesetzt, daß -diese Wahl mit aller Vorsicht vorgenommen wird. - -Ich schließe also, daß die Hypothese der metaphysischen Teleologie, -wenn auch im physikalischen Sinn willkürlich, im psychologischen Sinn -berechtigt sein mag. Aber gegen die Grundlage, auf der dieses Argument -allein ruhen kann -- daß nämlich das Grund-Postulat des Atheismus -unbegreiflicher ist als das des Theismus -- giebt es, wie wir sahen, -noch zwei wichtige Einwände. - -Erstens: Der Sinn, in welchem hier das Wort »=unbegreiflich=« gebraucht -wird, ist der, daß man zwar den betreffenden Gedanken nicht mit -Thatsachen begründen, ihn wohl aber als im übrigen möglich erweisen -kann. In demselben Sinn, wenn auch in geringerem Maße, ist es wahr, -daß die Verwicklung der menschlichen Organisation und ihrer Funktionen -unbegreiflich ist; aber hier hat das Wort »unbegreiflich« bei einem -Beweis viel geringeres Gewicht als in seinem eigentlichen Sinn. Ohne -daher weiter darüber zu disputieren, inwiefern man berechtigter Weise -die »Unbegreiflichkeit« einem Einwand gegenüber, der doch von einer -großen Menge wissenschaftlicher Beweise gestützt wird,[17] ins Feld -führen darf, gingen wir zu dem zweiten Einwand gegen die Grundlage der -metaphysischen Teleologie über. Dieser war folgender: es ist ebenso -unmöglich, die Weltharmonie als Wirkung eines Geistes [d. h. eines -Geistes, wie =wir= ihn aus Erfahrung kennen] oder als Wirkung einer -vom Geist losgelösten Entwicklung zu begreifen. Das Argument von der -Unbegreiflichkeit kann daher in seiner Anwendung ebenso verhängnisvoll -für den Theismus wie für den Atheismus werden. - -Die geläuterte Form der Teleologie, welche wir hier erörterten und -welche wir als das letzte noch mögliche Argument zu Gunsten des -Theismus erkannten, begegnet also auf ihrem eigenen Gebiet einem sehr -gefährlichen Gegner: Durch ihren metaphysischen Charakter ist sie dem -Widerspruch der Naturwissenschaft entgangen, um sofort einen neuen -Widerspruch in der Region der reinen Psychologie, in die sie geflohen -ist, zu finden. Zum Schluß unsrer ganzen Untersuchung waren wir -daher gezwungen, die relative Bedeutung dieser feindlichen Mächte zu -untersuchen. Dabei bemerkten wir zuerst Folgendes: wenn die Verteidiger -der metaphysischen Teleologie von vornherein der Methode, nach welcher -die Entstehung des Naturgesetzes aus dem Gesetz von der Erhaltung der -Kraft abgeleitet wurde, vorwerfen, daß sie eine unerlaubte Analogie -verlange, dann steht es einem Atheisten auch frei, die Methode, -nach welcher ein lenkender Geist aus der Thatsache die Weltharmonie -hergeleitet wurde, zu beschuldigen, daß sie eine unerkennbare Ursache -fordere -- und zwar eine Ursache, wie sie der menschliche Geist -stets mit besonderer Vorliebe [aber stets irrtümlicher Weise -- Der -Übersetzer] als Ursache der Naturerscheinungen angesehen hat. - -Aus diesen Gründen schloß ich daher, daß beide Theorien, was ihren -von der Erfahrung losgelösten Standpunkt betrifft, als gleich -verdächtig angesehen werden müssen. Und ähnlich ist es auch mit ihrem -Standpunkt, soweit er auf Erfahrung begründet ist; denn da beide -Lehren wenigstens =einen= allgemeinen Satz einschließen müssen, so -müssen beide in gleicher Weise für durchaus unbegreiflich erklärt -werden. Doch, wenn schließlich die Frage an mich heranträte, welche -von beiden Theorien ich für die vernünftigere hielte, so bemerkte -ich schon, daß sie kein Mensch für einen andern beantworten kann. -Denn da dies Zeugnis absoluter Unbegreiflichkeit für beide Theorien -verhängnisvoll ist, so kann die Wahl zwischen beiden nur durch das -entschieden werden, was ich als relative Unbegreiflichkeit bezeichnet -habe -- d. h. jeder Mensch muß hier nach seiner individuellen Ansicht -von Wahrscheinlichkeit und Unwahrscheinlichkeit entscheiden, und dies -wird durch seine sonstige Gewohnheit zu denken bestimmt. Wie das -Zeugnis relativer Unbegreiflichkeit in dieser Frage berechtigterweise -mit dem Charakter des betreffenden Menschen wechseln wird, so wird auch -die streng rationelle Wahrscheinlichkeit in der Frage, auf welche es -angewendet wird, wechseln. Die einzige Alternative, die einem Menschen -hier also bleibt, ist die: entweder nimmt er den Standpunkt des reinen -Skeptizismus an, und dann muß er sowohl die Wahrscheinlichkeit als auch -die Unwahrscheinlichkeit, daß es einen Gott giebt, zurückweisen, oder -aber er entscheidet sich für eine Annahme bezw. für eine Verwerfung -Gottes, je nachdem seine sonstige Art zu denken diese Entscheidung ihm -in der einen oder andern Richtung leichter gemacht hat. Und wenn ich -auch unter diesen Umständen =den= für den vernünftigeren Mann halten -würde, der mit seinem Urteil hierbei sorgfältig zurückhält, so muß ich -doch sagen, daß hierbei weder der metaphysische Teleologe noch der -naturwissenschaftliche Atheist bezüglich ihres vernunftgemäßen Denkens -einen höheren Standpunkt als der andere hat. Denn da unzweifelhaft -auf der einen Seite die formalen Bedingungen einer metaphysischen -Teleologie und auf der anderen Seite ebenso die eines spekulativen -Atheismus erfüllt sind, so wird es in beiden Fällen ein logisches -Vakuum geben, in welchem das Gedankenpendel frei nach jeder Richtung -schwingen kann, je nachdem es der sonst gewohnte Gedankengang bestimmt. - -§ 6. Das also ist das letzte Ergebnis unserer Untersuchung, und -wenn man die abstrakte Natur des Gegenstandes in Erwägung zieht, -sowie die große Verschiedenheit der Meinungen, welche zur Zeit -hierin herrscht, wie auch die verwirrende Zahl guter, schlechter und -indifferenter Litteratur auf beiden Seiten, -- ich sage, wenn man -dies alles in Erwägung zieht, so glaube ich nicht, daß das Resultat -unsrer Untersuchung berechtigterweise des Mangels an Präzision -beschuldigt werden kann. In einer Zeit wie der jetzigen, in welcher -der überlieferte Gottesglaube so allgemein angenommen und seine -breite induktive Grundlage als selbstverständlich angesehen wird, -soll diese kurze Abhandlung zeigen, wie außerordentlich präzis die -naturwissenschaftliche Auffassung des Gegenstandes in Wahrheit ist, -und dann wird sie mehr als die bisherige einschlägige Litteratur -die meisten Leser über die nach dem gegenwärtigen Stand der Frage -möglichen Auffassungen aufklären. Wenn ich auf den heutigen Zustand -der spekulativen Philosophie blicke, so war es doch höchst nötig, -einmal klar zu zeigen, daß der Fortschritt der Naturwissenschaften die -Hypothese vom Wirken eines Geistes in der Natur sicherlich als ganz -überflüssig erweist, und zu erweisen, daß dies ebenso gewiß ist wie -die wissenschaftliche Lehre von der Erhaltung der Kraft und von der -Unzerstörbarkeit der Materie. - -Wenn andrerseits jemand beklagen sollte, daß die logische Behandlung -der Frage sich nicht so ganz unzweideutig sicher erwiesen hat wie die -naturwissenschaftliche, dann muß ich ihm zu bedenken geben, daß in -jeder Sache, die keine wirkliche Demonstration zuläßt, notwendig ein -gewisser Spielraum für die Verschiedenheit der individuellen Meinung -bleiben muß. Wer dieses erwägt, wird gewiß nicht darüber klagen, daß -ich in diesem Falle nicht alles gethan hätte, um den Charakter und die -Grenzen dieses Spielraumes so scharf wie möglich zu bestimmen. - -§ 7. Und nun zum Schluß habe ich das Bedürfnis festzustellen, daß ich -von früher her dem Theismus zuneige und daß es mich unfraglich auf -die Seite des traditionellen Glaubens zieht. Es ist daher für mich -äußerst traurig, daß ich mich gezwungen fühle, die hier gezogenen -Schlüsse anzunehmen, und nichts würde mich vermocht haben, sie zu -veröffentlichen, wäre ich nicht der festen Überzeugung, daß es die -Pflicht eines jeden Gliedes der menschlichen Gesellschaft ist, -seine Mitmenschen an seiner Arbeit teilnehmen zu lassen, welches -auch immer ihr Wert sein mag. Gerade weil es mir feststeht, daß die -Wahrheit schließlich doch das Beste für die Menschheit sein muß, bin -ich auch überzeugt, daß jedes einzelnen Bestreben, sie zu finden, -vorausgesetzt, daß es unbeeinflußt und aufrichtig ist, ohne Zögern -Gemeingut der Menschheit werden darf ohne Rücksicht auf die Folgen, -welche die Veröffentlichung haben kann. So weit es sich dabei um die -Vernichtung persönlichen Glückes handelt, kann niemand schmerzlicher -als ich die möglicherweise traurige Wirkung meines Werks empfinden. -So weit ich selbst dabei in Betracht komme, ist dies das Ergebnis -meiner Auseinandersetzung: mag ich nun das Problem des Theismus von -der niedrigeren Stufe streng relativer Wahrscheinlichkeit oder von -der höheren Stufe rein formaler Betrachtungsweise aus behandeln, -so erscheint es mir doch immer als unverkennbare Pflicht, allen -Glauben, auch den nach meiner Ansicht edelsten, zu unterdrücken und -meinen Verstand in Bezug auf diese Frage an die Stellung des reinen -Skeptizismus zu gewöhnen. Und wie ich weit davon entfernt bin, denen -zustimmen zu können, welche die Zwielicht-Lehre vom »neuen Glauben«, -als einen begehrenswerten Ersatz für den dahinschwindenden Glanz -des »alten« ausgeben, schäme ich mich des Bekenntnisses nicht, daß -mit dieser völligen Verneinung Gottes das Weltall für mich seine -liebenswerte Seele verloren hat; freilich, von jetzt ab wird die -Vorschrift: »wirke, so lange es Tag ist!« zweifellos für mich eine nur -um so größere Gewalt haben, angesichts der schrecklich ergreifenden -Worte: »es kommt die Nacht, da niemand wirken kann«. Aber wenn ich zu -Zeiten daran denke -- und ich muß daran denken -- wie überwältigend der -Kontrast zwischen der heiligen Glorie jenes Glaubensbekenntnisses, das -einst mein war, und dem einsamen Geheimnis des Daseins ist, wie ich es -jetzt besitze -- zu solchen Zeiten, sage ich, ist es mir unmöglich, -Herr zu werden über den tiefsten Schmerz, dessen mein Inneres fähig -ist. Mag es nun daran liegen, daß mein Erkenntnisvermögen noch nicht -hinreichend vorgeschritten ist, oder mag es auf die Erinnerung an jene -geheiligten Gedankengänge zurückzuführen sein, welche =mir= wenigstens -die süßesten sind, die das Leben je geben kann -- jedenfalls muß ich -sagen, daß für mich und für andere, die wie ich denken, eine furchtbare -Wahrheit in jenen Worten Hamiltons liegt: -- Weil nun die Philosophie -zu einer Betrachtung nicht nur des Todes, sondern sogar der gänzlichen -Vernichtung geführt hat, so ist die Vorschrift: »erkenne dich selbst« -zu jenem schrecklichen Orakel geworden, das dem Ödipus zuteil wurde: -»Wohl dem, der seines Daseins Rätsel niemals löst.« - - * * * * * - -Diese Auseinandersetzung wird hinreichen, um ein Bild von dem -Hauptargument der »Unbefangenen Prüfung« und von ihren traurigen -Schlußfolgerungen zu geben. Was hierbei dem etwas kritischen Leser am -meisten auffallen wird, ist: 1) der Ton der Gewißheit und 2) der Glaube -an das fast ausschließliche Recht der naturwissenschaftlichen Methode -vor dem Forum der Vernunft. Als Beweis für das erstere möchte ich die -folgenden, kurzen Zitate anführen. - -Seite 11. »Von möglichen Irrtümern im Raisonnement abgesehen, muß die -von uns hier auseinandergesetzte Stellung des Theismus der Vernunft -gegenüber ohne wesentliche Modifikation bestehen bleiben, so lange -unser Erkenntnisvermögen ein menschliches bleibt.« - -Seite 24. »Ich kann durchaus nicht verstehen, wie heute ein -Zeitgenosse, der auch nur mit den bescheidensten Kräften abstrakten -Denkens begabt ist, die Lehre vom freien Willen annehmen kann.« - -Seite 64. »Ohne Zweifel haben wir gar keine Wahl: wir müssen schließen, -daß die Annahme eines Geistes in der Natur nach unserer logischen -Prüfung ganz bestimmt ebenso überflüssig ist, wie die Grundlage aller -Naturwissenschaften gewißlich wahr ist. Es kann auch länger kein -Zweifel darüber bestehen, daß das Dasein Gottes zur Erklärung irgend -einer Erscheinung des Weltalls ebenso unnötig ist, wie es zweifellos -feststeht, daß meine Feder auf den Tisch fallen wird, wenn ich sie -loslasse.« - -Als Beweis für den zweiten auffallenden Punkt möchte ich ein Zitat aus -dem Vorwort anführen: - -»Mir ist es daher unmöglich, dem folgenden Gedanken mich zu entziehen: -wenn man den unzweifelhaften Vorrang der naturwissenschaftlichen -Methode als Wegweiser zur Wahrheit bei der Frage, ob es einen Gott -giebt oder nicht, in Erwägung zieht, dann wird diese Frage sicherlich -moralischer und pietätvoller untersucht, wenn wir sie bloß als ein zu -lösendes Problem der methodischen Analyse ansehen, als wenn wir sie in -irgend einem andren Lichte betrachten.« - -In Bezug auf die beiden genannten Punkte, ist der Wechsel in Romanes -Gesinnung, wie er sich in den »Notizen« ausspricht, sehr deutlich.[18] - -Wann George Romanes anfing sich von den Schlüssen der »Unbefangenen -Prüfung« zu befreien, kann ich nicht sagen. Aber nach einem Zeitraum -von 10 Jahren finden wir -- in seiner »Rede«-Vorlesung vom Jahre -1885[19] -- eine große Veränderung in seiner Geistesrichtung. Diese -Vorlesung über »Geist und Bewegung« ist eine strenge Kritik der -materialistischen Ansicht vom Geist. Andrerseits wird hier der -»Spiritualismus« -- oder die Theorie, die den Geist als Ursache der -Bewegung voraussetzen möchte -- vom naturwissenschaftlichen Standpunkt -aus als zwar nicht unmöglich, aber unbefriedigend bezeichnet; -wahrscheinlicher erscheint ihm ein Monismus ähnlich dem Brunos, -nach welchem »Geist und Bewegung« koordinierte und wahrscheinlich -gleichwertige Ansichten einer und derselben allgemeinen Thatsache sind, -ein Monismus, der Pantheismus genannt, aber auch als eine Erweiterung -theistischer Ansichten angesehen werden könnte[20]. - -Den Standpunkt, welcher in dieser Schrift zum Ausdruck kommt, kann man -deutlich aus ihrem Schluß ersehen: - -»Wenn der Fortschritt der Naturwissenschaft uns nun beständig dazu -führt, daß es keine Bewegung ohne Geist giebt, müssen wir dann nicht -erkennen, daß dadurch jene an sich schon unabhängige Schlußfolgerung -der Geisteswissenschaft ganz unabhängig von ihr bestätigt wird? Ich -meine die Schlußfolgerung, daß es kein Sein ohne Erkennen giebt. Mir -wenigstens scheint es, als wenn die Zeit gekommen wäre, in der wir -gleichsam in aufdämmerndem Licht erkennen können, daß das Studium der -Natur und das Studium des Geistes in dieser größten aller Wahrheiten -zusammen treffen. Und wenn dies der Fall ist, -- wenn es keine Bewegung -ohne Geist, kein Sein ohne Erkennen giebt, -- sollen wir dann mit -Clifford den Schluß ziehen, daß das universelle Sein ohne Geist sei, -oder dogmatisch die erstaunlichste von allen Fragen verneinen: »Besitzt -der Allerhöchste eine Erkenntnis?« Wenn es keine Bewegung ohne Geist, -kein Sein ohne Erkennen giebt, wollen wir dann nicht lieber mit -Bruno den Schluß ziehen, daß wir =in= dem Medium des Geistes und der -Erkenntnis leben, weben und sind? - -Nach dieser Richtung hin zielen, denke ich, alle Folgerungen, wenn -wir die logischen Bedingungen sorgfältig und mit vollkommener -Unparteilichkeit erwägen. Doch die weitere Frage bleibt dann, ob es -hier, so weit die Naturwissenschaft in Betracht kommt, überhaupt -möglich ist, eine Folgerung zu ziehen: der ganze Kreis menschlicher -Erkenntnis möchte doch vielleicht zu eng sein, um eine Parallaxe für -so ungeheure Messungen zu gestatten. Aber wenn wirklich die Stimme -der Naturwissenschaft derartig gezwungenermaßen die Sprache des -Agnostizismus sprechen muß, dann wollen wir doch wenigsten dafür -sorgen, daß diese Sprache =rein= ist[21]. Laßt uns keine Barbarei von -Seiten des angreifenden Dogmas[22] dulden. Dann werden wir sehen, daß -diese neue Grammatik des Denkens durchaus keine Konstruktionen zuläßt, -welche ehrwürdigeren Denkweisen durchaus entgegengesetzt wären; und -dies selbst dann nicht, wenn wir sehen, daß sich jene oft zitierten -Worte, in denen diese Thatsache zuerst formuliert wurde, nicht gerade -mit besonderer Überzeugung auf seine jüngsten Dialekte anwenden -lassen, daß nämlich »eine oberflächliche Kenntnis der Physiologie und -Psychologie die Menschen zum Atheismus führt, eine tiefere Kenntnis von -beiden und noch mehr, ein tieferes Nachdenken über ihre Beziehungen -zu einander, die Menschen zu irgend einer Religionsform zurückführen -muß«[23], die wenn auch unbestimmter, doch würdiger sein mag, als -diejenige früherer Tage«. - -Einige Zeit vor dem Jahre 1889 wurden für das »Nineteenth Century« -drei Artikel über den Einfluß der Naturwissenschaft auf die Religion -geschrieben. Sie sind nie veröffentlicht worden, warum kann ich -nicht sagen. Ich hielt es aber für angebracht, die beiden ersten als -ersten Teil dieses Buches drucken zu lassen, einmal weil sie -- mit -George Romanes eigenem Namen unterschrieben -- eine wichtige Kritik -der »Unbefangenen Prüfung«, die er doch anonym veröffentlicht hatte, -enthalten, und dann auch darum, weil sie mit ihrem durchaus skeptischen -Ergebnis sehr klar eine besondere Stufe in der geistigen Entwicklung -ihres Verfassers kennzeichnen. - -Wer nun diese Einleitung gelesen hat, wird die Vorläufer der -vorliegenden Schriften verstehen. Was noch zur weiteren Einführung in -die »Notizen« selbst zu bemerken übrig bleibt, mag lieber später gesagt -werden. - - C. G. - - - - - II. - - Der Einfluß der Naturwissenschaft auf die Religion. - - - I. - -Ich habe mir vorgenommen in einer Reihe von drei Abhandlungen den -Einfluß der Naturwissenschaft auf die Religion zu untersuchen. Hierbei -werde ich versuchen, mich auf eine streng verstandesgemäße Behandlung -des Gegenstandes zu beschränken, ohne zu irgend welchen Fragen des -Gefühls abzuschweifen. Überdies werde ich in erster Linie die Art und -den Grad des Einflusses berücksichtigen, welchen die Naturwissenschaft -in der Vergangenheit auf die Religion ausgeübt hat, um alsdann klar zu -stellen, wie weit sich dieser Einfluß wahrscheinlich in der Zukunft -ausdehnen wird. Die ersten beiden Abhandlungen sollen dem bisherigen -und dem voraussichtlich noch kommenden Einfluß der Naturwissenschaft -auf die =natürliche= Religion und die dritte dem bisherigen und dem -voraussichtlich noch kommenden Einfluß der Naturwissenschaft auf die -=geoffenbarte= Religion gewidmet sein.[24] - -Wenige Fragen haben in den letzten Jahren so viel Interesse erregt wie -die, welche ich hier zur Untersuchung ausersehen habe. Dies kann kaum -überraschen, wenn man beachtet, daß der in Frage stehende Einfluß nicht -allein ein sehr unmittelbarer, sondern auch ein in jeder Beziehung -ungemein wichtiger ist. Generationen und Jahrhunderte hindurch besaß -die Religion eine unbestrittene Macht über den menschlichen Geist, -wenn auch nicht immer als ein praktischer Ratgeber in Sachen der -Lebensführung, so doch wenigstens als ein Regulator des Glaubens. -Selbst bei den verhältnismäßig wenigen Menschen, welche in früheren -Jahrhunderten das Christentum offenkundig verwarfen, wurden die -geistigen Vorstellungen doch ohne Zweifel in hohem Maße durch dasselbe -bestimmt. Denn da das Christentum damals der einzige Gerichtshof für -alle diese Vorstellungen war, so konnten sich selbst die wenigen, die -offenkundig außerhalb seiner Jurisdiktion standen, dem indirekten -Einfluß nicht entziehen, den es durch andere auf sie ausübte. Aber -wenn nun nach und nach neben dieser ehrwürdigen Institution ein neuer -Gerichtshof entstand, so können wir uns nicht wundern, daß man ihn -als einen Nebenbuhler des alten ansah, und dies um so mehr, als seine -Forschungsmethoden und der bestimmte Charakter seiner Urteile viel -mehr als jene mit den Anforderungen eines dem Skeptizismus zuneigenden -Zeitalters in Einklang stand. Dieser Geist der Eifersucht wurde -noch mehr durch die Thatsache genährt, daß die Naturwissenschaft -auf die Religion unfraglich einen, wie Fiske sagt, »reinigenden« -Einfluß ausgeübt hat. Das soll heißen: nicht allein sagt die -naturwissenschaftliche Forschungsmethode zur Auffindung der Wahrheit -den skeptischen Geistern mehr zu als die religiöse Methode (die man -dreist damit kennzeichnen kann, daß sie die Wahrheit auf Autorität hin -annehmen), sondern die Ergebnisse der ersteren haben auch mehr als -einmal denen der letzteren direkt widersprochen. Die Naturwissenschaft -hat in mehreren Fällen unantastbar klar bewiesen, daß Lehren der -Religion den Thatsachen gegenüber falsch waren. Ferner: der große -Fortschritt der Naturerkenntnis, welcher das gegenwärtige Jahrhundert -charakterisiert, hat bewirkt, daß unsere Vorstellungen von vielen mit -Philosophie zusammenhängenden Begriffen und Lehren eine vollständige -Wandlung erfahren haben. Ein gebildeter Mensch unserer Tage ist ganz -außer Stande manche christliche Dogmen von demselben intellektuellen -Standpunkt aus wie seine Vorfahren anzusehen, selbst wenn er sie auch -weiterhin noch in einem anderen Sinn als wahr hinnimmt. Kurz, da unsere -ganze Denkungsweise in gewissen Beziehungen verändert ist, so können -wir gar nicht verlangen, daß sie in dieser Hinsicht noch mit dem -unveränderlichen System der Theologie übereinstimmen sollte. - -Auf solche Weise hat nach meiner Auffassung die Naturwissenschaft ihren -Einfluß auf die Religion ausgeübt, und es ist unnötig, den Umfang -dieser Wirkung länger zu betrachten. Man kann keine Zeitung lesen, ohne -sie zu bemerken. Einerseits triumphiert der Zweifler zuversichtlich, -daß das Licht der aufgehenden Erkenntnis endlich angefangen habe, die -Finsternis des Aberglaubens zu verscheuchen, während andererseits -religiös gerichtete Menschen bei dem Gedanken zittern, was die Zukunft, -nach der Vergangenheit zu urteilen, bringen werde. Auf beiden Seiten -finden wir freie Diskussion, kräftige Sprache, ernstes Forschen. Jahr -für Jahr wird Überschlag gemacht und Jahr für Jahr neigt sich die -Wagschale mehr zu Gunsten der Naturwissenschaft. - -So stehen die Dinge eben, und ich denke, daß wir mit der Kenntnis der -Art und des Grades des Einflusses, den die Naturwissenschaft in der -Vergangenheit auf die Religion ausgeübt hat, Material genug besitzen -werden, um den mutmaßlichen Umfang, den dieser Einfluß in der Zukunft -haben wird, beurteilen zu können. Dies will ich zu thun versuchen, -indem ich nach allgemeinen Grundsätzen die Grenzen bestimme, innerhalb -derer der in Rede stehende Einfluß vorläufig ausgeübt werden kann. -Doch um dies zu können, ist es nötig, vorerst die Art und den Grad -des Einflusses zu betrachten, den die Naturwissenschaft in der -Vergangenheit auf die Religion ausgeübt hat. - -Nachdem wir dies vorausgeschickt haben, müssen wir zunächst das Wesen -der Naturwissenschaft und der Religion auseinandersetzen. Denn dies -ist natürlich der erste Schritt bei einer Untersuchung, welche den -thatsächlichen und den möglichen Einfluß dieser beiden Gedankengebiete -aufeinander abschätzen soll. - -Die Naturwissenschaft ist im wesentlichen ein Gebiet des Denkens, -welches sich ausschließlich auf die =nächsten= Ursachen bezieht. -Noch genauer: sie ist ein Gebiet des Denkens, dessen Gegenstand die -Erklärung des Naturgeschehens durch die Entdeckung natürlicher (oder -nächstliegender) Ursachen ist. Wenn die Naturwissenschaft diese ihre -einzig rechtmäßige Domäne zu überschreiten und das Naturgeschehen -durch unmittelbare Einwirkung übernatürlicher oder letzter Ursachen zu -erklären versucht, dann hat sie aufgehört Naturwissenschaft zu sein und -ist ontologische Spekulation geworden. Die Wahrheit dieser Behauptung -ist jetzt von allen Naturforschern in praxi anerkannt worden, und -Ausdrücke, welche sich auf die letzten Ursachen beziehen, sind aus dem -Wörterbuch der Astronomie, Chemie, Geologie, Biologie und selbst der -Psychologie verbannt worden. - -Auf der anderen Seite ist die Religion ein Gebiet des Denkens, das -sich ebenso ausschließlich auf die =letzten= Ursachen bezieht. Sie -ist ein Gebiet des Denkens, das ein selbstbewußtes und intelligentes -Wesen zum Gegenstand hat, und dieses wird dabei als persönlicher Gott -und als Urquell aller Kausalität betrachtet. Ich bin mir sehr wohl -bewußt, daß der Ausdruck »Religion« seit einigen Jahren häufig in einem -Sinn gebraucht worden ist, welcher sich nicht mit dieser Definition -deckt; doch dies zeigt nur, wie oft dieser Ausdruck mißbraucht worden -ist. Irgend eine Theorie der Dinge Religion zu nennen, obwohl sie -gar keinen Glauben an eine Gottheit enthält, das heißt das Wort in -ganz entgegengesetztem Sinne wie bisher gebrauchen. Von Religion des -Unerkennbaren, von Religion des Kosmos, von Religion der Humanität -u. s. w. sprechen, wobei die Persönlichkeit der letzten Ursache nicht -anerkannt wird, das ist ebenso unverständig, als wenn man von der -Liebe eines Dreiecks oder von der Vernunft des Äquators sprechen -wollte; denn wenn man diesen Ausdrücken überhaupt irgend einen Sinn -abgewinnen will, so müssen sie im metaphorischen Sinn gebraucht -werden. Wir können ja z. B. sagen, daß es so etwas wie eine Religion -der Humanität giebt, in dem wir die Humanität zuerst in unserer -Wertschätzung vergöttlichen und dann dieses unser Ideal anbeten. Aber -wenn wir auf diese Weise der Humanität den Namen der Gottheit beilegen, -so schaffen wir darum doch keine neue Religion; wir gebrauchen damit -bloß eine Metapher, welche als poetische Diktion mehr oder weniger -Erfolg haben mag, die aber sicherlich als philosophischer Satz keinen -Pfifferling wert ist. Ja, sie ist in dieser Beziehung noch schlimmer -als wertlos: sie ist irreleitend. Veränderungen oder Umkehrungen der -Bedeutung von Wörtern kommen nicht selten bei der Entwicklung der -Sprache vor, aber nicht häufig wird, und so in diesem Fall, der ganze -Sinn des Ausdrucks absichtlich und willkürlich von den Vertretern der -Philosophie abgeändert. Humanität z. B. ist ein abstrakter Begriff, -den wir selbst gebildet haben, Humanität existiert objektiv ebenso -wenig wie der Äquator. Wenn es daher möglich wäre eine Religion durch -diesen sonderbaren Kunstgriff zu konstruieren, indem man der Humanität -metaphorisch die Attribute der Gottheit zuschreibt, so würde es logisch -ebensogut möglich sein, eine Theorie brüderlicher Liebe zum Äquator -zu konstruieren, indem man diesem metaphorisch menschliche Attribute -zuschreibt. - -Das charakteristische Merkmal irgend einer Theorie, welche man -berechtigter Weise als Religion bezeichnen könnte, ist, daß sie sich -auf den letzten Ursprung aller Dinge bezieht und daß sie diesen -Ursprung als ein objektives und intelligentes und persönliches Wesen -bezeichnet. Den Ausdruck »Religion« auf irgend eine andere Theorie -anwenden, heißt also nur ihn mißbrauchen. - -Nach diesen Definitionen scheint es so, als ob sich Ziel und Methode -der Naturwissenschaft ausschließlich auf die Bestimmung und Prüfung des -zunächstliegenden »Wie?« der Dinge und der Naturvorgänge richten. Ihre -Aufgabe ist, wie Mill sagt, die kleinste Anzahl der Naturthatsachen -zu bestimmen, welche die Erscheinungen der Erfahrung erklären kann. -Andererseits ist die Religion in keiner Weise mit der Kausalität -verbunden, nur daß sie annimmt, daß alle Dinge und alle Ereignisse im -letzten Grunde auf eine intellektuelle Persönlichkeit zurückzuführen -sind. Spencer sagt, »die Religion ist eine apriorische (außerhalb -der Erfahrung liegende) Theorie des Weltalls« -- dem müssen wir noch -hinzufügen, eine Theorie, welche eine intelligente Persönlichkeit als -schaffenden Ursprung des Weltalls annimmt. Ohne diesen notwendigen -Zusatz würde die Religion sich logisch nicht von der Philosophie -unterscheiden. - -Aus diesen Definitionen geht klar hervor, daß Naturwissenschaft -und Religion in ihren reinsten Formen thatsächlich keine logischen -Beziehungen haben. Nur wenn die Naturwissenschaft die Bedingungen des -Raumes und der Zeit, der gegenseitigen Beziehung der Erscheinungen -und aller menschlichen Beschränkungen überschreiten würde, dann nur -könnte sie in der Lage sein, die übernatürliche Theorie der Religion -zu berühren. Doch es ist offenbar, wenn die Naturwissenschaft dies -thäte, so würde sie aufhören Naturwissenschaft zu sein. Indem sie -sich über die Region der Naturerscheinungen (Phänomena) erhöbe und in -den zarten Äther der Verstandesbegriffe (Noumena) einträte, würden -ihre gegenwärtigen Schwingen, die wir ihre Methode nennen, in solcher -Atmosphäre nicht mehr zur Bewegung dienen können. Ohne Raum, ohne -Zeit und ohne Beziehungen zu den Naturerscheinungen, könnte die -Naturwissenschaft nicht länger als solche bestehen. - -Andererseits kann auch die Religion in ihrer reinsten Form in gleicher -Weise die Naturwissenschaft nicht berühren. Denn die Religion als -solche hat, wie wir schon gesehen haben, nichts mit dem Gebiet der -Naturerscheinungen zu thun; ihre metaphysische Theorie kann keine -Beziehung zu dem »Wie« der Natur-Kausalität haben. Es ist daher -augenscheinlich, daß sich Naturwissenschaft und Religion, weil -sie in ihren reinsten und idealsten Formen ganz verschiedenartige -Geistesrichtungen sind, nicht gegenseitig in ihr Gebiet einmischen -dürfen. - -So weit lassen sich diese Bemerkungen in gleicher Weise auf alle -Formen der Religion anwenden, sie sei nun eine wirkliche oder nur -eine mögliche, wenn sie nur rein ist. Aber es ist notorisch, daß -bis vor Kurzem die Religion auf die Naturwissenschaft nicht nur -einen Einfluß überhaupt, sondern sogar einen überwältigenden Einfluß -ausübte. Da der Glaube an ein göttliches Wirken fast allgemein war, -während die Methoden der naturwissenschaftlichen Forschung noch nicht -bestimmt formuliert waren, hatten die früheren Generationen die -Gewohnheit, jede Naturerscheinung, deren natürliche Ursache noch nicht -nachgewiesen war, einer mehr oder minder unmittelbaren Einwirkung -der Gottheit zuzuschreiben. Nun wissen wir aber, daß diese geistige -Gewohnheit daher kam, daß man noch nicht den wesentlich verschiedenen -Charakter der Naturwissenschaft und Religion als (getrennte) -Denkgebiete unterscheiden konnte, und nur insofern, als die Religion -früherer Zeiten unrein oder mit Gedanken, die der Naturwissenschaft -angehören, vermischt war, übte sie jenen verderblichen Einfluß aus. -Die allmähliche, nun schon fast völlige Ausscheidung der Endursachen -aus dem Gedankengang der Naturforscher, worauf wir schon hingedeutet -haben, ist nur ein Ausdruck für die Thatsache, daß die Naturforscher -einmütig und ganz und gar dazu gelangt sind, die von mir festgestellten -Grundunterschiede zwischen Naturwissenschaft und Religion anzuerkennen. - -Die Naturforscher empfinden es einmütig und klar -- wenigstens -alle die Männer, deren Gedanken über diese Fragen auf der Höhe -der Zeit stehen -- daß eine religiöse Erklärung irgend einer -Naturerscheinung vom naturwissenschaftlichen Standpunkt aus überhaupt -keine Erklärung ist. Denn eine religiöse Erklärung besteht darin, -daß man die beobachtete Naturerscheinung auf die »letzte« Ursache -bezieht, d. h. darin, daß man jene besondere Erscheinung in das -allgemeine und letzte Geheimnis der Dinge versenkt. Dagegen besteht -eine naturwissenschaftliche Erklärung darin, daß man die beobachtete -Naturerscheinung auf die nächstliegenden =natürlichen= Ursachen -zurückführt, und in keinem Falle kann sich eine solche Erklärung auf -die Hypothese eines Endzweckes einlassen, ohne den Charakter einer -naturwissenschaftlichen Erklärung zu verlieren. Wenn mir z. B. ein Kind -eine Blume mit der Frage bringt, warum sie eine so sonderbare Form, -so lebhafte Farbe, so süßen Duft u. s. w. hat, und ich ihm antworte: -weil Gott sie so machte! -- so beantworte ich damit des Kindes Frage -eigentlich gar nicht: ich verberge nur meine Unkenntnis der Natur unter -dem Mantel der Frömmigkeit und entschuldige meine Trägheit im Studium -der Botanik. Die Würdigung dieser Thatsache war es, was Darwin in -seiner »Entstehung der Arten« zu der Bemerkung führte, daß die Theorie -der Schöpfung keine Thatsache, mit der sie sich beschäftigt, wirklich -erklären kann, sondern daß sie diese Thatsache nur nochmals darlegt, -wie sie beobachtet worden. Das soll besagen: indem wir die beobachteten -Thatsachen so in das Grundgeheimnis der Dinge versenken, versuchen -wir es gar nicht einmal, sie irgendwie im naturwissenschaftlichen -Sinne zu erklären; denn es würde dann offenbar möglich sein, sich -der Aufgabe, irgend eine Naturerscheinung zu erklären, stets auf -dieselbe Weise zu entledigen, indem man sie nämlich immer einfach auf -die unmittelbare Einwirkung der Gottheit zurückführt. Wenn wirklich -irgend eine Naturerscheinung einträte, welche aus einer unmittelbaren -Gottesthat als Ursache entspränge, dann würden _ex hypothesi_ überhaupt -keine natürlichen Ursachen mehr zu erforschen sein, und der Mohr als -Naturforscher hätte seine Schuldigkeit gethan und könnte gehen; denn -solch' eine Erscheinung würde wunderbar sein, daher ihrer Natur nach -jenseits der Grenze wissenschaftlicher Forschung liegen. - -Die religiöse Theorie der Endursache erklärt also keine -Naturerscheinung, sie bestätigt sie nur, wie sie beobachtet worden -ist -- oder wenn man lieber will: sie ist in sich selbst eine -Universal-Erklärung aller möglichen Naturerscheinungen auf einmal. -Denn es muß zugegeben werden, daß hinter allen möglichen Erklärungen -naturwissenschaftlicher Art etwas höchst Unerklärliches liegt, -welches gerade seines übersinnlichen Charakters wegen nicht auf -irgend etwas anderes zurückgeführt, d. h. erklärt werden kann. »Es -ist so wie es ist«, das ist alles, was wir von ihm sagen können. »Ich -bin was ich bin«, ist alles, was es von sich selbst sagen könnte. -Und darin bestehen im Wesentlichen die Lehren der Religion, daß sie -Naturerscheinungen auf diese unerklärbare Quelle der natürlichen -Kausalität zurückführt. Die Lehre der Naturwissenschaft dagegen beruht -auf der Gewißheit, daß es immer möglich ist, eine der Erfahrung nach -endlose Kette natürlicher Ursachen zu erforschen, d. h. eine endlose -Reihe von Naturerscheinungen zu erklären. Wenn wir den Vorgang der -Erklärung als die Zurückführung der beobachteten Erscheinungen auf ihre -zureichenden Ursachen definieren, so dürfen wir sagen, daß die Religion -sich mit Hülfe einer allgemeinen Theorie der Dinge in der Annahme einer -ersten Ursache intelligenter Art zu ihrer eigenen Befriedigung eine -letzte Erklärung des Weltalls als eines Ganzen verschafft. Sie hat -daher nichts mit den =nächsten= Erklärungen oder mit der Entdeckung -der nächstliegenden Ursachen zu thun, und diese ist ausschließlich -Gegenstand der Naturwissenschaft. Wir gehen also hiermit auf die schon -gegebenen Definitionen zurück, wonach die Religion einem Gedankengebiet -angehört, welches als solches ausschließlich Beziehung auf die =letzte= -Ursache hat, während die Naturwissenschaft einem Gedankengebiet -angehört, welches als solches ebenso ausschließlich in Beziehung -zu den =nächsten= Ursachen steht. Wenn die Grenzen dieser beiden -Gebiete überschritten werden, so entstehen Konflikte und Verwirrung. -Wenn daher die religiöse Lehre von den Endursachen auf das Feld der -naturwissenschaftlichen Forschung übertrat, so überschritt sie ihre -logische Domäne, und indem sie sich das Amt anmaßte, diese oder jene -Erscheinung im einzelnen zu erklären, hörte sie auf, reine Religion -zu sein, während sie zu gleicher Zeit und aus demselben Grunde der -Naturwissenschaft den Weg des Fortschritts versperrte.[25] - -Wir sind nun bei einem der Hauptpunkte angelangt, die wir zu behandeln -haben -- nämlich bei der Lehre von dem Zweck in der Natur und damit -bei der Frage der natürlichen Religion in ihrer Beziehung zur -Naturwissenschaft. Hier werde ich versuchen, einen möglichst tiefen -und klaren Überblick über den gegenwärtigen Zustand der natürlichen -Religion zu gewinnen, ohne Schritt für Schritt den Weg und die Mittel -zu zeigen, durch welche sie unter dem Einfluß der Naturwissenschaft auf -diesen Standpunkt gekommen ist. - -Beim ersten Dämmern des Denkens ist, soweit wir davon Kunde haben, -die Teleologie in dieser oder jener Form die am weitesten verbreitete -Lehre zur Erklärung der Naturordnung gewesen. Es ist indessen nicht -meine Absicht, in diesen Blättern die Geschichte dieser Lehre von ihren -rohen Anfängen im Fetischismus bis zu ihrer schließlichen Entwicklung -im Theismus aufzuzeichnen. Ich will mich ausschließlich an den jetzigen -Zustand dieser Lehre halten und erwähne die vergangene Geschichte nur, -um die häufig aufgestellte Behauptung zu prüfen, daß ihr allgemeines -Übergewicht in allen Jahrhunderten und unter allen Nationen der Welt -ihr einen gewissen Grad »aprioristischer Glaubwürdigkeit« giebt. In -Bezug auf diesen Punkt muß ich folgendes sagen: ob nun die Naturordnung -von einem ordnenden Geist herrührt oder nicht, die Lehre von der -Wirksamkeit eines Geistes innerhalb der Natur -- oder wie es der -Herzog von Argyll nennt, »die Lehre vom Anthropopsychismus« -- muß -notwendigerweise die ursprünglichste gewesen sein. Was wir in der -Natur finden, ist die allgemeine Herrschaft der Kausalität und lange -vorher, ehe die nicht weniger allgemeine Aequivalenz zwischen Ursachen -und Wirkungen -- d. h. die allgemeine Herrschaft der Naturgesetze -- -genügend gewürdigt wurde, erkannte man schon vollauf die allgemein -gültige Thatsache, daß nichts ohne irgend eine zureichende Ursache -geschieht. Und ganz gewiß, das Bewußtsein dieser Thatsache finden -wir nicht nur bei den am niedrigsten stehenden Rassen der Jetztzeit, -sondern wie ich es bewiesen habe, auch bei Tieren und Kindern.[26] Es -scheinen mir daher wohl jene Psychologen Recht zu haben, welche meinen, -daß der Begriff der Ursache ebenso unmittelbar ist wie die Begriffe von -Raum und Zeit -- d. h. er ist die instinktive [oder ererbte] Wirkung -angestammter Erfahrung. - -Wenn es nun sicher ist, daß das Bewußtsein der Kausalität in der Natur -ebenso alt oder sogar älter ist als der menschliche Verstand, dann -scheint es mir doch ebenso sicher zu sein, daß der erste Versuch, die -Ursache dieser oder jener Naturerscheinung festzustellen, d. h. die -ersten Versuche einer vernünftigen Erklärung der Naturereignisse -- -anthropopsychischer Art gewesen sein müssen. Keine andre Erklärung lag -so nahe, wie die, daß man in die äußere Natur die Thätigkeit eines -Willens hineintrug, die doch jedem Menschen, soweit er und seine -Nebenmenschen dabei in Betracht kommen, als die augenscheinliche -Hauptquelle der kausalen Thätigkeit erschien. Um diese sehr -einleuchtende Erklärung der Kausalität in der Natur zu gewinnen, -brauchte der Urmensch gar nicht zu wissen, was wir jetzt wissen, -daß die richtige Auffassung der Kausalität aus unserem Gefühl von -Anstrengung bei einem Willensakt entspringt. Wenn dies der Fall -war, dann mußte, falls überhaupt an die Kausalität irgend einer -Naturerscheinung gedacht wurde, die abgeleitete Ursache notwendiger -Weise psychologischer Art sein. Ich brauche nicht die allmähliche -Entwicklung dieser anthropologischen Lehre aus ihrer frühsten und -verbreitetsten Gestalt, die wir Polypsychismus nennen könnten -- (bei -welchem die Zahl der aufgestellten Ursachen fast so groß war wie die -der beobachteten Wirkungen) -- durch den Polytheismus hindurch, (bei -welchem viele Wirkungen gleicher Art =einer= Gottheit zugeschrieben -wurden, deren Spezialfall gerade diese Wirkungen waren) bis zum -Monotheismus hin zu verfolgen (bei welchem alle Kausalität in den -Monopsychismus einer einzelnen Persönlichkeit zusammengefaßt wird). Es -genügt, kurz zu zeigen, daß die Lehre des Anthropopsychismus von Anfang -an unter den obwaltenden Bedingungen eine notwendige Phase geistiger -Entwicklung war, mag diese Lehre nun wahr sein oder nicht. - -Von diesem Gesichtspunkt aus glaube ich nicht, daß der »_consensus -gentium_« (Übereinstimmung der Völker) eine Thatsache von irgend -welcher Beweiskraft zu Gunsten der anthropopsychischen Theorie ist, --- ich meine, insofern es sich um die Kausalitätsfrage handelt -- -mag es sich nun um den Fetischismus oder um die Teleologie unserer -Tage handeln: der »_consensus gentium_« bei der wichtigeren Frage -des Theismus (wobei noch manche andere Dinge außer der Kausalität in -Betracht kommen) geht uns hier nichts an. Es scheint mir in der That -so: wenn wir zur Sicherstellung unserer anthropologischen Theorie auf -die Wilden zurückgehen müssen, dann ist die dabei erhaltene Bürgschaft -noch weniger als wertlos. Wir könnten ebenso gut schließen, daß die -Uhr ein lebendes Wesen sei, weil dies für den Geist eines Wilden die -nächstliegende Erklärung ihrer Bewegungen ist, -- als wenn wir aus -genau denselben Gründen schließen wollen, daß unser Glaube an die -Teleologie aus irgend einer der früheren Phasen des Anthropopsychismus -irgend eine wirkliche Stütze erhielten. - -Wenn wir daher den Nachweis eines Zwecks in der Natur würdigen wollen, -so scheint es mir, daß wir von vorne anfangen müssen, ohne auf frühere -Meinungen über den Gegenstand Bezug zu nehmen. Die Frage muß wesentlich -in dem Licht der jüngsten Erkenntnis, welche wir besitzen und mit -der schärfsten Denkkraft erwogen werden, die wir (die Erben aller -Jahrhunderte) ihr widmen können. Ich werde daher auf die Geschichte des -Anthropopsychismus nur insofern Bezug nehmen, als es erforderlich ist, -um das Argument zu erläutern. - -Und hier ist es nötig, zuerst das zu erörtern, was Paley vor der -Darwinschen Epoche »den Stand des Arguments« nannte. Dies ist von Paley -klar und deutlich in seinem klassischen Beispiel von der Uhr, die -jemand auf einer Heide findet, dargestellt -- ein so wohl bekanntes -Beispiel,[27] daß ich es hier nicht zu wiederholen brauche. Ich will -daher nur bemerken, daß es den ganzen Zweckbeweis, wie man sagt, in der -Westentasche enthält und daß es meiner Meinung nach die von Mill an ihm -ausgeübte Kritik nicht verdient, wenn er sagt: »Die Schlußfolgerung -würde gar nicht gemacht werden, wenn ich nicht schon aus direkter -Erfahrung wüßte, daß die Uhren von Menschen verfertigt werden.« Es -kommt mir vor, als ob damit der Meinung (und Absicht) Paley's die ganze -Pointe genommen würde; denn es würde offenbar überhaupt gar kein Beweis -sein, es sei denn, man verstände seine Meinung so, daß der Nachweis des -Zweckes, welchen die Prüfung der Uhr vermutlich liefert, wahrscheinlich -eben nur durch diese Prüfung und nicht durch irgend eine direkte -Kenntnis, auf welche Mill hinweist, geliefert wird. Um des Beispiels -willen muß natürlich angenommen werden, daß der Finder der Uhr keine -von früher stammende direkte Kenntnis von der Konstruktion einer Uhr -besitzt. Abgesehen von diesem wunderbaren Mißverständnis war Mill in -Bezug auf den ganzen Gegenstand mit Paley gleicher Ansicht. - -Andererseits ist es kein stichhaltiger Einwand gegen das Argument oder -das Beispiel, wenn man sagt, wie wir es oft thaten, daß es nichts -für den Uhrmacher beweist. Das Ziel des Zweckbeweises ist das Dasein -jemandes, der den Zweck gesetzt hat, zu =erweisen=, nicht sein Dasein -zu =erklären=. In der That würde es für das ganze Argument in seiner -Beziehung zum Theismus ein Selbstmord sein, wenn die Möglichkeit einer -solchen Erklärung aufrecht erhalten würde, denn dies könnte nur auf -die Annahme hin geschehen, daß das Wesen der Gottheit eine Erklärung -zuläßt, d. h. daß die Gottheit nicht die letzte Ursache ist. - -Im Grunde genommen ist dieser Beweis genau derselbe, wie er uns an -zahlreichen Stellen der heiligen Schrift und in theologischen Büchern -der ganzen Welt bis auf den heutigen Tag begegnet. Er besagt: überall -in der organischen Natur treffen wir auf zahllose Anpassungen der -Mittel an die Zwecke, die in vielen Fällen eine solche Feinheit und -Kompliziertheit zeigen, daß im Vergleich zu ihr die Anpassungen der -Mittel an die Zwecke in einer Uhr nur armselige und lückenhafte -Versuche des Mechanismus sind. Niemand weiß es so gut wie der moderne -Biologe, wie unermeßlich weit die uns in solchem Übermaße in der Natur -begegnenden Mechanismen die höchsten Triumphe menschlicher Erfindung -in jeder Weise überragen. Auf den ersten Blick erscheint es daher ganz -zweifellos, daß wir keinen stichhaltigeren und besseren Beweis für -einen Zweck als den finden können, wie er in Paley's Worten liegt: »Die -Anordnung, die Disposition der Teile, die Unterordnung der Mittel unter -einen Zweck, die Beziehung der Werkzeuge auf den Gebrauch schließen das -Dasein einer Intelligenz und eines Geistes in sich.« - -Aber nun entsteht die Frage: wenn dies alles auch sicherlich das -Dasein eines Geistes als erklärende Ursache verlangen[28] mag, sind -wir darum schon zu der Annahme berechtigt, daß es in der Natur keine -andere Ursache giebt, um diese Wirkungen hervorzubringen? Das ist eine -Frage, auf die weder Paley noch Bell und Chalmers, ja kein Vertreter -der natürlichen Theologie bis auf Darwins Zeiten gekommen ist. Und das -ist doch, meine ich, eine bemerkenswerte Thatsache, weil die Frage als -eine blos logische so sehr nahe zu liegen scheint. Aber Thatsache ist -es, daß sich die Vertreter der natürlichen Theologie meines Wissens -ausnahmslos damit begnügten, es als einen Grundsatz hinzunehmen, daß -jener Mechanismus keine andre Ursache als die eines zwecksetzenden -Geistes haben könnte; daher beschränkt sich ihre Arbeit darauf, der -Zahl und Vortrefflichkeit der Mechanismen, denen sie in der Natur -begegneten, im Einzelnen nachzuspüren. Es ist aber klar, daß die bloße -Anhäufung solcher Fälle keinen wirklichen oder logischen Einfluß auf -das Argument ausüben kann. Die Mechanismen, denen wir in der Natur -begegnen, sind in ihrer Vollkommenheit und Zahl so überwältigend, -daß das aufmerksame Studium schon irgend eines einzelnen (wie es -Paley in seinem Beispiel thatsächlich, wenn auch nicht ausdrücklich, -darlegt) hinreicht, die ganze Sache wesentlich zu fördern, wenn nur die -Annahme zugegeben wird, daß der Mechanismus allein durch einen Geist -entstehen kann. Daher wird durch die bloße Ansammlung einer beliebigen -Zahl besonderer Fälle von Mechanismen in der Natur aber auch weder -ein wirkliches noch ein logisches Argument geliefert: alle sind ja -als Mechanismen der Art nach ähnlich. Wir wollen nun dieses Argument -betrachten. - -Wenn wir uns etwa darüber wundern möchten, daß die Vertreter der -natürlichen Theologie bis auf Darwin sich mit der Annahme begnügten, -der Geist sei die einzig mögliche Ursache des Mechanismus, so finden -wir meines Erachtens die richtige Antwort darin, daß ihr Glaube an -eine Schöpfung im Einzelnen damals allgemein herrschte. Denn auf der -Grundlage dieses Glaubens halte ich ohne Frage die Behauptung für -berechtigt; d. h. wenn wir von dem Glauben ausgehen, daß alle Arten -der Pflanzen und Tiere ursprünglich plötzlich und fertig geschaffen in -die komplizierten Lebensbedingungen ihrer besonderen Umgebung gesetzt -wurden (etwa so, wie die Uhren aus einer Fabrik hervorgehen), dann -sind wir, denke ich, vernünftiger Weise zu der Annahme berechtigt, -daß keine andre denkbare Ursache als die eines intelligenten Zweckes -möglicherweise als Erklärung jener Wirkungen gefordert werden kann. -Nun ist natürlich die Bemerkung unnötig, daß jener Zweckbeweis, wenn -man diesem ihm vorhergehenden Glauben an eine Schöpfung im Einzelnen -einen Einfluß auf ihn einräumte, zum Beispiel eines Zirkelschlusses -wird. Vielleicht ist es ebenso unnötig zu bemerken, daß die bloße -Thatsache der Entwicklung als Gegensatz zur Schöpfung im Einzelnen oder -die Thatsache der allmählichen Entfaltung der lebenden Mechanismen -im Gegensatz zu ihrem plötzlichen und fertigen Erscheinen diesen -Zweckbeweis in keiner Weise beeinflussen würde, es sei denn, daß man -nicht zeigen könnte, daß der Entwicklungsprozeß die Möglichkeit einer -anderen Ursache zuläßt, welche durch die Hypothese der Schöpfung im -Einzelnen nicht zugelassen wird. Aber dies ist es gerade, was durch die -Theorie der Entwicklung, wie sie Darwin aufgestellt hat, gezeigt wird. -Das soll besagen: Die Theorie der allmählichen Entwicklung der lebenden -Mechanismen, wie Darwin sie aufstellte, ist doch etwas mehr als eine -Theorie allmählicher Entfaltung im Gegensatz zu der plötzlichen -Schöpfung. Sie ist auch eine rein naturwissenschaftliche Theorie, -welche die rein natürlichen Ursachen dieser Entwicklung darzuthun -sucht. Und dies ist der Punkt, an dem die Naturwissenschaft ihren -Einfluß auf die natürliche Theologie auszuüben anfängt, oder der Punkt, -an dem die Theorie der Entwicklung mit der Lehre vom Zweck in Berührung -tritt. Da dies ein höchst wichtiger Teil unseres Themas ist und da über -ihn in unserer Zeit eine außerordentliche Verwirrung herrscht, so werde -ich ihn in der folgenden Abhandlung sorgfältig nach allen Richtungen -hin erörtern. - - - II. - -Nehmen wir einmal an, daß der Mensch, welcher die Uhr auf der Heide -fand, seinen Weg fortsetzt, bis er zur Meeresküste kommt, und daß er -ebenso wenig von physikalischer Geographie wie von der Uhrmacherei -versteht. Bald fängt er an eine Menge von Anpassungen der Mittel -an den Zweck zu beobachten, die zwar weniger subtil und fein sind -als die, welche ihn bei seiner Untersuchung über das Innere der Uhr -beschäftigten, die auf der anderen Seite aber viel eindrucksvoller -sind, weil sie in einem viel größeren Maßstab auftreten. Erstens -bemerkt er, daß in dem Land ein schönes Becken ausgegraben worden -ist, um eine Bucht herzustellen; daß =die= Seiten dieses Beckens, -welche wegen der Nähe des Meeres am meisten der Einwirkung der -großen, rollenden Wogen ausgesetzt sind, von Felsenklippen gebildet -werden, augenscheinlich in der Absicht, das weitere Eindringen des -Meeres und die dadurch entstehende Zerstörung der ganzen Bucht zu -verhindern; er bemerkt ferner, daß =die= Seiten des Beckens, welche -wegen ihrer immer größeren Entfernung landeinwärts auch immer weniger -der Einwirkung der großen Wogen ausgesetzt sind, aus immer kleiner -werdenden Felsen gebildet werden, welche in Geröll und endlich in -feinsten Sand übergehen; daß die Steine, da die Gezeiten mit ebenso -großer Regelmäßigkeit wie die Bewegungen der Uhr kommen und gehen, -sorgfältig vom Sand gesondert und in schiefe Schichten gelegt sind, und -dies immer aufs schönste =den= Stellen um den Rand des Beckens herum -entsprechend, welche am meisten der Gefahr ausgesetzt sind, durch die -Thätigkeit der Wellen zerstört zu werden. Er würde ferner bei genauerer -Prüfung merken, daß dieser Prozeß der auslesenden Anordnung sich bis -in die kleinsten Einzelheiten verfolgen läßt. Hier würde er z. B. -bemerken, daß einige (engl.) Meilen weit eine besondere Art von Seegras -kunstreich in einem langen Bogen am Strande angeordnet ist, dort würde -er eine prächtige Ablagerung von Muscheln sehen, wieder anderswo ein -hübsches, kleines Häuschen von Purpursand, dessen kleine Körner aus -dem umgebenden gelben Sand sorgfältig ausgesucht worden sind. Wiederum -würde er bemerken, daß alle Flüßchen, die zur Bucht herunterfließen, -in zu diesem Zweck bewundernswert gegrabenen Kanälen laufen, und -von der Neugier getrieben, den Zweck dieser verschiedenen Flüsse zu -ergründen, würde er finden, daß alle diese Gewässer dazu dienen, das -Wasser zu ersetzen, welches die See durch Verdunsten verliert, und -- -auch ein bewundernswertes Beispiel von Anpassung -- frisches Wasser -für die Tiere und Pflanzen zu liefern, die am besten in frischem -Wasser gedeihen; und daß diese Gewässer dabei doch durch ihre vereinte -Thätigkeit hinreichend mineralische Bestandteile hinzuführen, um dem -Meer im Ganzen genau den Salzgehalt zu geben, welcher zur Erhaltung -des pelagischen Lebens erforderlich ist. Wenn er endlich in dieser -Richtung seine Forschungen fortsetzen würde, so würde er finden, daß -tausende von verschiedenen Aufenthaltsorten sinnreich den Bedürfnissen -von hunderttausenden der verschiedensten Lebensformen angepaßt sind, -von denen keine leben bleiben könnte, wenn diese Aufenthaltsorte -verändert würden. Nun, ich meine, dieser unser gedachter Forscher würde -gar thöricht sein, wenn er aus dem Ergebnis aller seiner Studien nicht -den Schluß zöge, daß der Nachweis eines Zweckes, wie ihn die Seebucht -liefert, wenigstens ebenso zwingend sei wie der, den er vorher beim -Studium der Uhr gefunden hatte. - -Aber es besteht zwischen beiden Fällen =ein= großer Unterschied. -Während der Mann durch nachträgliche Erkundigung die Thatsache -bestätigen kann, daß die Uhr ihr Dasein einem intelligenten Erfinder -verdankt, könnte er in Bezug auf die Seebucht eine solche Bestätigung -nicht erhalten. In dem einen Fall ist eine intelligente Erfindung als -Ursache unabhängig demonstrierbar, während in dem andern Fall nur auf -sie geschlossen werden kann. Welchen Wert hat nun dieser Schluß? - -Wenn unser gedachter Teleologe nach Beendigung dieser seiner Studien -in irgend eine große Bibliothek geführt worden wäre und dort ein oder -zwei Jahre verbracht hätte um sich mit den wichtigsten Resultaten der -modernen Naturwissenschaft bekannt zu machen, dann, denke ich, würde er -zuletzt weiser und -- trauriger geworden sein. - -Wenigstens würde er, indem er mehr lernt, sicherlich merken, daß er -weniger versteht, -- daß die veraltete Einfachheit seiner früheren -Erklärungen trotz gereifterer Anschauungen einer größeren Verwirrung -Platz machen muß. Er würde nun zunächst finden, daß jede der -Anpassungen von Mitteln an den Zweck, welche seine Bewunderung an der -Meeresküste erregten, von natürlichen, sehr leicht verständlichen -Ursachen herrühren. Die Klippen standen an der Öffnung der Bucht, weil -das Meer in früheren Zeiten die Küstenlinie so lange angegriffen hatte, -bis es auf diese Klippen traf, die sich seinem weiteren Vordringen -entgegenstellten; die Bucht war eine Senkung des Landes, welche bei dem -Zuströmen der See gerade vorhanden war und in welche die letztere daher -flutete; die Reihenfolge von Felsen, Geröll und Sand entstand durch die -Thätigkeit der Wogen selbst, die Sonderung des Seegrases, der Muscheln, -der Kiesel und der verschiedenen Sandarten kam von ihrem verschiedenen -spez. Gewicht her; die Süßwasserströme flossen in Kanälen, die sie sich -selbst gebildet hatten, und die zahlreichen Lebensformen waren ihren -verschiedenen Wohnungen einfach deshalb angepaßt, weil die für sie -ungeeigneten Wesen darin nicht leben konnten. In allen diesen Fällen -würde daher unser Teleologe im Lichte höherer Erkenntnis notgedrungen -wenigstens =den= Schluß gezogen haben, daß die Anpassungen, die er so -sehr bewundert hatte, als er sie für Wirkungen eines die Erscheinungen -voraussehenden Planes hielt, nun nicht mehr diesen Nachweis eines -intelligenten Planes liefern können, da es sich herausstellt, daß -keine von ihnen vorher von einer unabhängigen oder äußeren Ursache -vorbereitet wurde. - -Er würde daher zu dem Schluß gelangen, daß die teleologische Deutung -der Thatsachen nur dadurch gerettet werden könnte, daß man eine viel -weitergehende Betrachtung des Gegenstandes vornähme, als sie bei -den besonderen Fällen augenscheinlicher Zwecksetzung, welche zuerst -so zwingend erschienen, gefordert wurde. Das soll sagen, er würde -fühlen, daß er die Voraussetzung irgend eines speziellen Planes in der -Konstruktion jener besonderen Bucht verlassen und auf die Theorie eines -viel allgemeineren Planes in der Konstruktion eines großen Natursystems -als eines Ganzen zurückgehen muß. Kurz, er würde sein Argument von den -besonderen und einzelnen Anpassungen, die ihm zuerst so einleuchtend -schienen, aufgeben und zu den allgemeinen Naturgesetzen zurückkehren, -die durch ihre vereinte Thätigkeit dem Kosmos, als unterschieden vom -Chaos, den Ursprung gaben. - -Nun habe ich mich bemüht, ein imaginäres Argument aus dem Gebiet -der unorganischen Natur in allen seinen wichtigsten Einzelheiten zu -gewinnen, weil dasselbe ein vollständiges Analogon zu dem liefert, -das man der organischen Natur entnimmt. Ohne Frage, die Beispiele -eines offenkundigen Planes oder der offenbar absichtlichen Anpassung -der Mittel an die Zwecke, welche wir in der organischen Natur finden, -sind unverhältnismäßig zahlreicher und einleuchtender als die, welche -uns in der unorganischen Natur begegnen. Aber wenn wir einmal guten -Grund zu dem Schluß haben, daß die ersteren gleich den letzteren -nicht der unmittelbaren, speziellen und vorausblickenden Thätigkeit -einer nachsinnenden Intelligenz (wie in der Uhrmacherei oder bei der -Schöpfung) -- sondern der Thätigkeit sekundärer oder natürlicher -Ursachen den Ursprung verdanken, welche unter dem Einfluß dessen -wirken, was wir allgemeine Naturgesetze nennen, dann kommt es mir so -vor, als ob die Anpassungen der Mittel an die Zwecke, wie zahlreich -und wie wundervoll sie auch in der organischen Natur sein mögen, doch -keinen anderen oder zwingenderen Beweis für einen Zweck liefern als -irgend eine Thatsache der unorganischen Natur. - -Der Klarheit halber wollen wir einen besonderen Fall nehmen. Paley -sagt: »ich weiß keine bessere Methode, um in einen so wichtigen -Gegenstand einzuführen, als wenn ich ein einzelnes Ding mit einem -anderen einzelnen Ding vergleiche, z. B. das Auge mit einem Fernglas.« -Er fährt dann fort, indem er die Analogieen zwischen diesen beiden -Apparaten feststellt, und fragt zuletzt: wie ist es bei so naher -Verwandtschaft und unter dem Eindruck gleicher Beweiskraft möglich, in -Bezug auf das Auge die Zwecksetzung auszuschließen und doch in Bezug -auf das Teleskop es als die einfachste und klarste von allen Annahmen -anzunehmen, daß hier ein Plan gewaltet hat? - -Nun wohl, die Antwort lautet, daß diese Analogie nur auf Grund der -Hypothese der =Schöpfung im Einzelnen= aufrecht zu halten ist, auf -Grund der Hypothese einer =Entwicklung durch natürliche Ursachen= ist -die Beweiskraft in beiden Fällen nicht dieselbe, denn nach dieser -Hypothese fängt das Auge nicht als ein fertiges Gebilde an, das zum -Zweck des Sehens gemacht ist, sondern blos als eine Differenzierung der -Nervenenden in der Haut, die zunächst wahrscheinlich dazu diente, den -Wechsel der Temperatur besser zu unterscheiden. Nachdem nun an diesen -Stellen ein Pigment abgelagert worden war, wodurch jener Zweck (ich -benutze der Kürze wegen teleologische Ausdrücke) besser erreicht wurde, -begannen die Nervenenden Licht und Dunkel zu unterscheiden. Um diesen -weiteren Zweck besser zu erreichen, erschien die einfachste Form einer -Linse in Gestalt kleiner, lichtbrechender Körper. Dahinter entwickelten -sich leicht empfindliche Stellen, welche die erste Andeutung einer -Netzhaut als einfache Schicht sind. Und so geht es fort, Schritt für -Schritt, bis wir das Auge eines Adlers haben. - -Ein Teleologe wird hier natürlich antworten: »Die Thatsache eines so -allmählichen Aufbaues ist kein Beweis gegen die Zwecksetzung: ob nun -die Struktur plötzlich erschien oder das Ergebnis einer langsamen -Ausarbeitung war, die Merkmale einer Zwecksetzung sieht man in beiden -Fällen in der vorliegenden Struktur.« Alles dies ist sehr richtig, aber -ich behaupte auch nicht, daß die Thatsache der allmählichen Entwicklung -an sich selbst das Argument einer Zwecksetzung beeinflußt. Ich behaupte -nur, daß es dies bloß deshalb thut, weil es die Möglichkeit zeigt -(was durch die Hypothese einer plötzlichen Schöpfung im Einzelnen -ausgeschlossen ist), daß die Struktur unmittelbar durch die Thätigkeit -natürlicher Ursachen entstanden ist. So wollen wir um des Arguments -willen einmal annehmen, daß die natürliche Zuchtwahl als eine für -alle diese Wirkungen hinreichende Ursache in befriedigender Weise -festgestellt worden ist. Also, die Thatsachen der Vererbung, der -Variation, des Kampfes ums Dasein und des Überlebens des Passendsten -einmal zugegeben, was folgt daraus? Nun, daß jeder Schritt in der -längeren, allmählichen Entwicklung des Auges durch die Ausscheidung -aller weniger angepaßten Formen jeder Generation hervorgebracht wurde, -d. h. durch die Zuchtwahl derjenigen Formen, welche besser geeignet -sind, die Art durch Vererbung zu vervollkommnen. Will der Teleologe -dann behaupten, daß dieser Zuchtwahl-Prozeß selbst ein Zeichen von -Zwecksetzung im Einzelnen ist, nun, dann scheint es mir so, als ob -er logischer Weise zu der Behauptung gezwungen wäre, die Reihen von -Seegras, die Muscheln, die Steine und die kleinen Haufen von Purpursand -an der Meeresküste seien auch alle in gleicher Weise ein Zeichen für -Zwecksetzung. Die allgemeinen Gesetze, welche [in der unorganischen -Natur. -- Der Übersetzer] auf dem spezifischen Gewicht beruhen, sind -im Haushalt der Natur wenigstens ebenso wichtig wie die allgemeinen -Gesetze, die sich auf spezifische Differenzierung [in der organischen -Natur. -- Der Übersetzer] beziehen: in allen ähnlichen Beispielen -finden wir, daß das Resultat der Wirksamkeit der bekannten natürlichen -Ursachen eine Auswahl (_selection_) ist. Wenn entgegnet werden sollte, -daß die Auswahl in dem einen Fall offenbar absichtslos, in dem andern -offenbar absichtlich stattfand, so antworte ich: dies ist doch nur -eine bloße Vermutung. Es ist vielleicht nicht zu viel gesagt, wenn -ich behaupte, daß jede geologische Formation auf der Erdoberfläche -entweder ganz oder teilweise ihr Dasein dem auswählenden Einfluß des -spezifischen Gewichts verdankt, und wer kann sagen, daß der Aufbau -der Erdrinde im allgemeinen Plan der Schöpfung (wenn es einen solchen -giebt) ein weniger wichtiger Gegenstand ist als die Entwicklung eines -Auges? Oder könnte, da wir als das Resultat der Zuchtwahl beim Auge -eine offenbar absichtliche Anpassung der Mittel an den Zweck erkennen, -nicht auch in dem Resultat der Auswahl bei Seegras, Steinen, Sand und -Schlamm eine Absicht erkannt werden? Könnte die mutmaßliche Vernunft -nicht im Gegenteil eine größere Freude an dem letzteren als an dem -ersteren Prozeß gehabt haben? - -Der Verständlichkeit wegen habe ich angenommen, daß die natürlichen -Ursachen, mit denen wir schon bekannt sind, hinreichen, um die -beobachteten Erscheinungen der organischen Natur zu erklären. Aber es -ist natürlich ganz gleichgiltig, ob die Richtigkeit dieser Annahme -zugestanden wird oder nicht, wenn wir nur zugeben, daß die beobachteten -Erscheinungen alle aus natürlichen Ursachen bekannter oder unbekannter -Art stammen; d. h. in dem Maße, in welchem wir die Hypothese des -direkten oder unmittelbaren Eingreifens der Gottheit in die organische -Natur (ein Wunder) ausschließen, in demselben Maße bringen wir den aus -der organischen Natur gefolgerten Beweis der Zwecksetzung auf dieselbe -logische Stufe, auf der ein aus der unorganischen Natur gefolgerter -Beweis der Zwecksetzung steht. Daraus folgt für mich, daß Mill einen -auffallenden Mangel an Scharfsinn gezeigt hat. Nachdem er nämlich -in Bezug auf die natürliche Zuchtwahl bemerkt hat: »vorhergehende -Überlegung eines Schöpfers ist durchaus nicht das einzige Band, durch -welches die Entstehung des wunderbaren Mechanismus des Auges mit der -Thatsache des Sehens verknüpft werden kann,« fährt er fort: »wenn -man nun diese bemerkenswerte Spekulation (d. h. über die natürliche -Zuchtwahl) dem Schicksal überläßt, das ihr der Fortschritt der -Wissenschaft aufgespart haben mag, dann fallen beim gegenwärtigen Stand -unserer Kenntnisse die Anpassungen in der Natur schwer ins Gewicht -zu Gunsten einer Schöpfung durch eine Intelligenz.« Ich sage, diese -Stelle scheint mir einen eigentümlichen Mangel an Scharfsinn zu zeigen, -und zwar deshalb, weil sie von der Voraussetzung auszugehen scheint, -daß es sich hier um eine Wahl zwischen der Hypothese der speziellen -Zwecksetzung und der Hypothese der natürlichen Zuchtwahl handelt. So -ist es aber nicht. Es handelt sich thatsächlich um die Wahl zwischen -der Hypothese der speziellen Zwecksetzung und den natürlichen Ursachen. -Das Überleben des Passendsten ist eine der =angenommenen= Ursachen, -welche zufolge einer großen Menge von Beweisgründen wahrscheinlich eine -=wirkliche= Ursache ist. Aber selbst wenn es als Ursache zurückgewiesen -worden wäre, so würde die wahre Beweiskraft der Teleologie dadurch -nicht berührt werden, wenn wir nicht etwa zu dem Schluß gezwungen -wären, daß es keine anderen Ursachen sekundärer und natürlicher Art bei -der Entstehung der beobachteten Anpassungen geben kann. - -Ich glaube nun hinreichend klar gezeigt zu haben, warum wir nach -meinem Dafürhalten, wenn sich die Herrschaft der Naturgesetze oder -die Wirkung natürlicher Ursachen in der organischen Natur ebenso wie -in der unorganischen offenbart, für eine Zwecksetzung in dem einen -Gebiet keinen besseren Beweis als in dem anderen finden können. Die -Thatsache, daß wir in dem einen Gebiet zahlreichere und anscheinend -vollständigere Beispiele von Zwecksetzung antreffen als in dem anderen, -ist vermutlich nur unserer Unkenntnis der natürlichen Kausalität in -dem verwickelteren Gebiet zuzuschreiben. Beim Studium der biologischen -Erscheinungen sind wir bezüglich unseres Verständnisses gegenwärtig -alle in derselben Lage wie unser gedachter Teleologe beim Studium der -Meeresbucht: wir kennen eben nicht die natürlichen Ursachen, welche -die beobachteten Wirkungen hervorgebracht haben. Aber wenn wir schon -jetzt einen wenigstens teilweise passenden Schlüssel in der Theorie -der natürlichen Zuchtwahl gefunden haben und daher nun dem umfassenden -aus den einfacheren Gebieten der Natur geschöpften Analogon zufolge -schließen, daß die natürlichen Ursachen auch überall bei der Erzeugung -organischer Gebilde eine Rolle spielen, dann folgt daraus auch, daß -jeder Beweis für eine Zwecksetzung, welchen diese Gebilde darbieten, -genau denselben logischen Wert hat wie der Beweis für die Zwecksetzung, -den wir aus der unorganischen Natur gefolgert haben. Wenn man noch -hervorheben sollte, daß die Anpassungen, denen man in der organischen -Natur begegnet, ihrer Zahl und Einheitlichkeit wegen viel mehr für eine -Zwecksetzung sprechen als irgend etwas in der unorganischen Natur, so -muß ich erklären, daß damit die Grundlage des Arguments vertauscht und -der einzige in Frage stehende Punkt aufgegeben wird. Niemand leugnet -diese offenbar feststehende Thatsache: aber die Frage ist ja, ob eine -gewisse Menge von Anpassungen in dem einen Gebiet der Natur einen -anderen und besseren Beweis für die Zwecksetzung liefern können als die -Anpassungen in anderen Gebieten, wenn doch zugestandener Maßen alle -Gebiete in gleicher Weise der Ausfluß natürlicher Kausalität sind. Und -diese Frage verneine ich, weil wir kein Mittel haben, um die Ausdehnung -zu bestimmen, in welcher der Prozeß der natürlichen Zuchtwahl oder -irgend eine andere natürliche Ursache im Stande ist, Anpassungen der -beobachtenden Art hervorzubringen. - -So hat man, um ein anderes Beispiel scheinbarer Zwecksetzung aus der -unorganischen Natur zu nehmen, behauptet, daß die Zusammensetzung -der Atmosphäre offenbar den Zweck hat, das pflanzliche und tierische -Leben zu unterhalten. Aber bevor man diesen Schluß aus den Thatsachen -ziehen kann, muß man zeigen, daß das Leben unter keinen anderen -stofflichen Bedingungen existieren könnte als die sind, welche die -Zusammensetzung der Luft aus ihren Elementen darbietet. Das zu zeigen, -ist aber offenbar unmöglich. Im Gegenteil, das Leben kann thatsächlich -auf anderen Himmelskörpern unter gänzlich anderen Bedingungen der -Atmosphäre bestehen; und die Thatsache, daß auf diesem unseren Planeten -alles Leben von den in unserer Atmosphäre vorkommenden Gasen abhängig -geworden ist, kann einfach aus der Thatsache entspringen, daß nur -das Auftreten derjenigen Lebensformen möglicherweise erwartet werden -konnte, welche sich (durch natürliche Zuchtwahl oder andere natürliche -Ursachen) diesen besonderen Gasen anpassen konnten, -- gerade so wie -im kleineren Verhältnis nur jene Lebensformen, welche ihren besonderen -Standorten in der Meeresbucht angepaßt waren, möglicherweise in den -vorliegenden Verhältnissen erwartet werden konnten. Wenn man nun -derartig zeigen kann, daß eine Reihe von so zahlreichen und feinen -Anpassungen, wie die, von denen die Beziehungen jeder bekannten -Lebensform zu den die Atmosphäre zusammensetzenden Gasen abhängen, -nicht notwendiger Weise die Thätigkeit irgend einer ordnenden -Intelligenz fordern, -- wie ist dann der Schluß möglich, daß irgend -eine weniger allgemeine Anpassungsreihe dies fordern sollte? -- so -lange doch wenigstens nicht, als jeder Fall von Anpassung, mag er nun -im letzten Grunde auf eine Zwecksetzung zurückzuführen sein oder nicht, -zunächst aus natürlichen Ursachen entspringt. - -Angesichts dieser Betrachtungen denke ich, ist es daher ganz klar, -daß das Argument der Teleologie, wenn überhaupt, dann nur dadurch -gerettet werden kann, daß man von der engen Grundlage der =einzelnen= -Anpassungen auf das breite Gebiet der Natur als ein Ganzes übergeht. -Und hier, ich bekenne es, gewinnt das Argument für mich ein Gewicht, -welches, wenn lange und aufmerksam erwogen, als außerordentlich -bezeichnet zu werden verdient. Denn wenn auch diese und jene besondere -Anpassung in der Natur als zunächst aus natürlichen Ursachen -entspringend betrachtet werden kann und wenn wir auch auf Grund einer -größtmöglichen Analogie zu dem Schluß geführt werden, daß auch alle -anderen derartigen besonderen Fälle in gleicher Weise auf natürliche -Ursachen zurückzuführen sind, so erhebt sich die mehr auf den -»=letzten=« Grund zielende Frage: Wie kommt es, daß alle natürlichen -Ursachen durch ihre gemeinsame Wirksamkeit eine allgemeine Ordnung -in der Natur hervorbringen? Es ist gegen alle Analogie, wenn man -annehmen will, daß ein derartiges Resultat durch solche Mittel, wie -sie der reine Zufall oder »das zufällige Zusammentreffen von Atomen« -bieten, erreicht werden könnte. Wir werden durch die wichtigsten -Fundamentalsätze unserer Vernunft zu dem Schluß geführt, daß es irgend -eine Ursache für dieses Zusammenwirken der Ursachen geben muß. Ich -weiß, daß dies seit den Tagen des Lucretius geleugnet worden ist, aber -das geschah nur aus Gründen des Gefühls. - -Es ist nicht möglich, für diese Leugnung einen Vernunftgrund anzugeben, -der nicht selbst wieder dem Gesetz der Kausalität zuwider liefe. Ich -bin mir daher dessen völlig bewußt, daß die einzige Frage, welche hier -von einem rein vernunftgemäßen Standpunkt aus zu beantworten ist, diese -ist: »Welcher Art muß die _causa causarum_ (die Ursache aller Ursachen) -sein?« - -Über diesen Punkt sind überhaupt nur zwei Hypothesen aufgestellt -worden, ich halte es aber auch für unmöglich, noch irgend eine dritte -zu erdenken. Von diesen beiden Hypothesen ist die älteste und die -natürlich am nächsten liegende die einer =geistigen= Zwecksetzung. Die -andere Hypothese verdanken wir den weitreichenden Gedanken Herbert -Spencers. Im siebenten Kapitel seiner »_first principles_« führt er -aus, daß alle Kausalität unmittelbar aus dem Dasein als solchem folgt, -oder, wie er es ausdrückt, daß »die Gleichförmigkeit des Gesetzes -unabweislich aus der Erhaltung der Kraft folgt«: denn »wenn in zwei -beliebigen Fällen völlige Übereinstimmung besteht, nicht nur zwischen -jenen völlig klaren Antecedentien (vorhergehenden Vorgängen), welche -wir als die Ursachen erkennen, sondern auch zwischen jenen begleitenden -Antecedentien, welche wir die Bedingungen nennen, dann können wir nicht -annehmen, daß die Wirkungen verschieden sein werden, es müßte denn -sein, daß entweder irgend eine neue Kraft ins Dasein getreten wäre -oder daß irgend eine alte Kraft aufgehört hätte zu wirken. Wenn die -zusammenwirkenden Kräfte in dem einen Fall denen im andern gleich sind -in Bezug auf Verteilung und Stärke, dann ist es unmöglich zu begreifen, -weshalb die Wirkung bei ihrer vereinten Thätigkeit in dem einen Fall -anders sein sollte als in dem anderen, man müßte dann denken, daß eine -oder mehrere von den Kräften sich der Quantität nach verstärkt oder -abgeschwächt haben, dann aber wäre die Kraft als nicht beharrend zu -denken.« - -Diese Erklärung der Ursächlichkeit als unmittelbarer Ausfluß des -Daseins ist nun für uns einmal als Theorie der Kausalität und dann -wegen ihrer Beziehung zum Theismus von Interesse. Als Theorie der -Kausalität hat sie nicht den Beifall der Mathematiker, Naturforscher -und Philosophen gefunden, die führenden Männer aller dieser -Wissenschaften haben ihr ausdrücklich widersprochen, während meines -Wissens kein Vertreter derselben zu ihren Gunsten gesprochen hat.[29] - -Aber dieser Umstand geht mich eben nichts an; denn selbst zugegeben, -daß die Theorie voll und ganz eine Erklärung der Ursächlichkeit bietet, -so würde sie doch nicht genügen, um die harmonische Beziehung der -Ursachen zu einander oder die Thatsache zu erklären, mit der allein wir -uns jetzt beschäftigen. Dies wird von dem anonymen Autor »Physikus« -nicht beachtet, der in seiner »Unbefangenen Prüfung des Theismus« -großes Gewicht auf Spencers Theorie der Kausalität legt, insofern sie -den Theismus stürze oder wenigstens die Notwendigkeit der theistischen -Hypothese abschwäche, weil sie eine volle Erklärung der Naturordnung -auf rein natürlichem Boden liefere. Aber er unterläßt die Bemerkung, -daß Spencers Theorie, selbst wenn man zugiebt, daß sie alle Thatsachen -der Ursächlichkeit voll und ganz erklärt, doch in keiner Weise den -Kosmos erklärt, in welchem diese Thatsachen auftreten. Es mag wahr -sein, daß die Ursächlichkeit von der Erhaltung der Kraft abhängt; es -folgt aber daraus nicht, daß alle Kraftäußerungen aus diesem Grunde -so auftreten müssen, wie sie gerade auftreten. Denn wenn wir irgend -eine Reihe von natürlichen Ursachen rückwärts verfolgen, so finden wir -bald, daß sie sich nach allen Seiten in ein Netzwerk von natürlichen -Beziehungen ausbreiten, die buchstäblich sowohl im Raum (Bedingungen) -als auch in der Zeit (vorhergehende Ursachen) unbegrenzt sind. Wenn -wir nun auch annehmen, daß die Erhaltung der Kraft eine hinreichende -Erklärung für das Zustandekommen der besonderen Folgewirkung ist, -soweit es sich um die Äußerung von Kraft handelt, so sind wir doch -noch so weit wie je davon entfernt, erklären zu können, weshalb diese -Kraft gerade für den besonderen Kanal, in dem sie fließt, bestimmt -ist. Es mag durchaus wahr sein, daß die Resultierende (d. h. die aus -vorhergehenden Ursachen, den Komponenten, sich ergebende Wirkung oder -Kraft. -- Der Übersetzer) nach Größe und Richtung durch die Komponenten -bestimmt wird, aber wie steht es mit Größe und Richtung der Komponenten -selbst? Wenn gesagt wird, daß sie ihrerseits durch das Zustandekommen -der vorhergehenden Systeme [von Ursachen] bestimmt werden, wie steht -es dann mit diesen Systemen? Und so geht es weiter, bis wir uns in -dem schon erwähnten, unbegrenzten Netzwerk verlieren. Nur wenn wir -den Ursprung aller Reihen aller dieser Systeme wüßten, dann könnten -wir in der Lage sein zu sagen, daß eine entsprechende Intelligenz -durch Berechnung den Zustand eines jeden Teils des Universums in einem -gegebenen Zeitpunkt vorher bestimmen konnte. Da aber die Reihen -sowohl nach Zahl wie nach Ausdehnung unbegrenzt sind, so kann man von -einer solchen Kenntnis natürlich überhaupt gar nicht reden. Überdies, -selbst wenn dies als möglich gedacht werden könnte, so könnte es nur -auf Kosten der Annahme eines Ursprungs der natürlichen Ursächlichkeit -in der Zeit geschehen; und dies läuft auf die Annahme eines Zustands -der Dinge hinaus, der vor einer solchen Ursächlichkeit lag und aus dem -letzteren entsprang. Dies heißt aber eine übernatürliche Quelle der -natürlichen Kausalität annehmen; und ob nun diese Annahme mit Bezug -auf ein natürliches Ereignis gemacht wird, welches unter unmittelbarer -Beobachtung stattfand (und dies wäre ein Wunder), oder mit Bezug auf -ein natürliches Ereignis in der Vergangenheit oder endlich mit Bezug -auf den Ursprung aller natürlichen Ereignisse, -- so ist sie doch -in gleicher Weise unvereinbar mit jeder Theorie, welche eine rein -natürliche Erklärung des Universums als Ganzes zu geben versucht. Kurz, -es ist die alte Geschichte von einem Strom, der sich nicht über seine -Quelle erheben kann. Die natürliche Ursächlichkeit kann nicht dazu -verwendet werden sich selbst zu erklären, und die bloße Erhaltung der -Kraft kann, selbst wenn sie zugestandenermaßen zur Erklärung besonderer -Fälle einer natürlichen Folgenreihe genügte, kein zureichender Grund -für die allgegenwärtige und ewige Leitung der Kraft bei dem Aufbau und -der Erhaltung der Weltordnung sein. - -So werden wir also zu der Anerkennung getrieben, daß uns die Theorie -des Theismus die einzige wirkliche Erklärung der Weltordnung -bietet. Das soll besagen: durch kein logisches Kunststück können -wir uns dem Schluß entziehen, daß diese Weltordnung, so weit unser -Verständnis reicht, irgend einem sie ergänzenden Prinzip den Ursprung -verdanken muß, und daß das letztere, so weit wir sehen können, -höchst wahrscheinlich geistiger Natur sein muß. Zum wenigsten aber -muß zugegeben werden, daß wir die Weltordnung unter keinem =anderen= -Gesichtspunkt =begreifen= können, und daß, wenn irgend eine besondere -Anpassung in der organischen Natur nach unserem Dafürhalten auf eine -solche Thätigkeit hinweist, die Gesamtsumme aller Anpassungen in dem -Universum dies in noch unvergleichlich höherem Maße thun muß. Ich -werde indessen hierbei nicht verweilen, da dies schon von einigen -modernen Schriftstellern und mit besonderer Überzeugungskraft von Baden -Powell erörtert worden ist. Ich will nur bemerken, daß wir bei der -Darstellung dieses Arguments zu Gunsten des Theismus meines Erachtens -nicht von »Naturgesetzen« zu sprechen brauchen. Wir brauchen uns nur -auf die [großartige] allgemeine Thatsache zu berufen, daß die Natur ein -geordnetes System ist und daß die in ihr beobachtete Ordnung durchaus -universal, von ewiger Dauer und unendlich exakt ist; denn nur dann, -wenn dies der Fall ist, ist es begreifbar, daß eine Erfahrung für uns -möglich ist oder daß wir eine Erkenntnis erlangen können. - -Nachdem ich nun möglichst nachdrücklich festgestellt habe, daß nach -meiner Meinung eine andere Erklärung der allgemeinen Naturordnung -weder begriffen noch aufgestellt werden kann als die, welche auf -eine Intelligenz als höchste leitende Ursache zurückgeht, werde -ich zu zwei anderen Fragen übergehen, die unmittelbar aus dieser -Erklärung entspringen. Die erste von diesen Fragen bezieht sich auf -den mutmaßlichen Charakter jener höchsten Intelligenz, insofern durch -unsere Naturbeobachtung irgend welche Anhaltspunkte für denselben -zu gewinnen sind; die andere Frage ist die nach der streng formalen -Überzeugungskraft irgend welcher Schlüsse mit Bezug auf die Existenz -oder den Charakter solch einer Intelligenz.[30] Ich werde diese beiden -Fragen getrennt betrachten. - -Wenn wir zu dem Schluß gelangt sind, daß die einzige Hypothese, welche -eine Erklärung der allgemeinen Naturordnung zuläßt, die ist, daß sie -aus einer Ursache geistiger Art entspringt, -- so stehen wir vor der -Thatsache, daß diese Ursache himmelweitverschieden von allem sein muß, -was wir von dem Geist in uns selbst erkennen. Und alsbald entdecken -wir, daß diese Verschiedenheit nicht bloß dem Grade nach, mag dies -noch so weit gehen, sondern auch der Art nach aufgefaßt werden muß. -Mit anderen Worten: wenn wir auch schließen können, daß die nächste -Analogie für den _causa causarum_, die uns die Erfahrung bietet, der -menschliche Geist ist, so müssen wir doch sagen, daß diese Analogie -in allen grundlegenden Punkten so fern liegt, daß sich die Frage -erhebt, ob wir der Wahrheit wirklich sehr viel näher kommen, wenn -wir sie aufrecht halten. So ist z. B., wie Spencer festgestellt hat, -unsere einzige Vorstellung von dem, was wir als Geist in uns selbst -erkennen, die Vorstellung von einer Reihe von Bewußtseinszuständen. -Aber er fährt fort: »nimm eine Reihe von Bewußtseinszuständen als -Ursache und das sich entwickelnde Universum als Wirkung, und dann -bemühe dich einmal das letztere als aus dem ersteren entspringend zu -erkennen. In etwas unklarer Weise kann ich mir wohl vorstellen, daß -eine Reihe von Bewußtseinszuständen für irgend eine der Bewegungen, -die ich vor sich gehen sehe, das Antecedens (Vorhergehende) ist; denn -meine eigenen Bewußtseinszustände sind oft indirekt die Antecedenten -solcher Bewegungen. Aber wie steht es, wenn ich versuche an eine -solche Reihe als Antecedens =aller= Wirkungen im ganzen Universum zu -denken ....? Wenn wegen der Unbegrenztheit der überall stattfindenden -natürlichen Veränderungen »ein Geist als vorhanden begriffen werden -muß«, »unter der Gestalt einfacher Kräfte«, dann folgt doch daraus, daß -der Geist, um derartig begriffen zu werden, aller Eigenschaften, durch -welche er (beim Menschen. -- Der Übs.) gekennzeichnet wird, entkleidet -werden muß; ein Begriff aber, der so aller seiner kennzeichnenden -Eigenschaften entkleidet wird, verschwindet in sich: -- das Wort -»Geist« steht dann also da als eine unbekannte Größe«. - -Und mehr noch, »wie soll man es sich denken, daß der schöpferische -Geist Zustände durch Naturkörper hervorbringt, die ihm gegenüber -objektiv sind, daß er zwischen diesen Zuständen unterscheidet, daß -er sie als ähnlich oder unähnlich klassifiziert und daß er =ein= -objektives Resultat dem anderen vorzieht?«[31]. - -Ohne diese Gedanken weiter auszuführen, was sich unschwer in Bezug -auf jede wesentliche Seite menschlicher Psychologie machen ließe, -können wir es als unfraglich ansehen, daß der göttliche Geist, wenn -er wirklich vorhanden ist, so wesentlich vom menschlichen Geist -verschieden sein muß, daß es unlogisch ist, die beiden mit demselben -Namen zu bezeichnen: die Eigenschaften der Ewigkeit und Allgegenwart -genügen an sich ja schon, um einen solchen Geist in eine besondere -Kategorie zu stellen, die gänzlich verschieden von allem ist, was -das Analogon unsers eignen Geistes uns, wenn auch nur dunkel, je -begreiflich machen könnte. Und ganz dasselbe behaupten ja auch die -Theologen. »Gottes Gedanken«, sagen sie, »sind höher als unsere -Gedanken, und ein Gott, der für unsere Intelligenz faßbar wäre, würde -überhaupt kein Gott sein«. Das mag ja ganz richtig sein, allein wir -müssen uns dann doch sagen, daß wir in demselben Maße, wie uns das -Verständnis des göttlichen Geistes verschlossen ist, auch unfähig -sind nach den vom menschlichen Geist gebotenen Analogieen irgend -welche Schlüsse auf seine Natur zu ziehen. Die Theorie hört auf -anthropomorphistisch, ja sogar anthropopsychisch zu sein, sie hat -mit dem Begriff des Geistes nur noch in sofern etwas zu thun, als er -am besten eine vorläufige, faßbare Rechenschaft von der Naturordnung -giebt, indem sie (in dem weltschöpferischen Geist -- D. Ü.) einige -Fähigkeiten des menschlichen Geistes als vorhanden aber unendlich -vergrößert annimmt, zugleich aber auch alle wesentlichen Bedingungen -vernichtet, unter denen allein diese Fähigkeiten, soweit wir wissen, -existieren können. Es ist klar, daß eine Aussage von einem solchen -Geist logisch unmöglich ist. Wenn er existiert, dann ist seine Existenz -unbegreiflich, und es ist ausgeschlossen, daß wir ihm irgend welche -Eigenschaften zuschreiben dürfen. - -So viel von der allgemeinen Grundlage (der Annahme eines dem -Menschengeist ähnlichen Schöpfergeistes -- D. Ü.). Wenn wir nun -zu Einzelheiten übergehen, so wollen wir mit den Vertretern der -natürlichen Theologie annehmen, daß solch ein Geist existiert, daß er -dem menschlichen Geist in soweit ähnelt, als er eine selbstbewußte, -persönliche Intelligenz ist und daß sich die Fürsorge eines solchen -Geistes über alle seine Werke erstreckt. Selbst auf Grund dieser -Annahme begegnen wir einer Menge von bedeutsamen und allgemeinen -Thatsachen, welche anzeigen, daß dieser Geist doch noch als seinem -»Ebenbild« im Geist des Menschen augenscheinlich sehr unähnlich -betrachtet werden muß. Ich will mich hier nicht auf die Thatsache -berufen, daß es in der Natur ein unnützes und zweckloses Handeln -giebt, weil man dem meines Erachtens sehr wohl ein anderes aus der -Anschauung der Natur als Ganzes entnommenes Argument entgegenhalten -kann -- daß nämlich die Natur als Ganzes ein geordneter Kosmos ist -und daß daher das, was uns im Einzelnen als unnütz und zwecklos -erscheint, in Bezug auf das große System der Dinge als ein Ganzes nicht -zwecklos sein mag. Zweifelhaft aber ist es mir, ob man dann weiterhin -dieses letztere Argument demgegenüber anführen darf, daß in der Natur -offenbar das fehlt, was man beim Menschen »Moralität« nennt. Denn in -dem menschlichen Geist ist das Gefühl für Recht und Unrecht -- mit -allen jenen Affekten, die es begleiten und bilden: Liebe, Sympathie, -Gerechtigkeit u. s. w. -- ein so wichtiger Faktor, daß wir uns, wie -groß auch die intellektuelle Seite des menschlichen Geistes gedacht -werden mag, doch kaum dabei die moralische Seite so augenscheinlich -verdunkelt denken könnten, daß sie in der Schöpfung eines solchen -Werkes aufgehen sollte, wie wir es in der irdischen Natur finden. -Es ist unnütz unsere Augen vor dem Zustand der Dinge, der uns hier -begegnet, zu schließen. Die meisten Beispiele spezieller Zwecksetzung, -auf welche sich die Vertreter der natürlichen Theologie beziehen, um -die intelligente Natur der »ersten« Ursache zu beweisen, haben als -Ziel oder Gegenstand die Strafe eines schmerzreichen Todes oder die -Flucht vor grausamen Feinden, aber gerade in dieser Hinsicht ist das -Argument zu Gunsten der intelligenten Natur der »ersten« Ursache ein -Argument gegen ihre Moralität. Wenn wir wiederum die engere Grundlage -verlassen, auf welcher das teleologische Argument früher ruhte, und -es auf die breitere Grundlage der Natur als ein Ganzes stellen, so -ist es kaum weniger unvereinbar mit der Moralität jener Ursache; denn -wir sehen, daß die Thatsachen, auf die ich angespielt habe, nicht nur -zufälliger Natur sind und sozusagen von entgegengesetzten Thatsachen -allgemeinerer Art ausgewogen werden, sondern daß sie augenscheinlich -das wichtigste Kennzeichen des Systems der organischen Natur als ein -Ganzes darstellen; wenn man dies aber für fraglich hält, dann würden -wir nicht mehr zu dem Schluß berechtigt sein, daß es überhaupt ein -solches System giebt. - -Daß die Natur an Zähnen und Klauen rot vor Blutgier ist, das ist also -ohne Frage eine Thatsache von weitgehender und allgemeiner Bedeutung, -die von jeder Theorie der Teleologie berücksichtigt werden muß. -Diese Seite unserer Frage kann wohl kaum in stärkeren Ausdrücken -wiedergegeben werden, als es von »Physikus«[32] geschehen ist, den ich -daher hier zitieren werde: - -»Nehmen wir einmal an, die Gottheit sei, wie Professor Flint behauptet, -allmächtig, dann ist doch sicherlich der Schluß im höchsten Grade -berechtigt, daß ein derartiges allgemeines Leiden, mag es auch immer -bezwecken, was es will, einen unberechenbar größeren Mangel an -Barmherzigkeit im göttlichen Charakter zeigt als in irgend einem, -auch dem schlechtesten, menschlichen Charakter. Laßt uns doch einen -Augenblick einhalten und bedenken, was das Leiden in der Natur -bedeutet. Vor einigen hundertmillionen Jahren sind Millionen und aber -Millionen von Tieren zum Gefühl erwacht. Seit jener Zeit bis zur -Gegenwart muß es Millionen und aber Millionen von Generationen von -Millionen und aber Millionen von Individuen gegeben haben. Und während -dieser ganzen Zeit von unberechenbarer Dauer hat dieses unfaßbar große -Heer fühlender Wesen in einem Zustand des unaufhörlichen Kampfes, -der Furcht, der Raubgier und der Schmerzen gelebt. Wenn wir das -Ergebnis dieser Thatsachen betrachten, so finden wir, daß mehr als -die Hälfte der Arten, welche den endlosen Kampf überlebt haben, in -ihren Lebensgewohnheiten Parasiten geworden sind, also niedrigere und -empfindungslose Lebensformen, welche sich von höheren und empfindenden -Formen nähren: da sehen wir Zähne und Krallen, die zum Mord gewetzt, -Hacken und Saugnäpfe, die zur Qual gebildet sind, -- überall eine -Herrschaft des Schreckens, des Hungers, der Krankheit, mit strömendem -Blut und zuckenden Gliedern, mit keuchendem Atem und unschuldigen -Augen, die sich trübe in den Todesschauern grausamer Qual schließen. -Will man etwa entgegnen, daß es zur Entschädigung auch Freuden giebt? -Ich will das nicht gegen einander abwägen, die Freuden fasse ich -einfach als ebenso natürlich notwendig auf wie die Schmerzen, einerlei -ob die Entwicklung einer Zwecksetzung entspringt oder nicht ...... Will -man mir aber vielleicht einwerfen, daß ich nicht berechtigt bin über -die Zwecke des Allmächtigen zu urteilen? Ich antworte: wenn es Zwecke -giebt, dann =bin= ich auch meines Erachtens berechtigt über sie zu -urteilen; und wenn ich über Zwecke urteilen darf, falls sie wohlthätig -zu sein scheinen, dann bin ich folgerichtig gezwungen auch über die -zu urteilen, welche unbarmherzig zu sein scheinen. Es ist auch nicht -möglich, die letzteren durch den Hinweis auf die Ordnung und Schönheit -als Endziel zu mildern, wenn man weiß, daß die von dem »allmächtigen -Zwecksetzer« angewandten Mittel so [schreckliche] gewesen sind. Alles, -was wir berechtigter Weise in dieser Sache behaupten könnten, würde -sein, daß er unseren Beobachtungen zufolge für die Vervollkommnung -der Tiere sorgt, selbst unter Hintansetzung ihrer Lebensfreuden, ja -selbst unter gänzlicher Mißachtung ihrer Leiden. Aber dies behaupten -würde doch nur heißen die Wohlthätigkeit als eine Eigenschaft Gottes -leugnen«.[33] - -Dieses Räsonnement ist ebenso unanfechtbar wie klar. Wenn wir, wie -der Verfasser weiter sagt, ein Kaninchen in den eisernen Klauen einer -Falle zittern sehen und die teuflische Natur des Wesens verabscheuen, -welches sehr gut weiß, was Schmerz bedeutet, und doch mit vollem -Bewußtsein seine ganze Erfindungsgabe anwendet, um ein so scheußlich -grausames Ding zu ersinnen, -- was sollen wir dann von einem Wesen -denken, welches mit noch höheren geistigen Fähigkeiten und mit einer -unbeschränkten Fähigkeit die Mittel zur Sicherung seiner Ziele zu -wählen begabt ist und welches doch unsagbar viele Tausende von nicht -weniger teuflischen Mechanismen ersonnen hat? Kurz, so weit uns die -Natur belehren kann und soweit die »Beobachtung reicht«, scheint es, -als ob das Natursystem, wenn es überhaupt eins giebt, die Schöpfung -eines Geistes darstellt, der sich von dem höher entwickelten -menschlichen Geist dadurch unterscheidet, daß er unermeßlich -intelligenter ist ohne auch nur annähernd so moralisch zu sein. Und -dasselbe wird durch die rohe und gar keinen Unterschied machende Art -angezeigt, in welcher die Gerechtigkeit abgemessen wird -- wenn man -überhaupt sagen kann, daß dies geschieht. Wenn wir die Bestimmtheit und -Strenge, mit welcher jedes Vergehen gegen die »Naturgesetze« von der -Natur bestraft wird (gleichgültig, ob es auch nur aus Unwissenheit -entspringt), mit der außerordentlichen Unbestimmtheit und Laxheit -vergleichen, mit welcher sie einem Vergehen gegen die »moralischen -Gesetze« begegnet, -- dann müssen wir doch fühlen, daß =dieses= System -der Gesetzgebung (wenn wir es überhaupt so nennen dürfen) gänzlich von -einem verschieden ist, welches eine irgendwie anthropopsychisch zu -nennende Intelligenz erdacht haben würde. - -Die einzige Antwort, welche die Vertreter der natürlichen Theologie -auf diese schwierigen Fragen noch geben könnten, bezieht sich auf -die Beschaffenheit des menschlichen Geistes. Es wird behauptet: die -Thatsache, daß dieser Geist seinem Wesen nach eine verhältnismäßig so -hohe Moralität besitze, möchte doch wohl ein Beweis dafür sein, daß die -Quelle, die ihm den Ursprung gab, in gleicher Weise einen moralischen -Charakter habe. Dieses Argument erscheint mir jedoch fragwürdig, -denn, soviel wir wissen können, kann der moralische Sinn dem Menschen -gegeben worden sein oder sich in ihm entwickelt haben, einfach wegen -seiner Nützlichkeit für die Spezies -- ganz in derselben Weise wie -die Zähne des Haifisches und das Gift der Schlange. Wenn dem so ist, -dann würde das Auftreten des moralischen Sinnes beim Menschen nur ein -weiterer Beweis dafür sein, daß die intellektuelle Natur Gottes von -seiner moralischen wohl zu unterscheiden ist; und es scheint kein -Grund vorhanden zu sein, weshalb wir die Sache von einem anderen -Gesichtspunkt aus betrachten sollten. Die Thatsache, daß =uns= der -moralische Sinn als ein so großes und heiliges Ding erscheint, ist -zweifellos (von jedem Gesichtspunkt aus) die Folge seiner Bedeutung für -die Wohlfahrt unserer Spezies. An sich oder wie er anderen möglichen -Wesen erscheint, die gleich uns intelligent sind, aber unter anderen -Lebensbedingungen existieren, kann man dem moralischen Charakter des -Menschen nicht mehr Bedeutung zugestehen als den sozialen Instinkten -der Bienen. Ganz besonders berechtigt ist diese Erwägung für den -Fall, daß es, gemäß der theologischen Theorie der Dinge, einen Geist -außerhalb des Gebiets jener sozialen Verhältnisse giebt, aus denen -sich nach der wissenschaftlichen Entwicklungslehre der moralische Sinn -in uns selbst entwickelt hat.[34] - -Thatsächlich nehmen die Vertreter der natürlichen Theologie in -dieser Frage einmal an, daß die erste Ursache wenn intelligent auch -moralisch sein müsse, ferner aber sehen sie nicht die außerordentlich -große logische Schwäche des Arguments, durch welches sie ihre -Annahme aufrecht erhalten wollen. Es möchte doch sicherlich eine -ganz ebenso anthropomorphistische Vorstellung sein, wenn man Gott -Moralität zuschreiben wollte, als wenn man ihm jene Empfänglichkeit -für sinnlichen Genuß zuschreiben wollte, mit der die Griechen ihre -Gottheiten ausstatteten. Die Gottheit mag doch wohl am Ende über dem -einen wie über dem anderen hoch erhaben stehen -- oder wir müssen -vielleicht richtiger sagen, sie steht dem einen so fremd gegenüber wie -dem anderen. Ohne daß sie übermoralisch und noch weniger unmoralisch -ist, mag sie wohl ohne Moral sein: unsere Begriffe von Moralität -möchten wohl auf Gott angewendet keinen Sinn haben. - -Wenn wir nun aber auf der einen Seite dies sagen müssen, so müssen wir -andererseits, denke ich, konsequenter Weise zugeben, daß das Argument -vom Bau des menschlichen Geistes viel gewichtiger wird, wenn man von -dem moralischen Gefühl zu den religiösen Instinkten übergeht. Denn -einerseits sind diese Instinkte nicht von so offenkundigem Nutzen für -die Spezies wie diejenigen der Moralität; und andererseits scheinen -sie, obwohl sie ohne Frage außerordentlich allgemein, ausdauernd und -kräftig sind, nicht irgend einem »Ziel« oder »Zweck« in dem System -der Dinge zu dienen, wenn wir nicht die Theorie derjenigen über sie -annehmen, in denen sie am stärksten entwickelt sind. Hier haben wir -meines Erachtens ein Argument von berechtigter Kraft, obwohl Mill, wie -es scheint, diese Meinung nicht teilte. Ich glaube, daß dieses Argument -deshalb eine berechtigte Kraft besitzt, weil die religiösen Instinkte -des Menschengeschlechts, wenn sie nicht auf eine Realität als ihr -Objekt hinweisen, verglichen mit allen anderen Instinkten ohne jedes -Analogon sein würden. - -Sonst treffen wir im Tierreich nirgends einen Instinkt an, der nicht -auf ein Ziel hinweist, und insofern ist die Thatsache, daß der Mensch, -wie man gesagt hat, ein »religiöses Tier« ist, -- d. h. daß er eine -Art eigentümlicher Gefühle aufweist, die auf besondere Ziele gerichtet -sind und die mit dem wahren Instinkt sehr nahe verwandt, wenn nicht -identisch sind, -- meiner Meinung nach ein berechtigtes Argument -für die Realität irgend eines Objekts, auf das die religiöse Seite -der Natur dieses Wesens gerichtet ist. Ich glaube auch nicht, daß -dieses Argument von Thatsachen wie den folgenden entkräftet wird: -daß nämlich die verschiedenen Rassen des Menschengeschlechts weit -auseinandergehende, intellektuelle Vorstellungen von dem Charakter -dieses Objekts besitzen; daß die Stärke der religiösen Instinkte bei -verschiedenen Individuen, selbst derselben Rasse, höchst verschieden -ist; daß diese Instinkte durch die Erziehung außerordentlich -modifiziert werden können; daß sie sich wahrscheinlich bei keinem -Individuum entwickeln würden, wenn demselben nicht wenigstens so viel -Erziehung zu teil wird als zur Entwicklung der nötigen intellektuellen -Vorstellungen, auf die sie sich gründen, erforderlich ist; oder daß wir -ihren Ursprung mit Spencer nicht unwahrscheinlich auf eine primitive -Art der Traumdeutung zurückführen können. Denn selbst im Hinblick auf -alle diese Erwägungen bleibt doch die Thatsache bestehen, daß diese -Instinkte =existieren=, und daß daher angenommen werden darf, daß sie -gleich allen anderen Instinkten eine bestimmte Bedeutung haben, auch -dann, wenn man annehmen kann, daß sie gleich allen anderen Instinkten -eine natürliche Ursache haben, was sowohl hinsichtlich des Individuums -wie auch hinsichtlich der Rasse fordert, daß für die natürlichen -Bedingungen ihres Auftretens gesorgt sein muß, gerade so wie bei -der natürlichen Entwicklung aller anderen Instinkte. Kurz, wenn man -allgemein dafür hält, daß die tierischen Instinkte gleich organischen -Gebilden und unorganischen Systemen einen Zweck verfolgen müssen, -dann würde die religiöse Natur des Menschen als eine Anomalie in dem -allgemeinen System der Dinge dastehen, wenn sie allein zwecklos wäre. -Dies nun erscheint mir ein kräftiger Beweis dafür zu sein, daß, wenn -die allgemeine Naturordnung einem Geist den Ursprung verdankt, der -Charakter dieses Geistes derartig ist, wie ihn sich die am höchsten -entwickelte Form der Religion vorstellt. Dieser Schluß ist nun ohne -Zweifel ganz entgegengesetzt dem, zu welchem wir durch Betrachtung der -biologischen Erscheinungen gelangten; und dies ist ein Widerspruch, der -nur durch die Annahme gelöst werden kann, daß entweder die Natur Gott -verheimlicht, während der Mensch ihn offenbart, oder daß die Natur Gott -offenbart, während der Mensch ihn falsch darstellt. - -Noch eine andere Thatsache von weittragender und allgemeiner Bedeutung -weist uns die Natur auf, welche meiner Meinung nach, falls die -Naturordnung für den Ausdruck eines intelligenten Zweckes gehalten -wird, als Beweis für die ethische Natur jenes Zweckes sehr wichtig ist. -Es ist eine Thatsache, welche meines Wissens noch von keinem anderen -Schriftsteller beachtet worden ist; da es aber eine der allgemeinsten -Thatsachen innerhalb der empfindenden Schöpfung ist, welche auch nicht -eine einzige Ausnahme gestattet, so kann ich ihre Bedeutung als -Argument gar nicht nachdrücklich genug hervorheben. Diese Thatsache -ist, wie ich sie bei einer früheren Gelegenheit festgestellt habe, -folgende: »Unter all' den Millionen von Mechanismen und Instinkten -im Tierreich giebt es kein einziges Beispiel eines Mechanismus oder -Instinkts, der bei einer Spezies zum ausschließlichen Vorteil einer -anderen Spezies aufträte, obwohl es einige wenige Fälle giebt, in denen -ein Mechanismus oder Instinkt, der für seinen Besitzer von Vorteil -ist, auch von anderen Spezies sich nutzbar gemacht worden ist. Nun ist -es der Theorie einer wohlthätigen Zwecksetzung unmöglich zu erklären, -warum es, wenn alle Mechanismen derselben Spezies unabänderlich zu -Gunsten jener Spezies in Korrelation stehen, niemals eine solche -Korrelation zwischen den Mechanismen verschiedener Spezies giebt, oder -warum dies auch für die Instinkte gilt. Denn welch' ein großartiges -Schauspiel göttlicher Barmherzigkeit würde die organische Natur geboten -haben, wenn alle, oder auch nur einige Spezies in solche Beziehung zu -einander gesetzt worden wären, daß sie sich in ihren gegenseitigen -Bedürfnissen aushelfen könnten. Die organischen Spezies könnten dann -einer unzähliger Schar von Stimmen verglichen werden, die alle in einen -harmonischen Lobpsalm einstimmen. Aber wie es nun einmal ist, sehen wir -keine Spur einer solchen Koordination; jede Spezies steht für sich und -für sich allein -- eine Folge des stets und überall grimmig wütenden -Kampfes ums Dasein«.[35] - -Die soeben festgestellte weittragende und allgemeine Thatsache ist -nach meiner Meinung das wichtigste Argument zu Gunsten der Darwinschen -Theorie von der natürlichen Zuchtwahl, und aus ihr können wir den -wahrscheinlichen Grund erkennen, warum sie [die Thatsache] so ist, -wie sie ist, so weit es sich um die Frage nach ihrer natürlichen -Ursache handelt. Aber wenn es sich um die Frage handelt: was sollen -wir, vorausgesetzt, die natürliche Kausalität entspränge im letzten -Grunde einem Geist, von dem Charakter des Geistes sagen, welcher sich -dieser Methode der Kausalität bedient? -- Dann kommen wir wieder zu der -Antwort, daß dieser Geist, so weit wir es nach einer gewissenhaften -Prüfung dieser Thatsachen beurteilen können, nicht derartig ist, daß -wir ihn wie beim Menschen moralisch nennen würden. Natürlich mag hinter -den Naturerscheinungen eine moralische Rechtfertigung stecken, so daß -wir nach diesen Erscheinungen zu urteilen nur sagen können, daß er -[nämlich der Geist], weil er eine Methode der natürlichen Kausalität -wählte, welche zu diesen Resultaten führte, bei uns, wie oben erwähnt, -den Anschein erweckt hat, als sorge er für die Vervollkommnung der -Tiere unter Ausschluß ihrer Freuden, ja sogar unter gänzlicher -Mißachtung ihrer Leiden. - -Endlich ist noch eine Wahrheit von Bedeutung, die in Erörterungen -dieser Art nur zu oft unberücksichtigt bleibt, -- da nämlich alle -unsere Räsonnements einen sich nach unserem Wissen richtenden -Charakter haben, so sind unsere Schlußfolgerungen proportional unserer -Unwissenheit unsicher; und da unsere Unwissenheit hinsichtlich der von -uns erörterten Fragen unermeßlich groß ist, so sind alle Schlüsse, die -wir haben ziehen können, wie Bischof Butler sagen würde, »unendlich -prekär.« Oder, wie ich diese formale Seite der Frage früher bei einer -Diskussion mit Professor Asa Gray über das teleologische Argument -ausdrückte: -- »Ich denke, man wird doch wohl zugeben, daß die Stärke -eines Schlusses von der Zahl, der Bedeutung und der Bestimmtheit -der dabei mitspielenden bekannten Dinge und Verhältnisse abhängt, -verglichen mit der Zahl, Bedeutung und Bestimmtheit der dabei -mitspielenden unbekannten, aber hergeleiteten Dinge und Verhältnisse. -Wenn dem so ist, so sollten wir logischer Weise vorsichtig sein, -wenn wir von dem Natürlichen auf das Übernatürliche schließen: denn -wenn wir auch das ganze Gebiet der Erfahrung, aus dem wir einen -Schluß ziehen, vor uns haben, so sind wir doch nicht im stande die -Wahrscheinlichkeit des Schlusses abzumessen, -- da die unbekannten -Verhältnisse hier eingestandener Maßen nach Zahl, Bedeutung und -Grad der Bestimmtheit unbekannt sind: der ganze Kreis menschlicher -Erkenntnis ist unzureichend, um eine Parallaxe zu gewinnen, durch -welche man die erforderlichen Messungen anstellen und das Verhältnis -zwischen den bekannten und den unbekannten Begriffen bestimmen kann. -Anders ausgedrückt können wir sagen: -- wie sich unsere Kenntnis eines -Teils zu unserer Kenntnis eines Ganzen verhält, so verhält sich unser -Schluß aus jenem Teil zur Realität jenes Ganzen. Wer kann daher, selbst -auf dem Boden der Hypothese des Theismus, sagen, daß unsere Schlüsse -oder die »Idee des Zweckes« irgend einen Sinn haben würden, wenn sie -auf den »All-Erhalter« angewendet werden, dessen Gedanken nicht unsere -Gedanken sind.«[36] Und natürlich lassen sich, _mutatis mutandis_ -dieselben Bemerkungen auf alle Schlüsse anwenden, die eine negative -Tendenz haben. - -=Ein= Ergebnis der ganzen Erörterung erscheint mir also zu sein, -daß der Einfluß der Naturwissenschaft auf die natürliche Religion -stets ein zerstörender gewesen ist. Schritt für Schritt hat sie den -scheinbaren Nachweis einer direkten oder speziellen Zwecksetzung in -der Natur zurückgedrängt, bis nunmehr dieser Nachweis nur allein -noch auf der einen gewaltigen und allgemeinen Thatsache beruht, daß -die Natur als Ganzes ein Kosmos ist. Es ist offenbar unmöglich, daß -sich der zerstörende Einfluß der Naturwissenschaft noch weiter als -bis hierhin erstrecken wird, da die Naturwissenschaft selbst nur auf -dieser Thatsache als Grundlage bestehen kann. Aber wenn wir zugeben, -daß diese gewaltige und allgemeine Thatsache, -- welche für unsern -Intellekt überwältigend sein müßte, wenn sie uns ihrer Alltäglichkeit -wegen nicht so vertraut wäre, -- die Thätigkeit eines Geistes in -der Natur offenbart, so merken wir sofort, daß es unmöglich ist -den etwaigen Charakter eines solchen Geistes zu bestimmen, selbst -wenn wir annehmen, daß er existiert. Wir können nicht begreifen, -daß er irgend eine der Fähigkeiten besitzen sollte, welche ganz -besonders das kennzeichnen, was wir in uns selbst als Geist erkennen; -und daher ist das Wort »Geist«, auf jene vermeintliche Thätigkeit -angewandt, ein _x_, eine unbekannte Größe. Und dann, wenn wir auch -diese Schwierigkeit nicht berücksichtigen und annehmen, daß es auf -die eine oder andere für uns unbegreifliche Weise einen Geist giebt, -der über dem menschlichen Geist so hoch erhaben ist, wie dieser über -der mechanischen Bewegung, so treffen wir doch noch auf einige gar -gewaltige und allgemeine Thatsachen in der Natur, welche entschieden -darauf hinzudeuten scheinen, daß diesem Geist, wenn er existiert, die -moralischen Empfindungen des Menschen teilweise oder gänzlich fehlen; -während andererseits das religiöse Verlangen des Menschen selbst den -entgegengesetzten Schluß rechtfertigen möchte. Und endlich haben wir -im Hinblick auf den ganzen Gang dieser Untersuchung gesehen, daß man -auch nicht die geringste meßbare Wahrscheinlichkeit hinsichtlich ihrer -Schlußfolgerungen erlangen kann. Nach alle dem erscheint die natürliche -Religion heutzutage lediglich als ein System von intellektuellen -Widersprüchen und moralischen Schwierigkeiten; und wenn wir an sie mit -den größten von allen Fragen herantreten: »Giebt es ein Wissen bei -dem Allerhöchsten?«, »Sollte nicht der Richter der ganzen Welt recht -richten?«, -- so ist die einzig klare Antwort, welche wir erhalten und -die uns aus der Tiefe unseres eignen Herzens zurückschallt: »Als ich -dies bedachte, war es zu schmerzlich für mich.« - - - - - III. - - Notizen zu einem Werke: »Eine unbefangene - Prüfung der Religion« von Metaphysikus. - - - Einleitung des Herausgebers. - -Zu den Notizen, die alles enthalten, was George Romanes für sein -Werk: »Eine unbefangene Prüfung der Religion« schreiben konnte, ist -nur noch wenig als Einleitung hinzuzufügen; dies wenige aber muß die -Gedankenkluft zwischen den vorstehenden Abhandlungen und den Notizen -überbrücken, welche die Geistesrichtung, die Romanes zuletzt vertrat, -näher beleuchten. - -Am schärfsten kommt der antitheistische Zug jener Abhandlungen wohl -darin zum Ausdruck, daß in ihnen auf den von der Natur gelieferten oder -doch angenommener Maßen gelieferten Beweis gegen den Glauben an Gottes -Güte ganz besonders Nachdruck gelegt wird. - -Über dieses Geheimnis, das wohl zu verwirren im Stande ist, hat George -Romanes offenbar noch mehr sagen wollen, er wurde aber durch den Tod -daran verhindert.[37] Wir können indes berichten, daß er im Jahre 1889 -in einer in der »Aristoteles-Gesellschaft« verlesenen Schrift »über den -Beweis der Zwecksetzung in der Natur« dem Argument, daß die Art und -Weise der natürlichen Entwicklung im Licht ihrer Ergebnisse beurteilt -werden muß, mehr Bedeutung als früher einräumt. Diese Schrift war ein -Teil eines Tischgesprächs. S. Alexander hatte früher in einer Schrift -gegen die Hypothese der Zwecksetzung in der Natur gesprochen, weil die -herrliche Ordnung in der Natur nur durch Verwüstung und Massen-Opfer -erreicht würde. Dieses Argument wurde unter Hinweis auf augenscheinlich -»schlechte Anpassungen«, zwecklose Zerstörungen u. s. w. entwickelt, -welche die Naturprozesse kennzeichnen. Darauf antwortet Romanes, daß -dies notwendigerweise zu dem als natürliche Zuchtwahl anzusehenden -Prozeß gehört. Die Frage ist nur: ist dieser Prozeß an sich mit der -Hypothese der Zwecksetzung unvereinbar? Er antwortet verneinend. - -»Die herrliche Ordnung in der Natur wird nur durch Verwüstung -und Massen-Opfer erreicht.« Zugegeben! aber wenn »Verwüstung und -Massen-Opfer« als Ursache zu einer »herrlichen Ordnung in der -Natur« als Wirkung führen, wie kann man dann sagen, daß »Verwüstung -und Massen-Opfer« ein Mißgriff gewesen sind? Oder wie kann man -es als Thatsache hinstellen, daß wirklich Verwüstung und Opfer -stattgefunden haben? Offenbar kann man das nur dann sagen, wenn wir -unser Augenmerk allein auf die Mittel (nämlich die Massenvernichtung -der den Lebensbedingungen weniger angepaßten Wesen) nicht aber -auf das richten, was schon innerhalb der Grenzen der menschlichen -Beobachtung unzweifelhaft als der Endzweck erscheint (nämlich als -das Kausalergebnis eine sich immer mehr vervollkommnende Welt von -Lebensformen). Ein Kandidat, der im Staatsexamen durchfällt, weil er -zufällig einer der weniger passenden ist, ist ohne Zweifel, bezüglich -seiner eigenen Karriere ein Beispiel des Mißerfolges, aber man darf -daraus nicht folgern, daß die Prüfung dabei ihren Endzweck verfehlte, -den nämlich, die besten Männer für den Staatsdienst zu gewinnen. -Und die Thatsache, daß dies allgemeine Ergebnis aller individuellen -Mißerfolge in der Natur das sichert, was Alexander »die herrliche -Ordnung der Natur« nennt, zeigt entschieden, daß der _modus operandi_ -an sich kein Fehler bezüglich dessen war, was wir, wenn es überhaupt -eine Zwecksetzung in der Natur giebt, als das höhere Ziel dieser -Zwecksetzung betrachten müssen. Daher können Fälle von individuellen -oder anderen relativen Mißerfolgen nicht als Beweis gegen die Hypothese -einer derartigen Zwecksetzung benutzt werden. Die Thatsache, daß das -allgemeine System der natürlichen Kausalität möglicher Weise zu einer -»herrlichen Ordnung der Natur« führt, braucht an sich noch nicht -der Hypothese von der Zwecksetzung in der Natur entgegen zu stehen, -selbst wenn diese Kausalität fortwährend die Ausscheidung der weniger -passenden Formen bewirken sollte.[38] - -Nach meinem besten Wissen und Gewissen ist also dieses Argument des -Mißerfolges, des Probierens ins Blaue hinein, des blinden Zutappens, -oder in welchen andren Ausdrücken es sonst noch dargestellt wird, nur -gegen die Theorie anwendbar, auf welche Alexander anspielt, wenn er von -einem »Zimmermanns-Gott« spricht, d. h. wenn es in der Natur überhaupt -eine Zwecksetzung giebt, so muß sie überall spezifiziert sein, so daß -ihr Nachweis sich eben so gut in dem kleinsten Bruchstück der Natur --- wie z. B. an einem einzelnen Organismus oder an einer Klasse von -Organismen --, wie auch bei der Betrachtung des ganzen Kosmos führen -läßt. Die Beweisführung zu Gunsten einer Zwecksetzung in diesem Sinne, -ist, wie ich durchaus zugebe, durch den Nachweis der natürlichen -Zuchtwahl gänzlich zu Schanden gemacht. Aber dies hat die sich nun -erhebende, viel wichtigere Frage in ein um so helleres Licht gesetzt, -nämlich die: liegt in der Methode der Kausalität auf die Natur als -Ganzes angewandt irgend etwas, was der Theorie einer Zwecksetzung in -der Natur als Ganzes entgegensteht? - -Es ist wahr, daß dieses Argument sich nicht direkt gegen den Charakter -Gottes wendet, -- dessen Plan die Natur darstellt; aber indirekt -doch.[39] Solch' ein Argument z. B. wie es sich Seite 66 befindet: -Wenn wir ein Kaninchen sehen, ..... scheint nur dann Beweiskraft zu -haben, wenn wir uns »Gott als Zimmermann« vorstellen. Wahrscheinlich -fühlte Romanes auch die Schwierigkeit, welche aus dem Gedanken an die -Grausamkeit der Natur entspringt, weniger, jemehr er die Menschheit als -den wichtigsten Teil der Natur erkannte und je mehr er die Bedeutung -des Leidens für das menschliche Leben erfuhr (S. 124 u. 135) und auch -einen größeren Eindruck von der positiven Gewißheit des Christentums -als einer Religion des Leidens und zugleich der Offenbarung des Gottes -der Liebe (S. 144 ff.) erlangte. Der christliche Glaube giebt seinen -Anhängern nicht nur ein Argument gegen den Pessimismus aus allgemeinen -Ergebnissen, sondern auch eine solche Einsicht in den Charakter und das -Thun Gottes, daß ihn dies befähigt, hoffnungsvoll die überwältigenden -Bedenken zu ertragen, die aus dem Anblick des individuellen Leidens -entspringen. - -In den letzten Jahren seines Lebens las er mit großer Aufmerksamkeit -einige Bücher über den Beweis des Christentums, von Pascals »_Pensées_« -an bis auf unsere Zeit und studierte eifrig die Beweisgründe für einen -Weltenplan, wie er sich in der biblischen Offenbarung als Ganzes zeigt. -Dieses Studium offenbart sich in kurzen Bemerkungen und Hinweisen, -welche Romanes in Notizbüchern hinterlassen hat. Die Resultate dieses -Studiums werden aus den folgenden Notizen ersichtlich sein, welche, wie -ich meine Leser erinnern muß, trotz ihres kleinen Umfangs der einzige -Grund für die Veröffentlichung dieses ganzen Buches bilden. - -Beim Lesen dieser Notizen wird gewiß jeder von tiefem Bedauern -ergriffen werden, daß es dem Verfasser nicht vergönnt war sein Werk -zu vollenden. Jeder Leser der folgenden Seiten muß dessen eingedenk -sein, daß er nur unvollständige Notizen, kein vollendetes Werk vor -sich hat. Dies ist auch besonders bei einigen Stellen, die skizzenhaft -und in ihrer Behandlung unbefriedigend erscheinen mögen, sowie endlich -auch in Bezug auf Wiederholungen und Spuren der Unzulänglichkeit zu -berücksichtigen. Aber ich kann mir auch nicht denken, daß irgend -jemand diese Notizen bis zu Ende lesen könnte, ohne mit mir darin -übereinzustimmen, daß die Welt, wenn ich sie nicht veröffentlicht -hätte, das Zeugnis eines begabten und durchaus aufrichtigen Geistes, -der Gott suchte und fand, verloren haben würde. - - C. G. - - - Motto für diese Notizen: - - »Es ist aber durchaus nichts geringes, obwohl schwer zu glauben, das - durch die astronomischen Studien in jedem Menschen ein geistiges - Organ (Auge) gereinigt und wiederbelebt wird, wenn es in den anderen - Beschäftigungen verkümmert und blind wird, obgleich es doch mehr wert - ist erhalten zu werden als tausend körperliche Augen; denn durch - dieses allein sieht man die Wahrheit. Wer nun Deine Ansicht teilt, - der wird Deinen Worten den größten Beifall schenken; wer aber hiervon - noch nichts empfunden hat, der wird natürlich annehmen, daß Du Unsinn - redest, denn einen anderen Nutzen, welcher der Rede wert wäre, sieht - er nicht ein. Darum überlege es Dir gleich, an wen von beiden Du - Deine Worte richtest, -- ob Du nicht lieber weder mit dem einen noch - mit dem anderen redest, sondern die Untersuchung hauptsächlich um - Deiner selbst willen führst, ohne daß Du es einem anderen mißgönnst, - wenn er davon Vorteil hat.« - - =Plato=. - - »Wenn wir mit Erfolg tadeln und einem anderen seinen Irrtum zeigen - wollen, so müssen wir wissen, von welcher Seite er die Sache ansieht; - denn auf dieser Seite ist sie gewöhnlich richtig; und indem Du dies - zugiebst, zeige ihm die Seite, auf der sie falsch ist.« - - =Pascal=. - - - Bemerkung des Übersetzers. - -Durch die Güte des Herrn Direktor Dr. Kühne in Doberan erfahre ich, daß -die von Romanes zitierte Stelle aus Plato sich »Politeia,« Buch VII, -Cap. 10 im Anfang findet. Plato läßt dort Sokrates von der Astronomie -und ihrem Nutzen für den Menschen reden. Ein Zuhörer meinte dabei, -die Astronomie habe für Ackerbau, Schifffahrt und Kriegskunst Wert, -weil man durch sie die Gesetze der Zeiten kennen lerne. Sokrates lacht -darüber und sagt: »Du bist ein drolliger Kerl; Du fürchtest Dich wohl -vor dem Pöbel und willst nicht etwas empfehlen, was keinen praktischen -Nutzen hat?« -- Dann folgen die obigen als Motto gewählten Worte, die -ich des besseren Verständnisses halber in fast wörtlicher Übersetzung -aus dem griechischen Original gebe. -- - - - § 1. Einleitung. - -Vor vielen Jahren veröffentlichte ich in Trübners »Philosophischen -Abhandlungen« einen kurzen Aufsatz betitelt: »Unbefangene Prüfung des -Theismus« von Physikus. Obgleich das Buch damals einiges Aufsehen -erregte, und seitdem eine Lebensfähigkeit gezeigt hat, welche der -Verfasser nie erwartet hätte, so ist das Geheimnis der Autorschaft -dennoch gewahrt geblieben.[40] Das Geheimnis möchte ich, wenn möglich, -auch ferner bewahren; aber da es, wie ich im Folgenden zeigen werde, -in mancher Hinsicht wünschenswert ist, darzulegen, daß beide Bücher -denselben Verfasser haben, so erscheint die gegenwärtige Schrift unter -demselben Pseudonym wie die vorhergehende.[41] - -Der Grund, warum die erste Abhandlung anonym erschien, ist in der -Vorrede zu derselben offen dargelegt worden, nämlich: damit das -Räsonnement des Buches nach seinem eignen Werte beurteilt werden -möchte, unter Vermeidung des Vorurteils, das von Seiten des Lesers so -leicht entsteht, wenn er weiß, ob der Verfasser eine Autorität ist oder -nicht. Dieser Grund besteht nach meiner Meinung noch immer in Bezug auf -jene Schrift, er läßt sich aber auch gleicherweise auf die vorliegende -Fortsetzung »eine unbefangene Prüfung der Religion« anwenden. - -Es wird sich zeigen, daß die negativen Schlüsse der früheren Abhandlung -in vielen Beziehungen durch die Resultate reiferen Nachdenkens, wie -sie in der vorliegenden dargeboten werden, stark modifiziert worden -sind. Es erscheint daher wünschenswert, gleich von Anfang an, so weit -ich es zu beurteilen im Stande bin, zu erwähnen, daß die fraglichen -Modifikationen in keiner Weise irgend einem Einfluß von außen her -zuzuschreiben sind. Sie sind vielmehr fast ausschließlich auf die -Ergebnisse meines eignen, eingehenderen Nachdenkens zurückzuführen, wie -ich es in Kürze auf den folgenden Seiten auseinandersetzen werde; dabei -verdanke ich den persönlichen Anregungen von Freunden gar nichts und -der Lektüre von Büchern nur wenig. - -Indessen werden hier eigentlich keine neuen Gedanken dargeboten; ja, -ich meine, daß es heutigen Tages unmöglich sein würde, irgend einen -Gedanken in Bezug auf Religion auszusprechen, welcher nicht schon -zu irgend einer Zeit geäußert worden wäre. Doch kann man immer noch -viel thun, um seine Gedanken weiter zu fördern, indem man eine Sache -von anderen Gesichtspunkten aus betrachtet, und schon mehr oder -weniger vertraute Ideen auswählt oder ordnet, so daß sie zu neuen -Gedankenkombinationen ausgebaut werden können, und dies, glaube ich, -in Bezug auf den Mikrokosmos meines eigenen Geistes in nicht geringem -Maße gethan zu haben. Aber ich bemerke dies nur, um sogleich ein -Bekenntnis hinzuzufügen: daß es mir nämlich, so weit Selbstprüfung den -Menschen führen kann, so vorkommt, als ob die Modifikationen, welche -meine Ansichten seit der Veröffentlichung meiner ersten »unbefangenen -Prüfung« erlitten haben, ebenso sehr rein logischen Denkprozessen als -auch den halb-bewußten (und daher mehr oder weniger undefinierbaren) -Einflüssen der reiferen Lebenserfahrung zuzuschreiben seien; wie -weit dies so ist, [d. h. wie weit die Erfahrung das logische Denken -beeinflußt][42] das ist selten, wenn überhaupt je, klar dargelegt, -obgleich es sich täglich in der nüchterneren Vorsicht offenbart, mit -welcher das nahende Alter den Geist beeinflußt: nicht so sehr durch -das offene Spiel von Vernunftschlüssen als vielmehr durch heimliche -Täuschung des Bewußtseins bereichern die wachsenden Erfahrungen des -Lebens und des Nachdenkens allmählich das Urteil. - -Und das, man braucht es kaum zu sagen, bewahrheitet sich besonders auf -solchen Gebieten, welche das zarteste Medium für den Fortschritt des -Denkens vermittels der verhältnismäßig plumpen Mittel syllogistischer -Fortbewegung sind. Denn je höher wir von den festen Grundlagen der -Bestätigung der Thatsachen emporsteigen, desto weniger sollten wir -den Schwingen unserer Spekulation trauen, desto mehr aber werden wir -uns auch jene praktische Weisheit intellektueller Vorsicht oder des -Mißtrauens gegen bloße Verstandesspekulationen erwerben, und das kann -nur durch Erfahrung geschehen. - -Am meisten ist dies daher auf solchen Gebieten des Denkens der Fall, -welche unserem sinnlichen Leben am fernsten liegen, nämlich in der -Metaphysik und Religion. Und thatsächlich sehen wir grade auf diesen -Gebieten des Denkens, daß die Unbesonnenheit der Jugend sich am -leichtesten durch die Erfahrung des Alters lenken und leiten läßt. - -Indessen trotz dieses Bekenntnisses zweifle ich nicht, daß mich auch -in Bezug auf die reine und bewußte Vernunft weiteres Nachdenken -befähigte, ernste Irrtümer oder wenigstens Versehen gerade in den -Grundlagen meiner »unbefangenen Prüfung des Theismus« zu entdecken. Ich -glaube jedoch noch heute, daß die Schlüsse aus den dort aufgezeichneten -Prämissen in völlig logischer Konsequenz folgen, so daß ich vermutlich, -so weit es sich blos um Vernunftschlüsse handelt, wohl niemals irgend -einen ernsten Irrtum entdecken werde; übrigens ist ein solcher -auch während der vielen Jahre seit der Herausgabe des Buches von -niemandem sonst gefunden worden. Jetzt freilich sind mir zwei geradezu -verhängnisvolle Versehen, die ich mir damals zu Schulden kommen ließ, -ganz klar. Das erste war, daß ich auf dem Gebiet so hoher Abstraktionen -ein ganz ungehöriges Vertrauen auf bloße Vernunftschlüsse, mochten sie -auch aus gesunden Prämissen abgeleitet worden sein, setzte. Der andere -Fehler war der, daß ich nicht sorgfältig genug die Grundlagen meiner -Kritik, d. h. die Gültigkeit jener Prämissen, prüfte. Ich will hier -kurz diese beiden Punkte getrennt betrachten. - -In Bezug auf den ersten Punkt gab es wohl niemals einen Menschen, der -in seinen Forderungen an die reine Vernunft anspruchsvoller war als -ich, -- anspruchsvoller dem Geist, doch nicht dem Buchstaben nach, -und das mochte wohl daher kommen, daß ich in steter Berührung mit der -Naturwissenschaft stand. - -Dabei aber erwog ich niemals, in wie großem Widerspruch zur Vernunft -eine von mir nicht ausgesprochene Voraussetzung bei meiner früheren -Beweisführung in Bezug auf Gott selbst stand, die Voraussetzung -nämlich, daß Gottes Dasein bloß ein Problem der Naturwissenschaft sei, -welches allein durch menschliche Vernunft, ohne Bezugnahme auf des -Menschen andere und höhere Fähigkeiten gelöst werden könnte.[43] - -Der zweite Punkt ist von noch größerer Wichtigkeit, weil er, wenn -überhaupt, so doch selten als solcher erkannt wird. - -Zu der Zeit, als ich die »unbefangene Prüfung« schrieb, wurde es -mir klar, daß die ganze Frage des Theismus seitens der Vernunft auf -die Frage nach dem Wesen der natürlichen Kausalität hinausläuft. -Meine Theorie der natürlichen Kausalität gehorchte dem Gesetz der -Sparsamkeit,[44] indem sie Alles in das Sein als solches auflöste, -aber andererseits irrte sie, indem sie nicht in Erwägung zog, ob nicht -etwa höhere Ursachen notwendig sind, um geistliche (»_spiritual_«) -Dinge zu erklären, d. h. ob das Urwesen nicht doch wenigstens ebenso -hoch stehen müßte wie die Vernunft und der Geist des Menschen, d. h. -höher als irgend etwas, was blos physikalisch oder mechanisch ist. -Die Voraussetzung, daß es so sein muß, verletzt nicht das Gesetz der -Sparsamkeit. - -Reine Agnostiker sollten das religiöse Bewußtsein der Christen als eine -Erscheinung erforschen, die möglicherweise, wie die Christen es ja auch -selbst glauben, göttlichen Ursprungs ist. Und das kann geschehen, ohne -daß man dabei irgendwie auf die Frage nach der objektiven Gültigkeit -der christlichen Dogmen eingeht. Die christliche Metaphysik könnte in -der That falsch sein, und doch kann der Geist des Christentums seinem -innersten Wesen nach, wahr sein, d. h. er kann das höchste und beste -Geschenk von oben sein, das dem Menschen je gegeben worden ist. - -Mein gegenwärtiger Zweck ist also wie Sokrates nicht irgend ein -philosophisches System oder sogar ein positives Wissen mitzuteilen, -sondern einen Zustand des Geistes (_mind_) zu schildern, welchen ich -=reinen Agnostizismus= nennen möchte, um ihn von dem zu unterscheiden -was man gewöhnlich Agnostizismus nennt. - - - Erklärung der Ausdrücke und des Zwecks - dieser Abhandlung. - -[Um Romanes zu verstehen, muß man den folgenden Paragraphen volle -Aufmerksamkeit zuwenden, vor allem auch dem Umstand, den er nicht -besonders erwähnt, daß er das Wort »Vernunft« (»_reason_«) (S. p. 94) -in fast demselben Sinn gebraucht wie Kidd kürzlich in seiner »sozialen -Entwicklung«: nämlich in eingeschränkterem Sinn als gleichbedeutend -mit dem »Prozeß naturwissenschaftlicher Schlußfolgerung.« Seine -Meinung läßt sich daher kurz so aussprechen: Naturwissenschaftliche -Schlußfolgerungen können keine befriedigenden Gründe für den Glauben -an Gott finden. Aber der reine Agnostiker muß bekennen, daß sich Gott -durch andere Mittel als durch naturwissenschaftliche Schlußfolgerungen -offenbart haben kann. Da die Religion für den ganzen Menschen bestimmt -ist, so können vielleicht alle menschlichen Fähigkeiten erforderlich -sein, um Gott zu suchen und zu finden, d. h. Gemütsbewegungen und -Erfahrungen von besonderer Art, die jenseits der Vernunft liegen. Der -»reine Agnostiker« muß bereit sein, Beweise jeder Art entgegen zu -nehmen. -- Der Herausgeber.] - -Es ist wünschenswert, daß man sich über den Sinn, in dem ich gewisse -Ausdrücke und Redewendungen durchweg gebrauche, völlig klar werde. - - - Theismus. - -Ich werde oft sagen »nach der Theorie des Theismus«, »vorausgesetzt, -daß der Theismus wahr ist« u. s. w. - -Mit solchen Wendungen meine ich immer Folgendes: »Zum Zweck der -Beweisführung vorausgesetzt, daß der menschliche Geist dem wahren -Begriff des höchsten Wesens dann am nächsten kommt, wenn er sich -ein unbegreiflich verschönertes Bild vom Menschen selbst auf seiner -höchsten Stufe macht.« - - - Christentum. - -Ähnlich ist es mit dem Ausdruck: »vorausgesetzt, daß das Christentum -wahr ist«; ich meine damit: »zum Zweck der Beweisführung vorausgesetzt, -daß das christliche System als Ganzes von dem ersten Aufdämmern im -Judentum bis zu seiner Entwicklung in der Jetztzeit die höchste -Offenbarung ist, die eine persönliche Gottheit der Menschheit von -sich selbst gewährt hat«. Ich will damit die Stellung des reinen -Agnostizismus gegenüber besonderen christlichen Dogmen, auch z. B. -gegenüber der Fleischwerdung, kennzeichnen. - -Sollte man einwenden, daß ich das Christentum überhaupt nicht -genügend untersuche, wenn ich irgend ein bestimmtes christliches -Dogma unentschieden lasse, so antworte ich: Nein, durchaus nicht! Ich -schreibe keine theologische, sondern eine philosophische Abhandlung -und werde das Christentum nur als eine der vielen Religionen, wenn -auch natürlich als die letzte und höchste, untersuchen. Von dem -Gesichtspunkt aus ist das Christentum der höchste Ausdruck der -Entwicklung auf diesem Gebiete des menschlichen Geistes; aber mich geht -hier selbst das so wichtige kirchliche Dogma von der Fleischwerdung -Gottes in Christo nichts an. Für den Zweck dieser Abhandlung mag dieses -Dogma wahr sein oder nicht. Die wichtigste Frage für uns ist vielmehr -die: Hat Gott durch die Vermittlung unserer religiösen Instinkte -gesprochen? Dies wird notwendiger Weise die Frage einschließen, ob oder -wie weit es in Bezug auf das Christentum einen objektiven Beweis dafür -giebt, daß Gott im alten Testament durch den Mund heiliger Männer, wie -es solche seit dem Bestehen der Welt gab, gesprochen habe. - -Diese Frage wird uns aber nur deshalb beschäftigen, weil es eine -Frage des objektiven Beweises dafür ist, ob und wie weit die -religiösen Instinkte jener Männer oder jenes Menschengeschlechts so -hoch über denen anderer Menschen oder Geschlechter standen, daß sie -dadurch befähigt waren, zukünftige Ereignisse religiösen Charakters -zu prophezeien. Und ob in diesen letzten Tagen Gott durch seinen -eingebornen Sohn geredet hat oder nicht, -- das ist kein Gegenstand für -unsre Untersuchung, das ist nur insoweit eine Frage für uns als wir die -höhere Art religiöser Wunder, welche sich unstreitig an die Geburt und -Person Jesu knüpften, untersuchen müssen. Die Frage, ob Jesus Gottes -Sohn war, ist logisch gesprochen nur eine Frage der Ontologie, welche -wir als reine Agnostiker nicht berühren dürfen. - -Anderwärts aber müßte ich zeigen, daß es von meinem Standpunkt aus, -gegenüber der grundlegenden Frage, ob Gott überhaupt durch die -religiösen Instinkte der Menschen gesprochen hat, sehr wohl sein mag, -daß Christus nicht Gott war und dabei doch die höchste Offenbarung -von Gott gegeben hat. Wenn der »erste Adam« allegorisch war, warum -nicht auch »der zweite?« Es ist sicherlich eine historische Thatsache, -daß der »zweite Adam« existiert hat, warum nicht auch der erste? Und -was die Äußerungen Christi über seine eigene Person betrifft, so ist -das Alles nicht unvereinbar mit der Annahme, daß er Gabriel und Sein -h. Geist Michael[45] gewesen wäre; oder er kann ein Mensch gewesen -sein, der sich in Bezug auf seine eigene Persönlichkeit getäuscht -hatte, aber doch der Träger der höchsten Inspiration gewesen ist. - - - Religion. - -Unter Religion verstehe ich im Nachfolgenden jeden Glauben an ein -persönliches Wirken im Weltall, welcher stark genug ist, um das Leben -zu beeinflussen. Kein Begriff ist in den letzten Jahren schwankender -und in so verschiedenem Sinn gebraucht worden als dieser. Natürlich -kann jeder einen Begriff in einem Sinn gebrauchen, wie es ihm beliebt; -aber er sollte dann wenigstens genau erklären, welchen Sinn er in ihn -hineinlegt. Die oben gegebene Definition scheint mir am meisten mit dem -hergebrachten Gebrauch übereinzustimmen. - - - Reiner und falscher »Agnostizismus«. - -Der moderne und sehr zutreffende Ausdruck »Agnostizismus« wird in -zwei sehr verschiedenen Bedeutungen gebraucht. Der erste, der diese -Bezeichnung benutzte, Professor Huxley, verstand darunter den Zustand -vernunftmäßig begründeter Unwissenheit über Alles, was jenseits der -Sphäre der sinnlichen Wahrnehmung liegt, -- das offene Bekenntnis der -Unfähigkeit, einen festen Glauben auf irgend eine andere Basis als -sinnliche Wahrnehmung zu gründen. - -In diesem ursprünglichen Sinne -- der nach meiner Meinung auch der -einzige philosophisch berechtigte ist -- verstehe auch ich dieses -Wort. Aber in dem andern und vielleicht auch populäreren Sinn, in -welchem das Wort jetzt angewendet wird, ist es ungefähr dasselbe, -was Herbert Spencer als Lehre vom Unerkennbaren bezeichnet. Die -letztere Bezeichnung ist philosophisch falsch, da sie eine wichtige, -negative Erkenntnis einschließt, nämlich die, daß wir, wenn es einen -Gott gäbe, dies eine sicher von ihm wissen, -- daß er sich =nicht= -den Menschen =offenbaren kann=.[46] Reiner Agnostizismus ist das, -was Huxley Agnostizismus nennt. Von den vielen Gelehrten, die ich -gekannt habe, war Darwin wohl der reinste Agnostiker -- nicht nur -seinem Bekenntnis nach, sondern auch in Geist und Leben. Was er in -seiner Selbstbiographie[47] über das Christentum sagt, zeigt keine -Gedankentiefe in Bezug auf Philosophie und Religion. Sein Geist war -dafür zu einseitig induktiv angelegt. Aber gerade deswegen ist es um so -bemerkenswerter, daß seine Verwerfung des Christentums nicht aus einem -_a priori_ gewonnenen Vorurteil gegen den Glauben, etwa weil derselbe -der Vernunft widerspräche, sondern lediglich aus einem ersichtlichen -moralischen Bedenken a posteriori entsprungen ist. Faraday und andere -hervorragende Gelehrte standen so wie Darwin.[48] - -Als ein Beispiel des falschen Agnostizismus sei daran erinnert, wie -Hume seinen _a priori_-Beweis gegen das Wunder führt, dies erinnert uns -an die ähnliche Stellung von Naturforschern dem modernen Spiritismus -gegenüber. Ungeachtet sie die naheliegende Analogie des Mesmerismus als -ein warnendes Beispiel vor Augen haben, so giebt es doch Gelehrte, die -hier ebenso dogmatisch sind wie die strengste Richtung von Theologen. -Ich kann, ohne zu beleidigen, Beispiele anführen, umsomehr, da die -betreffenden Männer es selbst öffentlich behandelten; z. B. wenn N. N. -sich weigerte [zu einem berühmten Spiritisten] zu gehen, und N. N. -einen Versuch im Gedankenlesen zu machen ablehnte.[49] Diese Männer -bekannten alle, daß sie Agnostiker seien und setzten sich doch zu -gleicher Zeit durch ihr Betragen so schroff im Widerspruch zu ihrer -Philosophie. - -Ich will damit natürlich nicht sagen, daß nicht selbst bei einem reinen -Agnostiker die Vernunft durch Vorurteile beeinflußt werden könnte: im -praktischen Leben gilt, z. B. vor Gericht, das _prima facie_-Motiv[50] -u. s. w. als Beweis, und wenn von vornherein ein sehr hoher Grad von -Unwahrscheinlichkeit (dafür nämlich, daß Jemand irgend etwas gethan -haben sollte -- der Übersetzer) vorliegt, so ist ein verhältnismäßig -gewichtiges Beweismaterial, das sich auf erfahrungsmäßige Thatsachen -gründet, nötig, um den Beweis überhaupt vollgültig zu machen: so wäre -z. B. ein stärkerer Beweisgrund nötig, um den Erzbischof von Canterbury -des Taschendiebstahls zu überführen als einen Vagabunden. Und so ist -es auch mit der spekulativen Philosophie. Aber in beiden Fällen kennen -wir als unseren einzigen Führer nur die Analogie. Je weiter wir uns -daher von der Erfahrung entfernen, -- d. h. je weiter entfernt das -betreffende Gebiet von der möglichen Erfahrung liegt, desto weniger -Wert haben vorgefaßte Mutmaßungen.[51] - -Am weitesten entfernt von jeder möglichen Erfahrung liegt das Gebiet -des letzten Geheimnisses der Dinge, mit welchem es die Religion zu -thun hat, hier schwindet jede Mutmaßung und der einzige vernünftige -Standpunkt ist der reine Agnostizismus. Mit andern Worten: hier -sollten wir, so weit die Vernunft mit in Betracht kommt, alle in -gleicher Weise reine Agnostiker sein, und wenn irgend einer von uns -hierin zur Gewißheit gelangen sollte, so kann dies nur durch eine neu -hinzugekommene Fähigkeit unseres Geistes geschehen. - -Die Fragen, mit denen sich nun diese Abhandlung hauptsächlich -beschäftigen soll, sind: ob es solche neue Fähigkeiten giebt, und wenn -dies der Fall ist, ob dann von außen her je auf sie eingewirkt worden -ist; des weiteren, in welcher Weise dies dann geschah; dann ferner, -was solche besondere Fähigkeiten berichten, in wie weit diese Berichte -glaubwürdig sind u. s. w. - -Mein eigener Standpunkt nun mag hier zunächst festgestellt werden: -Ich selbst beanspruche für mich nicht irgend eine religiöse intuitive -Gewißheit, bin aber demungeachtet im Stande, die abstrakte Logik der -Sache zu erforschen. Und wenn das auch unfruchtbare Dialektik zu sein -scheint, so wird es doch, hoffe ich, von praktischem Nutzen sein, wenn -es den Berichten unparteiisch Gehör verschafft, von welchen der größte -Teil der Menschheit ohne Frage glaubt, daß sie von solchen zu den -gewöhnlichen neu hinzugekommenen Fähigkeiten herrühren, wie zahlreich -und verschieden auch ihre Religionen sein mögen. Ich habe in meiner -Jugend eine Abhandlung veröffentlicht (»Die unbefangenen Prüfung« -u. s. w.), welche damals viel Interesse erregte und lange vergriffen -gewesen ist. Seitdem habe ich eingesehen, daß ich bezüglich dessen, was -ich als das Hauptargument für meine negativen Schlüsse hinstellt, im -Irrtum war. Ich fühle mich daher jetzt verpflichtet, die nachfolgenden -Resultate meines reiferen Nachdenkens, von demselben Standpunkt der -reinen Vernunft aus zu veröffentlichen. Wenn ich hier auch weiter kein -Licht von Seiten der Anschauung (Intuition) bekommen habe, so doch -von Seiten des Verstandes. Wenn es wirklich eine solche Anschauung -giebt, so nehme ich in Bezug auf ihr Organ dieselbe Stellung ein wie -ein Blinder zur Lehre vom Licht. Aber eben deshalb kann ich nicht der -Parteilichkeit beschuldigt werden. - -Folgendes wird wohl allgemein als richtig angenommen: wenn jemand klar -erkannt hat, daß der Agnostizismus der einzig richtige Standpunkt der -Vernunft gegenüber der Religion sei (wie ich es im Folgenden zeigen -will), so habe er mit der Sache abgeschlossen und könne nicht weiter -gehen. Der Hauptzweck dieser Abhandlung ist nun, zu zeigen, daß dies -keineswegs der Fall ist; wer so denkt, der hat seine Untersuchung -über die Gründe und die Rechtfertigung des religiösen Glaubens erst -angefangen; denn die Vernunft ist weder die einzige Eigenschaft, -noch die einzige Fähigkeit, welche der Mensch für gewöhnlich zur -Feststellung der Wahrheit benutzt. Moralische und geistliche -(_spiritual_)[52] Fähigkeiten sind in ihren besonderen Gebieten, auch -im täglichen Leben, von nicht geringerer Bedeutung. Glaube, Vertrauen, -Geschmack u. s. w. sind bei Beurteilung von Charakter, Schönheit -u. s. w., wenn es gilt, die Wahrheit festzustellen, ebenso wichtig wie -die Vernunft. Wir können wohl sagen, daß die Vernunft zur Erforschung -der Wahrheit =nur= da verwendbar ist, wo es sich um Kausalität handelt. -Die geeigneten Organe für die Erkenntnis der Wahrheit, sofern es sich -um irgend etwas anderes als Kausalität handelt, gehören dem sittlichen -und geistlichen Gebiet an. - - * * * * * - -Herbert Spencer sagt: »Die Naturforscher können in zwei Klassen -geteilt werden; die einen -- und von ihnen ist Faraday ein gutes -Beispiel -- halten ihre Religion und ihre Wissenschaft durchaus von -einander getrennt und lassen sich durch keine Widersprüche zwischen -beiden beirren;[53] die anderen, die sich nur mit den Thatsachen der -Wissenschaft beschäftigen, fragen niemals darnach, welche Verwicklungen -die letzteren etwa (für den Glauben) zur Folge haben könnten. Sei es -ein Trilobit oder ein Doppelstern, -- ihre Gedanken darüber gleichen -denen des Peter Bell über die Schlüsselblume«.[54] - -Beide Klassen von Männern nun verfahren folgerichtig und logisch, -da sie beide in Bezug auf ihre Religion den Standpunkt des reinen -Agnostizismus einnehmen, und zwar nicht allein in der Theorie sondern -auch in der Praxis. Was sollen wir aber von der dritten Klasse -sagen, die Spencer unerwähnt läßt, obgleich sie, wie ich glaube, die -größte ist, nämlich die jener Naturforscher, die ausdrücklich keine -Trennungslinie zwischen Religion und Wissenschaft ziehen wollen [und -dann über Religion lediglich nach den Grundsätzen und der Methode der -Naturwissenschaft aburteilen?]. - - * * * * * - -Es giebt zwei entgegengesetzte Geistesrichtungen, die mechanische -(naturwissenschaftliche) und die geistliche (künstlerische, religiöse -u. s. w.) Sie können selbst bei demselben Individuum wechseln. Ein -Agnostiker im gewöhnlichen Sinn zweifelt keinen Augenblick daran, -- -selbst wenn er die letztere Geistesrichtung an sich einschneidend -erfährt -- daß nur die erstere des Vertrauens wert ist. Aber ein -reiner Agnostiker in meinem Sinn muß es besser wissen, da er einsehen -wird, daß in Bezug auf größere Zuverlässigkeit zwischen jenen beiden -Geistesrichtungen von einer Wahl gar keine Rede sein kann. In der -That, wenn dann einmal gewählt werden soll, so möchte der Mystiker -wegen seiner unmittelbaren Anschauung (_intuition_) mehr Recht auf -Glaubwürdigkeit haben. - - * * * * * - -Herbert Spencer hat in der Einleitung zu seiner »Synthetischen -Philosophie« sehr richtig gesagt, daß dort, wo die Menschen in ihrem -Denken so durchaus geteilter Meinung sind, [die Wahrheit auf =beiden= -Seiten liegen muß und daß man den] Ausgleich solcher entgegengesetzter -Ansichten dann finden wird, wenn man jenes Grundelement der Wahrheit -hervorhebt, welches auf beiden Seiten so mannigfach verschiedenen -Deutungen unterliegt. Von dem Gesichtspunkt hängt mehr ab, als -man gewöhnlich annimmt, besonders dann, wenn noch über die ersten -Prinzipien einer Sache gestritten wird. Entgegengesetzte Seiten -desselben Gegenstandes können ganz verschiedene Ansichten darbieten! -Spencer spielt hierbei besonders auf den Konflikt zwischen Religion -und Naturwissenschaft an und in demselben Zusammenhang berühre ich es -hier auch. Denn es scheint mir, nachdem ich Jahre lang über diesen -Gegenstand nachgedacht habe, daß jener Ausgleich noch viel weiter -gefördert werden kann, als es bei ihm geschehen ist. Denn er führt -ihn nur insofern herbei, als er zeigt, daß die Religion nur aus der -Anerkennung eines fundamentalen Geheimnisses entspringt, welches die -Naturwissenschaft auch in allen ihren Grundgedanken anerkennt. Dies -ist indessen dann doch nicht viel mehr als eine platte Redensart. Daß -unsere letzten naturwissenschaftlichen Ideen (d. h. der letzte Grund -der Erfahrung) unerklärbar sind, ist ein Satz, welcher, seit die -Menschen zu denken angefangen haben, selbstverständlich ist. Meine -Absicht ist, diesen Ausgleich im einzelnen noch weiter zu fördern, -aber ohne dabei die Grundlagen der reinen Vernunft zu verlassen. -Ich will Religion und Naturwissenschaft in ihrem gegenwärtigen -hochentwickelten Zustand als solche nehmen und zeigen, daß bei einer -systematischen Prüfung der ersteren durch die Methode der letzteren -der Gegensatz zwischen beiden nicht nur in Bezug auf ihre höchsten und -allgemeinsten Punkte aufgehoben werden kann, sondern sogar auch in -allen Einzelfragen, welche irgendwie von größerer Wichtigkeit sind. - - * * * * * - -Bei jeder methodischen Untersuchung sollte es das erste sein, die -Fundamentalprinzipien festzustellen auf welchen die Untersuchung -beruht.[55] Thatsächlich ist es aber durchaus nicht immer der -Fall, daß der Forscher von vornherein jene Prinzipien kennt, oder -sie auch nur erkennen kann. In der That werden sie oft erst am -Ende der Untersuchung als Fundamental-Prinzipien erkannt. Diese -Erfahrung habe ich auch in Bezug auf den Gegenstand der vorliegenden -Untersuchung gemacht. Obgleich mein ganzes Gedankenleben sich mit -dem Problem unserer religiösen Instinkte beschäftigte, so wie mit den -verschiedenen Versuchen, welche die Menschheit gemacht hat, um sich -die Vorteile der religiösen Instinkte zu sichern, so wie endlich mit -den wichtigen Fragen nach der objektiven Berichtigung derselben, so -habe ich doch erst im vorgeschrittenen Alter klar erkannt, worin die -Fundamental-Prinzipien einer solchen Untersuchung bestehen müssen. Und -ich bezweifle es, ob irgend jemand diesen Punkt bisher klar erörtert -hat. Diese Prinzipien betreffen das Wesen der Kausalität und des -Glaubens. - - * * * * * - -Der Zweck dieser meiner Abhandlung ist nun vor allem ein dreifacher: -Ich will erstens den Agnostizismus läutern und zweitens, reiflicher als -es bis jetzt geschehen ist, von dem Standpunkt des reinen Agnostizismus -aus das Wesen der natürlichen Kausalität, oder richtiger, die Beziehung -erörtern, in welcher das, was wir über diese Kausalität wissen, zum -Theismus steht; und drittens will ich, wieder von demselben Standpunkt -ausgehend, das religiöse Bewußtsein der Menschen als eine Erscheinung -der Erfahrung (d. h. wie wir es von draußen her ansehen) und besonders -in ihrer höchsten Entwicklungsstufe, wie sie sich im Christentum -darstellt, betrachten. - - - § 3. Kausalität. - -Nur weil wir mit der wichtigen Erscheinung der Kausalität so vertraut -sind, nehmen wir sie als wahr an und glauben, daß wir eine letzte -Erklärung irgend eines Phänomens erreicht haben, wenn es uns gelungen -ist, seine Ursache aufzufinden: während es uns thatsächlich nur gelang, -jenes Phänomen in das Geheimnis aller Geheimnisse zu versenken. Ich -wünsche oft, wir könnten wie die Jungen einiger Säugetiere in die -Welt kommen, mit allen den Kräften des Verstandes, welche wir in -der Folge bei der Entwicklung erlangen, aber ohne jede persönliche -Erfahrung und daher auch ohne die abstumpfende Wirkung der Gewohnheit. -Wäre das möglich, dann würde sicherlich nichts in der Welt unseren -Verstand mehr in Erstaunen setzen als die eine allgemeine Thatsache -der Kausalität. Daß alles, was geschieht, eine Ursache haben muß, daß -die Ursachen unabänderlich ihren Wirkungen proportioniert sein sollen, -so daß die Ursachen, wie kompliziert auch ihre Verkettungen sind, in -derselben Verkettung doch stets die gleichen Wirkungen hervorbringen -und daß dieses streng exakte System der Energie alle Erscheinungen des -Weltalls und der Ewigkeit erklären soll, so daß z. B. die Bewegungen -des Sonnensystems im Raume durch einige Ursachen bewirkt werden, welche -jenseits des menschlichen Gesichtskreises liegen, und daß wir wegen -unserer Abstammung von wirbellosen Vorfahren durch die Vereinigung von -Billionen von Zellen entstanden sind, von denen jede wieder Billionen -eigener Ursachen haben muß, -- daß dies alles sein kann, das würde uns -sicherlich als die wunderbarste Thatsache in diesem wunderbaren Weltall -geradezu ergreifen. - -Nur weil wir mit dieser Thatsache so sehr vertraut sind, vergessen -wir das Wunder der Kausalität so ganz, daß wir auf das bestimmteste -annehmen, wir wüßten alles über die letztere. Die philosophische -Untersuchung zeigt uns aber, daß wir, abgesehen davon, daß das -empirische Wissen darüber eine Thatsache ist, -- doch nur das eine -wissen, daß unsere Kenntnis über die Kausalität von unserer eigenen -Aktivität herrührt, wenn wir selbst Ursachen sind. Kein Ergebnis -psychologischer Analyse scheint mir sicherer als dieses.[56] - -Wenn nicht unsre eigenen Willensregungen wären, so würden wir nicht -wissen, daß das, was wir jetzt wenn nicht bei einem selbstmörderischen -Skeptizismus nicht bezweifeln können, die allgemeinste Thatsache der -Natur ist: dies scheint mir wenigstens die bei weitem vernünftigste -Theorie der Kausalität zu sein, und sie ist auch die, welche heute von -den meisten Philosophen jeder Schule angenommen wird. - -Nun wird folgendes dem Laien immer klar erscheinen: wenn der richtige -Begriff der Kausalität aus unserem eigenen Willen hergeleitet wird, --- gerade so wie auch unser Begriff der Energie aus unserem Gefühl -der Anstrengung bei Überwindung eines Widerstandes durch unseren -Willen hergeleitet wird, -- dann wird vermutlich der richtigste -Begriff der Kausalität aus jener uns bekannten Daseinsform gewonnen -werden müssen, die allein uns den Begriff der Kausalität überhaupt -geben kann. Der Laie wird daraus immer den Schluß ziehen, daß alle -Energie immer die Natur der Willensenergie hat und daß alle objektive -Kausalität subjektiver Natur ist. Diese Folgerung macht aber nicht -nur der Laie, die tiefsten philosophischen Denker, z. B. Hegel und -Schopenhauer, sind im wesentlichen zu demselben Resultat gekommen, so -daß wir die nächstliegende und natürlichste Erklärung der Kausalität in -der äußeren Natur, wie sie sich im einfachen Verstand der Wilden und -der Kinder bildet, auch beim menschlichen Denken auf seiner höchsten -Höhe wiederfinden.[57] Aber das mag sein wie es will, solche Fragen -abstrakter, philosophischer Spekulation gehen uns hier nichts an. Sie -liegen jenseits unserer Sphäre des reinen Agnostizismus. Ich erwähne -sie nur, um zu zeigen, daß es weder in der Naturwissenschaft noch in -der Philosophie der Menschheit etwas giebt, was gegen die Theorie der -natürlichen Kausalität als Wirkung eines für uns objektiven Willens -spräche. Und es ist dann wohl nicht schwer einzusehen: wenn dies der -Fall und wenn unser Wille konsequent ist, dann müssen seine in der -natürlichen Kausalität offenbarten Wirkungen, wenn wir sie im Ganzen -(also nicht stückweise wie die Wilden) erwägen als nicht durch Willen -erzeugt, d. h. mechanisch erscheinen. - -Von allen philosophischen Theorien über die Kausalität widerstreben -die von Hume, Kant und Mill der Vernunft am meisten: wenn sie auch in -mancher Beziehung verschieden sind, so stimmen sie doch darin überein, -daß sie das Prinzip der Kausalität als eine Schöpfung unseres eigenen -Geistes ansehen, oder mit andren Worten, sie läugnen alle drei, daß -dem Verhältnis zwischen Ursache und Wirkung irgend etwas Objektives zu -Grunde liege, d. h. sie leugnen gerade das, was die Naturwissenschaft -in ihren besonderen Fällen zu entdecken hat. -- - -Der Konflikt zwischen Naturwissenschaft und Religion entstand stets -auf dem gemeinsamen Boden, auf dem sie unterhandelten oder aus einem -Fundamental-Postulat beider Parteien -- ohne das würde in der That ein -Konflikt unmöglich gewesen sein, weil alsdann überhaupt kein Boden für -ein Schlachtfeld vorhanden gewesen wäre. - -Jede These muß sich auf eine Voraussetzung gründen, wo daher 2 oder -mehrere gegnerische Thesen auf einer gemeinsamen Voraussetzung ruhen, -muß der Streit alsbald enden, wenn diese letztere als irrig erkannt -wird. Und in dem Maße, wie die vorher gemeinsame Voraussetzung als -zweifelhaft erwiesen wird, in dem Maße wird auch der Streit seinen -realen Boden verlieren. Es ist nun einer der Hauptzwecke dieser -Abhandlung, zu zeigen, daß die gemeinsame Voraussetzung, auf welcher -der Streit zwischen Naturwissenschaft und Religion sich erhoben hat, -in hohem Grade zweifelhaft ist; und nicht das allein, sondern daß ganz -abgesehen von der modernen Naturwissenschaft, alle Schwierigkeiten -von Seiten des Verstandes (oder der Vernunft), welche der religiöse -Glaube in der Vergangenheit je durchgefochten hat oder noch in -Zukunft durchzufechten haben kann, ob im einzelnen oder im ganzen -Menschengeschlecht, ganz ausschließlich auf demselben Boden dieser -höchst zweifelhaften Voraussetzung entstehen. - -Diese Voraussetzung oder das Fundamental-Postulat lautet: Wenn es -einen persönlichen Gott giebt, so ist er nicht unmittelbar bei der -natürlichen Kausalität beteiligt. Es wird angenommen, daß er als -allererste Ursache keine andere Beziehung zu sekundären Ursachen haben -kann, als daß er die letzteren beim ersten Anfang als ein großes -Maschinenwerk von natürlicher Kausalität, das unter allgemeinen -Naturgesetzen arbeitet, in Gang gebracht hat. Allerdings, die Theorie -des Deismus, welche mehr oder weniger diese Voraussetzung eines -_Deus ex machina_ vertritt, ist im Laufe dieses Jahrhunderts mehr -und mehr von dem Theismus verdrängt worden, welcher auch in etwas -undefinierbarer Weise die Lehre von der Immanenz [Gottes in der Natur --- Der Übersetzer] vertritt, sowie von dem Pantheismus, welcher -diese letztere Doktrin ausdrücklich unter gänzlichem Ausschluß ihres -Gegenteils aufrecht hält. Aber der Theismus hat sie bis jetzt noch -nicht hinreichend oder in dem Maße vertreten, wie es die bloße Logik -des Gegenstandes erfordert, während der Pantheismus nur selten die -gegnerische Doktrin von der Persönlichkeit -- oder die mögliche -Vereinigung der Immanenz mit der Persönlichkeit in Betracht gezogen -hat.[58] - -Die Absicht dieses Buches ist es nun, eingehender, als es bisher -geschehen ist, die Möglichkeit dieser Vereinigung zu beweisen, denn -ich will zeigen, daß wir, wenn wir alle Vorurteile und Gefühle bei -Seite legen und der reinen Vernunft bis zu ihrem logischen Endziel -folgen, nur zu folgendem Schluß gelangen können: _A._ wenn es einen -persönlichen Gott giebt, so ist kein Grund vorhanden, warum er der -Natur nicht immanent sein sollte, oder warum nicht alle Kausalität -der unmittelbare Ausdruck seines Willens sein sollte. _B._ jeder -anwendbare Beweisgrund führt zu dem Schluß, daß Gott wahrscheinlich -der Natur immanent ist. _C._ wenn das der Fall ist und wenn sein Wille -konsequent ist, so =muß= alle natürliche Kausalität notwendiger Weise -als mechanisch erscheinen. _D._ Es ist daher kein Beweis gegen den -göttlichen Ursprung eines Dinges, eines Ereignisses u. s. w., wenn man -nachweist, daß es natürlichen Ursachen zuzuschreiben ist. - -Nachdem ich in Kürze über _A_, _B_, _C_ und _D_ gesprochen, will ich -zeigen, daß _D_ die praktisch wichtigste dieser vier Folgerungen ist. -Denn die Fundamentalvoraussetzung, welche ich vorhin erwähnte, ist -ihr geradezu entgegengesetzt. Ob stillschweigend oder ausgesprochen, -stets wurde bei dem Streit zwischen Naturwissenschaft und Religion auf -beiden Seiten angenommen, daß diese oder jene Erscheinung, sobald sie -durch natürliche Ursachen erklärt worden ist, Gott nicht mehr direkt -zugeschrieben werden könnte. Der Unterschied zwischen natürlich und -übernatürlich ist auf beiden Seiten immer als unbestreitbar richtig -angesehen worden und diese fundamentale Übereinstimmung machte als -Boden des Schlachtfeldes den Kampf überhaupt erst möglich. Hierin liegt -auch die Veranlassung zu allen früheren und zu allen möglicherweise -noch kommenden Niederlagen der Religion. Die wahre Religion zieht -freilich daraus die Lehre, daß in ihrer Kampfesmethode etwas nicht -ganz richtig ist, und manche von ihren Streitern erwachen jetzt auch -zur Erkenntnis der Thatsache, daß hier ihr Irrtum liegt -- wie sie in -der Vergangenheit auch ihren Irrtum erkannten, wenn sie die Bewegung -der Erde, das Alter der Erde und die Entstehung der Arten durch -Entwicklung leugneten. Aber Niemand, selbst keiner von ihren Obersten -und Generälen, hat seinen Vorteil bis zu den äußersten Konsequenzen -verfolgt. Das will ich nun thun. Der logische Vorteil liegt ganz -klar auf ihrer Seite, und es ist ihr eigener Fehler, wenn sie nicht -den endgültigen Sieg errungen haben, nicht allein gegenüber der -Naturwissenschaft, sondern auch gegenüber dem geistigen Dogmatismus in -jeder Form. Dieser kann auf der ganzen Linie geschlagen werden, denn -die Naturwissenschaft ist nur das systematische Studium der natürlichen -Kausalität, und wenn die Erfahrung jedes menschlichen Wesens zu einem -Dogmatismus rein geistiger Art führt, so geschieht dies deshalb, weil -es auch jenes in Frage stehende Fundamental-Postulat vertritt. Der -Einfluß der Gewohnheit und der Mangel an Einbildungskraft ist hierbei -sehr wichtig. Aber immer sollte man als Antwort die weitere Frage -erörtern: worin besteht das Wesen der natürlichen Kausalität? - -Nun möchte ich die Konsequenzen dieser Antwort bis zu ihrem letzten -logischen Schluß verfolgen; denn niemand, selbst der Rechtgläubigste, -hat bis jetzt diese Lehre der Religion in ihrer ganzen Fülle erfaßt. -Man gönnt so zu sagen, soweit es angeht, Gott seine eigene Welt -nicht. So wenn man von dem natürlichen Wachsen des Christentums aus -den früheren Religionen heraus oder von der natürlichen Verbreitung -desselben oder von der natürlichen Bekehrung des Paulus u. s. w. -spricht. Man nimmt noch immer auf beiden Seiten an, daß eine -Erscheinung, um göttlich zu sein, etwas Unerklärliches oder Wunderbares -haben muß. - -Naturwissenschaft und Religion haben immer nur auf dem Boden jener -gemeinsamen Voraussetzung und um die Frage gekämpft: ob die Ursache -dieser oder jener Erscheinung »natürlich« oder »übernatürlich« war? -Denn selbst der Streit um den Widerspruch zwischen Naturwissenschaft -und heiliger Schrift dreht sich schließlich um die Annahme, daß die -Inspiration (angenommen, sie ist ächt) in Bezug auf ihre Kausalität -»übernatürlich« ist. Man gebe nur einmal zu, daß sie »natürlich« ist, -und jeder mögliche Grund zum Streit ist beseitigt. - -Ich kann es wohl verstehen, weshalb der Unglaube die in Frage stehende, -grundlegende Annahme macht, weil nämlich seine ganze Sache auf ihr -beruhen muß. Aber es ist sicher an der Zeit, daß die Theisten diese -Annahme aufgeben. - -Der angebliche Unterschied zwischen natürlicher und übernatürlicher -Kausalität zeigt sich ohne Zweifel schon im Aberglauben der -vorgeschichtlichen Zeit und ist in der geschichtlichen Zeit infolge des -unbestimmten Gefühls, daß Gottes Wirken geheimnisvoll sein müsse und -daß das Gebiet der Religion daher im Übersinnlichen liege, fortdauernd -angenommen worden. Nun ist es ja nur zu wahr, daß das Endliche das -Unendliche nicht begreifen kann, daher ist dies in Frage stehende -Gefühl logisch ganz berechtigt. Aber unter dem Einfluß dieses Gefühls -haben die Menschen immer den Trugschluß gezogen, daß eine Erscheinung, -dadurch, daß sie in Ausdrücken der natürlichen Kausalität erklärt -worden ist, vollständig erklärt sei; -- dabei wird vergessen, daß sie -nur insoweit erklärt worden ist, als jene Kausalität in Betracht kommt, -und daß die eigentliche Frage nach der letzten Ursache dadurch nur -aufgeschoben worden ist. Und sicherlich liegt dahinter ein unendliches -Mysterium, welches auch den tiefsten Mystiker befriedigen muß. Selbst -Herbert Spencer giebt zu, daß alle natürliche Kausalität im letzten -Grade unerklärbar ist. - -Im Grunde genommen ist der Fortschritt der Naturwissenschaft weit -davon entfernt gewesen, die Religion zu schwächen, er hat sie im -Gegenteil außerordentlich gekräftigt; denn er hat die Gleichförmigkeit -der natürlichen Kausalität bewiesen. Die sogenannte natürliche Sphäre -ist auf Kosten der »übernatürlichen« gewachsen. Das ist allerdings -unfraglich; aber wenn dies auch den auf niedrigeren Kulturstufen -stehenden Menschen immer als eine der Religion feindselige Thatsache -erscheinen muß, so sollten =wir= jetzt doch erkennen, daß es gerade -umgekehrt ist, weil diese Thatsache ja nur jenen in Frage stehenden aus -naivem oder unentwickeltem Verständnis entspringenden Unterschied[59] -aufhebt. - -Es ist wirklich sonderbar, wie lange diese Ansicht geherrscht hat, oder -woher es kommt, daß die befähigtsten Männer aller Generationen ruhig -angenommen haben, daß wir alles über eine Naturerscheinung wissen, wenn -wir ihre natürliche Ursache kennen, oder daß wir die Naturerscheinung -damit sozusagen ganz der Sphäre des Mysteriums entrückt hätten, während -wir sie in der That nur in ein noch viel größeres Mysterium als vorher -gesenkt haben. -- - -Aber die Antwort auf unsre erstaunte Frage, wie diese Ansicht so lange -herrschen konnte, ergiebt sich aus der großen Macht der Gewohnheit, -welche hier die Vernunft geradezu tot zu schlagen scheint und je -mehr sich jemand mit »natürlichen Ursachen« beschäftigt (z. B. mit -Naturforschung), desto größer wird die Sklaverei der Gewohnheit, bis -der betreffende endlich den wirklichen Stand dieser Frage geradezu -nicht mehr zu erkennen im Stande zu sein scheint, indem er jedes -vernünftige Nachdenken darüber als phantastisch betrachtet, so daß der -Ausdruck metaphysisch selbst in seiner etymologischen Bedeutung als -übersinnlich oder jenseits der natürlichen Kausalität liegend aufgefaßt -und dadurch zu einem Ausdruck des Tadels in Bezug auf die Vernunft -wird. Offenbar hat sich solch ein Mann als ganz unfähig erwiesen, -irgend eines der höchsten Probleme, welche die Natur oder der Mensch -darbietet, vernünftig zu behandeln. - -Bei einer logischen, berechtigten Theorie des Theismus kann der -Unterschied zwischen »natürlich« und »übernatürlich«, wie er gewöhnlich -gemacht wird, auf keinen Fall aufrecht gehalten werden; denn nach jener -Theorie ist alle Kausalität nur die Wirkung des göttlichen Willens, -und wenn wir dabei irgend einen Unterschied zwischen unmittelbarer und -mittelbarer Wirkung machen wollen, so können wir dies nur im Verhältnis -zum Menschen, d. h. zu unserer Erfahrung gelten lassen. Denn offenbar -würde es mit dem reinen Agnostizismus ganz unvereinbar sein, wollten -wir annehmen, daß wir in Bezug auf das göttliche Wirken selbst einen -solchen Unterschied machen dürfen. Selbst abgesehen von der Theorie -des Theismus muß der reine Agnostizismus anerkennen, daß der richtige -Unterschied nicht der zwischen »natürlich« und »übernatürlich«, -sondern zwischen erklärlich und unerklärlich ist, und jene Ausdrücke -bedeuten das, was solchen Ursachen zuzuschreiben, beziehungsweise nicht -zuzuschreiben ist, die innerhalb des Bereichs menschlicher Beobachtung -liegen. Der Unterschied liegt in Wirklichkeit also nur zwischen den der -Beobachtung zugänglichen und den ihr nicht zugänglichen Kausalprozessen -des Weltalls. - -Da die Naturwissenschaft wesentlich im Erklären ihre Aufgaben findet, -so ist ihre Arbeit notwendigerweise auf die Sphäre der natürlichen -Kausalität beschränkt, jenseits dieser Sphäre (d. h. der sinnlichen) -kann sie nichts erklären. Selbst wenn sie im Stande wäre, von jedem -Dinge die natürliche Kausalität zu erklären, so würde sie doch unfähig -sein, den letzten Grund des Seins irgend eines Dinges oder einer -Erscheinung anzugeben. - -Es ist nicht meine Absicht hier eine Abhandlung über die Natur der -Kausalität zu schreiben, oder die vielen Theorien zu erörtern, welche -von den Philosophen über diesen Gegenstand aufgestellt worden sind. -Dies versuchen würde in der That nichts weniger bedeuten als eine -Geschichte der Philosophie selbst schreiben. Dennoch ist es für meinen -Zweck notwendig einige Bemerkungen hinsichtlich der hauptsächlichsten -Gedanken über diesen Gegenstand zu machen.[60] - - - Die beachtenswerte Natur der Thatsachen. - -Beachtenswert sind folgende Thatsachen deshalb, weil sie bei jeder -menschlichen Erfahrung zu beobachten sind. Alles, was geschieht, hat -eine Ursache. Dasselbe Ereignis hat stets dieselbe Ursache -- oder: -dasselbe Konsequenz hat dasselbe Antecedens. Einzig und allein die -Vertrautheit mit dieser bedeutsamen Thatsache bewirkt, daß darüber -nicht allgemein Verwunderung entsteht, denn ungeachtet aller Theorien -über sie hat doch noch niemand wirklich bewiesen, =warum= es so ist. -Daß dieselben Ursachen stets dieselbe Wirkung haben, ist ein Satz, der -die Fundamentalthatsache unsres Wissens ausdrückt, aber die Kenntnis -dieser Thatsache ist durchaus Erfahrungssache, wir können keinen Grund -angeben, =warum= es eine Thatsache sein muß. Wenn es keine Thatsache -wäre, so würde es zweifellos keine sogenannte Naturordnung geben und -folglich auch keine Philosophie, keine Naturwissenschaft und vielleicht -(wenn die Unregelmäßigkeiten häufig genug vorkämen) überhaupt keine -Möglichkeit menschlicher Erfahrung. Aber obgleich dies sehr leicht zu -zeigen ist, so beweist es doch keineswegs, weshalb dieselben Ursachen -immer dieselben Wirkungen haben. - -Daß unsere Kenntnis der in Frage stehenden Thatsache nur -erfahrungsmäßig ist, ist so offenbar, daß sogar einige unserer größten -Denker, wie Mill und Hume, nicht die intellektuelle Nötigung bemerkt -haben, daß man über die erfahrungsmäßige Kenntnis der Thatsache -hinausgehen muß, um eine Erklärung von ihr selbst zu erlangen. Daher -bieten sie der Welt eine ganz nichtssagende, oder bloß tautologische -Theorie der Kausalität, nämlich jene von der Gleichmäßigkeit der -Wirkungen im Bereich der menschlichen Erfahrung.[61] - -Wenn man von meiner Theorie der Kausalität sagen sollte, daß sie das -Übernatürliche und Geistige natürlich oder materiell auffasse, wie es -wohl die meisten Orthodoxen denken werden, so lautet meine Antwort -darauf: tieferes Nachdenken wird zeigen, daß man sie wenigstens eben -so gut von dem entgegengesetzten Gesichtspunkt aus auffassen kann -- -nämlich, daß sie sich das Natürliche übernatürlich vorstellt oder das -Materielle vergeistigt; und ein reiner Agnostiker sollte am wenigsten -gegen eine von diesen beiden Anschauungsweisen etwas einwenden. Wenn -die reine Vernunft bei der Sache überhaupt etwas zu sagen hat, so -sollte sie der Auffassung zuneigen, daß meine Doktrin das Materielle -vergeistigt, weil es durchaus gewiß ist, daß wir nichts vom Wesen der -natürlichen Kausalität wissen können -- eben so wenig wie von ihrem -Dasein -- es sei denn, daß wir von unseren eigenen Willensäußerungen -ausgehen. - - - Der freie Wille.[62] - -Nachdem ich alles über den freien Willen gelesen habe, was überhaupt -des Lesens wert ist, will es mir scheinen, daß sich die Hauptergebnisse -und ihre logischen Schlußfolgerungen in folgende kurze Sätze -zusammenfassen lassen: - -1) Ehe ein Schriftsteller sich überhaupt mit diesem Gegenstand -beschäftigt, sollte er sich des Hauptunterschieds zwischen der bloß -rechtlichen und der moralischen Verantwortlichkeit voll bewußt werden, -sonst verfehlt er den Kernpunkt der Frage. Niemand fragt nach der -offenkundigen Thatsache der =rechtlichen= Verantwortlichkeit; die Frage -betrifft allein die =moralische=, und doch rührt die große Masse der -Litteratur über den freien Willen und die Naturnotwendigkeit daher, daß -die Streitenden auf beiden Seiten diesen Fundamental-Unterschied nicht -erkennen, und das passiert selbst so bedeutenden Männern wie Spencer, -Huxley und Clifford. - -2) Die Hauptfrage ist: ob der Wille eine Ursache hat oder nicht. Denn -wie auch immer diese Hauptfrage durch die aus ihr entspringenden Fragen -verdunkelt werden mag, diese Folgefragen stehen und fallen mit ihr. - -3) Folglich: wenn die Anhänger der Willensfreiheit zugeben, daß -Kausalität und Wille zusammengehören, so geben sie damit, so sehr sie -sich auch drehen und wenden, doch ihre Stellung auf der ganzen Linie -auf, wenn sie nicht auf die weiter zurückliegende Frage nach dem Wesen -der natürlichen Kausalität eingehen wollen. Es kann nun bewiesen -werden, daß diese weiter zurückliegende Frage wissenschaftlich nicht zu -beantworten ist. Daher können beide Parteien die natürliche Kausalität -als unbekannte Größe mit _X_ bezeichnen. - -4) Daher sollten beide Parteien einsehen, daß sich die ganze -Streitfrage in die folgende zuspitzt: -- Wird der Wille durch jenes _X_ -bestimmt oder nicht? Das mag, ich gebe es zu, als eine für eine Debatte -unfruchtbare Frage erscheinen, -- aber sie bleibt doch als einzige, -thatsächliche Streitfrage übrig, also noch einmal: bestimmt sich der -Wille selbst oder wird er bestimmt, nämlich von außen? - -5) Wenn er von außen her bestimmt wird, bleibt dann noch irgend ein -Spielraum für die Freiheit in dem Sinne, wie es nötig ist, um die -Lehre von der moralischen Verantwortlichkeit zu retten? Ich denke, die -Antwort müßte ein entschiedenes Nein! sein. - -6) Aber wohl beachtet, es ist nicht ein und dasselbe, ob wir fragen: -wird der Wille nur von außen bestimmt? oder wird der Wille nur -von natürlicher Kausalität (_X_) bestimmt? Denn die unbekannte -Größe _X_ kann sehr gut noch ein _X_1_ in sich schließen, wenn wir -unter _X_1_ alle die unbekannten Nebeneigenschaften der einzelnen -Persönlichkeit[63] verstehen. - -7) Daher gewinnen die Deterministen keinen Vorteil über ihre Gegner, -wenn sie den wohl möglichen (heute aber noch unmöglichen) Nachweis -dafür führen, daß alle Willensakte von der natürlichen Kausalität -bedingt werden, es sei denn, daß sie die Natur der letzteren aufdecken -und zeigen können, daß sie ihre Schlußfolgerungen unterstützt. Soviel -wir wissen können, mag der Wille sehr wohl in dem verlangten Sinn frei -sein, selbst wenn alle seine Handlungen durch jenes _X_ bedingt werden. - -8) In Sonderheit könnte, soviel wir wissen können, alles durch das -_X_1_ bedingt sein, d. h. alle Kausalität könnte die Natur des Willens -haben (wie es in der That viele Systeme der Philosophie behaupten) und -daraus würde folgen, daß jeder menschliche Wille die Natur einer ersten -Ursache hat. Zur Unterstützung dieser Möglichkeit mag bemerkt werden, -daß die meisten Philosophen in Bezug auf das _X_ zu der Theorie einer -_causa causarum_ gelangt sind. - -9) Nun liegt ein Einwand nahe, nämlich: bei einer Mehrzahl von ersten -Ursachen, von denen jede Quelle und Ursprung eines neuen und nie -versiegenden Stromes von Kausalität wäre, müßte der Kosmos früher oder -später durch die haufenweise Kreuzung der Ströme, ein Chaos werden, die -Antwort darauf ist in der Theorie des Monismus zu finden.[64] - -10) Indessen bleibt noch die letzte Schwierigkeit, welche ich in meiner -Abhandlung »die Welt als ein Ejekt«[65] geschildert habe, aber sie -verliert sich wieder in dem Mysterium der Persönlichkeit, welche nur -als eine unerklärbare und anscheinend letzte Thatsache bekannt ist. - -11) So muß also die allgemeine Schlußfolgerung in der ganzen Frage -sein: -- reiner Agnostizismus. -- - - - § 4. Der Glaube. - -Der »Glaube« unterscheidet sich in seiner religiösen Bedeutung nicht -allein von »Meinung« (das heißt von einem Glauben, der sich nur auf -Vernunft gründet) dadurch, daß zu dieser noch ein geistliches Element -hinzukommt, er unterscheidet sich auch von dem Glauben, der auf -Affekten beruht, dadurch, daß er einer aktiven Mitwirkung des Willens -bedarf. So sind also alle Seiten des menschlichen Geistes im Begriff -des Glaubens enthalten: Verstand, Gemüt und Wille. Wir »glauben« an die -Entwicklungslehre nur aus Gründen des Verstandes; wir »glauben« an die -Liebe unserer Eltern, Kinder u. s. w. fast (oder gar ausschließlich) -aus, ich nenne es, geistlichen[66] Gründen, d. h. aus Gründen der -inneren Erfahrung, denn dazu haben wir keine Ausübung weder der -Vernunft noch des Willens nötig. Aber Niemand kann an Gott oder gar -Christus glauben ohne eine ernste Anstrengung des Willens. Dies halte -ich für eine Thatsache, mag es nun einen Gott oder Christus geben oder -nicht. - -Man beachte es wohl, der »Wille« ist vom »Wunsch« zu unterscheiden. -Es ist ganz gleichgültig, was die Psychologen darüber sagen. Ob -sich der »Wunsch« vom »Willen« seinem Wesen oder nur dem Grade nach -unterscheidet; ob der Wille sozusagen ein aktiver Wunsch und der -Wunsch bloß ein beginnender Wille ist, das sind Fragen, um die wir uns -nicht zu kümmern brauchen, denn es giebt sicherlich Agnostiker, welche -viel lieber Theisten sein würden, und Theisten, welche alles, was sie -besitzen, hingeben würden, um Christen sein zu können, wenn es möglich -wäre, daß sie sich diese Beförderung etwa durch Kauf, d. h. durch einen -einzelnen Willensakt, aneignen könnten. Dennoch ist ihr Wunsch nicht -stark genug, um den Willen ununterbrochen in Aktivität zu halten, so -daß er fortgesetzt die Opfer bringt, welche das Christentum fordert. -Vielleicht ist das schwerste dieser Opfer für einen denkenden Menschen -das, seinen eigenen Verstand daranzugeben, wenigstens ist dies bei mir -so der Fall. Ich war lange gewohnt meinen Verstand als den einzigen -Richter der Wahrheit anzusehen; und während der Verstand selbst es mir -bezeugt, daß es gar nicht unvernünftig sei, wenn Herz und Wille im -Verein mit der Vernunft Gott suchen müssen, (denn die Religion ist für -den =ganzen= Menschen) -- -- so bin ich doch zu eifersüchtig auf meinen -Verstand, um meinen Willen in =der= Richtung zu gebrauchen, in welcher -es mein Herz am sehnlichsten wünscht. Denn sicherlich ist das heißeste -Verlangen meines Herzens, daß es in seinem höchsten Streben nicht -betrogen wird. Und dennoch konnte ich mich selbst nicht überwinden, -einen Versuch zu machen und zum Glauben fortzuschreiten. Von =einem= -Standpunkt aus betrachtet, scheint es z. B. ganz vernünftig zu sein, -daß das Christentum die praktische Ausführung seiner Glaubenslehren als -eine notwendige Bedingung fordert, damit ihre Wahrheit zur Überzeugung -wird, d. h. damit man sie glaubt. Aber von einem anderen und mir -geläufigeren Standpunkt aus scheint es mir fast eine Beleidigung der -Vernunft zu sein, solch ein thörichtes Experiment überhaupt zu machen, -geradeso wie es einem Naturforscher absurd und kindisch erscheint, -daß man erwartet, er solle die »abergläubischen« Thorheiten des -modernen Spiritismus untersuchen. Selbst den einfachsten Willensakt -in Bezug auf Religion -- nämlich das Gebet -- habe ich wenigstens -ein Vierteljahrhundert lang nicht ausgeübt, lediglich aus dem Grunde, -weil es mir so unmöglich schien sozusagen hypothetisch zu beten, so -daß ich mich, so sehr mich auch immer darnach verlangt hat, beten zu -können, doch nicht zu dem Willensakt aufraffen konnte, einen Versuch -damit zu machen. Um mich in Bezug auf das, was mein besseres Urteil -so sehr oft als unvernünftig erkannt hat, selbst zu rechtfertigen, -habe ich immer verschiedene Entschuldigungen gehabt. Hauptsächlich -war es diese: Selbst wenn man das Christentum als Wahrheit annimmt -und selbst angenommen, daß ich meine Vernunft soweit meinem Verlangen -opfern könnte, daß ich die vorausgesetzten Bedingungen erfüllt hätte, -um »Gnade« oder unmittelbare Erleuchtung von Gott zu erlangen, -- -würde sich nicht selbst dann meine Vernunft empören und an mir rächen? -Denn sicherlich würde selbst dann mein gewohnheitsmäßiger Skeptizismus -mir sagen: »Dies ist Alles sehr erhaben und tröstlich; aber welche -Gewißheit hast du, daß die ganze Sache nicht doch eine Selbsttäuschung -ist? Der Wunsch war wahrscheinlich der Vater des Gedankens, und du -würdest deinen Willensakt besser verwendet haben, dich für irgend eine -niedrige Sache und wäre es nur ein Haschisch-Rausch, zu begeistern?« -- -Ein Christ würde natürlich darauf antworten, daß die innere Erleuchtung -einen solchen Zweifel nicht zulassen kann, ebensowenig wie der Anblick -der Sonne an dieser zweifeln läßt, -- daß Gott uns doch gut genug -kennt, um das zu verhüten u. s. w., und auch daß es unvernünftig -sei, ein Experiment deshalb nicht zu versuchen, weil sein Ergebnis -sich vielleicht als zu gut erweisen möchte, um glaubwürdig zu sein. -Ich will nicht bestreiten, daß der Christ durch eine solche Antwort -gerechtfertigt sein würde, aber ich führe die Sache auch nur als eine -Probe der Schwierigkeiten an, die sich entgegenstellen, wenn man alle -Bedingungen erfüllen will, um zum christlichen Glauben zu gelangen, -selbst wenn man ihn für richtig hält. Andere haben ohne Zweifel andere -Schwierigkeiten, aber die meinige lag wohl hauptsächlich in meiner -ungebührlichen Rücksichtnahme auf die Vernunft unter Vernachlässigung -von Herz und Willen, ungebührlich dann, wenn das Christentum wirklich -Wahrheit ist und wenn die Bedingungen für den Glauben an dasselbe eine -göttliche Verordnung sind. - -Dieser Einfluß des Willens auf den Glauben, selbst in weltlichen -Dingen, ist um so stärker ausgeprägt, je weniger diese Dinge sich -vordemonstrieren lassen (wie schon bemerkt); aber das ist am meisten -dort der Fall, wo unsere persönlichen Interessen berührt werden, -mögen es materielle oder intellektuelle sein, wie z. B. der Ruf -konsequent zu sein u. s. w. Man bedenke nur, wie sehr z. B. politische -Glaubensbekenntnisse den religiösen in den eben erörterten Beziehungen -gleichen. Wenn die Unterschiede dabei nicht der Art sind, daß die -Wahrheit auf der =einen= Seite klar beweisbar ist, so daß der, welcher -ein Anhänger der gegnerischen Seite ist, dabei bewußter Weise seine -Redlichkeit dem Eigennutz geopfert haben muß, so finden wir doch -immer, daß die Parteibrille die Dinge so färbt, daß man die Vernunft -dem Willen preisgiebt, sowie der Gewohnheit, dem Interesse und all -den andern Verhältnissen, welche in gleicher Weise auf den religiösen -Glauben einwirken. In jedem Falle scheint es nur wenig darauf -anzukommen, auf welcher Höhe von allgemeiner oder besonderer Bildung -sowie geistiger Beanlagung man steht, um die zu beurteilende Frage zu -beantworten. Vom Premierminister bis zum Bauern finden wir dieselbe -Meinungsverschiedenheit in politischen Dingen wie in religiösen. Und -in jedem Fall ist die Erklärung die gleiche. Der Glaube ist so wenig -von der Vernunft allein abhängig, daß es in solchen Gedankenkreisen -- -d. h. wo persönliche Interessen berührt werden und die Wahrheit ihrer -Natur nach nicht demonstrierbar ist, wirklich so scheint, als ob die -Vernunft aufhört ein Richter in Bezug auf den Beweis oder der Führer -zur Wahrheit zu sein, so daß sie nur der Advokat einer Meinung ist, -die bereits auf einem anderen Grunde auferbaut wurde. Dieser andere -Grund besteht, wie wir gesehen haben, vornehmlich in den Zufälligkeiten -der Gewohnheit oder der Mode, und der Wunsch ist dann der Vater des -Gedankens u. s. w. - -Dies mag nun alles in Bezug auf Politik und in allen weltlichen -Dingen bedauerlich sein; aber wer will sagen, daß es in Bezug auf -den religiösen Glauben nicht so sein =muß=, wie es ist! Denn, wenn -wir nicht die Frage nach einem zukünftigen Leben mit einer nackten -Verneinung abthun wollen, so müssen wir doch wenigstens die Möglichkeit -erwägen, ob wir hier nicht in einem Zustand der Prüfung leben, und das -nicht allein bezüglich eines unbefangenen Gebrauchs unserer Vernunft, -sondern wahrscheinlich noch viel mehr bezüglich des Gebrauchs jener -anderen Seiten der menschlichen Natur, durch welche unser Glaube in -dieser wichtigsten von allen Fragen bestimmt wird. - -Es ist bemerkenswert, daß es selbst in der Politik die sittlichen -und geistlichen Elemente des Charakters sind, welche endlich zum -Erfolg führen, selbst mehr als intellektuelle Fähigkeiten, natürlich -vorausgesetzt, daß die letztere nicht unter dem etwas hohen Niveau -unserer parlamentarischen Versammlungen steht.[67] - -In Bezug auf die Rolle, die der Wille bei der Entscheidung für den -Glauben spielt, kann man nachweisen, wie unbewußt groß dieselbe sogar -in Dingen von weltlichem Interesse ist. Die Vernunft ist in der That -sehr weit davon entfernt, der einzige Führer beim Urteil zu sein, wie -man gewöhnlich annimmt. Das geht thatsächlich so weit, daß das Urteil, -ausgenommen in Dingen, bei welchen der Beweis auf der Hand liegt, -(wobei es natürlich keinen Raum mehr für irgend etwas anderes giebt) -- -zumeist durch Gewohnheit, Vorurteil, Mißfallen u. s. w. soweit gefangen -genommen ist, daß es den nüchternsten Philosophen überraschen würde, -könnte er sich alle die geistigen Prozesse klar machen, durch welche -der komplizierte Akt der Zustimmung beziehungsweise Abneigung zufällig -bestimmt wird.[68] Um zu zeigen, wie wenig die Vernunft allein bei der -Entscheidung für den religiösen Glauben zu thun hat, wollen wir einmal -als Beispiel die Mathematiker betrachten. Ich denke, sie sind das beste -Beispiel, welches wir nehmen können, weil die mathematische von allen -intellektuellen Forschungen die exakteste ist, da sie vielmehr als alle -anderen die Kräfte der Vernunft in Anspruch nimmt, und weil deshalb -auch die Männer, welche in dieser Forschung die höchste Stufe erreicht -haben, sicherlich als die geeignetsten Vertreter der Menschheit in -Bezug auf die Kraft der reinen Vernunft betrachtet werden können. Aber -siehe, jedesmal wenn sie ihre in jener Beziehung außerordentlichen -Kräfte auf die Probleme der Religion gerichtet haben, -- wie wohl -erwogen sind dann bezeichnender Weise ihre entgegengesetzten Schlüsse -[keiner von beiden scheint zu irren -- der Übersetzer], so daß wir -daraus nur schließen können, wie außerordentlich wenig die Vernunft bei -den geistigen Vorgängen gilt, welche =hier= das Urteil bestimmen. - -Wenn wir in dieser Hinsicht die größten Mathematiker in der -Weltgeschichte untersuchen, so finden wir, daß z. B. Keppler und Newton -Christen waren, daß aber andererseits La Place ungläubig war.[69] Oder -wenn ich unsere Zeit in Betracht ziehe und meine Aufmerksamkeit z. B. -auf den Hauptsitz der mathematischen Studiums in England richte, so ist -folgendes zu sagen: -- als ich in Cambridge war, erstrahlte in dieser -Fakultät von dort aus ein solch helles Licht wie wohl nie zuvor. Und -das Merkwürdige für unseren gegenwärtigen Zweck ist dabei, daß die -Träger der berühmtesten Namen auf Seiten der Orthodoxie standen: Sir -W. Thomson, Sir George Stokes, die Professoren Tait, Adams, Clerk -- -Maxwell und Cayley -- gar nicht zu nennen die weniger bedeutenderen: -Routh, Todhunter, Ferrers u. s. w. waren alle überzeugte Christen. -Clifford allein war damals gerade von dem Extrem der Orthodoxie zu -dem des Unglaubens übergesprungen -- ein vereinzeltes Beispiel, -welches ich als besonders interessant für unsern Zweck ansehe, da es -den überwiegenden Einfluß eines unnatürlich aufgeregten Charakters -gerade auf einen so außerordentlich intelligenten Mann zeigt, denn -die Vernunftmäßigkeit des ganzen Baues des christlichen Glaubens kann -ihre Pole doch nicht innerhalb so weniger Monate gewechselt haben. -Nun würde es ohne Zweifel leicht sein, wo anders als in Cambridge -Mathematiker erster Größe zu finden, welche in unserer Generation -entschiedene Gegner des Christentums sind oder gewesen sind, wenn auch -sicherlich nicht eine so große Reihe von Sternen erster Größe. Aber -sei dies wie es will, das Beispiel in Cambridge aus meiner eignen Zeit -scheint mir an sich genugsam zu beweisen, daß der christliche Glaube -durch die höchsten Kräfte der Vernunft weder begünstigt noch geschädigt -werden kann, sondern daß er von anderen noch viel mächtigeren Faktoren -abhängt. - - - Glaube und Aberglaube. - -Mag das Christentum wahr sein oder nicht, -- zwischen diesen beiden -Begriffen bleibt doch immer ein großer Unterschied. Denn während der -Hauptbestandteil des christlichen Glaubens ein sittliches Element -ist, ist ein solches bei dem Aberglauben nicht vorhanden. Die einzige -Ähnlichkeit zwischen beiden ist thatsächlich die, daß beide einen -Geisteszustand bezeichnen, den man eben »Glaube« nennt. Daher kommt -es, daß beide Begriffe von Gegnern des Christentums und selbst -von Nicht-Christen so oft verwechselt werden. Der viel wichtigere -Unterschied wird nicht hervorgehoben, nämlich der, daß der Glaube in -dem einen Fall ein rein intellektueller, im andern Fall hauptsächlich -ein sittlicher ist. Wenn er nur intellektuell aufzufassen ist, so kann -der Glaube nichts anderes als bloße Leichtgläubigkeit bei gänzlichem -Mangel an Beweiskraft sein; aber wo ein sittlicher Grund zum Glauben -vorhanden ist, da liegt der Fall natürlich ganz anders; denn selbst -wenn es einem Fernerstehenden bloße Leichtgläubigkeit zu sein scheint, -so mag dies dann daher kommen, daß jener die aus sittlichen Thatsachen -hinzukommenden Beweise nicht in Betracht zieht. -- - -Glaube und Aberglaube werden oft verwechselt, ja sogar identifiziert. -Ohne Frage sind sie auch in einem gewissen Punkt identisch, sie -zeigen nämlich, wie gesagt, beide einen geistigen Zustand, den man -eben »Glaube« nennt. Dies können alle Menschen erkennen, aber nicht -jeder kann weiter sehen und die Unterschiede erklären. Diese sind -aber folgende: Wenn wir annehmen, daß das Christentum wahr ist, -- so -ist eben der Glaube der innere (_spiritual_) Beweis; wenn wir aber -annehmen, daß das Christentum falsch sei: so bleibt doch noch ein -moralischer Bestandteil im Glauben, welcher _ex hypothesi_ (d. h. -in Folge der Voraussetzung) im Aberglauben nicht vorhanden ist. Mit -andern Worten: Glaube oder Aberglaube ruhen beide auf einer geistigen -Grundlage (was auch bloße Leichtgläubigkeit sein kann); aber der -Glaube ruht zugleich auf einem sittlichen Grunde, selbst dann, wenn -er nicht in gleicher Weise auf einem geistigen Grunde steht. Sogar in -menschlichen Verhältnissen giebt es einen großen Unterschied zwischen -dem Glauben an eine wissenschaftliche Theorie und dem Glauben an einen -persönlichen Charakter. Der Unterschied liegt eben darin, daß der -letztere ein sittliches Element enthält. - -Das »Heilen durch Glauben« hat daher keine Ähnlichkeit mit dem »Dein -Glaube hat dir geholfen« des Neuen Testaments, wir müßten denn die -persönlichen Unterschiede unberücksichtigt lassen, welche zwischen -einem modernen Besprecher und Jesus Christus, die doch beide Gegenstand -des Glaubens sind, bestehen. Glaube gründet sich nicht ausschließlich -auf einen objektiven Beweis, der an die Vernunft appelliert (Meinung), -sondern hauptsächlich auf einen subjektiven Beweis, der an eine ganz -andere Fähigkeit appelliert (Vertrauen). Ob die Christen nun bei -dem, was sie glauben, recht oder unrecht haben mögen, -- ich bin -so fest, wie nur sonst von irgend etwas überzeugt, daß die von mir -soeben gegebene Begriffsbestimmung, welche sie alle für sich selbst -stillschweigend machen, logisch unanfechtbar ist; denn niemand kann -leugnen, daß es möglicher Weise ein Etwas giebt, was man ein Organ -geistlicher (_spiritual_) Beurteilung[70] nennen könnte. Wollte man -dies leugnen, so würde man thatsächlich die Stellung des reinen -Agnostizismus _in toto_ für falsch erklären; und dies bleibt selbst -dann so, wenn es keine objektiven oder streng wissenschaftlichen -Beweise für ein solches Organ gäbe, wie wir sie ja aber im Leben der -Heiligen, und in geringerem Maße in der Universalität des religiösen -Gefühls haben. Giebt es nun ein solches Organ, so folgt aus den -vorhergehenden Paragraphen, daß die Hauptbeweise für das Christentum -subjektiv nicht allein sein werden, sondern sein müssen: ich meine, -sie =müssen= es sein, da gemäß der Voraussetzung des Christen das -Christentum seinem Inhalt nach eine sittliche Prüfung enthält, und da -der »Glaube« sowohl eine Probe auf die Wahrheit ist als auch einen Lohn -in sich schließt. - -Manche praktischen Erwägungen entstehen daraus, z. B. die Pflicht der -Eltern, die Kinder ebensowohl in dem zu erziehen, was sie glauben als -in dem, was sie wissen. Das würde ganz ungerechtfertigt sein, wenn -Glaube dasselbe wie Meinung wäre. Aber es ist durchaus gerechtfertigt, -wenn ein Mensch nicht allein weiß, daß er etwas glaubt (Meinung), -sondern auch glaubt, daß er etwas weiß (Glaube).[71] Wenn sich nun der -Christ darin von dem natürlichen Menschen unterscheidet, daß jener ein -inneres (_spiritual_) Organ der Erkenntnis besitzt, -- vorausgesetzt -daß er ehrlich glaubt, es sei so, so würde es unsittlich von ihm sein, -wenn er nicht in Übereinstimmung mit dem handelte, was er für seine -Erkenntnis hält. Diese Verpflichtung bei der Erziehung erkennt man auch -in jedem anderen Fall an. Solch ein Mann ist moralisch im Recht, wenn -er auch geistig irrt. -- - -Huxley sagt in seinen »Laien-Predigten«, daß der Glaube von der -Wissenschaft als »Kardinalsünde« erwiesen worden sei. Nun, dies ist -allerdings wahr in Bezug auf Leichtgläubigkeit, Aberglauben u. s. w., -und die Wissenschaft hat unendlich viel Gutes gethan, indem sie unsere -Begriffe von Methode, Beweis &c. klarlegte. Aber dies liegt alles im -Gebiet des Intellekts. Der Glaube wird von solchen Thatsachen oder -Betrachtungen nicht berührt. Und welch eine schreckliche Hölle würde -die Wissenschaft aus der Welt gemacht haben, wenn sie den »Geist des -Glaubens« auch in menschlichen Verhältnissen vernichtet hätte. Huxley -verfällt also in den so allgemeinen Irrtum, daß er »Glaube« und Meinung -verwechselt. - -Wenn man das Christentum für wahr hält, so ist es durchaus vernünftig, -wenn der Glaube im oben schon erklärten Sinn als eine Probe der -göttlichen Gnade erklärt wird. Wenn es überhaupt eine Scheidung der -Menschen durch Christus giebt, dann muß sich der Hauptgesichtspunkt, -nach dem diese geschieht, auf jene moralische Eigenschaft beziehen. -Niemand kann eine Offenbarung annehmen, die sich bloß an den Intellekt -des Menschen richtet, weil die Annahme derselben alsdann nur eine Sache -der Klugheit wäre, indem man einer durch höhere Intellekte gemachten -Demonstration beipflichtet. - -Wenn das Christentum also berechtigter Weise diese Welt als eine -Schule sittlicher Prüfung darstellt, dann können wir in der That kein -besseres und dazu passenderes System finden als diese Welt und keinen -besseren Schulmeister als das Christentum. Dies wird nicht allein durch -ein allgemeines Räsonnement erwiesen, sondern auch durch das, was das -Christentum in der Welt geleistet hat, durch seine Anwendbarkeit auf -individuelle Bedürfnisse u. s. w. Man beachte nur die außerordentliche -Verschiedenheit der menschlichen Charaktere in Bezug auf Sittlichkeit -und geistliches (_spiritual_) Leben, und doch leben alle in derselben -Welt. Aus äußerlich demselben Stoff und in derselben Umgebung entstehen -so wunderbar verschiedene Produkte, je nachdem Stoff und Umgebung -verwendet werden. Selbst menschliche Leiden in ihrer schlimmsten -Gestalt können willkommen geheißen werden, wenn der Glaube an ein -solches Ziel sie rechtfertigt. Leiden drücken nicht und Thränen haben -nichts bitteres, sondern man soll sich ihrer vielmehr freuen.[72] - -Es ist ferner eine Thatsache, daß es nur durch diese Theorie -der =Prüfung= möglich ist, für die Welt einen Sinn, d. h. einen -vernünftigen Zweck für das menschliche Dasein zu erkennen. Setzt man -die Wahrheit des Christentums voraus, so wird jedermann nach den -Ergebnissen seiner eignen Lebensführung gerichtet, und diese entwickelt -sich aus seinem eignen moralischen Charakter. (Dies könnte nicht so -sein, wenn der =Entscheid= Sache intellektueller Begabung wäre.) Damit -ist jedoch nicht gesagt, daß die Ausübung des Willens in der Richtung -der Religion nicht einer Hilfe bedarf, um zum Glauben zu kommen und daß -dazu der eine mehr, der andere weniger Hilfe nötig hat. Ja, es kann -sogar sein, daß manche absichtlich von jeder Hilfe ausgeschlossen sind, -damit ihre Verantwortlichkeit nicht vermehrt werde, oder daß sie nur -wenig Hilfe erfahren, so daß die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer -Vernunft entspringen, für sie eine moralische Prüfung bilden. Doch, wie -dem auch sein mag, uns steht darin sicherlich kein Richteramt zu. - - * * * * * - -Es ist auch eine Thatsache, daß uns allen der Intellekt des Menschen -höher zu stehen scheint als seine Sinnlichkeit, wir mögen über ihren -Ursprung eine Ansicht haben, welche wir wollen. Ebenso stellen wir alle -in gleicher Weise die sittliche Seite des Menschen höher als seinen -Intellekt, mögen wir sonst auch von beiden denken, was wir wollen. -Es ist ferner eine Thatsache, daß wir die geistliche (_spiritual_) -Seite höher stellen als die sittliche, welche Theorie von der Religion -wir auch haben mögen. Die sittlichen und noch mehr die geistlichen -Eigenschaften eines Menschen sind es, welche seinen Charakter bilden. -Und es ist wunderbar, wie der Charakter auf allen Lebenswegen -schließlich doch die Hauptsache ist. - -Alle diese Begriffe sind klar und allgemein anerkannt, nämlich: - - { Sinnlichkeit, - Der Mensch hat { Intellekt, - { Sittlichkeit, - { =Geist= (=Seele=) (»_spirituality_«). - -Sittlichkeit und Geist sind als zwei ganz verschiedene Dinge anzusehen. -Ein Mensch kann in seinem Verhalten im höchsten Grade sittlich sein, -ohne irgendwie seiner Natur nach geistlich gerichtet zu sein, und auch, -wenn freilich in geringerem Maße, umgekehrt. Und =objektiv= erkennen -wir denselben Unterschied zwischen Moral und Religion. Unter Geist -verstehe ich die religiöse Denkart (»Temperament«), mag damit irgend -ein besonderes Glaubensbekenntnis oder Dogma verbunden sein oder nicht. - -Es besteht wohl kein Zweifel, daß intellektuelle Genüsse befriedigender -und nachhaltiger sind als sinnliche (»_sensual_«) -- oder selbst nur -für die Sinne erkennbare (»_sensuous_«). Und für die, welche sie -erfahren haben, ist es ebenso sicher, daß geistliche Genüsse über -intellektuellen, künstlerischen u. s. w. stehen. Es ist dies eine -objektive Thatsache, die vollauf von jedem bestätigt wird, der die -Erfahrung gemacht hat, und sie scheint anzuzeigen, daß die geistliche -Seite des Menschen das Höchste in ihm, der Kulminationspunkt seines -Wesens, ist. - - * * * * * - -Es ist vielleicht wahr, was Renan in seiner nachgelassenen Schrift -sagt, daß es immer Materialisten und Spiritualisten geben wird, -insofern man immer wird beobachten können, daß es kein Denken ohne -Gehirn giebt, während andererseits des Menschen Instinkte immer nach -einem höheren Glauben streben werden. Aber so muß es ja gerade sein, -wenn die Religion Wahrheit ist, und wenn wir hier in einer Welt der -Prüfung leben. Ist es nicht wahrscheinlich, daß der materialistische -Standpunkt (der selbst von der Philosophie nicht mehr geachtet wird), -nur einfach aus Gewohnheit und Mangel an Einbildungskraft entspringt? -Woher käme sonst jener unausrottbare Instinkt? - - * * * * * - -Es ist viel leichter nicht zu glauben als zu glauben. Für die -Vernunft liegt dies auf der Hand, aber auch für den Geist ist es so, -denn nicht zu glauben entspricht dem Einfluß der Umgebung und der -allgemeinen Gewohnheit der Menschen, während der Glaube eine geistliche -(_spiritual_) Übung der Einbildungskraft fordert. Aus diesen beiden -Gründen haben sehr wenig Ungläubige für ihren Unglauben irgend eine -Entschuldigung, weder eine aus der Vernunft entspringende noch eine -geistliche. - -Der Unglaube stammt gewöhnlich aus Gleichgültigkeit, oft aus Vorurteil, -und ist niemals etwas, worauf man stolz sein könnte. - - * * * * * - -»Warum ist es dir so unglaublich, daß Gott die Toten auferwecken -kann?« Ein reiner Agnostiker kann darauf offenbar keine Antwort geben. -Aber er wird natürlich sagen: »Die Frage ist vielmehr, warum sollte -es Euch glaubhaft sein, daß es einen Gott giebt, oder wenn es einen -giebt, daß er Tote erwecken soll?« Und ich denke, der weise Christ wird -antworten: »Ich glaube an die Auferstehung der Toten teils aus Gründen -der Vernunft, teils aus innerer Anschauung (Intuition), doch vor allem -aus beiden zusammen, mein ganzer Charakter nimmt so zu sagen das ganze -Lehrsystem an, von dem die Lehre von der persönlichen Unsterblichkeit -einen Hauptteil bildet.« Dazu können wir wohl noch hinzufügen, daß die -christliche Lehre von der Auferstehung unseres Leibes nicht deshalb -aufgestellt worden ist, um den modernen materialistischen Einwürfen -gegen die Lehre von der persönlichen Unsterblichkeit zu begegnen; -daher ist es auch sicherlich sehr wunderbar, daß diese Lehre zu jener -Zeit zusammen mit der anderen kaum weniger bezeichnenden Lehre von der -Nichtigkeit des Körpers aufgestellt worden ist. Warum sagte man nicht, -daß die Seele allein als ein entkörperter Geist leben bleiben würde? -Oder wenn die Gestalt als notwendig erachtet wird, um den Menschen von -Gott zu unterscheiden, -- daß er ein Engel sein würde? Aber, wie dem -auch sei, die Lehre von der Auferstehung ist dem materialistischen -Einwurf gegen ein zukünftiges Leben durchaus zuvorgekommen, und hat so -erst die spätere Frage hervorgerufen, mit welcher dieser Absatz beginnt. - -Wir haben in der Einleitung gesehen, daß alle Hauptgrundsätze, selbst -der wissenschaftlichen Thatsachen, durch Anschauung (Intuition), nicht -durch den Verstand erkannt werden. Keiner kann dies leugnen. Nun also, -wenn es einen Gott giebt, so gehört diese Thatsache doch sicherlich -zu den ersten aller Hauptgrundsätze. Auch dies kann niemand leugnen. -Niemand kann daher den zwingenden Schluß bestreiten, daß dann Gott, -wenn es überhaupt einen Gott giebt, erkennbar sein muß und (wenn -überhaupt erkennbar), durch Anschauung und nicht durch Vernunft. -- - -Es gehört wirklich nur wenig Nachdenken dazu, um zu zeigen, daß -die Vernunft ihrer eignen Natur nach unfähig ist über diese Sache -abzuurteilen, denn es ist ein Vorgang, bei dem man das Unbekannte aus -dem Bekannten ableitet. -- - -Es wäre gegen die Vernunft selbst, wollte man voraussetzen, daß Gott, -gerade wenn er existiert, durch die Vernunft erkannt werden könnte. -Er muß, wenn er überhaupt erkennbar ist, durch Anschauung erkannt -werden.[73] - - * * * * * - -Man beachte, selbst wenn Gott von sich eine objektive Offenbarung -geben könnte, -- d. h. wie die Christen glauben, daß es geschehen ist, --- so würde auch dies an sich noch keine Erkenntnis von ihm bringen, -ausgenommen für diejenigen, welche die Offenbarung eben für echt -halten; und ich bezweifle die logische Möglichkeit, daß irgend welche -Form objektiver Offenbarung zu dem Glauben an sie zwingen kann. Nein, -wenn einer von den Toten auferstände, um dies zu bezeugen, so würde er -es doch nicht vermögen, und auch Flammenbuchstaben vom Himmel könnten -es nicht. Aber selbst wenn es logisch möglich wäre, so brauchen wir -diese abstrakte Möglichkeit gar nicht in Betracht zu ziehen, da wir -sehen, daß keine solche überzeugende Offenbarung gegeben worden ist. -Daher ist die einzige berechtigte Stellungnahme der Vernunft der reine -Agnostizismus. Dies kann niemand leugnen. Aber, wird man sagen, es -besteht doch ein so großer Unterschied zwischen unserer intuitiven -Kenntnis aller anderen obersten Grundsätze und der angeblichen -Kenntnis des allerobersten Grundsatzes, nämlich der, daß der letztere -eingestandener Maßen nicht allen Menschen bekannt ist. Gewiß, hier -liegt in der That ein großer Unterschied; aber so muß es auch sein, -wenn wir uns hier, wie erwähnt, in einem Stande der Prüfung befinden. -Daß wir uns aber in einem solchen befinden, ist wie gesagt, nicht -allein eine religiöse Hypothese, sondern auch die allein vernünftige -Auslegung sowie auch die sittliche Rechtfertigung unseres Daseins als -vernünftige und sittlich-handelnde Wesen.[74] - - * * * * * - -Es ist nicht nötig, wie J. S. Mill und alle anderen Agnostiker -anzunehmen, daß, selbst wenn die innere Anschauung göttlichen Ursprungs -wäre, die so gegebene Erleuchtung nur für den betreffenden Menschen als -Beweis von Wert sein könne. Im Gegenteil; sie kann objektiv untersucht, -wenn auch nicht subjektiv erfahren werden, und sie sollte doch auch -von einem reinen Agnostiker, der von allen Seiten Erleuchtung ersehnt, -schon deshalb untersucht werden. Selbst wenn er sie nicht als ein -Noumenon erkennt, so kann er sie doch als ein Phänomen erforschen. Und -angenommen, daß sie göttlichen Ursprungs ist, wie es die, welche sie -erfuhren, glauben, und was zu bezweifeln er kein Recht hat, dann kann -er noch mehr Beweisgründe dagegen, daß es eine bloß psychologische -Täuschung sei, aus den übereinstimmenden Berichten aller Jahrhunderte -erlangen. Wenn z. B. ein großer Teil der Menschheit Lichterscheinungen -sehen würde, welche etwa von Magneten ausgehen, dann würde kein Zweifel -an ihrem objektiven Vorhandensein bestehen. - - * * * * * - -Das Zeugnis des Sokrates von seiner Wahrnehmung einer inneren Stimme, -welche ganz den Charakter einer Hallucination des Gehörs hat, hat den -Philosophen Anlaß zu vielen Spekulationen gegeben. - -Viele Erklärungen wurden versucht, aber wenn wir uns der kritischen -Natur des Sokrates erinnern, =der buchstäblichen Natur seiner -Lehrmethode= und der hohen Bedeutung, welche nach Plato's Meinung -dieser Sache zukommt, dann scheint die Wahrscheinlichkeit dahin zu -neigen, daß der »Dämon« in dem eigenen Bewußtsein des Sokrates -thatsächlich eine Gehörempfindung gewesen ist. Mag das nun sein, wie -es will, meiner Meinung nach ist es keine Frage, daß wir uns diese -Ansicht von der Sache wenigstens so weit aneignen dürfen, daß wir -Sokrates auf gleiche Stufe mit Luther, Pascal u. s. w. stellen können, -ganz zu schweigen von der ganzen Reihe von israelitischen und anderen -Propheten, welche übereinstimmend von einer göttlichen Stimme sprechen. --- - -Dann aber entsteht die weitere Frage, ob wir alle diese Männer -jenen Irrsinnigen gleichstellen sollen, bei denen die Phänomene -der Gehör-Hallucinationen etwas alltägliches sind. Diese Annahme -entspricht zweifellos dem Wesen unseres Zeitalters, einmal weil sie -dem Sparsamkeitsgesetz gehorcht, und dann, weil es _a priori_ die -Möglichkeit einer Offenbarung zurückweist. -- - -Wenn wir aber diese Sache von dem Standpunkt des reinen Agnostizismus -betrachten, so sind wir nicht berechtigt, eine solche grobe und schnell -fertige Deutung zu geben. - -Angenommen, daß nicht allein Sokrates und alle großen -Religions-Reformatoren und Gründer religiöser Systeme vor und nach ihm -in gleicher Weise von einer Geisteskrankheit befallen gewesen wären, -sondern daß ähnliche Phänomene auch =bei allen wissenschaftlichen -Entdeckern=: Galilei, Newton, Darwin &c. vorgekommen wären; -- -angenommen, alle diese Männer hätten erklärt, daß ihre Hauptgedanken -ihnen durch subjektive Empfindungen gleichsam wie durch eine -gesprochene Sprache mitgeteilt worden wären, so daß aller Fortschritt -in dem wissenschaftlichen Denken der Welt dem des religiösen -Denkens gleich wäre, und daher von den Förderern derselben direkten -Inspirationen dieser Art zugeschrieben worden wäre; -- alles dies -angenommen, würde man dann leugnen können, daß das Zeugnis, welches -derartig zu Gunsten der Thatsache einer subjektiven Offenbarung gegeben -wäre, ein überwältigendes sei? Oder könnte man dann noch länger daran -festhalten, daß die Thatsache einer subjektiv mitgeteilten Offenbarung -nur für den Empfänger selbst Beweiskraft besitzen sollte? Man wird -hierauf ohne Zweifel antworten: Nein, aber im angenommenen Falle -entspringt der Beweis nicht nur der Thatsache ihrer subjektiven -Anschauung, sondern aus der Thatsache ihrer objektiven Beglaubigung -durch die wissenschaftlichen Resultate. Nun gut! aber dieses ist gerade -das Zeugnis, an welches die hebräischen Propheten appellieren -- das -Zeugnis der wahren und falschen Propheten, das in der Erfüllung oder -Nichterfüllung ihrer Weissagungen besteht und in den Worten ausgedrückt -ist: »An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.«. Zu sagen, daß das -religiöse Bewußtsein der übrigen Menschen für uns kein Beweis _a -priori_ sein kann, ist ebenso thöricht, als wenn man sagt, daß das -Zeugnis für das Wunderbare für andere keinen Wert hat. Der reine -Agnostiker muß immer sorgfältig die Straße aprioristischer Urteile -vermeiden. Aber andererseits muß er desto eifriger den Charakter -des Beweises _a posteriori_ aufrichtig nach Umfang und nach Inhalt -beachten. Der Beweis ist nun in dem gegenwärtigen Fall ein doppelter, -positiv und negativ. Es wird gut sein, den negativen zuerst zu -betrachten. - -Der negative Beweis wird durch die Natur des Menschen ohne Gott -geliefert. Der Zustand eines solchen Menschen ist ein durchaus elender, -wie Pascal es so schön gezeigt hat: den ganzen ersten Teil seiner -Betrachtungen hat er diesem Gegenstand gewidmet. Ich brauche den Weg -nicht zu betreten, den er bereits so gut durchforscht hat. -- - -Einige Menschen sind sich der Ursache dieses Elends nicht bewußt, -indessen ändert dies nichts an der Thatsache, =daß= sie elend sind. -Denn meistenteils verheimlichen sie die Thatsache so gut wie möglich -sich selbst, indem sie sich in Gesellschaft oder im Sport und in -Nichtigkeiten jeder Art, oder wenn sie intellektuell veranlagt sind, -mit Wissenschaft, Kunst, Litteratur, Arbeit &c. zerstreuen. Dies -ist indessen so, als wenn man die Hungernden mit Hülsen sättigen -wollte. Ich kenne aus Erfahrung die intellektuelle Zerstreuungen der -wissenschaftlichen Forschung, der philosophischen Spekulation und des -künstlerischen Genusses, aber ich bin mir auch ebenso des einen bewußt: -wenn man auch alles zusammen nimmt und alles dem Geschmack in Beziehung -auf Ansehen, Mittel und gesellschaftliche Stellung möglichst angenehm -macht u. s. w., -- das alles ist doch nur ein feines Zuckerwerk für -einen verhungernden Menschen. Er mag sich für kurze Zeit -- besonders -wenn er ein kräftiger Mensch ist -- selbst mit dem Glauben betrügen, -daß er sich ernährt, indem er seinen natürlichen Hunger verleugnet; -bald jedoch erkennt er, daß er für eine ganz andere Nahrung gemacht -wurde, selbst wenn sie weniger schmackhaft sein sollte. - -Einige Menschen erkennen dies niemals klar und deutlich, doch immer -zeigen sie es den andern deutlich genug. Bedenke z. B. »die größte -Schwäche edler Seelen«: ich denke, die höchste und am wenigsten -sinnliche von allen weltlichen Freuden besteht in der wohlverdienten -Anerkennung der Welt darüber, daß wir aus uns selbst heraus zur hohen -Vollendung gelangten. Und doch ist es wahr: »Gott hat verordnet, daß -der Ruhm das höchste Sehnen nicht befriedigen kann.« Ich habe nicht -wenige von den berühmten Männern unserer Generation kennen gelernt, und -habe diesen Ausspruch stets als durchaus wahr befunden. Gleich allen -andern »sittlichen« Befriedigungen wird auch dies bald durch Gewohnheit -alltäglich, und, sobald =eine= Auszeichnung erlangt ist, sehnt man sich -nach einer andern. Da giebt es kein Ende, bei dem man rasten könnte, -während doch Krankheit und Tod stets im Hintergrund lauern. Gewohnheit -kann den Menschen selbst über sein Elend blind machen; so weit, daß er -es sich nicht klar macht, was ihm fehlt; aber es fehlt ihm doch immer -etwas. - -Ich halte es also für unwidersprechlich richtig, daß diese ganze -negative Seite unseres Gegenstandes eine Leere in der Seele des -Menschen zeigt, welche nur der Glaube an Gott ausfüllen kann. - -Nun zur positiven Seite! Man betrachte die Glückseligkeit der Religion -und besonders der höchsten, nämlich der christlichen Religion. -Abgesehen davon, daß der Glaube den Menschen außerordentlich kräftig -beeinflußt, hält er auch am meisten aus, wächst und wird nie durch -Gewohnheit altbacken. Kurz, er unterscheidet sich, wie auch alle, die -ihn haben, einstimmig bezeugen, von jedem andern Glück nicht allein -dem Grade, sondern auch dem Wesen nach. Die ihn besitzen, können es -gewöhnlich durch das beweisen, was sie ohne ihn waren. Er hat keine -Beziehung zu einem aus der Vernunft stammenden Zustand. Er ist ein Ding -für sich und unübertrefflich. - -So viel ist er für den Einzelnen. Aber der positive Beweis hört hiermit -nicht auf. Man betrachte ferner die Wirkungen des christlichen Glaubens -auf die menschliche Gesellschaft -- durch christliche Persönlichkeiten -auf die Familie, und durch die christliche Kirche auf die ganze Welt. - -Alles dies zeigt uns, daß das Christentum allen höheren menschlichen -Bedürfnissen angepaßt ist. Alle Menschen müssen diese Bedürfnisse -mehr oder weniger fühlen, je nach dem Maße, als ihre höhere Natur in -sittlicher oder geistlicher (_spiritual_) Beziehung entwickelt ist. -Das Christentum aber ist die einzige Religion, welche im Stande ist, -diese Bedürfnisse zu befriedigen, und zwar -- nach denen zu urteilen, -die allein fähig sind, es zu bezeugen, -- im vollsten Maße. Alle diese -Menschen, aus jeder Sekte, jeder Nation u. s. w., berichten darüber -übereinstimmend aus ihrer eignen Erfahrung, so daß dieser Punkt über -allem Zweifel erhaben ist. Die einzige Frage ist nur, ob sie nicht etwa -alle betrogen sind. - - _Peu de chose. - - La vie est vaine: La vie est brève: - Un peu d'amour, Un peu d'espoir, - Un peu de haine .... Un peu de rêve .... - Et puis -- bon jour! Et puis -- bon soir!_[75] - -Diese Verse enthalten eine kurze und wahre Beurteilung dieses Lebens -ohne die Hoffnung auf ein zukünftiges. Befriedigt es? -- Doch der -Christenglaube giebt ein ganz anderes Bild: - - _The night has a thousand eyes, - And the day but one; - Yet the light of the whole world dies - With the setting sun. - - The mind has a thousand eyes, - And the heart but one; - But the light of a whole life dies - When love is done._[76] - -Ja, das ist die Liebe! Wie erhaben ist aber dann das Christentum, die -Religion der Liebe. Sie läßt die Menschen an den Urquell der höchsten -Liebe und an die Unendlichkeit von Gottes Liebe zu den Menschen -glauben. - - - § 5. Der Glaube an das Christentum. - -Das Christentum wird in dieser Abhandlung einer ernsten Untersuchung -unterworfen, weil diese »Prüfung der Religion« [d. h. des Wertes des -religiösen Bewußtseins] sich mit den Argumenten für den Theismus -beschäftigt, wie sie der Mensch und nicht die Natur allein, abgesehen -vom Menschen, liefert. Das Christentum aber ist unfraglich die höchste -Offenbarung des religiösen Bewußtseins. -- - -Als ich meine frühere Abhandlung [»die unbefangene Prüfung«] -schrieb, habe ich die ungeheuere Bedeutung, welche die menschliche -Natur gegenüber der physikalischen für jede den Theismus betretende -Untersuchung hat, nicht genügend gewürdigt. Aber seitdem habe ich -eingehend Anthropologie (sowie Religionswissenschaft), Psychologie -und Metaphysik studiert und das Ergebnis war, daß ich es =nun= -klar erkannte, daß der Mensch für die Untersuchung der Theorie des -Theismus das wichtigste Wesen der ganzen Natur ist. Dies hätte -ich schon aus Gründen _a priori_ vorher erkennen sollen, und das -wäre auch ohne Zweifel geschehen, wäre ich nicht zu sehr in rein -naturwissenschaftliche Untersuchungen vertieft gewesen. - -Damals hielt ich es obendrein für erwiesen, daß das Christentum seine -Rolle ausgespielt hätte, und glaubte überhaupt nicht, daß es irgend -eine vernunftmäßige Bedeutung für die Frage des Theismus habe. Und -wenn dies auch ohne Zweifel nicht zu entschädigen war, so glaube -ich doch auch, daß sich die rationelle Stellung des Christentums -seitdem wesentlich befestigt hat. Denn damals schien es so, als ob -das Christentum als rationelles System den doppelten Angriff: von -außen durch Darwin und von innen durch die Schule der negativen Kritik --- unterliegen würde. Nicht allein das Buch der organischen Natur, -sondern auch seine eigenen heiligen Dokumente schienen sich gegen es -zu erklären. Doch jetzt ist dies alles wesentlich anders geworden. Wir -haben es erlebt, daß es dem Darwinismus in dieser Hinsicht ebenso wie -seiner Zeit dem Kopernikanischen Weltsystem u. s. w. ergangen ist,[77] -und der Ausgang jenes großen Kampfes um den Text[78] ist, wie jeder -Unparteiische anerkennen muß, ein glänzender Sieg des Christentums. - -Ehe es die neue [biblische] Wissenschaft gab, hatten nachdenkende -Menschen thatsächlich keine vernunftgemäße Grundlage weder für -das Alter von irgend einer der neutestamentlichen Schriften noch -infolgedessen für die historische Wahrheit der in denselben erzählten -Begebenheiten. Evangelien, Apostelgeschichte und Episteln waren -gleicherweise in diese Ungewißheit gehüllt. Daraus erklärt sich -die Lebensfähigkeit des Skeptizismus im 18. Jahrhundert. Nun aber -ist diese ganze Art Skeptizismus veraltet und für immer unmöglich -gemacht: für eine genügende Zahl von Schriften, die Paulus zu dem -praktischen Zweck schrieb, den Glauben der Apostel darzulegen, ist die -Echtheit bestätigt, und mit Sicherheit ist nachgewiesen, daß die drei -synoptischen Evangelien im ersten Jahrhundert veröffentlicht wurden. -Daraus ist ein ungeheuerer Vorteil für den objektiven Beweis des -Christentums erwachsen. Es ist außerordentlich wichtig, daß der kundige -Forscher exakt sein muß, und daß die Laien, wie in jeder anderen -Wissenschaft so auch hier, nur =das= auf Autorität hin als glaubwürdig -annehmen müssen, worauf sich beide Seiten geeinigt haben. Aber wie bei -jeder anderen Wissenschaft sind die Kundigen in Gefahr, die Wichtigkeit -der sicheren Hauptergebnisse, über die man sich schon geeinigt hat, -gegenüber den weniger wichtigen Punkten, über die man noch streitet, zu -vergessen. Uns genügt es, daß die Episteln an die Römer, Galater und -Korinther als echt anerkannt worden sind, sowie auch die Synoptiker, -insofern sie sich auf die Hauptlehren Christi selbst beziehen. -- - - * * * * * - -Man darf die außerordentliche Unbefangenheit der Biographen Christi -nicht vergessen.[79] Man denke z. B. an Worte wie: »Aber einige -zweifelten«, und beim Bericht des Pfingstfestes: »sie sind voll süßen -Weins«.[80] Solche Bemerkungen sind wunderbar naturgetreu, aber nicht -weniger wunderbar widersprechen sie der »Accretion«-Theorie.[81] - -Wenn wir ganz ehrliche reine Agnostiker werden, so verändert sich das -ganze Bild durch unseren veränderten Standpunkt. Alsdann können wir die -Aufzeichnungen unparteiisch oder nach ihrem wahren Wert lesen, ohne -schon von vorneherein die Überzeugung zu haben, daß sie falsch sein -müssen. Es ist dann nur die eine Frage offen, ob sie historisch wahr -sind oder nicht. - -Objektive Beweise für das Christentum lassen sich so viele anführen, -daß, wenn die im Mittelpunkt stehenden Lehrsätze von Wundern frei -bezeugt wären, niemand an ihnen zweifeln würde. Aber wir sind keine -kompetenten Richter, die _a priori_ über das Wesen einer Offenbarung -urteilen könnten. Wenn unser Agnostizismus rein ist, so haben wir kein -Recht, die Sache aus »_prima facie_«-Gründen zu beurteilen. - - * * * * * - -Einer der wichtigsten Punkte des objektiven Beweises zu Gunsten des -Christentums wird von den Apologeten nicht genug betont. Ich kann -mich in der That nicht entsinnen, ihn jemals erwähnt gesehen zu -haben. Es ist dieser, daß in dem Bericht über das Leben Christi alle -solchen Lehren fehlen, welche die spätere, wachsende, menschliche -Erkenntnis -- sei es in der Naturwissenschaft, Ethik oder Politik -oder sonstwo -- hätte entwerten können. Dieses negative Argument ist -thatsächlich beinahe ebenso wichtig als das positive aus den Lehren -Christi entnommene, denn wenn wir bedenken, wie viele Reden von ihm -aufgezeichnet oder ihm wenigstens zugeschrieben sind, -- so ist es -doch höchst merkwürdig, daß buchstäblich nicht einzusehen ist, daß -irgend eines seiner Worte je vergehen sollte. »Es wird heute selbst -dem Ungläubigen nicht leicht sein«, sagt John Stuart Mill, »eine -bessere Übertragung der abstrakten Regeln der Tugend ins Praktische -zu finden, als wenn er sich bestrebt, so zu leben, daß Christus sein -Leben billigen würde.«[82] Man vergleiche Jesus Christus in dieser -Beziehung mit anderen Denkern des Altertums: Plato war, obgleich -der Zeit nach 400 Jahre älter als Christus, diesem in Bezug auf -philosophisches Denken weit voraus, -- nicht allein, weil damals Athen -die außerordentliche Erscheinung einer seitdem nicht wieder erreichten -Blüte zeigte, sondern auch weil er als Nachfolger des Sokrates an sich -schon der größte Repräsentant menschlicher Vernunft in der Richtung des -Spiritualismus war, allein selbst Plato ist in jener Hinsicht durchaus -nicht mit Christus zu vergleichen. Man lese nur die Dialoge, und man -wird sehen, wie groß der Kontrast derselben mit den Evangelien in -Bezug auf Irrtümer jeder Art ist -- ja, sie grenzen hinsichtlich ihrer -Vernunftgemäßheit sogar an Absurdität und enthalten Aussprüche, die das -sittliche Gefühl beleidigen. Und doch ist dies eingestandenermaßen die -höchste Höhe menschlicher Vernunft in der Richtung des Spiritualismus, -soweit sie nicht von göttlicher Offenbarung unterstützt wird. - -Zweierlei könnte man erwidern: erstens, daß die Juden (Rabbiner) zu -Christi Zeit die meisten seiner Sittensprüche schon ausgesprochen -hätten. Aber, selbst wenn dies wahr wäre, dann sind doch die Worte -offenbar dem alten Testament entnommen oder von ihm abgeleitet, und -sind so _ex hypothesi_ ursprünglich einer Offenbarung zuzuschreiben. -Andererseits ist diese Behauptung doch auch wohl nicht ganz richtig, -weil Christus seine Sittensprüche, wie »_Ecce Homo_« sagt, auch -wenn sie von den Rabbinern und von dem alten Testament schon vorher -ausgesprochen waren, doch selbst ausgewählt hat. -- - - * * * * * - -Es ist allgemeine, vielleicht sogar ausnahmslose Regel, daß sich -die Verächter des Christentums überhaupt aus keiner Religion etwas -machen. »Drei Schritt vom Leib.« Das war stets der Gedanke solcher -Leute; während andererseits die Menschen, deren religiöses Gefühl -unversehrt geblieben ist, die aber das Christentum aus intellektuellen -Gründen verworfen haben, Christus doch noch fast vergöttern. Dies sind -bemerkenswerte Thatsachen. - -Wenn wir die Größe eines Mannes nach dem Einfluß beurteilen, welchen -er auf die Menschheit ausgeübt hat, so kann es selbst vom weltlichen -Standpunkt aus keine Frage sein, daß Christus der bei weitem größte -Mann ist, der jemals gelebt hat. - -Aus allen Seiten, nur nicht von thörichter Unwissenheit und -niedriger Gemeinheit, wird es anerkannt, daß die von dem Christentum -im Menschenleben hervorgerufene Umwälzung mit keiner anderen -historischen Bewegung zu messen und zu vergleichen ist, oder daß -sie von irgend einer anderen erreicht wird. Am nächsten steht ihr -die durch die jüdische Religion hervorgerufene, aber jene ist nur -eine Weiterentwicklung von dieser, so daß man beide als aus einem -Stück betrachten kann. So angesehen, ist dieses ganze Religionssystem -so unermeßlich hoch über allen anderen erhaben, daß zugestanden -werden muß: wenn die Juden nicht gewesen wären, so würde das -Menschengeschlecht keine unserer ernsten Aufmerksamkeit würdige -Religion gehabt haben. Diese ganze Seite der menschlichen Natur -würde sich niemals in dem zivilisierten Leben entfaltet haben. Und -obgleich es zahllose Menschen giebt, die sich ihrer eignen Entwicklung -in dieser Hinsicht nicht bewußt sind, so sind doch selbst diese -in außerordentlichem Maße von der auch sie umgebenden religiösen -Atmosphäre beeinflußt. - -Aber das Christentum ist nicht allein allen anderen =Religionen= -unermeßlich weit überlegen, sondern auch allen anderen -=Gedankensystemen=, die je in Bezug auf Alles, was sittlich und -geistlich (_spiritual_) ist, aufgestellt worden sind. Mag das -Christentum wahr sein oder nicht, sicher ist, daß weder die Philosophie -noch die Naturwissenschaft, noch die Poesie je etwas gezeitigt haben, -was an Gedankentiefe, Reinheit des Lebens oder Schönheit irgendwie mit -der Lehre des Christentums zu vergleichen wäre. Dies wird, denke ich, -in Bezug auf Reinheit des Lebens von allen Seiten anerkannt werden. In -Bezug auf Gedankentiefe und Schönheit kann es vielleicht bestritten -werden. Aber man bedenke -- was hat die ganze Naturwissenschaft oder -die ganze Philosophie für das Denken der Menschheit gethan, verglichen -mit dem einen Satz: »Gott ist die Liebe?« Ob wahr oder nicht, man denke -nur einmal aus, was der Glaube an dieses Wort Tausenden von Millionen -unsres Geschlechts gewesen ist. Da aber liegt sein Einfluß auf das -Denken des Menschen und dann weiter auf den Lebenswandel. Wenn man -diesen unvergleichlichen Einfluß auf das =Leben= zugiebt, so heißt das -indirekt auch den Einfluß auf das =Denken= zu geben. Was andererseits -die Schönheit anbelangt, so zeigt der Mensch, der nicht erkennt, wie -unvergleichlich erhaben jene Lehre in dieser Hinsicht ist, damit seine -eigene Unfähigkeit, das zu würdigen, was das das Edelste am Menschen -ist. Mag die ganze Geschichte vom Kreuz wahr sein oder nicht, sie ist -von ihrem Anfang im Sehnen der Propheten bis zu ihrem Höhepunkt im -Evangelium das Herrlichste, was uns in der Litteratur je dargeboten -wurde. Und sicherlich nimmt ihm der Umstand, daß alles in ihr durchlebt -worden ist, nichts von ihrem poetischen Wert. Auch verliert sie an -ihrer Erhabenheit dadurch nichts, daß jeder einzelne Christ unserer -Zeit sie sich noch als eine lebenskräftige Religion aneignen kann. Nur -einem Menschen, der jeder geistigen Empfindung gänzlich bar ist, kann -das Christentum nicht als die großartigste, je auf unserer Erde erfaßte -Darstellung des Schönen, des Erhabenen und alles dessen erscheinen, was -sich an unsere geistliche Natur wendet. - -Doch diese Seite seiner Anpassungsfähigkeit bezieht sich nur auf -Menschen von höchster Bildung. Das bewunderungswürdigste am Christentum -ist, daß es sich Menschen von jeder Art und Lebensstellung anpaßt. Bist -du geistig hoch begabt? In seinen historischen und philosophischen -Problemen findest Du eine Welt von Stoff, dem Du Dich Dein ganzes Leben -lang mit demselben Interesse widmen kannst, wie es den Naturforschern -in ihrem Gebiet geschenkt ist. Oder bist Du nur ein Landmann in Deiner -Dorfkirche und kennst nur wenig außer der Bibel? Dennoch bist Du -......[83] - - - Wiedergeburt. - -Wie bemerkenswert ist die Lehre von der Wiedergeburt, wie sie im neuen -Testament[84] dargestellt ist, schon an und für sich, und wie schön -paßt sie zu dem nicht zu demonstrierenden Charakter einer sich nur an -die Vernunft wendenden Offenbarung, zu der Hypothese einer sittlichen -Prüfung u. s. w. Nun ist diese Lehre eine der charakteristischesten -Merkmale des Christentums. Sie bedeutet, wie Christus wiederholt und -bestimmt sagte und wie seine Apostel nach ihm ausführten, folgendes: -während diejenigen, die den heiligen Geist empfiengen, -- die durch -den Glauben an den Sohn zum Vater kamen, die vom heiligen Geist -wiedergeboren wurden (und viele andere gleichbedeutende Ausdrücke) --- der christlichen Wahrheit so zu sagen durch direktes Schauen oder -durch Eingebung durchaus gewiß werden, werden die fleischlich Gesinnten -andererseits durch keinen noch so starken direkten Beweis beeinflußt, -selbst wenn einer von den Toten auferweckt würde, wie es Christus -kurz darauf wirklich zur Erfüllung dieser Vorhersagung that. So kann -der Skeptizismus von den Christen geradezu als eine Bestätigung des -Christentums betrachtet werden. - -Jedenfalls wollen wir uns unser unabhängiges Urteil bewahren; die -vorliegende Frage gehört aber ganz besonders zu denen, bei welchen -reine Agnostiker sich der Anmaßung enthalten und die Thatsache -unparteiisch als unfragliche Erscheinung der Erfahrung betrachten -müssen. - -Kurz nach Christi Tod trat diese Erscheinung, die er voraus gesagt -hatte, ein, und zwar, wie es scheint, zum ersten Mal. Sie ist seitdem -sicherlich auch weiterhin eingetreten, und sie ist von den Historikern -jenem besonderen »Pfingsten« genannten Zeitpunkt zugeschrieben worden, -wobei eine gewaltige Aufregung des Volks entstand, und eine große Zahl -von Menschen zum Glauben an Christum gelangten. -- - -Nehmen =wir= diese Erzählung nun auch an oder nicht, so ist es doch -ganz fraglos, daß die Apostel mit Glauben an die Person und das Amt -ihres Meisters erfüllt wurden, und das genügt, um seine Lehre von der -Wiedergeburt zu rechtfertigen. -- - - - Bekehrungen. - -Augustinus bezeugt, -- und andere Kirchenväter thun ähnliches, -- -daß mit ihm nach seinem 30. Lebensjahre eine plötzliche, andauernde -und außerordentliche Wandlung vorgegangen sei, die man Bekehrung[85] -nennt. -- - -Diese Erfahrung hat sich wiederholt und ist durch zahllose Millionen -zivilisierter Männer und Frauen aus allen Nationen und auf allen -Stufen der Bildung bestätigt worden. Es kommt nicht darauf an, ob -diese Bekehrung plötzlich oder allmählich geschieht, obgleich sie als -psychologische Erscheinung bemerkenswerter ist, wenn sie plötzlich und -ohne Symptome geistiger Störung eintritt. Doch selbst bei allmählichem -Wachstum in reiferem Alter ist ihre Beweiskraft nicht geringer (cf. -Bunyan u. s. w.). - -In allen Fällen ist es aber durchaus keine bloße Änderung des Glaubens -oder der Meinung; der springende Punkt ist dabei vielmehr eine mehr -oder weniger tiefe Wandlung des Charakters. - -Bedenkt man die verwickelte Natur des Charakters, so erkennt man, daß -diese Umwandlung keine so einfache sein kann. Wenn sie auch sogenannten -natürlichen Ursachen zugeschrieben werden mag, so ist dies doch kein -Beweis gegen ihren sogenannten übernatürlichen Ursprung, wenn wir -nicht die ganze Frage nach dem Göttlichen in der Natur von vornherein -bejahen. Für reine Agnostiker liegt der Beweis für die Realität der -Wiedergeburt und der Bekehrung in der Menge dieser psychologischen -Erscheinungen, die kurz nach Christi Tod eintraten, ferner darin, daß -sie sich seitdem wiederholten und darin, daß sie überall in der Welt in -derselben Weise auftreten u. s. w. - - - Christentum und Leiden. - -Das Christentum ist von seinem Ursprung im Judentum her ganz und gar -eine Religion der Aufopferung und der Trübsal. Es ist eine Religion -des Blutes und der Thränen und dennoch der tiefsten Glückseligkeit -für seine Anhänger gewesen. Dieser scheinbare Gegensatz entspringt -aus der Tiefe des Christentums und aus der Vereinigung dieser -scheinbar entgegengesetzten Wurzeln in der Liebe. Mit diesen scheinbar -entgegengesetzten Eigenschaften ist es ganz und gar und je länger -je mehr eine Religion -- oder besser =die= Religion -- der Liebe -gewesen. Wahrscheinlich können nur diejenigen, deren Charakter durch -die in dieser Religion gewonnene Erfahrung vertieft worden ist, diesen -Widerspruch geistig lösen. -- - -Fakirs hängen sich auf, Heiden zerschneiden sich selbst und sogar ihre -Kinder, opfern Gefangene u. s. w., um teuflische Götter zu versöhnen. -Die jüdische und christliche Auffassung des Opfers ist ohne Zweifel -ein Überbleibsel dieser Auffassung der Gottheit, was durch natürliche -Kausalität bewirkt ist. Doch ist dies kein Beweis dagegen, daß die -höhere Auffassung der Gottheit die ist, [wie sie der christliche Glaube -darstellt,] denn angenommen, daß die höhere Auffassung die wahre ist, -dann würden die früheren Ideale den früheren niedrigeren Offenbarungen -entsprungen sein, und das würde mit der entwicklungsgeschichtlichen -Methode der Offenbarung, welche wir unten erörtern werden,[86] -übereinstimmen. - -Aber das Christentum ist, wie gesagt, mit seinen Wurzeln im Judentum, -die Religion der Trübsal _par excellence_, weil es zu den wahrsten und -tiefsten Gründen unsrer geistlichen Natur hinabreicht und daher sowohl -für jene Trübsal wie für jene Freude Verständnis hat, welche sicherlich -nur im zivilisierten Menschen vorhanden ist. Ich meine die Trübsale -und Freuden eines vollentwickelten geistlichen Lebens -- so wie sie -sich bei den Juden wunderbar früh entwickelt haben und wie sie im -allgemeinen in der ganzen Christenheit verbreitet sind. Kurz, es sind -jene Trübsale und Freuden, die aus dem voll entwickelten Bewußtsein der -Sünde gegen einen Gott der Liebe entstehen, zum Unterschied von dem -Gedanken einer notwendigen Aussöhnung mit bösen Geistern. Diese Freuden -und Trübsale sind rein geistlich, nicht nur physisch, und sie gipfeln -in dem Ausruf: »Du hast nicht Lust zum Opfer ...... Die Opfer, die Gott -gefallen, sind ein geängsteter Geist.«[87] - - * * * * * - -Ich stimme mit Pascal[88] darin überein, daß man thatsächlich nichts -gewinnt, wenn man nur ein Theist und noch kein Christ ist. Unitarismus -ist nur die Sache des Verstandes -- eine bloße abstrakte Theorie des -Geistes und hat nichts mit dem Herzen oder den wirklichen Bedürfnissen -der Menschheit zu thun. Nur wenn man das neue Testament nimmt, einige -Blätter, welche von der Gottheit Christi handeln, herausreißt, -und allem andern beistimmt, so kann ein darauf aufgebautes System -möglicherweise die Basis einer persönlichen Religion werden. - -Wenn es einen Gott giebt, dann scheint es wahrscheinlicher zu sein, daß -er sich offenbart, als daß er dies nicht thun sollte. - - * * * * * - -Die Frauen sind in allen Ländern dem Christentum viel mehr zugethan -als die Männer. Ich denke, die wissenschaftliche Erklärung dafür -findet sich in den Gründen, welche ich in meiner Abhandlung »Die -geistigen Unterschiede zwischen Mann und Weib« angegeben habe. Aber -wenn man das Christentum für wahr hält, dann giebt es natürlich -eine tiefer eindringende Erklärung religiöser Art -- wie in allen -Fällen, wo es sich um Ursächlichkeit handelt. In diesem Falle -zweifle ich nicht, daß die wichtigste Erklärung darin liegen möchte, -daß die Leidenschaftlichkeit der Frauen weniger heftig ist als -die der Männer und daß sie durch die sozialen Lebensbedingungen -auch mehr zurückgehalten wird. Das bezieht sich nicht allein -auf Sittenreinheit, sondern ebenso sehr auf die meisten anderen -psychologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern, wie Ehrgeiz, -Selbstsucht, Verlangen nach Macht u. s. w. Kurz, das ganze Ideal -christlicher Ethik entspricht mehr dem weiblichen als dem männlichen -Charakter.[89] Nun widerspricht nichts dem christlichen Glauben so -sehr wie ein unchristlicher Lebenswandel. Das ist besonders bezüglich -der Unkeuschheit der Fall; mag man dies nun aus religiösen oder -nichtreligiösen Gründen erklären, jedenfalls ist es doch mehr auf den -Unglauben als auf die spekulative Vernunft zurückzuführen. Das Weib ist -folglich aus allen diesen Gründen geeigneter, den christlichen Glauben -aufzunehmen und sich zu erhalten. - - * * * * * - -Der moderne Agnostizismus erweist dem christlichen Glauben diesen -großen Dienst: er bringt allen vernunftmäßigen Skeptizismus -aprioristischer Art zum Schweigen, und das um so mehr, je reiner -er ist. Jeder folgenden Generation muß es daher in Zukunft durch -logisches Denken immer klarer werden, daß alle aprioristischen Einwürfe -gegen das Christentum, die sich auf die Vernunft allein gründen, _ipso -facto_ nichtig sind. Die stärksten Einwürfe gegen das Christentum -sind nun aber von jeher aprioristische gewesen. Daher ist der Einfluß -des modernen Denkens derart, daß er mehr und mehr rein spekulative -Schwierigkeiten, wie z. B. die Menschwerdung u. s. w. verringert. Die -Richtigkeit des Butlerschen Ausspruchs,[90] daß wir keine kompetenten -Richter sind, stellt sich also mehr und mehr heraus. - -Die logische Entwicklung hierfür liegt in der schon angeführten -Anschauung über die natürliche Kausalität. Denn ebenso wie der reine -Agnostizismus zugeben muß, daß die Vernunft inkompetent ist, um _a -priori_ für oder wider die christlichen Wunder, die Menschwerdung -mit inbegriffen, abzuurteilen; so muß er auch weiterhin zugeben, daß -die Vernunft, wenn die Wunder jemals stattfanden, nichts dagegen -sagen kann, daß sie mit der allgemeinen Kausalität im Zusammenhang -stehen. Soweit daher die Vernunft dabei beteiligt ist, muß der -reine Agnostizismus zugeben, daß hier nur der endgültige Ausgang -beweisen kann, ob das Christentum wahr ist oder nicht. »Ist es von -Gott, so können wir es nicht ausrotten, auf daß wir nicht erfunden -werden, als die wider Gott kämpfen.« Aber der Einzelne kann nicht -auf diese empirische Entscheidung warten, was soll er also thun? -Die unbeeinflußte und unbefangene Antwort des reinen Agnostizismus -sollte vernünftigermaßen in dem Wort von John Hunter liegen: »Denke -nicht, sondern versuche es!« d. h. in unserem Fall, versuche das -einzige Experiment, das hier helfen kann: das Experiment des Glaubens. -Folge der Lehre und wenn das Christentum wahr ist, so wird der -Wahrheitsbeweis nicht ausbleiben; freilich nicht mittelbar durch irgend -eine Anwendung der spekulativen Vernunft, sondern unmittelbar durch -geistliche Anschauung. Nur wenn ein Mensch Glauben genug hat, um diesen -Versuch ehrlich zu machen, wird er auch in der rechten Verfassung sein, -um über den Erfolg zu entscheiden. So betrachtet würde das Experiment -des Glaubens nicht als ein Narrenexperiment erscheinen, sondern -im Gegenteil, da genug _prima facie_ Gründe vorliegen, um ernste -Aufmerksamkeit zu erregen, so würde solch ein Experiment eine von der -Vernunft geforderte Pflicht jedes reinen Agnostikers sein. - -Es ist eine Thatsache, daß der christliche Glaube viel mehr aus -einem Handeln als einem Denken entspringt, wie das Neue Testament es -vorhersagt: Joh. 7, 17: »So jemand will des Willen thun, der wird inne -werden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selbst rede.« -Und wahrlich, selbst aus Gründen der Vernunft sollte zugegeben werden, -daß das Christentum, wenn es von Gott ist, sich mehr an die geistliche -als an die vernunftmäßige Seite unserer Natur wenden muß. - -Selbst innerhalb des Gebiets der reinen Vernunft (oder des _prima -facie_-Falls) hat die moderne Wissenschaft in der Kritik des Neuen -Testaments sicherlich mehr für als gegen das Christentum gearbeitet. -Denn nachdem sich die bedeutensten Gelehrten ein halbes Jahrhundert um -die Texte gestritten haben, ist die Zeit der Abfassung der Evangelien -als innerhalb des ersten Jahrhunderts liegend und für wenigstens 4 -Paulinische Briefe die Echtheit über alle Zweifel festgestellt worden. -Das genügt, um die ganze Kritik des 18. Jahrhunderts zu vernichten, -welche die geschichtliche Existenz Christi und seiner Apostel »als -Erfindungen der Priester« u. s. w. bezweifelte. Das war die schlimmste -Kritik, die je geübt wurde. Die historischen Thatsachen können nicht -länger bezweifelt werden, ausgenommen die Wunder; die letzteren aber -werden von der negativen Kritik aus lediglich aprioristischen Gründen -ausgeschieden. Dieser nun noch verbleibende -- und _ex hypothesi_ -notwendige Zweifel -- hat eine von der anderen ganz verschiedene -Bedeutung. - -Um den Glauben der Zeitgenossen Christi zu zeigen, genügt es -andererseits, daß die Echtheit der Paulinischen Episteln nachgewiesen -ist. - -Dies sind Thatsachen von höchster Wichtigkeit. Die Kritik des Alten -Testaments ist bis jetzt noch zu unreif, um von uns beachtet zu werden. - - - Der Plan in der Offenbarung. - -Die Ansichten, welche ich über diesen Gegenstand als junger Mann hegte, -[nämlich die landläufigen, orthodoxen Ansichten] habe ich angesichts -der Entwicklungstheorie verlassen, d. h. der Theorie der natürlichen -Kausalität, welche eine glaubwürdige, naturwissenschaftliche Erklärung -[auch auf dem Gebiet der religiösen Erscheinungen des Judaismus] oder, -was dasselbe ist, bis zu einem gewissen Punkt eine Erklärung in den -Grenzen bestimmbarer Ursachen, lieferte, jener Punkt kann indessen in -diesem besonderen Falle nicht einmal innerhalb ziemlich weiter Grenzen -bestimmt werden, so daß die Geschichte Israels immer etwas Mysteriöses -behalten wird und zwar viel mehr als irgend eine andere Geschichte. - -Erst 25 Jahre später erkannte ich deutlich die letzten Konsequenzen -meiner jetzigen Ansichten über die natürliche Kausalität. Sie zeigen, -daß es jedenfalls für einen Theisten (d. h. für jeden, der die Theorie -des Theismus aus unabhängigen Gründen angenommen hat) hinsichtlich -des überzeugenden Wertes des göttlichen Offenbarungsglaubens, wie er -im Alten und Neuen Testament zum Ausdruck kommt, nicht viel ausmacht, -ob man zugiebt, daß das Ganze einer sogenannten natürlichen Ursache -entsprungen ist. Ich sage »nicht viel«, denn daß es doch immerhin -etwas ausmachen muß, leugne ich nicht. Nehmen wir einen ganz analogen -Fall: man sagt oft, daß die Theorie der Entwicklung aus natürlichen -Ursachen keinen logischen Unterschied bezüglich des Nachweises eines -Planes oder einer Zwecksetzung, wie sie sich in der organischen Natur -offenbaren, ausmacht, -- da es nur eine Frage des _modus operandi_ sei, -ob alle Teile der organischen Maschinerie plötzlich oder nach und nach -erschaffen seien; der Nachweis einer Zwecksetzung bliebe doch bestehen. -Nun habe ich aber anderwärts[91] gezeigt, daß dies falsch ist. Es mag -zwar für jemanden, der schon Theist ist, nicht viel ausmachen, denn -für ihn ist es bloß eine Frage des _modus_; aber für den Nachweis des -Theismus überhaupt macht es sicherlich viel aus. - -So ist es auch bei der Darlegung eines Planes, wenn durch ihn der -Nachweis einer Offenbarung geliefert werden soll. Wenn man bis heute -keine Offenbarung behauptet hätte, und wenn Christus jetzt plötzlich -zum ersten Mal in aller der Macht und Herrlichkeit erscheinen würde, -welche die Christen von seiner Wiederkunft erwarten, so würde -der Nachweis seiner Offenbarung ein überzeugender sein. Für die -Beweisführung würde also eine plötzliche Offenbarung viel überzeugender -sein, als eine sich allmählich entwickelnde. Aber sie würde gänzlich -ohne alle Analogie innerhalb der Kausalität in der Natur[92] sein. -Überdies könnte selbst eine allmähliche Offenbarung unter Umständen -einen überzeugenden Wert haben; -- so wenn z. B. Prophezeiungen von -historischen Ereignissen, von wissenschaftlichen Entdeckungen u. s. w. -so deutlich gemacht würden, daß sie nicht mißzuverstehen sind. Aber wie -schon gezeigt, eine überzeugende Offenbarung ist nicht gegeben worden, -und sie mag auch wohl aus triftigen Gründen unterblieben sein. Wenn es -nun aber solche Gründe giebt (z. B. unser Prüfungsstand hienieden), -so können wir leicht einsehen, daß die allmähliche Entfaltung eines -Offenbarungsplans von dem frühesten Aufdämmern der Weltgeschichte bis -zum Ende der Welt (»ich rede töricht«) bei weitem einer plötzlichen -Kundgebung vorzuziehen ist, die spät genug in der Weltgeschichte -eingetreten wäre, um für alle kommenden Zeiten historisch beglaubigt zu -sein, denn: - -1) die allmähliche Entwicklung stimmt mit Gottes übrigen Werken überein. - -2) Sie läßt Gott in keiner Zeit der Weltgeschichte unbezeugt. - -3) Sie giebt zu allen Zeiten hinreichend Spielraum zu anhaltender -Forschung -- d. h. sie giebt einen moralischen Prüfstein und nicht bloß -einen aus intellektuellen Gründen stammenden Beweis für irgend ein (_ex -hypothesi_) unantastbar beglaubigtes, historisches Ereignis. - -Die Zeichen, die für einen Plan in der Offenbarung sprechen, sind -in der That beachtenswert genug, um die Aufmerksamkeit ernstlich zu -fesseln. - -Wenn die Offenbarung eine allmähliche und fortschreitende gewesen ist, -so folgt daraus, daß sie das nicht allein in historischer, sondern -auch gleicher Weise in intellektueller, moralischer und geistlicher -Beziehung gewesen ist. Denn nur auf diese Weise konnte sie stets den -fortschreitenden Lebensbedingungen der Menschheit angepaßt sein. Diese -Betrachtung zerstört alle die zahlreichen Einwände gegen die Heilige -Schrift in Bezug auf die Absonderlichkeit oder Unmoral ihrer Berichte -oder Gebote; es sei denn erweisbar, daß die durch die Kritik notwendig -gemachten Abänderungen, welche die Berichte oder die Gebote mit dem -modernen Fortschritt in Harmonie bringen, den Anforderungen der Welt zu -der in Frage stehenden Zeit ebenso gut angepaßt gewesen sein würden, -wie die uns wirklich vorliegenden Berichte oder Gebote. - - * * * * * - -Wenn wir das Christentum als wahr anerkennen, so ist es sicher, daß die -von ihm überlieferte Offenbarung schon wenigstens seit dem Aufdämmern -der historischen Zeit vorher bestimmt worden ist; denn die objektiven -Beweise für das Christentum als Offenbarung haben in jenem Aufdämmern -ihren Ursprung. Und diese objektiven Beweise sind durchaus [ein -Zeugnis für] einen Plan, bei dem man das Ziel von Anfang an erkennen -kann. Und gerade die Art und Weise, wie dieser Plan selbst offenbart -wird (angenommen, daß es ein Plan ist) liefert beachtenswerte Beweise -von Zwecksetzung. Diese Art und Weise besteht, frei herausgesagt, in -Wundern, Prophetie und in dem Einfluß der Lehre auf die Menschheit. -Kein Mensch kann irgend eine bessere Methode erdenken, durch welche -den nachfolgenden Zeiten ein Beweis der Wahrheit geliefert würde -und zwar eine Methode, die mit sittlicher und religiöser Erziehung -verbunden ist. Die Thatsache allein, daß sie mit der Profan-Geschichte -so eng verwachsen ist, macht die christliche Religion zu einer -ganz einzigartigen Erscheinung: die Welt ist während dieses ganzen -historischen Zeitraums gewissermaßen die Leinwand gewesen, auf welche -die göttliche Offenbarung gemalt worden ist -- und zwar so allmählich, -daß dieser Prozeß Tausende von Jahren vor sich gehen mußte, bis es -möglich wurde, seinen Inhalt zu erkennen. - - - Christliche Dogmen. - -Mag Christus selbst göttlicher Natur gewesen sein oder nicht, das -würde in Bezug auf die Frage, ob das Christentum als die höchste Stufe -der religiösen Entwicklung anzusehen ist vom rein weltlichen [oder -naturwissenschaftlichen] Gesichtspunkt aus, nicht viel ausmachen. -Vom religiösen Standpunkt aus oder wenn es sich um das Verhältnis -Gottes zum Menschen handelt, würde es aber natürlich eine viel größere -Schwierigkeit bedingen, dieselbe gehört dann ja aber demselben -Gedankengang an wie die Schwierigkeiten aller anderen vorhergehenden -Epochen der Entwicklung. So scheint der Übergang von dem nichtamtlichen -zu dem sittlichen Zustand vom weltlichen oder naturwissenschaftlichen -Standpunkt aus, so weit wir es beurteilen können, eine Folge -von mechanischen Ursachen in der natürlichen Zuchtwahl oder von -etwas ähnlichem zu sein. Aber gerade wie bei dem Übergang von dem -nichtgeistlichen zu dem geistlichen Zustand u. s. w., möchte dieser -Übergang im letzten Grund dem göttlichen Willen zuzuschreiben sein, -und so =muß= es ja gerade nach der Theorie des Theismus gewesen sein. -Es ist daher also vom weltlichen oder wissenschaftlichen Standpunkt -aus gleichgültig, ob Christus göttlicher Natur war oder nicht; denn -jedenfalls war ja die Bewegung, die er hervorrief, die nächste oder die -in Erscheinung getretene Ursache der beobachteten Resultate. - -So läuft also selbst die Frage nach der Gottheit Christi schließlich -auf die wichtigste von allen Fragen hinaus -- nämlich auf die: ist die -mechanische Kausalität »die äußere und sichtbare Form einer inneren und -geistlichen Gnade« oder nicht? Ist sie phänomenal oder ontologisch, ist -sie die letzte Ursache oder selbst abgeleitet? - -Ähnlich ist es in Bezug auf die Erlösung. Mag nun Christus wirklich -göttlicher Natur gewesen sein oder nicht -- insoweit der Glaube -an seine Göttlichkeit eine notwendige Ursache der moralischen -und religiösen Entwicklung, die sein Leben auf Erden hervorrief, -gewesen ist, hat dieser Glaube sein Volk von seinen Sünden befreit, -d. h. natürlich, er hat es von seinem eigenen Gefühl der Sünde -als einem auf ihm lastenden Fluch erlöst. Ob er auch irgend eine -entsprechende Veränderung von objektivem Charakter auf ontologischem -Gebiet hervorgebracht hat oder nicht, das hängt wieder von der eben -aufgeworfenen wichtigsten von allen Fragen ab. - - - Das Vernunftgemäße in den Lehren von der Menschwerdung - und der Dreieinigkeit. - -Reine Agnostiker und solche, die in dem Christentum nach Gott suchen, -sollten sich mit der metaphysischen Theologie nicht befassen. Sie ist -ein Gebiet der Forschung, welches _ex hypothesi_ transcendental ist, -und das erst von solchen getrieben werden sollte, die das Christentum -bereits angenommen haben. Die Lehren von der Menschwerdung und von -der Dreieinigkeit schienen mir in den Tagen meines Agnostizismus die -absurdesten von allen zu sein. Aber als reiner Agnostiker sehe ich -jetzt in ihnen durchaus keine vernunftwidrige Schwierigkeit. Was die -Dreieinigkeit betrifft, so hängt die Mehrzahl der Personen notwendig -mit der nahe verwandten Lehre von der Menschwerdung zusammen. Es liegt -daher in beiden Lehren nur =eine= Schwierigkeit; denn da bei der Lehre -von der Menschwerdung eine Zweizahl von Personen vorausgesetzt wird, -so liegt für den reinen Agnostiker in der Lehre von der Mehrzahl der -Personen keine neue Schwierigkeit. Zu einer gewissen Zeit erschien es -mir unmöglich, daß irgend eine Behauptung, wenn man sie wörtlich so -verstände, absurder sein könnte als die [Lehre von der Menschwerdung]. -Nun erkenne ich, daß mein damaliger Standpunkt durchaus unverständig -war und daß er allein aus der Blindheit der Vernunft selbst -hervorgegangen war, die ihrerseits wieder aus der Gewohnheit [rein] -naturwissenschaftlichen Denkens entsprang. »Aber sie widerspricht doch -dem gesunden Menschenverstand!« Ganz gewiß, ohne Zweifel; aber das muß -sie auch, wenn sie wahr sein soll. Gesunder Menschenverstand ist nichts -anderes als ein [grobes] Verzeichnis alltäglicher Erfahrung; aber die -Menschwerdung kann doch auf alle Fälle, wenn sie stattfand, was für -ein Bewandtnis es mit ihr auch gehabt haben mag, kein gewöhnliches -Ereignis gewesen sein. »Aber es thut Gott Abbruch, Mensch zu werden!« -Woher weißt Du das? Überdies war Christus kein gewöhnlicher Mensch; -dies beweist sowohl die negative Kritik als auch der historische -Erfolg seines Lebens, und wenn wir zur Beweisführung den christlichen -Standpunkt anerkennen, so ist das ganze Wesen der Menschheit in ihm -zusammengefaßt. Endlich giebt es noch Erwägungen indirekter Art, -welche eine Menschwerdung _a priori_ wahrscheinlich machen.[93] -Aus aprioristischen Gründen =muß= es Mysterien geben, welche für -die Vernunft unfaßbar sind, wie z. B. das Wesen Gottes u. s. w., -vorausgesetzt, daß überhaupt eine Offenbarung stattfand. Daher ist -der Umstand, daß man im Christentum an solche Mysterien glaubt, kein -stichhaltiger Einwand gegen das Christentum. Warum soll man aber -andererseits _a priori_ über die Lehre von der Dreieinigkeit stolpern, -zumal der Mensch ja selbst ein dreieiniges Wesen ist, mit Körper, -Geist (d. h. Vernunft) und Seele (d. h. moralischen, ästhetischen und -religiösen Fähigkeiten). Die zweifellose Vereinigung dieser nicht -weniger zweifellos verschiedenen Seiten im Wesen des Menschen wird uns -unmittelbar als eine Thatsache der Erfahrung bekannt, aber sie ist für -irgend einen logischen Prozeß oder für irgend einen Vernunftschluß -ebenso unverständlich wie das Dogma von der Dreieinigkeit Gottes. - - - Adam, der Sündenfall und der Ursprung der Sünde. - -Diese christlichen Dogmen werden ohne Zweifel durch den -naturwissenschaftlichen Nachweis einer Entwicklung hart getroffen, -(aber es sind auch die einzigen Dogmen, von denen man das sagen kann) -und da sie die logische Grundlage des ganzen Systems bilden, so scheint -auf den ersten Blick der Nachweis ihrer Nichtigkeit notwendigerweise -den Untergang des ganzen auf ihnen errichteten Baues nach sich zu -ziehen. Aber es ist doch die Frage, ob sie für einen reinen Agnostiker -überhaupt als nichtig erwiesen sind, mit anderen Worten, ob meine -Grundsätze hier nicht ebenso wie anderwärts den Unglauben in die Flucht -schlagen können. - -Was zuerst Adam und Eva betrifft, so ist schon lange vor Darwin -die Geschichte von den Menschen im Paradiese von einsichtsvollen -Theologen als allegorisch erkannt worden. Und sicherlich, wenn man -sie vorurteilsfrei liest, werden die ersten Kapitel der Genesis immer -als eine von einer Geschichte wohlunterschiedenen Dichtung angesehen -werden müssen. Man würde sie nie irrtümlicher Weise für Geschichte -gehalten haben, wenn man an sie nicht mit vorgefaßter Meinung im -Interesse der Inspiration herangetreten wäre. Doch für den reinen -Agnostiker darf es solche vorgefaßten Meinungen nicht geben, so daß -man heute eine Vermutung gegen ihre Inspiration nicht deshalb allein -aufstellen darf, weil sie nicht als Geschichte bewiesen worden ist -- -und dies bleibt selbst dann bestehen, wenn wir nicht erkennen können, -wovon sie eine Allegorie sein soll. Denn wenn sie inspiriert ist, so -hat sie sicherlich in der Vergangenheit gute Dienste geleistet, und -kann dies auch noch heutzutage thun, indem sie einen allegorischen, -wenn auch nicht wörtlich zu nehmenden Ausgangspunkt für den göttlichen -Erlösungsplan bildet. - - - Vergleich der Beweisgründe für die natürliche und für die - geoffenbarte Religion. - -Man hat oft gesagt, daß die Entwicklung der organischen Lebensformen -einen ebenso guten Beweis für eine Zwecksetzung liefert wie eine -Schöpfung im einzelnen, weil ja alle Thatsachen der Anpassung, in denen -der Beweis besteht, für beide Fälle dieselben sind. Man übersieht aber -dabei, daß auf diese Weise gerade das, was in Frage steht, für das -Ergebnis vorausgesetzt wird. Die Frage ist: Sind diese Thatsachen der -Anpassung an sich ein ausreichender Beweis dafür, daß ihre Ursache eine -Zwecksetzung war? Aber wenn mit Recht zugegeben werden muß, daß bei -der Annahme einer Entwicklung aus natürlichen Ursachen die Thatsachen -der Anpassung von derselben Art sind wie alle anderen Naturthatsachen, -so kann auf sie nicht mit mehr Berechtigung als auf irgend welchen -anderen Naturthatsachen ein Beweis für eine Zwecksetzung aufgebaut -werden. So sind also die Thatsachen der Anpassung gleich allen -anderen nur dann als Argument für eine Zwecksetzung zulässig, wenn -man annimmt, daß alle natürliche Kausalität geistigen Charakter hat -und diese Annahme setzt einfach die Bejahung der Frage nach der -Zwecksetzung voraus. Unter der Voraussetzung, daß sie aus natürlichen -Ursachen stammen, sind also die Thatsachen der Anpassung nur dann als -ein an sich guter Beweis für eine Zwecksetzung zu gebrauchen, wenn -bereits angenommen worden ist, daß sie, weil aus natürlichen Ursachen -entspringend, eine Zwecksetzung fordern. - -Die natürliche Religion gleicht der geoffenbarten Religion im -Folgenden: Nehmen wir beide als göttlich an, so können beide, soweit -die Vernunft uns führen kann, den Nachweis eines Zweckes nur soweit -führen, daß sie für die Frage nach demselben ernstlich Aufmerksamkeit -erregen. Mit anderen Worten: in Bezug auf beide muß der Standpunkt der -reinen Vernunft der reine Agnostizismus sein, (man beachte, daß die -Unzulänglichkeit der Teleologie oder der Zwecksetzung in der Natur -als Beweis für den Theismus von allen intelligenteren Christen aller -Zeiten anerkannt worden ist, doch ist diese Anerkennung seit Darwin -allgemeiner geworden. In dieser Hinsicht möchte ich besonders auf -Pascal[94] und viele andere Schriftsteller hinweisen.) Hierin liegt -eine zweite auffallende Analogie zwischen Natur und Offenbarung, -angenommen, daß beide denselben Urheber haben -- d. h. gerade so wie -die entwicklungsgeschichtliche Methode bei beiden dieselbe ist. - -Wenn die Annahme einer Zwecksetzung bei beiden [d. h. Natur und -Offenbarung. -- Der Übersetzer] berechtigt ist, so geht daraus hervor, -daß jene Annahme bei beiden in gleicher Weise nur durch das Organ -unmittelbarer Anschauung erwiesen werden kann, -- d. h. durch jene -andere Seite des menschlichen Fassungsvermögens, durch welche die -Vernunft ergänzt wird. Hier stellen wir wieder die Analogie fest. Und -wenn jemand auf diese seinen Verstand ergänzende Weise die höchste -Wahrheit erfassen kann (nehmen wir dies einmal an) so ist es seine -Pflicht, sein geistliches Augenlicht zu üben, indem er nach Gott -in der Natur wie in der Offenbarung sucht. Und dann wird er (immer -vorausgesetzt, daß es einen Gott giebt und daß er sich von denen, -die mit Fleiß nach ihm suchen, finden läßt) erkennen, daß sich seine -subjektiven Zeugnisse für Gott in der Natur und in der Offenbarung -gegenseitig stärken -- und so gewinnt er für seine Vernunft ein -weiteres Zeugnis. Die Teleologie der Offenbarung ergänzt die Teleologie -der Natur und so gewinnen sie für den geistlich gerichteten Menschen -logisch und gegenseitig immer mehr Gewißheit. - -Paley's Schriften bilden eine ausgezeichnete Erläuterung für die -Übereinstimmung des teleologischen Arguments aus Natur und Offenbarung, -obgleich sie eine sehr unvollkommene Erläuterung des letzteren für -sich allein genommen sind; denn da Paley allein das Neue Testament und -auch dieses nur sehr teilweise behandelt -- so ignoriert er alles, -was Christo vorherging, und vieles von dem, was nach den Aposteln -geschah. Übrigens scheint Paley selbst die Ähnlichkeit des Arguments, -wie es in seiner »Natürlichen Theologie« bezw. in seinen »Beweisen -für das Christentum« entwickelt ist, nicht bemerkt zu haben. Aber -niemand hat im übrigen für beide Fälle den Beweis besser geführt als -er. Sein größter Fehler lag darin, daß er nicht bemerkte, daß dieses -teleologische Argument an sich in beiden Fällen nicht ausreicht, um zu -überzeugen, sondern nur um ernstlich Aufmerksamkeit zu erregen. Paley -stellt es überall so dar, als ob solch ein Appell an die Vernunft -allein schon genügte. Er sieht nicht, daß in diesem Fall kein Raum -für den Glauben übrig bliebe. Mit anderen Worten, er erkennt nicht -das geistliche Organ des Menschen und das Objekt, durch welches es -ergänzt wird: die Gnade in Gott. Insofern ist er kein Christ. Und mag -nun Theismus und Christentum wahr oder falsch sein, sicher ist, daß -das teleologische Argument allein nicht zur Überzeugung sondern zum -Agnostizismus führen muß. - -Wenn es aprioristisch unwahrscheinlich ist, daß ein Mensch ein Wunder -ohne ein sittliches Objekt vollbracht haben sollte, so kann dies -leicht mit der Unwahrscheinlichkeit verwechselt werden, daß Gott es -mit einem entsprechenden sittlichen Objekt vollbracht hat. Die erstere -[Unwahrscheinlichkeit] ist unermeßlich groß, die letztere ist wie die -Unwahrscheinlichkeit der Theorie des Theismus gleich null. - - - Christliche Dämonologie.[95] - -Man wird sagen -- wenn Du auch die aprioristischen Einwendungen gegen -die Wunder aus aprioristischen Gründen hinwegzuschaffen suchst, so -bleibt doch die Thatsache bestehen, daß Christus den landläufigen -Aberglauben in Bezug auf die Besessenheit vom Teufel annahm. Dadurch, -daß dabei von Teufeln gesprochen wird, verliert die ganze betreffende -Erzählung ihren Wert. Du mußt also eins von beiden wählen: entweder -war die landläufige Theorie richtig oder nicht. Wenn Du sagst, daß -sie richtig war, so mußt Du zugeben, daß dieselbe Theorie für alle -ähnlichen Stufen der Kultur gilt [aber nicht für die späteren Stufen] -und daß daher die Naturwissenschaft der erfolgreichste Teufelaustreiber -ist, obgleich sie nicht durch den Glauben an die Theorie, sondern -durch die Verwerfung derselben wirkt. Beachte, daß die betreffenden -Krankheiten durch die Überlieferung so klar beschrieben sind, daß sie -unmöglich mißverstanden werden können. Dann mußt Du annehmen, daß sie -_anno domini_ 30 von Teufeln und _a. d._ 1894 von Nervenstörungen -herrührten. Sagst Du aber, die Theorie sei falsch, dann mußt Du -entweder annehmen, daß Christus es nicht besser wußte oder daß er die -Unwahrheit sagte. - -Die Antwort lautet, daß beide Annahmen vom Christentum acceptiert -werden können. Des Beweises wegen können wir einmal die Frage bei -Seite lassen, ob Christus die Teufelslehre selbst wirklich annahm, -oder ob ihm dieselbe durch seine Biographen nach seinem Tode -zugeschrieben wurde. Wenn Christus wußte, daß die Thatsachen nicht -Teufeln zuzuschreiben waren, so muß er auch gewußt haben, daß es das -beste war, die landläufige Ansicht anzunehmen anstatt das Volk durch -einen pathologischen Vortrag zu verwirren. Wenn er es nicht wußte, -- -ja warum sollte er es denn wissen, hatte er sich doch vorher seiner -Allwissenheit entäußert? Freilich, wenn er die landläufige Ansicht -geleugnet hätte, so würde er einen Beweis naturwissenschaftlicher -Erkenntnis oder naturwissenschaftlicher Anschauung gegeben haben, -die weit über die Kultur seiner Zeit ging, aber dies würde nicht mit -seiner in zahllosen anderen Fällen bewiesenen Methode übereinstimmen, -und diese bestand darin, daß sie seine göttliche Sendung niemals durch -Vorwegnahme naturwissenschaftlicher Kenntnisse kundgab. Die besondere -Frage nach Christus und der Dämonologie ist also nur eine Teilfrage -einer viel größeren Hauptfrage. - - - Darwins Bedenken[96] - -Auf Darwins Einwand, daß nur ein so kleiner Teil der Menschheit von -Christus je gehört hat, giebt es mehrere Antworten: - -1) Nehmen wir an, daß das Christentum wahr ist, so ist es die höchste -und letzte Offenbarung, d. h. der Plan der Offenbarung folgt der -Entwicklungslehre. Gerade daraus ergiebt sich, daß der größte Teil der -Menschheit nie etwas von Christus hören konnte, nämlich alle, welche -vor seiner Ankunft lebten. - -2) Aber diese waren nicht ohne Bezeugung geblieben. Sie hatten alle -ihre Religion und ihr sittliches Bewußtsein, jeder nach seiner -eigenen Entwicklungsstufe. Daher hat Gott die Zeiten der Unwissenheit -übersehen, Apostelgeschichte 17, 30. - -3) Zudem waren diese Menschen nicht von Christi Wohlthaten -ausgeschlossen; denn es wird gesagt, daß er für alle Menschen starb --- d. h. wenn er nicht gewesen wäre, würde Gott nicht die Zeiten -der Unwissenheit übersehen haben. Die Wirkung der Erlösung wird als -transcendental dargestellt und als nicht davon abhängend, daß jemand -von dem Erlöser gehört hat. - -4) Es ist wunderbar, daß gerade Darwin diesem trügerischen Argument -unterlegen ist; denn es hat ja gerade durch die Entwicklungslehre -seinen Todesstoß erhalten, d. h. wenn es wahr ist, daß die Entwicklung -die Methode natürlicher Kausalität gewesen ist, und wenn es wahr -ist, daß die Methode der natürlichen Kausalität von einer Gottheit -abhängt, dann folgt daraus, daß dies späte Erscheinen Christi auf der -Erde absichtlich gewesen sein muß. Denn es ist sicher, daß er nicht -früher erscheinen konnte, ohne daß dadurch die Entwicklung verletzt -worden wäre. Daher mußte er nach der Theorie des Theismus dann -erscheinen, als es geschah, d. h. in dem Augenblick der Geschichte, -in dem es zuerst möglich war. Auch aus anderen Gesichtspunkten -ergiebt sich, daß die Zeit, in der Christus erschien, die geeignetste -war. Selbst weltliche Geschichtsschreiber stimmen darin überein, -daß die Zeitumstände zusammen paßten und führen den Erfolg seines -sittlichen und religiösen Systems auf diese Thatsache zurück. So -auch die, welche sich mit vergleichender Religionswissenschaft -beschäftigen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . - - - Schlußbemerkung des Herausgebers. - -Der intellektuelle Standpunkt dem Christentum gegenüber, welcher in -diesen Notizen ausgesprochen ist, kann man bezeichnen als -- 1) reinen -Agnostizismus, auf dem Gebiet der sich in dem Naturwissenschaftlichen -bethätigenden Vernunft, verbunden mit 2) einer klaren Erkenntnis der -geistlichen Notwendigkeit des Glaubens und der Berechtigung und des -Wertes seiner Anschauungen, 3) als eine Empfindung der positiven Kraft -der historischen und geistlichen Zeugnisse für das Christentum. - -George Romanes kam in diesen Notizen, wie auch in der mündlichen -Unterhaltung zu der Erkenntnis, daß es vernünftig sei, an das -Christentum zu glauben, bevor er die Kraft oder die Gewohnheit des -Glaubens wieder erlangt hatte. Sein Leben ging bald, nachdem er -diesen Standpunkt erreicht hatte, zu Ende; aber es wird niemanden -überraschen zu hören, daß der Verfasser dieser »Gedanken« noch vor -seinem Tode zu jener vollbewußten Gemeinschaft mit der Kirche Jesu -Christi zurückgekehrt ist, auf die zu verzichten er sich so viele Jahre -hindurch aus Gewissens-Bedenken gezwungen sah. So wurde es in diesem -Falle »dem Manne reines Herzens« nach langer Zeit der Finsternis noch -vor seinem Tode vergönnt, »Gott zu schauen«. - -_Fecisti nos ad te Domine, et inquietum est cor nostrum donec -requiescat in te._ - - C. G. - - - - - FUSSNOTEN: - -[1] Im Folgenden gebe ich zunächst eine kurze Inhaltsübersicht -des I. Teils, durch welche die Einführung in das Buch wesentlich -erleichtert werden soll; jedenfalls macht sie denjenigen, welchen er zu -schwer ist, die Lektüre von Abschnitt I leichter oder überflüssig. - -[2] Siehe aber eine interessante Notiz in Romanes »_Mind and Motion and -Monism_« p. 111. - -[3] Veröffentlicht in Trübners _English and Foreign Philosophical -Library_ 1878; es ist aber »einige Jahre vorher« (Vorwort) geschrieben. -»Ich habe mit der Veröffentlichung zurückgehalten,« erklärt der -Verfasser, »damit ich nicht hinterher entdecken möchte, daß reiferes -Nachdenken die Schlüsse, welche der Autor verkündigt, modifiziert.« - -[4] Zuweilen habe ich die Beweisführung in dem Kapitel verständlicher -zu machen versucht, indem ich Aussprüche aus früheren Teilen des Buches -oder Erklärungen in meinen eignen Worten einschaltete. Diese letzteren -habe ich in eckige Klammern gesetzt. -- Der Herausgeber. - -[5] d. h. in Bezug auf den Glauben an Gott -- Der Übersetzer. - -[6] d. h. in dem höchst kompliziert gebauten Gehirn des Menschen. -- -Der Übersetzer. - -[7] Nach Kompliziertheit und Größe des Gehirns. -- Der Übersetzer. - -[8] p. 24. - -[9] p. 28. - -[10] p. 28. - -[11] p. 45. - -[12] nämlich der Zwecksetzung. -- Der Übersetzer. - -[13] p. 47. - -[14] p. 50. - -[15] p. 63. - -[16] p. 58 ff. - -[17] Nämlich der Theorie des Atheismus gegenüber. -- Der Übersetzer. - -[18] In Bezug auf die Gesichtspunkte und Argumente der »Unbefangenen -Prüfung« mag es interessant sein, hier Folgendes zu bemerken: - -1) Romanes kam zuletzt dahin, den subjektiven religiösen Bedürfnissen -und Anschauungen des menschlichen Geistes eine viel größere Bedeutung -beizulegen. - -2) Er erkannte, daß das subjektive religiöse Bewußtsein objektiv als -ein großes Phänomen der menschlichen Natur betrachtet werden muß. - -3) Er verurteilte später seine frühere Kausalitäts-Theorie und kehrte -zu der Anschauung zurück, daß alle Kausalität der Ausfluß eines Willens -ist. - -4) Er wies später die materialistische Ansicht von der Entstehung des -Geistes entschieden zurück. - -5) Er kehrte zu dem Gebrauch des Ausdrucks »Das Argument vom Zweck« -zurück und gab also auch seine heftige Abneigung gegen dasselbe auf. - -6) Er durchschaute Herbert Spencers Widerlegung der im weiteren -Sinn gefaßten Teleologie von Baden Powell und fühlte die Kraft des -teleologischen Beweises von neuem. - -7) Er erkannte, daß die wissenschaftlichen Bedenken gegen die Lehre -vom freien Willen schließlich doch nicht stichhaltig sind. -- Der -Herausgeber. - -[19] Siehe _Mind and motion and Monism_ pp. 36 ff. - -[20] In einigen Notizen des Sommers 1893 finde ich Folgendes: Das -Ergebnis (der philosophischen Untersuchung) ist gewesen, daß der -Mensch in seinen tausendjährigen Beobachtungen und Erfahrungen in -Bezug auf gewisse Seiten des Welträtsels Gewißheit erlangt hat, -die nicht weniger sicher ist, als die, welche er im Gebiet der -Naturwissenschaft besitzt, z. B. Logischer Vorrang des Geistes vor -der Materie -- daraus folgend Unhaltbarkeit des Materialismus, -- -Relativität der Erkenntnis, -- Naturordnung, -- die Erhaltung der -Energie, Unzerstörbarkeit der Materie, soweit die menschliche Erfahrung -reicht, das Entwicklungsprinzip, das Überleben des Passendsten. -- Der -Herausgeber. - -[21] Über die Bedeutung des »reinen« Agnostizismus siehe unten. - -[22] Hiermit ist offenbar das materialistische Dogma gemeint. -- Der -Übersetzer. - -[23] Vergleiche hiermit folgende Aussprüche, die sich hundertfach -vermehren lassen: - -Baco von Verulam: »Nur eine oberflächliche Kenntnis der Natur vermag -uns von Gott abzuführen, eine tiefere und gründlichere dagegen führt zu -ihm zurück.« - - Oswald Heer: »Wer oberflächlich die Natur betrachtet, - Im grenzenlosen All sich leicht verliert; - Doch wer auf ihre Wunder tiefer achtet, - Wird stets zu Gott, dem Herrn der Welt, geführt.« - -- Der Übersetzer. - -[24] Die dritte Abhandlung wird hier nicht veröffentlicht, weil Romanes -Ansichten über die Beziehung zwischen der Naturwissenschaft und dem -Glauben an die geoffenbarte Religion in den »Notizen« besser und reifer -zum Ausdruck kommen. -- Der Herausgeber. - -[25] Um Mißverständnisse zu vermeiden, will ich bemerken, daß ich bei -den obigen Definitionen von Religion und Naturwissenschaft diese in den -Verhältnissen nehme, in welchen sie wirklich existieren. Möglich, daß -beide Denksphären unter anderen Umständen nicht so scharf geschieden -sind. So z. B.: Wenn eine Religion erschiene, welche der Wissenschaft -eine Offenbarung über Sachen der natürlichen Kausalität brächte, -solch' eine Religion (vorausgesetzt, daß eine derartige Offenbarung -durch Versuche als wahr befunden wäre) -- würde vermutlich auf die -Wissenschaft einen ganz berechtigten Einfluß ausüben. - -[26] Siehe _Mental evolution in animals_ p. 155-158. - -[27] Das Beispiel, um welches es sich handelt, hat wohl Fenelon zuerst -benutzt, Paley beginnt mit ihm seine »Theologie der Natur.« Da es nun -aber den deutschen Lesern sehr viel weniger geläufig sein möchte als -den englischen, andererseits aber in diesen beiden Abhandlungen von -Romanes eine große Rolle spielt, so möchte es wohl angebracht sein, -es in der Paley'schen Fassung hier wiederzugeben. Es heißt bei ihm -folgendermaßen: - -»Wenn ich, eine Wüste durchirrend, über einen Stein stolperte und mich -fragte: wie mag dieser Stein hierhin gekommen sein? -- dann genügte -es wohl zu antworten, daß er zu allen Zeiten dort gelegen haben mag. -Es möchte schwer zu beweisen sein, daß eine solche Antwort etwas -Widersinniges enthielte.« - -»Setzen wir nun aber den Fall, ich hätte statt des Steines eine Uhr -gefunden, dann würde die Antwort, daß sie zu allen Zeiten dort gelegen -habe, sicherlich nicht so zulässig sein. Woher dieser Unterschied? -Weil ich bei der Untersuchung der Uhr vieles entdecke, was ich in dem -Stein nicht finden konnte, nämlich: daß an der Uhr verschiedene Teile -ersichtlich werden, die alle für einander gemacht erscheinen, und -zwar zu einem gewissen Zwecke, daß dieser Zweck die Bewegung ist, und -endlich, daß diese Bewegung die Angabe der Stunden, also des Zeitlaufes -bezweckt.« - - ............. - -»Habe ich den Mechanismus der Uhr richtig erfaßt, dann erscheint -mir auch die Folge ihrer Wirkungen ganz klar. Nämlich ich gewahre, -daß ein derartiges Werk von einem klugen Bearbeiter und nicht von -ungefähr hervorgebracht sein müsse und daß vorher schon ein Werkmeister -vorhanden gewesen sein muß, der das Ergebnis beabsichtigte, als er die -Uhr anfertigte.« - -»Eine derartige Folgerung würde auch nicht weniger unvermeidlich sein, -wenn wir niemals eine Uhr hätten verfertigen sehen oder nie einen -Uhrmacher gekannt hätten ......« Der Übersetzer. - -[28] [Ich habe um des Arguments willen »verlangen mag« statt »verlangt« -gesetzt. -- Der Herausgeber.] - -[29] Eine Note (von 1893) enthält folgendes: »Das Sein ist abstrakt -genommen logisch dem Nichtsein oder dem Nichts gleichwertig. Denn wenn -wir durch immer weiter gehende Abstraktion den Begriff des Seins seiner -Attribute und Beziehungen entkleiden, so kommen wir auf den Begriff -dessen, was nicht sein kann, d. h. auf einen logischen Widerspruch oder -auf das logische Korrelativ des Seins, nämlich das Nichts (alles dies -ist in _Caird's Evolution of Religion_ gut ausgeführt). Daß ich diese -Thatsache nicht erkannte -- ist ein Hauptfehler in meiner »Unbefangenen -Prüfung des Theismus«, wo ich das Sein als eine hinreichende Erklärung -der Naturordnung oder des Kausalitätsgesetzes darstellte.« - -[30] [Dieses Versprechen ist in dem vorletzten Absatz der Abhandlung -nur teilweise erfüllt. -- Der Herausgeber] - -[31] Essays vol. III p. 246 u. ff. Die ganze Stelle sollte nachgelesen -werden, da sie zu lang ist, um sie hier zu zitieren. - -[32] In einem Aufsatz über Professor Flint's »Theismus«, Anhang zur -»unbefangenen Prüfung«. - -[33] _A candid examination of Theism_. p. 171-172. - -[34] [Ich habe als Herausgeber der Versuchung widerstanden in das obige -Argument einzugreifen. Aber ich möchte dies doch auf eine Thatsache hin -thun und darauf hinweisen, daß Gottes Wesen »gemäß der theologischen -Theorie der Dinge«, d. h. gemäß der Dreieinigkeitslehre, in dem -besteht, was ganz genau »den sozialen Verhältnissen entspricht«, und -daß Er in Seiner Schöpfung die Liebe nicht nur =offenbart=, sondern -daß er =selbst die Liebe= ist. Siehe über diesen Gegenstand besonders -R. H. Huttons Abhandlung über die Menschwerdung in seinen »_Theological -Essays_« (Macmillan). -- Der Herausgeber]. - -[35] _Scientific Evidences of Organic Evolution_, p. 76. Dieser ganze -Passus ist völlig unhaltbar, und es ist nicht verständlich, daß -Romanes auch hier noch an ihm festhält: im Gegenteil, die Natur ist -ein großartiges Netzwerk von unter einander durch ihre Lebensweise -verbundenen Individualitäten, es giebt nicht nur eine Korrelation -der Organe sondern auch der Spezies. Es genügt auf die großartigen -Lebensgemeinschaften der Natur und auf die zahlreichen Fälle von -Symbiose hinzuweisen, die ja z. B. bei den Flechten soweit geht, daß -Alge und Pilz ihre eigne Individualität völlig zu Gunsten des Ganzen -verlieren. -- Allerdings, dies ist eines der wichtigsten Argumente -=gegen= die Darwinsche Theorie. -- Der Übersetzer. - -[36] _Nature_, April 5, 1883. - -[37] S. unten p. 124 und Fußnote. Ich finde auch folgende Notiz aus -der Zeit nach dem Jahr 1889. »Es ist Thatsache, daß der Pessimismus -unlogisch ist, einfach deshalb, weil wir unzulängliche Beurteiler der -Welt sind, und der Pessimismus würde daher dem Agnostizismus gerade -entgegengesetzt sein. Wir wissen wohl, daß in der Beziehung zwischen -uns und der Welt etwas nicht ganz in Ordnung ist, aber wir können nicht -wissen, ob der Fehler bei der Welt oder bei uns liegt.« - -[38] _Proceedings of the Aristotelian Society, Williams and Norgate I_. - -[39] [Ich darf auch erwähnen, daß Romanes mir am Sonntag vor seinem -Tode mündlich seine völlige Übereinstimmung mit dem Argument von -Professor Knight in seinen »_Aspects of Theism_« (Macmillan 1893) -aussprach; in Bezug auf diesen Gegenstand siehe SS. 184-186: »ein -höheres Ziel wird durch den Sichtungsprozeß erreicht, durch den die -physische Natur ihre schwächeren Erzeugnisse bei der Seite wirft« -u. s. w.] - -[40] Die erste Auflage, die im Jahre 1878 veröffentlicht wurde, war -rasch vergriffen; aber da der Zweck der Veröffentlichung nur der war, -die Kritik um meinerselbst willen herauszufordern, kam ich mit dem -Verleger überein, keine weitere Auflage herauszugeben. Das Werk ist -deshalb seit vielen Jahren vergriffen. [Diese Abmachung wurde indeß -nicht ganz eingehalten, oder war wenigstens dem gegenwärtigen Inhaber -der Firma Kegan Paul, Trench, Trübner u. Comp. nicht bekannt; so kam -es, daß zu des Verfassers großem Erstaunen 1892 eine neue Auflage -erschien. -- Der Herausgeber]. - -[41] [Oder vielmehr R. beabsichtigte sie unter dem Pseudonym -»Metaphysicus« erscheinen zu lassen. -- Der Herausgeber]. - -[42] Bemerkungen in eckigen Klammern sind von mir hinzugefügt. Aber ich -habe dieselben nicht angewandt, wenn ich einzelne unbedeutende oder für -den Sinn offenbar notwendige Worte eingefügt habe. - - =Der Herausgeber=. - - - -[43] [S. das Zitat aus dem Vorworte von »Physikus« S. 24. Der -Geisteszustand in dieser Notiz ist eine Rückkehr zu dem früheren in der -_Burney_-Abhandlung (p. 17). Der Verfasser war ganz erfüllt von dem -Gedanken, daß die Beweise für das Christentum sehr mannigfaltig seien -und außerhalb des Gebietes der Wissenschaft liegen. -- Der Herausgeber.] - -[44] Nach welchem man möglichst viele Erscheinungen auf =eine= Ursache -zurückführen, mit neuen Ursachen also sparsam sein muß. -- Der -Übersetzer. - -[45] [d. h. eine übernatürliche, aber nicht streng genommen göttliche -Person. Sicherlich jedoch ist diese Annahme nicht aufrecht zu erhalten. --- Der Herausgeber.] - -[46] [Dies ist wieder ein Beispiel, wie der Verfasser auf frühere -Gedanken zurückgreift; s. Burney Essay p. 25 und »Geist und Monismus«. --- Der Herausgeber.] - -[47] _Life and Letters of Charles Darwin_, p. 308. - -[48] Faraday war jedoch ein strenggläubiger Christ. -- Der Übersetzer. - -[49] [Ich hielt es doch für besser, die Namen fort zu lassen. -- Der -Herausgeber.] - -[50] d. h. das, was dem ersten Eindruck, dem ersten Blick, dem -Augenschein entspricht. -- Der Übersetzer. - -[51] [Im Manuskript fährt er fort: »Hier ist vor allem einzuschalten, -was ich über diesen Punkt in meiner Burney-Preisschrift gesagt -habe.« Ich habe indessen keine dieser Stellen in dieser Schrift -aufgenommen, einmal, weil ich denke, daß Romanes Meinung auch hier -klar genug ausgesprochen ist, sodann kann ich auch in der in Frage -stehenden Abhandlung keinen passenden Satz in angemessener Kürze -finden, um ihn hier einzuschalten. Der größere Teil der Abhandlung -soll dem wissenschaftlichem Einwand dagegen, das das Gebet auf dem -Naturgebiet erhört wird, begegnen, indem gezeigt wird, daß dieser -Einwand hauptsächlich auf dem Schluß von dem Bekannten auf das -Unbekannte beruht, d. h. von dem bekannten Gebiet der unveränderlichen -Naturgesetze auf das unbekannte Gebiet der Beziehungen Gottes zu diesen -Gesetzen. Und dieser Einwand ist um so hinfälliger, je weiter dieses -unbekannte Gebiet von der möglichen Erfahrung wissenschaftlicher Art -entfernt ist und eine unendliche Zahl von Möglichkeiten zuläßt, die für -unsere Einbildung mehr oder weniger begreiflich sind; und dies würde -oder könnte verhindern, daß das wissenschaftliche Argument auf die in -Rede stehende Frage berechtigter Weise angewendet werden kann. -- Der -Herausgeber.] - -[52] Wenn ich im Folgenden das Wort »geistlich« gebrauche, so ist es -die Übersetzung des englischen »_spiritual_«; ich bin mir bewußt, -daß es die Sache nicht ganz genau trifft, allein ein wirklich genau -passendes Wort wird im Deutschen schwer zu finden sein, es soll -darin ein gewisser Gegensatz zu dem Begriff »verstandesgemäß« (d. i. -kausaliter, nach den Formen von Ursache und Wirkung durch Erfahrung -etwas feststellend) liegen, das ist aber nicht der Fall bei dem Wort -»geistig«, der gewöhnlichen Übersetzung von _spiritual_, denn dies -wird oft gerade als verstandesgemäß aufgefaßt. Ich gebrauche hier das -Wort »geistlich« also in demselben Sinn wie Paulus 1. Cor. 4, 14: Der -natürliche (oder seelische, also auch den Intellekt benutzende) Mensch -aber vernimmt nichts vom Geiste Gottes; es ist ihm eine Thorheit und -kann es nicht erkennen, denn er muß =geistlich= gerichtet sein -- Der -Übersetzer. - -[53] In Deutschland würde man wohl als Vertreter dieser Klasse von -Forschern R. Wagner, den berühmten Physiologen, anführen, von dem -bekanntermaßen das so oft mißverstandene und doch in gewisser Hinsicht -so richtige Wort von der »doppelten Buchführung« auf dem Gebiet der -Wissenschaft und des religiösen Glaubens herrührt. -- Der Übersetzer. - -[54] _Fortnightly Review Febr. 1894_. Die letzte Zeile enthält eine -Andeutung an ein Gedicht von Wordsworth, dieselbe bedeutet: Peter Bell -war kein Philosoph: - - _A primrose by the river brim - A yellow primrose was to him - And it was nothing more._ -- Der Übersetzer. - -[55] _First principles p. I. ch. I._ - -[56] [Hier beabsichtigte Romanes eine weitere Erklärung einzuschieben, -welche zeigen sollte, daß uns bloße Beobachtung der Kausalität in der -äußeren Natur nichts anderes als die Beziehungen von Zeit und Raum -offenbart haben würde. -- Der Herausgeber.] - -[57] [Diese Theorie wurde in der Burney-Abhandlung Seite 136 besprochen -und in der »Unbefangenen Prüfung« lächerlich gemacht. Siehe oben -Seite 9. Romanes beabsichtigte an dieser Stelle seine alten Ansichten -»über die Kausalität als Folge des Seins als Sein« ausführlicher zu -behandeln. -- Der Herausgeber] - -[58] [Siehe indessen _Aubrey Moore in Lux mundi_, p. 94-96 und _Le -Conte, Evolution in its relation to religious thought_ p. 355 ff.] - -[59] Nämlich zwischen »natürlich« und »übernatürlich«. -- Der -Übersetzer. - -[60] [Es wurde jedoch nichts weiter darüber geschrieben, als was jetzt -folgt. -- Der Herausgeber.] - -[61] [Der Verfasser wollte weiterhin die Hohlheit dieser Theorie -zeigen und nachweisen, wie Mill dies selbst zu erkennen scheint, wenn -er hinter den Ausdruck »unveränderlich« den Ausdruck »bedingungslos« -einrückt; er bezieht sich auch auf _Martineau, Study of Religion_ -p. 152 -- Der Herausgeber.] - -[62] [Romanes Gedanken über den freien Willen sind klarer in einem -Aufsatz ausgesprochen, der nach diesen Notizen in _Mind and Motion and -Monism_ p. 129 ff. veröffentlicht ist. -- Der Herausgeber.] - -[63] Nämlich derjenigen, die den freien Willen besitzt. -- Der -Übersetzer. - -[64] [Siehe oben Seite 25. -- Der Herausgeber.] - -[65] _Contemporary Review, July 1886_. [Aber »die letzte -Schwierigkeit«, auf die Romanes sich oben bezieht, würde das Verhältnis -der mannigfachen, abhängigen Willensäußerungen, zu dem einen letzten -und allumfassenden Willen sein. -- Der Herausgeber.] - -[66] Im engl. Original steht _spiritual_, es will mir scheinen als ob -die Übersetzung »geistlich« den Sinn am besten trifft, s. oben. -- Der -Übersetzer. - -[67] Dies möchte auf deutsche Verhältnisse nicht gerade anwendbar sein. --- Der Übersetzer. - -[68] Vergl. Pascal, »_Pensées_«. »Denn wir dürfen uns nicht täuschen, -wir haben in uns ebenso so viel Automatisches wie Intellektuelles, -und daher kommt es, daß das Mittel der Überredung nicht Demonstration -allein ist. Wie wenig Dinge werden wirklich demonstriert! Beweise -können nur den Geist überzeugen; Gewohnheit liefert uns unsere -stärksten Beweise und die, welche wir am festesten halten, sie -regieren den Automaten, der dann den unbewußten Intellekt nach sich -zieht ....... So ist es auch die Gewohnheit, die so viele Menschen zu -Christen macht, Gewohnheit macht andere zu Türken, Heiden, Handwerkern, -Soldaten u. s. w. Schließlich müssen wir auch zur Gewohnheit unsere -Zuflucht nehmen, wenn der Geist einmal gesehen hat, wo die Wahrheit -liegt, um unseren Durst zu löschen und uns in jenen Glauben zu tauchen, -der uns zu jeder Stunde entwischt, denn stets Beweise bei der Hand zu -haben, wäre zu beschwerlich. Wir müssen einen leichteren Glauben haben, -den Glauben der Gewohnheit, der ohne Gewaltthätigkeit, ohne Kunst, ohne -Argument unsern Beifall findet und dem alle unsere Kräfte zuneigen, so -daß unsere Seele ihm ganz naturgemäß zufällt ..... - -Es ist nicht genug nur kraft der Überzeugung zu glauben, wenn der -Automat geneigt ist, das Gegenteil zu glauben. Dann müssen beide Seiten -in uns genötigt sein zu glauben, der Intellekt durch Argumente, der -Automat durch Gewohnheit und indem man ihm nicht gestattet nach der -entgegengesetzten Richtung zu neigen. _Inclina cor meum Deus_.« Siehe -auch _Newmans Grammar of Assent. chap. VI_ und _Church's Human Life and -its conditions_. S. 67-69. - -[69] Eine genaue Untersuchung zeigt übrigens, daß die Zahl der -»ungläubigen« Mathematiker gegenüber derjenigen der »gläubigen« ganz -verschwindend klein ist. Vergl. meine Schrift: Die Religion der -Naturforscher, Breslau 3. Auflage 1896. -- Der Übersetzer. - -[70] Wobei der Intellekt keine Rolle spielt. -- Der Übersetzer. - -[71] Nicht der =Inhalt=, sondern die =Thatsache= des Glaubens bezw. -Wissens kommt hier in Betracht. -- Der Übersetzer. - -[72] [Der Verfasser hat hinzugefügt, »denn was das Leiden der Tiere -betrifft, siehe weiter unten«, -- er scheint aber über diesen -Gegenstand nichts weiter geschrieben zu haben. -- Der Herausgeber]. - -[73] [In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal erwähnen, daß -G. Romanes zwei Tage vor seinem Tod seine innige Zustimmung zu -Professor Knights »_Aspects of Theism_« gab, -- ein Werk, in welchem -großer Nachdruck auf das Argument von der Anschauung in verschiedenen -Formen gelegt ist. -- Der Herausgeber.] - -[74] Siehe darüber Pascal, »_Pensées_« p. 103 - -[75] - Das Leben ist eitel: Das Leben ist kurz: - Ein wenig Lieben, Ein wenig Hoffen, - Ein wenig Hassen .... Ein wenig Träumen .... - Und dann .... Ade. Und dann .... Leb wohl. - -[76] - Die Nacht hat tausend Augen, - Ein einz'ges nur der Tag; - Und doch erstirbt das Licht der ganzen Welt, - Wenn die Sonne niedersinkt. - - Der Geist hat tausend Augen, - Ein einziges nur das Herz, - Und doch erstirbt des ganzen Lebens Licht, - Wenn die Liebe ist hin. - -[77] [d. h. der Darwinismus ist eine Theorie, die zuerst als ein -gefährlicher Stoß gegen die landläufigen Lehren des Christentums -erschien, die aber, wie sich dann herausstellte, kein Gegner seiner -Grundprinzipien ist. -- Der Herausgeber.] - -[78] [d. h. der Kampf in Bezug auf die christlichen Texte und -Dokumente. -- Der Herausgeber.] - -[79] S. Gores _Bampton Lectures_ p. 74 ff. - -[80] Math. 28, 17. Apostelgesch. 2, 13. - -[81] Die Theorie, daß die Evangelien später bearbeitet worden sind. -- -Der Übersetzer. - -[82] _Three essays on Theism_ p. 255. - -[83] [Unvollendete Notiz. -- Der Herausgeber.] - -[84] [G. Romanes fing an, eine Sammlung von neutestamentlichen -Aussprüchen zu machen, die sich auf diesen Gegenstand beziehen. -- Der -Herausgeber.] - -[85] S. Pascal »_Pensées_« p. 245. - -[86] [Die Notizen über diesen Gegenstand waren zu fragmentarisch, um -veröffentlicht werden zu können. -- Der Herausgeber.] - -[87] Psalm 51. 18 u. 19. - -[88] _Pensées_ p. 91-93. - -[89] [Die oben erwähnte Abhandlung sollte zur Erklärung dieses -Ausdrucks gelesen werden. Genauer würde Romanes Ansicht, denke ich, -so ausgedrückt sein: »Das Ideal des christlichen Charakters besteht -vor allem in dem, was wir als spezifisch weiblich ansehen, z. B. -Entwicklung der Affekte, Vertrauensseligkeit, Dienstwilligkeit, -Bereitwilligkeit zum Leiden u. s. w.« -- Der Herausgeber.] - -[90] Siehe _Analogy Part I. ch. 7; Part II. ch. 3, 4_ u. ff. - -[91] Siehe den Schluß, von »Darwin und nach Darwin« Teil I. - -[92] Ich werde noch zeigen, daß Butler eine viel bessere Abhandlung -geschrieben haben würde, hätte er die Entwicklung als allgemeines -Naturgesetz gekannt. - -[93] Siehe _Gore's Bampton Lectures II_. - -[94] »_Pensées_«, p. 205 ff. - -[95] [Romanes Argumentation in dieser Notiz ist meines Erachtens -unmöglich aufrecht zu erhalten. Der Nachdruck, den Jesus Christus -auf ein Wirken von Dämonen legt, ist so groß, daß er, wenn es nicht -Wahrheit ist, entweder selbst bezüglich der Wahrheiten des Seelenlebens -ernstlich irrte, oder aber andere ernstlich in die Irre führte. Und -weder in dem einen noch in dem anderen Fall könnte er der vollkommene -Prophet sein. Ich denke, ich bin berechtigt, meine Abweichung von -Romanes Argumentation in diesem Punkt ausdrücklich zu erklären. -- -Der Herausgeber.] - -[96] [In Darwins Schriften findet sich nichts, was -mir Romanes zu berechtigen scheint, ihm speziell dieses Bedenken -zuzuschreiben. Aber er kannte Darwin so genau und verehrte ihn so -sehr, das man einen Irrtum seinerseits nicht annehmen kann. -- Der -Herausgeber.] - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Im Original gesperrt gesetzter Text wurde mit = markiert. Text, - der im Original nicht in Fraktur, sondern in Antiqua gesetzt - war, wurde mit _ markiert. - - Rechtschreibung und Zeichensetzung wurden übernommen nur - offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. - - - - - -End of Project Gutenberg's Gedanken über Religion, by George John Romanes - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDANKEN ÜBER RELIGION *** - -***** This file should be named 51208-8.txt or 51208-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/1/2/0/51208/ - -Produced by Ralph Janke, Marilynda Fraser-Cunliffe, Norbert -Müller and the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook -for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, -performances and research. They may be modified and printed and given -away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks -not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country outside the United States. - -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: - -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: - - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and - most other parts of the world at no cost and with almost no - restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it - under the terms of the Project Gutenberg License included with this - eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the - United States, you'll have to check the laws of the country where you - are located before using this ebook. - -1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm web site -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that - -* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation." - -* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works. - -* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - -* You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works. - -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The -Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm -trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below. - -1.F. - -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. - -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. - -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. - -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - |
