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-The Project Gutenberg eBook, Unser Familien-Arzt, by H. R. (Henry Rice)
-Stout
-
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-
-
-
-Title: Unser Familien-Arzt
- Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode
-
-
-Author: H. R. (Henry Rice) Stout
-
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-
-Release Date: February 8, 2016 [eBook #51147]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-
-***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSER FAMILIEN-ARZT***
-
-
-E-text prepared by Constanze Hofmann, Juliet Sutherland, Reiner Ruf, and
-the Online Distributed Proofreading Team (http://www.pgdp.net)
-
-
-
-Note: Project Gutenberg also has an HTML version of this
- file which includes the original illustrations.
- See 51147-h.htm or 51147-h.zip:
- (http://www.gutenberg.org/files/51147/51147-h/51147-h.htm)
- or
- (http://www.gutenberg.org/files/51147/51147-h.zip)
-
-
-Anmerkungen zur Transkription:
-
- In der originalen Frakturschrift wird zwischen den Großbuchstaben
- ‚I‘ und ‚J‘ nicht unterschieden, daher wurden den Namensinitialen
- willkürlich der wahrscheilichere Buchstabe ‚J‘ zugeordnet. Bei
- ‚Iodide‘ wurde, passend zur entsprechenden englischen Bezeichnung,
- ein ‚I‘ verwendet; bei den deutschen Bezeichnungen ‚Jod‘ und
- ‚Jodid‘ aber der Buchstabe ‚J‘.
-
- Von der normalen Schriftart abweichenden Schriftschnitte werden
- durch die folgenden Sonderzeichen dargestellt:
-
- fett: =Gleichheitszeichen=
- gesperrt: +Pluszeichen+
- Antiqua: ~Tilden~
- Kapitälchen: /Schrägstriche/
-
- Eine Übersicht über die korrigierten Fehler findet sich am Ende
- dieses Textes.
-
-
-
-
-
-UNSER FAMILIEN-ARZT.
-
-Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische,
-Eclectische und Kräuter-
-+Heilmethode+.
-
-+Eine+
-=vollkommen zuverlässige Anweisung=
-+zur+
-Entdeckung aller solcher Krankheiten, die ohne ärztliche Hilfe von
-irgend einer intelligenten Person in ihrem Verlaufe
-gehemmt oder behandelt werden können.
-
-+Mit besonderer Berücksichtigung
-der+
-prompte, energische Maßregeln erheischenden, sowie der in Amerika
-vorkommenden Krankheitsfälle.
-
-+Nebst+
-=einer vollständigen und deutlichen Anweisung zur Krankenpflege,
-Zubereitung der Krankenkost u.s.w.=
-
-
-
-
-
-
-
-Chicago.
-J. S. Goodman & Co.
-Cincinnati. C. F. Vent & Co.
-San Francisco. H. H. Bancroft & Co.
-1869.
-
-Entered according to Act of Congress, in the year 1869, by
-J. S. GOODMAN & CO.,
-In the Clerk’s Office of the District Court of the United States,
-for the Northern District of Illinois.
-
-
-
-
-Vorwort der Verleger.
-
-
-Schon längst sind wir davon überzeugt, daß sich in unserem Lande
-das Bedürfniß nach einem +bündig gefaßten+ Werke, das +billig
-verkauft+ werden kann, und welches eine zuverlässige Anweisung für
-die erfolgreiche Behandlung solcher Unpäßlichkeiten, Krankheiten und
-körperlichen Beschädigungen enthält, die von irgend einer intelligenten
-Person ohne ärztliche Hülfe behandelt werden mögen, vorhanden ist: Ein
-Werk, das nicht den Anspruch macht, alle die betreffenden Kenntnisse
-zu bieten, noch unter allen Umständen die Hülfe eines Arztes unnöthig
-zu machen, denn es giebt Fälle, deren Behandlung berufsmäßige
-Geschicklichkeit und lange Erfahrung erfordert.
-
-Es giebt jedoch -- dies ist einleuchtend -- eine große Anzahl
-Krankheitsfälle, welche mit Hülfe solcher Belehrung, wie die in der
-vorliegenden Abhandlung leicht gehoben werden können, während andere
-gleich beim Anfang die promptesten, energischsten Mittel nöthig machen,
-widrigenfalls sie sich, ehe noch ein Arzt eintreffen kann, so sehr
-steigern, daß das Leben des Patienten gefährdet wird.
-
-Der Schreiber dieses erinnert sich noch recht wohl des plötzlichen
-Erkrankens seines Familienarztes, welcher unerwartet in seiner Office
-von jener fürchterlichen Seuche, der Cholera, befallen wurde, und ehe
-Hülfe geleistet werden konnte, dem Tode verfallen war.
-
-Auch erinnert sich der Verfasser dieser Vorrede noch recht wohl, wie
-dankbar er dafür war, daß er ein Buch hatte, welches +genau angab, was
-bei Croup-Anfällen zu thun sei+, als er zum erstenmal mitten in der
-Nacht durch den =Croup-Husten= seines einzigen Kindes aufgeweckt wurde.
-
-Durchdrungen von der oben ausgedrückten Ueberzeugung, sahen wir uns
-nach einem Autor um, welcher einerseits mit unseren Ansichten völlig
-übereinstimmte und andererseits die Fähigkeit hatte, dieselben in
-praktische Form zu kleiden, und nachdem wir längere Zeit vergeblich
-uns bemühten, sind wir sicher, den rechten Mann gefunden zu haben, und
-legen nun dem Publikum das Resultat seiner Arbeit mit der Zuversicht
-vor, daß dieses längst gefühlte Bedürfniß durch dieses Werk vollkommen
-befriedigt ist.
-
-Um das Buch noch brauchbarer und praktischer zu machen, sind die
-verschiedenen Behandlungsweisen der verschiedenen medizinischen
-Schulen angegeben: die +allöopathische+, die +homöopathische+, die
-+hydropathische+, die +eclectische+ und die +Kräuter-Heilmethode+, so
-daß man je nach Bequemlichkeit oder Ueberzeugung zu der einen oder der
-andern greifen, oder eine nach der andern anwenden kann, falls die erst
-angewandte nicht den erwünschten Erfolg erzeugt hätte. Wenn z. B. eine
-auf dem Lande, weit von einem Arzte oder einer Apotheke lebende Person
-sich plötzlich eine heftige Erkältung zuzieht und ein Fieber im Anzuge
-ist, mag sie -- obgleich die allöopathische Kurmethode vielleicht
-vorziehend -- zur Kräuter- oder Wasser-Heilmethode mit dem besten
-Erfolg greifen.
-
-Diese Zusammenstellung der verschiedenen Heilmethoden ist originell und
-wird, wie wir glauben, in keinem anderen Buche gefunden.
-
-Der Name des Autors ist, wie der Leser bemerken wird, nicht angegeben
-und zwar deshalb, weil er ein Graduirter eines medizinischen
-Collegiums, ein angesehener Arzt einer der medizinischen Schulen
-ist und seine Stellung unter seinen Fachgenossen verlieren würde,
-sobald bekannt wäre, daß er nebst den in seiner Schule üblichen
-Behandlungsweisen auch andere angegeben habe. Erst kürzlich wurde ein
-hochgestellter allöopathischer Arzt in New-York „disciplinirt,“ weil
-er mit einem ebenso intelligenten und ausgezeichneten homöopathischen
-Arzte sich berathen hatte. So lange solcher Geist selbst noch unter den
-intelligenteren Kunstgenossen herrscht, kann man es unserem Autor nicht
-verargen, wenn er seinen Namen verschweigt, und dies um so mehr, als
-durch die Nennung desselben doch nichts Gutes bezweckt würde.
-
-Der =Werth= des Werkes wird demselben entweder +Erfolg+ sichern,
-oder das Mißfallen des Publikums zuziehen; aber wir übergeben es der
-Oeffentlichkeit mit dem festen Glauben, ja wir möchten sagen, mit der
-+unzweifelhaften Gewißheit+, daß es +mit Beifall+ aufgenommen werden
-und ein +kostbarer Familienschatz in tausenden Häusern+ werden wird.
-Daß dies der Fall sein möge, ist der Wunsch
-
- =Der Verleger.=
-
- =Chicago, September 1868.=
-
-
-
-
-Vorrede des Verfassers.
-
-
-Dieses Werk der Beurtheilung des Publikums übergebend, bin ich
-überzeugt, durch dasselbe einem langgefühlten Bedürfniß für ein
-Familienbuch der Heilkunde, das allen Klassen entspricht, nachzukommen.
-Dasselbe ist hauptsächlich für die Erfordernisse der Landbevölkerung
-und solcher geschrieben, die weit entfernt von größeren Ortschaften
-oder solchen Plätzen wohnen, wo zuverlässige Hülfe in Krankheitsfällen
-beschafft werden kann. Viele können sich gewisser Zeiten erinnern,
-in welchen, wäre ein solches Buch vorhanden gewesen, großen Leiden
-vorgebeugt, oder selbst dann und wann ein Leben hätte gerettet werden
-können. Da unser Leben, auch wenn wir ein hohes Alter erreichen,
-immerhin ein sehr kurzes ist, so ist die Pflicht, dasselbe womöglich
-bis zu der dem Menschen zugemessenen Zeit zu verlängern, eine
-deutliche; Niemand kann sagen, wann ihn eine Krankheit befallen, wann
-er durch einen Unfall körperlich bedeutend beschädigt werden wird, und
-wir sollten gegen solche Fälle stets vorbereitet sein.
-
-In der Ausarbeitung dieses Werkes habe ich mich bemüht, jede Krankheit
-in so einfacher Weise zu beschreiben als möglich, indem ich mir Mühe
-gab, technische und wissenschaftliche Ausdrücke so weit dies geschehen
-konnte, zu vermeiden und +eine Sprache+ zu gebrauchen, die jedes Kind
-verstehen kann. Alle Fremdwörter aber, die nothwendiger Weise gebraucht
-werden mußten, sind entweder sogleich erklärt oder findet sich deren
-Erklärung im Fremdwörterverzeichniß.
-
-Um allen Klassen und den Anhängern der verschiedenen medizinischen
-Schulen etwas zu bieten, habe ich bei jeder Krankheit die
-Behandlungsweise der verschiedenen Methoden beigefügt und dabei alle
-Vorurtheile, die ich für oder gegen diese oder jene Schule haben mag,
-in den Hintergrund treten lassen, indem ich jeder derselben volle
-Gerechtigkeit widerfahren ließ und sowohl meine Erfahrung als die
-anderer benützte, denn es wurden die besten Autoritäten Europas und
-Amerikas zu Rathe gezogen, so daß man sich auf die Angaben dieses
-Buches verlassen kann.
-
-Zur Bequemlichkeit und Nachhülfe beim Nachschlagen ist das Werk
-eingetheilt wie folgt:
-
-
-+Erster Theil: Allgemeine Krankheiten.+
-
-Jedes Kapitel dieses Theils führt Krankheiten verschiedener
-Körpertheile auf, sowie allgemeine Krankheiten. Jede derselben ist
-deutlich behandelt, indem die Symptome, die Ursachen und die Behandlung
-der verschiedenen medizinischen Schulen pünktlich angegeben sind.
-
-
-+Zweiter Theil: Frauenkrankheiten.+
-
-Unter dieser Ueberschrift wird über Menstruation, mit ihren Störungen,
-Schwangerschaft und die Behandlung der Krankheiten während derselben,
-Entbindung u. s. w. abgehandelt.
-
-
-+Dritter Theil: Kinderkrankheiten.+
-
-In diesem Theile finden sich wertvolle Winke bezüglich der
-Verpflegung, der Kost und der allgemeinen Behandlung der Kinder, sowie
-Abhandlungen über Kinderkrankheiten.
-
-
-+Vierter Theil: Verschiedene Krankheiten.+
-
-Unter dieser Ueberschrift werden die nicht im ersten Theile
-eingeschlossenen Krankheiten aufgeführt, und sind Anweisungen gegeben,
-wie man die Scheintodten wieder zum Leben bringen kann. Dieser
-Abtheilung sind auch werthvolle Bemerkungen über die Krankenpflege
-beigefügt, nebst einer vollständigen Anweisung für die hydropathische
-Behandlung der Krankheiten.
-
-Unter dem Titel -- +Pharmacie+ ist die Zubereitung mancher in diesem
-Buch angegebenen Arzneien vorgeschrieben.
-
-
-+Fünfter Theil: Wundarzneikunst.+
-
-In diesem Theil werden solche Behandlungen und Mittel der
-Wundarzneikunde angegeben, welche von jeder intelligenten Person in
-Anwendung gebracht werden können. Außerdem finden hier die Gifte nebst
-ihren Gegenmitteln und ein Verzeichniß der medizinischen Ausdrücke
-einen Platz.
-
-In dem +Symptom-Verzeichniß+ sind die hauptsächlichen Symptome der am
-häufigsten vorkommenden Krankheiten angegeben, und wird dasselbe den
-Personen, die unwohl fühlen, aber nicht gerade sagen können, was ihnen
-fehlt, gute Dienste leisten.
-
-Daß das Werk zum Besten der Menschheit eine weite Verbreitung finden
-und hierdurch die darauf verwendete Arbeit vergüten möge, ist der
-aufrichtige Wunsch des
-
- =Verfassers.=
-
- =Chicago, Januar 1869.=
-
-
-
-
-+Zeugnisse.+
-
-
-Die folgenden anerkennenden Zeugnisse wurden von ausgezeichneten
-Aerzten der Homöopathischen, Allöopathischen und Eclectischen Schulen
-ausgestellt.
-
-
-Herren J. S. Goodman & Co., Verleger:
-
-+Meine Herren+! -- Daß in Ihrem zu publizirenden Werk „Unser
-Familien-Arzt“ die Krankheiten genau und richtig beschrieben sind, und
-daß die darin angegebene Heilkunde zuverlässig ist, kann ich nach einer
-Prüfung der mir zugesandten Probebogen des Buches bezeugen.
-
- +N. F. Cooke, ~M. D.~+,
-
- =Professor der Theorie und Praxis am Hahnemannischen medizinischen
- Collegium.=
-
- =Chicago den 6. Febr. 1869.=
-
- * * * * *
-
-Ich beglaubige hiermit, daß ich das Werk „Unser Familien-Arzt,“ welches
-von J. S. Goodman & Co. publizirt werden wird, geprüft habe und in
-demselben die Symptome der Krankheiten richtig angegeben sind, wie denn
-das Buch überhaupt das Vertrauen des Publikums verdient.
-
- +H. S. Hahn, ~M. D.~+
-
- =Chicago den 8. Febr. 1869.=
-
-+Meine Herren+! -- Auf Ihr Ersuchen habe ich die Probebogen Ihres
-Werkes „Unser Familien-Arzt“ durchgelesen und es macht mir Vergnügen
-dasselbe zu empfehlen. Es gibt die richtige Behandlungsweise der
-Krankheiten an und verdient eine weite Verbreitung.
-
- +J. F. Cooke, ~M. D.~+,
-
- =Professor im Bennett medizinischen Collegium, Chicago.=
-
- =Den 8. Febr. 1869.=
-
-
-
-
-Inhalts-Verzeichniß.
-
-
-Erster Theil. -- Allgemeine Krankheiten.
-
-
-Erstes Kapitel.
-
-(Seite 17.)
-
- =Krankheiten der Haut.= -- 1. +Ausschlagfieber.+ -- Ausschlag --
- Nesselfieber -- Rose -- Masern -- Scharlachfriesel -- Scharlachfieber
- -- Windpocken -- Blattern -- Varioliden.
-
- 2. +Chronische Hautausschläge.+ -- Jucken und Reizung der Haut --
- Frostbeulen -- Zittermahl oder Gürtelrose -- Flechten -- Krätze --
- Milchschorf -- Grindkopf -- Hühneraugen -- Warzen.
-
-
-Zweites Kapitel.
-
-(Seite 65.)
-
- =Fieber.= -- Gewöhnliches oder eintägiges Fieber -- Entzündliches
- Fieber -- Nervenfieber oder Typhus -- Gehirnfieber oder
- Gehirnentzündung -- Remittirendes oder Gallenfieber --
- Intermittirendes oder Wechselfieber -- Gelbes Fieber.
-
-
-Drittes Kapitel.
-
-(Seite 99.)
-
- =Geisteskrankheiten.= -- Hypochondrie oder Schwermüthigkeit --
- Hysterie oder Bauchnervensucht -- Melancholie oder Trübsinn -- Manie,
- Irr- oder Wahnsinn.
-
-
-Viertes Kapitel.
-
-(Seite 106.)
-
- =Krankheiten des Kopfes.= -- Congestion oder Blutandrang nach dem
- Kopfe -- Schwindel (~Dizziness~) -- Schlagfluß -- Gehirnentzündung
- -- Sonnenstich -- Kopfweh durch Catarrh verursacht -- Kopfweh durch
- Blutandrang verursacht -- Kopfweh durch Rheumatismus verursacht --
- Kopfweh durch Hartleibigkeit und Unterleibsbeschwerden verursacht
- -- Sympathetisches Kopfweh (~Sick Headache~) -- Nervöses Kopfweh
- (~Neuralgia in the Head~) -- Ausfallen des Haares.
-
-
-Fünftes Kapitel.
-
-(Seite 131.)
-
- =Augenkrankheiten.= -- Niederfallen des Augenlids -- Entzündung und
- Anschwellen des Augenlids -- Entzündung des Rands des Augenlids --
- Entzündung des Augapfels -- Chronische Augenentzündung -- Chronische
- skrophulöse Augenentzündung -- Gerstenkorn am Augenlid -- Nasse oder
- thränende Augen -- Schwarzer Staar -- Augenschwäche -- Blindheit --
- Kurzsichtigkeit -- Weitsichtigkeit -- Schielauge -- Fremde Körper im
- Auge.
-
-
-Sechstes Kapitel.
-
-(Seite 147.)
-
- =Ohrenkrankheiten.= -- Das äußere Ohr und die dasselbe umgebenden
- Theile -- Ohrenentzündung -- Ohrenweh -- Ohrensausen --
- Schwerhörigkeit -- Ohrlaufen -- Durchstechen des Ohrläppchens --
- Fremde Körper im Ohr.
-
-
-Siebentes Kapitel.
-
-(Seite 155.)
-
- =Krankheiten der Nase.= -- Entzündung und Anschwellen der Nase
- -- Nasenbluten -- Schnupfen oder Erkältung im Kopf (~Catarrh~) --
- Eiterung der Nase -- Nasenpolyp -- Nasenkrebs -- Fremde Körper in der
- Nase.
-
-
-Achtes Kapitel.
-
-(Seite 166.)
-
- =Krankheiten des Gesichts, der Lippen und der Kinnbacken.= --
- Gesichtsrose -- Gesichtsausschlag -- Nervöser Gesichtsschmerz oder
- Neuralgie -- Gesichtsflecken -- Gesichts- und Kinnbackenlähmung.
-
-
-Neuntes Kapitel.
-
-(Seite 178.)
-
- =Krankheiten der Zähne, des Zahnfleisches und des Mundes.= -- Zahnweh
- -- Verfall und Leiden der Zähne -- Widerwärtiger Geruch des Athems --
- Schlechter Geschmack im Munde -- Zahnfleischschwären -- Entzündung
- und Anschwellen der Zunge -- Mundkrebs -- Scorbut -- Speichelfluß --
- Stammeln.
-
-
-Zehntes Kapitel.
-
-(Seite 194.)
-
- =Krankheiten des Halses.= -- Weher Hals oder gewöhnliche
- Halsentzündung -- Eiternde und putride (Fäulniß erzeugende), oder
- bösartige Halsentzündung -- Entzündung und Anschwellung der Mandeln
- oder Tonsillen -- Anschwellen und Verlängerung des Zäpfchens.
-
-
-=Eilftes Kapitel.=
-
-(Seite 208.)
-
- =Krankheiten der Luftröhre und der Brust.= -- Heiserkeit --
- Luftröhrenentzündung oder Bronchitis -- Influenz oder Grippe, auch
- Flußfieber -- Husten (~Tussis Convulsiva~) -- Lungenentzündung
- -- Lungenentzündung bei alten Leuten -- Pleuresie, Brustfell-,
- Rippenfell-Entzündung -- Scheinbare Pleuresie oder Seitenstechen
- -- Herzentzündung -- Herzklopfen -- Rheumatische Herzschmerzen --
- Brustbeklemmung -- Lungenbluten -- Engbrüstigkeit oder Asthma --
- Brustwassersucht -- Auszehrung -- Brustquetschung -- Fremde Körper in
- der Luftröhre.
-
-
-Zwölftes Kapitel.
-
-(Seite 253.)
-
- =Krankheiten des Magens und der Eingeweide.= -- Mangel an Appetit
- -- Heißhunger, Schlinglust -- Dyspepsie oder schwacher Magen --
- Sodbrennen, oder Unverdaulichkeit, oder versäuerter Magen --
- Uebelkeit und Erbrechen -- Seekrankheit -- Magen-Neuralgie --
- Magenweh oder Magenkolik -- Magenentzündung -- Gedärmentzündung
- -- Leberentzündung -- Gelbsucht -- Milzentzündung -- Würmer --
- Hartleibigkeit -- Diarrhöe oder Durchfall -- Ruhr -- Cholera Morbus
- -- Asiatische Cholera -- Hämorrhoiden -- Mastdarmvorfall -- Bruch --
- Unterleibswassersucht.
-
-
-Dreizehntes Kapitel.
-
-(Seite 323.)
-
- =Krankheiten der Harn- oder Urin- und Geschlechts-Organe.= --
- Nierenentzündung -- Blasenentzündung -- Harnverhaltung -- Harnfluß
- -- Harnruhr -- Blasenpolyp -- Blasenstein -- Blutharnen --
- Selbstbefleckung -- Syphilis oder Lustseuche -- Samenfluß, Tripper.
-
- * * * * *
-
-
-Zweiter Theil. -- Frauenkrankheiten.
-
-
-Erstes Kapitel.
-
-(Seite 344.)
-
- =Menstruation.= -- Eine vollständige Beschreibung dieser Funktion.
-
-
-Zweites Kapitel.
-
-(Seite 349.)
-
- =Störungen der Menstruation.= -- Verzögerte Menstruation -- Chlorose
- oder Bleichsucht -- Uebermäßige Menstruation -- Schwere Menstruation
- oder Menstrualkolik -- Unterdrückte Menstruation -- Aufhören der
- Menstruation oder Uebergangszeit.
-
-
-Drittes Kapitel.
-
-(Seite 367.)
-
- =Vorfall der Gebärmutter.= -- Weißer Fluß.
-
-
-Viertes Kapitel.
-
-(Seite 375.)
-
- =Schwangerschaft.= -- Anzeichen der Schwangerschaft -- Kleidung
- -- Bewegung -- Diät -- Erbrechen -- Scham-Jucken während der
- Schwangerschaft -- Krampfadern oder varicöse Adern -- Hämorrhoiden
- oder Goldader -- Anschwellen der Füße -- Hartleibigkeit während der
- Schwangerschaft -- Diarrhöe während der Schwangerschaft -- Zahnweh
- und Speichelfluß -- Dyspepsie oder versäuerter Magen, auch Sodbrennen
- genannt -- Hysterische Anfälle -- Herzklopfen -- Kopfweh -- Husten
- -- Krämpfe -- Urin- oder Harnträufeln -- Unterdrückung des Urins --
- Blutfluß -- Frühgeburt oder Abortion -- Falsche Wehen -- Behandlung
- der Brüste.
-
-
-Fünftes Kapitel.
-
-(Seite 396.)
-
- =Entbindung oder Kindbett.= -- Geburtswehen -- Schmerzen bei den
- Geburtswehen -- Entbindung -- Behandlung nach der Entbindung --
- Verbinden des Nabels -- Licht, Temperatur und Lüftung -- Nachwehen
- -- Blutfluß -- Dauer des Kindbetts -- Diät und Regeln während des
- Kindbetts -- Lochien oder Geburtsfluß -- Unterdrückung der Lochien --
- Uebermäßige und lang anhaltende Lochien -- Milchfieber -- Ausbleiben
- der Milch -- Uebermäßige Ansammlung der Milch -- Wunde Brustwarzen --
- Brustfieber -- Brustgeschwulst -- Hartleibigkeit nach der Entbindung
- -- Diarrhöe nach der Entbindung -- Puerperal- oder Kindbettfieber --
- Weiße Schenkelgeschwulst -- Der wunde Mund der Stillenden.
-
- * * * * *
-
-
-Dritter Theil. Kinderkrankheiten.
-
-(Seite 415.)
-
- Kleidung des Kindes -- Scheintod (~Asphyxia~) -- Diät der
- Neugeborenen -- Anschwellen und Verlängerung des Kopfes --
- Anschwellen der Brüste -- Kindspech (~Meconium~) -- Gemüthsbewegungen
- beeinflussen die Milch -- Abgewöhnung -- Kost während des Säugens --
- Ruhelosigkeit und Schlaflosigkeit der Kinder -- Durchscheuern und
- Wundheit der Haut -- Gelbsucht -- Krämpfe -- Zahnen -- Verstopfte
- Nase oder Schnupfen -- Mundschwamm -- Hartleibigkeit -- Diarrhöe
- -- Kopfwassersucht -- Remittirende Fieber -- Cholera Infantum
- -- Sommerkrankheit -- Häutige Bräune -- Keuch- oder Stickhusten
- (~Hooping cough~; ~Pertussis~) -- Gaumenlähmung -- Kolik -- Würmer --
- Gehirnentzündung -- Kehlsucht, auch Ziegenpeter.
-
- * * * * *
-
-
-Vierter Theil. -- Verschiedene Krankheiten.
-
-
-Erstes Kapitel.
-
-(Seite 448.)
-
- =Verschiedene Krankheiten.= -- Rheumatismus -- Gicht -- Skropheln --
- Hüftenentzündung -- Krämpfe -- Kropf -- Schlaflosigkeit -- Lähmung --
- Säuferwahnsinn -- Fallsucht -- Veitstanz -- Ohnmacht -- Starrkrampf.
-
- +Scheintod+ durch Hunger -- durch Ertrinken -- durch Erfrieren --
- durch Erhängen -- durch Blitzschlag -- durch schädliche Dünste --
- durch einen Fall oder Schlag -- durch heftige Aufregung.
-
-
-Zweites Kapitel.
-
-(Seite 474.)
-
- =Das Krankenzimmer.= -- Krankenpflege -- Zubereitung der Speisen für
- Kranke und Wiedergenesende -- Brauchbare Anweisungen.
-
-
-Drittes Kapitel.
-
-(Seite 484.)
-
- =Hydropathische Behandlung.=
-
-
-Viertes Kapitel.
-
-(Seite 495.)
-
- =Arzneibereitungskunst.=
-
-
- * * * * *
-
-
-Fünfter Theil. -- Wundarzneikunst und Gifte.
-
-(Seite 503.)
-
- =Wundärztliche Hülfsmittel.= -- Umschläge -- Bähmittel -- Pflaster --
- Wickelbänder und Bandagen -- Schienen.
-
- =Unglücksfälle.= -- Bruch des Nasenbeins -- des untern Kinnbackens
- -- der Rippen -- des Schlüsselbeins -- des Schulterblatts -- des
- Oberarms -- des Ellbogens -- des Vorderarms -- des Fingers -- des
- Schenkels -- des Beins -- des Fußes -- der Zehe -- Zusammengesetzte
- Brüche.
-
- =Ausrenkungen.= -- Ausrenkung des Kinnbackens -- des Genicks -- der
- Schulter -- des Ellbogens -- des Faustgelenks, Handwurzel -- des
- Hüftknochens -- der Kniescheibe -- des Kniegelenks -- des Knöchels.
-
- =Wunden, Quetschungen.= -- Verstauchungen und Erschütterungen --
- Brand- und Brühwunden -- Erfrorene Gliedmaßen -- Beulen -- Karfunkel
- -- Fingergeschwür -- Einwachsen des Zehenagels.
-
- * * * * *
-
-(Seite 524.)
-
-=Gifte und Gegengifte.= -- Animalische Gifte -- Vegetabilische Gifte --
-Mineralische Gifte.
-
- * * * * *
-
-(Seite 527.)
-
-=Angabe der Symptome der verschiedenen Krankheiten.=
-
- * * * * *
-
-(Seite 536.)
-
-=Alphabetisches Fremdwörter-Verzeichniß.=
-
- * * * * *
-
-(Seite 540.)
-
-=Alphabetisches Inhalts-Verzeichniß.=
-
-
-
-
-Unser Familien-Arzt.
-
-
-
-
-+Erster Theil. -- Allgemeine Krankheiten.+
-
-
-
-
-Erstes Kapitel. -- Krankheiten der Haut.
-
-
-1. Ausschlag-Fieber.
-
-Ausschlag.
-
-Diese Krankheit wird häufig durch Erkältung, Mattigkeit, verdorbenen
-Magen u. s. w. hervorgerufen. Sie zeigt sich in der Form von kleinen
-rothen Flecken, welche besonders des Nachts unerträglich jucken, ist
-aber nicht lebensgefährlich.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= Wenn das Jucken sehr stark wird, dabei Frost
- oder Hitze und Schlaflosigkeit, gebe man alle Stunden eine Dosis (6
- Kügelchen) ~Chamomilla~. Wird es nach 2 bis 3 Stunden nicht
- besser, so gebe man eine Dosis (6 Kügelchen) ~Ledum Palustre~.
- Ist es am nächsten Tage noch nicht besser, so gebe ~Rhus~ und
- ~Sulphur~ abwechselnd alle 2 bis 3 Stunden. Laue Bäder werden
- sehr erfrischen.
-
- =Allöopathisch.= Das folgende gelinde Abführmittel mag gegeben
- werden:
-
- Magnesia ½ Pfund.
- Ingwer (~Ginger~) fein pulverisirt 1 Unze.
- Rhabarber fein pulverisirt 2 Unzen.
-
- Dies zu mischen. Für Kinder ungefähr einen halben, für Erwachsene
- einen Theelöffel voll oder mehr.
-
-
-Nesselfieber (~Hives~, ~Urticaria~).
-
-Dies ist ein Ausschlag der Haut, ähnlich den Verletzungen durch
-Brennnesseln; derselbe ist aber weder ansteckend, noch gefährlich.
-
-+Ursachen.+ -- Einige Personen haben eine Anlage zu dieser
-Krankheit, so daß sie sich nach dem kleinsten Diätfehler einstellt.
-Nahrungsmittel wie Schellfisch, Gurken, Pilze, Erdbeeren, Makrele &c.
-werden häufig die Ursache zu einem Anfall. Kinder, die eine zarte,
-feine Haut haben, sind besonders geneigt dazu.
-
-+Kennzeichen.+ -- Der Ausschlag besteht in erhabenen Flecken auf
-der Oberfläche der Haut, die zuweilen roth, aber im Allgemeinen weiß
-und roth gemischt und ziemlich hart sind und eine brennende, juckende
-Empfindung erzeugen. Nesselausschlag erscheint häufiger bei kleinen
-Kindern in der Form von großen Blattern, die außen von unregelmäßiger
-Gestalt und hellrother Farbe, im Mittelpunkt aber weiß und ein wenig
-erhaben sind. Der Ausschlag zeigt sich bald an dem einen bald an dem
-andern Ort. Zuweilen geht der Krankheit ein wenige Stunden anhaltendes
-Fieber, Kopfschmerz, Uebelkeit, Erbrechen, bitterer Geschmack im Munde
-voraus; hin und wieder gleicht auch der Ausschlag den Striemen von
-Peitschenhieben.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Geht die Krankheit vom Magen aus, so gebe man
- das folgende Brechmittel:
-
- Brechweinstein (~tartar emetic~) 1 Gran.
- Ipecacuanha-Pulver 1 Skrupel.
- Gewöhnlicher Syrup 1 Drachme.
- Quellwasser 10 Drachmen.
-
- Mische und nehme es auf einmal.
-
- Diesem lasse man untenstehendes schnell wirkendes Abführmittel folgen:
-
- Zusammengesetzter Extrakt von Coloquinthen ½ Drachme.
- (~Colocynth~)
- Extrakt von Jalappenwurzel (~Jalap~) 15 Gran.
-
- Mische es und mache 12 Pillen daraus. 2 oder 3 Pillen werden ihre
- Wirkung nicht verfehlen.
-
- Bei starken nervösen Symptomen gebe man je nach dem Alter des Kranken
- 5-20 Tropfen Schwefel-Aether -- alle halbe Stunden.
-
- Zur äußerlichen Anwendung gebrauche man eins von den folgenden:
-
- Bleizucker ½ Drachme.
- Kohlensaures Ammoniak (~Carbonate of Ammonia~) 1 Drachme.
- Rosenwasser ½ Pint.
-
- Mische es.
-
-
- Oder:
-
- Alcohol 1½ Unze.
- Rosenwasser 4 Unzen.
-
- Mische es.
-
- Oder folgendes von Dr. Erasmus Wilson empfohlene:
-
- Aetzendes Quecksilber (~Corrosive Sublimate~) 6 Gran.
- Rosmarin-Spiritus 1 Unze.
- Alcohol 1 Unze.
- Kühltrank von bittern Mandeln 6 Unzen.
-
- Mische es.
-
- Es ist rathsam, hiervon sorgfältig äußerlich Gebrauch zu machen,
- weil der Ausschlag nach Innen getrieben werden kann, was bedenkliche
- Folgen hat.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Wo immer der Ausschlag erscheint, reibe
- man den Körper mit Waizenmehl und lasse den Kranken ungehindert
- Saffran-Thee, oder Salbei- und Sassafras-Thee trinken. Bessert
- sich der Kranke, so gib folgendes beruhigendes Arzneimittel: 3
- Theile ~Cremor Tartari~, ein Theil Schwefel mit Molasses gemischt;
- davon einen Theelöffel dreimal des Tages mehrere Tage hinter
- einander. Wirkt es nicht hinreichend, nehme man eine Dosis Salz und
- Sennablätter. Warmes Saleratuswasser ist ein gutes Einreibmittel für
- die Haut.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Wo dem Ausschlag Fieber, heiße Haut,
- Durst, belegte Zunge und Schlaflosigkeit vorausgeht oder wo es
- denselben begleitet.
-
- ~Dulcamara.~ -- Wenn der Anfall durch Erkältung hervorgerufen ist,
- und von Uebelkeit, Erbrechen, bitterem Geschmack im Munde, Diarrhöe
- begleitet ist, die Symptome des Nachts oder in der Stubenhitze
- stärker, dagegen im Freien schwächer sind. Dieses Mittel kann
- abwechselnd mit ~Antimonium Crudum~ gegeben werden.
-
- ~Rhus toxicodendron.~ -- Wird der Ausschlag von Jucken und Brennen
- begleitet, besonders nach Bewegung im Freien oder dem Genusse
- gewisser Speisen.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Wenn der Anfall durch reiche und fette Kost
- hervorgerufen wurde.
-
- ~Calcarea Carbonica.~ -- Wenn der Ausschlag beim Aufenthalt in
- der frischen Luft verschwindet und er durch die Anwendung des
- kalten Wassers verstärkt wird, das Gesicht gelb, die Haut rauh mit
- Gänse-Finnen bedeckt ist, mit einem betäubenden Schmerz im Kopf,
- Uebelkeit und Schwindel des Nachts oder beim Erwachen des Morgens.
-
- Wenn durch feuchtes Wetter Erkältung, mit Schmerzen in den Gliedern,
- Frost und Kopfschmerz hervorgerufen, so gebe man ~Bryonia~ und ~Rhus
- toxicodendron~ abwechselnd, alle 3 bis 4 Stunden eine Gabe (4 oder
- 6 Kügelchen). ~Ledum Palustre~ ist ein anderes Mittel, das bei den
- meisten Fällen mit Erfolg angewendet werden kann.
-
- Sollte sich der Ausschlag nach Innen werfen und der Kranke über einen
- krankhaften Zustand des Magens, große Schwäche klagen, gebe man
- ~Ipecacuanha~ (~Ipecac~) oder ~Bryonia~ jede Stunde mehrere Stunden
- hintereinander, tritt nach drei Stunden keine Besserung ein, so
- nehme man ~Arsenicum~. Gleichzeitig hülle man den Kranken wohl ein
- und lasse ihn viel Wasser trinken, um Schweiß hervorzurufen.
-
- Hat Jemand diese Krankheit eine lange Zeit, oder hat er besonders
- Anlage dazu, so lasse man ihn jeden vierten Tag am Abend eine Dosis
- ~Calcarea Carbonica~ nehmen. Bessert er sich nicht innerhalb einiger
- Wochen, gebe man entweder ~Lycopodium~, ~Sulphur~, ~Acidum Nitri~
- oder ~Carbo Vegetabilis~ in derselben Weise.
-
- +Die Darreichung der Arzneimittel.+ -- Wenn die Dosis nicht mit dem
- Mittel erwähnt ist, löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel Wasser und
- gebe alle 2 oder 3 Stunden, je nach der Heftigkeit des Auftretens der
- Symptome, eine Dosis.
-
- +Kost.+ Kein Fleisch, oder erhitzende Getränke, nur Wasser, schwarzer
- Thee, Haferschleim, Zwieback (~Toast~), gebackene Aepfel und
- altbackenes Brod.
-
-
-Die Rose (St. Antonius Feuer, ~Erysipelas~).
-
-Die Rose oder Rothlauf ist eine Entzündung der Haut, die sich leicht
-ausbreitet und zuweilen weit in das Zellengewebe dringt. Sie ist
-ansteckend und Personen, deren Verdauungsorgane nicht in Ordnung, oder
-die der Feuchtigkeit und Kälte ausgesetzt sind, haben besonders Anlage
-dazu. In der Regel finden wir die Rose im Gesicht, häufig aber auch an
-den Gliedern.
-
-+Kennzeichen.+ -- Der Rose gehen gewöhnlich Fieber, eine allgemeine
-Erschlaffung, Frost, Kopfschmerz und belegte Zunge voraus; diesen
-Symptomen folgen dann heiße Haut, schneller Puls, Durst, Schmerzen
-im Rücken und den Gliedern, die Haut wird roth oder purpurn, und ein
-starkes stechendes, brennendes Gefühl mit Spannung und Schmerz wird
-wahrgenommen. Die betreffenden Theile fangen an zu schwellen, und
-befindet sich die Entzündung am Kopf oder im Gesichte, so schwellen
-die Augen zu und die Züge können nicht wieder erkannt werden. Blasen
-mit Wasser gefüllt, gleich jenen, die vom Verbrennen herrühren, bilden
-sich zuweilen auf der Oberfläche. Der Kranke, besonders wenn sich
-die Entzündung am Kopfe befindet, phantasirt des Nachts und der Hals
-schwillt beträchtlich an. In den schlimmsten Fällen steigert sich
-dieser Zustand bis zum Irrsinn; Schlafsucht tritt ein und der Kranke
-kann in Folge eines inneren im Kopfe erfolgenden Ergusses sterben. Wird
-das Zellengewebe tief angegriffen, so kann sich Eiter bilden und die
-betreffenden Theile können sich von dem gesunden Fleisch ablösen. Sind
-die Theile bedeutend angegriffen, die Farbe hochroth, das Prickeln
-und Brennen sehr heftig, die Oberfläche fest und hart, so wird die
-Entzündung Phlegmone oder unächter Rothlauf genannt. Ist die Geschwulst
-weich und schwammig -- beim Druck beweglich -- die Farbe blaßroth oder
-wachsgelb und gewöhnlich schwächliche Constitutionen angreifend, so
-wird sie Blasen- oder Blatterrose (~Erysipelas ædematodes~) genannt.
-
-Wenn der Rothlauf als eine blasse Röthe ohne Fieber auftritt, nennt man
-ihn ~Erythema~ (kalte Hautröthe).
-
-+Ursachen.+ -- Die Ursachen der Rose sind mannigfach, einige von ihnen
-sind folgende: Einfluß der Witterung, ungeregelte Lebensweise, Mangel
-an Reinlichkeit. Die meisten Veranlassungen dazu sind: Unmäßigkeit,
-heftige, geistige Aufregung, das sich Aussetzen der kalten Luft nach
-Erhitzung oder Aufregung, besonders wenn der Magen nicht in Ordnung
-ist, Wunden und Quetschungen. Große Sorgfalt muß getragen werden, die
-Ausbreitung der Entzündung zu verhindern. Man lüfte das Zimmer gut aus
-ohne den Kranken der Zugluft auszusetzen, halte ihn sehr reinlich und
-gebe ihm hinreichend Nahrung. Personen, die an Wunden leiden, oder in
-irgend einer Weise erkrankt sind, und besonders Frauen unmittelbar
-vor oder nach der Entbindung sollte der Aufenthalt in der Nähe eines
-an der Rose Erkrankten nicht gestattet werden; auch sollten die mit
-dieser Entzündung Behafteten an Wunden Leidende oder Frauen im Kindbett
-nicht besuchen, ohne die größte Sorgfalt anzuwenden, um gegen die
-Uebertragung der Krankheit zu schützen, z. B. durch den Wechsel der
-Kleider, Baden u. s. w.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Beginne die Behandlung, besonders
- wenn Fieber vorhanden ist, mit folgendem Abführmittel:
-
- ~Potophyllum peltatum~ (Gemeines Fußblatt) 1½ Gran.
- ~Leptandrin~ 4 Gran.
- ~Cremor Tartari~ 20 Gran.
-
- Mische es, theile es in zwei Pillen und gib alle 6 Stunden eine, bis
- Stuhlgang erfolgt ist. Hierauf erhalte regelmäßigen Stuhlgang durch
- folgendes:
-
- Schwarzwurzel (~Blackroot~) 5 Unzen.
- Wilde Indigo Wurzel (~Wild Indigo Root~) 1 Unze.
-
- Mische es und rühre die Mischung in 4½ Pint kochendes Wasser. Man
- nehme einen Theelöffel voll mehrere Male des Tages.
-
- Treten die Symptome heftig auf, so beginne man die Behandlung mit
- einem Brechmittel. Gegen Magensäure gib Magnesia, Kreide oder
- doppeltkohlsaures Soda (~Bicarbonate of Soda~). Erscheint die
- Entzündung am Körper, so wird ein Dampfbad Erleichterung gewähren.
- Wenn sich die Rose im Gesicht oder am Kopf befindet, bähe die
- betreffenden Theile mit einer Abkochung von Boneset, Farnkraut
- (~Tansy~), oder Katzenmünze (~Catnip~) mehrere Male des Tages. Ein
- Umschlag von Preiselbeeren wird von Vielen für ein ganz besonderes
- Mittel gegen diese Krankheit gehalten. Koche ein oder zwei Pint, bis
- sie weich sind und mische sie mit pulverisirter Ulmenrinde oder Mehl
- und mache einen Umschlag auf den erkrankten Theil. Ist die Entzündung
- heftig, gebrauche
-
- Eisen-Chlor-Tinctur (~tincture of chloride of iron~) 1 Drachme.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~sweet spirits of nitre~) 2 Drachmen.
-
- Mische es. Dosis: 25 Tropfen in ein Weinglas mit einem Aufguß von
- Hollunderblüthe und Frauenhaar (~Elder flowers and Maiden hair~) 1
- Unze von jedem, in 2 Pints kochenden Wassers.
-
- Bilden sich Blasen und tritt Eiterung ein, mache Umschläge von
- Ulmenrinde und Hopfenmalz. Verschwindet die Entzündung plötzlich,
- oder wird eine Neigung hierzu bemerkbar, gebe man folgendes:
-
- Blutwurzel, Pleuresiewurzel, Ipecacuanha und Salpeter, jedes
- pulverisirt, eine Drachme. Gieb eine Dosis von 12 zu 15 Gran alle 3
- oder 4 Stunden. Zur Milderung des Juckens und Brennens kann eines
- der folgenden Mittel gebraucht werden: Gleiche Theile von Lobelia-
- und Blutwurzel-Tinctur mit ein wenig Essig; drei- oder viermal des
- Tages anzuwenden. -- Eine Abkochung von Flöhkraut und Stinkkamille
- (~Smartweed and Mayweed~) kann kalt gebraucht werden. Ein anderes
- Mittel: Lobelia-Tinctur, Lorbeer-Rinden- (~Bay berry~) Tinctur, eine
- satte Auflösung von Salmiak, von jedem eine Unze; bade die Theile
- mehrere Male des Tages damit. Ebenso noch einen erweichenden Umschlag
- von gebranntem Mehl oder Ulmen-Rinde. Wenn der Rothlauf chronisch
- ist und nach einigen Monaten immer wieder ausbricht, kann zu dessen
- Vertreibung folgende Behandlung angewendet werden: Man halte die
- Eingeweide mit guten Abführungspillen oder einem gemischten Pulver
- von Rhabarber und Potasche in Dosen von fünf oder zehn Gran dreimal
- des Tages zu nehmen in Ordnung; gleichzeitig nehme man das folgende:
- Wilde Indigo-Wurzel, Blut-Wurzel und Scharlachbeere-Wurzel (~Poke
- root~) von jedem eine Unze; holländischen Wachholderbranntwein
- (~Gin~) und Branntwein 1 Pint; man lasse es eine Woche stehen und
- füge 2 Drachmen hydriosaures Potasche-Salz, aufgelöst in einer Unze
- Wasser; Dosis einen Theelöffel voll dreimal des Tages. Das folgende
- Mittel wird gleichfalls empfohlen: Blaue Schwertlilien-Wurzel,
- gelbe Ampferkraut-Wurzel, Kletten-Wurzel, die Rinde der
- Bittersüß-Wurzel, Sassafras-Rinde, von jedem, grob gepulvert, eine
- Unze; Hollunder-Blüthe 2 Unzen, dazu 6 Pint kochendes Wasser; bedecke
- das Gefäß und lasse es 24 Stunden stehen; presse ferner die Kräuter,
- durchseihe und versüße es. Dosis: Ein Weinglas voll dreimal des
- Tages. Das Baden der angegriffenen Theile mehrere Male in der Woche
- in schwachem Laugenwasser wird gleichfalls von guter Wirkung gefunden
- werden.
-
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Wenn starkes Fieber, heiße, trockene
- Haut, Durst u. s. w. vorhanden ist.
-
- ~Belladonna.~ -- Ein wichtiges Mittel, besonders gegen Gesichtsrose,
- bei geschwollenen Augen, trockener Haut, Durst und Phantasiren.
- ~Aconitum~ und ~Belladonna~ kann abwechselnd gegeben werden. Alle 2
- Stunden eine Dosis. Bessern sich die Symptome nicht, klagt der Kranke
- über Schmerz im Hals, Trockenheit, Husten ohne Auswurf, gebe man
- ~Lachesis~. ~Apis mellifica~ kann abwechselnd damit gegeben werden.
-
- Wenn diese Mittel eine Zeitlang gegeben worden sind und sich
- der Zustand des Kranken noch verschlimmert, während eine große
- Empfindlichkeit gegen Geräusch und Licht vorhanden, die Haut glänzend
- und sehr zart ist, zuweilen Blasen bildet, gebe man ~Belladonna~
- und ~Rhus toxicodendron~ abwechselnd, einen Theelöffel voll alle
- zwei Stunden. Wird der Kranke schläfrig, gebe man eine Dosis (4
- Kügelchen) ~Opium~. Wenn aufgeregt und schlaflos, gebe man Kaffee und
- ~Belladonna~ abwechselnd, alle Stunden eine Dosis. ~Arsenicum~ kann
- gegeben werden, wenn die Entzündung eine dunkle Farbe annimmt und der
- Kranke sehr schwach wird.
-
- ~Pulsatilla~ -- ist zu geben, wenn die Krankheit durch gewisse
- Nahrungsmittel, wie Austern, Clams u. s. w. Auch dann, wenn die
- Entzündung an einem Orte verschwindet und an einem anderen wieder
- erscheint oder wenn sie die Ohren angreift. Gegen Rothlauf in den
- Gelenken ~Bryonia~ und ~Rhus toxicodendron~ abwechselnd.
-
- Wenn sich Blasen bilden, die faulig werden, gebe man ~Arsenicum~ und
- ~Carbo vegetabilis~ abwechselnd.
-
- ~Mercurius~ und ~Hepar sulphuris~ kann gegeben werden, wenn sich der
- Rothlauf in Eitergeschwüre verläuft.
-
- Wenn die Krankheit chronisch wird und der Leidende derselben hin und
- wieder unterworfen ist, gebe man ~Rhus toxicodendron~ und ~Graphites~
- einen Tag um den andern. Eine Dosis 6 Kügelchen.
-
- Die Anwendung des Wassers -- in Form von nassen Tücherumschlägen --
- um Schweiß hervorzurufen, wird sehr zuträglich gefunden werden.
-
- +Anwendung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
- Wasser und gebe stündlich oder alle 2 bis 3 Stunden einen Theelöffel
- voll, wenn nicht anders verordnet.
-
- +Kost.+ -- Trockenes geröstetes Brod, Haferschleim, schwarzer Thee,
- warme Limonade, wenn keine Diarrhöe vorhanden ist, und geschmorte
- Pflaumen.
-
-
- =Allöopathisch.= Beim Ausbruch gebe man ein Abführmittel wie
- Bittersalz oder folgendes:
-
- ~Magnesia sulphurica~ 1 Unze.
- Salpetersaure Potasche (~Nitrate of Potash~) 10 Gran.
- Lakritzen-Saft (~Liquorice~) 1 Skrupel.
- Gemischten Aufguß von Sennablättern 5½ Unze.
- Tinctur von Senna-Blättern und Jalappenwurzel 3 Drachmen.
- Spiritus von flüchtigem Salz (~Spirit of sal
- volatile~) 1 Drachme.
-
- Mische es. Dosis: 2 oder 3 Eßlöffel voll. Wenn die Krankheit nicht
- heftig ist, ist es nicht gut, ein Brechmittel anzuwenden. Das
- folgende kann, wenn nothwendig, gebraucht werden:
-
- Brechweinstein (~Tartar Emetic~) 1 Gran.
- Ipecacuanha-Pulver 1 Skrupel.
- Syrup 1 Drachme.
- Quellwasser 10 Drachmen.
-
- Mische es und nimm es auf einmal.
-
- Wenn auf die Eingeweide gewirkt wurde, kann das folgende gegeben
- werden:
-
- Eine Auflösung des essigsauren Ammoniak
- (~solution of acetate of Ammonia~) 1½ Unzen.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet Spirits of
- Nitre~) 2 Drachmen.
- Syrup 2 Drachmen.
- Campher-Mischung 4 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: 2 Eßlöffel voll alle 2 bis 3 Stunden.
-
- Ist der Magen reizbar, gebe man folgendes:
-
- Doppelkohlsaure Potasche (~Bicarbonate of Potash~) 2 Drachmen.
- Syrup 2 Drachmen.
- Destillirtes Wasser 6 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: 2 Eßlöffel voll. Zu jedem füge einen Theelöffel
- voll frischen Lemon-Saft oder 15 Gran Citronen-Säure, zuvor in einem
- Eßlöffel voll Wasser aufgelöst; trinke es während des Aufschäumens.
-
- Wird der Kranke schwach und der Fall nimmt einen typhösen Charakter
- an, so gebraucht man folgendes stärkende Mittel:
-
- Eine Abkochung von Baumrinde 6 Unzen.
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 8 Gran.
- Verdünnte Schwefelsäure (~Dilute sulphuric acid~) ½ Drachme.
- Zusammengesetzte Baumrinden-Tinctur ½ Unze.
- Syrup von Orangen-Schale 2 Drachmen.
-
- Mische es. Dosis: 2 Eßlöffel voll alle 4 Stunden. Wein, Molken,
- Milch, Punsch, Eier und Wein u. s. w. können ebenfalls mit Vortheil
- angewendet werden.
-
- Schlägt die Krankheit aus irgend einem Grunde nach Innen, muß die
- krankhafte Oberfläche mit Senf abgerieben und der ganze Körper in
- ein heißes Bad gebracht werden. Um das Jucken und Brennen der Haut
- zu vermeiden, ist eines von den folgenden Mitteln anzuwenden:
- Pfeilwurzpulver, Roggenmehl, pulverisirte Stärke, ein Thee von
- Buchweizenmehl; leinene Umschläge, mit folgender Mischung getränkt:
-
- Eine Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~solution
- of Acetate of Ammonia~) 4 Unzen.
- Wein-Spiritus 1 „
- Hollunderblüthe oder Rosenwasser 3 „
-
- Gegen die Ausbreitung der Entzündung wende man Jod-Tinctur an, Dr.
- Wood empfiehlt einen Rand von ungefähr zwei Zoll, eine Hälfte auf
- der entzündeten Oberfläche und die andere auf der gesunden Haut zu
- malen; nach Belieben anzuwenden und täglich, wenn nothwendig, zu
- wiederholen. Salpetersaures Silber wird von Higgenbottom empfohlen
- und wie folgt angewendet:
-
- Salpetersaures Silber (~Nitrate of Silver~) 2 Skrupel.
- Salpetersäure (~Nitric Acid~) 12 Tropfen.
- Wasser 1 Unze.
-
- Mische es. Wende es mit einem an einen Stock gebundenen Lappen oder
- einer Kameelshaarbürste an.
-
- +Anmerkung.+ Bei heftig auftretenden Fällen wende man sich an einen
- geschickten Arzt.
-
-
-Masern (~Measels~, ~Rubeola~).
-
-Dies ist eine Krankheit, die hauptsächlich in der Kindheit auftritt;
-doch werden auch Erwachsene davon befallen, die derselben weit
-härter als Kinder unterworfen sind. Ein Anfall wird in der Regel den
-Betreffenden gegen einen zweiten sichern. Es ist eine ansteckende
-Krankheit, deren Verlauf 7 bis 20 Tage nach dem Erscheinen erfordert.
-
-+Kennzeichen:+ Die Symptome sind anfänglich jenen des Katarrhs oder
-Schnupfens sehr ähnlich. Frost, Durst, Schlaflosigkeit, zuweilen
-Kopfschmerzen, Niesen, kurzer trockner Husten, Laufen der Nase, rothe
-und wässrige Augen sind vorhanden. Dies ist das erste Stadium, welches
-in der Regel ungefähr drei Tage dauert. Am vierten Tage zeigt sich ein
-Ausschlag. Derselbe beginnt im Gesicht, gewöhnlich auf der Stirne, und
-geht hinab nach dem Nacken, Rumpf und untern Körpertheilen. Dieser
-Zustand dauert ungefähr 48 Stunden, während dessen das Fieber sehr
-stark ist. Der Ausschlag besteht in ganz kleinen tief rothen Punkten,
-welche den Flohbissen sehr ähnlich sind, sind leicht erhaben auf der
-Oberfläche und fühlen sich rauh an, wenn man mit der Hand über die
-Haut streicht. Am siebten oder achten Tage nach den ersten Symptomen
-der Krankheit verschwindet der Ausschlag und zwar zunächst da, wo er
-sich zuerst zeigte. Am neunten Tage werden in der Regel nur noch
-einige gelbrothe Flecke gesehen. Die Haut wird trocken und löst sich
-in kleinen kleiartigen Stückchen ab. Masern können mit einer Unordnung
-des Magens, Entzündung der Lungen oder einer solchen der Eingeweide
-verwickelt sein. Fällt die Krankheit auf die Lungen, so verschwindet
-der Ausschlag viel früher als er sollte -- in 36 oder 48 Stunden.
-
-Die Masern können mit Scharlachfieber verwechselt werden, wer aber
-die Symptome genau beachtet, kann kaum einen solchen Irrthum begehen.
-Die unterscheidenden Merkmale zwischen den beiden Krankheiten sind
-folgende: 1) Den Masern gehen stets Katarrh-Symptome, wie Niesen,
-Husten, Laufen der Nase voraus, was bei dem Scharlachfieber nicht
-der Fall ist. 2) Das Ausbrechen der Masern zeigt sich in Flecken in
-der Gestalt eines Halbmonds, ähnlich den Flohbissen, welche auf der
-Oberfläche leicht erhaben sind. Die Flecken des Scharlachfiebers
-sind nicht erhaben, breiten sich über den ganzen Körper aus und sind
-von einer hellen Scharlachfarbe. Bezüglich der Farbe könnte man
-die Masern mit der der Himbeere und die des Scharlachfiebers mit
-jener eines gekochten Krebses vergleichen. 3) Böser Hals wird stets
-beim Scharlachfieber gefunden, bei Masern selten oder nie. 4) Der
-Masernausschlag erscheint am vierten und jener des Scharlachfiebers am
-zweiten Tage.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Masern erfordern in der Regel nur wenig medizinische
- Behandlung. Der Kranke sollte in ein großes luftiges Zimmer geschafft
- werden, und es ist besser, wenn er im Bett bleibt. Man sollte ihm
- keine warmen Getränke oder Brechmittel geben, da diese das Fieber
- nur erhöhen. Kaltes Wasser kann er so viel trinken, als er wünscht.
- Die Kost muß leicht sein, wie: Weizen- oder Reismehl, Haferschleim,
- Zwieback-Wasser, Milch und Wasser, Tapiocamehl, Sago oder andere
- leicht verdauliche Nahrungsmittel. Wenn das Fieber abnimmt, kann eine
- kräftigere Kost gestattet werden. Die Augen schütze man gegen das
- Licht.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Wenn das Fieber stark und die Symptome
- ernstlich, mag die Tinctur von Virginischer Schlangenwurzel (~Snake
- root~) in Dosen von 10 bis 60 Tropfen in warmem Katzenmünze-
- (~catnip~) oder Balsam-Thee, alle 2 oder 4 Stunden eingenommen
- werden. Kommt der Ausschlag lange nicht heraus, oder schlägt er nach
- seinem Erscheinen wieder zurück, mache man Senfumschläge auf den
- Unterleib, die Füße, Knöchel und die Handgelenke. Ist der Husten
- stark, gieb eine gemischte Tinctur von Lobelia in einem Aufguß
- von Ulmenrinde (~slippery elm~) alle ein oder zwei Stunden. Sind
- Anzeichen von einer Lungenentzündung vorhanden, so mache man einen
- Senfumschlag über die ganze Brust, der entfernt werden kann, sobald
- er eine bestimmte Röthe hervorgerufen hat, dann einen Umschlag
- von Hopfen- und Lobeliablättern, wechsle sie alle halbe oder alle
- Stunden. Man gebe die gemischte Lobelia-Tinctur, die Uebelkeit
- verursachen wird. Auch wasche man den Kranken öfters vermittelst
- eines Schwammes mit warmem, schwachem Laugenwasser, um das Jucken und
- Brennen zu vermindern. Ist Diarrhöe vorhanden, gebe man einen Aufguß
- von Brombeerenwurzel (~blackberry root~) oder Einspritzungen von
- Stärkewasser mit einigen Tropfen Laudanum.
-
- =Allöopathisch.= Gegen den Husten gebe man Flachssamen- oder
- Ulmenrindenthee (~slippery elm~). Die Eingeweide halte man durch
- geröstete Aepfel, gekochte Pflaumen oder mit folgendem Mittel offen:
-
- Schwefelsaures Magnesia (~sulphate of Magnesia~) 3 Drachmen.
- Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~solution of
- Acetate of Ammonia~) 1 Unze.
- Ipecacuanha-Wein (~wine of Ipecac~) 1 Drachme.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~sweet spirits of nitre~) 1 „
- Mohn-Syrup (~syrup of Poppies~) 2 „
- Zimmet-Wasser 1 Unze.
-
- Hinreichend Wasser, um vier Unzen zuzubereiten.
-
- Mische es. Dosis: 1 Eßlöffel voll 3 oder 4 Mal des Tages.
-
- Wenn der Ausschlag von zu starkem Fieber zurückgehalten wird, gebe
- man die Tinctur von grüner Nieswurz (~veratrum viride~),
- Ipecacuanha, Bienen-Syrup oder Lobelia in Dosen, die hinreichen, um
- Uebelkeit im Magen hervorzurufen, so wie die zusammengesetzte Tinktur
- der Virginischen Schlangenwurzel theelöffelweise.
-
- Ist der Husten sehr stark, gebe man folgendes:
-
- Gewöhnlichen Sauerhonig (~oxymel simple~) 1 Unze.
- Ipecacuanha-Wein (~Wine of Ipecac~) ½ Drachme.
- Meerzwiebel-Tinctur (~tincture of Squills~) 1 „
-
- Genügend Wasser, um 6 Unzen zu bereiten.
-
- Mische es. Dosis: Vier- oder fünfmal des Tages einen Theelöffel voll.
-
- Oder:
-
- Tolu-Syrup 1½ Unze.
- Gummi Arabicum Schleim (~Mucilage of Gum Arabic~) 1½ „
- Ipecacuanha Wein 1 Drachme.
- Meerzwiebel-Tinctur 1 „
-
- Hinlänglich Wasser, um 6 Unzen zuzubereiten.
-
- Mische es. Alle 4 Stunden einen Eßlöffel voll. Am dritten oder
- vierten Tage, nachdem der Ausschlag verschwunden ist, gebe man ein
- zusammengesetztes Pulver von Jalappenwurzel oder Scammonium-Harz.
-
- Bei großer Schwäche des Patienten gebe man:
-
- Anderthalb Kohlensaures Ammoniak (~sesquicarbonate
- of Ammonia~) ½ Drachme.
- Süßen Salpeter-Spiritus (~sweet spirits of nitre~) 2 Drachmen.
- Opium-Tinctur 30 Minims.
- Kampfer-Mischung 6 Unzen.
-
- Mische es. 2 Eßlöffel voll alle 3 oder 4 Stunden.
-
- Oder:
-
- Salzsaures Ammonium (~muriate of Ammonia~) 1 Unze.
- Destillirtes Wasser 9 Unzen.
-
- Mische es. Alle 3 oder 4 Stunden einen Eßlöffel voll.
-
-
- =Homöopathisch.= Wenn der Anfall gelind ist, gebe man abwechselnd
- ~Aconitum~ und ~Pulsatilla~ (4 Kügelchen) alle 2 bis 3 Stunden, was
- in der Regel die gewünschte Wirkung haben wird. Bei Magenbeschwerden
- gebe man gelegentlich eine Dosis Ipecacuanha oder Belladonna. Bei
- bösem, trockenem, schmerzhaftem (beim Schlucken) Hals, Durst,
- krampfartigem Husten, auch wenn Andrang nach dem Kopfe bei erhöhtem
- Fieber, Schlaflosigkeit, Delirium vorhanden ist.
-
- ~Aconitum~ und ~Bryonia~ sollten alle zwei bis drei Stunden
- abwechselnd gegeben werden (12 Kügelchen aufgelöst in 12
- Theelöffelvoll Wasser). Gebe einen Theelöffel voll bei heftigem,
- trocknem Husten mit stechenden Schmerzen in der Brust, welche
- Bronchitis oder Lungenentzündung anzeigt.
-
- ~Ipecacuanha~ und ~Bryonia~ gebe man abwechselnd alle Stunden oder
- alle halbe Stunden, wenn der Ausschlag nicht recht herauskommt oder
- plötzlich zurückschlägt -- bei Blässe und Magenschmerzen. ~Euphrasia~
- bei entzündeten wässerigen Augen.
-
- ~Rhus Toxicodendron~ sollte abwechselnd mit ~Bryonia~ gegeben werden,
- wenn Symptome von Nervenfieber vorhanden sind, wie: trockene rothe
- Zunge, heiße und trockene Haut, sowie Delirium. Kommt hierzu starker
- Durst, Schlaflosigkeit, bräunliche Diarrhöe, gebe man ~Arsenicum~ und
- ~Rhus~ abwechselnd alle 1 oder 2 Stunden eine Dosis.
-
- Bei Ohrenfluß mit Ohrenschmerzen verbunden nach den Masern gebe man
- ~Pulsatilla~, ~Sulphur~ oder ~Mercurius~. Gegen das Anschwellen der
- Drüsen des Nackens ~Belladonna~, ~Mercurius~, ~Rhus~, ~Arnica~. Gegen
- das Brennen und Jucken der Haut ~Sulphur~ und ~Arsenicum~.
-
- Während einer Epidemie der Masern ist eine Dosis (4 Kügelchen) von
- ~Pulsatilla~ alle Abend zu empfehlen, sie wird entweder den Anfall
- ganz verhindern oder doch schwächen.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Ist die Dosis nicht mit den Mitteln
- angegeben, so löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und
- gebe einen Theelöffel voll alle 2 bis 3 Stunden.
-
- +Anmerkung.+ Wenn die Masern bösartig sind, sich Symptome eines
- Faulfiebers, sowie ein dunkler, schwarzgelber Ausschlag, mit
- dunkelrothen Flecken, großer Schwäche einstellen und der Ausschlag
- einmal heraustritt, dann wieder verschwindet, so ziehe man einen
- geschickten Arzt zu Rathe.
-
-
-Das Scharlachfriesel (~Scarlatina familiaris~, ~scarlet rash~.)
-
-Dasselbe ist eine vom Scharlachfieber verschiedene Krankheit, obgleich
-es zuweilen mit demselben, sowie auch mit den Masern verwechselt wird.
-Der Ausschlag des Scharlachfriesels besteht in ganz kleinen kronartigen
-Erhöhungen, welche bei einem Streichen mit der Hand über die Oberfläche
-der Haut leicht gefühlt werden können, während der Ausschlag des
-Scharlachfiebers vollkommen glatt ist.
-
-+Ursachen.+ Kinder irgend eines Alters sind empfänglich dafür,
-wird aber häufiger bei Säuglingen gefunden. Es wird durch einen
-gewissen Reiz des Magens und der Eingeweide, durch plötzlichen
-Witterungswechsel, plötzliche Unterdrückung der Hautausdünstung, durch
-kaltes Trinken, wenn der Körper erhitzt ist, und durch übermäßige
-Bewegung hervorgerufen. Es ist nicht ansteckend.
-
-+Kennzeichen.+ Dem Ausschlag geht in der Regel Frost und Hitze --
-abwechselnd -- Schwäche, Schwere und Eingenommenheit des Kopfes,
-Schlaflosigkeit, Hitze und Trockenheit der Haut, Appetitlosigkeit u.
-s. w. voraus. Diese Symptome verschwinden, sobald sich der Ausschlag
-zeigt, was in der Regel am dritten oder vierten Tage der Fall ist.
-Scharlachfriesel kann von Scharlachfieber dadurch unterschieden werden,
-daß bei dem Letzteren der Ausschlag eine hellrothe oder scharlachartige
-Farbe besitzt und sich gleichmäßig über die Oberfläche des Körpers
-verbreitet; bei dem Ersteren ist der Ausschlag viel dunkler, zuweilen
-fast purpurfarbig, und erstreckt sich in unregelmäßigen runden
-Flecken über den Körper, läßt auch beim Druck mit den Fingern keinen
-weißen Eindruck zurück. Das Scharlachfieber wird stets von bösem Hals
-begleitet, was bei dem Scharlachfriesel nicht der Fall ist. Durch das
-Laufen der Nase, Augen u. s. w., Symptome der Masern, können dieselben
-vom Scharlachfriesel unterschieden werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= Bei gewöhnlichen Fällen reicht ~Aconitum~ hin, das,
- wenn Reizbarkeit und Schlaflosigkeit vorhanden ist, abwechselnd mit
- ~Coffea~ gegeben werden kann.
-
- Bei Uebelkeit und Erbrechen ~Ipecacuanha~ oder ~Pulsatilla~.
-
- Verschwindet in Fällen der Ausschlag plötzlich: ~Ipecacuanha~ und
- ~Bryonia~, abwechselnd alle halbe Stunden oder alle Stunden eine
- Dosis, gleichzeitig halte man den Kranken wohl zugedeckt.
-
- Bei Andrang nach dem Kopfe, Schläfrigkeit gebe man ~Opium~. Wenn
- plötzliche Anfälle eintreten, die Augen mit Blut unterlaufen und der
- Kopf schwer wird, wende man ~Belladonna~ an.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
- Wasser und gebe alle 1, 2 oder 3 Stunden, der Strenge der Symptome
- angemessen, einen Theelöffel voll.
-
- =Allöopathisch.= Gewöhnlich ist nur wenig, wenn irgend welche
- Behandlung erforderlich. Bei starken Anfällen beschränke man den
- Kranken auf das Haus, setze ihn auf schmale Kost und gebe folgendes:
-
- Eine Auflösung von essigsaurem Ammoniak
- (~solution of acetate of Ammonia~) 1½ Unzen.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~sweet spirits of nitre~) 2 Drachmen.
- Syrup 2 „
- Kampfer-Mischung 4 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: einen Theelöffel voll alle 3 oder 4 Stunden.
-
- Ist Säure in dem Magen vorhanden, gelegentlich eine Dosis Magnesia
- -- bei starkem Fieber die neutrale Mischung (~neutral mixture~).
- Auf die Eingeweide suche man mit Castoröl oder Bittersalz u. s. w.
- einzuwirken.
-
- =Wasserheilkur.= Die Anwendung des Wassers wird bei dieser Krankheit
- von ausgezeichnetem Erfolge gefunden werden. Hülle den Kranken in
- nasse Tücher und decke ihn mit wollenen Decken gut zu. In dieser
- Lage mag er gelassen werden, bis eine ungehinderte Ausdünstung
- eintritt, worauf man ihn mit lauwarmem Wasser abwäscht. Ruft die
- erste Einhüllung nicht die gehörige Ausdünstung hervor, so sollten
- die nassen Tücher wiederholt werden, und zwar so oft, bis das Fieber
- eintritt. Wenn der Ausschlag plötzlich verschwindet und der Kranke
- wird schwach, schlaflos und reizbar, so wasche man ihn über und über
- mit kaltem Wasser, hülle ihn unabgetrocknet in wollene Decken ein
- und gebe ihm reichlich kaltes Wasser zu trinken. Er wird dadurch in
- Schweiß gerathen und der Ausschlag wird wieder erscheinen.
-
- Betreffs der Kost müssen alle reichen, überreifen und fetten Speisen
- vermieden werden und man darf dem Kranken nur leichte Diät erlauben,
- wie z. B. Weizen- oder Reismehlschleim, Milch und Wasser, Sago,
- Tapioca oder Zwiebackwasser (~toast water~).
-
-
-Das Scharlachfieber (~Scarlatina~, ~laevis~).
-
-Dies gehört zu den ansteckenden Fiebern und ist in der Regel von
-Ausschlag und bösem Halse begleitet. Es giebt drei verschiedene Arten:
-~Scarletina Simplex~ oder einfaches Scharlachfieber; ~Scarletina
-Anginosa~, wo Hals und Haut angegriffen sind, und ~Scarletina Maligna~,
-wo der böse Hals ein vorwiegendes Kennzeichen ist und daher zuweilen
-auch bösartige Halsentzündung genannt wird. Diese verschiedenen Formen
-aber entspringen alle aus ein und derselben Quelle. Scharlachfieber
-kommt im Frühjahr und Herbst am häufigsten vor. Die einzige Krankheit,
-mit der sie verglichen werden kann, sind die Masern, und unter dem
-Abschnitt „die Masern“ wurde bereits der Unterschied dieser beiden
-Krankheiten angegeben. Der böse Hals kann die Folge eines gelinden
-Scharlachfiebers sein, wie auch nicht selten in Folge einer bösartigen
-Halsentzündung gelindes Scharlachfieber entsteht. Diese Formen erhöhen
-unmerklich eine die andere (Watson). Oft tritt das Scharlachfieber
-so gelinde auf, daß es den Kranken kaum an’s Haus bindet, während es
-wieder in andern Fällen in wenigen Tagen, ja sogar in wenigen Stunden
-eine schlimmere Wendung nimmt.
-
-~Scarlatina Simplex~ -- beginnt mit Frostschauer, heißer Haut,
-Kopfschmerz, Uebelkeit und einer leichten Halsentzündung. Am zweiten
-Tage zeigt sich ein Ausschlag von feinen rothen Punkten -- zuerst im
-Gesicht und auf dem Nacken und bedeckt bald den ganzen Körper. Der
-Ausschlag nimmt am vierten oder fünften Tage ab und verschwindet in der
-Regel am siebten oder achten Tage der Krankheit ganz. Die Epidermis
-oder Oberhaut schält sich in großen Flecken von den Händen und
-Endgliedern und schuppt sich vom Gesicht und den übrigen Körpertheilen
-ab.
-
-~Angina scarlatinosa.~ -- Die Symptome treten schärfer und stärker
-bei dieser Art als bei der vorhergehenden auf. Die Vorläufer oder
-ersten Kennzeichen dauern länger, der Ausschlag zeigt sich nicht vor
-Ablauf des zweiten, in manchen Fällen nicht vor dem dritten Tage und
-zeigt sich mehr in der Form von großen rothen Flecken. Der Frost
-ist bedeutend, der Hals entzündet und Hals und Drüsen hochroth und
-geschwollen. Das Schlucken geht schwierig und die Drüsen schwellen
-so bedeutend an, daß sie den Eingang zum Halse fast verstopfen.
-Anhaltendes Kopfweh, geschwollene, rothe Augen verbinden sich mit
-Steifheit des Nackens und Kinnbackens. Die Hitze der Haut ist groß
-und die Haut erscheint fast roth gesotten. Sollte sich der Ausschlag
-auf den Magen, die Lungen oder das Gehirn erstrecken, so werden die
-Symptome sehr bedenklich und der Fall erfordert eine sehr umsichtige
-Behandlung. Wenn der Fall günstig verläuft, verschwindet der Ausschlag
-ungefähr am sechsten oder achten Tag.
-
-~Scarlatina Maligna.~ -- Diese Krankheit ist sehr gefährlich. Die
-Symptome sind ungefähr dieselben, wie bei der vorhergehenden Form,
-nur nähern sie sich bald denen des Typhoid und verursachen große
-Schwäche und gänzliche Erschöpfung. Die Entzündung des Halses ist
-bedeutend, Geschwüre bilden sich, welche die zarten Theile des Halses
-zerstören können. Der Ausschlag zeigt sich in unregelmäßigen Flecken,
-verschwindet zuweilen und kommt wieder. Die Drüsen des Nackens sind
-sehr geschwollen und die Nasenhöhlen verstopft und angeschwollen. Eine
-scharfe und brennende Absonderung aus der Nase und dem Halse macht die
-Lippen sowie die Nase wund. Die Zunge ist trocken und hat eine dunkle
-mahagoniholzartige Farbe. Der Puls ist schwach und die Hitze der Haut
-unter dem normalen Stand.
-
-Das Aussehen der Zunge ist bei Scharlachfieber eigenthümlich. Beim
-Beginn der Krankheit ist sie mit einer dicken, rahmartigen Lage
-bedeckt und die Kanten sind von einer dunkelrothen Farbe; nach den
-ersten zwei oder drei Tagen reinigt sie sich und gleicht jetzt einem
-Stück rohen Fleische. Gewisse Krankheiten, die zuweilen einem Anfall
-von Scharlachfieber folgen, sind fast eben so gefährlich, als das
-Fieber selbst. Hierher gehören die Entzündung des Inneren des Ohres,
-von welchem eine eiterartige Absonderung stattfindet und die den
-Kranken vollständig taub machen kann, scrophulöses Anschwellen der
-Nackendrüsen, chronische Entzündung der Augen. Die am meisten zu
-befürchtende Folge ist die Wassersucht, die entweder den ganzen Körper
-oder nur den Kopf und die Brust befallen kann. Gewöhnlich wird sie
-durch eine Erkältung während der Wiedergenesung hervorgerufen, und es
-kann daher nicht genug Sorgfalt während der Hautabschuppung beobachtet
-werden. Dieser Abschnitt der Genesung ist der gefährlichste der ganzen
-Krankheit, denn während die Eltern meinen, daß das Kind wieder gesund
-wird, lassen sie in ihrer Wachsamkeit nach, indem sie dem Kinde
-gestatten, in ein kaltes Zimmer zu gehen, das Feuer abgehen lassen und
-sich noch anderer grober Sorglosigkeiten schuldig machen. In Folge
-einer solchen Krankheit wird der Kranke hinfällig, matt, fieberisch
-und schlaflos. Die Haut ist trocken und heiß, die Abschuppung stellt
-sich ein, das Gesicht schwillt an, bald dehnt sich dieses Anschwellen
-auf Hände und Füße und schließlich auf den ganzen Körper aus. Wenn
-auch der Anfall von Scharlachfieber nur ein leichter war, so sollte
-doch dem Kranken nicht gestattet werden, sein Bett vor dem fünfzehnten
-Tage und das Haus nicht vor vier Wochen, vom Beginn der Krankheit an,
-zu verlassen. Sein Leben kann von der genauen Befolgung dieser Regel
-abhängen.
-
-+Ursachen.+ -- Scharlachfieber kann durch Ansteckung fortgepflanzt
-werden, oder auch als eine Epidemie herrschen. Dr. Hood empfiehlt in
-seinem Werk über das „Scharlachfieber“, die Kleider mit Chlorsalz zu
-tränken und sie auf Stühle in dem Zimmer eines an dieser Krankheit
-Leidenden zu hängen. Dies zerstört die Ansteckungskraft und die Gefahr
-der Ausbreitung dieser Krankheit ist weit geringer, als es andrerseits
-der Fall sein würde.
-
-
-+Behandlung.+
-
-=Allgemeine.= Die milderen Formen dieser Krankheit erfordern nur
-geringe Behandlung. Man halte den Kranken in einem gut gelüfteten
-Zimmer, setze ihn auf schmale Kost und wasche die Oberfläche des
-Körpers gelegentlich mit lauwarmem Wasser, wenn die Hitze der Haut groß
-ist. Einige Aerzte empfehlen anstatt der Waschung mit lauwarmem Wasser
-eine Einreibung mit Nierenfett sehr. Dr. West sagt in seinem Buche
-„über Krankheiten der Kinder,“ daß er dieses Mittel mit großem Erfolg
-angewendet habe. Es entfernt jene stechende Hitze weit erfolgreicher
-als das Wasser, macht die Haut geschmeidig und braucht nicht mehr als
-zweimal innerhalb 24 Stunden wiederholt zu werden. Die Einreibung
-besteht aus folgendem: Man nehme Talg oder fetten Speck und reibe damit
-den Kranken vom Kopf bis zum Fuß, ausgenommen das Gesicht und die
-Kopfhaut, Morgens und Abends. Anstatt des Speckes empfiehlt Dr. Meigs
-in seinem „Krankheiten der Kinder“ folgende Salbe:
-
- Glycerin 1 Drachme.
- Salbe von Rosenwasser 1 Unze.
-
- Diese Einreibung sollte sofort nach dem Erkennen der Krankheit
- angewendet und während dem ganzen Verlaufe fortgesetzt werden.
- Während der Genesung, oder wenn sich die Haut abschuppt, wende sie
- des Morgens an, gebe dem Kinde ein warmes Bad am Abend und reibe es
- gut mit einem weichen Handtuche ab.
-
- Nasse kalte Wasserumschläge sollten um den Hals, wenn er böse und
- entzündet ist, gemacht werden. Der Umschlag muß immer nach einigen
- Augenblicken entfernt werden, bis sich der Hals bessert. Anstatt der
- Einreibung wasche die Oberfläche mit einer schwachen Auflösung des
- Saleratus oder Laugenwasser, was den Reiz vermindern wird. Im Falle
- der Ausschlag plötzlich verschwindet und es ist augenscheinlich,
- daß er sich nach Innen geschlagen hat, empfiehlt Dr. Mundle die
- Behandlung vermittelst der Wasserkur, als ein ausgezeichnetes Mittel,
- und zwar wie folgt: Im Falle, daß das Scharlachfieber plötzlich nach
- Innen schlägt, muß der Kranke am ganzen Körper mit kaltem Wasser
- gewaschen werden, und falls Krampf erfolgt, muß kaltes Wasser in
- größerer Menge über ihn gegossen werden, bis der Krampf aufhört, dann
- wird er in wollene Decken, ohne abgetrocknet oder abgerieben worden
- zu sein, gewickelt, und muß soviel als möglich kaltes Wasser trinken.
- In den meisten Fällen tritt Schweiß ein, der Ausschlag erscheint
- wieder und der Kranke ist gerettet.
-
- Die gehörige Regelung der Kost ist ein wesentlicher Bestandtheil
- der Behandlung. In der Regel zeigt der Kranke kein besonderes
- Verlangen nach Nahrung, besonders wenn das Fieber seinen Höhepunkt
- erreicht hat. Wünscht aber der Kranke etwas zu genießen, so gebe
- man ihm Reismehl- oder Pfeilwurzschleim, Tapioca, Farina, Wasser
- von geröstetem Brod, Eiswasser oder Flachssamenthee. Ein sehr
- erfrischender Trank wird dadurch hergestellt, daß man dem kalten
- Wasser Erdbeeren-, Himbeeren- oder anderen Fruchtsyrup hinzufügt.
- Wenn die Lippen und Zähne mit einem Schorf oder einer Kruste bedeckt
- werden, entferne man sie vermittelst warmer Milch oder warmen
- Wassers. Wird er besser und die Genesung schreitet vorwärts, so kann
- Haferschleim, geröstete Milchschnitten (milk toast) und sehr leichte
- Fleischbrühe gestattet werden. Wenn die Verdauung gut ist, erlaube
- man Suppen, zartes, leicht verdauliches Fleisch u. s. w. In Betreff
- der Kost kann nie genug Sorgfalt beobachtet werden. Beklagt sich der
- Kranke laut, daß ihm nicht hinreichend Nahrung zu Theil wird, so
- willfahre seinem Ansuchen nicht.
-
- Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß ihm nicht erlaubt werde, zu
- früh auszugehen oder sich auf irgend eine Weise der kalten Luft
- auszusetzen. Es ist sehr zuträglich, wenn noch eine lange Zeit nach
- dem Anfall unmittelbar auf der Haut Flanell getragen wird.
-
- Als ein Schutzmittel gegen das Scharlachfieber wird von den Aerzten
- aller Schulen Belladonna empfohlen. Seine Vorzüge wurden zuerst
- durch Hahnemann, den Gründer der homöopathischen Schule, bekannt. Es
- ist außer allem Zweifel, daß dies die Kraft, gegen die Krankheit zu
- schützen oder doch den Anfall bedeutend zu verringern, besitzt. Die
- beste Form, dasselbe zu nehmen, ist das homöopathische Kügelchen, von
- welchem man vier einmal des Tages durch mehrere Wochen hindurch, oder
- so lange als man der Krankheit ausgesetzt sein mag, einnimmt. Kann
- man diese Form nicht haben, nehme man einen Tropfen von der Tinctur
- ein Tag um den andern. Wenn dies Alles einen Anfall nicht verhüten
- sollte, so wird es ihn doch sicherlich weit gelinder machen.
-
- =Homöopathisch.= Bei Behandlung dieser Krankheit ist das wichtigste
- Mittel ~Belladonna~. Es wird in allen Formen und Stadien gegeben,
- bei der einfachen Form wird schon diese eine genügen. Die Symptome,
- welche es erfordern, sind folgende: Trockenes, brennendes Fieber,
- schneller Puls, großer Durst, trockene, rothe oder weißbelegte Zunge,
- Hals und Drüsen entzündet und geschwollen, erschwertes Schlucken,
- Schlagen der Halsadern, Gesicht heiß, roth und aufgedunsen,
- Schwindel, Vollsein und Druck im Kopf, mit stechenden Schmerzen,
- welche durch Bewegung erhöht werden, Appetitlosigkeit, Uebelkeit
- und Erbrechen, heftigen Husten, trockene, brennende Hitze der Haut,
- das Auffahren aus dem Schlaf, große Erregtheit und Umsichschlagen,
- Scharlach-Ausschlag auf dem Gesicht und ganzen Körper. Bei heftigen
- Anfällen kann ~Belladonna~ alle Stunden einmal gegeben werden, bis
- sich die Symptome bessern. Bei milderen Fällen alle 2 bis 3 Stunden
- eine Dosis.
-
- Wenn das Fieber stark, der Puls schnell und voll, die Haut trocken
- und der Kopf heiß ist und große Erregtheit sich kund gibt, so gebe
- ~Aconitum~ abwechselnd mit ~Belladonna~ alle Stunden. Tritt unter
- dieser Behandlung während des Tages Besserung ein und die Symptome
- wachsen zur Nachtzeit zur Ruhe- und Schlaflosigkeit, so gebe man
- ~Coffea~ und ~Belladonna~ abwechselnd alle Stunden, bis der Kranke
- ruhiger wird.
-
- Ist große Schläfrigkeit und Hin- und Herwerfen vorhanden, die Zunge
- sehr trocken, Anschwellen der Drüsen des Nackens, die Haut im Gesicht
- glänzend, der Kopf nach rückwärts geworfen und fast beständiges
- Delirium, so gebe man ~Rhus toxicodendron~ und ~Belladonna~
- abwechselnd alle Stunden.
-
- ~Mercurius~ und ~Belladonna~ mögen alle Stunden abwechselnd gegeben
- werden, wenn die Mandeln schwürig werden, die Drüsen des Nackens
- anschwellen, eine große Menge von Speichel aus dem Munde läuft und
- übelriechender Athem vorhanden ist. Tritt innerhalb 12 Stunden keine
- Besserung ein, gebe man ~Acidum Nitri~ ebenso wie ~Mercurius~.
- Werden aber, nachdem man 6 bis 8 Stunden ~Acidum Nitri~ gegeben
- hat, die Symptome schlimmer und die Speichelabsonderung immer
- unerträglicher, gebe man ~Arsenicum~ und ~Lachesis~ alle Stunden eine
- Dosis abwechselnd bis der Kranke besser wird. ~Opium~ mag gegeben
- werden, wenn das Athmen in Schnarchen übergeht, bei Auffahren oder
- beständigem Delirium; das Gesicht aufgeschwollen und roth, brennende
- Hitze der Haut -- mit oder ohne Schweiß.
-
- Schlägt der Ausschlag zurück und die Haut nimmt eine dunkelbläuliche
- Farbe an, abwechselnd ~Bryonia~ und ~Belladonna~ alle halbe Stunden.
- Gewährt dies keine Erleichterung, so gebe man ~Ipecacuanha~ oder
- ~Camphor~.
-
- ~Sulphur~ ist ein schätzenswerthes Mittel und sollte (gelegentlich
- eine Dosis) gegeben werden, wenn sich die Haut abzuschuppen beginnt.
- Wenn die Symptome, welche ~Belladonna~ erfordern, nach Einnahme
- dieser Arznei nicht nachlassen, so gebe gelegentlich eine Dosis
- ~Sulphur~.
-
- Zeigen sich die Symptome der Bräune (~Croup~), so gebe man ~Aconitum~
- und ~Hepar sulphuris~ abwechselnd, alle Stunden eine Dosis.
-
- Gegen Ohrenschmerzen nach Scharlachfieber reiche man ~Pulsatilla~
- alle ein oder zwei Stunden eine Dosis, der Strenge der Symptome
- angemessen. Gewährt dies keine Erleichterung, so gebe man
- ~Belladonna~ und ~Hepar Sulphuris~ abwechselnd.
-
- Gegen Ohrenfluß (~Otorrhœa~) gebe man ~Pulsatilla~ alle 6 Stunden
- eine Dosis, drei oder vier Tage lang; wenn es darauf nicht besser
- wird, gebe man ~Calcarea~ oder ~Silicea~ in derselben Weise. Zeigt
- das Kind nach der Krankheit Symptome von Wassersucht des Gehirns
- (heißen Kopf, kalte Endglieder, Schlaf mit halboffenen Augen,
- Erbrechen bei Bewegung), so gebe man ~Bryonia~ und ~Helleborus~
- abwechselnd, alle zwei Stunden, bis sich die Symptome bessern.
-
- Wenn der ganze Körper anschwillt, gebe man ~Belladonna~ und
- ~Helleborus~ abwechselnd alle zwei Stunden und darauf ~Bryonia~ oder
- ~Apis mellifica~.
-
- Sind, ehe der Ausschlag herauskommt, Verzuckungen vorhanden, so gebe
- man ~Belladonna~ und ~Cuprum~ abwechselnd alle 15 bis 20 Minuten eine
- Dosis.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem betreffenden Heilmittel löse
- 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wassers und gebe als Dosis einen
- Theelöffel voll alle halbe, ganze oder zwei Stunden, der Heftigkeit
- der Symptome angemessen.
-
- =Allöopathisch.= Bei gelinden Fällen bleibe man im Hause in kühler
- frischer Luft, nehme verdünnte Getränke wie Flachssamen-Thee und eine
- leichte Kost, sowie die folgende Mischung, was alles sein wird, was
- nothwendig ist.
-
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1½ Unzen.
- Zusammengesetzter Aufguß von Rosen (~Compound
- infusion of roses~) 5 Unzen.
- Zimmet-Wasser 1 Unze.
-
- Mische es. Dosis: Alle drei Stunden zwei Theelöffel voll.
-
- Bei schmerzhaftem Schlucken, entzündetem und geschwollenem Hals und
- Mandeln, vollem und springendem Puls, heißer und trockener Haut, gebe
- man folgendes Brechmittel:
-
- Pulverisirten Ipecacuanha 10 Gran.
- Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 10 Gran.
- Gewöhnlicher Syrup 2 Drachmen.
- Wasser 1 Unze.
-
- Auf diese Arznei gebe man warmes Wasser, bis ein Erbrechen
- hervorgerufen ist. Dieses Mittel kann einem Kinde von 6 Jahren
- und darüber gegeben werden. Dr. Rush empfiehlt ein Brechmittel
- mit einem Abführmittel zu vereinigen, und zwar wie folgt: 5 Gran
- Calomel, 1 Gran ~Antimonium tartarisatum~, oder 5 Gran pulverisirtes
- Ipecacuanha. Brechmittel sollten während dieser Krankheit, wo immer
- die Symptome schlechter werden, oder Magenkrankheit vorhanden ist,
- angewendet werden. Zur Beförderung der Thätigkeit der Haut wird
- folgendes Mittel gut gefunden werden:
-
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitri~) ½ Unze.
- Tinctur von grüner Nieswurz (~Tincture of veratrum
- viride~) 20 Tropfen.
- Pulverisirter Gummi-Arabicum 1 Skrupel.
- Weiches Wasser 2 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: Alle halbe Stunden einen Theelöffel voll. ~Acidum
- muriaticum~ ist ein gutes Heilmittel. Gebe 45 Tropfen in ein Glas
- versüßten Wassers und alle halbe Stunde einen Theelöffel voll.
-
- Als ein Gurgelwasser für den Hals gebrauche man eine Auflösung von
- Chlorkalk (~chloride of lime~) eine Unze auf das Pint.
-
- Wenn das Kind zum Gurgeln noch zu jung ist, so binde ein Läppchen
- an einen Stock und wische den Hals aus. Ungefähr zweimal des Tages
- anzuwenden. Es schadet nichts, wenn das Kind zufällig etwas davon
- verschlucken sollte. Ferner ist es sehr zuträglich, das Kind Abends
- und Morgens mit derselben Auflösung abzuwaschen. Ein ausgezeichnetes
- Gurgelwasser ist das folgende:
-
- Zusammengesetzter Aufguß von Rosen (~Compound
- infusion of roses~) ½ Pint.
- Verdünnte Salzsäure (~Dilute muriatic acid~) ½ Drachme.
-
- Mische es.
-
- Wenn die Symptome, wie in der zweiten Form angegeben, gebe man
- folgendes:
-
- Citronen-Säure (~Citric acid~) 1 Drachme.
- Doppeltkohlensaure Potasche (~Bicarbonate of potash~) 4 Skrupel.
- Salpeter (~Nitre~) 2 Skrupel.
- Zimmet-Wasser 2 Unzen.
- Wasser 2 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: Alle vier Stunden zwei Theelöffel voll. Tritt
- bedeutender Schweiß ein, gebe man das folgende mit obigem alle vier
- Stunden:
-
- Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~Solution of
- acetate of ammonia~) 2 Unzen.
- Kohlensaures Ammoniak (~Carbonate of ammonia~) 3 Skrupel.
- Syrup ½ Unze.
-
- So viel Wasser, um ein halbes Pint zu machen. Dosis: Einen Eßlöffel.
-
- Als ein Mittel gegen Ansteckung und für einen Trank möge das
- folgende angewandt werden: Bringe 2 Gran Chlorsaures Kali
- (~chloride of potash~) in eine Quartflasche, füge eine Drachme
- Chlorwasserstoff-Säure (~hydrochloric acid~) hinzu und halte die
- Flasche gut verkorkt. Man lasse die Mischung ungefähr eine halbe
- Stunde stehen und füge dann allmählig ein Quart Wasser zu. Schüttle
- die Mischung nach jeder Hinzufügung von Wasser, damit das Wasser das
- Gas in sich aufnimmt. Ferner noch drei Unzen Orangenschalen-Syrup.
- Dies kann von dem Kranken so oft er es wünscht getrunken werden.
-
- Bei der bösartigen Form des Scharlachfiebers, wenn große
- Hinfälligkeit vorhanden ist, der Ausschlag nach Innen schlägt und
- die Haut eine purpurne oder mahoganyholzartige Farbe annimmt, die
- Zunge tiefroth oder dunkelbraun ist und die Geschwüre im Halse faulig
- werden, muß die Behandlung eine stärkende sein. Gieb ein Brechmittel
- und sind die Eingeweide verstopft, gebe man ein Abführmittel wie
- Castoröl. Dann gebe man das folgende:
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of Quinine~) 18 Gran.
- Tinktur von Orangenschale 1 Unze.
- Verdünnte Schwefelsäure (~Dilute sulphuric acid~) 1 Drachme.
- Syrup von Orangenschale 2 Unzen.
- Wasser 2 „
-
- Mische es. Dosis: Zwei Theelöffel voll in ein Weinglas voll Wasser
- dreimal des Tages für ein sechsjähriges Kind.
-
- Folgendes wird ebenfalls gut sein.
-
- Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits
- of ammonia~) 2 Drachmen.
- Aether 1 Drachme.
- Kampher-Spiritus 1 „
- Laudanum 20 Tropfen.
-
- Mische es. Dosis: Alle 3 oder 4 Stunden, oder wenn erforderlich auch
- öfters, einen Theelöffel voll.
-
- Das folgende Gurgelwasser kann angewandt werden:
-
- Chlorsaure Potasche (~Chlorate of potash~) ¼ Unze.
- Starke Chlorwasserstoff-Säure (~Strong hydrochloric
- acid~) 40 Tropfen.
- Wasser 1 Pint.
-
- Mische es.
-
- Molken, Wein, oder Madera mit Milch kann zuweilen gebraucht werden.
-
- Gegen Wassersucht, die hin und wieder einem Anfall von
- Scharlachfieber folgt, gebe täglich ein lauwarmes Bad und die
- zusammengesetzte Tinctur von virginischer Schlangenwurzel, bis eine
- ungehinderte Ausdünstung der Haut eintritt, alle zwei Stunden einen
- Theelöffel voll in Katzenmünze (~catnip~) oder Balsam-Thee, dann
- verlängere die Zwischenräume.
-
- Folgende Mischung wird von Condie bei Kinderkrankheiten empfohlen:
-
- Calomel 12 Gran.
- Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potash~) 1 Drachme.
- Fingerhut (~Digitalis~) 4 Gran.
-
- Mische und theile es in 12 Pulver; gebe jede Stunde, oder alle 2, 3
- auch 4 Stunden ein Pulver.
-
- Wenn Schmerz in den Ohren und andere Anzeichen einer Entzündung
- vorhanden sind, empfiehlt Condie folgendes:
-
- Präparirte Kreide (~Prepared chalk~) 36 Gran.
- Calomel 12 „
- Ipecacuanha 4 „
- Bilsenkraut-Extrakt (~Extract hyosciamus~) 6 „
-
- Mache 12 Pulver daraus und nehme eins alle Abend beim Schlafengehen
- und während des Tages etwas gelind Abführendes, wie schwefelsaure
- Magnesia. Tritt eine Entleerung aus den Ohren ein, so spritze
- sie häufig mit lauwarmem Gerstenwasser aus. Wenn die Absonderung
- dunkelgefärbt und übelriechend ist, gebrauche eine schwache Auflösung
- von Chlor-Soda (~Chloride of soda~), oder eine Abkochung von
- schwarzer Eichenrinde.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Bei gelinden Anfällen ist nur eine
- geringe Behandlung erforderlich. Man gebe während des kalten
- Stadiums warmen Thee von Katzenmünze (~catnip~), Flöhkraut
- (~pennyroyal~), Salbei oder Saffran. Ist der Magen reizbar, und
- findet häufiges Erbrechen statt, so gebe man Sodawasser oder
- Frauenmünze- (~spearmint~) Thee. Ein Senfpflaster über den Magen
- wird zuweilen das Erbrechen erleichtern. Folgende Behandlung wird
- als eine erfolgreiche sehr empfohlen. Bei dem ersten Erscheinen
- der Symptome, gewöhnlich böser Hals, gebe man einer erwachsenen
- Person 60 bis 80 Gran Jalappenwurzel (~jalap~). Die Dosis muß dem
- Alter des Kranken angemessen vermindert werden. Des Nachts gebe man
- einen Theetassenkopf bis ein Pint voll starken rothen Pfefferthee,
- angemessen dem Alter des Kranken und der Heftigkeit der Symptome, den
- nächsten Tag ungefähr die Hälfte der obigen Menge von Jalappenwurzel
- und wieder Pfefferthee des Nachts. Am dritten Tage, wenn noch
- Schmerzhaftigkeit des Halses vorhanden ist, gebe man eine Dosis
- Bittersalz, welches in der Regel die Heilung vollenden wird.
-
- Es ist eine allgemeine Regel, die Behandlung mit einem Brechmittel
- aus zusammengesetztem Pulver von Lobelia, oder für ganz kleine
- Kinder eine zusammengesetzte Tinctur der Lobelia zu beginnen. Von
- dem Pulver nehme man einen halben Theelöffel voll in warmem Wasser
- alle 20 Minuten, bis Erbrechen eintritt. Von der Tinctur alle 15
- Minuten einen halben Theelöffel voll in Syrup mit Wasser, bis es
- wirkt. Dieses Brechmittel mag drei oder vier Tage aufeinander -- so
- lange als das Fieber stark anhält -- gegeben werden. Prof. John King
- empfiehlt als ein Fieber-Linderungsmittel 1 Drachme Jasmin-Tinctur
- (~tincture of gelseminum~), mit 6 Tropfen Aconit-Tinctur alle
- Stunden, bis die Wirkung der Medizin die Symptome schwächt. Sechs bis
- acht Tropfen in einem Theelöffel voll Wasser.
-
- Folgendes ist ein brauchbares Gurgelwasser:
-
- Chlorsaure Potasche (~Chlorate of potash~) ½ Drachme.
- Salzsaures Ammonium (~Muriate of ammonia~) ½ „
- Glycerine 1 Unze.
- Wasser 3 Unzen.
-
- Alle zwei oder drei Stunden. Ist das Kind noch zu jung zum Gurgeln,
- spüle ihm den Mund damit aus.
-
- Ein anderes gutes Gurgelwasser ist ein halbes Pint Essig und eben
- soviel Wasser, heiß, dazu füge einen Theelöffel voll Blutwurzel
- (~blood root~) und lasse es vor dem Gebrauch 6 bis 8 Stunden stehen.
-
- Citronensaft wird bei bösem Hals zuweilen sehr dienlich gefunden.
- Schneide die Citrone in zwei Hälften, fülle eine Hälfte mit
- gepulvertem Brodzucker und lasse den Patienten daran saugen, so lange
- es nothwendig ist.
-
- Bei der bösartigen Form kann, wenn sich typhöse Symptome einstellen,
- Folgendes gebraucht werden:
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 1 Skrupel.
- Vitriol-Absud (~Elixir of vitriol~) 1 Drachme.
- Tinctur von Cohosh Wurzel 12 Drachmen.
- Tinctur von Belladonna 2 „
-
- Zuerst löse das Chinin in dem Vitriol-Absud auf und füge die
- Tincturen von schwarzer Cohosh Wurzel und Belladonna hinzu. Einem
- Kinde von 6 Jahren gebe 5 und einem Erwachsenen 15 Tropfen in einem
- Theelöffel voll Wasser, alle Stunden von Mitternacht bis 12 Uhr am
- andern Tage.
-
- Zeigen sich Symptome von Fäulniß, gurgle den Hals mit gleichen
- Theilen von Hefen und Milch, mit Honig versüßt, oder mit Hefen allein.
-
- Wenn das Gesicht sehr geschwollen und entzündet ist, sind fein
- gestoßene Preiselsbeeren (~granberries~) ein schätzbares Mittel. Sie
- sind mit großem Erfolg angewandt worden.
-
- Gegen den Ohrenfluß gebrauche man eine Einspritzung von Gelbwurzel
- (~Golden seal~), oder wenn der Ausfluß faulig ist, eine Auflösung von
- Chlor-Soda (~Chloride of soda~).
-
- Gegen Wassersucht, die zuweilen einem Anfall von Scharlachfieber
- folgt, gibt Prof. John King folgendes Mittel:
-
- Salpeter 10 Gran.
- ~Cremor Tartari~ 20 Gran.
- Aufguß von Petersilien-Wurzel (~Parsley root~) 12 Unzen.
-
- Mische es. Dosis für ein Kind von 5-8 Jahren jede Stunde einen
- Eßlöffel voll. Setze es fort, bis das Anschwellen verschwindet und
- eine ungehinderte Urin-Ausleerung stattfinden kann; in diesem Falle
- gebe man öfters einen Aufguß von Petersilien-Wurzel oder ~Haircap
- Moss~. Das folgende stärkende Mittel mag gleichzeitig angewendet
- werden. Man nehme Entian-Wurzel (~Gentian root~), Columbo-Wurzel,
- süße Schwertlilien- (~Sweet flag~) Wurzel, Gelbwurz- (~Golden seal~)
- Wurzel, Cayenne-Pfeffer, jedes grob gepulvert und davon einen
- gehäuften Theelöffel voll; gieb es zu einem Pint guten Sherry-Weines,
- und nachdem dies einige Tage lang gestanden hat, nehme von einem
- Theelöffel bis zu einem Weinglas voll drei- oder viermal des Tages.
-
-
-Windpocken, Wasserpocken (~Chicken Pox~, ~Varicella~).
-
- Diese Krankheit kennzeichnet sich durch zahlreiche durchsichtige
- Bläschen, oder kleine Blattern. Zu einer Zeit betrachtete man sie als
- eine Art von Pocken (~Variolæ~), allein es ist bereits nachgewiesen,
- daß sie mit diesen nicht verwandt ist. Sie ist ansteckend.
-
- +Kennzeichen.+ Dem Ausschlag gehen Frost, fliegende Hitze, Schmerz im
- Kopf, Durst und Schlaflosigkeit voraus; in der Regel sind nur wenig
- bezeichnende Symptome vorhanden. Hierauf erscheint der Ausschlag,
- aber ohne die Regelmäßigkeit, welche die Pocken (~Variolæ~)
- bezeichnet, entweder zuerst im Gesicht, oder auf dem Rücken,
- oder auch auf irgend einem anderen Theile des Körpers; während
- der Ausschlag der Pocken (~Variolæ~) immer zuerst auf dem Gesicht
- erschien. Bei den Pocken (~Variolæ~) wird stets ein Schwimmen im
- Kopfe und anhaltendes Kreuzweh empfunden. Die Pustel der Windpocke
- erscheint sogleich in der Form einer Blatter, während jene der
- ächten Pocken in der Form einer Spitze gleich dem Kopfe einer Nadel
- auftritt. Die Pusteln der Windpocken haben nie eine Beule in dem
- Mittelpunkt, wie jene der ächten Pocken, und die in ihnen enthaltene
- Flüssigkeit ist hell und wird nicht gelb wie bei den ächten Pocken.
- Ungefähr am vierten oder fünften Tage trocknen die Blattern der
- Windpocken ab; es bilden sich Schorfen und fallen ab -- selten oder
- nie lassen sie Narben zurück.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Spärliche Kost, kühlende Getränke und ein
- gelindes Abführmittel wie folgt:
-
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze.
- Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~solution of
- Acetate of Ammonia~) 3 Unzen.
- Destillirtes Wasser 3 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: Alle drei Stunden einen Theelöffel voll. Wenn
- ein beträchtliches Fieber vorhanden ist, gib kleine Dosen von
- Antimonium-Pulver mit essigsaurem Ammoniak und der Salpeter-Mischung
- -- unter Scharlachfriesel bereits angegeben.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ungefähr alles was nöthig ist, dem
- Patienten zu geben, besteht in Flöhkraut- (~Pennyroyal~), Salbei-
- (~Sage~), Saffran- oder Katzenmünze- (~Catnip~) Thee. Sind die
- Eingeweide verstopft, so gebe man Seidlitz-Pulver. Wasche die
- Oberfläche des Körpers mit Saleratus-Wasser und lasse den Kranken
- nicht aus dem Hause.
-
- =Homöopathisch.= Gegen das Fieber und den Kopfschmerz gebe
- abwechselnd ~Aconitum~ und ~Belladonna~.
-
- Wenn ein Schmerzen der Knochen und gallenkranke Symptome vorhanden
- sind, gebe man abwechselnd ~Bryonia~ und ~Rhus~.
-
- Gegen Unruhe, nervöse Aufregung, gestörten Schlaf &c. gebe ~Coffea~.
- Ist eine schmerzhafte Urin-Entleerung vorhanden, gebe ~Cantharis~
- oder ~Conium~, oder auch beides abwechselnd.
-
- Wenn der Ausschlag sehr streng auftritt, gebe man Brechweinstein
- (~Tartar emetic~).
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
- Wasser und gib alle 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll. Bei
- Fieber, Kopfschmerz, Unruhe &c. kann alle Stunden eine Dosis gegeben
- werden.
-
-
-Die Blattern oder Pocken (~Small Pox~, ~Variolæ~).
-
-Dieser sehr lästigen und ansteckenden Krankheit geht ein dreitägiges
-Fieber voraus, dem ein Ausschlag folgt, der in ungefähr acht Tagen
-seine Höhe erreicht. Sie ist sehr ansteckend. Es gibt zwei Arten: die
-+deutliche+, wo die Pusteln vollkommen von einander getrennt sind,
-und die +zusammenfließende+, wo sie sich vereinigen oder in einander
-laufen. Die Heftigkeit der Krankheit zeigt sich zum großen Theil in dem
-Ausschlag, je weniger Pusteln, desto gelinder ist die Krankheit. Die
-Krankheit wird, wie folgt, in vier Stadien eingetheilt.
-
-+Kennzeichen.+ -- +Erstes oder Fieber-Stadium.+ Dieses Stadium beginnt
-in der Regel vom neunten bis zum vierzehnten Tag nach dem Ausbruch. Der
-Kranke klagt gewöhnlich über Frost, mehr oder weniger streng, dem ein
-starkes Fieber folgt, schneller Puls, belegte Zunge, Appetitlosigkeit,
-Durst, oft Uebelkeit und Erbrechen, starke Schmerzen in dem Kopf und
-dem Rückkreuz, sowie allgemeine Schmerzen und Uebelbefinden.
-
-Es gibt nichts, was dieses Stadium von anderen Krankheiten
-unterscheidet, außer dem heftigen Kreuzweh. Die Kopf-Symptome sind
-häufig sehr heftig. Es ist große Unruhe und Reizbarkeit vorhanden, das
-Licht schmerzt die Augen, der Kopf schwimmt, Irrereden; der Kranke wird
-irre und zuweilen treten Krämpfe ein.
-
-+Zweites oder Ausbruchsstadium.+ Ungefähr am dritten Tage erscheint
-der Ausschlag in der Gestalt von kleinen, hellrothen Flecken, ungefähr
-in der Größe eines Nadelkopfes und zu derselben Zeit verschwindet
-das Fieber. Der Ausschlag erscheint zuerst auf dem Gesichte, dann am
-Nacken, Brust und Körper, und zuletzt auf Armen und Beinen. Dieses
-Stadium dauert ungefähr drei Tage, und während dieser Zeit gehen
-die Spitzen in Bläschen oder kleine Blattern über, welche mit einer
-wasserartigen Flüssigkeit gefüllt sind. Gleichzeitig mit dem Erscheinen
-des Ausschlags auf der Haut können wir auch eine starke Entzündung des
-Halses bei Zartheit und Anschwellen der Drüsen des Nackens wahrnehmen.
-
-+Drittes oder Eiter-Stadium.+ Die Bläschen nehmen jetzt an Größe zu
-und ändern ihre Pustelgestalt (enthalten Eiter). Die Flüssigkeit wird
-weißlich, endlich gelblich, und ist ähnlich wie bei einer Orange in
-Zellen abgetheilt. Auf der Spitze ist eine kleine Beule und die Haut
-um die Pusteln ist roth oder entzündet. Dieser Wechsel findet vom
-vierten bis zum sechsten Tage nach dem Ausbruche statt. Die Pusteln
-nehmen an Größe zu, werden hart und ausgedehnt, so groß wie eine
-gespaltene Bohne. In diesem Stadium ist das Gesicht sehr geschwollen
-und ein brennendes, ausgebreitetes, schmerzhaftes Gefühl ist vorhanden.
-Auch mag eine Schmerzhaftigkeit des Mundes mit Speichelfluß vorhanden
-sein. Sowie der Ausschlag zuerst im Gesicht erscheint, so gelangen auch
-die Pusteln im Gesicht in diesem Stadium zuerst zur Reife, während
-jene auf der Brust sich füllen und die auf den Gliedern noch wachsen;
-auf diese Weise wird der Schmerz vertheilt, welcher sonst unerträglich
-sein würde. Die Pusteln auf dem Gesichte beginnen am achten Tage sich
-zu verändern und die auf den Füßen zwei oder drei Tage später. In
-dieser Zeit findet eine eigenthümliche und unangenehme Ausdünstung
-des Körpers statt, woran ein mit dieser Krankheit Vertrauter sie in
-der Regel erkennen kann. Ungefähr um den achten oder neunten Tag der
-Krankheit erscheint das, was man secundäres Fieber nennt, welches von
-der Strenge, Ausdehnung und Spannkraft des Patienten abhängt. In der
-+deutlichen+ Form nimmt es in der Regel mit den Pusteln ab.
-
-+Viertes oder Stadium der Austrocknung.+ Dies ist das Stadium der
-Abnahme. Ungefähr nach dem achten oder neunten Tag des Ausbruchs oder
-dem elften oder zwölften Tage der Krankheit werden die Pusteln an
-der Spitze braun und trocken, oder einige von ihnen brechen auf und
-der ausfließende Eiter bildet eine Kruste. Von da ab schreitet die
-Abtrocknung rasch vorwärts, das Anschwellen des Gesichts läßt nach und
-die Schorfe im Gesicht fangen am vierzehnten oder fünfzehnten Tage der
-Krankheit an abzufallen. Es dauert drei oder vier Tage nachdem sich
-die Schorfe auf dem Gesicht bildeten, so zeigen sie sich auch an den
-Knöcheln und Handgelenken. Nachdem die Kruste oder Schorfe abgefallen
-sind, erhält die Haut ein eigenthümliches Aussehen; es sind purpurrothe
-Flecken, die nach und nach verschwinden oder bei schweren Fällen, wo
-sich der Eiter durch die eigentliche Haut gefressen hat, bilden sich
-Vertiefungen, oder, wie man sagt, der Kranke wird pockennarbig. Der
-ganze Verlauf der Krankheit dauert zwei bis drei Wochen.
-
-Die obige Beschreibung ist die des regelmäßigen, günstigen Verlaufs
-der Krankheit, da wo die Pusteln nicht in einander laufen. Wenn aber
-die Pusteln eine Masse bilden, ist die Gefahr und Dauer der Krankheit
-bei weitem erhöht. In dieser Form ist das Fieber stärker und nimmt
-vom Erscheinen des Ausbruchs bis zur Zeit der Reife oder dem dritten
-Stadium zu. Verzuckungen, Delirien und Betäubung sind häufiger; die
-Augenlider schwellen an, so daß der Kranke am fünften Tage nicht mehr
-sehen kann, der Hals ist sehr böse, sowie bedeutend geschwollen und
-die Entzündung kann sich auf die ganze Länge der Luftröhren ausdehnen,
-so daß durch Erstickung der Tod veranlaßt werden kann. Das Fieber hört
-nicht auf beim Erscheinen des Ausbruchs, sondern nimmt an Strenge zu
-und ist von Delirien, Betäubung, Blutstürzen, blutigem Urin und Ruhr
-begleitet, oder es kann mit einem Male den Tod herbeiführen.
-
-+Ursachen.+ -- Die Veranlassung zu dieser Krankheit ist jedenfalls die
-Ansteckung. Irgend Jemand, der nicht durch Impfung oder einen früheren
-Anfall von Pocken unempfänglich ist, ist der Ansteckung zugänglich.
-Die Impfung schützt nicht immer, denn man kann, trotz geimpft zu sein,
-die Varioliden (eine gelindere Form der Pocken) bekommen. Die Zeit,
-welche von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen der Krankheit
-verstreicht, beläuft sich auf neun bis zwölf Tage.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Das Zimmer, in dem sich der Kranke befindet, sollte
- groß und luftig sein. Sorgfalt muß beobachtet werden, daß es mäßig
- kühl und dunkel ist. Die Kleidung und das Bettzeug des Kranken
- sollten jeden Tag oder alle zwei Tage gewechselt werden. Man wasche
- die Augen häufig mit Rosenwasser oder Ulmenrindenwasser (~slippery
- elm~), besonders wenn der Eiter aus den Pusteln hineinrinnt.
- Waschungen von kaltem Wasser, Milch mit Wasser oder schwachem
- Bleiwasser können im Gesicht angewandt werden, wenn dieses sehr
- entzündet ist. Die Nasenhöhlen sind vermittelst eines wohlgeölten
- Kameelhaar-Pinsels, mit welchem man mehrere Male des Tages
- hineinfährt, offen zu halten. Wenn aus den Symptomen ersichtlich,
- daß die Pocken zu den in einander laufenden zu zählen sind, sollte
- das Haar bei dem ersten Erscheinen des Ausschlages kurz geschnitten
- werden, überhaupt ist dies in jedem anderen Falle auch gut, denn
- sobald der Eiter aus den Pusteln fließt, wächst das Haar zusammen
- und bildet eine eckelerregende Masse, auch wird gleichzeitig dadurch
- die Masse des Ausschlags auf der Kopfhaut, sowie die Neigung zu
- Gehirnstörungen verringert. Eine Hauptsache bei der Behandlung der
- Pocken ist, zu verhindern, daß Narben entstehen, und in dieser
- Richtung werden eine große Anzahl Mittel empfohlen. Ein Mittel,
- das mit großem Erfolg in dem Kinderhospital von Paris angewendet
- wird, besteht in einer Mischung von 25 Theilen Mercurial-Salbe, 10
- Theilen gelben Wachs und 6 Theilen schwarzen Pech. Andere öffnen
- jede Pocke, sobald sie blasenartig wird, mit einer Lanzette, und
- wenden salpeter-saures Silber (~nitrate of silver~), sehr fein
- zugespitzt, oder vermittelst des Betupfens mit einer Stecknadel
- einer sehr starken Auflösung an. Jodtinctur (~tincture of iodine~)
- wird sehr empfohlen, welche vermittelst eines Kameelhaarpinsels auf
- die ganze kranke Oberfläche gestrichen wird. Dr. Stokes von Dublin
- empfiehlt ein Pflaster von Flachssamen, auf irgend einen weichen
- Stoff gestrichen und mit geölter Seide oder Gutta-Percha bedeckt.
- Die Anwendung dieses Pflasters muß vom Beginn der Krankheit bis
- zum Abtrocknungs-Stadium stattfinden. Das vielleicht wirksamste
- Mittel ist das von Dr. Bennett von Edinburgh empfohlene. Nämlich
- ein Pflaster aus 3 Theilen kohlensaurem Zink (~carbonate of zinc~)
- und 1 Theil Zink-Oxid (~oxide of zinc~) in einem Mörser mit soviel
- Olivenöl, um einen dicken Brei zu bilden, gemischt. Dieses muß dick
- auf das Gesicht gelegt und sogleich wieder erneuert werden, wenn es
- sich irgendwo abreiben sollte. Was immer auch angewendet werden mag,
- so darf es doch nicht später als am dritten Tage angewendet werden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Beim Beginn der Krankheit gebe man
- ein Brechmittel von dem zusammengesetzten Pulver der Lobelia, wenn
- einem Erwachsenen, dann Dosen von einem halben Theelöffel voll
- alle 15 Minuten, bis ungehindert Erbrechen eintritt, wenn einem
- Kinde -- dann Dosen von einem halben bis ganzen Theelöffel voll in
- Syrup und Wasser alle 15 Minuten. Sind die Fieber-Symptome streng
- und der Kranke ist verstopft, so gebe man eine Einspritzung von
- lauwarmem Wasser und verordne ein Seidlitzpulver; das Pulver kann
- in vier oder sechs Stunden wiederholt werden, wenn es das erste Mal
- wirkungslos blieb. Gegen die Uebelkeit des Magens gebe man warmen
- Frauenmünz- oder Pfeffermünzthee (~spearmint~ oder ~peppermint~)
- mit ein wenig darin aufgelöstem Saleratus, auch eine Einspritzung
- von Eibisch-Wurzel und Pfirsichblätter (~Marshmallow root and peach
- leaves~), sowie auch einen Senfumschlag auf den Unterleib. Bis zum
- Erscheinen des Ausschlages kann auch der Körper öfter mit warmem
- schwachem Laugenwasser gebadet werden. Gegen großen Schmerz im Kopf
- und Kreuz wende Senfpflaster längst des Rückgrats, auf den Knöcheln
- und Fußsohlen an, auch bade man den Kopf in Essig und Wasser. Gegen
- den bösen Hals und zur Entfernung des Luftröhrenschleims aus dem Hals
- gebe man folgendes:
-
- Blutwurzel (~blood root~) 1 Unze.
- Lobeliasamen gepulvert 1 Unze.
- Ipecacuanha 2 Unzen.
- Cayenna ½ Unze.
- Whiskey 1 Quart.
-
- Lasse dies eine Woche stehen. Dosis: Gelegentlich einen oder zwei
- Theelöffel voll. Ein gutes Gurgelwasser ist eine Abkochung von
- Salbei (~Sage~) und Isop (~Hyssop~) mit Borax und Honig. Wenn das
- premiäre und secundäre Fieber sehr heftig ist, gebe 15 bis 20 Tropfen
- von Schlangenwurzel-Tinctur (~tincture of black Cohosh~) alle zwei
- oder drei Stunden.
-
- Nach dem Erscheinen des Ausschlages kann das folgende mit
- ausgezeichnetem Erfolg angewendet werden. In ein Pint kochenden
- Wassers gebe man eine Unze gepulverte Wurzel der Schlangenwurzel
- (~black Cohosh~) und lasse davon ein oder zwei Eßlöffel voll alle
- drei Stunden warm nehmen; setze es fort, bis die Pusteln zu trocknen
- beginnen. Füllen sich die Pusteln nicht recht und sind schlaff, so
- gebe man Molkenwein (~wine whey~) oder Milchpunsch, unbeschränkt;
- verschwinden sie und schlagen nach Innen, so mögen Theelöffeldosen
- von der zusammengesetzten Virginischen Schlangenwurzel-Tinctur
- (~Virginia Snake root~) oder ein Aufguß von Schlangenwurzel (~black
- Cohosh~) in größeren Dosen gegeben werden. Wenn sich bösartige
- Symptome, sowie eine faulige Diarrhöe einstellen, gebe man einen
- Theelöffel voll gepulverte Kohle, einen halben Theelöffel voll
- Salpeter, gemischt, drei- oder viermal des Tages. Auch gleiche Theile
- von Hopfen-Hefe und Salat-Oel in Eßlöffeldosen.
-
- =Homöopathisch.= Für das erste oder Fieberstadium ist die Behandlung
- wie folgt:
-
- ~Aconitum.~ -- Besonders während des Frostschauers und Fiebers,
- auch wenn starke Schmerzen im Kopfe, vollen Puls, Delirium und
- Unerträglichkeit des Lichtes vorhanden ist. ~Belladonna~ kann
- abwechselnd damit gegeben werden, besonders gegen Kopfschmerz und
- Delirium.
-
- Gegen starke Rückenschmerzen, mit Schmerzen in den Knochen und
- allgemeines Unwohlsein gebe man ~Bryonia~ und ~Rhus Toxicodendron~
- abwechselnd. Gegen Uebelkeit gebe ~Tartarus Emeticus~. Wird der
- Patient unempfindlich -- bei Betäubung und schnarchendem Athem gebe
- man ~Opium~, wenn große Unruhe, Reizbarkeit und Schlaflosigkeit
- vorhanden, gebe man ~Coffea~ und ~Belladonna~ abwechselnd.
-
- +Behandlung im zweiten oder Ausbruchs-Stadium.+ Wenn das Delirium
- nach ~Belladonna~ nicht verschwindet, gebe man ~Stramonium~,
- besonders wenn der Ausschlag nicht leicht herauskommt.
-
- Sind aber die Symptome dieses Stadiums nicht streng, so gebe man
- ~Tartarus Emeticus~ und ~Thuja~ abwechselnd. Gegen den rauhen,
- röchelnden Husten gebe man ~Tartarus Emeticus~ oder ~Ipecacuanha~.
-
- +Behandlung im dritten oder Abtrocknungs-Stadium.+ Bei beträchtlichem
- Fieber und besonders gegen bösen Hals und übermäßigen Speichel gebe
- man ~Mercurius~.
-
- Wird die Haut zwischen den Pusteln schwarzgelb oder dunkelbraun und
- die Pusteln werden schlaff, so gebe man ~Arsenicum~. Wenn die Pusteln
- schwarz werden und der Kranke sehr schwach ist und es zeigen sich
- typhoide Symptome, gebe man ~Rhus Toxicodendron~ abwechselnd mit
- ~Arsenicum~. ~Acidum muriaticum~ ist ebenfalls gut gegen dieselben
- Symptome.
-
- +Behandlung im vierten oder Abschuppungs-Stadium.+ Beim Beginn dieses
- Stadiums gebe alle Abende eine Dosis ~Sulphur~. Hört die Diarrhöe
- nicht auf, gebe man alle drei oder vier Stunden ~Mercurius~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
- Wasser und gebe, der Heftigkeit der Symptome angemessen, alle 1, 2
- oder 3 Stunden einen Theelöffel voll.
-
- =Allöopathisch.= Gegen das dem Ausschlag folgende Fieber gebe man
- nachstehendes Brechmittel:
-
- Brechweinstein (~Tartar Emetic~) 1 Gran.
- Ipecacuanha-Pulver 1 Skrupel.
- Syrup 1 Drachme.
- Quellwasser 10 Drachmen.
-
- Mische es und gebe es auf einmal.
-
- Nach dem Brechmittel gebe folgendes Abführmittel:
-
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze.
- Salpetersaure Potasche (~Nitrate of Potash~) 10 Gran.
- Lakritzen-Extrakt 1 Skrupel.
- Zusammengesetzter Aufguß von Sennablättern
- (~Compound infusion of senna~) 5½ Unze.
- Tinctur von Senna-Blättern oder Jalappenwurzel 3 Drachmen.
- Spiritus von flüchtigem Salz (~Spirit of sal
- volatile~) 1 Drachme.
-
- Mische es. Dosis: 2 oder 3 Eßlöffel voll.
-
- Das Fieber kann durch folgendes abführendes Salz eingeschränkt werden:
-
- Steinalaun (~Rochelle salt~) oder Weinsteinsaure
- Potasche (~Tartar of Potash~) 1 Unze.
- Kohlensaure Magnesia (~Carbonate of magnesia~) 1 Drachme.
- Pfeffermünzwasser 6 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle 3 oder 4 Stunden. Dies
- wird gleichzeitig die Eingeweide mäßig offen halten.
-
- Nachdem der Ausschlag sich vollständig entwickelt hat und das
- secundäre Fieber erscheint, gebe folgendes:
-
- Flüssiges Ammoniak (~Spirits of mindererus~) 2 Unzen.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 1 Unze.
-
- Mische es. Alle 3 Stunden einen Eßlöffel voll.
-
- Calcinirte Magnesia (~Calcined magnesia~) 1 Drachme.
- Wasser 2 Unzen.
-
- Mische es. Nimm es auf einmal und wiederhole so oft als nothwendig.
-
- Wenn der Patient, besonders des Nachts, von Husten abgemattet wird,
- gebe man folgendes von Dr. Condie empfohlene Mittel:
-
- Schleim des Akazien-Gummi’s (~Mucilage of Gum
- Acacia~) 3 Unzen.
- Syrup von Meerzwiebeln (~Syrup of squills~) 1 Drachme.
- Spiritus von Salpeter-Aether (~Spirits of nitric
- ether~) 3 Drachmen.
- Ipecacuanhawein 1 Drachme.
- Mit Kampfer gesättigte Tinctur des Opiums
- (~Camphorated tincture of Opium~) 1 Drachme.
-
- Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll alle 2 oder 3 Stunden.
-
- Wenn die Symptome, wie Schmerz im Kopf, fliegende Hitze und Delirium
- eine Störung im Gehirn anzeigen, muß am Arme Blut entzogen, an den
- Schläfen und hinteren Theile des Nackens müssen Blutegel gesetzt und
- für die Füße ein Senfbad gemacht werden. Zu derselben Zeit gebe ein
- Abführmittel, wie Calomel und Jalappenwurzel, oder einen Aufguß von
- Sennesblättern.
-
- Kommt der Ausschlag nicht recht heraus, und der Kranke beklagt sich
- bei häufigem Erbrechen und Brustbeklemmung über große Reizbarkeit
- des Magens, gieb ihm ein warmes Bad, lege Flaschen mit heißem Wasser
- zu seinen Füßen und in warmem Wasser ausgerungene Tücher über seinen
- Magen.
-
- Gegen bösen Hals kann folgendes als ein Gurgelwasser gebraucht werden:
-
- Chlorsaure Potasche (~Chlorate of potash~) ¼ Unze.
- Starke Chlorwasserstoffsäure (~Hydrochloric acid~) 40 Tropfen.
- Wasser 1 Pint.
-
- Mische es. Gebrauche mehrere Male des Tages.
-
- Oder:
-
- Zusammengesetzter Aufguß der Rosen (~Compound
- infusion of roses~) ½ Pint.
- Verdünnte Salzsäure (~Dilute muriatic acid~) ½ Drachme.
-
- Mische es.
-
- Wenn Diarrhöe vorhanden, so mag dieselbe mit dem folgenden gehemmt
- werden:
-
- Kreidemischung 5½ Unzen.
- Zusammengesetzte Cardamon-Tinctur (~Compound
- tincture of cardomons~) 3 Drachmen.
- Catechu-Tinctur 3 Drachmen.
- Laudanum 20 Minims.
-
- Mische es. Dosis: 2 oder 3 Eßlöffel voll alle 4 Stunden.
-
- Die Kost bei den Pocken sollte aus Wasser, Eiscream, Limonade,
- Orangen, gebratenen Aepfeln, gedünsteten Pflaumen, Erdbeeren,
- Haferschleim, trockener, gerösteter Brodschnitte u. s. w. bestehen.
- Ist Diarrhöe vorhanden, so sollten Früchte und Eiscream nicht
- gestattet werden. In jedem Falle muß dem Kranken animalische
- Kost (Fleischspeisen &c.) bis zu seiner völligen Wiedergenesung
- vorenthalten bleiben.
-
- Als ein Schutzmittel gegen diese Krankheit muß die Impfung angewendet
- werden, was Jedermanns Pflicht gegen sich selbst, seine Familie und
- seine Freunde ist. Sie ist die einzige Versicherung gegen diese
- fürchterliche und so lästige Krankheit. Es ist sehr gut, wenn sich
- die betreffenden Personen, sobald sich die ersten Symptome zeigen,
- impfen lassen, denn es mag den Anfall bedeutend mäßigen.
-
- +Anmerkung.+ Bei dieser Krankheit (den ächten Pocken) ist es das
- Beste, einen +erfahrenen+ Arzt zu Rathe zu ziehen, besonders bei der
- ineinander fließenden Form.
-
-
-Varioloiden.
-
-Diese Krankheit ist nur eine gelindere Form der ächten Pocken und die
-Behandlung für beide ist ein und dieselbe. Eine Person, die geimpft
-wurde, kann die Varioloiden bekommen, aber sie werden sehr mild
-auftreten.
-
-
-2. Chronische Hautausschläge.
-
-Jucken und Reizung der Haut.
-
-Dies ist ein Ausschlag eines feinen farblosen Friesels unter der
-Haut. Er ruft ein sehr unangenehmes und lästiges Kitzeln, das
-zuweilen unerträglich wird, hervor. Die heftigere Form ist von einem
-Gefühl begleitet, wie es kriechende Ameisen oder stechende Insekten
-hervorbringen. Er dauert zuweilen Monate und Jahre lang und wird
-gewöhnlich durch das Aussetzen ungewöhnlicher Hitze und Kälte, gewisse
-Mischungsmittel &c. hervorgerufen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Jeden Abend vor dem Schlafengehen eine gute Waschung
- von Wasser mit spanischer Seife (~castile soap~), welche man
- eintrocknen läßt. Branntwein oder Alcohol kann in derselben Weise
- gebraucht werden. Eine Unze von Citronensaft in einem Pint Wasser
- in demselben Verhältniß angewendet, wird zweckentsprechend gefunden
- werden; ebenso Wasser und Kampher-Spiritus. Die Kost sollte dabei
- sorgfältig geordnet und alles Reizende vermieden werden.
-
- =Homöopathisch.= ~Pulsatilla.~ -- Wenn das Kitzeln im Bette, oder
- wenn nahe am Feuer sich verschlimmert, besonders nach Kratzen. Eine
- Dosis (6 Kügelchen) alle Morgen und Abend.
-
- ~Ledum palustre.~ -- Im Fall das Kitzeln nach dem zu Bett gehen
- beginnt, von einem zum andern Platze springt und der Ausschlag
- Flohbissen gleicht. Man gebe es in derselben Weise wie ~Pulsatilla~.
-
- ~Mercurius.~ -- Wenn das Kitzeln die ganze Nacht fortdauert und
- nach dem Kratzen leicht blutet. Es ist gut, dieses abwechselnd mit
- ~Causticum~ jeden Abend zu geben.
-
- Ist das Jucken von einem starken Brennen begleitet, gebe man
- ~Bryonia~ und ~Rhus~ abwechselnd alle 4 Stunden; eine Dosis (6
- Kügelchen). Gebe diese Mittel zwei Tage lang und dann ~Hepar
- sulphuris~ jeden Morgen und Abend eine Dosis. Wenn nach einer
- Woche nicht besser, nehme man Morgens und Abends eine Dosis ~Carbo
- vegetabilis~.
-
- ~Nux vomica~ und ~Arsenicum~ abwechselnd wird sich zuweilen
- vortheilhaft bewähren.
-
- Befällt es alte Leute, so gebe man ~Opium~ und ~Secale~ abwechselnd
- jeden Abend eine Dosis.
-
- Wenn es durch die Hitze im Sommer hervorgerufen wird, gebe man
- ~Lachesis~ und ~Lycopodium~ abwechselnd Abends.
-
- ~Silicea~ und ~Sulphur~ sind gut bei hartnäckigen Fällen. Andere
- Heilmittel sind: ~Thuja~, ~Graphites~, ~Petroleum~, ~Calcarea
- Carbonica~, ~Sepia~, ~Conium~.
-
- =Allöopathisch.= Erasmus Wilson empfiehlt folgendes:
-
- Verdünnter holzsaurer Holzessig (~Pyroligneous
- acid~) ½ Unze.
- Gepulverter Kampher ½ Drachme.
- Rosenwasser 1 Pint.
-
- Mische es.
-
- Folgendes wird auch gut gefunden werden:
-
- Kohlensaure Soda (~Carbonate of soda~) 1 Drachme.
- Hydrocyan-Säure (~Hydrocyatic acid~) 1 „
- Destillirtes Wasser 8 Unzen.
-
- Mische es.
-
- Zwei Drachmen schwefelsaure Potasche mit einem Pint Wasser kann auch
- versucht werden.
-
- Bei hartnäckigen Fällen möge folgendes angewendet werden:
-
- Scharfes salzsaures Quecksilber (~Corrosive
- sublimate~) 2 Gran.
- Basisches Quecksilber-Oxyd (~Hydrochloras
- ammoniacus~) 2 Gran.
- Rosenwasser und Almond-Mischung, von jedem 4 Unzen.
- Hydrocyan-Säure 1 Drachme.
-
- Mische es. Dies sollte bei Kindern nicht angewendet und, da es giftig
- ist, sollte sehr sorgsam damit umgegangen werden.
-
-
-Frostbeulen (~Chilblains~)
-
-sind eine lästige entzündete Anschwellung, welche gewöhnlich an den
-Fersen und Füßen erscheint und durch Kälte verursacht wird. Sie sind
-roth oder purpurn und verursachen durch das ungewöhnliche Kitzeln,
-Stechen und Prickeln große Unbehaglichkeit. Wenn der Frost einen Theil
-des Körpers angegriffen hat (~frost-bitten~), so muß er zu seinem
-natürlichen Wärmezustand, sehr langsam, stufenweise zurückgeführt
-werden, auf welche Weise man Frostbeulen meistentheils vermeiden kann.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Bei dem ersten Erscheinen kann eins von den folgenden Mitteln
- angewendet werden:
-
- Zusammengesetztes Kampher-Liniment 6 Drachmen.
- Seifensalbe 6 „
- Kanthariden-Tinctur (~Tincture of cantharides~) ½ Unze.
-
- Mische es. Morgens und Abends anzuwenden.
-
- Collodium 1 Unze.
- Venetianischer Terpentin ½ „
- Castoröl 2 Drachmen.
-
- Mische es. Morgens und Abends anzuwenden.
-
- Wenn man damit befallene Theile mit gepulverter Stärke vermittelst
- der Hand einreibt, wird zuweilen das unerträgliche Kitzeln
- vermindert. Petroleum oder Kohlenöl ist ein ausgezeichnetes Mittel.
- Feuchte ein Tuch damit an und binde es über den kranken Theil. Bei
- hartnäckigen Fällen kann das folgende empfohlen werden:
-
- Olivenöl 5 Unzen.
- Venetianischer Terpentin 1 Unze.
- Gelbes Wachs ½ „
- Alkanna-Wurzel (~Alcanet root~) 2 Drachmen.
-
- Mische dasselbe, koche es zusammen und presse es aus, dann nehme
-
- Peruanischer Balsam (~Balsam of Peru~) 1 Drachme.
- Kampher 5 Gran.
-
- Mische es, füge die warme Mischung hinzu und rühre es so lange, bis
- es erkaltet.
-
- Frostbeulen können dadurch, daß man sie mit dem gewöhnlichen
- Seifenpflaster bedeckt, an dem Aufbrechen verhindert werden.
-
- Ist die Entzündung und Geschwulst bedeutend und bilden sich Blasen,
- wird das folgende, „Devergier’s Salbe“ genannt, sehr wohlthuend sein:
-
- Schweinefett 1 Unze.
- Essigsaures Blei (~Acetus plumbi~) 5 Gran.
- Opium-Extrakt 3 „
- Kreosot 10 „
-
- Mische und gebrauche es jeden Morgen und Abend.
-
- Gleiche Theile von Petroleum und Kalkwasser werden auch in diesen
- Fällen Erleichterung verschaffen. Nachdem die Blasen aufgebrochen
- sind, mache Umschläge von Brod und Milch oder Flachssamen mehrere
- Tage lang. Hierauf bedecke die Oberfläche mit einer aus gleichen
- Theilen zusammengesetzten Salbe von salpetersaurem Quecksilber
- (~Nitrate of mercury~) und einfacher Wachssalbe und auf Charpie oder
- ein weiches Tuch gestrichen.
-
- Einige einfache Mittel gegen Frostbeulen sind die folgenden:
-
- 1. Eine Unze schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) in einem Pint
- Wasser aufgelöst. Bade darin den erkrankten Theil mehrere Male des
- Tages.
-
- 2. Eine Unze salzsauren Ammoniak (~Ammonium muriaticum~) aufgelöst
- in einem Pint Apfel- (~Cider~) Essig. Wie das vorhergehende zu
- gebrauchen.
-
- 3. Zusammengesetzte Seifensalbe, 2 Unzen, und Kanthariden-Tinctur, 1
- Unze. Mische es und gebrauche es wie Nro. 1 und 2.
-
- 4. Essig und Alcohol, von jedem ein halbes Pint, salzsaures Ammoniak
- (~Muriate of ammonia~), eine Unze. Mische es und gebrauche es wie die
- früheren.
-
-
-Zittermahl -- auch Gürtelrose (~Herpes Circinnatus~, ~Ringworm~).
-
-Diese Krankheit ist an einem Ausschlag von kleinen Blasen
-(blatternartig) in der Form eines Ringes, dessen Mittelpunkt seine
-natürliche Farbe behält, kenntlich. Sie ist von einer leichten
-prickelnden und kitzelnden Empfindung begleitet. Die Blasen trocknen
-allmählig, Schorfe bilden sich und fallen zur Zeit ab. Die Haut bleibt
-roth. Die Krankheit kann an irgend einem Theile des Körpers auftreten,
-aber vorzugsweise wird sie am Hals oder im Gesicht gefunden. Sie wird
-durch das sich der Kälte und Feuchtigkeit Aussetzen, unregelmäßige
-Kost, Ermüdung &c. hervorgerufen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Aufmerksamkeit sollte der Kost zugewendet und alle
- stimulirenden Nahrungsmittel vermieden werden. Halte die Glieder
- rein, und ein gelegentliches lauwarmes Bad wird sehr zuträglich
- gefunden werden. Es ist gut, jede einzelne Blase mit einer Nadel zu
- öffnen, damit die Flüssigkeit auslaufen kann, was häufig das Kitzeln
- vermindern wird.
-
- =Allöopathisch.= Bei heftigen Anfällen gebe man einige gelinde
- Abführmittel, wie Schwefel und Magnesia, oder Schwefel und
- doppeltweinsteinsaure Potasche (~Bitartrate of potash~). Das
- Prickeln, Kitzeln und Brennen kann durch eine Abwaschung mit
- essigsaurem Blei (~Acetas plumbi~) und ein wenig Alcohol, oder durch
- die Anwendung der essigsauren Bleisalbe erleichtert werden. Der Saft
- der grünen Schale der Wallnuß, Tinctur von Galläpfeln, oder eine
- starke Waschung mit essigsaurem oder schwefelsaurem Kupfer sind
- Mittel, welche Condie empfiehlt.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Die folgende Salbe ist von Dr. John
- King empfohlen:
-
- Gagel (~Bayberry tallow~) ½ Unze.
- Süßer Gummi (~Sweet gum~) ½ „
- Hammeltalg (~Mutton suet~) 1 „
-
- Mache es zusammen flüssig und presse es.
-
- Folgendes wird für ein unfehlbares Mittel gehalten:
-
- Man nehme Taback-Blätter, koche sie und füge Essig und starke Lauge
- zu der Flüssigkeit. Wasche den Ausschlag mehrere Male des Tages. Auch
- Castoröl, häufig angewendet, soll ein sicheres Mittel sein.
-
- Peruanischer Balsam (~Balsam of Peru~) mit einer gleichen Menge Talg
- mag zuweilen helfen.
-
- =Homöopathisch.= ~Sepia~ kann in Dosen von 6 Kügelchen Morgens und
- Abends gegeben werden. Wenn es nach Verlauf einer Woche nicht hilft,
- gebe ~Rhus toxicodendron~ und ~Sulphur~ einen Tag um den andern eine
- Dosis (6 Kügelchen). Wenn nach zehn- oder vierzehntägiger Anwendung
- dieser Heilmittel keine Besserung eintritt, gebe man ~Calcarea~ und
- ~Causticum~ einen Tag um den andern oder man gebe eins allein --
- jeden Abend eine Dosis.
-
- Andere Heilmittel sind ~Graphites~, ~Silicea~, ~Acidum Nitre~,
- ~Mercurius~. Diese mögen ebenso gegeben werden wie die vorhergehenden.
-
-
-Flechten (~Tetter~, ~Herpes~).
-
-Flechten können in +trockene+ und +nasse+ eingetheilt werden. Zu der
-trockenen Gattung mögen z. B. Schorf (~dandruff~) gezählt werden.
-Er ist kenntlich an sehr kleinen weißen Schuppen oder Schorfen und
-wird auf dem Gesicht, Kopf, Brust, Händen, Füßen und an den Gelenken
-gefunden. Häufiger befällt er die Kopfhaut.
-
-+Nasse Flechte+ schließt folgendes in sich: ~Ecthyme~, die
-Blatterflechte (~eczema~), welche in einem Ausschlag von kleinen
-wässerigen Bläschen an verschiedenen Theilen des Körpers und zwar dicht
-zusammengedrängt besteht. Oeffnen sich diese Bläschen oder werden sie
-geöffnet, so breitet sich die Flüssigkeit über die gesunde Haut aus
-und pflanzt dadurch die Krankheit fort. Bleiben sie geschlossen, so
-trocknen sie auf und bilden eine Kruste.
-
-Eine andere Art ist die ~Pemphigus~. -- Die Nesselsucht ist ein
-Ausschlag von Wasserblasen, welche eine wässerige Flüssigkeit, gleich
-der einer gewöhnlichen Blase enthalten. Sie sind bezüglich ihrer Größe
-verschieden und wechseln von der Größe einer gespaltenen Erbse bis zu
-der einer halben Wallnußschale. Sie wachsen sehr schnell, brechen auf
-und lassen eine rauhe Oberfläche, welcher bald heilt, zurück.
-
-+Der Rothlaufgürtel+ -- ~Shingles~ -- ~Cingulum~ ist eine ander Form
-der nassen Flechte. Ein leichtes Fieber geht in der Regel zwei bis
-drei Tage einem Anfalle dieser Krankheit voraus, dann folgt ein
-Ausschlag von kleinen durchsichtigen Bläschen, mit einer farblosen
-zuweilen bräunlich gefärbten Flüssigkeit. Es zeigt sich auf dem
-Gesicht, den Händen und Füßen, aber in der Regel auf dem Körper, wo der
-Ausschlag die Gestalt eines Gürtels oder Ringes annimmt und rings um
-den Körper herumläuft.
-
-Es gibt noch verschiedene Gattungen von Flechten, ich hielt es aber für
-genügend, nur diese wenigen anzuführen, denn die meisten Krankheiten
-der Haut sollten von einem erfahrenen Arzt behandelt werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Das erste, was bei der Behandlung dieser Krankheit in
- Betracht zu ziehen ist, ist die Reinlichkeit. Ohne genaue Beachtung
- dieses Punktes ist die Behandlung dieser Krankheit um Vieles schwerer
- als es andererseits der Fall sein würde. Eine Verordnung von
- spanischer Seife (~castile soap~) und Wasser ist dringend nothwendig
- und in manchen Fällen sogar unentbehrlich. Auch der Kost muß
- gehörige Aufmerksamkeit geschenkt werden. Allzureiche, reizende und
- stark gewürzte Speisen müssen vermieden und nichts außer einfacher
- nährender Kost genommen werden. Ein gelegentliches warmes Bad wird
- sehr wohlthuend gefunden werden -- ebenso das Schwefelbad.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Eine gute Behandlung gegen
- Rothlaufgürtel besteht in der Regulirung der Eingeweide vermittelst
- gelinder Abführmittel, wie Magnesia; dann lasse man den Kranken
- viel von einer Abkochung von Klette (~Burdock~), ~Yellow dock~
- und Sassafras-Wurzel einige Tage lang nehmen oder verordne den
- zusammengesetzten Syrup von ~Yellow dock~. Wasche den Körper Abends
- mit Saleratus-Wasser. Die Salbe von Gagel (~Bay berry tallow~), unter
- Zittermahl angegeben, wird sich auch hier wohlthuend erweisen, oder
- auch folgendes:
-
- Zink-Oxyd 3½ Unzen.
- Benzoe-Säure (~Benzoic acid~) 1 Drachme.
- Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphia~) 1 Skrupel.
- Rosenöl 10 Minims.
-
- Stoße alles im Mörser zu einem feinen Pulver, dann füge folgendes
- hinzu, welches vorher gemischt werden muß:
-
- Olivenöl 1 Pfund.
- Weißes Wachs 2 Unzen.
- Spermaceut (~Spermaceti~) 5 „
-
- Rühre es bis es kalt wird.
-
- Gegen ~Eczema~ kann das folgende angewendet werden: Zwei Unzen von
- ~Yellow dock~ und ebensoviel Blutwurzel (~blood root~); wasche und
- lege es in ein Pint Alcohol und ebensoviel Essig; lasse es vor
- dem Gebrauch eine Woche oder zehn Tage lang stehen. Diese Mischung
- sollte ein- oder zweimal des Tages angewendet werden, ebenso auch die
- folgende Salbe:
-
- Frische Butter 4 Unzen.
- Venetianischer Terpentin 1 Unze.
- Rothes Präcipitat (Quecksilberniederschlag) 3 Drachmen.
-
- Mische es.
-
- Gegen ~Pemphigus~ kann die folgende Salbe angewendet werden:
-
- Zink-Oxyd (~Oxide of zinc~) 1 Drachme.
- Sparmaceut-Salbe (~Spermaceti ointment~) 1 Unze.
-
- Mische und wende es Abends an.
-
- =Homöopathisch.= Gegen Gürtelrose (~Shingles~, ~Cingulum~) ist es
- gut, die Behandlung mit ~Aconitum~ zu beginnen, besonders wenn
- Fieber, Mattigkeit, Kopfschmerz &c. vorhanden ist. Nachdem man einige
- Dosen davon gegeben hat, gebe man alle drei Stunden eine Dosis ~Rhus
- toxicodendron~ (6 Kügelchen).
-
- Bei Uebelkeit und Erbrechen ~Tartarus emeticus~.
-
- Bildet sich Eiter in den Bläschen, gebe man ~Hepar sulphuris~, ebenso
- wie ~Rhus~.
-
- Wenn bei trockener Haut, Durst &c. ein brennendes Gefühl vorhanden
- ist, gebe man ~Arsenicum~.
-
- Bei Eiterung des Ausschlages kann man die folgenden Mittel geben:
- ~Mercurius~, ~Sepia~, ~Lycopodium~, ~Sulphur~. Zwei Tage lang alle
- drei oder vier Stunden eine Dosis von einem dieser Heilmittel;
- tritt keine Besserung ein, wechsle es gegen ein anderes. Kopfgrind
- (~dandruff~) erfordert eins von den folgenden Mitteln: ~Dulcamara~,
- ~Sepia~, ~Sulphur~, ~Silicea~.
-
- ~Eczema~ erfordert ~Rhus~, ~Graphites~, ~Calcarea~, ~Lycopodium~,
- ~Sulphur~, ~Dulcamara~.
-
- ~Pemphigus~ erfordert ~Carbo veg.~, ~Rhus~, ~Sulphur~, ~Graphites~,
- ~Mercurius~, ~Lycopodium~.
-
- Ist das Kitzeln sehr heftig, gebe ~Acidum Nitri~, ~Phosphorus~,
- ~Graphites~; wird es durch die Wärme erhöht, ~Clematis~, und
- verschlimmert es sich am Abend, gebe ~Alumina~ und ~Staphysagria~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Nimm eine Dosis (6 Kügelchen) des
- betreffenden Heilmittels zwei Wochen lang Morgens und Abends. Stellt
- sich zu Ende dieser Zeit keine Besserung ein, wähle ein anderes
- Heilmittel und gib es in derselben Weise.
-
- =Allöopathisch.= Gegen nasse Flechten, wie Gürtelrose, ~Eczema~,
- ~Pemphigus~ möge die folgende Behandlung angewendet werden:
-
- Ist der Kranke alt oder schwächlich, gebe:
-
- Doppelkohlsaure Soda ½ Unze.
- Zusammengesetzter Aufguß von Enzian 4 Unzen.
- Colombo-Wurzel-Tinctur 1 Unze.
- Orangenschalen-Syrup ½ „
-
- Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages.
-
- Gleichzeitig gebrauche:
-
- Hollunder-Blüthen-Salbe 1 Unze.
- Zink-Oxyd 1 Drachme.
-
- Ist der Organismus in gutem Zustande, so mag das folgende angewendet
- werden:
-
- Blaue Pillen 1 Skrupel.
- Zusammengesetzte Rhabarber-Pillen 2 „
-
- Mische es. Theile es in 12 Pillen und nimm als Dosis eine oder zwei,
- bis sie wirken. Gleichzeitig folgendes:
-
- Eine Abkochung von Sarsaparilla ½ Pint.
- Potaschen-Hydriodat 25 Gran.
-
- Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.
-
- Folgende Waschung kann gebraucht werden:
-
- Wein-Spiritus 2½ Unzen.
- Destillirtes Wasser 1 Pint.
-
- Mische und wende es mehrere Male des Tages an.
-
- Wenn die Krusten anfangen abzufallen, gebrauche:
-
- Schwefelsaures Zink ½ Drachme.
- Destillirtes Wasser 1 Pint.
-
- Mische es.
-
- Gegen Kopfgrind dient folgende Waschung:
-
- Auflösung von Potasche 2 Drachmen.
- ~Acidum hydrocianicum~ (verdünnt) 1 Drachme.
- Almond-Mischung ½ Pint.
-
- Mische und gebrauche es ein- oder zweimal des Tages.
-
- Wenn nach Anwendung dessen eine Zeitlang keine Besserung eintritt,
- gebrauche man das Folgende:
-
- Salbe von Quecksilber-Salpeter (~Mercurius nitrosus~) 1 Theil.
- Spermaceut-Salbe 2 Theile.
-
- Mische es.
-
- Bei chronischen Ausschlägen dieser Art kann man sich des folgenden
- mit Erfolg bedienen:
-
- Präparirter Schwefel 1 Skrupel.
- Kohlensaure Magnesia 10 Gran.
- Zusammengesetztes Pulver von Jalappenwurzel und
- Ingwer von jedem 5 Gran.
-
- Mische es und nehme eine kleine Portion zweimal des Tages.
-
-
-Krätze (~Itch~, ~Scabies~).
-
-ist ein ansteckender, in der Regel von Unreinlichkeit herrührender
-Ausschlag.
-
-+Ursache+: Er wird durch die Anwesenheit eines sehr kleinen Insekts,
-~Acarus Scabies~ genannt, hervorgerufen. Kommt dieses Insekt auf die
-Haut, so beginnt es sofort zu arbeiten und bohrt sich eine Wohnung
-unter der ~Epidermis~ oder Schleierhaut. Natürlich verursacht das
-Herumkriechen dieses ungebetenen Gastes ein unerträgliches Jucken, das,
-wie James ~I.~ bemerkte, als der Luxus des Kratzens sehr in Aufnahme
-kam, nur für Könige gemacht sei.
-
-+Symptome.+ Als etwas ganz Gewöhnliches erscheint dieser Ausschlag
-zuerst an den Handgelenken und zwischen den Fingern. Derselbe besteht
-in kleinen punctirten Bläschen, mit einer durchsichtigen Flüssigkeit
-gefüllt. Anfänglich sind diese Blasen von einer blaßrothen oder
-Fleischfarbe; aber die Haut bricht bald auf und die Flüssigkeit bildet
-einen dünnen Schorf. Er kann unter anderen Ausschlägen an seiner Form,
-dem überstarken Jucken und dadurch, daß er nie im Gesicht gefunden
-wird, erkannt werden. Das Jucken ist des Nachts schlimmer und wird
-durch die Bettwärme erhöht.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Gegen diese Krankheit ist beinahe Schwefelsalbe das einzige Mittel,
- das hilft. Dies zerstört das Insekt und bewirkt dadurch die Heilung.
- Gebrauche einen Theil Schwefelmilch und zwei Theile Schweinefett.
- Mische und reibe es gehörig in die Haut. Andere Zubereitungen sind
- wie folgt:
-
- Schwefel 2 Unzen.
- Kohlensaure Potasche (~Carbonate of Potash~) 2 Drachmen.
- Präparirtes Schweinefett 4 Unzen.
-
- Mische es.
-
- Schwefel 1 Unze.
- Boraxsaure Soda (~Borate of Soda~) 1 Drachme.
- Salzsaures Ammoniak (~Muriate of ammonia~) 1 „
- Weißes Präcipitat-Quecksilber (~White Precipitate of
- Mercury~) 2 Skrupel.
- Präparirtes Schweinefett 2 Unzen.
-
- Mische es. (Frisch.)
-
- Welches immer von den vorstehenden Mitteln gebraucht wird (und
- ich möchte gewöhnlichen Schwefel und Schweinefett empfehlen), so
- muß sich der Kranke vom Kopf bis zum Fuß und zu den Fingerspitzen
- einschmieren; an einem Feuer gehörig in die Haut einreiben, sich mit
- Socken, Unterhosen und Flanellhemd bekleiden und 36 Stunden im Bett
- verbleiben, während welcher Zeit die Einreibung zweimal erfolgen muß.
- Hierauf reinige die Haut vermittelst eines warmen Bades gründlich.
- Reicht dies nicht hin, so wiederhole man die Kur noch einmal. Bei
- milderen Fällen wird ein Schwefeldampfbad, ein- oder zweimal des
- Tages genommen, schnell Erleichterung verschaffen.
-
-
-Milchschorf (~Milk Crust~, ~Crusta Lactea~).
-
-Diese Krankheit tritt mehr als zu irgend einer andern Zeit bei dem
-Durchbruch der ersten Zähne auf und erscheint auf der Stirne, den
-Wangen oder der Kopfhaut. Der Ausschlag besteht im Anfang in rothen
-Blattern, auf welchen sich bald kleine gelbliche oder strohfarbene
-Pusteln bilden, die zuweilen von einem starken Jucken begleitet sind.
-Diese können sich über das ganze Gesicht und die Kopfhaut ausbreiten,
-so daß der Kranke ein Ekel erregendes Ansehen annimmt. Die Pusteln
-brechen zu Ende des dritten oder vierten Tages auf und entleeren eine
-klebrige Flüssigkeit, welche Krusten von weiß-gelblicher oder grüner
-Farbe bilden. Wenn sich die Flüssigkeit auf diese Weise unter der
-Oberfläche absondert, verursacht sie, daß die Kruste immer dicker
-wird, sich so über die sie umgebende Haut verbreitet und die Krankheit
-fortpflanzt. Verschwinden die Krusten, so zeigt sich die Haut roth und
-entzündet, wie mit kleinen Punkten besetzt, von denen die Flüssigkeit
-beständig sickert. Der Gesundheitszustand des Kranken verbleibt im
-allgemeinen gut, wenn er nicht von dem Jucken gepeinigt und gereizt
-wird. In Fällen bei Kindern mit weißem Haar und blasser, zarter Haut,
-sind die Drüsen des Nackens und jene hinter den Ohren zum Anschwellen
-geneigt, werden hart und empfindlich.
-
-Die Krusten fangen in der Regel innerhalb 2 bis 4 Wochen an abzufallen,
-lassen die Oberfläche roth-glänzend und zart, was bei dem geringsten
-Anlaß die Bildung eines neuen Ansatzes von Pusteln verursacht und
-dadurch die Krankheit Monate, ja vielleicht Jahre lang hinzieht. Keine
-bleibenden Spuren, sogar bei den stärksten Anfällen der Krankheit
-werden auf der Haut zurückgelassen. Das Haar kann in Folge dieser
-Krankheit ausfallen, aber es wächst wieder, wenn nicht, wie bei
-Kopfgrind (~tinea capitis~), die Haarwurzel zerstört ist. Das Waschen
-des Kopfes mit Theerseife ist das Beste, was man anwenden kann.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= Bei dem ersten Erscheinen der Krankheit, wenn das
- Jucken, besonders des Nachts, stark ist, gebe man ~Aconitum~, sowohl
- allein als auch abwechselnd mit ~Chamomilla~, alle 2 Stunden eine
- Dosis.
-
- ~Sepia~ kann in vielen Fällen mit gutem Erfolg gegeben werden.
-
- Sollte ~Aconitum~ keine Erleichterung gewähren, so kann auch ~Rhus
- toxicodendron~ gegeben werden. Es wird gut sein, das Letztere mit
- ~Sulphur~ zusammen zu geben. Des Nachts eine Dosis (6 Kügelchen)
- ~Sulphur~ und Morgens und Mittags eine Dosis (6 Kügelchen) ~Rhus
- toxicodendron~. Man setze diese Behandlung mehrere Wochen lang fort.
- Stellt sich Diarrhöe ein, so stelle die Gabe von ~Sulphur~ ein und
- gieb dreimal des Tages ~Rhus toxicodendron~.
-
- ~Calcarea carbonica~ kann gegeben werden, wenn der Ausschlag trocken
- ist.
-
- Ist der Ausschlag feucht, der Ausfluß übermäßig, bei schlechtem
- Geruch, gebe man ~Lycopodium~.
-
- Andere Heilmittel sind: ~Arsenicum~, ~Croton-Tiglium~, ~Petroleum~,
- ~Mezereum~, ~Hepar Sulphur~, ~Graphites~, ~Nitric Acid~, ~Antimonium
- Crudum~.
-
- Aeußerlich gebrauche man nichts außer Milch und Wasser, schlüpferiges
- Ulmenwasser oder Glycerin.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ 12 Kügelchen werden in 12 Theelöffel
- voll Wasser aufgelöst und beim ersten Erscheinen der Krankheit gebe
- man alle 3 Stunden einen Theelöffel voll. Bessert sich das Kind,
- so gebe man dieses zwei- oder dreimal des Tages, wenn nicht andere
- Anweisungen bei den Heilmitteln angegeben sind. Wird es vorgezogen,
- gebe man 3 Kügelchen trocken auf die Zunge.
-
- =Allöopathisch.= Bei milderen Fällen ist es gut, Magnesia in Dosen
- von 2 bis 3 Gran einmal des Tages zu verordnen. Auch die Mischung
- von Schwefel und ~Cremor tartari~ wird sich als dienlich erweisen.
- Bei harten Fällen gebe man Calomel in Dosen von ein bis zwei Gran,
- hinreichend oft um auf die Eingeweide zu wirken.
-
- Zu Umschlägen bediene man sich dicker Sahne (~cream~),
- Spermazeut-Salbe (~Spermaceti ointment~), Rosenwasser-Salbe oder
- Glycerin. Die wässerige Auflösung des Opiums wird sich als ein guter
- Umschlag zur Verminderung des Reizes bewähren. In derselben Absicht
- kann auch das folgende Mittel angewendet werden:
-
- Boraxsaure Soda (~Borate of Soda~) 10 Grane.
- Rosenwasser 2 Unzen.
- Glycerin 2 Drachmen.
-
- Mische es. Anwendung: Zwei- bis dreimal des Tages.
-
- Auch folgendes wird in einigen Fällen von Erfolg sein:
-
- Blausäure (~Hydrocyanic acid~) 4 Drachmen.
- Bleizucker (~Sugar of lead~) 15 Grane.
- Alcohol 4 Drachmen.
- Wasser 7 Unzen.
-
- Mische es. Einmal des Tages anzuwenden.
-
- Cazenave empfiehlt Zink-Oxyd mit 15 gleichen Theilen Stärke gemischt
- zur Anwendung, nachdem die betreffenden Theile zuvor mit schwacher
- Lauge abgewaschen und getrocknet sind.
-
- Condie empfiehlt, nachdem die Entzündung vollkommen nachgelassen hat,
- eine Salbe von salpetersaurem Quecksilber (~Nitrate of mercury~) mit
- ein Drittel Fett aufgelöst als Umschlag.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Zur Reinigung des Blutes kann
- folgendes angewandt werden: Schlangenwurzel (~Black cohosh~) und
- Ziegenblatt- (~Shrubby trefoil~) Tinctur; von jedem drei Unzen. Zu
- mischen. Man gebe dem Alter des Kindes angemessen 5 bis 20 Tropfen
- in einem Theelöffel voll versüßten Wassers. Ist ein stärkendes
- Mittel erforderlich, füge zu jeder Dosis 2 bis 3 Tropfen salzsaures
- Eisenoxyd (~Ferrum muriaticum~). Als Salbe gebrauche man das folgende:
-
- Hammelfett 1 Unze.
- Zinkoxyd (~Oxide of zinc~) 1 Drachme.
- Kampfer-Tinctur 2 Drachmen.
- Glycerin 1 Drachme.
-
- Mische es. Zwei- bis dreimal des Tages anzuwenden.
-
-
-Grindkopf (~Tinea capitis~)
-
-ist ein ansteckender Ausschlag der Kopfhaut, der sich durch kleine
-Eiterbeulen an der Kopfhaarwurzel kennzeichnet. Er beginnt mit kleinen
-rothen Flecken, in deren Mitte sich eine kleine gelbe Pustel befindet
-und die in der Regel von einem Haare durchstochen sind. Diese Pusteln
-brechen auf, bilden dünne Schorfe, in deren Mitte sich bei jedem
-einzelnen Schorfe eine Vertiefung befindet; sie verbinden sich mit
-den zunächst liegenden und bilden so bald große Flecken. Die Krusten
-nehmen allmählig zu und werden hart, werden sie entfernt, so bleibt die
-Oberfläche roth und glänzend. Zieht sich die Krankheit in die Länge, so
-fallen die Haare aus und wachsen selten oder nie wieder; geschieht es
-indessen, so ist es von einer helleren Farbe, kurz und ungesund. Der
-Geruch, der die Ausdünstung der Kopfhaut verursacht, ist besonders bei
-harten Fällen und da, wo die Reinlichkeit nicht mit in der Behandlung
-einbegriffen ist, widerwärtig. Auch bildet sich Ungeziefer unter
-den Krusten, welches große Beschwerde verursacht. Da es eine sehr
-ansteckende Krankheit ist, sollte Kindern, die damit behaftet sind,
-nicht gestattet werden, sich derselben Kämme, Bürsten, Kopfbedeckungen,
-Handtücher &c. mit Andern gemeinschaftlich zu bedienen, ebenso ist das
-Schlafen solcher mit Andern in einem Bette nicht zulässig.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Reinlichkeit ist bei dieser Krankheit von der größten
- Wichtigkeit. Die Haare müssen so kurz als möglich geschnitten werden,
- und während des Verlaufs der Krankheit sollten alle ungesunden
- Haare mittelst einer kleinen Zange oder Haarzängelchen (~tweezers~)
- herausgezogen werden. Die Kost ist sorgfältig zu regeln, wobei alle
- reizende und allzureiche Nahrung vermieden werden muß.
-
- =Allöopathisch.= Man entferne die Krusten durch einen erweichenden
- Umschlag, wie Brod mit Milch oder eine Waschung von 2 bis 3 Drachmen
- Pflanzenlaugensalz (~Subcarbonate of potassa~) mit einem Pint Wasser.
- Hierauf wende man Morgens und Abends die Salbe von salpetersaurem
- Quecksilber (~Nitrate of mercury~), oder die der Jod-Potasche
- (~Iodium potassae~) an, und zwar in dem Verhältniß: aus 1 Drachme
- ~Potassium~ (Metall der Potasche) 2 Unzen Fett. Vor Anwendung der
- Salbe wasche man die Theile mit spanischer Seife und lauwarmem
- Wasser. Wenn eine starke Absonderung stattfindet, wende man eine
- Auflösung von 2 bis 3 Gran schwefelsaurem Zink mit einer Unze Wasser
- zwei- oder dreimal des Tages an; ist keine Absonderung vorhanden,
- dann nehme man eine Salbe von 1 Gran gepulvertem schwefelsaurem
- Zink mit einer Unze Fett, oder eine Lösung von 2 Drachmen doppelt
- kohlensaurer Potasche mit 1 Pint Wasser, oder schlägt dies nicht
- an, 2 Drachmen geschwefelte Potasche (~Sulphuret of potash~), 2
- Drachmen weiße Seife und ein halbes Pint Limewasser. Sollte irgend
- ein Umschlag eine Entzündung hervorrufen, so muß sie ausgesetzt und
- dagegen erweichende Umschläge und lauwarme Waschungen angewendet
- werden.
-
- Eine sehr zu empfehlende Salbe ist:
-
- Pulverisirtes schwefelsaures Kupfer (~Pulverized
- sulphate of Copper~) 10 Grane.
- Spanischer Fliegen-Extrakt 5 „
- Schweinefett 1 Unze.
-
- Mische und gebrauche es nach einer gründlichen Waschung mit
- spanischer (~castile~) Seife und Wasser einmal des Tages.
-
- Zuweilen wird die folgende Salbe mit ausgezeichnetem Erfolg
- angewendet:
-
- Salpetersaures Quecksilber 1 Drachme.
- Wasser 4 Unzen.
-
- Mische und trage es einen Tag um den andern mit einem
- Kameelhaarpinsel auf.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Man schneide das Haar ganz kurz mache
- einen Umschlag von schlüpferigem Ulm, bis sich die Schorfe lockern
- und abfallen. Ehe man den Umschlag gemacht, wasche man den Kopf mit
- spanischer Seife und Wasser. Nach Entfernung der Krusten und Waschung
- des Kopfes wende man folgende Salbe an:
-
- Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 1 Unze.
- Biester (~Woodsoot~) 1 „
- Schwefel ½ „
- Schweinefett 6 Unzen.
-
- Mische es. Morgens und Abends anzuwenden.
-
- Man halte die Eingeweide mit einer gelegentlichen Dosis von Magnesia
- und Castoröl offen. Eine andere sehr empfohlene Salbe wird aus
- grünem, 6 bis 8 Zoll hohem Roggen gemacht, indem man ihn mit frischer
- Sahne langsam kochen läßt, bis die Blätter braun geröstet sind.
- Schwefelsalbe wird zuweilen mit Erfolg angewandt.
-
- =Homöopathisch.= ~Sepia~ kann in Dosen (6 Kügelchen) dreimal des
- Tages durch zwei oder drei Wochen gegeben werden, tritt keine
- Besserung ein, gebe man ~Calcarea carbonica~; bei trockenem
- Ausschlag Morgens und Abends eine Dosis (6 Kügelchen). Wenn nach
- zweiwöchentlichem Gebrauche noch keine Besserung wahrgenommen wird,
- gebe man ~Sulphur~. Bei feuchtem Ausschlag gebe man ~Rhus~ oder
- ~Lycopodium~, zweimal des Tages eine Dosis, und lasse ~Sulphur~
- folgen. Macht die Absonderung des Ausschlages die Haut wund oder
- verursacht Geschwüre, wo sie auf die Haut übertragen wird, gebe man
- ~Arsenicum~ und ~Rhus~ abwechselnd einen Tag, täglich dreimal.
-
- Eine gute Kopfwaschung geschieht mit Kleiewasser. Als Umschlag
- kann Salpetersäure (~Acidum nitri~) im Verhältniß von 12 Tropfen
- auf 4 Unzen Wasser angewendet werden. Was immer für ein Heilmittel
- innerlich gegeben werden mag, so ist es gut, dasselbe auch als
- Umschlag anzuwenden; dadurch, daß man 12 oder 15 Kügelchen in einem
- halben Glas voll Wasser auflöst.
-
- Andere Heilmittel als jene bereits erwähnten sind folgende:
- ~Dulcamara~, ~Staphysagria~, ~Hepar sulphuris~, ~Antimonium crudum~,
- ~Graphites~, ~Bryonia~. Dieselben können in der nämlichen Weise, wie
- die anderen, wenn diese nicht den gewünschten Erfolg haben sollen,
- angewendet werden.
-
-
-Hühneraugen, Leichdornen (~Corns~)
-
-sind eine Verdickung der Schleierhaut, welche durch den Druck oder die
-Reibung von zu engem oder schlecht passendem Schuhwerk hervorgerufen
-wird.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Erweiche die Füße in warmem oder schwachem Laugenwasser. Dies
- erweicht die verhärtete Oberfläche, so daß sie mit dem Fingernagel
- oder einem Federmesser entfernt werden kann. Nach Entfernung dieser
- verhärteten Haut wird ein kleiner weißer Fleck gesehen werden, der
- der Mittelpunkt des Hühnerauges ist. Diesen schneide vorsichtig,
- ohne Schmerzen oder Blutung zu verursachen, heraus und lege dann
- ein Stück weiches Tuch, einen Schwamm oder nach und nach auch ein
- Pflaster auf; jedes von diesem muß indessen ein Loch in der Mitte
- haben. Wenn eine Entzündung vorhanden ist, betupfe es jeden zweiten
- oder dritten Tag mit einem zugespitzten Stück Höllenstein (~Argentum
- nitri~).
-
- Weiche Hühneraugen zwischen den Zehen können durch zwei- oder
- dreimaliges Auflegen des Tages von Charpie oder Watte, mit
- Kampfer-Tinctur befeuchtet, entfernt werden. Ein Stück Watte sollte
- so lange aufgelegt bleiben bis die betreffenden Theile wieder
- vollständig hergestellt sind.
-
- Es giebt eine Menge von Mitteln, Hühneraugen zu entfernen, einige von
- ihnen sind folgende: Ein Epheublatt mit Essig befeuchtet und auf das
- Hühnerauge gebunden; Charpie oder Watte mit einer zusammengesetzten
- Flüssigkeit von salzsaurem Ammoniak (~Muriate of ammonia~), eine
- Unze in 4 Unzen Wasser aufgelöst, befeuchtet. Man mache einen dicken
- Teig von Bleiweiß (~White lead~) und Leinöl und soviel pulverisirte
- Schlangenwurzel, um es zu färben, schmiere es auf ein Stückchen
- dünnes Leder und lege es auf das Hühnerauge. Man erneure es alle
- 3 bis 4 Tage. Man nehme Salpeter (~Nitric acid~) und Salzsäure
- (~Muriatic acid~), von jedem eine halbe Unze, rothes Sandelholz
- (~Red sanders~), Opium, salzsaures Ammoniak (~Muriate of ammonia~),
- von jedem 1 Drachme. Nachdem die Haut um das Hühnerauge ringsherum
- leicht geritzt ist, befeuchtet man den Stöpsel der Flasche, worin
- sich die Flüssigkeit befindet, durch Umschütteln, und betupfe damit
- dasselbe. Ein Pulver von Badebaumblättern (~Savine~) 2 Unzen,
- Grünspan (~Verdigris~) 1 Drachme, rothes Präcipitat 2 Unzen, gemischt
- und über Nacht auf das Hühnerauge gebunden. Weinsteinsäure (~Acidum
- tartaricum~), Salzsäure, Wasser, von jedem eine Unze und ein Stück
- Schöpsenfett mit einem Stückchen Holz mehrere Male auf das Hühnerauge
- zu tragen. Folgendes, „Sir Humphrey Davy’s Solvent“ genannt, besteht
- in 2 Theilen Potasche, 1 Theil Sauerkleesalz, fein gepulvert,
- gemischt und in einer kleinen Menge vermittelst eines Verbandes durch
- mehrere Nächte hintereinander auf das Hühnerauge zu bringen. Starke
- Essigsäure bleibt immer das beste Mittel, das angewendet werden kann.
- Um die Heilung indessen zu vervollständigen und um für immer davon
- befreit zu bleiben, ist es nothwendig, daß das Schuhwerk nicht zu eng
- ist, überhaupt gut paßt.
-
-
-Warzen (~Veruccae~)
-
-sind so allgemein bekannt, daß davon gar keine Beschreibung nothwendig
-ist. Fast Jeder hat damit schon mehr oder weniger Bekanntschaft
-gemacht. Die Mittel zu deren Entfernung sind fast eben so zahlreich als
-die Warzen selbst -- einige von ihnen werden hier angegeben.
-
-Gleiche Theile von salzsaurem Ammoniak (~Muriate of ammonia~),
-Cayenne-Pfeffer und Schlangenwurzel, fein gepulvert, gemischt und
-mit ein wenig Talg und Bienenwachs zu einem Pflaster gemacht. Ein
-Heftpflaster, in dessen Mitte sich ein Loch befindet, so daß es über
-die Warze gezogen werden kann und dieselbe allein frei bleibt, wird
-aufgelegt und darauf dann das Obige. Die Anwendung dieses Pflasters muß
-so lange geschehen, bis die Warze abstirbt.
-
-Kohlensaure Soda (~Carbonate of soda~) eine Unze, Wasser ein Pint,
-gemischt, und damit die Warze dreimal des Tages gewaschen.
-
-Concentrirte Essigsäure (~Acetic acid~), ebenso Salpeter und
-salpetersaure Salzsäure sind ausgezeichnete Mittel. Sobald als die
-Warzen hart werden, entferne man sie.
-
-Eine gesättigte Auflösung von doppelt chromsaurer Potasche (~Bichromate
-of Potassa~) ist mit Erfolg angewendet worden; das Berühren anderer
-Theile außer der Warze sollte vermieden werden.
-
-Mangansäure (~Manganic acid~) zerstört sie sehr schnell.
-
-Eine Mischung von gleichen Theilen Salpeter und unaufgelöstem Lime mit
-hinreichend Essig, um einen Teig zu bilden, ist gut.
-
-Die Rinde der gewöhnlichen Weide zu Asche verbrannt mit starkem Essig
-gemischt und häufig angewendet, wird sie zuweilen entfernen.
-
-Man binde einen starken Faden um die Warze und ziehe ihn mit jedem Tage
-dichter zusammen.
-
-
-
-
-Zweites Kapitel.
-
-Fieber.
-
-
-Fieber ist ein allgemeiner Ausdruck, in dem verschiedene
-Krankheitsformen eingeschlossen sind; es ist eine der gewöhnlichsten,
-häufigsten und verwickeltsten Krankheiten, welchen der menschliche
-Körper unterworfen ist. Es ist bei allen hitzigen (~acuten~)
-Krankheiten in mehr oder weniger erhöhtem Maße vorhanden. Ein
-Fieber, das als ein einfaches oder gewöhnliches beginnt, kann sich
-hinziehen, bis es sich zu einem Wechsel- oder typhösen Fieber bildet.
-Es greift den Organismus im Allgemeinen an und ist eher als ein
-Krankheitssymptom, als eine Krankheit an und für sich selbst zu
-betrachten.
-
-+Ursachen.+ -- Zum Fieber gibt es zahlreiche, einige von ihnen sind
-folgende: Große geistige oder körperliche Anstrengung, Kummer,
-Besorgniß, Mangel an gehöriger Nahrung, Kleidung oder Bewegung, Miasmen
-(die giftigen Bestandtheile, welche von verwesenden thierischen oder
-Pflanzenstoffen aufsteigen), außergewöhnliche Hitze oder Kälte,
-plötzlicher Witterungswechsel, allgemeine schädliche Einflüsse,
-Entzündungen, reizende Speisen und Getränke.
-
-+Symptome.+ -- Der Kranke klagt zunächst über ein Gefühl der
-Ermüdung, Mattigkeit, Schmerzhaftigkeit des Fleisches, Schwere und
-Eingenommenheit des Kopfes, Mangel an Eßlust, schlechtem Geschmack im
-Mund, dem bald große Hitze, Frost, Uebelkeit und Erbrechen folgt. Diese
-Kennzeichen werden bei Fiebern allgemein gefunden. Eine Beschreibung
-der verschiedenen Arten von Fiebern folgt nachstehend.
-
-
-Gewöhnliches oder eintägiges Fieber.
-
-Die einfachste Form des Fiebers, die nur einen Tag, oder auch eine
-Woche oder länger dauern kann. Unter gehöriger Behandlung dauert es
-indessen selten länger als drei bis vier Tage.
-
-+Ursachen.+ -- Erkältung, außerordentliche geistige oder körperliche
-Ermüdung, ungesunde Nahrung, Unmäßigkeit im Essen und Trinken u. s. w.
-
-+Symptome.+ -- Frost und Hitze, krankhafter Magen, vielleicht auch
-Erbrechen, Appetitlosigkeit, Mattigkeit, dem Fieber, Durst, belegte
-Zunge u.s.w. folgt.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Der Kranke sollte im Bett bleiben, sich aller
- Fleischspeisen enthalten und nichts anderes als Haferschleim,
- Fleischbrühe &c. zu sich nehmen.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum~ ist ungefähr alles, was in dieser
- Krankheit zu geben ist. Löse 12 Kügelchen in einem halben Tassenkopf
- Wasser und gib von dieser Auflösung alle zwei oder drei Stunden einen
- Theelöffel voll, bis ein ungehindertes Schwitzen eintritt.
-
- Sind plötzliches Zusammenfahren, fliegende Hitze und andere Symptome,
- die anzeigen, daß der Kopf mehr oder weniger angegriffen ist,
- vorhanden, so gebe man ~Belladonna~ abwechselnd mit ~Aconitum~.
-
- =Allöopathisch.= Einige gelinde Abführmittel, wie Magnesia,
- Bittersalz, mögen gegeben werden, oder auch die folgende Mischung:
-
- Rochelle-Salz oder weinsteinsaure Potasche (~Tartrate
- of potash~) 1 Unze.
- Kohlensaure Magnesia (~Carbonate of magnesia~) 1 Drachme.
- Pfeffermünzwasser 6 Unzen.
-
- Mische es. Alle 3 Stunden einen Theelöffel voll.
-
- Lasse diesem folgen:
-
- Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~Solution of
- acetate of ammonia~) 1½ Unze.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 Drachmen.
- Syrup 2 „
- Kampher-Mischung 4 Unzen.
-
- Mische es. Alle 4 oder 6 Stunden einen Eßlöffel voll.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Man gebe ein einfaches Brechmittel, wie
- gleiche Theile der Lobelia und Brechwurz, Thee von Kamillenblüthen,
- Wasserdost (~Boneset~), Hundekamille (~Anthemis~) oder gepulverten
- Senf in warmem Wasser. Bringe den Kranken zu Bett und lege rings
- um ihn warme Steine oder Flaschen mit heißem Wasser und lasse
- ihn ungehindert Thee von Katzenmünze (~catnip~), grüne Münze
- (~spearmint~), Isop, Salbei, Saffran oder Balsam trinken.
-
-
-Entzündliches Fieber
-
-tritt ebenso wie das gewöhnliche Fieber auf, worauf ein starker Frost
-und die gewöhnlichen Symptome von Hitze, Mattigkeit, Unruhe, ziehende
-Schmerzen im Kreuz, Kopf und Gliedern folgen. Darauf stellt sich
-Röthe des Gesichts, große Beklemmung, Klopfen der Schläfe, große Hitze
-der Haut, Durst, eine mit einem weißen Schleim belegte Zunge, sehr
-schnelles Athmen, Uebelkeit des Magens, zuweilen Erbrechen, trockene,
-heiße Haut und mehr oder weniger Störung fast aller Funktionen des
-Körpers, ein. Diese Krankheit nimmt ihren Verlauf in ungefähr zwei
-bis drei Wochen; wenn sie aber um diese Zeit nicht nachläßt, geht sie
-leicht in ein typhöses Fieber über.
-
-+Ursachen.+ -- Ueberladung des Magens mit fetten, unverdaulichen
-Speisen, ungeregeltes Leben, plötzliche Unterdrückung des Schweißes,
-heftige geistige Aufregungen und Beschädigungen des Körpers, das
-Wohnen in feuchten, schlecht ventilirten Häusern und im Allgemeinen
-Unmäßigkeit.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Da häufig Verstopfung die Ursachen dieses Fiebers
- ist, sollte zur Entleerung der Eingeweide eines der folgenden Mittel
- genommen werden:
-
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 2 Drachmen.
- Frisch gebrannter Kaffee, grob gemahlen 2 Skrupel.
- Heißes Wasser 4 Unzen.
-
- Mische und koche dieses drei Minuten, seihe es durch und nimm alle
- drei Stunden einen Theetassenkopf voll zur augenblicklichen Wirkung.
- Jeden Morgen kann ein Tassenkopf voll zum Offenhalten der Eingeweide
- gegeben werden.
-
- Oder auch:
-
- Rhabarber 10 Grane.
- Calcinirte (~calcined~) Magnesia ½ Drachme.
-
- Mische es und nimm das Ganze auf einmal.
-
- Wenn stärkere Abführmittel erforderlich sind, gebrauche man das
- folgende:
-
- Zusammengesetzter Koloquinthen- (~Colocynth~)
- Extrakt ½ Drachme.
- Jalappenwurzel- (~Jalap~) Extrakt 15 Grane.
-
- Mische dies und mache 12 Pillen davon. Dosis zwei oder drei Pillen,
- bis die Wirkung erfolgt. Als ein kühlender Trank ist das folgende zu
- empfehlen:
-
- ~Cremor tartari~ ½ Unze.
- Frisch zerquetschte Citronenschale 4 Unzen.
- Stückzucker 4 „
- Kochendes Wasser 3 Pint.
-
- Mische und, nachdem es eine Weile gestanden, durchseihe es.
-
- Wenn die Entzündung ihren Sitz im Kopfe hat, sollte unbeschränkt
- kaltes Wasser angewendet werden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Der Körper sollte öfters, während
- das Fieber unterdrückt ist, einige Minuten lang mit kaltem Wasser
- gewaschen werden. Ist der Kopf stark von Schmerz und Delirium
- angegriffen, sollten drei oder vier Blutegel an jede Schläfe
- angesetzt und Umschläge von kaltem Wasser und Essig auf den Kopf
- gemacht werden. Das letztere kann zuweilen auch statt der Blutegel
- angewendet werden.
-
- Die Ausleerungen zu erhöhen und die Eingeweide zu erleichtern, kann
- auch Brechwurz in Dosen von 1 bis 1½ Gran in ein wenig warmem
- Wasser oder Molasses aufgelöst auf einmal in zwei Stunden gegeben
- werden.
-
- Zur Reinigung der Eingeweide kann auch ein Pulver, aus dem folgenden
- zusammengesetzt, gegeben werden:
-
- Gepulverter Entenfuß (~Podophyllum~) 1 Grane.
- Leptandrin 4 „
- ~Cremor tartari~ 1 Theelöffel
- voll.
-
- Senna- und Epheublätter-Salz kann ebenso zu demselben Zwecke
- verwendet werden.
-
- Wenn es nothwendig ist, Schweiß hervorzurufen, sollten warme
- Bäder angewendet oder die Füße in warmem Wasser erweicht werden,
- dabei lasse man den Kranken unbeschränkt Thee von Salbei, Balsam,
- Wasserdost, Isop oder Flachssamen trinken. Diese Maßregeln werden
- in der Regel das Fieber dämpfen. Bei Schlaflosigkeit lege man ein
- Hopfenkissen unter den Kopf des Kranken oder lasse ihn starken
- Hopfenthee trinken, was von gutem Erfolge sein wird. In dem letzteren
- Stadium des Fiebers, wenn der Magen reizbar ist, ist es zuweilen
- besser, anstatt der Medizinen Einspritzungen anzuwenden, und diese
- können in einem Theelöffel voll gewöhnlichen Salzes, in einem Pint
- von warmem Wasser aufgelöst, oder Molasses mit Wasser, und wenn die
- Nahrungsmittel vom Magen nicht angenommen werden, in einer Brühe von
- Milch- und Wasser-Haferschleim bestehen.
-
- Die Diarrhöe, die zuweilen diesem Fieber folgt, kann vermittelst
- Einspritzungen von warmem Wasser, in das 15 bis 20 Tropfen Mohnsaft
- (~Laudanum~) gethan werden, eingehalten werden; kleine Dosen von
- Rhabarber und Magnesia werden zuweilen erfolgreich gefunden werden.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum~ sollte immer zu Anfang gegeben werden.
- Nachdem dies 6 Stunden lang geschehen ist, die Symptome sich aber
- nicht vermindern, gebe man abwechselnd mit dem obigen ~Belladonna~,
- besonders wenn der Kopf heiß ist, bei heftigem Schmerz in der
- Stirngegend, Gesicht roth, die Augen gegen das Licht empfindlich,
- Unruhe oder Schwindel bei großem Druck und Delirium.
-
- ~Bryonia.~ -- Wenn mit den anderen Symptomen des Fiebers, Schwindel
- im Kopf, Verstopfung und ein Gefühl von Schwere im Magen, Schmerzen
- in den Gliedern und im Rückgrate verbunden sind.
-
- Andere Heilmittel, welche angewendet werden können, wenn die Lungen
- angegriffen sind, sind folgende: ~Bryonia~, ~Tartarius Emeticus~ und
- ~Phosphorus~.
-
- Ist eine Neigung zu Typhus vorhanden, so gebe man ~Rhus
- toxicodendron~ abwechselnd mit ~Bryonia~.
-
- Gegen Diarrhöe gebe man auch folgende Heilmittel: ~Mercurius~,
- ~Arsenicum~, ~Ipecacuanha~, ~Chamomilla~, ~Veratrum~.
-
- Die Kost sollte bei dieser Krankheit im Anfang sehr leicht sein. Man
- gebe nichts außer Fleischbrühe und kühlenden Getränken. Es schadet
- dem Kranken nichts, wenn er so viel kaltes Wasser, als er wünscht,
- trinkt, zuweilen ist es sogar zuträglich.
-
- Folgendes mag als Kost dienen: Gerstenschleim, Wasser von geröstetem
- Brode, Pfeilwurzel, Aepfelsauce und, wird der Kranke besser,
- Rindfleisch oder Hühnerbrühe und dann und wann leichte Weine. Der
- Kranke sollte in dem Zusichnehmen von schwereren Lebensmitteln bis
- zur vollständigen Wiedergenesung sehr vorsichtig sein.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
- Wasser und gebe, der Heftigkeit der Symptome angemessen, alle 1, 2
- oder 3 Stunden einen Theelöffel voll.
-
-
-Nervenfieber oder Typhus.
-
-Dieses Fieber tritt zuweilen ganz plötzlich mit einem Frost auf,
-obgleich das Fieber in der Regel allmählig ankommt, so daß sein
-Anfang nicht bemerkt wird. Der Kranke klagt wohl eine lange Zeit über
-Müdigkeit, eine allgemeine Schwere und dann und wann über Kopfweh.
-Die Haut ist möglicherweise etwas erhitzt, das Gesicht von fliegender
-Hitze überzogen, die Zunge leicht belegt und der Appetit vermindert.
-Die Symptome können sich mehrere Tage oder eine Woche lang hinziehen,
-dann stellt sich der Frost ein, der 6 bis 8 Stunden, zuweilen 1 bis 2
-Tage anhält. Sobald die Krankheit zum Ausbruch gekommen ist, hört der
-Frost auf und bei dem Kranken stellen sich die gewöhnlichen Symptome
-des Fiebers ein, wie schneller Puls, Hitze und Trockenheit der Haut,
-fliegende Hitze, stechende Schmerzen in der Stirn, Summen in den Ohren,
-Appetitlosigkeit, Durst und allgemeine Schwäche. Es kann ebensowohl
-Diarrhöe wie Verstopfung vorhanden sein. Der Stuhl ist gelblich oder
-grünlich und zuweilen mit Blut gemischt. Ein kneipender Schmerz wird
-in den Eingeweiden vorhanden sein. Der Schmerz in den Eingeweiden wird
-durch einen Druck auf der rechten Seite erhöht.
-
-Wie die Krankheit fortschreitet, stellt sich Delirium ein, das sehr
-stark werden kann. Die Zunge wird trocken und bekommt eine bräunliche
-Farbe; der Kranke ist entweder sehr unruhig oder er liegt in einem
-bewußtlosen Zustand.
-
-In der Regel erscheint in diesem Stadium ein Ausschlag am Unterleib,
-bestehend in kleinen rothen Flecken, der sich in einigen Fällen auch
-über die Glieder erstreckt; auch werden bei genauer Besichtigung zu
-derselben Zeit kleine Blasen, eine wässerige Flüssigkeit enthaltend,
-auf dem Nacken und dem oberen Theile der Brust wahrgenommen werden.
-
-Wenn die Krankheit anhält, wird die Zunge ganz trocken, mit einem
-braunen oder schwarzen Schleim überzogen und die Zähne sind mit einer
-schwarzen Masse bedeckt, ebenso Lippen und Zahnfleisch. Ein Schweiß,
-der sehr widerwärtig werden kann, tritt ein; der Unterleib schwillt
-drommelartig an; der Kranke liegt auf dem Rücken, gleitet nicht selten
-nach dem Ende des Bettes, pflückt an dem Bettzeug und spricht leise vor
-sich hin. Eine Entleerung der Gedärme und des Urins findet unbewußt --
-ohne daß der Kranke fähig ist, es zu verhindern -- statt, oder es ist
-eine Unterdrückung des Urins vorhanden, in welchem Falle man denselben
-vermittelst eines Instrumentes ablassen muß.
-
-Bei fortdauernder Krankheit werden die Endgliedmaßen kalt und klebrig
-und die ganze Oberfläche des Körpers ist in einem klebrigen Schweiß
-gebadet. Das Gesicht nimmt einen ängstlichen Ausdruck an und des
-Kranken Kräfte schwinden mehr und mehr.
-
-+Ursachen.+ -- Dieses Fieber ist unzweifelhaft ansteckend -- kann
-von einer auf die andere Person übertragen werden und ein Anfall
-sichert in der Regel den Betreffenden vor einem zweiten. Es wird durch
-übermäßige Anstrengung des Körpers oder Geistes, Ausschweifungen aller
-Art, schlechte Luft und schlechtes Wasser, den Aufenthalt unter zu
-dichter Bevölkerung, in schmutzigen Straßen und kleinen Wohnzimmern
-hervorgerufen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Der Kranke sollte in ein gut ventilirtes Zimmer
- geschafft, das Bett häufig aufgeschüttelt und die Decken gerade
- gelegt werden. Es ist nothwendig, die vorstehenden Theile des
- Körpers, wie die Hüften und den unteren Theil des Rückgrats gegen den
- Druck zu schützen, um das Aufliegen zu verhindern. Wenn aber diese
- Theile weich werden, oder eine dunkle oder eine ganz weiße Farbe
- annehmen sollten, kann eine schwache Arnika-Tinktur angewendet und
- die Theile müssen durch weiche Kissen oder durch aufgelegte Pflaster
- gegen den Druck geschützt werden.
-
- Es ist wichtig, bei dieser Krankheit der Kost große Aufmerksamkeit
- zuzuwenden. In den ersten Stadien sollte dieselbe sehr leicht und
- flüssig sein, so daß sie auch als Getränk gereicht werden kann
- wie Gummi Arabicum-, Gersten-, geröstetes Brod- (~toast~) Wasser,
- schwache Auflösung von ~Sago~, ~Tapioca~ oder Pfeilwurz (~arrow
- root~), Hafer- oder Welschkorn-Mehlschleim; ebenso kann auch der Saft
- von süßen Trauben und Orangen erlaubt werden, aber man muß dafür
- sorgen, daß die festen Theile davon nicht mit verschluckt werden;
- als Getränke möge man sich kalter Limonade oder Eiswasser bedienen.
- Ungefähr in der zweiten Woche, wenn der Kranke sehr schwach wird,
- mögen ~Sago~, ~Tapioca~ oder Pfeilwurz mit drei Theilen Wasser und
- einem Theile Milch, dicker Haferschleim, Panade mit Muskatnuß und
- zuweilen mit Wein schmackhaft gemacht, gegeben werden. Es wird gut
- sein, hiervon alle zwei, drei oder vier Stunden, je nach der Stärke
- des Kranken, ein Weinglasvoll zu geben. In einigen Fällen wird alle
- ein oder zwei Stunden ein Eßlöffelvoll Milch gute Dienste thun --
- wenn der Magen reizbar ist, mische sie mit einem gleichen Theile von
- Limewasser. Wird der Kranke sehr schwach, gebe man ihm Fleischbrühe,
- Milchpunsch, oder Eier in Wein.
-
- Man beobachte sorgfältig die Blase, da, wenn sie sich mit Wasser
- füllen sollte, dieselbe entleert werden muß. Hat das Fieber einen
- hohen Grad erreicht, kann die Oberfläche des Körpers öfter mit kaltem
- Wasser abgewaschen werden und der Patient sollte so viel als möglich
- kaltes Wasser trinken, ebenso Eis essen.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Während des ersten Theiles der
- Krankheit, wenn Uebelkeit und Erbrechen vorhanden ist gebe man ein
- gelindes Abführmittel, wie das zusammengesetzte Pulver der Lobelia.
- Bei Verstopfung mag das folgende Mittel angewendet werden:
-
- Virginischer Ehrenpreis (~Black root~) 2 Drachmen.
- Rhabarber (~Rhubarb~) 1 Drachme.
- Siedendes Wasser ½ Pint.
-
- Lasse die Wurzel ein oder zwei Stunden lang in dem Wasser stehen;
- seihe es ab und gib alle Stunden einen Eßlöffel voll, bis eine
- Wirkung wahrgenommen wird. Sorge sollte getragen werden, daß die
- Eingeweide nicht zu willkürlich bewegt werden.
-
- Während des Fiebers wasche man den Körper mit warmem Laugenwasser
- und den Kopf mit kaltem Wasser. Stellt sich Delirium ein, sollten
- Senfpflaster auf die Füße und längs des Rückgrats gelegt werden.
- Diarrhöe kann durch folgendes Mittel gestopft werden:
-
- Dreifach-salpetersaurer Wismuth (~Tris-nitrate of
- bismuth~) 3 Grane.
- Terpentin (~Turpentine~) 15 Tropfen.
- Pfeffermünz-Wasser (~Peppermint water~) 2 Drachmen.
-
- Mische und nimm es auf einmal.
-
- Tannin-Säure (~Tannic acid~) kann alle Stunden in Dosen von ein oder
- zwei Granen gegeben werden, so auch Terpentinöl, jede oder alle zwei
- Stunden, in Dosen von 6 bis 8 Tropfen. Ist der Magen zu schwach,
- um es anzunehmen, gebe man es vermittelst Einspritzungen. Gegen die
- Schmerzen in den Eingeweiden und das Anschwellen des Unterleibes
- einen erweichenden Umschlag von Hopfen oder Lobelia. Letzteres ist
- öfters zu wiederholen, und nicht kalt werden zu lassen. Zuweilen
- wird Hinzufügung von Terpentinöl von guter Wirkung sein. Dies sollte
- so lange fortgesetzt werden, bis ein Druck ohne Empfindung eines
- Schmerzes gemacht werden kann, oder bis der Kranke sehr hinfällig
- wird. Tritt das Letztere ein, so gebe man folgendes:
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 20 Grane.
- Vitriol-Elixir (~Elexir of vitriol~) 1 Drachme.
- Schlangenwurzel-Tinctur (~Tincture of black cohosh
- root~) 4 Drachmen.
-
- Löse das Chinin in dem Vitriol-Elixir auf und füge dann die
- Schlangenwurzel-Tinktur hinzu. Dosis: 20 Tropfen in kaltem Wasser
- jede Stunde.
-
- Bei großer Nervenschwäche und Reizbarkeit gebe man statt des Obigen
- Chinirten Baldrian (~Valerianate of quinine~) jede oder alle zwei
- Stunden ½ Gran in einem Aufguß von Hopfen oder Schildkraut
- (~skull-cap~).
-
- Um während des Fiebers Schweiß hervorzurufen, gebe man einen Aufguß
- von Eibischwurzel (~Marsh-mellow~) und Pfirsichblätter, oder einen
- Aufguß von Frauenhaarmoos (~Haircap moss~). Wird der Kranke sehr
- schwach, so kann eine getränkte Tinktur von stachligen Eschbeeren
- (~prickly Ash-berries~) als Einspritzung angewendet werden.
- Erwachsenen einen Eßlöffel voll dieser Tinktur in Ale, Porter oder
- Branntwein in Wasser, oder Schöpsen- oder Rindsbrühe. Kann es der
- Kranke nicht bei sich behalten, so sollte es vermittelst einer
- leinenen Preßbinde eine längere Zeit in den Eingeweiden gehalten
- werden.
-
- =Homöopathisch.= Wenn zu Anfang Kopfschmerz, Schwindel, Frost,
- Schmerzen in dem Rücken und den Gliedern, bei leichtem Husten, mit
- oder ohne Diarrhöe, Uebelkeit des Magens und zuweilen Erbrechen
- vorhanden ist, gebe man alle zwei Stunden abwechselnd eine Dosis
- ~Bryonia~ und ~Rhus toxicodendron~.
-
- Lasse den Kranken zu Bett gehen, und wenn er unruhig ist, gebe man
- eine oder zwei Dosen ~Coffea~ oder ~Belladonna~. Sobald der Patient
- zu schwitzen anfängt und diese Symptome verschwinden, wird er besser.
- Wenn aber die Krankheit fortschreitet und die Symptome schlimmer
- werden, so sollte ~Aconitum~ gegeben werden, besonders wenn der Puls
- voll, die Haut heiß und trocken und heftiger Durst vorhanden ist.
- Dies sollte abwechselnd mit ~Belladonna~ gegeben werden, sobald mit
- den obigen Symptomen starke Kopfschmerzen, große Empfindlichkeit
- gegen Licht und Geräusch und Auffahren im Schlafe verbunden sind.
-
- Nehmen die Symptome an Heftigkeit zu, gebe man noch einmal ~Bryonia~
- abwechselnd mit ~Rhus toxicodendron~.
-
- Andere Heilmittel sind folgende:
-
- ~Arsenicum.~ -- Trockene und gelbliche Haut, eingefallene Augen und
- Wangen, zusammengeschrumpftes, blasses Gesicht, kalter Schweiß auf
- der Stirn, dunkle, trockene aufgesprungene Lippen, schwarze Zähne mit
- einer schmutzigen Masse überzogen, geschwollener Unterleib, kurzer
- und schneller Athem, leise und murmelnde Stimme, brennende Hitze in
- der Magengrube, Uebelkeit und Erbrechen, besonders nach Genuß von
- Speisen und Getränken, außerordentliche Hinfälligkeit und Sinken der
- Kräfte.
-
- ~Acidum phosphoricum.~ -- Große Schwäche, der Patient liegt beständig
- auf dem Rücken, redet irre, Zupfen an dem Bettzeug, starrer Blick und
- hohle glasige Augen.
-
- ~Bryonia.~ -- Gesicht roth und geschwollen, Athem schwer und kurz
- oder seufzend, Lippen braun und trocken, Mund trocken und mit einem
- gelblichen Pelz besetzt, Vollsein und ein Druck im Kopf, bei Bewegung
- schlimmer, Summen in den Ohren, Trockenheit im Halse, Verstopfung.
-
- ~Opium.~ -- Bei großer Trockenheit mit schnurrendem Athem, eine
- unbewußte Entleerung der Blase und Eingeweide.
-
- ~Lachesis~ -- kann bei denselben Symptomen gegeben werden, besonders
- wenn die Zunge trocken, roth und glänzend -- wie lackirt -- ist.
-
- ~Hyosciamus.~ -- Wenn das Gesicht heiß und roth, die Augen funkeln,
- die Muskeln zucken, rasendes Delirium und der Kranke fortwährend ein
- Verlangen zu entwischen zeigt.
-
- ~Carbo vegetabilis.~ -- Dies kann abwechselnd mit ~Arsenicum~
- gegeben werden, wenn sich folgende Symptome zeigen: Aengstlicher und
- niedergeschlagener Ausdruck, Gesicht blaß, dunkelbraun oder gelb,
- Augen eingefallen und gläsern, kalter Schweiß, der Stuhl faul und
- höchst widerwärtig, heftig drückende oder ziehende Schmerzen im Kopf,
- Röcheln im Hals, krampfartige oder brennende Schmerzen im Magen und
- in den Eingeweiden, die Eingeweide geschwollen und weich beim Druck.
-
- ~Rhus toxicodendron.~ -- Dieses Heilmittel ist in allen Stadien
- der Krankheit anzuwenden, besonders wenn der Kranke stumpf ist und
- stechende Schmerzen im Kopfe vorhanden sind, trockene, brennende
- Hitze, Steifheit des Nackens mit ziehenden Schmerzen, welche bei
- Bewegung zunehmen, Diarrhöe, Frost und Schwindel, Trockenheit des
- Halses, Drücken der Augen und Empfindlichkeit gegen Licht und
- Geräusch. Hat der Patient zu irgend einer Zeit keinen Schlaf, gebe
- man alle Stunden eine Dosis ~Coffea~ abwechselnd mit ~Belladonna~.
-
- Wenn die Haut kalt und klebrig ist und klebrige Schweiße vorhanden
- sind, gebe man ~Camphora~, das mit ~Coffea~ abgewechselt werden kann,
- sobald der Kranke unruhig werden sollte.
-
- Nachdem das Fieber gebrochen ist und der Kranke wieder zu genesen
- beginnt, kann entweder ~China~, ~Mercurius~ oder ~Sulphur~ gegeben
- werden.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
- Wasser und gebe, der Strenge der Symptome angemessen, alle halbe,
- ganze oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll.
-
- =Allöopathisch.= Häufiges Waschen mit Wasser, kalt oder warm, dem
- Befinden des Kranken angemessen, sollte angewendet werden. Ist
- Diarrhöe vorhanden, kann dieselbe mit ein wenig Branntwein oder dem
- folgenden eingehalten werden:
-
- Doverisches Pulver (~Dover’s Powder~) ½ Drachme.
- Präparirte Kreide (~Prepared chalk~) 1 Skrupel.
-
- Mische und theile es in 12 Pulver. Gib alle 2 oder 3 Stunden, je
- nachdem es nothwendig ist, ein Pulver.
-
- Sind die Eingeweide verstopft, gebe man eine Einspritzung von warmem
- Wasser, oder die folgende Mischung kann genommen werden:
-
- Castoröl 1 Unze.
- Ein Eidotter.
-
- Mische dieses und füge hinzu
-
- Gewöhnlichen Syrup ½ Unze.
- Pfeffermünz-Wasser (~Peppermint water~) 1-2 Unzen.
-
- Mische und nimm es auf einen Schluck
-
- Oder:
-
- Rhabarber (~Rhubarb~) 10 Grane.
- Calcinirte Magnesia (~Calcined magnesia~) ½ Drachme.
-
- Mische es und nimm es als eine Dosis in Syrup oder Molasses.
-
- Wenn der Kopf heiß ist, muß das Haar kurz geschnitten und der Kopf
- dann mit Eiswasser oder Essig und Wasser kühl gehalten und Blutegel
- an die Schläfe gesetzt werden.
-
- Bei Schlaflosigkeit gebe man 25 bis 30 Tropfen ~Laudanum~ (Mohnsaft).
-
- Um das Fieber zu vermindern und Schweiß hervorzurufen, alle Stunden 3
- bis 10 Tropfen Tinctur oder flüssigen Extrakt von ~Veratrum Viride~
- (Mistkraut), bis das Fieber nachläßt.
-
- Wo die Eingeweide bedeutend angeschwollen sind, mögen erweichende
- Umschläge von Hopfen oder Leinsamen gemacht werden.
-
- Finden Blutungen aus den Eingeweiden statt und ist große Schwäche
- vorhanden, lasse man den Kranken Wein und Brod zu sich nehmen. Wenn
- das Fieber langsam verläuft, sollte Chinin (~Quinine~) in mäßigen
- Dosen gegeben werden. Ein guter reizender Trank wird durch Lösung von
- einer Drachme von Potaschen-Chlorid (~Chloride of Potash~) in einem
- Pint Wasser hergestellt, das dem Kranken auf dessen Verlangen zu
- geben ist.
-
- Als eine reizende Mischung möge das folgende angewendet werden:
-
- Abkochung von Baumrinde (~Bark~) 7 Unzen.
- Zusammengesetzte Baumrinden-Tinktur (~Compound
- tincture of bark~) 6 Drachmen.
- Syrup von Orangenschale 2 „
- Verdünnte Schwefelsäure (~Diluted sulphuric acid~) 1 Drachme.
-
- Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.
-
- Oder:
-
- Orangenschalen-Tinktur (~Tincture of Orange Peel~) 4 Drachmen.
- Laudanum-Tinktur (~Tincture of Laudanum~) 2 „
- Doppeltkohlsaure Soda (~Bicarbonate of Soda~) 2 Skrupel.
- Aufguß von Calumba, hinreichend um davon 6 Unzen.
-
- zu machen.
-
- Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.
-
- +Anmerkung.+ -- Es ist rathsam, die Behandlung des Nervenfiebers
- nur einem erfahrenen Arzt zu überlassen.
-
-
-Gehirnfieber oder Gehirnentzündung (~Inflammation of the brain~).
-
-Dies ist unter verschiedenen Namen unter den Aerzten bekannt, allein
-der Ausdruck Gehirnentzündung schließt alle die verschiedenen Formen in
-sich.
-
-+Ursachen.+ -- Personen von voller Leibesbeschaffenheit, kurzem Nacken,
-vollblütig, sind vor allen Anderen zu Anfällen dieser Krankheit
-geneigt; die hervorragendsten Ursachen sind Schläge oder das Fallen auf
-den Kopf, unmittelbares Aussetzen des Kopfes den Sonnenstrahlen oder
-auch starker künstlicher Hitze, lang anhaltendes und hartes geistiges
-Arbeiten, Kälte, Ermüdung, Unmäßigkeit, heftige Bewegung, Jähzorn,
-das nach Innen Schlagen von Hautkrankheiten, zuweilen auch durch
-Krankheit der Knochen des Ohres, Schädelbrüche und Mangel an Schlaf
-verursacht. Hin und wieder tritt sie auch während Lungenentzündung,
-Scharlachfieber, Rothlauf und Gedärmentzündung ein.
-
-+Symptome.+ Sie kann allmählig oder auch ganz plötzlich kommen,
-allgemein aber ist das Erstere. Wo sie allmählig eintritt, ist
-der Kranke eine lange Zeit mit Schwere, Niedergeschlagenheit,
-Schlaflosigkeit, Schwindel, Ohrenklingen, geringem Appetit, Angst,
-Traurigkeit, Reizbarkeit, Singen und Lärmen in dem Kopfe, schreckliche
-Träume, Zittern der Glieder, Uebelkeit, Erbrechen geplagt, die Augen
-sind mit Blut unterlaufen und sehr empfindlich gegen das Licht.
-
-Schreitet die Krankheit vor, so hat der Kranke mehr oder weniger Frost
-und beständig Kopfweh, welches zuweilen außerordentlich heftig wird.
-Diesem folgt ein heftiges Fieber, heiße, trockene Haut, ängstlicher
-Gesichtsausdruck, fliegende Hitze, die Pupillen des Auges ziehen sich
-fast zur Größe eines Nadelstiches zusammen, der Puls schlägt sehr
-schnell und stark, schnelles Athmen, heiße, zuweilen feuchte Haut, die
-Zunge klebrig und mitunter mit einem weißen Pelz belegt. Der Kranke
-leidet stark an Delirien.
-
-Bei weiterem Fortschritt der Krankheit geht das Delirium in Betäubung
-über, aus welcher der Kranke nur mit Schwierigkeit zu erwecken ist.
-Die Pupillen, die vorher ganz zusammengezogen waren, erweitern sich
-jetzt und die Augen verlieren ihren Glanz. Zuweilen tritt Schielen ein
-und der Blick wird gedankenlos. Flüssigkeiten im Munde bleiben dort,
-ohne daß sie verschluckt werden, oder daß sie der Kranke auslaufen
-läßt. Der Kranke zupft an dem Bettzeuge und hascht in der Luft. Das
-Gehör ist um Vieles vermindert und alle Sinne sind mehr oder weniger
-abgestumpft. Der Urin ist sehr spärlich, wird zuweilen willenlos von
-dem Kranken zurückgehalten, in welchem Falle es nothwendig wird, die
-Blase zu leeren. Krämpfe können in diesem Stadium an Stelle der großen
-Aufregung folgen und Zeichen von großer Schwäche und Erschöpfung werden
-wahrgenommen. Der Puls wird schwach, häufig und zuckend, das Gesicht
-blaß und eingesunken und die Haut mit einem kalten und klebrigen
-Schweiß bedeckt. Der Urin geht ohne Wissen des Kranken ab, der in einem
-Zustande von gänzlicher Unempfindlichkeit stirbt.
-
-Dies ist der mehr regelmäßige Verlauf der Krankheit, aber er kann
-abweichen und in vielen Fällen mögen einige von diesen Symptomen nicht
-vorhanden sein.
-
-In einigen Fällen gehen dem Anfall Krämpfe voraus, bei deren Aufhören
-der Kranke ebensowohl bei Bewußtsein als in einem betäubenden Zustande
-sein kann. Die Krankheit dauert 24 Stunden bis 7 oder 8 Wochen, der
-Durchschnitt ist aber ungefähr 4 bis 5 Wochen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Kalte Wasser- und Eisumschläge sollten auf den Kopf
- gemacht werden und die Kost muß wie bei allen Fiebern leicht sein.
- Dem Patienten ist geröstetes Brod, Wasser, Gerstenschleim, Limonade
- oder Orangensaft, aber immer nur in kleinen Portionen zu gestatten.
- Während der Wiedergenesung ist die Kost sorgfältig zu ordnen und die
- Eingeweide und Blase ebenso zu bewachen.
-
- =Homöopathisch.= Kaltes Wasser ist das erste von Wichtigkeit. Es
- sollten hiervon regelmäßige Umschläge auf den Kopf gemacht und das
- Heißwerden des Kopfes verhindert werden. Kaltes Wasser ist dem Eise
- vorzuziehen.
-
- ~Aconitum.~ -- Wenn der Kranke starkes Delirium hat, brennende
- Schmerzen im Kopfe, besonders in der Stirne, rothes Gesicht,
- blutunterlaufene Augen, heiße, trockene Haut. Tritt nach sechs
- Stunden keine Besserung ein, sollte ~Belladonna~ abwechselnd mit
- ~Aconitum~ gegeben werden, besonders bei folgenden Symptomen: große
- Hitze des Kopfes, rothes und blutunterlaufenes Gesicht, heftiges
- Schlagen der Adern des Nackens und der Schläfe, Trockenheit des
- Mundes, der Zunge und des Halses, erschwertes Schlucken, Uebelkeit,
- Erbrechen, Schwindel, Empfindlichkeit gegen Licht und Geräusch,
- blutunterlaufene und strahlende Augen bei einem wilden Ausdrucke,
- heftiges Delirium, Diarrhöe, stechende Schmerzen im Kopfe, leises
- Murmeln und Krämpfe.
-
- ~Hyosciamus.~ -- Betäubung, Bewußtlosigkeit, Delirium, jähes
- Auffahren, Singen, Murmeln, Lächeln, Zupfen am Bettzeuge, Versuch zu
- entwischen, unfreiwilliges Ablassen des Urins.
-
- ~Stramonium.~ -- Gesicht roth, starren Blick, natürliches Schlafen,
- aber bei Krämpfen und Herumwerfen.
-
- ~Bryonia.~ -- Beständige Neigung zu schlafen, jähes Auffahren aus
- dem Schlafe, Delirium, Aufspringen, Seufzen, Schreien, brennende und
- stechende Schmerzen im Kopfe und kalter Schweiß auf der Stirne.
-
- ~Bryonia~ kann ferner gegeben werden, wenn ~Aconitum~ und
- ~Belladonna~ angezeigt erscheinen, aber keine Erleichterung gewähren.
-
- ~Opium.~ -- Schläferigkeit mit schwerem Athem, hell offenen Augen,
- Verwirrung und Schwindel nach Erwachen, Frost oder Gleichgültigkeit
- gegen Alles. Ist der Kranke zu irgend einer Zeit während des
- Krankheit sehr unruhig und schlaflos, kann man alle Stunden eine
- Dosis ~Coffea~ abwechselnd mit ~Belladonna~ geben, während diese
- Heilmittel gegeben werden, muß die Gabe anderer unterbleiben.
-
- Andere Heilmittel sind ~Zincum~, ~Apis Mellitica~, ~Rhus
- toxicodendron~, ~Lachesis~ und ~Sulphur~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels
- in 12 Theelöffel voll kalten Wassers und gieb, der Strenge der
- Symptome angemessen, alle 1, 2 oder 3 Stunden einen Theelöffel voll.
-
- =Allöopathisch.= Es ist von großer Wichtigkeit, daß die Behandlung
- rechtzeitig früh begonnen wird. Ist der Puls voll, sollte zu
- Aderlässen gegriffen und nicht eher damit nachgelassen werden, bis er
- schwächer wird. Kann man das Blut nicht am Arme entziehen, so sollten
- auf Nacken, Rückgrat und Schläfe 12 Blutegel und mehr gesetzt werden.
- Das Haupt muß rasirt werden und kalte oder Eiswasserumschläge sind
- anzuwenden, auch gestoßenes Eis kann in einen Beutel auf den Kopf
- gelegt werden. Eine volle Dosis, 5-10 Grane geläutertes Quecksilber
- (~Calomel~) mit einer gleichen Menge Jalappenwurzel (~Jalap~) kann
- in diesem Stadium gegeben werden. Zug- und Senfpflaster sind auf die
- Waden zu legen. Wer sich des Calomels nicht bedienen will, nehme
- Folgendes:
-
- Pulverisirtes Gummi-Gutti (~Pulverized gamboge~) 12 Grane.
- Pulverisirtes Scammonium-Salz (~Pulverized
- Scammony~) 12 „
- Springgurke (~Elaterium~) 2 „
- Purgirkörneröl (~Croton oil~) 8 Tropfen.
- Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~) 3 Grane.
-
- Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Alle Stunden eine Pille
- bis sich die Wirkung einstellt.
-
- Nachdem das Aufregungs-Stadium vorüber ist und der Kranke schwach
- wird, Puls kaum fühlbar, Gesicht blaß, Hände und Füße kalt, sollte
- Wein oder andere Reizmittel gegeben und Zugpflaster auf den Nacken
- und hinter die Ohren gelegt werden.
-
- Bei Schlaflosigkeit sind 2 Grane essig- oder salzsaures Morphium
- (~Acetate or muriate of morphine~) in 4 Unzen Wasser aufgelöst und
- davon alle 2 oder 3 Stunden einen Eßlöffel voll, bis Schlaf eintritt,
- zu geben.
-
- Die Eingeweide sind offen zu halten und nachdem die erste Dosis
- Calomel gegeben wurde, möge man folgendes anwenden:
-
- Calomel 6-8 Grane.
- Brechwurz (~Ipecacuanha~) 4 „
- Präparirte Kreide (~Prepared chalk~) ½ Drachme.
- Fingerhut (~Digitalis~) 3 Grane.
-
- Theile es in 12 Pulver und gebe eine hinreichende Menge, die
- Eingeweide offen zu halten.
-
- Sollte dieses Mittel Erbrechen erregen, so füge man jeder Dosis
- ein Drittel bis zu einem ganzen Gran ~Hyosciamus Extract~
- (Bilsenkraut-Extrakt) bei.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Sobald die ersten Symptome erscheinen,
- nehme man ein Fußbad in warmem Wasser, dem ein wenig Saleratus oder
- Asche beigefügt ist. Dies sollte 2 bis 3 Mal des Tages wiederholt
- werden. Mache kalte Wasserumschläge auf Gesicht, Kopf und Nacken und
- öffne die Eingeweide mit einer Mischung aus gleichen Theilen von
- Alraunwurzel (~Mandrake root~) und (~Cremor tartari~) mit ein wenig
- Gewürznelken (~Cloves~). Sollte Alraunwurzel ohne Wirkung bleiben,
- so kann auch Jalappenwurzel (~Jalap~) mit ~Cremor tartari~ gegeben
- werden. Dies sollte, jeden Morgen und Abend eine Dosis, so lange
- fortgesetzt werden, bis der Kranke außer Gefahr ist. Senfpflaster
- sind auf Kreuz, Nacken und über den Magen aufzulegen.
-
- Um Schweiß hervorzurufen, bediene man sich gleicher Theile der
- Lobelia, Blutwurzel (~Blood root~) und des Weins der Brechwurz (~Wine
- of Ipecac~) in gleichen Dosen, einmal in einer Stunde. Wenn die
- Tincturen nicht beschafft werden können, mögen diese drei Sachen auch
- in Pulvern, und zwar in Dosen von 6 bis 10 Granen gegeben werden. Ist
- das Kopfweh stark, sollten warme erweichende Umschläge von Hopfen mit
- Essig vermischt aufgelegt werden, und wenn der Kranke unruhig ist und
- nicht schlafen kann, lasse man ihn unbeschränkt Hopfenthee trinken.
-
- Befindet sich der Kranke in einem betäubten Zustande, und ist nur
- mit Schwierigkeit aus diesem zu erwecken, mag ihm in ein wenig
- Porter oder Ale kohlensaures Ammoniak (~Carbonate of ammonia~), dem
- ein Viertel-Gran Calomel und ein halbes Gran schwefelsaures Chinin
- (~Sulphate of Quinine~) beigefügt wird, gegeben und kann, so oft als
- erforderlich, wiederholt werden. Man lasse den Patienten Limonade,
- mit ~Cremor tartari~ säuerlich gemachtes Wasser oder grünen Münzthee
- (~Spearmint~), mit ein wenig süßem Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits
- of nitre~) darin, trinken.
-
-
-Remittirendes oder Gallenfieber (~Remittent or Bilious Fever~).
-
-Diese Krankheit ähnelt dem Intermittirenden- oder Wechselfieber und
-entspringt in der Regel aus denselben Ursachen. Beim Wechselfieber aber
-kehren die Anfälle zu bestimmten Zeiten wieder und lassen den Kranken
-während der Zwischenzeit frei von allen Symptomen, während bei dem
-Gallenfieber das Fieber nur nachläßt und bezüglich seines Erscheinens
-unregelmäßig ist.
-
-+Ursachen.+ Es wird ohne Zweifel durch Malaria (einen giftigen Dunst,
-welcher von verwesenden thierischen und Pflanzenstoffen aufsteigt --
-Sumpfluft) verursacht; befällt mehrentheils Personen von schwacher
-Verdauung, oder solche, die sich der Unmäßigkeit hingeben. Ueberladen
-des Magens, Zorn, Furcht oder Aerger können ebenfalls Ursachen werden.
-
-+Symptome.+ Gewöhnlich gehen Schwäche, Niedergeschlagenheit, sich
-Dehnen, Appetitlosigkeit, mehr oder weniger Schmerz im Kopfe, fliegende
-Hitze oder Kälte voraus. Diese Symptome können mehrere Tage dauern, ehe
-sich die Krankheit vollkommen entwickelt. Die Kälte nimmt stufenweise
-zu, bis sie in einen kennbaren Frost übergeht. Diesem Frost folgt eine
-fliegende Hitze, und nach Verlauf von 2 bis 3 Stunden wird die ganze
-Oberfläche des Körpers heiß. Der Kranke klagt über Schmerz und ein
-Gefühl von Vollsein und Schwere im Kopfe, Schmerz in dem Rückgrat und
-Gliedern, besonders in den Waden, große Schwäche, beschleunigtes und
-schwieriges Athmen, flammendes Gesicht, Hitze und Trockenheit der Haut,
-Uebelkeit, Erbrechen und Durst. Der Puls ist voll und dessen Schlag
-erhöht, die Eingeweide verstopft und die Zunge mit einem weißen Schleim
-belegt.
-
-Das Fieber kann 8 bis 12, ja sogar 24 Stunden anhalten, dann wird die
-Haut feucht, der Puls sinkt und der Kranke fällt in einen erquickenden
-Schlaf.
-
-Bei harten Fällen aber bleibt die Haut heiß und trocken, der Patient
-wird sehr unruhig und das Fieber stellt sich nach Verlauf von wenigen
-Stunden von Neuem ein.
-
-Einer der eigenthümlichsten Züge dieser Krankheit ist die gelbliche
-Haut und das Weiße des Auges. Dies stellt sich zwischen dem dritten und
-fünften Tage der Krankheit, zuweilen auch gleich bei dem Beginn ein.
-Der gelbe Eiter kann auf die Oberfläche getrieben werden, so daß ein
-weißes Taschentuch, wenn man damit auf die Haut reibt, gelbe Flecke
-bekommt.
-
-Die Krankheit kann einige Tage lang oder zwei bis drei Wochen anhalten
-und schließlich in ein wirkliches Wechsel- oder Nervenfieber übergehen,
-wenn der Kranke nicht wieder genesen sollte. Ungefähr um die Zeit der
-Wiedergenesung erscheint ein Ausschlag auf den Lippen, der als ein
-günstiges Zeichen angenommen wird.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Die Kost muß, wie Haferschleim, leichtes Brod,
- schwarzer Thee und geröstetes Brod, Kaffee ohne Milch oder Zucker,
- von der leichtesten Art sein. Der Kranke mag ein Stück Eis in den
- Mund nehmen und Limonade, Aepfel, Wasser oder Wasser mit Corinthen-
- (~Current~) oder mit Brombeer- (~Blackberry~) Saft schmackhaft
- gemacht, trinken. Ein zuweilen sehr zuträglicher Trank wird aus
- schwachem Molasses, Wasser, ein wenig Citronensaft, ein Stück
- Zwieback (~Toast~) und Eis gemacht.
-
- Dauert die Krankheit fort, kann man Gummi-Arabicumwasser oder
- Gerstenschleim gebrauchen.
-
- Wenn der Kranke sehr schwach wird und es zeigen sich typhöse
- Symptome, mögen Brühe von Rindfleisch, Milchpunsch oder Wein mit
- Eiern gestattet werden.
-
- Während der Wiedergenesung erlaube man dem Patienten Brod und Butter,
- Zwieback, gekochten Reis, Fleischbrühen, weich gesottene Eier,
- Austern, gekochtes Huhn oder anderes Geflügel. Das Zimmer muß kühl
- und lichtfrei gehalten werden. Das Bettzeug ist öfters zu wechseln,
- das Zimmer muß täglich gelüftet und die verdorbene Luft durch
- Verbrennen von Zucker, Besprengen des Zimmers mit Lavendelwasser
- (~Lavender~), aromatischen Essig (~Aromatic vin.~) und anderen
- derartigen Mitteln gereinigt werden.
-
- =Allöopathisch.= Ehe sich das Fieber vollständig entwickelt hat, ist
- es gut, folgendes Brechmittel zu geben:
-
- Pulverisirte Brechwurz (~Ipecac~) 1 Skrupel.
- Pulverisirter Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~) 10 Grane.
- Wasser 2 Unzen.
-
- Mische es und nimm es auf einmal.
-
- Oder auch:
-
- Brechweinstein (~Tartar emetic~) 1 Gran.
- Brechwurzpulver (~Ipecac powder~) 1 Skrupel.
- Syrup 1 Drachme.
- Quellwasser 10 Drachmen.
-
- Mische es und nimm es auf einmal.
-
- Lasse diesem Brechmittel nachstehendes Abführmittel folgen:
-
- Rochelle-Salz (~Rochelle salt~) 2 Drachmen.
- Doppeltkohlensaure Soda (~Bicarbonate of soda~) 2 Skrupel.
- Wasser ½ Pint.
-
- Mische es und füge 25 Tropfen Weinstein-Säure (~Tartaric acid~) bei.
- Das Ganze ist während des Aufbrausens zu nehmen.
-
- Oder:
-
- Gepulverte Sennesblätter (~Powdered Senna~) ½ Unze.
- „ Jalappenwurzel (~Powdered Jalap~) 10 Grane.
- „ Gewürznelken (~Powdered Cloves~) 10 „
-
- Zu mischen und in versüßtem Wasser auf einmal zu nehmen.
-
- Bleiben diese Mittel ohne Wirkung auf die Eingeweide, gebe man
- folgendes:
-
- Sennesblätter (~Senna~) ½ Unze.
- Manna 1 „
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 „
- Cardamon oder Fenchelsamen (~Cardamon or Fennel
- seed~) 2 Drachmen.
- Kochendes Wasser 1 Pint.
-
- Mische es. Dosis: Alle zwei Stunden, bis Wirkung eintritt, ein
- Weinglas voll.
-
- Wenn sich die Krankheit vollständig entwickelt hat, kann der Kranke
- zwei- oder dreimal des Tages mit kaltem Wasser, seinem Befinden
- angemessen, von oben bis unten gewaschen werden; dabei gebe man eins
- von den folgenden Getränken:
-
- Cremor Tartari (~Cream of tartar~) ½ Unze.
- Zerquetschte frische Citronenschale 4 Unzen.
- Stückzucker (~Loaf sugar~) 4 „
- Kochendes Wasser 3 Pints.
-
- Mische und durchseihe es, nachdem es eine Weile gestanden hat.
-
- Auch:
-
- Citronen-Säure (~Citric acid~) ½ Drachme.
- Doppeltkohlensaure Potasche (~Bicarbonate of
- potash~) ½ „
- Citronen-Syrup (~Lemon syrup~) 1 Unze.
- Wasser 6 Unzen.
- Bittersalz (~Epsom salts~) 1 Unze.
-
- Mische es. Dosis: Wenn nöthig alle vier Stunden zwei Eßlöffel voll.
-
- Um das Fieber zu vermindern, gebe von der Tinktur oder dem
- flüssigen Extrakt der ~Veratrum Viride~ (grüne Nießwurz) oder dem
- zusammengesetzten Pulver von Brechwurz (~Ipecacuanha~) und Opium.
-
- Während der fieberfreien Zeit, oder nachdem das Fieber vorüber ist,
- gebe man
-
- Chinin (~Quinine~) 1 Skrupel.
- Vitriol-Elixir (~Elixir of vitriol~) 1 Drachme.
-
- Löse das Chinin in dem Elixir und füge noch 14 Drachmen
- Schlangenwurzel (~Black cohosh~) hinzu. Dosis: 20 Tropfen in ein
- wenig Wasser, einmal in der Stunde.
-
- Oder:
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 12 Grane.
- Aromatische Schwefelsäure (~Aromatic sulphuric
- acid~) 24 Tropfen.
- Syrup 1 Unze.
- Pfeffermünz-Wasser (~Peppermint water~) 1 „
-
- Mische es. Dosis: In zwei bis drei Stunden einen Eßlöffel voll.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= In dem Hitze-Stadium, wenn das Fieber
- ankommt, sollte der Körper häufig mit warmem schwachen Laugenwasser
- gebadet und innerlich folgendes gegeben werden:
-
- Jasmin-Tinktur (~Tincture of gelseminum~) ½ Unze.
- Aconit-Tinktur (~Tincture of aconite~) 20 Tropfen.
-
- Mische es. Dosis: Alle halbe oder ganze Stunde 20 Tropfen in einem
- Theelöffel voll Wasser.
-
- Nachdem das Fieber unterdrückt und eine fieberfreie Zeit eintritt,
- gebe man eines von den folgenden Mitteln:
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 14 Grane.
- Wasser 1 Unze.
- Schwefelsäure (~Sulphuric acid~) 14 Tropfen.
-
- Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll jede Stunde während der
- fieberfreien Zeit.
-
- Oder:
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 20 Grane.
- Vitriol-Elixir (~Elixir of vitriol~) 1 Drachme.
-
- Mische es und lasse das Chinin auflösen, dann füge hinzu:
-
- Schlangenwurzel-Tinktur (~Tincture of black cohosh
- root~) 7 Drachmen.
- Jasmin-Tinctur (~Tincture of gelseminum~) 7 „
-
- Mische es. Dosis: Alle halbe oder ganze Stunde 20 Tropfen in ein
- wenig Wasser.
-
- Wenn die Eingeweide verstopft sind und die Zunge dunkel belegt
- ist, die Augen und Haut gelblich, kann man der ersten Dosis obiger
- Mischung ¼ Gran von Podophyllum (~Podophyllin~) und 1 Gran
- Leptandrin, das alle sechs Stunden wiederholt werden kann, beifügen,
- bis sich die Wirkung auf die Eingeweide einstellt.
-
- Ist aber Diarrhöe vorhanden, gebe man folgendes:
-
- Geranium (~Geranin~) 2 Grane.
- Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) ⅛ Gran.
-
- Nimm es auf einmal und wiederhole es alle 2 bis 4 Stunden, bis sich
- die Zahl der Entleerungen vermindert.
-
- Bei Schmerz im Unterleib und Empfindlichkeit in der Magengrube
- verbunden mit Uebelkeit und Erbrechen, setze man die mit Chinin
- gemischten Mittel aus und lasse den Kranken nach Belieben einen
- Aufguß von Pfirsichblättern und Altheewurzel (~marsh-mallow root~)
- trinken. Auch lege Senfpflaster auf den Magen, die Eingeweide und
- längs des Rückgrats.
-
- Columbo-Wurzel (~Calumba root~) zu Thee zubereitet, ist bei dieser
- Krankheit schätzenswerth und kann gegen Erbrechen, das zuweilen
- sehr beschwerlich ist, angewendet werden. Hin und wieder kann das
- Erbrechen auch durch gleiche Theile von Milch und Wasser eingehalten
- werden. Gegen Kopfschmerz mache man Essig- und Wasserumschläge auf
- den Kopf. Ist der Patient fast ganz schlaflos, so bediene man sich
- des Hopfen-Kopfkissens oder lasse ihn Hopfenthee trinken.
-
- Wenn das Fieber gebrochen ist und der Patient kommt nicht schnell
- zu Kräften, sondern bleibt hinfällig, sind stärkende Mittel
- erforderlich. Zu diesem Behufe nehme man:
-
- Gelbwurz (~Golden seal~), Wachholderbeeren (~Juniper berries~),
- stachlige Eschenrinde (~Prickly ash bark~), Rinde vom wilden
- Kirschbaum (~Wild cherry bark~), von jedem, grob gestoßen, eine Unze,
- Entenfuß (~Podophyllin~) und Rainfarn (~Tansy~) von jedem eine halbe
- Unze. Gieße zwei Pint kochendes Wasser darüber, decke es zu und lasse
- es eine Stunde lang auf dem Ofen stehen; wenn kalt, füge noch zwei
- Pints Whiskey und ein Pint Molasses hinzu und lasse diese Mischung
- dann für den Gebrauch einige Tage lang stehen. Dosis: Drei- oder
- viermal des Tages einen Eßlöffel voll.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Starkes Fieber, rasend schneller
- Puls, mit einem gelben Schleim belegte Zunge, bitterer Geschmack im
- Mund, Erbrechen eines bitteren, grünlichen Stoffes, Kopfschmerz,
- schlimmer beim Sprechen.
-
- ~Bryonia.~ -- Besonders im Sommer, bei heißem und feuchtem Wetter
- passend, trockene und weiß oder gelb belegte Zunge, Durst, bitterer
- Geschmack im Munde, Verlangen nach Saurem und Wein, Erbrechen nach
- Trinken, Frost oder Hitze, bei Schwindel, der sich nach dem Trinken
- verschlimmert. Dies kann abwechselnd mit ~Rhus toxicodendron~ gegeben
- werden.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Weiß belegte Zunge, bitterer Geschmack im Munde,
- Appetitlosigkeit, Frost, Mattigkeit.
-
- ~Nux vomica.~ -- Verstopfung bei häufigen erfolglosen Anstrengungen
- zu Stuhlentleerungen, rheumatischen Schmerzen im Kopf und Körper,
- bitterer und fauler Geschmack im Munde.
-
- ~Arsenicum.~ -- Kolik oder brennende Schmerzen im Magen und
- Eingeweiden, Empfindlichkeit des Magens gegen Druck, brennende
- Schmerzen auf einem kleinen Fleck im Magen, große Schwäche, das
- Verlangen sich niederzulegen, Erbrechen nach Trinken oder Bewegung.
-
- ~Chamomilla.~ -- Bitterer Geschmack im Munde, Appetitlosigkeit,
- Uebelkeit und Erbrechen einer grünen, bitteren oder sauren
- Flüssigkeit, Unruhe, Druck im Magen.
-
- ~Mercurius.~ -- Weiß oder gelblich belegte feuchte Zunge,
- Empfindlichkeit auf der Magengrube und den Eingeweiden, die sich
- des Nachts verschlimmert, Unruhe, Schläfrigkeit bei Tag und
- Schlaflosigkeit des Nachts.
-
- ~China.~ -- Appetitlosigkeit, Widerwille gegen Speise und Trank,
- Frost und Schauder nach Trinken, Diarrhöe, unverdaute Nahrung. Dies
- kann abwechselnd mit ~Acidum phosphoricum~ gegeben werden.
-
- ~Colocynthis.~ -- Erbrechen oder Diarrhöe nach Genuß von Speisen,
- Kolik, Wadenkrampf.
-
- ~Tartarus emeticus.~ -- Beständige Magenübelkeit, Neigung zum
- Erbrechen, leichtes Erbrechen und Diarrhöe. Kann mit ~Bryonia~
- abwechselnd gegeben werden.
-
- ~Veratrum.~ -- Trockene, gelb belegte Zunge, Erbrechen einer galligen
- Masse, Diarrhöe, Ohnmacht nach Stuhl, schneidende Schmerzen in den
- Eingeweiden.
-
- ~Cedron.~ -- Frost gegen Abend, darauf Fieber, fast gänzliche
- Schlaflosigkeit und Erbrechen von Galle.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ -- Man gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden 6
- Kügelchen des betreffenden Mittels oder man löse 12 Kügelchen in 12
- Theelöffel voll Wasser und gebe als Dosis einen Theelöffel voll.
-
-
-Intermittirendes oder Wechselfieber (~Intermittent Fever~)
-
-kennzeichnet sich durch die regelmäßig eintretenden Anfälle und die
-gänzliche Fieberlosigkeit zwischen denselben. Jeder Anfall besteht aus
-drei verschiedenen Stadien, welche regelmäßig auf einander folgen: 1)
-das Kalte, 2) das Hitze, 3) das Schweiß-Stadium.
-
-Es gibt verschiedene Arten dieser Krankheit. Das +alltägliche+
-(~Quotidiana~) hat alle 24 Stunden einen Anfall. Das +dreitägige+
-(~Tertiana~) innerhalb 48 Stunden oder einen Tag um den andern. Das
-+viertägige+ (~Quartana~) nach Verlauf von 72 Stunden oder jeden
-dritten Tag einen solchen. Es gibt noch andere von Schriftstellern
-erwähnte Arten, allein die Symptome und die Behandlung sind ebenso wie
-bei den vorhergehenden. Der Zeitraum von dem Ende eines Anfalles bis
-zum Anfang eines andern wird die fieberfreie Zeit oder ~Apyrexia~ und
-jener von dem Anfange eines Anfalles zu einem andern das ~Interval~
-genannt.
-
-+Symptome.+ -- Dem +kalten Stadium+ geht gewöhnlich eine Mattigkeit,
-Schwäche, Unbehagen, Strecken, Gähnen, Kopfschmerz, Kreuz- und
-Lendenschmerzen voraus. Diese Symptome dauern eine Zeitlang und
-jenen folgt ein Gefühl von Frost, besonders in den Gliedern, das
-sich nach und nach über den ganzen Körper ausdehnt. Das Gesicht und
-die Oberfläche des Körpers werden blaß, eingefallen, und erscheinen
-rauh, was mit „Gänsehaut“ bezeichnet wird. Zuweilen ist ein Gefühl
-vorhanden, als ob kleine Bäche von Eiswasser langsam den Rücken
-hinunter liefen. Der Patient empfindet ein Frösteln und Zittern, ein
-Schauer durchdringt den ganzen Körper, die Zähne klappern und die
-Heftigkeit des Frostes wird so stark, daß zuweilen dessen Stärke an
-der Bettstelle wahrgenommen wird. Das Athmen geschieht rasend schnell
-und beschwerlich, Puls schwach, Zunge trocken und weiß, Lippen und
-Fingernägel blau, hin und wieder Uebelkeit und Erbrechen. Dieses
-Stadium dauert 10 Minuten bis 3 oder 4 Stunden, durchschnittlich aber
-ungefähr eine Stunde.
-
-+Das Stadium der Hitze.+ -- Sobald der Frost anfängt nachzulassen,
-strömt eine Hitze über den ganzen Körper, die eher angenehm als
-anders zu bezeichnen ist. Schließlich hört die Kälte ganz auf und
-eine trockene brennende Hitze tritt ein, das Gesicht röthet sich, die
-Augen funkeln und der Mund wird trocken und gleichsam gedörrt; die
-Schläfe klopfen und heftiges Kopfweh hat sich eingestellt; der Puls ist
-ungewöhnlich voll und stark; der Urin ist spärlich und stark gefärbt.
-Dieses Stadium kann 2 bis 18 Stunden und länger anhalten.
-
-+Das Schweiß-Stadium.+ -- Schweiß tritt auf die Stirne, Hände und Füße
-und erstreckt sich bald über den ganzen Körper. Die Fiebersymptome
-und Schmerzen lassen allmählig nach, der Kranke fällt häufig in einen
-ruhigen Schlaf und fühlt sich beim Erwachen fast so wohl wie gewöhnlich.
-
-In einigen Fällen mögen diese Stadien abweichen, und eines oder mehrere
-von den oben erwähnten Symptomen nicht vorhanden sein, oder wenn sie
-vorhanden sind, können nur wenige von ihnen erkannt werden.
-
-Das eintägige Fieber beginnt in der Regel am Morgen, das dreitägige am
-Mittag und das viertägige am Nachmittag. Das kalte Fieber stellt sich
-gewöhnlich im Frühjahr und Herbst ein und die Anfälle im Herbste sind
-die heftigsten.
-
-+Ursachen.+ -- Die Haupt-, wenn nicht die einzige Ursache zum
-Wechselfieber ist die Sumpfluft oder Malaria, welche aus der Verwesung
-von Pflanzenstoffen entspringt. Die Zeit, die von dem sich Aussetzen
-einer solchen Sumpfluft bis zum Ausbruch des Fiebers verstreicht, ist
-sehr verschieden. Der Anfall kann sich Monate lang verzögern und dann
-durch eine Schwächung des Organismus, durch feuchtes Wetter, durch das
-sich der Sonnenhitze bloßstellen, durch Ueberanstrengung, ein kaltes
-Bad, oder auch durch eine Dosis eines abführenden Mittels hervorgerufen
-werden. Diese vergiftete Luft wird vom Winde fortgetragen und von den
-Blättern der Bäume angezogen oder hängt sich an dieselben und es ist
-deshalb gut, das Haus mit einer Gruppe von Bäumen zu umgeben.
-
-Die Wirkung des kalten Fiebers, wenn die Krankheit eine Zeitlang
-angehalten hat oder ungeschickt behandelt wurde, besteht in einer
-Erweiterung der Leber oder Milz, Verdauungsbeschwerden, Wassersucht,
-Diarrhöe u.s.w.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Der Kranke sollte in eine trockene Wohnung und in eine
- Gegend, die frei von der Malaria ist, ziehen. Die Kleidung muß warm,
- die Nahrung einfach sein und Unmäßigkeit im Essen und Trinken muß
- ernstlich verboten werden. Während des Anfalles von Kälte, gebe man
- warme Getränke wie Gerstenschleim, schwachen Thee, heiße Limonade,
- Wasser von geröstetem Brod. Erhitzte Steine und Flaschen mit heißem
- Wasser lege man zu den Füßen und längs des Körpers.
-
- Während des Fiebers entferne man so viel von dem Bettzeug als
- nöthig, um nicht unnöthiges Schwitzen hervorzurufen. Am Ende des
- Schweiß-Stadiums reibe man den Körper mit warmen Handtüchern und
- wechsle das Weißzeug. Während dieses Stadiums lasse man Eiswasser
- trinken. Leute, die besondere Anlage zu dieser Krankheit haben,
- sollten stets Flanell unmittelbar auf der Haut tragen.
-
- =Allöopathisch.= Vor dem Anfall sollten die Eingeweide durch
- folgendes Mittel geleert werden:
-
- Sennesblätter (~Senna~) 3 Drachmen.
- Bittersalz (~Epsom salts~) ½ Drachme.
- Manna ½ „
- Fenchelsamen (~Fennel seed~) 1 „
- Kochendes Wasser 1 Pint.
-
- Lasse die Mischung eine Stunde lang in einem zugedeckten Gefäße
- stehen und durchseihe es. Dosis: Einen Theetassenkopf voll alle 3
- oder 4 Stunden, bis die Wirkung eintritt.
-
- Während des Froststadiums bediene man sich heißer Getränke, gebe
- heiße Fußbäder und erwärme das Bett vermittelst Flaschen mit heißem
- Wasser längs des Körpers.
-
- In dem Hitzestadium gebe man Folgendes:
-
- Laudanum 1 Unze.
- Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~) 1 „
- Salpetersaurer Spiritusäther (~Spirits of nitric
- ether~) 1 „
-
- Mische es. Dosis: alle Stunden einen Eßlöffel voll, ausgenommen die
- Wirkung zeigt sich betäubend, wo es dann in längeren Zwischenräumen
- gegeben werden mag. Zuweilen ist es gut, abwechselnd mit dem
- Vorhergehenden ~Veratrum viride tincture~ (Nießwurz-Tinctur) in Dosen
- von 5 Tropfen zu geben. Während des Schwitzens braucht keine Medizin
- gegeben zu werden.
-
- Die fieberfreie Zeit ist die beste Zeit zur erfolgreichen Behandlung
- der Krankheit. Sobald das Hitze- und Schweißstadium vorüber sind,
- fange man mit der folgenden Mischung an:
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 16 Grane.
- Aromatische Schwefelsäure (~Aromatic sulphuric
- acid~) ½ Drachme.
- Gewöhnlicher Syrup 2 Unzen.
- Pfeffermünzwasser (~Peppermint water~) 2 „
-
- Mische es. Dosis: alle zwei Stunden einen Eßlöffel voll. Bei Kindern
- möge man dem Vorstehenden noch 2 Skrupel Lakritzensaft (~Liquorice~)
- beifügen, um den Geschmack zu verwischen. Während des Fiebers halte
- mit der Medizin ein und verfahre wie bereits angegeben. Ist die
- Krankheit einmal gebrochen, gebe man obige Mischung dreimal des Tages
- ungefähr zwei Wochen lang.
-
- Ein anderes gutes Mittel ist:
-
- Chinin (~Quinine~) 20 Grane.
- Vitriol-Elixir (~Elixir of vitriol~) 1 Drachme.
-
- Löse das Chinin im Elixir und füge 12 Drachmen Schlangenwurzel
- (~Black cohosh~) Tinctur hinzu. Dosis: 15 bis 20 Tropfen in ein wenig
- Wasser.
-
- Spinnenwebe, in Pillen von 5 bis 10 Gran zubereitet mit Syrup oder
- Schleim, während der fieberfreien Zeit alle 2, 3 oder 4 Stunden
- gegeben, wurde von Dr. Condie und Anderen empfohlen.
-
- Eine andere Behandlungsweise besteht darin, daß ein Brechmittel vor
- dem Anfalle gegeben wird, so daß es bei Eintreten des Froststadiums
- in voller Wirksamkeit ist. Eines der besten Mittel ist eine Abkochung
- von Wasserdost (~Boneset~, ~Eupatorium perfoliatum~), warm, in
- Dosen von einem großen Tassenkopf voll. Der Kranke muß sich im Bett
- aufhalten und wird in einen starken Schweiß verfallen, der in der
- Regel gegen den erwarteten Frost schützen wird.
-
- Wenn zu befürchten ist, daß, nachdem der Frost einmal gebrochen, ein
- Rückfall eintritt, ist es gut, den Gebrauch des Chinin, in Dosen
- von 4 oder 5 Granen täglich, mehrere Monate hindurch fortzusetzen.
- Wood empfiehlt einen Aufguß von der Rinde des wilden Kirschbaums,
- viermal des Tages in Dosen von einem Weinglas voll. Ebenso ist auch
- ein Aufguß von Wermuth (~Wormwood~), 2-3 Mal des Tages zu nehmen,
- empfohlen.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Während des Froststadiums lasse den
- Patienten unbeschränkt warme Thees von Katzenmünz (~Catnip~), Isop
- (~Pennyroyal~), Wasserdost (~Boneset~), Virginischer Schlangenwurzel
- (~Virginia snake root~) oder schwachen rothen Pfeffer- (~Red pepper~)
- Thee trinken.
-
- In dem Hitzestadium gebe man ihm kalte Limonade, Wasser mit
- Johannisbeer-Gelee (~Currant jelly water~) u. s. w. Bei Schmerz,
- Uebelkeit und Erbrechen mögen Senfpflaster auf den Magen und
- Unterleib gelegt werden. Gleichzeitig gebe man folgendes:
-
- Pulverisirten Rhabarber (~Powdered rhubarb~) 12 Grane.
- Saleratus 5 „
- Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphia~) 1-15 Gran.
-
- Man nehme dies auf einmal in Pfeffermünzwasser. Dasselbe kann alle
- 15 bis 20 Minuten, wenn erforderlich, wiederholt werden. Während
- des Schweißstadiums ist keine Behandlung erforderlich; bei großer
- Schwäche gebe man indessen Branntwein oder Whisky-Punsch (~Toddy~).
-
- Während der fieberfreien Zeit muß der Organismus gestärkt werden,
- um der Rückkehr des kalten Fiebers Widerstand leisten zu können.
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) ist das beste und wird
- ausschließlich zu diesem Behufe angewandt. Folgendes ausgezeichnete
- Mittel wird von Dr. Baum in Louisville empfohlen:
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 14 Grane.
- Schwefelsäure (~Sulphuric acid~) 14 Tropfen.
- Wasser 1 Unze.
-
- Dosis: alle Stunden einen Eßlöffel voll in ein wenig kaltem
- Wasser, zwischen den Anfällen. 30 Tropfen Laudanum und 30 Tropfen
- Schwefeläther in ein wenig kaltem Wasser, ehe der Frost eintritt,
- wird zuweilen einen Anfall verhindern.
-
- Folgende Mittel sind sehr empfohlen und werden in verschiedenen
- Fällen erfolgreich angewendet werden:
-
- 1 -- Chinin (~Quinine~) 12 Grane.
- Löwenzahn- (~Dandelion~) Extract 1 Skrupel.
- Schwarz Pfefferöl (~Oil of black pepper~) 10 Tropfen.
-
- Mische es und mache 12 Pillen daraus. Alle Stunden -- an den
- fieberfreien Tagen -- eine Pille, bis sie alle 12 genommen sind.
-
- 2 -- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 1 Skrupel.
- Schwefelsäure 20 Tropfen.
- Paregoricum (~Paregoric~) 1 Unze.
-
- Löse das Chinin in der Schwefelsäure und füge dann Paregoricum hinzu.
- Mische es und gib durch 6 Stunden jede Stunde einen Theelöffel voll.
-
- 3 -- Schwefelsaures Chinin 8 Grane.
- Stechapfel- (~Stramonium~) Extrakt 1 Gran.
- Schwefelsaures Morphium 1 „
-
- Mische es wohl und theile es in 4 Dosen und nimm jede Stunde eine,
- und zwar 4 Stunden vor dem erwarteten Frost angefangen.
-
- 4 -- Nehme man eine Muskatnuß (~Nutmeg~), lasse sie verbrennen oder
- verkohlen, pulverisire sie, füge einen gleichen Gewichtstheil von
- verbranntem Alaun (~Alum~) hinzu und theile es in 3 Pulver. Reinige
- die Eingeweide mit einer Dosis Salz oder Castoröl und gebe ein
- Pulver, wenn der Frost kommt.
-
- 5 -- Stachlige Eschenrinde (~Prickly ash bark~), wilde
- Kirschbaumrinde (~Wild cherry bark~), Fischfrehme (~Dogwood bark~),
- Schlangenwurz (~Black cohosh~), Virginischer Ehrenpreis (~Black
- root~) oder Akeleiwurzel (~Culver~), Zimmet, Gewürznelken, von jedem
- eine Unze grob gepulvert, und 5 Pints Cider. Lasse es ungefähr 24
- Stunden stehen und gebe 2 Eßlöffel voll dreimal des Tages.
-
- 6 -- Ein Pint süße Milch und einen großen Eßlöffel voll Ingwer
- (~Ground ginger~), erhitze es über dem Feuer und trinke es ungefähr
- um die Zeit, wenn der Frost kommt. Wiederhole dieses bei jedem
- Frostanfall.
-
- =Homöopathisch.= ~Acidum nitri~ wird von Professor N. F. Cooke in
- Chicago zur Behandlung dieser Krankheit empfohlen. Mische 12 Tropfen
- dieser chemisch reinen Säure mit 4 Unzen destillirtes Wasser und gib,
- ohne Rücksicht auf den Anfall, alle 3 Stunden einen Theelöffel voll.
- Wenn der Frost nicht wiederkehrt, (so daß zum Beispiel, wenn der
- letzte Frostanfall am Dienstag stattfand, am Mittwoch oder Donnerstag
- ein solcher ausbleibt), gebe die Säure dreimal des Tages eine Woche
- oder 10 Tage lang. Darauf erweitere die Zwischenräume auf zweimal des
- Tages durch 2 Wochen hindurch. Dann einmal einen Tag um den anderen
- und darauf alle 3 Tage. Ist die Behandlung ohne Erfolg, empfiehlt
- Cooke kleine Dosen von Chinin, wie folgt:
-
- Jede Dosis sollte in einem halben Gran bestehen, und die angenehmste
- Form ist die halbe Gran verzuckerte Pille. Kann man sich dies
- nicht verschaffen, so bediene man sich der Pulver. Nachdem das
- Schweißstadium aufgehört hat, beginne mit einer Gabe Chinin und gebe
- bei alltägigem Fieber alle 2 Stunden eine Dosis, bei dreitägigem
- alle 3 Stunden eine Dosis. Die Gabe wird eingestellt, sobald die
- Symptome des nächsten Frostes erscheinen. Nachdem der Anfall vorüber
- ist, gebe man die Medizin wie zuvor und fahre damit fort, bis der
- Frost gebrochen ist. Während des Anfalls gebe, was immer für Mittel
- angezeigt erscheinen mögen. ~Aconitum~, wenn das Fieber stark ist,
- ~Belladonna~, wenn die Symptome hervorragend sind. ~Bryonia~ bei
- starken Schmerzen in den Knochen.
-
- Wenn der Frost gebrochen ist, gebe man mehrere Wochen lang ~China~ in
- Dosen, wie bei ~Acidum nitri~ empfohlen.
-
- Andere Mittel, welche gegeben werden können, wenn es angezeigt
- erscheint, sind folgende:
-
- ~China.~ -- Gelbliche Haut- und Gesichtsfarbe, während des Frostes
- galliges Erbrechen, Röthe des Gesichts, Herzklopfen; während
- der fieberfreien Zeit gelbliche Gesichtsfarbe, schwache Augen,
- Gedankenverwirrung, Schwindel, Durst, unbehagliches Gefühl in der
- Magengrube, Verstopfung, allgemeine Schwäche. Durst vor oder nach
- dem Froste oder während des Schweißstadiums, kurzer Husten, sehr
- gering, wenn überhaupt vorhanden, Durst während des kalten oder
- heißen Stadiums. Knorre heilte das eintägige Fieber, bei Schwindel,
- Blässe, kalten Händen und Füßen, Erbrechen von Schleim, während des
- Frostschauers Schmerzen im Kopf, in den Seiten und in der Magengrube,
- trockenem, bellendem Husten, Schläferigkeit während des Fiebers, das
- lange und heftig anhält, Verwirrung der Begriffe und Schläferigkeit
- während des Anfalles und der fieberfreien Zeit; Angst, Entmuthigung,
- große Geistesthätigkeit, zuweilen Delirium (Marcy und Hunt). Große
- Schwäche und Hinfälligkeit, der Patient sieht blaß aus und hat
- Mangel an Lebenskraft. Schweiß sogar während der fieberfreien Zeit.
- Wassersucht, Frost in Körpertheilen, Hitze im Kopfe durch das Fieber
- beschränkt und mit Frost gemischt, Durst mit folgendem Schweiße,
- Fieber ohne Frostschauer, bei großem Durst und starkem Schweiß.
-
- ~Arsenicum.~ -- Aufgedunsenes Gesicht und erdfarben, oder eingefallen
- und gelblich, die Haut brennend heiß und das Gesicht roth während
- des Fiebers, letzteres aber während der fieberfreien Zeit blaß und
- eingesunken; Zittern der Glieder während des Schweißstadiums, Zunge
- bläulich, weiß oder hellroth, Frost und Hitze abwechselnd, brennende
- Schmerzen im Magen, starke Schmerzen in den Gliedern, Rücken,
- Kopf oder Brust während des Fiebers; während des Schweißstadiums
- Schwere des Kopfes, Summen in den Ohren; zwischen dem Frost- und
- Hitzestadium, Mattigkeit, Schwindel, Durst, Uebelkeit, Erbrechen
- und Schlucken, Schweiß während des Schlafes. Hartlaub empfiehlt
- ~Arsenicum~ gegen Frost ohne Durst, dem Fieber mit oder ohne Durst
- und dann Schweiß folgt; vor dem Frost Schwindel, Schmerzen über
- den ganzen Körper, Strecken und Gähnen, Uebelkeit und Erbrechen,
- Beklemmung der Brust; während des Fiebers Delirium, Schmerz im
- Kopfe, Schwindel beim Aufstehen, bitterem Geschmack im Munde, ein
- Schmerz in der Gegend der Leber, während der fieberfreien Zeit,
- blasse Gesichtsfarbe, weiße Zunge, kalten klebrigen Schweiß,
- Appetitlosigkeit, Anschwellen des Unterleibes, große Schwäche.
- Anfälle kommen in der Regel des Morgens oder Abends. Fieber mit
- fliegender Hitze und große Schmerzen der Knochen.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Aeußerliche Hitze bei innerlichem Frost oder
- innerliche Hitze und Frost von Außen. Während des Frostes sind Hände,
- Gesicht, Haut und Nägel blau und kalt; Gähnen und Strecken; eine oder
- beide Wangen roth, dichter Schweiß von säuerlichem Geruch; wenn dem
- ersten Stadium äußerliche und innerliche Kälte und Gähnen folgt,
- Frost am Abend oder Morgen während des heißen Stadiums, Kopfschmerz,
- Schwindel, Uebelkeit, Durst. Schüttelnder Frost mit Durst, dem
- Fieber mit Durst und Schweiß folgt. Bewegung während des Fiebers
- oder Schweißes verursacht Frost. Während der fieberfreien Zeit ist
- Kopfschmerz, Appetitlosigkeit, schlechter Geschmack im Munde, Schmerz
- im Magen nach dem Essen, Verstopfung, viel Durst, Schweiß.
-
- ~Ipecacuanha.~ -- Vor dem Frost-Stadium Strecken und Mattigkeit bei
- kaltem Schweiße auf der Stirne, leichter Frost, dem große Hitze
- folgt; der Frost nimmt durch äußerliche Hitze zu; Durst nur während
- des Frostes; Beklemmung der Brust; Uebelkeit und Erbrechen. Während
- der fieberfreien Zeit hat die Speise einen bitteren Geschmack,
- Appetitlosigkeit, Erbrechen nach dem Essen, Schlaflosigkeit.
-
- ~Bryonia.~ -- Wenn vor dem kalten Stadium Schwindel, Kopfschmerz und
- Mattigkeit; -- ferner, wenn das erste Stadium mit starkem Frost,
- Zittern und Hitze im Kopf eintritt; das zweite Stadium mit Hitze
- und Frost abwechselnd, hierauf große Hitze und Durst, krampfartiger
- Husten, stechende Schmerzen in der Seite und im Unterleib; nach
- der Hitze starker Schweiß, Beklemmung der Brust, trockener Husten,
- Neigung zum Schwitzen des Nachts und am Morgen; während der
- fieberfreien Zeit Verstopfung, Durst, gelbliche Gesichtsfarbe und
- Nachtschweiße.
-
- ~Eupatorium Perfoliatum.~ -- Leichter Frost stellt sich vor dem
- Beginne des ersten Stadiums ein, Schwindel, Schwere und Läuten im
- Kopfe während des kalten Stadiums; theilweiser Frost im Rücken,
- Händen und Füßen; das Hitze-Stadium beginnt mit leichtem Frost
- abwechselnd mit fliegender Hitze, bis das Fieber allgemein wird;
- Uebelkeit und Erbrechen einer galligen Masse am Ende des Frostes.
- Wenn der Frost um 9 Uhr Morgens beginnt bei Schmerzen in den Knochen,
- klopfendem Kopfschmerz während des Frostes und der Hitze; Durst,
- mehrere Stunden vor dem Froste beginnend, der während des Frostes und
- der Hitze fortdauert; wenig oder kein Schweiß, Empfindlichkeit des
- Unterleibes gegen Druck; beständige Neigung zum Schlaf; Nachtschweiße.
-
- ~Cedron.~ -- Die Anfälle kommen Abends 8 Uhr und folgen einer
- großen Niedergeschlagenheit, drückendem Kopfweh und Stumpfheit
- der Sinne; Mund trocken, großer Durst; Krämpfe, bei Thränen und
- zusammenziehenden Schmerzen in den Armen und Beinen, kaltes Gefühl in
- Händen und Füßen, Herzklopfen und Frostschauer. Diese Symptome halten
- ein bis zwei Stunden an und lassen ein Gefühl von trockener Hitze,
- der ein dichter Schweiß folgt, zurück; voller und schneller Puls;
- rothes Gesicht; in der fieberfreien Zeit kalt und blaß; Durst und ein
- Verlangen nach warmen Getränken. (Marcy und Hunt.)
-
- ~Pulsatilla.~ -- Langer Frost, wenig Hitze und kein Durst.
- Kennzeichen einer schlechten Verdauung (~dyspepsia~). Der Frost
- beginnt mit Erbrechen. Frost und Hitze kehren zu derselben Zeit an
- jedem Tage zurück. Während des Frostes: Gesichtsblässe, Kopfweh mit
- Schwere; zuweilen Erbrechen mit Schleim und Brustbeklemmung. Während
- der Hitze: Kopfschmerz und Rothsein des Gesichts, aufgedunsenes
- Ansehen, Seufzen, Klagen, ängstliches Athmen, Uebelkeit, Diarrhöe
- mit folgendem Schweiß, Anfall von Ohnmacht und bei dem weiblichen
- Geschlecht Unterdrückung der monatlichen Reinigung. Während der
- fieberfreien Zeit: Kopfschmerz, Kochen des Bluts, Herzklopfen,
- feuchter Husten und eine Neigung zum Weinen.
-
- ~Natrum Muriaticum.~ -- Heftiges Kopfweh während des Frostes und der
- Hitze, verdunkelter Blick, theilweise Bewußtlosigkeit, Schmerzen
- in den Knochen, gelbliche Gesichtsfarbe, Fieber mit Blasen auf
- den Lippen, Durst während des Frostes, aber noch mehr während der
- Hitze; leichter Frost, Gähnen und Strecken, ohne Durst, dem ein
- starkes Fieber mit Durst folgt; dann Schweiß mit Schläfrigkeit und
- Schlafsucht. (Pulte.)
-
- ~Ignatia.~ -- Gegen nervöse Anfälle, besonders wenn sie durch Schreck
- hervorgerufen wurden. Durst nur während des Frostes, ebenso Schmerz
- in den Eingeweiden. Das Fieber beginnt am Nachmittage und dauert
- die ganze Nacht hindurch. Das geringste Geräusch erhöht des Kranken
- Leiden.
-
- ~Veratrum album.~ -- Aeußerlicher Frost und kalter Schweiß, besonders
- auf der Stirne und innerliche Hitze; großer Durst, besonders während
- des Frostes und Schweißes; wässeriges Erbrechen und Diarrhöe,
- leichenartige Farbe des Gesichts; Krämpfe, Delirium, große Angst,
- schnelles Sinken der Kraft.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
- Wasser und gebe alle 2 oder 3 Stunden einen Theelöffel voll, auch
- während des Anfalles.
-
-
-Gelbes Fieber.
-
-Diese Krankheit kennzeichnet sich durch die gelbliche Hautfarbe und
-das Erbrechen einer dunkeln Flüssigkeit. Sie ist besonders in warmen
-Klimaten vorherrschend und eine Witterung von 79 oder 80 Grad, welche 2
-oder 3 Monate hindurch anhält, wurde bisher zu seiner Hervorrufung für
-nothwendig gehalten. In der Regel erscheint sie im Spätsommer oder im
-Anfange des Herbstes und verschwindet nur mit dem Eintritte des Frostes.
-
-+Ursachen.+ -- Die Verwesung von Pflanzen- und thierischen Stoffen
-und Uebervölkerung. Die hervorragendsten Ursachen sind eine zu starke
-thierische oder reizende Kost, unregelmäßige Lebensweise, geistige
-Angst und Druck, Thränen, Kummer und das Aussetzen gegen Luft und heiße
-Sonne.
-
-+Symptome.+ -- Die ersten Symptome sind Schwindel, Schmerzen in dem
-Rücken und den Gliedern, Frost, Uebelkeit und ein Gefühl von Ohnmacht.
-
-+Zweites Stadium.+ -- Nachdem die obigen Symptome einige Stunden
-lang angehalten haben, tritt eine Rückwirkung ein. Das Gesicht ist
-geröthet, die Haut heiß und trocken, die Augen sind roth und funkelnd,
-heftige Schmerzen im Kopfe, Rücken und den Gliedern; Unbehaglichkeit
-im Magen, sehr schnelles Athmen, Erbrechen einer säuerlichen, galligen
-Masse, Mund und Hals trocken, bei großem Durst und zuweilen Delirium,
-die Zunge mit einem klebrigen, weißen Schleim überzogen, mit rothen
-Rändern, hin und wieder böser Mund, so daß dadurch das Schlucken
-erschwert wird. Der Kranke klagt über ein Gefühl von Schwere und
-Beklemmung in der Magengrube und der Magen ist sehr reizbar, alles was
-verschluckt wird, wieder von sich gebend.
-
-Nachdem diese Symptome 25 bis 36 Stunden angehalten haben, wird dem
-Kranken wieder leichter, ausgenommen das höchst unangenehme Gefühl im
-Magen, bei Uebelkeit und Erbrechen.
-
-Dieses Stadium kann einige Stunden lang anhalten und kann dabei ein
-leichtes Schwitzen vorhanden sein, worauf die früheren Symptome noch
-heftiger zurückkehren. Der Magen wird jetzt außerordentlich schmerzhaft
-und empfindlich. Unaufhörliches heftiges Erbrechen einer Flüssigkeit
-von dunkler Farbe, bei großem Durst. Die Haut und die Augen werden gelb
-und der Kranke wird ruhelos und unstät. Die Schmerzen im Kopfe, Rücken
-und in den Gliedern sind weniger heftig als zuvor und der Puls, die
-Zunge und die Haut können sehr natürlich sein.
-
-Dieses Stadium kann 12 bis 48 Stunden anhalten, dann tritt das letzte
-Stadium ein, das sich durch Erbrechen einer grünlichen, gelblichen,
-bräunlichen oder claretfarbigen Masse, welche das schwarze Erbrechen
-genannt wird, kennzeichnet. Die Temperatur der Haut fällt unter ihren
-natürlichen Zustand, der Kranke wird sehr schnell schwach, der Puls
-sinkt, die Zunge wird trocken, schwarz und zusammengeschrumpft, das
-Athmen unregelmäßig und beschwerlich, Krämpfe befallen die Eingeweide
-und die Waden, das Gesicht verzieht sich und verliert seinen lebendigen
-Ausdruck, Hände und Füße werden kalt; Diarrhöe, Schweiß, Blutflüsse und
-schließlich Krämpfe treten ein.
-
-
-+Behandlung.+
-
- ~Eclectische und Kräuterkur.~ Beim Beginn des Anfalles kann ein
- Brechmittel von dem zusammengesetzten Pulver der Lobelia gegeben
- werden, worauf die Eingeweide mit Folgendem, was sehr empfohlen
- worden ist, geleert werden sollten:
-
- Essig und Castoröl, von jedem ½ Weinglas
- voll.
- Salz 1 Theelöffel
- voll.
-
- Mische es zu einer Dosis und wiederhole es jede Stunde, bis die
- Wirkung eintritt.
-
- Zur Verminderung des Fiebers sollte kaltes Wasser auf der Oberfläche
- des Körpers angewendet werden, zu welchem Behufe der Kranke in ein
- großes Faß oder irgend ein anderes dazu passendes Gefäß gebracht
- werden muß, Ströme von kaltem Wasser werden über den Nacken und
- Körper des Kranken gegossen, bis das Gesicht blaß wird, worauf der
- Kranke lebhaft abgerieben und in ein warmes Bett geschafft werden
- sollte. Während des Frost-Stadiums der Krankheit lege man ein großes
- Blasenpflaster über den Magen und gebe folgendes:
-
- Gemeines Fußblatt (~Podophyllin~) 1 Gran.
- Leptandrin 2 Grane.
-
- Mische es in einem Mörser mit 10 Granen weißen Zuckers und gib es
- auf eine Dosis mit stündlicher Wiederholung. Dies wird das Erbrechen
- vermindern.
-
- Wenn der Frost eine lange Zeit anhält, lege man den Kranken in ein
- warmes Bad, das mit Senf gemischt ist, wobei Thee von grüner Münze
- (~spearmint~), Katzenmünze (~catnip~) oder Salbei (~sage~) getrunken
- werden sollten, um Schweiß hervorzurufen.
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) kann in Dosen von 4 bis
- 6 Granen jede Stunde oder alle 2 Stunden gegeben werden. Limonade und
- Cideressig lasse man unbeschränkt trinken. Kann der Magen diese nicht
- behalten, gebe man vermittelst Einspritzung folgendes:
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 12 Grane.
- Weinsteinsäure (~Tartaric acid~) 12 „
- Limonade oder Citronensaft 1 Unze.
-
- Mische es und gib es als Einspritzung; wenn nöthig, jede Stunde oder
- alle zwei Stunden zu wiederholen.
-
- Dr. Nott von Mobile empfiehlt Kreosot (~creosote~) während des
- Fiebers zu geben. Nachdem die Eingeweide geöffnet sind, 20 Tropfen
- Kreosot mit 6 Unzen Minderers Geist (~Spirits of mindererus~) mit
- hinlänglich Alcohol, um den Kreosot zu lösen. Man gebe alle zwei
- Stunden einen Eßlöffel voll. Waschen der Haut mit kaltem Wasser
- und Essig wird die Hitze und Trockenheit vermindern. Auch können
- Senfpflaster längs des Rückgrats gelegt werden.
-
- Während der fieberfreien Zeit oder bei Sinken der Kräfte sollte mit
- Chinin fortgefahren werden, auch Terpentinöl (~Oil of turpentine~)
- ist mit Vortheil in diesem Stadium angewendet worden. Gebe jede
- Stunde, oder alle 2 Stunden 10-15 Tropfen mit 2 oder 3 Granen
- spanischen Pfeffers (~Capsicum~) in Limonade oder andern säuerlichen
- Getränken.
-
- Wenn der Kranke sehr hinfällig ist, gebe man das folgende:
-
- Branntwein (~Brandy~) 4 Unzen.
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) ½ Drachme.
-
- Wozu eine oder zwei Unzen Terpentinöl, wenn nöthig, gefügt werden
- können. Alle halbe Stunde oder jede Stunde einen Theelöffel voll.
-
- Bei Wiedergenesung muß große Sorgfalt gegen einen Rückfall beobachtet
- werden. Die Kost sollte aus Pflaumen, Datteln (~Tamarinds~) oder
- Aepfelwasser mit ein wenig Wein bestehen. Starke Rindssuppe,
- indischer Mehlschleim, gekochter Reis und andere leichte
- Nahrungsmittel mögen gegeben werden. Als ein stärkendes Mittel dienen
- kalter Aufguß von virginischer Schlangenwurzel (~Virginia snake
- root~), oder ein Aufguß von Buschklee (~Shrubby Trefoil~).
-
- =Homöopathisch.= Sobald die ersten Symptome erscheinen, sollte
- sogleich ~Ipecacuanha~ gegeben werden, besonders bei Schwindel,
- Frost, Schmerzen im Rücken und in den Gliedern, unbehaglichem Gefühle
- im Magen, Uebelkeit und Erbrechen.
-
- ~Belladonna.~ -- Rothes und aufgedunsenes Gesicht; Augen hell, roth
- und funkelnd oder starr; Zunge weißlich, gelblich oder bräunlich;
- trockene, brennende Hitze; scharfe, ziehende Schmerzen im Kopf
- bei klopfender, schmerzhafter Schwere, krampfartige Schmerzen in
- dem Rücken und den Gliedern, Druck, krampfartige Schmerzen im
- Magen, Neigung zum Erbrechen oder heftiges Erbrechen während der
- fieberfreien Zeit, Tiefsinn, Niedergeschlagenheit. Bei eintretender
- Rückwirkung große Erregtheit, beständiges Herumwerfen und Angst.
-
- ~Bryonia.~ -- Haut gelb, Augen roth oder stumpf, glasig oder
- wässerig, Zunge trocken, weiß oder gelb belegt, starker Schmerz
- im Magen, mit Erbrechen besonders nach Trinken, brennender Durst,
- Schmerz in dem Rücken und den Gliedern, Kopfschmerz durch Bewegung
- erhöht, Augen bei Bewegung schmerzhaft, Gefühl von Vollsein und Druck
- im Magen und den Eingeweiden, Angst, Furcht und Besorgniß, Schwinden
- des Gedächtnisses.
-
- ~Rhus toxicodendron.~ -- Haut trocken und gelb, Augen glasig und
- eingefallen, Zunge trocken und schwarz, Lippen trocken und bräunlich,
- Puls schnell und schwach, Delirium; Betäubung, schnarchendes Athmen,
- beständige Bewegung, unangenehmer Schmerz oder Brennen im Magen,
- Uebelkeit und Erbrechen, die unteren Theile gelähmt, Krämpfe in den
- Eingeweiden, Kolik, Diarrhöe, schwieriges Schlucken oder Schmerz beim
- Schlucken, Begriff stumpf und umwölkt.
-
- ~Arsenicum.~ -- Gesicht bläulich oder gelblich, Augen blaß und
- eingefallen, Körper kalt, bei kaltem und klebrigem Schweiß, Nase
- zugespitzt, Lippen und Zunge braun oder schwarz, schneller Puls,
- schwach und unruhig oder zitternd, große Hinfälligkeit, dumpfer,
- klopfender oder stechender Schmerz im Kopfe, brennende oder scharf
- ziehende Schmerzen im Magen oder in der Gegend der Leber; steife
- Glieder, häufiger zwingender Stuhl, oder die Entleerungen sind
- schmerzlos und finden ohne Wissen des Kranken statt, Brustbeklemmung,
- schnelles ängstliches Athmen, Krämpfe in den Waden, ziehende und
- krampfartige Schmerzen in den Eingeweiden, Gefühl als wenn ein
- schwerer Gegenstand auf die Eingeweide drücke, Gedächtnißschwäche,
- Betäubung und Bewußtlosigkeit.
-
- ~Aconitum.~ -- Im ersten und zweiten Stadium anwendbar, wenn eine
- brennende, trockene Haut, rothe Augen, gegen das Licht empfindlich,
- Gesicht roth, Lippen und Mund trocken, Gefühl von großer Hitze,
- Durst, Schmerzen in den Schläfen, der Stirne oder den Seiten des
- Kopfes, Schwindel beim Aufstehen, große Hitze und Reizbarkeit des
- Magens, kurzes und sehr schnelles Athmen vorhanden sind.
-
- ~Nux vomica.~ -- Haut gelb, besonders um Nase und Mund, Augen
- entzündet, Ringe um die Augen, Zunge weiß oder gelb belegt, oder
- trocken, aufgesprungen, braun mit rothen Rändern, brennende Schmerzen
- im Magen, Erbrechen einer säuerlichen, galligen Masse, heftiges
- Schlucken, Schwindel, Schmerzen im Kopfe, Zittern der Glieder,
- Verlangen nach Bier, Branntwein oder andern Reizmitteln, Entleerungen
- von einer blutigen oder galligen Masse aus den Eingeweiden, Kälte und
- Krämpfe in den Beinen, große Angst, Todesfurcht, Bewußtlosigkeit und
- Delirium mit Murmeln.
-
- ~Mercurius.~ -- Gelbe Hautfarbe, Augen roth, die Blutgefäße sind
- angefüllt, Zunge mit dickem weißen Pelz oder trockenem und braunem
- Schleim belegt, starke Neigung zum Schlafe oder Ruhelosigkeit, je
- nach dem Zustand der Nerven, Gefühl von Ermüdung, schnelles Sinken
- der Kräfte, heftiges Erbrechen einer galligen Schleimmasse, brennende
- Schmerzen und Empfindlichkeit des Magens, Kälte der Arme und Füße bei
- Krämpfen.
-
- ~Veratrum.~ -- Gesicht gelblich oder bläulich, kalt und mit kaltem
- Schweiße bedeckt, Augen trüb, gelblich oder wässerig, Lippen und
- Zunge trocken, braun und aufgesprungen, Schlucken, Kälte der Hände
- und Füße, Entleerungen der Eingeweide, dünn, schwärzlich oder
- gelblich, Zittern, Krämpfe in den Füßen, Händen und Beinen, Sinken
- der Kraft, schwieriges Schlucken, sehr starker Durst, Erbrechen von
- grüner Galle, oder Schleim, oder schwarzer Galle und Blut, Krämpfe im
- Magen, den Eingeweiden und Gliedern.
-
- ~Sulphur.~ -- Gesicht blaß und gelblich, Puls hart, geschwind und
- voll, Schwindel und starke Schmerzen in dem Kopf, Jucken oder
- brennende Schmerzen in den Augen, Brausen in den Ohren, Schmerzen im
- Rücken und in den Seiten.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ -- Dosis: 6 Kügelchen, oder man löse 20
- Kügelchen in einem halben Bierglas voll Wasser und gebe der Strenge
- der Symptome angemessen, alle halbe, ganze, zwei oder drei Stunden
- eine Dosis.
-
- =Allöopathisch.= Die Eingeweide sollten mit 10 Gran Calomel geöffnet
- und folgendes gegeben werden:
-
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze.
- Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potash~) 10 Grane.
- Lakritzen-Extrakt (~Extract of liquorice~) 1 Skrupel.
- Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern
- (~Compound infusion of senna~) 5½ Unzen.
- Sennesblätter oder Jalappenwurzel (~Tincture of
- senna or jalap~) 3 Drachmen.
- Spiritus von flüssigem Salz (~Spirits of sal
- volatile~) 1 Drachme.
-
- Mische es. Dosis: 2 bis 3 Eßlöffel. Dies sollte alle Stunde oder wenn
- nöthig alle halbe Stunde wiederholt werden.
-
- Anstatt des Calomels kann auch folgendes gebraucht werden:
-
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze.
- Cremor Tartari (~Cream of tartar~) 1 „
- Reines Wasser 1 Pint.
-
- Mische es. Dosis: Ein Weinglas voll.
-
- Während des Frostes gebe man ein Senf-Fußbad; als Getränk
- Pfeffermünz-, (~Peppermint~) Isop- oder Salbei-Thee. In der
- fieberfreien Zeit oder dem Stadium der Ruhe gebe ein Reizmittel und
- suche durch warme Getränke und die Tinktur von ~Veratrum Viride~ oder
- das folgende Mittel Schweiß hervorzurufen:
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 12 Grane.
- Aromatische Schwefelsäure (~Sulphuric acid~) 24 Tropfen.
- Syrup 1 Unze.
- Pfeffermünz-Wasser (~Peppermint water~) 1 „
-
- Mische es und gebe jede Stunde einen Theelöffel voll.
-
- Während des dritten Stadiums sollte anschließend an das
- Chinin-Präparat (~Preparation of quinine~) Branntwein (~Brandy~)
- nach Ermessen gegeben werden. Ist Schmerz und ein Frostgefühl auf
- der Magengrube vorhanden, sollten Blutegel angesetzt und nach deren
- Entfernung ein erweichender Umschlag auf den Magen gemacht werden.
- Essigsaures Morphium (~Acetate of morphine~) auf die Magengegend
- gesprengt, wird, nachdem es Blasen gezogen hat, hin und wieder die
- Reizbarkeit vermindern.
-
- Gegen Schmerz im Kopf sind Blutegel an die Schläfe und in den Nacken,
- sowie auch Kaltwasserumschläge sehr zu empfehlen.
-
- Der aufschäumende Trank des ~United States Dispensatory~ wird die
- Reizbarkeit des Magens vermindern und das Erbrechen einstellen.
-
- Bei großer Hinfälligkeit und Schwäche möge folgendes gegeben werden:
-
- Anderthalbkohlensaures Ammoniak (Sesqui-carbonate of
- ammonia) 1 Drachme.
- Potaschen-Chlorid (Chloride of potash) 2 Drachmen.
- Laudanum 1 Drachme.
- Cinnamon- oder Pfeffermünz-Wasser 12 Unzen.
-
- Alle Stunden einen Eßlöffel voll.
-
-
-
-
-Drittes Kapitel.
-
-Geisteskrankheiten.
-
-
-Hypochondrie, Schwermüthigkeit (~Hypochondria~).
-
-Dieser Geisteszustand ist die Folge von Nervenschwäche und tritt in der
-Regel gemeinschaftlich mit Verdauungsbeschwerden auf.
-
-+Ursachen+ mögen eine Herabstimmung und Kraftverminderung des
-Nervensystems werden, wie solche durch anhaltendes und angestrengtes
-geistiges Arbeiten oder auch durch Ausschweifungen, Unmäßigkeit im
-Essen und Trinken, Mangel an Schlaf, große geistige Angst, lang
-anhaltenden oder Unterdrückung des regelmäßigen Stuhles entstehen.
-
-+Symptome+ bestehen in Mattigkeit, Verdrossenheit, Mangel an
-Willenskraft, Unthätigkeit. Der Kranke leidet Schmerzen im Unterleib
-und der Brust, besonders unter der falschen Rippe. Das Gesicht nimmt
-einen schwermüthigen Ausdruck an, der Kranke bewacht beständig alle
-Symptome und vermeint unter einer Menge von Krankheiten zu leiden,
-spricht stets von seiner Gesundheit und glaubt, nicht lange mehr leben
-zu können. Er wird von Verdauungsbeschwerden belästigt, leidet an
-Verstopfung, Schwindel, Schmerzen im Kopfe, Zunge belegt, Gesichtsfarbe
-bleich oder dunkelbraun, Füße kalt und unruhigen Schlaf. Vielleicht
-wird er Wochen lang und länger das Bett hüten, fortwährend in der
-Einbildung, daß er an einer heftigen Krankheit leidet, und der Versuch,
-ihn davon abzubringen, wird ihn mehr oder weniger beleidigen. Dieser
-Gemüthszustand kann dauern, bis Personen und Gegenstände gesehen
-werden, die gar nicht vorhanden sind, ebenso bildet sich der Kranke
-ein, Geräusch zu hören. Ein beständiges Verlangen nach Medizinen für
-diese und jene Krankheit äußert sich. Die Hypochondrie ist in der Regel
-am Morgen schlimmer und legt sich gegen Mittag und Abend.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Große Sorgfalt muß bei Behandlung solcher Fälle
- beobachtet werden; der Kranke darf weder verspottet, noch sollte ihm
- das Vorhandensein einer Krankheit bestritten werden, da dies seinen
- Zustand nur verschlimmern würde. Man suche vielmehr seine Gedanken
- von düsteren Gegenständen und Vorstellungen abzulenken und neuen,
- zerstreuenden Dingen zuzuwenden, höre die Klagen des Kranken so
- an, als ob sie in Wirklichkeit durch ein ernstes Leiden begründet
- wären. Tägliche Bewegung im Freien, wie Schießen, Reiten und Fischen
- sollte erzwungen werden, und heitere Genossen, die da versuchen,
- ihre Heiterkeit auf das Gemüth des Kranken zu übertragen, sollten zu
- dessen Umgang gewählt werden. Der Leidende muß früh zu Bette gehen,
- auf einem harten Lager schlafen und früh wieder aufstehen, um, wenn
- es das Wetter zuläßt, Bewegung im Freien zu machen. Kalte Bäder,
- denen man ein lebhaftes Reiben folgen läßt, sollten häufig besucht
- werden. Die Kost muß leicht, nahrhaft und fein sein, wobei alle
- Fettigkeiten, Säuren, Spirituosen, Thee und Kaffee zu vermeiden sind.
-
- Der Magen darf nie überladen und die Speisen müssen gut gekaut
- werden. Unverdaulichkeit, Verdauungsbeschwerden und andere
- Krankheiten, die daraus entspringen mögen, sind je nach ihren
- verschiedenen Anzeichen zu behandeln.
-
- =Homöopathisch.= ~Nux vomica.~ -- Bei Uebellaunigkeit,
- Lebensüberdruß, unerquickendem Schlafe, Eingenommenheit des Kopfes,
- heftigen Schmerzen oder einem Gefühle, wie Nadelstiche in das Gehirn,
- beständigem Verlangen, sich niederzulegen, großer Erschöpfung nach
- einem Spaziergange, Anlage zu oder Anwesenheit von Geschwüren.
-
- ~Sulphur.~ -- Bei Niedergeschlagenheit, Besorgniß wegen seiner
- Geschäfte, Gesundheit und seines Seelenzustandes, Unruhe, ängstlicher
- Ungeduld, körperlicher und geistiger Schlaffheit, Zerstreutheit,
- Vollsein und Beklemmung des Magens, Verstopfung.
-
- ~Calcarea carbonica.~ -- Bei Niedergeschlagenheit, einer Neigung,
- öfters zu weinen, Angst, Herzklopfen, eingebildetes Unwohlsein und
- Unglück, Wahnsinn und Krankheit, Todesfurcht, Unfähigkeit zum Denken
- oder zur geistigen Arbeit. (Dies, wenn ~Sulphur~ keine Wirkung zeigt.)
-
- ~Aurum muriaticum.~ -- Bei unerquickendem Schlafe, schreckhaften
- Träumen, Furcht vor einem bevorstehenden Ungemache, gänzlicher Mangel
- an Ehrgeiz und Thatkraft, beständiger Neigung, über eingebildete
- Krankheiten zu grübeln.
-
- ~Natrum muriaticum.~ -- Niedergeschlagenheit, düstere Ahnungen wegen
- der Zukunft, Lebensüberdruß, Mißmuth, Unfähigkeit zu geistiger
- Arbeit, Kopfschmerz und Mangel an Eßlust, Unverdaulichkeit nach dem
- Essen.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe von dem gewählten Mittel einen
- Tag um den anderen 6 Kügelchen durch 2 Wochen hindurch. Tritt keine
- Besserung ein, so wähle man ein anderes Mittel.
-
- =Allöopathisch.= Wenn Verstopfung vorhanden ist, lasse man
- zerstoßenen Weizen essen, oder wenn dies nicht entspricht, gebe man
- das folgende Mittel:
-
- Pulverisirten Rhabarber (~Pulv. rhubarb~) 2 Skrupel.
- Doppelt kohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of
- potassa~) 1 „
- Brechnuß-Extrakt (~Extract of nux vomica~) 5 Grane.
-
- Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: zweimal des Tages eine
- Pille.
-
- Ein Theelöffel voll kalcinirter Magnesia (~Calcined magnesia~) oder
- ein Aufguß von Entenfuß (~Thoroughwort~) wird häufig von gutem
- Erfolge sein.
-
- Bei vorhandener Schwäche kann eines von den folgenden gegeben werden:
-
- Flüssiger Extrakt von Sennesblättern (~Fluid extract
- of senna~) 1 Drachme.
- Zusammengesetzter flüssiger Enzianextrakt
- (~Compound fluid of gentian~) ½ „
- Flüssiger Ingwerextrakt (~Fluid extract of
- ginger~) ½ „
- Aromatischer Ammoniakspiritus (~Aromatic spirits
- of ammonia~) ½ „
-
- Mische und gib es als eine Dosis in einem Weinglas voll versüßten
- Wassers.
-
- Oder:
-
- Aloe (~Aloes~) 1 Unze.
- Enzian (~Gentian~) 1 „
- Orangenschale (~Orange peel~) 1 „
- Wachholderbeeren (~Juniper berries~) 1 „
- Aniskörner, zerstoßen (~Anise-seed, bruised~) 1 „
- Wachholderbranntwein (~Gin~) 1 Pint.
-
- Mische und lasse es zwei Wochen lang stehen, dann seie es durch.
- Dosis: Zweimal des Tages einen Eßlöffel voll. Bei Ohnmachten
- und Todesgedanken kann Mutterkrautthee (~Motherwort~) mit einem
- Theelöffel voll Kampfer-Spiritus gegeben werden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Sind die Eingeweide verstopft, öffne
- man sie vermittelst einer Mischung von Rhabarber (~Rhubarb~), zwei
- Theile, doppelt kohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of potassa~),
- ein Theil, von dem 3 bis 15 Grane als eine Dosis gegeben und je nach
- Ermessen genommen werden können.
-
- Wenn sich eine Neigung zu saurem Magen einstellt oder es zeigen sich
- andere Verdauungsbeschwerden, so gebe man Magnesia und präparirten
- Kalk, oder auch zehn Grane Rhabarber (~Rhubarb~) mit ungefähr einem
- Theelöffel voll Magnesia einmal des Tages.
-
- Als ein stärkendes Mittel möge das folgende angewendet werden:
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 1 Drachme.
- Leptandrin (~Leptandrin~) 1 „
- Weinsteinsäure (~Tartaric acid~) 1 „
-
- Alkoholextrakt von Schlangenwurzel (~Black cohosh~) in hinreichender
- Menge. Mische und theile es in vier Gran-Pillen; dreimal des Tages
- eine Pille.
-
-
-Hysterie, Bauchnervensucht.
-
-Dies ist ein Leiden, welches besonders dem weiblichen Geschlechte von
-nervöser oder nervös-sanguinischer Gemüthsart, mit heitern, lebhaften,
-heftigen Gefühlen und lebendiger Einbildungskraft eigen ist. Der Name
-ist aus dem Griechischen genommen und bezeichnet die Gebärmutter,
-wahrscheinlich weil gewisse Störungen des Geschlechtssystems Ursache zu
-dieser Krankheit wurden.
-
-+Ursachen.+ Zarte, nervöse Gemüthsbeschaffenheit, Beschränkung
-auf schlecht ventilirte und überheizte Zimmer, das Lesen von die
-Einbildungskraft aufregenden Büchern, der Besuch von theatralischen
-Vorstellungen, enge Schnürbrust, Mangel an Bewegung und Schlaf,
-außerordentliche Langeweile, üppige Lebensweise. Als die
-hervorragendsten Ursachen können geistige Erregungen, wie Aerger, Zorn,
-Kummer, Schreck, enttäuschte Liebe, Aussicht auf Unannehmlichkeiten,
-üble Gerüche oder Unverdaulichkeit bezeichnet werden.
-
-+Symptome.+ Ein Anfall von Hysterie folgt in der Regel auf
-Niedergeschlagenheit und begleitet Krämpfe von mehr oder weniger
-Dauer, sie wird häufiger bei Wittwen und Unverheiratheten, als bei
-Verheiratheten gefunden, sowie auch derartige Anfälle wahrscheinlicher
-zur Zeit der monatlichen Reinigung, als zu irgend einer anderen
-eintreten. In der Regel wird vor oder während des Anfalles ein Gefühl,
-als ob eine Kugel von der linken Seite des Unterleibes nach dem Hals
-aufstiege, welches ein Gefühl von Ersticken verursacht, wahrgenommen.
-Die Kranke weint und lacht abwechselnd oder verschafft sich durch
-Schluchzen und eine Fluth von Thränen, sowie durch Ringen der Hände
-und Raufen des Haars, Luft. Zuweilen wird der Körper und die Glieder
-krampfartig zusammengezogen und die Kranke sträubt sich vielleicht
-so heftig, daß die Kraft von mehreren Personen erforderlich ist, um
-sie zu halten. Der Kopf wird zurückgezogen und es tritt Delirium oder
-Bewußtlosigkeit ein. Es giebt nur wenige Symptome, welche die Krankheit
-anzeigen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Die Kranke sollte an die frische Luft gebracht und
- die Kleider gelockert werden, so daß ein ungehinderter Blutumlauf
- und freies Athmen stattfinden kann. Kopf und Gesicht wasche man mit
- kaltem Wasser und zuweilen wird das Uebergießen mit einem Eimer
- kalten Wassers den Krampf der Kranken beendigen.
-
- =Allöopathisch.= Während eines Krampfanfalles gebe man einen
- großen Theelöffel voll flüssigen Baldrianextrakt (~Fluid extract
- of valerian~) in ein Weinglas voll versüßten Wassers, was öfters
- wiederholt werden sollte; oder eine Drachme frisch gepulverter
- Baldrianwurzel, in 4 Pulvern getheilt, wovon als Dosis eines
- gegeben werden kann. Wenn die Kinnbacken geschlossen sind und nicht
- geöffnet werden können, nehme man in die Zipfel einer Serviette 2
- Stücke Eis, ungefähr von der Größe eines Eies, und presse eins auf
- jeder Seite der Kinnbacken, was in der Regel ein Nachlassen des
- Krampfes verursachen wird. Ein Theelöffel voll flüchtigen Salzes
- (~Sal volatile~), Aether oder Stinkasant (~Asa fœtida~) kann, wenn
- zuträglich, gegeben werden. Hin und wieder wird auch eine Priese
- Erleichterung verschaffen. Hält der Anfall eine beträchtliche Zeit
- an, sollte eine Einspritzung, bestehend aus Terpentin, Spiritus,
- Castoröl, Stinkasanttinktur (~Tincture of asa fœtida~), von jedem
- eine halbe Unze mit einem Pint Haferschleim gemacht werden. Während
- der Zeit zwischen den Anfällen muß versucht werden, die Hauptursachen
- zu denselben, wie unregelmäßige Reinigung, Verstopfung oder gestörte
- Verdauung zu entfernen. Die Eingeweide mögen mit nicht zu heftig
- wirkenden Mitteln offen gehalten werden. Bei großer vorhandener
- Schwäche gebe man eins von den folgenden Mitteln:
-
- Zink-Baldrian (~Valerianate of zinc~) 8 Grane.
- Baldriantinctur (~Tincture of valerian~) 2 Drachmen.
- Orangenblüthewasser 3½ Unzen.
- Rothen Mohnsyrup (~Syrup of red poppies~) 2 Drachmen.
-
- Mische es. Dosis: Alle 6 Stunden einen Eßlöffel voll.
-
- Als stärkendes Mittel Folgendes:
-
- Enzianaufguß (~Infusion of Gentian~) 5½ Unzen.
- Anderthalb kohlensaures Ammoniak
- (~Sesqui-carbonate of ammonia~) ½ Drachme.
- Zusammengesetzte Kardamontinktur (~Compound
- tincture of cardamon~) ½ Unze.
-
- Mische es. Dosis: 2 oder 3 Mal des Tages einen Eßlöffel voll.
-
- Oder:
-
- Schwefelsaures Eisen (~Sulphate of iron~) 1 Skrupel.
- Pulverisirte Aloe (~Pulverized aloes~) 2 „
-
- Mische es und mache 20 Pillen daraus.
-
- Dosis: zweimal des Tages eine Pille. Bei großer Zartheit des
- Rückgrats sollte die Crotonölsalbe (~Croton oil liniment~) angewendet
- werden, bis eine starke Entzündung eintritt.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Bei harten Fällen wird das folgende
- Mittel zuträglich gefunden werden:
-
- Stinkender Pothos (~Skunk-cabbage root~) ½ Unze.
- Schildkraut (~Skull-cap~) ½ „
- Frauenschuhwurzel (~Ladyslipper root~) ½ „
- Lobelia ½ „
- Spanischer Pfeffer (~Capsicum~) 2 Drachmen.
- Alcohol 1 Pint.
- Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (~Compound
- spirits of Lavender~) 1 Pint.
- Aether und Ammoniak, von jedem 4 Unzen.
-
- Mische und lasse es bei häufigem Umschütteln zwei Wochen lang stehen.
-
- Dosis: 1 bis 2 Theelöffel voll, so oft als erforderlich.
-
- In der Zwischenzeit der Anfälle öffne man mit einem der folgenden
- Mittel die Eingeweide:
-
- Aletridin 12 Grane.
- Senegin (~Senecin~) 12 „
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 6 „
-
- Mische und theile es in 12 Pillen. Dosis: 3 Mal des Tages eine Pille.
-
- Oder:
-
- Belladonnaextrakt 1½ Grane.
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 6 „
- Alkoholextrakt von Schlangenwurzel (~Alcoholic
- extract of black cohosh~) 18 „
-
- Mische und theile es in 12 Pillen. Dosis: 3 Mal des Tages eine Pille.
-
- Eine Pille aus Entenfuß- (~May-apple~) Extrakt mit ein Wenig Chinin
- (~Quinine~) oder gestoßenen Gewürznelken (~Cloves~) zusammengesetzt,
- sollte jeden Abend oder einen Abend um den anderen genommen werden.
- Ein gelindes Brechmittel einmal in der Woche aus gleichen Theilen der
- Lobelia und Brechwurz (~Ipecacuanha~) mit Isop- (~Pennyroyal~) Thee,
- wird zuträglich gefunden werden.
-
- Wenn der Kranke schwach ist, kann auch ein Pulver aus Narde
- (~Spikenard~), Enzian (~Gentian~), Camillen- (~Chamomile~) Blüthe
- zusammengesetzt, mit ein wenig Gewürznelken (~Cloves~) oder Muskatnuß
- (~Nutmeg~) in Wein oder Spiritus gegeben werden.
-
- =Homöopathisch.= Wenn der Anfall von Verstopfung herrührt und
- zugleich von einem bitteren sauren Geschmack im Munde begleitet wird,
- bei Vollheit und Schmerz im Magen, Uebelkeit, Schwäche, Kopfschmerz,
- Schwindel, sollte ~Nux Vomica~ Abends und ~Sulphur~ Morgens gegeben
- werden.
-
- ~Pulsatilla~, ~Sabina~, ~Silicea~. Wenn der Anfall von einer Störung
- des Geschlechtsorganismus herrührt.
-
- ~Ignatia~, ~Hyosciamus~, ~Belladonna~ und ~Coffea~. Wenn der Anfall
- eine starke geistige Aufregung, wie Aerger oder Schrecken, zur
- Ursache hat.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Während der Anfälle gebe von dem
- gewählten Heilmittel eine Lösung von 12 Kügelchen in 12 Theelöffel
- voll Wasser. Dosis: Alle 10 bis 15 Minuten einen Theelöffel voll.
-
- In der Zwischenzeit der Anfälle werden alle 12 Stunden 6 Kügelchen
- hinreichend sein.
-
-
-Melancholie, Trübsinn
-
-ist eine krankhafter Zustand, unter dessen Einfluß der Kranke
-niedergeschlagen, mürrisch, wunderlich ist, oder wo er unter der
-Einbildung einer Schuld, eines großen Verbrechens, das er sich gegen
-den Himmel oder die Menschen zu Schulden kommen ließ, leidet. Der
-Appetit ist veränderlich, Stimme schwach, Puls tief und der Schlaf
-unvollkommen. Dessen Behandlung ist fast dieselbe, als die der
-Hypochondrie, auf die wir verweisen.
-
-
-Manie, Irr- oder Wahnsinn
-
-ist eine Störung des Geistes, die sich verschiedenartig äußert. Die
-Symptome sind so zahlreich und so verschieden, daß es unmöglich ist,
-irgend eine Beschreibung davon zu geben.
-
-+Ursachen.+ Unter den zahlreichen Veranlassungen hierzu mögen Schläge
-auf den Kopf oder Rückgrat, Schlagfluß, Lähmung, heftige geistige
-Aufregung, wie großer Aerger, Eifersucht, Furcht, religiöse Aufregung,
-geschlechtliche Ausschweifungen und Verdauungsbeschwerden hervorgehoben
-werden.
-
-+Behandlung+ -- sollte nur einem dazu befähigten Arzte oder den
-Instituten für derartige Kranke überlassen werden.
-
-
-
-
-Viertes Kapitel.
-
-Krankheiten des Kopfes.
-
-
-Congestion oder Blutandrang nach dem Kopfe.
-
-Viele Personen leiden an sogenanntem Blutandrang nach dem Kopfe. Es ist
-dies ein Zeichen von Blutüberfluß oder gestörtem Blutumlauf und kann
-auch als ein Kennzeichen von Neigung zu einem Schlagfluß betrachtet
-werden.
-
-+Ursachen+ -- können von einer Krankheit des Herzens, Schwächung durch
-Blutflüsse, Unverdaulichkeit, Verstopfung und geistiger Anstrengung
-herrühren.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Bei Verstopfung der Eingeweide gebe man
- Salz, oder Salz mit Sennesblättern (~Senna~), oder auch Castoröl.
- In einem ernsten Falle sollte ein warmes Fußbad gegeben und ein
- Senfpflaster auf den Unterleib gelegt werden. Nachdem Linderung
- eingetreten ist, sollten die Eingeweide in Ordnung, die Füße warm und
- die Haut in einem gesunden Zustande erhalten werden. Die Kost muß
- einfach sein. Folgendes wird als ein vortreffliches Linderungsmittel
- gefunden werden:
-
- Belladonna-Tinktur ½ Unze.
- Stechapfel- (~Stramonium~) Tinktur ½ „
- Blutwurzel- (~Blood root~) Tinktur 1 „
-
- Mische es und nimm 20 Tropfen einmal des Tages.
-
- =Homöopathisch.= Der Kranke muß sich aller spirituosen Getränke, des
- Kaffees und Thees enthalten und häufig Waschungen mit kaltem Wasser
- vornehmen.
-
- ~Aconitum~ -- ist das erste Mittel gegen Kopfschmerz, besonders bei
- einem Schmerz über den Augen, als wenn der Kopf springen wollte,
- fühlbarer beim Bücken oder Husten.
-
- ~Belladonna~ -- allein oder abwechselnd mit ~Aconitum~, wenn der
- Schmerz mehr auf der rechten Seite des Kopfes, oder bei einem
- heftigen Drucke auf die Stirne, welcher bei Bewegung, Geräusch und
- Licht zunimmt, sowie auch bei Summen in den Ohren.
-
- ~Opium.~ -- Wenn der Anfall durch Schreck oder das Trinken von kaltem
- Wasser, wenn erhitzt, hervorgerufen wird mit folgenden Kennzeichen:
- Schwindel, Summen in den Ohren, Betäubung, bei vom Kopfe strömendem
- Schweiß, auch anwendbar in jenen Fällen, wo lang anhaltende
- Verstopfung vorhanden, die sehr hartnäckig ist, während der Kranke
- gar kein Verlangen nach Stuhl hat.
-
- ~Coffea.~ -- Wenn der Anfall durch große Freude -- oder bei Kindern
- durch das Zahnen, Schlaflosigkeit und Gemüthsbewegung hervorgerufen
- wird.
-
- ~Nux vomica.~ -- Sind anhaltendes Studiren, Trinken von Spirituosen
- oder heftiger Zorn die Ursache; auch bei vorhandenem schmerzhaften
- Gefühle im Kopfe beim Gehen oder Bewegen, Druck in den Schläfen,
- matten Augen, verstopften Eingeweiden mit erfolglosem Verlangen nach
- Entleerung, verschlimmerten Symptomen am Morgen oder im Freien.
-
- ~Bryonia.~ -- Bei schmerzhaftem Druck in den Schläfen oder einem
- Gefühle beim Bücken, als ob etwas aus den Schläfen fallen wollte, bei
- Nasenbluten ohne Linderung.
-
- ~Rhus toxicodendron~ -- kann bei denselben Symptomen gegeben werden.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
- Wasser und gebe alle 15 Minuten bis eine halbe oder 2 Stunden der
- Strenge der Symptome angemessen einen Theelöffel voll.
-
- =Allöopathisch.= Folgendes möge gegeben werden:
-
- Minderers Geist (~Spirit of mindererus~) 2 Unzen.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 1 Unze.
-
- Mische es und nehme dreimal des Tages einen Theelöffel voll.
-
- Eine Dosis von einem gelinden Mittel wie Castoröl, Salz, oder Salz
- mit Sennesblättern (~Senna~) sollte am Abend und dem darauffolgenden
- Morgen gegeben werden.
-
- Rochelle-Salz 2 Drachmen.
- Doppeltkohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~) 2 Skrupel.
- Wasser ½ Pint.
-
- Mische es.
-
- Dieser Mischung füge
-
- Weinstein-Säure (~Tartaric acid~) 35 Grane.
-
- hinzu und nehme das ganze während des Aufschäumens.
-
-
-Schwindel (~Vertigo~)
-
-ist in der Regel einer Ueberfüllung der Blutgefäße des Kopfes
-zuzuschreiben und mag ein Symptom von Verdauungs-Störung, Hysterie,
-Schlaganfall oder Epilepsie sein.
-
-+Ursachen+ -- sind in der Regel ein in Unordnung gekommener Magen,
-übermäßige Entleerungen; zu starke Befriedigung in Spirituosen und
-Betäubungsmitteln, Opium, oder Fallen und Schläge auf den Kopf.
-
-+Symptome.+ -- Der Kranke wird plötzlich von einem schwimmenden Gefühle
-im Kopfe befallen, Alles erscheint matt und als ob es sich herumdrehe,
-was ein Taumeln und eine Neigung zum Fallen verursacht. Der Anfall
-dauert nur einige Augenblicke lang.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Schwindel mit Uebelkeit und
- Erbrechen, umwölktes Auge und Verlust des Bewußtseins.
-
- ~Pulsatilla.~ -- In Unordnung gekommener Magen bei Uebelkeit und
- Erbrechen, Ekel gegen Nahrung, Schwindel beim Herumblicken.
-
- ~Arnica.~ -- Schwindel nach Ueberladung des Magens, oder während des
- Essens, mit Uebelkeit, Verdunklung des Blickes und rothem Gesicht.
-
- ~Nux vomica.~ -- Schwindel während oder nach dem Essen, oder während
- eines Spazierganges im Freien, beim Bücken oder Nachdenken, des
- Morgens schlimmer als am Abend und wenn auf dem Rücken liegend,
- ein Gefühl, als ob sich alles um Einen herumdrehe, Ohnmachten und
- Verlieren des Bewußtseins.
-
- ~Opium.~ -- Wenn der Anfall von Schreck verursacht, bei Zittern,
- Verdunkelung des Blickes, Schwindel, beim Aufstehen stärker und den
- Kranken zum Niederlegen zwingend.
-
- ~Mercurius.~ -- Am Morgen und Abend stärkerer Schwindel,
- verschwommener Blick beim Aufheben des Kopfes, Verlangen, sich
- niederzulegen.
-
- ~Bryonia~ -- kann bei denselben Symptomen gegeben werden, besonders
- wenn beim Bücken und Wiederaufrichten ein Gefühl von Blutandrang
- wahrgenommen wird.
-
- ~Ipecacuanha.~ -- Schwindel und Taumeln beim Gehen.
-
- ~Belladonna.~ -- Flimmern der Augen bei Bewegung, beim Bücken
- zunehmend, theilweises Verlieren des Bewußtseins.
-
- ~Antimonium Crudum.~ -- Uebelkeit und Erbrechen, Abneigung gegen
- Speise, Magen in Unordnung. Diesem kann man ~Pulsatilla~ folgen
- lassen.
-
- ~Sulphur.~ -- Schwindel des Morgens oder Abends, beim Ersteigen einer
- Anhöhe, oder nach dem Essen.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden 6
- Kügelchen von dem gewählten Mittel. Dies wird in der Regel zur
- Linderung hinreichen, oder es ist ein anderes Heilmittel erforderlich.
-
- =Allöopathisch.= Wenn Verdauungsbeschwerden dem Schwindel zu Grunde
- liegen, sollte der Kost Aufmerksamkeit geschenkt werden. Bei
- Verstopfung öffne die Eingeweide mit Kaltwassereinspritzungen oder
- gebe folgendes:
-
- Castoröl 1 Unze.
- Pfeffermünz-Wasser (~Peppermint water~) 2 Unzen.
- Gewöhnlicher Syrup ½ Unze.
- Ein Eidotter.
-
- Mische und nimm es auf einmal.
-
- Oder auch:
-
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze.
- Cremor Tartari 1 „
- Reines Wasser 1 Pint.
-
- Mische es. Ein Weinglas voll zweimal des Tages.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Wird der Schwindel durch Magenunordnung
- verursacht, kann ein Abführmittel wie pulverisirter Entenfuß
- (~Powdered May apple~), oder Thee von Isop (~Penny royal~),
- Pfeffermünz (~Peppermint~), Salbei (~Sage~) oder Balsam gegeben
- werden.
-
-
-Schlagfluß (~Apoplexy~).
-
-Dieses Leiden kennzeichnet sich durch einen plötzlichen, mehr oder
-weniger vollständigen -- Verlust des Bewußtseins und der freien
-Bewegung, ohne den Blutumlauf oder das Athmen zu unterbrechen. Es wird
-durch einen Druck auf das Gehirn hervorgerufen.
-
-+Ursachen.+ -- Was immer einen Andrang des Blutes nach dem Gehirn
-veranlaßt, wie heftige Bewegung, Unmäßigkeit im Essen und Trinken,
-der Gebrauch von Betäubungsmitteln, plötzliche und große geistige
-Aufregung, wie Furcht oder Aerger, üppige Lebensweise, übertriebene
-Anwendung von Reizmitteln, Mangel an Bewegung, Unterdrückung von
-Nasenbluten, übermäßige geistige Anstrengung, allgemeine Hinfälligkeit,
-Schwäche nach großer körperlicher Anstrengung, Krankheit oder hohes
-Alter. Auch Krankheiten des Herzens und der Schlagadern, sowie der
-Lungen können die Veranlassung dazu werden. Ferner kann derselbe auch
-erblich übertragen worden sein. Leute mit großen Köpfen, kurzem Halse,
-rothem und blutunterlaufenem Gesichte sind besonders zu Anfällen
-geneigt.
-
-+Symptome.+ -- Obgleich der Anfall zuweilen ganz plötzlich eintritt,
-so gehen doch in der Regel Symptome voraus, die auf dessen Annähern
-schließen lassen. Zu diesen zählen große Neigung zum Schlafe --
-unerquickender und durch Träume unterbrochener oder langer und schwerer
-Schlaf -- mit mühsamem und tiefem Athmen, beständigem dumpfem Schmerz
-im Kopfe, mit einem Gefühl von Gewicht und Schwere, Schwindel, häufige
-Anfälle von Alpdrücken, heftige Schmerzen im Gehirn, die Stirnadern
-dick und angeschwollen, die Adern des Halses und der Schläfe heftig
-pulsirend, heißer Kopf, Läuten und Summen in den Ohren, Flimmern vor
-den Augen, zur Nachtzeit Krämpfe in den Beinen, beständige Neigung
-zum Seufzen, Verlust des Gedächtnisses, Reizbarkeit des Gemüths, ein
-Gefühl von Erstarren der Beine und Füße, das Niederfallen des oberen
-Augenlids, veränderlicher Gang, Unregelmäßigkeit in dem Zusichnehmen
-der Nahrungsmittel, unnatürliche Eßlust, Verstopfung und andere
-Kennzeichen einer schlechten Verdauung.
-
-Hat der Kranke einen Anfall, so ist das Gesicht gewöhnlich stark
-gefärbt, die Redeweise wird verwirrt, das Gehör vermindert sich und ein
-plötzliches Zusammensinken, gleichzeitig mit Verlust des Bewußtseins,
-mehr oder weniger des Gefühls oder der freien Bewegung tritt ein.
-
-In anderen Fällen wird der Kranke plötzlich von einem Schmerz im Kopfe
-befallen, wird blaß, schwach und ohnmächtig, erbricht sich und sinkt
-in einem halb bewußtlosen Zustande nieder, der Puls ist schwach und
-eine Verzuckung kann eintreten. Diese Betäubung kann einige Minuten bis
-mehrere Tage anhalten und wenn sie nicht mit dem Tode endet, so wird
-doch die Genesung nur allmählig vor sich gehen.
-
-Bei der Wiedergenesung wird in der Regel beobachtet werden, daß die
-Muskeln auf der einen Seite des Körpers gelähmt sind, was nach einigen
-Stunden verschwinden, aber auch Monate und Jahre anhalten kann. Der
-Geist ist zuweilen geschwächt und das Gedächtniß mehr oder weniger
-mangelhaft.
-
-Schlagfluß kann von Epilepsie durch die bei dem ersteren vorhandenen
-Verzuckungen unterschieden werden. Bei Epilepsie findet man in der
-Regel Schaum vor dem Munde, Knirschen mit den Zähnen und ein Geschrei,
-das dem Bellen eines Hundes gleicht. Das Athmen findet hierbei sehr
-laut und schnarchend statt.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Der Kranke sollte in einen kühlen luftigen Raum
- geschafft werden. Die Kleider um den Hals müssen entfernt und der
- Kopf erhöht werden. Uebergießen des Kopfes und Halses mit kaltem
- Wasser wird sehr zuträglich sein, ebenso starkes Reiben der Fußsohlen.
-
- =Allöopathisch.= Ein Abführmittel bestehend aus 10 bis 15 Granen
- Calomel sollte das Erste sein. Kann der Patient nicht schlucken,
- so sollte der hintere Theil der Zunge mit 2 bis 3 Tropfen Crotonöl
- eingerieben und eine Einspritzung, bestehend aus 2 oder 3 Eßlöffel
- gewöhnlichen Salzes und ein wenig Oel oder Butter in einem Pint
- warmen Wassers gemacht und alle 2 Stunden wiederholt werden.
-
- Folgendes ist als eine gute Einspritzung zu empfehlen:
-
- Castoröl 1 Gill.
- Pulverisirter Cayennepfeffer 10 Grane.
- Molasses 1 Gill.
- Salz 1 Theelöffel
- voll.
- Warmes Wasser 1 Pint.
-
- Wird der Kranke kalt, oder der Puls klein und schwach, das Gesicht
- von Schmerz verzogen und die Haut blutlos, so sollten warme Flanells
- und heiße Steine auf die Oberfläche des Körpers gebracht und
- folgendes gegeben werden:
-
- Flüchtiges Salz (~Sal volatile~) ½ Drachme.
- Kampher-Wasser 1 Unze.
-
- Mische es.
-
- Wenn der Kranke schlucken kann, gebe man ein Abführmittel von einem
- Aufguß aus Sennesblättern mit schwefelsaurer Magnesia (~Sulphate of
- magnesia~), Kaltwasserumschläge oder Blasen mit Eis auf den Kopf
- werden zuträglich sein. Um spätere Anfälle zu verhindern, sollte der
- Kranke der Kost Sorgfalt zuwenden und die Verstopfung der Eingeweide
- zu verhüten suchen, täglich Bäder nehmen, jede Aufregung, sowie
- körperliche und geistige Anstrengung vermeiden. Das Trinken von
- betäubenden Getränken muß unterbleiben und die Kleidung warm und
- bequem sein.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Waschungen des Kopfes und Gesichts mit
- kaltem Wasser, und ein Bad der Beine und Füße in warmem Wasser, dem
- pulverisirter Senf oder Pfeffer beigefügt wird, ist sehr zuträglich.
- Wenn sich der Kranke nicht schnell wieder erholt, kann eine
- Einspritzung von dem folgenden gemacht werden:
-
- Castoröl 1 Gill.
- Zusammengesetzte Tinktur der Lobelia und des
- spanischen Pfeffers (~Compound tincture of
- Lobelia and Capsicum~) 2 Drachmen.
- Warmes Wasser 1 Pint.
- Molasses 1 Gill.
- Feines Salz 1 Drachme.
-
- Mische und verwende es zu einer Einspritzung, was alle 15 Minuten,
- wenn nothwendig, wiederholt werden kann.
-
- Ein oder zwei Tropfen Crotonöl auf ein Stück Zucker, das so weit als
- möglich nach hinten auf die Zunge geschoben wird.
-
- Wird der Anfall durch Trunkenheit hervorgerufen, kann ein Brechmittel
- von Salz, Senf oder Lobelia gegeben werden.
-
- Um Schweiß hervorzurufen, gebe man ~Composition powder~ und lasse
- Isop- (~Pennyroyal~) oder Katzenmünze- (~Catnip~) Thee trinken.
-
- Ist Opium die Ursache des Anfalles, so muß der Kranke starken Kaffee
- trinken und gezwungen werden, zwischen zwei Begleitern eine lange
- Zeit hindurch zu gehen.
-
- Nach der Erholung sei man in Bezug auf Kost und Kleidung sehr
- vorsichtig, vermeide alle starkgewürzten Speisen, Wein und
- Spirituosen, bade häufig und mache viel Bewegung im Freien.
-
- =Homöopathisch.= Wenn Gift vermuthet wird, so sollte es durch
- ein starkes Brechmittel, wie schwefelsaures Zink (~Sulphate of
- zinc~), oder durch die Magenpumpe entfernt werden. Ist ~Opium~ oder
- ~Belladonna~ die Ursache, gebrauche man starken Kaffee.
-
- ~Opium.~ -- Trifft der Anfall alte Leute, begleitet mit Summen in den
- Ohren, Harthörigkeit, Röthe des Gesichts, Unfähigkeit zu antworten,
- Schwierigkeit beim Aufstehen, mühsames und schnarchendes Athmen,
- kalter Schweiß im Gesicht, starkes Pulsiren der Adern an den Schläfen.
-
- ~Belladonna.~ -- Gesicht geschwollen, bläulich oder dunkelroth,
- Anschwellen der Adern des Kopfes und Halses, die Pupillen
- erweitert und die Augen mit Blut unterlaufen, Knirschen der Zähne,
- Unterdrückung oder unfreiwillige Entleerung des Urins. Wenn sich der
- Kranke erst wieder etwas erholt, kann dieses Mittel gegen Schwindel,
- klopfende Schmerzen, Schwere und Druck, krampfartige Schmerzen im
- Gesicht und in den Gliedern, Brausen in den Ohren, Verstopfung,
- Erhöhung der Schmerzen bei Bewegung oder Berührung gegeben werden.
-
- ~Coffea.~ -- Schlagfluß bei nervösen Personen durch heftige
- Bewegungen verursacht.
-
- ~Aconitum.~ -- Andrang oder plötzliches Schießen des Blutes nach dem
- Kopfe, Summen in den Ohren, tödtliche Blässe des Gesichts, Schmerz im
- Kopfe und Erbrechen, brennende und klopfende Schmerzen in der Stirn
- und den Schläfen, Pupillen der Augen erweitert, Gesicht geschwollen,
- roth und erhitzt, Lähmung der Zunge, Schwierigkeit beim Schlucken.
-
- ~Nux vomica.~ -- Bei Personen von sitzender Lebensweise, oder jenen
- die gewöhnt sind, Spirituosen zu trinken, besonders bei Kopfschmerz
- auf der rechten Seite, Schwindel kann dasselbe abwechselnd mit
- ~Opium~ gegeben werden.
-
- ~Hyosciamus.~ -- Der Kranke stürzt plötzlich mit einem heftigen
- Schrei zusammen, Verzuckungen, mühsames Athmen, dem Anfalle folgt
- Mattigkeit und zeitweilige Bewußtlosigkeit, Neigung zum Schlaf, oft
- und zu lang, Erschrecken, Auffahren aus dem Schlaf, der Körper mit
- übermäßigem Schweiße bedeckt, häufige Anfälle von Schwindel, Gesicht
- schwarzgelb, Stimmung traurig und gereizt, Augen roth, funkelnd,
- starr und aus den Höhlen hervortretend.
-
- ~Arnica.~ -- Bei Beschädigungen des Kopfes, die Schlagfluß
- herbeiführen.
-
- ~Mercurius.~ -- Schmerz im Kopfe und ein Gefühl, als ob derselbe
- springen wollte, Unbehaglichkeit und Schwere in den Gliedern, Anfälle
- von Verlust der Sehkraft, Summen in den Ohren. Dies kann nach
- ~Belladonna~ gegeben werden.
-
- ~Ipecacuanha.~ -- Wenn die Ueberladung des Magens mit zu reicher
- Nahrung die Ursache ist.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ -- Löse 15 Kügelchen in 12 Theelöffel
- voll Wasser und gebe alle 10, 15 oder 20 Minuten während des
- Anfalles, nach dem Anfalle alle 2 oder 3 Stunden einen Theelöffel
- voll.
-
-
-Gehirn-Entzündung.
-
-Zur Behandlung dieser Krankheit siehe zweites Kapitel -- „Gehirnfieber.“
-
-
-Sonnenstich (~Sun Stroke~)
-
-gleicht in vielen Beziehungen dem Schlagfluß und wird durch
-unmittelbares Aussetzen des Kopfes den Sonnenstrahlen verursacht. Der
-damit Befallene sinkt in einem bewußtlosen Zustande nieder und stirbt,
-wenn nicht schleunige Hilfe geschafft wird.
-
-+Symptome.+ -- Schwindel, Durst, zuweilen Fallen, schweres Athmen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Man schaffe den damit Befallenen an einen kühlen,
- schattigen Platz, entferne jede Kleidung um den Hals und übergieße
- eine lange Zeit beständig Kopf und Hals mit kaltem Wasser.
-
- Reibe den Körper und die Glieder kräftig mit der Hand.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Sobald der Kranke schlucken kann,
- sollte ein Abführmittel wie ein halber Theelöffel voll Jalappenwurzel
- (~Jalap~), oder ein Viertel-Theelöffel voll Cremor Tartari (~Cream
- of tartar~), das der Jalappenwurzel beigefügt werden kann, gegeben
- werden. Castoröl ist hin und wieder von gutem Erfolge.
-
- Gegen die Wirkungen, die der Sonnenstich zurückläßt, kann folgendes
- gegeben werden:
-
- Belladonna-Extrakt (~Extract of Belladonna~) 5 Grane.
- Schlangenwurzel-Alcohol-Extrakt (~Alcoholic extract
- of black cohosh~) 40 „
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 20 „
- Entenfuß (~Podophyllin~) 10 „
-
- Mische es und theile es in 40 Pillen. Dosis: 3 Pillen des Tages.
-
- Oder:
-
- Stachelige Eschenrinde (~Prickly ash bark~) 1 Unze.
- Rothen Hühnerdarm (~Red chickweed~) 1 „
- St. John’skraut (~St. John’s wort~) 1 „
- Weiße Kamille (~White weed~) 1 „
- Kochendes Wasser 1 Quart.
-
- Lasse es 5 oder 6 Stunden nahe am Feuer erweichen. Dosis: 3 oder 4
- Mal des Tages ein Weinglas voll.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Alle 15 Minuten eine Dosis.
-
- ~Belladonna.~ -- Bei stark vorhandenem, stoßenden, brennenden,
- ruckweisen Schmerz auf einer Seite des Kopfes, oder heftigem Druck in
- der Stirne, bei Bewegung, Bücken, durch Geräusch und Licht zunehmend.
- Dies kann abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben werden.
-
- ~Glonoine~ -- ist das Hauptmittel, das in dieser Krankheit alle 5
- Minuten gegeben werden sollte.
-
- ~Camphora.~ -- Besonders wenn der Kranke schwer athmet und schwitzt,
- sollte abwechselnd mit ~Glonoine~ gegeben werden.
-
- ~Lachesis~ -- wird ebenfalls in einigen Fällen gegeben.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 oder 15 Kügelchen in 12
- Theelöffel voll Wasser und gebe alle 5, 10 und 15 Minuten oder alle
- halbe Stunden, und nach dem Anfalle alle 2, 3 oder 4 Stunden einen
- Theelöffel voll. Zuweilen kann auch ein wenig Branntwein gegeben
- werden.
-
- Personen, die besonders zu Anfällen geneigt sind, sollten vorsichtig
- vermeiden, sich den Einwirkungen der Sonnenstrahlen auszusetzen, und
- entweder nasse Tücher oder Blätter im Hute tragen.
-
- =Allöopathisch.= Terpentinöl (~Oil of turpentine~), eine Auflösung
- von Ammoniak oder Alkohol kann vermittelst Einspritzung gegeben
- werden, wenn der Kranke nicht schlucken kann. Die Behandlung
- desselben ist ungefähr dieselbe, wie die beim Schlagfluß.
-
-
-Kopfweh. -- Kopfweh durch Catarrh verursacht.
-
-Dieser Kopfschmerz wird durch Schnupfen hervorgerufen und hält oft
-noch eine lange Zeit an, nachdem der Letztere bereits aufgehört hat.
-In einigen Fällen tritt er regelmäßig zu gewissen Jahreszeiten ein und
-zwar vorzugsweise im Frühjahr und Herbst, während des feuchten Wetters.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes möge geschnupft werden:
-
- Pulverisirter Gagel (~Pulverized bay berry~) 1 Unze.
- Chinarinde (~Peruvian bark~) 1 „
- Blutwurzel (~Blood root~) 1 „
-
- Mische es gut in einem Mörser und nehme davon mehrere Male des Tages.
-
- Zieht es der Patient vor, kann diesem noch Schottischer Schnupftabak
- beigemischt werden.
-
- =Homöopathisch.= ~Nux vomica.~ -- Schwere in der Stirn, Laufen der
- Nase, Fieberhitze im Kopfe, auf den Wangen und im Körper.
-
- ~Mercurius.~ -- Ist besonders nützlich, wenn der Schnupfen einen
- epidemischen Charakter (d. h. wenn denselben viele Leute zu gleicher
- Zeit haben) angenommen hat und drückende Schmerzen in der Stirn und
- über der Nase vorhanden sind, häufiges Niesen, Laufen der Nase, bei
- Röthe, Wundsein oder Heiserkeit, Jucken begleitet von Fieberschmerzen
- in den Gliedern und Durst.
-
- ~Sulphur~ -- erleichtert in einigen Fällen, besonders bei folgenden
- Symptomen: Gefühl von Vollsein, Druck und Schwere in der Stirn,
- Stichen, stoßweisen Schmerzen, besonders in der linken Seite.
-
- ~Tartarus emeticus.~ -- Häufiges Niesen, Geschmack- und
- Geruchlosigkeit.
-
- ~Arsenicum.~ -- Das wichtigste Mittel bei Behandlung dieser
- Krankheit, besonders erfolgreich in chronischen Fällen.
-
- ~Aconitum.~ -- Bei einem drückenden und dumpfen Gefühle, sowie Hitze
- in der Stirn, schlimmer des Nachts, besser im Freien, Laufen der Nase
- und der Augen.
-
- ~Chamomilla.~ -- Stoßweises, thränendes Gefühl in der Seite des
- Kopfes, böser Hals, Heiserkeit und bitterer Geschmack im Munde.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 6 Kügelchen in drei Eßlöffel
- voll Wasser und nehme alle halbe, ganze, 2, 3 oder 4 Stunden, der
- Strenge der Symptome des Anfalles angemessen, während demselben einen
- Theelöffel voll. Tritt innerhalb einiger Stunden keine Erleichterung
- ein, wähle man ein anderes Mittel.
-
- Gegen chronische Kopfschmerzen, welche zu gewissen Zeiten eintreten,
- nehme man einen Tag um den anderen eine Dosis der gewählten Mittel.
-
- =Allöopathisch.= Folgende Salbe wird mit gutem Erfolge angewendet
- werden:
-
- Aconitextrakt (~Extract aconite~) 1 Skrupel.
- Seifensalbe (~Soap liniment~) 1 Unze.
- Zusammengesetzte Kamphersalbe (~Compound camphor
- liniment~) 1 „
-
- Mache hiervon einen Umschlag auf die Stirne.
-
- Gleichzeitig mögen die folgenden Pillen genommen werden:
-
- Jodeisen (~Iodide of Iron~) ½ Drachme.
- Baumrindenextrakt (~Extract of bark~) 1½ „
-
- Mische und theile es in 24 Pillen und nehme 2 Mal des Tages 2 Pillen.
-
-
-Kopfweh durch Blutandrang verursacht.
-
-Klopfen im Kopfe, Schlagen der Halsadern, Erbrechen beim Wachsen des
-Schmerzes, ebenso Schmerz beim Schütteln oder Bewegen des Kopfes,
-Niederlegen oder Bücken.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Bade den Kopf mit warmem Wasser und Essig, ebenso
- die Füße mit warmem Wasser und reibe sie nachher stark. Wasche die
- Schläfe mit warmem oder kaltem Wasser, je nach des Kranken Wunsch.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Heftig klopfendes, summendes Gefühl
- im Gehirn, Stirn und Gesicht roth und mit Blut unterlaufen, Augen
- roth und empfindlich gegen das Licht, Schmerz am Morgen, beim
- Trinken, Sprechen oder Aufstehen schlimmer, Puls voll und geschwind.
-
- ~Belladonna.~ -- Heftige Schmerzen, gleichsam als ob der Kopf spalten
- oder das Gehirn durch die Stirn brechen wollte, heißer Kopf, kalte
- Füße, ein Gefühl, als ob sich Wasser in der Stirn befände, heftiges
- Schlagen der Adern des Halses und der Schläfe, Delirium, rothes,
- blutunterlaufenes Gesicht, das Blut in die Augen eingeschossen,
- bei großer Empfindlichkeit gegen Licht, Geräusch und Berührung,
- darauf tief sitzende, drückende Schmerzen, bei blassem Gesicht und
- Schwindel, beim Bewegen der Augen, Heben oder Bewegen des Kopfes
- Verschlimmerung. Dies kann abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben werden,
- wenn ~Aconitum~ keine Erleichterung gewährt.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Dumpfer Schmerz und Druck nur auf einer Seite am
- Hinterkopf oder an der Nasenwurzel, Linderung durch Niederlegen oder
- Drücken, schlimmer während des Sitzens oder Gehens, blassem Gesicht,
- Aufregung, Neigung zum Weinen, Schwindel. Frauenzimmer und Leute
- sanfter Gemüthsart sind dazu besonders geneigt.
-
- ~Bryonia.~ -- Ein sich innerhalb ausbreitender Druck, besonders nach
- der Stirne zu, beim Bewegen oder Bücken, heftiges Schlagen oder
- Stechen im Kopfe, Verstopfung der Eingeweide und Nasenbluten.
-
- ~Rhus toxicodendron.~ -- Gefühl von Vollsein im Kopf, brennender
- und klopfender Schmerz, Gewicht im Hinterkopfe, Gefühl von einer
- rollenden Flüssigkeit innerlich; kann abwechselnd mit ~Belladonna~
- oder ~Bryonia~ gegeben werden.
-
- ~Nux vomica.~ -- Schmerzen schlimmer am Morgen oder im Freien,
- Schwere des Kopfes, besonders beim Bewegen der Augen und Nachdenken,
- Gefühl als ob der Schädel zerspringen wollte, ein quetschender
- Schmerz im Gehirn, schlimmer beim Bücken oder Bewegen, Schießen des
- Blutes nach dem Kopfe.
-
- ~Opium.~ -- Verstopfung, mit Schießen des Blutes nach dem Kopfe,
- heftige drückende Schmerzen im ganzen Gehirn und Schwere, Schlagen im
- Kopfe.
-
- =Allöopathisch.= Man gebe Folgendes:
-
- Minderers Geist (~Spirits of mindererus~) 2 Unzen.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 1 Unze.
-
- Mische es und nimm alle 3 Stunden einen Theelöffelvoll.
-
- Ist Jemand zu diesem Kopfweh besonders geneigt, so mag er von dem
- Obigen zweimal des Tages einen Theelöffel voll nehmen. Des Abends
- mögen einige gelinde Abführmittel, wie Castoröl oder Bittersalz
- (~Epsom salts~), genommen werden.
-
- Rochellesalz (~Rochelle salts~) 2 Drachmen.
- Doppelt kohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~) 2 Skrupel.
- Wasser ½ Pint.
-
- Mische es. Dieser Mischung füge noch 35 Grane von Weinsteinsäure
- (~Tartaric acid~) hinzu und trinke das Ganze während des Aufschäumens.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Rührt das Kopfweh von zu vielem Blute
- her, so muß eine Behandlung eingeschlagen werden, dasselbe zu
- zertheilen. Der Kranke sollte eine kühlende und leicht verdauliche
- Nahrung zu sich nehmen und sich aller reichen, schwer verdaulichen
- Speisen enthalten. Die Beine und Füße bade man in warmem Wasser, dem
- Senf oder Pfeffer hinzugefügt wurde.
-
- Ferner gebe Folgendes:
-
- Entenfuß (~Podophyllin~) 15 Grane.
- Gummi-Gutti (~Gamboge~) 15 „
- Wunderharz (~Scammony~) 15 „
- Rhabarber (~Rhubarb~) 15 „
- Cayennepfeffer (~Cayenne~) 15 „
-
- Mache 12 Pillen daraus und füge ein wenig Alraunwurzel- (~Mandrake~)
- oder Löwenzahn- (~Dandelion~) Extrakt hinzu. Fehlt Entenfuß, so
- bediene man sich derselben Menge von Aloe. Eine Dosis wird in der
- Regel das Kopfweh lindern, aber um eine bleibende Erleichterung zu
- verschaffen, sollte durch mehrere Wochen hindurch jeden Abend eine
- Dosis genommen werden.
-
- Folgende Pillen sind von gutem Erfolge:
-
- Pulverisirter Cayennepfeffer 60 Grane.
- Chinin (~Quinine~) 10 „
- Brechwurz (~Ipecac~) 15 „
- Pulverisirtes Opium 10 „
-
- Mache 30 Pillen daraus und nehme alle Morgen und Abend eine.
-
-
-Kopfweh durch Rheumatismus verursacht.
-
-Dieses trifft nur Personen, die mit Rheumatismus behaftet sind. Es wird
-nicht selten durch das Nichtbedecken des Hauptes während des Schwitzens
-hervorgerufen. Ein dumpfer Schmerz befindet sich in der Regel in der
-Stirn, den Schläfen und dem Hinterkopf und ist eher ein schmerzhaftes
-Gefühl als ein wirklicher Schmerz. Der Kopf ist gegen Druck schmerzhaft
-empfindlich.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Man gebe folgende Pillen:
-
- Essigsaurer Wiesensafranextrakt (~Acetous extract of
- colchicum~) 1 Gran.
- Zusammengesetzter Koloquinthenextrakt (~Compound
- extract of Colocynth~) 2 Grane.
- Brechwurzpulver (~Ipecac~) ½ Gran.
-
- Mische es und mache eine Pille daraus, welche jeden Abend genommen
- werden kann. Die Füße bade man in kaltem Wasser und wasche den
- Kopf mit kölnischem Wasser (~Cologne~). Auch kann folgende Lösung
- angewendet werden:
-
- Weinspiritus (~Spirits of wine~) 2½ Unzen.
- Oder Branntwein ¼ Pint.
- Kaltes Wasser (das vorher abgekocht worden ist) 1 Pint.
-
- In einigen Fällen wird auch die folgende Salbe erfolgreich angewendet
- werden:
-
- Seifensalbe (~Soap liniment~) 2½ Unzen.
- Ammoniak-Liquor (~Liquor ammonia~) ½ Drachme.
- Mohnsaft (~Laudanum~) ½ Unze.
-
- Mische es. Ein Senfpflaster hinten im Nacken gelegt, wird zuweilen
- Linderung verschaffen.
-
- Ferner gebe man Folgendes:
-
- Zusammengesetzte Koloquinthen-Pille (~Compound
- pill of colocynth~) 14 Grane.
- Wiesensafranextrakt (~Extract of Colchicum~) 4 „
- Kümmelöl (~Oil of caraway~) 2 Tropfen.
-
- Mische es und mache 4 Pillen daraus. Dosis: Eine Pille beim zu
- Bettegehen.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Folgende Salbe möge angewendet werden:
-
- Branntwein 1 Pint.
- Salpeter (~Salt-petre~) 1½ Unzen.
- Kampher (~Camphor~) 1 Unze.
- Terpentinspiritus (~Spts. turpentine~) 1 Gill.
-
- Mische es und lege es auf ein gut geplättetes Stück Flanell auf den
- Kopf, bis es trocken ist.
-
- Dieses Uebel sollte als ein Fall von Rheumatismus, auf den wir uns
- beziehen, behandelt werden.
-
- =Homöopathisch.= ~Chamomilla.~ -- Ziehende und reißende Schmerzen in
- einer Seite des Kopfes, Kopf gegen Berührung empfindlich, mit heißem
- Schweiß bedeckt, eine Wange roth, die andere blaß. Abwechselnd mit
- ~Pulsatilla~ des Morgens und ~Nux vomica~ des Abends.
-
- ~Colocynthis.~ -- Heftig bohrende, ziehende, kneipende Schmerzen,
- Uebelkeit und Erbrechen, schlimmer beim Bücken oder auf dem Rücken
- liegend, und in der Regel am Nachmittag erscheinend.
-
- ~Ipecacuanha.~ -- Nagende Schmerzen, sehr streng, gelindert durch
- Hitze und Erbrechen; ein Gefühl durch den Schädel, als ob das Gehirn
- zermalmt würde.
-
- ~Nux vomica.~ -- Ziehende Schmerzen in einer Seite des Kopfes, mit
- einem zermalmenden Gefühle des Kopfes, schlimmer beim Bücken oder im
- Freien und von Uebelkeit oder saurem Erbrechen begleitet.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Schießende, rasende, stoßweise Schmerzen, nur in
- einer Seite des Kopfes, besonders in den Schläfen, mit einem Gefühl,
- als ob das Gehirn zerreißen würde.
-
- ~China.~ -- Schmerzen des Nachts, Schlaflosigkeit, stoßweise, rasende
- und bohrende Schmerzen auf dem Scheitel, ein zermalmendes Gefühl im
- Gehirn, schlechter im Freien, bei Bewegung oder in Zugluft, große
- Empfindlichkeit, sogar an den Haarwurzeln.
-
- ~Bryonia.~ -- Wiederkehrende, von dem Nacken nach den Seiten des
- Kopfes schießende Schmerzen, Fieberschauer, Schmerzen bei Bewegung,
- des Nachts oder während des Witterungswechsels heftiger. Kann
- abwechselnd mit ~Rhus toxicodendron~ gegeben werden.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Dosis: 6 Kügelchen; oder 15 Kügelchen
- in einem halben Tassenkopf voll Wasser aufgelöst. Alle halbe, ganze,
- zwei, drei oder sechs Stunden, der Strenge der Symptome angemessen,
- einen Theelöffel voll.
-
-
-Kopfweh durch Hartleibigkeit und Unterleibsbeschwerden verursacht.
-
-+Symptome.+ -- Schwere im Kopf, Mattigkeit, Abneigung gegen Bewegung,
-belegte Zunge, schlechter Geschmack im Munde, leichte Uebelkeit, Augen
-beim Sehen schmerzhaft, Appetitlosigkeit, zuweilen Erbrechen.
-
-+Ursachen.+ -- Unpassende Kost, Essen in der Nacht oder irgend etwas,
-was störend auf die Verdauung wirkt.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Stellt sich der Schmerz unmittelbar nach einer
- Mahlzeit ein, so sollte sofort das folgende Brechmittel gegeben
- werden:
-
- Pulverisirte Lobelia 1 Unze.
- „ Blutwurzel (~Bloodroot~) ½ „
- „ Senecawurzel (~Seneca~) 1 Skrupel.
- „ Brechwurz (~Ipecac~) 6 Drachmen.
- Cayenne Pfeffer (~Cayenne~) 4 Skrupel.
-
- Mische es. Dosis: Einen halben Theelöffel voll in warmem Wasser; alle
- 15 Minuten zu wiederholen, bis mehrere Dosen genommen worden sind.
-
- Kommt der Schmerz mehrere Stunden nach dem Essen, nehme man eines von
- den folgenden Mitteln:
-
- Pulverisirte Jalappenwurzel (~Powd. Jalap~) 10 Grane.
- Cremor Tartari (~Cream of tartar~) 2 „
-
- Mische und nimm es auf einmal in Molasses oder Syrup.
-
- Oder:
-
- Pulverisirter Rhabarber (~Rhubarb~) 1 Skrupel.
- Leptandrin 10 Grane.
- Calcinirte Magnesia (~Calcined magnesia~) 2 Skrupel.
- Pulverisirter Zimmt (~Cinnamon~) 10 Grane.
-
- Mische es. Dosis: Alle Stunde 3 oder 4 Grane.
-
- Ist der Kranke schwach und hinfällig, gebe man das folgende:
-
- Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern
- (~Compound infusion of senna~) 5 Drachmen.
- Aufguß von Rhabarber (~Infusion of rhubarb~) 6 „
- Zusammengesetzte Kardamon- (~Cardamon~) Tinktur ½ Drachme.
- Syrup 2 Drachmen.
-
- Mische und nimm es als eine Dosis und zwar des Morgens nach einem
- leichten Frühstück.
-
- Bei großer Reizbarkeit diene das folgende:
-
- Dreifachsalpetersaurer Wismuth (~Tris nitrate of
- bismuth~) 6 Grane.
- Doppeltkohlensaure Soda (~Bicarbonate of soda~) 6 „
- Pulverisirter Cayenne-Pfeffer (~Pulv. Cayenne~) 1 Gran.
-
- Mische und nimm es als eine Dosis zweimal des Tages.
-
- Bei Kopfschmerz durch Ausschweifungen hervorgerufen, gebe man das
- folgende:
-
- Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~Solution of
- acetate of ammonia~) ½ Unze.
- Orangenschalen-Tinktur 1½ Drachme.
- Orangenschalen-Syrup 1 „
- Cayenne-Pfeffer- (~Cayenne~) Tinktur 25 Tropfen.
- Zusammengesetzter Aufguß von Orangenschale 5 Drachmen.
-
- Mische es und nimm es auf einmal.
-
- Wird der Kopfschmerz durch Leberstörungen hervorgerufen, gebe man das
- zuerst angeführte Brechmittel und lasse darauf folgen:
-
- Pulverisirter Rhabarber (~Pulv. rhubarb~) 12 Grane.
- Kohlensaure Magnesia (~Carbonate of magnesia~) 10 „
- Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits
- of ammonia~) ½ Drachme.
- Ingwer-Syrup (~Ginger-syrup~) 1½ „
- Münzwasser (~Spearmint water~) 10 Drachmen.
-
- Mische und nimm es auf einmal.
-
- Zur Linderung der Leberschmerzen gebe man folgendes:
-
- Leptandrin 1 Drachme.
- Entenfuß (~Podophyllin~) 1 Skrupel.
- Hundswolle (~Apocynin~) 1 „
- Brechnuß- (~Nux vomica~) Extrakt 6 Grane.
- Spanische Seife (~Castile soap~) 1 Drachme.
-
- Mache 30 Pillen daraus und nimm jede Nacht eine.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Bei Kopfweh, wo Verstopfung die
- Ursache, wird das folgende Mittel sehr zuträglich gefunden werden:
-
- Entenfuß (~May apple~) 1 Unze.
- Alraun-Wurzel (~Mandrake~) 1 „
- Blaue Kalmus-Wurzel (~Blue flag root~) 1 „
- Gelbwurz-Wurzel (~Golden seal root~) 1 „
- ~Yellow Puccoon~ 1 „
- Stachliche Eschrinde (~Prickly ash bark~) 1 „
- Rindsgalle (~Beef gall~) 1 Gill.
- Whiskey 1½ Pint.
-
- Mische und lasse es zwei Wochen lang stehen. Dosis: Einen Theelöffel
- voll dreimal des Tages.
-
- Ebenso wird folgendes empfohlen:
-
- Entenfuß (~Podophyllin~) 20 Grane.
- Gummi (~Gamboge~) 20 „
- Windenharz (~Scammony~) 20 „
- Rhabarber (~Rhubarb~) 20 „
- Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~) 20 „
-
- Mache 25 Pillen daraus. Man bediene sich des Alraun- (~Mandrake~)
- Extrakts, um Pillen zu verfertigen.
-
- Dosis: Morgens und Abends 3 Pillen.
-
- =Homöopathisch.= ~Nux vomica.~ -- Das Gehirn schmerzt beim Gehen
- oder Bewegen des Kopfes, Druck in den Schläfen, Augen stumpf,
- Schlaflosigkeit, Schwere des Kopfes, schlimmer beim Bewegen der Augen
- oder bei geistiger Anstrengung, am Morgen, im Freien, oder nach dem
- Essen.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Frostschauer mit Durst, Schmerz auf einer Seite,
- Neigung dazu bei Leuten sanften und ruhigen Gemüths.
-
- ~Bryonia.~ -- Druck in beiden Seiten des Kopfes und beim Bücken ein
- Gefühl, als ob irgend etwas aus der Stirne herausfallen möchte,
- Bluten der Nase ohne Linderung und Wässern der Augen.
-
- ~Opium.~ -- Heftige, rasende Schmerzen, Druck in der Stirne, Klopfen
- der Schläfe, Blutandrang nach dem Kopfe, Mund trocken, Durst, Neigung
- zu einem sauren widrigen Erbrechen.
-
- ~Mercurius.~ -- Eingenommensein des Kopfes, gleichsam als ob er
- zerspringen wollte, Schmerz durch Drücken des Kopfes mit den Händen
- erleichtert, des Nachts und durch Bettwärme verschlimmert.
-
- ~Silicea.~ -- Stechende Schmerzen vom Nacken nach dem Scheitel zu,
- Gefühl als ob der Kopf zerspringen wollte, Schlaflosigkeit und beim
- Erwachen des Morgens und beim Lesen, Schreiben und Denken schlimmer,
- dabei Verstopfung und erfolgloser Stuhlzwang. ~Lachesis~ oder
- ~Lycopodium~ kann abwechselnd damit gegeben werden, wenn Schmerzen,
- als ob mit Messern im Kopfe geschnitten oder -- beim Bücken -- mit
- Hämmern geschlagen würde, vorhanden sind; Verstopfung, Blutandrang
- nach dem Kopfe, Anwandlung von Ohnmachten und große Unruhe.
-
- ~Sepia.~ -- Beim Rütteln oder Bewegen des Kopfes, beim Gehen mit
- einem Anflug von Blutandrang nach dem Kopfe, Uebelkeit, Erbrechen,
- Eingenommenheit des Kopfes, Verwirrung der Gedanken, schlimmer am
- Morgen und beim Sehen in das strahlende Sonnenlicht.
-
- ~Antimonium.~ -- Schmerz schlimmer beim Treppensteigen und besser im
- Freien.
-
-
-Sympathetisches Kopfweh (~Sick Headache~).
-
-Diese Form des Kopfwehs ist gewöhnlich chronischen Charakters und hängt
-von Störungen des Magens oder der Eingeweide ab. Seinen Namen hat es
-erhalten, weil Uebelkeit und Erbrechen es in der Regel begleiten.
-Meistenteils beginnt es am Morgen oder beim Erwachen aus einem tiefen
-Schlafe, oder nach dem Schlafen in dicht verschlossenen Zimmern, auch
-wenn Unregelmäßigkeiten in Bezug auf die Kost stattgefunden haben.
-Zuerst wird ein Druck im Kopfe gefühlt, das allmählig in einen dumpfen
-Schmerz, der von einem nach dem andern Punkte zieht, übergeht. Ein
-Gefühl von Schwere und Empfindlichkeit in einem Auge, das sich über
-die Stirne ausdehnt, Zunge mit einer gelblichweißen Masse belegt und
-ein unangenehmer schleimiger Geschmack ist vorhanden. Die Hände und
-Füße sind feucht und kalt und der Puls schwach. In Begleitung dieser
-Symptome befindet sich ferner ein niederdrückendes Unwohlsein des
-Magens, das durch langes Aufbleiben erhöht wird. Durch Erbrechen wird
-in der Regel der Schmerz gelindert.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes ist empfehlenswerth:
-
- Uebermäßig kohlensaure Soda (~Super-carbonate of
- soda~) ½ Drachme.
- Präparirte Holzkohle (~Prepared charcoal~) 1 „
- Paregoricum (~Paregoric~) 1 „
- Wasser 1 Unze.
-
- Mische und gib es auf einmal. Sollte alle 15 Minuten wiederholt
- werden, bis Linderung eintritt.
-
- Baden des Kopfes mit einer Mischung von Spiritus, Essig und Wasser,
- zu gleichen Theilen, wird sehr zuträglich gefunden werden.
-
- Als Brechmittel diene Folgendes: Gleiche Theile von Brechwurz
- (~Ipecac~) und gepulverter Lobeliasamen, eine hinreichende Menge
- Wasser und lasse es einige Augenblicke lang erweichen. Man gebe
- dies in Theilen von 5 zu 10 Minuten. Gleichzeitig sollte der
- Kranke unbeschränkt Salbei- (~Sage~), Isop- (~Pennyroyal~) oder
- Compositionthee trinken. Nachdem sich der Kranke gehörig erbrochen
- hat, gebe man folgendes Abführmittel:
-
- Pulverisirte Aloe (~Pulv. Aloes~) 60 Grane.
- Spanische Seife (~Castile Soap~) 30 „
- Gummi (~Gamboge~) 30 „
- Windenharz (~Scammony~) 30 „
- Entenfuß (~Podophyllin~) 30 „
- Spanischer Pfeffer (~Capsicum~) 30 „
-
- Mache mit ein wenig Löwenzahn- (~Dandelion~) oder Alraun-
- (~Mandrake~) Extrakt 60 Pillen daraus. Dosis: 3 bis 5 Pillen.
-
- Um auf die Leber zu wirken und die Eingeweide in Ordnung zu bringen,
- gebe eine Pille ein oder zwei Mal des Tages. Auch nehme man Fußbäder
- in warmem Wasser mit Asche.
-
- =Homöopathisch.= ~Belladonna.~ -- Der Kopfschmerz kommt zu bestimmten
- Zeiten, die Schmerzen kehren am Nachmittag zurück, dauern bis
- Mitternacht und werden durch die Bettwärme oder das Niederlegen
- erhöht; der Kopfschmerz ist betäubend, hat meistens seinen Sitz
- in der Stirn und wird zuweilen von Bewußtlosigkeit begleitet. Ein
- Gefühl, als ob der Kopf zerspringen wollte, reißende, schießende,
- brennende, heftige Schmerzen sind vorhanden, die ganz leise
- beginnen und nach und nach immer stärker werden. Dieses Mittel
- kann auch gegen Kopfschmerz, aus Erkältung entsprungen, angewendet
- werden, wenn im Kopfe und in der Stirn ein schüttelndes Gefühl
- vorhanden ist, bei Bücken oder Treppensteigen, Summen in den Ohren,
- Verdunkelung der Sehkraft, Schmerzen, die sich bis zu den Augen und
- der Nase ausdehnen, aber meistens auf eine Seite, gewöhnlich auf
- die rechte, beschränken; und durch jede Bewegung, durch das Drehen
- der Augen, helles Licht, das leiseste Geräusch, Vorwärtsbeugen oder
- Rückwärtslehnen des Kopfes erhöht werden; die Kopfhaut ist sehr
- empfindlich, abwechselnd Frost und Hitze, Uebelkeit und Druck der
- Nahrung im Magen.
-
- ~Ipecacuanha.~ -- Stechende Schmerzen, Schwerfälligkeit, Schwindel
- beim Gehen, Druck im Kopfe, besonders in der Stirne, die Schmerzen
- ziehen durch den Knochenbau des Schädels, Hände und Füße kalt,
- Zunge weiß oder gelb belegt, Uebelkeit und Erbrechen. Kann auch bei
- Kopfschmerz gegeben werden, der mit Uebelkeit und Erbrechen beginnt
- und von einem zermalmenden Gefühle im Kopfe begleitet ist. Man gebe
- es abwechselnd mit ~Nux Vomica~, bei schießenden Schmerzen in der
- Seite des Kopfes, schlimmer im Freien, Erbrechen.
-
- ~Hyosciamus.~ -- Bei großer Empfindlichkeit gegen Licht, Schmerzen
- durch die Bettwärme, beim Niederlegen oder in der Zugluft erhöht.
-
- ~Spigelia.~ -- Schmerzen auf der linken Seite stärker, große
- Empfindlichkeit gegen Geräusch, Klopfen in den Schläfen, das durch
- die geringste Bewegung erhöht wird, sogar durch das Oeffnen des
- Mundes. Der Kopfschmerz erscheint zu bestimmten Seiten des Morgens
- und nimmt mit dem Tage zu. Kann auch abwechselnd mit ~Belladonna~
- gegeben werden.
-
- ~Aconitum.~ -- Krampfartiger Schmerz in der Stirn oder über der
- Nasenwurzel, Kopfweh, als ob das Gehirn gehoben oder bewegt würde,
- besonders nach Bewegung; das geringste Geräusch oder die geringste
- Bewegung ist unerträglich, der Schmerz wird durch Sprechen oder Lesen
- erhöht. Gleichzeitig Summen in den Ohren, mit einem Gefühl, als ob
- die Haare ausgezogen würden.
-
- ~Sanguinaria.~ -- Frost und Uebelkeit, große Empfindlichkeit gegen
- das Sprechen anderer Personen in demselben Zimmer, begleitet von
- einem Vollsein des Kopfes, als ob derselbe zerspringen und die Augen
- aus ihren Höhlen heraustreten müßten. Schlimmer auf der rechten Seite.
-
- ~Antimonium.~ -- Dumpfe, bohrende Schmerzen, besonders in den Knochen
- des Kopfes, ein Bohren in den Schläfen und der Stirn von Innen nach
- Außen; die Schmerzen nehmen im Freien zu, Blut steigt nach dem Kopfe,
- Uebelkeit und Erbrechen von Galle und Schleim. Wo ~Antimonium~ keine
- Linderung gewährt, gebe man ~Pulsatilla~.
-
- ~Aloes.~ -- Wenn der Schmerz mehr in der linken Schläfe sitzt und der
- Kopfschmerz zur gewissen Zeit wiederkehrt.
-
- Um die Neigung zu dem sympathetischen Kopfweh zu vertreiben,
- empfiehlt Pulte: ~Sepia~, ~Silicea~ und ~Sulphur~, jedes Mittel 6
- Wochen lang mit ~Sepia~ angefangen, in den ersten 3 Wochen jede Woche
- 2 Dosen Abends beim zu Bette gehen, in den letzten 3 Wochen jede
- Woche eine Dosis.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ 3 oder 4 Kügelchen mögen als eine Dosis
- gegeben werden, oder, wenn aufgelöst, 12 Kügelchen in ebensoviel
- Theelöffel voll Wasser, und als Dosis einen Theelöffel voll. Dies
- kann alle 15 Minuten, halbe, ganze, 2 oder 3 Stunden der Strenge der
- Symptome angemessen, wiederholt werden.
-
- =Allöopathisch.= Bei starkem Schmerze, von Uebelkeit begleitet,
- gebe man ein Brechmittel von Brechwurz (~Ipecac~) 1 Skrupel,
- Brechweinstein (~Tartar emetic~) 1 Gran, und lasse diesem Blaue
- Pillen (~Blue pill~) 1 Skrupel, zusammengesetzte Rhabarberpille
- (~Compound rhubarb pill~) 2 Skrupel, folgen. Mische und theile es in
- 12 Pillen, wovon 1 oder 2 als eine Dosis gegeben werden.
-
- Wenn von einer Speise verursacht, wird warmer Kamillenthee
- (~Chamomile~) oder ein wenig schwacher Branntwein und Wasser zuweilen
- Linderung verschaffen, ebenso ein Senfpflaster auf den Magen. Sobald
- als der Magen irgend etwas annimmt, gebe man Folgendes:
-
- Magnesia 15 Gran.
- Potaschenauflösung (~Solution of potassa~) 15 Tropfen.
- Zusammengesetzte Sennesblättertinktur (~Compound
- tincture of Senna~) 1½ Drachmen.
- Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern 5 „
- Ingwersyrup (~Syrup of ginger~) 1 Drachme.
- Zusammengesetzter Aufguß von Orangeschale
- (~Compound infusion of orange peel~) ½ Unze.
-
- Mische und nimm es als eine Dosis.
-
- Ist der Leidende schwach und willenlos, die Kraft des Organismus im
- Allgemeinen vermindert, gebe man:
-
- Verdünnte Schwefelsäure (~Diluted sulphuric acid~) 15 Tropfen.
- Verdünnte Hydrochlorsäure (~Dilute hydrochloric
- acid~) 10 Tropfen.
- Orangenschalentinktur (~Tincture of orange peel~) 1½ Drachmen.
- Zusammengesetzter Enzianaufguß (~Compound infusion
- of gentian~) 5 „
- Mohnkopfsyrup (~Syrup of poppies~) 1 Drachme.
-
- Als eine Dosis 3 Mal des Tages zu nehmen.
-
-
-Nervöses Kopfweh oder Neuralgie.
-
-Demselben ist vorzugsweise das weibliche Geschlecht unterworfen.
-
-+Symptome.+ Heftige, reißende, marternde oder stechende Schmerzen,
-durch Licht verschlimmert, ein Gefühl, als ob beide Schläfe zusammen
-gepreßt würden, Schwindel mit einem Gefühl des Zusammenbrechens, große
-Verzagtheit und Unruhe, sowohl körperliche als geistige Anspannung
-unmöglich; schwarze Flecken flimmern vor den Augen, Kopf in der Regel
-kühl und das Gesicht blaß. Der Schmerz beschränkt sich häufig auf
-kleine Flecke und ist in der Regel des Morgens schlimmer.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Coffea.~ -- Schmerz gleicht dem Gefühle, als ob ein
- Nagel in den Kopf getrieben, oder als wenn das Gehirn angebohrt oder
- zerquetscht würde; es scheint dem Leidenden unerträglich und treibt
- ihn fast zum Wahnsinn. Der Kranke ist sehr unruhig, schreit, weint
- und hat eine Abneigung gegen die freie Luft. Der Schmerz wird durch
- das leiseste Geräusch, sogar durch Musik gesteigert und heftiger.
- Man kann diesem ~Hepar~, ~Sulphur~, ~Nux vomica~ oder ~China~ folgen
- lassen.
-
- ~Aconitum.~ -- Symptome, die dieses Mittel erfordern, siehe unter
- Sympathetisches Kopfweh.
-
- ~Belladonna.~ -- Besonders wenn die Schmerzen am Nachmittag eintreten
- und bis zum nächsten Morgen anhalten, ebenso wenn die Schmerzen leise
- anfangen und nach und nach immer heftiger werden.
-
- ~Ignatia.~ -- Stechende Schmerzen über der Nase, die durch das
- Vorwärtsbiegen des Kopfes gelindert werden, Druck im Kopf von Innen
- nach Außen, Gefühl als ob ein Nagel in den Kopf geschlagen würde,
- Uebelkeit, Verdunkelung des Auges, blasses Gesicht, wenn durch den
- Wechsel der Lage der Schmerz für den Augenblick erleichtert wird,
- der Kranke, ganz von Furcht eingenommen, auffährt und allein zu sein
- wünscht.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Rasende Schmerzen, schlimmer gegen Abend, begleitet
- von Schwindel und Magenübelkeit, Verdunkelung des Blickes, Läuten
- in den Ohren, Gesichtsfarbe blaß, gelblich oder hager, kein Durst,
- Frost, Herzklopfen, ein Gefühl als ob das Gehirn zerrissen würde oder
- der Kopf in einem Schraubstock säße, der Schädel in Stücke zerbrechen
- wollte, besonders beim Bewegen der Augen, Kopfschmerz Abends nach dem
- Niederlegen, oder früh Morgens im Bett, durch Ruhe und Stillsitzen
- erhöht und durch Bewegen im Freien oder einen stark angezogenen
- Verband gelindert.
-
- ~Bryonia.~ -- Vollsein oder Schwere des Kopfes, Druck und brennenden
- Schmerzen in der Stirn, beim Bücken ein Gefühl, als ob irgend etwas
- aus der Stirn fallen möchte, reißende Schmerzen, die sich auf das
- Gesicht und die Schläfe ausdehnen, Hitze im Kopf und Gesicht,
- geröthete Wangen, Durst, Uebelkeit, Erbrechen, Alles hat einen
- bitteren Geschmack, beim Herumgehen oder Bewegen der Augen erhöhte
- Schmerzen.
-
- ~Platina.~ -- Der Kopfschmerz wächst und nimmt allmählig ab,
- Brausen im Kopfe, wie von Wasser herrührend, Kälte in den Augen,
- Ohren und auf einer Seite des Gesichts, krampfhaftes Zucken mit dem
- Augenlidern, Summen in den Ohren, Gegenstände erscheinen kleiner als
- sie in Wirklichkeit sind, betäubender Druck auf die Backenknochen.
- Ist nach ~Belladonna~ zweckdienlich.
-
- ~Mercurius.~ -- Kopfschmerz, als ob der Kopf in Stücke brechen
- wollte, Vollsein des Gehirns, rasender Schmerz, besonders in der
- linken Seite, derselbe geht in die Zähne, Stechen in den Ohren.
- Die Schmerzen werden durch das Drücken des Kopfes mit den Händen
- erleichtert. Man lasse es nach ~Belladonna~ folgen, und schlägt
- beides nicht an, gebe man ~Hepar Sulphuris~, besonders bei einem
- bohrenden Schmerz an der Nasenwurzel, oder einem Gefühle, als ob ein
- Nagel in den Kopf getrieben würde.
-
- ~Colocynthis.~ -- Rasender, marternder Schmerz auf einer Seite des
- Kopfes, Druck in der Stirne, schlimmer beim Bücken, oder auf dem
- Rücken liegend; der Schmerz stellt sich am Nachmittag oder gegen
- Abend ein und ein überreicher, sehr widriger Urin und ein dicker
- Schweiß, der wie Urin riecht, ist vorhanden.
-
- ~Arsenicum.~ -- Heftiger Schmerz in der Stirn, Neigung zum Erbrechen,
- Summen in den Ohren, Weinen, Aechzen und große Empfindlichkeit der
- Kopfhaut. Kalte Umschläge erleichtern den Schmerz eine kurze Zeit. Es
- ist schlimmer im geschlossenen Raum und vergeht im Freien. Man kann
- diesem Mittel ~Pulsatilla~ folgen lassen.
-
- ~Veratrum viride.~ -- Drückender Schmerz auf dem Scheitel oder
- auf einer Seite des Kopfes, begleitet von Schmerzen in dem Magen,
- Diarrhöe, Uebelkeit, Erbrechen, schmerzhafte Empfindlichkeit des
- Haares. Der Schmerz ist zuweilen so stark, daß er den Kranken der
- Vernunft beraubt, ist schlimmer, wenn er im Bett liegt und erzeugt
- kalten Schweiß und Frostschauer. Dieses Mittel ist sehr geeignet, um
- dem ~Arsenicum~ folgen zu lassen.
-
- ~Silicea.~ -- Der Schmerz steigt vom Nacken nach dem Scheitel und
- wird häufig durch Erhitzung herbeigeführt. Rasender Schmerz tritt
- am Nachmittage ein, Stechen im Kopfe, besonders in den Schläfen,
- Kopfhaut schmerzhaft gegen Berührung und das Haar fällt aus.
-
- ~Sulphur.~ -- Kopfschmerz mit Uebelkeit, ein Gefühl von Vollsein
- oder Schwere im Kopf, besonders nach dem Scheitel zu, Schmerz als ob
- ein Reif um den Kopf geschlagen wäre, rasend klopfende Schmerzen,
- Hitze, jeden Tag nach dem Aufstehen des Morgens Kopfschmerzen, als
- ob der Kopf in Stücke zerspringen sollte, Brummen im Kopfe, Haar bei
- Berührung schmerzhaft oder Ausfallen desselben.
-
- ~China.~ -- Bei Personen von fieberhaftem, unzufriedenem Gemüth. Es
- wird sehr dienlich gefunden bei Schwere im Kopfe, Druck von Innen
- nach Außen, vorhandene Schmerzen in den Schläfen, als ob der Kopf
- zerspringen wollte, ein Gefühl, als ob das Gehirn herumgestoßen
- und gegen den Schädel geworfen würde, die Kopfhaut gegen Berührung
- empfindlich, Schmerz durch Bewegung, Bücken, Unterhaltung oder
- Zugluft erhöht. Wasserumschläge auf den Kopf, sowohl heiße als kalte,
- wie es am angenehmsten, mögen gemacht werden.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Gebe 4 oder 6 Kügelchen als eine Dosis,
- oder löse 12 Kügelchen in ebenso viel Theelöffel voll Wasser auf
- und gebe alle halbe, ganze oder zwei Stunden, der Nothwendigkeit
- angemessen, einen Theelöffel voll.
-
- =Allöopathisch.= Hoffmann’s Anodyne in Dosen von einer Drachme kann
- gegeben werden und zuweilen Aether, Cölnisches Wasser oder Bay Rum
- vermittelst der Hand auf die Stirne gebracht, mag von vortheilhafter
- Wirkung sein, ebenso ein Senfpflaster auf den Hinterkopf und die
- Schläfen.
-
- In einigen Fällen ist auch anwendbar:
-
- Bilsenkraut-Extrakt (~Extract of hyosciamus~) 3 Grane.
- Pulverisirter Kampher (~Camphor~) 3 „
-
- Mische es, mache drei Pillen daraus und nehme eine, wenn der Schmerz
- am stärksten ist.
-
- Oder auch:
-
- Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of hyosciamus~) ½ Drachme.
- Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits
- of ammonia~) ½ „
- Orangenschalen-Syrup ½ „
- Pfeffermünzwasser (~Peppermint water~) 10 Drachmen.
-
- Mische es.
-
- Oder auch:
-
- Bilsenkraut-Extrakt (~Extract of hyosciamus~) ½ Drachme.
- Baldriansaures Eisen (~Valerianate of iron~) 1 „
-
- Mische es, mache 30 Pillen daraus und gebe eine bis drei des Tages.
-
- Ist der Kranke schwach und erschöpft, sollte ein stärkendes Mittel
- wie das folgende angewendet werden:
-
- Schildkraut-Extrakt (~Extract of skull-cap~) 2 Drachmen.
- Kamillen-Extrakt (~Extract of chamomile~) 2 „
- Wasserdost-Extrakt (~Extract of boneset~) 1 Drachme.
- Chinin (~Quinine~) 1 „
- Pulverisirter Cayenne-Pfeffer (~Pulv. cayenne~) 1 Skrupel.
- Baldrianöl (~Oil of valerian~) ½ Drachme.
-
- Mache 90 Pillen daraus.
-
- Dosis: Alle 2 bis 3 Stunden eine Pille.
-
- Zusammengesetzter Enzian-Aufguß (~Compound infusion
- of gentian~) 8 Unzen.
- Salpetersaure Natronsäure (~Nitro muriatic acid~) 30 Tropfen.
-
- Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll dreimal des Tags.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Folgende Pillen mögen genommen werden:
-
- Aconit-Extrakt (~Extract of aconite~) ½ Gran.
- Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~) ⅛ „
- Baldriansaures Chinin (~Valerianate of quinine~) ¼ „
-
- Mische es zu einer Pille. Die Dosis sollte der Strenge des Anfalles
- angemessen alle eine, zwei oder drei Stunden wiederholt werden.
- Gleichzeitig kann der Kranke nach Belieben Schildkraut- oder
- Katzenmünze-Thee trinken.
-
- Folgende Pillen werden sehr empfohlen:
-
- Bilsenkraut- (~Hyosciamus~) Extrakt 30 Grane.
- Baldrian- (~Valerian~) Extrakt 30 „
- Chinin (~Quinine~) 20 „
- Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~) 10 „
-
- Mache 30 Pillen daraus.
-
- Ist der Kopfschmerz streng und durch und durch von nervösem
- Charakter, füge dem obigen noch drei Gran schwefelsaures Morphium
- (~Sulphate of morphia~) hinzu und gebe alle drei Stunden eine Pille.
- Nach Linderung des Kopfschmerzes nehme eine Pille dreimal des Tages.
- Wegen des Morphiums sollten nicht mehr als 5 Pillen innerhalb 24
- Stunden hintereinander genommen werden.
-
- Sind stärkende Mittel erforderlich, möge das folgende gegeben werden:
-
- Salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tincture of iron~) 1 Unze.
- Blutwurzel-Tinctur (~Tincture of blood root~) 1 „
-
- Mische es und nehme dreißig Tropfen in ein wenig Wasser dreimal des
- Tages.
-
-
-Ausfallen des Haares (~Allopecia~).
-
-Dies zu verhindern und dasselbe wieder hervorzurufen, wenn es bereits
-verloren ist, sollte reizend auf die Schädelhaut eingewirkt werden,
-und zwar jeden Morgen vermittelst Waschungen mit kaltem Wasser,
-Trocknen mit einem groben Handtuche und darauf Bürsten mit einer groben
-Haarbürste. Es folgen hier einige Mittel, die in ihrer Anwendung
-vorzüglich gefunden werden:
-
- Pulverisirtes schwefelsaures Kupfer (~Pulv.
- sulphate of copper~) 10 Grane.
- Spanischer Fliegen-Extrakt (~Extract of spanish
- flies~) 5 „
- Fett 1 Unze.
-
- Mische es.
-
- Castoröl 1½ Pfund.
- Starker Alcohol 2½ Pints.
- Pulverisirte spanische Fliegen (~Pulv. spanish
- flies~) ½ Unze.
- Bergamottenöl (~Oil of bergamot~) 2½ Unzen.
- Rosenöl (~Oil of rose~) 20 Tropfen.
-
- Mische und filterire es, nachdem es einige Tage gestanden hat.
-
- Zusammengesetzte Benzoe-Tinktur (~Compound tincture
- of benzoin~) 2 Drachmen.
- Spanischer Fliegen-Extrakt (~Extract of spanish
- flies~) 2 „
- Castoröl 6 Unzen.
- Bergamottenöl (~Oil of bergamot~) 1 Drachme.
- Mutterzimmt oder Verbenenöl (~Oil of Cassia or
- Verbena~) 15 Tropfen.
- Starker Alcohol 10 Unzen.
-
- Mische es.
-
- Ein ausgezeichnetes Haarstärkungsmittel ist auch das folgende:
-
- Benzoe-Harz (~Gum Benzoin~) 2 Drachmen.
- Castoröl 4 Unzen.
- Alcohol 1 Quart.
-
- Schüttele dies gehörig und füge dann noch hinzu:
-
- Lavendelöl (~Oil of lavender~) 1 Drachme.
- Bergamottenöl (~Oil of bergamot~) 1 „
- Nelkenöl (~Oil of cloves~) 30 Tropfen.
- Rosmarinöl (~Oil of rosemary~) 30 „
- Citronenöl (~Oil of lemon~) 30 „
- Orangenblüthenöl (~Oil neroli~) 30 „
- Spanische Fliegen-Tinktur (~Tincture of
- cantharides~) ½ Unze.
-
- Das folgende ist das berühmte “~General Twigg’s recipe~,” welches
- grauen Haaren ihre ursprüngliche Farbe wieder geben und auf
- Kahlköpfen neuen Haarwuchs erzeugen soll:
-
- Schwefelmilch (~Lac sulphur~) 2 Drachmen.
- Bleizucker (~Sugar of lead~) 1 Drachme.
- Rosenwasser 8 Unzen.
-
- Mische es.
-
- Folgendes ist ein ausgezeichnetes Mittel:
-
- Bay Rum 4 Unzen.
- Spanische Fliegen-Tinktur (~Tincture of
- cantharides~) 1 Unze.
- Hirschhorn (~Hartshorn~) 1 „
- Olivenöl (~Olive oil~) 2 Unzen.
-
- Schüttele es gehörig vor Gebrauch.
-
- Ein vortreffliches Mittel zur Beförderung des Wachsthums der Haare
- ist auch:
-
- Ricinusöl (~Palma Christi oil~) 3 Unzen.
- Lavendelöl (~Oil of lavender~) 1 Drachme.
-
- So bald das Haar dünn wird und ausfällt, öfters anzuwenden.
-
-
-
-
-Fünftes Kapitel.
-
-Augenkrankheiten.
-
-
-Das Niederfallen des Augenlids (~Paralysis~, ~Ptosis~).
-
-Dies kann durch das Aussetzen der kalten Luft oder unmittelbar den
-Sonnenstrahlen, Trunkenheit, heftige geistige Erregung, Schläge auf den
-Kopf und Geschwulst im Gehirn hervorgerufen werden. Bei diesem Leiden
-sind gewöhnlich die Muskeln des Auges gelähmt, so daß das Auge nicht
-bewegt werden kann, vollkommen stille steht oder auch nach den Schläfen
-zugedreht ist.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Quecksilber wird zuweilen gebraucht, bis der Mund
- angegriffen ist. Warme Umschläge um die Augen werden in einigen
- Fällen von wohlthätiger Wirkung sein, ebenso das Reiben der Stirne,
- der Schläfe und des Augenlids mit aromatischem Ammoniak-Spiritus.
-
- =Homöopathisch.= Diesem Leiden angemessene Mittel sind: ~Spigelia~,
- ~Belladonna~, ~Sepia~, ~Opium~, ~Cocculus~, ~Nitric Acid~. Uebrigens
- sollte dieser Zustand nur von einem geschickten Arzt behandelt werden.
-
-
-Entzündung des Augenlids und des Rands des Augenlids.
-
-Dieselbe kann von einer Erkältung oder auch von anderen Ursachen
-herrühren; häufig sind nur die Ecken entzündet, ohne den übrigen Theil
-anzugreifen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Bei starker Entzündung und großen
- Schmerzen, die Augenlider sind geschwollen, hart und roth, Hitze, und
- gleichzeitig ein brennendes Gefühl, eine überreiche Absonderung von
- Schleim der Augen und der Nase findet statt.
-
- ~Belladonna.~ -- Da wo ~Aconitum~ nicht hinreichend gefunden wird;
- besonders bei einem Gefühl von Brennen und Jucken in dem Lid,
- geschwollene Augenlider, welche zusammenkleben und bluten wenn
- geöffnet, ebenso wenn die Ränder nach Außen gedreht sind und wie
- gelähmt erscheinen.
-
- ~Hepar Sulphuris.~ -- Bei einem zerreißenden oder zerquetschenden
- Gefühle in den Lidern, wenn solche berührt werden; große
- Empfindlichkeit gegen Licht. Kann abwechselnd mit ~Mercurius~,
- ~Aconitum~ oder ~Belladonna~ gegeben werden.
-
- ~Euphrasia.~ -- In jenen Fällen, wo die Augenlider roth und
- angeschwollen und die Ränder zerrissen sind, Jucken bei Tage,
- Zusammenkleben des Morgens, Kopfschmerz, Hitze im Kopf, Scheu vor
- Licht, starker Ausfluß von Thränen und Schleim. Kann abwechselnd mit
- ~Nux vomica~ gegeben werden, wenn der Augapfel sehr roth und Brennen
- und Jucken vorhanden ist.
-
- ~Mercurius.~ -- Ist die Geschwulst hart bei schneidenden Schmerzen
- und Schwierigkeit die Augenlider zu öffnen, Eiter und Schorf in den
- Ecken am Morgen und in der Bettwärme schlimmer, Unruhe, Schweiß,
- Brennen und Jucken der Augen, im Freien schlimmer. ~Hepar Sulphuris~
- kann abwechselnd mit diesem gegeben werden.
-
- ~Arsenicum.~ -- Entzündung des Innern des Augenlids, Schwierigkeit
- die Augen zu öffnen und heftig brennende Schmerzen.
-
- ~Spigelia.~ -- Entzündung und Zerreißen des Augenlids, Beißen und
- Schmerzhaftigkeit, die Lider sind steif und deshalb nur schwer zu
- öffnen, Bohren in den Augen und Schmerz in dem Kopfe, schlimmer bei
- Bewegung.
-
- ~Hyosciamus~ und ~Chamomilla~ kann abwechselnd gegeben werden, wenn
- die Augenlider mit einem Gefühl von Schwere oder Druck krampfartig
- geschlossen sind.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ -- Eine Dosis: 4 Kügelchen von dem
- gewählten Mittel alle 2, 4 oder 6 Stunden. Wasser, ob kalt oder warm,
- je nachdem es der Patient vorzieht, kann mit gutem Erfolge angewendet
- werden.
-
- =Allöopathisch.= Bei Entzündung der Ränder des Augenlids möge man die
- folgende Behandlung einschlagen: Als Waschung der Augen des Morgens,
- wenn die Lider zusammengebacken sind, nehme man einen Theelöffel voll
- Milch mit ein wenig Butter vermengt, schmiere damit die Lider ein und
- reibe sie sanft mit den Fingern. Hierauf drücke man ein mit Wasser
- befeuchtetes Stück Schwamm einige Minuten lang gegen die Augen,
- die dann der Leidende ohne weitere Beschwerden öffnen kann. Sind
- die Lider so geöffnet, so entferne man den dort befindlichen Eiter
- vermittelst der Fingernägel. Warme Umschläge von Mohnköpfen oder
- Kamillenblüthen sollten ein- oder zweimal des Tages gemacht werden.
- Erweichende Umschläge von Brod und Wasser mit ein wenig frischer
- Butter oder Olivenöl in ein kleines Packet gemacht und über das
- Augenlid gelegt, wurde in einigen Fällen sehr zuträglich gefunden.
-
- Zuweilen kann auch folgendes angewendet werden:
-
- Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 12 Grane.
- Laudanum 2 Drachmen.
- Destillirtes Wasser 12 Unzen.
-
- Mische es und bade damit die Augen mehrere Male des Tages. Nachdem
- die Röthe und Hitze etwas nachgelassen hat und die Eingeweide mit
- einem gelinden Abführmittel, wie Castoröl, Bittersalz geöffnet sind,
- möge folgende Waschung angewendet werden:
-
- Rosenwasser 4 Unzen.
- Salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~) 2 Grane.
-
- Mische und wende es ein- oder zweimal des Tages an. Ein kleines Stück
- von aufgelöster salpetersaurer Quecksilber-Salbe (~Dilute nitrate of
- mercury ointment~), Citrin-Salbe kann vermittelst eines Pinsels auf
- die Ränder des Augenlids des Abends oder einen Abend um den andern,
- je nach der Strenge der Symptome und der hervorgebrachten Wirkung,
- getragen werden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Erweichende Umschläge von pulverisirter
- schlüpfriger Ulmenrinde (~Pulv. slippery elm bark~), mit warmer Milch
- und Wasser aufgeweicht, wird zuweilen zuträglich gefunden werden. Die
- verwelkten Blätter des Stechapfels (~Stramonium~) mit Fett gemischt
- zu einer Salbe zubereitet, sind gut in strengen Fällen.
-
-
-Entzündung des Augapfels (~Ophthalmia~).
-
-Dieses Leiden wird in der Regel durch Erkältungen hervorgerufen, oder
-ist auch die Folge von Beschädigungen des Auges.
-
-+Symptome.+ -- Die Augen sind sehr roth und die Augenlider geschwollen.
-Der Kranke beklagt sich über ein rauhes Gefühl, oder als ob Sand, heiße
-Asche oder zerbrochenes Glas sich unter dem oberen Augenlide befände.
-Die Augen werden gegen Licht sehr empfindlich und es ist ein Gefühl von
-Hitze, Vollsein und Steifheit in der Kugel und den Rändern des Auges
-oder den Rändern des Augenlids vorhanden, begleitet von schießenden
-Schmerzen durch das Auge. Diese Symptome werden allmählig immer stärker
-und anhaltender. Die Augenlider sind des Morgens zusammengebacken in
-Folge des Eiters, der des Nachts aus den Augen fließt, und es ist ein
-Gefühl von Gewicht und Druck auf dem Augapfel vorhanden.
-
-+Ursachen.+ -- Ungemein starke Hitze oder Kälte, Anstrengung der Augen
-in einem strahlenden oder dämmernden Licht, Verletzungen derselben,
-plötzlicher Witterungswechsel.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Bei Schmerz und Kopfweh sollte ein Abführmittel, wie
- folgt, gegeben werden:
-
- Pulverisirter Gummi (~Pulv. gamboge~) 12 Grane.
- Pulverisirte Sennesblätter (~Pulv. senna~) 12 „
- Springgurke (~Elaterium~) 2 „
- Crotonöl (~Croton oil~) 8 Tropfen.
- Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~) 3 Grane.
-
- Mische es, mache 12 Pillen daraus und gebe alle Stunden eine,
- bis eine Wirkung erzeugt wird. Mache erweichende Umschläge von
- schlüpfriger Ulme über das Auge und bade es oft in einer Auflösung
- von Mohnblättern. Das Gefühl von Sand in dem Auge wird in der Regel
- erleichtert und die Entzündung nach der Anwendung der Lösung des
- salpetersauren Silbers (~Nitrate of silver~), 4 Grane derselben auf
- eine Unze destillirtes Wasser ein großer Tropfen, vermittelst eines
- Kameelhaar-Pinsels ein- oder zweimal des Tages, aufgetragen werden.
- Unmittelbar bei der Anwendung dieses wird nichts gefühlt, aber nach
- einigen Augenblicken stellt sich ein stechender Schmerz im Auge ein,
- der etwa 10 Minuten anhält und dann wieder verschwindet. Die Augen
- bessern sich hiernach, und sollten die Symptome wieder zurückkehren,
- so fahre 5 oder 6 Stunden lang mit der Anwendung des salpetersauren
- Silbers (~Nitrate of silver~) fort. Schwefelsaures Zink (~Sulphate of
- zinc~) 4 Grane auf eine Unze Wasser, wird auch zuweilen entsprechen.
- Wenn der Schmerz und das Kopfweh vorübergegangen sind, sollte eine
- schwache Auflösung von salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~)
- wie folgt angewendet werden:
-
- Rosenwasser 4½ Unzen.
- Salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~) 2 Grane.
-
- Mische es.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Umschläge von Hopfen oder Mohnblättern
- über die Augen können gemacht werden, ebenso können bei großem
- Schmerz Stechapfel- (Stramonium) Blätter verwendet werden. Folgende
- Augenwaschung ist empfohlen:
-
- Bleizucker (~Sugar of lead~) ½ Drachme.
- Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) ½ „
- Gewöhnliches Salz 1 „
- Stückzucker (~Loaf sugar~) 1 „
- Destillirtes Wasser ½ Pint.
-
- Lasse die Mischung zwei bis drei Tage lang stehen und dann seihe
- sie durch ein Stück weißen Flanells. Man wasche die Augen zwei- bis
- dreimal des Tages damit.
-
- Folgendes ist ein ausgezeichnetes Augenwaschmittel:
-
- Grüner Thee ½ Unze.
- Gelbwurz (~Yellow root~) ½ „
- Kochendes Wasser 1 Pint.
-
- Lasse es zusammen erweichen und füge noch eine Drachme schwefelsaures
- Zink (~Sulphate of zinc~) hinzu; wenn kalt, seihe es durch ein Stück
- weißen Flanells.
-
- Haben die Symptome der vorhandenen Entzündung nachgelassen, möge das
- folgende angewendet werden:
-
- Aconit-Tinctur (~Tincture of aconite~) 1 Drachme.
- Eine Abkochung von Gelbwurz (~Decoction of golden
- seal~) 1 Unze.
-
- Mische es und bade damit die Augen häufig während des Tages.
-
- Ein anderes Heilmittel ist:
-
- Gelbwurz (~Golden seal~), Hexennuß-Blätter (~Witch Hazel~), von jedem
- ein Pulver, 1 Drachme, und kochendes Wasser 1 Gill. Lasse die Pulver
- 10 oder 15 Minuten in dem kochenden Wasser und seihe es dann durch.
-
- =Homöopathisch.= Kaltwasserumschläge sollten vermittelst weicher
- leinerner Binden häufig über die Augen und deren umgebenden Theile
- gemacht werden. Eine Auflösung von schwefelsaurem Zink (~Sulphate
- of zinc~), oder salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~) möge in
- dem Verhältniß von einem Gran auf eine Unze destillirtes Rosenwasser
- angewendet werden.
-
- ~Aconitum.~ -- Augenlider roth und geschwollen, Augapfel sehr
- roth und entzündet, Pupillen erweitert, Thränen der Augen, Wangen
- geröthet, Lichtscheu, drückende, stechende und brennende Schmerzen in
- den Augen, der Augapfel fühlt sich zerquetscht und gedrückt in seinem
- Ringe; die Augen sind heiß und mit brennenden Thränen gefüllt, oder
- sehr trocken bei Stechen und Prickeln der Augenlider, Druck, scharf
- schlagende oder stechende Schmerzen im Kopf und den Schläfen, große
- geistige Aufregung.
-
- ~Belladonna.~ -- Röthe, Anschwellen und Vorwärtsstoßen des Augapfels,
- Anschwellen der Augenlider, Fließen heißer, brennender Thränen,
- oder Trockenheit der Augen, geröthete Wangen, Klopfen der Hals- und
- Schlagadern; trockene heiße Haut, Schmerzen in den Augenhöhlen,
- welche sich bis in das Gehirn erstrecken, Brennen und Prickeln in den
- Augen, Schwere, Druck und Klopfen des Augapfels und der Augenlider,
- rasender Schmerz in den Augen von Innen nach Außen, Schwindel und
- gehinderte Sehkraft, die Schmerzen sind schlimmer beim Bewegen der
- Augen, Flimmern und schwarze Flecken vor denselben.
-
- ~Euphrasia.~ -- Wenn sich der Schmerz in und über den Augen, im Kopfe
- befindet und gleichzeitig von sehr drückender Art ist. Es mag gegen
- dieselben Symptome als bei ~Belladonna~ angewendet werden, wenn
- ~Belladonna~ keine Linderung gewährt.
-
- ~Nux vomica.~ -- Wenn die Augen mit Blut unterlaufen sind, bei einem
- Gefühle als ob Sand in den Augen wäre, Zunge belegt, Röthe der
- Augenlider bei Steifheit und Jucken, Ausfluß von brennenden Thränen
- und Kopfweh jede Nacht.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Kann ~Aconitum~ folgen, wenn die schlimmste
- Entzündung nachgelassen, aber noch anhaltende, rasende, stechende
- Schmerzen zurückbleiben, bei großer Empfindlichkeit gegen Licht. Das
- Leiden ist am Nachmittage und Morgen stärker, der Kranke gereizt und
- zum Weinen geneigt.
-
- ~Ignatia.~ -- Der Schmerz ist mehr gleich einem Druck in den Augen,
- welche nicht sehr entzündet sind, aber fortwährend übermäßig starke
- Thränen bei gleichzeitigem Fließen der Nase.
-
- ~Spigelia.~ -- Peinigende, juckende und rasende Schmerzen, welche
- sich bis in den Kopf erstrecken, und einem Gefühle, als ob der
- Augapfel zu groß wäre.
-
- ~Arsenicum.~ -- Augapfel sehr roth, die Lider stark geschwollen,
- Thränen heiß und brennend, Lider trocken und roth, Gefühl als ob Sand
- in den Augen wäre, rasende oder brennende Schmerzen des Augapfels,
- welche durch Licht oder Bewegung erhöht werden, Schwäche, Ermüdung
- und Zittern der Augenlider, große Lichtscheu.
-
- ~Mercurius.~ -- Entzündung der Augen, brennende, prickelnde Hitze und
- Druck, schlimmer im Freien, Gefühl als ob sich Sand unter dem oberen
- Augenlide befände, Lichtscheu, schießender Schmerz im Augapfel, Röthe
- und Anschwellen der Augenlider, Schmerz bei Bewegen oder Berühren der
- Augen erhöht.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Gebe eine Dosis, 6 Kügelchen, von dem
- gewählten Heilmittel alle zwei, vier oder sechs Stunden, der Strenge
- der Symptome angemessen, oder löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
- Wasser und gebe als Dosis einen Theelöffel voll.
-
-
-Chronische Augenentzündung.
-
-Dieselbe kann durch die Rückwirkung einer heftigen Entzündung, welche
-unterdrückt worden ist, hervorgerufen werden, oder kann in Folge einer
-Schwächung des Organismus eintreten.
-
-+Symptome.+ -- Die Augen sehen theilweise roth theilweise weiß aus und
-sind gegen Licht, Staub oder Rauch empfindlich; die Ränder der Lider
-sind roth oder purpurn, die Augen kleben des Morgens zusammen und der
-Kranke ist unfähig, sich derselben eine längere Zeit zu bedienen. Die
-Lider jucken und stechen am meisten des Morgens beim Aufstehen, und
-Luft, Licht, Wind, Rauch, Staub und Dünste verursachen ein Fließen der
-Thränen.
-
-+Ursachen.+ -- Acute Entzündung der Augen, entzündliches Verletzen, das
-Aussetzen der Kälte, übermäßige Anstrengung der Augen in starkem oder
-Dämmerlicht.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Es wird gut sein, ein- oder zweimal in
- der Woche ein Abführmittel zu geben und die folgende Salbe aus den
- Rändern und der inneren Fläche der Augenlider anzuwenden.
-
- Ungesalzene Butter 2 Unzen.
- Weißes Wachs 2 Drachmen.
-
- Mische dieses in eine Untertasse, und wenn kalt, rühre eine
- halbe Drachme rothes Präcipitat und zuletzt eine halbe Drachme
- pulverisirtes schwefelsaures Zink (~Pulv. sulphate of zinc~) ein.
- Mische es gehörig und wende es zweimal des Tages an.
-
- Folgendes ist ein ausgezeichnetes Mittel: Löse eine Unze Kamphersyrup
- (~Gum Camphor~) und 2 Unzen reines türkisches Oel auf, zuvor müssen
- einige Tropfen Alkohol auf den Kampher gegossen werden, um ihn zu
- pulverisiren, wenn pulverisirt, füge das Oel hinzu und reibe dies so
- lange in einem Mörser, bis es aufgelöst ist. Damit salbe dann die
- Augen 2 bis 3 Mal des Tages.
-
- =Homöopathisch.= Zur äußerlichen Anwendung: Schwefelsaures Zink
- (~Sulphate of zinc~) oder salpetersaures Silber (~Nitrate of Silver~)
- in eine schwache Auflösung von 1 bis 2 Gran mit einer Unze Wasser.
- Opiumwein kann in einigen Fällen angewendet werden, ein Tropfen in
- die Augen gebracht, 1 oder 2 Mal des Tages in 24 Stunden. Mittel zur
- innerlichen Anwendung sind: ~Arsenicum~, ~Belladonna~, ~Sulphur~,
- ~Silicea~, ~Nux vomica~, ~Graphites~ und ~Phosphorus~.
-
- =Allöopathisch.= Die Ränder der Augenlider sollten jeden Abend mit
- Citrinensalbe eingerieben werden. Dieselbe wird wie folgt zubereitet:
-
- Salbe von salpetersaurem Quecksilber (~Ointment of
- nitrate of mercury~). 1 Theil.
- Salbe von Spermaceut oder
- Präparirtem Schweinefett 2 Theile.
-
- Mische es.
-
- Auslösung von essigsaurem Blei (~Acetate of Lead~) oder
- schwefelsaurem Zink (~Sulphate of zinc~), oder auch schwefelsaurem
- Kupfer kann in dem Verhältnisse von 2 Granen auf eine Unze angewendet
- werden.
-
-
-Chronisch skrophulöse Augenentzündung.
-
-Dieses Leiden beschränkt sich vornehmlich auf Kinder unter 8 Jahren,
-doch können auch zuweilen Erwachsene davon befallen werden. Die
-hervortretendsten Symptome sind: große Lichtscheu, die Augenlider sind
-beständig geschlossen, so daß es unmöglich ist, die Augen zu sehen, und
-der Kopf ist fortwährend vom Licht weggewendet. Der Augapfel ist nicht
-sehr geröthet, doch zeigen sich auf der Oberfläche desselben kleine
-Flecken von Eiter und Blutwasser. Wenn die Krankheit nicht eingehalten
-wird, so werden die Augen allmählig von jenem Eiter zerstört. Der
-Organismus ist schwach, hinfällig und die Verdauungsorgane sind in
-Unordnung. Die Behandlung dieses Leidens sollte nur einem geschickten
-Arzte überlassen bleiben.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= Beim Beginn des Anfalls gebe, wie bei Entzündung der
- Augenlider und des Augapfels, ~Aconitum~ und ~Belladonna~.
-
- ~Dulcamara.~ -- Wenn die Entzündung durch eine Erkältung verursacht
- wurde, die Augen durch das Lesen schlimmer werden und Verdunkelung
- des Blickes eintritt, gleichzeitig ein Gefühl, als ob feurige Kugeln
- aus den Augen heraus fliegen. Gegen Eiterungen und weiße Flecke auf
- den Augäpfeln, welche daselbst verbleiben, nachdem die Entzündung
- nachgelassen hat, gebe man ~Euphrasia~, ~Hepar Sulphur~ und
- ~Silicea~. jedes Heilmittel eine Woche lang. Eine Dosis (6 Kügelchen)
- von dem gewählten Mittel jeden Abend. Ist ~Silicea~ gegeben worden,
- so sollte eine Waschung von 12 Kügelchen von ~Silicea~ in einem
- halben Theelöffel voll Wasser angewendet werden. Gegen Flecke vor den
- Augen gebe man ~Euphrasia~, ~Hepar Sulphur~, ~Silicea~, ~Calcarea
- Carbonica~ und ~Acidum Nitri~ in derselben Weise.
-
- =Allöopathisch.= Cooper empfiehlt das Legen eines Blasenpflasters
- im Nacken oder hinter den Ohren, was die Entzündung sehr schnell
- verschwinden machen wird. Die Augen können mit einer Auflösung von
- einer Drachme Opium in einem Pint heißen Wassers gebähet oder mit
- der Flüssigkeit gewaschen werden. Ebenso kann auch eine Abkochung
- von Mohnköpfen und Kamillenblüthen angewendet werden. Nachdem die
- Entzündung nachgelassen hat, können die Augen in eine Auflösung von
- Alaun (~Alum~), 2 Grane auf eine Unze Wasser, gebadet, oder eine
- Auflösung von salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~), 2 Grane
- auf eine Unze Wasser, kann in wenigen Tropfen 1 oder 2 Mal des Tages
- in das Auge gebracht werden. Die Eingeweide müssen mit einem gelinden
- Abführmittel offen gehalten werden, wie Quecksilber (~Mercury~) mit
- Kreide (~Chalk~), ein wenig Rhabarber oder Magnesia. Eisenpräparate
- (~Preparations of iron~), Sassaparilla und Leberthran entsprechen, um
- den Organismus zu stärken.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Folgender Syrup möge angewendet werden,
- den Organismus zu reinigen:
-
- Gelbe Parillawurzel 2 Pfund.
- Kletten (~Burdock~) und Grundwurz (~Yellowdock~)
- von jedem 1 „
-
- Wurzelrinde von
-
- Bittersüß (~Bitter sweet~) und Sassafras von jedem ½ „
- Maiapfel (~May apple~) und Blutwurzel (~Bloodroot~)
- von jedem 2 Unzen.
-
- Brühe es in 5-6 Gallonen Wasser und koche es zu einer Gallone ein,
- füge, während es heiß ist, 6 Pfund Zucker hinzu, seihe es durch
- und fülle es in Flaschen. Auf jedes Pint kommt eine halbe Drachme
- Potaschen-Hydriodat in ein oder zwei Unzen Wasser aufgelöst. Dreimal
- des Tages ein Weinglas voll.
-
-
-Gerstenkorn (~Stye~) am Augenlid.
-
-Dies ist eine kleine Geschwulst, die sich am Rande des Augenlid’s
-oder an dem Lide bildet. Der Eiter bildet sich in 2 bis 3 Tagen und
-die Geschwulst springt auf. Ein erweichender Umschlag, von Brod und
-Milch oder Leinsamen gemacht, in einem feinen, weichen Leinentuch,
-sollte über das Auge gelegt werden, bis sich der Eiter bildet. Nachdem
-derselbe ausgeflossen ist, wende man des Nachts beim zu Bettegehen,
-zwei oder drei Nächte lang, ein wenig verdünntes salpetersaures
-Quecksilber (~Diluted nitrate of mercury ointment~) an. Salz und Wasser
-wird zuweilen die Wiederkehr derselben verhindern. Ein allgemein
-bekanntes Mittel, welches die Bildung von Gerstenkörnern verhindern
-soll, ist das Reiben mit einem Goldring oder Messingschlüssel an dem
-sich eben bildenden Gerstenkorn zur Nachtzeit. Ich überlasse es dem
-Einzelnen, den Werth desselben zu untersuchen.
-
-
-Behandlung
-
- =Homöopathisch.= ~Pulsatilla~ -- ist das wichtigste Mittel. Eine
- Dosis 2 Mal des Tages. Verschafft es keine Linderung, so gebe man
- Merkur abwechselnd mit ~Hepar Sulphuris~ oder ~Staphysagria~.
- Eine Dosis 2 oder 3 Mal des Tages eine Woche hindurch von diesen
- Heilmitteln wird zuweilen deren Erscheinen verhindern. ~Calcarea
- Carbonica~ kann in derselben Weise gegeben werden.
-
-
-Nasse oder thränende Augen.
-
-Dieses Leiden wird durch eine Störung im Thränenkanal oder der Drüsen,
-in welchen sich die Thränen bilden, verursacht. Der Kranke wird zuerst
-durch eine Schwäche des Auges darauf aufmerksam gemacht, Thränen stehen
-in dem inneren Winkel des Auges, welche durch die kalte Luft vermehrt
-werden. Dieses kann Monate ja Jahre lang anhalten und ist eine Quelle
-großer Unbehaglichkeit. Eiterbeulen bilden sich auf der Seite der Nase
-und die Knochen der Nase können angegriffen werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Bähungen von Kamillenthee oder Mohnblättern lindern
- zuweilen, und das Baden der betreffenden Theile mit Branntwein und
- Wasser oder Branntwein allein, ist sehr wohlthätig. Die verdünnte
- salpetersaure Quecksilbersalbe kann in einigen Fällen angewendet
- werden, und zwar, indem man ein Stück von der Größe eines Hanfkorns
- in die innere Seite des Augenlides einsetzt und es längs des Randes
- einreibt.
-
- =Homöopathisch.= Entspringt das Thränen der Augen aus einer
- allgemeinen Schwäche des Organismus, so kann ~Euphrasia~ und
- ~Spigelia~ abwechselnd alle 2 oder 3 Tage eine Dosis von 6 Kügelchen
- gegeben werden. Andere Mittel sind ~Belladonna~, ~Pulsatilla~,
- ~Calcarea Carbonica~, ~Silicea~ und ~Sulphur~, welche in der
- aufgeführten Ordnung gegeben werden können.
-
- Gieb ein jedes Mittel 4 bis 6 Wochen. Die einzige dauernde Linderung
- aber wird durch eine Operation, welche von einem geschickten
- Chirurgen vorgenommen werden sollte, hervorgerufen.
-
-
-Schwarzer Staar (~Cataract~, ~Glaucoma~).
-
-Dies ist eine Verdunkelung oder Trübung des Crystallkörpers, welcher
-den Zugang der Lichtstrahlen verhindert. Es wird allgemein bei älteren
-Personen gefunden und ist zuweilen ererbt.
-
-+Symptome.+ Die ersten Anzeichen von dem Annähern dieser Krankheit sind
-in der Regel diese: Die Gegenstände erscheinen verschwommen und ein
-beständiger Nebel ist vor den Augen. Starkes Licht ist erforderlich,
-um zu lesen oder zu schreiben, und ein kleiner Fleck erscheint in der
-Regel zuerst hinter dem Mittelpunkt der Pupille, der sich allmählig
-immer weiter ausdehnt und zuletzt den Zugang der Lichtstrahlen in das
-Auge gänzlich versperrt.
-
-+Ursachen.+ Häufiges und lang anhaltendes Lesen von feinem Druck,
-Schreiben oder Blicken auf kleine Gegenstände bei starkem Lichte,
-Blutandrang nach den Augen, Bewegung in der Sonnenhitze, in Gießereien
-und an anderen Plätzen, wo helles, heißes Licht zu finden ist,
-Aussetzen der Augen reizender Dämpfe und Dünste, Verletzungen des
-Baues. Dieses Leiden kann nur durch eine Operation gehoben werden. Die
-Homöopathie aber hat Mittel, welche dasselbe in einigen Fällen heben
-sollen, und diese sind folgende: ~Silicea~, ~Graphites~, ~Hydriodate of
-Mercury~, ~Calcarea Carbonicum~, ~Conium~ und ~Digitalis~ -- eine Dosis
-ein- oder zweimal in 24 Stunden.
-
-
-Augenschwäche (~Weakness of Sight~, ~Amblyopia~)
-
-ist ein mangelhafter Zustand der Sehnerven, welche sie schwächt
-oder lähmt in mehr oder minderem Grade. Ist der Nerv nur wenig
-gelähmt, so ist es ~Amblyopia~, bei gänzlicher Lähmung Blindheit
-oder ~Amaurosis~. Bei einer einfachen Augenschwäche vermindert sich
-das Unterscheidungsvermögen vermittelst der Sehkraft, das allmählig
-abnimmt, bis sich ~Amaurosis~ vollständig einstellt. In einigen Fällen
-beschränkt sich der Verlust der Sehkraft auf nur einen kleinen Theil
-des Auges; Gegenstände erscheinen schief oder verdreht und in Bezug auf
-Größe verändert, Flammen und Flecken flimmern vor den Augen. Nähert
-sich das Leiden mehr und mehr der ~Amaurosis~, wird der Blick von Nebel
-verdunkelt und zuweilen ist auch etwas Schmerz damit verbunden. In
-einigen Fällen tritt ein Verlangen nach stärkerem Lichte ein und in
-anderen wieder ist eine Trockenheit der Augen und Nasenhöhlen vorhanden.
-
-~Amaurosis~ wird dadurch vom Staar (~Glaucoma~) unterschieden, daß die
-Verdunkelung oder der Verlust der Sehkraft plötzlich eintritt und die
-mit den Augen wahrgenommenen Gegenstände mit Flecken bedeckt zeigt.
-Beim Staar hingegen nimmt die Sehkraft nur langsam ab und ist eher mit
-einem Nebel vor den Augen zu vergleichen, und es wird alles wie durch
-einen weißen Flor gesehen, was bei ~Amaurosis~ nicht der Fall ist.
-
-Kennzeichen der Annäherung von ~Amaurosis~ sind Schmerzen in der Stirn
-und den Schläfen, welches mit der Zunahme der Blindheit (~Amaurosis~)
-abnimmt, Umwölkung des Blickes, Flecken schwimmen vor den Augen,
-welches dem Kranken lästig wird. Beim Lesen oder Schreiben ist ein
-stärkeres Licht als gewöhnlich erforderlich.
-
-+Ursachen.+ -- Hierzu können, obgleich es übertragen worden sein
-oder durch Unverdaulichkeit hervorgerufen worden ist, Mißbrauch von
-Reizmitteln, unterdrückter Stuhl, Gicht, Rheumatismus oder Skropheln,
-Nervenfieber, der Gebrauch des Schnupftabaks, zu langes Stillen von
-Kindern, außerordentlicher Kummer, Ueberanstrengung der Sehkraft,
-Arbeiten bei einem sehr hellen, strahlenden Lichte und Verletzungen
-des Baues des Sehorgans, Schlaganfall, Anreizung der Eingeweide, sei
-es von Würmern oder aus anderen Ursachen herrührend; Schrecken, Druck
-auf die Blutgefäße des Nackens, wodurch die Rückkehr des Blutes vom
-Gehirn verhindert wird, Wirkung giftiger Bestandtheile wie Belladonna,
-Stechapfel (~Stramonium~), Opium, Blei und Chinin.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Aufmerksamkeit sollte dem allgemeinen
- Gesundheitszustand gewidmet werden. Wird Blindheit durch eine Störung
- der Verdauungsorgane hervorgerufen, so sollte sie gehoben werden. Der
- Kranke vermeide jede Anstrengung der Augen in starkem Lichte und
- halte sie zu jeder Zeit so viel als möglich beschattet. Alles Lesen,
- Schreiben und feine Nadelarbeit muß eingestellt werden. Eine tägliche
- mäßige Bewegung im Freien, das allabendliche Baden der Füße in warmem
- Wasser und das Eintauchen des Kopfes in warmes oder kaltes Wasser
- am Morgen sollte man nie vernachlässigen. Die Kost muß nahrhaft und
- leicht verdaulich sein.
-
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Dr. King empfiehlt folgende Pillen zum
- Einnehmen:
-
- Jod (~Iodine~) 10 Grane.
- Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphia~) 2½ „
- Strychnin (~Strychnia~) 1 „
- Alcohol-Extrakt von Schlangenwurzel (~Cohosh~) hinreichend um aus
- Obigem Pillen zu machen.
-
- Mische und theile es in 20 Pillen. Dosis: Eine Pille zwei- oder
- dreimal des Tages. Sollte das Strychnin den Kranken angreifen, so
- vermindere man die Menge von demselben. Ebenso empfiehlt derselbe das
- zusammengesetzte Theerpflaster (~Compound Tar Plaster~) im Nacken
- aufgelegt, und zwar das Rückgrat an beiden Seiten bis zur Hälfte
- hinab bedeckend, der so lange als es nur der Kranke ertragen kann,
- dort bleiben soll.
-
- =Homöopathisch.= Gegen einfache Schwäche der Augen eines von den
- folgenden Mitteln: ~Pulsatilla~, ~Sulphur~, ~Belladonna~, ~Calcarea~,
- ~Phosphorus~. Jedes dieser Heilmittel sollte vier oder sechs Wochen
- verordnet werden. Alle drei Tage des Abends eine Dosis bis Besserung
- eintritt, oder bis das nächste Heilmittel gegeben wird.
-
-
-Gegen gänzliche Erblindung.
-
- ~Belladonna.~ -- Pupille erweitert und unbeweglich, Schielen,
- theilweiser oder gänzlicher Verlust der Sehkraft, Gefühl von Schwere
- und Druck im Augapfel, klopfender und betäubender Kopfschmerz,
- Gegenstände erscheinen doppelt oder verkehrt, gefleckt oder von
- einem Nebel und Dunstkreis umgeben, grelle Blitze vor den Augen.
- Sollte ferner, wenn das Leiden Entzündung oder Blutandrang nach den
- Sehnerven oder dem Gehirn zur Ursache hat, angewandt werden. Man gebe
- es abwechselnd mit ~Hyosciamus~.
-
- ~Nux vomica.~ -- Pupille zusammengezogen, krampfhafte Bewegung des
- Augapfels, betäubender Kopfschmerz, schlimmer beim Tageslicht,
- Schwindel. Tritt plötzlich, ohne eine scheinbare Ursache, Blindheit
- ein, so gebe man zuerst ~Aconitum~, dann ~Mercurius~ alle zwei oder
- drei Stunden eine Dosis. Kann abwechselnd gegeben werden.
-
- ~China.~ -- Pupille erweitert und empfindlich, lichtscheu,
- weiße Wolke im Auge, Flecken schwimmen vor dem Auge, allgemeine
- Hinfälligkeit.
-
- ~Phosphorus.~ -- Plötzliche Anfälle von Blindheit während des Tages,
- schwarze Flecken vor den Augen, Verdunkelung des Blickes, die Flamme
- des Lichtes scheint mit einem grünen Dunst umgeben zu sein und
- entferntere Gegenstände sind scheinbar in Rauch und Nebel eingehüllt.
-
- ~Stramonium.~ -- Augen sternartig funkelnd, Gefühl von Schwere
- in den Augen, Gegenstände erscheinen klein oder werden doppelt
- gesehen. Funken und Flecken schimmern vor den Augen, Schwindel und
- Kopfschmerz, besonders wenn die Blindheit durch Hysterie, Epilepsie,
- Katalepsie (Starrsucht) verursacht ist.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe eine Dosis des gewählten
- Mittels Morgens und Abends, wenn nicht andere Anweisung bei den
- Heilmitteln angegeben sind.
-
- =Allöopathisch.= Wenn Symptome anzeigen, daß ein Uebermaß von Blut im
- Kopfe vorhanden ist und die Schwäche der Augen beim Bücken zunimmt
- &c., 10 Unzen Blut sollten am Arm entzogen und 6 Blutegel an die
- Schläfe gesetzt werden. Diese Mischung ist jeden zweiten oder dritten
- Tag zu geben.
-
- Zusammengesetzte Sennesblätter-Mischung 1½ Unze.
- Safran- (~Colchicum~) Tinktur 20 Minims.
-
- Diesem sollte man 5 bis 6 Grane Calomel folgen lassen. Wiederhole die
- Sennesblätter-Mischung (~Senna mixture~) so oft als nöthig, um eine
- vollständige Wirkung auf die Eingeweide hervorzurufen. Diese Mischung
- sollte jeden zweiten oder dritten Tag gegeben werden, damit die
- Eingeweide offen bleiben.
-
- Wird die Augenschwäche durch Blutungen oder durch lang anhaltende
- Entleerungen irgend einer Art fortgesetzt, so sollten stärkende
- Mittel gebraucht und die Eingeweide mit folgendem in Ordnung gehalten
- werden:
-
- Aufguß von Enzian (~Gentian~) 5½ Unzen.
- Anderthalbkohlensaures Ammoniak (~Sesquicarbonate
- of ammonia~) ½ Gran.
- Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Cardamon~) ½ Unze.
-
- Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.
-
- Oder:
-
- Rinden-Abkochung (~Decoction of bark~) 7 Unzen.
- Zusammengesetzte Rinden-Tinktur (~Compound tincture
- of bark~) 6 Drachmen.
- Orangenschalen-Syrup 2 „
- Verdünnte Schwefelsäure (~Deluted sulphuric acid~) 1 „
-
- Mische es. Ein Eßlöffel voll dreimal des Tages. Gagel-Wurzel (~Bay
- berry root~) getrocknet, pulverisirt und als Schnupftabak verwendet,
- ist hin und wieder dienlich. Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~) ein Gran auf
- eine Unze Wasser ist gleichfalls zu empfehlen und sollte davon jeden
- Tag ein wenig in die Augen getropft werden. Electro-Galvanismus ist
- bei dieser Krankheit ein sehr wichtiges Mittel.
-
- Folgendes ist in einigen Fällen ein gutes stärkendes Mittel:
-
- Eisen- und Strychnin-Citrat (~Citrate of iron and
- strychnine~) 1 Drachme.
- Orangenschalen-Syrup (~Syrup of orange peel~) 2 Unzen.
- Weiches Wasser ½ Pint.
-
- Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages.
-
-
-Kurzsichtigkeit (~Myopia~).
-
-Hängt von einer zu starken Wölbung (Convexität) der Hornhaut und
-Linse, sowie von der übermäßigen Glasfeuchtigkeit ab, und veranlaßt,
-daß die in Augenschein zu nehmenden Gegenstände der Sehkraft etwas
-näher gebracht werden müssen. Dieses Leiden kann ererbt, oder durch
-angestrengtes Studium, sowie auch durch den anhaltenden Gebrauch der
-Augen auf kleine Gegenstände herbeigeführt werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Wenn die Krankheit dadurch veranlaßt wurde, daß die
- Augen zu viel auf kleine Gegenstände gerichtet waren, sowie auch
- durch Lesen, Schreiben, Nähen, Malen und dergleichen mehr, so
- wird die Heilung desselben um Vieles vereinfacht werden, wenn man
- sich solcher Beschäftigungen ganz enthält und die Augen nur auf
- große Gegenstände in der Entfernung richtet. Häufige Bewegung im
- Freien, Gehen und Reiten, Reisen durch neue und Interesse bietende
- Landschaften werden sehr wohlthuend einwirken.
-
- Kann indessen dieses Leiden nicht geheilt werden, so sollte man
- hohlgeschliffene Brillen tragen.
-
-
-Weitsichtigkeit (~Presbyopia~).
-
-beruht auf einer Verminderung der Augenfeuchtigkeit und Abplattung der
-Hornhaut. Dieses Leiden wird häufiger bei Personen vorgeschritteneren
-Alters gefunden und ist ein frühes Zeichen vom Altwerden. Dem Mangel
-kann annähernd durch convex geschliffene Gläser abgeholfen werden.
-
-
-Schielauge (~Squinting~, ~Strabismus~).
-
-Ein Leiden, das sowohl acut als auch chronisch sein kann. Hierbei kommt
-es vor, daß der damit Behaftete beabsichtigen mag, beide Augen auf
-einen Gegenstand zu richten, eines derselben sich unfreiwillig von der
-natürlichen Richtung wegwendet. Das Auge ist häufiger nach Innen als
-nach Außen gerichtet.
-
-~Ursachen.~ Schwachsichtigkeit, unvollkommenes Sehvermögen, durch
-Kurzsichtigkeit u. s. w. Kann bei kleinen Kindern durch die Lage in
-der Wiege, und zwar dadurch, daß sie das Licht immer von einer Seite
-haben, verursacht werden. Dies kann durch die Stellung der Wiege, so
-daß das Licht mehr voll ins Gesicht fällt, verändert werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Belladonna.~ -- Bei Schielen auf- oder auswärts,
- das linke Auge aufwärts und das rechte auf- und auswärts,
- Weitsichtigkeit, zusammengezogene, dann erweiterte Pupille, welche
- schließlich unempfindlich gegen Licht wird.
-
- ~Alumina.~ -- Schielen beider Augen, krampfhaftes Zucken der
- Augenlider, häufig Gerstenkörner, Gegenstände erscheinen gelb,
- Schielen in- und aufwärts, Augen funkelnd und hell oder stumpf und
- dunkel.
-
- ~Digitalis.~ -- Beide Augen mit einer Neigung nach Innen, drehen
- sich nach der linken Seite, mit schmerzlichem Gefühl, wenn nach der
- rechten Seite gerichtet, die Gegenstände erscheinen doppelt.
-
- ~Camphor.~ -- Muskelkrampf, Augapfel nach Oben gedreht.
-
- Andere Mittel sind: ~Secale~, ~Spigelia~, ~Phosphorus~ und ~Sulphur~.
-
- =Allöopathisch.= Die Eingeweide sollten in gutem Zustande gehalten
- werden, dadurch, daß gelegentlich eine Dosis Castoröl oder Salz, auch
- Salz und Sennesblätter (~Senna~) gegeben und die Kost sorgfältig
- geordnet wird. Der Zustand kann dadurch überwältigt werden, daß
- sich der damit Behaftete vor einen Spiegel stellt, das gesunde Auge
- zudrückt und mit dem schielenden beständig einen Gegenstand im Auge
- zu behalten sucht. Dies sollte so lange geschehen, bis sich das Auge
- ermüdet fühlt. Dies sollte mehrere Male des Tages geschehen, da
- dadurch das schielende Auge gelehrt wird, in der gehörigen Lage zu
- verbleiben.
-
- Folgende stärkende Mittel sind zu empfehlen:
-
- Strychnin (~Strychnia~) 2 Grane.
- Verdünnte Phosphorsäure (~Diluted phosphoric acid~) 1 Unze.
- Pfeffermünzwasser (~Peppermint water~) 3 Pints.
-
- Löse das Strychnin in der Säure und füge dann Pfeffermünzwasser
- hinzu. Dosis: einen Eßlöffel voll dreimal des Tages.
-
- Oder:
-
- Eisen- und Strychnin-Citrat (~Citrate of Iron and
- Strychnine~) 1 Drachme.
- Orangenschalensyrup (~Syrup of Orange peel~) 2 Unzen.
- Weiches Wasser ½ Pint.
-
- Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll.
-
- Im Fall die Medizin ohne Erfolg ist, muß zur Operation geschritten
- werden, bei welcher die Muskeln des Auges zu theilen sind.
-
-
-Fremde Körper im Auge.
-
-Gegen Staub, der sich in das Auge setzt, wird in der Regel eine
-Waschung mit kaltem Wasser, Sahne oder Milch, besonders wenn sich
-Asche, Kalk oder Tabak in das Auge setzt, hinreichen. Um dergleichen
-Staub- oder Sandkörner aus dem Auge zu entfernen, ziehe man das obere
-Augenlid über das untere und lasse es dann wieder zurückgleiten,
-wornach alles Ungehörige von dem unteren Augenlid weggenommen werden
-kann. Bei Entzündungen, die von Beschädigungen des Auges herrühren,
-möge man eine Auflösung von salpetersaurem Silber (~Solution of nitrate
-of silver~) oder schwefelsaurem Zink (~Sulphate of zinc~), und zwar im
-Verhältniß von 1 bis 2 Granen auf eine Unze Wasser, anwenden.
-
-Fremde Körper aus dem Auge zu entfernen, kann auch dadurch geschehen,
-daß man eine Stricknadel über das obere Augenlid drückt und dann das
-Lid nach aufwärts dreht, so wird die innere Fläche blosgestellt und der
-gewünschte Endzweck mit Leichtigkeit erreicht.
-
-
-
-
-Sechstes Kapitel.
-
-Ohrenkrankheiten.
-
-
-Das äußere Ohr und die dasselbe umgebenden Theile.
-
-Unter dem äußeren Ohr versteht man die s. g. Ohrmuschel, die man
-gewöhnlich Ohr nennt, sowie den Gehörgang (~Meatus~). In der Ohrmuschel
-wird der Schall gleichsam gesammelt, der Gehörgang aber führt denselben
-weiter zur Ohrtrommel (~Tympanum~). Der die Ohrmuschel einfassende Rand
-wird ~Hilex~, der Rand innerhalb des ~Hilex~ -- ~Anti-hilex~ genannt.
-Die Aushöhlung, die vom ~Anti-hilex~ umgeben ist, nennt man ~Concha~,
-weil sie einer „Muschel“ ähnlich sieht. Das Ohrläppchen, der Theil, an
-dem die Ohrringe getragen werden, ist der unterste Theil des Ohres.
-
-
-Ohrenentzündung (~Inflammation of the Ear, Otitis~).
-
-Die Ohrenentzündung kommt sehr häufig bei Kindern vor, findet sich
-jedoch auch bei Erwachsenen. Es ist eine Entzündung der Ohrtrommel
-und eine sehr schmerzhafte Krankheit, welche andere Theile des Ohres
-afficirt und namentlich verursacht, daß der Gehörgang oft bedeutend
-anschwillt, so daß derselbe manchmal geschlossen wird.
-
-+Symptome.+ Bedeutende Hitze, stechende Schmerzen tief im Ohre und
-auffallende Röthe. Manchmal ergreift die Entzündung das Gehirn und es
-mögen in diesem Falle Krämpfe oder Delirium eintreten. Oft folgt diese
-Krankheit dem Scharlachfieber und anderen Krankheiten.
-
-+Ursachen.+ Dieselben sind: das sich Aussetzen der kalten Luft, oder
-wenn der Kopf kaltem Luftzug ausgesetzt wird. Manchmal entsteht das
-Uebel auch durch das Eindringen fremder Körper in’s Ohr, z. B. Watte,
-Papier, Bohnen, Insekten &c.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Ein oder zwei Blutegel (~Leech~), die an die Schläfe
- oder hinter die Ohren gesetzt, oder ein Pflaster, das hinter dem Ohr
- aufgelegt wird, werden gute Dienste thun. Auch mögen Umschläge von
- Flachssamen, Hopfen oder Brod und Milch angewendet werden; sowie das
- folgende:
-
- Zubereitete Kreide (~Prepared chalk~) 36 Grane.
- Kamille (~Chamomile~) 12 „
- Ipecacuanha (~Ipecac~ -- Brechwurz) 4 „
- Bilsenkrautextrakt (~Extract of Hyosciamus~) 6 „
-
- Hieraus mache man 12 Pulver und nehme eines derselben vor dem
- Schlafengehen. Während des Tages gebe kleine Dosen Magnesia oder
- Bittersalz und Sennesblätter (~Salts and Senna~).
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Entzündung durch Erkältung
- erzeugt wurde, so verordne man ein Fußbad und lege warme
- Hopfenumschläge auf das Ohr. Manchmal wird der Schmerz gelindert,
- wenn man einige Tropfen süßes Mandelöl (~Sweet oil of Almonds~) und
- einen Tropfen Laudanum ins Ohr träufeln läßt. Dies mag zwei- oder
- dreimal des Tages gebraucht werden. Auch kann man hierzu manchmal
- Zwiebelsaft und Laudanum -- gleiche Theile von jedem -- verwenden.
- Oder:
-
- Sassafrasöl (~Oil of sassafras~) ½ Drachme.
- Olivenöl (~Olive oil~) 1 „
- Pulverisirter Kampher (~Powdered Camphor~) 15 Grane.
-
- Mische und löse den Kampher in den Oelen auf. Einige Tropfen dieser
- Mischung mögen warm ins Ohr geträufelt werden. Ist der Schmerz
- sehr heftig, so lege man ein Senfpflaster hinter das Ohr und gebe
- Castoröl, oder Bittersalz oder ein anderes mildes Abführungsmittel.
-
- =Homöopathisch.= Das Waschen des Ohrs mit aus spanischer (~Castile~)
- Seife zubereitetem Seifenwasser mag sehr wohlthätig wirken. Auch kann
- man Watte (Baumwolle), die mit warmgemachtem, süßem Mandelöl begossen
- wird, auf das Ohr legen. ~Pulsatilla~ ist gegen diese Krankheit ein
- sehr wichtiges Heilmittel. Man gibt dasselbe namentlich dann, wenn
- der Kranke brennende stechende Schmerzen empfindet, die so heftig
- werden, daß beinahe Delirium eintritt.
-
- ~Belladonna.~ Wenn der Schmerz sich dem Gehirn mittheilt, Unruhe der
- Hände, Zerren der Muskeln und Mundecken und große Empfindsamkeit
- und Erregtheit. ~Aconitum~ mag mit ~Belladonna~ abwechselnd
- gegeben werden, wenn das Fieber sehr stark ist. Auch kann ~Coffea~
- abwechselnd mit ~Belladonna~ in Anwendung kommen, namentlich wenn
- der Patient große Unruhe zeigt. Setzt sich ein Geschwür an, was sich
- durch heftigen, stechenden Schmerz und ein eigenthümliches Klopfen
- anzeigt, so gebe man ~Mercurius~, ~Lachesis~ oder ~Hepar Sulphur~.
- Letzteres Mittel ist das beste.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Man löse 12 Kügelchen des betreffenden
- Heilmittels in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede halbe
- Stunde einen Theelöffel voll, oder jede Stunde, alle zwei oder drei
- Stunden, je nach den Symptomen.
-
-
-Ohrenschmerz (~Earache, Otalgia~).
-
-Dieses Uebel sollte nicht mit der Ohrenentzündung verwechselt werden,
-da es ganz und gar verschiedener Natur ist, weil dabei kein Fieber
-vorherrscht und der Schmerz eher rheumatischer Art ist. Die Anfälle
-treten plötzlich ein und sind von kurzer Dauer. Oft ist der ganze Kopf
-eingenommen und die Ursache hat man gewöhnlich in einer Erkältung zu
-suchen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Das folgende ist ein gutes Mittel: Man
- röste drei oder vier Knoblauchzwiebel (~Garlic~) und zerdrücke sie
- während dieselben warm sind; gieße einen Eßlöffel voll Salatöl, einen
- Eßlöffel voll Honig und einen Eßlöffel voll Laudanum hinzu. Drücke
- den Saft aus und träufle denselben warm dann und wann ins Ohr. Der
- Dampf von bitterem Kräuterthee, über welchen man das Ohr hält, sowie
- ein Hopfenumschlag werden sich als ausgezeichnete Mittel erweisen.
-
- =Homöopathisch.= ~Pulsatilla.~ -- Dies ist das Hauptmittel gegen
- dieses Uebel; namentlich wenn der Schmerz reißend und zuckend ist,
- als ob sich etwas aus dem Ohre drücken wolle. Wenn das Ohr heiß,
- roth und geschwollen ist, oder wenn der Patient stechende, reißende
- Schmerzen in der ganzen Seite des Gesichts fühlt. Dieses Mittel ist
- hauptsächlich bei Frauenzimmern und Personen anwendbar, die leicht
- frösteln.
-
- ~Chamomilla.~ -- Namentlich bei acuten und stechenden Schmerzen, wie
- die von einer Messerwunde, hauptsächlich auf eine Erkältung, wo dem
- Schweiß plötzlich Einhalt gethan wurde, wenn die Schmerzen stechend,
- reißend sind und der Patient sehr erregt und übler Laune ist.
-
- ~Belladonna.~ -- Wenn Blutandrang nach dem Kopfe stattfindet und
- reißende, stechende Schmerzen sich nach dem Halse zu ziehen.
-
- ~Hepar Sulphur~ -- mag gegeben werden, wenn sich die bei ~Belladonna~
- angegebenen Symptome zeigen, namentlich wenn dieses Heilmittel nicht
- lindert; ebenso wenn der Schmerz klopft, zuckt und zaust.
-
- ~Mercurius.~ -- Im Falle ~Pulsatilla~ und ~Chamomilla~ nicht
- mildern; auch wenn der Schmerz zerrend ist und sich nach den Wangen
- zieht, wenn die Schmerzen im warmen Zimmer sich vermehren und eine
- fröstelnde Empfindung im Ohr verspürt wird; oder der Patient viel
- schwitzt, ohne daß ihm hierdurch Linderung würde.
-
- ~Nux vomica.~ -- Wenn die Schmerzen heftig, stechend und zerrend sind
- und sich bis zu den Schläfen und der Stirne erstrecken, sowie hinab
- zu den Kinnbacken.
-
- ~Spigelia.~ -- Wenn der Schmerz empfunden wird, als ob ein Nagel
- im Ohr stecke und der Patient in den Kinnbacken Reißen und Zerren
- empfindet.
-
- ~Rhus.~ -- Brauchbar wenn das Ohrenweh durch Erkältung verursacht
- wird.
-
- ~Arnica.~ -- Wenn der Schmerz bei der geringsten Veranlassung
- wiederkehrt, bei großer Empfindlichkeit und man ein Sausen um das Ohr
- herum verspürt. Hauptsächlich bei nervösen, empfindsamen Personen
- anzuwenden.
-
- ~China.~ -- Ist namentlich anzuwenden nach ~Arnica~ oder
- ~Pulsatilla~, hauptsächlich wenn die Schmerzen reißend sind und mehr
- am äußeren Theil des Ohres gefühlt und bei Berührung vermehrt werden
- und Sausen im Ohr verspürt wird.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
- Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll jede 15 Minuten, halbe
- Stunde oder zwei Stunden, je nachdem es die Symptome erfordern.
- Manchmal fühlt der Kranke, nachdem die heftigsten Schmerzen gehoben
- sind, eine gewisse Wundheit und dumpfen Schmerz; dagegen gebrauche
- ~Sulphur~ oder ~Calcarea~. ~Carbonica~ -- eine Dosis Morgens und
- Abends.
-
- =Allöopathisch.= Das Ohrenweh mag gelindert werden, indem man drei
- oder vier Tropfen Oliven- oder Mandelöl mit einem Tropfen Laudanum
- ins Ohr träufeln läßt. Amerikanische Blutegel (~American leeches~)
- hinters Ohr gesetzt sind manchmal von guter Wirkung. Glycerin und
- warmes Wasser, von jedem einen halben Eßlöffel voll. Mische und
- träufle die Mischung vermittelst eines Theelöffels ins Ohr. Dieses
- Mittel schafft oft baldige Linderung. Oder nehme einen halben
- Theelöffel voll warmes Olivenöl mit zehn Tropfen Laudanum und träufle
- dies ins Ohr. Das folgende wird manchmal ausgezeichnet wirken, wenn
- ein Stärkungsmittel (~tonic~) nöthig ist.
-
- Citronensaures Eisen (~Citrate of iron~) 1 Drachme.
- Strychnin 1 Gran.
- Pomeranzschalen-Syrup (~Syrup of orange peel~) 2 Unzen.
- Weiches Wasser ½ Pint.
-
- Mische. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages.
-
-
-Ohrensausen, Ohrenklingen (~Humming and Buzzing in the Ears~).
-
-Diese Symptome nimmt man gewöhnlich beim Ohrenweh, Ohrenlaufen oder
-Entzündung des Ohres wahr und sollten dieselben wie diese Uebel
-behandelt werden. Manchmal wird das Ohrenlaufen &c. auch durch
-Blutandrang im Kopfe und durch Erkältung verursacht.
-
-
-Schwerhörigkeit (~Hardness of Hearing, Surditas~).
-
-Taubheit mag von unrichtiger Ohrbildung herrühren oder durch Schläge,
-einen Fall, Entzündung oder Paralisirung des Ohrnervs verursacht
-werden. Dieses Uebel folgt oft dem Scharlachfieber, den Masern, bösem
-Hals &c. Auch ist oft Ansammlung und Verhärtung des Ohrschmalzes, ein
-harter Körper, der in das Ohr eindrang, zu große Trockenheit und zu
-große Feuchtigkeit der betreffenden Theile Schuld.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= Ist Schwerhörigkeit durch Ansammlung des
- Ohrschmalzes verursacht, so muß dasselbe vorerst dadurch entfernt
- werden, daß man ein wenig warme Milch oder Salatöl ins Ohr träufeln
- läßt. Gegen die nach der Operation eintretende Wundheit gebe
- ~Arnica~. Ist zu große Trockenheit des Ohrs vorhanden, oder nach
- Fieber- und Fieberfrösten gebe ~Carbo vegetabilis~ alle Abend eine
- Dosis. Nachdem hiermit eine Woche oder länger fortgefahren und keine
- Besserung eingetreten, gebe ~Graphitis~, namentlich wenn Ohrensausen
- und Ohrenklingen des Nachts oder auch bei Tage hinzukömmt. Tritt
- nach Gebrauch dieses Mittels immer noch keine Besserung ein, so
- gebe ~Lachesis~, ~Nitric acid~, ~Petroleum~, eines nach dem andern
- in derselben Weise. Ist die Taubheit durch Blutandrang nach dem
- Kopfe hervorgerufen, so gebe ~Belladonna~, ~Coffea~, ~Nux vomica~,
- ~Sulphur~ oder ~Silicea~ -- eine Dosis jeden Morgen und Abend,
- beginnend mit dem erstgenannten Heilmittel und damit drei Tage lang
- fortzusetzen, ehe zu einem anderen gegriffen wird. Folgt das Uebel
- den Masern, so gebe ~Pulsatilla~ und ~Carbo Vegetabilis~; wenn dem
- Scharlachfieber, ~Belladonna~ und ~Hepar Sulphur~; wenn nach den
- Blattern, ~Mercurius~ und ~Sulphur~, eine Dosis jeden andern Abend
- abwechselnd. Wenn die Krankheit durch Erkältung im Kopfe entstanden,
- greife man zu ~Chamomilla~, ~Arsenic~, ~Lachesis~, ~Mercurius~,
- ~Sulphur~ oder ~Pulsatilla~. Folgt das Uebel dem Wechselfieber das
- durch Chinin kurirt wurde, so gebe ~Carbo Vegetabilis~, ~Pulsatilla~,
- ~Sulphur~ und ~Calcarea Carbonica~; jedes Mittel eine Woche, eine
- Dose jeden Abend, bis Besserung eintritt. Wenn das Uebel durch
- Unterdrückung des Abgangs aus Ohr und Nase entstanden, ~Pulsatilla~,
- ~Mercurius~, ~Belladonna~ oder ~Hepar Sulphur~ zwei oder drei Tage
- lang, ein Heilmittel einmal des Tages.
-
- =Allöopathisch.= Ist die Schwerhörigkeit durch Ansammlung des
- Ohrschmalzes entstanden, so sollte eine geringe Quantität Salatöl
- jeden Abend ins Ohr geträufelt werden, um dasselbe zu erweichen;
- ebenfalls muß jeden Tag warmes Wasser ins Ohr gespritzt werden, bis
- das Schmalz entfernt ist. Darnach wende man folgendes an und setze
- einige Wochen damit fort:
-
- Kamphorirtes Oel (~Camphorated oil~) ½ Unze.
- Seifen-Liniment ½ Drachme.
-
- Mische und wende es mittelst ein wenig Wolle oder Baumwolle an. Ist
- das Uebel durch Erkältung entstanden, so sollten die Mittel, die
- gegen Catarrh angegeben sind, in Anwendung kommen. Ist es durch bösen
- Hals erzeugt worden, so wird das Einathmen des Dampfes von heißem
- Wasser, das mit Essig vermischt wurde, von guter Wirkung sein; auch
- sollten kleine Pflaster hinter dem Ohr angebracht werden. Ist es
- durch Rheumatismus verursacht, so mag das folgende Liniment gebraucht
- werden:
-
- Essigsäuerlicher Colchicum- (Zeitlose) Extrakt
- (~Acetous extract of colchicum~) 1 Skrupel.
- Präparirtes Schweinefett 1 Unze.
-
- Mische. Jeden Abend sollte das Ohr und die Theile um dasselbe
- mit einem Stückchen dieser Mischung -- so groß wie eine Erbse --
- eingerieben werden. Ist das Ohr sehr trocken, so mag der Ohrengang
- zwei- oder dreimal die Woche mit Glycerin eingerieben werden, während
- man ein kleines Stück geräucherten Speck Abends in die Höhlen bringt
- und Morgens entfernt. Findet sich jedoch zu viel Feuchtigkeit im
- Ohr, so spritze dasselbe mit einer Auflösung von schwefelsaurem Zink
- (~Sulphate of zinc~) aus, indem man einen Gran Zink zu einer Unze
- Rosenwasser nimmt; auch lege man kleine Pflaster hinter die Ohren.
- Ist die Ursache eine Entzündung, oder sind es kleine Geschwüre am
- Ohreingang, so sollte ein warmer Umschlag auf das Ohr gelegt und die
- Ohren mit gleichen Theilen Goulard- und Rosenwasser ausgespritzt
- werden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ist die Schwerhörigkeit oder Taubsucht
- durch Ansammlung des Ohrenschmalzes entstanden, so müssen die bei
- der Allöopathischen Behandlung angegebenen Mittel zur Entfernung
- desselben angewandt werden. Auch kann man das folgende in einigen
- Fällen gebrauchen:
-
- Gebrannten Alaun (~Burnt Alum~) 10 Grane.
- Süßes Mandelöl (~Sweet oil of almonds~) 1 Unze.
-
- Mische dies und laß jeden Tag einige Tropfen der Mischung in das Ohr
- träufeln. Zu gleicher Zeit spritze das Ohr mit einer Auflösung aus
- gleichen Theilen Weißeichenrinde (~White oak bark~), Kurzblätterigem
- Dreiblatt (~Bethroot~) und Rosenblätter aus.
-
- Ist eine Ohrenschmalz-Ansammlung vorhanden, so mögen von folgender
- Mischung ein- oder zweimal des Tages einige Tropfen ins Ohr
- geträufelt werden:
-
- Sassafrasöl 15 Tropfen.
- Glycerin 1½ Drachmen.
- Olivenöl ½ Unze.
-
- Ist das Ohr sehr trocken, so gebrauche man folgendes:
-
- Glycerin 1 Drachme.
- Terpentinöl ½ „
- Leinsamenöl ½ Unze.
-
-
-Ohrfluß, Ohrlaufen (~Running of the Ears~, ~Otorrhœa~).
-
-Dies ist ein sehr widerwärtiges Uebel, das aus verschiedenartigen
-Ursachen entstehen mag. Oft folgt es der Ohrentzündung und manchmal dem
-Scharlachfieber und den Masern.
-
-+Symptome.+ -- Fieber, Kopfschmerzen, Schmerzen im Ohr und Anschwellen
-der Halsdrüsen. Bald sondert sich eine röthliche, wässerige Masse aus,
-die nach und nach sich verdickt. Das Fieber tritt mit der Aussonderung
-dieser Materie ein.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Ist die Entzündung eine acute, so sollte die bei
- Ohrenentzündung vorgeschriebene Behandlung eingeschlagen und das
- Ohr mit warmem Wasser oder einer Mohnsamen- (~poppies~) Auflösung
- ausgespritzt werden. Es ist aber besser, wenn man die Flüssigkeit
- mittelst eines Theelöffels dem Ohre zuführt, weil durch das
- Einspritzen mit der Spritze leicht Kopfweh entsteht. Sobald die
- Aussonderung eintritt, sollte das Ohr mit spanischer (~castile~)
- Seife gut ausgewaschen werden und gleich darauf mit einer Auflösung
- von Alaun (~Alum~), Zinkvitriol (~Sulphate of zinc~) -- ein Gran
- zu einer Drachme Wasser. Essigsaures Blei (~Acetate of lead~), ein
- oder zwei Grane auf eine Unze Wasser, wird sich öfters sehr wirksam
- erweisen. Auch wird ein Theil Glycerin und fünf Theile Rosenwasser
- empfohlen. Ist die Absonderung sehr übelriechend, so hat man
- das Ohr mit einer Mischung auszuspritzen, die aus zwei Drachmen
- Chlorkalk (~Chloride of lime~) und einer halben Pint Wasser besteht,
- während man zu gleicher Zeit eine Auflösung von salpetersaurem
- Silber (~Nitrate of silver~) -- fünf Grane zu einer Unze Wasser --
- gebraucht. Jedoch muß man bei Anwendung dieser Mittel acht darauf
- haben, daß dem Ausfluß nicht allzu plötzlich Einhalt gethan wird.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Die Ohren mögen mit warmem Seifenwasser
- ausgespritzt werden, wornach eine Einflößung von Gelbwurzel (~Golden
- seal~) und brenzlicher Holzsäure (~Pyroligneous acid~) stattfinden
- sollte. Die Säure darf nur gebraucht werden, wenn der Ausfluß sehr
- übel riecht. Eine Abkochung von Gelbwurzel, wilder Indigowurzel kann
- in manchen Fällen gebraucht werden, oder auch eine Auflösung von
- anderthalbkohlensaurem Kali (~Sesquicarbonate of potassa~).
-
- =Homöopathisch.= Nie sollte man versuchen, den Ausfluß dadurch
- hinwegzuräumen, daß man das Ohr verstopft, denn dies mag sehr
- gefährlich werden. Wurde der Ohrfluß durch Masern herbeigeführt, so
- gebe man ~Pulsatilla~ und ~Sulphur~ vier Tage lang, jedes dieser
- Heilmittel an zwei aufeinanderfolgenden Abenden, -- sechs Kügelchen
- eine Dosis. Folgt das Ohrenlaufen dem Scharlachfieber, so gebe
- ~Belladonna~, ~Mercurius~, ~Hepar Sulphur~ und ~Lycopodium~ -- in
- derselben Weise. Wenn es nach den Blattern eintritt, ~Mercurius~,
- ~Lachesis~, ~Sulphur~ und ~Calcarea Carbonica~. Diese Mittel sollten
- eine Woche lang oder länger eingegeben werden, ehe man zu andern
- Arzneien greift. Wenn der Geruch der sich ausscheidenden Flüssigkeit
- außerordentlich unangenehm ist, so gebe man ~Mercurius~, ~Hepar
- Sulphur~, ~Lycopodium~, ~Pulsatilla~ oder ~Sulphur~. Ist der Ausfluß
- mit Blut vermischt, ~Pulsatilla~, ~Mercurius~ und ~Lachesis~. Hat
- der Kranke heftiges Kopfweh und Fieber, ~Belladonna~ und ~Bryonia~
- abwechselnd. Wurde der Ausfluß plötzlich unterdrückt und die Mandeln
- beginnen anzuschwellen, so gebe ~Pulsatilla~, ~Mercurius~ und
- ~Belladonna~. Wenn die Unterdrückung des Ausflusses durch Erkältung
- veranlaßt wurde, so gebe ~Rhus~ oder ~Dulcamara~. Wenn nach der
- Unterdrückung die Hoden anschwellen, ~Pulsatilla~, ~Nux vomica~ oder
- ~Mercurius~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen der erwählten Arznei
- in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll
- der Auflösung jede 4 Stunden, eine Woche lang, es sei denn, andere
- Anweisungen seien bei den Heilmitteln angegeben. Wenn es bequemer
- ist, so gebe man sechs Kügelchen zu einer Dosis.
-
-
-Durchstechen des Ohrläppchens.
-
-Dr. H. R. Stout in Chicago befolgt beim Durchstechen des Ohrs zum
-Zwecke des Anbringens der Ohrringe eine sehr einfache Methode. Dieselbe
-besteht darin, daß das Ohrläppchen so lange gegen ein Stück Kork
-gedrückt wird, bis man kein Gefühl mehr in demselben hat; sodann sticht
-man, ohne den Kork zu entfernen, mit einer Nadel, in welcher ein Faden
-ist, schnell durch das Ohrläppchen, macht eine kleine Masche und läßt
-den Faden in der Oeffnung, bis die unbedeutende Wunde geheilt ist.
-Jeden Tag sollte man den Faden ein wenig hin- und herziehen, damit die
-Höhlung nicht zuheilt. Manchmal entsteht durch diese Operation die
-„Rose,“ deren Behandlung in einem anderen Theile dieses Buchs angegeben
-ist.
-
-
-Fremde Körper im Ohr.
-
-Manchmal kommen Insekten ins Ohr, in welchem Falle man Salatöl
-einträufelt, welches das Insekt tödtet, wornach es leicht entfernt
-werden kann. Ist eine Bohne oder derartige Substanz im Ohr, so sollte
-sie mittelst einer Haarnadel sorgsam entfernt werden; man biegt zu
-diesem Zwecke die Nadel hakenförmig. Jedoch muß man sich äußerst in
-acht nehmen, den Gegenstand nicht noch weiter hineinzuschieben. Es ist
-immer besser, wenn derartige Operationen von einem gebildeten Arzt
-vollbracht werden.
-
-
-
-
-Siebentes Kapitel.
-
-Krankheiten der Nase.
-
-
-Entzündung und Anschwellen der Nase.
-
-Dieses kann durch Verletzungen, z. B. Schläge, Fallen, Schneiden,
-hervorgerufen werden. Arnica ist hierbei das vorzüglichste Mittel,
-eine schwache Auflösung sollte zur Waschung der Nase dienen; es wird
-gleichzeitig das Bluten, das durch einen harten Schlag verursacht
-wurde, stillen.
-
-
-Nasenbluten (~Epistaxis~).
-
-Nasenbluten kommt sehr häufig, besonders unter jungen Leuten vor und
-erfordert selten irgend welche Behandlung. Ein leichter Schlag oder
-Niesen, sowie auch ungewöhnliche Hitze kann bei manchen Leuten schon
-die Veranlassung dazu werden. Es ist der Ueberfüllung der Blutgefäße
-des Kopfes zuzuschreiben und gewährt eher Linderung als das Gegentheil.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Kalte Umschläge auf die Stirne,
- die Nase und den Nacken sollten angewendet werden, ein Druck aus
- den unteren Theil der Nase ist zuweilen hinreichend, dasselbe zu
- unterdrücken, Verstopfen der Nasenhöhlen mit geröstetem trocknen
- Rindfleisch oder mit Linnen oder Watte, die zuvor mit einem
- Geraniumaufguß oder einer Auflösung von schwefelsaurem Zink
- (~Sulphate of zinc~) getränkt sind, wird zuweilen zuträglich gesunden
- werden.
-
- =Homöopathisch.= Ist die Blutung sehr heftig und kann derselben
- auf keine andere Weise Einhalt gethan werden, so sollte ein wenig
- feine Leinwand oder auch Charpie (~Lint~) mittelst eines starken
- Fadens durch die Nasenlöcher und den Mund und so lange aufwärts
- gezogen werden, bis dasselbe gegen die blutenden Gefäße andrückt.
- Ein bekanntes Mittel ist auch das Gleiten längs des Rückens mit
- einem Stück Eis oder einem kalten Schlüssel; Halten der Hände über
- dem Kopfe, welches hin und wieder das Nasenbluten stillt. Wird es
- durch einen Fall verursacht, so gebe man ~Arnica~, rührt es von
- Blutandrang nach dem Kopfe her, so gebe man ~Aconitum~, ~Belladonna~
- oder ~Bryonia~. Ist Ueberanstrengung die Ursache, ~Rhus~. Durch
- übermäßige Hitze, so liege man ruhig, mit dem Kopfe erhöht, und
- nehme alle halbe Stunden ~Bryonia~ und ~Aconitum~ abwechselnd; tritt
- es zur Nachtzeit ein, gebe man ~Rhus~, ~Bryonia~ oder ~Belladonna~
- abwechselnd alle Abend eine Dosis, wenn des Morgens, ~Nux vomica~
- oder ~Bryonia~, während eines Schnupfens alle Morgen und Abend
- ~Pulsatilla~ und ~Arsenicum~ abwechselnd eine Dosis von jedem, bei
- Kindern, welche an Würmern leiden, ~Cina~ und ~Mercurius~, bei
- Schwäche auch da, wo diese von Nasenbluten herrührt, gebe man alle
- halbe oder ganze Stunden eine Dosis ~Chinin~, oder wenn dies ohne
- Wirkung, ~Ferrum~. Blutklumpen, die sich in der Nase bilden, sollten
- nicht eher entfernt werden, bis das Bluten vollkommen gestillt ist.
- Charpie so unter die Oberlippe gepreßt, daß dadurch ein Druck auf die
- Pulsader ausgeübt wird, wird öfters das heftigste Nasenbluten stillen.
-
- =Allöopathisch.= Charpie oder ein kleines Stück Filz, in eine starke
- Lösung von Alaun oder Tannin getaucht, wird zuweilen mit Erfolg
- angewendet. Es sollte dies so weit als möglich in die Nase gezogen
- werden. Auch wird in manchen Fällen ~Mousel’s persalt of iron~, 1
- Theil auf 10 Theile Wasser, mit Erfolg angewendet.
-
-
-Schnupfen, Erkältung im Kopfe (~Coryza~ -- ~Catarrh~).
-
-Dies ist ein Leiden der Schleimhaut der Nase und des Halses, das sich
-zuweilen bis in die Luftröhren und Lungen erstreckt.
-
-+Symptome+: Der Schnupfen beginnt in der Regel mit einem dumpfen
-Schmerz und einem Gefühle von Schwere in der Stirn, Beklemmung der
-Brust, erschwertes Athmen, häufiges Niesen, Schwere des Kopfes,
-trockene, verstopfte Nase, böser Hals, Heiserkeit, Augen mehr oder
-weniger roth und wässerig, kurz darauf sondert sich eine dünne
-Flüssigkeit in der Nase ab, der Husten wird leichter und der Auswurf
-gelb und dick, der Kranke klagt über Heiserkeit und bösen Hals, hat
-keinen Geruch, hört schwer, stechender Husten; des Nachts gewöhnlich
-schlimmer, etwas Fieber und starke Schmerzen in verschiedenen
-Körpertheilen, Durst, fliegende Hitze, abwechselnd mit Frost.
-Beschränkt sich die Entzündung lediglich auf die Schleimhaut der
-Nasenhöhlen, so ist Niesen, ein Gefühl von Vollsein und Hitze, mit
-einem dünnen wässerigen Ausfluß vorhanden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- bewährt sich immer bei Beginn der
- Erkältung, sogar wenn nur ein leichtes Fieber vorhanden ist, ebenso,
- wenn die Absonderung aus der Nase unterdrückt wird und Kopfweh folgt.
- Auch ist ~Camphor~ bei denselben Symptomen gut. Wenn nichts anderes
- als gewöhnlicher Kampherspiritus zu haben ist, gebe man 1 oder 2
- Tropfen auf ein Stück Zucker, löse dasselbe in einem Glas halb voll
- Wasser und gebe es nach Vorschrift.
-
- ~Arsenicum.~ -- Nicht viel Fieber, Hitze oder Durst, der Patient ist
- unruhig, besonders des Nachts, trinkt oft und nur wenig auf einmal,
- Absonderung scharf und verdorben, brennende Hitze der Nase, die
- Absonderung verursacht Anschwellen der nächsten Theile, Röthe und
- Thränen der Augen. Gewährt ~Arsenicum~ keine Linderung, so gebe man
- ~Ipecacuanha~.
-
- ~Nux vomica~ -- sollte bei Verstopfung oder bei nur geringem Laufen
- der Nase gegeben werden, auch wenn dasselbe am Morgen stattfindet,
- bei Trockensein des Nachts, Mund trocken und dürr, ohne viel Durst,
- Verstopfung, am Abend Fieber und Frost abwechselnd.
-
- ~Chamomilla~ -- wenn der zurückgeschlagene Schweiß Beschwerde
- verursacht, Frösteln, Hitze und Durst, Schwere des Kopfes,
- Anschwellen des Gesichts, geröthete Wangen, Röthe und Entzündung der
- Augen.
-
- ~Mercurius.~ -- Beständiges Niesen, böser Hals, beständiges
- Laufen einer wässerigen Flüssigkeit, welches den Theil, welchen
- es berührt, wund macht, Anschwellen und Röthe der Nase, rasendes
- Kopfweh, Schmerzen in dem Nasenknochen, Katarrh am Morgen schlimmer,
- widerwärtiger Geruch.
-
- ~Belladonna.~ -- Anschwellen, Röthe und Brennen der Nase, Schmerz
- in der Nase, durch Berührung erhöht, klopfende Schmerzen im Kopfe,
- schlimmer bei Bewegung.
-
- ~Hepar Sulphuris.~ -- Besonders wenn nur eine Nasenhöhle angegriffen
- ist, brennendes Kopfweh, besonders in der Gegend der Nasenwurzel, bei
- der geringsten Bewegung verschlimmert, Katarrh durch jedes Einathmen
- der Luft verschlimmert. Sollte aufgegeben werden, wenn ~Mercurius~
- nur wenig Erfolg bietet.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Dicke, grüne oder gelbliche Absonderung aus der
- Nase, die sehr widerwärtig ist, Schwere im Kopfe und Schwindel,
- häufig gegen Abend und in der Zimmerwärme nimmt die Verstopfung der
- Nase überhand, Schmerz in einer Hälfte des Kopfes, öfters Niesen,
- schmerzhafter Druck an der Nasenwurzel, ziehende Schmerzen, Summen in
- den Ohren.
-
- ~Euphrasia.~ -- Besonders wenn die Augen entzündet und wässerig sind.
-
- ~Lycopodium.~ -- Verstopfung der Nase, besonders des Nachts, Geruch
- sehr scharf, rasende Schmerzen in der Stirne, Trockenheit des Mundes,
- ohne Durst.
-
- ~Silicea.~ -- Chronischer Katarrh bei starken Schmerzen in den
- Knochen der Nase. ~Tartarus emeticus~ kann in einigen Fällen gegeben
- werden, besonders bei Niesen, Frost, Geschmack- und Geruchlosigkeit;
- zuweilen, wenn die Absonderung der Schleimhaut unterdrückt wird,
- oder bevor dieselbe beginnt und die Nase ist heiß und trocken, wird
- auch ein wenig Almondöl, kalte Sahne vermittelst einer Feder oder
- eines Kameelhaarpinsels in das Innere der Nase gebracht, sowie auch
- Bähungen von heißem Wasser werden mit gutem Erfolg angewendet.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Wo keine Verordnungen mit den Mitteln
- angegeben sind, löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser
- auf, gib jede oder alle 2 oder 3 Stunden, der Strenge der Symptome
- angemessen, einen Theelöffel voll. Die Anwendung des Wassers ist
- bei dieser Krankheit von gutem Erfolg und kann gleichzeitig mit der
- Gabe der Mittel verbunden werden. Der Kranke muß sich in einem nicht
- zu warmen Zimmer aufhalten; nasse Umschläge über die Brust und den
- Unterleib sollten gemacht werden, der Kranke hütet das Bett, gehörig
- zugedeckt, und trinkt soviel als möglich kaltes Wasser, wodurch
- Schweiß hervorgerufen wird. Nachdem derselbe einige Zeit geschwitzt
- hat, lasse man ein milchwarmes Bad folgen.
-
- =Allöopathisch.= Man gehe frühzeitig zu Bett, nehme ein halbes Pint
- von einem warmen Getränk, einen Theelöffel voll ~Paregoric Elixir~
- oder einen Eßlöffel voll Mohnsyrup (~Syrup of poppies~), oder eine
- halbe Unze Bittersalz (~Epsom salts~), oder auch ein Seidlitzpulver
- am Morgen. In einigen Fällen wird auch folgendes angewendet:
-
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze.
- Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potash~) 10 Grane.
- Lakritzenextrakt (~Extract of liquorice~) 1 Skrupel.
- Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern
- (~Compound infusion of senna~) 5½ Unzen.
- Sennesblätter oder Jalappenwurzel (~Tincture of
- senna or jalap~) 3 Drachmen.
- Spiritus von flüchtigem Salz (~Spirits of sal
- volatile~) 1 Drachme.
-
- Mische es. Dosis: 2 oder 3 Eßlöffel voll. Diesem sollte man folgen
- lassen:
-
- Essigsaures Ammoniak (~Acetate of Ammonia~) 1½ Unzen.
- Süßer Salpeterspiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 Drachmen.
- Syrup 2 „
- Kampher-Mischung (~Camphor mixture~) 4 Unzen.
-
- Mische es. Ist kein Fieber vorhanden, so wird zuweilen schon eine
- Dosis von schwefelsaurem Magnesia (~Sulphate of magnesia~), wobei
- zu vermeiden ist, sich dem kalten oder nassen Wetter auszusetzen,
- gänzliche Enthaltsamkeit einer thierischen (Fleisch-) Kost,
- hinreichen; treten die Symptome heftig auf, sollten heiße Fußbäder,
- denen ein wenig Salz oder Senf beigefügt ist, gegeben werden. In
- einigen Fällen wird das Einathmen des Gases der Mischung von Laudanum
- und Hoffmann’s Anodyne -- zu gleichen Theilen -- von gutem Erfolg
- sein; in einzelnen Fällen verschafft schon ein Stück Kampher unter
- die Nasenlöcher gehalten, Linderung. Eine Auflösung von Opiumextrakt,
- im Verhältniß von einem Gran auf eine Unze Wasser, durch Einathmung
- in die Nasenhöhle gezogen, wirkt sofort erfolgreich. Dr. John A.
- Lockwood hat gefunden daß eine Auflösung von salpetersaurem Silber
- (~Nitrate of silver~) im Verhältniß von 8 oder 10 Granen auf eine
- Unze vermittelst eines Kameelhaarpinsels auf die Schleimhaut der
- Nase gebracht, ein ausgezeichnetes Mittel ist. Dr. C. J. A. Williams
- empfiehlt eine trockene Kur, die zuweilen von gutem Erfolge ist.
- Er gestattet keine Getränke mit Ausnahme einen Theelöffel voll
- Milch oder Thee, des Morgens oder Abends bei der Mahlzeit, und ein
- Weinglas voll Wasser beim zu Bett Gehen; die Symptome verschwinden
- in der Regel nach Verlauf von 36 bis 48 Stunden. Der Vortheil
- der Kur liegt darin, daß der Kranke hierbei seiner gewöhnlichen
- Beschäftigung ohne Störung nachgehen kann. Dr. Chapman, von der
- Pennsylvanischen Universität, empfiehlt 1 bis 2 Grane Opium oder 2
- bis 20 Grane Doverisches Pulver, das beim zu Bette Gehen genommen
- werden sollte, wornach der Kranke häufig am Morgen gesund aufwacht.
- Um die Verstopfung in Folge des Opiums zu beseitigen, kann es
- nothwendig werden, eine Dosis von schwefelsaurer Magnesia (~Sulphate
- of magnesia~) oder Salz zu geben.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ist der Anfall gelind, so ist nur wenig
- Medizin erforderlich. Beim zu Bette Gehen nehme der Kranke ein Fußbad
- in warmem Laugenwasser und trinke nach Belieben Kräuterthee, wie
- Pfeffermünz (~Peppermint~), Isop (~Penny royal~), Salbei (~Sage~),
- oder ~Composition powder~ und eine Dosis von Doverischem Pulver. In
- einigen Fällen mag die zusammengesetzte Tinktur von virginischer
- Schlangenwurzel (~Virginia snake root~) alle Stunden einen Theelöffel
- voll gegeben werden, um Schweiß hervorzurufen. Gegen den Husten,
- der den Schnupfen gewöhnlich begleitet, ist das bekannte Hausmittel
- von Honig oder Molasses mit Weinessig zusammen warm gemacht und
- mit frischer Butter gemischt, zu empfehlen; man gebe davon einen
- oder zwei Theelöffel voll und wiederhole es so oft als möglich. Die
- zusammengesetzte Gelbwurz- (~Golden seal~) Tinktur, verdünnt oder
- auch nicht, vermittelst eines Kameelhaarpinsels auf die Hautrände der
- Nase aufgetragen, wird zuweilen sehr schnelle Linderung verschaffen.
-
- Dr. King empfiehlt zur Entfernung des Gefühls von Vollsein und
- Verstopfung der Nasenhöhlen folgendes:
-
- Pulverisirte Cubeben (~Cubebs~) 2 Drachmen.
- ~Balsam Tolu~ 6 Grane.
-
- Mische es gehörig und füge ferner hinzu:
-
- Pulverisirten Lakritzen- (~Liquorice~) Extrakt 1 Unze.
- Peruanischen Balsam- (~Balsam Peru~) Syrup 1 Drachme.
- Pulverisirtes Gummi Arabicum in hinreichender Menge.
-
- Mische es gehörig und theile es in Kügelchen von 10 Gran, als Dosis
- ist eine zu nehmen und so oft als erforderlich zu wiederholen. In
- einigen Fällen wird ein Aufguß von Wasserdost (~Boneset~) beim zu
- Bette Gehen nach einem warmem Fußbad genommen Linderung verschaffen.
- Der Kranke sollte sorgfältig vermeiden, nachdem er am Abende eins
- von diesen Mitteln angewendet hat, sich am nächsten Tage einer neuen
- Erkältung auszusetzen.
-
- Tägliche Waschungen des Kopfes und Nackens mit sehr kaltem Wasser
- oder, wenn von nassen Füßen herrührend, deren Eintauchen in eiskaltes
- Wasser des Morgens werden dieses lästige Leiden verhindern. Man
- sollte damit in der wärmeren Jahreszeit beginnen und es den ganzen
- Winter hindurch fortsetzen.
-
-
-Chronischer Katarrh (~Ozœna narium~), Eiterung in der Nase
-
-kann die Folge eines vernachlässigten Katarrhs sein und von dessen
-häufiger Wiederkehr herrühren. Dieses Leiden kann Jahre lang dauern und
-sehr lästig werden. Es verursacht heftige Kopf- und Augenschmerzen,
-Thränen der Augen, starke Schleim-Absonderung in der Nase,
-Appetitlosigkeit, Abmagerung und dergleichen mehr, zuweilen ist er auch
-die Folge von anderen Krankheiten wie Scharlachfieber und Masern.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Dr. Wood empfiehlt zur Anwendung eine Einspritzung
- von essigsaurem Blei (~Acetate of lead~), schwefelsaurem Zink
- (~Sulphate of zinc~), schwefelsaurem Kupfer (~Sulphate of copper~)
- oder salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~). Er zieht
- schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) vor und zwar so, daß mit
- zwei Granen auf eine Unze Wasser angefangen und je nachdem es die
- Nase verträgt, auf 10, 15 sogar 20 Grane auf die Unze erhöht wird.
- Diese Einspritzung sollte jeden Tag ein- oder zweimal des Tages
- wiederholt und wenn nothwendig einige Monate lang fortgesetzt
- werden. Wenn der angegriffene Theil mit einem Pinsel von Kameelhaar
- erreicht werden kann, so ist dies die beste Art der Anwendung. Ist
- die Absonderung widerwärtig, so wird eine Auflösung von Chlorsoda
- (~Chloride of soda~), Potasche oder Kalk zuträglich gefunden werden.
- Zuweilen ist die Einathmung vom Gas des Kreosot, Theer und Essig
- dienlich.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Dr. Gunn empfiehlt einen Schnupftabak
- aus gleichen Theilen von Lorbeer (~Bay berry~), Blutwurzel (~Blood
- root~), Chinarinde (~Peruvian bark~) mehrere Male des Tages zu
- schnupfen. Gleichzeitig brühe man eine Handvoll Hopfen, Hundsbeere
- (~Hoarhound~) und Kamillen (~Chamomile~) in Essig und ziehe den
- warmen Dampf mehrere Male des Tages durch die Nase.
-
- Die nachstehenden Mittel sind ebenfalls zu empfehlen:
-
- Fein pulverisirte Blutwurzel (~Blood root~) und
- Lorbeerrinde (~Bay berry bark~) von jedem 1 Unze.
- Pulverisirte Myrrhen (~Myrrh~) ½ „
-
- Mische es und schnupfe mehrere Male des Tages davon.
-
- Oder auch:
-
- Pulverisirten Kampher (~Powd. Camphor~) 1 Drachme.
- Benzoe-Säure (~Benzoic acid~) 20 Grane.
- Pulverisirtes Opium 6 „
- Rothe Chinarinde (~Peruvian bark~) 4 Drachmen.
-
- Mische es gehörig und mache es mit Bergamottenöl wohlriechend.
- Dasselbe wird wie Schnupftabak gebraucht. Die Eingeweide sollten
- vermittelst eines gelegentlichen Abführmittels offen gehalten und die
- Haut täglich mit warmem Saleratuswasser gewaschen werden. Es wird
- gut sein, wenn der Kranke beim zu Bett Gehen Compositionsthee nach
- Belieben trinkt.
-
- Bei sehr hartnäckigen Fällen bringe folgendes vermittelst eines
- Kameelhaarpinsels in die Nasenhöhlen:
-
- Cubeben (~Cubebs~) 1½ Unze.
- Gelbwurz (~Golden seal~) 1½ „
- Lobelia 1½ „
- Blutwurz (~Blood root~) 1½ „
- Spanischer Pfeffer (~Capsicum~) 3 Drachmen.
- Verdünnter Alcohol 2 Quart.
-
- Mische es, laß die Mischung mehrere Tage lang stehen und schüttele
- es während dieser Zeit häufig um. Bei starkem Husten sollte die
- Tinktur von Lobelia, Blutwurz (~Blood root~), Brechwurzwein (~Wine of
- Ipecac~) und Peruanischer Balsam-Syrup in Dosen von einem Theelöffel
- voll mehrere Male des Tages gegeben werden.
-
- =Homöopathisch.= Die Behandlung kann mit ~Belladonna~ begonnen
- werden, jeden zweiten Abend eine Dosis; setze diese Behandlung eine
- Woche lang fort, dann gebe ~Aurum~ in derselben Weise, lasse diesem
- ~Mercurius~ folgen und nimm endlich ~Sulphur~ in derselben Weise. Bei
- Fieberhitze und ohne Fließen der Absonderung gebe man ~Aconitum~ und
- ~Belladonna~ abwechselnd, aufgelöst, alle 2 Stunden einen Theelöffel
- voll. ~Arsenicum~ ist bei starken Schmerzen, Brennen und Klopfen
- eines der besten Mittel gegen dieses Leiden.
-
- ~Lycopodium.~ -- Absonderung dick und gelblich, wenn der Katarrh
- mit Skropheln verbunden ist oder skrophulöse Personen befällt.
- ~Phosphorus~, ~Silicea~, ~Acidum Nitric~ und ~Conium~ sind mit Erfolg
- angewendet worden. Ist Syphilis die Ursache, so sind auch ~Hepar
- Sulphuris~, ~Aurum~, ~Acidum Nitri~, ~Lachesis~, ~Lycopodium~,
- ~Sulphur~, ~Mercurius~ und ~Sulphuratus~ angezeigt.
-
-
-Nasenpolyp (~Polypus of the Nose~)
-
-tritt in der Regel mit solchen an anderen Orten wie im Ohr, Magen,
-in den Eingeweiden gleichzeitig auf. Der Nasenpolyp ist gewöhnlich
-weich, von einer gelblich-weißen Farbe und in einigen Fällen
-durchsichtig. Er nimmt allmählig an Größe zu, ist die Ursache zum
-Nießen, Eingenommenheit und dumpfen Schmerzen im Kopfe, verstopft die
-Nasenhöhle und erschwert das Athmen, besonders während des Schlafs.
-Gewöhnlich wird dadurch nur Störung in dem Einathmen verursacht,
-zuweilen aber sind damit auch starke Schmerzen und Kopfweh verbunden,
-die Knochen der Nase werden angegriffen und sondern eine widrige
-Flüssigkeit ab.
-
-In der Regel müssen diese Polypen durch den Chirurgen entfernt werden,
-in einigen Fällen reicht aber auch eine Behandlung durch innerliche
-Mittel hin.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes kann geschnupft werden: Man
- nehme fein pulverisirte Lorbeerrinde (~Bay berry bark~), Entenfuß-
- (~May apple~) Wurzel je 1 Unze, und 4 Unzen Blutwurzel; mische es
- und schnupfe davon mehrere Male des Tages. Man kann ferner, wenn der
- Polyp erreicht werden kann, ein Läppchen, das zuvor angefeuchtet,
- zusammen drehen, in das Pulver stecken und dann durch Schnupfen
- einziehen, was den Auswuchs allmählig tödtet und ihn schließlich
- abfallen macht. Pulverisirte Scharlachbeere (~Poke root~) ist auch
- wirksam. Dr. King empfiehlt schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~)
- 2 Skrupel, Wasser 1 Unze, das vermittelst gehörig angefeuchteter
- Charpie eingeführt werden kann und vier- oder fünfmal des Tages zu
- wiederholen ist. Es wird zuweilen gut sein, nach dem zuerst erwählten
- Mittel folgendes zu gebrauchen:
-
- Blutwurzel-Tinktur (~Tincture of blood root~) 2 Unzen.
- Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 2 Drachmen.
-
- Mische und bringe es mehrere Male des Tages auf die Geschwulst.
-
- =Homöopathisch.= ~Staphysagria~, ~Calcarea~, ~Sepia~, ~Silicea~ und
- ~Thuja~ sind Mittel gegen dieses Leiden. Man nehme jedes drei Wochen
- lang eine Dosis jeden Tag. Am Ende der dritten Woche wechsle man es
- mit einem anderen Mittel und fahre so fort, bis Heilung eintritt.
- ~Teucrium~, wovon jeden Abend durch mehrere Monate hindurch eine
- Dosis genommen werden sollte, wird sehr empfohlen.
-
- =Allöopathisch.= Einspritzungen von Alaunauflösung oder das tägliche
- Betupfen der Geschwulst mit salzsaurer Eisentinktur (~Muriated
- tincture of iron~) wird in einigen Fällen dieselbe entfernen.
-
-
-Nasenkrebs (~Cancer of the nose~).
-
-Dieses ist eines der fürchterlichsten Leiden, denen das menschliche
-Geschlecht unterworfen ist. Der Krebs beginnt in der Regel mit einer
-harten Geschwulst, die allmählig in Eiterung übergeht, ungemein
-schmerzhaft ist und sich leicht auf Lippen oder andere Theile des
-Gesichts ausdehnt.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Arsenicum~ -- ist das wichtigste Mittel, wenn
- die folgenden Symptome vorhanden sind: Brennen, Anschwellen der
- Nase, Schmerz bei Berührung, Eiterung der Nasenhöhlen hochoben, mit
- Absonderung eines widerwärtigen Eiters, eiterartiger Ausschlag um
- die Lippen, Schmerz stechend und prickelnd während der Tageszeit,
- Zunge schwärzlich und aufgesprungen. Auch ~Sulphur~ wird zuträglich
- gefunden werden. Die Behandlung sollte aber immer einem geschickten
- Arzte überlassen werden.
-
- =Allöopathisch.= Dr. J. W. Fell verordnet Folgendes:
-
- Zink-Chlorid (~Chloride of zinc~) 6 Unzen.
- Pulverisirte Blutwurzel 2 „
- Myrtenwachs (~Myrtle wax~) 1 Unze.
- Wasser von Opiumextrakt 6 Drachmen.
- Conicumextrakt 6 „
-
- Mische es und mache eine Salbe daraus. Diese Salbe wird so lange auf
- die Geschwulst gebracht, bis die Haut zerstört ist, was einen Schorf
- bildet, in dem Einschnitte, einen halben Zoll von einander entfernt,
- gemacht werden sollten. Gleichzeitig sollte Folgendes angewendet
- werden:
-
- Blei-Iodide (~Iodide of lead~) 1 Skrupel.
- Glycerin 1 Drachme.
- Spermazeutsalbe 2 Unzen.
-
- Man mache eine Salbe daraus, und nachdem man die erstere durch 12
- Stunden hindurch verwendet hat, fahre man mit der letzteren in
- derselben Weise 12 Stunden lang fort; gewöhnlich schneidet dieses die
- Krankheit kurz ab.
-
- Gleichzeitig verordnet er folgendes:
-
- Pulverisirte Blutwurzel (~Blood root~) 1 Skrupel.
- Arsenik-Iodide (~Iodide of arsenic~) 2 Grane.
- Cicuta- (Schierling) Extrakt 2 Skrupel.
-
- Mische und theile es in 40 Pillen. Dosis: Dreimal des Tages eine
- Pille.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes wird empfohlen:
-
- Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 1 Unze.
- Schwefelsaures Kupfer (~Sulphate of copper~) 1 „
- Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) 1 Drachme.
-
- Mische es und mache davon einen Umschlag.
-
- Oder auch:
-
- Schweinefett 3 Pfund.
- Verdigris 2 Unzen.
- Bienenwachs 2 „
- Schottischer Schnupftabak 1 Pfund.
-
- Mische das Fett und das Wachs und rühre es mit den übrigen Sachen
- zusammen.
-
- Folgendes soll in mehreren Fällen den Krebs geheilt haben:
-
- Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 1 Drachme.
- Sanguinaria 2 Drachmen.
- Rother Kleeextrakt (~Extract of Red Clover~) hinlänglich genug, um
- ein Pflaster davon zu bereiten.
-
- Ein Umschlag von rohen Preiselbeeren (~Cranberries~) soll selbst
- diese eingewurzelte Krankheit heilen. Die Beeren werden zerquetscht
- und zu einem Umschlag verwendet. Die Wirkung eines solchen Umschlages
- zeigt sich in der Bildung kleiner Blattern, gleich denen der Pocken,
- wodurch der krebsartige Eiter ausgezogen und die Größe des Krebses
- selbst bei jedem Umschlag vermindert wird.
-
- Nachstehendes ist als ein unfehlbares Mittel empfohlen worden. Man
- breche ein Ei auf, gieße das Weiße aus und behalte den Dotter in der
- Schale, dann lege es in Salz und mische es so lange, bis sich eine
- Salbe bildet, mit welcher ein Stück Heftpflaster bestrichen wird, und
- erneure dasselbe zweimal des Tages über den Krebs.
-
- Folgendes Mittel soll bei einigen veralteten Fällen geholfen haben:
-
- Rotheichenrinde (~Red oak bark~) 2 Unzen.
- Weißeichenrinde 2 „
- Scharlachbeerwurzel 2 „
- Persimon- (Dattelpflaumen) Rinde 2 „
- Schwarze Mehlbeerenrinde (~Black haw bark~) 2 „
- Brombeerwurzel (~Blackberry~) 4 „
- Schafampfer (~Sheep sorrel~) 2 „
- Rothe Kleeblüthe (~Red clover blossom~) 2 „
- Zimmetrinde (~Cinnamon~) 1 „
-
- Koche dies mit 4 oder 5 Gallonen Wasser bis auf eine Gallone ein.
- Seihe es durch und füge auf jedes Quart eine Unze Borax und eine
- Unze Alaun hinzu. Hiermit wird der Krebs drei- bis viermal des Tages
- gewaschen.
-
-
-Fremde Körper in der Nase.
-
-Dieselben können dadurch aus der Nase entfernt werden, daß der Mund und
-das entgegengesetzte Nasenloch geschlossen werden und darauf durch das
-Nasenloch, in dem sich etwas Ungehöriges befindet, kräftig geblasen
-wird; Kitzeln mit einer Feder, so daß dadurch Niesen verursacht wird,
-reicht zuweilen schon hin. Wenn diese Mittel ohne Erfolg bleiben, so
-presse man den Daumen oder Finger auf die Nase oberhalb des fremden
-Körpers, fahre dann mit einer Strick- oder Haarnadel, die am obern
-Ende hakenförmig gebogen ist, in das Nasenloch und ziehe damit den
-betreffenden Gegenstand herunter. Zuweilen kann auch der betreffende
-Gegenstand zurückgedrückt werden, so daß er in den Mund fällt, aber es
-ist das Beste, nicht zu diesem Mittel zu greifen, das Unannehmlichkeit
-zur Folge haben kann.
-
-
-
-
-Achtes Kapitel.
-
-Krankheiten des Gesichts, der Lippen und der Kinnbaken.
-
-
-Gesichtsrose (~Erysipelas~).
-
-Die Gesichtsrose unterscheidet sich nicht von ~Erysipelas~ an irgend
-einem andern Theil des Körpers. Diese Krankheit erzeugt stets mehr
-oder weniger Hitze, Anschwellen und Röthe im Gesicht, manchmal folgt
-auch Delirium und Gehirnentzündung. Die Behandlung der „Gesichtsrose“
-unterscheidet sich von der Behandlung der „Rose“ an andern
-Körpertheilen durchaus nicht.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Man wird gut thun, die Behandlung mit einer kleinen
- Dosis Bittersalz (~Epsom salts~) oder Rochellesalz zu beginnen.
- Ist der Magen in guter Ordnung, so lasse man darauf ein halb Gran
- Blaupillen (~Blue pill~) und ein Drittel Gran Ipecacuanha (~Ipecac~)
- -- alle drei Stunden folgen. Auch wird die folgende Mischung
- (~Neutral mixture~), die man zu gleicher Zeit gebraucht, gute Dienste
- leisten:
-
- Kali-Syrup (~Syrup of potassa~) 2 Drachmen.
- Citronensyrup ½ Unze.
- Wasser 3½ Unzen.
-
- Mische dieses. Dosis: Einen Theelöffel voll dieser Mischung mit einem
- Theelöffel voll Wasser alle zwei oder drei Stunden. Der Citronensyrup
- kann, wenn gewünscht, weggelassen werden. Um die Hitze und das
- Brennen im Gesicht zu lindern, reibe man dasselbe mit Schweinefett,
- Talg oder kaltem Rahm, oder einem aus Ulmenrinde (~Slippery elm~)
- oder Flachssamen bereiteten Schleim ein. Manchmal mag man verhüten,
- daß sich die Anschwellung über den Kopf verbreitet, indem man da, wo
- die Entzündung aufhört, einen Zoll breiten Streifen mit Jodtinktur
- (~Tincture of iodine~) oder salpetersaurem Silber (~Nitrate of
- silver~) mittelst eines Läppchens oder Pinsels zieht.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Es wird von guter Wirkung sein, das
- Gesicht über einen Absud von durchwachsenem Wasserdust (~Boneset~)
- oder Rainfarn (~Tansy~) oder Hopfen zu halten. Ein ausgezeichnetes
- Mittel gegen dieses Uebel ist ein Umschlag von gekochten
- Preiselbeeren (~Cranberries~) mit pulverisirter Ulmenrinde (~Elm
- bark~) oder Weizenmehl.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Wenn starkes Fieber, trockene Haut
- und dumpfer Puls, so folge in einigen Stunden mit ~Belladonna~,
- namentlich wenn der Kopf mehr oder weniger affizirt ist. Auch kann
- man, wenn nöthig, ~Belladonna~ und ~Aconitum~ abwechselnd geben.
-
- ~Lachesis.~ -- Namentlich wenn der Patient über Trockenheit im Halse
- und Schmerzen beim Schlucken klagt, oder wenn er hustet, ohne Auswurf
- zu haben. Diese Mittel können alle zwei oder drei Stunden allein oder
- abwechselnd gegeben werden.
-
- Für fernere Behandlungsweise siehe ~Erysipelas~ -- erstes Kapitel --
- allgemeine Krankheiten.
-
-
-Gesichtsausschlag (~Eruption of the Face~).
-
-Gesichtsausschlag kann auf verschiedene Art zu Tage treten. Gewöhnlich
-ist es ein chronisches Uebel und währt geraume Zeit. Junge Personen
-oder solche, die unmäßig essen und trinken, sind häufiger mit
-demselben heimgesucht als andere. Die Arten des Gesichtsausschlags
-sind: Die einfache Finne (auch Kupferausschlag ~Acne Simplex~), die
-rosige Finne (~Acne Rosacea~) und die eiterige auch blatterige Finne
-(~Acne Pustulosa~). Bei der erstgenannten Art zeigt sich eine kleine,
-entzündete Fistel, welche nach und nach größer wird und von blaßrother
-Farbe ist. Dieselbe geht auf und entleert eine kleine Quantität
-Flüssigkeit, worauf ein Schorf (~scab~) entsteht, welcher nach einigen
-Tagen abfällt und einen runden, harten, rothen Fleck zurückläßt.
-
-Die rosige Finne affizirt das Gesicht und wird gewöhnlich bei
-Erwachsenen gefunden, namentlich aber bei Schwelgern. Die Finnen sind
-hart, roth und klein, nach und nach aber werden sie größer, entleeren
-blutige Materie und bilden einen kleinen Schorf. Diese Krankheit ist
-sehr schwierig zu heilen und außerordentlich entstellend.
-
-Die eiterige oder blatterige Finne ist ein sehr schmerzhaftes Uebel,
-namentlich wenn die Kopfhaut davon befallen wird. Alle diese Ausschläge
-werden um die Poren herum gefunden und durch Verhinderung des Schweißes
-erzeugt.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Der Kranke muß sehr mäßig leben und
- keinerlei Stimulanten, z. B. Thee, Kaffee und Branntwein genießen
- und darf nur wenig Fleischspeisen essen. Alle Tage sollte der Körper
- mit schwachem Laugenwasser gewaschen werden. Ist das Uebel durch
- Unordnung in den Verdauungs- oder anderen Organen entstanden, so muß
- man die betreffende Behandlung einschlagen. Als Lokalmittel kann
- folgendes gebraucht werden:
-
- Salmiak (~Muriate of ammonia~) 3 Drachmen.
- Conium-Tinktur (Schierling-Tinktur) 1½ Unze.
- Destillirtes Wasser 1 „
-
- Mische und betupfe die Theile mehrere Male des Tages.
-
- Das folgende hat sich als gutes Waschmittel erprobt:
-
- Ammoniakwasser (~Aqua ammonia~) 1 Unze.
- Lobelia-Tinktur (~Tincture of lobelia~) 1 „
- Myrrhen-Tinktur 1 „
-
- Mische und gebrauche die Mischung zwei- oder dreimal des Tages.
-
- Nachdem die Pusteln „voll“ sind, sollten sie geöffnet werden, damit
- die Flüssigkeit entfernt wird, worauf das eben angegebene oder das
- folgende Waschmittel in Anwendung kommt:
-
- Schwefelmilch (~Milk of sulphur~) 2 Drachmen.
- Kamphergummi (~Gum camphor~) 1 Drachme.
- Alcohol 2 Unzen.
- Wasser 2 „
-
- Löse den Kampher im Alcohol auf, mische und wasche die betreffenden
- Theile mit ein wenig dieser Mischung jeden Tag vor dem Schlafengehen.
-
- Ist die Krankheit erst eine neuerdings eingetretene und noch nicht
- chronisch geworden, so werden gleiche Theile von Cölnischem Wasser
- (~Cologne~) und eine gesättigte Auflösung von Kleesäure (~Oxalic
- acid~) gute Dienste leisten.
-
- =Homöopathisch.= ~Causticum~, ~Rhus~, ~Sepia~ und ~Carbo Animalis~
- gegen die rosige Finne.
-
- ~Belladonna~, ~Hepar Sulphur~, ~Natrum~, ~Nitric Acid~, ~Sulphur~ und
- ~Sepia ~gegen die einfache Finne.
-
- Wasserstoffsaures Kali (~Hydriodate of potassa~) wird gegen diese
- Gesichtsausschläge empfohlen. Zwei Grane dreimal des Tages zu nehmen.
-
- ~Mercurius Cor.~ -- Wenn der Organismus syphilitisches Gift enthält.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe von dem erwählten Heilmittel
- eine Dosis dreimal des Tages drei oder vier Wochen lang, ehe man zu
- einem anderen greift.
-
- =Allöopathisch.= Als gutes Waschmittel hat sich eine Auflösung von
- kohlensaurer oder doppeltkohlsaurer Soda (~Carbonate or Bicarbonate
- of Soda~) ein Skrupel auf ein Pint Wasser -- bewährt. Auch wird die
- folgende Salbe empfohlen:
-
- Ammoniated Mercury 1 Skrupel.
- Glycerin 1 Drachme.
- Bitteres Mandelöl (~Oil of bitter almonds~) 3 Tropfen.
- Schweinefett 1 Unze.
-
- Mische und gebrauche dies jeden Tag. Gegen die schwarzen Flecken, die
- man Fleischwurm nennt, und die sich um die Nase, oder an der Stirne,
- oder am Kinn zeigen, wird sich das folgende als sehr wirksam beweisen:
-
- Kaliauflösung (~Liquor of potassa~) 1 Unze.
- Cölnisches Wasser (~Cologne~) 2 Unzen.
- Weißer Branntwein (~White brandy~) 4 „
-
- Mische dieses und gebrauche es. Gegen manche dieser Ausschläge wird
- das folgende Mittel sehr empfohlen:
-
- Schwefelwasser (~Sulphur water~) 1 Unze.
- Säuerliche Ammoniak-Auflösung (~Acetated Liquor
- of ammonia~) ½ „
- Kaliauflösung (~Solution of potassa~) ½ „
- Weißer Weinessig 2 Unzen.
- Destillirtes Wasser 2 „
-
- Bei sehr hartnäckigen Fällen gebrauche das folgende:
-
- Aetzendes Sublimat (~Corrosive sublimate~) 2 zu 5 Grane.
- Wasser 1 Unze.
-
- Wende dies mittelst Baumwolle an einer Stricknadel befestigt an,
- indem man die Mischung nur einige Augenblicke auf den betreffenden
- Theilen läßt:
-
- Das folgende wird sehr empfohlen:
-
- Jod-Schwefel-Salbe (~Iodide of Sulphur~) 15 zu 20 Grane.
- Schweinefett 1 Unze.
-
-
-Nervöser Gesichtsschmerz oder Neuralgia im Gesicht (~Tic Douloureux~).
-
-Neuralgie ist eine der schmerzhaftesten Krankheiten. Es ist ein
-Nervenschmerz, der sich gewöhnlich einem oder dem andern Nerv
-seiner ganzen Länge nach nachzieht, obgleich auch in anderen Fällen
-der Schmerz blos auf einem Fleck gefühlt wird und das Uebel durch
-Störungen im Gehirn, Magen oder den Gedärmen erzeugt werden mag. In
-den meisten Fällen ist der Schmerz blos ein Symptom und es zeigen
-sich weder Anschwellungen noch Entzündung. Neuralgie mag verschiedene
-Körpertheile affiziren, beschränkt sich jedoch gewöhnlich nur auf
-den Kopf. Gesichtsneuralgie wird meistens durch Störungen im fünften
-Nervenpaar, das im Gesicht sich verzweigt, hervorgerufen. Hauptsächlich
-wird der Nervenzweig über den Augenbrauen affizirt, manchmal aber
-auch alle Zweige, so daß der Schmerz äußerst heftig wird. Der Anfall
-tritt gewöhnlich plötzlich ein, setzt öfters wieder aus, um wiederum
-zurückzukehren. Die Schmerzen sind den Nerven entlang sehr heftig,
-stechend, reißend, als ob glühende Drähte in die betreffenden Theile
-gestochen würden. Nachdem der Schmerz aufgehört, folgt häufig eine Art
-Erstarrung. Manchmal treten die Schmerzen jedoch nach und nach ein und
-werden allmählig heftiger. Während des Anfalls werden die Gesichtszüge
-durch die krampfhafte Bewegung der Muskeln nicht selten verzerrt.
-
-+Ursachen.+ Luftzug, ein plötzlicher Schlag, Fall &c., feuchte Luft,
-Schwäche, Störungen in den Verdauungsorganen &c.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Schneidende, schießende, brennende
- Schmerzen, die in plötzlichen Anfällen eintreten und auf welche
- leichterer Schmerz folgt. Der Zustand des Kranken verschlimmert sich
- bei Nacht; die Kinnbacken oder Wangen schwellen; der Patient hat viel
- Durst, ist erregt, unruhig; die Schmerzen beschränken sich auf eine
- Seite des Gesichts, heftiges Pulsiren der Hals- und Kopfadern, die
- Augen funkeln, summender Schmerz in den Ohren, Schläfen und Seiten
- des Halses; Fieber.
-
- ~Belladonna.~ -- Wenn die Anfälle allmählig eintreten mit Jucken
- und Krappeln in den affizirten Theilen; rothe, geschwollene Wangen,
- stechende, schießende Schmerzen im Kinnbacken und der Nase,
- Verzerren der Augenlider und der Gesichtsmuskeln, dumpfer Schmerz
- im Vorderkopf, Ohrenklingen, Hitze und Röthe im Gesicht, große
- Empfindlichkeit gegen Kälte und Licht, heftige Schmerzen, namentlich
- auf einer Seite, gewöhnlich der rechten, die Schmerzen vermehren
- sich bei dem geringsten Geräusch oder bei Bewegung und ebenso durch
- die Bettwärme. Wenn ~Belladonna~ nicht lindert, die Symptome jedoch
- dieses Mittel andeuten, so gebe man ~Atropine~.
-
- ~Bryonia.~ -- Namentlich für mit Rheumatismus behaftete Personen.
- Rothes, heißes Gesicht, Schwellung an einer Seite unter den Augen
- und an der Nasenwurzel, brennende Schmerzen, die sich beim Druck
- vermehren, Schmerzen in den Gliedern, Frösteln, worauf Fieber folgt.
-
- ~Chamomilla.~ -- Namentlich für sehr empfindsame Frauenzimmer;
- Schmerz reißend und klopfend mit einem gewissen Erstarrungsgefühl
- in dem affizirten Theil, aufgedunsenes, geschwollenes Gesicht, eine
- Wange roth, die andere blaß, Frostschütteln mit innerlicher Hitze.
-
- ~Colocynth.~ -- Heftige, schießende Schmerzen, die sich bis zu
- den Ohren, den Schläfen, den Zähnen und allen Theilen des Kopfes
- erstrecken, namentlich auf der linken Seite; der Schmerz vermehrt
- sich bei der leisesten Berührung.
-
- ~Arsenicum.~ -- Wenn die Schmerzen nach bestimmten Zeiträumen
- wiederkehren, brennend, bei Nacht stärker sind und durch Hitze
- gelindert werden; große Aengstlichkeit, viel Schweiß, heftiger
- Schmerz in und um die Augen und um die Schläfe herum.
-
- ~China.~ -- Namentlich wenn die Anfälle periodisch sind, große
- Schmerzen, Empfindlichkeit der Haut, die bei der leisesten Berührung
- vermehrt wird; heftige Schmerzen in den Kinnbacken.
-
- ~Nux vomica.~ -- Zuckende, reißende Schmerzen, geschwollene Wangen,
- der Schmerz stellt sich Morgens nach dem Aufstehen ein und nimmt
- allmählig bis gegen Abend ab; Uebelkeit, Erbrechen, Hartleibigkeit,
- der Schmerz durch kühle Luft und kühle Getränke vermehrt und
- vermindert durch Ruhe und Wärme.
-
- ~Platinum.~ -- Betäubender Druck auf die Kinnbacken, mit Frösteln.
- Wenn die Schmerzen bei Nacht heftiger sind und der Kranke sehr nervös
- und melancholisch ist.
-
- ~Spigelia.~ -- Zucken, Reißen, Brennen und Druck im Kinnbacken,
- vermehrt durch Berührung oder Bewegung, Schmerzen treten zu einer
- bestimmten Tageszeit ein, sind am heftigsten, wenn sie bald aufhören.
-
- ~Coffea.~ -- Große Erregtheit des Geistes und Körpers, ebenso große
- Empfindlichkeit und außerordentliche Schmerzen in den afficirten
- Theilen.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Für Frauenzimmer namentlich, wenn sich die Krankheit
- mit Urinstörungen zeigt; schmerzvolle Empfindlichkeit auf einer Seite
- des Gesichts mit Frösteln.
-
- ~Mercurius.~ -- Reißende, schießende Schmerzen an einer Seite von der
- Schläfe bis zu den Zähnen, heftiger bei Nacht und in der Bettwärme,
- Nachtschweiße, zu viel Mundspeichel, Schlaflosigkeit.
-
- ~Phosphorus.~ -- Reißende Schmerzen in der linken Seite und
- Verschlimmerung durch die beim Essen bewerkstelligte Muskelbewegung.
-
- Als äußeres Mittel wird kaltes oder warmes Wasser, je nachdem es
- dem Patienten zusagt, sehr wirksam sein. Auch mag man das Leiden
- öfters bedeutend lindern, indem man die betreffenden Theile mit einer
- Mischung von 6 Tropfen Aconitumtinktur und 6 Theelöffel voll Wasser
- wäscht.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse von dem gewählten Mittel 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe von dieser
- Auflösung einen Theelöffel voll alle 15 Minuten, halbe Stunde oder
- zwei Stunden, je nach den Symptomen. Sobald der Patient besser wird,
- so gebe die Arznei alle 4, 6, 8 oder 10 Stunden.
-
- +Diät.+ Wer an Neuralgie leidet, sollte weder Kaffee noch grünen Thee
- trinken, und muß überhaupt auf die Speisen Acht haben, die er nicht
- ertragen und nicht verdauen kann.
-
- =Allöopathisch.= Ein wirksames Lokalmittel ist Laudanum oder
- Paregoric, welche man auf ein Stück Zeug anbringt und geölte Seide
- (~Oil silk~) darüber breitet, um die Verdünstung zu verhüten, und
- das ganze alsdann auf die betreffenden Theile legt. Bei heftigen
- Anfällen mag das Laugensalz der Nießwurz (~Veratrea~) -- zwanzig
- Grane zu einer Unze Schweinefett -- gebraucht werden.
-
- Auch wird das Folgende empfohlen:
-
- Destillirtes Wasser 2 Unzen.
- Baldriansäure (~Valerianic acid~) 1 Unze.
- Kohlensaures Natron (~Subcarbonate of ammonia~)
- genug, um die Säure zu neutralisiren.
- Alkoholischer Baldrianextrakt (~Alcoholic extract
- of valerian~) 2 Skrupel.
-
- Man gebe dreimal des Tages einen Theelöffel voll.
-
- Oder das Folgende:
-
- Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) 2 Grane.
- Blausaures Kalium (~Cyanide of potassium~) 4 „
- Baldrianextrakt (~Extract of valerian~) 4 „
-
- Man bereite hiervon 24 Pillen. Dosis -- eine Pille dreimal des Tages.
-
- Oder:
-
- Bilsenkrautextrakt (~Extract of hyosciamus~) ½ Drachme.
- Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) 3 Grane.
- Strychnin 2 „
- Pulverisirter Cayennepfeffer ½ Drachme.
- Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 15 Grane.
-
- Verfertige 30 Pillen. Dosis -- eine Pille viermal des Tages.
-
- Manchmal greift man auch zur Aether- oder Chloroform-Einathmung gegen
- außerordentlich heftige Schmerzen. Ist die Neuralgie durch Störung in
- den Verdauungswerkzeugen (namentlich in dem Darmkanal) entstanden,
- was an der belegten Zunge, Appetitlosigkeit und Hartleibigkeit
- erkannt werden kann, so gebe das Folgende:
-
- Koloquintenextrakt (~Extract of Colocynth~) ½ Drachme.
- Zusammengesetzte Mutterharzpille (~Compound
- galbanum pill~) 1 „
- Crotonöl 1 Tropfen.
-
- Verfertige hieraus Pillen, jede von 5 Granen, und nehme eine
- derselben vor dem Schlafengehen.
-
- Die folgende Salbe wird sehr gut empfohlen:
-
- Hirschhorngeist (~Spirits of hartshorn~) 1½ Unzen.
- Schwefeläther (~Sulphuric ether~) 1½ „
- Terpentingeist (~Spirits of turpentine~) ½ Unze.
- Salatöl ¾ „
- Nelkenöl (~Oil of cloves~) ½ „
- Chloroform 1 „
-
- Mische dies gut in einem acht Unzen haltenden Arzneikolben, welcher
- gut zu verschließen, an einen dunklen Ort zu stellen und zur Vorsicht
- noch in ein dickes Papier oder Stück Zeug zu wickeln ist, da das
- Licht die Wirkung der Medizin zerstört. Dieses Recept wird sehr gut
- gegen Kopfweh, Verrenkungen u. s. w. empfohlen.
-
- Das folgende Liniment wird sich in manchen Fällen wirksam erweisen:
-
- Aconitumextrakt (~Extract of Aconite~) 1 Skrupel.
- Seifenliniment 1 Unze.
- Zusammengesetztes Kampherliniment (~Compound
- liniment of camphor~) 1 Unze.
-
- Mische dieses.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Das Folgende ist empfehlungswerth:
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 20 Grane.
- Vitriol-Elixir (~Elixir of vitriol~) 1 Drachme.
-
- Löse das Chinin in dem Elixir auf und füge bei:
-
- Schlangenwurzeltinktur (~Tincture of black cohosh~) 14 Drachmen.
-
- Mische und gebe alle 2 Stunden 20 Tropfen in einem Eßlöffel voll
- Wasser.
-
- Heiße Hopfenbähung auf die betreffenden Theile gelegt verursacht
- gewöhnlich Linderung. Auch wird dem Patienten durch ~Hot drops~
- (heiße Tropfen?), die in jeder Apotheke zu haben sind, manchmal
- Erleichterung verschafft. Pulverisirter Baldrian (~Valerian~) ist
- ebenfalls ein ausgezeichnetes Arzneimittel -- einen Theelöffel voll
- alle zwei Stunden. Manchmal mögen die Schmerzen gelindert werden,
- indem man ein ~Compound tar plaster~ hinter die Ohren legt und
- zugleich das Folgende einnimmt:
-
- Feinpulverisirtes Ammoniaksalz (~Sal ammoniac~) 2 Drachmen.
- Blausaures Eisen (~Prussiate of iron~) 8 Grane.
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 4 „
- Kampher 2 „
-
- Mische dieses sehr gut und theile die Mischung in 4 Pulver. Dosis --
- ein Pulver alle zwei oder drei Stunden, je nach der Heftigkeit der
- Anfälle.
-
- Das folgende wird von guter Wirkung sein:
-
- Chloroform 1 Unze.
- Aconitumtinktur 1 „
- Kamphertinktur 1 „
- Laudanum 1 „
-
- Mische und reibe etwas von der Mischung über die afficirten Theile
- zwei- oder dreimal des Tages.
-
-
-Gesichtsflecken (~Freckles~).
-
-Gesichtsflecken sind eine durch Aussetzung an die Sonne hervorgerufene
-Entfärbung der Haut und haben ihren Sitz in der äußeren und mittleren
-Hautlage. Ehe man irgend ein Mittel anwendet, wird man wohl thun, die
-betreffende Oberfläche mittelst eines linden Balsams oder Schleims zu
-erweichen, wofür folgendes empfohlen wird:
-
- Honig 2 Unzen.
- Gereinigtes Wachs (~Purified wax~) 1 Unze.
- Bleiglätte (~Litharge~) ½ „
- Myrrhen ½ „
-
- Mische dieses gut, während es über einem langsam brennenden Feuer
- steht, und parfümerire die Mischung mit kölnischem Wasser, Rosenöl
- oder irgend einer anderen Parfümerie.
-
- Nachdem die Hautoberfläche erweicht ist, kann folgendes gebraucht
- werden:
-
- Bittere Mandeln (~Bitter almonds~) 1 Unze.
- Gerstenmehl 1 „
-
- Mische mit so viel Honig, daß ein Brei entsteht, mit welchem man das
- Gesicht vor dem Bettgehen einreibt.
-
- Auch kann das folgende in Anwendung kommen:
-
- Citronensaft 2 Unzen.
- Pulverisirter Borax ½ Drachme.
- Zucker 1 „
-
- Mische und lasse die Mischung in einem gläsernen Gefäß einige Tage
- stehen, bis sie zum Gebrauch tauglich ist, und reibe das Gesicht
- zwei- oder dreimal des Tages damit ein.
-
- Manchmal wird eine Mischung von kölnischem Wasser und Kleesäure
- (~Oxalic acid~) gebraucht.
-
- Das folgende wurde von der bekannten Madame de Maintenon angewendet:
-
- Venetianische Seife 1 Unze.
- Citronensaft ½ „
- Bitteres Mandelöl (~Oil of bitter almonds~) ¼ „
- Flüssiges Weinsteinöl (~De-liquidated oil of
- tartar~) ¼ „
- Rhodiumöl 3 Tropfen.
-
-
-Gesichts- und Kinnbackenlähmung (~Paralysis of the Face and Jaw~).
-
-Diese Krankheit tritt gewöhnlich mit der Lähmung anderer Körpertheile
-auf, ob dieselbe nun eine theilweise oder gänzliche ist, und muß
-deshalb, wie Lähmung im Allgemeinen, behandelt werden. Siehe für
-Behandlung Abtheilung ~IV.~ -- verschiedene Krankheiten.
-
-
-Starrkrampf, Kinnbackenkrampf, Mundklemme (~Lock Jaw~).
-
-Dies ist eine gefährliche Krankheit und besteht in der Zusammenziehung
-aller Körpermuskeln. Wird der Körper bei den Anfällen vorwärts
-gebeugt, so nennt man es ~Emprosthotonos~ (Starrkrampf der
-Beugungsmuskeln nach vornen); wird der Körper rückwärts gebeugt, so
-heißt es ~Opisthotonos~ (Rückenkrampf, Starrkrampf mit Beugung nach
-hinten). Ist der Krampf aber blos auf die Kinnbacken beschränkt, so
-wird die Krankheit Kinnbackenkrampf, auch Mundklemme oder Mundsperre --
-engl. ~Lock Jaw~, lat. ~Trismus~ -- genannt.
-
-+Symptome.+ -- Der Starrkrampf tritt oftmals plötzlich und manchmal
-allmählig ein. Die ersten Symptome sind ein leichtes Gefühl der
-Steifheit im Nacken und Hals, welche Steifheit immer bedeutender wird,
-so daß der Patient nur mit größter Schwierigkeit und unter Schmerzen
-seinen Kopf bewegen kann. Auch ist er nicht vermögend, den Mund leicht
-zu öffnen; die Kinnbacken kneifen allmählig zusammen und stehen fest,
-Engigkeit in der Brust, große Schmerzen im Brustbein, unbequeme
-Erregtheit an der Zungenwurzel, Krämpfe in der Magengrube und den
-Muskeln des Mastdarms. Die Leiden sind manchmal schrecklich anzusehen;
-blasse Gesichtsfarbe, Augbrauen zusammengezogen, Runzeln an der Stirne,
-starre Augen, Nasenhöhlen weit ausgedehnt, Mundecken eingezogen und
-Zähne blosgestellt, die Züge zu schrecklicher Grimmasse verzerrt,
-Athmen schwer und schwierig, Puls schwach und schnell, der Verstand
-ist jedoch ungetrübt. Der tödtliche Ausgang dieser Krankheit wird
-theilweise durch Erstickung, theilweise durch Erschöpfung verursacht.
-
-+Ursachen.+ -- Geisteskrankheiten, Kälte und Feuchtigkeit, lokale
-Beschädigungen, z. B. Schnitte und andere Wunden, namentlich an den
-Fußsohlen und an der inneren Hand. Wenn fremde Körper in der Wunde
-verbleiben; Wunden, die durch Splitter, Glas- oder Nagelstücke
-entstanden, erzeugen sehr häufig Starrkrampf, da die fremden Körper die
-Nervenäste sehr stark drücken.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Für einen Erwachsenen einen Theelöffel voll Brandy
- alle zwei oder drei Stunden mit Milch und Fleischthee (~beef-tea~),
- wobei man einen Gran Opium alle drei oder vier Stunden gibt.
- Chloroform oder Aether, entweder eingenommen oder eingeathmet, sind
- werthvolle Mittel. Gegen Hartleibigkeit verordne man einen oder
- zwei Tropfen Crotonöl in einem Theelöffel voll Schleim (~Gruel~).
- Man bringe den Kranken in ein heißes Bad und tauche ihn unter und
- gebe eine Einspritzung (~Injection~) von einer Unze Castoröl oder
- derselben Quantität Terpentin. Gleich nach dem Bade sollte etwa eine
- Drachme Laudanum gegeben werden. Indianischer Hanfextrakt (~Indian
- hemp~) erweist sich in manchen Fällen sehr wirksam. Dosis: Drei Grane
- alle zwei oder drei Stunden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Dr. King empfiehlt einen halben
- Theelöffel voll zusammengesetzte Lobelia-Tinktur (~Compound tincture
- of lobelia~) und spanischen Pfeffer (~Capsicum~), welches Mittel man
- langsam in die Mundecken träufeln läßt. Die Dosis alle fünf Minuten
- zu wiederholen, bis der Patient wieder schlucken kann. Zur selben
- Zeit nehme man eine Einspritzung von einer Unze Wasser und einer Unze
- der obigen Tinktur vor, und wiederhole dies alle 10 oder 20 Minuten.
-
- Kann der Kranke wieder schlucken, so sollte eine große Dosis
- zusammengesetztes Jalappenpulver (~Compound powder of Jalap~) gegeben
- werden.
-
- Ist der Starrkrampf durch eine Wunde an den Fußsohlen oder am Innern
- der Hand erzeugt worden, und wurde diese Wunde geheilt, so muß sie
- wieder mittelst eines scharfen Messers geöffnet werden. Man sollte
- nie zugeben, daß Wunden an diesen Körpertheilen von Außen nach Innen
- heilen, sondern immer besorgt sein, daß die Heilung Innen beginnt
- und nach Außen hin fortschreitet, was dadurch bewirkt werden kann,
- daß man die Stelle mit Silbersalpeter (~Nitrate of silver~) so lange
- „brennt,“ bis eine laufende Wunde entsteht.
-
- Man mag eine starke Lobelia- oder Cayennepfeffer-Tinktur, zwei Theile
- Lobelia und ein Theil Cayennepfeffer in Theelöffel voll Dosen geben.
- Dieselben Mittel mögen zu Einspritzungen (~Injections~) gebraucht
- werden. Sobald der Krampf beseitigt ist, sollte man dem Patienten
- erlauben, viel von dem Abguß der ~Nervine~ Wurzel zu trinken.
-
- =Homöopathisch.= Wurde der Starrkrampf durch eine Wunde verursacht,
- so sollte dieselbe vergrößert und ein Brod- und Milch- oder
- Flachssamenumschlag darauf gelegt werden.
-
- ~Arnica.~ -- Anfänglich äußerlich als Waschmittel und innerlich eine
- aus vier Kügelchen bestehende Dosis oder ein Tropfen alle 2 Stunden.
-
- ~Belladonna~ oder ~Lachesis~. -- Nehmen die Krämpfe zu, so gebe diese
- Heilmittel abwechselnd in den bei ~Arnica~ vorgeschriebenen Dosen.
-
- ~Hyosciamus~ und ~Opium~. -- Wenn nach zwölf Stunden keine Besserung
- eingetreten ist.
-
- ~Nux vomica.~ -- Namentlich wenn die Krämpfe häufig sich wiederholen
- aber nur von kurzer Dauer sind und der Patient beim völligen
- Bewußtsein ist, krampfartige Schmerzen in der Magengegend.
-
- ~Stramonium.~ -- Wenn die Daumen und Finger krampfhaft
- zusammengezogen sind, wilder, starrer Blick, schmerzhaftes,
- schwieriges Athmen und Schlucken. Gebe dieses Heilmittel abwechselnd
- mit ~Hyosciamus~ und ~Cicuta~.
-
- ~Secale.~ -- Wenn der Zustand des Kranken sich in der Wärme
- verschlimmert.
-
- ~Rhus~ und ~Ignatia~. -- Abwechselnd, wenn der Körper bogenartig
- rückwärts gekrümmt ist. Gebe dies so wie die anderen Heilmittel.
-
- =Wasserkur.= Das Wasser leistet bei dieser Krankheit sehr gute
- Dienste. Der Patient sollte in einen Badzuber voll kaltes Wasser
- gebracht und lange tüchtig gerieben und sodann ins Bett gebracht und
- mit trockenen wollenen Zeugstücken wiederum gut gerieben werden.
- Tritt in einer oder zwei Stunden keine Veränderung ein, so sollte
- diese Behandlung wiederholt werden.
-
- Dr. Colby von Massachusetts empfiehlt folgende Behandlung: Das Wasser
- sollte beinahe zum Gefrieren kalt sein und mittelst eines Kruges über
- den Patienten gegossen werden; etwa ein Eimer (~bucket~) voll alle
- fünf Minuten, womit man eine halbe Stunde anhält. Sodann trockne
- man den Kranken mit trockenen Handtüchern gut ab und wickele ihn in
- Flanell, bringe ihn ins Bett, wo er zwei oder drei Stunden zubringen
- sollte, bis ein tüchtiger Schweiß erzeugt ist, woraus der ganze
- Körper mit kaltem Wasser mittelst eines Schwammes gewaschen wird.
-
- +Bemerkung.+ -- Die Behandlung dieser Krankheit sollte immer nur von
- einem fähigen Arzte unternommen werden, falls ein solcher zu haben
- ist.
-
-
-
-
-Neuntes Kapitel.
-
-Krankheiten der Zähne, des Zahnfleisches und des Mundes.
-
-
-Zahnweh (~Odontalgia~).
-
-Dieses so schmerzhafte Leiden ist nur zu gut bekannt und bedarf keiner
-weiteren Beschreibung. Einige besitzen dazu erbliche Anlagen, andere
-ziehen es sich dadurch zu, daß sie sich den Witterungseinflüssen zu
-sehr aussetzen, oder es kann rheumatischen Ursprungs sein, auch die
-Zerstörung der Zähne und der unmäßige Genuß von Kaffee und Calomel
-können es verursachen. Gewöhnlich aber rührt es von schadhaften Zähnen
-her. Der Nerv des Zahnes wird durch die Beschädigung der Zahnmasse
-blosgestellt und kommt so mit der Luft und fremden Körpern in
-Berührung, wodurch jener so äußerst empfindliche Schmerz hervorgerufen
-wird. Ebenso kann es auch durch die Entzündung der Schleimhaut, welche
-die Zähne einfaßt (~Periosteum~), durch Druck beim Kauen, durch
-Knirschen der Zähne oder auch durch solche Zähne, die höher als die
-übrigen stehen und deshalb stärker auf die entgegengesetzten pressen,
-verursacht werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Zahnschmerz kann dadurch gestillt werden, daß in
- die Höhle des Zahnes ein Stück Watte mit einem Tropfen Nelken- oder
- Cajeputöl, oder auch Kreosot befeuchtet, gesteckt wird. Man sollte
- womöglich verhindern, daß der Kreosot in den Mund läuft.
-
- Folgendes wird sehr empfohlen:
-
- Kohlensäure (~Carbolic acid~) 2 Drachmen.
- Collodion 1 Drachme.
-
- Eine gallertartige Masse wird ausgezogen und ein kleines Theilchen,
- das in die Höhle des kranken Zahnes gebracht wird, wird sofortige
- Linderung verschaffen.
-
- Rührt der Zahnschmerz von schadhaften Zähnen her, so wird er
- vielleicht dadurch, daß man Branntwein, Whiskey, Rum oder verdünnte
- Cayenne-Tinktur (~Tincture of cayenne~) in den Mund nimmt, oder auch
- durch äußere Anwendung von Laudanum, Senfpflaster, Blasenpflaster
- hinter den Ohren, sowie auch durch Hopfen in Alcohol eingetaucht,
- entfernt. Alaun und Salz zu gleichen Theilen fest in die Höhlung des
- Zahnes gedrückt, verschafft zuweilen Linderung, so auch ein kleines
- Stück Watte mit Morphium getränkt, aber es sollte Sorge getragen
- werden, daß nichts von dem Morphium verschluckt wird.
-
- Die im achten Kapitel unter „Neuralgie“ empfohlene Salbe gegen
- Kopfschmerz, Verstopfung u. s. w. wird bei äußerlichem Gebrauche auch
- hier für gut befunden werden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes ist zu empfehlen:
-
- Alaun, fein gepulvert 4 Drachmen.
- Salpeter-Aether (~Nitric ether~) 14 „
-
- Oder auch:
-
- Nelkenöl (~Oil of cloves~) 1 Drachme.
- Cajupetöl (~Oil of cajupet~) 1 „
- Amberöl (~Oil of amber~) 1 „
- Pulverisirter Kampher (~Pulv. Camphor~) 1 „
-
- Mische und gebrauche es.
-
- Oder:
-
- Kampher (~Camphor~) 4 Drachmen.
- Chloroform 2 „
- Ammoniakwasser (~Water of ammonia~) 1 Drachme.
-
- Mische und gebrauche es wie das vorhergehende. Eine Pille aus
- Kampher-Gummi (~Gum Camphor and Opium~) in den wehen Zahn gebracht,
- wird selten verfehlen, den Schmerz zu lindern.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Bei Fieberhaftigkeit, großer Angst
- und Unruhe, heftig klopfenden und schlagenden Schmerzen, wenn
- Erkältung die Ursache, begleitet von Gesichtshitze, Röthe der Wangen,
- Anschwellen des Gesichts. Verschafft dieses Mittel nur für eine kurze
- Zeit Linderung, so lasse man ~Belladonna~ oder ~China~ folgen.
-
- ~Arnica.~ -- Wenn der Schmerz durch Verletzungen, wie Ausziehen oder
- Verstopfen verursacht. Man löse es auf und zwar ein Theil Tinktur auf
- fünf bis sechs Theile Wasser, und bringe es auf den verletzten Theil.
-
- ~Belladonna.~ -- Bei einem Gefühl von Eiterung in den Zähnen,
- rasende, schießende, schneidende Schmerzen in den Zähnen, im Gesicht
- und den Ohren, schlimmer des Abends beim Niederlegen, Zahnfleisch
- heiß und geschwollen, Schmerz im Freien oder beim Berühren der Zähne
- mit kalten oder warmen Speisen erhöht; Hitze und Röthe des Gesichts,
- des Nachts Verschlimmerung.
-
- ~Bryonia.~ -- Ziehender, stechender Zahnschmerz, bei einem Gefühle,
- als ob die Zähne locker und zu lang wären, oder bei Zahnschmerz
- durch nasses Wetter hervorgerufen, auch wenn der Schmerz durch das
- Nehmen von Wasser in den Mund erhöht wird. Es wird gut sein, es nach
- ~Chamomilla~ und ~Mercurius~ oder abwechselnd mit ~Rhus~ zu geben,
- wenn nasses Wetter oder rheumatische Anfälle Anlaß zu Zahnschmerzen
- sind.
-
- ~Chamomilla.~ -- Heftig stechende, ziehende, schießende Schmerzen,
- schlimmer des Nachts wenn der Leidende im Bett ist, Anschwellen
- und Röthe der Wangen, oder eine Wange roth und die andere blaß,
- Anschwellen des Zahnfleisches, Vergrößerung der Drüsen unter dem
- unteren Gaumen, Schmerzen nach heißen Getränken, besonders nach
- Kaffee heftiger.
-
- ~Coffea.~ -- Heftige Schmerzen während welchen der Kranke ganz außer
- sich ist, Zittern, Weinen, Unruhe und Aufgeregtsein. Dies kann
- abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben werden.
-
- ~Mercurius.~ -- Schmerzen in der Zahnhöhle, an der Wurzel der Zähne,
- schießende Schmerzen durch die Seiten des Gesichts nach den Ohren zu,
- durch warme oder kalte Getränke erhöht, Anschwellen und Entzündung
- des Zahnfleisches.
-
- ~Calcarea.~ -- Bei Zahnweh von schwangeren Frauenzimmern, Schmerzen
- in hohlen Zähnen oder lockeren Stumpfen; klopfende, ziehende und
- brechende Schmerzen, Zahnfleisch geschwollen, weh und leicht blutend,
- Schmerzen durch Erkältung verursacht und durch Geräusch erhöht.
-
- ~Carbo Vegetabilis.~ -- Ziehende, rasende oder klopfende Schmerzen
- in den Zähnen, Zahnfleisch leicht blutend, Gefühl von Lockersein und
- Eiterung der Zähne, bei feuchter Witterung und wenn heiße, kalte oder
- salzige Gegenstände in den Mund kommen, schlimmer.
-
- ~Pulsatilla~ -- entspricht mehr bei jungen Mädchen oder Leuten
- sanfter Gemüthsart, schießende Schmerzen, die sich von der leidenden
- Seite bis zum Ohr ziehen; stechender Schmerz, als ob der Nerv
- zusammen gezogen und dann wieder plötzlich ausgedehnt würde,
- besonders auf der linken Seite Schmerz, durch Wärme oder Ruhe erhöht,
- besser während des Gehens, besonders im Freien, Zahnweh begleitet von
- Ohren- und Kopfschmerz.
-
- ~Nux vomica~ -- für Leute, die ein ruhiges Leben führen, oder welchen
- Kaffee und starke Spirituosen zusagen; Zahnfleisch schmerzhaft und
- geschwollen, Schlagen wie bei einem Geschwür, klopfende, brennende
- oder kneipende Schmerzen in den Zähnen, durch Essen und Aussetzen der
- freien Luft erhöht. Auch abwechselnd mit ~Mercurius~.
-
- ~Hyosciamus.~ -- Heftige, rasende Schmerzen, die sich von den Wangen
- nach der Stirn erstrecken, nach Erkältungen im Freien zugezogen,
- Gesicht roth und heiß, große nervöse Aufregung, Augen roth, strahlend
- und wild blickend.
-
- ~Ignatia.~ -- Für eine Person von empfindlicher Natur, Gefühl als ob
- die Zähne gebrochen würden, auch wenn der Schmerz von Erkältung oder
- geistigen Leiden herrührt, wenn schlimmer nach Kaffee trinken, Tabak
- rauchen, nach dem Niederlegen oder am Morgen beim Erwachen.
-
- ~Hepar Sulphuris.~ -- Passend bei Leuten, die zu viel ~Mercurius~
- genommen haben, wenn sich nach dem Zahnschmerz Zahnfleischgewächse
- bilden.
-
- ~Rhus.~ -- Besonders bei rheumatischem Zahnschmerz während feuchter
- Witterung, begleitet von Schmerzen in den Gliedern und im Kopf,
- Frösteln und Unruhe, rasende, schießende, stechende Schmerzen,
- schlimmer im Freien, oder des Nachts, wenn der Leidende sehr unruhig
- ist und die Schmerzen durch äußerlich angewendete Hitze gelindert
- werden. Kann auch abwechselnd mit ~Bryonia~ gegeben werden.
-
- ~Creosotum.~ -- Gegen Schmerz in schadhaften Zähnen mit Anschwellen
- des Zahnfleisches und Blutandrang nach demselben verbunden.
-
- ~Sulphur.~ -- Rasende, schlagende Schmerzen, begleitet von
- Anschwellen der Wangen, schießende Schmerzen in den Ohren,
- Zahnschmerz am Abend oder des Nachts durch die Bettwärme sowie auch
- im Freien oder durch Zugluft verschlimmert.
-
- ~Staphysagria.~ -- Bei hohlen Zähnen und Stumpfen, der Schmerz dehnt
- sich bis auf die Ohren und den Kopf aus, die Wangen schwellen an,
- sind nicht heiß und der Schmerz wird durch das Einathmen der kalten
- Luft oder durch kalte Getränke gesteigert, schlimmer während oder
- nach Tische, auch bei Berühren oder nur nach Mitternacht.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse von dem gewählten Mittel 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf. Alle 15 Minuten, halbe
- oder zwei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen
- Theelöffel voll.
-
- In einigen Fällen, wo der Schmerz von hohlen Zähnen herrührt, wird
- es von gutem Erfolge sein, einen kleinen Theil ~Arsenicum~ in die
- Höhlung zu bringen, und dies kann doch auch geschehen, daß man
- ein kleines Stückchen Watte zu diesem Behufe mit einem Häkchen
- versehen, anfeuchtet, und darauf ein ganz klein wenig weißes
- Arsenikoxyd (~White Oxide of Arsenic~) bringt, was den Schmerz fast
- augenblicklich stillt.
-
-
-Verfall der Zähne (~Caries~)
-
-beschränkt sich weder auf Alter, noch Geschlecht und Stand, sondern
-wird unter allen Klassen gefunden.
-
-+Ursachen.+ -- Heiße Getränke oder Speisen, welche mit den Zähnen in
-Berührung kommen und den Zahnschmelz verletzen, üppiges Leben, wodurch
-der allgemeine Gesundheitszustand heruntergebracht und wodurch eine
-ungesunde Speichelabsonderung verursacht wird, ebenso das Hängenbleiben
-von Speiseresten, die unter allen Umständen durch sorgfältiges Reinigen
-der Zähne nach jeder Mahlzeit entfernt werden sollten; Quecksilber in
-größerer Menge genommen, wird Verfall nach sich ziehen, auch Tabak ist
-für die Zähne schädlich. Das Ansammeln von Weinstein (der sich aus dem
-Speichel, welcher sich anfänglich weich an die Zähne ansetzt, sich
-bald aber verhärtet und braun oder schwarz wird) ist nicht selten die
-Ursache.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Folgendes sind Mittel, die zum Reinigen der Zähne angewendet werden
- mögen:
-
- Präparirte Kreide (~Prepared chalk~) 2 Unzen.
- Pulverisirtes Myrrhenharz (~Pulv. Gum Myrrh~) 6 Skrupel.
- Kampher (~Camphor~) 10 Grane.
-
- Wasser in hinreichender Menge.
-
- Ein anderes ist:
-
- Präparirte Kreide (~Prepared chalk~) 2 Unzen.
- Pulverisirte Veilchenwurzel (~Pulv. orris root~) 2 „
- Pulverisirter Bimsstein (~Pulv. pumice stone~) 1 Unze.
-
- Von irgend einem besseren Oele einige Tropfen.
-
- Folgendes wurde von Dr. C. H. Cleveland als ein ausgezeichnetes
- Waschmittel für die Zähne empfohlen:
-
- Myrrhen-Tinktur (~Tincture of myrrh~) 1 Unze.
- Chinarinden-Tinktur (~Tincture of peruvian bark~) 1 „
- Enzianwurzel-Tinktur (~Tincture of Gentian root~) 1 „
- Ammoniakwasser (~Aqua ammonia~) 1 Drachme.
- Reines Wasser ½ Pint.
-
- Mische es und bürste damit die Zähne nach jeder Mahlzeit.
-
- Ein gutes Zahnpulver besteht aus gleichen Theilen von pulverisirter
- ~Chinchona~, Gelbwurz (~Golden seal~), Veilchenwurz (~Orris root~)
- und Holzkohle mit ein wenig Honig angemacht.
-
- Gewöhnliche spanische Seife ist ein ausgezeichnetes Mittel, ebenso
- gewöhnliches Tischsalz jeden Morgen und Abend angewendet. Letztes
- besonders macht den Geschmack mild und angenehm.
-
-
-Widerwärtiger Geruch des Athems
-
-entsteht aus verschiedenen Ursachen, zu denen zu zählen sind:
-Schadhafte Zähne, verdorbene Absonderung der Munddrüsen,
-Vernachlässigung des Reinigens der Zähne, Weinstein oder Hängenbleiben
-der Speisereste. Die hartnäckigsten Fälle rühren von einer
-unvollkommenen Verdauung durch Störung der Leber oder anderer Organe
-her.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Wenn schadhafte Zähne die Ursachen sind, so sollten sie entfernt,
- oder wenn dieselben noch nicht zu sehr angegriffen sind, ausgefüllt
- werden. Der Mund ist öfters mit spanischer Seife und Wasser zu
- reinigen, und wenn es von den Schleimabsonderungen des Mundes
- herrührt, sollte derselbe mehrere Male des Tages mit 8 bis 10 Tropfen
- Soda-Chlorid (~Chlorid of soda~) in einem Glas voll Wasser gewaschen
- werden. Ist die Haut trocken und aufgesprungen, muß sie ein- bis
- zweimal des Tages mit weichem Wasser, dem ein klein wenig Whiskey
- hinzugefügt ist, gewaschen werden.
-
- Mit folgendem geben wir einige Mittel, um dem Athem einen besseren
- Geruch zu geben:
-
- Pulverisirte Myrrhen (~Powdered myrrh~) 2 Unzen.
- Chinarinde (~Peruvian bark~) 8 „
- Zimmetöl (~Oil of cinnamon~) 32 Tropfen.
- Nelkenöl (~Oil of cloves~) 32 „
- Präparirte Kreide 4 Unzen.
- Veilchenwurz (~Orris root~) 8 „
- Rosennelke (~Rose-pink~) 3 „
-
- Mische es gut. -- Oder:
-
- Katechuharz (~Gum catchu~) 2 Unzen.
- Weißer Zucker 4 „
- Veilchenwurzpulver (~Orris powder~) 1 Unze.
-
- Mache es zu einem Teig und füge 2 Tropfen ~Verdi~ hinzu.
-
- =Homöopathisch.= ~Mercurius.~ -- Wenn durch Entzündung des
- Zahnfleisches und der Nackendrüsen veranlaßt.
-
- ~Arnica~, ~Nux vomica~, ~Belladonna~, ~Silicea~ oder ~Sulphur~. --
- Wenn dafür kein besonderer Grund vorhanden, oder wenn es nur am
- Morgen gefunden wird.
-
- ~Chamomilla~, ~Nux vomica~ oder ~Sulphur~. -- Wenn er nach den
- Mahlzeiten wahrgenommen wird.
-
- ~Pulsatilla~ oder ~Sulphur~. -- Wenn er des Abends oder Nachts
- eintritt.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Eine Dosis 6 Kügelchen jeden Abend ein
- oder zwei Wochen hindurch, ehe zu einem andern Heilmittel gegriffen
- wird. Rührt der Geruch vom Essen von Zwiebeln oder Knoblauch her, so
- kann er durch das Trinken von ein wenig Wein, das Essen einer Birne
- oder gekochten rothen Rübe beseitigt werden.
-
-
-Schlechter Geschmack im Munde
-
-mag die Folge verschiedener Krankheiten sein, wird aber am häufigsten
-bei Fiebern und verdorbenem Magen gefunden. Wegen der Behandlung
-desselben sehe man die Ursachen, aus denen er entspringt. Zuweilen
-tritt er indessen auch allein stehend auf.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Cuprum~, ~Rhus~ und ~Cocculus~. -- Wenn der
- Geschmack kupferig ist.
-
- ~Lachesis~, ~Mercury~ und ~Nux vomica~. -- Wenn der Geschmack
- metallisch ist.
-
- ~Arnica~, ~Bryonia~, ~Sulphur~, ~Rhus~, ~Mercurius~ und ~Pulsatilla~.
- -- Wenn der Geschmack faulig ist.
-
- ~China~, ~Pulsatilla~ oder ~Mercurius~. -- Wenn der Geschmack
- erdartig (~earthy~) ist.
-
- ~Bryonia~, ~Pulsatilla~, ~Arnica~ und ~Chamomilla~. -- Wenn der
- Geschmack bitter ist.
-
- ~Mercurius~, ~Nux vomica~, ~Arsenicum~, ~Tartarus emeticus~ und
- ~Carbo vegetabilis~. -- Wenn der Geschmack salzig ist.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Nehme eine Dosis (4 Kügelchen) des
- gewählten Heilmittels zweimal des Tages.
-
-
-Zahnfleischschwären (~Gumboils~)
-
-sind Geschwüre in Folge von Entzündungen, die sich auf dem Zahnfleisch
-bilden. Sie werden von schadhaften Zähnen, Durchbrechen der Zähne und
-andern Ursachen hervorgerufen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Der Mund mag mit Salz und Wasser, und zwar im
- Verhältniß von einem Theelöffel voll Salz auf ein halbes Pint Wasser,
- gewaschen werden.
-
- Die Eingeweide sollten dabei mit folgendem in Ordnung gehalten werden:
-
- Pulverisirter Rhabarber (~Powdered rhubarb~) 15 Grane.
- Magnesia 15 „
- Pfeffermünzwasser (~Peppermint~) 10 Drachmen.
- Mohnsaft (~Laudanum~) 15 Minims.
- Flüchtiges Salz (~Sal volatile~) 20 „
- Ingwersyrup (~Syrup of ginger~) 1 Drachme.
- Rhabarbertinktur (~Tincture of Rhubarb~) 1 „
-
- Mische und nimm es als eine Dosis.
-
- Wenn die Zahnfleischschwären durch einen schadhaften Zahn
- hervorgerufen werden, so sollte man denselben ausziehen lassen.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum~ und ~Belladonna~ -- abwechselnd, wenn
- beträchtliche Entzündung und Anschwellung bei Hitze und Schmerz, alle
- 2 Stunden eine Dosis, bis Linderung eintritt.
-
- ~Mercurius.~ -- Bei klopfendem und schlagendem Schmerz. Kann
- abwechselnd mit ~Hepar Sulphur~ gegeben werden.
-
- ~Silicea.~ -- Wenn die vorhergehenden Mittel ohne Erfolg gegen das
- Wachsen des Geschwüres angewendet werden und sich Eiter gebildet hat.
-
- ~Aconitum~ und ~Chamomilla~ -- abwechselnd zu geben, wenn die
- Zahnfleischschwären in Folge von Entzündung beim Durchbruch des
- Weisheitszahnes entstehen.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Während der Entzündung mögen die Mittel
- alle Stunden einmal und nachher alle zwei Stunden gegeben werden.
- Von ~Silicea~ oder ~Calcarea~ gebe jeden Abend und jeden Morgen eine
- Dosis.
-
-
-Entzündung und Anschwellen der Zunge
-
-kennzeichnet sich durch Schmerz, Hitze und Anschwellen mit Trockenheit
-des Mundes und überreichen Speichelfluß. Sie kann so anschwellen, daß
-der Mund ganz gefüllt ist, wodurch das Schlucken und Sprechen sehr
-erschwert wird, und Erstickung droht.
-
-+Symptome.+ Zuerst innerliche Schmerzen und Anschwellen der Zunge. Der
-Patient fröstelt, ist appetitlos, leidet an verdorbenem Magen, dumpfe
-Schmerzen im Kopfe und Rücken, Hitze der Haut, sehr schnellen Puls,
-klopfender und stechender Schmerz in der Zunge.
-
-+Ursachen.+ Unmittelbare Beschädigungen, wie von verbrennenden
-Getränken, Wunden oder Verbrühungen, Bisse oder Stiche von giftigen
-Insekten, Speichelfluß nach Quecksilber, Pocken.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- Beim Beginn der Krankheit, wenn das
- Fieber und die Entzündung stark und von heftigen, schneidenden
- Schmerzen begleitet sind.
-
- ~Aconitum~ und ~Arnica~ -- abwechselnd, wo die Entzündung von
- örtlichen Verletzungen herrührt. Abwechselnd jede Stunde oder alle 2
- Stunden.
-
- ~Mercurius.~ -- Dies ist das wichtigste Mittel bei heftigem Schmerz,
- Anschwellen und Verhärtung, die Zunge roth, trocken oder feucht,
- Puls rasend schnell und ungehindert, Athem beschwerlich, klopfende
- oder stechende Schmerzen in der Zunge und der Mund und Hals von der
- Geschwulst angefüllt, schlimmer des Nachts, schnelles Sinken der
- Lebenskraft.
-
- ~Belladonna.~ -- Gesicht roth, Augen mit Blut unterlaufen, Zunge
- entzündet, roth trocken und geschwollen, heftiges Schlagen der Adern
- des Nackens und der Schläfe, klopfender Schmerz im Kopfe, Haut heiß
- und trocken, Augen gegen Licht empfindlich, klopfende, schießende,
- ziehende Schmerzen in der Zunge, Gefühl von Erstickung.
-
- ~Mercurius~ und ~Belladonna~ -- kann abwechselnd gegeben werden, wenn
- eins oder das andere, allein gegeben, keine Linderung verschafft.
-
- ~Aurum Muriaticum~, Potaschen-Hydriodat (~Hydriodate of potassa~),
- ~Acidum Nitri~ oder ~Hepar Sulphuris~. -- Wenn das Anschwellen von
- der Anwendung des ~Mercurius~ herrührt.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels
- in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede Stunde oder auch alle
- zwei bis drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen
- Theelöffel voll.
-
- In Fällen, daß die Anschwellung so bedeutend wird, daß Erstickung zu
- befürchten steht, so zögere man nicht, nehme ein Messer und mache
- einen Einschnitt längs der Zunge, indem dadurch der Andrang des
- Blutes gelindert wird.
-
-
-Mundkrebs (~Stomacace~).
-
-Diese Form eines bösen Mundes wird in der Regel bei Kindern von 5 bis
-10 Jahren gefunden und von Einigen für ansteckend gehalten. Es ist eine
-Entzündung der Schleimhaut des Mundes, über welche sich eine gelbliche
-Flüssigkeit ergießt, die, wenn sie nicht eingehalten wird, eine sehr
-zerstörende Form annimmt und tiefe schwarze Geschwüre verursacht.
-
-+Symptome.+ Zuerst Schmerz und ein unbehagliches Gefühl im Zahnfleisch,
-das bald heiß, trocken und sehr empfindlich wird, begleitet von
-Ermattung, Unlust zum Spiel oder zur Bewegung, Appetitlosigkeit, Durst,
-das Zahnfleisch schwillt an, wird schwammig und blutet bei Berührung.
-Die innere Fläche der Wangen und des Zahnfleisches ist mit Flecken
-falscher Haut, unter denen Eiter erscheint, bedeckt. Bei einigen Fällen
-fehlt die falsche Haut, der Eiter hat ein gräuliches oder schwarzgelbes
-Ansehen. Ist die Krankheit heftig, so schwellen die Drüsen unter dem
-Gaumen an, werden hart und schmerzhaft, der Athem wird sehr widerwärtig
-und die Absonderung des Speichels erhöht sich beträchtlich. Zuweilen
-werden auch die Zähne locker und fallen aus. Auch kann ein überreicher
-Auswurf eines widerwärtigen, blutigen Eiters aus dem Munde stattfinden,
-der Athem stinkend, fast knochenfraßartig werden. Die Bewegungen des
-Gaumens werden steif und können durch Anschwellung ganz verhindert
-werden, gleichzeitig von bösem Nacken und Hals begleitet. Die Kräfte
-des Kranken sinken rasend schnell und er wird außerordentlich hinfällig.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Sind die Eingeweide verstopft oder nicht gehörig
- in Ordnung, so gebe man ein wenig Calomel, dem man einige Stunden
- darauf eine Dosis Castoröl folgen lassen kann. Potaschen-Chlorid
- (~Chloride of potassa~) ist bei dieser Krankheit ein wichtiges
- Mittel. Man bediene sich einer Waschung zusammengesetzt aus 3 Granen
- Potaschen-Chlorid, welches in einer hinreichenden Menge versüßten
- Wassers aufgelöst wird. Kann einem drei Jahre alten Kinde und 5 Grane
- einem Kinde von acht bis neun Jahren gegeben werden.
-
- Wenn die Eiterbeulen langsam heilen, mögen sie mit einer Lösung von
- Borax und Wasser 15 Grane auf eine Unze, oder Chlorkalk (~Chloride
- of lime~), oder auch mit einer schwachen Lösung von salpetersaurem
- Silber (~Nitrate of silver~) -- ein Gran auf eine Unze, gewaschen
- werden.
-
- Folgendes wird von Dr. Dewees als eine Waschung der Eiterbeulen
- empfohlen:
-
- Schwefelsaures Kupfer (~Sulphate of copper~) 10 Grane.
- Pulverisirtes Chinchona 2 Drachmen.
- Pulverisirtes Mutterzimmtharz (~Pulv. Gum Cassia~) 1 Drachme.
- Honig 2 Drachmen.
- Wasser 3 Unzen.
-
- Die Eiterbeulen sollten hiermit zweimal des Tages vermittelst eines
- Kameelhaarpinsels bestrichen werden.
-
- Folgendes ist ein ausgezeichnetes Waschmittel:
-
- Schwefelsaures Kupfer (~Sulphate of copper~) ½ Drachme.
- Wasser 1 Unze.
-
- Zweimal des Tages auf die Beulen zu bringen.
-
- Oder auch:
-
- Weißes Vitriol (~White vitriol~) 1 Unze.
- Weiches Wasser 2 Drachmen.
-
- Mische es und füge hinzu:
-
- Honig 2 Drachmen.
- Myrrhen-Tinktur (~Tincture of myrrh~) 2 „
-
- Zweimal des Tages anzuwenden.
-
- Nachdem die Entzündung nachgelassen hat, möge folgendes angewendet
- werden:
-
- Weißeichenrinde (~White oak bark~) 1 Unze.
- Wasser 1 Pint.
-
- Koche und seihe es durch, füge ferner hinzu:
-
- Alaun (~Alum~) 1 Skrupel.
-
- Mit einem weichen Schwamme wasche man hiermit die Eiterbeulen mehrere
- Male des Tages.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Der Mund sollte öfters mit einem warmen
- zusammenziehenden Aufguß ausgespült werden, wozu folgendes dienen mag:
-
- Gelbwurz (~Golden seal~) }
- Geranium (Storchschnabel) } Gleiche Theile.
- Alaun (~Alum~) }
-
- Oder:
-
- Ein Aufguß von Rothwurzel (~Red root~), Rüsterrinde (~Witch hazel
- bark~) und Geranium.
-
- Eisenchlor-Tinktur (~Tincture of chloride of iron~) ist ein
- schätzenwerthes Mittel zur äußerlichen Anwendung. Wird das Kind
- schwach, so kann schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) oder
- Wein gegeben werden.
-
- =Homöopathisch.= ~Mercurius.~ -- Dieses Heilmittel ist fast in jedem
- Falle mit Erfolg anwendbar und kann bei Beginn der Krankheit gegeben
- werden, ausgenommen wenn sie durch ~Mercurius~ veranlaßt sein sollte,
- in welchem Falle dann ~Carbo Vegetabilis~, ~Hepar Sulphuris~ oder
- ~Acidum Nitri~ zu geben ist.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Eiterbeulen faulig und schmerzhaft, Anschwellen
- des Zahnfleisches, stinkender Eiter ist über die ganze Mundfläche
- verbreitet. Verstopfung ist vorhanden.
-
- ~Arsenicum.~ -- Eiterung der Zungenränder, heftige brennende
- Schmerzen, geschwollenes Zahnfleisch, leicht blutend, große Unruhe
- und einem öfteren Verlangen zu trinken.
-
- ~Capsicum.~ -- Besonders bei starken Personen, die ein ruhiges Leben
- führen und wo Blasen oder Bläschen auf der Zunge vorhanden sind mit
- Anschwellen des Zahnfleisches verbunden.
-
- ~Acidum Nitri.~ -- Wenn ~Mercurius~ keine Linderung verschafft oder
- wenn das Zahnfleisch anschwillt, weißlich licht und leicht blutend,
- begleitet von einem Lockerwerden der Zähne, Speichelfluß von fauligem
- Geruch aus dem Munde.
-
- ~Carbo Vegetabilis.~ -- Eiterung des Zahnfleisches und der Zunge
- bei starker Blutung, begleitet von einem brennenden Gefühle und
- außerordentlich üblem Geruch des Eiters.
-
- ~Sulphur~ -- wird am Ende der Kur gegeben, wenn Anschwellen des
- Zahnfleisches verbunden mit schlagendem Schmerz, Blasen, welche
- beim Essen brennen, widerwärtiger oder saurer Geruch aus dem Munde,
- Verstopfung oder grüne schleimige Diarrhöe.
-
- Behufs Waschung bediene man sich kalten Wassers, zuweilen
- Citronensafts, Salbei- (~Sage~) Thee; auch eine schwache Mischung von
- Branntwein mit Wasser wird sich bewähren.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse von dem gewählten Mittel 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe, der Heftigkeit
- der Symptome angemessen, alle zwei, drei oder vier Stunden einen
- Eßlöffel voll.
-
-
-Scharbock, Scorbut (~Scurvy~, ~Scorbutus~)
-
-ist eine Krankheit, die auf einem verdorbenen Zustande der Säfte
-beruht und die sich bis zur Eiterung und Auflösung der festen Theile
-ausstreckt. Er wird am häufigsten im Felde, in belagerten Städten, auf
-Schiffen, die lange Reisen machen, gefunden, überhaupt überall da, wo
-den Menschen frische Lebensmittel versagt und sie der Feuchtigkeit und
-Kälte ausgesetzt sind. Auch beständige Kost salziger Nahrungsmittel
-und geräucherten Fleisches, sowie auch Unterdrückung von regelmäßigen
-Ausflüssen, wie die monatlichen Regeln, sind zuweilen Ursache.
-
-+Symptome.+ -- In der Regel bestehen die ersten Symptome in Erweichung,
-Eiterung, Blutung und Anschwellen des Zahnfleisches, das schwammig und
-die Ursache eines verdorbenen Athems wird. Die Glieder schwellen an
-und eine große geistige und körperliche Schwäche, Ermüdung nach der
-geringsten Bewegung tritt ein. Dunkle, purpurne Flecken erscheinen
-an verschiedenen Theilen des Körpers, Blutungen aus der Nase, dem
-Hals, dem Magen und den Eingeweiden finden statt und das Gesicht
-nimmt eine Bleifarbe an und ist mit Blut unterlaufen. Die Eingeweide
-sind verstopft und an verschiedenen Stellen des Körpers erscheinen
-Eiterbeulen, die Gelenke schwellen an und werden straff. Die Haut
-ist trocken und der Puls klein und schwach; zuweilen brechen alte
-längst vernarbte Wunden wieder auf und ganz hinfällig in Folge von
-Blutflüssen, Diarrhöe u.s.w. stirbt der Kranke.
-
-+Ursachen.+ -- Die Entbehrung von Pflanzenstoffen, welche zur
-Erhaltung der Gesundheit nothwendig sind, solche Ursachen, welche das
-Nervensystem herabstimmen, Einfluß von Kälte und Feuchtigkeit, Mangel
-an Bewegung und übermäßige Ermüdung.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Die Ursachen der Krankheit müssen gehoben werden,
- sind diese z. B. eingesalzene Nahrungsmittel, so müssen frische an
- deren Stelle gesetzt werden. Man lasse den Kranken Ueberfluß an
- frischen Früchten, Gemüsen, Orangen, Citronen, Aepfelwein (~Cider~),
- Sprossenbier, Sauerkraut, Erdbeeren, Aepfel &c. genießen. Kartoffel
- sind während dieser Krankheit ein wichtiger Bestandtheil der Kost,
- mögen sie nun einfach gekocht, oder geröstet mit Essig gegessen
- werden. Eine Auflösung von Citronensäure, versüßt, dem ein wenig
- Essig oder Porter beigefügt wird, wird zuträglich sein, ebenso hat
- sich 2 bis 4 Unzen Salpeter (~Nitre~), aufgelöst, und ein Quart
- Essig als ein vorzügliches Heilmittel bewährt. Kalksaft (~Lime
- juice~) ist ein wichtiger Bestandtheil der Kost und sollte, mit der
- dazu erforderlichen Menge Zucker gemischt, täglich gegeben werden.
- Milch und Rindfleischbrühe mögen zur Nahrung dienen, wenn der Kranke
- wegen des wehen Zahnfleisches keine festeren Speisen genießen kann.
- Der Kranke sollte sich vollständig ruhig verhalten, da zuweilen die
- geringste Bewegung eine schlimme Wendung verursachen kann.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Sollte das Zahnfleisch in Eiterung
- übergehen, gebrauche man folgendes:
-
- Myrrhen (~Myrrh~) 1 Unze.
- Aloe 1 „
- Lakritzen-Extrakt 1 „
-
- Pulverisire es und füge acht Unzen oder zwei Theetassenkopf voll
- heißes Wasser hinzu. Mische es und wenn erkaltet, gieße das ganze
- in eine Flasche und gebe ein wenig guten Branntwein hinzu. Lasse
- die Mischung vier oder fünf Tage lang stehen, seihe es dann durch
- ein Stück Flanell und gebrauche es viermal des Tages als Waschung.
- Bei Diarrhöe kann ein Aufguß von Brombeeren-Wurzel (~Black berry
- root~) oder Geranium (Storchschnabel) gegeben werden. Gegen Säure im
- Magen kann zusammengesetztes Rhabarber- (~Rhubarb~) und Potaschen-
- (~Potassa~) Pulver gegeben werden. Ein Preiselbeer- (~Cranberry~)
- Umschlag über die Eiterbeulen wird sehr zuträglich gefunden werden.
- Bei Schmerzen und Zusammenziehungen der Glieder, Anschwellen der
- Gelenke bediene man sich Bähungen von bitteren Kräutern (~bitter
- herbs~) und reizender Salben.
-
- Sobald der Kranke wieder zu genesen anfängt, können stärkende Mittel
- erforderlich werden, wie:
-
- Salzsaure Eisen-Tinktur (~Tincture of muriate of iron~) in Dosen
- von 20 bis 30 Tropfen zwei- oder dreimal des Tages in einem Aufguß
- von Gelbwurz (~Golden seal~), Enzian (~Gentian~) oder Bitterwurzel
- (~Quassia~).
-
- =Homöopathisch.= ~Mercurius.~ -- Wenn nicht zuvor gebraucht, bei
- folgenden Symptomen: Rothes, schwammiges, eiterndes und leicht
- blutendes Zahnfleisch, begleitet von brennenden Schmerzen des Nachts,
- Lockerwerden der Zähne bei üblem Geruch aus dem Munde, übermäßige
- Absonderung eines widerwärtigen und blutigen Speichels, dunkelrother
- Urin, große Erschöpfung und Schwäche.
-
- ~Carbo Vegetabilis.~ -- Besonders bei Personen, welche zu viel Merkur
- genommen haben, oder bei brennenden Eiterbeulen im Munde, welche
- häufig bluten und einen ätzenden, übelriechenden Eiter absondern.
-
- ~Arsenicum.~ -- Eiterungen an den Rändern der Zunge bei heftig
- brennenden Schmerzen, geschwollenem und leicht blutendem Zahnfleisch,
- große Hinfälligkeit und Unruhe, Eiterbeulen schwarz und schwarzgelb,
- Haut bläulich, kalt und sehr trocken. Andere Heilmittel sind:
- ~China~, ~Hamamelis~, ~Acidum Sulphuris~, ~Secale~ und ~Phosphorus~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in einen
- Theetassenkopf voll Wasser aus und gebe alle 2, 4 oder 6 Stunden
- einen Theelöffel voll.
-
- =Allöopathisch.= Zuweilen wird eine Waschung mit einer Auflösung
- von Tannicsäure (~Tannic acid~) oder Myrrhen- (~Myrrh~) Tinktur und
- verdünnter Glycerin oder Alaun (~Alum~), Branntwein und Wasser gegen
- das Zahnfleisch gebraucht.
-
- Folgende Pillen mögen gegeben werden:
-
- Blaue Pillen (~Blue pill~) 1 Skrupel.
- Zusammengesetzte Rhabarberpillen (~Rhubarb~) 2 „
-
- Mische es und theile es in 12 Pillen. Dosis: gelegentlich eine oder
- zwei.
-
- Weinsteinsaures oder chlorsaures Potaschensalz (~Tartrate or chlorate
- of potassa~), in dem Verhältniß von einer Drachme auf ein Pint Wasser
- aufgelöst, kann täglich genommen werden.
-
- Als ein stärkendes Mittel ist folgendes empfohlen:
-
- Rindenabkochung (~Decoction of bark~) 7 Unzen.
- Zusammengesetzte Rindentinktur (~Compound tincture
- of bark~) 6 Drachmen.
- Orangenschalensyrup 2 „
- Verdünnte Schwefelsäure (~Dilute sulphuric acid~) 1 Drachme.
-
- Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.
-
- Sind die Eingeweide verstopft, so trinke man nach Belieben Cremor
- Tartari (~Cream of tartar~) in Wasser aufgelöst. Bei Schlaffheit der
- Eingeweide wende man Morphium, Laudanum, Campescheholz- (~Logwood~)
- Thee oder Geranium an.
-
- Chinin (~Quinine~) ist ein vorzügliches Mittel gegen diese Krankheit
- und kann in Dosen von je 2 oder 3 Granen zwei- bis dreimal des Tages
- gegeben werden.
-
-
-Speichelfluß (~Salivation -- Ptyalism~)
-
-wird durch Mißbrauch des Quecksilbers (~Mercury~) und durch
-Erkältung hervorgerufen, oder begleitet zuweilen Fieberanfälle, wie
-Scharlachfieber, rührt auch zuweilen von angegriffenen Zähnen her.
-
-+Symptome.+ Uebermäßige Speichelabsonderung, die Drüsen des Mundes und
-Halses geschwollen und entzündet, in schlimmen Fällen von Lockerwerden
-oder Ausfallen der Zähne, Eiterung des Halses, des Zahnfleisches und
-der Zähne, sowie Anschwellen der Zunge begleitet.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Hepar Sulphuris~, ~Lachesis~, ~Acidum Nitri~,
- ~Belladonna~, ~Opium~ oder ~Sulphur~. -- Wenn der Speichelfluß von
- ~Calomel~ oder irgend einem Quecksilber- (~Mercurius~) Präparat
- herrührt.
-
- ~Mercurius.~ -- Ist der Speichelfluß durch Erkältung hervorgerufen,
- sowie auch bei schmerzhaftem Anschwellen der Drüsen des Mundes,
- Uebelriechender Absonderung aus dem Munde, Eiterbeulen auf der
- inneren Seite der Wangen.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ -- Man löse 12 Kügelchen in 12
- Theelöffel voll Wasser und gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden einen
- Theelöffel voll.
-
- Zum Waschen bediene man sich nichts anderem als Wasser und Milch.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Wenn Quecksilber die Ursache des
- Speichelflusses ist, sollte Schwefel (~Sulphur~) und Cremor Tartari
- (~Cream of tartar~), 2 Theile von dem ersteren und ein Theil von dem
- letzteren genommen werden. Mische es mit ein wenig Molasses oder
- Honig. Dosis: einen Theelöffel voll zwei- oder dreimal des Tages.
-
- Man nehme ferner Schwefel in den Mund und zwar so, daß er mit
- den angegriffenen Theilen in Berührung kommt. Das Besprengen der
- Eiterbeulen mit pulverisirter rother Kreide (~Red chalk~) hat sich
- zuweilen bewährt.
-
- Zum Gurgeln bediene man sich:
-
- Salbei (~Sage~) 2 Unzen.
- Hartriegelblätter (~Privet leaves~) 2 „
- Gelbwurz (~Golden seal~) 2 „
-
- In zwei Pint Wasser eingekocht, durchgeseiht und einen Theelöffel
- voll gebrannten ~Alaun~, sowie dieselbe Menge Borax.
-
-
-Schwierigkeit beim Sprechen -- Stammeln.
-
-Das Stammeln besteht in einer gestörten deutlichen, fließenden
-Aussprache, und wird in der Regel von einem Ausdruck der Anstrengung
-und Verzerrung der Mienen, auf dem Gesicht erkennbar, begleitet.
-Zuweilen ist Mißbildung der Zunge oder anderer Sprechorgane die Ursache.
-
-Die Kur liegt gewöhnlich im Bereich der Möglichkeit und ist zuweilen
-sehr leicht, denn das Hinderniß erwächst nicht selten aus der
-Anstrengung, während des Athemschöpfens zu sprechen. Der Patient sollte
-daher, bevor er zu sprechen beginnt, die Brust gehörig mit Luft füllen,
-und sodann ein Wort nach dem andern langsam und deutlich auszusprechen
-suchen. Der Stammelnde muß, gerade wie beim Singen, nach jedem Worte,
-sowohl beim Lesen als Sprechen, eine Pause machen. Reicht dies nicht
-hin, so verfahre er ebenso bei den Silben, und nach einiger Zeit
-versuche er es mit Worten und dann mit Sätzen. Befolgt er diese Methode
-immer eine Stunde lang zu gewissen Zeiten, so wird er bald über die
-Gewohnheit in vielen, wenn nicht in allen Fällen, hinwegkommen.
-
-Solchen Leidenden sollte sowohl von Seiten der Eltern als auch der
-Lehrer, besonders wenn ihnen Lectionen überhört werden, oder wenn
-dieselben Auskunft über etwas zu geben haben, gütige Behandlung zu
-Theil werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Belladonna~, ~Mercurius~, ~Lachesis~,
- ~Strammonium~, ~Natrum Muriaticum~, ~Ignatia~, ~Pulsatilla~ sind
- Heilmittel, die eine allgemeine Empfindlichkeit des Nervensystems
- vermindern.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Eine Dosis des gewählten Mittels sollte
- 6 Wochen jeden Morgen und Abend gegeben werden, bevor zu einem
- anderen Mittel gegriffen wird.
-
-
-
-
-Zehntes Kapitel.
-
-Halskrankheiten.
-
-
-Weher Hals oder gewöhnliche Halsentzündung (~Sore Throat~ -- ~Quinsy~,
-~Angina Faucium~).
-
-Diese Krankheit ist durch die Entzündung und das Anschwellen des
-untern Halstheils, des Gaumens und der Mandeln gekennzeichnet, wodurch
-mehr oder weniger Schwierigkeit im Athmen, sowie öfters auch Fieber
-verursacht wird. Die Störung mag eine nur geringe sein, oder es mögen
-sich im Halse und an den Mandeln Geschwüre ansetzen, wodurch das Uebel
-ein sehr schmerzliches wird.
-
-+Symptome.+ Diese Krankheit beginnt gewöhnlich mit Ruhelosigkeit,
-Fieber, leichtem Husten und mehr oder weniger Wundheit im Halse, die
-sich namentlich beim Schlucken äußert. Die Mandeln und der Hals sind
-glatt und roth, im Angesicht zeigen sich Fiebersymptome, der Athem
-ist kurz und schnell, die Stimme tief und das Sprechen verursacht
-oft Schmerzen und Schwierigkeit; die Wangen sind geschwollen, die
-Entzündung bedeutend und oft in Geschwüren an den Mandeln und
-umliegenden Theilen endigend, so daß das Athmen immer schwieriger wird;
-endlich brechen die Geschwüre auf. Zur genauen Untersuchung des Halses
-sollte der Patient den Kopf weit zurücklegen, worauf man die Zunge mit
-einem Löffelstiel herabdrückt.
-
-Oefters werden die Mandeln durch wiederholte Anfälle chronisch
-erweitert, in welchem Falle, wenn nämlich andere Mittel fehlschlagen,
-dieselben von einem Wundarzte ausgeschnitten werden müssen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Ist der Puls stark und voll, und wenn der
- Patient Schmerzen im Kopfe hat, so mag man Ader lassen und ein
- Abführmittel -- Sennablätterthee mit schwefelsaurer Magnesia
- (~Sulphate of magnesia~) geben; oder Calomel, oder Jalappe (~Jalap~).
- Gewöhnlich aber ist außer Bittersalz (~Epsom salts~) kein anderes
- Reinigungsmittel nöthig.
-
- Nach diesem Mittel gebe man Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~),
- zwanzig Tropfen alle drei Stunden, mit einem zeitweiligen Schluck
- Flachssamenthee oder Flachssamen-Limonade. Ist die Anschwellung,
- die Hitze und der Schmerz sehr bedeutend, so sollten sechs bis
- zehn Blutegel angesetzt werden. Bei milderen Fällen, oder wenn der
- Patient schwach ist, lege man einen Flachssamenmehl-Umschlag, wozu
- Schweinefett und Laudanum gefügt wurde, auf. Wird mit dem Umschlag
- gewechselt, so wasche man den Hals mit Ammonium- oder Seifenliniment,
- wozu man Ammoniumwasser (~Aqua ammonia~) fügt.
-
- Das folgende Mittel zum Gurgeln wird gute Dienste leisten:
-
- Honig 1 Eßlöffel
- voll.
- Essig 2 „
- Genug Salbeithee oder Wasser, um ein halbes Pint zu bereiten.
-
- Auch mag ein Aufguß von rothen Rosen (~Red roses~) oder Salbei mit
- Rosenhonig (~Honey of roses~) als Gurgelmittel gebraucht werden,
- sowie eine schwache Alaun- (~Alum~) Auflösung, wenn sich in den
- Mandeln Eiter sammelt und die Geschwüre aufbrechen. Die Kost sollte
- nahrhaft sein und man sollte dem Kranken Wein oder das folgende
- stärkende Mittel geben:
-
- Colomba- oder Cascarilla-Aufguß 5½ Unzen.
- Zusammengesetzte Cardamon-Tinktur ½ Unze.
- Verdünnte Salpetersäure 1½ Drachme.
-
- Mische dies. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.
-
- Sind die Mandeln nach Heilung der Krankheit immer noch vergrößert, so
- mag das folgende Liniment gebraucht werden:
-
- Kampher-Liniment 6 Drachmen.
- Seifen-Liniment 6 „
- Spanische Fliegen- (~Cantharides~) Tinktur ½ Unze.
-
- Mische und reibe die Außentheile des Halses zweimal des Tages mit der
- Mischung.
-
- Manchmal werden die Mandeln auf ihre natürliche Größe reduzirt, indem
- man sie mit einer starken Tannin- (Gerbestoff) Auflösung oder mit
- Schwefelsilber tupft; auch wird hierzu eine starke Alaunauflösung
- oder Jod-Tinktur (~Tincture of Iodine~) öfters angewandt.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Im Anfangsstadium gebe man ein
- Brechmittel -- Lobelia und Brechwurz (~Ipecac~) und lasse den
- Patienten zu gleicher Zeit warmen Salbeithee trinken; auch wird
- es gut sein, wenn er den Dampf einer Abkochung von Hopfen, Salbei
- (~Sage~), Wermuth (~Wormwood~), Wasserdost (~Boneset~), Andorn
- (~Hoarhound~), Katzenmünze (~Catnip~), von jedem eine Handvoll --
- einathmet und die Dämpfe den Hals umziehen läßt. Kann man nicht alle
- diese Kräuter erhalten, so gebrauche man drei oder vier derselben.
-
- Das folgende Liniment mag als ein äußerlich anzuwendendes Mittel
- gebraucht werden:
-
- Sassafrasöl 2 Unzen.
- Salatöl 2 „
- Kampher-Spiritus 2 „
- Hirschhorn-Spiritus (~Spirits of hartshorn~) 2 „
- Amerik. Isop- (~Penny royal~) Oel 2 „
- Chinin- (~Quinine~) Tinktur 2 „
- Terpentingeist 2 „
-
- Hiermit wasche man den Hals sehr oft ab und wickle ein Stück Flanell
- um denselben.
-
- Als ein Gurgelmittel kann das folgende in Anwendung kommen: Eine
- kleine Handvoll Salbei und ebenso viel Sumachbeeren und Rinde wird
- in drei Pinten Wasser so lange gekocht, bis noch ein Pint übrig ist,
- sodann füge man von jeder der folgenden Substanzen einen Theelöffel
- voll bei: Pulverisirter Alaun (~Alum~), Borax und Salpeter; dieses
- seihe durch, versüße die Mischung mit Honig und gurgle den Hals damit.
-
- Auch mag Citronensaft und Honig -- mit einander vermischt -- oft
- anstatt eines Gurgelmittels eingegeben werden; diese Mischung ist
- sehr erfrischend.
-
- Man sollte öfters ein Fußbad in schwachem Laugenwasser nehmen, und
- der Körper sollte ebenfalls zwei- oder dreimal des Tages gewaschen
- werden, namentlich falls der Patient viel Fieber hat.
-
- Auch leistet ein Umschlag von frischer Kermesbeerenwurzel (~Poke
- root~), die man röstet, abwäscht und mehrere Male des Tages warm
- auflegt, gute Dienste.
-
- Befürchtet man, daß die Krankheit chronisch werde, so gebrauche man
- folgendes:
-
- Gesättigte Salzammoniak-Auflösung (~Saturated
- solution of sal. ammoniac~) 4 Unzen.
- Cayenne-Tinktur 1 Unze.
-
- Mische und gurgle mehrere Male des Tages.
-
- Schwellen die Mandeln und bleiben in diesem Zustande, so mag das
- folgende gebraucht werden:
-
- Jod (~Iodine~) 1 Skrupel.
- Rosenointment 1 Unze.
-
- Salbe hiermit mittelst eines Pinsels die Mandeln Morgens und Abends
- mehrere Monate lang ein.
-
- Oder wende folgendes an:
-
- Gerberstoffsäure (~Tannic acid~) 20 Grane.
- Kochsalz 40 „
- Blutwurzel-Extrakt (~Extract of blood root~) 10 „
- Rosenointment 1 Drachme.
-
- Mische und wende es an wie das vorige Mittel.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum~ und ~Belladonna~. -- Dies sind die zum
- Beginne der Behandlung geeignetsten Mittel, namentlich wenn sich
- folgende Symptome zeigen: Heftiges Fieber, voller Puls, große Hitze,
- Durst, Ruhelosigkeit, beständiger Kitzel zum Schlucken, Schlucken
- verursacht Krämpfe im Hals, wodurch Flüssigkeit aus der Nase gedrängt
- wird, Trockenheit des Halses, Schmerzen in Mandeln und Ohren,
- Anschwellung des äußeren Halses, viel Speichel, rothes geschwollenes
- Gesicht, heiße trockene Haut, widerlicher, bitterer Geschmack im
- Munde.
-
- ~Mercurius.~ -- Uebelriechender Athem, Mund trocken, Speichel zäh,
- das Zäpfchen erscheint verlängert und roth, Mandeln dunkelroth,
- entzündet und vergrößert, heftiger Pulsschlag am Hals und den
- Ohren, viel Speichelabsonderung, Fieberfrösteln des Abends, welchem
- Hitze und Schweiß folgt, Schmerzen in den Mandeln bei Bewegung der
- Kinnbacken, oder beim Schlucken, Appetitlosigkeit und Widerwillen
- gegen Speise.
-
- ~Bryonia.~ -- Trockenheit im Halse, Schwierigkeit beim Sprechen,
- Heiserkeit, schwieriges Athemholen, schmerzliches Gefühl im Halse,
- Schmerz beim Schlucken, etwas Fieber mit oder ohne Durst, Frösteln,
- Schmerzen in den Gliedern und dem Hinterkopf. Dies mag abwechselnd
- mit ~Rhus~ gegeben werden.
-
- ~Chamomilla.~ -- Namentlich wenn die Krankheit durch Kälte oder
- Aussetzung in der kalten Luft verursacht wurde, Anschwellen der
- Mandeln, kurzer Husten, rothe Wangen, oder eine blasse und eine rothe
- Wange, Abends Fieber mit Hitze, die Drüsen unter dem Kinn und Mandeln
- sind stark geschwollen.
-
- ~Lachesis.~ -- Dies hat sich als ein sehr gutes Heilmittel erwiesen,
- wenn ~Mercurius~ und ~Belladonna~ ohne Wirkung hervorzubringen
- gebraucht wurden, und namentlich bei folgenden Symptomen: Schwellen
- und Röthe mit einem Wundheitgefühl in Mandeln und Gaumen, Trockenheit
- im Halse, beständige Neigung zum Schlucken, Gefühl als ob eine Beule
- &c. im Hals sei, schlimmer des Nachmittags und Morgens, sowie nach
- dem Schlafen oder bei auch nur sehr leichtem Druck gegen den Hals;
- kleine Eiterbeulen am Hals und an den Mandeln zur Linken.
-
- ~Hepar Sulphuris.~ -- Wenn die Geschwüre an den Mandeln am Aufbrechen
- sind, wird dieses Mittel solches befördern; mag auch zu Anfang der
- Krankheit gegeben werden, wenn der Kranke stechende Schmerzen im Hals
- spürt -- abwechselnd mit ~Mercurius~.
-
- ~Nux vomica.~ -- Mag gegeben werden, wenn ~Chamomilla~ nicht wirkt,
- auch wenn Wundheit vorhanden ist, als ob der Hals geschabt worden
- wäre.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Gewöhnlich für Frauenzimmer oder Personen mit
- sanftem Charakter geeignet -- wenn der Hals innen geschwollen ist,
- Mandeln und Gaumen dunkelroth, stechende Schmerzen in den Mandeln und
- gegen das Ohr hin, wenn der Patient schluckt, Frösteln gegen Abend,
- worauf Hitze folgt.
-
- ~Nitric Acid.~ -- Geeignet, wenn ~Mercurius~ gegeben wurde oder
- in Abwechslung damit, wenn der Hals mit kleinen Geschwüren von
- weißlichem Aussehen angefüllt ist.
-
- ~Capsicum.~ -- Wenn die Symptome auf ~Nux vomica~ hindeuten, dieses
- Mittel aber nicht gewirkt hat, Brennen und Rauhheit im Halse mit
- Steifheit und Zusammenziehung, und Nasen- und Augenlaufen.
-
- Der Gebrauch des kalten Wassers wird sich als sehr heilsam erweisen,
- wenn es in folgender Weise angewandt wird. Beim Bettgehen umbinde man
- den Hals mit einer nassen Binde, welche mit einem trockenen Zeugstück
- befestigt wird; diese Binde lasse man während des Tages am Halse und
- wechsele öfters.
-
- Solche Personen, die diesem Uebel besonders ausgesetzt sind, sollten
- als Vorbeugungsmittel jeden Morgen Hals und Brust gut waschen und mit
- kaltem Wasser spritzen und begießen.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse von der gewählten Medizin 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf, gieb einen Theelöffel
- voll dieser Auflösung alle Stunde, zwei oder drei Stunden. Fällt dem
- Patient das Schlucken sehr schwer, so kann man ihm 3 Kügelchen --
- eine Dosis -- geben, damit er dieselben sich auf der Zunge auflösen
- lasse.
-
-
-Eiternde und putride oder bösartige Halsentzündung (~Malignant Quinsy~,
-~Angina Gangrenosa~).
-
-Diese Krankheit wird häufig epidemisch und ist dem wehen Hals in der
-bösartigen Form beim Scharlachfieber sehr ähnlich und tritt gewöhnlich
-bei feuchter Witterung ein. Schwachgebaute Personen, sowie solche, die
-in niederen, feuchten, schlechtgelüfteten Häusern wohnen, sind diesem
-Uebel am meisten blosgestellt.
-
-+Symptome.+ -- Die Krankheit beginnt gewöhnlich mit Frösteln,
-worauf Fieber folgt, Druck in der Brust mit oder ohne Erbrechen,
-scharlachrothe Wangen, Hals und Mandeln mehr oder weniger entzündet,
-säuerliche Absonderung aus Mund und Nase, schwacher, schneller Puls.
-Der Hals ist immer hochroth und geschwollen, und wird bald nebst den
-Mandeln mit Geschwüren überzogen. Der Athem ist sehr übelriechend,
-die Nackendrüsen schwellen an, die Haut des Gesichts und Nackens ist
-glänzend, das Gesicht sinkt ein und Erbrechen und Diarrhöe findet statt.
-
-Die Haut, welche zu Anfang der Krankheit heiß und trocken war, wird im
-Verlauf von Schweiß belegt; endlich tritt Schläfrigkeit ein und der
-Kranke stirbt.
-
-+Ursachen.+ Die Krankheit wird für ansteckend gehalten und wird auch
-durch Erkältung &c. erzeugt. Die Behandlung sollte immer nur ein Arzt
-unternehmen, wenn einer zu haben ist.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Im Anfangsstadium gebe man ein
- Brechmittel und folge mit einigen Abführungsmitteln, falls
- Hartleibigkeit vorhanden ist. Das Waschen des Halses mit Myrrhen-
- und Cayenne-Tinktur oder mit dem gegen wehen Hals vorgeschriebenen
- Liniment, wird sich als sehr wirksam erweisen. Auch sollte man dem
- Patienten häufig einen Löffel voll Hopfenhefe (~hop yeast~) eingeben
- und Porter, Ale oder Bier verordnet werden.
-
- Das folgende mag gebraucht werden: Einen Theelöffel voll Cayenne und
- einen Eßlöffel voll Salz lasse man in einem Pint Wasser und gutem
- Essig gelinde kochen und seihe, sobald die Mischung kalt ist, durch.
-
- Auch das folgende Gurgelmittel ist gut:
-
- Sumach- (~Sumach~) Beeren 1 Unze.
- Weißeichenrinde 1 „
- Roth-Ulmenrinde 1½ Unzen.
- Brombeerwurzel (~Blackberry root~) 1½ „
-
- Bereite mittelst genügendem Wasser eine Abkochung und füge zu jedem
- Pint ein Stückchen Alaun (~Alum~) von der Größe einer Walnuß bei,
- seihe und gurgle damit, nachdem es kalt geworden.
-
- =Homöopathisch.= ~Belladonna~ und ~Mercurius~ -- abwechselnd beim
- Anfang, namentlich bei Trockenheit im Mund, Ruhelosigkeit oder
- Delirium.
-
- ~Aconitum~ und ~Belladonna~ -- mag zu Anfang, wenn das Fieber sehr
- stark ist, nöthig sein -- einige Dosen.
-
- ~Mercurius.~ -- Zu geben, sobald die Trockenheit des Halses und
- Schwierigkeit beim Schlucken sich zeigt.
-
- ~Nitric Acid.~ -- Wenn ~Mercury~ nicht wirkt und die Geschwüre größer
- und schmerzhaft werden. Allein oder abwechselnd mit ~Mercury~ zu
- nehmen.
-
- ~Arsenicum.~ -- Dies ist eins der hauptsächlichsten Mittel und sollte
- gegeben werden, wenn der Patient zusehends und schnell schwächer
- wird; ebenfalls, wenn die Geschwüre dunkelroth und mit Schorf
- (~Scabs~) bedeckt sind, Zähne und Lippen sind mit einer schwarzen
- krustartigen Substanz überzogen, fortwährendes Gemurmel und Delirium,
- Schwierigkeit beim Athmen, säuerlicher Ausfluß aus Mund und Nase,
- wodurch die Haut aufgeschärft wird. Dieses Heilmittel mag entweder
- allein, oder abwechselnd mit ~Lachesis~ verordnet werden.
-
- ~Lachesis.~ -- Namentlich wenn Hals und Nacken geschwollen und
- entfärbt sind und die Zunge bei äußerem Druck schmerzt.
-
- ~Carbo vegetabilis.~ -- Wenn der Eiterfluß aus den Schwären dünn
- und der Quantität nach groß ist und der Patient bedeutende Schwäche
- fühlt.
-
- ~Secale.~ -- Bei großer Schläferigkeit, oder wenn der Kranke im
- schlummernden, halbbewußtlosen Zustand sich befindet.
-
- ~Opium~ -- falls ~Secale~ nicht die gewünschte Wirkung hervorbringt.
-
- ~Bryonia~ und ~Hellebore~. -- Wenn der Patient mit halbgeschlossenen
- Augen schläft.
-
- ~Nitric Acid.~ -- Morgens und Abends eine Dosis, wenn die Schwären,
- nachdem die Gefahr vorüber, nicht schnell heilen.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel
- voll Wasser auf und gebe zu Anfang des Anfalls alle Stunden einen
- Theelöffel voll, indem man später alle 2, 3 oder 4 Stunden verordnet,
- wenn die Symptome nämlich nachlassen.
-
- Die Kost sollte aus Reis, Pfeilwurz (~Arrowroot~), Cornstarch,
- dünnem Mehlschleim (~Flour gruel~) und dergleichen bestehen. Ist der
- Mund sehr heiß und trocken, so mag man denselben mit etwas Milch
- und Wasser befeuchten. Der Kranke sollte in ein großes, trockenes,
- luftiges Zimmer gebracht werden, das beständig gut ausgelüftet
- gehalten werden muß.
-
- =Allöopathisch.= Man sollte den Stuhlgang mittelst einer Dosis von
- schwefelsaurer Magnesia (~Sulphate of magnesia~) oder Rochellesalz in
- Ordnung halten.
-
- Als Gurgelmittel gebrauche eine Mischung von rothem Pfeffer, Essig
- und Wasser.
-
- Wenn eine starke Auflösung von Salpetersilber (~Nitrate of
- silver~) -- zwanzig Grane zu einer Unze Wasser -- mit einem langen
- Kameelhaarpinsel auf die Mandeln aufgetragen wird, so wird dies die
- Entzündung dämmen.
-
- Auch mögen hierzu gleiche Theile Salzsäure (~Muriatic acid~) und
- Honig verwandt und dies kann, verdünnt mit Wasser als Gurgelmittel
- gebraucht werden.
-
- Eberle sagt, daß starker Aufguß von der Indigowurzel als Gurgelmittel
- verwendet, gute Dienste leiste.
-
-
-Anschwellen und Verlängerung des Zäpfchens (~Swelling or Elongation of
-the Palate~).
-
-Dieses Uebel wird gewöhnlich durch eine leichte Erkältung oder
-Unverdaulichkeit hervorgerufen, und besteht in einer leichten
-Entzündung des Zäpfchens, wodurch die Verlängerung und ein Gefühl
-entsteht, als ob es herabgefallen wäre.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Eine starke Weißeichrinde-Abkochung,
- worin man ein wenig Alaun auflöst, mag als Gurgelmittel benützt
- werden. Oft wird mittelst Pfeffer, Salz oder Senf Linderung
- verschafft.
-
- =Homöopathisch.= ~Nux vomica.~ -- Das beste Heilmittel. Dosis: Drei
- oder vier Kügelchen alle zwei Stunden.
-
- ~Mercurius~, ~Belladonna~ oder ~Sulphur~ -- sollte verordnet werden,
- falls ~Nux vomica~ nicht wirkt. Dosis, wie bei ~Nux vomica~. Kaltes
- Wasser äußerlich und innerlich angewendet, thut gute Dienste.
-
-
-Diphtheria.
-
-Dies ist eine verhältnißmäßig neue Krankheit, mit der wir bis vor
-wenigen Jahren nur wenig bekannt geworden. Sie ist außerordentlich
-gefährlich und ansteckend, verschont kein Alter, befällt aber
-namentlich die Jugend und hauptsächlich vollblütige, fette Kinder.
-Erwachsene werden selten damit behaftet, es sei denn durch Ansteckung.
-
-+Ursachen.+ Hierüber ist man sich noch nicht ganz im Klaren. Manche
-halten Diphtheria für eine bösartige Form der Halsbräune (aber
-Diphtheria unterscheidet sich ganz bedeutend von der Bräune), während
-andere sagen, es sei eine Art Scharlachfieber. Es ist jedoch eine
-Krankheit, welche den ganzen Organismus angreift, jedoch hauptsächlich
-im Hals auftritt.
-
-+Symptome.+ Diese sind sehr verschieden. Das erste Symptom ist in
-beinahe allen Fällen eine Heiserkeit, mit schwacher Stimme, leichtes
-Frösteln (wenigstens wurde das schon beobachtet) und Fieber, heftiges
-Kopfweh, worauf in sehr kurzer Zeit Wundheit im Halse und Schwierigkeit
-beim Schlucken eintritt. Der Kranke mag einige Tage vor dem Anfall
-leichtes Unwohlsein fühlen und schnell ermüdet werden. Nebst der
-Wundheit im Halse fühlt der Patient ein stechendes Gefühl an der
-Zungenwurzel, und die Drüsen in den Ecken der unteren Kinnbacken
-schwellen an und werden empfindsam. Schmerz in den Knochen, Mattigkeit,
-Störung im Magen, Appetitlosigkeit. In vielen Fällen wird der Hals
-so wenig affizirt, daß sich die Freunde und Eltern des Kindes nur
-schwierig von dem gefahrvollen Zustand desselben überzeugen können.
-Manchmal klagt das Kind gleich von Anfang über Wundheit und Steifheit
-im Halse. Aeußerlich sind die Mandeln vergrößert und weich, während
-innen die Entzündung deutlich wahrzunehmen ist. Dieselbe gibt den
-betreffenden Theilen bei Erwachsenen das Aussehen, als ob sie (die
-Theile) mit Mahoganifirniß überzogen seien, während sie bei Kindern
-eine rosige Farbe haben. Der Hals ist mit kleinen Flecken, die sich
-wie Stückchen Haut ausnehmen, überzogen, und wenn diese Hautstückchen
-sich ablösen, so zeigen sich unter denselben rohe, rothe Stellen. In
-allen Fällen ist mehr oder weniger Fieber mit Kopfweh vorhanden, was
-manchmal ganz unerträglich und heftig wird. Der Geruch des Athems ist
-so eigenthümlich, daß Personen, die mit dieser Krankheit bekannt sind,
-dieselbe daran zu erkennen vermögen. Der hintere Theil des Halses ist
-gewöhnlich mit einem Schleimhäutchen überhäutet, das, durch das Athmen
-zerrissen, sich sogleich wieder bildet. Bei heftigen Anfällen ist das
-Fieber sehr stark, mit Hitze, brennender Haut, erröthetem Angesicht,
-schnellem Puls, großer Schwierigkeit beim Schlucken und beschleunigtem
-Athem. Die Zunge ist mit einer dicken, zähen, schmutzig aussehenden,
-weißlichen, gelblichen oder grünen Substanz bedeckt und der Kranke ist
-sehr schwach und erschöpft. Die Mandeln schwellen außerordentlich an
-und der Mund wird innen ganz mit einer „falschen“ Schleimhaut überzogen.
-
-Beim Fortschreiten der Krankheit werden die Symptome immer heftiger,
-der Athem sehr schwierig; das Schlucken wird so schmerzhaft, daß der
-Patient durchaus nichts mehr genießen will; der Speichel träufelt aus
-dem Munde und aus der Nase scheidet sich faulige stinkende Flüssigkeit.
-Der Puls ist schnell und schwach, der Athem wird außerordentlich
-widerwärtig und die Krankheit nimmt solche Gestalt an, daß selbst die
-besten Freunde des Patienten ihm nur mit Widerwillen zu nahen vermögen.
-Das Gesicht ist erdfarben, die Haut kalt und runzlig; der Kranke
-wälzt sich von einer Seite zur andern und kämpft um Athem, die Stimme
-wird immer undeutlicher und heiser, Hals, Nacken und Gesicht sind
-furchtbar angeschwollen und der Patient stirbt an schneller Erschöpfung
-in den Lebensorganen oder an Erstickung, dadurch hervorgerufen,
-daß sich die falsche Schleimhaut in die Luftröhrengänge ausgedehnt
-hat. Manchmal wird der Patient im Anfangsstadium eines heftigen
-Diphtheritisanfalls von starkem Erbrechen erfaßt und bricht alsdann
-eine dünne, gelblichweiße, sehr übelriechende Flüssigkeit, worauf große
-Erschöpfung und Abstumpfung folgt. Manchmal liegt der Kranke lange in
-tiefem Schlaf, so daß man ihn nur mit Mühe wecken kann. Frägt man ihn,
-ob sein Hals wund ist, so mag es leicht sein, daß er die Antwort gibt,
-solches sei nicht der Fall, wodurch sich sehr Viele täuschen lassen.
-In vielen Fällen tritt die Betäubung gleich zu Anfang der Krankheit
-ein und währt bis der Tod den Leidenden erlöst. Manchmal findet sich
-ein weißlicher Ansatz am Munde, welche Substanz dem gemahlenen Gips
-(~Plaster paris~) ähnlich sieht. An verschiedenen Körpertheilen
-entstehen schwarzblaue Flecken und der Stuhlgang führt weißliche
-Materie ab.
-
-Manchmal befällt diese Krankheit den Patienten in einer Form, daß er
-gar keine Ahnung von dem Anfall hat, und erst dann gewahrt, daß er
-krank ist, wenn sein ganzer Organismus angegriffen ist. Sodann wird der
-„wehe“ Hals, den man vielleicht gänzlich unbeachtet ließ, plötzlich
-schlimmer; ein Crouphusten tritt ein und entweder verschlimmert sich
-der Zustand dermaßen, daß in zwei oder drei Stunden keine Rettung mehr
-vorhanden ist, oder der Kranke mag noch einige Tage mit zeitweiligem
-Aufflackern der Lebenskraft leben, um dann an Erschöpfung zu sterben.
-Der Diphteritis folgen manchmal verschiedenartige Störungen im
-Organismus, worunter namentlich Lähmung (~Paralysis~) hervorzuheben
-ist. Wer einen starken Körperbau hat, bei dem darf man eher auf Rettung
-ohne nachtheilige Folgen zählen, falls nemlich mit der Behandlung bald
-begonnen wurde. Wurde jedoch hiermit ein oder zwei Tage verzögert, so
-ist der Erfolg ein sehr unsicherer. Das Erbrechen im Anfangsstadium
-ist ein sehr bedenkliches Symptom, und je länger die „falsche“ Haut
-zu ihrer Ausbildung braucht, desto ungünstiger ist die Aussicht auf
-Rettung.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Der Kranke sollte in ein gut gelüftetes, trockenes
- Zimmer und in ein reinliches Bett gebracht werden; die Temperatur sei
- mäßig warm. Niemand darf im Zimmer bleiben als der oder die Wärter,
- und um dem üblen Geruch entgegenzuwirken, thut man wohl, Gefäße mit
- Chlorkalk und Essig (~Chloride of lime and vinegar~) umherzustellen.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum~, ~Belladonna~, ~Kali Chloricum~, ~Kali
- Bi-Chromicum~, ~Proto-Iodide~ oder ~Bin-Iodide of Mercury~ -- sind
- gegen diese Krankheit die Hauptmittel.
-
- ~Aconitum~ und ~Belladonna~. -- Abwechselnd wenn die Krankheit mit
- Fieber beginnt, alle Stunden einen Theelöffel voll, bis das Fieber
- nachläßt. Wenn sich jedoch die Symptome verschlimmern, so sollten
- andere Mittel gebraucht werden. ~Belladonna~, ~Kali Chloricum~,
- ~Kali Bi-Chromicum~ und ~Bin-Iodide of Mercury~ -- dies sind die
- noch vorhandenen Heilmittel. Von den drei ersten gebe fünf Tropfen
- ~Belladonna~, zwanzig Tropfen ~Kali Chloricum~ und ½ Gran ~Kali
- Bi-Chromicum~ Pulver, jedes in einem halb mit Wasser gefüllten Glas;
- Dosis: ein oder zwei Theelöffel voll. Vom ~Mercurius~ -- ebenfalls
- ein Pulver -- gebe man eine Dosis so groß wie eine kleine Erbse.
- Zu Anfang gebe ~Belladonna~, die nächste Stunde ~Kali Chloricum~,
- die dritte ~Kali Bi-Chromicum~, die vierte ~Bin-Iodide of Mercury~
- und die fünfte wiederum ~Belladonna~ und so fort. Ist der Kranke
- den nächsten Tag etwas besser oder sein Zustand nur um weniges
- verschlimmert, so mögen die Medizinen nur alle 2 und später alle 3
- Stunden gegeben werden. Sind die Halssymptome alle gewichen, so lasse
- die letztgenannten Medizinen weg und verordne die drei ersten, bis
- jede Spur der Krankheit verwischt ist.
-
- Einige empfehlen gegen diese Krankheit doppeltchromsaures Kali
- (~Bi-Chromate of potassa~), welches am besten verordnet werden kann,
- wenn man zwei oder drei Grane mit einer halben Theetasse voll heißem
- Wasser in einer Theekanne mischt und den Patienten den aus der
- Ausgußröhre dringenden Dampf einathmen läßt.
-
- Auf die Kost muß man ein aufmerksames Auge haben, und der Kranke
- muß genau beobachtet werden. Sobald der Puls abnimmt, die Haut kalt
- wird und Zeichen der Erschöpfung eintreten, muß zu Stimulanten
- gegriffen werden, z. B. Portwein, Claret, Champagner, Milchpunsch,
- und Branntwein und Wasser; Eier mit Brandy geschlagen, heißes Wasser
- und Zucker sind ein ausgezeichnetes stimulirendes Mittel. Für Kinder
- gebraucht man am besten Molken (~Whey~) oder Fleischthee (~Beef-tea~)
- mit Portwein vermischt; oder Pfeilwurz (~Arrow root~) und Portwein.
- Ist der Patient des Fleischthees müde, so kann durch den weichen
- Theil der Austern, roh oder gekocht, ein gutes Ersatzmittel geboten
- werden. Zum Trinken gebe man dem Kranken Gerstenwasser (~Barley
- water~), Brodwasser (~Toast water~), was man mit etwas Citronensaft
- säuerlich macht; oder kaltes Wasser mit Himbeer- oder Erdbeersyrup
- vermischt. Eis und Gefrorenes (~Ice cream~) darf namentlich bei der
- Genesung verabreicht werden. Als Gurgelmittel gebrauche Salz und
- Wasser; eine in Salz und Wasser getauchte Binde sollte um den Hals
- gelegt werden.
-
- =Allöopathisch.= Es ist gut, wenn man gleich zu Anfang eine
- Dosis citronensaures Magnesia (~Citrate of magnesia~) oder
- Rochellesalz gibt. Chlorsaures Kali (~Chlorate of potassa~) ist ein
- ausgezeichnetes Mittel. Einem Erwachsenen gebe eine Auflösung von 20
- Granen alle drei Stunden. Einem fünf- oder sechsjährigen Kinde gebe
- folgendes:
-
- Chlorsaures Kali (~Chlorate of potassa~) 2½ Drachmen.
- Pfeffermünzwasser 4 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll alle drei Stunden. Auch wird
- Chlorsaure Eisentinktur (~Tincture of chloride of iron~) sehr viel
- gebraucht. Einem Erwachsenen gebe 20 Tropfen alle 3 Stunden.
-
- Das folgende ausgezeichnete Rezept enthält das Chlorsaure Kali sowohl
- als das Chlorsaure Eisen:
-
- Chlorsaures Kali (~Chlorate of potassa~) 2 Drachmen.
- Chlorsaure Eisentinktur (~Tinct. of chloride
- of iron~) 1 Drachme.
- Syrup 2 Unzen.
- Pfeffermünzwasser 2 „
-
- Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle drei Stunden.
-
- Zur Erhaltung der Kraft wird schwefelsaures Chinin (~Sulphate of
- quinine~) empfohlen. Dosis: Ein Gran alle 2 oder 3 Stunden.
-
- Manche empfehlen ~Per-Manganate of potassa~; eine Drachme in 1½
- Pint Wasser ausgelöst. Dosis: Einen Theelöffel voll jede Stunde.
-
- Als Gurgelwasser mag eine halbe Unze der Auflösung von Chlorsaurer
- Soda (~Solution of chloride of soda~) zu sechs Unzen Wasser gebraucht
- werden, was man mittelst eines Kameelhaarpinsels anwenden oder mit
- einer Spritze einspritzen kann.
-
- Durch das Einspritzen einer Auflösung von 2 Granen salpetersauren
- Silbers (~Nitrate of silver~) und 1 Unze Wasser -- alle 24 Stunden
- zweimal -- kann dem Ausfluß aus der Nase gewöhnlich Einhalt gethan
- werden.
-
- Gegen das Anschwellen der Halsdrüsen lege man einen
- Leinsamenmehl-Umschlag auf. Im Anfangsstadium kann dem Patienten,
- falls er dazu alt genug ist, dadurch viel Erleichterung verschafft
- werden, daß man ihn den Dampf von heißem Wasser oder heißem Wasser
- mit Essig vermischt einathmen läßt. Manchmal ist auch Salzsäure
- (~Muriatic acid~) und Honig -- gleiche Theile von jedem, mittelst
- eines Kameelhaarpinsels am Halse anzubringen; oder das gleiche
- Mittel mit Wasser verdünnt als Gurgelwasser angewendet, von guten
- Diensten. Erdöl (~Creosote~), von vier zu acht Tropfen in zwei Unzen
- Glycerin und zwei Unzen Wasser wurde schon mit Nutzen gebraucht.
- Das Einathmen des Dampfes von Kalkwasser wirkt ebenfalls manchmal
- sehr wohlthätig. Wenn zu Anfang der Krankheit Hitze der Haut und
- Hartleibigkeit vorhanden, so gebe ein Brechmittel -- 5 oder 10 Grane
- Brechwurz (~Ipecac~), wornach man einige Grane ~Grey powder~ oder
- eine Dosis schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) verordnet.
- Französische Aerzte empfehlen folgendes: Pulverisire Alaun (~Alum~)
- sehr fein und blase das Pulver mittelst einer Röhre in den Hals,
- doch so, daß das Ende der Röhre, welches in den Mund kommt, zu
- besserem Schutz mit einem Gasstoff (sehr feinem, lose gewobenem Zeug)
- überzogen wird. Jedoch kann der Alaun auf bessere Weise, indem man
- nämlich einen Schwamm oder einen Kameelhaarpinsel anwendet, applizirt
- werden.
-
- Folgendes ist ein ausgezeichnetes Gurgelwasser:
-
- Chlornatron (~Chlorinated soda~) 1 Unze.
- Salzsaure Eisentinktur (~Muriated tincture
- of iron~) ½ „
- Wasser 6 Unzen.
-
- Gebrauche dieses alle halbe oder alle Stunden, namentlich dann, wenn
- der Athem sehr widerlich riecht.
-
- Wird der Kranke schnell schwächer, so gebe folgendes:
-
- Aromatischer Ammoniakgeist (~Aromatic spirits of
- ammonia~) 2 Drachmen.
- Aether 1 Drachme.
- Laudanum 20 Tropfen.
- Kampher-Spiritus (~Spirits of camphor~) 1 Drachme.
-
- Mische. Dosis: Einen halben Theelöffel voll alle ein, zwei oder drei
- Stunden.
-
- Das folgende ist ein sehr werthvolles Rezept:
-
- Chinin (~Quinine~) 2 Drachmen.
- Hydrochlorsäure (~Hydro-chloric acid~) 2 „
- Salzsaure Eisentinktur (~Muriated tincture of iron~) 2 „
- Zimmetwasser 12 Unzen.
-
- Mische. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.
-
- Die Diät wurde bei der homöopathischen Behandlung vorgeschrieben.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ist der Kranke im Anfangsstadium
- der Krankheit noch kräftig, so wird ein Brechmittel gute Dienste
- leisten; ist er aber schwach, so sollten weder Brech- noch andere
- Mittel gegeben werden, die den Organismus schwächen. Man verordne ein
- warmes, mit vielem Senfmehl vermischtes Fußbad und reibe Füße und
- Beine tüchtig. Wird der Hals sehr wund und bildet sich die falsche
- Schleimhaut, so gebrauche folgendes Gurgelwasser:
-
- Doppeltchromsaures Kali (~Bichromate of potash~) 10 Grane.
- Wasser 4 Unzen.
-
- Mische und lasse den Patienten hiermit alle 4 Stunden den Hals
- gurgeln. Ist er zu jung zu gurgeln, so sollte der Hals mit dieser
- Mischung ausgewischt werden. Salpetersaures Silber (~Nitrate of
- silver~), eine Drachme zu einer Unze Wasser -- sollte alle acht oder
- zehn Stunden im Hals, namentlich wenn eine Schleimhaut vorhanden
- ist, angewendet werden. Manche empfehlen Gurgelwasser, das man aus
- Honig, Essig, rothem Pfeffer und Wasser bereitet; für Kinder jedoch
- ist der Pfeffer wegzulassen. Ein anderes ausgezeichnetes Mittel ist
- dieses: Man bringe Asche und Salz in ein Flanellsäckchen, erhitze
- die Substanz und lege das Säckchen -- so heiß als möglich -- auf den
- Hals. Schwefelsaures Natron (~Sulphate of soda~) 6 Drachmen zu 12
- Unzen Bitterholz- (~Quassia~) Aufguß, ist ein ausgezeichnetes Mittel
- zur Zerstörung der falschen Schleimhaut. Dosis: Einen Theelöffel voll
- drei-, vier- oder sechsmal des Tages.
-
- Gegen übelriechenden Athem ist das folgende Mittel werthvoll:
-
- Chlorsaures Kali (~Chlorate of potash~) ½ Drachme.
- Salzsaure Eisentinktur (~Tinct. of muriate
- of iron~) ½ „
- Wasser 1 Unze.
-
- Mische. Dosis: Für einen Erwachsenen die halbe Mischung.
-
- Bei großer Schwäche hat man Chinin (~Quinine~) öfters mit großem
- Erfolg wie folgt angewendet:
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) ½ Drachme.
- Chlorsaures Kali (~Chlorate of potash~) 1 „
- Verdünnte Salzsäure (~Diluted muriatic acid~) ½ Unze.
- Wasser ½ Pint.
-
- Mische und gebe alle Stunden oder alle zwei Stunden einen Theelöffel
- voll.
-
- Auch wird das folgende sehr empfohlen: Terpentin mit einem Eidotter
- (~yolk~) vermischt, wozu so viel Syrup gefügt werde, um eine Unze
- Mischung zu bereiten; abwechselnd alle Stunden mit 20 Granen in
- Wasser aufgelöstem Ammoniak (~ammonia~) zu geben.
-
- Zeigen sich Symptome der Fäulniß, so mag Gurgelwasser aus gleichen
- Theilen brenzeliger Holzsäure (~pyreligneous acid~) und Wasser
- gebraucht werden.
-
-
-
-
-Elftes Kapitel.
-
-Krankheiten der Luftröhre und der Brust.
-
-
-Heiserkeit (~Raucitas~, ~Aphonia~).
-
-Begleiten diesen Zustand andere Krankheiten, wie Masern, Bräune,
-Katarrh u.s.w., so sehe man wegen dessen Behandlung unter den
-betreffenden Krankheiten nach. Zuweilen tritt dieses Uebel aber auch
-selbstständig auf und dann möge folgendes dagegen angewendet werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Das folgende mag angewendet werden:
-
- Meerrettig (~Horse-radish root~) 1 Unze.
- Wasserdost (~Boneset leaves~) 1 „
- Heißes Wasser 1 Pint.
-
- Man stelle diese Mischung zwei Stunden lang in einem bedeckten Gefäß
- dem Feuer nahe und füge dann noch hinzu:
-
- Essig ½ Pint.
- Molasses ½ „
-
- Lasse es 15 Minuten kochen. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle ein, zwei
- oder drei Stunden.
-
- Oder auch:
-
- Geschabter Meerrettig (~Grated Horse-radish root~) 4 Unzen.
- Guten Essig 1 Pint.
-
- Lasse es über Nacht stehen und füge dann ein halb Pint Honig hinzu.
- Lasse es kochen und durchseihe es dann. Dosis: Ein oder zwei
- Theelöffel voll dreimal des Tages.
-
- =Homöopathisch.= ~Arsenicum.~ -- Wenn mit der Heiserkeit starke
- Absonderung einer ätzenden Flüssigkeit aus der Nase verbunden ist.
-
- ~Chamomilla.~ -- Heiserkeit in Folge von Erkältung, Anhäufung eines
- klebrigen Schleimes im Halse, Husten am Morgen und Abend, bei Stechen
- im Halse, Heiserkeit bei Schmerzen im Halse nach Ausspucken.
-
- ~Hepar Sulphuris.~ -- Heiserkeit mit leiser, hohler Stimme,
- tiefsitzendem Husten, Heiserkeit bei trockenem Abendhusten, begleitet
- von einem wehen Gefühl im Hals und der Brust, Stechen im Halse, als
- wenn Splitter in demselben wären.
-
- ~Mercurius.~ -- Heiserkeit, begleitet von einem brennenden,
- stechenden Gefühle im Halse, dünne wässerige Absonderung aus dem
- Kopfe.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Heiserkeit, schlimmer am Morgen, trockene
- Verstopfung der Nase, rauher trockener Husten, der Kranke leidet
- abwechselnd an Hitze und Frost.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Heiserkeit bei beinahe gänzlicher Stimmlosigkeit,
- Schmerzen beim Schlucken, lockerer Husten mit gelblicher, grünlicher
- oder übelriechender Absonderung aus der Nase, Schmerz in der Brust.
-
- ~Carbo Vegetabilis.~ -- Chronische Heiserkeit, schlimmer am Morgen
- und Abend, durch Sprechen erhöht, trockener Husten bei Heiserkeit und
- Rauhigkeit in der Brust, Stechen im Halse.
-
- ~Bryonia~ und ~Rhus~ -- gebe man alle zwei bis drei Stunden
- abwechselnd bei Wehsein des Halses und der Brust, schlimmer nach
- Sprechen und mit Frösteln verbunden, Schmerzen in den Gliedern und im
- Kopf.
-
- ~Capsicum.~ -- Heiserkeit bei stechendem oder kriechendem Gefühle in
- der Nase, heftigem Husten, schlimmer gegen Abend, Schmerz im Kopf und
- anderen Theilen des Körpers.
-
- ~Causticum.~ -- Bei hartnäckigen Fällen begleitet von Husten und
- heftigen Schmerzen in der Brust, chronische Heiserkeit, Morgens und
- Abends schlimmer.
-
- ~Sulphur.~ -- Besonders in chronischen Fällen, in denen Rauhheit und
- Druck im Halse vorhanden -- Heiserkeit tritt bei feuchtem, kaltem
- Wetter ein, rauhe Stimme, besonders des Nachts -- eine passende Gabe
- nach ~Mercurius~ oder ~Pulsatilla~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Obige Mittel können sowohl trocken als
- auch in Wasser gegeben werden. Wenn in Wasser, löse 12 Pillen in
- ebenso viel Theelöffeln voll Wasser und gebe alle zwei, drei oder
- vier Stunden einen Theelöffel voll. Wenn trocken, 4 Kügelchen als
- eine Dosis. Bei chronischen Fällen wird Morgens und Abends eine Dosis
- hinreichen. Tritt keine Besserung ein, so sollten die Mittel immer
- nach Verlauf von 6 oder 7 Tagen gewechselt werden. Die Anwendung des
- Wassers ist bei diesem Zustande äußerst zuträglich und ein nasser
- Umschlag um den Hals sollte für die Nacht gemacht und derselbe am
- andern Morgen mit kaltem Wasser gewaschen werden.
-
-
-Luftröhrenentzündung (~Bronchitis~).
-
-Diese Entzündung erstreckt sich über die Schleimhaut, welche die
-Luftgänge der Lungen oder die Luftröhre einfaßt, und kann entweder acut
-oder chronisch sein.
-
-+Symptome.+ Die acute Form der Luftröhrenentzündung beginnt in der
-Regel mit denselben Kennzeichen einer gewöhnlichen Erkältung, wie
-Frösteln, dem bald Fieber. Husten, schnelles Athmen, ein Gefühl von
-Schmerz und Wehsein des oberen Theiles des Brustknochens, Athmen
-sehr beklommen, schnell und unregelmäßig, Zusammenziehen, Verengen
-oder Beklemmung der Brust, die Luftgänge anfänglich trocken bei
-schmerzhaftem Husten. Schreitet aber die Krankheit vor, so tritt
-ein Auswurf hinzu, der zuweilen mit Blut gestreift, nach und nach
-gelblich, dick und klebrig wird. Gewöhnlich ist ein Schmerz in der
-Stirne vorhanden, der durch das Husten erhöht wird. Auch tritt
-Appetitlosigkeit, belegte Zunge, Schwäche und Blässe der Lippen ein.
-Steigert sich die Absonderung im Halse, so wird der Husten etwas
-vermindert. Bei strengen Fällen treten die Symptome heftiger auf, das
-Fieber erhöht sich, der Puls wird voll und rasend schnell, die Haut
-ist heiß und trocken, das Athmen geschieht immer schneller, ist mit
-Schwierigkeit verbunden und ein Röcheln wird hörbar, führt häufig
-wiederkehrende Krampfanfälle herbei und Durst und Verstopfung ist
-vorhanden. Bei Kindern und Leuten von schwacher Körperbeschaffenheit
-tritt eine Verminderung der Lebenskraft hinzu. Die Oberfläche des
-Körpers wird kalt und purpurfarbig, der Puls schwach und fliegend.
-Nimmt die Krankheit eine Wendung zum Schlimmsten, so treten Krämpfe und
-Gefühllosigkeit hinzu. Im günstigen Falle wird der Kranke nach Verlauf
-von acht oder zehn Tagen wieder genesen.
-
-+Ursachen.+ Kalter Luftzug, der unmittelbar mit der Schleimhaut des
-Halses in Berührung kommt, plötzlicher Witterungswechsel, der Wechsel
-des geheizten Zimmers mit kalter Luft, das Einathmen reizender Gase.
-Leute, weiche beim Gehen in der kalten Luft den Mund offen zu halten
-pflegen, sind vor allen anderen für diese Krankheit empfänglich.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ein Brechmittel aus gleichen Theilen
- der Lobelia (~Lobelia~) und Blutwurzel (~Blood root~) sollte für
- den Anfang in Dosen von einem halben Eßlöffel voll alle vier oder
- fünf Minuten und zu gleicher Zeit Salbei- (~Sage~) Thee gegeben
- werden, bis das Erbrechen eintritt. Hie und da wird ein Fußbad von
- heißem Wasser, das Hüten des Bettes, das rings um den Körper des
- Kranken durch Flaschen heißen Wassers erwärmt wird, hinreichen,
- einen Anfall zu brechen. Es wird gut sein, die Eingeweide mit
- gelinden Abführmitteln, wie Seidlitzpulver, Rhabarber (~Rhubarb~)
- oder Magnesia zu öffnen. Zucker, von Citronensaft angefeuchtet,
- wird zuweilen den Husten lindern, welchem Zwecke auch das
- Trinken von Isop- (~Penny royal~), Wasserdost- (~Boneset~) und
- Blutwurzel-Thee entsprechen wird. Der Schweiß sollte vermittelst der
- zusammengesetzten virginischen Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound
- tincture of Virginia snake root~) hervorgerufen werden und gegen den
- Husten möge man folgendes geben:
-
- Honig 1 Unze.
- Olivenöl 1 „
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 1 „
- Citronensaft 1 „
-
- Mische es. Dosis für einen Erwachsenen drei- oder viermal des Tages
- einen Theelöffel voll.
-
- Oder auch:
-
- Meerzwiebelsyrup (~Syrup of squills~) 1½ Unzen.
- Brechwurzsyrup (~Syrup of ipecac~) 1½ „
- Tolubalsamsyrup (~Syrup of balsam tolu~) 1 Unze.
- Blutwurzeltinktur (~Tincture of blood root~) 1 „
- Paregoricum-Elixir (~Elixir of paregoric~) 1 „
-
- Mische es. Dosis wie oben.
-
- Oder:
-
- Harz (~Rosin~) 1 Unze.
- Stückzucker (~Loaf sugar~) 1 „
- Gummi Arabicum (~Gum arabic~) ½ „
- Tolubalsam (~Balsam Tolu~) ½ „
-
- Mache es zu einem feinen Pulver und mische es in einem Mörser. Dosis:
- einen halben Theelöffel voll in ein wenig Wasser drei- oder viermal
- des Tages.
-
- Bei chronischer Luftröhrenentzündung kann das folgende gegeben werden:
-
- Gummi Arabicum (~Gum arabic~) 2 Unzen.
- Essig ½ Pint.
- Molasses ½ „
-
- Koche es, bis der Gummi aufgelöst ist, dann füge hinzu:
-
- Mohnsaft (~Laudanum~) 1½ Unzen.
- Tolubalsamtinktur (~Tincture of balsam tolu~) 3½ „
-
- Dosis einen Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages.
-
- Oder:
-
- Essigsaure Blutwurzeltinktur (~Acetic tincture of
- blood root~) 1 Unze.
- Schlangenwurzeltinktur (~Tincture of black cohosh~) 1 „
- Tolubalsamtinktur (~Tincture of balsam tolu~) 1 „
- Brechwurzwein (~Wine of ipecac~) 1 „
- Süßer Salpeter-Spiritus 2 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: ein oder zwei Theelöffel voll dreimal des Tages.
-
- Das Einathmen der warmen Dämpfe des Andorn- (~Hoarhound~),
- Katzenmünze- (~Catnip~) Thees und dergleichen mehr hat sich in
- einigen Fällen bewährt. Bei der chronischen Form kann Nachstehendes
- bestens empfohlen werden:
-
- Pulverisirter Rhabarber (~Powdered rhubarb~) 1 Unze.
- Doppelt kohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of
- potash~) ½ „
-
- Mische es. Dosis: 5-10 Grane dreimal des Tages in einem Theelöffel
- voll Wasser. Zuweilen kann auch des Abends folgendes behufs
- Regulirung der Eingeweide gegeben werden:
-
- Entenfuß (~Podophyllin~) ¼ Gran.
- Leptandrin 1 oder 2 Grane.
- Stückzucker (~Loaf sugar~) 5 „
-
- Auf einmal zu nehmen.
-
- Folgende Pillen mögen gegen den Husten gegeben werden:
-
- Bilsenkrautextrakt (~Extract Hyosciamus~) 1½ Unzen.
- Brechwurz (~Ipecac~) 1½ „
- Canadischer Balsam (~Canada balsam~) 1½ „
- Salzsaures Ammoniak (~Muriate of Ammonia~) 1½ „
-
- Mische und theile es in Pillen von vier Granen. Dosis: alle drei bis
- vier Stunden eine Pille.
-
- Folgendes ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen chronische
- Luftröhren-Entzündung:
-
- Bilsenkrautextrakt (~Extract Hyosciamus~) 1½ Drachmen.
- Alcoholextrakt von Schlangenwurzel (~Alcoholic
- extr. of black cohosh~) 1½ „
- Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~) 1½ „
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 1½ „
-
- Mische es und mache Pillen von vier Granen daraus, wovon alle drei
- oder vier Stunden eine zu geben ist.
-
- Bei Diarrhöe gebe drei- oder viermal des Tages Dosen von 20 Tropfen
- von Eisenchlortinktur (~Tincture of chloride of iron~) in einem
- Weinglas voll Wasser.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- In der Regel das beste Mittel,
- besonders bei starkem Fieber, trockner Haut, fliegendem und hartem
- Pulse, schnellem und ängstlichem Athmen, Hals trocken, Husten, einem
- stechenden Gefühle in Hals und Brust, Angst und Unruhe, mehr oder
- weniger Schmerzen in der Brust -- besonders des Nachts.
-
- ~Tartarus emeticus.~ -- Bei starken Hustenfällen, mit einem Gefühl
- von Erstickung, röchelndem Athmen, Kurzathmigkeit, Brustbeklemmung,
- Herzklopfen, Schmerzen im Rücken und Gliedern und Durst.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Mäßiges Fieber, erhitzte Haut, Heiserkeit, gestörtes
- Athmen beim Liegen auf dem Rücken.
-
- ~Bryonia.~ -- Trockenheit im Halse, schweres, kurzes und ängstliches
- Athmen, Druck auf der Brust, wie von einem Gewicht herrührend,
- Stechen in der Brust, heftiges Kopfweh, durch Bewegung erhöht.
-
- ~Nux vomica.~ -- Symptome ungefähr dieselben, wie bei ~Bryonia~.
-
- ~Phosphorus.~ -- Nachdem die Anzeichen einer Entzündung verschwunden,
- dessenohngeachtet aber schweres Athmen, Heiserkeit, Rauheit in dem
- oberen Theile der Luftröhre, Hitze in der Brust, trockner, hackender
- Husten, sowie Husten durch ein Stechen im Halse, durch Sprechen oder
- Lachen verursacht, vorhanden sind.
-
- ~Chamomilla.~ -- Nachdem das Fieber vermittelst Aconitum unterdrückt
- ist und nur ein trockener Husten, schlimmer des Abends und während
- des Schlafens, zurückbleibt.
-
- ~Spongia~ und ~Hepar Sulphuris~. -- Mögen abwechselnd gegeben werden
- bei schwerem Athem, wehem Hals, Röcheln, trockenem und hohlem Husten
- bei Tag und Nacht, aber während der letzteren nur theilweise.
-
- Dieselben Mittel können auch bei der chronischen
- Luftröhren-Entzündung angewendet werden.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Wenn flüssig gegeben, löse 12 Kügelchen
- in 12 Theelöffel voll Wasser auf. Dosis: der Strenge der Symptome
- angemessen, alle 2 bis 3 Stunden einen Theelöffel voll. Trocken: 3
- oder 6 Pillen auf einer Dosis.
-
- Bei chronischer Luftröhren-Entzündung wird Morgens und Abends eine
- Dosis hinreichen.
-
- =Allöopathisch.= Ein Anfall von Luftröhren-Entzündung kann zuweilen
- auch dadurch gehoben werden, daß der Kranke beim zu Bettgehen ein
- Glas heiße Limonade oder 10 Grane Dover’sche Pulver (~Dover’s
- powders~) nimmt und dann ein warmes Senffußbad folgen läßt.
- Schlägt dieses nicht an, gebe man eine Dosis Bitter- (~Epsom~)
- oder Rochellesalz oder auch Citronensaure Magnesia (~Citrate of
- magnesia~). Bei starkem Fieber, erstickendem Husten und weher Brust
- gebe man folgendes:
-
- Weinsteinsaures Antimon (~Tartrate of Antimony~) 2 Grane.
- Potasche (~Potassa~) 2 „
- Wasser 4 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: alle zwei oder drei Stunden einen Theelöffel voll.
- Gleichzeitig gebe man beliebig Leinsamenthee zu trinken.
-
- Eine Einreibung der Brust mit Terpentinöl verschafft zuweilen
- Linderung.
-
- Bei gelinden Fällen hilft Brechwurzsyrup (~Syrup of ipecac~), in
- Dosen von 1 bis 2 Theelöffel voll alle 2 oder 3 Stunden, hin und
- wieder sehr schnell. Diesem lasse man nachstehendes folgen:
-
- Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potassa~) 2 Drachmen.
- Meerzwiebel-Honigessig (~Oxymel of squills~) 1 Unze.
- Fingerhut (~Tincture of digitalis~) ½ Drachme.
- Essig 1 Eßlöffelvoll.
- Zucker ½ Drachme.
- Gummi Arabicum (~Gum arabic~) ½ „
-
- Hinreichend Wasser, um 6 Unzen zu machen. Mische es. Dosis: alle zwei
- oder drei Stunden einen Eßlöffel voll.
-
- Ist der Husten des Nachts beschwerlich, gebe man folgendes:
-
- Meerzwiebelsyrup (~Syrup of squills~) 3 Unzen.
- Paregoricum (~Paregoric~) 1 Unze.
-
- Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages einen Theelöffel voll
- oder zwei Theelöffel voll des Nachts.
-
- Heiße Kleie oder Senfumschläge sollten um den Hals und auf die Brust
- gelegt werden. Bei lästigem Husten gebe man folgendes:
-
- Honigessig (~Oxymel~) 1 Unze.
- Bilsenkrauttinktur (~Tincture of henbane~) 1 Drachme.
- Salpeterspiritus (~Spirits of nitre~) 1 „
- Brechwurzwein (~Ipecac wine~) 1 „
- Zimmetwasser (~Cinnamon~) 2 Unzen.
-
- Hinlänglich Wasser, um 6 Unzen daraus zu machen. Mische es. Dosis:
- zwei- oder dreimal des Tages einen Theelöffel voll.
-
- Brechweinstein (~Tartar emetic~) im Verhältniß von einem Grane auf
- zehn Drachmen kochendes Wasser, wird zuweilen -- alle zwei Stunden
- einen Eßlöffel voll -- gegen den Husten gegeben.
-
- Bei chronischer Luftröhren-Entzündung gebe man 3 Tropfen Crotonöl
- auf die Brust, jeden Abend bis ein Ausschlag eintritt. Pflaster von
- Burgundischem Pech (~Burgundy pitch~), Schierling (~hemlock~) &c.
- sind in einzelnen Fällen sehr zuträglich. Folgendes lindert zuweilen
- den Husten:
-
- Copaivabalsam (~Balsam of copaiva~) 3 Drachmen.
- Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (~Compound
- spirits of lavender~) 2 „
- Weißer Zucker 2 Unzen.
- Gummi-Arabicum 2 Drachmen.
-
- Hinreichend Wasser, um davon 6 Unzen zu machen. Mische es. Dosis:
- dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.
-
- Oder:
-
- Salzsaures Ammoniak (~Muriate of ammonia~) 8 Drachmen.
- Schleimwasser von Gummi Arabicum 4 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: drei oder viermal des Tages einen Eßlöffel voll.
- Das Einathmen folgender Dämpfe wird, wenn die Absonderung übermäßig
- stark ist, zuweilen sehr zuträglich gefunden werden: Dampf von Theer,
- dadurch hervorgerufen, daß man eine oder zwei Unzen Theer in einen
- Tassenkopf voll heißen Wassers thut -- oder Dampf von Kreosot, der
- durch drei oder vier Tropfen Kreosot, in ein halbes Pint kochendes
- Wasser eingegossen, erzeugt wird.
-
-
-Influenz, auch Grippe oder Flußfieber.
-
-Diese Krankheit wird, wenn sie nur vereinzelt hier und da auftritt und
-nur wenige Tage anhält, Erkältung oder Katarrh genannt, breitet sie
-sich aber weiter aus, so daß Viele zu gleicher Zeit daran leiden, und
-dauert mehrere Tage oder Wochen, so wird sie epidemisch und man nennt
-sie Influenz oder wie oben.
-
-+Ursachen+ -- sind dieselben wie bei andern Leiden des Halses und der
-Lungen.
-
-+Symptome.+ -- Zuerst dieselben Symptome wie beim Katarrh mit einem
-dumpfen Schmerz und Gefühl von Schwere in der Stirn, Brust-Beklemmung,
-erschwertes Athmen, Gefühl von Trockenheit oder Empfindung von Vollsein
-in der Nase, Nießen, Augen wässerig und roth, Hals weh, beständig
-trockener Husten, Heiserkeit, Durst, Frösteln und ein Verlangen, nahe
-ans Feuer zu kommen.
-
-Kurze Zeit darauf läuft aus Augen und Nase Wasser, der Husten nimmt
-zu, der Zustand verschlimmert sich des Nachts, bei Fieber, schnellem
-Puls, heftigen Schmerzen an verschiedenen Theilen des Körpers, Auswurf
-zuerst dünn und weiß, dann gelblich und dick, der Husten läßt bedeutend
-nach. In Begleitung dieser Krankheit findet man Schmerzen in den
-Gliedern und dem Körper, Appetitlosigkeit, Durst, fliegende Hitze mit
-Frostschauer abwechselnd. Beschränkt sich die Entzündung auf die Nase,
-so ist Nießen, Vollsein und Hitze daselbst vorhanden und eine dünne
-Absonderung findet statt.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Camphor.~ -- Wenn bei Beginn der Krankheit
- genommen, ist dieselbe häufig dadurch kurz abgeschnitten. Wird die
- Kampher-Tinktur angewendet, so sollten 3 oder 4 Tropfen in einem
- halben Becher Wasser aufgelöst und ein Theelöffel voll als eine Dosis
- gegeben werden.
-
- ~Arsenicum~ -- kann in der Regel zu Anfang der Krankheit, wenn kein
- starkes Fieber, Hitze oder Durst vorhanden ist, angewendet werden.
- Der Kranke trinkt öfters, ist unruhig und die Absonderung ist scharf
- und verdorben, Wehsein und ein heftiges Brennen der Nase innerlich
- und äußerlich.
-
- ~Mercurius.~ -- Besonders beim Beginn wenn die Hauptsymptome, wie
- Nießen und Laufen der Nase, Schmerzen im Kopfe und Körper, rothe,
- wässerige Augen, ein loser Husten und übermäßiger Schweiß in die
- Augen fallend sind.
-
- ~Bryonia~ -- kann alle 2 bis 3 Stunden abwechselnd mit ~Aconitum~
- gegeben werden bei heißer, trockener Haut, starkem, angreifendem
- Husten und stechenden Schmerzen in der Brust.
-
- ~Belladonna~ und ~Aconitum~ -- abwechselnd wenn der Husten trocken
- und krampfartig ist, bei starkem Kopfschmerz, Trockenheit des Halses
- und des Mundes.
-
- ~Hepar Sulphuris.~ -- Wenn die Erkältung sich bereits besserte, dann
- aber wieder schlimmer wurde, oder wenn der Kranke zu viel Calomel
- genommen und jeder Windhauch das Husten erneuert.
-
- ~Phosphorus~ und ~Tartarus Emeticus~ mögen abwechselnd gegeben
- werden, wenn Druck der Lungen vorhanden ist, begleitet von einer
- Schwäche und Gefühl von Wehsein in denselben -- wenn beim Husten oder
- Athmen ein Röcheln in der Brust vorhanden ist.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Nach ~Mercurius~ oder abwechselnd damit alle 3 oder
- 4 Stunden. Husten lose, Ausfluß aus der Nase gelb und dick, Wehsein
- der Brust am Morgen, saurer, schlechter Geschmack im Munde.
-
- ~Silicea.~ -- Wenn die Krankheit chronisch ist und immer wiederkehrt.
-
- ~Euphrasia.~ -- Bei Ausfluß eines weißen Schleimes aus der Nase, böse
- Augen und übermäßige Thränen.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede, oder alle
- zwei bis drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, eine
- Dosis. Von den Kügelchen gebe man 3 bis 6 als eine Dosis.
-
- =Allöopathisch.= Warme Senffußbäder, des Nachts darauf einen großen
- Schluck Limonade, oder, wenn Fieber vorhanden ist, Limonade kalt
- genommen und gleichzeitig eine Dosis citronensaure Magnesia (~Citrate
- of magnesia~), Rochellesalz oder Sennesblätter- (~Senna~) Thee am
- Morgen wird gewöhnlich hinreichen, die Krankheit zu brechen. Sind die
- Eingeweide verstopft, gebe man folgendes:
-
- Zusammengesetztes Jalappen-Pulver (~Compound powder
- of jalap~) 1 Unze.
- Cremor Tartari (~Cream of tartar~) 1 „
-
- Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll in versüßtem Wasser.
-
- Ist der Anfall schwer, so sollte sich der Kranke ins Bett begeben,
- Flaschen mit heißem Wasser sollten an die Füße und an die Seiten des
- Körpers gelegt, dabei Getränke von Pfeffermünz (~Peppermint~), Isop
- (~Penny royal~) oder Salbei (~Sage~) gegeben werden.
-
- Alle Stunden fünf Tropfen von Nießwurz-Tinktur (~Tincture of
- veratrum viride~) wird öfter eine ungehinderte Ausdünstung wieder
- herstellen. Ist der Husten sehr bedeutend, so werden jene unter
- Luftröhren-Entzündung empfohlenen Mittel sehr zuträglich gefunden
- werden.
-
- Ist in den letzteren Stadien der Krankheit bedeutende Schwäche
- vorhanden, gebe man folgendes:
-
- Citronensaures Eisen (~Citrate of iron~) 1 Drachme.
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 1 Skrupel.
- Brechnuß-Extrakt (~Extract of Nux vomica~) 8 Grane.
-
- Mische es, mache 32 Pillen daraus und nehme dreimal des Tages eine.
-
- Wenn der Kranke alt und schwach ist, möge das folgende gegeben werden:
-
- Enzian-Aufguß (~Infusion of gentian~) 5½ Unzen.
- Anderthalbkohlensaures Ammoniak (~Sequicarbonate
- of ammonia~) ½ Drachme.
- Zusammengesetzte Cardamon-Tinktur (~Compound
- tincture of cardamon~) ½ Unze.
-
- Mische es. Dosis: Zwei- oder dreimal des Tages zwei Eßlöffel voll.
-
- Die Kost sollte nahrhaft und nicht reizend sein, bestehend in
- Fleischbrühen, Pfeilwurz (~Arrow root~), Sago und Gelee (~Jelly~) mit
- einem Theil Wein.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ist der Anfall gelind, so ist nur wenig
- Medizin erforderlich. Es wird hinreichen, Fußbäder zu nehmen, das
- Bett zu hüten, Gerstenschleim (~Barley water~), dünne Hafergrütze
- (~Gruel~) und warme Limonade zu trinken. Bei Athem-Beschwerden
- gebe man Lobelia-Tinktur, Blutwurzel- (~Blood root~) Tinktur oder
- Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~). Gegen Husten und bösen Hals gebe
- man folgendes:
-
- Guter Essig 1 Theetassen-
- kopf voll.
- Honig ½ „
- Cayenne-Pfeffer 1 Theelöffel
- voll.
-
- Koche es einige Minuten an einem gelinden Feuer und wenn abgekühlt,
- gebe man gelegentlich, oder wann immer der Husten lästig wird, einen
- Theelöffel voll.
-
- Um die Ausdünstung zu befördern, kann jede Stunde oder alle zwei
- Stunden eine Dosis zusammengesetzte Schlangenwurzel-Tinktur
- (~Compound tincture of Virginia snake root~) gegeben werden, ferner
- lasse man den Kranken nach Belieben Wasserdost- (~Boneset~), Andorn-
- (~Hoarhound~) oder Salbei- (~Sage~) Thee trinken.
-
-
-Husten
-
-ist in den meisten Fällen nur ein Symptom von anderen Krankheiten, wie
-Brust-Entzündung, Luftröhren-Entzündung, Influenz (Grippe) u.s.w., und
-man sehe deshalb wegen Behandlung solcher Fälle diese Krankheiten unter
-den betreffenden Kapiteln nach.
-
-Zuweilen aber tritt er als ein selbstständiges Leiden auf und wird von
-einem einfachen Katarrh oder durch organische Störungen, die ihn nervös
-oder krankhaft machen, hervorgerufen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Folgendes ist ein guter Hustensyrup:
-
- Honig 4 Unzen.
- Molasses 4 „
- Essig 4 „
-
- Lasse es in einem irdenen Gefäß über einem gelinden Feuer einige
- Minuten lang kochen und rühre es gehörig um; dann füge hinzu:
-
- Zusammengesetzte Kampher-Tinktur (~Compound
- tincture of camphor~) Ein Dessertlöffel voll.
- Brechwurz-Wein (~Ipecac wine~) Ein Dessertlöffel voll.
-
- Mische es wohl. Alle 4 Stunden eine Dosis.
-
- Oder auch:
-
- Blutwurzel-Tinktur (~Tincture of blood root~) 2 Drachmen.
- Tolu-Syrup (~Syrup of Tolu~) 1 Unze.
- Gummi Arabicum Schleim 3 Unzen.
- Verdünnte Hydrocyan-Säure (~Diluted hydro-cyanic
- acid~) 40 Tropfen.
- Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) 2 Grane.
-
- Mische es. Dosis: Alle 4 Stunden einen Theelöffel voll.
-
-
- Eclectische und Kräuterkur.
-
- Meerzwiebel-Syrup (~Syrup of squills~) ½ Unze.
- Brechwurz-Syrup (~Syrup of Ipecac~) ½ „
- Blutwurzel-Tinktur (~Tincture of blood root~) ½ „
- Paregoricum (~Paregoric~) ½ „
-
- Mische es. Dosis: Einen halben bis einen ganzen Theelöffel voll, wenn
- immer der Husten lästig wird.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Bei heftigem Husten, kurz und
- trocken, besonders des Nachts, begleitet von Stechen im Hals,
- Zusammenziehung der Brust oder stechende Schmerzen in derselben,
- verbunden mit Athmungsbeschwerden.
-
- ~Bryonia~ und ~Rhus Toxicodendron~. -- Alle zwei Stunden abwechselnd
- eine Dosis bei Schmerzen im Kopfe und in den Gliedern, Frösteln und
- Durst.
-
- ~Bryonia.~ -- Trockener Husten, Reiz im Halse oder Schmerzen in der
- Brust, schlimmer im Freien, wenn der Husten von Erkältung in feuchtem
- oder sonstigem Wetter herrührt, loser Husten mit gelblichem Auswurf
- oder krampfartiger Wirkung nach dem Essen oder Trinken.
-
- ~Rhus Toxicodendron.~ -- Trockener Hals, Husten in Folge Stechens in
- der Brust, schlimmer am Abend oder vor Mitternacht, Schwäche in der
- Brust, Kurzathmigkeit, schlimmer in der Luft, besser bei Bewegung
- oder in der Wärme, Husten bei einem Geschmack von Blut im Munde.
-
- ~Belladonna.~ -- Hals trocken, Husten, besonders des Nachts,
- schlimmer bei Bewegung, Stechen im Halse und ein Gefühl, als ob
- sich fremde Körper in der Luftröhre befänden, Hitze und Röthe des
- Gesichts, Vollsein und Schmerz im Kopfe, Schmerz im Nacken, scharfe,
- schneidende und grimmende Schmerzen in den Eingeweiden.
-
- ~Hyosciamus.~ -- Wenn ~Belladonna~ nur theilweise Linderung gewährt,
- besonders bei trockenem, stechendem Husten, der beim Sitzen im Bette
- nachläßt.
-
- ~Chamomilla.~ -- Husten in Folge Stechens in der Halshöhle, welches
- sich bis auf den Brustknochen ausdehnt, besonders beim Sprechen,
- Röcheln, ein Gefühl als ob etwas im Halse in die Höhe stiege und den
- Athem benehme, Husten nach Mitternacht, Frösteln, Blässe der einen
- und Röthe der anderen Wange.
-
- ~Ignatia.~ -- Trockner Husten, Laufen der Nase Tag und Nacht, kurzer
- hackender Husten, als ob vom Kitzeln mit einer Feder verursacht,
- nächtlicher Husten, welcher sich nach dem Essen, Niederlegen oder
- beim Aufstehen des Morgens verschlimmert.
-
- ~Ipecacuanha.~ -- Nervöser und krampfartiger Husten besonders des
- Nachts, Uebelkeit, Würgen und Erbrechen, begleitet von einem Schmerz
- im Unterleib, Husten des Nachts oder beim Gehen in der kalten Luft
- schlimmer, Beklemmung des Athems, als ob die Lungen mit Schleim
- gefüllt wären.
-
- ~Mercurius.~ -- Trockener, krampfhafter Husten, durch Sprechen
- erhöht, Schmerzen im Kopfe und der Brust beim Sprechen, heißer Husten
- bei wässeriger Absonderung aus Nase und Mund oder einer wässerigen
- Diarrhöe.
-
- ~Nux vomica.~ -- Kitzelnder Husten, schlimmer des Morgens früh, zäher
- Schleim im Hals und Lungen, kitzelndes Gefühl im Halse und Husten,
- Frösteln, Husten durch Kitzel und Kratzen verursacht, oder mit einem
- Gefühle von Rauheit und Wehsein, von stechenden Schmerzen gefolgt,
- Auswurf eines klebrigen Schleims, zuweilen mit Blut gestreift. Husten
- in Folge von Bewegung schlimmer, dem hin und wieder ein Würgen oder
- Erbrechen folgt, ermüdender Husten mit Schmerzen im Kopf als ob er
- zerspringen wollte, ein quetschendes Gefühl in der Magengrube, Husten
- trocken, während des späteren Theiles des Tages oder zur Nachtzeit
- Druck auf der Brust, wie von einem Gewicht herrührend.
-
- ~Phosphorus.~ -- Trockener Husten von einem Reiz im Halse veranlaßt,
- oder stechender Schmerz in der Brust, schlimmer beim Liegen auf der
- linken Seite oder bei Bewegung, Kitzeln im Halse, aber mehr in der
- Brust, Heiserkeit oder ein Schmerz in der Brust, als wenn Alles roh
- wäre, Husten durch Liegen auf der linken Seite erregt, Rauheit,
- Vollsein und Beengung der Brust.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Husten mit einem leichten Auswurf von Schleim,
- starkes Würgen, trocknen Husten, meistens am Morgen, Neigung zum
- Erbrechen, loser Husten mit salzigem, bitterem, unangenehmem Auswurf,
- zuweilen mit Blut gestreift.
-
- ~Tartarus emeticus.~ -- Hohler, rasselnder Husten, Husten mit
- Uebelkeit und Erbrechen, Husten mit einem Rasseln des Schleimes in
- der Brust, schnelles und schwieriges Athmen.
-
- ~Lycopodium.~ -- Husten des Nachts und nach dem Trinken schlimmer,
- ein kitzelnder Husten in Folge tiefen Athemzuges, Stechen in der
- linken Seite der Brust.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
- Wasser auf und gebe jede Stunde oder alle zwei bis drei Stunden, der
- Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll. Werden die
- Kügelchen angewendet, so gebe drei bis sechs als eine Dosis.
-
- +Kost.+ Hustenleidende, besonders in chronischen Fällen, sollten
- gute, dabei aber einfache, nahrhafte Kost haben, und alle zu reichen,
- stark gewürzten Speisen, frisches Brod, fettes Fleisch, Bier u. s.
- w. vermeiden. Der Betreffende muß sich viel in der frischen Luft
- bewegen, davon einen guten Theil in die Lungen einathmen und dann
- die Brust mit der Hand schlagen. Tägliche kalte Wasserbäder und
- Waschungen sind eins der besten Mittel, um eine Anlage zu Husten und
- Erkältungen zu unterdrücken. Ist der Husten sehr trocken, so wird ein
- Umschlag von heißem Wasser über die Brust, der, sobald er kalt ist,
- entfernt wird, in einigen Fällen Linderung verschaffen. Wenn möglich,
- lasse man den Kranken beim zu Bettegehen nach Belieben kaltes Wasser
- trinken.
-
-
-Lungenentzündung (~Pneumonia~).
-
-Dies ist eine Entzündung der Lungenmasse und wird zuweilen
-Lungenfieber genannt. Nicht selten ist damit Pleuresie (Rippen- und
-Brustfellentzündung) verbunden. Lungenentzündung kann entweder einfach
-oder doppelt auftreten, das heißt, eine oder beide Lungen können von
-der Entzündung ergriffen werden. Die auf der rechten Seite kommt
-häufiger vor als jene auf der linken.
-
-+Symptome.+ Lungenentzündung beginnt in der Regel, wie alle
-Entzündungskrankheiten, mit einem Frostschauer oder Frösteln, dem
-Fieber folgen Schmerzen auf einer Seite der Brust, schwieriges
-Athmen, Husten, erhöhter Puls, schnelles Athmen und Schmerz zuweilen
-scharf, gleich einem Stich in der Seite. Der Kranke kann wegen des
-Schmerzes nicht auf der angegriffenen Seite liegen und das Athmen wird
-schwieriger, wenn er auf der entgegengesetzten Seite liegt, daher liegt
-er meistens auf dem Rücken. Ein trockener, schmerzhafter Husten stellt
-sich beim Beginn ein, zuweilen aber ist er feucht, der Auswurf weiß
-und durchscheinend, der bald darauf rostfarbig oder mit Blut gestreift
-wird. Die Haut ist trocken, Durst, fliegende Hitze und Angst sind
-vorhanden. Die Entzündung erreicht gewöhnlich am fünften oder sechsten
-Tag ihre Höhe und die Symptome bleiben ein oder zwei Tage unverändert,
-dann lassen sie nach und der Kranke wird schließlich gesund. Nimmt die
-Entzündung einen ungünstigen Verlauf, so quält sich der Kranke eine
-längere Zeit und die Symptome werden nach und nach immer schlimmer, bis
-der Tod seinen Leiden ein Ende macht.
-
-Zuweilen tritt die Lungenentzündung epidemisch auf, nimmt dann leicht
-einen bösartigen Charakter an und artet in typhöse Pneumonia aus. Die
-Symptome sind ähnlich denjenigen der einfachen Lungenentzündung, mit
-Ausnahme des geschwächten Zustandes des Organismus. Die Entzündung
-selbst aber hat einen weniger acuten Charakter als bei Pneumonia.
-Schreitet die Krankheit vor, so verschwinden die thätigen Symptome der
-Pneumonia und der Kranke liegt im Schlafe oder Betäubung tritt ein,
-die Haut wird rauh und trocken und die Spitze und Ränder der Zunge
-erscheinen sehr roth, während die obere Fläche mit einem gelblichen
-oder bräunlichen Schleim belegt ist. Die Eingeweide schwellen an und
-sind äußerst empfindlich.
-
-+Ursachen.+ Erkältung ist in der Regel die Hauptursache, daher tritt
-auch die Lungenentzündung häufiger in den Winter- als während der
-Sommermonate auf. Ein starker Schlag oder Fall auf die Brust, sowie das
-Einathmen reizender Gase, können ebenso die Veranlassung dazu werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Der Kranke sollte sich in einem gut ventilirten Zimmer
- aufhalten; die Temperatur desselben muß gemäßigt, darf weder zu warm
- noch zu kalt sein. Sorge sollte getragen werden, daß derselbe nicht
- der Zugluft ausgesetzt wird.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Der Kranke stelle seine Füße und Beine
- in warmes Wasser und trinke Compositions-Salbei- (~Sage~) oder
- Isop- (~Penny Royal~) Thee. Es ist vortheilhaft, gleich zu Anfang
- ein Brechmittel zu verordnen, Erwachsenen das zusammengesetzte
- Lobeliapulver (~Compound powder of lobelia~), Kindern die
- zusammengesetzte Lobeliatinktur (~Compound tincture of lobelia~).
- Das Brechmittel muß, ehe der Schweiß ausbricht, gegeben werden. Eine
- Bähung von bittern Kräutern, wie Andorn (~Hoarhound~), Rainfarn
- (~Tansy~), Hopfen (~Hops~), Wasserdost (~Boneset~), Flöhkraut
- (~Smartweed~) und Pfirsichblätter (~Peach leaves~), von jedem eine
- Handvoll, in einem Gefäße über dem Feuer gekocht, wird empfohlen und
- zwar in der Weise, daß sich der Kranke entkleidet über das Gefäß
- setzt mit einer Decke um die Schultern, welche bis zum Boden reicht,
- so daß der Körper unmittelbar von dem so erzeugten Dampfe berührt
- wird. Dies sollte eine halbe Stunde fortgesetzt werden, und um das
- Wasser warm und dampfend zu erhalten, kann man von Zeit zu Zeit
- einen erhitzten Ziegelstein in dasselbe legen. Der Patient sollte
- dann rasch abgetrocknet und ins Bett gebracht werden, und darauf
- ein Brechmittel nehmen. Letzteres kann aus gleichen Theilen der
- pulverisirten Lobelia, Salbei (~Sage~), Blutwurzel (~Blood root~)
- und Brechwurz (~Ipecac~) zusammengesetzt werden. Nehme davon einen
- großen Theelöffel voll, gieße ein Pint heißes Wasser darauf, rühre
- es um und lasse es 15 Minuten lang stehen, dann gebe man alle 5 bis
- 10 Minuten eine Theetasse voll, bis gehöriges Erbrechen eintritt;
- gleichzeitig sollte Isop- (~Pennyroyal~), Salbei- (~Sage~) oder
- Wasserdost- (~Bonset~) Thee nach Belieben getrunken werden. Nachdem
- das Brechmittel gewirkt hat, ist es gut, den Kranken vermittelst
- heißer Ziegelsteine zu erwärmen, wohl zugedeckt zu halten, mit den
- warmen Thees fortzusetzen und ihn schwitzen zu lassen. Damit möge
- mehrere Stunden angehalten werden; dann sollte man ihn trocken
- abwischen, mit trockner Wäsche versehen und ihn schlafen lassen. Da
- hierbei mehr oder weniger Störungen der Leber vorkommen, so wird es
- zuweilen nothwendig werden, ein Abführmittel zu verordnen.
-
- Entenfuß (~Podophyllin~) 1 Gran.
- Leptandrin 2 Grane.
-
- Gebe es als eine Dosis und wiederhole es alle 3 oder 4 Stunden, bis
- die Wirkung eintritt. Wenn der Schmerz nach diesem noch fortdauert,
- so müssen heiße Umschläge von bitteren Kräutern, wie Hopfen (~Hops~),
- Rainfarn (~Tansy~) und Wermuth (~Wormwood~), so heiß als es ertragen
- werden kann, über die Brust gemacht und dieselben jede Stunde oder
- alle zwei Stunden gewechselt werden. Im Falle die Fiebersymptome
- stark sind, ist das folgende zu empfehlen:
-
- Jasmintinktur (~Tincture of gelseminum~) 4 Drachmen.
- Eisenhuttinktur (~Tincture of aconite~) 24 Tropfen.
-
- Mische es. Dosis 30 Tropfen alle halbe oder ganze Stunde, bis der
- Kranke Linderung verspürt.
-
- Zur Hebung des Hustens und schwierigen Athmens möge folgendes
- angewendet werden:
-
- Pulverisirter Lobeliasamen (~Pulv. lobelia seed~) 1 Unze.
- Blutwurzel (~Blood root~) 1 „
- Brechwurz (~Ipecac~) 2 Unzen.
- Cayennepfeffer (~Cayenne~) ½ Unze.
- Whiskey 1 Quart.
-
- Dies sollte vor dem Gebrauche eine oder zwei Wochen lang stehen.
- Dosis alle Stunden einen Theelöffel voll.
-
- Folgendes kann auch gegen den Husten angewendet werden:
-
- Senegawurzsyrup (~Syrup senega~) 1 Unze.
- Meerzwiebelsyrup (~Syrup of squills~) 1 „
- Lobeliatinktur (~Tincture of lobelia~) 1 „
-
- Mische es. Dosis: jede Stunde oder alle 2 Stunden einen Theelöffel
- voll.
-
- Wenn die Entzündung nachläßt und der Kranke fühlt sich schwach, so
- sind stärkende Mittel erforderlich. Schwefelsaures Chinin (~Sulphate
- of quinine~) kann in Dosen von 2 bis 3 Granen dreimal des Tages
- gegeben werden, oder Porter, Wein oder auch Molken-Wein. Ist die
- Krankheit vorüber und es bleibt noch ein Husten zurück, so gebe man
- folgendes:
-
- Tolu Balsam und Gummi Arabicum, von jedem ein halbes Pfund und
- Cideressig eine Gallone. Löse vermittelst Hitze den Balsam und Gummi
- in dem Essig und füge 6 Pfund Zucker hinzu. Wenn alles aufgelöst ist,
- nehme man es vom Feuer und füge dann noch 18 Unzen Laudanum hinzu.
- Dosis: Einen Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages.
-
- Bei typhöser Lungenentzündung ist die Behandlung ähnlich jener
- gewöhnlicher Pneumonie, sowie auch der des Nervenfiebers. Die Haut,
- anstatt heiß, ist in dieser Form der Krankheit gewöhnlich kalt, daher
- sollten die Füße und Beine öfters in warmem Laugenwasser gebadet
- werden. Doverische Pulver (~Dover’s powders~) können gegeben werden,
- oder folgendes in Hinzufügung der anderen Heilmittel, welche bereits
- unter Lungenentzündung erwähnt wurden.
-
- Pulverisirte Brechwurz (~Pulv. Ipecac~) 2 Drachmen.
- Pulverisirtes Kampherharz (~Pulv. gum camphor~) 2 „
- Kohlensaures Ammoniak (~Carbonate ammonia~) 2 „
- Pulverisirtes Opium (~Pulv. Opium~) ½ Drachme.
-
- Reibe es in einem Mörser gehörig durcheinander und gebe ungefähr 8
- Grane als eine Dosis alle 3 oder 4 Stunden.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- sollte zu Anfang entweder allein oder
- abwechselnd mit ~Bryonia~, bei hohem Fieber und starkem Schmerz in
- der Brust gegeben werden. Der Schmerz wird bei Bewegung oder Husten
- schlimmer, der Auswurf ist blutig und von der Farbe von Ziegelstaub,
- Zunge belegt, viel Durst. Von diesen Heilmitteln sollten abwechselnd
- alle halbe oder ganze Stunde ein Theelöffel voll gegeben werden,
- bis sich der Kranke bessert. ~Belladonna~ kann entweder allein oder
- abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben werden, wenn das Fieber zunimmt
- und beträchtlicher Blutandrang nach dem Kopfe vorhanden ist, bei
- heftigem Schlagen der Adern des Halses und der Schläfe.
-
- ~Phosphorus.~ -- Ist bei heftigen Fällen ein schätzenswerthes Mittel,
- wenn zuvor ~Bryonia~ oder ~Belladonna~ gegeben, entweder allein oder
- abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben, besonders wenn folgende Symptome
- vorhanden sind: Ein kurzer hackender Husten, hauptsächlich am Abend
- mit einem Gefühl von Erstickung, wenig oder gar keinen Auswurf;
- starker Schmerz in der Brust; Schwere, Vollsein und Beengung, als
- ob die Brust zusammengeschnürt wäre, große Hinfälligkeit, Vollsein
- des Gesichts, Stechen in der Seite, vorzüglich in der linken, Zupfen
- an dem Bettzeug, schwacher und schneller Puls. ~Tartarus emeticus~
- kann abwechselnd mit ~Phosphorus~ gegeben werden, besonders wenn
- ~Aconitum~ und ~Bryonia~ keine Linderung gewährten, auch bei starker
- Unterdrückung des Athmens und Hustens. Der Husten ist locker mit
- überreichem Auswurf, hohl und rasselnd, wenig oder gar keinem
- Schmerz, Uebelkeit und Erbrechen, besonders nach Hustenanfällen.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Schwieriges Athmen, besonders beim Liegen auf dem
- Rücken. Vorzugsweise gut für Kinder bei regelmäßigem kurzem Husten,
- Heiserkeit, Schwere auf der Brust.
-
- ~Mercurius.~ -- Wenn ~Aconitum~ das Fieber vermindert hat, aber noch
- Schwierigkeit beim Athmen vorhanden und der Patient von Nachtschweiß
- erschöpft ist.
-
- Bei typhöser Lungenentzündung möge ~China~ angewendet werden,
- besonders wenn der Kranke sehr durch Blutverlust geschwächt wird
- und folgende Symptome vorhanden sind: Druck in der Brust, Stechen
- in der Brust und in den Seiten; Herzklopfen beim Athmen und Husten,
- große Schwäche, dünner und schwacher Puls. Lindert dies nicht nach
- mehrstündigem Gebrauche, so kann ~Rhus toxicodendron~ abwechselnd
- damit gegeben werden.
-
- ~Opium.~ -- Bei großer Schläfrigkeit, schwächendem Athmen, leisem
- Murmeln, Zupfen an dem Bettzeuge und wenn Entleerungen ohne Wissen
- des Kranken stattfinden.
-
- ~Hyoscyamus.~ -- Wenn der Husten reizend und krampfartig, das Gesicht
- roth und heiß ist, die Augen strahlend, Zunge trocken und bräunlich
- sind.
-
- ~Veratrum.~ -- Wenn der Puls klein und schwach ist, die Glieder kalt,
- Delirium, Erbrechen, Diarrhöe und schnelles Sinken der Kräfte.
-
- ~Arnica~ -- kann bei denselben Symptomen wie bei ~Opium~ gegeben
- werden, wenn kein Delirium vorhanden ist. ~Camphor~ und ~Coffea~ in
- abwechselnden Dosen, wenn der Kranke schnell die Kräfte verliert, bei
- kalten Gliedern und Delirium, besonders wenn er mit kaltem Schweiß
- bedeckt ist.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12
- Kügelchen in ebenso vielen Theelöffeln voll Wasser auf und gebe
- jede Stunde oder alle 2, 3 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome
- angemessen, einen Theelöffel voll. Die Kost sollte einfach sein und
- aus leicht verdaulichen Speisen, wie Haferschleim &c. bestehen.
- Es ist gut, einen erweichenden Umschlag von heißem Kornmehl über
- die Brust zu machen. Dies sollte so lange fortgesetzt werden, bis
- entschiedene Besserung eintritt.
-
- =Allöopathisch.= Das erste, was gegeben werden sollte, ist ein
- Brechmittel von Brechweinstein (~Tartar emetic~), oder Brechwurz
- (~Ipecac~), dem man ein Abführmittel von Bittersalz (~Epsom salts~)
- oder von citronensaurer Magnesia (~Citrate of magnesia~) folgen läßt.
- Zusammengesetzte Tinktur von virginischer Schlangenwurzel (~Compound
- tincture of Virginia snake root~) kann zur Hervorrufung von Schweiß
- gegeben werden und zu gleicher Zeit sollte der Körper durch Flaschen
- mit heißem Wasser rings herum gelegt, erwärmt werden. Ist das Fieber
- stark und der Puls rasend schnell, ist es besser, den Schweiß durch
- Nießwurz- (~Veratrum viride~) Tinktur in Dosen von 3 bis 10 Tropfen
- alle Stunden hervorzurufen. Der Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~) kann
- in Dosen von 3 bis 10 Tropfen alle 2 oder 3 Stunden in einem Eßlöffel
- voll Wasser gegeben werden, oder folgendes:
-
- Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potassa~) 2 Drachmen.
- Gummi Arabicum oder weißer Zucker 2 „
-
- Theile es in zwölf Pulver und nehme alle zwei bis drei Stunden eins.
- Ein Senfpflaster sollte bei Beginn über die Brust gelegt werden.
- Gegen den Husten gebe man, nachdem sich das Fieber gelegt hat,
- folgendes:
-
- Tolu-Syrup (~Syrup of Tolu~) 1 Unze.
- Meerzwiebel-Syrup (~Syrup of squills~) ½ „
- Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~) 2 Drachmen.
- Paregoricum (~Paregoric~) 3 „
- Gummi Arabicum Schleim 1½ Unze.
-
- Mische es. Dosis: Gelegentlich einen Theelöffel voll.
-
- Sollte sich der Kranke, nachdem das Fieber nachgelassen hat, schwach
- und gedrückt fühlen, so wende man folgendes an:
-
- Doppeltkohlensaure Soda (~Bicarbonate of soda~) ½ Unze.
- Zusammengesetzter Enzian-Aufguß (~Compound infusion
- of gentian~) 4 Drachmen.
- Colombowurzel-Tinktur (~Tincture of colombo~) 1 Unze.
- Orangenschalen-Syrup 1 „
-
- Mische es. Dosis: Dreimal des Tags einen Eßlöffel voll.
-
- Oder auch:
-
- Salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tincture
- of iron~) 1 Unze.
- Rosenwasser 6 Unzen.
- Orangenschalen-Syrup 1 Unze.
-
- Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll in einem Weinglas voll Wasser
- nach jeder Mahlzeit.
-
- Bei Behandlung der typhösen Lungenentzündung gebe man folgendes:
-
- Brechwurz und Calomel (~Ipecac and Calomel~) von
- jedem 6 Grane.
- Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potash~) ½ oder 1 Drachme.
-
- Mische, theile es in 12 Pulver und nimm alle 3 Stunden eins.
-
- Oder:
-
- Essigsaure Potasche (~Acetate of potassa~) 5½ Drachmen.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 „
-
- Hinreichend Wasser, um acht Unzen daraus zu machen, löse es auf und
- nimm alle 3 oder 4 Stunden einen Eßlöffel voll.
-
- Folgendes ist ein ausgezeichnetes stärkendes Mittel:
-
- Kohlensaures Eisen (~Carbonate of iron~) 1 Drachme.
- Pulverisirter Rhabarber (~Pulv. rhubarb~) ½ „
- Pulverisirte Aloe (~Pulv. Aloes~) ½ „
- Hopfen-Extrakt (~Extract of hops~) ½ „
-
- Mische es und mache dreißig Pillen daraus. Dosis: Eine Pille dreimal
- des Tages.
-
- Oder:
-
- Chinin (~Quinine~) 1 Skrupel.
- Schwefelsäure (~Sulphuric acid~) 5 Tropfen.
- Alcohol 4 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Theelöffel voll.
-
- Der Husten sollte durch Trinken von Leinsamen-, schlüpfriger Ulme-
- oder Eibisch- (Marsh mallow) Thee locker gehalten und zu derselben
- Zeit ein Pflaster auf die Brust gelegt werden.
-
-
-Lungenentzündung bei alten Leuten (~Pneumonia in Old People~).
-
-Diese Krankheit sollte ebenso wie die typhöse Lungenentzündung
-behandelt werden.
-
-
-Brustfell-, Rippenfellentzündung, Pleuresie (~Pleurisy~, ~Pleuritis~).
-
-Dies ist eine Entzündung der Pleura, oder Schleimhaut, welche die Brust
-einfaßt und so eine Hülle, welche die Lungen umgiebt, bildet. Sie kann
-zu irgend einer Zeit eintreten, wird aber meistens im Frühjahr oder
-Winter gefunden.
-
-+Symptome.+ -- Pleuresie beginnt, wie alle anderen Fieber, mit Frost,
-dem Hitze folgt, und allen anderen Fieber-Symptomen. Diesen Symptomen
-folgt bald ein heftig stechender Schmerz in der Brust, der durch
-tiefes Athemholen erhöht und von schwierigem heftigem Athmen, sowie
-von einem trockenen, hackenden Husten begleitet wird; Husten, Athmen,
-Herumwerfen, Liegen auf der angegriffenen Seite und auch Druck auf die
-Brust erhöht den Schmerz. Dieser Schmerz dauert in der Regel drei bis
-vier Tage, dann läßt er nach.
-
-+Ursachen.+ -- Plötzliche Kälte, die mit dem Körper in Berührung kommt,
-Schläge oder Fallen auf die Brust, Unterdrückung gewisser Absonderung,
-das nach Innenschlagen von Hautkrankheiten. Pleuresie kann sowohl acut
-als auch chronisch sein. Chronische Pleuresie ist in der Regel die
-Folge der acuten.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum~ und ~Bryonia~ sind die beiden Hauptmittel
- gegen diese Krankheiten und reichen in den meisten Fällen hin, die
- Heilung zu bewirken. ~Aconitum~ ist besonders angezeigt bei folgenden
- Symptomen: Heiße Haut, starkes Fieber, schneller und voller Puls,
- sowie großer Durst. ~Bryonia~ vorzugsweise, wenn die folgenden
- Symptome vorhanden sind: Wangen geröthet, heiß, trocken oder feucht,
- kurzer, fliegender Athem, schneller Puls, stechende, schießende oder
- brennende Schmerzen in der Seite, welche durch Athmen, Husten und
- Bewegung erhöht werden; Athem kurz, ängstlich und schwierig; Gefühl
- von Zusammenziehen und Beklemmung der Brust; schmerzhafter Husten
- sowohl feucht als auch trocken, große Hitze der Haut, abwechselnd mit
- öfterer Kälte oder Frösteln, Schmerz durch Druck verschlimmert.
-
- ~Mercurius.~ -- Dies Heilmittel kann gegeben werden, nachdem das
- Fieber vermittelst anderer Mittel unterdrückt ist, aber dennoch
- Nachtschweiße, mehr oder weniger kurzes und schwieriges Athmen
- zurückbleiben.
-
- ~Tartarus Emeticus.~ -- Gesicht geröthet, heiß und trocken, oder
- voll mit einem ängstlichen Ausdrucke und mit Schweiß bedeckt. Puls
- schnell und schwach oder voll, Athem kurz und schwierig, begleitet
- von stechenden oder schießenden Schmerzen, Husten mit Schleimauswurf,
- zuweilen mit Blut gemischt, heftiges Herzklopfen, Schwäche und
- Hinfälligkeit, Gefühl von Erstickung.
-
- ~Phosphorus. -- Das Gesicht erscheint blaß, zuweilen roth, Augen
- eingefallen und mit blauen Ringen umgeben, Auswurf blutig, scharfe
- stechende Schmerzen in der Brust, meistens aus der linken Seite,
- Athem fliegend und schwierig, scharfer Schmerz zwischen den Rippen
- beim Druck, Herzklopfen.
-
- ~Arnica~ -- sollte gegeben werden, wenn die Krankheit durch Schläge
- oder Fallen auf die Brust veranlaßt wurde. Ist der Kranke des Nachts
- schlaflos und unruhig, gebe man ~Coffea~ und ~Belladonna~ abwechselnd
- jede Stunde.
-
- ~Arsenicum.~ -- Bei Ansammlung von Wasser in der Brust und großer
- Schwäche.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ -- Von dem gewählten Mittel löse 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe jede Stunde oder alle
- zwei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel
- voll, wenn nicht andere Vorschriften bei den Mitteln angeführt sind.
- Die Kost sollte ebenso wie bei Lungenentzündung sein.
-
- =Allöopathisch.= Beim Beginn der Krankheit verordne man
- Blutentziehung, soweit es der Kranke nur ertragen kann und
- wiederhole dies mehrere Male. Die zusammengesetzte virginische
- Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of Virginia snake
- root~) kann, um Schweiß hervorzubringen, alle halbe Stunden in
- Theelöffel-Dosen gegeben werden. Dies wird gewöhnlich sofort
- Linderung verschaffen. Man gebe dies in einem Aufguß von Katzenmünze-
- (~Catnip~), Balsam- oder Pleuresie- (~Pleurisy~) Wurzel und mache zu
- gleicher Zeit warme Umschläge von Hopfen (~Hops~), Rainfarn (~Tansy~)
- oder Wermuth (~Wormwood~). Tritt keine Linderung ein, so gebe man ein
- Brechmittel von dem zusammengesetzten Pulver der Lobelia (~Compound
- tincture of lobelia~) und lasse folgende Verschreibung folgen:
-
- Pulverisirte Gummi Gutti (~Pulv. gamboge~) 12 Grane.
- Pulverisirtes Windenharz (~Pulv. Scammony~) 12 „
- Springgurke (~Elaterium~) 2 „
- Crotonöl (~Croton oil~) 8 Tropfen.
- Stechapfel-Extrakt (~Extract Stramonium~) 3 Grane.
-
- Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Jede Stunde eine
- Pille bis die Wirkung eintritt. In einigen Fällen, wo der Kranke
- bereits nach Bittersalz (~Epsom salts~) oder Salz und Sennesblättern
- (~Senna~) abgeführt hat, kann Brechweinstein (~Tartar emetic~) in
- Dosen von einem Achtel- bis zu einem Viertel-Gran mit einem halben
- bis zu einem ganzen Grane Opium alle zwei oder drei Stunden gegeben
- werden.
-
- Oder folgendes:
-
- Calomel 6 Grane.
- Opium 4 „
- Brechweinstein (~Tartar emetic~) 1½ „
-
- Mische und theile es in 12 Pulver. Alle zwei oder drei Stunden nehme
- eins in Wasser. Tritt Fieber hinzu, so lasse man Brechweinstein
- (~Tartar emetic~) aus und setze mit Opium, so lange der Schmerz
- anhält, fort. Um das Auftrocknen der Flüssigkeit innerhalb der Brust
- zu beschleunigen, möge folgendes angewendet werden:
-
- Meerzwiebel-Pulver (~Powder of squills~) ½ Drachme.
- Fingerhut-Pulver (~Powder of digitalis~) 8-16 Grane.
-
- Mische es, theile es in 16 Pulver und nimm dreimal des Tages eins.
-
- Der zusammengesetzte Wachholdergeist (~Spirit of juniper~) kann
- dreimal des Tages in Dosen von 1 bis 2 Theelöffel voll in einem
- Weinglas voll Wasser gegeben werden. Besonders gut bei schwachen
- Fällen.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Zuerst gebe man von der Lobelia-Tinktur
- (~Tincture of lobelia~) und von Nro. 6 einen Theelöffel voll, alle
- 10 Minuten wiederholt, bis 4 oder 5 Dosen genommen sind. Kann man
- Nro. 6 nicht erhalten, so kann die Cayennepfeffer-Tinktur (~Tincture
- of cayenne~) angewendet werden. Der Patient sollte ein Fußbad
- in warmem Wasser nehmen und gleichzeitig Thee von Wasserdost-
- (~Boneset~), Blutwurzel- (~Blood root~) und Pleuresie- (~Pleurisy~)
- Wurzel zu gleichen Theilen trinken. In diesem Stadium nehme man ein
- Brechmittel aus gleichen Theilen der Lobelia und Brechwurz (~Ipecac~)
- zusammengesetzt in dem obengenannten Thee. Wenn aber nach dieser
- Behandlung der Schmerz fortdauert und es ist beträchtlicher Husten
- vorhanden, so gebe man folgendes:
-
- Jasmin-Tinktur (~Tincture of gelseminum~) 4 Drachmen.
- Eisenhut-Tinktur (~Tincture of aconite~) 24 Tropfen.
-
- Mische es und gebe alle halbe oder ganze Stunde 30 Tropfen, bis sich
- die Wirkung einstellt, d. h. bis sich die Zwischenräume zwischen den
- Anfällen verlängern. Anstatt dessen kann auch die zusammengesetzte
- Tinktur der virginischen Schlangenwurzel (~Compound tincture of
- Virginia snake root~) gegeben werden, um einen gelinden Schweiß zu
- erhalten. Ist das Husten stark, so kann es vermittelst des folgenden
- bewältigt werden:
-
- Pleuresie- (~Pleurisy~) Wurzel und Wildkirschbaum-Wurzel (~Wild
- cherry root~), von jedem zwei Theile, und von Blutwurzel (~Blood
- root~) einen Theil; mache einen Aufguß daraus und gib es öfters
- wiederholt in kleinen Dosen. Gegen chronische Pleuresie sollte jede
- Woche ein gelindes Brechmittel gegeben und folgendes Blasenpflaster
- auf die Brust gelegt werden:
-
- Burgunder Pech (~Burgundy pitch~) und Bienenwachs zu gleichen Theilen
- und ein wenig Harz (~Rosin~). Dies sollte gemischt und während es
- warm ist, in ein wenig gepulverte Blutwurzel (~Blood root~), Entenfuß
- (~May apple root~) und Kermesbeere (~Poke root~) gerührt werden. Dann
- streiche es auf ein Stück Leinwand und mache einen warmen Umschlag,
- der eine Woche oder länger liegen bleibt. Potaschen-Iodide (~Iodide
- of potassa~) ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen diese Krankheit.
- Eine Drachme wird in vier Unzen Wasser aufgelöst und davon ein
- Theelöffel voll einmal des Tages genommen.
-
-
-Scheinbare Pleuresie oder Seitenstechen.
-
-Dies ähnelt der wirklichen Pleuresie sehr, doch ist es in seinem
-Ursprung und in seiner Oertlichkeit von derselben verschieden. Es ist
-ein rheumatisches Leiden der Brustmuskeln und befindet sich in der
-Regel zwischen den Rippen. Der Schmerz wird durch tiefes Athemholen,
-durch das Heben der Hände über den Kopf oder durch das Gehen erhöht. Es
-rührt theilweise von Erkältung und zuweilen von heftiger Bewegung her.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Warme Umschläge, wie Senfpflaster oder heißes
- Wasser wird in der Regel Linderung verschaffen. Hin und wieder ist
- Eisenhutsalbe (~Aconite liniment~) oder Eisenhuttinktur (~Aconite
- tincture~) erforderlich.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes möge angewendet werden:
-
- Sassafrasöl (~Oil of sassafras~) und Schierlingöl (~Oil of hemlock~)
- von jedem 1½ Unze, Laudanum und Majoranöl (~Oil of origanum~) von
- jedem 1 Unze. Mische es und reibe damit den leidenden Theil ein.
-
- =Homöopathisch.= Wenn irgendwie Fieber vorhanden ist, gebe man alle
- halbe oder ganze Stunde eine oder zwei Dosen ~Aconitum~.
-
- ~Arnica.~ -- Alle zwei Stunden eine Dosis, kann entweder allein oder
- abwechselnd mit ~Apis mellifica~ gegeben werden.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Wenn der Patient nach den obigen Mitteln keine
- Linderung verspürt.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Stechen in der Seite, bei schmerzhaftem Gefühl an
- der Außenseite der Brust zwischen den Rippen nach Druck; schlimmer
- bei Athemschöpfen oder irgend einer Bewegung. Wenn zu irgend einer
- Zeit der Kranke zu fiebern beginnt, bei Schmerz in den Gliedern, der
- Seite und dem Kopfe, so gebe man ~Bryonia~ und ~Rhus Toxicodendron~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Jede halbe Stunde oder alle zwei
- Stunden eine Dosis (6 Kügelchen), oder 12 Kügelchen in 12 Theelöffel
- voll Wasser aufgelöst. Oefters wird auch ein Senfpflaster oder ein
- Säckchen mit erhitztem Salz, über den angegriffenen Theil gelegt,
- Linderung verschaffen.
-
-
-Herzentzündung (~Carditis~).
-
-Ist eine Entzündung der Herzmasse, welche aber selten vorkommt. Wir
-finden sie gewöhnlich mit Endocarditis, das ist die Entzündung der
-Haut, womit die innere Herzfläche überzogen ist, oder mit Pericarditis,
-die Entzündung des Herzbluts, verbunden. Die Symptome all dieser
-Krankheiten sind sich sehr ähnlich und die Behandlung ist ein und
-dieselbe.
-
-+Symptome.+ -- Die Krankheit beginnt in der Regel mit den gewöhnlichen
-Symptomen des Fiebers, wie Frösteln, Hitze, Trockensein der Haut,
-Durst und geröthetes Gesicht. Dem folgt ein fliegendes, unvollkommenes
-Athmen und heftige spießende Schmerzen in der Gegend des Herzens. Diese
-Schmerzen erstrecken sich zuweilen bis zu den Schultern und werden
-durch Bewegung oder durch Sitzen erhöht; es ist ein Gefühl von Vollsein
-und Beklemmung in der Brust vorhanden, Herzklopfen nach der geringsten
-Bewegung; der Herzschlag ist heftig und unregelmäßig, kurzer, trockener
-Husten, Athem sehr schnell und schwierig, das Gesicht ist hager und ein
-Ausdruck von großem Leiden spiegelt sich darauf; die Zunge ist weiß
-belegt und die Eingeweide sind verstopft. Der Kranke liegt am liebsten
-ruhig auf dem Rücken und zuweilen treten Delirium und Ohnmachten ein.
-
-+Ursachen+ -- dieser Krankheit bestehen in der Regel in Erkältung,
-Wunden, Schlägen, Angst oder großer Demüthigung; häufig ist sie auch
-die Folge eines heftigen Rheumatismus oder der Gicht.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Zur Hervorbringung von Schweiß
- sollte alle halbe oder ganze Stunde ein Theelöffel voll von der
- zusammengesetzten Tinktur der virginischen Schlangenwurzel (~Compound
- tincture of Virginia snake root~) und gleichzeitig ein warmer
- Aufguß der Pleuresie- (~Pleurisy~) Wurzel gegeben werden; damit
- sollte zwei bis drei Stunden oder auch länger angehalten werden,
- bis Linderung eintritt. Sind die Eingeweide verstopft, so gebe man
- die zusammengesetzte Jalappenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of
- jalap~) und füge jeder Dosis 10 Grane Cremor Tartari (~Cream of
- tartar~) bei. Auch lege man Senfpflaster auf die Füße, über die Brust
- in der Gegend des Herzens und ebenso auf den Rückgrat. Bewältigt
- diese Kur die Krankheit nicht, so sollten mehrere Male des Tages
- warme Bäder in Laugenwasser genommen werden, gleichzeitig gebe man
- folgendes:
-
- Jasmin-Tinktur (~Tincture of gelseminum~) 4 Drachmen.
- Eisenhut-Wurzel (~Tincture of aconite root~) 1 Drachme.
-
- Mische es und gebe davon 15 bis 30 Tropfen alle halbe oder ganze
- Stunde, bis der Kranke Linderung darnach verspürt. Zur Auftrocknung
- der Flüssigkeit innerhalb des Herzens ist ein Aufguß von Haarmoos
- (~Haircap moss~) sehr dienlich. Gegen Unruhe, Mangel an Schlaf, mögen
- 8 bis 10 Grane des zusammengesetzten Pulvers von Brechwurz (~Ipecac~)
- und Opium gegeben werden.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- sollte bei jedem Falle zuerst gegeben
- werden. Ebenso ~Bryonia~ bei stechenden Schmerzen in der Brust, durch
- Athmen und Bewegung erhöht, sehr schnellem und schmerzhaftem Athem,
- trockenem, krampfartigem Husten, scharfem Schmerz, der sich bis
- zwischen die Schultern und rückwärts bis zwischen die Schulterblätter
- erstreckt.
-
- ~Digitalis.~ -- Scharfes Stechen und zusammenziehender Schmerz in
- der Gegend des Herzens, Herzklopfen durch Sprechen, Bewegung oder
- Niederlegen verursacht, ein beängstigendes und beklemmendes Gefühl in
- der Brust, häufige Anwandlungen von Ohnmacht, allgemeine Schwäche,
- unbehagliches Gefühl auf der linken Seite der Brust, das sich häufig
- bis zu den Schultern und Armen ausdehnt. Andere Mittel sind: ~Nux
- Vomica~, ~Cocculus~, ~Arsenic~, ~Pulsatilla~ und ~Cannabis~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede Stunde,
- oder alle zwei, drei bis vier Stunden, der Strenge der Symptome
- angemessen, einen Theelöffel voll.
-
- =Allöopathisch.= Wenn der Kranke von starkem, kräftigem Körperbau
- ist, so müssen beim Beginn der Krankheit Aderlässe gemacht werden;
- ist aber der Patient schwächlich, so mögen statt dessen Blutegel
- in der Gegend des Herzens angesetzt werden. Zuerst gebe man sodann
- eine Dosis Bitter- oder Rochellesalz (~Epsom or Rochelle salts~)
- oder auch citronensaure Magnesia (~Citrate of magnesia~) und lasse
- diesem Calomel (~Calomel~) und Opium -- von jedem ½ Gran -- folgen.
- Dreimal des Tages eine Dosis. Wo Rheumatismus die Ursache ist, gebe
- man folgendes.
-
- Kohlensaure Potasche (~Carbonate of potassa~) 2½ Drachmen.
- Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potassa~) 2½ „
- Wasser 8 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll. Wenn das
- Fieber zunimmt, kann ein Pflaster über das Herz gelegt werden.
- Doverische Pulver (~Dover’s powder~) sind bei Unruhe des Nachts
- anzuwenden.
-
-
-Herzklopfen.
-
-Dies ist ein Leiden, das als ein Symptom einer organischen Krankheit
-des Herzens betrachtet, oder das einer allgemeinen Nervenschwäche,
-Verdauungsschwäche (~Dyspepsia~) oder irgend einer anderen Krankheit
-zugeschrieben werden kann.
-
-+Symptome.+ -- Eine erhöhte, stärkere und schnellere Thätigkeit des
-Herzens, ein sehr schneller Schlag und eine flatternde Bewegung, die,
-wenn man die Hand auf die Brust legt, deutlich gefühlt werden kann, ist
-vorhanden. Kurzathmigkeit, Gefühl von Schmerz in der Nähe des Herzens,
-ebenso ein Zusammenziehen quer über die Brust, blasses Gesicht,
-Schwierigkeit beim Niederlegen, sehr große Schwäche.
-
-+Ursachen.+ -- Herzklopfen ist gewöhnlich die Folge von
-Verdauungsschwäche (~Dyspepsia~), oder irgend einer Störung der
-Verdauungsorgane, auch große geistige Aufregung, Unmäßigkeit,
-Nervenschwäche, übermäßige Studien, geschlechtliche Ausschweifungen &c.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Jemand, der davon befallen wird, sollte sich auf seinen
- Rücken legen und die Lungen durch tiefe Athemzüge mit Luft füllen.
- Personen, die damit behaftet sind, müssen ihre Aufmerksamkeit auf
- solche Dinge richten, welche Beschäftigung ohne geistige Erregung
- bieten, wie Musik, häusliche Verrichtungen, Zeichnen, Tanzen,
- Gärtnerei, Reden und heitere Gesellschaft. Die Kost muß geregelt
- werden und sollte nahrhaft aber nicht reizend sein. Starker Thee,
- Kaffee, Spirituosen und Tabak sind zu vermeiden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes soll sofortige Linderung
- gewähren:
-
- Castor-Tinktur, Schwefel-Aether und zusammengesetzter Lavendel-
- (~Lavender~) Spiritus, von jedem eine Unze. Mische es.
-
- Dosis: Alle fünf bis zehn Minuten einen Theelöffel voll, bis
- Linderung eintritt.
-
- Fingerhut- (~Digitalis~) Tinktur, in Dosen von 10 bis 15 Tropfen,
- drei- bis viermal des Tages wird zuweilen von gutem Erfolg gefunden
- werden. Ist Magensäure vorhanden, so gebe man Magnesia, präparirte
- Holzkohle (~prepared charcoal~) oder kohlensaures Ammoniak.
- Branntwein oder andere Spirituosen mit ein wenig Cayennepfeffer wird
- zuweilen sofortige Linderung gewähren.
-
- =Homöopathisch.= Wenn das Herzklopfen durch Schreck verursacht
- wurde, gebe man ~Opium~ oder ~Coffea~. Ist Furcht und Angst die
- Ursache, gebrauche man ~Veratrum~. Von plötzlicher Freude, ~Coffea~.
- Von Blutverlust oder andern Ausleerungen, ~China~, ~Phosphoric
- acid~, ~Nux Vomica~ oder ~Veratrum~. Trifft es nervöse Personen
- und hysterische Frauenzimmer, ~Coffea~, ~Ignatia~, ~Chamomilla~,
- ~Cocculus~, ~Pulsatilla~, ~Lachesis~ oder ~Veratrum~. Bei
- Blutandrang, ~Aconitum~, ~Belladonna~, ~Coffea~, ~Phosphorus~,
- ~Opium~ oder ~Ferrum~. Bei Täuschung, ~Aconitum~, ~Ignatia~, ~Nux
- Vomica~ oder ~Chamomilla~. Bei jungen, heranwachsenden Leuten
- ~Aconitum~ oder ~Pulsatilla~, bei alten ~Arsenicum~ oder ~Lachesis~.
-
- Leidet Jemand an zeitweiligem Herzklopfen, so sind folgende Mittel
- zu geben: ~Pulsatilla~, ~Arsenicum~, ~Lachesis~, ~Aconitum~,
- ~Phosphorus~, ~Aurum~ oder ~Sulphur~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen von den gewählten
- Mitteln in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle halbe, ganze, 2, 3
- oder 4 Stunden, der Strenge des Anfalls angemessen, einen Theelöffel
- voll. Bei chronischen Fällen kann Morgens und Abends eine Dosis des
- gewählten Heilmittels gegeben werden. Werden die Kügelchen genommen,
- so gebe man 4 bis 6 auf eine Dosis.
-
- =Allöopathisch.= Liegen dem Herzklopfen Verdauungsschwäche
- (~Dyspepsia~), Hysterie oder andere Krankheiten zu Grunde, so ist
- die Behandlung der Letzteren erforderlich. Bei Blutmangel gebe man
- folgendes:
-
- Zusammengesetzte Chinarinden-Tinktur (~Compound
- tincture of peruvian bark~) 4 Unzen.
- Citronensaures Eisen (~Citrate of iron~) 42 Grane.
- Citronensäure (~Citric acid~) 20 „
-
- Löse die Citronensäure in der Tinktur und füge dann das citronensaure
- Eisen hinzu. Lasse die Mischung einige Tage stehen und seihe sie dann
- durch. Dosis: ein oder zwei Theelöffel voll. Dies kann durch mehrere
- Wochen fortgesetzt werden, bis Besserung eintritt. Mit Kampher
- getränkte Opium-Tinktur, in Dosen von einer Drachme gegeben, wird
- zuweilen Linderung gewähren.
-
-
-Brustbeklemmung (~Breast Pang~ -- ~Angina Pectoris~)
-
-ist eine schmerzhafte Nervenkrankheit und kennzeichnet sich durch einen
-starken Schmerz in der Gegend des Herzens, die Krämpfe herbeiführt. Sie
-sollte von einem Arzte behandelt werden.
-
-+Symptome.+ Der Schmerz schießt von der Brust durch den Rücken und
-in die linke Schulter, zuweilen unter den Arm, und ist begleitet von
-großer Beängstigung, Herzklopfen und einem Gefühle von Erstickung.
-Das Gesicht wird todtenbleich, der Puls sinkt und die Oberfläche des
-Körpers ist mit kaltem Schweiße bedeckt. Zuweilen dehnt sich der
-Schmerz über die ganze vordere Seite der Brust aus, steigt bis zum
-Kopf und erstreckt sich bis auf die Beine. Dem Patienten scheint es
-nicht selten, daß er nicht länger mehr leben kann, wenn nicht alsbald
-Linderung eintritt. Zuweilen endigen derartige Anfälle mit Verzuckungen
-und Ohnmachten. Der Anfall kann einige Minuten bis eine halbe Stunde
-oder auch länger dauern. In den Zwischenräumen der Anfälle ist der
-Patient in der Regel frei von jedem Schmerz.
-
-+Ursachen.+ Zuweilen ist es einer zusammenziehenden oder krampfartigen
-Wirkung des Herzens zuzuschreiben und befällt jene, die an
-Rheumatismus, Gicht oder Schlagfluß leiden. Oefters hängt es auch
-von organischen Krankheiten des Herzens oder der Arterien ab. Die
-hervorragendsten Ursachen sind alles das, was die Circulation des
-Blutes beschleunigt, den Geist und Körper erregt, Husten, Anstrengung,
-Bergaufsteigen und irgend etwas, was die Verdauung stört.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Herzklopfen und große Beängstigung,
- Fieberhitze, besonders im Gesicht, schneller Herzschlag bei langsamem
- Puls, Stechen und drückende Schmerzen in der Gegend des Herzens, wie
- von einer schweren Last, der Patient kann aufrechtstehend nicht gut
- athmen.
-
- ~Belladonna.~ -- Herzklopfen bei unregelmäßigem Puls, große
- Beängstigung, Brustbeklemmung. Kann nach ~Aconitum~ oder vor
- ~Lachesis~ gegeben werden.
-
- ~Spigelia.~ -- Heftiges Schlagen des Herzens, mit einem Gefühl von
- Erstickung und Brustkrämpfe durch Sitzen und Vorwärtsbeugen der Brust
- erhöht. Kann abwechselnd mit ~Pulsatilla~ gegeben werden.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Herzklopfen und große Angst, Verdunklung des
- Blickes, schwieriges Athmen, besonders beim Liegen auf der linken
- Seite, Angst und brennender Druck im Herzen.
-
- ~Bryonia.~ -- Schwieriges Athmen in Folge von Stechen in der Brust,
- Herzklopfen und sehr starke Beklemmung. Mag nach ~Aconitum~ gegeben
- werden, wenn heftige rheumatische Gliederschmerzen sich nach dem
- Herzen gezogen haben.
-
- ~Arsenicum.~ -- Heftiges Schlagen des Herzens bei großer Angst und
- Unruhe, große Hitze und Brennen in der Brust bei kalten Gliedern. In
- solchen Fällen gebe man es abwechselnd mit ~Veratrum~.
-
- ~Arnica.~ -- Stechen im Herzen von der linken nach der rechten Seite,
- Ohnmachtsanfälle, Zittern des Herzens mit einem Schmerz, als ob es
- zusammengedrückt würde.
-
- ~Lachesis.~ -- Unregelmäßiger Herzschlag, große Beängstigung mit
- einer Schwere auf der Brust, große Schwäche.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels
- in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle halbe oder ganze
- Stunde, bis Erleichterung eintritt, einen Theelöffel voll. Wenn nach
- Verlauf von 1 bis 2 Stunden keine Linderung eintritt, so wähle ein
- anderes Heilmittel und gebe es in derselben Weise. Ein Senfpflaster
- kann auf die Brust gelegt, die Füße müssen in heißem Wasser gebadet
- und der Kranke sollte wohl zugedeckt werden.
-
- =Allöopathisch.= Ist der Puls stark und der Kranke vollblütig, sollte
- Aderlaß verordnet werden, aber bei Hinfälligkeit und allgemeiner
- Schwäche würde dies schädlich sein. Heißer Spiritus und Wasser,
- so heiß und so stark als er vertragen werden kann, kann gegeben
- werden, dem man eine volle Dosis Schwefeläther (~Sulphuric ether~),
- Belladonna-Tinktur und Laudanum oder flüchtiges Salz (~Sal volatile~)
- nachfolgen lassen kann. Der Kranke sollte ins Bett gebracht und ein
- heißes Senfpflaster oder ein Stück Flanell, mit gleichen Theilen
- Terpentinöl (~Spirits of turpentine~) und Ammoniak-Liquor (~Liquor
- of ammonia~) befeuchtet, auf die Brust gelegt werden, und zu
- gleicher Zeit gebe man 5 Grane Quecksilber (~Mercury~), dem man die
- zusammengesetzte Aloe-Tinktur (~Compound tincture of aloe~) 1 Unze,
- Jalappenwurzel-Tinktur (~Tincture of jalap~) 2 Drachmen und einen
- Aufguß von Sennesblättern (~Infusion of senna~) ½ Unze, folgen
- läßt. Gegen Magenblähungen gebe man Pfeffermünz- oder Aniswasser. Bei
- Magensäure einen Theelöffel voll Soda in einem Glas voll Wasser, und
- wenn der Magen mit unverdauten Speisen angefüllt ist, so gebe einen
- Eßlöffel voll gemahlenem Senf (~Ground mustard~), in einem Tassenkopf
- voll heißen Wassers umgerührt. Um den Kranken zu beruhigen, mag ein
- Sechstel Gran Morphin oder das folgende gegeben werden:
-
- Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits
- of ammonia~) 2 Drachmen.
- Aether (~Ether~) 1 Drachme.
- Laudanum 20 Tropfen.
- Kampher-Spiritus (~Spirits of camphor~) 1 Drachme.
-
- Mische es und gieb davon so oft als nöthig einen Theelöffel voll.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Gleiche Theile von Laudanum und Aether
- können zuerst gegeben werden, auf eine Dose einen Theelöffel voll in
- ein wenig kaltem Wasser. Ein Glas Spiritus und Wasser, so stark, als
- man es schlucken kann, mag gegeben werden. In einigen Fällen möge
- ein Senfpflaster auf die Brust gelegt und die Füße in warmes Wasser
- gestellt werden. Ebenso mag sich auch zusammengesetzte Virginische
- Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of virginia snake root~),
- in Dosen von ein bis zwei Theelöffel voll, während des Anfalls immer
- nach einigen Minuten wiederholt, als zuträglich erweisen, oder
- gleiche Theile von Aether, Laudanum und Castor-Tinktur, in Dosen von
- einem Theelöffel voll.
-
-
-Lungenbluten (~Bleeding from the Lungs~ -- ~Hæmoptysis~).
-
-Beim Lungenbluten entleert sich hellrothes, oft schaumiges Blut aus den
-Lungen durch die Luftröhre, womit mehr oder weniger Husten und Räuspern
-verbunden ist. Lungenbluten kann man vom Magenbluten an der Farbe des
-sich entleerenden Blutes unterscheiden. Kommt dasselbe aus dem Magen,
-so ist dessen Farbe dunkelroth; auch ist die Quantität bedeutender und
-gewöhnlich mit andern Substanzen aus dem Magen vermischt.
-
-+Symptome.+ Dem Lungenbluten geht gewöhnlich ein Druck in der Brust
-und Schwierigkeit des Athmens voraus. Das Gesicht ist erröthet, der
-Patient ängstlich, verspürt unter dem Brustbein Schmerz, Hitze oder
-Prickeln und im Mund einen salzigen, bitteren Geschmack. Ehe sich das
-Blut entleert, fühlt der Kranke im oberen Theile der Luftröhre Kitzeln,
-was Husten und Räuspern hervorruft und worauf die Blutaussonderung
-stattfindet. Das Bluten mag mit Frösteln und Schmerzen im Kreuz und
-Rücken, Müdigkeit in den Gliedern und vollem, schnellem Puls beginnen.
-Die Quantität des entleerten Blutes mag blos einige Tropfen oder so
-viel betragen, daß dadurch der Tod eintritt.
-
-+Ursachen.+ Lungenbluten kann durch Herzkrankheiten oder dadurch,
-daß Blutgefäße in den Lungen geborsten, verursacht werden. Die
-fernerliegenden Ursachen sind -- heftige Anstrengung, übermäßig lautes
-Singen, das Einathmen störender Substanzen, eine enge, verkrüppelte
-Brust, die Unterdrückung gewöhnlicher Entleerung und Auszehrung.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Man bringe den Patienten ins Bett und lege ihn so,
- daß Kopf und Schultern nicht höher als die andern Körpertheile
- liegen, entferne die Kleider, damit dieselben den Kranken nicht am
- Athmen hindern, und halte das Zimmer gut ausgelüftet. Der Patient
- muß vollkommen ruhig liegen, und Körper wie Gliedmaßen so wenig
- als möglich bewegen, auch sollte er versuchen, den Husten zu
- unterdrücken, und man muß auf alle Weise vermeiden, daß er aufgeregt
- wird.
-
- =Allöopathisch.= Ein voller Theelöffel voll Kochsalz verfehlt selten,
- dem Bluten eine Zeitlang Einhalt zu thun. Wiederholen sich die
- Anfälle, so kann man das folgende eingeben:
-
- Essigsaures Blei (~Acetate of lead~) 2 Grane.
- Opium ½ Gran.
-
- Dies ist in einer Dosis zu geben und alle zwei, drei oder vier
- Stunden mehrere Tage hintereinander zu wiederholen. Eis und Alaun
- (~Alum~) jedes allein oder zusammen, mag man im Mund während der
- Dauer der Anfälle schmelzen lassen.
-
- In manchen Fällen mögen, nachdem der Stuhlgang mittelst 3 oder 4
- Grane Calomel geordnet ist, 15 bis 20 Tropfen verdünnte Schwefelsäure
- in Wasser drei- oder viermal des Tages, oder das folgende gegeben
- werden:
-
- Pulverisirter Alaun (~Alum in powder~) 1½ Drachmen.
- Zusammengesetzter Rosenaufguß (~Compound
- infusion of roses~) 7 Unzen.
- Rosensyrup (~Syrup of roses~) 1 Unze.
-
- Mische dieses. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle 3 oder 4 Stunden.
- Leidet der Kranke viel von Hitze und Fieber, so verordne man
- folgendes:
-
- Citronensäure 1 Drachme.
- Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate of potash~) 4 Skrupel.
- Salpeter (~Nitre~) 2 „
- Zimmetwasser 2 Unzen.
- Wasser 4 „
-
- Mische dieses. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle 4 oder 6 Stunden. Zur
- selben Zeit verordne man folgenden Trank:
-
- Weinsteinrahm (lat. ~Cremor tartari~; engl. ~Cream of tartar~) ½
- Unze; eine halbe Citrone, wobei auch der Saft der Schaale zu benutzen
- ist; genug Zucker, um diese Mischung zu versüßen und zwei Pinten
- kochendes Wasser. Rühre das Ganze zuweilen, bis die Masse kalt ist.
-
- Ist der Patient schwach, so gebe man das folgende:
-
- Galläpfelsäure (~Gallic acid~) 2½ Drachmen.
- Zimmtsyrup (~Syrup of cinnamon~) 4 Unzen.
-
- Mische. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle 2, 3 oder 4 Stunden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Man mag einen Theelöffel voll Kochsalz
- oder Terpentingeist (~Spirits of turpentine~) verordnen und diese
- Dosis alle 20 oder 30 Minuten wiederholen, bis dem Bluten Einhalt
- gethan ist. Ist der Kranke unruhig und ruhelos und die Blutentleerung
- bedeutend, so verordne man das folgende:
-
- Spanischer Pfeffer (~Capsicum~) 5 Grane.
- Brechwurz (~Ipecac~) 1 Gran.
- Opium ½ „
-
- Dies ist in einer Dosis zu geben und man hat damit alle halbe,
- oder 1 oder 2 Stunden zu wiederholen. Man empfiehlt starken, aus
- virginischem Wolfsfuß, auch Wasserandorn (~Bugle weed~) bereiteten
- Thee, und der Kranke sollte, um eine Wiederholung der Blutungen zu
- verhüten, eine Pinte des Tages kalt trinken.
-
- Können die oben angegebenen Mittel nicht beschafft werden, so
- gebrauche man folgendes:
-
- Zimmt-Tinktur, Rhatania-Tinktur (~Tincture of rhatany~) und
- Terpentingeist; von jedem eine Unze.
-
- Dosis: Einen Theelöffel voll so oft als es erforderlich ist.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Wenn den Anfällen ein Gefühl der
- Anfüllung in der Brust oder Blutandrang in der Brust vorangeht, mit
- brennendem Schmerz, Herzklopfen, Ruhelosigkeit und Aengstlichkeit
- beim Liegen, bleiches Gesicht, bedeutende Blutentleerungen, selbst
- dann, wenn der Husten nur unbedeutend ist.
-
- ~Ipecac.~ -- Häufiger, kurzer Husten, Blutgeschmack im Munde,
- Uebelkeit und Schwäche, mit Blut vermischte Schleimaussonderung.
-
- ~Arsenicum.~ -- Herzklopfen mit großer Aengstlichkeit, trockene Hitze.
-
- ~Opium.~ -- Namentlich für Personen geeignet, welche gerne Branntwein
- trinken und wenn der Patient schaumiges, dickes Blut ausspeit, der
- Husten ist schlimmer, nachdem der Kranke etwas verschluckt hat; Druck
- und Aengstlichkeit, schwache Stimme, Schläfrigkeit mit ängstlichem
- Auffahren, kalte Gliedmaßen, Hitze in der Brust.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Ist nach ~Opium~ und ~Ipecac~ oder ~Arsenic~ zu
- gebrauchen, namentlich wenn den Kopf affizirender und durch Prickeln
- in der Brust verursachter Husten vorhanden ist, oder wenn die Blutung
- durch Erkältung oder Hartleibigkeit hervorgerufen wurde.
-
- ~China.~ -- Wenn der Patient viel Blut verloren, oder wenn der Husten
- heftig, trocken, hohl und schmerzhaft ist und der Kranke einen
- Blutgeschmack im Munde hat; Frösteln und abwechselnd Hitze, Schwäche,
- Ohnmachten und Augenschwäche.
-
- ~Ferrum.~ -- Mag nach ~China~ gegeben werden, wenn letzteres
- Heilmittel Linderung verschafft, aber immer noch ein leichter Husten
- mit etwas Blutspeien vorhanden ist, wobei sich hellrothes Blut
- entleert, und wenn der Kranke zwischen den Schulterblättern Schmerz
- fühlt und beim Athmen Schwierigkeit hat.
-
- ~Hyosciamus.~ -- Bei Nacht trockener Husten mit Blutspeien, öfteres
- plötzliches Erwachen und Auffahren.
-
- ~Pulsatilla.~ -- In hartnäckigen Fällen, wenn der Kranke sehr
- dunkles, klumpsiges Blut auswirft und zwar Morgens und Abends in
- größeren Quantitäten. Hauptsächlich für Frauenzimmer zu gebrauchen.
-
- ~Arnica.~ -- Langsame Entleerungen schwarzen, klumpsigen Blutes mit
- stechendem, brennendem Schmerz, Hitze in der Brust, Herzklopfen,
- Schwierigkeit beim Athmen. Wenn die Blutung durch Beschädigung, z. B.
- einen Fall, Streich, schweres Heben hervorgerufen wurde, und wenn der
- Auswurf hellroth und schaumig ist; räuspernder Husten, Prickeln unter
- dem Brustbein. Dieses Mittel mag manchmal abwechselnd mit ~Aconitum~
- gegeben werden.
-
- ~Belladonna.~ -- Husten und Prickeln im Halse mit Blutung; Gefühl des
- Vollseins in der Brust, welches von Blut herzurühren scheint, mit
- drückendem oder schießendem Schmerz; bei Bewegung verschlimmert sich
- der Zustand des Kranken.
-
- ~Hamamelis.~ -- Husten und Blutung mit schwefelartigem Geschmack
- im Munde; dumpfer Schmerz im Vorderkopf; beim Erwachen kitzelnder,
- prickelnder Husten mit blutigem Geschmack; schwieriges Athemholen;
- Druck in den untern Theilen der Brust und Gefühl des Vollseins im
- Kopf und Hals.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ -- Man löse 12 Kügelchen in 12
- Theelöffel voll Wasser und gebe alle 10 oder 20 Minuten einen
- Theelöffel voll, bis die Blutung aufhört. Später gebe diese Dosis
- alle 3, 4, 5 oder 6 Stunden. ~Aconitum~ ist das geeignetste
- Heilmittel und hat man in allen Fällen mit demselben zu beginnen
- und darauf ~Ipecac~, ~Arsenic~, ~Opium~, ~Belladonna~ &c. folgen zu
- lassen. Mittelst eines Stücks Linnenzeug mag kaltes Wasser auf der
- Brust applizirt werden. Die Kost des Kranken soll aus kalten Speisen
- bestehen, wobei alle spirituosen und erregenden Nahrungsmittel oder
- Getränke wegzulassen sind. Reis und Gerstenwasser (~Barley water~)
- mit Himbeerensyrup (+Raspberry syrup+), Limonade &c. sind sehr zu
- empfehlen.
-
-
-Engbrüstigkeit (~Asthma~).
-
-Engbrüstigkeit ist ein Lungenübel, welches dadurch gekennzeichnet
-wird, daß der Kranke krampfhaften Anfällen von Schwerathmigkeit
-ausgesetzt ist, wobei das Athemholen einen keuchenden, schnarrenden
-Ton verursacht. Die Anfälle treten gewöhnlich bei Nacht ein. Es gibt
-zwei hauptsächliche Arten des Asthmas, nämlich das nervöse, krampfhafte
-(~dry, nervous or spasmodic~) und das feuchte, schleimige Asthma. Das
-erstere überfällt den Patienten plötzlich und tritt sehr heftig auf;
-die Brust wird zusammengezogen; leichter Husten mit nur wenig Auswurf.
-Die andere Art, das feuchte, schleimige Asthma (~humid or moist
-asthma~) tritt allmählig mit Schwerathmen, heftigem Husten und vielem
-Auswurf ein.
-
-+Symptome.+ Vor dem Anfall verspürt der Patient gewöhnlich eine Art
-Vollsein in der Magengegend mit Schläfrigkeit, Schwäche, Kopfweh
-und Uebelkeit. Ueber die Brust fühlt er sehr beengt, athmet schwer
-und sein Athmen bringt einen keuchenden Ton hervor. Die Anfälle
-treten gewöhnlich des Nachts ein, nachdem der Betreffende zu Bett
-gegangen ist. Oft wird er nach dem Husten von so bedrückendem Gefühl
-heimgesucht, daß er sich an ein offen stehendes Fenster flüchten
-muß, um frische Luft zu schöpfen. Das Athmen ist schwerfällig und
-langsam, das Gesicht purpurartig gefärbt und aufgeblasen, oder blaß
-und eingefallen; die Zunge ist belegt und der Körper mit kaltem
-Schweiß bedeckt; die Füße sind kalt, der Puls schwach, der Patient hat
-Herzklopfen und erbricht sich manchmal. Diese Symptome dauern mehrere
-Stunden, und des Morgens wird der Kranke ziemlich wohl fühlen, obgleich
-die Beengung über die Brust und das Schwerathmen nicht weichen, so daß
-Zeichen für die Wiederholung des Anfalls vorhanden sind, die öfters
-dann auch des Abends eintritt.
-
-+Ursachen.+ -- Engbrüstigkeit mag von einer Zusammenziehung der
-Muskel-Fibern der Luftröhre herrühren und durch Erkältung, feuchte
-Luft, plötzliche Witterungsveränderung, das Einathmen ungesunder,
-störender Dünste oder staubiger, rauchiger Luft, heftige geistige
-Aufregung, übermäßige Anstrengung &c. verursacht werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Lobelia-Tinktur (~Tincture of lobelia~)
- ist gegen diese Krankheit das hauptsächlichste Heilmittel. Auch kann
- Senf -- ein Theelöffel voll eine Dosis -- gegeben werden, falls
- Lobelia nicht beschafft werden kann. Das folgende hat nicht allein
- schon öfters den Krampfanfällen Einhalt gethan, sondern auch die Kur
- bezweckt:
-
- Lobeliasame (~Lobelia seed~) 1 Unze.
- Stinkkohl (~Skunk cabbage balls~) 1 „
- Preiselbeerrinde (~High cranberry bark~) 2 Unzen.
- Stechapfelsame (~Stramonium seed~) ½ Unze.
- Spanischer Pfeffer (~Capsicum~) ½ „
- Alcohol 5 Pinten.
-
- Mische diese und lasse die Mischung zwei Wochen lang stehen, während
- welcher Zeit dieselbe oft geschüttelt werden muß. Dosis: Von 20 zu 60
- Tropfen dreimal des Tages oder während der Anfälle so oft als nöthig
- ist.
-
- Pulverisirtes Alaun (~Powdered alum~) -- ein Theelöffel voll mit
- Molasses, welche Dosis alle 15 Minuten so lange wiederholt wird, bis
- das Mittel wirkt, ist eine erfolgreiche Medizin.
-
- Gebraucht man getrocknete Lobeliablätter, so sollte eine Unze
- derselben in einem Pint Wasser erweicht und dem Patient alle 15
- Minuten ein Eß-Löffel voll gegeben werden, bis Erbrechen eintritt.
-
- Auch leistet Meerzwiebel-Syrup (~Syrup of squills~) in
- Theelöffel-Dosen -- alle halbe Stunde zu geben, oft gute Dienste.
-
- Ein sehr wirksames Mittel ist ein mit 30 Tropfen Laudanum in einem
- Weinglas voll Wasser vermischter Theelöffel voll Aether (~Ether~).
- Dieses Mittel sollte aber blos alle 4 oder 6 Stunden gegeben und
- nicht mehr als zwei Dosen sollten hintereinander verordnet werden.
-
- Gegen das krampfhafte Asthma hat man folgendes empfohlen:
-
- Tauche unglasirtes Papier in Salpeterauflösung und lasse das Papier
- 15 oder 20 Minuten lang in derselben; sodann falze und trockne
- dasselbe in einem Backofen und bewahre es zum Gebrauch auf. Sobald
- der Anfall eingetreten, zünde das eine Ende des Papiers in dem Zimmer
- des Patienten, das wohl verschlossen sein muß, an, damit er den durch
- das Verbrennen entstehenden Rauch einathmet.
-
- Oefters schafft ein starkes, auf Brust und Magen gelegtes
- Senfpflaster Linderung. Das folgende wird empfohlen:
-
- Aether, Castor-Tinktur und Opium-Tinktur, von jedem 1 Unze.
- Mische es. Dosis: einen Theelöffel voll, so oft die Symptome dazu
- veranlassen. Treten die Anfälle zu bestimmter Zeit ein, so wird das
- folgende gut empfohlen:
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 1 Skrupel.
- Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~) 1 „
- Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) 2 Grane.
- Brechwurz (~Ipecac~) 6 „
- Spanischer Pfeffer (~Capsicum~) 20 „
-
- Mische und bereite 12 Pillen daraus. Dosis: eine Pille drei- oder
- viermal des Tages. Manchmal wird Linderung verschafft, indem der
- Patient Stechapfelblätter raucht.
-
- =Homöopathisch.= ~Pulsatilla.~ -- Für Personen mit sanftem
- Temperament, heller Hautfarbe, hellen Haaren und Augen, und
- wenn das Asthma durch Unterdrückung des Hautausschlags, oder
- Unterdrückung oder Störung der Menstruation, oder durch Einathmung
- von Schwefeldunst verursacht wurde. Die Symptome sind -- kurzes,
- erstickungsartiges und schwieriges Athmen, dicht belegte Zunge,
- widerlicher Geruch des Athmens, bleiches und oft geröthetes Gesicht,
- krampfhaftes, aber nicht bedeutendes Zusammenziehen der Brust, kurzer
- krampfhafter Husten, Uebelkeit, Schmerz im Vorderkopf.
-
- ~Ipecac.~ -- Nächtliche Erstickungsanfälle und krampfhafte
- Zusammenziehung des Halses, durch Schleimansammlung verursachtes
- Röcheln, kurzer, trockener Husten, große Aengstlichkeit, Todesfurcht,
- Erregung, kalte Gliedmaßen, Herzklopfen, Uebelkeit, Erbrechen.
-
- ~Arsenicum.~ -- Schwerathmen nach dem Essen und Druck in der Brust,
- Verschlimmerung durch Bewegung, wenn der Patient z. B. geht, eine
- Treppe steigt, lacht &c., Brustzusammenziehung, Brennen im Magen,
- Uebelkeit und Erbrechen, entweder blasses oder geröthetes Gesicht,
- schmerzhaftes Brennen im Hals.
-
- ~Nux vomica.~ -- Druck und Zusammenziehung in der Brust,
- Verschlimmerung der Symptome bei Nacht oder nach dem Gehen oder
- Essen, oder wenn der Patient liegt. Hitze und Brennen in der Brust,
- Herzklopfen, kurzer, trockener, krampfhafter Husten, Sodbrennen.
-
- ~Lobelia.~ -- Wenn dem Anfall ein Prickeln im ganzen Organismus
- entweder vorangeht oder dasselbe während des Anfalls vorhanden ist;
- kurzes, röchelndes, ängstliches Athmen, Uebelkeit und Erbrechen,
- Schwindel und Kopfweh, krampfhafter Husten, Zittern der Gliedmaßen,
- kalte Schweiße.
-
- ~Phosphorus.~ -- Wenn die Engbrüstigkeit sich Abends oder während
- sich der Patient Bewegung macht, verschlimmert; Blutandrang in der
- Brust, mit Stechen, Vollheit oder Hitze im Halse und Herzklopfen.
-
- ~Tartar emetic.~ -- Für ältere Personen und Kinder, namentlich wenn
- Abends fürchterliche Erstickungsanfälle mit Röcheln und Keuchen in
- der Brust eintreten. Kann abwechselnd auf ~Phosphorus~ gegeben werden.
-
- ~Belladonna.~ -- Blutandrang in den Lungen, Stiche unter dem
- Brustbein, Vollheit in der Brust, nächtlicher trockener Husten;
- manchmal tiefes und dann wieder schnelles, kurzes Athmen,
- Erstickungsgefühl mit Verlieren des Bewußtseins.
-
- ~Aconitum.~ -- Für leicht erregbare, empfindsame Personen, und wenn
- das Asthma leicht durch geistige Erregung verursacht wird.
-
- ~Bryonia.~ -- Wenn das Uebel durch Bewegung und des Nachts schlimmer
- wird; Schmerzen in der Brust. Mag auf ~Ipecac~ folgen.
-
- ~Coffea.~ -- Wenn durch plötzliche Freude hervorgerufen; kurzer,
- trockener Husten.
-
- ~Opium.~ -- Erstickungshusten mit blaurothem Gesicht, tiefes,
- röchelndes Athmen; namentlich wenn durch Furcht verursacht.
-
- ~Ignatia.~ -- Wenn durch Furcht oder Entrüstung verursacht;
- namentlich für Frauenzimmer; Mangel an Luft beim Gehen, beim Ruhen,
- Husten.
-
- ~Spongia.~ -- Mangel an Luft, Erstickungsanfälle auf jegliche
- Bewegung, Hitze im Gesicht, Blutandrang nach Brust und Gesicht.
-
- ~Veratrum.~ -- Erstickungsanfälle beim Aufstehen und während des
- Gehens; mag ~Ipecac~, ~Arsenicum~ oder ~China~ folgen.
-
- Andere Heilmittel sind ~Cocculus~, ~Chamomilla~, ~Cuprum~, ~Lachesis~
- und ~Silicea~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen der gewählten Arznei
- in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll
- alle halbe, alle 1, 2, 3 oder 4 Stunden, je nach der Heftigkeit
- der Symptome. Bei chronischen Fällen gebe einen Theelöffel voll
- zweimal des Tages, bis Besserung erfolgt. Mittelst nasser Tücher und
- Binden mag man auf Brust und den Unterleib während der Nacht Wasser
- appliziren. Hierdurch wird manchmal dem Anfall vorgebeugt. Der Kranke
- sollte sich öfters in kaltem Wasser waschen und sich Bewegung in
- frischer Luft machen.
-
- +Kost.+ Personen, die mit Asthma behaftet sind, dürfen weder Kaffee,
- noch Fleisch, noch fettige Speisen genießen, sondern müssen leichte
- aber nahrhafte Nahrungsmittel wählen.
-
- =Allöopathisch.= Das folgende ist empfohlen:
-
- Jod (~Iodine~) 6 Grane.
- Jod-Kalium (~Iodide of potassium~) 12 „
- Brechwurz-Tinktur (~Tincture of Ipecac~) 1 „
- Tolubalsam-Tinktur (~Tincture of Balsam of Tolu~) 6 Drachmen.
- Aetherische Schierling-Tinktur (~Ethereal tincture
- of conium~) 1½ „
- Alcohol ½ Pint.
-
- Mische es. Dosis: ein bis zwei Theelöffel voll alle 10 oder 15
- Minuten in etwa einem Gill heißen Wasser einzuathmen. Zur selben Zeit
- gebrauche das folgende:
-
- Jod-Kalium (~Iodide of Potassium~) 1 Drachme.
- Sarsaparillasyrup 4 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: zwei Theelöffel voll dreimal des Tages.
-
- Das folgende ist manchmal ausgezeichnet:
-
- Lobelia-Tinktur und Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~), eine halbe Unze
- von jedem.
-
- Mische es. Dosis: einen halben Theelöffel voll jede halbe Stunde, bis
- Uebelkeit und Auswurf erfolgt.
-
- Tabakrauchen oder das Rauchen der Stechapfelblätter wird in manchen
- Fällen ganz besonders empfohlen, sowie das Einathmen der Luft, in
- welcher Papier verbrannt wurde, das in Salpeterauflösung getaucht
- worden.
-
-
-Brustwassersucht (~Dropsy of the Chest -- Hydrothorax~).
-
-Brustwassersucht wird durch Wasseransammlung in der Brust
-gekennzeichnet. Die Krankheit mag allein oder in Verbindung mit
-Wassersucht überhaupt vorkommen. Sie wird gewöhnlich durch irgendwelche
-vorhergehende Störung in den Lungen, im Herzen oder im Brustfell, oder
-der das Herz umgebenden Haut verursacht. Diese Krankheit sollte von
-einem tüchtigen Arzte behandelt werden.
-
-+Symptome.+ Große Schwierigkeit beim Athmen, was bei Anstrengung oder
-während der Nacht sich noch verschlimmert. Der Patient kann nicht auf
-der von der Krankheit noch nicht erfaßten Seite liegen; schmerzhafter
-Druck in der Brust, bleiches, manchmal purpurrothes Gesicht, öfters
-Frösteln, kurzer, trockener Husten, Schwere in der Magengrube,
-Herzklopfen, unruhige Träume, von welchen der Kranke mit einem Gefühl,
-als müßte er ersticken, aufwacht. Manchmal findet sich in beiden Armen
-eine Art Gefühllosigkeit; die Augen sind starr, die unteren Augenlider
-sind häufig geschwollen, der Hals ist trocken. Mit der Vermehrung des
-Wassers verschlimmern sich die Symptome, und der Patient muß endlich
-in aufrechter Stellung verbleiben; die Hände, Arme und Füße schwellen
-an und werden kalt, Schläfrigkeit und Delirium treten ein und der Tod
-mag, verursacht durch einen Schlaganfall, plötzlich erfolgen; oder der
-Kranke mag nach und nach an Erstickung sterben.
-
-+Ursachen.+ Erkältung, Verletzungen, Herz-, Leber- oder
-Magenkrankheiten, unmäßiger Genuß geistiger Getränke &c.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Arsenicum.~ -- Blasse, kränkliche Gesichtsfarbe,
- Wangen, Lippen und Augenlider schlaff und aufgedunsen, trockener Mund
- und Zunge, Herzklopfen, Ohnmacht, Schwerathmen während des Gehens und
- nach dem Niederlegen, beängstigender Druck in der Brust, Brennen und
- Summen in den Ohren und im Kopfe, Appetitlosigkeit, Träume, Störung
- im Schlaf, Frösteln.
-
- ~Apis Mellifica.~ -- Schwieriges und ängstliches Athmen, Schmerz und
- Empfindsamkeit im Unterleib, welcher durch Druck heftiger wird, die
- Symptome verschlimmern sich, wenn der Patient niederliegt. Dies ist
- ein sehr werthvolles Mittel gegen diese Krankheit.
-
- ~Digitalis.~ -- Zu gebrauchen, wenn Brustwassersucht von
- Herzkrankheit herrührt.
-
- Andere Mittel sind: ~Bryonia~, ~China~, ~Hellebore~, ~Asparagus~,
- ~Cantharides~, ~Mercurius~, ~Apocynum~ und ~Cannabis~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
- Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll alle eine, zwei, drei oder
- vier Stunden, je nach den Symptomen.
-
- =Allöopathisch.= Man sollte die Brust mit Jod-Tinktur (~Tincture of
- iodine~) überstreichen und die Wundheit zu erhalten suchen.
-
- Das folgende Abführungsmittel möge verordnet werden:
-
- Pulverisirter Gummi Cambaja (~Pulv. gamboge~) 12 Grane.
- Elaterium 2 „
- Castoröl 8 Tropfen.
- Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~) 3 Grane.
-
- Mische und bereite 12 Pillen. Dosis: eine Pille alle Stunde, bis die
- Arznei wirkt.
-
- Oder dieses:
-
- Pulverisirte Jalappe (~Powdered jalap~) 12 Grane.
- Cremor Tartari 2 Drachmen.
-
- Mische es. Auf einmal in Syrup oder Molasses zu nehmen.
-
- Zu gleicher Zeit nehme das folgende:
-
- Fingerhut-Aufguß (~Infusion of digitalis~) 4 Unzen.
- Essigsaures Kali (~Acetate of potash~) 2 Drachmen.
- Süßer Salpetergeist (~Sweet spirits of nitre~) 2 „
- Zimmetwasser 1½ Unzen.
-
- Mische dieses. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle drei oder vier Stunden.
-
- Jod-Kalium (~Iodide of potassium~) in folgender Weise verordnet, ist
- ein ausgezeichnetes Mittel.
-
- Jod-Kalium 1 Unze.
- Flüssiger Pipsissewa-Extrakt 2 Unzen.
- Wasser ½ Pint.
-
- Dosis: Einen Theelöffel voll alle drei oder vier Stunden.
-
- Jod-Kalium kann auch allein in Dosen von fünf oder sechs Granen
- verordnet werden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Löwenzahn (~Dandelion~) wird gegen
- diese Krankheit empfohlen, und sollte dieses Mittel folgendermaßen
- zubereitet werden:
-
- Man wasche die Wurzeln, schleiße so viele derselben als man in beide
- Hände nehmen kann und koche sie zwei oder drei Stunden in siedendem
- Wasser. Während des Tages sollten zwei oder drei Tassen voll der
- Abkochung getrunken werden. Auch der Ginster (~Broom~) ist ein
- werthvolles Heilmittel. Man gebraucht die grünen Enden der Pflanze,
- indem man eine Hand voll derselben mit einem Pint kochenden Wasser
- überschüttet und das betreffende Gefäß mehrere Stunden lang nahe
- bei dem Feuer stehen läßt. Dosis: Eine Theetasse voll zweimal des
- Tages. Hie und da sollte, um den Stuhlgang in Ordnung zu halten,
- eine Dosis Bittersalz oder Cremor Tartari verordnet werden. Das
- Jod-Kalium (~Iodide of potassium~) in Dosen von fünf oder sechs
- Granen wird sehr empfohlen. Ebenfalls wird gesagt, daß die Rinde
- der Weinrebe wunderbare Kuren bewirkt habe. Die Rinde wird zu Asche
- verbrannt und ein Theelöffel voll derselben in einem Weinglas voll
- oder mehr Catawbawein dreimal des Tages gegeben. Die Dosen sollten je
- nach Umständen vermindert oder vermehrt werden. Einen vom Patienten
- beständig zu gebrauchenden Trank bereitet man wie folgt:
-
- ~Hair-cap moss~ 2 Unzen.
- Zwerg-Flieder Rinde (~Dwarf elder bark~) 1 Unze.
- Wachholderbeeren (~Juniper berries~) 1 „
-
- Bereite einen starken Aufguß und nehme ein halbes bis ein Weinglas
- voll alle Stunden, oder wenn immer der Kranke durstig ist.
-
- Folgendes ist ein ausgezeichnetes Rezept:
-
- Senf ½ Unze.
- Wachholderbeeren (~Juniper berries~) 1 „
- Rosenrothe Apocynum-Wurzel (~Milkweed root~) 1 „
- Meerrettig (~Horse-radish root~) 1 „
- Schwarze Flieder-Rinde (~Black elder bark~) 1 „
- Alraun- (auch Schlafapfel-) Wurzel (~Mandrake root~) 1 „
- Zwerg-Flieder Wurzel oder Rinde (~Dwarf elder root
- or bark~) 1 „
- Bittersüßwurzel-Rinde (~Bitter sweet bark from the
- root~) 1 „
-
- Presse dieses und füge eine Gallone gegohrenen Cider hinzu. Dosis:
- Ein Weinglas voll dreimal des Tages vor dem Essen.
-
-
-Auszehrung (~Consumption, Phthisis Pulmonalis~).
-
-Unter Auszehrung versteht man im Allgemeinen die Abnahme des Körpers
-aus irgend einer Ursache; gewöhnlich aber gebraucht man den Namen nur
-mit Hinsicht auf die Lungenauszehrung, die durch die Erkrankung der
-Lungen verursacht wird.
-
-+Symptome.+ -- Die gewöhnlichen Symptome sind Husten, Brustschmerzen,
-Fieber, heiße Hände, Füße und Wangen, Veränderung der Stimme, gekrümmte
-Nägel, Ausfallen des Haares &c.
-
-Anfänglich ist der Husten trocken und leicht und tritt öfters nur
-des Morgens nach dem Aufstehen oder bei irgend einer Anstrengung
-ein; Schwerathmen, dünner oder schaumiger, dem Schleim ähnlicher
-Auswurf. Mit dem Fortschritt der Krankheit verursacht das Athmen mehr
-Schwierigkeit und der Husten wird heftiger und schmerzhafter, die Haut
-ist roth und heiß, in dem Innern der Hand und öfters auch auf den
-Fußsohlen, verspürt der Patient ein brennendes Gefühl, der Appetit ist
-verschieden und der Patient in dieser Hinsicht launisch, der Stuhlgang
-unregelmäßig. Bei noch weiterem Fortschritt der Krankheit wird der
-Husten immer heftiger und das Athemholen schwieriger; gegen Abend
-tritt öfters Frösteln ein, während bei Nacht die Haut heiß ist und
-sich gegen Morgen Schweiß zeigt, das Gesicht ist gegen Abend bedeutend
-geröthet, der Appetit verliert sich, die Gesichtszüge sind scharf, in
-der Brust fühlt der Kranke eine Zusammenziehung und Druck und öfters
-auf beiden Seiten Schmerz. In diesem Stadium tritt häufig Lungenbluten
-ein, oft auch hartnäckige Diarrhöe und der Kranke leidet von Schmerz in
-den Gedärmen, hektischem Fieber und Durst. Je mehr sich die Krankheit
-entwickelt, desto mehr verschlimmern sich die Symptome. Der Husten
-hört beinahe nie auf und ist sehr schmerzhaft, die Gesichtszüge werden
-sehr scharf, die Augen sind eingesunken, das Haar fällt aus, die Nägel
-stehen einwärts gebogen, die Stimme wird schwach und heiser, Füße und
-Aenkeln schwellen an und der Patient stirbt allmählig an Erschöpfung,
-oder an plötzlichem Blutandrang in den Lungen, oder am Lungenbluten,
-oder aus anderen Ursachen.
-
-+Ursachen.+ -- Diese Krankheit ist gewöhnlich erblich. Andere Ursachen
--- alles was überhaupt den Körper schwächt und einen geschwächten
-Zustand des Organismus hervorruft, z. B. große Aengstlichkeit, Trauer,
-Enttäuschung, übermäßige Anstrengung, Befriedigung der Leidenschaften,
-zu frühe Geistesanstrengung, Wohnen in feuchten, nicht gelüfteten
-Zimmern, festes Schnüren und Gebrauch ungeeigneter Medizinen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Die Kost muß bei der Behandlung bedeutende
- Berücksichtigung finden und sollte die Nahrung kräftig und leicht
- verdaulich sein. Ochsenfleisch sollte allen anderen Fleischspeisen
- vorgezogen und halb gar (~rare~) genossen werden; auch sind
- Hammelfleisch, junges Geflügel, mürbes Wildpret, weichgekochte Eier,
- Milch, Bier und Fisch zulässig. Leichte Mahlzeiten sind jederzeit
- besser, als wenn der Patient zu viel ißt. Als Getränk mag Milch,
- Wasser, Thee oder Cocoa gebraucht werden. Der Kranke sollte sich oft
- Bewegung im Freien machen, wozu das Reiten sehr dienlich ist; jedoch
- darf er bei dieser Bewegung nie erschöpft werden. Sehr dienlich ist
- es, wenn man Brust und Schultern täglich mit Essig und Wasser wäscht
- oder besprengt, wobei die Flüssigkeit anfänglich warm zu machen ist,
- nach und nach gebraucht man sie etwas kälter, bis sie endlich ganz
- kalt in Anwendung kommen kann. Das Schlafzimmer sollte groß und gut
- ausgelüftet sein. Der Kranke darf weder der Kälte noch plötzlichem
- Witterungswechsel bloßgestellt werden. Auf der Brust sollte er
- Baumwollen- oder Wollenstoffe oder Pelzwerk tragen. Der Aufenthalt in
- mildem Klima ist dem in irgend einem andern vorzuziehen. Man sagt,
- daß New Mexiko oder das nördliche Texas den Auszehrenden am besten
- zusagt; sowie auch Minnesota, Florida und Cuba. In Europa suchen die
- Auszehrenden Pau und Biarritz in Frankreich, oder Malaga, Malta,
- Sorrento, Palermo, Algier und Madeira auf.
-
- =Allöopathisch.= Leberthran (~Cod liver oil~) ist bei der Behandlung
- der Auszehrung sehr werthvoll, und manchmal wird der Patient, wenn
- er dieses Mittel im ersten Stadium der Krankheit nimmt, kurirt,
- während es in den folgenden Stadien Linderung verschafft. Es hilft
- der Verdauung nach und verschafft dadurch dem Kranken Körperkraft
- und Muskelzulage; es mildert den Husten, sowie alle die gewöhnlichen
- Symptome. Ein Theelöffel voll Oel dreimal des Tages ist eine Dosis.
- Das folgende ist eine der Art und Weisen, wie man dieses Mittel
- verordnen kann:
-
- Leberthran (~Cod liver oil~) 2 Unzen.
- Ingwer-Syrup 2 „
- Gummi Arabicum Schleim (~Mucilage of gum arabic~) 2 „
- Nelkenöl (~Oil of cloves~) 6 Tropfen.
-
- Mische.
-
- Oder:
-
- Citronensaures Ammoniak (~Citrate of ammonia~) 10 Grane.
- Eisen 10 „
- Chinin (~Quinine~) 10 „
- Leberthran 2 Unzen.
- Glycerin 2 „
-
- Mische.
-
- Dieses kann in Porter- oder Ale-Schaum oder nachdem man den Mund
- mit Brandy ausgespült hat, was auch nach dem Einnehmen der Dosis
- geschehen kann, genommen werden. Manchen schmeckt diese Arznei
- angenehmer, wenn man sie salzt.
-
- Mit diesem Heilmittel sollte man mehrere Monate oder selbst Jahre
- lang fortfahren, wenn die Krankheit nicht vorher überwunden wird.
- Alkohol enthaltende Getränke, Ale und Lagerbier werden empfohlen.
- Diese Stimulanten sollten in kleinen Quantitäten genossen werden,
- etwa zwei oder drei Löffel voll Branntwein oder ein halbes Glas voll
- oder weniger Wein, oder ein halbes Glas voll Ale oder Bier. Man
- trinke diese Quantität zwei- oder dreimal des Tages.
-
- Kleien- oder Senfaufschläge werden die Schmerzen in der Brust
- lindern. Dr. Ira Warren von Boston empfiehlt gegen den Husten das
- “~Pulmonic Cherry Cordial~,” welches große Dienste leisten soll und
- folgendermaßen zubereitet wird:
-
- Gemahlene wilde Kirschenrinde 10 Pfund.
- Brechwurz (~Ipecac root~) 20 Unzen.
- Blutwurz (~Blood root~) 24 „
- Meerzwiebel (~Squill root, bruised~) 12 „
- Pulverisirte Lakritzenwurzel (~Pulverized
- liquorice root~) 5 „
- Kochenille (~Cochineal, bruised~) 2 „
- Anissamen 32 „
- Fenchelsamen (~Fennel seed~) 8 „
- Orangenschale 16 „
- Essigsaures Morphium (~Acetate of morphine~) 12 Drachmen.
- Alkohol 8 Gallonen.
- Wasser 8 „
- Pulv. weißer Zucker 40 Pfund.
- Schwefelsäure (~Sulphuric acid~) 1 Unze.
-
- Mahle alle diese Artikel zu einem groben Pulver; mit Ausnahme derer,
- bei welchen angegeben ist, daß sie pulverisirt oder zerquetscht
- (~bruised~) werden sollen, und bringe alle in den Alcohol,
- ausgenommen die wilde Kirschenrinde, das Wasser, den Zucker und
- die Schwefelsäure. Lasse die Masse eine Woche lang stehen und
- rühre tüchtig zweimal des Tages. Nachdem die Rinde von dem wilden
- Kirschbaum zwei Tage lang in einem bedeckten Gefäß mit genug Wasser,
- um dieselbe zu durchfeuchten, gestanden hat, so bringe man sie in
- ein Sieb und schütte durch dasselbe acht Gallonen Wasser, füge den
- Alkohol und andere Bestandtheile bei und lasse das Ganze noch weitere
- drei Tage stehen, indem man jeden Tag zweimal rührt und nachher die
- Flüssigkeit filtrirt und den Zucker und zuletzt die Schwefelsäure
- beifügt. Dieser Anweisung nach werden 16 Gallonen bereitet, doch kann
- die Quantität leicht durch Berechnung vermindert werden. Dosis: 1 bis
- 2 Theelöffel voll. Ist eine beruhigende Wirkung wünschenswerth oder
- nöthig, so füge man ein wenig Morphium (~Morphine~) zu dem Präparat.
-
- Das folgende wird gegen den Husten sehr dienlich sein:
-
- Wilder Kirschensyrup 2 Unzen.
- Lattichbitter (~Lactucarium~) 2 „
-
- Mische dieses. Dosis: 1 oder 2 Theelöffel voll des Abends und Morgens.
-
- Oder:
-
- Tolu-Syrup (~Syrup of Tolu~) 1 Unze.
- Meerzwiebel-Syrup (~Syrup of squills~) ½ „
- Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~) 2 Drachmen.
- Paregoricum (~Paregoric~) 3 „
- Gummi Arabicum Schleim ½ Drachme.
-
- Mische dieses. Dosis: zeitweilig einen halben Theelöffel voll.
-
- Eisen-Iodide-Tinktur (~Liquor of iodide of iron~), in Dosen von 12
- zu 20 Tropfen in Wasser, dreimal des Tages verordnet, mag in manchen
- Fällen von guter Wirkung sein, wenn der Patient nämlich sehr schwach
- ist. Gegen die Nachtschweiße verordne man folgendes:
-
- Aufguß von Peruvianischer oder Cascarilla-Rinde 4 Unzen.
- Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of hyosciamus~) 1 Drachme.
- Verdünnte Schwefelsäure (~Dilute sulphuric acid~) 1 „
-
- Mische dieses. Dosis: einen Eß-Löffel voll dreimal des Tages.
-
- Oder dieses:
-
- Zink-Oxid (~Oxide of zinc~) 1 Drachme.
- Schierling-Extrakt (~Extract of Conium~) ½ „
-
- Bereite hieraus 20 Pillen und nehme eine derselben jeden Abend.
-
- Sind die Schweiße sehr bedeutend, so wasche man den Körper mit
- Brandy, Whiskey oder Alaun. Gegen die Diarrhöe kann dreifach
- schwefelsaurer Wismuth (~Tris-nitrate of bismuth~), in Dosen von 30
- Granen, entweder vor oder nach jeder Mahlzeit zu nehmen, verordnet
- werden. Ist der Magen in Unordnung, so wird das Ansetzen zweier oder
- dreier Blutegel auf die Magengrube, worauf man einen Kleieumschlag
- auf die betreffende Stelle legt, gute Dienste leisten. Gegen das
- hektische Fieber ist schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)
- ein ausgezeichnetes Mittel, wenn dasselbe in der Zwischenzeit in
- Dosen von 10 zu 12 Granen gegeben wird. Manchmal mag auch mit Wasser
- verdünnter und versüßter Essig in Dosen von einem zu zwei Theelöffeln
- voll mit guter Wirkung gegeben werden. Auch ist das Abwaschen oder
- Besprengen der Haut mit warmem Essig oder Spirituosen öfters sehr
- wirksam.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Phosphorsaurer Kalk (~phosphate of
- lime~), in Dosen von 10 Granen dreimal des Tages gegeben, wird sehr
- empfohlen. Auch wird die salzsaure Eisen-Tinktur (~Tincture of
- muriate of iron~), 5 Tropfen in einem Weinglas voll Wasser alle 3 bis
- 4 Stunden, in manchen Fällen sehr wirksam sein. Das folgende wird
- empfohlen:
-
- Blutwurz-Tinktur (~Tincture of blood root~) 1 Drachme.
- Flüssiger Wildkirschen-Extrakt (~Fluid extract
- of wild cherry~) 3 Drachmen.
- Lakritzenaufguß (~Infusion of Liquorice~) ½ Pint.
- Salz-Ammoniak (~Muriate of ammonia~) 1 Drachme.
-
- Mische dieses. Dosis: einen Eßlöffel voll alle zwei Stunden.
-
- Manchmal wird eine Einathmung von folgenden Substanzen guten Erfolg
- bezwecken:
-
- Schwefelsäure (~Nitric acid~) 25 Tropfen.
- Kampher 4 Drachmen.
- Gerbersäure (~Tannic acid~) 4 „
- Reiner geruchloser Alcohol (~Pure deodorized
- alcohol~) 6 Unzen.
-
- Mische dieses. Man befeuchtet mit einem oder zwei Theelöffel voll
- dieser Mischung einen Schwamm, bringt diesen in ein Glas, hält
- dasselbe vor die Nase des Patienten, läßt ihn den Dunst 10 oder 15
- Minuten lang einathmen und wiederholt dies mehrere Mal des Tages.
- Auch ist das Einathmen des durch geschmolzenes Harz (~Rosin~)
- entstandenen Dunstes ein werthvolles Mittel. Gegen den Husten
- gebrauche folgendes:
-
- Andorn (~Hoarhound~) 1 Unze.
- Wallwurz (~Comfrey~) 1 „
- Nardensalbe (~Spikenard~) 1 „
- Wasser 1 Gallone.
-
- Koche dieses, bis noch 1 Quart der Mischung vorhanden, und füge ein
- Pint Honig hinzu. Dosis: einen Eßlöffel voll dreimal des Tages oder
- so oft als der Husten beunruhigt.
-
- Oder dieses:
-
- Flüssiger Schlangenwurzel-Extrakt (~Fluid extract
- of black cohosh~) 1 Unze.
- Flüssiger Wildkirschen-Extrakt (~Fluid extract
- of wild cherry~) 1 „
- Blutwurzel-Tinktur (~Tincture of blood root~) 1 „
- Schwefelsaure Morphin-Tinktur (~Tincture of
- sulphate of morphine~) 2 Drachmen.
-
- Mische dieses. Dosis: einen Theelöffel voll drei- oder viermal des
- Tages, oder wenn immer der Husten heftig ist.
-
- Oder dieses:
-
- Flüssiger Wildkirschen-Extrakt (~Fluid extract of wild
- cherry~) 1½ Unzen.
- Brechwurzsyrup (~Syrup of ipecac~) 1½ „
- Balsamtolu-Syrup (~Syrup of balsam of tolu~) 1 Unze.
- Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of Hyosciamus~) 1 „
-
- Mische dieses. Dosis: einen Theelöffel voll, wenn immer der Husten
- heftig ist.
-
- Manchmal thut eine mäßige Chloroform-Einathmung gute Dienste. Die
- Nachtschweiße mögen mittelst 10 oder 12 Tropfen Vitriol-Elixir,
- welche in einem Weinglas voll Wasser vor dem Schlafengehen zu nehmen
- sind, gemildert werden. Es wird von guter Wirkung sein, wenn man den
- Körper mit einer aus Alcohol und Wasser bereiteten Mischung, wozu
- Zimmetöl und Gerbersäure (~Tannic acid~) gefügt wird, mittelst eines
- Schwammes abwäscht. Der Diarrhöe mag durch einen Brombeerwurzel-
- (~Blackberry root~) Aufguß Einhalt gethan werden. Auch kann man zu
- diesem Zwecke Paregoricum (~Paregoric~) und Catechugummi-Tinktur
- (~Tincture of catechu~) gebrauchen. Tritt Lungenbluten ein, so sollte
- der Patient viel von einem aus gleichen Theilen kurzblättrigen
- Dreiblatts (~Beth root~) und virginischen Wolfsfußes (~Bugle weed~)
- bereiteten Aufguß trinken; oder hie und da wird ein wenig Salz und
- Wasser dem Bluten Einhalt thun. Die folgenden Recepte werden unter
- „Auszehrung“ gegen Husten gefunden:
-
- Ein aus weißem Andorn (~White hoarhound~) und mit Honig versüßter
- Thee ist eine treffliche Hustenmedizin. Ebenso wird Thee, aus
- Quittensamen (~Quince seed~), Flachssamen (~Flax seed~), Eibisch
- (~Marshmallow~) oder Ulmenrinde (~Slippery elm~) bereitet, den
- Husten lindern. Auch kann Meerzwiebelsyrup (~Syrup of squills~),
- Lobelia-Tinktur, Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~) und Paregoricum
- (~Paregoric~), von jedem eine Unze, gebraucht werden. Mische dieses.
- Dosis: einen Eßlöffel voll drei- bis viermal des Tages.
-
- =Homöopathisch.= Leberthran (~Cod liver oil~) wird auch bei der
- homöopathischen Behandlung mit Nutzen angewendet. Man mag dieses
- Mittel in Dosen von einem Eßlöffelvoll dreimal des Tages verordnen.
-
- ~Calcarea Carbonica.~ -- Wird gebraucht, wenn folgende Symptome
- vorhanden sind: Blasse Gesichtsfarbe mit schwermüthigem
- Gesichtsausdruck; aufgedunsene Wangen, Launenhaftigkeit bezüglich
- des Appetits, eher Neigung zur Hartleibigkeit als zur Diarrhöe,
- aber manchmal unregelmäßiger Stuhlgang; leichter doch bestimmt sich
- ausdrückender Husten; Schwerathmen, namentlich beim Treppensteigen,
- oder wenn der Patient schneller geht als gewöhnlich; weiche,
- schlotterige Muskeln; langsame Blutcirkulation; Schwäche. Bei mehr
- vorgerücktem Stadium der Krankheit wird ~Lycopodium~ oder ~Nitric
- Acid~ nützlicher sein als ~Calcarea~.
-
- ~Sulphur~ -- wurde von Hahnemann als ein Hauptmittel gegen diese
- Krankheit bezeichnet. Man verwende dasselbe, wenn sich folgende
- Symptome zeigen: Skrophulöser Ausschlag, Neigung, sich schnell eine
- Erkältung dadurch zuzuziehen, wenn der Patient an die frische Luft
- kommt; rheumatische Schmerzen in den Gliedmaßen ohne Anschwellung;
- wankender Gang und Zittern der Hände; Gefühllosigkeit verschiedener
- Körpertheile; die Schmerzen sind bei Nacht heftiger und werden durch
- äußerliche Wärme gelindert; Schläfrigkeit; gestörter Schlaf; Gesicht
- blaß, kränklich und schlaff; blaue Ringe um die Augen, trockene Zunge
- und trockner Hals; weher Hals und Druck in demselben, als ob Klumpen
- vorhanden wären; Magensäure; der Magen gegen Druck sehr empfindlich;
- Uebelkeit nach dem Essen; Schmerz im Unterleib; schneidende Schmerzen
- und Uebelkeit, worauf Diarrhöe folgt; Heiserkeit oder Stimmverlust;
- trockner, kurzer Husten.
-
- ~Phosphorus.~ -- Für leichtgebaute Personen mit heller Gesichtsfarbe
- gegen kurzen, trocknen Husten, Kurzathmigkeit, große Abzehrung,
- Diarrhöe und Schweiß zu gebrauchen.
-
- Andere Heilmittel sind: ~Ferrum~, ~Silicea~, ~Phosphoric Acid~,
- ~Lobelia~, ~Nitric Acid~, ~Iodine~, ~Belladonna~, ~Hamamelis~ und
- ~China~. Diese Heilmittel sollten unter Anordnung eines tüchtigen
- Arztes gebraucht werden.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Man nehme von dem gewählten Heilmittel
- eine Dosis (6 Kügelchen) dreimal des Tages, oder wenn die Symptome
- dazu veranlassen, eine Dosis alle eine, zwei oder drei Stunden.
-
-
-Brustquetschung (~Contusion of the Chest~).
-
-Wird die Brust durch einen Schlag oder Fall beschädigt, so gebrauche
-man Arnica-Tinktur äußerlich. Wenn aber aus Veranlassung der
-Beschädigung Bronchitis oder Brustentzündung oder andere Krankheiten
-entstehen sollten, so behandle man dieselben nach Anweisung im
-betreffenden Kapitel.
-
-
-Fremde Körper in der Luftröhre.
-
-Man kann fremde Körper, die sich in der Luftröhre festgesetzt haben,
-erreichen, indem man die Zunge hinabdrückt und den Daumen und einen
-Finger so weit als möglich hinabschiebt. Kann der Gegenstand nicht mit
-den Fingern gefaßt werden, so ist eine Chirurgenzange (~Forceps~) zu
-gebrauchen. Auch kann man die betreffende Person an einer Stange in
-den Knieegelenken, mit dem Kopf abwärts hängen lassen und ihr schnelle
-Schläge zwischen die Schultern versetzen, wodurch gewöhnlich geholfen
-wird. Kann aber der Gegenstand durch keines dieser Mittel entfernt
-werden, so sollte man einen Wundarzt zu Hülfe rufen.
-
-
-
-
-Zwölftes Kapitel.
-
-Krankheiten des Magens und der Eingeweide.
-
-Mangel an Appetit (~Anorexia~). Heißhunger (~Bulemia~).
-
-
-Mangel an Appetit und krankhafte Eßlust wird bei vielen Krankheiten
-gefunden, ersterer besonders bei Krankheiten der Eingeweide oder
-Lungen, sowie auch bei anderen acuten Krankheiten, Unordnung des Magens
-u.s.w. Letzteres ist zuweilen eine Folge von Wurmleiden oder Verlust
-der Kräfte, Verdauungsschwäche u.s.w. Die Behandlung dieser Krankheiten
-findet man unter der Rubrik „Dyspepsie.“
-
-
-Dyspepsie oder schwacher Magen.
-
-Dyspepsie ist eine der gewöhnlichsten Krankheiten, welchen der Arzt
-begegnet. Sie wird überall, unter allen Klassen und häufiger bei
-Personen von mittlerem Alter gefunden. Solche, welche eine sitzende
-Lebensweise führen, keine Gelegenheit haben Bewegung zu machen, sowie
-auch jene, die Spirituosen und dem Tabak ergeben sind, sind mehr als
-Andere dazu geneigt.
-
-+Symptome.+ Die Dyspepsie kann vorübergehend sein oder sich
-einwurzeln. Unter vorübergehend verstehen wir einen leichten Anfall
-von Unverdaulichkeit, welcher von Ueberessen oder von unzulänglichen
-Nahrungsmitteln herrührt. Unter eingewurzelt verstehen wir solche
-Fälle, welche eine lange Zeit -- Monate, ja sogar Jahre lang,
-anhalten. Bei dieser Krankheit verliert der Magen seine Kräfte zu
-verdauen und der Kranke ist nur dann fähig etwas zu essen, wenn er
-immer Spirituosen, Pillen und andere Arzneimittel zu sich nimmt. Ein
-vorübergehender Anfall von Unverdaulichkeit macht sich durch ein Gefühl
-von Ausdehnung des Magens, Aufstoßen, Appetitlosigkeit, Widerwille
-gegen Speisen, zuweilen durch Uebelkeit und Erbrechen kenntlich. Bei
-der eingewurzelten oder chronischen Form ist der Appetit veränderlich,
-zuweilen gänzlich verloren, steigert er sich dann wieder bis zur
-Gefräßigkeit. Nimmt der Patient eine volle kräftige Mahlzeit, wird er
-niedergeschlagen, Schmerz und eine Schwere im Magen stellen sich ein;
-ein Verlangen nach Essen, das nach dem ersten Mund voll befriedigt,
-ist vorhanden; die Zunge ist blaß, welk, schleimig, oder wird trocken,
-klebrig, oder dick belegt, besonders am Morgen beim Aufstehen; ein
-beständiges unbehagliches Gefühl von Schwere im Magen, ebenso saures
-oder unangenehmes Aufstoßen, bei Säure im Magen und einem Gefühl
-von Sinken und Flattern in der Magengrube; Empfindlichkeit gegen
-Druck, zuweilen Uebelkeit und Erbrechen, Kopfschmerz, Mattigkeit und
-große Niedergeschlagenheit, Todesfurcht und Befürchtungen vor der
-Zukunft, Herzklopfen oder ein starkes Schlagen in der Gegend des
-Magens, Verstopfung, unangenehmer Geschmack im Munde, besonders des
-Morgens beim Erwachen; das Gedächtniß ist vermindert; die Stimmung
-ist veränderlich und die Laune reizbar; Tiefsinn, Gedanken- und
-Ideenverwirrung; Schwindel; Schwachsichtigkeit, Flecken schimmern vor
-den Augen; das Gesicht ist blaß und hat einen ängstlichen Ausdruck,
-die Haut ist trocken und gerunzelt, Alpdrücken ist eine gewöhnliche
-Erscheinung, Kneipen oder krampfartige Thätigkeit der Muskeln;
-abwechselnd Hitze und Kälte; ziehende Schmerzen im Rücken und in den
-Schultern; häufiges Seufzen; ein Gefühl von Beklemmung in der Gegend
-des Herzens; Geräusch oder Singen in den Ohren.
-
-+Ursachen.+ Eine von den häufigsten Ursachen von Verdauungsschwäche
-ist hastiges unzulängliches Kauen der Speisen, Mangel an Bewegung
-und Ruhe des Geistes, unpassende Nahrung, wie zu kräftige, reizende
-Speisen, Spirituosen, zu häufiger Genuß von warmen Flüssigkeiten und
-Tabak, spätes Aufbleiben, stark gewürzte Gerichte, übermäßig starke
-Entleerungen, sitzende Lebensweise, langes angespanntes geistiges
-Arbeiten, Trägheit, zu langes Schlafen, das Athmen unreiner Luft,
-geschlechtliche Ausschweifungen; Leute, welche sehr schnell essen und
-dazu übermäßig viel Wasser, Thee oder Kaffee trinken, sind diesem
-mehr ausgesetzt als andere; auch Essen, unmittelbar nach starker
-körperlicher oder geistiger Arbeit ist sehr schädlich; starke Bewegung
-nach der Mahlzeit oder kurz vor dem Schlafengehen, Aerger, Eifersucht,
-große Freude, nächtliches Wachen sind hervorragende Ursachen. Der
-Mißbrauch von Abführmitteln, der die Eingeweide träge macht, ist
-äußerst schädlich.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Gutes Kochen ist ein wichtiger Theil der Behandlung
- bei der Verdauung; die Speisen sollten gut, aber nicht übermäßig
- gekocht werden; halb gar gekochtes Fleisch ist bei Dyspepsie das
- Beste. Leute, die an Dyspepsie leiden, sollten alle eingemachten
- Fleischarten, wie Schinken, Zunge, geräucherte oder gesalzene
- Fleischsorten, Würste u.s.w., sowie auch rohes Gemüse, Pickles, Salat
- u.s.w. vermeiden. Die Nahrung muß, ehe sie in den Magen geht, langsam
- und gehörig gekaut werden, jeder Mundvoll muß so gekaut sein, bis
- er von selbst in die Speiseröhre tritt, denn Speisen, die gehörig
- gekaut sind, folgen ihrer eigenen Bestimmung. Verschiedene Sorten von
- Pasteten, heißes Brod, heißer Zwieback, Eier, Suppen, stark gewürzte
- Gerichte, Puddings u.s.w. müssen vermieden werden.
-
- Fische sind am meisten verdaulich, wenn gekocht, weniger wenn
- gebraten und am wenigsten wenn gebacken. Die meisten Sorten von
- wildem Geflügel können erlaubt werden, auch Hammelfleisch, Wild,
- Hühner und Turkeyfleisch, rohe Austern, geröstetes, gebackenes oder
- gekochtes Obst, Schwarz- oder Weizenbrod, Kartoffeln sind für die
- Kost zulässig. Thee, Kaffee und alle berauschenden Getränke müssen
- vermieden werden, der beste Trunk bleibt immer Wasser oder Milch,
- wenn eins oder das andere ohne unangenehme Symptome genommen werden
- kann. Während des Essens sollten nicht zu viele Flüssigkeiten
- genommen werden, und es wird besser sein, wenn der Patient damit bis
- nach der Mahlzeit wartet. Wenigstens sechs Stunden sollten immer von
- einer zur andern Mahlzeit verstreichen, während bei einem gesunden
- Magen drei bis vier Stunden hinreichen. Niemals sollte Jemand eine
- Reise oder einen Ausflug weder mit zu vollem noch mit ganz leerem
- Magen antreten. Das Trinken geschieht für den Magen vortheilhafter
- vermittelst Schlürfens oder indem man jedesmal einen Mund voll nimmt,
- als durch das Trinken in langen Zügen. Nach Bewegung von irgend
- welcher Art, wie Reiten, Gehen u.s.w. sollte man sich stets vorher
- eine halbe Stunde ausruhen, ehe man eine Mahlzeit zu sich nimmt, und
- ebenso sollte nach der Mahlzeit ein solcher Zeitraum verstreichen,
- ehe irgend eine Bewegung gemacht wird. Gehen, Laufen, Springen,
- Tanzen, Holzsägen oder das Rudern eines Bootes sollte jeden Tag
- regelmäßig geübt werden. Folgende Kosteintheilung ist mit geringer
- Veränderung von Dr. Leared.
-
- +Leicht verdaulich.+ Hammelfleisch, Wild, Hase, süßes Brod, junge
- Tauben, Feldhuhn, Fasanen, Birkhuhn, Rind- und Hammelfleisch, Milch,
- Steinbutte (~turbot~), Schellfisch, Butten (~flounders~), Zunge
- (~sole~, eine Fischart), Fische im Allgemeinen, geröstete Austern,
- altbackenes Brod, Reis, Tapioca, Sago, Pfeilwurz (~arrow root~),
- Spargel (~asparagus~), Meerkohl, französische Bohnen, Blumenkohl
- (~cauliflower~), gebackene Aepfel, Orangen, Weintrauben, Erdbeeren,
- Pfirsiche, Zwiebackwasser (~toast water~), schwarzer Thee, Sherry,
- Claret.
-
- +Mäßig verdaulich.+ Rind- und Lammfleisch, Kaninchen, Turkey,
- Ente, wildes Geflügel, Schnepfe, Suppen, Eier nicht hart gekocht,
- Butter. Schildkröte, Stockfisch, Hecht, Forelle, rohe oder gedämpfte
- (~stewed~) Austern, Kartoffeln, Rüben, Kohl, Spinat, Artischocken,
- Salat, Sellerie, Aprikosen, Korinthen, Himbeeren, Brod, Mehlpuddings,
- Gelee, Marmalade, Rhabarber, gekochte Früchte, Cocoa, Kaffee,
- Malzgetränke, Portwein.
-
- +Hart verdaulich.+ Schweinefleisch, Kalbfleisch, Gansleber, Herz,
- Gehirn, Salzfleisch, Wurst, Hechte und gedämpfte (~stewed~) Fleische,
- Makrele, Aal, Lachs, Häring, Hellbutte, Salzfisch, Hummer, Krebse,
- Seegarnelen, Muscheln, Oel, zerlassene Butter, hartgesottene Eier,
- Käse, frisches Brod, Kuchen, in Butter gebackener Zwieback, Pasteten,
- Rahmtörtchen, Nüsse, Erbsen, Pflaumen, Kirschen, gedörrte Früchte,
- Gurken, Zwiebeln, Möhren, Pastinaken (~parsnips~), rothe Rüben
- (~beets~), Bohnen, Pilze, Pickles, Chocolade, Champagner, Liqueurs.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Gegen Säure und heißes Aufstoßen nehme
- ein Brechmittel von fünf bis zehn oder zwanzig Granen Brechwurz
- (~Ipecac~) in einem Theetassenkopf voll warmen Kamillen- oder
- anderen Thee; diese Dosis wird wiederholt, wenn die erste nicht
- Erbrechen verursacht. Nachdem der Magen beruhigt ist, gebe man ein
- Seidlitzpulver. Die Anwendung von Einspritzungen ist in strengen
- Fällen oder bei Personen von zartem Körperbau viel besser zur
- Bewegung der Eingeweide, als Gaben von Abführmitteln und mag zu
- diesem Behufe Molasses und warmes Wasser, oder warmes Wasser und ein
- wenig Salz angewendet werden. Bei Fällen, die dann erst eingetreten
- sind, wo leichte Verstopfung und Magensäure vorhanden sind, nehme man
- Folgendes:
-
- Gagel in Pulvern (~Bayberry bark in powders~) 1 Unze.
- Stachliche Eschenrinde in Pulver (~Prickly ash bark
- in powders~) 1 „
- Gelbwurz-Pulver (~Golden seal powder~) 1 „
- Bitterwurz in Pulver (~Bitter root in powder~) 1 „
- Doppeltkohlensaure Soda oder Potasche (~Bi-carbonate
- of soda, or potash~) 1 „
-
- Mische es. Dosis: Einen halben bis einen ganzen Theelöffel voll
- dreimal des Tages.
-
- Bei chronischen Fällen oder hartnäckiger Verstopfung nehme Folgendes:
-
- Kalmus in Pulver (~Blue flag in powder~) 1 Unze.
- Alraun in Pulver (~Mandrake in powder~) 1 „
- Bitterwurzel in Pulver (~Bitter root in powder~) 1 „
- Pulverisirte Blutwurzel (~Pulv. blood root~) ½ „
- Spanischer Pfeffer (~Capsicum~) 2 Drachmen.
-
- Mische dieses. Dosis: Dreimal des Tages einen halben bis einen ganzen
- Theelöffel voll.
-
- Ist Säure im Magen vorhanden, so füge doppeltkohlensaure Soda oder
- Potasche (~Bi-carbonate of soda or potash~) eine Unze hinzu. Säure
- kann zuweilen durch ein Seidlitzpulver, ein- oder zweimal des Tages
- genommen, verbessert werden und gegen Wind im Magen ein warmer Trank
- von grünem Münz- oder Pfeffermünz- (~Spearmint or Peppermint~) Thee.
- Ist Kolik vorhanden, so nehme man einen Theelöffel voll Paregoricum
- (~Paregoric~) in ein wenig heißes Wasser. Bei beständiger Verstopfung
- der Eingeweide wird das nachstehende sehr empfohlen:
-
- Wismuth-Oxyd (~Oxide of Bismuth~) 12 Grane.
- Aloe (~Aloes~) 24 „
-
- Mache mit Molasses oder einer Auflösung von Gummi Arabicum 12 Pillen
- daraus. Dosis: Jeden Abend beim zu Bett Gehen vier Pillen, bis der
- Magen wieder gestärkt ist. Wismuth kann auch da, wo ein tägliches
- Abführmittel nicht erforderlich ist, allein in Pulvern von fünf
- Granen auf eine Dosis gegeben werden. Es kann mit Honig oder Molasses
- oder mit irgend einer anderen derartigen Zuthat genommen werden.
-
- Weißer Senfsamen ist ein altes und viel gebrauchtes Mittel. Eine
- Dosis sollte davon jeden Tag durch drei oder vier Wochen hindurch
- genommen werden. Man nehme einen halben bis ganzen Eßlöffel voll
- und verschlucke den Samen ganz mit kaltem Wasser. Sodbrennen
- wird zuweilen durch einen Theelöffel voll überkohlensaure Soda
- (~Super-carbonate of soda~) in ein wenig Wasser oder einen halben
- Theelöffel voll Saleratus in einem halben Tassenkopf voll Wasser
- sofort gelindert. Magnesia in zwei bis drei Theelöffeln voll in einem
- Bierglas voll Wasser genommen, hat sich als ein ausgezeichnetes
- Mittel bewährt.
-
- Pyrosis oder Sodbrennen kann durch Nachstehendes gelindert werden:
-
- Sennesblätter (~Senna leaves~) 1 Unze.
- Pulverisirte Jalappenwurzel (~Jalap, powdered~) ½ „
- Pulverisirte Gelbwurz (~Golden seal, powdered~) ½ „
- Pulverisirter Fenchelsamen (~Fennel seed,
- powdered~) ½ „
- Aloe 2 Drachmen.
- Tolu-Balsam 1 Unze.
-
- Gieße ein halbes Pint kochendes Wasser darüber und rühre es um. Wenn
- kalt gieße es in eine Quartflasche und fülle dieselbe mit gutem
- Branntwein oder Whisky. Nachdem es zwei Stunden gestanden hat, wird
- es fertig sein zum Gebrauch. Dosis: Alle Morgen vor dem Frühstück
- einen Eßlöffel voll.
-
- Folgendes kann zuweilen angewendet werden:
-
- Dreifachsalpetersaures Wismuth (~Tris nitrate
- of Bismuth~) 5 Grane.
- Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) 1-10 Grane.
-
- Mische es zu einer Dosis.
-
- Präparirte Holzkohle (~Prepared charcoal~) kann in Dosen von einem
- Theelöffel voll dreimal des Tages in einigen Fällen gegeben werden.
-
- Folgendes ist bei Dyspepsie ein sehr schätzbares Mittel:
-
- Chinarinde (~Peruvian bark~) 1 Unze.
- Enzianwurzel (~Gentian root~) 1 „
- Orangenschale ½ „
- Koriandersamen (~Coriander seed~) ½ „
-
- Stoße diese vier Artikel in einem Mörser oder in einem anderen
- Gefäße, lege sie in ein Quart französischen Branntwein (~French
- brandy~) und lasse das Ganze vier bis fünf Tage vor dem Gebrauche
- stehen. Dosis: Ein halber bis ganzer Theelöffel voll in einem
- Weinglas voll Wasser ungefähr eine oder zwei Stunden vor den
- Mahlzeiten.
-
- Blähungen und Kolik können durch einen bis zwei Tropfen von Cajeputöl
- (~Cajupet~) auf Zucker, oder doppeltschwefelsaure Soda (~Bi-sulphate
- of soda~), eine bis zwei Stunden nach den Mahlzeiten genommen,
- entfernt werden.
-
- Die folgenden sind einige von den Mitteln, die sich bei Behandlung
- der Dyspepsie sehr zuträglich erwiesen haben:
-
- Pulverisirter türkischer Rhabarber (~Powd. turkey
- rhubarb~) 2 Drachmen.
- Kohlensaure Soda (~Carbonate of Soda~) 48 Grane.
- Einfacher Syrup 1 Unze.
- Quellwasser ½ Pint.
-
- Dosis: Dreimal des Tages vor dem Essen einen Eßlöffel voll.
-
- Rosenwasser (~Rose water~) 1 Pint.
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 6 Drachmen.
- Cascarilla-Tinktur 1 Unze.
-
- Mische es. Dosis: Drei Eßlöffel voll zweimal des Tages.
-
- Die folgenden Pillen werden empfohlen:
-
- Aloe 3 Grane.
- Rhabarber (~Rhubarb~) 3 „
- Spanische Seife (~Castile soap~) 3 „
- Gelbwurz (~Golden seal~) 60 „
- Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~) 20 „
- Pulverisirter Lobelia-Samen 20 „
-
- Theile es in 60 Pillen mit Enzian-Extrakt. Dosis: Jeden Abend eine
- beim zu Bett Gehen.
-
- Ein anderes:
-
- Wismuth-Oxyd (~Oxide of bismuth~) 4 Drachmen.
- Rhabarber (~Rhubarb~) 2 „
- Aloe 1 Drachme.
- Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~) 1 „
- Brechwurz (~Ipecac~) 30 Grane.
-
- Mische es gehörig und mache mit Gummi Arabicumschleim 120 Pillen
- daraus. Dosis: Vor jeder Mahlzeit eine Pille.
-
- =Homöopathisch.= Um die Wahl der Heilmittel zu erleichtern, ist
- die Krankheit in Klassen mit den zu jeder derselben erforderlichen
- Heilmitteln eingetheilt. Ehe man daher eines der Mittel wählt, sehe
- man zuerst die untenstehenden Einzelnheiten durch.
-
- Gegen Dyspepsie bei Erwachsenen: ~Aconitum~, ~Antimonium~, ~Arnica~,
- ~Belladonna~, ~Bryonia~, ~Calcarea Carbonica~, ~Carbo Vegetabilis~,
- ~Chamomilla~, ~China~, ~Hepar Sulphuris~, ~Ipecacuanha~, ~Mercurius~,
- ~Nux Vomica~, ~Pulsatilla~, ~Phosphorus~, ~Sepia~, ~Sulphur~,
- ~Veratrum~.
-
- Bei Kindern: ~Aconitum~, ~Bryonia~, ~Calcarea Carbonica~,
- ~Chamomilla~, ~Ipecacuanha~, ~Pulsatilla~, ~Sulphur~.
-
- Wenn langes Wachen die Ursache der Dyspepsie ist: ~Nux Vomica~,
- ~Arnica~, ~Pulsatilla~, ~Veratrum~, ~Carbo Vegetabilis~.
-
- Durch übermäßige geistige Anstrengung: ~Nux Vomica~, ~Sulphur~,
- ~Lachesis~, ~Calcarea Carbonica~.
-
- Wenn die Folge von übermäßigem Genuß von Spirituosen: ~Nux Vomica~,
- ~Sulphur~, ~Lachesis~, ~Arsenicum~, ~Carbo Vegetabilis~.
-
- Ebenso vom Kaffee: ~Nux Vomica~, ~Ignatia~.
-
- In Folge des Tabaks: ~Nux Vomica~, ~Hepar Sulphuris~, ~Cocculus~,
- ~Staphysagria~.
-
- Bei Verschlimmerung nach Trinken von kaltem Wasser: ~Arsenicum~,
- ~China~, ~Pulsatilla~, ~Veratrum~.
-
- Nach Biertrinken: ~Arsenicum~, ~Calcarea Carbonica~, ~Rhus
- Toxicodendron~, ~Sepia~, ~Sulphur~.
-
- Nach Milchtrinken: ~Bryonia~, ~Nux Vomica~, ~Calcarea~, ~Sulphur~.
-
- Nach Säuren: ~Nux Vomica~, ~Sepia~, ~Sulphur~, ~Arsenicum~,
- ~Lachesis~.
-
- Nach Brod: ~Nux Vomica~, ~Sulphur~, ~Pulsatilla~, ~Bryonia~,
- ~Mercurius~.
-
- Nach festen Speisen: ~Pulsatilla~, ~China~, ~Carbo Vegetabilis~.
-
- Wenn gleichzeitig mit Dyspepsie Verstopfung vorhanden ist: ~Nux
- Vomica~, ~Sulphur~, ~Bryonia~, ~Lachesis~.
-
- Wenn mit Diarrhöe verbunden: ~Pulsatilla~, ~China~, ~Acidum
- phosphoricum~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Mercurius~, ~Arsenicum~,
- ~Veratrum~.
-
- Gleichzeitig mit saurem Magen: ~Pulsatilla~, ~Nux Vomica~, ~Calcarea
- Carbonica~.
-
- Oder mit Geschwüren: ~Nux Vomica~, ~Sulphur~, ~Sepia~.
-
- ~Aconitum.~ -- Wenn beim Beginne des Anfalles beträchtliches Fieber
- mit Durst und Uebelkeit, auch wenn Röthe und Wehsein des Mundes und
- Halses vorhanden sind.
-
- ~Arnica.~ -- Wenn ein Fall oder ein Schlag auf dem Magen die Ursache,
- mit Schmerz und einem Gefühl, als wenn das Rückgrat gebrochen wäre,
- Zunge dick, gelblich belegt, Uebelkeit mit Neigung zum Erbrechen,
- öfteres Aufstoßen mit fauligem bitterem Geschmack, nervöse Aufregung,
- Schwere in den Gliedern.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Passend bei den meisten Fällen von Dyspepsie zu
- Anfange, besonders bei Verstopfung und einer Neigung zu Beulen,
- saurer, bitterer Geschmack im Munde; wenn die Nahrung, besonders
- Brod, sauer oder bitter oder geschmacklos ist; der Kranke hat nicht
- viel Appetit, aber ein Verlangen nach Bier, Wein oder Spirituosen;
- von der Nahrung leicht befriedigt, nach dem Essen mit Uebelkeit
- belästigt, Erbrechen der Speisen, Schwindel, Schwere, Schläfrigkeit,
- Vollsein, Ausdehnung des Magens, empfindlich gegen Berührung,
- Taumeln, Eingenommenheit des Kopfes, Kopfschmerz durch geistige
- Anstrengung erhöht, Klingen in den Ohren, Zunge weiß belegt,
- metallartiger, bitterer, saurer oder fauliger Geschmack im Munde
- des Morgens oder nach dem Essen, Sodbrennen, Windkolik, Gefühl von
- Beengung durch die Kleider um die Taille, saurer Magen, erfolgloses
- Stuhldrängen, harter, schwerer, mit Blut gestreifter Stuhl. Am besten
- paßt ~Sulphur~ nach diesem.
-
- ~Sulphur.~ -- Besonders bei lang anhaltenden Fällen, oder wenn kein
- Appetit nach Fleisch und Brod vorhanden, sondern ein Verlangen nach
- Wein und Säuren, Schwierigkeit des Athmens, Uebelkeit nach dem Essen,
- Aufstoßen und Erbrechen der Speisen; Frösteln, Säure und Sodbrennen,
- saurer Magen, geistiger Druck, unzufrieden mit Allem und Jedermann.
- Darauf paßt ~Calcarea Carbonica~ am besten.
-
- ~Pulsatilla~. -- Ein wichtiges Mittel bei Dyspepsie, besonders bei
- frischen Fällen, die durch Ueberessen verursacht sind, durch den
- Genuß von Schweinefleisch, Hammelfleisch, Butter oder irgend einer
- fettigen Substanz, der Geschmack der Speise kommt wieder heraus in
- den Mund, Neigung zum Erbrechen, besonders nach Essen und Trinken,
- Geschmack schal oder faulig, ähnlich dem von schlechtem Fleisch oder
- Talg, Druck in der Magengrube, besonders nach dem Essen, der Kranke
- fröstelt, ist schwach, eigensinnig und melancholisch.
-
- ~Antimonium Crudum.~ -- Besonders nützlich, wenn die Störung vom
- Ueberessen herrührt und folgende Symptome gegenwärtig sind: Der
- Geschmack der zuletzt eingenommenen Speise kommt wieder in den Mund
- und stößt bald nach dem Essen Theile unverdauter Speisen in die Höhe,
- die Zunge ist mit einem weißen oder gelblichen Schleim belegt, der
- Magen ist empfindlich gegen Berührung und ausgedehnt.
-
- ~Belladonna.~ -- Wenn ein schmerzhaftes Ausdehnen des Unterleibes
- stattfindet, bei einem Zusammendrücken, als wenn die Eingeweide
- festgehalten würden, Schlucken, Uebelkeit oder eine Abneigung gegen
- die Speise, Erbrechen von Galle oder Wasser, auch bei Eingenommenheit
- des Kopfes oder Blutandrang nach dem Kopfe.
-
- ~Arsenicum.~ -- Besonders nützlich bei chronischen Fällen, bei
- Zusammenfallen des Gesichts, kalten Endgliedern, dunklen Ringen um
- die Augen, zugespitzte Nase, Zunge weiß oder bräunlich, auch bei
- Magenkrämpfen, bei einem Gefühl von Kälte oder Hitze, alles, was in
- den Magen geht, wird wieder erbrochen, die Haut ist heiß und trocken.
- Wenn ~Arsenicum~ von keinem guten Erfolge ist, gebe man ~Lachesis~.
-
- ~Bryonia.~ -- Ein wichtiges Mittel gegen Dyspepsie, besonders
- wenn dieselbe im Sommer eintritt, auch wenn sie von Frostschauer,
- Kopfschmerz und Schmerz in den Gliedern und dem Rückgrat begleitet
- ist, ebenso bei den folgenden Symptomen: Zunge mit einem gelblichen
- Schleim belegt, heiß und trocken, Appetitlosigkeit, bittern
- Geschmack, große Abneigung gegen Speise, zuweilen ein großes
- Verlangen nach Speise und Getränken, Gefühl von Vollsein und Brennen
- im Magen nach den Mahlzeiten, viel Durst, Aufstoßen einzelner
- Theile von Speise nach jeder Mahlzeit, Sodbrennen, Verstopfung der
- Eingeweide, Uebelkeit des Morgens, Brennen im Magen, Laune reizbar
- und halsstarrig. Sollte ~Bryonia~ wenig oder gar keine Besserung
- gewähren, so gebe man ~Rhus~.
-
- ~China.~ -- Dyspepsie in Folge von Blutverlust oder anderen
- Entleerungen, wenn unreine Luft die Ursache und bei folgenden
- Symptomen: Druck im Magen, als ob von einer Last herrührend,
- Gleichgültigkeit gegen Essen und Trinken, Verlangen nach Wein oder
- Säuren, schaler oder bitterer Geschmack im Munde, Wunsch nach
- verschiedenen Leckerbissen, ohne eigentlich zu wissen nach welchen,
- krankhafter Appetit nach etwas Starkem, Scharfem oder Saurem,
- Schwäche und Ermüdung, der Kranke dehnt und streckt seine Glieder in
- Folge eines Gefühls von Müdigkeit.
-
- ~Cepa.~ -- Kein Hunger, aber beträchtlicher Durst, Eingenommenheit
- des Kopfes, Schmerz in den Eingeweiden in Folge von Winden.
-
- ~Carbo Vegetabilis.~ -- Appetitlosigkeit, bittrer Geschmack im Munde,
- bloßes Aufstoßen von Luft, Geschmack der Speise, nachdem man sie
- bereits zu sich genommen, Sodbrennen während der Nacht, Windkolik,
- Rasseln im Unterleib.
-
- ~Calcarea Carbonica.~ -- Besonders bei Kindern, welche eine Neigung
- zu Skropheln haben, Säure des Magens, häufiges Aufstoßen von Wind,
- Gefühl von Vollsein im Kopfe bei einer Neigung zu krampfhaftem
- Kopfweh, Vollsein und Anschwellen in der Gegend des Magens, bei
- Empfindlichkeit gegen Berührung, nagende oder kneipende Schmerzen.
-
- ~Chamomilla.~ -- Besonders bei einem Anfall von Zorn oder durch
- Stehen in der Zugluft, während man schwitzt, Aufstoßen der Speise,
- Uebelkeit, Erbrechen von Speisen und grünem Schleim oder Galle,
- Magenkrämpfe, Kopfschmerz, Vollsein, Schwindel, gestörter Schlaf und
- Herumwerfen, Gesicht roth und heiß.
-
- ~Hepar Sulphuris.~ -- Gegen Dyspepsie, wenn dieselbe durch das Nehmen
- von blauen Pillen oder anderen Quecksilber-Präparaten verursacht
- wurde, ein heftiges Verlangen nach reizenden Stoffen, Weinen oder
- Säuren, der Magen scheint äußerst empfindlich zu sein und geräth
- leicht in Unordnung, obgleich der Patient gesund sein mag, Uebelkeit
- am Morgen, bei Erbrechen einer sauren, galligen oder schleimigen
- Masse. Kann abwechselnd mit ~Nux vomica~, wenn harter, leicht
- gefärbter Stuhl vorhanden ist, oder mit ~Mercurius~, bei einer
- weißlichen Diarrhöe, gegeben werden.
-
- ~Ipecacuanha.~ -- Besonders passend für Kinder, wenn sie Speisen,
- Getränke oder Galle erbrechen, Erbrechen mit Kälte des Gesichts und
- der Endglieder, Zunge weiß, gelblich belegt, Erbrechen mit Diarrhöe,
- Abneigung gegen Speise, besonders fette und reiche Kost, oder wenn
- die Verdauungsschwäche vom Essen des Turkey oder von Pasteten u. s.
- w. veranlaßt wurde.
-
- ~Mercurius.~ -- Aufstoßen eines sauren und bitteren Stoffes,
- fauliger, süßlicher oder bitterer Geschmack des Morgens, Neigung
- zur Diarrhöe, bei Durchfall oder Schweiß, schwache Verdauung bei
- beständigem Hunger, Druck in der Magengrube nach dem Essen. Ist vor
- oder nach ~Lachesis~ zweckmäßig zu geben.
-
- ~Phosphorus.~ -- Bloßes Aufstoßen, besonders nach dem Essen,
- Erbrechen nach dem Essen, Brennen im Magen.
-
- ~Sepia.~ -- Bei chronischer Dyspepsie mit oder ohne krankhaftes
- Kopfweh, Aufstoßen oder Schmecken von saurer oder fauliger Speise,
- Anschwellen des Unterleibes mit einem Drucke, wie von einem Stein
- herrührend, Uebelkeit vor dem Frühstück, ebenso nach dem Essen,
- Uebelkeit von schwangeren Frauen.
-
- ~Lachesis.~ -- Unregelmäßiger Appetit, ein Widerwillen gegen Brod,
- bei einem Verlangen nach Wein und Milch, häufige Uebelkeit, Erbrechen
- der Speisen, Verstopfung, Unbehaglichkeit, Trägheit, Schwere. Ist
- passend vor oder nach ~Mercurius~.
-
- ~Veratrum~. -- Wenn sich ~Ipecacuanha~ als unzureichend erwiesen hat
- oder wo nach Anwendung von ~Ipecacuanha~ noch Diarrhöe mit kneipenden
- Schmerzen in den Eingeweiden vorhanden ist, bei großem Durst, Kälte
- der Hände und einem Schauer über den ganzen Körper.
-
- Andere Heilmittel wie ~Rhus~, ~Acidum Phosphoricum~, ~Cocculus~,
- ~Ignatia~, ~Staphysagria~ sind zuweilen, aber nicht oft anwendbar.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Bei frischen Anfällen, und wenn viel
- Magenschmerz und krankhafter Reiz desselben vorhanden, nehme von dem
- gewählten Heilmittel alle halbe, ganze, zwei oder drei Stunden eine
- Dosis. Sobald die Strenge der Symptome nachzulassen beginnt, sollten
- die Zwischenräume verlängert werden. Bei chronischen Fällen ist das
- Mittel dreimal des Tages zu wiederholen. Bei Anwendung der Kügelchen
- gebe einem Erwachsenen zehn.
-
- =Allöopathisch.= Wenn Mangel an Appetit ein Symptom ist und es ist
- keine erklärliche Ursache dafür vorhanden, nehme folgendes:
-
- Rinden-Abkochung (~Decoction of bark~) 6 Unzen.
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 8 Grane.
- Verdünnte Schwefelsäure (~Dilute sulphuric acid~) ½ Drachme.
- ~Compound tincture of bark~ ½ Unze.
- Orangenschalen-Syrup 2 Drachmen.
-
- Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.
-
- Wenn es von einem Schmerz in der Magengrube begleitet ist, nehme das
- folgende:
-
- Dreifach salpetersaurer Wismuth 10 Grane.
- Gummi Arabicumschleim (~Mucilage of gum arabic~) ½ Drachme.
- Syrup ½ „
- Hopfen-Tinktur (~Tincture of hops~) ½ bis 1 „
- Zimmet-Tinktur (~Tincture of cinnamon~) ½ bis 1 „
- Wasser 1 Unze.
-
- Mische es und nimm zwei- bis dreimal des Tages eine Dosis.
-
- Beim Beginn der Dyspepsie ist in der Regel eine Störung der Leber
- vorhanden. In diesem Falle möge folgende Pille gegeben werden:
-
- Enzian-Extrakt (~Extract of gentian~) ½ Drachme.
- Pulverisirter Rhabarber (~Pulv. rhubarb~) ½ „
- ~Blue Mass~ 4 Grane.
-
- Mische es und theile es in 20 Pillen. Dosis: dreimal des Tages eine
- Pille eine Woche lang.
-
- Salpetersaure Kochsalzsäure (~Nitro muriatic acid~), in Dosen von 3
- bis 4 Tropfen wirkt als ein mildes stärkendes Mittel und kann den
- obigen Pillen folgen. Wo Nervenschwäche vorwiegend ist, und besonders
- bei chronischen Fällen, wird folgendes vorzüglich gefunden werden:
-
- Pillen von kohlensaurem Eisen (~Pill of carbonate
- of iron~) 2 Skrupel.
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 1 „
- Alkohol-Extrakt von ~Nux vomica~ 5 Grane.
-
- Mische und theile es in 20 Pillen. Dosis: dreimal des Tages eine
- Pille.
-
- Ist Mangel an Appetit und Niedergeschlagenheit vorhanden, nehme man
- folgendes:
-
- Enzian-Aufguß (~Infusion of gentian~) 5½ Unzen.
- Anderthalb kohlensaures Ammoniak
- (~Sesqui-carbonate of ammonia~) ½ Drachme.
- Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Compound
- tincture of cardamons~) ½ Unze.
-
- Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages zwei Eßlöffel voll.
-
- Gleichzeitig nehme man folgende Pillen:
-
- Pulverisirter Rhabarber (~Powdered rhubarb~) ½ Drachme.
- Spanische Seife (~Castile soap~) 1 Skrupel.
- Pulverisirter Ingwer (~Powdered ginger~) 12 Grane.
-
- Mische es und mache 12 Pillen daraus. Nimm jeden Abend oder einen
- Abend um den andern zwei Pillen.
-
- Gegen Verstopfung ist das unter ~Mettauer’s Aperient~ bekannte Mittel
- sehr zu empfehlen. Es besteht aus folgendem:
-
- Pulverisirte Aloe (~Pulv. Aloes~) 1½ Unzen.
- Doppeltkohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~) 4 „
- Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus 2 „
- Wasser 2 Quart.
-
- Gieße das Ganze in einen Krug und lasse die Mischung 14 Tage lang
- stehen, schüttle es einmal des Tages gehörig um und gieße dann den
- Bodensatz weg. Es verbessert sich mit der Zeit.
-
- Dosis: einen Theelöffel voll sogleich nach der Mahlzeit. Dies
- Mittel wird besonders gut bei galliger Dyspepsie gefunden werden,
- da es auf die Leber wirkt. In solchen Fällen nehme man einige
- Tropfen salpetersaure Kochsalzsäure (~Nitro muriatic acid~) vor
- der Mahlzeit und das vorhergehende Mittel nach dem Essen, was von
- außerordentlichem Erfolg begleitet sein wird.
-
- Andere Mittel gegen Verstopfung sind folgende:
-
- Pulverisirter Rhabarber (~Pulverized Rhubarb~) 2 Unzen.
- Doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate
- of potassa~) 1 Unze.
-
- Mische es. Dosis: hinreichend um eine Bewegung der Eingeweide jeden
- Tag hervorzurufen.
-
- Oder auch:
-
- Rhabarber (~Rhubarb~) 2 Skrupel.
- Aloe 1 „
- Nux Vomica-Extrakt 4 Grane.
-
- Mische es und theile es in 20 Pillen. Dosis zwei oder drei Pillen
- jeden Tag so oft als erforderlich.
-
- Oder:
-
- Rhabarber (~Rhubarb~) ½ Drachme.
- Zusammengesetzter Koloquinthen-Extrakt (~Compound
- extract of colocynth~) ½ Drachme.
-
- Mische und theile es in 20 Pillen. Nimm eine oder zwei, je nach
- Bedarf.
-
- Gegen Magensäure gebe man präparirte Holzkohle (~Prepared charcoal~),
- in Dosen von einem Theelöffel voll, oder kohlensaure Magnesia
- (~Carbonate of magnesia~), oder dreifach salpetersauren Wismuth
- (~Tris-nitrate of Bismuth~), eine Priese doppelt kohlensaurer Soda
- (~Bi-carbonate of soda~) oder einen kleinen Eßlöffel voll Kalkwasser.
-
- Gegen Sodbrennen -- einen Theelöffel voll Magnesia oder Kreide in
- einem Glas kalten oder warmen Wassers. Kalkwasser oder flüssige
- Magnesia wird in denselben Fällen zuträglich gefunden werden.
-
- ~Pyrosis~ (Sodbrennen mit starkem Wasserzusammenlaufen im Munde) wird
- durch 10 oder 15 Tropfen Ammoniak in einem halben oder ganzen Glas
- voll Wasser erleichtert werden.
-
- Zur Bewirkung einer vollständigen Kur der Dyspepsie ist dreifach
- salpetersaurer Wismuth (~Tris-nitrate of Bismuth~), in Dosen von 20
- bis 30 Granen dreimal des Tages bei jeder Mahlzeit. Ist viel Schmerz
- vorhanden, so gebe man folgendes:
-
- Dreifach salpetersaurer Wismuth
- (~Tris-nitrate of Bismuth~) von 2 Skrupel bis zu 1 Drachme.
- Magnesia von 2 Skrupel bis zu 1 „
- Aloe-Tinktur ½ Unze.
- Hopfen-Tinktur ½ „
- Hinreichend Wasser, um 6 Unzen zu machen.
-
- Mische es. Dosis: Zweimal des Tages einen Eßlöffel voll.
-
- Oder auch:
-
- Eisensaurer Ammoniak Alaun (~Ammonio-ferric alum~) 2 Skrupel.
- Zimmetwasser 4 Unzen.
-
- Mische und löse es auf. Dosis: Alle zwei bis drei Stunden einen
- Eßlöffel voll.
-
- Gegen Magenschmerz oder Krampf lindert zuweilen folgende Einspritzung
- augenblicklich:
-
- Castoröl 2 Unzen.
- Stachlige Eschenrinden-Tinktur (~Tincture
- of prickly ash bark~) ½ Unze.
- Zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel-Tinktur
- (~Compound tinct. of Virginia snake root~) 2 Drachmen.
- Aufguß von Wasserdost (~Infusion of boneset~) ½ Pint.
- Sennesblätter ½ „
-
- Mische und gebrauche es als Einspritzung.
-
- Cajeput- (~Cajeput~) Oel in Dosen von 4 Tropfen auf ein Stück Zucker
- ist ein ausgezeichnetes Mittel. Kampher-Spiritus, Ingwer- (~Ginger~)
- Essenz und zusammengesetzter Lavendel- (~Lavender~) Spiritus sind
- allgemein bekannte und gebrauchte Linderungsmittel. Ein Senfpflaster
- auf dem Magen lindert oft augenblicklich.
-
-
-Uebelkeit und Erbrechen.
-
-Dem Erbrechen geht in der Regel ein eigenthümlicher Zustand, genannt
-Uebelkeit oder krankhafter Zustand des Magens, voraus. Dies Gefühl
-ohne Schmerz ist von Mattigkeit und großer Schwäche, blasser, kühler,
-feuchter Haut, eingefallenem Gesicht u. s. w. begleitet. Nachdem
-dieser Zustand eine geraume Zeit angehalten hat, tritt Erbrechen ein.
-Erbrechen wird gewöhnlich als Symptom einer Krankheit angesehen, tritt
-aber zuweilen auch selbstständig auf, d. h. ohne mit einer andern
-Krankheit verbunden zu sein.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= Wenn das Erbrechen durch Ueberessen hervorgerufen
- wurde, so ist es als wohlthuend zu betrachten, und man sollte häufig
- Getränke von warmem Wasser zu sich nehmen, um vermittelst dessen den
- Magen zu reinigen.
-
- Folgendes sind Mittel, welche bei den verschiedenen Arten des
- Erbrechens genommen werden mögen:
-
- ~Ipecacuanha.~ -- Dies ist das Hauptmittel und wird in der Regel
- alles sein, was erforderlich ist. Wenn das Erbrechen durch Ueberladen
- des Magens hervorgerufen wurde: ~Pulsatilla~, ~Antimonium~, ~Crudum~,
- ~Nux Vomica~, ~Arsenicum~, ~Rhus~, ~Bryonia~, ~Sulphur~.
-
- Bei Erbrechen von schwangern Frauen: ~Nux Vomica~, ~Ipecacuanha~,
- ~Arsenicum~, ~Veratrum~.
-
- Wenn Würmer die Ursache sind: ~Cina~, ~Aconitum~, ~Ipecacuanha~, ~Nux
- Vomica~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Lachesis~.
-
- Wenn in Folge von Trinken: ~Arsenicum~, ~Ferrum~, ~China~, ~Bryonia~,
- ~Chamomilla~, ~Aconitum~, ~Silicea~, ~Arnica~.
-
- Stellt es sich nach dem Essen ein: ~Pulsatilla~, ~Nux Vomica~,
- ~Bryonia~, ~Arsenicum~, ~Ferrum~.
-
- Bei Erbrechen am Morgen: ~Nux Vomica~, ~Arsenicum~, ~Veratrum~,
- ~Lycopodium~, ~Drosera~.
-
- Bei Erbrechen am Abend oder des Nachts: ~China~, ~Nux Vomica~,
- ~Arsenicum~, ~Veratrum~, ~Sulphur~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ -- Man löse 12 Kügelchen in 12
- Theelöffel voll Wasser und gebe alle halbe Stunde einen Theelöffel
- voll bis Besserung eintritt. Wird die Medizin trocken gegeben, so
- gebe man drei bis sechs Kügelchen auf eine Dosis. Wenn nach drei oder
- vier Dosen keine Besserung eintritt, greife zu einem anderen Mittel.
-
- =Allöopathisch.= Gewöhnlich wird eine Dosis von grüner Münze-
- (~Spearmint~), Pfeffermünz- (~Peppermint~) oder Ingwer- (~Ginger~)
- Thee sofortige Erleichterung verschaffen. Zuweilen wird Branntwein,
- Ingwer- (~Ginger~) Tinktur oder Paregoricum diesem Zwecke entsprechen.
-
- Wird es durch einen Reiz des Magens verursacht, so gebe man folgendes:
-
- Belladonna-Extrakt 6 Grane.
- Pulverisirte Brechwurz (~Pulv. Ipecac~) 10 „
- Rosen-Zucker (~Confection of roses~) 2 „
-
- Mische es und mache 30 Pillen daraus. Dosis: Zweimal des Tages
- eine Pille. Bei hartnäckigen Fällen kann ½ oder ¼ Gran Morphium
- gegeben werden. Ein Senfpflaster auf den Magen wird zuweilen
- sofortige Linderung hervorrufen. Eine Einspritzung von 30 bis 60
- Tropfen Laudanum mit 2 Unzen dünner Stärke wird sich bei einzelnen
- Fällen als ein ausgezeichnetes Mittel bewähren. Flanell mit einer
- Abkochung von Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~) in Spiritus oder Terpentin-
- (~Turpentine~) Oel befeuchtet, kann auch angewendet werden. Kalk-
- (~Lime~) Wasser und Milch in Dosen von einem Theelöffel voll
- von jedem alle halbe oder alle zwei Stunden, wird in Fällen, wo
- keine starke Aufregung vorhanden, und besonders bei Magensäure,
- entsprechen. Kreosot in Dosen von einem Tropfen, so oft als
- erforderlich wiederholt, hat zuweilen ausgezeichneten Erfolg.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Bei Reizbarkeit des Magens mögen
- gleiche heile von Pfeffermünz- (~Peppermint~) Essenz, Laudanum und
- Kampher-Tinktur in Dosen von einem halben Theelöffel voll in einem
- Aufguß von grüner Münze (~Spearmint~) gegeben werden. Zuweilen wird
- auch ein starker Aufguß von Nelken (~Cloves~), oder Ingwer (~Ginger~)
- und Nelken alle 5 bis 10 Minuten gegeben. Wenn gleichzeitig Schmerz
- in dem Magen vorhanden ist, füge 8 bis 10 Tropfen Laudanum zu jeder
- Dosis. Dreifachsalpetersaurer Wismuth in Dosen von 5 bis 10 Granen
- mit einem ½ Gran schwefelsaurem Morphium (~Sulphate of morphine~)
- wird sofortige Linderung verschaffen. Ein Aufguß von geröstetem Korn,
- oder ein Kuchen aus Hafermehl mit Wasser gebacken und dann wie Kaffee
- gebrannt wird das Erbrechen einstellen.
-
-
-Seekrankheit.
-
-Dies ist eine besondere Gattung von Erbrechen, welches sowohl durch
-Rückwärtsfahren, Schaukeln oder Drehen als auch durch das Fahren auf
-einem Schiffe verursacht wird. Personen, die davon befallen werden,
-sollten sich sogleich niederlegen und zwar, wenn möglich, in der
-frischen Luft. Seeleute rathen zu einem Drucke auf den Unterleib
-vermittelst eines engen Gürtels. Rohe, gesalzene Austern sind in der
-Regel bei diesem Zustand des Magens am leichtesten verdaulich.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ein oder zwei Schluck Aepfelwein mit
- zehn oder zwölf Tropfen Laudanum wird häufig Linderung verschaffen;
- ebenso Branntwein, Spiritus oder Champagner.
-
- =Homöopathisch.= Schottisches Ale, Häringe und Citronen werden in der
- Regel von Seekranken verlangt. Heilmittel sind folgende:
-
- ~Cocculus.~ -- Schwindel, Kopfschmerz, Uebelkeit. Dem Patienten wird
- besser, wenn er sich niederlegt.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Ebenso wie ~Cocculus~. Dem Patienten wird besser,
- wenn er nicht in der freien Luft ist.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Dem Patienten ist in der freien Luft wohler.
-
- ~Hyosciamus~ -- ist ein wichtiges Mittel, besonders bei Schwindel des
- Kopfes.
-
- ~Colchicum~ -- kann nach Pulsatilla gegeben werden.
-
- ~Arsenicum.~ -- Wenn der Patient sehr schwach wird und sich häufig
- erbricht.
-
- ~Petroleum~ -- kann in Fällen von sehr großer Schwäche gegeben
- werden. Gegen Verstopfung während einer Reise gebe man ~Opium~, ~Nux
- Vomica~, ~Cocculus~, ~Lachesis~, ~Sulphur~. Wenn gleichzeitig bei
- Verstopfung ein Verlangen nach Säuren vorhanden ist, gebe man ~Sepia~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Ebenso wie bei Uebelkeit und Erbrechen.
-
-
-Magenneuralgie, Magenkrampf (+Gastralgia+).
-
-Diese Krankheit wird von einem heftigen Schmerz begleitet, ähnlich
-dem des Sodbrennens, aber er ist stärker und gewöhnlich von kürzerer
-Dauer. Der Schmerz tritt ganz unregelmäßig auf, zuweilen verläßt er den
-Kranken für eine Zeit ganz und in einigen Fällen wird er durch Druck
-gelindert, was aber eben nicht immer der Fall ist. Gleichzeitig kann
-Schwierigkeit des Athmens, Unruhe und Herzklopfen vorhanden sein. Heiße
-und reizende Getränke lindern in der Regel den Schmerz. Schmerzen und
-Krämpfe werden in der Magengrube gefühlt, zuweilen leicht, dann wieder
-von großer Heftigkeit und erstrecken sich bis zur Brust und zum Rücken.
-Gewöhnlich findet ein Aufstoßen von einer großen Menge Luft statt, was
-dem Kranken für eine kurze Zeit Erleichterung verschafft.
-
-+Ursachen.+ -- Können aus Krankheiten des Rückgrats oder irgend einer
-Störung der Nerven des Magens entspringen, ebenso aus einer Krankheit
-der Milz, der Leber oder anderer Organe, durch das übermäßige Trinken
-starker Spirituosen, Kaffee und Thee, durch unverdauliche Speisen,
-Angst und heftige Bewegungen. Das weibliche Geschlecht ist dieser
-Krankheit besonders ausgesetzt und wird gewöhnlich bei Störung der
-monatlichen Reinigung gefunden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Die Eingeweide sollten vermittelst
- einer milden Einspritzung, wie warmes Wasser geleert und warme
- Bähungen von Hopfen, Wasserdost (~Boneset~), Rainfarn (~Tansy~)
- und andere Kräuter auf die Gegend des Magens gebracht werden, dem
- man einen Senfumschlag folgen läßt. In Zwischenräumen gebe man die
- zusammengesetzte Brechwurz- (~Ipecac~) und Opium-Tinktur so oft
- als nothwendig, oder in einigen Fällen zusammengesetzte Tinktur
- der Lobelia und des spanischen Pfeffers (~Capsicum~). Einreiben
- der Gegend über dem Magen mit einer Salbe, zusammengesetzt aus
- gleichen Theilen Laudanum, Kampher- (~Camphor~) Tinktur, Pfeffermünz-
- (~Peppermint~) Essenz und Amberöl wird zuträglich gefunden werden.
-
- =Homöopathisch.= Bei Magenkrampf in Folge zu vielen Kaffeetrinkens
- gebe man ~Nux Vomica~, ~Ignatia~, ~Cocculus~, ~Chamomilla~.
-
- In Folge unmäßigen Genusses von Spirituosen: ~Nux Vomica~,
- ~Arsenicum~, ~Sulphur~, ~Lachesis~.
-
- Wenn Unverdaulichkeit die Ursache: ~Pulsatilla~, ~Antimonium~,
- ~Crudum~, ~Bryonia~, ~China~, ~Nux Vomica~.
-
- In Folge von geistiger Erregung, wie Zorn, Freude &c.: ~Chamomilla~,
- ~Colocynthis~, ~Nux Vomica~.
-
- In Folge Säfte-Verlustes, wie durch Stillen, Schweiß, Blutungen &c.:
- ~China~, ~Acidum Phosphoricum~, ~Cocculus~, ~Nux Vomica~.
-
- In Folge von Rheumatismus oder Gicht: ~Ipecacuanha~, ~Bryonia~, ~Nux
- Vomica~, ~Belladonna~, ~Calcarea~, ~Sulphur~, ~Rhus~.
-
- Sind die monatlichen Reinigungen zu spärlich: ~Pulsatilla~,
- ~Cocculus~. Sind sie zu stark: ~China~, ~Belladonna~, ~Calcarea
- Carbonica~, ~Platina~.
-
-
- Einzelnheiten der Symptome.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Das wichtigste Mittel gegen Magenkrampf bei
- folgenden Symptomen: Zusammenziehender, drückender und krampfartiger
- Schmerz mit einem Gefühl von Ziehen oder Kneipen im Magen, bei
- Beklemmung der Brust, gleichsam als wenn dieselbe mit einem Bande
- zusammengeschnürt wäre. Der Schmerz erstreckt sich bis zum Rücken und
- den Lenden. Erbrechen einer flüssigen oder sauren Masse während des
- Schmerzes, schlimmer nach einer Mahlzeit oder nach Genuß von Kaffee
- und starken Spirituosen. Wird durch ~Nux Vomica~ keine Linderung
- hervorgerufen, so gebe man ~Chamomilla~ oder ~Cocculus~ abwechselnd
- damit alle halbe Stunde.
-
- ~Chamomilla.~ -- Druck im Magen, wie von einem Steine herrührend,
- Kurzathmigkeit, Brustbeklemmung, Schmerzen, schlimmer des Nachts,
- bei großer Angst, Herumwerfen, zuweilen Linderung nach Trinken,
- der Kranke ist empfindlich und reizbar. Dies kann abwechselnd mit
- ~Coffea~ gegeben werden, wenn es allein gegeben keine Linderung
- verschafft.
-
- ~Cocculus.~ -- Besonders wenn ~Nux Vomica~ oder ~Chamomilla~ nur
- vorübergehend Linderung gewährt; wenn die Krämpfe durch Aufstoßen
- vermindert werden.
-
- ~Belladonna~ -- kann gegeben werden, wenn ~Chamomilla~ angezeigt
- erscheint und dennoch keine Linderung gewährt, oder wenn der
- Magenkrampf gerade während übermäßig starker Reinigung eintritt.
- Dasselbe mag abwechselnd mit ~Coffea~ gegeben werden, wenn die Kranke
- unruhig ist und keinen Schlaf finden kann.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Besonders dienlich bei Personen von mildem und
- traurigem Gemüthe, da wo die monatliche Reinigung nur langsam
- vor sich geht; die Schmerzen sind schießend und schlimmer beim
- Gehen, Schmerzen im Magen, durch Fasten oder Ueberladen des Magens
- verursacht, Uebelkeit und Erbrechen der Speisen, nicht viel Durst,
- Schmerzen schlimmer am Abend mit einem Gefühl von Frost.
-
- ~China.~ -- Besonders dienlich nach Säfte-Verlust, wie Blutlassen,
- Diarrhöe &c. Anschwellen des Magens mit einem schmerzhaften Druck und
- einem Rasseln durch Wind verursacht.
-
- ~Ignatia.~ -- Paßt besonders nach ~Pulsatilla~, wenn drückende
- Schmerzen, wie von einem Stein herrührend, nach der Mahlzeit oder
- des Nachts vorhanden sind; Brennen und Ziehen in der Magengrube,
- empfindlich gegen Berührung, Abneigung gegen Speise und Trank,
- ebenso Verdauungs-Beschwerden, Furcht u.s.w.
-
- ~Carbo Vegetabilis.~ -- Mag gegeben werden, wenn Krämpfe durch
- verdorbene Nahrungsmittel verursacht werden, auch bei Anfällen,
- welche bei feuchtem, nassem Wetter eintreten, besonders wenn ein
- schmerzhafter, brennender Druck, schlimmer bei Berührung, zur
- Nachtzeit vorhanden ist. Krampfhafte Zusammenziehung, der Kranke
- krümmt sich vor Schmerz, Zittern, schlimmer beim Niederlegen,
- Sodbrennen. Schon der Gedanke an Speise erregt Uebelkeit.
-
- ~Lachesis.~ -- Drückender Schmerz, besser bald nach einer
- Mahlzeit, kehrt aber in kurzer Zeit zurück bei Verstopfung und
- Verdauungsschwäche.
-
- ~Arsenicum.~ -- Passend bei Krampf, wenn die Schmerzen
- außerordentlich stark sind, Schmerz brennend, als ob von heißen
- Kohlen herrührend, kneipend oder schneidend. Aeußerliche Kalte,
- heftiger Durst, der aber ohne den Schmerz zu erhöhen, nur mit einer
- kleinen Menge einer Flüssigkeit gestillt werden kann, Magen erweitert
- und ausgespannt, die Schmerzen erstrecken sich bis auf den Rücken
- oder bis in den Unterleib, Empfindlichkeit gegen Druck, Erbrechen
- einer dicken, gelblichgrünen Masse.
-
- ~Sulphur.~ -- Drückende Schmerzen, wie von einem Steine herrührend,
- in der Regel nach einer Mahlzeit Uebelkeit, Erbrechen, saures
- Aufstoßen von Speisen.
-
- ~Bryonia.~ -- Druck in der Gegend des Magens beim Essen oder nach
- einer Mahlzeit mit einem Gefühl von Anschwellen in der Magengrube,
- Zusammenlaufen von Wasser im Munde, Kopfschmerz, Schwindel,
- Verstopfung. Kann, wenn der Druck im Magen sehr stark und das Athmen
- schwierig ist, besonders nach dem Genuß von kalten Getränken,
- abwechselnd mit ~Rhus~ gegeben werden.
-
- ~Staphysagria.~ -- Besonders passend gegen Magenkrämpfe, die durch
- Aerger oder andere geistige Erregungen verursacht werden.
-
- ~Calcarea Carbonica.~ -- Passend bei Personen mit vollem rothem
- Gesicht oder bei Frauenzimmern, welche ihre monatliche Reinigung
- zu stark haben, besonders nachdem Belladonna theilweise Linderung
- gewährt.
-
- ~Colocynthis.~ -- Der Krampf beginnt zwei oder drei Stunden oder
- mehr nach einer Mahlzeit, besonders wenn eine große Menge von süßem
- Fleisch gegessen worden ist.
-
- =Allöopathisch.= Folgende Einspritzung kann zuweilen mit gutem
- Erfolge angewendet werden:
-
- Castoröl 2 Unzen.
- Stachlige Eschenrinde-Tinktur (~Tincture of prickly
- ash bark~) ½ Unze.
- Zusammengesetzte virginische Schlangenwurzeltinktur
- (~Compound tincture of Virginia snake root~) 2 Drachmen.
- Aufguß von Wasserdost (~Boneset~) und Sennesblättern
- (~Senna~) zu gleichen Theilen ½ Pint.
-
- Mische es und gebe es als eine Einspritzung.
-
- Ein gutes Heilmittel ist Cajeputöl (~Cajeput~) in Dosen von 4 Tropfen
- auf ein Stück Zucker, ebenso Kampher-Spiritus, Ingwer- (~Ginger~)
- Essenz und zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Compound tincture of
- cardamons~).
-
- Folgendes wird sehr zuträglich gefunden werden:
-
- Süße Rhabarber-Tinktur (~Sweet tincture of rhubarb~) 4 Unzen.
- Doppeltkohlensaures Soda (~Bi-carbonate of soda~) 2 Drachmen.
-
- Mische es. Dosis: Zwei Theelöffel bis einen Eßlöffel voll so oft
- als erforderlich. In einigen Fällen wird es von Erfolg sein, wenn
- einige Tropfen Cayennepfeffer- (~Cayenne~) Tinktur zu dieser Mischung
- hinzugefügt werden. Zuweilen verschafft auch ein Senfpflaster über
- den Magen Linderung.
-
-
-Magenweh oder Magenkolik (~Griping Colic, Enteralgia~).
-
-Der Ausdruck Kolik wird für einen heftigen Schmerz in den Eingeweiden
-gebraucht. Ein ganz eigenthümliches schlingendes oder spannendes
-Gefühl hinter dem Nabel ist vorhanden, begleitet von Verstopfung der
-Eingeweide, zuweilen Uebelkeit und Erbrechen, der Schmerz läßt beim
-Druck nach, mit Zwischenräumen von Erleichterung, der Bauch ist hart,
-in Stücke oder Knoten zusammengezogen und von Wind aufgetrieben. Sie
-kann von einer Entzündung der Eingeweide dadurch unterschieden werden,
-daß der Druck Linderung verschafft, daß kein Fieber dabei vorhanden ist
-und der Schmerz von Zeit zu Zeit verschwindet. Drei Gattungen von Kolik
-werden in der Regel unterschieden, nämlich gewöhnliche oder Windkolik,
-Gallenkolik und Malers Kolik.
-
-Die Symptome der Windkolik bestehen in häufigem Aufstoßen von Wind
-ohne Linderung, einem heftigen Schmerz mit einem Gefühl von ineinander
-Schlingen oder Kneipen in der Gegend des Nabels, der Schmerz nimmt beim
-Druck nicht zu, verschwindet von Zeit zu Zeit und kehrt ebenso wieder,
-Gefühl von Vollsein mit Verstopfung, Kollern, Uebelkeit, kaltes Gefühl
-des Magens.
-
-+Ursachen.+ Unverdauliche Nahrung, Wind, übermäßige Ausdehnung des
-Magens durch Nahrungsmittel, welche Gase erzeugen, Verstopfung, das
-sich Aussetzen der Kälte &c.
-
-Gallenkolik wird zuweilen mit Windkolik verwechselt, aber ist eine
-heftigere und beunruhigendere Krankheit. Der Kranke klagt in der Regel
-vor einem Anfall über Störungen im Magen und Eingeweiden, Verstopfung,
-Appetitlosigkeit, belegte Zunge, bitterer Geschmack im Munde, Uebelkeit
-und Erbrechen, so wie die Krankheit fortschreitet, ein schneidender
-und schraubender Schmerz tritt ein, zuweilen beginnt er in der Gegend
-des Magens und dehnt sich bis zum Rücken aus, oder in anderen Fällen
-erfaßt er die Eingeweide und schlingt sie in der Nabelgegend in
-einander, gerade wie bei der Windkolik. Der Schmerz wird anfänglich
-durch Druck gelindert, später werden die Eingeweide gegen denselben
-empfindlich, die Endglieder kalt, die Haut und das Weiße im Auge nehmen
-eine gelbliche Farbe an, Unruhe ist vorhanden.
-
-+Ursachen.+ Gallenkolik kann durch ein Nervenleiden des Magens, durch
-Erkältung, das Fallen des Rheumatismus oder Nervenschmerz (~Neuralgia~)
-auf den Magen oder die Eingeweide, Verstopfung &c. hervorgerufen werden.
-
-Maler’s oder Bleikolik ist eine Krankheit, die durch Blei verursacht
-und unter jenen, die mit Blei zu thun haben, wie Maler, Bleiarbeiter,
-Bergleuten, Schriftgießer &c. gefunden wird. Die Kolik kommt allmählig
-an, eine Verstimmung und Kleinmuth, ziehende Schmerzen in den
-Eingeweiden und Endgliedern, Schwere in den Gliedern, Störung im Magen
-und den Eingeweiden, Frösteln, Niedergeschlagenheit, unbehagliches
-Gefühl in der Magengrube; dieses Gefühl steigert sich bis zur Marter,
-erstreckt sich auf die Eingeweide, ist außerordentlich heftig,
-Uebelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Kopfschmerz, großer Durst, Schmerz
-in den Gelenken und Knöcheln, der Schmerz wird nicht durch Druck
-erhöht, die Muskeln des Unterleibes sind gegen Berührung empfindlich,
-zuweilen so sehr, daß der Kranke das Gewicht der Bettdecke nicht zu
-ertragen vermag; hin und wieder treten Schlaganfälle, besonders der
-Muskeln des Vorderarms, ein.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= Der Patient sollte in ein warmes Bad gebracht, in
- ein Faß gesetzt und so mit einer Decke umhüllt werden, daß der heiße
- Dampf nicht verfliegt. Nach Verlauf von ungefähr 10 Minuten sollte
- er, ohne abgetrocknet zu sein, in die Decken gehüllt werden, gut
- zugedeckt und noch mit Ziegelsteinen oder Flaschen mit heißem Wasser,
- besonders in der Gegend, wo der Schmerz am heftigsten ist, erwärmt
- werden. Sobald der Schweiß eintritt, wird der Kranke Linderung
- verspüren. Die Medizinen sind bei Beginn des Anfalles zu geben. Die
- verschiedenen Formen von Kolik und den dagegen erforderlichen Mitteln
- folgen hier:
-
- Gallenkolik: ~Nux Vomica~, ~Colocynth~, ~Chamomilla~, ~Bryonia~.
-
- Gewöhnliche oder Windkolik: ~Pulsatilla~, ~China~, ~Cocculus~, ~Nux
- Vomica~, ~Colocynth~, ~Sulphur~, ~Carbo Vegetabilis~.
-
- Malers- oder Bleikolik: ~Opium~, ~Platina~, ~Belladonna~.
-
- Kolik in Folge von Würmern: ~Mercurius~, ~Cina~, ~Sulphur~.
-
- Kolik in Folge von Unverdaulichkeit: ~Pulsatilla~, ~China~,
- ~Bryonia~, ~Belladonna~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Nux Vomica~.
-
- Kolik nach Frost: ~Aconitum~, ~Colocynth~, ~Mercurius~, ~Nux Vomica~,
- ~Chamomilla~.
-
- Kolik bei hartnäckiger Verstopfung: ~Nux Vomica~, ~Opium~.
-
- Kolik in Folge von Baden: ~Nux Vomica~.
-
- Kolik in Folge von kaltem, feuchtem Wetter: ~Pulsatilla~, ~Rhus~,
- ~Bryonia~.
-
- Kolik bei kleinen Kindern: ~Chamomilla~, ~Rheum~, ~Coffea~,
- ~Belladonna~ und ~Aconitum~.
-
- Kolik bei schwangeren Frauen: ~Nux Vomica~, ~Bryonia~, ~Pulsatilla~,
- ~Sepia~, ~Chamomilla~.
-
- Kolik bei hysterischen Frauen: ~Ignatia~, ~Nux Vomica~, ~Cocculus~.
-
-
- Einzelheiten der Symptome.
-
- ~Colocynth.~ -- Dies ist das Hauptmittel gegen alle Arten von
- Kolik. Die Schmerzen sind schneidend und kneipend, oder als ob die
- Eingeweide mit Messern geschnitten würden. Krämpfe in den Gliedern,
- Frostschauer, Unterleib geschwollen, sehr leer und empfindlich, wie
- in Folge einer Quetschung. ~Mercurius~, ~Chamomilla~ und ~Belladonna~
- können hierauf gegeben werden.
-
- ~Nux vomica.~ -- Verstopfung bei einem Druck im Unterleib, der
- Schmerz ist kneipend und ziehend, Druck in der Magengrube,
- Anschwellen und Empfindlichkeit des Unterleibes gegen Berührung,
- kalte Hände und Füße.
-
- ~Belladonna.~ -- Schmerz als ob die Eingeweide mit den Fingernägeln
- gezwickt würden, gelindert durch einen Druck auf die Eingeweide, oder
- auf Krümmung ein Gefühl von Schwere im untern Theile, als ob etwas
- herausfallen wolle, Kopf und Gesicht heiß und roth, starke Schmerzen
- im Kopfe, welche durch Bewegung verschlimmert werden, Hals trocken.
- Man lasse diesem ~Mercurius~ oder ~Hyosciamus~ folgen.
-
- ~China.~ -- Außergewöhnliches Anschwellen des Unterleibes bei
- Vollsein und Druck, wie von harten Körpern herrührend, Schmerz mit
- Verstopfung, schlimmer des Nachts.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Schießende, beißende Schmerzen in der Magengrube,
- ein Gefühl von Schwere und Vollsein im Unterleib mit Empfindlichkeit
- und Schmerz, wie von einer Quetschung, Kolik in Folge von
- Unverdaulichkeit, schlimmer beim Sitzen oder Liegen, oder am Abend,
- bei Schauer; der Kranke fühlt sich wohler im Freien, hat Diarrhöe und
- blasse Gesichtsfarbe. Man lasse ~China~, ~Mercurius~, ~Lycopodium~
- folgen.
-
- ~Cocculus.~ -- Besonders dienlich bei allgemeiner oder blähender
- Kolik und bei Kolik des weiblichen Geschlechts vor und zur Zeit
- der monatlichen Reinigung, die Schmerzen sind krampfartig und
- zusammenziehend, bei Uebelkeit, Schwierigkeit des Athmens, vollem,
- ausgespanntem Magen, oder einem Gefühle von Leere des Unterleibes,
- drückender und reißender Schmerz im Magen.
-
- ~Coffea.~ -- Großer Schmerz, bei Zusammenschlagen der Zähne, Kälte
- der Glieder.
-
- ~Ignatia.~ -- Kolik des Nachts, schießende Schmerzen in der Seite und
- Brust, durch Windentleerungen gelindert, passend bei nervösen und
- zarten Frauen.
-
- ~Bryonia.~ -- Vollsein und Druck im Unterleib nach dem Essen,
- schneidende Schmerzen in den Eingeweiden, besonders nach dem Trinken
- warmer Milch, Kolik mit Diarrhöe, nach Erkältung oder in der
- Sonnenhitze.
-
- ~Chamomilla.~ -- Rasender Schmerz bei großer Unruhe, bitteres
- Erbrechen, Vollsein in der Magengrube, eine Wange roth, die andere
- blaß, die Kolik stellt sich in der Regel des Nachts oder nach einer
- Mahlzeit ein.
-
- ~Rhus.~ -- Druck in der Magengrube, Schmerz im Unterleib des Nachts,
- Diarrhöe einer schleimigen, wässerigen Masse.
-
- ~Carbo vegetabilis.~ -- Anschwellen und Vollsein des Unterleibes,
- Aufstoßen von Wind, Kolik nach Fahren in einem Wagen, sowie ein
- Rasseln in den Eingeweiden, Windentleerung mit einem fauligen Geruch.
-
- ~Arsenicum.~ -- Großer Schmerz mit unbehaglich brennendem Gefühle,
- Empfindung von Kälte im Unterleib, Schmerzen schlimmer des Nachts,
- sowie auch nach Essen oder Trinken, Erbrechen einer galligen,
- wässerigen Masse, Diarrhöe mit Durst, Frostschauer und große Schwäche.
-
- ~Veratrum.~ -- Schmerz, als wenn mit Messern im Unterleib geschnitten
- würde, Brennen daselbst, Rasseln von Wind. Kann bei strengen Fällen
- abwechselnd mit ~Arsenicum~ gegeben werden.
-
- ~Opium.~ -- Unterleib hart und geschwollen, Verstopfung mit Erbrechen
- einer Masse aus den Eingeweiden.
-
- ~Lachesis.~ -- Bei krampfartiger Kolik, besonders wenn ~Colocynthis~,
- ~Belladonna~, ~Nux Vomica~ und ~Chamomilla~ ohne Erfolg gegeben
- worden sind.
-
- ~Lycopodium.~ -- Anschwellen und Vollsein des Magens mit Schmerz,
- Rasseln von Wind. Kann ~Pulsatilla~ oder ~Lachesis~ folgen.
-
- ~Platina.~ -- Wenn Kolik die Folge von Furcht oder Zorn, oder
- wenn durch Blei verursacht; der Kranke zu sterben befürchtet,
- zusammenziehende Schmerzen im Unterleib, Druck im Magen nach dem
- Essen, die Kolik verschwindet, wenn Niedergeschlagenheit eintritt,
- oder die Niedergeschlagenheit hört auf, sobald die Kolik beginnt.
-
- ~Aconitum.~ -- Große Empfindlichkeit des Unterleibes, Unruhe, die
- Eingeweide scheinen sich zurückzuschieben, Verlangen, den Urin
- abzulassen, aber ohne Erfolg.
-
- ~Arnica.~ -- Ein quetschender Schmerz in den Seiten des Unterleibes,
- Vollsein des Magens, als wenn man zu viel gegessen hätte, Stiche in
- der Magengrube, Brustbeklemmung, schlimmer nach Essen und Trinken,
- oder bei Berührung. Anschwellen und Härte des Unterleibes.
-
- ~Cina.~ -- Kolik in Folge von Würmern, der Schmerz besonders um den
- Nabel herum.
-
- ~Mercurius.~ -- Schießende, heftige Schmerzen in der Magengrube, bei
- Uebelkeit, häufigem Verlangen nach Stuhl, bei großer Menge Speichel
- im Munde, Unterleib empfindlich gegen Berührung, Schauern mit Hitze,
- besonders im Gesicht, Schmerz schlimmer des Nachts.
-
- ~Rheum.~ -- Gegen Kolik, besonders bei Kindern, wenn von Diarrhöe mit
- saurem Geruche begleitet, oder bei Erwachsenen, wenn die Schmerzen
- schneidend sind und der Kranke sich in Folge dessen krümmen muß,
- Schmerz schlimmer beim Aufstehen.
-
- ~Sepia.~ -- Kolik bei schwangeren Frauen, schneidende Schmerzen
- nach Bewegung, Brennen und Stechen im Unterleib, welcher hart und
- geschlossen ist, Gefühl von Schwere im Unterleib mit Druck.
-
- ~Calcarea carbonica.~ -- Kneipende oder schneidende Schmerzen
- im Unterleib, unbehagliches Rasseln in den Eingeweiden mit
- Windverstopfung, Säure im Magen, Erbrechen der Speisen, Diarrhöe von
- einer hellen Farbe.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels
- in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle 10, 15, 20 oder 30
- Minuten, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.
- Jedes Mittel sollte drei- bis viermal wiederholt werden, ehe zu
- einem anderen gegriffen wird. Die Zwischenräume werden nach und nach
- verlängert, je nachdem der Kranke sich bessert.
-
- Personen, welche Neigung zur Kolik haben, sollten bezüglich der
- Kost sehr sorgfältig sein, alle grünen Gemüse, säuerlichen Getränke
- u.s.w. müssen vermieden werden. Während eines Anfalles sollte man
- nur die leichtesten Nahrungsmittel, wie Zwieback- (~toast~) Wasser,
- Haferschleim u.s.w. zu sich nehmen. Die Füße sind warm und trocken zu
- halten.
-
- =Allöopathisch.= Bei gewöhnlicher oder Windkolik sollte zuerst
- ein Brechmittel gegeben werden, ein Eßlöffel voll Senf oder ein
- Theelöffel voll Salz in einem Theebecher voll Wasser, was, wenn
- nöthig, alle 10 Minuten wiederholt wird. Gewährt dies keine
- Linderung, so lasse eine Dosis Salz, oder Salz und Sennesblätter
- (~Senna~), oder Magnesia folgen. Bei irgend einer krankhaften
- Reizbarkeit des Magens hilft zuweilen ein wenig Pfeffermünz-
- (~Peppermint~) Essenz oder grüne Münze (~Spearmint~) in heißem Wasser
- oder Branntwein, oder Branntwein, Wachholderbranntwein (~gin~), auch
- Whisky in heißem Wasser. Sind die Eingeweide hartnäckig verstopft und
- tritt keine Linderung ein, so sollte eine Einspritzung von Castoröl,
- Salz und Molasses, oder Seife und warmem Wasser gegeben werden.
- Senfpflaster in der Gegend aufgelegt, wo sich der Schmerz befindet,
- ist zuweilen von Erfolg.
-
- Bei hartnäckigen Fällen kann das folgende angewendet werden:
-
- Chloroform 1 Unze.
- Kampher- (~Camphor~)Wasser 1 „
- Pfeffermünz- (~Peppermint~) Wasser 1 „
- Gummi Arabicum Schleim 1 „
-
- Mische es. Dosis: einen Theelöffel bis einen Eßlöffel voll. Diese
- Medizin sollte vorsichtig gegeben werden.
-
- Bei Gallenkolik ist nachstehende Einspritzung sogleich zu verordnen:
-
- ~Eupatorium perfoliatum~ (~Thoroughwort~) 1 Unze.
- Sennesblätter (~Senna~) 1 „
- Lobelia ½ Drachme.
- Cayennepfeffer (~Cayenne~) 10 Grane.
- Bittersalz (~Epsom salts~) 1 Theelöffel
- voll.
- Molasses ½ Pint.
- Kochendes Wasser 1 „
-
- Mache eine starke Abkochung aus den Kräutern, dann füge das Salz und
- den Molasses hinzu. Gebe es mit einer Einspritzung.
-
- Oder auch:
-
- Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~) 1 Unze.
- Terpentinspiritus (~Spirits of turpentine~) 1 „
- Castoröl 1 „
- Molasses ½ Pint.
- Warmes Wasser ½ „
-
- Mische und gebrauche es als eine Einspritzung.
-
- Wenn es der Magen verträgt, können die Eingeweide mit etwas Castoröl
- geöffnet werden. Ein Eßlöffel voll Oel sollte mit zwei Eßlöffel
- voll Rhabarbersyrup (~Syrup of rhubarb~) gehörig gemischt werden.
- Der Kranke sollte ferner ein warmes Wasserbad nehmen und ein warmes
- Senfpflaster über den ganzen Bauch legen.
-
- Eine Abkochung von Wilder Brodwurzel (~Yam root~) nach Belieben
- getrunken, wird sehr empfohlen. Ein Tropfen Crotonöl auf ein
- Stückchen Brod öffnet zuweilen die Eingeweide sogleich.
-
- Ist Kolik der Unthätigkeit der Leber zuzuschreiben, gebe man
- folgendes:
-
- Kalomel 6 Grane.
- Opium 6 „
-
- Mische es und mache 12 Pillen daraus und nimm eine alle 2, 3 oder 4
- Stunden. Personen, welche Anlage zu dieser Krankheit haben, sollten
- folgende Pillen nehmen:
-
- Hohe Preiselbeerrinde-Extrakt (~Extract of high
- cranberry bark~) 1 Skrupel.
- Cypripedin 1 „
- Aletridin 1 „
- Pulverisirter Cayennepfeffer 1 „
-
- Mische es und mache 20 Pillen daraus. Dosis: eine Pille eine Stunde
- nach jeder Mahlzeit. Diese Pillen sollten mehrere Monate genommen
- werden.
-
- Folgendes wird von Dr. Henry Hartshorn von Philadelphia als ein
- ausgezeichnetes Mittel gegen Kolikanfälle und krampfhaftes Kopfweh
- empfohlen:
-
- ~Blue Mass~ 5 Grane.
- Pulverisirte Rhabarber- (~Rhubarb~) Wurzel ½ Drachme.
- Enzian- (~Gentian~) Extrakt ½ „
- Gewürznelkenöl (~Oil of caryophylli~) 4 Tropfen.
-
- Mische es und mache 20 Pillen daraus. Bei dem ersten Zeichen eines
- Anfalles gebe eine Pille, und wenn erforderlich, dreimal des Tages
- eine durch mehrere Tage hindurch.
-
- Bei Malers- oder Bleikolik ist die Behandlung beinahe ganz dieselbe
- wie bei der Gallenkolik.
-
- Alaun ist ein wichtiges Mittel bei dieser Krankheit. Es wird wie
- folgt verwendet:
-
- Alaun (~Alum~) 15 Grane.
- Aloe (~Aloes~) 2 „
- Jalappenwurzel (~Jalap~) 2 „
- Doverische Pulver (~Dovers powder~) 4 „
-
- Mische und nimm es als eine Dosis zwei- oder dreimal des Tages.
-
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) wird in einigen
- Fällen mit Erfolg angewendet, besonders wenn die Kolik ganz plötzlich
- eintritt.
-
- Aromatische Schwefelsäure (~Aromatic sulphuric acid~), als ein Trank
- in Dosen von 15 Tropfen in einem Bierglas voll Wasser gebraucht, wird
- empfohlen.
-
- Dr. Eberle empfiehlt Alaun (~Alum~) und Opium in Dosen von 20 Granen
- Alaun auf 1 Gran Opium alle 3 Stunden.
-
- Essig mit Wasser verdünnt und als Trank genommen soll in einigen
- Fällen Linderung verschaffen.
-
- Gegen Schlag oder Gliederlähmung in Folge von Blei wird
- Potaschen-Jodid wie folgt gegeben, empfohlen:
-
- Flüssiger Sarsaparillen-Extrakt (~Fluid extract of
- sarsaparilla~) 4 Unzen.
- Flüssiger Pipsissewa-Extrakt 1 Unze.
- Wasser 1 Quart.
- Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~) 2 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.
-
- Schwefelgetränkte Potasche (~Sulphurate of potassa~) im Verhältniß
- von einer Unze auf ein Quart Wasser und in Dosen von einem Theelöffel
- voll dreimal des Tages genommen, wird auch empfohlen.
-
- Um einen Anfall von Bleikolik oder Gliederlähmung zu verhindern,
- sollten Personen, welche mit Blei zu thun haben, ihr Haar mit einem
- sehr feinen Kamm kämmen und die Hände, sowie den ganzen Körper,
- öfters waschen; auch beim Verlassen der Arbeit die Kleider wechseln.
- Sorgfältig sollte beobachtet werden, daß man mit den von Blei
- beschmutzten Händen dem Munde nicht zu nahe kommt. Ebenso sollte
- auch das Waschen des Körpers mit Saleratuswasser einmal des Tages
- angewendet werden. Die Speisen der Arbeiter sollten nicht mit in die
- Arbeitsstätten genommen werden, wo sie den Gasen und dem Bleistaub
- ausgesetzt sind.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Gegen Windkolik bade Hände und Füße
- in warmem Wasser, oder lege Senfpflaster, oder auch Umschläge mit
- heißem Salz über den Magen und die Eingeweide. Die Eingeweide
- öffne man mit einer Dosis Castoröl, Pfeffermünz- (~Peppermint~)
- oder Ingwer- (~Ginger~) Thee sollten daneben öfters getrunken
- werden. Bei starkem Schmerz gebe man 30 bis 60 Tropfen Paregoricum
- (~Paregoric~) in heißem Wasser, oder 25 bis 30 Tropfen Laudanum.
- Bei strengen Fällen kann eine Mischung, zu gleichen Theilen, von
- Laudanum, Kampher-Tinktur und Pfeffermünz-Essenz in Theelöffeldosen
- gegeben werden. Oeffnet Castoröl die Eingeweide nicht, so sollte eine
- Einspritzung von warmem Wasser, dem ein Theelöffel voll Salz und
- ebenso viel Fett beigefügt ist, gemacht werden.
-
- Das Thompson’sche Mittel, genannt Nr. 6, das in jeder Apotheke
- zu haben ist, wird sehr dienlich sein. Ein Theelöffel voll
- Terpentin-Spiritus (~Spirits of turpentine~) mit einem Theelöffel
- voll Castoröl wird zuweilen sofortige Linderung verschaffen.
-
- Gegen Gallenkolik sollte folgende Einspritzung gebraucht werden:
-
- Wasserdost (~Boneset~) 2 Unzen.
- Sennesblätter (~Senna~) 1 Unze.
- Wasser 1 Pint.
-
- Mische und koche es gehörig. Zu einem Pint dieser Abkochung füge
- einen halben Eßlöffel voll Salz, ein halbes Pint Molasses und einen
- Eßlöffel voll zusammengesetzte Lobelia- und Spanische Pfeffer-
- (~Capsicum~) Tinktur hinzu. Gib das Ganze warm als eine Einspritzung
- und wiederhole es alle 10 bis 15 Minuten, bis die Eingeweide geöffnet
- sind.
-
- Bähungen von Hopfen, Stechapfelblätter (~Stramonium~), oder Hopfen
- und Lobelia, oder Wermuth (~Warmwood~), Wasserdost (~Boneset~) können
- warm über den ganzen Magen und die Eingeweide angewendet werden.
-
- So lange der Magen Medizinen annimmt, gebe folgendes:
-
- Bittersalz (~Epsom salts~) 8 Unzen.
- Salzsäure (~Muriatic acid~) 2 Drachmen.
- Kochendes Wasser 1 Pint.
-
- Nachdem es abgekühlt ist, füge eine Unze Pfeffermünz- oder
- Anis-Essenz hinzu.
-
- Mische es. Dosis: Alle halbe Stunden einen Eßlöffel voll, bis es
- wirkt.
-
- Eine starke Abkochung, zu gleichen Theilen, von Schildkraut
- (~Scull-cap~) und hoher Preiselbeerrinde (~High cranberry
- bark~), dem ein Eßlöffel der zusammengesetzten virginischen
- Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of Virginia snake root~)
- beigefügt ist, wird mit gutem Erfolg gegeben werden.
-
- Ein ausgezeichnetes Mittel gegen Gallenkolik besteht in gestoßenen
- Wallnüssen, denen so viel Whiskey oder verdünnter Alcohol als
- nothwendig ist um dieselben zu bedecken, hinzugefügt wird; man lasse
- die Mischung eins bis zwei Wochen lang stehen. Dosis: Alle halbe
- Stunde einen Eßlöffel voll, bis Linderung eintritt.
-
- Folgende Pillen werden zuweilen einen Anfall verhindern oder auch
- eine Anlage zu dieser Krankheit für immer entfernen:
-
- Hoher Preiselbeerrinden-Extrakt (~Extract of high
- cranberry bark~) 1 Unze.
- Aletridin 1 „
- Dioscorein 1 „
- Spanischer Pfeffer (Capsicum) 1 „
-
- Mische es gehörig und mache Pillen, eine jede zu vier Granen, daraus.
- Dosis: Jeden Tag ungefähr eine Stunde nach dem Essen eine.
-
- Gegen Bleikolik wird folgendes sehr empfohlen:
-
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) ½ Pfund.
- Pulverisirter Alaun (~Powdered alum~) 1 Unze.
- Schwefelsäure 1½ Drachmen.
- Kochendes Wasser 1½ Pint.
-
- Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll in einem Weinglas Wasser;
- wiederhole es alle Stunden, bis es auf die Eingeweide wirkt. Säure in
- Folge schadhafter Zähne möge vermittelst eines Federkiels oder einer
- Glasröhre aufgesaugt werden. Nachdem die Eingeweide geöffnet sind,
- sollte die Medizin Wochen oder Monate lang fortgebraucht werden und
- zwar in hinreichenden Dosen, um innerhalb 24 Stunden je zwei Stühle
- hervorzurufen. Die Schwefelsäure mit Bleioxyd im Organismus vereinigt
- bildet schwefelsaures Blei, welches ein unschädliches Salz ist.
-
- Bilsenkraut-Extrakt in Pillen jede zu 6 Granen alle 2 Stunden
- wiederholt, wird empfohlen.
-
- Krotonöl in Dosen von 3 oder 4 Tropfen in einem Eßlöffel voll
- Castoröl oder Milch alle zwei Stunden wiederholt wird in einigen
- Fällen auf die Eingeweide wirken. Hin und wieder thut ein warmes Bad
- von einer halben Stunde oder länger gut. Die Behandlung ist fast ganz
- dieselbe, wie bei Gallenkolik.
-
- Alaun, gegeben wie folgt, wird empfohlen:
-
- Pulverisirter Alaun (~Powdered alum~) 15 Grane.
- Guajacum 10 „
- Aloe 3 „
-
- Mische es zu einer Dosis und wiederhole es alle 2 oder 3 Stunden.
-
- Folgendes wird Personen, die dem schädlichen Einfluß des Bleis
- ausgesetzt sind, empfohlen:
-
- Vitriol-Elixir ½ Unze.
- Stachliche Eschbeeren-Tinktur (~Tincture
- of prickly ash bark~) 1 „
-
- Dosis: Einen Theelöffel voll in einem Gill Wasser und drei- oder
- viermal des Tages zu wiederholen.
-
-
-Magenentzündung (~Gastritis~)
-
-ist eine Entzündung der Schleimhaut des Magens und kann sowohl acut als
-auch chronisch sein. Die acute Form ist aber eine seltene Krankheit
-und wird in der Regel durch Säure und verdorbene Substanzen in den
-Magen genommen, wie Arsenik, Corrosives Sublimat, Salpetersäure und der
-gewohnheitsmäßige Genuß von Spirituosen erzeugt. Schläge in der Gegend
-des Magens und plötzliche Unterdrückung des Schweißes können auch zur
-Ursache werden.
-
-+Symptome.+ Bei strengen Fällen ist ein brennender Schmerz im Magen mit
-Durst, Unruhe, beständiger Uebelkeit und Erbrechen, großes Verlangen
-nach kalten Getränken, Angst, Hinfälligkeit, durch Druck und Speisen
-in dem Magen wird der Schmerz erhöht, der Durst ist stark und quälend,
-denn Flüssigkeiten, wenn sie nicht in sehr kleinen Quantitäten genommen
-werden, werden sofort wieder erbrochen, zuweilen ist ein starker, sehr
-lästiger Husten vorhanden, die Zunge ist entweder roth an der Spitze
-und den Rändern und weißlich in der Mitte, oder sie ist ganz roth; die
-Eingeweide sind verstopft, wenn sich die Entzündung nicht auf dieselben
-erstreckt, in welchem Falle Diarrhöe vorhanden ist. Nimmt die Krankheit
-an Heftigkeit zu, so tritt Schwierigkeit des Athmens und ein Schmerz,
-welcher durch Athmen wächst, ein; großer Verlust der Kräfte, kalter
-klebriger Schleim, Schlucken, die Haut wird blaß und kühl, die Zunge
-glänzt, ist roth und trocken, Erbrechen einer dunklen Masse, Delirium,
-Betäubung oder Verzuckungen und Tod.
-
-Chronische Magenentzündung ist eine ganz gewöhnliche und wird
-häufig irrthümlich für Dyspepsie gehalten. Sie kann aus der acuten
-Form entspringen, aber ist häufiger die Folge von Fieber, wie
-Scharlachfieber, Pocken &c.
-
-Es ist ein Schmerz im Magen, der durch das Vorhandensein von Speisen
-oder durch Druck erhöht wird; der Appetit ist unregelmäßig und
-eigenthümlich, die Nahrung wird unvollkommen verdaut und ein Gas,
-welches außerordentlich widerwärtig ist, strömt aus dem Munde; der
-Appetit wird zuweilen sehr heftig, aber wenn der Kranke etwas zu sich
-nimmt, ist er bald befriedigt oder wird in Folge dessen unwohl. Zu
-andern Zeiten ist der Appetit wieder ganz verloren, die Zunge ist weiß
-in der Mitte und roth an der Spitze und den Seiten, zuweilen ganz und
-gar glänzend und roth, wie Rindfleisch. Dehnt sich die Entzündung auf
-die Eingeweide aus, so tritt Diarrhöe ein; in einigen Fällen ist Husten
-vorhanden, und wird die Krankheit nicht eingehalten, so erscheinen
-alle Symptome der Auszehrung. Wird die Krankheit nicht gut behandelt,
-so tritt eine Eiterung der Magenhülle ein und wird den Tod nach sich
-ziehen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Wenn die Krankheit durch Gifte entsteht, sollten
- zuerst die unter den Gegengiften (~Antidotes~) angegebenen Mittel
- angewendet werden. Nachdem das Gift entfernt oder unschädlich gemacht
- worden ist, sollten Blutegel in der Gegend des Magens gesetzt werden,
- aber es ist hierbei darauf Acht zu geben, daß nicht zuviel Blut
- entzogen wird. Senfpflaster auf die Füße, längs des Rückgrats und
- über der Magengrube, dem man Bähungen von Stechapfel- (~Stramonium~)
- Blättern oder Hopfen folgen läßt, sollten so oft als nothwendig
- wiederholt werden. Brechmittel sind nicht geeignet, dagegen mag die
- folgende Einspritzung gegeben werden:
-
- Leinsamenthee (~Flax seed tea~) ½ Pint.
- Laudanum 40 Tropfen.
-
- Gebrauche es als eine Einspritzung. Oder auch:
-
- Castoröl 2 Unzen.
- Stachlige Eschenrinde-Tinktur (~Tincture of
- prickly ash bark~) ½ Unze.
- Zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel-
- Tinktur (~Compound tincture of Virginia snake
- root~) 2 Drachmen.
- Aufguß von Wasserdost (~Infusion of boneset~) ½ Pint.
- Aufguß von Sennesblättern (~Infusion of senna~) ½ „
-
- Mische und gebe es als eine Einspritzung.
-
- Kaltes Wasser, Eiswasser und Aufguß von schlüpferiger Ulmenrinde kann
- als Trank gebraucht werden. Stückchen von Eis können im Mund gehalten
- oder verschluckt werden. Während der Wiedergenesung sollte der
- Patient eine Ueberladung des Magens sorgfältig vermeiden. Pfeilwurz
- (~Arrow root~), Sago und Milch lasse man zuerst nehmen, dann kann
- Rindsbrühe, Hühnerbrühe, weich gekochte Eier u.s.w. folgen.
-
- Bei chronischer Entzündung des Magens ist es vorteilhaft, Blutegel
- über den Magen anzusetzen. Ist aber ein wenig Empfindlichkeit
- vorhanden, so mögen Senfpflaster aufgelegt oder ein wenig Krotonöl
- in der Gegend des Magens eingerieben werden. Die Kost ist sorgfältig
- zu überwachen, nur die einfachsten und am wenigsten reizenden
- Speisen, und zwar in ganz kleiner Menge, sollte man zu sich nehmen.
- Gummi Arabicumwasser, Reiswasser, Thee, sowie Zwieback ohne Butter,
- Gerstenwasser, Kalkwasser und Milch, Tapioca, Gelee’s, Sago,
- Pfeilwurzschleim (~Arrow root~) oder Crackers in Eiswasser getränkt,
- wird alles sein, was nöthig ist, bis der Kranke wieder besser wird.
-
- Zum innerlichen Gebrauche diene folgendes:
-
- Salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~) 5 Grane.
- Opium 2½ „
-
- Mische es und theile es in 20 Pillen. Dosis: eine Pille dreimal des
- Tages. Folgendes wird sehr empfohlen:
-
- Wismuthweiß (~Sub-nitrate of bismuth~) 1 bis 3 Drachmen. Mache 12
- Pulver daraus. Dosis: ein Pulver in Wasser, drei- oder viermal des
- Tages.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Wurde die Entzündung durch Gifte
- veranlaßt, so sollte das Gegengift angewendet werden, dem man
- Mittel zur Unterdrückung der Entzündung dieses Organs folgen läßt,
- Senfpflaster sollte auf die Füße, längs des Rückgrats und über die
- Magengrube gelegt, und sobald dadurch eine starke Röthe erzeugt
- worden ist, heiße Bähungen von Hopfen- und Stechapfel- (~Stramonium~)
- Blättern an Stelle des ersteren angewendet werden. Dies sollte,
- so oft es nothwendig erscheint, wiederholt werden. Ferner wasche
- man die Oberfläche des Körpers mehrere Male des Tages mit einem
- schwachen Saleratuswasser. Die Eingeweide mögen vermittelst gleicher
- Theile von Castoröl und süßem Oel (~sweet oil~), mit einer Portion
- Magnesia geöffnet werden, und zwar in Dosen von einem Theelöffel voll
- alle Stunden, bis Wirkung eintritt. Ein Aufguß von schlüpferiger
- Ulmenrinde (~Slippery elm bark~) und Eibischwurzel (~Marshmallow
- root~) oder Ulmenrinde (~Elm bark~) und Pfirsichblättern mag als
- Getränk dienen.
-
- Bei der chronischen Form der Krankheit sollte dieselbe Kost, wie
- unter allöopathischer Behandlung angegeben, empfohlen werden.
- Senfpflaster oder andere Gegenreizmittel sollten in die Gegend
- über den Magen gelegt und so lange wiederholt werden, bis die
- Empfindlichkeit gegen den Druck entfernt ist. Folgende Mischung wird
- von Dr. John King empfohlen:
-
- Flüssiger Cubeben-Extrakt (~Fluid extract of cubebs~) 1 Unze.
- Gummi Arabicumschleim (~Mucilage of gum Arabic~) 2 Unzen.
- Citronen- (~Lemon~) Essenz 1 Drachme.
- Hopfenmehl (~Lupulin~) 8 Skrupel.
- Dreifach salpetersaurer Wismuth (~Tris-nitrate of
- Bismuth~) 8 Skrupel.
-
- Mische es. Dosis: einen Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages.
- Die Mischung sollte jedesmal vor Einnehmen gehörig umgeschüttelt
- werden. Gleichzeitig nehme man einen Aufguß aus gleichen Theilen von
- Gelbwurz (~Golden seal~) und Solomon’s Siegel (~Solomon’s seal~),
- bestehend in Dosen von einem Eßlöffel voll alle Stunde oder auch alle
- zwei Stunden. Bei hartnäckiger Verstopfung kann Rhabarber (~Rhubarb~)
- in Dosen von drei bis zehn Granen gegeben werden. Wird der Kranke
- von Winden im Magen belästigt, so können dieselben durch die
- Anwendung von Pfeffermünz- oder Anis-Essenz u.s.w. in kleinen Dosen
- in versüßtem Wasser entfernt werden.
-
- =Homöopathisch.= Das Hauptmittel bei dieser Krankheit ist
- ~Arsenicum~, welches besonders bei Anwesenheit der folgenden Symptome
- zu geben ist: Das Gesicht eingefallen und zusammengezogen, Magen
- heiß und geschwollen, der Kranke liegt auf dem Rücken, Athmen kurz,
- rasend schnell und schwierig, Zunge roth und rein, oder roth an den
- Seiten, mit einem schmutzigen Schleim in der Mitte, Stimme heiser
- und gedämpft, Haut heiß und trocken, brennender oder stechender
- Schmerz im Magen, kneipender und brennender Schmerz im Hals, großes
- Verlangen nach kalten Getränken, hartnäckige Uebelkeit und Erbrechen,
- große Empfindlichkeit bei Druck in der Gegend über dem Magen. Kann
- abwechselnd mit ~Veratrum~ gegeben werden.
-
- ~Aconitum.~ -- Besonders wenn die Schmerzen stark sind und die Hitze
- im Magen groß ist, oder wenn die Krankheit durch kalte Getränke, die
- in einem erhitzten Zustand genommen wurden, verursacht worden ist.
-
- ~Veratrum.~ -- Gesichtsfarbe blaß und eingesunken, Nase gespitzt,
- Lippen trocken und bläulich, Zunge an der Spitze und an den Rändern
- roth, mit einem dunklen, trocknen Schleim in der Mitte, Puls schnell
- und schwach, die Endglieder kalt, Schlucker, große Erschöpfung,
- brennender Schmerz im Magen, kurzer und beschwerlicher Husten.
-
- ~Ipecacuanha.~ -- Kann nach ~Aconitum~ gegeben werden, wenn das
- Erbrechen sehr stark ist und von Unverdaulichkeit herrührt.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Kann nach ~Ipecacuanha~ gegeben werden, wenn die
- Krankheit Folge von Unverdaulichkeit ist oder ein Frösteln im Magen
- in Folge von Eis.
-
- ~Belladonna~ und ~Hyosciamus~. -- Kann abwechselnd gegeben werden,
- wenn der Kranke nervös ist, bei Schläfrigkeit, Delirium und
- Bewußtlosigkeit.
-
- ~Nux Vomica~ und ~Lachesis~. -- Kann abwechselnd oder jedes für sich
- gegeben werden, wenn die Krankheit von dem Genusse von Spirituosen,
- Kaffee, Wein oder reizender Speisen herrührt.
-
- ~Opium~ und ~Camphor~. -- Können abwechselnd gegeben werden, wenn die
- obigen Mittel keine Erleichterung gewähren und Schläfrigkeit sowie
- Betäubung vorhanden sind.
-
- ~Cantharis.~ -- Bei heftigen Fällen, besonders wenn der brennende
- Schmerz unerträglich ist.
-
- Gegen chronischen Magenkrampf mögen die folgenden Mittel angewendet
- werden: ~Bismuth~, ~Bryonia~, ~Cuprum Metallicum~, ~Digitalis~,
- ~Hyosciamus~, ~Phosphorus~, ~Mercury~, ~Ignatia~, ~Tartar Emetic~.
- Die Kost sollte dieselbe sein wie jene unter allöopathischer
- Behandlung angegebene.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ -- Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel
- voll Wasser und gebe alle halbe, ganze oder zwei Stunden einen
- Theelöffel voll bis es besser wird. Wenn sich aber die Symptome nach
- einigen Dosen nicht verbessern, dann wähle sogleich ein anderes
- Mittel und gebe es in derselben Weise. Bei der chronischen Form
- können die Mittel zwei- bis dreimal des Tages gegeben werden.
-
-
-Gedärm-Entzündung (~Enteritis~).
-
-Dies ist eine der gefährlichsten und schmerzhaftesten Krankheiten,
-deren Behandlung stets einem Arzte überlassen bleiben sollte. Sie
-besteht in einer Entzündung der Schleimhaut der kleinen Därme.
-Entzündung der großen Därme wird Ruhr (~Dysentery~) genannt.
-
-+Symptome.+ Die Krankheit beginnt mit einem leichten Frost, bei
-heißer Haut und mehr oder weniger kneipendem Schmerz in der Nähe der
-Eingeweide, welcher allmählig zunimmt und einen stark brennenden
-Charakter annimmt. Der Schmerz wird durch den Druck erhöht, und zwar
-so sehr, daß der Kranke die Bettdecke nicht mehr ertragen kann, er
-liegt gewöhnlich auf dem Rücken und hat die Beine gegen den Unterleib
-gezogen. Zuweilen tritt der Schmerz mit Zwischenräumen der Linderung
-ein, Uebelkeit und Erbrechen sind vorhanden, bei Fieber, belegter
-und roter Zunge, Durst, Verstopfung, schwieriges und schmerzhaftes
-Uriniren, so heftiges Erbrechen, daß der Inhalt der Gedärme ausgeworfen
-wird, in einzelnen Fällen ist statt Verstopfung Diarrhöe vorhanden, der
-Stuhl ist entweder wässrig oder schleimig, mit Blut und Galle gemischt.
-Bei schlimmen Fällen, wenn die Krankheit fortschreitet, schwillt
-der Leib an, der Schmerz vermehrt sich, der Puls wird schwach und
-unruhig, Schlucker tritt ein, die Glieder werden kalt, die Gesichtszüge
-sind verzogen und scharf, der Schmerz hört auf, ein schwarzer,
-übelriechender, flüssiger Stuhl findet statt und bald darauf folgt der
-Tod an kaltem Brande.
-
-Gedärm-Entzündung kann mit Kolik oder mit Entzündung des Bauchfells
-verwechselt werden. Sie unterscheidet sich von Kolik durch die
-Fiebersymptome und den Schmerz beim Druck, welche beide bei Kolik nicht
-gefunden werden. Von der Bauchfell-Entzündung durch Diarrhöe, die
-selten bei Bauchfell-Entzündung vorkommt, und durch das Anschwellen
-des Unterleibes mit großer Empfindlichkeit beim Druck, die bei der
-Bauchfell-Entzündung stets vorhanden ist.
-
-+Ursachen.+ Reizende und unverdauliche Speisen, Kolik, eingeklemmter
-Bauch; auch kann das nach Innen Schlagen von Hautkrankheiten, oder
-Unterdrückung gewohnheitsmäßiger Entleerungen die Veranlassung zu
-dieser Krankheit werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Die Füße sollten in warmem schwachem
- Laugenwasser gebadet und Flanelltücher, in Laugenwasser getaucht,
- über den Unterleib gelegt werden, oder man kann statt dessen
- Senfpflaster auf den Unterleib, die Fußsohlen und längs des Rückgrats
- legen. Bei Gebrauch der Senfpflaster ist zu beobachten, daß
- dieselben, nachdem sie eine beträchtliche Röthe hervorgerufen haben,
- entfernt werden müssen; dann sollten heiße Bähungen von Hopfen und
- Rainfarn (~Tansy~), oder Hopfen und Stechapfelblättern (~Stramonium
- leaves~) angewandt werden, alle halbe oder ganze Stunde, der Strenge
- des Schmerzes angemessen, zu wechseln. Gleichzeitig ist es gut,
- zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound
- tincture of Virginia snake root~) in Dosen von einem Theelöffel voll
- warmem Balsam- oder Katzenmünze-Thee zu geben und jede Stunde oder
- alle zwei Stunden zu wiederholen. Die Anwendung dessen sollte so
- lange fortgesetzt werden, bis der Kranke in einen starken Schweiß
- geräth, welcher zwei bis drei Stunden erhalten werden muß.
-
- Rührt die Krankheit von der Anwesenheit saurer Bestandtheile in den
- Eingeweiden her, so gebe man einen großen Eßlöffel Castoröl mit einem
- Theelöffel Olivenöl und einem halben Theelöffel Terpentin-Spiritus.
- Alle zwei Stunden zu wiederholen, bis es auf die Eingeweide wirkt.
- Die Wirkung dieses Mittels wird durch eine Einspritzung von ein wenig
- warmer Milch und Molasses mit einem Theelöffel voll Salz erhöht.
- Rührt die Krankheit von Erkältung her, möge folgendes angewendet
- werden:
-
- Jasmin-Tinktur (~Tincture of gelseminum~) 4 Drachmen.
- Eisenhutwurzel-Tinktur (~Tinct. of aconite root~) 10-20 Tropfen.
-
- Mische es. Dosis: Alle 15 oder 20 Minuten einen halben Theelöffel
- voll, bis Wirkung eintritt, worauf dann die Zwischenräume verlängert
- werden. Gleichzeitig gebrauche man Senfpflaster &c.
-
- =Homöopathisch.= Die Behandlung dieser Krankheit ist ähnlich jener
- bei Magenentzündung. ~Aconitum~ sollte zuerst gegeben und damit
- fortgefahren werden, so lange das Fieber stark und die Haut heiß ist.
- Hierauf lasse man ~Arsenicum~ und ~Veratrum~ abwechselnd folgen. Bei
- heftigem und beharrlichem Erbrechen gebe man, nachdem diese Mittel
- eine Zeitlang gebraucht worden sind, ~Ipecacuanha~. In einigen Fällen
- kann ~Belladonna~ und ~Mercurius~ abwechselnd gegeben werden, nachdem
- das Fieber zuvor durch ~Aconitum~ geschwächt wurde, aber noch großer
- Schmerz des Unterleibs und starker Durst vorhanden ist. Wenn das
- Erbrechen so stark ist, daß der Inhalt der Eingeweide ausgeworfen
- wird, muß ~Opium~ gegeben werden, und verschafft dies innerhalb 8 bis
- 10 Stunden keine Linderung, so gebe man ~Plumbum~. In diesem Stadium
- gewähren zuweilen auch schwache Einspritzungen eines Aufgusses von
- Tabak Erleichterung. Ebenso kann ein warmes Bad mit Erfolg verordnet
- werden.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede Stunde,
- oder alle 2, 3 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen,
- einen Theelöffel voll. Die Kost muß von der leichtesten Art sein, wie
- Schleim aus Reis oder Mehl, Milch und Wasser, Milchzwieback (~Milk
- toast~) und Gummi Arabicum Wasser.
-
- =Allöopathisch.= Blutegel sollten in gehöriger Anzahl über den
- Eingeweiden angesetzt oder es sollte Blut am Arm entzogen werden.
- Dann lasse Umschläge von Leinsamen und Mehl, oder Kornmehl und
- Senf folgen und öffne vermittelst eines gelinden Abführmittels wie
- Castoröl oder Bittersalz (~Epsom salts~) im Verhältniß von zwei
- Drachmen auf eine Unze Pfeffermünz- (~Peppermint~) Wasser, die
- Eingeweide, was alle 4 Stunden zu wiederholen ist. Zur Erreichung des
- letzteren werden zuweilen auch alle 2 bis 3 Stunden Einspritzungen
- von warmem Wasser gemacht. Nießwurz- (~Veratrum Viride~) Tinktur
- wird in Dosen von 3 bis 4 Tropfen in ein wenig versüßtem Wasser
- jede Stunde oder alle zwei Stunden gegeben, und zwar so lange, bis
- gehöriger Schweiß eintritt, zu welcher Zeit dann die Zwischenräume
- der Dosen verlängert werden sollten.
-
-
-Leberentzündung (~Hepatitis~).
-
-Entzündung der Leber kann sich auf die Schleimhaut, welche die Leber
-bedeckt, beschränken, oder ergreift die Lebermasse selbst, oder sie
-dehnt sich auf beide aus. Sie tritt eben sowohl acut als chronisch auf
-und wird häufiger im heißen Klima gefunden.
-
-+Symptome.+ Der Anfall beginnt mit den Kennzeichen einer Entzündung und
-Frösteln, denen mehr oder weniger Fieber folgt, mit einem Gefühl von
-Stechen in der rechten Seite und einem heftigen, spießenden Schmerz in
-der Gegend der Leber, oder dumpfer Schmerz, wenn die Entzündung die
-Lebermasse allein erfaßt hat. Der Schmerz mag auch bis zur rechten
-Schulter schießen und sich über die Brust ausdehnen, wird durch einen
-Druck über den angegriffenen Theil erhöht, ebenso durch Husten oder
-wenn sich der Kranke auf die linke Seite legt, die Zunge ist gelblich
-oder dunkelbraun, zuweilen auch schwarz belegt, die Ränder derselben
-sind häufig sehr roth und im Munde ist ein fauliger, unangenehmer
-Geschmack, hin und wieder wird das Weiße im Auge und die Haut ganz gelb
-gefärbt.
-
-Die Symptome der chronischen Entzündung der Leber sind verschieden.
-In der Regel hat der Kranke ein Gefühl von Schwere und Vollsein in
-der rechten Seite, mit einem dumpfen Schmerz, der sich bis zu den
-Schulterblättern und der Magengrube erstreckt; gewöhnlich ist auch
-große Empfindlichkeit in der Gegend über der Leber vorhanden, der
-Kranke kann nicht ohne Schmerz auf der linken Seite liegen, die Haut,
-Augen und der Urin sind gelb, die Eingeweide nicht in Ordnung, zuweilen
-ein trockener, hackender Husten, Appetitlosigkeit, Zunge braun, gelb
-oder weißlich belegt, in dem Munde ein bitterer und unangenehmer
-Geschmack, der Kranke ist niedergeschlagen, kleinmüthig, oder reizbar
-und empfindlich.
-
-+Ursachen+ der Leberentzündung sind Erkältung, Beschädigung oder
-Schläge über der Leber, Unmäßigkeit, sehr starke Hitze, heftige
-geistige Erregungen, üppige Lebensart.
-
-Chronische Leberentzündung kann aus der acuten Form entspringen,
-oder durch Erkältung, den Genuß von Spirituosen, unpassende Kost,
-Ausschweifungen aller Art und den Mißbrauch des Quecksilbers
-hervorgerufen werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- bei der acuten Form: Stechen in der
- Gegend der Leber, großer Schmerz, starkes Fieber, Herumwerfen, Angst,
- Todesfurcht.
-
- ~Belladonna.~ -- Drückende Schmerzen in der Brust und in den
- Schultern Vollsein im Magen, Ziehen in der Gegend des Magens,
- Schwindel mit Anwandlung von Ohnmachten, Schwierigkeit des Athmens;
- großer Durst; kann nach Aconitum und abwechselnd mit ~Mercurius~ und
- ~Lachesis~ gegeben werden.
-
- ~Bryonia.~ -- Heftiger Schmerz mit Vollsein in der rechten Seite,
- Zunge gelb belegt, starke Brustbeklemmung, sehr schnelles und
- ängstliches Athmen, Verstopfung. Passend nach ~Aconitum~ oder
- abwechselnd mit ~Mercurius~.
-
- ~Mercurius.~ -- Der Patient kann nicht auf der rechten Seite liegen,
- bitterer Geschmack im Munde, Appetitlosigkeit, Durst, Frostschauer.
-
- ~Chamomilla.~ -- Wenn die Krankheit von Erkältung oder heftigem
- Aerger herrührt; dumpfer, drückender Schmerz in der Gegend der Leber,
- welcher durch Druck, Bewegung oder Athmen erhöht wird, Beklemmung der
- Brust, Gelbheit der Haut, bitterer Geschmack im Munde.
-
- ~China.~ -- Ist Malaria (Sumpfluft) die Ursache; die Krankheit
- ist immer den zweiten Tag schlimmer, heftige stechende Schmerzen,
- Kopfschmerz, bitterer Geschmack im Munde, Zunge gelblich belegt.
-
- ~Lachesis.~ -- Wenn durch Unmäßigkeit hervorgerufen. Kann nach
- ~Aconitum~ gebraucht werden, wenn sich ~Mercurius~ und ~Belladonna~
- unzureichend erwiesen haben.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Stechende oder beißende Schmerzen mit großer
- Empfindlichkeit gegen Berührung in der Gegend der Leber, Uebelkeit,
- saurer, bitterer Geschmack im Munde, Durst, Kopfschmerz.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Wenn eine gehinderte Verdauung Ursache der Krankheit
- ist, und mag abwechselnd mit ~China~ gegeben werden; Diarrhöe,
- grünlicher, schleimiger Stuhl; Brustbeklemmung.
-
- ~Podophyllin.~ -- Heißhunger, Diarrhöe sogleich nach Essen oder
- Trinken, saurer Magen, Uebelkeit, Vollsein des Kopfes, Sodbrennen,
- Zusammenfließen des Wassers im Munde, Hitze des Magens, Schwere,
- ziehender Schmerz in den Eingeweiden, gelindert durch Wärme und
- Vorwärtsbeugen des Körpers, Verstopfung mit Kopfschmerz, Stuhl hart
- und trocken oder Kalk ähnelnd und höchst widerwärtig.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen von den gewählten
- Mitteln in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 2, 3 oder 4
- Stunden einen Theelöffel voll. Bessert sich der Kranke, so werden
- dann die Zwischenräume verlängert.
-
- Bei chronischer Leberentzündung mag Morgens und Abends eine Dosis
- gegeben werden. Die obigen Mittel sind passend für die chronische
- Form.
-
- Die Kost sollte sehr einfach sein. Fleisch und Fleischsuppen dürfen
- nicht gegessen werden. Reis und Haferschleim, Limonade, kalte und
- warme Früchte, gebackene Aepfel, Zwieback (~Toast~), Brod- und
- Zwiebackwasser können genossen werden.
-
- =Allöopathisch.= Blutegel oder Schröpfköpfe sollten in der Gegend
- über die Leber reichlich angesetzt werden. Oeffne die Eingeweide mit
- folgendem:
-
- Pulverisirter Gummi Gutti (~Pulv. gamboge~) 12 Grane.
- Pulverisirtes Windenharz (~Pulv. scammonium~) 12 „
- Springgurke (~Elaterium~) 2 „
- Crotonöl 8 Tropfen.
- Stechapfel-Extrakt 3 Grane.
-
- Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Alle Stunde eine Pille,
- bis die Wirkung eintritt. Oder:
-
- Sennesblätter (~Senna leaves~) 2 Drachmen.
- Wasser 1 Pint.
-
- Lasse die Sennesblätter in dem Wasser erweichen und füge dann eine
- Unze Bittersalz (~Epsom salts~) hinzu und seihe es durch. Dosis: Ein
- Viertel der Mischung. Hierauf mache ein Senfpflaster über die rechte
- Seite und ebenso über das Rückgrat.
-
- Salpetersaure Kochsalzsäure (~Nitro-muriatic acid~) mit Wasser
- verdünnt, bis es ungefähr die Stärke von scharfem Essig hat, mag in
- der Gegend über dem Magen eingerieben werden und wird gute Dienste
- leisten. Vermittelst Nießwurz- (~Veratrum Viride~) Tinktur, in
- Dosen von 3 bis 10 Tropfen alle Stunden, rufe Schweiß hervor. Bei
- der Wiedergenesung des Kranken sollten stärkere Mittel, wie folgt,
- gegeben werden:
-
- Kamillenblüthe (~Chamomile flowers~) ½ Unze.
- Kaltes Wasser 1 Pint.
-
- Lasse die Mischung ein bis zwei Stunden lang stehen und seihe sie
- dann durch. Dosis: ein Weinglas voll mehrere Male des Tages. Oder:
-
- Verdünnte Salpetersäure (~Nitric acid, diluted~) 2 Drachmen.
- Verdünnte Salzsäure (~Muriatic acid, diluted~) 2 „
- Orangenschalen-Syrup 2 „
- Orangenschalen-Tinktur 2 „
-
- Hinreichend Wasser, um ein Pint daraus zu machen. Mische es. Dosis:
- dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.
-
- Bei chronischer Entzündung der Leber gebe man Pillen von Entenfuß
- (~Podophyllin~) oder folgendes:
-
- Leptandrin 1 Drachme.
- Entenfuß (~Podophyllin~) 1 Skrupel.
- Hundskohl (~Apocynin~) 1 „
- Brechnuß- (~Nux Vomica~) Extrakt 6 Grane.
- Spanische Seife (~Castile soap~) 1 Drachme.
-
- Mache 30 Pillen daraus. Dosis: jeden Abend eine Pille. Wenn
- Quecksilber (~Mercury~) gebraucht wird, gebe man folgendes:
-
- Quecksilberpillen (~Mercurial Pill~) 2½ Grane.
- Pulverisirte Brechwurz (~Ipecac powdered~) ½ Gran.
-
- Hinlänglich Opium-Zucker (~Confection of Opium~), um daraus eine
- Pille zu machen. Nehme es als eine Dosis Abends oder jeden zweiten
- Abend.
-
- Ein tägliches schwaches Laugenbad sollte genommen werden, dem man ein
- starkes Laugenbad folgen läßt. Bewegung im Freien ist möglichst oft
- zu machen.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Bei milden Fällen bringe den Kranken
- in ein warmes Bad, darauf ins Bett und gebe ihm warme Getränke, um
- einen starken Schweiß hervorzurufen. Ist aber der Anfall heftig, so
- gebe das zusammengesetzte Pulver der Lobelia (~Compound powder of
- Lobelia~), bis ungehindertes Erbrechen eintritt. Zur Entfernung der
- Verstopfung der Eingeweide gebe man eine Einspritzung von einem Pint
- warmen Wasser, einen Eßlöffel voll Salz und einen Eßlöffel voll Fett
- und nehme folgende Pillen beim Zubettegehen:
-
- Entenfuß (~Podophyllin~) 60 Grane.
- Leptandrin 30 „
- Blutwurzel (~Sanguinarin~) 30 „
- Brechwurz (~Ipecac~) 30 „
- Cayennepfeffer (~Cayenne~) 30 „
-
- Mache mit Löwenzahn- (~Dandelion~) Extrakt 60 Pillen daraus.
- Dosis: zwei bis vier Pillen, wenn es als Abführmittel gebraucht
- wird, und zur Wirkung auf die Leber gebe man einmal des Tages oder
- jeden zweiten Tag eine Pille. Ist es wünschenswerth, den Schweiß
- zu erhalten, so lege man zu diesem Behufe heiße Ziegelsteine oder
- Flaschen mit heißem Wasser rings um den Körper des Kranken und gebe
- folgendes:
-
- Pleuresie- (~Pleurisy~) Wurzel in Pulvern 4 Unzen.
- Wasserdost (~Boneset~) in Pulvern 4 „
- Blutwurzel (~Blood root~) 3 Drachmen.
- Salpeter 3 „
-
- Mische es. Dosis: 10 bis 15 Grane alle drei Stunden.
-
- Löwenzahn- (~Dandelion~) Extrakt wird als ein schätzenswertes Mittel
- bei dieser Krankheit empfohlen. Mache Pillen daraus, füge jeder einen
- Gran Leptandrin bei und nehme jeden Abend eine. Bei chronischer
- Leberentzündung ist es ein besonders empfehlenswertes Mittel. Bei
- der letzteren Form der Leberentzündung gebrauche man die bei der
- Behandlung der acuten Form angegebenen Pillen. Dieselben sollten
- oft genug genommen werden, die Eingeweide in Ordnung zu halten, um
- wenigstens einen Stuhl innerhalb 24 Stunden zu bewirken.
-
- Folgendes wird als Alterativ vorzüglich gefunden werden:
-
- Zusammengesetzter Talgbaum-Syrup (~Compound
- syrup of stillingia~) 1 Pint.
- Schlangenwurzel-Tinktur (~Tincture of black cohosh~) 2 Unzen.
- Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~) 4 Drachmen.
-
- Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll in einem
- Weinglas voll Wasser.
-
-
-Gelbsucht (~Icterus~).
-
- Gelbsucht wird an der gelben Farbe der Haut und Augen, einem bitteren
- Geschmack im Munde, Schmerz oder Unbehaglichkeit in der rechten Seite
- erkannt, der Urin ist gelblich oder safranfarbig, der Stuhl weißlich
- oder lehmartig, in der Regel geht oder begleitet sie Verdrossenheit,
- Appetitlosigkeit, Schläfrigkeit, Diarrhöe oder Verstopfung, Schmerz
- in der Magengrube, der sich nach den Mahlzeiten verstärkt.
-
- +Ursachen.+ Gelbsucht kann durch Gallensteine hervorgerufen werden,
- durch Verstopfung des Gallenflusses in die Eingeweide, in Folge
- dessen derselbe in den Kreislauf des Blutes tritt, Krankheit der
- Leber, Herzkrankheit, durch den Druck von Geschwulsten auf die Leber,
- Krampf der Gallenausfuhr.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Bei starker Uebelkeit gebe man folgendes Brechmittel:
-
- Brechweinstein (~Tartar emetic~) 1 Gran.
- Brechwurz-Pulver (~Ipecac powder~) 1 Skrupel.
- Syrup 1 Drachme.
- Quellwasser (~Mint water~) 10 Drachmen.
-
- Mische es und nimm es als eine Dosis.
-
- Oder:
-
- Brechweinstein (~Tartar emetic~) 1 Gran.
- Pulverisirte Brechwurz (~Pulv. Ipecac~) 1 Skrupel.
-
- Mische es und nimm es als eine Dosis in einem Weinglas voll
- versüßtem Wasser. Zuweilen ist es gut, eine Dosis Calomel von 5 bis
- 10 Granen beim zu Bettegehen und eine Unze Castoröl des Morgens
- zu nehmen. Dies sollte so lange wiederholt werden, bis sich eine
- ungestörte Thätigkeit der Eingeweide zeigt. Doppelt kohlensaure
- Soda (~Bi-carbonate of soda~), vor den Mahlzeiten genommen, wird in
- einzelnen Fällen von gutem Erfolge sein, ebenso da, wo die Genesung
- langsam vor sich geht, salpetersaure Kochsalzsäure (~Nitro muriatic
- acid~), in Dosen von 3 bis 4 Tropfen zwei- oder dreimal des Tages
- genommen. Walddost (~Thoroughwort~) als Aufguß öfters des Tages
- getrunken, wird sehr empfohlen.
-
- Wenn die Gelbsucht durch Gallensteine verursacht wird, so ist
- großer Schmerz vorhanden, gleichsam als ob die Masse von der Größe
- einer Wallnuß durch eine Röhre von dem Umfang eines Federkieles
- gedrängt würde. In diesem Falle sollte der Kranke recht oft heißes
- Wasser trinken, in dem zuvor 2 Drachmen doppelt kohlensaures Soda
- (~Bi-carbonate of soda~) und Potasche aufgelöst wurden. Opium kann in
- Dosen von einem Gran alle 3 oder 4 Stunden, bis der Schmerz nachläßt,
- gegeben werden. Senfpflaster oder andere warme Umschläge sollten über
- den Sitz des Schmerzes gelegt und ein warmes Bad zu nehmen versucht
- werden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Es ist gut, jeden Tag, eine oder zwei
- Wochen lang, ein Brechmittel zu geben. Zuerst gebe man 20 bis 30
- Grane Brechwurz (~Ipecac~) in warmem Wasser, dem man 4 oder 5 von
- den unter Leberentzündung angeführten Leberpillen, zusammengesetzt
- aus Entenfuß, Leptandrin, Brechwurz (~Ipecac~) &c. folgen läßt. Ein
- Aufguß von Walddost (~Thoroughwort~), zwei Theetassenkopf voll auf
- einmal getrunken und alle Tage eine oder zwei Wochen lang wiederholt,
- empfohlen. Während dieser Zeit braucht keine andere Medizin genommen
- zu werden. Die innere Rinde der Berberitze (~Barberry~) in Cider
- erweicht, wird zuträglich gefunden werden. Ebenso wird folgendes
- empfohlen:
-
- Wilde Kirschbaumrinde, in grobem Pulver (~Wild
- cherry bark~) 1 Unze.
- Schaflorbeerblätter (~Sheep laurel leaves~) in
- grobem Pulver 1 „
- Berberitzrinde (~Barberry bark~) in grobem Pulver 1 „
- Bitterwurzel (~Bitter root~) in grobem Pulver 1 „
- Reiner Cider 4 Pints.
-
- Mische und lasse es mehrere Stunden lang stehen. Dosis: einen
- Eßlöffel voll drei- oder viermal des Tages. Cider mehrere Male
- des Tages getrunken, wird in einzelnen Fällen zuträglich gefunden
- werden, ebenso das Essen von rohen Eiern an jedem Morgen. Die
- Rinde der Wurzel des Pfirsich- und wilden Kirschbaums mit Whiskey
- oder Wachholderbranntwein (~Gin~) in einen bitteren Branntwein
- verwandelt, wovon drei- bis viermal des Tages stark getrunken wird,
- wird nicht ohne Erfolg angewendet werden, auch ein starker Thee von
- Pfirsichbaumblättern bis zu einem halben Pint des Tags genommen, hat
- sich als gut bewährt.
-
- =Homöopathisch.= Der Kranke sollte im Bette in einem warmen Zimmer
- warm gehalten werden und für die ersten vier oder fünf Tage
- ~Mercurius~, dreimal des Tages eine Dosis nehmen. Tritt keine
- Besserung nach dieser Zeit ein, so gebe man ~Hepar Sulphuris~ oder
- ~Hepar Sulphuris~ und ~Chelidonium~. Bei hartnäckigen Fällen gebe man
- ~Lachesis~, ~Acidum Nitri~ oder ~Sulphur~.
-
- Bei Gelbsucht, die in Folge eines leidenschaftlichen Ausbruchs oder
- durch Enttäuschung hervorgerufen wurde, gebe man ~Chamomilla~,
- ~China~, ~Nux Vomica~, ~Pulsatilla~.
-
- Rührt es von Mißbrauch des ~Mercurius~ und ~Calomel~ her, so verordne
- man ~China~, ~Hepar Sulphuris~, ~Lachesis~, ~Nitric Acid~, ~Sulphur~.
-
- Hat Jemand Anlage zur Gelbsucht, so daß sie aus sehr leichten
- Ursachen entspringt, so gebe man ~Lachesis~ und ~Sulphur~, jede Woche
- abwechselnd eine Dosis.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe eine Dosis (4 Kügelchen) von
- dem gewählten Mittel dreimal des Tages. Werden zwei Heilmittel
- gegeben, so gebe man alle vier Stunden abwechselnd, oder wechsle
- einen um den andern Tag. Warme Bäder werden zuträglich sein und
- Verstopfung kann durch Einspritzungen von warmem und kaltem Wasser
- gelindert werden.
-
-
-Milz-Entzündung (~Splenitis~).
-
-Dies ist eine Krankheit, die nicht häufig gefunden wird und dann in der
-Regel in Begleitung von anderen Krankheiten.
-
-+Symptome.+ Sie beginnt in der Regel mit den gewöhnlichen Kennzeichen
-des Fiebers, wie Frost, dem Hitze folgt, Durst, Schmerz in der linken
-Seite, in der Gegend der Milz, mit Empfindlichkeit gegen Druck,
-zuweilen beträchtlich anschwellend. Der Schmerz mag dumpf oder stark
-und schneidend sein, sich über den ganzen Unterleib erstrecken und
-bis in die linke Schulter schießen; die Haut ist trocken und heiß,
-krankhafter Magen und Erbrechen. Der Urin ist spärlich, stark gefärbt
-und kann nur mit Schwierigkeit gelassen werden.
-
-Chronische Entzündung der Milz ist ein sehr gewöhnliches Leiden,
-besonders in Gegenden, wo beständig Fieber herrschen.
-
-+Symptome.+ Ein Gefühl von Schwere, Beengung und Schmerz in der linken
-Seite, zuweilen wird der Schmerz ohne einen Druck auf die Gegend
-über diesem Organe nicht wahrgenommen; in der Regel ist hartnäckige
-Verstopfung, Gefühl von Frost vorhanden, zuweilen schwillt die Milz
-so stark an, daß sie mit der Hand gefühlt werden kann. Oefters
-begleitet sie Betäubung, schwieriges Athmen, Herzklopfen, Schwäche
-der unteren Glieder, Alpdrücken, Gefühl von Beengung über der Brust,
-Unmöglichkeit sich viel zu bewegen, Erbrechen der Speisen, trockene
-Haut, Niedergeschlagenheit. In einigen Fällen tritt Wassersucht hinzu.
-
-+Ursachen.+ Aeußerliche Verletzung, Unterdrückung gewöhnter
-Entleerungen, Trinken von kaltem Wasser, wenn der Körper erhitzt ist,
-der unmäßige Genuß von Spirituosen, heftige geistige Erregungen, lang
-anhaltendes Fieber.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Die Behandlung sollte mit folgendem
- Abführmittel begonnen werden:
-
- Pulverisirte Jalappenwurzel (~Pulv. jalap~) 4 Unzen.
- „ Sennesblätter (~Pulv. senna~) 8 „
- „ Gewürznelken (~Pulv. cloves~) 1 Unze.
-
- Mische es und siebe es durch ein feines Sieb. Dosis: Einen Eßlöffel
- voll in ein wenig warmem Wasser, oder ein wenig Branntwein mit Wasser.
-
- Bei der chronischen Form möge ein Pflaster, aus Eidotter und Salz
- bestehend, auf die Gegend über die Milz gelegt werden. Gewöhnliches
- Salz, in Dosen von einer Drachme dreimal des Tages genommen, hat
- sich in einigen Fällen bewährt. Die innere Rinde von weißer Esche
- (~White ash~), in weißem Wein gekocht und in Dosen von einem Weinglas
- voll dreimal des Tages genommen, hat gleichfalls Heilung bewirkt.
- Die Behandlung dieser Krankheit ist fast ganz dieselbe, wie die der
- Leberentzündung.
-
- =Homöopathisch.= Bei der acuten Form gebe man ~Aconitum~, ~Bryonia~,
- ~China~, wie bei Leberentzündung vorgeschrieben.
-
- Bei der chronischen Form gebe ~Sulphur~, ~Calcarea~, ~Ferrum~, ~Carbo
- Vegetabilis~, ~Lycopodium~. Verwende dieselben in derselben Weise wie
- bei chronischer Leberentzündung vorgeschrieben.
-
- =Allöopathisch.= Die Behandlung ist jener der chronischen und acuten
- Leberentzündung ähnlich. Bei der chronischen Form gebrauche man
- Senfpflaster, Jod-Tinktur (~Tincture of Iodine~) oder Crotonöl in der
- Gegend über der Milz.
-
- Folgendes wird empfohlen:
-
- Pulverisirte Chinarinde (~Pulv. Peruvian bark~) 1 Unze.
- Pulverisirter Rhabarber (~Pulv. rhubarb~) ½ Drachme.
- Pulverisirtes salzsaures Ammoniak (~Pulv. muriate
- of ammonia~) 1 Drachme.
-
- Mische es und mache 8 Pulver daraus. Dosis: Ein Pulver dreimal des
- Tages.
-
- Um die Eingeweide in Ordnung zu bringen, halte sie gehörig offen und
- nehme folgendes:
-
- Entenfuß (~Podophyllin~) 4 Grane.
- Leptandrin 8 „
- Chinin (~Quinine~) 8 „
- Brechnuß- (~Nux Vomica~) Extrakt 2 „
-
- Mische es und mache 16 Pillen daraus. Dosis: Zwei oder drei Pillen
- beim Schlafengehen.
-
-
-Würmer.
-
-Es gibt drei Hauptgattungen von Würmern, denen der Mensch ausgesetzt
-ist. Die Ascariden, Spring- und Madenwürmer; sie sind sehr klein und
-ähneln einem weißen Faden von einem halben bis ganzen Zoll der Länge
-nach. Die Zahl derselben ist zuweilen sehr groß und sie bilden sich zu
-Rollen und Ballen in den Eingeweiden. Sie kriechen hin und wieder in
-die Scheide oder Harnröhre und verursachen ein höchst lästiges Jucken.
-
-Eine andere Gattung sind die Spulwürmer oder ~Ascarides lumbricoides~,
-welche sehr lang und rund sind, ungefähr ⅛ Zoll dick und 3 bis 12
-Zoll lang. Sie ähneln dem gewöhnlichen Regenwurm sehr und werden
-vorzugsweise in den großen Därmen und zuweilen im Magen gefunden; auch
-erscheinen sie nicht selten im Halse.
-
-Die dritte Gattung ist der Bandwurm (~Taenia solium~); er besteht aus
-einer Menge an einander gereihter Glieder und ist in seiner Länge
-von einigen bis mehreren hundert Fuß verschieden. Er hält sich in
-den kleinen Eingeweiden auf und zehrt von dem Nahrungssaft, d. h.
-von jener Masse der Nahrung, welche bleibt, nachdem die Speisen den
-Magen verlassen haben, und verursacht in Folge dessen große Zehrung,
-Erschöpfung und Abnahme des Fleisches.
-
-+Symptome.+ Die Kennzeichen der Anwesenheit von Würmern sind sehr
-undeutlich, und es ist zuweilen unmöglich, sie zu hemmen, bevor nicht
-welche abgegangen sind.
-
-Die Anwesenheit des Springwurms mag erkannt werden an dem
-unerträglichen Jucken im After oder ~Anus~. Bei Kindern kündigen sich
-die Würmer durch Blässe, Jucken in der Nase und Knirschen der Zähne
-an; Auffahren aus dem Schlafe, unregelmäßigen Appetit, üblen Athem,
-geschwollenen Unterleib, starkes Anschwellen der Oberlippe, eine von
-den Wangen mehr oder weniger geröthet.
-
-Der Bandwurm wird erkannt an einem nagenden Schmerz im Magen,
-unregelmäßigem, in der Regel aber sehr starkem Appetit; die Menge der
-zu sich genommenen Speisen entspricht der daraus erwachsenden Nahrung
-nicht, der Kranke magert ab und öfters ist ein harter Husten anwesend;
-ein Gefühl, als ob irgend etwas von der linken Seite plötzlich in den
-Hals hinaufstiege und wieder zurückfiele, Schwindel, besonders des
-Morgens vor dem Essen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Zu geben beim Anfang der Behandlung
- gegen nervöse Reizbarkeit, welche in der Regel anwesend ist. Einige
- Dosen mögen gegeben und alle 2 Stunden wiederholt werden. Wirkt dies
- nicht, so gebe man ~Ignatia~ in derselben Weise.
-
- ~Cina.~ -- Dies ist das Hauptmittel, besonders bei Anwesenheit
- folgender Symptome: Bohren mit den Fingern in der Nase, das Kind
- ist nervös, schreit des Nachts im Schlafe, hat starke Anfälle
- von Kolik, Zupfen an den Lippen, Gesicht zuweilen blaß und kalt,
- dann wieder roth und heiß, sonderlicher Appetit, wunderlich und
- furchtsam, Gesicht aufgedunsen, Anschwellen und Schmerz im Unterleib,
- Verstopfung oder Diarrhöe, Knirschen mit den Zähnen.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Wenn mit den andern Symptomen Verstopfung verbunden
- ist, starkes Jucken, brennendes und stechendes Gefühl im After.
-
- ~Spigelia.~ -- Bei strengen Fällen von Wurmkolik, wenn Fieber und
- Diarrhöe vorhanden sind, Heißhunger und Frösteln.
-
- ~Silicea.~ -- Besonders bei Kindern, die skrophulös sind.
-
- ~Belladonna.~ -- Kolik, welche durch Liegen auf dem Bauche gelindert
- wird. Auffahren aus dem Schlaf, Kopfweh.
-
- ~Lycopodium.~ -- Besonders bei starkem Jucken im After.
-
- ~Teucrium~ -- empfohlen von Freligh gegen den Reiz und das Jucken,
- welches von Würmern verursacht wird.
-
- ~Santonin~ -- ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen die verschiedenen
- Gattungen von Würmern.
-
- Gegen den Bandwurm Kürbiskörner (~Pumpkin seeds~) wie untenstehend
- gegeben, ist ein ausgezeichnetes Mittel.
-
- Man nehme 8 Unzen von den Körnern und esse davon zur Mahlzeit 4
- Unzen bei leerem Magen, erweiche dann die übrigen 4 Unzen in
- heißem Wasser und trinke den Aufguß am Morgen. Bis Mittag sollte
- nichts gegessen werden. Dies wird gewöhnlich hinreichen, den Wurm
- abzutreiben; ist dies aber nicht der Fall, so wiederhole es die
- nächste Nacht.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe von dem gewählten Mittel
- dreimal des Tages eine Dosis, wenn die Symptome nicht anders
- nothwendig machen, in welchem Falle dann alle zwei oder drei Stunden
- eine Dosis gegeben werden muß.
-
- Bei chronischen Fällen sollten die Mittel durch eine lange Zeit
- hindurch einmal des Tages gegeben werden.
-
- +Kost.+ Der Kranke sollte alle schweren Nahrungsmittel vermeiden, wie
- gekochtes Gemüse, reiche Puddings und Kuchen; mag sich vielmehr mit
- Fleischsuppen, gebratenem oder gekochtem Fleisch und Milch begnügen.
-
- Gegen sehr starkes Jucken, das bei einigen Fällen vorhanden ist,
- werden Einspritzungen von kaltem Wasser oder Wasser, dem ein wenig
- Salz oder Essig beigefügt ist, zuweilen von gutem Erfolg gefunden
- werden. Süßes Oel (~Sweet oil~) entspricht hin und wieder demselben
- Zwecke.
-
- =Allöopathisch.= Folgendes ist ein gutes Mittel:
-
- Spigelien-Wurzel (~Pink root~) ½ Unze.
- Sennesblätter (~Senna~) ½ „
- Doppeltweinsteinsaure Potasche (~Bi-tartrate
- of potassa~) 1 Drachme.
- Pulverisirte Jalappenwurzel (~Pulv. jalap~) ½ „
- Kardamon- (~Cardamon~) Samen ½ „
- Lakritzen- (~Liquorice~) Extrakt 2 Drachmen.
-
- Mische es, füge ein halbes Pint kochendes Wasser hinzu und lasse das
- Ganze eine Stunde durchweichen. Dosis: Ein oder zwei Eßlöffel voll
- gelegentlich bis die Würmer abgetrieben sind.
-
- Eine Einspritzung von gewöhnlichem süßem Oel ist zuweilen
- hinreichend, um die Springwürmer abzutreiben. Das folgende kann zu
- demselben Zwecke gegeben werden:
-
- Aloe (~Aloes~) 2 Skrupel.
- Kohlensaure Potasche (~Carbonate of potassa~) 15 Grane.
- Gersten- (~Barley~) Abkochung ½ Pint.
-
- Mische und gebrauche es als eine Einspritzung.
-
- Ein Aufguß von je einer Unze Sennesblätter (~Senna~), Spigelia
- (~Spigelia~) auf ein Pint Wasser kann in einigen Fällen angewendet
- werden. Erwachsenen gebe jeden Morgen vor dem Frühstück ein Weinglas
- voll.
-
- Wurmsamenbitter (~Santonin~) ist ein ausgezeichnetes Mittel, aber es
- sollte vorsichtig angewendet werden. Bei Erwachsenen eine Dosis von
- 3 bis 6 Granen. Bei Kindern einen halben Gran ein- oder zweimal des
- Tages.
-
- Gegen Bandwurm hat sich Terpentin- (~Turpentine~) Spiritus vorzüglich
- bewährt. Man gebe ihn in Dosen von einer halben Unze und lasse
- dieselbe Menge Castoröl folgen oder beides zu gleicher Zeit nehmen.
- Eine Abkochung von Kohlpalmenrinde (~Cabbage tree bark~) sowie auch
- Kürbißkörner (~Pumpkin seed~) wird gegen Bandwurm sehr empfohlen.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Wurmsamen mit Molasses gemischt mag
- Erwachsenen in Dosen von 1½ Theelöffel voll und Kindern in Dosen
- von 1 Theelöffel voll gegeben werden.
-
- Walddost- (~Thoroughwort~) Thee oder Rainfarn- (~Tansy~) Thee ist
- auch gut; Kermesbeer (~Poke root~) und Sennesblätter (~Senna~) sind
- ein wirksames Mittel. Eine Unze von jedem sollte in heißem Wasser
- erweicht und ein Eßlöffel voll einmal des Tages gegeben werden.
- Folgendes ist bei manchen Fällen zu empfehlen:
-
- Castoröl 1 Unze.
- Wurmsamen- (~Worm seed~) Oel 1 „
- Terpentin- (~Turpentine~) Oel ½ „
- Anisöl ½ „
-
- Dosis: Für ein Kind von 2 oder 3 Jahren 10 bis 20 Tropfen alle 3 oder
- 4 Stunden. Das folgende wird empfohlen:
-
- Wurmsamenöl ½ Unze.
- Rainfarn- (~Tansy~) Oel ½ „
- Terpentin- (~Turpentine~) Oel ½ „
- Crotonöl 2 Drachmen.
- Castoröl 4 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: Für ein Kind von 1 bis 2 Jahren einen halben
- Theelöffel voll in ein wenig warmer Milch drei Tage hindurch. Dann
- sollte dasselbe drei Tage ausgesetzt und für die nächstfolgenden drei
- Tage wieder angewendet werden.
-
- Gegen Bandwurm wird der Saft von blauem Kalmus (~Blue flag~)
- empfohlen, ebenso starke Portionen von Knoblauch (~Garlic~) mit
- Salz, und einen Tag um den andern ein Abführmittel von Alraunwurzel
- (~Mandrake root~). Wurzel von männlichem Farn (~Root of male fern~)
- ist erfolgreich zur Entfernung des Bandwurms angewendet worden.
-
-
-Hartleibigkeit.
-
-Dies ist eine der gewöhnlichsten Störungen, denen die Menschheit
-unterworfen ist. Unter Hartleibigkeit verstehen wir einen trägen
-Zustand der Eingeweide, durch welche der Koth eine längere Zeit
-zurückgehalten wird, als es die Erhaltung der Gesundheit bedingt. Stuhl
-ist seltener als in gesundem Zustande, hart und trocken, in kleinen
-Quantitäten und die Entleerung geht mit Schwierigkeit vor sich.
-
-+Symptome.+ Kopfschmerz, Schwindel, Mangel an Appetit, zuweilen
-Uebelkeit und Fiebersymptome, Schwere längs des unteren Theiles des
-Bauches.
-
-+Ursachen.+ Sitzende Lebensweise, besonders während der Geist beständig
-auf irgend einen Gegenstand gerichtet ist, zusammenziehende Medizinen,
-nervöse Krankheiten, Unachtsamkeit auf das Verlangen nach Entleerung
-der Eingeweide.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Die Kost sollte dieser Krankheit genau angemessen sein,
- alles von bindender Natur ist zu vermeiden, wie thierische Kost,
- besonders eingesalzene Fleische, Käse, reizende Getränke, Pasteten,
- stark gewürzte Speisen &c. Dagegen kann der Patient alle Sorten von
- Früchten, Gemüse, grobes Brod und Suppen essen. Gestoßener Weizen
- wird die Heilung der Hartleibigkeit befördern. Einspritzungen von
- kaltem Wasser, sowie starkes Trinken von kaltem Wasser, sollte
- angewendet werden. Jedermann muß den Mahnungen der Natur sofort und
- regelmäßig Folge leisten. Die beste Zeit diesem nachzukommen ist
- vielleicht am Morgen unmittelbar. Wenn man diesem Umstande zu einer
- gewissen Stunde des Tages Aufmerksamkeit schenkt, so wird dies mehr
- als irgend etwas anderes dazu beitragen, dieses zur Gewohnheit zu
- machen und die Eingeweide in Ordnung zu halten.
-
- =Allöopathisch.= Eine Pille von Rhabarber (~Rhubarb~) und spanische
- Seife (~Castile soap~) von jedem ½ Gran sollen angewendet und davon
- des Abends 2 Pillen gegeben werden.
-
- Zuweilen bewährt sich folgendes:
-
- Entenfuß-Harz (~Rosin of podophyllin~) 2 Grane.
- Flüssiger Rhabarber-Extrakt (~Fluid extract
- of rhubarb~) 1 Unze.
- Flüssiger Sennesblätter-Extrakt (~Fluid extract
- of senna~) 1 „
- Ingwer-Syrup (~Syrup of ginger~) ½ Unze.
- Gewürznelkenöl 4 Tropfen.
-
- Gummi Arabicum Schleim hinlänglich, um daraus 4 Unzen zu machen.
- Dosis: Für Erwachsene einen Eßlöffel voll und so oft zu wiederholen
- als erforderlich, um die Eingeweide zu öffnen.
-
- Eine Abkochung von Walddost (~Thoroughwort~) täglich kalt getrunken
- war in einigen Fällen von gutem Erfolg. Einspritzungen von warmem
- oder kaltem Wasser sollten angewendet werden, da dieselben in der
- Regel hinreichen, ohne weitere abführende Medizinen, Abhülfe zu
- verschaffen. Eine Dosis von einem Aufguß von Sennesblättern mag sich
- hin und wieder bewähren.
-
- Folgendes, unter „~Mottauer’s Aperient~“ bekannt, wird sehr empfohlen:
-
- Pulverisirte Aloe (~Pulv. Aloes~) 1½ Unzen.
- Doppeltkohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~) 4 „
- Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (~Compound
- spirits of lavender~) 2 „
- Wasser 2 Quarts.
-
- Mische es in einem Kruge, lasse es 2 Wochen lang stehen und schüttle
- es jeden Tag gehörig um, dann sollte die Mischung vom Bodensatze
- abgegossen werden. Dosis: ein halbes Weinglas voll ein- oder zweimal
- des Tages.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Eine gelegentliche Dosis von Rhabarber
- (~Rhubarb~) oder ein Seidlitz Pulver wird zuweilen alles sein, was
- nothwendig ist, um Abhülfe zu verschaffen; gleichzeitig ist der Kost
- Aufmerksamkeit zu widmen.
-
- Eine Mischung von Rhabarber (~Rhubarb~) zwei Theile und
- doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of potassa~) einen Theil
- in Dosen von 6 Granen dreimal des Tages in ein wenig warmem Wasser,
- ungefähr eine Stunde vor jeder Mahlzeit genommen, wird empfohlen.
- Die Dosis sollte nicht mehr als zwei Stühle des Tages bewirken und
- es wird gut sein, wenn nicht mehr als einer darauf erfolgt. Auch das
- folgende ist empfehlenswerth:
-
- Aletridin 20 Grane.
- Brechnuß- (~Nux Vomica~) Extrakt 1½ „
- Entenfuß (~Podophyllin~) 5 „
-
- Mische es und mache 20 Pillen daraus. Dosis: eine oder zwei jeden
- Abend. Eine Einspritzung von einem Aufguß Wasserdost (~Boneset~) mit
- ein wenig Molasses, ist zuweilen erfolgreich.
-
- =Homöopathisch.= Das wichtigste Mittel ist ~Nux Vomica~, wenn
- häufiger und erfolgloser Drang nach Stuhl vorhanden ist oder ein
- Gefühl, als ob der After geschlossen wäre; unangenehmer Geschmack
- im Munde, Appetitlosigkeit, Anschwellen des Unterleibes. Wenn
- ~Nux Vomica~ unzureichend ist, gebe eine gelegentliche Dosis von
- ~Bryonia~, besonders wenn die Störung in warmem Wetter eintritt.
-
- ~Opium.~ -- Mag zuweilen abwechselnd mit ~Nux Vomica~ gegeben
- werden, besonders wenn große Trägheit der Eingeweide ohne irgend ein
- Verlangen nach Stuhl, Röthe des Gesichts, Schießen des Blutes nach
- dem Kopfe, Kopfschmerz vorhanden sind.
-
- ~Platina.~ -- Wenn der Koth in kleinen harten Stücken mit viel
- Schwierigkeit entleert wird, Schaudern, Gefühl von Schwäche im
- Unterleib.
-
- ~Lycopodium.~ -- Bei starkem Drängen mit starkem Druck nach unten,
- aber Unfähigkeit, die Eingeweide zu entleeren.
-
- ~Antimonium Crudum.~ -- Bei Fällen, wo Verstopfung und Diarrhöe
- abwechseln.
-
- ~Sulphur.~ -- Bei lang anhaltender Verstopfung, besonders, wenn der
- Patient mit Geschwüren belästigt ist. Auch wenn öfters Verlangen nach
- Stuhl ohne irgend welchen Erfolg vorhanden ist.
-
- ~Plumbum.~ -- Bei hartnäckiger Verstopfung, der Stuhlgang ist hart
- und Schwierig und der Koth geht in harten Stücken oder Bällen weg.
-
- Bei Verstopfung von schwangeren Frauen gebe man ~Nux Vomica~,
- ~Opium~, ~Sepia~. Frauen im Kindbett ~Bryonia~, ~Nux Vomica~,
- ~Opium~, ~Sulphur~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ -- Alle 2, 3 oder 4 Stunden gebe man
- eine Dosis von dem gewählten Mittel. Werden die Heilmittel trocken
- gegeben, so gebe man 3 bis 6 Pillen als eine Dosis. Wenn in Wasser
- gegeben, löse 6 Kügelchen in 6 Theelöffel voll Wasser und gebe als
- Dosis einen Theelöffel voll. Einspritzungen von und Baden im kalten
- Wasser wird sehr zuträglich gefunden werden.
-
-
-Diarrhöe oder Durchfall.
-
-Diese Krankheit kommt sehr häufig vor, besonders in den heißen Monaten
-des Jahres. Die Symptome bestehen in mehr oder weniger flüssigen
-öfteren Entleerungen der Eingeweide, und jeder Entleerung folgt ein
-kollerndes Geräusch in den Eingeweiden, verbunden mit einem Gefühle
-von Schwere oder Gewicht, gewöhnlich auch stärkerem oder schwächerem
-Kneipen und zuweilen Uebelkeit und Erbrechen; finden die Entleerungen
-oft oder sehr stark statt, so tritt in Folge dessen nach kurzer Zeit
-große Schwäche ein.
-
-+Ursachen.+ Der Einfluß außergewöhnlicher Hitze und Kälte, Genuß von
-Säuren, unverdauliche oder reizende Nahrungsmittel, Ueberladen des
-Magens mit Speisen, heftige, geistige Erregung, wie Furcht, Zorn u. s.
-w. Es kann auch durch fortwährenden Aufenthalt in schlecht ventilirten
-Wohnungen, und bei Kindern durch das Zahnen verursacht werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Der Genuß von allen Speisen, die nicht ganz leicht
- verdaulich sind, ist zu untersagen, ebenso Säuren, Kaffee, stark
- gewürztes Gemüse, Früchte, frische Fleischsorten und Suppen aller
- Art. Die Kost des Patienten mag bestehen in Zwieback, Reis, gekochter
- Milch, Hafermehl, geschältes Korn, Pfeilwurz (~Arrow root~),
- Gerstenwasser, Sago, Tapioca, Gummi Arabicum Schleim, gekochtem Reis
- mit Zimmet gewürzt.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes wird die Thätigkeit der Leber
- wieder herstellen und Alles auf die Eingeweide reizbare entfernen:
-
- Zusammengesetzter Syrup aus Rhabarber und Potasche
- (~Compound syrup of rhubarb and Potassa~) 4 Unzen.
- Pfeffermünz- (~Peppermint~) Essenz 1 Drachme.
- Paregoricum (~Paregoric~) 4 Drachmen.
-
- Mische es. Dosis: alle 2, 3 oder 4 Stunden einen Eßlöffel voll. Bevor
- dies indessen genommen wird, ist es gut, ein Brechmittel aus gleichen
- Theilen von pulverisirter Lobelia und Brechwurz (~Ipecac~) zu geben.
-
- Folgender Syrup wird ausgezeichnet gefunden werden:
-
- Brombeerwurzel (~Black berry root~) fein
- geschnitten und gestoßen 8 Unzen.
- Gägel- (~Bay berry~) Rinde 4 „
- Storchschnabel (~Cranes Bill~) 2 „
- Myrrhenharz (~Gum myrrh~) 1 „
- Zimmetrinde (~Cinnamon bark~) 2 „
- Fenchelsamen (~Fennel seed~) ½ Unze.
- Gewürznelken (~Cloves~) 1 „
-
- Zerstoße es gehörig, gebe es in 6 Quart Wasser und lasse es 6 bis
- 8 Stunden langsam über dem Feuer bis zur Hälfte einkochen, dann
- seihe es durch und lasse es zu zwei Pint einkochen. Während es noch
- heiß ist, füge ein Pfund weißen Zucker bei und ist es abgekühlt
- noch ein Pint französischen Branntwein hinzu. Dosis für Erwachsene
- einen Eßlöffel voll. Dies wirkt als ein ausgezeichnetes Mittel gegen
- alle Arten Diarrhöe, Cholera und Cholera-Morbus. Eine Abkochung von
- je einer Handvoll Brombeerenwurzel (~Black berry root~) und weiße
- Eschenrinde (~White oak bark~) mit je einer halben Unze Gewürznelken
- (~Cloves~), Zimmet (~Cinnamon~) und ~Allspice~ mit Stückzucker oder
- Kandiszucker (~Rock candy~) versüßt, wird in einigen Fällen gut
- gefunden werden. Dosis: Mehrere Male des Tages einen Eßlöffel voll.
-
- Bei Uebelkeit und Erbrechen kann ein Senfpflaster über den Magen
- gelegt werden. Auch ein Aufguß von Hafermehl-Kaffee mag zuweilen
- zuträglich gefunden werden. Das Hafermehl sollte mit Wasser
- vermischt, gebacken und mit Kaffee gebräunt werden, dann pulverisire
- man es und mache einen Aufguß daraus. Gegen den Schmerz oder das
- Kneipen wende man eine Einspritzung an, die wie folgt zusammengesetzt
- wird:
-
- Castoröl 1 Gill.
- Molasses ½ Pint.
- Warmes Wasser ½ Pint.
- Laudanum 20-60 Tropfen.
-
- Folgendes wird als ein ausgezeichnetes Mittel empfohlen:
-
- Röste ein halbes Pfund Reis, bis es braun ist, dann koche es und esse
- es langsam.
-
- Pulverisirter Rhabarber (~Rhubarb~) zu Holzkohle gebrannt und
- pulverisirt, wird empfohlen. Ungefähr einen halben Theelöffel voll
- dreimal des Tages. Der Rhabarber mag in einem eisernen Gefäße zu
- schwarzer Asche verbrannt werden.
-
- Chronische Diarrhöe wird in einigen Fällen durch einfaches Essen
- von Gummi Arabicum oder das öftere Trinken des Schleimes von Gummi
- Arabicum geheilt. Folgende Pillen werden gegen chronische Diarrhöe
- empfohlen:
-
- Leptandrin 20 Grane.
- Brechwurz (~Ipecac~) 20 „
- Entenfuß (~Podophyllin~) 5 „
- Pulverisirtes Opium 8 „
-
- Mische es und mache 40 Pillen mit ein wenig Löwenzahn- (~Dandelion-~)
- Extrakt daraus. Dosis: Früh und Abends eine Pille. Während diese
- Pillen genommen werden, ist es gut, die ganze Oberfläche des Körpers
- einmal des Tages mit warmem Saleratuswasser zu waschen. Folgendes
- Mittel soll bei einigen der schlimmsten Falle geholfen haben:
-
- Man nehme ein Stück gut geräucherten alten Speck, schneide ihn
- in Stücke und brate ein Pint Schmeer aus; während des Ausbratens
- schneide mehrere große Zwiebeln hinein. Gieße darauf die Flüssigkeit
- ab und nimm einen Theelöffel voll davon einmal des Tages.
-
- Folgendes wird in einigen Fällen gut gefunden werden:
-
- Pulverisirter Alaun (~Alum~) 2 Grane.
- Pulverisirte Galläpfel (~Galls~) 2 „
- Pulverisirter Kampher (~Camphor~) 1 Gran.
-
- Mische und nimm es auf einmal. Nach jeder Mahlzeit zu wiederholen.
- Eine Abkochung von Kampescheholz (~Logwood~) ist ein ausgezeichnetes
- Mittel gegen diese Krankheit. Ein halber Theebecher voll sollte davon
- dreimal des Tages genommen werden.
-
- =Homöopathisch.= ~Dulcamara.~ -- Gegen Diarrhöe, die von Erkältung
- herrührt, wenn die Stuhlgänge wässerig, grünlich oder gelblich und
- bei leichtem Schmerz schlimmer des Nachts sind. Man lasse ~Bryonia~
- folgen.
-
- ~Aloes.~ -- Heftiger Stuhlgang, der ganze Körper wird während
- desselben heiß, bei einem Gefühl von Magenschwäche oder Schmerz in
- der Gegend der Leber; der Stuhl hat einen höchst fauligen Geruch und
- ist nicht übermäßig stark oder wässerig.
-
- ~Ipecacuanha.~ -- Stuhlgang von dünnem Schleim, oder schaumig,
- gegohren oder gelb, bei beträchtlichem Schmerz im Mastdarm, die
- Entleerungen sind mit einer weißen Substanz gemischt, Blässe des
- Gesichts, große Hinfälligkeit.
-
- ~Chamomilla.~ -- Gallige, wässerige oder schleimige Diarrhöe, der
- Stuhl ähnelt geschnittenem Stroh und riecht wie faule Eier, belegte
- Zunge, Anschwellen der Eingeweide, bitterer Geschmack im Munde.
- Besonders anwendbar gegen Diarrhöe in Folge von Erkältung, Furcht
- oder Zorn, und bei Kindern, wenn sie die Beine in die Höhe werfen,
- sich ärgern, quälen und getragen sein wollen.
-
- ~Rheum.~ -- Sauer riechender Stuhl bei krampfartiger Kolik in den
- Eingeweiden. Ein Schauder während des Stuhlganges; Diarrhöe in Folge
- von Magensäure; saurer Geruch, der von dem Kinde ausströmt und auch
- nicht durch Waschen gehoben wird. Besonders anwendbar bei Diarrhöe
- von Kindern und Frauen im Wochenbett. Wenn ~Rheum~ keine Linderung
- verschafft, so gebe man ~Chamomilla~.
-
- ~Mercurius.~ -- Bei fast jeder Art von Diarrhöe anwendbar, besonders
- wenn mit Kneipen vor und Brennen im After nach dem Stuhlgange
- verbunden; große Hinfälligkeit, Zittern, Entleerungen gallig,
- schleimig, schaumig oder mit Blut gemischt, heftige Kolik,
- schlechter Athem. ~Nux Vomica~ wird zuweilen Linderung geben, wenn
- ~Mercurius~ angezeigt zu sein scheint, aber nicht den gewünschten
- Erfolg hat.
-
- ~Colocynthis.~ -- Gallige oder wässerige Diarrhöe mit starken
- krampfartigen Schmerzen.
-
- ~Podophyllin.~ -- Diarrhöe mit krampfartigen Schmerzen in den
- Eingeweiden, leicht gefärbtem widerwärtigem Stuhl, Entleerungen
- schaumig und schleimig.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Diarrhöe in Folge von Unverdaulichkeit, bei
- wässerigen, widerwärtigen Entleerungen, besonders des Abends,
- bitterer Geschmack im Munde, faulige Zunge.
-
- ~Bryonia.~ -- Diarrhöe in Folge der Sonnenhitze.
-
- ~Arsenicum.~ -- Diarrhöe brennend, mit starken Kolikschmerzen. Mag
- abwechselnd mit ~Veratrum~ oder abwechselnd mit ~Carbo Vegetabilis~
- gegeben werden, wenn die Diarrhöe faulig ist und aus unverdauten
- Nahrungsmitteln besteht, oder bei wässerigem, schleimigem, brennendem
- Stuhl.
-
- ~Magnesia.~ -- Aehnlich dem Schaum eines Froschteiches, grün und
- schaumig.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Wenn häufige und spärliche Stuhlgänge einer
- wässerigen und grünlichen Masse erfolgen und Drängen und drückender
- Schmerz. Mag abwechselnd mit ~Mercurius~ gegeben werden.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle halbe,
- ganze, 2 oder 3 Stunden, der Strenge des Schmerzes und der Häufigkeit
- der Stuhlgänge angemessen, einen Theelöffel voll. Werden die Pillen
- gebraucht, so gebe man 3 bis 4 als eine Dosis. Bei chronischen Fällen
- gebe man jeden Morgen und Abend eine Dosis.
-
- =Allöopathisch.= Zusammengesetzter Syrup von Rhabarber (~Rhubarb~)
- und Potasche mag in Dosen von einem Eß-Löffel alle Stunden gegeben
- werden, bis die Magensäure bewältigt und der Reiz vermindert
- ist. Pfeffermünz- (~Peppermint~) und grüne Münze- (~Spearmint~)
- Essenz kann hin und wieder mit gutem Erfolg hinzugefügt werden.
- Bei Uebelkeit und Erbrechen mache Senfpflaster auf den Magen und
- gebe einige Tropfen Laudanum. Folgendes wird bei leichten Anfällen
- entsprechend gefunden werden:
-
- Gewürzter Rhabarber-Syrup (~Spiced syrup
- of rhubarb~) ½ Unze.
- Magnesia 15 Grane.
- Zimmet- (~Cinnamon~) Wasser 2 Drachmen.
- Kampherwasser 2 „
-
- Mische es und nimm die Hälfte der Mischung als eine Dosis und
- wiederhole dies alle drei Stunden.
-
- Folgendes mag in einigen Fällen angewendet werden:
-
- Verdünnte Schwefelsäure (~Diluted sulphuric acid~) 50 Tropfen.
- Laudanum 15 Tropfen.
- Pfeffermünz- (~Peppermint~) oder Zimmet-
- (~Cinnamon~) Wasser 3 Unzen.
-
- Dosis: Alle 4 Stunden einen Eßlöffel voll.
-
- Bei heftigem, kneipendem Schmerz gebe folgende Einspritzung:
-
- Castoröl 2 Unzen.
- Tinktur von stachliger Eschenrinde (~Tinct.
- of prickly ash bark~) ½ Unze.
- Zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel-
- Tinktur (~Comp. tincture of Virginia snake root~) 2 Drachmen.
- Laudanum 20 Tropfen.
- Aufguß von Wasserdost (~Infusion of boneset~) ½ Pint.
- Aufguß von Sennesblättern (~Infusion of senna~) ½ Pint.
-
- Mische und gib es als eine Einspritzung.
-
- Aehnelt die Diarrhöe der Ruhr (~Dysentery~), so sollten
- Einspritzungen von Stärke angewendet und gleichzeitig folgende Pillen
- gegeben werden:
-
- Essigsaures Blei (~Acetate of lead~) 1 Gran.
- Opium ½ „
-
- Mache eine Pille daraus und wiederhole diese alle 3 oder 4 Stunden.
-
- Bei chronischer Diarrhöe wird zuweilen ein Theelöffel voll Branntwein
- in ein wenig versüßtem Wasser mehrere Male des Tages gegeben, heilen.
- Es wird sehr zuträglich sein, bei Behandlung eines chronischen Falles
- von Diarrhöe ausgenommen Milch und Kalk- (~Lime~) Wasser, so wenig
- als möglich Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Bei beträchtlicher
- Schwäche mögen folgende Pillen gegeben werden.
-
- Chinin (~Quinine~) ½ Drachme.
- Pulverisirte Catechu 1 „
- Pulverisirtes Opium 15 Grane.
-
- Mische es und mache 32 Pillen daraus. Dosis: Dreimal des Tages 1
- Pille.
-
-
-Ruhr (~Dysentery -- Bloody Flux~).
-
-Dies ist eine Entzündung der Schleimhaut der großen Eingeweide.
-
-+Symptome.+ Die Krankheit beginnt in der Regel mit Appetitlosigkeit,
-Verstopfung, Frösteln, Hitze der Haut, außerordentlichem Durst &c. Hin
-und wieder beginnt sie mit Diarrhöe, die Stuhlgänge sind unbedeutend
-und häufig, sie sind mit Schleim vermischt und mit Blut gestreift,
-beständiges Dringen und Verlangen nach Stuhl, starkem Schmerz vor und
-nach jedem Stuhlgang, schmerzhaftes Grimmen des Afters, auch ~Tenesmus~
-genannt.
-
-+Ursachen.+ Plötzlicher Wechsel von heißer zu kalter Witterung, unreife
-oder saure Früchte, verdorbenes Gemüse oder Fleisch, das Trinken von
-kaltem Wasser, wenn man erhitzt ist.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Es sollte dem Patienten nicht erlaubt sein,
- aufzubleiben, er muß sich vielmehr sehr ruhig verhalten. Als Nahrung
- nehme man Mehlsuppe, gehörig gekocht, Reiswasser, Pfeilwurz (~Arrow
- root~), Sago. Bei Besserwerden möge ein wenig Schöpsenfleischbrühe
- erlaubt werden.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Schmerz in den Eingeweiden, gallige
- oder dünne, wässrige Entleerungen mit Schleim gemischt und zuweilen
- mit Blut gestreift, Schmerzen im Kopf, Nacken und Schultern, Puls
- stark und schnell.
-
- ~Arsenicum.~ -- Passend bei Fällen, wo die Stuhlgänge unfreiwillig
- erfolgen und einen fauligen Geruch haben, da, wo der Kranke sehr
- schwach ist, brennende Schmerzen in den Eingeweiden, Athem kalt. Kann
- allein oder abwechselnd mit ~Carbo Vegetabilis~ gegeben werden.
-
- ~Belladonna.~ -- Wenn ~Aconitum~ keine Minderung gewährt und wenn
- Trockenheit im Munde und Hals vorhanden ist, Empfindlichkeit der
- Eingeweide, Zunge belegt und an der Spitze roth.
-
- ~Mercurius.~ -- Dies ist das wichtigste Mittel bei Ruhr und ist in
- allen Stadien anwendbar, besonders wenn ein Drängen, als ob die
- Eingeweide herauskommen wollten, vor und nach dem Stuhle, vorhanden
- ist, eine Entleerung von hellem Blute, zuweilen mit Schleim gestreift
- oder von einer grünlichen Masse nach starkem Drängen, hin und wieder
- gleicht der Stuhl aufgeschlagenen Eiern, heftige Kolik, Uebelkeit,
- Frösteln, Erschöpfung, Zittern, kalter Schweiß auf dem Gesichte,
- Verschlimmerung des Schmerzes zur Nachtzeit. Kann abwechselnd mit
- ~Colocynth~ gegeben werden, wenn starke kneipende Kolik-Schmerzen
- vorhanden sind, oder abwechselnd mit ~Aconitum~ oder ~Belladonna~,
- wenn Fieber damit verbunden ist.
-
- ~Chamomilla.~ -- Zuweilen nach ~Aconitum~ entsprechend, wenn noch
- Fieber mit Kopfschmerz, Uebelkeit und Durst vorhanden sind. Besonders
- nützlich, wenn der Anfall durch plötzliche Schweißunterdrückung
- verursacht wurde.
-
- ~Colocynthis.~ -- Bei starkem Schmerz in den Eingeweiden und die
- Entleerungen mit einer grünen Masse gemischt, oder sie sind mit
- Schleim und Blut gemischt. Mag abwechselnd mit ~Mercurius~ gegeben
- werden.
-
- ~Podophyllin.~ -- Krampfartige Schmerzen in den Eingeweiden,
- Entleerungen hell gefärbt und höchst widrig, oder schaumig und
- schleimig.
-
- ~Ipecacuanha.~ -- Besonders zuträglich bei Eintreten der Krankheit
- im Herbste, oder wenn der Schleim oder schleimige Stuhlgänge später
- mit Blut gestreift sind. Mag mit Vortheil abwechselnd mit ~Petroleum~
- gegeben werden.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Schwache und häufige Entleerungen von blutigem
- Schleim, starke Hitze, großer Durst, brennender, schneidender Schmerz
- in der Gegend des Nabels. Kann abwechselnd mit ~Opium~ gegeben werden.
-
- ~Sulphur.~ -- Vortheilhaft gegen hartnäckige Fälle, gelegentlich eine
- Dosis.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
- Wasser und gebe alle halbe, ganze oder zwei Stunden, der Strenge der
- Symptome angemessen, einen Theelöffel voll. Bessert sich der Kranke,
- so gebe man die Dosen in größeren Zwischenräumen. Bei chronischer
- Ruhr ist eine Dosis des betreffenden Mittels dreimal des Tages
- hinreichend.
-
- =Allöopathisch.= Bei gelinden Fällen gebe man einen Theelöffel voll
- Castoröl und zwei Theelöffel voll Paregoricum (~Paregoric~) einmal
- des Tages; oder eine Dosis Castoröl mit 10 oder 15 Tropfen Laudanum,
- wenn das Mittel zu Anfang gegeben wird. Leinsamen oder schlüpfriger
- Ulmen- (~Slippery elm~) Thee kann als Getränk verwendet werden. Bei
- Schmerz in den Eingeweiden gebe ein Senfpflaster. Einspritzungen von
- Stärke mit einem Theelöffel voll Laudanum werden außerordentlich
- wohlthätig gefunden werden. Der zusammengesetzte Spiritus von
- Rhabarber (~Rhubarb~) und Potasche (~Potassa~) ist in einigen Fällen
- anwendbar und in Dosen von einem Theelöffel voll alle drei oder vier
- Stunden zu geben. Folgendes möge in dem ersten Stadium gegeben werden:
-
- ~Blue Mass~ 18 Grane.
- Brechwurz (~Ipecac~) 6 „
- Kampher (~Camphor~) 12 „
-
- Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: alle drei oder vier
- Stunden eine Pille. Oder:
-
- Kampher (~Camphor~) 18 Grane.
- Brechwurz (~Ipecac~) 6 „
- Opium 3 bis 6 „
-
- Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: alle drei oder vier
- Stunden eine Pille.
-
- Bei chronischer Ruhr gebe man folgendes:
-
- Orangenschalen-Syrup 1 Unze.
- Essigsaures Morphium (~Acetate of morphia~) 2 Grane.
- Zimmet- (~Cinnamon~) Tinktur 6 Drachmen.
- Kardamon- (~Cardamon~) Tinktur 2 „
-
- Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages einen Theelöffel voll.
-
- Bei chronischen Fällen von Ruhr von langer Dauer, wird folgende
- Einspritzung zuträglich gefunden werden:
-
- Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 10 Grane.
- Laudanum 40 Tropfen.
- Leinsamenthee 4 Unzen.
-
- Ein Aufguß von Gelbwurz (~Golden seal~) oder die Tinktur von
- stachligen Eschenbeeren (~Prickly ash berries~) werden als
- Einspritzungen gut gefunden werden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Bei milden Fällen wird der unter
- Diarrhöe empfohlene pulverisirte gebrannte Rhabarber (~Rhubarb~),
- in Dosen von einem halben Theelöffel voll drei- oder viermal des
- Tages gegeben, gut gefunden werden. Gebrannter Branntwein wird in
- einigen Fällen sofortige Linderung verschaffen. Ein Theelöffel
- voll Castoröl und ein und einen halben Theelöffel voll Paregoricum
- (~Paregoric~) gemischt und einmal des Tages genommen, reicht zuweilen
- hin. Bei starkem Schmerz in den Eingeweiden mögen heiße Bähungen
- von Hopfen, oder von Hopfen und Stechapfel- (~Stramonium~) Blättern
- über den schmerzhaften Theil gemacht werden. Sind die Entleerungen
- häufig und schmerzhaft, so wende man Einspritzungen an von 3
- Theilen Stärkewasser und einem Theil zusammengesetzter Tinktur von
- Virginischer Schlangenwurzel (~Compound tincture of Virginia snake
- root~) an; ungefähr eine halbe Unze sollte eingespritzt und nach
- jedem Stuhlgang wiederholt werden; der Patient halte es so lange als
- möglich zurück. Kann man die Tinktur nicht erhalten, so nehme man 10
- bis 20 Tropfen Laudanum. Folgendes wird empfohlen:
-
- Türkischer Rhabarber, gestoßen (~Turkey rhubarb,
- bruised~) 1 Unze.
- Wilde Kirschbaumrinde (~Wild cherry bark~) 2 Unzen.
- Ueber-kohlensaure Soda (~Super-carbonate of soda~) 1 Unze.
- Zimmet- (~Cinnamon~) Rinde 1 „
- Weißer Zucker ½ Pfund.
-
- Lasse das Ganze eine Stunde lang in ein und einem halben Pint
- kochendem Wasser, dann seihe und drücke es aus. Dosis: einen Eßlöffel
- voll oder weniger, dem Alter angemessen, alle halbe, ganze oder zwei
- Stunden, im Verhältniß zu den Symptomen.
-
- Folgendes wird bei einigen Fällen ausgezeichnet gefunden werden:
-
- Reife Brombeeren (~Ripe blackberries~) 2 Quarts.
- Stückzucker 1 Pint.
- Cayennepfeffer (~Cayenne~) ½ Unze.
- Zimmet ½ „
- Gewürznelken (~Cloves~) ½ „
- Allspice ½ „
-
- Koche alles zusammen eine kurze Zeitlang; wenn kalt, seihe es durch
- und füge ein Pint von ~fourth proof Brandy~ hinzu. Dosis: dem Alter
- angemessen, ein Eßlöffel bis ein Weinglas voll. Zuweilen ist es gut,
- durch gehöriges Zudecken des Kranken im Bette und die Darreichung von
- warmen Getränken, bestehend in Leinsamen-, Balsam-, Salbei- (~Sage~)
- oder Katzenmünze- (~Catnip~) Thee Schweiß hervorzurufen.
-
- Folgendes soll beim Beginn der Ruhr helfen:
-
- Leptandrin 10 Grane.
- Morphium (~Morphia~) 1 Gran.
-
- Mische es und mache mit Gummi Arabicum Schleim 3 Pillen daraus und
- gebe alle 6 bis 12 Stunden, den Symptomen angemessen, eine Pille.
-
- Nachstehendes ist eine gute Einspritzung, welche, nachdem die
- Krankheit mehrere Tage angehalten hat, angewendet werden kann.
-
- Aufguß von Gelbwurz (~Golden seal~) 1 Unze.
- Laudanum 10 bis 20 Tropfen.
-
- Gebrauche es als eine Einspritzung.
-
- Innerlich zu geben wird empfohlen:
-
- Guajak (~Guaiacum~), fein pulverisirt 5 Drachmen.
- Gummi Arabicum Schleim 3 Unzen.
- Gewöhnlicher Syrup 3 „
- Wasser 8 „
-
- Mische es. Dosis: alle 4 Stunden ½ Weinglas voll.
-
- Gegen chronische Ruhr gebrauche man folgendes:
-
- Rhabarber (~Rhubarb~) 4 Unzen.
- Schlangenwurzel (~Black cohosh root~) 2 „
- Wilde Kirschbaumrinde (~Wild cherry bark~) 2 „
- Storchschnabel (~Geranium~) 2 „
-
- Mische es und gieße auf diese Bestandtheile 2 Pint Branntwein und
- 2 Pint Wasser. Lasse die Mischung 5 bis 6 Tage stehen, schüttle es
- häufig um und seihe es dann ab. Füge 4 Pint Wasser zu dem Bodensatze,
- koche es bis zu 2 Pint ein, seihe es ab, füge dies der bereits früher
- abgeseihten Tinktur bei und versüße das Ganze mit Stückzucker. Dosis:
- jede Stunde oder alle 2 bis 3 Stunden einen Eßlöffel voll.
-
-
-Cholera Morbus (Brechdurchfall).
-
-Dies ist eine Krankheit, die gewöhnlich in den wärmeren Gegenden
-vorkommt und sich durch Erbrechen, Abführen, heftiges Kneipen, Kälte
-und Krämpfe der Endglieder kennzeichnet.
-
-+Symptome.+ Der Anfall tritt ganz plötzlich mit Erbrechen und Abführen
-ein, wird von starken, kneipenden Schmerzen in den Eingeweiden und im
-Magen begleitet, dem große Angst folgt. Die Entleerungen der Eingeweide
-bestehen in Koth und später aus einer wässerigen, galligen Masse;
-jeder Entleerung gehen heftig kneipende und schneidende kolikartige
-Schmerzen, besonders in der Nabelgegend voraus und begleiten dieselbe;
-in den Zwischenräumen der Entleerungen ist Uebelkeit und Unbehagen des
-Magens und in der Regel großer Durst vorhanden; Flüssigkeiten, sobald
-sie der Patient zu sich genommen hat, werden wieder erbrochen. Wird
-der Krankheit nicht rechtzeitig Einhalt gethan, so dehnen sich die
-Krämpfe auf Arme und Hände aus, die Endglieder werden kalt, der Puls
-wird schwach, die Gesichtsfarbe bleich, die Augen fallen ein, kalter
-klebriger Schweiß bricht aus und der Tod tritt ein.
-
-+Ursachen.+ Sonnenhitze, besonders wenn die Tage heiß und die Abende
-kühl sind, plötzlicher Wechsel der Luft, ungehörige Substanzen im
-Magen, wie unreife Früchte, Säuren, Hummern (~Lobsters~), Melonen,
-Gurken, Jähzorn.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Man mache ein großes Senfpflaster über der Gegend
- des Magens und der Leber und gebrauche gleichzeitig folgende Mischung:
-
- Ammoniak (~Ammonia~) 1 Drachme.
- Magnesia 1 „
- Pfeffermünz- (~Peppermint~) Wasser 4 Unzen.
-
- Wenn die Diarrhöe sehr stark ist oder der Zustand hat schon eine
- Zeitlang angehalten, füge dem Obigen noch zwei Drachmen Paregoricum
- (~Paregoric~) bei. Dosis: Alle 20 Minuten einen Theelöffel voll; bei
- jedesmaligem Einnehmen schüttele man die Mischung gehörig um.
-
- Flanelle, in einer heißen Abkochung von Mohnköpfen (~Poppies~) und
- Kamillenblüthen (~Chamomile flowers~) getränkt und über den Magen und
- die Eingeweide gelegt, wird in einigen Fällen entsprechen.
-
- Das aus Rhabarber (~Rhubarb~) und Potasche (~Potassa~)
- zusammengesetzte Pulver kann in Dosen von einem Theelöffel voll alle
- halbe Stunden, bis sich Uebelkeit und Erbrechen einstellen, gegeben
- werden; ist es nothwendig, füge jeder Dosis noch 5 bis 10 Tropfen
- Laudanum bei. Der Patient sollte viel und öfters warmes Wasser und
- Leinsamenthee trinken, was den Magen und die Eingeweide gehörig
- auswäscht. Ein Umschlag aus Gewürznelken (~Cloves~) und Zimmet, von
- jedem einen Theelöffel voll, Mehl mit Branntwein angefeuchtet, einen
- Eßlöffel voll, bestehend, wird in einigen Fällen dienlich gefunden
- werden.
-
- Auch entspricht zuweilen folgendes:
-
- Morphium (~Morphine~) 1 Gran.
- Doppeltkohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~) 30 Grane.
- Versüßte Rhabarber- (~Rhubarb~) Tinktur 1 Unze.
-
- Mische es. Dosis: Alle halbe Stunde einen Theelöffel voll.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ein gutes Mittel, sowohl den Magen in
- Ordnung zu bringen als auch den Durchfall einzuhalten, besteht in
-
- Gemahlenem schwarzem Pfeffer (~Ground black pepper~) 1 Eßlöffel
- voll.
- Tischsalz 1 „
- Warmem Wasser ½ Bierglas
- voll.
- Cideressig ½ „
-
- Dosis: Nimm nach einigen Minuten einen Eßlöffel voll. Rühre es um und
- mische es gehörig, bis das Ganze genommen ist.
-
- Warme Thees von Katzenmünze (~Catnip~), oder Wasserdost (~Boneset~)
- mögen hin und wieder angewendet werden, um Erbrechen hervorzubringen;
- nachdem das Erbrechen eine Zeitlang angehalten hat, lege man
- ein großes Senfpflaster über den Magen und die Eingeweide und
- gebe den zusammengesetzten Syrup von Rhabarber und Potasche
- (~Compound syrup of rhubarb and potassa~) alle halbe Stunden in
- Dosen von einem Eßlöffel voll. Hierauf mag in einigen Fällen
- Paregoricum (~Paregoric~), Pfeffermünz- (~Peppermint~) Essenz und
- Kampher-Spiritus (~Spirits of camphor~), von jedem einen Eßlöffel
- voll, Rhabarber- (~Rhubarb~) Tinktur ein halbes Pint, angewendet
- werden. Mische es. Dosis: Alle halbe Stunden einen Eßlöffel voll bis
- Erbrechen und Durchfall aufgehört haben. Pfeffermünz- (~Peppermint~)
- Thee mit ein wenig darin aufgelöstem Saleratus wird den Magen hin und
- wieder beruhigen.
-
- Füße und Arme sollten in warmem Saleratuswasser gebadet und eine
- warme Bähung von Hopfen und Essig auf die Eingeweide gemacht werden.
- Nachdem die Kraft der Symptome gebrochen, mag eine starke Abkochung
- von gebranntem Korn mit Vortheil verwendet werden. Ebenso ist auch
- eine starke Abkochung von Brombeerwurzel (~Black berry root~) mit
- Gewürznelken (~Cloves~) und Zimmet (~Cinnamon~) gut. Dosis: Zwei-
- oder dreimal des Tages einen Theetassenkopf voll. Auch gebrannter
- Rhabarber ist ein ausgezeichnetes Mittel.
-
- =Homöopathisch.= ~Ipecacuanha.~ -- Besonders bei heftigem Erbrechen
- kann zu Anfang eines Anfalles abwechselnd mit ~Veratrum~ gegeben
- werden. Wenn bei heftigem Schmerz in den Eingeweiden häufige und
- schwache Entleerungen mit Drängen nach Unten stattfinden, gebe man
- ~Nux Vomica~ abwechselnd mit ~Ipecacuanha~.
-
- ~Arsenicum.~ -- Heftige Diarrhöe einer wässerigen, galligen,
- schleimigen, grünlichen oder schwärzlichen Masse, große
- Hinfälligkeit, kalte Endglieder, heftiger Durst; Zunge und Lippen
- trocken, aufgesprungen, bräunlich; ein brennendes Gefühl in der
- Magengrube. Kann abwechselnd mit ~Veratrum~ gegeben werden.
-
- ~Veratrum.~ -- Bei denselben Symptome wie ~Arsenicum~, verbunden
- mit Wadenkrämpfen, blasse Gesichtsfarbe, große Hinfälligkeit,
- Zusammenschrumpfen der Haut.
-
- ~Colocynthis.~ -- Heftige Kolik, gleichsam als ob die Eingeweide
- zwischen zwei Steine eingeklemmt wären, Erbrechen einer grünlichen
- Masse, krampfartiger Schmerz, Zusammenziehen der Eingeweide mit
- schneidenden Schmerzen, wie von einem Messer herrührend.
-
- ~Cuprum.~ -- Wenn starke Gliederkrämpfe, Krämpfe in den Fingern und
- Zehen vorhanden sind.
-
- ~China.~ -- Wenn der Anfall die Folge von Unverdaulichkeit; ebenso
- gegen die Schwäche nach einem starken Anfall.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen von den gewählten
- Mitteln in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 10, 15 oder 30
- Minuten, der Strenge des Anfalles angemessen, einen Theelöffel voll.
- Wenn nach mehreren Dosen noch keine Linderung verspürt wird, wähle
- man ein anderes Heilmittel. Die Zwischenräume zwischen den Dosen
- sollten mit dem Besserwerden des Kranken verlängert werden. Die Kost
- möge aus Stoffen wie Haferschleim bestehen und kaltes Wasser verwende
- man zum Trinken. Vorsichtig müssen alle Gemüse sowie alle Stoffe, die
- nicht mit dem Zustande des Magens übereinstimmen, vermieden werden.
-
-
-Asiatische Cholera (~Cholera Asiatica~)
-
-ist eine der gefährlichsten Krankheiten.
-
-+Symptome.+ Erstes Stadium. In den ersten Anfällen treten in der Regel
-Verdauungsstörungen, Kollern in den Eingeweiden, Schmerz im Kopf, den
-Knien und Gelenken, Durst und leichte Diarrhöe ein. Diese Symptome
-können sich mehrere Stunden oder auch einige Tage hinziehen; häufig
-tritt sie aber auch urplötzlich ohne irgend welche Vorzeichen ein.
-
-Zweites Stadium. Dieses Stadium kennzeichnet sich mehr oder weniger
-durch ein beständiges Erbrechen und Abführen einer dünnen, farblosen,
-dem Reiswasser ähnelnden Flüssigkeit, Krämpfe in den Beinen, die sich
-bald auf den Magen und die Eingeweide erstrecken; sie sind heftig und
-äußerst schmerzhaft, ziehen die Muskeln in feste Knoten zusammen und
-dehnen sich schließlich auf alle Muskeln des Körpers aus. Schreitet
-dieses Stadium vor, so wird die Zunge blaß und feucht, der Puls
-schwach, der Athem fliegend, Beängstigung im Herzen, ein Gefühl von
-innerlicher Wärme, das Leiden spiegelt sich auf dem Gesicht, großer
-Durst ist vorhanden.
-
-Das dritte Stadium oder der Höhepunkt der Krankheit kennzeichnet sich
-durch große Hinfälligkeit, der Puls wird kaum fühlbar, die Haut kalt
-und klebrig, das Gesicht nimmt eine tiefblaue und purpurne Farbe an,
-die Augen fallen ein, Hände und Füße färben sich dunkel, ähnlich den
-Händen einer Waschfrau, und haben ein teigiges, todtenartiges Gefühl,
-die Stimme ist schwach, trocken und beinahe ganz verloren, Athem kurz
-und mühsam, der Kranke schreit unaufhörlich nach Luft, kaltem Wasser
-oder Eis, oder er liegt in einer Erstarrung, der Koth kann entweder
-aufhören oder er geht ohne Wissen des Kranken ab. Der Patient mag sich
-in einem solchen Zustande 1 oder 2 bis 24 Stunden befinden, aber die
-Genesung eines Falles in diesem Stadium zählt zu den Seltenheiten.
-
-+Ursachen.+ Die Ursache der Cholera ist noch immer unbekannt, wir
-wissen, daß sie von einem besonderen Zustande der Luft abhängt,
-welcher Zustand es aber ist, ist noch nicht ermittelt. Uebervölkerte
-Plätze, niedrige, feuchte Wohnungen werden von der Seuche besonders
-heimgesucht, und Personen, welche durch Unmäßigkeit oder andere
-Krankheiten geschwächt sind, sowie Unreinliche und ärmlich Genährte
-sind derselben vor allen Andern ausgesetzt. Das Zusichnehmen
-ungehöriger Nahrung, berauschende Getränke, kalte, feuchte oder
-Nachtluft, spätes Aufbleiben und Furcht mögen zu den Ursachen gezählt
-werden. Letztere ist eine der häufigsten Ursachen, der tausende von
-Menschenleben zum Opfer gefallen sind.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= Stellen sich die Anzeichen ein, so sollte sich der
- Kranke sofort zu Bett begeben, gehörig zudecken und vollkommen ruhig
- verhalten. Kampher ist hierbei das wichtigste Mittel und wird in
- folgender Weise angewendet:
-
- Einen Tropfen Kampher-Tinktur auf ein kleines Stück Zucker alle 2, 3
- oder 5 Minuten, auch, wenn der Magen etwas annimmt, alle 15 bis 20
- Minuten etwas Branntwein mit Wasser. Sobald der Kranke zu schwitzen
- beginnt, verlängere man die Zwischenräume zwischen den Dosen und
- lasse ihn 8 bis 10 Stunden im Schweiße. Tritt aber die Krankheit in
- das zweite Stadium, stellen sich Krämpfe ein, so sollte ~Veratrum~
- und ~Cuprum~ abwechselnd wie folgt gegeben werden:
-
- Man löse 12 oder 15 Kügelchen von jedem Mittel in 4 Eßlöffel voll
- Wasser und gebe alle 15 Minuten einen Theelöffel voll; sobald sich
- die Symptome bessern, verlängere man die Zwischenräume.
-
- ~Arsenicum.~ -- Bei heftig brennenden Schmerzen im Magen und den
- Eingeweiden, schlimmer nach Erbrechen mit krampfartigem Schmerz im
- Unterleib, heftiger Durst, schwieriges Athem, Heiserkeit, schwacher,
- unregelmäßiger Puls, kalte, klebrige Haut, Blausein des Gesichts
- und der Lippen, Erbrechen und Abführen unmittelbar nach Essen und
- Trinken sogar des Geringfügigsten. ~Arsenicum~ und ~Veratrum~ können
- abwechselnd mit Erfolg gegeben werden.
-
- ~Cuprum~ -- sollte gegeben werden, wenn Erbrechen und
- reiswasserartige Entleerungen stattfinden, Haut kalt und schwarzgelb,
- Kolik, Augen eingefallen, Haut eingeschrumpft, Krämpfe in den Waden,
- Stimmlosigkeit, kalte, klebrige Schweiße. Bei heftigem Stechen
- in der Seite, großer Angst und Furcht gebe ~Cuprum~ und ~Acidum
- hydrocyanicum~ abwechselnd, alle 10 bis 15 Minuten einen Theelöffel
- voll.
-
- Tritt die Krankheit in das dritte Stadium, so gebe man ~Carbo
- vegetabilis~, einen Theelöffel voll alle halbe oder ganze Stunden.
- Verbleibt noch ein heftiges Brennen im Magen, so gebe man ~Arsenicum~
- abwechselnd mit ~Carbo vegetabilis~.
-
- ~Secale Cornutum.~ -- Besonders bei alten Personen, wenn
- außerordentliche Hinfälligkeit eintritt, heftiger Durst, Zunge kalt
- und trocken, eingeschrumpfte Haut.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Heilmittel löse 12
- oder 15 Kügelchen in 6 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 5, 15,
- 20 oder 30 Minuten, der Strenge der Symptome angemessen, eine Dosis;
- je nach Besserwerden vermindere die Zahl der Dosen. Die Hitze des
- Körpers sollte durch heiße Ziegelsteine oder Flaschen mit heißem
- Wasser um den Körper des Kranken gelegt, erhalten werden. Reiben
- mit der Hand oder mit einem Stück Flanell wird die Wärme wieder
- herstellen und zugleich die Krämpfe in den Muskeln lindern. Kleine
- Stücke Eis oder Eiswasser mögen zur Stillung des starken Durstes
- gegeben werden. Einspritzung von kaltem Wasser lindert zuweilen die
- Kolik und die Krämpfe in den Eingeweiden.
-
-
- Schutzmittel.
-
- Als ein solches mag Kampher-Tinktur ein- oder zweimal innerhalb 24
- Stunden in Tropfen-Dosen gegeben werden. Dr. Herring von Philadelphia
- empfiehlt ~Sulphur~, und zwar in der Weise, daß man einen halben
- Theelöffel voll Schwefelblüthe (~Flowers of sulphur~) in jeden
- Strumpf schüttet und es so beständig trägt.
-
- =Allöopathisch.= Im ersten Stadium gebe man 5 bis 10 Tropfen Laudanum
- alle 3 Stunden, bis die Diarrhöe eingestellt wird. Dr. Henry
- Hartshorn empfiehlt folgendes:
-
- Chloroform ½ Drachme.
- Opium-Tinktur (~Tinct. of Opium~) ½ „
- Kampher-Spiritus (~Spirits of Camphor~) ½ „
- Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic
- spirits of ammonia~) ½ „
- Kreosot (~Creosote~) 3 Tropfen.
- Zimmetöl (~Oil of cinnamon~) 8 „
- ~Spirits of Gallic wine~ 2 Drachmen.
-
- Mische und löse einen Theelöffel voll davon in einem Weinglas voll
- Eiswasser auf und gebe von der Mischung alle fünf Minuten zwei
- Eßlöffel voll und lasse jedesmal ein Stück Eis folgen. Ein Eßlöffel
- voll Branntwein sollte jede Stunde oder alle zwei Stunden gegeben
- werden.
-
- Im zweiten Stadium möge folgendes zur Stärkung der sinkenden Kräfte
- gegeben werden:
-
- Kampher (~Camphor~) 2 Drachmen.
- Chloroform 1 Drachme.
- Ein Eidotter.
-
- Mische und reibe es in einander, dann füge hinzu:
-
- Opium-Tinktur (~Tinct. of Opium~) 1 Unze.
- Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits
- of ammonia~) 1 „
-
- Mische es. Dosis: alle Stunden einen Theelöffel voll bis Besserung
- eintritt.
-
- Im dritten Stadium empfiehlt Professor Chapman von Philadelphia die
- Anwendung des Eises in Säckchen längs des Rückgrats, beharrlich
- fortgesetzt. Die obige Behandlung sollte in diesem Stadium mit mehr
- Kraft angewendet werden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Im ersten Stadium wird von Dr. John
- King folgendes empfohlen:
-
- Zusammengesetzter Spiritus von Rhabarber (~Rhubarb~)
- und Potasche (~Potassa~) 4 Unzen.
- Stachlige Eschenbeeren-Tinktur (~Tinct. of prickly
- ash berries~) 1 Unze.
- Pfeffermünz- (~Peppermint~) Essenz 1 Drachme.
- Paregoricum- (~Paregoric~) Elixir 4 Drachmen.
-
- Mische es. Dosis: alle halbe Stunden einen Theelöffel voll, bis es
- auf die Eingeweide wirkt, dann gebe drei- oder viermal täglich einen
- Eßlöffel voll.
-
- Folgendes wird empfohlen, wenn das vorhergehende die Diarrhöe nicht
- einstellt:
-
- Guajacaharz (~Gum Guajacum~) ¼ Unze.
- Gemahlene Nelken (~Ground cloves~) ¼ „
- Gemahlener Zimmet (~Ground cinnamon~) ¼ „
- Branntwein 1 Pint.
-
- Mische es. Dosis: einen Theelöffel bis einen Eßlöffel voll alle halbe
- Stunden, bis die Diarrhöe aufhört.
-
- Um das Erbrechen zu verhindern, gebe man im zweiten Stadium folgendes:
-
- Kampher- (~Camphor~) Wasser 1 Unze.
- Pfeffermünz- (~Peppermint~) Wasser 1 „
- Grüne Münz- (~Spearmint~) Wasser 1 „
- Paregoricum- (~Paregoric~) Elixir 2 Drachmen.
-
- Mische es. Dosis: einen Theelöffel bis einen Eßlöffel voll alle 5, 10
- oder 15 Minuten. Stopft dies das Erbrechen nicht, so gebe:
-
- Salz 1 Drachme.
- Schwarzer Pfeffer 1 „
- Essig 5 Drachmen.
- Heißes Wasser 4 Unzen.
-
- Um die Entleerungen einzuhalten, möge Folgendes gegeben werden:
-
- Kampher (~Camphor~) 1 Gran.
- Kino-Gummi (~Kino~) 1 „
- Gerbersäure (~Tannic acid~) 1 „
- Opium ½ „
-
- Gieb es als eine Dosis alle halbe Stunden und verlängere die
- Zwischenräume, nachdem der Patient besser wird. Finden häufige
- Entleerungen statt so sollte die Medizin nach einer jeden gegeben
- werden.
-
- Um den Krampf der Glieder zu unterdrücken, sollten dieselben heftig
- mit der Hand und warmem Flanell gerieben werden. Die spanische
- Pfeffertinktur (~Tincture of capsicum~) mag längs des Rückgrats
- eingerieben werden, worauf ein Senfpflaster ausgelegt werden sollte.
-
- Im dritten Stadium hülle man den Kranken in Decken, mit heißem Wasser
- getränkt, ein und gebe gleichzeitig einen Theil Kampher-Tinktur
- (~Tincture of camphor~) und drei Theile von der stachligen
- Eschenbeere (~Prickly ash berries~).
-
- Dosis: alle 10 oder 20 Minuten einen Theelöffel bis zu einem Eßlöffel
- voll in Wasser. Dosen von Branntwein sind von gutem Erfolg.
-
- Folgendes ist die berühmte Behandlung von Rev. Dr. Hamlin, eines
- Missionärs in der Türkei:
-
- Man nehme gleiche Theile von Laudanum, Kampher-Spiritus und
- Rhabarber- (~Rhubarb~) Tinktur, mische es und gebe 30 Tropfen auf
- einem Stückchen Zucker, was gewöhnlich die Diarrhöe stopft. Deren
- Rückkehr zu verhindern, sollten alle 4 Stunden Dosen von 10 bis
- 20 Tropfen gegeben werden. Wirkt die erste Dosis von 30 Tropfen
- nicht, so erhöhe man dieselbe auf 40, 45 bis 60 Tropfen bei jeder
- Bewegung der Eingeweide. Sobald aber die Diarrhöe aufhört, müssen die
- Dosen verringert werden. Bei fortschreitender Diarrhöe sollte eine
- Einspritzung von gekochter Stärke mit einem Theelöffel voll Laudanum
- gegeben werden. Bei jeder Bewegung der Eingeweide verordne man ein
- Drittel.
-
- Zu gleicher Zeit wendet er präparirte Kreide (~prepared chalk~) in
- Dosen von 10 Granen, mit ein paar Tropfen von Laudanum und Kampher
- auf je eine Dosis, an. Senfpflaster sollten über die Magengrube
- gelegt werden. Wenn das Erbrechen und Abführen sehr stark, sowie
- Krämpfe und Kolikschmerzen vorhanden sind, mögen gleiche Theile von
- Laudanum, spanische Pfeffer- (~Capsicum~) Tinktur, Ingwer- (~Ginger~)
- Tinktur, Kardamonsamen- (~Cardamon seeds~) Tinktur angewendet werden.
- Dosis: 30 bis 40 Tropfen oder einen halben Theelöffel voll in ein
- wenig Wasser und mehr, der Strenge des Falles angemessen. Wenn die
- erste Dosis erbrochen wurde, so sollte gleich nach dem Erbrechen die
- zweite gegeben werden.
-
- Im dritten Stadium füge man der zweiten Mischung noch halbstündliche
- Dosen von einem Eßlöffel voll Branntwein hinzu, erwärme den Kranken
- vermittelst Flaschen mit heißem Wasser und reibe Glieder und Körper
- gehörig.
-
-
-Hämorrhoiden (~Piles~),
-
-ein sehr verbreitetes Leiden, besteht in Vollblütigkeit und einem
-matten Blutumlauf in dem unteren Theile des Mastdarms. Sie werden
-äußerliche Hämorrhoiden genannt, wenn sie äußerlich erscheinen, und
-innerliche, wenn sie innerhalb der Eingeweide bleiben, fließende bei
-Blutentleerungen und blinde da, wo keine Blutentleerung stattfindet.
-
-+Symptome.+ Dem Anfalle geht in der Regel ein Gefühl von Schwere in
-dem unteren Theile des Unterleibes mit einem schmerzhaften Jucken
-am After oder der Oeffnung voraus. Beim Stuhlgang wird ein starker
-stechender oder brennender Schmerz gefühlt und mehr oder weniger
-Drängen oder nach Untenziehen ist vorhanden. Bei Blutflüssen ist der
-Schmerz weniger heftig als da, wo dieselben fehlen.
-
-+Ursachen.+ Alles, was die Unterleibseingeweide reizt, verursacht
-eine Zusammenziehung des Blutes dort; lang anhaltende Verstopfung,
-Stuhlzwang, Reiten, üppige Lebensweise, stark gewürzte Speisen,
-beengende Kleidung, sitzende Lebensweise. Das weibliche Geschlecht ist
-während der Schwangerschaft durch den Druck der Gebärmutter auf die
-Adern des Beckens besonders dazu geneigt.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Gehöriger Stuhlgang ist nothwendig und zu diesem
- Behufe wende man folgendes an:
-
- Sennesblätter-Zucker (~Confection of senna~) 2 Unzen.
- Cremor Tartari (~Cream of Tartar~) 1 „
- Schwefel (~Sulphur~) 1 „
-
- Hinreichend Ingwer- (~Ginger~) Syrup, um eine steife Paste zu machen.
-
- Mische es. Dosis: ein Stück von der Größe einer Muskatnuß reicht hin,
- um täglich einen Stuhlgang hervorzubringen. Ein Umschlag von Fett,
- Talg oder kalter Sahne auf die Hämorrhoiden mildert zuweilen den
- Reiz. Folgendes ist eine gute Salbe:
-
- Wallrathsalbe (~Ointment of spermaceti~) 1 Unze.
- Salbe von Rosenwasser oder Glycerin 1 „
- Opium 10 Grane.
-
- Mische und wende es so oft als erforderlich an.
-
- Oder auch:
-
- Belladonna-Extrakt 1 Drachme.
- Wallrathsalbe (~Ointment of spermaceti~) 1 Unze.
-
- Mische es. Anwendbar gegen schmerzhafte Hämorrhoiden.
-
- Waschen mit kaltem Wasser oder ein kühles Sitzbad lindern sie
- zuweilen.
-
- Ist der Blutfluß stark, so mögen Einspritzungen von kaltem Wasser
- oder eine schwache Auflösung von Alaun gemacht werden. Eine Salbe
- zusammengesetzt aus
-
- Fett 2 Unzen.
- Schwefel 1 Drachme.
-
- Gemischt und zwischen zwei Bleitellern, bis es gehörig schwarz
- geworden ist, gerieben, soll sich sowohl gegen die fließenden als
- auch blinden Hämorrhoiden bewährt haben. Bei starker Entzündung kann
- ein Umschlag, zusammengesetzt aus Schwefel (~Sulphur~), schlüpfriger
- Ulmenrinde (~Slippery elm bark~) und Stechapfel- (~Stramonium~)
- Blättern gemacht werden.
-
- Die Kost sollte einfach sein, wie Kornbrod, reife Früchte, Brod aus
- ungesiebtem Weizenmehl, Brühen &c.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Cremor Tartari (~Cream of tartar~) in
- Dosen von einem Theelöffel voll in Molasses oder Syrup genommen,
- ist ein ausgezeichnetes Mittel. Gleiche Theile von Schwefelblüthe
- (~Flowers of sulphur~) und Cremor Tartari in Dosen von einem
- Theelöffel voll in Molasses oder Syrup gegeben, ist in einigen
- Fällen von Erfolg. Gleichzeitig sollte der Patient einen Thee aus
- gleichen Theilen von Flieder (~Elder~) und Wollkraut (~Mullen~)
- trinken. Bei blinden Hämorrhoiden, wenn beträchtliche Entzündung
- vorhanden ist, wird ein Umschlag von Kermesbeer- (~Poke~) Blättern
- als sehr wirksam empfohlen; oder gleiche Theile von Ulmenrinde (~Elm
- bark~) und Lobeliablättern. Zuweilen wird eine Bähung vermittelst
- einer Abkochung von bitteren Kräutern wie Rainfarn (~Tansy~), Hopfen
- und Kermesbeer- (~Poke~) Blättern sehr zuträglich gefunden werden.
- Folgendes wird in einigen Fällen mit Erfolg angewendet:
-
- Man nehme ein halb Dutzend ~Buckeyes~ oder wilde Kastanien (~Horse
- chestnuts~) wenn frisch, schäle und schneide sie fein, lege sie in
- einen Blechnapf mit hinreichend Fett, um sie zu bedecken, lasse sie
- eine Stunde lang am Feuer stehen und seihe dann das Fett durch.
- Wenn kalt, ist es anwendbar. Schmiere damit die Geschwulst zweimal
- des Tages. Frische Butter, Salz, Terpentin-Spiritus (~Spirits of
- turpentine~), im Verhältniß von einem Theelöffel des Vorhergehenden
- auf zwei Theelöffel des Letzteren zusammen gemischt und damit mehrere
- Male des Tages sowohl Innen als Außen den After eingeschmiert, ist
- ein ausgezeichnetes Mittel.
-
- Dr. Bodenhammer’s Salbe wird aus gestoßenen Stechapfel-
- (~Stramonium~) Blättern oder Jamestown Unkraut zubereitet, welches
- man in frischer Butter oder Schweinefett, dem ein wenig Laudanum
- beigefügt ist, langsam kochen läßt. Es sollten dann öfters Umschlage
- auf die angegriffenen Theile gemacht werden.
-
- =Homöopathisch.= Das Hauptmittel ist ~Nux vomica~, das bei allen
- Arten dieser Krankheit anwendbar ist. Abwechselnd mit ~Sulphur~,
- besonders bei chronischen Fällen zu geben. Eine Dosis des Nachts von
- ~Nux Vomica~, des Morgens von ~Sulphur~. Entsprechen diese Mittel
- nicht, so gebe man ~Ignatia~, ~Sepia~, ~Belladonna~, ~Colocynthis~,
- ~Carbo Vegetabilis~, ~Hepar Sulphuris~. Jedes mag mehrere Tage
- gegeben werden, bevor zu einem anderen gegriffen wird, weil das
- vorhergehende keinen Erfolg hatte.
-
- ~Hamamelis~ -- ist mit Erfolg bei dieser Krankheit angewendet
- worden; man gebe entweder die Tinktur oder Ponds Extrakt und zwar
- 6 Tropfen in einem Bierglas voll Wasser. Alle 2, 3 oder 4 Stunden
- einen Theelöffel voll. Gleichzeitig gebrauche das Mittel, mit einer
- gleichen Menge Wasser verdünnt, äußerlich. Die Anwendung des Wassers
- ist sehr zuträglich.
-
- Der Patient sollte häufig kalte Sitzbäder nehmen und Einspritzungen
- von kaltem Wasser machen.
-
-
-Mastdarmvorfall (~Prolapsus Ani~)
-
-ist ein Leiden, bei welchem der Mastdarm aus dem After tritt, und wird
-häufiger bei Kindern und alten Leuten gefunden.
-
-+Ursachen.+ Stuhlzwang, heftiges Husten, der Gebrauch von starken
-Abführmitteln, Würmer, Hämorrhoiden, Diarrhöe &c.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Trifft das Leiden ein kleines Kind, so sollte dasselbe
- auf den Rücken, mit den Hüften erhöht, gelegt werden, und die
- Wärterin mag mit eingeölten Fingern sorgfältig und allmählig den Darm
- zurückdrängen. Wenn nothwendig, mache man eine Binde aus mehrfach
- zusammengelegtem Muslin, und zwar in der Form von einem ~T~, was
- dadurch geschieht, daß man eine Binde über den Hüften ringsum den
- Leib legt und eine andere zwischen den Beinen durchlaufend vorn und
- hinten an der Gürtelbinde befestigt.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Eine starke Abkochung von Eichenrinde
- (~Oak bark~), oder eine Abkochung aus gleichen Theilen von Solomons
- Siegel (~Solomon’s seal~) und Gelbwurz (~Golden seal~) mag
- eingespritzt und so lange als möglich angehalten werden. Irgend eine
- gute Hämorrhoiden-Salbe, der eine Drachme ~Tannin~ beigefügt wurde,
- kann mit Vortheil verwendet werden. Folgende Einspritzung ist bei
- einigen Fällen empfehlenswerth:
-
- Stachelige Eschenbeeren-Tinktur (~Tincture
- of prickly ash bark~) 4 Unzen.
- Nux Vomica-Tinktur 3 Drachmen.
-
- Spritze einen Theelöffel voll in den Mastdarm und halte es so lange
- als möglich zurück. Drei- oder viermal des Tages zu wiederholen.
-
- =Homöopathisch.= ~Ignatia~ -- ist das Hauptmittel. Es mag einmal alle
- 24 Stunden, eine Woche hindurch oder länger, gegeben werden; dann
- setze einige Tage aus und gebe eine Woche lang jeden zweiten Abend
- eine Dosis ~Sulphur~.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Bei beträchtlichem Schmerz und Stuhlzwang, besonders
- bei kleinen Kindern.
-
- ~Mercurius.~ -- In einigen Fallen anwendbar, besonders wenn der
- heraustretende Darm angeschwollen oder bläulich ist und beim
- Stuhlgang blutet.
-
- ~Calcarea.~ -- Vorzugsweise gut bei hartnäckigen chronischen Fällen,
- wo andere Mittel erfolglos blieben. Häufige Waschungen mit kaltem
- Wasser werden zuträglich gefunden werden. Obige Mittel sind wie
- ~Ignatia~ zu geben.
-
- =Allöopathisch.= Folgendes mag zu einer örtlichen Waschung dienen:
-
- Weiße Eichenrinde (~White oak bark~) 1 Unze.
- Wasser 1 Pint.
-
- Siede es zu einem Viertel ein, seihe es durch, füge ein Skrupel Alaun
- (~Alum~) hinzu und trage es vermittelst eines weichen Schwammes auf.
-
- Reife Früchte, in Molasses gedämpft, oder ~Hasty puddings~ und
- Molasses mögen als Kost dienen; es wirkt dies stärkend auf die
- Eingeweide.
-
-
-Brüche (~Hernia~).
-
-Unter Bruch ist ein Hervortreten der Eingeweide aus deren Höhlen zu
-verstehen und wird häufig bei Arbeitern gefunden, die sich dieselben
-durch starkes Heben oder Pressen zuziehen. Auch Reiten oder irgend
-etwas, was die Leistengegend schwächt, kann die Veranlassung dazu
-werden.
-
-Die Brüche werden ihrer Oertlichkeit gemäß in verschiedene Arten
-getheilt.
-
-Nabelbruch ist das Hervortreten der Eingeweide in der Gegend des Nabels
-und tritt häufig bei Kindern bald nach der Geburt ein.
-
-Leistenbruch -- befindet sich am Schambug.
-
-Hodensackbruch. -- Wenn der Darm in den Hodensack sinkt.
-
-Bauchbruch. -- Wenn der Bruch sich an irgend einem Theile des Körpers
-einstellt, wo keine andere Form vorkommt.
-
-Schenkelbruch -- befindet sich in dem oberen vorderen Theile der Lenden.
-
-Der Bruch kann zurückführbar, unzurückführbar und eingeklemmt sein. Er
-ist zurückführbar, wenn er in die Höhle, aus welcher er getreten ist,
-zurückgedrängt werden kann. Unzurückführbar, wenn der Darm nicht in den
-Bauch zurückgedrängt werden kann. Eingeklemmt, wenn der Darm an dem
-Punkte, wo er aus dem Unterleib tritt, so gepreßt ist, daß der Inhalt
-nicht durchdringen kann.
-
-+Symptome.+ Ein Anschwellen oder eine weiche Geschwulst zeigt sich an
-irgend einer Stelle des Bauches, nimmt an Größe zu, wenn der Patient
-aufrecht steht, und nimmt ab, sobald er sich niederlegt.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Wenn Jemand eine Anschwellung an irgend einem der erwähnten Theile
- entdeckt, wende er sich sogleich an einen Chirurgen. Ein gut
- passendes Bruchband sollte Tag und Nacht getragen werden; unter
- keinen Umständen sollte dies der Patient unterlassen, besonders
- wenn er aufrecht steht. Beharrliches, monatelanges Tragen eines
- Bruchbandes mag eine Heilung bewirken, besonders wenn der Patient
- noch jung ist. Personen, die damit behaftet sind, sollten sehr
- vorsichtig sein und nicht hartleibig werden, sie sollten dem Rufe der
- Natur regelmäßig Folge leisten.
-
- Gegen Nabelbruch bei Säuglingen wird ein Mittel von Dr. H. R. Stout
- in Chicago angewendet, erfolgreich gefunden werden.
-
- Lege auf den Bruch, nachdem der Darm zurückgedrängt worden ist,
- ein Kupferstück hinreichend groß, um denselben zu bedecken, ziehe
- von beiden Seiten die Haut über dasselbe und verbinde diese durch
- Heftpflasterstreifen. Es ist dem Kinde unmöglich, diesen Verband zu
- entfernen, und eine Heilung muß daher schneller und erfolgreicher
- sein. Es sollte getragen werden, bis die Kur beendet ist.
-
- Ist der Bruch eingeklemmt, so sollte der Kranke in ein warmes Bad
- gebracht und Anstrengungen gemacht werden, denselben zurückzubringen.
- Solche Fälle sollten aber nur von einem erfahrenen Arzte behandelt
- werden.
-
- Personen, die ein Bruchband tragen, sollten immer zwei von derselben
- Sorte haben, so daß, wenn eins in Unordnung geräth, das andere,
- während das erstere reparirt wird, getragen werden kann; denn der
- Schaden, der dem Patienten daraus erwächst, wenn er das Bruchband
- auch nur für eine Stunde ablegt, kann vielleicht erst nach Monaten,
- ja nach Jahren, wieder gut gemacht werden.
-
-
-Unterleibswassersucht (~Ascites~).
-
-Dies ist eine Ansammlung von Wasser in der Höhle des Unterleibes.
-
-+Symptome.+ Eine Anschwellung des Unterleibes mit einem Gefühl von
-Spannung und Schwere, begleitet von Appetitlosigkeit, Brustbeklemmung
-und Verstopfung, tritt ein. Ist die Ansammlung des Wassers bedeutend,
-so wird das Athmen kurz und schwierig. Das Vorhandensein der
-Flüssigkeit kann erkannt werden, wenn man die Hand an die eine Seite
-des Unterleibs legt und an die andere Seite schlägt, wodurch das Wasser
-nach der ruhenden Hand fließt und so gefühlt wird.
-
-+Ursachen.+ Die Wassersucht kann durch Krankheiten der Leber oder
-Milz, Krankheiten des Herzens und ebenso chronische Entzündung der
-Schleimhaut des Unterleibes oder Brustfelles hervorgerufen werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Apis Mellifica~ -- hat wunderbare Kuren bewirkt und
- ist besonders gut, wenn folgende Symptome anwesend sind: Ein Gefühl
- von Vollsein, oder Erstickung in der Brust, schwieriges Athmen,
- Schmerz und Empfindlichkeit des Unterleibes.
-
- ~Arsenicum.~ -- Gesichtsfarbe bleich und wachsartig, Wangen, Lippen
- und Augenlider bläulich und geschwulstig, Mund und Zunge trocken,
- Urin spärlich, dunkel und trübe oder schleimig, große Hinfälligkeit,
- Ohnmacht, Herzklopfen, schwieriges Athmen, Appetitlosigkeit, Schwere
- und Steifheit der Glieder und des Körpers.
-
- ~Digitalis.~ -- Besonders wenn die Wassersucht durch Herzkrankheit
- verursacht wird, auch bei Gesichtsblässe, Anschwellen der Augenlider,
- Unregelmäßigkeit der Eingeweide, scharfes Stechen in der Gegend des
- Herzens.
-
- ~Apocynum~ -- ist bei allen Formen der Wassersucht ein
- außerordentlich schätzbares Mittel.
-
- Andere Heilmittel sind: ~Asparagus~, ~Cantharides~, ~Mercurius~,
- ~Cannabis Indica~, ~China~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe bei harten Fällen alle 3 oder 4
- Stunden eine Dosis von dem gewählten Mittel; bei chronischen Fällen
- nur ein- bis zweimal des Tages. Werden die Kügelchen gebraucht, so
- gebe man 6 auf eine Dosis. Bei Anwendung der Auflösung löse man 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe als Dosis einen
- Theelöffel voll.
-
- =Allöopathisch.= Folgendes kann mit großem Vortheil angewendet werden:
-
- Aufguß von Fingerhut (~Digitalis~) 4 Unzen.
- Essigsaure Potasche (~Acetate of potash~) 2 Drachmen.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 „
- Zimmet- (~Cinnamon~) Wasser 1½ Unzen.
-
- Mische es. Dosis: Alle 4 bis 5 Stunden einen Eßlöffel voll.
-
- Als Trank kann man einen Aufguß aus 2 Theilen Haarmoos (~Haircap
- moss~) und je einen Theil Wachholderbeeren (~Juniper berries~) und
- Attichrinde (~Dwarf elder bark~) nehmen.
-
- Folgendes ist sehr empfohlen:
-
- Pulverisirtes Gummi (~Pulv. gamboge~) 12 Grane.
- Pulverisirtes Windenharz (~Pulv. scammony~) 12 „
- Springgurke (~Elaterium~) 2 „
- Krotonöl (~Croton oil~) 8 Tropfen.
- Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~) 3 Grane.
-
- Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Alle Stunden, bis es
- wirkt, eine Pille.
-
- Schwefelsaure Potasche wird in Dosen von einer Drachme in einem
- Aufguß von geschabtem Meerrettig (~Horse-radish~), Wachholderbeeren
- (~Juniper berries~), und Senfkörnern (~Mustard seed~), gestoßen, eine
- halbe Unze von jedem in 1½ Pint kochenden Wassers empfohlen. Die
- Mischung sollte 2 Stunden lang stehen und dann abgeseiht werden. Ein
- Viertel davon als eine Dosis zu nehmen.
-
- Einreiben des Unterleibes mit der Salbe von Potaschen-Iodide
- (~Ointment of Iodide of potassium~) wird empfohlen, während des Tages
- nehme man folgende Mischung:
-
- Anderthalbkohlensaures Ammoniak (~Sesqui-carbonate
- of ammonia~) ½ Drachme.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) ½ Unze.
- Fingerhut-Tinktur (~Tincture of digitalis~) ½ Drachme.
-
- Kampher-Mischung hinreichend, um 6 Unzen zu machen.
-
- Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.
-
- Cremor Tartari (~Cream of tartar~) täglich in großen Dosen genommen,
- wird zuweilen wohlthätig sein.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Löwenzahn- (~Dandelion~) Thee wird
- bei diesem Leiden sehr empfohlen. Er kann folgendermaßen zubereitet
- werden:
-
- Man schneide die Wurzel in Stücke, gieße kochendes Wasser darüber und
- lasse es eine bis zwei Stunden am Feuer ziehen. Man nehme 2 oder 3
- Becher voll während des Tages.
-
- Ein Aufguß von Petersilie (~Parsley~) mag zuweilen mit gutem Erfolge
- angewendet werden.
-
- Es ist gut, zwei- oder dreimal des Tages die Eingeweide mit der Hand
- zu reiben und zu kneten; bleibt irgend welche Empfindlichkeit nach
- dem Reiben zurück, so gebrauche folgende Salbe vor der Wirkung:
-
- Wachholderöl (~Oil of juniper~), Sassafrasöl (~Oil of sassafras~),
- Cajeputöl (~Oil of cajeput~), grünes Münzöl (~Oil of spearmint~), von
- jedem eine halbe Unze. Mische es.
-
- Dr. Gunn empfiehlt die Rinde von gewöhnlichen Weintrauben. Sie sollte
- zu Asche gebrannt und in Dosen von einem Theelöffel bis zu einem
- halben Eßlöffel voll in einem Glas Catawbawein dreimal des Tages
- gegeben werden. Gehöriger Stuhlgang sollte stets durch Salz, das
- zusammengesetzte Pulver von Jalappenwurzel oder irgend ein anderes
- mildes Abführmittel erhalten werden.
-
-
-
-
-Dreizehntes Kapitel.
-
-Krankheiten der Harn- oder Urin- und Geschlechtsorgane.
-
-
-Nierenentzündung (~Inflammation of the Kidneys -- Nephritis~).
-
-
-Diese Krankheit ist eine Entzündung sowohl der Nierenmasse als auch der
-sie einfassenden Schleimhaut, und wird gewöhnlich in Begleitung von
-Krankheiten der Blase und Urin-Werkzeuge gefunden.
-
-+Symptome.+ Der Krankheit gehen in der Regel die gewöhnlichen Symptome
-des Fiebers, wie Frost, besonders im Rücken und den Lenden, voraus, dem
-Fieber folgt. Darauf folgt ein tiefsitzender Schmerz in den Lenden,
-der sich bis zur Blase erstreckt und durch den Druck und bei Bewegung
-erhöht wird; gewöhnlich ist Uebelkeit und zuweilen Erbrechen vorhanden,
-ebenso eine Erstarrung des Schenkels der angegriffenen Seite, der
-Schmerz zieht sich bis zur Schamleiste, die Hode auf der kranken Seite
-wird nicht selten in die Höhe gezogen, der Urin ist spärlich, stark
-gefärbt und öfters blutig beim Beginne der Krankheit und kann nur
-tropfenweise abgelassen werden. Sind beide Nieren angegriffen, so kann
-der Urin ganz unterdrückt werden, Betäubung stellt sich ein und der Tod
-folgt sehr schnell; die Eingeweide sind verstopft.
-
-Nierenkrankheit kann vom Hüftweh (~Lumbago~) dadurch unterschieden
-werden, daß sich der Schmerz auf eine Seite beschränkt und durch die
-Bewegung der Glieder erhöht wird und ebenso dadurch, daß bei Hüftweh
-kein Schmerz im Hodensack, kein Fieber und keine Erstarrung des
-Schenkels vorhanden ist.
-
-+Ursachen.+ Erkältung, Anwendung von spanischen Fliegen
-(~Cantharides~), Terpentinöl und andern harntreibenden Mitteln
-(~Diuretics~), heftige Bewegung, das Uebertragen von Rheumatismus
-oder der Gicht, Bildung von Gries in den Nieren oder dem Harnweg (die
-Röhren, welche von den Nieren nach der Blase führen).
-
-Bei chronischer Entzündung der Nieren ist in der Regel in der
-Nachbarschaft der Nieren ein dumpfer schwerer Schmerz und eine Schwäche
-im Rückgrat vorhanden. Der Urin geht öfters spärlich ab und ist
-zuweilen weiß und milchig.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Camphor~ -- sollte gegeben werden, wenn
- die Krankheit die Folge der Anwendung der spanischen Fliegen
- (~Cantharides~), oder wenn der Urin nur spärlich fließt, bei Brennen
- in der Blase und ~Penis~, oder bei Unterdrückung des Urin. Man gebe
- einen oder zwei Tropfen ~Camphor~ auf einem Stück Zucker alle Stunde
- oder alle zwei Stunden, bis es besser wird.
-
- ~Aconitum~ -- sollte zuerst entweder allein oder abwechselnd mit
- anderen Mitteln gegeben werden. Heilt zuweilen ohne irgend eine
- andere Medizin.
-
- ~Cantharis~ -- ist das Hauptmittel bei schießenden, rasenden,
- schneidenden Schmerzen, der Urin geht langsam, tropfenweise ab;
- großer Schmerz ist vorhanden; der Urin ist zuweilen mit Blut gemischt.
-
- ~Belladonna.~ -- Wenn die Schmerzen zuweilen schlimmer sind und von
- den Nieren hinab in die Blase schießen, bei Kolikschmerzen. ~Hepar
- Sulphuris~ kann ~Belladonna~ folgen.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Bei zarten Frauen, wo sich die monatliche Reinigung
- eingestellt hat oder sehr spärlich ist, oder wenig Urin abgelassen
- wird.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Bei Spannung, Druck und Gewicht in der Leber,
- Congestion des Unterleibes; oder da, wo die Krankheit von der
- Unterdrückung der Hämorrhoiden herrührt.
-
- ~Arnica~ -- sollte gegeben und äußerlich angewendet werden, wenn
- äußerliche Verletzungen die Krankheit herbeiführten.
-
- Man lasse die obigen Mittel ~Arnica~ folgen, wenn sie angezeigt
- erscheinen.
-
- Andere Mittel sind: ~Cannabis~, ~Terebinth~, ~Balsamus Copaivae~.
-
- Wurde die Entzündung durch das Passiren der Steine durch den Harngang
- verursacht, so mache man warme Bähungen von Hopfen mit Tabaksblättern
- gemischt über den Sitz der Krankheit und gebe die oben erwähnten
- Heilmittel.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels
- in einem halben Theetassenkopf voll Wasser und gebe alle halbe,
- ganze oder zwei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen
- Theelöffel voll. Ein Sitzbad von lauwarmem Wasser, häufig wiederholt,
- wird wohlthun.
-
- =Allöopathisch.= Es sollte ein heißes Senffußbad gemacht oder
- Senfpflaster auf die Füße und das Rückgrat gelegt werden, dem
- man heiße Bähungen von Stechapfel- (~Stramonium~) Blättern und
- Hopfen, oder Stechapfel und Wermuth (~Wormwood~) oder Rainfarn
- (~Tansy~) folgen läßt. Hin und wieder, wenn Reizbarkeit des Magens
- vorhanden und der Schmerz sehr heftig ist, ist es gut, Kalomel
- und Opium, im Verhältniß von drei oder vier Granen Kalomel auf
- ein Gran Opium, alle zwei Stunden, bis drei Dosen genommen sind,
- zu geben, wenn der Kranke sich nicht früher bessert. Kann im
- Magen nichts zurückbehalten werden, so werden Getränke von Gummi
- Arabicum Wasser, Flachssamen-Thee oder Gerstenwasser u. s. w. von
- wohlthuendem Einflusse sein, dadurch, daß sie den Urin verdünnen
- und dessen Reizbarkeit vermindern. Es ist gut, den Kranken in
- Schweiß zu bringen, was durch Dosen von 5 bis 10 Tropfen Nießwurz-
- (~Veratrum viride~) Tinktur oder durch die zusammengesetzte
- Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel (~Virginia snake root~)
- in halbstündlichen Dosen von einem Theelöffel voll geschehen kann.
- Bei Verstopfung gebe man Bittersalz (~Epsom salts~), Cremor Tartari
- (~Cream of tartar~) oder Einspritzungen von warmem Wasser.
-
- Ist der Gries die Ursache der Krankheit, so wird öfteres Trinken von
- Leinsamen- oder Hochland Preiselbeer- (~Upland cranberry~) Thee mit
- 20 Tropfen Potaschen-Liquor (~Liquor of potassa~) empfohlen.
-
- Gegen chronische Entzündung der Nieren kann mit Vortheil ein Aufguß
- von ~Pipsissewa~, Bärentraube (~Uva Ursi~), Grundstrauch (~Trailing
- Arbutus~), Buchublättern, wilden Mohrrüben (~Wild carrot~), Fingerhut
- (~Fox glove~) angewendet werden.
-
- In einigen Fällen werden Senfpflaster zwei- oder dreimal in der Woche
- oder Einreiben mit einigen Tropfen von Krotonöl hinreichen, um einen
- Ausschlag hervorzurufen, zuträglich gefunden werden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Um Schweiß hervorzurufen, gebe man
- ein Brechmittel von Lobelia, dann wende man heiße Bähungen von
- Hopfen, Wermuth (~Wormwood~) und Rainfarn (~Tansy~), mit Essig und
- Wasser gemischt, in der Gegend über der Leber an. Folgendes gebe man
- gleichzeitig:
-
- Süßer Salpeterspiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 Unzen.
- Süßes Mandelöl (~Oil of sweet almonds~) 2 „
- Terpentin-Spiritus (~Spirits of turpentine~) 1 Unze.
-
- Mische es und gebe davon alle drei oder vier Stunden einen Theelöffel
- voll in warmem grünem Münzthee (~Spearmint tea~). Der Kranke trinke
- öfters und viel Thee von Eibisch- und Wollkraut- (~Mullen~) Blättern,
- oder Aufguß von Frauenhaar (~Maiden hair~) oder Haarmoos (~Haircap
- moss~). Bei starkem Schmerz gebe Eisenhut- (~Aconite~) Wurzel-Tinktur
- in Dosen von zwei bis fünf Tropfen mit Jasmin-Tinktur (~Tincture of
- gelsemium~), in Dosen von einem halben Theelöffel voll alle halbe
- Stunden. Die Eisenhut-Tinktur kann mit der Jasmin-Tinktur gemischt
- werden.
-
- Bei chronischer Entzündung der Nieren sollten die Eingeweide durch
- ein gelindes Abführmittel, wie zwei Theile pulverisirter Rhabarber
- (~Rhubarb~) und ein Theil doppelt kohlensaure Potasche (~Bi-carbonate
- of potassa~) offen gehalten werden, man gebe davon 3 bis 10 Grane, so
- oft als zu diesem Zwecke nothwendig.
-
- Acute Nierenentzündung sollte stets nur von einem Arzte, wenn ein
- solcher zu haben ist, behandelt werden.
-
-
-Blasenentzündung (~Inflammation of the Bladder -- Cystitis~).
-
-Diese Krankheit befällt die Schleimhaut der Blase, zuweilen auf deren
-Muskel-Substanz, oder sie kann auch verschiedene Theile der Blase
-befallen. Entweder ist sie acut oder chronisch.
-
-+Symptome.+ Brennender, durchdringender Schmerz in der Gegend der
-Blase, welcher durch einen örtlichen Druck erhöht wird. Der Schmerz
-zieht sich bis zwischen die Beine hinab, zuweilen bis zu den Hoden
-und Schenkeln, bei beständigem Verlangen zum Urinablassen, der Urin
-geht mit großer Schwierigkeit und starkem Schmerze ab, zuweilen nur
-tropfenweise, oder er stellt sich ganz ein, wodurch ein Anschwellen der
-Blase und große Noth verursacht wird. Der Urin enthält hin und wieder
-Schleim, auch Uebelkeit und Erbrechen, Verstopfung, großer Durst und
-heiße, trockene Haut sind vorhanden.
-
-
-Chronische Blasenentzündung
-
-kann allmählig eintreten und in der Regel ist das erste Symptom Schleim
-im Urin, welcher erst, nachdem der Urin eine Zeit lang gestanden hat,
-bemerkt wird; ein leichter Schmerz, mit einem Gefühl von Hitze in der
-Blase, Empfindlichkeit zwischen den Beinen und häufiges Verlangen,
-das Wasser abzulassen, sind vorhanden. Der Appetit ist gestört und in
-einigen Fällen ist ein leichtes Fieber, belegte Zunge, Unruhe u.s.w.
-vorhanden.
-
-+Ursachen.+ Blasenentzündung kann verursacht werden durch die Anwendung
-von spanischen Fliegen (~Cantharides~) und Terpentin, durch säuerliche
-Substanzen, vermittelst einer Spritze in die Blase gebracht, Steine in
-der Blase, äußerliche Verletzungen, Reiten, Tripper, Erkältung der Füße.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Wird der Urin zurückgehalten, so muß er so bald als
- möglich vermittelst eines Katheters abgelassen werden, was aber nur
- von einem Arzte gethan werden sollte. Man setze über den unteren
- Theil der Eingeweide und zwischen die Beine Blutegel an und mache,
- nachdem dieselben entfernt sind, warme Umschläge. Einspritzungen
- von warmem Wasser, mit einigen Tropfen von Arnica-Tinktur, sind in
- einzelnen Fällen sehr zuträglich. Durch Nießwurz- (~Veratrum viride~)
- Tinktur, in Dosen von 5 bis 10 Tropfen, oder die zusammengesetzte
- Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel (~Virginia snake root~)
- rufe man Schweiß hervor. Getränke von Leinsamenthee oder Eibisch-
- (~Marsh mallow~) und Pfirsichblättern mögen genommen werden.
-
- Gegen die chronische Blasenentzündung gebe man jeden Abend ein
- Senfpflaster oder Krotonöl. Zu Getränken diene Aufguß von Buchu,
- Grundstrauch (~Trailing arbutus~), Bärentraube (~Uva Ursi~).
-
- Folgendes mag in einigen Fällen gut sein:
-
- Pulverisirtes Gummi Arabicum 1 Skrupel.
- Wasser 2 Unzen.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) ½ Unze.
- Nießwurz- (~Veratrum viride~) Tinktur 20 Tropfen.
-
- Mische es. Dosis: alle halbe Stunden einen Theelöffel voll.
-
- Einspritzungen von Kalkwasser und Glycerin oder einer schwachen
- Auslösung von salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~) mag in
- einigen Fällen gut sein.
-
- =Homöopathisch.= Die unter Nierenentzündung empfohlenen Heilmittel
- mögen auch gegen dieses Leiden angewendet werden. Ferner kann auch
- folgendes gegeben werden: ~Hyosciamus~, bei Krämpfen im Blasenhalse.
- Wenn ~Cantharides~ das Brennen während des Urinablasses nicht
- mindert, gebe man ~Arsenicum~ und ~Carbo vegetabilis~ abwechselnd.
- ~Sulphur~ und ~Calcarea~ mögen bei der chronischen Form gegeben
- werden.
-
- Wegen Verordnung der Heilmittel siehe Nierenentzündung.
-
-
-Harnverhaltung (~Retention of Urine -- Ischuria~).
-
-Bei dieser Krankheit wird der Harn in Folge der Unfähigkeit, denselben
-abzulassen, in der Blase zurückgehalten, in der Regel bei Vollsein
-des unteren Theiles des Unterleibes, welcher schmerzhaft beim Druck
-ist; der Schmerz erstreckt sich bis zu den Lenden und Schenkeln
-und die Blase fühlt sich hart und angeschwollen an, zuweilen, nach
-heftigem Drängen zum Wasserablassen, werden nur einige Tropfen abgehen.
-Schreitet die Krankheit vor, so werden die Eingeweide hart, das Gesicht
-geröthet und die Haut heiß. Kann keine Linderung verschafft werden,
-so ist Gefahr vorhanden, daß die Blase springt oder Entzündung des
-Bauchfelles eintritt.
-
-+Ursachen+ -- mögen eine Lähmung der Blase, Verletzungen derselben,
-Entzündung des Blasenhalses, Drüsenanschwellung zuzuschreiben sein.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes soll in den meisten Fällen
- wirksam sein:
-
- Man mache ein Pint starken grünen Münz- (~Spearmint~) Thee, füge
- eine halbe Gill holländischen Wachholder-Branntwein (~Holland
- gin~) und eine Unze Salpeter-Spiritus (~Spirits of nitre~) hinzu.
- Der Kranke sollte das Ganze innerhalb einer Stunde auf verschiedene
- Male trinken. Ist die erste Dosis nicht hinreichend, so sollte es
- innerhalb der nächsten 2 Stunden wiederholt werden.
-
- Wenn die Harnverhaltung der Entzündung des Blasenhalses zuzuschreiben
- ist, so bringe man den Kranken in ein warmes Bad, lasse ihn dort
- 15 bis 20 Minuten verbleiben und wende nach diesem eine Bähung von
- gleichen Theilen von Hopfen- und Lobelia-Blättern zwischen den Beinen
- an.
-
- Ein Thee von Wassermelonen- oder Kürbis- und Gurkenkörnern öfters
- getrunken ist hin und wieder zuträglich. Bei starkem Schmerz gebe man
- alle halbe Stunden 20 Tropfen Laudanum.
-
- Ist eine Blasenlähmung Ursache der Harnverhaltung, so wende man
- folgendes an:
-
- Strychnin 1/16 Gran.
- Spanische Fliegen (~Cantharides~) ⅛ „
- Pulverisirte Arnicablätter (~Powdered
- arnica leaves~) 3 bis 5 Grane.
-
- Mische es zu einer Dosis. Drei von diesen Pulvern gebe man im Verlauf
- von 24 Stunden.
-
- Uebt das Strychnin eine unangenehme Wirkung auf den Patienten aus, so
- sollte diese Medizin eingestellt werden.
-
- Wenn kein anderes Mittel erfolgreich ist, so muß der Urin vermittelst
- des Katheters entzogen werden. Man lasse den Fall nicht lange
- anstehen, ehe dieses gethan wird.
-
- =Homöopathisch.= Ist der Gebrauch von spanischen Fliegen
- (~Cantharides~) Ursache der Harnverhaltung, so gebe man ~Camphor~,
- ~Pulsatilla~, ~Apis~ und ~Aconitum~.
-
- Wenn durch Erkältung zugezogen: ~Nux Vomica~, ~Mercurius~,
- ~Dulcamara~, ~Pulsatilla~, ~Belladonna~, ~Apis~.
-
- Wenn die Folge von Schreck: ~Aconitum~.
-
- Nach einem Fall oder Schlag: ~Arnica~.
-
- Bei krampfartiger Harnverhaltung: ~Chamomilla~, ~Belladonna~, ~Nux
- Vomica~, ~Opium~, ~Hyosciamus~.
-
- Gegen Blasenlähmung: ~Agnus Castus~, ~Nux Vomica~, ~Hyosciamus~,
- ~Arsenicum~, ~Dulcamara~.
-
- Wenn in Folge von Blasenentzündung: ~Aconitum~, ~Cantharides~,
- ~Belladonna~, ~Nux Vomica~, ~Pulsatilla~. (Siehe Blasenentzündung.)
-
- Tritt sie bei schwangeren Frauen ein: ~Pulsatilla~, ~Nux Vomica~,
- ~Cocculus~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Dieselbe wie bei Nierenentzündung.
-
- Das Trinken von vielem kalten Wasser oder Gummi Arabicum Wasser,
- ebenso Bäder von warmem oder kaltem Wasser wird zuträglich gefunden
- werden.
-
-
-Der Harnfluß (=~Incontinence of Urine~ -- ~Enuresis~=)
-
-wird meistens bei Kindern gefunden und besteht in einem Unvermögen, den
-Harn zu halten, der in der Regel während der Nacht im Bette abfließt.
-Auch bei alten Leuten wird dieser Zustand häufig gefunden.
-
-+Ursachen.+ Lähmung der Blase, Verletzung der Rückgratsnerven, welche
-mit der Blase in Verbindung stehen, Schwäche des Nervensystems, Würmer,
-Hämorrhoiden, Gries oder Steine in der Blase.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= Von ~Silicea~ kann jeden Abend eine Dosis gegeben
- werden. Wenn innerhalb zwei Wochen nicht besser, gebe ~Sepia~ in
- derselben Weise.
-
- ~Sulphur~, ~Arsenicum~ und ~Carbo Vegetabilis~ können abwechselnd
- gegeben werden, wenn die obigen Mittel nicht anschlagen.
-
- Andere Heilmittel sind: ~Belladonna~, ~Hyosciamus~, ~Cantharides~,
- ~Nux Vomica~, ~Ignatia~, ~Pulsatilla~, ~Rhus~, ~Mercurius~, ~Cina~.
-
- Ist die Entzündung Folge der Lähmung: ~Cantharides~, ~Nux Vomica~,
- ~Rhus~, ~Uva Ursi~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe Morgens
- und Abends eine Dosis. Werden die Kügelchen gebraucht, gebe 4 bis 6
- auf eine Dosis.
-
- =Allöopathisch.= Man gestatte dem Kind das Wassertrinken vor dem zu
- Bett Gehen nicht, und nehme es des Nachts mehrere Male auf, damit es
- den Urin abläßt.
-
- Folgendes kann mit Vortheil angewendet werden:
-
- Benzoesäure (~Benzoic acid~) 2 Drachmen.
- Zimmetwasser (~Cinnamon water~) 6 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Theelöffel voll.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes kann mit gutem Erfolg
- angewendet werden:
-
- Salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tincture
- of iron~) 1 Unze.
- Spanische Fliegen-Tinktur (~Tincture
- of cantharides~) ½ „
-
- Mische es und gib dem Kinde drei Tropfen für jedes Jahr seines Alters
- dreimal des Tages.
-
- Man lasse öfters und viel kalten Thee von Kirschbaumrinde (~Cherry
- tree bark~) oder Löwenzahn- (~Dandelion~) Wurzel trinken.
-
- Folgendes mag angewendet und wird bei Kindern von Erfolg gefunden
- werden:
-
- Man nehme Hausenblase (~Isinglass~) eine Rolle, koche sie in einem
- Pint Wasser, bis sie aufgelöst ist, füge ein Pint süße Milch hinzu,
- stelle es zum Feuer bis es leicht kocht, versüße es dann mit
- Stückzucker und reibe Muskatnuß (~Nutmeg~) darauf. Wenn es ordentlich
- gemacht ist, ähnelt es Eierrahm (~Custard~). Einem Erwachsenen mag
- dreimal täglich ein Bierglas voll gegeben werden, Kindern weniger.
- Spanische Fliegen- (~Cantharides~) Tinktur gebe man einem Erwachsenen
- zweimal täglich in Dosen von 15 Tropfen; Kindern verhältnißmäßig
- weniger.
-
-
-Harnträufeln, auch Harnruhr (~Diabetes~)
-
-ist eine Krankheit, bei welcher große Quantitäten von Urin abgehen,
-zuweilen bis zu mehreren Gallonen innerhalb 24 Stunden.
-
-+Symptome.+ Der Appetit ist außerordentlich stark, bei großem Durst,
-trockener Haut, Verdauung gestört, Zahnfleisch geschwollen und
-entzündet, trockener und aufgesprungener Mund, Abzehren des Fleisches,
-Hinfälligkeit, Schmerz und Schwäche in den Lenden, ohne allen
-Geschlechtstrieb, häufige Anfälle von Schwindel und Schmerz im Kopfe,
-der Urin enthält eine große Masse Zuckerstoff, was mehrfach bestätigt
-worden ist.
-
-+Ursachen.+ Dieselben mögen in irgend etwas bestehen, was die
-Verdauung stört, Unmäßigkeit, große Ermüdung, beständiger Gebrauch
-von säuerlichen Getränken, Anwendung des Quecksilbers (~Mercury~),
-Erkältung.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Alaun (~Alum~) in Dosen von 3 Granen dreimal täglich
- wird zuträglich gefunden werden, ebenso Kreosot in Dosen von 1 bis 2
- Tropfen dreimal täglich.
-
- Auch spanische Fliegen-Tinktur (~Tincture of cantharides~) kann
- angewendet werden. Folgendes wird für einige Fälle empfohlen:
-
- Chinarinde (~Peruvian bark~) 1 Skrupel.
- Wilde Preiselbeerblätter (~Wild cranberry bark~) 1 „
- Opium ½ Gran.
-
- Mische und nimm es dreimal des Tages.
-
- Man lasse den Patienten nichts essen, was Zucker- oder Stärkestoff
- enthält, wie Kartoffeln, rothe Rüben (~Beets~), Pastinaken
- (~Parsnips~) und anderes Gemüse.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Die Eingeweide sollten vermittelst
- kleinen Dosen von Rhabarber (~Rhubarb~) dreimal des Tages oder durch
- andere gelinde Abführmittel in Ordnung gehalten werden.
-
- Ein Aufguß aus gleichen Theilen von ~Unicorn root~ und Wasserandorn
- (~Bugle weed~) mag öfters und viel getrunken von gutem Erfolg sein.
- Folgende Zusammensetzung kann als ein stärkendes Mittel angewendet
- werden:
-
- Kurzblätteriges Dreiblatt (~Beth root~) 4 Unzen.
- Schlangenwurzel (~Black cohosh root~) 4 „
- Storchschnabel- (~Geranium-~) Wurzel 4 „
- Kirschbaumrinde (~Cherry tree bark~) 4 „
-
- Pulverisire das Ganze und mische es; nehme dann eine halbe Unze der
- Mischung und gieße ein Pint kochendes Wasser darauf, wenn kalt trinke
- das Ganze und wiederhole es mehrere Male während des Tages.
-
- Folgende Pillen wirken auf die Leber und Absonderungen:
-
- Entenfuß (~Podophyllin~) 10 Grane.
- Blutwurzel (~Sanguinarin~) 10 „
- Cayennepfeffer (~Cayenne~) 40 „
- Brechwurz (~Ipecac~) 20 „
-
- Mache mit Löwenzahn- (~Dandelion~) Extrakt 40 Pillen daraus und nimm
- Morgens und Abends eine.
-
- =Homöopathisch.= Die Hauptmittel sind: ~Acidum Phosphoricum~,
- ~Carbo Vegetabilis~, ~Conium~, ~Acidum Muriaticum~, ~Mercurius~,
- ~Belladonna~, ~Rhus~, ~Opium~.
-
- Werden ~Mercurius~ und ~Sulphur~ gegeben, so gebe man sie abwechselnd.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von den gewählten Heilmitteln gebe man
- Morgens und Abends eine Dosis und fahre damit eine Woche lang fort,
- bevor zu einem anderen Heilmittel gegriffen wird.
-
- Werden die Kügelchen angewendet, so gebe man 6 auf eine Dosis.
- Oefteres Waschen des Körpers mit kaltem oder lauwarmem Wasser wird
- zuträglich gefunden werden.
-
-
-Blasenpolyp, auch Blasenstein (~Gravel, or Stone in the Bladder --
-Calculus~).
-
-Diese Krankheit wird durch eine Ansammlung von Sand, sowie die Bildung
-von Gries oder Stein in den Nieren oder der Blase verursacht.
-
-+Symptome.+ Plötzliche Anfälle von Schmerz von acuter und heftiger
-Natur in der Gegend der Nieren, derselbe zieht sich in die Schenkel
-hinab und verursacht eine Erstarrung der angegriffenen Seite, ein in
-die Höheziehen der Hode, häufiges Verlangen zum Urin lassen; befindet
-sich der Stein in der Blase, so ist ein Schmerz am Ende des Penis
-vorhanden, begleitet von mehr oder weniger Entzündung und Schwierigkeit
-des Harnlassens, während des Letzteren wird dasselbe plötzlich
-abbrechen und ein heftiger Schmerz wird gefühlt werden, der durch den
-Stein, welcher sich über den Blasenmund geschoben hat, hervorgerufen
-wird; ein Wechsel der Stellung verschafft zuweilen Linderung.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Diese Krankheit ist zu wichtig und zu gefährlich, als daß sie nach
- einem Buche behandelt werden könnte, der Fall sollte dahingegen in
- die Hände eines geschickten Arztes gelegt werden.
-
- Sarsaparilla in Dosen von einem Tropfen auf ein Stück Zucker alle
- Abend wird zuweilen Anfälle lindern.
-
-
-Blutharnen (~Blood with the Urine -- Hæmaturia~)
-
-meint einen Blutfluß oder eine Blutung aus der Harnröhre, ob nun aus
-der Blase, den Nieren, dem Harnweg oder der Harnröhre.
-
-+Symptome.+ Dem Blutfluß geht gewöhnlich Schmerz in der Blase oder den
-Nieren und Schwäche voraus, in der Regel große Empfindlichkeit gegen
-Druck auf die Gegend über den Nieren oder der Blase; kommt das Blut aus
-den Nieren, so ähnelt der Urin Blutwasser oder dunklem Biere; kommt
-es aus dem Harnweg (dem Canal, welcher von den Nieren nach der Blase
-führt), so wird beträchtlicher Schmerz vorhanden sein; der abgehende
-Urin wird jenem von der Blase ähneln, nur werden die Fasern länger
-sein; kommt es aus der Blase, so ist es nicht mit dem Urin gemischt,
-sondern in der Form von kleinen, faserartigen Klümpchen; fließt es aus
-der Harnröhre (der Ausgang, welcher von der Blase führt), so kommt es
-tropfenweise und mischt sich nicht mit dem Urin; zuweilen wird Eiter
-oder eine faulige Masse im Urin gefunden, was den Beweis liefert, daß
-irgendwo eine Eiterung stattfindet.
-
-+Ursachen.+ Verletzungen in Folge von Fallen, Schlägen, Heben oder
-Springen, auch kann es durch Steine in der Blase oder Entzündung dieses
-Organs, sowie die Anwendung von Terpentin- (~Turpentine~) Spiritus oder
-spanische Fliegen (~Cantharides~) verursacht werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Man lasse den Kranken öfters und viel
- von einer Eibisch- (~Marsh mallow~) Abkochung, oder auch von gleichen
- Theilen ~Queen of the meadow~ und Pfirsichblättern trinken. Ist der
- Schmerz heftig, so mache man eine Bähung von Hopfen oder Stechapfel-
- (~Stramonium~) Blättern über den Sitz der Krankheit; ein Aufguß
- von Grundstrauch (~Trailing arbutus~) mag zuweilen mit Vortheil
- angewendet werden.
-
- =Homöopathisch.= ~Arsenicum~ ist in einigen Fällen zuträglich,
- besonders wenn Symptome von Wassersucht vorhanden sind.
-
- Andere Heilmittel sind ~China~, ~Ipecacuanha~, ~Pulsatilla~,
- ~Arnica~, ~Lycopodium~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe alle
- Stunde, alle 2, 3 oder 4 Stunden, der Strenge der Symptome
- angemessen, eine Dosis (6 Kügelchen).
-
- =Allöopathisch.= Blutegel mögen in der Gegend über dem Magen mit
- Vortheil angesetzt werden.
-
- Folgendes wird als äußerst zuträglich empfohlen:
-
- Bleizucker (~Sugar of lead~) 24 Grane.
- Essig 1 Drachme.
- Mohnsyrup (~Syrup of poppies~) 1 Unze.
- Rosenwasser 3 Unzen.
- Weiches Wasser 4 „
-
- Mische es. Dosis: alle 2 Stunden, bis 5 oder 6 Dosen genommen sind,
- ein bis zwei Eß-Löffel voll. Galläpfel-Säure (~Gallic acid~) soll bei
- dieser Krankheit eine große Kraft besitzen. Sie kann in Dosen von 5
- Granen mit 10 Tropfen Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of henbane~) in
- einem Theelöffel voll Gummi Arabicum Schleim gegeben werden.
-
-
-Selbstbefleckung, Onanie (~Masturbation -- Onanism~).
-
-Dies ist eine sehr erniedrigende und schädliche Gewohnheit, welcher
-sich die Jugend beiderlei Geschlechts ergiebt. Es giebt wohl kaum ein
-Laster, welches für Geist und Körper schädlicher ist und gefährlichere
-Folgen hat, als dieses. Gewöhnlich wird damit sehr frühzeitig begonnen,
-ehe noch dessen übler Einfluß wahrgenommen wird, und ist schließlich
-so eingewurzelt, daß der Betreffende nur mit großer Schwierigkeit mit
-dieser Gewohnheit brechen kann.
-
-+Symptome+, welche dieses Laster zeigen, sind zahlreich. Beginnt
-die Gewohnheit in der frühen Jugend, so wird dadurch das Wachsthum
-verzögert, die geistigen Fähigkeiten vermindert und das Opfer verfällt
-in einen beklagenswerthen Zustand. Die damit gequälte Person sucht
-die Einsamkeit und wünscht nicht an der Gesellschaft seiner Freunde
-Theil zu nehmen, ist mit Kopfschmerzen geplagt, Schlaflosigkeit und
-Unruhe des Nachts, Schmerz in verschiedenen Theilen des Körpers,
-Trägheit, Tiefsinn, Verlust des Gedächtnisses, Schwäche im Kreuz und
-den Geschlechtsorganen, veränderlicher Appetit, Feigheit, Unfähigkeit
-Jemandem ins Gesicht zu schauen, Mangel an Vertrauen in seine eigenen
-Fähigkeiten.
-
-Wird das Laster mehrere Jahre hindurch getrieben, so tritt ein
-reizbarer Zustand des Organismus ein, Hitze fliegt plötzlich über
-das Gesicht, das Gesicht wird blaß und klebrig, der Blick ist stumpf
-und blöde, das Haar wird locker und spaltet sich an den Enden;
-zuweilen tritt Schmerz in der Gegend des Herzens ein, Kurzathmigkeit,
-Herzklopfen, Symptome von Verdauungsschwäche (~Dyspepsia~) zeigen sich,
-der Schlaf wird unruhig, Verstopfung, Husten, Halsentzündung sind
-vorhanden, bis schließlich der Mensch physisch, moralisch und geistig
-als Wrack dasteht.
-
-Einige von den Folgen der Selbstbefleckung sind Epilepsie, Schlagfluß,
-Lähmung, frühzeitiges Altern, unfreiwillige Samenentleerungen, welche
-in der Regel währen des Schlafens oder nach dem Urinablassen, auch
-während des Stuhlganges stattfinden. Bei dem weiblichen Geschlechte
-finden wir außerdem in Folge dessen noch Hysterie, Starrsucht, Störung
-der monatlichen Reinigung und starke nervöse Symptome.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Zuerst muß die Gewohnheit aufgegeben werden, denn
- ohne dies kann nichts gethan werden, ohne dies bleibt jede andere
- Behandlung erfolglos. Alles muß geschehen, um das sittliche Gefühl
- des Kranken zu stärken und die Selbstachtung zu heben. Er sollte
- die Gesellschaft tugendhafter und geistreicher Frauen aufsuchen und
- alles von schlüpferigem Charakter vermeiden. Sein Geist sollte einer
- Beschäftigung oder Unterhaltung, die seine ganze Aufmerksamkeit
- ohne Ermüdung in Anspruch nimmt, zugewandt werden, die Einsamkeit
- ist zu vermeiden und der Patient ist nicht mehr als eben unbedingt
- nothwendig allein zu lassen, und vor allem lasse man ihn nicht allein
- schlafen. Eine Matratze, mit leichter Decke zum Zudecken, ist am
- geeignetsten. Häufige Bäder und Waschungen der Geschlechtstheile,
- ebensowohl Sitzbäder als Baden des ganzen Körpers sind sehr
- zuträglich. Die Behandlung sollte nur von einem geschickten Arzt
- geleitet werden.
-
- =Homöopathisch.= ~Mercurius~, ~Phosphorus~, ~Aurum~, ~Nux vomica~,
- ~Cuprum~, ~Cantharides~, ~Conium~, ~Cannabis~ sind Hauptmittel gegen
- dieses Leiden.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel nehme man
- Morgens und Abends eine Dosis (6 Kügelchen).
-
- =Allöopathisch.= Stärkende Mittel sind anzuwenden und wird zu diesem
- Behufe folgendes empfohlen:
-
- Verdünnte Salpetersäure (~Diluted nitric acid~) 4 Drachmen.
- Verdünnte Salzsäure (~Diluted muriatic acid~) 4 „
- Orangenschalen-Syrup 1 Drachme.
- Wasser 1½ Unzen.
-
- Mische es. Dosis einen Theelöffel voll in einem Weinglas mit Wasser
- vor jeder Mahlzeit.
-
- Oder auch:
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 15 Grane.
- Verdünnte Schwefelsäure (~Diluted sulphuric acid~) 15 Tropfen.
- Zusammengesetzte Cardamon-Tinktur (~Compound
- tinct. of cardamon~) 3 Drachmen.
- Hopfen-Tinktur (~Tinct. of hops~) 3 „
- Zusammengesetzter Rosenaufguß (~Compound infusion
- of roses~) 6 Unzen.
-
- Mische es. Dosis einen Theelöffel voll zwei- oder dreimal des Tages.
-
- Oder:
-
- Salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tincture of iron~) 1 Unze.
- Rosen-Wasser 6 Unzen.
- Orangenschalen-Syrup 1 Unze.
-
- Mische es. Dosis: für einen Erwachsenen einen Theelöffel voll in
- einem Weinglas mit Wasser nach jeder Mahlzeit.
-
- Hypophosphites-Syrup wird empfohlen und sollte eine beträchtliche
- Zeit genommen werden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes stärkende Mittel mag, wenn
- nur wenig Schwäche vorhanden ist, genommen werden:
-
- Rothe Chinarinde (~Red peruvian bark~) 2 Unzen.
- Kamillenblüthe (~Chamomile flowers~) 1 Unze.
- Portwein 1 Quart.
-
- Mische und lasse es, bei öfterem Umschütteln einige Tage stehen.
- Dosis: drei- oder viermal des Tages ein Weinglas voll.
-
- Bei Hinfälligkeit, Nervenschwäche, Verstopfung, Niedergeschlagenheit
- möge folgendes gegeben werden:
-
- Chloroform ½ Unze.
- Ingwer- (~Ginger~) Tinktur ½ „
- Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits
- of ammonia~) 2 Drachmen.
-
- Mische es. Dosis: 25 Tropfen in einem Weinglas mit Milch dreimal des
- Tages.
-
- Bei Spermatorrhöa oder Samenfluß werden folgende Pillen gut gefunden
- werden:
-
- Kampher (~Camphor~) 24 Grane.
- Belladonna-Extrakt 4 „
- Cubeben- (~Cubebs~) Oel 20 Tropfen.
-
- Mische es in eine Masse von gleichen Theilen Magnesia und Gummi
- Arabicum und theile es in 24 Pillen. Dosis: dreimal des Tages eine
- Pille.
-
-
-Lustseuche, Venerie (~Pox -- Syphilis~).
-
-Dies ist eine lästige Krankheit und entsteht in Folge unreinen
-geschlechtlichen Verkehrs. Sie kennzeichnet sich durch das Erscheinen
-von einer Finne, von einer leichten Entzündung eingefaßt, und die
-Bildung eines Eiters oder des Schankers. Die Eiterung tritt in der
-Regel nach dem fünften bis vierzehnten Tage nach der Ansteckung ein.
-
-Es giebt verschiedene Gattungen von Schanker, die sehr störend auf
-den Organismus einwirken, gewöhnlich begleitet ihn ein Anschwellen
--- ~Bubo~ genannt -- in den Lenden, welcher einige Tage nach den
-Eiterbeulen eintreten und fortdauern kann, bis sich Eiter bildet und
-derselbe aufbricht oder geöffnet werden muß.
-
-Greift die Syphilis den Organismus an, so wird sie secundäre genannt,
-und tertiäre, wenn sich Ausschläge, böser Hals und Eiterbeulen an
-verschiedenen Stellen des Körpers bilden.
-
-Der Ausschlag erscheint gewöhnlich auf der Stirn, dem Rücken, den
-Beinen und Armen, er ist kupferfarben und von leichtem Jucken
-begleitet, auch füllt sich die Pustel zuweilen mit einer blassen
-Flüssigkeit. Sind Mund und Hals angegriffen, so schwellen sie an,
-werden böse, roth und mit einer weißen Schleimhaut bedeckt, auch
-kann ein blaßgelber Eiter des Halses oder der Mandeln oder auch ein
-schwarzgelber und morastartiger Eiter vorhanden sein, welcher sich auf
-verschiedene Stellen des Halses und der Nase erstreckt und die Knochen
-des Gesichts zerstört.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Sobald sich Eiter am Penis zeigt, sollte derselbe
- sogleich aufgeätzt werden. Zu diesem Behufe bediene man sich des
- schwefelsauren Silbers (~Nitrate of silver~), Salpetersäure (~Nitric
- acid~), Aetz-Potasche (~Caustic potassa~), Zink-Chlorid (~Chloride of
- zinc~). Schwefelsaures Silber (~Nitrate of silver~) wird in der Regel
- angewandt und die Finne sollte damit gehörig gebrannt werden. Nachdem
- das Geschwür weggebeizt ist, befeuchte man Charpie in einer Auflösung
- von Opium, im Verhältniß von einer Drachme Opium auf 4 Unzen Wasser,
- lege es auf, wickle den Penis in ein Stück Leinwand und bedecke ihn
- mit eingeölter Seide.
-
- Anstatt des Opiums kann auch folgende Auflösung angewendet werden:
-
- Schwefelsaures Kupfer (~Sulphate of copper~) 1 Gran.
- Wasser 1 Unze.
-
- Dies sollte öfters angewendet und die Theile zweimal des Tages mit
- spanischer Seife (~Castile soap~) und Wasser gewaschen werden.
-
- Folgendes ist für den innerlichen Gebrauch:
-
- ~Protiodide of mercury~ 12 Grane.
- Rosenkonserve (~Conserve of roses~) 1 Skrupel.
-
- Theile es in 12 oder 24 Pillen und nimm zweimal des Tages eine.
-
- Folgendes wird in einigen Fällen von gutem Erfolg sein:
-
- Blaue Pillen (~Blue pill~) ½ Drachme.
- Bilsenkraut-Extrakt (~Extract of henbane~) 1 Skrupel.
-
- Mache 10 Pillen daraus. Dosis: Eine Pille des Nachts. Oder:
-
- Aetzsublimate (~Corrosive sublimate~) 4 Grane.
- Opium-Extrakt (~Extract of opium~) 5 „
-
- Mische es und mache 20 Pillen daraus. Dosis: Morgens und Abends eine
- Pille.
-
- Diese Quecksilber-Präparate sollten nicht länger als fünf Tage
- hinter einander gebraucht werden, da Gefahr vorhanden ist, dadurch
- Speichelfluß hervorzurufen. Ist das letztere der Fall, gebrauche man
- folgendes:
-
- Chlorinirte Soda (~Chlorinated soda~) 1 Unze.
- Wasser 2 Unzen.
-
- Mische es. Der Mund sollte damit mehrere Male des Tages ausgespült
- werden, aber man vermeide vorsichtig etwas davon zu verschlucken.
-
- Ricord empfiehlt im Verhältniß von einem Theile weinsteinsaure
- Eisen-Potasche (~Potassio-tartrate of iron~) auf sechs Theile Wasser.
- Zwei Theelöffel voll dreimal des Tages zu geben. Dasselbe Präparat
- ist auch gegen das Geschwür angewendet worden. Der ~Bubo~, die
- Anschwellung in der Lende, sollte mit einem Verbande versehen werden.
- Wenn sich aber Eiter bildet, so sollte das Geschwür geöffnet und
- Umschläge gemacht werden. Im Falle eines Ausschlags auf der Haut,
- oder wenn sich die Krankheit im Halse oder an irgend einem anderen
- Theile des Körpers zeigt, mag Potaschen-Jodid wie folgt gegeben
- werden:
-
- Zusammengesetzter Sassaparillen-Aufguß (~Compound
- Infusion of sarsaparilla~) 1 Pint.
- Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~) ½ Unze.
-
- Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll nach jeder Mahlzeit.
-
- Das Präparat, unter „~Donovan’s solution~“ bekannt, mag dazwischen in
- Dosen von 3 bis 5 Tropfen gegeben werden.
-
- Die Kost muß genau geordnet werden, der Patient darf weder reizende
- Nahrungsmittel zu sich nehmen, noch Spirituosen trinken.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Das Geschwür sollte mit salpetersaurem
- Silber (~Nitrate of silver~) oder einigen Tropfen von Salpeter-
- oder Salzsäure betupft werden. Darauf kann man vermittelst Charpies
- salzsaures Eisen (~Muriate of iron~) auflegen. Behufs Erhaltung
- eines gehörigen Stuhlgangs diene folgendes:
-
- ~Blue Mass~ 60 Grane.
- Entenfuß (~Podophyllin~) 20 „
-
- Mache 20 Pillen daraus und nimm Morgens und Abends eine. Zeigt sich
- die Wirkung auf die Eingeweide, so nimm jeden Tag eine.
-
- Erscheint ein ~Bubo~, so verbinde ihn mit Tüchern, welche mit
- folgendem angefeuchtet sind:
-
- Jod (~Iodine~) 1 Skrupel.
- Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~) 2 „
- Wasser 1 Unze.
-
- Zweimal täglich anzuwenden. Kermesbeer- (~Poke root~) Umschläge
- sollten gleichzeitig angewendet werden, indem man die frische Wurzel
- in heißer Asche erweicht und dann zerdrückt. Bildet sich Eiter, so
- ist es am besten, den ~Bubo~ durch Aetzmittel zu öffnen, da es weit
- besser heilt, als wenn derselbe vermittelst eines Messers geöffnet
- wurde. Reinige ihn einmal des Tages mit spanischem Seifenwasser
- (~Castile soap suts~) und spritze ihn ebenso damit aus.
-
- Dr. King empfiehlt folgendes als ein ausgezeichnetes Mittel gegen
- Syphilis in allen Formen:
-
- Zusammengesetzter Stillingia-Syrup (~Compound syrup
- of stillingia~) 4 Unzen.
- Saturirte Kermesbeer-Tinktur (~Saturated tincture
- of poke root~) 4 „
- Saturirte Schafampfer-Tinktur (~Saturated tincture
- of sheep sorrel~) 4 „
-
- Mische es. Dosis: Einen Theelöffel bis einen halben Eßlöffel voll
- dreimal des Tages.
-
- Gegen constitutionelle Syphilis bei Eiterungen im Halse mag eine
- starke Abkochung von Weißeichenrinde (~White oak bark~) mit ein wenig
- Borax und Alaun (~Alum~) gegeben werden; bei innerem Gebrauche gebe
- man dasselbe ohne Borax zwei- oder dreimal des Tages einen Eßlöffel
- voll.
-
- Wenn Hautausschläge vorhanden sind, so sollte der Körper ein- oder
- zweimal des Tages mit einer Mischung von Salpeter- oder Salzsäure, je
- ein Theelöffel voll auf zwei Quart warmes Wasser, gewaschen werden.
- Folgendes möge als Thee dienen:
-
- Entenfußwurzel (~May apple~), Kalmuswurzel (~Blue flag root~),
- Kermesbeere (~Poke root~), Ampferwurzel (~Yellow dock root~),
- Sassafras, Stillingia, Sassaparilla, Bitterwurzel (~Bitter root~).
- Eine Abkochung kann von einem oder dem andern hiervon oder von allen
- gemacht werden, und zu jedem Pint einer solchen Abkochung füge
- man eine Drachme Potaschen-Jodid (~Iodide of potassa~) hinzu. Der
- zusammengesetzte Stillingia-Spiritus mag in einigen Fällen angewendet
- werden.
-
- Die Eiterbeulen, welche sich an dem Körper zeigen, mögen mit der
- salzsauren Eisentinktur (~Tincture of the muriate of iron~) und
- Umschlägen von pulverisirtem Alaun (~Powdered alum~) und Kermesbeere
- (~Poke root~), während des Nachts ausgelegt, behandelt werden.
-
- Schmerzen in den Knochen mögen durch die folgenden Pillen gelindert
- werden:
-
- Inspissirter Brechwurz-Saft (~Inspissated
- juice of Ipecac~) 1 oder 2 Drachmen.
- Stechapfel- (~Stramonium~) Extrakt ¼ oder ½ Gran.
-
- Man mache daraus eine Pille und wiederhole es zwei- bis dreimal des
- Tages.
-
- Schwefelsaures Kupfer (~Sulphate of copper~) diene zu Waschungen des
- Halses. 30 Grane Kupfer kommen auf eine bis zwei Unzen Wasser; wasche
- damit vermittelst eines Stückchen Schwammes zwei- oder dreimal des
- Tages den Hals.
-
- =Homöopathisch.= Sobald das Geschwür erscheint, ätze man es mit
- salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~), Salpetersäure (~Nitric
- acid~), oder rothem Präcipitat (~Red precipitate~). Innerlich gebe
- man: ~Mercurius~, ~Hydriodate of Potassa~, ~Mercur. precipit. ruber~,
- ~Sulphur~, ~Silicea~, ~Aurum~, ~Mezerium~.
-
- Bei sekundärer Syphilis, wo Schmerzhaftigkeit und Eiterung des
- Halses vorhanden ist, möge vermittelst eines Kameelhaarpinsels
- Benzoe-Tinktur immer nach einigen Tagen angewendet werden. Die
- Mittel, welche zu geben sind, sind ~Biniodide of Mercury~, ~Kali
- Hydriodicum~. Eine Woche kann ~Mercurius~ und die nächste Woche
- ~Kali~ -- und so abwechselnd fort -- gegeben werden.
-
- Andere Mittel sind: ~Acidum Sulphuris~, ~Lachesis~, ~Phosphorus~,
- ~Hepar Sulphuris~, ~Borax~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe alle 2, 3
- oder 4 Stunden eine Dosis. Ist das Mittel in Kügelchen, gebe 6 auf
- eine Dosis, wenn in Pulvern, 2 Grane. Bei constitutioneller Syphilis
- gebe dreimal des Tages eine Dosis.
-
-
-Samenfluß, Tripper (~Gonorrhœa -- Clap or Gleet~)
-
-ist eine Entzündung der Schleimhaut des Harnwegs, begleitet von einem
-Ausfluß und rührt von unreinem geschlechtlichem Verkehr her.
-
-+Symptome.+ Der Tripper stellt sich in der Regel am dritten oder achten
-Tag nach der Ansteckung ein. Er beginnt mit einem unangenehmen Gefühle
-am Ende des Penis und ist gewöhnlich von etwas Röthe und Schwierigkeit
-des Wasserablassens begleitet; nach ein oder zwei Tagen nimmt der
-Ausfluß von Eiter zu, wird dünner und von einer grünlichen oder
-gelblichen Farbe, zuweilen mit Blut gestreift. Die Eichel ist roth und
-entzündet und der Urin verursacht einen brennenden Schmerz. Dehnt sich
-die Entzündung auf die Blase aus, so tritt ein quälendes Verlangen,
-das Wasser abzulassen, mit einem beständigen, unangenehmen Gefühle in
-der Gegend der Hoden und zwischen den Beinen, ein. Wenn die Entzündung
-stark ist, so tritt die sogenannte ~chorda venerea~, während welcher
-der Penis steif und nach unten gekrümmt ist, hinzu, verursacht heftigen
-Schmerz und befällt den Patienten in der Regel im warmen Bette. In
-Folge der Entzündung kann ~Phimosis~ entstehen, bei welcher die Vorhaut
-hart und geschwollen ist und nicht zurückgezogen werden kann; oder wenn
-die Anschwellung hinter der Eichel eintritt, kann sie nicht vorgezogen
-werden und wird ~paraphimosis~ genannt. Die Drüsen der Lenden und
-ebenso die Hoden schwellen an und entzünden sich zuweilen.
-
-Tripper ist die Folge der ~Gonorrhœa~ und nimmt eine chronische Form
-an, nachdem die Entzündung nachgelassen hat. Hin und wieder ist er sehr
-hartnäckig. Eine andere Folge des Trippers sind Stricturen, welche
-die Harnröhre oder den von der Blase führenden Harnweg theilweise
-schließen, was an dem platten oder gedrehten Wasserstrahl, ähnlich
-einem Bohrer, oder gabelförmig, erkannt werden kann.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Der Patient sollte sich der Reinlichkeit befleißigen
- und die Theile öfters waschen. Die Kost muß einfach und nahrhaft sein
- und Spirituosen, fettes Fleisch, Pasteten &c. müssen vermieden werden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Wenn zu Anfang genommen, mag die
- Krankheit kurz abgeschnitten werden, indem 20 Grane salpetersaures
- Silber (~Nitrate of silver~) in einer Unze Wasser und davon 2
- Theelöffel voll in den Penis eingespritzt und dort ungefähr eine
- halbe Minute zurückgehalten wird, was zwei- oder dreimal des Tages zu
- wiederholen ist. Hierzu bediene man sich einer sogenannten ~P. P.~
- Spritze (~Syringe~). Gleichzeitig nehme man 3 bis 4 Grane Entenfuß
- (~Podophyllin~) mit einem Theelöffel voll Cremor Tartari (~Cream of
- tartar~) oder eine Dosis Salz. Eine andere Einspritzung ist folgende:
-
- Zinkchlorid (~Chloride of zinc~) 1 bis 3 Grane.
- Destillirtes Wasser (~Distilled water~) 1 Unze.
-
- Mische es und spritze davon alle 6 bis 8 Stunden einen Theelöffel
- voll ein.
-
- Oder:
-
- Abkochung von Gelbwurz (~Decoction of golden seal~) 1 Unze.
- Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 3 Grane.
-
- Mische und gebrauche wie das vorhergehende.
-
- Die Einspritzungen sollten stets nach dem Uriniren gegeben werden und
- der Patient sollte nicht vor wenigstens einer halben Stunde darauf
- den Urin ablassen.
-
- Bei dem weiblichen Geschlechte muß die Scheide mit einem von
- den obigen Präparaten drei- oder viermal des Tages gebadet und
- Einspritzungen von demselben gemacht werden.
-
- Folgendes wird mit ausgezeichnetem Erfolge innerlich angewendet:
-
- Canadischer Balsam (~Canada balsam~) 1 Unze.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Spirits of sweet nitre~) 4 Unzen.
- Terpentinöl (~Oil of turpentine~) 2 Drachmen.
- Pulverisirter Kampher (~Powdered camphor~) 1 Drachme.
-
- Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll.
-
- Wenn die Entzündung nachgelassen, so füge dem obigen noch eine
- Drachme pulverisirten Kino bei. Gleichzeitig mag der Patient einen
- Aufguß von Eibisch (~Marshmallow~) und Klette (~Burdock root~)
- trinken.
-
- Folgendes mag in einigen Fällen angewendet werden:
-
- Cubebenöl (~Oil of Cubebs~) 1 Unze.
- Anisöl (~Oil of anise~) 1 „
- Copaiva-Balsam (~Balsam of copaiva~) 1 „
- Laudanum 1 „
- Salzsaure Eisen-Tinktur (~Tinct. of muriate of iron~) 1 „
-
- Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll.
-
- Bei Eintreten der ~Chorda venerea~ des Nachts nehme 30 oder 40
- Tropfen Laudanum beim Zubettgehen oder folgendes:
-
- Pulverisirtes Opium (~Powdered opium~) 1½ Grane.
- Kampher (~Camphor~) 10 „
-
- Mische und nimm es als eine Dosis.
-
- Wird die Krankheit chronisch oder nimmt sie die Form eines
- Samenflusses an, so bediene man sich einer Einspritzung von
- gewöhnlichem grünem Thee mit je 5 oder 6 Tropfen Bleizucker (~Sugar
- of lead~) und schwefelsaurem Zink (~Sulphate of zinc~) auf jede
- Einspritzung. Gleichzeitig nehme man folgendes:
-
- Gehärteter Copaiva-Balsam (~Solidified balsam of
- copaiva~) 1 Drachme.
- Venetianischer Terpentin (~Venice turpentine~) 30 Grane.
- Entenfuß (~Podophyllin~) 10 „
-
- Mische es, bringe soviel als möglich pulverisirten Rhabarber
- (~Pulverized rhubarb~) hinein und theile es in 30 Pillen. Dosis:
- zwei oder drei Pillen zweimal des Tages, bis sie auf die Eingeweide
- wirken, dann täglich zweimal eine Pille.
-
- =Homöopathisch.= Während des ersten Stadiums wird salpetersaures
- Silber (~Nitrate of silver~), im Verhältniß von zwei oder drei Granen
- auf eine Unze Wasser, oder schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~),
- im Verhältniß von vier Granen auf eine Unze Wasser, als Einspritzung
- gebraucht, einen Anfall kurz abschneiden. Der Patient muß während
- dieser Zeit große Mäßigkeit beobachten und Ruhe pflegen. ~Aconitum~
- kann zu derselben Zeit, alle zwei oder drei Stunden eine Dosis,
- gegeben werden.
-
- ~Cantharides~ oder ~Cannabis~ gebe man abwechselnd mit ~Aconitum~.
-
- Aufguß von ~Hydrastis Canadensis~ wird als Einspritzung empfohlen und
- zwar im Verhältniß von einer Unze der pulverisirten Wurzel auf ein
- Pint Wasser. Sollte jeden Abend in die Harnröhre gespritzt werden.
-
- ~Cantharis~ mag gegeben werden, wenn sich die Entzündung auf die
- Blase ausdehnt und ein Brennen längs der Harnröhre, sowie ein
- häufiges Drängen zum Urinlassen vorhanden ist. Kann abwechselnd mit
- ~Aconitum~ gegeben werden.
-
- Chlorsaure Potasche (~Chlorate of potash~) wird als Einspritzung
- empfohlen. Löse eine Drachme in einer Unze Wasser und gebe während
- 12 Stunden jede Stunde eine Einspritzung. Dies wird in den meisten
- Fällen erfolgreich sein.
-
- Andere innerliche Mittel sind: ~Mercurius~, ~Nux Vomica~, ~Cubebae~,
- ~Pulsatilla~, ~Copaiva~, ~Sulphur~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe alle 2, 3
- oder 4 Stunden 6 Kügelchen.
-
- =Allöopathisch.= Zu Anfang der Krankheit gebe man eine Einspritzung
- von salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~), im Verhältniß von 5
- bis 10 Granen auf eine Unze Wasser. Dies wird gewöhnlich hinreichen.
- Zur Erhaltung eines gehörigen Stuhlganges sollte Bittersalz (~Epsom
- salts~) genommen und Leinsamenthee getrunken werden. Wenn die
- Krankheit dennoch weiterschreitet, möge folgendes angewendet werden:
-
- Balsam Copaiva 1 Unze.
- Cubebenöl (~Oil of cubebs~) 2 Drachmen.
- Laudanum 1 Drachme.
- Gummi Arabicum Schleim (~Mucilage of Gum
- Arabic~) 2 Unzen.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) ½ Unze.
- Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (~Compound
- spirits of lavender~) 3 Drachmen.
- Kampherwasser 4 Unzen.
- Weißer Zucker 2 Drachmen.
- Mitchellöl (~Oil of partridge berry~) 5 Tropfen.
-
- Mische es. Dosis: drei- oder viermal des Tages einen Eßlöffel voll.
-
- Die folgende Einspritzung ist gut:
-
- Balsam Copaiva 5 Drachmen.
- Gummi-Extrakt von Opium (~Gum of ext. of opium~) 1 Gran.
- Wasser 7 Unzen.
- Ein Eidotter.
-
- Mische und wende es mehrere Male des Tages an.
-
- Gegen die ~Chorda venerea~ nehme beim Zubettgehen eine Pille von
- Kampher und Belladonna, im Verhältniß von 5 Granen des ersteren auf
- ein Gran des letzteren.
-
- Bei Samenfluß bediene man sich folgender Einspritzung:
-
- Salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~) 1 bis 4 Grane.
- Wasser 1 Unze.
- Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 8 Grane.
- Gerbersäure (~Tannin~) 1 Skrupel.
- Wasser 5 Unzen.
-
- Mische es.
-
-
-
-
-Zweiter Theil. -- Frauenkrankheiten.
-
-
-
-
-Erstes Kapitel.
-
-Menstruation oder monatliche Reinigung.
-
-
-Ehe wir darüber reden, auf welche Weise Störungen in der Menstruation
-zu behandeln seien, sollten wir uns klar darüber werden. 1) Was man
-unter Menstruation versteht. 2) Durch welche Ursachen dieselbe erzeugt
-wird. 3) Welchen Zweck sie im weiblichen Organismus hat. Vielleicht
-wird keine körperliche Funktion von den Frauen weniger verstanden als
-diese. Sie können zwar angeben, wie oft die Menstruation eintritt
-und wie lange sie währt, aber über die Ursache sind die meisten im
-Unklaren, worüber man sich nicht zu wundern hat, wenn man bedenkt, daß
-selbst die Aerzte darüber in früherer Zeit im Dunkeln waren und erst
-neuerdings zum vollen Verständniß kamen. Seit Alters bis auf unsere
-Tage wurden zahllose Theorien aufgestellt; jede derselben aber mußte
-der in ihr enthaltenen Widersprüche wegen wieder aufgegeben werden; bis
-man zuletzt zu einer klaren, unzweifelhaften Anschauung gekommen ist.
-Unter den Alten herrschte bezüglich der Menstruation viel Aberglauben.
-Weil sie regelmäßig jeden Monat eintritt, so nahm man an, daß der
-Einfluß des Mondes dieselbe regulire. Daß diese Behauptung durchaus
-nicht stichhaltig ist, liegt auf der Hand, denn wäre auch nur einige
-Wahrheit daran, so müßten alle Frauen eines Erdtheils wenigstens
-zugleich menstruiren. Professor E. G. Meigs von Philadelphia hat
-sich um die Darstellung der Ursachen dieser eigenthümlichen Funktion
-große Verdienste erworben, und ihm sind wir für die in diesem Artikel
-niedergelegten Thatsachen und Beobachtungen zum Dank verpflichtet.
-
-„~Omne vivum ex ovo~,“ (alles Lebendige entspringt aus einem Ei oder
-Keim), dies ist das allgemein gültige Zeugungsgesetz, welches sich
-sowohl in der Pflanzen- als Thierwelt bewährt. Die stämmige Eiche, die
-der Eichel entsprost, das Welschkorn, das aus dem Korn hervorwächst,
-das Rothkehlchen und der Elephant -- alle entstehen aus Keimen und
-beweisen die Wahrheit des obigen Satzes. Jeder Same und jedes Ei
-enthält einen Keim, welcher, wenn auf die rechte Weise beeinflußt,
-seinesgleichen erzeugen wird. So klar diese Thatsache ist, frägt
-es sich nun, wo diese Keime ihren Ursprung haben. Es steht fest,
-daß jedes Thier und jede Pflanze mit einem Organ zur Erzeugung und
-Abwerfung dieser Zellen und Keime versehen ist. Dieses Organ ist bei
-den Frauen das Ovarium (Eierstock) und zwar gibt es derselben zwei. Es
-sind kleine, länglich-runde Körper, etwa einen Zoll lang, ein wenig
-über einen halben Zoll breit und einen drittel Zoll dick. Manchmal
-mag die Größe der Ovarien von der hier angegebenen abweichen, wird
-aber meistens zutreffen. Jeder dieser Eierstöcke ist etwa einen Zoll
-vom oberen Theil der Gebärmutter mittelst eines Bandes befestigt und
-die physiologische Funktion derselben ist, das Ei zu „reifen“ und
-alle achtundzwanzig Tage abzusondern, und zwar geschieht dies vom
-fünfzehnten bis fünfundvierzigsten Jahre und wird nur während der
-Schwangerschaft und des Säugens, und oft auch dann nicht, unterbrochen;
-denn in vielen Fällen haben Frauen, während sie schwanger waren,
-regelmäßig menstruirt, und bei einer großen Anzahl derselben wird durch
-Säugung die Menstruation gar nicht gestört. Während der Zeitigung
-oder dem Reifwerden des Eis bis zur Absonderung desselben in die
-Scheide (~Tube~), durch welche es in die Gebärmutter gelangt, sind
-die Geschlechtsorgane mehr oder weniger angeschwollen (~congested~)
-und haben das Ansehen, als ob sie entzündet seien. Diese Anhäufung
-(~Congestion~) wird endlich so bedeutend, daß ein Blutausfluß aus den
-Zeugungstheilen (~Genitalia~) dadurch entsteht. Sobald der Ausfluß
-beginnt, läßt die Hitze und das Jucken in der Nähe der Eierstöcke
-und das schwere Gefühl nach und verschwindet allmählig. Somit ist
-die Menstruation nichts anderes als die Zeitigung und Absonderung
-des Ei’s, welches, wenn es nicht geschwängert wird, durch den von
-den Gefäßen der Gebärmutter herrührenden Blutausfluß abgeführt wird.
-Hieraus geht auch hervor, daß eine Frau nur während oder nahe zur
-Zeit der Menstruation schwanger werden kann. Die Regelmäßigkeit,
-mit der diese Funktion vor sich geht, war immer Veranlassung zur
-Verwunderung. Aber weshalb? Um uns blickend gewahren wir, daß die
-Pflanzen- und Thierwelt festgesetzte Zeiten zur Keimerzeugung hat. Dies
-ist ein Naturgesetz, und weshalb sollte nicht auch das Weib dasselbe
-auszuführen haben? Da wir nun gezeigt haben, daß die Menstruation in
-der Zeitigung und Absonderung eines Eis besteht, wovon der Blutausfluß
-nur das äußerliche Zeichen ist, so ist es möglich, daß eine Frau
-regelmäßig jeden Monat menstruiren kann, ohne diese Kundgebung, nämlich
-den Blutausfluß. Dieses zu beweisen, können viele Fälle angeführt
-werden, wo Frauen geheirathet haben und schwanger wurden, ohne daß
-das geringste Zeichen des Blutausflusses sich bei ihnen gezeigt
-hätte; aber ihre Schwangerschaft wäre ohne Menstruation nicht möglich
-geworden. So mag eine sonst regelmäßig menstruirende Frau mehrere
-Kinder bekommen, ohne daß sich in der Zwischenzeit die monatliche
-Reinigung zeigt; was man dahin erklären kann, daß sie während der
-Säugung ihres ersten Kindes schwanger und nach der Geburt des zweiten
-wieder Mutter wurde, und so fort, bis sie nicht mehr geschwängert von
-nun an regelmäßig menstruirt. Wie schon oben bemerkt, tritt in diesem
-Lande die Menstruation im vierzehnten oder fünfzehnten Jahre ein; in
-wärmeren Ländern früher, in kälteren später. Menstruation, monatliche
-Reinigung, Regel, Katamenien, monatliche Periode und Unwohlsein,
-dies sind welche der zur Bezeichnung dieser Funktion gebräuchlichen
-Ausdrücke. Bei denjenigen Mädchen, die in Ueppigkeit aufwachsen und
-deren sittliche und körperliche Erziehung der Art ist und war, daß das
-Nervensystem dadurch empfindsam wird, tritt die „Monatsregel“ viel
-bälder ein, als bei denen, die an Hausmannskost und Arbeitsamkeit
-gewohnt sind. Zeigt sich die Menstruation vor dem vierzehnten Jahr,
-so wird dies als ein schlimmes Anzeichen betrachtet und deutet auf
-zu frühe Reife der Organe, während das Eintreten der monatlichen
-Reinigung nach dem sechzehnten Jahr von allgemeiner Schwäche oder
-von Störung in den Zeugungsorganen zeugt. Ist jedoch die betreffende
-Person gesund und alle ihre anderen Funktionen sind regelmäßig, ist
-sie froh, geistesmunter und nicht trüb- oder schwachsinnig, so sollte
-man nichts zur Herbeiführung der Menstruation unternehmen, indem durch
-angewandte Mittel unverbesserlicher Schaden herbeigeführt werden kann.
-Wenn die Monatsreinigung zum erstenmal eintritt, so zeigt sich dies
-gewöhnlich durch folgende Symptome an: Kopfweh, Gefühl von Schwere,
-Mattigkeit, Schmerz im Rücken und den Lenden und Unlust zur Arbeit.
-Die Hautfarbe ist eigenthümlich dunkel, namentlich unter den Augen,
-und zeitweilig verspürt die Betreffende ein Gefühl der Unruhe und des
-Verstopftseins im Halse. Die Ausdünstung hat einen kränkelnden Geruch
-und der Geruch des Athems ist eigenthümlich. Die Brüste sind erweitert,
-weich und empfindsam. Bezüglich der Speisen ist die Betreffende
-wählerisch und launig und die Verdauung ist gestört. Diese Symptome
-währen einen, zwei, drei Tage und verschwinden mit dem Eintreten der
-Menstruation. Die Monatsreinigung dauert drei, fünf oder sieben Tage,
-je nach der Körperorganisation der Frau. Ebenso ist die Quantität des
-ausgesonderten Blutes verschieden bei verschiedenen Frauen. Im Alter
-von etwa fünfundvierzig Jahren hört die Menstruation auf, und dies
-ist die Periode, vor welcher sich die Frauen gewöhnlich fürchten.
-Manchmal hält man die alsdann eintretenden Symptome, als da sind:
-Uebelkeit, launiger Appetit, Anschwellen und Schmerzen in den Brüsten
-für Anzeichen der Schwangerschaft. Die Veränderung tritt allmählig ein.
-Der Blutausfluß mag sich alle zwei bis drei Wochen einstellen, sodann
-zwei oder mehr Monate ausbleiben, darnach mehrere Monate so regelmäßig
-als je wiederkehren und endlich ganz aufhören. Während der Menstruation
-ist der Organismus, namentlich der jüngeren Personen, geistigen und
-physischen Einflüssen mehr zugänglich als sonst. Auf die regelmäßige
-und gesunde Verrichtung dieser Funktion kommt sehr viel an, denn ihr
-dankt die Frau ihre weibliche Schönheit und Vollkommenheit; deshalb
-sollte man sehr vorsichtig sein, daß die Menstruation nicht gestört
-wird. Eine plötzliche Unterdrückung derselben ist immer gefährlich,
-und unter den Ursachen, durch welche solche hervorgerufen wird, sind
-zu nennen: Plötzliche Furcht, Aerger, große Besorgniß und mächtige
-Gemütsbewegungen. Uebermäßige Anstrengung, lange Spaziergänge oder
-Fahrten, namentlich über rauhe Wege, Tanzen, vieles Stiegenauf- und
-ablaufen, veranlassen nicht blos vermehrten Ausfluß, sondern oft auch
-Vorfall der Gebärmutter. Patentmedizinen und Geheimmittel, die gegen
-Frauenkrankheiten empfohlen werden, Abführungs- und Brechmittel,
-sowie Liquöre mögen den Ausfluß vermehren oder demselben Einhalt
-thun. Ebenso schädlich sind während der „Periode“ kalte und warme
-Bäder, Fußbäder und Naßwerden der Füße, indem man dünnbesohlte
-Schuhe trägt. Eine junge Dame, die, weil sie gerne während ihres
-Unwohlseins auf den Ball gehen möchte, ein „Hüftbad“ nimmt, begeht
-eine wahnsinnige Handlung. Welch Elend kann angerichtet werden; wie
-viele Schmerzen bereiten sich solche Thörinnen! Behandlung ist während
-der Monatsreinigung nicht nöthig, es seien denn gewisse Störungen
-eingetreten, worüber wir uns in dem Folgenden aussprechen werden.
-
-
-
-
-Zweites Kapitel.
-
-Störungen der Menstruation.
-
-
-Verzögerte und unterdrückte Menstruation.
-
-Wenn die Monatsreinigung nicht zu rechter Zeit eintritt, so heißt man
-dies verzögerte oder unterdrückte Menstruation. Man hat jedoch die
-Entwicklung des betreffenden Mädchens in Anschlag zu bringen, auch
-wenn sie das Alter erreicht hat, wo das Auftreten dieser Funktion
-erwartet werden kann, denn die Körperentwicklung ist eine Bedingung
-der Monatsperiode. So lange das Mädchen nicht körperlich zugenommen
-hat, wenn sie über die Hüfte nicht weiter geworden, wenn ihre Brüste
-nicht weiter geworden, und sie keine dieser Periode vorangehenden
-Veränderungen wahrgenommen hat, wird es nur schädlich wirken, wenn
-man der Natur Gewalt anthut. In solchem Falle ist eine „allgemeine“
-Behandlung nöthig. Man lasse die Betreffende sich viel in freier Luft
-bewegen, sie gehe frühzeitig zu Bett und stehe Morgens frühe auf.
-Geht sie noch zur Schule, so sollte man sie während der Zeit nicht in
-dieselbe senden. Ihre Kost muß nahrhaft aber nicht reich sein, sonst
-werden Magenstörungen entstehen. Ist sie jedoch vollkommen entwickelt,
-und leidet zeitweilig an Blutandrang im Kopf, in der Brust, oder im
-Unterleib, dann wird das Einschreiten nöthig. Folgende Symptome werden
-sich gewöhnlich in diesen Fällen einstellen.
-
-+Symptome.+ Kopfweh, Schwere, Vollheit, Pulsiren in der Mitte der
-Hirnschale und im Hinterkopf, Schmerzen im Rücken und den Lenden, kalte
-Füße und Hände, die zuweilen sehr heiß werden, trockene, rauhe Haut,
-langsamer Puls und nicht selten Fallsucht (Epilepsie).
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= Einige Tage vor der Periode sollte die Patientin ein
- warmes Hüften- oder Fußbad nehmen, zweimal des Tages und Abends beim
- zu Bett Gehen mit warmem Wasser benetzte Tücher auf den Unterleib
- legen.
-
- Ein sehr gutes Rezept wird von Prof. Cooke vom Hahnemannischen
- medizinischen Collegium in Chicago empfohlen, nämlich: Etwa zwei
- Wochen vor der Periode nehme eine Dosis ~Gelseminum~ jeden Abend,
- und eine Dose ~Belladonna~ jeden Morgen. Kurz vor Eintritt der
- Menstruation nehme diese zwei Heilmittel abwechselnd alle zwei oder
- vier Stunden.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Wenn die Patientin melancholisch und traurig und zum
- Weinen geneigt ist; Blässe mit abwechselnder Hitze, Appetitlosigkeit
- mit Lust für saure Speisen, Uebelsein und Erbrechen.
-
- ~Bryonia.~ -- Blutandrang im Kopf, geröthetes Gesicht, häufiges
- Nasenbluten, Hartleibigkeit, Herzklopfen.
-
- ~Lycopodium.~ -- Anwendbar bei ähnlichen Symptomen.
-
- ~Phosphorus.~ -- Wenn die Patientin zu Lungenkrankheiten geneigt ist,
- schwache Brust, Husten, Brustschmerzen, Blutspeien.
-
- ~Arsenicum.~ -- Wassersuchtartige Anschwellungen um die Augen oder
- der Füße oder anderer Gliedmaßen, blasse Gesichtsfarbe, gelbsüchtig.
-
- ~Sulphur.~ -- Wenn obige Heilmittel nicht wirken.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Gebe eine Dosis (6 Kügelchen) alle
- Morgen von irgend einem dieser Mittel eine Woche oder zehn Tage lang.
- Wird die Patientin besser, so setze vier Tage lang aus und gebe eine
- Woche lang jeden Morgen ~Sulphur~.
-
- =Allöopathisch.= Hier wie in der homöopathischen Behandlung wird das
- Wasser in gleicher Weise gebraucht. Der Stuhlgang sollte durch ein
- mildes Reinigungsmittel, z. B. Castoröl und Aloepillen (~Pill of
- aloes~), regelmäßig erhalten werden. Fühlt die Patientin während oder
- vor dem Blutausflusse Schmerz und Vollheit im Kopfe, so gebrauche man
- folgendes:
-
- Eisenhut- (Sturmhut) Blätter-Tinktur (~Tincture of
- aconite leaves~) 2 Drachmen.
- Belladonna-Tinktur 1 Drachme.
- Spanische Fliegen- (~Cantharides~) Tinktur 1 „
- Morphium 3 Grane.
- Syrup 4 Unzen.
-
- Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages. Wenn die Schmerzen
- heftig sind, so mag alle zwei Stunden eine Dosis genommen werden.
-
- Ist der Körper geschwächt, so mag zwischen den Perioden folgendes
- gebraucht werden:
-
- Kohlensaurer Eisen-Niederschlag (~Precip. carbonate
- of iron~) 5 Drachmen.
- Sturmhut- (Eisenhut) Extrakt (~Extract of conium~) 2 „
- Peru-Balsam 1 Drachme.
- Alcohol 4 Unzen.
- Wintergrünöl (~Oil wintergreen~) 20 Tropfen.
- Syrup 8 Unzen.
-
- Dosis: Zwei Theelöffel voll dreimal des Tages. Schüttle die Mischung
- vor dem Gebrauch.
-
- Oder:
-
- Orangenschalen-Syrup (~Syrup of orange peel~) 1 Unze.
- Rosenwasser 7 Unzen.
- Salzsaure Eisentinktur 1 Unze.
-
- Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll in ½ Glas voll Wasser
- dreimal des Tages.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Patientin robust ist, so gebe
- zeitweilige Dosen von zusammengesetztem Leptandrin-Pulver (~Compound
- powder of leptandrin~). Ist sie jedoch schwach und nervös, so erhalte
- den Stuhlgang regelmäßig mit folgendem:
-
- Pulverisirter Rhabarber 1½ Unze.
- Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate
- of potassa~) 1 „
-
- Hiervon gebe man eine kleine Dosis dreimal des Tages, genügend um
- regelmäßige Oeffnung zu erhalten. Als ein Stärkemittel gebrauche man
- zusammengesetzten Wallwurzwein (~Compound wine of comfrey~). Zur
- selben Zeit verordne, wenn Kopfweh und Schmerzen im Kreuz und den
- Lenden vorhanden sind, warme Am. Ysop- (~Penny royal~), Rainfarn-
- (~Tansy~), schwarzen Schlangenwurzel- (~Black cohosh~) oder Raute-
- (~Rue~) Thee. Manchmal mildert ein warmer, aus Hopfen und Rainfarn
- zubereiteter und auf den Unterleib gelegter Umschlag die Schmerzen.
- Wenn, obgleich die Gesundheit durch obige Mittel besser geworden, die
- Menstruation noch nicht eingetreten ist, so verordne man:
-
- Wiesenrauten-Stammblatt (~Caulophyllin~) 10 Grane.
- ~Aletridin~ 8 „
- Belladonna-Extrakt 1 Gran.
-
- Mische dieses und bereite zehn Pillen daraus, von welchen eine
- dreimal des Tages zu nehmen ist.
-
- Oder:
-
- Kohlensaures Eisen (~Carbonate of iron~) 7 Grane.
- ~Cimicifugin~ 3 „
- Entenfuß (~Podophyllin~) 1 Gran.
-
- Genügend weißen Terpentin, um aus dieser Masse Pillen zu bereiten.
- Man mache 4 Pillen und nehme eine dreimal des Tages.
-
- Mit gutem Erfolg mag Sabenbaumöl (~Oils of savin~) und Rainfarn
- (~Tansy~), gleiche Theile von jedem, angewandt werden. Man gebe 5
- oder 10 Tropfen der Mischung zweimal des Tages, und beginne damit
- eine Woche, ehe die Menstruation eintreten soll.
-
-
-Die Bleichsucht (~Chlorosis or Green Sickness~).
-
-Junge, unverheirathete, schwächliche Frauenzimmer sind es gewöhnlich,
-die von dieser Krankheit zu leiden haben. Sie stellt sich gewöhnlich
-zur Zeit der Mannbarkeit (~Puberty~) ein und äußert sich durch
-Appetitlosigkeit und Unverdaulichkeit. Die Menstruations-Blutung ist
-entweder gar nicht vorhanden, oder sehr gering.
-
-+Ursachen.+ Alles, was die Lebensfunktionen stört, z. B. unnahrhafte
-Speisen und Aufenthalt in feuchten, schlechtgelüfteten Zimmern;
-die Krankheit kann sich auch vererben, so daß alle Frauenzimmer
-derselben Familie damit behaftet sind. Diejenigen, die viel Thee,
-Kaffee, verdünnte Säuren und schlechte Weine trinken und sich sehr
-fest schnüren, sind dieser Krankheit leicht ausgesetzt. Unter
-anderen veranlassenden Ursachen mögen genannt werden: Störende
-Gemüthsbewegungen, unerwiederte Liebe, Heimweh, Trübsinn &c.
-
-+Symptome.+ Die Symptome, welche diese Krankheit kennzeichnen, äußern
-sich nicht alle zugleich, sondern treten nach und nach auf, so daß
-sich die Kranke deren kaum bewußt wird. Sie klagt gewöhnlich erst über
-Ermüdung und Widerwillen gegen geistige und körperliche Anstrengung.
-Die Hautfarbe ist eigenthümlich, nicht besonders weiß, aber blaß mit
-gelben und grünlichen Streifen. Die Lippen sind manchmal beinahe ganz
-weiß, die Augenlider bleifarbig und angeschwollen. Die Haut ist kalt.
-Der Gaumen wird weiß und die Haut ist gewöhnlich mit einer weißen
-Masse bedeckt und des Morgens fühlt die Kranke ein klebriges Gefühl im
-Munde. Der Athem ist übelriechend. Die Patientin ist sehr schwach und
-ermüdet bei jeder kleinen Anstrengung. Sie athmet schnell, nicht weil
-die Lungen krank sind, sondern weil sie nicht Kraft genug hat, die
-Brust gehörig zu erheben. Der Schlaf wird oft gestört und ist nicht
-stärkend. Hartleibigkeit ist vorhanden und zuweilen auch Uebelsein und
-Erbrechen. Der Puls ist schwach und schnell. Die Kranke ist traurig,
-weint oft plötzlich und ist gerne allein. Der Appetit ist verringert
-und dyspeptische Symptome, z. B. Sodbrennen, saurer Magen, Schmerz
-in demselben mit Nausea, zeigen sich. Sie begehrt unverdauliche
-Substanzen, wie Griffel, Kreide, Holzkohle &c. Auf außerordentliche
-Hartleibigkeit folgt Diarrhöe schlecht verdauter Substanzen. Mit
-dem Fortschreiten der Krankheit schwellen die untern Gliedmaßen an,
-hektischer Husten tritt ein, welcher manchmal von Blutspeien begleitet
-ist. Der Unterleib wird fest und schwillt und zwar oft so stark, daß
-man die Kranke für schwanger hält. Die Menstruations-Blutung, wenn sie
-überhaupt eingetreten, wird sehr schwach und schmerzhaft, hält nur
-kurze Zeit an, ist blaß, wässerig und hört endlich ganz auf. Manchmal
-fühlt die Kranke heftige Schmerzen in der linken Brust. In manchen
-Fällen äußern sich nervöse Symptome, z. B. hysterische Anfälle, Krämpfe
-&c. Man mag die Bleichsucht für Herzkrankheit oder Auszehrung halten,
-und ich habe deshalb eine genaue Beschreibung derselben gegeben, damit
-man sie gleich von Anfang an zu erkennen vermag. Jedoch treten an ein
-und derselben Person nicht alle hier angegebenen Symptome auf; jedoch
-wird man immer die Mehrzahl derselben finden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Die Thatsache in Betracht ziehend, daß die Ursache
- „Blutverarmung“ ist, wird die Behandlung verhältnißmäßig nicht
- sehr schwierig werden. Die Kranke bewege sich viel in der frischen
- Luft, verwahre den Körper gegen Kälte vermittelst warmer Kleidung
- und halte sich in einem gut gelüfteten Zimmer auf. Die Kost sollte
- nahrhaft, nicht aber stimulirend sein. Regelmäßige Gewohnheiten in
- jeder Beziehung und Herbeiführung heiterer Gemüthsstimmung durch
- Gesellschaft und unschuldige Vergnügungen -- dies ist bei der
- Behandlung sehr wichtig. Ehe man der Kranken Arznei giebt, müssen
- die veranlassenden Ursachen entfernt werden. Die Lebensweise der
- Patientin muß total verändert werden. Ging sie beständig zur Schule,
- so muß sie nun aus derselben bleiben, ist sie geneigt, immer zu
- Hause zu sein, so sende man sie aufs Land. Man stelle ihr die Gefahr
- vor, der sie sich aussetzt, wenn sie sich nicht im Freien bewegt,
- und verschaffe ihr alle mögliche Bewegung. Die Entfernung der
- sittlichen und geistigen Ursachen ist die schwierigste Aufgabe; aber
- auch in dieser Beziehung werden Luft- und Scenerieveränderung, neue
- Freundschaften u.s.w. eine gute Wirkung ausüben. Diejenigen, die in
- Fabriken arbeiten oder in ruhiger Körperstellung irgend einem Berufe
- nachgehen, müssen andere Beschäftigung aufsuchen. Ein lauwarmes
- Morgenbad, nach welchem der Körper tüchtig gerieben wird, ist von
- guten Diensten, ebenso das „Sitzbad“ oder das Abwaschen und Baden
- mittelst des Schwammes am Abend. Vor und nach dem Baden sollte die
- Patientin spaziren gehen oder sich mit Arbeit Bewegung verschaffen.
- Während der Menstruation muß alle Behandlung mittelst des Wassers
- eingestellt werden.
-
- =Allöopathisch.= Die folgende Vorschrift wird von Dr. Pancoast von
- Philadelphia empfohlen. Man wechselt mit den Mischungen jeden Tag ab;
- das heißt, man nimmt No. 1 den einen und No. 2 den nächsten Tag u.s.w.
-
- No. 1. -- Kohlensaurer Eisen-Niederschlag
- (~Precip. carbonate of iron~) 5 Drachmen.
- Sturmhut- (~Conium~) Extrakt 2 „
- Peru Balsam 1 Drachme.
- Zimmetöl 20 Tropfen.
- Syrup 8 Unzen.
- Pulverisirter Gummi Arabicum 2 Drachmen.
-
- Mische. Dosis: 2 Theelöffel voll dreimal des Tages, jeden andern Tag
- nach den Mahlzeiten. Schüttle die Mischung vor dem Gebrauch.
-
- No. 2. -- Brechnuß-Tinktur (~Tinct. of Nux Vomica~) 1 Drachme.
- Eisen-Iodide-Syrup (~Syrup iodide
- of iron~) 1 Unze.
- Syrup 4 Unzen.
-
- Mische dieses. Dosis: ein Theelöffel voll dreimal des Tages, jeden
- andern Tag in Wasser nach den Mahlzeiten. Eine andere Behandlung:
-
- Man reinige die Eingeweide mit der folgenden Mischung:
-
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze.
- Salpetersaures Kali (~Nitrate of potash~) 10 Grane.
- Lakritzen-Extrakt (~Extract of liquorice~) 1 Skrupel.
- Zusammengesetzter Senna-Aufguß (~Compound
- infusion of senna~) 5½ Unzen.
- Jalappen-Tinktur (~Tinct. of jalap~) 3 Drachmen.
- Flüchtiger Salzgeist (~Spirits of sal volatile~) 1 Drachme.
-
- Mische dieses. Dosis: zwei oder drei Eßlöffel voll zu einer Zeit, mit
- Zwischenräumen von zwei Stunden, bis die Wirkung eintritt.
-
- Auf dieses verordne man schwefelsaures Eisen 5 Grane, Enzian-
- (~Gentian~) Extrakt 10 Grane.
-
- Bereite hieraus 3 Pillen und nehme 1 Pille zweimal des Tages mit
- zusammengesetzten Aloe- oder Rhabarber-Pillen jeden Abend.
-
- =Homöopathisch.= ~Pulsatilla.~ -- Für Frauen mit mildem, ruhigem
- Temperament, welche oft traurig sind und viel weinen, oder
- wenn Erkältung und Bloßstellung in der Witterung die Krankheit
- verursachten. Die folgenden Symptome deuten auf die Verordnung dieser
- Arznei hin: Fahle Farbe mit Röthe und Hitze abwechselnd, Herzklopfen,
- kalte Hände und Füße, Schwerathmen, mit einem Erstickungsgefühl
- nach jeder Anstrengung, öfterer Stuhlgang und Weichheit desselben,
- Uebelkeit und Erbrechen, Anschwellen der Füße, Frösteln, Ohrensausen
- und Gesichts-Neuralgie.
-
- ~Bryonia.~ -- Mag abwechselnd mit ~Pulsatilla~ gegeben werden, wenn
- Blutanhäufungen in der Brust vorkommen, Hartleibigkeit, Nasenbluten,
- Hitze abwechselnd mit Frösteln, Husten, wobei Klumpen schwarzen
- Blutes abgehen, Schmerzen im Kreuz.
-
- ~Ferrum.~ -- Bei großer Schwäche, Appetitlosigkeit, Uebelsein und
- hektischem Husten, wassersuchtartige Anschwellungen um die Augen,
- Fahlheit der Haut, die Lippen sind beinahe blutlos, Schwierigkeit
- beim Athmen, Mangel an Lebenswärme.
-
- ~Sulphur.~ -- Gegen hartnäckige Fälle, namentlich wenn die obigen
- Heilmittel nicht wirkten. Klopfende Schmerzen im Kopf, Ohrensausen,
- saures Aufstoßen vom Magen, Hartleibigkeit mit harten Stuhlabgängen,
- große Bedrückung nach dem Sprechen, Schwierigkeit beim Athmen mit
- Druck in der Brust.
-
- ~Calcarea Carbonica.~ -- Kann nach ~Sulphur~ gebraucht werden,
- namentlich wenn die Abzehrung sehr bedeutend ist und die Patientin
- Schwierigkeit beim Athmen hat.
-
- ~China~ und ~Carbo Vegetabilis~. -- Eine Dosis abwechselnd jeden
- Abend 5 oder 6 Wochen lang, wenn das Uebel nach einer heftigen
- Krankheit oder nach Hämorrhoiden eingetreten ist.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Man verordne vom gewählten Heilmittel 5
- oder 6 Kügelchen -- trocken -- einmal in 4 Stunden. Sobald Besserung
- eintritt, so gebe man die Arznei alle 12 Stunden oder alle 2 oder 3
- Tage.
-
- +Kost.+ Diese sollte ganz einfach, aber nahrhaft sein. Man vermeide
- alle Stimulanten und hochreifen Früchte &c. Kaffee, grüner Thee und
- Liquöre dürfen nicht genossen werden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Um den Stuhlgang regelmäßig zu
- erhalten, gebrauche man zusammengesetzte Leptandrin-Pillen (~Compound
- pill of leptandrin~), jeden Abend zu nehmen. Wirkt diese Dosis nicht,
- so füge zu jeder Pille 1/20 Gran Brechnuß (~Nux Vomica~) hinzu. Ist
- der Magen sauer, so gebe kohlensaures Natron (~Carbonate of soda~),
- oder kohlensaures Kali (~Carbonate of potash~), oder kohlensaure
- Magnesia (~Carbonate of magnesia~), mit Gelbwurz- oder Quassia-Thee.
- Zur Verbesserung des Blutes brauche folgendes:
-
- Kohlensaures Eisen (~Carbonate of iron~) 5 Drachmen.
- Assafötida 3½ Skrupel.
- Entenfuß (~Podophyllin~) 8 Grane.
-
- Mische dieses und bereite 24 Pulver daraus und verordne 1 Pulver
- dreimal des Tages.
-
- Oder dieses:
-
- Myrrhen-Tinktur, Aloe-Tinktur, von jedem 1½ Unzen, Blutwurzel-
- (~Blood root~) Tinktur, salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tinct.
- of iron~), von jedem eine Unze. Mische dieses und verordne einen
- Theelöffel dreimal des Tages.
-
- Oder die folgenden Pillen:
-
- Schwefelsaures Eisen (~Sulphate of iron~), zu
- pulverisiren und an die Luft zu setzen, bis es
- trocken und weiß wird 1 Drachme.
- Chinin (~Quinine~) 30 Grane.
- Myrrhen (~Gum Myrrh~) 30 „
- Entenfuß (~Podophyllin~) 20 „
-
- Hiervon bereite man 60 Pillen mit Enzian-Extrakt (~Extract of
- gentian~) und nehme eine Pille Abends und Morgens.
-
- Die zusammengesetzten Pillen von blausaurem Eisen (~Compound pills
- of ferrocyanuret of iron~) werden ebenfalls empfohlen. Man nehme
- dieselben Morgens und Abends. Man sollte eines dieser Präparate
- mehrere Wochen lang hinter einander nehmen und alsdann ein anderes.
-
-
-Uebermäßige Menstruation (~Profuse Menstruation -- Menorrhagia~).
-
-Dies ist, wie der Name angiebt, ein übermäßiger Blutfluß während
-der Menstruation. Die Quantität Blut, die während der Monatsperiode
-ausfließt, ist bei verschiedenen Frauen verschieden, beträgt aber
-gewöhnlich zwischen vier und acht Unzen. Die Quantität mag an der Zahl
-der gebrauchten Tücher (~Napkins~) geschätzt werden. Jedes derselben
-enthält etwa ½ Unze oder einen Theelöffel voll, so daß 8 Napkins 4
-Unzen enthalten würden, 20 zehn Unzen u.s.w. Bei manchen Frauen mag
-der Blutausfluß sehr reichlich sein, ohne daß dadurch die Gesundheit
-beeinträchtigt würde.
-
-+Ursachen.+ Dieses Uebel mag durch einen schwachen Zustand der
-Gebärmutter, durch vieles Kinderzeugen, Frühgeburten, üppiges Leben
-und zu langes und zu vieles Säugen, oder durch Gemüthsbewegungen,
-übermäßige Anstrengung, Tanzen, Fälle, schweres Heben, Erkältungen und
-geistige Aufregung erzeugt werden.
-
-+Symptome.+ Erschöpfung der Körperkräfte, Schwäche und Schmerz im
-Rücken, der sich bis zu den Hüften und über die Lenden zieht, fahles,
-eingesunkenes Gesicht, Kopfweh mit Klopfen in den Schläfen, Schmerz in
-der linken Seite, im Magen und in den Gedärmen, manchmal Diarrhöe mit
-großer Nervenschwäche.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Die Patientin muß sich auf ein hartes Lager niederlegen
- und keinerlei stimulirende Speisen und Getränke genießen. Das Zimmer
- sollte kühl und sie sollte mit leichten Decken bedeckt sein. Man bade
- die Füße in warmem Wasser, und wenn der Ausfluß sehr stark ist, so
- lege Tücher, gut mit Essig und Wasser getränkt, auf den Unterleib.
- Die Hüften müssen höher zu liegen kommen als der Kopf, und nur in
- den äußersten Fällen sollte man zum Verstopfen greifen. Muß es aber
- geschehen, so nehme man ein etwa 4 Zoll im Quadrat großes Stück
- Linnenzeug und bringe dasselbe in die Scheide, so daß diese angefüllt
- wird, worauf man eine Binde zwischen den Beinen befestigt. Kalte
- Hüftenbäder, sowie das Einspritzen von kaltem Wasser in die Scheide
- werden, falls die Blutung nicht heftig ist, dienlich sein.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Man nehme gleiche Theile pulverisirten
- Alaun, Geranium und Holzkohle, mische dieses und gebe davon 15 Grane
- alle 10-20 Minuten; oder je einen Theelöffel voll Salpeter und Alaun;
- mische dieses und vertheile die Masse in 6 Pulvern, von welchen eins
- alle 2-4 Stunden zu geben ist. Ein aus ganzem Zimmet (~Cinnamon
- bark~), oder ganzem Zimmet und den Blättern der rothen Himbeerstaude
- bereiteter Thee wird wohlthätig wirken, wenn die Patientin viel
- davon trinkt. Auch wird ein aus gleichen Theilen kurzblätterigem
- Dreiblattklee (~Beth root~), blauer Schlangenwurzel (~Blue cohosh~)
- und mehliger Aletris bereiteter Thee, von welchem je eine halbe Unze
- mit einem Pint kochenden Wasser vermischt wird, sehr empfohlen.
- Hiervon mag während eines Tages ein Pint getrunken werden. Zur selben
- Zeit nehme man alle Stunde oder 2 Stunden ein aus 5 Granen span.
- Pfeffer (~Cayenne~), ½ Gran Opium und 1 Gran Ipecacuanha (~Ipecac~)
- zusammengesetztes Pulver. Sind bedeutende Schmerzen vorhanden, so
- kann das folgende alle zwei oder drei Stunden verordnet werden: ½
- Gran Morphium, 4 Grane spanischen Pfeffer, 4 Grane Harz (~Rosin~)
- in Brombeerensyrup zu geben. In manchen Fällen wird salzsaure
- Eisentinktur (~Tincture of muriate of iron~) in Dosen von 15 Tropfen
- alle halbe Stunde oder mehr, je nach Heftigkeit der Symptome, gute
- Dienste leisten. Zwischen den „Perioden“ gebe man zur Verhütung
- der Ueberblutung zusammengesetzten Wallwurzwein (~Compound wine of
- comfrey~) ein- oder zweimal des Tages und lasse die Patientin viel
- Thee von Brombeerwurzel oder kurzblätterigem Dreiblattklee trinken.
-
- =Homöopathisch.= ~Ipecac.~ -- Wenn der Ausfluß hellroth und die
- Menstruation zu oft eintritt. Man mag ~Sabina~ darauf folgen lassen.
-
- ~Belladonna.~ -- Wenn die Menstruation zu frühe wieder eintritt und
- die Patientin drückende Schmerzen mit heftigem Kopfweh empfindet,
- geröthetes Gesicht und kalte Gliedmaßen.
-
- ~Orocus.~ -- Ist ein wichtiges Heilmittel und ist zu gebrauchen, wenn
- der Ausfluß aus dunkeln Klumpen besteht.
-
- ~Chamomilla.~ -- Wenn der Ausfluß dunkelroth und verbunden ist mit
- kolikartigen Schmerzen, die den Wehen ähnlich sind, heftiger Durst,
- Kopfweh, mit geschwächtem Augenlicht und Ohrensausen.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Wenn der Ausfluß plötzlich heftig ausströmt,
- eine Zeitlang aufhört und dann wieder beginnt. Unterleibskrämpfe,
- Uebelkeit, Erbrechen, Ohnmachten; ein Gefühl der Schwere und des
- Wundseins, als ob dasselbe von einer Quetschung herrühre.
-
- ~Calcarea Carbonica~ -- ist gegen hartnäckige Fälle sehr gut, wo
- der Ausfluß lange Zeit stattgefunden und bedeutende Störungen im
- Organismus veranlaßt hat. Geeignet für Personen mit schwachen,
- schlaffen Muskeln und skrophulösem Organismus.
-
- ~Secale.~ -- Bei sehr starkem Ausfluß mit heftigem Krampf,
- krampfhaftem Jucken in den Füßen und Kälte der äußeren Gliedmaßen.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse von dem gewählten Heilmittel 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und nehme alle halbe
- Stunde, oder jede Stunde oder zwei Stunden einen Theelöffel voll, je
- nach der Heftigkeit der Symptome.
-
- =Allöopathisch.=
-
- Essigsaures Blei (~Acetate of lead~) 10 Grane.
- Pulverisirtes Opium 6 „
-
- Bereite hieraus 10 Pillen und nehme eine Pille alle eine oder zwei
- Stunden, bis sich der Ausfluß vermindert. Das folgende wird sich als
- sehr wirksames Mittel erweisen:
-
- Zimmetöl (~Oil cinnamon~) 2 Drachmen.
- Berufskraut- (Can. Flöhkraut) Oel (~Oil erigeron~) 2 „
- Pulverisirtes Gummi Arabicum 1 Drachme.
- Wasser 4 Unzen.
-
- Dosis: Einen oder zwei Theelöffel voll alle 1, 2 oder 3 Stunden in
- versüßtem Wasser.
-
- Wenn die Patienten robust und alle anderen Funktionen in Ordnung
- sind, so werden Blutungen an den Lenden mittelst Blutegel gute
- Dienste leisten, dabei verordne das Folgende:
-
- Galläpfel-Säure (~Gallic acid~) 20 Grane.
- Rother Mohnsamen-Syrup (~Syrup of red poppies~) 2 Drachmen.
- Gummi Arabicum-Schleim (~Mucilage of gum arab.~) 2 „
- Wasser 3½ Unzen.
-
- Dosis: Einen Theelöffel voll alle 3 oder 4 Stunden.
-
- Zwischen den Monatsperioden muß man den Körper durch ein
- Eisenpräparat zu stärken suchen; eines der besten ist das folgende:
-
- Kohlensaurer Eisenniederschlag (~Prec. carb.
- of iron~) 5 Drachmen.
- Eisenhut-Extrakt (~Extract conium~) 2 „
- Peruanischer Balsam (~Balsam Peru~) 1 Drachme.
- Zimmetöl (~Oil cinnamon~) 20 Tropfen.
- Syrup 8 Unzen.
- Pulverisirtes Gummi Arabicum 2 Drachmen.
-
- Dosis: Zwei Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages in Wasser.
- Schüttle die Mischung vor dem Gebrauch.
-
- Das folgende wird sehr geschätzt:
-
- Ammoniakcitronensaures Eisen (~Ammonia citrate of
- iron~) 2 Drachmen.
- Zusammengesetzte Cardamon-Tinktur (~Compound
- tincture of cardamons~) 2 „
- Chirayta-Aufguß (~Infusion of chiretta~) 5½ Unzen.
-
- Dosis: Einen Eßlöffel voll dreimal des Tages.
-
- Eine andere erfolgreiche Arznei wird von Prof. Meigs in Philadelphia
- empfohlen:
-
- Pulverisirter Alaun (~Pulv. Alum~) 5 bis 20 Grane.
- Geriebene Muskatnuß (~Grated nutmeg~) 2 „
-
- Bereite hieraus ein Pulver und gebe dasselbe in aus weißem Zucker,
- den man kochen läßt, bereitetem Syrup alle Stunden.
-
-
-Schwere Menstruation (~Menstrual Colic, Painful Menstruation --
-Dysmenorrhœa~).
-
-Dieses Uebel ist durch den Namen gekennzeichnet, welcher eine mit
-Schwierigkeiten verknüpfte Monatsperiode bedeutet, mit vorhergehenden
-heftigen Schmerzen im Rücken und dem Unterleib.
-
-+Ursachen.+ Erkältungen, die sich Frauen während der Menstruation
-zuziehen, Erschrecken, heftige Geisteserregungen, hartnäckige
-Hartleibigkeit, sitzende Lebensweise, kleiner Mund und Hals der
-Gebärmutter. Frauen, welche mit diesem Uebel behaftet sind, werden
-gewöhnlich von demselben durch Heirath befreit.
-
-+Symptome.+ Heftige, drückende Schmerzen in der Gegend der Gebärmutter,
-wehenartige Schmerzen, Ruhelosigkeit, Frösteln abwechselnd mit Hitze,
-Kopfweh, Schmerz im Kreuz (~Small Back~) im Unterleib und den Lenden.
-Der Ausfluß ist gering und enthält Fasern und Blutklumpen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Die Patientin sollte sogleich ins Bett gehen und sich
- warm zudecken. Sie darf keine stimulirenden Speisen und Getränke
- gebrauchen; soll aber warme Fußbäder, Sitzbäder und Aufschläge von
- Hopfen oder Tüchern, die in warmes Wasser getaucht wurden, anwenden.
-
- =Homöopathisch.= ~Belladonna.~ -- Wenn die Schmerzen im Unterleib
- derart sind, als ob die dortigen Theile fest umspannt wären,
- heftige Schmerzen im Rücken, drückende Schmerzen, als ob die Theile
- herausfallen wollten. Die Schmerzen treten vor dem Blutausfluß
- ein und sind mit Blutandrang nach dem Kopf und Kopfweh begleitet;
- erschreckende Visionen, rothes, aufgedunsenes Gesicht und heftiger
- Durst.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Unterleibskrämpfe mit Abgang von Klumpen dunkeln
- oder blassen Blutes, drückende Schmerzen im Unterleib, im Kreuz und
- in den Seiten, Uebelkeit und Erbrechen, häufige Neigung zum Stuhlgang
- und Urinmachen.
-
- ~Coffea.~ -- Große Nervenaufregung, Zähneknirschen, Schreien, Kolik,
- Vollheit und Druck im Unterleib, Kälte des Körpers. Mag abwechselnd
- mit ~Pulsatilla~ verordnet werden.
-
- ~Chamomilla.~ -- Wehenartige Schmerzen, Menstruation zu stark, zu
- frühe und mit heftigen Unterleibskrämpfen verbunden.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Gebärmutterkrämpfe, zerrende Schmerzen im Unterleib
- und Schmerzen im Rücken, als ob dieser gebrochen wäre, Uebelkeit und
- Neigung zum Urinmachen.
-
- ~Secale Cornutum.~ -- Schneidende, reißende Kolik mit starkem, lang
- anhaltendem Ausfluß, blasses Gesicht, kalte Gliedmaßen und kalter
- Schweiß.
-
- ~Veratrum.~ -- Kolik mit Uebelsein und Erbrechen, nervöses Kopfweh,
- Kälte der Füße, Nase und Hände, Ohnmachtanfälle.
-
- =Allöopathisch.= Das folgende wird sehr empfohlen:
-
- Sturmhutblätter-Tinktur (~Tinct. of aconite leaves~) 2 Drachmen.
- Süßer Salpetergeist (~Sweet spirits of nitre~) 1 Unze.
- Morphium 3 Grane.
- Syrup 4 Unzen.
-
- Dosis: Einen Theelöffel voll alle halbe Stunde, bis Linderung
- eintritt.
-
- Oder „Dover’s Pulver,“ 10 oder 15 Grane auf einmal zu geben und 5
- Grane in einer Pille alle 3 bis 4 Stunden; nach jeder Pille gebe man
- eine Dosis der folgenden Mischung:
-
- Essigsaure Ammoniak-Auflösung (~Solution of
- acetate of ammonia~) 1½ Unze.
- Süßer Salpetergeist (~Sweet spirits of nitre~) 2 Drachmen.
- Syrup 2 „
- Kampher-Mischung (~Camphor mixture~) 4 Unzen.
-
- Mische dies. Dosis: Den vierten Theil.
-
- Zwischen den Perioden hat sich die Patientin viel Bewegung zu machen;
- ein warmes Hüftbad drei Abende in der Woche zu nehmen, wobei Wasser
- tief in die Scheide einzuspritzen ist. Man halte den Stuhlgang
- mit Aloe- oder Myrrhen-Pillen regelmäßig und nehme einen kleinen
- Theelöffel voll flüchtige Guajack-Tinktur (~Volatile tincture of
- guaicum~) dreimal des Tages in Wasser. Kurz vor der Zeit, da die
- Periode eintritt, nehme man folgendes am Abend:
-
- Calomel (geläutertes Quecksilber) 3 Grane.
- Opium 1 Gran.
-
- Morgens nehme man eine Dosis Castoröl und beim Eintritt der Periode
- Dover’s Pulver und Mischung, wie oben angegeben. Diese Behandlung ist
- jedesmal zwischen den Perioden zu wiederholen, bis Besserung eintritt.
-
- Das folgende sollte nach der Empfehlung von Prof. Meigs einige Tage
- vor dem Eintritt der Menstruation verordnet werden:
-
- Säuerliche Zeitlosen-Tinktur (~Acetous tincture of
- colchicum~) 3 Drachmen.
- Magnesia 1 Drachme.
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 3 Drachmen.
- Distillirtes Münz- oder Zimmet-Wasser 4 Unzen.
-
- Mische dieses. Dosis: Ein kleines Weinglas voll alle zwei oder drei
- Stunden, bis die Medizin wirkt. Ehe man dieses Mittel einnimmt,
- sollte den Abend zuvor eine kleine Dosis Blaupillen (~Blue pills~)
- verordnet werden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Schaffe Stuhlgang-Oeffnung durch
- folgendes:
-
- Pulverisirte Aloe 30 Grane.
- Gummigutt (~Gamboge~) 30 „
- Entenfuß (~Podophyllin~) 20 „
- Spanischer Pfeffer (~Cayenne~) 10 „
-
- Bereite daraus mittelst Gummi Arabicum Schleim 30 Pillen, nehme 3
- Pillen für eine Dosis alle 4-6 Stunden, bis sie wirken. Ein heißer
- Hopfen-, Rainfarn- (~Tansy~) oder Wasserdost- (~Boneset~) Umschlag
- mag auf den Unterleib gelegt werden. Zu gleicher Zeit nehme das
- folgende:
-
- Pulverisirter Kampher } je 25 Grane.
- Macrotin }
- Brechwurz }
- Spanischer Pfeffer } je 12 „
- Opium }
-
- Bereite hieraus 25 Pillen mittelst Bilsenkraut- (~Hyosciamus~)
- Extrakt und nehme alle 2, 3 oder 4 Stunden eine Pille, je nach den
- Symptomen. Ein Dunstbad (~Spirits vapor bath~) leistet in manchen
- Fällen ausgezeichnete Dienste. Auch wird Gelsamin-Tinktur (~Tinct.
- of Gelseminum~) in Dosen von ½ Theelöffel voll alle Stunden oder
- öfters zu nehmen, empfohlen. Sind die Schmerzen sehr heftig, so füge
- man 5 Tropfen Sturmhut-Tinktur (~Tinct. of Aconite~) zu jeder Dosis.
- Zwischen den Perioden gebrauche folgendes:
-
- Kampher 1½ Skrupel.
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of Quinine~) 35 Grane.
- Stechapfel-Extrakt (~Extract of Stramonium~) 20 „
-
- Bereite hieraus mittelst Aletridin 80 Pillen und nehme 1 Pille alle
- 4-5 Stunden.
-
- Der zusammengesetzte Syrup der Mitchella (~Partridge berry~) wird
- für hartnäckige Fälle sehr empfohlen und muß lange Zeit damit
- fortgefahren werden.
-
-
-Unterdrückte Menstruation (~Supression of the Menses -- Amenorrhœa~).
-
-Hierunter versteht man ein Ausbleiben der Monatsperiode, nachdem
-dieselbe bereits eingetreten, und mag dieses Uebel entweder acut oder
-chronisch sein.
-
-+Ursachen.+ Erkältungen, die sich die Betreffende während des
-Blutausflusses durch nasse Füße &c. zugezogen hat, Furcht, Erschrecken,
-Gemütsbewegungen, Angst, Fieber und andere acute Krankheiten.
-Chronische unterdrückte Menstruation kann entweder durch die acute
-herbeigeführt, oder durch geschwächten Körperzustand und Krankheiten
-des Eierstocks und der Gebärmutter verursacht werden. Auch mag dieses
-Uebel durch ein verschlossenes Hymen entstehen, in welchem Falle es von
-einem Arzte aufgeschnitten werden muß.
-
-+Symptome.+ Folgende Symptome zeigen sich bei solchen Frauen, deren
-Körper und Geschlechtsorgane vollkommen entwickelt sind: Kopfweh,
-Fieber, heiße Haut, schneller Puls, Durst, Schwere, Vollheit und Pochen
-im Mittel- und Hinterkopf, Schmerzen im Rücken und den Lenden, kalte
-Füße und Hände. Frauen, die nervös und von zartem Körperbau sind, haben
-hysterische Anfälle und selbst Epilepsie. Die Symptome der chronischen
-Periodenunterdrückung sind: Abnahme der Gesundheit, Appetitlosigkeit,
-Fahlheit der Haut, Schmerzen im Rücken und den Seiten, Hartleibigkeit
-und Kopfweh.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Ist die Periodenunterdrückung durch eine Krankheit
- verursacht, so muß diese gehoben werden, ehe die Menstruation wieder
- eintreten kann. Gegen plötzliche Unterdrückung gebrauche man warme
- Sitz- oder Fußbäder. Auf den Unterleib lege man in warmes Wasser
- getauchte Tücher und trinke viel warmes Wasser. Ist die Unterdrückung
- chronisch und die Patientin von zartem Körperbau, so gebrauche man
- zwischen den Perioden das Sturzbad oder den Badzuber (~full bath~)
- und verwende dazu kaltes oder lauwarmes Wasser und reibe den Körper
- mittelst eines rauhen Handtuchs tüchtig ab, namentlich am Unterleib,
- den Lenden und den Geschlechtstheilen.
-
- =Allöopathisch.= Ein warmes Hüftbad wird den Blutausfluß gewöhnlich
- herbeiführen. Ist die Gebärmutter entzündet, so verordne das folgende:
-
- Sturmhutblätter-Tinktur (~Tinct. of Aconite leaves~) 2 Drachmen.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 1 Unze.
- Syrup 3 Unzen.
-
- Dosis: einen Theelöffel voll alle 2 oder 3 Stunden.
-
- Kann der Ausfluß nicht herbeigeführt werden, so warte, bis die
- Zeit kommt, wo die nächste Periode eintreten sollte. Einige Tage
- vor derselben sollten die Eingeweide vollkommen geöffnet werden
- und in diesem losen Zustand bis zur Zeit bleiben, wo der Ausfluß
- beginnen sollte. Die Aloe- und Eisen- (~Aloes and Iron~) Pillen vom
- Vereinigten Staaten Dispensatorium sind hierfür eines der besten
- Mittel. Man verwende von 1 zu 3 Pillen täglich. Wenn keine Ursache
- für die Unterdrückung der Monatsregel -- z. B. Schwangerschaft,
- Entzündung des Mutterhalses, und die Frau leidet durch die
- Unterdrückung, so verordne das folgende:
-
- Caulophyllin (Wiesenrautenstammblatt) 1 Drachme.
- Sturmhut-Extrakt 8 Grane.
- Aloe 10 „
- Schwefelsaures Eisen (~Sulphate of iron~) 10 „
-
- Hieraus bereite 40 Pillen. Dosis: 2 oder 3 Pillen Morgens und Abends.
-
- Oder dies:
-
- Aloe 1 Drachme.
- Myrrhen 1 „
- Schwefelsaures Eisen (~Sulphate of Iron~) 1 „
- Schwarzer Nieswurz-Extrakt (~Extract black
- hellebore~) 1 „
- Sabinöl (~Oil of savine~) 1 „
-
- Mache 30 Pillen daraus. Dosis: 1 Pille drei- bis sechsmal täglich.
-
- Diese Mittel sollten immer einige Tage vor der Zeit, wo die Periode
- eintreten sollte, genommen werden. Ist die chronische Unterdrückung
- die Folge irgend einer acuten Krankheit, so muß immer die Gesundheit
- zuerst wieder hergestellt werden, denn bei geschwächtem, kränklichem
- Körperzustand die Menstruation mit Gewalt herbeizuführen, ist
- schädlich. Ist die Gesundheit wieder fest, so nehme man unmittelbar
- vor der Rückkehr der Periode ein warmes Hüftbad alle Abend, sechs
- Abende hinter einander, und eine der folgenden Pillen dreimal des
- Tages:
-
- Frisch pulverisirtes Roggenmutterkorn (~Fresh powd.
- ergot of rye~) 50 Grane.
- Barbadös Aloe 12 „
- Wesentliches Wachholderbeerenöl (~Essential oil of
- juniper~) 12 Tropfen.
-
- Mache mittelst Schleim oder Syrup hieraus 12 Pillen und verschlucke
- jede mit einer Theetasse voll am. Ysop-Thee (~Pennyroyal~).
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ist die Patientin hartleibig,
- so gebrauche das Jalappenpulver (~Powder of jalap~). Lege auf
- den Unterleib Umschläge von Hopfen oder Rainfarn (~Tansy~).
- Amerikanischer Ysop-, Rainfarn-, Ingwer- (~Ginger~) oder Mutterkraut-
- (~Motherwort~) Thee kann oft getrunken werden. Auch mag in kurzen
- Zwischenräumen die zusammengesetzte Tinktur von Virginischer
- Schlangenwurzel (~Compound tincture of Virginia snake root~) gegeben
- werden. Gegen Hartleibigkeit mögen die bei schwerer Menstruation
- empfohlenen Pillen aus Aloe, Gummigutt und Entenfuß gegeben werden.
- Einige Tage vor der Zeit der Periode ist dreimal des Tages eine
- halbe Theetasse voll Thee aus Eisenhand (auch Eisenkraut, englisch
- ~Vervine~) zu trinken. Dies wird sehr empfohlen.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Wenn die Unterdrückung durch Schreck
- oder Erkältung herbeigeführt worden, mit Blutandrang im Kopf und der
- Brust, geröthetes Gesicht, Uebelsein, Ohnmachtanfälle, Schwindel.
- Dies Mittel mag abwechselnd mit ~Bryonia~ gegeben werden. Bewirken
- die Arzneien nur theilweisen Erfolg, so gebe man ~Opium~.
-
- ~Belladonna.~ -- Für robuste Patientinnen, bei denen alle andern
- Funktionen in Richtigkeit sind. Kopfweh und Pulsiren im Kopfe,
- geröthetes Gesicht, Blutandrang im Kopf und der Brust, großer Durst.
-
- ~Bryonia.~ -- Kopfweh und Schwindel, welche durch Bewegung, und wenn
- die Patientin mit der Bewegung aufhört, vermehrt werden, Schmerz im
- Magen, saures Aufstoßen, Hartleibigkeit, Nasenbluten.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Dies ist gegen die Krankheit das wichtigste
- Heilmittel und wird angewandt, wenn die Unterdrückung durch Erkältung
- verursacht ist, heftiges Kopfweh, namentlich an einer oder der andern
- Seite des Kopfes, mit schießenden Schmerzen, die sich ins Gesicht, zu
- den Ohren und Zähnen ziehen; Schwindel mit Ohrensausen, Herzklopfen,
- kalte Hände und Füße, Hitze, Uebelsein und Erbrechen, Druck im
- Unterleib, Erstickungsgefühl bei der geringsten Anstrengung, häufige
- Neigung zum Urinlassen, weißer Fluß, Traurigkeit.
-
- ~Sepia.~ -- Nervöses Kopfweh mit abwechselndem Frösteln und Hitze,
- Kolik und Schmerzen in den Seiten, blasse Hautfarbe oder gelbe
- Flecken im Gesicht, Weinen, hysterische Störungen; namentlich dann
- anzuwenden, wenn weißer Fluß vorhanden ist.
-
- ~Veratrum.~ -- Nervöses Kopfweh, Uebelsein und Erbrechen, kalte Hände
- und Füße, Schwäche und Ohnmachtanfälle.
-
- ~Sulphur.~ -- Kopfweh, namentlich im Hinterkopf, Gefühl der
- Schwere und des Vollseins im Kopf, Pulsiren, fahle Gesichtsfarbe
- mit rothen Flecken im Gesicht, saurer Magen, Druck im Unterleib,
- Hartleibigkeit, unerfolgreiche Anstrengungen zum Stuhlgang, oder
- Diarrhöe mit schleimigem Abgang, Hämorrhoiden, weißer Fluß mit Jucken
- an den Geschlechtstheilen, Schmerzen in den Lenden, Schwerathmen,
- aufgeregter Gemüthszustand und Traurigkeit. Bei chronischen Fällen,
- wenn die Patientin sehr schwach ist, gebe entweder ~China~,
- ~Graphites~, ~Arsenicum~ oder ~Natrum Muriaticum~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
- Wasser auf und gebe 1 Theelöffel voll alle 1 oder 2 Stunden, je nach
- den Symptomen. Wenn der Ausfluß sich nicht einstellt, wohl aber die
- Symptome gehoben sind, so höre mit der Medizin auf und beginne wieder
- einige Tage vor der nächsten Periode.
-
-
-Aufhören der Menstruation oder Uebergangszeit (~Cessation of the Menses
--- Change of Life~).
-
-Unter dem Ausdruck „Uebergangszeit oder kritische Periode“ versteht man
-das Aufhören der Menstruation. Dieses tritt gewöhnlich zwischen dem
-40. und 50. Lebensjahre ein, obgleich es in einigen Fällen auch schon
-in den dreißiger und in anderen erst mit den sechziger Lebensjahren
-stattfinden mag. Gewöhnlich aber zeigt sich die Lebensveränderung um
-das 45. Lebensjahr. Die Symptome sind je nach der Körperorganisation
-der betreffenden Frau verschieden. Bei manchen äußert sich das Aufhören
-der Menstruation durch verringerte Menge des Blutausflusses, bei
-andern dadurch, daß es länger als gewöhnlich ansteht, bis die Periode
-wieder eintritt. Eine Frau mag in dieser Zeit weiter nichts fühlen
-als einen zeitweiligen Blutandrang nach dem Kopfe und Kopfweh. Bei
-andern aber zeigen sich ernstliche Symptome, welche die Behandlung
-eines geschickten Arztes erfordern. Den in dieser Lebensperiode sich
-äußernden körperlichen Uebelständen sollte gehörige Aufmerksamkeit
-geschenkt werden, und man darf sich nicht damit beruhigen, daß
-dieselben eben vom Aufhören der Menstruation herrühren und von selbst
-gehoben würden, sobald der kritische Zeitpunkt überstanden sei; denn
-in dieser Zeit mögen bedeutende Krankheiten verursacht werden, welche
-der Frau das Leben zur Zeit der Qual machen, während sie andernfalls
-sich eines glücklichen Alters hätte erfreuen können. Während der
-Uebergangszeit wird die Gesundheit der meisten Frauen mehr oder weniger
-gestört sein; aber zu sagen, was und wo das vorhandene Uebel sei, dies
-ist manchmal unmöglich, und man gewahrt eben nur Unwohlsein. Folgendes
-sind die Symptome, die zu Tage treten mögen:
-
-+Symptome.+ Kopfweh, Schwindel, Gallsucht, saurer Magen,
-Unverdaulichkeit, Diarrhöe, Hartleibigkeit, Hämorrhoiden, Jucken
-der Geschlechtsteile, Krämpfe und Kolik im Unterleib, Herzklopfen,
-Anschwellen der Gliedmaßen und des Unterleibes, Schmerz im Rücken, den
-Lenden, Blässe und Schwäche.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Man sei im Essen und Trinken mäßig und schlafe in
- geräumigen, gut ausgelüfteten Zimmern, genieße keine Stimulanten,
- bewege sich täglich in der frischen Luft, entweder durch Gehen oder
- Reiten, vermeide heftige Gemüthsbewegung und das sich nasser und
- stürmischer Witterung Aussetzen, nasse Füsse &c.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Gegen Schwindel und Kopfschmerz gebe
- das zusammengesetzte Jalappen-Pulver (~Compound powder of jalap~)
- oder das zusammengesetzte Leptandrin-Pulver (~Compound powder of
- leptandrin~).
-
- =Homöopathisch.= Die am meisten zu benützenden Mittel sind
- ~Pulsatilla~, ~Lachesis~, ~Bryonia~, ~Cocculus~, ~Ignatia~ und
- ~Sulphur~. Gewöhnlich kann die Behandlung mit ~Pulsatilla~ und
- ~Lachesis~ begonnen werden. Man verordne 1 Dosis (6 Kügelchen) von
- ~Pulsatilla~ vier Tage lang; sodann höre mit Medizingeben vier Tage
- lang auf und darnach gebe ~Lachesis~ in derselben Weise. Werden
- die Symptome schwächer, so gebe keine Medizin, so lange sich die
- Patientin auf der Besserung befindet. ~Bryonia~ giebt man, wenn
- Blutandrang nach dem Kopf, Schwindel &c. vorhanden sind, und
- ~Ignatia~, wenn die Patientin erregt und nervös ist.
-
- =Allöopathisch.= Halte den Stuhlgang regelmäßig mit folgendem offen:
-
- Mercurial-Pillen 1 Gran.
- Brechwurz-Pulver (~Ipecac powder~) ½ „
- Zusammengesetzte Rhabarber-Pillen (~Compound
- rhubarb pill~) 3 Grane.
-
- Mische dieses und bereite eine Pille daraus und nimm solche jeden
- Abend.
-
- Oder eine Unze ~Hicra Picra~, oder pulverisirte Aloe und Castella
- mit einem Pint Wachholderbeeren-Branntwein (~Gin~) vermischt. Die
- Mischung sollte von 4 zu 5 Tagen stehen bleiben, worauf ein Eß-Löffel
- voll in ein Glas Wasser jeden Morgen oder alle andern Morgen, je
- nachdem, zu nehmen ist.
-
- Ist die Patientin korpulent, feist und robust, so wird das folgende
- empfohlen:
-
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1½ Unzen.
- Zusammengesetzter Rosenaufguß 5 „
- Zimmetwasser 1 Unze.
-
- Mische dieses. Dosis: zwei Eßlöffel voll einmal täglich.
-
- Sind nervöse Symptome vorhanden, so gebe:
-
- Baldriansaures Zink (~Valerianate of zinc~) 8 Grane.
- Baldrian-Tinktur (~Tincture of Valerian~) 2 Drachmen.
- Orangenblumen-Wasser 3½ Unzen.
- Rother Mohn-Syrup (~Syrup of red poppies~) 2 Drachmen.
-
- Mische dieses. Dosis: ein Eßlöffel voll alle 6 Stunden.
-
-
-
-
-Drittes Kapitel.
-
-Vorfall der Gebärmutter (~Falling of the Womb -- Prolapsus Uteri~).
-
-
-Zum besseren Verständniß dieser Krankheit ist einige Kenntniß von dem
-Bau dieses Organs nöthig. Die Gebärmutter hat die Form einer Birne und
-ist zwei und einen halben bis drei Zoll lang, einen und dreiviertel
-Zoll weit und endigt nach unten in den Muttermund, oder Mutterhals,
-welcher etwa einen halben Zoll weit ist. Das Gewicht der Gebärmutter
-beträgt ungefähr 1½ Unze. Dieselbe liegt im unteren Theile des
-Unterleibs, im sogenannten Becken zwischen der Blase und dem Mastdarm.
-Gehalten wird die Gebärmutter theils dadurch, daß sie auf dem oberen
-Ende der Scheide ruht und nebstdem an vier Bändern befestigt ist. Die
-Bänder sind etwa 2½ Zoll lang und sie sind dazu vorhanden, um dieses
-Organ in richtiger Lage zu erhalten. Vorfall der Gebärmutter ist ein
-Sinken derselben und kann dieses so gering sein, daß es gar nicht
-bemerkt wird, oder so stark, daß sich das Organ durch die Oeffnung der
-Scheide zwischen die Beine drängt.
-
-+Ursachen.+ Es ist dies nicht sowohl eine Krankheit der Gebärmutter
-selbst, als vielmehr eine Krankheit der Theile, die sie zu stützen und
-in Lage zu erhalten haben. So lang als die Scheide ihre natürliche
-Größe beibehält und die Bänder nur 2½ Zoll lang sind, wird
-dieses Organ nicht aus seiner Lage verrückt werden. Alles, wodurch
-der Körperorganismus geschwächt und schlaff wird, mag dieses Uebel
-herbeiführen. Wenn z. B. die Muskeln des Unterleibs, welche die
-Eingeweide halten und stützen, aus irgend welcher Ursache erschlaffen,
-so werden die Eingeweide auf die Gebärmutter und deren Bänder Druck
-ausüben, welcher endlich ein Nachgeben derselben veranlaßt. Eine
-andere Ursache ist in zu früher Leibesbewegung nach dem Kindbett
-zu suchen. Ebenso wird starker Blutabfluß oder weißer Fluß, wenn
-diesen Uebeln kein Einhalt gethan wird, diese Krankheit erzeugen.
-Beständiges Stiegenauf- und absteigen von Seiten zartgebauter Frauen,
-enges Schnüren, Tanzen, Hüpfen und Springen, namentlich während der
-Monats-Periode, wo die Gebärmutter schwerer ist als sonst, weil sie
-mehr Blut enthält, sowie der Gebrauch solcher Medizinen, welche den
-„Stuhlgang öffnen“ und die von Vielen angewandt werden, sind die
-veranlassenden Ursachen von Gebärmutter-Vorfall.
-
-+Symptome.+ Die Symptome sind, je nachdem das Organ mehr oder weniger
-aus der Lage verrückt ist, verschieden. Jedoch wird die Patientin mehr
-oder weniger Druck im unteren Theil des Unterleibs, mit Schmerzen
-im Kreuz, sowie Druck in den Geschlechtstheilen verspüren, und zwar
-vermehren sich die Symptome durch körperliche Bewegung, oder wenn
-die Betreffende lange Zeit steht, und sie sind weniger heftig, wenn
-sie liegt. Auch in den Schamleisten und den Lenden werden Schmerzen
-gefühlt, die durch den Druck auf die Nerven entstehen; ebenso findet
-sich ein Geneigtsein zum Urinlassen, ohne daß die Patientin fähig
-wäre, so zu thun, es sei denn Tropfen bei Tropfen. Der Urin ist sehr
-heiß. Der Schmerz ist manchmal so bedeutend, daß sich die Kranke
-nach vorwärts krümmen oder sich dadurch unterstützen muß, daß sie
-die Hände gegen die Lenden stemmt, wenn sie geht. Diese Symptome
-verschwinden jedoch, sobald sie niederliegt, woraus man leicht auf die
-Natur der Krankheit schließen kann. Die Kranke hat Kopfweh, leidende
-Gesichtszüge, Dyspepsie, Herzklopfen und Schmerzen in der linken Seite.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Die meisten mit Gebärmuttervorfall behafteten Frauen
- meinen, es sei nöthig, daß sie einen Träger zur Stütze des Unterleibs
- nöthig hätten. Diese Träger (~Supporters~) richten jedoch viel
- Schaden an; denn da man sie eng um den Unterleib gebunden trägt,
- vermehren sie den Druck auf die Eingeweide und drücken so die
- Gebärmutter und deren Bänder immer weiter herab. Es ist blos nöthig,
- die Gebärmutter wieder in ihre natürliche Lage zu bringen und
- daselbst zu erhalten. Zu diesem Behufe gebraucht man ein Instrument
- -- Mutterkranz (engl. ~Pessary~, lat. ~Pessarium~) genannt.
- Dasselbe ist ein aus Gold, Silber, Elfenbein, Holz oder Guttapercha
- verfertigter Ring und wird in der Scheide zur Unterstützung der
- Gebärmutter angebracht. Täglich sollte ein kaltes Hüftbad genommen
- werden, während man zu gleicher Zeit kaltes Wasser mittelst einer
- Spritze (~Syringe~) in die Scheide einspritzt. Die Patientin liege
- so viel als möglich und vermeide es, erschöpft zu werden. Auf den
- Unterleib lege beim Schlafengehen kalte Umschläge. Schnürleiber und
- schwere Röcke dürfen nicht getragen werden und die Kleider sollten
- los am Körper hinunterhängen. Allen diesen Vorschriften hat man
- genau nachzukommen und die Kost muß nahrhaft, einfach, aber nicht
- stimulirend sein.
-
- =Homöopathisch.= ~Belladonna.~ -- Wenn die Kranke im Unterleib
- ein Gefühl verspürt, als ob dessen Inhalt sich entleeren wollte,
- Schwere in den Lenden, mit krampfhaften Schmerzen im Unterleib,
- große Empfindlichkeit und Aufgeregtheit, weißer Fluß und starke
- Menstrualblutung.
-
- ~Sepia.~ -- Wenn die Monatsperiode zu früh eintritt, zu schwach oder
- unterdrückt ist, Schmerzen im Rücken und Unterleib, welche sich
- beim Gehen vermehren, öftere Geneigtheit zum Urinlassen, drückende
- Schmerzen im Unterleib, als ob der ganze Inhalt desselben sich
- entleeren wolle, Brennen, Jucken, weißer Fluß, mit gelblichem,
- röthlichem oder fauligem Ausfluß.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Druck abwärts, namentlich während oder nach dem
- Gehen, Hitze und Schwere in den Gedärmen und in der Scheide, ziehende
- Schmerzen im Rücken, dem Unterleib und den Lenden. Während der
- Periode Kolik, Kopfweh; die Menstruation tritt zu frühe ein und ist
- zu stark, weißer Fluß mit gelbem stinkendem Abgang.
-
- ~Calcarea Carbonica.~ -- Ausgezeichnet für Personen mit schwachem
- Muskelsystem oder skrophulöser Anlage, und namentlich wenn die
- Monatsperioden die Körperkräfte sehr erschöpfen und dieselben zu
- starke Blutungen erzeugen und zu oft eintreten.
-
- Man beginne die Behandlung mit einer Dosis ~Nux Vomica~ alle 4
- Stunden und fahre damit eine Woche lang fort. Die folgende Woche
- setze aus und die dritte verordne eine Dosis ~Sepia~ Morgens und
- Abends. Deuten die Symptome auf den Gebrauch von ~Belladonna~ hin, so
- verordne dieses anstatt ~Nux Vomica~.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Gebrauche einen Aufguß von
- Weißeichenrinde oder Geranium, oder eine Dosis Alaunauflösung im
- Verhältniß von einer Unze zu einem Pint Wasser. Die Entzündung der
- Gebärmutter muß geheilt werden, wenn diese Krankheit vorhanden ist,
- ehe der Mutterkranz angewandt werden kann. Man gebe Sturmhut-Tinktur
- (~Tincture of aconite~), zusammengesetzte Pulver von Brechwurz und
- Opium (~Compound powder of Ipecac and Opium~) mit Einspritzung von
- Lobelia- und Hopfen- oder von Belladonna-Aufguß.
-
- Ein ausgezeichnetes Einspritzmittel läßt sich aus gleichen Theilen
- Pfirsichblätter, Smilacine (~Solomon’s seal~) und Hopfen bereiten.
- Ist Hitze und Schwierigkeit beim Urinlassen vorhanden, so trinke man
- einen aus Eibisch (~Marsh mallow~) und Münze (~Spearmint~) bereiteten
- Aufguß. Ist die Patientin schwach, so verordne man ein Eisenpräparat,
- z. B. citronensaures Eisen (~Citrate of iron~) und Chinin
- (~Quinine~), oder den zusammengesetzten Wallwurzwein (~Compound wine
- of comfrey~).
-
- =Allöopathisch.= Gebrauche das folgende Stärkemittel (~Tonic~):
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate quinine~) 25 Grane.
- Citronensaures Eisen (~Citrate of iron--soluble~) 35 „
-
- Bereite hieraus 24 Pulver und nehme eins derselben dreimal täglich
- nach jeder Mahlzeit in süßem Wein, oder gebrauche das schwefelsaure
- Eisenniederschlag-Präparat, welches unter „übermäßiger Menstruation“
- angegeben ist.
-
-
-Der weiße Fluß (~Whites -- Flour Albus -- Leucorrhœa~).
-
-Der Name dieser Krankheit in den verschiedenen hier angegebenen
-Sprachen bezeichnet dieselbe. Sie besteht aus einem Ausfluß aus den
-Geschlechtsorganen, der manchmal weiß, gelb, hellgrün, hellroth oder
-auch bräunlich ist, und öfters dünnem Wasser ähnlich aber öfters auch
-dick und zäh ist. Manchmal ist die Quantität der Aussonderung nicht
-größer, als die bei gesunder Menstruation, oft aber auch vermehrt sie
-sich auf mehrere Unzen in 24 Stunden. Der weiße Fluß tritt gewöhnlich
-zwischen dem fünfzehnten und fünfundvierzigsten Jahre, selten aber in
-der Kindheit oder im Alter auf. Wenn junge, unentwickelte Mädchen davon
-befallen werden, so sind die Ursache nicht selten kleine Würmer, die
-vom Mastdarm in die Scheide gelangen, welche mittelst eines Stück Zeugs
-entfernt werden können.
-
-Diese Krankheit kann acut oder chronisch auftreten. Die acute Form
-ist gewöhnlich die Folge einer Erkältung und nichts anderes als eine
-catarrhalische Entzündung der Scheideschleimhaut. Die chronische Form
-ist eine Fortsetzung der acuten und wird durch Vernachlässigung oder
-schlechte Behandlung des acuten weißen Flusses veranlaßt. Manchmal
-tritt Eiterung des Mutterhalses ein. Es gibt zwei Arten Leucorrhöa --
-die Scheide-Leucorrhöa, wenn der Ausfluß von der Scheide herrührt, und
-Mutterhals- (cervicale) Leucorrhöa, wenn der Abgang von dem Hals der
-Gebärmutter kommt.
-
-+Ursachen.+ Erkältungen, durch Sitzen auf kaltem Boden oder
-Bloßstellung des Nackens und der Schultern herbeigezogen, übermäßige
-geschlechtliche Aufregung und Geschlechtsgenuß, enges Schnüren,
-Hämorrhoiden, Fehlgeburten und Frühgeburten, Verrückung der
-Gebärmutter, Purganzen, untaugliche Kost, warme Einspritzungen oder
-Einspritzungen irgend welcher Art, spätes zu Bett Gehen u.s.w. Dieses
-Uebel kann sich auch vererben.
-
-+Symptome.+ Wo nur eine durch Erkältung herbeigeführte catarrhalische
-Entzündung ist, werden die Theile heiß und wund sein, mit einem Gefühl
-der Schwere oder abwärts drückenden Schmerzen und Ermüdung. Auch wird
-die Patientin leichtes Frösteln, Rückenschmerz und Durst verspüren. Der
-Puls ist schnell, der Urin dunkel. In diesem Stadium der Krankheit wird
-die Kur derselben wenig Schwierigkeit machen, wenn man eine zweckmäßige
-Behandlung einschlägt. Rührt der Ausfluß von der Gebärmutter her,
-so ist derselbe dick, ätzend, brennend und stinkend, und hat eine
-bräunliche oder grünliche Farbe und macht die Lippen der Scheide und
-die umliegende Haut wund. Die Verdauung wird geschwächt werden und die
-Kranke fühlt Uebelsein, Kopfweh, Schwindel, Schwäche und beständigen
-Rückenschmerz, der sich herunter bis zwischen die Lenden zieht, und
-ist appetitlos. Das Gesicht magert ab und ist blaß, die Augen sind
-eingesunken und mit dunklen Ringen umgeben.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Soll die Behandlung eine erfolgreiche sein, so muß
- man alles entfernen, was die Krankheit befördern könnte, z. B.
- unregelmäßige Lebensweise, späte Abendmahlzeiten u.s.w. Die Kost
- muß einfach und nahrhaft, aber nicht stimulirend sein und sollte
- ganz regelmäßig genossen werden. Bewegung, aber nicht bis zur
- Erschöpfung, wird sehr gute Dienste leisten. Die Kleider sollten
- warm sein und lose, namentlich um die Hüften herum getragen werden.
- Das Wasser ist gegen dieses Uebel von großer Wichtigkeit. Man mag
- das Sitzbad täglich gebrauchen und Einspritzungen von kaltem oder
- warmem Wasser sollten je nach der Heftigkeit des Anfalles drei- oder
- viermal des Tages vorgenommen werden. Gegen milde Anfälle wird eine
- Einspritzung mit grünem Thee, oder süßem Cider, oder einer schwachen
- Alaunauflösung gute Dienste leisten.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Das folgende wird sich als werthvoll
- erweisen, falls der Ausfluß und der Schmerz brennend sind:
-
- Copaiva-Balsam 1 Unze.
- Süßer Salpetergeist (~Sweet spirits of nitre~) 2 Unzen.
- Süßes Mandelöl (~Sweet almond oil~) 2 „
- Terpentingeist (~Spirits of turpentine~) 1 „
- Pulverisirter Kampher 1 Skrupel.
-
- Mische dieses in einem Achtel-Unzen Bottel. Dosis: Einen Theelöffel
- voll in einer halben Theetasse voll Ulmenthee (~Slippery elm~) drei-
- oder viermal täglich. Eines der besten Stärkemittel ist die salzsaure
- Eisentinktur (~Muriated tincture of iron~), von welcher 20 bis 25
- Tropfen in einem halben Glas voll Wasser drei- oder viermal des Tages
- zu nehmen sind. Ein gutes Einspritzungsmittel wird von einem Pint
- Mohnsamenthee (~Tea of poppy heads~), wozu 1½ Unzen pulverisirter
- Borax beigefügt wird, bereitet. Ebenfalls sind 3 Drachmen Gerbersäure
- (~Tannic acid~) und 1 Unze Alaun (~Alum~), in einem Quart Wasser
- aufgelöst, ein treffliches Einspritzmittel. Man spritze ein Drittel
- dieser Mischung dreimal täglich ein. Die Stuhlöffnung sollte mittelst
- Rochelle- oder Bittersalz oder Seidlitzpulver regelmäßig erhalten
- werden. Sind die Organe sehr schwach, oder ist die Krankheit durch
- Erkältung, Schwangerschaft oder Frühgeburt u.s.w. entstanden, so wird
- sich das folgende als sehr wirksam beweisen:
-
- Aloe-Tinktur 2 Unzen.
- Salzsaure Eisentinktur (~Muriated tincture of iron~) 4 Drachmen.
-
- Mische dieses. Dosis: 35 Tropfen in Wasser dreimal täglich. Zur
- selben Zeit gebrauche das folgende Einspritzmittel:
-
- Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc -- White
- vitriol~) 2 Drachmen.
- Bleizucker (~Sugar of lead~) 2 „
-
- Mische dieses in einem Quart Wasser und gebrauche ¼ der Mischung für
- eine Einspritzung.
-
- In manchen Fällen wird das folgende gute Dienste leisten:
-
- Sokotara Aloe-Tinktur (~Tincture of socotrine aloes~) 4 Unzen.
- Salzsaure Eisen-Tinktur (~Tincture of muriate of
- iron~) 1 „
-
- Mische dieses. Dosis: 35 Tropfen dreimal täglich in Wasser. Zur
- selben Zeit gebrauche die obige Einspritzung.
-
- Ein anderes ausgezeichnetes Einspritzmittel wird aus einer schwarzen
- Schlangenwurzel- (~Black cohosh root~) Abkochung, wozu Gerbersäure
- (~Tannic acid~) beigefügt wird, bereitet. Als innerliches Heilmittel
- mag das folgende manchmal verordnet werden: Gleiche Theile geriebene
- Muskatnuß (~Grated nutmeg~) und pulverisirten Alaun (~Powd. alum~).
- Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal täglich in Molasses.
-
- =Allöopathisch.= Das folgende Stärkemittel (~Tonic~) wird sehr
- empfohlen:
-
- Schierling-Tinktur (~Tincture conium~) 1 Unze.
- Sturmhutblätter-Tinktur (~Tincture aconite leaves~) 3 Drachmen.
- Ammoniak-eisensaurer Alaun (~Ammoniated iron
- alum~) 3 „
- Syrup 8 Unzen.
-
- Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal täglich in Wasser nach den
- Mahlzeiten. Kommt der weiße Fluß vom Gebärmutterhals oder der
- Gebärmutter her, so wird das folgende erfolgreich wirken:
-
- Gerbersäure (~Tannic acid~) 1 Drachme.
- Pulverisirter Alaun (~Powd. alum~) ½ Unze.
- Wasser 1 Quart.
-
- Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends in die Scheide ein.
-
- Oder:
-
- Alaun 1 Drachme.
- Rosenhonig (~Honey of roses~) 1 Unze.
- Wasser 3 Unzen.
-
- Spritze einen Eßlöffel voll der Mischung mit einer Tasse voll Wasser
- vermischt zweimal des Tages ein.
-
- Hat die Kranke heftige Schmerzen, so wird das folgende gute Dienste
- leisten:
-
- Laudanum 2 Drachmen.
- Essigsäuerliche Bleiauflösung (~Solution sub-acetate
- of lead~) 1 Drachme.
- Wasser 1 Pint.
-
- Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends ein.
-
- Rührt der weiße Fluß von der Scheide her, so werden kalte
- Wassereinspritzungen große Dienste leisten, namentlich wenn Vorfall
- der Gebärmutter vorhanden ist. Ebenso die folgende Einspritzung:
-
- Doppeltkohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~) ½ Unze.
- Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate of potash~) ½ „
- Wasser 1 Quart.
-
- Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends ein. Oder:
-
- Essigsäuerliche Bleiauflösung (~Solution sub-acetate~
- ~of lead~) 2 Drachmen.
- Wasser 1 Quart.
-
- Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends ein.
-
- Bringen diese Einspritzungen nicht die gewünschte Wirkung hervor, so
- gebrauche man die folgende innerliche Arznei:
-
- Fowler’s Auflösung (~Fowler’s solution~) 2 Drachmen.
- Schierling-Tinktur (~Tincture conium~) ½ Unze.
- Sturmhutblätter-Tinktur (~Tincture aconite leaves~) 2 Drachmen.
- Syrup 4 Unzen.
-
- Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal täglich jeden andern Tag.
-
- =Homöopathisch.= ~Pulsatilla.~ -- Wenn der Ausfluß dünn und scharf
- ist, so daß die Theile wund werden, mit geschwollener Vulva, oder
- wenn der Ausfluß rahmartig ist und die Ausscheidung desselben
- schneidende Schmerzen im Unterleib verursacht. ~Pulsatilla~ paßt am
- besten für Frauen mit sanftem Gemüthe und zartem Muskelbau, hellen
- Haaren und blasser Farbe.
-
- ~Sepia.~ -- Geeignet für empfindsame, zarte Frauen. Der Ausfluß ist
- gelblich oder grünlich, manchmal mit Materie und Blut vermischt,
- brennende Schmerzen in der Scheide und den andern Geschlechtstheilen,
- Gebärmuttervorfall.
-
- ~Alumina.~ -- Wenn der weiße Fluß nach der Menstruation eintritt,
- bedeutender Schleimabgang während des Tages, der Ausfluß ist so dick
- und zäh, daß er die Wäsche „steift,“ Brennen und Hitze, Wundheit und
- Jucken der Geschlechtstheile.
-
- ~Calcarea Carbonica.~ -- Wenn der weiße Fluß vor der Menstruation
- eintritt, mit Jucken, Brennen, in Zwischenräumen oder beim
- Urinlassen. Geeignet für Frauen von heller Hautfarbe, leichtem
- Muskelbau und träger Blutcirkulation.
-
- ~Nitric Acid.~ -- Gegen stinkenden, bräunlichen, grünlichen oder
- fleischfarbenen Ausfluß.
-
- ~Mercurius.~ -- Eiteriger Ausfluß mit Brennen.
-
- ~Cocculus.~ -- Wässeriger, blutiger Ausfluß während der
- Schwangerschaft. Geringe Menstrual-Blutungen mit Leucorrhöa zwischen
- den Perioden.
-
- ~Sulphur.~ -- Gegen hartnäckige Fälle, schleimige oder gelbliche,
- schmerzende und aufschärfende Leucorrhöa, welcher Kolik vorangeht.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe von dem gewählten Heilmittel
- 6 Pillen Morgens und Abends 5 Tage lang. Wird die Patientin nicht
- besser, so gebe man eine Dosis Sulphur und setze 4 Tage lang aus,
- worauf mit dem vorhergehenden Heilmittel wie zuvor fortzusetzen ist.
- Tritt hierauf keine Besserung ein, so muß man eine andere Arznei
- wählen.
-
-
-
-
-Viertes Kapitel.
-
-Schwangerschaft.
-
-
-Schwangerschaft ist derjenige Zustand, welcher mit der Empfängniß
-eintritt und bis zur Entbindung dauert. Sie kann erst nach dem ersten
-Auftreten der monatlichen Reinigung eintreten und hört auf mit dem
-Wechsel des Lebens, oder wenn das Weib aufhört zu menstruiren.
-
-Während dieser Zeit müssen mancherlei Dinge, welche, wenn sie nicht
-gehörig überwacht werden, einen schädlichen Einfluß auf den Sprößling
-ausüben, im Auge behalten werden. Eine ruhige Gemüths-Stimmung ist
-von wesentlichem Einfluß, denn Jähzorn, Eifersucht und Schreck haben
-fast immer üble Folgen, und durch heftige geistige Erregungen wird
-nicht selten eine Fehlgeburt (~Abortus~) veranlaßt. Eine Frau von
-übler Laune, leidenschaftlichem Charakter und reizbarem Gemüthe kann
-kaum erwarten, daß sie einem Kinde von sanftem und gütigem Charakter
-das Leben schenken wird. Wir wissen alle, wie sehr sich die Sinnesart
-der Eltern auf die Kinder vererbt, und von welch’ großem Einfluß ist
-es dann, daß die Mutter ein sanftes und liebreiches Herz, eine gütige
-und nachsichtige Denkart pflegt, damit ihre Kinder zu ihrer Ehre und
-nicht zu einer Quelle des Unglückes und Elendes für sie heranwachsen.
-Die Gebärmutter hat einen bedeutenden Einfluß auf das Nervensystem
-des ganzen Körpers, so daß also, wenn sie den Keim eines menschlichen
-Wesens enthält, mehr oder weniger der gesammte Organismus des Weibes
-dadurch berührt werden muß. Die hierdurch verursachten Symptome
-sind die Zeichen der Schwangerschaft. Es gibt aber viele von jenen
-Merkmalen, welche auch bei anderen Zuständen gefunden werden, so daß
-keines dieser Zeichen verläßlich ist, und andererseits gibt es Frauen,
-deren Organismus nur wenig durch die Schwangerschaft gestört wird. Die
-erste Folge der Schwangerschaft ist gewöhnlich vermehrte Aufregung und
-Fieberhaftigkeit. Der Puls schlägt stärker und schneller, der Appetit
-wird gestört und die Haut ist bleich und öfters entfärbt. Die folgenden
-Kennzeichen sind die meist verläßlichen:
-
-+Zeichen der Schwangerschaft.+ Das erste Zeichen ist das Aufhören
-der monatlichen Reinigung. Dies kann aber auch von anderen Ursachen
-herrühren, so daß es an und für sich nicht als ein sicheres Zeichen
-betrachtet werden kann; wenn aber der Gesundheitszustand keine andere
-denkbare Ursache dafür gibt, mag es für ein starkes Anzeichen gehalten
-werden.
-
-+Uebelsein am Morgen.+ Dies -- in Verbindung mit anderen Merkmalen --
-ist ein beachtenswerthes Symptom. In der Regel ist der Magen reizbar
-und die Frauen leiden an Uebelsein und Erbrechen, die sich besonders
-des Morgens einstellen. Es stellt sich bald nach der Empfängniß ein und
-hört nach dem dritten Monat wieder auf.
-
-+Anschwellen der Brüste.+ Ungefähr nach zwei Monaten wird die
-Aufmerksamkeit des Weibes auf den Zustand der Brüste gelenkt. Sie
-empfindet einen unbehaglichen Eindruck des Vollseins mit einem
-prickelnden und stechenden Schmerz im Innern und an den Warzen. Sie
-nehmen an Größe und Festigkeit zu und fühlen sich eigenthümlich und
-drüsenartig an. Die ~Areola~ oder Warzenring (ein gefärbter Kreis
-um die Warze) verdunkelt sich und nach einiger Zeit wird Milch
-abgesondert. Aber es muß erinnert werden, daß das Anschwellen der
-Brüste auch anderen Ursachen zugeschrieben werden kann; bei einigen
-Frauen ereignet es sich, daß sich bei jedesmaliger monatlichen
-Reinigung, wenn deren Verlauf unterbrochen oder sie sich ganz
-einstellt, zu solchen Zeiten eine milchige Flüssigkeit absondert
-(~Churchill~).
-
-+Anschwellen des Unterleibes.+ Dieses Kennzeichen, mit anderen
-vereinigt, befähigt uns, mit annähernder Sicherheit die Dauer der
-Schwangerschaft zur Zeit, wo wir diese Wahrnehmung machen, zu
-bestimmen. Während der ersten vier Monate bleibt die Gebärmutter in
-der Höhle des Beckens oder im tieferen Theile des Unterleibs, wird
-aber bald nachher über dem Schambein -- am Rande des Beckens gefühlt.
-Im fünften Monat steigt sie in den Raum zwischen Schambein und Nabel
-bis zur Hälfte, im sechsten gleitet sie bis zum Nabel hinauf, den sie
-hervordrängt. Während des siebenten und achten Monats füllt sie den
-ganzen Unterleib bis zum Magen. Die Eingeweide sind über und hinter sie
-gedrängt.
-
-+Bewegungen des Kindes.+ Ungefähr gegen den fünften Monat nach der
-Empfängniß fühlt die Mutter die erste Regung des Kindes im Leibe.
-Einige fühlen es früher; Andere wieder nicht vor dem sechsten oder
-siebenten Monat. Manche meinen, daß das Kind bis zu dieser Zeit nicht
-am Leben sei, was aber eine ganz irrige Annahme ist, denn von dem
-Augenblick der Empfängniß ist es gerade ebenso ein lebendes Wesen, wie
-zu irgend einer Zeit nachher. Tritt diese Bewegung plötzlich ein, so
-sind die Schwangeren sehr zum Erbrechen geneigt, zuweilen Ohnmachten
-unterworfen. Die Lebens-Empfindung ist zuerst eine leichte, nimmt aber
-allmählig zu, bis die Bewegungen an den verschiedenen äußeren Theilen
-gefühlt werden können.
-
-Es gibt noch manche andere Zeichen, welche den einzelnen Frauen
-eigenthümlich sind, und durch welche, in Verbindung mit anderen
-Zeichen, diese nach dem ersten Kindbett im Stande sind zu sagen,
-ob sie schwanger sind oder nicht. Hierher gehören die sogenannten
-Gerstenkörner an den Augenlidern, Zahnschmerzen, schwarze Flecken --
-gleich Sommersprossen -- im Gesicht und Nacken, starke, hartnäckige
-Speichelabsonderung, ähnlich jener, die durch das Merkur (Quecksilber)
-hervorgerufen wird, nur mit dem Unterschied, daß hier die Schleimhäute
-vollkommen gesund sind. Es sind dies aber zufällige Zeichen, welche
-eben nur in vereinzelten Fällen gefunden werden.
-
-
-Die Erhaltung der Gesundheit während der Schwangerschaft.
-
-Die alten Römer hatten ein Gesetz, zufolge dessen alle schwangere
-Frauen weite, lose Kleider tragen mußten. Würde heutzutage ein
-derartiges Gesetz bestehen, es würden weit weniger Frühgeburten,
-Gebärmutter-Vorfall, wunde Brüste und andere derartige Krankheiten
-vorkommen. Kleider sollten warm, lose, leicht und in keinem Theile
-beengend sein. Schnürleiber müssen ganz bei Seite gelegt werden,
-und sogar der Gebrauch der Strumpfbänder sollte unterbleiben. Die
-Kleider müssen so zugerichtet sein, daß sie frei von den Schultern
-herabfallen, ohne daß sie um die Taille gebunden werden. Das Blut
-muß einen ungehinderten Umlauf haben, sonst werden sich früher oder
-später während der Schwangerschaft nachtheilige Folgen einstellen.
-Große Sorgfalt muß beobachtet werden, daß das Kleid um die Brüste
-lose sitzt, denn es kann sich leicht zutragen, daß die Brüste, wenn
-das Kind geboren wird, so flach werden, daß die Warzen nicht gefunden
-werden können. Pflegte die Schwangere vor der Empfängniß kalte oder
-warme Bäder zu nehmen, so mag sie dieselben fortsetzen, wenn nicht ein
-fühlbarer Nachtheil wahrgenommen wird.
-
-+Bewegung+ ist für die Erhaltung der Gesundheit sehr wichtig. Einige
-sind der Ansicht, daß sich schwangere Frauen keine Bewegung machen
-sollen, aber das ist ein Irrthum. Gerade dadurch bewahrt sie ihre
-Gesundheit und Stärke und erhält damit den gesunden Zustand des Kindes.
-Bewegung -- sogar bis zur Ermüdung -- kann viel leichter als geistige
-Aufregungen ertragen werden, und letztere sollten, da sie so sehr
-nachtheilig sind, so viel als möglich vermieden werden. Die Schwangere
-sollte täglich Bewegung haben, und zwar körperliche; sie muß gehen,
-nicht fahren, denn Fahren ist nicht hinlänglich. Die beste Bewegung
-ist die Verrichtung ihrer Haushaltungsgeschäfte, und sie sollte damit,
-so lange als sie fähig ist, fortfahren. Fühlt sie sich nicht wohl,
-oder steht eine Fehlgeburt zu befürchten, so muß sie alle Thätigkeit
-einstellen. Ueberhaupt müssen schnelle und heftige Bewegungen, wie
-das Heben schwerer Gegenstände, plötzliches Anspannen der Muskeln,
-Springen, Tanzen, sich Strecken, um einen entfernter liegenden
-Gegenstand zu erfassen, vermieden werden.
-
-+Die Nahrung.+ Die Kost sollte einfach und nahrhaft sein. Nicht
-selten stellt sich ein Verlangen nach Speisen ein, die nicht nur der
-Mutter, sondern auch dem Kinde schädlich sind. Die Frau muß am besten
-wissen, was sie essen kann, und es können durchaus keine besonderen
-Vorschriften zur Regelung der Kost gegeben werden. Stark gewürzte
-Speisen, Spirituosen, starker Thee und Kaffee sollten aber immer
-vermieden werden.
-
-
-Krankheiten während der Schwangerschaft.
-
-+Uebelsein am Morgen.+ Dies ist ein sehr lästiges Unwohlsein und
-schwer einzuschränken. Es stellt sich in der Regel gleich bei Beginn
-der Schwangerschaft ein, und dauert bis zum dritten Monat. Die Anfälle
-kommen des Morgens und dauern nur eine kurze Zeit.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Es kann zuweilen dadurch vermieden werden, daß die
- Patientin im Bett, bevor sie des Morgens aufsteht, eine Tasse Kaffee
- und eine kleine geröstete Brodschnitte zu sich nimmt. Starkes Trinken
- von Champagner soll hin und wieder von wohlthätiger Wirkung sein.
- Ale, Limonade, Sardinen und geräucherte Häringe werden hie und da
- Erleichterung verschaffen.
-
- =Allöopathisch.= Die folgende Mischung wird sehr wohlthuend wirken:
-
- Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate of potash~) 2 Drachmen.
- Gewöhnlicher Syrup 2 „
- Destillirtes Wasser 6 Unzen.
-
- Mische dies. Dosis: Zwei Eßlöffel voll, und zu jedem derselben einen
- Eßlöffel voll frischen Citronensaft oder 15 Grane Citronensäure
- beigegeben, nachdem es in einem Eßlöffel voll Wasser aufgelöst
- worden. Muß während des Aufbrausens getrunken werden.
-
- Wenn keine Diarrhöe vorhanden, kann auch das Folgende mit Vortheil
- angewendet werden:
-
- Schwefelsaures Magnesium (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze.
- Kohlensaures Magnesium (~Carbonate of magnesia~) 1 Drachme.
- Pfeffermünz-Wasser (~Peppermint water~) 4 Unzen.
- Zusammengesetzter Enzian-Aufguß (~Compound infusion
- of gentian~) 4 „
-
- Mische dies. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal täglich.
-
- =Homöopathisch.= ~Ipecacuanha.~ -- Galliges Erbrechen; Uebelsein
- und Erbrechen mit Magenbeschwerden; Erbrechen unverdauter Speisen;
- schlaffe Eingeweide.
-
- ~Tabacum.~ -- Ein erfolgreiches Mittel, wo das Uebelsein mit Ohnmacht
- und tödtlicher Blässe des Gesichts verbunden ist; der Aufenthalt
- in frischer Luft zu empfehlen; Erbrechen von Wasser oder saurer
- Flüssigkeit und Schleim.
-
- ~Arsenicum.~ -- Außergewöhnliches Erbrechen nach dem Essen und
- Trinken, bei Ohnmacht und großen Schmerzen.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Uebelsein und Erbrechen des Morgens; ein säuerlich
- bitterer Geschmack im Halse; Sodbrennen; Verstopfung.
-
- ~Sepia.~ -- Wenn das Uebelsein eine Zeitlang gedauert und in der
- Regel des Morgens erscheint, und wenn des Abends ein schmerzhaftes
- Gefühl von Leere im Magen mit Brennen und Stechen in der Herzgegend
- sich kund gibt.
-
- ~Camphor.~ -- Wenn ein kalter Schweiß bei heißem Kopf und kalten
- Füßen vorhanden.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Falls ~Ipecacuanha~ und ~Nux Vomica~ sich
- unzureichend erwiesen haben, und besonders wenn sich Erbrechen am
- Abend oder in der Nacht einstellt; verdorbener Appetit; Sehnsucht
- nach Bier, Säuren, Wein &c.; Durchfall abwechselnd mit Verstopfung.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ein Thee von hellrothem Hartriegel
- (engl.: ~Red rose willow bark~, ~rose willow~; lat.: ~Cornus
- sericea~) verschafft zuweilen Erleichterung, oder eine Tasse
- Kamillen- oder Pfeffermünzthee, ungefähr eine Stunde vor Aufstehen
- des Morgens genossen. Wiederholen sich jene Uebelkeiten in
- Zwischenräumen am Tage, so sollte der folgende Trank mehrere Male des
- Tages genommen werden:
-
- Calcinirtes (verkalktes) Magnesium 1 Drachme.
- Aromatische Ratanhia-Tinktur (~Aromatic tincture of
- rhatany~) 1 Unze.
- Reines Ammoniakwasser (~Water of pure ammonia~) 2 Drachmen.
- Distillirtes Wasser 6 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll.
-
-
-Schamjucken (~Pruritis -- Itching of the Private Parts~).
-
-Dies ist ein sehr peinliches Gefühl. In einigen Fällen tritt es so
-heftig auf, daß es alle Ruhe und Schlaf stört und geradezu unerträglich
-wird. Es ist sehr zweifelhaft, welcher Ursache es zuzuschreiben ist,
-möglicherweise einem ungesunden Ausfluß aus der Scheide, oder, wenn
-es von Hitze des Kopfes, Röthe, Trockenheit und Geschwulst begleitet
-ist, einer Art Ausschlag wie das Mundschwämmchen bei Neugeborenen. Die
-Theile müssen vollkommen rein gehalten werden, wozu warmes Wasser am
-besten zu verwenden ist.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= Das beste Mittel ist ~Conium~, von welchem eine
- Dosis (6 Kügelchen) dreimal des Tages zu nehmen ist. Bleibt dies ohne
- Wirkung, so wende man eines der folgenden Mittel an (Dosis wie oben):
- ~Arsenicum~, ~Bryonia~, ~Rhus~, ~Silicea~, ~Pulsatilla~, ~Sulphur~,
- ~Lycopodium~ oder ~Graphitis~. Als Umschlag benutze man eine Unze
- Borax in einem Pint Rosen- oder Regenwasser aufgelöst. Erstreckt sich
- der Kitzel bis in die Scheide, spritze ein wenig von der Auslösung
- ein. Ein schwacher Aufguß von grünem Thee, oder eine schwache Lösung
- von Alaun wird zuweilen von wohlthuendem Einfluß sein.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Das folgende wird empfohlen:
-
- Pulverisirter Borax (~Powd. borax~) 2 Drachmen.
- Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphia~) 3 Grane.
- Eine Abkochung der Gelbwurz (~Golden seal~) 4 Unzen.
-
- Das Pulver soll in der Abkochung aufgelöst mehrere Male des Tages
- angewendet werden.
-
-
- =Allöopathisch.=
-
- Pulverisirter Borax ½ Unze.
- Schwefelsaures Morphium 6 Grane.
- Destillirtes Rosenwasser 6 Unzen.
-
-Mische es. Mehrere Male des Tages anzuwenden.
-
-Oder:
-
- Bleiauflösung (~Diacetate of lead -- Goulard’s
- Extract~) 2 Drachmen.
- Wein-Spiritus 2 „
- Mit so viel Wasser, daß das Ganze ein Pint macht.
-
-Mische es.
-
-
-Krampf-varicöse (unnatürlich erweiterte) Adern (~Varicose Veins~).
-
-Verursacht durch den Druck der Gebärmutter auf die Adern im Unterleib,
-wodurch eine freie Rückkehr des Blutes zum Herzen verhindert wird. Das
-Anschwellen beginnt in der Regel am Knöchel und geht bis zum Schenkel
-aufwärts; hin und wieder geht es aber nicht über das Knie hinaus. Die
-Geschwulst verringert sich, sobald sich die Kranke niederlegt. Dieses
-Leiden verschwindet nach der Entbindung.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Ein freier Gebrauch des kalten Wassers oder verdünnter
- Alcohol verschafft beim Beginn Erleichterung. Werden die Adern
- groß und schmerzhaft, so muß ein Verband, an den Zehen beginnend,
- sorgfältig angelegt werden, oder es sollte ein Schnürstrumpf getragen
- werden. Der Verband muß von einem geschickten Arzte angelegt werden.
-
- =Allöopathisch.= Klette- (~Burdock~) und Wegerich- (~Plantain~)
- Blätter um das Bein gebunden, leisten gute Dienste, sowie Blei- oder
- Alaunwasser und ein Aufguß von Weißeichenrinde.
-
- =Homöopathisch.= Eine schwache Arnica- und Hamamelis-Auflösung wird
- gute Dienste thun, wenn man vor dem Schlafengehen die Beine von unten
- nach oben, immer aufwärts reibend, einreibt.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Wenn nebst dieser Krankheit auch Hämorrhoiden
- vorhanden sind, Hartleibigkeit, häufige drückende Schmerzen und
- reizbare Gemüthsstimmung.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Dies ist das Hauptmittel, namentlich wenn die Adern
- und die Beine bedeutend geschwollen und Schmerzen sowie Entzündung
- vorhanden sind.
-
- ~Arsenicum.~ -- Wenn die Anschwellung schwärzlich ist und bedeutende
- brennende Schmerzen verursacht. Wirkt dieses nicht, so gebe ~Carbo
- Vegetabilis~.
-
-
-Hämorrhoiden oder Goldader (~Piles, or Hemorrhoids~).
-
-Dieser Krankheit sind schwangere Frauen vielfach ausgesetzt, und zwar
-wird dieselbe gewöhnlich durch Hartleibigkeit verursacht, weshalb es
-sehr wichtig ist, daß eine schwangere Frau ihren Stuhlgang regelmäßig
-erhält, so daß weder Hartleibigkeit noch Diarrhöe eintritt und gegen
-alle Störungen in dieser Hinsicht sogleich einschreitet.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Die oftmalige Anwendung des kalten Wassers wird sehr
- gute Dienste leisten, wenn es sogleich zu Anfang gebraucht wird.
- Es mag mittelst Sitzbäder, kalter Umschläge oder Einspritzungen
- in Anwendung kommen. Wenn die Hämorrhoiden bluten oder zu bluten
- aufhörten und sehr schmerzen, gebrauche warmes Wasser. Die Kost
- muß sorgsam regulirt werden und man darf nur sehr wenig Fleisch
- genießen. Wenn nach dem Stuhlgang der Darm oder eine kleine Beule zu
- Tage tritt, so müssen diese Theile wieder mit dem Finger eingedrückt
- werden. Viele Arznei einzunehmen, ist nicht rathsam, sondern man lebe
- in allen Stücken regelmäßig und schaffe sich regelmäßige Bewegung.
- Die Stuhlgangöffnung kann regelmäßig erhalten werden durch den Genuß
- von Roggenbrod, Roggenmehl und Molasses, Kartoffeln, reife Früchte,
- gekochte Pfirsiche und Pflaumen &c.
-
- =Homöopathisch.= ~Nux Vomica~ und ~Sulphur~ sind die
- hauptsächlichsten Mittel. ~Nux Vomica~, namentlich wenn nach jedem
- Stuhlgang helles Blut ausfließt und eine beständige Neigung zum
- Stuhlgang vorherrscht. Man gebe ~Nux Vomica~ Abends (eine Dosis)
- und ~Sulphur~ Morgens (eine Dosis). Tritt hierauf nach einigen
- Tage nicht Besserung ein, so kann man ~Ignatia~ geben, namentlich
- wenn heftige stechende Schmerzen vorhanden sind, oder nach jedem
- Stuhlgang schmerzliche Zusammenziehung und Wundheit eintritt. Ist die
- Hartleibigkeit sehr hartnäckig, so verordne ~Ignatia~ und ~Opium~
- alle 2 oder 3 Stunden abwechselnd. Andere zu gebrauchende Heilmittel
- sind: ~Arsenicum~, ~Belladonna~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Hepar
- Sulphuris~, ~Hamamelis~, ~Virginica~.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Um der Hartleibigkeit vorzubeugen,
- gebe einen Theelöffel voll Cremor Tartari mit Wasser oder Molasses
- vermischt, oder die zusammengesetzte Rhabarber-Pillen (~Compound
- rhubarb pill~). Schmerzen die Knoten und sind diese entzündet,
- so wird ein Ulmenrinde- (~Slippery elm bark~) und Milch- oder
- Wasser-Umschlag gute Dienste leisten. Zu derselben Zeit gebrauche
- die folgende Salbe zum einreiben: Zwei Eßlöffel voll frische,
- ungesalzene Butter und vier Eßlöffel voll Terpentingeist (~Spirits of
- turpentine~). Dieses ist gut zu mischen und damit die betreffenden
- Theile zwei- oder dreimal täglich einzureiben. Auch das folgende wird
- gute Dienste leisten:
-
- Stechapfel-Salbe (~Stramonium ointment~) 1 Unze.
- Pulv. Alaun (~Powd. alum~) 2 Drachmen.
- Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphia~) 2 „
-
- Mische dieses und reibe die Knoten (~Tumors~) mittelst eines Stücks
- Baumwollenzeug ein.
-
- =Allöopathisch.= Ist Arznei nothwendig, so kann ein Theelöffel voll
- verzuckerte Senna (~Confection of senna~) oder eine kleine Dosis
- Castoröl manchmal eingenommen werden, oder das folgende:
-
- Schwefel (~Sulphur~) ½ Unze.
- Magnesia 2 Drachmen.
- Cremor Tartari 2 „
-
- Mische dieses. Gabe: einen Theelöffel voll in ein Glas voll Wasser.
- Siehe „Hämorrhoiden,“ 12. Kapitel, erster Theil.
-
-
-Anschwellen der Füße und Beine (~Swelling of the Feet and Limbs~).
-
-Dieses wird durch den Druck der größer gewordenen Gebärmutter, den
-diese auf die lymphatischen Gefäße ausübt, verursacht.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Bryonia~ und ~Opium~ -- kann abwechselnd alle zwei
- Stunden gegeben werden. Dosis: 6 Kügelchen.
-
- Findet sich ziemlich viel Fieber vor, so gebe ~Aconitum~ und
- ~Bryonia~ abwechselnd. Dosis: 6 Kügelchen.
-
- =Allöopathisch.= Die Beine sollten mit einem in Wasser und Essig
- getauchten Schwamm tüchtig abgewaschen und das folgende kann mit
- Erfolg gegeben werden:
-
- Fingerhut-Aufguß (~Infusion of digitalis~) 4 Unzen.
- Essigsaures Kali (~Acetate of potash~) 2 Drachmen.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 „
- Zimmet-Wasser (~Cinnamon water~) 1½ Unzen.
-
- Mische dieses. Dosis: 1 Eßlöffel voll alle vier oder fünf Stunden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Wasserdost- auch Wiesenkönigin- (~Queen
- of the meadow~) und ~Haircap moss~- oder Eibisch- (~Marshmallow~)
- Aufguß mag reichlich gebraucht werden.
-
-
-Hartleibigkeit während der Schwangerschaft.
-
-Einer der während der Schwangerschaft eintretenden unangenehmen
-Zustände ist die Unthätigkeit der Gedärme, was durch mancherlei
-Umstände herbeigeführt werden mag und wogegen man sich sorgsam
-verwahren muß. Gewöhnlich wird es nützlich sein, eine Diätveränderung
-vorzunehmen. Esse viel reise, süße Früchte, z. B. Aepfel, Pflaumen,
-Pfirsiche u.s.w. Man meide aber Kaffee und alle Stimulanten. Auch ist
-es nicht rathsam, heftig wirkende Abführmittel zu geben, da hierdurch
-leicht Fehlgeburt herbeigeführt werden kann.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ein aus folgenden Substanzen bereitetes
- Einspritzmittel wird gut wirken: Bereite einen aus drei Theilen
- Wasserdost (~Boneset~) und zwei Theilen Senna bestehenden Aufguß.
- Zu einem Pint und einem halben dieses Aufgusses füge ein halbes
- Weinglas voll Castoröl. Die Hälfte dieser Mischung gebrauche man
- als Einspritzungsmittel, und wenn nöthig, so wiederhole dasselbe in
- etwa 25 bis 30 Minuten. Man wiederhole das Klystier so oft als es
- zur regelmäßigen Stuhlgangöffnung nöthig ist. Ist ein Abführmittel
- nothwendig, so gebe folgendes:
-
- Pulverisirter Rhabarber 4 Unzen.
- Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate of potassa~) 2 „
-
- Mische dieses und gebe eine kleine Dosis (1 Theelöffel voll) dreimal
- täglich.
-
- =Allöopathisch.= Das folgende ist ein sehr angenehmes Mittel zur
- Erhaltung der Stuhlgangöffnung: Koche 1 Unze Senna-Extrakt in ein
- Pint Wasser zwei Stunden lang. Sodann seihe die Flüssigkeit, füge ein
- Pfund Pflaumen und eine Handvoll Stückzucker bei, bringe das ganze
- in eine Pfanne und lasse es kochen, bis die Pflaumen gut gekocht und
- weich sind. Esse täglich sechs oder acht Pflaumen.
-
- Das folgende wird sehr gute Dienste leisten:
-
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1½ Unzen.
- Zusammengesetzter Rosenaufguß 5 „
- Zimmetwasser 1 Unze.
-
- Mische dieses. Dosis: zwei Eßlöffel voll dreimal täglich.
-
- Oder:
-
- Zusammengesetzter Coloquinthen-Extrakt (~Compound
- ext. of colocynth~) 2 Skrupel.
- Bilsenkraut-Extrakt (~Extract of Henbane~) 1 „
-
- Mische dieses, bereite 12 Pillen daraus und nehme eine Pille Morgens
- und Abends.
-
- =Homöopathisch.= Nehme eine Dosis ~Nux Vomica~ jeden Abend und
- Morgen. Dieses Heilmittel mag abwechselnd mit ~Opium~ gegeben werden,
- wenn ~Nux Vomica~ nicht die gewünschte Wirkung erzeugt. Sind diese
- beiden Mittel erfolglos und hat die Hartleibigkeit schon lange
- gewährt, so mag ~Lycopodium~ oder ~Sulphur~ verordnet werden. Hat die
- Patientin Schmerzen im Unterleib so wird ~Bryonia~ und ~Ignatia~ oft
- gut wirken.
-
- Siehe „Hartleibigkeit,“ 12. Kapitel, erster Theil.
-
-
-Diarrhöe während der Schwangerschaft
-
-wird weniger häufig gefunden als Verstopfung, ist aber bei weitem
-gefährlicher, da sie ungemein schwächt, wenn sie nicht rechtzeitig
-eingehalten wird. Zuweilen ist es nur ein lockerer Stuhlgang, bei dem
-die Bewegungen häufiger als gewöhnlich gefühlt werden, allein der
-Appetit bleibt gut und der allgemeine Gesundheitszustand wird dadurch
-nicht berührt. In solchen Fällen kann durch eine einfache Regelung der
-Kost abgeholfen werden. Jene Diarrhöe, welche zu fürchten ist, ist die,
-bei welchen die Entleerungen dunkel gefärbt, schwarzgelb und höchst
-widrig sind; der Athem ist verdorben und der Geschmack unangenehm, bei
-wenig oder gar keinem Appetit.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Die Kost sollte sorgfältig geregelt werden und mag
- bestehen in Gerstenwasser, Gummi Arabicum-Wasser, Pfeilwurz (~Arrow
- root~), Sago, Tapioca, Isländischem oder Irischem Moose, Zwieback-
- (~Toast~) Wasser, gekochten Reis mit pulverisirtem Zimmet schmackhaft
- gemacht.
-
- =Allöopathisch.= Folgendes mag mit gutem Erfolg angewendet werden:
-
- Kreidemischung (~Chalk mixture~) 5½ Unzen.
- Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Compound
- tinct. of Cardamons~) 3 Drachmen.
- Katechu-Tinktur (~Tincture of Catechu~) 3 „
- Laudanum 20 Tropfen.
-
- Mische es. Dosis: alle 4 Stunden zwei oder drei Eßlöffel voll.
-
- Folgende Salbe möge vermittelst warmen Flanells über den Magen und
- die Eingeweide gebracht werden:
-
- Seifensalbe (~Soap liniment~) 6 Drachmen.
- Zusammengesetzte Kamphersalbe (~Compound camphor
- liniment~) 6 „
- Laudanum 4 „
-
- Mische es.
-
- =Homöopathisch.= ~Chamomilla.~ -- Gegen heftige Kolik, gelblichem
- oder grünlichem Stuhl, oder ausgeschlagenen Eiern ähnelnd, Kollern in
- den Eingeweiden.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Wenn die Stühle wässerig oder grünlich sind und
- Kolik mit schleimigem, bitterem Geschmack im Munde, Uebelkeit und
- Erbrechen vorhergeht.
-
- ~Dulcamara.~ -- Bei Diarrhöe in Folge von Erkältung, schlimmer des
- Nachts.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Häufige Entleerungen, aber spärlich mit starkem,
- drängendem und nach unten ziehendem Schmerz im After.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes wird gut gefunden werden:
-
- Zusammengesetzter Syrup von Rhabarber und Potasche
- (~Compound syrup of rhubarb and potassa~) 4 Unzen.
- Pfeffermünz-Essenz (~Essence of peppermint~) 1½ Drachmen.
- Paregoricum (~Paregoric~) 4 „
-
- Mische es. Dosis: alle Stunden einen Eßlöffel voll, bis sich das
- Aussehen des Stuhles ändert und dann alle 2, 3 oder 4 Stunden.
-
- Ist Schmerz und Kneipen vorhanden, möge eine Einspritzung, bestehend
- aus zwei Eßlöffel voll Castoröl, Molasses und Wasser, von jedem einen
- Theetassenkopf voll, und 20 bis 60 Tropfen Laudanum angewendet
- werden. Mische und wiederhole es so oft als erforderlich.
-
- Siehe den Abschnitt über Diarrhöe, Kapitel 12.
-
-
-Zahnschmerz.
-
-Wegen dessen Behandlung suche man das 9. Kapitel auf.
-
-
-Speichelfluß
-
-tritt häufig ein und ist ein sehr lästiges Leiden.
-
- =Homöopathisch.= ~Mercurius~ -- ist das Hauptmittel, wenn nicht
- ~Mercurius~ die Ursache des Leidens ist; auch ~Lachesis~, ~Acidum
- nitri~, ~Hepar Sulphuris~, ~Pulsatilla~.
-
- Von dem gewählten Mittel nimm jeden Abend eine Dosis (6 Kügelchen),
- bis Besserung eintritt.
-
-
-Dyspepsie, Sodbrennen, saurer Magen.
-
-Ein häufiges und belästigendes Symptom, gegen das Magnesia, Kreide oder
-Pfirsichkörner angewendet werden mögen.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Der zusammengesetzte Syrup von
- Rhabarber (~Rhubarb~) und Potasche (~Potassa~) wird sehr zuträglich
- gefunden werden.
-
- =Homöopathisch.= ~Nux Vomica~ und ~Pulsatilla~ sind die Hauptmittel.
- Sie mögen entweder allein oder abwechselnd gegeben werden. Zuweilen
- wird ein Stück gezuckerte Citrone im Mund gehalten, oder ein Tropfen
- ~Acidum Sulphuricum~ in einem Glas voll Wasser Linderung verschaffen.
-
-
-Hysterische Anfälle.
-
-Das weibliche Geschlecht wird während der Schwangerschaft häufig von
-Gemütsbewegungen und hysterischen Anfällen heimgesucht.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Siehe die Behandlung der Hysterie in
- Kapitel 3, erster Theil.
-
- =Homöopathisch.= Die Kranke sollte in die frische Luft gebracht
- und das Gesicht mit kaltem Wasser besprengt werden; Ammoniak halte
- man unter die Nase. Ist der Anfall vorüber, so gebe man eine Dosis
- ~Coffea~ oder ~Chamomilla~. Rührt der Anfall von gestörter Verdauung
- her, so gebe man ~Nux Vomica~ oder ~Pulsatilla~. Ist Aerger die
- Ursache: ~Chamomilla~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe 6 Kügelchen auf eine Dosis und
- wiederhole diese alle 2, 3 oder 4 Stunden.
-
-
-Herzklopfen.
-
-Dies mag besonders für zarte Frauen sehr quälend werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes mag mit gutem Erfolg
- angewendet werden:
-
- Schlangenwurzel-Tinktur (~Tincture of black cohosh~) 2 Unzen.
- Schildkraut-Tinktur (~Tincture of skull cap~) 2 „
-
- Mische es. Dosis: Zwei- oder dreimal des Tages einen Theelöffel voll.
-
- =Allöopathisch.= Zuweilen mögen stärkende Mittel wie das folgende
- gegeben werden:
-
- Salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tinct. of iron~) 1 Unze.
- Orangenschalen-Syrup 1 „
- Rosenwasser 6 Unzen.
-
- Mische es. Einen Theelöffel voll in einem Bierglas voll Wasser nach
- jeder Mahlzeit.
-
- =Homöopathisch.= Wenn in Folge von Aerger: ~Chamomilla~; in Folge
- von Furcht: ~Veratrum~; in Folge von Freude: ~Coffea~; in Folge von
- plötzlichem Schreck: ~Opium~.
-
- Bei nervösen Personen: ~Ignatia~, ~Coffea~, ~Chamomilla~.
-
- Andere Mittel sind: ~Belladonna~, ~Nux Moshata~, ~Pulsatilla~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse von dem gewählten Heilmittel 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und nimm alle Stunde, auch
- öfter, wenn es die Strenge des Falles erfordert, einen Theelöffel
- voll.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ein Theelöffel voll Castoröl-Tinktur
- (~Tincture of castor oil~) oder Stinkasant (~Asafœtida~) und
- zusammengesetztem Lavendel-Spiritus (~Spirits of lavender~) mit ein
- wenig Wasser wird selten verfehlen, zu lindern.
-
-
-Kopfweh
-
-ist etwas Gewöhnliches bei Schwangeren und eine beträchtliche nervöse
-Reizbarkeit ist in der Regel vorhanden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= Mittel dagegen sind: ~Aconitum~, ~Belladonna~, ~Nux
- Vomica~, ~Opium~, ~Pulsatilla~, ~Platina~.
-
- Bei Schlaflosigkeit: ~Coffea~, ~Ignatia~, ~Nux Vomica~, ~Hyosciamus~,
- ~Opium~.
-
- Bei Schlafsucht: ~Opium~, ~Pulsatilla~, ~Nux Vomica~, ~Crocus~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nimm alle halbe, ganze,
- zwei oder drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen
- Theelöffel voll.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ein Aufguß von Schildkraut (~Skull
- cap~), oder Baldrian (~Valerian~) mag mit gutem Erfolg angewendet
- werden.
-
- Auch die folgenden Pillen werden wohlthuend wirken:
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 6 Grane.
- Belladonna-Extrakt (~Extract of Belladonna~) 1½ „
- Schlangenwurzel-Alcohol-Extrakt (~Alcoholic
- extract of black cohosh~) 18 „
-
- Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Dreimal des Tages eine
- Pille.
-
- =Allöopathisch.= Gebrauche folgendes:
-
- Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) 2 Grane.
- Potaschen-Cyanit (~Cyanide of potassium~) 4 „
- Baldrian-Extrakt (~Extract of valerian~) 4 „
-
- Mache 24 Pillen daraus. Dosis: Dreimal des Tages eine Pille.
-
- Oder auch:
-
- Chloroform 2 Unzen.
- Zusammengesetzter Schwefeläther (~Compound sulphuric
- ether~) 2 „
- Laudanum 2 „
- Cayennepfeffer-Tinktur (~Tincture of cayenne~) 1½ „
- Verdünnte Hydrociansäure (~Hydrocianic acid,
- diluted~) ½ Unze.
-
- Mische es. Dosis: Alle drei Stunden einen Theelöffel voll, bis
- wirklicher Erfolg wahrgenommen wird.
-
-
-Husten
-
-kann zuweilen recht beschwerlich werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Je zwei Theile von der Tinktur von
- Schildkraut (~Skull cap~) und Hopfenmehl (~Lupuline~) mit einem Theil
- Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of hyosciamus~) mag in Dosen von einem
- Theelöffel voll gegeben werden, wenn immer der Husten lästig wird.
-
- =Allöopathisch.= Folgendes kann mit Erfolg genommen werden:
-
- Blausäure (~Hydrocyanic acid~) 6 Minims.
- Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of henbane~) 60 „
- Mandelkühltrank (~Almond emulsion~) 6 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.
-
-
-Krämpfe
-
-stellen sich häufig in den Waden, Hüften, Kreuz oder Unterleib ein und
-sind sehr lästig.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Erstrecken sie sich auf den Magen, so nehme man
- folgendes:
-
- Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Compound
- tinct. of cardamon~) 2 Unzen.
- Zusammengesetzte Lavendel-Tinktur (~Compound tinct.
- of lavender~) 2 „
- Zusammengesetzte Enzian-Tinktur (~Compound tinct.
- of gentian~) 2 „
-
- Mische es. Dosis: So oft als erforderlich einen Theelöffel voll.
-
- =Homöopathisch.= Gegen Krämpfe in den Gliedern: ~Veratrum~, ~Nux
- Vomica~, ~Colocynthis~, ~Chamomilla~.
-
- Gegen Krämpfe im Unterleib und Magen: ~Nux Vomica~, ~Colocynthis~,
- ~Pulsatilla~, ~Belladonna~.
-
- Gegen Krämpfe im Kreuz: ~Ignatia~, ~Rhus~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Heilmittel löse man 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe einen Theelöffel voll
- oder 6 Kügelchen als Dosis.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Reiben der Beine oder der davon
- befallenen Theile mit Kampher-Spiritus (~Spirits of camphor~)
- oder heißem Whiskey und Salz wird zuweilen sofortige Linderung
- verschaffen. Auch Opodeldoc (~Opodildoc~) ist gut.
-
-
-Harnfluß (~Incontinence of Urine -- Enuresis~)
-
-besteht in einer theilweisen oder gänzlichen Unfähigkeit den Urin zu
-halten und ist eine große Plage.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= Die Hauptmittel dagegen sind: ~Pulsatilla~, ~Sepia~,
- ~Belladonna~, ~Hyosciamus~, ~Causticum~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel nehme man 6
- Pillen einmal in 3 oder 4 Stunden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Man lasse viel und oft Thee von Eibisch
- (~Marsh mallow~), Kürbiß, Wassermelonen-Körner oder Klebekraut
- (~Cleavers~) trinken.
-
-
-Harnzwang (~Difficult Urination -- Stranguria~).
-
-Dies ist außerordentlich lästig und wird durch den Druck der
-Gebärmutter auf die Blase verursacht.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ein Aufguß von Eibischwurzel (~Marsh
- mallow root~) und Grundstrauch (~Trailing arbutus~) oder ein Aufguß
- von Eibisch- und Pfirsichblättern mögen genommen werden. Zehn oder
- zwanzig Tropfen von süßem Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of
- nitre~) können auch mit gutem Erfolg dem Aufguß beigefügt werden.
-
- =Homöopathisch.= ~Pulsatilla~ ist das Hauptmittel. Gewährt dies keine
- Linderung, so gebe man ~Nux Vomica~.
-
- Andere Mittel sind: ~Belladonna~, ~Cantharides~, ~Cocculus~, ~Acidum
- Phosphoricum~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel nehme man alle
- 2 Stunden 6 Kügelchen.
-
-
-Uebermäßiger Geburtsfluß oder Lochien (~Flooding, Hemorrhage~).
-
-Wegen dessen Behandlung siehe Kapitel 5.
-
-
-Fehlgeburt oder Abortus (~Miscarriage or Abortion~).
-
-Unter Fehlgeburt oder Abortus verstehen wir die Ausstoßung der Frucht
-zu irgend einer Zeit vor dem sechsten Monat. Tritt dies während dem
-siebenten oder achten Monat ein, so wird es mit einer Frühgeburt
-bezeichnet und das Kind kann erhalten werden, während es, wenn die
-Geburt vor dem siebenten Monat erfolgt, nicht lebensfähig ist.
-Abortus tritt wahrscheinlicher vor dem dritten Monat und zur Zeit der
-monatlichen Reinigung ein und eine Frau, die bereits eine Fehlgeburt
-erfahren hat, ist der Wiederholung derselben mehr ausgesetzt als eine
-andere, bei der dies noch nicht der Fall war. Fehlgeburten erfolgen
-meistens zu derselben Zeit als früher stattgefundene, und eine
-Schwangere sollte daher um diese Zeit besonders achtsam sein. Sie muß
-zu weite Spaziergänge, Heben von schweren Gegenständen, Treppenauf- und
-Absteigen, spätes Aufbleiben und starke geistige Erregungen vermeiden.
-Ich spreche hier nur von dem zufälligen Abortus und setze voraus,
-daß diejenigen, die diese Zeilen lesen, sich nicht des schändlichen
-Verbrechens einer Abtreibung der Frucht schuldig gemacht haben, --
-eines Verbrechens, für das keine Entschuldigung gefunden werden kann
-und das nicht nur einem menschlichen Wesen das Leben nimmt, sondern
-auch den Gesundheitszustand der Mutter untergräbt, denn irgend eine
-Medizin, welche stark genug ist, einen Abortus herbeizuführen, muß den
-Organismus so vergiften, daß die Folgen davon nie wieder geheilt werden
-können.
-
-+Ursachen.+ Zu den gewöhnlichen Ursachen des Abortus gehören Schläge,
-wenn auch nur leicht, auf den Unterleib, heftige Erschütterungen,
-Fallen, Pressen, Heben von schweren Gegenständen, Auf- und Absteigen
-von Treppen, Reiten, Fahren über eine holperige Straße, starkes Husten,
-Aerger, Freude, Furcht, Tanzen, außergewöhnliche und plötzliche
-Anstrengungen, die Wirkung von Arzneimitteln, welche einige Frauen
-beständig nehmen, wie Brechmittel, Abführmittel und zwar solche, wie
-Aloe, Sennesblätter u.s.w., Kräuter-Thees, Patent-Medizinen, der
-Gebrauch von Blasen- und Senfpflaster u.s.w.
-
-+Symptome.+ Die ersten Symptome bestehen in der Regel in einem Gefühl
-von Müdigkeit und Unbehaglichkeit, mit Kreuzweh und nach unten
-ziehenden Schmerzen, die sich allmählig zu Geburtswehen steigern,
-Schneiden und Ziehen in den Lenden und in dem Unterleib, ein Ausfluß
-von rothem oder hellem Blute, mehr oder weniger stark.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Wo es möglich ist, sollte ein solcher Fall unter die
- Pflege eines geschickten Arztes gestellt werden, besonders wenn ein
- starker Fluß vorhanden ist. Vor allem ist es aber von Wichtigkeit,
- darauf zu sehen, daß die Kranke in die gehörige Lage gebracht wird.
- Sobald sich die Symptome zeigen, sollte sie sich niederlegen und
- vollkommen ruhig verhalten. Sie sollte sogleich zu Bett gehen, eine
- harte Matratze mit leichten Decken in einem luftigen Zimmer sind
- vorzuziehen. Oeffne Thüren und Fenster, selbst im strengsten Winter
- und selbst wenn der Schnee ins Zimmer hereinweht. Entferne alle
- Ursachen zur Aufregung, besonders die Masse von alten Weibern, die
- sich gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten einstellen; halte sie
- fern vom Hause. Als Getränk reiche man kühle Limonade, Zwieback-
- oder Eiswasser, und während des Darreichens gestatte man nicht,
- daß sich die Kranke aufrichtet; es ist von Wichtigkeit, daß eine
- horizontale Lage nicht verändert wird; man entferne alle Kissen unter
- dem Kopfe, und es mag nothwendig werden, durch das Unterlegen von
- Holzstücken unter die Beine das Fußende des Bettes zu erhöhen. Man
- mache Umschläge von Wasser und Essig auf den Unterleib, die Hüften
- und zwischen die Beine. Keine Reizmittel sollten gegeben werden, wenn
- nicht die Kranke durch Blutverlust sehr geschwächt ist, in welchem
- Falle ein wenig Wein oder Branntwein gegeben werden mag. Ist der
- Ausfluß zu stark und kann nicht durch Medizinen eingehalten werden,
- so ist die Gebärmutter zu verstopfen, was vermittelst Einschiebens
- eines seidenen Taschentuches, mit süßem Oel getränkt, in die Scheide,
- oder durch Einlegen von großen Stücken Tuch geschehen kann.
-
- =Homöopathisch.= ~Arnica.~ -- Wenn durch einen Fall, Schlag,
- Fehltritt, zu starkes Heben oder durch irgend eine andere große
- körperliche Anstrengung verursacht.
-
- ~Cinnamonium.~ -- Wenn Arnica nicht den gewünschten Erfolg hat.
-
- ~Secale.~ -- Besonders wenn schon Fehlgeburten stattgefunden haben,
- oder bei schwacher Constitution und großer Erschöpfung, auch bei
- dunklem Ausfluß, schwarzgelbem Blut und leichten Schmerzen.
-
- ~China.~ -- Abwechselnd mit ~Secale~, wenn der Blutfluß beträchtlich
- ist und Schwache und Erschöpfung zunehmen, ein nach unten
- ziehendes Gefühl, Summen in den Ohren, Verdunkelung des Blickes,
- Ohnmachtsanwandlung bei Erheben von dem Kissen.
-
- ~Hyosciamus.~ -- Bei Krämpfen oder Verzuckungen des ganzen Körpers.
-
- ~Ipecacuanha.~ -- Abwechselnd mit ~Secale~ bei Magenschwäche,
- Krämpfen, Ausfluß eines hellrothen Blutes, Ohnmachten.
-
- ~Belladonna.~ -- Abwechselnd mit ~Platina~ bei starken Schmerzen in
- den Lenden und im Unterleib, starkem Drängen nach unten, gleichsam
- als ob die Eingeweide herausgepreßt würden, Schmerz im Kreuz, als
- ob dasselbe gebrochen wäre, Ausfluß von dickem, dunklem, geronnenem
- Blute.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12
- Kügelchen in einem halben Theetassenkopf voll Wasser und gebe bei
- strengen Fällen alle 15 oder 20 Minuten und bei milderen jede Stunde
- oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll. Tritt innerhalb zwei
- oder drei Stunden keine Linderung ein, greife man zu einem anderen
- Mittel.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Sind Symptome eines annähernden Abortus
- vorhanden, so gebe man jede Stunde oder alle zwei Stunden 2 oder 3
- Grane von dem zusammengesetzten Brechwurz- und Opiumpulver (~Compound
- powder of Ipecac and Opium~). Nehmen die Symptome dennoch zu, so
- lege man ein Senfpflaster auf den unteren Theil des Rückens. Bei
- beträchtlichem Ausfluß gebe man 10 oder 15 Tropfen Vitriol-Elixir
- in einem Weinglas voll Wasser alle 2 oder 3 Stunden und mache
- gleichzeitig Umschläge von Tüchern, mit Eiswasser getränkt, auf den
- unteren Theil des Unterleibes. Flöhkrautöl (~Oil of fleabane~) oder
- ~Oil of fireweed~ mag, wenn erforderlich, alle 10 bis 20 Minuten in
- Dosen von 5 bis 6 Tropfen auf Zucker gegeben werden. Ist der Fluß
- sehr stark, so gebe man 1½ Grane Bleizucker (~Sugar of lead~)
- in etwas Essig und Wasser. Wenn viel Schmerz vorhanden ist, gebe
- man 5 oder 6 Tropfen Laudanum. Die Scheide oder die Geburtsstätte
- mag mit Tüchern, in einer starken Alaun- (~Alum~) Auflösung oder
- einer Abkochung von Weißeichenrinde (~Decoction of white oak bark~)
- getränkt, verstopft werden.
-
- =Allöopathisch.= Ist die Kranke vollblütig und es stellt sich ein
- Gefühl von Vollsein ein, so sollten 10 bis 12 Blutegel an den unteren
- Theil des Unterleibes und Rückens angesetzt und folgende Mischung
- gegeben werden:
-
- Citronen-Säure (~Citric acid~) 1 Drachme.
- Doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate
- of potash~) 4 Skrupel.
- Salpeter (~Nitre~) 2 „
- Zimmetwasser 2 Unzen.
- Wasser 4 „
-
- Mische es. Dosis: Alle 4 Stunden ein Viertel davon. Oder:
-
- Doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate
- of potash~) 2 Drachmen.
- Gewöhnlicher Syrup 2 „
- Destillirtes Wasser (~Distilled water~) 6 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll; jeder Dosis füge einen Eßlöffel
- voll frischen Citronensaft oder 15 Grane Citronen-Säure (~Citric
- acid~), zuvor in einem Eßlöffel voll Wasser aufgelöst, bei. Während
- des Aufschäumens zu trinken. Wenn die Eingeweide verstopft sind, ist
- das folgende zu empfehlen:
-
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1½ Unzen.
- Zusammengesetzter Rosenaufguß (~Compound infusion
- of roses~) 5 „
- Zimmetwasser (~Cinnamon water~) 1 Unze.
-
- Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll.
-
- Es ist besser, Blutentziehung und das Darreichen obiger Mischungen zu
- vermeiden und, wenn diese nicht angewendet werden, gebe man 35 bis 40
- Tropfen Laudanum und wiederhole dies in Zwischenräumen in kleineren
- Dosen.
-
- Wenn der Ausfluß sehr stark ist, müssen die folgenden Pillen gegeben
- werden:
-
- Essigsaures Blei (~Acetate of lead~) 2 Grane.
- Mohnkopf-Extrakt (~Extract of poppies~) 2 „
-
- Mache es zu einer Pille, welche alle 3 oder 4 Stunden zu nehmen
- ist; oder mische 5 Grane pulverisirten Alaun (~Alum~) mit 3 Granen
- geriebener Muskatnuß (~Nutmeg~), in Honig oder Syrup gemischt, und
- gebe es alle halbe oder ganze Stunde, der Strenge der Symptome
- angemessen. Dies wird von Dr. C. D. Meigs in Philadelphia empfohlen.
-
- +Bemerkung.+ Kann der Abortus nicht verhindert werden, so muß man wie
- bei einer natürlichen Geburt vorgehen.
-
-
-Falsche Wehen (~False Pains~).
-
-Häufig einige Wochen oder Monate vor der Entbindung wird die Schwangere
-von sogenannten falschen Wehen belästigt. Diese ähneln den ächten Wehen
-sehr und verursachen häufig nutzlose Beunruhigung. Sie mögen daran
-erkannt werden, daß sie unregelmäßig in ihren Wiederholungen sind und
-sich gewöhnlich auf die Muskeln des Rückens und Unterleibs beschränken,
-sowie vom Rücken nach den Seiten ziehen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Eingeweide verstopft sind,
- gebe man folgende Einspritzung:
-
- Warmes Wasser 1 Pint.
- Salz 2 Theelöffel
- voll.
- Gewöhnlicher Molasses 2 Eßlöffel
- voll.
-
- Nachdem Stuhlgang vorhanden ist, gebe man einen kleinen Theelöffel
- voll Paregoricum (~Paregoric~) und wiederhole dies alle zwei Stunden,
- wenn nicht früher Linderung eintritt.
-
- =Allöopathisch.= Folgendes ist eine gute Salbe, welche über dem Sitz
- des Schmerzes eingerieben werden mag:
-
- Ammoniak (~Ammonia~) 2 Unzen.
- Opium-Tinktur (~Tincture of opium~) 2 „
- Seifen-Salbe (~Soap liniment~) 1 Unze.
-
- Schüttele es vor dem Gebrauch um.
-
- =Homöopathisch.= ~Bryonia.~ -- Wenn der Schmerz ziehend und sich in
- dem Unterleib und den Lenden befindet.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Wenn die Schmerzen ähnlich den vorhergehenden, mit
- einem Gefühl von Steifheit oder Lahmsein verbunden sind.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Wenn in der Gegend der Blase ein Schmerz, wie von
- einer Quetschung herrührend, und wenn die Wehen Folge von Verstopfung
- sind.
-
- ~Aconitum.~ -- Besonders bei vollblütigen Frauen; heißer Kopf,
- trockene Haut. ~Belladonna~ kann abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben
- werden.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle halbe,
- ganze, zwei oder drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen,
- einen Theelöffel voll.
-
-
-Behandlung der Brüste (~Preparation of the Breasts~).
-
-Nicht selten finden junge Mütter in Folge früherer Vernachlässigung
-beim Stillen ihrer Kinder Schwierigkeiten wegen der durch den Druck
-von zu engen Kleidern, Schnürbrüsten u.s.w. fast ganz verschwundenen
-Warzen. Die Brüste schwangerer Frauen sollten sorgfältig gegen Druck
-geschützt werden, da dies leicht üble Folgen nach sich ziehen kann.
-Wenn aber die Warzen nicht weit genug herausgezogen sind, so daß sie
-von dem Kinde mit Leichtigkeit gefaßt werden können, so mag dies
-vermittelst einer gewöhnlichen Brustpumpe geschehen, und nachdem die
-Pumpe entfernt ist, lege rings um die Warzen einen Ring von Bienenwachs
-oder einen Warzenschild (~Nipple shield~). Dies sollte beständig
-getragen werden. Wenn aber das Ausziehen der Brustwarzen einen Schmerz
-im Unterleib verursacht, so muß es eingestellt werden, da Abortus
-folgen kann.
-
-Dr. Tracy empfiehlt folgendes zur Erhaltung der einmal herausgezogenen
-Warzen:
-
-Jede Warze sollte mit einem Stück von einem wollenen Faden oder Garn an
-der Wurzel zwei- bis dreimal umwunden und mäßig fest gebunden werden,
-jedoch nicht so fest, daß dadurch der Blutumlauf gehemmt wird.
-
-Die Warzen springen während oder nach der Schwangerschaft leicht auf
-und entzünden sich, was besonders, nachdem das Kind zu saugen beginnt,
-eintritt; daher sollten die Brüste mehrere Wochen vor der Entbindung
-in kaltem Wasser gebadet und mit groben Handtüchern abgerieben werden.
-Zuweilen ist auch das Baden der Brustwarzen mit Brandy zweimal des
-Tages mehrere Wochen hindurch vor der Entbindung sehr zuträglich
-gefunden worden. Ebenso die Anwendung einer Abkochung von grünem
-Thee, oder Eichenrinde, oder auch von Granatäpfeln (~Pomegranate~).
-Bei großer Empfindlichkeit oder Schmerzhaftigkeit bade die Warzen und
-Brüste häufig in einer scharfen Auflösung von Arnica.
-
-
-
-
-Fünftes Kapitel.
-
-Entbindung oder Kindbett.
-
-
-Geburtswehen (~Labor~).
-
-Unter Geburtswehen verstehen wir die Anstrengung der Natur, durch
-welche die Gebärmutter ihren Inhalt, bestehend in dem Kinde, der
-Nachgeburt, den Schleimhäuten und dem Wasser, ausstößt. Sie treten in
-der Regel zu Ende des neunten Monats nach der Empfängniß oder 280 Tage
-nach dem Beginn der Schwangerschaft ein. Zuweilen aber tritt es früher
-oder später ein.
-
-+Symptome.+ Die Symptome der annähernden Geburtswehen bestehen in einem
-Sinken der Gebärmutter, wodurch die Schwangere um Vieles erleichtert
-wird; sie fühlt sich leichter und ein Abgang von blutigem Schleim,
-„Blutanbrechen“ (~show~) genannt, stellt sich ein; sie ist bewegt und
-nervös; eine Reizbarkeit der Blase, sowie öfterer Drang zum Uriniren,
-zuweilen Uebelkeit und Erbrechen und fliegende Schmerzen durch den
-Unterleib sind vorhanden.
-
-Die Geburtswehen mögen in natürliche und unnatürliche eingetheilt
-werden. Sind die Wehen hinlänglich stark genug, den Inhalt der
-Gebärmutter in einer mäßigen Zeit ohne Gefahr für Mutter und Kind
-auszutreiben, so werden sie natürlich genannt. Wenn aber schwierig,
-lang anhaltend und Verzögerungen in Folge einer ungehörigen Lage des
-Kindes, Verzuckungen oder auch Blutflüsse eintreten, so werden sie
-widernatürliche genannt. Die Zeit, während welcher die natürlichen
-Wehen anhalten, beschränkt sich in der Regel auf 6 bis 8 Stunden.
-
-Sobald die ersten Symptome eintreten, muß die Schwangere ihre
-Vorkehrungen für die bevorstehende Entbindung treffen. Das Bett
-sollte in einer harten Matratze bestehen (Federbetten sind nicht
-empfehlenswerth), und über die Matratze sollte, wenn ein Beschmutzen
-durch die Ausflüsse vermieden werden soll, ein Oeltuch oder eine
-Kautschuck-Decke, und darüber mehrere Betttücher gebreitet werden, die
-Decke muß leicht sein, damit die Entbindende dadurch nicht übermäßig
-erhitzt wird, und das Nachtkleid muß bis unter die Arme aufgestreift
-werden, so daß es nicht beschmutzt wird. Sie sollte sich auf die linke
-Seite legen, mit an den Körper gezogenen Knien, zwischen welche man ein
-zusammengelegtes Kissen bringt. Eine scharfe Scheere und zwei Stücke
-starke Schnur mögen zum Abschneiden und Verbinden der Nabelschnur des
-Kindes bereit gehalten werden.
-
-
-Schmerzen bei den Geburtswehen (~Labor Pains~).
-
-Die Schmerzen der Geburtswehen sind eigenthümlich und bestehen in
-einem Schneiden oder Schleifen, welches durch eine Zusammenziehung
-des Muskelgewebes der Gebärmutter über dem Kinde hervorgerufen wird.
-Während des ersten Stadiums der Geburtswehen geht gewöhnlich das Wasser
-ab. Letzteres ist die Ansammlung jener Flüssigkeit, welche das Kind
-umgiebt und das von der Schleimhaut eingeschlossen wird. Es dient zum
-Schutze des Kindes während der Schwangerschaft.
-
-Das zweite Stadium der Wehen ist der Zeitraum von dem Ausfluß des
-Wassers bis zur Geburt des Kindes. Nach dem ersten Stadium ist die
-Entbindende gewöhnlich eine kurze Zeit von Schmerzen frei. Die Wehen
-des zweiten Stadiums unterscheiden sich von jenen des ersten und sind
-mehr nach unten drängend.
-
-
-Entbindung.
-
-Die heftigsten schneidenden Wehen treten unmittelbar vor der Entbindung
-ein und sind von kurzer Dauer, aber von solcher Art, daß, obgleich
-sie sehr schmerzhaft sind, sie dennoch die Entbindende zur äußersten
-Kraftanstrengung stärken. Möglicherweise bricht dieselbe in heftiges
-Wehklagen aus, was aber die Umgebung nicht beunruhigen sollte, denn es
-ist ein Zeichen, daß die Wehen unmittelbar darauf ihr Ende erreicht
-haben werden. Man ermuthige sie daher durch freundliche, tröstende
-Worte. In dem Augenblicke, wo das Kind erscheint, sollte die Wärterin
-ihre Hand zwischen die Beine der Entbindenden legen, um das Reißen der
-straff angespannten Haut an diesem Theile zu verhindern. Ist das Kind
-geboren, so sollte es fünf oder sechs Zoll von der Mutter entfernt
-und die Schnur mit den vorher erwähnten Fäden verbunden werden. Der
-erste Knoten sollte ungefähr zwei Zoll von des Kindes Nabel gemacht
-werden und der andere vier Zoll weiter, jeder durch einen doppelten
-Knoten gesichert; nachdem so die Schnur durch die Knoten gesichert ist,
-schneide man sie mit der Scheere zwischen den Knoten durch. Eins aber
-sollte beobachtet werden, ehe die Schnur gebunden wird, das ist, ob das
-Kind athmet oder schreit. Giebt das Kind kein Lebenszeichen, so sollte
-der Mund geöffnet werden, was die Ansammlung des Schleimes mindern
-wird, bleibt dies aber ohne Erfolg, so sollte die Schnur gebunden und
-abgeschnitten und das Kind in ein warmes Bad gebracht werden, wenn auch
-dieses nach einigen Minuten noch erfolglos ist, so nehme es aus dem
-Bade und hülle es in eine Flanelldecke. Dann versuche man künstliches
-Athmen, was auf folgende Weise geschieht:
-
-Man lege Daumen und Zeigefinger so auf die Nasenlöcher, daß diese
-geschlossen sind, dann lege man den Mund auf den des Kindes und blase
-in die Lungen, die Brust sollte dabei gepreßt werden, so daß die
-eingeführte Luft wieder ausgestoßen werden muß. Dieses Verfahren sollte
-so lange fortgeführt werden, bis keine Hoffnung mehr auf die Belebung
-des Kindes vorhanden ist. Stellt sich aber allmählig Leben ein, so
-reibe das Kind mit Alcohol oder Whiskey, durch warmes Wasser verdünnt,
-ab. Zuweilen wird das Besprengen von Gesicht oder Brust des Kindes mit
-kaltem Wasser dasselbe erwecken.
-
-Nach der Entbindung erfährt die Mutter große Erleichterung und ist eine
-Zeitlang gänzlich frei von Schmerzen, bis das dritte Stadium beginnt
-und die Nachgeburt oder ~Placenta~ kommt. Starkes Ziehen sollte zur
-Entfernung der Nachgeburt nicht angewendet werden, da Gefahr vorhanden
-ist, daß sich die Gebärmutter umdreht, in der Regel reichen einige
-Wehen hin, dieselbe auszustoßen.
-
-
-Behandlung nach der Entbindung.
-
-Ein Verband sollte um den Körper der Mutter gelegt werden, genügend
-fest, um den erschlafften Unterleib zu stützen. Ihre Bekleidung ist,
-wenn beschmutzt, zu wechseln, und sie selbst sollte in eine angenehmere
-Lage, in ein dunkles Zimmer gebracht und nicht von Besuchern gestört
-werden. Tücher sind lose unterzulegen, damit auf diese Weise die
-stattfindenden Ausflüsse aufgefangen werden.
-
-
-Verbinden des Nabels (~Dressing the Navel~).
-
-Es sollte vermieden werden, daß der Nabel mit der gesunden Haut in
-Berührung kommt. Um dies zu verhindern, mache man ein Loch, groß genug,
-daß die Schnur durchgezogen werden kann, in ein Stück Muslin oder
-Linnen ungefähr vier Zoll im Geviert, ziehe den Nabel durch und lasse
-das Stück Zeug auf des Kindes Bauch liegen, dann mache eine Binde um
-den Körper des Kindes, welche die Schnur auf den Bauch drückt.
-
-
-Licht, Temperatur und Lüftung.
-
-Das Zimmer der Wöchnerin sollte für die ersten zwei oder drei Tage nach
-der Entbindung verdunkelt werden; nach dieser Zeit gestatte man dem
-Licht ungehinderten Zutritt. Der Lüftung muß Aufmerksamkeit geschenkt
-werden, und indem man frische Luft zuläßt, vermeide man vorsichtig,
-die Wöchnerin der Zugluft auszusetzen. Die Temperatur des Zimmers muß
-dem Wohlbefinden der Wöchnerin angemessen und gewöhnlich zwischen
-fünfundsechzig und fünfundsiebzig Grad sein.
-
-
-Nachwehen.
-
-Nachdem das Kind geboren und die Nachgeburt erfolgt ist, verursacht das
-Zusammenziehen der Gebärmutter, das mit mehr oder weniger Kraft vor
-sich geht, beträchtliche Schmerzen. Sie beginnen gewöhnlich eine halbe
-Stunde nach der Entbindung und hören nach ein oder zwei Tagen auf,
-obgleich sie auch länger dauern mögen. Sie verkleinern die Gebärmutter
-und treiben deren Inhalt aus. Zuweilen sind sie sehr heftig und dauern
-länger als es wünschenswerth ist.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Folgendes möge gegeben werden:
-
- Eisenhut-Tinktur (~Tincture of aconite~) 30 Tropfen.
- Kampherwasser (~Camphor water~) 1 Unze.
- Laudanum 1 Drachme.
- Gewöhnlicher Syrup 1 Unze.
-
- Dosis: Alle Stunden einen Theelöffel voll in einem Weinglas voll
- versüßten Wassers.
-
- =Homöopathisch.= ~Chamomilla.~ -- Mag gegeben werden bei
- Nervenschwäche und Erregtheit, dem man ungefähr eine Stunde darauf
- ~Nux Vomica~ folgen läßt. Wenn erforderlich, gebe man mehrere Dosen.
-
- ~Coffea~ und ~Aconitum~. -- Abwechselnd, wenn die Schmerzen stark
- sind und Kälte des Körpers vorhanden ist.
-
- ~Pulsatilla~ -- möge gegeben werden, wenn die Schmerzen nicht zu
- häufig wiederkehren, aber mehrere Tage fortdauern.
-
- ~Secale.~ -- Passend bei solchen, die schon viele Kinder geboren
- haben.
-
- ~Belladonna.~ -- Wenn die Schmerzen nach unten ziehen, Blutandrang,
- Kopfhitze, geröthetes Gesicht, kalte Füße; abwechselnd mit ~Opium~
- bei ungewöhnlicher Neigung zum Schlaf, mit schnarchendem Athem
- begleitet.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Umschläge einer Abbrühung von gleichen
- Theilen von Hopfen und Rainfarn (~Tansy~) mit ein wenig Whiskey oder
- anderem Spiritus über den Unterleib wird zuträglich gefunden werden.
- Dies sollte mehrere Male des Tages erneuert werden.
-
-
-Blutfluß (~Flooding -- Hæmorrhage~).
-
-Dies ist eines der gefährlichsten Symptome, welche sich während
-der Wehen einstellen können. Sein Erscheinen kommt in der Regel
-ganz unerwartet und erfordert sofortige und kräftige Behandlung. Es
-erfolgt häufiger nach der Geburt des Kindes und ist zuweilen die Folge
-geistiger Bewegung, wie Freude oder Sorge.
-
-Die Gegend über der Gebärmutter sollte mit der Hand gerieben werden,
-bis sich die Nachwehen einstellen, dann gebe die folgenden Mittel:
-
- ~Belladonna.~ -- Bei nach unten ziehenden Schmerzen, einem Gefühl,
- als ob etwas aus den Geschlechtstheilen fallen würde.
-
- ~Chamomilla.~ -- Wenn die Glieder kalt und den Wehen ähnliche
- Schmerzen vorhanden sind.
-
- ~China.~ -- Kann abwechselnd mit ~Ipecacuanha~, wenn Schwindel und
- Bewußtlosigkeit, Ohnmacht, Gesichtsblässe, schneidende Schmerzen in
- dem Unterleib vorhanden sind, gegeben werden. Wird den schlimmsten
- Fällen entsprechen.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Wenn der Ausfluß gerinnt und in Zwischenräumen
- erscheint, aufhört und wieder eintritt. Man lasse ~Crocus~ oder
- ~Sabina~ folgen.
-
- Ein Tropfen der Zimmet-Tinktur in einem halben Bierglas voll Wasser
- und davon alle Minuten einen Theelöffel voll gegeben, wird sich
- in einigen Fällen sehr zuträglich erweisen. Tücher, in Eiswasser
- getaucht, oder Eis in Stückchen sollten auf den Unterleib und die
- Geschlechtsteile gelegt werden. Auch lasse man viel und oft kaltes
- Wasser trinken.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Heilmittel löse man
- 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nehme alle 15 Minuten
- oder halbe Stunde einen Theelöffel voll; sobald sich Besserung zeigt,
- verlängere die Zwischenräume.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Wenn sich der Blutfluß vor der
- Entfernung der Nachgeburt einstellt, sollten Mittel dagegen gegeben
- und um die Gebärmutter zur Zusammenziehung anzureizen, sollte fest
- über derselben gedrückt werden. Kaltwasser-Umschläge mache man
- äußerlich über den betreffenden Theil. Zimmet-Tinktur (~Tincture
- of cinnamon~) gebe man in Dosen von einem Theelöffel voll in einem
- Weinglas voll versüßten Wasser alle 5 bis 15 Minuten oder in längeren
- Zwischenräumen. Auch kann eine Mischung von gleichen Theilen von
- Ratanhia (~Rhatany~), Zimmet-Tinktur (~Tincture of cinnamon~) und
- Terpentin-Spiritus (~Spirits of turpentine~) mit Erfolg angewendet
- werden.
-
- =Allöopathisch.= Folgende Pillen mögen genommen werden:
-
- Essigsaures Blei (~Acetate of lead~) 2 Grane.
- Mohnkopf-Extrakt (~Extract of poppies~) 2 „
-
- Mache eine Pille daraus, wiederhole es alle 3 oder 4 Stunden und
- lasse gleichzeitig Essig mit Wasser trinken.
-
-
-Dauer des Kindbetts.
-
-Es ist rathsam, sechs bis acht Tage nach der Entbindung im Bett zu
-verbleiben, doch hängt dies von Umständen ab. Viele Frauen sind schon
-am sechsten Tage besser auf den Füßen als andere nach drei Wochen. Ist
-die Entbundene schwach, der Gesundheitszustand nicht gut, so sollte
-die Zeit bis zur vollkommenen Genesung ausgedehnt werden. Nach den
-ersten acht oder neun Tagen lasse man sie täglich eine kurze Zeit in
-einem bequemen Stuhl sitzen, gestatte ihr aber nie vor dem zehnten bis
-fünfzehnten Tag zu gehen.
-
-
-Diät und Regeln während des Kindbetts.
-
-Durch das Ordnen der Kost kann viel Schlimmes vermieden werden. Man
-kann größtenteils den Wünschen der Wöchnerin in dieser Richtung Folge
-leisten, sollte ihr aber durchaus nichts von reizender Wirkung reichen.
-Auch ist es wichtig, daß die Wöchnerin gehörig rein gehalten wird;
-jene Theile, die gewaschen werden müssen, sollten mit warmem Wasser
-gereinigt werden und in den ersten Tagen sollte es immer nach einigen
-Stunden wiederholt werden. Man lasse sie schwarzen Thee, kaltes Wasser,
-entweder mit oder ohne Erdbeer- oder Himbeer-Syrup trinken. Cacao ist
-zuweilen erwünscht und Claret, mit Wasser verdünnt, gibt einen guten
-Trank.
-
-
-Lochien oder Geburtsblutfluß.
-
-Nachdem die Nachgeburt vorüber ist, tritt ein Blutfluß ein, der mehrere
-Tage anhält. Dieser Fluß kommt aus den Oeffnungen der Gefäße in der
-Gebärmutter, die nach der Entfernung der Nachgeburt blosgestellt sind;
-in den ersten drei oder vier Tagen ist er von einem rothen Blute und
-dann wässerig; nach Verlauf von sechs oder sieben Tagen wieder dick
-und gelblich. Bei Einigen hört er nach etlichen Tagen auf, während er
-bei Andern wieder Wochen lang anhält. Mit der Unterdrückung dieses
-Blutflusses ist beträchtliche Gefahr verbunden.
-
-
-Unterdrückung der Lochien.
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Man öffne die Eingeweide vermittelst
- eines gelinden Abführmittels, wie Castoröl oder Bittersalz
- (~Epsom salts~), und lasse einen starken Aufguß von Mutterkraut
- (~Motherwort~) so heiß als möglich und öfters wiederholt
- trinken. Sind Symptome von Fieber vorhanden, so mache man warme
- Umschläge von Hopfen und Rainfarn (~Tansy~) auf den Unterleib
- und gebe eine Mischung, zusammengesetzt aus zwei Theilen der
- Schlangenwurzel-Tinktur (~Tincture of black cohosh~) und einem Theil
- Eisenhutwurzel-Tinktur (~Tincture of aconite root~), 8 Tropfen in
- einem Theelöffel voll Wasser als eine Dosis, alle Stunde oder zwei
- Stunden zu wiederholen.
-
- =Homöopathisch.= ~Bryonia.~ -- Kann gegeben werden bei Vollsein und
- Schwere des Kopfes, Druck in den Schläfen, klopfendem Kopfschmerz,
- Kreuzweh. Wenn starkes Fieber, Blutandrang nach dem Kopf und Delirien
- vorhanden sind, gebe man ~Aconitum~ und ~Belladonna~ abwechselnd.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Wenn die Unterdrückung von geistigen Erregungen oder
- Erkältung herrührt, besonders bei Kopfschmerz, Fieber, Kälte der Füße
- und häufigem Verlangen zum Uriniren.
-
- ~Dulcamara~ und ~Pulsatilla~. -- Abwechselnd wenn die Unterdrückung
- die Folge des Aussetzens der Feuchtigkeit und Kälte sein sollte.
-
- ~Coffea~ und ~Chamomilla~ -- gebe man abwechselnd, wenn die Patientin
- sehr erregt, unruhig und nervös ist, und es ist Diarrhöe und Kolik
- vorhanden. Warme Wasserumschläge sollten auf den Unterleib gemacht
- und warme Fuß- und Hüftenbäder genommen werden.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle Stunde, oder
- alle 2, 3 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen
- Theelöffel voll.
-
-
-Uebermäßige und lange anhaltende Lochien.
-
-Wenn die Lochien übermäßig stark sind oder zu lange anhalten, so wird
-die Kranke sehr leicht dadurch geschwächt.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Crocus.~ -- Wenn der Ausfluß dunkel gefärbt,
- schwarz und klebrig ist, mit einem Gefühl im Unterleib, als ob dort
- etwas Lebendiges wäre.
-
- ~China~ und ~Ipecacuanha~ -- kann abwechselnd gegeben werden, wenn
- der Ausfluß bei Krampfanfällen, Schwindel, Uebelkeit, Ohnmacht, Kälte
- der Endglieder, Blässe des Gesichts und Hinfälligkeit stattfindet.
-
- ~Aconitum.~ -- Wenn der Ausfluß von einer dunkelrothen Farbe ist.
- Zeigt sich ~Aconitum~ unzureichend, so gebe man ~Calcarea carbonica~.
-
- ~Rhus.~ -- In Fällen, wo die Lochien zurückkehren, nachdem sie
- bereits aufgehört hatten.
-
- ~Silicea.~ -- Wenn sich die Lochien jedesmal dann einstellen, wenn
- das Kind an die Brust gelegt wird.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel nehme man 6
- Kügelchen, alle 4 Stunden, bis es besser wird.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ein Aufguß von Weißeichen-Rinde,
- Storchschnabel (~Geranium~) und Rüster-Rinde (~Witch hazel bark~)
- kann angewendet werden, wovon die Kranke oft und viel trinken sollte.
- Eine Mischung von Caulophyllin und Geranium, je ein Skrupel, mag alle
- Stunden in Dosen von 2 Granen gegeben werden. Bade die Theile oft in
- kühlem Wasser.
-
-
-Milchfieber.
-
-Ungefähr den dritten oder vierten Tag nach der Entbindung füllen sich
-die Brüste mit Milch und gleichzeitig stellt sich Frost ein, dem ein
-starkes Fieber und Kopfschmerz folgt, und dies wird das Milchfieber
-genannt. In der Regel wird das Fieber dadurch, daß man das Kind sobald
-als möglich an die Brust legt, verhindert. Sollte aber aus irgend einer
-Ursache das Fieber zunehmen und starker Kopfschmerz, Durst, schneller
-Puls und Klopfen der Schläfe vorhanden sein, so sollte etwas dagegen
-gethan werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Man verschaffe vermittelst des folgenden Stuhlgang:
-
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze.
- Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potash~) 10 Grane.
- Lakritzen-Extrakt (~Ext. of Liquorice~) 1 Skrupel.
- Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern
- (~Compound infusion of senna~) 5½ Unzen.
- Sennesblätter- und Jalappenwurzel-Tinktur (~Tinct.
- of senna and jalap~) 3 Drachmen.
- Spiritus von flüchtigem Salz (~Spirit of Sal
- volatile~) 1 Drachme.
-
- Mische es. Dosis: zwei oder drei Eßlöffel voll, so oft als
- erforderlich.
-
- Nachher gebe das folgende:
-
- Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze.
- Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~Solution of
- acetate of Ammonia~) 3 Unzen.
- Wasser 3 „
- Laudanum ½ Drachme.
-
- Mische es. Dosis: einen Eßlöffel voll dreimal des Tages.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Man gebe zur Erhaltung des Stuhlganges
- Seidlitz-Pulver und mache warme Umschläge über die Brüste. In einigen
- Fällen kann das zusammengesetzte Pulver von Brechwurz (~Ipecac~) und
- Opium gegeben werden.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Bei starkem Fieber, heißer Haut,
- Durst, Brust hart und knotig, Angst, Unruhe.
-
- ~Bryonia.~ -- Wenn die Symptome theilweise von ~Aconitum~ gelindert
- wurden, oder die Brüste von Milch angeschwollen sind; schmerzhafte
- Brust, Beklemmung.
-
- ~Belladonna.~ -- Kann nach ~Aconitum~ oder abwechselnd mit diesem
- oder ~Bryonia~ gegeben werden, wenn die Hauptsymptome, wie
- betäubender Kopfschmerz, funkelnde Augen, Delirium sehr heftig
- sind. Sind die Brüste gegen Berührung empfindlich und es ist Unruhe
- und Aufregung vorhanden, so gebe man ~Coffea~ und ~Chamomilla~
- abwechselnd.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Mag gegeben werden, wenn die Brüste stark
- angeschwollen sind, bei Wehsein und Schmerzen, die sich auf die
- Muskeln der Brust und Schultern erstrecken. Baden der Brüste in
- heißem Fett, dem ein wenig Arnika-Tinktur beigefügt wurde, wird in
- einigen Fällen sehr zuträglich gefunden werden.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nimm jede Stunde oder
- alle 2, 3 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen
- Theelöffel voll.
-
-
-Ausbleiben der Milch.
-
-Die Absonderung der Milch kann sich aus verschiedenen Ursachen,
-wie durch das Aussetzen der Kälte und Feuchtigkeit, geistige
-Erregung, Diätfehler, plötzlich einstellen. Die Folgen einer solchen
-Unterdrückung können sehr ernst werden, und es ist daher gut, dieselbe,
-wenn irgend möglich, zu verhüten.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Pulsatilla~ -- wird in der Regel hinreichen, den
- Milchfluß wieder herzustellen, besonders wenn die Unterdrückung die
- Folge von Erkältung ist.
-
- ~Belladonna~ und ~Bryonia~ -- mag abwechselnd bei Blutandrang nach
- dem Kopf oder Lungen, Fieber und Gliederschmerzen gegeben werden.
-
- Bei Unruhe, Fieber, Hitze, trockener Haut und Durst gebe man
- abwechselnd ~Aconitum~ und ~Coffea~, besonders wenn geistige
- Erregungen Ursache der Unterdrückung waren.
-
- ~Calcarea Carbonica.~ -- Ist ein ausgezeichnetes Mittel, wenn leichte
- Veranlassungen die Unterdrückung herbeiführten.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nehme alle zwei oder vier
- Stunden zwei Theelöffel voll.
-
-
-Uebermäßige Ansammlung der Milch.
-
-Zuweilen tritt eine übermäßige Milchabsonderung ein, welche ein
-Anschwellen und eine Entzündung der Brüste verursacht; auch findet ein
-unfreiwilliges Abfließen der Milch statt, dem Schwäche, Kopfschmerz und
-andere Störungen des Nervensystems folgen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Calcarea Carbonica~ oder ~Phosphorus~ -- wird
- gewöhnlich Linderung gewähren.
-
- ~Aconitum~ und ~Belladonna~ -- werden zuträglich gefunden werden,
- wenn Fieber oder Kopfschmerz, sowie andere Symptome von Blutandrang
- vorhanden sind.
-
- ~China.~ -- Bei unfreiwilligem Abfließen der Milch, oder wenn die
- Betreffende durch den Milchverlust geschwächt wird.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Man löse 12 Kügelchen von dem gewählten
- Mittel in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden
- einen Theelöffel voll.
-
- Die äußerliche Anwendung von Baumwolle (~Cotton batting~) ist sehr zu
- empfehlen.
-
-
-Wunde Brustwarzen
-
-kommen häufig vor und werden zu einer Plage, die durch eine gehörige
-Pflege der Brüste vor der Entbindung vermieden werden mag; in einigen
-Fällen aber wird dies von der geringfügigsten Ursache herbeigeführt.
-Häufiges Baden in kaltem Wasser, sowohl einfach als auch mit einigen
-Tropfen Arnica-Tinktur oder Branntwein gemischt, wird die Zartheit der
-Haut heben und dieselbe kräftigen. Dies sollte jedesmal, nachdem das
-Kind gesaugt hat, wiederholt werden. Ein Warzenschild wird häufig diese
-Beschwerde verhindern oder entfernen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Entzündung beträchtlich
- ist, mache man Umschläge von Ulmenrinde (~Elm bark~) oder Ulmen
- und Hopfen. Zuweilen mag eine Auflösung von vier bis fünf Granen
- salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~) auf eine Unze Wasser
- mit Vortheil angewendet werden. Nachdem die starke Entzündung
- nachgelassen hat, gebrauche man folgendes:
-
- Schöpsenfett (~Mutton tallow~) ½ Unze.
- Peruvianischer Balsam (~Balsam of peru~) ½ Drachme.
- Glycerin ½ „
- Honig ½ „
-
- Zerlasse das Fett, seihe es durch und mische es dann mit den übrigen
- Bestandtheilen. Mache davon vier- bis fünfmal des Tages Umschläge auf
- die Brustwarzen.
-
- =Homöopathisch.= In allen Fällen sollten die Warzen, nachdem das
- Kind die Brust verlassen hat, mit kaltem Wasser, dem einige Tropfen
- Arnica-Tinktur beigefügt sind, gewaschen, dann gehörig abgetrocknet,
- die Milch aus denselben gedrückt und mit pulverisirter Stärke bedeckt
- werden.
-
- Dr. H. R. Stout von Chicago spricht günstig von pulverisirtem
- Gummi-Arabicum, der auf die wehe Warze nach jedesmaligem Stillen
- gestreut wird, ebenso von Benzoe- (~Benzoin~) oder Benjamin-Tinktur
- vermittelst eines Kameelhaarpinsels aufgetragen.
-
- Dr. Herring von Philadelphia empfiehlt pulverisirten weißen
- Zucker als ein ausgezeichnetes Mittel. Borax in dem Schleim der
- schlüpferigen Ulme (~Slippery elm~) aufgelöst ist eine vorzügliche
- Waschung. Töpferthon (~Potters clay~) auf die Warzen gestreut,
- wird öfters zuträglich gefunden werden. Innerliche Heilmittel sind
- folgende:
-
- ~Chamomilla.~ -- Mag gegeben werden, wenn die Warzen geschwollen und
- entzündet sind. Gewährt dies keine Linderung, gebe folgende Mittel
- der Reihe nach, jeden Tag eine Dosis und zwar eine Woche hindurch:
-
- ~Nux vomica, Mercurius, Sulphur, Silicea, Lycopodium, Graphites,
- Sepia, Calcarea Carbonica.~ Von ~Chamomilla~ mag alle vier oder sechs
- Stunden eine Dosis (6 Kügelchen) gegeben werden.
-
- =Allöopathisch.= Folgende Waschungen werden zuträglich gefunden
- werden:
-
- Löse entweder Alaun (~Alum~), Borax, schwefelsaures Zink (~Sulphate
- of zinc~) oder Kupfer in Rosenwasser auf, im Verhältniß von einem
- Gran auf eine Unze, und mache davon Umschläge auf die Warze. Auch
- eine Auflösung von Gerbersäure (~Tannic acid~) wird zuträglich
- gefunden werden.
-
- Folgendes ist ein vortrefflicher Umschlag:
-
- Glycerin 1 Drachme.
- Tannin 1 „
-
- Mische es.
-
-
-Aufgebrochene Brüste (~Broken Breast -- Mastitis~).
-
-Entzündung der Brust wird häufig bei stillenden Müttern gefunden und
-wird in der Regel durch Erkältung oder auch zu starkes Ansammeln
-der Milch in den Brüsten, sowie durch Druck auf dieselben, örtliche
-Verletzungen u.s.w. verursacht.
-
-+Symptome.+ Gewöhnlich stellt sich anfänglich Frost ein, dem mehr
-oder weniger Fieber folgt, und leichte, spießende Schmerzen, die beim
-Druck zunehmen, werden gefühlt. Zuweilen dehnt sich der Schmerz bis
-zur Achselgrube aus, und wenn die Entzündung fortschreitet, schwillt
-die Brust an, wird hart, knotig und uneben, bis schließlich die Haut
-eine dunkle Farbe annimmt und sich Eiter bildet, die Kranke schwach und
-reizbar wird und abmagert. Zuweilen ist dies sehr hartnäckig.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= Das erste, was zu geschehen hat, ist das Ausziehen
- der Milch, was das Anschwellen vermindern und die Entzündung
- verhindern wird. Umschläge von Brod und Milch oder schlüpferiger
- Ulme sollten gemacht werden, was die Wärme erhält und dadurch das
- Anschwellen der Milchröhren vermindert. Ein Umschlag von gelben Rüben
- (~Carrots~) wird in allen Stadien dieser Krankheit gut gefunden
- werden. Flanelltücher, in heißem Branntwein ausgerungen, werden
- sich zuweilen zuträglich erweisen. Wenn die Brust anschwillt oder
- empfindlich wird, so sollte ~Belladonna~ und ~Bryonia~ entweder
- allein oder abwechselnd gegeben werden, besonders bei schießendem,
- zerreißendem Schmerz und beträchtlichem Kopfschmerz. Wenn, nachdem
- die Entzündung nachgelassen hat, noch Härte vorhanden ist, gebe man
- alle 6 Stunden eine Dosis ~Mercurius~. Bleiben Knoten in der Brust
- zurück, so wird ein Pflaster von Bienenwachs und süßem Oel zuträglich
- gefunden werden. Wenn sich Eiter bildet, was an dem klopfenden
- Schmerz in der Brust erkannt werden kann, sollte ~Hepar sulphuris~
- gegeben, bis er herausbricht, und Umschläge von Leinsamen gemacht
- werden. Bei Vorhandensein eines übermäßig starken Ausflusses von
- Eiter nehme man ~Phosphorus~ allein oder abwechselnd mit ~Hepar
- sulphuris~. ~Silicea~ mag gegeben werden, wenn der Ausfluß wässerig
- ist, aus mehreren Oeffnungen herausbricht und langsam heilt.
-
- ~Graphites~ oder ~Calcarea Carbonica~ kann besonders bei hartnäckigen
- Fällen angewendet werden.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Zu Anfang, wenn ~Belladonna~ und
- ~Bryonia~ genommen werden, löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel
- voll Wasser auf und nehme alle Stunde einen Theelöffel voll.
-
- Andere Heilmittel nehme man alle 3 oder 6 Stunden.
-
- Werden ~Sulphur~ oder ~Calcarea~ angewendet, so ist Morgens und
- Abends eine Dosis hinreichend.
-
- =Allöopathisch.= Man halte die Brüste von Milch frei, entweder durch
- Anlegen des Kindes oder durch Anwendung der Brustpumpe. Folgendes mag
- zur äußerlichen Anwendung dienen:
-
- Belladonna-Tinktur (~Tinct. of belladonna~) 1 Unze.
- Kampher-Tinktur (~Tinct. of camphor~) 1 „
-
- Mische es und befeuchte damit drei- oder viermal des Tages die Brust.
-
- Weicht die Anschwellung nach diesem Mittel nicht, so möge man warmen
- Essig gebrauchen. Blutegel können unter die Brust gesetzt werden und
- zwar so, daß dadurch nicht die Anwendung des warmen Essigs verhindert
- wird. Dauert die Anschwellung und der Schmerz dennoch fort, so mache
- man warme Umschläge von Hopfen und nehme innerlich folgendes:
-
- Eisenhut-Tinktur (~Tinct. of aconitum~) 2 Drachmen.
- Essigsaures Morphium (~Acetate of morphine~) 2 Grane.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 1 Unze.
- Wasser 3 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: alle Stunde einen Theelöffel voll, bis das Fieber
- nachläßt, dann alle 2 oder 3 Stunden. Die Brüste sollten durch
- Streifen von Heftpflaster unterhalb und ringsherum gestützt werden.
-
- Kommt die Patientin von Kräften, so mag ihr Bier, Porter und Wein
- gegeben werden. Wenn sie skrophulös ist, gebrauche man folgendes:
-
- Zusammengesetzter Talgbaum- (~Stillingia~) Syrup 8 Unzen.
- Potaschen Jodid (~Iodide of potash~) 2 Drachmen.
- Fowler’s Solution 1½ „
-
- Mische es. Dosis: 2 Theelöffel voll in Wasser dreimal des Tages.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= In den ersten drei oder vier Tagen
- wasche die Brust dreimal des Tages mit einer Salbe, bestehend aus je
- einer Unze Kampher (~Camphor~), Sassafrasöl und Cajeput- (~Cajeput~)
- Oel. Nach jeder Waschung gebrauche folgendes:
-
- Feingeschnittene spanische Seife (~Castille
- soap~) 1½ Unze.
- Gelbes Bienenwachs ½ „
- Schweinefett 1 „
-
- Bei mäßigem Feuer geschmolzen, und wenn fast erkaltet, füge allmählig
- acht Drachmen Jamaica-Spiritus (~Jamaica spirits~), in dem zuvor 30
- Grane Kampher aufgelöst waren, hinzu. Schneide ein Stück Leinen von
- der Größe der Brust, lasse in der Mitte für die Brustwarze ein Loch,
- streiche die Salbe auf und lege es so warm als es ertragen werden
- kann auf die Brust. Alle 4 bis 6 Stunden nehme man es herunter, wärme
- es von neuem, und nachdem man die genannte Waschung angewendet, lege
- man es wieder auf. Bildet sich Eiter, so mache man einen Umschlag von
- schlüpferiger Ulme (~Slippery elm~) oder von Brod und Milch. Frische
- Kermesbeere (~Poke root~) in Asche weich geröstet und zerdrückt,
- mit einer gleichen Menge pulverisirter Lobelia und heißem Wasser
- gemischt, wird zuträglich gefunden werden.
-
-
-Verstopfung und Diarrhöe.
-
-Diese können sehr gefährlich werden, besonders Diarrhöe, und sind einer
-gehörigen Behandlung zu unterziehen. Wegen deren Behandlung siehe
-Kapitel 12, erster Theil.
-
-
-Kindbettfieber (~Childbed Fever -- Puerperal Peritonitis~).
-
-Dies ist eine sehr gefährliche Krankheit, die nur von einem erfahrenen
-Arzte behandelt werden sollte. Sie besteht in einer Entzündung des
-Bauchfelles oder der Schleimhaut, welche den Magen einfaßt und die
-Eingeweide bedeckt.
-
-+Symptome.+ Wie bei den meisten Fiebern, geht Frösteln, Uebelkeit
-oder Erbrechen und Schmerz im Bauche voraus; letzterer ist zuweilen
-sehr ausgebreitet oder beschränkt sich auf einen Fleck; der Unterleib
-wird ebenso groß als vor der Entbindung und so empfindlich, daß kaum
-das Gewicht der Betttücher ertragen werden kann; die Schmerzen sind
-unerträglich, der Puls ist häufig klein und scharf, die Haut heiß,
-Zunge weiß und belegt oder rein, die Kranke ist durstig, erbricht
-sich öfters, Milch und Lochien sind zuweilen unterdrückt, das Athmen
-ist schwierig, zuweilen stellt sich Husten ein, die Eingeweide sind
-verstopft oder es ist Diarrhöe vorhanden. Nimmt die Krankheit eine
-schlimme Wendung, so nimmt das Anschwellen und die Ausdehnung des
-Bauches zu, das Erbrechen dauert fort, der Puls ist schnell und
-unregelmäßig, die Glieder werden kalt und plötzlich hört der Schmerz
-auf, was ein Zeichen des Endes ist.
-
-+Ursachen.+ Gewaltthätigkeit während der Entbindung, Erkältung,
-Diarrhöe, Unterdrückung der Milchabsonderung, heftige, geistige
-Erregungen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Der Kranken sollte beim Beginn zur Ader gelassen
- werden oder es sollten Blutegel an den Unterleib gesetzt werden;
- geschieht das Letztere, so sollte ein Umschlag von Leinsamen oder
- Indischem Mehl (~Indian meal~) folgen, werden keine Blutegel gesetzt,
- so lege man Flanell, in Terpentin-Spiritus (~Spirits of turpentine~)
- getränkt, über den Bauch. Kleine Dosen von Lobelia oder Brechwurz
- (~Ipecac~), hinreichend, Uebelkeit und eine Feuchtigkeit auf der
- Haut hervorzurufen, mögen zuerst gegeben werden, oder die Tinktur
- von Nießwurz (~Veratrum Viride~), in Dosen von 5 bis 10 Tropfen jede
- Stunde, was die Kranke häufig in einen starken Schweiß bringen wird.
- Der Stuhlgang sollte durch Einspritzungen von warmem Wasser oder
- durch andere gelinde Mittel hergestellt werden. Opium und Kalomel,
- im Verhältniß von einem halben Gran des Ersteren auf ein Gran des
- Letzteren, sollte alle 2, 3 oder 4 Stunden, der Strenge der Symptome
- angemessen, gegeben werden. Wird die Kranke schwach, so sollte man
- Chinin und Opium und ebenso Rindsthee, Wein, Branntwein oder Whiskey
- geben.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Krankheit mit Uebelkeit
- und Erbrechen beginnt, gebe man ein Brechmittel und lasse ein
- Abführmittel, wie nachstehendes, folgen:
-
- Entenfuß (~Podophyllin~) 2 Grane.
- Leptandrin 4 „
- Cremor Tartari (~Cream of tartar~) 10 „
-
- Eine Einspritzung von einem halben Eßlöffel voll der
- zusammengesetzten Tinktur der Lobelia und des spanischen Pfeffers
- (~Tinct. of Lobelia and Capsicum~) in einer oder zwei Unzen warmem
- Wasserdost (~Boneset~), Sennesblätter oder Lobeliathee kann
- gegeben werden; auch wasche man den Unterleib häufig mit warmem
- Saleratus-Wasser. Nachdem das Abführmittel gewirkt hat, lasse man die
- Kranke viel und oft von einem Thee der Roßmünze-Tinktur (~Tincture
- of horsemint~), der Kamillenblüthen oder Hunde-Manilla (~May
- weed~) hinzugefügt sind, trinken. Die zusammengesetzte virginische
- Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of Virginia snake root~)
- mag gegeben werden, um Schweiß hervorzurufen. Dosis: jede Stunde oder
- alle zwei Stunden einen Theelöffel voll in einem warmen Balsam-,
- Katzenmünze- (~Catnip~) oder Pleuresiewurzel-Thee. Nachdem sich der
- Schweiß eingestellt hat, sollte die Tinktur in kleineren Dosen und
- in längeren Zwischenräumen gegeben werden. In einigen Fällen werden
- sich 15 oder 20 Tropfen einer Mischung aus gleichen Theilen von
- Fingerhut (~Digitalis~) und Stechapfel (~Stramonium~) jede Stunde
- oder alle zwei Stunden zuträglich erweisen. Heiße Bähungen von Hopfen
- und Rainfarn (~Tansy~) mögen auf den Unterleib gemacht werden, die
- öfters zu erneuern sind. Stechapfel- (~Stramonium~) Blätter sind
- zu einem Umschlag auf den Unterleib sehr zu empfehlen; sie sollten
- zerquetscht, warm gemacht und als Bähungen verwendet werden. Ist
- die Zunge stark belegt und das Fieber hält an, so gebe man gleiche
- Theile von pulverisirter Blutwurzel (~Blood root~), Kalmus (~Blue
- flag root~) und Salpeter (~Nitre~) in Dosen von 15 Granen alle drei
- Stunden. Senfpflaster lege auf den Nacken, die Füße und auf die
- innere Seite der Lenden.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- ist das erste Mittel, besonders wenn
- die Krankheit mit Frost beginnt, dem eine trockene, heiße Haut folgt,
- bei schnellem Puls.
-
- ~Belladonna.~ -- Bei sehr scharfen Schmerzen im Unterleibe,
- ziehendem Gefühl, klopfenden Schmerzen im Kopfe, geröthetem Gesicht,
- glasigem Blick, Harnverhaltung, außerordentliche Empfindlichkeit des
- Unterleibes.
-
- ~Bryonia.~ -- Außerordentliche Empfindlichkeit des Unterleibes,
- Verstopfung, schießenden Schmerzen im Unterleib. Kann abwechselnd mit
- ~Aconitum~ gegeben werden.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Wo der Anfall gelinde auftritt; großer Druck nach
- unten, häufiges Verlangen nach Urinlassen.
-
- Andere Mittel sind: ~Apis~, ~Arnica~, ~Arsenicum~, ~Hyosciamus~,
- ~Chamomilla~, ~Rhus~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Im Anfange ist es das beste, ~Aconitum~
- und ~Belladonna~ abwechselnd alle eine, zwei, drei oder vier Stunden,
- der Strenge der Symptome angemessen, zu geben. Man gebe 10 oder 12
- Kügelchen auf eine Dosis. Andere Mittel sind in derselben Weise zu
- geben.
-
-
-Die weiße Schenkelgeschwulst (~Milk Leg, Phlegmasia Alba Dolens~).
-
-Man glaubte ehemals, daß diese Krankheit durch einen Fluß der Milch
-in den Schenkel verursacht würde, was aber selbstverständlich nicht
-möglich ist.
-
-+Symptome.+ Es tritt ein unangenehmes Gefühl oder Schmerz in den
-unteren Theil der Eingeweide, der sich bis auf die Hüften ausdehnt;
-zuweilen sind keine warnenden Symptome vorhanden, sondern die Krankheit
-beginnt mit einem heftigen Frost, dem Fieber folgt, welches ein starker
-Schmerz in der Lende begleitet. Nach ein oder zwei Tagen vermindert
-sich der Schmerz und eine Anschwellung stellt sich ein, die gewöhnlich
-in der Schamleiste anfängt und sich nach unten zieht. Hin und wieder
-kann sich aber auch die Anschwellung zuerst in den Waden einstellen
-und dann nach oben ziehen. Die Haut ist sehr glänzend und glatt, sowie
-auch hart und schmerzhaft gegen Berührung und das Bein ist schwer und
-steif. In Verbindung mit dem letzten ist schwacher und sehr schneller
-Puls, Durst, Schläfrigkeit u.s.w.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Die Eingeweide sollten mit dem
- zusammengesetzten Pulver der Jalappenwurzel (~Compound powder of
- jalap~), jede Dosis 10 oder 15 Grane Cremor Tartari beigefügt,
- gereinigt werden. Dies sollte alle zwei oder drei Tage während der
- Entzündung wiederholt werden. Das Bein wasche man mit einer Lösung
- von Salz, Essig und Wasser und gelegentlich mit einem Aufguß von
- Bitterkräutern wie Wasserdost (~Boneset~), Hopfen und Rainfarn
- (~Tansy~). Folgende Salbe mag mit Erfolg angewendet werden:
-
- Süßes Oel 2 Unzen.
- Kampher-Spiritus (~Spirits of camphor~) 2 „
- Kreosot 1 Unze.
- Laudanum 1 „
-
- Mische es und mache zweimal des Tages einen Umschlag. Ein Aufguß
- von Hopfen und Essig kann als ein anderes Mittel in derselben Weise
- angewendet werden.
-
- Thee von Flöhkraut (~Smart weed~) und Hundekamille (~May weed~) mag
- oft und viel getrunken werden, um dadurch Schweiß hervorzurufen.
- Wird die Krankheit chronisch, so sollte das Bein täglich mit einer
- Abkochung von Wasserdost (~Boneset~), Rainfarn (~Tansy~) und Hopfen
- gebäht (~steamed~) und die erstgenannte Salbe angewendet werden.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Bei starkem Fieber, brennenden
- Schmerzen und Hitze.
-
- ~Belladonna~ -- ist für den Anfang in den meisten Fällen vielleicht
- das beste Mittel, besonders wenn die Schmerzen scharf und stechend
- sind, bei Schwere in den Lenden und in dem unteren Theile des
- Unterleibes, bei heftigem Fieber mit brennendem Durst.
-
- ~Bryonia.~ -- Wenn schießende und scharfe Schmerzen von der Hüfte
- nach dem Fuße zu vorhanden sind, bei Schwitzen, außerordentlicher
- Empfindlichkeit gegen Berührung oder Bewegung. Kann auch abwechselnd
- mit ~Rhus~ gegeben werden.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Wenn nach ~Belladonna~ oder ~Bryonia~ keine
- Besserung eintritt.
-
- Andere Mittel sind: ~Arsenicum~, ~Sulphur~, ~Nux Vomica~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe 6
- Kügelchen einmal in 2 Stunden.
-
- =Allöopathisch.= Flanell in heißes Wasser und Essig getaucht sollte
- auf das Bein gelegt und öfters wiederholt werden.
-
- Oertliche Waschungen mit einer Mischung von warmem süßen Oel, zwei
- Theile und Laudanum, einen Theil, dann mit Flanell bedeckt werden gut
- gefunden werden. Der Umschlag von heißem Wasser und Essig, sowie
- heißem Oel und Laudanum sollte alle 5 oder 6 Stunden abgewechselt
- werden. Sind die Eingeweide verstopft, so gebe man folgendes:
-
- Pulverisirte Sennesblätter (~Powd. Senna~) ½ Drachme.
- „ Jalappenwurzel (~Powd. Jalap~) 10 Grane.
- „ Gewürznelken (~Powd. Cloves~) 10 „
-
- Mische und nimm es als eine Dosis in versüßtem Wasser. Folgendes wird
- zuträglich sein:
-
- Aufguß von Fingerhut (~Digitalis~) 4 Unzen.
- Essigsaure Potasche (~Acetate of potash~) 2 Drachmen.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 „
- Zimmetwasser (~Cinnamon water~) 1½ Unze.
-
- Mische es. Dosis: Alle 4 oder 5 Stunden einen Eß-Löffel voll.
-
- Nießwurz-Tinktur (~Tincture of veratrum viride~) in Dosen, welche
- hinreichen, einen mäßigen Schweiß hervorzurufen, sollte während der
- Entzündung gegeben werden.
-
-
-Der wunde Mund der Stillenden.
-
-Stillende Mütter leiden hieran zuweilen sehr. Der ganze innere Mund
-wird sehr roth und so empfindlich, daß es der Leidenden Schwierigkeit
-macht, irgend welche feste Speise zu sich zu nehmen.
-
-Ist das Leiden hartnäckig und die Patientin kommt dabei von Kräften,
-so wird es nothwendig, das Kind zu entwöhnen, zu welcher Zeit dann die
-Krankheit verschwindet.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Mercurius~ -- ist das wichtigste Mittel und mag
- abwechselnd mit ~Nux Vomica~ oder ~China~, besonders mit ~China~ wenn
- große Schwäche und Erschöpfung vorhanden ist, gegeben werden.
-
- ~Acidum Nitre~ -- kann gegeben werden, wenn ~Mercurius~ keine
- Linderung gewährt. ~Borax~ und ~Sulphur~ sind auch vortreffliche
- Mittel dagegen.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Man nehme alle 6 oder 8 Stunden oder
- auch öfter, wenn der Fall heftig ist, einmal 6 Kügelchen. Bei
- ~Sulphur~ wird eine Dosis Morgens und Abends hinreichen.
-
- =Allöopathisch.= Die Verstopfung der Eingeweide zu beseitigen, nehme
- man folgendes:
-
- Flüssiger Sennesblätter-Extrakt (~Fluid extract of
- senna~) 2 Drachmen.
- Flüssiger Jalappenwurzel-Extrakt (~Fluid extract of
- jalap~) 2 „
- Aufguß von Gewürznelken (~Infusion of cloves~) 2 Unzen.
-
- Mische und nimm es als eine Dosis.
-
- In einigen Fällen wird folgendes stärkende Mittel dienlich sein:
-
- Weinsteinsaures Eisen (~Tartrate of iron~) 40 Grane.
- Wasser 2 Unzen.
- Ingwer- (~Ginger~) Syrup ½ Unze.
-
- Mische es. Dosis: Zwanzig bis vierzig Tropfen alle drei Stunden.
-
- Zum Gurgeln bediene man sich des folgenden:
-
- Abkochung von Chinarinde (~Decoction of Peruvian
- bark~) 3 Unzen.
- Orangenschalen-Syrup 1 Unze.
- Chlorsaure Soda (~Chloride of soda~) 1 „
-
- Mische es. Oder auch:
-
- Chlorsaures Eisen (~Chloride of iron~) ¼ Unze.
- Starke Hydrochlorsäure (~Strong hydrochloric acid~) 40 Tropfen.
- Wasser 1 Pint.
-
- Mische es.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Potaschen-Jodid (~Iodide of potassa~)
- ist ein ausgezeichnetes Mittel:
-
- Man löse 2 Drachmen in 4 Unzen Wasser und nehme zweimal des Tages
- einen Theelöffel voll. Als Gurgelwasser wird eine Abkochung von
- Gägelrinde (~Bay berry bark~), Gelbwurz (~Golden seal~), Sumachbeeren
- (~Shumac berries~) und ein wenig gebrannter Alaun (~Burned alum~)
- oder Borax zuträglich gefunden werden.
-
-
-
-
-Dritter Theil. -- Kinderkrankheiten.
-
-
-Kleidung des Kindes.
-
-Die Kleidung der Säuglinge sollte die freie Bewegung der Glieder
-gestatten, dick genug sein, sie zu beschützen und warm zu halten.
-Flanell ist aus mehreren Gründen der geeignetste Stoff zu Unterkleidern
-der Säuglinge, denn erstens ist er kein Wärmeleiter, indem er das zu
-schnelle Verfliegen der animalischen Wärme des Körpers verhindert, und
-zweitens verursacht er eine sehr zuträgliche Anreizung, vermittelst
-welcher eine unbemerkbare Ausdünstung hervorgerufen wird. Die
-Bekleidung muß leicht sein, damit das Kind dadurch nicht belästigt
-wird, einfach, damit das An- und Ausziehen leicht vor sich geht und
-weit genug, damit das Wachsthum und die Ausdehnung der Formen nicht
-beeinträchtigt wird.
-
-Bezüglich der Kleidung sagt Dr. Tarry in seinem: “~Mother and her
-offspring~”:
-
-„Ich will den Geschmack durchaus nicht weiter beeinflussen als
-nothwendig ist, um dem Kinde eine warme, leichte und bequeme Bekleidung
-zu sichern. Es muß wohl sogleich in die Augen fallen, daß kurze Aermel
-und um den Hals tief ausgeschnittene Kleider nicht passend für Kinder
-sind.“
-
-Der dazu verwandte Flanell muß weiß und fein sein und öfters gewechselt
-werden, damit der Körper beständig rein gehalten wird.
-
-
-Scheintod (~Apparent Death -- Asphyxia~).
-
-Zuweilen trägt es sich zu, daß, wenn die Wehen lang und stark waren,
-das Kind scheinbar todt ist und sofortige Behandlung verlangt. Man
-bringe das Kind sofort in eine Lage, welche einen ungestörten
-Blutumlauf durch die Nabelschnur gestattet; reinige den Mund vom
-Schleim und hülle den Körper in weiche, warme Flanelle ein, auch
-reibe Füße, Hände und das Rückgrat mit der flachen Hand. Diese Mittel
-reichen in der Regel hin, den Blutumlauf herzustellen, Pulsiren in der
-Nabelschnur wird wahrgenommen, dem bald darauf Athmen folgt, worauf
-die Schnur gebunden und abgeschnitten werden kann. Nachdem 5 oder 10
-Minuten verstrichen sind, innerhalb welcher das Kind kein Lebenszeichen
-von sich gegeben hat, muß die Nabelschnur abgeschnitten und gebunden
-und das Kind in ein warmes Bett gebracht werden. Das Reiben der Füße,
-Hände und des Rückgrats setze man fort und tauche die Hand in kaltes
-Nasser oder Spiritus und reibe damit die Brust oder gieße zwei oder
-drei Fuß hoch aus einer Theekanne einen Strom kalten Wassers auf die
-Brust. Bleibt dies alles ohne Erfolg, so fülle man die Lungen künstlich
-mit Luft. Dies mag geschehen, indem man ein seidenes Taschentuch lose
-über den Mund legt, um dadurch die Kraft des Athems zu brechen, und
-durch dasselbe sanft Athem in den Mund einbläßt; gleichzeitig schließe
-man die Nase des Kindes mit dem Daumen und dem Zeigefinger, wodurch der
-Luft der Ausgang versperrt wird. Wenn so die Lungen mit Luft gefüllt
-sind, treibe man die Luft durch einen sanften Druck auf die Brust
-wieder aus und fahre so eine Zeitlang fort. Leichte elektrische Schläge
-mögen zuträglich sein; man setze zu diesem Behufe einen Pol an den
-oberen Theil des Rückgrats und den andern auf die Brust.
-
-
-Diät der Neugeborenen.
-
-Die geeignetste Kost für den Säugling ist natürlich die Muttermilch und
-darauf sollte das Kind beschränkt bleiben, bis wenigstens ein Theil der
-Zähne durchgebrochen ist.
-
-Sogleich nach der Geburt lasse man es an der Seite der Mutter sechs
-bis acht Stunden schlafen, dann lege man das Kind an die Brust, auch
-wenn keine Milch vorhanden sein sollte. Wenn die Milchabsonderung noch
-nicht begonnen hat, füttere man es inzwischen mit gleichen Theilen
-von Milch und Wasser, durch Stückzucker oder ein wenig Molasses mit
-Wasser versüßt. Der Säugling sollte während des Tages alle drei Stunden
-und während der Nacht alle sechs oder acht Stunden an die Brust
-gelegt werden. Eine gewisse Regelmäßigkeit ist in der Darreichung der
-Nahrung zu beobachten. Es wird gut sein, den Mund nach jeder Speisung
-auszuwaschen, da dies das Entstehen der Schwämmchen verhindern wird.
-
-
-Anschwellen und Verlängerung des Kopfes
-
-tritt sehr häufig besonders nach starken und längeren Geburtswehen
-ein, so daß das geborene Kind mißgestaltet erscheint, was die Umgebung
-beunruhigen, aber in ein oder zwei Tagen verschwinden wird. Waschung
-des Kopfes mit einer schwachen Lösung der Arnica-Tinktur wird
-gewöhnlich dessen Veränderung beschleunigen.
-
-
-Anschwellen der Brüste.
-
-In einzelnen Fällen sind die Brüste des Kindes bei der Geburt oder bald
-darauf geschwollen oder entzündet; dies kann gewöhnlich durch Auflegen
-von Charpie oder ein Stück weiches Linnen, in süßes Oel getaucht,
-vermindert werden. Unter keinen Umständen sollten die Brüste in der
-Einbildung, daß sich in denselben Milch oder eine andere Flüssigkeit
-befände, was herauszubringen sei, gedrückt werden, denn gerade dies
-kann eine heftige Entzündung zur Folge haben.
-
-
-Das Kindspech (~Meconium~).
-
-Dies besteht in einer dunkeln grünen Masse, welche sich in den
-Eingeweiden des Kindes vor der Geburt ansammelt. Es sollte sobald als
-möglich nach der Geburt entfernt werden, und die beste Medizin dagegen
-ist die Muttermilch. Wenn es aber nach Verlauf eines Tages nicht
-abgegangen sein sollte, so mag eine schwache Dosis von Castoröl gegeben
-werden.
-
-
-Der Einfluß von Gemütsbewegungen auf die Milch.
-
-Die stillende Mutter muß dem Zustande ihres Geistes dieselbe
-Aufmerksamkeit als dem körperlichen Wohlbefinden widmen, denn geistige
-Erregungen irgend einer Art werden sehr schädlich auf die Milch wirken.
-Alle aufregenden Unterhaltungen, Romane lesen, Theater gehen oder
-irgend Etwas, was die Einbildung anregt, sollte vermieden werden.
-Gram, der zuweilen unvermeidlich ist, kann einen solchen Einfluß auf
-die Mutter ausüben, daß eine gänzliche Unterdrückung der Milch folgt.
-Daher sollten Mütter, die sich Kinder von heiterer und guter Gemüthsart
-wünschen, dieselbe Gemüthsart besitzen. Sir Astley Cooper sagt: „Die
-Absonderung der Milch geht am besten in einem ruhigen Geisteszustande
-und bei einem heiteren Temperament vor sich, dann ist gewöhnlich
-Milch in Fülle vorhanden, welche dem Kind am besten zusagt. Dagegen
-vermindert eine ärgerliche Gemüthsstimmung die Menge der Milch und
-macht sie dünn und molkigt, was wiederum Fieber in den Eingeweiden des
-Kindes und starkes Kneipen zur Folge hat.“ Eine Mutter sollte nie ihr
-Kind nach einem Schrecken, Zorn oder einer anderen Aufregung stillen,
-sie muß vielmehr warten, bis sie wieder vollkommen beruhigt ist.
-
-
-Abgewöhnung.
-
-Die Zeit des Abgewöhnens ist für die Mutter immerhin eine, in der
-sie aufmerksam sein muß. Ist ihr Gesundheitszustand derart, daß sie
-das Kind nicht stillen kann, so sollte dasselbe einer Amme übergeben
-werden, bis die Zeit zur Entwöhnung gekommen ist. Diese mag beginnen,
-sobald die ersten zwei Zähne erscheinen, oder zwischen dem siebten und
-achten Monat. Das Kind sollte allmählig an den Wechsel der Nahrung
-gewöhnt werden, daß es bis zum zwölften oder achtzehnten Monat
-vollständig entwöhnt ist. Die günstigste Jahreszeit hierzu ist das
-Frühjahr und der Herbst.
-
-
-Kost statt des Säugens (~Supplementary Diet of Infants~).
-
-In einigen Fällen, wo die Mutter ihr Kind zwar stillen möchte, aber
-nicht die hinreichende Menge Milch zu dessen Nahrung besitzt, wird
-es nothwendig, für ein Ersatzmittel Sorge zu tragen. Es muß dagegen
-ernstlich gewarnt werden, da, wo es nicht unbedingt nothwendig ist,
-irgend ein Ersatzmittel für die Muttermilch zu bieten, denn es ist als
-Thatsache bekannt, daß die Sterblichkeit unter diesen so aufgebrachten
-Kindern viel größer ist als unter jenen, die ihre natürliche Nahrung
-haben. Dr. Tracy schreibt über diesen Gegenstand wie folgt: „Die
-Nahrung, welche ich empfehlen möchte und die in den meisten Fällen
-zu haben ist, besteht in frischer Sahne von der Milch einer Kuh,
-die ein junges Kalb hat, mit ein wenig Milch von oben. Eine junge
-gesunde Kuh sollte zu diesem Behufe gewählt werden, welche reichlich
-Milch giebt, die nach dem Abrahmen nicht bläulich aussieht, und nur
-die Milch derselben sollte verwendet werden. Zuerst, nachdem das
-Kindspech aufgehört hat, im Stuhle zu erscheinen, nehme man einen
-Eßlöffel voll dieser Sahne, füge die doppelte Menge weiches, warmes
-Wasser hinzu und versüße es mit Stückzucker, so daß es der Süße der
-Muttermilch gleichkommt. Dies wird sehr zuträglich sein und mag dem
-Kinde in einer Quantität gereicht werden, welche erforderlich ist,
-dem natürlichen Verlangen des Kindes nach Nahrung zu entsprechen.
-Wird das Kind älter, so nehme man eine größere Portion der Sahne,
-sowie der Milch mit der Sahne von oben. Dies ist ein ausgezeichnetes
-Nahrungsmittel für Kinder, und viele werden dabei ohne irgend welche
-Muttermilch recht hübsch gedeihen.“ Nicht immer aber ist es möglich,
-Sahne oder wenigstens reine Milch zu erlangen, und in solchen Fällen
-müssen wir eben das beste, was wir thun können, statt dessen wählen.
-Wenn wir jederzeit die Milch von einer Kuh nehmen, sie mit zweimal so
-viel Wasser verdünnen und mit Stückzucker versüßen, so wird das Kind
-wahrscheinlich hübsch dabei zunehmen. Die ähnlichste Nachahmung der
-Muttermilch erhalten wir, wenn wir einen Eßlöffel voll Milchzucker
-in drei Tassenkopf voll Wasser auflösen, bis zu zwei Tassenkopf voll
-einkochen und einen Tassenkopf voll frische Milch hinzufügen. In jenen
-Fällen, wo die Mutter nicht hinreichend genug Milch hat, wird fein
-gemahlener Reis oder Gerstenmehl eine vorzügliche Kost bilden. Bei
-einem neugeborenen Kinde nehme man einen Eßlöffel voll -- bei einem
-älteren Kinde natürlich mehr -- und feuchte es mit +kaltem Wasser+ an,
-sei aber achtsam beim Umrühren, daß keine Stücke zurückbleiben; dann
-füge ein wenig Salz und hinreichend heißes Wasser hinzu, koche es zehn
-Minuten lang, während dessen es sorgfältig umgerührt werden sollte, um
-das Anbrennen zu verhindern. Nachdem es vom Feuer genommen ist, versüße
-man es mit Stückzucker, so daß es an Süße der Muttermilch gleich kommt.
-Die Menge des Wassers richtet sich natürlich nach der Dicke, welche
-gewünscht wird. Wenn es aus einer Saugflasche gegeben wird, sollte es
-ganz dünn sein. Gerstenmehl eignet sich am besten für Kinder, die zu
-Verstopfung geneigt sind, und Reismehl bei solchen, wo der Stuhlgang
-locker ist. Mütter müssen sorgfältig sein, den Kindern nicht zu viel
-zu essen zu geben, denn es ist nachtheiliger, den Kindern zu viel
-als zu wenig zu geben. Weil es schreit oder ein wenig quält, bilde
-man sich nicht ein, daß es hungert und vollgestopft werden müsse. Als
-eine allgemeine Regel gilt für ein gesundes Kind von ein bis drei
-Wochen alt täglich ein Pint Muttermilch oder anderer gleich nahrhafter
-Stoff. Am Ende des ersten und im Verlaufe des zweiten Monats erhöhe
-man des Kindes Nahrung allmählig auf ungefähr anderthalb Pint. Wenn
-eine Saugflasche gebraucht wird, so wasche man dieselbe sorgfältig
-jeden Morgen und Abend mit +heißem+ Wasser aus, denn sie muß süß
-gehalten werden, wenn die Milch nicht sauer in des Kindes Magen werden
-soll. Dr. Tracy sagt: „Wenn das Kind seine Nahrung nimmt, sei es an
-der Brust, aus der Flasche oder vermittelst des Löffels, so sollte
-es durch eine halb sitzende Stellung auf dem Arme oder in dem Schoße
-der es fütternden Person unterstützt und wenigstens 40 Minuten lang,
-nachdem es die Nahrung empfangen hat, ganz ruhig gehalten werden.“ Der
-Verdauungsprozeß ist sehr geneigt, durch irgend welche starke geistige
-oder körperliche Bewegung unterbrochen zu werden, und das Kind sollte
-daher nach der Mahlzeit nicht geschüttelt oder geschaukelt werden.
-Dr. Meigs empfiehlt für Kinder, deren Verdauungsorgane schwach und
-reizbar sind, sowie für solche, wo keine reine Milch zu erlangen ist,
-folgendes Mittel: Man löse eine kleine Quantität präparirte Gelatine
-(~prepared Gelatine~) oder russische Hausenblase (~Russian isinglass~)
-in Wasser, dem ein wenig Milch, Sahne und ein wenig Pfeilwurz (~Arrow
-root~) oder irgend eine andere mehlige Masse, welche vorgezogen wird,
-beigefügt ist. Die Art und Weise der Zubereitung und das Verhältniß
-derselben ist folgendes: ein Skrupel Gelatine -- oder ein Stück von
-zwei Zoll im Geviert von dem flachen Kuchen, in denen es verkauft wird
--- wird eine kurze Zeit in kaltem Wasser erweicht, bis es sich löst,
-ungefähr 10 oder 15 Minuten, dann wird (unter beständigem Umrühren bis
-zum Siedepunkt) Milch und Pfeilwurz hinzugefügt; letzteres ist zuvor
-mit ein wenig kaltem Wasser zu einem Teig zu machen. Nach Hinzufügung
-der Milch und Pfeilwurz und unmittelbar vor der Wegnahme vom Feuer
-wird Sahne eingegossen und eine mäßige Quantität von Stückzucker
-hinzugefügt. Die Menge der Milch, Sahne und Pfeilwurz hängt von dem
-Alter und der Verdauungskraft des Kindes ab. Einem gesunden Kinde
-unter einem Monat alt gebe man 3 bis 4 Unzen Milch, eine halbe Unze
-Sahne und einen Theelöffel voll Pfeilwurz auf ein Pint Wasser. (Zwei
-Theelöffel voll sind gleich einer Unze.) Bei älteren Kindern sollte
-die Quantität von Milch und Sahne allmählig auf ein halb bis zwei
-Dritttheile Milch und von ein bis auf zwei Unzen Sahne erhöht werden.
-Im Falle das kranke Kind schwächer werden sollte, gebe man eine
-Zeitlang die erst angegebene Menge.
-
-
-Ruhelosigkeit und Schlaflosigkeit der Kinder
-
-können in Folge von Krämpfen, Kolik u.s.w. eintreten. Wegen Behandlung
-der verschiedenen Formen, welche die Störung verursachen, siehe die
-betreffenden Kapitel.
-
- Folgendes sind die homöopathischen Heilmittel:
-
- Wenn das Kind ohne irgend eine scheinbare Ursache unruhig und
- verdrießlich ist, gebe man ~Coffea~ und ~Belladonna~, entweder jedes
- allein oder abwechselnd. Bleibt dies ohne den gewünschten Erfolg, so
- gebe man ~Chamomilla~, besonders bei Kolik, kneipenden Schmerzen, das
- Kind zieht die Füße an und krümmt den Körper; Röthe einer Wange.
-
-
- ~Pulsatilla~ oder ~Ipecacuanha~. -- Wenn die Unruhe die Folge eines
- überladenen Magens ist. ~Opium~ mag gegeben werden, wenn ~Coffea~ und
- ~Belladonna~ ohne Wirkung bleiben.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12
- Kügelchen in ebenso viel Theelöffel voll Wasser und gebe alle halbe
- oder ganze Stunden einen Theelöffel voll oder gebe 12 Kügelchen auf
- eine Dosis.
-
-
-Durchscheuern und Wundheit der Haut.
-
-Die Haut von Säuglingen ist sehr zum Wundwerden geneigt, besonders bei
-fleischigen Kindern zwischen den Beinen, unter den Armen und rings
-herum um den Hals. Die betreffenden Stellen sollten trocken gehalten,
-mit feiner Stärke bestreut oder mit einer sehr schwachen Lösung
-Arnica-Tinktur eingerieben werden.
-
-
-Gelbsucht (~Jaundice -- Icterus~).
-
-Dies ist ein Leiden, welches eine kurze Zeit nach der Geburt des Kindes
-eintritt und in einer gelblichen Färbung besteht, die sich zuweilen
-über den ganzen Körper erstreckt und gewöhnlich einer Erstarrung der
-Leber zuzuschreiben ist.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Chamomilla~ und ~Mercurius~ mögen abwechselnd
- zwei- oder dreimal des Tages und ein oder zwei Pillen auf jede Dosis
- gegeben werden. Leidet das Kind an Verstopfung und ist unruhig,
- so gebe man ~Nux Vomica~. ~China~ mag gegeben werden, wenn nach
- ~Chamomilla~ und ~Mercurius~ keine Besserung eintritt.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ein Aufguß von Katzenmünze (~Catnip~)
- und Saffran (~Saffron~) mag mit Vortheil angewendet werden. Ein wenig
- Rhabarber (~Rhubarb~) und Castoröl mag den Stuhlgang befördern.
- Einige Theelöffel voll Walddost- (~Thoroughwort~) Thee, täglich durch
- zwei oder drei Tage hindurch gegeben, wird zuweilen die Krankheit
- entfernen.
-
-
-Convulsionen, Krämpfe, Gicht (~Convulsions -- Spasms -- Fits~)
-
-sind ein Leiden, das wahrscheinlich Mütter und Ammen mehr erschreckt,
-als irgend Jemand anders, wegen des schrecklichen Anblickes, den
-das leidende Kind bietet, und wegen der unerwarteten Anfälle von
-Krämpfen. Unter dem Wort Convulsion verstehen wir ein unfreiwilliges
-Zusammenziehen der Muskeln des ganzen oder eines Theiles des Körpers,
-und wird durch ein Leiden der Rückenmarks-Nerven verursacht. Nicht
-alle Krämpfe sind gefährlich, obgleich einige sehr gefährlich sind
-und eine schlimme Wendung nehmen können. Diejenigen, welche am
-meisten zu fürchten sind, sind jene, welche in Folge eingetretener
-Gehirnwassersucht stattfinden, nach starken Fällen oder Quetschungen
-oder nach irgend einem heftigen Anfalle von Gehirn- oder
-Gedärm-Krankheiten eintreten. Sie zeigen sich wahrscheinlicher vor
-dem siebenten, besonders während der ersten drei Lebensjahre. Das
-Gehirn von kleinen Kindern ist sehr empfindlich und in Folge dessen
-plötzlichem Blutandrang unterworfen, dem es nicht so gut widerstehen
-kann, wie das eines Erwachsenen.
-
-+Ursachen.+ Kinder eines empfänglichen, reizbaren Temperaments oder
-Gemüthes sind denselben mehr als andere ausgesetzt. Die gewöhnlichsten
-Ursachen sind: Reiz der Eingeweide in Folge unverdaulicher Nahrung,
-schwieriges Zahnen, Würmer, übermäßiges Schreien und Schmerzen, Aerger
-und Freude. Eine gefährliche Form bildet sich in Folge von Ueberladung
-des Magens mit unverdaulichen Speisen, wie Nüsse, Aepfel u. s. w.
-Ausschlagsfieber, wie Scharlach, Pocken und Masern werden häufig von
-Krämpfen angemeldet, welche aber schnell bei Erscheinen des Ausschlages
-verschwinden und nicht für gefährlich gehalten werden. Wenn sie aber
-während des Verlaufs der Krankheit eintreten, so sind sie sehr zu
-fürchten. Krämpfe werden auch dadurch hervorgerufen, daß die Milch der
-Mutter durch große geistige Erregung, wie Zorn, vergiftet wurde, ebenso
-durch das Stillen des Kindes, wenn übermäßig erhitzt.
-
-+Symptome.+ Der Anfall zeigt sich in der Regel beim Anfange in den
-Augen, welche starr auf einen Punkt gerichtet sind, sich aber bei
-weiterem Vorschreiten des Falles bewegen und unter das obere Augenlid
-drehen und nur das Weiße sichtbar lassen; die Augenlider sind zuweilen
-offen und hin und wieder geschlossen, die Augen selbst kreuzen sich
-häufig und die Pupille mag sich erweitern oder zusammenziehen.
-Die Muskeln des Gesichts werden zunächst angegriffen und die
-Zusammenziehungen verursachen zu Zeiten schreckhafte Verzerrungen; der
-Mund wird in verschiedenen Arten verdreht. Bei heftigen Anfällen, wenn
-sich die Krämpfe über den ganzen Körper erstrecken, geräth derselbe
-in Verzuckungen; der Kopf wird nach rückwärts oder nach einer oder
-der andern Seite gezogen; der Körper kann steif oder verschiedenartig
-verzerrt werden; die Finger sind eingekniffen, die Arme rück- oder
-vorwärts gezogen oder gestoßen und in alle nur denkbare Stellungen
-gekrümmt. Die unteren Glieder werden ebenfalls angegriffen, aber in der
-Regel weniger heftig. Ein Anfall kann nur einige Minuten dauern oder
-auch mehrere Stunden anhalten. Ein Kind mag zuweilen mehrere Anfälle
-während des Tages haben, aber es wird immer zwischen jedem Krampf ein
-Zwischenraum sein.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Das erste, was geschehen muß, ist, ein warmes Bad
- zuzubereiten, in das das Kind sobald als möglich zu legen ist. Wo
- nur eine leichte Verzuckung stattfindet, wird ein Fußbad mit ein
- wenig Senf im Wasser hinreichen, in anderen Fällen aber muß der ganze
- Körper gebadet werden. Während sich das Kind im Bade befindet, gieße
- beständig kaltes Wasser auf den Kopf und halte damit an, so lange
- der Kopf noch ganz heiß oder so lange bis die Anfälle vergehen. Wenn
- aus dem Bad genommen, hülle man es in einen warmen Flanell oder in
- eine wollene Decke und halte sich nicht einmal mit Abtrocknen auf.
- Es muß 10 bis 20 Minuten, oder bis die Convulsion aufhört, im Wasser
- gehalten werden. Wenn sich der Patient in Folge dessen nicht bessert,
- gebe man eine Einspritzung von lauwarmem Wasser, das mit einem
- Eßlöffel voll süßen Oels und ein wenig spanischen Seifen- (~Castile
- soap~) Wassers vermischt werden mag, und wiederhole es so oft als
- erforderlich, um eine Entleerung der Eingeweide hervorzurufen.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Bringe den Patienten in ein warmes Bad.
- Man gebe die zusammengesetzte Tinktur der Lobelia und des spanischen
- Pfeffers (~Compound tincture of lobelia and capsicum~) in Dosen von
- 15 bis 20 Tropfen. Nachdem die Verzuckung aufgehört hat, gebe man als
- ein Abführmittel Enterozoa-Pulver (~Enterozoic powder~), besonders
- wenn Würmer vorhanden sind. Ist das Zahnfleisch die Ursache, so
- schneide man es auf. Nach dem Anfall wird das folgende als ein gutes
- stärkendes Mittel gefunden werden. Man nehme Enzian (~Gentian~),
- Gelbwurz (~Golden seal~), Balsam (~Balmony~), je 1½ Drachme in
- Pulvern; Kardamon- (~Cardamon~) Samen, Sassafrasrinde, stachliche
- Eschbeeren (~Prickly ash bark~), je eine Drachme, gemahlen; guten
- Branntwein, ein halbes Pint. Mische und lasse es einige Tage stehen.
- Dosis: Dreimal des Tages einen halben oder ganzen Theelöffel voll in
- versüßtem Wasser. Wenn die Convulsionen Folge von Würmern sind, gebe
- man Salz mit Wasser und folgende Einspritzung: Balsam (~Balmony~)
- eine Unze, Alraun (~Mandrake~) drei Drachmen, Wasser ein halbes Pint;
- koche und seihe es durch und füge dann hinzu: Stinkasant-Tinktur
- (~Tincture of asafetida~) 5 Drachmen, Molasses 4 Unzen, Salz 3
- Drachmen. Rührt die Convulsion von überladenem Magen her, so gebe
- man die zusammengesetzte Tinktur der Lobelia und des spanischen
- Pfeffers (~Compound tincture of lobelia and capsicum~) mit folgender
- Einspritzung:
-
- Wasserdost (~Boneset~) und Sennesblätter (~Senna~) zu gleichen
- Theilen und hinreichend Wasser, um davon eine starke Abkochung zu
- machen; zu jedem Pint der Abkochung füge man drei Drachmen Salz und
- je eine Drachme Gagelrinde (~Bay berry bark~) und Lobelia hinzu. Gib
- alle 10 oder 15 Minuten eine Einspritzung.
-
- =Allöopathisch.= Bringe das Kind in ein warmes Bad. Wenn die
- Convulsionen Folge von Ueberladung des Magens oder der Eingeweide
- sind, gebe man ein schwaches Brechmittel, entweder Brechwurz-Syrup
- (~Syrup of ipecac~) oder Antimonwein (~Antimonial wine~). Lege
- Senfpflaster auf die Arme und Beine und gieb eine milde Einspritzung,
- wie warmes Wasser. Stuhlgang verschaffe man vermittelst kleiner Dosen
- von Rhabarber (~Rhubarb~) oder Magnesia. Jasmin-Tinktur (~Tincture
- of gelseminum~) wird, wenn gleich beim Erscheinen der Symptome in
- Dosen von 8 oder 10 Tropfen alle halbe oder ganze Stunde gegeben, das
- Eintreten zuweilen verhindern.
-
- =Homöopathisch.= Bringe das Kind in ein warmes Bad. Wenn die
- Convulsion Folge überladenen Magens ist, gebe man sogleich ein
- Brechmittel von lauwarmem Wasser, dessen Wirkung durch das Kitzeln
- des Halses mit der Fahne eines Federkiels beschleunigt werden mag.
- Die Heilmittel, welche zu geben sind, sind folgende:
-
- ~Nux Vomica.~ -- Wenn Verstopfung vorhanden war, die Krämpfe heftig
- sind und von Schreien, Rückwärtswerfen des Kopfes verbunden und die
- Augen verdreht sind. ~Pulsatilla~ mag abwechselnd gegeben werden.
-
- ~Veratrum.~ -- Wenn das Kind blaß und kalt ist und der Schweiß auf
- der Stirne steht.
-
- ~Ipecacuanha.~ -- Wenn Anstrengungen zum Erbrechen gemacht werden.
-
- Wenn die Krämpfe durch Zahnen verursacht werden und das Zahnfleisch
- roth und geschwollen ist, so schneide es mit einem scharfen
- Federmesser auf. ~Belladonna~ und ~Coffea~ mögen alle 10 oder 15
- Minuten abwechselnd gegeben werden. Bei starkem Fieber gebe man
- ~Aconitum~, besonders wenn große Unruhe, Schreien und Auffahren
- damit verbunden sind. Zucken die Muskeln der Augen und des Gesichts
- convulsivisch, bei Drehen des Kopfes von einer Seite zur anderen,
- eine Wange roth und die andere blaß, gebe man ~Chamomilla~ und, wenn
- dies allein nicht wirkt, abwechselnd damit ~Belladonna~.
-
- ~Cina~ -- Wenn die Convulsionen von Würmern verursacht werden, die
- Krämpfe sich auf die Brust erstrecken und der ganze Körper steif
- wird. Man möge ~Mercurius~ folgen lassen oder es abwechselnd damit
- geben.
-
- ~Ignatia.~ -- Wenn der Patient plötzlich mit einem heftigen Schrei
- aus dem Schlafe auffährt.
-
- ~Hyosciamus.~ -- Bei plötzlichen Anfällen nach dem Essen, das Kind
- schreit auf und wird unempfindlich, Zucken der Gesichtsmuskeln,
- Schaum vor dem Munde und große Wildheit.
-
- Wenn die Convulsionen beim Beginne von Ausschlagfiebern, wie Masern,
- Scharlachfieber oder Pocken erscheinen, gebe man ~Coffea~ und
- ~Aconitum~. Darauf ~Bryonia~ und ~Belladonna~, die in der Regel den
- Ausschlag zum Durchbruch bringen.
-
- Erscheint die Convulsion im Verlauf eines Fiebers, so gebe man bei
- Scharlachfieber ~Belladonna~ und bei Masern ~Bryonia~. Gewähren
- diese keine Linderung, so gebe man ~Cuprum~ abwechselnd mit
- ~Belladonna~. Tritt innerhalb zwei Stunden keine Besserung ein, so
- gebe man ~Stramonium~ und ~Cuprum~. Convulsionen in Folge von Schreck
- erfordern ~Opium~, besonders wenn ein Zittern des ganzen Körpers
- stattfindet, das Kind daliegt, als ob es betäubt wäre, schwer und
- schnarchend athmet und das Gesicht fast blau ist. Hilft ~Opium~
- nicht, so gebe man ~Stramonium~ oder ~Ignatia~. ~Hyosciamus~ bei
- Schaum vor dem Munde, Zucken der Gesichtsmuskeln. Treten Convulsionen
- in Folge von Schlägen oder Fallen aus den Kopf ein, so gebe man
- ~Arnica~.
-
- Zuweilen treten Convulsionen ein, wenn eine Erkältung sich von den
- Lungen nach dem Kopfe zieht. In solch einem Falle bringe das Kind in
- ein warmes Bad, mache Kaltwasser-Umschläge auf den Kopf und beharre
- in dessen Anwendung, bis die Ursache nach den Lungen zurückkehrt, was
- an dem schwierigen Athmen, Rasseln &c. erkannt werden kann. Innerlich
- gebe man ~Belladonna~ und ~Cuprum~ abwechselnd; später ~Opium~ und
- ~Camphor~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Heilmittel löse man 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 10, 15 oder 20
- Minuten der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.
- Verlängere die Zwischenräume mit dem Besserwerden des Kindes.
-
-
-Zahnen (~Teething -- Dentition~).
-
-Das Zahnen ist mit beträchtlicher Gefahr für das Kind verbunden und
-das Durchbrechen der Zähne beginnt in der Regel in einem Alter von 5
-bis 7 Monaten. Es kündigt sich durch Röthe, Hitze und Empfindlichkeit
-des Zahnfleisches, sowie durch den Speichelfluß an. Zuweilen ist
-damit Thränen der Augen, Fieber, Verdrießlichkeit, gestörter Schlaf
-verbunden. Häufige Entleerungen der Eingeweide finden statt.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Wenn das Zahnfleisch heiß und geschwollen ist und
- besonders wenn ein Blutandrang nach dem Kopfe bei Zucken der
- Muskeln stattfindet, sollte das Zahnfleisch sogleich über dem Zahn
- geöffnet werden, was in der Regel sofortige Linderung verschaffen
- wird. Auch mag man das Kind auf einen harten Gegenstand, wie einen
- Elfenbeinring, beißen lassen.
-
- =Allöopathisch.= Bei Diarrhöe, wässerigem Stuhlgang und Grimmen gebe
- man das Folgende:
-
- Bleizucker (~Sugar of lead~) 8 Grane.
- Essig 8 Tropfen.
- Weißer Zucker 1 Drachme.
- Weiches Wasser 1 Unze.
-
- Mische es. Dosis: Drei- oder viermal des Tages einen Theelöffel voll.
-
- Oder auch:
-
- Eisenhut-Tinktur (~Tincture of aconite~) 1 Drachme.
- Essigsaures Morphium (~Acetate of morphine~) ½ Gran.
- Wasser 6 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: Alle eine oder zwei Stunden einen Theelöffel
- voll, bis die Diarrhöe theilweise gestopft ist. Wenn der Stuhlgang
- hartnäckig ist, mag auch ein kleines Pflaster hinter dem Ohre
- Linderung gewähren. Wird das Kind schläfrig, schreckt aus dem
- Schlafe auf und hat Hitze bei Röthe des Gesichts, so sollten 3 oder
- 4 Blutegel hinter die Ohren gesetzt und Kaltwasser-Umschläge auf
- den Kopf gemacht werden. Gleichzeitig gebe man zur Beförderung des
- Stuhlganges folgendes:
-
- Castoröl 1 Dessert-
- löffel voll.
- Hundekamille (~Mayweed~) 1 „
-
- Reibe beides zu einem Teig und gib es als eine Dosis.
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- kann bei starkem Fieber, Unruhe und
- wenn das Kind aufschreckt und schreit, gegeben werden.
-
- ~Belladonna.~ -- Besonders wenn das Kind nervös ist, der Kopf heiß,
- das Gesicht geröthet, das Zahnfleisch geschwollen und roth, die
- Pupillen erweitert und der Körper steif wird.
-
- ~Chamomilla.~ -- Vorzugsweise gut, wenn das Kind des Nachts
- verdrießlich und unruhig ist, bei dem geringsten Geräusch auffährt,
- im Schlaf zusammenzuckt und sich herumwirft, Röthe einer Wange,
- ächzt und stöhnt, bei Diarrhöe einer wässerigen, grünlichen Masse.
- ~Chamomilla~ kann abwechselnd mit ~Belladonna~ gegeben werden.
-
- ~Coffea.~ -- Wenn das Kind unruhig ist und nicht schlafen kann und
- etwas Fieber hat. Kann abwechselnd mit ~Belladonna~ gegeben werden.
-
- ~Ignatia.~ -- Bei fliegender Hitze, plötzlichem Auffahren aus dem
- Schlafe und durchdringendem Schreien. Wenn die Diarrhöe gelblich,
- bald darauf weißlich schleimig wird und gerinnt, gebe man ~Coffea~,
- ~Ipecacuanha~, oder ~Calcarea Carbonica~. Wenn sie grünlich ist,
- ~Mercurius~, ~Magnesia~, ~Chamomilla~ und ~Sulphur~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 6
- Kügelchen in 6 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 1, 2, 3 oder 4
- Stunden, dem Falle angemessen, als Dosis einen Theelöffel voll von
- der Lösung.
-
-
-Verstopfte Nase oder Schnupfen (~Snuffles -- Cold in the Head~).
-
-Dies ist ein gewöhnliches Leiden bei Kindern und ist die Folge einer
-Entzündung der Schleimhaut, welche die Nasenhöhle einfaßt und durch
-Erkältung hervorgerufen wird.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Schmiere die Nasenhöhle mit Fett, süßem
- Oel oder Schöpsentalg ein und befördere den Stuhlgang vermittelst
- ein wenig Castoröl und Molasses, was gewöhnlich hinreichen wird,
- oder gebe dem Kinde eine Dosis Katzenmünz- (~Catnip~), Isop-
- (~Penny royal~), Salbei- (~Sage~) oder Balsam- (~Balm~) Thee.
- Kampher-Olivenöl (~Camphorated olive oil~) auf der Oberfläche der
- Nase eingerieben, wird zuweilen Linderung verschaffen.
-
- =Homöopathisch.= ~Camphor~ -- ist das beste Mittel bei den
- ersten Symptomen. Kann man nichts anderes als den gewöhnlichen
- Kampher-Spiritus bekommen, so gebe man ein bis zwei Tropfen auf ein
- Stück Zucker, löse dasselbe in einem halben Bierglas voll Wasser und
- gebe alle zwei Stunden einen Theelöffel voll.
-
- ~Arsenicum.~ -- Wenn ~Camphor~ nicht hilft und besonders wenn
- folgende Symptome vorhanden sind: Verstopfung der Nase, Ausfluß eines
- wässerigen ätzenden Schleimes, welcher Röthe und Anschwellen der
- betreffenden Theile verursacht. Gewährt dies keine Linderung, so gebe
- man ~Ipecacuanha~.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Besonders wenn die Nase nur wenig läuft, auch bei
- Hitze im Gesicht und Verstopfung.
-
- ~Chamomilla.~ -- Wenn das Leiden Folge unterdrückten Schweißes, bei
- Röthe und Entzündung der Augen, Anschwellen des Gesichts, und wenn
- das Kind wunderlich und verdrießlich ist.
-
- Ist die Krankheit hartnäckig, so gebe man eines der folgenden
- Mittel: ~Belladonna~, ~Mercurius~, ~Hepar Sulphuris~, ~Pulsatilla~,
- ~Euphrasia~, ~Silicea~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe, der Strenge der
- Symptome angemessen, alle eine, zwei, drei oder vier Stunden einen
- Theelöffel voll.
-
-
-Mundschwamm (~Thrush or Apthæ~).
-
-Dies ist eine Krankheit, zu der kleine Kinder innerhalb des ersten und
-zweiten Monats oder auch des ersten Jahres nach der Geburt besonders
-geneigt sind. Es besteht in einem eiternden wehen Munde, und zeigt
-sich zuerst durch eine Röthe auf der Oberfläche der Zunge und rings am
-Zahnfleische, sowie auch durch eine starke Trockenheit des Mundes. Bald
-erscheinen weißliche Flecke, die sich bald auf die ganze Oberfläche des
-Mundes ausdehnen. Hält dieser Zustand eine längere Zeit an, so wird der
-allgemeine Gesundheitszustand angegriffen, die Krankheit dehnt sich auf
-den Magen und die Eingeweide aus und hat Diarrhöe, Fieberhaftigkeit und
-Abmagerung zur Folge.
-
-+Ursachen.+ Mangel an Reinlichkeit ist gewöhnlich die Veranlassung
-zu dieser Krankheit. Der Mund des Kindes sollte nach jeder Mahlzeit,
-besonders wenn es aus der Flasche genährt wird, mit einem nassen
-Läppchen gereinigt werden. Nähren des Kindes mit Zucker und Molasses,
-oder das Saugenlassen von Zucker und Brod aus kleinen Beutelchen sind
-andere Ursachen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Das wichtigste ist, den Mund des Kindes rein zu halten.
- Einige Grane Borax in einem Theetassenkopf voll Wasser aufgelöst
- und als Waschung verwendet, wird sich gewöhnlich als erfolgreich
- bewähren. Ein gutes Mittel besteht auch in einer halben Drachme
- aufgelösten Borax, einer Drachme Glycerin und einer Unze Wasser. Dies
- mag bei gelinden Fällen angewendet werden.
-
- =Allöopathisch.= Man gebe einen oder zwei Grane pulverisirten
- Rhabarber (~Rhubarb~) und 5 Grane Magnesia in etwas Dille oder
- anderem aromatischem Wasser täglich, um den Säurezustand des Magens,
- der vorhanden ist, zu bewältigen. Bei Diarrhöe, einem wässerigen
- Stuhlgang und Grimmen gebe man folgendes:
-
- Pulverisirter Rhabarber (~Pulv. rhubarb~) 1 Skrupel.
- Leptandrin 10 Grane.
- Calcinirte Magnesia (~Calcined magnesia~) 2 Skrupel.
- Pulverisirter Zimmet (~Pulv. Cinnamon~) 10 Grane.
-
- Mische es. Dosis: Alle drei Stunden 3 oder 4 Grane. Bei Hinfälligkeit
- und großem Kraftverlust gebe man folgendes:
-
- Aufguß von Calumba oder Cascarilla 5½ Unzen.
- Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Compound
- tincture of cardamons~) ½ Unze.
- Verdünnte Salpetersäure (~Diluted nitric acid~) 1½ Drachme.
-
- Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.
-
- =Homöopathisch.= ~Borax~ in der Form von Pillen gegeben ist das beste
- Mittel; man löse davon 12 in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle
- 3 Stunden einen Theelöffel voll. Eine Auflösung von Borax -- einige
- Grane auf einen Theetassenkopf voll Wasser -- möge als Gurgelung
- verwendet werden, in welchem Falle es nicht nothwendig ist, dasselbe
- noch in irgend einer anderen Form zu geben.
-
- ~Mercurius.~ -- Bei Speichelfluß und Neigung zur Eiterung. Hilft dies
- nicht, so lasse ~Sulphur~ folgen.
-
- ~Arsenicum.~ -- Wenn Mund und Hals zu eitern anfangen, der Eiter von
- einer schwarzgelben Farbe und Diarrhöe bei großer Schwäche vorhanden
- ist. Entspricht dies nicht, so gebe man ~Acidum Nitri~.
-
- ~Coffea~ und ~Chamomilla~. -- Entweder allein oder abwechselnd, wenn
- der Mund trocken, heiß und sehr roth ist.
-
- Wenn Verstopfung folgt, gebe dreimal des Tages ~Nux Vomica~. Die
- anderen Heilmittel müssen ebenso wie ~Borax~ gegeben werden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Tritt eine Störung in den Eingeweiden
- ein, so gebe man den zusammengesetzten Syrup von Rhabarber und
- Potasche (~Compound syrup of rhubarb and potassa~). Dosis: Alle 2
- oder 3 Stunden einen Theelöffel voll. Wasche den Mund mit einem
- starken Aufguß von blauer Schlangenwurzel (~Blue cohosh root~) und
- Gelbwurz; versüße ihn mit ein wenig Zucker oder Honig und füge etwas
- Alaun (~Alum~) hinzu. Calcinirte Magnesia (~Calcined magnesia~),
- einige Grane in ein wenig Wasser aufgelöst, wird empfohlen, den
- Säurezustand der Eingeweide zu bewältigen; oder bei lockerem Zustande
- gebe man präparirte Kreide (~Prepared chalk~) und lasse beiden einen
- Tag um den andern eine gelinde Dosis Castoröl folgen. Ein schwacher
- Aufguß von Anissamen (~Anise seed~), oder Katzenmünze (~Catnip~),
- dem eine kleine Quantität minderkohlensaure Soda (Sodasalz --
- ~Subcarbonate of soda~ -- ~Sal Soda~) und ein oder zwei Tropfen
- Paregoricum (~Paregoric~) beigefügt ist, wird dienlich gefunden
- werden, das Kind zu beruhigen und die Entleerungen zu reguliren. Das
- folgende ist ein gutes Gurgelwasser für den Mund des Kindes: Man
- nehme Salbei (~Sage~), Isop (~Hyssop~) und Sumachbeeren (~Sumach
- berries~) zu gleichen Theilen und mache eine starke Abkochung davon,
- versüße es mit Honig oder Zucker und gebe zu einem halben Pint einen
- halben Theelöffel voll pulverisirten Borax. Wasche den Mund häufig
- damit. Auch Abkochungen von Salbei (~Sage~), Krätzwurzel (~Gold
- thread~), Brombeerwurzel (~Black berry root~), rothe Himbeerblätter
- (~Red raspberry leaves~) werden zuträglich gefunden werden.
-
-
-Verstopfung und Diarrhöe.
-
-Bei Verstopfung der kleinen Kinder ist es nicht rathsam, Abführmittel,
-wie Castoröl, Bittersalz (~Epsom salts~) &c. zu geben, statt deren
-bediene man sich einfacher Einspritzungen von warmem oder kaltem
-Wasser. Diese wirken milder und mehr naturgemäß. Diarrhöe ist eine
-nicht seltene Plage der Kinder und wird in der Regel durch übermäßiges
-Füttern, Erkältung, ungesunde Kost, Zahnen &c. verursacht. Sorge sollte
-getragen werden, daß die Diarrhöe nicht zu plötzlich gestopft wird,
-besonders wenn stark wirkende Medizinen angewendet werden.
-
-Wegen der Behandlung dieser Zustände siehe Abtheilung ~I~, Kapitel 12.
-
-
-Kopfwassersucht (~Hydrocephalus~).
-
-Dies ist eine Ansammlung von Wasser im Schädel und befällt Kinder sehr
-häufig.
-
-+Symptome.+ Eine Entzündung, welche Wassersucht hervorruft, geht in
-der Regel sehr langsam und allmählig vor sich und es treten daher
-keine sehr heftigen Symptome ein. Eines der gewöhnlichsten Symptome
-ist Schläfrigkeit; der Patient legt seine Hände auf das Haupt und
-gibt so augenscheinliche Zeichen des Leidens und Schmerzes; die Zunge
-ist mit einem weißen Schleim bedeckt, der Kopf ungewöhnlich heiß, das
-Athmen schwierig und mühsam, die Augen stumpf und schwer, der Puls ist
-schwach, während die Adern des Nackens und der Schläfe heftig schlagen,
-der Kopf vergrößert sich allmählig, die Eingeweide sind verstopft, der
-Appetit verschwindet. Schreitet die Krankheit vor, so ist das Kind
-geneigt, fortwährend zu schlafen.
-
-+Ursachen.+ In einigen Familien scheint eine Anlage hierzu vorhanden
-zu sein. Unter den hervorragendsten Ursachen mögen Zahnen, Diarrhöe,
-Schläge, Fallen, Erkältung, chronische Entzündung des Gehirns gezählt
-werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Bryonia~ und ~Helleborus~ -- sind die Hauptmittel,
- besonders wenn das Kind schläferig ist, der Kopf heiß, die Füße kalt,
- bei Schlafen mit halboffenen Augen.
-
- Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe jede Stunde
- oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll. Wenn dies nicht
- innerhalb einer kurzen Zeit hilft, so gebe man ~Opium~ und ~Sulphur~
- in derselben Weise. Nachher ~Belladonna~ und ~Helleborus~ in
- derselben Weise.
-
- Dr. Pulte in Cincinnati empfiehlt, daß, wenn das Kind schläfrig wird
- oder heißer Kopf, halb offene Augen und andere Symptome erscheinen,
- Eiswasser in einem kleinen aber beständigen Strom aus den Kopf
- gegossen werden sollte, bis das Kind erwacht oder in einen sanften
- Schlaf verfällt. Innerlich giebt er ~Bryonia~ und ~Helleborus~
- abwechselnd; alle halbe Stunden einen halben Theelöffel voll und
- verlängert allmählig die Zwischenräume. Diese Behandlung sollte
- nothwendig 24 Stunden fortgesetzt werden, bis das Kind außer Gefahr
- ist. Es ist wichtig, daß das Wasser fortwährend erneuert und der
- Strom ununterbrochen erhalten wird. Ist der Stuhlgang locker, gebe
- man ~China~ und ~Acidum phosphoricum~ allein oder abwechselnd, alle
- zwei oder drei Stunden einen Theelöffel voll von der Lösung.
-
- =Allöopathisch.= Aeußerlich wende folgende Salbe an:
-
- Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~) 1 Drachme.
- Schweinefett 2 Unzen.
-
- Mische es und reibe damit jeden Abend die Kopfhaut ein.
-
- Den Stuhlgang erhalte man vermittelst des folgenden:
-
- Pulverisirtes Windenharz (~Pulv. Scammony~) 6 Grane.
- Crotonöl 4 Tropfen.
- Pulverisirter Stückzucker 16 Theelöffel
- voll.
-
- Mische es in einem Mörser. Alle ein oder zwei Stunden gebe einem
- Kinde bis zu sieben Jahren einen Theelöffel voll.
-
- Gleichzeitig nehme man folgendes:
-
- Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~) 1 Drachme.
- Wasser ½ Unze.
-
- Mische es. Dosis: für ein Kind bis zu sieben Jahren alle Stunden 30
- Tropfen.
-
- Oder auch:
-
- Cremor Tartari (~Cream of tartar~) 1½ Unzen.
- Schwefelsaure Potasche (~Sulphate of potassa~) ½ Unze.
- Pulverisirte Meerzwiebel (~Pulv. squills~) 2 Drachmen.
- Brechweinstein (~Tartar emetic~) 2 Grane.
-
- Mische es. Dosis: vier- oder fünfmal des Tages einen Theelöffel voll.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Senfpflaster sollten über die
- Eingeweide, in den Nacken, auf die Handgelenke und die Knöchel
- gelegt und kalte Wasserumschläge auf den Kopf gemacht werden. Behufs
- gehörigen Stuhlganges gebe man ein Gran Fußblatt (~Podophyllin~)
- und einen Theelöffel voll Cremor Tartari, was alle drei Stunden
- wiederholt wird, bis sich die Wirkung zeigt. In einigen Fällen ist
- folgendes dienlich:
-
- Elaterium 4 Grane.
- Salpetersäure (~Nitric Acid~) 6 Tropfen.
- Alcohol 1 Unze.
-
- Mische es. Dosis: 5 bis 10 Tropfen in Wasser für ein Kind von zwei
- Jahren. Wiederhole es so oft als erforderlich.
-
- Die Behandlung dieser Krankheit sollte einem geschickten Arzte
- überlassen werden.
-
-
-Remittirendes Fieber der Kinder.
-
-Zu Anfang ist gewöhnlich große Mattigkeit durch mehrere Tage hindurch,
-Reizbarkeit, Uebelkeit, trockne, aufgesprungene Lippen, Auffahren aus
-dem Schlafe, Schläferigkeit und Betäubung vorhanden. Diese Symptome
-nehmen zu, das Fieber tritt ein, sehr schneller Puls, belegte Zunge,
-trocken und roth an den Rändern, kalte Endglieder, Stöhnen, Knirschen
-mit den Zähnen, Zupfen an der Nase, dem Munde oder den Augen, sind
-vorhanden, der Unterleib schwillt an, Verstopfung oder Diarrhöe von
-Schleim, stinkender Substanzen, der Urin sieht aus, als ob er mit Milch
-gemischt wäre.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Die Anwendung des kalten Wassers wird bei dieser
- Krankheit zuträglich gefunden werden. Während des Fiebers hülle
- das Kind in ein nasses Tuch und halte es gehörig zugedeckt, bis es
- schwitzt, dann nehme es heraus und wasche es mit lauwarmem Wasser ab.
- Wenn der Kopf heiß ist, so lege Tücher, in kaltem Wasser getränkt und
- gehörig ausgerungen, auf denselben und wechsele sie häufig.
-
- =Homöopathisch.= ~Ipecacuanha~ -- mag zuerst gegeben werden, und
- zwar alle 3 oder 4 Stunden durch einen Tag hindurch ein Kügelchen,
- dann ~Bryonia~ und ~Rhus~ abwechselnd alle 3 Stunden durch zwei Tage
- hindurch, halte hierauf einen Tag lang mit der Medizin ein; wird der
- Patient besser, so gebe ~Sulphur~. Wo die Hauptsymptome vorhanden
- sind, gebe man ~Belladonna~ oder ~Opium~ alle 3 oder 4 Stunden
- ein Kügelchen. Bei beträchtlichem Fieber, trockener, heißer Haut,
- gelbe, schleimige oder grüne Diarrhöe, Schmerz im Magen oder den
- Eingeweiden bei Druck gebe man ~Chamomilla~ oder ~Ipecacuanha~. Wenn
- die Verstopfung hartnäckig ist, eine brennende Hitze über den ganzen
- Körper zieht, gelegentlich Krämpfe und sichtbare Zeichen von Leber-
- oder Magenbeschwerden eintreten, gebe man ~Nux vomica~. Wird ein
- Leiden der Lungen durch trockenen, hackenden Husten, schmerzhaftes,
- ängstliches und beschleunigtes Athmen, heiße Haut, Durst, Stiche in
- der Seite, nächtliches Delirium bemerkbar, gebe man ~Bryonia~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
- Wasser auf und gebe alle 2 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome
- angemessen, einen Theelöffel voll.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ein Reinigungsmittel von Rhabarber
- (~Rhubarb~) und Magnesia mag gegeben, und Senf-, Knoblauch- oder
- Zwiebelpflaster auf die Füße, sowie ein Umschlag zu gleichen Theilen
- von Essig und Wasser auf den Kopf gelegt werden. Gegen Störung der
- Eingeweide gebe man das zusammengesetzte Rhabarber- (~Rhubarb~)
- Pulver, einen kleinen Theelöffel voll alle 3 oder 4 Stunden.
- Wenn das Fieber ankommt, gebe man reichlich einen warmen Aufguß
- von Katzenmünze (~Catnip~), Balsam (~Balm~) oder Flieder (~Elder
- flowers~). Ist das Fieber vorüber, so gebe man: Kamillenblüthe
- (~Chamomile flowers~), Schlangenwurzel (~Black cohosh root~),
- Salomons Siegelwurzel (~Solomon’s seal root~), in Pulvern, je ein
- Eßlöffel voll und ein Quart kochendes Wasser. Lasse es in einem
- bedeckten Gefäße 4 Stunden lang ziehen, und wenn kalt, seihe es durch
- und versüße es. Dosis: alle Stunden einen Theelöffel voll.
-
- =Allöopathisch.= Rufe eine Thätigkeit der Eingeweide vermittelst 2
- oder 3 Grane Kalomel, dem man 8 bis 10 Grane der zusammengesetzten
- Jalappenwurzel- (~Compound Jalap~) oder Windenharz- (~Scammony~)
- Pulver folgen läßt, hervor. Gegen die Fieber-Symptome gebe man
- folgendes:
-
- Citronensäure (~Citric acid~) 1 Drachme.
- Doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate
- of potash~) 4 Skrupel.
- Salpeter (~Nitre~) 2 „
- Zimmetwasser 2 Unzen.
- Destillirtes Wasser 4 „
-
- Mische es. Dosis: alle 4 bis 6 Stunden einen Eßlöffel voll. Wenn die
- Hauptsymptome besonders hervortreten, gebe man:
-
- Auflösung von Essigsaurer Ammonia (~Solution of
- acetate of ammonia~) 3 Drachmen.
- Antimon-Wein (~Antimonial wine~) ½ Drachme.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) ½ „
- Opium-Kampher Tinktur (~Camphorated tincture of
- Opium~) 1 „
-
- Hinreichend Wasser, um 2 Unzen zu machen.
-
- Mische es. Dosis: alle 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll.
-
- Wenn die Diarrhöe von blasser oder lehmiger Farbe, gebe ein oder zwei
- Grane des ~Gray powder~ (Merkur mit Kreide) jeden Abend. Bei großer
- Hitze der Haut verbinde mit dem ~Gray powder~ ein Drittel oder ein
- halbes Gran Brechwurz- (~Ipecac~) Pulver und dieselbe Quantität von
- zusammengesetztem Jalappenwurzel-Pulver (~Compound jalap powder~).
- Sind die Eingeweide verstopft, so gebe man jeden Morgen eine kleine
- Dosis Castoröl. Haben die Entleerungen ihren widerwärtigen Geruch
- verloren und sehen mehr natürlich aus, so gebe folgendes:
-
- Aufguß von Columba oder Cascarilla 5½ Unzen.
- Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Compound
- tinct. of cardamons~) ½ Unze.
- Verdünnte Salpetersäure (~Dilute nitric acid~) 1½ Drachme.
-
- Mische es. Dosis: dreimal des Tages zwei Eßlöffel voll. Die Kost
- sollte bei dieser Krankheit von der leichtesten Art sein, wie
- Haferschleim, geröstetes Brod in Milch oder Wasser getaucht,
- Pfeilwurz (~Arrow root~), Tapioca oder Sago Gelee. Bessert sich das
- Kind, so gestatte man Brühen von Hühner-, Kalb- oder Hammelfleisch.
-
-
-Cholera Infantum.
-
-Dies ist eine der gefährlichsten Krankheiten der Kindheit und tritt in
-der Regel während des ersten und zweiten Sommers ein. Die Zeit während
-des Zahnens ist besonders geneigt dazu, da der Organismus ungewöhnlich
-aufgeregt ist. Geringfügige Ursachen, wie Diätfehler, das Aussetzen
-der Nachtluft, Ermüdung, welche zu anderen Zeiten ohne alle Folgen
-bleiben, werden zu dieser Zeit verhängnißvoll. Die Hauptursache besteht
-in Diätfehlern. Es ist sehr gefährlich, während des Zahnens die Kost zu
-wechseln, das Kind zu entwöhnen und dagegen künstliche Nahrungsmittel
-zu geben. Dies sollte nur im äußersten Nothfalle geschehen.
-
-+Symptome.+ Die Krankheit kann plötzlich oder allmählig eintreten.
-Das Kind wird plötzlich von heftigem Erbrechen und Abführen befallen
-oder kann auch nur durch mehrere Tage hindurch eine leichte Diarrhöe
-gehabt haben. Der Magen wird so reizbar, daß er durchaus nichts
-annimmt. Die erbrochene Substanz besteht aus dem Inhalt des Magens,
-unverdauter Nahrung, mit Schleim und galligem Eiter gemischt, wenn
-alles ausgebrochen ist, wird sich ein starkes Würgen und erfolglose
-Anstrengung zum Erbrechen einstellen. Dies mag jedesmal nach dem
-Genuß von Nahrungsmitteln, oder auch nur zwei- oder dreimal des
-Tages eintreten. Diarrhöe ist eines der wichtigsten Symptome und die
-Entleerungen bestehen zuerst in unverdauter Nahrung und werden grünlich
-gestreift; zuweilen gleichen sie gehacktem Gemüse. Sie können gelblich,
-sehr wässerig sein und der Geruch ist schlecht und äußerst widerwärtig.
-Auch mögen starke Schmerzen, wie bei der Ruhr, vorhanden sein, und
-die Entleerungen können Blut und Schleim enthalten. Beträchtliches
-Fieber ist vorhanden, ebenso schneller Puls, Mund heiß und trocken,
-großer Durst, Zunge schmutzigweiß oder gelblichweiß belegt, ausgenommen
-an den Rändern, welche roth sind, Endglieder kalt, Kopf heiß,
-Augen eingesunken, Nase zugespitzt, das Gesicht eingeschrumpft und
-vertrocknet wie bei alten Leuten, der Bauch geschwollen und zuweilen
-empfindlich gegen Berührung; das Fieber ist gewöhnlich während des
-Nachmittags und Abends schlimmer.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Da die Krankheit gewöhnlich während des Zahnens
- eintritt, so sollte stets vor allem nach dem Zahnfleisch gesehen
- werden. Ist es geschwollen, heiß, hart und roth, so schneide man
- es auf, was ebensowohl vermittelst eines scharfen Federmessers
- als mit der Lanzette geschehen kann. Da bei der Behandlung dieser
- Krankheit viel von der Diät abhängt, so sollte dieselbe sorgfältig
- geordnet werden. Womöglich sollte das Kind nicht vor dem zweiten
- Sommer entwöhnt werden, wenn es aber geschehen ist, so möge dann
- die Diät der Natur jedes einzelnen Kindes angemessen sein. Da in
- der Regel großer Durst vorhanden ist, so lasse man das Kind so viel
- Wasser, als es wünscht, haben. Frische Kuhmilch ist unzweifelhaft das
- beste, was gegeben werden kann. Folgendes Mittel wird vortrefflich
- gefunden werden: Löse einen Theelöffel voll Milchzucker in drei
- Tassenkopf Wasser, koche es auf zwei Tassenkopf ein, füge einen
- Tassenkopf frische Milch hinzu und lasse es das Kind, während
- es noch warm ist, essen. Wenn Milchzucker nicht zu haben ist,
- gebrauche man Stückzucker, der erstere ist jedoch bei Weitem besser.
- Reismehlschleim gibt eine gute Kost. Bereite es wie folgt zu: Man
- nehme je einen Theelöffel voll Reismehl und Milch, rühre es in
- einander, füge ein wenig Salz und nahezu ein Pint warmes Wasser
- hinzu, mische es gehörig und koche es 15 Minuten lang; wenn kalt hat
- es ungefähr die Dicke von Stärke und muß mit ein wenig Zucker versüßt
- werden. Ist der Magen sehr schwach, nehme man einen Theil Sahne auf
- fünf Theile Wasser und füge ein wenig Pfeilwurz (~Arrow root~), Sago
- oder Tapioca hinzu. Unter „Kost statt des Säugens“ befindet sich ein
- von Dr. Meigs empfohlenes Rezept, welches besser ist. Eine andere
- Sache von Wichtigkeit ist, daß das Kind möglichst viel frische Lust
- haben sollte. Wenn möglich, schaffe es auf das Land, und wenn dies
- nicht geschehen kann, lasse es in dem Hofraum, in Parkanlagen oder
- auf den Straßen herumtragen. Ist das Kind zu krank, trage es aus
- einem Kissen in ein geräumiges, gut ventilirtes Zimmer. Ein lauwarmes
- Bad, gelegentlich gegeben, wird zuträglich gefunden werden.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Das Hauptmittel bei dieser Krankheit
- ist der zusammengesetzte Syrup von Rhabarber und Potasche (~Compound
- syrup of rhubarb and potassa~) oder die Neutralizing mixture.
- Man gebe alle halbe Stunde einen Theelöffel voll, bis es auf die
- Eingeweide wirkt, sodann mögen die Zwischenräume auf drei bis vier
- Stunden verlängert werden. Es wird gut sein, hieraus einen oder zwei
- Tage später einen von den nachstehenden Thees folgen zu lassen,
- nämlich von Brombeerwurzel (~Black berry root~), Erdbeerblätter und
- Wurzel (~Strawberry leaves and root~), Kirschbaumrinde (~Cherry
- tree bark~), eine kleine Quantität Zimmet (~Cinnamon~) und Nelken
- (~Cloves~), mit weißem Zucker versüßt. Wenn das Erbrechen stark
- ist, gebe ein Senfpflaster auf das Rückgrat und über die Gegend des
- Magens. Bei starkem Erbrechen, Schmerz in den Eingeweiden, Durchfall
- und Kneipen, wird sich folgende Einspritzung wirksam erweisen:
- Schlüpfriges Ulmen- (~Slippery elm~) oder Stärkewasser eine flüssige
- Unze, zusammengesetzte Tinktur der virginischen Schlangenwurzel
- (~Compound tincture of Virginia snake root~), fünf bis zehn Tropfen
- stachlige Eschbeeren-Tinktur (~Tincture of prickly ash berries~) zwei
- flüssige Drachmen. Nehme davon die Hälfte zu einer Einspritzung. Ist
- die Krankheit besonders hartnäckig und hält eine lange Zeit an, so
- nehme man Columbawurzel (~Colombo~), Stachlige Eschbeeren (~Prickly
- ash bark~), ~Swamp mill weed~, von jedem, zerstoßen, eine halbe Unze,
- zwei Pints Branntwein; lasse es ungefähr 10 Tage stehen. Gebe alle 3
- oder 4 Stunden einen halben Theelöffel voll in ein wenig versüßtem
- Wasser. Sind die Entleerungen mehr oder weniger mit Blut gemischt und
- sind nur schwach bei öfterer Wiederholung, so gebe man folgendes:
-
- Entenfuß (~Podophyllin~) 2 Grane.
- Leptandrin 3 „
- Brechwurz (~Ipecac~) 3 „
- Weißer Zucker 1 Skrupel.
-
- Stoße alles zusammen in einem Mörser und mache 8 Pulver daraus,
- wovon alle 3 oder 4 Stunden eines zu geben ist. Nachdem diese auf
- die Eingeweide gewirkt haben, gebe man eine gelegentliche Dosis des
- zusammengesetzten Syrups von Rhabarber und Potasche (~Compound syrup
- of rhubarb and potassa~). Sicherlich bade das Kind ein- oder zweimal
- in warmem Saleratuswasser und trockne es mittelst einer sanften
- Reibung ab. Folgendes wird bei hartnäckigen Fällen empfohlen:
-
- Ammoniak-Opium-Tinktur (~Ammoniated tincture
- of opium~) 2 Drachmen.
- Extrakt von Blauholz (~Extract of logwood~) 3 „
- Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (~Compound
- spirits of lavender~) 1 „
- Catechu-Tinktur (~Tincture of catechu~) 2 „
- Gewöhnlicher Syrup 4 Unzen.
- Kochendes Wasser 4 „
-
- Löse den Extrakt von Blauholz (~Extract of logwood~) in dem Wasser
- und füge dann die anderen Artikel hinzu. Gebe alle 3 oder 4 Stunden
- einen Theelöffel voll. Als Trank gebe man Gummi Arabicum, oder
- schlüpfriges Ulmen- (~Slippery elm~) Wasser.
-
- =Allöopathisch.= Wenn das Erbrechen stark und hartnäckig ist, gebe
- man folgendes:
-
- Kampher (~Camphor~) 1 Drachme.
- Schwefel-Aether (~Sulphuric ether~) 1 Unze.
-
- Mische es. Dosis: Alle halbe Stunden 10 Tropfen.
-
- Wenn dies nicht einhält, gebe:
-
- Bleizucker (~Sugar of lead~) 4 Grane.
- Essig 6 Tropfen.
- Stückzucker 4 Drachmen.
- Weiches Wasser 1 Unze.
-
- Mische es. Dosis: Alle ein oder zwei Stunden einen Theelöffel voll.
-
- Zuweilen wird ein Gewürz- (~Spice~) Pflaster, auf den ganzen
- Unterleib gelegt, sofortige Linderung verschaffen.
-
- Gegen die Diarrhöe gebe man den zusammengesetzten Syrup von Rhabarber
- und Potasche (~Compound syrup of rhubarb and potassa~). Wenn die
- Stühle sauer, dunkelgefärbt und höchst widrig sind, gebe man:
-
- Pulverisirte Holzkohle (~Powd. charcoal~) 1½ Drachmen.
- „ Rhabarber (~Powd. rhubarb~) 35 Grane.
- „ Brechwurz (~Powd. ipecac~) 6 „
- Bilsenkraut-Extrakt (~Extract of hyosciamus~) 10 „
-
- Mische es, mache 12 Pulver daraus und gebe alle drei oder vier
- Stunden eins.
-
- Oder:
-
- Weinsteinsaures Eisen (~Tartrate of iron~) 35 Grane.
- Weiches Wasser 2 Unzen.
- Ingwer- (~Ginger~) Syrup ½ Unze.
-
- Mische es. Dosis: Alle drei Stunden 20 bis 40 Tropfen. Diese zwei
- Mischungen mögen alle drei Stunden abwechselnd gegeben werden,
- wenn eins allein nicht den gewünschten Erfolg hat. Zuweilen wird
- Nachstehendes mit Erfolg angewandt:
-
- Pulverisirter Rhabarber (~Pulv. rhubarb~) 20 Grane.
- Leptandrin 10 „
- Calcinirte Magnesia (~Calcined magnesia~) 35 „
- Pulverisirter Zimmet (~Pulv. cinnamon~) 10 „
-
- Mische es. Dosis: Alle drei Stunden 3 oder 4 Grane.
-
- =Homöopathisch.= ~Ipecacuanha~ -- ist gewöhnlich das wichtigste
- Mittel, und wird bei Uebelkeit, Erbrechen, Diarrhöe, grünen oder
- gegohrenen Stühlen mit weißen Flecken, belegte Zunge und großem Durst
- gegeben.
-
- ~Veratrum.~ -- Wo die Anfälle heftig waren, sowie bei großer
- Erschöpfung nach dem Erbrechen, oder wenn das Erbrechen krampfartig
- wird und nach der geringsten Bewegung eintritt; bräunliche oder
- wässerige Entleerungen, Kälte der Endglieder, blasses Gesicht,
- eingefallene Augen, großer Durst.
-
- ~Chamomilla.~ -- Schleimiges oder saures Erbrechen, die Entleerungen
- sehen aus wie ausgeschlagene Eier, oder sind grün oder schleimig mit
- kolikartigen Schmerzen, Fieber des Nachts. Angenehmer für Kinder,
- wenn sie in Folge des Zahnens wunderlich oder verdrießlich sind.
-
- ~Mercurius.~ -- Die Stühle sind von Kolik und Anstrengung begleitet;
- die Entleerungen grün, sauer und zuweilen mit Blut gemischt; das Kind
- riecht sauer. ~Rheum~ ist ebenfalls gut bei denselben Symptomen.
-
- ~Podophyllum.~ -- Krampfartige Schmerzen, Stühle schaumig, schleimig
- und höchst widrig; das Kind stöhnt im Schlafe und wirft den Kopf hin
- und her.
-
- ~Carbo Vegetabilis.~ -- Die Stühle haben einen fauligen Geruch sind
- sehr dünn und werden von einem brennenden Schmerz begleitet.
-
- ~Arsenicum.~ -- Bei großer Hinfälligkeit und Schwäche, Uebelkeit,
- Alles wird wieder erbrochen, Stühle braun, grün oder gelblich und
- höchst widrig, Haut trocken, oder kalt und klebrig; Lippen und Zunge
- schwarz und aufgesprungen, Stöhnen während des Schlafs, Unterleib
- hart und geschwollen.
-
- ~Calcarea.~ -- Bei Fällen von langer Dauer, bei großer Abmagerung
- und Schwäche, Unterleib hart und geschwollen; Stühle mollig und
- lehmfarben; Haut zusammengeschrumpft und trocken.
-
- ~Sulphur.~ -- Dieses Mittel ist ungefähr bei denselben Symptomen wie
- bei ~Calcarea~ angezeigt. Wenn die Krankheit den Kopf anzugreifen
- scheint: ~Aconitum~, ~Helleborns~, ~Belladonna~ oder ~Bryonia~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Wo der Anfall plötzlich eintritt, löse
- 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 15 Minuten
- oder halbe Stunden, bis das Kind besser wird, einen Theelöffel voll.
- Wo der Fall längere Zeit anhält, gebe alle 2 oder 4 Stunden eine
- Dosis.
-
-
-Häutige Bräune (~Croup -- Cynanche Trachealis~).
-
-Man theilt die Bräune in zwei Formen, die krampfartige und die häutige.
-Die erstere wird zuweilen auch die falsche und die letztere die wahre
-Bräune genannt. Kinder unter 5 Jahren haben mehr Neigung dazu als
-andere, obgleich auch ältere Personen, sogar Leute von 70 Jahren
-Anfälle gehabt haben. Sie ist wegen des plötzlichen Eintrittes und der
-Geschwindigkeit, mit der sie einen tödtlichen Verlauf nimmt, äußerst
-beunruhigend.
-
-+Ursachen.+ Sie ist am häufigsten in kalten, feuchten Gegenden und
-wird gewöhnlich durch plötzlichen und öfteren Witterungswechsel
-hervorgerufen. Von Einigen wird angenommen, daß sie erblich ist, Und
-sie scheint auch so zu sein, denn es ist eine Thatsache, daß die Kinder
-einiger Familien bei der geringsten Blosstellung dazu geneigt sind.
-
-+Symptome.+ In der Regel beginnt die Bräune mit Symptomen von Katarrh
-oder Schnupfen, trocknem Husten, heißer Haut, schnellem Puls, Durst,
-Rasseln im Hals und großer Unruhe des Nachts; das bestimmteste Symptom
-ist die Heiserkeit, da der Patient seine Stimme fast ganz verliert. Der
-Husten ist trocken und kurz. Diese Symptome mögen ein oder zwei Tage
-lang anhalten, dann ungefähr um Mitternacht wird das Kind durch einen
-heftigen Anfall von Husten erwachen, der Husten ist heiser und bellend,
-und wer ihn einmal gehört hat, wird ihn nimmer wieder vergessen. Das
-Athmen wird beschleunigt und zischend, das Gesicht geröthet, die
-Haut heiß und dichter Schweiß bricht aus, das Kind wirft sich wild
-von einer Seite auf die andere, die Hände sind eingekniffen und die
-Augäpfel treten hervor. Bei Annäherung des Morgens nehmen die Symptome
-ab und das Kind verfällt in Schlaf und scheint während des Tages, mit
-Ausnahme der Heiserkeit und etwas Fieber, wohl zu sein. Gegen Abend
-aber nimmt die Heiserkeit zu und der Patient fährt mit einem heftigeren
-Krampfanfall als an dem Abend zuvor aus dem Schlafe auf. Der Husten
-wird würgender und schwieriger, die Störung in der Luftröhre wächst,
-das Gesicht nimmt eine dunkle, bleierne Farbe an, der Puls ist schwach,
-die Stimme gebrochen und unterdrückt, der Kopf wird zurückgezogen, um
-das Athmen zu ermöglichen, und das Gesicht ist geschwollen. Die Muskeln
-des Nackens, der Brust und des Unterleibes sind außerordentlich thätig
-und das Athmen ist laut und zischend; das Kind wirft sich auf dem
-Bette herum und sucht vergeblich nach Linderung, sein ganzes Aussehen
-bekundet ungemeine Angst und Leiden, es greift nach dem Hals, als ob
-es dort die Ursache seiner Schmerzen entfernen könnte, Schläferigkeit
-tritt nach und nach ein, das Athmen wird unterbrochen, das Kind keucht
-convulsivisch und der Tod macht der fürchterlichen Scene ein Ende.
-Bräune oder Croup kann aber auch ganz plötzlich eintreten, das Kind
-geht ganz wohl zu Bette und wird des Nachts davon befallen. Diese Form
-ist, wenn nicht vernachlässigt, ohne Anstrengungen, sie einzuhalten,
-weniger gefährlich. Auch hier mag das Kind einen heiseren, croupartigen
-Husten durch mehrere Tage hindurch haben, und gerade zu einer Zeit, wo
-es die Eltern am wenigsten erwarten, stellt sich eine heftiger Anfall
-ein, der eine schlimme Wendung nehmen mag. Ein Anfall von Bräune kann
-24 Stunden bis 15 Tage dauern. Wenn sie mit Luftröhrenentzündung oder
-Brustentzündung verbunden ist oder tritt sie nach Scharlachfieber,
-Masern oder Halsentzündung ein, so ist sie bei weitem gefährlicher.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Wenn bei dem Kinde Husten mit Heiserkeit und
- Stimmlosigkeit eintritt, so werden prompte Maßregeln den Anfall in
- diesem Stadium verhindern. Reinige die Eingeweide mit einer kleinen
- Dosis Kalomel und nach einer Stunde gebe eine Lösung von einem Gran
- Brechweinstein (~Tartar emetic~) in einer Unze Wasser, von welcher
- alle 15 Minuten ein Theelöffel voll gegeben werden sollte, bis
- Erbrechen eintritt. Senfpflaster oder heiße Kleie- (~Bran~) Umschläge
- sollten in den Nacken gelegt werden. Auch wird empfohlen, einen
- ziemlich großen Schwamm in Wasser getränkt, so heiß es ertragen
- werden kann, auf den Hals zu legen und dies, so bald der Schwamm kühl
- wird, zu erneuern. Fahre damit fort, bis die Haut sehr roth aussieht
- oder das Kind besser ist. Diese Mittel können aber nur beim Anfang
- der Krankheit angewendet werden. Schlägt es nicht an, so gebe man
- folgendes:
-
- Dover’sche Pulver (~Dover’s powder~) 15 Grane.
- Kalomel 5 „
-
- Mische es. Mache 10 Pulver daraus und gebe alle 3 Stunden eines.
-
- Der Hals mag mit kaltem Wasser gewaschen und folgende Salbe
- eingerieben werden:
-
- Olivenöl 1 Unze.
- Auflösung von Potasche (~Solution of potassa~) 2 Drachmen.
- Merkurial-Salbe (~Mercurial ointment~) 1 Drachme.
-
- Ein Brechmittel von Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~) kann in Dosen
- von einem Theelöffel voll gegeben werden, bis Erbrechen eintritt. Der
- Dampf von heißem Wasser und Wollkrautblättern (~Mullein leaves~), von
- dem Kinde eingeathmet, wird gleichfalls gut sein.
-
- =Homöopathisch.= Wenn die ersten Symptome, wie heiserer Husten mit
- Fieber erscheinen, gebe man alle Stunden abwechselnd ~Aconitum~ und
- ~Spongia~. Wenn aber das Kind mit jenem bellenden Crouphusten aus dem
- Schlafe erwacht, gebe man alle 10 oder 15 Minuten ~Tartarus emeticus~
- und ~Spongia~. Wenn die Symptome heftig sind, so wird ein warmes Bad
- sehr zuträglich sein. Es sollte dies zuerst ungefähr 96 Grad sein und
- allmählig durch Hinzufügen von heißem Wasser warm gemacht werden. Aus
- dem Bade genommen, trockne man das Kind schnell und hülle es gut ein.
- Tücher in kaltem Wasser getränkt, auf den Hals gelegt und mit Flanell
- bedeckt, werden von gutem Erfolg sein. Gegen den bellenden, feuchten
- und lockeren Husten, welcher zurückbleibt, nachdem die Heftigkeit
- des Anfalles nachgelassen hat, gebe man ~Spongia~ und ~Hepar~ alle
- Stunden abwechselnd.
-
- Wenn der Husten locker ist und es befindet sich ein Rasseln von
- Schleim im Hals und in der Brust und ein dicker Schleim wird
- ausgespuckt, so gebe man ~Tartarus emeticus~ mit ~Hepar Sulphuris~
- abwechselnd eine halbe Stunde oder eine Stunde für sich. Gegen die
- nach einem Anfall zurückbleibende Heiserkeit, und um eine Wiederkehr
- für die nächste Nacht zu verhindern, gebe man ~Phosphorus~ oder
- ~Hepar Sulphuris~, alle 2 oder 4 Stunden eine Dosis. Nachdem
- der Anfall sehr heftig geworden und die Bildung einer falschen
- Schleimhaut augenscheinlich ist, das Kind von Erstickung bedroht
- wird, gebe man ~Kali Bichromacum~. Ein kleines Pulver sollte alle 3
- oder 5 Minuten gegeben werden. Gewährt dies keine Linderung, so gebe
- ~Arsenicum~ und mache heiße Umschläge um den Hals. Ist das Athmen
- sehr mühsam, keuchend, rauher Husten, Schnappen nach Luft, bei großer
- Gefahr von Erstickung, so gebe man ~Bromine~. ~Phosphorus~ allein
- oder abwechselnd mit ~Lachesis~ ist bei strengen Formen ein sehr
- schätzbares Mittel.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Ist das Mittel in Kügelchen, so löse 12
- in 12 Theelöffel voll Wasser, ist es in Pulvern, so gebe eine Portion
- von der Größe einer kleinen Erbse.
-
- +Die Kost+ -- sollte in Hafermehlschleim, Gerstenwasser,
- Zwiebackwasser oder Milch bestehen.
-
- =Eclectisch.= Das erste, was geschehen muß, ist, ein Brechmittel
- zu verordnen. Die Lobelia-Tinktur dürfte das beste sein. Man gebe
- davon alle 10 Minuten einen Theelöffel voll, bis Erbrechen eintritt.
- Ein anderes wirksames Mittel ist pulverisirter Alaun (~Alum~) in
- Molasses oder Honig alle 10 Minuten gegeben. Ein Thee aus Seneca-
- oder Blutwurzel (~Seneca root~, ~Blood root~) ist ein gutes Mittel,
- die sich im Halse bildende Schleimhaut zu lösen. Sobald das
- Brechmittel zu wirken beginnt, gebe man einen starken Thee von
- Sumach und Gagel (~Bayberry~). Da, wo die Eingeweide verstopft
- sind, gebe gleiche Theile von Meerzwiebeln (~Squills~) und Castoröl
- alle Stunden in Theelöffeldosen, bis sie auf die Eingeweide wirken.
- Dies sollte nicht, während das Brechmittel gegeben wird, genommen
- werden. Geröstete Zwiebeln, geröstete Aepfel und Preiselbeeren
- (~Cranberries~) sind zu Umschlägen für den Hals empfohlen worden, das
- beste aber ist ein Pflaster aus Schnupftabak und Fett. Man mische
- einen Theelöffel voll Schnupftabak mit ein wenig Fett, streiche es
- auf ein Tuch und lege es auf Hals und Brust. Bienensyrup (~Hive
- syrup~) ist ein gutes Mittel und sollte immer vorräthig gehalten
- werden. Man gebe ihn alle 10 Minuten in Dosen von einem Theelöffel
- voll, bis das Erbrechen eintritt.
-
- Bei Beginn der Krankheit wird sich Watte in gleiche Theile von
- Kampher und Essig oder Whiskey getränkt, warm gemacht und um den
- Hals gebunden, zuträglich erweisen. Wenn die Krankheit hartnäckig
- ist, so wird ein Umschlag um den Hals und auf die Brust von rothem
- Pfeffer (~Red pepper~), schlüpferiger Ulme (~slippery Elm~)
- und Lobelia, jedes pulverisirt, mit heißem Wasser, gewöhnlich
- Linderung verschaffen. Diese Umschläge sollten, sobald sie
- kühl sind, gewechselt werden. Eine Salbe, zusammengesetzt aus
- Hirschhorn-Spiritus (~Hartshorn spirits~) ½ Unze, Laudanum ¼ Unze,
- Terpentin (~Turpentine~) ½ Unze; süßes Oel ½ Unze. Mische es und
- mache einen Umschlag auf Hals und Brust. Bei kleinen Kindern wird ein
- Umschlag von Hopfen, in heißem Wasser gekocht, vorzüglich gefunden
- werden. Während des Tages, wenn die Symptome besser sind, sollte
- durch einen Aufguß von 3 Theilen Lobelia und einem Theil Blutwurzel
- (~Blood root~), einem Aufguß von Meerrettig in Essig, kleine Dosen
- von Brechwurzwein (~Wine of ipecac~) der Auswurf befördert werden.
-
-
-Keuch- oder Stickhusten (~Whooping Cough -- Pertussis~).
-
-Diese ansteckende Krankheit trifft ein und dieselbe Person gewöhnlich
-nur einmal im Leben. Sie beginnt mit Heiserkeit, Schneuzen und
-anderen Erkältungssymptomen und ist durch krampfhafte Hustenanfälle
-gekennzeichnet, während welchen ein Röcheln in der Luftröhre vernommen
-wird und das Athemholen von einem zischenden Geräusch begleitet ist,
-bis ein dicker, klebriger Schleim entleert wird, worauf das Athemholen
-wieder freier von Statten geht. Während der Hustenanfälle ist das
-Gesicht des Kindes geröthet, der Kopf schwitzt und der ganze Körper ist
-aufgeregt; manchmal tritt Nasenbluten ein, der Urin oder die Gedärme
-entleeren sich, ohne daß dies das Kind verhindern könnte.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Das folgende mag bei heftigeren Anfällen gebraucht
- werden:
-
- Kampherwasser (~Camphor water~) 2 Unzen.
- Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of hyosciamus~) 1 Drachme.
- Verdünnte Hydrocian-Säure (~Diluted hydrocyanic
- acid~) 5 Tropfen.
-
- Dosis für ein Kind von drei bis sechs Jahren: Einen Theelöffel voll
- dreimal täglich.
-
- Die folgende Arznei ist eine ausgezeichnete:
-
- Pulverisirte Brechwurz (~Pulv. ipecac~) 3 Grane.
- Schwefelniederschlag (~Precip. Sulphur~) 2 Skrupel.
- Bilsenkraut-Extrakt (~Extract of hyosciamus~) 6 Grane.
-
- Mische dieses und bereite 12 Pillen daraus. Dosis: Eine Pille alle 3
- oder 4 Stunden.
-
- Sind Luftröhre und die Lungen ziemlich affizirt, so wird das folgende
- Mittel sich als sehr wirksam erweisen:
-
- Sturmhut-Tinktur (~Tincture of aconite~) 1 Drachme.
- Bilsamkraut-Tinktur (~Tincture of hyosciamus~) 1 „
- Brechweinstein (~Tartar emetic~) 1 Gran.
- Morphium 1 „
- Syrup 4 Unzen.
-
- Mische dieses. Dosis: Für ein Kind von 3 bis 6 Jahren 1 Theelöffel
- voll drei- bis viermal des Tages. Diese Medizin mag gebraucht werden,
- nachdem die Krampfanfälle aufgehört haben, der Husten aber immer noch
- sehr lästig ist.
-
- Das folgende Einreibmittel wird, wenn man den Rückgrat damit
- einreibt, in manchen Fällen gute Dienste leisten:
-
- Laudanum 1 Unze.
- Amberöl (~Oil of amber~) 1 „
- Alcohol 2 Unzen.
- Salatöl 2 „
-
- Mische dies.
-
- Das folgende wird empfohlen:
-
- Lobelia-Tinktur (~Tincture of lobelia~) ½ Unze.
- Meerzwiebel-Syrup (~Syrup of squills~) ½ „
-
- Mische dieses. Dosis: Für ein zweijähriges Kind 20 Tropfen vier- oder
- fünfmal täglich.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Dr. F. Cook von Philadelphia empfiehlt
- gesättigte schwarze Schlangenwurzel-Tinktur (~Saturated tincture of
- black cohosh~). Einem einjährigen Kinde gebe von 15 bis 20 Tropfen
- vier- bis fünfmal täglich.
-
- Auch das folgende ist ein werthvolles Heilmittel:
-
- Belladonna-Extrakt 10 Grane.
- Alcohol ½ Unze.
-
- Mische dieses gut und füge 4 Unzen Syrup und 1 Drachme pulverisirten
- Alaun (~Powdered alum~) bei. Dosis: Einen Theelöffel voll alle 3, 4
- oder 5 Stunden.
-
- Ein Aufguß von Frauenhaar (~Maiden hair~) ist sehr wirksam, wenn der
- Patient viel davon trinkt.
-
- Die folgende Arznei wurde mit gutem Erfolge gebraucht:
-
- Verdünnte Salpeter-Säure (~Dilute nitric acid~) 1 Drachme.
- Syrup 3 Unzen.
-
- Mische dieses. Dosis: Einen Theelöffel voll alle 3, 4 oder 5 Stunden.
-
- =Homöopathisch.= ~Mephitis Putorius~ -- ist ein sehr werthvolles
- Heilmittel, und mag man alle 4 Stunden eine Dosis davon geben.
- ~Drosera~ ist ein anderes werthvolles Heilmittel, namentlich wenn
- sich folgende Symptome zeigen: Trockener, krampfhafter Husten, der
- sich bei Nacht verschlimmert; wenn das Kind hustet, preßt es die Hand
- auf die Magengegend; ein heftiger Hustenanfall folgt dem anderen und
- ist mit Blutabgang aus Mund und Nase begleitet; der Husten wird durch
- Sprechen oder Lachen gereizt; der Schleim ist dick und zäh.
-
- ~Corallia.~ -- Mag in manchen Fällen mit sehr guter Wirkung gegeben
- werden.
-
- ~Aconitum.~ -- Bei ziemlich viel Fieber mit kurzem, trockenem
- Husten und Schmerz in der Brust. Dieses Heilmittel mag abwechselnd
- mit ~Bryonia~ oder ~Phosphorus~ gegeben werden, namentlich wenn
- Lungenentzündung im Anzuge ist.
-
- ~Tartar Emetic.~ -- Wenn zu Anfang ein heftiger erstickender Husten
- vorhanden ist und wenn man ein zischendes, vom Schleim herrührendes
- Geräusch in der Luftröhre und Brust wahrnimmt und der Patient
- von Erstickung bedroht ist; kurze Hustenanfälle folgen in kurzer
- Aufeinanderfolge. ~Ipecac~ thut bei diesen Symptomen ebenfalls gute
- Dienste.
-
- ~Chamomilla.~ -- Keuchen und Zischen bei jedem Athemzug, der Husten
- wird durch die geringste Störung in der Luftröhre herbeigeführt, das
- Kind erschrickt sehr leicht und ist verdrießlich.
-
- ~Cuprum.~ -- Häufige Hustenanfälle mit Steifheit im ganzen Körper,
- Keuchen und Pfeifen in der Luftröhre, große Erschöpfung nach den
- Hustenanfällen.
-
- Andere Heilmittel sind: ~Carbo Vegetabilis~, ~Dulcamara~, ~Cina~,
- ~Belladonna~, ~Mercurius~, ~Opium~, ~Hellebore~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Heilmittel löse man
- 12 Pillen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel
- voll alle 2, 3 oder 6 Stunden.
-
-
-Kolik.
-
-Dies ist eine sehr häufige und lästige Kinderkrankheit, die öfters
-durch Erkältung oder irgend welche die Milch der Mutter affizirende
-Gemüthsbewegung erzeugt wird. Das Kind schreit, stoßt und zieht die
-Beine hinauf. Häufig findet auch kein Urinabgang statt.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Frauen- oder Pfeffermünz- (~Spearmint
- or peppermint~) Thee mit ein wenig Zucker- und Saleratuswasser wird
- gewöhnlich Linderung verschaffen. Paregoricum mag in Dosen von 10
- Tropfen zu einem Theelöffel voll gegeben werden. Ein Salz- und
- Wasser-Klystier schafft oft augenblickliche Linderung. Ein halber
- Theelöffel voll Castoröl und ein halber Theelöffel voll Paregoricum
- zusammen gemischt ist ein gutes Mittel. Ingwer- (~Ginger~) oder
- Anissamen-Thee mag mit guter Wirkung gebraucht werden. Heiß gemachte
- Stücke Flanellzeug oder Flanellkleider sollten auf den Magen und ein
- mit heißem Wasser gefüllter Krug an die Füße gelegt werden.
-
- =Homöopathisch.= ~Chamomilla.~ -- Mag namentlich dann gegeben werden,
- wenn der Mastdarm angeschwollen ist; das Kind schreit, zieht den
- Körper zusammen und die Füße hinauf; die äußeren Gliedmaßen sind
- kalt. Wenn nebst diesen Symptomen Uebelkeit, Erbrechen und Diarrhöe,
- ein Rumpeln in den Gedärmen und Frösteln sich vorfinden, so gebe
- ~Pulsatilla~.
-
- Ist Hartleibigkeit vorhanden, so gebe ~Nux Vomica~. Sind die
- Stuhlgänge gährend und haben sie einen fauligen Geruch, so gebe
- ~Ipecac~; riechen sie sauer, ~Rheum~. Ist die Kolik von Würmern
- verursacht, so gebe ~Cina~, ~Sulphur~, ~Mercurius~. Ist der Patient
- schlaf- und ruhelos, hat er Fieberhitze und schreit er viel, so gebe
- ~Coffea~ und ~Belladonna~ abwechselnd. Oefters werden die Schmerzen
- durch ein laues Bad gelindert.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Gebe 2 oder 3 Kügelchen trocken, oder
- löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen
- Theelöffel voll für eine Dosis, welche alle 15 Minuten, halbe Stunde
- oder Stunde wiederholt wird.
-
- =Allöopathisch.= Ist Hartleibigkeit vorhanden, so gebe ein Klystier
- von einem Theelöffel voll Castoröl und eine Unze warmen Pfeffermünz-
- oder Frauenmünz- (~Peppermint or spearmint~) Aufguß. Ein Aufguß
- von Pfeffermünz oder Fenchelsamen (~Fennel~) ist gewöhnlich zur
- Beseitigung eines Anfalles genügend.
-
- Rührt das Uebel von Würmern her, so gebe folgendes:
-
- Stinkharz (~Asafœtida~) 1 Drachme.
- Wasser 4 Unzen.
-
- Schüttle dies zusammen, bis die Masse gut gemischt ist, sodann füge 2
- Unzen Ingwer-Syrup (~Syrup of ginger~) hinzu. Dosis: Einen Theelöffel
- voll. Auf die Stuhlgangöffnung mag man mit Rhabarber-Syrup oder süßer
- Rhabarber-Tinktur (~Syrup of rhubarb or sweet tincture of rhubarb~)
- mit ein wenig beigefügter Soda einwirken.
-
-
-Würmer.
-
-Siehe für Behandlung erster Theil, das zwölfte Kapitel.
-
-
-Gehirnentzündung (~Inflammation of the brain~).
-
-Für Behandlung dieser Krankheit siehe erster Theil, zweites Kapitel.
-
-
-Kehlsucht, auch Ziegenpeter (~Mumps -- Parotitis~).
-
-Diese Krankheit ist eine Entzündung der Ohrendrüse, welche unter dem
-Ohr liegt und mit der unter dem Kinnbacken und der unter der Zunge
-liegenden Drüse den Speichel absondert. Kinder über sieben Jahren sind
-der Kehlsucht viel eher ausgesetzt als jüngere; auch ist dieselbe
-ansteckend, so daß, wenn ein Kind einer Familie oder Schule davon
-befallen wird, alle andern die Krankheit bekommen. Zum zweitenmal
-bekommt ein Kind den Ziegenpeter selten.
-
-+Symptome.+ Die Krankheit fängt gewöhnlich mit leichtem Fieber
-und Catarrh-Symptomen an. Der Hals wird steif und das Bewegen des
-Kinnbackens, um zu sprechen oder zu essen, ist schmerzhaft. Nach etwa
-24 Stunden zeigt sich am unteren Kinnbacken eine Geschwulst, die
-sehr schnell größer wird; dieselbe ist heiß, trocken und gegen den
-Druck sehr empfindlich. Die Hautfarbe ist unverändert, es sei denn,
-die Drüsen an beiden Seiten seien geschwollen und drücken auf die
-anderen ein, wodurch der Blutumlauf vom Herzen zum Kopf gestört wird.
-Gefährlich ist die Krankheit nicht, außer wenn sich das Uebel durch
-Erkältung oder andere Ursachen beim männlichen Patienten in die Hoden,
-beim weiblichen in die Brüste zieht. Manchmal zieht sich das Uebel auch
-ins Gehirn. Dies sind aber sehr seltene Fälle. Die Entzündung erreicht
-am dritten oder vierten Tag ihren höchsten Grad und verschwindet
-endlich nach etwa zehn Tagen oder zwei Wochen wieder.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= Das Hauptmittel ist ~Mercurius~, wovon eine Dosis (4
- Kügelchen) dreimal des Tages genommen werden mag.
-
- ~Belladonna.~ -- Wenn die Geschwulst heiß und trocken ist oder wenn
- sie das Gehirn affizirt und Delirium und Bewußtlosigkeit verursacht.
- Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen
- Theelöffel voll jede Stunde. Lindert dieses Mittel nicht in einigen
- Stunden, so gebe ~Hyosciamus~ in derselben Weise.
-
- Zieht sich die Anschwellung nach den Hoden, so gebe ~Pulsatilla~ und
- ~Nux Vomica~, eine Dosis (4 Kügelchen) alle zwei oder drei Stunden.
- Warme Flanelltücher, die man um den Hals bindet, thun gute Dienste.
-
- +Kost.+ Die Kost muß leicht sein; z. B. gebackene Aepfel, gekochte
- Zwetschen, geröstetes Brot (~toast~) und schwarzer Thee, Cacao u.s.w.
- Man halte den Patienten warm, und wenn er Fieber hat, muß er im Bett
- bleiben.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Schmerzt die Anschwellung, so bringe
- man Schweiß hervor, indem man die Füße des Kindes in heißem Wasser
- badet und ihm Balsam-, Katzenmünze-, Frauenmünze- oder Ysop-Thee
- (~Balm, Catnip, Spearmint or Pennyroyal~) zu trinken, nebst
- einer Dosis Paregoricum giebt. Sind die Symptome heftig, so gebe
- Brechwurzpulver und Opium (~Powder of Ipecac and Opium~). Der
- Stuhlgang ist mittelst Castoröl und Bittersalz in Ordnung zu halten.
- Das folgende Einreibmittel leistet gute Dienste: Spanische Seife,
- Kampfergummi, Sassafrasöl, Hirschhorngeist (~Spirits of hartshorn~)
- und Terpentingeist, von jedem eine Unze, Alcohol 2 Unzen. Mische
- dieses.
-
- Hat sich die Geschwulst nach den Hoden oder den Brüsten gezogen,
- so lege man ein Pflaster hinter die Ohren, um sie wieder auf den
- ursprünglichen Platz zurückzubringen. Verordne die zusammengesetzte
- Virginische Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of
- Virginia snake root~), um Schweiß zu erzeugen. Hopfen- und
- Stechapfelblätter-Umschläge, gleiche Theile von jedem und mit heißem
- Wasser zubereitet, sollten auf die Theile gelegt werden.
-
- =Allöopathisch.= Man verordne das folgende:
-
- Rochelle Salz 1 Unze.
- Kohlensaure Magnesia (~Carbonate of magnesia~) 1 Drachme.
- Münz- oder Pfeffermünzwasser (~Mint or peppermint
- water~) 6 Unzen.
-
- Mische dieses und gebe den vierten Theil für eine Dosis ein- oder
- zweimal des Tages.
-
- Oder dieses:
-
- Saure Ammoniak-Auflösung (~Solution of acetate of
- ammonia~) 1½ Unzen.
- Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 Drachmen.
- Syrup 2 „
- Kampfermischung (~Camphor mixture~) 4 Unzen.
-
- Mische dieses. Dosis: den vierten Theil alle 3 oder 4 Stunden.
-
- Sind die Symptome sehr heftig, so gebe 4 oder 6 Grane von Dover’s
- Pulver; ist Hartleibigkeit vorhanden, das zusammengesetzte
- Jalappenpulver (~Compound powder of Jalap~). Sind die Hoden oder
- Brüste geschwollen, so müssen Blutegel angesetzt und Abführungsmittel
- öfters gebraucht werden. Bringe Schweiß hervor mittelst der
- zusammengesetzten Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel (~Compound
- tincture of Virginia snake root~) oder eines Dampfbades.
-
-
-
-
-Vierter Theil. -- Verschiedene Krankheiten.
-
-
-
-
-Erstes Kapitel.
-
-Rheumatismus.
-
-
-Rheumatismus ist eine durch eine im Blut befindliche giftige Substanz
-verursachte Entzündung. Man unterscheidet zwischen der acuten und
-chronischen Form.
-
-+Symptome des acuten Rheumatismus.+ Dem acuten Rheumatismus geht
-gewöhnlich Mattigkeit, Frösteln, Hitze, voller, schlagender Puls
-und viel Schweiß, der sauer riecht, voraus. Diesen Symptomen folgt
-bald Steifheit in den Muskeln und Wundheit, nebst außerordentlichen
-Schmerzen in den verschiedenen Körpergelenken, hauptsächlich in denen
-der Zehen, Aenkel, der Schultern, der Ellenbogen, der Kniee und der
-Hand; die Schmerzen ziehen sich von einem Gelenk nach dem andern; die
-betreffenden Theile schwellen an und sind roth, sowie gegen Druck sehr
-empfindlich. Der Anfall beschränkt sich öfters nur auf ein Gelenk,
-zieht aber noch öfters von einem zum andern. Häufig wird das Herz oder
-die dasselbe umgebenden Theile vom Rheumatismus erfaßt und ist die
-Krankheit in diesem Fall besonders gefährlich. Auch die Lungen, die
-Leber, der Magen und die Gedärme sind rheumatischen Anfällen ausgesetzt.
-
-Der acute Rheumatismus wird oft mit Gicht verwechselt; diese
-beschränkt sich jedoch gewöhnlich nur auf einen Theil des Körpers,
-und hauptsächlich sind die kleineren Gelenke, namentlich die Zehen,
-Gichtanfällen ausgesetzt, welchen dyspeptische Symptome vorangehen;
-das Fieber und der Schmerz in der Nacht sind nicht so heftig als bei
-Rheumatismus. Chronischer Rheumatismus mag aus der acuten Form der
-Krankheit entspringen, findet sich jedoch häufiger, ohne daß eine
-vorhergehende Entzündung eingetreten wäre, und ist selten mit stark
-hervortretendem Fieber begleitet. Es ist dies ein sehr hartnäckiges
-Uebel, das aber bei zeitiger und angemessener Behandlung gehoben werden
-mag.
-
-+Die Symptome+ bestehen in Schmerzen, Lahmheit und Steifheit der
-verschiedenen Gelenke und anderer Körpertheile. Die Schmerzen
-verschlimmern sich des Nachts; die Gelenke sind oft angeschwollen,
-jedoch nicht in dem Grade als bei der acuten Form. Ruht der Patient
-eine Zeit lang, so wird der affizirte Theil schmerzen und steif sein,
-was sich aber wieder hebt, nachdem der Kranke sich eine Zeit lang
-bewegt hat.
-
-+Ursachen.+ Der acute Rheumatismus wird gewöhnlich dadurch
-herbeigeführt, wenn man sich feuchter und kalter Witterung aussetzt
-oder feuchte Kleider trägt, in feuchten Betten schläft u.s.w.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Bei der Behandlung des acuten
- Rheumatismus kommt es vor allem darauf an, reichlichen Schweiß zu
- erzeugen. Zu diesem Zwecke mag entweder ein warmes Dampfbad benützt
- werden, oder man bringt den Kranken in ein gut durchwärmtes Bett und
- legt mit heißem Wasser gefüllte Krüge oder gekochte Welschkornähren
- um ihn her. Dabei sollte er viel warme Getränke, z. B. Ysop-
- (~Pennyroyal~), Katzenmünze- (~Catnip~) und Flachssamen-Thee
- trinken. Ein Mittel, das gewöhnlich Schweiß erzeugt, kann aus der
- zusammengesetzten Tinktur von Virginischer Schlangenwurzel (~Compound
- tinct. of Virginia snake root~), welche in einem warmen Aufguß von
- Pleuresiewurzel (~Pleurisy root~) gegeben wird, bereitet werden.
- Wenn die Krankheit mit Störungen in der Leber auftritt, so ist ein
- Brechmittel, worauf man ein Abführmittel, z. B. Bittersalz oder
- Catarrh-Pillen (~cathartic pills~) folgen läßt, sehr nützlich. Auf
- die schmerzenden und geschwollenen Gelenke lege man warme oder kalte
- Hopfen- und Lobeliaumschläge, wozu auch Hopfen- und Stechapfelblätter
- (~Stramonium leaves~) oder Flachssamenmehl oder Kleie und Roggenmehl
- brauchbar sind. Manchmal wird der Schmerz gemildert, indem man die
- schmerzenden Gelenke mit gleichen Theilen von Essig und Whisky
- einreibt. Das beste Mittel sind jedoch frische Stechapfelblätter,
- die man zerquetscht, mit ein wenig Wasser anfeuchtet und über die
- betreffenden Theile legt, indem man dies täglich drei- bis viermal
- erneuert. Nachdem die warmen Umschläge entfernt sind, sollten die
- betreffenden Theile mit Baumwollenwatte, die etwa ein Viertel
- Zoll dick aufzulegen ist und worüber man ein Stück Flanell legt,
- damit die Wärme und Feuchtigkeit nicht wegzieht, bedeckt werden.
- Innerlich verwende man eine Mischung von gleichen Theilen von
- schwarzer Schlangenwurzel-Tinktur (~Tinct. of black cohosh~) und
- Zeitlosensamen-Tinktur (~Tinct. of Colchicum seeds~), in Dosen von
- 10 zu 60 Tropfen, je nach Umständen alle Stunde, 2 oder 3 Stunden.
- Während die Symptome und das Fieber sehr heftig sind, füge man jeder
- Dosis von 3 zu 8 Tropfen Sturmhutwurzel-Tinktur (~Tinct. of Aconite
- root~) bei. Mit diesem sollte man jedoch Morgens, wo die Anfälle
- gewöhnlich nachlassen, aussetzen, und statt dessen ein oder zwei
- Grane Opium jeder Dosis beifügen.
-
- Ein anderes ausgezeichnetes Mittel ist das folgende:
-
- Gesättigte Wurzelsumach-Tinktur (~Saturated tinct.
- of Rhus Toxicodendron~) ½ Unze.
- Sturmhutwurzel-Tinktur (~Tinct. of aconite root~) 2 Drachmen.
- Flüchtige Guajak-Tinktur (~Volatile tincture of
- Guaiacum~) 2 „
-
- Mische dieses. Dosis: 30 bis 40 Tropfen alle 2 bis 3 Stunden.
-
- Sehr wirksam werden sich Citronensaft oder warme Limonade, ein
- Eßlöffel voll alle 2 oder 3 Stunden, erweisen.
-
- Ist eines der inneren Organe, z. B. das Herz, der Magen oder die
- Leber, vom Rheumatismus befallen, so verordne die zusammengesetzte
- Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel in Dosen von einem
- Theelöffel voll alle 10 oder 15 Minuten, bis reichlicher Schweiß
- eintritt.
-
- Bei chronischem Rheumatismus muß die Stuhlöffnung erhalten werden,
- indem man eine Mischung von zwei Theilen Rhabarber und einem Theil
- doppeltkohlensaurem Kali (~Bi-carbonate of potassa~) in Dosen von
- 3 bis 12 Granen giebt, oder so viel, um einen Stuhlgang täglich zu
- bewirken.
-
- Das folgende wird zur Kur der Krankheit empfohlen:
-
- Schwarze Schlangenwurzel (~Black cohosh root~) 1 Unze.
- Stachelesch-Beeren (~Prickly ash berries~) 1 „
- Pepsin (~Pepsissewa~) 1 „
- Sassafrasrinde 1 „
- Guter Brandy 4 Pint.
-
- Man lasse die Medizinmittel in dem Branntwein 4 Wochen lang stehen.
- Dosis: einen Eßlöffel voll in ein Weinglas voll versüßten Wassers
- dreimal des Tages.
-
- Das folgende ist ein gutes Mittel gegen dieses Uebel:
-
- Magnesia 1 Theelöffel
- voll.
- Zeitlosen-Wein (~Wine of colchicum~) 1 „
- Wasser 1 Weinglas
- voll.
-
- Man nehme dies auf einmal und wiederhole die Dosis drei- bis viermal
- täglich.
-
- Dr. Cook empfiehlt gleiche Theile von Copaiva- und Hemlock-
- (canadische Edeltanne) Balsam, gut gemischt und in Dosen von einem
- Theelöffel voll mit Zucker genommen.
-
- Als Einreibmittel mag das folgende gebraucht werden:
-
- Cayenne ¼ Pfund.
- Alcohol 1 Pint.
-
- Man lasse den Pfeffer zehn Tage lang in dem Alcohol stehen und seihe
- dann die Masse durch.
-
- Das folgende wird sehr gut empfohlen:
-
- Kampher-Spiritus 1 Unze.
- Hirschhorngeist (~Spirits of hartshorn~) 1 „
- Terpentingeist (~Spirits of turpentine~) 1 „
- Nro. 6 oder heiße Tropfen (~Hot drops~) 1 „
- Laudanum 1 Theelöffel
- voll.
- Rindsklauen- oder Rindsfußöl (~Neatsfoot oil~) ½ Pint.
- ~One beefs gall.~
-
- Die ~Beefs gall~ sollte geschnitten und die grüne Substanz in
- derselben sollte in das Gefäß gebracht werden, wo die anderen Artikel
- sind. Mische die Masse gut, pfropfe die Flasche fest zu und wende die
- Mischung dreimal täglich an.
-
- Das folgende ist ein anderes ausgezeichnetes Einreibmittel:
-
- Laudanum 1½ Unze.
- Kampherspiritus 1½ „
- Chloroform 1½ „
- Salatöl ½ „
-
- Mische dieses.
-
-
- =Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- sollte zu Anfang, wenn das Fieber sehr
- stark ist, gegeben werden. Heiße, trockene Haut, schießende, reißende
- Schmerzen, die sich bei Nacht verschlimmern. Man mag dieses Mittel
- und ~Bryonia~ abwechselnd geben, wenn die Schmerzen bei Bewegung oder
- des Nachts sich verschlimmern und wenn Kopfweh und Anschwellen der
- Gelenke vorhanden ist.
-
- ~Belladonna.~ -- Wird gegeben, wenn ~Bryonia~ nicht wirkt, oder wenn
- die betretenden Theile geschwollen, sehr roth und glänzend sind.
- Schlaflosigkeit des Patienten bei Nacht und Klagen über Trockenheit
- im Munde und Halse; Blutandrang nach dem Kopfe. ~Belladonna~ und
- ~Bryonia~ kann manchmal mit gutem Erfolge abwechselnd gegeben werden.
-
- ~Rhus Tox.~ -- Schmerzen, während der Patient ruht, stärker, die
- Theile sind geschwollen, roth und der Kranke fühlt Reißen in
- denselben. Lahmheit und Schwäche der in der Nähe der affizirten
- Theile liegenden Muskeln, Vermehrung des Fiebers und der Schmerzen
- während der Nacht, Schweiß, namentlich bei heftigen Schmerzen.
-
- ~Arnica.~ -- Ein Gefühl des Zerquetscht- oder Verrenktseins in den
- Hand- und Fußgelenken und dem Kreuz mit harten, rothen und glänzenden
- Anschwellungen, Erstarrungsgefühl in den affizirten Theilen,
- Schmerzen verschlimmert während der Bewegung. Mag abwechselnd mit
- ~Rhus~ gegeben werden.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Wenn die Schmerzen schnell von einem Theil zum
- andern ziehen und der Patient ein Gefühl der Erstarrung und Lähmung
- spürt und sein Zustand sich in der kalten Luft verbessert.
-
- ~Colchicum.~ -- Bei stechenden, zerrenden Schmerzen, die sich bei
- Nacht und bei Bewegung verschlimmern.
-
- ~Mercurius.~ -- Wenn die Schmerzen durch Bettwärme oder gegen Morgen
- erhöht werden und der Patient reichlich schwitzt, ohne dadurch
- Linderung zu erhalten. Mit diesem mag auch ~Lachesis~ gegeben werden.
-
- ~Dulcamara.~ -- Wenn der Rheumatismus dadurch erzeugt wurde, daß
- sich die betreffende Person der kalten Witterung aussetzte, und die
- Schmerzen sich bei Nacht mit leichtem Fieber einstellen.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12
- Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel
- voll alle eine, zwei oder drei Stunden, indem man die Zwischenräume
- verlängert, wenn der Patient besser wird.
-
- Wasser leistet gegen diese Krankheit sehr gute Dienste. Es mögen
- kalte Umschläge, die oft gewechselt werden müssen, auf die affizirten
- Theile gelegt werden, während welcher Zeit der Patient im Bett wohl
- zugedeckt bleiben und reichlich Wasser trinken sollte. Nachdem
- Schweiß erzeugt worden, muß der Kranke von einer bis zwei Stunden im
- Schweiße erhalten und alsdann mit einem feuchten Handtuch abgewaschen
- und trocken gerieben werden. Sodann mag er ein warmes Sitzbad nehmen,
- bis er vollkommen abgekühlt ist.
-
- +Kost.+ Der Patient darf kein Fleisch noch Suppen genießen,
- selbst nicht lange Zeit nach der Genesung. Seine Nahrung soll aus
- Hafermehlschleim (~Gruel~), Reis &c. bestehen, wozu Toast- und kaltes
- Wasser, warme oder kalte Limonade getrunken und Orangen gegessen
- werden mögen. Der Schmerz wird oft schnell gemildert, wenn man die
- angeschwollenen Gelenke und affizirten Theile mit loser Wolle oder
- Baumwollenwatte bedeckt, worauf geöltes Seidenzeug (~Oiled silk~)
- gelegt wird.
-
- Gegen chronischen Rheumatismus mögen außer den oben genannten
- Heilmitteln die folgenden gebraucht werden:
-
- ~Ignatia.~ -- Schmerzen als ob das Fleisch von den Knochen los wäre
- und heftiger bei Nacht.
-
- ~China.~ -- Wenn sich die Schmerzen beim leichtesten Druck
- verschlimmern, mit leicht erzeugtem Schweiß und wenn die betreffenden
- Theile sehr schwach sind.
-
- ~Arsenicum.~ -- Bei brennenden, reißenden Schmerzen, die bei Nacht
- und in der Kälte sich verschlimmern und durch äußere Wärme gelindert
- werden.
-
- ~Phosphorus.~ -- Reißende Schmerzen, durch das geringste Frösteln
- veranlaßt, Schwindel, Druck in der Brust.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Gebe eine Dosis (6 Kügelchen) zwei-
- oder dreimal den Tag. Erfolgt in 10 oder 14 Tagen keine Besserung, so
- nehme ein anderes Heilmittel.
-
- =Allöopathisch.= Bei acutem Rheumatismus muß Stuhlgang geschafft
- werden und zwar mit dem zusammengesetzten Pulver von Leptandrin oder
- dem zusammengesetzten (~compound~) Jalappenpulver. Sodann erzeuge man
- mittelst der folgenden Arznei Schweiß:
-
- Grüne Nießwurz-Tinktur (~Tincture of veratrum
- viride~) 1 Drachme.
- Schwarze Schlangenwurzel-Tinktur (~Tincture of
- black cohosh~) 2 Unzen.
-
- Mische dieses. Dosis: Einen Theelöffel voll alle 1, 2 oder 3 Stunden,
- bis reichlicher Schweiß erzeugt ist.
-
- Das folgende mag mit guter Wirkung gegeben werden:
-
- Kohlensaures Kali (~Carbonate of potassa~) 2½ Drachmen.
- Schwefelsaures Kali (~Nitrate of potassa~) 2½ „
- Wasser 8 Unzen.
-
- Mische dieses. Dosis: Einen Eß-Löffel voll dreimal täglich.
-
- Ein anderes werthvolles Heilmittel ist: Zwei Theile
- Schlangenwurzel-Tinktur (~Tincture of black cohosh~) und einen Theil
- Zeitlosenwurzel-Tinktur (~Colchicum root tincture~). Zu geben in
- Dosen von 40 Tropfen.
-
- Zu Umschlägen mag Laudanum, oder Hopfen, oder Stechapfelblätter
- gebraucht werden.
-
- Gegen chronischen Rheumatismus ist Guajak-Tinktur (~Tincture of
- guaiacum~) sehr werthvoll. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal
- täglich. Auch wird das folgende sehr empfohlen:
-
- Pulverisirter Kampher 2 Grane.
- Pulverisirtes schwefelsaures Kali (~Nitrate
- of potash~) 2 „
- Pulverisirtes Opium 1 Gran.
-
- Mische dieses und bereite zwei Pulver daraus, von welchen eines
- Morgens und eines Abends zu nehmen ist.
-
- Das folgende Einreibmittel wird von guter Wirkung sein:
-
- Salatöl 1 Unze.
- Starker Ammoniak (~Strong ammonia~) 1 „
-
- Mische und reibe die betreffenden Theile damit mittelst eines
- Flanellzeugstücks.
-
- Oder dieses:
-
- Hemlocköl 2 Drachmen.
- Majoranöl (~Oil of origanum~) 1 Drachme.
- Kampher 1 „
- Opium 1 „
- Alcohol 4 Unzen.
-
- Mische dieses.
-
- Oft wird Linderung bezweckt, wenn man das betreffende Gelenk gut mit
- Salatöl abwäscht und darauf in Baumwollenwatte einwickelt.
-
-
-Gicht, Podagra (~Gout~).
-
-Gicht ist dem Rheumatismus sehr ähnlich. Diejenigen, die sehr üppig
-leben, wenig arbeiten, viel reiche Saucen, starke Weine, Fleischspeisen
-u. s. w. genießen, sind derselben mehr ausgesetzt als andere.
-
-+Symptome.+ Der Anfall tritt manchmal plötzlich ein, häufig gehen
-demselben jedoch auch Symptome von Dyspepsie, Kopfweh, Uebelkeit,
-Kälte in den Füßen und Gliedmaßen, Erstarrungs- oder Kitzelgefühl in
-den Gliedmaßen und Hartleibigkeit voran. Der Anfall tritt gewöhnlich
-bei Nacht ein. Der Patient erwacht an einem brennenden Schmerz im
-Ballen der großen Zehe oder eines kleineren Gelenkes. Der Schmerz wird
-immer heftiger, oder läßt auch nach 24 Stunden nach. Der Anfall mag
-sich jede Nacht wiederholen. Wer schon längere Zeit von Gichtanfällen
-heimgesucht ist, dessen Gelenke werden steif und schwellen an, und um
-dieselben herum entstehen Gichtknoten (~Chalk stones~). Manchmal zieht
-sich die Gicht plötzlich von den Gelenken auf ein inneres Organ -- z.
-B. Magen, Herz und Lungen und alsdann ist die Krankheit außerordentlich
-gefährlich.
-
-Die Gicht unterscheidet sich dadurch vom Rheumatismus, daß dieser
-gewöhnlich die größeren Gelenke befällt und von einem Theile zum andern
-zieht, während die Gicht die kleineren Gelenke affizirt, gewöhnlich
-die der Hände und der Füße und nicht so leicht sich auf andere Theile
-zieht. Sodann gehen dem Rheumatismus selten Dyspepsie-Symptome voran,
-was bei der Gicht beinahe ohne Ausnahme stattfindet.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= Gegen diese Krankheit sind dieselben Heilmittel
- nützlich, die gegen Rheumatismus gebraucht werden, und außer jenen
- mag genannt werden: ~Antimonium Crudum~, wenn der Anfall mit
- Uebelkeit begleitet ist; der Schmerz nach dem Essen stärker, sowie in
- der Nacht, nachdem der Kranke Wein getrunken hat.
-
- Andere Heilmittel sind: ~Ledum~, ~Sabine~, ~Cantharides~.
-
- Gegen chronische Gicht: ~Calcarea~, ~Phosphoric Acid~, ~Aurum
- Muriaticum~, ~Phosphorus~, ~Iodina~, ~Hepar Sulphur~, ~Sepia~.
-
- =Allöopathisch.= Man gebe einen Theelöffel voll Zeitlosenwein (~Wine
- of colchicum~) zwei- oder dreimal täglich. Dies ist wahrscheinlich
- das beste Mittel gegen dieses Uebel. Nachdem Linderung eingetreten,
- sollten Dosen von 10 Tropfen einige Tage lang gegeben werden, um
- einen Rückfall zu vermeiden.
-
- Das folgende wird sich als ausgezeichnetes Mittel erweisen:
-
- Zeitlosenwurzel-Wein (~Wine of colchicum root~) 1 Drachme.
- Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate
- of potassa~) 2½ Drachmen.
- Rochellesalz 2½ „
- Pfeffermünzwasser 4 Unzen.
-
- Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll dreimal täglich.
-
- Es wird gesagt, daß der reichliche Genuß des Kaffees sehr gut wirke.
- Man sollte nie kalte Umschläge anwenden, da dadurch die Krankheit
- sich auf einen anderen Theil des Körpers ziehen mag; jedoch mag man
- die entzündeten Gelenke mit einer Auslösung von doppeltkohlensaurem
- Natron (~Bi-carbonate of soda~), worunter warmes Wasser zu mengen
- ist, waschen.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Bade den betreffenden Fuß in warmem,
- schwachem Saleratuswasser etwa 15 oder 20 Minuten lang und lege
- sodann einen Umschlag von Stechapfelblättern (~Stramonium leaves~)
- auf, wodurch gewöhnlich Linderung geschafft wird. Auch wird ein aus
- schwacher Lauge und Kleie bereiteter und warm aufgelegter Umschlag
- manchmal gute Wirkung erzeugen.
-
- Ebenso mag das folgende Liniment gute Dienste leisten:
-
- Laudanum 1 Unze.
- Lobeliaöl ½ „
- Rindsklauen- oder Rindsfußöl (~Neatsfoot oil~) 2 Unzen.
- Hirschhorngeist (~Spirits of hartshorn~) 1 Unze.
-
- Mische dies.
-
- Der Stuhl sollte geöffnet werden mit je einem Theelöffel voll von
- pulverisirter Entenfußwurzel (~Powd. mayapple root~) und Cremor
- Tartari oder anderen Abführmitteln. Hierauf gebrauche folgendes:
-
- Zeitlosensamen-Tinktur (~Tincture of colchicum seed~) 1 Unze.
- Kalium-Iodide (~Iodide of potassium~) 1 Drachme.
- Destillirtes Wasser 2 Unzen.
-
- Mische dieses. Dosis: Einen Theelöffel voll alle 2 oder 3 Stunden.
-
- Um dem Patienten Ruhe und Linderung der Schmerzen zu verschaffen,
- gebe man schwefelsaures oder essigsaures Morphium (~Sulphate or
- acetate of morphine~). Dosis: ¼ oder ½ Gran alle 1, 2 oder 3 Stunden.
-
- Der Kranke darf durchaus nicht unmäßig essen und trinken, sondern muß
- in jeder Beziehung sehr mäßig leben, sollte sich viel in freier Luft
- bewegen und Abends bald zu Bett gehen.
-
-
-Skropheln (~Scrofula, King’s Evil~).
-
-Der Name dieser Krankheit kommt von dem lateinischen ~scrofa~, das
-Schwein, und wurde deshalb gewählt, weil dieses Thier diesem Uebel
-besonders ausgesetzt ist.
-
-Es treten bei verschiedenen Krankheiten skrophulöse Symptome auf; z. B.
-bei Auszehrung, bei Hüftschmerzen, Kropf, Entzündung des Kniegelenks
-u. s. w., und die Krankheit wird allgemein als eine Anschwellung der
-Drüsen am Hals oder an anderen Körpertheilen bezeichnet.
-
-+Symptome.+ Das erste Symptom ist gewöhnlich eine Drüsenanschwellung,
-namentlich am Halse. Diese Anschwellungen mögen eine lange Zeit
-vorhanden sein, ohne wund zu werden oder Unbequemlichkeit zu
-verursachen. In sechs Monaten oder einem Jahr mögen sie so groß werden
-als ein Hühnerei. Nach und nach spitzen sie sich zu, brechen auf,
-entzünden sich und entleeren eine wässerige Flüssigkeit, die aussieht
-wie Molkenwasser und Käsequark. Manchmal fließt diese Materie aus
-mehreren Oeffnungen. Heilen die Beulen zu, so entstehen häßliche
-Schmarren und oft setzten sich wieder andere Geschwüre an. Manchmal
-werden Knochen und Augen durch die Skropheln affizirt. Weiße, zarte
-Haut, helles Haar, dicke Lippen und ein zarter Körperbau deuten darauf
-hin, daß der Organismus zu Skropheln geneigt ist.
-
-+Ursachen.+ Die Krankheit vererbt sich gewöhnlich, mag aber auch
-durch andere Ursachen hervorgerufen werden, z. B. Aufenthalt in
-feuchten, schlecht gelüfteten Wohnungen, ungenügende Nahrung, Schmutz,
-übermäßiger Genuß des Schweinefleischs, Mangel an Bewegung, Masern,
-Scharlachfieber, Blattern &c.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Der Patient sollte Seebäder gebrauchen und sich am
- Meeresufer aufhalten, um die Seeluft einzuathmen, muß sich viel
- Bewegung verschaffen und nahrhafte Kost genießen.
-
- =Homöopathisch.= Die Hauptmittel sind: ~Sulphur~, ~Mercurius~,
- ~Iodine~, ~Hepar Sulphuris~, ~Baryta~, ~Conium~, ~Belladonna~,
- ~Lycopodium~, ~Sepia~, ~Calcarea~, ~Rhus Tox~, ~Aurum~, ~China~.
-
- ~Sulphur.~ -- Geschwüre an verschiedenen Körpertheilen, Entleerungen
- aus den Ohren, chronische Anschwellungen der Mandeln; Anschwellen
- der Drüsen am unteren Kinnbacken, der Armhöhle, am Schamleisten und
- am Hals, Husten mit Schmerzen in der Brust, keine Lebhaftigkeit und
- große Empfindsamkeit gegen Kälte.
-
- ~Iodine.~ -- Schwindel des Morgens, Ohrensausen, Schmerz im Auge,
- Heißhunger, Sodbrennen, Speichelfluß, Anschwellen des Halses,
- Starrheit der Finger, Nachtschweiße.
-
- ~Rhus Tox.~ -- Weiche Hautgeschwüre, Entzündung der Augen mit
- Ausschlag um dieselben herum, chronische Anschwellung der Drüsen,
- trockener, skrophulöser Ausschlag an verschiedenen Körpertheilen,
- Steifheit und Lahmheit der Gliedmaßen.
-
- ~Belladonna.~ -- Eiternde Drüsenanschwellung, Entzündung und
- Anschwellen der Knochen, Schmerz im Augapfel mit Hitze und Röthe,
- Ohrensummen, schmerzende Hautgeschwüre.
-
- ~Calcarea.~ -- Geeignet für Fälle, wo die Monatsregel zu früh
- eintritt und der Blutausfluß zu stark ist. Auch ist es werthvoll für
- Kinder, die zu Skropheln geneigt sind. Leberthran (~Cod liver oil~)
- ist ebenfalls ein werthvolles Heilmittel.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Nehme von dem betreffenden Mittel
- eine Dosis (4 Kügelchen) alle Abend und gebrauche ein und dasselbe
- Heilmittel, so lange Besserung dadurch erzielt wird.
-
- =Allöopathisch.= Das folgende wird sehr empfohlen: Jod (~Iodine~) 6
- Drachmen, Kalium-Iodide (~Iodide of potassium~) 1½ Unze (Troy-Gewicht
- -- 1½ ~Troy ounces~), destillirtes Wasser 1 Pint. Löse die Substanzen
- auf. Dosis: 5 oder 6 Tropfen in Wasser zweimal täglich.
-
- Ist der Patient bedeutend schwach, so wird Eisen-Iodide (~Iodide of
- iron~) in Dosen von 25 Tropfen in Wasser, dreimal täglich genommen,
- treffliche Dienste leisten.
-
- Ehe die Schwären wund werden, wasche man dieselben einigemal täglich
- mit einer salzsauren Kalkauflösung (~Solution of muriate of lime~),
- indem man 2 Drachmen aus 1 Unze Wasser nimmt. Sind die Geschwüre
- entzündet, so lege Umschläge von pulverisirter Ulmenrinde (~Powd.
- slippery elm~) und Gagel (~Bay berry~), von jedem gleiche Theile,
- oder Flachssamen, oder Brod und Milch darauf.
-
- Auch wird Ammoniak-Iodide in Dosen von 3 Granen zwei- oder dreimal
- täglich empfohlen.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Man empfiehlt die Jod-Tinktur
- (~Tincture of iodine~) in Dosen von 20 Tropfen zweimal des Tages in
- einer Thee-Tasse voll einer Sarsaparilla- oder Eibischwurzel- (~Marsh
- mallow root~) Abkochung. Die Hauptmittel sind der zusammengesetzte
- Ampfer-Syrup (~Compound syrup of yellow dock~) und der
- zusammengesetzte Syrup von Stillingia. Man thut wohl, den einen Syrup
- einige Wochen zu gebrauchen, sodann den andern und so abwechselnd
- fortzufahren.
-
- Wenn die Beulen wund sind, so gebrauche das folgende: Salzsaurer
- Ammoniak 2 Drachmen, destillirtes Wasser 1 Unze; löse den Ammoniak in
- Wasser auf und füge 1 Unze Sturmhut-Tinktur (~Tincture of conium~)
- bei. Bringe diese Mischung mittelst eines Stücks Baumwollen-
- oder Linnenzeugs auf das Geschwür und halte den Lappen mit der
- Auflösung stets feucht. Auch wird hierzu das zusammengesetzte
- Belladonna-Pflaster (~Compound plaster of Belladonna~) sehr empfohlen.
-
- Wenn sich Eiterschwären ansetzen, die aufbrechen, so sollten
- dieselben täglich mit einer Mischung von spanischem Seifenwasser,
- Alcohol und Wasser ausgespritzt werden, worauf man dieselben mit
- einem vegetabilischen Aetzmittel (~vegetable caustic~) auswäscht.
- Nach diesem mag Gagelsalbe (~Ointment of bay berry~), das auf Linnen
- aufgetragen wird, gebraucht werden. Wenn bedeutende Entzündung
- vorhanden ist, so lege Nachts einen Ulmenrinde- (~Slippery elm~) oder
- Gagelumschlag auf.
-
-
-Hüftentzündung (~Hip Disease, Coxalgia~).
-
-Dies ist eine Entzündung der Schleimhaut und des Kapselbands des
-Hüftgelenks, welche oft in Eiterung und Zerstörung der oberen Theile
-des Hüftknochens endigt. Es ist der Kniegelenk-Entzündung (~white
-swelling~) sehr ähnlich.
-
-+Symptome.+ Voller Schamleisten, Schmerzen, die stärker werden, wenn
-der Fuß abwärts hängt, ohne den Boden zu berühren; der Schmerz wird
-mehr im Knie als in der Hüfte gefühlt und schießt im Bein abwärts bis
-zum Fuß, das Bein hat das Aussehen als wäre es kürzer als das andere.
-
-Die Behandlung dieser Krankheit sollte einem tüchtigen Arzte übergeben
-werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Der Stuhlgang sollte mittelst Senna oder
- doppeltkohlensaurem Kali (~Bi-carbonate of potash~) in Ordnung
- gehalten werden. Die affizirten Theile reibe man mit folgendem
- Präparat ein:
-
- Pulverisirte Blutwurzel (~Pulv. blood root~) ½ bis 1 Unze.
- Chlorsaures Zink (~Chloride of zinc~) ½ bis 2 Unzen.
- Wasser 2 „
-
- Füge genug Waizenmehl bei, um einen dicken Brei bereiten zu können.
-
- Oder dies:
-
- Flüchtiges Salz (~Sal volatile~) ½ Drachme.
- Kampherwasser 1 Unze.
-
- Mische dies.
-
- Das folgende Präparat mag eingenommen werden:
-
- Zusammengesetzter Enzian-Aufguß (~Compound infusion
- of gentian~) 4 Unzen.
- Kalium-Iodide ½ Unze.
-
- Mische dieses. Dosis: Einen Theelöffel voll nach jeder Mahlzeit.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Gleich nachdem die Krankheit angesetzt
- hat, lege einen Umschlag von Hopfen, Rainfarn (~Tansy~), Katzenmünze
- (~Catnip~), Hundskamille (~Mayweed~) oder andern bittern Kräutern auf.
-
- Nachdem der Schmerz durch die Umschläge gelindert ist, mag das
- folgende gebraucht werden:
-
- Alcohol 1 Pint.
- Kamphergummi (~Gum camphor~) 1 Unze.
-
- Löse den Kampher auf und füge bei:
-
- Hemlocköl 1 Unze.
- Sassafrasöl 1 „
- Ammoniakwasser (~Aqua ammonia~) 1 „
- Laudanum 1 „
-
- Mische dies und wasche die betreffenden Theile dreimal täglich damit.
- Zur selben Zeit lege einen Umschlag von Weizen, Kleie, Essig und
- starker Lauge mit ein oder zwei Löffel voll Salz auf. Tritt Eiterung
- ein, so lege einen Flachssamen- und Ulmenrinde- (~Slippery elm~)
- Umschlag auf. Entleert sich der Eiter, so spritze die Höhlungen mit
- spanischem Seifenwasser (~Castile soap-suds~) und darnach mit einer
- Auflösung von Holzkohle und schwefelsaurem Zink (~Sulphate of zinc~)
- oder mit einem vegetabilischen Arzneimittel aus.
-
- Wird der Kranke schwach, so muß man Stärkemittel (~Tonics~)
- gebrauchen z. B. folgende:
-
- Gelbwurzel (~Golden seal~) ½ Unze.
- Enzian (~Gentian~) ½ „
- Kamillen-Blume (~Chamomile flowers~) ½ „
- Peruvianische Rinde 1½ Unzen.
- Portwein 1 Pint.
-
- Dosis: von 1 zu 2 Eßlöffel voll zwei- oder dreimal täglich.
-
- =Homöopathisch.= ~Belladonna.~ -- Wenn sich die Schmerzen bei der
- geringsten Bewegung vermehren, die Haut roth und glänzend und der
- Hals trocken ist, und der Kranke brennendes Fieber hat. Man kann
- ~Mercurius~ darauf folgen lassen.
-
- ~Colocynth.~ -- Ist das Hauptmittel gegen diese Krankheit, namentlich
- wenn der Patient ein Gefühl hat, als wenn ein Band enge um die
- Hüften und das Kreuz gelegt wäre, und die Schmerzen sich durch den
- Schamleisten in das Bein ziehen, und die Schmerzen heftiger sind,
- wenn man auf dem Rücken liegt und der Patient hinkt.
-
- ~Mercurius.~ -- Scharfe, schneidende, brennende Schmerzen, die sich
- bei Nacht oder während der Bewegung verschlimmern, starker Schweiß
- ohne dadurch Linderung zu erhalten. Es mag ~Belladonna~ darnach
- gegeben werden. Auch ~Hepar~ kann auf ~Mercurius~ folgen.
-
- ~Lachesis.~ -- Abzehrung mit reißenden Schmerzen in dem Gelenk.
- Ansetzung und Entleerung von Eiterschwären; mag abwechselnd mit
- ~Silicea~ gegeben werden.
-
- ~Silicea.~ -- Wenn die Krankheit eine chronische Form annimmt.
- Ist Abzehrung eingetreten, so kann diese Arznei abwechselnd mit
- ~Arsenicum~ und ~Iodine~ verordnet werden.
-
- ~Sulphur.~ -- In Fällen wo andere Mittel nicht völlig gewirkt haben.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe von dem betreffenden Mittel
- eine Dosis (6 Kügelchen) jeden Morgen und Abend. Bei acuten Fällen
- verordne eine Dosis alle 3 oder 4 Stunden.
-
-
-Krämpfe.
-
-Unter Krampf versteht man eine plötzliche Zusammenziehung einer oder
-mehrerer Muskeln, und wird derselbe meistens im Bein verspürt, obgleich
-manchmal auch Magen und Brust davon befallen werden können.
-
-+Ursachen.+ Wenn man sich plötzlich der Kälte oder feuchter Luft
-aussetzt, Trinken von kaltem Wasser während man erhitzt ist oder
-schwitzt, unverdauliche Nahrung, Unmäßigkeit im Essen und Trinken,
-übermäßige Anstrengung der Muskeln.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Ist das Bein von einem Anfall befallen, so wird
- gewöhnlich dadurch geholfen, wenn eine Schnur oder ein Sacktuch fest
- über den affizirten Theil gebunden wird. Auch dadurch, daß man den
- Fuß zum Schienbein heraufzieht und so fest als möglich gegen dasselbe
- andrückt, bis der Krampf vorbei ist, wird Linderung verschafft.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ist der Magen vom Krampf befallen,
- so lege einen Umschlag von gleichen Theilen Laudanum, Kampher,
- Pfeffermünz-Essenz (~Essence of peppermint~) und Amberöl. Hat der
- Krampf sich im Bein oder Hals festgesetzt, so kann rother Pfeffer und
- Whiskey gebraucht werden.
-
- Als ein innerliches Mittel gegen Magenkrampf gebrauche
- zusammengesetzte Lobelia- und spanische Pfeffer-Tinktur (~Compound
- tincture of lobelia and capsicum~).
-
- =Homöopathisch.= ~Colocynth~ -- mildert gewöhnlich den in der Nacht
- eintretenden Krampf. Treten Krämpfe bei Tag ein, so gebe ~Rhus~.
-
- ~Veratrum.~ -- Mag jeden Abend gegeben werden, wenn der Anfall häufig
- eintritt.
-
- ~Sulphur~, ~Bryonia~ und ~Sepia~. -- Wird gebraucht, um das
- Wiederkehren der Krämpfe zu vermeiden.
-
- Befällt der Krampf den Magen, so siehe „Magenweh,“ Theil I, Kapitel
- 12.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Gebe von der betreffenden Arznei eine
- Dosis Morgens und Abends.
-
- =Allöopathisch.= Wenn der Magen vom Krampf befallen ist, so lege
- warme Hopfen-, Rainfarn- (~Tansy~) oder Senfumschläge auf. Gewöhnlich
- wird durch Morphium, das in Dosen von ¼ Gran gegeben wird, Linderung
- beschafft.
-
-
-Kropf (~Goitre -- Derbyshire Neck~)
-
-ist eine Anschwellung der Schilddrüse, welche vornen am Hals ihren Sitz
-hat. Der Fortschritt des Uebels ist ein sehr langsamer, verursacht
-keine Schmerzen, und es kommt gewöhnlich in den Gegenden vor, wo
-Schneewasser, oder stark kalkhaltiges oder erdhaltiges Wasser getrunken
-wird. Man trifft dasselbe namentlich in Nottinghamshire, Derbyshire und
-in den Alpen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= ~Spongia~ -- ist das Hauptmittel gegen diese
- Krankheit. Dosis: 6 Kügelchen jeden Abend. Von sehr guter Wirkung
- ist das Abwaschen mit einer Auflösung von Jod-Tinktur (~Tincture of
- Iodine~) in Alcohol verdünnt.
-
- Andere Mittel sind: ~Calcarea~, ~Iodine~, ~Arsenic~, ~Sepia~,
- ~Silicea~, ~Conium~. Diese Arzneien mögen nach einander gebraucht
- werden, jedoch sollte man nur eine Dosis täglich verordnen.
-
- =Allöopathisch.= Das folgende wird von guter Wirkung sein:
-
- Zusammengesetzter Sarsaparilla-Aufguß (~Compound
- Infusion of sarsaparilla~) 1 Pint.
- Kalium-Iodide (~Iodide of potassium~) ½ Unze.
-
- Mische dieses. Dosis: Einen Theelöffel voll nach jeder Mahlzeit.
-
- Zur selben Zeit gebrauche man das folgende Einreibmittel:
-
- Kalium-Iodide (~Iodide of potassium~) 1 Drachme.
- Schweinefett 2 Unzen.
-
- Mische dieses.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Man empfiehlt das folgende:
-
- Jod ½ Gran.
- Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) ⅛ „
- ~Burnt sponge~ 1 „
-
- So viel Lakritzen-Extrakt (~Extract of liquorice~), um aus der
- Mischung eine Pillenmasse bereiten zu können. Man gebe dies in einer
- Dosis und wiederhole zwei- oder dreimal täglich.
-
- Zu gleicher Zeit kann die folgende Salbe gebraucht werden:
-
- Kalium-Iodide (~Iodide of potassium~) 1 Drachme.
- Jod (~Iodine~) 10 Grane.
- Schweinefett 1½ Unzen.
-
- Mische dieses, reibe die Anschwellung ein- oder zweimal täglich ein
- und trage Flanell um den Hals.
-
-
-Schlaflosigkeit.
-
-Dies ist, wie das Wort andeutet, ein Unvermögen zu schlafen, ohne
-daß hierfür eine Ursache angegeben werden könnte. Namentlich leiden
-Säuglinge daran.
-
-
-++Behandlung.++
-
- =Homöopathisch.= ~Coffea~ und ~Belladonna~ -- Entweder einzeln oder
- abwechselnd. Eine Dosis (4 Kügelchen) jede Stunde werden gewöhnlich
- hinreichen, das Nervensystem zu beruhigen.
-
- ~Ignatia.~ -- Wenn durch Schmerz oder Unverdaulichkeit erzeugt.
-
- ~Hyosciamus.~ -- Namentlich nach einer heftigen Krankheit.
-
- ~Opium.~ -- Wenn durch Schrecken oder Furcht hervorgerufen und wenn
- der Betreffende durch Visionen geängstigt wird.
-
- ~Pulsatilla.~ -- Wenn durch Unmäßigkeit im Essen verursacht.
-
- ~Aconitum.~ -- Wenn durch Sorge und Aufregung hervorgerufen.
-
- ~Nux Vomica.~ -- Wenn durch Studiren oder Kaffeetrinken erzeugt.
-
-
-Lähmung (~Palsy -- Paralysis~).
-
-Lähmung ist der Verlust der Bewegungskraft und tritt manchmal nach
-und nach, öfters aber plötzlich ein. Wenn es sich auf ein Glied oder
-gewisse Körpermuskeln beschränkt, so heißt man die Krankheit „lokale“
-Lähmung. Befällt die Lähmung eine Körperseite von Kopf bis zu Fuß, so
-heißt man dies „halbe Lähmung“ (Hemiplegia). Betrifft sie aber eine
-Seite des Körpers von den Hüften an abwärts, so wird die Krankheit
-„Gliederlähmung“ (Paraplegia) genannt. Zittert der Kranke beständig, so
-heißt man dies „Zitter-Lähmung“ oder „Lähmung durch Schwäche“ (Shaking
-palsy).
-
-+Symptome.+ Der Anfall tritt gewöhnlich plötzlich ein. Manchmal
-sind jedoch vorangehende Symptome wahrzunehmen; z. B. Kälte der
-betreffenden Theile mit mehr oder weniger Erstarrung und leichtem
-Zucken in den Muskeln.
-
-+Ursachen.+ Lähmung mag durch irgend welche das Gehirn affizirende
-Ursachen eintreten; z. B. Schlagfluß, der Druck, den Beulen auf gewisse
-Körpertheile ausüben, Zurücktreten eines Ausschlags, Beschädigungen,
-Unmäßigkeit, Beschädigungen des Rückgrats.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allöopathisch.= Ein plötzlicher Anfall muß wie Schlagfluß behandelt
- werden. Ist die Krankheit chronisch geworden, so sollte man
- Einreibungen, Pflaster, stimulirende Bäder und Liniments anwenden.
- Man kann Strychnin mit gutem Erfolg wie folgt anwenden:
-
- Strychnin 2 Grane.
- Belladonna-Extrakt 5 „
- Alcoholischer Extrakt der schwarzen Schlangenwurzel
- (~Alcoholic extract of black cohosh~) 2 Skrupel.
-
- Mische dieses und bereite 40 Pillen daraus. Dosis: Eine Pille viermal
- täglich.
-
- Auch kann das folgende mit Vortheil gebraucht werden:
-
- Brechnuß-Tinktur (~Tincture of nux vomica~) ½ Unze.
- Sturmhut-Tinktur (~Tincture of aconite~) 2 Drachmen.
- Flüchtige Guajak-Tinktur (~Volatile tincture of
- guaiacum~) 2 „
-
- Mische dies. Dosis: 30 Tropfen alle 3 Stunden.
-
- Als Liniment gebrauche man das folgende:
-
- Terpentinöl 2 Theelöffel
- voll.
- Kampher-Spiritus 2 „
- Ammoniak-Wasser (~Water of ammonia~) 2 „
- Olivenöl 2 „
-
- Mische dieses.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Gegen einen plötzlichen Anfall schlage
- die bei Schlagfluß angedeutete Behandlung ein. Nachdem die heftigsten
- Symptome nachgelassen, gebe eine Dosis irgend welchen Abführmittels,
- z. B. Senna und Bittersalz, oder ein Klystier von Castoröl, oder
- Salatöl und warmes Wasser. Der Stuhlgang muß durch Entenfuß
- (~Podophyllin~) und Ehrenpreis (~Leptandrin~) mit Einspritzungen
- offen gehalten werden. Zu gleicher Zeit nehme der Patient die
- folgenden Pillen ein:
-
- Bilsenkraut-Extrakt (~Extract of hyosciamus~) 40 Grane.
- Sturmhut-Extrakt (~Extract of aconite~) 20 „
- Macrotin 20 „
-
- Bereite hievon 20 Pillen. Dosis: 1 Pille Morgens und Abends.
-
- Oder dies:
-
- Alkoholischer Brechnuß-Extrakt (~Alcoholic Extract
- of nux vomica~) 8 Grane.
- Eisen-Oxyd (~Protoxide of iron~) 1 „
-
- Mische dies und theile die Masse in 24 Pillen. Dosis: 2 Pillen
- zweimal täglich.
-
- Indianischer Hanf ist ein ausgezeichnetes Heilmittel und mag in
- Aufgußform gebraucht werden. Auch wird es sich als sehr erfolgreich
- erweisen, wenn der Patient viel vom Aufguß des Mutterkrautes
- (~Feverfew~) trinkt. Die affizirten Theile sollten täglich mit kaltem
- Wasser, in welchem Salz aufgelöst ist, gerieben werden.
-
- =Homöopathisch.= ~Rhus tox.~ und ~causticum~ sind werthvolle Arzneien.
-
- Wenn die Lähmung durch Saftverlust hervorgerufen wurde, so gebe
- ~China~, ~Ferrum~, ~Sulphur~.
-
- Wenn durch Zurücktreten eines Ausschlags oder gewöhnliche
- Aussonderungen, so gebe ~Lachesis~, ~Causticum~, ~Sulphur~.
-
- Wenn durch Schlagfluß -- ~Ipecac~, ~Lycopodium~, ~Lachesis~.
-
- Wenn die Gesichtsmuskeln gelähmt sind -- ~Belladonna~, ~Causticum~,
- ~Graphites~.
-
- Sind die Zungenmuskeln gelähmt -- ~Belladonna~, ~Stramonium~,
- ~Hyosciamus~, ~Opium~, ~Lachesis~.
-
- Wenn die Armmuskeln -- ~Belladonna~, ~Nux vomica~, ~Opium~,
- ~Lycopodium~, ~Lachesis~.
-
- Wenn die Muskeln der untern Gliedmaßen -- ~Cocculus~, ~Nux vomica~,
- ~Opium~, ~Stannum~, ~Silicea~.
-
- In der Behandlung dieser Krankheit können Elektrizität und
- Galvanismus mit sehr gutem Erfolg in Anwendung kommen. Der Patient
- sollte viel in kaltem Wasser baden.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Nehme von dem betreffenden Heilmittel 1
- Dosis (4 Kügelchen) zwei- oder dreimal täglich.
-
- +Bemerkung.+ Diese Krankheit sollte von einem Arzt behandelt werden.
-
-
-Säuferwahnsinn (~Delirium Tremens -- Mania a Potu.~)
-
-Diese Krankheit betrifft namentlich die Trunkenbolde.
-
-+Symptome.+ Sie beginnt gewöhnlich mit Uebelkeit, Erbrechen,
-Appetitlosigkeit, worauf bald unablässiges Geschwätz, Zittern der
-Gliedmaßen, Ruhelosigkeit und Toben eintritt. Der Puls ist schnell und
-die Symptome verschlimmern sich mit dem Fortschritte der Krankheit;
-der Kranke schwatzt in einem fort, macht sich fortwährend mit dem
-Bett zu schaffen, stellt sich vor, Personen, Schlangen, Hexen, Käfer,
-Insekten &c. zu sehen. Er lacht und weint gleich darauf, und hat
-schreckliche Visionen; seine Augen sind blutunterlaufen und haben
-einen eigenthümlichen Ausdruck; das Gesicht ist blaß, abgehärmt und
-entstellt. Er mag am Schlagfluß sterben oder aus Schwäche oder nach und
-nach dem Tod entgegen gehen.
-
-+Ursachen.+ Die gewöhnliche Ursache ist die, wenn einer, der gewohnt
-war, viel geistige Getränke zu genießen, plötzlich davon absteht;
-auch trifft den Trunkenbold diese Krankheit manchmal mitten in seinem
-liederlichen Leben. Gewöhnlich tritt das Delirium 4 bis 5 Tage, nachdem
-die durch das Getränk erzeugte Aufregung vorbei ist, ein.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Dr. John King empfiehlt das folgende
- Mittel:
-
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of Quinine~) 8 Grane.
- „ Morphium (~Sulphate of Morphine~) 1 Gran.
-
- Mische dieses und bereite vier Pulver daraus. Dosis: 1 Pulver jede
- Stunde, oder bei sehr heftigen Anfällen alle halbe Stunde für die
- ersten zwei oder drei Tage. Nachdem man mit diesem Pulver eine
- Zeitlang fortgesetzt hat, sollten die Zwischenräume verlängert
- werden, damit das Morphium den Organismus nicht zu sehr affizirt.
- Bald nach dem Einnehmen der ersten Dosis gebe man dem Patienten einen
- Eßlöffel voll Brandy mit ein wenig Wasser und Zucker, was so oft als
- nöthig wiederholt werden sollte. Auch mag Opium in Dosen von 3 Gran,
- was alle Stunde für 3 oder 4 Stunden lang wiederholt wird, gegeben
- werden. Anstatt Opium kann man auch Laudanum brauchen in Dosen von 60
- Tropfen oder einem kleinen Theelöffel voll in ein wenig Branntwein,
- was alle 1, 2 oder 3 Stunden wiederholt wird. Wenn der Patient sich
- von dem Anfall erholt, gebe man ein Brechmittel von gleichen Theilen
- Lobelia und Brechwurz (~Ipecac~). Man sollte dem Kranken den Genuß
- kleiner Quantitäten Brandy oder anderer Spirituosen gestatten.
-
- =Homöopathisch.= Opium ist das Hauptmittel. Man gebe 1 oder 2
- Tropfen der verdünnten Tinktur alle 1 oder 2 Stunden wenigstens
- während 24 Stunden. Andere Heilmittel, die nach diesem gebraucht
- werden können, sind: ~Belladonna~, ~Nux vomica~, ~Hyosciamus~,
- ~Stramonium~, ~Digitalis~. Jede Arznei sollte wenigstens 24 Stunden
- lang eingenommen werden. Dosis: 6 Kügelchen alle 3 bis 4 Stunden.
-
- Wenn der Patient in wachendem oder schlafendem Zustande schreckhafte
- Visionen hat und oft aufschreit, so gebe ~Calcarea carbonica~.
-
- Wenn durch nichts anderes Schlaf hervorgebracht werden kann, so
- verordne Arsenik und Lobelia, abwechselnd zu nehmen; eine Dosis alle
- 1 oder 2 Stunden
-
- =Allöopathisch.= Gebe ½ Gran Morphium. Hat diese Dosis nicht den
- Erfolg, den Patienten zu beruhigen, so verordne 30 Tropfen Laudanum,
- alle 2 bis 3 Stunden, bis Schlaf eintritt. Der Kranke kann reichlich
- Hopfenthee trinken und man gebe ihm 1 Gran Opium alle 3 oder 4
- Stunden. Auch ist ihm der Genuß von Ale oder Porter zu gestatten,
- oder Brandy in kleinen Quantitäten. Manchmal erweist sich ein warmes
- Bad, in welchem der Kranke mehrere Stunden lang bleibt, sowie kalte
- Umschläge um den Kopf sehr erfolgreich.
-
-
-Fallsucht (~Epilepsy~).
-
-Es sind die Kinder, die oft von der Fallsucht oder fallenden Krankheit
-befallen werden. Dieselbe ist gekennzeichnet durch plötzliche
-Bewußtlosigkeit und Zuckungen. Die Krankheit ist chronisch und endet
-häufig im Wahnsinn.
-
-+Symptome.+ Der Anfall tritt plötzlich ein, wobei der Kranke laut
-aufschreit, niederfällt und bewußtlos wird. Er schlägt um sich, schäumt
-am Munde, sein Gesicht färbt sich, er athmet sehr heftig und sein Kopf
-wird von einer Seite auf die andere gezerrt. Die Augen öffnen sich oft,
-stieren in die Welt hinaus und schließen sich plötzlich wieder; die
-Zähne sind fest gegen einander gedrückt, wodurch Knirschen entsteht.
-Manchmal geht dem Anfall ein sonderbares Gefühl voraus, das von einem
-kühlen Wind oder kriechenden Insekt herzurühren scheint und welches
-von den Gliedmaßen oder einem andern Körpertheil nach dem Kopf zieht,
-und wenn es hier gefühlt wird, so tritt der Anfall ein. Dieses Gefühl
-heißt man ~aura epileptica~. In manchen Fällen sind die Symptome jedoch
-durchaus nicht so heftig und der Patient wird bloß für einen Augenblick
-bewußtlos.
-
-+Ursachen.+ Manchmal vererbt sich diese Krankheit, sie wird aber
-auch durch Würmer, unverdauliche Speisen, Zahnen, geschlechtliche
-Ausschweifungen, Selbstbefleckung, Störungen der Mutter, Hirn- oder
-Rückgratskrankheiten, Nierenstein, Furcht, Leidenschaft und geistige
-Leiden verursacht.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Homöopathisch.= Man hat zu verhüten, daß sich der Patient nicht
- selbst beschädige. Die Kleider sollten an dem ganzen Körper geöffnet
- und ein Kork oder irgend ein anderer weicher Gegenstand zwischen
- die Zähne gebracht werden, um die Verwundung der Lippen und Zunge
- verhüten. Während des Anfalls wende man nur soviel Gewalt an, als
- nöthig ist, um den Kranken abzuhalten, sich wehe zu thun.
-
- Das erste zu gebrauchende Mittel ist ~Belladonna~.
-
- Ist das Gesicht dunkel und geschwollen, der Athem schwer und
- schnarrend, so gebe ~Opium~, ~Stramonium~, ~Ignatia~, ~Hyosciamus~.
- Auch kann ~Coffea~ verordnet werden, namentlich wenn der Anfall durch
- Furcht, große Demüthigung oder andere Gemütsbewegungen herbeigeführt
- wurde.
-
- Wenn zahnende Kinder die Fallsucht bekommen, so verordne
- ~Chamomilla~, ~Coffea~, ~Hyosciamus~.
-
- Wenn die Augen blutunterlaufen sind, der Mund schäumt und Gesicht wie
- Glieder verzerrt sind, ~Cicuta~ und ~Stramonium~.
-
- Wurde der Anfall durch große Aufregung, Würmer oder große Hitze
- herbeigeführt und schreit der Kranke, indem er heftige Zuckungen hat,
- mit den Zähnen knirscht und schäumt, so gebe ~Hyosciamus~, ~Ignatia~
- und ~Cocculus~.
-
- Ist der Anfall durch Unmäßigkeit im Trinken, oder geschlechtlichen
- Genuß oder verdorbenen Magen verursacht, so verordne ~Nux vomica~.
-
- Wenn Trunkenbolde von Epilepsie angefallen werden, ~Nux Vomica~.
-
- Wenn entstanden durch Rücktritt eines Ausschlags, ~Ipecac~,
- ~Belladonna~ oder ~Cuprum~.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Gebe von der betreffenden Arznei eine
- Dosis (6 Kügelchen) ein- oder zweimal täglich.
-
- =Allöopathisch.= Während der Anfälle befolge man die bei der
- homöopathischen Behandlung gegebene Weisung.
-
- Der Stuhlgang muß in Ordnung gehalten werden, auch lege man
- Senfpflaster längs des Rückgrats hinab. Baldriansaures Zink
- (~Valerianate of zinc~) wird empfohlen. Man gibt anfänglich 1 Gran
- zweimal täglich und vermehrt die Dosis allmählig zu 3 bis 4 Granen.
- Auch wird Bromsaures Kalium (~Bromide of potassium~) empfohlen.
- Dosis: Von 10 bis 20 Granen zwei- oder dreimal täglich und damit eine
- sehr lange Zeit fortzufahren.
-
- Die folgende Arznei ist werthvoll:
-
- Citronensaures Eisen und Strychnin (~Citrate of iron
- and strychnine~) 1 Drachme.
- Orangenschalen-Syrup 2 Unzen.
- Weiches Wasser ½ Pint.
-
- Mische dieses und gebe einen Theelöffel voll dreimal täglich. Diese
- Arznei stärkt das Nervensystem.
-
- Man sagt, daß, wenn man ein schwarzseidenes Sacktuch über das
- Angesicht des von der Fallsucht betroffenen werfe, derselbe sogleich
- von dem Anfall befreit werde.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Während der Anfälle befolge man die bei
- der homöopathischen Behandlung gegebene Anweisung:
-
- Die folgenden Pillen werden sehr empfohlen:
-
- Jod (~Iodine~) 24 Grane.
- Belladonna-Extrakt 6 „
- Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) 4½ „
-
- Genug Syrup, um eine Pillenmasse zu bereiten. Reibe die Arzneien zu
- einem feinen Pulver und füge alsdann den Syrup hinzu. Bereite 48
- Pillen; Dosis: Eine Pille eine Stunde nach jeder Mahlzeit.
-
- Zur selben Zeit gebrauche folgende Pillen:
-
- Blausaures Eisen (~Prussiate of iron~) 4 Skrupel.
- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 4 „
- Schwarzer Schlangenwurzel-Extrakt (~Extract of black
- cohosh~) 4 „
-
- Mische die Pulver gut, füge alsdann den Extrakt bei und bereite eine
- Pillenmasse und aus derselben 48 Pillen, von welchen eine Stunde vor
- jeder Mahlzeit eine zu geben ist.
-
- Ein aus folgenden Substanzen zusammengesetztes Liniment wird gute
- Dienste leisten:
-
- Majoranöl (~Oil of origanum~) }
- Pfeffermünzöl (~Oil of peppermint~) }
- Amberöl } Gleiche Theile.
- Kampher }
- Stechapfelsamen-Tinktur (~Tinct. of Stram. seeds~) }
-
- Mische dieses und reibe damit jeden Abend den Rückgrat ein.
-
- In manchen Fällen wird der folgende Aufguß sehr gut wirken:
-
- Schildkraut-Aufguß (~Infusion of scullcap~) 1 Unze.
- Pfingstrosen-Aufguß (~Infusion of peony root~) 1 „
- Baldrian-Aufguß (~Infusion of valerian~) 1 „
- Pfirsichblätter-Aufguß 1 „
- Sassafras-Aufguß 3 Unzen.
-
- Von dieser Mischung hat der Kranke einen Theelöffel voll in einem
- halben Pint kochendem, versüßtem Wasser öfters zu trinken.
-
-
-Veitstanz (~St. Vitus’ Dance -- Chorea~).
-
-Diese Krankheit kommt namentlich unter Kindern vor.
-
-+Symptome.+ Die Krankheit affizirt die Muskeln der Gliedmaßen, des
-Gesichts und anderer Körpertheile, und manchmal werden die Muskeln
-dermaßen verzerrt, daß dadurch der Gang, das Sprechen oder das Essen
-gestört werden.
-
-+Ursachen.+ Würmer, starke Gemüths-Bewegungen, Schrecken, Fälle,
-übermäßiger Geschlechtsgenuß, Selbstbefleckung und andere Ursachen, die
-Schwäche des Nervensystems zur Folge haben.
-
-
-+Behandlung.+
-
- =Allgemeine.= Alle Veranlassungen zur Aufregung müssen entfernt und
- vermieden werden. Der Patient muß sich viel in freier Luft bewegen,
- gute Kost genießen und oft in kaltem Wasser baden.
-
- =Allöopathisch.= Der Stuhlgang sollte mittelst eines milden
- Abführmittels regulirt werden, und wenn das Nervensystem sehr
- geschwächt ist, so gebe man das folgende:
-
- Zink-Oxyd (~Oxide of zinc~) 2 Drachmen.
- Schierling-Extrakt (~Extract of cicuta~) 2 Skrupel.
-
- Mische und bereite 48 Pillen daraus. Dosis: Eine Pille dreimal
- täglich.
-
- Neuerdings hat man die Calabarbohne empfohlen. Dosis: Eine halbe
- Drachme der Tinktur oder von 1 zu 6 Granen des Pulvers dreimal
- täglich.
-
- =Eclectische und Kräuterkur.= Ein Schildkraut- (~Scullcap~) Aufguß
- wird sich als sehr wohlthätig wirkend erweisen. Der Patient sollte
- täglich von ½ Pint bis ein Pint trinken. Auch der Mutterkraut-Aufguß
- (~Infusion of feverfew~) ist werthvoll.
-
- Ein Mittel zur Stärkung des Nervensystems ist das folgende:
-
- Beinewurz (~Comfrey root~) 1 Unze.
- Nardenwurzel (~Spikenard root~) 1 „
- Columbowurzel ½ „
- Enzianwurzel (~Gentian root~) ½ „
- Kamillenblumen (~Chamomile flowers~) ½ „
-
- Quetsche die Wurzeln und gieße ein Pint kochendes Wasser daran.
- Ist die Masse kalt, so füge ein Quart Madeirawein bei. Dosis: ½
- Weinglas voll drei- oder viermal des Tages.
-
-
-Ohnmacht (~Fainting -- Syncope~).
-
-Der Ohnmacht geht ein Schmerz in der Herzgegend, Schwindel im Kopf,
-Verwirrung der Gedanken, kalte Hände und Füße, Dunkelheit der Augen
-und Schwächerwerden des Pulses voraus. Das Gesicht wird todesblaß, die
-Person wird mehr oder weniger bewußtlos.
-
-+Ursachen.+ Was immer Schwäche, namentlich des Nervensystems, erzeugt,
-plötzliche Ueberraschungen und Gemütsbewegungen, bedeutende Schmerzen,
-große Hitze, gewisse Ausdünstungen &c.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Man lege den Patienten auf den Rücken, lasse frische Luft zutreten,
- spritze sein Gesicht mit frischem Wasser oder Ammoniakwasser und
- reibe Arme und Beine. Unter die Nase kann man Kampheräther oder Essig
- halten. Sobald der Kranke schlingen kann, gebe man einen Theelöffel
- voll des zusammengesetzten Lavendel-Spiritus (~Compound spirits of
- lavender~) mit 10 oder 12 Tropfen beigefügtem Ammoniak.
-
- Personen, die Ohnmachtsanfällen ausgesetzt sind, sollten stark
- besuchte Versammlungen, wo die Luft schlecht wird, meiden, keine
- Cravatten, noch enge Kleider tragen.
-
- =Homöopathisch.= Gegen die schlimmen Folgen, die ein Anfall
- namentlich auf das Nervensystem haben mag, verordne:
-
- Wenn der Anfall durch Schrecken verursacht: ~Aconite~, ~Opium~,
- ~Veratrum~, ~Staphysagria~.
-
- Durch große Freude: ~Coffea~, ~Opium~, ~Aconite~.
-
- Durch Zorn: ~Pulsatilla~, ~Nux Vomica~, ~Chamomilla~.
-
- Durch große Schmerzen: ~Veratrum~, ~Aconite~, ~Chamomilla~.
-
- Durch geringe Schmerzen: ~Hepar~, ~Sulphur~.
-
- Durch Trauer oder Demüthigung: ~Ignatia~, ~Colocynth~, ~Phosphoric
- Acid~, ~Mercury~, ~Staphysagria~.
-
- Durch Furcht: ~Ignatia~, ~Pulsatilla~, ~Veratrum~, ~Opium~.
-
- Durch Blutverlust &c.: ~China~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Veratrum~. Auch
- kann man ein wenig Brandy in Wasser geben.
-
- +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels
- in einem halben Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel
- voll alle 5 oder 10 Minuten.
-
- Tritt nach einer halben Stunde keine Besserung ein, so bereite ein
- anderes Heilmittel und gebe es in derselben Weise.
-
-
-Scheintod durch Hunger (~Apparent Death from Hunger~).
-
-Hat eine Person durch Hunger bedeutend gelitten, so darf man ihr
-anfänglich nicht zu viel Nahrung reichen, was tödtlichen Erfolg
-haben könnte. Man spritze ihr vielmehr ein wenig Milch, Rind- oder
-Hammelfleischbrühe ein. Sobald sie schlingen kann, gebe man warme
-Milch, Tropfen nach Tropfen; nach und nach vermehre die Quantität, bis
-der Patient einen Theelöffel voll zu nehmen im Stande ist. Darauf kann
-man einige Tropfen Wein oder Brandy folgen lassen. Reis-, Gersten- und
-Toastwasser kann auch gebraucht werden. Alle 10 oder 15 Minuten reiche
-man Nahrung, und wenn der Patient besser fühlt, kann man Fleischthee
-oder Fleischbrühe in kleinen Quantitäten reichen.
-
-
-Scheintod durch Ertrinken (~Apparent Death from Drowning~).
-
-Die folgende Methode wird von Marschall Hall angewendet:
-
-1. Bringe den Patienten sogleich in freier Luft unter Behandlung, indem
-man Gesicht, Hals und Brust dem Luftzug, außer in kalter Witterung,
-aussetzt.
-
-2. Um den Hals von Wasser &c. zu reinigen, lege den Betreffenden sachte
-auf das Gesicht, indem das eine Handgelenk unter seine Stirne zu liegen
-kommt, damit alle Flüssigkeiten sich aussondern und selbst die Zunge
-aus dem Halse hängt, auf daß die Luft freien Zugang zur Luftröhre habe.
-
-3. Um das Athmen wieder zu bewerkstelligen, drehe den Kranken ein wenig
-auf die Seite und bringe reizende Stimulanten unter seine Nase, z. B.
-verdünnten Ammoniak (~Ammonia~), Kampher &c.
-
-4. Wärme das Gesicht durch tüchtiges Reiben und dann bespritze es mit
-kaltem Wasser.
-
-5. Ist die Behandlung bis hierher nicht erfolgreich, so verliere man
-keine Zeit. Lege den Patienten auf das Gesicht und drehe den Körper
-vorsichtig aber gänzlich auf die Seite und dann wieder aufs Gesicht,
-und so abwechselnd. Wiederhole dies ruhig und nachhaltig, fünfzehnmal
-in der Minute. Liegt der Patient auf dem Gesicht, so wird die Brust
-durch das Gewicht des Körpers gedrückt, wodurch das Ausathmen befördert
-wird, dreht man ihn auf die Seite, so wird dieser Druck dadurch
-entfernt, was das Einathmen beschleunigt.
-
-6. So lange der Patient auf dem Gesicht liegt, so drücke längs
-des Rückgrats mit der Hand stetig aber fest und lasse damit nach,
-unmittelbar ehe er wieder auf die Seite gedreht wird. Der Druck
-beschleunigt die Ausathmung, das Drehen die Einathmung.
-
-7. Reibe die Gliedmaßen tüchtig mit Ausübung eines festen Drucks und
-mit Energie sowohl vorwärts als rückwärts, um den Blutlauf in den Adern
-zum Herzen zu befördern.
-
-8. Ziehe die nassen Kleider des Patienten aus und bekleide ihn
-womöglich mit trockenen, wie sie eben beschafft werden können. Jeder
-der Umstehenden liefere einen Rock, Mantel u. s. w. dazu. Während
-dieser Zeit spritze man dem Kranken, um die Einathmung anzuregen,
-kaltes Wasser mit der Hand ins Gesicht.
-
-9. Reibe den Körper tüchtig, bis er warm und trocken ist, sodann
-spritze kaltes Wasser darüber und beginne aufs neue zu reiben.
-
-
-Scheintod durch Erfrieren (~Apparent Death from Freezing~).
-
-Der Patient sollte sorgsam entkleidet und ganz mit Schnee überdeckt
-werden, so daß blos Mund und Nase frei sind; sowie der Schnee schmilzt,
-muß anderer aufgeschaufelt werden. Ist kein Schnee zu haben, so bringe
-die betreffende Person in ein eiskaltes Bad und lasse sie 10 oder 15
-Minuten in demselben. Sodann bringe sie heraus und bedecke sie mit
-Säcken, die mit Eisstücken gefüllt sind. Sobald die Steifheit der
-Muskeln etwas nachgelassen, trockne den Körper sorgsam ab und bringe
-ihn in ein in einem kalten Zimmer stehendes kaltes Bett und reibe
-den Körper unter den Bettdecken mit den warmen Händen. Hiermit muß
-man stundenlang fortfahren. Sobald sich Lebenszeichen kund geben, so
-spritze man ein kleines Kampher- und Wasser-Klystier ein, und lasse zu
-gleicher Zeit einen Tropfen von Zeit zu Zeit auf die Zunge träufeln.
-Aeußern sich noch mehr Lebenszeichen, so gebe ein kleines Klystier
-von schwarzem Kaffee und Milch und flöße ihm das Gleiche in kleinen
-Quantitäten durch den Mund ein.
-
-Dieselben Mittel, die gegen Scheintod durch Ertrinken angegeben wurden,
-mögen angewandt werden.
-
-
-Scheintod durch Erhängen (~Apparent Death from Hanging~).
-
-Die Person sollte sogleich vom Strick losgeschnitten und gänzlich
-entkleidet werden, worauf man die Anweisung, die unter Scheintod durch
-Ertrinken angegeben ist, befolgt.
-
-
-Scheintod durch Blitzschlag (~Apparent Death from Lightning~).
-
-Bringe den Körper in die frische Luft, gieße kaltes Wasser über
-denselben und bedecke ihn, wenn möglich, mit Ausnahme des Gesichts
-mit frischer Erde. Erholt sich der Patient, so bringe man ihn in ein
-helles, sonniges Zimmer, wo er sich längere Zeit ruhig halten sollte.
-
-
-Scheintod durch schädliche Dünste (~Apparent Death from Noxious
-Vapors~).
-
-Bringe den Körper in die frische Luft und begieße das Gesicht, den Kopf
-und den ganzen Körper mit kaltem Wasser. Unter die Nase mag man starken
-Essig halten. Die unter Scheintod durch Ertrinken gegebene Anweisung
-sollte befolgt werden.
-
-
-Scheintod durch einen Fall oder Schläge (~Apparent Death from Falls or
-Blows~).
-
-Mische 5 Tropfen Wolverlei-Tinktur (~Tincture of arnica~) mit
-einem Trinkglas voll Wasser und gebe einen Theelöffel voll alle 2
-oder 3 Minuten, bis mehrere Dosen eingenommen sind. Die durch den
-Fall oder Schlag beschädigten Theile sollten mit einer Mischung
-von Arnica-Tinktur und kaltem Wasser gewaschen werden. Auch mögen
-Einspritzungen von derselben Mischung gebraucht werden.
-
-
-Scheintod durch heftige Aufregung (~Apparent Death from Violent Mental
-Emotions~).
-
-Siehe Ohnmacht.
-
-
-
-
-Zweites Kapitel.
-
-Das Krankenzimmer.
-
-
-Die Krankenpflege.
-
-Das Krankenzimmer sollte groß und luftig sein und womöglich mit
-den Fenstern nach dem Norden liegen; dabei sollten die Fenster so
-eingerichtet sein, daß sie von oben herunter gezogen werden können. Ein
-Kamin (nicht ein Ofen) im Zimmer ist vorzuziehen, da dies den Wechsel
-der Luft befördert. Alle unnöthigen Möbel mögen entfernt werden und
-womöglich wähle zwei neben einander liegende Zimmer mit einem Bett
-in jedem, damit der Patient jeden Morgen und Abend von einem Bett
-in das andere gebracht werden kann. Die Betttücher müssen sogleich
-umgewendet und gehörig gelüftet werden. Auch die Matratze sollte öfters
-gelüftet werden. Wichtig ist es auch, die Temperatur auszugleichen,
-dieselbe sollte nie über 65 oder unter 55 Grad Fahrenheit sein und der
-Kranke darf nie von einem Frostschauer überfallen werden. Ordnung und
-Reinlichkeit müssen in einem Krankenzimmer streng beobachtet werden;
-viele Dinge, welche zu anderen Zeiten unbeachtet bleiben, machen auf
-den Patienten einen sehr üblen Eindruck. Die Stühle müssen sogleich
-nach der Entleerung entfernt werden und das Bettzeug sollte alle zwei
-oder drei Tage gewechselt werden. Die reine Bettwäsche lüfte und
-trockne man gehörig, bevor man sie in Gebrauch nimmt. Bei Krankheiten
-von langer Dauer und bei solchen von ansteckendem Charakter wechsele
-man das ganze Bett und dessen Inhalt ein- oder zweimal während der
-Krankheit.
-
-Das Kochen in dem Krankenzimmer ist ganz unpassend und ebensowenig
-sollte irgend eine Speise in einem Krankenzimmer oder in dessen
-unmittelbarer Nähe aufbewahrt werden. Wenn es nicht unangenehm für die
-Kranken, gestatte man dem Lichte freien Zutritt. Das Krankenbett sollte
-in einer Matratze bestehen oder gehörig mit angefüllt sein; unter
-keinen Umständen sollte man sich der Federn bedienen. Räucherungen und
-Desinficiren sind in einem Krankenzimmer nicht statthaft. Es ist eine
-allgemeine Regel, das, was immer die Luft vergiften könnte, wie die
-Entleerung des Kranken, sogleich hinaus zu schaffen, und damit fällt
-die Nothwendigkeit zur Räucherung hinweg.
-
-Ferner ist es von Belang, Ruhestörungen zu meiden. Eine kranke
-Person wird allenfalls das Geräusch auf der Straße und in der Nähe
-des Hauses ertragen, während ein bloßes Flüstern im eigenen Zimmer
-störend, vielleicht sehr schädlich einwirken kann. Lasse den Wärter
-keine knarrenden Schuhe tragen und gestatte dem Kinde keinen Zutritt
-in das Zimmer, noch den Aufenthalt in dessen Nähe. Alle Besuche oder
-Unterredungen, die den Kranken aufregen oder ermüden, sind sehr
-nachtheilig. Nie lasse man den Kranken aus dem Schlafe stören.
-
-Die Wärterin sollte stets ruhig, kalt und gelassen und muß im Stande
-sein, alle unangenehmen Gefühle zu unterdrücken und Güte den Patienten
-gegenüber an den Tag zu legen. Zeigen sich gefährliche Symptome, so ist
-die Selbstbeherrschung von größter Wichtigkeit. Nothwendig ist es, daß
-dieselbe hinreichende Kraft besitzt, den Kranken in und aus dem Bette
-zu bringen und ihn, je nachdem es nothwendig ist, zurecht zu legen. Sie
-muß gesund und keinen plötzlichen Krankheitsfällen unterworfen sein.
-Ferner ist es wichtig, daß sie freundlich, mitleidig und gutmüthig ist.
-
-Viel tragen solche Eigenschaften einer Wärterin zur Beschleunigung
-einer Wiedergenesung bei. Vor Allem muß sie genau der Anweisung des
-Arztes Folge leisten und darf es nicht unternehmen, selbst andere
-Mittel zu verschreiben, oder andere Anweisungen zu geben, wenn solche
-nicht ihrem eigenen Ermessen nach unbedingt nothwendig werden.
-Veränderungen in der Behandlung werden zuweilen während der Abwesenheit
-des Arztes nothwendig, aber der Wechsel muß mit Umsicht geschehen, und
-sie darf dem Arzte irgend welche Veränderungen, die während seiner
-Abwesenheit vorgenommen worden sind, nicht verheimlichen.
-
-
-Zubereitung der Speisen für Kranke und Wiedergenesende.
-
-Es ist sehr genau zu bestimmen, welche Kost Kranken zu reichen ist;
-häufig kann ein leichter Diätfehler sehr schlimme Folgen nach sich
-ziehen. Nicht selten wünscht der Kranke gerade das, was ihm am meisten
-schädlich ist. Je weniger Nahrungsmittel bei starkem Fieber oder
-Entzündung genommen werden, desto besser wird es sein, und erst nachdem
-das Fieber nachgelassen hat, ist eine leichte Kost statthaft.
-
-Verursacht irgend ein Nahrungsmittel eine erhöhte Thätigkeit des
-Herzens, des Pulses, Kopfschmerz, oder Schmerzen in dem Magen oder in
-den Eingeweiden, so ist dies ein Anzeichen, daß dasselbe schädlich
-ist. Der Kranke sollte nie zum Essen genöthigt werden; er kann besser,
-als irgend Jemand anders sagen, was er wünscht. Hat er ein besonderes
-Verlangen nach irgend etwas, so wird im Allgemeinen angenommen, daß ihm
-dies gut thun wird.
-
-Wenn sich der Patient nach einer Krankheit wieder bessert, aber noch
-schwach ist, obgleich er allmählig wieder an Kraft zunimmt, so muß
-der Kost große Aufmerksamkeit geschenkt werden. In Bezug auf die
-Speisen, welche zu gestatten sind, muß erinnert werden, daß dieselben
-vor Allem leicht und nahrhaft sein müssen. Milch ist ebenso leicht,
-als irgend etwas Anderes, verdaulich und kann jederzeit während der
-Krankheit oder Wiedergenesung ohne Nachtheil gegeben werden; nur sollte
-sie stets unmittelbar von der Kuh weg gebraucht werden, denn nachdem
-sich Sahne gebildet hat, ist sie unverdaulich. Eier, in heißes Wasser
-geschlagen und leicht gekocht, können ebenfalls gestattet werden.
-Gekochter Reis ist leicht verdaulich, und während der Wiedergenesung
-sind Rindfleisch-Thee, Hammelfleisch-Brühe und Hühner zuträglich.
-Früchte sind zuweilen sehr empfehlenswerth und zu andern Zeiten höchst
-schädlich. Bei Fieber wird der Saft reifer Orangen sehr erquicken; der
-fleischige Theil sollte aber stets entfernt werden. Weintrauben mögen
-gestattet werden, aber man vermeide sorgfältig das Verschlucken der
-Körner oder Schalen. Ferner gestatte man Citronensaft, Limonade, den
-aus den Erdbeeren gepreßten und durchgeseiheten Saft. Heißes Wasser
-über zerquetschte Datteln (~tamarinds~), Pfirsiche &c., welches man
-abkühlen läßt, wird zuträglich sein. Thee, Kaffee, Cacao und Chocolate
-gestatte man weder Kranken noch Wiedergenesenden. Zwieback-Wasser möge
-als Getränk dienen. Kaltes Wasser kann zu allen Zeiten, wenn es nicht
-unangenehme Symptome nach sich zieht, mit Vortheil gegeben werden.
-Reis-, Gerste- und Apfelwasser sind gute Getränke. Gekochter Fisch ist
-gewöhnlich leicht verdaulich, ebenso Austernbrühe, Schellfisch sollte
-dagegen verboten werden. Gemüse, wie gekochte Kartoffeln, gekochte
-rothe Rüben und gekochte Zwiebeln können ohne Nachtheil gegessen,
-sollten aber in zwei Wassern, bis sie ganz weich sind, gekocht werden.
-
-
-Brauchbare Anweisungen.
-
-+Haferschleim+ (~Gruel~) &c. zuzubereiten, ist folgendes ein
-ausgezeichnetes Recept:
-
-Gieße ein Quart heißes Wasser in ein reines irdenes oder Blechgefäß
-über einem lebhaften Feuer; kocht es, so füge zwei große Eßlöffel voll
-Korn- oder Hafermehl hinzu, mische es mit gerade Wasser genug, um es zu
-verdicken, gebe ein Stück Butter in das Wasser, und wenn zerschmolzen,
-füge das Mehl hinzu und rühre es ungefähr eine halbe Stunde lang
-um; dann gebe einen Theetassenkopf voll süße Milch hinzu, und wenn
-es wieder kocht, werfe die obere Rinde von hartgebackenem Brode, in
-kleine Stücke geschnitten, hinein, lasse es einige Zeit kochen und füge
-schließlich noch ein wenig schwarzen Pfeffer, ein wenig Salz, eine
-Prise geriebene Muscatnuß, noch ein wenig Butter und einen Theelöffel
-voll französischen Branntwein (~French Brandy~) bei. Butter, Gewürz und
-Branntwein müssen ausgelassen werden, sobald der Fall ein bedenklicher
-ist.
-
-+Rindfleisch-Thee+ (~Beef Tea~). Man nehme ein Pfund mageres
-Rindfleisch, schneide es fein, thue es in eine gut verschlossene
-Flasche und lege dieselbe in einen Kessel warmen Wassers; lasse das
-Wasser eine geraume Zeit kochen, dann sollte die Flasche herausgenommen
-und deren Inhalt ausgegossen werden. Man salze den Thee ein wenig und
-gebe jedesmal einen Theelöffel voll.
-
-Eine andere Weise, denselben zuzubereiten, ist folgende:
-
-Man nehme eine dicke Fleischschnitte (~steak~), röste sie leicht auf
-einem Bratrost und drücke sie dann gehörig mit einer Citronenpresse
-aus. Der Saft, welcher auf diese Weise herausgepreßt wird, wird sehr
-nahrhaft sein.
-
-+Zwieback+- (~Toast~)+Wasser.+ Röste ein Stück Brod leicht, füge
-kochendes Wasser hinzu und, wenn vorgezogen, versüße es. Es mag mit
-Orangenschale schmackhaft gemacht werden.
-
-+Leinsamen-Thee.+ Man nehme eine Unze Leinsamen, ein wenig gestoßene
-Lackritzenwürzelchen, und gieße ein Pint kochendes Wasser darauf,
-stelle das Gefäß 4 Stunden lang an’s Feuer und seihe es dann durch ein
-leinenes oder baumwollenes Tuch.
-
-+Gerstenkaffee.+ Röste Gerste hübsch braun und koche einen Eßlöffel
-voll davon in einem Pint Wasser 5 Minuten lang, seihe es durch und
-füge, wenn gewünscht, ein wenig Zucker hinzu. Ein nahrhafter Trank bei
-Abnahme von Fieber und während der Wiedergenesung.
-
-+Hafermehlkaffee.+ Mische gewöhnliches Hafermehl mit Wasser, um einen
-Kuchen daraus zu machen, backe es braun, pulverisire es und koche
-dasselbe 5 Minuten lang in Wasser; gut zur Einhaltung hartnäckigen
-Erbrechens, besonders bei ~Cholera morbus~.
-
-+Eierbranntwein.+ Nimm das Gelbe von zwei Eiern, schlage es gehörig,
-füge eine halbe Unze weißen Zucker und ein wenig Zimmetwasser oder
-zwei Tropfen Zimmetöl hinzu. Mische es gehörig und füge ein Weinglas
-französischen Branntwein (~French Brandy~) hinzu.
-
-+Milchpunsch.+ Ein Theelöffel voll Zucker und hinlänglich Wasser, um
-denselben aufzulösen; gieße zwei Gills oder Theebecher voll Milch
-hinein, und es beständig umrührend, füge nach und nach ein oder zwei
-Theelöffel voll Branntwein oder Rum bei.
-
-/Egg nog/ (deutsch: Eierpunsch). Ein Theelöffel voll Zucker gehörig
-mit einem Ei vermischt und dem eine Gill oder ein Theetassenkopf voll
-Milch und ein oder zwei Theelöffel voll guter französischer Branntwein
-hinzugefügt wird. Würze es mit geriebener Muskatnuß.
-
-+Salbeithee.+ Trockene Salbei- (~Sage~) Blätter eine halbe Unze,
-kochendes Wasser ein Quart; lasse es eine halbe Stunde lang ziehen,
-seihe es durch und füge Zucker und Limonadensaft, sowie es eben vom
-Kranken gefordert wird, bei. Balsam- und andere Thees werden in
-derselben Weise gemacht.
-
-+Reiswasser.+ Reis zwei Unzen, Wasser zwei Quart; koche es ungefähr
-eine Stunde lang und füge Zucker und Muskatnuß hinzu.
-
-+Ein erfrischender Trank bei Fiebern.+ Lege ein wenig Salbei (~Sage~),
-zwei Sprossen Balsam und ein wenig Sauerampfer (~Sorrel~) in einen
-steinernen Krug, schäle eine kleine Citrone, zerschneide sie in Stücke
-und lege sie mit ein wenig Schale hinein, dann gieße es in 3 Pints
-kochendes Wasser, versüße und verschließe es dicht.
-
-+Ein anderes.+ Man nehme eine halbe Unze Pflaumen, eine Unze
-Preiselbeeren (~cranberry~), eine halbe Unze Rosinen ohne Körner und
-ein Quart Wasser, koche es auf ein Pint ein, seihe es durch und würze
-es mit Citronenschale oder Limonaden-Essenz. Halte es wohl zugedeckt.
-
-+Ein anderes.+ Nimm je eine Unze Korinthen (~currants~), Rosinen und
-Tamarinden oder Pflaumen und koche es in einem Quart Wasser zu einem
-Pint ein. Würze es mit Citronenschale oder Citronen-Essenz.
-
-+Korinthen-Gelee+ (~Currant jelly~), Preiselbeeren und Pflaumen geben
-erfrischende Getränke, wenn Wasser beigefügt und dem Geschmacke des
-Kranken angemessen versüßt werden.
-
-+Wasser-Gruel+ (~Water Gruel~). Korn- oder Hafermehl zwei Theelöffel
-voll, Wasser ein Quart, zehn oder fünfzehn Minuten gekocht und Zucker
-oder Salz nach Wunsch des Kranken hinzugefügt.
-
-+Reis-Gruel+ (~Rice Gruel~). Gemahlener Reis einen gehäuften Eßlöffel
-voll, gestoßener Zimmet, einen halben Eßlöffel voll, Wasser ein
-Quart, 10 oder 15 Minuten langsam gekocht, Zimmet kurz vor dem Kochen
-beigefügt, durchgeseiht und versüßt.
-
-+Kühlender Trank bei Fieber.+ Man nehme Essig einen Theetassenkopf
-voll, Wasser sechs Theetassenkopf voll und Honig zwei Theetassenkopf
-voll. Mische es in einander. Sagt der Honig der betreffenden Person
-nicht zu, nehme man Molasses oder Syrup.
-
-+Quitten-Wein+ (~Quince wine~). Man nehme sechs Quitten, zerschneide
-sie und gieße eine halbe Gallone kochendes Wasser darauf, lasse
-dies über Nacht stehen, am Morgen koche es 15 Minuten und füge ein
-Pfund Zucker hinzu. Lasse die Flüssigkeit gähren und füge ein Pint
-Whiskey oder Branntwein hinzu, seihe es durch und verwahre es in gut
-verschlossenen Flaschen oder Krügen.
-
-+Gummi Arabicum Mischung+ (~Gum Arabic mixture~). Löse vier Unzen
-Gummi Arabicum in drei Theetassenkopf voll kochenden Wassers, versüße
-und würze es je nach Wunsch. Verwendbar bei Fällen von Entzündung des
-Magens und der Eingeweide.
-
-+Panade+ (~Panada~). Weißes Brod eine Unze, Wasser ein Pint, gestoßener
-Zimmet einen Theelöffel voll, koche es bis gehörig gemischt und
-füge ein wenig Zucker und Muskatnuß hinzu. Wenn erwünscht, mag Wein
-hinzugefügt werden.
-
-+Sago-Gruel.+ Sago zwei Eß-Löffel voll, Wasser ein Pint, koche es, bis
-es dick wird, und rühre es häufig um. Wein, Zucker und Muskatnuß mögen
-angewendet werden, wenn wünschenswerth.
-
-+Ulmenrinden-Schleim+ (~Mucilage of Elm bark~). Gebe eine kleine
-Quantität Ulmenrinde in kaltes Wasser. Mag jede Stunde oder alle zwei
-Stunden getrunken werden. Wenn angenehm, würze man es mit Citronensaft,
-Citronen- oder irgend einer anderen Essenz. Kann bei Fällen von
-Entzündung der Blase, des Magens u.s.w. viel und öfters getrunken
-werden.
-
-+Tapioca-Gelee+ (~Tapioca Jelly~). Tapioca zwei Eß-Löffel voll, Wasser
-ein Pint, koche es eine Stunde langsam, bis es ein geleeartiges
-Aussehen bekommt, füge Zucker, Wein und Muskatnuß, dem Geschmacke des
-Patienten angemessen, hinzu. Auch Citronensaft kann hinzugefügt werden.
-
-+Irisches Moos-Gelee+ (~Irish moss jelly~). Irisches Moos eine halbe
-Unze, frische Milch ein und ein halbes Pint, koche es zu einem Pint
-ein, seihe es durch und füge hinreichend Zucker und Citronensaft oder
-Pfirsichwasser hinzu, um demselben einen angenehmen Geschmack zu geben.
-
-+Pfeilwurz-Gruel+ (~Arrow root Gruel~). Auf ein Pint kochendes Wasser
-einen Eßlöffel voll Pfeilwurz, mische es gehörig, füge ein halbes Pint
-Milch hinzu und koche es zwei oder drei Minuten lang zusammen. Versüße
-es dem Geschmacke angemessen und füge Wein hinzu, wenn für den Fall
-passend.
-
-+Milch-Suppe+ (~Milk porridge~). Auf je ein Pint Milch und Wasser zwei
-Eß-Löffel voll Kornmehl, mische das Mehl mit einer kleinen Quantität
-kalten Wassers, so daß es einen dünnen Brei bildet, gieße Milch und
-Wasser zusammen und sobald dieses zu kochen anfängt, füge den Teig
-hinzu und rühre es um. Sie mag mit Zimmet, Muskatnuß, Zucker oder Wein
-gewürzt werden.
-
-+Hausenblase-Gelee+ (~Isinglass jelly~). Hausenblase eine Rolle in
-einem Pint Wasser gekocht, bis es aufgelöst ist, dann seihe es durch
-und füge ein Pint süße Milch hinzu. Bringe es nochmals über das Feuer
-und lasse es gerade aufkochen. Versüße es mit Stückzucker und reibe
-Muskatnuß darauf. Wenn gehörig gemacht, ähnelt es Eierrahme.
-
-+Aepfelwasser.+ Schneide zwei Aepfel in Stücke und gieße ein Quart
-kochendes Wasser darauf. Nachdem es zwei oder drei Stunden gestanden
-hat, versüße es leicht.
-
-+Gekochtes Mehl.+ Binde ein Pfund Mehl in einen leinenen Beutel, tauche
-es einige Male in kaltes Wasser, streue darauf Mehl auf die äußere
-Seite, damit sich eine Kruste bildet, welche das Eindringen des Wassers
-während des Kochens verhindert, lege den so zubereiteten Beutel in
-etwas Wasser und koche es, bis er eine harte, trockene Masse wird.
-Etwas davon mag gerieben und in derselben Weise, wie Pfeilwurz-Gruel,
-zubereitet werden.
-
-+Gemüse-Suppe+ (~Vegetable soup~). Man nehme eine Rübe, eine Kartoffel
-und eine Zwiebel, zerschneide und koche sie eine Stunde lang in einem
-Quart Wasser, füge Salz, wenn angenehm, hinzu und gieße das Ganze auf
-ein Stück trocknen Zwieback.
-
-+Hammelfleischthee.+ Nimm ein Pfund Hammelfleisch, entferne das Fett
-davon und schneide das Fleisch in kleine Stücke, gieße ein Pint
-kochendes Wasser darüber, lasse es eine halbe Stunde am Feuer stehen
-und koche es dann eine Stunde lang; seihe es durch ein Sieb ober Tuch
-und salze es je nach dem Geschmacke. Eine sehr nährende Kost.
-
-+Hammelfleischbrühe.+ Man nehme ein Pfund gutes Hammelfleisch, entferne
-davon das Fett und lege es in ein Gefäß mit drei Pint kochenden
-Wassers; schmore es zwei Stunden lang, dann schneide man drei Möhren,
-drei rothe Rüben und drei Zwiebeln in Stücke, koche sie in einem Quart
-Wasser eine halbe Stunde lang, seihe es ab und gebe das Gemüse zu dem
-Hammelfleisch, würze es mit Salz und lasse es vier Stunden langsam
-schmoren.
-
-+Hühnerfleischbrühe.+ Man nehme ein halbes Huhn, entferne alles Fett,
-schneide das Fleisch in schmale Stücke und breche die Knochen. Darauf
-lege man es in ein Gefäß mit drei Pint kochenden Wassers, koche es eine
-Stunde lang, salze es und seihe es durch. Sehr nährend.
-
-+Molken-Rennet+ (~Rennet Whey~). Frische Milch ein Quart, Rennet einen
-großen Eßlöffel voll, lasse die Milch heiß werden und füge dann Rennet
-hinzu; koche es, bis der Quark sich trennt, welcher wegzunehmen ist.
-
-+Essig-Molken.+ Milch ein Pint, Essig ein Eßlöffel voll; koche es
-einige Minuten und trenne dann den Quark davon.
-
-+Alaun-Molken.+ Zu einem Pint Milch gebe man einen Theelöffel voll
-pulverisirten Alaun, koche und seihe es durch, dienlich bei Diarrhöe,
-Magenschwäche und Entzündung des Magens. Der sich bildende Quark giebt
-einen vortrefflichen Umschlag bei Augenentzündung.
-
-+Senf-Molken.+ Senfkörner einen Eßlöffel voll, Milch ein Pint, koche
-es einige Minuten zusammen und trenne den Quark davon. Ein sehr
-zuträglicher Trank bei Wassersucht.
-
-+Kalbsfüße-Gelee.+ Man nehme zwei Kalbsfüße und füge eine Gallone
-Wasser hinzu, koche es zu einem Quart ein, seihe es durch, und wenn
-kalt, schäume das Fett ab; füge dazu das Weiße von sechs oder acht
-Eiern, gehörig geschlagen, ein Pint Wein, ein halbes Pfund Stückzucker
-und den Saft von vier Citronen. Mische es gehörig, koche es bei
-beständigem Umrühren einige Minuten und seihe es durch einen Flanell.
-
-+Orangen-Molken.+ Milch ein Pint, den Saft von einer Orange mit einem
-Theil der Schale; koche die Milch, füge dann die Orange hinzu und lasse
-es stehen, bis das Gerinnen eintritt, dann seihe es durch.
-
-+Süße Molken.+ Abgerahmte Milch zwei Quart und ein Stück von
-Kalbs-Rennet. Mische und stelle es an einen warmen Platz, bis es
-gerinnt, dann seihe es durch.
-
-+Molken-Wein.+ Milch zwei Drittel Pint, Wasser ein Drittel Pint,
-Madeira oder anderer Wein eine Gill, Zucker einen Dessertlöffel voll;
-stelle Milch und Wasser in einer tiefen Pfanne an das Feuer, und in dem
-Augenblicke, wo es zu kochen anfängt, gieße man den Wein und Zucker
-unter beständigem Umrühren hinzu, koche es 10 bis 15 Minuten, dann
-seihe es durch ein Sieb. Dies kann entweder kalt oder warm getrunken
-werden und zwar ein Weinglas voll zur Zeit. Ein vortrefflicher Trank
-bei allen Fieberarten.
-
-+Brodschnitten.+ Auf einen sehr heißen Teller lege man zwei oder drei
-Stücke Brod, gieße darauf etwas Saft von gekochtem Rind-, Hammel- oder
-Kalbfleisch und streue ein wenig Salz darüber.
-
-+Hühner-Panade.+ Man nehme das weiße Fleisch von einem Huhn und nachdem
-man davon die Haut und das Fett entfernt hat, koche man es in ein wenig
-Wasser, bis das Fleisch weich ist, zerstoße es in einem Mörser zu einem
-Brei und füge dann eben so viel altbackenes Weißbrod hinzu, nach und
-nach schütte etwas von dem Wasser, in welchem das Huhn gekocht wurde,
-zu, bis das Ganze einen dünnen, flüssigen Teig bildet; koche diesen
-unter häufigem Umrühren zehn Minuten lang und würze es dem Geschmacke
-angemessen.
-
-+Französische Milchsuppe.+ Mische etwas Hafermehl mit Wasser, lasse
-dies stehen, bis es sich klärt, und gieße dann das Wasser ab, dann
-gieße von Neuem Wasser auf das Mehl, rühre es gehörig um und lasse es
-bis den nächsten Tag stehen; seihe es durch ein feines Sieb, koche das
-Wasser und füge während dessen die Milch hinzu. Wasser darf nur wenig
-gebraucht werden.
-
-
-
-
-Drittes Kapitel.
-
-Hydropathische Behandlung.
-
-
-Die Anwendung des Wassers in Verbindung mit einer anderen Behandlung
-ist sehr empfehlenswerth, aber dieselbe erfordert Kenntniß von dessen
-Wirkung, und Sorgfalt, um ernste Folgen zu vermeiden.
-
-
-Waschung mit Handtuch oder Schwamm (~The Towel, or Sponge Bath~).
-
-Personen, die körperlich sehr geschwächt sind, mögen zuerst den
-Körper theilweise baden, wie den Kopf, das Gesicht, die Arme und die
-Brust, dann abtrocknen und abreiben mit einem trockenen Handtuche
-oder der trockenen Hand, ehe die übrigen Theile des Körpers gebadet
-werden. Diese Form von Waschungen sind bei Fiebern oder anderen acuten
-Krankheiten häufig besser als das Baden des ganzen Körpers. Die
-Temperatur des Wassers ist nach dem Befinden des Kranken einzurichten;
-man beginne zuerst mit lauwarmem Wasser, nehme allmählig immer
-kühleres, so weit es der Kranke ertragen kann. Bei acuten Krankheiten,
-wo das Fieber geschwächt werden soll, eignet sich Wasser von 75 oder 85
-Grad besser, als kälteres. Die beste Zeit, eine Waschung vorzunehmen,
-ist jedenfalls des Morgens unmittelbar nach dem Aufstehen, zuweilen
-möge eine zweite Waschung vor dem zu Bett Gehen vorgenommen werden.
-Eine solche Waschung kann eine Viertel- bis eine ganze Stunde oder
-länger dauern, je nachdem eine reizende Wirkung oder eine Abkühlung des
-Körpers gewünscht wird. Wenn eine kürzere Zeit angewendet, dient es zur
-Stärkung und Anregung und macht den Umlauf des Blutes regelmäßiger.
-
-
-Sturzbad (~Shower Baths~).
-
-Diese Bäder werden in einem eigens zu diesem Zwecke angefertigten
-Schranke genommen und bringen das Wasser in kleinen Strahlen
-gleichzeitig mit verschiedenen Körpertheilen in Berührung. Schwache und
-nervöse Leute sollten zunächst mit lauwarmem Wasser beginnen und erst
-nach und nach kälteres nehmen.
-
-Diese Bäder können auch so genommen werden, daß man sich in eine leere
-Badewanne stellt und sich von einer zweiten Person, die auf einem Stuhl
-daneben steht, aus einem gewöhnlichen Wasserbehälter begießen läßt.
-Derartige Bäder wirken reizend auf das Nervensystem und die Haut;
-sie werden besonders bei Krankheiten, die wiederholtes Schwitzen zu
-ihrer Heilung erfordern, empfohlen, oder Personen, welche in Folge
-von Krankheiten der Brust volle Bäder nach dem Schweiß nicht ertragen
-können.
-
-
-Zuberbad (~Washtub Bath~).
-
-Dies ist besonders passend und stärkend bei Fiebern. Man fülle ein
-Gefäß ein drittel oder halb voll Wasser, entweder kalt oder warm, und
-bringe den Kranken hinein und zwar so, daß die Füße in ein anderes
-Gefäß zu stehen kommen. Wenn der Patient schwach ist, so sollte er
-Hülfe haben. Der Körper und die Glieder sind gehörig zu waschen, und
-gelegentlich Schultern und Körper mit Wasser von derselben Temperatur
-zu übergießen. Einer allgemeinen Regel nach gilt lauwarmes Wasser
-für das geeignetste, indem dasselbe weniger Rückkehr des Fiebers
-veranlassen wird. Das Bad mag 2 bis 5, 10 oder 15 Minuten, je nach der
-Höhe des Fiebers oder den Kräften des Patienten, dauern. Es sollte
-nicht so lange fortgesetzt werden, bis Frost eintritt, die Haut
-blaß wird oder die Fingernägel blau sind. Trockne den Patienten mit
-Handtüchern oder einem eigens dazu bestimmten trockenen Tuche ab. Kehrt
-das Fieber wieder, so wiederhole man das Bad, bis dasselbe nachläßt.
-Es ist sehr zuträglich bei Ausschlagsfiebern, galligen Wechselfiebern,
-Typhus und den heißen Stadien des Wechselfiebers.
-
-
-Einhüllen in nasse Tücher (~Rubbing or Dripping Bath~).
-
-Dies ist ein schätzbares Heilmittel und kann bei verschiedenen
-Krankheiten und Zuständen des Organismus angewendet werden:
-
-Man nehme ein grobes leinenes oder baumwollenes Tuch und ringe es,
-wenn eine starke Reizung stattfinden soll, gehörig, wenn aber weniger,
-nur leicht aus. Wickle den Patienten hinein und reibe schnell über der
-Decke 3 oder 4 Minuten oder länger, bis die Oberfläche des Körpers
-vollkommen warm wird. Lasse dann eine trockene Decke folgen und
-reibe mit dem Handtuch und den Händen. Wenn so kalt als es ertragen
-werden kann angewendet, wirkt es stärkend und reizend. Es entfernt
-fieberischen Durst, benimmt die Mattigkeit, gibt dem Körper und Geist
-neue Kraft und verursacht ein angenehmes Gefühl über den Körper. Ist
-der Patient schwach, so sollte der Deckenumschlag von einer milden
-Temperatur sein (80 bis 90 Grad), welche allmählich herabgesetzt wird.
-Wenn zur Anreizung oder Stärkung der Nerven, des Gehirns, oder auch zur
-Minderung des Schmerzes angewendet, sollte es kühl oder kalt sein. Der
-Umschlag muß öfters naß gemacht und mehrere Male schnell hintereinander
-wiederholt werden.
-
-Bei fieberischem Puls und Hitze, bei chronischen Krankheiten mag es
-beim zu Bett Gehen angewendet werden und sollte von milder Temperatur
-sein. Es wird nervöse Reizbarkeit vermindern und Schlaf herbeiführen.
-Bei allen Fieberarten ist es empfehlenswerth, ebenso bei Diarrhöe,
-Magenschwäche (~Dysentery~), Kolik &c. Der Patient sollte vorher
-Gesicht und Hände mit kaltem Wasser waschen.
-
-
-Das Ueberschütten von Wasser mit einem Eimer (~Pail Douche~).
-
-Dies ist noch reizender und erregt eine erhöhtere Thätigkeit der
-Nerven. Der Patient stellt sich in eine leere Badewanne, während der
-Wärter zwei Eimer voll Wasser hat, den einen wärmer als den andern.
-Der wärmere wird halb auf des Kranken Brust und halb auf dessen Rücken
-gespritzt, worauf mit dem zweiten Eimer voll in derselben Weise
-verfahren wird. Dann trockne und reibe man den Kranken ab. Es ist nicht
-rathsam, dieses bei großer Nervösität anzuwenden, ebenso wenig bei
-ernsten Krankheiten des Herzens oder der Lungen. Gewöhnlich wendet man
-es an, wenn das Temperament träge oder die Krankheit einen allgemeinen
-Charakter hat.
-
-
-Einpackung in nasse Tücher (~The Wet Sheet Packing~).
-
-Ist ein empfehlenswerthes Verfahren, die Hitze bei Fiebern zu schwächen
-und ungesunde Absonderungen zu entfernen. Das Tuch zum Einwickeln
-sollte von Baumwolle oder grober Leinwand sein, hinreichend lang, daß
-es dem Kranken vom Kopf bis zu den Füßen reicht und ungefähr zwei
-Yards breit. Bei Schwäche, chronischen Fällen lasse man es nicht
-ganz bis zu den Knöcheln reichen. Von dem Bette entferne man alle
-Unterbetten und lasse nur ein oder zwei Kopfkissen zurück. Ein oder
-zwei leichtere Tücher und darüber zwei wollene Decken sollten über das
-Bett gebreitet werden. Beklagt sich der Kranke über ein Frösteln in
-der Gegend des Rückgrats oder über den Körper, falte man ein Handtuch
-zusammen oder lege einen Streifen Flanell 4 Finger oder 3 bis 4 Zoll
-breit auf das Rückgrat, wo der Kranke auf dem Tuche liegt, was das
-Angreifen des Rückenmarknervs verhindert. Hat der Kranke Anlage zu
-kalten Füßen, so sollte ein Krug oder eine Kanne heißen Wassers, auch
-heiße Ziegelsteine, die ein- oder zweimal mit der wollenen Decke
-umschlagen werden, um so vor zu großer Hitze zu schützen, an die Füße
-gelegt werden. Der Patient liege platt auf dem Rücken, hebe die Arme,
-während der Wärter an der einen Seite die Decke um den Körper und die
-unteren Glieder schlägt und gehörig anzieht; dann lasse er die Arme
-fallen und die Decke wird an der anderen Seite schnell umgeschlagen,
-und untergesteckt. Die übrigen Decken werden darüber gelegt und in
-derselben Weise untergesteckt; sorgfältig vermeide man aber, dieselben
-über der Brust zu fest anzuziehen. Dieselben müssen unter den Schultern
-so angezogen sein, daß die Hitze nicht herausströmen kann.
-
-Hat der Kranke Anlage zu Kopfschmerz, oder zu Blutandrang nach dem
-Kopfe, so falte man ein Handtuch zusammen, weiche es in kaltem Wasser
-ein, lege es auf die Stirn und wiederhole dies, so oft es heiß wird.
-
-In einer solchen Einhüllung sollte man 30 Minuten bis 1½ Stunden
-verbleiben. Wird man in 15 bis 20 Minuten erwärmt, so reicht ein
-Verbleiben in dieser Einpackung von 30 bis 40 Minuten hin, geht dies
-aber langsamer von statten, so wird 1 oder 1¼ Stunde genügen. Wird
-Schweiß gewünscht, so sollte der Kranke in dieser Lage verharren,
-bis der Schweiß auf die Stirne tritt, was gewöhnlich eine, zwei bis
-drei Stunden dauert. Bleibt der Patient lange genug so, um Schweiß
-hervorzurufen, so wird sich in der Regel kurz vorher ein Frösteln
-einstellen, dem übermäßiges Schwitzen folgt.
-
-Bei zarten Personen ringe man die Decke zuerst in lauwarmem oder warmem
-Wasser aus. Nach Beendigung dieses Verfahrens kann das Untertauchen,
-Reiben, die nasse Einhüllung oder Reiben mit dem Handtuch angewendet
-werden.
-
-Bei acuten Krankheiten, wo starkes Fieber vorhanden ist, wird die
-Anwendung des Vorstehenden außerordentlich zuträglich gefunden werden.
-In diesem Falle sollte das Tuch jede halbe Stunde oder öfter, wenn das
-Fieber stark ist, in frischem Wasser ausgerungen werden, bis dasselbe
-nachläßt.
-
-Es mag in den verschiedenen Stadien des gewöhnlichen und
-Wechselfiebers, sowie bei chronischen Leiden angewendet werden. Ist der
-Kranke sehr schwach, so nehme man nur eine theilweise Einhüllung vor
-und bediene sich zu diesem Behufe eines Handtuchs, das naß gemacht,
-über die Brust und den Unterleib gelegt, während der übrige Theil des
-Körpers in trockene Decken gehüllt wird. In einigen Tagen nehme man
-noch ein zweites Handtuch dazu, das auf den Rückgrat gelegt wird, und
-so fahre man fort, bis der Patient eine volle Einhüllung vertragen
-kann. Kopfschmerz, Erschlaffung der Muskeln und Schwindel zeigen in der
-Regel an, daß die Einpackung bereits zu lange währte.
-
-
-Das Einhüllen behufs Schwitzens (~The Sweating Pack~).
-
-Das Bett ist ebenso wie bei dem Vorhergehenden herzurichten, nur lasse
-man das nasse Tuch weg und schlage unmittelbar zwei wollene Decken um
-den Patienten. Dann lege er sich nieder und der Wärter gebe über diese
-Decken leichtere und schlage sie gehörig um; andere Decken oder ein
-Federbett sind dann darüber zu legen und besonders um die Schultern
-herum und an den Füßen sorgfältig unterzuschieben, so daß die heiße
-Luft nicht ausströmen kann. Es wird gut sein, eine Wärmflasche mit
-heißem Wasser an die Füße zu legen. Wird der Kopf heiß, so lege man ein
-nasses Handtuch auf die Stirne und gebe dem Kranken reichlich Wasser
-zu trinken. Die Fenster des Zimmers sind zu öffnen, damit fortwährend
-reichlich frische Luft vorhanden ist. Es erfordert gewöhnlich zwei
-bis drei Stunden, Schweiß hervorzurufen. Diesem lasse man das Reiben
-mit dem Tuch, ein halbes Bad, oder Ueberschütten von Wasser mit dem
-Eimer folgen. Man wendet es bei Hautkrankheiten, Leberunthätigkeit,
-Unverdaulichkeit, sowie bei chronischem Rheumatismus und Gicht an.
-
-
-Das Dampfbad (~The Vapor Bath~).
-
-Der Patient setze sich unbekleidet in einen Stuhl und nehme ein paar
-wollene Decken um sich, die um den Hals herum befestigt sind. Ein
-niederes Gefäß oder eine Blechpfanne mit heißem Wasser angefüllt, in
-die von Zeit zu Zeit glühende Ziegelsteine oder andere Steine gelegt
-werden, um ein fortwährendes Aufsteigen von Dampf zu erzeugen, muß
-unter den Stuhl gestellt werden. Es wird 10 bis 20 Minuten erfordern,
-um auf diese Weise Schweiß hervorzurufen. Wenn der Kopf angegriffen
-wird, so daß sich Ohnmachten, Uebelkeit oder Blutandrang nach dem Kopfe
-einstellen, so sollte mit dem Dampfbad eingehalten werden. Man lasse
-den Kranken kaltes Wasser trinken, wasche das Gesicht mit kaltem Wasser
-oder lege gleich beim Beginne ein nasses Handtuch auf den Kopf. Nach
-Anwendung dessen sollte zur Reinigung der Haut ein volles Bad genommen
-werden.
-
-Es ist zuträglich bei Hautkrankheiten, Erkältungen und Fiebern,
-zuweilen auch bei unterdrückten Lochien. Lungenschwachen sollte
-dasselbe nicht verordnet werden.
-
-
-Das Hüft- oder Sitzbad (~The Hip, or Sitz-Bath~).
-
-Ein gewöhnlicher Waschzuber wird behufs dieses Bades entsprechen.
-Derselbe muß aber groß genug sein, um eine freie Bewegung der Arme
-zum Abreiben zu gestatten und tief genug, daß die Beine übereinander
-geschlagen werden können, ohne daß dadurch ein Druck verursacht oder
-der Blutumlauf gehemmt wird. Der Patient entkleide sich entweder
-vollständig, oder auch nur die Theile, welche mit dem Wasser in
-Berührung kommen. Wird das Bad zur Stärkung genommen, so muß das Wasser
-kalt sein und der Badende 5, 10 oder 15 Minuten darin verbleiben.
-Schwächliche Personen sollten sich warmen Wassers bedienen und darin
-1 bis 5 Minuten verbleiben; allmählig nehme man kältere Bäder, bis
-sie kalt ertragen werden können. Das Wasser muß die Hüften und den
-unteren Theil des Unterleibes bedecken. In dem kalten Stadium des
-Wechselfiebers wird das warme Sitzbad die Strenge des Frostes bedeutend
-lindern, und wenn die Kälte folgt, so reibe man mit dem nassen Tuche;
-tritt das heiße Stadium ein, so wird es oft den Anfall brechen. Zur
-selben Zeit mache man Einspritzungen von kaltem oder warmem Wasser.
-
-Das stärkende Sitzbad erfordert häufige Wiederholungen, drei- bis
-sechsmal täglich und mag bei zu starker monatlicher Reinigung, weißem
-Fluß (~Leucorrhœa~) und Gebärmuttervorfall angewendet werden. Das
-Sitzbad wird häufiger als ein ableitendes Mittel gegen Störungen der
-Leber und Nieren, Verdauungsschwäche (~Dyspepsia~), Blutandrang nach
-dem Kopfe, Verstopfung der Eingeweide &c. angewendet und wenn dies der
-Fall ist, so sollte die Temperatur des Bades 60 bis 85 Grad betragen
-und der Patient sollte ungefähr 15 Minuten in demselben bleiben.
-Wenn es gegen Geschwüre oder chronische Leiden der Geschlechtsorgane
-gebraucht wird, sollte dasselbe 20 bis 45 Minuten dauern. Das Sitzbad
-darf weder unmittelbar vor dem Essen noch vor Ablauf von 2½ Stunden
-nach der Mahlzeit genommen werden. Mäßige Bewegung sollte nach jedem
-Bad gemacht werden, wenn der Patient stark genug ist, wenn nicht, muß
-durch gehöriges Reiben die Rückwirkung gesichert werden.
-
-
-Das seichte Bad (~The Shallow Bath~).
-
-Man bediene sich eines seichten oder gewöhnlichen Badezubers Und fülle
-denselben vier bis sechs Zoll mit Wasser an. Während des Bades sollte
-der Unterleib und der untere Theil des Körpers, sowie auch Brust und
-Rücken, von dem Badenden oder einem Wärter gehörig gerieben und der
-Kopf gewaschen werden. Wenn kein Frost vorhanden ist, so gieße man
-einen Eimer kalten Wassers auf die Brust und die Schultern. Sehr
-schwache und gegen Kälte empfindliche Personen mögen ein solches Bad
-1 bis 15 Minuten lang nehmen, und in anderen Fällen kann es 15 bis 30
-Minuten dauern. Man lasse demselben Reiben mit einem trockenen Tuche
-oder der Hand folgen. Es wird bei Hautkrankheiten, krankhaftem Kopfweh,
-Steigen des Blutes nach dem Kopfe, Schlagfluß, Lähmung, Sonnenstich &c.
-sehr zuträglich gefunden werden.
-
-
-Das Untertauchen (~The Plunge Bath~).
-
-Dieses Bad sollte in einem größeren Wasserbehälter oder Trog genommen
-werden. Es wird gewöhnlich nach Schwitzen und zuweilen nach der nassen
-Einhüllung Jenen, die dasselbe vertragen können, verordnet. Der Patient
-sollte das Tuch und die Decke mit zum Bade nehmen und erst, nachdem er
-Brust und Kopf naß gemacht, in das Wasser tauchen.
-
-Es wird zuweilen bei allen chronischen Krankheiten, die nicht
-mit Blutandrang nach dem Kopfe, Schwierigkeit des Athmens, oder
-gestörtem Blutumlauf verbunden sind, mit gutem Erfolg angewendet. Die
-Temperatur des Bades betrage 55 bis 65 Grad und der Kranke verbleibe
-bei chronischen Krankheiten einige Sekunden bis 2 oder 3 Minuten in
-demselben; bei starkem Fieber 10 bis 15 Minuten.
-
-
-Das Fußbad
-
-ist ein ausgezeichnetes Mittel, besonders bei Krankheiten des Kopfes
-und der Brust und kann ebenfalls gegen kalte Füße angewendet werden.
-
-Wenn es sich darum handelt, den Blutandrang nach Kopf und Brust zu
-vermindern, so sollte das Gefäß nicht zu groß sein und das Bad 20
-Minuten bis eine Stunde dauern. Nimmt der Blutandrang während des Bades
-zu, so mache man Kaltwasserumschläge auf den betreffenden Theil. Die
-Füße sollten während und nach dem Bade gerieben werden.
-
-Das warme Fußbad ist sehr geeignet, Anfälle von Kopfschmerz zu lindern
-und die Nerven zu beruhigen.
-
-
-Das Kopfbad.
-
-Die gewöhnliche Art und Weise des Kopfbadens geschieht durch Auflegen
-nasser Tücher oder durch Ueberschütten des Kopfes mit Wasser. Bei
-chronischen Leiden aber, wo eine ableitende und stillende Wirkung
-gewünscht wird, sollte der Kranke auf einer Matratze liegen und der
-Hintertheil des Kopfes in einem seichten Becken oder Eimer ruhen,
-welcher oder welches zwei bis drei Zoll Wasser enthält. Letzteres mag
-alle 15 bis 20 Minuten erneuert werden.
-
-Wenn das Wasser über den Kopf gegossen wird, so sollte das Gesicht nach
-unten gerichtet sein und unter den Kopf ein Gefäß gestellt werden, um
-so das Wasser aufzufangen. Man gieße es in einem stetigen Strom mehrere
-Minuten lang, bis der Kopf gehörig abgekühlt ist.
-
-
-Das Augen- und Ohren-Bad.
-
-Das Einspritzen des Wassers vermittelst einer Spritze oder eines
-Schlauches ist bei einigen Augen- und Ohrenkrankheiten sehr zuträglich.
-
-
-Das Baden der Nase
-
-ist bei Katarrh, Schnupfen, Nasenbluten u. s. w. sehr wohlthuend. Das
-Wasser sollte in die Nasenhöhlen eingezogen werden und womöglich so,
-daß es durch den Mund wieder ausgespuckt werden kann. Ist mehrere
-Male des Tages zu wiederholen und wird auch als ein stärkendes Mittel
-angewendet.
-
-
-Das Baden der Beine und Arme
-
-ist bei Eiterungen, Ausschlägen, Gicht, Rheumatismus, Verrenkungen
-&c. sehr zuträglich. Die Temperatur muß mild sein und 60 bis 80 Grad
-betragen. Man lasse es fünfzehn Minuten bis eine halbe Stunde dauern.
-Das Wasser sollte nicht nur den angegriffenen Theil, sondern auch die
-nächstliegenden Theile bedecken. Kann auch bei schweren Verletzungen
-des Armes zur Verminderung der Entzündung angewendet werden.
-
-
-Nasse Umschläge.
-
-Wenn zur Kühlung bestimmt, muß die Größe der Tücher dem entzündeten
-Theile angemessen sein. Sie werden dann sechs- bis achtfach
-zusammengelegt, in sehr kaltes Wasser getaucht, ausgedrückt und alle 5
-bis 10 Minuten, je nach der Entzündung, erneuert. Wenn das Wasser nicht
-kalt erhalten werden kann, so füge man Eis hinzu. Die Umschläge müssen
-Tag und Nacht ununterbrochen aufgelegt werden, bis die Gefahr vorüber
-ist. Eine Vernachlässigung des Wechsels der Tücher kann schlimme Folgen
-nach sich ziehen.
-
-Wenn man beabsichtigt, die Temperatur des betreffenden Theiles
-zu wechseln, so mögen die Umschläge in zwei- oder dreifach
-zusammengelegten Leinen bestehen, welche in kaltes Wasser getaucht
-werden; sie sollten gehörig ausgerungen und nicht früher gewechselt
-werden, bis sie trocken sind. Die Wirkung mag durch das Bedecken der
-Umschläge mit einem trockenen Handtuche gesichert werden.
-
-Diese Umschläge werden bei Störungen der Verdauungsorgane, der Leber,
-Leiden der Eingeweide &c. sehr zuträglich sein.
-
-Heiße Umschläge über den Körper sind gegen Blutandrang nach den Lungen,
-dem Gehirn, der Gebärmutter &c. sehr empfehlenswerth. Bei Gallen- und
-Bleikolik, Blutandrang nach der Leber oder Milz und Congestiv-Fiebern
-werden Umschläge so heiß, als sie ertragen werden können, und
-fortgesetzt, bis sich Linderung einstellt, von großem Werthe gefunden
-werden.
-
-
-Einspritzungen
-
-von warmem Wasser werden sich gegen Verstopfung, Diarrhöe und andere
-Leiden der Eingeweide bewähren.
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-Allgemeine Regeln.
-
-Alle Vollbäder sollten genommen werden, während der Körper warm ist.
-Bei chronischen Fällen lasse man dem Bade einen Spaziergang oder eine
-andere kräftige Bewegung, wenn es die Kräfte des Kranken erlauben,
-folgen.
-
-Kein Bad sollte innerhalb einer Stunde nach einem Bade und kein Bad vor
-Ablauf von zwei Stunden nach einer Mahlzeit genommen werden.
-
-Die beste Zeit zum Baden ist der Morgen unmittelbar nach dem Aufstehen,
-10 Uhr Vormittags, 3 Uhr Nachmittags und vor dem zu Bett Gehen.
-
-Alle Patienten, die es ermöglichen können, sollten mäßige Bewegung vor
-dem Baden machen.
-
-Jedes Vollbad sollte der Patient schnell nehmen, wo möglich, reibe er
-sich selbst stark, kleide sich dann an und mache sich Bewegung. Bei
-acuten Krankheiten sollte dagegen keine Bewegung gemacht werden.
-
-Starke Schläge auf den Kopf sollten stets vermieden werden.
-
-Jeder Patient sollte sich des Wassers in der Temperatur, die ihm am
-meisten zusagt, bedienen.
-
-Das Naßmachen des Kopfes und der Brust ist eine sehr angemessene
-Vorsichtsmaßregel, besonders für Personen, die zu Kopfleiden geneigt
-sind.
-
-Daß sich Jemand in vollem Schweiße befindet, ist durchaus kein
-Hinderniß, ein Bad zu nehmen, wenn sich der Körper nicht in einem
-Zustande der Erschöpfung befindet oder das Athmen gestört ist.
-
-
-
-
-Viertes Kapitel.
-
-Pharmacie.
-
-
-Die Zubereitung der Arzneimittel ist das Geschäft des Apothekers und
-wird die Pharmazie genannt. Auf den folgenden Seiten habe ich nur
-einige der einfachsten Zubereitungen angegeben.
-
-
-Wachssalben (~Cerates~).
-
-Die Benennung selbst zeigt den Namen der Masse an, welche den
-Hauptbestandtheil bildet. Derartige Salben werden aus Wachs oder
-Spermaceut (~Spermacety~) gemacht und sind mit Talg, Fett oder Oel
-vereinigt. Sie sollten bei mäßiger Hitze zubereitet und bis zur
-Abkühlung gerührt werden.
-
- +Galmei-Wachssalbe+ (~Calamine Cerate~ -- ~Turner’s Cerate~.) Man
- nehme ein Pfund Fett und drei Unzen gelbes Wachs, mische es in
- einander und füge, während es sich abkühlt, drei Unzen präparirten
- Galmei (prepared calamine) bei. Verwendbar bei Verbrennungen,
- Ausschlag, Hautwunden, gewöhnlichen Eiterbeulen u.s.w.
-
- +Kampher-Eis+ (~Camphor Ice~). Spermazeut (~Spermaceti~) 2 Drachmen,
- Mandelöl (~Almond oil~) 2 flüssige Unzen, mische diese zusammen und
- füge 2 Drachmen pulverisirten Kampher hinzu. Bei aufgesprungenen
- Händen und Lippen, Schorf u.s.w. anzuwenden.
-
- +Harz-Wachssalbe+ (~Resin Cerate~). Harz 5 Unzen, gelbes Wachs 2
- Unzen, Fett 8 Unzen. Mische es zusammen und rühre es um, bis es kühl
- wird. Dies ist unter dem Namen Basilicon ointment bekannt und ist bei
- Verbrennungen, Ausschlägen, Frostbeulen u.s.w. verwendbar.
-
- +Gewöhnliche Wachssalbe+ (~Simple Cerate~). Schweinefett 4 Unzen,
- weißes Wachs 2 Unzen, zusammengemischt und umgerührt, bis es sich
- abkühlt. Verwendbar bei dem Verbinden von Wunden, Blasen u.s.w.,
- einfach, um den Zutritt der Luft zu verhindern und die Feuchtigkeit
- zu erhalten.
-
-
-Abkochungen (~Decoctions~)
-
-sind Auflösungen und enthalten die wirkenden Bestandtheile der
-Heilmittel, durch das Abkochen gewonnen. Eine Abkochung sollte in
-einem verschlossenen Gefäße geschehen und nur eine kurze Zeit gekocht
-werden. Das gewöhnliche Verhältniß von den Pflanzenstoffen bei der
-Zubereitung einer Abkochung ist eine Unze auf ein Pint Wasser und als
-Dosis wird ein bis vier Unzen angenommen.
-
-
-Essenzen
-
-werden zubereitet vermittelst Auflösens einer Unze Essenzöl der
-Pflanze auf ein Pint Alcohol. In diese Weise werden Anis-, Carraway-,
-Pfeffermünz-Essenzen u. s. w. gewonnen. Dosis: zehn Tropfen bis einen
-Theelöffel voll Essenz in versüßtem Wasser genommen.
-
-
-Bähungen (~Fomentations~).
-
-Eine Bähung ist ein örtliches heißes Bad zur Verminderung des
-Schmerzes und der Entzündung, zur Erweichung des betreffenden Theils
-und Linderung der Spannung. Sie werden in der Regel aus bittern oder
-schmerzstillenden (~anodyne~) Kräutern zubereitet und in heißem Essig
-oder Wasser oder in beiden erweicht und in einem Beutel auf den Ort des
-Schmerzes, so heiß als es ertragen werden kann, aber nicht so feucht,
-daß davon die Kleider des Patienten naß werden, gelegt. Dieselben
-sind öfters zu erneuern und werden in der Regel aus Hopfen, Rainfarn
-(~Tansy~), Wermuth (~Wormwood~), von jedem gleiche Theile, oder aus
-gleichen Theilen von Hopfen-, Lobelia- und Stechapfel- (~Stramonium~)
-Blättern zubereitet.
-
-
-Aufgüsse (~Infusions~)
-
-sind Lösungen medizinischer Pflanzenstoffe, welche durch Uebergüsse von
-kaltem oder kochendem Wasser über die Masse und durch Stehenlassen, bis
-abgekühlt, gewonnen werden. Das Verhältniß ist eine halbe oder ganze
-Unze des Krautes, der Wurzel oder Rinde auf ein Pint Wasser und die
-Dosis ein Eßlöffel bis ein Theetassenkopf voll.
-
-
-Flüssige Salben (~Liniments~)
-
-bestehen in ölartigen Präparaten, Tincturen und anderen Stoffen, die
-zur äußeren Anwendung gegen entzündete, angeschwollene und schmerzhafte
-Stellen bestimmt sind. Sie werden mit der Hand oder vermittelst eines
-Stück Flanells oder Watte eingerieben.
-
- +Eisenhut-+(~Aconite~)+Liniment+. Eisenhutwurzel-Tinktur 2 Unzen,
- Opium-Liniment 2 Unzen, anwendbar bei Neuralgie, Rheumatismus und
- anderen schmerzhaften Leiden.
-
- +Kampher-+(~Camphor~)+Liniment+. Kampher 6 Drachmen, löse es in einer
- flüssigen Unze Chloroform und füge eine flüssige Unze Olivenöl bei.
- Verwendbar gegen Neuralgie, Verrenkungen, Rheumatismus u.s.w.
-
- +Zusammengesetztes Kampher-Liniment+ (~Compound Camphor Liniment~).
- Kampher 2½ Unzen, Lavendelöl eine flüssige Drachme, Alcohol 17
- flüssige Unzen, starke Auflösung von Ammoniak (~Ammonia~) drei
- flüssige Unzen. Löse den Kampher und das Oel in dem Alcohol, dann
- füge den Ammoniak hinzu und mische es. Anwendbar bei allen örtlichen
- Leiden.
-
- ~Opodeldoc.~ Weiße Seife 3 Unzen, Kampher eine Unze, Rosmarinöl (~Oil
- of Rosemary~), Majoran- (~Origanum~) Oel von jedem eine flüssige
- Drachme, Alcohol ein Pint. Löse mittelst gelinder Hitze die Seife in
- dem Alcohol, und dann füge die Oele und den Kampher hinzu, und wenn
- sie gelöst sind, gieße die Mischung in Flaschen mit weiter Oeffnung.
- Verwendbar bei Verrenkungen, Rheumatismus, Quetschungen u.s.w.; wird
- auch Kampher-Seifen- (~Camphorated soap~) Liniment genannt.
-
-
-Medizinische Weine (~Medicated Wine~).
-
- +Zusammengesetzter Wallwurz-Wein+ (~Compound Wine of Comfrey~
- -- ~Restorative Wine Bitters~). Man nehme Wallwurz (~Comfrey~),
- Salomons-Siegel (~Solomon’s seal~) und Narde (~Spikenard~), von
- jedem gestoßen eine Unze, Kamillenblüthe (~Chamomile flowers~),
- Colombowurzel (~Colombo~), Kardamon- (~Cardamon~) Samen und Enzian
- (~Gentian~), von jedem gestoßen, eine halbe Unze. Gieße kochendes
- Wasser darüber, bis es bedeckt ist, und lasse es 24 Stunden in einem
- bedeckten Gefäß stehen, dann füge zwei Quart Cherry-Wein hinzu. Lasse
- die Mischung 14 Tage stehen, dann presse sie aus und seihe es durch.
- Ein schätzbares, stärkendes Mittel bei weißem Fluß (~Leucorrhœa~) und
- anderen weiblichen Krankheiten. Dosis: täglich drei- oder viermal
- einen Eßlöffel bis ein Weinglas voll.
-
-
-Mischungen (~Mixtures~).
-
- +Kampher-Mischung+ (~Camphor mixture~). Kampher-Wasser 2 flüssige
- Drachmen, Salpetersäure (~Nitric acid~) 23 Tropfen, Opium-Tinktur
- (~Tincture of opium~) 20 bis 40 Tropfen. Mische es. Anwendbar bei
- Ruhr (~Dysentery~), Diarrhöe und Cholera Morbeus. Dosis: alle 2 oder
- 3 Stunden einen Eßlöffel voll.
-
- +Zusammengesetzte Mischung von Blutwurzel+ (~Compound mixture
- of Bloodroot~ -- ~Cough Drops~). Brechwurz- (~Ipecac~) Syrup,
- Meerzwiebel- (~Squills~) Syrup, Blutwurzel-Tinktur (~Tincture of
- Bloodroot~). Paregoricum (~Paregoric~), von jedem eine Unze. Mische
- es. Anwendbar bei Husten. Dosis: einen halben bis ganzen Theelöffel
- voll, wenn der Husten stark ist.
-
-
-Salben (~Ointments~).
-
- +Essigsaure Bleisalbe+ (~Ointment of Acetate of Lead~). Weißes
- Wachs 2 Unzen, Fett 4 Unzen. Mische es in einander und füge 2½
- Drachmen fein pulverisirtes essigsaures Blei (~Acetate of Lead~)
- hinzu und rühre es beständig um, bis es kalt wird. Zuträglich bei
- Verbrennungen, Schorf, Eiterbeulen, Blasen u.s.w.
-
- +Zink-Oxid-Salbe+ (~Ointment of Oxide of Zinc~). Zink-Oxid ½
- Unze, Fett 3 Unzen, in einander gerieben. Gut als ein mild
- zusammenziehendes Mittel bei chronischer Entzündung der Augen, wehen
- Brustwarzen, Ausschlägen u.s.w.
-
- +Belladonna-Salbe+ (~Ointment of Belladonna~). Belladonna-Extrakt 1
- Drachme, Fett 1 Unze. Mische es. Anwendbar als ein schmerzstillender
- Umschlag bei schmerzhaften Geschwulsten, Neuralgie u.s.w.
-
- +Rosenwasser-Salbe+ (~Ointment of Rose Water~). Rosenwasser eine
- flüssige Unze, Mandelöl (~Oil of almonds~) zwei flüssige Unzen,
- Spermazeut (~Spermaceti~) ½ Unze, weißes Wachs 1 Drachme. Mische
- vermittelst eines Wasserbades Oel, Wachs und Spermazeut in einander,
- dann füge das Rosenwasser hinzu und rühre es beständig um, bis es
- kalt wird. Anwendbar bei aufgesprungenen Lippen, Händen, Wundsein der
- Haut u.s.w. Wird auch ~Cold Cream~ genannt.
-
- +Bister-Salbe+ (~Ointment of Wood soot~). Bister, fein pulverisirt,
- eine Unze, Fett 4 Unzen. Mische es. Dienlich bei Verbrennungen,
- Grindkopf und anderen Hautkrankheiten. Ein gutes reizendes Mittel bei
- schuppigen und schorfartigen Ausschlägen, wie Kopfgrind.
-
- +Zusammengesetzte Schwefelsalbe+ (~Compound Sulphur ointment~).
- Schwefel eine Unze, Quecksilber-Ammoniak (~Ammoniated Mercury~)
- und Benzoe- (~Benzoic~) Säure, von jedem 1 Drachme, Schwefelsäure
- (~Sulphuric acid~) und Bergamottenöl (~Oil of Bergamot~), von jedem
- 1 flüssige Drachme, salpetersaure Potasche (~Nitrate of Potassa~)
- 2 Drachmen, Fett ½ Pfund. Zerlasse das Fett und füge die übrigen
- Bestandtheile unter beständigem Umrühren, bis es kalt wird, hinzu.
- Ein ausgezeichnetes Mittel gegen Krätze.
-
-
-Pflaster (~Plasters~)
-
- werden aus Oelen, Fetten, Gummi, Harzen, Wachs und zuweilen
- medizinischen Substanzen zusammengesetzt und auf Muslin, Leinen oder
- Leder aufgetragen.
-
- +Belladonna-Pflaster.+ Harzpflaster 3 Unzen, Belladonna-Extrakt 1½
- Unzen. Schmelze das Fett bei gelindem Feuer, füge dann den Extrakt
- hinzu und mische es. Dienlich bei Neuralgie, Rheumatismus u.s.w.
-
- +Gewürz-Pflaster+ (~Spiced Plaster~). Pulverisirter Ingwer
- (~Ginger~), Gewürznelken, Zimmet und schwarzer Pfeffer, von jedem 1
- Unze; pulverisirter Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~) 1 Drachme, Ingwer-
- (~Ginger~) Tinktur 1 flüssige Unze und eine hinreichende Quantität
- Honig. Mische die Pulver und füge die Tinktur und den Honig hinzu, so
- daß es einen steifen Teig bildet. Bei Uebelkeit und Erbrechen über
- den Magen zu legen.
-
- +Blei-Pflaster+ (~Lead Plaster~). Man nehme halbverglastes Blei-Oxyd
- (~Litharge~) 1¼ Pfund, Olivenöl 1 Quart, Wasser ½ Pint. Koche
- beides über einem gelinden Feuer und rühre es beständig um, bis das
- Oel und Blei-Oxyd (~Litharge~) sich zu einem Pflaster verbinden.
- Wenn das Wasser vor Beendigung nahezu verdünstet ist, gebe ein wenig
- kochendes Wasser hinzu. Verwendbar bei Eiterbeulen, Verbrennungen,
- leichten Wunden &c.
-
- +Zusammengesetztes Mutterharz-Pflaster+ (~Compound Galbanum
- Plaster~). Mutterharz 2 Unzen, Burgunder Pech 3 Unzen, Harz ½ Unze,
- gelbes Wachs ½ Unze, Bleipflaster 4 Unzen, zerlasse es über einem
- gelinden Feuer. Ein empfehlenswerthes stärkendes Pflaster.
-
-
-Pulver.
-
-Ein einzelner Stoff, wenn pulverisirt, wird ein +einfaches+ Pulver
-genannt, und wenn zwei oder mehrere Stoffe zusammengemischt werden,
-wird das Präparat mit einem +zusammengesetzten Pulver+ bezeichnet.
-Pulver sollten in fest verschlossenen Glasflaschen oder Blechgefäßen
-aufbewahrt werden und einige erfordern Schutz gegen das Licht, der
-durch einen schwarzen Anstrich der Flaschen erlangt wird.
-
- +Zusammengesetztes Aloe- und Cannellen-Pulver+ (~Compound powder of
- Aloes and Cannelle~). Aloe ½ Pfund, Cannelle 1½ Unze. Reibe jedes
- besonders zu einem feinen Pulver und mische sie. Gegen Verstopfung,
- für Verbesserung des Appetits, sowie auch gegen Regelmangel
- (~Amenorrhœa~). Wird auch ~hicara picra~ genannt.
-
- +Zusammengesetztes Rhabarber-Pulver+ (~Compound Powder of
- Rhubarb~). Rhabarber 2 Unzen, Magnesia ½ Pfund, pulverisirter
- Ingwer (~Ginger~) 1 Unze. Mische es gehörig und verwahre es in
- wohlverschlossenen Flaschen auf. Ausgezeichnet bei Krankheiten der
- Eingeweide von Kindern.
-
- +Zusammengesetztes Pulver von Rhabarber und Potasche+ (~Compound
- Powder of Rhubarb and Potassa~ -- ~Neutralizing Powder~). Je 1 Unze
- pulverisirten Rhabarber und doppeltkohlensaure (~Bi-carbonate~)
- Potasche. Mische es gehörig. Empfehlenswerth bei Diarrhöe, Ruhr,
- Cholera Morbus, Sodbrennen, saurem Magen &c.
-
- +Wurm-Pulver.+ Nehme je 1 Unze pulverisirte weiße indische Hanfwurzel
- (~White Indian hemproot~), Alraun (~Mandrake~), Nelkenwurzel (~Pink
- root~) und Bitterwurzel (~Bitter root~); pulverisirter Balsam
- (~Balmony~) 2 Unzen, pulverisirte Aloe 4 Skrupel. Mische es gehörig.
- Ein sicheres Mittel gegen alle Sorten von Würmern. Mische einen
- Theelöffel voll dieses Pulvers in einer Gille Molasses und gebe
- stündlich oder alle zwei Stunden, bis es wirkt, und dann dreimal
- des Tages durch einige Tage hindurch einen Theelöffel voll dieser
- Mischung.
-
-
-Tinkturen
-
-sind Lösungen von Heilmitteln in verschiedenen Flüssigkeiten. Werden
-sie mit Alcohol zubereitet, nennt man sie +Tinkturen+, wenn mit
-Ammoniak, +Ammoniak-Tinkturen+, und wenn mit Aether, bezeichnet man sie
-mit +ätherischen Tinkturen+.
-
- +Aconit-Tinktur+ (~Tincture of aconite~). Pulverisirte Aconit-
- (Eisenhut) Wurzel 4 Unzen, Alcohol ½ Pint. Mische und lasse es unter
- häufigem Umrühren 14 Tage lang stehen. Presse den Saft aus und seihe
- ihn durch. Anwendbar bei Fiebern. Dosis: Stündlich oder alle zwei
- Stunden 3 Tropfen in Wasser.
-
- +Spanische Fliegen-Tinktur+ (~Tincture of cantharides~). Gestoßene
- spanische Fliegen 1 Unze, verdünnter Alcohol 2 Pints. Lasse die
- Mischung 2 Wochen lang stehen, presse den Saft aus und filtrire ihn
- durch ein Papier. Dosis: Drei- oder viermal des Tages 20 Tropfen bis
- 1 Drachme.
-
- +Lobelia-Tinktur+ (~Tincture of Lobelia~). Lobelia 4 Unzen,
- verdünnter Essig und Alcohol je 1 Pint. Lasse die Mischung zwei
- Wochen lang stehen, presse sie aus und filtrire sie. Dosis zu einem
- Brech- oder Lösungsmittel 30 bis 60 Tropfen.
-
- +Laudanum+ (Mohnsaft). Opium 2½ Unzen, verdünnter Alcohol 2 Pints.
- Lasse die Mischung zwei Wochen stehen, presse sie aus und filtrire
- sie durch Papier. Dosis: 10 bis 25 Tropfen.
-
- +Zusammengesetzte Schlangenwurzel-Tinktur+ (~Compound Tincture
- of Black cohosh~). Schlangenwurzel-Tinktur 1 flüssige Unze,
- Blutwurzel-Tinktur (~Tincture of blood root~) ½ flüssige Unze,
- Tinktur von Kermesbeer-Wurzel (~Tincture of poke root~) 2 flüssige
- Drachmen. Mische es. Verwendbar bei Krankheiten des Magens, der
- Lungen und Leber. Dosis: Drei- oder viermal des Tages 20 bis 60
- Tropfen.
-
- +Zusammengesetzte Kampher-Tinktur+ (~Compound Tincture of Camphor~).
- Kampher 4 Unzen, Majoran- (~Origanum~) Oel, Schierlingöl (~Oil of
- hemlock~) von jedem 2 Unzen, Sassafrasöl (~Oil of sassafras~),
- Cajeput- (~Cajeput~) Oel von jedem ½ Unze, Terpentin- (~Turpentine~)
- Oel 2 flüssige Drachmen, spanischer Pfeffer (~Capsicum~) 1 Unze,
- Alcohol 2 Pints. Mische und lasse es 14 Tage stehen, dann filtrire
- es. Dienlich bei Verrenkungen, Quetschungen, Rheumatismus,
- Frostbeulen &c. Reibe die leidende Stelle damit vor dem Feuer ein.
- Bei hartnäckigen Fällen lege man nach der Anwendung des Vorstehenden
- ein Stück Flanell, mit dieser Mischung getränkt, auf.
-
- +Zusammengesetzte wilde Safran-Tinktur+ (~Compound Tincture of
- Colchicum~). Schlangenwurzel- (~Black cohosh~) Tinktur und Tinktur
- von dem Samen des wilden Safrans je 1 flüssige Unze. Mische es.
- Anwendbar bei entzündlichem Rheumatismus und gegen das Milchbein
- von Frauen im Kindbett. Dosis: Alle 2, 3 oder 4 Stunden 10 Tropfen
- bis einen Theelöffel voll oder mehr. Zehn oder fünfzehn Grane
- Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~) jeder flüssigen Unze der
- Tinktur beigefügt, wird sehr zuträglich gefunden werden.
-
- +Zusammengesetzte Lobelia-Tinktur+ (~Compound Tincture of Lobelia~ --
- ~Dr. J. King’s Expectorant Tincture~). Man nehme Lobelia, Blutwurzel,
- Stinkkohl (~Skunk cabbage~), wilden Ingwer (~Wild ginger~),
- Pleuresie-Wurzel, grob pulverisirt, je 1 Unze. Lege dies in ein Gefäß
- und gieße kochendes Wasser oder Essig darüber, bis es bedeckt ist,
- dann decke es fest zu. Wenn kalt, füge 3 Pints Alcohol hinzu. Lasse
- die Mischung 14 Tage stehen, presse den Saft aus und filtrire ihn
- durch Papier.
-
- Ein vortreffliches Brechmittel für Säuglinge und Kinder bei Bräune,
- Keuchhusten, Luftröhrenentzündung (~Bronchitis~) und Krämpfen. Auch
- gut als Lösungsmittel bei Husten, Brustentzündung, Asthma &c. Dosis:
- Als Brechmittel für Kinder von einem halben Theelöffel aufwärts. Kann
- in Molasses und Wasser gegeben werden.
-
- +Zusammengesetzte Myrrhen-Tinktur+ (~Compound Tincture of Myrrh~
- -- ~Hot Drops~). Gestoßene Myrrhen 4 Unzen, spanischer Pfeffer
- (~Capsicum~) 2 Unzen, Alcohol 4 Pints. Mische es und lasse die
- Mischung 14 Tage stehen, dann filtrire sie. Aeußerlich anzuwenden,
- zuweilen auch innerlich gegen Kolik &c. gegeben. Ebenfalls gut bei
- Rheumatismus, Verrenkungen, Quetschungen &c. Dosis: Einen Theelöffel
- bis einen halben Eßlöffel voll in versüßtem Wasser.
-
- +Zusammengesetzte Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel+
- (~Compound Tincture of Virginia Snake root~). Man nehme Virginische
- Schlangenwurzel, Brechwurz (~Ipecac~), Saffran (~Saffron~),
- Opium, Kampher, grob pulverisirt, je 8 Skrupel, holländischen
- Wachholderbranntwein (~Holland gin~) oder verdünnten Alcohol 1 Pint.
- Mische es und lasse die Mischung 14 Tage stehen, dann presse und
- filtrire sie. Ist zum Hervorrufen von Schweiß, zur Verminderung des
- Schmerzes und als schlafbringendes Mittel sehr zu empfehlen. Dosis:
- Stündlich oder alle 2 bis 4 Stunden 10 bis 60 Tropfen in Katzenmünze-
- (~Catnip~) oder Balsamthee.
-
- +Arnica-Tinktur+ (~Tincture of Arnica~). Arnicablüthen 1½ Unze,
- verdünnter Alcohol 1 Pint. Mische es. Lasse die Mischung zwei Wochen
- stehen, presse sie aus und filtrire.
-
- +Kampher-Tinktur+ (~Tincture of camphor~). Kampher 2 Unzen, Alcohol 1
- Pint.
-
-
-Gewichte, Maße &c.
-
-Trocknes Maß.
-
- 20 Grane sind gleich 1 Skrupel.
- 3 Skrupel „ „ 1 Drachme.
- 8 Drachmen „ „ 1 Unze.
- 12 Unzen „ „ 1 Pfund.
-
-Flüssiges Maß.
-
- 60 Minims sind gleich 1 flüssigen Drachme.
- 8 flüssige Drachmen „ „ 1 flüssigen Unze.
- 16 flüssige Unzen „ „ 1 Pint.
- 8 Pints „ „ 1 Gallone.
-
-Haus- oder annähernde Maße.
-
- Ein Theelöffel voll ist gleich 1 flüssigen Drachme.
- Ein Dessertlöffel voll „ „ 3 flüssigen Drachmen.
- Ein Eßlöffel voll „ „ ½ flüssigen Unze.
- Ein Weinglas voll „ „ 2 flüssigen Unzen.
- Ein Theetassenkopf voll „ „ 6 „ „
-
-Da die Löffel in ihrer Größe verschieden sind, so sollten sie nicht zur
-Abmessung von kräftigen Medizinen gebraucht werden. Man gebe stets die
-kleineren Dosen zuerst und erhöhe sie allmählig, bis die gewünschte
-Wirkung eintritt.
-
-Dosen-Tabelle.
-
- Dosis für einen Erwachsenen über 21 Jahre 1 Drachme.
- „ „ eine Person von 14 bis 21 Jahren 2 Skrupel.
- „ „ ein Kind von 7 bis 14 Jahren ½ Drachme.
- „ „ „ „ „ 4 bis 7 „ 1 Skrupel.
- „ „ „ „ „ 4 Jahren 15 Grane.
- „ „ „ „ „ 3 „ 10 „
- „ „ „ „ „ 2 „ 8 „
- „ „ „ „ „ 1 Jahr 5 „
-
-
-
-
-Fünfter Theil. -- Wundarzneikunst.[*]
-
-
-Wundärztliche Hülfsmittel.
-
-
-Umschläge (~Poultices~).
-
-Umschläge sind verschiedenartig und müssen weich und feucht sein, dabei
-aber hinreichend dick, daß sie nicht über die betreffende Stelle,
-wo sie ausgelegt sind, hinauslaufen. Sie werden gewöhnlich warm
-angewendet, und vor dem Trockenwerden erneuert.
-
-Sie können zu verschiedenen Zwecken gemacht werden, zur Zertheilung von
-Geschwulsten, zur Beschleunigung der Eiterung oder Bildung des Eiters,
-zur Verminderung der Entzündung und zum Einhalten des Brandes.
-
-Wenn eine besänftigende Wirkung erzielt werden soll, mögen Umschläge
-von Brod und Milch oder Kornmehl und Flachssamen oder schlüpfriger Ulme
-(~Slippery elm~), sowie auch irgend einer anderen Substanz, welche die
-Eigenschaft besitzt, Feuchtigkeit und Wärme eine lange Zeit zurück zu
-halten, gemacht werden.
-
-Als einen reizenden Umschlag erwähnen wir hier einen solchen von
-Senf und gelben Rüben (~Carrots~). Man nehme zwei oder drei gelbe
-Gartenrüben, und nachdem sie weich gekocht sind, vermische man sie mit
-einer kleinen Quantität von Ulmenrinde (~Elm bark~) oder Mehl. Mag bei
-faulen Eiterbeulen und bei schmerzhaften Geschwulsten angewendet werden.
-
-
---------------------
-
-Fußnote:
-
-* Die in diesem Buche angegebene wundärztliche Behandlung ist im
-wesentlichen den Werken von Herrn G. D. Beebe, Wundarzt in Chicago,
-entnommen, dessen Fähigkeit und Geschicklichkeit sowohl in der
-Militär- als Civil-Praxis weithin bekannt sind. Professor Beebe ist
-eine anerkannte Autorität und hat den Stuhl der Wundarzneikunde in dem
-Hahnemann’schen Collegium von dessen Gründung an eingenommen.
-
---------------------
-
-
- +Holzkohlen-Umschlag.+ Man nehme eine Unze Brod und fünf Unzen heißes
- Wasser und lasse es 10 Minuten nahe am Feuer stehen, dann füge
- pulverisirten Flachssamen, 5 Drachmen, hinzu, pulverisirte Holzkohle
- 2 Drachmen, und mache einen weichen Umschlag davon. Dies mag bei
- Eiterbeulen und Geschwüren, die einen widerwärtigen Geruch haben,
- angewendet werden.
-
- +Schlüpfriger Ulm-+(~Slippery Elm~)+Umschlag+ wird aus pulverisirter
- Ulmenrinde zubereitet mit hinreichend heißem Wasser, um daraus eine
- weiche Masse zu bilden. Anwendbar, sobald eine Erweichung oder
- besänftigende Wirkung gewünscht wird.
-
- +Lobelia-Umschlag.+ Man nehme gleiche Theile der Lobelia- und
- Ulmenrinde und füge genug heiße schwache Lauge hinzu, einen Umschlag
- daraus zu bilden. Anwendbar bei Nagelgeschwüren, Beulen, Wunden,
- Insektenstichen und allen Arten von Entzündung.
-
- +Kermesbeer-+(~Poke root~)+Umschlag.+ Man nehme eine Quantität
- Kermesbeere und röste sie in heißer Asche, wenn weich, zerstoße sie
- und mache davon mit heißem Wasser einen Umschlag. Dies wird zuweilen
- Geschwulste, Beulen und Nagelgeschwüre zertheilen.
-
- Gegen Geschwüre, Beulen und Nagelgeschwüre sind Brod und Milch, sowie
- Flachssamen-Umschläge wahrscheinlich die besten Mittel. Nachdem aber
- der Eiter zu laufen beginnt, ist der Umschlag von schlüpfriger Ulme
- vorzuziehen. Letzterer ist auch bei Karfunkel und anderen tiefen
- Eitergeschwüren der beste Umschlag.
-
- Hefen- (~Yeast~) Umschläge mögen bei stark morastartigen Eiterbeulen,
- die einen widrigen Geruch besitzen, angewendet werden.
-
-
-Bähungen (~Fomentations~).
-
-Diese können ebensowohl warm als auch kalt sein, und der Zweck
-derselben besteht in der Verminderung der Entzündung und Anschwellung.
-Bähungen können aus Arnica, Ringelblumen (~Calendula~) oder Brennnessel
-(~Urtica Urens~) gemacht werden.
-
-Arnica ist gut bei Quetschungen und Verrenkungen.
-
-Ringelblume bei Schnitt- und Rißwunden.
-
-Brennnessel bei Quetschungen und Verbrühungen.
-
-Das Verhältniß ist 10 bis 20 Tropfen der Tinktur auf ½ Pint kaltes
-Wasser, Tücher in der Mischung getränkt und ausgerungen werden
-aufgelegt und häufig gewechselt.
-
-Hopfen wird in folgender Weise angewendet. Ein Säckchen, welches
-denselben enthält, wird in heißes Wasser getaucht und auf die
-angegriffene Stelle gelegt. Die Bähung sollte gehörig zugedeckt
-gehalten werden, so daß die Feuchtigkeit und Wärme zurück bleibt.
-Bähungen können auch aus Hopfen, Rainfarn und Wermuth, jedes
-allein oder zu gleichen Theilen; Hopfen, Lobelia und Stechapfel-
-(~Stramonium~) Blättern, zu gleichen Theilen, zubereitet werden.
-
-
-Pflaster (~Plasters~)
-
-werden in der Regel zur Zusammenziehung von Wunden oder zur
-Verhinderung des Zutritts der Luft zu denselben aufgelegt. Gegen große
-und tiefe Wunden ist das beste gewöhnliches Heftpflaster, und gegen
-leichte Wunden und Abreiben der Haut mag das englische Pflaster (~Court
-plaster~) angewendet werden. Arnica-Pflaster ist gut gegen Verrenkungen
-und chronischen Rheumatismus, besonders im Rückgrat und der Brust.
-
-
-Wickelbänder und Bandagen
-
-sollten aus fester Leinwand oder baumwollenen Tüchern gemacht werden.
-Man schneide Streifen von vier Finger Breite und nähe sie zusammen,
-bis man die erforderliche Länge besitzt. Dann rolle man sie dicht
-übereinander, so daß sie bei der Verwendung leichter gehandhabt werden
-können. Bei dem Verbinden sollte der Wundarzt versuchen, jeden Theil
-des Gliedes zu bedecken, damit auf alle Theile ein gleichmäßiger Druck
-ausgeübt wird; auch sollte der Verband vollkommen glatt sein, und um
-dies zu bewerkstelligen, wird es nothwendig werden, den Verband an
-gewissen Stellen des Gliedes um sich selbst zu wickeln, bis es dem
-Wundarzt wieder möglich ist, weiter spiralförmig zu verbinden, wobei
-immer das folgende das frühere zur Hälfte bedecken muß.
-
-[Illustration]
-
-Beim Verbinden eines Armes oder Beines beginne man stets mit den
-Fingern oder Zehen und gehe aufwärts. Der Verband darf aber nicht zu
-fest angelegt werden, damit nicht der Umlauf des Blutes gehemmt wird,
-was leicht Brand verursachen könnte. Die nebenstehende Abbildung
-zeigt, wie ein derartiger Verband anzulegen ist.
-
-Bei Brüchen mag man den Verband von Zeit zu Zeit mit einer Lösung von
-Arnica oder kaltem Wasser tränken.
-
-
-Schienen (~Splints~)
-
-sind aus Blech, dünnem Brett oder starker, steifer Pappe anzufertigen
-und müssen der Länge und der Breite des gebrochenen Gliedes angemessen
-groß sein. Man befestige sie vermittelst Riemen oder Wickelbänder.
-
-
-Brüche (~Fractures~).
-
-Wenn ein Knochen gebrochen ist, so nennt man dies einen Bruch. Ist
-er in zwei oder mehrere Stücke gebrochen ohne irgend eine äußerliche
-Wunde, so wird dies ein +einfacher Bruch+ genannt. Wenn aber da, wo der
-Bruch stattgefunden hat, eine äußerliche Wunde vorhanden ist, so wird
-es als ein +zusammengesetzter Bruch+ bezeichnet. Es giebt auch andere
-Formen, allein diese mögen für dieses Buch hinreichen.
-
-Die Kennzeichen von Brüchen sind zuweilen sehr unkenntlich. Gewöhnlich
-ist Schmerz und eine Unfähigkeit, das Glied zu bewegen, vorhanden,
-was aber auch bei Verrenkungen u.s.w. der Fall sein kann. In der
-Regel aber tritt sowohl ein Kürzerwerden des Gliedes als auch eine
-Veränderung in dessen Form ein, verbunden mit der Unmöglichkeit des
-Bewegens, Schmerz und Anschwellen. Ebenso wird auch ein knirschendes
-Geräusch oder Gefühl, ~crepitus~ genannt, wahrgenommen, das durch das
-Aneinanderreiben der gebrochenen Enden des Knochens hervorgerufen wird.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Wenn ein Bruch stattgefunden hat, sollte der Patient mit der
- größten Sorgfalt weggeschafft werden, und wenn es in einer gewissen
- Entfernung vom Hause geschah, sollte man ihn aus ein Brett oder
- eine Thüre legen, oder auf irgend eine Weise fortschaffen, die ihm
- eine bequeme Lage gestattet; das verletzte Glied darf nicht hängen
- gelassen oder hin und her geworfen werden, muß vielmehr vermittelst
- Kissen von Stroh, Blättern u.s.w. in eine ruhige Lage gebracht
- werden. Gebrochene Glieder, besonders wenn Anschwellung vorhanden
- ist, sollten vor den ersten 3 oder 4 Tagen, oder wenigstens nicht vor
- einigen Stunden nach dem Unfalle verbunden werden, denn ein Verband,
- der durch das Anschwellen beengt wird, kann den Blutumlauf hemmen und
- so die Ursache zum Brande werden. Der gebrochene Knochen muß in eine
- möglichst bequeme Lage gebracht und dort ruhig gelassen werden, bis
- die Anschwellung nachgelassen hat. Sofortige Aufmerksamkeit sollte
- Brüchen des Schlüsselbeines oder der Rippen geschenkt werden.
-
- Um den Knochen wieder einzurichten, lege man den Patienten auf ein
- Brett oder eine Matratze, und befinden sich die Schnitte des Bruches
- nicht genau gegenüber, so sollte einer der Wärter den unteren Theil
- des gebrochenen Gliedes erfassen, während der andere den oberen Theil
- hält, beide sollten dann sanft ziehen und zwar in entgegengesetzter
- Richtung, so daß durch die Ausdehnung und das Zusammenschieben
- schließlich der Knochen wieder in die rechte Lage gebracht wird.
- Dann mögen die Schienen und der Verband angelegt werden, und um
- das Aufreiben der Haut oder eine Verletzung zu verhindern, sollte
- eine dünne Lage Watte untergelegt werden. Die Schienen müssen von
- einer oder zwei Personen gehalten werden, während der Wundarzt den
- Verband anzulegen beginnt, und zwar immer an dem unteren Theile des
- Gliedes zuerst anfängt. Nachdem das Glied so verbunden, lege man
- es auf ein Kissen in einer gebeugten Stellung oder in einem eigens
- dazu angefertigten Bruchkasten oder in einer Schlinge. Man nehme den
- Verband nach Verlauf einer Woche ab, um sich zu versichern, daß sich
- die Theile in gehöriger Lage befinden, und verbinde dann wieder.
-
-
-Bruch des Nasenbeines
-
-wird leicht an der Mißgestaltung erkannt.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Die Knochen werden eingerichtet, indem man mittelst eines silbernen
- oder hölzernen Stiftes oder irgend eines ähnlichen Instrumentes in
- der Nasenhöhle die gebrochenen Knochen herausdrückt, währenddessen
- man durch einen Gegendruck mit den Fingern von außen das zu weite
- Hervortreten derselben verhindert. Um die Entzündung und das
- Anschwellen zu unterdrücken, mache man nasse Umschläge von kaltem
- Wasser oder einer kalten Arnica-Lösung durch mehrere Tage hindurch.
-
-
-Bruch des untern Kinnbackens.
-
-Der untere Kinnbacken kann an mehreren Stellen gebrochen werden und der
-Bruch mag ein einfacher oder zusammengesetzter sein. Er wird an dem
-Schmerz bei Bewegung des Gaumens, durch das Lockerwerden der Zähne und
-an dem knirschenden Gefühle beim Bewegen der Knochen erkannt.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Lege über das Kinn eine Lage Watte oder Charpie, und forme dann
- nach dem Kinn und unter der Oberfläche des Gaumens ein Stück dicker
- Pappe welche zuvor in Wasser erweicht wurde, zu einer Schiene.
- Dann befestige man dieselbe mittelst eines Wickelbandes von zwei
- Zoll breit an den Gaumen, presse den unteren Kinnbacken gegen den
- oberen und binde die Bandage vorn und unter dem Kinn quer über den
- Scheitel. Dieser Verband sollte nicht vor drei bis vier Tagen behufs
- Nachsehens entfernt werden. Sollte es schwer sein, die Bruchstücke
- an ihrem Platz zu halten, so sollten die dem Bruch auf beiden Seiten
- nächststehenden Zähne mit einem feinen Eisen- oder Silberdrath
- zusammen gezogen werden.
-
-
-Bruch der Rippen.
-
-Ein Bruch der Rippen kann durch einen heftigen Schlag oder Fall
-verursacht werden und ist an dem schwierigen Athmen und an einem
-leichten Krachen, welches gehört oder gefühlt werden kann, wenn man die
-Hand über den verletzten Theil legt, während der Patient einen langen
-Athemzug thut, zu erkennen. Der Patient klagt bei jedem Athemzug über
-einen stechenden Schmerz in der verletzten Seite.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Schneide Heftpflaster in Streifen von ein und einem halben Zoll
- breit und 15 bis 18 Zoll lang, und wenn erwärmt, lege man sie auf
- die verletzte Seite. Ein Ende von jedem Streifen ruhe auf dem
- Brustbein und ziehe sich dann nach unten und außen, so daß sie den
- Bruch kreuzen und bis zum Rückgrat reichen. Diese Streifen sollten
- die Oberfläche der verletzten Stelle zwei oder drei Zoll über
- und unter dem Bruche bedecken und aufgelegt werden, während der
- Patient die Luft so viel als möglich aus den Lungen zieht. Oder ein
- breites, starkes Band mag um die Brust herum befestigt werden, damit
- verhindert wird, daß sich die Rippen während des Athmens bewegen.
-
-
-Bruch des Schlüsselbeines
-
-kommt häufig vor und erfordert sofortige Behandlung. Er kann daran
-erkannt werden, daß die Schulter an der verletzten Seite tiefer ist als
-die an der andern, an dem Schmerz bei Bewegung, der Patient kann die
-Hände nicht an den Kopf heben, der Arm an der verletzten Seite fällt
-auf die Brust, an den knirschenden Ton oder crepitus, der bei Bewegen
-des Armes oder der Schulter wahrgenommen wird, oder die gebrochenen
-Enden können, wenn man mit der Hand längs des Schlüsselbeines streicht,
-gefühlt werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Man lege ein Polster in die Armhöhle, welches hinreichend dick
- ist, den Arm von dem Körper zu halten. Dann hebe man den Ellbogen
- vermittelst einer Schlinge ähnlich einem Rockärmel, die sich vom
- Handgelenk nach dem Ellbogen erstreckt, ziehe ihn rückwärts und lasse
- die Schiene auf der gesunden Schulter ruhen, während der Arm an der
- verletzten Seite ruhig an dem Körper gehalten werden muß.
-
-
-Bruch des Schulterblattes.
-
-Das Schulterblatt wird selten gebrochen, ausgenommen in Folge
-unmittelbarer heftiger Verletzungen. Wenn der Knochen gebrochen ist,
-so wird eine schmerzhafte Anschwellung, sowie auch Steifheit und
-Unfähigkeit den Arm der betreffenden Seite zu bewegen, eintreten.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Mache eine Compresse über den Sitz des Bruchs und bringe den Knochen
- durch das Anlegen eines festen Verbandes oder durch Streifen von
- Heftpflaster in eine unbewegliche Lage.
-
-
-Bruch des Oberarms.
-
-Dieser Bruch findet häufig in der Mitte des Armes statt. Er kann daran
-erkannt werden, daß der Patient den Ellbogen oder Vorderarm nicht heben
-kann und an dem knirschenden Gefühl, das empfunden wird, wenn sich die
-Bruchstücke an einander reiben.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Man forme eine Schiene von Sohlenleder, das zuerst in Wasser erweicht
- wird, der äußeren Fläche des Armes angemessen, und dehne diese bis
- zur Schulter gehörig aus; befindet sich der Bruch näher unter dem
- oberen Ende des Knochens, mache ein Polster unter die Achsel oder in
- die Armhöhle; lege eine kurze Schiene von Sohlenleder an die innere
- Seite des Armes und befestige dieselbe vermittelst eines Wickelbandes
- von den Fingern aufwärts. Wenn sich der Bruch weiter vom Gelenk ab
- befindet, kann das Polster ausgelassen werden.
-
-
-Bruch des Ellbogens.
-
-Der Ellbogen kann gebrochen werden, was an dem Schmerze an dem
-betreffenden Theile und daran, daß der Patient den Arm biegen aber
-nicht wieder strecken kann, an dem knirschenden Gefühle, das bei
-Vorwärts- und Einwärts-, dann langsam Rückwärts- und Einwärtsbiegen
-wahrgenommen wird, erkannt werden kann. Bei Bewegen des Armes sollte
-der Wundarzt eine Hand auf die Stelle des Bruches legen, während er mit
-der andern das Glied bewegt.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Dehne den Arm vollständig aus und lege an die innere Seite eine
- lange, gerade Holzschiene, dann lege eine feste Compresse über den
- Bruch des Knochens, bringe ihn in seine gehörige Lage vermittelst
- Streifen von Heftpflaster, welche an der Schiene und an dem Arm
- befestigt werden, so daß ein Vorschieben nicht möglich ist.
-
-
-Bruch des Vorderarmes.
-
-Es gibt zwei Knochen in dem Vorderarm. Der eine wird ~Ulna~, der
-andere ~Radius~ genannt. Wenn beide Knochen gebrochen werden, so
-wird der Bruch leicht entdeckt, dies kommt aber selten vor. In der
-Regel ist Schmerz an der gebrochenen Stelle vorhanden, die Hand ist
-steif und ein knirschendes Gefühl wird bemerkt werden, wenn das Glied
-über oder unter dem Bruch fest angegriffen wird und die Enden der
-Knochen gegen einander reiben.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Zwei gerade dünne Stücke Brett, lang genug, daß sie von dem Ellbogen
- bis zu den Fingerspitzen reichen, gehörig wattirt und ein wenig
- breiter als der Arm, sollten eines an die innere und das andere an
- die äußere Seite des Vorderarmes gelegt und die Lage derselben durch
- den Verband so gesichert werden, daß, wenn der Vorderarm auf die
- Brust gelegt wird, der Daumen aufwärts gerichtet ist.
-
-
-Fingerbrüche.
-
-Wenn das erste oder zweite Glied des Fingers gebrochen wird, kann es
-leicht entdeckt werden, bei dem dritten Gliede aber ist es schwieriger.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Man lege eine dünne schmale Schiene aus einer Schindel oder aus
- anderem passendem Material geschnitten an die innere Seite des
- Fingers und befestige sie mittelst eines schmalen Verbandes.
-
-
-Schenkelbruch.
-
-Dieser Bruch kann an irgend einer Stelle des Schenkelknochens vom Knie
-bis an die Hüfte eintreten, findet aber häufiger in der Gegend der
-Mitte oder an dem oberen Theile statt. Der Bruch kann an dem Schmerze,
-der Unfähigkeit das Glied zu bewegen, oder irgend ein Gewicht darauf
-zu ertragen, sowie an dem knirschenden Geräusche, wenn die Enden gegen
-einander reiben, erkannt werden. Wenn der Bruch schief ist, so wird das
-Glied kürzer, ist die Kugel gebrochen, so dreht sich das Knie und der
-Fuß nach Auswärts und das Glied ist ungefähr einen Zoll kürzer als das
-andere.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Wenn ein Bruch der Kugel stattfand, so mag das Glied in eine
- mit doppelter Biegung versehene Schiene (siehe Holzschnitt) mit
- gekrümmtem Knie gelegt und so weit erhöht werden, daß der Körper
- etwas nach unten zieht, damit die möglichst volle Länge erhalten
- bleibt.
-
-[Illustration]
-
- Wenn sich der Bruch in der Mitte des Knochens befindet, sollte eine
- lange gerade Schiene angelegt werden; an dem unteren Ende ist der Fuß
- zu befestigen und an dem oberen Ende, fast bis zur Armhöhle reichend,
- sollte sich ein gehörig wattirter Gurt befinden, der, sich durch
- die Schamleiste ziehend, rings um den verletzten Schenkel geht. Man
- strecke den Schenkel bis zu seiner vollen Länge aus, die Schiene möge
- befestigt und wenn nöthig, mögen die Bruchstücke noch besonders durch
- kurze Schienen von Sohlenleder und etwas Verband gestützt werden.
-
-
-Bruch des Beines.
-
-Das Bein ist jener Theil des Gliedes, welcher zwischen Knie und
-Knöchel liegt. Es besteht aus zwei Knochen; der kleinere Knochen an
-dem äußeren Theile des Beines wird ~Fibula~ und der andere an
-der inneren Seite ~Tibia~ oder Schienbein genannt. Einer oder
-beide können gebrochen werden, häufiger aber der letztere. Der Bruch
-kann daran erkannt werden, daß der Patient weder gehen noch sich auf
-den Füßen halten kann, am Schmerz, an einer Veränderung der Form und
-an dem eigenthümlichen knirschenden Gefühl beim Aneinanderreiben der
-gebrochenen Enden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Man bringe den Fuß in eine Schiene mit doppelter Beugung (siehe
- den Holzschnitt auf der vorhergehenden Seite) und gebe dem Fuße
- einen Halt an dem Fußende; sollten die Bruchstücke anfangen in eine
- ungehörige Lage zu kommen, so lege man eine kurze Schiene, gehörig
- wattirt an, damit sie in ihrer Lage bleiben.
-
-
-Brüche des Fußes.
-
-Dieselben sind häufig von Fleischwunden und Zerreißung des Bandes
-begleitet und sind gefährlicher als Brüche der Hand.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Ist das Fleisch stark zerrissen und die Knochen gebrochen, sehe
- man zu, die letzteren wieder an ihren Platz zurückzudrängen, mache
- Wasserumschläge oder solche von Arnica-Auflösung, und suche die
- Entzündung zu beseitigen, welche die Hauptquelle der Gefahr ist. Wenn
- der Fersenknochen gebrochen ist, sollte der Fuß völlig ausgestreckt
- und eine gerade Schiene, welche von den Zehen bis zum Knie reicht,
- angelegt werden. Die Knochenbruchstücke sind durch Streifen von
- Heftpflaster oder Wickelbänder zusammen zu halten.
-
-
-Zusammengesetzte Brüche
-
-sind von Wunden durch die Haut, welche durch das Herausdringen des
-Knochens verursacht werden, begleitet, und sind in Folge dessen
-gefährlicher als einfache Brüche, sind aber bezüglich ihrer Behandlung
-von den letzteren nicht verschieden. Der Verband aber muß so angelegt
-werden, daß man die Wunden verbinden kann, ohne dadurch von Neuem eine
-Störung der Lage des Knochen zu verursachen. Alle Knochensplitter &c.
-müssen sorgfältig entfernt werden.
-
-
-Ausrenkungen.
-
-Die Flächen, wo sich zwei Knochen begegnen und gegen einander
-gleiten, werden Gliederflächen und die Verbindung die Knochenfügung
-genannt. Die Oberfläche des Knochens ist mit einem glänzenden Knorpel
-bedeckt und die Glieder werden durch Bänder und Streifen von Knorpel
-zusammengehalten. Wenn nun ein Knochen vermittelst Gewalt oder durch
-Erschlaffung der Bänder aus seiner Höhle tritt, so nennt man dies eine
-Ausrenkung. Ist ein Knochen blos verschoben, so wird dies als eine
-+einfache Ausrenkung+ bezeichnet, wenn aber dabei die umgebenden
-Theile verletzt werden, so nennt man es eine +zusammengesetzte
-Ausrenkung+. Eine Ausrenkung sollte sobald als möglich nach
-deren Vorgang behoben werden; je länger dies verschoben wird, desto
-schwieriger wird es sein. Zuweilen findet man einen Bruch und eine
-Ausrenkung zu gleicher Zeit, und in solchen Fällen muß zunächst die
-Ausrenkung beseitigt sein, bevor man den Bruch behandeln kann.
-
-Kennzeichen einer Ausrenkung sind die Unmöglichkeit, die Glieder und
-Knochen zu bewegen; die Kugel des Knochens kann in ihrer unnatürlichen
-Lage gefühlt werden, und das Glied kann sich verkürzen oder auf
-andere Weise verschieben. Eine Ausrenkung muß durch ein allmähliges
-und ununterbrochenes kräftiges Ziehen beseitigt werden, was daran zu
-erkennen ist, daß das Glied seine natürliche Gestalt wieder annimmt und
-gewisse Bewegungen wieder machen kann, welche, während der Knochen aus
-seiner Lage ist, nicht möglich sind. Der Schmerz läßt allmählig nach,
-nachdem der Knochen wieder eingerichtet ist.
-
-Bei Ausrenkungen der Schulter und Hüfte, macht der Knochen ein
-schnappendes Geräusch, wenn er in seine Lage zurückgleitet.
-
-
-Ausrenkung des Gaumens
-
-wird gewöhnlich durch zu starkes Gähnen verursacht und kann auf einer
-oder auch auf beiden Seiten stattfinden. Der Mund ist weit geöffnet,
-das Kinn nach einer Seite oder nach unten gezogen, der Patient ist
-unfähig, den Mund zu schließen und der Speichel tropft.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Man stelle sich hinter den sitzenden Patienten und schiebe einen Kork
- oder Töpsel von Holz zwischen die Backenzähne auf der ausgerenkten
- Seite oder auf beiden Seiten, wenn die Ausrenkung beider Seiten
- stattfand, und hebe das Kinn sanft aber beständig. Wenn die
- Ausrenkung beseitigt ist, wird sich der Mund sogleich nach dem
- Herausnehmen des Korkes oder Töpsels schließen.
-
-
-Ausrenkung des Schlüsselbeins.
-
-Das Schlüsselbein ist mehr zum Bruch als zur Ausrenkung geneigt. Wenn
-eine solche stattfindet, so steht sie in der Regel mit dem Brustbein
-in Verbindung. Die Kugel des Knochens kann sich sowohl rück- als
-vorwärts schieben. Wenn rückwärts gezogen, drückt sie auf den oberen
-Theil des Brustbeines, während die Kugel wie eine Geschwulst an dem
-Halse gefühlt werden kann; auch verursacht dies eine beträchtliche
-Anschwellung. Wird die Kugel vorwärts gezogen, so wird mit der Hand an
-der Spitze des Brustbeins ein Höcker gefühlt.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Wenn sich der Knochen nach rückwärts geschoben hat, ziehe die
- Schulter kräftig genug vom Körper weg, damit der Knochen in seine
- Lage zurückgebracht wird, dann presse die Schulter nach rückwärts und
- halte sie in dieser Stellung. Fand die Ausrenkung nach vornen statt,
- so beseitige sie in derselben Weise; beuge die Schulter ein wenig
- nach vorwärts und lege eine feste Compresse über dem Knochen an,
- damit eine Wiederholung verhindert wird.
-
-
-Ausrenkung der Schulter.
-
-Die Kugel des langen Armknochens kann in drei verschiedenen Richtungen
-ausgerenkt werden, nach unten, in die Armhöhle, nach vornhin, auf die
-Brustmuskeln und nach rückwärts auf die Rückseite des Schulterblattes.
-
-Wenn die Ausrenkung in die Armhöhle stattfand, so ist der Arm länger
-als der andere und der Ellbogen von der Seite gezogen; die Rundung der
-Schulter ist verschwunden, der Patient kann den Arm nicht heben und die
-Finger sind zuweilen empfindungslos.
-
-Bei einer Ausrenkung nach vorwärts wird ein Höcker an der Spitze
-der Schulter gefühlt, der Ellbogen ist von der Seite nach rückwärts
-gezogen, der Arm ist kürzer und die Kugel kann unter dem Schlüsselbein
-gefühlt werden.
-
-Wenn die Kugel nach rückwärts an das Schulterblatt gezogen ist, so kann
-sie durch die Geschwulst an jener Stelle gefühlt werden; der Arm und
-Vorderarm wird quer über die Brust gezogen.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Wenn eine Ausrenkung in die Armhöhle stattfand, lasse man den
- Patienten sich auf den Rücken legen, stelle den nur mit dem Strumpf
- bekleideten Fuß in die Armhöhle, ziehe dann stark an dem Arme und
- zwinge so durch das Gegenstemmen des Fußes die Kugel zurück, bis sie
- plötzlich in die Höhle springt.
-
- Bei einer Ausrenkung nach vorwärts bringe man durch Ziehen des Armes
- nach aus- und aufwärts die Kugel in die Armhöhle und verfahre dann
- weiter wie eben beschrieben.
-
- Wenn die Kugel nach rückwärts ausgerenkt ist, so stelle sich der
- Wundarzt neben den Kranken, anstatt sich, wie auf dem vorstehenden
- Holzschnitte gezeigt, neben denselben zu setzen. Durch das Ziehen des
- Armes mehr nach vorne hin wird die Ausrenkung beseitigt.
-
-[Illustration]
-
-
-Ausrenkung des Ellbogens.
-
-Die gewöhnlichste Ausrenkung des Ellbogens ist jene, bei welcher beide
-Knochen des Vorderarmes rück- und aufwärts gezogen sind. Sie kann
-daran erkannt werden, daß die Spitze des Ellbogens mehr als gewöhnlich
-hervorsteht; an jeder Seite des Ellbogens befindet sich eine Höhle und
-der Vorderarm ist an dem rechten Knöchel der Hand gekrümmt.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Fasse den Arm oben und unter dem Ellbogen, setze das Knie in den
- verletzten Ellbogen, und währenddem man den Arm um das Knie biegt,
- ziehe man beständig stark, auf diese Weise werden die Knochen wieder
- in ihre Lage zurückgebracht.
-
-
-Ausrenkung des Handgelenkes
-
-kann an dem Schmerz, der Veränderung in der Stellung der Hand verbunden
-mit einer Anschwellung des vordern und hintern Theiles der Hand erkannt
-werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Man fasse die verletzte Hand fest, während ein anderer den Arm hält,
- und indem die Hand in die Höhe gezogen wird, drücke man mit der
- anderen Hand die Knochen in ihre Lage zurück.
-
-
-Ausrenkung der Knochen der Finger.
-
-Eine solche kann an dem Vorspringen an dem hinteren Theile des Fingers
-erkannt werden.
-
-[Illustration]
-
-
-+Behandlung.+
-
- Beuge den Finger rückwärts an dem ausgerenkten Gliede, bis es in
- einem rechten Winkel steht, dann dränge man mit den Daumen den Boden
- des ausgerenkten Knochens vorwärts und strecke gleichzeitig den
- Finger aus.
-
-
-Ausrenkung des Hüftknochens.
-
-Die Kugel oder der Kopf des Hüftknochens kann nach vier Richtungen hin
-ausgerenkt werden; auf- und rückwärts, nach unten und rückwärts, auf-
-und vorwärts und rück- und vorwärts.
-
-Die Ausrenkung auf- und rückwärts wird daran erkannt, daß das Bein
-ungefähr um zwei Zoll kürzer als das andere und das Knie und der Fuß
-nach einwärts gedreht sind.
-
-Die Ausrenkung nach unten und vorwärts kennzeichnet sich durch die
-Verlängerung des Gliedes; das Knie ist weit getrennt von dem anderen
-und Fuß und Knie sind auswärts gedreht, bei einem Versuche, aufrecht zu
-stehen, wird der Körper mehr vorwärts gezogen.
-
-Die Ausrenkung rückwärts und nach unten wird daran erkannt, daß das
-Glied ein wenig kürzer ist und Knie und Fuß nach Innen gedreht sind, an
-dem Aufziehen der Ferse und an Ruhen der großen Zehe auf dem Ballen der
-großen Zehe des andern Fußes.
-
-Die Ausrenkung auf- und vorwärts wird daran erkannt, daß das Glied
-ungefähr einen Zoll kürzer als das andere ist und der Fuß und das Knie
-auswärts gedreht sind.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Bei Ausrenkung auf- und rückwärts -- lege man den Patienten auf den
- Rücken auf einen niedrigen, festen Tisch, oder was noch besser ist,
- auf eine zusammengelegte Decke auf die Erde. Der Wundarzt stehe
- oder kniee an der verletzten Seite und fasse den Knöchel mit der
- einen Hand und mit der andern das Knie. Dann beuge das Knie auf
- den Schenkel, zunächst stark anziehend, führe es über den gesunden
- Schenkel, gleichzeitig auswärts über das Becken in eine Art von
- Halbkreis bis zum Nabel. Ziehe das Knie sanft nach außen, drehe die
- Zehen nach auswärts, die Ferse nach Innen und den Fuß quer über
- das andere gesunde Glied, indem man den Schenkel sanft hin und her
- bewegt, bis die Kugel in ihre Höhle gleitet, was mit einem leichten
- Knirschen oder hörbaren Schnappen vor sich geht. (Dr. W. W. Reid in
- Smith’s Chirurgie).
-
- Wenn nach unten und rückwärts, muß der Schenkel auf den Körper
- gebeugt und quer über den gegenüberliegenden geführt werden; dann
- führe ihn langsam vom Körper weg in einer Weise, ähnlich wie die oben
- beschriebene.
-
- Bei einer Ausrenkung auf- und vorwärts führe man das Glied kräftig
- vom Körper hinweg, rolle den Fuß noch kräftiger auswärts, bis die
- Kugel nach unten gleitet; die Ausrenkung ist dann eine solche, wie
- die nach unten und vorwärts. Der Schenkel sollte dann stark auf den
- Körper gekrümmt und quer über den andern geführt werden, und wenn bei
- dem Rollen des Beines die Fußsohle aus- und aufwärts gerichtet ist,
- wird die Kugel an ihre Stelle gleiten.
-
-
-Ausrenkung der Kniescheibe.
-
-Die Kniescheibe kann nach Außen und Innen ausgerenkt werden.
-
-Die Ausrenkung nach Außen kann an dem Hervorragen oder der Geschwulst
-an der äußeren Seite des Kniegelenkes, Steifheit und Unfähigkeit zum
-Gehen, erkannt werden. Dies ist das gewöhnlichste.
-
-Die Ausrenkung nach Innen ist sehr selten und die Kennzeichen sind
-dieselben, wie die vorhergehenden, ausgenommen daß die Kniescheibe
-neben dem Kniegelenk gefunden wird.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Der Patient lege sich auf ein Bett und lege mit völlig ausgestrecktem
- Beine seine Ferse auf die Schulter einer anderen Person, welche die
- Kniescheibe mit den Fingern und Daumen in ihre Lage zurückbringt.
-
-
-Ausrenkung des Kniegelenkes.
-
-Das Kniegelenk kann in vier Richtungen ausgerenkt werden, rückwärts,
-vorwärts, einwärts und auswärts. Die häufigsten sind die rück- und
-vorwärts.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Eine Person fasse den Fuß des Patienten und ziehe beständig,
- aber kräftig, während ein Anderer den Schenkel faßt und in der
- entgegengesetzten Richtung zieht, dann dem Kniegelenk gegenüber
- stehend, bringe die verschobenen Knochen wieder in ihre Lage.
-
-
-Ausrenkung des Knöchels.
-
-Eine derartige Ausrenkung kommt nur selten vor, ausgenommen in
-Begleitung eines Bruchs. Sie kann vor-, rück-, aus- oder einwärts
-stattfinden. Die Ausrenkung einwärts ist die gewöhnlichste und kann
-daran erkannt werden, daß der Fuß nach Außen gezogen wird und die
-innere Kante auf dem Boden ruht. Auch wird eine harte Geschwulst an
-der innern Seite des Knöchels und eine Vertiefung an der äußeren Seite
-gefunden werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Ein kräftiges Ziehen an dem Fuße, während Jemand das Bein nahe am
- Knie hebt, und Beugen des Fußes in solch einer Richtung, welche die
- Rückkehr des Knochens in seiner Lage begünstigt, wird Ausrenkung des
- Knöchels, wenn sie nicht von einem Bruche begleitet ist, schnell
- beseitigen.
-
-
-Wunden.
-
-Wunden werden in verschiedene Klassen eingetheilt: +einfache
-Schnittwunden+, von einem scharfen, schneidenden Instrumente
-herrührend; +Riß- und Quetschwunden+, durch ein stumpfes Instrument,
-wie eine Säge oder eine Keule, verursacht; +Stichwunden+, von Bayonett,
-Dolch u.s.w., und +vergiftete Wunden+, in Folge von Stichen oder
-Bissen giftiger Insekten oder Schlangen.
-
-
-+Behandlung.+
-
-[Illustration]
-
- Einfache Schnittwunden müssen zuerst von allem Schmutz gereinigt
- und die Blutung gestillt werden. Die Blutung hört in der Regel nach
- Anwendung des kalten Wassers oder Wasser mit ein wenig Arnika-Tinktur
- darin auf. Andere Mittel für diesen Zweck sind: Lösungen von Tannin,
- Alaun (~Alum~), Abkochung von Weißeichenrinde und Monsel’s Salz; das
- Letztere ist ein vortreffliches Mittel. Nachdem die Blutung gestillt
- ist, müssen die Ränder der Wunde zusammen gebracht und durch einen
- Streifen Heftpflaster zusammen gehalten werden, bis die Wunde geheilt
- ist. Wenn das Pflaster die Ränder nicht zusammenhält, müssen einige
- Stiche gemacht werden. Ist die Blutung sehr stark und von einer
- hellen, rothen Farbe, strahlenförmig herausströmend, so ist dies ein
- Zeichen, daß eine Ader verletzt worden ist. Eine Compresse sollte
- dann auf die Ader über die Wunde und zwischen die Wunde und das Herz
- gelegt werden, wenn der Druck mit den Fingern nicht hinreicht, binde
- ein Taschentuch so fest als möglich um das Glied.
-
-[Illustration]
-
- Bei Riß- und Quetschwunden ist die Behandlung der obigen ähnlich.
- Wenn aber eine Entzündung im hohen Grade eintritt, muß das Pflaster
- entfernt und Kaltwasser-Umschläge, zuweilen auch ein beruhigender
- Umschlag gemacht werden. Die Tinktur der Ringelblume (~Calendula~)
- ist bei dieser Klasse von Wunden der Arnica vorzuziehen.
-
- Stichwunden werden ungefähr in derselben Weise wie die obigen
- behandelt. Sorge sollte getragen werden, daß die Wunde nicht vom
- Grunde aus heilt, was durch das Einschieben von ein wenig Charpie in
- die Wunde verhindert werden kann.
-
- Vergiftete Wunden schließen in sich Bisse und Stiche von Musquitos,
- Spinnen, Bienen, Wespen und Schlangen. Eine Auflösung von
- gewöhnlichem Salz mag mit Vortheil angewendet werden, ebenso auch
- Ammoniak-Wasser, ein Umschlag von Wegebreit- (~Plantain~) Blättern,
- Arnica-Tinktur, nasser Erde und Olivenöl.
-
- Bei den Bissen von Schlangen sollte sogleich ein Taschentuch oder
- irgend ein anderer Verband fest um das Glied zwischen die Wunde
- und das Herz gelegt werden. Das Gift muß dann vermittelst des
- Schröpfkopfes (~Dry cup~) oder des Mundes aus der Wunde gesaugt
- werden. Der Patient sollte darauf so bald als möglich Whiskey,
- Wachholderbranntwein (~Gin~) oder Brandy trinken, bis er betrunken
- ist, und in diesem Zustande so lange verbleiben, bis sich die
- Symptome bessern.
-
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-Quetschungen.
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-Eine Quetschung wird in der Regel durch einen stumpfen, harten
-Gegenstand, der mit den weichen Theilen des Körpers in heftige
-Berührung kommt, ohne die Haut zu zerreißen, verursacht. Die kleinen
-Blutgefäße werden gewöhnlich zerrissen, lassen das Blut unter die Haut
-und erzeugen schwarze oder blaue Flecken.
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-+Behandlung.+
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- Zu einem Theile Arnica-Tinktur füge 6 bis 8 Theile Wasser, befeuchte
- ein Tuch mit dieser Lösung und lege es über die Quetschung.
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-
-Verstauchungen.
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-Eine Verstauchung ist ein gewaltsames Reißen und Drehen eines
-Gelenkes in einem solchen Grade, daß die Bänder mehr oder weniger
-reißen und sich ausdehnen, ohne jedoch den Knochen aus seiner Lage zu
-bringen. Die Kennzeichen bestehen in Schmerz, Anschwellen, Entzündung
-und Empfindlichkeit des betreffenden Theiles. Mit Sorgfalt sollte
-untersucht werden, ob nicht etwa eine theilweise Ausrenkung des
-verletzten Gelenkknochens stattgefunden hat. Bei einer Verstauchung
-tritt die Anschwellung allmählig ein und das Gelenk kann unmittelbar
-nach der Verletzung bewegt werden, während bei einer Ausrenkung
-Anschwellung und Bewegungslosigkeit sogleich nach dem Unfalle eintritt.
-
-
-+Behandlung.+
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- Zu einem Theile Aconit-Tinktur (~Tincture of Aconite~) füge 6 oder 8
- Theile Wasser und hülle das Gelenk in Tücher, welche in dieser Lösung
- getränkt sind.
-
-
-Verbrennungen und Verbrühungen
-
-sind, wenn nicht in zu großem Maßstabe, weniger gefährlich. Wenn
-sie aber eine große Fläche bedecken oder tief gehen, so sind sie
-ebenso gefährlich als schmerzhaft. Bei ihrer Behandlung betrachte
-man die konstitutionellen Symptome und verhindere das Verwachsen und
-Zusammenziehen, während die Heilung vor sich geht. Hat eine Verbrennung
-der Hand stattgefunden, die sich zugleich auf die Finger erstreckt, so
-sollten die Finger möglichst weit getrennt und diese Stellung durch
-Schienen und Verband gesichert werden.
-
-
-+Behandlung.+
-
- Man nehme gleiche Theile von Kalkwasser und Leinöl, in welchen ein
- Theil Kohlensäure (~Carbolic acid~) auf 50 der Mischung aufgelöst
- ist, bestreiche mit dieser Masse die Oberfläche dick und bedecke es
- mit einer Lage roher Baumwolle. Das Kalkwasser und Leinöl kann auch
- ohne die Kohlensäure angewendet werden.
-
- Wenn der Brand nicht sehr tief geht, lege auf die Oberfläche
- baumwollene Tücher, welche in starkem Alaun- (~Alum~) Wasser getränkt
- sind. Spanische Seife (~Castile soap~) geschabt und mit Wasser zu
- einem dicken Seifenschaum gemischt, dick auf leinene oder baumwollene
- Tücher getragen und auf die Oberfläche gelegt, wird vorzüglich
- gefunden werden. Mehl auf die Oberfläche gestreut, ist auch gut,
- ebenso das Auflegen einer dünnen Lage von roher Baumwolle.
-
-
-Erfrorene Glieder.
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-+Behandlung.+
-
- Halte sie fern vom Feuer, thaue sie langsam auf durch Reiben mit
- Schnee, dann mit Flanell und schließlich mit der Hand.
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-Beulen (~Boils -- Furunculus~).
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-Eine Beule ist eine harte kegelförmige Anschwellung, welche anfänglich
-die Größe einer Erbse hat und sich an irgend einem Theile des Körpers
-befinden kann. Die Anschwellung nimmt rasch zu und bekommt eine
-blühende purpurne Farbe; nach 5 oder 6 Tagen wird sie spitz und oben
-weiß, bricht aus und entleert eine Quantität Eiter. Bei dem Oeffnen
-einer Beule wird eine Haut, gewöhnlich der Kern (~Core~) genannt,
-gefunden, der entfernt werden muß, bevor die Beule heilen kann. Nach
-der Entleerung des Eiters hört der Schmerz auf, die Anschwellung
-zertheilt sich und die Heilung ist nach wenigen Tagen vollendet. Nicht
-selten haben Personen einen ganzen „Kropf“ davon, der Monate oder Jahre
-anhalten wird. In der Regel sind sie mit gewissen Störungen der Leber
-oder des Magens verbunden.
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-
-+Behandlung.+
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- Mache warme Umschläge, bis sich die Beulen erweichen und eitern. Um
- deren Rückkehr zu verhüten, gebe man die homöopathischen Heilmittel
- ~Arnica~ und ~Sulphur~.
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-Karfunkel (~Carbuncle -- Anthrax~).
-
-Dies ist ein bösartiges Geschwür, welches selten eitert, nur einen
-dünnen sauren Eiter entleert und außerordentlich schmerzhaft ist.
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-+Symptome.+ Ein Karfunkel beginnt mit Hitze und Schmerz in dem
-angegriffenen Theile, mit mehr oder weniger Jucken verbunden. Ein
-kleines Bläschen wird zuerst bemerkt und eine tiefgehende und sehr
-harte Geschwulst bildet sich. Häufig leidet der Patient an Frösteln,
-Ohnmachten, Uebelkeit &c. Nimmt die Geschwulst zu, so bekommt sie eine
-dunkelrothe oder purpurne Farbe, nach den Rändern zu lichter; eine
-kleine Blase bildet sich aus der Spitze der Geschwulst, welche, wenn
-aufgebrochen, eine dünne dunkelgefärbte Flüssigkeit entleert. Bei
-weiterem Fortgang bilden sich noch mehrere Oeffnungen und der Karfunkel
-kann sehr schnell in Brand übergehen.
-
-Sie wechseln in ihrer Größe von einem halben bis zu 5 oder 6 Zoll, oder
-werden sogar noch größer. Zeigen sich dieselben am Kopf oder Nacken,
-so sind sie gefährlicher als an anderen Stellen. Sie enden zuweilen
-tödtlich.
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-
-+Behandlung.+
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- Beim ersten Beginne der Entzündung gebe man das homöopathische
- Mittel ~Arsenicum~, stündlich oder alle zwei Stunden eine Dosis,
- und der Anfall wird eingehalten werden. Wenn es geeitert hat, mache
- erweichende Umschläge, bis die todte Lage ganz beseitigt ist, und
- dann behandle es als eine gewöhnliche Eiterbeule.
-
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-Das Fingergeschwür (~Felon -- Whitlow~).
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-Das Fingergeschwür ist eine Entzündung von sehr schmerzhafter Natur und
-befindet sich in der Nähe der Finger- oder Zehengelenke. Es gibt davon
-vier Arten:
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-1) Jenes unter der Haut rings um den Nagel herum.
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-2) Das auf der inneren Seite der Fingerspitze.
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-3) Jenes innerhalb der Sehnenscheide des Fingers.
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-4) Jenes innerhalb der ~Periosticum~ oder Knochenhaut.
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-Die letzte Form dieses Leidens ist die fürchterlichste und verursacht
-großen Schmerz; läßt man sie unbeachtet vorwärts schreiten, so kann
-es den Verlust eines oder mehrerer Knochen, ja sogar der Hand zur
-Folge haben. Es beginnt mit einem tiefsitzenden Schmerz, Röthe und
-Anschwellung, und wenn sich Eiter bildet, wird der Schmerz klopfend.
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-+Behandlung.+
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- Sobald man sicher weiß, daß sich ein solches Geschwür bildet, lasse
- man es aufschneiden und versichere sich, daß der Schnitt breit und
- tief genug ist, den Eiter leicht auszulassen. Liegt das Geschwür
- innerhalb der Knochenhaut (der Haut, welche den Knochen bedeckt),
- was gewöhnlich der Fall ist, sollte der Schnitt bis auf den Knochen
- gemacht werden, und zwar so, daß er längs des Knochens kratzt, um
- sich zu versichern, daß die Knochenhaut geöffnet ist. Erweichende
- Umschläge von Leinsamen, schlüpfriger Ulme (~Slippery elm~) oder Brod
- und Milch mögen angewendet werden.
-
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-Das Einwachsen des Zehennagels.
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-Dies ist außerordentlich schmerzhaft und wird durch das Tragen von zu
-enger Fußbekleidung verursacht. Der beständige Druck auf die große
-Zehe hat das Einschneiden des Nagels in das Fleisch zur Folge, was eine
-Eiterung und Bildung von wildem Fleische verursacht.
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-
-+Behandlung.+
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- Man schabe den Nagel an der Spitze sehr dünn und presse etwas Watte
- darunter, was zuweilen Linderung verschafft. Ein gutes Mittel ist
- auch das Gießen von heißem Fett oder Talg unter den Nagel auf den
- Sitz des Uebels. Das trockene Pulver des überchlorsauren Eisen
- (~Perchloride of iron~) wird sehr empfohlen.
-
-
-
-
-Gifte und Gegengifte.
-
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-Bei Vergiftungsfällen ist das erste Ding, was geschehen muß, Erbrechen
-zu erregen, damit das Gift so bald als möglich aus dem Magen entfernt
-oder dessen Wirkung auf die Anwendung des Gegengiftes neutralisirt wird.
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- Um Erbrechen hervorzurufen, mögen folgende Mittel angewendet werden:
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- Zwanzig Grane schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) oder zehn
- Grane schwefelsaures Kupfer (~Sulphate of copper~), in warmem Wasser
- aufgelöst.
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- Lauwarmes Wasser, in großer Menge getrunken und öfters wiederholt.
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- Schnupftabak oder Senf mit Salz gemischt, auch Senf mit warmem Wasser
- vermischt und davon reichlich getrunken.
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- Kitzeln des Halses mit einer Feder oder einem Strohhalm.
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- Einspritzungen von Tabak in den After durch eine Pfeifenspitze.
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- Gegen Vergiftungen von Säuren, wie Schwefel- (~Sulphuric~), Salpeter-
- (~Nitric~), Salz- (~Muriatic~) und Phosphor- (~Phosphoric~) Säure,
- wende man Hirschhorn-Spiritus (~Spirits of Hartshorn~), Seifenschaum,
- Magnesia, Kalk- (~Lime~), Kreide- (~Chalk~) Pulver, mit heißem Wasser
- vermischt, Holzasche, mit Wasser gemischt, an.
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- Der durch Kleesäure hervorgerufenen Vergiftung kann am besten durch
- Kreide, Kalk oder der Pflastermasse, womit das Innere der Zimmer
- bekleidet ist, und welche Substanzen man mit Wasser vermischt,
- entgegengewirkt werden.
-
- Wenn Schwefelsäure (~Sulphuric acid~) genommen worden ist, wird die
- Anwendung von viel Wasser schädlich sein.
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- Bei Vergiftungen durch Alkalien, wie Potasche (~Pot~) und Perlasche
- (~Pearl ashes~), Soda und Weinsteinöl (~Oil of tartar~), wende
- als Gegengift Essig, Citronensaft, Castoröl, Leinsamenthee, Alaun
- (~Alum~) und Olivenöl an. Sie sollten in großen Quantitäten gegeben
- werden.
-
- Wenn Arsenik genommen wurde, gebe man Buttermilch, süßes oder anderes
- Oel oder Magnesia in großen Quantitäten, gleiche Theile von Oel und
- Kalkwasser mögen ebenfalls gegeben werden. Das sicherste Gegengift
- ist das Eisenhydrat (~Hydrated Protoxide of Iron~), welches in Dosen
- von einem Theelöffel voll mit Wasser gemischt alle 5 oder 10 Minuten
- gegeben werden sollte. Auch ist eine Magenpumpe anzuwenden.
-
- Wenn ~Corrosive Sublimate~, Kupfer oder ~Verdigris~ genommen worden
- sind, so ist das beste Mittel das Eiweiß. Man mische das Weiße von 12
- Eiern mit einem Quart Wasser oder Milch und gebe alle zwei oder drei
- Minuten ein Glas voll. Kreidewasser, Milch, Stärke von Weizenmehl
- können auch angewendet werden.
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- Bei Vergiftung durch Blei oder irgend ein Bleisalz gebe man
- Bittersalz (~Epsom salts~) oder Glaubersalz (~Glauber’s salts~) oder
- Gyps (~Plaster of Paris~) mit Wasser gemischt.
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- Salpetersaures Silber (~Nitrate of Silver~) kann durch starkes
- Trinken von Wasser, in dem gewöhnliches Salz aufgelöst ist,
- neutralisirt werden.
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- Bei Vergiftung durch Zinn (~Tin~) oder irgend ein Zinnsalz, gebrauche
- man Zucker, Eiweiß, Milch und Mehl.
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- Bei Vergiftung durch Brechweinstein (~Tartar Emetic~), Antimoniumwein
- (~Antimonial wine~) gebrauche man eine Auflösung von Tannin-Säure
- (~Tannic acid~), Eichenrinde, Chinarinde (~Peruvian bark~) oder sehr
- starkem grünen Thee.
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- Jodin oder Potaschen-Jodid (~Iodide of Potassium~) kann durch
- Stärke oder Weizenmehl neutralisirt werden, oder auch durch
- Pfeilwurz (~Arrow root~), gehörig mit Wasser gemischt und in starken
- Quantitäten getrunken. Dem lasse man eine Mischung von Essig und
- Wasser folgen.
-
- Bei Vergiftung durch ~Opium~, ~Belladonna~, ~Stramonium~
- (Stechapfel), ~Nux Vomica~ (Brechnuß), ~Morphine~, ~Helleborus~
- (Nieswurz) u.s.w., gebe man ein Brechmittel, dem man ein
- Ueberschütten mit kaltem Wasser über den Betreffenden und starken
- Kaffee oder Essig mit Wasser verdünnt, folgen läßt. Auch lasse man
- die Person zwischen zwei Andern recht schnell gehen. Die Magenpumpe
- sollte ebenfalls angewendet werden.
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- Bei Vergiftung durch Safran (~Saffron~) und Kampher (~Camphor~)
- sollte der Patient viel schwarzen Kaffee trinken.
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- Bei Vergiftung durch spanische Fliegen (~Cantharides~) gebe man
- Kampher (~Camphor~) innerlich oder vermittelst Riechens, auch Eiweiß
- und Gruel.
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- Gegen Vergiftungen durch Clams, Hummern, Muscheln u.s.w. gebe man ein
- Brechmittel, dem man eine Dosis Salz folgen läßt. Der Patient mag
- viel schwarzen, starken Kaffee, Zucker und Wasser oder eine Lösung
- von Kampher (~Camphor~) trinken.
-
- Bei Vergiftung durch den Giftwein oder ~Sumac~ mögen die Theile mit
- einer Lösung von Borax oder Vitriol (~Copperas~), auch kochende
- Hollunder-Rinde in Butter oder Milch gewaschen werden. Der flüssige
- Extrakt der Schlangenwurzel (~Fluid extract of Serpentaria~) als
- Umschlag auf den Ausschlag gebracht, wird sehr empfohlen.
-
- Wenn Jemand in Folge giftiger Gase, wie Kohlensäure (~Carbonic acid~)
- oder schwefelsaures Hydrogen (~Sulphureted Hydrogen~) bewußtlos
- geworden ist, sollte er sogleich entkleidet und der ganze Körper mit
- kaltem Wasser übergossen werden. Die Lungen sollten durch Mittel, wie
- beim Scheintod durch Ertrinken empfohlen, mit frischer Luft gefüllt
- werden. Auch lasse oder zwinge man den Patienten, verdünnten Ammoniak
- (~Dilute Ammonia~), Wein und Brandy oder auch andere Reizmittel zu
- verschlucken.
-
- Bei Vergiftung durch Strychnin sind sowohl Brechmittel, wie Senf oder
- schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~), als auch eine Magenpumpe
- anzuwenden.
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- Wenn das Erbrechen nicht bewirkt werden kann oder sich als nutzlos
- zeigt, sollte das Einhauchen von Chloroform verordnet werden.
- Schlagen diese Mittel fehl, so bediene man sich Dr. Marshall Hall’s
- praktischer Methode, die unter „Scheinbarer Tod beim Ertrinken“
- angegeben ist.
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- Bei Vergiftung durch Arnica gebe man Essig.
-
- Bei Vergiftung durch Aconitum wende man innerlich und äußerlich
- Reizmittel an.
-
-
-
-
-Angabe der Symptome der verschiedenen Krankheiten.
-
-
-Bei der Angabe der verschiedenen Krankheitssymptome schien es uns nicht
-nothwendig, alle Erkennungszeichen einer und derselben Krankheit,
-sondern nur die hauptsächlichsten anzuführen. Solche Krankheiten, die
-hier nicht bemerkt sind, kann der Leser mittelst des alphabetischen
-Inhaltsverzeichnisses auffinden.
-
-
-Ausschlag.
-
- +Nesselfieber+ (~Nettle Rash~, ~Hives Urticaria~). -- Dieser
- Ausschlag besteht in erhabenen Flecken auf der Hautoberfläche,
- wodurch heftiges Brennen und Jucken erzeugt wird. Manchmal erscheint
- dieser Ausschlag in Form großer Flecken.
-
- Seite 18.
-
- +Rose+ (~Erysipelas~). -- Der Rose gehen gewöhnlich Fieber,
- Kopfschmerz, Frösteln &c. voran, worauf dann Hitze in der Haut,
- schneller Puls und Schmerzen im Rücken und den Gliedern folgen, die
- betreffenden Theile fangen bald an zu schwellen, sie werden roth oder
- purpurfarben und das Prickeln und Brennen ist sehr heftig.
-
- Seite 20.
-
- +Masern+ (~Measles~). -- Die Symptome sind anfänglich denen des
- Katarrhs oder einer Erkältung im Kopfe ähnlich; z. B. Frösteln,
- Laufen der Nase, rothe wässerige Augen, Schmerz und Wundheit im Halse
- und in der Brust, Fieber und Durst. Der Ausschlag tritt gewöhnlich am
- vierten Tage heraus und besteht in kleinen, den Flohbissen ähnlichen
- Punkten. Die Haut fühlt sich, wenn man mit der Hand darüber fährt,
- rauh an.
-
- Seite 25.
-
- +Scharlachfriesel+ (~Scarlet Rash~). -- Dem Ausschlag geht Frösteln,
- Hitze, Ruhelosigkeit und Trockenheit der Haut voran. Am dritten oder
- vierten Tage zeigt sich der Ausschlag. Der Unterschied zwischen
- Scharlachfriesel und Scharlachfieber ist bei Anführung der letzteren
- Krankheit angegeben.
-
- Seite 29.
-
- +Scharlachfieber+ (~Scarlet Fever~). -- Im ersten Stadium der
- Krankheit zeigt sich mehr oder weniger Fieber, Frösteln, Erschlaffung
- und Kopfweh. Der Patient klagt über wehen Hals, welcher innen roth
- und glänzend aussieht. Am zweiten Tag zeigt sich der Ausschlag, und
- zwar zuerst im Gesicht und am Hals. Die Röthe der Haut verschwindet
- beim Druck mit dem Finger. Der Unterschied zwischen Scharlachfieber
- und Masern ist bei Anführung der letzteren Krankheit angegeben.
-
- Seite 30.
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- +Windpocken+, +Wasserpocken+ (~Chicken Pox~). -- Manchmal zeigen
- sich anfänglich Fiebersymptome, was jedoch nicht immer der Fall
- ist. Hierauf erscheint der Ausschlag, jedoch nicht in jener
- Regelmäßigkeit, durch welche die Blattern gekennzeichnet werden, die
- zuerst im Gesicht ausbrechen.
-
- Seite 40.
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- +Blattern oder Pocken+ (~Small Pox~). -- Dieser Krankheit
- geht gewöhnlich ein drei- oder viertägiges Fieber voraus. Das
- erste Stadium ist durch heftige Schmerzen im Kopf und Rücken
- gekennzeichnet. Ungefähr am dritten Tage bricht der Ausschlag in
- kleinen, hellrothen Flecken im Gesicht aus.
-
- Seite 42.
-
-
-Fieber.
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- +Nervenfieber oder Typhus+ (~Typhoid Fever~). -- Dieses Fieber tritt
- gewöhnlich allmählig ein. Lange Zeit vorher mag der Patient über
- Müdigkeit und allgemeine Schwere klagen. Nachdem diese Symptome
- mehrere Tage oder Wochen lang gewährt, wird der Kranke von Frösteln
- erfaßt, worauf Fieber folgt; er empfindet Schmerz im Unterleib,
- welcher durch Druck auf die rechte Seite heftiger wird.
-
- Seite 69.
-
- +Gehirnfieber oder Gehirnentzündung+ (~Inflammation of the Brain~).
- Tritt gewöhnlich nach und nach ein, manchmal aber auch plötzlich. Wo
- die Krankheit allmählig herannaht, klagt der Patient eine Zeitlang
- über Schwere, Schlaflosigkeit, Schwindel, geringen Appetit, Singen im
- Kopfe, Ohrensausen, erschreckende Träume, Uebelkeit, Erbrechen u. s.
- w. Mit dem Fortschritt der Krankheit verspürt der Kranke mehr oder
- weniger Kopfweh, das manchmal sehr heftig ist, und hat starkes Fieber.
-
- Seite 75.
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- +Remittierendes oder Gallenfieber+ (~Remittent or Bilious Fever~).
- Dieser Krankheit gehen gewöhnlich Schwäche, Niedergeschlagenheit,
- Appetitlosigkeit, Gähnen, Dehnen und Fieberschauer und Hitze voraus.
- Nachdem diese Symptome einige Tage gewährt haben, tritt ein deutlich
- hervortretendes Frösteln ein, welchem Hitze folgt.
-
- Seite 79.
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- +Intermittirendes oder Wechselfieber+ (~Intermittent Fever~). --
- Diese Krankheit wird durch Fieberanfälle gekennzeichnet, die in
- regelmäßigen Pausen eintreten. Jeder Anfall besteht aus drei Stadien,
- nämlich -- das kalte, das hitzige und das Schweiß-Stadium. Dem kalten
- Stadium geht gewöhnlich Mattigkeit, Unbehagen, Dehnen, Gähnen und
- Schmerzen im Rücken, Kopf und den Lenden voraus, worauf Frösteln
- erfolgt, das sich nach und nach über den ganzen Körper ausdehnt.
-
- Seite 84.
-
- +Gelbes Fieber+ (~Yellow Fever~). -- Diese Krankheit kennzeichnet
- sich durch gelbliche Hautfarbe und dadurch, daß der Kranke eine
- dunkle Flüssigkeit erbricht. Die ersten Symptome sind Schwindel,
- Schmerzen im Rücken und in den Gliedern, Frost, Uebelkeit, Kopfweh
- u.s.w.
-
- Seite 92.
-
-
-Geisteskrankheiten.
-
- +Hypochondrie+, +Schwermüthigkeit+. -- Mattigkeit, Verdrossenheit und
- Mangel an Energie sind die Hauptsymptome; auch grübelt der Kranke
- beständig über sein Elend und Unglück, die ihm außerordentlich groß
- erscheinen.
-
- Seite 99.
-
- +Hysterie+, +Bauchnervensucht+, +Mutterkrankheit+. -- Ein Anfall
- folgt in der Regel auf Niedergeschlagenheit. In der Regel hat die
- Kranke ein Gefühl, als ob eine Kugel von ihrer linken Seite nach
- dem Hals gerollt würde. Der Anfall tritt häufiger zur Zeit der
- Menstruation als sonst ein.
-
- Seite 102.
-
-
-Krankheiten des Kopfes.
-
- +Schlagfluß+ (~Apoplexy~). -- Manchmal tritt ein Anfall ganz
- plötzlich ein, obgleich einem solchen gewöhnlich gewisse Symptome
- vorangehen. Zu diesen ist die beständige Neigung zum Schlaf,
- beständiger, dumpfer Schmerz, Schwindel und Schwere im Kopf zu zählen.
-
- Seite 109.
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-
-Augenkrankheiten.
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- +Entzündung des Augapfels+ (~Inflammation of the Eye-ball~). -- Die
- Augen sind roth und geschwollen und der Kranke beklagt sich über ein
- rauhes Gefühl unter dem Augenlid.
-
- Seite 133.
-
- +Schwarzer Staar+ (~Cataract~). -- Die Gegenstände erscheinen
- verschwommen und es ist, als ob ein beständiger Nebel vor den Augen
- sei, und bald erscheint ein kleiner Fleck in der Pupille.
-
- Seite 140.
-
- +Erblindung.+ -- Zeichen herannahender Erblindung sind: Schmerzen im
- Kopf, Umwölkung des Blicks, Schwäche der Sehkraft und das scheinbare
- Umherschwimmen kleiner Flecken vor dem Auge.
-
- Seite 141.
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-
-Ohrenkrankheiten.
-
- +Ohrenentzündung+ (~Inflammation of the Ear~). -- Heftiges Brennen,
- stechende Schmerzen, Jucken, Röthe und Klopfen im Ohre.
-
- Seite 147.
-
- +Ohrfluß+, +Ohrlaufen+ (~Running of the Ear~). -- Fieber,
- Kopfschmerzen, außerordentliche Schmerzen im Ohr, Absonderung einer
- röthlich wässerigen Masse, die sich nach und nach verdickt.
-
- Seite 153.
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-
-Krankheiten der Nase.
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- +Schnupfen+, +Erkältung im Kopfe+. -- Dumpfer Schmerz und Schwere in
- der Stirn, Schneuzen, trockene, verstopfte Nase, Röthe der Augen.
-
- Seite 156.
-
- +Chronischer Katarrh.+ -- Heftige Kopf- und Augenschmerzen,
- Schleimabsonderung aus der Nase, Appetitlosigkeit.
-
- Seite 160.
-
- +Nasenkrebs+ (~Cancer of the Nose~). -- Dieses Uebel beginnt in der
- Regel mit einer harten Geschwulst, die allmählig in Eiterung übergeht
- und außerordentlich schmerzhaft wird.
-
- Seite 162.
-
-
-Krankheiten des Gesichts, der Lippen und der Kinnbacken.
-
- +Starrkrampf+, +Kinnbackenkrampf+, +Mundklemme+ (~Locked Jaw~). Die
- ersten Symptome sind Steifheit im Nacken, Unvermögen, den Mund zu
- öffnen, Enge über der Brust, unbequeme Erregtheit der Zungenwurzel
- u.s.w.
-
- Seite 174.
-
-
-Krankheiten der Zähne, des Zahnfleisches und des Mundes.
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- +Entzündung und Anschwellen der Zunge+ (~Inflammation of the
- Tongue~). -- Frösteln, Appetitlosigkeit, dumpfe Schmerzen im Kopfe
- und klopfender, stechender Schmerz in der Zunge.
-
- Seite 185.
-
- +Mundkrebs+ (~Cancer of the Mouth~). -- Schmerz im Zahnfleisch,
- heißer, trockener Mund, Zahnfleisch und Gaumen schwellen an, das
- Zahnfleisch ist schwammig und blutet, Eiterschwären an Wangen, Gaumen
- und Zahnfleisch.
-
- Seite 186.
-
- +Scharbock+, +Scorbut+ (~Scurvy~). -- Erweichung, Eiterung und Bluten
- des Zahnfleisches, die Gliedmaßen schwellen an und an verschiedenen
- Körpertheilen erscheinen purpurrothe Flecken.
-
- Seite 189.
-
-
-Halskrankheiten.
-
- +Weher Hals+ (~Quinsy~ -- ~Sore Throat~). -- Diese Krankheit beginnt
- gewöhnlich mit starkem Fieber, Husten, Wundheit im Halse, welcher
- glatt und glänzend roth ist, und Anschwellen der Halsdrüsen.
-
- Seite 194.
-
- +Eiternde, putride oder bösartige Halsentzündung+ (~Putrid Sore
- Throat~). -- Beginnt mit Frösteln, worauf Fieber folgt, Mattigkeit,
- Röthe des Halses und der Drüsen, säuerliche Absonderung aus der Nase.
- Bald setzen sich am Halse und den Drüsen Schwären an.
-
- Seite 198.
-
- +Diphtheria oder Diphtheritis.+ -- Das erste Symptom ist gewöhnlich
- Heiserkeit mit schwacher Stimme, Fieber, Kopfweh, worauf Wundheit des
- Halses und Schwierigkeit beim Schlucken folgt. Gewöhnlich wird der
- Kranke auch Schmerz in den Knochen, Mattigkeit und Appetitlosigkeit
- empfinden.
-
- Seite 201.
-
-
-Krankheiten der Luftröhre und der Brust.
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- +Bronchitis+, +Luftröhrenästeentzündung+. -- Beginnt mit Frösteln,
- Fieber, Husten, Schmerz und Wundheit am obern Theil des Brustbeins,
- Druck auf der Brust, schnelles, unregelmäßiges Athmen.
-
- Seite 209.
-
- +Influenz+, +Grippe+, +Flußfieber+. -- Zuerst zeigen sich
- Katarrh-Symptome mit dumpfem Schmerz in der Stirne, erschwertes
- Athmen, Schneuzen, Trockenheit der Nase, weher Hals, Frösteln.
-
- Seite 215.
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- +Lungenentzündung+ (~Inflammation of the Lungs~). -- Beginnt mit
- Frösteln, worauf Fieber folgt. Schmerz auf einer Seite der Brust,
- erschwertes Athmen, Husten, stechende Schmerzen, der Patient kann
- nicht auf der affizirten Seite liegen.
-
- Seite 220.
-
- +Brustfell-+, +Rippenfellentzündung+ (~Pleurisy~). -- Beginnt mit
- Frösteln, worauf Fieber, Durst und andere Fiebersymptome folgen. Bald
- zeigt sich ein scharfer Schmerz in der Brust, welcher durch tiefes
- Athemholen erhöht wird. Trockener, hackender Husten, erschwertes und
- beschleunigtes Athmen.
-
- Seite 226.
-
- +Herzentzündung+ (~Inflammation of the Heart~). -- Beginnt mit
- Fiebersymptomen, z. B. Frösteln, Hitze, Durst &c. Hierauf folgt
- rasches und erschwertes Athmen, mit scharfem Schmerz in der
- Herzgegend, welcher durch Bewegung erhöht wird. Das Herz klopft
- heftig.
-
- Seite 230.
-
- +Herzklopfen.+ -- Erhöhte, stärkere Thätigkeit des Herzens,
- Kurzathmigkeit, Schmerz in der Herzgegend.
-
- Seite 232.
-
- +Lungenbluten+ (~Bleeding from the Lungs~). -- Gewöhnlich geht ein
- Druck auf die Brust und Schwierigkeit des Athmens voraus, Hitze und
- Prickeln im Brustbein, salziger, bitterer Geschmack im Munde.
-
- Seite 236.
-
- +Engbrüstigkeit+ (~Asthma~). -- Vor dem Anfall verspürt der Patient
- gewöhnlich ein Vollsein in der Magengegend mit Kopfweh und Schwäche.
- Beengung über der Brust, Schwerathmen mit keuchendem Ton.
-
- Seite 239.
-
- +Brustwassersucht+ (~Dropsy of the Chest~). Große Schwierigkeit
- beim Athmen, was bei Anstrengung oder beim Niederlegen sich
- noch verschlimmert. Schmerzhafter Druck in der Brust, bleiche
- Gesichtsfarbe, kurzer, trockener Husten, Herzklopfen.
-
- Seite 243.
-
- +Auszehrung+ (~Consumption~). -- Die gewöhnlichen Symptome sind
- Husten, Schmerzen in der Brust, Fieber, Hitze in den Händen, Füßen
- und Wangen, Schwäche der Stimme, gekrümmte Nägel.
-
- Seite 246.
-
-
-Krankheiten des Magens und der Eingeweide.
-
- +Dyspepsie oder Magenschwäche.+ -- Ein Gefühl der Ausdehnung des
- Magens, Aufstoßen, Appetitlosigkeit, Niedergeschlagenheit, belegte
- oder farblose und weiche Zunge.
-
- Seite 253.
-
- +Magenneuralgie+, +Magenkrampf+. Ein dem Sodbrennen ähnlicher
- Schmerz, welcher unregelmäßig eintritt und manchmal durch Druck
- gelindert wird.
-
- Seite 268.
-
- +Magenweh oder Magencolik+ (~Stomach Ache~, ~Colic~). -- Gefühl des
- Ineinanderschlingens und Kneipens in der Nabelgegend, der Leib ist
- hart und in Knoten zusammengezogen.
-
- Seite 271.
-
- +Magenentzündung+ (~Inflammation of the Stomach~). -- Brennende
- Schmerzen im Magen mit Durst, Uebelkeit und Erbrechen, Verlangen nach
- kühlen Getränken, Verlust der Kräfte, der Schmerz wird durch Druck
- vermehrt.
-
- Seite 280.
-
- +Gedärmentzündung+ (~Inflammation of the Bowels~). -- Beginnt mit
- Frösteln, worauf Fieber und Durst folgen, heiße Haut, kneipender
- Schmerz in den Eingeweiden, welcher durch Druck erhöht wird.
-
- Seite 284.
-
- +Leberentzündung+ (~Inflammation of the Liver~). -- Beginnt mit
- Fiebersymptomen, einem prickenden, stechenden Gefühl in der rechten
- Seite und Schmerzen in der Leber, die entweder nur zeitweilig oder
- beständig vorhanden sind.
-
- Seite 286.
-
- +Milzentzündung+ (~Inflammation of the Spleen~). -- Beginnt
- gewöhnlich mit Fiebersymptomen, Schmerz in der linken Seite in der
- Gegend, wo die Milz liegt, mit Empfindlichkeit gegen Druck; Schmerz
- beständig und schneidend.
-
- Seite 292.
-
- +Würmer.+ -- Die Symptome sind Blässe, Jucken in der Nase,
- Zähneknirschen, Auffahren aus dem Schlafe, angeschwollener Leib,
- unregelmäßiger Appetit.
-
- Seite 294.
-
- +Diarrhöe oder Durchfall.+ -- Oeftere Stuhlentleerungen mit einem
- Gefühl von Schwere und stärkerem oder schwächerem Kneipen.
-
- Seite 300.
-
- +Ruhr+ (~Dysentery~). -- Appetitlosigkeit mit Hartleibigkeit und
- Diarrhöe, worauf schleimige mit Blut vermischte Stuhlgänge folgen.
-
- Seite 304.
-
- +Cholera Morbus+, +Brechdurchfall+. -- Diese Krankheit tritt
- gewöhnlich plötzlich mit Erbrechen und Durchfall ein, was mit
- heftigen kneipenden Schmerzen im Magen und den Gedärmen verbunden
- ist. Die Stuhlentleerungen bestehen zuerst aus Speiseaussonderungen
- und später aus wässerigem, galligem Wasser.
-
- Seite 308.
-
- +Asiatische Cholera.+ -- Das erste Stadium ist durch Störung in den
- Verdauungsorganen gekennzeichnet, Kollern in den Eingeweiden, Schmerz
- in verschiedenen Körpertheilen, Durst mit leichter Diarrhöe. Diesen
- Symptomen folgt Erbrechen, dünne, farblose Stuhlentleerung (dem
- Reiswasser ähnlich) und heftige Krämpfe.
-
- Seite 311.
-
- +Hämorrhoiden+ (~Piles~). -- Dem Anfall geht in der Regel ein Gefühl
- von Schwere in dem unteren Theile des Unterleibes mit schmerzhaftem
- Afterjucken voraus.
-
- Seite 315.
-
- +Unterleibswassersucht+ (~Dropsy of the Abdomen~). -- Anschwellen
- des Unterleibes mit einem Gefühl von Schwere, Appetitlosigkeit,
- Hartleibigkeit u.s.w.
-
- Seite 320.
-
-
-Krankheiten der Urin- und Geschlechtsorgane.
-
- +Nierenentzündung+ (~Inflammation of the Kidneys~). -- Der Krankheit
- gehen in der Regel Fiebersymptome voraus, worauf tiefsitzender
- Schmerz folgt, der sich bis zur Blase hinzieht, und durch Bewegung
- und Druck vermehrt wird.
-
- Seite 323.
-
- +Blasenentzündung+ (~Inflammation of the Bladder~). Brennender,
- durchdringender Schmerz, welcher sich zwischen den Beinen bis zu den
- Hoden und Schenkeln hinabzieht.
-
- Seite 326.
-
- +Chronische Blasenentzündung.+ -- Leichter Schmerz mit einem Gefühl
- von Hitze in der Blase und häufigem Verlangen das Wasser abzulassen,
- schleimiger Urin.
-
- Seite 326.
-
- +Harnträufeln, auch Harnruhr+ (~Diabetes~). -- Außerordentlicher
- Appetit und Durst, geschwollenes Zahnfleisch und entzündeter,
- trockener Mund, Abmagerung.
-
- Seite 330.
-
- +Blasenpolyp, auch Blasenstein+ (~Stone in the Bladder~). --
- Plötzliche Schmerzanfälle in der Nierengegend; die Schmerzen ziehen
- sich bis zu den Schenkeln hinab, öftere Neigung zum Urinlassen,
- Schmerz an der Eichel des Penis.
-
- Seite 331.
-
-
-Frauenkrankheiten.
-
- +Verzögerte oder unterdrückte Menstruation.+ -- Kopfweh, Vollheit
- und Pulsiren in der Mitte der Hirnschale, Schmerz im Rücken und den
- Lenden, kalte Füße und Hände.
-
- Seite 349.
-
- +Bleichsucht+ (~Chlorosis~). -- Allgemeine Ermüdung, gelblichgrüne
- Hautfarbe, Blässe der Lippen, kalte Haut, Schwäche, geringer Appetit.
-
- Seite 351.
-
- +Uebermäßige Menstruation.+ -- Schwäche und Schmerz im Kreuz, der
- Schmerz zieht bis zu den Hüften, Kopfweh mit Klopfen in den Schläfen.
-
- Seite 356.
-
- +Schwere Menstruation.+ -- Heftige drückende Schmerzen in der Gegend
- der Gebärmutter, Schmerz im Kreuz und den Schenkeln.
-
- Seite 359.
-
- +Unterdrückte Menstruation.+ -- Kopfweh, Fieber, heiße Haut, Durst,
- schneller Puls, Vollheit und Klopfen in der Mitte und dem hinteren
- Theil des Kopfes, Schmerzen im Rücken.
-
- Seite 361.
-
- +Vorfall der Gebärmutter+ (~Falling of the womb~). -- Druck und
- Schmerz in den unteren Theilen des Unterleibes mit Schmerzen im
- Kreuz, Schmerz durch Bewegung oder wenn die Betreffende lange steht,
- vermehrt.
-
- Seite 367.
-
- +Weißer Fluß+ (~Leucorrhœa~). -- Hitze und Wundheit der
- Geschlechtstheile mit einem Gefühl von Schwere, abwärtsdrückenden
- Schmerzen und einem Ausfluß.
-
- Seite 371.
-
- +Aufgebrochene Brüste+ (~Broken Breast~). -- Beginnt mit Frösteln,
- woraus Fieber und spießende Schmerzen in der Brust folgen. Die Brust
- schwillt an, wird hart und knotig.
-
- Seite 407.
-
- +Kindbettfieber+ (~Childbed Fever~). -- Diesem gehen Fiebersymptome,
- z. B. Frösteln, Hitze der Haut mit Schmerz im Leib, welcher sich beim
- Druck vermehrt, voraus. Der Leib schwillt an und ist außerordentlich
- empfindlich.
-
- Seite 409.
-
- +Weiße Schenkelgeschwulst+ (~Milk Leg~). -- Schmerzen im unteren
- Theile des Unterleibs, die sich bis zu den Hüften ziehen. Das Bein
- beginnt anzuschwellen, und die Geschwulst dehnt sich bis zu den
- Schamleisten und von da abwärts aus.
-
- Seite 411.
-
-
-Kinderkrankheiten.
-
- +Convulsionen+, +Krämpfe+, +Gicht+ (~Spasms~, ~Fits etc.~) -- Die
- Augen sind anfänglich starr, die Gesichtsmuskeln zusammengezogen,
- manchmal schäumt das Betreffende mit dem Mund, und oft ist der ganze
- Körper zusammengezogen.
-
- Seite 422.
-
- +Mundschwamm+ (~Thrush~). -- Röthe der Zunge und des Zahnfleisches,
- und Trockenheit im Mund. Es scheint als ob der ganze Mund mit
- weißlichen Flecken überzogen sei.
-
- Seite 428.
-
- +Kopfwassersucht+ (~Dropsy of the Brain~). -- Schläfrigkeit, der
- Patient legt seine Hände auf den Kopf und gibt augenscheinliche
- Zeichen des Leidens und Schmerzes, der Kopf ist heiß, erschwertes
- Athmen.
-
- Seite 430.
-
- +Remittirendes oder Wechselfieber der Kinder.+ -- Beginnt mit
- Mattigkeit und Reizbarkeit, die Lippen sind trocken. Auf diese
- Symptome folgen Fieber, belegte Zunge, kalte Gliedmaßen &c.
-
- Seite 432.
-
- +Cholera Infantum.+ -- Der Anfall mag plötzlich mit heftigem
- Erbrechen und Abführen eintreten, oder es geht demselben leichte
- Diarrhöe voraus. Der Kranke erbricht den ganzen Mageninhalt, die
- Stühle sind grünlich, oder gelblich und wässerig.
-
- Seite 434.
-
- +Häutige Bräune+ (~Croup~). -- Beginnt in der Regel mit
- Catarrhsymptomen, mit trockenem Husten, heißer Haut, schneller Puls,
- Röcheln im Halse und Heiserkeit. Wenn das Kind einen Anfall bekommt,
- so ist der Husten heiser, das Athmen beschleunigt, das Gesicht
- geröthet &c.
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- Seite 439.
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- +Keuch- oder Stickhusten+ (~Whooping Cough~). -- Ist durch
- krampfhafte Hustenanfälle gekennzeichnet, wobei das Athemholen ein
- zischendes Geräusch hervorbringt. Fängt mit Catarrhsymptomen an.
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- Seite 442.
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- +Kehlsucht, auch Ziegenpeter+ (~Mumps~). -- Beginnt mit Fieber und
- Catarrhsymptomen. Der Hals wird steif und schmerzt. Bald zeigt sich
- an dem Unterkiefer eine Anschwellung.
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- Seite 446.
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-
-Verschiedene Krankheiten.
-
- +Rheumatismus.+ -- Geht gewöhnlich Mattigkeit, Frösteln, Hitze und
- starker Schweiß voraus, welcher sauer riecht. Diesen Symptomen folgt
- Steifheit der Muskeln mit heftigen Schmerzen in den verschiedenen
- Gelenken.
-
- Seite 448.
-
- +Gicht+, +Podagra+ (~Gout~). -- Manchmal tritt dieses Uebel plötzlich
- ein, wird aber gewöhnlich durch Dyspepsiesymptome, Kopfweh,
- Uebelkeit, Erstarrungsgefühl in den Gliedern und Brennen in dem Ball
- der großen Zehe angezeigt.
-
- Seite 454.
-
- +Skropheln+ (~Scrofula~). -- Das erste Symptom ist gewöhnlich eine
- Drüsenanschwellung am Halse. Diese Anschwellungen mögen eine lange
- Zeit vorhanden sein, ohne wund zu werden oder Unbequemlichkeit zu
- verursachen. Nach und nach spitzen sie sich zu, brechen auf und
- entleeren eine wässerige Flüssigkeit.
-
- Seite 456.
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- +Hüftenentzündung+ (~Hip Disease~). -- Vollheit der Schamleisten,
- Schmerzen erhöht wenn der Fuß herabhängt.
-
- Seite 458.
-
- +Lähmung+ (~Palsy~, ~Paralysis~). -- Der Anfall tritt gewöhnlich
- plötzlich ein, manchmal ist jedoch vorher Kälte der betreffenden
- Theile mit Erstarrung derselben wahrzunehmen.
-
- Seite 462.
-
- +Fallsucht+ (~Epilepsy~). -- Der Anfall ist in der Regel ein
- plötzlicher, der Patient fällt mit einem lauten Schrei zu Boden und
- wird bewußtlos, schäumt mit dem Munde und athmet heftig.
-
- Seite 466.
-
-
-
-
-Alphabetisches Fremdwörter-Verzeichniß.
-
-
- =Acut.= -- Heftige, hitzige, bald entscheidende Krankheiten.
-
- =Afficirt.= -- Angegriffen, krankhaft, gereizt.
-
- =Alcohol.= -- Der höchst gereinigte Weingeist.
-
- =Allöopathie.= -- Heilung der Krankheit durch gegenwirkende Mittel
- im Gegensatz zur Homöopathie.
-
- =Allöopathisch.= -- Nach der Allöopathie.
-
- =Alterirende Heilmittel.= -- Umstimmende, die Säfte allmählich
- verbessernde Heilmittel.
-
- =Anatomie.= -- Zergliederungskunst, Zergliederung.
-
- =Applicirt.= -- Anwenden, gebrauchen.
-
-
- =Biliös.= -- Gallig, gallsüchtig.
-
- =Biliösität.= -- Gallsüchtigkeit.
-
- =Bronchien.= -- Luftröhrenäste.
-
- =Bronchitis.= -- Entzündung der Luftröhrenäste.
-
-
- =Catarrh.= -- Schnupfen, Flußfieber.
-
- =Catarrhalisch.= -- Schnupfenkrank.
-
- =Cirkulation.= -- Der Umlauf, Kreislauf des Blutes.
-
- =Cirkuliren.= -- Umlaufen, kreislaufen.
-
- =Chronisch.= -- Langwierig, längere Zeit dauernd.
-
- =Concav.= -- Ausgehöhlt, hohl, flach vertieft.
-
- =Convex.= -- Rund erhaben, gewölbt.
-
-
- =Decoction.= -- Abkochung.
-
- =Delirium.= -- Irrreden, Wahnsinn.
-
- =Deodorisiren.= -- Geruchlos machen.
-
- =Desinficiren.= - Entgiften, von Ansteckungsstoff befreien.
-
- =Diarrhöe.= -- Durchfall.
-
- =Diät.= -- Lebensordnung, Gesundheitspflege, mäßige Krankenkost.
-
- =Disciplinirt.= -- Zuchtgewohnt, der Zucht unterworfen, getadelt.
-
- =Direkt.= -- Gerade, geradezu, ohne Umschweife.
-
- =Diphteritis.= -- Entzündung einer Haut, insbesondere der
- Schleimhaut der Luftröhre.
-
- =Dispensatorium.= -- Ein Arznei-Handbuch, ein Haus, wo Arzneien zu
- haben sind.
-
- =Destillirt.= -- Abziehen, brennen.
-
- =Dosis.= -- Gabe, Arznei-Gabe.
-
- =Drachme.= -- Apotheker-Gewicht, ⅛ Unze, 3 Skrupel.
-
- =Dyspepsie.= -- Unverdaulichkeit, Magenschwäche.
-
-
- =Eclectic.= -- Die Heilkunde, die aus den verschiedenen Schulen das
- beste zu wählen sich bestrebt.
-
- =Eclectisch.= -- Behandlung nach der Eclectic.
-
- =Elastizität.= -- Federkraft, Spannkraft.
-
- =Elektrizität.= -- Blitzfeuer- oder Reibfeuerkraft.
-
- =Element.= -- Grundstoff, Urstoff.
-
- =Energie.= -- Kraft, Nachdruck.
-
- =Energisch.= -- Thatkräftig, kraftvoll.
-
- =Epidemie.= -- Eine in der Gegend herrschende Krankheit, Seuche.
-
- =Epilepsie.= -- Fallsucht.
-
- =Essenz.= -- Das Wesen, der Geist, Kraftwasser.
-
- =Extrakt.= -- Der Auszug, ausgezogene Kraft.
-
- =Extrem.= -- Aeußerst, letzt, höchst.
-
-
- =Fiber.= -- Faser, besonders Muskelfaser.
-
- =Funktion.= -- Verrichtung.
-
-
- =Gastrisch.= -- Den Unterleib betreffend.
-
- =Gran.= -- Apotheker-Gewicht, 1/20 Skrupel.
-
- =Grassiren.= -- Herrschen, wüthen von Krankheiten.
-
-
- =Hämorrhoiden.= -- Die sogenannte Goldader.
-
- =Hektisch.= -- Schwindsüchtig, auszehrend.
-
- =Homöopathie.= -- Die Krankheitheilung durch ähnliches Leiden
- erregende Mittel.
-
- =Homöopathisch.= -- Nach der Homöopathie.
-
- =Hospital.= -- Ein Kranken- oder Armenhaus.
-
- =Hydropathie.= -- Wasserheilkunde.
-
- =Hydropathisch.= -- Die Wasserheilkunde betreffend, durch Wasser
- heilend.
-
- =Hymen.= -- Das Jungfernhäutchen.
-
- =Hysterie.= -- Mutterbeschwerde, Mutterweh.
-
- =Hysterisch.= -- Mutterkrank.
-
-
- =Indirekt.= -- Nicht geradezu, durch Umwege, mittelbar.
-
- =Inspiriren.= -- Begeistern, anfeuern.
-
- =Instrument.= -- Das Werkzeug, Hülfsmittel.
-
- =Intelligent.= -- Einsichtsvoll, verständig.
-
-
- =Katalepsie.= -- Starrsucht, Schlafsucht.
-
- =Klima.= -- Himmelsstrich.
-
- =Klystier.= -- Eine Einspritzung in den After.
-
- =Kolik.= -- Die Darmgicht, der Darmkrampf.
-
- =Konserve.= -- In Zucker eingemachte Früchte, auch
- Blumen-Kräuterzucker.
-
- =Konvulsion.= -- Zuckung.
-
-
- =Liniment.= -- Die flüssige Salbe, Schmiersalbe.
-
- =Liquör.= -- Geistige, zubereitete Flüssigkeit.
-
- =Lochien.= -- Der Geburtsfluß.
-
- =Lokalmittel.= -- Mittel, die örtlich angewandt werden.
-
- =Lymphatisch.= -- Das Blutwasser betreffend, oder dazu gehörig.
-
-
- =Magnetismus.= -- Die magnetische oder anziehende Kraft.
-
- =Malaria.= -- Ungesunde Luft, Sumpfluft.
-
- =Materie.= -- Stoff, Inhalt.
-
- =Medicin.= -- Die Arznei, das Heilmittel, die Heilkunst.
-
- =Medicinisch.= -- Heilkräftig, Heilkunde, ärztlich.
-
- =Melancholie.= -- Schwermüthigkeit, Trübsinn.
-
- =Melancholisch.= -- Schwermüthig, trübsinnig.
-
- =Menstruation.= -- Die monatliche Reinigung, der Monatsfluß.
-
- =Merkurialmittel.= -- Quecksilbermittel.
-
- =Moralisch.= -- Sittlich.
-
-
- =Nervös.= -- An Nervenübeln leidend.
-
- =Nervosität.= --Nervenreizbarkeit.
-
- =Neuralgie.= -- Der Nervenschmerz.
-
- =Neutralisiren.= -- Die eigenthümlichen Eigenschaften eines oder
- zweier Körper aufheben.
-
- =Normal.= -- Regelrecht, musterhaft.
-
-
- =Ointment.= -- Salbe.
-
- =Organ.= -- Das Werkzeug, das Sinnwerkzeug.
-
- =Organismus.= --Der innere Zusammenhang, Gliederbau.
-
- =Operation.= -- Heilverfahren der Wundärzte.
-
- =Operiren.= -- Wundärztliche Arbeiten, um eine Heilung zu bewirken,
- schneiden, stechen.
-
-
- =Paralysiren.= -- Lähmen, entkräften.
-
- =Paralysirung.= -- Lähmung.
-
- =Paralysirt.= -- Gelähmt, entkräftet.
-
- =Paregoricum.= -- Linderungsmittel.
-
- =Patent-Medizin.= -- Arzneien, auf welche ein Patent ausgestellt
- ist.
-
- =Patient.= -- Der Leidende, Kranke.
-
- =Penis.= -- Das männliche Glied.
-
- =Perfümerie.= -- Wohlriechende Stoffe.
-
- =Perfümeriren.= -- Beduften, wohlriechend machen.
-
- =Periode.= -- Zeitabschnitt, Zeitraum, monatliche Reinigung.
-
- =Pharmacie.= -- Arzneibereitungskunst.
-
- =Physiologie.= -- Die Lehre vom menschlichen Körper.
-
- =Physiologisch.= -- Die Lehre den menschlichen Körper betreffend.
-
- =Poren.= -- Oeffnungen in der Haut.
-
- =Präparat.= -- Das bereitete Arzneimittel.
-
- =Primär.= -- Ursprünglich, vorhergehend.
-
- =Publikum.= -- Die Welt, die Leute.
-
- =Pupille.= -- Augapfel, Augenstern.
-
- =Purganz.= -- Abführungsmittel, Reinigungsmittel.
-
-
- =Qualität.= -- Beschaffenheit, Eigenschaft, Güte.
-
- =Quantität.= -- Menge, Größe, das Maaß.
-
-
- =Recept.= -- Vorschrift zur Zubereitung einer Arznei.
-
- =Reguliren.= -- Ordnen.
-
- =Rheumatismus.= -- Gliedreißen, Gliederfluß.
-
- =Robust.= -- Stark, kräftig.
-
- =Ruin.= -- Verfall, Zerrüttung.
-
-
- =Scenerie.= -- Landschaft.
-
- =Secundär.= -- Untergeordnet, nachfolgend.
-
- =Skelet.= -- Gerippe.
-
- =Skropheln.= -- Drüsengeschwulst, Halsgeschwulst.
-
- =Skrophulös.= -- Drüsenkrank.
-
- =Skrupel.= -- Apotheker-Gewicht, 20 Grane.
-
- =Spezifisch.= -- In der Eigenthümlichkeit gegründet.
-
- =Spirituös.= -- Geistig.
-
- =Stadium.= -- Verlaufzeit einer Krankheit.
-
- =Stimulant.= -- Reizmittel.
-
- =Stimuliren.= -- Reizen.
-
- =Substanz.= -- Wesen, Stoff, Hauptbestandtheil.
-
- =Sympathetisch.= -- Mitempfindend.
-
- =Symptome.= -- Zeichen, Krankheitskennzeichen.
-
- =Syphilis.= -- Lustseuche, venerische Krankheit.
-
- =Syphilitisch.= -- Lustseuchenkrank.
-
- =System.= -- Zweckmäßig zusammengesetztes Ganzes, Ordnung,
- Zusammenhang.
-
-
- =Tabelle.= -- Tafel, übersichtliches Verzeichniß.
-
- =Technisch.= -- Kunstmäßig, kunstgerecht.
-
- =Temperament.= -- Gemüthsart, Gemüthsstimmung.
-
- =Temperatur.= -- Der Wärmegrad der Luft.
-
- =Tertiär.= -- Die dritte Stelle in der Folge einnehmend.
-
- =Theorie.= -- Wissenschaftliche Kenntniß, Lehre, Vorstellungsart.
-
- =Tinktur.= -- Ein Auszug, Kraftwasser.
-
- =Titel.= -- Aufschrift, Ueberschrift.
-
- =Tonic.= -- Stärkemittel.
-
- =Tonisch.= -- Spannend, stärkend.
-
- =Total.= -- Gänzlich, völlig.
-
- =Typhoid oder Typhus.= -- Fieber, Nervenfieber.
-
-
- =Unze.= -- Gewicht, 1/12 Pfund.
-
-
- =Varicös.= -- Krampfadrig.
-
- =Vegetabilisch.= -- Zu den Pflanzen gehörig.
-
- =Ventilation.= -- Luftzug, Auslüftung.
-
- =Vision.= -- Die Erscheinung.
-
- =Vulva.= -- Gebärmutter, Mutterscheide.
-
-
-
-
-Alphabetisches Inhalts-Verzeichniß.
-
-
- A
-
- Seite.
-
- Abgewöhnung 418
-
- Abkochungen 495
-
- ~Abortus~ 390
-
- Aconitum- (Eisenhut) Liniment 497
- „ Tinktur 500
-
- Anschwellen der Gliedmaßen während der Schwangerschaft 383
-
- Anschwellen und Verlängerung des Zäpfchens 200
-
- Anweisungen 477
-
- Apfelwasser 480
-
- Appetit, krankhafter 253
-
- Appetitlosigkeit 253
-
- Arnica-Tinktur 501
-
- ~Arrow root Gruel~ 480
-
- Athem, widerwärtiger Geruch des 182
-
- Aufgüsse 496
-
- Augapfel, Entzündung des 133
-
- Augen, chronische Entzündung der 136
- „ „ skrophulöse Entzündung der 137
- „ fremde Körper im 146
- „ nasse oder thränende 139
-
- Augenlid, Entzündung des 131
- „ Entzündung des Randes des 131
- „ Gerstenkorn am 139
- „ Niederfallen des 131
-
- Augenschwäche 140
-
- Ausrenkungen 512
- „ des Gaumens 513
-
- Ausrenkung des Schlüsselbeins 513
- „ der Schulter 514
- „ des Ellbogens 515
- „ des Handgelenkes 515
- „ der Knochen der Finger 516
- „ des Hüftknochens 516
- „ der Kniescheibe 517
- „ des Kniegelenkes 517
- „ des Knöchels 518
-
- Ausschlag 17
- „ des Gesichts 167
-
- Ausschlagfieber 17
-
- Auszehrung 246
-
-
- B
-
- Baden, allgemeine Regeln fürs 493
-
- Bäder 484
-
- Bähungen 496, 504
-
- Bandagen 505
-
- Behandlung der Brüste 395
-
- Belladonna-Salbe 498
- „ Pflaster 498
-
- Beulen 521
-
- Bistersalbe 498
-
- Blase, Entzündung der 326
-
- Blasenstein 331
-
- Blattern 42
- „ Unterschied zwischen Windpocken und 41
-
- Blatterflechte 53
-
- Blatterrose 21
-
- Blauer (Keuch) Husten 442
-
- Bleichsucht 351
-
- Bleisaure Salbe 498
-
- Blindheit 140
-
- Blutandrang nach dem Kopfe 106
-
- Blutfluß nach der Entbindung 400
-
- Blutharnen 332
-
- Blutwurzel-Mischung 497
-
- Brauchbare Anweisungen 477
-
- Bräune 439
- „ krampfartige 439
- „ häutige 439
-
- Bronchitis 209
-
- Brüche 319
-
- Brüste, Behandlung der 394
- „ Aufgebrochene 407
-
- Brustbeklemmung 233
-
- Brustfellentzündung 226
-
- Brustquetschung 252
-
- Brustwarzenwunde 405
-
- Brustwassersucht 243
-
-
- C
-
- ~Carbunkel~ 521
-
- Catarrh 156
- „ chronischer 160
-
- Catarrh, Kopfweh durch 114
-
- Cholera Morbus 308
- „ asiatische 311
- „ Infantum 434
-
- Chronischer Catarrh 160
-
- Colchicum-Tinktur 501
-
- Colic, Magen- 271
- „ Gallen- 271
- „ Blei- oder Malers 272
- „ Menstrual- 359
- „ Kinder- 444
-
- Comfrey-Wein 497
-
- Convulsionen 422
-
- Croup 439
-
-
- D
-
- Decoctionen 495
-
- Delirium Tremens 464
-
- Diarrhöe 300
- „ während der Schwangerschaft 384
- „ nach der Entbindung 409
-
- Diphtheritis 201
-
- Dosentabelle 502
-
- Durchfall 300
- „ während der Schwangerschaft 384
- „ nach der Entbindung 409
-
- Durchstechen des Ohrläppchens 154
-
- Dysenterie 304
-
- Dyspepsie 253
- „ während der Schwangerschaft 386
-
-
- E
-
- ~Egg Nog~ 478
-
- Eierbranntwein 478
-
- Eierpunsch 478
-
- Einspritzungen 493
-
- Einwachsen des Zehennagels 522
-
- Eiskampher 495
-
- Eiterung der Nase 160
-
- Engbrüstigkeit 239
-
- Entbindung 396
- „ Behandlung nach der 398
-
- Entzündliches Fieber 66
-
- Entzündung des Gehirns 75
- „ des Augapfels 133
- „ des Augenlids 131
- „ der Augen, chronische skrophulöse 137
- „ u. Anschwellen der Nase 155
- „ u. Anschwellen der Zunge 185
- „ der Luftröhre 209
- „ der Lungen 220
- „ des Herzens 230
- „ des Magens 280
- „ der Gedärme 284
- „ der Leber 286
- „ der Milz 292
- „ der Nieren 323
- „ der Blase 326
-
- Erbrechen 265
-
- Erfrischender Trank bei Fieber 478
-
- Erfrorene Gliedmaßen 514
-
- Erkältung im Kopfe 156
-
- Erythema 21
-
- Essenzen 491
-
-
- F
-
- Fallsucht 466
-
- Fehlgeburt oder Abortus 390
-
- Fieber, remittirendes oder Gallen 79
- „ Wechsel 84
- „ gewöhnliches 65
- „ Ausschlag 17
- „ Scharlach 30
- „ Nerven 69
- „ gelbes 92
- „ Lungen 220
- „ Milch 403
- „ Kindbett 409
- „ erfrischender Trank bei 478, 479
-
- Fingergeschwür 522
-
- Finne, einfache 167
- „ rosige 167
- „ blatterige 167
-
- Flachssamenumschlag 503
-
- Flechten 53
- „ Blatter 53
-
- Fleischbrühe 481
-
- Fleischthee 481
-
- Fremde Körper im Auge 146
- „ „ im Ohr 154
- „ „ in der Nase 164
- „ „ in der Luftröhre 252
-
- Friesel, Scharlach 29
-
- Frostbeulen 50
-
-
- G
-
- Galbanumpflaster, zusammengesetzt 499
-
- Gallenfieber 79
-
- Gebärmutter, Vorfall der 367
-
- Gedärmentzündung 284
-
- Gehirnentzündung 75
-
- Gelee Korinthen 479
- „ Kalbsfuß 482
- „ Irisches Moos 480
- „ Hausenblase 480
-
- Gelbes Fieber 92
-
- Gelbrübenumschläge 498
-
- Gelbsucht 290
- „ der Kinder 421
-
- Gemüse-Suppe 481
-
- Gemüthsbewegungen üben Einfluß auf die Milch aus 417
-
- Gerstenkaffee 478
-
- Gerstenkorn am Augenlid 139
-
- Gesichtsausschlag 167
-
- Gesichtsflecken 173
-
- Gesichtsrose 166
-
- Gesichtschmerz 169
-
- Gesichts- und Kinnbackenlähmung 174
-
- Gewichte, trockene 502
- „ flüssige 502
-
- Gewürzpflaster 499
-
- Gicht 454
-
- Gifte und Gegengifte 524
-
- Goldader 315
-
- Grindkopf 60
-
- Gruel 477
- „ von Reis 479
- „ von Wasser u.s.w. 479
- „ von Sago 480
- „ von Pfeilwurz 480
-
- Gummi Arabicum Mischung 479
-
-
- H
-
- Haar, Ausfall des 129
- „ Stärkemittel und Oele für das 129
-
- Hafermehlkaffee 478
-
- Haferschleim 477
-
- Hals, Krankheiten des 194
- „ weher 194
- „ eiternder 198
-
- Halsentzündung, gewöhnliche 194
- „ eiternde 198
-
- Hammelfleischbrühe 481
-
- Hammelfleischthee 481
-
- Hämorrhoiden 315
- „ während Schwangerschaft 381
-
- Harnfluß 329
-
- Harnruhr 330
-
- Harnträufeln 330
-
- Harnverhaltung 327
-
- Hartleibigkeit 297
- „ während Schwangerschaft 381
- „ nach der Entbindung 409
-
- Harzwachssalbe 495
-
- Hausenblasen-Gelee 480
-
- Haut, Krankheiten der 17
- „ Durchscheuern und Wundheit der bei Kindern 421
-
- Hefen-Umschlag 504
-
- Heiserkeit 208
-
- Heißhunger 253
-
- Herz, Entzündung des 230
- „ Klopfen des 232
- „ Neuralgie des 233
-
- Holzkohlenaufschläge 498
-
- Hüftentzündung 458
-
- Hühneraugen 62
-
- Hühnerfleischbrühe 481
-
- Hühnerpanade 482
-
- Husten 217
- „ Keuch- oder Stick- 442
-
- Hydropathische Behandlung 484
-
- Hypochondrie 99
-
- Hysterie 102
- „ während der Schwangerschaft 386
-
-
- I
-
- Impfung 48
-
- Influenz 215
-
- Intermittirendes Fieber 84
-
- Johannisbeeren- oder Korinthen-Gelee 479
-
- ~Irish moss Jelly~ 480
-
- Irrsinn 105
-
- ~Isinglass Jelly~ 480
-
- Jucken der Geschlechtstheile während der Schwangerschaft 380
-
- Jucken und Reizung der Haut 49
-
-
- K
-
- Kalbsfuß-Jelly 479
-
- Kampher-Mischung 497
- „ Eis 495
- „ Liniment 497
- „ „ zusammen gesetztes 497
- „ zusammengesetzte Tinktur 500
-
- Karfunkel 521
-
- Kehlsucht 446
-
- Kermesbeerumschlag 504
-
- Keuchhusten 442
-
- Kind, Kleidung des 415
- „ Scheintod neugeborner 415
- „ Diät neugeborner 416
- „ Anschwellen und Verlängerung des Kopfes 417
- „ Anschwellen der Brüste neugeborner 417
- „ Kost statt des Säugens 418
- „ Ruhe- und Schlaflosigkeit 421
- „ Durchscheuern und Wundheit der Haut 421
- „ Gelbsucht der 421
- „ Remittirendes Fieber der 432
- „ Colik der 444
-
- Kindbett 396
- „ Dauer des 401
- „ Kost &c. während des 401
-
- Kindbettfieber 409
-
- Kindspech 417
-
- Kinnbackenkrampf 174
-
- Kleidung der Kinder 415
-
- Klingen in den Ohren 150
-
- Klystiere oder Einspritzungen 493
-
- Kopf, Blutandrang nach dem 106
-
- Kopfwassersucht 430
-
- Kopfweh durch Katarrh verursacht 114
- „ durch Blutandrang verursacht 116
- „ durch Rheumatismus verursacht 117
- „ durch Hartleibigkeit und Unterleibsbeschwerden
- verursacht 119
- „ sympathetisches 121
- „ nervöses 125
-
- Krämpfe 422, 462
-
- Krankenkost 477
-
- Krankenpflege 474
-
- Krankheiten der Haut 17
- „ des Geistes 99
- „ des Kopfes 106
- „ der Augen 131
- „ der Nase 155
- „ des Gesichts, der Lippen und Kinnbacken 166
- „ des Halses 194
- „ der Luftröhre u. der Brust 208
- „ des Magens und der Gedärme 253
- „ der Urin- und Geschlechtsorgane 323
- „ der Zähne, des Zahnfleisches und des Mundes 178
-
- Krätze 57
-
- Krebs an der Nase 161
- „ am Mund 186
-
- Kropf 461
-
- Kurzsichtigkeit 144
-
-
- L
-
- Lähmung 462
- „ des Augenlids 131
- „ des Gesichts und der Kinnbacken 174
-
- Laufen des Ohrs 153
-
- ~Lead Plaster~ 499
-
- Leberentzündung 286
-
- Leinsamenthee 477
-
- Licht, Temperatur und Lüftung während des Kindbetts 399
-
- Liniment Kampher 497
- „ Aconitum 497
- „ zusammengesetztes Kampher 497
- „ ~Opodeldoc~ 497
-
- Lobelia-Tinktur 500
- „ zusammengesetzte Tinktur der 501
- „ Umschlag 504
-
- Lochien 402
- „ Unterdrückung der 402
- „ Uebermäßige 403
-
- Lockjaw 174
-
- Luftröhre und Brust, Krankheiten der 208
- „ Entzündung der 209
- „ fremde Körper in der 252
-
- Lungenbluten 236
-
- Lungenentzündung 220
-
- Lustseuche 336
-
-
- M
-
- Magenkrampf 268
-
- Magen, Neuralgie des 268
- „ weh oder Colik 271
- „ Entzündung 280
-
- ~Malignant Quinsy~ 198
-
- Mangel an Appetit 253
-
- Manie 105
-
- Masern 25
- „ und Scharlachfieber, Unterschied zwischen 29
- „ Vorbeugungsmittel gegen 29
-
- Maße 502
- „ Haus- oder annährende 502
-
- Mastdarmvorfall 318
-
- Mehl gekochtes 481
-
- Melancholie 105
-
- Menstrual Colik 359
-
- Menstruation unterdrückte 361
- „ Aufhören der 364
- „ verzögerte u. unterdrückte 349
- „ Störungen der 349
- „ schwere 359
- „ übermäßige 356
-
- Milchfieber 403
- „ Ausbleiben der 404
- „ Uebermäßige Ansammlung der 405
- „ Geschwulst 411
- „ Punsch 478
- „ Suppe 480
- „ „ französische 483
-
- Milchschorf 58
-
- Milz, Entzündung der 292
-
- Mischung, Kampher 497
- „ zus. Blutwurzel 497
-
- Molken, Rennet 481
- „ Essig 481
- „ Alaun 481
- „ Senf 482
- „ Orangen 482
- „ süße 482
- „ Wein 482
-
- Monatliche Reinigung -- siehe Menstruation.
-
- Mund, schlechter Geschmack im 183
-
- Mundkrebs 186
-
- Mundschwamm 428
-
- ~Mumps~ 446
-
- Mutterharzpflaster 499
-
- Myrrhen, zusammenges. Tinktur 501
-
-
- N
-
- Nabel, Verbinden des 399
-
- Nachwehen 399
-
- Nagel, Einwachsen des in der Zehe 522
-
- Nase, Entzündung und Anschwellen 155
- „ Bluten der 155
- „ Polyp der 161
- „ Krebs der 62
- „ fremde Körper in der 164
-
- Nervenfieber 69
-
- Nervöses Kopfweh 125
-
- Nesselfieber 17
-
- Neuralgie 169
- „ im Herzen 233
- „ im Magen 268
- „ im Kopf 125
-
-
- O
-
- Ohnmacht 469
-
- Ohr, fremde Körper im 154
-
- Ohrensausen, Klingen 150
-
- Ohrenschmerz 149
-
- Ohrfluß, Ohrlaufen 153
-
- Ohrläppchen, Durchstechen des 154
-
- Onanie 333
-
-
- P
-
- ~Packing, wet sheet~ 487
-
- ~Pack sweating~ 488
-
- ~Pail douche~ 486
-
- Panade 479
-
- ~Pemphigus~ 53
-
- Pfeilwurz-Gruel 480
-
- Pflaster 498
- „ Belladonna 498
- „ Gewürz 499
- „ Blei 499
- „ zusammenges. Mutterharz 499
-
- Pharmacie 495
-
- ~Piles~ 315
-
- Pleuresie 226
-
- ~Pneumonia~ 220
- „ bei alten Leuten 226
-
- Pocken 42
-
- Podagra 454
-
- Polypus der Nase 161
-
- Pulver 499
- „ zus. Aloe und Cannellen 499
- „ zusammengesetztes Rhabarber 499
- „ zus. Rhabarber u. Potasche 499
- „ Wurm 499
- „ ~Neutralizing~ 499
-
-
- Q
-
- Quetschungen 519
-
- Quittenwein 479
-
-
- R
-
- Rahm, kalter 494
-
- Recepte (Anweisungen) 477
-
- Reiswasser 478
-
- Remittirendes Fieber 79
- „ „ der Kinder 432
-
- Rheumatismus 448
- „ Kopfweh durch 119
-
- Rindfleischthee 477
-
- Ringwurm 52
-
- Rippenfellentzündung 226
-
- Rose 20
- „ phlegmonische 21
- „ des Gesichts und der Lippen 166
- „ Blatter 21
-
- Rosenwassersalbe 498
-
- Rothlaufgürtel 53
-
- Ruhelosigkeit und Schlaflosigkeit der Kinder 421
-
- Ruhr 304
-
-
- S
-
- Sago Gruel 480
-
- Salbe, essigsaure Blei- 498
- „ Zinkoxyd 498
- „ Belladonna 498
- „ Rosenwasser 498
- „ Bitter 498
- „ Zusammengesetzte Schwefel 498
-
- Salbeithee, 478
-
- Sausen in den Ohren 450
-
- Säuferwahnsinn 464
-
- ~Scarlatinosa~ 30
- „ ~angina~ 31
- „ ~simplex~ 31
- „ ~maligna~ 31
-
- Schamjucken 380
-
- Scharbock 489
-
- Scharlachfieber 30
- „ Vorbeugungs-Mittel gegen 34
-
- Scharlachfriesel 29
- „ Unterschied zwischen Scharlachfieber und 29
- „ Unterschied zwischen Masern und 29
-
- Scheintod neugeborener Kinder 415
- „ durch Hunger 470
- „ „ Ertrinken 471
- „ „ Erfrieren 472
- „ „ Erhängen 472
- „ „ Blitz 472
- „ „ schädliche Dünste 472
- „ „ Schlag oder Fall 473
- „ „ heftige Aufregung 474
-
- Schenkel-Geschwulst 411
-
- Schielauge 144
-
- Schienen 506
-
- Schlaflosigkeit 462
-
- Schlagfluß 109
-
- Schlangenwurzel, schwarze, zusammengesetzte Tinktur der 500
-
- Schlüpfriger Ulmumschlag 504
-
- Schmerzen bei Geburtswehen 397
-
- Schnupfen 427
-
- Schorf 53
-
- Schwäche der Augen 140
-
- Schwangerschaft 375
- „ Zeichen der 375
- „ Erhaltung der Gesundheit während der 377
- „ Schamjucken während der 380
- „ Krampfvaricöse Adern 381
- „ Hämorrhoiden während der 381
- „ Hartleibigkeit während der 383
- „ Diarrhöe während der 384
- „ Speichelfluß während der 386
- „ Zahnschmerz während der 386
- „ Dyspepsie während der 386
- „ Hysterie während der 386
- „ Herzklopfen während der 387
- „ Kopfweh während der 387
- „ Husten während der 388
- „ Krämpfe während der 388
- „ Harnfluß während der 389
- „ Harnzwang während der 389
- „ Blutfluß während der 390
- „ Falsche Wehen während der 393
-
- Schwarzer Staar 140
-
- Schwefelsalbe, zusammengesetzte 498
-
- Schwerhörigkeit 151
-
- Schwermüthigkeit 99
-
- Schwindel 107
-
- Scorbut 189
-
- Seekrankheit 267
-
- Seitenstechen 229
-
- Selbstbefleckung 333
-
- Senfpflaster 503
-
- ~Shingles~ 53
-
- Sodbrennen 253
-
- Sommerkrankheit oder Cholera Infantum 434
-
- Sonnenstich 113
-
- Spanische Fliegen-Tinktur 500
-
- Speichelfluß 191
- „ während der Schwangerschaft 386
-
- ~Splints~ 506
-
- Stammeln 192
-
- St. Antonius Feuer 27
-
- Stein in der Blase 331
-
- Stickhusten 442
-
- Stillende, wunder Mund der 413
-
- Sympathetisches Kopfweh 122
-
- Syphilis 336
-
-
- T
-
- Tapioca Gelee 480
-
- Taubheit 151
-
- Thränende Augen 139
-
- Tinktur, Aconitum 500
- „ spanische Fliegen 500
- „ Lobelia 500
- „ schwarze Schlangen-Wurzel zusammengesetzte 500
- „ zusammengesetzte Kampher 500
- „ „ Colchicum 501
- „ „ Lobelia 501
- „ „ Myrrhen 501
- „ zus. virg. Schlangenwurzel 501
- „ Arnica 501
- „ Kampher 501
-
- Toastwasser 477
-
- Tripper 339
-
- ~Trismus~ 175
-
- Typhus 69
-
-
- U
-
- Uebelsein am Morgen 378
-
- Uebelkeit 265
-
- Ulmenrindenschleim 480
-
- Umschlag 503
- „ Holzkohlen 504
- „ schlüpfriger Ulmenrinde 504
- „ Lobelia 504
- „ Senf 503
- „ Kermesbeeren 504
- „ gelbe Rüben 503
- „ Brod und Milch 504
- „ Hefen 504
-
- Unterleibswassersucht 320
-
- Unverdaulichkeit 253
-
- Urin, Verhaltung des 327
- „ Fluß 329
- „ Blut im 332
-
-
- V
-
- Varicöse Adern während der Schwangerschaft 381
-
- Varioliden 49
-
- Vegetabilische Suppe 481
-
- Veitstanz 468
-
- Venerie 336
-
- Verbinden des Nabels 399
-
- Verbrennungen 520
-
- Verbrühungen 520
-
- Verstauchungen 519
-
- Verstopfte Nase 427
-
- Virginische Schlangenwurzel, zusammengesetzte
- Tinktur der 501
-
- Vorbeugungsmittel gegen Masern 28
- „ „ Scharlachfieber 34
-
- Vorfall des Mastdarms 318
- „ der Gebärmutter 367
-
-
- W
-
- Wachssalbe 495
-
- Wahnsinn 105
-
- Warzen 63
-
- Wassergruel 479
-
- Wasserpocken 40
-
- Wassersucht des Gehirns 430
- „ der Brust 243
- „ des Unterleibs 320
-
- Wechselfieber 84
-
- Wehen 396
- „ falsche 393
-
- Weher Hals 194
-
- Wein, zusammengesetzter Wallwurz (~Comfrey~) 497
- „ ~bitters~, ~restorative~ 497
-
- Weißer Fluß 370
-
- Weiße Schenkelgeschwulst 411
-
- Weitsichtigkeit 144
-
- Wickelbänder 505
-
- Windpocken 40
- „ Unterschied zwischen Pocken und 41
-
- Wurmpulver 499
-
- Würmer 294
-
-
- Z
-
- Zahnen 426
-
- Zähne, Verfall der 181
-
- Zahnfleischschwären 184
-
- Zahnpulver 182
-
- Zahnweh 178
-
- Zäpfchen, Entzündung und Verlängerung des 200
-
- Zehen, Einwachsen des Nagels der 522
-
- Ziegenpeter 446
-
- Zittermahl 52
-
- Zunge, Entzündung und Anschwellen der 185
-
- Zusammengesetztes Pulver von Aloe und Cannell 499
-
- Zusammengesetzter Rhabarber 499
-
- Zusammengesetzter Rhabarber und Potasche 499
-
-
-
-
- ####################################################################
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription:
-
- Der vorliegende Text wurde anhand der 1869 erschienenen Buchausgabe
- erstellt. Satzzeichen wurden stillschweigend korrigiert bzw.
- ergänzt, dasselbe gilt für Verweise mit falschen Angaben zu den
- Seitenzahlen im Buch. Einigen Punkten im Inhaltsverzeichnis stehen
- im Text keine entsprechenden Abschnitte gegenüber.
-
- Sowohl deutsch- als auch englischsprachige Ausdrücke sind zum
- Teil stark von der jeweils anderen Sprache beeinflusst. Einige
- englische Wörter sind orthographisch falsch, lautmalerisch aber der
- korrekten Form ähnlich. Darüberhinaus werden stellenweise moderne
- und altertümliche Begriffe miteinander vermischt; außerdem wurden
- oftmals ungewöhnliche Wortformen verwendet. Alle diese Stellen
- wurden nicht verändert, wenn es sich nicht offensichtlich um
- Druckfehler, wie beispielsweise Buchstabenverwechslungen, handelt.
- Grammatikalische Fehler wurden nicht korrigiert, sofern sie den
- Sinn des Textes nicht verfälschen.
-
- Die Bedeutungen von deutschen und englischen Begriffen,
- insbesondere in den Rezeptmischungen, stimmen nicht immer überein;
- einige Angaben scheinen auch falsch zu sein. Da hier über die
- Korrektheit der Begriffe aber nicht entschieden werden kann, wurden
- keine Änderungen vorgenommen. Inkonsistenzen in Schreibweisen
- sowie in der Verwendung von gesperrtem Text wurden dem Original
- entsprechend beibehalten.
-
-Korrekturen:
-
- S. 5: ‚nnter‘ → ‚unter‘
- S. 19: ‚Schlaflogkeit‘ → ‚Schlaflosigkeit‘
- S. 23: ‚Austern, Clams u. s. w.‘: Das Satzende fehlt, dennoch
- erschließt sich der Sinn ohne weiteres; deshalb wurde hier keine
- Änderung vorgenommen.
- S. 24: ‚Oragen-Schale‘ → ‚‚Orangen-Schale‘
- S. 33: ‚entzüntet‘ → ‚entzündet‘
- S. 35: ‚Ausschlhg‘ → ‚Ausschlag‘
- S. 40: ‚Schwertlilen‘ → ‚Schwertlilien‘
- S. 71: ‚entfernt‘ → ‚entleert‘; ‚Taunic acid‘ → ‚Tannic acid‘
- S. 72: ‚Chimirten Baldrian‘ → ‚Chinirten Baldrian‘
- S. 83: ‚Altheewurzrl‘ → ‚Altheewurzel‘
- S. 89: ‚Diensttag → ‚Dienstag‘
- S. 98: ‚Sequi-carbonate‘ → ‚Sesqui-carbonate‘
- S. 109: ‚blutunlaufenem‘ → ‚blutunterlaufenem‘
- S. 117: ‚Personnen‘ → ‚Personen‘
- S. 118: ‚Coloyquinthen‘: korrigiert und harmonisiert zu
- ‚Koloquinthen‘
- S. 129: ‚Fiegen‘ → ‚Fliegen‘
- S. 138: ‚Augapfeln‘ → ‚Augäpfeln‘
- S. 139: Zwischenüberschrift ‚Behandlung‘ fehlt im Original und wurde
- eingefügt.
- S. 140: ‚Glancoma‘ → ‚Glaucoma‘
- S. 142: Seiten‘ wurde eingefügt
- S. 145: ‚und die Kost sollte sorgfältig geordnet wird‘: ‚sollte‘
- wurde entfernt; ‚Pfefferwünzwasser‘ → ‚Pfeffermünzwasser‘
- S. 153: ‚Mohnsamen- (hoppies)‘ → ‚Mohnsamen- (poppies)‘
- S. 185: ‚Entzündungen‘ → ‚Entzündung‘; ‚unterlausen‘ → ‚unterlaufen‘
- S. 188: ‚alle zwei, drei oder‘: ‚vier‘ wurde eingefügt
- S. 190: ‚Hinfälligfälligkeit‘ → ‚Hinfälligkeit‘
- S. 191: ‚sulphurid acid‘ → ‚sulphuric acid‘
- S. 195: ‚Flachsamen-Limonade‘ → ‚Flachssamen-Limonade‘
- S. 200: ‚Nitrate of silber‘ → ‚Nitrate of silver‘
- S. 201: ‚Heiserheit‘ → ‚Heiserkeit‘
- S. 205: ‚Per-Maganate‘ → ‚Per-Manganate‘
- S. 209: ‚Fääen‘ → ‚Fällen‘
- S. 227: ‚Phorphorus‘ → ‚Phosphorus‘
- S. 228: ‚8–16 Grane.‘: Im Original steht hier das Wort ‚Drachmen‘.
- Es wurde aber durchgestrichen und darunter gedruckt: ‚grains.‘ In
- einer späteren Ausgabe des Buches steht an dieser Stelle: ‚Grane.‘
- Die Stelle wurde daher zu ‚Grane‘ korrigiert.
- S. 238: ‚Terpertingeist‘ → ‚Terpentingeist‘; ‚räuspender Husten‘ →
- ‚räuspernder Husten‘
- S. 247: ‚Befriedidigung‘ → ‚Befriedigung‘
- S. 253: doppeltes der‘; eines wurde entfernt
- S. 255: ‚Gerüchte‘ → ‚Gerichte‘
- S. 256: ‚rothe Rüben (buts)‘ → ‚rothe Rüben (beets)‘
- S. 260: ‚herrüht‘ → ‚herrührt‘
- S. 271: ‚erforlich‘ → ‚erforderlich‘
- S. 287: ‚Lungenentzündung‘ → ‚Leberentzündung‘
- S. 302: ‚Löwenzahl-‘ → ‚Löwenzahn-‘
- S. 310: ‚mii‘ → ‚mit‘
- S. 315: ‚und mehre‘ → ‚und mehr‘
- S. 329: ‚öfers‘ → ‚öfters‘
- S. 332: ‚Hœmaturia‘ → ‚Hæmaturia‘
- S. 340: ‚chorda venerea ein, ...‘ → ‚chorda venerea, ...‘
- S. 364: ‚Seunden‘ → ‚Stunden‘
- S. 365: ‚Jalappen-Pulper‘ → ‚Jalappen-Pulver‘
- S. 404: ‚senna or jalap‘ → ‚senna and jalap‘
- S. 409: ‚erfahreren‘ → ‚erfahrenen‘
- S. 410: ‚Erklätung‘ → ‚Erkältung‘
- S. 421: ‚unter den Armmen‘ → ‚unter den Armen‘
- S. 424: ‚Entozoic powder‘ → ‚Enterozoic powder‘; ‚stachliche
- Eschbeeren‘; sollte wohl heißen: ‚stachliche Eschbeerenrinde‘,
- wurde aber so belassen; ‚Convusionen‘ → ‚Convulsionen‘
- S. 426: ‚Desertlöffel‘ → ‚Dessertlöffel‘
- S. 427: ‚Gewahrt‘ → ‚Gewährt‘
- S. 437: ‚4 Drachme‘ → ‚4 Drachmen‘
- S. 458: ‚Caxalgia‘ → ‚Coxalgia‘
- S. 462: ‚Heplegia‘ → ‚Hemiplegia‘
- S. 488: doppeltes ‚und‘; eines entfernt
- S. 489: ‚den Krankeu‘ → ‚den Kranken‘
- S. 521: ‚Ferunculus‘ → ‚Furunculus‘
- S. 525: ‚Peruvian baak‘ → ‚Peruvian baak‘; ‚Zuckee‘ → ‚Zucker‘
- S. 526: ‚angegeben sind‘ → ‚angegeben ist‘
- S. 531: ‚der Leib ist hart nnd‘ → ‚der Leib ist hart und‘
- S. 544: ‚Luftröhe‘ → ‚Luftröhre‘
- S. 547: ‚Zahnfleischgeschwären‘ → ‚Zahnfleischschwären‘
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