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-The Project Gutenberg EBook of Die jenische Sprache, by Engelbert Wittich
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
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-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
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-
-Title: Die jenische Sprache
-
-Author: Engelbert Wittich
-
-Editor: Louis Günther
-
-Release Date: December 28, 2015 [EBook #50779]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE JENISCHE SPRACHE ***
-
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-
-Produced by Norbert H. Langkau, Jens Sadowski, and the
-Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
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- Anmerkungen zur Transkription
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-Dieses Buch ist ursprünglich erschienen als eine Serie von Artikeln in:
-Groß, Hans (Hrsg.); Archiv für Kriminal-Anthropologie und Kriminalistik,
-F. C. W. Vogel, Leipzig; Bd. 63 (1915), S. 1-46, 97-133, 372-396; Bd. 64
-(1915), S. 127-183, 297-355; Bd. 65 (1916), S. 33-89.
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-
- Inhaltsverzeichnis
-
- I. Vorbemerkung
- II. Einleitung
- III. Verzeichnis veralteter, meist jetzt umgeänderter jenischer
- Wörter
- IV. Verzeichnis der jenischen Wörter, die aus der Zigeunersprache
- stammen
- V. Deutsch-jenisches Wörterbuch
- VI. Alphabetisches Verzeichnis der jenischen Stammwörter
- VII. Sprachproben
- VIII. Jenische Schnadahüpfel
- Nachträge
- Anmerkungen
-
-Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des Buches.
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-________________________________________________________________________
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- Die jenische Sprache. [63.1]
-
-
- Von Engelbert Wittich.
-
- Herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Prof. Dr. L. Günther
- in Gießen.
-
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-
- I. Vorbemerkung.
- Von Prof. _Günther_.
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-
-Daß das Rotwelsch der Gauner und die mit ihm verwandten sog.
-Geheimsprachen (der Dirnen, »Kunden«, fahrenden Leute, Hausierer und
-Händler) heute in langsamem, aber stetigem Abnehmen begriffen sind,
-unterliegt wohl ebensowenig einem Zweifel wie die Tatsache, daß der
-zurzeit noch gebräuchliche Rest dieser besonderen Ausdrucksweisen sich
-in fortwährender Umgestaltung befindet. Daher erwirbt sich jeder, der in
-der Lage ist, einigermaßen zuverlässige Mitteilungen über
-den gegenwärtigen Wortbestand jener Jargons zu machen, ein
-wissenschaftliches Verdienst, ähnlich dem des Ethnologen, der uns die
-Sprachen aussterbender Naturvölker vor ihrem völligen Verschwinden noch
-rasch zugänglich macht. Dem Gelehrten, der sich für diese Dinge
-interessiert, also etwa einem Sprachforscher oder gar einem
-Kriminalisten, wird es freilich nicht leicht gelingen, die noch heute
-praktische Verwendung einer Geheimsprache aus eigener Anschauung kennen
-zu lernen, da die Angehörigen des engeren Kreises, in dem die
-betreffende Verständigungsart üblich ist, dem fremden, ihrem Tun und
-Treiben sonst meist fernstehenden Eindringling begreiflicherweise ein
-gewisses Mißtrauen entgegenzubringen pflegen. Selten sind aber auch
-Aufzeichnungen von Geheimsprachen durch solche Leute, die sie selber aus
-der »Praxis« kennen (also nach Art etwa des berühmten Gauner Wörterbuchs
-des »Konstanzer Hans« von 1791), da dies außer dem Willen, den in der
-Regel sorgfältig behüteten Schatz der Öffentlichkeit preiszugeben, doch
-auch schon einen bestimmten Grad allgemeiner Bildung, namentlich aber
-einen gewissen Sprachsinn voraussetzt.
-
-In der Persönlichkeit des Sammlers des hier zu besprechenden [63.2]
-Wörterbuches der »jenischen Sprache«, Engelbert _Wittich_, erscheinen
-jene Voraussetzungen im wesentlichen erfüllt. Er ist nämlich einerseits
-von Jugend auf vertraut gewesen mit den Ausdrücken des von ihm
-veröffentlichten Vokabulars[1], da er unter umherziehenden Handelsleuten
-und Zigeunern aufgewachsen (wenn nicht gar ein geborener Zigeuner) ist,
-während er andererseits an seiner im ganzen etwas dürftigen
-Volksschulbildung als Autodidakt so fleißig weiter gearbeitet hat, daß
-er sich auf dem Gebiete der »Zigeunerkunde« bei den Fachleuten einen
-gewissen Namen erworben. Auch den meisten Lesern des »Archivs« dürfte er
-bereits kein Fremder mehr sein. Seine Schrift »Blicke in das Leben der
-Zigeuner« (Striegau 1911) ist z. B. im »Archiv«, Bd. 46, S. 363 von
-Albert _Hellwig_ allen zur Lektüre warm empfohlen worden, weil sie »viel
-Interessantes« enthalte, und schon in Bd. 31 (1908), S. 134 ff. ist eine
-von ihm verfaßte kurze Grammatik der Zigeunersprache durch Johannes
-_Jühling_ herausgegeben worden. Ebenso stammt das von demselben
-Gelehrten in Bd. 32 (1909), S. 219 ff. veröffentlichte »alphabetische
-Wörterverzeichnis der Zigeunersprache« eigentlich von _Wittich_ her[2].
-
-Das — ursprünglich 125 Oktavblätter umfassende — Manuskript der
-_Wittich_schen Arbeit, die außer dem eigentlichen Wörterbuch (Nr. V)
-auch einleitende Bemerkungen (über die jenische Sprache im allgemeinen
-sowie über veraltet gewordene und aus der Zigeunersprache stammende
-Vokabeln insbesondere [Nr. II-IV]) und zum Schluß noch »Sprachproben«
-und »jenische Schnadahüpfel« (Nr. VII u. VIII) enthält, ging mir im
-Sommer 1914 mit der Bitte des Verfs. zu, die Veröffentlichung — am
-liebsten in einer Zeitschrift — vermitteln zu wollen. Da mir die [63.3]
-Sammlung recht interessant und — trotz mancher Mängel — wohl wert
-erschien, weiteren Kreisen bekannt gemacht zu werden, wandte ich mich
-dieserhalb an den Herausgeber des »Archivs«, der dafür bereitwilligst
-die Spalten seiner Zeitschrift zur Verfügung stellte, unter der
-Bedingung jedoch, daß ich dem Ganzen eine annehmbare wissenschaftliche
-Gestalt zu geben unternähme. Diese Klausel war allerdings notwendig,
-denn in der »Urform« ließ das Manuskript nicht nur in der Stilistik
-(bes. in der »Einleitg.«), Grammatik und Orthographie recht viel zu
-wünschen übrig, es fehlte auch in dem Wörterverzeichnis durchweg eine
-alphabetisch genaue Reihenfolge der Vokabeln, ja an manchen Stellen fand
-sich in dieser Beziehung ein kaum zu beschreibender Wirrwarr, dessen
-Lichtung sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat. Auch standen mehrere,
-zu einzelnen Wörtern gegebene Bemerkungen prinzipieller Art nicht an der
-richtigen Stelle und mußten daher umgesetzt werden.
-
-[Fußnote 1: ([1] auf S. 63.2) Die Versicherung des Vrfs. (s. unten
-»Einleitung«, S. 25), daß er das von ihm mitgeteilte Wortmaterial aus
-eigener praktischer Kenntnis und »nicht aus Büchern« geschöpft habe,
-erscheint im allgemeinen gewiß glaubwürdig. Immerhin hat er aber bei der
-Zusammenstellung und Bearbeitung des Stoffs auch wohl einige Bücher zur
-Hand gehabt, wie sich denn z. B. die Benutzung von Rich. _Liebichs_
-Schrift »Die Zigeuner in ihrem Wesen und ihrer Sprache« (Leipz. 1863) an
-mehreren Stellen (bes. auch der »Einltg.«) nachweisen läßt. S. Näh. in
-m. Anmerkgn. zur »Einltg.«; vgl. auch in dieser »Vorbemerkg.« weiter
-unten S. 16 ff.]
-
-[Fußnote 2: ([2] auf S. 63.2) Aus der Überschrift ist dies übrigens
-_nicht_ ersichtlich. Ich habe daher in meinen »Beiträgen zum Rotwelsch«
-usw. (im »Archiv«, Bd. 33, 38 ff.) — in Übereinstimmung mit _H. Groß_,
-Handbuch für Untersuchungsrichter, 6. Aufl. (1914), S. 503, Anm. 3 —
-dieses Zigeuner-Vokabular unter _Jühlings_ Namen zitiert und halte daran
-der Gleichmäßigkeit halber auch in der vorliegenden Arbeit fest. — Über
-Aufsätze _Wittichs_ in einer anderen Zeitschr. s. noch _Groß_, a. a. O.,
-S. 511, Anm. 2 a. E.]
-
-Leider hat der Verf. für das Wörterbuch nur die Form »Deutsch-Jenisch«
-— nicht (bzw. nicht _auch_) »Jenisch-Deutsch« — gewählt, was eine
-bessere Übersicht über den geheimsprachlichen Wortbestand gegeben hätte.
-Um jedoch diesen annähernd zu bestimmen, habe ich am Schlusse des
-Vokabulars wenigstens die (in zahlreichen Verbindungen und
-Zusammensetzungen wiederkehrenden) jenischen _Stammwörter_ alphabetisch
-zusammengestellt (Nr. VI). Auch die »Sprachproben« enthielten noch
-einige Wörter, die im Glossar ursprünglich fehlten. Ich habe sie diesem
-eingefügt und durch den Zusatz »Spr.« besonders kenntlich gemacht. Im
-übrigen wiederholen auch diese Sprachproben nur das Material des
-Wörterbuchs in zusammenhängender Rede (meist in Gesprächsform)[3], wobei
-aber mehrfache Wiederholungen und Weitschweifigkeiten anzutreffen waren,
-die ich fortgelassen habe. Andere Partien dieses Teils mußten wegen
-ihres obszönen oder doch allzu derben, frivolen Inhalts gestrichen
-werden. Auch die »Schnadahüpfel« erscheinen in dieser Hinsicht zum Teil
-recht bedenklich. Da sie jedoch nicht — gleich den Prosastücken — nur
-der Phantasie _Wittichs_ entsprungen sind, sondern als altüberlieferter
-Besitzstand der »jenischen Leute« zu betrachten sein dürften[4] und [63.4]
-mithin eine gewisse kulturgeschichtliche Bedeutung haben, ließ ich sie
-unangetastet. Zu dem eigentlichen Wörterbuche habe ich fortlaufende
-Anmerkungen hinzugefügt, auf deren Anordnung und Inhalt weiter unten
-noch genauer einzugehen sein wird. Zuvor aber möchte ich hier über den
-Begriff und die Eigenart der von _Wittich_ aufgezeichneten Geheimsprache
-noch einige nähere Bemerkungen vorausschicken.
-
-[Fußnote 3: ([1] auf S. 63.3) Zu der Nr. 25 der Sprachproben
-(»Dächlespflanzerulme«) war vom Verf. bemerkt, daß »in dieser Skizze …
-fast alle Wörter der jenischen Sprache enthalten« seien. Gerade hier
-mußte ich aber — aus den im Text genannten Gründen — Kürzungen
-vornehmen.]
-
-[Fußnote 4: ([2] auf S. 63.3) Die in Nr. 1 u. 2 von W. mitgeteilten
-»Schnadahüpfel« stimmen z. B. nach dem Inhalt und zum Teil auch nach der
-Form fast ganz mit einigen »Strophen aus Jauner-Liedern« überein, die
-den »Schmusereyen« im _W.-B. des Konstanzer Hans_ (1791) angehängt sind
-(s. _Kluge_, Rotw. I, S. 260).]
-
-Über die als Titel des Ganzen gewählte Bezeichnung »die jenische
-Sprache« ist zunächst zu sagen, daß sie im vorliegenden Falle nicht etwa
-schlechthin als gleichbedeutend mit dem Rotwelsch oder der Gaunersprache
-aufzufassen ist, obwohl sich dieser Sprachgebrauch — dem auch die
-Etymologie des Wortes »jenisch« nach herrschender Meinung sehr wohl
-entspricht[5] — etwa seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts nachweisen
-läßt und dann bis in die Neuzeit hinein erhalten hat[6]. Vielmehr liegt
-_hier_ eine neuere, engere Auffassung zu Grunde, wonach man unter [63.5]
-»Jenisch« speziell die Sprache der »Landfahrer«[7], der Hausierer,
-wandernden Krämer und Händler begreift[8]. Es handelt sich demnach bei
-der »jenischen Sprache« _E. Wittichs_ um einen süddeutschen
-Händlerjargon. Die Leute, die sich desselben noch bedienen, sind (nach
-den eigenen Angaben W.s in seiner »Einleitung«) ihrem Gewerbe nach meist
-Korbmacher, Bürstenbinder, Schirmhändler, Kesselflicker,
-Scherenschleifer u. dergl., welche namentlich aus Württemberg, Baden und
-dem Elsaß, ferner auch aus Bayern stammen. So erklärt sich das
-Überwiegen der schwäbischen Mundart, insbesondere die weitgehende
-Übereinstimmung mit den (von _Kluge_ u. a. bereits veröffentlichten)
-»schwäbischen Händlersprachen«. Diese aber zeigen ihrerseits wiederum
-eine ganz überraschende Ähnlichkeit mit der süddeutschen, namentlich der [63.6]
-schwäbisch-badischen Gaunersprache, auch älterer Zeit, also z. B. mit
-dem »_Pfullendorfer Jauner-Wörterbuch_« von 1820, ja sogar mit Quellen
-aus dem 18. Jahrhundert. Mit den letzteren (also z. B. dem nur
-handschriftlich überlieferten »_Dolmetscher der Gaunersprache_« [vgl.
-_Groß'_ Archiv, Bd. 56, S. 177, Anm. 2], den Mitteilungen von _Schöll_
-in seinem »Abriß des Jauner- und Bettelwesens in Schwaben« [1793; vgl.
-_Kluge_, Rotw. I, S. 268 ff.] sowie dem — hauptsächlich gleichfalls dem
-schwäbischen Sprachgebiet angehörenden — Wörterbuch des _Konstanzer
-Hans_[9]) weist gerade auch das _Wittich_sche »Jenisch« noch merkwürdig
-viele Berührungspunkte auf[10].
-
-[Fußnote 5: ([1] auf S. 63.4) Es soll nämlich herstammen vom hebr.
-_jn(h)_ = »übervorteilen, überlisten«, das auch als das Stammwort von
-»Gauner« angesehen wird. Vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 5 vbd. mit
-_Weigand_, W.-B. I, Sp. 632 u. _Seiler_, Lehnwort IV, S. 490]
-
-[Fußnote 6: ([2] auf S. 63.4) In dem m. W. frühesten Beleg des Wortes
-(näml. in der _Wiener Kellnersprache_ 1714 [176]) erscheint es
-allerdings noch in speziellerem Sinne (»eine gewisse Redensart« [d. h.
-Sprechweise] der Wiener Kellner, »welche sie _die jenische Sprache_
-nennen«), aber schon wenige Jahre später (in der _Dillinger Liste_ 1721
-[182]) findet sich — wie der Zusammenhang ergibt — »jenische Sprache«
-für die Gaunersprache gebraucht, und noch deutlicher läßt dies die
-_Ludwigsburger Gesamtliste_ 1728 erkennen (198: »_Jaunerisch oder
-Jenisch_«). Weitere Belege sind dann: _Hildburghaus. W.-B._ 1753 ff.
-(235); _Bierbrauer_ 1753/58 (242); _Sulzer Zigeunerliste_ 1787 (251:
-»Die Sprache _der Jauner, die Jenische Sprache_ genannt«); _W.-B. des
-Konst. Hans_ 1791 (252: »_Die Jauner-_ oder _Jenische Sprache_«; vgl.
-258: sie [die Gauner] _schmusen auf Jenisch_ = »sie reden auf _ihre_
-Sprache«); _Schwäb. Falschmünzerprozeß_ 1791/92 (260-262); _Schöll_ 1793
-(268); _Schintermicherl_ 1807 (288: »Die sog. _jennische Sprache_«);
-_Reichsanzeiger_ 1810 (290: _jännisch_); _Pfister_ 1812 (301: _kochemer
-Lohschen_ = _jenische Sprache_); v. _Grolman_, _Aktenmäß. Gesch._ 1813
-(310: »die eigentlichen _Gauner_, _Jenische_ [oder Romanische]
-_Leute_«); _Brills Nachrichten_ 1814 (314); _Christensen_ 1814 (315,
-316); _Falkenberg_ 1818 (333, im Titel); _Stradafisel_ 1822 (356: »in
-der _jännischen_ oder sog. _Diebessprache_«); v. _Grolman_ 30 u. T.-G.
-95 (_jenisch_ = gaunerisch, den Gaunern und ihren Vertrauten eigen;
-_jenische Sprache_ = Gaunersprache); _Wenmohs_ 1821 (358); _Eberhardts
-Poliz.-Nachrichten_ 1828 ff. (364: »Die sog. _Jenische_ oder _Kochemer
-Sprache_«); _Pillwein_ 1830 (365: »Die sog. _Jähnische Sprache_«); v.
-_Train_ 1832 (366, im Titel: »… Gauner- u. Diebs-, vulgo _Jenische
-Sprache_«); _Karmayer_ 86-88 u. 158 (_jendig_, _jenisch_ [auch _innig_]
-= gaunerisch, rotwelsch [_innig_ noch bes. = der jenischen Sprache
-kundig]; _jenig_, _jenisch, der_ _jenische Stand_ = alle der jenischen
-Sprache kundigen Gauner, Diebe und Räuber; _jen(d)ig_ oder _jendisch
-parlen_ = jenisch reden); _Castelli_ 1847 (340); _Fröhlich_ 1851 (399:
-_jênisch_ = gaunerisch, spitzbübisch, auch _klug_ [in _dieser_
-Verallgemeinerung _hier_ zum _ersten Male_; vgl. die gleichsam
-umgekehrte Bedeutungsentwicklg. von _kochem_, _Kochemer_ (= Gauner) vom
-hebr. _chkm_ = »klug, gescheit«, »der Kluge, Gescheite« (s. _Günther_,
-Rotwelsch, S. 5, Anm. 3 u. S. 17; _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 197, Anm.
-2)]; daher: _jênische Leute_ = kluge, gescheite Leute); A.-L. 551
-(_jenisch_ = klug, gescheit, gaunerisch, Gauner; _jenische Leut_ =
-kluge, gescheite, mit Gaunern einverstandene Leute, Gauner; _jenisch
-kacheln_ [= kohlen] = in der Gaunersprache reden); _Wiener Dirnenspr._
-1886 (417: _jenisch_ = klug, gaunerisch); _Lindenberg_ 185 (_jenisch_ =
-klug, im Gaunertum erfahren); _Klausmann_ u. _Weien_ X (_jenisch_ =
-klug, gescheit, gaunerisch; _jenische Leute_ = kluge, im Gaunertum
-erfahrene Leute, mit denen man sich einlassen kann); _Groß_ 470
-(_jenisch_ = klug, gescheit, Gauner; _jenisch kacheln_ = Gaunerspreche
-reden) u. E. K. 42 (_innig_ = einer, der Rotwelsch kann und überhaupt
-mit dem Gaunerwesen vertraut ist); _Pollak_ 217 (_Jenisch_ =
-Gaunersprache); _Rabben_ 66 (_jenisch kacheln_ = in der Gaunerspreche
-reden); _Ostwald_ (Ku.) 71 (_jenisch_ = klug, im Gaunertum erfahren;
-vgl. 72: _jenisch kacheln_ = die Gaunersprache reden).]
-
-[Fußnote 7: ([1] auf S. 63.5) So definiert _H. Fischer_, Schwäb. W.-B.
-IV, Sp. 93 den Begriff »jenisch« grundsätzlich durch »_wer oder was zu
-Landfahrern u. dergl. gehört_«, und ähnlich sagt _Ostwald_ (Ku.) 71:
-»_Jenisch_ sind _alle fahrenden Leute_, die nicht vom _Sinde_ (s. [Ku.]
-143) abstammen, d. h. keine Zigeuner sind«. Dazu: _jenischer Adel_ =
-»Landfahrer, Vagabunden« (bei _Fischer_, a. a. O. Sp. 93). Daß auch die
-Kundensprache »_jenische Sprache_« genannt wird, erklärt _Ostwald_ (Ku.)
-71 zwar für »irrtümlich«, doch hat er selber (Ku. [72]) die etwas engere
-Bezeichnung _Jenisch-Tippern_ — im Anschluß an Ku. 11 (422) — durch
-»Kundensprache« wiedergegeben.]
-
-[Fußnote 8: ([2] auf S. 63.5) S. dazu näh. Angaben bei _Fischer_, a. a.
-O., Sp. 93. Die Bezeichnung von Hausierer- und Händlersprachen als
-»Jenisch« findet sich ausdrücklich z. B. auch bei _Kluge_ (Rotw. I, Sp.
-476 ff., 490), _W. Zündel_ in d. Württembg. V.-J.-Heften für
-Landesgesch., N. F. Bd. XIII (1904), S. 202 ff. u. _R. Kapff_ in der Z.
-f. deutsche Wortforschg., Bd. X (1908/9), S. 213 ff., 216.]
-
-Worin liegt nun der Grund für diese Erscheinung? Man wird zunächst nur
-allzu geneigt sein, das Schwabenland als die sog. _Ganfer-Medine_, d. h.
-das ehemalige Eldorado aller Gauner[11], dafür verantwortlich zu machen,
-umso mehr als man ja auch in anderen Gegenden unseres Vaterlandes, so z.
-B. in dem oberhessischen Vogelsberg, ein — in letzter Linie auf den
-Einfluß der großen Räuberbanden früherer Jahrhunderte zurückzuführendes
-— Fortleben rotwelschen Sprachguts innerhalb bestimmter Berufsschichten
-nachgewiesen hat[12]. Allein damit würde man doch etwas über das Ziel
-hinausschießen; der Richtigkeit jener Schlußfolgerung steht nämlich die
-Tatsache entgegen, — daß wie _Kluge_ (Rotw. I, S. 476) über die für die
-schwäbische Händlersprache von ihm herangezogenen Ortschaften bemerkt
-hat — »die des Jenischen kundige gewerbetreibende Bevölkerung _nicht
-einheimisch_, sondern in ihren Ursprüngen zum größten Teil von _außen_«
-hereingekommen ist. In gleicher Weise dürfte es sich aber auch bei
-_Wittichs_ »jenischen Leuten« der Hauptsache nach _nicht_ um seßhafte
-Eingeborene handeln, worauf schon die offenbar vorliegende (und weiter
-unten noch näher zu berührende) Vermischung mit Zigeunern, jenem [63.7]
-Wandervolke par excellence, hindeutet. Auf alle Fälle zulässig bleibt
-dagegen der Hinweis darauf, daß ja von jeher — schon von den Zeiten des
-_Liber Vagatorum_ an — das Rotwelsch auch den im Lande umherziehenden
-Krämern und Händlern geläufig gewesen ist[13].
-
-[Fußnote 9: ([1] auf S. 63.6) Schon A.-L. IV, S. 165 hat richtig
-erkannt, daß in dieser Quelle besonders »der _schwäbische_ … Dialekt
-… überall stark hervor«tritt.]
-
-[Fußnote 10: ([2] auf S. 63.6) Vgl. dazu auch schon oben S. 3, Anm. 4.]
-
-[Fußnote 11: ([3] auf S. 63.6) S. dazu Näh. bei _Günther_, Rotwelsch, S.
-7. Andererseits ist bekanntlich gerade im schwäbischen Gebiet _auch_ die
-erste erfolgreiche _Bekämpfung_ des Gaunertums (durch Männer wie den
-berühmten »Malefiz-Schenk«, den Oberamtmann _Schäffer_ u. a. m.)
-eingeleitet worden. S. darüber Näh. jetzt bes. bei _E. Arnold_ in
-_Groß'_ Archiv, Bd. 54 (1913), S. 80 ff., 84 u. Anm. 1; vgl. auch Bd.
-53, S. 121 ff.]
-
-[Fußnote 12: ([4] auf S. 63.6) S. den (von mir mit Erläuterungen
-versehenen) Aufsatz von _H. Weber_, »Die Lingelbacher Musikantensprache
-und die Geheimsprache der Vogelsberger Maurer«, in den »Hess. Blättern
-für Volkskunde«, Bd. XI, 2. Heft (1912), S. 130/31.]
-
-Die Ähnlichkeit unseres »Jenisch« mit der deutschen Gaunersprache zeigt
-sich nun in den verschiedensten Punkten, nicht zum wenigsten gleich in
-der starken Durchsetzung mit Wörtern _fremden Ursprungs_, unter denen
-wieder — ganz wie beim Rotwelsch sowie bei vielen anderen
-Händlersprachen — diejenigen, die sich auf das _Jüdischdeutsche_, in
-letzter Linie also aufs _Hebräische_ zurückführen lassen, den breitesten
-Raum einnehmen[14]. Es sei gestattet hier diese Vokabeln, und zwar in
-alphabetischer Ordnung nach ihrer _jenischen_ Form, näher
-aufzuzählen[15]. Mit ziemlicher _Sicherheit_ gehören dahin: a) die
-_Hauptwörter_[16]: _Bäzem_ = Ei (bzw. _Betzam_ = »männliches Glied«),
-_Beiz_ = Gasthaus (u. s. Ableitungen, wie _Beizer_ = Wirt usw.),
-_Boschert_ = Kupfergeld, Pfennig, _Bossert_ = Fleisch, _Dofes_ = Arrest,
-Gefängnis, _Gallach_ = Geistlicher, Pfarrer, _G'far_ = Dorf, _Goi_ =
-Frau, _Jahre_ = Wald, _Kaffer_ = Bauer, Mann, _Kaim_ = Jude, _Keif_ =
-das Borgen, Schulden, _Keiluf_ = Hund, _Kenem_ = Laus, Filzlaus, _Kies_ [63.8]
-= Geld, _Klass_ = Büchse, Gewehr, _Kluft_ = Kleid (u. s. Abltgn.),
-_Kohl_ = Lüge (u. s. Abltgn.), _Lechem_ oder _Lehm_ = Brot, _Leile_ =
-Nacht, _Malfes_ = Rock, _Mocham_ oder _Mochum_ = Dorf, _More_ = Prügel,
-Streit (bezw. _Morerei_ = Geschrei, Gezänk, das Streiten), _Rochus_ =
-Zorn, _Ruf_ = Hunger, _Schaffel_ = Scheune, _Schenagel_ = Arbeit (u. s.
-Ableitgn.), _Schmelemer_ = Zigeuner, _Schuk_ = Mark (als Geldstück),
-_Schure_ = Ding (dann Aushilfswort für sehr verschiedene Begriffe),
-_Schüx_ = Mädchen (jedoch nur in der Verbindg. _schofle Schüx_ = Hure),
-_Sore_ = Ware, Ding, Sache (u. dann Aushilfswort ähnlich wie _Schure_),
-_Soruf_ = Branntwein, _Ulme_(-ma) = Leute (bes. in Verbdgn. u. Zus.); b)
-die (durch die Endung -e(n) oder -a »angedeutschen«) _Zeitwörter_[17]:
-_achile(n)_ (-la) = essen, _begeren_ = sterben, _dalfen_ = betteln,
-_diberen_ = reden, sprechen, _kaspere_ = betrügen, _schmusen_ (=
-diberen) u. _schwächen_ = trinken[18]; c) die _Eigenschaftswörter_[19]:
-_dof_ oder _duft_ = gut, _kochem_ = gescheit, klug, _massig_ = zornig,
-_molum_ = berauscht, _schofel_ = schlecht, _wo(h)nisch_ =
-katholisch[20]; d) das Umstandswort _kenn_ = ja. Dazu treten dann noch
-als nur mit (größerer oder geringerer) Wahrscheinlichkeit hierhin zu
-rechnen[21]: a) die _Hauptwörter_[22]: (_Boga_ = Kuh), _Bos_ = After,
-_Duft_ = Kirche, _Galm_ (plur. _Galma_) = Kind, _Hamore_ = Fehde,
-Streit, _Heges_ = Dörfchen, _Johle_ = Wein, (_Kafler_ = Metzger), [63.9]
-_Kober_ = Wirt, _Lanenger_ = Soldat, (_Lek_ = Zuchthaus [Arrest,
-Gefängnis]), (_Schuker_ = Gendarm), _Stratz_ (plur. Stratze) = Kind; b)
-die Zeitwörter[23]: (_baschen_ = kaufen), _derchen_ = betteln,
-_schef(f)ten_ = sein, sitzen (gehen, kommen), _sicheren_ = kochen; c)
-das (auch als Adv. u. Verneinungspartikel gebrauchte) unbestimmte subst.
-Zahlfürwort: _Lore_ (lore) = nichts (nicht, nein)[24]. Daß übrigens
-früher die Zahl der Vokabeln hebräischen Stammes sogar noch größer
-gewesen ist, zeigt die von _Wittich_ in seiner »Einleitung« gegebene
-Zusammenstellung jetzt veralteter Ausdrücke, von denen die Hauptwörter
-_Bomm_ = die Schweiz und _Jamm_ = Tag sowie die Zeitwörter _holchen_ =
-gehen (nebst _abgeholcht_ = fortgegangen) und _malochen_ (wohl für:
-_schiebes malochen_) = fortgehen, gehen in diese Gruppe gehören (s. Näh.
-dazu in den Anmerkgn. zur »Einltg.«).
-
-[Fußnote 13: ([1] auf S. 63.7) Vgl. _Kluge_, Unser Deutsch (2. Aufl.,
-Leipzig 1910), S. 71.]
-
-[Fußnote 14: ([2] auf S. 63.7) Beachtenswert ist in dieser Hinsicht, daß
-manche Händler, z. B. in der _Pfalz_ und in _Franken_ für ihren (bes.
-stark mit Judendeutsch durchsetzten) Jargon die Bezeichnung
-_Lôchne-kôdesch_ (so in der Pfalz [s. _Kluge_, Rotw. I, S. 438]) oder
-_Lotekhôlisch_ (so in Franken [s. _Meisinger_ in d. Z. f. hochd.
-Mundarten, Bd. III (1902), S. 121 ff.]) haben (vgl. auch _Groß'_ Archiv,
-Bd. 33, S. 220, Anm. 2), die nichts anderes ist als eine Entstellung aus
-dem jüd. _loschon (ha-)kodesch_ = die »Sprache der Heiligkeit« oder
-»heilige Sprache«, d. i. das Hebräische. S. _Landau_ in d. Z. f. hochd.
-Mundarten, Bd. III, S. 319 vbd. mit A.-L. III, S. 53 u. IV, S. 399; vgl.
-auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1293. In der _schwäb. Händlerspr._
-(482) bedeutet _lotekorisch_ nur »jüdisch.« Das _Wittich_sche Jenisch
-kennt den Ausdruck (auch dafür) _nicht_.]
-
-[Fußnote 15: ([3] auf S. 63.7) Über die _Etymologie_ dieser Wörter s.
-das Näh. in den Anmerkgn. zum W.-B. selbst (unter den betr. deutschen
-Bedeutgn.).]
-
-[Fußnote 16: ([4] auf S. 63.7) Nur substantivisch gebrauchte
-Eigenschaftswörter, wie _Dof_ = Glück, Pracht (eigtl. _dof_ = gut) —
-bzw. _nobis Dof_ = Trübsal (eigtl. = nicht gut), _Molum_ = Rausch
-(eigtl. m. = berauscht) u. _Schofel_ = Gefahr, Not, Schmach (eigtl. sch.
-= schlecht) sind _nicht_ hier, sondern unter den Eigenschaftswörtern
-(lit. c) aufgeführt worden. Ebenso ist für die substantivischen
-_Ableitungen_ von Adjektiven (wie z. B. _Schofelei_ = Unglück,
-_Schoflerei_ = Gericht von _schofel_) oder von Zeitwörtern (wie etwa
-_Kasperer_ = Betrüger von _kaspere_, _Schmuser_ = Schwätzer von
-_schmusen_ u. _Schwäche_ = Viehtränke, _Schwächerei_ = Trank,
-Trinkgelage von _schwächen_) auf die Rubriken b u. c zu verweisen.]
-
-[Fußnote 17: ([1] auf S. 63.8) Mit Ausnahme bloßer _Ableitungen_ von
-(den unter a genannten) _Hauptwörtern_, wie z. B. _eidofema_ =
-einkerkern (von _Dofes_), _a(n)kluften_, _aus-_, _verkluften_ =
-ankleiden, ausziehen, verkleiden (von _Kluft_), _kohlen_ = belügen,
-betrügen (von _Kohl_), _schenegeln_ = arbeiten (von _Schenagel_),
-_schurele_ = begatten und in Zus. mit Präpos, für sehr verschiedene
-Begriffe gebr. (von _Schure_) u. a. m.]
-
-[Fußnote 18: ([2] auf S. 63.8) Über _substantiv. Ableitungen_ hiervon s.
-schon S. 7, Anm. 16 a. E.]
-
-[Fußnote 19: ([3] auf S. 63.8) Bloße _Ableitungen von Hauptwörtern_, wie
-_scheneglich_ = fleißig von _Schenagel_), _schmelemerisch_ =
-zigeunerisch (von _Schmelemer_), oder _von Zeitwörtern_, wie _begerisch_
-= sterblich, krank (von _begeren_), _diberich_ u. _schmusich_ =
-gesprächig (von _diberen_ u. _schmusen_), sind hier _nicht_
-berücksichtigt worden.]
-
-[Fußnote 20: ([4] auf S. 63.8) Über den Gebrauch von _dof_, _molum_,
-_schofel_ als _Substantive_ s. schon oben S. 7, Anm. 16. — Auch
-_begerisch_ (s. Anm. 19) kommt als Hauptw. (= Siechtum) vor.]
-
-[Fußnote 21: ([5] auf S. 63.8) Die in Klammern gesetzten Vokabeln halte
-ich persönlich _nicht_ (od. doch nicht in _erster_ Linie) für
-hebräischer Herkunft. Näh. s. in den betr. Anmkgn. zum W.-B.]
-
-[Fußnote 22: ([6] auf S. 63.8) Bloße substantivische _Ableitungen von_
-(den unter b genannten) _Zeitwörtern_ (wie etwa _Bascher_ = Käufer,
-_Dercher_ = Bettler, _Sichere_ = Küche u. a. m.) sind hier außer
-Betracht geblieben.]
-
-Sehr groß erscheint auch der Einfluß der _Zigeunersprache_ auf unser
-Glossar. Schon die Zahl der mit Sicherheit unmittelbar hieraus
-übernommenen Vokabeln steht nämlich nur wenig hinter derjenigen der
-Wörter hebräischer Herkunft zurück, während sie die der sonst in
-rotwelschen Quellen oder in anderen Krämersprachen etwa anzutreffenden
-Mengen von Ausdrücken dieser Art erheblich übersteigt. Nur bei dem
-Jenisch der schwäbischen Händler in _Unterdeufstetten_ macht sich — wie
-Rudolf _Kapff_ (in der Zeitschr. für deutsch. Wortforschg., Bd. X. S.
-214) nachgewiesen — ebenfalls ein stärkerer zigeunerischer Einschlag
-bemerkbar. Während aber hier die Wörter dieses Stammes immerhin etwa
-zwei Dutzend nicht übersteigen, sind sie im _Wittich_'schen Vokabular
-ungefähr auf die doppelte Summe zu schätzen. Da der Verf. in seiner
-»Einleitung« selber ein genaueres Verzeichnis dieser Vokabeln
-angefertigt hat, kann hier auf ihre Aufzählung verzichtet werden; jedoch
-sei der Vollständigkeit halber bemerkt, daß dort einerseits die weiteren
-Ableitungen von den zigeunerischen Stammwörtern (wie z. B. die Zeitw.
-_lubnen_ = »huren« und _matschen_ = fischen zu _Lubne_ = Hure und
-_Matsche_ = Fisch oder das Adj. _bogelich_ = gierig u. dergl zu
-_Bog[g]elo_ = Hunger) nicht berücksichtigt sind, während andererseits [63.10]
-einige der aufgezählten Vokabeln auch unmittelbar — nicht erst durch
-Vermittlung der Zigeuner — aus dem Deutschen oder aus anderen Sprachen
-ins Jenische eingedrungen sein könnten (Näh. s. in den Anmerkgn. zur
-»Einleitg.«; vgl. auch gleich weiter unten die Anm. 26). Mit der bloßen
-Rezeption der äußeren Form erscheint übrigens die Einwirkung des
-Zigeunertums auf die _Wittich_sche Händlersprache noch lange nicht
-erschöpft, vielmehr ist auch noch in einer ganzen Reihe von — ihrer
-_äußeren_ Erscheinung nach dem _Deutschen_ oder _anderen_ Sprachen
-zuzuweisenden — jenischen Ausdrücken _begrifflich_ die besondere
-Anschauungs- und Denkweise des Zigeunervolks deutlich wahrnehmbar. Das
-Nähere hierüber ist aber besser erst weiter unten in anderem
-Zusammenhange mitzuteilen.
-
-[Fußnote 23: ([1] auf S. 63.9) Ausgenommen solche, die (wie z. B.
-_kafleren_ = schlachten u. _ei'leken_ = einkerkern) _sicher_ oder (wie
-z. B. _bosen_ [bosme] = lecken) _vielleicht_ erst wieder von den unter a
-genannten _Hauptwörtern_ (_Kafler_, _Lek_, _Bos_) _abgeleitet_ sind. S.
-das Näh. in den einschläg. Anmerkgn. zum W.-B.]
-
-[Fußnote 24: ([2] auf S. 63.9) _Selbständige Eigenschaftswörter_ dieser
-Art sind nicht vorhanden. Für bloße _adjekt. Ableitungen_ (wie z. B.
-_dercherich_ = bettelhaft, dürftig von dem Zeitw. _derchen_) sei auf die
-Anmerkgn. zum W.-B. verwiesen.]
-
-Von sonstigen fremden Sprachen haben nur das _Lateinische_[25] und seine
-beiden Haupt-Töchtersprachen, das _Französische_ und _Italienische_,
-etwas breitere Spuren hinterlassen[26], während sich auf das _Slawische_
-und auf die _nordischen_ Sprachen mit Bestimmtheit nur ganz wenig
-zurückführen läßt.[27]
-
-[Fußnote 25: ([1] auf S. 63.10) S. z. B. _Patris_ = Vater, wohl auch
-_g'want_ = anmutig u. dergl. (von _quantum_) und _Ki(e)bes_ = Kopf (von
-_caput_) sowie _nobis_ = nicht, das jedoch in _erster_ Linie dem
-_Italienischen_ zuzuweisen sein dürfte (s. das Näh. im W.-B. unter
-»Dietrich«), ebenso wie _Vergondert_ = Konkurs und _bosten_ = gehen
-(vermittelt durch unsere Lehnwörter _Gant_ und _Post_). Auf ältere
-_Lehnwörter_ aus dem _Lateinischen_ gehen vermutlich noch zurück _Kolb_
-= Pfarrer und _Sins_ = Herr (s. das Näh. im W.-B. selbst), während zu
-_durme_ = schlafen, ruhen, liegen wohl zunächst das Französische
-(_dormir_) heranzuziehen sein dürfte. Vgl. auch die Latinisierungen auf
-_-us_ bei Wörtern deutscher oder fremder Herkunft (wie _Bikus_ = Essen,
-_Rochus_ = Zorn).]
-
-[Fußnote 26: ([2] auf S. 63.10) S. für das _Französische_: _Bommerling_
-= Apfel (von _pomme_), _Mamere_ = Mutter(= »_ma mêre_«), _Scharrisele_ =
-Kirschen (von _cerises_), ferner _Feneter_ = Fenster und _Furschet_ =
-Gabel (die _Wittich_ in seiner »Einltg.« beide unter den Zigeunerwörtern
-aufgeführt hat; s. dort in den Anm. das Näh. dazu). Über _durme_ s.
-schon die vorige Anm. Das Zeitw. _baschen_ = kaufen (vgl. oben S. 9) —
-vielleicht vom französ. _passer_ — kann auch dem _Italienischen_
-(_passare_) zugeteilt werden. Mehr vom ital. _grande_ als vom französ.
-_grand_ beeinfußt worden ist ferner wohl _grandich_ = groß usw. In
-erster Linie _italien._ Herkunft sind endlich _nobis_ (s. oben Anm. 25)
-und _Strade_ = Weg, Straße. Über _Fehte_ = »Quartier« s. das W.-B. unter
-»Hauswirt«. Über _Vergondert_ und _bosten_ vgl. oben Anm. 25.]
-
-[Fußnote 27: ([3] auf S. 63.10) Auf das _Slawische_ (Polnische) nämlich:
-_sicher_ _Rawine_ = Leiter (nur _vielleicht_ auch _Bauser_ = Angst bezw.
-_bausen_ = fürchten und _Stöber_ = Baum); s. das Näh. im W.-B. unter
-»Leiter«, »Angst« und »Apfelbaum«; auf das _Nordische_ (Schwedische
-usw.): _Fehma_ = Hand (und _vielleicht_ auch [das damit wohl
-zusammenhängende] Zeitw. _febern_ = schreiben); s. das Näh. im W.-B.
-unter »Hand« und »abschreiben«.]
-
-Auch abgesehen von der »Sprachenmischung« treffen wir weiter in unserem [63.11]
-Jenisch fast alle charakteristischen Kennzeichen des Rotwelschs an. So
-begegnet man beinahe auf jeder Seite des Vokabulars einer der typischen
-rotwelschen Endungen _-erich_, _-ert_ (aus dem ältern _-hart_) und
-_-ling_ (-linger) bezw. _-ing_ (vgl. z. B. _Toberich_ = Tabak,
-_Glansert_ = Glas, _Rauschert_ = Stroh, _Flössling_ oder _Schwimmerling_
-= Fisch, _Hitzling_ = Ofen usw.), die übrigens auch — ganz wie es bei
-den Gaunern üblich — an Wörter _fremden_ Stammes angehängt sind (vgl.
-z. B. _Schwächerich_ = Durst, _Boschert_ = Pfennig, _Bossert_ = Fleisch
-[sämtl. aus d. Hebr.], _Babing_ = Gans [aus d. Zigeun.], _Bommerling_ =
-Apfel [aus dem Franz.]). Weiter finden sich mehrfach Fälle der — zu
-größerer Unkenntlichmachung der ursprünglichen Form dienenden —
-_Abbreviaturen_ (und zwar in der Form der sog. _Aphärese_, d. h. der
-Weglassung der Anfangssilbe[n], wie _Bolla_ [= Kartoffeln] statt und
-neben _Schundbolla_, _Staude_ [= Hemd] statt [rotw.] _Hanfstaude_,
-höchstwahrscheinlich auch _Boga_ [= Kuh] statt _Horboga_ und vielleicht
-auch _Bos_ [= After] statt _Schundbos_ [vgl. das Näh. in den Anm. zum
-W.-B.]), und vereinzelt erscheint auch eine sog. _Transposition_
-(nämlich bei _Kopel_ = Beinkleid, Hose, vermutl. statt zigeun.
-_cholep_). Bei der Begriffsbildung tritt u. a. auf der Gebrauch des
-»_pars pro toto_« (wie z. B. _Langohr_ = Hase) und von Eigennamen als
-Gattungswörtern (s. z. B. _Lattenkarle_ oder _August mit dem Ofenrohr_ =
-Gendarm), auch für Tiere und Sachen (vgl. _Hornikel_ = Ochse,
-_Groenikel_ = Schwein [zu _Ni(c)kel_, Kurzform von _Nikolaus_], _Dietz_
-[wohl Kurzform von Dietrich] = penis, _Blauhanze_ = Zwetschgen), die
-auch noch auf andere Weise _personifiziert_ erscheinen (vgl.
-_Lachapatscher_ = Ente, _Strohbutzer_ = Gans sowie das merkwürdige
-_Jerusalemsfreund_ = Schaf [s. Näh. in den Anm. zum W.-B. unter
-»Hammel«]; _Linzere_ = Brille, _Stradelinzer_ = Wegweiser u. a. m.),
-endlich das weite Gebiet der (im Rotwelsch so beliebten) _Metaphern_
-oder Begriffsübertragungen (wie z. B. _Hasa_ [d. h. Hasen] = Flöhe,
-_Schundflederling_ [eigtl. »Dreckvogel«] = Mistkäfer, _Kupferflederling_
-[eigtl. »Heuvogel«] = Heuschrecke; _Schlang_ = Kette, _Fuchs_, _Füchsle_
-= Gold, Goldstück, _Frösch_ = Monate; _Dächle_ = Regenschirm,
-_Galgennägel_ = Rüben usw.).
-
-Während sich in allen diesen und noch manchen anderen Erscheinungen der
-mehr oder weniger enge Anschluß an rotwelsche Vorbilder unschwer
-erkennen läßt[28], weist unser Jenisch auch einige ihm speziell eigene, [63.12]
-überall hervortretende Besonderheiten auf. Es sind dies namentlich: die
-stark ausgeprägte _mundartliche Färbung_ der Vokabeln und die auffällig
-große Zahl von (oft recht langen) _Zusammensetzungen_ oder
-_Verbindungen_ mehrerer Wörter miteinander.
-
-[Fußnote 28: ([1] auf S. 63.11) Hingewiesen sei bes. auch noch auf die
-fast ganz mit dem Rotwelsch übereinstimmende Bildung der Standes- und
-Berufsbezeichnungen, namentlich in der Form von Zusammensetzungen mit
-gewissen substantisierten Tätigkeitsformen, wie _Pflanzer_ (vgl. _Groß'_
-Archiv, Bd. 46, S. 12 ff.) — so z. B. _Funkpflanzer_ = Heizer,
-_Schrendepflanzer_ = Zimmermann — und _Schenegler_ (vgl. Archiv, Bd.
-46, S. 304ff.) — so z. B. _Bichschenegler_ = Münzarbeiter,
-_Hitzlingschenegler_ = Ofensetzer — oder mit selbständigen Hauptwörtern
-mit der Bedeutung »Mann« (»Herr«, »Kerl«, »Bursche« u. dergl.) bezw. —
-für weibl. Personen — »Frau« (»Mädchen«), wie _Kaffer_ (vgl. Archiv,
-Bd. 48, S. 328 ff.), _Gadscho_ (vgl. Archiv, Bd. 49, S. 331 ff.), _Sins_
-(vgl. Archiv, Bd. 38, S. 270), _Benk_ (vgl. Archiv, Bd. 49, S. 344 ff.),
-_Freier_ (vgl. Archiv, Bd. 49, S. 350 ff.), _Fiesel_ (vgl. Archiv, Bd.
-50, S. 157 ff.) oder (für weibl. Pers.) _Moss_ und _Model_ (vgl. Archiv,
-Bd. 50, S. 344 ff.). Beispiele: _Leilekaffer_ = Nachtwächter,
-_Rädlingskaffer_ = Fuhrmann; _Begergadscho_ = Leichenbeschauer;
-_Begersins_ = Arzt, _Sturmkittsins_ = Ratsherr; _Rattebenk_ =
-Nachtwächter, _Stradebenk_ = Straßenwärter; _Fehtefreier_ =
-»Quartierbursche«; _Verkemersfiesel_ = Handelsbursche, _Sicherfiesel_ =
-Koch; _Deiselmoss_ = Hebamme, _Begermoss_ = Leichenfrau; _Galmamodel_ =
-Kindermädchen usw.]
-
-Die dialektische Ausgestaltung der Wörter — die natürlich durchweg die
-süddeutsche, insbesondere schwäbische Eigenart an sich trägt[29], geht
-zuweilen so weit, daß die ursprüngliche Grundform nur noch schwer zu
-erkennen ist. So hat z. B. _Klettert_ = Tisch nichts mit unserm Zeitwort
-»klettern« zu tun, sondern ist nur eine schlechte Aussprache von
-_Glättert_ = _Glatthart_, und _Blatt_ (= blatt) _pflanzen_ = im Freien
-übernachten gehört nicht etwa zu dem Subst. _Blatt_, sondern zum Adj.
-_platt_ (vgl. auch _baschen_, _Bommerling_ u. ä. statt [der sonst — im
-Rotw. usw. — vorherrschenden Formen] _paschen_, _Pommerling_; _bugle_
-und _bukle_ = tragen, _gril(l)isch_ u. _kril(l)isch_ = protestantisch,
-_Gluber_ u. _Kluper_ = Uhr u. a. m.). Fast noch häufiger als die
-Konsonanten erscheinen die _Vokale_ verändert. So finden sich z. B.
-neben den Formen _Groenert_, _Groenikel_, _Ruedel_, _nuschig_ auch die
-breiteren: _Groanert_, _Groanikel_, _Ruadel_, _nuaschig_, neben _Kunde_,
-_Rundling_, _Schund_ auch _Konde_, _Rondling_, _Schond_, und besonders
-beliebt erscheint der Wechsel zwischen den Buchstaben i und e. Man [63.13]
-vergleiche: _nobis_ und _nobes_, _Patris_ und _Patres_, _linzen_ und
-_lenzen_, _link_ und _lenk_. Auch die Endung _-ling_ ist demgemäß (wie
-_Wittich_ auch in seiner »Einleitung« selber betont hat) häufig zu
-_-leng_ umgewandelt worden. Da hierbei indessen nur völlige Willkür
-(nicht irgendeine bestimmte Sprachregel) geherrscht zu haben scheint, so
-erübrigt es sich, die einzelnen Gruppen der nur auf _-ling_, nur auf
-_-leng_ und der bald auf die eine, bald auf die andere Weise
-auslautenden Wörter genauer gegenüberzustellen[30]. Auch bei anderen
-_Endungen_ von Hauptwörtern oder solchen von Zeitwörtern sind bald die
-Formen der Mundart, bald die der Schriftsprache, bald beide
-nebeneinander gewählt worden (vgl. z. B. _Fehma_ = Hand, _Hasa_ = Flöhe,
-_Bolla_ u. _Bolle_ = Kartoffeln, _Buxa_ u. _Buxe_ = Hose, _Ulma_ u.
-_Ulme_ = Leute, _Schei_ u. _Schein_ = Tag, _Kollerin_ = Müllerin, aber
-_Deislere_ = Wöchnerin, _Stichlere_ = Schneiderin; _fuchsa_ = erzeugen,
-_fu(h)la_ od. _schmelza_ = cacare, i. d. R. auch: _achila_ od. _kahla_ =
-essen; _budera_ = begatten, _kaspere_ = betrügen, _schlummere_ = liegen,
-_toberiche_ = rauchen; _biken_ od. _butten_ = essen, _bosten_ od.
-_pfichen_ = gehen; dagegen [in Zus.]: _bohla_, _bohle_ und _bohlen_ =
-fallen, _pfladera_ [-re, -ren] = waschen, _ruadla_ [-le, -len] = fahren
-usw.). Als eine spezifisch schwäbische Endung von Hauptwörtern dürfte
-wohl _-ete_ (od. _-ede_) angesehen werden, die uns (nach Analogie etwa
-von _Gäutschete_ = Schaukel zu _gautschen_ = schaukeln [s. _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. III, Sp, 109[31]]) z. B. in _Buklete_ = Traglast,
-_Dämpfete_ = Zigarre, _Flösslete_ = Urin, _Schmelzede_ = »Abweichung«
-(Diarrhöe) und — auch an einen fremden (zigeun.) Stamm angehängt — in
-_Fu(h)lete_ (= Schmelzede) entgegentritt[32]. Sehr beliebt erscheint
-auch die bekannte süddeutsche substantivische Verkleinerungsform
--le[33]. Die gewöhnliche Adjektiv-Endung schreibt _Wittich_ regelmäßig [63.14]
-_-ich_, nur ausnahmsweise _-ig_ (so z. B. neben _grandich_ seltener auch
-_grandig_, neben _muffich_ auch _mufig_); eine kleinere Gruppe dieser
-Wortgattung endigt auch auf _-isch_ (so z. B. _begerisch_, _biberisch_,
-_gril[l]isch_, _jenisch_, _wo[h]nisch_, _schmelemerisch_).
-
-[Fußnote 29: ([1] auf S. 63.12) Ausnahmen, wie z. B. die dem Rotwelsch
-entlehnten, ursprünglich dem _niederd._ Sprachgebiet angehörenden
-Vokabeln _Buxa(-e)_ = Hose u. _schlummere_ = liegen (eigtl. »schlafen«,
-arg.: _Schlumerkitt_ = Herberge) oder wie _Strauberts_ = Haare, das wohl
-mit dem _norddeutsch. Plural-S_, wie in »Jungens«, »Mädchens«, versehen
-sein dürfte, bestätigen nur die Regel.]
-
-[Fußnote 30: ([1] auf S. 63.13) Merkwürdig ist, daß zuweilen bei
-demselben Worte der Singular auf _-leng_, der Plural dagegen auf _-ling_
-gebildet worden, so z.B. bei _Schmaleng_ = Katze u. _Stupfleng_ = Igel.]
-
-[Fußnote 31: ([2] auf S. 63.13) Mehrere ähnliche Beispiele enthält auch
-das _Pleißlen der Killertaler_ (s. _Kluge_, Rotw. I, S. 435, 436).]
-
-[Fußnote 32: ([3] auf S. 63.13) Dagegen ist die Endung _-es_ (wie z. B.
-in _Benges_ = Bursche u. dgl., _dambes_ [eigtl. Rausch, dam =
-berauscht], _Guf(f)es_ = Prügel) auch sonst im Rotw. u. den verw.
-Geheimsprachen bekannt (vgl. _Pott_, Zigeuner II, S. 33, Nr. 2), aber in
-den einzelnen Fällen wohl verschieden zu deuten (s. _Pott_ I, S. 103,
-104; vgl. auch _Behaghel_, Deutsche Sprache [5. Aufl. 1911], S. 308).
-Bei _Guf(f)es_ erblickt _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 905 in _-es_
-die abgeschwächte hebr. Plural-Endg. _-ôth_.]
-
-[Fußnote 33: ([4] auf S. 63.13) Auch sie ist (wie ebenfalls sonst in den
-Geheimsprachen) nicht nur an Wörter deutschen Stammes, sondern _auch_ an
-solche _fremder_ Herkunft angehängt worden (s. z. B. _Käfferle_, zu
-_Kaffer_ [aus dem Hebr.]; _Doberle_ = Beil, zu _Dober_ = Axt, _Gachnele_
-= Küchlein, d. h. Hühnchen, zu _Gachne_ = Henne, Huhn, u. _Gaschele_ =
-Kinder, eigtl. »kleine Leute«, zu _Gasche_ od. _Gadsche_ = Leute, plur.
-von _Gadscho_ = »Kerl« [_alle drei_ aus dem _Zigeun._], _Sinsle_ =
-Junker, zu _Sins_ = Herr [vermittelt wohl durch e. latein. Lehnwort],
-_Scharrisele_ = Kirschen [aus dem Französ.]). Im übrigen ist noch zu
-beachten, daß sie nicht immer bloß eine Verkleinerung gegenüber dem
-Stammwort bedeutet (wie dies z. B. allerdings der Fall bei _Fi[e]sele_
-od. _Freierle_ = Junge, Knabe [zu _Fi[e]sel_, _Freier_ = Bube, Bursche
-(Jüngling) bezw. fremder Bursche], _Mössle_ = Jungfrau [zu _Moss_ =
-Frau], _Schmalerle_ = Kätzchen [zu _Schmaler_ = Katze], _Trabertle_ =
-Füllen [zu _Trabert_ = Pferd] u. a. m.; vgl. auch noch _Doberle_ = Beil
-[zu _Dober_ = Axt; s. oben], _Füchsle_ = Goldstück [zu _Fuchs_ = Gold],
-_Späusle_ = Splitter [zu _Spraus_ = Holz]), sondern zuweilen den
-ursprünglichen Begriff auch vollständig verändert (s. bes. _Schwächerle_
-= Brust, Euter [aber _Schwächer_ = Rausch, Trunkenheit], _Krächerle_ =
-Nuß [aber _Kracher_ = Wald]; vgl. auch _Schurele_ u. _Schure_ [worüber
-Näh. im W.-B. unter »abbiegen«] u. _Hegesle_ = Knödel u. _Heges_ =
-kleines Dorf [bei denen aber wohl _kein_ gleicher Stamm zu Grunde liegen
-dürfte]). Eine Mittelstufe nehmen ein die Ausdrücke _Kittle_ (zu _Kitt_
-= Haus), da es in _Wittichs_ Vokabular sowohl »Gartenhaus« als _auch_
-spezieller »Arrest, Gefängnis« bedeutet (wie im Rotw. _Kittchen_), u.
-_Käfferle_ (zu _Kaffer_ [s. oben]), das zwar »Junggeselle« und »Greis«,
-aber _auch_ den »männlichen Samen« bedeutet [s. zu letzterer Bedeutg.,
-die eine längere Erklärung erfordert, das Näh. in den Anm. zum W.-B.
-unter »Onanie treiben«). Manchmal findet sich endlich sogar _nur_ die
-Verkleinerung als selbständiger Begriff, während ein entsprechendes
-_un_verkleinertes Stammwort (wenigstens im _Jenischen_) _fehlt_, so bei
-_Dächle_ = (Regen-)Schirm, _Räp(p)le_ = Mark, _Scharrisele_ = Kirschen,
-_Schuberle_ = Geist, Gespenst, _Steinhäufle_ = Stadt, _Stupfle_ = Dorn.]
-
-Was sodann die zahlreichen _Zusammensetzungen_ (bezw. Verbindungen)
-anbelangt, so dürften hierbei zunächst prinzipiell zwei Gruppen zu
-unterscheiden sein. Bei einer _kleineren_ Kategorie dieser Fälle handelt
-es sich einfach um wörtliche Übersetzungen von Ausdrücken, die zum Teil
-auch im Deutschen schon etwas lang erscheinen, ins »Jenische«, und dabei
-mag den Verfasser eine gewisse philologische Freude an diesen Gebilden
-dazu verleitet haben, seinem Wörterbuche auch solche zungenbrecherischen
-Kompositionen wie z. B. _Hornikelgielblättlingschottel_ (=
-Ochsenmaulsalatschüssel) einzuverleiben[34], die in der Praxis des
-täglichen Lebens doch kaum je in ihrer ganzen Fülle ausgesprochen zu [63.15]
-werden pflegen. Wesentlich anders liegt dagegen die Sache bei der
-_Mehrzahl_ der Zusammensetzungen oder Verbindungen, insofern sie nämlich
-als wirklich notwendige Umschreibungen für Begriffe eingestellt sind,
-für die es im Jenischen überhaupt keine selbständigen Wörter gibt, wobei
-übrigens der Vollständigkeit halber noch bemerkt werden muß, daß außer
-_diesem_ Notbehelf auch noch mancherlei _andere_ Mittel, das Fehlende zu
-ersetzen, Verwendung gefunden haben. So erscheinen z. B. nicht nur (wie
-ja nicht selten auch in unserer Gemeinsprache) Zeitwörter als Aushilfe
-für Substantive, sei es in Form des Infinitivs[35] oder von
-Partizipien[36], sondern es sind — nach Vorbildern im Rotwelsch[37] —
-auch Adjektive in gleicher Weise oder umgekehrt Hauptwörter für
-Eigenschaftswörter gebraucht worden[38], und endlich haben dann noch [63.16]
-viele Substantive eine Verengerung vom Gattungsbegriffe zur
-Artbezeichnung erfahren. Namentlich kommt dies für im Jenischen nicht
-vorhandene Bezeichnungen einzelner Tiere und Pflanzen vor, so wenn _Kib_
-= Hund auch den Pudel bedeutet, _Flössling_ (_Schwimmerling_ oder
-_Matsche_) = Fisch auch den Karpfen oder Hering (argum.
-_Flösslingschottel_ = Heringsbüchse), _Flederling_ (od. _Fläderling_) =
-Vogel auch Elster, Kuckuk, Star und Taube, oder wenn _Stöber_ = Baum
-auch für Birke, Buche, Eiche und Fichte gebraucht wird, _Kupfer_ =
-Frucht, Getreide auch Heu, Klee, Häcksel und die meisten Getreidearten
-(wie Hafer, Roggen, Weizen) umfaßt usw.[39]. Auf die ganz ungeheure
-Ausdehnung, welche in _Wittichs_ Jenisch besonders noch die
-Bezeichnungen _Sore_ und — mehr noch — _Schure_ (eigtl. wohl nur
-»Ware«, dann »Ding«, »Sache«) als Aushilfsmittel für alles Mögliche (z.
-B. nicht nur für leblose Gegenstände, sondern auch für abstrakte
-Begriffe, ja selbst für Tiere) erfahren haben, hat der Verf. in seiner
-»Einleitung« (S. 24) selber ausdrücklich hingewiesen[40] (vgl. für die
-Einzelheiten, deren Aufzählung hier zu weit führen würde, m. Anmerkgn.
-zu den Wörtern »abbiegen« und »Brücke« im W.-B.). Da solche
-Begriffsverengerungen aber doch mehr oder weniger etwas Gewaltsames,
-Künstliches an sich haben, so erklärt es sich unschwer, daß man sie
-nicht ungern durch irgendeinen Zusatz doch häufig noch etwas näher
-gekennzeichnet oder m. a. W. eben jene Gruppe umschreibender
-Zusammensetzungen oder Verbindungen verwertet hat, von denen vorhin
-schon die Rede gewesen. So sind doch z. B. _Schallerfleterling_
-(d. h. »Singvogel«) für die Amsel oder den Kanarienvogel,
-_grandicher Flederling_ (d. h. »großer Vogel«) für den Adler, oder
-_Spronkert-Flössling_ (d. h. »Salzfisch«) für den Hering schon viel
-nähere Kennzeichnungen jener Tiere als das einfache _Flederling_ und
-_Flössling_.
-
-[Fußnote 34: ([1] auf S. 63.14) Dieses Beispiel steht keineswegs etwa
-vereinzelt da; vgl. u. a. auch noch _Krachersäftlingbrandling_ =
-Heidelbeerkuchen u. _Jerusalemsfreundschenegler_ = Schäferknecht.]
-
-[Fußnote 35: ([1] auf S. 63.15) So z. B. _Bereime_ u. _Zeine_ (doch wohl
-beides eigtl. = _bereime[n]_, _zeine[n]_ = zahlen) = Zahlung, _Dupfen_
-(eigtl. = stechen) = Stich, _Muffen_ (eigtl. = riechen) = Geruch,
-_Glemsen_ (eigtl. = weinen) = Tränen und (mit interessanter
-Begriffsverengerung) _Bleisgeren_ oder _Pfreimen_ (eigtl. = zahlen) =
-Steuern.]
-
-[Fußnote 36: ([2] auf S. 63.15) So z. B. _Begert_ (eigtl. = gestorben) =
-Leiche, _Verdibert_ (eigtl. = verraten) = Verrat, _Vergondert_ (eigtl.
-wohl = »vergantet«, ausgepfändet, im Konkurs) = Konkurs, _Vergrönt_
-(eigtl. = verheiratet) = Ehe, _Vermuft_ (eigtl. etwa = »verfault«, dann
-verarmt, heruntergekommen, bankerott) = Armut, Bedrängnis, Konkurs. —
-Übrigens kommen natürlich Partizipien auch für _Adjektive_ vor (so z. B.
-_begert_ = tot, _gefebert_ [geschrieben] = schriftlich, _grandich bikt_
-[viel gegessen] = satt), u. außerdem sind dafür auch noch andere
-Zeitwortformen üblich, vgl. z. B. die satzartigen Umschreibungen: _gneis
-nobis_ (eigtl. »[ich] kenne nicht«] = unbekannt, _hauret nobis_ (eigtl.
-»[es] ist nichts«) = ungültig, unzweckmäßig, _begert nobis_ (eigtl.
-»[er, sie, es] stirbt nicht«) = unsterblich u. a. m.]
-
-[Fußnote 37: ([3] auf S. 63.15) Vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 63, Anm.
-64.]
-
-[Fußnote 38: ([4] auf S. 63.15) Beispiele: a) _Gebrauch von Adjektiven
-für Substantive_: Mit _Flexion_ der Adjektive (also z. B. _Wo[h]nischer_
-= Katholik, _nobis Dofs_ [d. h. eigtl. »nichts Gutes«] = Übel) kommt
-dieser ja auch in unserer Gemeinsprache vor; das Jenische weist aber
-Fälle auf, wo das Eigenschaftwort auch unflektiert zum Substantiv
-erhoben worden, s. z. B. die schon oben S. 7, Anm. 4, in anderem
-Zusammenhange erwähnten Wörter _Dof_ (bezw. nobis Dof), _Molum_ u.
-_Schofel_, für letzteres als Synon. auch _Lenk_, ferner _Bauserich_
-(eigtl. ängstlich, furchtsam) = das Grausen, _Begerisch_ (eigtl. krank)
-= Siechtum, _Biberisch_ (eigtl. kalt, frostig) = Kälte, Frost,
-_Dercherich_ (eigtl. dürftig) = Mangel, Not, _Grandich_ (groß) = Höhe,
-Gewalt u. a. m.; über _Flu(h)tich_ = Nässe s. lit. b am Ende; über
-_Stumpf_ = Ärger s. d. W.-B. unter diesem Worte; b) _Gebrauch von
-Substantiven für Adjektive_: _schwächer_ (Rausch) u. _dambes_ (eigtl.
-wohl ebenfalls = Rausch) = berauscht, _kohl_ (Lüge) = verlogen, _leile_
-u. _ratte_ (Nacht) = dunkel, _schei(n)_ (Tag, Helle) = hell; vgl. auch
-_flu(h)te_ = naß, während _Flu(h)tich_ für »Nässe« angeführt ist, wobei
-aber vielleicht die Bedeutgn. doch umzustellen sein könnten
-(Schreibfehler?).]
-
-Hier ist nun die Stelle, wo noch etwas näher auf den Einfluß hinzuweisen
-ist, den — gerade bei dieser Art von umschreibenden Aushilfs- oder
-Ersatzbegriffen — die _Zigeunersprache_ geübt hat. Wenn man z. B.
-_Wittichs_ Glossar mit dem »deutsch-zigeunerischen Wörterbuch« bei
-_Liebich_ (Die Zigeuner usw. S. 171 ff.) vergleicht, wird man erstaunt [63.17]
-sein, dort die allermeisten dieser Sprachgebilde — nur eben in
-_zigeunerischer_ Form — wiederzufinden. Sehr zahlreich sind zunächst
-die Übereinstimmungen mit den — auch im Jenischen — durch
-_Verbindungen_ von Substantiven und Eigenschaftswörtern umschriebenen
-Begriffen, wie z. B.: _grandicher Kaffer_ (zig. bāro gādscho[41]),
-d. h. »großer Mann« = Riese, _grandicher Sins_ (zig. bāro rai), d. h.
-»großer Herr« = Amtmann, Richter u. dergl. m.[42], _grandich Babing_ od.
-_Strohbutzer_ (zig. bāro pāpin), d. h. »große [od. größte] Gans« =
-Schwan, _grandiche Schrende_ (zig. bāri tattin od. isma), d. h.
-»große Stube« = Saal, _grandicher Kies_ (zig. bāro parr), d. h.
-»großer Stein« = Felsen, _grandicher Funk_ (zig. bāro jāk), d. h.
-»großes Feuer« = Feuersbrunst[43]; _oberkünftiger Giel_ (zig. pralduno
-mui), d. h. »oberes Maul« = Gaumen, _unterkünftiger Tritt_ (zig.
-telstuno pīro), d. h. »unterer Fuß« = Fußsohle, _näpfiger Schund_
-(zig. danterpáskero tschikk), d. h. »beißender Dreck« = Kalk, _g'funktes
-Gib_ (zig. chadschēdo gīb), d. h.: »gebranntes Getreide« = Malz,
-_nobes dofer Glitschin_ (zig. tschi tschātschi glitin), d. h. »kein
-guter [rechter] Schlüssel« = Dietrich und noch gar vieles andere, wofür
-hier auf das W.-B. selbst verwiesen werden muß[44]. Ebenso steht es mit
-derartigen jenischen _Zusammensetzungen_ im e. S. (d. h. der in _einem_
-Wort geschriebenen Bildungen aus mehreren Substantiven u. dergl.), nur
-daß die _Zigeuner_ auch hierbei regelmäßig die Form der lockereren
-_Verbindung_ (u. zwar meist von Haupt- und Eigenschaftswörtern) kennen. [63.18]
-Auch dafür nur einige Beispiele, die zugleich die charakteristische
-Denkweise der braunen Söhne des Ostens besonders ins Licht rücken:
-_Schwächerlemamere_ (zig. tschutschĭnéngeri dai), d. h. »Brustmutter«
-= Amme, _Trittgriffling_ (zig. heréngĕro gus[ch]to), d. h.
-»Fußfinger« = Zehe, _Stöberschmaler_ (zig. rukkéskri mádschka), d. h.
-»Baumkatze« = Eichhörnchen, _Mufferhorboga_ (zig. nakkéskĕri
-gurumni), d. h. »nasige Kuh« = Nashorn, _Leile-_ oder _Ratteflederling_
-(zig. rattjakro tschirkŭlo), d. h. »Nachtvogel« = Eule,
-_Begerflederling_ (zig. muléskĕro tschirkŭlo), d. h. »Totenvogel«
-= Käuzchen, Steineule, _Schmuserfläderling_ (zig. rakkerpáskĕro
-tschirkŭlo), d. h. »der sprechende Vogel« = Papagei[45],
-_Koelegroenert_ (zig. bengeskĕri trab), d. h. »Teufelskraut« =
-Unkraut, _Begerkittle_ (zig. mīleskĕro kēr), d. h.
-»Totenhäuschen« = Sarg, _Bossertschei_ (zig. [auch], massĕlo diwes),
-d. h. »Fleischtag« = Sonntag, _Bäzamaschei_ (zig. jāringĕro
-diwes), d. h. »Eiertag« = Karfreitag, _Bäzemaweisling_ (zig. [u. a.
-auch] jāringĕro gurko), d. h. »Eiersonntag« = Ostern usw.[46]
-
-[Fußnote 39: ([1] auf S. 63.16) Vgl. auch noch _Lanenger_ (Soldat),
-sowohl = Infanterist wie Kavallerist (»Husar«), _Begerisch_ = Siechtum
-im allgem., dann aber bes. auch Fallsucht, Epilepsie.]
-
-[Fußnote 40: ([2] auf S. 63.16) S. daselbst auch über das — gleichfalls
-eine Art Aushilfsfunktion versehende — von _Schure_ abgeleitete Zeitw.
-_schurele_ (das bes. in Zus. mit Präpositionen vorkommt); ebends. ferner
-über den ähnl. Gebrauch des Zeitw. _pflanzen_.]
-
-[Fußnote 41: ([1] auf S. 63.17) Die zigeunerischen Ausdrücke sind im
-folgenden ausschließlich nach dem Werke von _R. Liebich_ über die
-Zigeuner angeführt, da von den mir zugänglich gewesenen neueren
-Wörterbüchern (vgl. unten S. 22) keines eine _deutsch-zigeunerische_
-Abteilung enthielt. Ich muß es deshalb aber dahin gestellt sein lassen,
-ob die sämtlichen hier aufgezählten Bezeichnungen auch wirklich heute
-noch im lebendigen Sprachgebrauch erhalten sind.]
-
-[Fußnote 42: ([2] auf S. 63.17) S. Näh. noch im W.-B. unter »Amtmann«.
-Die merkwürdige Art der Steigerung (bei Rangstufen u. dergl.) im
-_Wittichschen_ Jenisch, wonach über _grandicher_ (als Komparativ
-aufzufassen) wieder noch das einfache (unflektierte) _grandich_ — als
-Superlativ — steht, so daß z. B. _grandich Sins_ mehr als _grandicher
-Sins_, nämlich den König, bedeutet (worüber Näh. noch im W.-B. unter
-»Bischof«), ist der Zigeunersprache unbekannt.]
-
-[Fußnote 43: ([3] auf S. 63.17) Noch weitere Verbindungen dieser Art mit
-_grandich_ s. im W.-B. in der Anm. zu »Adler«.]
-
-[Fußnote 44: ([4] auf S. 63.17) Außer Verbindungen von Haupt- und
-Eigenschaftswörtern gehören hierher auch noch solche von _mehreren
-Hauptwörtern_, wie z. B. _Patris und Mamere_ (zigeun. o dad te i dai),
-d. h. »Vater und Mutter« = Eltern, sowie satzartige Umschreibungen für
-(im Deutschen) einfache Zeitwörter, z. B. _Flu(h)te bostet mer herab_
-(zigeun. panin naschēla mande tele), d. h. »(das) Wasser läuft mir
-herab« = ich schwitze.]
-
-Man könnte nun geneigt sein, anzunehmen, daß _Wittich_, dem ja die
-Zigeunersprache ganz geläufig ist, einfach die zigeunerischen
-Umschreibungen ins »Jenische« übersetzt habe. Allein dem steht die
-Tatsache entgegen, daß in vielen ähnlichen Fällen _keine wörtliche_
-Übereinstimmung, vielmehr nur eine gewisse Analogie zwischen »Jenisch«
-und »Zigeunerisch« besteht[47], ja in manchen sogar auch das nicht
-einmal, sei es, daß die Zigeuner ihre Umschreibung einem anderen [63.19]
-Vorstellungskreise entnommen haben als die jenischen Leute[48] oder
-überhaupt für den betreffenden Begriff ein selbständiges kurzes Wort
-besitzen, während das im Jenischen nicht der Fall ist[49]. So muß man
-wohl vermuten, daß infolge des Verkehrs zwischen den Händlern,
-Hausierern usw. und den Zigeunern aus der Anschauungsweise der letzteren
-zwar ein sehr beträchtlicher Teil auch bei den ersteren eingedrungen
-ist, während dagegen ein — immerhin noch ganz stattlicher — Rest des
-Jenischen sich von diesem Einfluß frei gehalten hat.
-
-[Fußnote 45: ([1] auf S. 63.18) Weitere Bezeichnungen dieser Art für
-Vögel s. im W.-B. unter »Adler«. Auch dem oben (S. 16) erwähnten
-_Spronkert-Flössling_ = Hering entspricht das zig. lōndo mādscho,
-d. h. »gesalzener Fisch«.]
-
-[Fußnote 46: ([2] auf S. 63.18) Über den als _Wortspiel_ zu
-betrachtenden Ausdruck _Sprauskritzler_ (zig. [u. a. auch] gaschtĕno
-lil), d. h. »Holzbrief« = Steckbrief s. das Näh. noch in d. Anm. zum
-W.-B. — Über den Einfluß des _Aberglaubens_, besonderer _Gebräuche_
-usw. der Zigeuner auch auf das Jenische s. Näh. im W.-B. unter
-»Bachstelze« und »Löwenzahn«.]
-
-[Fußnote 47: ([3] auf S. 63.18) So heißt z. B. das Aas im Jensichen
-_mufiger Bossert_ od. _Mass_ (d. h. »stinkendes Fleisch«), im Zigeun.
-_mulo mass_ (d. h. »totes Fleisch«), der Pfau im Jenischen
-_Dofefläderling_ (d. h. »schöner Vogel«), im Zigeun. (u. a. auch)
-_gisĕwo tschirkŭlo_ (d. h. »stolzer Vogel«), die Wanze im
-Jenischen _Mufkenem_ (d. h. »Stinklaus«), im Zigeun. _platti_ oder
-_lōli tochīw_ (d. h. »platte oder rote Laus«), der Mond im
-Jenischen _Leileschei_ (d. h. »Nachtlicht«), im Zigeun. _rattískĕro
-kamm_ (d. h. »Nachtsonne«), der Steckbrief im Jenischen (u. a. auch)
-_lenker_ oder _schofler_) _Kritzler_ (d. h. »schlechter [böser] Brief«),
-im Zigeun. (u. a. auch) _gālo lil_ (d. h. »schwarzer Brief«) usw.]
-
-Zum Schluß noch einige Bemerkungen über die Einrichtung meiner
-»Anmerkungen« zu _Wittichs_ »Deutsch-Jenischem Wörterbuch«. Was zunächst
-deren Reihenfolge betrifft, so habe ich dabei grundsätzlich die Methode
-beobachtet, daß jedesmal _dort_ zu einer jenischen Vokabel die
-erforderlichen Erläuterungen gegeben wurden, wo diese _zum ersten Mal_
-auftritt, sei es nun für sich _allein_ oder auch nur in einer
-_Zusammensetzung_ mit anderen Wörtern, sodaß also z. B. unter
-»Apfelbaum« = _Bommerlingstöber_ — als der ersten Zusammensetzung mit
-_Stöber_ = Baum — auch alles, was über _Stöber_ zu bemerken, mitgeteilt
-worden[50], während andererseits unter der Zus. »Baumkatze« =
-_Stöberschmaler_ (und nicht erst unter »Katze«) die Vokabel _Schmaler_
-behandelt worden ist. In ganz derselben Weise wurde auch mit den
-Verbindungen verfahren. Gleich bei der ersten Vokabel des Wörterbuchs:
-Aas = _mufiger Bossert_ od. _Mass_ (d. h. eigtl. »stinkendes Fleisch«) [63.20]
-sind daher z. B. auch _mufig_ und sein Stammwort _muffen_ = riechen
-(stinken) sowie _Bossert_ od. _Mass_ = Fleisch betrachtet und die
-_weiteren_ Verbindungen und Zusammensetzungen damit aufgezählt
-worden[51], wogegen an allen anderen Stellen, wo diese Vokabeln noch
-wiederkehren, auf »Aas« zurückverwiesen worden ist. Es liegt auf der
-Hand, daß hierdurch gerade zu Beginn des Glossars die Anmerkungen in
-Zahl und Umfang reichlich anschwellen mußten, während sie dann
-weiterhin geringer werden und gegen das Ende zu fast nur noch in
-Zurückverweisungen bestehen.
-
-[Fußnote 48: ([1] auf S. 63.19) So heißt z. B. im Jenischen der Adler
-_grandicher Flederling_ (d. h. »großer Vogel« [vgl. oben S. 16]), im
-Zigeun. dagegen _dui menakro tchírkŭlo_ (d. h. »der doppelhalsige
-Vogel«, und zwar nach _Liebich_, S. 146 wahrscheinlich deshalb, »weil
-dem Zigeuner das Bild dieses Vogels zuerst auf dem österreichischen
-Wappenschilde begegnet ist«), weiter die Tanne im Jen. _Jahre-_ oder
-_Kracherstöber_ (d. h. »Waldbaum«), im Zigeun. dagegen _mellĕlo ruk_
-(d. h. »schwarzer Baum«), der Diamant im Jen. _dofer Kies_ (d. h.
-»schöner Stein«), im Zigeun. _dikkapáskĕro parr_ (d. h.
-»durchsichtiger Stein«), der Backstein im Jen. _Kittleskies_ (d. h.
-»Hausstein«), im Zigeun. _chadschēdo_ od. _lōlo parr_ (d. h.
-»gebrannter« od. »roter Stein«), der Bleistift im Jen. _Feberschure_ (d.
-h. »Schreibding«), Im Zigeun. _geschtĕno pōr_ (d. h. »hölzerne
-Feder«) usw.]
-
-[Fußnote 49: ([2] auf S. 63.19) Vgl. z. B. _grandich Sins_ (eigtl.
-»größter Herr«) = König (s. oben S. 17, Anm. 42), zig. (meist) _kralo_,
-_grandiche Gachne_ (eigtl. »große Henne«) = Hahn, zig. _paschno_(-lo)
-od. _pussin_, _Schofeleiflederling_ (eigtl. »Unglücksvogel«) = Rabe,
-zig. _korāko_, _grandich Flu(h)te_ (eigtl. »großes [od. größtes]
-Wasser«) = Meer, zig. _sēro_, _grandiche Kitt_ (eigtl. »großes Haus«)
-= Hof, zig. _medrīa_, _dofe Kitt_ (eigtl. »schönes Haus«) = Schloß,
-zig. _filĕzzin_, _dofer Schmunk_ (eigtl. »gutes Fett«) = Butter, zig.
-_kīl_ u. a. m.]
-
-[Fußnote 50: ([3] auf S. 63.19) Über _Bommerling_ konnte dagegen das
-Erforderliche schon unter »Apfel« angegeben werden, da ja das _einfache_
-Wort vor jeder anderen Zusammensetzg. im W.-B. steht.]
-
-In den Anmerkungen habe ich außer der Übersicht über den jenischen
-Wortbestand (Stammwort und Ableitungen davon[52], Zusammensetzungen,
-Verbindungen und Redensarten damit) auch die etwa nachweisbaren _Belege_
-in den _stammverwandten_ (rotwelschen oder sonstigen geheimsprachlichen)
-_Quellen_ zusammengestellt. Dabei mußte indessen grundsätzlich eine
-gewisse Beschränkung — nämlich auf das schwäbische (bzw. badische)
-Sprachgebiet — platzgreifen. Es wurden demnach regelmäßig auf etwa
-vorhandene Parallelen hin geprüft: a) _für das ältere Rotwelsch_: der
-sog. »_Dolmetscher der Gaunersprache_« (nach einer im Reg.-Archiv zu
-Sigmaringen befindlichen Handschrift aus dem 18. Jahrh. von Prof. _H.
-Fischer_ in Tübingen abgedruckt in den »Mitteilungen des Vereins für
-Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern«, Jahrg. 38 [1904/5], S.
-89 ff.), zitiert: _Dolm. der Gaunerspr._;
-
-das _Wörterbuch des Konstanzer Hans_, 1791 (vgl. näh. Titel u. Abdr. bei
-_Kluge_, Rotw. I, S. 232 ff.), zitiert: _W.-B. des Konst. Hans_;
-
-die rotwelschen Vokabeln in _Schölls_ »Abriß des Jauner- und
-Bettelwesens in Schwaben«, 1793 (nach _Kluge_, a. a. O., S. 268 ff.),
-zitiert: _Schöll_;
-
-das _Pfullendorfer Jauner-Wörterbuch_ von 1820 (s. Titel u. Abdr. bei
-_Kluge_, S. 336 ff.), zitiert: _Pfulld. J.-W.-B._;
-
-[Fußnote 51: ([1] auf S. 63.20) Und zwar sind diese Aufzählungen der
-Einfachheit halber — in Übereinstimmung mit der Anlage des W.-Bs. in
-der Form »Deutsch-Jenisch« — regelmäßig nach der alphabet. Reihenfolge
-der _deutschen_ Bedeutungen der Vokabeln vorgenommen worden.]
-
-[Fußnote 52: ([2] auf S. 63.20) Wo im W.-B. sich etwa eine Ableitung vor
-dem Stammworte findet, ist das letztere _dort_ mitbehandelt worden, so
-z. B. _Schure_ unter »abbiegen« (= _abschurele_) u. nicht erst unter
-»Achsel«, wo _Schure_ zum ersten Mal selbständig auftritt, _Funk_ =
-Feuer unter »abbrennen« (_abfunken_), _Ruadel_ = Wagen unter »abfahren«
-(_abruadlen_), das Zeitw. _muffen_ = riechen, wie schon im Text bemerkt
-worden, unter »Aas« (= _mufiger Bossert_ od. _Mass_) usw.]
-
-b) für die _Gauner-_ und _Kundensprache der Gegenwart_: [63.21]
-
-F. X. _Mayer_, »Jenisch in der Verbrecherwelt«, in den »Württemb.
-Vierteljahrsheften für Landesgeschichte«, N. F. Bd. XVI (1907), S. 66
-ff., zitiert: _Schwäb. Gaun.- und Kundenspr._;
-
-c) für die _schwäbischen Händlersprachen_:
-
-die Sammlung von _Kluge_ in s. Rotw. I, S. 479 ff., zitiert: _Schwäb.
-Händlerspr._; dazu die Ergänzungen von:
-
-W. _Zündel_, »Jenisch in Pfedelbach«, in den »Württ. V.-J. H. f.
-Landesgesch.«, N. F. Bd. XIII (1904), S. 202 ff.[53], zitiert nur durch
-den Zus.: »_Pfedelbach_« nebst Seitenzahl zu »Schwäb. Händlerspr.«;
-
-Rud. _Kapff_, »Nachträge zu _Kluge_, Rotwelsch I«, in der »Zeitschr. für
-deutsche Wortforschung«, Bd. X (1908/9), S. 212 ff. Sofern sich diese
-Nachträge auf die _schwäb. Händlerspr._ beziehen, sind sie nur nach den
-Namen der betr. Ortschaften (_Unterdeufstetten_, _Lützenhardt_ u.
-_Deggingen_) abgek. zitiert: _U., Lütz. u. Degg._ nebst Seitenzahl zu
-»Schwäb. Händlerspr.«.
-
-Berücksichtigt wurden auch noch das (der schwäb. Händlerspr. sehr
-ähnliche) sog. _Pleißlen der Killertaler_ in Hohenzollern (nach _Kluge_,
-a. a. O., S. 434 ff. vbd. mit R. _Kapff_, a. a. O., S. 212/13), ferner
-die (ebenfalls manche Übereinstimmungen usw. enthaltende) _Pfälzer
-Händlersprache_ (bei _Kluge_, S. 437 ff.), das (_dieser_ wieder
-verwandte) Jenisch der Handelsleute aus der Gegend von _Metz_ nach
-_Kapff_, S. 216/17 (zit.: Metzer Jenisch) und ausnahmsweise auch noch
-sonstige Krämersprachen sowie anderen Gegenden angehörige Sammlungen der
-Gaunersprache (wie z. B. die stets reichen Aufschluß bietende v.
-_Grolmans_).
-
-Für die _Etymologien_ der jenischen Vokabeln endlich konnte ich meistens
-auf die Ausführungen in meinen, in dieser Zeitschr. (Bd. 33 und Bd.
-38-56) veröffentlichten »Beiträgen zum Rotwelsch und den ihm verwandten
-Geheimsprachen« (I, II) verweisen (zitiert einfach: _Groß'_ Archiv [mit
-Band- und Seitenzahl]), während manches andere in meinen Erläuterungen
-zu der oben S. 6, Anm. 12 angeführten Abhandlung von H. _Weber_ (zitiert
-einfach: _Weber-Günther_) enthalten ist. Eine reiche Fundgrube
-etymologischer Notizen über die Gauner-, Kunden- und Händlersprache in
-Schwaben bildet sodann H. _Fischers_ »Schwäbisches Wörterbuch« (z. Zt. 4
-Bände, Tübingen, 1901-1911). Da dieses groß angelegte Werk jedoch noch [63.22]
-nicht ganz abgeschlossen ist, wurde für das Fehlende auch das ältere
-Schwäbische Wörterbuch von Joh. Christ. v. _Schmid_ (2. Aufl., Stuttg.
-1844) herangezogen. Mancherlei etymologische Aufschlüsse verdanke ich
-endlich wiederum der stets freundlichst gewährten Beihilfe von Dr. A.
-_Landau_ (Wien). — Für die Zigeunersprache habe ich (außer den schon
-erwähnten Vokabularen von _Liebich_ und _Jühling_(_-Wittich_) sowie den
-bekannten Werken von _Pott_ und _Miklosich_ [vgl. _Groß'_ Archiv, Bd.
-33, S. 225, 231 und Bd. 38, S. 252, Anm. 1]) noch benutzt: Franz
-Nikolaus _Finck_, Lehrbuch des Dialekts der deutschen Zigeuner, Marburg
-1903 (zitiert: _Finck_). Für die Zitierungsart der sonstigen Literatur
-sei hier auf die Übersicht in _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 222-232 (nebst
-den Ergänzungen in Bd. 38 ff.) verwiesen. H. _Groß_, Handbuch für
-Untersuchungsrichter wurde überall nach der neuesten (6.) Aufl.
-(München, Berlin und Leipzig 1914) angeführt.
-
-[Fußnote 53: ([1] auf S. 63.21) Hier sind (S. 206, Anm. 1) auch einige
-Vokabeln angeführt, die bei den Händlern in _Eningen_ (einem von
-_Kluge_, Rotw. I, S. 479 ff. _nicht_ berücksichtigten Orte) vorkommen.
-Sie sind in der vorliegenden Arbeit gleichfalls herangezogen worden
-(zitiert: _Eningen_ [S. 206, Anm. 1]).]
-
-
-
-
- II. Einleitung.
- (»_Allgemeine Bemerkungen über die jenische Sprache_«).
- Von _Engelbert Wittich_.
-
-
-Die vorliegende Arbeit will und kann in keiner Weise auf Sprachforschung
-— soweit man davon überhaupt bei der jenischen Sprache reden kann —
-Anspruch erheben, sie soll nur einen bescheidenen Beitrag liefern zur
-Sprachbereicherung, sozusagen zur Erschließung und Vervollständigung des
-Sprachschatzes, zur Belehrung für jeden Interessenten. Vielleicht kann
-sie auch in der Praxis der Kriminal- und Polizeibehörden verwendet
-werden und ihnen einige Dienste leisten.
-
-Ob die jenische Sprache eine direkte Gaunersprache ist, d. h. eine zu
-polizeiwidrigen Zwecken erfundene Sprache[54], kann der Verfasser nicht
-sagen oder beurteilen, denn dazu fehlen ihm alle notwendigen tieferen
-Kenntnisse[55].
-
-Der Verfasser hat die Sprache unter den »fahrenden Leuten« kennen
-gelernt, welche mit ihren kleinen zwei- und vierrädrigen, mit Segeltuch [63.23]
-bedeckten Karren, die gewöhnlich Mann und Frau, Kind und Kegel
-beherbergen, im Lande umherziehen. Diese Leute, die teils aus dem
-Württembergischen, teils aus Bayern und Baden, aber auch aus dem Elsaß
-stammen und in Bayern »Krattler«[56], sonst überall »Jenische« genannt
-werden (daher auch die Bezeichnung »jenische Sprache«[57]), setzen sich
-ihrem Berufe nach aus Bürstenbindern, Schirmhändlern, Sieb- und
-Korbmachern, Kesselflickern (»Keßlern«), Scherenschleifern u. dergl.
-zusammen.
-
-[Fußnote 54: ([1] auf S. 63.22) Zu dieser Definition des Begriffs
-»Gaunersprache« durch _Wittich_ vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 2 und Anm.
-1 vbd. mit H. _Groß_, Handbuch für Untersuchungsrichter, Bd. I, S. 447
-u. Anm. 2.]
-
-[Fußnote 55: ([2] auf S. 63.22) Etwas weiter unten hat der Verf. aber
-doch seine Ansicht hierüber in ziemlich bestimmter Form geäußert. Vgl.
-dazu Anm. 58 auf S. 23.]
-
-Früher wurde das Hausiergewerbe vielfach zum verschleierten Bettel
-benutzt. Ein charakteristisches und wahrheitsgetreues Bild aus der
-Vergangenheit dieser Leute gibt unter den »Sprachproben« die Skizze
-»Dächlespflanzerulme« (Nr. 25; vgl. auch die »Schnadahüpfel« am Schluß
-der Arbeit). Um aber meinem Gerechtigkeitssinne Genüge zu tun und zur
-Ehre dieser modernen Nomaden, denen die stete Wanderschaft zwar Licht
-und Luft in reichem Maße, aber auch ein kärgliches und unruhiges Dasein
-bietet, sei es gesagt, daß der Bettel bei ihnen _heutigen_ Tages nur
-noch in geringem Umfange oder gar nicht mehr vorkommt, daß sie also im
-wesentlichen nur ihrem gesetzlich geregelten Wandergewerbe nachgehen.
-Auch haben es sich die Heutigen bequemer gemacht als es vor Zeiten ihre
-Väter hatten; sie haben die kleinen Schnappkarren, die sie selbst ziehen
-mußten, abgeschafft und sich dafür größere, mit einer Plane überspannte
-oder ganz aus Holz hergestellte Wagen (ähnlich denen der Zigeuner)
-zugelegt samt einem Rößlein davor. Übrigens gehen diese Gewerbe
-bedeutend zurück, und die fahrenden Leute verschwinden daher mehr und
-mehr von der Landstraße; am häufigsten sind sie noch in den Reichslanden
-und in Bayern anzutreffen.
-
-Meiner, allerdings unmaßgeblichen Ansicht nach ist die jenische Sprache
-ein gemachtes und ersonnenes Kauderwelsch, dem jedoch kein unerlaubter,
-geheimer Zweck des jenischen Volkes zugrunde liegt, sondern lediglich
-das Bestreben, sich vor Uneingeweihten abzuschließen und ihren Jargon
-als harmlose Handelssprache zu benutzen[58], ähnlich wie es auch die
-Handelsjuden tun, welche die jenische Sprache ebenfalls verstehen und
-sprechen.
-
-[Fußnote 56: ([1] auf S. 63.23) S. dazu Näh. im Vokabular unter
-»fahrende Leute«.]
-
-[Fußnote 57: ([2] auf S. 63.23) Diese Behauptung dürfte dahin zu
-berichtigen sein, daß umgekehrt der Begriff »jenische _Sprache_« der
-geschichtlich _früher_ auftretende gewesen ist. Vgl. dazu Näh. oben in
-meiner »Vorbemerkung«, S. 4 und Anm. 6.]
-
-[Fußnote 58: ([3] auf S. 63.23) In der Fassung dieses Satzes hat sich
-der Verf. sehr eng an die Ausführungen angeschlossen, die _Liebich_, Die
-Zigeuner, S. 114 über das Verhältnis der sog. Standes- oder
-Berufssprachen zur _Gaunersprache_ gegeben hat.]
-
-Beinahe selbstverständlich erscheint es, daß sich die jenische Sprache [63.24]
-auch durch zigeunerische Wörter bereichert hat, während umgekehrt die
-Zigeunersprache — die ja eine richtige grammatikalische Sprache und als
-solche mit der jenischen nicht zu vergleichen ist — aus dieser keine
-Anleihen gemacht hat. Zwar versteht der Zigeuner fast ohne Ausnahme die
-jenische Sprache, aber er verschmäht es, das defekte Gefieder der
-seinigen mit jenischen Federn zu ergänzen und auszuflicken, denn zieren
-würde er sie dadurch nicht, sondern nur herabwürdigen und schänden[59].
-
-Im Laufe der Zeit haben sich manche Wörter der jenischen Sprache
-verändert, sind z. B. abgekürzt worden usw., ja es scheint, daß sich
-auch das zur Zeit noch gebräuchliche Wortmaterial in fortwährender
-Umgestaltung und die jenische Sprache überhaupt im großen ganzen heute
-im Rückgange befindet. Die schon veralteten Ausdrücke sowie die Vokabeln
-zigeunerischen Ursprungs — von denen oben kurz die Rede war — sind vor
-dem eigentlichen deutsch-jenischen Lexikon noch besonders
-zusammengestellt worden (s. N. II u. III). Auffallend ist es, daß im
-Jenischen sehr häufig besondere Ausdrücke für die meisten Tier- und
-Pflanzengattungen, für Baum- und Straucharten, die doch jeden Tag
-gesehen werden, fehlen[60], und daß zur Bezeichnung derselben — sowie
-überhaupt aller Gegenstände (oder auch Tätigkeiten), wofür kein
-spezieller Name vorhanden ist — die Wörter _Schure_ oder _Sore_ (bei
-Tätigkeiten das [davon abgeleitete] Zeitw. _schurele_ [oder auch
-_pflanzen_]) herhalten müssen, auf welche in dieser Beziehung fast
-Unglaubliches abgeladen wird. _Schure_ oder _Sore_ bedeutet aber
-zunächst nur eine (die) Sache oder ein (das) Ding ohne irgendwelche
-genauere Angabe, so daß der richtige Sinn des Wortes lediglich erst aus
-dem jeweiligen Zusammenhang der Rede zu entnehmen ist. Ein überaus
-häufig gebrauchtes Wort der jenischen Sprache ist auch _grandich_.
-
-Endlich möchte ich noch hervorheben, daß ich mich beim Aufschreiben
-dieser Sprache sowohl an das schwäbische Idiom hielt als _auch_ an mein [63.25]
-Gehör. Daher kommt es, daß ich bald _l¶i¶nzen_, _Rädl¶i¶ng_,
-_Scheinl¶i¶ng_, bald _l¶e¶nzen_, _Rädl¶e¶ng_, _Scheinl¶e¶ng_ geschrieben
-habe u. a. m. Nur nebenbei sei bemerkt, daß ich die jenische Sprache
-gewissenhaft und nach genauer Prüfung eines jeden Wortes aufgeschrieben
-habe und nicht — aus Büchern! Leicht war es für mich, die Wörter dieser
-Sprache zu sammeln, aber schwer, sie zu ordnen und zu erklären, was ja
-selbst dem Fachmann Schwierigkeiten bereiten dürfte. Der Verfasser
-bittet daher, etwaige Mißverständnisse, Schreibfehler usw., die sich
-eingeschlichen haben sollten, zu entschuldigen.
-
-[Fußnote 59: ([1] auf S. 63.24) Auch dieser Satz stimmt _fast wörtlich_
-mit dem überein, was _Liebich_, a. a. O., S. 114, 115 über das
-Verhältnis der Zigeunersprache zur _Gaunersprache_ bemerkt hat. — Der
-_Sache_ nach ist das von _Wittich_ Gesagte übrigens unlängst auch von W.
-_Zündel_ in den »Württemb. V.-J.-Heften für Landesgeschichte« usw., N.
-F. Bd. XIII, S. 205 bestätigt worden. (»Auch weist der richtige Zigeuner
-einen Stammesgenossen, der ihm gegenüber jenische Kenntnisse verwerten
-will, zurecht: _goi dig hawo jenari_, d. h. ›sieh da, was für ein
-Jenischer‹«.)]
-
-[Fußnote 60: ([2] auf S. 63.24) Auch hierbei zeigt sich Anschluß an
-_Liebichs_ ähnliche Bemerkungen über die _Zigeunersprache_ (a. a. O. S.
-118).]
-
-Möge die Arbeit gütige Aufnahme finden im Kreise der Leser und Forscher;
-dann bin ich reichlich belohnt für den darauf verwandten Fleiß.
-
-Stuttgart, im Juni 1914.
-
- _Engelbert Wittich._
-
-
-
-
- III. Verzeichnis veralteter, meist jetzt umgeänderter jenischer
- Wörter.[61]
-
-
- _früher_ _Bedeutung_ _heute dafür
- (meistens)_
- abgeholcht[62] fortgegangen schiebes[63]
- Baiser Wirt Beizer[64]
- Bomm[65] die Schweiz heute unbekannt [63.26]
- Fehma[66] die Hände Grifleng[67]
- holchen[68] kommen bosten[69]
- Jamm[70] Tag Schei[71]
- mich kohlert[72] mich hungert mich bickert('s)[73] [63.27]
- Mahlbosch[74] Rock Malfes[74]
- malochen[75] fortgehen, gehen schiebes bosten[76]
- Mogumle[77] Stadt Steinhäufle[78]
- Mokem[77] Stadt Mochum (aber auch =
- Dorf)[77]
- Palar[79] Dorf G'fahr[80]
- Schofelkitt[81] Zuchthaus Dofes, Lek[82] [63.28]
- schornen[83] stehlen schoren[83]
- Schücksel[84] Mädchen Model[85]
- zopfen[86] stehlen schniffen[87]
-
-[Fußnote 61: ([1] auf S. 63.25) Die Mehrzahl dieser veralteten Vokabeln
-ist _hebräischen_ Ursprungs (vgl. schon m. »Vorbemerkung«, S. 9).
-Während für _Bomm_ = Schweiz überhaupt kein (neueres) Ersatzwort
-angeführt ist, sind für die übrigen unmodern gewordenen Bezeichnungen
-teils Wörter eines _anderen Stammes_ eingetreten (so für _abgeholcht_,
-_holchen_, _Jamm_, _mich kohlert_, _malochen_, _Mogumle_, _Palar_),
-teils solche, die zwar auf den gleichen Stamm zurückgehen, aber in der
-_Form_ geringere oder größere Veränderungen aufweisen (so für _Baiser_,
-_Mahlbosch_, _schornen_). Als doch _nicht völlig_ veraltet erscheinen
-nach dem _Vokabular_ selbst: _Fehma_ = Hand und _Schofelkitt_ =
-Zuchthaus (vgl. dazu auch das Vokabular unter »Arrest«); _zopfen_ ist
-zwar im Wörterbuch für »_stehlen_« nicht erwähnt, dagegen findet es sich
-unter »erwischen« sowie in der Zusammensetzung _herauszopfen_ =
-herausstehlen, u. zu vgl. ist ferner das von dem Zeitw. abgeleitete
-Subst. _Zopferei_ = Diebstahl. Auch _Schücksel_ für »Mädchen« fehlt im
-W.-B., aber unter »Hure« ist die Verbindg. _schofle Schüx_ (also
-unverkleinert) angeführt. Daß _Mochum_ (statt des älteren _Mokem_) noch
-jetzt sowohl »_Stadt_« wie »Dorf« bedeuten soll, ist aus dem Glossar
-nicht ersichtlich, da der Ausdruck dort (neben der Form _Mocham_) _nur_
-unter »Dorf« — nicht auch unter »Stadt« — aufgeführt ist. Das vom
-Verf. im Manuskript ebenfalls als veraltet genannte _Rawine_ = Leiter
-habe ich hier gestrichen, da es in ganz derselben Form _und_ Bedeutung
-auch im W.-B. selber enthalten ist. — Über einige in das Verzeichnis
-von _Wittich_ selber _nicht_ mit aufgenommene veraltete oder in der
-Bedeutung veränderte Wörter hat er (unten S. 28) noch besondere
-Bemerkungen gegeben.]
-
-[Fußnote 62: ([2] auf S. 63.26) Das Stammwort _holchen_ (= gehen) findet
-sich (in dem bes. _verwandten Quellenkreise_) schon im _Dolm. der
-Gaunerspr._ 92, ferner im _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (= laufen,
-springen; vgl. 260: _abg'holcht_), bei _Schöll_ 271, 272 (= laufen,
-gehen) u. im _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 342 (ebenso). Vgl. auch noch
-_Pfälz. Händlerspr._ 437 (_hulchen_ = springen). Zur _Etymologie_ des
-(schon bei G. _Edlibach_ um 1490 [20] in der Form _alcha_ bezeugten)
-Wortes (vom hebr. _hlak_) sowie über weitere Belege s. die Angaben in
-_Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 213, Anm. 1 u. S. 227, Anm. 2; vgl. auch noch
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1762.]
-
-[Fußnote 63: ([3] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B. unter »davongehen«.]
-
-[Fußnote 64: ([4] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B. unter »Gasthaus«.]
-
-[Fußnote 65: ([5] auf S. 63.26) Übereinstimmend schon: _Dolm. der
-Gaunerspr._ 99 u. _W.-B. des Konst. Hans_ 256; im _Pfulld. J.-W.-B._
-346: _Bum_ u. noch in der _schwäb. Gauner- u. Kundenspr._ 75: _Pumps_
-(od. Pummerkessel). Zur _Etymologie_ (Abkürzung nach den
-Anfangsbuchstaben von _Bores-Medine_ u. ähnl. [d. h. »Land der Kühe«]
-aus hebr. _pr[h]_, jüd. _pôrô_ = »Kuh« und _medîn[h]_ = »Landschaft,
-Gerichtsbezirk, Provinz«) sowie über weitere Belege s. Näh. in _Groß'_
-Archiv, Bd. 43, S. 30 (unter »Pumser«) u. Anm. 1.]
-
-[Fußnote 66: ([6] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B unter »Hand«.]
-
-[Fußnote 67: ([7] auf S. 63.26) S. im W.-B. unter »Daumen«.]
-
-[Fußnote 68: ([8] auf S. 63.26) Vgl. oben Anm. 62.]
-
-[Fußnote 69: ([9] auf S. 63.26) S. im W.-B. unter »abgehen«.]
-
-[Fußnote 70: ([10] auf S. 63.26) Übereinstimmend schon: _Dolm. der
-Gaunerspr._ 100, _W.-B. des Konst. Hans_ 256, 257 u. _Schöll_ 271; vgl.
-_Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Jum_ [wie auch schon im _Basl. Gloss._ v. 1733
-[202]). Dagegen hat auffälligerweise in der _schwäb. Gauner- u.
-Kundenspr._ 71 (in Übereinstimmung mit neueren Sammlungen der Gauner- u.
-Kundenspr. überhaupt [vgl. z. B. _Rabben_ 65 u. _Ostwald_ (Ku.) 71]) das
-Dimin. _Jämchen_ (od. Jem[m]chen) die Bedeutung »Jahr« (daher z. B. _ein
-Jemmchen abreißen_ = ein Jahr im Gefängnis zubringen [_Ostw._, a. a.
-O.]). Zur _Etymologie_ (vom hebr. _jôm_ = »Tag«) sowie über weitere
-Belege s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 249, lit. f (unter
-»Jomschmi[e]r[e]«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 71 (unter
-»Jam«), der jedoch über den Bedeutungswechsel bei _Jämchen_ keine
-Auskunft gibt. Möglicherweise handelt es sich hierbei um eine
-Verquickung von _Jamm_ = Tag mit _Jann_ = Jahr (s. z. B. _Pfister bei
-Christensen_ 1814 [322]) u. ä., das etymolog. gleichfalls unsicher (vgl.
-Näh. im W.-B. unter »alljährlich«), vielleicht aber als bloße
-Entstellung des Auslauts von »Jahr« anzusehen ist. Auf gleiche Weise
-könnte ev. auch _Jämchen_ selber entstanden sein.]
-
-[Fußnote 71: ([11] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B. unter »alltäglich«.]
-
-[Fußnote 72: ([12] auf S. 63.27) S. dazu schon _Dolm. der Gaunerspr._ 94
-(_es kollert mich_ = es hungert mich); _W.-B. des Konst. Hans_ 258 (_es
-kohlert mi_); vgl. auch _Schöll_ 272 (_Koler_ = Hunger, _kolerig_ =
-hungrig); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 340 (_Kolter_ = Hunger; _kolderig_ =
-ausgehungert, _kolterik_ = hungrig). Zur _Etymologie_: Nach _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. IV, Sp. 574 (unter »koldere[n]«), vbd. mit Sp. 575 (unter
-»kolderig«) und Sp. 574 (unter »Kolder«) dürften die Vokabeln in
-Beziehung zu setzen sein zu griech.-lat. _cholera_ = »Galle«, wozu auch
-das nhd. »Koller« gehört (vgl. darüber _Weigand_, W.-B. I, Sp. 1095/96).
-Dagegen ist in _Kohldampf_ u. ä. = Hunger (vgl. _Schütze_, S. 75, 76),
-das auch der _schwäb. Gauner- u. Kundenspr._ (71) sowie der _pfälz._ u.
-_schwäb. Händlerspr._ (438, 482) geläufig ist, die erste Silbe doch wohl
-zu unserem nhd. Kohl zu stellen; s. _Fischer_, a. a. O., Sp. 574; vgl.
-auch _Weber-Günther_, S. 191.]
-
-[Fußnote 73: ([13] auf S. 63.27) S. im W.-B. unter »Abendessen«.]
-
-[Fußnote 74: ([14] auf S. 63.27) S. unter »Frauenrock«.]
-
-[Fußnote 75: ([15] auf S. 63.27) Wahrscheinlich ist diese Bezeichnung
-nur aufzufassen als eine Kürzung von _schiebes malochen_ (vgl. _Groß'_
-Archiv, Bd. 46, S. 291, Anm. 2), das z. B. schon im _W.-B. des Konst.
-Hans_ vorkommt (258: _Jetzt maloch i' schiabes_ = jetzt gehe ich fort).
-Zur _Etymologie_ von _malochen_ (aus dem hebr. _mel'k[h]_ = »Arbeit,
-Verrichtung«) s. _Groß'_ Archiv, B. 46, S. 289 ff.; vgl. auch _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1426.]
-
-[Fußnote 76: ([16] auf S. 63.27) S. über _schiebes_: oben S. 26, Anm.
-63, über _bosten_: oben S. 26, Anm. 69.]
-
-[Fußnote 77: ([17] auf S. 63.27) S. unter »Dorf«.]
-
-[Fußnote 78: ([18] auf S. 63.27) S. unter »Stadt«.]
-
-[Fußnote 79: ([19] auf S. 63.27) Übereinstimmend hiermit hat schon das
-_W.-B. des Konst. Hans_ 256, 257 (in den »Schmusereyen«) _Palar_ u.
-_Balar_ = Dorf, während das eigentl. Vokabular (254) dafür nur _Ballar_
-anführt, das auch der _Dolm. der Gaunerspr._ 91 hat; ganz ähnlich ferner
-_Schöll_ 272 u. das _Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Balar_) sowie andere
-Quellen des 19. Jahrb. (so z. B. v. _Grolman_ 5 u. T.-G. 90). Die
-_Etymologie_ bleibt (nach _Fischer_, _Schwäb_. W.-B. I, Sp. 581)
-»unklar«. Einen Zusammenhang mit dem für »Wald« vorkommenden
-kundensprachl. _Ballat_ (s. z. B. _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77;
-vgl. auch _Groß'_ Archiv, Bd. 59, S. 264, 268 u. 281) oder _Ballert_ (s.
-dazu Archiv, Bd. 50, S. 360, Anm. 1) anzunehmen, erscheint wohl zu
-gewagt.]
-
-[Fußnote 80: ([20] auf S. 63.27) S. Näh. unter »Bauerndorf«.]
-
-Die ältere Zusammensetzung _Gefinkelterjohle_ = Branntwein[88] ist heute
-in zwei Wörter getrennt worden: _Gefinkelter_ und _Johle_, indem man
-unter ersterem den Branntwein, unter letzterem den Wein versteht[89].
-_Grandscharrle_ (= »Hatschier«) wurde früher (bei den jenischen Leuten)
-eine Art Landjäger (Gendarm) genannt[90]. Sowohl »Hatschier« wie das
-jenische _Grandscharrle_ sind jetzt nicht mehr gebräuchlich, aber ohne
-Zweifel stammt von letzterem das heutige kürzere jenische _Scharrle_ für
-»Schultheiß« (Bürgermeister) her[90]. _Kochem_, früher so viel wie der
-Gauner, Dieb, bedeutet jetzt nur »schlau, gescheit« (z. B. _kochemer
-Kaffer_ = ein gescheiter, kein dummer Mann, _sei kochem_ = sei gescheit
-usw.)[91]. _Zwiss_ = zwei war früher das einzige Zahlwort in unserem
-Jenisch[92], heute ist überhaupt keines mehr bekannt. Über das jetzt
-gleichfalls veraltete _tschi_ = ja s. das Nähere noch unten S. 31, Anm.
-118.
-
-[Fußnote 81: ([21] auf S. 63.28) S. Näh. unter »Abort«, »arg« und
-»Arrest«.]
-
-[Fußnote 82: ([22] auf S. 63.28) S. im W.-B. »Arrest«, vgl. auch
-»Gefängnis« und »Zuchthaus«; unter letzterem Wort ist jedoch _Dofes_
-nicht angeführt.]
-
-[Fußnote 83: ([23] auf S. 63.28) S. unter »ausstehlen«.]
-
-[Fußnote 84: ([24] auf S. 63.28) S. Näh. unter »Hure«.]
-
-[Fußnote 85: ([25] auf S. 63.28) S. unter »Beischläferin«.]
-
-[Fußnote 86: ([26] auf S. 63.28) S. unter »Diebstahl«.]
-
-[Fußnote 87: ([27] auf S. 63.28) S. unter »anfassen«.]
-
-[Fußnote 88: ([28] auf S. 63.28) S. Näh. im W.-B. unter diesem Worte.]
-
-[Fußnote 89: ([29] auf S. 63.28) S. Näh. im W.-B. unter »Branntwein« und
-»Apfelwein«. Die Trennung der beiden Wörter hat übrigens schon das
-_Pfulld. J.-W.-B._ (338 u. 346).]
-
-[Fußnote 90: ([30] auf S. 63.28) S. Näh. unter »Bürgermeister«.]
-
-[Fußnote 91: ([31] auf S. 63.28) Mit dieser Bedeutungserweiterung ist
-das Jenische wieder zu dem Begriffe des _hebr._ Stammwortes
-zurückgekehrt; s. schon oben »Vorbemerkung«, S. 5, Anm. 8; vgl. auch das
-W.-B. unter »besonnen«.]
-
-[Fußnote 92: ([32] auf S. 63.28) _Zwis_ = zwei haben schon der _Dolm.
-der Gaunerspr._ 102, das _W.-B. des Konst. Hans_ 256, 257 u. das
-_Pfulld. J.-W.-B._ 346 (hier [346] auch als Subst. = Paar), ja bereits
-der _Niedd. Lib. Vagat_ (78) kennt die Form _swis_. Vgl. dazu _Kluge_,
-Unser Deutsch (2. Aufl. 1910), S. 84; dort auch über das (ebenfalls in
-dem _schwäb._ Quellenkreise bekannte) Zahlwort _tribis_ oder _dribis_ =
-drei.]
-
-
-
-
- IV. Verzeichnis der jenischen Wörter, die aus der Zigeunersprache [63.29]
- stammen.[93]
-
-
- _jenisch_ _Bedeutung_ _zigeunerisch_[94]
- Babing Gans Babi[95]
- Balo Schwein Bali[96]
- Bellel Kropf Bälel[95]
- Bet Mark (Geldstück) Beti[95]
- bleisgeren bezahlen bleisern[97]
- Bochdam Leinwand, Tuch Pochtann[98]
- Bogeia Fischbein Gogeia (d. h.
- Knochen,
- Bein)[95]
- Bog(g)elo Hunger Bock, Bockelo[99]
- butsche fragen putsche[100]
- Dibolde Juden Bipolte[95]
- Dober Axt Tower[95]
- Doberle Beil zu Tower[101]
- Feneter Fenster Fenetra[95]
- Fu(h)l Kot (menschl.od. Ful[102]
- tierische
- Exkremente)
- Furschet Gabel Forschreta[95] [63.30]
- Gachne Huhn Kachni[103]
- Garo, Gari penis Gar[104]
- Gasche Menschen, Leute Gatsche[105]
- Gaschele Kinder (eigtl. zu Gatschen[105]
- »kleine Leute«)
- Gib Frucht, Getreide Gib[95]
- Girall Käse Girall[95]
- Glitschin Schlüssel Gliten[106]
- Jak Licht Jag (= Feuer)[95]
- kahla essen chala[107]
- Katschete Branntwein Chatscherti[95]
- Kopel Hose Cholep[108]
- Kuiete bes. Viehpulver, aber Chuerti[109]
- auch Pulver
- überhaupt, z. B.
- Schießpulver
- Lobe Geld Lowe[110]
- Loli, Lolo Gendarm vgl. lolo (d. h.
- rot)[95]
- Lomel Messerklinge Lommla[111]
- Lubne Dirne (= Hure) Lubni[112]
- manga betteln manga[95]
- Maro Brot Maro[95]
- Mass Fleisch Mass[113]
- Matrele Kartoffeln Maträli[114]
- Matsche Fisch Matscho[95]
- naschen fliehen, gehen nascha[95]
- Rat Blut Ratt[95]
- Ratte Nacht Rati[115]
- Romane Frau Romni[95]
- schoren stehlen vgl. Tschoraben, d.
- h. das
- Stehlen[116]
- Sende (die) Zigeuner Sinte (sing.
- Sinto)[95]
- Tschai Mädchen Tschai (Tochter,
- Mädchen)[95]
- tschanen fliehen, gehen (auch tschantamenge[95] [63.31]
- kommen)
- Tschuggel Hund Tschukel[95]
- Tschure Messer Tschuri[95]
-
-[Fußnote 93: ([1] auf S. 63.29) Zu diesem Verzeichnis sei bemerkt, daß
-ich es nach dem »deutsch-jenischen Wörterbuche« (sowie nach einzelnen
-Stellen von _Wittichs_ »Einleitung«) noch vervollständigt habe (es
-fehlten in ihm ursprünglich die Wörter _Bellel_, _Gib_, _Loli_ [Lolo],
-_Maro_, _Rat_, _schornen_ und _Tschai_); _nicht_ darin aufgenommen sind
-dagegen die _bloßen Ableitungen_ _bogelich_ = gierig, _lubnen_ = huren,
-_matschen_ = fischen u. _Matscher_ = Fischer (s. oben S. 9) sowie solche
-Vokabeln, bei denen nur _vermutungs_weise auch zigeunerischer Ursprung
-angenommen werden könnte (wie z. B. bei _Ki[e]bes_ = Kopf [s. Näh. unter
-»Angesicht«), _Kritsch_ = Bürgermeister [s. d.] u. _Toberich_ = Tabak,
-auch Pfeife [s. d.]). Zu _Feneter_ u. _Furschot_ ist zu sagen, daß sie
-zwar ins Jenische durch Vermittlung der Zigeunersprache eingedrungen
-sein mögen (s. Näh. im W.-B. unter »Fenster« u. »Gabel«), eigentlich
-aber natürlich, aus dem _Französischen_ herstammen, von dem sie ev. auch
-direkt entlehnt sein könnten (vgl. »Vorbemerkung«, S. 10, Anm. 26).
-_Lomel_ = Messerklinge kann wahrscheinl. unmittelbar auf ein deutsches
-Lehnwort (aus dem Latein.) zurückgeführt werden (s. Näh. im W.-B. unter
-»Klinge«). — Über den auffälligen Wechsel der Konsonanten im Anfang der
-Wörter _Bogeia_ u. _Dibolde_ (statt zigeun.: _Gogeia_ u. _Bipolte_) s.
-d. Näh. im W.-B. unter den deutschen Bedeutungen.]
-
-[Fußnote 94: ([2] auf S. 63.29) Da _Wittich_ die Zigeunerwörter durchweg
-in der Form angeführt hat, die sie in dem von ihm gesammelten, durch
-_Jühling_ in _Groß'_ Archiv, Bd. 32, S. 219 ff. herausgegebenen
-»alphabet. Wörterverzeichnis der Zigeunersprache« (vgl. »Vorbemkg.« S.
-2, Anm. 2) zeigen, habe ich die Ergänzungen (s. oben Anm. 93) ebenfalls
-_danach_ angeführt.]
-
-[Fußnote 95: ([3] auf S. 63.29) S. das deutsch-jenische W.-B. unter der
-deutsch. Bedeutg.]
-
-[Fußnote 96: ([4] auf S. 63.29) S. das W.-B. unter »Eber«.]
-
-[Fußnote 97: ([5] auf S. 63.30) S. das W.-B. unter »anzahlen«.]
-
-[Fußnote 98: ([6] auf S. 63.30) S. unter »Barchent«.]
-
-[Fußnote 99: ([7] auf S. 63.30) S. »Appetit«.]
-
-[Fußnote 100: ([8] auf S. 63.30) S. »anfragen«.]
-
-[Fußnote 101: ([9] auf S. 63.30) S. »Axt«.]
-
-[Fußnote 102: ([10] auf S. 63.30) S. »Abort«.]
-
-[Fußnote 103: ([11] auf S. 63.30) S. »Hahn«.]
-
-[Fußnote 104: ([12] auf S. 63.30) S. »Glied (männliches)«.]
-
-[Fußnote 105: ([13] auf S. 63.30) S. »Kerl«.]
-
-[Fußnote 106: ([14] auf S. 63.30) S. »Dietrich«.]
-
-[Fußnote 107: ([15] auf S. 63.30) S. »Abendessen«.]
-
-[Fußnote 108: ([16] auf S. 63.30) S. »Beinkleid«.]
-
-[Fußnote 109: ([17] auf S. 63.30) S. »Mastpulver«.]
-
-[Fußnote 110: ([18] auf S. 63.30) S. »Bank«.]
-
-[Fußnote 111: ([19] auf S. 63.30) S. »Klinge«.]
-
-[Fußnote 112: ([20] auf S. 63.30) S. »Beischläferin«.]
-
-[Fußnote 113: ([21] auf S. 63.30) S. »Aas«.]
-
-[Fußnote 114: ([22] auf S. 63.30) S. »Erdäpfel«.]
-
-[Fußnote 115: ([23] auf S. 63.30) S. »Abend«.]
-
-[Fußnote 116: ([24] auf S. 63.30) S. »ausstehlen«.]
-
-_Besondere Bemerkungen (Wittichs) zu einzelnen dieser Vokabeln_: In der
-Zigeunersprache bedeutet _lolo_ rot, der Rote, im Jenischen wird mit
-_Loli_ oder _Lolo_ der Gendarm bezeichnet, wahrscheinlich nach den
-früheren roten Aufschlägen der Landjäger. _Gaschele_ = Kinder (d. h.
-eigentl. »kleine Leute«) im Jenischen ist abzuleiten vom zigeun.
-_Gatsche_, sing. _Gatscho_, der Nichtzigeuner, Mann, Bauer, im
-Gegensatze zum zigeun. _Rom_, der Mann überhaupt[117], und _Sinto_, der
-Zigeuner. _Tschai_ ist der jenische Ausdruck für jedes Mädchen (einerlei
-ob Stadtfräulein, Kellnerin oder Bauernmädchen) sowie auch für die
-Geliebte, während damit im Zigeunerischen nur ein Zigeunermädchen
-(Tochter) oder eine Zigeunerfrau (Gattin) niemals aber eine
-Nichtzigeunerin bezeichnet wird[118].
-
-[Fußnote 117: ([1] auf S. 63.31) Über das fem. _Romane_ s. Näh. im W.-B.
-unter »Frau«.]
-
-[Fußnote 118: ([2] auf S. 63.31) An einer anderen Stelle der
-»Einleitung« hatte der Verf. auch die heute in der »jenischen Sprache«
-veraltete Vokabel _tschi_ = ja (vgl. übereinstimmend u. a. schm. _Dolm.
-der Gaunerspr._ 94, _W.-B. des Konst. Hans_ 255, 256 [_t'schi_] u.
-_Pfulld. J.-W.-B._ 349) in Beziehung gesetzt zu dem zigeun. Ausdruck
-_tschi_ = nicht(s) (nein) (vgl. _Pott_ I, S. 274, 323; _Liebich_, S.
-164, 225 [_tsi_, _tschi_ = nicht, nichts]; _Miklosich_, Beiträge l/II,
-S. 26 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 189 [_či_ = nicht(s)]; _Finck_, S.
-91 [_tši_ = nicht]), das auch in die _schwäbische Händlersprache_
-eingedrungen ist (s. U. [214]: _tschi_ = nein). Danach würde es sich
-dann hierbei um einen — bes. merkwürdigen — Fall der sog.
-_Enantiosemie_, d. h. der Umkehrung der Bedeutung in das gerade
-Gegenteil (vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 20, 21, Anm. 14) handeln. Es
-dürfte jedoch _richtiger_ sein, mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432
-das italienische _si_ (dial. _ši_ [spr. schi]) = »ja« (das auch in
-deutsche Mundarten eingedrungen ist [vgl. _Lexer_, Kärnt. W.-B., Leipz.
-1867, S. 216: _schi_ = ja]) als die Quelle zu vermuten.]
-
-
-
-
- V. Deutsch-jenisches Wörterbuch.
-
-
- A.
-
-Aas, _mufiger Bossert_ oder _mufiger Mass_, d. h. stinkendes
-Fleisch[119]
-
-[Fußnote 119: ([3] auf S. 63.31) a) Über die Analogie in der
-Zigeunerspr. (_mulo mass_, eigtl. »totes Fleisch« [s. _Liebich_, S. 147,
-171]) vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 47. Das Adj. _mufig_ od.
-_muffich_ = stinkend gehört zu dem Zeitw. _muffen_ = riechen
-(»schmecken«), stinken; vgl. auch die Verbdgn. _dof muffen_ (eigtl. »gut
-riechen«) = duften u. _Toberich muffen_ (eigtl. »Tabak riechen«) =
-schnupfen (vgl. »Pfeife«). Eine _Zusammensetzg._ mit dem Stamme
-(_muff-_) des Zeitworts ist _Muffkenem_ = Wanze (eigtl. »Stinklaus«;
-vgl. über Analogie im Zig. »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 47 u. Näh. unter
-»Wanze« bezw. »Filzlaus«). Als _Subst._ gebraucht ist _Muffen_ = Geruch.
-Weitere Ableitungen sind: _Muffer_ (eigtl. »Riecher«) = Nase (vgl. dazu
-_Mufferhorboge_, eigtl. »Nasenkuh« = Nashorn [s. d. betr.
-Übereinstimmung mit d. Zigeun.; vgl. auch schon »Vorbemerkg.« S. 18])
-und _Mufferei_ = Gestank, Witterung (daher: _begerische Mufferei_ =
-Totengeruch; vgl. Näh. unter »absterben«). Ein Zeitw. _vermuf(f)en_
-setzt voraus das Partizip _vermuft_, eigtl. = verfault, dann (im
-übertragenen Sinne) = arm (ärmlich, armselig), heruntergekommen,
-bankerott, auch als Subst. gebraucht für Armut, Bedrängnis, Konkurs. _Zu
-vgl. (aus dem bes. verwandten Quellenkreise)_: _Dolm. der Gaunerspr._ 96
-(_Muffer_ = Nase); _Schöll_ 271, 272 (_muffen_ = riechen, _Muffer_ =
-Nase); _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 340, 342, 343 (_muffen_ = riechen,
-_Muffer_ = Nase); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 488 (_Muffer_ = Nase,
-_vermuft_ = bankerott, in _Pfedelb._ [210, 212] auch: _muffen_ = riechen
-und _Muffert_ = Mist, in _Lütz._ [215]: _muffen_ = riechen, _vermuffen_
-= im Spiel verlieren u. _Muffnagel_ = Zigarre, in _Degg._ [215]:
-_Mufferling_ = = Schnupftabak). _Zur Etymologie_ (von dem deutsch.,
-mundartl. weit verbreiteten Zeitw. _muffen_ = ȟbel, insbes. nach Moder
-oder Fäulnis riechen« bezw. d. Adj. _muffig_ od. _mufficht_) s. _Pott_
-II, S. 18 u. A.-L. 576 vbd. mit _Grimm_, D. W.-B. VI, Sp. 2625 und Sp.
-2623 (unter »Muff«, I, Nr. 3), _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1573 ff.
-u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1784; vgl. auch _Weigand_, W.-B. II,
-Sp. 326.
-
-b) _Bossert_ = Fleisch (auch speziell »Wellfleisch«), Braten, erscheint
-sehr beliebt in allerlei _Zusammensetzgn._ (oder _Verbindgn._) und zwar
-bes.: [Griechisch: a]) _ans Ende_ gesetzt, so: aa) für die Fleischarten
-_nach den verschiedenen Tieren_, wie: _Babingbossert_ = Gänsefleisch
-(_gesicherter Strohbutzerbossert_ = Gänsebraten), _Kibe(n)bossert_ =
-Hundefleisch, _Stupflengbossert_ = Igelfleisch, _Schmalerbossert_ =
-Katzenfleisch, _Horbogebossert_ = Kuh- oder Rindfleisch,
-_Hornikelbossert_ = Ochsenfleisch, _Trabertbossert_ = Pferdefleisch,
-_Groenikelsbossert_ = Schweinefleisch; ferner bb) für die _Art der
-Zubereitung_: _eingespronktes Bossert_ = Pökelfleisch, _Hitzlingbossert_
-= Rauchfleisch, _Spronkertbossert_ = Salzfleisch, _Schwäzlingbossert_ =
-Schinken, _Schmunkbossert_ = Speck, _Rondlingbossert_ = Wurstfleisch;
-cc) für _menschl. Körperteile_: _Näpflingbossert_ = Zahnfleisch; dd)
-auch im _übertragenen Sinne_: _Koelebossert_ = »Teufelsbraten«;
-[Griechisch: b]) _am Anfang_ der Zusammensetzg. stehend; aa) für
-_Gerätschaften_, wie _Bossertschottel_ = Fleischbüchse, _Bossertnolle_ =
-Fleischhafen; bb) für gewisse _Speisen_: _Bossertblättling_ = Gulasch
-(eigtl. »Fleischsalat«), _Bosserträsling_ = Leberkäse; cc)
-_Bossertschei_, d. h. eigtl. »Fleischtag« = Sonntag (s. d. betr. die
-Übereinstimmung mit d. Zigeunerischen, vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 18).
-_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkreise_): _Dolm. der Gaunerspr._ 92, 99
-(_Boser_ = Fleisch, Speck); _Pfulld. J.-W. B._ 339, 340, 341 (_Bosert_ =
-Fleisch, _Schwarzbosert_ = geräuchertes Fleisch, _B. von einem Horboge_
-= Kalbfleisch); _Schwäb. Gauner- u. Kundenspr._ 69, 75 (_Bossert_ =
-Fleisch, _Schmunkbossert_ = Speck); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Bosset_,
-_Bôser_ od. _Bôßert_ = Fleisch; dazu noch in _Pfedelb._ [209, 213] bes.
-_Graunikels-, Hobuchen-, Trappertbossert_ = Schweine-, Kuh-,
-Pferdefleisch u. _Schmunkbossert_ = Speck sowie in _Lütz._ [213]:
-_Flīse-bosert_ = Ente). Zur _Etymologie_ (vom hebr. _bsr_, jüd.
-_bôsôr_ = »Fleisch«) sowie über weitere Belege im Rotw. (seit d. 15.
-Jahrh.) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 10 u. Anm. 2; vgl. auch
-_Weber-Günther_, S. 154 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1316.
-
-c) _Mass_ (im wesentl. gleichbed. mit _Bossert_ gebraucht) erscheint
-nicht ganz so beliebt in _Zusammensetzgn._, doch findet es sich z. B.
-(am Ende) in verschiedenen Bezeichnungen von Fleischarten nach Tieren,
-wie _Babingmass_ = Gänsefleisch (_gesicherter B._ = Gänsebraten),
-_Tschuggel-_, _Stupfleng-_, _Horboge-_, _Trabertmoss_ = Hunde-, Igel-,
-Kuh-, Pferdefleisch. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkreise_); _Dolm.
-der Gaunerspr._ 92, 99 (_Mas_ = Fleisch, Speck); _W.-B. des Konst. Hans_
-245 (_Mass_); _Pfulld. J.-W.-B._ (nur in gewiss. Zusammensetzgn., z. B.
-[343] _Horboge-Maß_ = Ochsenfleisch); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Maß_;
-_Maßfetzer_ = Metzger; in _Pfedelb._ [214]: _Mast_ = Wurst). Vgl. auch
-_Metzer Jenisch_ 216 (_Mās_ = Fleisch). Zur _Etymologie_: Am
-wahrscheinlichsten ist es, daß das Wort ins Rotwelsch und die verw.
-Geheimsprachen unmittelbar aus der Zigeunersprache eingedrungen ist
-(vgl. »Einleitg.« S. 30), welche _mas_ od. (in Deutschl.) _mass_ (schon
-altind. _māsa_) in gleicher Bedeutung kennt (s. die Angaben in
-_Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 257 unter »Masengero« und dazu noch _Finck_,
-S. 72); doch mag auch das tschechische, ebenfalls gleichbed. _maso_ mit
-eingewirkt haben. Über das (auf die gleiche indogerm. Wurzel
-zurückgehende) früher gemein-germanische, jetzt im wesentl. veraltete
-_Mass_ = »Speise« (»zugemessene, ausgeteilte Kost für die Hausgenossen«,
-schon ahd. u. mhd. _maz_ [vgl. _Lexer_, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 2063],
-got. _mats_, angels. _mete_, engl. _meat_) s. Näh. bes. bei _Grimm_, D.
-W.-B. VI, Sp. 1721; vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1517
-(unter »Mass« II, Nr. 1 u. 2).]
-
-abbeißen, _abnäpfen_[120] [63.33]
-
-abbetteln, _abdalfen_[121], _abderchen_[122]
-
-[Fußnote 120: ([4] auf S. 63.33) Das Zeitw. _näpfen_ bedeutet: beißen,
-kauen, nagen (daher _abnäpfen_ auch = abnagen), auch jucken. Weitere
-_Zusammensetzgn._ damit sind (außer _abnäpfen_) noch _ausnäpfen_ =
-ausbeißen und _wegnäpfen_ = wegnagen, _Ableitungen_ davon: das Adj.
-_näpfich_ (_-ig_) = bissig (beißend), krätzig, räudig (vgl. die
-_Verbdg._ _näpfiger Schund_ [eigtl. »beißender Dreck«] = Kalk [s. d.
-betr. Übereinstmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch »Vorbemerkg.« S. 17]) u.
-das Subst. _Näpfling_ = Zahn, Gebiß (vgl. die Zus. _Ober-_ und
-_Vordernäpfling_ = Ober- und Vorderzahn sowie _Näpflingsins_ = Zahnarzt
-u. _Näpflingbossert_ = Zahnfleisch). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkreise_): nur _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_näpfen_ = beißen, in
-_Pfedelb._ [209] = coire, in _Lütz._ [215]: _Näpfling_ = Zahn). Die
-_Etymologie_ bleibt unklar. Auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV., Sp. 1941
-hat _näpfen_ = beißen nicht bestimmt erklärt. Über die Bedeutg. _coire_
-s. ebds. vbd. mit Sp. 1914 unter »naffze(n)« u. »Naffke« (wozu zu vgl.
-_Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 233).]
-
-[Fußnote 121: ([5] auf S. 63.33) Das Zeitw. _dalfen_ bedeutet: betteln
-(begehren, fordern). Weitere _Zus._ damit: _andalfen_ = anbetteln;
-_Ableitungen_ davon: _Dalfer_ = Bettler u. _Dalferei_ = Bettelei. _Zu
-vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 90 (_talfnen_
-= betteln); _Schöll_ 273 (_Talfer_ od. _Talcher_ = Bettler); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 336, 337, 338, 340 (_dalven_ = abbetteln, _dalfen_ = betteln,
-_ausdalfen_ = ausbetteln, _Dalver_ = Armer, _Dalfer_ [Dalcher] =
-Bettler, _Talfkunde_ = Handwerksbursche); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._
-67, 68 (_dalfen_ = betteln, _Kaff abdalfen_ = Dorf abbetteln,
-_Dalfianus_ = Bettler); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_dalfen_ = betteln).
-Zur _Etymologie_ (wohl vom hebr. _dal_ = »arm«) sowie über sonstige
-Belege im Rotw. s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 9 (unter
-»Talfkunde«) vbd. mit Bd. 33, S. 241/42, Anm. 1. Nach _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. II, Sp. 39 ist der Ursprung des Wortes »unklar«.]
-
-abbiegen, _abschurele_[123] [63.34]
-
-abbinden, _abschurele_
-
-[Fußnote 122: ([6] auf S. 63.34) Das Zeitw. _derchen_ erscheint im wes.
-als Synon. zu _dalfen_ (Bedeutg. also bes.: betteln, ferner begehren,
-bitten (daher _abderche_ auch = abbitten), [er]flehen, fordern,
-verlangen); vgl. dazu die _Verbindg._ _derchter Lehm_ = Bettelbrot
-(wörtl. »gebetteltes Brot«). Weitere _Zusammensetzungen_: _anderchen_ =
-anbetteln, auch wohl _bederchen_ = bedanken, danken. _Ableitungen_: die
-Subst. _Dercher_ = Bettler (fem.: -ere) u. _Dercherei_ = Bettelei (auch
-Gesuch) u. das Adj. _dercherich_ = dürftig (ärmlich, bettelhaft),
-verarmt, das auch als Subst. gebraucht wird (_Dercherich_ = Mangel,
-Not). Beliebt sind allerlei _Zus._ mit _Dercher_, so: _Dercherbich_
-(eigtl. = Bettelgeld, dann) = Almosen (s. d. betr. Übereinstimmung mit
-d. Zigeun.), _Dercherulma_ = arme Leute (Bettelleute), _Dercherkritzler_
-= Bettelbrief, _Dercherfiesel_, _-kaffer_, _-model_, _-moss_ =
-Bettelbube, -mann, -mädchen, -frau, _Dercherrande_, _-stenz_ =
-Bettelsack, -stab. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 90, 93 (_därgen_ = betteln, _Daerge-stozem_ =
-Handwerksbursche); (_Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_türchen_); _Schwäb.
-Händlerspr._ 479 (_derchen_, in _Pfedelb._ [213] auch: _Dercherkitt_ =
-Bettelhaus). Die _Etymologie_ ist unsicher (vielleicht zu hebr. _dereq_,
-jüd. _derech_ = »Straße, Weg«, jedoch ev. mit Einfluß deutscher Wörter);
-s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 284/5 u. Anm. 2 u. 3 (unter
-»Derfen-Schin«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W. B. II, Sp. 74 u. 159
-(unter »därgen« und »derchen«).]
-
-[Fußnote 123: ([7] auf S. 63.34) Das Zeitw. _schurele_ findet sich nur
-vereinzelt ohne weiteren Zusatz gebraucht, nämlich für »begatten« oder
-»erzeugen« (wozu der Gebrauch des Hauptw. _Schure_ für »männliches
-Glied« paßt), dagegen versieht es in _Zusammensetzgn._ die Funktion
-einer Art von Aushilfszeitw. (vgl. _Wittichs_ »Einleitung«, S. 24 und
-meine »Vorbemerkung«, S. 16, Anm. 40). So bedeutet z. B. _abschurele_
-(außer »abbiegen«) noch: abbinden, ablesen, abmähen, abpflücken,
-abputzen, abreißen, abschirren, abschneiden, absondern, abwischen und
-abziehen; ferner _anschurele_: anbinden, anblasen, anfangen, anhalten,
-anschneiden; _aufschurele_: aufbewahren, aufbrechen, aufdecken,
-aufheben, aufladen, auflesen, aufmachen, aufsuchen; _ausschurele_:
-ausbürsten, ausfragen, ausrechnen; _einschurele_: einblasen, einbrechen,
-einfangen, einfüllen, eingeben, einschneiden, einschnüren, einschütten,
-einspannen. Zur _Etymologie_: Das Zeitw. ist offenbar eine (aus den
-sonstigen Geheimsprachen mir nicht bekannte) Ableitung des Hauptworts
-_Schure_, über dessen Gebrauch als Aushilfswort für die verschiedensten
-Begriffe, für die es im Jenischen an besonderen Bezeichnungen fehlt,
-schon in meiner »Vorbemerkung« (S. 16) und in _Wittichs_ »Einleitung«
-(S. 24) kurz die Rede gewesen. Hier folgt nun eine genaue Aufzählung der
-einzelnen Fälle. _Schure_ im allgem. = »Ding« (ursprüngl. wohl [wie
-_Sore_] = »Ware«, obwohl es im Vokabular unter diesem Worte fehlt) kommt
-vor: a) für sich _allein_ (ohne Zusatz), zunächst: [Griechisch: a]) für
-mancherlei _Sachen_ (unbelebte Dinge), nämlich: Acker, Angel, Bindfaden,
-Brecheisen, Brei, Bremse, Brücke, Buch, Bürste, Decke, Deckel, Deichsel,
-Dorn, Dose, Draht, Eimer, Eis, Eisen, Faden, Fahne, Falle, Gitarre,
-Gürtel, Puppe (Docke); vgl. das Dimin. _Schurele_ = Brett; ferner bes.
-noch [Griechisch: b]) für gewisse _Pflanzen_ (Gemüse usw.), so: Binsen,
-Blume, Bohne, Gurke; [Griechisch: g]) für den _abstrakten Begriff_
-»Eid«; [Griechisch: d]) für _menschl. Körperteile_: Achsel, männliches
-Glied; [Griechisch: e]) für _Tiere_: Affe, Bock, Bremse (? [s. d.]),
-Dohle; vgl. das Dimin. _Schurele_ = Eidechse; b) in _Zusammensetzungen_:
-[Griechisch: a]) für _Sachen_ (im w. S.): _Sauftschure_ = Bettuch
-(»Bett[über]züge«), _Feberschure_ = Bleistift, _Lehmschure_ =
-Brotschrank, _Rutscherschure_ = Bürsten, Kehrbesen, _Schmunk-Schure_ =
-Butterfaß (Schmalzfaß), _Scheischure_ = Docht, _Bich-_, _Kies-_ oder
-_Lobeschure_ = Geldkasse oder -kästen, _Begerschure_ = Gottesacker
-(Kirchhof), Grab, Gruft, _Straubertsschure_ = Haarnadel, -öl oder Kamm,
-_Dokschure_ = Hacke, _Niklengschure_ = Harfe, Harmonika, _Nikelschure_ =
-Klarinette (_Nikleschure_ = Leierkasten), _Stöberschure_ = Obst,
-_Toberichschure_ = (Tabaks-)Pfeife, Zigarre, _Streiflingschure_ =
-Strumpfband; [Griechisch: b]) für einen mehr _abstrakt._ Begriff, näml.
-_Randeschure_ = Bauchgrimmen (Bauchweh); vgl. auch die Verbindung
-_grandiche Schure_ = Reichtum, Überfluß, Vermögen (vgl. auch
-»vermögend«); [Griechisch: g]) für ein _Tier_: _Jahre-_ oder
-_Kracherschure_= Hirsch; [Griechisch: d]) für _Personen_ (Berufe):
-_Schoffeleischure_ = Gerichtsvollzieher (Spr.), _Groenikelschure_ = Sau-
-(Schweine-)Hirt, _Jerusalemsfreundschure_ = Schafhirt, Schäfer. _Zu
-vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): nur _Schwäb. Händlerspr._ 480, 481
-(_Schure_ = Ding, Gegenstand, nur in _Wolfach_ [484] auch = Mund, in
-_Lütz._ [215] = Ware). Die gaunersprachl. Quellen, bes. der _älteren_
-Zeit, haben dafür meist die Form _Sore_ (s. darüber Näh. unter
-»Brücke«). Über sonstige Formen sowie über die _Etymologie_ des Wortes
-(vom hebr. _sĕchôr_ = »Handelsverkehr«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv,
-Bd. 38, S. 241 u. Anm. 1 u. S. 242 (unter »Sorar«).]
-
-abbitten, _abderche_[124] [63.35]
-
-abbrennen, _abfunken_[125]
-
-[Fußnote 124: ([8] auf S. 63.35) S. abbetteln.]
-
-[Fußnote 125: ([9] auf S. 63.35) Das Zeitw. _funken_ bedeutet brennen
-(vgl. _funkt_ = brennend, d. h. eigtl. »[es] brennt«), heizen, zünden;
-vgl. die _Verbindg._ _g'funktes Gib_ = Malz (eigtl. »gebranntes
-Getreide«, in Übereinstimmung mit der Zigeunerspr. [vgl. schon
-»Vorbemerkung«, S. 17 sowie unter »Malz«]). Weitere _Zus._ sind:
-_anfunken_ = anzünden (vgl. dazu _a'gefunkter Spraus_ = Kohle),
-_ausfunken_ = ausbrennen, verlöschen, _einfunken_ = einbrennen,
-einheizen, _niederfunken_ = niederbrennen, _verfunken_ = verbrennen,
-versengen. Das Verbum gehört zu dem Stamme _Funk_ = Feuer (Brand,
-Flamme, Glut); vgl. die _Verbindgn._ und _Zusammensetzgn._: _Funk
-anpflanzen_ und _auspflanzen_ = anbrennen und (aus)löschen, _grandicher
-Funk_ = Feuersbrunst (s. d. betr. d. Übereinstimmung mit der
-Zigeunerspr.; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 17); _Funkkies_ =
-Feuerstein, _Funkspreisle_ = Zündhölzer. _Ableitungen_: das Subst.
-_Funker_ = Köhler, Kohlenbrenner (aber das Dimin. _Funkerle_ =
-Zündhölzer) und das Adj. _funkich_ = feurig. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 90, 100 (_funken_ = brandmarken,
-_gefunkt werden_ = gebrandmarkt werden, _verfunkt werden_ = verbrannt
-werden); _Schöll_ 274 (_Funkbruder_ = Brandbettler); _Pfulld. J.-W.-B._
-336, 337, 339, 345 (_Funk_ = Feuer, _funken_ = brennen, feuern, _ab-_,
-_verfunken_ = ab-, verbrennen); _Schwäb. Gauner- und Kundenspr._ 68
-(_funken_ = brennen; _Funkerer_ = Brandstifter); _Schwäb. Händlerspr._
-480, 483, 488 (_Funk_ [in _Pfedelb._ (209, 211): [_Funkert_] = Feuer,
-Licht, _Funker_ [in _Pfedelb._ (214): _Funkert_] oder _Funkerle_ =
-Zündholz; in _Degg._ [215]: _Funkspraus_ = Zigarre; in _Pfedelb._ 208,
-213]: _funken_ = brennen, _abfunken_ = abbrennen, _anfunke[l]n_ =
-anbrennen [dieses auch in _Lütz._ (214)], _verfunken_ = verbrennen).
-Vgl. noch _Pfälz. Händlerspr._ 437 (_Funkert_ = Feuerzeug); _Metzer
-Jenisch_ 216, 217 (_Funkert_ = Feuer, _funke_ = kochen, sieden). Zur
-_Etymologie_ der Vokabeln (die sämtl. _deutsch._ Ursprungs sind) s. das
-Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 48 unter »Funker«; vgl. auch
-_Weber-Günther_, S. 187 (unter »Funkert«), sowie _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. II, Sp. 1832 (unter »Funk« Nr. 3) und Sp. 1833 (unter »Funker«).]
-
-abbrühen (»abschäumen«), _abflu(h)ten_[126] [63.36]
-
-Abend, _Leile_[127], _Ratte_[128]
-
-[Fußnote 126: ([10] auf S. 63.36) Diese Bezeichnung setzt ein Zeitw.
-_flu(h)ten_ voraus, das aber (für sich _allein_) in _Wittichs_ Vokabular
-nicht vorkommt. Das Stammwort ist das Subst. _Flu(h)te_ (masc. gen.),
-hier im Sinne von »Brühe« (s. d.), sonst bes. = Wasser (Bach, Bad, Fluß,
-Flut, Gewässer, Quelle, See, Strom, Teich), das auch als Adj. (= naß)
-gebraucht wird. Es erscheint beliebt in Verbindungen, wie _biberischer
-Flu(h)te_ (_Biberischerflute_) = Eiswasser (eigtl. »eisiges Wasser«),
-_bostender Flu(h)te_ = laufendes Wasser (und dazu die Redensart:
-_Flu[h]te bostet mer herab_ = ich schwitze (eigtl. »das Wasser läuft mir
-herab«, in Übereinstimmung mit der Zigeunerspr. [vgl. das Näh. unter
-»schwitzen«]) und _grandich Flu(h)te_ (eigtl. »großes [oder größtes]
-Wasser«) = Meer (vgl. »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 49), namentlich aber
-in _Zusammensetzgn._, wie a) _am Anfang_ stehend: _Flu(h)tesore_ =
-Brücke (s. d.), aber auch Wasserfaß, _Flu(h)tekies_ (eigentl.
-»Wasserstein«) = Insel (s. d. betr. Analogie im Zigeunerischen),
-_Flu(h)tefläderling_ (eigtl. »Wasservogel«) = Bachstelze,
-_Flu(h)tekupfer_ = Meergras oder Schilf, _Flu(h)tegroenikel_ =
-Meerschweinchen, _Flu(h)tefu(h)l_ oder _-schund_ = Schlamm,
-_Flu(h)tekib_ = Seehund, _Flu(h)tegachne_ oder _-stierer_ = Wasserhuhn,
-_Flu(h)tenolle_ = Wasserkrug, _Flu(h)terolle_ = Wassermühle; b) _ans
-Ende_ gesetzt: _Scheinlingflu(h)te_ = Augenwasser, _Flösselflu(h)te_ =
-Harn (Urin), aber auch Regenwasser, _Pfladerflu(h)te_ = Waschwasser,
-_Süßlingflu(h)te_ = Zuckerwasser; über _Biberischerflu(h)te_ (in einem
-Wort geschr.) s. schon oben unter a. Eine weitere _Ableitung_ von
-_Flu(h)te_ (außer _abflu[h]ten_) ist das Adj. _flu(h)tich_ = feucht,
-wässerig, auch als Subst. (_Flu(h)tich_ gebr. = Nässe. — _Zu vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Flude_ = Wasser);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 342, 346 (ebenso, Bedeutg. auch: Bach; _grandig
-Flotte_ = Meer); _Schwäb. Händlerspr._ 482, 488 (_Flude_ oder _Flute_,
-auch _Flôte_ = Wasser, _Fludi_ = Kaffee [in _Pfedelb._ (210) dafür
-_Schwarzflude_ od. _-floße_]; in _Lütz._ [215]: _flude[n]_ = regnen).
-Der _Etymologie_ nach gehört das (auch sonst im Rotwelsch bekannte) Wort
-(vgl. z. B. schon _Basl. Gloss._ 1733 [202: _Flodi_]) wohl zweifelsohne
-zu unserem deutschen »Flut«. Vgl. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1597
-vb. mit _Weigand_, W-B. I, Sp. 564/65.]
-
-Abendbrot (Abendtisch) s. Abendessen [63.37]
-
-Abendessen, _Leilebiken_[129], _z'Leilebutten_[130], _Rattekahla_[131]
-
-[Fußnote 127: ([11] auf S. 63.37) _Leile_ hat die Grundbedeutg. »Nacht«,
-kommt aber auch spezieller für Mitternacht, sowie ferner (außer für
-Abend) noch für Dämmerung oder Finsternis vor, sodann als Adj. gebraucht
-für dunkel oder finster. Auch sind damit ziemlich viele
-_Zusammensetzgn._ gebildet (und zwar sämtl. so, daß das Wort am
-_Anfange_ steht), nämlich: _Leilebiken_ = Abendessen (während Nachtessen
-durch _Leilebikus_ u. _-achilerei_ wiedergegeben), _Leileschenagel_ =
-Nachtarbeit, _Leileschei(n)_ = Nachtlicht, _Leilesitzling_ = Nachtstuhl,
-_Leilekaffer_ = Nachtwächter, _Leilekitt_ = Wachthaus, _Leileschrende_ =
-Wachtstube; bes. interessant sind noch die Umschreibungen
-_Leilefläderling_ = (eigtl. »Nachtvogel«) = Eule (s. d. betr.
-Übereinstimmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch »Vorbemrkg.«, S. 18),
-_Leileschei(n)_ (eigtl. »Nachtlicht« [s. oben]) = Mond (s. d. betr.
-Analogie im Zigeun.; vgl. auch »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 47) oder auch
-Stern (daher _Leilescheischund_ [eigtl. »Nachtlichtschmutz«] =
-Sternschnuppe). Zu _vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 96 (_Leile_ = Nacht); _W.-B. des Konst. Hans_ 258 (_z' leili
-schefte_ = »logieren«, _heute leile_ = heut' Nacht); _Schöll_ 271
-(_Leile_); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_Beily_ [vedr. für _Leily_]);
-_Schwäb. Händlerspr._ 484 (_Laile_ od. [in _Pfedelb._ (211) _Leile_).
-Vgl. auch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Laile_). Zur _Etymologie_ (vom
-hebr. _lail[h]_ = »Nacht«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 229
-(unter »Leilest«); vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp.
-1148/49.]
-
-[Fußnote 128: ([12] auf S. 63.37) _Ratte_, für dieselben Bedeutungen wie
-_Leile_ (also z. B. auch als Adj. für »dunkel«) gebraucht, kommt in
-_Zusammensetzgn._ seltener vor, doch findet sich _Rattekahla_ =
-Abendessen, _Rattebutterei_ = Nachtessen u. die Umschreibg.
-_Rattefläderling_ = Eule (s. Anm. 127). _Zu vergl._ (aus d. _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Ratte_ = Nacht); _W.-B. des
-Konst. Hans_ 255, 256, 257, 258 (_Ratiginger_ = Nachtdiebe, _Ratte_ =
-Nacht, _zwei Rattene_ = zwei Nächte); _Schöll_ 272 (_Ratte_); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 342 (ebenso); _Schwäb. Gaun.-u. Kundenspr._ 73 (desgl.);
-_Schwäb. Händlerspr._ 480 (_ratt[e]_ = dunkel, in _Pfedelb._ [214] auch
-_Ratte_ = Nacht. in U. [214]: _Rattebutte[n]_ = Nachtessen). Zur
-_Etymologie_ (vom gleichbed. zigeun. _rat_ oder [in Deutschl.] _ratt_,
-schon altind. _ratri_) s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 212,
-Anm. 1, u. dazu noch _Finck_, S. 82.]
-
-[Fußnote 129: ([13] auf S. 63.37) Das (hier substantivisch gebrauchte)
-Zeitw. _biken_ bedeutet: essen (kauen, schmausen, verzehren); vgl. dazu:
-_grandich bikt_ = satt (eigtl. »viel gegessen«). Weitere
-_Zusammensetzgn._: _ab-_, _auf-_, _ausbiken_ = ab-, auf-, ausessen.
-_Ableitungen_: die Substantive _Bikerei_ = Essen (Frühstück, Gastmahl,
-Gericht, Mahlzeit, [das] Speisen) oder (in latinis. Form) _Bikus_ =
-Essen (Gastmahl, Gericht, Kost, Mahlzeit, Schmaus, Speise), beide
-(namentl. aber das letztere) auch in _Zus._ beliebt; vgl.
-_Schimmerlingsbikerei_ od. _Flößlingbikus_ = Fischessen,
-_Strohbuzerbikus_ = Gansessen, _Langohrbikus_ = Hasenessen,
-_Stupfelbikus_ = Igelessen, _Rondlingbikus_ = Wurstessen; ferner:
-_Groenereibikus_ = Hochzeitsschmaus, _Begerbikerei_ od. _-bikus_ =
-Leichenschmaus, _Leilebikus_ = Nachtessen (vgl. oben Anmerkung 127].
-Vermutlich dürfen zu _biken_ aber auch noch in Beziehung gesetzt werden
-das Zeitw. _bikern_ = hungern (_mich bikert['s]_ = mich hungert [wofür
-_früher_ _mich kohlert_ gebräuchlich gewesen; s. _Wittichs_ »Einltg.«,
-S. 21]) sowie das Adj. _bikerich_ = gierig, hungrig, dann auch =
-habgierig, geizig. _Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 92 u. 94 (_bicken_ = essen u. _Bicker_ = Hunger); _Schwäb.
-Gaun.- u. Kundenspr._ 69, 74 (_bicken_ = essen, _Bikus_ = Kost,
-_Bickerle_ = Sparsamer [der nichts gibt]); _Schwäb. Händlerspr._ 480,
-482 (_bicken_ = essen, _Bickerei_ od. _Bickus_ = Essen [in _Pfedelb._
-(211): _Pickus_ = Kost]; _bikerisch_ = hungrig [in _Pfedelb._ (210)]:
-_bikerischer Klob_ = Geizhals). Zur _Etymologie_ des (auch sonst im
-Rotwelsch sowie in den verw. Geheimspr. [z. B. bei den _Pfälz. Händlern_
-(437)] verbreiteten) Wortes (wohl jedenfalls vom deutsch. Zeitw.
-_picken_, älter _bicken_ [so schon mhd. neben _becken_], d. h. eigtl.
-[zunächst von Tieren gebr.] »mit der Schnabelspitze zufahrend stoßen
-oder aufnehmen« [_Weigand_, W.-B. II, Sp. 425]) s. Näh. bei
-_Weber-Günther_, S. 184 (unter »picken«); vgl. auch A.-L. IV, 69 u.
-524/25 vbd. m. _Wagner_ bei _Herrig_, S. 227 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B.
-I, Sp. 1096 (unter »picken«). Die Latinisierung _Pickus_ hat m. Wiss.
-zuerst _Zimmermann_ 1847 (373, 383) verzeichnet.]
-
-[Fußnote 130: ([14] auf S. 63.38) Das Zeitw. _butten_ wird in
-_denselben_ Bedeutungen gebraucht wie _biken_ (daher z. B. auch
-_grandich buttet_ = satt sowie die _Zus._ _ab-_, _auf-_, _ausbutten_).
-Desgl. entspricht die _Ableitg._ _Butterei_ im wes. den
-Substantivierungen _Bikerei_ u. _Bikus_, während es in _Zusammensetzgn._
-seltener vorkommt (vgl. aber _Matschebutterei_ = Fischessen u.
-_Rattebutterei_ = Nachtessen (s. oben S. 37, Anm. 128). Über das
-stammverwandte _Pu(t)lak_ = Hunger s. das Nähere unter »Appetit«. _Zu
-vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 92
-(_butten_ = essen); _W.-B. des Konst. Hans_ 258 (ebenso; vgl. [255]
-_Buttschnurr_ = »Steigbettler«); _Pfulld. J.-W.-B._ 337 (_butten_ =
-essen, schlucken, _abbutten_ = abfressen); _Schwäb. Händlerspr._ 480
-(_butten_ = essen, _Butterei_ = [das] Essen, in U. [214]:
-_Rattebutte[n]_ = Nachtessen); s. auch _Pleißlen der Killertaler_ (nach
-_Kapff_ [212]: _butten_ = essen) u. _Metzer Jenisch_ 216 (_butte_). Zur
-_Etymologie_: Nach A.-L. 528 vbd. m. _Wagner_ bei _Herrig_ 226 ist
-_butten_ wohl eine Nebenform zu ndd. _biten_ = »beißen« (vgl. schon
-_Ndd. Lib. Vagat_ [75]: _botten_, wie noch jetzt im _Hennese Flick_ von
-_Breyell_ [457]). Vgl. auch _Günther_, Rotwelsch, S. 52 sowie (über die
-Verbreitg. des Ausdr. in den südd. Mundarten) _Fischer_, Schwäb. W.-B.
-I, Sp. 1564, Nr. 2, der indessen über die Etymologie schweigt.]
-
-[Fußnote 131: ([15] auf S. 63.38) Auch das (hierin substantivierte)
-Zeitw. _kahla_ (seltener -le) bedeutet »essen, verzehren«; dazu die
-_Zus._ _ab-_, _auf-_, _auskahla_. — Mit der _Ableitg._ _Kahlerei_ (im
-wes. gleichbed. mit _Bikerei_ u. _Butterei_) sind gebildet worden die
-_Zus._ _Flotschekahlerei_ = Fischessen u. _Groenereikahlerei_ =
-Hochzeitsschmaus. _Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 92 (_kahlen_ = essen); _W.-B. des Konst. Hans_ 259 (_z'
-kahlet_ = zu essen); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 339, 340 (_kahlen_ =
-abessen, abfressen, _kohlen_ = essen, _z' viel kahlen_ = überfressen);
-_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69 (_kahlen_); _Schwäb. Händlerspr._ (U.
-[214] u. _Lütz_ [214]: _khäle[n]_). Zur _Etymologie_ (aus der
-_Zigeunerspr._ [vgl. oben »Einleitg.«, S. 30]) s. _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. IV, Sp. 576 (unter »k¶o¶le[n]«) u. Sp. 165 (unter »k¶a¶le[n]«)
-(der übrigens auch »eine Mischung« mit dem gleichbed., aus d. _Hebr._
-stammenden _achlen_ für möglich hält) vbd. mit _Liebich_, S. 130, 195 u.
-241 (_chāwa_ = ich esse, speise), _Miklosich_, Beiträge I/II, S. 22
-(unter »khād«) u. Denkschriften, Bd. 26, S. 217/18 (unter »cha«: bei
-d. _deutsch._ Zig. _chāva_ altind. _khād_), _Jühling_ 220 (_Chalo_
-= Fresser, _Chaben_ = Essen, aber _chala_ = es beißt [anders oben
-»Einltg.«, S. 30), _Finck_, S. 67 (Wurzel: _xā-_).]
-
-aberwitzig, _nillich_, auch _ni(e)sich_, _nu(a)schich_[132] [63.38]
-
-abessen, _abbiken_, _abbutten_, _abkahla_[133]
-
-[Fußnote 132: ([16] auf S. 63.39) Diese Ausdrücke werden wohl alle drei
-(am häufigsten aber die beiden ersten) als miteinander _gleich_bedeutend
-gebraucht, und zwar (außer in der obigen. Bedtg. noch) für: albern,
-blöde (= blödsinnig), dämlich, dumm, geisteskrank, irrsinnig, läppisch,
-närrisch, schwachsinnig, töricht, unklug, unsinnig, unvernünftig,
-unverständig, wahnsinnig. _Zusammensetzungen_ damit sind:
-_Nillicheschei_ od. _Ni(e)sicheschei_ (d. h. eigtl. »närrischer [oder
-Narren-] Tag«) = Fastnacht (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der
-Zigeunerspr.) und _Nillichegiel_, _Ni(e)siche-_ und _Nuschichegiel_ (d.
-h. eigtl. »närrisches Maul, Gesicht«) = Fastnachtsmaske, dann einerseits
-noch spezieller = »Affengesicht« (s. d.) als Bezeichnung einer
-besonderen Art von Fastnachtsmasken, andererseits allgemeiner = Larve
-oder Maske überhaupt. Die genannten Adjektive sind _Ableitgn._ von den
-Hauptw. _Nille_, _Ni(e)se_, _Nusche_ = Dummkopf (dummer Mensch), Geck,
-Narr, Tor, Tropf (dazu die _Zus._: _Nille-_ od. _Ni[e]sekitt_ =
-Irrenhaus [Narren-, Tollhaus] u. _Nille-_ od. _Ni[e]seki[e]bes_ =
-Tollkopf). Eine weitere (substant.) _Ableitg._ von _Nille_, _Ni(e)se_,
-_Nusche_ ist endlich _Nillerei_, _Ni(e)serei_ od. (seltener) _Nuscherei_
-= Blödigkeit (d. h. Blödsinn), Dummheit, Kinderei, Irrsinn, Wahnsinn.
-_Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96
-(_Nille_ = Narr); _ebenso_: _Schöll_ 271 u. _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (hier
-[339] ferner das Adj. _nilli_ = einfältig). Zur _Etymologie_: Nach
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 2082 (unter »Nülle« I) ist _Nülle_ (od.
-_Nille_) = Narr, Dummkopf usw. identisch mit _Nolle_ = dicker Mensch,
-Einfältiger, das wohl zu _Knoll(en)_, schwäb. auch _G'noll_, _Noll_ =
-»rundlicher harter Körper«, »zusammenhängende runde Masse« (schon mhd.
-_knolle_ = »Erdscholle, Klumpen« _und_ »grober, plumper Mensch«; vgl.
-ahd. _hnol_ = »Erhöhung«, angels. _cnoll_ = »Bergspitze«, engl. _knoll_
-= »Hügel«) gehört; s. _Fischer_, a. a. O., Sp. 2055 (unter »Nolle«, Nr.
-3) vbd. mit Sp. 541 (unter »Knoll[e(n)]«, bes. Nr. 3c) u. _Weigand_,
-W.-B. II, Sp. 1080 (unter »Knollen«). Schon A.-L. 578 hat _Nille_ =
-»Narr, Geck, Spaßmacher« und »penis« gleichfalls auf »Knolle«
-zurückgeführt. Auch bei der letzteren Bedeutung, die (neben der
-selteneren von »vulva«) auch sonst volkstümlich ist (s. _Müller_ in d.
-»Anthropophyteia«, Bd. VIII, S. 4 u. 10, u. _Günther_, ebds. Bd. IX, S.
-31, Anm. 2 vbd. mit _Grimm_, D. W.-B. VII, Sp. 980), handelt es sich
-wohl um dasselbe Wort, denn _Grimm,_ a. a. O. leitet es zwar zunächst
-von dem Zeitw. _nollen_ (od. _nullen_) = »futuere« her, stellt dieses
-aber zum mhd. _nol_ = »mons Veneris« (s. Näh. a. a. O., Sp. 879 unter
-»nollen«). Überhaupt werden die Begriffe »Dummkopf« u. »penis« öfter ja
-durch denselben Ausdruck wiedergegeben (vgl. z. B. _Schmeller_, Bayer.
-W.-B. II, Sp. 642 betr. d. Wort »Schwanz«). — Die Bezeichnung _Niese_ =
-Dummkopf hat _Fischer_, a. a. O., IV, Sp. 2044 vbd. mit Sp. 2050 zu
-_Nise_ als Kurzform des Eigennamens _Dionysius_ — freilich nur mit
-einem Fragezeichen — in Verbindung gebracht. Über _Nusche_ wage ich
-keine Vermutung aufzustellen.]
-
-[Fußnote 133: ([17] auf S. 63.39) S. Abendessen.]
-
-[Fußnote 134: ([18] auf S. 63.39) Das Zeitw. _ruadle(n)_ (-la, ruedle) =
-fahren ist auch noch enthalten in den _Zus._ _aus-_, _darüber-_, _ein-_,
-_heraus-_, _nach-_, _um-_ u. _wegruadle(n)_. Es gehört zu dem Subst.
-_Ruadel_ (od. _Ruedel_) = Wagen, bes. Fahrzeug auf dem Lande, Karren.
-_Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 488
-(_Rudel_ = Wagen). Das in älteren rotw. Quellen vorkommende Zeitw.
-_rodeln_ (s. z. B. auch _W.-B. des Konst. Hans_ 259 u. _Schöll_ 272)
-dürfte wegen seiner Bedeutung (»führen, mit sich führen«) nicht ohne
-weiteres zum Vergleiche herangezogen werden, jedenfalls dagegen aber
-_gradeln_ od. _radeln_ = fahren, das z. B. _Schintermicherl_ 1807 (288)
-u. _Karmayer_ 63 u. 129 haben. Denn seiner _Etymologie_ nach ist das
-Zeitw. _ruadle(n)_ wohl nur aufzufassen als eine dialektische Färbung
-von »radeln« (s. dazu _Günther_, Rotw., S. 98, 99, Anm. 118), ebenso wie
-_Ruadel_ (_Ruedel_) eine solche von »Radel«, Dim. von »Rad«,
-sein dürfte. Über das Symn. _Rädling_ (-leng) s. Näh. unter
-»Eisenbahnwagen«.]
-
-abfahren, _abruadlen_[134] [63.40]
-
-abfallen (abwerfen), _abbohlen_[135]
-
-abgeben, _abdogen_ (gib's ab = _dog's ab_)[136]
-
-abgehen (abspringen), _abbosten_[137], _abpfichen_[138]
-
-[Fußnote 135: ([19] auf S. 63.40) Das Zeitw. _bohle(n)_ (-la) = fallen,
-werfen (Spr.) kommt noch vor in den _Zus._ _ab-_, _auf-_, _einbohlen_ (=
-einstürzen), _hin-_, _nach-_, _nieder-_, _umbohlen_. _Zu vergl._ (aus d.
-_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [209, 210]:
-_bohlen_ = fallen, _nausbolen_ = hinauswerfen). Für »werfen« ist
-_bohlen_ auch in rotw. Quellen des 19. Jahrh. bekannt (s. z. B.
-_Pfister_ bei _Christensen_ 1814 [317]; _v. Grolman_ 10 u. T.-G. 133;
-_Karmayer_ G.-D. 192). _Etymologie_: Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. I,
-Sp. 1271 handelt es sich um ein schwäbisches Wort mit der Grundbedeutung
-»rollen, im Bogen werfen«, ahd. _bolôn_, mhd. _boln_ = »rollen, werfen,
-schleudern« (_Lexer_, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 324), das _transit._ u.
-_intransit._ gebraucht wird, so daß daraus auch die Bedeutg. »fallen«
-entstehen konnte. Über das stammverwandte _Bolle_ = Kartoffeln s. unter
-»Bratkartoffeln«.]
-
-[Fußnote 136: ([20] auf S. 63.40) Das einfache _dogen_ (-ga), auch
-_doken_, kommt vor in dem Sinne von: a) geben (hergeben); b) beschenken;
-c) schlagen (hauen, fechten). Zu der Bedeutg. unter a) gehören (außer
-_abdogen_ [s. auch unter »abliefern«]) die _Zus._ _aus-_, _heraus-_ u.
-_vordogen_ = aus-, herausgeben und vorschießen (leihen), zu der unter
-c): _zudogen_ = zuschlagen sowie das Subst. _Dokschure_ (eigtl.
-»Hauding«) = Hacke (s. d. betr. die Übereinstimmung mit der
-Zigeunerspr.). Als _Ableitg._ ist wohl anzusehen _Doge_ = Schläge (falls
-nicht etwa = _Doge[n]_ als subst. Zeitwort). In dem bes. _verw.
-Quellenkreise_ ist das Wort m. Wiss. unbekannt, dagegen kommt es sonst
-vereinzelt vor im Rotw. des 19. Jahrh. (s. z. B. _v. Grolman_, _Akt.
-Gesch._ 1813 [312: _Koberment gedockt_ = Schläge gegeben] u. W.-B. 16 u.
-T.-G. 95 u. 118 [_docken_ = geben, schenken]; _Christensen_ 1814 [320,
-331: _tocken_ = geben, _die Vehm tocken_ = die Hand geben]; _Karmayer_
-30 [_docken_ = reichen, geben) sowie in d. _Krämerspr._ (s. _Eifl.
-Hausierspr._ (491: _geduckt_ = gegeben). Die _Etymologie_ bleibt unklar.
-Auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 241 (unter »docke[n]«) gibt keine
-Erklärung.]
-
-[Fußnote 137: ([21] auf S. 63.40) Das Zeitw. _bosten_ (wofür früher
-_holchen_ gebräuchl. [s. oben »Einltg.«, S. 26]) = gehen, fliehen,
-folgen, kommen, laufen, spazieren (gehen) kommt noch vor in den _Zus._:
-_aufbosten_ = auflaufen, _ausbosten_ = ausgehen, auslaufen,
-_darüberbosten_ = darübergehen, _ei'bosten_ = einlaufen, _herabbosten_ =
-herabgehen, -laufen, _hinausbosten_ = hinausgehen, _nachbosten_ =
-nachfolgen, _umher-_, _unterbosten_ = umher-, untergehen, _verbosten_ =
-verlaufen, _wegbosten_ = weglaufen, _zurückbosten_ = zurücklaufen;
-ferner in den _Verbindungen_: _schiebes bosten_ = davongehen, sich
-entfernen, entspringen, entweichen, fliehen, fortgehen (früher dafür
-_malochen_ [s. »Einltg.«, S. 27]), _schenzieren bosten_ = hausieren
-gehen, _Jahre bosten_ = jagen (eigtl. [in den] Wald gehen [um zu
-jagen]), _begerisch bosten_ = lahm gehen, _ins Sauft bosten_ (eigtl.
-»ins Bett gehen«) = niederkommen, _grandiche Rande bosten_ (eigt. »[mit
-einem] dicken Bauch gehen«) = schwanger gehen, endl. noch in der längern
-Umschreibung _Flu(h)te bostet mer herab_ = ich schwitze (s. darüber
-schon oben S. 36, Anm. 126 vbd. m. S. 17, Anm. 44). Eine _Ableitg._ ist
-das Subst. _Boster_ = Läufer. _Zu vergl._ (aus d. _verw. Quellenkr._):
-_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 339, 340, 342 (_posten_ = gehen, _boschen_ =
-laufen, _auspostet_ = ausgelaufen, _durchbosten_ = durchlaufen,
-_verposten_ = entfliehen); _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_pō̆schten_
-[in _Pfedelb._ (210): _boschten_] = gehen, _pl[^æ]te poschten_ [in
-_Pfedelb._ (209): _boschten_] = fortgehen, durchgehen, in _Pfedelb._
-[208/9]: _naus-_ u. _abboschten_ = auslaufen u. durch- od. fortgehen).
-— Die Form _boschen_ (bôschen) = gehen hat auch schon _v. Grolman_,
-_Akt. Gesch._ 1813 (312) u. W.-B. 11 u. T.-G. 96, das Subst. _Boster_
-findet sich in der Zus. _Leili-Boster_ = Nachtdieb bei _Pfister_ bei
-_Christensen_ 1814 (325). _Etymologie_: Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. I,
-Sp. 1318 bedeutet _poste(n)_ (bošte) im Schwäb. »herumlaufen, kleine
-Aufträge besorgen« u. ä., eigentl. soviel wie »Postgänge machen«, so daß
-es also zu unserem Lehnwort _Post_ (aus dem ital. _posta_, mlat. _posta_
-= »[Post-] Standort«, aus _posita_, zu lat. _ponere_ [s. _Weigand_,
-W.-B. II, Sp. 456, vbd. m. _Seiler_, Lehnwort III, S. 186) gehört.
-Näheres (auch über andere südd. Mundarten) s. ebds. vbd. mit _Grimm_, D.
-W.-B. II, Sp. 267 (unter »besten«) u. VII, Sp. 2025 (unter »posten«, Nr.
-1)]
-
-abgerahmte Milch, _abgeschunde Gleis_[139] [63.41]
-
-abgeschlossen s. abschließen
-
-[Fußnote 138: ([22] auf S. 63.41) Das Zeitw. _pfiche(n)_ = gehen, folgen
-findet sich noch in den _Zus._ _auspfichen_ = ausbrechen, _herabpfichen_
-= herabgehen, _hinauspfichen_ = hinausgehen sowie in den _Verbindgn._
-_schiebes pfichen_ = davongehen, fortgehen (entrinnen) und _schenzieren
-pfichen_ = hausieren gehen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
-_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 339, 340 (_pfichen_ = gehen [ausgehen,
-entfliehen, herumziehen]); _Schwäb. Händlerspr._ 481 (u. _Lütz._ [214]
-_pfiche[n]_ = gehen, _pficht_ = er ist fort). Die _Etymologie_ des
-Wortes (das bei _Fischer_, Schwäb. W.-B. nicht angeführt ist) bleibt
-zweifelhaft. Nur unsichere Hypothesen bei A.-L. IV, 245/46.]
-
-[Fußnote 139: ([23] auf S. 63.41) a) Das in dieser Verbindung enthaltene
-Wort _Gleis_ = Milch kommt auch noch in folgenden Zus. vor: [Griechisch:
-a]) am _Anfang_ stehend: in _Gleisnolle_ = Melkfaß (oder Milchtopf,
--napf), _Gleisschottel_ = Melkgefäß (eigtl. Milchschüssel),
-_Gleiskechelte_ = Milchbrötchen (Spr.), _Gleisglansert_ = Milchglas,
-_Gleisschnall_ = Milchsuppe und _Gleisschund_ (eigtl. »Milchdreck«) =
-Rahm oder Sahne (dem das obige _abgeschunde Gleis_ entspricht!;
-[Griechisch: b]) _am Ende_ stehend: _Schmunkgleis_ = Buttermilch. _Zu
-vgl._ (aus d. _verw. Quellenkr._) _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Glais_);
-_Pfullend. J.-W.-B._ (_Gleis_; _Gleiskittle_ = Milchhaus,
-_Gleispolifska_ oder _-schnalla_ = Milchsuppe); _Schwäb. Händlerspr._
-484 (_Gleiß_); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_Gleiss_). Zur _Etymologie_
-des Wortes (höchstwahrscheinlich von unserem deutsch, _gleißen_, d. h.
-glänzen) sowie über weitere Belege im Rotw. usw. s. Näh. _Groß'_ Archiv,
-Bd. 33, S. 256, Anm. 2 verbd. mit Bd. 42, S. 49 (unter »Gleißer«); vgl.
-auch _Weber-Günther_, S. 177/78 (unter »Klais«) und _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. III, Sp. 689. — b) Zu _abgeschunde_, das ein Zeitw. _abschunden_
-voraussetzt, vgl. das ähnliche _einschunden_ = einsalben, einschmieren,
-während das einfache _schunden_ im W.-B. durch »austreten (schwer«), d.
-h. cacare, wiedergegeben ist. Es ist (gleich dem Adj. _schundich_
-[schondich (Spr.)] = beschmutzt, dreckig, kotig, schmierig, schmutzig,
-trübe, unflätig, unreinlich, unsauber) _abgeleitet_ von dem Hauptw.
-_Schund_ od. _Schond_ = Dreck, Kot, Schmutz, Unflat, Unrat, auch
-spezieller noch Asche, Dünger (Mist), Exkremente, Lehm. Dazu die
-_Verbindg._ _näpfiger Schund_ = Kalk (worüber das Näh. schon oben S. 17)
-sowie mannigfache _Zusammensetzgn._, so: a) mit Sch. _am Anfang_:
-_Schundkitt_ = Abort, _Schundschottel_ = Aschenbecher, _Schundbolle_ =
-Kartoffeln (eigtl. etwa »Dreckknollen«), _Schundfurschet_ = Mistgabel,
-_Schundfläderling_ = Mistkäfer (eigtl. »Mistvogel«), _Schundsitzling_ =
-Nachtstuhl; b) mit Sch. _am Ende_: _Gleisschund_ = Rahm, Sahne (s. oben
-lit. a), _Flu(h)teschund_ (eigtl. »Wasserdreck«) = Schlamm,
-_Leilescheischund_ = Sternschnuppe (worüber Näh. schon oben S. 37, Anm.
-127). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 89,
-92, 93, 97 (_Schund_ = Exkremente, _Schund-Kitte_ = Abtritt,
-_Schompolle_ [dial. statt: Schundbolle] = »Grundbirnen«, d. h.
-Kartoffeln; _schunden_ = Notdurft verrichten; vgl. [90]: _beschunden_ =
-betrügen [also ähnl. wie unser »bescheißen« gebr.; vgl. _Weigand_, W.-B.
-I, Sp. 213]); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 341, 344 (_Schund_ = Dreck, Kot,
-Schutt; vgl. auch [342] _Schunplotzer_ = Maurer); _Schwäb. Händlerspr._
-479, 480, 482, 484, 486 (_Schund_ = Dreck, Schmutz, aber auch = Acker,
-Feld; _schundig_ = dreckig, schmutzig, _Schumbolle_ = Kartoffeln,
-_Schundplutzer_ oder _Schunplotzer_ [in _Degg._ (215): _Schundblozer_] =
-Maurer, in U. [214]: _schunde[n]_ = cacare, _beschunden_ [in _Lütz._
-(214): _b'schunderle(n)_] = betrügen). S. auch noch _Metzer Jenisch_ 216
-(_schunde_ = cacare und _Schund-Bais_ = Abtritt). Zur _Etymologie_ (vom
-deutsch. Stammwort »schinden«, daher Grundbedg. von Schund eigtl.
-»Abfall beim Schinden«) sowie über weitere rotw. Belege s. d. Näh. in
-_Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 139.]
-
-abkaufen, _abbaschen_[140], _abbikeren_[141], _abgremen_[142], [63.42]
-_abkemere_[143]
-
-[Fußnote 140: ([24] auf S. 63.42) Das Stammwort ist _basche(n)_ =
-kaufen; vgl. _einbaschen_ (Spr.), _verbaschen_. _Ableitungen_ davon sind
-die Subst. _Bascher_ = Käufer, _Verbascher_ = Handelsbursche,
-_Verbaschere_ = Handelsfrau. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
-_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 341 (_baschen_ = kaufen, _verbaschen_ =
-ausbieten); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_verpassen_ oder _verpschen_ =
-verkaufen). S. auch _Metzer Jenisch_ 217 (_verpasse_ = verkaufen). Zur
-_Etymologie_ sowie über weitere Belege im Rotw. (schon 1687: _verpassen_
-= verkaufen) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 62 u. Anm. 1. Der dort (im
-Anschluß an _Schmeller_, _Paul_, _Kluge_ u. a.) vertretenen Ansicht, die
-das Wort _paschen_ (= schmuggeln usw.) vom französ. _passer_ oder ital.
-_passare_ (= »[die Landesgrenze] überschreiten«) herleitet (dafür auch
-z. B. _Seiler_, Lehnwort III, S. 101 u. Anm. 2), steht noch eine andere
-gegenüber, die _hebräischen_ Ursprung annimmt; s. darüber Näh. bei H.
-_Klenz_, W.-B. nach der neuen deutsch. Rechtschreibung, Leipzig 1904, S.
-173, Sp. 3 und _Weigand_, W.-B. II, Sp. 379. _Fischer_, Schwäb. W.-B.
-II, Sp. 1261 (unter »verpaschen« u. »verpassen«, Nr. 4) hat keine
-Erklärung gegeben.]
-
-ablesen, _abschurele_[144] [63.43]
-
-abliefern, _abdogen_[145]
-
-abmähen, _abschurele_[144]
-
-abnagen, _abnäpfen_[146]
-
-Abort, _Fu(h)lkitt_[147], _Schmelzkitt_[148], _Schundkitt_[149]
-
-[Fußnote 141: ([25] auf S. 63.43) Stammwort: _bikeren_ = kaufen;
-_Ableitung_: das Subst. _Bikerer_ = Käufer. In den _verw. Quellen_
-unbekannt, ebenso m. Wiss. auch sonst im Rotw. Auch über die
-_Etymologie_ läßt sich nichts Gewisses sagen; ein Zusammengang mit d.
-Adj. _bikerich_ (s. oben S. 37, Anm. 129) dürfte kaum anzunehmen sein.]
-
-[Fußnote 142: ([26] auf S. 63.43) Mit dem Zeitw. _greme(n)_ = kaufen
-(erkaufen) sind noch gebildet die _Zus._: _ausgremen_ = auskaufen und
-_vergremen_ = handeln. Dazu die _Ableitungen_: _Gremer_ = Käufer
-(_Zus._: _Trabertgremer_ = Pferdehändler), _Vergremer_ = Handelsbursche,
-_Vergremere_ = Handelsmädchen (_Zus._: _Vergremerskaffer_ = Handelsmann,
-fem. aber _Vergremmoss_ [= Handelsfrau]). _Zu vgl._ (aus d. _verw.
-Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_vergrimmen_ = verkaufen; in
-_Lütz._ [215]: _kremen_ = kaufen). Die _Etymologie_ ist unsicher. Auch
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1200 (unter »verkräme[n]«) und Sp. 1202
-(unter »verkrümme[n]« Nr. 2) gibt keinen näheren Aufschluß darüber.]
-
-[Fußnote 143: ([27] auf S. 63.43) Stammwort: _kemere_ = kaufen; vgl.
-_verkemere_ = verkaufen, handeln. _Ableitungen_: _Kemerer_ = Käufer,
-Krämer (_Zus._: a) mit K. _vorne_: _Kemererskitt_ = Kauf- oder
-Krämerladen; b) mit K. _hinten_: _Trabertkemerer_ = Pferdehändler,
-_Groenikelkemerer_ = Schweinehändler), _Verkemerer_ = Verkäufer,
-Handelsmann, fem. _Verkemere_ = Handelsfrau (_Zus._ damit:
-_Verkemerers-Benk_ oder _-Fiesel_ = Handwerksbursche und
-_Verkemeresmodel_ [sic] = Handelsmädchen [aber _Verkemerskaffer_ =
-Handelsmann]). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
-J.-W.-B._ 337, 341 (_kimmern_ = kaufen, _verkimmern_ = anbieten).
-Häufigere Belege im sonstigen Rotwelsch seit dem _Lib. Vagat_ (54, 55).
-S. Näh. darüber sowie über die (nicht ganz sichere) _Etymologie_ in
-_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 58 (u. Anm. 1), 59 (unter »Kümmerer«). Nur
-Hypothesen bei _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 832, nach welchen d.
-Ausdr. »kaum zu beurteilen« ist. — Während _verkümmeln_ = verkaufen (s.
-_Schwäb. Händlerspr._ in _Pfedelb._ [215]) wohl bloß eine Weiterbildung
-von _verkümmern_ ist (s. auch _Fischer_, a. a. O., Sp. 123), sind dem
-Stamme nach davon zu sondern die Zeitw. _kündigen_ = kaufen (s. z. B.
-ähnl. schon: _Dolm. der Gaunerspr._ 94 [_künnigen_]) und _verkündigen_ =
-verkaufen (s. z. B. auch _Schwäb. Gauner- u. Kundenspr._ 77). Näh.
-hierüber im Archiv, a. a. O., S. 58, 59, Anm. 1; vgl. auch _Fischer_, a.
-a. O., Sp. 1204 vbd. mit Sp 1189 (unter »verkenne[n]«).]
-
-[Fußnote 144: ([28] auf S. 63.43) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 145: ([29] auf S. 63.43) S. abgeben.]
-
-[Fußnote 146: ([30] auf S. 63.43) S. abbeißen.]
-
-[Fußnote 147: ([31] auf S. 63.44) _Fu(h)lkitt_ bedeutet (ebenso wie
-_Schundkitt_) wörtl etwa »Kothaus«, zu _Kitt_ = Haus u. _Fu(h)l_ =
-Dreck, Kot (Exkremente), Mist. Weitere _Zusammensetzgn._ damit sind
-noch: a) mit _F. vorne_: _Fu(h)lnolle_ = Nachthafen; b) mit _F. hinten_:
-_Flu(h)tefu(h)l_ = Schlamm. _Ableitungen_ davon sind: das Subst.
-_Fu(h)lete_ = »Abweichung« (Diarrhöe) u. das Zeitw. _fu(h)la_ =
-»austreten (schwer)«, d. h. cacare. _Zu vergl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ (_Lütz._ [214]: _fīle[n]_ =
-cacare, _Fīl-kitt_ = Abtritt, _Fīl-nolle_ = Nachttopf). Zur
-_Etymologie_ (vom zigeun. _fīl_ = Kot, Dünger u. dgl. [vgl. Einleitg.
-S. 29]), s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Spalte 1821 (unter
-»fīle[n]«) vbd. mit _Pott_ II, S. 391/92, _Liebich_, S. 135, 190,
-216, _Miklosich_, Beiträge I/II, S. 10 u. Denkschriften, Bd. 26, S.
-238/239 (unter »khul«) u. _Finck_, S. 58. Bei _Jühling_, S. 220 (unter
-»Chen«) ist auch _fuhlen_ (od fuhla) = »schwer austreten« als zigeun.
-angeführt. — _Kitt_ bedeutet Haus (Landhaus), ferner: Gebäude, Obdach,
-Wohnung, auch Käfig od. Stall (für Tiere). Das Dimin. _Kittle_ ist
-angeführt für: Gartenhaus sowie für Arrest, Gefängnis, Haft oder Kerker;
-dazu: _im Kittle_ = gefangen. Verbindungen mit _Kitt_ sind: _grandiche
-Kitt_ (d. h. »großes Haus«) = Hof u. _dofe Kitt_ (d. h. »schönes Haus« =
-Schloß (vgl. »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 49.) Sehr zahlreich sind die
-_Zusammensetzungen_, so a) mit _Kitt voran_: _Kittkaffer_ = Hausherr,
-_Kittpatris_ = Hausvater, _Kittmoss_ = Hausfrau, _Kittmamere_ =
-Hausmutter, _Kittschenegler_ (fem. _-ere_) = Hausknecht (-magd),
-_Kittkenluf_ od. _-kib_ = Haushund, _Kittglitschin_ = Hausschlüssel; b)
-mit _Kitt hinten_ (außer den obigen drei Synon. für Abort) noch:
-_Schenagelskitt_ = Arbeitshaus, _Dercherkitt_ = Armenhaus, _Bich-_ oder
-_Lobekitt_ = Bank (d. h. Bankhaus; dazu: _grandiche Lobekitt_ = »Münze«,
-d. h Münzwerkstätte, Syn.: _Bichpflanzerskitt_), _Ruechekitt_ =
-Bauernhaus, _Zschorkitt_ = Diebesherberge, _Schlumerkitt_ = Herberge,
-_Sinsekitt_ = Herren-(od. Herrschafts-)haus, _Finkelkitt_ = Hexenhaus,
-_Nille-_, _Ni(e)se-_ od. _Nuschekitt_ od. _Hegelkitt_ = Irrenhaus,
-Narrenhaus (vgl. auch »Tollhaus«), _Kemererskitt_ = Kauf- od.
-Krämerladen, _Nikel-_ od. _Schnurrantekitt_ = Komödien- od.
-Schauspielhaus (Theater), _Begerkitt_ = Krankenhaus (Siechenhaus,
-Spital) od. Leichenhaus (vgl. _grandich Begerkitt_ = Hospital,
-_Lanenger-Begerkitt_ [eigtl. »Soldaten-Krankenhaus«] = Lazarett),
-_Bommer-_ od. _Keifkitt_ = Leihhaus, _Kaflerkitt_ = Metzgerhaus (vgl.
-_grandiche Kaflerkitt_ = Schlachthaus), _Gallach-_ oder _Kolbekitt_ =
-Pfarrhaus (vgl. _grandich Kolbekitt_ = Kloster [s. d. betr.
-Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.], _Buzereikitt_ = Polizeiamt,
-_Sturmkitt_ = Rathaus (s. Näh. unter dies. Wort), _Klasskitt_ =
-Schießhaus, _Plauderkitt_ = Schule (auch: Lehrerhaus), _Blibelkitt_ =
-»Stundenhaus« (d. h. »Versammlungshaus der Methodisten«), _Patriskitt_ =
-Vaterhaus, _Leilekitt_ = Wachthaus (wörtl. »Nachthaus«), _Pfladerkitt_ =
-Waschhaus, _Johlekitt_ = Weinhaus, _Schofelkitt_ = Zuchthaus. Während in
-allen diesen Fällen _Kitt_ mehr oder weniger die Bedeutg. von »Haus« im
-gewöhnl. Sinne des Wortes hat, erscheint es etwas spezieller gebraucht
-in den Ausdrücken _Gachne-_, _Stenzel-_ od. _Stiererkitt_ = Hühnerhaus,
-_Keiluf-_ od. _Kibekitt_, Hundehütte, _Fläderlingskitt_ = Vogelbauer u.
-_Luberkitt_ = Uhrgehäuse. Mit dem Dimin. _Kittle_ sind gebildet: a) im
-Sinne von »kleines Haus, Häuschen«: [Griechisch: a]) _am Anfang_:
-_Kittlekies_ = Backstein od. Dachziegel; [Griechisch: b]) _am Ende_:
-_Ruchekittle_ = Bauernhäuschen(Spr.), _Begerkittle_ (d.
-h.»Totenhäuschen«) = Sarg (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.,
-vgl. schon »Vorbmrkg.«, S. 18); b) im Sinne von »Gefängnis« u. dergl.:
-_Kittlebuz_ = Gefangenwärter. _Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
-_Dolm. der Gaunerspr._ 89-93, 97, 98, 101 (_Kitt_ = Haus u. _kittlen_ =
-schlafen; ferner schon mehrere _Zus._ mit _Kitt_ [Kitte], näml.:
-_Sefle-_ od. _Schund-Kitte_ = Abtritt, _Prinzen Kitt_ = Amtshaus,
-_Ruochen Kitt_ = Bauernhaus, _Kocheme-Kitt_ = Diebesherberge,
-_Sturmkitt_ = Rathaus u. _Baiskitt_ = Wirtshaus; mit _engerer_ Bedeutg.
-von K. noch: _Flotschen-Kitt_ = Fischkasten); _W.-B. des Konst. Hans_
-253-255, 257, 258 (_Zus._: _Ruoche-Kitt_ = Bauernhaus, _T'schorr-Kitt_ =
-Diebesherberge, _Gallacha-Kitt_ = Pfarrhaus, _Sturm-Kitt_ = Rathaus,
-_Baiserkitt_ = Wirtshaus, _Schofelkitt_ = Zuchthaus); _Schöll_ 272, 274
-(_die Kitteren_ = die Häuser u. _Kitts_ = Herbergen [der »Stappler«]);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 338, 340, 342, 343, 345, 346 (_Kitt_ =
-Aufenhaltsort, Haus [Bauernhaus]; _Zus._: a) _mit Kitt_: _Bäkerischkitt_
-od. _Bollerskitt_ = Krankenhaus, _Kollachekitt_ = Pfarrhaus,
-_Rauschkitt_ = Strohhaus, _Baiserkitt_ = Wirtshaus, _Schofelkitt_ =
-Zuchthaus; b) _mit Kit[t]le_: _Schmelzkittle_ = Abtritt, _Gleiskittle_ =
-Milchhaus); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67, 69 (_Kittchen_ = Arrest,
-Gefängnis, _Kittchenbos_ = Arrestaufseher); _Schwäb. Händlerspr._ 479,
-482, 488 (_Kitt_ = Haus, Arrest, _Kittle_ = Arrest, _Drîfekitt_ = Arrest
-od. Zuchthaus, in U. [213]: _Schmelzkitt_ [in _Pfedelb._ (213):
-_Schmelzkittle_] = Abtritt u. _Derches-_ od. _Mangkitt_ = Bettelhaus; in
-_Lütz._ [214]: _Fīl-Kitt_ od. _Schofel-Kitt_ = Abtritt [hier
-letzteres also in _anderem_ Sinne gebraucht als sonst üblich!]). S. noch
-_Pfälz. Händlerspr._ 438 u. _Metzer Jenisch_ 216 (_Kittche_ = Gefängnis
-bezw. Arrest). Die _Etymologie_ des Wortes (das schon im Rotwelsch des
-17. Jahrh. auftritt [vgl. _Schütze_, S. 74, unter »Kittchen«]) ist noch
-_nicht_ sicher festgestellt (vgl. _Stumme_, S. 19 sowie _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. IV, Sp. 426), jedoch erscheint es wohl immer noch besser,
-_deutschen_ Ursprung zu vermuten (s. Näh. darüber bei _Günther_,
-Rotwelsch, S. 51 vbd. mit _O. Weise_ in d. Zeitschr. des Allgem.
-Deutsch. Sprachvereins, Jahrg. XVI [1901], Sp. 328; vgl. auch
-_Weber-Günther_, S. 177, unter »Kittche«) als (wie neuerdings z. B.
-wieder _Seiler_, Lehnwort IV, S. 491 u. Anm. 1 in Übereinstimmg. mit
-A.-L. 558 befürwortet hat) es herzuleiten von dem jüdischen _kissê_ =
-»Sitz, Sessel«, dessen _Form_ und engere _Bedeutung_ dagegen Bedenken
-erregen müssen.]
-
-[Fußnote 148: ([32] auf S. 63.45) Der Ausdr. _Schmelzkitt_ gehört zu dem
-Stamme _schmelz-_ des Zeitworts _schmelza_ = »austreten (schwer)«, d. h.
-cacare. Eine ähnl. _Zus._ damit ist auch _Schmelznolle_ = Nachthafen.
-_Ableitungen_ davon sind: die Subst. _Schmelzer_ = After, Hinterer u.
-_Schmelzede_ = »Abweichung« (d. h. Diarrhöe). _Nicht_ zu _Schmelzer_ im
-_obigen_ Sinne zu stellen, sondern unmittelbar von dem Zeitw.
-_schmelzen_ abzuleiten ist die _Zus._ _Buxenschmelzer_ = Feigling, die
-wörtlich dem gleichbed. südd. »Hosenscheißer« (vgl. dazu _Groß'_ Archiv,
-Bd. 56, S. 183) entspricht. _Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
-_Dolm. der Gaunerspr._ 37 (_schmelzen_ = Notdurft verrichten); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 337 (_Schmelzkitle_ od. _Schmelzköhrle_ = Abtritt); _Schwäb.
-Gaun.- u. Kundenspr._ 66, 68, 74 _schmelzen_ = cacare, _Schmelzer_ =
-Podex, _Schmelzgusch_ = Abtritt [vgl. betr. _-gusch_, wohl zu franz.
-_coucher_: _Fischer_, _Schwäb. W.-B._ III, Sp. 936)); _Schwäb.
-Händlerspr._ 479, 480, 485 (hat ebenfalls _schmelzen_, _Schmelzer_ u.
-_Schmelzgusch_ [od. _-kanti_, in U. (213): _Schmelzkitt_, in _Pfedelb._
-(208): _Schmelzkittle_] in gleichem Sinne). Die _Etymologie_ des Wortes
-ist zwar nicht ganz sicher, doch dürfte es kaum zu gewagt sein, darin
-nur eine Begriffsverengerung zu erblicken von unserem gemeinsprachl.
-_schmelzen_ = »flüssig werdend zergehen« od. vielmehr von dessen
-_transit._ Bedeutg. »schmelzen _machen_, in Fluß bringen«. S. Näh. bei
-_Weigand_, W.-B. II, Sp. 747. (bes. (für die Bedeutg. im _Jenischen_) zu
-beachten dort: altnord. _melta_ = »verdauen«); vgl. ferner bei _Grimm_,
-D. W.-B. IX, Sp. 1025 (unter »schmelzen«, Nr. IV): ndl. _smelten_ -
-»stercus liquidum egerere«.]
-
-abpflücken, _abschurele_[144] [63.44]
-
-abputzen, _abschurele_
-
-abreißen, _abschurele_
-
-abschaffen, _abschenegeln_[150]
-
-[Fußnote 149: ([33] auf S. 63.46) S. (betr. _Schund_) das Näh. schon
-unter »abgerahmte Milch«.]
-
-[Fußnote 150: ([34] auf S. 63.46) Richtiger dürfte die Bedeutg. wohl
-durch »sich abschaffen«, volkstüml. für »sich abarbeiten«, wiederzugeben
-sein, da _schenegeln_ = arbeiten ist; vgl. dazu als Gegensatz: _nobis
-schenegla_ = faulenzen (eigtl. »nichts arbeiten«). Das Zeitw. stammt her
-von dem Subst. _Schenagel_ = Arbeit (auch Beruf, Geschäft, Gewerbe).
-Weitere _Ableitungen_ davon sind: das Subst. _Schenegler_ = Arbeiter
-(Dienstbote, Dienstknecht, Gesinde, Knecht. Lohndiener), fem.:
-_Scheneglere_ = Magd u. das Adj. _scheneglich_ = fleißig. Mit den
-Hauptw. _Schenagel_ u. (bes.) _Schenegler_ sind mancherlei _Zus._
-gebildet worden, so a) mit _Schenagel_: [Griechisch: a]) _am Anfang_:
-_Schenagelskitt_ = Arbeitshaus, _Schenagelsbich_, _-lobe_ od. _-kies_ =
-Lohn (eigtl. »Arbeitsgeld«); [Griechisch: b]) _am Ende_:
-_Griflingschenagel_ = Handarbeit, _Leileschenagel_ = Nachtarbeit; b) mit
-_Schenegler_ (_nur_ am Ende u. bes. für Gewerbe od. Berufe beliebt):
-_Stradeschenegler_ = Chausseearbeiter, Straßenarbeiter, _Rutschenegler_
-= Eisenbahnarbeiter, _Glansertschenegler_ = Glaser, _Kittschenegler_ =
-Hausknecht (fem.: _-ere_ = Hausmagd), _Bichschenegler_ = Münzarbeiter,
-_Hitzlingschenegler_ = Ofensetzer, _Trabertschenegler_ = Pferdeknecht,
-_Jerusalemsfreundschenegler_ = Schäferknecht (zur Erklärg. s. d. Näh.
-unter »Hammel«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 89 (_schinnageln_ = arbeiten); _Schöll_ 271 (_schönegle_);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 337-348 (_schinepeln_ [sic] u. _Schineplerei_ =
-Arbeit, aber [richtig] _Schinegglerei_ = Handwerk; vgl. auch
-_Schiankterei_ = Kanzlei; für: »_Manobisch, schinegeln_« = »Faulenzer«
-[339] ist wohl zu lesen: »_[ma] nobisch schinegeln_« = »faulenzen«; vgl.
-noch _Schineller[in]_ = [Bauern] Knecht [bzw. -Magd], _Fuchsschineller_
-= Goldarbeiter); _Schwäb. Gaun. u. -Kundenspr._ 66, 67 (_schenägeln_,
-_Schenagel_ = Arbeit, _Schenagelswinde_ = Arbeitshaus); _Schwäb.
-Händlerspr._ 479 (_schenig[e]len_ oder [seltener] _schineg[e]len_ [in
-_Pfedelb._ (208): auch _schenegln_], _Schenachel_ = Arbeit, auch
-Handwerkszeug, vgl. dazu in _Degg._ [215]: _de[n] Schenagel reiße[n]_ =
-arbeiten; in U. [214]: _Schenal-penk_ u. _-mŏs_ = Knecht u. Magd).
-Vgl. auch noch _Pleißlen der Killertaler_ 416 (_schenēge[n]_),
-_Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Schineggel_ = Arbeit, _schenigle_ = arbeiten)
-u. _Metzer Jenisch_ 216 (_schinnegle_ = arbeiten). Zur _Etymologie_ (vom
-rotw. _Schinagole_ = Schubkarren, Zus. vom _Schin_ = hebr. _schîn_, dem
-Anfangsbuchstaben des Wortes »Schub« und _Agole_ = »Karren, Wagen«, vom
-gleichbed. hebr. _agl[h]_, jüd. _agôlô_) s. das Näh. in _Groß'_
-Archiv, Bd. 46, S. 304 ff. vbd. mit Bd. 38, S. 22 (unter »Aglon«) u. 283
-(unter »Schien«); vgl. auch _Weber-Günther_, S. 164 (unter
-»schenägeln«).]
-
-abschießen, _abschnellen_[151] [63.97]
-
-abschirren, _abschurele_[152]
-
-abschließen, _beschrenken_ (abgeschlossen, _b'schrenkt_)[153]
-
-[Fußnote 151: ([1] auf S. 63.97) Mit _schnellen_ = schießen (auch
-knallen) sind noch zusammengesetzt: _herab-_ und _niederschnellen_,
- ferner — als Substantivierung — _Fläderlingschnellen_ = (das)
-Vogelschießen. _Ableitungen_: _Schnelle_ oder _Schneller_ = Büchse,
-Flinte, Gewehr (Schießgewehr), Pistole (dazu _Schnellepflanzer_ =
-Büchsenmacher). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 99, 101 (_schnellen_ = schießen, _geschnellt_ = geschossen,
-_verschnellen_ = verschießen); _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_g'schnellt_
-= geschossen); _Pfulld. J.-W.-B._ 344 (_schnellen_ = schießen, als
-Subst. _Schnellen_ = Schuß); _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_schnellen_, in
-_Lütz._ [214]: _Schneller_ = Gewehr). Zur _Etymologie_ des (schon seit
-dem 17. Jahrh. im Rotw. auftretenden) Wortes s. A.-L. 602 vbd. mit
-_Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1296 unter »schnellen«, Nr. I, 1, bes. lit.
-[Griechisch: d] sowie _Weigand_, W.-B. II, Sp. 764, wonach _schnellen_,
-mhd. _snellen_ (Ableitg. vom Adj. _schnell_) = »durch starken Widerdruck
-in hohem Grade sich fortbewegen machen« besonders von Bogen und Pfeilen,
-dann auch von Kugeln gebräuchl. gewesen; vgl. auch _Schneller_ u. a. =
-»die Vorrichtung zum Abdrücken am Schießgewehr« (1691 bei _Stieler_).]
-
-[Fußnote 152: ([2] auf S. 63.97) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 153: ([3] auf S. 63.97) _Beschrenken_ bedeutet auch schließen
-(oder sperren) schlechthin sowie ver- od. zuschließen (daher
-_b'schrenkt_ auch = verschlossen); dazu die _Zus._ _anb'schrenke_ =
-anschließen und die _Ableitg._ _Beschrenker_ = Schließer. Dagegen setzt
-_zuschrenken_ = zuschließen ein einfaches _schrenken_ = schließen
-voraus, das aber im Vokab. fehlt. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Schöll_ 272 (_aufschrenken_ = aufmachen); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 339, 344 (_schränken_ = schließen, einschließen,
-_aufschränken_ = eröffnen); _Schwäb. Gaun.- und Kundenspr._ 73
-(_Schränker_ = Hausdieb); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Lütz._ [215]:
-_schränke[n]_ = schließen, _Schrenke_ = Tür, in U. [214]:
-_abschränke[n]_ = verschließen). Zur _Etymologie_ des zweifellos rein
-deutschen (mit »Schrank« und »Schranke« verwandten) Wortes _schränken_
-usw., das schon im Rotw. des 17. Jahrh. bekannt gewesen, s. d. Näh. in
-_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 73, 74 (unter »Schränker«).]
-
-abschreiben, _abfeberen_[154] [63.98]
-
-absingen, _abschallen_[155]
-
-absondern, _abschurele_[152]
-
-abspringen, _abbosten_[156]
-
-absterben, _abbegeren_[157]
-
-[Fußnote 154: ([4] auf S. 63.98) Das Zeitwort _febere(n)_ (-ra) =
-schreiben oder beschreiben (daher _gefebert_ = schriftlich) kommt noch
-vor in den _Zus._: _auf-_, _aus-_, _ein-_, _heraus-_, _nach-_,
-_nieder-_, _über-_, _unter-_ und _vorfebern_. Mit dem Stamm _feber-_
-sind gebildet die Subst. _Feberschure_ = Bleistift (eigentl.
-»Schreibding«) und _Feberklettert_ = Schreibtisch. _Ableitungen_ sind:
-_Feberer_ = Schreiber (dazu _grandicher Feberer_ = Schriftgelehrter) und
-_Feberei_ = Schrift oder (das) Schreiben. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._) _Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_febren_ und _Febrer_); _W.-B.
-des Konst. Hans_ 254, 257 (_febere_ und _Feberer_, _ausfeberen_ =
-ausschreiben); _Schöll_ 274 (_febern_ = schreiben [in der Bettlerspr.]);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 341, 344 (hier ebenfalls _febern_, _Feberer_ und
-_ausfebern_, ferner noch _Feberei_ = Schreibzeug); _Schwäb. Händlerspr._
-480, 486 (_f[^æ]beren_ oder _fêberen_ und _Pfeberei_ = Brief). Vgl. auch
-_Pfälz. Händlerspr._ 437 (_fêwere_ = schreiben). Zur _Etymologie_, die
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 996 als »unklar« bezeichnet, s.
-Hypothesen (betr. nordischen Ursprungs) in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 64
-ff. unter »Feberer«; vgl. dazu auch weiter unten über _Fehma_ (unter
-»Hand«).]
-
-[Fußnote 155: ([5] auf S. 63.98) Mit _schallen_ = singen sind noch
-zusammengesetzt: _nach-_ und _vorschallen_. _Ableitungen_: _Schaller_ =
-Sänger (fem.: _-erin_, _Zus._: _Schallerfläderling_ = Singvogel, insbes.
-Amsel, Kanarienvogel) und _Schallerei_ = Gesang. _Zu vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_schallen_ = singen);
-desgl. _W.-B. des Konst. Hans_ 254 und _Pfulld. J.-W.-B._ 343 (hier
-[340, 342] auch: _Schallen_ = Gesang und _Schaller_ = Sänger); _Schwäb.
-Gaun.- u. Kundenspr._ 73, 74 (_schallen_, _Schaller_ = Sänger,
-_Schallerle_ = Organist, _Schallerkasten_ = Kirche); _Schwäb.
-Händlerspr._ 483, 486 (_schallen_, _Schaller_, _Duftschaller_ [d. h.
-»Kirchensänger«] = Lehrer). Zur _Etymologie_ (von unserm deutsch. Zeitw.
-_schallen_) sowie über weitere Belege s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42,
-S. 69-71; vgl. auch _Weber-Günther_, S. 180 u. 188.]
-
-[Fußnote 156: ([6] auf S. 63.98) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 157: ([7] auf S. 63.98) _Begeren_ bedeutet: sterben, umkommen,
-auch spezieller ersticken. Dazu das Partiz. _begert_ = gestorben,
-verstorben (entleibt, entseelt, leblos, starr, tot) sowie die Negation
-_begert nobis_ (eigtl. »stirbt nicht«) = unsterblich und die Zus.
-_Begertflössling_ (d.h. »toter Fisch«) = Hering. Als Subst. gebraucht
-ist _Begert_ = Leiche. Die dafür sonst im Rotwelsch vorkommende Vokabel
-_Beger_ u. ähnl. (auch = Tod), das Stammwort für das Zeitw. _begern_
-(vgl. unter »Etymologie«), ist für sich _allein_ in _Wittichs_ Vokabular
-_nicht_ angeführt, wohl aber sind _damit_ (od. vielleicht auch bloß mit
-dem Stamme _beger-_ des Zeitw. _begeren_) zahlreiche _Zusammensetzgn._
-gebildet worden, so _Begersins_ = Arzt (Doktor), auch bes. Wundarzt (u.
-dazu die Verbdg. _schofler Begersins_ = Quacksalber), _Begerschure_ =
-Gottesacker (Kirchhof), auch Grab, Gruft, _Begerkies_ = Grabstein,
-Leichenstein, _Begerfläderling_ = Käuzchen, Steineule (vgl. dazu betr.
-die Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. schon »Vorbemerkung«, S. 18
-sowie unter »Käuzchen«), _Begerkitt_ = Krankenhaus (Siechenhaus, Spital)
-u. Leichenhaus (vgl. _grandiche B._ = Hospital, _Lanenger B._ =
-Lazarett, u. das Dim. _Begerkittle_ = Sarg [s. dazu schon oben S. 44,
-Anm. 147 unter »Abort«]), _Begergadscho_ od. _Begerkaffer_ =
-Leichenbeschauer, letzteres auch Totengräber, _Begersauft_ = Leichenbett
-(Sterbe-, Totenbett), _Begermoss_ = Leichenfrau, _Begerbikus_ =
-Leichenschmaus, _Begerbochdam_ = Leichentuch, _Begerkluft_ =
-Sterbekleid, _Begersore_ = Totenbahre, _Begerkritzler_ = Totenschein.
-_Ableitungen_ (von _begeren_) sind: das Subst. _Begerei_ = (das)
-Sterben, Krankheit, auch speziell Seuche, u. das Adj. _begerisch_ =
-sterblich, krank (gebrechlich, leidend, unpäßlich) u. speziell lahm
-(daher: _begerisch bosten_ = lahm gehen; vgl. ferner die Negat. _nobis
-begerisch_ = wohl [gesund], die Verbdg. _begerische Mufferei_ =
-Totengeruch u. die Zus. _Begerischsauft_ = Krankenbett). Auch als Subst.
-wird _Begerisch_ gebraucht = Siechtum oder spezieller: Epilepsie
-(Fallsucht), während _grandich Begerisch_ die Schwindsucht bedeutet. _Zu
-vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95
-(_begerisch_ = krank, vgl. auch 98: _begerisch gekeilt werden_ = hart
-geschlagen werden); _Schöll_ 271, 273 (_Beger_ = Tod, _begern_ =
-sterben); _Pfulld. J.-W.-B._ 341, 345 (_bäkeren_ = sterben, _bägeret_ =
-gestorben, _bäkeret_ = tot, _Bäkerei_ = Krankheit, _bäkerisch_ = krank,
-_Bäkerischkitt_ = Krankenhaus); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67, 72,
-76 (_begern_ = sterben od. krank sein [hierfür auch _bechern_],
-_abgebegert_ = gestorben, _Begerer_ = Arzt, _Begerwinde_ = Krankenhaus);
-_Schwäb. Händlerspr._ 486, 487 (_bêkeren_ = sterben [vgl. in _Pfedelb._
-(213): _bägert_ u. _beechert_ = gestorben], _bêkerisch_ [in _Pfedelb._
-(213): _beecherisch_] = sterbenskrank, todkrank, _Bêkerwinde_ = Spital).
-Zur _Etymologie_ (vom hebr. _peger_ = »Leichnam«) sowie über weitere
-Belege im Rotw. s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 69 u. Anm. 1
-(unter »Begerschaberer«) vbd. mit Bd. 43, S. 29 (unter »Pöckerer«). Vgl.
-auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 576 vbd. mit Sp. 363/64 (unter
-»auf-bägere[n]«).]
-
-Abt s. Priester, [63.99]
-
-abtragen, _abbugle_[158]
-
-Abtritt s. Abort
-
-[Fußnote 158: ([8] auf S. 63.99) Mit _bugle_ (-la) od. _buk(e)le(n)_
-(-la) = tragen, bringen, holen (Spr.) finden sich noch die
-_Zusammensetzungen_: _fortbugla_ = fortbringen, forttragen,
-_herausbukla_ = heraustragen, _mitbukle_ = mitbringen, _umher-_,
-_wegbukle_ = umhertragen, wegtragen sowie die Verbindung _schiebes
-bukle_ = davontragen. _Ableitungen_ sind: die Subst. _Bukler_ (in der
-Zus. _Kritzlerbukler_ = Briefträger, Postbote) u. _Buklete_ = Last,
-Traglast. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._
-100 (_buckeln_ = tragen); _Schöll_ 272 (_buklen_); _Pfulld. J.-W.-B._
-345 (ebenso); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 76 (_buckeln_); _Schwäb.
-Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [213] _bukeln_, in _Lütz._ [215]
-_buckle[n]_). Zur _Etymologie_ (vom deutsch. _Buckel_ od. _Puckel_)
-sowie über weitere rotw. Belege s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S.
-209 u. Anm. 2. Vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1504 (mit
-weiteren Angaben).]
-
-abwaschen, _abpfladeren_[159] [63.100]
-
-abwerfen s. abfallen
-
-Abweichung (Diarrhöe), _Fu(h)lete_[160], _Schmelzede_[160]
-
-abwischen, _abschurele_[161]
-
-abzahlen, _abpfreimen_[162], _abzaine_[163]
-
-abziehen, _abschurele_[164]
-
-Achsel, _Schure_[164]
-
-Acker, _Schure_[164]
-
-Adler, _grandicher Flederling_[165]
-
-[Fußnote 159: ([9] auf S. 63.100) Mit _pfladere(n)_ (-ra) = waschen
-(auch: baden, ferner putzen, reinigen, säubern, wischen) sind noch
-zusammengesetzt: _auf-_ u. _auspfladere(n)_ (-ra) = auf- u. auswaschen
-(ausspülen). Mit dem Stamme _pflader-_ zusammenges. Hauptwörter sind
-_Pfladerschottel_ = Waschbecken, _Pfladersore_ = Wäsche, _Pfladermoss_ =
-Wäscherin, _Pfladerkitt_ = Waschhaus, _Pfladerflu(h)te_ = Waschwasser.
-_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 89, 91,
-101 (_Fladerei_ = Wäsche, _Fladerer_ = »Balbierer«, Doktor); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 343, 346 (_fladeren_ = waschen, _Flader-Schury_ =
-Schermesser); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77 (_flattern_ = waschen);
-_Schwäb. Händlerspr._ 488 (_pfladere_); vgl. auch _Pleißlen der
-Killertaler_ 435 (_fladere[n]_) u. _Metzer Jenisch_ 207 (_flādere_).
-Zur (nicht ganz sichern) _Etymologie_ sowie über weitere rotw. Belege s.
-_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 44, 45 u. Anm. 1, 2. — _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. II, Sp. 1537 gibt keine Erklärung.]
-
-[Fußnote 160: ([10] auf S. 63.100) S. Abort.]
-
-[Fußnote 161: ([11] auf S. 63.100) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 162: ([12] auf S. 63.100) Mit _pfreimen_ (-ma) = bezahlen
-(zahlen), vergüten ist noch zusammenges. _auspfreimen_ = auszahlen; als
-Subst. gebraucht: _Pfreimen_ = Steuern. _Ableitung_: _Pfreimerei_ =
-Zahlung (Sold, Verdienst). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
-_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 338, 346 (_pfräumen_ = auszahlen, bezahlen,
-zahlen); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 488 (_pfreimen_ = bezahlen, zahlen).
-Zur _Etymologie_: Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1078 ist
-_pfreimen_ wohl nur eine Nebenform von _bereimen_ (s. darüber das Näh.
-weiter unten unter »bezahlen«), wozu die (z. B. bei _Karmayer_ 17
-vorkommende) Form _bepreimen_ (vgl. _Groß'_ Archiv, B. 33, S. 305, Anm.
-3, lit. a) den Übergang zu vermitteln scheint.]
-
-[Fußnote 163: ([13] auf S. 63.100) Mit _z¶a¶ine[n]_ (od. _z¶e¶ine[n]_) =
-bezahlen (zahlen) sind noch zus. _an-_ u. _auszeine[n]_ (-na). Als
-Subst. gebraucht ist _Zeine_ = Zahlung. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 259 (_zainen_ = zahlen); _Schwäb.
-Händlerspr._ in U. [214]: _zaine[n]_= bezahlen). Die _Etymologie_ ist
-unklar.]
-
-[Fußnote 164: ([14] auf S. 63.100) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 165: ([15] auf S. 63.100) _Grandicher Flederling_ heißt
-wörtlich »großer Vogel«, während _¶grandich¶ Flederling_ = Storch,
-eigentlich wohl durch »größter Vogel« (d. h. der in Deutschland bekannte
-größte Vogel) wiederzugeben sein dürfte mit Rücksicht auf das, was
-_Wittich_ an anderer Stelle (s. unter »Bischof«) über den Gebrauch von
-_grandich_ (im Gegensatz zu _grandicher_) als Superlativ im Jenischen
-ausgeführt hat (vgl. dazu auch schon »Vorbemerkung«, S. 17, Anm. 42 u.
-Näh. noch in m. Anm. zu »Bischof«). — Mit _Flederling_ (od.
-_Fläderling_) schlechthin werden auch einzelne Vogelarten bezeichnet, so
-die Elster, der Kuckuck, der Star und die Taube (vgl. dazu
-»Vorbemerkung«, S. 16). Aber auch manche _Zusammensetzungen_ mit dem
-Worte finden sich sowohl für bestimmte _Gattungen_ von Vögeln (s.
-_Schallerflederling_ = Singvogel, _Flu[h]teflederling_ = Wasservogel)
-als auch für einzelne _Arten_. So kommt _Schallerflederling_ auch
-spezieller für die Amsel und den Kanarienvogel und _Flu(h)teflederling_
-für die Bachstelze (als e. Art Übersetzung) vor (neben der Bezeichng.
-_jenischer Flederling_, worüber das Näh. noch weiter unten bei
-»Bachstelze«); vgl. ferner: _Stämpfflederling_ (eigtl. »der schimpfende
-Vogel«) = Elster (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.),
-_Leile-_ od. _Ratteflederling_ (d. h. »Nachtvogel«) = Eule (s. d. betr.
-Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr., vgl. auch oben S. 37, Anm. 127),
-_Begerflederling_ (d. h. »Totenvogel«) = Käuzchen, Steineule (vgl. dazu
-schon oben S. 98, Anm. 157), _Schmuserflederling_ (d. h. »der sprechende
-Vogel«) = Papagei (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr., vgl.
-auch schon »Vorbemerkung«, S. 18), _Dofeflederling_ (d. h. »der schöne
-Vogel«) = Pfau (s. d. betr. Analogie im Zigeun., vgl. auch
-»Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 47), _Schofeleiflederling_ (d. h.
-»Unglücksvogel«) = Rabe (vgl. »Vorbemerkg.«, S. 19, Anm. 49) u.
-_Furschetflederling_ (d. h. »Gabelvogel«) = Schwalbe (nach deren
-gabelförmigem Schwanze; s. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun. unter
-»Schwalbe«). Beachtenswert ist, daß _Flederling_ in gewiss. Zus. auch
-für _andere_ Tiere (Insekten) vorkommt, so in _Kupferflederling_ =
-Heuschrecke und _Schundflederling_ = Mistkäfer. Seltener sind endlich
-Zus., in denen das Wort _vorangesetzt_ ist, so: _Flederlingskitt_ =
-Vogelbauer, _Fl.-bäzeme_ = Vogeleier, _Fl.-nolle_ = Vogelnapf u.
-_Fl.-schnellen_ = Vogelschießen. — _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 101 (_Fletterling_ = Vogel);
-_Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Fläterling_ = Vogel [in _Pfedelb._ (213):
-_Flätterling_ auch spezieller = Taube, wozu noch bemerkt sei, daß gerade
-_diese engere_ Bedeutg. im alten Rotw. zuerst vorkommt; s. z. B. _Hildb.
-W.-B._ 1753ff (227) u. _Rotw. Gramm._ n. 1755 (18. u. D.-R. 47)]).
-Seiner _Etymologie_ nach gehört das Wort natürlich zu »_flattern_«; s.
-_Günther_, Rotwelsch, S. 60 vbd. mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp.
-1545 (unter »Flätterling«). —
-
-Das (in der Verbindg. _grandich[er] Flederling_ enthaltene) Adj.
-_grandich_ (oder _grandig_) hat außer der häufigsten und allgemeinsten
-Bedeutung »groß« noch folgende: bedeutend, begütert, dick, erwachsen,
-gewichtig, hoch, hochherzig, lang, mächtig, prächtig, reich, viel, voll,
-vorzüglich, endlich auch noch »wütend« (doch geht es in _diesem_ Sinne
-wahrscheinl. auf einen _anderen_ Stamm zurück; s. d. Näh. unten bei der
-»Etymologie« a. E.); mit vorgesetzter Verneinung (_nobis grandich_) ist
-es = wenig, winzig, als _Adverb_ gebraucht bedeutet es: oft (häufig),
-als _Subst._ (_Grandich_): Gewalt, Höhe. Der Komporat. _grandicher_
-kommt nicht nur für »größer«, sondern auch für »mehr« (»mehrfach«,
-»vielmals«) vor. In _Verbindungn._ erscheint _grandich_: a) zuweilen mit
-einem _Zeitw._, so _grandich¶e¶ pflanzen_ (eigtl. etwa »den Großen
-spielen«) = hoffärtig (aufgeblasen, stolz, übermütig) sein (wogegen
-_grandich¶e¶r pflanzen_ nur durch »verlängern« wiedergegeben ist), viel
-häufiger aber natürlich: b) mit _Hauptwörtern_, und zwar in d. R. (und
-nicht selten in unmittelbarem Anschluß an die Zigeunersprache) als
-umschreibender Ersatz für Begriffe, für die es im Jenischen keine
-besonderen selbständigen Bezeichnungen gibt (vgl. »Vorbemerkung«, S.
-17ff.), so [Griechisch: a]) für Sachen im weit. S. (einschl. z. B.
-Gebäude u. dergl.): _grandiche Jahre-_ od. _Krachersäftling_ (d. h.
-»große Waldtraube«) = Ananas, _grandiche Duft_ (d. h. »große Kirche«) =
-Dom (s. d. betr. d. Zigeun.), _grandicher Kies_ (d. h. »großer Stein«) =
-Felsen (s. d. betr. d. Zigeun.), auch Quaderstein, _grandiche Kitt_ (d.
-h. »großes Haus«) = Hof, _grandiche Kolbekitt_ (d. h. »großes
-Pfarrhaus«) = Kloster (s. d. betr. d. Zigeun.), _grandiche Schoflerei_
-(d. h. »großes Gericht«) = Kreis- (Land-, Kriminal-) Gericht (s. betr.
-d. Zigeun. unter »Kreis-« u. »Kriminalgericht«), _grandicher
-Sins-Obermann_ (d. h. etwa »des großen Herrn- [des Landesherrn] Hut«) =
-Krone (s. d. betr. d. Zigeun.), _grandiche Lobekitt_ (d. h. »großes
-Geldhaus«) = Münze, Münzwerkstätte, _grandiche Hegerle_ (d. h. »große
-Knödel«) = Nudeln, _grandiche Kaflerkitt_ (d. h. »großes Metzgerhaus«) =
-Schlachthaus, _grandiche Schrende_ (d. h. »große Stube«) = Saal (s. d.
-betr. d. Zigeun.), _grandicher Spraus_ (d. h. »großes [langes] Holz«) =
-Stange (s. d. betr. Analog. im Zigeun.); ferner [Griechisch: b]) auch
-für — mehr od. weniger — _abstrakte Begriffe_; so: _grandich Flu(h)te_
-(d. h. »großes« [od. größtes] Wasser) = Meer (vgl. schon oben S. 36,
-Anm. 126), _grandich Ulma_ (d. h. »viele Leute«) = Menge, _grandich
-Lanenger_ (»viele Soldaten«) = Heer (s. d. betr. d. Zigeun.), ferner
-_grandicher Funk_ (d. h. »großes Feuer«) = Feuersbrunst (s. d. betr. d.
-Zigeun.), _grandich Bogelo_ (d. h. »großer Hunger«) = Heißhunger,
-_grandich Begerisch_ (d. h. »großes [schweres] Siechtum«) =
-Schwindsucht, _grandich Schure_ od. _Sore_ (d. h. »viele Dinge«) =
-Reichtum, Überfluß, Vermögen; sodann [Griechisch: g]) für _Tiere_: so
-(außer _grandich[er] Flederling_ noch); _grandiche Gachne_ (d. h.
-»großes Huhn«) = Hahn, _grandich Jerusalemsfreund_ (d. h. »großes Schaf
-[Hammel]«) = Schafbock, _grandich Babing_ od. _Strohbuzer_ (d. h. »große
-Gans«) = Schwan (s. d. betr. d. Zigeun.); endlich [Griechisch: d]) für
-_Menschen_, und zwar: aa) nach deren _Eigenschaften_, wie _grandicher
-Kaffer_ (d. h. »großer Mann«) = Riese (s. d. betr. d. Zigeun.) bezw.
-_nobis grandicher Kaffer_ = Zwerg; zu vgl. auch die (wohl als partes pro
-toto für die Personen _selbst_ gebräuchl.) Bezeichngn. _grandicher
-Rande_ = Dickbauch, _grandicher Ki(e)bes_ = Dickkopf oder Starrkopf u.
-_grandicher Giel_ (Grandichergiel) = Großmaul (wobei noch zu erwähnen,
-daß _solche_ Verbindungen auch als Adjektive gebraucht vorkommen, s. z.
-B. _grandicher Rande_ = beleibt, wohlbeleibt, bes. auch schwanger,
-trächtig, _grandicher Muffer_ = großnasig; vgl. auch _grandich Sore_ (s.
-oben) = vermögend; bb) nach dem _Stande_ od. _Beruf_, wie z. B.
-_grandicher Sins_ (d. h. »großer Herr«) = Amtmann, Richter (s. d. betr.
-d. Zigeun.), aber auch Fürst, Herrscher u. dgl. m. (s. d. betr. d.
-Zigeun.), _grandicher Feberer_ (d. h. »großer Schreiber«) =
-Schriftgelehrter u. a. m. Auf die weiteren Beispiele _dieser Art_ ist —
-um Wiederholungen zu vermeiden — ausführlicher erst in der Anm. zu dem
-Worte »Bischof« eingegangen, da dort _Wittichs_ Bemerkung über die in
-seinem Jenisch eigentümliche Art steht, die Steigerung von Rangstufen
-durch Hinzufügung von _grandicher_ (als Komparativ) u. _grandich_ (als
-Superlativ) vorzunehmen (vgl. S. 101). Als bloße wörtl. Übersetzungen
-unserer deutsch. Bezeichnungen erscheinen natürlich _Grandicher-Patres_
-u. _Grandichemamere_ = Großvater, -mutter. — _Zu vgl._ betr. _grandich_
-(aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 256, 259
-(_grandig_ = gewaltig, stark); _Schöll_ 271 (_grandig_ = groß, stark,
-viel); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 340, 342, 344, 345 (_grandig_ = groß,
-_grandiger Kanoffer_ od. _Gschor_ = »Erzdieb«, _grandiges Schuberle_ od.
-_Balderle_ = Gespenst, _grandig Flotte_ = Meer, _grandige Kehr_ = Schloß
-[Gebäude], _grandige Duft_ [od. _Kangeri_ (aus dem Zigeun.)] = Tempel);
-_Schwäb. Händlerspr._ 481 (_grandig_ = groß); auch dem _Metzer Jenisch_
-(216) bekannt. Der _Etymologie_ nach geht das (schon zu Beginn des 17.
-Jahrh. im Rotw. auftretende) Wort wohl unmittelbar auf roman. Ursprung,
-und zwar noch eher auf das italien. _grande_ als auf das französ.
-_grand_, zurück. S. Näh. in _Groß'_ Archiv Bd. 38, S. 270 (unter »Sens«)
-u. dazu noch _Weber-Günther_, S. 173 (unter »garant«) sowie _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. III, Sp. 790. Nur in dem Sinne »wütend« — wozu das bes.
-in der bayr. Mundart allgemeiner gebräuchl. _grandig_ = »mürrisch,
-verdrießlich, übel aufgelegt« u. dergl. zu vergleichen ist — dürfte es
-wohl auf einen _anderen_ Stamm zurückgehen. S. dazu d. Näh. bei
-_Fischer_, a. a. O. unter u. zu »grandig«, Nr. 2, c verbd. mit
-_Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1003 (unter »Grand«) sowie Sp. 999
-(unter »grennen«).]
-
-Affe, _Schure_[166] [63.102]
-
-Affengesicht (Fastnachtsmaske), _Ni(e)sichegiel_, auch _Nilliche-_ od.
-_Nuschichegiel_ (d. h. »närrisches Maul«)[167]
-
-After, _Bos_[168], _Schmelzer_[169] [63.103]
-
-[Fußnote 166: ([16] auf S. 63.103) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 167: ([17] auf S. 63.103) Über die Adj. _ni(e)sich_, _nillich_
-od. _nuschich_ s. d. Näh. schon oben unter »aberwitzig«. _Giel_
-bedeutet: Maul (Schnauze), Mund (Lippe), dann auch allgemeiner
-(gleichsam als pars pro toto) Gesicht, Miene, Signalement (s. d. betr.
-Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr.). Andere _Zus._ bzw. _Verbdgn._ mit
-_Giel_ sind noch _Grandichergiel_ = Großmaul (s. dazu schon oben S. 100,
-Anm. 165), _Schmusichergiel_ = Plappermaul sowie _oberkünftiger Giel_
-(d. h. eigtl. etwa »Obermaul«) = Gaumen (s. d. betr. Übereinstimmg. m.
-d. Zig., vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 17). _Vielleicht_ dürften als
-Ableitungen von _Giel_ auch das Zeitw. _giele(n)_ (-la) = (sich)
-erbrechen, übergeben (auch als Subst. gebr.) u. das Adj. _gielerich_ =
-übel (»zum Übergeben [Erbrechen] schlecht« [Spr.]) betrachtet werden.
-_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 342, 345
-(_Giel_ = Maul, _gillen_ = erbrechen, speien); _Schwäb. Händlerspr._
-4841 (_Gîl_ = Mund). Der _Etymologie_ nach gehört das (als rotw. schon
-im _Lib. Vagat._ [54] bekannte) Wort zu dem bereits mhd. _giel_ = »Maul,
-Rachen, Schlund« (s. _Lexer_, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 1011; vgl. auch
-_Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 892), bildet also »einen der nicht
-häufigen Fälle der Erhaltung von _Archaismen_ im Rotwelsch« (so:
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 651; vgl. auch schon _Wagner_ bei
-_Herrig_, S. 207 u. _Behaghel_ in d. Z. der Allg. Deutsch. Sprachver.
-Jahrg. 1905, Sp. 158). Das Zeitw. _gil(l)en_ = erbrechen usw. hat
-_Fischer_, a. a. O., Sp. 658 — freilich nur mit einen Fragezeichen —
-zu dem hebr. _gilla_ = »enthüllen« in Beziehung gesetzt.]
-
-[Fußnote 168: ([18] auf S. 63.103) Als eine _Zus._ mit _Bos_ = After
-(Hinterer) könnte vielleicht aufgefaßt werden _Boslem_ = Exkremente (das
-wäre dann eigtl. — da _Lehm_ auch im _Wittich_'schen Vokabular für
-»Brot« vorkommt — soviel wie »Afterbrot«). Ebenso scheint ein gewisser
-Zusammenhang vorzuliegen zwischen _Bos_ u. dem Zeitw. _bosen_ od.
-_bosme_ = lecken, zu dem möglicherweise die Redensart _jann'_ _mei Bos_
-= »leck mich (im A….)« (s. d. W.-B.) den Übergang gebildet hat. _Zu
-vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74
-(_Bos_ = Podex [ganze Hinterseite]); _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Boß_ =
-Podex; vgl. dazu noch in _Pfedelb._ [211]: _muff mei Boß_ = »l. m. i.
-A.«). Die _Etymologie_ ist unsicher. _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp.
-1303 hat das hebr. _bōš_ = »sich schämen« herangezogen, jedoch nur
-mit einem Fragezeichen. Weniger gesucht erscheint es m. E., in _Bos_ zu
-erblicken nur eine Abkürzung (nach Art der sog. Aphärese) von der
-Zusammensetzg. _Schundbos_ u. ä. (wörtl. etwa »Kothaus«, zu _Schund_ =
-Kot u. dgl. [s. oben S. 41, Anm. 139] u. _Bos_ = Haus, älterer rotw.
-Form für _Bais_ u. ä., aus dem gleichbed. hebr. _bajit_ [vgl. Archiv,
-Bd. 38, S. 221, Anm. 1]), die sich zu Anfang des 19. Jahrh. in einzelnen
-Sammlungen der Gaunerspr. als Bezeichnung für den »Hinteren« findet (so
-z. B. bei _Karmayer_ 150 [neben _Schandbus_ (138)]; vgl. _Pfister_ 1812
-[303: _Schonnboos_] u. _v. Grolman_ 58 u. 63 u. T.-G. 101 [_Schonboos_
-u. _Schandbus_ od. _-buß_]).]
-
-albern s. aberwitzig [63.104]
-
-alljährlich, _jedes Ja(h)ne_ (d. h. jedes Jahr)[170]
-
-alltäglich, _jeden Schei_ (d. h. jeden Tag)[171]
-
-[Fußnote 169: ([19] auf S. 63.104) S. Abort.]
-
-[Fußnote 170: ([20] auf S. 63.104) Dieselbe Ausdrucksweise haben auch
-die Zigeuner (s. _Liebich_, S. 139 u. 174: _hakko bersch_ [d. h. »jedes
-Jahr«] = alljährlich). — _Jane_ od. _Jahne_ = Jahr findet sich auch
-noch in den _Verbdgn._ _voriges Ja(h)ne_ = vorjährig u. _nobis dofs
-Ja(h)ne_ (d. h. eigtl. »kein gutes Jahr«) = Mißjahr (s. d. betr. d.
-Zigeunerspr.) u. in den Zus. _Ja(h)neschei_ = Jahrestag u. _Neuja(h)ne_
-= Neujahr (Spr). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 94 (_Jone_ = Jahr, daher _Jone Gschok_ = Jahrmarkt); _W.-B.
-des Konst. Hans_ 257, 259 (_Jane_ = Jahr, _Jann_ = Jahre); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 341 (_Jane_ = Jahr). Die _Etymologie_ bleibt zweifelhaft.
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 74 hat hingewiesen teils auf _Jam_ =
-Tag (in der Form _Jäm[m]chen_ = Jahr [s. dazu schon oben »Einleitg.«, S.
-26, Anm. 70]), teils auf das hebr. _schānā_, jüd. _schōnō_ =
-Jahr, das auch in die Gaunerspr. eingedrungen ist (s. z. B. schon
-_Christensen_ 1814 [322: _Schone_], u. dann öfter bis zur Neuzeit [vgl.
-A.-L. 603 u. _Groß_ 492 (_Schono_, _-num_), _Rabben_ 121 u. _Ostwald_
-137 (_Schone_, _-num_)]). Jedoch erscheint es vielleicht am einfachsten,
-auch hier (gleichwie möglicherweise ja bei _Jäm[m]chen_) nur eine
-absichtliche Entstellung des Auslauts von »Jahr« anzunehmen.]
-
-[Fußnote 171: ([21] auf S. 63.104) Auch diese Umschreibung ist bei den
-Zigeunern gebräuchlich (s. _Liebich_, S. 139 u. 174: _hakko diwes_ [d.
-h. »jeden Tag«] = alltäglich). — Das jenische _Schei_ (od. _Schein_) =
-Tag (wofür früher _Jamm_ gebräuchlich gewesen [vgl. oben »Einltg.«, S.
-26, Anm. 70]), hat noch verschiedene Nebenbedeutungen, so: Helle (auch
-als Adj. gebr. = hell), Licht (Wachslicht, Kerze), Fackel (Wachsfackel),
-Ampel, Lampe, Laterne u. endlich Fenster. Mehrere dieser Bedeutungen
-begegnen auch in den _Zusammensetzungen_ mit dem Worte, so: a) = Tag
-(nur _ans Ende_ gestellt) in: _Nilliche-_(_Ni[e]siche-_ od.
-_Nuschiche-_)_schei_ = Fastnacht (vgl. oben S. 39, Anm. 132),
-_Ja(h)neschei_ = Jahrestag (vgl. oben Anmerkg. 170), _Bäzemeschei_
-(eigtl. »Eiertag«) = Karfreitag (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der
-Zigeunerspr., vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 18), _Brandlengschei_ (eigtl.
-»Kuchentag«) = Kirchweihe, _Flössleschei_ = Regentag, _Bossertschei_
-(eigtl. »Fleischtag«) = Sonntag (vgl. schon oben S. 31, Anm. 119); b) =
-_Licht_ (od. _Lampe_): [Griechisch: a]) _vorangestellt_: in
-_Scheischure_ (eigtl. »Licht- [od. Lampen-] Ding«) = Docht u.
-_Scheinpflanzer_ = Lichtzieher; [Griechisch: b]) _ans Ende_ gestellt: in
-_Schuberleschein_ (d. h. »Gespensterlicht«) = Irrlicht (s. d. betr. die
-Zigeunerspr.), _Leileschei(n)_ = Nachtlicht, dann aber auch Mond u.
-Stern (vgl. dazu schon oben S. 37, Anm. 127); c) = _Fenster_: in
-_Scheiglansert_ = Fensterglas. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
-_W.-B. des Konst. Hans_ 255, (_Sch¶ai¶springer_ = »Diebe, die bei Tag
-stehlen«); übereinstimmend damit in der Bedeutg.: _Sch¶ein¶springer_ bei
-_Schöll_ 269, 270 u. im _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (vgl. hier [339] auch
-noch _Prenzenschein_ = Feiertag, während _Schein_ — _ohne_ Zusatz —
-[337] so viel wie »Auge« bedeutet); _Schwäb. Händlerspr._ 487 vbd. mit
-479, 480, 483 (_Schein_ = Tag, Nebenbedtgn.: Auge, Fenster, Licht; vgl.
-in _Pfedelb._ [214]: _Bichschein_ = Zahltag). In den übrigen rotw.
-Quellen findet sich _Schein_ für »Tag« (abges. von der oben erwähnten
-Zus.) m. Wiss. zuerst bei _Schintermicherl_ 1807 (288), für »Auge«
-zuerst bei _Pfister_ bei _Christensen_ 1814 (328), dagegen schon im
-_Basl. Glossar v. 1733_ (201) für »Glas«. Aus den Krämerspr. vgl. noch:
-_Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Schainche_ = Auge, Fenster, Lampe), _Metzer
-Jenisch_ 216 (_Scheinche_ = Augen), u. _Winterfeld_. _Hausierspr._ 441
-(_Scheincher_ = Fenster). Der _Etymologie_ nach gehört das Wort wohl
-zweifelsohne zu unserem gemeinsprachl. _Schein_ (in dem ursprünglichsten
-Sinne von »ins Auge fallende Helle«, mhd. _schîn_, ahd. _scîn_ = »Glanz,
-Helligkeit, Sichtbarkeit« usw. (s. _Weigand_, W.-B. II, Sp. 690/91);
-vgl. auch A.-L. 597. Über das stammverwandte _Scheinling_ = Auge s. das
-Näh. unter »Augapfel«.]
-
-Almosen, _Dercherbich_ (d. h. »Bettelgeld)«[172] [63.105]
-
-Amme, _Schwächerlemamere_ (d. h. »Brustmutter«)[173]
-
-[Fußnote 172: ([22] auf S. 63.105) Dieselbe Umschreibung kennt auch die
-Zigeunersprache; s. _Liebich_, S. 145 u. 174 (_mangamáskero lowo_, d. h.
-eigtl. »Bettelgeld« = Almosen). — Betr. _Dercher-_ s. das Näh. unter
-»abbetteln«. Das jenische _Bich_ = Geld (Geldstück, Kupfergeld), Münze,
-dann auch Barschaft, Gehalt (Sold), Summe kommt in mancherlei
-_Zusammensetzgn._ vor, so a) _am Anfang_ stehend: [Griechisch: a]) für
-Personen: in _Bichsins_ = Bankier, aber auch Münzmeister, u.
-_Bichschenegler_ = Münzarbeiter (auch wohl _Bichpflanzer_, argum.:
-_Bichpflanzerskitt_ = Münzwerkstätte, vgl. auch noch die Umschreibg.
-_nobis dufter Bichpflanzer_ [d. h. eigtl. »kein guter Geldmacher«] =
-Falschmünzer); [Griechisch: b]) für Sachen: _Bichkitt_ = Bankhaus,
-_Bichschure_ = Geldkasse od. -kasten, _Bichrande_ = Geldsack; b) _ans
-Ende_ gesetzt: (außer in _Dercherbich_ noch) in _Stradebich_ =
-Chausseegeld (Pflaster-, Wegegeld), _Schenagelsbich_ = (Arbeits-) Lohn,
-_Duftbicht_ (eigtl. »Kirchengeld«) = Opfergeld, _Kritzlerbich_ =
-Papiergeld. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): nur _Schwäb.
-Händlerspr._ 481 (_Bich_, _Pich_ od. _Spich_ = Geld; dazu [in _Pfedelb._
-(214): _Bichschein_ = Zahltag]); die _Pfälz. Händlerspr._ 438 hat die
-Form _Pech_. Über sonstige Belege im Rotwelsch usw. (wo die Form _Pich_
-od. _Picht_ — neben _Bicht_ — vorwiegt) sowie die (nicht sichere)
-_Etymologie_ des Wortes s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 279, 280
-u. Anm. 1 u. 2 (im Anschluß an A.-L. 583 [unter »Pich«]). — _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. I, Sp. 1094 gibt keine Erklärung.]
-
-[Fußnote 173: ([23] auf S. 63.105) Auch hiermit (wie schon in der
-»Vorbemerkung« S. 18 erwähnt) sachlich übereinstimmend die Zigeunerspr.;
-s. _Liebich_, S. 174 (_tschutschĭnéngĕri_ _dai_, d. h. »die
-Brustmutter« = Amme; doch wird _dai_ dabei auch wohl weggelassen [s. S.
-166, vgl. auch _Finck_, S. 93]). Das jenische Wort _Schwächerle_ = Brust
-(bes. Weiberbrust), bei Tieren = Euter (daher _Horbogen-_, _Trabert-_,
-_Groenikelsschwächerle_ = Kuh-, Pferdeeuter, Schweinezitzen), dann auch
-= Herz, geht zurück auf das Zeitw. _schwächen_ = trinken (saufen,
-zechen), aber auch = dursten (in der Wendg. _mich schwächert's_). Zu
-_ersterer_ Bedtg.: _geschwächt_ = betrunken, berauscht, _halbgeschwächt_
-= halbtrunken sowie die _Zus._: _ausschwächen_ = austrinken (aber
-_schwäch' [a]uf_ = trink' aus), _beschwächen_ = betrinken, _ver-_ u.
-_vorschwächen_ = ver-, vortrinken. Zu beachten ist, daß das
-(_un_verkleinerte) Subst. _Schwächer_ nur so viel wie »Rausch,
-Trunkenheit« (auch wohl »berauscht, betrunken«) bedeutet (vgl.
-»Vorbemerkg.«, S. 13, Anm. 33). Weitere _Ableitungen_ (von _schwächen_)
-sind dann noch: d. Adj. _schwächerich_ = durstig (Spr.), als Subst. =
-Durst, u. d. Subst. _Schwäche_ = Tränke, Viehtränke (daher
-_Trabertschwäche_ = Pferdetränke), _Schwächet_ = Getränk, _Schwächerei_
-= Sauferei, Trank, Trinkgelage, Zeche. _Zusammensetzgn._ mit dem Stamm
-_schwäch-_ (des Zeitworts _schwächen_) sind endlich: _Schwächglansert_,
-_-nolle_, _-schottel_ = Trinkglas, -schale, -schüssel, alle drei aber
-auch (allgemeiner) = Trinkgefäß. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
-_Dolm. der Gaunerspr._ 91 u. 100 (_schwächen_ = trinken, _Dobrisch
-schwächen_ = Tabak rauchen; _es schwächet mich_ = es dürstet mich);
-_W.-B. des Konst. Hans_ 255, 256, 258, 259 (_schwäche[n]_ = trinken, _z'
-Schwächet steken_ = zu trinken geben, _Dow're schwäche_ = Tabak rauchen;
-_es schwächert mi_ = es durstet mich); _Schöll_ 271 (_schwächen_ =
-trinken, _Schwächer_ = Durst); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 339, 343, 345
-(_schwächen_ = trinken, saufen, aussaufen, _verschwächen_ = versaufen
-[verdr.: erlaufen], _Schwäche_ od. _Schwächer_ = Rausch, _Schwächerei_ =
-Trunkenheit); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67, 68, 76 (_schwächen_,
-_ausschwächen_, _Schwäche_ = Trunk; _Schwäche¶m¶_ = Durst); _Schwäb.
-Händlerspr._ 487 (_schwächen_, in _Pfedelb._ [208, 209, 212-14]:
-_ausschwächen_, ferner _Schwäche_ = Trank, _Schwächem_ = Durst,
-_Schwächere_ = Wirtshaus, _schwecherisch_ = durstig, _Schwächbruder_ =
-Saufbruder, in _Lütz._ [215] _Schwächer_ = Rausch). Vgl. noch _Metzer
-Jenisch_ 216, 217 (_schwäche_ = trinken, _beschwächt_ = betrunken). Zur
-(nicht sicheren, aber vermutl. auf das Hebr. zurückzuführenden)
-_Etymologie_ s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 42 ff. (unter
-»Schwächer«); vgl. auch _Weber-Günther_, S. 169 (unter »Schwäche«). —
-
-Das zweite (in der Zus. _Schwächerlemamere_ enthaltene) Wort, _Mamere_ =
-Mutter, findet sich auch noch in der Verbindg. _Patres_ (d. h. Vater)
-_und Mamere_ = Eltern (s. d. betr. d. Zigeunerspr., die ebenfalls kein
-eigenes Wort für »Eltern« hat [vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 17, Anm.
-44]) sowie in den folgenden _Zus._: a) _am Anfang_ stehend:
-_Mamereglied_, das drei Bedeutgn. hat, nämlich [Griechisch: a]) Oheim
-(als »Mutterbruder«), [Griechisch: b]) Tante (als »Mutterschwester«),
-[Griechisch: g]) Neffe (v. mütterl. Seite her; vgl. zu [Griechisch: a]
-u. [Griechisch: b] betr. die Überstimmg. mit d. Zigeun. Näh. unter
-»Oheim« u. »Tante«), weiter _Mameregroenikel_ = Mutterschwein; b) ans
-_Ende_ ges.: _Grandichemamere_ = Großmutter, _Kittmamere_ = Hausmutter,
-_Schoflemamere_ (eigtl. »schlechte Mutter«) = Stiefmutter. _Zu vgl._
-(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Mam¶ai¶re_ =
-Mutter), _Schöll_ 271 (_Ma¶mm¶ere_); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_Mamere_);
-_Schwäb. Händlerspr._ 484 (wie _Schöll_). Zur _Etymologie_: Nach
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1432 ist das (auch sonst noch im Rotw.
-vorkommende) Wort — wie übrigens auch schon _Schöll_ 271 vermutet hat
-— wohl ohne Bedenken herzuleiten vom französ. »_mamère_«. Eine
-Heranziehung der Zigeunersprache ist daher nicht nötig, wie denn z. B.
-auch die _Sulzer Zigeunerliste v. 1787_ (251) ausdrückl. das rotw.
-_Mammere_ dem gleichb. zigeun. _Mamma_ (vgl. _Finck_, S. 71: _máma_)
-gegenübergestellt hat.]
-
-Ampel, _Schei_ (d. h. mehr das Licht in der Ampel als diese selbst)[174] [63.107]
-
-Amsel, _Schallerfläderling_ (d. h. eigtl. nur Singvogel; vgl.
-Kanarienvogel)[175]
-
-Amtmann, _grandicher Sins_[176]
-
-Amtsdiener, _Bu(t)z_[177]
-
-[Fußnote 174: ([24] auf S. 63.107) Auch die Zigeunerspr. hat _denselben_
-Ausdruck (_momĕlin_) für Licht (Fackel, Kerze) u. Ampel (Lampe,
-Leuchter); s. _Liebich_, S. 147, 174, 196, 214, 218 u. 219. Im übrigen
-s. über _Schei(n)_. Näh. schon oben unter »alltäglich«.]
-
-[Fußnote 175: ([25] auf S. 63.107) S. unter »absingen« u. »Adler«.]
-
-[Fußnote 176: ([26] auf S. 63.107) Auch die Zigeunersprache kennt (wie
-schon in der »Vorbemerkung«, S. 17 erwähnt) diese Umschreibung (eigtl.
-»großer Herr« für »Amtmann« u. dergl. (s. _Liebich_, S. 127 u. 174:
-_bāro rai_; vgl. auch _Jühling_, S. 225 [= »Bezirksamtmann«]), desgl.
-für die Bedeutgn. »Richter«, »Herrscher« u. »Oberherr« (s. d. Vork. im
-W.-B.), während für die weiteren Bedeutgn. »Fürst« u. »Landesherr« bes.
-Benennungen bestehen. Über _grandich Sins_ = König (fem. _grandich
-Sinse_) — wobei _grandich_ als Superlativ zu betrachten — s. d. Näh.
-noch unter »Bischof«; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 17, Anm. 42.
-_Zusammensetzgn._ mit _Sins_ (od. Sens) = Herr (Edelmann, Gebieter [vgl.
-fem. _Sinse_ od. _Sense_ = Herrin (Dame, Edeldame) u. d. Dimin. _Sinsle_
-= Junker]) sind: a) _im Anfang_: _Sinsekitt_ = Herrenhaus,
-Herrschaftshaus u. _Sinseschrende_ = Herrenzimmer, während in
-_Sinsemoss_ = Herrin (Dame, Edeldame) und _Sinsemodel_ = Fräulein doch
-wohl eher das fem. _Sinse_ steckt; b) _am Ende_ (beliebt bes. als
-Berufsbezeichngn.): _Begersins_ = Arzt (Doktor), Wundarzt (u. dazu
-_schofler Begersins_ = Quacksalber, vgl. auch oben S. 98, Anm. 157),
-_Bich-_, _Kies-_, _Lobesins_ = Bankier (_Bichsins_ auch = Münzmeister),
-_Fehtesins_ = Quartierherr (fem. _-sinse_ = Quartierfrau),
-_Sturmkittsins_ = Ratsherr, _Dupfsins_ = Wundarzt, _Näpflingsins_ =
-Zahnarzt. _Zu vgl._ (aus d. _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_
-254, 259 (_Sinz_ = Herr, _Sinst_ = der regierende Herr); _Schöll_ 272
-(_Sens_ = Herr); _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 340, 341 (_Sens_ = Herr,
-_Obersens_ = Beamter, _Senserei_ = Herrschaft, Kanzlei); _Schwäb.
-Händlerspr._ 482 (_Sens_ = Herr, in U. [213] = Amtsrichter [in
-_Pfedelb._ (208) dafür: _Seetzer_] u. _Senserei_ = Amtsgericht). Über
-weitere Belege im Rotw. seit d. 15. Jahrh. (woraus hier bes. erwähnt
-sei, daß _grandiger Sims_ für »Amtmann« od. »Edelmann« schon bei _A.
-Hempel_ 1687 [168] vorkommt) sowie über die nicht sichere) _Etymologie_
-s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 269ff (unter (»Sens«).]
-
-[Fußnote 177: ([27] auf S. 63.107) _Bu(t)z_ bedeutet bes. auch noch
-Büttel, Polizeidiener, Polizist. Eine _Verbindung_ damit ist _grandicher
-Bu(t)z_ = Polizeiwachtmeister und (als nochmal. Steigerung) _grandich
-Bu(t)z_ = Polizeidirektor (s. dazu das Näh. noch unter »Bischof«).
-_Zusammensetzgn._ damit sind: a) _am Anfang_: _Bu(t)zekeiluf_ od. _-kib_
-= Polizeihund; b) _am Ende_: _Dofes-_, _Kittle-_ oder _Lekbu(t)z_ =
-Gefangenwärter. Eine _Ableitung_ ist: _Bu(t)zerei_ = Polizei (dazu
-weiter die _Zus._ _Bu[t]zereikitt_ = Polizeiamt). _Zu vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Butz_ = »Bettelvogt«);
-_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 63, 73 (_Buz_ = Polizei, _verdeckter Buz_
-= Geheimpolizist): _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Butz_ od. _Betz_ [in
-_Pfedelb._ (212): auch _Buz_] = Polizist; vgl. in _Lütz._ [215]:
-_Grünlingsbutz_ = Waldhüter). Vgl. auch _Pfälz. Händlerspr._ 437 u.
-_Metzer Jenisch_ 216 (_Buts_ bzw. _Butz_ = Polizist). Zur _Etymologie_
-des (rein deutschen) Wortes sowie über seine sonstigen Belege im Rotw.
-(in der Form _Putz_ schon seit d. Mitte des 18. Jahrh.) s. ausführl.
-_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 10ff u. zu vgl. dazu etwa noch _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. I, Sp. 1571 (unter »Butz«, Nr. 3, b).]
-
-Ananas, _grandiche Jahresäftling_ od. _gr. Krachersäftling_ (d. h. »die [63.108]
-große Waldtraube«, abzuleiten von _Säftling_ = Traube[178] und _Jahre_
-oder _Kracher_ = Wald[179]). Mit _Jahre-_ od. _Krachersäftling_ werden
-fast alle beerenartigen Früchte bezeichnet (vgl. Anm. 178 im Anf.).
-
-[Fußnote 178: ([28] auf S. 63.108) S. auch unter »Weinbeere« u.
-»Weintraube«. _Zus._ mit dem Worte sind (außer _Jahre-_ od.
-_Krachersäftling_, das in gleicher Weise für Brombeere,
-Erdbeere, Heidelbeere u. Himbeere gebräuchl. ist) noch das ähnl.
-_Staubertsäftling_ = Mehlbeere (so daß _Säftling_ also bes. auch die
-»Beere« bedeutet [vgl. _Wittichs_ Bemerkg. im Text], obwohl es dafür
-[_ohne_ Zus.] im W.-B. — vielleicht bloß versehentlich — _nicht_
-aufgeführt ist) sowie (am _Anf._ stehend) _Säftlingsore_ = Weinberg (s.
-dazu betr. _Sore_ Näh. unter »Brücke«). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 100 (_Saftling_ = Trauben);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 343 (_Säftling_ = Rebe); _Schwäb. Gaun.- u.
-Kundenspr._ 75 (_Säftling_ = Traube); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (ebenso;
-vgl. im _Pfedelb._ [214]: _Säftlingjole_ = Wein). Der _Etymologie_ nach
-gehört das Wort natürlich zu unserem gemeinspr. _Saft_; vgl. _Günther_,
-Rotwelsch, S. 61.]
-
-[Fußnote 179: ([29] auf S. 63.108) a) Mit _Jahre_ = Wald (Forst, Gehölz,
-auch bes. Fichtenwald) sind (außer _Jahresäftling_) noch folgende _Zus._
-gebildet worden: _Jahrekrächerle_ = Haselnuß, _Jahrestöber_ (d. h.
-»Waldbaum« = Tanne; _Jahreschure_ (d. h. etwa »Waldding«) = Hirsch u.
-_Jahrestierer_ (d. h. »Waldhuhn«) = Rebhuhn (s. d. betr. Übereinstimmg.
-mit d. Zigeun.). Als _Verbindg._ erscheint _Jahre bosten_ (eigtl. nur
-»[in den] Wald gehen« [vgl. oben S. 40, Anm. 137]) für das Zeitw.
-»jagen«. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_
-254 (_Jahre_ = Wald); _Schöll_ 271 (_Jaare_); _Pfulld. J.-W.-B._ 346
-(_Jahre_; vgl. [339, 341]: _Jahrhegel_ = Förster, Jäger); _Schwäb.
-Händlerspr._ 488 (_Jre_). Über weitere rotw. Belege sowie die
-_Etymologie_ (vom hebr. _jaa'r_ = »Wald«) s. d. Näh. in _Groß'_ Archiv,
-Bd. 38, S. 251, Anm. 2; vgl. auch Bd. 42, S. 7 (unter »Jahrhegel«) sowie
-noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 79 (unter »Jare«).
-
-b) Mit _Kracher_ (das in _denselben_ Bedeutgn. wie _Jahre_ gebraucht
-wird) sind im wes. auch die _gleichen Zusammensetzgn._ gebildet worden,
-so außer _Krachersäftling_ noch _Kracherkrächerle_ (= Haselnuß),
-_Kracherstöber_ (= Tanne) u. _Kracherschure_ (= Hirsch); dagegen ist
-neben _Jahrestierer_ (= Rebhuhn) allerdings nur _Krachergachne_ als
-Synon. angeführt. Auch _Kracher bosten_ hat den _gleichen_ Sinn wie
-_Jahre bosten_. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
-J.-W.-B._ 340, 346 (_Krach_ = Holz, Wald); _Schwäb. Gaun.- u.
-Kundenspr._ 77 (_Kracher_ = Wald sowie die geogr. Bezeichg.
-_Schwarzkracher_ = Schwarzwald); _Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Kracher_ =
-Wald). Über weitere rotw. Belege sowie zur _Etymologie_ (von unserem
-gemeinspr. Zeitw. _krachen_) s. d. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 11
-(u. Anm. 1) u. 12; vgl. auch _Weber-Günther_, S. 181 (unter »Krachet«)
-u. _Fischer_ Schwäb. W.-B. IV, Sp. 662 (unter »Krachert«).]
-
-anbeten, _anbliblen_[180] [63.109]
-
-anbetteln, _andalfen_, _anderchen_[181]
-
-anbinden, _anschurele_[182]
-
-anblasen, _anschurele_
-
-anbrennen, _den Funk anpflanzen_ (d. h. das Feuer anmachen)[183]
-
-[Fußnote 180: ([30] auf S. 63.109) Mit _blible(n)_ = beten, auch
-predigen sind ferner noch zusammengesetzt: _nach-_ u. _vorblible(n)_ =
-nach- u. vorbeten, sodann (mit dem Stamme _blibel-_ [des Zeitworts]) die
-Substantive _Blibelulma_ = fromme Leute, auch »Stundenleute«, d. h.
-Methodisten, _Blibelkaffer_, _-moss_, _-kitt_ = »Stundenmann, -frau,
--haus« (in gleichem Sinne) und _Blibelschlang_ (eigtl. »Betkette«) =
-Rosenkranz (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.).
-_Ableitungen_ sind: das Subst. _Bliblerei_ = Gebet u. das Adj.
-_bliblich_ = gläubig, heilig (dazu die _Verbdg._ _bliblicher Schuberle_
-= heiliger Geist). In dem _verw. Quellenkreise_ hat das Wort nur die
-_schwäb. Händlerspr._ (in _Lütz._ [214]: _b'lipple[n]_ = beten). Zur
-_Etymologie_ bietet einigen Aufschluß das veraltete schwäb.
-_Blippenplapper_, eine »spöttische Ablautbildung« für »Plapperer« (nach
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1206).]
-
-[Fußnote 181: ([31] auf S. 63.109) S. abbetteln.]
-
-[Fußnote 182: ([32] auf S. 63.109) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 183: ([33] auf S. 63.109) Über _Funk_ = Feuer s. abbrennen. Das
-Zeitw. _pflanzen_ (Grundbedeutg.: machen [daher: _aufpflanzen_ =
-aufmachen (Spr.)], verfertigen) versieht in Verbindg. mit anderen
-Wörtern die Rolle eines Aushilfsbegriffs in vielen Fällen, wo im
-Jenischen keine besonderen Bezeichnungen vorhanden sind (vgl. darüber
-schon die »Einleitg.« S. 24 sowie m. »Vorbemerkg.«, S. 16, Anm. 40), so
-z. B. in den Redensarten _grandiche pflanzen_ (d. h. eigtl. »den Großen
-machen« oder »spielen«) = hoffärtig (aufgeblasen, stolz, übermütig) sein
-(dagegen: _grandicher pflanzen_ [eigtl. »größer machen«] = verlängern),
-_Blatt_ (blatt) _pflanzen_ = im Freien übernachten (s. d. Näh. unter
-»übernachten«), _Strauberts pflanzen_ (eigtl. »Haare machen«) = kämmen,
-_Bomme_ od. _Keif pflanzen_ (eigtl. »Schulden machen«) = leihen,
-_Käfferle pflanzen_ = Onanie treiben (s. zur _Erklärung_ Näh. unter
-diesem Ausdr.), _schofle Falle (-la) pflanzen_ (eigtl. »böse Sachen
-machen«) = »huren« (s. Näh. unter »böse«); mit _auspflanzen_ ist endlich
-(als Gegensatz zu dem obigen _den Funk anpflanzen_) gebildet: _d(en)
-Funk auspflanzen_ = löschen (auslöschen), wonach dann wohl auch das
-_einfache auspflanzen_ die Bedeutg. von »ausblasen« erhalten hat.
-Besonderer Beliebtheit erfreut sich aber (ganz wie im Rotwelsch) die
-Ableitung _Pflanzer_, fem. _-erin_ (= »Verfertiger[in]«) in
-_Zusammensetzgn._ mit Substantiven als Bezeichnungen für
-die verschiedensten Berufsarten, insbes. die Gewerbe, so:
-_Klass-_ od. _Schnellepflanzer_ = Büchsenmacher, _Schures-_ od.
-_Stiepenpflanzer_ = Bürstenbinder, _Griflengtrittlingpflanzer_ =
-Handschuhmacher, _Nollespflanzer_ = Häfner, Töpfer, auch Kesselflicker,
-_Oberman(n)pflanzer_ = Hutmacher (Kappen-, Mützenmacher) od. Kürschner,
-_Straubertsschurepflanzer_ = Kammacher, _Schottel_ (od. _Schottle-_)
-_pflanzer_ = Korbmacher, _Rädlengpflanzer_ = Kutschenbauer, Wagner,
-_Bochdampflanzer_ = Leineweber, Tuchmacher, _Scheinpflanzer_ =
-Lichtzieher, _Scharflingpflanzer_ = Messerschmied, _Kies-_ od.
-_Lobepflanzer_ = Münzarbeiter (auch wohl _Bichpflanzer_, argum.:
-_Bichpflanzerskitt_ = Münzwerkstätte u. zu vgl. _nobis dufter
-Bichpflanzer_ = Falschmünzer [worüber Näh. auch schon oben S. 105, Anm.
-172]), _Hitzlingpflanzer_ = Ofensetzer, _Kritzlerpflanzer_ =
-Papiermacher, _Dächles-_ od. _Pflotscherpflanzer_ (fem.: _-erin_) =
-Schirmflicker(in), _Glitschinpflanzer_ = Schlosser, _Trittlingpflanzer_
-= Schuhmacher (Schuster), _Sprauspflanzer_ = Stockmacher,
-_Streiflingpflanzer_ = Strumpfwirker, _Gengle-_ od. _Luberpflanzer_ =
-Uhrmacher, _Lattepflanzer_ = Waffenschmied, _Schrendepflanzer_ =
-Zimmermann. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 98 (_Nuschepflanzer_ = Schuhmacher); _Pfulld. J.-W.-B._
-337-339, 342-344 (_pflanzen_ = machen, _toxpflanzt_ = abgerichtet,
-_krank_ od. _dildi pflanzen_ = einstecken; _Fleppapflanzer_ =
-Büchermacher, _Tschuripflanzer_ = Messerschmied, _Girchen-_ od.
-_Nuschenpflanzer_ = Schuhmacher, _Zinkenpflanzer_ = Petschaftfälscher);
-_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75 (_Pflanzer_ [ohne Zus.] =
-Schuhmacher); _Schwäb. Händlerspr._ 483, 486, 487 (_Schottelpflanzer_ =
-Korbmacher, _Stichlingpflanzer_ = Schneider, _Trittlingpflanzer_ =
-Schuster, _Gänglingpflanzer_ [in _Pfedelb._ (213): _Gluckerspflanzer_] =
-Uhrmacher; ferner ebenfalls noch in _Pfedelb._ [208, 210-213]: _Krach_
-[od. _Hallas_] _pflanzen_ = lärmen, _Bummen pflanzen_ = Schulden machen,
-_Plamppflanzer_ = Bierbrauer, _Schuberlespflanzer_ = »Geistererlöser«
-[Tätigkeit des kathol. Pfarrers], aber auch = Teufel, _Obermannpflanzer_
-= Hutmacher, _Zainepflanzer_ = Korbmacher, _Dickköpfpflanzer_ =
-Nagelschmied, _Staudenpflanzerin_ = Näherin, _Kluftenpflanzer_ =
-Schneider; endl. noch in U. [213]: _Mulumpflanzer_ = Arzt). Zur
-_Etymologie_ s. d. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 12ff. (wo auch die
-meisten der oben angeführten Zus. erklärt sind).]
-
-anfangen, _anschurele_[184] [63.110]
-
-anfassen, _anschniffen_[185]
-
-[Fußnote 184: ([34] auf S. 63.110) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 185: ([35] auf S. 63.110) Mit _schniffen_ = anpacken, erfassen,
-nehmen, holen (Spr.), bes. aber = stehlen (entwenden, rauben, berauben)
-sind noch zusammengesetzt: _aus-_, _heraus-_ u. _wegschniffen_ = aus-,
-heraus-, wegstehlen. _Ableitungen_: die Subst. _Schniffer_ = Dieb,
-Gauner, Räuber (dazu die _Zus._ _Schnifferulma_ = Diebesbande) u.
-_Schnifferei_ = Diebstahl sowie das Adj. _schniffich_ = diebisch. _Zu
-vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 339, 345
-(schniffen = ausplündern, stehlen, als Subst. _Schniffen_ = Diebstahl);
-_Schwäb. Händlerspr._ 486, 487 (_schniffen_ = stehlen [ausplündern (s.
-_Pfedelb._ [208])], _Schniffer_ = Strolch). Übrigens sind die Vokabeln
-_schniffen_, _Schniffer_ (Nebenf. _schnipfen_ [auch _schnüffen_] u.
-_Schnipfer_) u. _Schnifferei_ schon dem Rotwelsch des 17. u. 18. Jahrh.
-bekannt gewesen (vgl. z. B. _A. Hempel_ 1687 [168: _schniffen_ =
-»mausen«, _Schnifferey_ = »Mauserei«, _ein grandiger Schniffer_ = »ein
-rechter Erzdieb«, _Hornickel-_, _Trabertschniffer_ = Kuh-, Pferdedieb];
-_Waldh. Lex._ 1726 [187-189, 190: alles im wes. ebenso, außerdem noch
-für Pferdedieb auch _Zußgenschniffer_ u. _Schniffer_ auch = »einer, der
-das Geld aus der Ficke (Tasche) ziehet«]; _Münchner Deskription_ 1727
-[192: _schniffen_ u. das _Schniffen_ oder Rauben]; _Basl. Glossar_ 1733
-[202: _schnüffen_ = stehlen]; _Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. [288, 231:
-_geschnipft_ = gestohlen, _Schnipffer_ = »Spitzbub«]; _Körners Zus._ zur
-_Rotw. Gramm._ v. 1755 [241: _schniffen_ od. _schnipfen_ = stehlen]).
-Zur _Etymologie_ s. _Landau_ im Schweiz. Archiv für Volksk., Bd. IV, S.
-240 vbd. mit _Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1333 (unter »schnipfen«, Nr. 3).
-Danach bedeutet _schnipfen_ od. _schniffen_ mundartlich (so z. B. im
-_Schwäbischen_ [vgl. _Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 474]) soviel wie »mit
-einer schnellen Bewegung etwas wegschnappen, entwenden, listig stehlen«;
-es ist hauptsächl. auf die oberdeutschen Mundarten beschränkt geblieben;
-vgl. u. a. noch _Schmeller_, Bayer. W.-B. II, Sp. 578 u. _Hügel_, Wien.
-Dial.-Lex., S. 143.]
-
-anfragen (fragen), _butschen_[186] [63.111]
-
-Angel, _Schure_[187]
-
-angenehm, _dof_, _duft_[188]
-
-[Fußnote 186: ([36] auf S. 63.111) Mit _butschen_ ist zusammengesetzt
-_ausbutschen_ = ausfragen, ausforschen, forschen. Es ist sonst m. Wiss.
-in den Geheimsprachen nicht bekannt. Der _Etymologie_ nach stammt es aus
-der Zigeunersprache her (s. »Einltg.«, S. 29). Vgl. Näh. bei _Pott_ II,
-S. 375 (unter »Pchuczav«), _Liebich_, S. 154 u. 198 (_putschawa_ = ich
-frage, forsche), _Miklosich_, Denkschriften, Bd. 27, S. 41 (unter
-»phuč«: bei d. deutsch. Zig.: _pučava_ = ich frage, _pučjum_ =
-Frage usw.), _Jühling_, S. 225 (_putsch_ = frage [Imperat.],
-_Putschaben_ = die Frage, das Fragen), _Finck_, S. 81 (_p'utš-_,
-_p'utšew-_ [p'utšej-, p'utšed-] = »fragen, forschen«).]
-
-[Fußnote 187: ([37] auf S. 63.111) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 188: ([38] auf S. 63.111) Das Adj. _dof_ (weit seltener: _duft_
-[das in der modern. Gaun.- u. Kundensprache überwiegt]) mit der
-Grundbedtg. »gut« (dazu Komparat.: _döfer_ = besser) wird in überaus
-weitem Sinne gebraucht, wie folgende Übersicht der verschiedenen
-einzelnen Begriffe (bei denen das [gleichzeitige od. alleinige]
-Vorkommen der Form _duft_ in Klammern angemerkt ist) dartut. Es bedeutet
-nämlich noch: anständig, anwendbar (auch _duft_), artig, aufrichtig,
-beliebt, bequem, bieder, brav, brauchbar (nur _duft_; s. d. Verbdgn.
-unter dies. Worte), dienstfertig, dienstwillig, echt, edel, ehrbar,
-ehrenhaft, ehrenwert, ehrlich, fein, folgsam, freundlich, friedfertig,
-frisch (Spr.); geeignet, zufällig, gefühlvoll, geheilt, gemütlich,
-gemütvoll, genesen, geschmeidig, gesund, getreu, gerecht, geziemend,
-gnädig, günstig (auch _duft_), gütig, gutmütig, heil, heilsam, herzlich,
-hochherzig, höflich, hold (auch _duft_), hübsch (auch _duft_), keusch,
-kostbar, leutselig, lieb, liebenswürdig, lieblich (auch _duft_),
-liebreich (auch _duft_), nobel (auch _duft_), nützlich, prächtig, sanft,
-sauber, schamhaft, schön, sittsam, tauglich (auch _duft_), treu, tüchtig
-(auch _duft_), tugendhaft, unschuldig, verschämt, vortrefflich,
-vorzüglich, wahrhaft, wohlwollend, willig, züchtig; dazu weiter die
-Verneinung _nobis dof_ (eigtl. »nicht gut«) = garstig, nichtswürdig,
-treulos, unecht, unkeusch, unnütz, unrichtig, untauglich, untreu,
-unzüchtig, wertlos. Sowohl _dof_ wie _nobis dof_ sind dann auch zu
-Hauptwörtern erhoben worden, und zwar ersteres für »Glück« od. »Pracht«,
-letzteres für »Trübsal« oder (flektiert: _nobis Dofs_) für »Übel« (vgl.
-»Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38). Die Umschreibung _dof diberen_ od.
-_schmusen_ (d. h. »gut reden«, [von jmd.]), bedeutet »(jmd.) loben«.
-Ferner sind _dof_ u. _nobis dof_ in Verbindg. mit Substantiven zur
-Umschreibung zahlreicher Begriffe verwendet worden, für die es im
-Jenischen an besonderen (selbständigen) Bezeichnungen fehlt (vgl. dazu
-»Vorbemkg.«, S. 17, 18, Anm. 47 u. S. 19, Anm. 48). So: a) Verbindgn.
-mit _dof_: _dofer Schmunk_ (d. h. etwa »gutes Fett, Schmalz«) = Butter,
-_dofer Kies_ (d. h. »schöner Stein«) = Diamant, Edelstein, _dofer
-Schwimmerling_ (d. h. »schöner Fisch«) = Forelle, _dofer Benges_ od.
-_Benk_ (d. h. etwa »lieber Bursche«) = Geliebter, Liebhaber u. _dofe
-Model_ (d. h. »liebes Mädchen«) = Geliebte, Liebhaberin (wogegen bei
-_dofer Benk_, _Freier_ od. _Fiesel_ im Sinne von »Junker« nach _Wittich_
-_dofer_ als Komparativ aufgefaßt werden soll, so daß die Umschreibung
-soviel wie »_besserer_ Jüngling« od. »_besserer_ junger Mann« bedeute),
-_dofer Rädling_ (d. h. »schöner Wagen«) = Kutsche, _dofer Lanenger_ (d.
-h. etwa »schöner [feiner] Soldat«) = Offizier, _dofe Kitt_ (d. h.
-»schönes Haus«) = Schloß. Durch die Zusammenziehung in _ein_ Wort sind
-noch _enger_ verbunden worden: _Dofefläderling_ (d. h. »schöner Vogel«)
-= Pfau (s. dazu schon oben S. 18, Anm. 47) u. _Dofelehm_ (d. h. »gutes
-[feines] Brot«) = Weißbrot (Gegens. _Schoflelehm_ [d. h. »schlechtes
-Brot«] = Schwarzbrot); b) Verbdgn. mit _nobis_ (-es) _dof_ od. _duft_:
-_nobes dofer Glitschin_ (d. h. »kein guter Schlüssel«) = Dietrich (s. d.
-betr. Analogie in d. Zigeunerspr., vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S.
-18), _nobis dufter Bich-_, _Kies-_ od. _Lobepflanzer_ = Falschmünzer (s.
-dazu schon oben S. 105, Anm. 172) u. _nobis dofs Jahne_ = Mißjahr (s.
-dazu schon oben S. 104, Anm. 170). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_tof_ = gut); _W.-B. des Konst.
-Hans_ 256, 259 (_dof_ = gut); _Schöll_ 271 (_tov_ = gut); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 338, 340, 344 (_tofe_ = gut, _töfer_ = besser, _dov_ = schön,
-_Tofe_ = Biedermann); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70 (_duft_ [_dov_]
-= gut); _Schwäb. Händlerspr._ 481, 484 (_dof_ [in _Pfedelb._ (212):
-_dov_] = gut, schön; in _Pfedelb._ [209]: auch _döver_ = besser). Vgl.
-auch _Pfälz. Händlerspr._ 437 (_dôf_ od. _tôf_ = gut. Zur _Etymologie_
-(vom hebr. _Tôb[h]_ [_tōf_] = »gut«) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S.
-156; vgl. auch _Weber-Günther_, S. 155, _Seiler_, Lehnwort IV, S. 490,
-u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 246 (unter »tof«) u. 445 (unter
-»duft«).]
-
-Angesicht, _Ki(e)bes_ (d. h. eigtl. Kopf)[189] [63.112]
-
-Angst, _Bauser_[190]
-
-[Fußnote 189: ([39] auf S. 63.112) _Ki(e)bes_ (-bis), eigtl. = Haupt,
-Kopf, Schädel, auch bes. Hinterkopf, ferner noch = Stirn u. Hals findet
-sich in der Verbindg. _grandicher Ki(e)bes_ = Dickkopf od. Starrkopf (s.
-dazu schon oben S. 100, Anm. 165), in der längeren Umschreibung _nobis
-Strauberts auf'm Ki(e)bes_ (d. h. eigtl. »keine Haare auf dem Kopfe«) =
-Kahlkopf sowie in den folgenden _Zus._: a) _am Anfang_: in
-_Ki(e)besschlang_ = Halskette, _Ki(e)besstrauberts_ = Haupthaare,
-Kopfhaare; b) _am Ende_: in _Straubertski(e)bes_ = Lockenkopf,
-_Vorderki(e)bes_ = Vorderkopf sowie (in übertrag. Sinne) in _Nille-_ od.
-_Ni(e)seki(e)bes_ = Tollkopf u. _Toberichki(e)bes_ = Pfeifenkopf. _Zu
-vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95 (_Kiebes_
-= Kopf); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Kibes_); _Schöll_ 272 (ebenso;
-vgl. _kibesen_ = enthaupten); _Pfulld._ _J.-W.-B._ 341 (desgl.);
-_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 72 (_Gîbes_); _Schwäb. Händlerspr._ 483
-(_Kibes_ od. _-bis_; vgl. dazu in _Pfedelb._ [210]: _Kahlkibes_ =
-Kahlkopf). Vgl. auch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Kiwes_ = Kopf) u.
-_Metzer Jenisch_ 216 (_Kibes_ [Kibes] = Kopf). Im _Pleißlen der
-Killertaler_ 435 ist _Kîvis_ = Verständnis. — Über die sonstigen
-verschiedenen Formen im Rotwelsch s. _Groß'_ Archiv, Bd. 56, S. 55 u.
-Anm. 1. Zur (nicht sicheren) _Etymologie_ vgl. _Pott_ II, S. 16,
-_Günther_, Rotwelsch, S. 36 u. Anm. 1 u. bes. jetzt noch _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. IV, Sp. 360/61 (»wenn nicht etwa zu zigeun. _chīw_ =
-»Deckel« [s. _Finck_, S. 68: xīw] … nur zu _Kabas_, rotw. = Kopf
-[s. schon _Lib. Vagat._ (54)] zu stellen«, wozu mhd. _kabez_, aus lat.
-_caput_ [Haupt], heranzuziehen, vielleicht mit ablaut. Form _Kibes_,
-_Kabes_ wie _piff_, _paff_).]
-
-ängstlich, _bauserich_[190] [63.113]
-
-anhalten, _anschurele_[191]
-
-ankaufen, _anbaschen_, _angremen_, _ankemeren_[192]
-
-anklagen, _anschurele_[191]
-
-ankleiden, _a(n)kluften_[193]
-
-[Fußnote 190: ([40] auf S. 63.113) _Bauser_ = Angst (Beängstigung),
-Entsetzen, Erschrecken, Furcht, Schreck ist vielleicht — ebenso wie das
-Adj. _bauserich_ = ängstlich, furchtsam, auch als Subst. (für »das
-Grauen«) gebraucht (vgl. dazu _bauserich sein_ = befürchten, [sich]
-beunruhigen sowie die Verneinung _nobis bauserich_ = furchtlos) erst
-eine Ableitung von dem Zeitw. _bausen_ = fürchten. _Zu vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 92 (_bausen_ = fürchten);
-_W.-B. des Konst. Hans_ 257 (ebenso, auch: _es baust ihm_ = er fürchtet
-sich, ferner noch: _Bauser_ = Angst); _Schöll_ 271, 273 (_bausen_ =
-fürchten, _Bauser_ = Angst); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 343, 344 (_Bauser_
-= Angst, Schauer, _bauserich_ = ängstlich, scheu); _Schwäb. Händlerspr._
-479 (_Baußer_ u. _Baußam_ [in _Pfedelb._ (208): _Bausam_] = Angst). Die
-_Etymologie_ ist unsicher, denn die Hypothesen A.-L.'s (523: Ableitg.
-vom deutsch. Zeitw. _bauschen_ [pauschen], mhd. _bûschen_, _biuschen_, =
-»schwellen machen« bzw. spätmhd. u. älternhd. _bûsen_, _bausen_ =
-»aufschwellen«; s. Näh. bei _Weigand_, W.-B. I, Sp. 171) erscheinen doch
-wohl zu gewagt. _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 733 gibt keine
-Erklärung. Nach gefl. Mitteilgn. von _Dr. A. Landau_ (Wien) soll
-vor etwa 50 Jahren _Boitsi haben_ = »Furcht haben« in der
-galizisch-jüdischen Schülersprache gebräuchlich gewesen sein, das
-wahrscheinlich auf das kleinruss. _bojati sja_ = »sich fürchten«, poln.
-_bać sie_ (3 Pers. Sing. Praes.: _boi sie_) zurückgeht, doch wagt L.
-keinen unmittelbaren Zusammenhang dieser Ausdrücke mit dem rotw.
-_bausen_ anzunehmen.]
-
-[Fußnote 191: ([41] auf S. 63.113) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 192: ([42] auf S. 63.113) S. abkaufen.]
-
-[Fußnote 193: ([43] auf S. 63.113) Das Zeitw. _kluften_ scheint in
-_Wittichs_ Jenisch nur im _Zus._ üblich zu sein, wie (außer _ankluften_
-[wozu _nobis ankluftet_, d. h. »nicht angekleidet«, »unbekleidet« =
-nackt] noch): _auskluften_ = ausziehen, entkleiden (daher _auskluftet_
-ebenfalls = nackt) u. _verkluften_ = verkleiden. Es gehört zu den Subst.
-_Kluft_ = Kleid (Anzug, Gewand, Tracht), womit auch einige
-_Zusammensetzgn._ (so: _Kafferskluft_ = Manneskleid, _Lanengerkluft_ =
-»Montur«, _Begerkluft_ = Sterbekleid) sowie die _Verbdg._ _unterkünftige
-Kluft_ = Unterkleid gebildet sind. Eine weitere _Ableitg._ (von _Kluft_,
-bzw. _kluften_) ist dann _Klufterei_ = Kleidung, Bekleidung (Anzug,
-Gewand), womit ebenfalls wieder zwei _Zus._ vorhanden sind, näml.
-_Mossklufterei_ = Frauenkleid u. _Kafferklufterei_ = Männerkleider. _Zu
-vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95 (_eine
-ganze Klufterei_ = »Kleidung von Kopf bis Fuß«); _W.-B. des Konst. Hans_
-253 (_Klufterey_ = die Kleider); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Klufterei_ =
-Kleid, vgl. [337] _Klufting usmalochen_ od. _abketschen_ = auskleiden);
-_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 66, 71 (_Kluft_ od. _Klufterei_ = Kleid,
-_ankluften_ = anziehen); _Schwab. Händlerspr._ 483 _Kluft_ = Kleid, u.
-dazu noch in _Pfedelb._ [208, 212]: _Kluftenpflanzer_ = Schneider u.
-_ankluften_ = anziehen); vgl. auch _Pleißlen der Killertaler_ 435
-(_Kliftle_ = Kleid, Anzug) sowie noch _Metzer Jenisch_ 216 (_Klăft_ =
-Rock). Über die sonstigen Belege u. Formen im Rotw. sowie die
-_Etymologie_ (vom hebr. _chălîfôt_ = »Kleider, insbes. Feier- od.
-Ehrenkleider«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 273/74 (unter
-»Kluftier«) u. d. Anm. verbd. mit Bd. 46, S. 10, Anm. 1. Vgl. auch noch
-_Seiler_, Lehnwort IV, S. 491 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 508
-(unter »Kluft« II) vbd. mit Sp. 435 (unter »Klaffot«).]
-
-ankommen, _anbosten_, _anpfichen_[194] [63.114]
-
-anlachen, _anschmol(l)en_[195]
-
-anmutig, _g'want_[196]
-
-[Fußnote 194: ([44] auf S. 63.114) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 195: ([45] auf S. 63.114) Als Zus. mit _schmol(l)en_ = lachen
-(kichern) findet sich noch _ausschmol(l)en_ = auslachen. _Zu vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _Schöll_ 272 (_schmollen_ = scherzen); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 342 u. _Schwäb. Händlerspr._ 483 (= lachen). Zur _Etymologie_:
-Da wir heute unter _schmollen_ meist soviel wie »mit mürrischem
-Stillschweigen unfreundlich sein« verstehen (s. _Weigand_, W.-B. II, Sp.
-751), erscheint die in den Geheimsprachen begegnende — fast
-_entgegen_gesetzte — Bedeutung zunächst auffällig; jedoch handelt es
-sich hier _nicht_ etwa um eine sog. _Enantiosemie_, d. h. Umkehrung des
-Sinnes in das Gegenteil (s. _Behaghel_ in d. Z. des Allg. Deutsch.
-Sprachv., Jahrg. 1905, Sp. 158 gegen _Günther_, Rotwelsch, S. 21, Anm.
-14), vielmehr hat _schmollen_ (mhd. _smollen_) anfangs nur die gleichsam
-»neutrale« Bedeutg. »das Gesicht verziehen« gehabt, aus der sich dann
-_sowohl_ der Begriff »das Gesicht _zum Lächeln_ verziehen« od.
-»_lächeln_« (so z. B. noch bei _Schiller_ u. _Uhland_) entwickeln konnte
-(vgl. d. engl. _to smile_) als auch der uns jetzt geläufige des
-_mürrischen_ Stillschweigens. Vgl. (außer _Weigand_, a. a. O.) noch v.
-_Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 472 u. _Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1105/6, Nr.
-1.]
-
-[Fußnote 196: ([46] auf S. 63.114) Das Adj. _g'want_ hat in _Wittichs_
-W.-B. noch folgende Bedeutungen: anständig, artig, behend, brauchbar,
-fein, flink, geschickt, geschmeidig, gewandt, nützlich, tauglich,
-tüchtig; dazu die Verneinung _nobis g'want_ = nichtsnutzig. _Zu vgl._
-(aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 257, 258 (_e
-Gwandter_ = »ein Handfester« u. _der gwandtste_ = der Beste); _Schwäb.
-Händlerspr._ 481 (_gwant_ = gut [in _Pfedelb._ (210, 212): _quant_ =
-geschickt, gut, schön; ebendas. (212) _Quantheit_ = Schönheit, in
-_Eningen_ (206, Anm. 1): _Gwanderpenk_ = Schultheiß]); vgl. auch
-_Pleißlen der Killertaler_ 435, 436 (_gwant_ = gut, schön, _gwanter
-Jôle_ od. _Plempel_ = Wein) u. _Metzer Jenisch_ 216 (_gewandt_ = gut).
-Über die sonstigen Belege im Rotw. (s. z. B. schon _Ndd. Lib. Vaget_
-[77: _quant_ = »vel eft grot«) u. den Geheimspr. sowie über die
-_Etymologie_ s. _Weber-Günther_, S. 172 (unter »gewahnd«). Der Ableitung
-des Wortes vom latein. _quantum_ (s. A.-L. IV, S. 70; _Günther_,
-Rotwelsch S. 34; _Stumme_, S. 22, 23) steht gegenüber die Auffassung,
-die darin nichts anderes als unser deutsches »gewandt« erblickt. So u.
-a. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 607, der jedoch ausdrückl.
-bemerkt, daß in Schwaben das Wort (das z. B. auch die Tübinger Studenten
-gebrauchen) aus der Schriftsprache aufgenommen sein müßte, da das
-Partiz. zu »wenden« schwäb. _g(e)wend(e)t_ heißt.]
-
-anpacken, _schniffen_ (daher: _schniff' ihn_ = pack' ihn)[197] [63.115]
-
-anreden, ansprechen, _andiberen_[198]
-
-ansagen, _anschmusen_[199]
-
-[Fußnote 197: ([47] auf S. 63.115) S. anfassen.]
-
-[Fußnote 198: ([48] auf S. 63.115) Das Zeitw. _dibere(n)_ (-ra) = reden,
-sprechen (erzählen, plaudern, auch spezieller antworten, beantworten)
-kommt noch vor in den _Zus._: _nachdiberen_ = nachsagen, _verdiberen_ =
-verraten (dazu das subst. Partiz. _Verdibert_ = Verrat) u. _vordiberen_
-= vorsagen sowie in d. _Verbdgn._ _dof diberen_ = loben (vgl. oben S.
-111, Anm. 188) u. _nobis diberen_ = stumm sein (s. d. betr.
-Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr.). Dazu die _Ableitungen_: _Diberer_ =
-Plauderer, Sprecher, _Verdiberer_ = Verräter, _Diberei_ = Erzählung,
-Gerede, Gespräch, Geschwätz, dann auch spezieller Untersuchung od.
-Verhör u. das Adj. _diberich_ = gesprächig. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. d. Gaunerspr._ 49 97, 99 (_tiebern_ od. _madiebern_
-= reden, schwatzen, _Madiberei_ = »Jaunersprache«); _Pfulld. J.-W.-B._
-337, 340, 343-45 (_diberen_ = aussagen, sprechen, schwatzen, _gedibert_
-= abgeredet, _Dib(l)erei_ = Sprache, Geständnis); _Schwäb. Gaun.- u.
-Kundenspr._ 70, 74, 75 _diberen_ = reden, sprechen, _Gediwer_ =
-Geschwätz); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_diberen_ = sprechen, in
-_Pfedelb._ [210]: _Gediewer_ = Geschwätz); vgl. auch _Pleißlen der
-Killertaler_ 435 (_debere[n]_ = schimpfen) u. _Pfälz. Händlerspr._ 437
-(_dîbere_ = sprechen). Über weitere Belege im Rotw. sowie die
-_Etymologie_ (vom hebr. _dibbêr_ = »reden, sprechen«, Partiz.
-_mĕdabbêr_) s. Näh. bes. bei _Weber-Günther_, S. 162 (unter
-»dewern«); vgl. auch _Wagner_ bei _Herrig_, S. 236; _Günther_,
-Rotwelsch, S. 27; _Seiler_, Lehnwort IV, S. 489/90; _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. II, Sp. 186.]
-
-[Fußnote 199: ([49] auf S. 63.115) Das Zeitw. _schmusen_ hat im wes.
-dieselben Bedeutgn. wie _diberen_. Von _Zus._ damit finden sich:
-_aufschmusen_ = aufsagen, _ausschmusen_ = aussagen, aussprechen,
-_nachschmusen_ = nachsprechen u. _vorschmusen_ = vorsagen, von
-_Verbindungen_: _dof schmusen_ u. _nobis schmusen_ in gleichem Sinne wie
-_dof_ u. _nobis diberen_ (s. oben Anm. 198) sowie _Bremser schmusen_ =
-»auslassen« (d. h. furzen). _Ableitungen_ sind: _Schmuser_ = Plauderer,
-Schwätzer, Sprecher (vgl. _Schmuserfläderling_ = Papagei [s. oben S.
-100, Anm. 165]) u. _Schmuserei_ = Diberei sowie das Adj. _schmusich_ =
-gesprächig (vgl. dazu _Schmusichergiel_ = Plappermaul). _Zu vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 97 (_schmusen_ = reden);
-_W.-B. des Konst. Hans_ 256 (= sagen; vgl. 258: _auf Jenisch schmusen_);
-_Schöll_ 272 (= sagen; vgl. 273: _Schmusereyen_ [ohne Übers.]); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 337, 340, 344-46 (_schmusen_ od. _schmußen_ = aussagen,
-schwatzen, sprechen, verraten, _verschmusen_ = ausplaudern,
-_abgeschmust_ = abgeredet, abgeurteilt, _Schmuserei_ = Geständnis);
-_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74 (_schmußen_ = reden, sprechen; vgl.
-[68] _Glattschmuser_ = Denunziant); _Schwäb. Händlerspr._ 486
-(_schmusen_ = sprechen, [in _Pfedelb._ (208): aussagen; vgl. ebendas.
-(214) _zuschmusen_ = zutragen]). _Zu vgl._ auch noch _Schwäb.
-Falschmünzerprozeß 1791/92_ (261, 263: _anschmusen_ = anreden), ferner
-_Pfälz. Händlerspr._ 438 (_schmûsen_ = sprechen) u. _Winterfeld.
-Hausiererspr._ 442 (_doufe schmusen_ für a) »beichten« u. b) »sich
-verbürgen«). Noch weitere Belege bei _Schütze_, S. 90. Zur _Etymologie_
-(vom hebr. _schĕmû'ôth_ [jüd. _schemûoß_ ausgespr.] = »Erzählungen«,
-plur. von _schĕmû'_ = »Nachricht [Geschichte], Gerücht, Gerede«) s.
-_Stumme_, S. 14 u. 21 vbd. mit _Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1135,
-_Weigand_, W.-B. II, Sp. 755 (unter »Schmus«) u. _Seiler_, Lehnwort IV,
-S. 494.]
-
-anschauen, _anlinzen_[200] [63.116]
-
-anschließen, _anb'schrenke_[201]
-
-anschneiden, _anschurele_[202]
-
-ansehen s. anschauen
-
-ansprechen s. anreden
-
-anständig, _dof_[203], _g'want_[204]
-
-Antlitz s. Angesicht u. Gesicht
-
-antworten, _diberen_[205], _schmusen_[206]
-
-anwendbar, _dof_, _duft_[203]
-
-[Fußnote 200: ([50] auf S. 63.116) Das Zeitw. _linzen_ (od. _lenzen_) =
-bedeutet a) blicken, schauen, sehen (auch: beobachten, besehen,
-besichtigen, betrachten, ersehen, gaffen, gucken, spähen; ferner aber
-auch b) fragen (erfragen). Zu der Bedeutg. unter a) gehören (außer
-_anlinzen_) noch die _Zus._ _auflinzen_ = aufsehen, _auslenzen_ =
-aussehen, _herablinzen_ = herabschauen, _herumlinzen_ = herumblicken,
-_nachlinzen_ = nachsehen, _niederlinzen_ = niederblicken, _überlinzen_ =
-übersehen, _umlinzen_ = umblicken, -schauen, _weglinzen_ = wegsehen,
-_zulinzen_ = zuschauen, _zurücklinzen_ = zurücksehen; zu der unter b):
-_auslinzen_ = (aus)forschen. _Ableitgn._: _Linzer_ = Spiegel, _Linzere_
-(fem.) = Brille (_Zus._: _Stradelinzer_ = Wegweiser) u. (mit dem Stamme
-des Zeitw.: _linz-_): _Linzgrifling_ = Zeigefinger. _Zu vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 100 (_Verlenz_ = Verhör);
-_W.-B. des Konst. Hans_ 257, 259 (ebenso, ferner _lenzen_ = sehen,
-_anlenzen_ = ansehen); _Schöll_ 273 (_Verlenz_ = Verhör); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 343-345 (_linzen_ = schauen, sehen, _verlenzen_ = verhören,
-_Verlinz_ = Verhör); _Schwäb. Händlerspr._ (_Lütz._ [215]: _lensen_ =
-sehen). Zur _Etymologie_ des Wortes (das deutsch. Ursprungs ist) s. d.
-Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 60, 61 unter »Linser« (ebds. Anm. 4
-noch weitere rotw. Belege); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp.
-1258 (unter _linzen_) vbd. mit Sp. 1175 (unter »lenzen«).]
-
-[Fußnote 201: ([51] auf S. 63.116) S. abschließen.]
-
-[Fußnote 202: ([52] auf S. 63.116) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 203: ([53] auf S. 63.116) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 204: ([54] auf S. 63.116) S. anmutig.]
-
-[Fußnote 205: ([55] auf S. 63.116) S. anreden.]
-
-[Fußnote 206: ([56] auf S. 63.116) S. ansagen.]
-
-anzahlen, _anbleisgeren_[207], _anpfreimen_[208], _anzeinen_[208] [63.117]
-
-anziehen s. ankleiden
-
-Anzug, _Kluft_, _Klufterei_[209]
-
-anzünden, _anfunken_[210]
-
-Apfel, _Bommerling_[211]
-
-Apfelbaum, _Bommerlingstöber_[212]
-
-[Fußnote 207: ([57] auf S. 63.117) Zu _bleisgeren_ = bezahlen, zahlen
-(auch als Hauptw.: _Bleisgeren_ = Steuern) s. noch die _Zus._
-_ausbleisgeren_ = auszahlen. In dem _verw. Quellenkr._ (u. wohl auch
-sonst im Rotw.) anscheinend _un_bekannt. _Etymologie_: aus der
-Zigeunerspr. (s. »Einltg.«, S. 29). Vgl. Näh. bei _Liebich_, S. 152 u.
-185 (_pleisserwāwa_ = »ich bezahle, vergelte«); _Miklosich_,
-Denkschriften, Bd. 27, S. 46, 47 (unter »pleisker«: bei d. deutsch. Zig.
-_pleisservāva_ = »bezahlen«, vgl. slaw. _plati-ti_); _Finck_, S. 78
-(_plaiserw_ - [_plaiserd_ -]= »bezahlen, ersetzen, lohnen, vergelten«).]
-
-[Fußnote 208: ([58] auf S. 63.117) S. abzahlen.]
-
-[Fußnote 209: ([59] auf S. 63.117) S. ankleiden.]
-
-[Fußnote 210: ([60] auf S. 63.117) S. abbrennen; vgl. auch anbrennen.]
-
-[Fußnote 211: ([61] auf S. 63.117) Mit _Bommerling_ sind gebildet die
-_Zus._ _Bommerlingstöber_, _-kies_, _-brandling_, _-jo(h)le_ =
-Apfelbaum, -kern, -kuchen, -wein sowie (ans _Ende_ gesetzt)
-_Scheinlingbommerling_ = Augapfel. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 89 (_Bommerlen_ = Apfel); _W.-B.
-des Konst. Hans_ 254 (_Bommerling_); _Schöll_ 271 (_Pommerling_);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 337 (ebenso, Bedtg.: = _Äpfel_; vgl.
-_Pommerlingsteberling_ = Apfelbaum); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 66
-(_Bommerling_, Nebenbdtg. [71]: _Kartoffel_); _Schwäb. Händlerspr._ 479,
-484 (_Bommerling_ = Apfel, Obst); _dieselbe Form_ hat auch die _Pfälz.
-Händlerspr._ 437 (für Apfel); vgl. noch _Metzer Jenisch_ 216
-(_Bomeche_). Auch sonst im Rotw. seit Anf. des 18. Jahrh. bekannt. Zur
-_Etymologie_ (vom französ. _pomme_) s. _Pott_ II, S. 36; A.-L. 585,
-_Günther_, Rotwelsch, S. 38; _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1283.]
-
-[Fußnote 212: ([62] auf S. 63.117) _Stöber_ = Baum (Dimin. _Stöberle_ =
-Bäumchen) wird auch als Bezeichnung _einzelner_ Baumarten gebraucht, für
-die keine besonderen jenischen Ausdrücke vorhanden sind (vgl. d. W.-B.
-unter »Birke«), so für Birke, Buche, Eiche und Fichte. Dagegen sind für
-andere Bäume (bzw. baumartige Gewächse) besondere _Zusammensetzgn._ mit
-_Stöber_ gebildet worden, so (außer _Bommerlingstöber_) noch:
-_Stielingstöber_ = Birnbaum, _Scharriselestöber_ = Kirschbaum,
-_Staubertsäftlingstöber_ = Mehlbeerbaum, _Krächer(le)stöber_ = Nußbaum,
-_Blaulingstöber_ = Pflaumenbaum, _Jahre-_ oder _Kracherstöber_ = Tanne
-(vgl. oben S. 108, Anm. 179, lit. a u. b), _Kupferstöber_ (eigtl. etwa
-»Grasbaum«) = Weidenbaum, _Jo(h)lestöber_ = Weinstock, _Blauhanzestöber_
-= Zwetschgenbaum. Andere _Zus._ mit _Stöber_ (am _Anfang_ stehend) sind
-noch: _Stöberspraus_ = Baumholz oder Stamm (s. d. betr. Übereinstimmg.
-mit d. Zigeunerspr.), _Stöberschmaler_ = »Baumkatze«, d. h. Eichhörnchen
-(s. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeunerspr. schon. »Vorbemerkung«, S. 18
-sowie noch unter »Baumkatze«), _Stöbersschure_ oder _-sore_ = Obst. _Zu
-vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schöll_ 271 (_Steber_ = Baum);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Stöberling_, vgl. [337] _Pommerlingsteberling_
-= Apfelbaum); in der _schwäb. Händlerspr._ (479, 487) ist dagegen nur
-_Stemmerling_ = Baum, Stock bekannt. Die _Etymologie_ des (auch sonst
-noch im Rotw. [bes. in d. Form _Steber_] vorkommenden) Wortes ist
-_unsicher_; vielleicht gehört es zu unserem »Stab« od. damit stammverw.
-Ausdr. in andern Sprachen (vgl. bei _Weigand_, W.-B. II, Sp. 940 unter
-»Stab«: lit. _stabarai_ = »trockene _Baum_äste«). _Miklosich_, Beitr.
-III, S. 19 (unter »Steber«) hat zunächst _slaw._ Ursprung (vgl. neusl.
-_steber_ = »Säule« u. bes. serb. _stabar_ = »Stamm«) vermutet.]
-
-Apfelkern, _Bommerlingkies_[213] [63.118]
-
-Apfelkuchen, _Bommerlingbrandling_[214]
-
-[Fußnote 213: ([63] auf S. 63.118) _Kies_, eigentl. a) = Stein
-(Gestein), bes. auch Kieselstein, dann auch b) = Kern, kommt in _beiden_
-Bedeutgn. in zahlreichen _Verbindgn._ u. _Zusammensetzgn._ vor, so in
-der Bdtg. unter a: in den _Verbdgn._ _dofer Kies_ = Diamant, Edelstein
-u. _grandicher Kies_ = Felsen (s. dazu schon oben S. 100, Anm. 165) od.
-Quaderstein sowie in den folgenden _Zus._: [Griechisch: a]) mit K.
-_vorne_: _Kieslobe_ = Pflastergeld (eigtl. »Steingeld«) u. _Kiesguffer_
-= Steinhauer, Steinmetz; [Griechisch: b]) mit K. _am Ende_: _Kittlekies_
-= Backstein od. Dachziegel, _Funkkies_ = Feuerstein, _Begerkies_ =
-Grab-, Leichenstein, _Flu(h)tekies_ (eigtl. »Wasserstein«) = Insel (vgl.
-schon oben S. 36, Anm. 126); _Stradekies_ = Kilometer-, Meilenstein;
-ferner in der Bedtg. unter b: (außer _Bommerlingkies_) noch:
-_Stieling-_, _Scharrisele-_, _Kräckerle-_, _Blauling-_ u.
-_Blauhanzekies_ = Birnen-, Kirschen-, Nuß-, Pflaumen- u. Zwetschgenkern.
-— Eine _Ableitg._ von _Kies_ = Stein ist das Adj. _kiesich_ = steinig.
-Zu trennen ist der Etymologie nach: _Kies_ = Geld, worüber das Näh.
-unter »Bank«. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._
-344 (_Kißel_ = Stein); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_Kûß_ od. _Kisel_ [in
-_Lütz._ (215): _Khis_] = Stein; vgl. auch [484]: _Kîseler_ [in
-_Pfedelb._ (218): _Kieseler_], _Kî(e)slerspink-_ od. _Kî(e)slerfisl_ =
-Maurer). _Etymologie_: wohl jedenfalls zu unserem gemeinsprachl. »Kies«
-bzw. »Kiesel« (mhd. _kis_, _kisel_); vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 9
-(unter »Kîseler«), auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 420 (unter
-»Kis«, Nr. 4, c), 422 (unter »Kisel«, Nr. 3) u. 872 (unter »Kus«).]
-
-[Fußnote 214: ([64] auf S. 63.118) _Brandling_ (-leng) = Kuchen
-erscheint noch in d. folgenden _Zus._ a) am _Anfang_ stehend:
-_Brandlingschei_ (= eigtl. »Kuchentag«) = Kirchweihe u.
-_Brandlingweisleng_ (eigtl. »Kuchensonntag«) = Kirchweihsonntag; b) ans
-_Ende_ gesetzt: (außer _Bommerlingbr._ noch): _Bäzemebrandling_ =
-Eierkuchen, _Niesichescheibrandling_ = Fastnachtskuchen,
-_Krachersäftlingbr._ = Heidelbeerkuchen, _Girall-_ od. _Räslingbr._ =
-Käsekuchen, _Scharriselebr._ = Kirschkuchen, _Süßlingbr._ = Lebkuchen,
-_Blauhanzebr._ = Zwetschenkuchen, _Sorebrandling_ = Zwiebelkuchen. _Zu
-vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_Brandling_
-= Küchlein); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (Form ebenso, Bedtg.:
-Pfannkuchen); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (Bedtg.: Kuchen, in _Pfedelb._
-[212] = Pfannkuchen). Vielleicht ist auch statt _Bundling_ = Kuchen im
-_Dolm. der Gaunerspr._ 35 zu lesen: _Brandling_. _Etymologie_: Das Wort,
-das sonst im Rotwelsch, wenigstens in der Form _Brändling_ (od.
-_Brendling_), für »Kaffee« (s. z. B. auch schon _Dolm. der Gaunerspr._
-94 [_Brendling_]) oder »Schnaps« (vgl. A.-L. 526) u. dergl. m. (s. z. B.
-schon _Körners_ _Zus. zur Rotw.-Gramm._ v. 1755 [209: _Brandling_ =
-»Kofent«]) vorkommt, gehört wohl zu unserem Zeitw. _brennen_.]
-
-Apfelwein, _Bommerlingjo(h)le_[215]; s. auch Most [63.119]
-
-Appetit, _Bog(g)elo_[216], _Putl(t)ak_[217], _Ruf_[218]; s. auch Hunger
-
-[Fußnote 215: ([65] auf S. 63.119) _Jo(h)le_ = Wein (Rebensaft) kommt
-noch vor in der Verbdg. _gesicherter Jo(h)le_ = Glühwein, Punsch, und in
-den folgenden _Zusammensetzgn._: _Jo(h)lesore_ = Weinfaß,
-_Jo(h)leglansert_ = Weinglas od. -flasche, _Jo(h)lekitt_, _-spraus_,
-_-schnall_, _-stöber_ = Weinhaus, -rebe, -suppe, -stock. _Zu vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ (_G'finkelterjole_ =
-Branntwein [vgl. dazu oben »Einltg.«, S. 28]); _Pfulld. J.-W.-B._ 346
-(_Jole_ = Wein); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77 (ebenso); _Schwäb.
-Händlerspr._ 488 (_Jole_ od. _Jôli_ [in _Pfedelb._ (214): _Jole_ od.
-_Säftlingsjole_] = Wein; vgl. 484]: _Stielingsjôle_ [eigtl.
-»Birnenwein«] = Most); vgl. auch _Pleißlen der Killertaler_ 435 (_Jôle_
-od. _gwanter Jôle_ = Wein) u. _Metzer Jenisch_ 217 (_Jole_ = Wein). Die
-Form _Joli_ hat schon das _Basl. Glossar_ v. 1733 (202). Die
-_Etymologie_ ist unsicher; nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 103/4
-(unter »Jole«, Nr. 1) handelt es sich vielleicht um eine der zahlreichen
-rotw. Verunstaltungen des hebr. _jajin_ = Wein (s. darüber Näh. bei
-_Weber-Günther_, S. 156; vgl. auch A.-L. 550 u. _Günther_, Rotwelsch, S.
-81).]
-
-[Fußnote 216: ([66] auf S. 63.119) Zu _Bog(g)elo_ (od. Bogalo) = Hunger
-(Appetit) vgl. noch die _Verbdg._ _grandich Bogelo_ = Heißhunger u. die
-_Ableitung_ _bogelich_, das aber im W.-B. nur durch »gierig« od.
-»knickerig« (nicht durch »hungrig«) wiedergegeben ist. _Zu vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._) nur: _Schwäb. Händlerspr._ (_Lütz._ [215]:
-_Boggelo_ = Hunger). _Etymologie_: aus der Zigeunerspr. (s. »Einleitg.«,
-S. 29); vgl. A.-L. 526 (unter »Bock« [wo auch _bokelo_ (-kalo) =
-hungrig, _Bokillo_ = Geiz u. _bockelig_ = geizig od. hungrig als
-_gauner_sprachl. angeführt ist]) u. _Günther_, Rotwelsch, S. 31 vbd. mit
-_Pott_ II, S. 396 (unter »Bokh«), _Liebich_, S. 129, 201, 206, 211
-(_bōk_ = Hunger, Geiz, Habgier, _bōkĕlo_ [od. -ŏlo] =
-hungrig, geizig, habgierig), _Miklosich_, Beitr. I/II, S. 20, 25 u.
-Denkschriften, Bd. 26, S. 180/81 (unter »bokh«: bei den deutsch. Zig.:
-_bōk_ = Hunger), _Jühling_, S. 220 (_Bok_ = Hunger), _Finck_, S. 52
-(_bok_ = Hunger, Geiz u. _bok'elo_ = hungrig, geizig). Über d. Ursprung
-aus dem Altind. s. _Pott_ u. _Miklosich_, a. a. O.]
-
-[Fußnote 217: ([67] auf S. 63.119) Mit _Put(t)lak_ = Hunger (Appetit,
-auch Gier) ist gebildet die _Verbdg._ _grandich P._ (= gr. Bogelo), also
-= Heißhunger. _Zu vgl._ (aus d. _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._
-340 (_Buttlak_ = Hunger); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69
-(_puttlachen_ = essen). — In der Form _Buttlack_ (nebst d. Adj.
-_buttlakig_ = hungrig) tritt die Vokabel auch sonst im Rotw. des 19.
-Jahrh. auf (vgl. z. B. _Pfister_ 1812 [296] u. bei _Christensen 1814_
-[318]; _v. Grolman, Aktenmäß. Gesch._ 1813 [313] u. W.-B. 12 u. T.-G.
-103; _Karmayer_ 24). _Etymologie_: Der erste Bestandteil des Wortes
-gehört wohl ohne Zweifel zu _butten_ = essen (worüber das Näh. schon
-oben S. 38, Anm. 130 unter »Abendessen«). Einige Schwierigkeiten macht
-dagegen die Endung _-lak_. Vielleicht dürfte sie in Beziehung gesetzt
-werden zu dem rotw. bezw. geheimspr. Adj. _la(c)k_ = schlecht, böse,
-schlimm u. dgl. (s. z. B. aus dem _verw. Quellenkr._: _Dolm. der
-Gaunerspr._ 100 [_lack_ = übel]; _Pfullend. J.-W.-B._ 337, 338, 344
-[_lak_ = abgemattet, bös, schlimm]; _Schwäb. Händlerspr._ 480, 486
-[_lack_ = dumm, schlecht (in _Pfedelb._ [209] auch bös, vgl.
-ebds. _lacke Schix_ = Dirne)]; mit flekt. Endung [_laker_ =
-liederlich,falsch], bei _Schöll_ 272, womit zu vgl. _locker_ = falsch,
-schlecht bei _Pfister_ bei _Christensen 1814_ [325], zu welcher Form
-dann wieder noch _lock_ = klein, schlecht, arm usw. in dem [freilich
-nicht mehr verwandten] _Hennese Flick von Breyell_ [456] paßt). Danach
-wäre dann _Put(t)lak_ od. _Buttla(c)k_ zu deuten etwa als Umschreibung
-für »(mit dem) Essen (steht es) schlecht« oder als reine Negation »Essen
-— nicht«. Fraglich bleibt übrigens auch noch die Herkunft des Adj.
-_la(c)k_. Während z. B. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 910 ff. das
-zigeun. _láko_ = »leicht, gering« (_Finck_, S. 69) herangezogen hat, ist
-darin vermutl. eher eine mundartl. Nebenform zu _lau_ = »nicht frisch,
-matt, abgestanden, ohne Salz, ungewürzt« u. dgl. (vgl. _Schmeller_,
-Bayer. W.-B. I, Sp. 1432; _Grimm_, D. W.-B. VI, Sp. 34 vbd. m. Sp.
-285/86) zu erblicken (nach gefl. Mitteilungen von Dr. A. _Landau_).]
-
-Äquilibrist (Seiltänzer), _Schnurrand_[219] [63.120]
-
-Arbeit, _Schenagel_[220]
-
-arbeiten, _sch(e)negle(n)_[220]
-
-Arbeiter, _Schenegler_[220]
-
-Arbeitshaus, _Schenagelskitt_[221]
-
-[Fußnote 218: ([68] auf S. 63.120) _Ruf_ = Hunger (Appetit) ist m. Wiss.
-in dem speziell _verw. Quellenkr. nicht_ bekannt, dagegen die Form
-_Roof_ u. ähnl. (sowie d. Adj. _roofig_ = hungrig) _sonst_ hier u. da im
-Rotw. usw. anzutreffen (vgl. z. B. _Christensen_ 1814 [318 u. 324]; _v.
-Grolman_ 57 u. T.-G. 1 B.; _Karmayer_ G.-D. 215; _Thiele_ 297; A.-L. 592
-u. _Groß_ 487 [hier _Roëw_, _Roow_ u. _Raiwon_]; _Rabben_ 112; _Ostwald_
-123; in der _Pfälz. Händlerspr._ [438]: _Rôch_ od. _Rauch_). Zur
-_Etymologie_ (vom hebr. _r 'b_ = »Hunger« s. A.-L. 592 u. 457 unter
-»Roëw«).]
-
-[Fußnote 219: ([69] auf S. 63.120) _Schnurran¶d¶_ od. (besser)
-_Schnurran¶t¶_ hat auch noch die (etwas allgemeinere) Bedeutgn.
-»Gaukler« od. »Komödiant« (Schauspieler). S. dazu die _Zus._ a) mit Sch.
-_voran_: _Schnurrantekitt_ = Komödien-, Schauspielhaus,
-_Schnurrantekritzler_ = Komödienzettel, Programm; b) mit Sch. _am Ende_:
-_Randeschnurrant_ = Taschenspieler. In dem _verw. Quellenkr._ m. Wiss.
-unbekannt, dagegen hat d. _Kundenspr._ II (423): _Schnurrant_ = Bettler.
-Zur _Etymologie_ s. A.-L. IV, Sp. 293: »Nach dem mhd. snarrence ist
-_Schnurrant_ der umherziehende Bettelmusikant, wahrscheinlich vom
-schnarrenden Laute seiner Leier so genannt«. Es handelt sich (nach
-_Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1413) bei dem mundartlich, besonders auch in
-_Schwaben_, verbreiteten Ausdruck (s. v. _Schmid_, Schwäb. W.-B., S.
-475), der aber auch noch der Schriftsprache unserer klassischen
-Literatur (z. B. bei _Goethe_) — für einen »Possenreißer« — geläufig
-gewesen, um eine Ableitung von dem latinisierten Zeitwort _schnurrare_,
-gleichbed. mit _schnurren_ (od. schnorren), d. h. eigtl. »(mit der
-Schnurrpfeife [u. dgl.]) als Bettelmusikant umherziehen«, dann »betteln«
-überhaupt (vgl. _Grimm_, a. a. O., Sp. 1420, Nr. 8), wofür es insbes.
-bekanntl. auch im Rotwelsch usw. verbreitet erscheint (vgl. A.-L. 293 u.
-602 sowie [aus dem _verw. Quellenkr._]: _Dolm. der Gaunerspr._ 90
-[_schorren_ (sic) = betteln]; _W.-B. des Konst. Hans_ 255 [_Schnurrer_ =
-Bettelleute]; _Schöll_ 273 [Form ebenso]; _Pfulld. J.-W.-B._ 336 bis 338
-[_schnurren_ = (ab)betteln, _ausschnurren_ = ausbetteln, _Schnurrer_ =
-Bettler]; _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67, 68 [_schnurren_ (gehen) =
-betteln (gehen), _auf die Schnurre_ = auf den Bettel]); _Schwäb.
-Händlerspr._ 479 [_schnurren_]). In _Wittichs_ W.-B. ist es aber _nicht_
-angeführt.]
-
-[Fußnote 220: ([70] auf S. 63.120) S. abschaffen.]
-
-[Fußnote 221: ([71] auf S. 63.120) Betr. _Kitt_ s. Abort.]
-
-Arbeitslohn, _Schenagelsbich_[222], vgl. Lohn [63.121]
-
-arg, _lenk_[223], _schofel_[224]
-
-[Fußnote 222: ([72] auf S. 63.121) Betr. _Bich_ s. Almosen.]
-
-[Fußnote 223: ([73] auf S. 63.121) Das Adj. _lenk_ (mundartl. = _link_
-[so bei _Wittich_ nur in d. Spr. u. vereinzelt in einer _Zus._] = arg
-(Grundbed.: falsch) umfaßt (ähnlich wie sein Gegenstück _dof_ od.
-_duft_) noch eine große Zahl mehr od. weniger ähnlicher Begriffe,
-nämlich: bösartig, böse (vgl. dazu d. Komparat.: _lenker_ = böser),
-böswillig, buhlerisch, eifersüchtig, elend, erzürnt, frech, garstig,
-gefährlich, gehässig, gefühllos, gemütlos, gewalttätig, gottlos,
-grausam, grimmig, grob, hartherzig, haßartig, heftig, nichtswürdig,
-ruchlos, streng, tückisch, unverschämt, wüst; als Subst. gebr.: = Gefahr
-od. Schmach. Dazu die _Verbdg._ _lenker Kritzler_ (eigtl. »böser Brief«)
-= Steckbrief (s. d. betr. Analogie im Zigeuner., vgl. auch
-»Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 47) u. d. _Zus._ _Linkfi(e)sel_ = böser Mann
-(Syn.: _lenker Kaffer_). _Zu vgl._ (aus d. _verw. Quellenkr._): _Dolm.
-der Gaunerspr._ 92, 97 (_link_ = falsch, _linke Fleppe_ = falscher Paß);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_link_ = falsch); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._
-74 (_link_ = falsch, schlecht, _Linkmichel_ = falscher Mensch, _linker
-Schenagel_ = nicht passende Arbeit); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_lenk_ =
-schlecht [in _Pfedelb._ (209): auch = bös, falsch]; in _Degg._ [215]:
-_Linkmichel_ = schlechter Kerl). Über sonstige rotw. Belege (seit d. 17.
-Jahrh.) s. _Schütze_ 78; betr. _Linkmichel_ s. auch _Groß'_ Archiv, Bd.
-51, S. 152, Anm. 2 u. Bd. 59, S. 266. Zur _Etymologie_ (Erweiterng. des
-gemeinspr. _link_ als Gegensatz zu _recht_, nach der _Hand_ genommen
-[_Weigand_, W.-B. II, Sp. 70]) s. _Pott_ II, S. 15, 16; A.-L. 567, vgl.
-auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1254 (betr. lenk).]
-
-[Fußnote 224: ([74] auf S. 63.121) Das Adj. _schofel_ (auch schoffel)
-hat im wes. die gleichen Bedeutgn. wie _lenk_. Es fehlt nur unter
-»gemütlos« u. »wüst« (wohl bloß versehentlich), während anderseits _nur_
-_schofel_ (_nicht_ aber _lenk_) angeführt ist unter den Ausdrücken: arm,
-entzwei, gemein, kümmerlich, lasterhaft, niederträchtig, schamlos,
-schlecht (wofür _lenk_ gewiß nur versehentl. fortgelassen), traurig,
-treulos, unanständig, verrucht; als _Subst._ gebraucht ist es = Gefahr,
-Schmach (wie _Lenk_) u. außerd. noch = Not. Der Komparat. _schofler_ ist
-durch »böser« wiedergegeben. Viel häufiger als mit _lenk_ sind mit
-_schofel_ _Verbindgn._ od. _Zusammensetzgn._ für selbständige Begriffe
-gebildet worden, nämlich: a) _Verbindgn._ _schofle Model_ =
-Beischläferin, Dirne (Freudenmädchen, Hure [für letzteren Ausdr. Syn.
-auch: _schofle Schüx_]), _schofle Moss_ = Ehebrecherin, Kebsweib (für
-letzt. auch: _schofle Goi_), _schofler Kaffer_ (auch — _Benk_, —
-_Fiesel_ od. — _Freier_) = Heuchler (alles [außer _sch. Benk_] auch
-unter »Hurenkerl« angeführt; _sch. Benk_ [Benges] oder _Fiesel_ auch =
-Krüppel); _schofler Begersins_ = Quacksalber, _schofler Kritzler_ (wie
-_lenker Kr._ [s. oben Anm. 223] = Steckbrief; vgl. auch noch
-die Redensart _schofle Falle (-la) pflanzen_ = »huren«; b)
-_Zusammensetzungen_ (d. h. in _einem_ Wort geschr.): _Schoflelehm_ =
-Schwarzbrot (vgl. als Gegenst. _Dofelehm_ = Weißbrot [oben S. 111, Anm.
-188]), _Schoflergalm_ = Stiefkind, _Schoflemamere_ = Stiefmutter,
-_Schoflerpatris_ = Stiefvater, _Schofelkitt_ = Zuchthaus. _Ableitungen_:
-_Schofelei_ = Unglück (s. dazu _Schofeleifläderling_ = Rabe [vgl. oben
-S. 100, Anm. 165]), _Schoflerei_ = Gericht, Amtsgericht (vgl. dazu
-_grandige Schoflerei_ = Land- [Kreis-, Kriminal-] Gericht u.
-_Schoflereisitzling_ = Richterstuhl, dagegen _Schoffeleischure_ =
-Gerichtsvollzieher). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 91, 92, 97, 99, 101 (_schofel_ = falsch, streng,
-_Schofel-fleppe_ = falscher Paß, _schofel Marum_, _Lehm_ [od. Lechem] =
-schwarzes Brot, _Schofel Kitt_ = Zuchthaus); _W.-B. des Konst. Hans_
-256, 257, 259 (_schofel_ = bös, _schofler Kaffer_ = böser Mann,
-_Schofelkitt_ = Zuchthaus); _Schöll_ 272, 273 (_schovel_ = schlimm,
-_schovel Gasche_ = schlimme Leute); _Pfulld. J.-W.-B._ 344, 346
-(_schofel_ = schlimm, _Schofelkitt_ = Zuchthaus); _Schwäb. Gaun.- u.
-Kundenspr._ 74 (_schofel_ = schlecht); _Schwäb. Händlerspr._ 486
-(ebenso, abweichend vom sonst. Sprachgebr. in _Lütz._ [214]:
-_Schofel-Kitt_ = Abtritt [vgl. oben S. 44, Anm. 147]). _Etymologie_: Die
-Vokabel, die etwa seit Mitte des 18. Jahrh. im Rotw. u. dann auch in
-unserer Schriftsprache auftritt, ist jüdisch-deutscher Herkunft (von
-»einem nicht gerade üblichen« _schōfēl_ (statt: _schāfāl_),
-dem Partizip des hebr.-rabb. _schāfēl_ = »niedrig gemacht,
-gedemütigt werden, sinken«). S. _Weigand_, W.-B. II, Sp. 776 vbd. mit
-A.-L. 603 u. 475, _Günther_, Rotwelsch, S. 94, _Stumme_, S. 19 u.
-_Seiler_, Lehnwort IV, S. 495.]
-
-Ärger, _Stumpf_[225] [63.122]
-
-ärgerlich, _stumpfich_[225]; s. auch zornig
-
-[Fußnote 225: ([75] auf S. 63.122) Zu _Stumpf_ (auch = Entrüstung,
-Trotz, Zorn) gehören als _Ableitungen_: a) das Adj. _stumpfich_ oder
-(seltener) _stämpfich_) = ärgerlich, empfindlich, entrüstet, ergrimmt,
-erzürnt, gereizt, grimmig, trotzig, unwillig, verdrießlich, verstimmt,
-wütend, zänkisch, zornig; b) das Zeitw. _stumpfen_ (stümpfen) oder
-(häufiger) _stämpfen_ (_erstere_ Formen für: schmähen, lästern,
-_letztere_ Form für: bedrohen, beleidigen, beschimpfen, drohen, fluchen,
-schelten, schimpfen, zanken; dazu die _Zus._: _ausstämpfen_ =
-ausschelten, -schimpfen, -zanken); c) die (zunächst auf das Zeitw.
-_stämpfen_ zurückgehenden) Substantive: _Stämpfer_ = Schmäher, Zänker
-und _Stämpferei_ = Wortwechsel, Zank, Zänkerei, Zwist. Zu dem
-Stamme _stämpf-_ (des Zeitw. stämpfen) gehört auch die _Zus._
-_Stämpffläderling_ (d. h. eigtl. der »schimpfende Vogel«) = Elster (s.
-d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 340, 343, 346 (_stumpf_ = bös
-[345: = taub], _Stumpf_ = Haß, Zorn, _stimpfen_ = schelten, zanken);
-_Schwäb. Händlerspr._ 485, 488 (_stumpf_ = zornig [in _Pfedelb._ (214)
-als Subst. _Stumpf_ = Zorn], _stumpfen_ = schimpfen). Übrigens dürften
-sich die Vokabeln bis ins 18. Jahrh. hinein verfolgen lassen. So findet
-sich z. B. im _W.-B. von St. Georgen_ 1750 (219, 220) _stumpf_ =
-unsicher, im _Schwäb. Falschmünzerprozeß_ von 1791/92 (261 ff.) mehrmals
-_Stumpf_ oder _stumpf machen_ = »Lärmen« oder »Angst machen« (v. S. der
-Gauner) sowie das Subst. _Stumpfmacher_ = »Lermen- (d. h. Lärm-)
-Macher«; vgl. noch ebds. (263) sowie in der _Uracher Jauner- und
-Betrügerliste_ 1792 (268): _anstimpfen_ od. _anstempfen_ (= anschmusen),
-d. h. etwa Überreden eines leichtgläubigen Opfers v. S. der Betrüger.
-Bei _Schintermicherl_ 1807 (288) — der auch _stumpf_ = »hart od. böse«
-hat — bedeutet das Zeitw. _stimpfen_ = bellen (von Hunden).
-_Etymologie_: Bei _Stumpf_ = Ärger, Zorn usw. liegt wohl nur eine
-Substantivierung vom Adj. _stumpf_ vor, das u. a. in dem Sinne von
-»böse« schon im Mhd. bekannt gewesen (s. _Weigand_, W.-B. II, Sp. 999)
-und sich noch bis in die neuere Zeit hinein in der bayr.-österreich.
-Mundart erhalten hat (vgl. bes. _Schmeller_, Bayer. W.-B. II, Sp. 761 m.
-Hinweis auf _Castelli_ [Öster. W.-B., 1847], S. 239: _stumpf_ = böse,
-verdrießlich). Für das Zeitw. _stumpfen_, _stämpfen_ vgl. noch bes.
-_Schmeller_, a. a. O., Sp. 760 (_stimpfen_, _stümpfen_ = »sticheln,
-[be]kritteln, schmähen«) u. Sp. 762 (_stumpfieren_ = »kritteln,
-[be]spotten«); auch _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 518 vbd. m. 515
-(_stumpfieren_ = schimpfen, lächerlich machen, _stumpflerisch_ =
-spöttisch, anzüglich).]
-
-arm (ärmlich, armselig), _vermuft_[226], auch wohl _schofel_ (Spr.)[227] [63.123]
-u. _dercherich_[228]
-
-arme Leute, _Dercherulma_ (d. h. eigtl. »Bettelleute«)[229]
-
-Armenhaus, _Dercherkitt_[230]
-
-Armut, _Vermuft_[231]
-
-Arrest, _Dofes_[232], _Kittle_[233], _Lek_[234]. Eigentlich soll mit
-_Dofes_ das Gefängnis im e S., mit _Kittle_ der Arrest (Haft) und mit [63.124]
-_Lek_ (od. _Schofelkitt_) das Zuchthaus bezeichnet werden.
-
-[Fußnote 226: ([76] auf S. 63.123) S. Aas.]
-
-[Fußnote 227: ([77] auf S. 63.123) S. arg.]
-
-[Fußnote 228: ([78] auf S. 63.123) S. abbetteln.]
-
-[Fußnote 229: ([79] auf S. 63.123) Über _Dercher-_ s. abbetteln. —
-_Ulma_ (-me) = Leute kommt noch vor: a) in den _Zusammensetzungen_:
-_Schniffer-_ od. _Schorerulma_ = Diebesbande, _Fehteulme_ =
-Herbergsleute (Spr.), _Dächlespflanzerulma_ = Schirmflickerleute (Spr.),
-_Steinhäuflesulme_ = Städter, _Blibelulma_ (-e) = fromme Leute,
-»Stundenleute« (d. h. Methodisten); b) in den _Verbindgn._: _jenische
-Ulma_ = »fahrende Leute« u. _grandich Ulma_ (d. h. »viele Leute«) =
-Menge (s. d. betr. Übereinstimme, mit d. Zigeun.). Das Wort ist in dem
-bes. _verw. Quellenkr._ m. Wiss. unbekannt u. auch sonst im Rotwelsch
-(wenigstens in _gleicher Form u. Bedeutg._) selten; vgl. aber z. B.
-schon _Lib. Vagat_ 55 (_Wyßulm_ = »einfaltig volck«), dann öfter
-wiederholt, ferner _Münchner Deskription_ 1727 (192: _die platten Ulm_,
-etwa im Sinne von »Gaunern« u. dergl.) u. _Schintermicherl_ 1807 (289:
-_Ulm_ = Leute); dagegen hat _Pfister_ bei _Christensen_ 1814 (327) die
-Form _Ohlem_ (= Menge), die sich dem jüd. (hebr.) Stammworte mehr
-annähert. Ihrer _Etymologie_ nach geht die Vokabel nämlich zurück auf
-das hebr. _'ôlm_ = »Ewigkeit, Welt«, jüd. _ôlem_ od. _ulen_ = »Welt,
-dann Leute, Menschenmenge« (wie französ. _monde_ = »Welt« u. »Leute«);
-vgl. A.-L. 426 (unter »Olam«) u. _Wagner_ bei _Herrig_, S. 237.]
-
-[Fußnote 230: ([80] auf S. 63.123) S. abbetteln u. Abort.]
-
-[Fußnote 231: ([81] auf S. 63.123) S. Aas, vgl. »Vorbemerkung«, S. 15,
-Anm. 36 (subst. Partiz.).]
-
-[Fußnote 232: ([82] auf S. 63.123) _Dofes_ ist im W.-B. auch durch
-»Gefängnis, Gewahrsam, Haft« u. »Kerker« wiedergegeben; dazu: _im Dofes_
-= gefangen sowie die _Zusammensetzg._ _Dofesbu(t)z_ = Gefangenwärter.
-_Ableitg._: das Zeitw. _ei'dofema_ = einkerkern (einsperren,
-einstecken). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._
-340 (_Doves_ = Gefängnis); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67 (_Doves_ =
-Arrest, _Ratte-Doves_ = Dunkelarrest); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 488
-(_Dôfes_ [in _Pfedelb._ (214): _Doves_] = Arrest, Zuchthaus). Vgl. auch
-_Pfälz. Händlerspr._ 437 (_Dôfes_ = Gefängnis). Über sonstige Belege im
-Rotwelsch sowie die _Etymologie_ des Wortes (wohl vom hebr. _tfaf_ =
-»ergreifen, gefangen nehmen«) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 288 (mit
-weiteren Angaben); vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp.
-246/47, welcher meint, daß der Ausdruck »vielleicht volkstümlich an
-_tōf_ (gut) ironisch angelehnt« sei.]
-
-[Fußnote 233: ([83] auf S. 63.123) S. Abort.]
-
-[Fußnote 234: ([84] auf S. 63.123) _Lek_ hat dieselben Bedeutgn. wie
-_Dofes_ u. außerdem noch insbes. die von »Zuchthaus« (s. oben i. Text);
-vgl. dazu: _im Lek_ = gefangen; _Zus._: _Lekbu(t)z_ = Gefangenwärter;
-_Ableitg._: _ei'leken_ = _ei'dofema_. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 92, 100 (_Leck_ = Gefängnis, _Leik_
-= Turm); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Lek_, plur. _Leke_ = Gefängnis);
-_Schöll_ 272 (ebenso, vgl. 273: _in der Leke_ = in der Gefangenschaft);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Leke_ [sing.] = Gefängnis); in der _schwäb.
-Händlerspr._ unbekannt. Zur _Etymologie_ bemerkt _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. IV, Sp. 1172 nur, daß sie »unklar« sei; _Stumme_, S. 21, hat das
-hebr. _lqach_ = »nehmen, ergreifen« herangezogen; vgl. auch A.-L. 566
-unter »Lekach« vbd. mit 561 unter »Leck«, wo jedoch in erster Linie
-_deutscher_ Ursprung des Wortes angenommen (mhd. _lûchen_ od. _liechen_,
-ahd. _lûhhan_, _liohhan_ = »schließen, zuschließen«, das auch das
-Stammwort für unser »Loch« [schon mhd. _loch_ oder (seltener) _luch_
-auch = Gefängnis]) gewesen ist; s. _Weigand_, W.-B. II, Sp. 75, vbd. mit
-_Grimm_, D. W.-B. VI, Sp. 1093, 1094, Nr. 4). Demnach dürfte _Lek_ =
-Loch zu deuten sein, wofür auch die Form _L¶o¶cke_ (= Gefängnis) schon
-im älteren Rotwelsch (s. A. _Hempel_ 1687 [169]; _Waldheim. Lex._ 1726
-[187]; _Körners Zus. zur Rotw. Gramm._ von 1755 [240]) spricht, ferner
-der gleiche Gebrauch von _Loch_ in der _modernen Gaun.- u. Kundenspr._
-(s. z. B. _Rabben_ 83 u. _Ostwald_ [Ku.] 96), bei den _Studenten_ (vgl.
-_Kluge_, Studentenspr., S. 18 [schon in älterer Zeit]: _Hundsloch_ =
-Karzer), _Schülern_ (s. _Eilenberger_, Pennälerspr. S. 15 u. 42: _Loch_
-= Karzer) und _Soldaten_ (s. _Horn_, Soldatenspr., S. 9 u. 121: _Loch_ =
-Arrestlokal) sowie auch wohl in der allgemeinen Umgangssprache (vgl.
-dazu u. a. _Blumschein_ in d. Wiss. Beih. zur Zeitschr. des Allg.
-Deutsch. Sprachv. III, S. 117).]
-
-artig, _dof_[235], _g'want_[236]
-
-Arzt, _Begersins_[237]
-
-Asche, _Schund_[238]
-
-Aschenbecher, _Schundschottel_[239]
-
-[Fußnote 235: ([85] auf S. 63.124) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 236: ([86] auf S. 63.124) S. anmutig.]
-
-[Fußnote 237: ([87] auf S. 63.124) S. absterben und Amtmann.]
-
-[Fußnote 238: ([88] auf S. 63.124) S. abgerahmte Milch.]
-
-[Fußnote 239: ([89] auf S. 63.124) _Schottel_ (plur.: _Schottle_) =
-Schüssel, Büchse (Gefäß, »Gelte«, Geschirr, Korb, Kübel, Schale, Tasse,
-Teller, Wanne) ist beliebt in zahlreichen _Zusammensetzungen_ für
-allerlei Behältnisse, so (außer _Schundschottel_) noch: _Lehmschottel_ =
-Brotbüchse, _Soreschottel_ = Erbsen- od. Linsenschüssel, aber auch
-Pfefferbüchse u. Porzellantasse, _Schmunkschottel_ = Fettbüchse,
-_Bossertschottel_ = Fleischbüchse, _Flößlingschottel_ = Heringbüchse,
-_Süßlengschottel_ = Kaffeetasse, aber auch Zichorienbüchse,
-_Staubschottel_ = Mehlschüssel, _Gleisschottel_ = Milchgefäß,
-eigtl. Milchschüssel, _Hornikelgielblättlingschottel_ =
-Ochsenmaulsalatschüssel, _Horbogebossertschottel_ = Rindfleischbüchse,
-_Spronkertschottel_ = Salzbüchse, _Schwächschottel_ = Trinkgeschirr,
-Trinkschale, _Pfladerschottel_ = Waschbecken. Mit _Schottel_ am Anfang
-ist dagegen nur _eine Zus._ gebildet worden, nämlich _Schottelpflanzer_
-= Korbmacher. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 95, 98 (_Schodel_ = Schüssel, _Schottel_ = Korb,
-_Schottelpflanzer_ = Korbmacher); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_Schottel_ =
-Kachel); _Schwäb. Händlerspr._ 481, 483, 488 (_Schottele_ = Korb, Glas
-[in _Pfedelb._ (212): Schoppen], Wanne, _Schottelepflanzer_ =
-Korbmacher). _Etymologie_: Die Vokabel, die sonst im Rotw. auch in der
-Form _Schuttel_ vorkommt (s. z. B. _Pfister_ bei _Christensen_ 1814
-[330]), ist doch wohl nur eine (dialekt.) Veränderung von uns.
-gemeinspr. »Schüssel« (mnd. _schottel_ od. _schuttel_ [_Weigand_, W.-B.
-II, Sp. 805]); s. _Günther_, Rotwelsch, S. 52; vgl. auch _Groß'_ Archiv,
-Bd. 46, S. 31.]
-
-Ast (Baumast), _Sprate_[240], _Stenz_[241] [63.125]
-
-Attest, _Kritzler_[242]
-
-[Fußnote 240: ([90] auf S. 63.125) _Sprate_ hat auch die allgemeinere
-Bedeutung von »Stecken« od. »Stock«. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Sprade_ = Stock); _ebenso_:
-_Pfulld. J.-W.-B._ 345 u. _Schwäb. Händlerspr._ 487. Die _Etymologie_
-ist unsicher. Da sich jedoch in der _Pfälzer Händlerspr._ (439) die Form
-_spte_ = Stock findet, könnte man vielleicht an unser gemeinsprachl.
-»_Spaten_« denken, das verwandt ist mit dem griech.-lat. _spatha_ =
-»zweischneidiges Schwert« u. dergl. (s. Näh. bei _Weigand_, W.-B. II,
-Sp. 904), ital. _spada_, auch rotw. (z. B. bei _Pfister_ bei
-_Christensen_ 1814 [330]) _Spaden_ = Degen (vgl. dazu _Pott_ II, S. 17;
-_Günther_, Rotwelsch, S. 37).]
-
-[Fußnote 241: ([91] auf S. 63.125) _Stenz_ heißt ebenfalls eigentlich
-»Stock« (»Stecken«), bedeutet dann aber auch (die damit ausgeteilten)
-Prügel (auch im plur. _Stenze_ = Schläge). _Zus._ damit: _Dercherstenz_
-= Bettelstab; _Ableitgn._: zunächst das Zeitw. _stenzen_ = hauen,
-prügeln, schlagen (_Zus._ _niederstenzen_ = niederschlagen, _verstenzen_
-= verhauen, _zustenzen_ = zuschlagen) u. davon wieder das Subst.
-_Stenzerei_ = Schlägerei (Fehde). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68, 72, 76 (_Stenz_ =
-Stock, _Flatter-_ od. _Flosserstenz_ = Schirm; _stenzen_ = durchhauen);
-_Schwäb. Händlerspr._ 487, 488 (_Stenz_ od. _Stanz_ [in _Pfedelb._
-(213): auch _Stenzling_] = Stock, _Stenz kriegen_ = Prügel bekommen;
-Nebenbdtg. [483]: »Louis«; in U. [215]: _stenzen_ = schlagen, in
-_Pfedelb._ [213] dagegen = stehlen). Über weitere Belege im Rotw. sowie
-die (nicht sichere) _Etymologie_ s. das Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42,
-S. 76 u. Anm. 1 u. 2 (unter »Stanzer«) vbd. m. Bd. 56, S. 59, Anm. 1.]
-
-[Fußnote 242: ([92] auf S. 63.125) _Kritzler_ hat noch die Bedeutgn.:
-Brief, Dokument, Schreiben oder Schrift, Urkunde, Zettel. Dazu folgende
-_Zusammensetzgn._: a) mit _Kr. vorne_: _Kritzlerbukler_ = Briefträger,
-Postbote, _Kritzlerrande_ = Brieftasche, auch Papiersack, _Kritzlerbich_
-od. _-lobe_ = Papiergeld, _Kritzlerpflanzer_ = Papiermacher,
-_Kritzlerrädling_ = Postwagen; b) mit _Kr. hinten_: _Dercherkritzler_ =
-Bettelbrief, _Schnurrantekritzler_ = Komödienzettel (Programm),
-_Sprauskritzler_ = Steckbrief (ein wohl aus der Zigeunersprache
-übernommenes Wortspiel [vgl. schon »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 46],
-worüber das Näh. noch unter »Steckbrief«), _Begerkritzler_ =
-Totenschein. Als _Verbindg._ erscheint _lenker_ od. _schofler Kritzler_
-= Steckbrief (vgl. Näh. schon oben S. 121, Anm. 223 u. Anm. 224). _Zu
-vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 480
-(_Kritzler_ = Brief); auch _Pleißlen der Killertaler_ 435 (Bedtg.:
-Brief, auch [nach _Kapff_ 213]: Paß, Wandergewerbeschein; _kritzle[n]_ =
-schreiben). In der Pennälersprache bedeutet _Kritzler_ den Federhalter
-(s. _Eilenberger_, S. 38). Der _Etymologie_ nach gehört der Ausdr.
-jedenfalls zu unserem gemeinspr. Zeitw. _kritzeln_ = »kratzend fein
-schreiben«, Dim. von d. ält. nhd. u. mhd. _kritzen_, ahd. _krizôn_ =
-»einritzen«, vielleicht mit Kreis verw., aber schwerlich zu kratzen (s.
-_Weigand_, W.-B. I, Sp. 1155); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV,
-Sp. 771.]
-
-aufbewahren, _aufschurela_[243] [63.126]
-
-aufbrechen, _aufschurela_
-
-aufdecken, _aufschurela_
-
-aufessen, _aufbiken_, _aufbutten_, _aufkahla_[244]
-
-auffallen, _aufbohlen_[245]
-
-aufgeblasen sein s. hoffärtig (stolz) sein
-
-aufhängen, _aufschnüren_[246]
-
-aufheben, _aufschurelen_[243]
-
-aufhenken s. aufhängen
-
-aufhören, _sich (auf)schupfen_ (bes. als Imperat.: hör' auf, _schupf
-dich [auf]_)[247]
-
-[Fußnote 243: ([93] auf S. 63.126) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 244: ([94] auf S. 63.126) S. (betr. alle drei Ausdr.)
-Abendessen.]
-
-[Fußnote 245: ([95] auf S. 63.126) S. abfallen.]
-
-[Fußnote 246: ([96] auf S. 63.126) Das einfache _schnüren_ = erhängen,
-hängen (henken) ist schon dem ältesten Rotwelsch (so z. B. dem _Lib.
-Vagat_ [55: _schnuren_]) bekannt gewesen. Aus dem _verw. Quellenkr._
-vgl. _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_schüren_ [sic] = henken u. _geschürt_
-[sic] _werden_ = gehenkt werden); _W.-B. des Konst. Hans_ 257
-(_g'schürt_ [sic] = gehängt); _Schöll_ 271 (_schmieren_ [sic] = hängen,
-aber richtig [273]: _die Geschnürten_ = die Gehängten); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 337, 340 (_schnüren_ = aufhenken, _schniren_ = henken).
-_Etymologie_: Der Ausdr. ist wohl nichts anderes als eine
-Begriffsverengerung unseres gemeinsprachl. schnüren. Vgl. A.-L. 602,
-vbd. m. _Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1407, Nr. 1; s. auch _Horn_,
-Soldatensprache, Sp. 124 u. Anm. 6.]
-
-[Fußnote 247: ([97] auf S. 63.126) Die Aufforderung _schupf dich_ (od.
-_schupf dich auf_) ist auch wiedergegeben durch »sei ruhig«, »schweig
-still« od. »halts Maul« (für letzteres auch: _schupf' de' Giel_ [s.
-unter »Maul«]). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb.
-Händlerspr._ 487 (_schupf dich auf_ = still). _Etymologie_: Die auch
-schon dem älteren Rotwelsch bekannte Wendung (s. schon A. _Hempel_ 1687
-[169: _schuff dich_ = pack dich]) braucht nicht erst mit A.-L. 599 auf
-hebr. Ursprung zurückgeleitet zu werden, sondern gehört wohl (wie das
-schles. _schupf dich_ = »setz' dich nieder« [s. _Grimm_, D. W.-B. IX,
-Sp. 2010, Nr. 4, d] u. das schwäb. _verschupfen_, _ab-_, _wegschupfen_ =
-wegschieben, -stoßen [s. v. _Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 481 u.
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1322]) einfach zu unserem mundartl.
-Zeitwort _schupfen_ (od. schuppen) = schieben; vgl. dazu auch _Groß'_
-Archiv, Bd. 47, S. 145, 146. Dort insbes. auch Näh. über _schupfen_ =
-backen, eine Bedeutung, die ebenfalls in _Wittichs_ Jenisch bekannt ist.
-Dazu die _Ableitungen_: _Schupfer_ = Bäcker, jedoch nur in der _Zus._
-_Lehmschupfer_, fem. _-ere_ (d. h. eigtl. »Brotbäcker[in]«; vgl. dazu
-die weitere Zus. _Lehmschupferhitzling_ = Backofen) u. _Schupferei_ =
-Bäckerei. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst.
-Hans_ 254 (_Leemschlupfer_ [sic] = »Beck«); _Pfulld. J.-W.-B._ 337
-(_Lächumschupfer_); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_schupfen_ = backen,
-_Schupferei_ = Bäckerei, _Lêmschupfer_ [in _Pfedelb._ (208): auch
-_Schupferbink_] = Bäcker).]
-
-aufladen, _aufschurelen_[248] [63.127]
-
-auflaufen, _aufbosten_ (_-tet_)[249]
-
-auflesen, _aufschurela_[248]
-
-aufmachen, _aufschurelen_, _aufpflanzen_ (Spr.)[250]
-
-aufnähen, _aufstichlen_[251]
-
-aufrichtig, _dof_[252]
-
-aufsagen, _aufschmusen_[253]
-
-aufschlagen, _aufguffen_[254]
-
-[Fußnote 248: ([98] auf S. 63.127) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 249: ([99] auf S. 63.127) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 250: ([100] auf S. 63.127) S. anbrennen.]
-
-[Fußnote 251: ([101] auf S. 63.127) Mit _stichle(n)_ = nähen ist ferner
-noch zusammengesetzt _ei'stichle_ = einnähen. _Ableitungen_: _Stichler_
-= Schneider (vgl. dazu _Stichlersmoss_ = Schneidersfrau) u. _Stichlere_
-= a) Schneiderin, b) Nadel. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._);
-_Dolm. der Gaunerspr._ 96, 98 (_Stichler_ = Schneider, _Stichlerin_ =
-Näherin); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (_Stichler_ = Schneider); _Schwäb.
-Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (ebenso); _Schwäb. Händlerspr._ 484, 486
-(ebenso, doch _Stichler_ auch = Metzger [wie _nur_ so im _Pleißlen der
-Killertaler_ 436]; _sticheln_ = nähen). Zur _Etymologie_ (v. deutsch
-_sticheln_, d. h. eigtl. »Stiche machen« [beim Nähen usw.]) s. Näh. in
-_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 24 u. 76 (unter »Stichling« u. »Stich[e]ler«
-[= Schneider]). Über das stammverwandte _Stichling_ = Gabel s. unter
-diesem Worte.]
-
-[Fußnote 252: ([102] auf S. 63.127) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 253: ([103] auf S. 63.127) S. ansagen.]
-
-[Fußnote 254: ([104] auf S. 63.127) Weitere _Zus._ mit _guffe(n)_
-(_-fa_) = schlagen (prügeln, auch fechten) sind noch: _einguffen_ =
-einhauen, einschlagen, _niederguffa_ = niederschlagen, _verguffen_ =
-verhauen, _zuguffen_ = zuschlagen. _Ableitungen_: _Guffe_ = Schläge
-(wenn nicht bloß subst. Infin.), _Guf(f)es_ = Hieb(e), Prügel;
-_Guf(f)erei_ = Fehde, Schlägerei, auch _Guffer_ in den _Zusammensetzgn._
-_Galmeguffer_ = Lehrer, Schullehrer (eigtl. »Kinderprügler«) u.
-_Hertling-_ od. _Kiesguffer_ = Steinhauer, Steinmetz. _Zu vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_guft_ = geschlagen);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 343-345 (_gufen_ = schlagen, prügeln, _niedergufen_ =
-niederschlagen, _Gufes_ od. _Guves_ = Prügel, Schlag, Streich); _Schwäb.
-Gaun.- u. Kundenspr._ 68, 72, 74 (_guffen_ = schlagen, _Guffer_ =
-»Bickel« [d. h. Spitzhacke], Meißel, _Gufferei_ = Schlägerei); _Schwäb.
-Händlerspr._ 483, 485-487 (_guffen_ = prügeln, schlagen, _Galmeguffer_ =
-Lehrer [in U. (214): _Galme¶n¶guffer_, in _Pfedelb._ (211): Form ebenso,
-Bedeutg. spezieller: Oberlehrer, während der »Unterlehrer«
-_Schrazeskneppler_ (vgl. dazu: _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 140) heißt],
-_Hertlingguffer_ = Steinhauer; speziell in _Pfedelb._ [212, 213] ferner
-noch: _Gufes_ = Schläge, _Gufferei_ = Schlägerei, _Galmegufferei_ =
-Schule u. _Guffertemente_ = Ohrfeige). Vgl. auch noch _Pfälz.
-Händlerspr._ 438 (_kuffese_ = schlagen). Über weitere rotw. Belege sowie
-die _Etymologie_ des Wortes (vom mundartl. [ält. bayr.] _Goffe_ =
-»Hinterbacke«) s. das Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 137 u. Anm. 2;
-vgl. auch _Weber-Günther_, S. 178 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp.
-905 (der in der Endung _-es_ bei _Guf[f]es_ das hebr. _-ôth_ erblickt
-[vgl. »Vorbemerkg.«, S. 13, Anm. 32]).]
-
-aufschreiben, _auffeberen_[255] [63.128]
-
-aufsehen, _auflinzen_[256]
-
-aufspielen (zum Tanz), _aufnikla_[257]
-
-aufsuchen, _aufschurele_[258]
-
-aufwachen, _aufdurme_[259]
-
-[Fußnote 255: ([105] auf S. 63.128) S. abschreiben.]
-
-[Fußnote 256: ([106] auf S. 63.128) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 257: ([107] auf S. 63.128) Das einfache _nikle(n)_ (-la) hat
-die doppelte Bedeutung von a) = tanzen u. b) = »spielen«, d. h.
-musizieren (daher auch _vornikle_ = a) vortanzen u. b) vorspielen),
-während _nur_ die _erstere_ (u. wohl jedenfalls ursprünglichere [vgl.
-die rotw. Belege u. die Etymologie]) festgelegt ist in _herum-_ (od.
-_umher-_) _nikla_ (-le) = herum- (od. umher-) tanzen. _Ableitungen_:
-_Nikler_ = a) Tänzer, b) Musikant, Spieler (Zus.: _Vornikler_ =
-Vortänzer); fem.: _Niklere_ = Tänzerin; _Niklerei_ = Tanz, Theater,
-_Nikelei_ (besser wohl gleichfalls _Niklerei_[?]) = Musik, Spiel. Mit
-dem Stamm des Zeitw. (_nikel-_) sind gebildet die _Zus._: _Nikelkitt_ =
-Komödienhaus u. _Nikelschure_ = Klarinette od. Klavier (vgl. auch
-_Nikleschure_ = Leierkasten, während für »Harfe« und »Harmonika« das
-vollere _Niklengschure_ angeführt ist). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_nikle_ = tanzen [wohl
-zugleich der früheste Beleg]); _Schöll_ 272 (_niklen_ = tanzen);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 345 (_nikeln_, Bedeutg. ebenso); _Schwäb.
-Händlerspr._ (_Lütz._ [215]: _nickle[n]_ = tanzen). Die _Etymologie_ des
-Wortes ist zwar nicht ganz sicher, doch liegt es jedenfalls viel näher,
-es mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 2028 (wie d. schwäb. _nickle(n)_
-= »Kopf und Nacken hin- und herbewegen«) zu unserem Zeitw. _nicken_ zu
-stellen, als es mit _Stumme_, S. 20 mit dem hebr. _niggên_ = »Musik
-machen« in Zusammenhang zu bringen, zumal ja die ursprünglichere
-Bedeutg. doch wohl zweifelsohne »tanzen« gewesen ist.]
-
-[Fußnote 258: ([108] auf S. 63.128) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 259: ([109] auf S. 63.128) Das Zeitw. _durme(n)_ bedeutet:
-schlafen, (schlummern), dann auch: liegen, ruhen; daher: _aufdurme_
-eigtl. wohl = »aufhören zu schlafen«; weitere _Zus._ sind noch:
-_ausdurme(n)_ = ausschlafen (vgl. _ausdurmt_ = erwacht), _ei'durme_ =
-einschlafen, _herumdurma_ = herumliegen, _hindurmen_ = (sich) hinlegen,
-_niederdurmen_ = (sich) niederlegen. _Ableitung_: das Adj. _durmerich_ =
-schläfrig. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._
-344 (_Durmklamine_ = Schlafzimmer [während schlafen hier durch
-_schlaunen_ wiedergegeben]); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74, 77
-(_durmen_ = schlafen, _Durmel_ = Schlaf, _Durmmalfes_ = Schlafrock);
-_Schwäb. Händlerspr._ 485 (_durmen_ [in _Pfedelb._ (212): _dormen_] =
-schlafen, desgl. in _Pfedelb._ [212]: _dormisch_ = schläfrig, _i hab
-Darming_ = ich bin schläfrig u. _Dormmalfes_ = Schlafrock). Vgl. auch
-_Pfälz. Händlerspr._ 437 (_durme_ = schlafen). Über weitere Belege im
-Rotw. usw. (seit Anf. des 17. Jahrh.) sowie über die _Etymologie_
-(zunächst vielleicht vom deutsch. mundartl. _durmeln_ [turmeln u. ä.]) =
-taumeln, schlummern, leicht schlafen, _Durmel_ [Turmel u. ä.] = Taumel,
-Schläfrigkeit, leichter Schlaf [mhd. _türmeln_, _turmeln_ = taumeln,
-_türmel_, _turmel_ = Taumel, Schwindel (vgl. _Grimm_, D. W.-B. II, Sp.
-1733 ff; _Schmeller_, _Bayer. W-B. I_, Sp. 621/22 u. a. m.)], das aber
-auch wohl vom französ. _dormir_ [in letzter Linie also vom lat.
-_dormire_] beeinflußt worden [vgl. »Vorbemerkung«, S. 10, Anm. 25 u. 26)
-s. Näheres bei _Weber-Günther_, S. 172 u. 174, Anm. 2 vbd. mit _Pott_
-II, S. 17, A.-L. 534 u. _Günther_, Rotwelsch, S. 23, vgl. auch
-_Fischer_, Schwab. W.-B. II, Sp. 500 (unter »durme[n]« vbd. mit Sp. 499
-(unter »Durmel«).]
-
-aufwaschen, _aufpfladeren_[260] [63.129]
-
-aufzehren s. aufessen
-
-Augapfel, _Scheinlingbommerling_[261]
-
-Auge, _Scheiling_[261]
-
-Augenbrauen, _Scheinlingstrauberts_[262]
-
-Augenwasser, _Scheinlingflu(h)te_[263]
-
-ausbeißen, _ausnäpfen_[264]
-
-[Fußnote 260: ([110] auf S. 63.129) S. abwaschen.]
-
-[Fußnote 261: ([111] auf S. 63.129) Wörtl. Übersetzg. aus dem Deutschen
-in Übereinstimmg. auch mit der Zigeunerspr. (s. _Liebich_, S. 140 u.
-178). Mit _Schei(n)ling_ = Auge (Blick) sind noch zusammengesetzt auch:
-_Scheinlingstrauberts_ (d. h. eigtl. »Augenhaare«) = Augenbrauen (s. d.
-betr. die Zigeunerspr.) u. _Scheinlingflu(h)te_ = Augenwasser. _Zu vgl._
-(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 89 (_Scheinling_ =
-Auge); _Schöll_ 271 (ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 342 (ebenso,
-Nebenbdtg. auch: Licht); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Scheinling[e]_ =
-Augen [in _Pfedelb._ (209) auch = Brille]). Vgl. auch _Pleißlen der
-Killertaler_ 435 (_Schenling_ = Augen, Fenster). Zur _Etymologie_ des —
-auch sonst im Rotwelsch (etwa seit Anf. des 18. Jahrh.) öfter
-begegnenden — Wortes (mit den Nebenbedeutgn. »Fenster« [so schon bei A.
-_Hempel_ 1687 (168: _Schein¶d¶ling_)], »Laterne« [s. schon _Hermann_
-1818 (336)], »Spiegel« [s. _Fröhlich_ 1851 (410); vgl. A.-L. 597 u.
-Neuere] u. ä. m.) — vom deutsch. Zeitw. _scheinen_ — s.
-_Weber-Günther_, S. 186 vbd. mit _Pott_ II, S. 20 u. A.-L. 597.]
-
-[Fußnote 262: ([112] auf S. 63.129) Mit _Strauberts_ = Haar(e),
-(Borsten) sind noch folgende _Zus._ gebildet worden: a) am _Anfang_
-stehend: _Straubertsschure_ = Haarnadel, Haaröl u. Kamm,
-_Straubertski(e)bes_ = Lockenkopf; b) ans _Ende_ gesetzt:
-Ki(e)besstrauberts = Haupt-, Kopfhaar, _Trabertstrauberts_ = Pferdehaar,
-_Groenikelsstrauberts_ = Schweinsborsten, _Jerusalemfreundsstrauberts_
-(d. h. »Schafhaare«) = Wolle (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der
-Zigeunerspr.). Als _Verbindgn._ kommen vor: _Straubertspflanzen_ (d. h.
-etwa »Haare machen«) = kämmen, _nobis Strauberts_ (d. h. »keine Haare«)
-= kahl sowie das längere _nobis Strauberts auf dem Ki(e)bes_ = Kahlkopf.
-Eine _Ableitg._ ist das Adj. _straubertsich_ = haarig. _Zu vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Straupert_ = Haar);
-_Schöll_ 271 (_Straubert_); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 481 (_Straubert_
-[in _Pfedelb._ (210) auch _Straub_ od. _Straupert_ = Haar, letztere Form
-sowie [in _Pfedelb._ (208) auch _Straub_] auch = Bart [womit schon das
-ältere Rotwelsch übereinstimmt, s. u. a. W. _Scherffer_ 1650 (160)).
-Vgl. noch _Metzer Jenisch_ 216 (_Straubert_ = Haar). Der _Etymologie_
-nach gehört das Wort wohl zu unserem Zeitw. _(sich) sträuben_, d. h.
-»sich starr empor richten (vom Haar)« (s. _Weigand_, W.-B. II, Sp. 984).
-Über das -s am Ende s. schon »Vorbemerkung«, S. 12, Anm. 29.]
-
-[Fußnote 263: ([113] auf S. 63.129) Betr. _Flu(h)te_ s. abbrühen.]
-
-[Fußnote 264: ([114] auf S. 63.129) S. abbeißen.]
-
-ausblasen, _auspflanzen_[265] [63.130]
-
-ausbrechen, _auspfiche_[266]
-
-ausbrennen, _ausfunken_[267]
-
-ausbürsten, _ausschurele_[268]
-
-ausessen, _ausbiken_, _ausbutten_, _auskahla_[269]
-
-ausfahren, _ausruadlen_[270]
-
-ausfegen, _ausschurele_[268]
-
-ausforschen, _ausbutschen_[271], _auslinzen_[272]; vgl. forschen
-
-ausfragen, _ausbutchen_[271]
-
-ausgeben, _ausdogen_[273]
-
-ausgehen, _ausbosten_[274]
-
-ausgekleidet, _auskluftet_[275]
-
-ausgeschlafen, s. ausschlafen
-
-auskleiden, _auskluften_[276]
-
-auskochen, _aussicheren_[275]
-
-auslachen, _ausschmol(l)en_[277]
-
-auslassen, _bremsere_[278], _Bremser schmusen_[279]
-
-[Fußnote 265: ([115] auf S. 63.130) S. anbrennen.]
-
-[Fußnote 266: ([116] auf S. 63.130) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 267: ([117] auf S. 63.130) S. abbrennen, vgl. anzünden.]
-
-[Fußnote 268: ([118] auf S. 63.130) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 269: ([119] auf S. 63.130) S. (zu allen drei Ausdr.)
-Abendessen.]
-
-[Fußnote 270: ([120] auf S. 63.130) S. abfahren.]
-
-[Fußnote 271: ([121] auf S. 63.130) S. anfragen.]
-
-[Fußnote 272: ([122] auf S. 63.130) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 273: ([123] auf S. 63.130) S. abgeben.]
-
-[Fußnote 274: ([124] auf S. 63.130) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 275: ([125] auf S. 63.130) S. ankleiden.]
-
-[Fußnote 276: ([126] auf S. 63.130) Stammwort: _sicheren_ = kochen
-(braten); vgl. dazu: _gesichert_ (= gekocht, gebraten) in den Verbindgn.
-_gesicherter Babingermass_ od. _Strohbutzerbossert_ = Gänsebraten u.
-_gesicherter Jo(h)le_ = Glühwein,Punsch; _nobis gesichert_ = ungekocht;
-ferner (als _Zus._ mit dem Stamm _sicher-_): _Sicherbenk_, _-fiesel_
-oder _-kaffer_ = Koch. _Ableitung_: _Sichere_ = Küche (u. dazu
-_Sichereglitschin_ = Küchenschlüssel). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95 (_sichern_ = kochen, _Sicherei_
-= Küche); _W.-B. des Konst. Hans_ 254, 257 (_Sicherey_ od. _Zicherey_ =
-Küche); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 340, 342, 344 (_sichern_ = aussieden,
-schmälzen, _gesichert_ = gesotten, _versichern_ = ausschmälzen,
-_Sicherei_ = Küche); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69, 72 (_sichern_ =
-kochen, _gesichert_ = gekocht, _Sichere_ = Küche); _Schwäb. Händlerspr._
-483 (_sichern_ = kochen, in _Pfedelb._ [210, 211]: _gesichert_ =
-gesotten u. _Sichere_ = Küche). Über die unsichere _Etymologie_
-(vielleicht vom hebr. sîr = »Topf«) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 51.]
-
-[Fußnote 277: ([127] auf S. 63.130) S. anlachen.]
-
-[Fußnote 278: ([128] auf S. 63.130) Was hier unter »auslassen« zu
-verstehen ist, ergibt sich aus der deutlicheren Bezeichnung bei _Kapff_
-in seinen Ergänzungen zur _schwäb. Händlerspr._ (_Lütz._ 214:
-_bremse[n]_ = »furzen«, _Bremser_ = »Furz«). Die _Etymologie_ bleibt
-unsicher, doch könnte man vielleicht an einen Vergleich mit dem
-knarrenden Geräusch des Bremsens denken; vgl. etwa auch _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. I, Sp. 1395 (unter »bremse[n]«, Nr. 5: _bremse[n]_ =
-»prickeln in der Nase, z. B. vom kohlensaurem Getränke«).]
-
-auslaufen, _ausbosten_[280] [63.131]
-
-auslöschen s. löschen
-
-ausrechnen, _ausschurele_[281]
-
-aussagen, _ausschmusen_[282]
-
-ausschalten, _ausstämpfen_[283]
-
-ausschimpfen, _ausstämpfen_
-
-ausschlafen, _ausdurmen_[284], _ausschlauna_[285]
-
-ausschreiben, _ausfeberen_[286]
-
-aussehen, _auslenzen_[287]
-
-ausspotten, _ausschmol(l)en_[288]
-
-aussprechen, _ausschmusen_[289]
-
-[Fußnote 279: ([129] auf S. 63.131) Zu dieser Redensart s. (betr.
-_schmusen_) das Näh. unter »ansagen«.]
-
-[Fußnote 280: ([130] auf S. 63.131) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 281: ([131] auf S. 63.131) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 282: ([132] auf S. 63.131) S. ansagen.]
-
-[Fußnote 283: ([133] auf S. 63.131) S. Ärger.]
-
-[Fußnote 284: ([134] auf S. 63.131) S. aufwachen.]
-
-[Fußnote 285: ([135] auf S. 63.131) Das Zeitw. _schlanne(n)_ (-na)
-entspricht in seinen Bedeutgn. (schlafen [schlummern], liegen, ruhen)
-ganz dem Syn. _durme(n)_, so auch in den _Zus._, nämlich (außer
-_ausschlauna_ [wozu zu vgl.: _ausg'schlaunet_ = erwacht]) noch
-_einschlauna_ = einschlafen, _herumschlauna_ = herumliegen,
-_hinschlaunen_ = (sich) hinlegen, _niederschlaune_ = (sich) niederlegen.
-_Ableitung_: das Adj. _schlaunerich_ = schläfrig. _Zu vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_schlaunen_ = schlafen);
-_W.-B. des Konst. Hans_ 256 (_schlauna_ = schlafen); _Schöll_ 271
-(_Schlauna_ = Schlaf); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 342, 344 (_schlaunen_ =
-schlafen, _verschlaunen_ = einschlafen, _nobus schlaune_ = schlaflos
-sein, _Schlane_ = Schlaf, _Schlaunklamine_ = Schlafzimmer,
-_Schlaumalfes_ [sic] = Schlafrock, _schlaunerig_ = schläfrig); _Schwäb.
-Händlerspr._ (_Lütz._ 215: _schlaune[n]_ = schlafen). _Etymologie_: Der
-Ausdruck, der sich bis in den _Lib. Vagat._ zurückverfolgen läßt (s.
-dort 55: _schlun_ = schaffen [lies: schlaffen]) stammt her von einem in
-deutsch. Mundarten bekannten Zeitwort (z. B. alemann: _schlunen_). S.
-_Pott_ II, S. 17, A.-L. 601 (unter _schlonen_), _Kluge_, Unser Deutsch
-(2. Aufl.), S. 81 vbd. mit W.-B. (7. Aufl.), S. 43 (unter »schlummern«)
-u. _Stalder_, Schweiz. Idiotikon usw., Bd. II, S. 333 (_schlunen_); vgl.
-auch _Weber-Günther_, S. 180. Über das stammverwandte _schlummern_ s. d.
-Näh. unter »Herberge«.]
-
-[Fußnote 286: ([136] auf S. 63.131) S. abschreiben.]
-
-[Fußnote 287: ([137] auf S. 63.131) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 288: ([138] auf S. 63.131) S. anlachen.]
-
-[Fußnote 289: ([139] auf S. 63.131) S. ansagen.]
-
-ausspülen, _auspfladera_[290] [63.132]
-
-ausstehlen, _ausschniffen_[291], _ausschoren_[292]
-
-austreten (schwer), d. h. cacare, _fu(h)la_, _schmelza_[293],
-_schunden_[294]
-
-austreten (leicht), d. h. _mingere_, _flösle_[295]
-
-[Fußnote 290: ([140] auf S. 63.132) S. abwaschen.]
-
-[Fußnote 291: ([141] auf S. 63.132) S. anfassen.]
-
-[Fußnote 292: ([142] auf S. 63.132) Das Zeitw. _schoren_ (z'schore
-[Spr.]) = stehlen (entwenden), (be)rauben), findet sich noch in d.
-_Zus._: _herausschoren_ = herausstehlen u. _wegschoren_ = wegstehlen.
-_Ableitungen_: _Schorer_ = Dieb, Räuber (vgl. dazu _Schorerulma_ =
-Diebesbande) u. _Schorerei_ = Diebstahl. Mit dem stammverw. Hauptw.
-_Zschor_ = Dieb, Räuber, dagegen ist zusammenges. _Zschor-Kitt_ =
-Diebesherberge. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des
-Konst. Hans_ 253, 255, 257, 260 (_schornen_ = stehlen, _T'schor_ od.
-_Schorne_ = Dieb, _T'schorr-Kitt_ = Diebesherberge, _T'schor-Bais_ =
-Diebeswirtshaus, _T'schor-Kaffer_, _-Gaya_ = Mann [bzw. Frau], der [die]
-gestohlene Sachen kauft); _Schöll_ 268, 271-73 (_dschornen_ = stehlen,
-_Dschorn_ = Raub, _Tschor_ = Dieb, »Jauner«); _Pfulld. J.-W.-B._ 337-39,
-343, 345 (_schornen_ = stehlen, ausplündern, _Schornen_ = Diebstahl,
-_Gschor_ = Dieb, Schelm, Spitzbube); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75
-(_tschornen_ = stehlen); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_schôren_ [in U.
-(214): _tschōren_] = stehlen). Zur _Etymologie_ der (auch _sonst_ im
-Rotwelsch [seit Anf. des 18. Jahrh.] bekannten) Vokabeln — aus der
-Zigeunersprache (vgl. Einltg., S. 30) — s. die Angaben in _Groß'_
-Archiv, Bd. 48, S. 326, Anm. 1 u. dazu noch _Jühling_, S. 227
-(_Tschoraben_ = das Stehlen, _Tschormasskäro_ = Dieb) u. _Finck_, S. 92
-(_tšōr_ = »Dieb, Räuber«, _tšōr[d]_- = »stehlen, rauben«);
-vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432 (unter »Tschor[n]« bzw.
-»tschor[n]e[n]«).]
-
-[Fußnote 293: ([143] auf S. 63.132) S. (zu beiden Ausdr.) Abort.]
-
-[Fußnote 294: ([144] auf S. 63.132) S. abgerahmte Milch.]
-
-[Fußnote 295: ([145] auf S. 63.132) Das Zeitw. _flös(s)le(n)_ od.
-_flessle_ bedeutet (außer: »harnen«, »pissen«) auch noch »regnen« (Spr.)
-u. dementsprechend das Subst. _Flösle_ = a) Harn (»Pisse«, Urin), b)
-Regen. Für die Bedeutg. unter a) auch: _Flöslete_. Mit dem Stamm
-(_flössel-_) des Zeitw. _flöss(e)le(n)_ erscheinen gebildet die _Zus._
-_Flösselflu(h)te_ = a) Harn (»Pisse«), Urin, b) Regenwasser,
-_Flösselnolle_ = Nachthafen, Urintopf u. _Flösselglansert_ = Uringlas,
-ferner noch _Flösselreifling_ = Regenbogen u. _Flösselschei_ = Regentag.
-_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 101
-(_flöslen_ = »Wasser abschlagen«); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_flößeln_ =
-»brunzen«, Nebenbedtg.: beweinen, heulen); _Schwäb. Händlerspr._ 484,
-485, 488 (_flößlen_ = mingere, _flößeln_ od. _flößeren_ = regnen [aber
-_flôßeren_ = weinen]; dazu in _Pfedelb._ [211] noch _Flößl_ = »Kandel«,
-d. h. Dachrinne). Vgl. auch _Pleißlen der Killertaler_ (nach _Kapff_
-[212]: _flüssne[n]_ = mingere). Zur _Etymologie_ von _flös(s)len_ u. ä.
-(dessen Bedeutungen im sonstigen Rotwelsch sehr wechseln [vgl. z. B.: a)
-_Basler Betrügnisse_ um 1450 (15: _geflösselt_ = ertränkt) u. dann öfter
-im 16. u. 17. Jahrh.; b) _Lib. Vagat._ 53 (_flößlen_ = »seichen«) u.
-dann öfter (s. oben; vgl. auch noch _Pfister_ 1812 [298: _Flössel_ =
-Urin]); c) _D. Schwenter_ um 1620 (140: _flösseln_ = sieden; vgl. _Flos_
-= Suppe); d) _A. Hempel_ 1687 (168: _flösseln_ = weinen); e)
-_Schintermicherl_ 1807 (289: _flösseln_ = regnen; vgl. _Flos_ =
-Wasser)]) s. A.-L. 541 (unter »Floß«) u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II,
-Sp. 1585/86 (unter »flössere[n]« u. »flössle[n]«). An erster Stelle
-dürfte wohl als Quelle dafür zu betrachten sein das mundartl. _Floß_ für
-»kleines fließendes Wasser« (vgl. auch mhd. _vlôz_ = »Fluß, Strömung« u.
-a. m. [s. _Weigand_, W.-B. I, Sp. 558 u. 559 unter »Floß« 1 u. 2]),
-weiterhin überhaupt das gemein-deutsche _Fluß_ bzw. _fließen_ usw. Vgl.
-auch das stammverwandte (rotw. u.) jenische _Flößling_ = Fisch, worüber
-d. Näh. noch weiter unten, sowie das alte rotw. _Floßart_ (_Flossert_)
-u. ä. = Wasser (vgl. Näh. bei _Weber-Günther_, S. 186).]
-
-austrinken, _ausschwächen_ (trink aus, _schwäch [a]uf_)[296] [63.133]
-
-auswaschen s. ausspülen
-
-ausweinen, _ausglemsa_[297]
-
-auszahlen, _ausbleisgeren_[298], _auspfreima_, _auszeina_[299]
-
-auszanken, _ausstämpfen_[300]
-
-ausziehen, _ausklufta_ (-ten)[301]
-
-Axt, _Dober_[302]
-
-[Fußnote 296: ([146] auf S. 63.133) S. Amme.]
-
-[Fußnote 297: ([147] auf S. 63.133) Zu _glemse(n)_ (-sa) = weinen
-(beweinen), heulen, jammern, schreien (als Subst. _Glemsen_ = Tränen,
-_Ableitung_: _Glemserei_ = Heulerei) _vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 101 (_klemsen_ = heulen,
-weinen); _Schwäb. Händlerspr._ (U. [214]: _glimse[n]_ = weinen). Die
-_Etymologie_ ist unsicher. _Fischer_, Schwäb. W.-B. hat das Wort nicht
-aufgeführt.]
-
-[Fußnote 298: ([148] auf S. 63.133) S. anzahlen.]
-
-[Fußnote 299: ([149] auf S. 63.133) S. (zu beiden Ausdr.) abzahlen.]
-
-[Fußnote 300: ([150] auf S. 63.133) S. Ärger.]
-
-[Fußnote 301: ([151] auf S. 63.133) S. ankleiden.]
-
-[Fußnote 302: ([152] auf S. 63.133) Dazu das Diminutiv _Doberle_ = Beil.
-In den _verw. Quellen_ m. Wiss. unbekannt u. desgl. wohl im älteren
-Rotwelsch (denn in der _Sulzer Zigeunerliste_ v. 1787 [252] ist es nur
-als Zigeunerwort — für rotw. _Hekerling_ — aufgeführt), dagegen findet
-es sich in einigen Sammlungen des 19. Jahrh. (wie _Pfister_ 1812 [297],
-_v. Grolman_ 17 u. T.-G. 84, _Karmayer_ G.-D. 196). Zur _Etymologie_ aus
-der Zigeunerspr. (vgl. »Einltg.«, S. 29) s. Näh. bei _Liebich_, S. 162,
-180 u. 182 (_tōwer_ = Axt, Beil); _Miklosich_, Beiträge III, S. 20 u.
-Denkschriften, Bd. 27, S. 83 (unter »tover«: bei den deutsch. Zig.:
-_tover_; vgl. pers. u. hind. _tabar_, kurd. _taver_, armen. _tapar_,
-russ. _topor_ usw.); _Jühling_, S. 89 (_Dowär_ = Axt, Beil); _Finck_, S.
-89 (_tower_ = »Axt, Beil«).]
-
-
- B. [63.372]
-
-Bach, _Flu(h)te_[303]
-
-Bachstelze, _Flu(h)tefläderling_[304]. Häufiger ist indessen die
-Bezeichnung _jenischer Fläderling_, d. h. »der jenische Vogel«[305].
-Dieser Name erklärt sich aus dem Aberglauben der fahrenden Leute, daß
-sie, wenn sie eine Bachstelze sehen, bald mit ihresgleichen
-zusammentreffen werden, und daß dies noch sicherer und früher (und mit
-vielen »Fahrenden«) geschehen werde, wenn es sich um mehrere solche
-Vögel handelt. Alle jenischen Leute halten felsenfest an diesem Glauben,
-den sie jedenfalls von den Zigeunern übernommen haben, bei denen die
-Bachstelze noch eine andere, besondere Bedeutung hat, so daß sie von
-ihnen ausschließlich als ihr _romano tschirklo_, d. h. »Zigeunervogel«
-angesehen wird[306].
-
-[Fußnote 303: ([1] auf S. 63.372) S. abbrühen.]
-
-[Fußnote 304: ([2] auf S. 63.372) Betr. _Fläderling_ s. Adler.]
-
-[Fußnote 305: ([3] auf S. 63.372) Der Ausdruck _jenisch_ ist hier, wie
-die nachfolgenden Bemerkungen _Wittichs_ im Text zeigen, in dem Sinne
-von »zu den fahrenden Leuten gehörig« oder »auf sie Bezug habend« (vgl.
-»Vorbemerkung«, S. 5 u. Anm. 7) genommen. Übereinstimmend damit die
-weiteren Verbindungen: _jenischer Benk_ (Benges) od. _Fi(e)sel_ =
-»fahrender Bursche«, _jenische Moss_ u. _Model_ = »fahrende Frau« u.
-»fahrendes Mädchen«, _jenische Ulma_ = »fahrende Leute«. Bemerkt sei
-hierzu noch, daß nach _Jühling_, S. 220 von den Zigeunern »alle
-herumziehenden Leute«, die »_nicht_ Zigeuner« sind, als _Chalo-Jenische_
-(zu _Chalo_ = Fresser [ebds. S. 220]?) bezeichnet werden. Im übrigen
-vgl. betr. die _Etymologie_, die verschiedenen _Bedeutungen_ u. die
-_Belege_ für das Wort _jenisch_ (im Rotw. usw.) die ausführl. Angaben in
-m. »Vorbemerkg.«, S. 4, Anm. 6 ff.]
-
-[Fußnote 306: ([4] auf S. 63.372) Bestätigt ist dieser Ausdruck auch von
-_Liebich_, S. 156, 165 u. 180 u. _Finck_, S. 92 (_rómeno tširklo_),
-die jedoch beide keine Erklärung hinzugefügt haben. Näheres darüber soll
-sich nach einer Mitteilg. _Wittichs_ in seinen (auch von _Groß_, Handb.
-für Untersuchungsrichter, S. 511, Amn. 2 a. E. angeführten) Aufsätzen im
-Jahrg. 1912, Heft 1 der »Mitteilungen über die Vogelwelt« (S. 89, 212
-ff.) finden, die ich leider nicht einsehen konnte.]
-
-backen, _schupfen_[307] [63.373]
-
-Bäcker (Bäckermeister), _Lehmschupfer_, d. h. eigtl. (genauer)
-»Brotbäcker«[307][308]
-
-Bäckerei, _Schupferei_[307]
-
-Bäckerin, _Schupferin_[307]
-
-Backofen, _Lehmschupferhitzling_[309]
-
-Backstein, _Kittleskies_, d. h. »Hausstein«[310]
-
-[Fußnote 307: ([5] auf S. 63.373) S. aufhören.]
-
-[Fußnote 308: ([6] auf S. 63.373) _Lehm_ (od. [seltener] _Lechem_) =
-Brot kommt auch noch in folgenden _Zusammensetzgn._ vor: a) _im Anfang_
-stehend: _Lehmschottel_ = Brotbüchse, _Lehmrande_ = Brotsack,
-_Lehmschure_ = Brotschrank; b) _ans Ende_ gesetzt: _Dercherlehm_ =
-Bettelbrot, _Schmunklehm_ = Butterbrot, _Lanengerlehm_ od. _-lechem_ (d.
-h. »Soldatenbrot«) = Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d.
-Zigeun.), _Schoflelehm_ od. _Schofellechem_ (Spr.) = Schwarzbrot,
-_Dofelehm_ od. _dofer Lehm_ (Spr.) = Weißbrot, _Süßlinglehm_ =
-Zuckerbrot. Betr. die Vermutung, daß auch _Boslem_ = Exkremente zu
-_Lehm_ zu ziehen s. schon oben unter »After«. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91 (_Lechem_ od. _Lehm_ = Brot,
-_schofel —_, _gehechelter —_ (= schwarzes, weißes Brot); _W.-B. des
-Konst. Hans_ 254 (_Leham_ = Brot, _Lehmschlupfer_ [sic] = Bäcker);
-_Schöll_ 271 (_Lehem_ = Brot); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 338 (_Lächum_ =
-Brot, _Lächumschupfer_ od. _Lemer_ = Bäcker, _Lächumrande_ = Brotsack);
-_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67 (_Lechum_ od. _Lehm_ = Brot,
-_Kafferlechum_ = Bauernbrot); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 480 (_Lêm_ [in
-_Pfedelb._ (209): _Lehm_] od. _Lechem_ = Brot, _Lêmschupfer_ = Bäcker,
-in _Pfedelb._ [208]: _Kafferlehm_ = Bauernbrot). S. auch noch _Pfälz.
-Händlerspr._ 436, 437 (_Lêchem_ od. _Leachem_ = Brot, _Finne Lêchum_ =
-Stück Brot) u. _Metzer Jenisch_ 216 (_Lēm_). Zur _Etymologie_ (vom
-gleichbed. hebr. _lĕchĕm_) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 25, 26
-(dort in den Anmerkgn. auch über die sonst. Belege im Rotw.); vgl. auch
-_Weber-Günther_, S. 157/58 (unter »Legem«) u. _Fischer_, Schwäb. W.-B.
-IV, Sp. 1081 u. 1082 (unter »Lechem« u. »Lehm«).]
-
-[Fußnote 309: ([7] auf S. 63.373) Mit _Hitzling_ = Ofen (_am Anfang_)
-sind noch folgende _Zus._ gebildet: _Hitzlingschwä(t)zling_ = Ofenruß
-(s. d. betr. _Schwetzling_ [wohl für Schwärzling] = Ruß),
-_Hitzlingpflanzer_ od. _-schenegler_ = Ofensetzer, _Hitzlingbossert_ =
-Rauchfleisch. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 89, 91 (_Hitzling_ = Ofen, _Lechem-_ od. _Lehmhitzling_ =
-Backofen); _Schöll_ 271 (_Hitzling_ = Ofen, aber auch = Sonne); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 337, 343 (_Hitzling_ = Ofen, _Lächumschupferhitzling_ =
-Backhaus); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_Hitzling_). Zur _Etymologie_ des
-Wortes (das im Rotw. schon 1687 — bei _A. Hempel_ [167] — für »Stube«
-vorkommt) vom deutsch. Subst. _Hitze_ vgl. A.-L. 549, _Günther_,
-Rotwelsch, S. 60 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1702.]
-
-[Fußnote 310: ([8] auf S. 63.373) S. (betr. _Kittle_) Abort u. (betr.
-_Kies_) Apfelkern; vgl. dazu auch »Vorbemerkg.«, S. 19, Anm. 48 sowie
-die Anm. zu »Ziegelstein« im W.-B.]
-
-Bad, _Flu(h)te_[311] [63.374]
-
-baden, _pfladeren_[312]
-
-Bahn, _Rutsch_[313]
-
-Bank (zum Sitzen), _Sitzleng_[314]
-
-Bank (= Bankhaus), _Bichkitt_[315] oder _Lobekitt_[316]
-
-bankerott vgl. Konkurs
-
-Bankier, _Bichsins_[317], _Kiessins_[318] oder _Lobesins_[319]
-
-[Fußnote 311: ([9] auf S. 63.374) S. abbrühen.]
-
-[Fußnote 312: ([10] auf S. 63.374) S. abwaschen.]
-
-[Fußnote 313: ([11] auf S. 63.374) Mit _Rutsch_ = Bahn, Eisenbahn sind
-_zusammengesetzt_: _Rutschschenegler_ = Eisenbahnarbeiter u.
-_Rutschrädling_ = Eisenbahnwagen. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69 (_Rutsch_ = Eisenbahn);
-_Schwäb. Händlerspr._ 480 (ebenso); s. auch _Pleißlen der Killertaler_
-436 (_Rutscher_ = Wagen, Eisenbahn). _Zur Etymologie_ (vom Zeitw.
-_rutschen_) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 67 (unter »Rutscher«).]
-
-[Fußnote 314: ([12] auf S. 63.374) _Sitzleng_ (-ling) = Bank (Kanapee)
-oder Stuhl (Schemel, Sessel) kommt auch vor in den _Zus._ _Leile-_ od.
-_Schundsitzl¶e¶ng_ = Nachtstuhl u. _Schoflereisitzl¶i¶ng_ =
-Richterstuhl. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb.
-Händlerspr._ 487 (_Sitzling_ = Stuhl, Bank); s. auch im _Metzer Jenisch_
-(217) _Setzerling_ = Stuhl, während der _Hennese Flick_ von _Breyell_
-(450) dafür _Sitterd_, das _Bargunsch von Zeele_ (470) _Zitterik_ hat.
-Der _Etymologie_ nach gehört der Ausdr. natürlich zu _sitzen_.]
-
-[Fußnote 315: ([13] auf S. 63.374) S. Almosen u. Abort.]
-
-[Fußnote 316: ([14] auf S. 63.374) Vgl. dazu die _Verbindg._ _grandiche
-Lobekitt_ = Münze, Münzwerkstätte. — _Lobe_ = Geld, Geldstück, Münze
-(ferner Barschaft, Gehalt, Sold, Summe) findet sich ferner noch in
-folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Lobesins_ = Bankier,
-_Lobeschure_ = Geldkasse od. -kästen, _Loberande_ = Geldsack,
-_Lobepflanzer_ = Münzarbeiter (dazu: _nobis dufter Lobepflanzer_ =
-Falschmünzer); b) _am Ende_: _Stradelobe_ = Chausseegeld,
-_Schenagelslobe_ (eigtl. »Arbeitsgeld«) = Lohn, _Duftlobe_ (eigtl.
-»Kirchengeld«) = Opfergeld, _Kieslobe_ (eigtl. »Steingeld«) =
-Pflastergeld. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._
-340 (_Labe_ = Geld); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70 (_Labai_);
-_Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Lôbe_); ebenso auch im _Metzer Jenisch_ 216.
-Über weitere Belege aus dem Rotw. usw. sowie zur _Etymologie_ aus der
-_Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 30) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd.
-33, S. 270/71 und Anm. 3 vbd. noch m. _Liebich_, S. 144, 201, 223
-(_lōwo_ = Geld, Münze), _Miklosich_, Denkschriften, Bd. 27, S. 7 (bei
-d. deutsch. Zig.: _lōvo_) u. _Finck_, S. 71 (_lōwo_ = Münze, plur.
-_lōwe_ = Geld); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 901 (unter
-»Labe«) u. 1310 (unter »Lobe«).]
-
-[Fußnote 317: ([15] auf S. 63.374) S. Almosen und Amtmann.]
-
-[Fußnote 318: ([16] auf S. 63.374) Mit _Kies_ = Geld, Geldstück, Münze
-sind ferner noch _zusammengesetzt_: a) _am Anfang_: _Kiesreiber_ =
-Beutel, Geldbeutel (-tasche), Säckel, _Kiesschure_ = Geldkasse od.
--kästen, _Kiesrande_ = Geldsack, _Kiespflanzer_ = Münzarbeiter (vgl.
-_nobis dufter Kiespflanzer_ = Falschmünzer); b) _am Ende_:
-_Schenagelskies_ = Lohn u. _Duftkies_ = Opfergeld. _Zu vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 90 (_Kis_ = Beutel u.
-_kislen_ = Beutel schneiden); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 u. 258 (_Kies_
-= Silber, Geld; vgl. auch [255]: _kiesle_ = Beutel schneiden); _Schöll_
-269, 270 (_Kis_ = Beutel, Geld; _Kißler_ = Beutel schneiden); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 340 (_Kiß_ = Geld, _Kißrande_ = Geldbeutel); _Schwäb. Gaun.-
-u. Kundenspr._ 69, 70 (_Kies_ = Geld, _Kiesreiber_ = Geldbeutel);
-_Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Kîs_ [in _Pfedelb._ (211): _Kies_] = Geld,
-_Kis-_ [od. Kies]_reiber_ = Geldbeutel). Über weitere Belege im Rotw.
-und die _Etymologie_ (vom hebr. _kîs_ = »Beutel, Geldbeutel, Geld«,
-jedoch vielleicht auch mit Einfluß des rotw. _Kisow_ od. _Kisof[f]_ =
-Silber[geld] aus hebr. _kesef_ = »Silber«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv,
-Bd. 33, S. 254, Anm. 1 u. bes. S. 260 ff. u. die Anmerkgn.; vgl. auch
-noch _Seiler_, Lehnwort IV, S. 491 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp.
-420 (unter »Kis«, Nr. 4, lit. a u. b, mit Hinweis auf d. zigeun. _kísik_
-= »Beutel, Geldbeutel« [_Finck_, S. 64]).]
-
-Barchent, _Bochdam_[320] [63.375]
-
-Barschaft, _Bich_[321], _Gore_[322], _Lobe_[323]
-
-Bauch, _Rande_[324]
-
-[Fußnote 319: ([17] auf S. 63.375) S. Bank u. Amtmann.]
-
-[Fußnote 320: ([18] auf S. 63.375) _Bochdam_ bedeutet auch allgemeiner
-Leinwand od. Tuch. _Zus._ damit sind: a) _am Anfang_: _Bochdampflanzer_
-= Leinenweber od. Tuchmacher; b) _am Ende_: _Begerbochdam_ =
-Leichentuch. _Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 100 (_Bockdam_ = »Tuch en général«); _W.-B. des Konst. Hans_
-255 (_Bokdam_ = Tuch); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 u. 345 (_Bokdame_ =
-wollenes Tuch; _Dame_ = Leinwand, Tuch). Auch sonst im Rotw. (bei
-_Schintermicherl_ 1807 [288] z. B. in der Form _Poktam_ [= Leinwand])
-bekannt. Zur _Etymologie_ (aus der _Zigeunerspr._ [vgl. »Einleitung«, S.
-29]) s. A.-L. 585 (unter »Pochtam« [der an eine zigeunerische
-Verstümmelung von _begodim_, Plur. des hebr. _beged_ = »Kleid«, dachte])
-vbd. mit _Pott_ II, S. 367/68 (unter »Pochtan«), _Liebich_, S. 152, 181,
-219 (_pōchtánn_ = Leinwand, Barchent), _Miklosich_, Beiträge III, S.
-17 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 48 (bei den deutsch. Zig.: _pōchtan_
-= Leinwand), _Jühling_ 220 (_Bochtan_ = Leinwand) u. _Finck_, S. 79
-(_póxtan_ = »Leinwand, Tuch, Barchent«).]
-
-[Fußnote 321: ([19] auf S. 63.375) S. Almosen.]
-
-[Fußnote 322: ([20] auf S. 63.375) _Gore_ hat ungefähr dieselben
-Bedeutgn. wie _Bich_, _Kies_ u. _Lobe_, also (außer Barschaft noch) bes.
-Geld (Geldstück, Münze), auch Gehalt, ist aber in _Zus._ weniger
-beliebt; vgl. jedoch _Stradegore_ = Chausseegeld. Unter den _verw.
-Quellen_ hat das Wort nur die _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70 (_Gore_
-= Geld). Nach _Horn_, Soldatenspr., S. 96, soll es auch bei den
-württembergischen Soldaten gebräuchlich sein. Die _Etymologie_ ist
-unsicher; auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 751 gibt darüber keinen
-Aufschluß.]
-
-[Fußnote 323: ([21] auf S. 63.375) S. Bank.]
-
-[Fußnote 324: ([22] auf S. 63.375) Die Bedeutung von _Rande_ = Bauch
-(Wanst) ist erst eine Begriffsübertragung, denn ursprünglich ist der
-Ausdr. so viel wie: Beutel, Sack (Bündel, Felleisen, Quersack, Ranzen
-[auch: Büchsenranzen], Rucksack, Tornister), Tasche. In _diesem_ Sinne
-ist er verwendet in folgenden _Zus._: a) _am Anfang_ (selten):
-_Randeschnurrant_ = Taschenspieler; b) _am Ende_ (sehr häufig):
-_Dercherrande_ = Bettelsack, _Kritzlerrande_ = Brieftasche, _Lehmrande_
-= Brotsack, _Bich-_, _Kies-_ u. _Loberande_ = Geldsack, _Bäzemerande_ =
-Hodensack, _Sprausrande_ = Holzsack, _Buxen-_ od. _Kopelrande_ =
-Hosensack (-tasche), _Stupflengrande_ = Igelsack, _Schmalerrande_ =
-Katzensack, _Staubertrande_ = Mehlsack, _Malfesrande_ = Rocktasche,
-_Dächlesrande_ = Schirmsack, _Toberichrande_ = Tabaksbeutel,
-_Toberichschurerande_ = Zigarrentasche. Mit _Rande_ = Bauch sind
-gebildet nur die _Zus._ _Randeschure_ = Bauchgrimmen u. die _Verbindg._
-_grandicher Rande_ = Dickbauch, als Adj. gebr. = beleibt, wohlbeleibt,
-insbs. auch schwanger (trächtig); vgl. dazu _gr. Rande bosten_ =
-schwanger gehen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 98 (_Rante_ = Sack); _W.-B. des Konst. Hans_ 255, 260
-(_Rande_ = Sack, Felleisen); _Schöll_ 271 (_Rande_ = Sack); _Pfulld.
-J.-W-B._ 338, 340, 343, 345 (_Rande_ = Bündel, Sack, Tasche,
-_Lächumrande_ = Brotsack, _Kißrande_ = Geldbeutel); _Schwäb. Gaun.- u.
-Kundenspr._ 67 (_Rande_ = Bauch [_nur_ so!]); _Schwäb. Händlerspr._ 485,
-487 (_Rande_ = Ranzen, Tasche, [in _Pfedelb._ (208) auch = Bauch]); s.
-auch _Pleißlen der Killertaler_ 436 (_Rande_ = Portemonnaie). Zur
-_Etymologie_ des — im Rotwelsch schon früh auftretenden Wortes (vgl.
-_Lib. Vagat._ [55]: _Rantz_ = Sack), das auch als Quelle unseres
-gemeinsprachl. »Ranzen« zu betrachten ist, s. _Günther_, Rotwelsch, S.
-96 vbd. mit _Grimm_, D. W.-B. VII, Sp. 111 (unter »Ranzen«, Nr. 2),
-_Kluge_, W.-B. (7. Aufl.), S. 363, Sp. 2 und _Weigand_, W.-B. II, Sp.
-526 (unter »Ranzen« u. »Ränzel«); vgl. auch _Horn_, Soldatenspr., S. 65.
-Auch unser _Ranzen_ ist wohl für »Bauch«, »dicken Leib, auch im Zustand
-der Schwangerschaft«, zunächst als »ein niedriges Volkswort des 18./19.
-Jahrhunderts«, dann auch im Schriftdeutsch gebräuchlich geworden. S.
-_Grimm_, D. W.-B., a. a. O. vbd. mit _Kluge_, a. a. O.]
-
-Bauchgrimmen, _Randeschure_[325] [63.376]
-
-Bauer, _Kaffer_[326], _Ruch_[327]; vgl. auch Landmann
-
-[Fußnote 325: ([23] auf S. 63.376) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]
-
-[Fußnote 326: ([24] auf S. 63.376) _Kaffer_ (Plur. _Käffer_ [Spr.]) hat
-auch in _Wittichs_ Jenisch — in wesentlicher Übereinstimmg. mit dem
-Rotwelsch (vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 331/32) — mehrfache
-Bedeutgn., nämlich: a) Mann (Kerl); b) spezieller: Ehemann (Gatte,
-Gemahl); c) Bauer (Landmann). Zu der Bedeutg. unter a gehört das Dimin.
-_Käfferle_ mit den Bedeutgn. a) Junggeselle u. b) Greis (alter Mann),
-während die Redensart _Käfferle pflanzen_ = Onanie treiben wohl (wie
-noch weiter unten auszuführen ist) an die Bedeutung unter c angeknüpft
-hat. Mit K. in der Bedeutg. unter a (= Mann) sind gebildet worden:
-[Griechisch: a]) _die Verbindungen_: _grandicher Kaffer_ = Riese (s. d.
-betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch »Vorbemerkung«, S.
-17) nebst dem Gegensatz _nobis grandicher Kaffer_ = Zwerg sowie
-_schofler Kaffer_ = Heuchler (od. auch »Hurenkerl«); [Griechisch: b])
-folgende _Zusammensetzgn._: aa) mit K. _am Anfang_: _Kaffermalfes_ =
-Gewand für Männer, _Kafferkluft_, _-klufterei_ = Mannskleid, -kleider,
-_Kafferstreifling_ = Socken; bb) mit K. _am Ende_ (bes. beliebt für
-_Standes-_ u. _Berufsbezeichnungen_, wie im Rotw. [vgl. »Vorbemerkung«,
-S. 12, Anm. 29]): _Dercherkaffer_ = Bettelmann, _Rädlingskaffer_ =
-Fuhrmann, _Vergremers-_ od. _Verkemerskaffer_ = Handelsmann,
-_Kittkaffer_ = Hausherr, _Fehtekaffer_ = Hauswirt, Herbergsgeber,
-Quartierherr, _Finkelkaffer_ = Hexenmeister, Schwarzkünstler,
-_Sprauskaffer_ = Holzmacher, _Sicherkaffer_ = Koch, _Begerkaffer_ =
-Leichenbeschauer, aber auch Totengräber, _Leilekaffer_ = Nachtwächter,
-_Blibelkaffer_ = »Stundenmann« (Methodist). Mit K. in der Bedeutg. unter
-b (= Ehemann) sind _zusammengesetzt_: [Griechisch: a]) _im Anf._:
-_Kaffersglied_ = Mannsschwester; [Griechisch: b]) _am Ende_:
-_Modelkaffer_ = Tochtermann (Schwiegersohn); zu vgl. hierzu auch das
-(gleichsam menschliche Begriffe auf Tiere übertragende) _Trabertkaffer_
-= Hengst (eigtl. »Pferde[ehe]mann«, männl. Pferd im Gegens. zu
-_Trabertmoss_ = Stute [s. d.]; betr. der Zigeunerspr. s. unter
-»Hengst«). Mit K. in der Bedeutg. unter c (= Bauer) sind _keine Zus._
-od. _Verbdgn._ gebildet worden. Mit dem Dimin. _Käfferle_ findet sich
-noch die _Verbdg._ _nobis vergrönter Käfferle_ (eigtl. »nicht
-verheiratetes Männchen«) = Junggeselle, die insofern pleonastisch
-erscheint, als ja auch schon das einfache _Käfferle_ dasselbe
-bezeichnet. Über die Redensart _Käfferle pflanzen_ s. schon oben. _Zu
-vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91, 96, 98
-(_Kaffer_ = Mann, _Grönkaffer_ = Ehemann, _Gaskekaffer_ = Schulmeister);
-_W.-B. des Konst. Hans_ 255, 256, 259 (_Kaffer_ = Kameraden [s. dazu:
-_Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 22 u. Anm. 1], _schofler Kaffer_ = böser
-Mann, _T'schorkaffer_ = Mann, der gestohlene Sachen kauft); _Schöll_ 271
-(_Gaver_ = Mann); _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 341, 342 (_Kafer_ = Mann,
-Biedermann, _kochemer Kafer_ = kluger Mann); _Schwäb. Gaun.- u.
-Kundenspr._ 67 (_Kaffer_ = Bauer, Dorfbewohner, _Kafferlechem_ =
-Bauernbrot.); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 483 (_Kaffer_ = Mann, Bauer).
-S. noch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Kafrînum_ = Mann). Über weitere
-Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ (aus dem Hebr. [_kfr_,
-Verbindgsform _kĕfar_, = Dorf, bzw. rabbin. _kaphri_ = »Dorfbewohner,
-Bauer«]) s. d. ausführl. Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 328 ff.
-u. dazu noch _Weber-Günther_, S. 165, _Seiler_, Lehnwort IV, S. 490 u.
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 145.]
-
-Bauerndorf, _Rucheg'fahr_[328] [63.377]
-
-[Fußnote 327: ([25] auf S. 63.377) Mit _Ruch_ = Bauer (Landmann) sind
-_zusammengesetzt_: _Rucheg'fahr_ = Bauerndorf (vgl. dazu die _folgende_
-Anm.), _Ruchamoss_ = Bauernfrau (vgl. S. 378, Anm. 329) u. _Ruchekitt_ =
-Bauernhaus. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 90 (_Ruoch_ = Bauer, _Ruochen Kitt_ = Bauernhaus); _W.-B.
-des Konst. Hans_ 253 (im wes. ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Ruech_ =
-Bauer, _Ruechekehr_ = Bauernhaus, _Ruchemalfes_ = Bauernkittel,
-_Ruchegasche_ = Bauernvolk u. a. m.); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Rûch_
-od. _Ruoch_ = Bauer); s. auch _Pleißlen der Killertaler_ 436 (_Ruch_).
-Über sonstige Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ (wahrscheinl. vom
-mhd. Adj. _rûch_ u. ä. = »rauh«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S.
-5.]
-
-[Fußnote 328: ([26] auf S. 63.377) Für _G'fahr_ (Gefahr) = Dorf
-(Ortschaft) war früher im Jenischen _Palar_ gebräuchlich (s.
-»Einleitung«, S. 27); über d. Synon. _Mochum_ (-am) bzw. _Hegesle_ (=
-kleines Dorf) s. unter »Dorf«. Außer _Rucheg'fahr_ finden sich _keine
-Zus._ mit dem Worte. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 91 (_G'far_ = Dorf); _Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Gfart_);
-_Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Gefar_); s. auch _Metzer Jenisch_ 216
-(_G'fār_), u. _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Kfr_). Dagegen hat die
-_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68 die stammverwandte Form _Kaff_;
-ähnlich bei den _schwäb. Händlern_ in _Lütz._ 214 (_Khāf_). Über
-sonstige Belege im Rotwelsch u. die _Etymologie_ (vom hebr. _kfr_ =
-Dorf [vgl. oben Anmerkung 326 (zu _Kaffer_)]) s. Näh. in _Groß'_ Archiv,
-Bd. 48, S. 328 u. Anm. 3; vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp.
-135 (unter »G[e]fahr« II); insbs. noch über die Form _Kaff_ s. Archiv,
-Bd. 48, S. 329, Anm. 2 u. dazu noch _Fischer_, a. a. O., Bd. IV, Sp. 143
-(unter »Kaf[f]«, Nr. 1) vbd. mit Bd. III, Sp. 2 (betr. _Gab_ = Dorf, das
-nach ihm zum zigeun. _gāw_ = Dorf [s. _Finck_, S. 58; vgl. _Jühling_,
-S. 221] zu stellen ist).]
-
-Bauernfrau, _Ruchamos(s)_[329] [63.378]
-
-Bauernhaus, _Ruchakitt_ (Dimin.: _Ruchekittle_ [Spr.])[330]
-
-Bauersleute, _Rucheulme_ (Spr.)[331]
-
-Baum, _Stöber_[332]
-
-Bäumchen, _Stöberle_[332]
-
-[Fußnote 329: ([27] auf S. 63.378) _Moss_ od. (seltner) _Mos_ bedeutet:
-a) Frau (Frauensperson, Frauenzimmer), Weib, sodann enger b) entsprechd.
-der Bedtg. von _Kaffer_ unter b): Ehefrau (Gattin, Gemahlin); dazu das
-Dimin. _Mössle_ = Jungfrau; eine _Ableitung_ davon ist _mossich_ =
-weiblich od. weibisch. In der Bedeutg. unter a) findet sich das Wort in
-den _Verbindungen_: _schofle Mos(s)_ = Ehebrecherin, Kebsweib und
-_jenische Mos(s)_ = fahrende Frau sowie in folgenden _Zusammensetzgn._:
-[Griechisch: a]) _am Anfang_ stehend: _Mos(s)malfes_ = Gewand für
-Frauen, Frauen- od. Weiberrock, _Mos(s)klufterei_ = Frauenkleid,
-_Mos(s)fīrflamme_ = Frauenschürze, _Mos(s)schrende_ = Frauenstube;
-[Griechisch: b]) _ans Ende_ gesetzt (bes. für _Standes- u.
-Berufsbezeichn._ [vgl. »Vorbemerkg.«, S. 12, Anm. 29]): _Derchermos(s)_
-= Bettelfrau, _Vergremmos(s)_ = Handelsfrau, _Kittmos(s)_ = Hausfrau,
-_Deisel-_ od. _Disselmos(s)_ = Hebamme, _Finkelmos(s)_ = Hexe,
-_Begermos(s)_ = Leichenfrau, _Fehtemos(s)_ = Quartiersfrau,
-_Jerusalemsfreundmos(s)_ = Schäferin, _Blibelmos(s)_ = »Stundenfrau«
-(Methodistin), _Pfladermos(s)_ = Wäscherin. Dagegen beziehen sich
-_mehr_ auf die Bedeutg. unter b (= Ehefrau) die _Zus._:
-_Ruchamos(s)_ = Bauernfrau, _Stichtlersmos(s)_ = Schneidersfrau,
-_Trittlingpflanzersmos(s)_ = Schustersfrau u. _Lanengersmos(s)_ =
-Soldatenfrau, wohl auch noch _Sinsemos(s)_ = Dame, Herrin, das aber auch
-zu Gruppe a gerechnet werden könnte. Über _Trabertmos(s)_ = Stute (als
-Gegens. zu _Trabertkaffer_) s. schon oben S. 376, Anm. 326; vgl. dazu
-betr. d. Zigeunerspr. Näh. unter »Hengst«. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91, 101 (_Moos_ = Weib,
-_Grünt'-Moss_ = Ehefrau); _Schöll_ 272 (_Moos_ = Weib); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 339, 340, 342, 346 (_Mosch_ = Eheweib, _Musch_ = Frau, _Muß_ =
-Weib, _Fingelmuß_ = Hexe, _Oldrischmus_ = Mutter); _Schwäb. Gaun.- u.
-Kundenspr._ 69, 70 (_Moß_ = Frau, _Mößle_ = Fräulein, _Finkelmos_ =
-Hexe); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Moß_ = Frau, Weib [in _Pfedelb._
-(211) auch: Mutter]; _Dimin._: _Mößle_ od. _Mêßle_ = Mädchen [in
-_Pfedelb._ (209 u. 213) auch = Fräulein, Tochter]; _Zus._: _Finkelmoss_
-= Hexe, in _Pfedelb._ [208 u. 214]: _Rammelsmoß_ = Bäuerin, _Baizersmoß_
-= Wirtin, _Wittmoß_ = Witwe, in U. [214]: _Schenalmoss_ = Magd). S. auch
-noch _Metzer Jenisch_ 217 (_Muss_ = Weib) u. _Pfälz. Händlerspr._ 438
-(_Moss_ = Frau). Über noch weitere Belege im Rotwelsch u. die
-_Etymologie_ des Wortes (das _deutschen_ Ursprungs u. eigentl. eine pars
-pro toto [spätmhd. _mucze_ od. _mutz(e)_ = »weibl. Geburtsglied«]
-gewesen) s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 345 ff.; vgl. auch
-»Anthropophytoia«, Bd. IX, S. 34 ff. u. _Weber-Günther_, S. 178 (unter
-»Moß«) sowie _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1770 (unter »Moß«) vbd.
-mit Sp. 1827 (unter »Musch«).]
-
-[Fußnote 330: ([28] auf S. 63.378) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 331: ([29] auf S. 63.378) S. (betr. _Ulme_) arme Leute.]
-
-[Fußnote 332: ([30] auf S. 63.378) S. Apfelbaum.]
-
-[Fußnote 333: ([31] auf S. 63.378) _Spraus_ = Holz hat auch noch die
-engeren Bedeutgn.: Block, Dorn, Pfahl, Pflock, Prügel, Scheitholz, Stab,
-Stecken, Stock; dazu das Dimin. _Spräusle_ = Splitter u. die _Ableitung_
-_sprausich_ = hölzern. _Zus._ mit _Spraus_ sind noch: a) _am Anf._:
-_Sprausrande_ = Holzsack, _Sprauskaffer_ = Holzmacher, _Sprauskritzler_
-= Steckbrief (s. Näh. unter diesem Worte; vgl. auch schon
-»Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 46 sowie die Anm. zu »Attest«),
-_Sprauspflanzer_ = Stockmacher; b) _am Ende_ (außer _Stöberspraus_):
-_Johlespraus_ = Weinrebe. Mit _Spräusle_ ist gebildet _Funkspr¶ei¶sle_
-(sic) = Zündhölzer. Eine _Verbindg._ ist _grandicher Spraus_ = Stange
-(s. d. betr. wes. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.) u. _a'gefunkter Spraus_
-(eigtl. »angebranntes Holz«) = Kohle. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunersprache_ 94 (_Spraus_ = Holz); _W.-B. des
-Konst. Hans_ 255 (_Sprauß_, Bedeutg. ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 340,
-346 (_Form_: ebenso, _Bedtg._: auch Wald, _Sprausfetzer_ = Zimmermann);
-_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77 (_Sprausfetzer_); _Schwäb.
-Händlerspr._ 482, 488 (wie _Pfulld. J.-W.-B._, dazu in _Degg._ [215]:
-_Funk-Spraus_ = Zigarre). Auch das _Metzer Jenisch_ (216) kennt _Spraus_
-= Holz. Zur _Etymologie_ des Wortes (wohl verwandt mit unserem
-gemeinspr. »Sproß«) sowie noch über sonstige Belege im Rotw. s. _Groß'_
-Archiv, Bd. 42, S. 55, Anm. 1.]
-
-Baumholz, _Stöberspraus_[333]; vgl. auch Stamm [63.379]
-
-Baumkatze (d. h. Eichhörnchen), _Stöberschmaler_[334]
-
-Beängstigung, _Bauser_[335]
-
-[Fußnote 334: ([32] auf S. 63.379) Die Bezeichnung des Eichhörnchens als
-_Stöberschmaler_, d. h. »Baumkatze«, ist sicher aus der Zigeunersprache
-übernommen, in der das Tier sachlich ganz ebenso heißt (näml. [nach
-_Liebich_ 156, 181, 191] _rukkéskri_ od. _rukkengĕri mádschka_ od.
-[nach _Finck_ 72] _rakéskeri mátška_, d. h. etwa die sich auf Bäumen
-aufhaltende Katze, zu _ruk(k)_ = Baum u. _mátška_ (madschka) = Katze
-[s. _Liebich_, S. 156, 181, 214 u. _Finck_, S. 72, 82]); vgl. auch schon
-»Vorbemerkung«, S. 18. Ein Synon. damit ist auch _romésk(e)ri
-mátška_, d. h. »Zigeunerkatze« (s. _Liebich_, S. 156 u. 191 u.
-_Finck_, S. 72), wie denn das Eichhörnchen neben dem Igel und dem Fuchs
-(sowie dem Federvieh) zu den »Leckerbissen« der Zigeunerküche gehört (s.
-_Liebich_, S. 85). — Neben _Schmaler_ = Katze (auch Kater; Dimin.:
-_Schmalerle_ = Kätzchen) findet sich im Jenischen auch die gleichbd.
-Form _Schmaleng_ (plur. _Schmaling_ [vgl. »Vorbemerkung«, S. 13, Anm.
-30). Mit _Schmaler_ sind _zusammengesetzt_ noch _Schmalerbossert_ =
-Katzenfleisch und _Schmalerrande_ = Katzensack. _Zu vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Schmaling_ = Katze);
-_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71 (_Gschmaling_); _Schwäb. Händlerspr._
-482/83 (_Schmle_ [in _Pfedelb._ (211): _Gschmale_], _Schmling_ [in
-_Pfedelb._ (211): _Schmarling_] oder _Gschmling_ [in _Pfedelb._ (211):
-auch _Gschmarling_] = Katze); s. auch _Pfälz. Händlerspr._ 438
-(_Schmalert_) u. _Regensb. Rotwelsch_ 489 (_Schmali_ u. a. m.). Der
-_Dolm. der Gaunerspr._ (98) kennt das Synon. _Schmalfus_, das schon im
-_W.-B. von St. Georgen_ 1750 (207) verzeichnet ist und sich — gleich
-den Formen _Schmaler_ (zuerst dial.: _Schmola_ bei _Schintermicherl_
-1807 [289]) u. _Schmaling_ — bei den Gaunern bzw. Kunden bis in die
-Neuzeit erhalten hat (vgl. z. B. _Groß_ 491 u. _Ostwald_ [Ku.] 133). Der
-_Etymologie_ nach gehören alle diese Ausdrücke gewiß zu unserem Adj.
-_schmal_; s. _Pott_ II, S. 23; _Wagner_ bei _Hersig_, S. 249; _Günther_,
-Rotwelsch, S. 57 u. 63, Anm. 64; vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III,
-Sp. 481 (unter »G[e]schmaling«).]
-
-[Fußnote 335: ([33] auf S. 63.379) S. Angst.]
-
-beantworten, _dibera_[336], _schmusen_[337] [63.380]
-
-bedanken, _bederchen_[338]
-
-bedeutend, _grandich_[339]
-
-Bedrängnis, _Vermuft_[340]; vgl. Armut und Konkurs
-
-bedrohen, _stämpfen_[341]
-
-befragen, _lenzen_[342]; vgl. fragen
-
-befürchten, _bauserich sein_[343]
-
-begatten (Begattung), _bodera_ oder _budera_[344], _kirmen_[345]
-_schnirgla_[346], _schurela_[347]
-
-[Fußnote 336: ([34] auf S. 63.380) S. anreden.]
-
-[Fußnote 337: ([35] auf S. 63.380) S. ansagen.]
-
-[Fußnote 338: ([36] auf S. 63.380) S. abbetteln.]
-
-[Fußnote 339: ([37] auf S. 63.380) S. Adler.]
-
-[Fußnote 340: ([38] auf S. 63.380) S. Aas; vgl. »Vorbemerkg.«, S. 15,
-Anm. 36 (Substantivierung eines Partizips).]
-
-[Fußnote 341: ([39] auf S. 63.380) S. Ärger.]
-
-[Fußnote 342: ([40] auf S. 63.380) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 343: ([41] auf S. 63.380) S. Angst.]
-
-[Fußnote 344: ([42] auf S. 63.380) Das Zeitw. _bodera_ (-re) od.
-_budera_ (-re) = begatten (erzeugen), als Subst. gebr. = Begattung
-(Beischlaf) ist m. W. nicht nur in dem _verw. Quellenkreis_, sondern
-auch _sonst_ im Rotw. usw. _un_gebräuchlich. Es ist nach _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. I, Sp. 1557 (unter »budere[n]«) ein gemein-schwäbischer
-Ausdruck mit den Bedeutungen: a) »klopfen, schlagen«, b) »poltern« u. c)
-»_Unzucht treiben_«, der seinerseits zu dem Hauptw. _Buder_ (Nebenf. zu
-_Bauder_) = »Stoß« (s. W.-B. I, Sp. 1506 vbd. m. Sp. 69) gehört, wobei
-(bezügl. der Bedeutg. unter c) »volkstüml. etymol. an _buttern_, auch an
-_pudern_ (d. h. ›mit Puder bestreuen‹) gedacht werden« mag.]
-
-[Fußnote 345: ([43] auf S. 63.380) Das Zeitw. _kirme(n)_ (mit _gleicher_
-Bedeutg. u. Verwendung wie _bodera_) kommt für »Unzucht treiben« auch in
-der _schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ (76) vor, desgl. (noch etwas
-allgemeiner) für »coire« in der _schwäb. Händlerspr._ (in U. [213]). Es
-scheint sich auch hier zunächst um ein _schwäb._ (bzw. überhaupt südd.)
-Dialektwort (mit ursprüngl. wohl allgemeinerer Bedeutg.) zu handeln; s.
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 213 (unter »g[e]hirme[n]«) mit weitern
-Angaben über südd. Mundarten.]
-
-[Fußnote 346: ([44] auf S. 63.380) Das Zeitw. _schnirgla_ (-le) —
-ebenfalls gleichbed. m. _bodera_ — ist m. Wiss. sonst in den
-Geheimsprachen _nicht_ bekannt. _Etymologisch_ darf man es (nach gefl.
-Mitteilung von Dr. _A. Landau_-Wien) vielleicht stellen zu mundartl.
-_Schneck(e)_ = »feminal«, vulva u. dgl. (s. z. B. _Schmeller_, Bayer.
-W.-B. II, Sp. 567 [unter »Schneck«, lit. g] u. ausführl. Angaben bes.
-bei _Aigremont_ in d. »Anthropophyteia«, Bd. VI, S. 48, 49; vgl. auch
-_Müller_, ebds. Bd. VIII, S. 11) bzw. (schwäb. u. bayr.) _Schnickel_ =
-»penis« (s. v. _Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 474 u. _Schmeller_, a. a. O.,
-Sp. 567 [mit Anführg. v. holl. _sneukelen_ = »Hurenhäuser besuchen«])
-oder (schles.) _Schnicke_ = »penis«, _schnicken_ = »supprimere abiquam«
-(s. _Weinhold_, Beitr. zu e. schles. W.-B., S. 87; vgl. auch _Müller_,
-a. a. O. S. 6).]
-
-[Fußnote 347: ([45] auf S. 63.380) S. abbiegen.]
-
-begehren, _dalfen_, _derchen_[348] [63.381]
-
-begütert, _grandich_[349]
-
-behend, _g'want_[350]
-
-behext, _verfinkelt_[351]
-
-Beil, _Doberle_[352]
-
-Beinkleid, _Buxa_[353], _Kopel_[354]; vgl. Hose(n)
-
-[Fußnote 348: ([46] auf S. 63.381) S. abbetteln.]
-
-[Fußnote 349: ([47] auf S. 63.381) S. Adler.]
-
-[Fußnote 350: ([48] auf S. 63.381) S. anmutig.]
-
-[Fußnote 351: ([49] auf S. 63.381) Diese Vokabel setzt ein Zeitw.
-_verfinkeln_ = behexen voraus, das aber im Vokabular nicht angeführt
-ist, ebenso wie ein einfaches _finkeln_ (im Rotw. für »kochen [sieden,
-braten]« usw. bekannt) fehlt, während als _Ableitungen_ von letzterem
-die Subst. _Finkler_ = Zauberer, Schwarzkünstler, _Finklere_ = Zauberin,
-_Finklerei_ = Hexerei, Zauberei u. als _Zus._ mit dessen Stamm
-_finkel-_: _Finkelmoss_ = Hexe, _Finkelkaffer_ = Hexenmeister u.
-_Finkelkitt_ = Hexenhaus erscheinen. Über das — gleichfalls zu diesem
-Zeitw. gehörige — Subst. _Gefinkelter_ = Branntwein s. Näh. unter
-diesem Ausdr. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schöll_ 270
-(_Fenkel Caspar_ = Betrug mit Hexerei); _Pfulld. J.-W.-B._ 340
-(_Fingelschize_ = Hexe); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70 (_Finkelmos_
-= Hexe); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [210]: _Finkelmoß_ = Hexe,
-_Finkelschütz_ = Hexenmeister). — Das einfache _Finckel_ = Hexe kannte
-die _Scharfrichtersprache_ v. 1813 (308). Zur _Etymologie_: Den Übergang
-von der Bedeutg. des — zu dem Stammwort _Funk_ u. ähnl. = Feuer (vgl.
-Bd. 63 S. 35 u. Anm. 125) gehörenden — Zeitw. _finkeln_ od. _fünkeln_ =
-kochen usw. (s. schon _Lib. Vagat_ [53]: _fünckeln_ = sieden od. braten
-u. dann öfter) zu den Begriffen _Finklerei_ = Hexerei, _Finklere_ od.
-_Finkelmoss_ = Hexe usw. haben höchstwahrscheinlich Ausdrücke wie
-»Teufelsbraten« u. »Hexenküche« (u. überhaupt die Vorstellung von dem
-Zubereiten [Kochen] von allerlei Zaubertränken durch die Hexen)
-vermittelt; s. dazu _Pott_ II, S. 34; vgl. auch _Groß'_ Archiv, Bd. 50,
-S. 350 (unter »Fingelmusch«).]
-
-[Fußnote 352: ([50] auf S. 63.381) S. Axt.]
-
-[Fußnote 353: ([51] auf S. 63.381) _Buxa_ (-e), plur. _Buxen_ =
-Beinkleid, Hose kommt auch vor in _Zus._, nämlich _Buxeschmelzer_ =
-Feigling (vgl. dazu schon Bd. 63, S. 132, Anm. 293 zu »austreten
-[schwer]«) u. _Buxerande_ = Hosensack. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Buchsen_ = Hosen); _Schwäb.
-Gaun.- u. Kundenspr._ 71 (_Buxen_ = Hosen); _Schwäb. Händlerspr._ 482
-(ganz ebenso). S. auch _Pleißlen der Killertaler_ 434 (_Form_: ebenso,
-_Bedtg._: auch Unterhosen) u. _Regensburg. Rotw._ 490 (_Buxen_ = Hose).
-_Etymologie_: Es handelt sich um ein schon früh (17. Jahrh.) ins
-Rotwelsch — auch in Süddeutschl. — eingedrungenes _niederd._ Wort. S.
-_Pott_ II, S. 17 u. _Günther_, Rotwelsch, S. 51 vbd. mit _Kluge_, Unser
-Deutsch (2. Aufl.), S. 81; vgl. auch _Fischer_, Schwab. W.-B. I, Sp.
-1495 (unter »Buchse[e]«).]
-
-[Fußnote 354: ([52] auf S. 63.381) Mit _Kopel_ (plur. _Kopla_) =
-Beinkleid, Hose _zusammengesetzt_ ist nur _Kopelrande_ (= Buxerande). In
-dem _verw. Quellenkr._ ist der Ausdr. unbekannt. Der _Etymologie_ nach
-handelt es sich zwar wahrscheinlich um ein _Zigeunerwort_ (s.
-»Einleitung« S. 30), jedoch müßte bei seiner Aufnahme ins Jenische eine
-Umstellung (Transposition) der Buchstaben der letzten Silbe
-stattgefunden haben, da es im Zigeunerischen — nach _Jühling_, S. 221
-— _Cholep_ lautet (s. ebds. S. 228: früher dafür auch _Ch¶och¶lep_).
-Vgl. ferner _Pott_ II, S. 163, 170 (unter »Chólov«); _Liebich_, S. 130,
-182, 211 (_chōlib_ od. _chóleb_ = Beinkleid, Hose); _Miklosich_,
-Denkschriften, Bd. 26, S. 222 (unter »cholov«: bei den deutsch. Zig.:
-_cholib_); _Finck_, S. 69 (_xóli¶w¶_ od. _xólu¶w¶_ = »Hose«). In
-_dieser_ Form ist die Vokabel vereinzelt wohl auch ins Rotwelsch
-eingedrungen (vgl. z. B. _v. Grolman_ 39 u. T.-G. 102 [_Kolle¶w¶_ od.
-_Kollet_ = Hosen] u. _Karmayer_, G.-D. 206 [ebenso]).]
-
-Beischlaf s. begatten [63.382]
-
-Beischläferin, _Lubne_[355], _schofle Model_ (d. h. »schlechtes
-Mädchen«)[356]
-
-beißen, _näpfen_[357]
-
-beiwohnen s. begatten
-
-Bekleidung, _Klufterei_[358]
-
-[Fußnote 355: ([53] auf S. 63.382) _Lubne_ hat im W.-B. auch die
-Bedeutgn.: Hure (Dirne [Buhldirne], Freudenmädchen), Ehebrecherin,
-Kebsweib (Mätresse). Dazu die _Zus._ _Lubnebenk_ = »Hurenkerl« und die
-_Ableitg._: _lubnen_ = »huren«. In dem _verw. Quellenkr._ ist das Wort
-_un_bekannt, dagegen ist es sonst im Rotw., wenngleich selten,
-anzutreffen. S. darüber sowie über die _Etymologie_ (aus der
-Zigeunersprache [vgl. »Einleitung«, S. 30]) d. näh. Angaben in _Groß'_
-Archiv, Bd. 38, S. 256/57 u. »Anthropophyteia«, Bd. VIII, S. 19 (vgl.
-auch Bd. IX, S. 26) u. dazu noch _Finck_, S. 71 (zig. _lúbni_ [-li,
--lin] = »Hure«); vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1311
-(unter »Lubegane«). Nach _Miklosich_, Beitr. I/II, S. 32 u.
-Denkschriften, Bd. 27, S. 7 geht das Zigeunerwort auf das altind. _lubh_
-= »verlangen, begierig sein« zurück.]
-
-[Fußnote 356: ([54] auf S. 63.382) Über _schofel_ s. unter »arg«. —
-_Schof(e)le Model_ (auch _Schoflemodel_) ist im W.-B. auch noch durch
-»Dirne«, »Freudenmädchen« u. »Hure« wiedergegeben. Mit _Model_ = Mädchen
-(Frauensperson, Frauenzimmer), auch Braut, Schwester und Tochter (dazu
-d. Dimin. _Mödele_ = junges [kleines] Mädchen) sind noch gebildet: a)
-die _Verbindgn._: _dofe Model_ = Geliebte (Liebhaberin, Liebste [wogegen
-_dufte Model_ nur allgemeiner ein »brauchbares Mädchen« bedeuten soll])
-u. _jenische Model_ = »fahrendes Mädchen«; b) mehrere _Zusammensetzgn._,
-näml. [Griechisch: a]) _am Anfang_: _Modelgalm_ = Tochterkind,
-_Modelkaffer_ = Tochtermann (Schwiegersohn), _Modelfiesel_ =
-Tochtersohn; [Griechisch: b]) _am Ende_ (bes. für _Stände_ u. _Berufe_
-[vgl. »Vorbemerkung«, S. 12, Anm. 29]): _Derchermodel_ = Bettelmädchen,
-_Sinsemodel_ = Fräulein, _Verkemeresmodel_ = Handelsmädchen, _Galma-_
-od. _Schrabinermodel_ = Kindermädchen, _Fehtemodel_ = Quartiermädchen,
-_Jerusalemsfreundmodel_ = Schäferin, _Schmelemermodel_ =
-Zigeunermädchen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
-J.-W.-B._ 342 (_Model_ = Mädchen); _Schwäb. Händlerspr._ 481, 483
-(_Môdel_ = Mädchen, Frau [in _Pfedelb._ (209): auch Fräulein u.
-Tochter]). Über die Belege im _sonst._ Rotwelsch usw. sowie die (nicht
-ganz sichere) _Etymologie_ s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 344
-ff.; vgl. auch »Anthropophyteia«, Bd. IX, S. 27 sowie _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. IV, Sp. 1725 (nach dem _Model_ »vielleicht einfach« aus »Modell«
-entstanden ist).]
-
-[Fußnote 357: ([55] auf S. 63.382) S. abbeißen.]
-
-[Fußnote 358: ([56] auf S. 63.382) S. ankleiden.]
-
-bekommen, _bestieben_ (als Partiz. _bestiebst_)[359] [63.383]
-
-Bekümmernis haben s. befürchten
-
-beleibt, _grandicher Rande_[360]
-
-beleidigen s. bedrohen
-
-beliebt, _dof_[361]
-
-beloben, _dof schmusen_ (d. h. »schön reden«)[362]; vgl. loben
-
-belügen, _ko(h)len_[363]
-
-bemittelt s. begütert
-
-beobachten, _linzen_[364]
-
-[Fußnote 359: ([57] auf S. 63.383) _Bestieben_ heißt auch noch
-spezieller: erwischen od. fangen. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 89, 90, 92 (_bestieben_ = bekommen,
-_bestiebt werden_ = arretiert od. erwischt werden); _W.-B. des Konst.
-Hans_ 256, 257 ff. (_bestieben_ [Partiz.: _bestiebt_] = bekommen);
-_Schöll_ 272 (ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 339 (_bestieben_ =
-bekommen, ertappen, fangen); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (auch _Lütz._
-[214]: _besti[e]be[n]_ = bekommen [in _Pfedelb._ (209, 210, 212) auch =
-ertappen, fangen, geben u. schenken; in _Eningen_ (S. 206, Anm. 1):
-_stieben_ = geben u. die merkwürd. Subst. _Beistieber(in)_ = Knecht,
-Magd u. _Käppelesstieber_ = Pfarrer (zu _Käppele_ = Kirche [vgl. _Groß'_
-Archiv, Bd. 49, S. 349]), wozu vielleicht _stieben_ = laufen im
-_Pleißlen der Killertaler_ 436 herangezogen werden dürfte]). Die
-_Etymologie_ bleibt unsicher. A.-L. 524 hat das Wort zu dem gemeinspr.
-»stöbern« gestellt, _Stumme_, S. 19 denkt an einen Zusammenhang mit
-»stibitzen« (wofür _bestieben_ = bestehlen im _Hildburgh. W.-B._ 1753
-ff. [226] sprechen würde) od. auch an das latein. _stipare_ = stopfen
-(»in die Tasche stopfen?«), _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 941 (zu
-»bestieben«, Nr. 2) bemerkt nur negativ: »vielleicht ein anderes Wort«
-als »bestäuben«.]
-
-[Fußnote 360: ([58] auf S. 63.383) S. Adler und Bauch.]
-
-[Fußnote 361: ([59] auf S. 63.383) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 362: ([60] auf S. 63.383) S. (betr. _schmusen_) ansagen.]
-
-[Fußnote 363: ([61] auf S. 63.383) Das Zeitw. _ko(h)len_ = belügen,
-erlügen (während es für das einfache »lügen« — wohl nur versehentlich
-— im W.-B. fehlt), ferner verleugnen u. betrügen — nebst der _Zus._
-_vorko(h)len_ = vorlügen — gehört zu dem Hauptwort _Kohl_ = Lüge
-(Fabel), das auch adjektivisch (= erlogen, verlogen) gebraucht wird.
-_Ableitungen_ davon sind: _Kohler_ = Lügner u. _Kohlerei_ = das Lügen,
-der Betrug. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 90 (_Kohl machen_ = »einen zum besten haben«); _W.-B. des
-Konst. Hans_ 259 (_Kohl malochen_ = lügen); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 342
-(_kohlen_ = erzählen, lügen, _ankohlen_ = anführen, anlügen; _Schwäb.
-Gaun.- u. Kundenspr._ 67, 68, 72 (_Kohl_ = Aufschneiderei, Lüge, _Kohl
-reissen_ od. _kohlen_ = lügen, _ankohlen_ od. _verkohlen_ = betrügen);
-_Schwäb. Händlerspr._ 479, 483 (_Kohl reissen_ od. _kôlen_ = lügen,
-_verkôlen_ = betrügen; dazu in _Pfedelb._ [208, 209, 211] noch: _Kohl_ =
-Lüge, _ankohlen_ = anlügen u. betrügen sowie _wegkohlen_ = leugnen).
-Über sonstige Belege im Rotw. usw. sowie die _Etymologie_ (vom hebr.
-_qôl_ = »Stimme«) s. d. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 135 (unter
-»Oberkohler«) u. Anm. 1 u. 2; vgl. auch noch _Seiler_, Lehnwort IV, S.
-491 u. _Fischer_, Schwab. W.-B. IV, Sp. 570 (unter »Kol« II).]
-
-[Fußnote 364: ([62] auf S. 63.383) S. anschauen.]
-
-bequem, _dof_[365] [63.384]
-
-berauben, _schniffen_[366], _schoren_[367]
-
-berauscht, _dambes_ (= Dambes)[368], _geschwächt_[369], _molum_[370],
-_schwächer_ (= Schwächer)[369][371]
-
-Beruf, _Schenagel_[372]
-
-[Fußnote 365: ([63] auf S. 63.384) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 366: ([64] auf S. 63.384) S. anfassen.]
-
-[Fußnote 367: ([65] auf S. 63.384) S. ausstehlen.]
-
-[Fußnote 368: ([66] auf S. 63.384) Bei _dambes_ = berauscht liegt
-offenbar der Fall eines adjektiv. Gebrauchs eines Substantivs (_Dambes_
-= Rausch [Spr.]) vor; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38). Der
-_Etymologie_ nach gehört _Dambes_, das als _Dam¶p¶es_ auch in
-süddeutsch. Mundarten (Schwaben, Bayern, Tirol usw.) für einen Rausch
-(mäßigen Grades) gebräuchlich ist (vgl. _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp.
-510 u. bes. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 46 mit ausführl.
-Lit.-Angaben über die verschied. Mundarten), vermutlich zu _Dampf_ od.
-auch zu dem Zeitw. _dämmen_ = »prassen, schwelgen« u. dgl. (s.
-_Schmeller_, a. a. O., Sp. 509 vbd. m. _Grimm_, D. W.-B. II, Sp 709).
-Die Endung _-es_ (vgl. »Vorbemerkung«, S. 13, Anm. 32) ist _hier_ wohl
-als eine Abschwächung des latein. _-us_ zu betrachten. — Im Rotw. u. in
-sonstigen Geheimspr. ist der Ausdr. m. W. _nicht_ bekannt.]
-
-[Fußnote 369: ([67] auf S. 63.384) S. Amme.]
-
-[Fußnote 370: ([68] auf S. 63.384) _Molum_ = berauscht kommt (gleichsam
-als Gegenstück zu dem ursprüngl. Subst. _Dambes_ für »berauscht«) auch
-als Hauptw. — für »Rausch« — gebraucht vor. _Zu vgl._ (aus d. _verw.
-Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74 u. _Schwäb. Händlerspr._
-485, die übereinstimmend nur _Molum_ = Rausch (also _nicht_ als Adj.)
-haben. Seiner _Etymologie_ nach ist das Wort aber als Adj. (bzw.
-Partiz.) aufzufassen, da es _nicht_ etwa zu dem zigeun. _mōl_ =
-»Wein« (s. _Finck_, S. 74; vgl. _Liebich_, S. 146 u. 259, _Miklosich_,
-Beitr. I/II, S. 14 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 16 sowie _Jühling_, S.
-224) gehört, sondern zurückgeht auf d. jüd. _môle_ (hebr. _mle'_ =
-»erfüllend, voll«, zu _ml'_ [_mlê'_] = »erfüllen« [vgl. A.-L. 403]),
-das in die meisten deutschen Mundarten als _mole_ (moule, moile) od.
-_molum_ (målum) eingedrungen (so z. B. bes. in Thüringen u. Sachsen,
-Hessen u. Westfalen) und (in d. Form _molum_ = »besoffen«) auch der
-Studentensprache (seit Anf. des 19. Jahrh.) bekannt gewesen ist (s.
-_Kluge_, Studentenspr., S. 105). Daß es jedoch in diese erst aus der
-Gaunersprache aufgenommen wäre (s. _J. Meier_, Hall. Studentenspr., S.
-10), ist kaum anzunehmen, da im eigtl. Rotwelsch das Wort (und zwar i.
-d. R. in der Form _mole_) m. Wiss. nicht vor dem 19. Jahrh. vorkommt,
-und auch dann _meist_ nur in dem allgemeinen Sinne von »voll, gefüllt«
-überhaupt (s. z. B. _v. Grolman_, T.-G. 131; _Karmayer_, G.-D. 121;
-_Groß_ 479; nur bei _Thiele_ noch bes. _mole jajin_ = »voll Weines«;
-erst bei A.-L. 575 in d. Form _molum_ = »betrunken« u. bei _Groß_ 479
-vbd. m. 476 [unter »lunen«]: _Molum_ (-lun) = »Rausch«). S.
-_Weber-Günther_, S. 159/60 (unter »moule«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. IV, Sp. 1733 (unter »Molum«).]
-
-[Fußnote 371: ([69] auf S. 63.384) Auch hierbei handelt es sich (wie bei
-d. Syn. _dambes_) um den adjektiv. Gebrauch eines Substantivs,
-_Schwächer_ = Rausch (vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38).]
-
-[Fußnote 372: ([70] auf S. 63.384) S. abschaffen.]
-
-beschenken, _dogen_[373], _ste(c)ken_[374], s. auch schlagen [63.385]
-
-beschimpfen, _stämpfen_[375]
-
-beschmutzt, _schundich_[376]
-
-beschreiben, _febera_ (d. h. eigtl. nur »schreiben«)[377]
-
-besehen, _linzen_ (d. h. eigtl. »sehen«)[378]
-
-Besen s. Kehrbesen; vgl. Bürste
-
-besichtigen, _linzen_[378]
-
-besonnen, _kochem_[379]
-
-[Fußnote 373: ([71] auf S. 63.385) S. abgeben.]
-
-[Fußnote 374: ([72] auf S. 63.385) _Ste(c)ken_ hat (gleich _dogen_) auch
-die allgemeinere Bedeutung von »geben« (so z. B. _Fehma_ oder _Grifling
-ste[c]ken_ = die Hand geben), dann aber auch die von »hauen, prügeln«
-(s. auch: »fechten«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 92 (_stecken_ = geben); _W.-B. des Konst. Hans_ 256, 259
-(_steken_ = geben, aber auch: sagen); _Schöll_ 272 (ganz ebenso);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 340, 344 (_steken_ = hergeben, schenken, _Fehma
-steken_ = Hand geben, _usserkinnig steken_ = herausgeben); _Schwäb.
-Gaun.- u. Kundenspr._ 69 (_stecken_ = geben); _Schwäb. Händlerspr._ (in
-_Pfedelb._ [210]: _stecken_ = geben, _Griffling stecken_ = die Hand
-geben); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_st¶i¶cken_ = geben). Zur
-_Etymologie_: Es handelt sich um nichts anderes als unser gemeinsprachl.
-Zeitw. _stecken_, das »Bewirkungswort« zu _stec¶h¶en_ (_Weigand_, W.-B.
-II, Sp. 957 unter »stecken« 1), das wohl auch (z. B. nach _Ku._ IV
-[433]) gleichbedeutend damit gebraucht wird, in der _neueren_
-Gaunersprache aber meist in einem engeren Sinne (nämlich: »_heimlich_
-geben« [»zustecken«], »_heimlich_ zu _verstehen_ geben« (vgl. z. B.
-A.-L. 610; _Groß_ 495; _Rabben_ 125] od. »_heimlich_ Unterschrift geben«
-[s. _Ostwald_ 148]) vorkommt. Von Verbindungen wie _den Kohl stecken_ =
-»den Staupenschlag geben« oder _einem Guffti_ od. _Macks stecken_ =
-»schlagen« (eigtl. »jmdm. Schläge geben«) im älteren Rotwelsch (s. für
-die erstere Wendung: _A. Hempel_ 1687 [168] u. _Waldheim. Lex._ 1726
-[189], für die letztere: _W.-B. von St. Georgen_ 1750 [218 u. 220])
-sowie dem mundartl. volkstüml. »_einem eine_ (näml. Ohrfeige) _stecken_«
-(s. _Schmeller_, Bayer. W.-B. II, Sp. 726) u. dgl. m. konnte sich dann
-die engere Bedeutung von »prügeln« usw. leicht entwickeln; außerdem mag
-auch der Anklang an »Stecken« (= Stock) dabei vielleicht noch mit
-eingewirkt haben.]
-
-[Fußnote 375: ([73] auf S. 63.385) S. Ärger.]
-
-[Fußnote 376: ([74] auf S. 63.385) S. abgerahmte Milch.]
-
-[Fußnote 377: ([75] auf S. 63.385) S. abschreiben.]
-
-[Fußnote 378: ([76] auf S. 63.385) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 379: ([77] auf S. 63.385) _Kochem_ hat im W.-B. noch folgende
-Bedeutungen: gelehrt, gescheit, klug, schlau, vernünftig, verschlagen,
-verschmitzt, verständig. In dem _verw. Quellenkreise_ der _älteren_ Zeit
-tritt das Wort nur in dem bekannten engeren Sinne von »gaunerisch«, »auf
-die Gauner bezüglich« u. dgl. oder in d. R. vielmehr _substantivisch_
-gebraucht für »Gauner« (»Spitzbube«, »Dieb«) u. ä. auf, während es in
-der _neueren_ Zeit dann wieder mehr seine ursprüngliche Bedeutung (vgl.
-unten »Etymologie«) — von »klug«, »gescheit« usw. — angenommen hat,
-also mit _Wittichs_ Jenisch übereinstimmt (s. auch schon »Einleitung«,
-S. 28 u. Anm. 92 vbd. mit »Vorbemerkung« S. 5, Anm. 8). _Vgl._ _Dolm.
-der Gaunerspr._ 91, 93, 94 (_Kocheme_ [sing.] = Spitzbub, _Kocheme-Kitt_
-= Diebsherberge, _Kocheme Grunerej_ od. _Gascherey_ = Diebshochzeit,
-_Kochemgeis_ = Diebsvolk u. a. m.); _W.-B. des Konst. Hans_ 256
-(_Kochem_ = Dieb); _Schöll_ 268, 271, 273 (_Kochum_ = Dieb, _Kochumer_
-[plur.] = »Jauner«, _Kochumebaiser_ = Diebswirt); _Pfulld. J.-W.-B._
-308, 341, 343 (_Kochemer_ = »Schelm«, _Kochemer Kehr_, _-Kitt_ od.
-_-Baiss_ = Diebsherberge, als Adj. gebr. aber _kochem_ = klug, daher
-_kochemer Baiser_, _Kaim_, _Kafer_ = kluger Wirt, Jud, Mann); _Schwäb.
-Gaun.- u. Kundenspr._ 70, 71, 77 (_kochem_ = klug, _kochum_ = hochfein,
-_cochum_ = vortrefflich); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [210]:
-_kochem_ = gescheit, klug). Zur _Etymologie_ (vom hebr. _chkm_ =
-»klug, weise«) s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 197, Anm. 2
-u. bei _Weber-Günther_, S. 157 (hier auch weiter _rotw._ Belege); vgl.
-auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 560.]
-
-besser, _döfer_[380] [63.386]
-
-bestehlen s. berauben
-
-bestrafen s. schlagen; vgl. auch beschenken
-
-bestraft (gerichtlich), _g'strupft_[381]
-
-besudelt s. beschmutzt
-
-beten, _bliblen_[382]
-
-betrachten, _linzen_[383]
-
-betrinken, _beschwächen_[384]
-
-Betrug, _Kasperei_[385], _Kohlerei_[386]
-
-betrügen, _kaspere_[385], _kohlen_[386]
-
-[Fußnote 380: ([78] auf S. 63.386) Komparativ zu _dof_; s. angenehm.]
-
-[Fußnote 381: ([79] auf S. 63.386) Ein danach zu erwartender Infin.
-_strupfen_ = strafen ist im W.-B. nicht angeführt. Dagegen findet sich
-noch das (wohl als Stamm zu betrachtende) Hauptw. _Strupf_ = Strafe (u.
-dazu: _Strupf bereimen_ = Strafe bezahlen). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [213]: _Strups_ =
-Strafe [aber _schripfen_ od. _stricheln_ = strafen]). Die _Etymologie_
-erscheint nicht sicher. Die z. B. bei v. _Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 514
-und _Schmeller_, Bayer. W.-B. III, Sp. 818 (unter »strupfen«)
-angeführten Bedeutgn. wollen nicht recht passen; vielleicht liegt daher
-nur bloße Verunstaltung von »Strafe«, »strafen« vor. Mit Bezug auf den
-(aus der Wendg. _Strupf bereimen_ [für _Strupf_] zu entnehmenden)
-engeren Begriff »_Geld_strafe« könnte man allenfalls auch an das
-wienerische _Strupf'n_ = Gulden (s. _Schranka_, Wien. Dial.-Lex., S.
-167) denken.]
-
-[Fußnote 382: ([80] auf S. 63.386) S. anbeten.]
-
-[Fußnote 383: ([81] auf S. 63.386) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 384: ([82] auf S. 63.386) S. Amme.]
-
-[Fußnote 385: ([83] auf S. 63.386) _Kasperei_ = Betrug (bes. auch
-Wahrsagen) u. _Kasperer_ = Betrüger (Wahrsager, Zauberer [Spr.]), fem.
-_Kaspere_ = Wahrsagerin sind _Ableitungen_ von dem Zeitw. _kaspere_ =
-betrügen, auch zaubern (Spr.). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
-_Dolm. der Gaunerspr._ 90 (_Kasperer_ = »Betrüger mit falschen
-Arzneien«); _Schöll_ 270, 271 (_kaspern_ = betrügen, _Fenkel Caspar_ =
-»Betrug mit Hexerei«, _Höllich Caspar_ = »Betrug mit Beschwörung
-unschädlicher Geister u. Erhebung verborgener Schätze«); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 338 (_kaspern_ = betrügen, lügen); _Schwäb. Händlerspr._ (in
-_Pfedelb._ [209]: _kaspern_ = betrügen). Über weitere Belege im Rotw. s.
-_Schütze_, S. 72, 73. Zur _Etymologie_ (vom hebr. _kzab_ = »belügen«)
-s. _Groß'_ Archiv Bd. 42, S. 21, 22 (unter »Kasper-Fehlinger«); vgl.
-auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 250 (unter »kaspern«) betr.
-Angaben über die mundartl. Verbreitg. des Wortes.]
-
-Betrüger, _Fehlinger_[387], _Kasperer_[385] [63.387]
-
-betrunken s. berauscht; vgl. trunken.
-
-Bett, _Sauft_, plur. _Sauften_, _Säufter_ oder _Säuftlinge_ (letzteres
-Spr.)[388]
-
-Bettelbrief, _Dercherkritzler_[389]
-
-Bettelbrot, _derchter Lehm_ (d. h. »gebetteltes Brot«)[390]
-
-Bettelbube, _Dercherfi(e)sel_[391]
-
-[Fußnote 386: ([84] auf S. 63.387) S. belügen.]
-
-[Fußnote 387: ([85] auf S. 63.387) _Fehlinger_ findet sich schon in den
-_verw. Quellen_ des 18. Jahrh., jedoch in dem engeren Sinne von
-»Betrüger mit falschen Arzneien« (so: _Dolm. der Gaunerspr._ 90; Synon.:
-_Kasperer_ [s. oben Anm. 385]; vgl. [89] _Feling_ = Arznei) u. dergl.
-(s. _W.-B. des Konst. Hans_ 255 [= »falsche Ärzte, Ölträger«]). Eine
-nähere Einteilung der _Fehlinger_ (in _Staats-_ u. _gemeine Fehlinger_)
-gibt dann _Schöll_ 1793 (269/70; vgl. 272: _Feling_ = Arzneien); s. auch
-noch _Schwäb. Falschmünzerprozeß_ 1791/92 (262) und _Uracher Jauner- u.
-Betrügerliste_ 1792 (268) sowie weitere Belege in _Groß'_ Archiv Bd. 42,
-S. 21 (unter »Fe(h)ling«). In _neuerer_ Zeit ist dagegen der Ausdruck m.
-Wiss. sonst nirgends mehr gebräuchlich. Zur (nicht sicheren)
-_Etymologie_ s. das Näh. in _Groß'_ Archiv Bd. 42, S. 20, 21. _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. II, Sp. 1042 hat die Vokabel nicht erklärt.]
-
-[Fußnote 388: ([86] auf S. 63.387) _Sauft_ (wohl auch im Sing.
-_Säuftl¶e¶ng_, argum.: plur. _Säuftling_ [vgl. »Vorbemerkg.«, S. 13,
-Anm. 30]) = Bett (Federbett), Lager, auch Kissen erscheint noch in der
-Redensart _in Sauft bosten_ = niederkommen sowie in folgenden _Zus._: a)
-im _Anfang_: _Sauftschottel_ = Bettschüssel u. _Sauftschure_ =
-Bettüberzug (Bettuch, Bettzüge); b) _am Ende_: _Rauschertsauft_ = Streu-
-od. Strohlager u. _Galmesauft_ (eigtl. »Kinderbett«) = Wiege. _Zu vgl._
-(aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld J.-W.-B._ 338, 341 (_Sa¶n¶ft_ =
-Bett, Kissen); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Sonft_ od. _Saunft_ = Bett;
-Nebenformen: _Senftling_ u. _Sänftel_ [in _Eningen_ (206, Anm. 2):
-_Seifle_]); s. auch _Pleißlen der Killertaler_ 436 (_Sempfle_ oder
-_Siampfle_). Zur _Etymologie_: Es handelt sich wohl jedenfalls nur um
-eine (mundartl.) Verunstaltung von _Sanft_ (bzw. _Sänftling_), einer
-alten rotw. Vokabel, die — in der Form _Senfterich_ — schon im 15. u.
-16. Jahrh. auftritt (s. _Basl. Betrügnisse_ um 1450 [15]; _Lib. Vagat._
-55 [_Senfftrich_]), dann später als _Senftling_ (so schon _A. Hempel_
-1687 [167]), _Sänftling_, _Senffte_ (s. schon _Hildburgh. W.-B._ 1753
-ff. [231]), _Sänft_ (s. A.-L. 594) u. a. m. begegnet und ohne Zweifel zu
-unserem Adj. »sanft« gehört (s. _Weber-Günther_, S. 181 vbd. im _Pott_
-II, S. 11, A.-L. a. a. O., _Stumme_, S. 25). Der Übergang von _Sanft_
-(Sonft) zu _Sau¶n¶ft_ (s. _Schwäb. Händlerspr._) und von da zu _Sauft_
-ist leicht gegeben.]
-
-[Fußnote 389: ([87] auf S. 63.387) S. abbetteln u. Attest.]
-
-[Fußnote 390: ([88] auf S. 63.387) S. (betr. _Lehm_) Bäcker.]
-
-[Fußnote 391: ([89] auf S. 63.387) _Fi(e)sel_ = Bube (Jüngling) bedeutet
-auch noch spezieller: Freund, Kamerad, Kollege sowie ferner: Bräutigam,
-Geliebter, Liebhaber; dazu das Dimin. _Fi(e)sele_ = Junge (Knabe), Sohn.
-_Verbindungen_ damit sind: _schofler Fi(e)sel_ = Heuchler, ferner,
-»Hurenkerl« u. auch Krüppel, _jenischer Fi[e]sel_ = fahrender Bursche,
-_dofer Fi(e)sel_ = Junker (während _dufter Fi(e)sel_ für »brauchbarer
-Bursche« angeführt ist); als _Zusammensetzgn._ damit kommen (_bes._ auch
-als Standes- u. Berufsbezeichgn. [vgl. »Vorbemerkung« S. 12, Anm. 29])
-noch (außer _Dercherfi[e]sel_) vor: _Linkfi(e)sel_ = böser Mensch
-(Mann), _Verkemerfi(e)sel_ = Handelsbursche, _Sicherfi(e)sel_ = Koch,
-_Kenemerfi(e)sel_ = »Lausbube«, _Fehtefi(e)sel_ = Quartierbursche,
-_Modelfi(e)sel_ = Tochtersohn (während unter »Sohn« nur das Dim.
-_Fi[e]sele_ [s. oben] angeführt ist), _Schmelemerfi(e)sel_ =
-Zigeunerbursche. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
-J.-W.-B._ 338, 341, 344 (_Fißel_ = Bube, Junge, Knabe, _Visel_ = Sohn);
-_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68, 76 (_Fiesel_ = Bursche, _Bruchfiesel_
-= lumpiger Stromer); _Schwäb. Händerspr._ 482-84, 486 (_Fîsel_ [Fisel],
-_Fîßel_ = Junge, Mann, Sohn [in _Pfedelb._ (209, 210): Bursche,
-Junggeselle]; _Zus._: _Kîslerfîsl_ = Maurer, in _Pfedelb._ [209, 211,
-212]: _Stibbersfisel_ = Bettler, _Wägersfisel_ = Kaufmannslehrling,
-_Facklersfisel_ = Schreiberlehrling). Über sonstige Belege in Rotw.
-sowie die _Etymologie_ s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 137 ff.:
-vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1523 (unter »Fisel«, Nr.
-5).]
-
-Bettelei, _Dalferei_, _Dercherei_[392] [63.388]
-
-Bettelfrau, _Derchermoss_[393]
-
-bettelhaft s. arm; vgl. dürftig
-
-Bettelleute, _Dercherulma_ (-me)[394]
-
-Bettelmädchen, _Derchermodel_[395]
-
-Bettelmann, _Dercherkaffer_[396]
-
-betteln, _dalfen_, _derchen_[392], _manga_[397]
-
-Bettelsack, _Dercherrande_[398]
-
-Bettelstab, _Dercherstenz_[399]
-
-[Fußnote 392: ([90] auf S. 63.388) S. (zu beiden Ausdr.) abbetteln.]
-
-[Fußnote 393: ([91] auf S. 63.388) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 394: ([92] auf S. 63.388) S. (betr. _Ulma_) arme Leute.]
-
-[Fußnote 395: ([93] auf S. 63.388) S. (betr. _Model_) Beischläferin.]
-
-[Fußnote 396: ([94] auf S. 63.388) S. (betr. _Kaffer_) Bauer.]
-
-[Fußnote 397: ([95] auf S. 63.388) Zu _manga_ (dial. = mange[n]) vgl.
-(aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 330, 338 (_mangölen_ =
-abbetteln, betteln, _Mangöler_ = Bettler); _Schwäb. Händlerspr._ 479
-(_mangen_ = betteln; in U. [213]: _Mangkitt_ = Bettelhaus); s. auch noch
-_Metzer Jenisch_ 216 (_mange_ = betteln). Zur _Etymologie_ (aus der
-_Zigeunerspr._ vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. _Fischer_, Schwäb. W.-B.
-IV, Sp. 1438 vbd. m. _Pott_ II, S. 445 (unter »Mangawa«), _Liebich_, S.
-145, 184 u. 197 (_mangāwa_ = ich bitte, flehe, bettele), _Miklosich_,
-Beitr. III, S. 15 (unter »mangen«) u. S. 30 u. Denkschriften Bd. 27. S.
-9, 10 (unter »mang«: bei d. deutsch. Zig.: _mangāva_ = bitten,
-betteln), _Jühling_, S. 224 (_manga_ = betteln) u. _Finck_, S. 72
-(Stamm: _mang-_ [mangd-] = »bitten, betteln, fordern«).]
-
-[Fußnote 398: ([96] auf S. 63.388) S. (betr. _Rande_) Bauch.]
-
-[Fußnote 399: ([97] auf S. 63.388) S. (betr. _Stenz_) Ast.]
-
-Bettelweib s. Bettelfrau [63.389]
-
-Bettler, _Dalfer_, _Dercher_ (fem. _Derchere_ [Spr.])[392]
-
-Bettschüssel, _Sauftschottel_[400]
-
-Bettüberzug, _Sauftschure_[401]
-
-Bettuch, " "
-
-Bettzüge, " "
-
-beunruhigen (sich), _bauserich sein_[402]
-
-Beutel, _Kiesreiber_[403], _Rande_[404]
-
-beweinen, _glemsen_[405]; vgl. weinen
-
-bewerfen, _plotzen_[406]; vgl. werfen
-
-bezahlen, _bereimen_[407], _bleisgeren_[408], _pfreimen_, _zainen_,
-(zeinen [Spr.])[409]
-
-[Fußnote 400: ([98] auf S. 63.389) S. Bett u. Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 401: ([99] auf S. 63.389) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]
-
-[Fußnote 402: ([100] auf S. 63.389) S. Angst.]
-
-[Fußnote 403: ([101] auf S. 63.389) _Kiesreiber_ bedeutet eigentl.
-spezieller _Geld_beutel, _Geld_börse (Börse, Säckel), zus. aus _Kies_ =
-_Geld_ u. dgl. (s. Näh. unter »Bankier«) u. _Reiber_ = Beutel, das
-jedoch in _Wittichs_ W.-B. nicht für sich allein vorkommt, sondern nur
-in gewiss. _Zus._ wie (außer _Kiesreiber_) noch _Toberichreiber_ =
-Tabaksbeutel u. _Dämpferereiber_ = Zigarrenbeutel. _Zu vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 98 (_Reipert_ = Sack)
-_Megesreipert_ = Geldbeutel [wozu betr. _Meges_ = Geld zu vgl. _Groß'_
-Archiv, Bd. 33, S. 257, Anm. 2, lit. b u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV,
-Sp. 572: zu hebr. _mäkäs_ = »Abgabe«]); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._
-70 (_Kiesreiber_ = Geldbeutel); _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Kîsreiber_,
-Bedtg. ebenso). Über weitere Belege im Rotw. — seit dem 16. Jahrh. (s.
-schon _Lib. Vagat._ 54 [_Rippart_ = »Säckel«]) — u. die _Etymologie_
-(wohl zu unserem Zeitw. _reiben_, mhd. _rîben_) s. Näh. bes. bei
-_Weber-Günther_, S. 179; vgl. auch _Pott_ II, S. 34, 35; A.-L. 591
-(unter »Reiber«); _Stumme_, S. 24.]
-
-[Fußnote 404: ([102] auf S. 63.389) S. Bauch.]
-
-[Fußnote 405: ([103] auf S. 63.389) S. ausweinen.]
-
-[Fußnote 406: ([104] auf S. 63.389) Mit _plotze[n]_ (-za) = werfen
-(bewerfen), schmeißen sind zusammengesetzt: _einplotza_ = einwerfen
-(oder einfallen), _herab-_, _hin-_, _nach-_, _niederplotze[n]_ = herab-,
-hin-, nach-, niederwerfen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
-_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 343 (_plozen_ = fallen, _aufplozen_ =
-aufbrechen, aufmachen, _niederplozen_ = niederwerfen; _Schunplotzer_ =
-Maurer); _Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Schumplotzer_ od. _Schundplotzer_
-[in _Degg._ (215): _Schund-blozer_] = Maurer; in _Pfedelb._ [212]:
-_niederpletzen_ = niederwerfen). Zur _Etymologie_ (zu d. mundartl., bes.
-schwäb. _plotzen_ od. _blotzen_ = »stoßen, schlagen [prügeln], _werfen_«
-[bes. mit Geräusch »hin- und herwerfen« u. dgl.]) s. die Angaben in
-_Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 139, Anm. 2 u. dazu auch _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. I, Sp. 1217.]
-
-[Fußnote 407: ([105] auf S. 63.389) Zu _bereimen_ = bezahlen (auch
-vergüten) s. die Wendung _Strupf bereimen_ = Strafe bezahlen (vgl. oben
-unter »bestraft«). Auch _Bereime_ = Zahlung ist wohl nichts anderes als
-der substantiv. Infinitiv (in dial. Aussprache), während _Bereimerei_ =
-Verdienst als eine Ableitung davon erscheint. _Zu_ _vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_beräumen_ [in
-_Pfedelb._ (209): _bereimen_] = bezahlen, in _Pfedelb._ [208] auch:
-_ausbereimen_ = auszahlen). Über sonstige Belege im Rotw. (vom 18.
-Jahrh. [s. _Kluge_ Rotw. I, S. 239] bis zur Gegenwart) s. _Groß'_ Archiv
-Bd. 33, S. 305, Anm. 3 unter lit. a. Ebds. auch über die _Etymologie_
-des Wortes, das von A. L. 524 zu dem ahd. (h)rim = Zahl (vgl. Näh. bei
-_Graff_, Althd. Sprachsch. II, Sp. 506) gestellt worden, während
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 863 zwar den Ausdruck »bereinigen« (im
-Sinne von »bezahlen«) zum Vergleiche herangezogen hat, dann aber doch
-meint, eine Entstellung aus »bereinen« passe deshalb nicht, weil dieses
-ebenso wie das Adj. »rein« in Schwaben nicht volksüblich sei.]
-
-bieder, _dof_[410] [63.390]
-
-Bier, _Blamb_[411]
-
-Bierglas (-flasche), _Blambglansert_[412]
-
-Bindfaden, _Schure_[413]
-
-Binsen, "
-
-Birke, _Stöber_ (d. h. Baum). Damit werden — mit wenigen Ausnahmen —
-_alle_ Bäume bezeichnet[414]
-
-[Fußnote 408: ([106] auf S. 63.390) S. anzahlen.]
-
-[Fußnote 409: ([107] auf S. 63.390) S. (zu beiden Ausdr.) abzahlen.]
-
-[Fußnote 410: ([108] auf S. 63.390) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 411: ([109] auf S. 63.390) Mit _Blamb_ ist _zusammengesetzt_
-nur _Blambglansert_ (s. d. W.-B.), das auch unter »Schoppenglas«
-angeführt ist. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 90 (_Blembel_ = Bier); _W.-B. des Konst. Hans_ 254
-(_B[l]empel_); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Blamp_ od. _Blempel_); _Schwäb.
-Gaun.- u. Kundenspr._ 68 (_Plampe_); _Schwab. Händlerspr._ 480 (_Plamp_
-= Bier, dazu in _Pfedelb._ [208]; _Plamppflanzer_ = Bierbrauer;
-abweichend in _Eningen_ [206, Anm. 1]: _Plempel_ = Wein). Im _Pleißlen
-der Killertaler_ (436) ist _Plamp_, _Plempel_ od. _Plimpel_ = Getränk
-schlechthin, _Gañsplempel_ = Wasser, _gwanter Plempel_ = Wein. Über
-sonstige Belege in Rotw. (seit d. 17. Jahrh.) u. die _Etymologie_ s.
-ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 46. S. 25 (u. Anm. 1) u. 26; vgl. auch
-_Weber-Günther_, S. 179 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1153 (unter
-»Plämpel«).]
-
-[Fußnote 412: ([110] auf S. 63.390) Mit _Glansert_ = Glas (Humpen,
-Schoppen) aber auch Flasche (»Bouteille«, »Pulle«) finden sich ferner
-noch folgende _Zus._: _Gefinkelter-_ oder _Sorufglansert_ =
-Branntweinpulle (-flasche), _Feneter-_ oder _Scheiglansert_ =
-Fensterglas, _Gleisglansert_ = Milchglas, _Grabegautsehertglansert_ =
-Mostglas, _Schwächglansert_ = Trinkglas, -geschirr, _Flösselglansert_ =
-Uringlas, _Johleglansert_ = Weinglas. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Glensert_ = Glas); _Schwäb.
-Händlerspr._ (U. [213]: _Glänzerle_ = Glas). _Etymologie_: Das Wort, dem
-sich auch sonst im Rotwelsch noch manche _ähnliche_ Formen zur Seite
-stellen lassen, gehört wohl sicher zu unserem gemeinspr. »Glanz« bzw.
-»glänzen«. Vgl. _Pott_ II, S. 33; _Weber-Günther_, S. 189; _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. III, Sp. 607 (unter »Glänzer«).]
-
-[Fußnote 413: ([111] auf S. 63.390) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 414: ([112] auf S. 63.390) S. alles Nähere unter »Apfelbaum«.]
-
-Birnbaum, _Stielingstöber_[415] [63.391]
-
-Birne, _Stieling_
-
-Birnenkern, _Stielingkies_[416]
-
-Bischof, _grandicher Kolb_, d. h. »der große Pfarrer«[417], während der
-Papst als _grandich Kolb_, d. h. »der größte Pfarrer«, bezeichnet
-wird[418]. Im Jenischen wird nämlich mit _grandicher_ immer die nächste
-höhere Charge, Rangstufe usw. bezeichnet, mit _grandich_ dagegen stets
-der höchste Rang usw.[419].
-
-[Fußnote 415: ([113] auf S. 63.391) Mit _Stieling_ = Birne ist ferner
-noch zusammengesetzt _Stielingkies_ = Birnenkern. _Zu vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 90 (_Stieling_ = Birne);
-_Schöll_ 271 (ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Stühling_); _Schwäb.
-Händlerspr._ 480, 484 (_Stîling_; vgl. _Stîlingsjôle_ = Most); s. auch
-noch _Metzer Jenisch_ 216 (_Stilche_ od. _Stîlche_). Der _Etymologie_
-nach gehört das (schon Mitte des 18. Jahrh. im Rotw. bekannte) Wort
-(vgl. _Kluge_, Rotw. I. S. 232) ohne Zweifel zu unserm gemeinspr.
-»Stiel«; vgl. _Pott_ II, S. 38 u. _Günther_, Rotwelsch, S. 61.]
-
-[Fußnote 416: ([114] auf S. 63.391) S. (betr. _Kies_) Apfelkern.]
-
-[Fußnote 417: ([115] auf S. 63.391) Vgl. auch Hoherpriester. Mit _Kolb_
-= Geistlicher, Pfarrer (Prediger, Priester) finden sich folgende
-_Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Kolbekitt_ = Pfarrhaus (u. dazu die
-Verbindg. _grandiche Kolbekitt_ = Kloster [s. d. betr. Übereinstimmg.
-mit d. Zigeunerspr.]) u. _Kolbemalfes_ = Priesterrock; b) _am Ende_:
-_Kaimekolb_ (d. h. »Judenpfarrer«) = Rabbiner (s. d. betr.
-Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). _Zu vergl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 341, 343 (_Kolb_ = Pfarrer, Priester,
-_Unterkolb_ = Kaplan); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (unter »katholisch«) u.
-484 (_Kol¶p¶_ [in _Pfedelb._ (212): _Kol¶b¶_] = Pfarrer, in _Pfedelb._
-[212]: _Oberkolb_ = Oberpfarrer). Über weitere Belege im Rotw. u. die
-_Etymologie_ des Wortes (vermutl. zu d. älteren Lehnw. [aus d. Latein.]
-_Kolbe_ = »geschorener Kopf« mit Bez. auf die Tonsur der kathol.
-Geistlichen) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 267/68; vgl. auch
-_Weber-Günther_, S. 172 (unter »Kolm«).]
-
-[Fußnote 418: ([116] auf S. 63.391) Auch die Zigeunersprache kennt die
-Umschreibung »großer Pfarrer«, _bāro rašai_ (raschai), für
-»Bischof« oder »Superintendent« (s. _Finck_, S. 82) u. dergl. (z. B.
-»Hoherpriester, Abt, Prälat, Oberpfarrer« [s. _Liebich_, S. 127]), ja
-nach _Jühling_, S. 225 sogar für den Papst (für den sonst [nach
-_Liebich_, S. 131 u. 228] _schwendo dād_, d. h. »heiliger Vater«
-gebräuchlich ist). Die von _Wittich_ im Text erwähnte Art der Steigerung
-der Rangstufen im Jenischen (durch _grandicher_ — _grandich_) ist
-mithin den Zigeunern hier — wie auch i. d. Regel sonst — _nicht_
-bekannt (vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 17, Anm. 42; s. jedoch auch
-weiter unten die Anm. zu »Förster«).]
-
-[Fußnote 419: ([117] auf S. 63.391) Diese merkwürdige Art der
-Steigerung, bei der _grandicher_ als eine Art _Komparativ_ erscheint
-(wie es denn auch zuweilen zur Erklärung dabei ausdrücklich durch
-»größer« wiedergegeben ist), während die einfache — unflektierte —
-Grundstufe (der »Positiv«) als _Superlativ_ fungiert, erinnert an einen
-in gewissem Umfange auch in unserer Gemeinsprache zu beobachtenden
-Sprachgebrauch, wonach etwa ein »besseres Kindermädchen« nicht so hoch
-geschätzt wird wie ein »gutes«, ein »älterer Herr« jünger zu sein pflegt
-als ein »alter« usw. Konsequent ist diese Gradsteigerung im W.-B.
-durchgeführt (außer bei _Kolb_, _grandicher_ _Kolb_, _grandich Kolb_)
-noch in folgenden Fällen: _Sins_ = »Herr« (Edelmann, Gebieter),
-_grandicher Sins_ = Fürst (Herrscher), Oberherr (Landesherr) — jedoch
-auch für Beamte (Amtmann, Richter) gebr. —, _grandich Sins_, d. h. »der
-größte Herr«, = König (fem. _grandich Sinse_ = Königin); _Grünwedel_ =
-Forstmann (schlechthin) od. Forstwart, _grandicher Grünwedel_ (d. h. —
-wie hier ausdrückl. hinzugefügt ist — eigtl. »der größere Forstmann«) =
-Förster, _grandich Grünwedel_ (d. h. »der größte Forstmann«) =
-Oberförster; _Schuker_ = Gendarm, _grandicher Schuker_ = Wachtmeister
-(Obergendarm), _grandich Schuker_ = Oberwachtmeister; _Bu(t)z_ =
-Polizeidiener, _grandicher Bu(t)z_ = Polizeiwachtmeister, _grandich
-Bu(t)z_ = Polizeidirektor. Dagegen fehlt zu _Lanenger_ = Soldat,
-_grandicher Lanenger_ (_Grandicher-Lanenger_) = Offizier, insbes.
-Hauptmann ein Superlativ _grandich L._, den man etwa für den Oberst oder
-General erwarten dürfte; vielmehr hat _grandich Lanenger_ im Vokab. die
-Bedeutg. von »Heer«, ist demnach als Plural und in dem Sinne von »(sehr)
-_viele_ Soldaten« auszulegen. In gleicher Weise ist _grandich_ auch
-sonst noch verwendet worden, so z. B. in _grandich Ulma_ = Menge (eigtl.
-»[sehr] viele Menschen«), _grandich Schure_ od. _Sore_ = Reichtum,
-Überfluß, Vermögen (eigtl. »[sehr] viele Dinge«), u. in anderen Fällen
-ist es, weil ein (durch den Zusatz von _grandicher_ gekennzeichnetes)
-Mittelglied fehlt, wohl einfach durch »groß« oder »sehr groß«
-wiederzugeben, so z. B. bei _grandich Flu(h)te_ = Meer (eigtl. »[sehr]
-großes Wasser«), _grandich Begerisch_ = Schwindsucht (eigtl. »[sehr]
-großes Siechtum«) oder _grandich Babing_ od. _Strohbutzer_ = Schwan
-(eigtl. »[sehr] große Gans«). Dagegen könnte man die Verbindg. _grandich
-Flederling_ = Storch (in entsprechender Übertragung der für menschliche
-Rangunterschiede aufgestellten Regel auf die Tiere) ihrem eigtl. Sinne
-nach wohl durch »_größter_ Vogel« (nämlich unter den bei uns in
-Deutschland bekannten Arten) wiedergeben, da in _grandicher Flederling_
-= Adler eine Mittelstufe gegeben ist (vgl. schon oben unter »Adler«).]
-
-bissig, _näpfich_ (-ig)[420] [63.392]
-
-bitten, _derchen_[421]
-
-Bittschrift s. Bettelbrief
-
-Bleistift, _Feberschure_[422]
-
-Blick, _Scheileng_[423]
-
-blicken, _linzen_[424]
-
-Block s. Holz
-
-blöde (blödsinnig) s. aberwitzig; vgl. albern
-
-Blödigkeit (Blödsinn), _Ni(e)sserei_, _Nillerei_, _Nuscherei_[425]
-
-Blume, _Schure_[426]
-
-[Fußnote 420: ([118] auf S. 63.392) S. abbeißen.]
-
-[Fußnote 421: ([119] auf S. 63.392) S. abbetteln.]
-
-[Fußnote 422: ([120] auf S. 63.392) S. abschreiben u. abbiegen; vgl.
-dazu auch, »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 48.]
-
-[Fußnote 423: ([121] auf S. 63.392) S. Augapfel.]
-
-[Fußnote 424: ([122] auf S. 63.392) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 425: ([123] auf S. 63.392) S. aberwitzig.]
-
-[Fußnote 426: ([124] auf S. 63.392) S. abbiegen.]
-
-Blut, _Rat_[427] [63.393]
-
-blutig, _ratich_[427]
-
-Bock, _Schure_[426]
-
-Bohnen, "
-
-Bohrer, "
-
-Borg (Kredit), auf —, auf _den Bengel_[428], _auf Keif_[429]; vgl. auch
-Schulden
-
-borgen (leihen), _Bomma_ od. _Keif pflanzen_ (d. h. »Schulden
-machen«)[430]
-
-Börse, _Kiesreiber_[431]
-
-[Fußnote 427: ([125] auf S. 63.393) Zu _Rat_ = Blut (Geblüt) gehören die
-_Ableitungen_ _ratich_ = blutig u. _verratten_ = verbluten. In dem
-_verw. Quellenkr._ ungebräuchlich u. auch sonst im Rotw. selten (vgl.
-jedoch z. B. _Groß_ 486). Zur _Etymologie_ (aus der _Zigeunersprache_
-[vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. Näh. bei _Pott_ II, S. 272 (unter »Rat«),
-_Liebich_, S. 154 u. 186 (_rād_), _Miklosich_, Denkschriften, Bd. 27,
-S. 54 (bei d. deutsch. Zig.: _rād_, zu altind. _rakta_, hind.
-_rātā_ = »rot«), _Jühling_, S. 225 (_Ratt_) u. _Finck_, S. 82
-(_rat_).]
-
-[Fußnote 428: ([126] auf S. 63.393) Diese Wendung, die m. Wiss. sonst
-nirgends bekannt ist, bleibt auch etymologisch unklar.]
-
-[Fußnote 429: ([127] auf S. 63.393) _Keif_ = Borg(en), Kredit, aber auch
-Schulden kommt noch vor in der _Verbindg._ _Keif pflanzen_ (eigtl.
-»Schulden machen«) = borgen, leihen u. in der _Zus._ _Keifkitt_ =
-Leihhaus. Aus dem _verw. Quellenkr._ darf wahrscheinlich schon _keif_ =
-teuer im _W.-B. des Konst. Hans_ (260) hierher gezogen werden, als
-Subst. erscheint das Wort in der _Pfälz. Händlerspr._ (438) in der Form
-_Kôfes_ = Schuld. — Die (allgem.) _Kundenspr._ kennt die Redensart
-_Keif machen_ = Schulden (auf der Penne) machen (s. _Ku._ III [426] u.
-IV [431]; _Ostwald_ [Ku.] 78) sowie ein Adj. _keif_ = schuldig (s.
-_Ostwald_, a. a. O.). Seiner _Etymologie_ nach stammt _Keif_ wohl
-jedenfalls aus dem Hebr. (_chôb_ = »Schuld«, jüd. _chuf_, _chof_,
-poln.-jüd. _choiw_); s. A.-L. 368 (unter »Chuw«); vgl. auch _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. IV, Sp. 310 (der jedoch auch eine Ableitung vom jüd.
-_Keifel_ = »Geldstück« zur Wahl stellt).]
-
-[Fußnote 430: ([128] auf S. 63.393) Betr. _pflanzen_ s. anbrennen. —
-_Bomma_ (od. Bomme[r]) = Schulden kommt außerdem noch vor in der _Zus._
-_Bommerkitt_ = Syn. zu _Keifkitt_ (s. Anm. 429). _Zu vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Bommer_ [in _Pfedelb._
-(212): _Bummen_] = Schulden; dazu in _Pfedelb._ [212] noch _bummich_ =
-schuldig); _Pleißlen der Killertaler_ 434 (_Bommer_ = Schulden).
-_Etymologie_: Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp.1286 (unter bzw. zu
-»Pommer«, Nr. 6 [d. i. schwäb. = »Schulden, spez. Trink- u.
-Spielschulden«]) gehört der Ausdruck zu dem volkstüml. »Pump« bzw.
-»pumpen«, dessen Ursprung bekanntlich in der Gaunersprache zu suchen
-ist. (S. schon bei _A. Hempel_ 1687 [168]: _pompen_ — borgen, u. _so_
-auch noch bei den _schwäb. Händlern_ [in _Pfedelb._ (209)]; in _Körner's
-Zus. zur Rotw. Gramm._ v. 1755 [241]: die Subst. _Pumpes_ = Schuld,
-_Pumpesmacher_ od. _Pumper_ = Borger). Vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 54
-vbd. m. _Kluge_, W.-B. S. 358 u. _Weigand_, W-B. II, Sp. 491 (unter
-»pumpen«, Nr. 3).]
-
-[Fußnote 431: ([129] auf S. 63.393) S. Beutel; vgl. Bankier.]
-
-Borsten, _Strauberts_[432] [63.394]
-
-bösartig, _lenk_, _schofel_[433]
-
-böse, _lenk_ (_link_ [Spr.]), _schofel_[433]
-
-böse Frau, _lenke Goi_[434] od. _Moss_[435]
-
-böse Sachen (Dinge) machen, _lenke_ od. _schofle Falla pflanzen_[436];
-vgl. huren
-
-böser (Komporativ), _lenker_, _schofler_[433]
-
-böser Mann (Mensch), _lenker Kaffer_[437], _Linkfi(e)sel_ (Spr.)[438]
-
-böses Kind, _Gof_, plur. _Gofa_[439]
-
-böses kleines Kind, _Göfle_ (_Gefle_ [Spr.])[439]
-
-Bouteille (Flasche), _Glansert_[440]
-
-[Fußnote 432: ([130] auf S. 63.394) S. Augenbrauen.]
-
-[Fußnote 433: ([131] auf S. 63.394) S. (zu beiden Ausdr.) arg.]
-
-[Fußnote 434: ([132] auf S. 63.394) Mit _Goi_ (= Frau, Weib) kommt noch
-vor die _Verbindg._ _schofle Goi_ = Kebsweib (also mit engerem Sinne als
-_lenke Goi_, während sonst die Adj. _lenk_ u. _schofel_ ja ungefähr
-gleichbedeutend gebraucht werden; vgl. Näh. unter »arg«). _Zu vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_Tschor-Gaya_ =
-Frau, die gestohlene Sachen kauft); _Schöll_ 272 (_Gaja_ = Weib);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 339, 346 (_Gai_ = Frau, _Gaie_ = Weib, _Grängoi_ =
-Eheweib); _Schwäb. Händlerspr._ 481 u. 483 (_Goie_ = Frau, _Goi_ =
-Mädchen) s. auch noch _Pfälz. Händlerspr._ 437 (_Gôje_ = Frau). Über
-weitere Belege im Rotw. u. die _Etymologie_ (fem. zu rotw. _Goi_ =
-»Mann« [in Zus.], vom hebr. _gôi_, pl. _gojim_, = »Volk, Nichtjude,
-Heide, Christ«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 325 ff. vbd. m.
-323/24; vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 736 (unter
-»Goi«, Nr. 2).]
-
-[Fußnote 435: ([133] auf S. 63.394) S. Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 436: ([134] auf S. 63.394) Um was für »böse Sachen« es sich bei
-dieser Redensart wohl speziell handelt, dürfte daraus zu entnehmen sein,
-daß sie auch gleichbedeutend mit »huren« gebraucht wird, so daß das Wort
-_Falla_ (Falle) hier vielleicht in der Bedeutg. von »Bett« zu nehmen
-ist, die es in volkstüml. Redeweise in manchen Gegenden hat (s. _H.
-Meyer_, Richt. Berliner, S. 39 u. _Horn_, Soldatensprache, S. 9 u. 100).
-Die rotw. Wendg. _Falle machen_ u. ä. (für »zum [betrüglichen] Spiel
-verlocken« [s. A.-L. 538]) wird man dagegen — wegen ihres engeren
-Begriffs — wohl kaum damit in Zusammenhang bringen dürfen. — Erwähnt
-sei übrigens noch der Ausdruck _Falbais_ = »Hurenschenke« bei _Castelli_
-1847 (391), _Fröhlich_ 1851 (397) u. in der _Wiener Dirnenspr._ 1886
-(417).]
-
-[Fußnote 437: ([135] auf S. 63.394) S. Bauer.]
-
-[Fußnote 438: ([136] auf S. 63.394) S. Bettelbube.]
-
-[Fußnote 439: ([137] auf S. 63.394) _Gof_ (plur. _Gofa_) = böses Kind
-(Dim. _Göfle_ [Gefle (Spr.)] ist in _gleicher_ Bedeutg. auch der
-_schwäb. Händlerspr._ bekannt (483: _Gôf_ = böses Kind, im Plur.
-[_Gôfe_] dagegen = Kinder _schlechthin_). _Fischer_, Schwäb. W.-B. III,
-Sp. 735 bemerkt dazu, daß die Bezeichnung (in Schwaben überhaupt) »nur
-geringschätzig od. tadelnd als Ausdruck des Unmuts« gebraucht wird, bes.
-für ein »unartiges, naseweises, widerwärtiges, krittliges Kind«
-(»Range«, »Göre«), während er sie der _Etymologie_ nach unerklärt
-gelassen hat.]
-
-[Fußnote 440: ([138] auf S. 63.394) S. Bierglas.]
-
-Brand, _Funk_[441] [63.395]
-
-Branntwein, _Gefinkelter_[442], _Katschete_[443], _Soruf_[444]
-
-Branntweinpulle (-flasche), _Gefinkelterglansert_ od.
-_Sorufglansert_[445]
-
-braten, _sicheren_[446]
-
-Braten, _Bossert_, _Mass_, d. h. »Fleisch«[447]
-
-Bratkartoffeln, _Schmunkbolle_ (Spr.)[448]
-
-[Fußnote 441: ([139] auf S. 63.395) S. abbrennen.]
-
-[Fußnote 442: ([140] auf S. 63.395) _Zusammengesetzt_ hiermit sind a)
-_am Anfang_: _Gefinkelterglansert_ = Branntweinpulle (-flasche) u. b)
-_am Ende_: _Blauhanzegefinkelter_ = »Zwetschgenwasser«. _Zu vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 90 ([_Finkeljochem_ od.]
-_gefinkelter Jaiem_ = Branntwein); _W.-B. des Konst. Hans_ 254, 256
-(_G'finkelterjole_ = Branntwein); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Gfinkelter_ =
-Branntwein); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_G[e]finkelte[r]_ = Schnaps); s.
-auch noch _Metzer Jenisch_ 217 (_Fünkeler_ = Schnaps). Zur _Etymologie_:
-Wie die älteren Quellen zeigen, lautete der Ausdruck ursprünglich
-_Gefinkelter Jaiem_, _-jole_, d. h. »gebrannter Wein« (vgl.
-»Einleitung«, S. 28), zu _finkeln_ (fünkeln) u. ä. = »sieden, braten,
-kochen« (s. dazu schon oben unter »behext«). Vgl. _Günther_, Rotwelsch,
-S. 81; _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 163 (unter »g[e]finkelt«).]
-
-[Fußnote 443: ([141] auf S. 63.395) Mit _Katschete_ sind im W.-B. _keine
-Zus._ gebildet worden, auch _fehlt_ es in dem _verw. Quellenkreise_ und
-kommt auch sonst im Rotw. nur _selten_ vor (so z. B. bei _Pfister_ 1812
-[300: _Katschedi_, in einer Zusammensetzg.], _v. Grolman_ 33
-[_Katschedi_] u. _Karmayer_, G.-D. 203 [ebenso]: vgl. auch _Miklosich_,
-Beitr., S. 11 u. 22). Über die _Etymologie_ des Wortes aus der
-_Zigeunersprache_ (vgl. »Einleitung«, S. 30) s. Näh. bei _Pott_ II, S.
-160 (unter »Chatschjevava«), _Liebich_, S. 130 u. 186 (_chatschérdi_),
-_Miklosich_, Beitr. III, S. 11 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 218 (unter
-»chačar«: bei den deutsch. Zig.: _chačerdi_ = Branntwein, Partiz.
-von _chačāva_ od. _chačevava_ = »brennen, anzünden«),
-_Jühling_, S. 220 (_Chatschärti_ = Schnaps) u. _Finck_, S. 68
-(_xátšerdi_ = »Branntwein«).]
-
-[Fußnote 444: ([142] auf S. 63.395) _Soruf_ erscheint in _gleicher_
-Weise in _Zus._ verwendet wie _Gefinkelter_ (_Sorufglansert_,
-_Blauhanzesoruf_). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
-J.-W.-B._ 486 (_Sorof_ = Branntwein); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75
-(_Soruff_ od. _Soroff_ = Schnaps); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Sôruf_ =
-Schnaps); ebenso auch in der _Pfälz. Händlerspr._ 439. Über weitere
-Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ (vom hebr. _frûf_, Part. pass.
-von _fraf_ = »brennen«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 223 u.
-Anm. 1 u. S. 229 u. Anm. 1; vgl. auch _Günther_, Rotwelsch, S. 85 u. in
-d. »Wiss. Beiheften zur Zeitschr. des Allgem. Deutsch. Sprachvereins«,
-V. Reihe, Heft 36 (1913), S. 184.]
-
-[Fußnote 445: ([143] auf S. 63.395) S. (betr. _Glansert_) Bierglas.]
-
-[Fußnote 446: ([144] auf S. 63.395) S. auskochen.]
-
-[Fußnote 447: ([145] auf S. 63.395) S. (zu beiden Wörtern) Aas.]
-
-[Fußnote 448: ([146] auf S. 63.395) a) _Schmunk_ bedeutet soviel wie:
-Schmalz (Fett, Mark, »Schmer«), in _Zus._ auch Butter, wofür sonst
-spezieller _dofer Schmunk_, d. h. »gutes (od. besseres) Fett (Schmalz)«,
-gebraucht wird. Die _Zusammensetzgn._ sind: [Griechisch: a]) mit _Schm.
-voran_ (außer _Schmunkbolle_ noch): _Schmunklehm_ = Butterbrot
-_Schmunkschure_ = Butter-(od. Schmalz-)faß, _Schmunkgleis_ = Buttermilch
-_Schmunkschottel_ = Fettbüchse, _Schmunkhornikel_ = Mastochse,
-_Schmunkbossert_ = Speck; [Griechisch: b]) mit _Schm. am Ende_:_
-Bogaschmunk_ = Kuhbutter, _Hornikelschmunk_ = Ochsenfett, auch Unschlitt
-(s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.), _Horbogeschmunk_ =
-Rindsfett sowie ebenfalls Unschlitt. Eine _Ableitg._ ist das Zeitw.
-_schmunken_ = schmälzen (schmelzen). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91, 98 (_Schmunk_ = Butter,
-Schmalz); _W.-B. des Konst. Hans_ 253 (_Form_: ebenso, _Bedtg._:
-Schmalz), _Pfulld. J.-W.-B._ 344 (ebenso, dazu: _schmunkig_ =
-schmutzig); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74, 75 (_Schmunke_ = Schmalz;
-_Zus._: _Schmunkbossert_ = Speck); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Schmunk_
-= Schmalz; dazu in _Pfedelb._ [209, 213]: _Rindschmunk_ = Butter u.
-_Schmunkbossert_ = Speck); s. auch _Pleißlen der Killertaler_ 436
-(_Schmoñg_ = Schmalz) u. _Metzer Jenisch_ 216 (_Schmunk_ = Butter). Über
-weitere Belege im Rotw. usw. sowie die _Etymologie_ des Wortes (das nach
-richtiger Ansicht _deutsch._ Ursprungs ist) s. das Näh. in _Groß'_
-Archiv, Bd. 47, S. 210 (unter »Schmunk-Buckeler«); vgl. auch
-_Weber-Günther_, S. 180. — b) _Bolle_ (-la) bedeutet — ebenso wie die
-Zus. _Schundbolla_ (s. dazu Näh. schon unter »abgerahmte Milch«) —:
-Kartoffeln (Erdäpfel). Zwei andere _Zus._ damit sind noch (nach den
-Spr.) _Bolleblättling_ = Kartoffelsalat u. _Bolleschottel_ =
-Kartoffelschüssel. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 93 (_Schompollen_ = »Grundbieren« (d. h. Grundbirnen,
-schwäb. = Kartoffeln); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Bolle_ = Kartoffeln);
-_Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Bolle_ od. _Schunbolle_ = Kartoffeln). Zur
-_Etymologie_ s. bes. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1274 (unter
-»Bolle«, Nr. 5, bes. lit. b), wonach _Bolle_ im allgem. einen »runden
-Körper, Klumpen, Kugel«, weiter eine »rundliche (knorpelige) Frucht« u.
-bes. die Kartoffel bedeutet; vgl. dazu auch _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S.
-298 (betr. _Bolle_ = a) Zwiebel, b) Taschenuhr) sowie bes. über die Form
-_Schundbolle_ u. ä. A.-L. 605 u. _Groß'_ Archiv, Bd. 59, S. 263, 265,
-283. Über die Verwandschaft von _Bolle_ mit d. mhd. Zeitw. _boln_ (ahd.
-_bolôn_) = »rollen, wälzen, werfen, schleudern« u. dgl. s. _Kluge_,
-W.-B., S. 64 u. _Weigand_, W.-B. I, Sp. 265; vgl. auch schon oben (unter
-»abfallen«) betr. das jenische Zeitw. _bohlen_.
-
-[Fußnote 449: ([147] auf S. 63.396) S. angenehm.]
-
-brauchbar, _duft_[449], _g'want_[450] [63.396]
-
-brauchbare Frau, _dufte Mos(s)_[451]
-
-[Fußnote 450: ([148] auf S. 63.396) S. anmutig.]
-
-[Fußnote 451: ([149] auf S. 63.396) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]
-
-brauchbarer Bursche, _dufter Benges_, — _Benk_[452] oder — [64.127]
-_Fi(e)sel_[453]
-
-[Fußnote 452: ([1] auf S. 64.127) _Benges_ od. _Benk_ = Bube, Bursche,
-Jüngling, dann auch: Freund, Kamerad, Kollege, ferner: Geliebter,
-Liebhaber (Bräutigam), endlich noch: Sohn (sowie dazu d. Dimin.
-_Bengesle_ = Junge, Knabe) erscheint beliebt in _Verbindungen_ und
-_Zusammensetzgn._ (sowohl für Eigenschafts- wie Standes- u.
-Berufsbezeichnungen [vgl. dazu »Vorbemerkung«, S. 12, Anm. 29]), so: a)
-in _Verbindgn._ (außer _dufter B._ noch): _jenischer Benges_ od. _Benk_
-= fahrender Bursche, _schofler Benk_ = Heuchler, auch Krüppel, _dofer
-Benk_ = Junker, dann (gleich _dofer Benges_) auch: Geliebter (also wie
-das einfache _Benges_ od. _Benk_ [s. oben], während _dufter Benk_ od.
-_Benges_ nur durch »brauchbarer Bursche« wiedergegeben ist (s. oben im
-Text), _nobis vergrönter Benges_ (d. h. eigtl. »nicht verheirateter
-Bursche«) = lediger Mann; b) in _Zus._: [Griechisch: a]) für
-_Eigenschaften_: _Lubnebenges_ = »Hurenkerl«, _Kenemerbenges_ (_-benk_)
-= »Lausbube«; [Griechisch: b]) für _Berufe_: _Verkemersbenk_ =
-Handelsbursche, _Sicherbenk_ = Koch, _Rattebenk_ = Nachtwächter,
-_Groenikelbenk_ = Sauhirt, Schweinehirt, _Jerusalemsfreundbenk_ =
-Schäfer, Schafhirt, _Stradebenk_ = Straßenwärter. _Zu vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 76 (_Bink_ = Vater);
-_Schwäb. Händlerspr._ 482-484 (_Penk_ = Herr, _Pink_ [in _Pfedelb._
-(211, 213): _Bink_] = Mann [in _Pfedelb._ (a. a. O) auch: Meister,
-Vater]; _Kislerpink_ = Maurer, in _Pfedelb._ [208, 210, 211, 213] noch:
-_alter Bink_ = »Ausdinger«, _Schupferbink_ = Bäcker, _Treppertsbink_ =
-Fuhrmann, _Hausbink_ = Hausherr, _Wägersbink_ = Kaufmann,
-_Langraßlersbink_ = Stationsvorstand [an d. Eisenbahn], in _Eningen_
-[206, Anm. 1]: _Penk_ = Mann, _Stichelpenk_ = Landjäger, _Gwanderpenk_ =
-Schultheiß, _Plempenteilespenk_ = Wirt; in U. [214]: _Schenägelspenk_ =
-Knecht, _Balespenk_ = Waldhüter). Sehr beliebt sind Zus. mit _Penk_
-(Pink) = Mann (vgl. dazu _Penkle_ = Bube, Knabe) auch im _Pleißlen der
-Killertaler_, und zwar auch hier sowohl für Berufe (s. darüber Näh. in
-_Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 349) als auch zur Kennzeichng. von
-Eigenschaften (s. z. B. [435, 436]: _Fetschnerspink_ = schlechter Kerl
-u. _Schnellpenk_ = geiler Mann; vgl. auch [nach _Kapff_ 213]:
-_Schwenzlerspenk_ = Dieb (zu _schwenzle(n)_ = stehlen]). Über weitere
-Belege aus dem Rotw. sowie die _Etymologie_ s. ausführl. _Groß'_ Archiv,
-Bd. 49, S. 344 ff.; vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 819 (unter
-»Penk«).]
-
-brauchbarer Mann, _dufter Kaffer_[454] [64.128]
-
-brauchbares Kind, _dufter Galm_[455]; im Plural: _dufte Galme_ oder
-_Schrabiner_[456]; vgl. braves Kind
-
-brauchbares Mädchen, _dufte Model_[457]
-
-Braut, _Model_[457]
-
-Bräutigam, _Benges_[458], _Fie(s)el_[459]
-
-brav, _dof_[460]
-
-braves Kind, _dofer Galm_, plur.: _dofe Galme_ oder _Schrabiner_[461]
-
-[Fußnote 453: ([2] auf S. 64.128) S. Bettelbube.]
-
-[Fußnote 454: ([3] auf S. 64.128) S. Bauer.]
-
-[Fußnote 455: ([4] auf S. 64.128) _Galm_ = Kind, plur. _Galme_ (od. -ma)
-= Kinder (Nachkommen), Dimin. _Gälmle_ (Kindlein [Spr.]) findet sich
-noch in der _Verbdg._ _dofer Galm_ = braves Kind sowie in den folgenden
-_Zusammenstzgn._: a) _am Anfang_: _Galmamodel_ = Kindermädchen (-magd),
-_Galmeguffer_ (d. h. eigtl. »Kinderprügler«) = Lehrer, Schullehrer,
-_Galmesauft_ (eigtl. »Kinderbett«) = Wiege; b) _am Ende_: _Schoflergalm_
-= Stiefkind. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 95 (_Gallme_ = Kind); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Galma_ =
-Kind); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Galme_ = Kinder [sowohl kleinere wie
-auch größere], _Galmeguffer_ = Lehrer [in _Pfedelb._ (211, 213):
-_Galmen_ = Kind (sic), _Galmenguffer_ = Oberlehrer [im Gegensatze zu dem
-_Schrazeskneppler_ = Unterlehrer; vgl. dazu schon oben unter
-»aufschlagen«] u. _Galmegufferei_ = Schule]): s. auch _Metzer Jenisch_
-216 (_Galmes_ [neben Galster u. Gambes] = Kind). Über noch weitere rotw.
-Belege sowie die (nicht ganz sichere) _Etymologie_ (vielleicht in erster
-Linie zu hebr. _gôlem_ = »Leibesfrucht, Embryo« u. dergl.) s. _Groß'_
-Archiv, Bd. 47, S. 138 (womit im wes. übereinstimmt auch _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. III, Sp. 34); vgl. jedoch auch Archiv Bd. 48, S. 350
-(Nachtr. u. Berichtigungen: _Galme_ zu mhd. _galmen_ = »schallen«?)]
-
-[Fußnote 456: ([5] auf S. 64.128) _Schrabiner_ od. _Schrawiner_ =
-Kinder, Nachkommen (nur im Plural) scheint weniger gebräuchlich zu sein
-als _Galme_ (-ma), auch in _Verbdgn._ u. _Zus._; s. jedoch noch _dofe
-Schrabiner_ und _Schrabinermodel_ als Synon. zu _dofe Galme_ u.
-_Galmamodel_ (s. d.) _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb.
-Händlerspr._ 483 (_Schrawêner_ = Kinder). — Nach _Schütze_ 90 soll
-_Schrab(b)iner_ (das auch schon in _Ku._ III [428] angeführt) gemäß
-einer Mitteilung eines ostpreußischen »Kunden« der Plural zu _Schrappen_
-= Kind sein. Letzteres findet sich (jedoch meist für die _Mehrzahl_
-[»Kinder«]) vereinzelt auch in der Gaunersprache (s. z. B. _v. Grolman_
-64 u. T.-G. 105 [_Schrappen_ = Kinder]; _Karmayer_ 149 (_Schrapp_ od.
-_Schrampen_ = Kind [also beides _sing._]; A.-L. 604 [_Schrappen_,
-_Schrabben_ od. _Schrammen_ = Kinder]; _Groß_ 492 [_Schrapfen_ = kleine
-Kinder]; vgl. ferner noch _Hall. Lattcherschmus_ 492 [_Schräppchens_ =
-Kinder]). Die _Etymologie_ bleibt unsicher (s. _Groß'_ Archiv, Bd. 47,
-S. 140, Anm. 3 a. E.); vgl. A.-L. 604, der das angels. _screpan_ (nach
-_Kluge W.-B._, S. 415: _crimpan_) = »schrumpfen«, das engl. _shrimp_ =
-»Knirps, Zwerg« sowie unser volkstüml. spött. _Krabbe_ (eigtl. »kleiner
-Seekrebs«) für ein kleines (munteres) Kind (s. _Paul_, W.-B., S. 304 u.
-_Weigand_, W.-B. I, Sp. 1131) herangezogen hat. — Über das Synon.
-_Stratz_ (plur.: Stratze) s. unter »Hurenkind«.]
-
-Brecheisen, _Schure_[462] [64.129]
-
-Brei, "
-
-Bremse, "
-
-brennen; _funken_[463]
-
-brennend, _funkt_ (d. h. »es brennt«)
-
-Brett, _Schurele_[462]
-
-Brief, _Kritzler_[464]
-
-Brieftasche, _Kritzlerrande_[465]
-
-Briefträger, _Kritzlerbuckler_[466]
-
-Brille, _Linzere_[467]
-
-Brombeere, _Jahresäftling_ od. _Krachersäftling_[468]
-
-Brot, _Lechem_ od. _Lehm_[469], _Maro_[470]
-
-Brotbäcker, _Lehmschupfer_[471]
-
-Brotbüchse, _Lehmschottel_[472]
-
-[Fußnote 457: ([6] auf S. 64.129) S. Beischläferin.]
-
-[Fußnote 458: ([7] auf S. 64.129) S. brauchbarer Bursche.]
-
-[Fußnote 459: ([8] auf S. 64.129) S. Bettelbube.]
-
-[Fußnote 460: ([9] auf S. 64.129) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 461: ([10] auf S. 64.129) S. brauchbares Kind.]
-
-[Fußnote 462: ([11] auf S. 64.129) S. abbiegen. Ob es sich bei _Schure_
-= Bremse um die Tierbezeichnung oder um das gleichnamige Werkzeug
-handelt, ist nicht ersichtlich.]
-
-[Fußnote 463: ([12] auf S. 64.129) S. abbrennen.]
-
-[Fußnote 464: ([13] auf S. 64.129) S. Attest.]
-
-[Fußnote 465: ([14] auf S. 64.129) S. (betr. _Rande_) Bauch.]
-
-[Fußnote 466: ([15] auf S. 64.129) S. (betr. _-buckler_) abtragen.]
-
-[Fußnote 467: ([16] auf S. 64.129) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 468: ([17] auf S. 64.129) S. Ananas.]
-
-[Fußnote 469: ([18] auf S. 64.129) S. Bäcker.]
-
-[Fußnote 470: ([19] auf S. 64.129) _Maro_ = Brot (seltener als _Lechem_
-od. _Lehm_) kommt im W.-B. nur in _einer Zus._ vor, _Lanengermaro_
-(eigtl. »Soldatenbrot«) = Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der
-Zigeunerspr.). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 91 (_Marum_ = Brot, _gehechelter, schofel M._ = weißes,
-schwarzes Brot); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Maro_ = Brot, _Kächeltema¶n¶o_
-(sic, Druckf.) = »Bäckerbrot«); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Maro_); s.
-auch _Metzer Jenisch_ 216 (ebenso). — Über weitere Belege in Rotw.
-sowie die _Etymologie_ (aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S.
-30]) s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 22, 23 u. Anm. l u.
-dazu noch _Finck_, S. 72 (_māro_). Nach _Miklosich_, Denkschriften,
-Bd. 27, S. 10 läßt sich das Wort bis ins Altindische (_manḍha_ =
-»eine Art Gebäck«) zurückverfolgen.]
-
-[Fußnote 471: ([20] auf S. 64.129) S. Bäcker.]
-
-[Fußnote 472: ([21] auf S. 64.129) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]
-
-Brötchen s. Semmel (Weck) [64.130]
-
-Brotsack, _Lehmrande_[473]
-
-Brotschrank, _Lehmschure_[474]
-
-Brücke, _Flu(h)tesore_[475], _Schure_[474]
-
-Bruder, _Glied_. Unter _Glied_ versteht man die Kinder (den Sohn, die
-Tochter) einer Familie, aber auch sonstige Verwandte, z. B. einen Bruder
-oder eine Schwester (des Vaters oder der Mutter); vgl. Geschwister,
-Schwester, Sohn, Tochter, ferner Oheim, Tante u. Neffe[476]
-
-[Fußnote 473: ([22] auf S. 64.130) S. (betr. _Rande_) Bauch.]
-
-[Fußnote 474: ([23] auf S. 64.130) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]
-
-[Fußnote 475: ([24] auf S. 64.130) Betr. _Flu(h)te_ s. abbrühen. — Das
-Wort _Sore_ nimmt eine ähnliche Aushilfsstellung ein wie (das auf
-_denselben_ Stamm zurückzuführende) _Schure_ (vgl. »Einltg.«, S. 24 u.
-»Vorbmkg.«, S. 16), jedoch kommt es für sich _allein_ doch seltener vor
-als letzteres und auch in _Verbindgn._ u. _Zusammensetzgn._ mit anderen
-Vokabeln erreicht es nicht die gleiche Beliebtheit wie _Schure_. a)
-_Ohne_ Zusatz erscheint es gebraucht: [Griechisch: a]) für _Tiere_: im
-Sinne von »Vieh«; [Griechisch: b]) für _Sachen_: in den Bedeutgn. »Ding,
-Sache«, ferner »Ware« (wohl die ursprüngl. Bedtg.) u. spezieller noch:
-Porzellan, Zwirn sowie versch. Produkte des Pflanzenreichs, näml.:
-Erbsen, Linsen, Pfeffer und Zwiebeln. b) Eine _Verbindg._ mit _Sore_ für
-einen allgemeinen (abstrakten) Begriff ist _grandich Sore_ (ebenso wie
-_gr. Schure_) = Reichtum, Überfluß, Vermögen (eigtl. = »[sehr] viele
-Dinge«; vgl. dazu oben unter »Bischof«). c) _Zusammensetzgn._ mit _Sore_
-sind: [Griechisch: a]) im _Anfang_: _Soreschottel_ = Erbsen- od.
-Linsenschüssel, aber auch: Pfefferbüchse und Porzellantasse u.
-_Sorebrandling_ = Zwiebelkuchen; [Griechisch: b]) _am Ende_: (außer
-_Flu[h]tesore_, das noch die Nebenbdtg. »Wasserfaß« hat, noch):
-_Stöbersore_ = Obst, _Kupfersore_ (d. h. eigtl. »Grasding«) = Sense,
-_Begersore_ = Totenbahre, _Pfladersore_ = Wäsche, _Johlesore_ = Weinfaß,
-_Säftlingsore_ = Weinberg, _Rondlingsore_ = Wursthaut. _Zu vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._ [in dem der Aushilfscharakter des Wortes im
-allgem. noch nicht so scharf hervortritt wie in _Wittichs_ Jenisch]):
-_Dolm. der Gaunerspr._ 89, 95, 99, 101 (_Sore_ = allerhand Ware, _Mette
-Sōre_ = Barche[n]t [zu _Mette_ = Bett, vom jüd. _mittō_, hebr.
-_mittā_; s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1642], _g'socht Sore_ =
-Krämerware, _Gschock Sore_ = gestohlene Marktware); _W.-B. des Konst.
-Hans_ 253 (_Sore_ = »die in den Kammern und Kisten befindliche Ware«);
-_Schöll_ 272 (_Sore_ = Ware, _Achelsore_ = Eßwaren); _Pfulld. J.-W.-B._
-339, 341-343, 345, 346 (_Sore_ = Ware, Zeug, Sache, _Achselsore_ od.
-_schluckige Sore_ = Eßwaren, Lebensmittel, Speisen, _Kangerisore_ =
-Kirchengerät [zu _Kangeri_ = Kirche, aus d. Zigeunerspr.; vgl. z. B.
-_Finck_, S. 63], _Sichereisore_ = Küchengerätschaften); _Schwäb.
-Händlerspr._ 488 (_Sore_ = Ware). Über weitere Belege im Rotw. und die
-_Etymologie_ des Wortes (die die gleiche wie die von _Schure_ ist) s.
-_Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 241/42; vgl. oben unter »abbiegen«.]
-
-[Fußnote 476: ([25] auf S. 64.130) _Glied_ bedeutet demnach: Bruder,
-Schwester (Geschwister) bzw. Sohn, Tochter. Dazu die _Zusammensetzgn._:
-_Kafferglied_ = Mannesschwester (Schwägerin), _Patrisglied_ = a) Oheim
-väterlicherseits (»Vatersbruder«), b) Tante väterlicherseits
-(»Vatersschwester«), c) Neffe (väterlicherseits), _Mamereglied_ = a)
-Oheim mütterlicherseits (»Mutterbruder«), b) Tante mütterlicherseits
-(»Mutterschwester«), c) Neffe (mütterlichereits). S. dazu betr.
-Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr. unter »Oheim« u. »Tante«. — _Zu
-vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 344 (_Glied_
-= Bruder, Schwester); _Schwäb. Händlerspr._ (U. [214]: _Glied_ =
-Schwester). _Etymologie_: Ein Zusammenhang mit dem rotw. _Gli(e)d_ =
-Hure (worüber Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 13, 14 u.
-»Anthropophyteia«, Bd. IX, S. 22 ff.) wird kaum vorliegen, vielmehr
-dürfte der Ausdruck wohl — wie im wes. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B.
-III, Sp. 692 (unter »Glid« II) anzunehmen scheint — schlechthin mit
-unserem gemeinsprachl. »Glied« (hier im Sinne etwa von »Familienglied«)
-gleichbedeutend sein.]
-
-Brühe, _Flu(h)te_[477] [64.131]
-
-Brust (weibliche), _Schwächerle_[478]
-
-Bube _Benges_[479], _Fi(e)sel_[480]
-
-Buch, _Schure_[481]
-
-Buche, _Stöber_[482]
-
-Büchse (als Behältnis), _Schottel_[483]
-
-Büchse (= Flinte), _Klass_[484], _Schnelle_[485]
-
-Büchsenmacher, _Klass-_ od. _Schnellepflanzer_[486]
-
-Büchsenranzen, _Rande_[487]
-
-Buhldirne, _Lubne_[488]
-
-buhlerisch, _lenk_, _schofel_[489]
-
-[Fußnote 477: ([26] auf S. 64.131) S. abbrühen.]
-
-[Fußnote 478: ([27] auf S. 64.131) S. Amme.]
-
-[Fußnote 479: ([28] auf S. 64.131) S. brauchbarer Bursche.]
-
-[Fußnote 480: ([29] auf S. 64.131) S. Bettelbube.]
-
-[Fußnote 481: ([30] auf S. 64.131) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 482: ([31] auf S. 64.131) S. Apfelbaum.]
-
-[Fußnote 483: ([32] auf S. 64.131) S. Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 484: ([33] auf S. 64.131) _Klass_ = Büchse (Flinte, Gewehr
-[Schießgewehr], Muskete) findet sich nur in zwei _Zus._, näml.
-_Klasspflanzer_ = Büchsenmacher und _Klasskitt_ = Schießhaus. _Zu vgl._
-(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaun._ 93 (_Klosheim_ =
-Gewehr); _W.-B. des Konst. Hans_ 256 (_Klasse_ [plur.] = Pistolen);
-_Schöll_ 271 (_Glasse_ = Flinte, Gewehr); _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 344
-(_Klassa_ = Geschütz, _Klasse_ = Gewehr, Schießgewehr, _klassen_ =
-schießen, _Klasset_ = Schuß); _Schwäb Gaun.- u. Kundenspr._ 70, (_Klass_
-= Gewehr); _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Klaß_ [in _Pfedelb._ (209):
-_Klasse_] = Gewehr, Flinte). — Im sonst. Rotw. (wo das Wort übrigens
-schon 1724 [im _Duisb. Vokab._ (184)] — als _Classey_ = Pistole —
-nachweisbar ist) gehen die Formen sehr auseinander. S. Näh. darüber
-sowie über die _Etymologie_ (entw. vom hebr. _kĕli ēma_ = »Gerät
-der Furcht« od. vom hebr. _kĕli zimma_ — »Gerät der Schädlichkeit«)
-in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 12, Anm. * (zu »Klassensenteser«).]
-
-[Fußnote 485: ([34] auf S. 64.131) S. abschießen.]
-
-[Fußnote 486: ([35] auf S. 64.131) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
-
-[Fußnote 487: ([36] auf S. 64.131) S. Bauch.]
-
-[Fußnote 488: ([37] auf S. 64.131) S. Beischläferin.]
-
-[Fußnote 489: ([38] auf S. 64.131) S. arg.]
-
-[Fußnote 490: ([39] auf S. 64.131) _Hornikel_ od. _Hornigel_ = Ochse
-(Bulle, Stier) findet sich in den folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am
-Anfang_: _Schmunkhornikel_ = Mastochse; b) _am Ende_: _Hornikelschmunk_
-= Ochsenfett, auch Unschlitt (s. d. betr. Übereinstmmg. mit d. Zigeun.),
-_Hornikelbossert_ = Ochsenfleisch, _Hornikelgielblättling_ =
-Ochsenmaulsalat, _Hornikelkafler_ = Ochsenmetzger, _Hornikelstenkert_ =
-Ochsenstall. In dem spez. _verw. Quellenkr._ ist der Ausdr. m. W.
-unbekannt, dagegen findet er sich im _Metzer Jenisch_ 216 (in der Form
-_Hornigl_ für »Kuh«) sowie auch schon im ältern Rotwelsch für »Ochse«
-oder »Kuh« (s. z. B. _Schwenter_ 1620 [137: _Hornnickl_ = Ochsen]; bei
-_A. Hempel_ 1687 [167: _Hornickel_ = Kuh) u. a. m.). Zur _Etymologie_
-(wohl von _Horn_ u. _Nickel_, Kurzform von _Nikolaus_, also e. Art.
-Personifizierung des Tiers durch e. menschl. Eigennamen) s. _Günther_,
-Rotwelsch, S. 80; vgl. auch _Pott_ II, S. 11 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B.
-III, Sp. 850 (betr. das analog gebildete _Gronickel_ = Schwein, worüber
-Näh. auch noch unten unter »Eber«).]
-
-Bulle (= Ochse), _Hornikel_[490] [64.132]
-
-Bündel, _Rande_[487]
-
-Bürgermeister, _Kritsch_[491], _Schar(r)le_[492]
-
-Bursche s. Bube; fahrender Bursche, _jenischer Benges_, _Benk_ oder
-_Fi(e)sel_[493]
-
-Bürste, _Stiepa_, Plural: _Stiebe_ (Spr.)[494], _Rutscherschure_[495]
-oder bloß _Schure_[496]
-
-[Fußnote 491: ([40] auf S. 64.132) _Kritsch_ = Bürgermeister
-(Ortsvorsteher, Schultheiß, Ratsherr) ist schon dem _Dolm. der
-Gaunerspr._ 98, 101 bekannt gewesen (_Kritsch_ = Schulz, Vogt; vgl.
-[89]: _Krisch_ = Ammann [sic]); vgl. ferner: _Pfulld. J.-W.-B._ 346
-(_Gritsch_ = Vogt) u. _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Kritsch_ =
-Schultheiß). Die _Etymologie_ ist zweifelhaft. Von _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. IV, Sp. 770 (unter »Kritsch« II) ist das zigeun. _krísni_ = »Amt,
-Gericht« (s. _Finck_, S. 66; vgl. auch _Pott_ II, S. 123 [unter
-»Krisni«]; _Liebich_, S. 138, 174 u. 202 [_grisni_ = Gericht, Amt];
-_Jühling_, S. 222 [_Grissni_ = Gericht]) herangezogen worden.]
-
-[Fußnote 492: ([41] auf S. 64.132) _Schar(r)le_ (Synon. zu _Kritsch_)
-kommt in _dieser_ Form und Bedeutung im _Dolm. der Gaunerspr._ noch
-_nicht_ vor, vielmehr findet sich hier (93) nur das längere
-_Grandscharle_ für »Hatschier«, das _früher_ auch in _Wittichs_ Jenisch
-gebräuchlich gewesene (vgl. »Einleitung«, S. 28), dagegen hat schon das
-_W.-B. des Konst. Hans_ neben _Grandscharle_ = Hatschier (so: 257, in
-den »Schmusereyen«) auch noch _Scharle_ = Schultheiß, Dorfvogt (so: 254,
-im Vokabular), und ebenso führt das _Pfulld. J.-W.-B._ _beide_ Vokabeln
-auf (s. 339: _Granscharle_ = Gardist; 346: _Scharle_ = Vogt). Die
-neueren schwäb. Quellen kennen dagegen nur noch die letztere Form; s.
-_Schwäb. Gaun. u. Kundenspr._ 74 u. _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Scharle_
-od. _Schrle_ = Schultheiß). _Etymologie_: Die Herkunft des Wortes
-_Schar(r)le_ (auch in Grandscharle) bleibt unsicher; auch _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. III, Sp. 790 (unter »Grandscharle«) hat keine Erklärung
-gegeben. Über Hypothesen s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 347
-(unter »Scha[a]rbin[c]k«); ebends. (in Anm. 2) auch noch weitere rotw.
-Belege für _Scha(a)r(r)le_ u. _Gran(d)schar(r)le_.]
-
-[Fußnote 493: ([42] auf S. 64.132) S. (betr. _jenisch_) Bachstelze,
-(betr. _Benges_ od. _Benk_) brauchbarer Bursche u. (betr. (_Fi[e]sel_)
-Bettelbube.]
-
-[Fußnote 494: ([43] auf S. 64.132) _Stiepa_ (plur. Stiebe [Spr.]) =
-Bürste (Kehrbesen [Besen]) — u. dazu die Zus. _Stiepenpflanzer_ =
-Bürstenbinder (Spr.) — ist dem _verw. Quellenkr._ sowie auch sonst im
-Rotw. m. Wiss. _nicht_ bekannt. Der _Etymologie_ nach dürfte es wohl zu
-unserm gemeinsprachl. »stieben« bezw. »stäuben« gestellt werden (s.
-_Weigand_, W.-B. II, Sp. 955: _stäuben_, [eigtl.] »_stieben_ machen,
-Staub erregen; _aber auch_ in _denselben_ Bedeutgn. wie _stauben_«, d.
-h. »Staub von sich geben, Staub erregen, _Staub entfernen_ [in
-_abstauben_]«; vgl. Sp. 970 unter »stieben«).]
-
-Bürstenbinder, _Schurespflanzer_ oder _Stiepenpflanzer_ (beides [64.133]
-Spr.)[497]
-
-Busen s. Brust
-
-Büttel, _Buz_[498]; vgl. Polizeidiener
-
-Butter, _dofer Schmunk_, d. h. »(gutes oder) besseres Fett
-(Schmalz)«[499]
-
-Butterbrot, _Schmunklehm_[500]
-
-Butterfaß (Schmalzfaß), _Schmunkschure_[501]
-
-Buttermilch, _Schmunkgleis_[502]
-
-
- C.
-
-Charfreitag s. Karfreitag
-
-Chaussee (Straße, Weg), _Strade_[503]
-
-[Fußnote 495: ([44] auf S. 64.133) In _Rutscherschure_ (sonst m. Wiss.
-nirgends bekannt) gehört der erste Bestandteil natürlich zu unserem
-Zeitw. _rutschen_ (= »sich gleitend bewegen«); vgl. Näh. bei _Weigand_,
-W.-B. II, Sp. 630. — Betr. _Schure_ s. d. folgde. Anm.]
-
-[Fußnote 496: ([45] auf S. 64.133) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 497: ([46] auf S. 64.133) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
-
-[Fußnote 498: ([47] auf S. 64.133) S. Amtsdiener.]
-
-[Fußnote 499: ([48] auf S. 64.133) S. angenehm und Bratkartoffeln; vgl.
-auch »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 49.]
-
-[Fußnote 500: ([49] auf S. 64.133) S. (betr. _Lehm_) Bäcker.]
-
-[Fußnote 501: ([50] auf S. 64.133) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]
-
-[Fußnote 502: ([51] auf S. 64.133) S. (betr. _Gleis_) abgerahmte Milch.]
-
-[Fußnote 503: ([52] auf S. 64.133) _Strade_ = Straße (Chaussee, Pfad,
-Weg) findet sich auch in einer Reihe von _Zusammensetzgn._ (nur am
-Anfang), nämlich: _Stradeschenegler_ = Chausseearbeiter
-(Straßenarbeiter), _Stradebich_, _-gore_ oder _-lobe_ = Chausseegeld
-(Pflaster-, Wegegeld), _Stradekies_ od. _-hertling_ = Kilometerstein
-(Meilenzeiger), _Stradebenk_ = Straßenwärter, _Stradelinzer_ =
-Wegweiser. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gauerspr._
-99, 101 (_Strade_ = Weg; _Stratekehr_ = Straßenräuber); _W.-B. des
-Konst. Hans_ 254, 259 (_Strade_ = Weg, Straße, _Stradekehrer_ u.
-_-kehr¶a¶_ = Straßenräuber u. -raub); _Schöll_ 271 (_Strade_ = Straße);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 346 (Form: ebenso, Bdtg. Weg); _Schwäb. Händlerspr._
-487 (_Strate_ [in _Pfedelb._ (212): _Strade_] = Straße); s. auch _Metzer
-Jenisch_ 216 (_Strālje_ = Straße). Über weitere rotw. Belege sowie
-die _Etymologie_ (Wurzel wohl: ital. _strada_ bzw. lat. _strata_, zu
-vgl. ndd. _Strt_) s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 65, Anm. 1
-(zu »Straderadler«); vgl. auch Bd. 54, S. 158-164 (unter »Stradehändler«
-u. »Stradekehrer«).]
-
-Chausseearbeiter (Straßenarbeiter), _Stradeschenegler_[504] [64.134]
-
-Chausseegeld (Pflaster-, Wegegeld), _Stradebich_[505],
-_Stradegore_[506], _Stradelobe_[507]
-
-Cichorie s. Zichorie
-
-Cigarre s. Zigarre
-
-
- D.
-
-Da (hier), da herum, _her(r)les_ oder _her(r)lem_[508]
-
-Dachziegel s. Backstein
-
-daher (= hierher), _her(r)les_[508], komme daher (= hierher), _bost'
-her(r)lem_, _pfich' her(r)les_[509], _schef(f)t' her(r)les_[510]
-
-[Fußnote 504: ([53] auf S. 64.134) S. (betr. _-schenegler_) abschaffen.]
-
-[Fußnote 505: ([54] auf S. 64.134) S. (betr. _Bich_) Almosen.]
-
-[Fußnote 506: ([55] auf S. 64.134) S. (betr. _Gore_) Barschaft.]
-
-[Fußnote 507: ([56] auf S. 64.134) S. (betr. _Lobe_) Bank.]
-
-[Fußnote 508: ([57] auf S. 64.134) Zu _her(r)les_ od. _her(r)lem_ =
-hier, da (daher, daneben, danieder) _vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
-_Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_herles_ = hier oder da); _W.-B. des Konst.
-Hans_ 256 (_herrles_ = hier); _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_hirles_ = hier,
-hierher); _Schwäb. Händlerspr._ 480, 482 (_hirles_ [in _Pfedelb._ (209)
-dagegen: _herlis_] = dieser, _herles_ od. _hirles_ = hierher! [komm
-her!], in _Lütz._ [214]: _hirlem_ = hier); s. auch _Metzer Jenisch_ 216
-(_herlis_ = hier). Zur _Etymologie_ des (auch sonst hin und wieder im
-Rotw. begegnenden) Wortes s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1680
-(unter »hirles«), wonach es »gewiß« zu unserem »hier« zu stellen ist.]
-
-[Fußnote 509: ([58] auf S. 64.134) S. (betr. _bosten_ u. _pfichen_) =
-abgehen.]
-
-[Fußnote 510: ([59] auf S. 64.134) Das Zeitwort _schef(f)ten_ hat
-mehrfache Bedeutungen, nämlich: a) die ganz allgemeine von »sein« (s.
-weiter unten im Vokabular: _das schef[f]t Lore_ = das ist nichts u.
-_schef[f]t a Ruch_ = das ist ein Bauer; vgl. auch _dof schef[f]t's_ =
-heil, d. h. eigtl. »es _ist_ [geht] gut«), sodann b) die spezielleren
-von [Griechisch: a]) »sitzen« (niedersitzen) u. [Griechisch: b])
-»kommen« (vgl. oben: _schef[f]t' her[r]les_ = komm daher [hierher]) oder
-»gehen«, bes. in der Verbindg. _schiebes schef(f)ten_ = davongehen
-(fort-, weggehen), sich entfernen (s. [betr. _schiebes_] Näh. unter
-»davongehen«). Auch in dem _verw. Quellenkr._ lassen sich diese
-verschiedenen Bedeutgn. verfolgen, wobei in der ältern Zeit die unter a,
-in der neuern die unter b, [Griechisch: b] überwiegt. _Vgl._ _Dolm. der
-Gaunerspr._ 94 (_scheft_ = ist); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 u. 256
-(_scheften_ = sein); _Schöll_ 272 (_scheften_ = sein, aber auch: haben,
-ferner: sich setzen); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 _schefften_ = gehen);
-_Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [210, 214]: _schee[f]ten_ = gehen
-[vgl. _scheeft ab_, _ist abgescheeft_], _zusammenscheften_ =
-zusammenkommen; in _Lütz._ [215]: _schäfte[n]_ = laufen); vgl. auch noch
-_Pfälz. Händlerspr._ 438 (_scheften_ = sein; gehen). Über weitere rotw.
-Belege s. _Weber-Günther_ S. 185 (wo jedoch die ältesten Beispiele [s.
-_Kluge_, Rotw. I, S. 218, 248, 251] aus Versehen fortgelassen sind).
-Ebends. auch Näh. über die _Etymologie_ des Wortes, die nicht ganz
-sicher und vielleicht für seine verschiedenen Bedeutungen zu sondern
-ist. So hat es _Stumme_, S. 14 für die Bedeutg. »sein« und bes. »sitzen«
-auf das hebr. _schebet_, infinit. construct. von _jschab_ = »sitzen,
-verweilen«, zurückgeführt, während bezügl. der _anderen_ Bedeutungen von
-A.-L. 597 u. _Meisinger_ in d. Z. f. hochd. Mundarten, Jahrg. III
-(1902), S. 125 (unter Nr. 59) unser Zeitw. »_schaffen_« als Quelle
-betrachtet worden ist.]
-
-Dame, _Sense_, _Sinsemos(s)_[511] [64.135]
-
-dämlich s. aberwitzig; vgl. albern
-
-Dämmerung, _Leile_, _Ratte_ (eigtl. »Nacht«)[512]
-
-daneben (danieder), _her(r)les_, _her(r)lem_[513]
-
-danken (bedanken), _bederchen_[514]
-
-darüberfahren, _darüberruadla_[515]
-
-darübergehen (-springen), _darüberbosten_[516]
-
-das ist nichts, _das sche(f)ft[517] Lore_ (lore)[518], das ist ein
-Bauer, _schef(f)t[517] a Ruch_[519]
-
-[Fußnote 511: ([60] auf S. 64.135) S. Amtmann u. (betr. _Mos[s]_)
-Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 512: ([61] auf S. 64.135) S. Abend.]
-
-[Fußnote 513: ([62] auf S. 64.135) S. da.]
-
-[Fußnote 514: ([63] auf S. 64.135) S. abbetteln.]
-
-[Fußnote 515: ([64] auf S. 64.135) S. abfahren.]
-
-[Fußnote 516: ([65] auf S. 64.135) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 517: ([66] auf S. 64.135) S. unter »daher« a. E.]
-
-[Fußnote 518: ([67] auf S. 64.135) _Lore_ (lore) = nichts, nicht, auch
-wohl: nein (Spr.) ist sonst m. Wiss. in den Quellen nicht anzutreffen.
-Wahrscheinlich liegt hier aber nur eine Verunstaltung (wenn nicht gar
-ein Schreibfehler für _Lo¶n¶e_ (lo[h]ne) vor, das vereinzelt schon im
-ältern Rotw. (etwa seit d. 18. Jahrh.) in den Bedeutungen »nichts«
-(nicht), nein (auch: »niemand«) vorkommt (s. z. B. _Körners Zus. zur
-Rotw. Gramm._ v. 1755 [241 unter »wächeln«: _lone_ = nichts]; _Krünitz'
-Enzyklopädie_ 1820 [351: _Lohne_ = niemand, nein]; _v. Grolman_ 43 u.
-T.-G. 112, 113 u. _Karmayer G.-D._ 208 [_lo[h]ne_ = nein, nicht,
-nichts]). Dieses aber ist seinerseits (nach _Weber-Günther_, S. 156)
-vermutlich eine Abkürzung der volleren Form _lolohne_, _laulo(h)ne_, die
-in den älteren jüdisch-deutschen Glossaren durch »mit nichten« u. dergl.
-wiedergegeben ist (s. z. B. v. _Reitzenstein_ 1764 [247]; vgl. _Thiele_
-273) und auch im Rotw. den Begriff einer bes. starken Verneinung an sich
-trägt (s. z. B. _Kluge_, Rotw. 325, 367; vgl. auch 441). Es entspricht
-dem hebr. _lô lnû_, d. h. eigtl. »nicht uns« (s. schon _Thiele_ 272,
-Anm.**), einer Abwehrformel bei Erwähnung schädlicher Sachen, eines
-traurigen Ereignisses, also etwa »Gott behüte« (nach gefl. Mitteilg. von
-_A. Landau_). Das _einfache lo_ (loo), _lau_, _law_ u. a. = nicht
-(nichts), nein ist im Rotw. öfter anzutreffen (s. Belege bei
-_Weber-Günther_, a. a. O.), so namentl. auch in dem _schwäb.
-Quellenkr._; vgl. _Dolm. der Gaunerspr._ 97 (_lau_ = nein); _W.-B. des
-Konst. Hans_ 255 (ebenso); _Schöll_ 270 (Form: ebenso, Bedtg.: nichts);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_lau_, _lo_ = nichts); _Schwäb. Händlerspr._ 484
-(_lo_ = nicht); s. auch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_lô_ = nein);
-merkwürdig die Form _lopach_ = nichts (es ist nichts) in der _schwäb.
-Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (während nein dort _none_ heißt). Zur
-_Etymologie_ von _lo_, _lau_ (u. s. Nebenbedeutg. »falsch, schlecht«) s.
-noch A.-L. 565 (unter »Lametaleph«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B.
-IV, Sp. 1020 u. 1261.]
-
-[Fußnote 519: ([68] auf S. 64.135) S. Bauer.]
-
-Daumen, _Grif(f)leng_[520] [64.136]
-
-davongehen, _schiebes[521] bosten_[522], — _pfichen_[522], —
-_schef(f)ten_[523]
-
-davontragen, _schiebes bukle_[524]
-
-Decke, _Schure_[525]
-
-Deckel, "
-
-Degen, _Latt_[526]
-
-[Fußnote 520: ([69] auf S. 64.136) _Grif(f)leng_ (-ling) = Hand (Faust,
-auch Finger und spezieller Daumen) findet sich auch in der Wendung
-_Grif(f)leng steken_ = die Hände geben sowie in folgenden
-_Zusammenstzgn._: a) _im Anfang_: _Grif(f)lingobermann_ = Fingerhut,
-_Gri(f)lengschenagel_ = Handarbeit, _Grif(f)lingtrittling_ = Handschuh;
-b) am _Ende_: _Trittgrif(f)leng_ (eigtl. »Fußfinger«) = Zehe (s. d.
-betr. Übereinstimmung mit d. Zigeun.), _Linzgrif(f)ling_ = Zeigefinger.
-_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (hier
-_Griffling_ = Handschuh, während die Hand durch _Feme_ wiedergegeben
-ist); _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Grifling_ = Hand); _Schwäb. Gaun.- u.
-Kundenspr._ 70 (_Griffling_); _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Griffling_ =
-Hand, Finger). Das _Pleißlen der Killertaler_ 435 kennt _Greiferle_ =
-Hand. S. weiteres, bes. auch zur _Etymologie_ des Wortes (das natürlich
-zu unserm »Griff« bezw. »greifen« gehört), noch in _Groß'_ Archiv, Bd.
-42, S. 50 (unter »Greifer«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp.
-834.]
-
-[Fußnote 521: ([70] auf S. 64.136) _Schiebes_ (davon, fort, weg) kommt
-in _Wittichs W.-B._ nur vor in den Wendungen _schiebes bosten_,
-_pfichen_ od. _schef(f)ten_ = davongehen (fortgehen); vgl. auch: sich
-entfernen, entrinnen, entspringen, entweichen, fliehen, weggehen) sowie
-_schiebes bukle_ = davontragen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
-_Dolm. der Gaunerspr._ 91 (_Schiebes[-]machen_ = durchgehen od.
-»echappieren« [womit im wes. übereinstimmend auch schon d. W.-B. von
-_St. Georgen_ 1750 (216: _Schübes machen_, Bdtg. ebenso)]; _W.-B. des
-Konst. Hans_ 258 (_schiabes malochen_ = fortgehen [vgl. dazu
-»Einleitung«, S. 27, Anm. 75]; _Schöll_ 273 (_schiebes machen_ = sich
-aus dem Staube machen); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 342 (_schibes_ = fort,
-los, _schibisnaschen_ = scheiden [s. betr. _naschen_ in _Wittichs W.-B._
-unter »fliehen«]); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_schiebes_ = fort) u.
-_Eifler Hausiererspr._ 491 (_bod schiebes_ = geh fort). Zur
-_Etymologie_: Am einfachsten ist das Wort _schiebes_ doch wohl (mit
-_Stumme_, S. 20) von unserm deutsch. Zeitw. »schieben« (über dessen
-Gebrauch im Rotw. zu vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 146 ff.)
-herzuleiten, jedoch könnten immerhin auch _hebr._ Vokabeln mit von
-Einfluß gewesen sein; s. darüber Näh. bei _Weigand_ im »Intelligenzblatt
-für die Provinz Oberhessen«, Jahrg. 1846, Nr. 73, S. 296 (der zu jüd.
-_Schībes gehen_ = zu Grunde, verloren gehen das hebr. _schêbet_ =
-»Ruhe, Aufhören« herangezogen); vgl. auch A.-L. 599 unter »schieben« u.
-_Weber-Günther_, S. 192.]
-
-[Fußnote 522: ([71] auf S. 64.136) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 523: ([72] auf S. 64.136) S. unter »daher« a. E.]
-
-[Fußnote 524: ([73] auf S. 64.136) S. (betr. _bukle_) abtragen.]
-
-[Fußnote 525: ([74] auf S. 64.136) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 526: ([75] auf S. 64.136) _Latt_ = Degen, Säbel (Hirschfänger)
-kommt auch vor in der _Zus._ _Lattenkarle_ = Gendarm (s. darüber Näh.
-unter diesem Worte) u. _Lattenpflanzer_ = Waffenschmied. _Zu vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Latt_ =
-Seitengewehr); s. auch noch _Hennese Flick_ von _Breyell_ 450 (_Lott_ =
-Degen). Auch in der Soldatensprache ist _Latt_ in _gleichem_ Sinne
-bekannt (s. _Horn_, Soldatenspr. S. 68), doch bedeutet es bei den
-bayrischen Soldaten _auch das Gewehr_, und _ebenso_ auch wohl bei den
-Gaunern (s. _Pollak_ 221; _Ostwald_ 93) u. Kunden (arg.: _August mit der
-Latte_ = Landjäger, Gendarm [_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 72 u.
-_Ostwald_ (_Ku._) 15]), was eigentlich auch natürlicher erscheint, da
-man doch den Ausdr. etymologisch wohl zu unserm Hauptw. _Latte_ stellen
-darf (vgl. dazu noch _Groß'_ Archiv, Bd. 51, S. 140 u. _Fischer_ Schwäb.
-W.-B. IV, Sp. 1015 unter »Latt[e]«, Nr. 2).]
-
-Deichsel, _Schure_[525] [64.137]
-
-Diamant, _dofer Kies_[527]
-
-dick, _grandich_[528]
-
-Dickbauch, _grandicher Rande_[529]
-
-Dickkopf, _grandicher Ki(e)bes_[530]
-
-Dieb, _Schniffer_[531], _Schorer_[532]
-
-Diebesbande, _Schnifferulma_, _Schorerulma_[533]
-
-Diebesherberge, _Zschorkitt_[534]
-
-diebisch, _schniffich_[531]
-
-Diebstahl, _Schnifferei_[531], _Schorerei_[532], _Zopferei_[535]
-
-[Fußnote 527: ([76] auf S. 64.137) S. angenehm u. Apfelkern. Eine etwas
-abweichende Umschreibung für »Diamant« kennt die Zigeunersprache,
-nämlich _dikkapáskĕro parr_, d. h. »durchsichtiger Stein« (_Liebich_,
-S. 132, 189); vgl. »Vorbemerkung« S. 19, Anm. 48.]
-
-[Fußnote 528: ([77] auf S. 64.137) S. Adler.]
-
-[Fußnote 529: ([78] auf S. 64.137) S. (betr. _Rande_) Bauch.]
-
-[Fußnote 530: ([79] auf S. 64.137) S. (betr. _Ki[e]bes_) Angesicht.]
-
-[Fußnote 531: ([80] auf S. 64.137) S. anfassen.]
-
-[Fußnote 532: ([81] auf S. 64.137) S. ausstehlen.]
-
-[Fußnote 533: ([82] auf S. 64.137) S. (betr. _Ulma_) arme Leute.]
-
-[Fußnote 534: ([83] auf S. 64.137) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 535: ([84] auf S. 64.137) _Zopferei_ = Diebstahl ist eine
-Ableitung von dem Zeitw. _zopfen_, das für »stehlen« — nach _Wittichs_
-»Einleitung« (S. 28) — jetzt veraltet sein soll, jedoch auch in diesem
-Sinne noch im W.-B. in der Zus. _herauszopfen_ = herausstehlen angeführt
-ist, während es hier außerdem (ähnl. wie im Rotw.) — ohne Zus. — für
-»erwischen« vorkommt. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des
-Konst. Hans_ 259 (_krank zopfen_ = gefangen nehmen); _Schöll_ 271, 273
-(_zopfen_ = nehmen, _krank zopfen_ = gefangen nehmen); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 337, 339-341, 345 (_zopfen_ = ausplündern, herausnehmen,
-stehlen, _Zopfen_ [als Subst.] = Diebstahl; _krankzopfen_ =
-gefangennehmen, _kiwiszopfen_ = köpfen u. a. m.); _Schwäb. Gaun.- u.
-Kundenspr._ 67 (_zopfen_ = ausplündern); _Schwäb. Händlerspr._ 484, 486
-(_zopfen_ = ausplündern, nehmen, stehlen [in _Pfedelb._ (208, 213) auch:
-ausplündern, nehmen u. verhaften], _Staubzepfer_ [eigtl. »Mehldieb«] =
-Müller). Über weitere Belege im Rotw. (seit d. 17. Jahrh.) sowie die
-_Etymologie_ (= Nebenform zu »zupfen«, die bes. auch der allgem. schwäb.
-Mundart bekannt ist) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 152, Anm. 1
-vbd. m. _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 550.]
-
-Dienstbote, _Schenegler_ (Knecht), _Scheneglere_ (Magd)[536]; vgl. [64.138]
-Gesinde
-
-dienstfertig, _dof_[537]
-
-Dienstknecht s. Dienstbote
-
-Dienstmagd " " " "
-
-dienstwillig, _dof_[537]
-
-Dietrich _Glitschin_[538] oder (genauer) _nobes dofer Glitschin_, d. h.
-»kein guter Schlüssel«[539]; vgl. Nachschlüssel
-
-[Fußnote 536: ([85] auf S. 64.138) S. abschaffen.]
-
-[Fußnote 537: ([86] auf S. 64.138) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 538: ([87] auf S. 64.138) _Glitschin_, eigtl. = Schlüssel, dann
-auch Dietrich findet sich — außer in der Verbindg. _nobes dofer
-Glitschin_, ebenfalls = Dietrich (s. oben) — auch noch in folgenden
-_Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Glitschinpflanzer_ = Schlosser; b)
-_am Ende_: _Kittglitschin_ = Hausschlüssel, _Duftglitschin_ =
-Kirchenschlüssel, _Sichereglitschin_ = Küchenschlüssel,
-_Sturmkittglitschin_ = Rathhausschlüssel, _Luberglitschin_ =
-Uhrschlüssel. In dem _verw. Quellenkr._ ist das Wort zwar nicht bekannt,
-wohl aber kommt es sonst in der neueren Gaunersprache sowie — in
-_ähnl._ Formen — auch schon im ältern Rotwelsch vor. S. _Groß'_ Archiv,
-Bd. 43, S. 53, Anm. 1 vbd. mit S. 52, Anm. 3. Ebds. S. 52, 53 (im Text)
-auch ausführl. Angaben über die _Etymologie_ — aus der
-_Zigeunersprache_ (s. »Einleitung« S. 30); vgl. dazu auch noch _Finck_,
-S. 65 (der jedoch nur die Form _klídi[n]_ anführt, während die älteren
-Sammlungen meist _glitschin_ u. _glitin_ als gebräuchlichste Form bei d.
-_deutsch._ Zig. haben).]
-
-[Fußnote 539: ([88] auf S. 64.138) Eine ähnliche Umschreibung kennt auch
-die Zigeunersprache, wenigstens nach _Liebich_, S. 189, der _tschi
-tschātschi glitin_, d. h. »kein _rechter_ Schlüssel«, für »Dietrich«
-hat (vgl. »Vorbemerkung«, S. 17), wogegen der Begriff bei _Finck_, S. 65
-einfacher durch _bángi klídin_, d. h. etwa »falscher Schlüssel«,
-wiedergegeben ist. — _Nobes_ od. (häufiger) _nobis_ hat außer der
-Hauptbedeutg. »nicht« auch noch die von »nein«, »niemals« und »umsonst«,
-ferner von »unbedeutend« od. »unnütz« sowie (als Subst. gebraucht) von
-»Null« u. »Tand« (s. d. Wörter betr. die Übereinstimmg. m. d. Zigeun.).
-Dazu zahlreiche _Verbindungen_, nämlich: a) mit _Zeitwortformen_, u.
-zwar [Griechisch: a]) mit _Infinitiven_: _nobis sehenegla_ (d. h.
-»nicht[s] arbeiten«) = faulenzen, _nobis diberen_ od. _schmusen_ (d. h.
-»nicht[s] reden, sprechen«) = stumm sein (s. d. betr. die Übereinstimmg.
-mit d. Zigeun.); [Griechisch: b]) mit der _ersten u. dritten Pers.
-Präs._ (als Umschreibg. für deutsche Adjektive): _gneis nobis_ (d. h.
-»[ich] kenne [es] nicht«) = unbekannt, _hauret nobis_ (d. h. »[es] ist
-nichts«) = ungültig, unzweckmäßig, _begert nobis_ (d. h. »[er, sie, es]
-stirbt nicht«) = unsterblich (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.);
-[Griechisch: g]) mit _Partizipien_ (z. Teil für deutsche Adjektive):
-_nobis vergrönt_ (eigtl. »nicht verheiratet«) = ledig (unverheiratet),
-_nobis ang'kluftet_ (d. h. »nicht angekleidet«) = nackt (unbedeckt),
-_nobis geschert_ = ungekocht; b) mit _Adjektiven_: _nobis bauserich_ =
-furchtlos, _nobis dof_ = garstig, nichtsnutzig, unecht, unkeusch,
-unnütz, untauglich, untreu, unzüchtig, wertlos (vgl. auch die
-Substantivierung _nobis Dofs_ = Trübsal, Übel), _nobis grandich_ =
-machtlos, wenig, winzig, _nobis g'want_ = nichtsnutzig, _nobis
-wo(h)nisch_ (bzw. _gril[l]isch_, _diboldisch_), d. h. eigtl. »nicht
-katholisch (bzw. protestantisch, jüdisch«) = ungläubig, _nobis
-begerisch_ (d. h. »nicht krank«) = wohl (gesund, unverletzt); c) _mit
-einem Substantiv_ (für ein deutsches Adjektiv): _nobis Strauberts_ (d.
-h. »keine Haare«) = kahl; d) mit _Substantiven und_ vorgesetzten
-_Adjektiven_ (zur Umschreibung von Begriffen, für die es im Jenischen an
-einfachen Hauptwörtern fehlt): — außer _nobes dofer Glitschin_ =
-Dietrich noch — _nobis dofer Bich-_, _Kies-_ od. _Lobepflanzer_ =
-Falschmünzer, _nobis vergrönter Käfferle_ = Junggeselle, _nobis dofs
-Jahne_ = Mißjahr (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.), _nobis
-grandicher Kaffer_ = Zwerg; endlich erscheint es noch e) in einer fast
-satzartigen Wendung: nämlich _nobis Strauberts auf'm Ki(e)bes_ (d. h.
-»keine Haare auf dem Kopfe«) für das deutsche Subst. Kahlkopf. _Zu vgl._
-(aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 342, 345 (_noves_
-= nicht; _nobus schlaune_ = schlaflos; _Manobisch_, _schinegeln_ =
-Faulenzer [wofür wohl richtig zu lesen, (ma) _nobisch schinegeln_ =
-faulenzen], _nobis maker_ [v. hebr. _makr_ = »bekannt«; s. _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1371] od. _nobis knais_ = unbekannt); _Schwäb.
-Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (_nobes_ = nichts [es ist nichts], _lauter
-nobes_ = alles nichts); _Schwäb. Händlerspr._ 484 (_nobis_ = nein,
-_nôbis_ = nicht [in _Pfedelb._ (212): _nowes_ = nein, nicht u. _binowes_
-= gar nichts]). Auch in _nicht_ verwandten Krämersprachen findet sich
-das Wort (s. z. B. in _nordwestfäl. Bargunsch_ 446 [_nobis_ = nein,
-nicht] u. im _Hennese Flick von Breyell_ 456 [_nobes_ = nein]). Über das
-Auftreten der Vokabel im ältern Rotwelsch (seit Auf. des 17. Jahrh. [s.
-z. B. schon _Ulenhart_ 1617 [132, 132: _nobis_ = nicht] u. dann öfter in
-verschiedenen Formen) s. Näh. bei _Weber-Günther_, S. 173/74 unter
-»_nowes_«; desgl. bezügl. der _Etymologie_, worüber u. a. folgendes
-ausgeführt ist: »Nach _Wagner_ bei _Herrig_, S. 225 hängt das Wort ›ohne
-Zweifel … mit dem alten _Nobis_ zusammen, welches wieder von der
-italienischen Nebenform _nabisso_ (= in abisso; französ. _abîme_,
-griech.-lat. _abyssus_ = Abgrund, Hölle) herzuleiten ist‹. Dazu das
-bekannte _Nobiskrug_ = Hölle; eigtl. ›Höllenschenke‹ (s. dazu _Kluge_,
-W.-B. S. 332/33, _Weigand_, W.-B. II, Sp. 308 u. bes. _Grimm_, D. W.-B.
-VII, Sp. 862 ff.). Unbeschadet _dieser_ Etymologie besteht aber
-vielleicht (nach gefl. Mitteilg. von Dr. _A. Landau_) auch noch ein
-gewisser Zusammenhang zwischen _nobis_ = nicht und dem oben (Anm. 518)
-betrachteten _lo[h]ne_. Da nämlich _lô lnû_ (woraus _lolone_, _lone_
-entstanden) der Anfang des 115. Psalmes ist, der in der Vulgata (Ps.
-113) ›Non nobis, Domine …, sed nomini tuo da gloriam‹ lautet, so
-könnte dies analog zur Anwendung von _non nobis_ _allein_ in der
-Bedeutung ›nein‹ geführt haben, zumal, gleichwie in _lone_ lautlich _lô_
-= nein steckt, auch in _nobis_ das _no_ als _Negation_ empfunden werden
-konnte. Ob aber dieser Parallelismus mehr als Zufall ist, muß
-dahingestellt bleiben.« Über weitere Bedeutungsveränderungen von _nobis_
-in den _Krämersprachen_ s. noch ebds. S. 174, Anm. 1.]
-
-Ding, _Schure_[540], _Sore_[541] [64.139]
-
-Dirne, _Lubne_[542], _schofele Model_[543] (bes. ersteres in der üblen
-Bedeutg. von »Hure«); vgl. Buhldirne.
-
-Docht, _Scheischure_[544]
-
-[Fußnote 540: ([89] auf S. 64.139) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 541: ([90] auf S. 64.139) S. Brücke.]
-
-[Fußnote 542: ([91] auf S. 64.139) S. Beischläferin.]
-
-[Fußnote 543: ([92] auf S. 64.139) S. arg. u. Beischläferin.]
-
-[Fußnote 544: ([93] auf S. 64.139) S. alltäglich u. abbiegen.]
-
-Docke s. Puppe [64.140]
-
-Dohle, _Schure_[540]
-
-Doktor (Arzt), _Begersins_[545]
-
-Dokument s. Attest; vgl. Brief
-
-Dolch, _Scharfling_[546]
-
-Dom, _grandiche Duft_[547] (d. h. »große Kirche«)[548]
-
-Dorf, _G'fahr_ (Gefahr)[549], _Mocham_, _Mochem_ (Spr.) od.
-_Mochum_[550]
-
-[Fußnote 545: ([94] auf S. 64.140) S. absterben u. Amtmann.]
-
-[Fußnote 546: ([95] auf S. 64.140) Mit _Scharfling_ (od. _Scharpflengl_
-= Messer (auch spezieller: Federmesser od. Rasiermesser), Dolch ist nur
-die _Zus._ _Scharflingpflanzer_ = Messerschmied gebildet. _Zu vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 484 (_Schärfling_ =
-Messer), wogegen in der _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74 der Ausdr.
-soviel wie »Rettich« bedeutet. Der _Etymologie_ nach gehört er natürlich
-zu unserem Adj. _scharf_.]
-
-[Fußnote 547: ([96] auf S. 64.140) _Duft_ = Kirche (Gotteshaus, Kapelle,
-Tempel) erscheint auch noch in der _Verbindg._ _Duft halten_ =
-Gottesdienst halten sowie in den _Zus._: _Duftnolle_ = Kelch,
-_Duftglitschin_ = Kirchenschlüssel, _Duftkies_ = Opfergeld. _Zu vgl._
-(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95 (_Duft_ =
-Kirche); ebenso übereinstimmend auch _W.-B. des Konst. Hans_ 254 u.
-_Pfulld. J.-W.-B._ 341 (hier [345] auch: _grandiche Duft_ = Tempel);
-_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71 (_Duft_ = Kirche, _Duftreiter_ =
-Kirchenräuber); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Duft_, Bedg. ebenso,
-_Dufter_ od. _Duftschaller_ = Lehrer), s. auch noch _Metzer Jenisch_ 216
-(_Duft_ = Kirche) u. _Eifler Hausiererspr._ 490 (_Doft_). Über weitere
-Belege im Rotw. sowie die (unsichere) _Etymologie_ des Wortes
-(vielleicht vom hebr. _tefill[h]_ = »Gebet« od. zu _duft_ [heb. _Tôb_]
-= gut) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 70 u. Anm. 2 u. S. 71 (unter
-»Duftschaller«); vgl. auch _Weber-Günther_, S. 169. _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. II, Sp. 445 hat der Ausdr. — allerdings nur mit einem
-Fragezeichen — zu dem Weihrauchduft in den katholischen Kirchen in
-Beziehung gesetzt.]
-
-[Fußnote 548: ([97] auf S. 64.140) Dieselbe Umschreibung kennt auch die
-Zigeunerspr.; s. _Liebich_, S. 189 (_bari kangri_ = Dom).]
-
-[Fußnote 549: ([98] auf S. 64.140) S. Bauerndorf. — Über das frühere
-(jetzt veraltete) Synon. _Palar_ s. »Einleitung«, S. 27 u. Anm. 79.]
-
-[Fußnote 550: ([99] auf S. 64.140) Die dritte Form (_Mochum_ [Dim.
-_Mochumle_ (Spr.)]) soll nach der »Einltg.«, S. 27 — gleich den
-früheren, jetzt veralteten _Mokem_ u. _Mogumle_ — _auch_ »Stadt«
-bedeuten (wie auch fast allgem. im Rotwelsch), während im W.-B. für
-»Stadt« nur _Steinhäufle_ angeführt ist (vgl. »Einltg.«, S. 25, Anm.
-61). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._); _Dolm. der Gaunerspr._ 99
-(_Mokum_ = Stadt); _W.-B. des Konst. Hans_ 251, 257 (_Mokem_ = Stadt,
-Dimin.: _Mogumle_ = Städtchen); _Schöll_ 271 (_Mokum_ = Stadt,
-_Ortschaft_); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 345 (_Mochum_ = Stadt, _Dorf_);
-_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75 (Form.: ebens., Bedtg. Stadt); Schwäb.
-Händlerspr. 480 (Form: ebens. Bedtg.: _Dorf_ [in _Degg._ (215) =
-Stadt]). Über weitere Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ (v. hebr.
-_mqôm_ = »Ort«) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 213 u. Anm. 2 u. S. 214;
-vgl. auch _Weber-Günther_, S. 159 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp.
-1720/21 (unter »Mochum«).]
-
-Dörfchen (Dörflein), _Heges_[551], auch _Mochumle_ (Spr.)[550] [64.141]
-
-Dorn, _Schure_[552], _Spraus_[553], _Stupfle_[554]
-
-Dose, _Schure_[552]
-
-Draht, "
-
-Dreck, _Fu(h)l_[555], _Schund_ od. _Schond_[556]
-
-dreckig, _schundich_[556]
-
-Drehorgel s. Leierkasten
-
-drohen, _stämpfen_[557]
-
-[Fußnote 551: ([100] auf S. 64.141) Die Vokabel ist im _obigen_ Sinne
-sonst nirgends bekannt; herangezogen werden könnten ja allenfalls (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Hegis_ = Spital,
-Bettelhaus), _Pfulld. J.-W.-B._ 337 (_Heges_ = Armenhaus) u. _Schwäb.
-Händlerspr._ 482 (_Hêges_ = kleines Haus), _wenn_ man nämlich eine
-Bedeutungsveränderung von »kleines _Haus_« (Bettel- oder Armenhaus usw.)
-zu »kleines _Dorf_« für möglich hält. Auch für _Hegis_ (-es) usw. in
-_jenem Sinne_, das auch z. B. schon im _Lib. Vagat_, 54 (_Hegiß_ =
-Spital) vorkommt, ist die _Etymologie_ übrigens zweifelhaft; A.-L.s
-Hypothesen (548 unter »Heckdisch«) erscheinen zu gesucht. Dagegen könnte
-das jüd. _hekdisch_ = »Siechenhaus, Bettlerherberge«, vom neuhebr.
-_hekdêsch_ = »was dem Heiligtum geweiht ist«, »Geheiligtes« (zu
-_hkdasch_ = »abgesondert sein«) als Quelle herangezogen werden (nach
-Dr. _A. Landau_). _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1351 (unter »Hegis«)
-hat keine Erklärung gegeben. — Vielleicht könnte _Heges_ = Dörflein
-auch einfach aus unserm _deutsch. Hege_ (= »Umhegung, Umzäunung« [vgl.
-_Weigand_, W.-B. I, Sp. 831]) weiter gebildet worden sein.]
-
-[Fußnote 552: ([101] auf S. 64.141) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 553: ([102] auf S. 64.141) S. Baumholz.]
-
-[Fußnote 554: ([103] auf S. 64.141) _Stupfle_ = Dorn, Stachel ist in dem
-_verw. Quellenkr._ zwar _nicht_ bekannt, dagegen findet sich hier das
-Zeitw. _stupfen_ = stechen, zu dem das Hauptw. als _Ableitg._ gehört;
-vgl. _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 342, 344 (_ausstupfen_ = ausstechen;
-_stupfeln_ = nähen, _Stupfler_ = Schneider [schon im _W.-B. des Konst.
-Hans_ dafür: _Stupfer_]); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69 u. 75
-(_stupfen_ = stechen, erstechen); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._
-[209, 213]: ebenso, sonst [486] dafür: _dupfen_ [worüber Näh. in
-_Wittichs W.-B._ unter »stechen«]; vgl. 484, 486: _Stupfer_ = Schneider,
-_Stupflerin_ = Näherin, womit auch zu vgl. _Pleißlen der Killertaler_
-436 [_Stupferles-Penk_ = Schneider, _Stupferles-Senn_ = Näherin, auch
-Floh, für _erstere_ Bedtg. auch _Stupferin_, während _Stupfer_ hier
-»Gabel« bedeutet]). Zur _Etymologie_: das Stammwort _stupfen_ = stechen
-(s. oben) gehört der südd., insbes. schwäbisch. u. bairischen Mundart
-an. S. Näh. bei _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 79 (unter »Stupfer«) vbd. mir
-_v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 515, Nr. 3 u. _Schmeller_, Bayer. W.-B.
-II, Sp. 774. Über den auf den _gleichen_ Stamm zurückgehenden jenisch.
-Ausdr. _Stupfel_ od. _Stupfleng_ = Igel s. noch weiter unten.]
-
-[Fußnote 555: ([104] auf S. 64.141) S. Abort.]
-
-[Fußnote 556: ([105] auf S. 64.141) S. abgerahmte Milch.]
-
-[Fußnote 557: ([106] auf S. 64.141) S. Ärger.]
-
-duften, _dof muffen_ (eigtl. »gut riechen«; _herles muft's dof_, hier [64.142]
-riecht es gut[558]
-
-dumm, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[559]
-
-dummer Mensch s. Dummkopf
-
-Dummheit, _Hegelei_[560], _Ni(e)serei_, _Nillerei_, _Nuscherei_[559]
-
-Dummkopf, _Hegel_[560], _Ni(e)se_, _Nille_, _Nusche_[559]
-
-Dünger s. Dreck
-
-dunkel, _leile_ (= Leile), _ratte_ (= Ratte, d. h. Nacht)[561]
-
-dürftig, _dercherich_ (eigtl. »bettelhaft«)[562]
-
-Durst, _Schwächerich_ (subst. Adj.; s. durstig)[563]
-
-dursten, mich durstet, _mich schwächert's_[563]
-
-durstig, _schwächerich_ (Spr.)[563]
-
-
- E.
-
-Eber, _Balo_[564], _Groanikel_[565]
-
-[Fußnote 558: ([107] auf S. 64.142) S. angenehm u. Aas.]
-
-[Fußnote 559: ([108] auf S. 64.142) S. aberwitzig.]
-
-[Fußnote 560: ([109] auf S. 64.142) _Hegelei_ ist — ebenso wie das Adj.
-_hegelich_ = unverständig — eine Ableitung von _Hegel_ = Dummkopf
-(dummer Mensch), Einfaltspinsel, Geck, Narr; dazu die Zusstzgn.
-_Hegelkitt_ = Irrenhaus u. _Hegellauti_ = närrischer Kerl, Possenreißer
-(wobei die Bedtg. des _-lauti_ zweifelhaft bleibt). Auch das _Metzer
-Jenisch_ 216 kennt _Hēgel_ = Dummkopf, wogegen das Wort in den
-zunächst _verw. Quellen_ in diesem Sinne _un_bekannt erscheint (s.
-jedoch _Pfulld. J.-W.-B._ 389 [_Jahrhegel_ = Förster]). Über das
-Vorkommen der Vokabel im sonstigen _Rotwelsch_ (in d. Formen _Hegel_,
-_Heckel_, _Häckel_, _Hög[e]l_ mit den Bedtgn. »Narr, Geck; Lump; Schaf;
-Bauer«) sowie ihre _Etymologie_ s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd.
-42, S. 6, 7 u. dazu noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1330 (unter
-»Hegel«) vbd. mit Sp. 1011 (unter »Häckel« I, Nr. 2), der Heckel =
-»roher Mensch« zu »_hacken_« stellt. Vgl. auch _Weber-Günther_, S. 183
-(unter »Häckel«).]
-
-[Fußnote 561: ([110] auf S. 64.142) S. Abend; vgl. über den Gebrauch des
-Substantivs als Adjektiv: »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38 a. E.]
-
-[Fußnote 562: ([111] auf S. 64.142) S. abbetteln.]
-
-[Fußnote 563: ([112] auf S. 64.142) S. Amme.]
-
-[Fußnote 564: ([113] auf S. 64.142) _Balo_ = Schwein, Sau (Eber, Hauer,
-auch Ferkel) findet sich (in dem _verw. Quellenkr._) schon bei _Schöll_
-271, während das _Pfulld. J-W.-B._ 343, 344 die Form _Bale_ (= Sau,
-Schwein), die _schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75 aber _Male_ (= Schwein)
-hat, was wohl nur verdruckt sein dürfte. Über weitere Belege im Rotw.
-sowie die _Etymologie_ des Wortes (aus der _Zigeunerspr._ [vgl.
-»Einleitung«, S. 29]) s. d. näh. Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S.
-32 u. Anm. 3 u. S. 33 u. Anm. 1 (zu »Balebumser«), u. dazu noch
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1419 (unter »Male«) vbd. mit _Finck_,
-S. 49 (_bálo_ oder _bālo_ = »Schwein«).]
-
-[Fußnote 565: ([114] auf S. 64.142) _Groanikel_ od. (häufiger)
-_Groenikel_, Syn. zu _Balo_, findet sich auch in verschied.
-_Zusammensetzgn._ (während solche mit _Balo_ _nicht_ gebildet sind) u.
-zwar: a) _am Anfang_: _Groenikelbenk_ od. _-schure_ = Sau- od.
-Schweinehirt, _Groenikelstenkert_ = Sau- od. Schweinestall,
-_Groenikelbossert_ = Schweinefleisch, _Groenikelkemerer_
-= Schweinehändler, _Groenikelkafler_ = Schweinemetzger,
-_Groenikelschwächerle_ = Schweinezitzen, _Groenikelstrauberts_ =
-Schweinsborsten; b) _am Ende_: _Flu(h)tegroanikele_ = Meerschweinchen u.
-_Mameregroanikel_ = Mutterschwein. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Kranickel_ = Schwein);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 343, 344 (_Kronickel_ = Sau, Schwein); _Schwäb.
-Händlerspr._ 486 (_Krûnikel_, _Krônikel_ [_in Pfedelb._ (213):
-_Graunickel_], auch wohl bloß _Nickel_ = Schwein). Über weitere rotw.
-Belege sowie die _Etymologie_ (zu mundl. _gronen_ [_graunen_] u. ä. =
-»grunzen« [s. bes. _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1000] u. _Ni[c]kel_,
-Abkürzung vom Eigennamen _Nikolaus_ [vgl. oben unter »Bulle« betr.
-_Hornickel_], also eigtl. »Grunznikel« [wie in _Strelitz. Gloss._ v.
-1747 (214/15)]) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 33 u. Anm. 2 (zu
-»Kronickels-Bumser«); vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp.
-849/50 (unter »Gronickel«, mit Anfühg. von bayr. _Gronigl_ = »Murrkopf«
-nach _Schmeller_, a. a .O. 1, Sp. 1772 unter »Nickel«).]
-
-echt, _dof_[566] [64.143]
-
-edel, _dof_[566], _g'want_[567]
-
-Edelmann, _Sins_, femin. (Edeldame), _Sense_[568]
-
-Edelstein s. Diamant
-
-Ehe, _Vergrönt_ (= _vergrönt_, d. h. eigtl. »_in_ der Ehe«,
-»verheiratet«)[569]; vgl. Heirat u. Hochzeit
-
-[Fußnote 566: ([115] auf S. 64.143) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 567: ([116] auf S. 64.143) S. anmutig.]
-
-[Fußnote 568: ([117] auf S. 64.143) S. Amtmann.]
-
-[Fußnote 569: ([118] auf S. 64.143) Es liegt hier wohl vor der Fall des
-Gebrauchs eines Partizips (_vergrönt_ = verheiratet [ehelich], von dem
-Zeitw. _vergrönen_ od. _vergröneren_ = [ver]heiraten, verehelichen) als
-Substantiv (s. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36); vgl. als Gegensatz:
-_nobis vergrönt_ = ledig (unverehelicht, unverheiratet) u. daher _nobis
-vergrönter Benges_ od. _Käfferle_ = lediger Mann, Junggeselle. Eine
-_Ableitg._ von _vergröne(re)n_ ist _Vergrönerei_ = Heirat, während
-_Groenerei_ = Hochzeit (nebst d. _Zus._ _Groenereibikus_ od. _-kahlerei_
-= Hochzeitsschmaus) ein einfaches _groenen_ = heiraten voraussetzt, das
-aber im W.-B. nicht angeführt ist. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91, 93, 94 (_Grunerej_ = Hochzeit,
-_Kocheme Grunerej_ = Diebshochzeit, _Grünt'schaj_ od. _-Mos_ = Ehefrau,
-_Grün-Kaffer_ = Ehemann); _Schöll_ 271 (_Grunerey_ = Hochzeit); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 339, 340 (_Gränerei_ = Ehe, Hochzeit, _Kränerei_ = Heirat,
-_Grenzgasch_ = Ehe, _Grängoi_ = Eheweib); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._
-68-70 (_krönern_ = heiraten, _Krönerin_ = Ehefrau, _Kroner_ = Ehemann,
-_Krone_ = Frau); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_krönen_ od. _krö[h]nern_ =
-heiraten, dazu [in _Pfedelb._ (209): _Krönerei_ = Hochzeit, _Kröner_,
-_Krönerin_ = Ehemann, -frau, ferner _vergrünt_ [in _Pfedelb._ (213):
-_verkrönert_] = verheiratet). Zur (nicht sicheren) _Etymologie_ des
-Wortes (das vermutlich mit dem Aufsetzen einer Krone als
-Hochzeitszeremonie zusammenhängt) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S.
-56 u. Anm. 1 u. S. 57 u. Anm. 2 (unter »Krönerin«) sowie Bd. 56, S. 69
-(unter »Krone«).]
-
-Ehebrecherin, _Lubne_[570] od. _schofle Mos(s)_[571] [64.144]
-
-Ehefrau, _Mos(s)_[571]
-
-ehelich s. Ehe
-
-Ehemann, _Kaffer_[572]
-
-ehrbar, _dof_[573]
-
-ehrenhaft, ehrenwert, "
-
-ehrlich, "
-
-Ei, _Bäzem_, plur. _Bäzema_ (od. _-me_)[574]
-
-Eiche, _Stöber_[575]
-
-Eichhörnchen s. Baumkatze
-
-Eid, _Schure_[576]
-
-[Fußnote 570: ([119] auf S. 64.144) S. Beischläferin.]
-
-[Fußnote 571: ([120] auf S. 64.144) S. arg u. Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 572: ([121] auf S. 64.144) S. Bauer.]
-
-[Fußnote 573: ([122] auf S. 64.144) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 574: ([123] auf S. 64.144) Der Plural _Bäzeme_ bedeutet auch:
-»Hoden«. Ebenso handelt es sich bei dem — nach _Wittich_ (im
-Manuskript) mit Unrecht davon scharf gesonderten — _Betzam_ od. _Bezem_
-= männliches Glied, penis, das — wie er selber bemerkte — »in der
-Aussprache kaum davon zu unterscheiden« ist, um _dasselbe_ Wort, nur in
-etwas anderer Schreibung (vgl. die Etymol.). _Zus._ a) mit _Bäzem(e)_ =
-Ei(er) sind: [Griechisch: a]) _am Anfang_: _Bäzemabrandleng_ =
-Eierkuchen, _Bäzemagachne_ od. _-stierer_ = Legehuhn, _Bäzemaschei_
-(eigtl. »Eiertag«) = Karfreitag (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d.
-Zigeun.; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 18); [Griechisch: b]) _am
-Ende_: _Fläderlingbäzeme_ = Vogeleier, _Strohbutzersbäzeme_ = Gänseeier.
-b) Mit _Bäzeme_ = Hoden ist gebildet _Bäzemerande_ = Hodensack. c) Mit
-_Betzam_ (Bezem) = penis fehlen Zusammensetzgn. im W.-B. _Zu vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Betzum_ = Ei);
-_Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Betze_ od. _Betzum_ = Eier, in _Pfedelb._
-[209]: _Bezem_ = Ei u. Eier, ebds. [211] _Bēzĕmĕ_ = membrum
-muliebre, dagegen in _Lütz._ [215] — übereinstimmend mit _Wittichs_
-Jenisch — = membrum virile); s. auch noch _Pfälz. Händlerspr._ 437 u.
-_Metzer Jenisch_ 212 (_Bĕtzche_ = Ei). Die Bedeutg. von _Betzam_
-(Bezem) = membrum virile kennt auch schon das Rotwelsch des 19. Jahrh.
-(s. z. B. _Pfister_ 1812 [_Pehzem_ = männliches Glied]; _v. Grolman_ 7
-u. _T.-G._ 98 [_Behzem_]; _Castelli_ 1847 [391: _Bedzem_]; ebenso:
-_Fröhlich_ 1851 [394] u. _Wiener Dirnenspr._ 1886 [417], während A.-L.
-523 _Bezem_ hat). — Über die sehr verschiedenen Formen des Wortes (in
-der _ursprgl._ Bedeutg. »Ei«) im Rotw. sowie die _Etymologie_ (vom
-gleichbed. hebr. _bêça_ [jüd. bezo], plur. _beçîm_) s. _Weber-Günther_,
-S. 152/53 (unter »Bärkse«) vbd. mit A.-L. 523 (unter »Beitze«) u. 341
-(unter »Beza«), _Günther_, Rotwelsch, S. 26, _Stumme_, S. 23 u.
-_Kleemann_, S. 235. Über die Bedeutungserweiterung (zu dem Begriff
-_penis_) s. _A.-L._ 523 u. _Müller_ in d. »Anthropophyteia«, Bd. VIII,
-S. 4 mit weiteren Angaben. Ob der Gebrauch des Wortes für membrum
-_muliebre_ (bei d. schwäb. Händl. i. _Pfedelb._ [s. oben]) auf einer
-weiteren Bedeutungsverschiebung oder auf Ungenauigkeit beruht, mag
-dahingestellt bleiben.]
-
-[Fußnote 575: ([124] auf S. 64.144) S. Apfelbaum.]
-
-[Fußnote 576: ([125] auf S. 64.144) S. abbiegen.]
-
-Eierkuchen, _Bäzemabrandleng_[577] [64.145]
-
-eifersüchtig, _lenk_, _schofel_[578]
-
-Eimer, _Schure_[576]
-
-einblasen, _einschurele_[576]
-
-einbrechen, "
-
-einbrennen, _einfunken_[579]
-
-einfahren, _einruadla_[580]
-
-einfallen, _einplotza_[581]
-
-einfältig, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[582]
-
-Einfaltspinsel, _Hegel_[583]
-
-einfangen, _einschurele_[576]
-
-einfüllen, "
-
-eingeben, "
-
-einhandeln s. einkaufen
-
-einhauen, _einguffen_[584]
-
-einheizen, _einfunken_[579]
-
-einkaufen, _einbaschen_ (Spr.), _eingreme_[585]
-
-einkerkern, _eindofema_, _einleken_[586]
-
-einlaufen, _ei'bosten_[587]
-
-einnähen, _ei'stichle_[588]
-
-einsalben, _einschunde_[589]
-
-einsalzen, _einspronken_[590]
-
-[Fußnote 577: ([126] auf S. 64.145) S. (betr. _Brandleng_) Apfelkuchen.]
-
-[Fußnote 578: ([127] auf S. 64.145) S. arg.]
-
-[Fußnote 579: ([128] auf S. 64.145) S. abbrennen.]
-
-[Fußnote 580: ([129] auf S. 64.145) S. abfahren.]
-
-[Fußnote 581: ([130] auf S. 64.145) S. bewerfen.]
-
-[Fußnote 582: ([131] auf S. 64.145) S. aberwitzig.]
-
-[Fußnote 583: ([132] auf S. 64.145) S. Dummheit.]
-
-[Fußnote 584: ([133] auf S. 64.145) S. aufschlagen.]
-
-[Fußnote 585: ([134] auf S. 64.145) S. (zu beiden Ausdr.) abkaufen.]
-
-[Fußnote 586: ([135] auf S. 64.145) S. (zu beiden Ausdr.) Arrest.]
-
-[Fußnote 587: ([136] auf S. 64.145) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 588: ([137] auf S. 64.145) S. aufnähen.]
-
-[Fußnote 589: ([138] auf S. 64.145) S. abgerahmte Milch.]
-
-[Fußnote 590: ([139] auf S. 64.145) Das Zeitw. _einspronken_ (s. dazu
-die _Verbdg._ _eingespronkter Bossert_ = Pökelfleisch) ist ebenso wie
-das einfache _spronkere_ = salzen (richtiger doch wohl: _spronken_?) —
-u. dazu _g'spronkt_ od. _gesprunkt_ = gesalzen, salzig — eine Ableitung
-von dem Hauptwort _Spronkert_ = Salz. Mit diesem sind zusammengesetzt:
-_Spronkert-Flössling_, _Spronkertflotscher_ od. _-schwimmerling_ (d. h.
-eigtl. »Salzfisch«) = Hering (s. d. betr. Übereinstimmg m. d. Zigeun.),
-_Spronkertschottel_ = Salzbüchse, _Spronkertbossert_ = Salzfleisch,
-_Spronkertnolle_ = Salznapf. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
-_Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_Sprunkert_ = Salz); übereinstimmd.: _Schöll_
-271 u. _Pfulld. J.-W.-B._ 343 (hier [339] auch: _einsprunken_ =
-einsalzen); _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Sprungert_ [in _Pfedelb._ (212):
-_Sprunk_] = Salz). Auch die _Pfälz. Händlerspr._ 439 kennt _Sprungert_.
-Über weitere Belege des Wortes in Rotw. (wo es schon seit d. 15. Jahrh.
-— in sehr wechselnden Formen — auftritt) u. seine (nicht sichere)
-_Etymologie_ s. Näh. bei _Weber-Günther_, S. 187/88 (unter »Sprunkert«)
-vbd. m. _Pott_ II, S. 35, _A.-L._ 610 u. _Hoffmann-Krayer_ im Schweiz.
-Archiv für Volkskunde, Bd. III, S. 246, Anm. 132 (die an die Zeitw.
-»springen«, »sprenkeln« u. »[be]sprengen« gedacht haben).]
-
-einschlafen, _ei'durme_ (-ma)[591], _einschlauna_[592] [64.146]
-
-einschlagen s. _einhauen_
-
-einschlummern s. einschlafen
-
-einschmieren s. einsalben
-
-einschneiden, _einschurelen_[593]
-
-einschnüren, "
-
-einschreiben, _einfebera_[594]
-
-einschütten, _einschurelen_[593]
-
-einspannen, "
-
-einsperren s. einkerkern
-
-einstecken " "
-
-einstürzen, _einbohla_[595]
-
-einwerfen, _einplotza_[596]
-
-Eis, _Schure_[593]
-
-Eisen, "
-
-Eisenbahn, _Rutsch_[597]
-
-Eisenbahnarbeiter, _Rutschschenegler_[598]
-
-Eisenbahnwagen, _Rutschrädling_[599]
-
-[Fußnote 591: ([140] auf S. 64.146) S. aufwachen.]
-
-[Fußnote 592: ([141] auf S. 64.146) S. ausschlafen.]
-
-[Fußnote 593: ([142] auf S. 64.146) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 594: ([143] auf S. 64.146) S. abschreiben.]
-
-[Fußnote 595: ([144] auf S. 64.146) S. abfallen.]
-
-[Fußnote 596: ([145] auf S. 64.146) S. bewerfen.]
-
-[Fußnote 597: ([146] auf S. 64.146) S. Bahn.]
-
-[Fußnote 598: ([147] auf S. 64.146) S. (betr. _Schenegler_) abschaffen.]
-
-[Fußnote 599: ([148] auf S. 64.146) _Rädling_ (-leng) = Fahrzeug (auf
-dem Lande), Wagen findet sich noch in der _Verbindg._ _dofer Rädling_
-(d. h. »schöner Wagen«) = Kutsche sowie in folgenden _Zusammensetzgn._:
-a) _am Anfang_: _Rädlingkaffer_ = Fuhrmann u. _Rädlingpflanzer_ =
-Kutschenbauer, Wagner; b) _am Ende_: _Kritzlerrädling_ (eigtl.
-»Briefwagen«) = Postwagen u. _Schmelemerrädling_ = Zigeunerwagen. _Zu
-vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255
-(_Rädling_ = Landkutsche); _Pfulld. J.-W.-B._ 346 (= Wagen); _Schwäb.
-Händlerspr._ 488 (ebenso; Syn. _Rdel_ od. _Rudel_). Über weitere rotw.
-Belege u. die _Etymologie_ (zu »Rad«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42,
-S. 25 u. Anm. 1 (unter »Radlinger«) vbd. m. _Pott_ II, S. 37, _A.-L._
-583 u. _Günther_, Rotwelsch, S. 99, Anm. 118; vgl. auch Archiv, Bd. 46,
-S. 27 (_Radlingpflanzer_ = Wagner bei _Karmayer_ 130).]
-
-eisig, _bib(e)risch_ (eigtl. »kalt«)[600] [64.147]
-
-Eiswasser, _Biberischerflu(h)te_ (d. h. eigtl. »kaltes Wasser«)[601]
-
-elend, _lenk_, _schofel_[602] (elend daran gewesen, _schofel daran
-gehauret_)[603]
-
-Elster, _Flederling_[604] oder (genauer) _Stämpfflederling_[605], d. h.
-»der schimpfende Vogel«[606]
-
-Eltern, _Patris[607] und Mamere_[608], d. h. »Vater und Mutter«[609]
-
-[Fußnote 600: ([149] auf S. 64.147) Das Adj. _biberisch_ (bibrisch
-[Spr.]) = kalt (eisig, frostig), das auch als Subst. (= Kälte, Frost)
-gebracht wird, ist eine _Ableitung_ von dem Zeitw. _biberen_ = frieren
-(_mich biberts'_ = mich friert's). Eine _Zus._ mit _biberisch_ ist
-_Biberischerflu(h)te_ = Eiswasser. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_biberisch_ = kalt); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 339, 341 (_biberisch_ = kalt, _biberen_ = frieren, _verbibern_
-= erfrieren); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_biberisch_ = kalt, in
-_Pfedelb._ [209, 210]: _biberen_ = frieren [z. B. _mi bibert's an d'
-Grifling_ = mich friert's an den Händen] u. _verbiberen_ = erfrieren).
-Sowohl das Adj. wie das Zeitw. sind auch sonst im Rotw. bekannt
-(letzteres auch mit den _Neben_bedeutgn. »beten« u. »lesen«; s. A.-L.
-524). Der _Etymologie_ nach erscheint _biberen_ (wie auch das gemeinspr.
-_bebern_ = »heftig beben« u. d. mundartl. _bibbern_ od. _bebbern_ =
-»zittern« [s. z. B. _H. Meyer_, Richt. Berliner, 7. Aufl. (1911), S.
-19]) wohl als »Iteritivbildung« von »beben«. _S. Pott_ II, S. 17 vbd.
-mit _Weigand_, W.-B. I, Sp. 173; vgl. auch _Günther_, Rotwelsch, S. 79,
-Anm. 81 u. S. 98, Anm. 118 sowie _Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 338, Anm. 1
-(zu S. 336).]
-
-[Fußnote 601: ([150] auf S. 64.147) S. (betr. _Flu[h]te_) abbrühen.]
-
-[Fußnote 602: ([151] auf S. 64.147) S. arg.]
-
-[Fußnote 603: ([152] auf S. 64.147) Das Zeitw. _hauren_ hat (ähnl. wie
-_schef[f]ten_) die doppelte Bedeutg. von: a) sein u. b) sitzen
-(niedersitzen). S. zur _ersteren_ Bedeutg. noch die Umschreibung _hauret
-nobis_ (eigtl. »es ist nichts«) = ungültig, unzweckmäßig (vgl. oben
-unter »Dietrich«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
-J.-W.-B._ 337, 338, 342, 344-46 (_hauren_ = ausruhen, bleiben, liegen,
-sitzen, _oberkinnig hauren_ = aufsitzen, _beducht hauren_ = still stehen
-[vgl. dazu betr. _beducht_: _Weigand_, W.-B. I, Sp. 225 unter
-»betuchen«], _scheffhauren_ = warten, _Haurigerlaninger_ = Schildwache);
-_Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [209, 210]: _hawern_ = dasein,
-sein, _ghawert_ = gewesen). Über sonstige Belege im Rotw. sowie die
-_Etymologie_ des Wortes (vom ältern deutsch, _hauren_ [od. hauern] =
-»niederhocken, kauern«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 27, 28 u.
-Anm. 1 zu »Haurigerlaninger«).]
-
-[Fußnote 604: ([153] auf S. 64.147) S. Adler.]
-
-[Fußnote 605: ([154] auf S. 64.147) S. (betr. _Stämpf-_) Ärger.]
-
-[Fußnote 606: ([155] auf S. 64.147) Übereinstimmend hiermit auch die
-Zigeunersprache. _S. Liebich_, S. 118, 164 u. 193 u. _Finck_, S. 92
-(_tšingerpáskero tširklo_ = Elster, eigtl. der »zänkische«, der
-»Zank- u. Streitvogel«).]
-
-[Fußnote 607: ([156] auf S. 64.147) _Patris_ od. _Patres_ = Vater findet
-sich auch in folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Patrisglied_
-(das — gleich _Mamereglied_ [s. dazu oben unter »Amme«] — drei
-Bedeutgn. hat, näml.): [Griechisch: a]) Oheim (im Sinne
-v. »Vatersbruder«); [Griechisch: b]) Tante (im Sinne von
-»Vatersschwester«), [Griechisch: g]) Neffe (väterlicherseits; vgl. schon
-oben unter »Bruder« sowie betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun. noch unter
-»Oheim« u. »Tante«), _Patriskitt_ = Vaterhaus, _Patrissteinhäufle_ =
-Vaterstadt; b) _am Ende_: _Grandicher-Patres_ = Großvater, _Kittpatris_
-= Hausvater, _Schoflerpatris_ = Stiefvater. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 100 (_Patres_ = Vater [so: auch
-_Sulz_, _Zigeunerliste_ 1787 (251)]); _Schöll_ 271 (_Patris_); _Schwäb.
-Händlerspr._ 487 (_Ptris_). Über weitere rotw. Belege u. die
-_Etymologie_ (von latein. _pater_, gen. _patris_) s. Näh. in _Groß'_
-Archiv, Bd. 50, S. 355 u. Anm 1; vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B.
-I, Sp. 677.]
-
-empfindlich, _stumpfich_[610] [64.148]
-
-emporblicken, _linzen_[611]
-
-Ente, _Lachapatscher_[612]
-
-Entenfuß, _Lachepatscherstritt_[613]
-
-[Fußnote 608: ([157] auf S. 64.148) S. Amme.]
-
-[Fußnote 609: ([158] auf S. 64.148) Nach _Liebich_, S. 131 u. 193
-umschreiben auch die Zigeuner den Begriff »Eltern« in gleicher Weise (_o
-dad te i dai_, d. h. Vater u. Mutter); vgl. »Vorbemerkung«, S. 17, Anm.
-44.]
-
-[Fußnote 610: ([159] auf S. 64.148) S. Ärger.]
-
-[Fußnote 611: ([160] auf S. 64.148) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 612: ([161] auf S. 64.148) _Lacha-_ od. _Lachepatscher_ = Ente
-(s. dazu die _Zus._: _Lachepatscherstritt_ u. _-stenkert_ = Entenfuß,
--stall sowie das _Dimin._ _Lachepatscherle_ = »Küchlein« [d. h.
-_Enten_küchlein]) findet sich auch in der _schwäb. Händlerspr._ 480
-(_Lachepatscher_ od. _Lachpatsche_). Das ältere Rotwelsch kannte dafür
-den Ausdr. _Dreckpatscher_ (s. z. B. auch: _Dolm. der Gaunerspr._ 92:
-_Treckpatscher_). S. dazu, insbes. auch über die _Etymologie_ der
-Wörter, Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 215, 216 u. Anm. 1; vgl. auch
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 908.]
-
-[Fußnote 613: ([162] auf S. 64.148) _Tritt_ = Fuß (auch Fußstapfe,
-Fußtritt), Ferse, Schenkel, ferner (bei Tieren) Pfote sowie auch Schuh
-kommt noch vor in der _Verbindg._ _unterkünftiger Tritt_ (d. h. eigtl.
-»der untere Fuß«) = Fußsohle (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.)
-sowie in den folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_:
-_Trittgrif(f)leng_ (-ling) (eigtl. »Fußfinger«) = (Fuß-) Zehe (s. d.
-betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.); b) _am Ende_: (_außer
-Lachepatscherstritt_ noch): _Babinger-_ od. _Strohbutzerstritt_ =
-Gänsefuß, _Traperttritt_ = Gaul- od. Pferdefuß, _Gachne-_, _Stanzel-_
-od. _Stierertritt_ = Hühnerfuß u. _Vordertritt_ = Vorderfuß. Für
-»Handschuhmacher« ist im W.-B. _Grif(f)lingstrittpflanzer_ angeführt,
-woraus sich _Grif(f)lingstritt_ = Handschuh ergibt, obwohl im Vok. dafür
-nur _Grif(f)lengstrittleng_ genannt ist. Auch in dem _verw. Quellenkr._
-kommt statt _Tritt_ durchweg in gleicher Bedeutg. das stammverwandte
-_Trittling_ vor (s. darüber Näh. unter »Ferse«), während sich in der
-sonst. Gaunerspr. vereinzelt auch _Tritt_ für »Schuh« findet neben dem
-(häufigern) Dimin. _Trittchen_ u. ä., das bes. auch in der neueren
-Kundenspr. u. in den Krämerspr. beliebt ist (vgl. z. B. auch: _Schwäb.
-Gaun.- u. Kundenspr._ 76 [_Trittchen_ = Stiefel] u. _Metzer Jenisch_ 217
-[_Trittche_ = Schuh]). Ausführl. _Belege_ s. (betr. _Tritt_) in _Groß'_
-Archiv, Bd. 46, S. 299 u. 309 u. (betr. _Trittchen_ u. ä.) ebds., Bd.
-46, S. 18, 19, Anm. 2 vbd. mit _Weber-Günther_, S. 191/92. Die
-_Etymologie_ bedarf keiner näheren Erläuterung.]
-
-Entenstall, _Lachepatschersstenkert_[614] [64.149]
-
-entfernen (sich), _schiebes bosten_ od. _schef(f)ten_, entferne dich,
-gehe fort, _schef(f)te schiebes_[615]
-
-entkleiden, _ausklufte_[616]
-
-entleibt, _begeret_ (d. h. »gestorben«)[617]
-
-entrinnen, _schiebes pfichen_[618]
-
-entrüstet, _stumpfich_[619]
-
-Entrüstung, _Stumpf_[619]
-
-entschlafen s. entleibt
-
-entseelt " "
-
-Entsetzen, _Bauser_[620]
-
-entspringen, entweichen, _schiebes bosten_[615]
-
-entwenden (Entwendung), _schniffen_[621], _schornen_[622]
-
-entwischen s. entspringen
-
-entzwei, _schofel_ (Spr.)[623]
-
-Epilepsie, _Begerisch_ (subst. Adj.)[624]
-
-[Fußnote 614: ([163] auf S. 64.149) Mit _Stenkert_ od. (seltener)
-_Stenker_ = Stall (Käfig) sind noch folgende _Zusammensetzgn._ gebildet:
-_Strohbutzerstenkert_ = Gänsestall, _Gachnestenkert_ = Hühnerstall,
-_Keiluf-_ od. _Kibestenkert_ = Hundestall, _Horbogestenkert_ = Kuhstall,
-Rinderstall, _Hornikelstenkert_ = Ochsenstall, _Trabertstenker_ (hier
-so!) = Pferdestall (s. dazu das Dimin. _Trabertstenkertle_ =
-Füllenstall, wofür eigentlich _Trabertlestenkert_ zu erwarten, da das
-Füllen _Trabertle_, Dimin. zu _Trabert_ [od. Trapert] Pferd, heißt; vgl.
-Näh. unter »Füllen«), _Groenikelstenkert_ = Sau- (Schweine)stall,
-_Jerusalemsfreundstenkert_ = Schafstall. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (Stenkert = Stall); _W.-B. des
-Konst. Hans_ 255 (_Stenker_); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (_Stinker_; vgl.
-aber auch [343] unter »Roßstall«: _Stenger_, ferner [340]:
-_Stierestinker_ = Hühnerstall); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75
-(_Stenkert_); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (ebenso, in _Pfedelb._ [213]
-aber _Stinkert_, das übrigens hier auch »Käs« bedeutet, während es in
-_Lütz._ [214] soviel wie »Abtritt« ist). Das auch sonst im Rotw.
-verbreitete Wort gehört der _Etymologie_ nach natürlich zu unserm Zeitw.
-»stinken«; s. _Pott_ II, S. 35 u. _A.-L._ 610 (unter »Stänker«).]
-
-[Fußnote 615: ([164] auf S. 64.149) S. davongehen; vgl. (betr.
-_bosten_): abgehen u. (betr. _schef[f]ten_): daher a. E.]
-
-[Fußnote 616: ([165] auf S. 64.149) S. ankleiden.]
-
-[Fußnote 617: ([166] auf S. 64.149) S. absterben.]
-
-[Fußnote 618: ([167] auf S. 64.149) S. (betr. _schiebes_) Anm. 615 u.
-(betr. _pfichen_) abgehen.]
-
-[Fußnote 619: ([168] auf S. 64.149) S. Ärger.]
-
-[Fußnote 620: ([169] auf S. 64.149) S. Angst.]
-
-[Fußnote 621: ([170] auf S. 64.149) S. anfassen.]
-
-[Fußnote 622: ([171] auf S. 64.149) S. ausstehlen.]
-
-[Fußnote 623: ([172] auf S. 64.149) S. arg.]
-
-[Fußnote 624: ([173] auf S. 64.149) S. absterben.]
-
-erbitten s. bitten [64.150]
-
-erbittert s. entrüstet; vgl. auch zornig
-
-erbrechen (sich), übergeben (sich), _giela_ (Spr.), auch als Subst.: das
-Erbrechen, Übergeben, _Giela_ (-le)[625]
-
-Erbsen, _Sore_[626]
-
-Erbsenschüssel, _Soreschottel_[627]
-
-Erdäpfel, _Bolla_[628], _Matrele_[629]; vgl. Kartoffel
-
-Erdbeere, _Jahresäftling_ od. _Krachersäftling_[630]
-
-erfassen, _schniffen_[631]
-
-erflehen, _derchen_[632]
-
-erforschen s. ausfragen
-
-erfragen (fragen), _lenzen_[633]
-
-ergrimmt s. entrüstet
-
-erhängen, _aufknüpfen_[634], _schnüren_[635]
-
-erkaufen, _grema_[636]
-
-erkennen, _kneisen_ (gneis[s]en)[637]
-
-[Fußnote 625: ([174] auf S. 64.150) S. Affengesicht.]
-
-[Fußnote 626: ([175] auf S. 64.150) S. Brücke.]
-
-[Fußnote 627: ([176] auf S. 64.150) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 628: ([177] auf S. 64.150) S. Bratkartoffeln.]
-
-[Fußnote 629: ([178] auf S. 64.150) Diese Vokabel ist im W.-B. _nicht_
-zu _Verbindgn._ od. _Zusammensetzgn._ verwendet worden. _Zu vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Matrellen_ =
-»Grundbieren« (d. h. Grundbirnen, schwäb. = Kartoffeln); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 341 (_Matrella_ = Kartoffeln); _Schwäb. Händlerspr._ (U.
-[214]: _Matrelle_ = Kartoffel). Über weitere rotw. Belege sowie die
-_Etymologie_ — aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 30) — s.
-das Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 311 (unter »Matrelen-Bosseler«)
-u. dazu noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1524 (unter
-»Matērelle«) vbd. mit _Finck_, S. 72 (_matrēli_ = »Kartoffel«).]
-
-[Fußnote 630: ([179] auf S. 64.150) S. Ananas.]
-
-[Fußnote 631: ([180] auf S. 64.150) S. anfassen.]
-
-[Fußnote 632: ([181] auf S. 64.150) S. abbetteln.]
-
-[Fußnote 633: ([182] auf S. 64.150) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 634: ([183] auf S. 64.150) Der Ausdruck bedarf keiner
-Erläuterung, ist aber sonst im Rotw. u. in den Geheimspr. nicht
-gebräuchlich; vgl. jedoch bei _Karmayer_ 95 die Bezeichng.
-_Knüpfschragen_ für den Galgen (wohl zu _Schagen_ = »Holzgestell mit
-schräg od. kreuzweise stehenden Füßen« nach _Weigand_, W.-B. II, Sp.
-784).]
-
-[Fußnote 635: ([184] auf S. 64.150) S. aufhängen.]
-
-[Fußnote 636: ([185] auf S. 64.150) S. abkaufen.]
-
-[Fußnote 637: ([186] auf S. 64.150) Das Zeitw. _kneisen_ od.
-_gneis(s)en_ bedeutet: erkennen (kennen), merken, aber auch: können
-(wissen, verstehen); dazu die Umschreibung _gneis nobis_ = unbekannt
-(vgl. schon oben unter »Dietrich«). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95 ([einen] _kneisen_ = [einen]
-kennen); _Schöll_ 272 (_kneissen_ — »inne werden«); _Pfulld. J.-W.-B._
-338, 339 (_begneist_ = bekannt, _verkneissen_ = erkennen); _Schwäb.
-Händlerspr._ 479, 484, 488 (_kneißen_ od. _kneißen_ = bemerken, merken,
-verstehen, in _Pfedelb._ [213]: _kneissen_, auch = sehen). Über weitere
-Belege im Rotw. (schon seit dem 17. Jahrh.) sowie die _Etymologie_ s.
-Näh. bei _Weber-Günther_, S. 178 (unter, »kneisen«). Zu den dortigen
-Zitaten (A.-L. 559 vbd. mit _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 980 u. 1759
-[_g'neißen_ = »(etwas) in die Nase bekommen, wittern, merken,
-wahrnehmen, ahnen«]) s. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 357
-(unter »g[e]neisse[n]«); zu vgl. ferner _H. Meyer_, Richt. Berliner (7.
-Aufl.), S. 72 (wonach auch in Berlin _kneißen_ für »scharf hinsehen«
-bekannt ist).]
-
-erlogen, _kohl_ (eigtl. _Kohl_ = Lüge)[638] [64.151]
-
-ermorden, _deisen_ (Partiz.: ermordet, _deist_)[639]
-
-erschlagen, " "
-
-erschießen, _verschnellen_ (erschossen, _verschnellt_)[640]
-
-Erschrecken (das), _Bauser_[641]
-
-ersehen (sehen), _linzen_[642]
-
-ersticken, _begeren_[643]
-
-erwachsen, _grandich_ (od. -dig)[644]
-
-erwacht, _ausdurmt_[645], _ausg'schlaunet_[646]
-
-erwischen, _bestieben_[647], _zopfen_[648]
-
-erwürgen, _deisen_[649]
-
-[Fußnote 638: ([187] auf S. 64.151) S. belügen.]
-
-[Fußnote 639: ([188] auf S. 64.151) Das Zeitw. _deisen_ kommt vor für:
-ermorden (morden), erschlagen, töten (totmachen, totschlagen [Spr.]),
-unterbringen, vernichten, dann auch spezieller für »erwürgen« sowie für
-»schlachten«; dazu die _Zus._ _halbdeist_ = halbtot u. die _Ableitg._
-_Deiser_ = Mörder od. Totschläger. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74 (_deisen_ od. _teißen_ =
-schlagen, _Teißerei_ = Schlägerei); _Schwab. Händlerspr._ 484, 487
-(_deißen_ = töten, metzgen, schlachten, dazu: _Klæbedeißer_ =
-Pferdemetzger; in _Pfedelb._ [212]: _deisen_ = schlachten, aber _deißen_
-= coire [Grundbedtg. auch hier wohl »schlagen«, vgl. (209): _eindeißte
-Bezem_ = »eingeschlagene Eier«], ferner in _Lütz._ [215): _deisse[n]_ =
-schlagen, _Deisser_ = Metzger u. in _Degg._ [215]: _Deiss_ = Schlag).
-Über sonstige rotw. Belege und die (nicht ganz sichere) _Etymologie_ s.
-Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 46 u. Anm. 2 u. S. 47 (unter lit. k.:
-»Teissflamerer«). Auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 139 bezeichnet
-die Etymol. als »unklar«.]
-
-[Fußnote 640: ([189] auf S. 64.151) S. abschießen.]
-
-[Fußnote 641: ([190] auf S. 64.151) S. Angst.]
-
-[Fußnote 642: ([191] auf S. 64.151) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 643: ([192] auf S. 64.151) S. absterben.]
-
-[Fußnote 644: ([193] auf S. 64.151) S. Adler.]
-
-[Fußnote 645: ([194] auf S. 64.151) S. aufwachen.]
-
-[Fußnote 646: ([195] auf S. 64.151) S. ausschlafen.]
-
-[Fußnote 647: ([196] auf S. 64.151) S. bekommen.]
-
-[Fußnote 648: ([197] auf S. 64.151) S. Diebstahl.]
-
-[Fußnote 649: ([198] auf S. 64.151) S. ermorden.]
-
-erzählen, _dibere_[650], _schmusen_[651] [64.152]
-
-Erzählung, _Diberei_, _Schmuserei_
-
-erzeugen, _bodere_ (od. budere), _kirme_, _schnirgle_[652],
-_schurele_[653], auch _fuchsa_[654]
-
-erzürnt, _stumpfich_[655], auch wohl _lenk_ od. _schof(f)el_[656]
-
-essen, _achila_[657], _biken_, _butten_, _kahla_[658]
-
-Essen (das), _Achilerei_[657], _Bikerei_ (od. _Bikus_), _Butterei_,
-_Kahlerei_[658]
-
-Eule, _Leile-_ od. _Ratteflederling_, d. h. »Nachtvogel«)[659]
-
-Euter, _Schwächerle_[660]
-
-[Fußnote 650: ([199] auf S. 64.152) S. ansagen.]
-
-[Fußnote 651: ([200] auf S. 64.152) S. anreden.]
-
-[Fußnote 652: ([201] auf S. 64.152) S. (zu allen drei Ausdr.) begatten.]
-
-[Fußnote 653: ([202] auf S. 64.152) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 654: ([203] auf S. 64.152) Das oben unter »begabten« nicht als
-Syn. angeführte Zeitw. _fuchsa_ kommt sonst m. Wiss. in den Geheimspr.
-nicht vor. Es ist ein (ziemlich selten gebr.) schwäb. Ausdruck für
-»unehelich beiwohnen« od. — allgemeiner — »Unzucht treiben«; s.
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1810 (unter »fuchse[n]« vbd. mit _v.
-Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 208 (unter »fugsen« [u. neben »vögeln«], der
-zwar das Wort zunächst zu _fügen_ im Sinne von »vereinigen« stellt,
-jedoch weiter bemerkt, daß es »auch von Vögeln wegen ihrer
-Begattungslust und vom _Fuchs_ hergeleitet werden« könne, »da auch das
-lateinische _lupa_ und seine Verwandten ähnliche Begriffe bezeichnen«.]
-
-[Fußnote 655: ([204] auf S. 64.152) S. Ärger.]
-
-[Fußnote 656: ([205] auf S. 64.152) S. arg.]
-
-[Fußnote 657: ([206] auf S. 64.152) Von dem Zeitw. _achila_, _achile(n)_
-= essen (kauen, schmausen, verzehren) ist abgeleitet das Hauptw.
-_Achilerei_ = (das) Essen (Frühstück, Kost, Mahlzeit, Speisen); s. dazu
-die _Zus._: _Fösslingachilerei_ = Fischessen, _Leileachilerei_ =
-Nachtessen, _Rundlingachilerei_ = Wurstessen. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Schöll_ 271, 272 (_achlen_ = essen, _Achelsore_ =
-Eßwaren); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 339, 342, 345 (_acheln_ = essen,
-_abacheln_ = abfressen, _Achelsore_ = Eßwaren, Lebensmittel, Speisen);
-_Schwäb. Händlerspr._ 480 (_ach[e]len_ [in _Pfedelb._ (209):
-_ach¶i¶len_] = essen); s. auch _Pfälz. Händlerspr._ 337 (_achîle_ =
-essen). Die zuletzt genannten (mit ¶i¶ in der zweiten Silbe gebildeten)
-Formen kommen auch in der Gauner- u. Kundenspr. vereinzelt vor (s. z. B.
-_Thiele_ 223 u. A.-L. 516 [_Achile-Bajes_ = Speisehaus, Restaurant];
-_Ostwald_ [Ku.] 11 [_ach¶ie¶len_ neben _acheln_]). Über weitere rotw.
-Belege im allg. (seit d. _Lib. Vagat_ [52]) sowie die _Etymologie_ (vom
-gleichbed. hebr. _kal_ [od. _āchal_]) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 51, S.
-154 (unter »Achelpeter«) vbd. mit _Schütze_, S. 70; vgl. auch
-_Weber-Günther_, S. 162 (mit Angaben über die Verbreitg. in d. deutsch.
-Mundarten), ferner _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 90 (unter »achle[n]«)
-u. _Seiler_, Lehnwort IV, Sp. 489.]
-
-[Fußnote 658: ([207] auf S. 64.152) S. (zu allen drei Ausdr.)
-Abendessen.]
-
-[Fußnote 659: ([208] auf S. 64.152) S. Abend u. Adler. —
-Übereinstimmende Bezeichnung der Eule (als _rattjakro tschirkulo_, d. h.
-gleichfalls »Nachtvogel«) auch in der Zigeunersprache nach _Liebich_, S.
-165 u. 193 (vgl. »Vorbemerkung«, S. 18).]
-
-[Fußnote 660: ([209] auf S. 64.152) S. Amme.]
-
-evangelisch, _gril(l)isch_ od. _kril(l)isch_ (Spr.)[661] [64.153]
-
-Exkremente (tierische u. menschliche), _Boslem_[662], _Fu(h)l_[663],
-_Schond_[664]
-
-
- F.
-
-Fabel, _Kohl_[665]
-
-Fackel, _Schein_[666]
-
-Faden, _Schure_[667]
-
-Fahne, "
-
-fahren, _ruadla_[668]
-
-fahrende Leute, _jenische Ulma_[669], _Krattler_[670]
-
-Fahrzeug (auf dem Lande), _Rädleng_[671], _Ruadel_[668]
-
-Falle, _Schure_[667]
-
-fallen, _bohla_[672]
-
-[Fußnote 661: ([210] auf S. 64.153) Das Adj. _gril(l)isch_ od.
-(seltener) _kril(l)isch_ = evangelisch (protestantisch) erscheint auch
-als Substantivierung _Gril(l)ischer_ = Protestant sowie in die
-Verneinung _nobis gril(l)isch_ = ungläubig. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_grillisch_ = lutherisch);
-_W.-B. des Konst. Hans_ 257 (ebenso, vgl. [256]: _Grillische
-Käfer-Märtine_ = Württemberg [u. dazu _Günther_ i. d. Zeitschr. »Die
-Polizei«, Jahrg. IV (1906), Nr. 3, S. 51, Sp. 2]); _Schöll_ 274 (in d.
-»Bettlersprache«: _crilisch_); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_grillisch_);
-_Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [209]: _krillisch_ [oder
-_krittisch_] = evangelisch, in _Lütz._ [215]: _grillisch_ =
-protestantisch). Zur _Etymologie_ (des auch sonst im Rotw. [des 19.
-Jahrb.] bekannten Wortes s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 835 (unter
-»Grill[e]« Nr. 2). Danach nennt die katholische Bevölkerung in gewissen
-Gegenden Schwabens die Protestanten _Grillen_ (wobei zunächst wohl an
-unsere _Tier_bezeichnung zu denken ist), u. dazu ist dann als Adj.
-_grillisch_ (in schlechter Ausspr. _krillisch_) gebildet worden (s. a.
-a. O., Sp. 836 unter »grillisch«).]
-
-[Fußnote 662: ([211] auf S. 64.153) S. After u. Bäcker.]
-
-[Fußnote 663: ([212] auf S. 64.153) S. Abort.]
-
-[Fußnote 664: ([213] auf S. 64.153) S. abgerahmte Milch.]
-
-[Fußnote 665: ([214] auf S. 64.153) S. belügen.]
-
-[Fußnote 666: ([215] auf S. 64.153) S. alltäglich.]
-
-[Fußnote 667: ([216] auf S. 64.153) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 668: ([217] auf S. 64.153) S. abfahren.]
-
-[Fußnote 669: ([218] auf S. 64.153) S. Bachstelze u. arme Leute.]
-
-[Fußnote 670: ([219] auf S. 64.153) _Krattler_ ist eine mundartliche,
-besonders in Bayern allgemein übliche Bezeichnung für die »fahrenden
-Leute«, zunächst eigtl. für »die Tiroler, die gewöhnlich in Gesellschaft
-ihrer ganzen Familie kleine Karren« (mit zwei Rädern, _Kratten_ genannt,
-v. latein _caretta_) »voll Obst, Kreide usw. zum Verhandeln nach Bayern
-ziehen und für den Rückweg Hafnergeschirr usw. zu laden pflegen«.
-(_Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1385). Vgl. auch _Grimm_, D. W.-B. V,
-Sp. 2070 (unter »Kratte« Nr. 3) u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 693
-(unter »Kratte[n]«). In den Geheimsprachen ist der Ausdruck m. Wiss.
-sonst nicht gebräuchlich.]
-
-[Fußnote 671: ([220] auf S. 64.153) S. Eisenbahnwagen.]
-
-[Fußnote 672: ([221] auf S. 64.153) S. abfallen.]
-
-fallende Sucht (Fallsucht), _Begerisch_ (subst. Adj.)[673]; vgl. [64.154]
-Epilepsie
-
-falsch, _lenk_, _schofel_[674]
-
-Falschmünzer, _nobis dofer Bich-_, _Kies-_ od. _Lobepflanzer_ (d. h.
-»kein guter Geldmacher«)[675]
-
-fangen, _bestieben_[676]
-
-Fastnacht, _Ni(e)sicheschei_ od. _Nillicheschei_ (d. h. der »närrische«
-oder »Narrentag«)[677]
-
-Fastnachtsküchle, _Nillichescheibrandling_[678]
-
-Fastnachtsmaske, _Ni(e)sichegiel_, _Nilliche-_ od. _Nuschichegiel_ (d.
-h. »närrisches Maul«)[679]
-
-faul s. falsch
-
-faulenzen, _nobis schenegla_ (d. h. »nicht[s] arbeiten«)[680]
-
-Faust, _Grif(f)leng_[681]
-
-fechten, _doga_[682], _guffa_[683], _ste(c)ken_[684]; vgl. schlagen
-
-Federbett, _Sauft_[685]
-
-Federmesser, _Scharfling_ od. _Scharpfleng_[686]
-
-Fehde, _Guferei_[683], _Hamore_[687], _Stenzerei_[688]
-
-[Fußnote 673: ([222] auf S. 64.154) S. absterben.]
-
-[Fußnote 674: ([223] auf S. 64.154) S. arg.]
-
-[Fußnote 675: ([224] auf S. 64.154) S. Dietrich; vgl. auch (betr.
-_Bich_) Almosen, (betr. _Kies_) Bankier, (betr. _Lobe_) Bank u. (betr.
-_-pflanzer_) anbrennen.]
-
-[Fußnote 676: ([225] auf S. 64.154) S. bekommen.]
-
-[Fußnote 677: ([226] auf S. 64.154) S. aberwitzig u. alltäglich. In
-_gleicher_ Weise wird Fastnacht auch bei den Zigeunern bezeichnet; s.
-_Liebich_, S. 169 (_narbuléngĕro diwes_, d. h. »Narrentag«) u.
-_Finck_, S. 55, (_narwelengero díwes_).]
-
-[Fußnote 678: ([227] auf S. 64.154) S. (btr. _Brandling_) Apfelkuchen.]
-
-[Fußnote 679: ([228] auf S. 64.154) S. Affengesicht.]
-
-[Fußnote 680: ([229] auf S. 64.154) S. (betr. _nobis_) Dietrich u.
-(betr. _schenegla_) abschaffen.]
-
-[Fußnote 681: ([230] auf S. 64.154) S. Daumen.]
-
-[Fußnote 682: ([231] auf S. 64.154) S. abgeben.]
-
-[Fußnote 683: ([232] auf S. 64.154) S. aufschlagen.]
-
-[Fußnote 684: ([233] auf S. 64.154) S. beschenken.]
-
-[Fußnote 685: ([234] auf S. 64.154) S. Bett.]
-
-[Fußnote 686: ([235] auf S. 64.154) S. Dolch.]
-
-[Fußnote 687: ([236] auf S. 64.154) _Hamore_ = Streit (Fehde, Gefecht,
-Geschrei, Gezänk, Handgemenge, Kampf, Prügelei, Schlägerei) erscheint in
-_Wittichs_ W.-B. gewissermaßen als Synonym zu _More_ (= Prügelei,
-Streit) od. _Morerei_ (= Geschrei, Gezänk, Streiten), die wohl gleichen
-Stammes sein dürften (s. d. Etymologie). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_Hamore_ = Händel); _Schöll_
-272 (ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 345 (_More_ = Händel, _Mori_ =
-Streit, Zus. _Morekaffen_ [lies: _-kaffer_] = »bestohlene
-Diebsverfolger«); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Môrest_ od. _Mores_ =
-Angst, in U. [214]: _Mōre_ = Streit u. _mōre[n]_ [in _Lütz._
-(214): _hamīre(n)_] = streiten); s. auch _Pfälz. Händlerspr._ 438
-(_Môres_ = Angst). Über weitere Belege im Rotw. sowie d. _Etymologie_ s.
-noch Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 334, Anm. 4. Da das _Pfulld.
-J.-W.-B._ (340) _More_ durch ganz denselben Ausdruck (»Händel«)
-verdeutscht wie die _älteren_ rotw. Quellen _Hamore_, so läßt dies wohl
-darauf schließen, daß es sich hier um dasselbe Wort handelt. _More_ aber
-(von dem weiter _Morerei_ — ev. durch Vermittlung eines Zeitw.
-_mōren_ [s. _Schwäb. Händlerspr._ in _Lütz._ (214)] — leicht
-gebildet werden konnte), dürfte wohl zu dem hebr. _môr'_ = »Furcht«
-gestellt werden, wie es denn auch im Rotw. (des 19. Jahrh.) mehrfach
-durch »Angst« od. »Furcht« wiedergegeben ist (u. ebenso in d. _Schwäb.
-u. Pfälz. Händlerspr._ [s. oben]). Jedenfalls erscheinen diese
-Hypothesen wohl weniger gesucht als die bei _Fischer_, Schwäb. W.-B.
-III, Sp. 1093 — allerdings nur mit einem _Fragezeichen_ —
-aufgestellte, wonach zu _Hamore_ das hebr. _chămôr_ = »Esel«
-herangezogen worden.]
-
-Feiertag, Festtag, _Weisleng_[689]. (Obgleich _Weisleng_ eigentlich [64.155]
-Sonntag bedeutet, wird doch auch jeder andere Feiertag damit bezeichnet)
-
-Feigling, _Buxeschmelzer_ (d. h. eigtl. »Hosenscheißer«)[690]
-
-fein, _dof_, _g'want_[691]
-
-feines Haus, _dofe Kitt_[692]; vgl. Schloß
-
-Feldschütz s. Flurschütz
-
-Felleisen, _Rande_[693]
-
-Felsen, _grandicher Kies_ (d. h. »großer Stein«)[694]
-
-[Fußnote 688: ([237] auf S. 64.155) S. Ast.]
-
-[Fußnote 689: ([238] auf S. 64.155) Mit _Weisleng_ (-ling) = Sonntag
-(Feier-, Festtag) sind folgende _Zus._ gebildet worden:
-_Brandlingweisling_ (d. h. eigtl. »Kuchensonntag« = Kirchweihsonntag
-(der durch Kuchenessen gefeiert zu werden pflegt), _Bäzemaweisling_ (d.
-h. eigtl. »Eiersonntag«) = Ostern (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d.
-Zigeun.), _Schuberleweisling_ (d. h. eigtl. »Geistsonntag« [mit Bez. auf
-die Ausgießung des heiligen Geistes]) = Pfingsten (s. d. betr. Analogie
-in d. Zigeunerspr.). Aus dem _verw. Quellenkr._ kennt nur die _schwäb.
-Händlerspr._ in _Deggingen_ (215) _Weissling_ in der Bedeutg. »Sonntag«.
-Im _Rotw._ kommt dagegen die Vokabel in diesem Sinne _nicht_, dagegen
-für sehr verschiedene Dinge (mit weißer od. glänzender Farbe) vor, so z.
-B. für _Ei_ (so auch in der _schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68), für
-_Milch_ (so auch in der _schwäb. Händlerspr._ 484), für _Schnee_ (s. z.
-B. schon _Schintermicherl_ 1807 [288]), für den »Silbergnanziger« (s.
-_Fröhlich_ 1851 [419]; vgl. in der neueren Kundenspr. die Bdtg.
-»Zwanzig- od. Fünfpfennigstück«) usw. Vgl. _Pott_ II, S. 8, A.-L. 621,
-_Günther_, Rotwelsch, S. 62 u. in _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 296 u. Anm.
-3. Der _Etymologie_ nach nimmt _Weissling_ = Sonntag usw. jedenfalls
-wohl Bezug auf das Weiße als »Farbe des Tages, Lichtes .. und _der
-festlichen Freude_« (vgl. Näh. dazu bei _H. Schrader_, Wundergarten, S.
-70).]
-
-[Fußnote 690: ([239] auf S. 64.155) S. Beinkleid u. Abort.]
-
-[Fußnote 691: ([240] auf S. 64.155) S. angenehm u. anmutig.]
-
-[Fußnote 692: ([241] auf S. 64.155) S. angenehm u. Abort.]
-
-[Fußnote 693: ([242] auf S. 64.155) S. Bauch.]
-
-[Fußnote 694: ([243] auf S. 64.155) S. Adler u. Apfelkern. — Dieselbe
-Umschreibung kennt auch die Zigeunersprache; s. _Liebich_ S. 196
-(_bāro parr_, d. h. »großer Stein« [od. _pesso parr_, d. h. »dicker
-Stein«] = Fels).]
-
-Fenster, _Feneter_[695], _Schei_[696] [64.156]
-
-Fensterglas, _Feneter-_ od. _Scheiglansert_[697]
-
-Ferkel, _Balo_, _Groanikel_[698]
-
-Ferse, _Tritt_[699], _Trittleng_[700]
-
-Fett, _Schmunk_[701]
-
-Fettbüchse, _Schmunkschottel_[702]
-
-feucht, _flu(h)tich_[703]
-
-Feuer, _Funk_[704]
-
-[Fußnote 695: ([244] auf S. 64.156) _Zusammengesetzt_ damit ist nur
-_Feneterglansert_ = Fensterglas. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
-_W.-B. des Konst. Hans_ 258 (_Fenette_ [fem. gen.] = Fenster); _Schöll_
-271 (_Feneter_); _Pfulld. J.-W.-B._ 389 (_Finetter_) _Schwäb.
-Händlerspr._ 480 (_Feneter_ od. _Finêter_); s. auch _Metzer Jenisch_ 216
-(_Fenēt_); _Eifler Hausiererspr._ 490 (_Finet_) u. _Winterfeld_,
-_Hausiererspr._ 441 (_Finester_ = Fenster u. Auge). Zur _Etymologie_
-(vom franz. _fenêtre_ [ital. _finestra_]) s. _Pott_ II, S. 17,
-_Günther_, Rotwelsch, S. 37 u. _Weber-Günther_, S. 173; vgl. auch
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1052. Da _Wittich_ in sr. »Einleitung«
-(S. 29) die Vokabel unter den aus der _Zigeunersprache_ stammenden (in
-der Form _Fenetra_) aufgeführt hat, mag es sein, daß seine »jenischen
-Leute« sie _zunächst_ von den Zigeunern übernommen haben, die sie (in
-ähnl. Form) auch kennen (s. _Finck_, S. 57: _fenétri_ = »Fenster«,
-während _Liebich_ S. 196 dafür nur _wochni_ hat [vgl. bei _Jülling_, S.
-227: _Wochli_ = Fensterscheiben]); doch geht natürlich auch das
-Zigeunerwort wohl zweifelsohne auf das Französische zurück (vgl.
-»Vorbemerkg.«, S. 10, Anm. 26 u. »Einleitg.« S. 29, Anm. 93).]
-
-[Fußnote 696: ([245] auf S. 64.156) S. alltäglich.]
-
-[Fußnote 697: ([246] auf S. 64.156) S. (betr. _Glansert_) Bierglas.]
-
-[Fußnote 698: ([247] auf S. 64.156) S. (zu beiden Ausdr.) Eber.]
-
-[Fußnote 699: ([248] auf S. 64.156) S. Entenfuß.]
-
-[Fußnote 700: ([249] auf S. 64.156) _Trittleng_ (-ling) bedeutet
-(ähnlich wie _Tritt_) Fuß (Ferse), aber besonders auch Schuh
-od. Stiefel. _Zusammensetzgn._ damit sind: a) _im Anfang_:
-_Trittlengstreifling_ = Fußlappen; b) _am Ende_: _Grif(f)lingtrittling_
-= Handschuh, _Halbtrittleng_ = Halbstiefel, _Traperttrittling_ = Huf
-(eigtl. wohl Pferdefuß; vgl. _Traperttritt_ = »Gaulfuß« [s. oben unter
-»Entenfuß«]. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 92, 98 (_Trittling_ = Füße, Schuh); _Schöll_ 271 (Form:
-ebenso, Bedtg.: Fuß); _Pfulld. J.-W.-B._ 344 (ebenso); _Schwäb. Gaun.-
-u. Kundenspr._ 75, 76 (_Trittling_ = Schuh, Stiefel); _Schwäb.
-Händlerspr._ 481, 486, 487 (Form: ebenso, Bedtgn.: Fuß, Schuh, Stiefel,
-vgl. _Trittlingspflanzer_ = Schuster); auch im _Pleißlen der
-Killertaler_ (436) hat _Trittling_ _dieselben_ Bedeutgn. Über weitere
-Belege im Rotw. u. die _Etymologie_ (zu »Tritt« bzw. »treten«) s.
-_Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 18 u. Anm. 1 u. S. 19.]
-
-[Fußnote 701: ([250] auf S. 64.156) S. Bratkartoffeln.]
-
-[Fußnote 702: ([251] auf S. 64.156) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 703: ([252] auf S. 64.156) S. abbrühen.]
-
-[Fußnote 704: ([253] auf S. 64.156) S. abbrennen.]
-
-Feuersbrunst, _grandicher Funk_ (d. h. »großes Feuer«)[705] [64.157]
-
-Feuerstein, _Funkkies_[706]
-
-feurig, _funkich_[707]
-
-Fichte, _Stöber_[708]
-
-Fichtenwald, _Jahre_, _Kracher_ (d. h. überhaupt »Wald«)[709]
-
-Filzlaus, _Kenem_[710]
-
-Finger, _Grif(f)ling_[711]
-
-Fingerhut, _Grif(f)lingoberman(n)_[712]
-
-[Fußnote 705: ([254] auf S. 64.157) S. Adler u. abbrennen. — Auch die
-Zigeuner haben keinen besonderen Ausdruck für Feuersbrunst, sondern
-sagen dafür _bāro jāk_, d. h. gleichfalls »großes Feuer«, oder
-_diwii jāk_, d. h. »wildes, wütendes Feuer« (s. _Liebich_, S. 197);
-vgl. »Vorbemerkg.«, S. 17.]
-
-[Fußnote 706: ([255] auf S. 64.157) S. (betr. _Kies_) Apfelkern.]
-
-[Fußnote 707: ([256] auf S. 64.157) S. abbrennen.]
-
-[Fußnote 708: ([257] auf S. 64.157) S. Apfelbaum.]
-
-[Fußnote 709: ([258] auf S. 64.157) S. (zu beiden Ausdr.) Ananas.]
-
-[Fußnote 710: ([259] auf S. 64.157) Mit _Kenem_ (= Laus, Filzlaus, plur.
-_Keneme_ = Ungeziefer) sind _zusammengesetzt_: a) am _Anfang_:
-_Kenemebenges_, _-benk_ od. _-fi(e)sel_ = »Lausbub«; b) am _Ende_:
-_Muffkenem_ (d. h. eigtl. »Stinklaus«) = Wanze (vgl. Aas). _Zu vgl._
-(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Kinum_ =
-Läuse); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_Künum_ = Laus, plur. hier: _Künumer_);
-_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71, 72 (_Kinum_ od. _Kinem_ = Läuse,
-_Kinumrechen_ = Kamm [vgl. das volkstüml. »Lauseharke«]); _Schwäb.
-Händlerspr._ 488 (_Kenum_, _Kînum_ od. _Kîneme_ [in _Pfedelb._ (211):
-_Kinnem_] = Laus, in _Pfedelb._ [211] auch _Kinnemrechen_ = Kamm); s.
-auch noch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Kînum_ = Laus). Zur _Etymologie_
-aus dem Hebr. (bibl. _kinnîm_ od. _kinnm_, eigtl. = »Stechmücken«, jüd.
-_kinnim_ = »Läuse«) s. _Günther_, Rotwelsch, S. 67 u. Anm. 67 vbd. mit
-A.-L. 538 u. 390 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 387; vgl. auch
-_Weber-Günther_, S. 157 (unter »Kinnem«), woselbst auch noch weitere
-Belege aus d. Rotw. angeführt sind.]
-
-[Fußnote 711: ([260] auf S. 64.157) S. Daumen.]
-
-[Fußnote 712: ([261] auf S. 64.157) _Oberman(n)_ = Hut (Haube, Kappe,
-Mütze) kommt auch noch in folgenden _Zus._ vor: a) _am Anfang_:
-_Oberman(n)pflanzer_ = Hutmacher (Kappenmacher) od. Kürschner; b)
-_am Ende_: _Lanengeroberman(n)_ = Helm od. Soldatenmütze,
-_Grandicher-Sins-Oberman(n)_ (d. h. eigtl. »Königshut«, zu _grandich
-Sins_ = König [s. oben unter »Bischof«], weshalb genauer
-_Grandich-Sins-Oberm._ zu erwarten wäre) = Krone (s. d. betr. die
-Übereinstimmg. mit d. Zigeun.) u. _Süslingoberman(n)_ = Zuckerhut (wobei
-der Ausdr. — wie in _Grif[f]lingoberman[n]_ — im _übertrag._ Sinne
-gebraucht ist). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 94 (_Obermann_ = Hut, dann auch Rahm); _Pfulld. J.-W.-B._
-339-342 (_Aberma_ = Filzhut, _Oberma_ = Hut, auch Milchrahm, _Obermäne_
-= Kappe); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71 (_Obermann_ = steifer Hut,
-vgl. _Strohmann_ = Strohhut); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Oberman_ =
-Hut; dazu in _Pfedelb._ [210] noch: _Obermannspflanzer_ = Hutmacher).
-Über weitere Belege in Rotw. usw. sowie die _Erklärung_ des Ausdrucks s.
-_Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 336, Anm. 4; vgl. auch _Weber-Günther_, S.
-191/92 (unter »Öwermännche«).]
-
-Fingerring, _Reifling_[713] [64.158]
-
-finster, _leile_ (eigtl. _Leile_ = Nacht)[714]
-
-Finsternis, _Leile_
-
-Fisch, _Flössling_[715], _Flotscher_[716], _Matsche_[717],
-_Schwimmerling_[718]
-
-[Fußnote 713: ([262] auf S. 64.158) _Reifling_ = Ring (Fingerring) kommt
-(in übertrag. Bedeutg.) auch noch vor in der _Zus._ _Flösselreifling_
-(d. h. eigtl. »Wasserring«) = Regenbogen (s. d. betr. Übereinstimmg. m.
-d. Zigeun.). Das (natürlich zu unserem »Reif[en]« gehörende) Wort ist
-auch der _schwäb. Händlerspr._ (485) bekannt, in sonstigen Geheimspr.
-dagegen kaum gebräuchlich. Das _Pleißlen der Killertaler_ (436) hat
-_Raifle_ = Ring.]
-
-[Fußnote 714: ([263] auf S. 64.158) S. Abend.]
-
-[Fußnote 715: ([264] auf S. 64.158) _Flössling_ wird (ähnlich wie
-_Flederling_ = Vogel für bestimmte Vogel_arten_) auch für einzelne
-_Fischarten_ verwendet, so z. B. für den Karpfen und (wie wohl auch in
-der _Gaunerspr._ [s. A.-L. 541]) für den Hering (s. in letzterer Bdtg.
-als argum.: _Flösslingschottel_ = »Heringbüchse«), der übrigens auch
-genauer durch _Spronkertsflössling_ (d. h. »Salzfisch«) oder
-_Begertflössling_ (d. h. »toter Fisch«) wiedergegeben wird (s. hierzu
-auch betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. Näh. unter »Hering«; vgl.
-auch schon »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 45). Für andere Fischsorten
-erscheinen Verbdgn. od. Zus. mit den Synon. _Schwimmerling_ (s. unten
-Anm. 4) gebräuchlicher. _Zusammensetzgn._ mit _Flössling am Anfang_ sind
-noch _Flösslingachilerei_ od. _-bikus_ = Fischessen. _Zu vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 92 (_Flösling_); _Schöll_
-271 (_Flößling_); _Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Fl¶e¶ßling_, vgl. _fleßlinge_
-= fischen); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Flößling_ [plur.] = Fische).
-_Etymologie_: Nach _Stumme_, S. 24 ist der — im Rotwelsch schon im 15.
-Jahrb. (s. z. B. _Basl. Betrügnisse_ um 1450 [15]) auftretende —
-Ausdruck »weniger von der _Flosse_ des Fisches (s. dazu _Weigand_, W.-B.
-I, Sp. 559) als von _Floß_ = ›Wasser‹ (s. dazu _Weigand_, a. a. O., Sp.
-559 unter »Floß« Nr. 2; vgl. für d. Rotw. z. B. _Schintermicherl_ 1807
-[289: _Flos_ = Wasser]) ausgehend zu deuten«. S. auch A.-L. 541 (unter
-»Floß«). — Vgl. oben _flösle(n)_ usw. unter »austreten (leicht)«.]
-
-[Fußnote 716: ([265] auf S. 64.158) _Flotscher_ (od. _Pflotscher_)
-erscheint weniger gebräuchlich als die Synon. _Flössling_ u.
-_Schwimmerling_, auch in _Zus._, von denen nur _Spronkertflotscher_ =
-Hering (vgl. Anm. 715) u. _Flotscherkahlerei_ = Fischessen zu nennen
-sind. Außerdem hat aber _Flotscher_ od. _Pflotscher[t]_ auch noch die
-Bedeutung: Schirm, bes. Regenschirm. (_Zus._: _Bogeiepflotschert[t]_ =
-Fischbeinschirm [vgl. dazu unten Anm. 719] u. _Pflotscherpflanzer[in]_ =
-Schirmflicker[in]). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 92 (_Flotschen_ = Fisch, _Flotschenkitt_ = Fischkasten;
-_Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Flotscher_ = Fisch; vgl. auch [488]:
-_pflötsche_ = [sich] waschen). _Zur Etymologie_: In der Bedeutg. »Fisch«
-dürfte _Flotscher_ doch wohl in _letzter_ Linie mit _fließen_ (im Sinne
-von »schwimmen« [s. _Weigand_, W.-B. I, Sp. 554 unter »fließen«, Nr. 2
-u. 559 unter »Flosse« a. E.]) als Stammwort irgendwie zusammenhängen. Zu
-der _zweiten_ Bedeutg. (Regenschirm) gibt _Fischer_, Schwäb. W.-B. I,
-Sp. 1068 (unter »Pflotsch«) vbd. mit Sp. 1057 (unter »Pflatsch«) u. 1058
-(unter »pflatsche[n]«) einigen Aufschluß. Danach bedeutet im Schwäb.
-_pflatsche(n)_ »mit klatschendem Laut (eigtl. mit dem Laut:
-»_pflatsch_«) auf den Boden fallen«, was besonders vom Wasser und
-_Regen_ gebraucht wird, daher _Pflatschregen_ od. auch bloß _Pflatsch_
-(Pflatscher) od. _Pflotsch_ = Regenguß (vgl. »Platzregen«). Das Wort
-geht (nach _Fischer_) »etwa parallel mit _patschen_« (worüber zu vgl.
-_Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 215), »nur daß es sich weit mehr auf das
-Wasser bezieht« (vgl. auch _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 406). Übrigens
-läßt _Fischer_ (a. a. O.) es noch dahingestellt sein, ob _pflotsche[n]_
-(das auch für »im Wasser waten« vorkommt) nicht »ein Wort für sich« sein
-könnte.]
-
-Fischbein, _Bogeia_[719] [64.159]
-
-Fischbeinschirm, _Bogeilepflotschert_[720]
-
-[Fußnote 717: ([266] auf S. 64.159) _Matsche_ kommt (gleich _Flössling_)
-ebenfalls in der spezielleren Bedeutg. »Karpfen« vor. _Zus._ damit:
-_Matschebutterei_ = Fischessen; _Ableitungen_ davon: _matschen_ =
-fischen u. (_davon_ wieder) _Matscher_ = Fischer. _Zu vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Matsche_ = Fische, in
-U. [214] auch d. sing. _Mătsch_ = Fisch); nur vereinzelt auch im
-Rotw. bekannt (s. z. B. _Pfister_ 1812 [302: _Matsche_ = Fisch]; _v.
-Grolman_ 46 [ebenso] u. T.-G. 93 [hier: _Matscho_ als sing.]; _Karmayer_
-G.-D. 209 [wie _v. Grolm._]). Zur _Etymologie_: (aus der _Zigeunerspr._
-[vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IX, Sp. 1525
-(unter »Matsch«) vbd. mit _Pott_ II, S. 437 (unter »Maczo«), _Liebich_,
-S. 145 u. 197 (_mādscho_ od. _mādschin_), _Miklosich_, Beitr. III,
-S. 14 (bei d. _deutsch._ Zigeun.: _mādšo_ od. _-šin_) u.
-Denkschriften, Bd. 27, S. 8 (unter »mačo«: bei den _deutsch._
-Zigeun.: _māčo_ [mādscho]), _Jühling_, S. 224 [_Matscho_, plur.
--e) u. _Finck_, S. 73 (_mātšo_). Nach _Miklosich_ (a. a. O.) läßt
-sich die Vokabel bis ins Altindische (_matsja_) zurückverfolgen.]
-
-[Fußnote 718: ([267] auf S. 64.159) Auch _Schwimmerling_ kommt (gleich
-_Flössling_ u. _Matsche_) noch spezieller für »Karpfen« vor. Für andere
-Fischarten erscheint es in der _Verbindg._ _dofer Schwimmerling_ (d. h.
-etwa »schöner Fisch«) = Forelle sowie in der _Zus._ _Fuchsschwimmerling_
-= Goldfisch u. _Spronkertschwimmerling_ = Hering (vgl. die Synon.
-_Spronkertflössling_ u. _-flotscher_). An den _Anfang_ gestellt ist
-dieses Wort in der _Zus._ _Schwimmerlingbikerei_ = Fischessen u.
-_Schwimmerlingsflederling_ = Fischreiher (d. h. eigtl. nur
-»Fischvogel«). In dem _verw. Quellenkr._ ist die Vokabel (die natürlich
-zu »schwimmen« gehört) nicht bekannt, im _sonst. Rotw._ vereinzelt
-anzutreffen, während die _Kundenspr._ ein kürzeres _Schwimmling_ =
-Hering kennt. S. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 314 u. Anm. 1.]
-
-[Fußnote 719: ([268] auf S. 64.159) Dieses Wort (mit dem die _Zus._
-_Bogeiepflotschert_ = Fischbeinschirm [s. oben Anm. 716] gebildet ist)
-hat auch die _schwäb. Händlerspr._ 480 (_Bogeie_ = Fischbein), während
-es sonst m. Wiss. nirgends bekannt ist. Seiner _Etymologie_ nach stammt
-es wohl aus der _Zigeunersprache_ her (vgl. »Einleitung«, S. 29), in der
-es allerdings statt mit B mit G anlautet u. zugleich eine allgemeinere
-Bedeutg. zu haben scheint. S. bes. _Jühling_, S. 222 (wo _Gogcia_ =
-»Beiner[?]« u. als Sing. _Gogalo_ [= Bein] angeführt ist, das auch in
-anderen Sammlungen vorkommt [s. _Liebich_, S. 137, 182 u. 215
-(_gogālo_ od. _kokālo_ = Bein od. Knochen); _Miklosich_,
-Denkschriften, Bd. 26, S. 243 (unter »kokalo«: bei den _deutsch._
-Zigeun.: _gogālo_); _Finck_, S. 65 (_kókalo_ = »Knochen, Bein,
-Knöchel«)] und [nach _Mikl._, a. a. O ] mit dem neugriech. [Griechisch:
-kokalon] zusammenhängt).]
-
-fischen, _matschen_[721] [64.160]
-
-Fischer, _Matscher_
-
-Fischessen, _Flösslingachilerei_[722] od. _-bikus_[723],
-_Flotscherkahlerei_, _Matschebutterei_ od. _Schwimmerlingbikerei_[724]
-
-Fischreiher, _Schwimmerlingsflederling_[725]
-
-Flamme, _Funk_[726]
-
-Flasche, _Glansert_[727]
-
-flehen, _derchen_[728]
-
-Fleisch, _Bossert_, _Mas(s)_[729]
-
-Fleischbüchse, _Bossertschottel_[730]
-
-Fleischer, _Kafler_[731]
-
-[Fußnote 720: ([269] auf S. 64.160) S. Fischbein u. Fisch (oben. S. 158,
-Anm. 716).]
-
-[Fußnote 721: ([270] auf S. 64.160) S. Fisch (oben S. 159, Anm. 717).]
-
-[Fußnote 722: ([271] auf S. 64.160) S. Fisch u. essen.]
-
-[Fußnote 723: ([272] auf S. 64.160) S. (betr. _Bikus_) Abendessen.]
-
-[Fußnote 724: ([273] auf S. 64.160) S. (zu allen drei Ausdr.) Fisch und
-Abendessen.]
-
-[Fußnote 725: ([274] auf S. 64.160) S. (betr. _Flederling_) Adler.]
-
-[Fußnote 726: ([275] auf S. 64.160) S. abbrennen.]
-
-[Fußnote 727: ([276] auf S. 64.160) S. Bierglas.]
-
-[Fußnote 728: ([277] auf S. 64.160) S. abbetteln.]
-
-[Fußnote 729: ([278] auf S. 64.160) S. Aas.]
-
-[Fußnote 730: ([279] auf S. 64.160) (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 731: ([280] auf S. 64.160) Mit _Kafler_ = Fleischer (Metzger,
-Schlächter) finden sich folgende _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_:
-_Kaflerkitt_ = Metzgerhaus (u. dazu die weitere _Verbdg._ _grandich
-Kaflerskitt_ = Schlachthaus); b) _am Ende_: _Kibekafler_ = Hundemetzger,
-_Stupfelkafler_ = Igelmetzger, _Horboge-_ od. _Bogakafler_ = Kuh-
-(ersteres auch Rindvieh-) Metzger, _Trabert-_, _Hornikel-_,
-_Groenikelkafler_ = Pferde-, Ochsen-, Schweinemetzger. _Ableitungen_ von
-_Kafler_ sind das Zeitw. _kaflere_ = schlachten (s. dazu die _Zus._
-_niederkaflere_ = niedermetzeln) u. das Subst. _Kaflerei_ = Metzgerei
-(s. dazu die _Zus._ _Kaflereischnall_ = »Metzelsuppe«). _Zu vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_Kafler_ =
-Schinder); _Pfullend. J.-W.-B._ 338, 340, 341, 344 (_Kaffler_ =
-Abdecker, Metzger, _Kafler_ = Henker, Schinder, _Kaflerei_ = Schinderei,
-_kaflen_ = schlachten); _Schwäb. Händlerspr._ 480, 484, 485 (_Kfler_ =
-Metzger, Schinder [in U. (213) = Gendarm], _kfelen_ = schlachten,
-_Kfel_ = Fleisch von verrecktem Vieh). _Etymologie_: Der Ausdruck, der
-im Rotwelsch (wie auch schon aus den angeführten Belegen des verw.
-Quellenkreises ersichtlich ist) ursprünglich die engere Bedeutung von
-»Abdecker« oder »Schinder« (dann auch wohl von »Henker«) gehabt hat, ist
-offenbar nur eine Weiterbildung des gleichbed. älteren _Caviller_ od.
-_Kafiller_ u. ä., über dessen Ursprung die Ansichten zwar noch nicht
-ganz einig sind, auf das aber jedenfalls — selbst wenn man es zunächst
-vom _Hebräischen_ (syr. _kephál_ = »abdecken, ziehen«) herleiten will —
-doch _auch_ das md., früher auch hochd. _fillen_ (mhd. _villen_) = »das
-Fell abziehen« Einfluß geübt haben wird. So jetzt auch _Seiler_,
-Lehnwort IV, S. 490; vgl. Näheres noch in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 36
-ff. (unter »Caviller«; s. hier insbs. auch S. 38, lit. e u. f betr. die
-notw. Belege für _Kaf[f]ler_ u. _Caffler_). _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV,
-Sp. 146 (unter »Kafler«) gibt keine bestimmte Erklärung.]
-
-Fleischhafen, _Bossertnolle_[732] [64.161]
-
-fleißig, _scheneglich_[733]
-
-flicken, _pflanzen_ (Spr.)[734]
-
-fliehen, _bosten_[735] od. _schiebes bosten_[736], _naschen_ (geflohen,
-_genascht_)[737] od. _tschanen_[738]
-
-[Fußnote 732: ([281] auf S. 64.161) _Nolle_ ist eine beliebte
-Bezeichnung für ein »Gefäß« verschiedener Art, insbs. Topf (Hafen,
-Tiegel), auch Kessel u. Napf (in Zus.), ferner Kanne, Krug (Humpen,
-Pokal, Schoppen), namentl. auch in _Zusammensetzgn._ Als solche sind zu
-nennen: a) mit N. am _Anfang_: _Nollepfanzer_ = Hafner (Töpfer),
-Kesselflicker; b) mit N. _am Ende_ (außer _Bossertnolle_ noch):
-_Süslengnolle_ = Kaffeekanne, _Duftnolle_ (d. h. eigtl. »Kirchenpokal«)
-= Kelch, _Gleisnolle_ = Milchtopf (-napf), auch Melkfaß (s. d. betr.
-Übereinstimmg. m. d. Zigeun.), _Fu(h)lnolle_ od. _Schmelznolle_ =
-Nachthafen, _Flösselnolle_ = Nachttopf (Urintopf), _Spronkertnolle_ =
-Salznapf, _Schwächnolle_ = Trinkgeschirr, _Fläderlingsnolle_ =
-Vogelnapf, _Flu(h)tenolle_ = Wasserkrug, _Johlenolle_ = Weinkrug. _Zu
-vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 100
-(_Nolle_ = Hafen, Topf); _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_Nolle_ =
-Kochhafen); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Servnolle_ = Kessel [Brennkessel]);
-_Schwäb. Händlerspr._ 486, 487 (_Nolle_ = Schüssel, Topf, in _Lütz._
-[214]: _Fülnolle_ = Nachttopf). Zur (_nicht_ sicheren) _Etymologie_ s.
-etwa A.-L. 579 vbd. mit _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 409 (_Noll_
-[G'noll, Knoll] = »rundlicher, harter Körper«), _Fischer_, Schwäb. W.-B.
-IV, Sp. 2055 (unter »Nolle« Nr. 2) u. _Grimm_, D. W.-B. VII, Sp. 879
-vbd. m. VI, Sp. 1144; vgl. auch _Keiper_ in d. Z. f. hochd. Mundarten,
-Bd. II (1901), S. 53 ff.]
-
-[Fußnote 733: ([282] auf S. 64.161) S. abschaffen.]
-
-[Fußnote 734: ([283] auf S. 64.161) S. anbrennen.]
-
-[Fußnote 735: ([284] auf S. 64.161) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 736: ([285] auf S. 64.161) S. davongehen.]
-
-[Fußnote 737: ([286] auf S. 64.161) Das Zeitw. _naschen_ (= fliehen,
-auch wohl gehen, kommen) findet sich in dem _verw. Quellenkr._ m.
-Wissens nur im _Pfulld. J.-W.-B._ (342) für »laufen« (vgl. auch 341:
-_naschirlen_ = kommen) sowie (337, 339, 340, 343, 345) in einer ganzen
-Reihe von _Zusammensetzgn._ (nämlich: _ausnaschen_ = ausgehen,
-_durchnaschen_ = durchlaufen, _innerkinnignaschen_ = einsteigen,
-_vernaschen_ = entfliehen, _hinternaschen_ = hintergehen,
-_schibisnaschen_ = scheiden, _beduchtnaschen_ = schleichen,
-_hordignaschen_ od. _guantnaschen_ = springen). Für sich allein kommt es
-hier u. da noch im sonst. Rotw. (des 19. Jahrh.) vor (s. z. B. _Pfister
-bei Christensen_ 1814 [= gehen]; _v. Grolman_ 50 u. T.-G. 96 [ebenso];
-_Karmayer_ 116 [desgl., doch hier _auch_ andere Bedeutgn.]). Zur
-_Etymologie_ (aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 30]) s.
-A.-L. IV, S. 245 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1959 vbd. mit
-_Pott_ II, S. 324 (unter »Naszavav«), _Liebich_, S. 149, 197, 218
-(_naschāwa_ = ich laufe [fließe], fliehe), _Miklosich_, Beitr. III,
-S. 16 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 21 (unter »naš«: bei den
-_deutsch._ Zigeun.: _našav̄a_ = laufen, fließen), _Jühling_, S.
-224 (_nascha_ = fliehen) u. _Finck_, S. 75 (Stamm: _naš-_,
-_nāšs-_, _našew-_ u. ä. = »laufen, gehen, fließen, schwärmen,
-jagen«).]
-
-flink, _dof_[739], _g'want_[740] [64.162]
-
-Flinte, _Klass_[741], _Schnelle(r)_[742]
-
-Flöhe, _Hasa_[743]
-
-fluchen, _stämpfen_[744]
-
-Flurschütz (Feldschütz), _Grünleng_[745]
-
-Fluß, _Flu(h)te_[746]
-
-Flut, "
-
-Fohlen s. Füllen
-
-folgen, _boste_[734], _pfichen_[734]
-
-folgsam, _dof_[739]
-
-fordern, _dalfen_, _derchen_[747]
-
-Forelle, _dofer Schwimmerling_ (d. h. etwa »schöner [guter] Fisch«)[748]
-
-[Fußnote 738: ([287] auf S. 64.162) Zu dem Zeitw. _tschanen_ = fliehen
-(auch wohl gehen, kommen) ist _zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
-_Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_tschanen_ = herumziehen) u. _Schwäb.
-Händlerspr._ (in _Lütz._ (214]: _tschāne[n]_ = gehen). Seiner
-_Etymologie_ nach stammt der Ausdr. gleichfalls (wie d. Syn. _naschen_)
-aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 31). S. Näh. bei
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 431 vbd. mit _Pott_ II, S. 212/13
-(unter »Dscha«), _Liebich_, S. 133 u. 201 (_dschāwa_ = ich gehe),
-_Miklosich_, Denkschriften, Bd. 26, S. 206/7 (unter »dža«: bei den
-_deutsch._ Zigeun.: _džava_ = ich gehe), _Jühling_, S. 227 (_tschah_
-= geh!) a. _Finck_, S. 56 (Stamm: _dša-_ = gehen; vgl.
-_dšā́ben_ = »Gang, Tritt«).]
-
-[Fußnote 739: ([288] auf S. 64.162) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 740: ([289] auf S. 64.162) S. anmutig.]
-
-[Fußnote 741: ([290] auf S. 64.162) S. Büchse.]
-
-[Fußnote 742: ([291] auf S. 64.162) S. abschießen.]
-
-[Fußnote 743: ([292] auf S. 64.162) Die gleiche Bezeichnung (nur im
-Sing.) kennt auch die _schwäb. Händlerspr._ 481 (_Hase_ = Floh). Es
-handelt sich hier jedenfalls um eine der auch im Rotwelsch beliebten
-metaphorischen Verwendungen einer Tiergattung für eine _andere_ (vgl.
-dazu _Günther_, Rotwelsch. S. 70, 71), wobei offenbar das schnelle
-Laufen bezw. Springen (Hüpfen) der beiden Tiere das tertium
-comparationis gewesen ist. Vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp.
-1206 (zu »Hase«, Nr. 3).]
-
-[Fußnote 744: ([293] auf S. 64.162) S. Ärger.]
-
-[Fußnote 745: ([294] auf S. 64.162) Zu _Grünleng_ = Jäger, Flur-od.
-Feldschütz vgl. (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 341
-(_Grün¶d¶ing_ = Jäger, das nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 882
-vielleicht nur ein Schreibfehler für _Grünling_ ist; vgl. auch _Groß'_
-Archiv, Bd. 56, S. 184) u. _Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Grünling_
-[_Groêling_] = Waldhüter [in _Lütz._ (215) = Jäger, während der
-Waldhüter dort _Grü(n)lingsbutz_ heißt]); s. auch noch _Regensburg.
-Rotw._ 489 (_Grünling_ = Jäger, Förster). Zur _Etymologie_ s. Näh. in
-_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 22. Über andere Bedeutgn. von _Grünling_ im
-Rotw. s. _Günther_, Rotwelsch, S. 62. Über das ähnliche _Grünwedel_ s.
-unter »Förster«.]
-
-[Fußnote 746: ([295] auf S. 64.162) S. abbrühen.]
-
-[Fußnote 747: ([296] auf S. 64.162) S. abbetteln.]
-
-[Fußnote 748: ([297] auf S. 64.162) S. angenehm u. Fisch. Über die
-_abweichenden_ Bezeichnungen in d. _Zigeunerspr._ s. Näh. unter
-»Hering«.]
-
-forschen, _ausbutschen_[749], _auslinzen_[750] [64.163]
-
-Förster, _grandicher Grünwedel_, d. h. »der größere Forstmann«)[751]
-
-Forstmann, Forstwart, _Grünwedel_
-
-fortbringen, _fortbugla_[752]
-
-fortfahren, _abruadla_[753]
-
-fortgehen, _schiebes bosten_, — _pfichen_ od. — _schef(f)ten_[754]
-
-fortschleichen s. fortgehen
-
-forttragen s. fortbringen
-
-fragen, _butschen_[749], _lenzen_[750]
-
-Frau, _Goi_[755], _Mogel_[756], _Mos(s)_[757], _Romane_[758]
-
-[Fußnote 749: ([298] auf S. 64.163) S. anfragen.]
-
-[Fußnote 750: ([299] auf S. 64.163) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 751: ([300] auf S. 64.163) S. über die Rangsteigerung
-_Grünwedel_ = Forstmann (-wart), _grandich¶er¶ Gr._ = Förster,
-_grand¶ich¶ Gr._ = Oberförster schon oben unter »Bischof«. _Zwei_
-ähnliche Abstufungen kennen (nach _Liebich_, S. 198) auch die Zigeun.,
-nämlich: _wēschéskero_ = Forstmann, Förster u. _barĭdīr w._ (d.
-h. »der größere [höhere] Forstmann«) = Forstmeister. Dagegen fehlt eine
-dem Jenischen entsprechende Bezeichng. für den Oberförster (vgl. Bd. 63,
-S. 391, Anm. 418 [zu »Bischof«]). Für die Bezeichg. _Grünwedel_ _vgl._
-(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Grünwedel_ =
-Jäger); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (ebenso); in der _Schwäb. Gaun.-, Kunden-
-u. Händlerspr._ _nicht_ bekannt, obwohl dort mancherlei _ähnliche_
-Ausdrücke vorkommen (wie z. B. _Grünstäudle_ = Jäger [so: _Schwäb.
-Gaun.- u. Kundenspr._ 71 und _Schwäb. Händlerspr._ 82], _Grünstaudler_ =
-Feldhüter, _Grünstäudel_, _-staud_ od. _-stäudling_, _Grünsteiger_,
-_-rattler_ u. a. m. = Waldhüter [s. _Schwäb. Händlerspr._ 480 u. 488]).
-Über weitere Belege (für _Grünwedel_) aus dem Rotw. sowie die
-_Etymologie_ des Wortes s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 55, S. 179, Anm.
-2.]
-
-[Fußnote 752: ([301] auf S. 64.163) S. abtragen.]
-
-[Fußnote 753: ([302] auf S. 64.163) S. abfahren.]
-
-[Fußnote 754: ([303] auf S. 64.163) S. davongehen; vgl. (betr. _bosten_
-u. _pfichen_) abgehen u. (betr. _schef[f]ten_) unter »daher« a. E.]
-
-[Fußnote 755: ([304] auf S. 64.163) S. böse Frau.]
-
-[Fußnote 756: ([305] auf S. 64.163) Zu _Mogel_ od. _Mokel_ = Frau
-(Frauensperson, Frauenzimmer), Weib _vgl._ _Schwäb. Händlerspr._ 481,
-484 (_Mockel_ = Frau, _Mokel_ = Mutter). Die _Etymologie_ bleibt
-unsicher. Herangezogen könnte etwa werden bes. schwäb. _Mockel_, u. a. =
-»plumpes _Weibsbild_«, _Mockele(in)_ = »rundliches Kind, _Mädchen_«
-(aber _beides auch_ für Rindvieh, bes. _Kuh_ od. _Kalb_ gebraucht) nach
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1722. Nr. 4 u. Nr. 8, b u. c; vgl. bei
-_Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1566 (_Mockel_ [auch] = »weibliche
-Geschlechtsteile«). Über ein seltenes rotw. _Muck_ (od. _Mück_) = Frau
-s. _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 347. Anm. 1.]
-
-[Fußnote 757: ([306] auf S. 64.163) S. Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 758: ([307] auf S. 64.163) Zu _Romane_ = Frau vgl. (aus d.
-_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69, 72 (_Rumie_ =
-Frau, femin. zu _Romno_ = Mann u. _Schwäb. Händlerspr._ (in U. [214]:
-_Romli_ = Mädchen [vgl. _Rom_ = Mann]). Auch im sonstig. (neueren) Rotw.
-ist das Wort (dial. entstellt) hier und da anzutreffen (s. z. B.
-_Pfister_ bei _Christensen_ 1814 [_Rumini_ = Frau]; _v. Grolman_ 57
-[ebenso]; _Karmayer_ G.-D. 215 [verdr.: _Runinni_]). _Etymologie_: Die
-Vokabel stammt aus der _Zigeunersprache_ (vgl. »Einleitung«, S. 30) u.
-bildet das fem. (_romni_ u. ä.) zu _rom_ = Mann, Ehemann, Zigeuner,
-(vgl. _rōmano_ [romeno] = zigeunerisch). S. Näh. bei A.-L. 589 (unter
-»Rammenin«) vbd. mit _Pott_ I, S. 35, 42 u. II, S. 259, 275 u. 528,
-_Liebich_ S. 156 u. 191, 198, 262 (_romni_ = Frau, Ehefrau, Zigeunerin),
-_Miklosich_, Beitr. III, S. 18 u. 23 u. Beitr., Bd. 27, S. 56, 57 (unter
-»rom«: bei den _deutsch._ Zig. _romni_ = Frau [Eheweib], Zigeunerin),
-_Jühling_, S. 227 (unter »Tschai«: _Romni_ = Frau).]
-
-Frau, fahrende, _jenische Mos(s)_ od. — _Model_[759] [64.164]
-
-Frau, junge, _Mössle_ (das jedoch _auch_ »kleines Mädchen« u. »alte
-Frau« bedeutet)[760]
-
-Frauenkleid, _Mos(s)klufterei_[761]
-
-Frauenrock, _Mos(s)malfes_[762]
-
-Frauenschürze, _Mos(s)fürflamme_[763]
-
-[Fußnote 759: ([308] auf S. 64.164) S. Bachstelze, Bauernfrau u.
-Beischläferin.]
-
-[Fußnote 760: ([309] auf S. 64.164) S. Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 761: ([310] auf S. 64.164) S. (betr. _Klufterei_) ankleiden.]
-
-[Fußnote 762: ([311] auf S. 64.164) _Malfes_ (neuere Form für das ältere
-_Mahlbosch_ [vgl. »Einleitung«, S. 27]) = Rock (Jacke, Kittel, Kutte,
-Überrock) ist verwendet in folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_:
-_Malfesrande_ = Rocktasche; b) _am Ende_: (außer _Mos[s]malfes_ noch):
-_Gadscho-_ od. _Kaffermalfes_ = Männerrock, _Plauderermalfes_ =
-Lehrerrock, _Gallach-_ od. _Kolbemalfes_ = Priesterrock. Eine
-_Verbindg._ damit ist _unterkünftiger Malfes_ = Unterrock. _Zu vgl._
-(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94, 98 (_Malebosch_
-od. _Malus_ = Rock, _ein ganzer M._ = Rock und Kamisol, _ein halber M._
-= Kamisol); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Malves_ = Kamisol, _Mahlbosch_
-= Rock); _Schöll_ 271 (Formen: _Malves_ u. _Malbosch_, Bedeutgn.: wie im
-_W.-B. des Konst. Hans_); _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 341, 343, 344:
-_Malves_ od. _Malboschum_ = Kittel, _Malfes_ od. _Maleboschen_ = Rock,
-_Ruchemalfes_ [od. _Mahlboschen_] = Bauernkittel, _Schlaumalfes_ =
-Schlafrock); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77 (_Malfes_ = Weste,
-dagegen _Walmusch_ [sic] = Rock, aber wieder _Dormmalfes_ = Schlafrock);
-_Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Malfes_ u. _Walmusch_ = Rock, dazu [in
-_Pfedelb._ (212)]: _Dormmalfes_ = Schlafrock); s. auch noch _Pfälzer
-Händlerspr._ 438, 439 (_Malebīsch_ = Anzug, _Walmüsch_ = Rock) u.
-_Metzer Jenisch_ 216 (_Malbosche_ = Kleider). Über weitere, in der Form
-sehr verschiedene Belege aus dem Rotw., der Kundenspr. usw. sowie über
-die _Etymologie_ (vom. hebr. _mlbûsch_ = »Kleider«) s. ausführl.
-_Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 348 u. Anm. 2 u. S. 349 vbd. m. _Schütze_ S.
-98 (unter »Walmusch«); vgl. _Weber-Günther_, S. 167 u. _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1418.]
-
-[Fußnote 763: ([312] auf S. 64.164) Zu _Fürflamme_ = Schürze vgl. (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Vorflam_ = Schürz);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 344 (_Flamme_ = Schürze). Auch in d. _sonst._ rotw.
-Quellen ist das Wort teils in der kürzern Form _Flamme_ (od. Flammert),
-teils in der längeren _Vorflamme(rt)_ od. _Fürflamme(rt)_ u. ä. mehrfach
-anzutreffen. S. z. B. schon _Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. (227: _Flamme_);
-ferner _Krünitz' Encyklopädie_ 1820 (353: _Vorflamme_); _v. Grolman_ 21,
-22 u. T.-G. 120 (_Fürflamm[e]_, _Für-_ od. _Vorflammert_ od. _Flamme_,
-_Flammert_); _Karmayer_ 52 (_Fürflamm_ [masc. gen.]) Die _Etymologie_
-ist zwar nicht ganz sicher, doch ist wohl an den hellen Schein einer
-weithin leuchtenden (gleichsam »flammenden«) _weißen_ Schürze zu denken;
-vgl. A.-L. 540 (unter »Flamme« [wo auch die Nebenbedeutgn. von
-_Flamme(rt)_ — wie z. B. Hals- od. Schnupftuch — angegeben sind]); s.
-auch noch _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 302 u. Anm. 2. — _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. II, Sp. 1538 (unter »Flamme«) hat keine Erklärung
-hinzugefügt.]
-
-Frauensperson (Frauenzimmer), _Goi_[764], _Model_[765], _Mogel_[766], [64.165]
-_Mos(s)_[767]; vgl. Frau
-
-Frauenstube, _Mos(s)schrende_[768]
-
-Fräulein, _Sinsemodel_[769]
-
-frech, _lenk_, _schofel_[770]
-
-Freien, im — übernachten s. übernachten
-
-Fremder (d. h. ein Herr, Bursche, Mann, aber kein Bauer), _Freier_[771]
-
-[Fußnote 764: ([313] auf S. 64.165) S. böse Frau.]
-
-[Fußnote 765: ([314] auf S. 64.165) S. Beischläferin.]
-
-[Fußnote 766: ([315] auf S. 64.165) S. Frau.]
-
-[Fußnote 767: ([316] auf S. 64.165) S. Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 768: ([317] auf S. 64.165) Mit _Schrende_ = Stube (Gemach,
-Zimmer) sind gebildet die _Verbdgn._ _grandiche Schrende_ = Saal) (s. d.
-betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.) sowie folgende _Zusammensetzgn._: a)
-_am Anfang_: _Schrendepflanzer_ = Zimmermann; b) _am Ende_ (außer
-_Mos[s]schrende_ noch) _Sinseschrende_ = Herrenzimmer, _Leileschrende_
-(eigtl. »Nachtstube«) = Wachtstube. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 100 (_Schrende_ = Stube);
-_übereinstimmend_ (in Form _und_ Bedeutg.) auch: _W.-B. des Konst. Hans_
-254, _Schöll_ 271 u. _Pfulld. J.-W.-B._ 345; dagegen in der _schwäb.
-Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [213]): _Schrenze_ = Stube. Über weitere
-Belege im Rotwelsch sowie _Etymologie_ des Wortes (das ohne Zweifel
-_deutsch._ Ursprungs ist) s. das Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 54, S. 165,
-Anm. 2 u. dazu etwa auch noch _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 478 (unter
-»Schrand«).]
-
-[Fußnote 769: ([318] auf S. 64.165) S. Amtmann u. Beischläferin.]
-
-[Fußnote 770: ([319] auf S. 64.165) S. arg.]
-
-[Fußnote 771: ([320] auf S. 64.165) Zu _Freier_ = Fremder (auch Herr,
-Jüngling) s. das Dimin. _Freierle_ = Junge, Knabe, auch Sohn, die
-_Verbindungen_ _dofer Freier_ = Junker u. _schofler Freier_ = Heuchler
-od. auch »Hurenkerl« sowie die _Zus._ _Fehtefreier_ = Quartierbursche
-(vgl. »Vorbemerkg.«, S. 12, Anm. 29). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91 (_Freier_ = »ein gewachsener
-Bub«); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Freier_ = Mann). Über sonstige Belege
-im Rotw. sowie die _Etymologie_ s. _Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 350 ff.
-Daß _Freier_ in _Wittichs_ Jenisch niemals für einen Bauer verwendet
-werden soll, ist insofern bes. zu beachten, als die ursprünglichste
-Bedeutg. im _Rotwelsch_ gerade »Bauer« gewesen sein dürfte (s. u. a.
-schon _W.-B. v. St. Georgen_ 1750 [350]).]
-
-Freudenmädchen, _Lubne_, _Schoflemodel_[772] [64.166]
-
-Freund, _Benges_ od. _Benk_[773]; _Fi(e)sel_[774]
-
-freundlich, _dof_[775]
-
-friedfertig, "
-
-Friedhof s. Gottesacker
-
-frieren, mich friert's, _mich bibert's_[776]
-
-frisch, _dof_ (Spr.)[775]
-
-fromm, "
-
-fromme Leute, _Blibelulma_[777]
-
-Frost, _Bib(e)risch_ (subst. Adj.)[778]
-
-frostig, _bib(e)risch_[776]
-
-Frucht, _Gib_[779], _Kupfer_[780]
-
-[Fußnote 772: ([321] auf S. 64.166) S. (zu beiden Ausdr.)
-Beischläferin.]
-
-[Fußnote 773: ([322] auf S. 64.166) S. brauchbarer Bursche.]
-
-[Fußnote 774: ([323] auf S. 64.166) S. Bettelbube.]
-
-[Fußnote 775: ([324] auf S. 64.166) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 776: ([325] auf S. 64.166) S. eisig.]
-
-[Fußnote 777: ([326] auf S. 64.166) S. anbeten u. arme Leute.]
-
-[Fußnote 778: ([327] auf S. 64.166) Vgl. »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38.]
-
-[Fußnote 779: ([328] auf S. 64.166) _Gib_ (= Frucht, bedeutet bes. auch
-Getreide sowie — noch spezieller — Weizen und wohl auch Gerste (wie
-aus der _Verbdg._ _g'funktes Gib_ [»gebranntes Getreide« (Gerste)] =
-Malz [s. d. betr. d. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.; vgl, auch schon
-»Vorbemerkg.«, S. 17] zu schließen sein dürfte). _Zu vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 339-341 (_Gi[e]b_ = Frucht,
-Korn, Hafer, für letzteres auch: _Spitzgib_); _Schwäb. Händlerspr._ 481
-(_Gîp_ = Getreide), im sonst. Rotw. ziemlich selten. _Etymologie_: Das
-Wort stammt aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 30) u. in
-letzter Linie aus dem Altind. S. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 647
-(unter »Gip«) vbd. m. _Pott_ II, S. 67 (unter »Gieb«), _Liebich_, S. 136
-u. 203, 216 (_gīb_ = Getreide, Korn), _Miklosich_, Beitr. III, S. 21
-u. Denkschriften, Bd. 26, S. 214 (unter »_giv_«: bei d. _deutsch._
-Zigeun.: _gīb_ = Getreide, Korn), _Jühling_ 222 (_Gib_ = Frucht,
-Feld) u. _Finck_, S. 59 (_giw_ = »Getreide [Korn, Weizen, Gerste,
-Roggen«]).]
-
-[Fußnote 780: ([329] auf S. 64.166) Auch _Kupfer_ = Frucht, dann
-Getreide (Korn), auch Futter kommt (gleich _Gib_) noch spezieller für
-einzelne Getreide_arten_ vor, nämlich für Hafer, Roggen, Weizen, und
-endlich noch für Gras, Heu (Grummet), Klee und Häcksel (Häckerling).
-Auch sind damit (im Gegens. zu _Gib_) verschiedene _Zusammensetzgn._
-gebildet worden, nämlich a) am _Anfang_: _Kupfertrapert_ = Heupferd,
-_Kupferflederling_ (eigtl. »Heuvogel«) = Heuschrecke, _Kupfersore_
-(eigtl. etwa »Gras- od. Heuding«) = Sense (s. d. betr. Analogie in d.
-Zigeunerspr.), _Kupferstöber_ (eigtl. »Grasbaum«) = Weidenbaum; b) _am
-Ende_: _Flu(h)tekupfer_ = Meergras, Schilf. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Kupfer_ = Heu); _Schöll_ 271
-(ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (desgl.); _Schwäb. Händlerspr._ 481,
-482 (_Kupfer_ = Futter [für Vieh], Heu). Auch im sonstigen Rotw. kommt
-die Vokabel (für »Heu«) wohl (seit d. 18. Jahrh.) vor (s. z. B. schon
-_Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. [271: _Kuffert_ (sic) = Heu] u. dann [i. d.
-Form _Kupfer_] öfter; merkwürdig die Umkehrung _Heu_ [als _rotw._ Vok.]
-= Kupfer im _W.-B. von St. Georgen_ 1750 [217], die aber vielleicht bloß
-auf einem Irrtum beruht). Die _Etymologie_ ist ungewiß, auch von
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 854 nicht erläutert worden; es bleibt
-daher fraglich, ob wirklich eine Gleichsetzung mit unserem deutsch.
-(Lehn-)Worte »Kupfer« — als Metallbezeichnung — (vgl. _Günther_,
-Rotwelsch, S. 66) anzunehmen ist.]
-
-Frühstück, _Achilerei_[781], _Bikerei_ od. _Bikus_, _Kahlerei_[782] [64.167]
-
-Fuhrmann, _Rädlingskaffer_ (d. h. »Fuhrwerksmann«)[783]
-
-Füllen (Fohlen), _Trabertle_ (d. h. »Pferdchen«)[784]
-
-Füllenstall, _Trabertstenkertle_[785]
-
-Furcht, _Bauser_[786]
-
-fürchten, _bausen_[786]
-
-furchtlos, _nobis bauserich_ (d. h. »nicht furchtsam«)[787]
-
-furchtsam, _bauserich_[786]
-
-Fürst, _grandicher Sins_ (d. h. »großer Herr«)[788]
-
-Furz, _Bremser_[789]
-
-[Fußnote 781: ([330] auf S. 64.167) S. essen.]
-
-[Fußnote 782: ([331] auf S. 64.167) S. (zu allen drei Ausdr.)
-Abendessen.]
-
-[Fußnote 783: ([332] auf S. 64.167) S. Eisenbahnwagen u. Bauer.]
-
-[Fußnote 784: ([333] auf S. 64.167) _Trabertle_ ist Dimin. zu _Trabert_
-od. _Trapert_ = Pferd (Roß, auch [mehr verächtl.] Gaul, Klepper, Mähre
-sowie spezieller: Hengst, Rappe u. Schimmel), es wird also zunächst ohne
-Rücksicht auf das Geschlecht oder sonstige Beschaffenheit (z. B. die
-Farbe) des Tieres gebraucht, jedoch findet sich für »Hengst« noch
-spezieller auch _Trabertkaffer_ (d. h. eigtl. »Pferdemann«, männliches
-Pferd), wozu dann als Gegenstück _Trabertmos(s)_ (eigtl. »Pferdefrau«) =
-Stute erscheint (vgl. dazu schon oben in d. Anm. zu »Bauer« u.
-»Bauernfrau« sowie weiter unten unter »Hengst«). Weitere
-_Zusammensetzgn._ mit _Tr._ sind noch: a) am _Anfang_: _Trapertstritt_ =
-Gaul- od. Pferdefuß, _Traperttrittleng_ = Huf (eigtl. wohl auch
-»Pferdefuß«), _Trabertbossert_ od. _-mass_ = Pferdefleisch,
-_Trabertstrauberts_ = Pferdehaare, _Trabertkemerer_ = Pferdehändler,
-_Trabertschenegler_ = Pferdeknecht, _Trabertstenkert_ = Pferdestall (u.
-dazu das Dimin. _Trabertstenkertle_, wofür logischer _Trabertlestenkert_
-zu erwarten [s. schon oben unter »Entenstall«]) u. _Trabertschwäche_ =
-Pferdetränke (wogegen _Trabertschwächerle_ »Pferdeeuter« bedeutet [vgl.
-oben unter »Amme«]); b) _am Ende_: _Kupfertrapert_ = Heupferd (vgl. oben
-S. 166, Anm. 780). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 97 (_Trappert_ = Pferd); _Pfulld. J.-W.-B._ 343 (_Trappen_);
-_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (_Trappert_ u. _Trapperle_ = Pferd);
-_Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Trappert_ [Treppert, Treppling] u.
-_Traber_); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_Trappert_). Über weitere rotw.
-Belege (seit d. 17. Jahrh.) sowie die _Etymologie_ (zu »traben« bzw.
-»trappeln« usw.) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 27 u. Anm. 1 (zu
-»Trappert-Leininger«).]
-
-[Fußnote 785: ([334] auf S. 64.167) S. Entenstall; vgl. auch die vorige
-Anm.]
-
-[Fußnote 786: ([335] auf S. 64.167) S. Angst.]
-
-[Fußnote 787: ([336] auf S. 64.167) S. (betr. _nobis_) Dietrich.]
-
-[Fußnote 788: ([337] auf S. 64.167) S. Adler u. Amtmann; vgl. Bischof.]
-
-[Fußnote 789: ([338] auf S. 64.167) S. auslassen.]
-
-furzen, _bremsere_[789], _Bremser schmusen_[790] [64.168]
-
-Fuß, _Tritt_[791], _Trittleng_[792]; vgl. auch Schuh, Stiefel
-
-Fußlappen, _Trittlengstreifleng_[793]; vgl. Socken
-
-Fußsohle, _unterkünftiger Tritt_ (d. h. »der untere Fuß«)[794]
-
-Fußstapfe, Fußtritt, _Tritt_[791]
-
-[Fußnote 790: ([339] auf S. 64.168) S. (betr. _schmusen_) ansagen.]
-
-[Fußnote 791: ([340] auf S. 64.168) S. Entenfuß.]
-
-[Fußnote 792: ([341] auf S. 64.168) S. Ferse.]
-
-[Fußnote 793: ([342] auf S. 64.168) _Streifleng_ (-ling, plur. -linge),
-eigtl. = Strumpf findet sich auch noch in folgenden _Zusammensetzgn._:
-a) _am Anfang_: _Streiflingschure_ = Strumpfband u. _Streiflingpflanzer_
-= Strumpfwirker; b) _am Ende_ (außer in d. _obigen Vok._ noch in)
-_Kafferstreifling_ = Socken (eigtl. »Männerstrümpfe«). _Zu vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Streifling_ =
-Paar Strümpfe); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (Form: ebenso, Bedtg.: Strumpf);
-_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 76 (_Streifling_ = Strümpfe); _Schwäb.
-Händlerspr._ 484 (wie im _Pfulld. J.-W.-B._); s. auch noch _Metzer
-Jenisch_ 217 (_Stre[i]fche_ = Strumpf). Im sonst. Rotwelsch usw. tritt
-die Vokabel zunächst in der Bedeutg. »Hose« (s. schon _Lib. Vagat._
-[55]), erst seit d. 17. Jahrb. auch für »Strumpf« auf (s. _Schwenter's
-Steganologia_ um 1620 [138] u. dann öfter bis zur Gegenwart; vgl.
-_Schütze_, S. 94, auch _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 29, Anm. 2). Zur
-_Etymologie_ (von _streifen_ = »überstreifen [über den Fuß]«) s. Archiv,
-a. a. O., S. 29: vgl. auch _Pott_ II, S. 37.]
-
-[Fußnote 794: ([343] auf S. 64.168) Übereinstimmende Umschreibung des
-deutschen Ausdrucks auch bei den Zigeunern; s. _Liebich_, S. 199
-(_telstīno pīro_ [d. h. »der untere Fuß«] = Fußsohle); vgl. auch
-schon »Vorbemerkg.«, S. 17. Das Adj. unterkünftig = unterer — als Adv.
-gebr. = unten — (im Gegensatze zu _oberkünftig_ = oberer, als Adv. =
-oben [s. Näh. unter »Gaumen«]) kommt auch noch vor in den _Verbindgn._:
-_unterkünftige Kluft_ = Unterkleid u. _unterkünftiger Malfes_ =
-Unterrock. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst.
-Hans_ 256 (_unterkönig_ = unten); _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 345
-(_unterkönig_ = hinab [Gegens.: _oberkönig_ = hinauf] u. _unterki¶m¶ig_
-[besser wohl zu lesen: _unterkinnig_] = unten; vgl. auch _inner-_,
-_usler-_ u. _ennenkönig_ = hinein, hinaus, hinüber); _Schwäb.
-Händlerspr._ 487 (_unterkünftig_ = unten; vgl. [484]: _oberkünftig_ =
-oben). Auch im sonstigen Rotw. findet sich die Vokabel, u. zwar schon
-seit dem 18. Jahrh. (s. _W.-B. v. St. Georgen_ 1750 [219]:
-_unterkünftig_ = unten, Gegens. [218]: _oberkünftig_ = oben), während
-sie in neuerer Zeit wohl bes. in der _Kunden_sprache fortlebt (vgl. z.
-B. _Ku._ III, 429 u. _Ostwald_ [Ku.] 159 vbd. m. _Ku._ III 427 u.
-_Ostwald_ [Ku.] 109 [Gegenstz.: _oberkünftig_]), obgleich sie in der
-_schwäb. (Gaun.- u.) Kundenspr._ fehlt, die dafür (76) aber
-_hinterkünftig_ = hintenherum kennt. _Etymologie_: Man darf wohl mit
-A.-L. 557 (unter »kenntlich«) u. 579 (unter »oberkünftig«) den zweiten
-(zu einer »_Verstärkung_« der Ortsbezeichnung dienenden) Bestandteil des
-Wortes (_-künftig_, verunstaltet zu _-kinnig_, _-könig_ usw.) — gleich
-unserem gemeinspr. Adj. _künftig_ — zu dem jetzt nur noch in
-Zusammensetzgn. (wie Ankunft, Herkunft, Zukunft) gebräuchl. Subst.
-_Kunft_ (mhd. _kunft_, _kumft_) = »das Kommen«, einem »Verbalabstraktum«
-zu dem Zeitw. _kommen_ (vgl. _Weigand_, W.-B. I, Sp. 1172), in Beziehung
-setzen.]
-
-Fußzehe, _Trittgrif(f)leng_ (d. h. eigtl. »Fußfinger«)[795] [64.169]
-
-Futter, _Kupfer_[796]
-
-
- G.
-
-Gabel, _Furschet_[797], _Stichling_[798]
-
-gaffen, _linzen_[799], _spannen_[800]
-
-[Fußnote 795: ([344] auf S. 64.169) S. (betr. _Grif[f]leng_) Daumen. —
-Auch diese Umschreibung findet sich nach _Liebich_, S. 199 u. 262 (unter
-»Zehe«) bei den _Zigeunern_ (näml.: _berengĕro gus[ch]to_, d. h.
-eigtl. »Fußfinger«).]
-
-[Fußnote 796: ([345] auf S. 64.169) S. Frucht.]
-
-[Fußnote 797: ([346] auf S. 64.169) _Zusammensetzgn._ hiermit sind: a)
-_am Anfang_; _Furschetfläderling_ (d. h. eigtl. »Gabelvogel«) = Schwalbe
-(s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); b) _am Ende_:
-_Schundfurschet_ = Mistgabel. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
-nur _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Furschett_ = Gabel). Im Rotw. m. Wiss.
-sonst kaum gebräuchlich. Zur _Etymologie_: An und für sich kann der
-Ausdruck _unmittelbar_ vom Französischen (_fourchette_) hergeleitet
-werden (vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1869), jedoch mag die
-Vokabel (gleich _Feneter_ = Fenster [s. d.]) in _Wittich's_ Jenisch wohl
-durch die Vermittlung von _Zigeunern_ eingedrungen sein und insofern auf
-_deren_ Sprache zurückgeführt werden (vgl. »Einleitung«, S. 30), in die
-sie aber natürlich gleichfalls aus dem Französischen übernommen ist. S.
-ausdrücklich auch _Liebich_, S. 116; vgl. »Einleitung«, S. 29, Anm. 93
-vbd. m. »Vorbemerkg.«, S. 10, Anm. 26. Als zigeun. Form führt _Liebich_
-(a. a. O. S. 135 u. 199): _forschétta_, _Finck_, S. 58: _foršéta_,
-_Jühling_, S. 221 dagegen: _Forsch¶r¶äta_ (vgl. i. d. »Einltg.«: -reta)
-an.]
-
-[Fußnote 798: ([347] auf S. 64.169) Mit _Stichling_ ist nur
-_zusammengesetzt_: _Fu[h]lstichling_ = Mistgabel (Syn. zu
-_Schundfurschet_). Auch _Stichling_ = Gabel ist in dem _verw.
-Quellenkr._ nur der _schwäb. Händlerspr._ (481) bekannt, doch deutet
-hier das Vorkommen des Ausdrucks _Stichlingspflanzer_ = Schneider (486)
-hin auf die Nebenbedeutg. »Nadel«, wofür die Vokabel z. B. auch in der
-_schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ (73) — allein — angeführt ist, während
-sie bei den _Pfälz. Händlern_ (439) — wieder abweichend — »Messer«
-bedeutet. Über die versch. Bedeutgn. des Wortes im Rotw. bezw. in der
-Kundenspr. (näml.: a) Schneider; b) Nadel; c) Zaunpfahl) sowie die
-_Etymologie_ (zu »Stich«, »stechen«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42,
-S. 24 u. Anm. 1.]
-
-[Fußnote 799: ([348] auf S. 64.169) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 800: ([349] auf S. 64.169) Zu dem Zeitw. _spannen_ = sehen
-(gaffen, gucken) vgl. (aus dem _vorw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._
-337, 343 (_spannen_ = ausschauen aussehen, schauen); _Schwäb.
-Händlerspr._ 486 (_spannen_ = sehen; vgl. [470] _Spanner_ = Augen); s.
-auch _Pleißlen der Killertaler_ 436 (_spanne[n]_ = sehen, beobachten,
-_Spanner_ = Augen). Über weitere Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_
-des Wortes (das _deutschen_ Ursprungs ist) s. ausführl. _Groß'_ Archiv,
-Bd. 42, S. 75 (unter »Spanner«) vbd. mit _Weber-Günther_, S. 181 (unter
-»spennen«, wonach der wohl _älteste_ Beleg für das Zeitw. [in der Form
-_spenden_] bereits bei _A. Hempel_ 1687 [169: _der spendts_ = »der
-siehets«] anzutreffen ist).]
-
-Gans, _Babing_[801], _Strohbutzer_[802] [64.170]
-
-Gänsebraten, _gesicherter Babingermass_ od. _gesicherter
-Strohbutzerbossert_ (d. h. »gekochtes [gebratenes] Gänsefleisch«)[803]
-
-Gänseeier, _Strohbutzersbäzeme_[804]
-
-Gänsefleisch, _Babingerbossert_ od. _-mass_ oder
-_Strohbutzerbossert_[805]
-
-[Fußnote 801: ([350] auf S. 64.170) Mit _Babing_ (plur. Babinger) sind
-gebildet die _Verbindg._ _grandich Babing_ (d. h. etwa [»sehr] große
-Gans« [vgl. oben unter »Bischof«]) = Schwan (s. d. betr. Übereinstimmg.
-mit der Zigeunerspr.; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 17) sowie die
-_Zusammensetzgn._ _Babingerbossert_ od. _Babingermass_ = Gänsefleisch
-(letzteres in der weiteren Verbdg. _gesicherter Babingermass_ =
-Gänsebraten) u. _Babingerstritt_ = Gänsefuß. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): nur _Dolm. der Gaunerspr._ 92 (_Bappe_ = Gans); im
-_sonst._ Rotw. tritt die Form _Babing_ u. a. etwa seit Anfang des 19.
-Jahrh. (s. _Pfister_ 1812 [295] u. a. m.) auf. Zur _Etymologie_ (aus der
-_Zigeunerspr._ [vgl. »Einleitung«, S. 29]) s. _A.-L._ 521 u. _Günther_,
-Rotwelsch, S. 31 u. 62 vbd. mit _Pott_ II, S. 350 (unter »Papin«),
-_Liebich_, S. 149 u. 200 (_pāpin_), _Miklosich_, Beitr. III, S. 17,
-23 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 29, 30 (bei d. _deutsch._ Zig.:
-_pāpin_), _Jühling_ S. 220 (_Babni_), _Finck_, S. 76 (_pāpi[n]_).
-Das Wort ist (nach _Pott_ u. _Miklosich_, a. a. O.) verwandt mit
-ngriech. [Griechisch: pappia] = »Ente«.]
-
-[Fußnote 802: ([351] auf S. 64.170) Mit _Strohbutzer_ (Dimin.
-_Strohbutzerle_ = »Küchlein«, d. h. Gänschen) sind gebildet die
-_Verbindung grandich Strohbutzer_ = Schwan (s. dazu die Bemerkg. zu
-dem Synon. _gr. Babing_ [oben Anm. 801]) sowie die _Zus._
-_Strohbutzerbossert_ = Gänsefleisch (u. dazu weiter _gesicherter
-Str.-bossert_ = Gänsebraten), _Strohbutzerbäzeme_ = Gänseeier,
-_Strohbutzerstritt_ = Gänsefuß, _Strohbutzerbikus_ = Gansessen,
-_Strohbutzerstenkert_ = Gänsestall. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 92 (_Strohbuz_ od. _Budel_ = Gans);
-_W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Strohbuze_); _Pfulld. J.-W.-B._ 339
-(_Strohbutzer_ od. _Strohbudel_); _Schwäb. Händlerspr._ 481
-(_Strbudel_); s. auch noch _Regensb. Rotwelsch_ 489 (_Strohbuze_). Zur
-_Etymologie_: Bei der Form _Strohbutzer_, dial. = _Strohputzer_ (so z.
-B. schon _Waldheim. Lex._ 1726 [187]) liegt es nahe, nur eine weitere
-Ausgestaltung der noch älteren Form _Strohbohrer_ (s. z. B. schon _Lib.
-Vagat._ [55: _Stroborer_] u. öfter) anzunehmen, die ja keiner bes.
-Erklärung bedarf. Da jedoch schon seit Anf. des 17. Jahrh. im Rotw. auch
-die Form _Strohbuz(e)_ u. ä. (s. z. B. schon _Schwenters Steganologia_
-um 1620 [137] u. öfter [vgl. dazu die Belege aus dem verw.
-Quellenkreise]) — u. dann auch _bloß_ _Butze_, _Buhze_, _Budel_ u. a.
-m. — als gleichbedeutend vorkommt, so könnte man _diese_ auch wohl zu
-_Butz(-e)_ im Sinne von »Person oder _Tier_ von _kleiner_ Gestalt« (s.
-dazu _Grimm_, D. W.-B. II, Sp. 591 unter »Butze«, Nr. 1; _Schmeller_,
-Bayer. W.-B. II, Sp. 317; auch _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 10 unter
-»Putz«) in Beziehung setzen. Vgl. im allgem. noch _Pott_, II, S. 22,
-A.-L. 612 (unter »Strohbohrer«) vbd. mit 528 (unter »Buze«) u.
-_Günther_, Rotwelsch, S. 73, Anm. 74 u. 75.]
-
-[Fußnote 803: ([352] auf S. 64.170) S. (betr. _gesichert_) auskochen u.
-(betr. _Bossert_ u. _Mass_) Aas.]
-
-[Fußnote 804: ([353] auf S. 64.170) S. (betr. _Bäzeme_) Ei.]
-
-[Fußnote 805: ([354] auf S. 64.170) S. (betr. _Bossert_ u. _Mass_) Aas.]
-
-Gänsefuß, _Babingerstritt_[806] [64.171]
-
-Gansessen, _Strohbutzerbikus_[807]
-
-Gänsestall, _Strohbutzerstenkert_[808]
-
-garstig, _nobis dof_ (d. h. »nicht schön«)[809], auch _lenk_,
-_schofel_[810]
-
-Gartenhaus, _Kittle_[811]
-
-Gastgeber s. Gastwirt
-
-Gasthaus, _Beiz_, _Beizerei_,[812] _Kober_, _Koberei_[813]
-
-[Fußnote 806: ([355] auf S. 64.171) S. (betr. _Tritt_) Entenfuß.]
-
-[Fußnote 807: ([356] auf S. 64.171) S. Abendessen.]
-
-[Fußnote 808: ([357] auf S. 64.171) S. Entenstall.]
-
-[Fußnote 809: ([358] auf S. 64.171) S. Dietrich u. angenehm.]
-
-[Fußnote 810: ([359] auf S. 64.171) S. arg.]
-
-[Fußnote 811: ([360] auf S. 64.171) S. Abort.]
-
-[Fußnote 812: ([361] auf S. 64.171) Zu _Beiz_ oder (seltener) _Beizerei_
-= Gasthaus, Wirtshaus (Kneipe, Schenke) gehört die _Zusammensetzg._
-_Lanengerbeiz_ = Soldatenwirtschaft und die _Ableitung_ _Beizer_ (in
-früherer Zeit: _Baiser_ [vgl. »Einleitung«, S. 25]) od. (seltner)
-_Beizerer_ = Wirt (Gast-, Schenkwirt), femin.: _Beizere_. _Zu vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 101 (_Beis_ = Haus,
-_Beisskitt_ od. _Koberbeis_ = Wirtshaus, _Baiser_ = Wirt, _Baiserin_ =
-Wirtin); _W.-B. des Konst. Hans_ 254, 256, 258 (_Bais_ od. _Baiser-Kitt_
-= Wirtshaus, _T'schorbais_ = Diebswirtshaus, _Baiser_ = Wirt); _Schöll_
-271, 272 (_Bais_ = Haus, plur. _Baiser_ = Wirtshäuser); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 338, 339, 346 (_Kochemer-Baies_ = Diebsherberge, _Baiser_ =
-Wirt, Gastwirt, _Baiserkitt_ = Wirtshaus); _Schwäb. Gaun.- u.
-Kundenspr._ 77 (_Baiz_ = Wirtshaus, _Baizer[in]_ = Wirt[in]); _Schwäb.
-Händlerspr._ 482, 488 (_Baiß_ = Haus, aber — sowohl in _dieser_ Form
-wie in den Nebenformen _Baitz_, _Boitz_, _Beitzg_ [_Beitzle_] — _auch_
-= Wirtschaft; _Baiser_, _Baitzer_ od. _Beitz[g]er_ = Wirt); s. auch noch
-_Pleißlen der Killertaler_ 434 (_Baitze_ = Wirtshaus), während die
-_Pfälz. Händlerspr._ (437) _Bais_ od. _Bôies_ nur in dem allgem. Sinne
-von »Haus« kennt. Über weitere Belege aus dem Rotw. (wo schon in den
-_Basl. Betrügnissen_ um 1450 [15] das Wort in der Form _Pöse_ = Herberge
-auftritt, während es in der Form _Bais_ zunächst für »Haus« [s. _W.-B.
-v. St. Georgen_ 1750 (216)], für »Wirtshaus« dagegen zuerst im _W.-B.
-des Konst. Hans_ [s. oben] vorkommt) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 43,
-S. 15 (u. Amn. 2) u. 16 (unter »Baiser«) vbd. m. Bd. 38, S. 221, Anm. 1
-u. _Weber-Günther_, S. 153. Ebds. auch über die _Etymologie_ (vom hebr.
-_bajit_ = »Haus«); vgl. auch A.-L. 524 (unter »Bes«); _Günther_,
-Rotwelsch, S. 27; _Stumme_, S. 27; _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp.
-580/81.]
-
-[Fußnote 813: ([362] auf S. 64.171) Zu _Kober_ od. (seltener) _Koberei_,
-Synon. zu _Beiz_ (_Beizerei_) s. d. _Zusammensetzgn._ _Lanengerkober_ (=
-Lanengerbeiz) u. die _Ableitung_ _Koberer_ = Wirt (Gast-, Schankwirt),
-femin. _Kobere_. Bemerkenswert erscheint, daß auch _Kober_ in _Wittichs_
-Jenisch das _Wirtshaus_ bedeutet, während es im Rotwelsch (ebenso wie d.
-längere _Koberer_) i. d. R. für den _Wirt_ vorkommt (über _Ausnahmen_ s.
-_Groß'_ Archiv Bd. 43, S. 24, Anm. 3 [zu S. 23] a. E). _Zu vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 101 (_Koberbeis_ =
-Wirtshaus); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68 (_Kober_ = Diebswirt);
-_Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Koberer_ = Wirt, _Koberei_ = Wirtschaft); s.
-auch _Metzer Jenisch_ 217 (_Koberei_ = Wirtshaus). Über weitere Belege
-aus dem Rotw. usw. sowie die (nicht sichere, vielleicht aber zu dem
-hebr. _chber_ = »Gefährte, Genosse« in Beziehung zu setzende)
-_Etymologie_ s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 22 ff. u. d.
-Anmkgn. vbd. m. Bd. 38, S. 197, Anm. 2 — _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV,
-Sp. 59 hat keine Erklärung gegeben.]
-
-Gastmahl, _Bikerei_, _Bikus_, _Butterei_, _Kahlerei_[807] [64.172]
-
-Gastwirt, _Beizer(er)_[812], _Koberer_[813]
-
-Gastwirtin, _Beizere_[812], _Kobere_[813]
-
-Gatte, _Kaffer_[814]
-
-Gattin, _Mos(s)_[815]
-
-Gaukler, _Schnurrant_[816]
-
-Gaul, _Trapert_[817]
-
-Gaulfuß, _Traperttritt_[818]
-
-Gaumen, _oberkünftiger Giel_ (d. h. etwa »Obermaul«)[819]
-
-Gauner, _Schniffer_[820], _Zschor_[821]; vgl. Dieb
-
-gebären, _Deislere werden_ (d. h. eigtl. »Wöchnerin werden« od.
-»niederkommen«)[822]
-
-Gebäude, _Kitt_[823]
-
-[Fußnote 814: ([363] auf S. 64.172) S. Bauer.]
-
-[Fußnote 815: ([364] auf S. 64.172) S. Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 816: ([365] auf S. 64.172) S. Äquilibrist.]
-
-[Fußnote 817: ([366] auf S. 64.172) S. Füllen.]
-
-[Fußnote 818: ([367] auf S. 64.172) S. Entenfuß.]
-
-[Fußnote 819: ([368] auf S. 64.172) Dieselbe Umschreibung ist auch bei
-den Zigeunern üblich nach _Liebich_, S. 153 u. 200 (_praldīno mui_,
-d. h. »das Obermaul«, = Gaumen; vgl. »Vorbemerkung«, S. 17). — Betr.
-_Giel_ s. Affengesicht. Das Adj. _oberkünftig_ (= oberer) — als Adv.
-gebr. = oben — ist der Gegens. zu _unterkünftig_ [s. darüber schon oben
-unter »Fußsohle«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
-J.-W.-B._ 337, 340 (_oberkönig_ = hinauf, _oberkinnighauren_ =
-aufsitzen); _Schwäb. Händlerspr._ 484 (_oberkünftig_ = oben); s. auch
-_Pfälz. Händlerspr._ 439 (_überkindig_ = gegenüber). Im sonst. Rotw.
-tritt _oberkünftig_ (ebenso wie s. Gegens. _unterkünftig_) z. B. schon
-im _W.-B. v. St. Georgen_ 1750 (218) auf, ist dagegen in d. Neuzeit
-hauptsächl. _Kunden_ausdr. geworden. S. darüber sowie über die
-_Etymologie_ das Näh. schon oben unter »Fußsohle«.]
-
-[Fußnote 820: ([369] auf S. 64.172) S. anfassen.]
-
-[Fußnote 821: ([370] auf S. 64.172) S. ausstehlen.]
-
-[Fußnote 822: ([371] auf S. 64.172) Zu _Deislere_ = Wöchnerin
-(»Kindbetterin«) s. die Weiterbildg. _Deislerei_ = Geburt u. die (zu dem
-Stamme (_Deis[e]l-_ gehörige) _Zusammensetzg._ _Deiselmoss_ (od.
-_Disselmoss_) = Hebamme. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm.
-der Gaunerspr._ 35 (_Deuslerin_ = Kindbetterin) u. _Pfulld. J.-W.-B._
-341 (_Deußleri_ [-rin] = Kindbetterin u. _Deußlerei_ = Kindbett). Sonst
-m. W. unbekannt. Die _Etymologie_ ist unsicher. _Fischer_, Schwäb. W.-B.
-II, Sp. 139 hat die Vokabel zu d. Zeitw. _deisen_ (deißen) = schlagen,
-töten, schlachten, auch coire (s. oben unter »ermorden«) gestellt (aber
-weshalb?).]
-
-[Fußnote 823: ([372] auf S. 64.172) S. Abort.]
-
-geben, _dogen_[824], _ste(c)ken_[825] [64.173]
-
-Gebet, _Bliblerei_[826]
-
-Gebieter, _Sins_[827]
-
-Gebiß, _Näpfling_ (d. h. »Zähne«)[828]
-
-Geblüt, _Rat_[829]
-
-Geburt, _Deislerei_[830]
-
-gebratene Kartoffeln s. Bratkartoffeln
-
-gebrechlich, _begerisch_[831]
-
-Geck, _Hegel_[832], _Ni(e)se_, _Nille_, _Nusche_[833]
-
-geeignet, _dof_[834]
-
-Gefahr, _Lenk_, _Schofel_[835]
-
-gefällig, _dof_[834]
-
-gefangen, _im Dofes_[836], _im Kittle_[837], _im Lek_[836]
-
-Gefangenwärter, _Dofesbu(t)z_, _Kittlesbu(t)z_, _Lekbu(t)z_[838]
-
-Gefängnis, _Dofes_[836], _Kittle_[837], _Lek_[836]
-
-Gefäß, _Nolle_ (bes. Topf, Hafen)[839] od. _Schottel_ (bes.
-Schüssel)[840]
-
-Gefecht, _Hamore_[841]
-
-gefühllos, _lenk_, _schofel_[842]
-
-gefühlvoll, _dof_[834]
-
-Gehalt, _Bich_[843], _Gore_[844], _Lobe_[845]
-
-[Fußnote 824: ([373] auf S. 64.173) S. abgeben.]
-
-[Fußnote 825: ([374] auf S. 64.173) S. beschenken.]
-
-[Fußnote 826: ([375] auf S. 64.173) S. anbeten.]
-
-[Fußnote 827: ([376] auf S. 64.173) S. Amtmann.]
-
-[Fußnote 828: ([377] auf S. 64.173) S. abbeißen.]
-
-[Fußnote 829: ([378] auf S. 64.173) S. Blut.]
-
-[Fußnote 830: ([379] auf S. 64.173) S. gebären.]
-
-[Fußnote 831: ([380] auf S. 64.173) S. absterben.]
-
-[Fußnote 832: ([381] auf S. 64.173) S. Dummheit.]
-
-[Fußnote 833: ([382] auf S. 64.173) S. aberwitzig.]
-
-[Fußnote 834: ([383] auf S. 64.173) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 835: ([384] auf S. 64.173) Substantivierung der entsprechd.
-Adjektive (s. arg); vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 vbd. mit S. 7,
-Anm. 16.]
-
-[Fußnote 836: ([385] auf S. 64.173) S. Arrest.]
-
-[Fußnote 837: ([386] auf S. 64.173) S. Abort.]
-
-[Fußnote 838: ([387] auf S. 64.173) S. (betr. _Bu(t)z_) Amtsdiener.]
-
-[Fußnote 839: ([388] auf S. 64.173) S. Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 840: ([389] auf S. 64.173) S. Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 841: ([390] auf S. 64.173) S. Fehde.]
-
-[Fußnote 842: ([391] auf S. 64.173) S. arg.]
-
-[Fußnote 843: ([392] auf S. 64.173) S. Almosen.]
-
-[Fußnote 844: ([393] auf S. 64.173) S. Barschaft.]
-
-[Fußnote 845: ([394] auf S. 64.173) S. Bank.]
-
-gehängt, _g'schnürt_[846] [64.174]
-
-gehässig, _lenk_, _schofel_[842]
-
-geheilt, _dof_[834]
-
-gehen, _bosten_, _pfichen_[847] (wohl auch _naschen_, _tschanen_)[848]
-
-gehenkt s. gehängt
-
-Gehölz, _Jahre_, _Kracher_[849]
-
-Geist (Gespenst), _Schuberle_[850]
-
-geistesarm, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[851]
-
-Geistlicher, _Gal(l)ach_[852], _Kolb_[853]
-
-[Fußnote 846: ([395] auf S. 64.174) S. aufhängen.]
-
-[Fußnote 847: ([396] auf S. 64.174) S. (zu beiden Ausdr.) abgehen.]
-
-[Fußnote 848: ([397] auf S. 64.174) S. (zu beiden Ausdr.) fliehen.]
-
-[Fußnote 849: ([398] auf S. 64.174) S. (zu beiden Ausdr.) Ananas.]
-
-[Fußnote 850: ([399] auf S. 64.174) Mit _Schuberle_ = Geist (Gespenst,
-Spuk) ist gebildet die _Verbindg._ _bliblischer Schuberle_ = heiliger
-Geist u. die _Zusammensetzg._ _Schuberleschein_ (d. h. eigtl.
-»Gespensterlicht«) = Irrlicht (s. d. betr. Analogie im Zigeunerischen).
-_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93
-(_Schuberle_ = Gespenst); _Uracher Jauner- u. Betrügerliste_ 1792 (268:
-_Schuberlenspflanzer_ = »ein vorgeblicher Geistererlöser« [als
-Betrügerart]); _Schöll_ 272 (_Schuberle_ = Geist, Gespenst); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 340, 342 (_grandiges Schuberle_ = Gespenst, _Tschuberle_ =
-Nachtgespenst); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [210, 213]:
-_Schuberle_ [od. _Schubachtle_], plur.: _Schuberlich_ = Geist;
-_Schuberlespflanzer_ = a) Geistererlöser (»Tätigkeit des kathol.
-Pfarrers«); b) Teufel; dazu als Zeitw. _es schubert_ = es spukt). Im
-sonst. Rotw. findet sich vereinzelt — neben dem Dim. auf -le — auch
-wohl ein unverkleinertes _Schuhwer_ (od. _Schuwe_) in gleicher Bedeutg.
-(s. z. B. _Pfister_ 1812 [305]; _v. Grolman_ 64 u. T.-G. 97; _Karmayer_
-G.-D. 218). Die _Etymologie_ des Wortes ist noch nicht festgestellt;
-vgl. auch _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 15, Anm. 1.]
-
-[Fußnote 851: ([400] auf S. 64.174) S. aberwitzig.]
-
-[Fußnote 852: ([401] auf S. 64.174) Mit _Gal(l)ach_ = Geistlicher
-(Pfarrer, Prediger, Priester) sind gebildet die _Verbdg._ _grandicher
-Gal(l)ach_ = Hoherpriester (betr. d. Syn. _gr. Kolb_ s. unter »Bischof«)
-u. folgd. _Zus._: a) _am Anfang_: _Gal(l)achkitt_ = Pfarrhaus,
-_Gal(l)achmalfes_ = Priesterrock; b) _am Ende_: _Diboldegal(l)ach_ (d.
-h. eigtl. »Judenpriester«) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d.
-Zigeun.). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._
-37 (_Galloch_ = Pfarrer); _W.-B. des Konst. Hans_ 257, 258 (_Galach_,
-_Galoch_ u. _Gallach_ = Pfarrer; _Galacha-Kitt_ = Pfarrhaus); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 343 (_Kollach_ = Pfarrer, _Rollach_ [verdruckt] = Priester,
-_Kollachekitt_ = Pfarrhaus); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (_Galach_
-= Pfarrer [neben _Galorum_ = »Pfaffe«], _Galachswinde_ = [kathol.]
-Pfarrhaus); _Schwäb. Händlerspr._ 483, 484 (_Gallach_ = Pfarrer, aber
-auch Kaufmann; vgl. [486] d. merkwürd.: _Gallach reißen_ = »Spektakel
-machen«); s. auch noch _Metzer Jenisch_ 216 (_Gallach_ = Pfarrer). Über
-das Vorkommen der (alten u. sehr verbreiteten) Vokabel im Rotwelsch usw.
-sowie die _Etymologie_ (vom aram. u. nhebr. _gelach_ = »scheren«,
-Bedeutg. also »der Geschorene«, mit Bez. auf die Tonsur der kathol.
-Geistlichen) s. ausführt. _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 225 ff.; vgl. auch
-noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 23.]
-
-geistlos s. geistesarm. [64.175]
-
-geizig, _bikerich_[854]
-
-Geld, _Bich_[843], _Gore_[844], _Kies_[855], _Lobe_[845]; vgl.
-Kupfergeld
-
-Geldbeutel, _Kiesreiber_[856]
-
-Geldkasse, Geldkasten, _Bichschure_, _Kies-_ od. _Lobeschure_[857]
-
-Geldsack, _Bich-_, _Kies-_ od. _Loberande_[858]
-
-Geldstück (Münze) s. Geld
-
-Geldtasche s. Geldbeutel
-
-gelehrt, _kochem_[859]
-
-Geliebte, _dofe Model_ oder (bloß) _Model_[860]
-
-Geliebter, _Benges_[861], _Fi(e)sel_[862], _dofer Benges_ (od. Benk)
-
-Gelte (Gefäß für Flüssigkeiten), _Schottel_[863]
-
-Gemach, _Schrende_[864]
-
-Gemahl, _Kaffer_[865]
-
-Gemahlin, _Mos(s)_[866]
-
-gemein, _schofel_[867]
-
-Gemüse, _Groanert_[868]
-
-[Fußnote 853: ([402] auf S. 64.175) S. Bischof.]
-
-[Fußnote 854: ([403] auf S. 64.175) S. Abendessen.]
-
-[Fußnote 855: ([404] auf S. 64.175) S. Bankier.]
-
-[Fußnote 856: ([405] auf S. 64.175) S. Beutel.]
-
-[Fußnote 857: ([406] auf S. 64.175) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]
-
-[Fußnote 858: ([407] auf S. 64.175) S. (betr. _Rande_) Bauch.]
-
-[Fußnote 859: ([408] auf S. 64.175) S. besonnen.]
-
-[Fußnote 860: ([409] auf S. 64.175) S. Beischläferin; vgl. angenehm.]
-
-[Fußnote 861: ([410] auf S. 64.175) S. brauchbarer Bursche.]
-
-[Fußnote 862: ([411] auf S. 64.175) S. Bettelbube.]
-
-[Fußnote 863: ([412] auf S. 64.175) S. Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 864: ([413] auf S. 64.175) S. Frauenstube.]
-
-[Fußnote 865: ([414] auf S. 64.175) S. Bauer.]
-
-[Fußnote 866: ([415] auf S. 64.175) S. Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 867: ([416] auf S. 64.175) S. arg.]
-
-[Fußnote 868: ([417] auf S. 64.175) Mit _Groanert_ od. _Groenert_ =
-Gemüse, dann (auch spezieller) Kohl, Kraut (Sauerkraut) sind
-_zusammengesetzt_: a) _am Anfang_: _Groanertblättling_ = Krautsalat; b)
-_am Ende_: _Koelesgroenert_ (d. h. eigentl. »Teufelskraut«) = Unkraut
-(s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch schon
-»Vorbemerkg.«, S. 18) _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 95 (_Gronert_ = Kraut); _W.-B. des Konst. Hans_ 254
-(_Gruonert_ = Kraut); _Pfulld. J.-W.-B._ 341, 343 (_Kronet_ = Kraut
-neben _Kro¶m¶et_ [wohl verdruckt] = Salat); _Schwäb. Händerspr._ 483
-(_Grûnert_ = Kraut). Über weitere Belege aus dem Rotwelsch (wo die
-Vokabel als _Grunhart_ = Feld z. B. schon im _Lib. Vagat_ [54] u. dann
-öfter, als _Grünert_ = Heu bei _A. Hempel_ 1687 [167] u. a. m., als
-_Grunert_ = Krauthaupt im _Waldheim Lex._ 1726 [188], als _Gronert_ =
-Kraut im _Hildburgh. W.-B._ 1783 ff. [228] vorkommt) s. _Weber-Günther_,
-S. 187 (unter »Kronert«). Zur _Etymologie_ (von »grün« in versch.
-mundartl. Aussprache) s. ebds. vbd. mit _Pott_ II, S. 9, _Günther_,
-Rotwelsch, S. 62 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 882 (unter
-»Grunert«).]
-
-gemütlich, _dof_[869] [64.176]
-
-gemütlos, _lenk_[867]
-
-gemütskrank, _ni(e)sich_, _nil(l)ich_[870]
-
-gemütvoll, _dof_[869]
-
-Gendarm, _Lolo_ od. _Loli_[871], _Schuker_[872], auch (humoristisch)
-_August mit dem Ofenrohr_[873] od. _Lattenkarle_[874]
-
-[Fußnote 869: ([418] auf S. 64.176) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 870: ([419] auf S. 64.176) S. aberwitzig.]
-
-[Fußnote 871: ([420] auf S. 64.176) _Lolo_ od. _Loli_ = Gendarm findet
-sich zwar nicht in dem bes. verwandten Quellenkr., dagegen kennt das
-_Metzer Jenisch_ (216) die Bezeichg. in _fast_ gleicher Form (_Lole_)
-und in derselben Bedeutung; im Rotw. ist sie m. Wiss. unbekannt.
-_Etymologie_: aus der _Zigeunersprache_, u. zwar vom Adj. _lōlo_ =
-rot, nach _Wittich_ wohl mit Bez. auf die roten Aufschläge an der
-frühern Uniform der »Landjäger« (vgl. »Einleitung«, S. 31). Vgl. (über
-das Zigeunerwort, das sich aufs Altind. [_lōha_ = »rötlich, eisern«]
-zurückführen läßt) noch _Pott_ II, S. 338, _Liebich_, S. 144, 187 u. 233
-(_lōlo_ = rot, bunt), _Miklosich_, Denkschriften, Bd. 27, S. 6 (wie
-_Liebich_) u. _Finck_ 71 (_lōlo_ = rot); bei _Jühling_, S. 223 nur im
-Zus. angeführt.]
-
-[Fußnote 872: ([421] auf S. 64.176) Zu _Schuker_ s. die (schon oben
-unter »Bischof« näher besprochenen) Gradsteigerungen _grandicher
-Schuker_ = Wachtmeister (Obergendarm) u. _grandich Schuker_ =
-Oberwachtmeister. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
-J.-W.-B._ 338, 344 (_Tschugger_ = Bettelvogt neben _Schuker_ = Gardist);
-_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67, 72, 73, 75 (_Schucker_ = Aufseher,
-_Schuker_ od. _linker Schucker_ = Landjäger, _Oberschucker_ =
-Oberaufseher, Stationskommandant); _Schwäb. Händlerspr._ 481, 483
-(_Schu[c]ker_ [in _Pfedelb._ (211): auch _Schoker_] = Gendarm,
-Landjäger). Über weitere Belege im Rotw. u. in der Kundenspr. s. _Groß'_
-Archiv, Bd. 43, S. 40, 41 (unter »Schoter«, lit. i). Zu der (noch nicht
-sicher festgestellten) _Etymologie_ s. ebds. S. 39, 40 u. Anm. 2 vbd.
-mit Bd. 56, S. 185 (in d. »Nachträgen u. Berichtigungen«), wo die
-Ableitung vom deutsch. mundartl. Zeitw. _schucken_ = »werfen, stoßen,
-schubsen« als die wahrscheinlichste angenommen ist.]
-
-[Fußnote 873: ([422] auf S. 64.176) Diese (einen beliebten Eigennamen
-zum _Gattungsbegriff_ erhebende) Verbindung dürfte wohl aufzufassen sein
-als eine Weiterbildung des synon. Ausdrucks _August mit der Latte_, der
-z. B. (neben _windiger August_) auch in der schwäb. _Gauner- u.
-Kundenspr._ 72 (für den »Landjäger«) bekannt ist (ebenso wie auch
-_sonst_ in der Kundenspr.; s. _Groß'_ Archiv, Bd. 51, S. 140 [u. oben
-unter »Degen«]; vgl. auch ebds. S. 139 über d. Syn. _blanker August_).]
-
-[Fußnote 874: ([423] auf S. 64.176) Bei dieser (zu _Karle_, südd. Dim.
-zum Eigennamen _Karl_, gehörigen, also sprachlich der vorigen
-Umschreibung gleich zu beurteilenden) Bezeichnung (vgl. auch schon oben
-unter »Degen«) liegt vermutlich eine Kombination vor von dem gauner- u.
-kundenspr. _Lattenseppel_ (bes. [wie _August mit der Latte_] = Gendarm),
-doch auch wohl allgemeiner Polizeibeamter (vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 51,
-S. 154]) mit _Klempners Karl_, das (bei Gaunern u. Kunden) gleichfalls
-für den Gendarmen (Polizisten od. Schutzmann) vorkommt (s. Näh. darüber
-in _Groß'_ Archiv, Bd. 51, S. 149/50).]
-
-genehm, _dof_[875] [64.177]
-
-genießen, _achila_[876], _biken_, _butten_, _kahla_[877]
-
-Gerät s. Geschirr
-
-Gerede, _Diberei_ od. _Gedieber_ (Spr.)[878], _Schmuserei_[879]
-
-gereizt, _stumpfich_[880]
-
-Gericht (= Speise), _Bikerei_ od. _Bikus_, _Butterei_, _Kahlerei_[877]
-
-Gericht (bes. Amtsgericht), _Schoflerei_[881]
-
-Gerichtsvollzieher, _Schoffeleischure_ (Spr.)[882]
-
-Gerste, wohl durch _Gib_ auszudrücken[883]; vgl. Malz
-
-Geruch, _Muffen_ (d. h. eigtl. »das Riechen, Stinken«)[884]
-
-gesalzen, _g'spronkt_, _gesprunkt_[885]
-
-Gesang, _Schallerei_[886]
-
-Geschäft, _Schenagel_[887]
-
-gescheit, _kochem_[888]
-
-geschickt, _g'want_[889]
-
-Geschirr (als Gerät), _Schottel_[890]
-
-geschmeidig, _dof_[875], _g'want_[889]
-
-Geschrei, _Hamore_, _Morerei_[891]
-
-Geschwätz, _Diberei_[878], _Schmuserei_[879]
-
-Geschwister, _Glied_[892]
-
-[Fußnote 875: ([424] auf S. 64.177) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 876: ([425] auf S. 64.177) S. essen.]
-
-[Fußnote 877: ([426] auf S. 64.177) S. (zu allen drei Ausdr.)
-Abendessen.]
-
-[Fußnote 878: ([427] auf S. 64.177) S. anreden.]
-
-[Fußnote 879: ([428] auf S. 64.177) S. ansagen.]
-
-[Fußnote 880: ([429] auf S. 64.177) S. Ärger.]
-
-[Fußnote 881: ([430] auf S. 64.177) S. arg.]
-
-[Fußnote 882: ([431] auf S. 64.177) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]
-
-[Fußnote 883: ([432] auf S. 64.177) S. Frucht.]
-
-[Fußnote 884: ([433] auf S. 64.177) S. Aas; vgl. »Vorbemkg.«, S. 15,
-Anm. 38.]
-
-[Fußnote 885: ([434] auf S. 64.177) S. einsalzen.]
-
-[Fußnote 886: ([435] auf S. 64.177) S. absingen.]
-
-[Fußnote 887: ([436] auf S. 64.177) S. abschaffen.]
-
-[Fußnote 888: ([437] auf S. 64.177) S. besonnen.]
-
-[Fußnote 889: ([438] auf S. 64.177) S. anmutig.]
-
-[Fußnote 890: ([439] auf S. 64.177) S. Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 891: ([440] auf S. 64.177) S. (zu _beiden_ Ausdr.) Fehde.]
-
-[Fußnote 892: ([441] auf S. 64.177) S. Bruder.]
-
-Gesicht, _Giel_ (d. h. eigtl. »Mund« od. »Maul«)[893], auch _Ki(e)bes_ [64.178]
-(d. h. eigtl. »Kopf«)[894]
-
-Gesinde, _Schenegler_ (Knecht) bezw. _Scheneglere_ (Magd)[895]; vgl.
-Dienstboten
-
-Gespenst, _Schuberle_[896]
-
-Gespräch, _Diberei_[897], _Schmuserei_[898]
-
-gesprächig, _diberich_[897], _schmuserich_[898]
-
-Gestank, _Mufferei_[899]
-
-Gestein, _Hertling_[900], _Kies_[901]
-
-gestorben, _begert_[902]
-
-Gesuch, _Dercherei_[903]
-
-gesund, _dof_[904]
-
-Getränk, _Schwächet_[905]
-
-Getreide, _Gib_, _Kupfer_[906]
-
-getreu, _dof_[904]
-
-[Fußnote 893: ([442] auf S. 64.178) S. Affengesicht.]
-
-[Fußnote 894: ([443] auf S. 64.178) S. Angesicht.]
-
-[Fußnote 895: ([444] auf S. 64.178) S. abschaffen.]
-
-[Fußnote 896: ([445] auf S. 64.178) S. Geist.]
-
-[Fußnote 897: ([446] auf S. 64.178) S. anreden.]
-
-[Fußnote 898: ([447] auf S. 64.178) S. ansagen.]
-
-[Fußnote 899: ([448] auf S. 64.178) S. Aas.]
-
-[Fußnote 900: ([449] auf S. 64.178) _Hertling_ hat im W.-B. zwei
-verschiedene Bedeutungen, nämlich: a) Stein (Gestein) u. noch spezieller
-Kieselstein; b) Messer. _Zusammensetzgn._ sind jedoch nur mit dem Worte
-_im ersterem Sinne_ gebildet worden, u. zwar: a) _am Anfang_:
-_Hertlingsguffer_ = Steinhauer, Steinmetz; b) _am Ende_: _Rollehertling_
-= Mühlstein, _Stradehertling_ (d. h. eigtl. »Wegstein«) =
-Kilometerstein, Meilenzeiger (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d.
-Zigeun.). Unter den _verw. Quellen_ kennen die Sammlungen der _Gaun.- u.
-Kundenspr._ die Vokabel _nur_ in der Bedeutung »Messer«, während die
-_schwäb. Händlerspr._ _Härtling_ = Messer, dagegen _Hertling_ = Stein
-hat. Vgl. _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Hertling_ = Messer); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 342 (_Hettling_ [sic] = Messer, _Hettlingflammerer_ =
-Messerschmied); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 72 (_Hertling_ = Messer);
-_Schwäb. Händlerspr._ 484, 487 (_Härtling_ = Messer, _Hertling_ = Stein,
-_Hertlingsguffer_ [in _Pfedelb._ (213) auch _Hertlingskneppler_] =
-Steinhauer). Über weitere Belege im Rotw. (wo die Bedeutg. durchweg
-»Messer« u. dgl. [Axt, Schwert, Säbel] ist) sowie die _Etymologie_ (zu
-»hart«) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 45, 46 u. Anm. 1 vbd. m. Bd. 47,
-S. 139/40; vgl. auch _Pott_, S. 33, _Günther_, Rotwelsch, S. 59 u.
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1194.]
-
-[Fußnote 901: ([450] auf S. 64.178) S. Apfelkern.]
-
-[Fußnote 902: ([451] auf S. 64.178) S. absterben.]
-
-[Fußnote 903: ([452] auf S. 64.178) S. abbetteln.]
-
-[Fußnote 904: ([453] auf S. 64.178) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 905: ([454] auf S. 64.178) S. Amme.]
-
-[Fußnote 906: ([455] auf S. 64.178) S. (zu beiden Ausdr.) Frucht.]
-
-Gewahrsam, _Dofes_, _Lek_[907] [64.179]
-
-Gewalt, _Grandich_[908]
-
-gewalttätig, _lenk_, _schofel_[909]
-
-Gewand, _Kluft_, _Klufterei_[910], _Kaffermalfes_ (Gew. für
-Männer)[911], _Mos(s)malfes_ (für Frauen)[912]; vgl. Männerrock,
-Frauenrock
-
-gewandt (flink) _dof_[913], _g'want_[914]
-
-Gewässer, _Flu(h)te_[915]
-
-Gewehr, _Klass_[916], _Schnelle_[917]
-
-Gewerbe, _Schenagel_[918]; vgl. Arbeit, Beruf
-
-Gewerbeschein, _Flebbe_[919]
-
-gewichtig, _grandich_[920]
-
-gewogen (= wohlgesinnt), _dof_[913]
-
-Gezänk, _Hamore_, _Morerei_[921]
-
-[Fußnote 907: ([456] auf S. 64.179) S. (zu beiden Ausdr.) Arrest.]
-
-[Fußnote 908: ([457] auf S. 64.179) Substantivierung des Adj. _grandich_
-(s. Adler); vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38.]
-
-[Fußnote 909: ([458] auf S. 64.179) S. arg.]
-
-[Fußnote 910: ([459] auf S. 64.179) S. ankleiden.]
-
-[Fußnote 911: ([460] auf S. 64.179) S. Bauer u. Frauenrock.]
-
-[Fußnote 912: ([461] auf S. 64.179) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 913: ([462] auf S. 64.179) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 914: ([463] auf S. 64.179) S. anmutig.]
-
-[Fußnote 915: ([464] auf S. 64.179) S. abbrühen.]
-
-[Fußnote 916: ([465] auf S. 64.179) S. Büchse.]
-
-[Fußnote 917: ([466] auf S. 64.179) S. abschießen.]
-
-[Fußnote 918: ([467] auf S. 64.179) S. abschaffen.]
-
-[Fußnote 919: ([468] auf S. 64.179) Zu _Flebbe_ (das auch noch »Paß«
-bedeutet) gehört als _Ableitung_ das Zeitw. _flebben_ od. _fleppen_ für
-»(die Papiere) kontrollieren« od. »(den Paß) visieren«, das jedoch im
-Vokabular nur im Partiz. _geflebbt_ od. _gefleppt_ (= »kontrolliert,
-visiert«) angeführt ist. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm.
-der Gaunerspr._ 97 (_Fleppe_ = Paß); _Schöll_ 271 (_Flebbe_ = Brief);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 338, 343, 344 (_Flepp_ [Fleppe, -en] = Attestat,
-Brief, Buch, Paß, Schrift, _Fleppapflanzer_ = Bücherschreiber,
-_Fleppemalocher_ = Paßmacher); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 73, 76
-(_Fleppe_ = Papiere zum Wandern, _fleppen_ = die Papiere visitieren);
-_Schwäb. Händlerspr._ 484 (_Flepp_ [in _Pfedelb._ (212): _Flebbe_] =
-Papiere zum Ausweis, Paß [in _Pfedelb._ (213, 214) auch = Wanderbuch,
-Zeugnis], auffällig [in _Pfedelb._ (210)] _flebben_ = gehen); s. auch
-_Pleißlen der Killertaler_ 435 (_Flepp_ = Papiere zum Ausweis) u.
-_Pfälz. Händlerspr._ 437 (_Flebbe_ od. _Flêber_ = Legitimation). Über
-weitere Belege im Rotw. u. in der Kundenspr. sowie die (nicht sichere)
-_Etymologie_ s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 252/53 u. Anm. 4 u.
-Bd. 42, S. 41, Anm. 1 vbd. m. _Weber-Günther_, S. 186 (unter »Flebbert«)
-u. _Schütze_, S. 68. — _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1567 (unter
-»Flepp[e]«) gibt keine etymol. Erklärung.]
-
-[Fußnote 920: ([469] auf S. 64.179) S. Adler.]
-
-[Fußnote 921: ([470] auf S. 64.179) S. (zu beiden Ausdr.) Fehde.]
-
-geziemend, _dof_[913] [64.180]
-
-Gier, _Put(t)lak_[922]
-
-gierig, _bikerich_[923], _bogelich_[922]
-
-Gitarre, _Schure_[924]
-
-Glas, _Glansert_[925]
-
-Glaser, _Glansertschenegler_[918]
-
-gläubig, _bliblich_[926]
-
-Glied, männliches (penis), _Betzam_ od. _Bezem_[927], _Dietz_[928],
-_Garo_ od. _Gari_[929], auch _Schure_ (letzteres in diesem Falle kräftig
-gesprochen)[924]
-
-Glied, weibliches (»Scham«), _Geschmu_ od. _G'schmui_[930]
-
-[Fußnote 922: ([471] auf S. 64.180) S. Appetit.]
-
-[Fußnote 923: ([472] auf S. 64.180) S. Abendessen.]
-
-[Fußnote 924: ([473] auf S. 64.180) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 925: ([474] auf S. 64.180) S. Bierglas.]
-
-[Fußnote 926: ([475] auf S. 64.180) S. anbeten.]
-
-[Fußnote 927: ([476] auf S. 64.180) Die Bemerkung _Wittichs_, die hierzu
-im Text hinzugefügt gewesen, daß man nämlich die Vokabel _nicht_
-verwechseln dürfe mit _Bäzam_ od. _Bäzem_ = Ei, obwohl dieses »in der
-Aussprache kaum davon zu unterscheiden« sei, erledigt sich dadurch, daß
-es sich in der Tat doch (auch der _Etymologie_ nach) um _dasselbe_ Wort
-handelt. Vgl. das Näh. schon unter »Ei«.]
-
-[Fußnote 928: ([477] auf S. 64.180) Der Ausdruck (der sonst m. Wiss. in
-den Geheimsprachen nicht vorkommt) dürfte aufzufassen sein als die
-Kurzform des Eigennamens _Dietrich_, dessen Gebrauch für den penis in
-deutsch. Mundarten nachweisbar (u. schon 1710 in d. Literatur bezeugt)
-ist. Vgl. _Müller_ in d. »Anthropophyteia«, Bd. VIII, S. 2 (wo noch das
-obersächs. _Schwippkedietrich_ als Synon. angeführt ist).]
-
-[Fußnote 929: ([478] auf S. 64.180) Zu _Garo_ (-ri) vgl. in der _schwäb.
-Händlerspr._ (484) _Anglersgre_ = »membrum virile«. _Ohne_ Zusatz ist
-_Gari_ (-ro) in _gleichem_ Sinne in einzelnen rotw. Quellen des 19.
-Jahrh. angeführt (s. z. B. _Pfister_ 1812 [298], _v. Grolman_ 23 u.
-T.-G. 98; _Karmayer_ 58) und auch sonst mundartlich gebräuchlich (so z.
-B. im Elsaß; vgl. _Martin-Lienhardt_, Els. W.-B. II, Sp. 940). Zur
-_Etymologie_ — aus der _Zigeunersprache_ (vgl. »Einleitung«, S. 30) —
-s. die Lit-.Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 56, S. 58, Anm. 3 u. dazu
-noch _Finck_, S. 63 (_kār_, _kāro_ = »Schwanz, Schweif, männliches
-Glied, Ziemer« [in den übrigen zig. W.-Büchnern usw. meist: _gāro_,
-bei _Jühling_, S. 221: _Gār_]).]
-
-[Fußnote 930: ([479] auf S. 64.180) Zu _G(e)schmu(i)_ _vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 72 (_Schmoi_ =
-»membr. fem.«); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Lütz._ [215]: _G'schmu_ =
-»membrum muliebre«, während in U. [214] die _Zus._ _G'schmufink_ für den
-penis gebraucht wird, in _Degg._ [215] dagegen _Schmufink_ die Zigarre
-bedeutet [Metapher?]). S. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_Schmu_ = »membrum
-muliebre«) sowie aus dem älteren Rotw.: _Körner's Zus. zur Rotw. Gramm._
-v. 1755 (240: _Schmoje_ = Weibesscham; _Pfister_ 1812 (305: _Schmue_ =
-weibliche Scham); _Brills Nachrichten_ 1814 (324: ebenso); _v. Grolman_
-62 u. T.-G. 98 (_Schmu_); _Karmayer_ 145 (ebenso). Die Etymologie ist
-unsicher. Auch _Müller_ in d. »Anthropophyteia«, Bd. VIII, S. 9 u.
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 485 geben keine Erklärung. Nach A.-L.
-601 soll es sich — bei der Form _Schmu(e)_ — um eine »Transposition«
-von _Musch_ handeln (vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 346); in
-_G(e)schmu(i)_ wäre dann das Wort wohl mit der (bes. bayr.-österr.)
-Vorsilbe _Ge-_ versehen; vgl. das _Geschmudel_ = »feminal« (_Schmeller_,
-Bayer. W.-B. II, Sp. 545 unter »schmudeln«).]
-
-Glück, _Dof_[931] [64.181]
-
-Glühwein, _gesicherter Johle_[932]
-
-Glut, _Funk_[933]
-
-gnädig, _dof_[913]
-
-Gold, _Fuchs_[934]
-
-Goldfisch, _Fuchsschwimmerling_[935]
-
-Goldstück, _Füchsle_ od. _Goldfüchsle_[934]
-
-Gottesacker, _Begerschure_[936]; vgl. Friedhof, Kirchhof
-
-Gottesdienst (halten), _Duft (halten)_[937]
-
-Gotteshaus, _Duft_[937]; vgl. Kirche
-
-gottlos, _lenk_, _schofel_[938]
-
-Grab, _Begerschure_[936]
-
-Grabstein, _Begerkies_[939]
-
-Gras, _Kupfer_[940]
-
-gewaltsam, _lenk_, _schofel_[938]
-
-Grausen (das), _Bauserich_[941]
-
-Greis, _Käfferle_ (d. h. eigtl. etwa »[altes] Männchen«)[942]
-
-grimmig, _lenk_, _schofel_[938]
-
-grob, " "
-
-groß, _grandich_ (-dig)[943]
-
-[Fußnote 931: ([480] auf S. 64.181) Substantivierung des Adj. _dof_ (s.
-angenehm); vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 vbd. mit S. 7, Anm. 16.]
-
-[Fußnote 932: ([481] auf S. 64.181) S. auskochen u. Apfelwein.]
-
-[Fußnote 933: ([482] auf S. 64.181) S. abbrennen.]
-
-[Fußnote 934: ([483] auf S. 64.181) Zu _Fuchs_ (Dimin. _Füchsle_ [od.
-_Goldfüchsle_] = Goldstück, _Zus._: _Fuchsschwimmerling_ = Goldfisch)
-_vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 254 u.
-_Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Fuchs_ = Gold). Über weitere Belege aus dem
-Rotwelsch u. d. Kundenspr. sowie zur _Etymologie_ (metaphor.
-Tierbezeichng.) s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 317 ff. u. Anm.
-3 vbd. m. Bd. 55, S. 157, Anm. 1; vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II,
-Sp. 1808, Nr. 7.]
-
-[Fußnote 935: ([484] auf S. 64.181) S. Fisch.]
-
-[Fußnote 936: ([485] auf S. 64.181) S. absterben u. abbiegen.]
-
-[Fußnote 937: ([486] auf S. 64.181) S. Dom.]
-
-[Fußnote 938: ([487] auf S. 64.181) S. arg.]
-
-[Fußnote 939: ([488] auf S. 64.181) absterben u. Apfelkern.]
-
-[Fußnote 940: ([489] auf S. 64.181) S. Frucht.]
-
-[Fußnote 941: ([490] auf S. 64.181) Wohl Substantivierung des Adj.
-_bauserich_ = ängstlich (s. Angst); vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm.
-38.]
-
-[Fußnote 942: ([491] auf S. 64.181) S. Bauer.]
-
-[Fußnote 943: ([492] auf S. 64.181) S. Adler.]
-
-große Arbeit, _grandicher Schenagel_[944] [64.182]
-
-große Augen, _grandiche Scheiling_[945]
-
-große Dame, _grandiche Sense_[946]
-
-große Kirche, _grandiche Duft_[937]
-
-große Nase, _grandicher Muffer_[947]
-
-große Schulden, _grandich Bomme_[948]
-
-großer Bauer, _grandicher Ruch_[949]
-
-großer Herr, _grandicher Sins_[946]
-
-großer Kopf, _grandicher Ki(e)bes_[950]
-
-großer Mann, _grandicher Kaffer_[951]
-
-großer Mund, _grandicher Giel_[952]
-
-großes Herrenhaus, _grandiche Sinsekitt_[953]
-
-Großmaul, _Grandichergiel_[952]
-
-Großmutter, _Grandichemamere_[954]; vgl. Mutter
-
-großnasig; _grandicher Muffer_[947]
-
-Großvater, _Grandicher-Patres_[955], vgl. Vater
-
-Gruft s. Grab
-
-Grummet, _Kupfer_[956]
-
-gucken (schauen, sehen), _linzen_[957], _spannen_[958]
-
-Gulasch, _Bossertblättling_ (d. h. eigtl. »Fleischsalat«)[959]
-
-[Fußnote 944: ([493] auf S. 64.182) S. abschaffen.]
-
-[Fußnote 945: ([494] auf S. 64.182) S. Augapfel.]
-
-[Fußnote 946: ([495] auf S. 64.182) S. Amtmann.]
-
-[Fußnote 947: ([496] auf S. 64.182) S. Aas.]
-
-[Fußnote 948: ([497] auf S. 64.182) S. borgen.]
-
-[Fußnote 949: ([498] auf S. 64.182) S. Bauer.]
-
-[Fußnote 950: ([499] auf S. 64.182) S. Angesicht.]
-
-[Fußnote 951: ([500] auf S. 64.182) S. Bauer.]
-
-[Fußnote 952: ([501] auf S. 64.182) S. Affengesicht.]
-
-[Fußnote 953: ([502] auf S. 64.182) S. Amtmann u. Abort.]
-
-[Fußnote 954: ([503] auf S. 64.182) S. Amme.]
-
-[Fußnote 955: ([504] auf S. 64.182) S. Eltern.]
-
-[Fußnote 956: ([505] auf S. 64.182) S. Frucht.]
-
-[Fußnote 957: ([506] auf S. 64.182) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 958: ([507] auf S. 64.182) S. gaffen.]
-
-[Fußnote 959: ([508] auf S. 64.182) _Blättling_ (= Salat) findet sich
-auch noch in folgenden _Zus._ (nur vorne): _Schureblättling_ =
-Gurkensalat, _Spronkertflösslingblättling_ = Heringsalat,
-_Bolleblättling_ = Kartoffelsalat (Spr.), _Groanertblättling_ =
-Krautsalat, _Schmelemerblättling_ (d. h. eigtl. »Zigeunersalat«)
-= Löwenzahn (s. zur Erklärung Näh. unter diesem Worte),
-_Hornikelgielblättling_ = Ochsenmaulsalat. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 343 (_Blättling_ = Salat, aber [341,
-342] auch = Karte u. Teller); _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Bl[^æ]tling_
-[in _Pfedelb._ (212): _Blättling_] = Salat); s. auch _Pleißlen der
-Killertaler_ 434 (_Blättlinger_ = Salat, aber auch Kuchen). Der
-_Etymologie_ nach gehört der Ausdr. ohne Zweifel zu »Blatt«, während
-_Blättling_ = Kuchen (richtiger _Plattling_ [s. z. B. _Schlemmer_ 1840
-(369)]), Teller (s. oben u. auch _sonst_ im Rotw. des 19. Jahrh.) oder
-Tisch (s. z. B. _v. Grolman_ 9 u. T.-G. 127) mit »Platte« od. »platt«
-zusammenhängt. Vgl. _Pott_ II, S. 38 u. _Günther_, Rotwelsch S. 61.]
-
-Gurke, _Schure_[960] [64.183]
-
-Gurkensalat, _Schureblättling_[959]
-
-günstig, _dof_, _duft_[961]
-
-günstiger Bursche, _dufter Benges_ od. _Benk_[962], _dufter
-Fi(e)sel_[963], — _Freier_[964]
-
-günstiges Mädchen, _dufte Model_[965]
-
-Gürtel, _Schure_[960]
-
-gut, _dof_[961]
-
-gute Frau, _dofe Goi_[966], _dofe Mos(s)_[967]
-
-guter Bursche, _dofer Benges_ (Benk)[962], — _Fi(e)sel_[963], —
-_Freier_[964]
-
-guter Mann, _dofer Kaffer_[951]
-
-gutes Mädchen, _dofe Model_[965]
-
-gütig, _dof_[961]
-
-gutmütig, "
-
-[Fußnote 960: ([509] auf S. 64.183) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 961: ([510] auf S. 64.183) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 962: ([511] auf S. 64.183) S. brauchbarer Bursche.]
-
-[Fußnote 963: ([512] auf S. 64.183) S. Bettelbube.]
-
-[Fußnote 964: ([513] auf S. 64.183) S. Fremder.]
-
-[Fußnote 965: ([514] auf S. 64.183) S. Beischläferin.]
-
-[Fußnote 966: ([515] auf S. 64.183) S. böse Frau.]
-
-[Fußnote 967: ([516] auf S. 64.183) S. Bauernfrau.]
-
-
- H. [64.297]
-
-Haar, _Strauberts_[968]
-
-haarig, _straubertsich_[968]
-
-Haarnadel, _Straubertsschure_[969]
-
-Haaröl, "
-
-Haber s. Hafer
-
-habgierig, _bikerich_[970]
-
-Hacke, _Dogschure_ (d. h. eigtl. ein »Hauding«, zu _dogen_ = hauen)[971]
-
-Häckerling, Häcksel, _Kupfer_[972]
-
-Hafen s. Toof
-
-Hafer, _Kupfer_[972], _Spitzling_[973]; vgl. Futter
-
-[Fußnote 968: ([1] auf S. 64.297) S. Augenbrauen.]
-
-[Fußnote 969: ([2] auf S. 64.297) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]
-
-[Fußnote 970: ([3] auf S. 64.297) S. Abendessen.]
-
-[Fußnote 971: ([4] auf S. 64.297) S. abgeben und abbiegen. — Auch die
-zigeun. Vokabel für Hacke (_dawmáskeri_) soll nach _Liebich_, S. 206
-eigtl. soviel wie ein »Hauding« bedeuten.]
-
-[Fußnote 972: ([5] auf S. 64.297) S. Frucht.]
-
-[Fußnote 973: ([6] auf S. 64.297) Zu _Spitzling_ = Hafer _vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Spitzling_ [od.
-(seltener) _Spitz_] = Hafer; Nebenbdg. [488]: Weidenbaum), während das
-_Pfulld. J.-W.-B._ 340 dafür _Spitzgib_ (od. bloß _Gib_ [s. oben unter
-»Frucht«]) hat und das _W.-B. des Konst. Hans_ 255 u. _Schöll_ 271
-_Spitznase_ für »Gerste« kennen. Im sonstigen Rotwelsch kommt
-_Spitzling_ zwar schon seit d. 16. Jahrh. (s. _Lib. Vagat_ [55]) für den
-Hafer vor, hat jedoch auch noch mehrere Nebenbedeutungen, wie
-(Näh-)Nadel, Nagel, Ahle (Pfriem) u. Messer; s. _Günther_, Rotwelsch, S.
-60 vbd. mit _Schütze_, S. 93 (nach dem noch heute _Spitzling_ = Hafer
-»besonders in Süddeutschland von fahrenden Künstlern u. dgl., die für
-ihr Wagenpferd fechten«, gebraucht werden soll).]
-
-Häfner, _Nollespflanzer_[974] [64.298]
-
-Haft, _Dofes_[975], _Kittle_[976], _Lek_[975]
-
-Hahn, _Grandiche-Gachne_ (d. h. »große Henne« od. »großes Huhn«)[977]
-
-Halbstiefel, _Halbtrittleng_[978]
-
-halbtot, _halbdeist_[979]
-
-halbtrunken, _halbgeschwächt_[980]
-
-Hals, _Ki(e)bes_[981]
-
-Halskette, _Ki(e)besschlang_[982]
-
-[Fußnote 974: ([7] auf S. 64.298) S. Fleischhafen u. anbrennen.]
-
-[Fußnote 975: ([8] auf S. 64.298) S. Arrest.]
-
-[Fußnote 976: ([9] auf S. 64.298) S. Abort.]
-
-[Fußnote 977: ([10] auf S. 64.298) Diese Bezeichnung ist den Zigeunern
-(die sonst ja ähnliche Umschreibungen wohl kennen [s. z. B. _bāri
-pāpin_ (jen.: _grandich Babing_), d. h. »(sehr) große Gans« =
-Schwan]) nicht bekannt; vgl. auch, »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 49. —
-Mit _Gachne_ = Henne, Huhn (Dimin. _Gachnele_ = »Küchlein«) ist auch
-eine Reihe von _Zusammensetzgn._ gebildet worden, nämlich: a) _am
-Anfang_: _Gachnekitt_ = Hühnerhaus, _Gachnetritt_ = Hühnerfuß,
-_Gachnekeiluf_ = Hühnerhund, _Gachnestenkert_ = Hühnerstall; b) _am
-Ende_: _Bäzemegachne_ (d. h. eigtl »Eierhuhn«) = Legehuhn,
-_Krachergachne_ (d. h. eigtl. »Waldhuhn«) = Rebhuhn (s. d. betr.
-Übereinstimmg. mit d. Zigeun.), _Flu(h)tegachne_ = Wasserhuhn. _Zu vgl._
-(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Kachine_ =
-Huhn); _Sulzer_, _Zigeunerliste_ 1787 (251: _Gachene_ = Hennen); _W.-B.
-des Konst. Hans_ 254 (_Gachene_ [sing.] = Henne); _Schöll_ 271 (ebenso);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Gachem_ = Henne); _Schwäb. Händlerspr._ 482
-(_Kachum_ = Henne [in _Pfedelb._ (210): dafür _Gagak_]). Zur
-_Etymologie_ des Wortes — aus der _Zigeunersprache_ (vgl. »Einleitung«,
-S. 30) — s. Näh. bei _Pott_ II, S. 16, _Günther_, Rotwelsch, S. 31 u.
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 142 (unter »Kachine«) vbd. mit _Pott_
-II, S. 91 (unter »Kachni«), _Liebich_, S. 141, 208 u. 211 (_kachní[n]_ =
-Huhn, Henne), _Miklosich_ Beitr. I/II, S. 29, III, S. 11 u.
-Denkschriften, Bd. 26, S. 228 (unter »kahni«: bei d. _deutsch._ Zigeun.:
-_kachni[n]_), _Jühling_, S. 223 (_Kachni_ = Huhn, plur.: _-ia_) u.
-_Finck_, S. 62 (_káxni_, _káxnin_ od. _káxli_ = »Huhn, Henne«). Bei der
-Form _Gagak_ — bei den schwäb. Händlern in _Pfedelbach_ (s. oben) —
-liegt wohl eine — ev. zugleich mit Anlehnung an das zigeun. Stammwort
-vorgenommene — lautnachahmende Bildung (mit Bez. auf das »Gackern« der
-Hennen) vor, wie sie bes. die Kindersprache liebt. S. auch _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. III, Sp. 16.]
-
-[Fußnote 978: ([11] auf S. 64.298) S. Ferse.]
-
-[Fußnote 979: ([12] auf S. 64.298) S. ermorden.]
-
-[Fußnote 980: ([13] auf S. 64.298) S. Amme; vgl. berauscht.]
-
-[Fußnote 981: ([14] auf S. 64.298) S. Angesicht.]
-
-[Fußnote 982: ([15] auf S. 64.298) Mit _Schlang_ = Kette, Leine (Spr.)
-sind noch folgende _Zus._ gebildet (nur _am Ende_): _Loslingschlang_
-(eigtl. »Ohrkette«) = Ohrring, _Blibelschlang_ (eigtl. »Betkette«) =
-Rosenkranz (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.), _Lubertschlang_
-= Uhrkette. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 90, 95 (_Schlangen_ = Borten, Ketten); _Pfulld. J.-W.-B._
-337 (_Schlang_ = Kette; vgl. [341] das Zeitw. _schlangen_ =
-anschließen); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71 (_Schlange_ = Kette);
-_Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Schlang_ = Kette [in _Degg._ (215) dagegen:
-_Schlang(e)_ = Wurst]). Über weitere Belege des Wortes (einer alten
-_Metapher_ aus dem Tierreiche) im Rotwelsch s. Näh. in _Groß'_ Archiv,
-Bd. 42, S. 72 u. Anm. 1 (unter »Schlangemer«).]
-
-halt das Maul!, _schupf dich auf!_[983] [64.299]
-
-Hammel, _Jerusalemsfreund_[984]; vgl. Schaf
-
-Hand, _Fehma_[985], _Grif(f)leng_[986]
-
-[Fußnote 983: ([16] auf S. 64.299) S. aufhören.]
-
-[Fußnote 984: ([17] auf S. 64.299) Mit _Jerusalemsfreund_ = Schaf
-(Hammel) sind gebildet die _Verbdgn._ _grandich Jerusalemsfreund_ =
-Schafbock u. folgende _Zus._: _Jerusalemsfreundbenk_ od.
-_-schure_ = Hirt, Schäfer, _Jerusalemsfreundmodel_ = Schäferin,
-_Jerusalemsfreundkib_ = Schäferhund, _Jerusalemsfreundschenegler_ =
-Schäferknecht, _Jerusalemsfreundstenkert_ = Schafstall,
-_Jerusalemsfreundstrauberts_ (d. h. eigtl. »Schafhaare«) = Wolle (s. d.
-betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). — Diese auffällige Bezeichnung
-(die nach e. Mitteilg. _Wittichs_ bes. bei den Bürstenhändlern u.
-Schirmflickern des schwäb. Dorfes _Lützenhardt_ gebräuchlich sein soll)
-findet sich _weder_ in dem _verw. Quellenkreise_ _noch_ m. Wiss. sonst
-im Rotw. u. ihm verw. Geheimsprachen. Zur Erklärung dürfte vielleicht
-herangezogen werden die Verwendung des Ausdr. _Jerusalem_ für eine
-bestimmte _Klee_sorte (Jerusalemsklee, Trifolium hierosolimitanum; vgl.
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 94) wie überhaupt auch sonst noch in
-_Pflanzennamen_ (vgl. dazu schon _Frisch_, Teutsch-Latein. W.-B., Berl.
-1741, Bd. I, S. 186; _Grimm_, D. W.-B. IV, 2, Sp. 2312; Schweiz. Idiot.
-III, Sp. 67). Da nun schon im ältern Rotw. für das Schaf die Benennung
-_Kleebeißer_ gebräuchlich gewesen (s. z. B. _A. Hempel_ 1687 [169] u.
-dann öfter; vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 276), so wäre der Übergang
-hiervon zu dem »Freund« guten Klees, dem »_Jerusalemsfreund_«, wohl
-leicht gegeben.]
-
-[Fußnote 985: ([18] auf S. 64.299) _Fehma_ = Hand (Hände) ist demnach
-doch im Jenisch noch _nicht_ völlig veraltet (vgl. »Einleitung«, S. 25,
-Anm. 61), jedoch erscheint es außer in der Verbindg. _Fehma ste(c)ken_ =
-die Hände geben wenig gebräuchlich, namentl. _nicht_ in Zusammensetzgn.,
-während mit dem Synon. _Grif(f)ling_ (-leng) eine Reihe solcher gebildet
-ist (vgl. Näh. schon unter »Daumen«). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Feme_ = Hand, plur. _Fenem_
-[wohl verschrieben], u. _Fehm¶a¶_ [sic] _stecken_ = die Hand geben
-[wogegen _Griffling_ hier »Handschuhe« bedeutet); _W.-B. des Konst.
-Hans_ 256 (_Fehma_ = Hand); _Schöll_ 272 (_Feme_ = Hand); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 337, 340 (_Fehma_ = Arm, Hand, _Fehma stecken_ = die Hand
-geben); in der _schwäb. Gaun.-, Kunden- u. Händlerspr._ nicht mehr
-bekannt, dagegen noch im _Metzer Jenisch_ 216 (_Fēm_ = Hand). Über
-weitere Belege im Rotwelsch sowie die _Etymologie_ des Wortes (wohl vom
-_nord._ Zahlwort _fem_ = 5, mit Bez. auf die fünf Finger der Hand) s.
-Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 65, 66 u. Anm. 1. _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. II, Sp. 1051 (unter »Feme«) hat keine Erklärung hinzugefügt.]
-
-[Fußnote 986: ([19] auf S. 64.299) S. Daumen.]
-
-Handarbeit, _Grif(f)lengsschenagel_[987] [64.300]
-
-Hände, die — geben, _Fehma_ od. _Grif(f)leng ste(c)ken_[988]
-
-handeln, _verbaschen_, _vergremen_, _verkemeren_[989],
-_verkitschen_[990]
-
-Handelsbursche, _Verbascher_, _Vergremerer_[991],
-_Verkemerers-Benk_[992] od. _-Fi(e)sel_[993]
-
-Handelsfrau (-weib), _Verbaschere_, _Vergremere_, _Verkemerere_[991],
-_Vergremmos(s)_[994]
-
-Handelsmädchen, _Vergremere_[991], _Verkemeresmodel_[995]
-
-Handelsmann, _Verkemerer_[991], _Vergremerskaffer_ od.
-_Verkemerskaffer_[996]
-
-Handgemenge, _Hamore_[997]
-
-[Fußnote 987: ([20] auf S. 64.300) S. abschaffen.]
-
-[Fußnote 988: ([21] auf S. 64.300) S. (betr. _ste[c]ken_) beschenken.]
-
-[Fußnote 989: ([22] auf S. 64.300) S. (zu allen drei Ausdr.) abkaufen.]
-
-[Fußnote 990: ([23] auf S. 64.300) Das Zeitw. _verkitschen_ = handeln,
-verkaufen (s. dazu die Ableitg. _Verkitscher_ = Verkäufer) findet sich
-(in dem _verw. Quellenkr._) auch in der _schwäb. Gaun.-, Kunden- u.
-Händlerspr._ (s. _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71, 77 [_kitschen_ =
-kaufen, _verkitschen_ = verkaufen]; _Schwäb. Händlerspr._ 487
-[_verkitschen_ od. _vergitschen_ = verkaufen]), auch ist es — in etwas
-abweichender Form (nämlich _verkitzen_ [od. _verklitschen_]) u. im etwas
-_engeren_ Sinne (nämlich »erbetteltes Zeug verkaufen«) der _älteren
-Kundenspr. überhaupt_ bekannt gewesen (s. _Ku._ III [429]). Zur
-_Etymologie_: Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1194 (unter
-»verkitschen«) u. IV, Sp. 426 (unter »kitschen«) bedeutet in der schwäb.
-Mundart _(ver)kitschen_ »im Kleinen (ver)handeln«, dann spezieller auch
-»auf listige Art (ver)kaufen« (vgl. bei _Grimm_, D. W.-B. XII, Sp. 641:
-_verkitschen_ = »auf unehrliche Weise verkaufen«) und könnte vielleicht
-gedeutet werden als eine Ableitung von _Kitsch_, das u. a. für »kurzes
-Holz, Abfall von Reisig, schlechte Holzware« vorkommt. In der letzteren
-Bedeutg. (»schlechte Holzware«) stimmt _Kitsch_ merkwürdig zu dem
-(neuerdings — bes. für schlechte Gemälde — sehr beliebt gewordenen)
-Künstlerausdruck _Kitsch_ = »wertloser Schund« (s. _Fischer_, a. a. O.),
-der jedoch nach der Z. d. Allgem. Deutsch. Sprachv., Jahrg. 24 (1909),
-Sp. 126 erst aus dem oben erwähnten Zeitw. _(ver)kitschen_ entstanden
-sein soll (wofür auf die Wiedergabe seiner Bedeutg. bei _Schmeller_,
-Bayer. W.-B. I, Sp. 1313 [durch »etwas für Geld anbringen, los werden,
-z. B. _ein Gemälde verkitschen_«] verwiesen worden).]
-
-[Fußnote 991: ([24] auf S. 64.300) S. abkaufen.]
-
-[Fußnote 992: ([25] auf S. 64.300) S. (betr. _Benk_) brauchbarer
-Bursche.]
-
-[Fußnote 993: ([26] auf S. 64.300) S. Bettelbube.]
-
-[Fußnote 994: ([27] auf S. 64.300) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 995: ([28] auf S. 64.300) S. (betr. _Model_) Beischläferin.]
-
-[Fußnote 996: ([29] auf S. 64.300) S. (betr. _Kaffer_) Bauer.]
-
-[Fußnote 997: ([30] auf S. 64.300) S. Fehde.]
-
-Handschuh, _Grif(f)lengstrittleng_[998] [64.301]
-
-Handschuhmacher, _Grif(f)lingstrittpflanzer_[999]
-
-Handwerksbursche, _Konde_ od. _Kunde_[1000]
-
-hängen (= aufhängen, henken), _schnüren_[1001]
-
-Harfe, _Niklengschure_ (d. h. etwa »Spielding«)[1002]
-
-Harmonika, " " "
-
-Harn (Urin), _Flösle_, _Flösslete_, _Flösselflu(h)te_[1003]
-
-harnen, _flössle_[1003]; vgl. auch regnen
-
-hartherzig, _lenk_, _schofel_[1004]
-
-Hase, _Langohr_[1005]
-
-Hasenessen, _Langohrbikus_[1006]
-
-Haselnuß, _Jahrekrächerle_ od. _Kracherkrächerle_ (d. h. eigtl.
-»Waldnuß«)[1007]
-
-haßartig, _lenk_, _schofel_[1004]
-
-[Fußnote 998: ([31] auf S. 64.301) S. Daumen u. Ferse. — Synon. wohl
-auch _Grif(f)lingstritt_, wie aus der Zus. _Grif(f)lingstrittpflanzer_ =
-Handschuhmacher zu schließen.]
-
-[Fußnote 999: ([32] auf S. 64.301) Vgl. die vor. Anm. a. E.; betr.
-_-pflanzer_ s. anbrennen.]
-
-[Fußnote 1000: ([33] auf S. 64.301) Zu _Konde_ od. _Kunde_ (=
-Handwerksbursche) vgl. (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._
-340 (_Talfkunde_ = Handwerksbursche [zugleich wohl _erster_ Beleg für
-das Wort im Rotw. _überhaupt_]); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70
-(_Kunde_ = Handwerksbursch); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Kundi_ [in
-_Pfedelb._ (209): _Kunde_] = Bettler). Über weitere Belege im Rotwelsch
-(nach 1820) u. in der Kundenspr. (Bedtg. meist: _wandernder_
-Handwerksbursche, Vagabund u. dgl.) sowie d. _Etymologie_ des Wortes (zu
-»kennen«, also eigtl. soviel wie »der Bekannte«, als Anrede der Kunden
-unter sich) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 8, 9.]
-
-[Fußnote 1001: ([34] auf S. 64.301) S. aufhängen.]
-
-[Fußnote 1002: ([35] auf S. 64.301) S. aufspielen u. abbiegen.]
-
-[Fußnote 1003: ([36] auf S. 64.301) S. austreten (leicht) u. (betr.
-_Flu[h]te_) abbrühen.]
-
-[Fußnote 1004: ([37] auf S. 64.301) S. arg.]
-
-[Fußnote 1005: ([38] auf S. 64.301) Zu _Langohr_ = Hase, auch Kaninchen
-(_Zus._: _Langohrbikus_ = Hasenessen) _vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Grünspreit-Langohr_ = Hase [zu
-_Grünspreit_ = Feld], während _Langohr_ [ohne Zusatz] hier = Esel ist);
-_Schwäb. Händlerspr._ 481 = Hase [in _Pfedelb._ (210) _auch_ = Esel); s.
-auch _Regensb._ Rotwelsch 490 (_Langöhrl_ = Hase). Im sonst. Rotw. tritt
-_Langohr_ zunächst für den Esel auf (s. z. B. _Hildburgh. W.-B._ 1753
-ff. [229], während d. Hase hier _Langfuß_ heißt, in _Körners Zus. zur
-Rotw. Gramm._ v. 1755 [240] aber zwischen _gross Langohr_ = Esel u.
-_klein Langohr_ [od. _Langfuß_] = Hase unterschieden ist), seit d. 19.
-Jahrh. dagegen überwiegt die Bedeutg. »Hase« (s. schon _Pfister_ 1812
-[301] u. a. m.). Es handelt sich hierbei um eine der vielen, bes. gerade
-zur Kennzeichnung der Tiere im Rotwelsch beliebten partes pro toto; vgl.
-_Pott_ II, S. 23; _Günther_, Rotwelsch, S. 58; _Fischer_, Schwäb. W.-B.
-IV, Sp. 985.]
-
-[Fußnote 1006: ([39] auf S. 64.301) S. (betr. _Bikus_) Abendessen.]
-
-[Fußnote 1007: ([40] auf S. 64.301) Betr. _Jahre_ od. _Kracher_ = Wald
-s. Ananas. — Mit _Krächerle_ = Nuß (Nüsse) sind auch noch gebildet die
-_Zusammensetzgn._: _Krächerlestöber_ (i. d. Spr.: _Krächerstöber_ [wohl
-versehentlich]) = Nußbaum u. _Krächerlekies_ = Nußkern. In dem _verw.
-Quellenkr._ lauten die Formen (im wes. Übereinstimmg. mit dem Rotw.
-_überhaupt_ [s. z. B. schm. _Lib. Vagat_ (54) u. dann öfter]):
-_Krächling_ od. _Kracherling_. _Vgl._ _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 97
-(_Kracherling_ = Nuß, _Heckenkracherling_ = Haselnuß); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 338, 342 (_Krächling_ = Baumnuß, Nuß; Nebenbedtg. [346]:
-Zahn); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (_Krächling_ = Nuß); _Schwäb.
-Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [212]: _Krächling_, in U. [214]:
-_Kracherling_). Zur _Etymologie_ (vom deutsch. Zeitw. »krachen«) s.
-_Pott_ II, S. 38; _A.-L._ 562 (unter »Kracher«); _Günther_, Rotwelsch,
-S. 61; _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 663 (unter »Krachling«).]
-
-Haube, _Oberman(n)_[1008] [64.302]
-
-hauen, _dogen_ od. _doken_[1009], _ste(c)ken_[1010], _stenzen_[1011]
-
-Hauer (wilder Eber), _Balo_, _Groanikel_[1012]
-
-häufig, _grandich_[1013]
-
-Haupt, _Ki(e)bes_[1014]
-
-Haupthaar, _Ki(e)besstrauberts_[1015]
-
-Hauptmann, _Grandicher-Lanenger_. Mit _Lanenger_ werden alle Soldaten
-(ohne Unterschied der Waffengattung) bezeichnet, Offiziere nur unter
-Hinzufügung der Eigenschaftswörter _dof_ od. _grandich_, also _dofer
-Lanenger_, d. h. eigtl. guter (od. besserer) Soldat, od. _grandicher
-L._, d. h. großer, hoher (od. höherer) Soldat[1016]
-
-[Fußnote 1008: ([41] auf S. 64.302) S. Fingerhut.]
-
-[Fußnote 1009: ([42] auf S. 64.302) S. abgeben.]
-
-[Fußnote 1010: ([43] auf S. 64.302) S. beschenken.]
-
-[Fußnote 1011: ([44] auf S. 64.302) S. Ast.]
-
-[Fußnote 1012: ([45] auf S. 64.302) S. Eber.]
-
-[Fußnote 1013: ([46] auf S. 64.302) S. Adler.]
-
-[Fußnote 1014: ([47] auf S. 64.302) S. Angesicht.]
-
-[Fußnote 1015: ([48] auf S. 64.302) S. (betr. _Strauberts_)
-Augenbrauen.]
-
-[Fußnote 1016: ([49] auf S. 64.302) S. dazu auch die Bemerkgn. in d.
-Anm. zu »Bischof«. — _Lanenger_ = Soldat (Krieger, Kriegsmann), plur.
-_Lanengere_ = Soldaten (Militär, Truppen), ist im W.-B. auch für »Husar«
-und »Infanterist« angeführt worden (vgl. _Wittichs_ Bemerkg. oben im
-Text). — Die _Verbindg._ _grandich Lanenger_ (mit der Bedeutg. »[sehr]
-viele Soldaten«) wird für »Heer« gebraucht (vgl. schon oben unter
-»Bischof« sowie betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun. noch weiter
-unten unter »Heer«). Als _Zusammensetzgn._ mit dem Wort erscheinen:
-_Lanengeroberman(n)_ (d. h. eigtl. »Soldatenhut«) = Helm,
-_Lanengerlechem_, _-lehm_ oder _-maro_ (d. h. »Soldatenbrot«)
-= Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.),
-_Lanengerbegerkitt_ (d. h. »Soldatenkrankenhaus«) = Lazarett,
-_Lanengerkluft_ (d. h. »Soldatenkleidung«) = Montur, _Lanengermoss_ =
-Soldatenfrau, _Lanengerbeiz_ od. _-kober_ = Soldatenwirtschaft. _Zu
-vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99
-(_Laninger_ = Soldat); _Schöll_ 271 (_Launinger_); _Pfulld. J.-W.-B._
-338, 339, 344 (_Laninger_ = Soldat, aber auch Bettelvogt,
-_Schmirlaninger_ = Wache, _Haurigerlaninger_ = Schildwache); _Schwäb.
-Händlerspr._ 483, 486 (_Laninger_ od. _Lanenger_ = Soldat, erstere Form
-[neben _Lner_] auch = Landjäger). Über weitere Belege im Rotwelsch
-sowie die (nicht sichere) _Etymologie_ des Wortes s. Näh. in _Groß'_
-Archiv, Bd. 42, S. 26 ff. (unter »Lenninger«); vgl. auch noch _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. IV, Sp. 989 (der auf einen ev. Zusammenhang mit »Land«,
-wie in »Landsknecht [Lanzer, Landel]« hinweist).]
-
-Haus, _Kitt_[1017] [64.303]
-
-Hausfrau, _Kittmos(s)_[1018]
-
-Hausherr, _Kittkaffer_[1019]
-
-Haushund, _Kittkeiluf_[1020] od. _Kittkip_[1021]
-
-hausieren (gehen), _schenzieren_ (_bosten_ od. _pfichen_) (Spr.)[1022]
-
-[Fußnote 1017: ([50] auf S. 64.303) S. Abort.]
-
-[Fußnote 1018: ([51] auf S. 64.303) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau; vgl.
-auch die Anm. zu »Hauswirt«.]
-
-[Fußnote 1019: ([52] auf S. 64.303) S. Bauer.]
-
-[Fußnote 1020: ([53] auf S. 64.303) Mit _Keiluf_ = Hund, auch spezieller
-Pudel, sind noch folgende _Zusammensetzgn._ gebildet: a) _im Anfang_:
-_Keilufkitt_ = Hundehütte, _Keilufstenkert_ = Hundestall; b) _am Ende_:
-_Gachnekeiluf_ = Hühnerhund, _Bu(t)zekeiluf_ = Polizeihund. _Zu vgl._
-(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Keluf_);
-_W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Kohluf_); _Schöll_ 271 (ebenso): _Pfulld.
-J.-W.-B._ 340 (_Gilof_); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Kailuf_); s. auch
-_Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Kêluf_). Über noch weitere rotw. Belege sowie
-die _Etymologie_ des Wortes (vom gleichbed. hebr. _keleb_) s. Näh. bei
-_Weber-Günther_, S. 156 (unter »Keilef«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. IV, Sp. 309 (unter »Kailuf«).]
-
-[Fußnote 1021: ([54] auf S. 64.303) Mit _Kip_ oder (häufiger) _Kib_
-(plur. _Kibe_, Dimin. _Kible_ [Spr.]), Synon. zu _Keiluf_ (daher _auch_
-= Pudel), sind noch mehr _Zusammensetzgn._ gebildet als mit letzteren,
-nämlich: a) _im Anfang_: _Kibe(n)bossert_ = Hundefleisch, _Kibekitt_ (=
-Keilufkitt), _Kibekafler_ = Hundemetzger, _Kibestenkert_ (=
-Keilufstenkert), _Kibeschwächerle_ = Hundezitzen; b) _am Ende_:
-_Stierer-_ od. _Stenzelkib_ (= Gachnekeiluf), _Stupfelkib_ = Igelhund
-(Spr.), _Bu(t)zekib_ (= Bu(t)zekeiluf), _Jerusalemsfreundkib_ =
-Schäferhund, _Flu(h)tekib_ = Seehund, _Schmelemerkib_ = Zigeunerhund.
-_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 254
-(_Kipp_ = Hund [wohl zugleich erster Beleg im Rotw. überhaupt]);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Kib_); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Kipp_); s.
-auch _Metzer Jenisch_ 216 (ebenso). Die _Etymologie_ des (auch in sonst.
-rotw. Quellen des 19. Jahrh. noch vereinzelt anzutreffenden) Wortes
-bleibt dunkel; auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 388 gibt keinen
-Aufschluß darüber.]
-
-[Fußnote 1022: ([55] auf S. 64.303) Betr. _bosten_ u. _pfichen_ s.
-abgehen. — Zu _schenzieren_ = hausieren finde ich keinen Beleg in
-anderen Quellen. Dagegen kennt das _Metzer Jenisch_ 216 _sch¶r¶anze_ in
-gleicher Bedeutung, während schon _Schöll_ 269 ein Subst.
-_Sch¶r¶enzierer_ als Synon. für die sonst als _Scheinspringer_
-bezeichneten Gauner (die sich bei Tage in Wohnungen einschleichen, um zu
-stehlen) anführt, das auch A.-L. 604 neben der Form _Sch¶ra¶nzierer_ (zu
-dem Zeitw. _schr¶a¶nzieren_ od. _schrenzieren_ = »sich [unter
-irgendeinem Vorwande] in Häuser [bes. Gasthöfe] einschleichen, um zu
-stehlen [oder zu baldowern]«) erwähnt u. vom ahd. _schr¶a¶nz_ = List
-hergeleitet hat. Indessen liegt es wohl mindestens ebenso nahe, das
-rotw. _Schrende_ (Schr¶a¶ntz, Schren[t]z[e] u. ä. = Stube (vgl. _Groß'_
-Archiv, Bd. 54, S. 165/66, Anm. 3) als Quelle dafür heranzuziehen, das
-zugleich auch für _schranze_ = hausieren passen würde. Danach aber
-dürfte dann vielleicht auch in _Wittichs_ Jenisch statt _schenzieren_
-richtiger _sch¶r¶enzieren_ zu lesen sein.]
-
-Hausknecht, _Kittschenegler_[1023] [64.304]
-
-Hausmagd, _Kittscheneglere_
-
-Hausmutter, _Kittmamere_[1024]
-
-Hausschlüssel, _Kittglitschin_[1025]
-
-Hausvater, _Kittpatris_[1026]
-
-Hauswirt, _Fehtekaffer_ (Dimin.: _-käfferle_ [Spr.])[1027]; vgl.
-Herberge
-
-Hebamme, _Deiselmos(s)_ od. _Disselmos(s)_[1028]
-
-Hebräer, _Kaim_[1029]; vgl. Juden
-
-[Fußnote 1023: ([56] auf S. 64.304) S. (betr. _Schenegler_) abschaffen.]
-
-[Fußnote 1024: ([57] auf S. 64.304) S. Amme.]
-
-[Fußnote 1025: ([58] auf S. 64.304) S. Dietrich.]
-
-[Fußnote 1026: ([59] auf S. 64.304) S. Eltern.]
-
-[Fußnote 1027: ([60] auf S. 64.304) Betr. _Kaffer_ s. Bauer. — Mit
-_Fehte_ = Herberge (Quartier, Wohnung) sind (außer _Fehtekaffer_, das
-auch durch »Herberggeber«, »Herbergsvater« und »Quartierherr«
-wiedergegeben) noch zusammengesetzt: _Fehteulme_ = Herbergsleute (Spr.),
-_Fehtefi(e)sel_ od. _-freier_ = Quartierbursche, _Fehtemos(s)_ od.
-_-sinse_ = Quartierfrau (ersteres in den Spr. durch »Hausfrau«
-wiedergegeben), _Fehtesins_ = Quartiersherr (also Syn. zu _Fehtekaffer_)
-u. _Fehtemodel_ = Quartiermädchen. _Ableitung_: _fehten_ = übernachten,
-auch das »Übernachten erlauben« (v. S. des Wirts) nach Spr. _Zu vgl._
-(aus dem _verw. Quellenkr._): _Schöll_ 272 (_Fede_ = Herberge; _Pfulld.
-J.-W.-B._ 343 (_Fede_ = Quartier; vgl. [338] das Zeitw. _feden_ =
-beherbergen); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Fêde_ = Bett [in _Pfedelb._
-(212) _auch_ = Quartier; vgl. ebd.: _in d' Fede hotschen_ = schlafen]);
-auch sonst im Rotw. seit Anf. des 18. Jahrh. (s. _Basl. Glossar_ v. 1733
-[201] hin und wieder angeführt. Zur (nicht sicheren) _Etymologie_ s.
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. II. Sp. 999/1000, wonach die Bedeutung
-»Quartier« aus dem ital. _fede_ im Sinne von »Verschreibung« (warum?),
-die Bedeutung »Bett« aber aus unserem deutsch. »Feder« erklärt werden
-könnte.]
-
-[Fußnote 1028: ([61] auf S. 64.304) S. gebären und Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 1029: ([62] auf S. 64.304) _Kaim_ = Jude (Hebräer), fem.:
-_Kaime_, plur.: _Kaimen_, erscheint noch in der _Zus._ _Kaimkolb_ (d. h.
-»Judengeistlicher«) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d.
-Zigeun.). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._
-94 (_Kaim_ = Jude); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (ebenso); _Schwäb. Gaun.- u.
-Kundenspr._ 71 (_Keim_ [_Gheim_, _Goim_] = Juden); _Schwäb. Händlerspr._
-482 (_Kaim_ [in _Pfedelb._ (210): _Keim_] od. _Kaimchen_ = Jude). Über
-weitere Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ (aus dem Hebr.
-[_chajjim_]) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 323/24 u. Anm. 2.
-_Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1286 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV,
-Sp. 143 geben keine genügende Erklärung.]
-
-Heer, _grandich Lanenger_ (d. h. »[sehr] viele Soldaten«)[1030] [64.305]
-
-heftig, _lenk_, _schofel_[1031]
-
-Heidelbeere, _Jahresäftling_ od. _Krachersäftling_[1032]
-
-Heidelbeerkuchen, _Krachersäftlingbrandling_[1033]
-
-heil, _dof schef(f)t's_ (d. h. »es ist [geht] gut«)[1034]
-
-heilig, _bliblich_[1035]
-
-heiliger Geist, _bliblischer Schuberle_[1036]
-
-heilsam, _dof_[1037]
-
-Heirat, _Vergrönerei_[1038]
-
-heiraten, _vergröneren_[1038]
-
-Heißhunger, _grandich Bogelo_ od. _grandich Put(t)lak_[1039]
-
-heizen, _funken_[1040]
-
-Heizer, _Funkpflanzer_[1041]
-
-hell, _schei_ (= _Schei_)[1042]
-
-Helle, _Schei_[1042]
-
-Helm, _Lanengeroberman(n)_, d. h. »Soldatenhut«)[1043]
-
-Hemd, _Hamfert_[1044], _Staud_[1045]
-
-[Fußnote 1030: ([63] auf S. 64.305) S. Hauptmann u. vgl. Bischof. —
-Dieselbe Umschreibung kennt nach _Liebich_, S. 207 auch die Zigeunerspr.
-(_but līrde_, d. h. »viel Soldaten« = Heer).]
-
-[Fußnote 1031: ([64] auf S. 64.305) S. arg.]
-
-[Fußnote 1032: ([65] auf S. 64.305) S. Ananas.]
-
-[Fußnote 1033: ([66] auf S. 64.305) S. (betr. _Brandling_) Apfelkuchen.]
-
-[Fußnote 1034: ([67] auf S. 64.305) S. angenehm u. daher (a. E.).]
-
-[Fußnote 1035: ([68] auf S. 64.305) S. anbeten.]
-
-[Fußnote 1036: ([69] auf S. 64.305) S. (betr. _Schuberle_) Geist.]
-
-[Fußnote 1037: ([70] auf S. 64.305) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 1038: ([71] auf S. 64.305) S. Ehe.]
-
-[Fußnote 1039: ([72] auf S. 64.305) S. Adler u. Appetit.]
-
-[Fußnote 1040: ([73] auf S. 64.305) S. abbrennen.]
-
-[Fußnote 1041: ([74] auf S. 64.305) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
-
-[Fußnote 1042: ([75] auf S. 64.305) S. alltäglich; über _schei_ als Adj.
-gebr. vgl. auch »Vorbemerkg.« S. 15, Anm. 38 a. E.]
-
-[Fußnote 1043: ([76] auf S. 64.305) S. Hauptmann u. Fingerhut.]
-
-[Fußnote 1044: ([77] auf S. 64.305) Diese Vokabel findet sich in ganz
-gleicher Form _und_ Bedeutung in der _Schwäb. Händlerspr._ in _Degg._
-(215), während für _Lütz._ (214) die Schreibung _Ha¶n¶fert_ angeführt
-ist. Sie dürfte aufzufassen sein als eine (mit der typischen Endung
-_-ert_ versehene) Abkürzung (durch Weglassung der Endsilbe, sog.
-_Apokope_) von dem älteren — als eine Art _pars pro toto_ (nach dem
-_Hauptbestandteil_) erscheinenden — Synon. _Hanfstaud(e)_ (s. schon
-_Lib. Vagat._ [54] u. a. m., so z. B. auch _Dolm. der Gaunerspr._ 93
-sowie noch _Schwäb. Händlerspr._ 482). Vgl. _Pott_ II, S. 23 und
-_Günther_, Rotwelsch, S. 67 vbd. mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp.
-1145 (unter »Hanfert«) u. 1146 (unter »Hanfstaude«); s. auch die
-folgende Anm.]
-
-[Fußnote 1045: ([78] auf S. 64.305) Für _Staud_ = Hemd sind aus dem
-_verw. Quellenkr._ anzuführen: _Pfullend. J.-W.-B._ 340 und _Schwäb.
-Händlersprache_ 482 (neben _Hanfstaude_ [s. oben Anm. 1044], in
-_Pfedelb._ [210]: _Staude_ neben den längeren Synon. _Hanf-_,
-_Flächse-_, _Wergstaude_; vgl. ebds. [211]: _Staudenpflanzerin_ = =
-Näherin); s. auch noch _Winterfelder Hausierersprache_ 442 (_Staudche_)
-Auch bei diesem Ausdrucke, der auch im _sonstigen_ neueren Rotwelsch
-(des 19. Jahrh.) sowie in der Kundensprache beliebt ist (s. die Belege
-bei _Schütze_, S. 92), handelt es sich (gleichwie bei _Hamfert_) um eine
-Abkürzung von _Hanfstaude_, jedoch in der Form des sog. _Aphärese_
-(Weglassung der _Anfangs_silbe). S. A.-L. 610; vgl. auch _Horn_,
-Soldatensprache, S. 63, Anm. 6.]
-
-Hengst, _Trapert_ (-bert)[1046] od. (genauer) _Trabert-Kaffer_ (d. h. [64.306]
-eigtl. »Pferdemann«, »männliches Pferd«)[1047]
-
-henken ([auf]hängen), _schnüren_[1048]
-
-Henne, _Brawari_[1049], _Stenzel_[1050], _Stierer_[1051]
-
-[Fußnote 1046: ([79] auf S. 64.306) S. Füllen.]
-
-[Fußnote 1047: ([80] auf S. 64.306) S. (betr. _Kaffer_) Bauer; vgl.
-Stute (= _Trabertmoss_, d. h. eigtl. »Pferdeweib«, »weibliches Pferd«).
-— Auch bei den Zigeunern heißt nach _Liebich_, S. 208, 244 der Hengst
-_morschkerdino grai_, d. h. »männliches Pferd«, die Stute (grasni oder)
-_graieskĕri tschuwli_, d. h. etwa »Pferdeweib«.]
-
-[Fußnote 1048: ([81] auf S. 64.306) S. aufhängen.]
-
-[Fußnote 1049: ([82] auf S. 64.306) Über diese (im W.-B. unter »Huhn«
-_nicht_ angeführte) Vokabel, die m. Wiss. sonst nirgends in den
-Geheimsprachen vorkommt, vermochte ich auch in _etymolog._ Beziehung
-_nichts Sicheres_ in Erfahrung zu bringen. Da mir jedoch _Wittich_ auf
-eine Anfrage hin mitteilte, daß er das Wort von »_böhmischen_ jenischen
-Leuten« gehört habe, so könnte es vielleicht mit dem tschech. _brav_
-(worin v wie w ausgesprochen wird) = »Schmal- od. Kleinvieh« in
-Zusammenhang gebracht werden, obwohl ja dessen Form _und_ Bedeutung noch
-einigermaßen abweicht (nach gefl. Mittlg. v. _Dr. A. Landau_).]
-
-[Fußnote 1050: ([83] auf S. 64.306) Mit _Stenzel_ = Henne (Huhn) sind
-gebildet die _Zusammensetzgn._: _Stenzeltritt_ = Hühnerfuß,
-_Stenzelkitt_ = Hühnerhaus u. _Stenzelkib_ = Hühnerhund. _Zu vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Stenzel_ = Huhn);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Stanzla_ = Henne); _Schwäb. Händlerspr._ 482
-(_Stenzel_, _Stenzling_ [in _Lütz._ (214): _Stelzling_] od. _Stanzel_ =
-Henne, in letzterer Form auch = Gans [481]). Die _Etymologie_ bleibt
-zweifelhaft. Auch _Hoffmann-Krayer_ u. _Landau_ im Schweiz. Archiv für
-Volksk., Bd. III, S. 243, Anm. 75 u. Bd. IV, S. 239 geben — in ihren
-Erläuterungen zu den Vokabeln des _Basler Glossars_ v. 1733 (das [201]
-schon _Stenzel_ = Huhn angeführt hat) keinen befriedigenden Aufschluß
-über die Herkunft des Wortes.]
-
-[Fußnote 1051: ([84] auf S. 64.306) _Stierer_, Syn. zu Stenzel, kommt
-nicht nur in _denselben Zus._ wie dieses vor (also: _Stierertritt_,
-_-kitt_ u. _-kib_), sondern auch noch in einigen _anderen_, so: a) _am
-Anfang_: _Stiererstenkert_ = Hühnerstall; b) _am Ende_: _Bäzemestierer_
-= Legehuhn und _Flu(h)testierer_ = Wasserhuhn. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Stire_ = Henne; _Stirestinker_ =
-Hühnerstall); _Schwäb. Händerspr._ 482 (_Stîrer_ = Henne); s. auch
-_Regensb. Rotw._ 489 (_Stieri_ = Hahn [aber auch = Ochse]). Über weitere
-Belege im Rotw. (schon seit d. 17. Jahrh.) u. in der Kundenspr. sowie
-die _Etymologie_ des Wortes (wohl vom deutsch. mundartl. Zeitw.
-_stieren_ [stüren, stören] = »durchsuchen, scharren«) s. Näh. in _Groß'_
-Archiv, Bd. 38, S. 231, Anm. 1.]
-
-herabblicken, -schauen, _herablinzen_[1052] [64.307]
-
-herabgehen, -laufen, _herabbosten_, _-pfichen_[1053]
-
-herabschießen, _herabschnelle_[1054]
-
-herabwerfen, _herabplotzen_[1055]
-
-herausfahren, _herausruadla_[1056]
-
-herausgeben, _herausdogen_[1057]
-
-herausschreiben, _herausfeberen_[1058]
-
-herausstehlen, _herausschniffen_[1059], _herausschoren_[1060],
-_herauszopfen_[1061]
-
-heraustragen, _herausbukla_[1062]
-
-Herberge, _Fehte_[1063] od. _Schlumerkitt_[1064]
-
-[Fußnote 1052: ([85] auf S. 64.307) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 1053: ([86] auf S. 64.307) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 1054: ([87] auf S. 64.307) S. abschießen.]
-
-[Fußnote 1055: ([88] auf S. 64.307) S. bewerfen.]
-
-[Fußnote 1056: ([89] auf S. 64.307) S. abfahren.]
-
-[Fußnote 1057: ([90] auf S. 64.307) S. abgeben.]
-
-[Fußnote 1058: ([91] auf S. 64.307) S. abschreiben.]
-
-[Fußnote 1059: ([92] auf S. 64.307) S. anfassen.]
-
-[Fußnote 1060: ([93] auf S. 64.307) S. ausstehlen.]
-
-[Fußnote 1061: ([94] auf S. 64.307) S. Diebstahl.]
-
-[Fußnote 1062: ([95] auf S. 64.307) S. abtragen.]
-
-[Fußnote 1063: ([96] auf S. 64.307) S. Hauswirt.]
-
-[Fußnote 1064: ([97] auf S. 64.307) Diese _Zusammensetzung_ bedeutet
-wörtlich »Schlafhaus«, zu _Schlummer_ = Schlaf (das in _Wittichs_ Vokab.
-nicht angeführt ist) bezw. dem Zeitw. _schlummern_ (das zwar im W.-B. in
-der Form _schlummere_ enthalten ist, jedoch nicht unter »schlafen«,
-sondern nur unter dem weiteren Begriffe »liegen«) u. _Kitt_ = Haus (s.
-Abort). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._
-98 (_Schlummer_ = Schlaf, _schlummern_ = schlafen); _Schwäb. Gaun.- u.
-Kundenspr._ 76 (_schlummern_ = übernachten; _Schwäb. Händlerspr._ 485
-(_schlummern_ = schlafen). Über weitere Belege im Rotw. s. Näh. bei
-_Weber-Günther_, S. 179/180 (wo jedoch die Bemerkung, daß in den Quellen
-das Hauptw. _Schlummer_ früher als das Zeitw. _schlummern_ auftrete, zu
-berichtigen ist, da — ganz abgesehen von dem alten gleichbed. _slöm_ im
-_Ndd. Lib. Vagat._ [78] — auch die Form _schlummern_ schon im _W.-B.
-von St. Georgen_ 1750 [218] als rotw. Vokabel vorkommt, während
-_Schlummer_ sich m. Wiss. zuerst im _Hildburgh. W.-B._ v. 1753 ff. [231]
-findet). Ebds. auch Näh. über die _Etymologie_ des Wortes, das aus den
-deutsch. Mundarten, insbes. dem niederdeutsch. Sprachgebiet, übernommen
-sein dürfte; vgl. auch _Pott_ II, S. 17 u. _Kluge_, Unser Deutsch, S. 81
-vbd. mit Et. W.-B., S. 403 (unter »schlummern«) u. _Weigand_, W.-B. II,
-Sp. 738 (unter »Schlummer«). Über den Ausdr. _Schlummerpech_ =
-Schlafgeld (bes. in d. Kundenspr.) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 279,
-Anm. 1.]
-
-Herberggeber, Herbergsvater, _Fehtekaffer_[1065] [64.308]
-
-Herbergsleute, _Fehteulme_ (Spr.)[1066]
-
-Herd, _Hitzling_[1067]
-
-hergeben, _dogen_[1057]
-
-Hering, _Spronkert-Flössling_, _Spronkertflotscher_ od. _-schwimmerling_
-(d. h. »Salzfisch«)[1068] od. auch _Begertflössling_ (d. h. »toter
-Fisch«)[1069]
-
-Heringsbüchse, _Flösslingschottel_ (d. h. eigtl. nur
-»Fischbüchse«)[1070]
-
-Heringsalat, _Spronkertflösslingblättling_[1071]
-
-Herr, _Freier_[1072], _Sens_ od. _Sins_[1073]
-
-Herrenhaus (Herrschaftshaus) _Sinserkitt_[1074]
-
-Herrenzimmer, _Sinseschrende_[1075]
-
-Herrin, _Sinse_[1073], _Sinsemos(s)_[1076]
-
-[Fußnote 1065: ([98] auf S. 64.308) S. Hauswirt und Bauer.]
-
-[Fußnote 1066: ([99] auf S. 64.308) S. (betr. _Ulme_) arme Leute.]
-
-[Fußnote 1067: ([100] auf S. 64.308) S. Backofen.]
-
-[Fußnote 1068: ([101] auf S. 64.308) S. einsalzen und Fisch.]
-
-[Fußnote 1069: ([102] auf S. 64.308) S. (betr. _Begert-_) absterben. —
-Während die Umschreibung »salziger (od. gesalzener) Fisch« (_lon̄do
-mādscho_ [od. lon̄di mādschin]) für den Hering auch den
-Zigeunern bekannt ist (s. _Liebich_, S. 144 u. 209 und _Finck_, S. 73
-[_lon̄do mātšo_]; vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm.
-45), bedeutet dagegen bei ihnen »toter Fisch« (_mīlo mādscho_
-[matšo]) die Forelle (für die aber auch _lolo mādscho_, d. h.
-»roter [bunter] Fisch«, vorkommt); s. _Liebich_, S. 147 u. 198 sowie
-_Finck_, S. 73. Zur Erklärung des _ersteren_ Ausdrucks bemerkt
-_Liebich_, S. 32, 33 (gegen Zweifel bei _Pott_ II, S. 437): »(Der)
-Ängstlichkeit (mit dem der Zigeuner den Namen Verstorbener auszusprechen
-vermeidet) verdankt der unter dem Namen Forelle bekannte Fisch seine
-jetzt übliche zigeunerische Bezeichnung als _mulo madscho_, _mulĕno
-madscho_, d. h. der tote Fisch. Als nämlich eine Zigeunerin mit Namen
-_Forella_ gestorben war, wollte man auch die gleichlautende Bezeichnung
-des Fisches aufgeben, um nicht bei dem Anblick des Fisches an die
-Verstorbene direkt erinnert zu werden, deshalb hieß von da an der Fisch
-Forelle der tote Fisch, und dieser Ausdruck ist (neben _lolo madscho_
-[s. oben]) jedem Zigeuner geläufig, jedem verständlich.« Wie nun aber
-die _gleiche_ Umschreibung in der _jenischen_ Sprache für den _Hering_
-zu deuten ist, vermag ich nicht zu sagen.]
-
-[Fußnote 1070: ([103] auf S. 64.308) S. (betr. _Schottel_)
-Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 1071: ([104] auf S. 64.308) S. (betr. _Blättling_) Gulasch.]
-
-[Fußnote 1072: ([105] auf S. 64.308) S. Fremder.]
-
-[Fußnote 1073: ([106] auf S. 64.308) S. Amtmann.]
-
-[Fußnote 1074: ([107] auf S. 64.308) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 1075: ([108] auf S. 64.308) S. (betr. _Schrende_) Frauenstube.]
-
-[Fußnote 1076: ([109] auf S. 64.308) S. (betr. _Mos(s)_) Bauernfrau.]
-
-Herrscher, _grandicher Sins_ (d. h. »großer Herr«)[1077] [64.309]
-
-herumblicken, _herumlinzen_[1078]
-
-herumfahren, _herumruadla_[1079]
-
-herumliegen, _herumdurma_[1080], _herumschlauna_[1081]
-
-herumtanzen, _herumnikla_[1082]
-
-herumtragen, _herumbukla_[1083]
-
-heruntergekommen, _vermuft_[1084], _verschoffelt_[1085]
-
-Herz, _Schwächerle_[1086]
-
-herzlich, _dof_[1087]
-
-Heu, _Kupfer_[1088]
-
-Heuchler, _schofler Benk_[1089], _schofler Fi(e)sel_[1090], —
-_Freier_[1091], — _Kaffer_[1092]
-
-heulen, _glemsen_[1093]
-
-Heulerei, _Glemserei_
-
-Heupferd (Heuschrecke), _Kupfertrabert_[1094], _Kupferflederling_ (d. h.
-eigtl. »Heuvogel«)[1095]
-
-Hexe, _Finkelmos(s)_[1096]
-
-Hexenhaus, _Finkelkitt_[1097]
-
-Hexenmeister, _Finkelkaffer_[1092]
-
-Hexerei, _Finklerei_[1096]
-
-Hieb(e), _Guffes_[1098]
-
-[Fußnote 1077: ([110] auf S. 64.309) S. Adler u. Amtmann, vgl. Bischof.
-Dieselbe Art der Umschreibung für Herrscher (näml. _baro rai_) kennen
-auch die Zigeuner nach _Liebich_, S. 209.]
-
-[Fußnote 1078: ([111] auf S. 64.309) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 1079: ([112] auf S. 64.309) S. abfahren.]
-
-[Fußnote 1080: ([113] auf S. 64.309) S. aufwachen.]
-
-[Fußnote 1081: ([114] auf S. 64.309) S. ausschlafen.]
-
-[Fußnote 1082: ([115] auf S. 64.309) S. aufspielen.]
-
-[Fußnote 1083: ([116] auf S. 64.309) S. abtragen.]
-
-[Fußnote 1084: ([117] auf S. 64.309) S. Aas.]
-
-[Fußnote 1085: ([118] auf S. 64.309) S. arg.]
-
-[Fußnote 1086: ([119] auf S. 64.309) S. Amme.]
-
-[Fußnote 1087: ([120] auf S. 64.309) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 1088: ([121] auf S. 64.309) S. Frucht.]
-
-[Fußnote 1089: ([122] auf S. 64.309) S. arg u. brauchbarer Bursche.]
-
-[Fußnote 1090: ([123] auf S. 64.309) S. (betr. _Fi[e]sel_) Bettelbube.]
-
-[Fußnote 1091: ([124] auf S. 64.309) S. (betr. _Freier_) Fremder.]
-
-[Fußnote 1092: ([125] auf S. 64.309) S. (betr. _Kaffer_) Bauer.]
-
-[Fußnote 1093: ([126] auf S. 64.309) S. ausweinen.]
-
-[Fußnote 1094: ([127] auf S. 64.309) S. Frucht u. Füllen.]
-
-[Fußnote 1095: ([128] auf S. 64.309) S. Frucht und Adler.]
-
-[Fußnote 1096: ([129] auf S. 64.309) S. behext und Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 1097: ([130] auf S. 64.309) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 1098: ([131] auf S. 64.309) S. aufschlagen.]
-
-hier, _her(r)les_, _her(r)lem_[1099] (hier ist er, _da hauret er_; hier [64.310]
-ist es, _her[r]les hauret's_)[1100]
-
-Himbeere, _Jahresäftling_ od. _Krachersäftling_[1101]
-
-hinausgehen, _hinausbosten_[1102]
-
-hinauskommen, _hinauspfichen_[1102]
-
-hinfallen, _hinbohla_[1103]
-
-hinlegen, _hindurmen_[1080], _hinschlaunen_[1081]
-
-hinken s. lahmgehen
-
-Hintere (der), _Bos_[1104], _Schmelzer_[1105]
-
-Hinterkopf, _Ki(e)bes_[1106]
-
-hinwerfen, _hinplotzen_[1107]
-
-Hirsch, _Jahreschure_ od. _Kracherschure_[1108]
-
-Hirschfänger, _Latt_[1109]
-
-Hirt, _Jerusalemsfreundschure_ (d. h. zunächst bes. »Schafhirt,
-Schäfer«)[1110]
-
-hoch, _grandich_[1111]
-
-hochherzig, _dof_[1112], _grandich_[1111]
-
-Hochzeit, _Grönerei_[1113]
-
-Hochzeitsschmaus, _Grönereibikus_[1114]
-
-Hoden, _Bäzeme_ (d. h. eigtl. »Eier«)[1115]
-
-Hodensack, _Bäzemerande_[1116]
-
-Hof, _grandiche Kitt_ (d. h. »großes Haus«)[1117]
-
-hoffärtig sein, _grandiche pflanzen_ (d. h. eigtl. etwa: »den Großen
-spielen«)[1118]
-
-[Fußnote 1099: ([132] auf S. 64.310) S. da.]
-
-[Fußnote 1100: ([133] auf S. 64.310) S. unter »elend«.]
-
-[Fußnote 1101: ([134] auf S. 64.310) S. Ananas.]
-
-[Fußnote 1102: ([135] auf S. 64.310) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 1103: ([136] auf S. 64.310) S. abfallen.]
-
-[Fußnote 1104: ([137] auf S. 64.310) S. After.]
-
-[Fußnote 1105: ([138] auf S. 64.310) S. Abort.]
-
-[Fußnote 1106: ([139] auf S. 64.310) S. Angesicht.]
-
-[Fußnote 1107: ([140] auf S. 64.310) S. bewerfen.]
-
-[Fußnote 1108: ([141] auf S. 64.310) S. Ananas u. abbiegen.]
-
-[Fußnote 1109: ([142] auf S. 64.310) S. Degen.]
-
-[Fußnote 1110: ([143] auf S. 64.310) S. Hammel und abbiegen.]
-
-[Fußnote 1111: ([144] auf S. 64.310) S. Adler.]
-
-[Fußnote 1112: ([145] auf S. 64.310) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 1113: ([146] auf S. 64.310) S. Ehe.]
-
-[Fußnote 1114: ([147] auf S. 64.310) S. (betr. _Bikus_) Abendessen.]
-
-[Fußnote 1115: ([148] auf S. 64.310) S. Ei.]
-
-[Fußnote 1116: ([149] auf S. 64.310) S. (betr. _Rande_) Bauch.]
-
-[Fußnote 1117: ([150] auf S. 64.310) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 1118: ([151] auf S. 64.310) S. (betr. _pflanzen_) anbrennen.]
-
-höflich, _dof_[1112] [64.311]
-
-Höhe, _Grandich_[1111][1119]
-
-Hoherpriester, _grandicher Gallach_[1120] od. _grandicher Kolb_[1121]
-
-holen, _buk(e)le(n)_ (Spr.)[1122], _schniffen_ (Spr.)[1123]
-
-hold, _dof_, _duft_[1112]
-
-Holz, _Spraus_[1124]
-
-hölzern, _sprausich_[1124]
-
-Holzmacher, _Sprauskaffer_[1125]
-
-Holzsack, _Sprausrande_[1126]
-
-hör auf, _schupf dich_[1127]
-
-Hose, _Buxe_, _Kopel_ (plur.: _Buxen_, _Kopla_)[1128]
-
-Hosensack(-tasche) _Buxerande_, _Kopelrande_[1126]
-
-Hospital, _grandiche Begerkitt_[1129]
-
-hübsch, _dof_, _duft_[1112]
-
-Huf, _Traperttrittleng_[1130]; vgl. Gaulfuß
-
-Huhn, _Gachne_[1131], _Stenzel_, _Stierer_[1132]
-
-Hühnerfuß, _Gachnetritt_, _Stenzel-_ od. _Stierertritt_[1133]
-
-Hühnerhaus, _Gachnekitt_, _Stenzel-_ oder _Stiererkitt_[1134]
-
-Hühnerhund, _Gachnekeiluf_, _Stenzel-_ od. _Stiererkib_[1135]
-
-Hühnerstall, _Gachne-_ od. _Stiererstenkert_[1136]
-
-Humpen, _Glansert_[1137], _Nolle_[1138]
-
-humpeln s. lahm gehen
-
-[Fußnote 1119: ([152] auf S. 64.311) S. Substantivierung des Adjektives
-_grandich_; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38.]
-
-[Fußnote 1120: ([153] auf S. 64.311) S. Geistlicher.]
-
-[Fußnote 1121: ([154] auf S. 64.311) S. Bischof.]
-
-[Fußnote 1122: ([155] auf S. 64.311) S. abtragen.]
-
-[Fußnote 1123: ([156] auf S. 64.311) S. anfassen.]
-
-[Fußnote 1124: ([157] auf S. 64.311) S. Baumholz.]
-
-[Fußnote 1125: ([158] auf S. 64.311) S. (betr. _Kaffer_) Bauer.]
-
-[Fußnote 1126: ([159] auf S. 64.311) S. (betr. _Rande_) Bauch.]
-
-[Fußnote 1127: ([160] auf S. 64.311) S. aufhören.]
-
-[Fußnote 1128: ([161] auf S. 64.311) S. (zu beiden Ausdr.) Beinkleid.]
-
-[Fußnote 1129: ([162] auf S. 64.311) S. Adler, absterben u. Abort.]
-
-[Fußnote 1130: ([163] auf S. 64.311) S. Füllen und Ferse.]
-
-[Fußnote 1131: ([164] auf S. 64.311) S. Hahn.]
-
-[Fußnote 1132: ([165] auf S. 64.311) S. (zu beiden Ausdr.) Henne.]
-
-[Fußnote 1133: ([166] auf S. 64.311) S. (betr. _Tritt_) Entenfuß.]
-
-[Fußnote 1134: ([167] auf S. 64.311) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 1135: ([168] auf S. 64.311) S. (betr. _Keiluf_ u. _Kib_)
-Haushund.]
-
-[Fußnote 1136: ([169] auf S. 64.311) S. (betr. _Stenkert_) Entenstall.]
-
-[Fußnote 1137: ([170] auf S. 64.311) S. Bierglas.]
-
-[Fußnote 1138: ([171] auf S. 64.311) S. Fleischhafen.]
-
-Hund, _Keiluf_, _Kib_ (Dimin.: _Kible_ [Spr.])[1135], _Tschuggel_[1139] [64.312]
-
-Hundefleisch, _Kibe(n)bossert_, _Tschuggelmass_[1140]
-
-Hundestätte, _Keilufkitt_ od. _Kibekitt_[1134]
-
-Hundemetzger, _Kibekafler_[1141]
-
-Hundestall, _Keiluf-_ od. _Kibestenkert_[1136]
-
-Hundezitzen, _Kibeschwächerle_[1142]
-
-Hunger, _Bog(g)elo_, _Put(t)lack_, _Ruf_[1143]
-
-hungern, mich hungert's, _mich bikert's_[1144]
-
-hungrig, _bikerich_ (Spr.)[1144]
-
-Hure, _Lubne_, _schofle Model_[1145], _schofle Schüx_[1146]
-
-[Fußnote 1139: ([172] auf S. 64.312) Im Gegensatz zu dem Synon. _Keiluf_
-u. bes. _Kib_, die mehrfach in _Zusammensetzgn._ erscheinen, tritt
-_Tschuggel_ bloß in der _Zus._ _Tschuggelmass_ = Hundefleisch auf. Unter
-den _verw. Quellen_ kennt schon der _Dolm. der Gaunerspr._ 94 die
-Vokabel in der Form _Schokel_ sowie noch jetzt die _schwäb. Händlerspr._
-in _Lütz._ (214) in der Form _Tschŭglo_, weiter findet sie sich auch
-im sonst. neuern Rotw. (seit d. 19. Jahrh.) öfter (in verschied. Formen)
-angeführt (vgl. z. B. _Pfister_ 1812 [305, 307: _Schukel_ od.
-_Tschukel_]; _Christensen_ 1814 [323, 324: _Juckel_]; _v. Grolman_, 31,
-64, 72 u. T.-G. 102 [hier alle drei Formen]; _Karmayer_ G.-D. 202, 218
-u. 222 [im wes. ebenso] u. a. m.) Zur _Etymologie_ aus der Zigeunerspr.
-(vgl. »Einleitung«, S. 31) s. Näheres bei A.-L. 605 (unter »Schuckel«)
-und _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432 (unter »Tschuckle«) [wo
-übrigens _auch_ das mhd. _zohe_ = Hündin herangezogen]) vbd. mit _Pott_
-II, S. 213/14 (unter »Xukel«), _Liebich_, S. 166 u. 211 (_tschukklo_),
-_Miklosich_, Beitr. I/II, S. 13, III, S. 9, 22 u. Denkschriften, Bd. 26,
-S. 209 (unter »džukel«: bei d. deutsch. Zig.: _čukklo_), _Jühling_
-(S. 207 (_Tschukäl_) u. _Finck_, S. 56 (_dšuklo_ od. _dšukel_).
-Das Wort ist (nach _Pott_ u. _Miklosich_, a. a. O.) bis aufs Altindische
-zu verfolgen.]
-
-[Fußnote 1140: ([173] auf S. 64.312) S. (betr. _Bossert_ u. _Mass_)
-Aas.]
-
-[Fußnote 1141: ([174] auf S. 64.312) S. Fleischer.]
-
-[Fußnote 1142: ([175] auf S. 64.312) S. (betr. _Schwächerle_) Amme.]
-
-[Fußnote 1143: ([176] auf S. 64.312) S. (zu allen drei Ausdr.) Appetit.]
-
-[Fußnote 1144: ([177] auf S. 64.312) S. Abendessen.]
-
-[Fußnote 1145: ([178] auf S. 64.312) S. (zu beiden Ausdr.)
-Beischläferin, vgl. arg.]
-
-[Fußnote 1146: ([179] auf S. 64.312) _Schüx_, früher wohl auch
-_Schücksel_ (= Mädchen; vgl. »Einleitung«, S. 28) ist natürlich nur eine
-mundartl. gefärbte Nebenform zu den im Rotw. u. in der Kundenspr. sehr
-verbreiteten Ausdr. _Schix_, _Schi(c)kse_, _Schicksel_ usw. _Zu vgl._
-(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Schickse_ =
-Mädchen); _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_Schikse_ = ein Mägdlein);
-_Schöll_ 271 (_Schikse_ = Mädchen, Beischläferin); _Pfulld. J.-W.-B._
-342, 345 (_Schix_ = Mädchen, Tochter; vgl. [340]: _Fingelschize_ =
-Hexe); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68, 77 (_Schix_ = Dirne,
-Weibsperson, dazu versch. _Zus._ wie z. B. _Dippelschix_ = Landfahrerin,
-_Gallachschixe_ = Pfarrköchin); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Schix_ =
-Mädchen [in _Pfedelb._ (214): = Weibsbild, ebds. (209): _lacke Schix_ =
-Dirne, eigtl. »schlechtes Weibsbild« (vgl. betr. _lack_: Bd. 63, S. 119,
-Anm. 217 zu _Put[t]lak_)]); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_Schicksi_ =
-Mädchen). Über weitere Belege im Rotw. usw. sowie die _Etymologie_ (aus
-dem Hebräischen) s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 341 ff.; vgl.
-auch »Anthropophyteia«, Bd. IX, S. 15 ff., _Weber-Günther_, S. 160/61
-(unter »Schecks«) u. _Seiler_, Lehnwort IV, S. 493.]
-
-huren, _lubnen_[1145], _schofle Falle pflanzen_[1147] [64.313]
-
-Hurenkerl, _Lubnebenges_[1148], _schofler Fi(e)sel_[1149], —
-_Freier_[1150] od. — _Kaffer_[1151]
-
-Hurenkind (uneheliches Kind), _Stratz_ (plur.: _Stratze_). Dieses Wort
-ist aber auch für Kind im _allgem._ gebräuchlich[1152]
-
-hurtig, _g'want_[1153]
-
-Husar, _Lanenger_ (d. h. eigtl. nur »Soldat«)[1154]
-
-Hut, _Oberman(n)_[1155]
-
-Hutmacher, _Oberman(n)pflanzer_[1156]
-
-
- I.
-
-Igel, _Stupfel_ od. _Stupfleng_ (plur.: _Stupfl¶i¶ng_)[1157]
-
-[Fußnote 1147: ([180] auf S. 64.313) S. unter »böse Sachen machen«; vgl.
-auch anbrennen.]
-
-[Fußnote 1148: ([181] auf S. 64.313) S. (betr. _Benges_) brauchbarer
-Bursche.]
-
-[Fußnote 1149: ([182] auf S. 64.313) S. Bettelbube.]
-
-[Fußnote 1150: ([183] auf S. 64.313) S. Fremder.]
-
-[Fußnote 1151: ([184] auf S. 64.313) S. Bauer.]
-
-[Fußnote 1152: ([185] auf S. 64.313) Die Vokabel findet sich (in der
-Form _Stratze_ als sing. für »Kind« schlechthin) auch in der _Schwäb.
-Gaun.- u. Kundenspr._ 71, sonst aber m. Wiss. nicht in den
-Geheimsprachen. Die _Etymologie_ ist unsicher, falls man nicht annehmen
-will, daß es sich bloß um eine Nebenform oder Entstellung von _Schraze_
-handelt, das — gleichfalls für »Kind« — sowohl im Rotw. überhaupt als
-auch speziell in dem _verw. Quellenkr._ vorkommt. Vgl. _Pfullend.
-J.-W.-B._ 341 (_Schraze_ = Kind [s. auch _Schrada_ = Knabe]); _Schwäb.
-Händlerspr._ 483 (_Schrtze_ = [kleinere] Kinder [in _Degg._ (215): auch
-als sing. = Kind], (_Schratzesknippler_ [in _Pfedelb._ 211):
-_Schrazeskneppler_], d. h. eigtl. »Kinderprügler«, = Lehrer [in
-_Pfedelb._: spez. Unterlehrer im Gegens. zu _Galmenguffer_, dem
-Oberlehrer (vgl. dazu schon oben unter »brauchbares Kind« u.
-»aufschlagen«)]). Über weitere rotw. Belege für _dieses_ Wort sowie
-seine (gleichfalls _nicht_ ganz sichere) _Etymologie_ s. d. Näh. in
-_Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 140 u. Anm. 3; vgl. auch _Weber-Günther_, S.
-168.]
-
-[Fußnote 1153: ([186] auf S. 64.313) S. anmutig.]
-
-[Fußnote 1154: ([187] auf S. 64.313) S. Hauptmann.]
-
-[Fußnote 1155: ([188] auf S. 64.313) S. Fingerhut]
-
-[Fußnote 1156: ([189] auf S. 64.313) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
-
-[Fußnote 1157: ([190] auf S. 64.313) S. dazu die _Zusammensetzgn._:
-_Stupfelbikus_ = Igelessen, _Stupfelmass_ od. _Stupflengbossert_ =
-Igelfleisch, _Stupfelkib_ = Igelhund (Spr.), _Stupfelkafler_ =
-Igelmetzger, _Stupfel-_ od. _Stupflengrande_ = Igelsack. Sowohl in der
-Form _Stupfel_ wie auch _Stupfling_ ist die Vokabel auch der _schwäb.
-Händlerspr._ 482 bekannt (in _Lütz._: [215] daneben noch _Stachling_,
-während in _Matzenbach_ dafür die latinisierte Form _Stachelinus_
-gebräuchlich ist, ähnlich wie sich bei den Zigeunern (bei denen der Igel
-eine große Rolle, bes. auch als beliebte Speise, spielt [s. _Liebich_,
-S. 39, 85, 86]) dafür (u. a.) wohl _stachlino_ (bei den deutsch. Zigeun.
-allerdings meist _stacheléngĕro_) findet (vgl. _Pott_ II, S. 245
-[unter »Stàchlo«], _Liebich_, S. 160 u. 212 [_stachélengĕro_],
-_Miklosich_, Beitr. III, S. 19 [ebenso], _Jühling_ 226 [hier:
-_Stachlino_, dagegen plur.: _Stachlingäre_], _Finck_, S. 87
-[_štaxeléngero]_). Der _Etymologie_ nach gehört _Stupfel_ od.
-_Stupfleng_ (-ling) zu dem gauner-, kunden- und geheimsprachl. sowie
-auch allgem. mundartl. _stupfen_ = stechen mit Rücks. auf die Stacheln
-des Igels (vgl. jen.: _Stupfle_ = Stachel [s. dazu Näh. schon oben unter
-»Dorn«]), denen natürlich auch die Syn. _Stachling_, _Stachelinus_ u.
-die ähnlichen Zigeunerwörter ihre Entstehung verdanken.]
-
-Igelessen, _Stupfelbikus_[1158] [64.314]
-
-Igelfleisch, _Stupfelmass_, _Stupflengbossert_ od. _Stupfelbossert_
-(Spr.)[1159]
-
-Igelhund, _Stupfelkib_ (Spr.)[1160]
-
-Igelmetzger, _Stupfelkafler_[1161]
-
-Igelsack, _Stupfel-_ od. _Stupflengrande_[1162]
-
-Infanterist, _Lanenger_ (d. h. »Soldat«)[1163]
-
-ingrimmig, _stumpfich_[1164]
-
-Insel, _Flu(h)tekies_ (d. h. eigtl. »Wasserstein«, als Stein = Gebirge,
-das aus dem Wasser hervorragt[1165]
-
-irr, irrsinnig, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[1166]
-
-Irrenhaus, _Hegelkitt_[1167] od. _Ni(e)sekitt_, _Nillekitt_,
-_Nuschekitt_[1168]
-
-Irrlicht, _Schuberleschein_ (d. h. »Gespensterlicht«[1169]
-
-Irrsinn s. Wahnsinn.
-
-
- J (= Jod).
-
-ja, _kenn_[1170]
-
-[Fußnote 1158: ([191] auf S. 64.314) S. (betr. _Bikus_) Abendessen.]
-
-[Fußnote 1159: ([192] auf S. 64.314) S. (betr. _Mass_ u. _Bossert_)
-Aas.]
-
-[Fußnote 1160: ([193] auf S. 64.314) S. Haushund.]
-
-[Fußnote 1161: ([194] auf S. 64.314) S. Fleischer.]
-
-[Fußnote 1162: ([195] auf S. 64.314) S. Bauch.]
-
-[Fußnote 1163: ([196] auf S. 64.314) S. Hauptmann.]
-
-[Fußnote 1164: ([197] auf S. 64.314) S. Ärger.]
-
-[Fußnote 1165: ([198] auf S. 64.314) S. abbrühen u. Apfelkern. —
-Ähnlich heisst bei den Zigeunern (nach _Liebich_, S. 149 u. 212) die
-Insel _paninjākri montaia_, d. h. »Wasserberg« od. »Wassergebirge«.]
-
-[Fußnote 1166: ([199] auf S. 64.314) S. aberwitzig.]
-
-[Fußnote 1167: ([200] auf S. 64.314) S. Dummheit u. Abort.]
-
-[Fußnote 1168: ([201] auf S. 64.314) Vgl. Anm. 1166 u. 1167 a. E.]
-
-[Fußnote 1169: ([202] auf S. 64.314) S. Geist u. alltäglich. — Ähnlich
-ist die Bezeichnung des Irrlichts bei den Zigeunern, näml. _muléskĕri
-momelin_, d. h. eigtl. »Totenlicht« (Syn. auch: _dschapáskĕri
-momelin_, d. h. »wanderndes Licht«) nach _Liebich_, S. 147 u. 212.]
-
-[Fußnote 1170: ([203] auf S. 64.314) _Vgl._ dazu (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. _71 (_kenn_ = ja, _kenn
-Mathilde_ = ganz richtig); _Schwäb. Händlerspr._ 481, 482 (_kenn_ = ja,
-_kenn Mathilde_ = »grüß Gott«); s. auch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_kent_
-= ja) sowie d. _Winterfelder u. Eifler Hausiererspr._ 441, 491 (_kenn_).
-Über weitere Belege im Rotw. u. in der Kundenspr. s. _Schütze_, S. 73,
-vbd. mit _Groß'_ Archiv, Bd. 51, S. 162 (unter »Mathilde«) und Anm. 2
-(betr. _kenn Kunde_, wozu auch zu vgl. Bd. 59, S. 267, 287). Über die
-_Etymologie_ (vom hebr. _kên_ od. _ken_ = »so [richtig], ja«) s. A.-L.
-556 und _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 330, vgl. jedoch auch Archiv,
-Bd. 51, S. 162, Anm. 2 a. E. (über einen Einfluß auch des deutschen
-Zeitw. »kennen« bei dem Ausdr. _kenn Kunde_ od. _Mathilde_).]
-
-Jacke, _Malfes_[1171] [64.315]
-
-jagen, _Jahre_ od. _Kracher bosten_ (d. h. eigtl. »[in den] Wald gehen
-[zum Jagen]«)[1172]
-
-Jäger, _Grünleng_[1173]
-
-Jahr, _Ja(h)ne_[1174]
-
-Jahrestag, _Ja(h)neschei_[1175]
-
-jammern, _glemsen_[1176]
-
-jucken, _näpfen_[1177]
-
-Jude, _Kaim_ (plur.: _Kaimen_[1178] od. _Dibolde_[1179])
-
-[Fußnote 1171: ([204] auf S. 64.315) S. Frauenrock.]
-
-[Fußnote 1172: ([205] auf S. 64.315) S. Ananas u. abgehen.]
-
-[Fußnote 1173: ([206] auf S. 64.315) S. Flurschütz.]
-
-[Fußnote 1174: ([207] auf S. 64.315) S. alljährlich.]
-
-[Fußnote 1175: ([208] auf S. 64.315) S. (betr. _Schei_) alltäglich.]
-
-[Fußnote 1176: ([209] auf S. 64.315) S. ausweinen.]
-
-[Fußnote 1177: ([210] auf S. 64.315) S. abbeißen.]
-
-[Fußnote 1178: ([211] auf S. 64.315) S. Hebräer.]
-
-[Fußnote 1179: ([212] auf S. 64.315) Zu _Dibolde_ = Juden gehören die
-_Zusammensetzg._ _Dibolde-Gallach_ (d. h. »Judenpriester«) = Rabbiner
-(s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.) u. die _Ableitg._
-_diboldisch_ = jüdisch (Gegensatz: _nobis diboldisch_ [eigtl.
-nicht-jüdisch] = ungläubig [vom jüd. Standpunkt aus; Syn. _nobis
-gril(l)isch_, — _wonisch_, d. h. eigtl. »nicht-evangelisch,
--katholisch«]). Die Vokabel, die in dem _verw. Quellenkreise_ unbekannt
-ist, kommt im sonstig. Rotwelsch (d. 19. Jahrh.) vereinzelt vor, jedoch
-mit anderem Anlaut (_Ba-_, _Bi-_, _Pi-_); s. z. B. _Pfister_ 1812 (295:
-_Babolde_); _v. Grolman_ 5 u. T.-G. 103 (ebenso); _Karmayer_ G.-D. 190
-(desgl.); _Derenbourgs Glossar_ 1856 (414: desgl.); A.-L. 584
-(_Pipolte_, fem. _Pipoltiza_); _Groß_ 458 (_Biboldo_). Der _Etymologie_
-nach stammt der Ausdr. aus der Zigeunersprache her (vgl. »Einleitung«,
-S. 29), in der _biboldo_ (od. bipoldo) eigtl. »der Ungetaufte« bedeutet
-(von _boldo_ [od. poldo], zu _[me] polāwa_ = »[ein]tauchen, taufen«
-[s. _Liebich_, S. 152 u. 245; vgl. _Finck_, S. 52 (Stamm: _bōl_ [od.
-bold] = »[ein]tauchen, taufen«, das sich bis ins _Hind._ [_bōrnā_
-= »eintauchen«] verfolgen läßt)] u. dem Negativpräfix _bi-_). S. Näh.
-bei _Pott_ II, S. 422 (unter »Bolaw«), _Liebich_, S. 128 u. 213
-(_bipoldo_), _Miklosich_, Beitr. III, S. 8 u. Denkschriften, Bd. 26, S.
-181 (unter »bol«: bei den deutsch. Zig.: _bipoldo_), _Finck_, S. 51
-(_bibóldo_); bei _Jühling_ nicht angeführt. — Über die Veränderung des
-Anlauts im Jenischen s. auch _Pott_, a. a. O.]
-
-Jüdin, _Kaime_[1178] [64.316]
-
-jüdisch, _diboldisch_[1179]
-
-Junge, _Bengesle_[1180], _Fi(e)sele_[1181], _Freierle_[1182]
-
-junges (kleines) Mädchen, _Mödele_[1183]
-
-Jungfrau, _Mössle_[1184]
-
-Junggeselle, _Käfferle_ (d. h. eigtl. »Männchen«)[1185] od. (genauer)
-_nobis vergröntes Käfferle_ (d. h. »nicht verheiratetes Männchen«)[1186]
-
-Jüngling, _Benges_ od. _Benk_[1180], _Fi(e)sel_[1181], _Freier_[1182]
-
-Junker, _dofer Benk_[1180] od. _Fi(e)sel_[1181] (d. h. etwa ein »guter
-[od. besserer] junger Mann«) od. _Sinsle_ (d. h. »Herrchen«)[1187].
-
-
- K.
-
-Kadaver, _mufiger Bossert_ od. — _Maas_[1188]
-
-Kaffee, _Süs(s)leng_ (-ling [Spr.])[1189]
-
-Kaffekanne, _Süs(s)lengnolle_[1190]
-
-Kaffeetasse, _Süs(s)lengschottel_[1191]
-
-[Fußnote 1180: ([213] auf S. 64.316) S. brauchbarer Bursche.]
-
-[Fußnote 1181: ([214] auf S. 64.316) S. Bettelbube.]
-
-[Fußnote 1182: ([215] auf S. 64.316) S. Fremder.]
-
-[Fußnote 1183: ([216] auf S. 64.316) S. Beischläferin.]
-
-[Fußnote 1184: ([217] auf S. 64.316) S. Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 1185: ([218] auf S. 64.316) S. Bauer.]
-
-[Fußnote 1186: ([219] auf S. 64.316) S. (betr. _nobis vergröntes_)
-Dietrich u. Ehe.]
-
-[Fußnote 1187: ([220] auf S. 64.316) S. Amtmann.]
-
-[Fußnote 1188: ([221] auf S. 64.316) S. Aas.]
-
-[Fußnote 1189: ([222] auf S. 64.316) _Süs(s)leng_ (od. _-ling_) bedeutet
-außer Kaffee (Zichorie) auch noch: Tee, Zucker u. allgem. Süßigkeit.
-Dazu folgende _Zusammensetzgn._: _Süs(s)lengnolle_ = Kaffeekanne,
-_Süs(s)lengschottel_ = Kaffeetasse, auch Zichorienbüchse,
-_Süs(s)lingbrandling_ = Lebkuchen, _Süs(s)linglehm_ = Zuckerbrot,
-_Süs(s)lingoberman(n)_ = Zuckerhut, _Süs(s)lingflu(h)te_ = Zuckerwasser.
-_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 u. 101
-(_Süsling_ = Zucker, auch Honig); _Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Süßling_ =
-Zucker). Im _Pfulld. J.-W.-B._ 340 bedeutet _Süß_ den Honig, im
-_Pleißlen der Killertaler_ 436 _Süessler_ od. _Süssholz_ den Zucker.
-Über weitere Belege im Rotw. (s. schon _Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. [222,
-232: _Süßling_ = Honig oder Bienenstock] u. dann öfter [mit versch.
-Bedeutgn.]) sowie über die Nebenform _Süssert_ s. noch _Weber-Günther_,
-S. 188 (unter »Zosset«). Der Stamm des Wortes ist natürlich unser Adj.
-»süß«; vgl. _Pott_ II, S. 10; A.-L. 612; _Günther_, Rotwelsch, S. 60. —
-Zu der Bedeutg. »Kaffee« sei noch bemerkt, daß (nach _Liebich_, S. 138
-u. 213) auch bei den Zigeunern der Kaffee _gudli_, d. i. etwa »der Süße«
-(vgl. _gudlo_ = Zucker), heißt (neben _mellĕli_, d. i. »der
-Schwarze«;) vgl. auch _Finck_, S. 59.]
-
-[Fußnote 1190: ([223] auf S. 64.316) S. (betr. _Nolle_) Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 1191: ([224] auf S. 64.316) S. Aschenbecher.]
-
-Käfig, _Kitt_ (d. h. »Haus«)[1192], _Stenkert_ (d. h. »Stall«)[1193]; [64.317]
-vgl. Vogelbauer
-
-kahl, _nobis Strauberts_ (d. h. »keine Haare«)[1194]
-
-Kahlkopf, _nobis Strauberts auf'm Ki(e)bes_ (d. h. »keine Haare auf dem
-Kopf«[1195]
-
-Kalb, _Horbögle_[1196]
-
-Kalk, _näpfiger Schund_ (d. h. »beißender Dreck«)[1197]
-
-kalt, _biberisch_ (_bibrisch_ [Spr.])[1198]
-
-Kälte, _Biberisch_ (subst. Adj.)[1198]
-
-[Fußnote 1192: ([225] auf S. 64.317) S. Abort.]
-
-[Fußnote 1193: ([226] auf S. 64.317) S. Entenstall.]
-
-[Fußnote 1194: ([227] auf S. 64.317) S. Dietrich u. Augenbrauen,]
-
-[Fußnote 1195: ([228] auf S. 64.317) S. (betr. _Ki[e]bes_) Angesicht.]
-
-[Fußnote 1196: ([229] auf S. 64.317) _Horbögle_ (= Kalb) ist Dimin. zu
-_Horboge_ (-boga) oder (abgekürzt in der Form der Aphärese) bloß _Boga_
-= Kuh, Rind. Von _Zusammensetzgn._ mit _diesen_ Wörtern vgl. a) _am
-Anfang_: _Horbogaschwächerle_ = Kuheuter, _Horbogebossert_ od. _-mass_ =
-Kuh- od. Rindfleisch, _Horbogekafler_ od. _Bogakafler_ = Kuhmetzger
-(letzteres auch Rindermetzger), _Horbogestenkert_ = Kuh- od.
-Rinderstall, _Horbogeschmunk_ = Rinderfett, auch Unschlitt (s. d. betr.
-Analogie mit der Zigeunerspr.), wogegen _Bogaschmunk_ nur durch
-»Kuhbutter« wiedergegeben; b) _am Ende_: _Mufferhorboge_ (d. h. eigtl.
-»Nasenkuh«) = Nashorn (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun). _Zu
-vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95, 97
-(_Hobogen_ = Kuß [wofür jedenfalls zu lesen: Kuh, argum.: _Hohrbogen_ =
-Ochs); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Hohrboge_ = Stück Rindvieh);
-_Schöll_ 271 (_Haarbogen_ = Rindvieh); _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 342, 343
-(_Horboge_ = Kuh, Ochs, Rind, _junge Horboge_ = Kalb, _Horbogemaß_ =
-Ochsenfleisch); _Schwäb. Händlerspr._ 482, 483, 485, 487 (_Hôrbôg[e]_
-[in _Pfedelb._ (211): _Hobuche_] = Kuh, Rind, Stier, _Hôrb[^oe]gle_ =
-Kalb, _Hôrbôgmost_ = Rindfleisch); s. auch _Regensb. Rotw._ 489
-(_Haarbogen_ = Kuh). Über weitere Belege im Rotw. s. _Groß'_ Archiv, Bd.
-43, S. 31/32, Anm. 3. Der _Etymologie_ nach handelt es sich wahrscheinl.
-um eine Verunstaltung aus dem älteren Synon. _Hornbock_, das schon im
-_Lib. Vagat._ (54) vorkommt. S. Näh. darüber im Archiv, Bd. 43, S. 32 u.
-Anm. 1 u. dazu noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1822 unter
-_Ho(r)nbog(e[n])_, der zwar die Silbe _Hor-_ ebenfalls als »Horn«
-auslegt, dagegen _-boge(n)_ »eher zu hebr. _bakar_ = Rindvieh«,
-poln.-jüd. _boker_ (vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 32) »als zu Bogen«
-in Beziehung setzen möchte. Die kürzere Form _Boga_ könnte natürlich
-_unmittelbar_ von der hebr. Vokabel hergeleitet werden, doch halte ich
-die Auffassung derselben als Abbreviatur von _Horboga_ für richtiger
-(vgl. »Vorbemerkung«, S. 8). Über das ähnl. _Hornikel_ = Ochse s. schon
-oben unter »Bulle«.]
-
-[Fußnote 1197: ([230] auf S. 64.317) S. abbeißen und abgerahmte Milch.
-— Dieselbe Umschreibung (näml. _danterpaskĕro tschikk_) kennt auch
-die Zigeunersprache; s. _Liebich_, S. 131, 164 u. 213 sowie auch
-_Finck_, S. 91 (_danderpáskero tšik_) vbd. m. S. 54 (_danderpáskero_
-= »ätzend, beißend«); vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S. 17.]
-
-[Fußnote 1198: ([231] auf S. 64.317) S. eisig; über _Biberisch_ als
-subst. Adj. vgl. auch »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38.]
-
-Kamerad, _Benges_ od. _Benk_[1199], _Fi(e)sel_[1200] [64.318]
-
-Kamm, _Straubertsschure_[1201]
-
-Kammacher, _Straubertsschurepflanzer_[1202]
-
-kämmen, _Strauberts pflanzen_ (d. h. »die Haare machen«)[1202]
-
-Kampf, _Hamore_[1203]
-
-Kanapee, _Sitzleng_[1204]
-
-Kanarienvogel, _Schallerfläderling_ (d. h. »Singvogel«)[1205]; vgl.
-Amsel
-
-Kaninchen, _Langohr_[1206]
-
-Kanne, _Nolle_[1207]
-
-Kapelle, _Duft_[1208]
-
-Kappe, _Oberman(n)_[1209]
-
-Kappenmacher, _Oberman(n)pflanzer_[1202]
-
-Karfreitag, _Bäzamaschei_ (d. h. »Eiertag«)[1210]; vgl. Ostern
-
-Karpfen, _Flössling_, _Matsche_, _Schwimmerling_ (d. h. eigentl. nur
-»Fisch«)[1211]
-
-Karren, _Rädleng_[1212], _Ruadel_[1213]
-
-Kartoffeln, _Bolla_ od. _Schundbolla_[1214], _Matrele_[1215]
-
- " , gebratene s. Bratkartoffeln.
-
-Kartoffelsalat, _Bolleblättling_ (Spr.)[1216]
-
-Kartoffelschüssel, _Bolleschottel_ (Spr.)[1217]
-
-[Fußnote 1199: ([232] auf S. 64.318) S. brauchbarer Bursche.]
-
-[Fußnote 1200: ([233] auf S. 64.318) S. Bettelbube.]
-
-[Fußnote 1201: ([234] auf S. 64.318) S. Augenbrauen und abbiegen.]
-
-[Fußnote 1202: ([235] auf S. 64.318) S. (betr. _-pflanzer_ [pflanzen])
-anbrennen.]
-
-[Fußnote 1203: ([236] auf S. 64.318) S. Fehde.]
-
-[Fußnote 1204: ([237] auf S. 64.318) S. Bank.]
-
-[Fußnote 1205: ([238] auf S. 64.318) S. absingen u. Adler.]
-
-[Fußnote 1206: ([239] auf S. 64.318) S. Hase.]
-
-[Fußnote 1207: ([240] auf S. 64.318) S. Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 1208: ([241] auf S. 64.318) S. Dom.]
-
-[Fußnote 1209: ([242] auf S. 64.318) S. Fingerhut.]
-
-[Fußnote 1210: ([243] auf S. 64.318) S. Ei u. alltäglich. — Auch in der
-Zigeunersprache heißt der Karfreitag (aber auch wohl das Osterfest)
-_jāréngĕro_ (od. jāríngĕro) _diwes_, d. i. gleichfalls der
-»Eiertag«; s. _Liebich_, S. 140 u. 188 vbd. m. _Finck_, S. 55 (hier nur
-= Ostern); vgl. »Vorbemerkg.«, S. 18. Über eine der _jenischen_
-Umschreibg. für _Ostern_ genau entsprechende zigeun. Bezeichnung s. noch
-weiter unten (unter »Ostern«).]
-
-[Fußnote 1211: ([244] auf S. 64.318) S. Fisch. Das Synm. _Flotscher_ ist
-hier nicht angeführt.]
-
-[Fußnote 1212: ([245] auf S. 64.318) S. Eisenbahnwagen.]
-
-[Fußnote 1213: ([246] auf S. 64.318) S. abfahren.]
-
-[Fußnote 1214: ([247] auf S. 64.318) S. Bratkartoffeln; vgl. abgerahmte
-Milch.]
-
-[Fußnote 1215: ([248] auf S. 64.318) S. Erdäpfel.]
-
-[Fußnote 1216: ([249] auf S. 64.318) S. Gulasch.]
-
-[Fußnote 1217: ([250] auf S. 64.318) S. Aschenbecher.]
-
-Käse, _Girall_[1218], _Räsleng_[1219] [64.319]
-
-Käskuchen, _Girall-_ od. _Räslengbrandleng_[1220]
-
-Kater s. Katze
-
-Katholik, _Wo(h)nischer_[1221]
-
-katholisch, _wo(h)nisch_
-
-[Fußnote 1218: ([251] auf S. 64.319) Zu _Girall_ s. die _Zus._
-_Girallbrandleng_ = Käskuchen. Die Vokabel ist _sonst_ m. Wiss. in den
-Geheimsprachen _nicht_ bekannt. Der _Etymologie_ nach stammt sie aus der
-_Zigeunersprache_ (vgl. schon »Einleitg.«, S. 30). Näh. s. darüber bei
-_Pott_ II, S. 257/58 (unter »Giral«); _Liebich_, S. 142 u. 213
-(_kīral_); _Miklosich_, Beitr. I/II, S. 12 u. Denkschriften, Bd. 26,
-S. 234 (unter »keral«: bei den _deutsch._ Zig.: _kiral_) vbd. mit S. 238
-(unter »khil«); _Jühling_, S. 222 (_Girall_); _Finck_, S. 64 (_kiral_).
-Das Wort läßt sich (nach _Pott_ und _Miklosich_, a. a. O.) bis ins
-Altind. (_kšīra_ = Milch) zurückverfolgen.]
-
-[Fußnote 1219: ([252] auf S. 64.319) Mit _Räsleng_ ist (außer
-_Räslengbrandleng_ = Girallbrandleng) noch _zusammengesetzt_:
-_Bosserträsleng_ (eigtl. »Fleischkäse«) = Leberkäse. _Zu vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): nur _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Ræßling_ = Käse,
-aber [485] auch = Rettich). Sonst nirgends erwähnt. Zur _Etymologie_:
-Vermutlich handelt es sich um eine durch Anhängung der typischen rotw.
-Endung _-ling_ (= leng) vorgenommene Substantivierung des mundartl.,
-insbes. schwäbischen Adj. _räs_, das (nach _v. Schmid_, Schwäb. W.-B.,
-S. 425) u. a. etwa bedeutet was »die Zunge reizt«, im Geschmack »scharf«
-(wie Rettich) oder »herb« ist.]
-
-[Fußnote 1220: ([253] auf S. 64.319) S. (betr. _Brandleng_)
-Apfelkuchen.]
-
-[Fußnote 1221: ([254] auf S. 64.319) _Wo(h)nischer_ ist Substantivierung
-des Adj. _wo(h)nisch_ = katholisch (Gegens. _nobis wo[h]nisch_ =
-ungläubig [vom Standpunkt der Katholiken aus]); s. auch »Vorbemerkung«,
-S. 15, Anm. 38. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 94 (_wohnisch_ = katholisch); _W.-B. des Konst. Hans_ 257
-(_wahnisch_); _Schöll_ 274 (Bettlersprache: _wohnisch_); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 341 (ebenso); _Schwäb. Händlersprache_ 482 (_wônisch Kolp_ [in
-_Pfedelb._ (212): _Kolb_] = katholischer Pfarrer). Auch im sonstigen
-Rotw. hier u. da anzutreffen (z. B. _Pfister_ bei _Christensen_ [332:
-_wohnisch_]; _v. Grolman_ 75 u. T.-G. 105 [_wo(h)nisch_]; _Karmayer_ 182
-[_wonnisch_] usw.). Zur _Etymologie_ s. Näh. bei _Günther_ in der
-Zeitschr. »Die Polizei«, Jahrg. 4 (1906), Nr. 5, S. 99, Sp. 2 u. Anm.
-29. Danach handelt es sich bei _wo(h)nisch_ wohl um »eine zugleich mit
-Änderung des Anlauts vorgenommene Abkürzung« (in der Form der
-»Aphärese«) von dem Synon. _doflemonisch_ oder _toflemonisch_ (s. z. B.
-_Pfister_ 1812 [296]; _v. Grolman_ 16, 71 u. T.-G. 105; _Karmayer_ 166
-usw.; vgl. auch _Pfälz. Händlerspr._ 437 [_dôfelmnisch_]), einer
-Adjektivbildung aus _Toflemone_ u. ä. = »katholische Religion« (s. z. B.
-bei _v. Grolman_ 71 [neben _Toflenemone_]), zusammengesetzt aus _tofel_
-oder _dofel emone_, d. h. zunächst »der andere Glaube«, dann aber wohl
-auch der »falsche«, d. i. der christliche (katholische) »Glaube« (vom
-hebr. _Tifla_ = »das Falsche, Unrechte« u. _'amn[h]_ oder
-_'emûmn[h]_, jüd. _emônô_, _emûnô_ = »Glaube, Religion«). Daß _dofel_
-oder _tofel_ in den Vokabularien der Gaunerspr. nicht bloß für
-»ungereimt, abgeschmackt«, sondern auch für »alt« angeführt ist (s.
-_Thiele_ 316 vbd. mit _Pfister_ 1812 [297], _Christensen_ 1814 [327] u.
-_v. Grolman_ 16, 71 u. T.-G. 81, die _nur_ die letztere Bedeutg. haben),
-erklärt sich daraus, daß nach der Reformation die protestantische
-Religion mit _chodesch emone_ (chadesch emûnô) u. ä., d. h. »neuer
-Glaube« (vgl. _v. Grolman_ 12 [_Cadisch - Amune_ oder _-nemone_] u.
-A.-L. 367 u. 530) bezeichnet wurde, wodurch sich der früher für den
-_christlichen_ Glauben _überhaupt_ gebrauchte Ausdruck _tofel_ od.
-_dofel emone_ u. ä. zu dem Begriff »_katholischer_«, mithin jetzt
-»_alter_ Glaube«, verengerte.]
-
-Kätzchen, _Schmalerle_[1222] [64.320]
-
-Katze, _Schmaleng_ (plur. _Schmaling_) od. _Schmaler_[1222]
-
-Katzenfleisch, _Schmalerbossert_[1223]
-
-Katzensack, _Schmalerrande_[1224]
-
-kauen, _achile_[1225], _biken_, _butten_[1226], _näpfen_[1227]
-
-kaufen, _bascha_, _bikeren_, _gremen_, _kemere_[1228]
-
-Käufer, _Bascher_, _Bikerer_, _Gremer_, _Kemerer_[1228]
-
-Kaufladen, _Kemererskitt_[1229]
-
-Käuzchen, _Begerflederling_ (d. h. »Totenvogel«)[1230]; vgl. Steineule
-
-Kebsweib, _Lubne_[1231], _schofle Goi_ od. — _Mos(s)_[1232]
-
-Kehrbesen, _Rutscherschure_[1233], _Stiepa_[1234]
-
-Kelch, _Duftnolle_[1235]
-
-kennen, _gneissen_[1236]
-
-Kerker, _Dofes_[1237], _Kittle_[1229], _Lek_[1237]; vgl. Gefängnis
-
-[Fußnote 1222: ([255] auf S. 64.320) S. Baumkatze.]
-
-[Fußnote 1223: ([256] auf S. 64.320) S. (betr. _Bossert_) Aas.]
-
-[Fußnote 1224: ([257] auf S. 64.320) S. Bauch.]
-
-[Fußnote 1225: ([258] auf S. 64.320) S. essen.]
-
-[Fußnote 1226: ([259] auf S. 64.320) S. Abendessen.]
-
-[Fußnote 1227: ([260] auf S. 64.320) S. abbeißen.]
-
-[Fußnote 1228: ([261] auf S. 64.320) S. abkaufen.]
-
-[Fußnote 1229: ([262] auf S. 64.320) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 1230: ([263] auf S. 64.320) S. absterben u. Adler. — _Zu vgl._
-dazu bei _Karmayer_ 122: _Pegerfletterl_ = Nachteule oder Kauz. In
-derselben Weise umschreiben (nach _Liebich_, S. 214 u. 243) auch die
-Zigeuner das Käuzchen od. die Steineule, (näml. als _muléskĕro [-ri]
-tschirkŭlo_, d. i. »Totenvogel«; vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S.
-18.]
-
-[Fußnote 1231: ([264] auf S. 64.320) S. Beischläferin.]
-
-[Fußnote 1232: ([265] auf S. 64.320) S. arg u. böse Frau bezw. (betr.
-_Mos[s]_) Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 1233: ([266] auf S. 64.320) S. abbiegen, vgl. auch Bürste.]
-
-[Fußnote 1234: ([267] auf S. 64.320) S. Bürste.]
-
-[Fußnote 1235: ([268] auf S. 64.320) S. Dom u. Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 1236: ([269] auf S. 64.320) S. erkennen.]
-
-[Fußnote 1237: ([270] auf S. 64.320) S. Arrest.]
-
-Kerl, _Gadscho_[1238], _Kaffer_[1239] [64.321]
-
-Kern, _Kies_[1240]
-
-Kerze, _Schein_[1241]
-
-Kessel, _Nolle_[1242], _Russling_[1243]
-
-Kesselflicker, _Nollepflanzer_[1244]; vgl. Häfner
-
-Kette, _Schlang_[1245]
-
-keusch, _dof_[1246]
-
-kichern, _schmol(l)en_[1247]
-
-Kieselstein, _Hertling_[1248], _Kies_[1240]
-
-Kilometerstein, _Stradehertling_ od. _-kies_ (d. h. eigtl.
-»Straßenstein«)[1249]
-
-Kind, _Galm_ (Dimin. _Gälmle_ [Spr.])[1250], _Gof_[1251], _Stratz_[1252]
-
-[Fußnote 1238: ([270a] auf S. 64.321) Zu _Gadscho_ = Kerl, auch Landmann
-(dagegen nicht unter »Bauer« angeführt) — im Plural _Gadsche_ od.
-_Gasche_ = Leute, Dim. _Gaschele_ = Kinder — gehören die
-_Zusammensetzgn._: _Gadschomalfes_ = Männerrock u. _Begergadscho_ =
-Leichenbeschauer (vgl. dazu auch »Vorbemerkg.«, S. 12, Anm. 29). _Zu
-vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Kochem
-gasche_ = »Hurenleben führen und im solchen herumziehen«); _Schöll_ 272
-(_Gasche_ = Leute, _schovel Gasche_ = schlimme Leute); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 338, 342, 343 (_Gasche_ = Leute, Menschen, Personen,
-_Ruchegasche_ = Bauernvolk); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Gsche_ =
-Leute, in _Lütz._ [215]: _Gātsche_ = Kind); s. auch _Metzer Jenisch_
-216 (_Gātsch_ = Mann). Über weitere Belege im Rotw. sowie die
-_Etymologie_ (aus der _Zigeunerspr._ [vgl. »Einleitung«, S. 30], in der
-_gadžo_ od. _gadšo_ [gadscho] od. gatscho zunächst den
-»Nichtzigeuner«, dann aber wohl auch allgemeiner »Mensch« oder — wieder
-spezieller — »Bauer« bedeutet) s. d. ausführl. Angaben in _Groß'_
-Archiv, Bd. 49, S. 331/32, u. dazu noch _Finck_, S. 58. Bei _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. III, Sp. 78 (unter »Gasche« II) u. Sp. 87 (unter
-»Gatsche«) ist über die Etymologie nichts angegeben.]
-
-[Fußnote 1239: ([271] auf S. 64.321) S. Bauer.]
-
-[Fußnote 1240: ([272] auf S. 64.321) S. Apfelkern.]
-
-[Fußnote 1241: ([273] auf S. 64.321) S. alltäglich.]
-
-[Fußnote 1242: ([274] auf S. 64.321) S. Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 1243: ([275] auf S. 64.321) Zu _Russling_ = Kessel (Pfanne,
-Tiegel) _vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94
-(_Rusling_, hier = Kamin); _Pfulld. J.-W.-B._ 343 (_Rußling_ = Pfanne).
-Über weitere rotw. Belege (mit _verschied._ Bedeutgn.) sowie die
-_Etymologie_ (von »Ruß«) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 72 (unter
-»Russlings-Schlangemer«).]
-
-[Fußnote 1244: ([279] auf S. 64.321) S. Fleischhafen u. anbrennen.]
-
-[Fußnote 1245: ([280] auf S. 64.321) S. Halskette.]
-
-[Fußnote 1246: ([281] auf S. 64.321) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 1247: ([282] auf S. 64.321) S. anlachen.]
-
-[Fußnote 1248: ([283] auf S. 64.321) S. Gestein.]
-
-[Fußnote 1249: ([284] auf S. 64.321) S. (betr. _Strade_) Chaussee; vgl.
-Meilenstein.]
-
-[Fußnote 1250: ([285] auf S. 64.321) S. brauchbares Kind.]
-
-[Fußnote 1251: ([286] auf S. 64.321) _Gof_ wird besonders für ein
-unartiges Kind, jedoch _auch_ in allgemeinerem Sinne gebraucht; s. böses
-Kind.]
-
-[Fußnote 1252: ([287] auf S. 64.321) S. Hurenkind.]
-
-Kindbetterin, _Deislere_[1253] [64.322]
-
-Kinder, _Galma_[1250], _Gaschele_ (d. h. eigtl. »kleine Leute«)[1244],
-_Schrabiner_[1254], _Stratze_[1252]
-
-Kinderei, _Ni(e)serei_, _Nillerei_[1255]
-
-Kindermädchen (-magd), _Galmamodel_ od. _Schrabinermodel_[1256]
-
-Kirche, _Duft_[1257]
-
-Kirchenschlüssel, _Duftglitschin_[1258]
-
-Kirchhof s. Gottesacker
-
-Kirchweih, _Brandlingschei_ (d. h. »Kuchentag«)[1259]
-
-Kirchweihsonntag, _Brandlengweisling_ (d. h. »Kuchensonntag«)[1260]
-
-Kirschbaum, _Scharriselestöber_[1261]
-
-Kirsche, _Scharrisele_
-
-Kirsch(en)kern, _Scharriselekies_[1262]
-
-Kirsch(en)kuchen, _Scharriselebrandling_[1263]
-
-Kirschenstein s. Kirsch(en)kern
-
-Kissen, _Sauft_[1264]
-
-Kittel, _Malfes_[1265]
-
-Klarinette, _Nikelschure_[1266]
-
-Klavier, "
-
-Klee, _Kupfer_[1267]
-
-[Fußnote 1253: ([288] auf S. 64.322) S. gebären.]
-
-[Fußnote 1254: ([289] auf S. 64.322) S. brauchbares Kind (am Ende).]
-
-[Fußnote 1255: ([290] auf S. 64.322) S. aberwitzig.]
-
-[Fußnote 1256: ([291] auf S. 64.322) S. (betr. _Model_) Beischläferin.]
-
-[Fußnote 1257: ([292] auf S. 64.322) S. Dom.]
-
-[Fußnote 1258: ([293] auf S. 64.322) S. (betr. _Glitschin_) Dietrich.]
-
-[Fußnote 1259: ([294] auf S. 64.322) S. Apfelkuchen u. alltäglich.]
-
-[Fußnote 1260: ([295] auf S. 64.322) S. (betr. _Weisling_) Feiertag.]
-
-[Fußnote 1261: ([296] auf S. 64.322) S. (betr. _Stöber_) Apfelbaum. —
-_Scharrisele_ = Kirsche (_nur_ als _Dimin._ gebräuchl. [vgl.
-»Vorbemerkg.«, S. 13, Anm. 33 a. E.]) findet sich noch in den
-_Zusammensetzgn._: _Scharriselekies_ = Kirsch(en)kern od. -stein u.
-_Scharriselebrandling_ = Kirsch(en)kuchen. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gauerspr._ 95 (_Scharriselen_ = Kirschen);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Scharisele_ = Kirsche). Die _Etymologie_ des
-(sonst zieml. seltenen) Ausdrucks gebt zweifelsohne auf das gleichbed.
-französ. _cérise_ (ital. _ciriegia_, lat. _cerasus_) zurück; vgl.
-_Günther_, Rotwelsch, S. 37.]
-
-[Fußnote 1262: ([297] auf S. 64.322) S. (betr. _Kies_) Apfelkern.]
-
-[Fußnote 1263: ([298] auf S. 64.322) S. (betr. _Brandling_)
-Apfelkuchen.]
-
-[Fußnote 1264: ([299] auf S. 64.322) S. Bett.]
-
-[Fußnote 1265: ([300] auf S. 64.322) S. Frauenrock.]
-
-[Fußnote 1266: ([301] auf S. 64.322) S. aufspielen u. abbiegen.]
-
-[Fußnote 1267: ([302] auf S. 64.322) S. Frucht.]
-
-Kleid, _Kluft_[1268] [64.323]
-
-kleiden, _a'klufte_[1269]
-
-Kleidung, _Klufterei_[1268]
-
-Klepper, _Trabert_[1269]
-
-Klinge, _Lomel_[1270]
-
-Kloster, _grandiche Kolbekitt_[1271]
-
-Kloß s. Knödel.
-
-Klotz, _Spraus_[1272]
-
-klug, _kochem_[1273]
-
-Knabe, _Bengesle_[1274], _Fi(e)sele_[1275], _Freierle_[1276]
-
-knallen, _schnelle_[1277]
-
-knauserig, _bogelich_[1278]
-
-Knecht, _Schenegler_[1279]
-
-Kneipe, _Beiz_, _Kober_[1280]
-
-Kneipwirt s. Gastwirt; vgl. Wirt.
-
-Knödel (»Knöpfle« [Spr.], »Spätzle« [Spr.]), _Hegesle_ (nicht zu
-verwechseln mit _Heges_ = kleines Dorf)[1281]
-
-[Fußnote 1268: ([303] auf S. 64.323) S. ankleiden.]
-
-[Fußnote 1269: ([304] auf S. 64.323) S. Füllen.]
-
-[Fußnote 1270: ([305] auf S. 64.323) S. Für _Lomel_ = Klinge,
-Messerschneide finde ich im Rotw. u. i. d. sonst. Geheimspr. keine
-Belege. Das Wort soll (nach _Wittichs_ »Einleitg.«, S. 30) aus der
-_Zigeunersprache_ stammen, auch findet sich bei _Liebich_, S. 215 in der
-Tat _lommla_ = Klinge verzeichnet (während in den anderen zigeun.
-Vokalbularien, auch bei _Jühling_, etwas Ähnliches nicht anzutreffen
-ist). Nach _Fischer_, Schwab. W.-B. IV, Sp. 938 (unter »Lamel«) ist
-_Lamel_ (od. Lomel) = Messerklinge (insbes. eine lahme, stumpfe) allgem.
-schwäbisch, und ebenso ist der Ausdr. in Bayern (als _Lammel_, _Lämmel_
-od. _Lommel_ [fem. u. neutr. gen.]; s. _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp.
-1470) u. in anderen Gegenden (Kurhessen, Elsaß, Schweiz) bekannt. Er
-soll nach _Fischer_ (a. a. O. vbd. mit _Schmeller_, a. a. O.) vom mhd.
-_lmel_ (s. _Lexer_, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 1816) abzuleiten sein, das
-seinerseits auf das latein. _lamella_ od. _lamina_ zurückgeht.]
-
-[Fußnote 1271: ([306] auf S. 64.323) S. Adler, Bischof u. Abort. —
-Dieselbe Umschreibung (die etwa »großes Haus für Geistliche [Mönche]«
-bedeutet) findet sich auch bei den Zigeunern; s. _Liebich_, S. 127 u.
-215 (_baro raschaiéngĕro kēr_ = Kloster).]
-
-[Fußnote 1272: ([307] auf S. 64.323) S. Baumholz.]
-
-[Fußnote 1273: ([308] auf S. 64.323) S. besonnen.]
-
-[Fußnote 1274: ([309] auf S. 64.323) S. brauchbarer Bursche.]
-
-[Fußnote 1275: ([310] auf S. 64.323) S. Bettelbube.]
-
-[Fußnote 1276: ([311] auf S. 64.323) S. Fremder.]
-
-[Fußnote 1277: ([312] auf S. 64.323) S. abschießen. Vgl. dazu das rotw.
-_knallen_ = schießen (Belege in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 54).]
-
-[Fußnote 1278: ([313] auf S. 64.323) S. Appetit.]
-
-[Fußnote 1279: ([314] auf S. 64.323) S. abschaffen.]
-
-[Fußnote 1280: ([315] auf S. 64.323) S. (zu beiden Ausdr.) Gasthaus.]
-
-[Fußnote 1281: ([316] auf S. 64.323) _Hegesle_ (_nur_ als Dimin. gebr.)
-bedeutet _Knödel_ u. insbes. »Knöpfle« u. »Spätzle«, beides mundartl.
-Bezeichnungen für südd., bes. schwäb. knödelartige Mehlspeisen (vgl.
-[über _Knöfle_, Dimin. zu _Knopf_] _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 544
-unter »Knopf«, Nr. 4, a; [über _Spätzle_, Dimin. zu _Spatz_ = Sperling]
-_v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 499 unter »Spatzen« u. _Schmeller_,
-Bayer. W.-B. II, Sp. 692 unter »Spatz«, lit. c). Dazu die _Zus._
-_Hegesleschnall_ = Spätzlessuppe (Spr.) u. die _Verbdg._ _grandiche
-Hegesle_ = Nudeln. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
-Gaunerspr._ 95 (_Hegesle_ = »Knöpflen«); _Pfulld. J.-W.-B._ 341
-(_Hegesle_ = Knopf). Die _Etymologie_ bleibt dunkel. Auch _Fischer_,
-Schwäb. W.-B. III. Sp. 1331 (unter »Hegis«, Nr. 2) gibt keine
-Erklärung.]
-
-Koch, _Sicherbenk_, _Sicherfi(e)sel_ od. _-kaffer_[1282] [64.324]
-
-kochen, _sichere_[1282]
-
-Kohl, _Groanert_[1283]
-
-Kohle, _a'gefunkter Spraus_ (d. h. »angebranntes Holz«)[1284]
-
-Kohlenbrenner, Köhler, _Funker_[1284]
-
-Kollege, _Benges_[1285], _Fies(e)l_[1286]
-
-kommen, _bosten_[1287]
-
-Kommißbrot, _Lanengerlehm_ od. _-lechem_[1288], _Lanengermaro_[1289]
-
-Komödiant, _Schnurrant_[1290]
-
-Komödienhaus, _Schnurrantekitt_[1291], auch _Nikelkitt_[1292]
-
-Komödienzettel (Programm), _Schnurrantekritzler_[1293]
-
-König, _grandich Sins_ (d. h. »der größte Herr«)[1294]
-
-Königin, _grandich Sinse_ (d. h. »die größte Dame«)[1294]
-
-können (verstehen, wissen), _gneisen_ (daher z. B.: ich kann's nicht,
-_ich gneis es nobis_)[1295]
-
-Konkurs, _Vergondert_[1296]
-
-[Fußnote 1282: ([317] auf S. 64.324) S. abkochen vbd. mit brauchbarer
-Bursche, Bettelbube u. Bauer.]
-
-[Fußnote 1283: ([318] auf S. 64.324) S. Gemüse.]
-
-[Fußnote 1284: ([319] auf S. 64.324) S. abbrennen u. Baumholz.]
-
-[Fußnote 1285: ([320] auf S. 64.324) S. brauchbarer Bursche.]
-
-[Fußnote 1286: ([321] auf S. 64.324) S. Bettelbube.]
-
-[Fußnote 1287: ([322] auf S. 64.324) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 1288: ([323] auf S. 64.324) S. Hauptmann u. Bäcker.]
-
-[Fußnote 1289: ([324] auf S. 64.324) S. (betr. _Maro_) Brot.]
-
-[Fußnote 1290: ([325] auf S. 64.324) S. Äquilibrist.]
-
-[Fußnote 1291: ([326] auf S. 64.324) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 1292: ([327] auf S. 64.324) S. (betr. _Nikel-_) aufspielen.]
-
-[Fußnote 1293: ([328] auf S. 64.324) S. (betr. _Kritzler_) Attest.]
-
-[Fußnote 1294: ([329] auf S. 64.324) S. Adler u. Amtmann; vgl. Bischof.]
-
-[Fußnote 1295: ([330] auf S. 64.324) S. erkennen.]
-
-[Fußnote 1296: ([331] auf S. 64.324) _Vergondert_ ist ein
-substantiviertes Partizip (vgl. »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 36) von
-_vergondere_ = verpfänden, das etymolog. gehört zu gemeinsprachl.
-_verganten_ = versteigern, einer Ableitg. von dem (bes. in Bayern u.
-Österreich gebräuchl.) Hauptw. _Gant_ (f.), d. h. gerichtlicher Verkauf
-an den Meistbietenden, Zwangsversteigerung, dann auch Konkurs, aus dem
-ital. _incanto_ = lat. incantum, in quantum, d. h. »für wie viel«, »wie
-hoch«, nach dem Rufe des Versteigerers. S. u. a. _Weigand_, W.-B. I, Sp.
-619 vbd. mit _A. Schirmer_, W.-B. der deutschen Kaufmannssprache (1911),
-S. 68 u. 69, Anm. 1 ff. (woselbst noch näh. Angaben).]
-
-Konkurs, _Vermuft_[1297] (d. h. eigentlich »im Konkurs« oder [64.325]
-»bankerott«)
-
-kontrolliert, _gefleppt_[1298]
-
-Kopf, _Kie(b)es_[1299]
-
-Kopfhaar, _Ki(e)besstrauberts_[1300]
-
-Korb, _Schottel_, plur. _Schottle_[1301]
-
-Korbmacher, _Schottel-_ od. _Schottlepflanzer_[1302]
-
-Korn, _Kupfer_[1303]
-
-Kost, _Achilerei_[1304], _Bikus_, _Butterei_, _Kahlerei_[1305]
-
-kostbar, _dof_[1306]
-
-Kot, _Fuhl_[1307], _Schond_ od. _Schund_[1308]
-
-kotig, _schundich_[1308]
-
-Krämer, _Kemerer_[1309]
-
-Krämerladen, _Kemererskitt_[1310]
-
-krank, _begerisch_[1311]
-
-Krankenbett, _Begerischsauft_[1312]
-
-Krankenhaus, _Begerkitt_[1311][1310]
-
-Krankheit, _Begerei_[1311]
-
-krätzig, _näpfich_[1313]
-
-Kraut, _Groanert_[1314]
-
-[Fußnote 1297: ([332] auf S. 64.325) S. Aas. — Auch _Vermuft_ ist
-substantiv. Partizip (s. »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 36); vgl. Armut u.
-Bedrängnis.]
-
-[Fußnote 1298: ([333] auf S. 64.325) S. Gewerbeschein.]
-
-[Fußnote 1299: ([334] auf S. 64.325) S. Angesicht.]
-
-[Fußnote 1300: ([335] auf S. 64.325) S. (betr. _Strauberts_)
-Augenbrauen.]
-
-[Fußnote 1301: ([336] auf S. 64.325) S. Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 1302: ([337] auf S. 64.325) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
-
-[Fußnote 1303: ([338] auf S. 64.325) S. Frucht.]
-
-[Fußnote 1304: ([339] auf S. 64.325) S. essen (Essen).]
-
-[Fußnote 1305: ([340] auf S. 64.325) S. (zu allen drei Ausdr.)
-Abendessen.]
-
-[Fußnote 1306: ([341] auf S. 64.325) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 1307: ([342] auf S. 64.325) S. Abort.]
-
-[Fußnote 1308: ([343] auf S. 64.325) S. abgerahmte Milch.]
-
-[Fußnote 1309: ([344] auf S. 64.325) S. abkaufen.]
-
-[Fußnote 1310: ([345] auf S. 64.325) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 1311: ([346] auf S. 64.325) S. absterben.]
-
-[Fußnote 1312: ([347] auf S. 64.325) S. (betr. _Sauft_) Bett.]
-
-[Fußnote 1313: ([348] auf S. 64.325) S. abbeißen.]
-
-[Fußnote 1314: ([349] auf S. 64.325) S. Gemüse.]
-
-Krautsalat, _Groanertblättling_[1315] [64.326]
-
-Kredit, auf —, _auf den Bengel_, _auf Keif_[1316]
-
-Kreisgericht, _grandiche Schoflerei_[1317]
-
-krepieren, _begere_[1311]
-
-Krieger, Kriegsmann, _Lanenger_[1318]
-
-Kriminalgericht, _grandiche Schoflerei_[1317][1319]
-
-Krone, _grandicher Sins-Oberman(n)_ (d. h. »des Königs Hut«)[1320]
-
-Kropf, _Bellel_[1321]
-
-Krug, _Nolle_[1322]
-
-Krüppel, _schofler Benges_ od. _Benk_, schofler Fi(e)sel[1323]. (Das
-_schofel_ soll hier soviel ausdrücken wie: »Der Mann [Bursche] ist übel,
-schlimm daran«).
-
-Kübel, _Schottel_[1324]
-
-Küche, _Sichere_[1325]
-
-Kuchen, _Brandleng_[1326]
-
-Küchenschlüssel, _Sichereglitschin_[1327]
-
-Küchlein (als Tierbezeichng.), _Gachnele_ (d. h. »Hühnchen«)[1328], [64.327]
-_Lachebatscherle_ (d. h. »Entlein«)[1329], _Strohbutzerle_ (d. h.
-»Gänschen«)[1330]
-
-[Fußnote 1315: ([350] auf S. 64.326) S. (betr. _Blättling_) Gulasch.]
-
-[Fußnote 1316: ([351] auf S. 64.326) S. Borg (auf —).]
-
-[Fußnote 1317: ([352] auf S. 64.326) S. Adler u. arg.]
-
-[Fußnote 1318: ([353] auf S. 64.326) S. Hauptmann.]
-
-[Fußnote 1319: ([354] auf S. 64.326) Auch bei den Zigeunern heißt (nach
-_Liebich_, S. 217) das _Kriminal_gericht _bāri grisni_, d. h.
-»großes, hohes Gericht«, das _Kreis_gericht _bāri zephāni_, d. h.
-eigtl. wohl »großer Kreis« (_zephāni_ allein auch = Landgericht);
-vgl. _Liebich_, S. 216, 218.]
-
-[Fußnote 1320: ([355] auf S. 64.326) S. Adler, Amtmann u. Fingerhut;
-vgl. Bischof u. König. — Dieselbe Umschreibung für »Krone« kennt auch
-die Zigeunersprache; s. _Liebich_, S. 217 (_kraléskĕro
-dschakkerpenn_, d. h. »des Königs Hut«, od. _bāro raiéskĕro_ [od.
-_scheréskĕri] stātin_, d. h. »des großen Herrn [od. Häuptlings]
-Hut«).]
-
-[Fußnote 1321: ([356] auf S. 64.326) Diese Vokabel _fehlt_ sowohl in dem
-_verw. Quellenkr._ als auch _sonst_ in d. Geheimsprachen (falls nicht
-etwa _Belly_ [= Bauch?] in d. _Rotw. Gramm._ v. 1755 [III, 59; vgl.
-_Kluge_, Rotw. I, S. 237, Anm. 1] hierher zu rechnen). Sie soll (nach
-»Einleitung«, S. 29) aus der _Zigeunersprache_ stammen; s. dazu
-_Jühling_, S. 219, wo _Bälel_ in gleicher Bedeutg. angeführt ist,
-während m. Wiss. in den übrigen zigeun. Vokabularien nichts Ähnliches
-enthalten ist.]
-
-[Fußnote 1322: ([357] auf S. 64.326) S. Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 1323: ([358] auf S. 64.326) S. arg u. brauchbarer Bursche bzw.
-Bettelbube.]
-
-[Fußnote 1324: ([359] auf S. 64.326) S. Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 1325: ([360] auf S. 64.326) S. abkochen.]
-
-[Fußnote 1326: ([361] auf S. 64.326) S. Apfelkuchen.]
-
-[Fußnote 1327: ([362] auf S. 64.326) S. (betr. _Glitschin_) Dietrich.]
-
-[Fußnote 1328: ([363] auf S. 64.326) S. Hahn.]
-
-Kuckuck, _Flederling_[1331]
-
-Kuh, _Horboga_, auch _Boga_[1332]
-
-Kuhbutter, _Bogaschmunk_[1333]
-
-Kuheuter, _Horbogaschwächerle_[1334]
-
-Kuhfleisch, _Horbogebossert_ od. _-mass_[1335]
-
-Kuhmetzger, _Horbogekafler_ od. _Bogakafler_[1336]
-
-Kuhstall, _Horbogestenkert_[1337]
-
-kümmerlich, _schofel_[1338]
-
-Kupfergeld, _Bich_[1339], _Boschert_[1340]
-
-Kürschner, _Oberman(n)pflanzer_[1341]; vgl. Kappenmacher
-
-Kutsche, _dofer Rädleng_ (d. h. »schöner Wagen«)[1342]
-
-Kutschenbauer, _Rädlengpflanzer_[1343]; vgl. Wagner
-
-Kutte, _Malfes_[1344]
-
-
- L.
-
-lachen, _schmol(l)en_[1345]
-
-Lager, _Sauft_[1346]
-
-[Fußnote 1329: ([364] auf S. 64.327) S. Ente.]
-
-[Fußnote 1330: ([365] auf S. 64.327) S. Gans.]
-
-[Fußnote 1331: ([366] auf S. 64.327) S. Adler.]
-
-[Fußnote 1332: ([367] auf S. 64.327) S. Kalb.]
-
-[Fußnote 1333: ([368] auf S. 64.327) S. (betr. _Schmunk_)
-Bratkartoffeln.]
-
-[Fußnote 1334: ([369] auf S. 64.327) S. Amme.]
-
-[Fußnote 1335: ([370] auf S. 64.327) S. Aas.]
-
-[Fußnote 1336: ([371] auf S. 64.327) S. Fleischer.]
-
-[Fußnote 1337: ([372] auf S. 64.327) S. Entenstall.]
-
-[Fußnote 1338: ([373] auf S. 64.327) S. arg.]
-
-[Fußnote 1339: ([374] auf S. 64.327) S. Almosen.]
-
-[Fußnote 1340: ([375] auf S. 64.327) Zu _Boschert_ = Kupfergeld (bes.
-Pfennig) _vgl._ (aus d. _verw. Quellenkr._): _Schwäb Gaun.- u.
-Kundenspr._ 70 (_Boscher_ = Pfennig); _Schwäb. Händlerspr._ 485
-(_Bôscher_ u. _Bôschet_ = Pfennig, in _Lütz._ [215] dafür:
-_Bōschem_); s. auch _Pleißlen der Killertaler_ 434 (_Bôscher_ =
-Pfennig) u. _Pfälz. Händlerspr._ 437 (_Bôsche_, Bdtg. ebenso). Über
-weitere Belege aus dem Rotw. usw. sowie die _Etymologie_ (wohl vom
-neuhebr. _paschut_, jüdisch _poschut_ od. _poschit_ = »Kleingeld«) s.
-Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 268/69 u. Anm. 2 ff.; vgl. auch
-_Weber-Günther_, S. 154. Bei _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1310 ist
-keine Erklärung gegeben.]
-
-[Fußnote 1341: ([376] auf S. 64.327) S. Fingerhut u. anbrennen.]
-
-[Fußnote 1342: ([377] auf S. 64.327) S. angenehm u. Eisenbahnwagen.]
-
-[Fußnote 1343: ([378] auf S. 64.327) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
-
-[Fußnote 1344: ([379] auf S. 64.327) S. Frauenrock.]
-
-[Fußnote 1345: ([380] auf S. 64.327) S. anlachen.]
-
-[Fußnote 1346: ([381] auf S. 64.327) S. Bett.]
-
-lahm, _begerisch_[1347] [64.328]
-
-lahm gehen, _begerisch bosten_[1348]
-
-Lampe, _Schein_[1349]
-
-Landesherr, _grandicher Sins_[1350]
-
-Landgericht, _grandige Schoflerei_[1351]
-
-Landhaus, _Kitt_[1352]
-
-Landmann, _Gadscho_[1353], _Kaffer_, _Ruch_[1354]
-
-lang, _grandich_[1355]
-
-läppisch, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[1356]
-
-Larve, _Ni(e)sichergiel_, _Nillichergiel_[1357]; vgl. Fastnachtsmaske
-
-Last (Traglast), _Buklete_[1358]
-
-lasterhaft, _schofel_[1359]
-
-lästern, _stümpfen_[1360]
-
-Laterne, _Schein_[1349]
-
-laufen, _bosten_[1348]
-
-laufendes Wasser, _bostender Flu(h)te_[1361]
-
-Läufer, _Boster_[1348]
-
-Laus, _Kenem_[1362]
-
-Lausbube, Lausejunge, _Kenemebenges_ (-benk) od. _-fi(e)sel_[1363]
-
-Lazarett, _Lanenger-Begerkitt_ (d. h. »Soldaten-Krankenhaus«)[1364]
-
-Leberkäse, _Bosserträsling_ (d. h. eigtl. »Fleischkäse«)[1365]
-
-Leberwurst, _Rundling_. (Damit wird aber auch jede andere Wurst
-bezeichnet)[1366]
-
-[Fußnote 1347: ([382] auf S. 64.328) S. absterben.]
-
-[Fußnote 1348: ([383] auf S. 64.328) S. (betr. _bosten_) abgehen.]
-
-[Fußnote 1349: ([384] auf S. 64.328) S. alltäglich.]
-
-[Fußnote 1350: ([385] auf S. 64.328) S. Adler u. Amtmann; vgl. Bischof.]
-
-[Fußnote 1351: ([386] auf S. 64.328) S. Adler u. arg; vgl. die Anmkgn.
-zu »Kriminalgericht«.]
-
-[Fußnote 1352: ([387] auf S. 64.328) S. Abort.]
-
-[Fußnote 1353: ([388] auf S. 64.328) S. Kerl.]
-
-[Fußnote 1354: ([389] auf S. 64.328) S. (zu beiden Ausdr.) Bauer.]
-
-[Fußnote 1355: ([390] auf S. 64.328) S. Adler.]
-
-[Fußnote 1356: ([391] auf S. 64.328) S. aberwitzig.]
-
-[Fußnote 1357: ([392] auf S. 64.328) S. (betr. _Giel_) Affengesicht.]
-
-[Fußnote 1358: ([393] auf S. 64.328) S. abtragen.]
-
-[Fußnote 1359: ([394] auf S. 64.328) S. arg.]
-
-[Fußnote 1360: ([395] auf S. 64.328) S. Ärger.]
-
-[Fußnote 1361: ([396] auf S. 64.328) S. (betr. _Flu[h]te_) abbrühen.]
-
-[Fußnote 1362: ([397] auf S. 64.328) S. Filzlaus.]
-
-[Fußnote 1363: ([398] auf S. 64.328) S. (betr. _Benges_ [Benk] u.
-_Fi[e]sel_) brauchbarer Bursche u. Bettelbube.]
-
-[Fußnote 1364: ([399] auf S. 64.328) S. Hauptmann, absterben u. Abort;
-vgl. Krankenhaus.]
-
-[Fußnote 1365: ([400] auf S. 64.328) S. Aas u. Käse.]
-
-[Fußnote 1366: ([401] auf S. 64.328) Mit _Rondling_ = _Rundling_ (im
-Sinne von »Wurst« schlechthin) sind folgende _Zus._ gebildet:
-_Rondlingachilerei_ od. _-bikus_ = Wurstessen, _Rondlingbossert_ =
-Wurstfleisch, _Rondlingsore_ = Wursthaut, _Rondlingschnall_ =
-Wurstsuppe. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): nur _Schwäb.
-Händlerspr._ 488 (_Rundling_ = Wurst; Synon. _Darmling_ u. _Schling_).
-Sonst kommt der (natürlich von »rund« abzuleitende) Ausdruck noch vor:
-a) in der (neueren) _Gaunerspr._ für Kugel, b) in der _Kundenspr._ (im
-Plural) für Kartoffeln (vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 60), während das
-übliche Gauner- u. Kundenwort für Wurst u. a. _Längling_ ist (so z. B.
-auch schon im _Dolm. der Gaunerspr._ 90 [_Lengling_ = Bratwurst]), das
-jedoch auch noch Nebenbedeutungen hat; vgl. dazu _Groß'_, Archiv, Bd.
-46, S. 313 u. Anm. 1 vbd. mit _Weber-Günther_, S. 186.]
-
-Lebkuchen, _Süslingbrandling_ (d. h. »Zuckerkuchen«)[1367] [64.329]
-
-leblos, _begert_ (d. h. »gestorben, tot«)[1368]
-
-lecken, _bosen_ (bosme)[1369], _jannen_[1370]
-
-leck mich … (Einladung des _Götz von Berlichingen_), _jann mei
-Bos_[1370][1369]
-
-ledig, _nobis vergrönt_ (d. h. »nicht verheiratet«)[1371]
-
-lediger Mann, _nobis vergrönter Benges_[1372]; vgl. Junggeselle
-
-Legende, _Kohl_[1373]
-
-Leghuhn, _Bäzemagachne_[1374], _Bäzemastierer_[1375]
-
-Lehm, _Schund_[1376]
-
-Lehrer, _Galmeguffer_ (d. h. »Kinderprügler«)[1377], _Plauderer_[1378]
-
-[Fußnote 1367: ([402] auf S. 64.329) S. Kaffee und Apfelkuchen. — Eine
-ähnliche Umschreibung für den Lebkuchen kennt auch die Zigeunersprache,
-nämlich _gīlo maro_, d. h. »süßes Brot« (s. _Liebich_, S. 138 u.
-218).]
-
-[Fußnote 1368: ([403] auf S. 64.329) S. absterben.]
-
-[Fußnote 1369: ([404] auf S. 64.329) S. After.]
-
-[Fußnote 1370: ([405] auf S. 64.329) Zu _jannen_ = lecken _vgl._ (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_janne mich_ =
-»lecke mich im Hintern«). Zur _Etymologie_ s. _Fischer_, Schwäb. W.-B.
-IV, Sp. 75 mit Hinweis auf das Vorkommen des Ausdr. in den deutsch.
-Mundarten, z. B. im _Elsaß_ (s. _Martin-Lierhardt_, Els. W.-B. I, 407)
-und in der _Schweiz_ (s. Schweiz. Idiotikon III, Sp. 45). _Hier_ lautet
-die Form _jenne[n]_ und kommt nur in der Redensart »_du cha[nn]st mer
-jenne[n]_« als »schnöder Abfertigung« vor. Dazu ist bemerkt, daß es sich
-vielleicht nur scheinbar um ein Zeitwort, in Wirklichkeit dagegen um ein
-Pronomen (»jenen«) im Sinne von »Hinteren« handle (wobei zu ergänzen
-»lecken«), so daß das Ganze sich als eine _elliptische_ Redeweise
-darstelle.]
-
-[Fußnote 1371: ([406] auf S. 64.329) S. Dietrich u. Ehe.]
-
-[Fußnote 1372: ([407] auf S. 64.329) S. (betr. _Benges_) brauchbarer
-Bursche.]
-
-[Fußnote 1373: ([408] auf S. 64.329) S. belügen.]
-
-[Fußnote 1374: ([409] auf S. 64.329) S. Ei u. Hahn.]
-
-[Fußnote 1375: ([410] auf S. 64.329) S. (betr. _Stierer_) Henne.]
-
-[Fußnote 1376: ([411] auf S. 64.329) S. abgerahmte Milch.]
-
-[Fußnote 1377: ([412] auf S. 64.329) S. brauchbares Kind u.
-aufschlagen.]
-
-[Fußnote 1378: ([413] auf S. 64.329) Mit _Plauderer_ sind
-_zusammengesetzt_: _Plaudererskitt_ = Lehrershaus (auch: Schule) u.
-_Plauderersmalfes_, Lehrersrock. Eine _Ableitung_ davon ist _Plauderei_
-= Schule. _Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u.
-Kundenspr._ 72, 75 (_Plauderer_ = Lehrer, Schullehrer [_s' Plauderle_ =
-Herr Lehrer], _Plauderwinde_ = Schulhaus); _Schwäb. Händlerspr._ 483
-(_Plauderer_ = Lehrer). Über weitere Belege im Rotw. u. in der
-Kundenspr. sowie die _Etymologie_ (von unserm Zeitw. »plaudern«) s.
-_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 64; vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp.
-1182 (unter »Plauder«).]
-
-Lehrershaus, _Plaudererskitt_[1379]; vgl. Schule [64.330]
-
-Lehrersrock, _Plauderersmalfes_[1380]
-
-Leibweh (-schmerz), _Begerisch_ (subst. Adj.)[1381]
-
-Leiche, _Begert_ (d. h. »der Gestorbene, Tote«)[1381]
-
-Leichenbeschauer, _Begergadscho_[1382], _Begerkaffer_[1383] (d. h. »der
-Totenmann«); letzteres auch = Totengräber
-
-Leichenbett (Totenbett), _Begersauft_[1384]
-
-Leichenfrau, _Begermos(s)_[1385]
-
-Leichenhaus, _Begerkitt_[1379]; vgl. auch Krankenhaus
-
-Leichenschmaus, _Begerbikerei_ od. _-bikus_[1386]
-
-Leichenstein, _Begerkies_[1387]
-
-Leichentuch, _Begerbochdam_[1388]
-
-leidend, _begerisch_[1381]
-
-Leierkasten, _Nikleschure_[1389]
-
-leihen; _Bomma_ od. _Keif pflanzen_ (d. h. »Schulden machen«)[1390]
-
-Leihhaus, _Bommerkitt_, _Keifkitt_[1379]
-
-Leine, _Schlang_ (Spr.)[1391]
-
-Leinenweber, _Bochdampflanzer_[1392]
-
-Leinwand, _Bochdam_
-
-Leiter, _Rawine_[1393]
-
-[Fußnote 1379: ([414] auf S. 64.330) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 1380: ([415] auf S. 64.330) S. Frauenrock.]
-
-[Fußnote 1381: ([416] auf S. 64.330) S. absterben; vgl. »Vorbemerkung«,
-S. 15, Anm. 36 u. 38.]
-
-[Fußnote 1382: ([417] auf S. 64.330) S. Kerl.]
-
-[Fußnote 1383: ([418] auf S. 64.330) S. Bauer.]
-
-[Fußnote 1384: ([419] auf S. 64.330) S. Bett.]
-
-[Fußnote 1385: ([420] auf S. 64.330) S. Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 1386: ([421] auf S. 64.330) S. Abendessen.]
-
-[Fußnote 1387: ([422] auf S. 64.330) S. Apfelkern.]
-
-[Fußnote 1388: ([423] auf S. 64.330) S. Barchent.]
-
-[Fußnote 1389: ([424] auf S. 64.330) S. aufspielen u. abbiegen.]
-
-[Fußnote 1390: ([425] auf S. 64.330) S. borgen u. Borg (auf —).]
-
-[Fußnote 1391: ([426] auf S. 64.330) S. Halskette.]
-
-[Fußnote 1392: ([427] auf S. 64.330) Barchent u. anbrennen.]
-
-[Fußnote 1393: ([428] auf S. 64.330) Zu _Rawine_ _vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Revine_ = Leiter); _W.-B. des
-Konst. Hans_ 253, 258 (_Rawine_); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_Rabine_); in
-der _schwäb. Kunden- u. Händlerspr._ unbekannt. Im sonst. Rotw. findet
-sich die Vokabel in recht verschied. Formen, s. z. B. schon _Koburg.
-Designation_ 1735 (204: _Trapin_); ferner _Hildburgh. W.-B._ 1753 ff.
-(228: _Harbine_ = Stiege); _Pfister bei Christensen_ 1814 327
-(_Rawine_); _v. Grolman_ 55, 71 u. _T.-G._ 109 (_Rawine_ od. _Trapin_ =
-Leiter; zu vgl. auch 72 u. _T. G._ 127: _Treppine_, _Treppone_ =
-Treppe); _Karmayer G.-D._ 214 u. 221 (im wesentl. ebenso). _Etymologie_:
-Die Bezeichnung stammt her von dem gleichbed. poln. _drabina_. S.
-_Landau_ in d. Mitteilgn. zur jüd. Volkskunde, Jahrg. 10 (1908), S. 37.]
-
-Leute, _Gadsche_ od. _Gasche_[1394], _Ulma_[1395] [64.331]
-
-leutselig, _dof_[1396]
-
-Licht, _Jak_[1397], _Schein_[1398]
-
-Lichtzieher, _Scheinpflanzer_[1399]
-
-lieb, _dof_[1396] (mein lieber Bursche, _mein dofer Fi[e]sel_[1400],
-mein liebes Mädchen, _meine dofe Model_[1401])
-
-liebenswürdig, _dof_[1396]
-
-Liebhaber, _Benges_ od. _Benk_[1402], _Fi(e)sel_[1400]
-
-Liebhaberin, _Model_[1401]
-
-lieblich, _dof_[1396]
-
-liebreich, "
-
-Liebste, _dofe Model_[1396][1401]
-
-liegen, _durmen_[1403], _schlaune_[1404], _schlummere_[1405] (eigtl.
-»schlafen, schlafend daliegen«)
-
-Linsen, _Sore_[1406]
-
-Linsenschüssel, _Soreschottel_[1407]
-
-[Fußnote 1394: ([429] auf S. 64.331) S. Kerl.]
-
-[Fußnote 1395: ([430] auf S. 64.331) S. arme Leute.]
-
-[Fußnote 1396: ([431] auf S. 64.331) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 1397: ([432] auf S. 64.331) Zu _Jak_ = Licht _vgl._ (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Fak_ = Licht [doch wohl
-= _Jak_, wenn nicht = _Funk_]); _W.-B. des Konst. Hans_ 255, 258 (_Jak_
-= Licht); _Schöll_ 271 (_Jak_ = Feuer). _Pfulld. J.-W.-B._ 341, 342
-(_Jak_ = Licht, Kerzenlicht). Auch sonst noch im Rotw. des 19. Jahrh.
-seit _Pfister_ bei _Christensen_ 1814 [322: _Jak_ = Feuer]. Zur
-_Etymologie_ (aus der _Zigeunerspr._ [vgl. »Einleitung«, S. 30]) s.
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 65 vbd. mit _Pott_ II, S. 47 (unter
-»Ack«), _Liebich_, S. 140 u. 197 (_jāk_ = Feuer, Flamme),
-_Miklosich_, Beitr. I/II, S. 15, III, S. 11, 22 u. Denkschriften, Bd.
-26, S. 225 (unter »jag«: bei d. _deutsch._ Zig.: _jāk_), _Jühling_,
-S. 223 (_Jag_ = Feuer) u. _Finck_, S. 61 (_jāk_ = Feuer).]
-
-[Fußnote 1398: ([433] auf S. 64.331) S. alltäglich.]
-
-[Fußnote 1399: ([434] auf S. 64.331) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
-
-[Fußnote 1400: ([435] auf S. 64.331) S. Bettelbube.]
-
-[Fußnote 1401: ([436] auf S. 64.331) S. Beischläferin.]
-
-[Fußnote 1402: ([437] auf S. 64.331) S. brauchbarer Bursche.]
-
-[Fußnote 1403: ([438] auf S. 64.331) S. aufwachen.]
-
-[Fußnote 1404: ([439] auf S. 64.331) S. ausschlafen.]
-
-[Fußnote 1405: ([440] auf S. 64.331) S. Herberge.]
-
-[Fußnote 1406: ([441] auf S. 64.331) S. Brücke.]
-
-[Fußnote 1407: ([442] auf S. 64.331) S. (betr. _Schottel_)
-Aschenbecher.]
-
-Lippe, _Giel_[1408] [64.332]
-
-Liste, _Kritzler_[1409]
-
-loben, _dof diberen_[1410] od. _dof schmusen_[1411] (d. h. »gut reden«).
-
-Lockenkopf, _Straubertskiebes_[1412]
-
-Löffel, _Schnabel_ (plur. _Schnäbel_)[1413]
-
-Lohn, _Schenegelsbich_, _-kies_, _-lobe_[1414]
-
-Lohndiener, _Schenegler_[1414]
-
-löschen, _d' Funk auspflanzen_ (d. h. »das Feuer ausmachen«)[1415]
-
-Löwenzahn (Pflanze), _Schmelemerllättling_, d. h. »Zigeunersalat«.[1416]
-(Aus dieser Pflanze machen die Zigeuner für ihr Leben gern Salat und [64.333]
-nennen ihn wegen der harntreibenden Eigenschaft des Saftes der Pflanze
-_muterdo schach_, d. h. »Urinkraut«)[1417]
-
-[Fußnote 1408: ([443] auf S. 64.332) S. Affengesicht.]
-
-[Fußnote 1409: ([444] auf S. 64.332) S. Attest.]
-
-[Fußnote 1410: ([445] auf S. 64.332) S. angenehm u. anreden.]
-
-[Fußnote 1411: ([446] auf S. 64.332) S. (betr. _schmusen_) ansagen.]
-
-[Fußnote 1412: ([447] auf S. 64.332) S. Augenbrauen u. Angesicht.]
-
-[Fußnote 1413: ([448] auf S. 64.332) _Zu vgl._ dazu (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Schnabel[-lapp]_ = Löffel,
-_Kesurener Schnabel_ = silberne Löffel); _Pfulld. J.-W.-B._ 341, 342
-(_Schnabel_ = Kochlöffel, _Schnabelholz_ = Löffel). Auch sonst noch im
-Rotw. des 19. Jahrh. (seit _Pfister_ bei _Christensen_ 1814 [229]). Zur
-_Etymologie_: Wie aus _Schnabelholz_ zu entnehmen, handelt es sich bei
-_Schnabel_ wohl nur um Abkürzung (Apokope) dieser od. einer ähnl.
-längeren Form (vgl. bei _Schintermicherl_ 1807 [290: _Schnapelberger_ =
-Löffel]); s. _Günther_, Rotwelsch, S. 46.]
-
-[Fußnote 1414: ([449] auf S. 64.332) S. abschaffen u. Almosen bezw.
-Bankier u. Bank.]
-
-[Fußnote 1415: ([450] auf S. 64.332) S. abbrennen u. anbrennen.]
-
-[Fußnote 1416: ([451] auf S. 64.332) Mit _Schmelemer_ = Zigeuner sind
-noch _zusammengesetzt_: _Schmelemerfi(e)sel_ u. _-model_ =
-Zigeunerbursche u. -mädchen, _Schmelemerkib_ = Zigeunerhund,
-_Schmelemerrädling_ = Zigeunerwagen. Eine _Ableitg._ davon ist:
-_schmelemerisch_ = zigeunerisch. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
-_Dolm. der Gaunerspr._ 101 (_Schmelemer_ = Zigeuner); _Pfulld. J.-W.-B._
-340 (_Schmälemer_ = »Heide« [während es unter »Zigeuner« fehlt]);
-_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69 (_Schmälemer_ = »fahrende Leute«);
-_Schwäb. Händlerspr._ (in _Lütz._ 215: _Schmēlemer_ = Zigeuner). S.
-auch schon _Bruchsaler Liste_ 1770 (248: »die _schmählem_ oder
-Zigeuner-Sprach«); ferner noch _Eberhardts Poliz. Nachrichten_ 1828 ff.
-(364: »Die _Schmelmer_- oder Zigeunersprache«). Zur _Etymologie_:
-Unhaltbar erscheint die Hypothese A.-L.'s, der (601 unter »Schmal« vbd.
-mit 606/7 unter »Schwelemer«) den Ausdr. _Schmelemer_ (oder
-_Schmälinger_ [vgl. auch _Groß_ 491 (neben _Schmelinger_)]) zu »schmal«
-in Beziehung gesetzt hat, während er betr. der Nebenform _Schwelemer_
-od. _Schwählemer_ (s. _Pfister_ bei _Christensen_ 1814 [330]; _v.
-Grolman_ 65 u. _T.-G._ 135 _Karmayer G.-D._ 218) zu keinem festen
-Ergebnis gelangt ist. Richtig erscheint dagegen seine Bemerkung (544
-unter »Gischmol«), daß _Schmälinger_ wohl »gleicher Abstammung« sei wie
-_Gischmol_ u. ä., das als Synon. dafür ebenfalls hier und da vorkommt
-(s. z. B. _Christensen_ 1814 [330: _Gischschmol_ od. _Geschmeilen_]; _v.
-Grolman_ 24 u. _T.-G._ 135 [_Geschmol(l)_, plur.: _Geschmeilim_];
-_Karmayer_ G.-D. 199 [ebenso]; _Derenbourgs Glossar_ 1856 [414:
-desgl.]). Von _dieser_ Form ist nämlich bei der Erklärung auszugehen.
-Sie ist entstanden aus dem jüd. _Jischmô(e)l_, vom hebr. _jischm'êl_ =
-Ismaël. Die früher nicht nur in England, Spanien und Griechenland,
-sondern auch in Deutschland (vgl. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 544)
-verbreitete Meinung von der Herkunft der Zigeuner aus _Ägypten_ wird
-noch von den Juden geteilt. Sie haben nun offenbar diese Annahme auch
-geneologisch zu begründen versucht, indem sie _Ismaël_, dessen Mutter
-und Frau nach 1. Mos. 16, 1 u. 21, 21 Ägypterinnen waren, zum Stammvater
-der Zigeuner machten. Aus dem oben angeführten Plur. _Geschmeilim_, d.
-h. eigtl. »Ismasēliter«, ist dann _Schmelemer_ u. ä. hervorgegangen
-(nach gefl. Mittlg. von Dr. _A. Landau_).]
-
-Luder, _mufiger Bossert_[1418]
-
-Lüge, _Kohl_ (_aufs Kohl_, d. h. »es ist erlogen«)[1419]
-
-Lügen (das), _Kohlerei_
-
-Lügner, _Kohler_
-
-
- M.
-
-machen, _pflanzen_ (Spr.)[1420]
-
-mächtig, _grandich_ (-dig)[1421]
-
-machtlos, _nobis grandich_[1422]
-
-Mädchen, _Model_[1423], _Tschai_[1424]
-
- " , fahrendes, _jenische Model_[1425]
-
-Magd, _Scheneglere_[1426]
-
-[Fußnote 1417: ([452] auf S. 64.333) Bestätigt ist dies auch schon von
-_Liebich_, S. 86; vgl. ebds. (im Vokab.) S. 147 u. 220.]
-
-[Fußnote 1418: ([453] auf S. 64.333) S. Aas.]
-
-[Fußnote 1419: ([454] auf S. 64.333) S. belügen. — Das Zeitw. _kohlen_
-= lügen fehlt hier wohl nur aus Versehen.]
-
-[Fußnote 1420: ([455] auf S. 64.333) S. anbrennen.]
-
-[Fußnote 1421: ([456] auf S. 64.333) S. Adler.]
-
-[Fußnote 1422: ([457] auf S. 64.333) S. (betr. _nobis_) Dietrich.]
-
-[Fußnote 1423: ([458] auf S. 64.333) S. Beischläferin.]
-
-[Fußnote 1424: ([459] auf S. 64.333) _Zu vgl._ dazu (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91 u. 101 (_Tschai_ = Weib;
-_Grünt'schaj_ = Ehefrau); _Schwäb. Händlerspr._ (U. 214: _Tschoj_ [od.
-Tschigi] = Mädchen). Über weitere rotw. Belege sowie die _Etymologie_
-(aus der _Zigeunersprache_ [vgl. »Einleitung«, S. 30 u. 31]) s. Näheres
-in _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 366 u. Anm. 2 u. »Anthropophyteia«, Bd.
-IX, S. 19 (unter »Guidillerschey«) u. dazu noch _Fischer_, Schwäb. W.-B.
-II, S. 431, 432 (unter »Tschoj« u. »Tschigi«) vbd. mit _Finck_, S. 90
-(_tšai_ = Mädchen, Tochter). Nach _Jühling_, S. 227 ist _Tschai_ nur
-als Anrede bei den Zigeunern untereinander gebräuchlich; vgl. oben unter
-»Frau« betr. _Romni_.]
-
-[Fußnote 1425: ([460] auf S. 64.333) S. (betr. _jenisch_) Bachstelze;
-vgl. »Vorbemerkung«, S. 4, 5, Anm. 6 ff.]
-
-[Fußnote 1426: ([461] auf S. 64.333) S. abschaffen.]
-
-Mahl, Mahlzeit, _Achilerei_[1427], _Bikerei_ od. _Bikus_, [64.334]
-_Butterei_[1428]
-
-Mähre (Pferd), _Trabert_[1429]
-
-Malz, _g'funktes Gib_ (d. h. »gebranntes Getreide«)[1430]
-
-Mangel, _Dercherich_ (subst. Adj.)[1431]
-
-Mann, _Kaffer_ (plur.: _Käffer_ [Spr.])[1432]
-
-Männerrock, _Gadschomalfes_[1433] _Kaffermalfes_
-
-männliches Glied, _Betzam_ (Bezem)[1434], _Dietz_, _Gari_ (od.
-Garo)[1435], _Schure_[1436]
-
-Mannskleid, _Kafferskluft_[1437]
-
-Mannskleider, _Kaffersklufterei_[1437]
-
-Mannesschwester, _Kaffersglied_[1438]
-
-Mark (das), _Schmunk_[1439]
-
-Mark (die), _Bet_[1440], _Flachs_ od. _Flächsle_[1441], _Räp(p)le_[1442] [64.335]
-od. _Schuk_[1443]
-
-[Fußnote 1427: ([462] auf S. 64.334) S. essen.]
-
-[Fußnote 1428: ([463] auf S. 64.334) S. (zu allen drei Ausdr.)
-Abendessen.]
-
-[Fußnote 1429: ([464] auf S. 64.334) S. Füllen.]
-
-[Fußnote 1430: ([465] auf S. 64.334) S. abbrennen u. Frucht. — Betr.
-die Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. (vgl. »Vorbemerkung«, S. 17) s.
-_Liebich_, S. 130 u. 220: _chadschēdo gib_ (d. h. »gebranntes
-Getreide«) = Malz, wozu noch zu betonen, daß nach _Finck_, S. 59 das
-zigeun. _gīw̱_ (= gib) u. a. auch _spezieller_ für »Gerste«
-gebraucht wird (vgl. oben unter »Frucht«).]
-
-[Fußnote 1431: ([466] auf S. 64.334) S. abbetteln; vgl. »Vorbemerkung«,
-S. 15, Anm. 38.]
-
-[Fußnote 1432: ([467] auf S. 64.334) S. Bauer.]
-
-[Fußnote 1433: ([468] auf S. 64.334) S. Kerl u. Frauenrock.]
-
-[Fußnote 1434: ([469] auf S. 64.334) S. Ei.]
-
-[Fußnote 1435: ([470] auf S. 64.334) S. (zu beiden Ausdr.) Glied
-(männliches).]
-
-[Fußnote 1436: ([471] auf S. 64.334) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 1437: ([472] auf S. 64.334) S. (betr. _Kluft[erei]_)
-ankleiden.]
-
-[Fußnote 1438: ([473] auf S. 64.334) S. (betr. _Glied_) Bruder.]
-
-[Fußnote 1439: ([474] auf S. 64.334) S. Bratkartoffeln.]
-
-[Fußnote 1440: ([475] auf S. 64.334) _Zu vgl._ zu dieser Vokabel (aus
-dem _verw. Quellenkr._): nur _W.-B. des Konst. Hans_ 254, 259 (_Beta_ =
-Jahrmarkt, Markt, _grandig beta_ = Messe). Danach würde es sich offenbar
-bei der Bedeutung »Mark« (als Geldstück) um eine Begriffsübertragung auf
-Grund des (fast völligen) Gleichklangs der _deutschen_ Wörter »Markt« u.
-»Mark« handeln, wie sie auch bei dem (auch rotw.) _Schuk_ (s. unten Anm.
-1443) vorgenommen worden. Nach _Wittich_ (»Einleitung«, S. 29) soll
-_Bet_ = Mark _zigeunerischen_ Ursprungs sein, ich finde aber in den
-zigeun. Vokabularien (außer bei _Jühling_, S. 220: _Beti_ [Bete] = Mark)
-nichts Ähnliches angeführt.]
-
-[Fußnote 1441: ([476] auf S. 64.334) Die Vokabel ist u. a. bekannt auch
-in der _schwäb. Händlerspr._, S. 484 (_Flachs_, _Flächsle_ [in
-_Pfedelb._ (210) auch _Flucks_ od. _Flux_] = Mark). Über sonstige Belege
-(aus dem Rotw. u. der Kundenspr.) sowie zur _Erklärung_ des Ausdrucks s.
-das Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 245 u. Anm. 6. _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. II, Sp. 1553 schweigt über die Deutung.]
-
-[Fußnote 1442: ([477] auf S. 64.334) S. dazu die Verbdgn. _drei
-Räp(p)le_ = Taler. _Räpple_ = Mark ist auch der _schwäb. Händlerspr._ in
-U. (214) bekannt. Zur _Etymologie_ (Dimin. von _Rappen_) s. d. Näh. in
-_Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 302 u. Anm. 5 vbd. mit S. 305, Anm. 3 u. dazu
-noch _Weigand_, W.-B. II, Sp. 528 (unter »Rappen«), wo bemerkt ist, daß
-das Wort nach _E. Schröder_ »ursprünglich eine spöttische Bezeichnung
-der schlechten Pfennige« gewesen, »die der Herr _von Rappoltstein_ bei
-Kolmar 1291 unbefugterweise prägte«; vgl. Schweiz. Idiot. VI, Sp. 1178.]
-
-Maske, _ni(e)sicher_, _nillicher_ od. _muschicher Giel_[1444]
-
-Mastochse, _Schmunkhornikel_ (eigtl. »Fettochse«)[1445]
-
-Mastpulver, _Kuiete_ (Das Wort wird auch für Pulver jeder Art gebraucht;
-vgl. Pulver, Schießpulver)[1446]
-
-Maßkrug, _Blambnolle_ (eigtl. = »Bierkrug«)[1447]
-
-Mätresse, _Lubne_[1448], _schofle Model_[1449]
-
-Maul, _Giel_[1450] (halt's Maul, _schupf[1451] de Giel_ [od. _schupf
-dich_])
-
-Meer, _grandich Flu(h)te_[1452]
-
-Meergras, _Flu(h)tekupfer_[1453]
-
-[Fußnote 1443: ([478] auf S. 64.335) _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70 (_Schuk_ = Mark);
-_Schwäb. Händlerspr._ 484 (ebenso); s. auch _Metzer Jenisch_ 216
-(_Schockum_ = Mark). _Etymologie._ Hier liegt (gleichwie wohl auch bei
-_Bet_ [s. Anm. 1440]) zweifelsohne eine auf Grund der Ähnlichkeit von
-»Markt« und »Mark« vorgenommene Begriffsübertragung, nämlich von dem
-hebr. _schûq_ = »Straße, Markt, Jahrmarkt«, vor. S. Näh. hierzu sowie
-über die Belege für _Schock_ (Geschock, G'schuk) u. ä. = (Jahr-)Markt im
-Rotw. u. (das seltenere) _Schuk_ (od. Schock) = Mark in der neueren
-Gaun.- u. Kundenspr. in _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 283/84 u. Anm. 5 vbd.
-m. Bd. 59, S. 285; vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W. B. III, Sp. 490
-(unter »G[e]schock«).]
-
-[Fußnote 1444: ([479] auf S. 64.335) S. aberwitzig u. Affengesicht.]
-
-[Fußnote 1445: ([480] auf S. 64.335) S. Bratkartoffeln u. Bulle.]
-
-[Fußnote 1446: ([481] auf S. 64.335) Mit _Kuiete_ = Pulver ist
-zusammengesetzt _Kuieterolle_ u. _-roller_ = Pulvermühle, -müller. Das
-Wort, das m. W. im Rotw. usw. _nicht_ vorkommt, stammt wohl aus der
-_Zigeunersprache_ (s. »Einleitung«, S. 30); vgl. Näh. bei _Pott_ II, S.
-159 (unter »Churdo« [Adj. = klein, zerbröckelt]), _Liebich_, S. 230
-(_gurdi_ = Pulver [Schießpulver]) vbd. mit S. 131, 206, 242 (_churdin_ =
-Spreu, Häcksel), _Miklosich_, Denkschriften, Bd. 26, S. 223 (unter
-»churdo«: bei den _deutsch._ Zig.: _churdin_ [Bedtg. wie bei _Liebich_],
-bei den _böhm._ Zigeun.: _churdo_ = klein, mürbe, bei den span.:
-_churdi_ = Pulver; _Etym._ wohl zu altind. _khud_ = brechen), _Jühling_,
-S. 221 (_Chuiärti_ = Pulver) u. _Finck_, S. 69 (_xúrdi[n]_, Bedtg. wie
-bei _Liebich_).]
-
-[Fußnote 1447: ([482] auf S. 64.335) S. Bierglas u. Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 1448: ([483] auf S. 64.335) S. Beischläferin.]
-
-[Fußnote 1449: ([484] auf S. 64.335) S. arg u. Beischläferin.]
-
-[Fußnote 1450: ([485] auf S. 64.335) S. Affengesicht.]
-
-[Fußnote 1451: ([486] auf S. 64.335) S. aufhören.]
-
-[Fußnote 1452: ([487] auf S. 64.335) S. Adler u. abbrühen; vgl.
-Bischof.]
-
-[Fußnote 1453: ([488] auf S. 64.335) S. (betr. _Kupfer_) Frucht.]
-
-Meerschweinchen, _Flu(h)tegroanikele_[1454] [64.336]
-
-Mehl, _Staubert_[1455]
-
-Mehlbeere, _Staubertsäftling_[1456]
-
-Mehlbeerbaum, _Staubertsäftlingstöber_[1457]
-
-Mehlschüssel, _Staubertschottel_[1458]
-
-Mehlsack, _Staubertrande_[1459]
-
-mehr, _grandich_[1460]
-
-mehrfach, _grandicher_
-
-Meilenstein (Meilenzeiger), _Stradehertling_[1461] od. _Stradekies_ (d.
-h. »Straßenstein«)[1462]; vgl. Kilometerstein
-
-Melkfaß, _Gleisnolle_ (d. h. eigtl. »Milchnapf«)[1463]
-
-Melkgefäß, _Gleisschottel_ (d. h. eigtl. »Milchschüssel«)[1464]
-
-Menge, _grandich Ulma_ (d. h. »[sehr] viele Leute«)[1465]
-
-[Fußnote 1454: ([489] auf S. 64.336) S. Eber.]
-
-[Fußnote 1455: ([490] auf S. 64.336) S. hierzu die _Zusammensetzgn._:
-_Staubertsäftling_ = Mehlbeere (_-stöber_ = Mehlbeerbaum),
-_Staubertschottel_ = Mehlschüssel, _Staubertrande_ = Mehlsack. _Zu vgl._
-(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Staupert_ =
-Mehl); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (ebenso); _Schwäb. Händlerspr._ (in
-_Pfedelb._ [211]: _Staubert_ u. _Staub_, in _Lütz._ [215]: _Staubert_).
-Die einfachere Form _Staub_ = Mehl kennt auch die _schwäb. Gaun.- u.
-Kundenspr._ 72, die _Händlerspr._ 484 (abgesehen von _Lützenhardt_)
-sowie das _Pleißlen der Killertaler_ 436. Über weitere Belege des sehr
-alten rotw. (schon im _Lib. Vagat._ 55 in der Form _Stupart_
-vorkommenden) Wortes, das natürlich zu unserem gemeinspr. Staub gehört,
-s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 77 (unter »Stöber«).]
-
-[Fußnote 1456: ([491] auf S. 64.336) S. (betr. _Säftling_) Ananas.]
-
-[Fußnote 1457: ([492] auf S. 64.336) S. Apfelbaum. — Bemerkt sei hierzu
-beiläufig, daß der Mehlbeerbaum (zig. _jarriéngĕro rukk_, zu
-_jár[r]o_ = Mehl [s. _Liebich_, S. 140 u. 221]) bei den Zigeunern für
-_heilig_ gilt, weshalb die Mehlbeere u. a. auch _deweléngēro
-brōl_, d. i. »Götterbirne«, heißt (_Liebich_, S. 38 u. 221).]
-
-[Fußnote 1458: ([493] auf S. 64.336) S. Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 1459: ([494] auf S. 64.336) S. Bauch.]
-
-[Fußnote 1460: ([495] auf S. 64.336) S. Adler.]
-
-[Fußnote 1461: ([496] auf S. 64.336) S. Chaussee u. Gestein.]
-
-[Fußnote 1462: ([497] auf S. 64.336) S. (betr. _Kies_) Apfelkern. —
-Auch bei den Zigeunern wird der Meilenstein wohl bezeichnet als
-_troméskĕro parr_ (d. h. »Wegstein«) od. auch als _tschiréskĕro
-parr_ (d. h. »Zeitstein«); s. _Liebich_, S. 162 u. 221.]
-
-[Fußnote 1463: ([498] auf S. 64.336) S. abgerahmte Milch u.
-Fleischhafen. — Dieselbe Ausdrucksweise kennen die Zigeuner; s.
-_Liebich_, S. 221 vbd. m. S. 162 (_thīteskĕri pīri_, d. h.
-eigtl. »_Milch_napf«, = Melkfaß).]
-
-[Fußnote 1464: ([499] auf S. 64.336) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.
-— Auch hiermit fast übereinstimmend das Zigeunerische; s. _Liebich_, S.
-221 u. 162 (_thīteskĕri turdli[n]_, d. h. eigtl. »_Milch_faß«, =
-Melkgefäß).]
-
-[Fußnote 1465: ([500] auf S. 64.336) S. Adler u. arme Leute; vgl. auch
-Bischof. — Die Zigeuner sagen für »Menge« _bīt kettenè_, d. h.
-»viele zusammen«; s. _Liebich_, S. 221.]
-
-merken, _gneisen_[1466] [64.337]
-
-Messer, _Scharfling_ (od. Scharpfleng)[1467], _Tschure_[1468], auch
-öfter _Hertling_[1469]
-
-Messerklinge, Messerschneide, _Lomel_[1470]
-
-Messerschmied, _Scharfling-_ (od. Scharpfleng-)_pflanzer_[1471]
-
-Methodist, _Blibelkaffer_[1472]; femin.: _Blibelmos(s)_[1473], plur.:
-_Blibelulme_[1474]
-
-Methodistenhaus, _Blibelkitt_[1475]
-
-Metzelsuppe, _Kaflereischnall_[1476]
-
-Metzger, _Kafler_[1476]
-
-Metzgershaus, _Kaflerskitt_[1476][1475]
-
-[Fußnote 1466: ([501] auf S. 64.337) S. erkennen.]
-
-[Fußnote 1467: ([502] auf S. 64.337) S. Dolch.]
-
-[Fußnote 1468: ([503] auf S. 64.337) _Zu vgl._ dazu (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Tschuri_ = Messer); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 342, 345 (ebenso [u. dazu _Tschuripflanzer_ = Messerschmied];
-Nebenformen: _Schury_ [= Scheermesser; Syn.; _Flader-Schury_] od.
-_Schuri_ [= Stilett]). Zur _Etymologie_: Es handelt sich hier _nicht_
-etwa bloß um eine etwas veränderte Schreibung des (ja allerdings in
-_Wittichs_ Jenisch sehr speziell verwendeten) Wortes _Schure_, sondern
-um eine Entlehnung aus der _Zigeunersprache_ (vgl. »Einleitung«, S. 31).
-S. darüber die näh. Angaben (einschl. weiterer Belege im Rotw.) in
-_Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 22 u. Anm. 1 (unter »Tschuripflanzer«) u.
-dazu noch _Finck_, S. 93 (_tšuri[n]_ = Messer). Nach _Miklosich_,
-Denkschriften, Bd. 26, S. 197 (unter _čurī_) läßt sich die Vokabel
-bis ins Altindische (_čhurī_ od. _kšurī_) zurückverfolgen.]
-
-[Fußnote 1469: ([504] auf S. 64.337) S. Gestein.]
-
-[Fußnote 1470: ([505] auf S. 64.337) S. Klinge.]
-
-[Fußnote 1471: ([506] auf S. 64.337) S. (betr. _-planzer_) anbrennen.]
-
-[Fußnote 1472: ([507] auf S. 64.337) S. anbeten u. Bauer.]
-
-[Fußnote 1473: ([508] auf S. 64.337) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 1474: ([509] auf S. 64.337) S. arme Leute.]
-
-[Fußnote 1475: ([510] auf S. 64.337) S. Abort.]
-
-[Fußnote 1476: ([511] auf S. 64.337) S. (betr. _Kaflerei_ u. ä.)
-Fleischer. — Mit _Schnall_ = Suppe sind ferner noch _zusammengesetzt_:
-_Gleisschnall_ = Milchsuppe (Dimin.: _Gleisschnälle_ = Milchsüppchen
-[Spr.]), _Hegesleschnall_ = Spätzlessuppe (Spr.) u. _Rondlingschnall_ =
-Wurstsuppe. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._
-345, 347 (_Schnallen_ = Suppe, _Gleisschnalla_ = Milchsuppe); _Schwäb.
-Gaun.- u. Kundenspr._ 76, 77 (_Schnalle_ = Suppe, _Wasserschnalle_ =
-Wassersuppe); _Schwäb. Händlerspr._ 480, 487 (_Schnall_ = Suppe,
-_Wasserschnall_ = Brotsuppe; vgl. auch [484] _Gräbeschnalle_ =
-Fallobst); s. auch noch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Schnell_ od.
-_Schneltse_ = Suppe); auch im sonst. Rotw. bekannt in versch. Formen (s.
-z. B schon im _Basl. Gloss._ v. 1733 [202]: _Schnallen_, im 19. Jahrh.
-[seit _Pfister_ bei _Christensen_ [329]) öfter auch _Schnelle_). Zur
-_Etymologie_ (vom mundartl. _schnallen_ = »geräuschvoll schlürfen«
-[_Schmeller_, Bayer. W.-B. II, Sp. 574 u. _Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1163
-unter »Schnalle«, Nr. 7, 6 u. Sp. 1164 unter »schnallen«, Nr. 2] s.
-_Weber-Günther_, S. 180; vgl. auch Wiss. Beih. zur Z. der Allg. Deutsch.
-Sprachv., 5. Reihe, Heft 36 (1913), S. 186.]
-
-Miene (Gesicht), _Giel_ (eigtl. »Mund, Maul«)[1477] [64.338]
-
-Milch, _Gleis_[1478]
-
-Milchbrötchen, _Gleiskechelte_ (Spr.)[1479]
-
-Milchglas, _Gleisglansert_[1480]
-
-Milchnapf (-hafen, -topf), _Gleisnolle_[1481]
-
-Milchschüssel, _Gleisschottel_[1482]
-
-Milchsuppe, _Gleisschnall_, (Dimin.: _Gleisschnälle_ = Milchsüppchen
-[Spr.])[1476]
-
-Militär, _Lanengere_ (d. h. Soldaten)[1483]
-
-Mist, _Fuhl_[1484], _Schund_[1485]
-
-Mistgabel, _Fuhlstichling_, _Schundfurschet_[1486]
-
-Mistkäfer, _Schundflederling_ (d. h. eigtl. »Dreckvogel«)[1487]
-
-Mißjahr, _nobis dofs Ja(h)ne_ (d. h. »kein gutes Jahr«)[1488]
-
-[Fußnote 1477: ([512] auf S. 64.338) S. Affengesicht.]
-
-[Fußnote 1478: ([513] auf S. 64.338) S. abgerahmte Milch.]
-
-[Fußnote 1479: ([514] auf S. 64.338) _Zu_ _Kechelte_ = Brötchen (Semmel,
-Weck) _vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91, 95
-(_gehechelter Lechem_, _Lehm_ od. _Marum_ = weißes Brot, _Gehechelter_ =
-Kuchen); _W.-B. des Konst. Hans_ 258 (_Kächelterleam_ = Weißbrot);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Kächelterma¶n¶o_ [sic] = Bäckerbrot); _Schwäb.
-Händlerspr._ 488 (_Kĕchelte_ [in _Pfedelb._ (214): _Ghechelter_] =
-Weck, Semmel). Über weitere Belege im Rotw. (wo das Wort zum Teil arg
-verunstaltet worden] sowie in sonst. Geheimspr. (s. z. B. _Frickhöfer
-Sprache_ 442 [_Geh[^æ]chelter_ = Brötchen]) s. Näh. bei _Weber-Günther_,
-S. 189; ebds. auch über die _Etymologie_ des Ausdrucks, über die hier
-folgendes bemerkt sei. _Kechelte(r)_ ist die schlechte (mundartl.)
-Aussprache von _Gehechelte(r)_ u. dieses ein substantiviertes Partizip,
-bei dem eigentl. _Lechem_ (= Brot) od. dergl. zu ergänzen ist (s. _W.-B.
-v. St. Georgen_ 1750 [219: _gehechelter Legum_ od. _Löben_ = Weißbrot]
-sowie die oben angeführten älteren schwäb. Quellen). Zu denken ist aber
-dabei (nach _Pott_ II, S. 24) »an die Beutelung des Mehls, die sich
-entfernt mit der Aushechelung des _Flachses_ vergleichen läßt«, wie denn
-_hecheln_ im allgemeinen Sinne (etwa von »schön machen«) früher auch
-sonst gebraucht worden, so z. B. sogar in der Verbindg. _gehechelter
-Wein_ für einen solchen, der irgendwie künstlich behandelt war. S.
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 190 vbd. mit _Grimm_, D. W.-B. IV, 1,
-Sp. 2335; vgl. auch _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1041.]
-
-[Fußnote 1480: ([515] auf S. 64.338) S. (betr. _Glansert_) Bierglas.]
-
-[Fußnote 1481: ([516] auf S. 64.338) S. Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 1482: ([517] auf S. 64.338) S. Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 1483: ([518] auf S. 64.338) S. Hauptmann.]
-
-[Fußnote 1484: ([519] auf S. 64.338) S. Abort.]
-
-[Fußnote 1485: ([520] auf S. 64.338) S. abgerahmte Milch.]
-
-[Fußnote 1486: ([521] auf S. 64.338) S. (betr. _Stichling_ u.
-_Furschet_) Gabel.]
-
-[Fußnote 1487: ([522] auf S. 64.338) S. (betr. _Flederling_) Adler.]
-
-[Fußnote 1488: ([523] auf S. 64.338) S. Dietrich, angenehm u.
-alljährlich — Auch die Zigeuner haben die sachlich gleiche Umschreibung
-(_kek ladscho bersch_) für »Mißjahr«; s. _Liebich_, S. 222.]
-
-mitbringen, _mitbukle_[1489] [64.339]
-
-Mitternacht, _Leile_, _Ratte_ (d. h. Nacht)[1490]
-
-Möhren, _Galgennägel_[1491]
-
-Monat, _Frosch_, plur. _Frösche_[1492]
-
-Mond, _Leileschein_ (d. h. »Nachtlicht«)[1493]
-
-Montur, _Lanengerkluft_ (d. h. »Soldatenanzug, -kleidung«)[1494]
-
-morden, _deisen_[1495]
-
-Mörder, _Deiser_; vgl. auch Totschläger
-
-Most, _Grabagautschert_[1496]
-
-[Fußnote 1489: ([524] auf S. 64.339) S. abtragen.]
-
-[Fußnote 1490: ([525] auf S. 64.339) S. (zu beiden Ausdr.) Abend.]
-
-[Fußnote 1491: ([526] auf S. 64.339) Diese eigenartige Metapher ist auch
-bekannt der _schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74 (Bedtg.: Rüben) sowie der
-_schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [210], Bedtg.: gelbe Rüben). Sie
-ist ferner sonst im neueren Rotw. (schon seit _Pfister_ bei
-_Christensen_ 1814 [320] u. noch bei _Rabben_ 53) u. in der Kundenspr.
-(s. _Ostwald_ [Ku.] 55) beliebt, desgl. auch bei den Soldaten. S.
-_Günther_, Rotwelsch, S. 15 u. in d. Wiss. Beih. zur Z. d. Allg.
-Deutsch. Sprachv., 5. Reihe, Heft 36 (1913), S. 189; _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. III, Sp. 29, Nr. 3; _Horn_, Soldatensprache, S. 91; vgl. i. allg.
-auch noch _Grimm_, D. W.-B. IV, 1, 1, Sp. 1176.]
-
-[Fußnote 1492: ([527] auf S. 64.339) _Zu vgl._ hierzu (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 72 (_Frosch_ od.
-_Fröschchen_ = Monat) u. _Schwäb. Händlerspr._ 484 (_Frösch_ = Monate).
-Nach der letzteren Stelle dürfte der sonderbare Ausdruck besonders für
-die Angabe der Dauer einer Freiheitsstrafe gebraucht werden, wie dies —
-nach _Ostwald_ (Ku.) 53 (6 _Frösch_ = 6 Monate Gefängnis) — auch in der
-allgemeinen Kundenspr. üblich zu sein scheint. Die Entstehung bleibt
-dunkel; auch bei _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1791, Nr. 8 ist
-darüber keine Erklärung gegeben.]
-
-[Fußnote 1493: ([528] auf S. 64.339) S. Abend u. alltäglich. — Bei den
-Zigeunern heißt der Mond — ähnlich — die »Nachtsonne«, _rattiskĕro
-kamm_ (s. _Liebich_, S. 141 u. 223).]
-
-[Fußnote 1494: ([529] auf S. 64.339) S. Hauptmann u. ankleiden. —
-Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunersprache (s. Näh. bei
-_Liebich_, S. 223).]
-
-[Fußnote 1495: ([530] auf S. 64.339) S. ermorden.]
-
-[Fußnote 1496: ([531] auf S. 64.339) Zu _Grab¶a¶gautschert_ od.
-_Grab¶e¶gautschert_ = Most (u. s. _Zus._ _Gr.-glansert_, _Gr.-nolle_ =
-Mostglas, Mostkrug) _vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.-
-u. Kundenspr._ 72 (_Grabbengautscher_) u. _Schwäb. Händlerspr._ 488
-(_Grabbegautschert_ [in _Pfedelb._ (211): _-scher_]); s. auch _Pleißlen
-der Killertaler_ 436 (_Rappegautscher_); wieder anders, nämlich
-_Krabberkautscher_ bei _Ostwald_ (Ku.) 87. Zur _Etymologie_: Da
-_gautschen_ in der schwäb. Mundart allgemein gebräuchlich ist für
-»schaukeln, (sich) _schaukelnd_ hin- und herbewegen, wiegen, schwanken«
-(s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 109), so erscheint es sehr
-verführerisch, den ersten Bestandteil in _Grabegautschert_ u. ä. mit
-unserem »Graben« in einen Zusammenhang zu bringen, weil ja der Most den
-Zecher leicht in den Graben wirft; jedoch hat der Ausdruck damit nichts
-zu tun, er soll vielmehr (wie die Form _Rappegautscher_ bei den
-_Killertalern_ am deutlichsten erkennen läßt) herzuleiten sein von
-_Rapp_ od. _Krapp_ (Krabb, Grab) = Rabe, Krähe (s. _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. IV, Sp. 690/91 unter »Krapp[e]«) und würde demnach (weil die Raben
-häufig auf den Obstbäumen sitzen) soviel bedeuten wie »das Ergebnis des
-›Gautschens‹ der Raben auf den Obstbäumen«, d. i. Obst, Obstmost, Most
-(nach gefl. Mittlg. von Prof. Dr. _O. Meisinger_ in Karlsruhe); vgl.
-auch Wiss. Beih. zur Zeitschr. des Allg. Deutsch. Sprachv., 5. Reihe,
-Heft 36, S. 187 u. Anm. 1. — _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 691
-(unter »Krappe[n]gautscher«) weist noch (für die allgemeinere Bedeutg.
-»saurer Wein«) hin auf den Anklang an »Rachenputzer«; vgl. ebds. V, Sp.
-139.]
-
-Mostglas, _Grabegautschertglansert_[1497] [64.340]
-
-Mostkrug, _Grabegautschertnolle_[1498]
-
-müde s. schläfrig
-
-Mühle, _Rolle_[1499]
-
-Mühlstein, _Rollerhertling_[1500], _Rollerkies_[1501]
-
-Müller, _Roller_; Müllerin, _Rollerin_[1500]
-
-Mund, _Giel_[1502]
-
-Münzarbeiter, _Bichschenegler_[1503], _Kies-_ od. _Lobepflanzer_ (diese
-beiden eigtl. = »Geldmacher«)[1504]
-
-Münze (= Geldstück), _Bich_[1503], _Gore_[1505], _Kies_, _Lobe_[1504]
-
-Münze (= Münzwerkstätte), _Bichpflanzerskitt_ (d. h.
-»Geldmacherhaus«)[1506] od. _grandiche Lobekitt_ (d. h. »großes
-Geldhaus«)[1507]
-
-Münzmeister, _Bichsins_[1508]; vgl. Bankier.
-
-Musik, _Nikelei_[1509]
-
-[Fußnote 1497: ([532] auf S. 64.340) S. Bierglas.]
-
-[Fußnote 1498: ([533] auf S. 64.340) S. Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 1499: ([534] auf S. 64.340) Mit _Rolle_ sind _zusammengesetzt_:
-a) _im Anfang_: _Rollehertling_ oder _-kies_ = Mühlstein; b) _am Ende_:
-_Kuieterolle_ = Pulvermühle u. _Flu(h)terolle_ = Wassermühle.
-_Ableitg._: _Roller_ = Müller (dazu _Kuieteroller_ = Pulvermüller),
-fem.: _Rollerin_. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
-J.-W.-B._ 342 (_Roll_ = Mühle, _Roller_ = Müller); _Schwäb. Händlerspr._
-484 (ebenso). Über weitere Belege der schon früh im Rotw.
-weitverbreiteten Vokabeln sowie die _Etymologie_ s. das Näh. in _Groß'_
-Archiv, Bd. 42, S. 65 u. Anm. 2 u. S. 66.]
-
-[Fußnote 1500: ([535] auf S. 64.340) S. Gestein.]
-
-[Fußnote 1501: ([536] auf S. 64.340) S. Apfelkern.]
-
-[Fußnote 1502: ([537] auf S. 64.340) S. Affengesicht.]
-
-[Fußnote 1503: ([538] auf S. 64.340) S. Almosen u. abschaffen.]
-
-[Fußnote 1504: ([539] auf S. 64.340) S. (betr. _Kies_) Bankier, (betr.
-_Lobe_) Bank u. (betr. _-pflanzer_) anbrennen. Nicht erwähnt ist hier
-_Bichpflanzer_ als Synon., auf dessen Vorkommen jedoch aus der _Zus._
-_Bichpflanzerskitt_ = Münze (Münzwerkstätte) zu schließen ist; vgl. auch
-_nobis dofer Bichpflanzer_ (_Kies-_ od. _Lobepflanzer_) = Falschmünzer.]
-
-[Fußnote 1505: ([540] auf S. 64.340) S. Barschaft.]
-
-[Fußnote 1506: ([541] auf S. 64.340) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 1507: ([542] auf S. 64.340) S. (betr. _grandich_) Adler.]
-
-[Fußnote 1508: ([543] auf S. 64.340) S. (betr. _Sins_) Amtmann.]
-
-[Fußnote 1509: ([544] auf S. 64.340) S. aufspielen.]
-
-Musikant, _Nikler_ [64.341]
-
-musizieren, _nikle_
-
-Muskete (Gewehr), _Klass_[1510]
-
-Mutter, _Mamere_[1511]
-
-Mutterbruder (od. -Schwester), _Mameresglied_[1512]
-
-Mutterschwein, _Mameregroenikel_[1513]
-
-Mütze, _Oberman(n)_[1514]
-
-Mützenmacher, _Oberman(n)pflanzer_[1515]
-
-
- N.
-
-nachbeten, _nachblible_[1516]
-
-nachfahren, _nachruadle_[1517]
-
-nachfallen, _nachbohle_[1518]
-
-nachfolgen, _nachbosten_[1519]
-
-Nachkommen (die), _Galma_, _Schrawiner_[1520]
-
-nachschießen, _nachschnelle_[1521]
-
-Nachschlüssel, _nobes dofer Glitschin_[1522]
-
-nachschreiben, _nachfebere_[1523]
-
-nachsehen, _nachlinzen_[1524]
-
-nachsingen, _nachschalle_[1525]
-
-nachsprechen, _nachdiberen_[1526], _nachschmusen_[1527]
-
-Nacht, _Leile_, _Ratte_[1528]
-
-Nachtarbeit, _Leileschenagel_[1529]
-
-[Fußnote 1510: ([545] auf S. 64.341) S. Büchse.]
-
-[Fußnote 1511: ([546] auf S. 64.341) S. Amme.]
-
-[Fußnote 1512: ([547] auf S. 64.341) S. (betr. _Glied_) Bruder.]
-
-[Fußnote 1513: ([548] auf S. 64.341) S. Eber.]
-
-[Fußnote 1514: ([549] auf S. 64.341) S. Fingerhut.]
-
-[Fußnote 1515: ([550] auf S. 64.341) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
-
-[Fußnote 1516: ([551] auf S. 64.341) S. anbeten.]
-
-[Fußnote 1517: ([552] auf S. 64.341) S. abfahren.]
-
-[Fußnote 1518: ([553] auf S. 64.341) S. abfallen.]
-
-[Fußnote 1519: ([554] auf S. 64.341) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 1520: ([555] auf S. 64.341) S. (zu beiden Ausdr.) brauchbares
-Kind.]
-
-[Fußnote 1521: ([556] auf S. 64.341) S. abschießen.]
-
-[Fußnote 1522: ([557] auf S. 64.341) S. Dietrich; vgl. angenehm.]
-
-[Fußnote 1523: ([558] auf S. 64.341) S. abschreiben.]
-
-[Fußnote 1524: ([559] auf S. 64.341) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 1525: ([560] auf S. 64.341) S. absingen.]
-
-[Fußnote 1526: ([561] auf S. 64.341) S. anreden.]
-
-[Fußnote 1527: ([562] auf S. 64.341) S. ansagen.]
-
-[Fußnote 1528: ([563] auf S. 64.341) S. Abend.]
-
-[Fußnote 1529: ([564] auf S. 64.341) S. (betr. _Schenagel_) abschaffen.]
-
-Nachtessen, _Leileachilerei_[1530], _Leilebikus_, _Rattebutterei_[1531] [64.342]
-
-Nachthafen, _Fuhlnolle_, _Schmelznolle_[1532]
-
-Nachtlicht, _Leileschein_[1533]
-
-Nachtstuhl, _Leilesitzleng_[1534], _Schundsitzleng_[1535]
-
-Nachttopf, _Flöselnolle_[1536]
-
-Nachtwächter, _Leilekaffer_[1537], _Rattebenk_[1538]
-
-nachwerfen, _nachplotzen_[1539]
-
-nackt, _nobis ang'kluftet_ (d. h. »nicht angekleidet«) od. _auskluftet_
-(d. h. »ausgezogen«)[1540]
-
-Nadel, _Stichlere_[1541]
-
-nagen, _näpfen_[1542]
-
-nähen, _stichle_[1541]
-
-Napf, _Nolle_[567)
-
-Narr, _Hegel_[1543], _Ni(e)se_, _Nille_, _Nusche_[1544]
-
-Narrenhaus, _Hegelkitt_, _Ni(e)sekitt_, _Nillekitt_, _Nuschekitt_[1545]
-
-närrisch, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[1544]
-
-närrischer Kerl, Mensch, _Hegellauti_[1543]
-
-Nase, _Muffer_[1546]
-
-Nashorn, _Mufferhorboga_ (d. h. eigtl. »Nasenkuh«)[1547]
-
-Nässe, _Flu(h)tich_[1548]
-
-naß, _flu(h)te_[1549]
-
-[Fußnote 1530: ([565] auf S. 64.342) S. essen.]
-
-[Fußnote 1531: ([566] auf S. 64.342) S. (zu beiden Ausdr.) Abendessen.]
-
-[Fußnote 1532: ([567] auf S. 64.342) S. Abort u. Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 1533: ([568] auf S. 64.342) S. (betr. _Schein_) alltäglich.]
-
-[Fußnote 1534: ([569] auf S. 64.342) S. Bank.]
-
-[Fußnote 1535: ([570] auf S. 64.342) S. (betr. _Schund_) abgerahmte
-Milch.]
-
-[Fußnote 1536: ([571] auf S. 64.342) S. austreten (leicht).]
-
-[Fußnote 1537: ([572] auf S. 64.342) S. Bauer.]
-
-[Fußnote 1538: ([573] auf S. 64.342) S. brauchbarer Bursche.]
-
-[Fußnote 1539: ([574] auf S. 64.342) S. bewerfen.]
-
-[Fußnote 1540: ([575] auf S. 64.342) S. (zu beiden Ausdr.) ankleiden.]
-
-[Fußnote 1541: ([576] auf S. 64.342) S. aufnähen.]
-
-[Fußnote 1542: ([577] auf S. 64.342) S. abbeißen.]
-
-[Fußnote 1543: ([578] auf S. 64.342) S. Dummheit.]
-
-[Fußnote 1544: ([579] auf S. 64.342) S. aberwitzig.]
-
-[Fußnote 1545: ([580] auf S. 64.342) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 1546: ([581] auf S. 64.342) S. Aas.]
-
-[Fußnote 1547: ([582] auf S. 64.342) S. (betr. _Horboga_) Kalb. — Auch
-die Zigeuner bezeichnen das Nashorn als _(baro) nakkésk(ĕ)ri
-gurumni_, d. h. »(groß)nasige Kuh«; s. _Liebich_, S. 139 u. 225.]
-
-[Fußnote 1548: ([583] auf S. 64.342) S. abbrühen.]
-
-[Fußnote 1549: ([584] auf S. 64.342) Wenn _nicht_ im Vokabular
-vielleicht doch zu lesen ist: Nässe, _Flu(h)te_, naß, _flu(h)tich_,
-würde es sich bei _Flu(h)tich_ = Nässe handeln um die Substantivierung
-eines Adjektivs (s. _flu[h]tich_ = feucht), bei _flu(h)te_ = naß dagegen
-um Gebrauch eines Hauptworts (Bedeutg.: Wasser u. dgl.) als
-Eigenschaftswort (vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 a. E.).]
-
-Neffe (von väterlicher Seite) _Patrisglied_[1550], (von mütterlicher [64.343]
-Seite) _Mamereglied_[1551]; vgl. auch Oheim u. Tante
-
-nehmen, _schniffen_[1552]
-
-nein, _nobis_[1553], auch _lore_ (Spr.)[1554]
-
-Neujahr, _Neujahne_[1555]
-
-nicht, _nobis_[1553]
-
-nichts, _Lore_ (Spr.)[1554]
-
-nichtsnutzig, _nobis dof_[1556], _nobis g'want_[1557]
-
-nichtswürdig, _lenk_, _schofel_[1558]
-
-nie, _nobis_[1553]
-
-niederblicken, _niederlinzen_[1559]
-
-niederbrennen, _niederfunken_[1560]
-
-niederfallen, _niederbohle_[1561]
-
-niederkommen, _Deislere werden_ (d. h. »Wöchnerin werden«)[1562] od. _in
-Sauft bosten_ (d. h. »ins [Wochen-]Bett gehen«)[1563]
-
-niederlegen (sich), _niederdurme_[1564], _niederschlaune_[1565]
-
-niedermetzeln, _niederkaflere_[1566]
-
-niederschießen, _niederschnelle_[1567]
-
-niederschlagen, _niederguffa_[1568], _niederstenze_[1569]
-
-niederschreiben, _niederfebere_[1570]
-
-[Fußnote 1550: ([585] auf S. 64.343) S. Eltern u. Bruder.]
-
-[Fußnote 1551: ([586] auf S. 64.343) S. (betr. _Mamere_) Amme.]
-
-[Fußnote 1552: ([587] auf S. 64.343) S. anfassen.]
-
-[Fußnote 1553: ([588] auf S. 64.343) S. Dietrich.]
-
-[Fußnote 1554: ([589] auf S. 64.343) S. »das ist nichts.«]
-
-[Fußnote 1555: ([590] auf S. 64.343) S. alljährlich.]
-
-[Fußnote 1556: ([591] auf S. 64.343) S. Dietrich u. angenehm.]
-
-[Fußnote 1557: ([592] auf S. 64.343) S. (betr. _g'want_) mutig.]
-
-[Fußnote 1558: ([593] auf S. 64.343) S. (zu beiden Ausdr.) arg.]
-
-[Fußnote 1559: ([594] auf S. 64.343) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 1560: ([595] auf S. 64.343) S. abbrennen.]
-
-[Fußnote 1561: ([596] auf S. 64.343) S. abfallen.]
-
-[Fußnote 1562: ([597] auf S. 64.343) S. gebären.]
-
-[Fußnote 1563: ([598] auf S. 64.343) S. Bett u. abgehen.]
-
-[Fußnote 1564: ([599] auf S. 64.343) S. aufwachen.]
-
-[Fußnote 1565: ([600] auf S. 64.343) S. ausschlafen.]
-
-[Fußnote 1566: ([601] auf S. 64.343) S. Fleischer.]
-
-[Fußnote 1567: ([602] auf S. 64.343) S. abschießen.]
-
-[Fußnote 1568: ([603] auf S. 64.343) S. aufschlagen.]
-
-[Fußnote 1569: ([604] auf S. 64.343) S. Ast.]
-
-[Fußnote 1570: ([605] auf S. 64.343) S. abschreiben.]
-
-niedersitzen s. sitzen [64.344]
-
-niederträchtig, _schofel_[1571]
-
-niederwerfen, _niederplotzen_[1572]
-
-niemals s. nie
-
-nobel, _dof_, _duft_[1573]
-
-Not, _Dercherich_[1574], _Schofel_[1571] (beides subst. Adj.); vgl.
-Mangel
-
-Nudeln, _grandiche Hegesle_ (d. h. »große Spatzen« od. »Knöpfle«
-[Knödel])[1575]
-
-Null, _Nobis_ (d. h. eigtl. »nichts«)[1576]
-
-Nuß (Nüsse), _Krächerle_[1577]
-
-Nußbaum, _Krächerlestöber_ (in d. Spr: »_Krächerstöber_«)[1578]
-
-Nußkern, _Krächerlekies_[1579]
-
-nützlich, _dof_[1573], _g'want_[1580]
-
-
- O.
-
-Obdach, _Kitt_[1581]
-
-oben, _oberkünftig_[1582]
-
-Oberförster, _grandich Grünwedel_ (d. h. »der größte Forstmann«)[1583]
-
-Obergendarm, _grandicher Schuker_[1584]; vgl. Wachtmeister
-
-Oberherr, _grandicher Sins_[1585]
-
-Oberwachtmeister, _grandich Schuker_ (d. h. »der größte Gendarm«)[1584]
-
-Oberzahn, _Obernäpfling_[1586]
-
-[Fußnote 1571: ([606] auf S. 64.344) S. arg; betr. das Subst. _Schofel_
-vgl. »Vorbemerkg.« S. 15, Anm. 38 vbd. m. S. 7, Anm. 16.]
-
-[Fußnote 1572: ([607] auf S. 64.344) S. bewerfen.]
-
-[Fußnote 1573: ([608] auf S. 64.344) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 1574: ([609] auf S. 64.344) S. abbetteln (vgl. »Vorbemerkg.«,
-S. 15, Anm. 38.]
-
-[Fußnote 1575: ([610] auf S. 64.344) S. Adler und Knödel.]
-
-[Fußnote 1576: ([611] auf S. 64.344) Sachlich übereinstimmend damit auch
-die Zigeunersprache; s. _Liebich_, S. 226 (_tschi_, d. h. »nichts« =
-Null).]
-
-[Fußnote 1577: ([612] auf S. 64.344) S. Haselnuß.]
-
-[Fußnote 1578: ([613] auf S. 64.344) S. (betr. _Stöber_) Apfelbaum.]
-
-[Fußnote 1579: ([614] auf S. 64.344) S. Apfelkern.]
-
-[Fußnote 1580: ([615] auf S. 64.344) S. anmutig.]
-
-[Fußnote 1581: ([616] auf S. 64.344) S. Abort.]
-
-[Fußnote 1582: ([617] auf S. 64.344) S. Gaumen.]
-
-[Fußnote 1583: ([618] auf S. 64.344) S. Adler u. Forstmann; vgl.
-Bischof.]
-
-[Fußnote 1584: ([619] auf S. 64.344) S. Adler u. Gendarm; vgl. Bischof.]
-
-[Fußnote 1585: ([620] auf S. 64.344) S. Adler u. Amtmann; vgl. Bischof.
-— Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. _Liebich_, S.
-227.]
-
-[Fußnote 1586: ([621] auf S. 64.344) S. abbeißen.]
-
-Obst, _Stöberschure_[1587] oder _Stöbersore_[1588] [64.345]
-
-Ochse, _Hornikel_[1589]
-
-Ochsenfett, _Hornikel-Schmunk_[1590]
-
-Ochsenfleisch, _Hornikelbossert_[1591]
-
-Ochsenmaulsalat, _Hornikelgielblättling_[1592]
-
-Ochsenmaulsalatbüchse, _Hornikelgielblättlingschottel_[1593]
-
-Ochsenmetzger, _Hornikelkafler_[1594]
-
-Ochsenstall, _Hornikelstenkert_[1595]
-
-Ofen, _Hitzling_[1596]
-
-Ofenruß, _Hitzlingschwä(t)zling_[1597]
-
-Ofensetzer, _Hitzlingpflanzer_[1598], _Hitzlingschenegler_[1599]
-
-Offizier, _grandicher_ (od. auch _dofer_) _Lanenger_[1600]
-
-oft, _grandich_[1601]
-
-Oheim (von väterl. Seite), _Patrisglied_[1602], (von mütterl. Seite),
-_Mamereglied_[1603]; vgl. Neffe u. Tante
-
-Ohr, _Losling_[1604]
-
-[Fußnote 1587: ([622] auf S. 64.345) S. Apfelbaum u. abbiegen.]
-
-[Fußnote 1588: ([623] auf S. 64.345) S. (betr. _Sore_) Brücke.]
-
-[Fußnote 1589: ([624] auf S. 64.345) S. Bulle.]
-
-[Fußnote 1590: ([625] auf S. 64.345) S. (betr. _Schmunk_)
-Bratkartoffeln.]
-
-[Fußnote 1591: ([626] auf S. 64.345) S. Aas.]
-
-[Fußnote 1592: ([627] auf S. 64.345) S. Affengesicht u. Gulasch.]
-
-[Fußnote 1593: ([628] auf S. 64.345) S. (_Schottel_) Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 1594: ([629] auf S. 64.345) S. Fleischer.]
-
-[Fußnote 1595: ([630] auf S. 64.345) S. Entenstall.]
-
-[Fußnote 1596: ([631] auf S. 64.345) S. Backofen.]
-
-[Fußnote 1597: ([632] auf S. 64.345) _Schwä(t)zling_ (od. Schwetzling) =
-Ruß kommt noch vor in der _Zusammensetzg._ _Schwä(t)zlingbossert_ =
-Schinken (d. h. eigentl. »Ruß- od. Rauchfleisch«). Der _Etymologie_ nach
-ist es jedenfalls nur schlechte Aussprache für _Schwärzling_, gehört
-also zu »schwarz«. Doch findet sich — auch in der richtigen Schreibung
-— die Vokabel in der _jenisch. Bedeutg._ m. Wiss. nicht in den _verw.
-Quellen_ oder im sonst. Rotw., in dem vielmehr _Schwärzling_ für
-»Kaffee(bohne)« vorkommt; s. u. a. _v. Grolman_ 65 u. T.-G. 104;
-_Karmayer_ G.-D. 218; A.-L. 606; _Groß_ 493; nach _Ostwald_ (Ku.) 141
-auch = Tinte.]
-
-[Fußnote 1598: ([633] auf S. 64.345) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
-
-[Fußnote 1599: ([634] auf S. 64.345) S. abschaffen.]
-
-[Fußnote 1600: ([635] auf S. 64.345) S. Hauptmann vbd. m. Adler u.
-angenehm; vgl. Bischof.]
-
-[Fußnote 1601: ([636] auf S. 64.345) S. Adler.]
-
-[Fußnote 1602: ([637] auf S. 64.345) S. Eltern u. Bruder.]
-
-[Fußnote 1603: ([638] auf S. 64.345) S. (betr. _Mamere_) Amme. — Auch
-von den Zigeunern wird für »Oheim« unterschieden _dādéskĕro_ und
-_dākro prāl_, d. h. »väterlicher (des Vaters)« u. »mütterlicher
-(der Mutter) Bruder«; s. _Liebich_, S. 131 u. 207.]
-
-[Fußnote 1604: ([639] auf S. 64.345) _Zus._ damit: _Loslingschlang_ =
-Ohrring. _Zu vgl._ (aus dem. _verw. Quellenkr._): _Schwäb Händlerspr._
-484 (_Loser_ = Ohr; vgl. [482] _losere_ [in _Pfedelb._ (210): _losen_] =
-hören); s. auch _Regensb. Rotw._ 489 (_Luser_ = Ohr); auch schon (mit
-der Endung _-ling_) im älteren Rotw. des 15. u. 16. Jahrh. (s. schon
-_Basl. Betrügnisse_ um 1450 [15: _Luselinge_ = Ohren]; _Lib. Vagat._ 54
-[_Lüßlinng_ = Ohr] u. a. m.) bekannt. _Etymologie_: Der Ausdr. gehört,
-wie das weidmänn. (u. wohl auch sonst mundartl. gebr.) _Loser_ (Luser) =
-Ohr des Wildes (eigentl. »Aufhorcher« [vgl. mhd. _losære_ = Horcher,
-Lauscher, ahd. _losari_ = Hörer, Zuhörer]), zu dem Zeitw. _losen_ (schon
-mhd. _losen_, ahd. _[h]losên_, _losên_) = aufhorchen, zuhören; s. _Pott_
-II, S. 20 vbd. mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1297 (unter Loser,
-Nr. 3), Sp. 1298 (unter »losere[n]«, Sp. 1346 (unter »Luser«) u.
-_Weigand_, W.-B. II, Sp. 85.]
-
-Ohrring, _Loslingschlang_[1605] [64.346]
-
-Onanie treiben, _Käfferle pflanzen_[1606]
-
-Onkel s. Oheim
-
-Opfergeld, _Duftbich_[1607], _Duftlobe_ oder _-kies_[1608] (d. h.
-»Kirchengeld«).
-
-Orgel s. Leierkasten
-
-Ortschaft, _G'fahr_[1609]
-
-Ortsvorsteher, _Kritsch_, _Schar(r)le_[1610]
-
-Ostern, _Bäzemaweisling_ (d. h. »Eiersonntag«)[1611]
-
-o weh!, _o Laich!_[1612]
-
-[Fußnote 1605: ([640] auf S. 64.346) S. (betr. _Schlang_), Halskette.]
-
-[Fußnote 1606: ([641] auf S. 64.346) Bei dieser (m. Wiss. im Rotw. u. in
-d. sonstigen Geheimsprachen nicht bekannten) eigentümlichen Redensart
-ist _Käfferle_ wohl _nicht_ (wie bei _Käfferle_ = Junggeselle oder
-Greis) zu _Kaffer_ im Sinne von »Mann (Kerl)«, sondern im Sinne vor
-»Bauer« zu stellen, und zwar dürfte es sich sehr wahrscheinlich handeln
-um eine _jenische Übersetzung_ der mundartl. fast in ganz Deutschland
-(einschl. Schweiz und Österreich) verbreiteten Bezeichnung »_kalter
-Bauer_« für Onanie bzw. Pollution u. deren Spuren; s. dazu die
-Redensarten: _den kalten Bauern schlagen_ od. _herunterreißen_ (steir.)
-u. zu vgl. im einzelnen über die deutsch. Mundarten: _Grimm_, D. W.-B.
-I. Sp. 1176 (unter »Bauer«, Nr. 2) vbd. mit _Müller_ in den
-»Anthropophyteia«, Bd. VIII, S. 20. Ob nun aber hierbei der Ausdruck
-»Bauer« _wirklich_ = _rusticus_ (Landmann) aufzufassen ist (wofür z. B.
-unbedenklich _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 703 [unter »Bauer«, Nr. 3,
-d] eingetreten) oder ob man ihn mit _Grimm_, a. a. O., Sp. 1175 als ein
-eigenes (auf das _Gotische_ zurückzuführendes) Wort im Sinne von
-_voluptas_, _libido_ nehmen will, mag dahingestellt bleiben. Für das
-Adj. _kalt_ (hier etwa = »wider die Natur«) verweist _Fischer_, a. a. O.
-auf »die Vorstellung von der ›kalten‹ Natur der Teufelsbuhlschaft.«]
-
-[Fußnote 1607: ([642] auf S. 64.346) S. Dom u. Almosen.]
-
-[Fußnote 1608: ([643] auf S. 64.346) S. (betr. _Lobe_ u. _Kies_) Bank u.
-Bankier.]
-
-[Fußnote 1609: ([644] auf S. 64.346) S. Bauerndorf.]
-
-[Fußnote 1610: ([645] auf S. 64.346) S. (zu beiden Ausdr.)
-Bürgermeister.]
-
-[Fußnote 1611: ([646] auf S. 64.346) S. Ei u. Feiertag. — Auch bei den
-Zigeunern kommt wohl _jāréngĕro gurko_ (d. h. »Eiersonntag«) für
-Ostern vor, doch scheint dafür jetzt _jāréngĕro diwes_ (d. h.
-»Eiertag«) gebräuchlicher zu sein, das jedoch auch entsprechend dem
-jenisch. _Bäzamaschei_ — den Karfreitag bedeutet; s. _Liebich_, S. 140
-u. 227 vbd. mit _Finck_, S. 55; vgl. oben unter »Karfreitag«.]
-
-[Fußnote 1612: ([647] auf S. 64.346) Eine Deutung des Wortes _Laich_ in
-dieser Verbdg. vermag ich nicht zu geben.]
-
-
- P. [64.347]
-
-Pallasch (Säbel), _Latt_[1613]
-
-Papagei, _Schmuserfläderling_ (d. h. »der sprechende Vogel«)[1614]
-
-Papiergeld, _Kritzlerbich_[1615], _Kritzlerlobe_[1616]
-
-Papiermacher, _Kritzlerpflanzer_[1617]
-
-Papst, _grandich Kolb_ (d. h. »der größte Pfarrer«)[1618]
-
-Paß, _Flebb(e)_[1619]
-
-Pastor, _Gallach_[1620], _Kolb_[1618]
-
-penis s. Glied (männliches)
-
-Pfad, _Strade_[1621]
-
-Pfahl, _Spraus_[1622]
-
-Pfanne, _Russling_[1623]
-
-Pfarrer, _Gallach_[1620], _Kolb_[1618]
-
-Pfarrhaus, _Gallachekitt_, _Kolbekitt_[1624]
-
-Pfau, _Dofefläderling_ (d. h. »der schöne Vogel«)[1625]
-
-[Fußnote 1613: ([648] auf S. 64.347) S. Degen.]
-
-[Fußnote 1614: ([649] auf S. 64.347) S. ansagen u. Adler. — Sachlich
-übereinstimmend auch die Zigeunerspr. (_rak[k]erpáskĕro tschirkulo_
-[tširklo], d. h. etwa »der gesprächige Vogel«, = Papagei): s.
-_Liebich_, S. 118, 155 u. 228 vbd. m. _Finck_, S. 92; vgl. auch schon
-»Vorbemerkg.«, S. 18.]
-
-[Fußnote 1615: ([650] auf S. 64.347) S. Attest u. Almosen.]
-
-[Fußnote 1616: ([651] auf S. 64.347) S. (betr. _Lobe_) Bank.]
-
-[Fußnote 1617: ([652] auf S. 64.347) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
-
-[Fußnote 1618: ([653] auf S. 64.347) S. Adler u. Bischof. Ebds. (S. 391,
-Anm. 116) auch betr. die Zigeunersprache.]
-
-[Fußnote 1619: ([654] auf S. 64.347) S. Gewerbeschein.]
-
-[Fußnote 1620: ([655] auf S. 64.347) S. Geistlicher.]
-
-[Fußnote 1621: ([656] auf S. 64.347) S. Chaussee.]
-
-[Fußnote 1622: ([657] auf S. 64.347) S. Baumholz.]
-
-[Fußnote 1623: ([658] auf S. 64.347) S. Kessel.]
-
-[Fußnote 1624: ([659] auf S. 64.347) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 1625: ([660] auf S. 64.347) S. angenehm u. Adler. — Bei den
-Zigeunern kommt für den Pfau (neben _pōno_ od. _pōni_ [s. _Pott_
-II, S. 362; _Liebich_, S. 152 u. 228; _Finck_, S. 79]) auch _gisĕwo
-tschirkulo_ (tširklo), d. h. »stolzer Vogel«, vor (nach _Liebich_, S.
-228); vgl. »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 47.]
-
-[Fußnote 1626: ([661] auf S. 64.347) S. dazu das Zeitw. _dämpfe(n)_ =
-(Tabak) rauchen sowie die weitere _Ableitung_ _Dämpfere_ od. _Dämpfete_
-(Spr.) = Zigarre (u. dazu die _Zus._ _Dämpferereiber_ = Zigarrenbeutel).
-_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 343, 345
-(_Dämpfköllen_ = Pfeife, Tabakspfeife); _Schwäb. Händlerspr._ 485, 488
-(_dämpfen_ = rauchen, _Dämpfere_ = Zigarre); s. auch _Pleißlen der
-Killertaler_ 434 (_Dämpfer_ = Schnupftabak). Zur _Etymologie_ (von
-»Dampf«, »dampfen«) s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 46.]
-
-Pfeife, _Dämpfe_[1626] _Toberich_[1627] od. (genauer) [64.348]
-_Toberichschure_[1628] (d. h. »Tabakspfeife« [s. d.]); vgl. Tabak u.
-Zigarre
-
-Pfeifenkopf, _Toberichki(e)bes_[1629]
-
-Pfeffer, _Sore_[1630]
-
-Pfefferbüchse, _Soreschottel_[1631]
-
-Pfennig, _Boschert_[1632]
-
-Pferd, _Trabert_ od. _Trapert_[1633]
-
-Pferdeeuter, _Trabertschwächerle_[1634]
-
-Pferdefleisch, _Trabertbossert_ od. _Trabertmass_[1635]
-
-Pferdefuß, _Trapertritt_[1636]
-
-Pferdehaar, _Trabertstrauberts_[1637]
-
-Pferdehändler, _Trabertgremer_, _Trabertkemerer_[1638]
-
-[Fußnote 1627: ([662] auf S. 64.348) Mit _Toberich_ (= a) Tabak; b)
-Pfeife [Tabakspfeife]) sind mehrere _Zusammensetzgn._ gebildet worden,
-u. zwar: a) in der _ersten_ Bedeutg.: _Toberichrande_ od. _-reiber_ =
-Tabaksbeutel, _Toberichschure_ = (Tabaks-) Pfeife, auch Zigarre (od.
-bloß Tabak); b) in der _zweiten_ Bedeutg.: _Toberichki(e)bes_ =
-Pfeifenkopf. _Ableitung_: _toberiche_ = (Tabak) rauchen, während für
-»schnupfen« die _Verbindg._ _Toberich muffe(n)_, d. h. eigtl. »Tabak
-riechen«) gebraucht wird. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm.
-der Gaunerspr._ 100 (_Dobrisch_ = Tabak, _Dobrischfinne_, _-klinge_ =
-Tabaksdose, -pfeife; _D. schwächen_ = Tabak rauchen); _W.-B. des
-Konstanzer Hans_ 255 (_Dow're_ = Tabak, _D. schwäche_ = Tabak rauchen);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 343-345 (_Dobere_ = Tabak, Schnupftabak,
-_Dobereckling_ = Tabakspfeife); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 76
-(_Doverich_ = Tabak); _Schwäb. Händlerspr._ 485, 487, 488 (_Tôberich_
-[in _Pfedelb._ (213): _Dowerich_] = Tabak, Zigarre [für letzteres auch
-_Tob(e)rich(s)stengel_], _Tôberichskling_ [in _Pfedelb._ (213):
-_Dowerichsklinge_] od. _Tôbere_ = [Tabaks-]Pfeife, _tôberichen_ [in
-_Pfedelb._ (212): _dowrichen_] = rauchen). Über weitere Rotw. Belege
-(seit d. _Basl. Glossar_ v. 1733 [202: _Doberen_]) sowie die
-_Etymologie_ des Wortes (das von einigen mit der Zigeunersprache
-[_tīvăli_ = Rauchtabak (s. z. B. _Liebich_, S. 166, 244 u.
-_Finck_, S. 94)] in Verbindg. gebracht worden, einfacher aber doch wohl
-als bloße Verunstaltung von »Tobak« aufzufassen sein dürfte) s. Näh. in
-_Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 46, 47 u. Anm. 2; vgl. auch Wiss. Beih. zur
-Zeitschr. des Allg. Deutsch. Sprachv., 5. Reihe, 36. Heft, S. 186, Anm.
-1 sowie _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 235/36.]
-
-[Fußnote 1628: ([663] auf S. 64.348) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]
-
-[Fußnote 1629: ([664] auf S. 64.348) S. Angesicht.]
-
-[Fußnote 1630: ([665] auf S. 64.348) S. Brücke.]
-
-[Fußnote 1631: ([666] auf S. 64.348) S. (betr. _Schottel_)
-Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 1632: ([667] auf S. 64.348) S. Kupfergeld.]
-
-[Fußnote 1633: ([668] auf S. 64.348) S. Füllen.]
-
-[Fußnote 1634: ([669] auf S. 64.348) S. (betr. _Schwäche[rle]_) Amme.]
-
-[Fußnote 1635: ([670] auf S. 64.348) S. Aas.]
-
-[Fußnote 1636: ([671] auf S. 64.348) S. Entenfuß.]
-
-[Fußnote 1637: ([672] auf S. 64.348) S. Augenbrauen.]
-
-[Fußnote 1638: ([673] auf S. 64.348) S. (zu beiden Ausdr.) abkaufen.]
-
-Pferdemetzger, _Trabertkafler_[1639] [64.349]
-
-Pferdestall, _Trabertstenker_[1640]
-
-Pferdetränke, _Trabertschwäche_[1634]
-
-Pfingsten, _Schuberleweisling_ (d. h. »Geistsonntag«)[1641]
-
-Pflastergeld, _Kieslobe_[1642]; _Stradebich_[1643]
-
-Pflaume, _Blauling_ od. _Bloling_ [Spr.][1644]
-
-Pflaumenbaum, _Blaulingstöber_[1645]
-
-Pflaumenkern, _Blaulingkies_[1646]
-
-Pflock, _Spraus_[1647]
-
-Pfote, _Tritt_[1648]
-
-Pisse (= Harn, Urin), _Flösle_, _Flösslete_, _Flösselflu(h)te_[1649]
-
-pissen, _flöslen_[1649]
-
-Pistole, _Schneller_[1650]
-
-Plappermaul, _Schmusichergiel_[1651]
-
-plaudern, _diberen_[1652], _schmusen_[1653]
-
-Plauderer, _Diberer_, _Schmuser_
-
-Pokal, _Nolle_[1654]
-
-Pökelfleisch, _eingespronkter Bossert_ (d. h. »eingesalzenes
-Fleisch«)[1655]
-
-[Fußnote 1639: ([674] auf S. 64.349) S. Fleischer.]
-
-[Fußnote 1640: ([675] auf S. 64.349) S. Entenstall.]
-
-[Fußnote 1641: ([676] auf S. 64.349) S. Geist u. Feiertag. — Die
-Beziehung auf die Ausgießung des _heiligen Geistes_ in diesem Ausdrucke
-tritt noch deutlicher hervor in dem gleichbed. zigeunerisch. _dīlo
-tucho dīwes_, d. h. »heiliger Geisttag« (neben d. einfacheren
-_dīlŏ dīwes_, d. h. »heiliger Tag«); s. _Liebich_, S. 228 u.
-134 vbd. m. _Finck_, S. 55.]
-
-[Fußnote 1642: ([677] auf S. 64.349) S. Apfelkern u. Bankier.]
-
-[Fußnote 1643: ([678] auf S. 64.349) S. Chaussee u. Almosen.]
-
-[Fußnote 1644: ([679] auf S. 64.349) S. zu diesem (natürlich von »blau«
-hergeleiteten) Worte die _Zus._ _Blaulingstöber_ u. _-kies_ =
-Pflaumenbaum u. -kern. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): nur
-_Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Bläuling_ = Pflaume); im Rotw. gleichbed.
-wohl _Blauerling_ (s. z. B. bei _v. Grolman_ 9 u. T.-G. 114 u.
-_Karmayer_ G.-D. 192), während schon in älterer Zeit (z. B. im _W.-B.
-von St. Georgen_ 1750 [217]) _Blauling_ für »Milch« vorkommt. Über
-_Blauhanze_ s. unter »Zwetschgen«.]
-
-[Fußnote 1645: ([680] auf S. 64.349) S. (betr. _Stöber_) Apfelbaum.]
-
-[Fußnote 1646: ([681] auf S. 64.349) S. Apfelkern.]
-
-[Fußnote 1647: ([682] auf S. 64.349) S. Baumholz.]
-
-[Fußnote 1648: ([683] auf S. 64.349) S. Entenfuß.]
-
-[Fußnote 1649: ([684] auf S. 64.349) S. austreten (leicht) u. (betr.
-_Flu[h]te_) abbrühen.]
-
-[Fußnote 1650: ([685] auf S. 64.349) S. abschießen.]
-
-[Fußnote 1651: ([686] auf S. 64.349) S. ansagen u. Affengesicht.]
-
-[Fußnote 1652: ([687] auf S. 64.349) S. anreden.]
-
-[Fußnote 1653: ([688] auf S. 64.349) S. ansagen.]
-
-[Fußnote 1654: ([689] auf S. 64.349) S. Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 1655: ([690] auf S. 64.349) S. einsalzen u. Aas.]
-
-Polizei, _Bu(t)zerei_[1656] [64.350]
-
-Polizeiamt, _Bu(t)zereikitt_[1657]
-
-Polizeidiener, Polizist, _Bu(t)z_[1656]
-
-Polizeidirektor, _grandich Bu(t)z_ (d. h. »der größte Polizist«)[1658]
-
-Polizeihund, _Bu(t)zekeiluf_, _Bu(t)zekibe_[1659]
-
-Polizeiwachtmeister, _grandicher Bu(t)z_[1658]
-
-Porzellan, _Sore_[1660]
-
-Porzellantasse, _Soreschottel_[1661]
-
-Possenreißer, _Hegellauti_[1662]
-
-Postbote, _Kritzlerbukler_[1663]
-
-Postwagen, _Kritzlerrädling_[1664]
-
-Pracht, _Dof_ (= dof)[1665]
-
-prächtig, _dof_[1665], _grandich_[1658]
-
-predigen, _blible_[1666]
-
-Prediger, _Gallach_[1667], _Kolb_[1668]
-
-Priester s. Prediger
-
-Priesterrock, _Gallachmalfes_, _Kolbemalfes_[1669]
-
-Protestant, _Gril(l)ischer_[1670]
-
-protestantisch, _gril(l)isch_ od. _kril(l)isch_[1670]
-
-Prügel (= Stock), _Spraus_[1671]
-
-Prügel (= Hiebe), _Gufes_[1672], _Stenz_[1673]
-
-Prügelei, _Hamore_, _More_[1674]
-
-prügeln, _guffen_[1672], _ste(c)ken_[1675], _stenzen_[1673]; vgl.
-schlagen
-
-[Fußnote 1656: ([691] auf S. 64.350) S. Amtsdiener.]
-
-[Fußnote 1657: ([692] auf S. 64.350) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 1658: ([693] auf S. 64.350) S. (betr. _grandich_) Adler; vgl.
-Bischof.]
-
-[Fußnote 1659: ([694] auf S. 64.350) S. (zu beiden Ausdr.) Haushund.]
-
-[Fußnote 1660: ([695] auf S. 64.350) S. Brücke.]
-
-[Fußnote 1661: ([696] auf S. 64.350) S. (betr. _Schottel_)
-Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 1662: ([697] auf S. 64.350) S. Dummheit.]
-
-[Fußnote 1663: ([698] auf S. 64.350) S. Attest u. abtragen.]
-
-[Fußnote 1664: ([699] auf S. 64.350) S. (betr. _Rädling_)
-Eisenbahnwagen.]
-
-[Fußnote 1665: ([700] auf S. 64.350) S. angenehm; vgl. auch
-»Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 vbd. m. S. 7, Anm. 16.]
-
-[Fußnote 1666: ([701] auf S. 64.350) S. anbeten.]
-
-[Fußnote 1667: ([702] auf S. 64.350) S. Geistlicher.]
-
-[Fußnote 1668: ([703] auf S. 64.350) S. Bischof.]
-
-[Fußnote 1669: ([704] auf S. 64.350) S. (betr. _Malfes_) Frauenrock.]
-
-[Fußnote 1670: ([705] auf S. 64.350) S. evangelisch.]
-
-[Fußnote 1671: ([706] auf S. 64.350) S. Baumholz.]
-
-[Fußnote 1672: ([707] auf S. 64.350) S. aufschlagen.]
-
-[Fußnote 1673: ([708] auf S. 64.350) S. Ast.]
-
-[Fußnote 1674: ([709] auf S. 64.350) S. Fehde.]
-
-[Fußnote 1675: ([710] auf S. 64.350) S. beschenken.]
-
-Pudel, _Keiluf_, _Kib_[1659] [64.351]
-
-Pulle (Flasche), _Glansert_[1676]
-
-Pulver (jeder Art), _Kuiete_[1677]
-
-Pulvermühle, _Kuiete-Rolle_[1678]
-
-Pulvermüller, _Kuieteroller_ (fem.: _-rollerin_)[1678]
-
-Punsch, _gesicherter Johle_[1679]; vgl. Glühwein
-
-Puppe (Docke), _Schure_[1680]
-
-putzen (reinigen), _pfladere_[1681]
-
-
- Q.
-
-Quacksalber, _schofler Begersins_ (d. h. »schlechter Doktor
-[Arzt]«[1682]
-
-Quaderstein, _grandicher Kies_[1683]
-
-Quartier, _Fehte_[1684]
-
-Quartierbursche, _Fehtefi(e)sel_ od. _-freier_[1685]
-
-Quartierherr, _Fehtekaffer_ od. _-sins_[1686] vgl. Hauswirt
-
-Quartierfrau, _Fehtemos(s)_ od. _-sinse_[1687]
-
-Quartiermädchen, _Fehtemodel_[1688]
-
-Quelle, _Flu(h)te_[1689]
-
-Quersack, _Rande_[1690]
-
-
- R.
-
-Rabbiner, _Diboldegallach_[1691] od. _Kaimekolb_[1692] (d. h.
-»Judengeistlicher od. -pfarrer«)[1693]
-
-[Fußnote 1676: ([711] auf S. 64.351) S. Bierglas.]
-
-[Fußnote 1677: ([712] auf S. 64.351) S. Mastpulver.]
-
-[Fußnote 1678: ([713] auf S. 64.351) S. (betr. _Rolle[r]_) Mühle.]
-
-[Fußnote 1679: ([714] auf S. 64.351) S. abkochen u. Apfelwein.]
-
-[Fußnote 1680: ([715] auf S. 64.351) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 1681: ([716] auf S. 64.351) S. abwaschen.]
-
-[Fußnote 1682: ([717] auf S. 64.351) S. arg, absterben u. Amtmann. —
-Bei den Zigeunern findet sich der Begriff _negativ_ umschrieben durch
-_tschi tschātscho_ (od. ladscho) _radíngĕro_ (radískĕro), d. h.
-»kein rechter (od. guter) Arzt«; s. _Liebich_, S. 154 u. 230.]
-
-[Fußnote 1683: ([718] auf S. 64.351) S. Adler u. Apfelkern.]
-
-[Fußnote 1684: ([719] auf S. 64.351) S. Hauswirt.]
-
-[Fußnote 1685: ([720] auf S. 64.351) S. (betr. _Fi[e]sel_ u. _Freier_)
-Bettelbube u. Fremder.]
-
-[Fußnote 1686: ([721] auf S. 64.351) S. Bauer u. Amtmann.]
-
-[Fußnote 1687: ([722] auf S. 64.351) S. Bauernfrau u. Amtmann.]
-
-[Fußnote 1688: ([723] auf S. 64.351) S. Beischläferin.]
-
-[Fußnote 1689: ([724] auf S. 64.351) S. abbrühen.]
-
-[Fußnote 1690: ([725] auf S. 64.351) S. Bauch.]
-
-[Fußnote 1691: ([726] auf S. 64.351) S. Jude u. Geistlicher.]
-
-[Fußnote 1692: ([727] auf S. 64.351) S. Hebräer u. Bischof.]
-
-[Fußnote 1693: ([728] auf S. 64.351) Die gleiche Umschreibung
-(_bipoldéngĕro raschai_, d. h. »Judenpriester«) kennen auch die
-Zigeuner; s. _Liebich_, S. 128 u. 230.]
-
-Rabe, _Schofeleiflederling_ (d. h. »Unglücksvogel«)[1694] [64.352]
-
-Rahm, _Gleisschund_ (d. h. eigtl. »Milchdreck«)[1695]
-
-Ranzen, _Rande_[1690]
-
-Rappe, _Trabert_[1696]. Für die verschiedene _Farbe_ der Pferde gibt es
-keine nähere Bezeichnung (vgl. Schimmel); dagegen wird das _Geschlecht_
-der Tiere wohl kenntlich gemacht; vgl. Näh. unter »Hengst« u. »Stute«
-
-Rasiermesser, _Scharfling_[1697] od. _Tschure_[1698] (d. i. beides
-eigtl. nur »Messer«)
-
-Rathaus, _Sturmkitt_[1699]
-
-Rathausschlüssel, _Sturmkittglitschin_[1700]
-
-Rathausuhr, _Sturmkittgluber_[1701]
-
-[Fußnote 1694: ([729] auf S. 64.352) S. arg u. Adler; vgl.
-»Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 49.]
-
-[Fußnote 1695: ([730] auf S. 64.352) S. abgerahmte Milch.]
-
-[Fußnote 1696: ([731] auf S. 64.352) S. Füllen.]
-
-[Fußnote 1697: ([732] auf S. 64.352) S. Dolch.]
-
-[Fußnote 1698: ([733] auf S. 64.352) S. Messer.]
-
-[Fußnote 1699: ([734] auf S. 64.352) S. dazu die _Zusammensetzgn._
-_Sturmkittglitschin_ u. _-gluber_ = Rathausschlüssel u. -uhr sowie
-_Sturmkittsins_ = Ratsherr. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
-_Dolm. der Gaunerspr._ 97 (_Sturmkitt_ = Rathaus); _W.-B. des Konst.
-Hans_ 254 (ebenso); _Schwäb. Händlerspr._ (U. [214]: ebenso; vgl. ebds.
-[214]: _hohe Sturmkitt_ = Amtsgericht). Auch sonst im Rotw. neben den
-Synon. _Sturm-Kaste(n)_ (s. z. B. schon _A. Hempel_ 1687 [167]),
-_Sturm-Bayes_ (s. z. B. _Pfister_ bei _Christensen_ 1814 [331]) od.
-_Sturmkandich_ (s. z. B. _v. Grolman_ 70 n. T.-G. 116). Zur _Etymologie_
-s. _Pott_ II, S. 18 u. A.-L. 612, nach denen die erste Silbe in diesen
-Zusammensetzgn. zu unserem Worte »Turm« gehört (also _Sturmkitt_ wohl =
-»s'Turmkitt«, abgek. für _das Turmkitt_, d. h. »das Turmhaus«), weil die
-Rathäuser »gewöhnlich mit einem Turm geziert« sind (A.-L., a. a. O.).]
-
-[Fußnote 1700: ([735] auf S. 64.352) S. (betr. _Glitschin_) Dietrich.]
-
-[Fußnote 1701: ([736] auf S. 64.352) Mit _Gluber_ (auch _Gluper_ od.
-_Kluper_ od. — am richtigsten wohl — _Luber_) = Uhr sind auch noch
-_zusammengesetzt_ (am Anfang): _Luberkitt_ = Uhrgehäuse, _Luberschlang_
-= Uhrkette, _Luberpflanzer_ = Uhrmacher, _Luberglitschin_ =
-Uhrschlüssel, _Luberrande_ = Uhrtasche. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_Lupper_ = Sackuhr); _W.-B. des
-Konst. Hans_ 254 (ebenso; vgl. auch 258: _Lopper_ u. _Lapper_); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 345 (_Lupper_ [od. Nopper] = Uhr, _Randelupper_, bes. =
-Sackuhr); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_Lôber[e]_, _Lubbere_, _Klupper_
-[in _Pfedelb._ (213): _Glupper_ (od. Gluckere), in _Lütz._ (215):
-_Klepper_] = Uhr, Taschenuhr). Über weitere Belege im Rotw. s. noch
-_Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 23, Anm. 2. Ebds. S. 24 auch über die
-Hypothesen betr. die (zweifelhafte) _Etymologie_, unter denen diejenige,
-die den Ausdruck mit d. niederd. _lupen_ (lopen) = laufen in
-Zusammenhang gebracht hat, wohl noch am annehmbarsten erscheint; s.
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV., Sp. 1263 (unter »Lober« II) vbd. mit Sp.
-1346 (unter »Lupper[e]«). Vgl. auch unten die Anm. zu dem ähnl. Synon.
-_Gengle_ (unter »Uhr«).]
-
-Ratsherr, _Sturmkittsins_[1702], auch _Kritsch_ od. _Schar(r)le_[1703] [64.353]
-
-rauben, _schniffen_[1704], _schoren_[1705]
-
-Räuber, _Schniffer_[1704], _Schorer_ od. _Tschor_[1705]
-
-rauchen, _dämpfen_, _toberiche_[1706]
-
-Rauchfleisch, _Hitzlingbossert_[1707]
-
-räudig, _näpfich_[1708]
-
-Rausch, _Molum_ (subst. Adj.)[1709], _Schwächer_[1710], nach den Spr.
-auch _Dambes_[1709]
-
-Rebe s. Weinrebe
-
-Rebensaft, _Johle_[1711]
-
-Rebhuhn, _Jahrestierer_ od. _Krachergachne_[1712] (d. h.
-»Waldhuhn«)[1713]
-
-reden, _dibere_[1714], _schmuse_[1715]
-
-Regen, _Flössle_[1716]
-
-Regenbogen, _Flösselreifling_ (d. h. eigtl. »Regenring«)[1717]
-
-Regenschirm s. Schirm
-
-Regentag, _Flösselschei_[1718]
-
-Regenwasser, _Flösselflu(h)te_[1719]
-
-regnen, _flössle_ od. _flessle_ (Spr.)[1716]
-
-reich, _grandich_[1720]
-
-reicher Bauer, _grandicher Ruch_[1721]
-
-[Fußnote 1702: ([737] auf S. 64.353) S. (betr. _Sins_) Amtmann.]
-
-[Fußnote 1703: ([738] auf S. 64.353) S. (zu beiden Ausdr.)
-Bürgermeister.]
-
-[Fußnote 1704: ([739] auf S. 64.353) S. anfassen.]
-
-[Fußnote 1705: ([740] auf S. 64.353) S. ausstehlen.]
-
-[Fußnote 1706: ([741] auf S. 64.353) S. (zu beiden Ausdr.) Pfeife.]
-
-[Fußnote 1707: ([742] auf S. 64.353) S. Backofen u. Aas.]
-
-[Fußnote 1708: ([743] auf S. 64.353) S. abbeißen.]
-
-[Fußnote 1709: ([744] auf S. 64.353) S. berauscht; vgl. »Vorbemerkung«,
-S. 15, Anm. 38 vbd. mit S. 7, Anm. 16.]
-
-[Fußnote 1710: ([745] auf S. 64.353) S. Amme.]
-
-[Fußnote 1711: ([746] auf S. 64.353) S. Apfelwein.]
-
-[Fußnote 1712: ([747] auf S. 64.353) S. Ananas u. Henne bezw. Hahn.]
-
-[Fußnote 1713: ([748] auf S. 64.353) Die sachlich gleiche Ausdrucksweise
-kennen auch die Zigeuner; s. _Liebich_, S. 152 u. 231 (_porréskĕri
-kachnin_ = Rebhuhn, eigtl. »Busch- od. Waldhuhn«, zu _porr_ = Busch,
-Gebüsch, Gehölz, Wald u. dergl.).]
-
-[Fußnote 1714: ([749] auf S. 64.353) S. anreden.]
-
-[Fußnote 1715: ([750] auf S. 64.353) S. ansagen.]
-
-[Fußnote 1716: ([751] auf S. 64.353) S. austreten (leicht).]
-
-[Fußnote 1717: ([752] auf S. 64.353) S. (betr. _Reifling_) Fingerring.
-— Auch bei den Zigeunern heißt der Regenbogen _brschindéskĕri
-gusterin_, d. i. »Regenring« od. _deweléskĕri (an)gusterin_, d. i.
-»Gottes Ring« (nach _Liebich_, S. 129 u. 231).]
-
-[Fußnote 1718: ([753] auf S. 64.353) S. alltäglich.]
-
-[Fußnote 1719: ([754] auf S. 64.353) S. abbrühen.]
-
-[Fußnote 1720: ([755] auf S. 64.353) S. Adler.]
-
-[Fußnote 1721: ([756] auf S. 64.353) S. (betr. _Ruch_) Bauer.]
-
-reicher Herr, _grandiger_ (sic) _Sins_[1722] [64.354]
-
-Reichtum, _grandich Schure_ od. _Sore_ (d. h. »[sehr] viele
-Sachen«)[1723]
-
-reinigen, _pfladere_[1724]
-
-reizend, _dof_, _duft_[1725]
-
-Richter, _grandicher Sins_[1722] (d. h. eigtl. »großer Herr«)[1726]
-
-Richterstuhl, _Schoflereisitzling_ (d. h. eigtl. »Gerichtsstuhl«)[1727]
-
-riechen, _muffen_[1728]
-
-Riese, _grandicher Kaffer_ (d. h. »großer Mann«)[1729]
-
-Rind, _Horboge_[1730]
-
-Rinderfett, _Horbogeschmunk_[1731]
-
-Rinderstall, _Horbogestenkert_[1732]
-
-Rindfleisch, _Horbogebossert_[1728]
-
-Rindfleischbüchse, _Horbogebossertschottel_[1733]
-
-Rindvieh s. Rind
-
-Rindviehmetzger, _Horbogekafler_[1734]
-
-Ring, _Reifling_[1735]
-
-Rock, _Malfes_[1736]
-
-Rocktasche, _Malfesrande_[1737]
-
-Roggen, _Kupfer_[1738]
-
-Rosenkranz, _Blibelschlang_ (d. h. »Betkette«)[1739]
-
-[Fußnote 1722: ([757] auf S. 64.354) S. (betr. _Sins_) Amtmann; vgl.
-auch Bischof.]
-
-[Fußnote 1723: ([758] auf S. 64.354) S. (betr. _Schure_) abbiegen u.
-(betr. _Sore_) Brücke; vgl. Bischof.]
-
-[Fußnote 1724: ([759] auf S. 64.354) S. abwaschen.]
-
-[Fußnote 1725: ([760] auf S. 64.354) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 1726: ([761] auf S. 64.354) Über die sachlich gleiche
-Bezeichnung (_bāro rai_) für den Richter bei den Zigeunern s. Näh.
-bei _Liebich_, S. 232; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 17.]
-
-[Fußnote 1727: ([762] auf S. 64.354) S. arg u. Bank.]
-
-[Fußnote 1728: ([763] auf S. 64.354) S. Aas.]
-
-[Fußnote 1729: ([764] auf S. 64.354) S. Adler u. Bauer. — Sachlich
-übereinstimmende Ausdrucksweise auch in der Zigeunersprache; s.
-_Liebich_, S. 232 (_bāro dschēno_ od. _gādscho_, d. h. »großer
-Mensch (Kerl)«, = Riese); vgl. »Vorbemerkung«, S. 17.]
-
-[Fußnote 1730: ([765] auf S. 64.354) S. Kalb.]
-
-[Fußnote 1731: ([766] auf S. 64.354) S. (betr. _Schmunk_)
-Bratkartoffeln.]
-
-[Fußnote 1732: ([767] auf S. 64.354) S. Entenstall.]
-
-[Fußnote 1733: ([768] auf S. 64.354) S. Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 1734: ([769] auf S. 64.354) S. Fleischer.]
-
-[Fußnote 1735: ([770] auf S. 64.354) S. Fingerring.]
-
-[Fußnote 1736: ([771] auf S. 64.354) S. Frauenrock.]
-
-[Fußnote 1737: ([772] auf S. 64.354) S. (betr. _Rande_) Bauch.]
-
-[Fußnote 1738: ([773] auf S. 64.354) S. Frucht.]
-
-[Fußnote 1739: ([774] auf S. 64.354) S. anbeten u. Halskette. —
-Sachlich übereinstimmend hiermit auch die Zigeunersprache; s. _Liebich_,
-S. 153 u. 233 u. _Finck_, S. 95 (_pris[s]ermásk[ē]ri wērklin_, d.
-h. »die Betkette«, = Rosenkranz).]
-
-Roß s. Pferd [64.355]
-
-Roßmetzger s. Pferdemetzger
-
-Rüben s. Möhren
-
-ruchlos, _lenk_, _schofel_[1740]
-
-Rucksack, _Rande_[1737]
-
-ruhen, _durme_[1741], _schlaune_[1742]
-
-ruhig sein s. schweigen; vgl. aufhören
-
-Rüssel, _Muffer_[1728]
-
-Ruß, _Schwetzling_[1743]
-
-[Fußnote 1740: ([775] auf S. 64.355) S. arg.]
-
-[Fußnote 1741: ([776] auf S. 64.355) S. aufwachen.]
-
-[Fußnote 1742: ([777] auf S. 64.355) S. ausschlafen.]
-
-[Fußnote 1743: ([778] auf S. 64.355) S. Ofenruß. ]
-
-
- S. [65.33]
-
-Saal, _grandiche Schrende_ (d. h. »große Stube«)[1744]
-
-Säbel, _Latt_[1745]
-
-Sache, _Sore_[1746]
-
-Sack, _Rande_[1747]
-
-Säckel, _Kiesreiber_[1748]
-
-sagen s. reden; vgl. sprechen
-
-Sahne, _Gleisschund_[1749]; vgl. Rahm
-
-Salat, _Blättling_[1750]
-
-Salz, _Spronkert_[1751]
-
-Salzbüchse, _Spronkertschottel_[1752]
-
-salzen, _spronkere_[1751]
-
-salzig, _g'spronkt_
-
-Salzfisch, _Spronkertschwimmerling_[1753]; vgl. Hering
-
-Salzfleisch, _Spronkertbossert_[1754]
-
-[Fußnote 1744: ([1] auf S. 65.33) S. Adler u. Frauenstube. — Sachl.
-übereinstimmend auch die Zigeunersprache; s. _Liebich_, S. 234
-(_bāri_ [od. buchli] _tattin_ [od. isma], d. h. »große [od. weite]
-Stube« = Saal); vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 17.]
-
-[Fußnote 1745: ([2] auf S. 65.33) S. Degen.]
-
-[Fußnote 1746: ([3] auf S. 65.33) S. Brücke.]
-
-[Fußnote 1747: ([4] auf S. 65.33) S. Bauch.]
-
-[Fußnote 1748: ([5] auf S. 65.33) S. Beutel; vgl. Bankier.]
-
-[Fußnote 1749: ([6] auf S. 65.33) S. abgerahmte Milch.]
-
-[Fußnote 1750: ([7] auf S. 65.33) S. Gulasch.]
-
-[Fußnote 1751: ([8] auf S. 65.33) S. einsalzen.]
-
-[Fußnote 1752: ([9] auf S. 65.33) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 1753: ([10] auf S. 65.33) S. (betr. _Schwimmerling_) Fisch.]
-
-[Fußnote 1754: ([11] auf S. 65.33) S. (betr. _Bossert_) Aas.]
-
-Salznapf, _Spronkertnolle_[1755] [65.34]
-
-sanft, _dof_[1756]
-
-Sänger, _Schaller_; Sängerin, _Schallerin_[1757]
-
-Sarg, _Begerkittle_ (d. h. »Totenhäuschen«)[1758]
-
-Satan, _Koele_[1759]; vgl. Teufel
-
-satt, _grandich bikt_ od. _buttet_ (d. h. »viel gegessen«)[1760]
-
-Sau, _Balo_, _Groenikel_[1761]
-
-sauber, _dof_[1756]
-
-säubern, _pfladere_[1762]
-
-Sauerkraut, _Groenert_[1763]
-
-saufen, _schwächen_[1764]
-
-Sauferei, _Schwächerei_
-
-Sauhirt, _Groenikelbenk_, _Groenikelschure_[1761][1765]
-
-Saustall, _Groenikelstenkert_[1766]
-
-[Fußnote 1755: ([12] auf S. 65.34) S. Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 1756: ([13] auf S. 65.34) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 1757: ([14] auf S. 65.34) S. absingen.]
-
-[Fußnote 1758: ([15] auf S. 65.34) S. absterben u. Abort. — Auch bei
-den Zigeunern kommt für den Sarg _muléskĕro ker_, d. h. »Totenhaus«,
-vor neben _muléskĕri kistari_, d. h. »Totenkiste«, oder _muléskéro
-rukk_, d. h. »Totenbaum« (»weil vormals ein ausgehöhlter Baum als Sarg
-diente«); s. _Liebich_, S. 147 u. 234; vgl. »Vorbemerkg.«, S. 18.]
-
-[Fußnote 1759: ([16] auf S. 65.34) S. dazu die _Zusammenstzgn_.:
-_Koelebossert_ = »Teufelsbraten«, _Koeleklettert_ = »Teufelstisch« (?)
-u. _Koelesgroenert_ (d. h. eigtl. »Teufelskraut«) = Unkraut (s. d. betr.
-Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); eine Ableitg. davon ist das Adj.
-_koelich_ = teuflisch. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
-J.-W.-B._ 345 (_Kohle_ = Teufel, _kohlezopfen_ = »Teufelholen«);
-_Schwäb. Händlerspr._ 487 (_Kôle_, _Koule_ [od. _Quane_] = Teufel).
-Sonst m. Wiss. unbekannt. Die _Etymologie_ des Wortes ist unsicher. Bei
-der Form _Ko(h)le_ könnte man ja allenfalls an eine Metapher mit Bez.
-auf die (kohl)schwarze Farbe des Teufels denken (vgl. _Günther_,
-Rotwelsch, S. 66); nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 575 (unter
-»Kole« I) liegt dagegen — ebenso wie bei _Quane_ in der _schwäb_.
-_Händlerspr._ (s. Sp. 889) — vielleicht eine koseformartige
-Verunstaltung des Eigennamens _Konrad_ vor, der (gleich verschiedenen
-anderen Eigennamen) in manchen Gegenden für den Teufel vorkommt (vgl.
-dazu _Fischer_, a. a. O. IV, Sp. 608 unter »Konrad«, Nr. 4 vbd. mit
-_Wackernagel_, Kleinere Schriften [Leipz. 1872 ff.], Bd. III, S. 151/52
-u. _O. Meisinger_, die Appellativnamen in den hochd. Mundarten [Progr.]
-I [Lörrach 1904], S. 15, 16).]
-
-[Fußnote 1760: ([17] auf S. 65.34) S. Adler u. Abendessen; vgl.
-»Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38.]
-
-[Fußnote 1761: ([18] auf S. 65.34) S. Eber.]
-
-[Fußnote 1762: ([19] auf S. 65.34) S. abwaschen.]
-
-[Fußnote 1763: ([20] auf S. 65.34) S. Gemüse.]
-
-[Fußnote 1764: ([21] auf S. 65.34) S. Amme.]
-
-[Fußnote 1765: ([22] auf S. 65.34) S. (betr. _Benk_) brauchbarer Bursche
-u. (betr. _Schure_) abbiegen.]
-
-[Fußnote 1766: ([23] auf S. 65.34) S. Entenstall.]
-
-Schädel, _Ki(e)bes_[1767] [65.35]
-
-Schaf, _Jerusalemsfreund_[1768]
-
-Schafbock, _grandich Jerusalemsfreund_[1769]
-
-Schäfer, _Jerusalemsfreundschure_[1770]
-
-Schäferhund, _Jerusalemsfreundkib_[1771]
-
-Schäferin, _Jerusalemsfreundmos(s)_[1772]
-
-Schäferknecht, _Jerusalemsfreundschenegler_[1773]
-
-Schafhirt s. Schäfer
-
-Schafstall, _Jerusalemsfreundstenkert_[1766]
-
-Schale (Schüssel), _Schottel_[1752]
-
-Scham, (weibliche), _Geschmu_, _G'schmui_[1774]
-
-schamhaft, _dof_[1756]
-
-schamlos, _schofel_[1775]
-
-schauen, _linzen_[1776]
-
-Schauspieler s. Komödiant
-
-Schauspielhaus, _Schnurrantekitt_[1777]; vgl. Komödienhaus
-
-Scheit, Scheitholz, _Spraus_[1778]
-
-schelten, _stämpfen_[1779]
-
-Schemel, _Sitzleng_[1780]
-
-Schenke, _Beiz_, _Kober_[1781]
-
-Schenkel, _Tritt_[1782]
-
-schenken s. beschenken
-
-Schenkwirt, _Beizerer_, _Koberer_; Schenkwirtin, _Beizere_,
-_Kobere_[1781]
-
-Scheune, _Schaffel_ (Dimin.: _Schaffelle_ [Spr.])[1783]
-
-[Fußnote 1767: ([24] auf S. 65.35) S. Angesicht.]
-
-[Fußnote 1768: ([25] auf S. 65.35) S. Hammel.]
-
-[Fußnote 1769: ([26] auf S. 65.35) S. (betr. _grandich_) Adler; vgl.
-auch Bischof.]
-
-[Fußnote 1770: ([27] auf S. 65.35) S. Anm. 1765 a. E.]
-
-[Fußnote 1771: ([28] auf S. 65.35) S. Haushund.]
-
-[Fußnote 1772: ([29] auf S. 65.35) S. Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 1773: ([30] auf S. 65.35) S. abschaffen.]
-
-[Fußnote 1774: ([31] auf S. 65.35) S. Glied (weibliches).]
-
-[Fußnote 1775: ([32] auf S. 65.35) S. arg.]
-
-[Fußnote 1776: ([33] auf S. 65.35) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 1777: ([34] auf S. 65.35) S. Äquilibrist u. Abort.]
-
-[Fußnote 1778: ([35] auf S. 65.35) S. Baumholz.]
-
-[Fußnote 1779: ([36] auf S. 65.35) S. Ärger.]
-
-[Fußnote 1780: ([37] auf S. 65.35) S. Bank.]
-
-[Fußnote 1781: ([38] auf S. 65.35) S. (zu beiden Ausdr.) Gasthaus.]
-
-[Fußnote 1782: ([39] auf S. 65.35) S. Entenfuß.]
-
-[Fußnote 1783: ([40] auf S. 65.35) Zu _Schaffel_ = Scheune (Schuppen,
-Speicher, Tenne), Dimin.: _Schaffelle_ (Spr.), vgl. (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 344 (_Schaffel[e]_ = Scheuer); _Schwäb.
-Händlerspr._ (_Lütz._ [215]: _Schafell_ = Scheune). Im sonst. Rotw.
-findet sich (in _älterer_ Zeit) die Form _Schabelle(n)_ — für Scheune,
-»Stadel« u. dgl. = (s. z. B. _Hempel_ 1687 [169]; _Waldheim. Lex._ 1726
-[188]; _Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. [251] u. a. m.), später _auch_
-_Schowelle_ (s. z. B _Pfister bei Christensen_ 1814 [330]; _v. Grolman_
-63 u. T.-G. 118; Thiele 311), _Schabolle_, _Schapolle_, _Schewelle_ u.
-ä. (s. A.-L. 598 unter »Schibboles«). Ob auch das _gleichbed._
-_Schambutter_ (so z. B. schon im _W.-B. des Konst. Hans_ 258 sowie im
-19. Jahrh.) nur eine Weiterbildung desselben Stammes ist, wage ich nicht
-zu entscheiden; wegen _der abweichenden Bedeutung_ zu trennen dürften
-dagegen wohl sein _Schaffel_ (_Schaffehl_ oder _Schaffihl_) = Schüssel
-(z. B. bei _Pfister bei Christensen_ 1814 [328] und _v. Grolman_ 58 u.
-T.-G. 120) bezw. _Schaffel_ = Schlüssel (z. B. bei _Falkenberg_ 1818
-[334]). _Etymologie_: Der Ausdruck darf wohl mit A.-L. 598 hergeleitet
-werden vom hebr. _schibbôlet_ = Ähre (Kornähre), woraus die
-Begriffserweiterung zu »Scheune« u. dgl. unschwer zu erklären ist.]
-
-schießen, _schnelle_[1784] [65.36]
-
-Schießgewehr, _Klass_[1785], _Schnelle_[1784]
-
-Schießhaus, _Klasskitt_[1786]
-
-Schießpulver, _Kuiete_[1787]
-
-Schilf, _Flu(h)tekupfer_ (d. h. »Wassergras«)[1788]
-
-Schimmel, _Trabert_[1789]; vgl. die Bemerkung unter »Rappe«
-
-schimpfen, _stämpfen_[1779]
-
-Schinken, _Schwärzlingbossert_ (d. h. eigtl. »Ruß- [od. Rauch-]
-fleisch«)[1790]
-
-Schirm (bes. Regenschirm), _Dächle_ (Spr.)[1791], _Flotscher_ od.
-_Pflotscher(t)_ (Spr.)[1792]
-
-Schirmflicker(in), _Dächlespflanzer(in)_ od. _Pflotscherpflanzer(in)_
-(Spr.)[1793]
-
-[Fußnote 1784: ([41] auf S. 65.36) S. abschießen.]
-
-[Fußnote 1785: ([42] auf S. 65.36) S. Büchse.]
-
-[Fußnote 1786: ([43] auf S. 65.36) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 1787: ([44] auf S. 65.36) S. Mastpulver.]
-
-[Fußnote 1788: ([45] auf S. 65.36) S. abbrühen u. Frucht.]
-
-[Fußnote 1789: ([46] auf S. 65.36) S. Füllen.]
-
-[Fußnote 1790: ([47] auf S. 65.36) S. Ofenruß u. Aas — An das in
-_Schwär(z)ling_ steckende »schwarz« erinnert auch die Ausdrucksweise der
-Zigeuner, die den Schinken (nach _Liebich_, S. 135 u. 236) durch
-_gālo mass_, d. h. »_schwarzes_ (geräuchertes) Fleisch«, od.
-_baléskĕro méllelo mass_, d. h. »_schwarzes_ Schweinefleisch«,
-umschreiben.]
-
-[Fußnote 1791: ([48] auf S. 65.36) _Zu_ _Dächle_ = (Regen-)Schirm s. die
-_Zus._: _Dächlespflanzer(in)_ = Schirmflicker(in) (u. dazu
-_Dächlespflanzerulma_ = Schirmflickerleute) u. _Dächlesrande_ =
-Schirmsack (sämtl. in den Spr.). Der (in den Geheimsprachen sonst m.
-Wiss. nicht gebräuchl.) Ausdruck ist wohl nur eine Weiterbildung
-(verkleinerte Verkürzung) des (neueren) volkstüml. »Regendach« für
-Regenschirm (vgl. dazu _Grimm_, D. W.-B. VIII, Sp. 519).]
-
-[Fußnote 1792: ([49] auf S. 65.36) S. Fisch.]
-
-[Fußnote 1793: ([50] auf S. 65.36) S. (betr. _-pflanzer[in]_)
-anbrennen.]
-
-Schirmflickerleute, _Dächlespflanzerulma_ (Spr.)[1794] [65.37]
-
-Schirmsack, _Dächlesrande_ (Spr.)[1795]
-
-schlachten, _deisen_[1796], _kaflere_[1797]
-
-Schlächter, _Kafler_
-
-Schlachthaus, _grandich Kaflerskitt_[1798]
-
-schlafen, _durme_[1799], _schlaune_[1800]
-
-schläfrig, _durmerich_[1799], _schlaunerich_[1800]
-
-Schläge, _Doge_[1801], _Guffe_[1802], _Stenze_[1803]; vgl. Prügel
-
-schlagen, _dogen_[1801], _guffen_[1802], _koberen_[1804],
-_stenzen_[1803]; vgl. prügeln
-
-Schlägerei, _Gufferei_[1802], _Hamore_[1805], _Stenzerei_[1803]
-
-Schlamm, _Flu(h)tefu(h)l_ od. _Flu(h)teschund_ (d. h. eigtl.
-»Wasserdreck«)[1806]
-
-schlau, _kochem_[1807]
-
-schlecht, _schofel_[1808]
-
-[Fußnote 1794: ([51] auf S. 65.37) S. (betr. _Ulma_) arme Leute.]
-
-[Fußnote 1795: ([52] auf S. 65.37) S. Bauch.]
-
-[Fußnote 1796: ([53] auf S. 65.37) S. ermorden.]
-
-[Fußnote 1797: ([54] auf S. 65.37) S. Fleischer.]
-
-[Fußnote 1798: ([55] auf S. 65.37) S. (betr. _Kitt_) Abort; vgl.
-Metzgerhaus.]
-
-[Fußnote 1799: ([56] auf S. 65.37) S. aufwachen.]
-
-[Fußnote 1800: ([57] auf S. 65.37) S. ausschlafen.]
-
-[Fußnote 1801: ([58] auf S. 65.37) S. abgeben.]
-
-[Fußnote 1802: ([59] auf S. 65.37) S. aufschlagen.]
-
-[Fußnote 1803: ([60] auf S. 65.37) S. Ast.]
-
-[Fußnote 1804: ([61] auf S. 65.37) S. dazu _verkobere_ = verhauen. —
-_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 343, 345
-(_koberen_ = auspeitschen, prügeln, schlagen, _makoberen_ od.
-_mulkobern_ = totschlagen [s. betr. _mul_ = tot (aus dem Zigeun.):
-_Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 81], _Koberei_ = Schlag, Streich); _Schwäb.
-Händlerspr._ 486 (_Koprement[e]_ = Schläge). Im sonst Rotw. selten; s.
-jedoch z. B. noch _v. Grolman_, _Aktenmäß. Gesch._ 1813 (312: _Koberment
-gedockt_ = Schläge gegeben). Die _Etymologie_ ist zweifelhaft.
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 627 hat zu _Koprement_ das ital.
-_coprire_ = »zudecken« (mit einem Fragezeichen) herangezogen. Nach
-_Grimm_, D. W.-B. V, Sp. 1546, Nr. 3, lit. g u. Sp. 1547 soll das in
-deutschen Mundarten verbreitete _kobern_ = »durchprügeln« (auch _Kober
-kriegen_ = »Prügel kriegen« u. ä. m.) entstanden sein aus dem latein.
-_recuperare_ = »sich erholen« (vielleicht in scherzhafter Anwendung),
-das jedoch zugleich wohl auch mit einem abgestorbenen _germanischen_
-Stamm verwachsen sei.]
-
-[Fußnote 1805: ([62] auf S. 65.37) S. Fehde.]
-
-[Fußnote 1806: ([63] auf S. 65.37) S. abbrühen u. Abort bezw. abgerahmte
-Milch. — Bei den Zigeunern wird der Schlamm (nach _Liebich_, S. 164 u.
-236 durch _sāno tschikk_, d. h. »dünner Schmutz«, umschrieben.]
-
-[Fußnote 1807: ([64] auf S. 65.37) S. besonnen.]
-
-[Fußnote 1808: ([65] auf S. 65.37) S. arg.]
-
-schließen, _beschrenken_[1809] [65.38]
-
-Schließer, _Beschrenker_
-
-Schlosser, _Glitschinpflanzer_[1810]
-
-Schloß (Gebäude), _dofe Kitt_ (d. h. »schönes Haus«)[1811]
-
-schluchzen, _glemsen_[1812]
-
-schlummern, _durme_[1813], _schlaune_[1814]
-
-Schlüssel, _Glitschin_[1815]
-
-Schmach, _Lenk_, _Schofel_ (subst. Adj.)[1816]
-
-schmähen, _stämpfen_ od. _stumpfen_[1817]
-
-Schmäher, _Stämpfer_
-
-Schmalz, _Schmunk_[1818]
-
-schmalzen, _schmunken_
-
-Schmaus, _Bikus_, _Butterei_, _Kahlerei_[1819]
-
-schmausen, _achilen_[1820], _biken_, _butten_[1819]
-
-schmecken, (= riechen), _muffen_[1821]
-
-schmeißen, _plotzen_[1822]
-
-schmelzen (richtiger wohl: schmalzen), _schmunken_[1818]
-
-Schmiere, _Schmunk_[1818]
-
-schmierig, _schundich_[1823]
-
-Schmutz, _Schund_[1823]
-
-schmutzig, _schundich_ od. _schondich_ (Spr.)
-
-Schnabel, _Muffer_[1821]
-
-Schnaps s. Branntwein
-
-Schnauze, _Giel_[1824]
-
-Schneider, _Stichler_; Schneiderin, _Stichlere_[1825]
-
-[Fußnote 1809: ([66] auf S. 65.38) S. abschließen.]
-
-[Fußnote 1810: ([67] auf S. 65.38) S. Dietrich u. anbrennen.]
-
-[Fußnote 1811: ([68] auf S. 65.38) S. angenehm u. Abort.]
-
-[Fußnote 1812: ([69] auf S. 65.38) S. ausweinen.]
-
-[Fußnote 1813: ([70] auf S. 65.38) S. aufwachen.]
-
-[Fußnote 1814: ([71] auf S. 65.38) S. ausschlafen.]
-
-[Fußnote 1815: ([72] auf S. 65.38) S. Dietrich.]
-
-[Fußnote 1816: ([73] auf S. 65.38) S. (zu beiden Ausdr.) arg; vgl.
-»Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 vbd. m. S. 8, Anm. 20.]
-
-[Fußnote 1817: ([74] auf S. 65.38) S. Ärger.]
-
-[Fußnote 1818: ([75] auf S. 65.38) S. Bratkartoffeln.]
-
-[Fußnote 1819: ([76] auf S. 65.38) S. (zu allen drei Ausdr.)
-Abendessen.]
-
-[Fußnote 1820: ([77] auf S. 65.38) S. essen.]
-
-[Fußnote 1821: ([78] auf S. 65.38) S. Aas.]
-
-[Fußnote 1822: ([79] auf S. 65.38) S. bewerfen.]
-
-[Fußnote 1823: ([80] auf S. 65.38) S. abgerahmte Milch.]
-
-[Fußnote 1824: ([81] auf S. 65.38) S. Affengesicht.]
-
-[Fußnote 1825: ([82] auf S. 65.38) S. aufnähen.]
-
-Schneidersfrau, _Stichlersmos(s)_[1826] [65.39]
-
-schnupfen, _Toberich muffe_ (d. h. »Tabak riechen«)[1827]
-
-schön, _dof_[1828]
-
-Schoppen, _Glansert_[1829], _Nolle_[1830]
-
-Schoppenglas, _Blambglansert_ (d. h. »Bierglas«)[1829]
-
-Schreck(en), _Bauser_[1831]
-
-schreiben, _feberen_[1832]
-
-Schreiben (= Schreiberei, Schrift), _Feberei_[1832], (= Brief),
-_Kritzler_[1833]
-
-Schreiber, _Feberer_
-
-Schreibtisch, _Feberklettert_[1834]
-
-schreien, _glemsen_[1835]
-
-Schrift, _Feberei_[1832], _Kritzler_[1833]
-
-Schriftgelehrter, _grandich Feberer_[1836]
-
-schriftlich, _gefebert_ (d. h. »geschrieben«)[1832]
-
-Schuh, _Tritt_[1837], _Trittling_[1838]
-
-Schuhmacher, _Trittlengspflanzer_[1839]
-
-[Fußnote 1826: ([83] auf S. 65.39) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 1827: ([84] auf S. 65.39) S. Pfeife u. Aas. — Sachlich
-übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. _Liebich_, S. 160, 238 u. 244
-(_me sungāwa tuwăli_, d. h. »ich rieche Tabak«, = ich schnupfe.)]
-
-[Fußnote 1828: ([85] auf S. 65.39) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 1829: ([86] auf S. 65.39) S. Bierglas.]
-
-[Fußnote 1830: ([87] auf S. 65.39) S. Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 1831: ([88] auf S. 65.39) S. Angst.]
-
-[Fußnote 1832: ([89] auf S. 65.39) S. abschreiben; betr. _gefebert_ =
-schriftlich vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36.]
-
-[Fußnote 1833: ([90] auf S. 65.39) S. Attest.]
-
-[Fußnote 1834: ([91] auf S. 65.39) Mit _Klettert_ (= Tisch [Tafel]) sind
-weiter noch zusammengesetzt: a) im Anfang: _Klettertpflanzer_ =
-Tischler; b) am Ende: _Koeleklettert_ = »Teufelstisch« (?). _Zu vgl._
-(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 100 (_Glettert_ =
-Tisch); _W.-B. des Konst. Hans_ 259 (_Kleppert_ = Tisch). Zur
-_Etymologie_: Ohne Zweifel ist die ältere Form _Glettert_ (aus der durch
-mundartl. Aussprache leicht _Klettert_ entstehen konnte) richtiger als
-_Kleppert_ und (wie auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 676 meint)
-nichts anderes als das ältere _Glattert_ (s. z. B. _A. Hempel_ 1687
-[167] u. _Waldh. Lex._ 1726 [190]), das seinerseits dem noch älteren
-_Glatthart_ u. ä. (s. _Lib. Vagat._ 53 u. schon bei _G. Edlibach_ um
-1490 [20: _Glatthar_]) entspricht (mit Bez. auf die Glätte der
-Tischplatte; vgl. im _Pfulld. J.-W.-B._ 345: _Glatt_ = Tisch). S.
-_Stumme_, S. 24; _Günther_, Rotwelsch, S. 59; vgl. auch _Pott_ II, S. 34
-u. A.-L. IV, S. 282/83 sowie schon »Vorbemerkg.«, S. 10.]
-
-[Fußnote 1835: ([92] auf S. 65.39) S. ausweinen.]
-
-[Fußnote 1836: ([93] auf S. 65.39) S. (betr. _grandich_) Adler; vgl.
-Bischof.]
-
-[Fußnote 1837: ([94] auf S. 65.39) S. Entenfuß.]
-
-[Fußnote 1838: ([95] auf S. 65.39) S. Ferse.]
-
-[Fußnote 1839: ([96] auf S. 65.39) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
-
-Schulden, _Bomma_[1840], _Keif_[1841] [65.40]
-
-Schule, _Plaudererskitt_[1842], auch _Plauderei_ (Spr.)
-
-Schullehrer, _Galmeguffer_[1843], _Plauderer_[1842]
-
-Schultheiß, _Kritsch_, _Schar(r)le_[1844]
-
-Schuppen, _Schaffel_[1845]
-
-Schürze, _Fürflamme_[1846]
-
-Schüssel, _Schottel_[1847]
-
-Schuster s. Schuhmacher
-
-Schustersfrau, _Trittlingpfanzersmos(s)_[1848]
-
-Schutzmann s. Polizeidiener
-
-schwachsinnig, _ni(e)sich_, _nillich_[1849]
-
-Schwalbe, _Furschetefläderling_ (d. h. »Gabelvogel«, nach der
-gabelförmigen Gestalt des Schwanzes)[1850]
-
-Schwan, _grandich Babing_ od. _Strohbutzer_ (d. h. etwa »[sehr] große
-Gans«)[1851]
-
-schwanger, _grandiche Rande_ (d. h. eigtl. »dicker Bauch«)[1852]
-
-schwanger gehen, _grandiche Rande bosten_[1853]
-
-Schwarzbrot, _Schoflelehm_ od. _Schofellechem_ (Spr.) (d. h. »schlechtes
-Brot«)[1854]
-
-Schwarzkünstler, _Finkelkaffer_[1855]
-
-Schwätzer, _Schmuser_[1856]
-
-schweigen, _(sich) schupfen_, _sich aufschupfen_ (schweig still,
-_schupfte_ [Spr.], _schupf dich [auf]_)[1857]
-
-[Fußnote 1840: ([97] auf S. 65.40) S. borgen.]
-
-[Fußnote 1841: ([98] auf S. 65.40) S. Borg (auf —)]
-
-[Fußnote 1842: ([99] auf S. 65.40) S. Lehrer u. Abort.]
-
-[Fußnote 1843: ([100] auf S. 65.40) S. brauchbares Kind u. aufschlagen;
-vgl. Lehrer.]
-
-[Fußnote 1844: ([101] auf S. 65.40) S. (zu beiden Ausdr.)
-Bürgermeister.]
-
-[Fußnote 1845: ([102] auf S. 65.40) S. Scheune.]
-
-[Fußnote 1846: ([103] auf S. 65.40) S. Frauenschürze.]
-
-[Fußnote 1847: ([104] auf S. 65.40) S. Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 1848: ([105] auf S. 65.40) S. Ferse, anbrennen u. Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 1849: ([106] auf S. 65.40) S. aberwitzig.]
-
-[Fußnote 1850: ([107] auf S. 65.40) S. Gabel u. Adler. — Sachl.
-übereinstimmend auch die Zigeunerspr. (_forschettākro tschirkŭlo_,
-d. h. »Gabelvogel«, — neben _forschettākri porin_, d. h.
-»Gabelschwanz«); s. _Liebich_, S. 135 u. 239.]
-
-[Fußnote 1851: ([108] auf S. 65.40) S. Adler u. Gans; vgl. Bischof. —
-Dieselbe Art der Umschreibung kennen die Zigeuner; s. _Liebich_, S. 239
-(_bāri pāpin_, d. h. »große Gans« = Schwan); vgl. schon
-»Vorbemerkung«, S. 17.]
-
-[Fußnote 1852: ([109] auf S. 65.40) S. Adler u. Bauch.]
-
-[Fußnote 1853: ([110] auf S. 65.40) S. (betr. _bosten_) abgehen.]
-
-[Fußnote 1854: ([111] auf S. 65.40) S. arg u. Bäcker.]
-
-[Fußnote 1855: ([112] auf S. 65.40) S. behext u. Bauer.]
-
-[Fußnote 1856: ([113] auf S. 65.40) S. ansagen.]
-
-[Fußnote 1857: ([114] auf S. 65.40) S. aufhören.]
-
-Schwein, _Balo_, _Groenikel_[1858] [65.41]
-
-Schweinefleisch, _Groenikelbossert_[1859]
-
-Schweinehändler, _Groenikelkemerer_[1860]
-
-Schweinehirt s. Sauhirt
-
-Schweinemetzger, _Groenikelkafler_[1861]
-
-Schweinestall s. Saustall.
-
-Schweinezitzen, _Groenikelschwächerle_[1862]
-
-Schweinsborsten, _Groenikelstrauberts_[1863]
-
-Schwert, _Latt_[1864]
-
-Schwester, _Glied_[1865], _Model_[1866]; vgl. Geschwister
-
-Schwiegersohn s. Tochtermann.
-
-Schwindsucht, _grandich Begerisch_[1867]
-
-schwitzen (ich schwitze, _Flu[h]te bostet mer herab_, d. h. »das Wasser
-läuft mir herab«)[1868]
-
-See, _Flu(h)te_[1868]
-
-Seehund, _Flu(h)tekib_[1869]
-
-sehen, _linzen_[1870]
-
-sei ruhig (still) s. schweigen
-
-Seiltänzer, _Schnurrant_[1871]
-
-Semmel (Weck), _Kechelte_[1872]
-
-Sense, _Kupfersore_ (d. h. etwa »Grasding«)[1873]
-
-Sessel, _Sitzleng_[1874]
-
-[Fußnote 1858: ([115] auf S. 65.41) S. (zu beiden Ausdr.) Eber.]
-
-[Fußnote 1859: ([116] auf S. 65.41) S. (betr. _Bossert_) Aas.]
-
-[Fußnote 1860: ([117] auf S. 65.41) S. abkaufen.]
-
-[Fußnote 1861: ([118] auf S. 65.41) S. Fleischer.]
-
-[Fußnote 1862: ([119] auf S. 65.41) S. Amme.]
-
-[Fußnote 1863: ([120] auf S. 65.41) S. Augenbrauen.]
-
-[Fußnote 1864: ([121] auf S. 65.41) S. Degen.]
-
-[Fußnote 1865: ([122] auf S. 65.41) S. Bruder.]
-
-[Fußnote 1866: ([123] auf S. 65.41) S. Beischläferin.]
-
-[Fußnote 1867: ([124] auf S. 65.41) S. Adler u. absterben; vgl. Bischof;
-s. auch (betr. die Substantivierung des Adj) »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm.
-38.]
-
-[Fußnote 1868: ([125] auf S. 65.41) S. abbrühen u. abgehen. — Sachlich
-übereinstimmend auch die Zigeunersprache; s. das Näh. schon in der
-»Vorbemerkg«, S. 17, Anm. 44 a. E. vbd. mit _Liebich_, S. 240 (unter
-»schwitzen«).]
-
-[Fußnote 1869: ([126] auf S. 65.41) S. (betr. _Kib_) Haushund.]
-
-[Fußnote 1870: ([127] auf S. 65.41) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 1871: ([128] auf S. 65.41) S. Äquilibrist.]
-
-[Fußnote 1872: ([129] auf S. 65.41) S. Milchbrötchen.]
-
-[Fußnote 1873: ([130] auf S. 65.41) S. Frucht u. Brücke. — Im Zigeun.
-heißt (nach _Liebich_, S. 164 u. 240) die Sense _kasséskĕri
-tschinamáskĕri_, d. h. »ein Heuschneideding« (zu _kass_ = Heu), od.
-wohl auch bloß _tschinamáskĕri_.]
-
-[Fußnote 1874: ([131] auf S. 65.41) S. Bank.]
-
-Seuche, _Begerei_[1875] [65.42]
-
-Siechenhaus s. Krankenhaus; vgl. Spital
-
-Siechtum, _Begerisch_[1875]
-
-Signalement, _Giel_ (d. h. »Gesicht«)[1876]
-
-singen, _schallen_[1877]
-
-Singvogel, _Schallerfläderling_[1878]
-
-sinnlos, _ni(e)sich_, _nillich_[1879]
-
-sittsam, _dof_[1880]
-
-sitzen (niedersitzen), _hauren_[1881], _schef(f)ten_[1882]
-
-Socken, _Kafferstreifling_ (d. h. »Männerstrümpfe«)[1883]
-
-Sohn, _Bengesle_[1884], _Fi(e)sele_[1885], _Freierle_[1886], auch
-_Glied_[1887]
-
-Sold, _Bich_[1888], _Lobe_[1889], _Pfreimerei_[1890]
-
-Soldat, _Lanenger_[1891]
-
-Soldaten, _Lanengere_
-
-Soldatenfrau, _Lanengermos(s)_[1892]
-
-Soldatenmütze, _Lanengeroberman(n)_[1893]
-
-Soldatenwirtschaft, _Lanengerbeiz_ od. _-kober_[1894]
-
-Sonntag, _Bossertschei_ (d. h. »Fleischtag«)[1895] od. _Weisleng_[1896]
-
-Sorge, _Bauser_[1897]
-
-[Fußnote 1875: ([132] auf S. 65.42) S. absterben.]
-
-[Fußnote 1876: ([133] auf S. 65.42) S. Affengesicht.]
-
-[Fußnote 1877: ([134] auf S. 65.42) S. absingen.]
-
-[Fußnote 1878: ([135] auf S. 65.42) S. (betr. _Fläderling_) Adler.]
-
-[Fußnote 1879: ([136] auf S. 65.42) S. aberwitzig.]
-
-[Fußnote 1880: ([137] auf S. 65.42) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 1881: ([138] auf S. 65.42) S. elend.]
-
-[Fußnote 1882: ([139] auf S. 65.42) S. daher (a. E.)]
-
-[Fußnote 1883: ([140] auf S. 65.42) S. Bauer u. Fußlappen.]
-
-[Fußnote 1884: ([141] auf S. 65.42) S. brauchbarer Bursche.]
-
-[Fußnote 1885: ([142] auf S. 65.42) S. Bettelbube.]
-
-[Fußnote 1886: ([143] auf S. 65.42) S. Fremder.]
-
-[Fußnote 1887: ([144] auf S. 65.42) S. Bruder.]
-
-[Fußnote 1888: ([145] auf S. 65.42) S. Almosen.]
-
-[Fußnote 1889: ([146] auf S. 65.42) S. Bank.]
-
-[Fußnote 1890: ([147] auf S. 65.42) S. abzahlen.]
-
-[Fußnote 1891: ([148] auf S. 65.42) S. Hauptmann.]
-
-[Fußnote 1892: ([149] auf S. 65.42) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 1893: ([150] auf S. 65.42) S. Fingerhut.]
-
-[Fußnote 1894: ([151] auf S. 65.42) S. Gasthaus.]
-
-[Fußnote 1895: ([152] auf S. 65.42) S. Aas u. alltäglich. — Auch die
-Zigeuner kennen für Sonntag (neben dem einfachen _gurko_) die
-Umschreibung _más(s)elo diwes_, d. h. ebenfalls »Fleischtag« (s.
-_Liebich_, S. 145, 190 u. 241 sowie _Finck_, S. 55 u. 72), weil an
-diesem Tage ausnahmsweise »Fleisch aufgetragen zu werden pflegt«
-(_Liebich_, S. 85); vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S. 18.]
-
-[Fußnote 1896: ([153] auf S. 65.42) S. Feiertag.]
-
-[Fußnote 1897: ([154] auf S. 65.42) S. Angst.]
-
-spähen, _linzen_[1898] [65.43]
-
-Spätzle (schwäb. Mehlspeise), _Hegesle_ (Spr.)[1899]
-
-Spätzlessuppe, _Hegesleschnall_ (Spr.)[1900]
-
-spazieren (gehen), _bosten_[1901]
-
-Speck, _Schmunkbossert_ (d. h. »Fettfleisch«)[1902]
-
-Speicher, _Schaffel_[1903]
-
-Speise, _Bikus_[1904]
-
-Speisen (das), _Achilerei_[1905], _Bikerei_, _Butterei_,
-_Kahlerei_[1904].
-
-sperren (schließen), _beschrenken_[1906]
-
-Spiegel, _Linzer_[1898]
-
-Spiel (Musik), _Niklerei_[1907]
-
-spielen (musizieren), _niklen_
-
-Spieler (Musikant), _Nikler_
-
-Spital, _Begerkitt_[1908]
-
-Splitter, _Spräusle_[1909]
-
-sprechen, _dibere_[1910], _schmusen_[1911]
-
-Sprecher, _Diberer_, _Schmuser_
-
-Spuk (Gespenst), _Schuberle_[1912]
-
-Staar, _Fläderling_[1913]
-
-Stab, _Spraus_[1909]
-
-Stachel, _Stupfle_[1914]
-
-Stadt, _Steinhäufle_[1915]
-
-[Fußnote 1898: ([155] auf S. 65.43) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 1899: ([156] auf S. 65.43) S. Knödel.]
-
-[Fußnote 1900: ([157] auf S. 65.43) S. (betr. _Schnall_) Metzelsuppe.]
-
-[Fußnote 1901: ([158] auf S. 65.43) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 1902: ([159] auf S. 65.43) S. Bratkartoffeln u. Aas.]
-
-[Fußnote 1903: ([160] auf S. 65.43) S. Scheune.]
-
-[Fußnote 1904: ([161] auf S. 65.43) S. Abendessen.]
-
-[Fußnote 1905: ([162] auf S. 65.43) S. essen.]
-
-[Fußnote 1906: ([163] auf S. 65.43) S. abschließen.]
-
-[Fußnote 1907: ([164] auf S. 65.43) S. aufspielen.]
-
-[Fußnote 1908: ([165] auf S. 65.43) S. absterben u. Abort.]
-
-[Fußnote 1909: ([166] auf S. 65.43) S. Baumholz.]
-
-[Fußnote 1910: ([167] auf S. 65.43) S. anreden.]
-
-[Fußnote 1911: ([168] auf S. 65.43) S. ansagen.]
-
-[Fußnote 1912: ([169] auf S. 65.43) S. Gespenst.]
-
-[Fußnote 1913: ([170] auf S. 65.43) S. Adler.]
-
-[Fußnote 1914: ([171] auf S. 65.43) S. Dorn; vgl. Igel.]
-
-[Fußnote 1915: ([172] auf S. 65.43) Mit _Steinhäufle_ sind
-_zusammengesetzt_: a) _im Anfang_: _Steinhäuflesulme_ = Städter; b) _am
-Ende_: _Patrissteinhäufle_ = Vaterstadt u. _Vorsteinhäufle_ = Vorstadt.
-_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99
-(_Steinhäufle_ = Stadt); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (ebenso); _Schwäb.
-Händlerspr._ 486 (desgl., nur in _Wolfach_ auch = Dorf [s. 480]). Zur
-_Etymologie_ (Dimin. von dem humorist., im Rotw. schon seit dem 18.
-Jahrh. [s. z. B. _Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. (232)] auftretenden Ausdr.
-_Steinhaufen_ = Stadt [s. A.-L. 611]) vgl. Näh. noch (z. B. auch über
-_Verbindgn._ u. _Zus._ mit dem Worte zur Bezeichnung _bestimmter
-Städte_) bei _Günther_ in der Zeitschr. »Die Polizei«, Jahrg. IV (1906),
-S. 122/23. — Nach _Wittichs_ »Einleitung«, S. 27 soll für _Steinhäufle_
-im Jenischen früher _Mogumle_ od. _Mokem_ gebräuchlich gewesen u.
-_Mochum_ sogar noch jetzt üblich sein, obwohl es mehr für »Dorf«
-vorzukommen scheint; vgl. Näh. unter »Dorf«.]
-
-Städter, _Steinhäuflesulme_[1916] [65.44]
-
-Stall, _Stenkert_[1917]
-
-Stamm, _Stöberspraus_[1918]
-
-Stange, _grandicher Spraus_ (d. h. etwa »langes Holz«)[1919]
-
-starr, _begert_ (d. h. »gestorben«, »tot«)[1920]
-
-Starrkopf (Dickkopf), _grandicher Ki(e)bes_[1921]
-
-stechen, _dupfen_[1922]
-
-Steckbrief, _lenker_ od. _schofler Kritzler_ (d. h. »schlechter
-Brief«)[1923] oder auch _Sprauskritzler_ (d. h. eigentl.
-»Holzbrief«)[1924]
-
-[Fußnote 1916: ([173] auf S. 65.44) S. (betr. _Ulme_) arme Leute.]
-
-[Fußnote 1917: ([174] auf S. 65.44) S. Entenstall.]
-
-[Fußnote 1918: ([175] auf S. 65.44) S. Apfelbaum u. Baumholz. Sachlich
-übereinstimmend auch die Zigeunersprache; s. _Liebich_, S. 242
-(_rukkéskĕro gascht_, eigtl. etwa »Baumholz«, = Stamm).]
-
-[Fußnote 1919: ([176] auf S. 65.44) S. (betr. _grandich_) Adler; vgl.
-Bischof. — Vgl. i. d. Zigeunerspr.: _bāro sāno gascht_, d. h.
-»großes (langes) dünnes Holz«, = Stange; s. _Liebich_, 242.]
-
-[Fußnote 1920: ([177] auf S. 65.44) S. absterben. — Vgl. auch im
-Zigeun.: _mulo_ (eigtl. »tot«) = starr (_Liebich_, S. 242).]
-
-[Fußnote 1921: ([178] auf S. 65.44) S. betr. (_Ki[e]bes_) Angesicht. —
-Vgl. im Zigeun.: _pesso schēro_, d. h. »Dickkopf«, = Starrkopf
-(_Liebich_, S. 242).]
-
-[Fußnote 1922: ([179] auf S. 65.44) Zu _dupfen_ = stechen (auch als
-Subst. _Dupfen_ = Stich, das Stechen) s. d. _Zus._ _Dupfsins_ =
-Wundarzt. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._
-101 (_vertupfen_ = verstechen); _Schöll_ 271 (_verdupfen_ = erstechen);
-_Pfulld. J.-W.-B._ 339, 346 (_dupfen_ = verstechen, _verlupfen_ [lies:
-verdupfen] = erstechen); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69 u. 75
-(_dupfen_ = stechen, _tupfen_ = erstechen); _Schwäb. Händlerspr._ 486
-(_dupfen_ = stechen). Auch sonst noch im (neueren) Rotw. gebr. (s. z. B.
-_Schintermicherl_ 1807 (288: _tupfen_ = stechen], _Pfister bei
-Christensen_ 1814 [319: _dupfen_ = stechen] u. a. m.). Zur _Etymologie_
-(von unserem gemeinspr., bes. in Süddeutschl. gebräuchl. Zeitw. _tupfen_
-= »gelinde spitz anstoßen«) s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 472-73
-(unter »tupfen«) vbd. mit _Weigand_, W.-B. II, Sp. 1088; vgl. auch
-_Schmeller_, W.-B. I, Sp. 615.]
-
-[Fußnote 1923: ([180] auf S. 65.44) S. arg u. Attest.]
-
-[Fußnote 1924: ([181] auf S. 65.44) Vgl. (betr. _Spraus_) Anm. 1909. —
-Es handelt sich hierbei um ein Wortspiel, indem man das »Steck-« in
-Steckbrief als »Stecken« (= Stock, Holz) aufgefaßt und dann ins Jenische
-übersetzt hat (vgl. Stock). Sachlich übereinstimmend auch die
-Zigeunerspr.; s. _Liebich_, S. 242 u. _Finck_, S. 70 (_gaschtĕno_
-[od. kašteno] _līl_, d. h. eigtl. »hölzerner Brief« od.
-»Steck¶en¶brief«, = Steckbrief neben _gālo_ [od. _kālo] līl_,
-d. h. eigtl. »schwarzer Brief«); vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 18, Anm.
-46 u. 47.]
-
-Stecken s. Stock [65.45]
-
-Steg, _Strade_[1925]
-
-stehlen, _schniffen_[1926], _schoren_ od. _z'schoren_ (Spr.)[1927]
-
-Stein, _Hertling_[1928], _Kies_[1929]
-
-steinern, _kiesich_[1929]
-
-Steineule, _Begerfläderling_ (d. h. »Totenvogel«)[1930]; vgl. Käuzchen
-
-Steinhauer, Steinmetz, _Hertlingsguffer_ oder _Kiesguffer_[1931]
-
-Steinklopfer s. Steinhauer
-
-Sterbebett, _Begersauft_[1932]
-
-Sterbekleid, _Begerkluft_[1933]
-
-sterben, _begeren_[1932]
-
-Sterben (das), _Begerei_
-
-sterblich, _begerisch_
-
-Stern, _Leileschei_ (d. h. »Nachtlicht«)[1934]; vgl. Mond
-
-Sternschnuppe, _Leileschei-Schund_ (d. h. »Nachtlichtschmutz«)[1935]
-
-Steuern, _Bleisgeren_[1936], _Pfreimen_[1937]
-
-Stich (= »das Stechen«), _Dupfen_[1938]
-
-Stiefel, _Trittleng_[1939]
-
-Stiefkind, _Schoflergalm_[1940]
-
-[Fußnote 1925: ([182] auf S. 65.45) S. Chaussee.]
-
-[Fußnote 1926: ([183] auf S. 65.45) S. anfassen.]
-
-[Fußnote 1927: ([184] auf S. 65.45) S. ausstehlen.]
-
-[Fußnote 1928: ([185] auf S. 65.45) S. Gestein.]
-
-[Fußnote 1929: ([186] auf S. 65.45) S. Apfelkern.]
-
-[Fußnote 1930: ([187] auf S. 65.45) S. absterben u. Adler; betr. die
-Übereinstimmung mit d. Zigeunern s. Käuzchen.]
-
-[Fußnote 1931: ([188] auf S. 65.45) S. (betr. _-guffer_) aufschlagen.]
-
-[Fußnote 1932: ([189] auf S. 65.45) S. (betr. _Sauft_) Bett.]
-
-[Fußnote 1933: ([190] auf S. 65.45) S. ankleiden.]
-
-[Fußnote 1934: ([191] auf S. 65.45) S. Abend u. alltäglich.]
-
-[Fußnote 1935: ([192] auf S. 65.45) S. (betr. _Schund_) abgerahmte
-Milch.]
-
-[Fußnote 1936: ([193] auf S. 65.45) S. anzahlen.
-
-[Fußnote 1937: ([194] auf S. 65.45) S. abzahlen. — _Beide_ Ausdr.
-bedeuten eigentl. nur »das Bezahlen«; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm.
-35. Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. _Liebich_, S.
-242: _pleisserpenn_, d. h. »die Bezahlung«, = Steuer.]
-
-[Fußnote 1938: ([195] auf S. 65.45) S. stechen; vgl. »Vorbemerkung«, S.
-15, Anm. 35.]
-
-[Fußnote 1939: ([196] auf S. 65.45) S. Entenfuß.]
-
-[Fußnote 1940: ([197] auf S. 65.45) S. arg u. brauchbares Kind.]
-
-Stiefmutter, _Schoflemamere_[1941] [65.46]
-
-Stiefvater, _Schoflerpatris_[1942]
-
-Stier, _Hornigel_ (sic)[1943]
-
-still schweigen (still sein) s. schweigen
-
-stinken, _muffen_[1944]
-
-stinkend, _muffich_ (mufig)
-
-Stirn, _Ki(e)bis_ (sic)[1945]
-
-Stock (Stecken), _Spraus_[1946], _Sprate_, _Stenz_[1947]
-
-Stockmacher, _Sprauspflanzer_[1948]
-
-stolz sein, _grandiche pflanzen_ (d. h. »den Großen machen«, »den großen
-Herrn spielen«)[1949]
-
-Storch, _grandich Flederling_ (wohl = »der größte Vogel«)[1950]
-
-Strafe, _Strupf_[1951]; Strafe bezahlen, _Strupf bereimen_[1952]
-
-strafen s. bestraft
-
-Straße, _Strade_[1953]
-
-Straßenarbeiter, _Stradeschenegler_[1954]
-
-Straßenwärter, _Stradebenk_[1955]
-
-Streichhölzer s. Zündhölzer
-
-Streit, _Hamore_, _More_[1956]
-
-Streiten (das), _Morerei_
-
-streng, _lenk_, _schofel_[1957]
-
-Streu, _Rauschert_[1958]
-
-[Fußnote 1941: ([198] auf S. 65.46) S. (betr. _Mamere_) Amme]
-
-[Fußnote 1942: ([199] auf S. 65.46) S. Eltern.]
-
-[Fußnote 1943: ([200] auf S. 65.46) S. Bulle.]
-
-[Fußnote 1944: ([201] auf S. 65.46) S. Aas.]
-
-[Fußnote 1945: ([202] auf S. 65.46) S. Angesicht.]
-
-[Fußnote 1946: ([203] auf S. 65.46) S. Baumholz.]
-
-[Fußnote 1947: ([204] auf S. 65.46) S. (zu beiden Ausdr.) Ast.]
-
-[Fußnote 1948: ([205] auf S. 65.46) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
-
-[Fußnote 1949: ([206] auf S. 65.46) S. (betr. _grandiche_) Adler.]
-
-[Fußnote 1950: ([207] auf S. 65.46) S. Adler; vgl. Bischof.]
-
-[Fußnote 1951: ([208] auf S. 65.46) S. bestraft.]
-
-[Fußnote 1952: ([209] auf S. 65.46) S. (betr. _bereimen_) bezahlen.]
-
-[Fußnote 1953: ([210] auf S. 65.46) S. Chaussee.]
-
-[Fußnote 1954: ([211] auf S. 65.46) S. (betr. _Schenegler_) abschaffen.]
-
-[Fußnote 1955: ([212] auf S. 65.46) S. brauchbarer Bursche.]
-
-[Fußnote 1956: ([213] auf S. 65.46) S. Fehde.]
-
-[Fußnote 1957: ([214] auf S. 65.46) S. arg.]
-
-[Fußnote 1958: ([215] auf S. 65.46) Zu _Rauschert_ = Streu, Stroh
-(_Zus._: _Rauschertsauft_ = Streu- od. Strohlager, Strohbett) vgl. (aus
-dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Rauscher_ = Stroh);
-_Schöll_ 271 (ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (_Rauschet_ = Stroh,
-_Rauschkitt_ = Strohhaus); _Schwäb. Gaun.- u._ _Kundenspr._ 76
-(_Rauscher_); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_Rauschet_). Auch sonst im
-Rotw. schon früh (seit d. _Basl. Betrügnissen_ um 1450 [16: _Ruschart_ =
-Strohsack] u. _Lib. Vagat._ 54 [_Rauschart_, Bedtg. ebenso]) weit
-verbreitet. Zur _Etymologie_ (vom »Rauschen« des Strohs) s. _Pott_ II,
-S. 34; A.-L. 590; _Stumme_, S. 15, 21; _Günther_, Rotwelsch, S. 59.]
-
-Streulager, _Rauschertsauft_[1959] [65.47]
-
-Stroh, _Rauschert_
-
-Strohbett (Strohlager), _Rauschertsauft_
-
-Strom, _Flu(h)te_[1960]
-
-Strumpf, _Streifling_ (plur.: _Streiflinge_)[1961]
-
-Strumpfwirker, _Streiflingpflanzer_[1962]
-
-Stube, _Schrende_[1963]
-
-Stuhl, _Sitzling_[1964]
-
-stumm sein, _nobis dibere_ od. _schmuse_[1965] (d. h. »nicht[s]
-sprechen«)[1966]
-
-Stundenfrau (Methodistin), _Blibelmos(s)_[1967]
-
-Stundenhaus (Methodistenhaus), _Blibelkitt_[1968]
-
-Stundenleute (Methodisten), _Blibelulme_[1969]
-
-Stundenmann (Methodist), _Blibelkaffer_[1970]
-
-Stute, _Trabertmoss_ (d. h. eigtl. »Pferdefrau«, weibliches
-Pferd)[1971]; vgl. Hengst
-
-Summe, _Bich_[1972], _Lobe_[1973]
-
-Suppe, _Schnall_[1974]
-
-Süßigkeit, _Süs(s)ling_[1975]
-
-[Fußnote 1959: ([216] auf S. 65.47) S. (betr. _Sauft_) Bett.]
-
-[Fußnote 1960: ([217] auf S. 65.47) S. abbrühen.]
-
-[Fußnote 1961: ([218] auf S. 65.47) S. Fußlappen.]
-
-[Fußnote 1962: ([219] auf S. 65.47) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
-
-[Fußnote 1963: ([220] auf S. 65.47) S. Frauenstube.]
-
-[Fußnote 1964: ([221] auf S. 65.47) S. Bank.]
-
-[Fußnote 1965: ([222] auf S. 65.47) S. Dietrich u. anreden bezw.
-ansagen.]
-
-[Fußnote 1966: ([223] auf S. 65.47) Ähnlich auch in der Zigeunerspr.; s.
-_Liebich_, S. 244 (unter »stumm sein«: _me naschti rakkerwāwa_, d. h.
-»ich kann nicht reden«).]
-
-[Fußnote 1967: ([224] auf S. 65.47) S. anbeten u. Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 1968: ([225] auf S. 65.47) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 1969: ([226] auf S. 65.47) S. arme Leute.]
-
-[Fußnote 1970: ([227] auf S. 65.47) S. Bauer.]
-
-[Fußnote 1971: ([228] auf S. 65.47) S. Füllen u. Bauernfrau. — Betr.
-Analogie in der Zigeunerspr. s. schon oben unter »Hengst«.]
-
-[Fußnote 1972: ([229] auf S. 65.47) S. Almosen.]
-
-[Fußnote 1973: ([230] auf S. 65.47) S. Bank.]
-
-[Fußnote 1974: ([231] auf S. 65.47) S. Metzelsuppe.]
-
-[Fußnote 1975: ([232] auf S. 65.47) S. Kaffee.]
-
-
- T. [65.48]
-
-Tabak, _Toberich_[1976]; Tabak rauchen, _dämpfe_ oder _toberiche_[1976];
-Tabak schnupfen, _Toberich muffe_ (d. h. »Tabak riechen«)[1977]
-
-Tabaksbeutel, _Toberichrande_[1978] od. _Toberichreiber_[1979]
-
-Tabakspfeife, _Toberichschure_[1980] od. auch bloß _Toberich_
-
-Tafel, _Klettert_[1981]
-
-Tag, _Schei_[1982]; Tag und Nacht, _Schei und Leile_[1983]
-
-Taler, _drei Räp(p)le_ (d. h. »drei Mark«)[1984]
-
-Tand, _Nobis_ (d. h. eigtl. »nichts«)[1985]
-
-Tanne, _Jahrestöber_ od. _Kracherstöber_ (d. h. »Waldbaum«)[1986]
-
-Tante (von väterl. Seite), _Patrisglied_[1987], (von mütterl. Seite),
-_Mamereglied_[1988]; vgl. Oheim u. Neffe
-
-Tanz, _Niklerei_[1989]
-
-tanzen, _nikle_
-
-Tänzer, _Nikler_, fem.: _Niklere_
-
-Tasche, _Rande_[1990]
-
-Taschenspieler, _Randeschnurrant_[1991]
-
-Tasse, _Schottel_[1992]
-
-Taube, _Fläderling_[1993]
-
-[Fußnote 1976: ([233] auf S. 65.48) S. Pfeife.]
-
-[Fußnote 1977: ([234] auf S. 65.48) S. Aas; vgl. schnupfen; daselbst
-auch über die Zigeunersprache.]
-
-[Fußnote 1978: ([235] auf S. 65.48) S. Bauch.]
-
-[Fußnote 1979: ([236] auf S. 65.48) S. Beutel.]
-
-[Fußnote 1980: ([237] auf S. 65.48) S. abbiegen.]
-
-[Fußnote 1981: ([238] auf S. 65.48) S. Schreibtisch.]
-
-[Fußnote 1982: ([239] auf S. 65.48) S. alltäglich.]
-
-[Fußnote 1983: ([240] auf S. 65.48) S. Abend.]
-
-[Fußnote 1984: ([241] auf S. 65.48) S. Mark.]
-
-[Fußnote 1985: ([242] auf S. 65.48) S. Dietrich. — Sachlich
-übereinstimmend auch die Zigeunerspr. nach _Liebich_, S. 244 (_Tschi_,
-d. h. »nichts«, = Tand).]
-
-[Fußnote 1986: ([243] auf S. 65.48) S. Ananas u. Apfelbaum; vgl. dazu
-auch über die Zigeunerspr. »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 48.]
-
-[Fußnote 1987: ([244] auf S. 65.48) S. Eltern u. Bruder.]
-
-[Fußnote 1988: ([245] auf S. 65.48) S. (betr. _Mamere_) Amme. — Auch
-von den Zigeunern wird für »Tante« unterschieden _dadéskĕri pēn_
-u. _dākri pēn_, d. h. »väterliche (des Vaters)« u. »mütterliche
-(der Mutter) Schwester«; s. _Liebich_, S. 244; vgl. dazu auch oben die
-Anm. zu »Oheim«.]
-
-[Fußnote 1989: ([246] auf S. 65.48) S. aufspielen.]
-
-[Fußnote 1990: ([247] auf S. 65.48) S. Bauch.]
-
-[Fußnote 1991: ([248] auf S. 65.48) S. (betr. _Schnurrant_)
-Äquilibrist.]
-
-[Fußnote 1992: ([249] auf S. 65.48) S. Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 1993: ([250] auf S. 65.48) S. Adler.]
-
-tauglich, _dof_ od. _duft_[1994], _g'want_[1995] [65.49]
-
-Teich, _Flu(h)te_[1996]
-
-Teller, _Schottel_[1992]
-
-Tempel, _Duft_[1997]
-
-Tenne, _Schaffel_[1998]
-
-teuer, _grandich_[1993]
-
-Teufel, _Koele_[1999]
-
-Teufelsbraten, _Koelebossert_[2000]
-
-Teufelstisch (?), _Koeleklettert_[2001]
-
-teuflisch, _koelich_[1999]
-
-Theater, _Niklerei_[1989]
-
-Thee, _Süs(s)ling_[2002]
-
-Tiegel, _Nolle_[2003], _Russling_[2004]
-
-Tisch, _Klettert_[2001]
-
-Tischler, _Klettertpflanzer_[2005]
-
-Tochter, _Model_[2006], auch wohl _Glied_[2007]
-
-Tochterkind, _Modelgalm_[2008]
-
-Tochtermann, _Modelkaffer_[2009]
-
-Tochtersohn, _Modelfi(e)sel_[2010]
-
-Tollhaus, _Ni(e)sekitt_, _Nilleskitt_[2011]
-
-Tollkopf, _Ni(e)seki(e)bes_, _Nilleki(e)bes_[2012]
-
-Topf, _Nolle_[2003]
-
-Töpfer, _Nollepflanzer_[2005]
-
-Tor, _Ni(e)se_, _Nille_[2011]
-
-[Fußnote 1994: ([251] auf S. 65.49) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 1995: ([252] auf S. 65.49) S. anmutig.]
-
-[Fußnote 1996: ([253] auf S. 65.49) S. abbrühen.]
-
-[Fußnote 1997: ([254] auf S. 65.49) S. Dom.]
-
-[Fußnote 1998: ([255] auf S. 65.49) S. Scheune.]
-
-[Fußnote 1999: ([256] auf S. 65.49) S. Satan.]
-
-[Fußnote 2000: ([257] auf S. 65.49) S. (betr. _Bossert_) Aas.]
-
-[Fußnote 2001: ([258] auf S. 65.49) S. (betr. _Klettert_) Schreibtisch.]
-
-[Fußnote 2002: ([259] auf S. 65.49) S. Kaffee.]
-
-[Fußnote 2003: ([260] auf S. 65.49) S. Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 2004: ([261] auf S. 65.49) S. Kessel.]
-
-[Fußnote 2005: ([262] auf S. 65.49) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
-
-[Fußnote 2006: ([263] auf S. 65.49) S. Beischläferin.]
-
-[Fußnote 2007: ([264] auf S. 65.49) S. Bruder.]
-
-[Fußnote 2008: ([265] auf S. 65.49) S. (betr. _Galm_) brauchbares Kind.]
-
-[Fußnote 2009: ([266] auf S. 65.49) S. Bauer.]
-
-[Fußnote 2010: ([267] auf S. 65.49) S. Bettelbube.]
-
-[Fußnote 2011: ([268] auf S. 65.49) S. aberwitzig u. Abort.]
-
-[Fußnote 2012: ([269] auf S. 65.49) S. (betr. _Ki[e]bes_) Angesicht.]
-
-töricht, _ni(e)sich_, _nillich_ [65.50]
-
-Tornister, _Rande_[1990]
-
-tot, _begert_ (d. h. »gestorben«)[2013]
-
-töten (totmachen, totschlagen [Spr.]), _deisen_[2014]
-
-Totenbahre, _Begersore_[2015]
-
-Totenbett, _Begersauft_[2016]
-
-Totengeruch, _begerische Mufferei_[2017]
-
-Totengräber, _Begerkaffer_[2018]; vgl. auch Leichenbeschauer
-
-Totenschein, _Begerkritzler_[2019]
-
-Totschläger, _Deiser_[2014]; vgl. Mörder
-
-Tracht (Kleidung), _Kluft_[2020]
-
-trächtig, _grandiche Rande_ (d. h. eigtl. »dicker Bauch«)[2021]; vgl.
-schwanger
-
-tragen, _buk(e)le(n)_ (Spr.)[2022]
-
-Tränen, _Glemsen_ (substantivierter Infinitiv)[2023]
-
-Trank, _Schwächerei_[2024]
-
-Tränke (Viehtränke), _Schwäche_[2024]
-
-Traube, _Säftling_[2025]; vgl. Weintraube
-
-traurig, _schofel_ (Spr.)[2026]
-
-treu, _dof_[2024]
-
-treulos, _lenk_, _schofel_[2026] od. _nobis dof_[2027]
-
-trinken, _schwächen_[2024]
-
-Trinkgelage, _Schwächerei_
-
-Trinkgeschirr, _Schwächglansert_ (eigentl. »Trinkglas«)[2028],
-_Schwächnolle_ (eigtl. »Trinktopf«)[2029] od. _Schwächschottel_ (eigtl.
-»Trinkschüssel«)[2030]
-
-[Fußnote 2013: ([270] auf S. 65.50) S. absterben; vgl. »Vorbemerkg.«, S.
-15, Anm. 36.]
-
-[Fußnote 2014: ([271] auf S. 65.50) S. ermorden.]
-
-[Fußnote 2015: ([272] auf S. 65.50) S. (betr. _Sore_) Brücke.]
-
-[Fußnote 2016: ([273] auf S. 65.50) S. Bett.]
-
-[Fußnote 2017: ([274] auf S. 65.50) S. Aas.]
-
-[Fußnote 2018: ([275] auf S. 65.50) S. Bauer.]
-
-[Fußnote 2019: ([276] auf S. 65.50) S. Attest.]
-
-[Fußnote 2020: ([277] auf S. 65.50) S. ankleiden.]
-
-[Fußnote 2021: ([278] auf S. 65.50) S. Adler u. Bauch.]
-
-[Fußnote 2022: ([279] auf S. 65.50) S. abtragen.]
-
-[Fußnote 2023: ([280] auf S. 65.50) S. ausweinen; vgl. »Vorbemerkung«,
-S. 15, Anm. 35.]
-
-[Fußnote 2024: ([281] auf S. 65.50) S. Amme.]
-
-[Fußnote 2025: ([282] auf S. 65.50) S. Ananas.]
-
-[Fußnote 2026: ([283] auf S. 65.50) S. arg.]
-
-[Fußnote 2027: ([284] auf S. 65.50) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 2028: ([285] auf S. 65.50) S. (betr. _nobis_) Dietrich.]
-
-[Fußnote 2029: ([286] auf S. 65.50) S. (betr. _Glansert_) Bierglas.]
-
-[Fußnote 2030: ([287] auf S. 65.50) S. Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 2031: ([288] auf S. 65.50) S. Aschenbecher.]
-
-Trinkglas, _Schwächglansert_ [65.51]
-
-Trinkschale, _Schwächschottel_
-
-Tropf, _Ni(e)se_, _Nille_[2031]
-
-Trotz (Zorn) _Stumpf_[2032]
-
-trotzig (zornig), _stumpfich_
-
-trübe, _schundich_ (d. h. eigtl. »schmutzig«)[2033]
-
-Trübsal, _nobis Dof_ (d. h. »nicht gut, nichts Gutes«)[2034][2027]; vgl.
-Übel
-
-trunken (betrunken), _geschwächt_[2024]; vgl. berauscht
-
-Trunkenheit, _Schwächer_
-
-Truppen, _Lanengere_ (d. h. »Soldaten«)[2035]
-
-Tuch (Gewebe), _Bochdam_[2036]
-
-Tuchmacher, _Bochdampflanzer_[2037]
-
-tüchtig, _duft_[2038], _g'want_[2039]
-
-tückisch, _lenk_, _schofel_[2026]
-
-tugendhaft, _dof_[2038]
-
-
- U.
-
-übel (zum Übergeben, Erbrechen schlecht), _gielerich_ (Spr.)[2040]
-
-Übel (das), _nobis Dofs_ (d. h. »nichts Gutes«)[2027][2034] vgl. Trübsal
-
-Überfluß, _grandich Schure_ od. _Sore_[2041]; vgl. Reichtum
-
-übergeben (sich) (= sich erbrechen), _giele_[2040]
-
-Übergeben (das) (= Erbrechen), _Giele_
-
-übermütig sein, _grandiche pflanzen_[2042]; vgl. stolz sein
-
-übernachten, auch das Übernachten erlauben (v. S. des Wirtes), _fehten_
-(Spr.)[2043]
-
-übernachten, im Freien —, _Blatt_ (blatt) _pflanzen_ (Spr.)[2044]
-
-[Fußnote 2032: ([289] auf S. 65.51) S. aberwitzig.]
-
-[Fußnote 2033: ([290] auf S. 65.51) S. Ärger.]
-
-[Fußnote 2034: ([291] auf S. 65.51) S. abgerahmte Milch.]
-
-[Fußnote 2035: ([292] auf S. 65.51) Vgl. dazu »Vorbemerkung« S. 15, Anm.
-38 vbd. m. S. 7, Anm. 16.]
-
-[Fußnote 2036: ([293] auf S. 65.51) S. Hauptmann.]
-
-[Fußnote 2037: ([294] auf S. 65.51) S. Barchent.]
-
-[Fußnote 2038: ([295] auf S. 65.51) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
-
-[Fußnote 2039: ([296] auf S. 65.51) S. anmutig.]
-
-[Fußnote 2040: ([297] auf S. 65.51) S. Affengesicht.]
-
-[Fußnote 2041: ([298] auf S. 65.51) S. Adler u. abbiegen bezw. Brücke;
-vgl. Bischof.]
-
-[Fußnote 2042: ([299] auf S. 65.51) S. Adler u. anbrennen.]
-
-[Fußnote 2043: ([300] auf S. 65.51) S. Hauswirt.]
-
-[Fußnote 2044: ([301] auf S. 65.51) In dem _verw. Quellenkr._ m. Wiss.
-unbekannt; dagegen kennt die _Wiener Gaunerspr._ nach _Pollak_ 207
-_Blatt machen_ = »unter freiem Himmel schlafen«. Das _Blatt_ (= _blatt_)
-in diesen Redensarten aber ist offenbar nur eine mundartliche Form für
-_platt_, was sich ergibt aus den sonst weiter verbreiteten neueren
-gauner- und kundensprachlich. _gleichbedeut._ Wendungen _platt machen_,
-_platt_ od. (eine) _Platte(n) reißen_ (s. _Lindenberg_ 188; _Groß_ 484;
-_Rabben_ 102; Ku. II [423], III [427], IV [432]; _Schütze_ 83; _Pollak_
-[Ku.] 190; _Ostwald_ [Ku.] 114; vgl. auch _Weber_ im Archiv, Bd. 59, S.
-283) — wofür in der älteren Zeit auch _platte Penne machen_ (s. z. B.
-schon _Hermann_ 1818 [336]; _Krünitz Enzyklopädie_ 1820 [352]; _Thiele_
-292; _Zimmermann_ 1847 [384]; A.-L. 584) —, worin sich das »platt«
-(bzw. »Platte«) auf das Liegen auf der »platten« Erde bezieht.]
-
-Überrock, _Malfes_[2045] [65.52]
-
-überschreiben, _überfeberen_[2046]
-
-übersehen, _überlinzen_[2047]
-
-Uhr, _Gluber_ (Gluper [Spr.]), _Kluper_ (Spr.) od. _Luber_[2048], auch
-_Gengle_[2049]
-
-Uhrgehäuse, _Luberkitt_[2050]
-
-Uhrkette, _Luberschlang_, _Gluperschlang_ (Spr.)[2051]
-
-Uhrmacher, _Genglespflanzer_, _Luberpflanzer_[2037]
-
-Uhrschlüssel, _Luberglitschin_[2052]
-
-Uhrtasche, _Luberrande_[2053]
-
-umblicken, _umlinzen_[2044]
-
-umbringen (töten), _deise_[2054]
-
-umfahren, _umruadle_[2055]
-
-umfallen, _umbohle_[2056]
-
-umhergehen, _umherbosten_[2057]
-
-umhertanzen, _umhernikle_[2058]
-
-umhertragen, _umherbukle_[2059]
-
-[Fußnote 2045: ([302] auf S. 65.52) S. Frauenrock.]
-
-[Fußnote 2046: ([303] auf S. 65.52) S. abschreiben.]
-
-[Fußnote 2047: ([304] auf S. 65.52) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 2048: ([305] auf S. 65.52) S. Rathausuhr.]
-
-[Fußnote 2049: ([306] auf S. 65.52) Zu _Gengle_ = Uhr (u. dazu die
-_Zus._ _Genglespflanzer_ = Uhrmacher) _zu vgl._ in der _schwäb.
-Händlerspr._ (487) _Gängling_ = Uhr und _Gänglingpflanzer_ = Uhrmacher,
-wo die Schreibung mit ä deutlicher auf die Ableitung des Wortes von
-»Gang« (mit Bez. auf das »Gehen« der Uhr) hinweist; s. _Groß'_ Archiv,
-Bd. 46, S. 31 sowie auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 46; vgl. auch
-die ähnliche Auslegung des Synon. _Luper_ (oben unter »Rathausuhr«).]
-
-[Fußnote 2050: ([307] auf S. 65.52) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 2051: ([308] auf S. 65.52) S. Halskette.]
-
-[Fußnote 2052: ([309] auf S. 65.52) S. Dietrich.]
-
-[Fußnote 2053: ([310] auf S. 65.52) S. Bauch.]
-
-[Fußnote 2054: ([311] auf S. 65.52) S. ermorden.]
-
-[Fußnote 2055: ([312] auf S. 65.52) S. abfahren.]
-
-[Fußnote 2056: ([313] auf S. 65.52) S. abfallen.]
-
-[Fußnote 2057: ([314] auf S. 65.52) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 2058: ([315] auf S. 65.52) S. aufspielen.]
-
-[Fußnote 2059: ([316] auf S. 65.52) S. abtragen.]
-
-umkommen (sterben), _begere_[2060] [65.53]
-
-umschauen, _umlinzen_[2047]
-
-umsonst, _nobis_ (eigtl. = »nichts«)[2061]
-
-umwerfen, _umbohle(n)_ (Spr.)[2056]
-
-unanständig, _schofel_[2062]
-
-unbedeckt, _nobis ankluftet_ (d. h. »nicht angekleidet«)[2063]
-
-unbekannt, _gneis nobis_ (d. h. »[ich] kenne [es] nicht«)[2064]
-
-unecht, _nobis dof_ (d. h. »nicht gut«)[2065]
-
-Unflat, _Schund_[2066]
-
-unflätig, _schundich_
-
-ungekocht, _nobis gesichert_[2067]
-
-Ungeziefer, _Keneme_[2068]
-
-ungläubig, _nobis wo(h)nisch_ (d. h. »nicht katholisch«)[2069], _nobis
-gril(l)isch_ (d. h. »nicht evangelisch«)[2070], _nobis diboldisch_ (d.
-h. »nicht jüdisch«)[2071]
-
-Unglück, _Schofelei_[2062]
-
-Unglücksvogel, _Schofeleifläderling_[2072]; vgl. auch Rabe
-
-ungültig, _hauret nobis_ (d. h. »[es] ist nichts«)[2073]
-
-unkeusch, _nobis dof_[2065]
-
-unklug, _ni(e)sich_, _nillich_[2074]
-
-Unkraut, _Koelesgroenert_ (d. h. »Teufelskraut«)[2075]
-
-unnütz, _nobis_ (d. h. eigtl. »nichts«)[2061]
-
-unpäßlich, _begerisch_[2076]
-
-[Fußnote 2060: ([317] auf S. 65.53) S. absterben.]
-
-[Fußnote 2061: ([318] auf S. 65.53) S. Dietrich.]
-
-[Fußnote 2062: ([319] auf S. 65.53) S. arg.]
-
-[Fußnote 2063: ([320] auf S. 65.53) S. (betr. _ankluftet_) ankleiden.]
-
-[Fußnote 2064: ([321] auf S. 65.53) S. (betr. _gneis_) erkennen; vgl.
-»Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36 a. E.]
-
-[Fußnote 2065: ([322] auf S. 65.53) S. (betr. _dof_) angenehm.]
-
-[Fußnote 2066: ([323] auf S. 65.53) S. abgerahmte Milch.]
-
-[Fußnote 2067: ([324] auf S. 65.53) S. abkochen.]
-
-[Fußnote 2068: ([325] auf S. 65.53) S. Filzlaus.]
-
-[Fußnote 2069: ([326] auf S. 65.53) S. Katholik.]
-
-[Fußnote 2070: ([327] auf S. 65.53) S. evangelisch.]
-
-[Fußnote 2071: ([328] auf S. 65.53) S. Jude.]
-
-[Fußnote 2072: ([329] auf S. 65.53) S. (betr. _Fläderling_) Adler.]
-
-[Fußnote 2073: ([330] auf S. 65.53) S. unter »elend«; vgl.
-»Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36 a. E.]
-
-[Fußnote 2074: ([331] auf S. 65.53) S. aberwitzig.]
-
-[Fußnote 2075: ([332] auf S. 65.53) S. Satan u. Gemüse. — Sachlich
-übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. _Liebich_ 127 u. 249 vbd. mit
-_Finck_, S. 55 (_bengéskĕro_ [od. -ri] _trāb_ [od. drāw], d. h.
-»des Teufels Kraut« od. noch genauer »teuflische Wurzel«, = Unkraut);
-vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 18.]
-
-[Fußnote 2076: ([333] auf S. 65.53) S. absterben.]
-
-Unrat, _Schund_[2077] [65.54]
-
-unrein, _schundich_[2077]
-
-unrichtig, _nobis dof_[2075]
-
-unsauber, _schundich_[2074]
-
-Unschlitt, _Horboge-_ od. _Hornikelschmunk_ (d. h. »Rinds- od.
-Ochsenfett«)[2078]
-
-unschuldig, _dof_[2065]
-
-unsinnig, _ni(e)sich_, _nillich_[2074]
-
-unsittlich, _schofel_[2062]
-
-unsterblich, _begert nobis_ (d. h. »stirbt nicht«)[2076][2079]
-
-untauglich, _nobis dof_[2075]
-
-unten, _unterkünftig_[2080]
-
-untergehen, _unterbosten_[2081]
-
-Unterkleid, _unterkünftige Kluft_[2082]
-
-Unterrock, _unterkünftiger Malfes_[2083]
-
-unterschreiben, _unterfebere_[2084]
-
-Untersuchung, _Diberei_[2085] od. _Schmuserei_[2086] (d. h. [beides]
-etwa = »Fragerei«)[2087]
-
-untreu, _nobis dof_[2065]
-
-unverehelicht (unverheiratet), _nobis vergrönt_[2088]
-
-unverletzt, _nobis begerisch_[2076]
-
-unvernünftig, _hegelich_[2089], _ni(e)sich_, _nillich_ od.
-_nuschich_[2074]
-
-unverschämt, _lenk_, _schofel_[2062]
-
-unverständig s. unvernünftig
-
-unwillig, _stumpfich_[2090]
-
-unwissend, _nillich_[2074]
-
-[Fußnote 2077: ([334] auf S. 65.54) S. abgerahmte Milch.]
-
-[Fußnote 2078: ([335] auf S. 65.54) S. Kalb bezw. Bulle u.
-Bratkartoffeln.]
-
-[Fußnote 2079: ([336] auf S. 65.54) Vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36
-a. E. sowie auch bei den Zigeun.: _nāno merēla_ (d. h. »stirbt
-nicht«) = unsterblich; s. _Liebich_, S. 249.]
-
-[Fußnote 2080: ([337] auf S. 65.54) S. Fußsohle.]
-
-[Fußnote 2081: ([338] auf S. 65.54) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 2082: ([339] auf S. 65.54) S. (betr. _Kluft_) ankleiden.]
-
-[Fußnote 2083: ([340] auf S. 65.54) S. Frauenrock.]
-
-[Fußnote 2084: ([341] auf S. 65.54) S. abschreiben.]
-
-[Fußnote 2085: ([342] auf S. 65.54) S. anreden.]
-
-[Fußnote 2086: ([343] auf S. 65.54) S. ansagen.]
-
-[Fußnote 2087: ([344] auf S. 65.54) Sachl. übereinstimmend auch die
-Zigeunerspr.; s. _Liebich_, S. 154, 250, 252 (_putschäpenn_, d. h. »die
-Frage, Fragerei«, = Verhör, Untersuchung).]
-
-[Fußnote 2088: ([345] auf S. 65.54) S. Ehe.]
-
-[Fußnote 2089: ([346] auf S. 65.54) S. Dummheit.]
-
-[Fußnote 2090: ([347] auf S. 65.54) S. Ärger.]
-
-unzüchtig, _nobis dof_[2065] [65.55]
-
-unzweckmäßig, _hauret nobis_ (d. h. »[es] ist nichts«)[2091]; vgl.
-ungültig
-
-Urin, _Flösle_, _Flösslete_[2092] od. _Flösselflu(h)te_[2093]
-
-Uringlas, _Flösselglansert_[2094]
-
-Urintopf, _Flösselnolle_[2095]
-
-Urkunde, _Kritzler_[2096]
-
-
- V.
-
-Vater, _Patris_[2097]
-
-Vaterhaus, _Patriskitt_[2098]
-
-Vaterstadt, _Patrissteinhäufle_[2099]
-
-verarmt, _dercherich_[2100]
-
-verbluten, _verratten_[2101]
-
-verbrennen, _verfunken_[2102]
-
-Verdienst, _Bereimerei_[2103], _Pfreimerei_[2104] (d. h. »Bezahlung,
-[Lohn]«)[2105]
-
-verdrießlich, _stumpfich_[2090]
-
-verehelichen (sich) s. heiraten
-
-verehelicht (verheiratet), _vergrönt_[2088]
-
-verfault, _vermuft_[2106]
-
-verfertigen, _pflanzen_[2107]
-
-Verfertiger, _Pflanzer_ (nur in Zus. gebräuchlich)
-
-vergüten, _bereimen_[2103], _pfreimen_[2104]
-
-[Fußnote 2091: ([348] auf S. 65.55) S. unter »elend«.]
-
-[Fußnote 2092: ([349] auf S. 65.55) S. austreten (leicht).]
-
-[Fußnote 2093: ([350] auf S. 65.55) S. (betr. _Flu[h]te_) abbrühen.]
-
-[Fußnote 2094: ([351] auf S. 65.55) S. Bierglas.]
-
-[Fußnote 2095: ([352] auf S. 65.55) S. Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 2096: ([353] auf S. 65.55) S. Attest.]
-
-[Fußnote 2097: ([354] auf S. 65.55) S. Eltern.]
-
-[Fußnote 2098: ([355] auf S. 65.55) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 2099: ([356] auf S. 65.55) S. Stadt.]
-
-[Fußnote 2100: ([357] auf S. 65.55) S. abbetteln.]
-
-[Fußnote 2101: ([358] auf S. 65.55) S. Blut.]
-
-[Fußnote 2102: ([359] auf S. 65.55) S. abbrennen.]
-
-[Fußnote 2103: ([360] auf S. 65.55) S. bezahlen.]
-
-[Fußnote 2104: ([361] auf S. 65.55) S. abzahlen.]
-
-[Fußnote 2105: ([362] auf S. 65.55) Vgl. dazu auch in der Zigeunerspr.:
-_pleisserpenn_, d. h. »Bezahlung, Lohn«, = Verdienst; s. _Liebich_, S.
-251 vbd. mit S. 152.]
-
-[Fußnote 2106: ([363] auf S. 65.55) S. Aas.]
-
-[Fußnote 2107: ([364] auf S. 65.55) S. anbrennen.]
-
-verhauen, _verguffe_[2108], _verkobere_[2109], _verstenze_[2110] [65.56]
-
-Verhör, _Diberei_ (eigentl. etwa »Fragerei«)[2111]; vgl. Untersuchung
-
-verkaufen, _verbaschen_ (Spr.), _vergremen_, _verkemere_[2112],
-_verkitschen_[2113]
-
-Verkäufer, _Verkemerer_, _Verkitscher_
-
-verkleiden, _verkluften_[2114]
-
-verlachen, _ausschmol(l)en_[2115]
-
-verlangen, _derchen_[2116]
-
-verlängern, _grandicher pflanzen_ (d. h. »größer machen«)[2117]
-
-verlaufen, _verbosten_[2118]
-
-verleugnen, _kohlen_ (eigtl. »lügen«)[2119]
-
-verlogen, _Kohl_[2120]
-
-verlöschen, _ausfunken_[2121]
-
-Vermögen, _grandich Schure_ od. _Sore_[2122]; vgl. Reichtum
-
-vermögend, _grandich Schure_[2120]
-
-vernichten, _deisen_[2123]
-
-vernünftig, _kochem_[2124]
-
-verpfänden, _vergondere_[2125]
-
-verprügeln s. verhauen
-
-Verrat, _Verdibert_[2111][2126]
-
-verraten, _verdibern_
-
-Verräter, _Verdiberer_
-
-[Fußnote 2108: ([365] auf S. 65.56) S. aufschlagen.]
-
-[Fußnote 2109: ([366] auf S. 65.56) S. schlagen.]
-
-[Fußnote 2110: ([367] auf S. 65.56) S. Ast.]
-
-[Fußnote 2111: ([368] auf S. 65.56) S. anreden; vgl. (betr. die
-Zigeunerspr.) oben Anm. 2087.]
-
-[Fußnote 2112: ([369] auf S. 65.56) S. (zu allen drei Ausdr.) abkaufen.]
-
-[Fußnote 2113: ([370] auf S. 65.56) S. handeln.]
-
-[Fußnote 2114: ([371] auf S. 65.56) S. ankleiden.]
-
-[Fußnote 2115: ([372] auf S. 65.56) S. anlachen.]
-
-[Fußnote 2116: ([373] auf S. 65.56) S. abbetteln.]
-
-[Fußnote 2117: ([374] auf S. 65.56) S. Adler u. anbrennen.]
-
-[Fußnote 2118: ([375] auf S. 65.56) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 2119: ([376] auf S. 65.56) S. belügen.]
-
-[Fußnote 2120: ([377] auf S. 65.56) Vgl. (betr. den Gebrauch des Subst.
-als Adj.) »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 E.]
-
-[Fußnote 2121: ([378] auf S. 65.56) S. abbrennen.]
-
-[Fußnote 2122: ([379] auf S. 65.56) S. Adler u. abbiegen bezw. Brücke.]
-
-[Fußnote 2123: ([380] auf S. 65.56) S. ermorden.]
-
-[Fußnote 2124: ([381] auf S. 65.56) S. besonnen.]
-
-[Fußnote 2125: ([382] auf S. 65.56) S. Konkurs.]
-
-[Fußnote 2126: ([383] auf S. 65.56) Substant. Partiz. von _verdibern_;
-vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36.]
-
-verrucht, _schofel_[2127] [65.57]
-
-verrückt, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[2128]
-
-verschämt, _dof_[2129]
-
-verschlagen s. verschmitzt
-
-verschließen, _beschrenken_[2130]
-
-verschlossen, _beschrenkt_
-
-verschmitzt, _kochem_[2124]
-
-versengen, _verfunken_[2121]
-
-verspotten, _ausschmol(l)en_ (d. h. »auslachen«)[2115]
-
-verständig, _kochem_[2124]
-
-verstimmt (ärgerlich), _stumpfich_[2131]
-
-verstorben, _begert_[2132]
-
-vertrinken, _verschwächen_[2133]
-
-verwahrlost s. heruntergekommen
-
-verzehren, _achilen_[2134], _biken_, _butten_, _kahle_[2135]
-
-Vieh, _Sore_[2136]
-
-Viehpulver, _Kuiete_[2137]
-
-Viehtränke, _Schwäche_[2133]
-
-viel, _grandig_[2138]
-
-vielmals, _grandicher_ (wohl Komparativ)
-
-visieren (den Paß kontrollieren), _flebben_; visiert, _geflebbt_[2139]
-
-Vogel, _Fläderling_[2138]
-
-Vogelbauer (Käfig), _Fläderlingskitt_[2140] od.
-_Fläderlingsstenkert_[2141]
-
-Vogeleier, _Flederlingsbäzeme_[2142]
-
-[Fußnote 2127: ([384] auf S. 65.57) S. arg.]
-
-[Fußnote 2128: ([385] auf S. 65.57) S. aberwitzig.]
-
-[Fußnote 2129: ([386] auf S. 65.57) S. angenehm.]
-
-[Fußnote 2130: ([387] auf S. 65.57) S. abschließen.]
-
-[Fußnote 2131: ([388] auf S. 65.57) S. Ärger.]
-
-[Fußnote 2132: ([389] auf S. 65.57) S. absterben.]
-
-[Fußnote 2133: ([390] auf S. 65.57) S. Amme.]
-
-[Fußnote 2134: ([391] auf S. 65.57) S. essen.]
-
-[Fußnote 2135: ([392] auf S. 65.57) S. (zu allen drei Ausdr.)
-Abendessen.]
-
-[Fußnote 2136: ([393] auf S. 65.57) S. Brücke.]
-
-[Fußnote 2137: ([394] auf S. 65.57) S. Mastpulver.]
-
-[Fußnote 2138: ([395] auf S. 65.57) S. Adler.]
-
-[Fußnote 2139: ([396] auf S. 65.57) S. Gewerbeschein.]
-
-[Fußnote 2140: ([397] auf S. 65.57) S. (betr. _Kitt_) Abort.]
-
-[Fußnote 2141: ([398] auf S. 65.57) S. Entenstall.]
-
-[Fußnote 2142: ([399] auf S. 65.57) S. Ei.]
-
-Vogelnapf, _Fläderlingsnolle_[2143] [65.58]
-
-Vogelspießer, _Fläderlingsschnellen_[2144]
-
-voll, _grandig_[2138]
-
-vorbeten, _vorblible_[2145]
-
-Vorderfuß, _Vordertritt_[2146]
-
-Vorderkopf, _Vorderki(e)bes_[2147]
-
-Vorderzahn, _Vordernäpfling_[2148]
-
-vorjährig, _voriges Ja(h)ne_[2149]
-
-vorlügen, _vorkohlen_[2150]
-
-vorsagen, _vordibere_[2151], _vorschmuse_[2152]
-
-vorschießen (leihen), _vordogen_ (eigentl. »vorgeben«)[2153]
-
-vorschreiben, _vorfeberen_[2154]
-
-vorsingen, _vorschallen_[2155]
-
-vorspielen, _vornikle_[2156]
-
-Vorstadt, _Vorsteinhäufle_[2157]
-
-vortanzen, _vornikle_[2156]
-
-Vortänzer, _Vornikler_
-
-vortrefflich, _dof_[2129]
-
-vortrinken, _vorschwächen_[2133]
-
-vorzüglich, _dof_[2129], _grandich_[2138]
-
-
- W.
-
-Wachsfackel (-kerze, -licht), _Schein_[2158]
-
-Wachthaus (d. h. eigtl. »Nachthaus«), _Leilekitt_[2159]
-
-[Fußnote 2143: ([400] auf S. 65.58) S. Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 2144: ([401] auf S. 65.58) S. abschießen.]
-
-[Fußnote 2145: ([402] auf S. 65.58) S. anbeten.]
-
-[Fußnote 2146: ([403] auf S. 65.58) S. Entenfuß.]
-
-[Fußnote 2147: ([404] auf S. 65.58) S. Angesicht.]
-
-[Fußnote 2148: ([405] auf S. 65.58) S. abbeißen.]
-
-[Fußnote 2149: ([406] auf S. 65.58) S. alljährlich.]
-
-[Fußnote 2150: ([407] auf S. 65.58) S. belügen.]
-
-[Fußnote 2151: ([408] auf S. 65.58) S. anreden.]
-
-[Fußnote 2152: ([409] auf S. 65.58) S. ansagen.]
-
-[Fußnote 2153: ([410] auf S. 65.58) S. abgeben.]
-
-[Fußnote 2154: ([411] auf S. 65.58) S. abschreiben.]
-
-[Fußnote 2155: ([412] auf S. 65.58) S. absingen.]
-
-[Fußnote 2156: ([413] auf S. 65.58) S. aufspielen.]
-
-[Fußnote 2157: ([414] auf S. 65.58) S. Stadt.]
-
-[Fußnote 2158: ([415] auf S. 65.58) S. alltäglich.]
-
-[Fußnote 2159: ([416] auf S. 65.58) S. Abend u. Abort.]
-
-Wachtmeister, _grandicher Schuker_ (d. h. »großer« oder [genauer] [65.59]
-»größerer [od. Ober-] Gendarm«)[2160]; vgl. Oberwachtmeister
-
-Wachtstube, _Leileschrende_[2161]
-
-Waffenschmied, _Lattepflanzer_[2162]
-
-Wagen, _Rädling_[2163], _Ruedel_[2164]
-
-Wagner (Kutschenbauer), _Rädlingpflanzer_[2156][2155]
-
-Wahnsinn, _Ni(e)serei_, _Nillerei_[2128]
-
-wahnsinnig, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_
-
-wahrhaft, _dof_[2129]
-
-Wahrsagen (das), _Kasperei_[2165]
-
-Wahrsager, _Kasperer_; Wahrsagerin, _Kaspere_
-
-Wald (Waldung), _Jahre_, _Kracher_[2166]
-
-Waldhüter s. Flurschütz.
-
-Wallnuß, _Krächerle_[2167]
-
-Wanne, _Schottel_[2168]
-
-Wanst, _Rande_[2169]
-
-Wanze, _Mufkenem_ (d. h. »Stinklaus«)[2170]
-
-Ware, _Sore_[2171]
-
-Waschbecken, _Pfladerschottel_[2172][2168]
-
-Wäsche, _Pfladersore_[2172][2171]
-
-waschen, _pfladeren_
-
-Wäscherin (Waschfrau), _Pfladermoss_[2173]
-
-Waschhaus, _Pfladerkitt_[2174]
-
-Waschwasser, _Pfladerflu(h)te_[2175]
-
-Wasser, _Flu(h)te_[2176]
-
-[Fußnote 2160: ([417] auf S. 65.59) S. Adler u. Gendarm; vgl. Bischof.]
-
-[Fußnote 2161: ([418] auf S. 65.59) S. (betr. _Schrende_) Frauenstube.]
-
-[Fußnote 2162: ([419] auf S. 65.59) S. Degen u. anbrennen.]
-
-[Fußnote 2163: ([420] auf S. 65.59) S. Eisenbahnwagen.]
-
-[Fußnote 2164: ([421] auf S. 65.59) S. abfahren.]
-
-[Fußnote 2165: ([422] auf S. 65.59) S. Betrug.]
-
-[Fußnote 2166: ([423] auf S. 65.59) S. (zu beiden Ausdr.) Ananas.]
-
-[Fußnote 2167: ([424] auf S. 65.59) S. Haselnuß.]
-
-[Fußnote 2168: ([425] auf S. 65.59) S. Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 2169: ([426] auf S. 65.59) S. Bauch.]
-
-[Fußnote 2170: ([427] auf S. 65.59) S. Aas u. Filzlaus; — Bei den
-Zigeunern wird (nach _Liebich_, S. 258 vbd. m. S. 166) die Wanze durch
-_platti tschīw_ od. _lōli tschuw_, d. h. »platte« od. »rote Laus«,
-umschrieben; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 47]
-
-[Fußnote 2171: ([428] auf S. 65.59) S. Brücke.]
-
-[Fußnote 2172: ([429] auf S. 65.59) S. (betr. _Pflader-_ [pfladeren])
-abwaschen.]
-
-[Fußnote 2173: ([430] auf S. 65.59) S. Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 2174: ([431] auf S. 65.59) S. Abort.]
-
-[Fußnote 2175: ([432] auf S. 65.59) S. abbrühen.]
-
-Wasserfaß, _Flu(h)tesoe_[2171] [65.60]
-
-Wasserhuhn, _Flu(h)tegachne_[2166] od. _Flu(h)testierer_[2177]
-
-wässerig, _flu(h)tich_; vgl. feucht
-
-Wasserkrug, _Flu(h)tenolle_[2178]
-
-Wassermühle, _Flu(h)terolle_[2179]
-
-Wasserstelze s. Bachstelze
-
-Wassersuppe, _Flu(h)teschnall_[2180]
-
-Wasservogel, _Flu(h)tefläderling_[2181]
-
-Weck s. Semmel
-
-weg (fort)!, _schef(f)t' schiebes_ (d. h. »geh weg [fort]!«)[2182]
-
-Weg, _Strade_[2183]
-
-Wegegeld, _Stradebich_[2184]
-
-wegfahren, _wegruadla_[2185]
-
-weglaufen, _wegbosten_[2186]
-
-wegnagen, _wegnäpfen_[2187]
-
-wegnehmen s. nehmen
-
-wegsehen, _weglinzen_[2188]
-
-wegstehlen, _wegschniffen_[2189], _wegschoren_[2190]
-
-wegtragen, _wegbukle_[2191]
-
-Wegweiser, _Stradelinzer_[2183][2188]
-
-Weib, _Goi_[2192], _Mokel_[2193], _Mos(s)_ (Dim.: _Mös[s]le_
-[Spr.])[2194]
-
-Weiberbrust, _Schwächerle_[2195]
-
-Weiberrock, _Mos(s)malfes_[2196]
-
-[Fußnote 2176: ([433] auf S. 65.60) S. Hahn.]
-
-[Fußnote 2177: ([434] auf S. 65.60) S. Henne.]
-
-[Fußnote 2178: ([435] auf S. 65.60) S. Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 2179: ([436] auf S. 65.60) S. Mühle.]
-
-[Fußnote 2180: ([437] auf S. 65.60) S. Metzelsuppe.]
-
-[Fußnote 2181: ([438] auf S. 65.60) S. Adler.]
-
-[Fußnote 2182: ([439] auf S. 65.60) S. daher a. E. u. davongehen.]
-
-[Fußnote 2183: ([440] auf S. 65.60) S. Chaussee.]
-
-[Fußnote 2184: ([441] auf S. 65.60) S. (betr. _Bich_) Almosen.]
-
-[Fußnote 2185: ([442] auf S. 65.60) S. abfahren.]
-
-[Fußnote 2186: ([443] auf S. 65.60) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 2187: ([444] auf S. 65.60) S. abbeißen.]
-
-[Fußnote 2188: ([445] auf S. 65.60) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 2189: ([446] auf S. 65.60) S. anfassen.]
-
-[Fußnote 2190: ([447] auf S. 65.60) S. ausstehlen.]
-
-[Fußnote 2191: ([448] auf S. 65.60) S. abtragen.]
-
-[Fußnote 2192: ([449] auf S. 65.60) S. böse Frau.]
-
-[Fußnote 2193: ([450] auf S. 65.60) S. Frau.]
-
-[Fußnote 2194: ([451] auf S. 65.60) S. Bauernfrau.]
-
-[Fußnote 2195: ([452] auf S. 65.60) S. Amme.]
-
-[Fußnote 2196: ([453] auf S. 65.60) S. (betr. _Malfes_) Frauenrock.]
-
-weibisch, weiblich, _mossich_[2196] [65.61]
-
-weibliches Glied s. Glied; vgl. Scham
-
-Weide (= Weidenbaum), _Kupferstöber_ (d. h. eigtl. etwa
-»Grasbaum«)[2197]
-
-Weidmann (Jäger), _Grünling_[2198]
-
-Wein, _Johle_[2199]
-
-Weinbeere, _Säftling_[2200]
-
-Weinberg, _Säftlingsore_[2201]
-
-weinen, _glemsen_[2202]
-
-Weinfaß, _Johlesore_[2199][2201]
-
-Weinflasche (-glas), _Johleglansert_[2203]
-
-Weinhaus, _Johlekitt_[2204]
-
-Weinkrug, _Johlenolle_[2205]
-
-Weinrebe, _Johlespraus_[2206]
-
-Weinstock, _Johlestöber_[2207]
-
-Weintraube, _Säftling_[2200]
-
-Weißbrot, _Dofelehm_ (od. _dofer Lehm_ [Spr.]) (d. h. »gutes [feines]
-Brot«)[2208]
-
-Weizen, _Gib_, _Kupfer_[2209]
-
-Wellfleisch, _Bossert_, _Mass_ (d. h. [beides] eigtl. nur
-»Fleisch«)[2210]
-
-wenig, _nobis grandig_ (d. h. »nicht viel«)[2211]
-
-werfen, _plotzen_[2212], auch _bohlen_ (Spr.)[2213]
-
-wertlos, _nobis dof_ (d. h. »nicht gut«)[2129]
-
-Wiege, _Galmesauft_ (wörtlich »Kinderbett«)[2214]
-
-willig, _dof_[2129]
-
-[Fußnote 2197: ([454] auf S. 65.61) S. Frucht u. Apfelbaum.]
-
-[Fußnote 2198: ([455] auf S. 65.61) S. Flurschütz.]
-
-[Fußnote 2199: ([456] auf S. 65.61) S. Apfelwein]
-
-[Fußnote 2200: ([457] auf S. 65.61) S. Ananas.]
-
-[Fußnote 2201: ([458] auf S. 65.61) S. (betr. _Sore_) Brücke.]
-
-[Fußnote 2202: ([459] auf S. 65.61) S. ausweinen.]
-
-[Fußnote 2203: ([460] auf S. 65.61) S. Bierglas.]
-
-[Fußnote 2204: ([461] auf S. 65.61) S. Abort.]
-
-[Fußnote 2205: ([462] auf S. 65.61) S. Fleischhafen.]
-
-[Fußnote 2206: ([463] auf S. 65.61) S. Baumholz.]
-
-[Fußnote 2207: ([464] auf S. 65.61) S. Apfelbaum.]
-
-[Fußnote 2208: ([465] auf S. 65.61) S. angenehm u. Bäcker.]
-
-[Fußnote 2209: ([466] auf S. 65.61) S. (zu beiden Ausdr.) Frucht.]
-
-[Fußnote 2210: ([467] auf S. 65.61) S. (zu beiden Ausdr.) Aas.]
-
-[Fußnote 2211: ([468] auf S. 65.61) S. Dietrich u. Adler.]
-
-[Fußnote 2212: ([469] auf S. 65.61) S. bewerfen.]
-
-[Fußnote 2213: ([470] auf S. 65.61) S. abfallen.]
-
-[Fußnote 2214: ([471] auf S. 65.61) S. brauchbares Kind u. Bett. — Vgl.
-bei den Zigeunern (nach _Liebich_, S. 260): _tschawéskĕro
-schukklepenn_, d. h. etwa »Kinderschaukel«, = Wiege.]
-
-winzig, _nobis grandig_ (d. h. »nicht groß«)[2211] [65.62]
-
-Wirt, _Beizer_, _Koberer_[2215]
-
-Wirtin, _Beizere_, _Kobere_
-
-Wirtshaus, Wirtschaft, _Beiz_, _Kober_ od. _Koberei_
-
-wischen, _pfladere_[2216]
-
-Witterung (= Geruch), _Mufferei_[2217]
-
-Wöchnerin, _Deislere_[2218]
-
-wohl (gesund), _nobis begerisch_ (d. h. »nicht krank«)[2219]
-
-wohlbeleibt, _grandicher Rande_ (d. h. eigtl. »dicker Bauch«)[2220]
-
-wohlwollend, _dof_[2129]
-
-Wohnung, _Fehte_ (bes. Herberge)[2221], _Kitt_ (bes. Haus)[2222]
-
-Wolle, _Jerusalemsfreundstrauberts_ (d. h. »Schafhaare«)[2223]
-
-Wortwechsel (Zank), _Stämpferei_[2224]
-
-Wundarzt, _Begersins_[2225] od. (genauer) _Dupfsins_ (d. h. etwa »der
-Stechmann«)[2226]
-
-Wurst, _Rondling_ od. _Rundling_[2227]
-
-Wurstessen, _Rondlingachilerei_[2228] od. _Rondlingbikus_[2229]
-
-Wurstfleisch, _Rondlingbossert_[2230]
-
-Wursthaus, _Rondlingsore_[2231]
-
-Wurstsuppe, _Rondlingschnall_[2232]
-
-wüst, _lenk_ (Spr.)[2233]
-
-wütend, _grandich_[2211], _stumpfich_[2224]
-
-[Fußnote 2215: ([472] auf S. 65.62) S. (zu beiden Ausdr.) Gasthaus.]
-
-[Fußnote 2216: ([473] auf S. 65.62) S. abwaschen.]
-
-[Fußnote 2217: ([474] auf S. 65.62) S. Aas.]
-
-[Fußnote 2218: ([475] auf S. 65.62) S. gebären.]
-
-[Fußnote 2219: ([476] auf S. 65.62) S. (betr. _begerisch_) absterben.]
-
-[Fußnote 2220: ([477] auf S. 65.62) S. (betr. _Rande_) Bauch.]
-
-[Fußnote 2221: ([478] auf S. 65.62) S. Hauswirt.]
-
-[Fußnote 2222: ([479] auf S. 65.62) S. Abort.]
-
-[Fußnote 2223: ([480] auf S. 65.62) S. Hammel u. Augenbrauen. —
-Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. _Liebich_, S. 261
-(_bakoréngere balla_, d. h. »Schafhaare«, = Wolle); vgl. auch _Finck_,
-S. 49 (_bakréskero bal_ = Schafwolle).]
-
-[Fußnote 2224: ([481] auf S. 65.62) S. Ärger.]
-
-[Fußnote 2225: ([482] auf S. 65.62) S. absterben u. Amtmann.]
-
-[Fußnote 2226: ([483] auf S. 65.62) S. (betr. _Dupf-_) stechen.]
-
-[Fußnote 2227: ([484] auf S. 65.62) S. Leberwurst.]
-
-[Fußnote 2228: ([485] auf S. 65.62) S. (betr. _Achilerei_) essen.]
-
-[Fußnote 2229: ([486] auf S. 65.62) S. Abendessen.]
-
-[Fußnote 2230: ([487] auf S. 65.62) S. Aas.]
-
-[Fußnote 2231: ([488] auf S. 65.62) S. Brücke.]
-
-[Fußnote 2232: ([489] auf S. 65.62) S. Metzelsuppe.]
-
-[Fußnote 2233: ([490] auf S. 65.62) S. arg.]
-
-
- Z. [65.63]
-
-zahlen s. bezahlen.
-
-zahlreich, _grandich_[2211]
-
-Zahlung, _Bereime_[2234], _Pfreimerei_, _Zeine_[2235]
-
-Zahn, _Näpfling_[2236]
-
-Zahnarzt, _Näpflingsins_[2237]
-
-Zahnfleisch, _Näpflingbossert_[2238]
-
-Zank, _Stämpferei_[2224]
-
-zanken, _stämpfen_
-
-Zänker, _Stämpfer_
-
-Zänkerei s. Zank
-
-zänkisch, _stämpfich_
-
-zärtlich, _dof_[2129]
-
-Zauber, _Finklerei_[2239]
-
-zaubern, _kaspere_ (Spr.)[2240]
-
-Zauberer, _Finkler_, _Kasperer_ (Spr.); Zauberin, _Finklere_
-
-Zeche, _Schwächerei_[2241]
-
-zechen, _schwächen_
-
-Zehe, _Trittgriffling_ (d. h. »Fußfinger«)[2242]
-
-Zehnpfennigstück (»Zehner«), _Schafnase_[2243]
-
-Zeigefinger, _Linzgriffling_[2244]
-
-Zettel, _Kritzler_[2245]
-
-[Fußnote 2234: ([491] auf S. 65.63) S. bezahlen; vgl. auch
-»Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 35 (_Bereime_ [u. _Zeine_] wohl = subst.
-Infinitive).]
-
-[Fußnote 2235: ([492] auf S. 65.63) S. (zu beiden Ausdr.) abzahlen; vgl.
-(betr. _Zeine_) auch die vor. Anm. a. E.]
-
-[Fußnote 2236: ([493] auf S. 65.63) S. abbeißen.]
-
-[Fußnote 2237: ([494] auf S. 65.63) S. (betr. _Sins_) Amtmann.]
-
-[Fußnote 2238: ([495] auf S. 65.63) S. Aas.]
-
-[Fußnote 2239: ([496] auf S. 65.63) S. behext.]
-
-[Fußnote 2240: ([497] auf S. 65.63) S. Betrug.]
-
-[Fußnote 2241: ([498] auf S. 65.63) S. Amme.]
-
-[Fußnote 2242: ([499] auf S. 65.63) S. Entenfuß u. Daumen.]
-
-[Fußnote 2243: ([500] auf S. 65.63) Diese merkwürdige Bezeichnung findet
-sich schon in dem _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (in der Form _Schofnase_ u.
-mit der Bedeutg. »Groschen«); sonst ist sie m. Wiss. unbekannt im
-Rotwelsch u. in den Geheimsprachen. Ob es sich um eine Metapher handelt
-oder wie die Umschreibung sonst zu erklären ist (ob vielleicht nach
-einem mit einer »Schafnase« ausgestatteten Regentenkopfe auf einer Münze
-[Hypothese von Dr. _A. Landau_, Wien]), bleibt zweifelhaft.]
-
-[Fußnote 2244: ([501] auf S. 65.63) S. (betr. _Linz-_) anschauen.]
-
-[Fußnote 2245: ([502] auf S. 65.63) S. Attest.]
-
-Zichorie, _Süs(s)ling_[2246] [65.64]
-
-Zichorienbüchse, _Süs(s)lingschottel_[2247]
-
-Ziegelstein, _g'funkter Kies_ (d. h. »gebrannter Stein«)[2248]
-
-zierlich, _dof_[2129]
-
-Zigarre, _Dämpfere_ od. _Dämpfete_ (letzteres Spr.)[2249],
-_Toberichschure_ (das jedoch auch »[Tabaks-]Pfeife« bedeutet)[2250]
-
-Zigarrenbeutel, _Dämpferereiber_[2251]
-
-Zigarrentasche, _Toberichschurerande_[2252]
-
-Zigeuner, _Schmelemer_[2253], _Sende_[2254]
-
-zigeunerisch, _schmelemerisch_[2253]
-
-[Fußnote 2246: ([503] auf S. 65.64) S. Kaffee.]
-
-[Fußnote 2247: ([504] auf S. 65.64) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]
-
-[Fußnote 2248: ([505] auf S. 65.64) S. abbrennen u. Apfelkern. —
-Sachlich übereinstimmend damit auch die Zigeunerspr.; s. _Liebich_, S.
-262 (_chadschēdo parr_, d. h. »gebrannter Stein« = Ziegelstein; Syn:
-_lōlo parr_, d. h. »roter Stein«). _Beide_ Ausdr. auch bei
-_Lieblich_, S. 180 unter »Backstein«, während in _Wittichs_ Jenisch
-_dafür nur Kittleskies_ angeführt ist; vgl. »Vorbemerkg.«, S. 19, Anm.
-48.]
-
-[Fußnote 2249: ([506] auf S. 65.64) S. Pfeife.]
-
-[Fußnote 2250: ([507] auf S. 65.64) S. Pfeife u. abbiegen.]
-
-[Fußnote 2251: ([508] auf S. 65.64) S. (betr. _Reiber_) Beutel.]
-
-[Fußnote 2252: ([509] auf S. 65.64) S. (betr. _Rande_) Bauch.]
-
-[Fußnote 2253: ([510] auf S. 65.64) S. Löwenzahn.]
-
-[Fußnote 2254: ([511] auf S. 65.64) Zu _Sende_ = Zigeuner vgl. (aus dem
-_verw. Quellenkr._): _Sulzer Zigeunerliste_ 1787 (252: _die Sende_ = die
-Zigeuner); _W.-B. des Konst. Hans_ 257 (_die Sente_ [ebenfalls
-_plur._]); _Schwäb. Gauner- u. Kundenspr._ 77 (_Sendo_ = Zigeuner);
-_Schwäb. Händlerspr._ (_Lütz._ [215]: _Sĭndo_). Auch in der sonstigen
-Gauner- u. Kundenspr., bes. d. 19. Jahrh. (seit _Pfister_ 1812 [206])
-öfter in versch. Formen (_Sende_, _Sente_, _Sande_, _Sinde_ usw.)
-angeführt u. bis in die Neuzeit erhalten s. _Groß_ 494 [_Sinte_;
-Nebenbedtg.: Genosse]; _Rabben_ 123 [_Sinter_; auch hier Nebenbedtg.:
-Genosse, Komplize); _Ostwald_ [Ku.] 143 [hier getrennt: _Sinde_ =
-Zigeuner; _Sinter_ = Komplize). Zur _Etymologie_ des aus der
-_Zigeunerspr._ entlehnten Wortes (vgl. »Einleitung«, S. 30) von noch
-_unsicherer_ Herkunft s. Näh. bei _Pott_ I, S. 32 ff. vbd. m. _Liebich_,
-S. 7, Anm. 1. Die Form lautet bei den deutsch. Zig. nach den meisten
-Vokab. _sínto_ (plur. _sīnte_); s. (außer _Pott_, a. a. O. u. II, S.
-239 u. _Liebich_, S. 159 u. 262) auch _Miklosich_, Beitr. III, S. 19 u.
-_Finck_, S. 85; bei _Jühling_, S. 226 dagegen: _Sendo_, plur. _Sendi_;
-fem. _Sendaza_; vgl. _Sendeaza_ = »Volk der Sendi«. — Über das zigeun.
-Synon. _rom_ (eigtl. »Mann«) s. oben unter »Frau« (Anm. zu _Romane_ a.
-E.). Die ebenfalls gleichbed. Bezeichnung _mānuš_ (»mānusch«),
-d. h. eigtl. »Mensch« (vgl. darüber Näh. bei _Pott_ II, S. 446;
-_Liebich_, S. 145 u. 262; _Miklosich_, Beitr. III, S. 15 u.
-Denkschriften, Bd. 27, S. 10; _Jühling_, S. 224; _Finck_, S. 72), fehlt
-in _Wittichs_ »Jenisch«, obwohl sie mit veränderter Form mehrfach im
-Rotwelsch des 19. Jahrh. (seit _Pfister bei Christensen_ 1814 [326])
-anzutreffen und auch in die _schwäb. Händlerspr._ eingedrungen ist (s.
-_Lütz._ [215]: _Manischer_ = Zigeuner; vgl. 488: _mônisch_ =
-zigeunerisch); vgl. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1440 sowie noch
-Archiv, Bd. 59, S. 263, 64.]
-
-Zigeunerbursche, _Schmelemerfi(e)sel_[2255] [65.65]
-
-Zigeunerhund, _Schmelemerkib_[2256]
-
-Zigeunermädchen, _Schmelemermodel_[2257]
-
-Zigeunerwagen, _Schmelemerrädling_[2258]
-
-Zimmer, _Schrende_[2259]
-
-Zimmermann, _Schrendepflanzer_[2260]
-
-Zorn, _Rochus_[2261], _Stumpf_[2224]
-
-zornig, _massig_[2262], _stämpfich_ od. _stumpfich_[2224]
-
-Zuchthaus, _Lek_[2263], _Schofelkitt_[2264]
-
-züchtig, _dof_[2129]
-
-Zucker, _Süs(s)ling_[2246]
-
-[Fußnote 2255: ([512] auf S. 65.65) S. (betr. _Fi(e)sel_) Bettelbube.]
-
-[Fußnote 2256: ([513] auf S. 65.65) S. Haushund.]
-
-[Fußnote 2257: ([514] auf S. 65.65) S. Beischläferin.]
-
-[Fußnote 2258: ([515] auf S. 65.65) S. Eisenbahnwagen.]
-
-[Fußnote 2259: ([516] auf S. 65.65) S. Frauenstube.]
-
-[Fußnote 2260: ([517] auf S. 65.65) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]
-
-[Fußnote 2261: ([518] auf S. 65.65) _Zu Rochus vgl._ (aus dem _verw.
-Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77 (_Roches_ od. _Broches_
-= Zorn); _Schwäb. Händlerspr._ 488 (hier nur das Adj. _prouches_ =
-zornig; vgl. in _Pfedelb._ [215]: _broches_ = trotzig). Im sonst. Rotw.
-kommt die Vokabel vorwiegend als Adjektiv vor (s. z. B. _Pfister_ 1812
-[286: _brooges_ = bös, feind] u. dann so öfter, mit lateinisch. Endung
-— _brochus_ = böse — in _Krünitz' Enzyklopädie_ 1820 [349], in der
-_Handthierka_ 1820 [354]: _braukes_ = böse, bei _Thiele_ 236 und
-_Fröhlich_ 1851 [395]: _brauges_, das auch A.-L. 592 — neben
-_b[e]roges_ [= zornig, tobend] — hat, desgl. auch _Groß_ 459 [= böse,
-erzürnt]), jedoch vereinzelt auch als Hauptwort (s. A.-L. 592 u. _Groß_
-487: _Roges_ = Unruhe, Zorn, Toben, desgl. _Ostwald_ 123 [Bedeutg.:
-Zorn]). _Etymologie_: _Rochus_ (gleichsam latinisiert), richtiger
-_Roges_, stammt her vom hebr. _rôgez_ = »Unruhe, Zorn«, das Adj.
-_b(e)roges_ usw. aus _be rôges_, d. h. »im Zorn«. Vgl. A.-L. 592 (unter
-»Roges«) u. 454 (unter »Rogas«) vbd. mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp.
-1433.]
-
-[Fußnote 2262: ([519] auf S. 65.65) Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV,
-Sp. 1519, Nr. 2 bedeutet _massig_ im Schwäbischen (ähnlich wie auch in
-anderen südd. Mundarten, z. B. im Elsaß) so viel wie: unzuverlässig,
-störrisch (von Menschen u. Tieren, z. B. Pferden, gebr.), eigensinnig,
-_zornig_, wütend, ungestüm, wild, derb, grob, mürrisch, widerwärtig,
-zänkisch u. a. m. und wird auch als Subst. für »roher, derber Mensch«
-gebraucht. Seiner _Etymologie_ nach gehört der Ausdruck wohl zu dem
-neuhebr. _mazziq_ = »böser Geist, verderbenbringendes Wesen« (vom hebr.
-Stamm _nzaq_ [vgl. A.-L., S. 410 unter »Nĕsack«]), das als _Massig_
-od. _Massik_ = Teufel ins Rotwelsch eingedrungen sowie (in der Form
-_Massing_ und mit gleicher Bedeutg.) auch der _schwäb. Händlerspr._
-bekannt ist. S. _Dolm. der Gaunerspr._ 100 (_Massig_ = Teufel); _Pfulld.
-J.-W.-B._ 345 (_Massik_); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_Massing_). Vgl.
-_Fischer_, a. a. O.]
-
-[Fußnote 2263: ([520] auf S. 65.65) S. Arrest; vgl. Gefängnis.]
-
-[Fußnote 2264: ([521] auf S. 65.65) S. arg u. Abort; vgl. Arrest sowie
-»Einleitung«, S. 28 u. S. 25, Anm. 61.]
-
-Zuckerbrot, _Süs(s)linglehm_[2265] [65.66]
-
-Zuckerhut, _Süs(s)lingoberman(n)_[2266]
-
-Zuckerwasser, _Süs(s)lingflu(h)te_[2267]
-
-zünden, _funken_[2268]
-
-Zündhölzer, _Funkerle_[2268], _Funkspreisle_[2269]
-
-zurücklaufen, _zurückbosten_[2270]
-
-zurücksehen, _zurücklinzen_[2271]
-
-zuschauen (zusehen), _zulinzen_
-
-zuschlagen, _zudogen_[2272], _zuguffen_[2273], _zustenzen_[2274]
-
-zuschließen, _zub'schrenken_ od. auch (einfach) _beschrenken_
-(Spr.)[2275]
-
-Zwerg, _nobis grandicher Kaffer_ (d. h. »kein großer Mann«)[2276]
-
-Zwetschgen, _Blauhanze_ (od. _-hanse_ [Spr.])[2277]
-
-Zwetschgenbaum, _Blauhanzestöber_[2278]
-
-Zwetschgenkern (-stein), _Blauhanzekies_[2279]
-
-Zwetschgenkuchen, _Blauhanzebrandling_[2280]
-
-[Fußnote 2265: ([522] auf S. 65.66) S. (betr. _Lehm_) Bäcker.]
-
-[Fußnote 2266: ([523] auf S. 65.66) S. Fingerhut.]
-
-[Fußnote 2267: ([524] auf S. 65.66) S. abbrühen.]
-
-[Fußnote 2268: ([525] auf S. 65.66) S. abbrennen.]
-
-[Fußnote 2269: ([526] auf S. 65.66) S. (betr. _Spreisle_) Baumholz.]
-
-[Fußnote 2270: ([527] auf S. 65.66) S. abgehen.]
-
-[Fußnote 2271: ([528] auf S. 65.66) S. anschauen.]
-
-[Fußnote 2272: ([529] auf S. 65.66) S. abgeben.]
-
-[Fußnote 2273: ([530] auf S. 65.66) S. aufschlagen.]
-
-[Fußnote 2274: ([531] auf S. 65.66) S. Ast.]
-
-[Fußnote 2275: ([532] auf S. 65.66) S. abschließen.]
-
-[Fußnote 2276: ([533] auf S. 65.66) S. Dietrich, Adler u. Bauer. — Die
-Zigeuner umschreiben (nach _Liebich_ S. 264) den Begriff etwas einfacher
-durch _dikkno gādscho_, d. h. »kleiner Mann«; vgl. oben unter
-»Riese«.]
-
-[Fußnote 2277: ([534] auf S. 65.66) Mit _Blauhanze_ (od. _-hanse_) sind
-zusammengesetzt: _Blauhanzestöber_ = Zwetschenbaum, _Blauhanzekies_,
-_-brandling_ u. _-g'finkelter_ od. _-soruf_ = Zwetschgenkern (-stein),
--kuchen u. -wasser. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb.
-Händlerspr._ 488 (_Blauhansen_ = Zwetschgen neben dem gleichbed.
-_Blauhosen_ [das auch das _Pfulld. J.-W.-B._ 346 sowie (in der Form
-_Blohosen_) schon der _Dolm. der Gaunerspr._ 102 kennt]); s. auch
-_Metzer Jenisch_ 218 (_Blauhänsche_ = Zwetschge). Über Belege (für
-_Blauhan[n]se_) im Rotw. (des 19. u. 20. Jahrh.) s. _Groß'_ Archiv, Bd.
-51, S. 145, Anm. 3. Ebds. zur _Etymologie_ (gleichsam Personifizierung
-durch Verbindung mit dem Eigennamen _Hans_); vgl. auch _Pott_ II, S. 9
-u. 36 u. _Günther_, Rotwelsch, S. 84. = Über _Blauling_ = Pflaume s.
-schon oben.]
-
-[Fußnote 2278: ([535] auf S. 65.66) S. (betr. _Stöber_) Apfelbaum.]
-
-[Fußnote 2279: ([536] auf S. 65.66) S. Apfelkern.]
-
-[Fußnote 2280: ([537] auf S. 65.66) S. Apfelkuchen.]
-
-Zwetschgenwasser (Branntwein), _Blauhanzeg'finkelter_ od. [65.67]
-_Blauhanzesoruf_[2281]
-
-Zwiebel, _Sore_[2282]
-
-Zwiebelkuchen, _Sorebrandling_[2280]
-
-Zwirn, _Sore_[2282]
-
-Zwist, _Stämpferei_[2224]
-
-[Fußnote 2281: ([538] auf S. 65.67) S. (zu beiden Ausdr.) Branntwein;
-vgl. (betr. _G'finkelter_) auch behext.]
-
-[Fußnote 2282: ([539] auf S. 65.67) S. Brücke.]
-
-
-
-
- VI. Alphabetisches Verzeichnis der jenischen Stammwörter.
-
-
- A.
-
-_achile(n)_ (-la) s. essen.
-
-_aufknüpfen_ s. erhängen.
-
-_August mit dem Ofenrohr_ s. Gendarm.
-
-
- B.
-
-_Babing_ s. Gans.
-
-_Balo_ s. Eber.
-
-_baschen_ s. abkaufen.
-
-_bausen_ s. Angst.
-
-_Bäzem_ (Betzam, Bezem) s. Ei.
-
-_begeren_ s. absterben.
-
-_Beiz_ s. Gasthaus.
-
-_Bellel_ s. Kropf.
-
-_Bengel, auf den_ — s. Borg, auf den —
-
-_Benges_ vgl. _Benk_.
-
-_Benk_ (Benges) s. brauchbarer Bursche.
-
-_bereimen_ s. bezahlen.
-
-_beschrenken_ s. abschließen.
-
-_bestieben_ s. bekommen.
-
-_Bet_ s. Mark.
-
-_Betzam_ (Bezem) vgl. _Bäzem_.
-
-_bibern_ (mich bibert's) s. eisig.
-
-_Bich_ s. Almosen.
-
-_biken_ s. Abendessen.
-
-_bikeren_ s. abkaufen.
-
-_Blamb_ s. Bier.
-
-_Blatt_ (pflanzen) s. übernachten (im Freien.)
-
-_Blättling_ s. Gulasch.
-
-_Blauhanze_ s. Zwetschgen.
-
-_Blauling_ s. Pflaume.
-
-_bleisgeren_ s. anzahlen.
-
-_bliblen_ s. anbeten.
-
-_Bochdam_ s. Barchent.
-
-_bodere_ (-ra) (budere [-ra]) s. begatten.
-
-_Boga_ s. Kalb; vgl. _Horboge_.
-
-_Bogalo_ vgl. _Bog(g)elo_.
-
-_Bogeia_ s. Fischbein
-
-_Bog(g)elo_ (Bogalo) s. Appetit.
-
-_bohle(n)_ (-la) s. abfallen.
-
-_Bolle_ (-la) s. Bratkartoffeln.
-
-_Bomme_ (-ma) s. borgen.
-
-_Bommerling_ s. Apfel.
-
-_Bos_ (bosen) s. After.
-
-_Boschert_ s. Kupfergeld.
-
-_bosen_ vgl. _Bos_.
-
-_Bossert_ s. Aas.
-
-_bosten_ s. abgehen.
-
-_Brandling_ (-leng) s. Apfelkuchen.
-
-_Brawari_ s. Henne.
-
-_bremsere_ s. auslassen.
-
-_budere_ (-ra) vgl. _bodere_ (-ra).
-
-_buk(e)le(n)_ (-la) od. _bugle_ (-la) s. abtragen.
-
-_butschen_ s. anfragen.
-
-_butten_ s. Abendessen.
-
-_Bu(t)z_ s. Amtsdiener.
-
-_Buxe_ (-xa) s. Beinkleid.
-
-
- D.
-
-_Dächle_ s. Schirm.
-
-_dalfen_ s. abbetteln.
-
-_dambes_ s. berauscht.
-
-_dämpfe(n)_ s. Pfeife.
-
-_deisen_ s. ermorden.
-
-_Deislere_ s. gebären.
-
-_derchen_ s. abbetteln.
-
-_dibere(n)_ (-ra) s. anreden. [65.68]
-
-_Dibolde_ s. Jude.
-
-_Dietz_ s. Glied (männliches).
-
-_Dober_ s. Axt.
-
-_dof_ (duft) s. angenehm.
-
-_Dofes_ s. Arrest.
-
-_dogen_ (-ga), _doken_ s. abgeben.
-
-_Duft_ s. Dom.
-
-_duft_ vgl. dof.
-
-_dupfen_ s. stechen.
-
-_durme(n)_ s. aufwachen.
-
-
- F.
-
-_Falle_ (-la) (schofle — pflanzen) s. böse Sachen machen.
-
-_febere(n)_ (-ra) s. abschreiben.
-
-_Fehlinger_ s. Betrüger.
-
-_Fehma_ s. Hand.
-
-_Fehte_ s. Hauswirt.
-
-_Feneter_ s. Fenster.
-
-_Fi(e)sel_ s. Bettelbube.
-
-_Finkel-_ = (bzw. Finkler u. ä.) s. behext.
-
-_Flachs_ (Flächsle) s. Mark.
-
-_Fläderling_ vgl. _Flederling_.
-
-_Flebbe_ s. Gewerbeschein.
-
-_Flederling_ (Fläderling) s. Adler.
-
-_flös(s)le(n)_ s. austreten (leicht).
-
-_Flössling_ s. Fisch.
-
-_Flotscher_ (Pflotscher[t]) s. Fisch.
-
-_Flu(h)te_ s. abbrühen.
-
-_Freier_ s. Fremder.
-
-_Frosch_ s. Monat.
-
-_Fuchs_ s. Gold.
-
-_fuchsa_ s. erzeugen.
-
-_Fuhl_ s. Abort.
-
-_Funk_ s. abbrennen.
-
-_Fürflamme_ s. Frauenschürze.
-
-_Furschet_ s. Gabel.
-
-
- G.
-
-_Gachne_ s. Hahn.
-
-_Gadscho_ s. Kerl.
-
-_Galgennägel_ s. Möhren.
-
-_Gal(l)ach_ s. Geistlicher.
-
-_Galm_ s. brauchbares Kind.
-
-_Garo_ (-ri) s. Glied (männliches).
-
-_G(e)fahr_ s. Bauerndorf.
-
-_Gefinkelter_ vgl. _Finkel-_; s. auch Branntwein.
-
-_Gengle_ s. Uhr.
-
-_G(e)schmu(i)_ s. Glied (weibliches).
-
-_Gib_ s. Frucht.
-
-_Giel_ s. Affengesicht.
-
-_Girall_ s. Käse.
-
-_Glansert_ s. Bierglas.
-
-_Gleis_ s. abgerahmte Milch.
-
-_glemsen_ s. ausweinen.
-
-_Glied_ s. Bruder.
-
-_Glitschin_ s. Dietrich.
-
-_Gluber_ (Kluber, -per) vgl. _Luber_.
-
-_gneis(s)en_ vgl. _kneisen_.
-
-_Goi_ s. böse Frau.
-
-_Gof_ s. böses Kind.
-
-_Gore_ s. Barschaft.
-
-_Grabegautschert_ (oder Grabagautschert) s. Most.
-
-_grandich_ (-dig) s. Adler.
-
-_gremen_ s. abkaufen.
-
-_Grif(f)ling_ (-leng) s. Daumen.
-
-_gril(l)isch_ (kril[l]isch) s. evangelisch.
-
-_Groanikel_ (od. Groenikel) s. Eber.
-
-_Groanert_ (Groenert) s. Gemüse.
-
-_Groenerei_ vgl. _vergroene(re)n_.
-
-_Groenert_ vgl. _Groanert_.
-
-_Groenikel_ vgl. _Groanikel_.
-
-_Grünleng_ s. Flurschütz.
-
-_Grünwedel_ s. Förster.
-
-_guffe(n)_ (-fa) s. aufschlagen.
-
-_g'want_ s. anmutig.
-
-
- H.
-
-_Hamfert_ s. Hemd.
-
-_Hamore_ vgl. _More_ (Morerei).
-
-_Hasa_ s. Flöhe.
-
-_hauren_ s. elend.
-
-_Hegel_ s. Dummheit.
-
-_Heges_ s. Dörfchen.
-
-_Hegesle_ s. Knödel.
-
-_her(r)les_ (-lem) s. da.
-
-_Hertling_ s. Gestein.
-
-_Hitzling_ s. Backofen.
-
-_Horboge_ s. Kalb; vgl. _Boga_.
-
-_Hornikel_ (-nigel) s. Bulle.
-
-
- J. (Jod).
-
-_Ja(h)ne_ s. alljährlich.
-
-_Jahre_ s. Ananas.
-
-_Jak_ s. Licht.
-
-_jannen_ s. lecken. [65.69]
-
-_jenisch_ s. Bachstelze.
-
-_Jerusalemsfreund_ s. Hammel.
-
-_Johle_ s. Apfelwein.
-
-
- K.
-
-_Kaffer_ s. Bauer.
-
-_Kafler_ s. Fleischer.
-
-_kahle_ (-la) s. Abendessen.
-
-_Kaim_ s. Hebräer.
-
-_Karle_ (in Lattenkarle) s. Gendarm; vgl. _Latt_.
-
-_kaspere_ s. Betrug.
-
-_Katschete_ s. Branntwein.
-
-_Kechelte_ s. Milchbrötchen.
-
-_Keif_ s. Borg, auf —
-
-_Keiluf_ s. Haushund.
-
-_kemere_ s. abkaufen.
-
-_Kenem_ s. Filzlaus.
-
-_kenn_ s. ja.
-
-_Kib_ s. Haushund.
-
-_Ki(e)bes_ s. Angesicht.
-
-_Kies_ (= Stein, Kern) s. Apfelkern.
-
-_Kies_ (= Geld) s. Bankier.
-
-_kirmen_ s. begatten.
-
-_Kitt_ s. Abort.
-
-_Klass_ s. Büchse.
-
-_Klettert_ s. Schreibtisch.
-
-_Kluft_ s. ankleiden.
-
-_Kluber_ (Kluper od. Gluber) vgl. _Luber_.
-
-_kneisen_ (gneis[s]en) s. erkennen.
-
-_Kober_ s. Gasthaus.
-
-_koberen_ s. schlagen.
-
-_kochem_ s. besonnen.
-
-_Koele_ s. Satan.
-
-_Kohl_ s. belügen.
-
-_Kolb_ s. Bischof.
-
-_Konde_ vgl. _Kunde_.
-
-_Kopel_ s. Beinkleid.
-
-_Kracher_ s. Ananas.
-
-_Krächerle_ s. Haselnuß.
-
-_Krattler_ s. fahrende Leute.
-
-_Kritsch_ s. Bürgermeister.
-
-_Kritzler_ s. Attest.
-
-_kril(l)isch_ vgl. _gril(l)isch_.
-
-_Kunde_ (Konde) s. Handwerksbursche.
-
-_Kuiete_ s. Mastpulver.
-
-_Kupfer_ s. Frucht.
-
-
- L.
-
-_Lache-_ od. _Lachapatscher_ s. Ente.
-
-_Laich, o_ — s. o weh.
-
-_Lanenger_ s. Hauptmann.
-
-_Langohr_ s. Hase.
-
-_Latt_ s. Degen.
-
-_Lechem_ vgl. _Lehm_.
-
-_Lehm_ (od. Lechem) s. Bäcker.
-
-_Leile_ s. Abend.
-
-_Lek_ s. Arrest.
-
-_lenk_ (link) s. arg.
-
-_lenzen_ vgl. _linzen_.
-
-_link_ vgl. _lenk_.
-
-_linzen_ (lenzen) s. anschauen.
-
-_Lobe_ s. Barschaft.
-
-_Lolo_ (-li) s. Gendarm.
-
-_Lomel_ s. Klinge.
-
-_Lore_ (lore) s. das ist nichts.
-
-_Losling_ s. Ohr.
-
-_Luber_ (Gluber, Kluber, -per) s. Rathausuhr.
-
-_Lubne_ s. Beischläferin.
-
-
- M.
-
-_Malfes_ s. Frauenrock.
-
-_Mamere_ s. Amme.
-
-_manga_ s. betteln.
-
-_Maro_ s. Brot.
-
-_Mass_ s. Aas.
-
-_massig_ s. zornig.
-
-_Matrele_ s. Erdäpfel.
-
-_Matsche_ s. Fisch.
-
-_Mocham_ (-um) s. Dorf.
-
-_Model_ s. Beischläferin.
-
-_Mogel_ (-kel) s. Frau.
-
-_molum_ s. berauscht.
-
-_Moss_ s. Bauernfrau.
-
-_More_ (Hamore, Morerei) s. Fehde.
-
-_muffen_ s. Aas.
-
-
- N.
-
-_näpfen_ s. abbeißen.
-
-_naschen_ s. fliehen.
-
-_Ni(e)se_ s. aberwitzig.
-
-_nikle(n)_ s. aufspielen.
-
-_Nille_ s. aberwitzig.
-
-_nobis_ s. Dietrich.
-
-_Nolle_ s. Fleischhafen.
-
-_Nusche_ s. aberwitzig.
-
-
- O. [65.70]
-
-_oberkünftig_ s. Gaumen.
-
-_Oberman(n)_ s. Fingerhut.
-
-
- P.
-
-_Patris_ (-tres) s. Eltern.
-
-_pfiche(n)_ s. abgehen.
-
-_pfladere(n)_ s. abwaschen.
-
-_pflanzen_ s. anbrennen.
-
-_pfreimen_ (-ma) s. abzahlen.
-
-_Pflotscher(t)_ vgl. _Flotscher_.
-
-_Plauderer_ s. Lehrer.
-
-_plo(t)ze(n)_ (-za) s. bewerfen.
-
-_Put(t)lak_ s. Appetit.
-
-
- R.
-
-_Rädling_ (-leng) s. Eisenbahnwagen.
-
-_Rande_ s. Bauch.
-
-_Räp(p)le_ s. Mark.
-
-_Räsleng_ s. Käse.
-
-_Rat_ s. Blut.
-
-_Ratte_ s. Abend.
-
-_Rauschert_ s. Streu.
-
-_Rawine_ s. Leiter.
-
-_Reiber_ (in Zusammensetzgn.) s. Beutel.
-
-_Reifling_ s. Fingerring.
-
-_Rochus_ s. Zorn.
-
-_Rolle_ (Roller) s. Mühle.
-
-_Romane_ s. Frau.
-
-_Rondling_ vgl. _Rundling_.
-
-_Ruadel_ (Ruedel) s. abfahren.
-
-_Ruch_ s. Bauer.
-
-_Ruedel_ vgl. _Ruadel_.
-
-_Rundling_ (Rondling) s. Leberwurst.
-
-_Ruf_ s. Appetit.
-
-_Russling_ s. Kessel.
-
-_Rutsch_ s. Bahn.
-
-_Rutscherschure_ s. Bürste.
-
-
- S.
-
-_Säftling_ s. Ananas.
-
-_Sauft_ s. Bett.
-
-_Schaffel_ s. Scheune.
-
-_Schafnase_ s. Zehnpfennigstück.
-
-_schallen_ s. absingen.
-
-_Scharfling_ (od. Scharpfleng) s. Dolch.
-
-_Scharrisele_ s. Kirschbaum.
-
-_Schar(r)le_ s. Bürgermeister.
-
-_schef(f)ten_ s. daher (a. E.)
-
-_Schei(n)_ s. alltäglich.
-
-_Schei(n)ling_ (-leng) s. Augapfel.
-
-_Schenagel_ (schenegle usw.) s. abschaffen.
-
-_schenzieren_ s. hausieren.
-
-_schiebes_ s. davongehen.
-
-_Schlang_ s. Halskette.
-
-_schlaune(n)_ (-na) s. ausschlafen.
-
-_schlummere_ s. Herberge.
-
-_Schmaleng_ od. _Schmaler_ s. Baumkatze.
-
-_Schmelemer_ s. Löwenzahn.
-
-_schmol(l)en_ s. anlachen.
-
-_Schmunk_ s. Bratkartoffeln.
-
-_schmuse(n)_ s. ansagen.
-
-_Schnabel_ s. Löffel.
-
-_Schnall_ s. Metzelsuppe.
-
-_schnelle(n)_ s. abschießen.
-
-_schniffen_ s. anfassen.
-
-_schnirgle_ (-la) s. begatten.
-
-_schnüren_ s. aufhängen.
-
-_Schnurrant_ (-rand) s. Äquilibrist.
-
-_schofel_ s. arg.
-
-_Schond_ vgl. _Schund_.
-
-_schoren_ s. ausstehlen.
-
-_Schottel_ s. Aschenbecher.
-
-_Schrabiner_ (-winer) s. brauchbares Kind.
-
-_Schrende_ s. Frauenstube.
-
-_Schuberle_ s. Geist.
-
-_Schuk_ s. Mark.
-
-_Schuker_ s. Gendarm.
-
-_Schund_ (od. Schond) s. abgerahmte Milch.
-
-_schupfen_ (sich) s. aufhören.
-
-_Schure_ (schurele) s. abbiegen.
-
-_Schüx_ s. Hure.
-
-_schwächen_ s. Amme.
-
-_Schwä(t)zling_ (Schwetzling) s. Ofenruß.
-
-_Schwimmerling_ s. Fisch.
-
-_Sende_ s. Zigeuner.
-
-_sichere(n)_ s. auskochen.
-
-_Sins_ s. Amtmann.
-
-_Sitzling_ (-leng) s. Bank (zum Sitzen).
-
-_Sore_ s. Brücke.
-
-_Soruf_ s. Branntwein.
-
-_spannen_ s. gaffen.
-
-_Spitzling_ s. Hafer.
-
-_Sprate_ s. Ast.
-
-_Spraus_ s. Baumholz.
-
-_Spronkert_ s. einsalzen.
-
-_stämpfen_ (stämpfich) vgl. _Stumpf_.
-
-_Staubert_ s. Mehl.
-
-_Staud_ s. Hemd. [65.71]
-
-_ste(c)ken_ s. beschenken.
-
-_Steinhäufle_ s. Stadt.
-
-_Stenker(t)_ s. Entenstall.
-
-_Stenz_ s. Ast.
-
-_Stenzel_ s. Henne.
-
-_stichle(n)_, _Stichling_ s. aufnähen u. Gabel.
-
-_Stieling_ s. Birne.
-
-_Stiepa_ s. Bürste.
-
-_Stierer_ s. Henne.
-
-_Stöber_ s. Apfelbaum.
-
-_Strade_ s. Chaussee.
-
-_Stratz_ s. Hurenkind.
-
-_Strauberts_ s. Augenbrauen.
-
-_Streifling_ (-leng) s. Fußlappen.
-
-_Strohbutze_ s. Gans.
-
-_Strupf_ s. bestraft (gerichtlich).
-
-_Stupfle_ (Stupfel, Stupfleng) s. Dorn u. Igel.
-
-_Sturmkitt_ s. Rathaus.
-
-_Stumpf_ (stümpfen [stämpfen], stumpfich [stämpfich] s. Ärger.
-
-_Süsling_ (-leng) s. Kaffee.
-
-
- T.
-
-_Toberich_ s. Pfeife.
-
-_Trabert_ (-pert) s. Füllen.
-
-_Tritt_ s. Entenfuß.
-
-_Trittling_ (-leng) s. Ferse; vgl. _Tritt_.
-
-_Tschai_ s. Mädchen.
-
-_tschanen_ s. fliehen.
-
-_Tschuggel_ s. Hund.
-
-_Tschure_ s. Messer.
-
-
- U.
-
-_Ulme_ (-ma) s. arme Leute.
-
-_unterkünftig_ s. Fußsohle.
-
-
- V.
-
-_verfinkelt_ vgl. _Finkel-_.
-
-_Vergondert_ s. Konkurs.
-
-_vergröne(re)n_ s. Ehe.
-
-_verkitschen_ s. handeln.
-
-
- W.
-
-_Weisling_ (-leng) s. Feiertag.
-
-_wo(h)nisch_ s. Katholik.
-
-
- Z.
-
-_zaine(n)_ od. _zeine(n)_ (-na) s. abzahlen.
-
-_zopfen_ s. Diebstahl.
-
-
-
-
- VII. Sprachproben.[2283]
-
-
- Jenisch. Deutsch.
-
- 1. Meinst', scheffte keine 1. Meinst du, es seien keine
- Grünwedel herles im Kracher? Forstwärter hier im Wald?
- 2. Herles im Steinhäufle schefft 2. Hier in der Stadt ist der
- der Kolb krillisch und der Pfarrer evangelisch und der
- Kritsch wonisch. Schultheiß katholisch.
- 3. Hauret herles das G'fahr 3. Ist hier das Dorf evangelisch [65.72]
- krillisch oder wonisch? oder katholisch? Nein, Juden
- Nobis, Kaime schefften sind darin.
- herlem.
- 4. Herlem im Gefahr schefft ein 4. Hier im Dorf ist ein strenger
- lenker Schuker; Buz und Gendarm; der Polizeidiener
- Scharle hauret aber dof. und der Schultheiß sind aber
- gut.
- 5. _Diberei_: Schmus', Kaffer, 5. _Gespräch_: Sag, Mann, bist du [65.73]
- hauerst begerisch? Nobis, krank? Nein, Frau. Hungrig?
- Moss. Bikerich? Nobis. Nein. Durstig? Nein.
- Schwächerich? Nobis. Schläfrig? Nein. Betrunken?
- Durmerich? Nobis. Geschwächt? Nein, Frau. Ist es dir
- Nobis, Moss. Schefft's dir schlecht? Nein. Zum Übergeben
- schofel? Nobis. Gielerich? schlecht (übel)? Nein. Gut?
- Nobis. Dof? Kenn, Moss. Ja, Weib.
- 6. Moss, was sicherst? Ich 6. Frau, was kochst du (da)? Ich [65.74]
- sichere Hegesle mit koche »Knöpfle« (»Spätzle«)
- Stupfelbossert und pflanz' mit Igelfleisch und mache
- ein Blättling. (dazu) einen Salat.
- 7. Der Sore scheft in dem 7. Die Sache ist in dem
- vermuften Ruchekittle. verwahrlosten Bauernhäuschen.
- 8. _Lenzerei_: Model, lenz' die 8. _Fragerei_: Mädchen, frag' die [65.75]
- Rucheulme, was herles der Bauersleute, was hier der
- Ruch schefft? Kenn, Patris. Bauer ist? Ja, Vater. —
- — Ulme, hauret der Kaffer Leute, ist der Mann
- wonisch? Nobis, Model. katholisch? Nein, Mädchen.
- Krillisch? Kenn. Schefft er Evangelisch? Ja. Ist er dumm?
- niesich? Nobis. Nillich? Nein. Verrückt?[2284] Nein.
- Nobis. Schofel? Nobis. Arm? Nein. Vergantet (im
- Vermufft? Nobis. Grandich? Konkurs)? Nein. Reich? Ja.
- Kenn. Haurets ein Ist's ein Hexenmeister? Nein.
- Finkelkaffer? Nobis. Ein Zauberer? Nein. Ein
- Kasperer? Nobis. »Stundenmann« (Methodist)?
- Blibelkaffer? Kenn. Schefft's Ja. Ist es ein hungriger oder
- ein bikerischer oder lenker böser Mann? Nein, ein guter.
- Benk? Nobis, ein dofer. Ist er hier vom Dorfe? Ja.
- Schefft er herles vom Gefahr? Gibt er schlecht (beim
- Kenn. Stekt er lenk? Nobis, Betteln)? Nein, Mädchen. Gut?
- Model. Dof? Kenn. — Ja. — Es ist gut, Mädchen,
- Schefftet dof, Model, schupf höre auf und gehe fort. Ja,
- dich auf und bost' schiebes. Vater.
- Kenn, Patris.
- 9. Warum glemst unterkünftig das 9. Warum weint da unten das böse [65.76]
- Gefle so grandig? Den Malfes (kleine) Kind so sehr? Den
- hats verfunkt am Hitzling. Rock hat's verbrannt am Ofen.
- Jetzt schefft's bauserich, 's Jetzt fürchtet es (wörtl.:
- bestiebt Guffes. ist es ängstlich), es bekomme
- Hiebe.
- 10. Oberkünftig herles in der 10. Oben hier in dem großen
- grandiche Ruchekitt schefft Bauernhaus ist ein
- ein Nille. Der hauret link. geistesgestörter Mensch. Der
- Spann', da linzt er zum ist (sehr) böse. Sieh', hier
- Feneter am Stenkert. Kenn, schaut er zum Fenster am
- ich bost' schiebes. Stall heraus. Ja, ich gehe
- fort.
- 11. Fiesel, — dibert der 11. Kamerad, — sagt der
- Schurespflanzer — heut' Bürstenbinder — heute Nacht
- Leile bostemer in Stupfling; gehen wir auf den Igelfang;
- mei' Keiluf scheft ein dofer mein Hund ist ein guter
- Stupfelkib, aber link auf d' Igelhund, aber bös auf die
- Schmaler und Langohren. Ich Katzen und Hasen. Ich nehme
- schniff' ein Rande und Stenz einen Sack und einen Stock
- mit, vielleicht bestiebemer mit, vielleicht bekommen wir
- ein Schmaler und spannet eine Katze und sehen Kraut
- Groenert zum Schniffen. zum Stehlen.
- 12. Bostet, bostet, herles im 12. Kommt, kommt, hier im
- Kober schefft ein dofer Wirtshaus ist ein freigebiger
- Freier, der pfreimt grandich Fremder, der bezahlt viel zum
- z'schwächet. Trinken.
- 13. Schwäch' Grabegautschert, 13. Trink' Most, Freund, hier im
- Benges, herles im Nolle Krug ist (er), und im Glas
- hauret, und im Glansert ist Branntwein. Trink' fest,
- schefft Gefinkelter. Schwäch' bis du umfällst. — Nein, ich
- grandig, bis d' umbohlst. — bekomme keinen Rausch,
- Lore, ich bestieb' kein Kamerad, falle nicht und
- Dambes, Benk, bohl' nobis und übergebe (breche) mich (auch)
- giel' nobis. nicht.
- 14. Linz', Kaffer, herles im 14. Schau', Mann, hier im [65.77]
- Dofes schefft mei' Patris Gefängnis sitzt mein Vater
- zwei Frösch wegen zwei Monate wegen Enten- und
- Lachepatscher und Stenzel Hühnerstehlens ab.
- schniffe.
- 15. Jetzt schwäch' ich Blamb und 15. Jetzt trink' ich Bier und
- bik' Räsling. Schwächst du esse Käse. Trinkst du nichts,
- nobis, Benges? — Kenn, ich Kamerad? — Ja, ich trinke
- schwäch' Johle und kahl' Wein und esse Wurst. Meine
- Rundling. Mei' Moss schwächt Frau trinkt Kaffee.
- Süssling.
- 16. Schon Leile, und mei' Kaffer 16. Schon Nacht, und mein Mann
- schefft nobis herles. Ich ist (noch) nicht hier. Ich
- baus' mir herlem in der fürchte mich hier in der
- grandigen Schaffel — schmust großen Scheune — sagt die
- die jenisch' Moss —, ich fahrende Frau —, ich gehe
- boste und beschrenk'. und schließe zu.
- 17. So, Galme, — dibert die 17. So, Kinder, — sagt die
- Mamere — ist Schnall und Mutter — habt ihr (eigtl.:
- Bolle' buttet und Gleis ist) die Suppe und die
- geschwächt? — Kenn, Mamere. Kartoffeln gegessen und Milch
- — Dann bostet in Sauft und getrunken? — Ja, Mutter. —
- schlaunet. Dann geht zu (ins) Bett und
- schlaft.
- 18. Fiesel, linz', herles bostet 18. Kamerad, schau, hier kommt
- ein Kaffer aus dem ein Mann aus dem Bauerndorf
- Rucheg'fahr mit einem mit einem großen Hund an der
- grandigen Kib an der Schlang Leine und (einem) Regenschirm
- und Pflotscher in de' in der Hand. Es regnet doch
- Griffling. Es flösslet doch nicht? — Nein, es ist ein
- nobis? — Nobis, 's hauret Herr, kein Bauer, ich sehe es
- ein Sins, kein Ruch, ich an dem feinen Anzug und (den)
- spann's an der dofe Kluft und Stiefeln. — Ja, es ist ein
- Tritt. — Kenn, 's schefft Herr, schau seinen schönen
- ein Sins, spann' sein dofer Hut auf dem Kopfe, die
- Oberman auf 'em Kiebes, die Uhrkette und (die) Uhr in der
- Gluperschlang und Gluper im Tasche. — Regnen wird's
- Rande. — Flössle wird's heute bei Tage nicht, es hat
- heut' nobis am Schei, es hat heute Nacht viel (stark)
- heut' Leile grandig geregnet. Sieh', der Herr
- g'flesslet. Linz' der Sins lacht, er merkt es, daß wir
- schmollt, er gneist's, dass von ihm und (dem) Hunde
- wir von ihm und Keiluf sprechen. Komm', wir gehen
- schmuset. Pfich', wir fort. — Ja, wir gehen.
- schefften schiebes. — Kenn,
- wir pfichet.
- 19. Patris, — dibert der Galm — 19. Vater, — sagt das Kind —
- ruedlemer in das Mochumle, wo fahren wir in das Dörfchen,
- wir am grandigen Fluhte wo wir am großen Wasser
- halten mit dem Rädling, und halten mit dem Wagen, und
- sicheren? In der Schaffel vom kochen (da)? Übernachten
- Scharle fehten? — Kenn, — (wir) in der Scheune vom
- schmust die Mamere — das Schultheiß? — Ja, — sagt
- Gefahr hauret's, wo neben der die Mutter — dieses Dorf ist
- Fehte der Trabertkober es, wo neben der Herberge die
- schefft mit der dof Beizere Rößleswirtschaft ist mit der
- und Beizer mit dem grandigen guten Wirtin und (dem) Wirt
- Muffer, wo wir vor'm Jahne so mit der großen Nase, wo wir
- grandich Sore verbaschten. — voriges Jahr so viel Ware
- Schwächet und buttemer heut' verkauften. — Trinken und
- Leile nobis in der Beiz? — essen wir heute Abend nichts
- lenzt der Kaffer seine Moss. in der Wirtschaft? — fragt
- — Nobis, nobis, — schmust der Mann sein Weib. — Nein,
- die Moss — kein Boschert nein, — sagt die Frau —
- Lobe schefft herles. kein Pfennig Geld ist (dafür)
- da.
- 20. Schupf' dich auf und sei 20. Sei ruhig und gescheit und [65.78]
- kochem und stämpf' nicht so schimpfe nicht so viel,
- grandich, Fiesel. — Nobis, Freund. — Nein, ich bin
- ich schupf' mich lore, ich nicht still, ich habe einen
- schefft' grandich stumpfich großen Zorn (eigtl.: bin sehr
- auf den bikerichen Beizer zornig) auf den geizigen Wirt
- herles und schmusem's noch. hier und sage es ihm noch.
- Der Beizer schefft ein Der Wirt ist ein böser
- Linkfiesel, der kemeret nobis Mensch, der kauft keine
- keine Stiebe und Schottle. Bürsten und keine Körbe. Die
- Die Beizerin hauret nobis so Wirtin ist nicht so schlecht.
- schofel. — Kenn, das schefft — Ja, das ist ein braves
- ein g'want's Mössle. — Weibchen. — Schweig still,
- Schupfte, schefft' nobis sei nicht dumm. Schau, der
- nillich. Spann, der Koberer Wirt sieht ganz zornig (aus).
- linzt massig. Fiesel, er Kamerad, er merkt unser
- gneist die lenke Diberei. — schimpfendes Gespräch. — Ich
- Ich kahl' und schwäch' nobis esse und trinke nichts mehr
- mehr herles. Pfich', wir hier. Komm, wir bezahlen den
- zeinet den Beizer und Wirt und gehen fort. — Ja,
- schefften schiebes. — Kenn, Kamerad.
- Fiesel.
- 21. Linz', in dem Mochem, wo man 21. Schau, in dem Dorfe, das man
- spannt, schefft ein g'wanter (da) sieht, ist ein braver
- Plauderer. Der stekt dof Schulmeister. Der gibt gut zu
- z'biket und z'schwächet und essen und zu trinken und
- kemeret grandich Sore. kauft viel Ware.
- 22. Herles in dem Gefahr 22. Hier in dem Dorfe sind
- schefften schofle Ruchen, da schlechte Bauern, da bekommt
- bestiebtmer nobis zu dalfen. man nichts beim Betteln.
- 23. Schefft Schnall nobis 23. Ist die Suppe nicht kalt, ist [65.79]
- bibrisch, hauretse auch dof sie auch gut geschmalzen und
- geschmunkt und gesprunkt? gesalzen?
- 24. _Stiepenpflanzer_: Ulme, 24. _Bürstenbinder_: Leute,
- schwächet grandicher Blamb trinket (lieber) mehr Bier
- und Grabegautschert als und Most anstatt zu
- dibere. Beizer, ich schwäch' schwätzen. Wirt, ich trinke
- ein Stielingsjohle. Schwächet einen Birnenmost. Trinket
- auf, Ulme! Benges, Käffer, aus, Leute! Burschen, Männer,
- schwächet grandiger trinkt mehr Branntwein und
- Gefinkelter und niklet! tanzt. Weiber, Mädchen,
- Mossen, Modle, schwächet trinkt Wein und singt!
- Johle und schallet!
- _Model_ (nikelt und schallt): _Mädchen_ (tanzt und singt):
- »Und a' jenische Model »Und ein fahrendes Mädchen
- Schnifft a' jenischer Fiesel« Nimmt sich einen fahrenden
- Burschen«
- — — — — — — — — — — — — — —
- _Koberer_: Lore, Ulme, herles _Wirt_: Nichts, Leute, hier wird
- wird nobis g'schallet. nicht gesungen.
- _Beizere_: Model, schupf dich _Wirtin_: Mädchen, höre auf!
- auf!
- _Jenischer Benk_: Und nobis _Fahrender Bursche_: Und (darf
- nikle? man auch) nicht tanzen?
- _Beizer_: Nobis, nobis! _Wirt_: Nein, nein!
- 25. _Dächlespflanzerulme._ 25. _Schirmflickersleute._
- _Dächlespflanzer_: Moss, _Schirmflicker_: Weib, (es)
- schefft Leile, pfich' ist Abend, geh' fort, (um
- schiebes Fehte linze. Galme, nach einer) Herberge (zu)
- schupfetich, bis Mamere vom sehen. Kinder, seid ruhig,
- Fehte linzen bostet herles im bis (die) Mutter zurückkommt
- Heges. — von dem Suchen (eigtl. Sehen)
- (nach) einer Herberge hier in
- dem Dörfchen. —
- Patris, linz', die Mamere pficht. Vater, schau', die Mutter kommt.
- — —
- Kenn, schniffet den Rädling, Ja, nehmt den Wagen, Kinder, und
- Galme, und bostet. gehet.
- _Dächlespflanzerin_: Kaffer, die _Schirmflickerin_: Mann, die
- Fehteulme hauret nobis Herbergsleute sind nicht da
- herles, aber's Glied hat (zu Hause), aber der Sohn hat
- gefehtet. — uns das Übernachten erlaubt.
- —
- Wo schlaunetmer, Moss, im Wo schlafen wir, Weib, im Stall
- Stenkert oder Schaffel? Wo oder (in der) Scheune? Wo ist
- schefft Fehte? — Spann', die Herberge? — Schau, hier
- herles das Schaffelle die kleine Scheune ist es. —
- hauret's. — Galme, pflanzet Kinder, macht (die) Scheune
- Schaffel auf und schefftet auf und geht fort zum
- schiebes zum Dalfen. Moss, Betteln. Weib, mach' das
- pflanz' den Sauft. — Linz', Bett. — Sieh', Mann, die
- Kaffer, die Galme bosten vom Kinder kommen vom Betteln,
- Derchen, und heiles pficht und hier kommt (auch) der
- der Fehtekaffer. Dibere mit Hauswirt. Sprich mit dem
- dem Hegel. — Kenn, Moss. — Einfaltspinsel. — Ja, Frau.
- —
- Moss, ich haure begerisch. Der Weib, ich bin krank. Der Hauswirt [65.80]
- Fehtekaffer schmust, es sagt, es stehe schlecht (mit
- scheffte schofel. mir).
- _Moss_: Kaffer, ich bestieb' _Frau_: Mann, ich bekomme Angst;
- Bauser; boste in Begerkitt gehe in (das) Krankenhaus
- oder zum Begersins. — Nobis, oder zum Doktor. — Nein,
- nobis, nur nobis in nein, nur nicht ins Spital.
- Begerkitt. — Kenn, 's ist — Ja, es ist besser, Mann,
- döfer, Kaffer, du buttest du ißt hier (die) Kartoffeln
- herles Schundbolle mit mit Butter und Rahm. Ich esse
- Schmunk und Gleisschund. Ich Brot und trinke Milch; dann
- bik' Lehm und schwäch' Gleis; gehen wir in (unsere) Betten.
- dann pfichet mir in
- Sauftlinge.
- _Model_: Mamere, ich hab' nobis _Mädchen_: Mutter ich habe nichts
- g'buttet bestiebt und hab' zu essen bekommen und habe
- grandig Puttlak. Dog' mir (sehr) großen Hunger
- Schofellechem oder Bolle und (Heißhunger). Gib mir
- abg'schunde Gleis. Schwarzbrot oder Kartoffeln
- und abgerahmte Milch.
- _Mamere_: Kenn, kenn, herles _Mutter_: Ja, ja, hier nimm den
- schniff' den Gleisnolle mit Milchhafen mit (dem) Löffel
- Schnabel und Bolleschottel. und (die) Kartoffelschüssel.
- _Patris_: Moss, bukle die Stratze _Vater_: Frau, bringe die Kinder
- in Sauft. _Galme_ (glemsen zu Bette. _(Die) Kinder_
- und schmusen): Bostet heut' (weinen und sagen): Kommt
- Leile nobis a' Schuberle? heute Nacht (auch) kein
- Gespenst?
- _Patris_ (stumpfich): _Vater_ (zornig): Seid still,
- Schupfetich, Galme, oder der Kinder, oder der Teufel soll
- Koele mussich bukele. (muß) euch holen.
- _Moss_: Schupfte, Kaffer, mit dem _Frau_: Hör' auf, Mann, mit dem
- lenken Gedieber oder ich wüsten Gerede oder ich
- bestieb' ein Stumpf. Galme, bekomme einen Zorn. Kinder,
- bliblet z'Leile und betet zur Nacht und schlaft.
- schlaunet.
- _Kaffer_: Durmet die Schrawiner? _Mann_: Schlafen die Kinder? [65.81]
- _Moss_: Kenn. — _Frau_: Ja. —
- _Kaffer_: Dann schniff' _Mann_: Dann nimm (ein) Zündholz
- Funkspreisle und funk' herles und zünde hier das Licht an
- den Schein an und linz' nach und sieh nach Läusen im Rock
- Keneme im Malfes und und (in den) Strümpfen. Ich
- Streifling. Ich linz' im schaue im Hemd und (in der)
- Hanfert und Buxen. Es näpft Hose (nach). Es beißt mich so
- mich grandig, seit der sehr, seit der Wagen (mit)
- Rädling Schwelemer herles Zigeuner(n) bei uns gewesen
- gehauret und ein Schei und einen Tag mit (uns)
- mitgerudelt ist. Moss, ich gefahren ist. Weib, ich
- linz' und linz' und bestieb' schaue und schaue und bekomme
- nobis und spann' nobis kei' und sehe keine Laus.
- Kenem.
- _Moss_: Kaffer, soll der Fiesel _Frau_: Mann, soll der Junge
- nobis aufs Kohl in Stupfling nicht fortgehen und so tun,
- bosten und Bommerling, als wolle er Igel fangen und
- Stieling und Blauhanse (statt dessen) Äpfel, Birnen
- schniffe? und Zwetschgen stehlen?
- _Kaffer_: Ich schmoll', der _Mann_: Ich muß lachen, der
- Hegellauti … Ich boste am närrische Kerl … Ich gehe
- Schei und schniff Säftling, am Tage (selbst) und stehle
- Bloling und Scharrisele und Trauben, Pflaumen und
- bukles' im Buxe- und Kirschen und trage sie in
- Malfesrande. (meiner) Hosen- und
- Rocktasche (heim).
- _Moss_: Schupfte, Kaffer, ich _Frau_: Sei still, Mann, ich sehe
- spann' ein Schein. Linz', ein Licht. Schau, hier kommen
- herles pfichet Ulme! Leute!
- _Kaffer_: Kenn, 's hauret das _Mann_: Ja, es ist der bankrotte
- vermufft' Fehtekäfferle und kleine Hauswirt und (die)
- Fehtemoss. Sie bosten in Hausfrau (= Quartiersfrau).
- Horbogestenkert. Sie gehen in den Kuhstall.
- _Moss_: Kenn, linz', sie _Frau_: Ja, schau, sie sind
- schefften im Stenkert. (schon) im Stall. Mann, …
- Fiesel, … der Ruch pflanzt der Bauer macht einen wüsten
- ein linker Giel. Mund.
- _Kaffer_: Kenn, der Fehtekaffer _Mann_: Ja, der Hauswirt ist
- schefft stumpfich, er hauret zornig, er ist in Konkurs
- vermufft vor grandich Bommen. geraten wegen großer
- Schulden.
- _Moss_: Vergondert hauret er? _Frau_: Im Konkurs ist er? Jetzt
- Jetzt gneiss' ich den verstehe ich seinen großen
- grandigen Rochus. Zorn.
- _Kaffer_: Kenn, g'schnifft und _Mann_: Ja, (weg)genommen und
- verkemeret hat der verkauft hat der
- Schoffeleischure ein Gerichtsvollzieher ein
- Groenikel, Trabert und Schwein, (ein) Pferd und
- Hornikel, und die Horboge (einen) Ochsen, und die Kühe
- hauret am Kaim. gehören dem Juden.
- _Moss_: Das schefft schofel, _Frau_: Das ist traurig, Mann. [65.82]
- Benges. Linz', die Moss Schau, die Frau geht vom
- bostet vom Stenkert zur Stall in die Scheune und holt
- Schaffel und schnifft Kupfer. Heu.
- _Kaffer_: Nobis, sie pficht _Mann_: Nein, sie kommt hierher
- herles und bukelt Rauschert und trägt Stroh in (den)
- in Stenkert. Stall.
- _Pflotscherpflanzerin_: Dofe _Schirmflickerin_: Guten Abend,
- Leile, Fehtemoss, noch nobis Hausfrau, noch nicht im (zu)
- im Sauft? — Nobis, noch Bett? — Nein, noch nicht.
- nobis. Durmeter noch nobis? Schlaft ihr noch nicht? Ich
- Ich pfich' heut' Ratte lore komme heute Nacht nicht ins
- in Sauft, wir bestieben ein Bett, wir bekommen ein junges
- Horbögle. Herles hauret ein Kalb. Hier ist ein Hund.
- Kib. Napft er nobis? — Beißt er nicht? — Nein,
- Nobis, Fehtemoss. — Das Hausfrau. — Das ist gut.
- schefft dof. Dofe Leile, Goi, Gute Nacht, Frau, schlaft
- schlaunet dof! — Dofe Leile, gut! — Gute Nacht, Hausfrau,
- Fehtemoss, pflanzet's dof! macht's gut!
- _Moss_: Spannst nobis, Kaffer, _Frau_: Siehst du nichts, Mann,
- herles bostet ein grandiger da läuft eine große Katze.
- Schmaler.
- _Kaffer_: Das schefft g'want, _Mann_: Das ist gut, Weib, gib
- Moss, dog' mir mein Sprate, mir meinen Stock, dann (will
- dann deisen, und Scharfling, ich sie) totschlagen, und
- dann dupfen. mein Messer, dann (will ich
- sie) stechen.
- _Moss_: Nobis, Fiesel, _Frau_: Nein, Mann, Katzenfleisch
- Schmalerbossert bik' ich und esse und koche ich nicht.
- sichere nobis.
- _Kaffer_: Was muft herles so _Mann_: Was riecht hier so
- schofel? schlecht?
- _Moss_: Spann', der Schein _Frau_: Schau, das Licht ist es,
- hauret's, er bostet schiebes, es geht aus, jetzt gehen wir
- jetzt pfichet mir in Sauft, (auch) zu (ins) Bett, Mann.
- Kaffer. — —
- Die Leile ist schiebes, es Die Nacht ist vorbei, es ist Tag.
- schefft Schei. Wo hauret Wo sind meine Kleider? Guten
- meine Klufterei? Dofer Schei, Morgen, Mann. Gib mir meinen
- Kaffer! Stek' mir mein Malfes Rock und (meine) Schuhe zum
- und Trittling zum Ankluften, Anziehen, ich gehe hausieren.
- ich boste schenzieren. Dog' Gib mir Wasser zum Waschen
- mir Fluhte zum Pfladeren und und Haarmachen. — Kinder tut
- Straubertspflanzen. — Galme, (eigtl.: werft) (die) Betten
- bohlet Säuftling in Rädling, in (den) Wagen (und) macht
- pflanzet den Rauschert das Stroh weg. —
- schiebes. —
- Moss, pfich' schenzieren und Weib, geh' hausieren und verkaufe [65.83]
- vergrem' grandig. — viel. —
- Kenn, kenn, Kaffer, aber ich Ja, ja, Mann, aber ich sehe es
- spann's, in dem krillischen (schon), in diesem
- Heges verkemere ich nobis lutherischen Dorfe verkaufe
- grandig. Doge mir mein ich nicht viel. Gib mir
- Dächlesrande, Kaffer, und meinem Schirmsack, Mann, und
- pflanzte Sore, dann scheffte (die) gemachte Ware, dann
- schiebes. — gehe (ich) fort. —
- Galme, pflanzet Strauberts, Kinder, macht (euch) die Haare,
- pfladert eure schondiche wascht (euch) eure
- Griffling und Kiebes. schmutzigen Hände und (das)
- Schnifft Spraus zum Sicheren. Gesicht. Nehmt Holz (mit) zum
- Linzet, herles scheft ein Kochen. Seht, hier ist ein
- g'wantes Schurele, schönes Brett(chen), stehlet
- z'schoret's. — Kenn, Patris. es. — Ja, Vater. —
- —
- Pflanzet den Kib vom Rädling und Macht den Hund vom Wagen (los)
- Schaffel auf! Fiesel, boste und (die) Scheune auf! Junge,
- Bolle und Schmunk dalfen. Die gehe fort, (um) Kartoffeln
- Mamere dercht Gleis und Lehm. und Schmalz (zu) betteln. Die
- Model, schniff herles den Mutter bettelt Milch und
- Staubertrande und pfich' zur Brot. Mädchen, nimm hier den
- Rolle und derch' Staubert zu Mehlsack und gehe zur Mühle
- Hegesle pflanzen. Der Roller und bettle um Mehl zum
- schefft g'want und stekt dof. Spätzlemachen. Der Müller ist
- Ich schniff' dofen Fluhte zum brav und gibt gut. Ich nehme
- Süsling sichere und ruedle frisches Wasser (mit) zum
- vor's Gefahr und pflanz' den Kaffeekochen und fahre vor's
- Funk. — Dorf hinaus und brenne das
- Feuer an. —
- Fiesel, pfichst? — Junge, kommst du? —
- Kenn, Patris. — Ja, Vater. —
- Schmunk und Bolle bestiebt? — (Hast du) Schmalz und Kartoffeln
- Kenn. — bekommen? — Ja. —
- Patris, linz', die Mamere und Vater, schau', die Mutter und
- Model bosten. — (das) Mädchen kommen. —
- Verkemeret nobis, kein Boschert, Verkauft (habe ich) nichts, (für)
- Kaffer; aber grandig z'dalfet keinen Pfennig, Mann; aber
- bestiebt und ein g'wanter viel zu betteln (habe ich)
- Bogeiepflotschert ein'bascht, bekommen und einen noch guten
- spann'! — Fischbeinschirm eingehandelt,
- schau! —
- Kenn, die Bogeie schefften dof Ja, die Fischbeine sind gut zum [65.84]
- zum verkitschen, da derche Verkaufen, da(für) verlange
- ich grandig. — ich viel. —
- Model, herles hauret Bich. Boste Mädchen, hier ist Geld. Gehe zum
- zum Lehmschupfer und grem' Bäcker und kaufe für zehn
- für a' Schafnas' Kechelte zum Pfennige Wecken zum Kaffee.
- Süsling. Dem Patris pflanze Dem Vater mache (ich)
- Schmunkbolle. — Bratkartoffeln. —
- Patris, linz', 's pficht ein Vater, sieh, es kommt ein
- Schuker! — Gendarm! —
- Nobis, Fiesel, 's schefft ein Nein, Junge, es ist ein
- Grünwedel. Linze die dof Latt Forstwart. Schau (nur) den
- und Klass. — schönen Hirschfänger und
- (das) Gewehr. —
- Moss, spann, die Model buklet ein Weib, sieh (nur), das Mädchen
- Brandling. Die Model schefft bringt einen Kuchen. Das
- wie a' Finkelmoss und hauret Mädchen ist wie eine Hexe und
- eine g'wante Derchere. — (ist) eine tüchtige
- Bettlerin. —
- Wo bestiebt, Model? In der Wo (hast du das) bekommen,
- Schupferei 'dalft? — Mädchen? (Hast du es) in der
- Bäckerei gebettelt? —
- Kenn, Patris. — Ja, Vater. —
- Es schefft gesichert. Galme, Es ist gekocht. Kinder, Mann,
- Kaffer, bostet zum Bicken. kommt zum Essen! Werft nichts
- Bohlet nobis um! Herles um! Hier sind (die) Löffel,
- hauret Schnäbel, Kaffeetassen und Milchhafen.
- Süslingschottle und Esset! —
- Gleisnolle. Achilt! —
- Dog' mir ein Stichling, Moss. Ich Gib mir eine Gabel, Weib. Ich
- pfich' und butte meine gehe und esse meine
- Schmunkbolle unter dem gebratenen Kartoffeln unter
- Stöber. — diesem Baum. —
- Kenn, Kaffer, herles schefft Ja, Mann, hier ist deine Gabel.
- deine Furschet. — —
- Doge mir Spronkert, Fiesel, die Gib mir Salz, Junge, die
- Bolle hauret nobis dof Kartoffeln sind nicht genug
- g'sprunkt. Wie hauret's, (eigtl.: nicht gut) gesalzen.
- Galme, bostet ihr nobis zur Wie steht es, Kinder, geht
- Plauderei? — ihr nicht zur Schule? —
- Nobis, Patris, der Plauderer und Nein, Vater, der Lehrer und (der)
- Kolb schefften schiebes in's Pfarrer sind fort in die
- Steinhäufle und pfichet in Stadt und gehen in die schöne
- die dof Duft. — Kirche. —
- Patris, Mamere, linzet herles Vater, Mutter, sehet, da kommt
- bostet ein Rädling ein Wagen (mit) Zigeuner(n).
- Schmelemer! Nobis, es — Nein, es sind »jenische
- schefften jenische Ulme, Leute«, Korbmacher oder
- Schottlepflanzer oder Schirmmacher. —
- Dächlespflanzer. —
- Lore, 's hauret Ulme, wo kasperet Nein, es sind Leute die zaubern, [65.85]
- oder Dercherulme. — oder Bettelleute. —
- Nobis, nobis, Schurespflanzer Nein, nein, Bürstenbinder sind
- hauret's. — es. —
- Kenn, aber ich gneise's nobis. — Ja, aber ich kenne sie nicht. —
- Pflanzet den Funk aus! Die Sore Macht das Feuer aus! Packt
- in Rädling bohlt! Patris und (eigtl.: werft) die Ware in
- Fiesel, schniffet den Rädling den Wagen. Vater und Junge,
- in Griffling, und nehmt den Wagen in die Hand,
- abgeruadelt! Pfich', Model, und (dann) abgefahren! Komm,
- wir bosten. Mädchen, wir laufen.
- Patris, bostet mir ins dofe Vater, gehen wir in die schöne
- Steinhäufle, wo der grandich Stadt, wo der König ist? —
- Sins schefft? —
- Kenn, Fiesel. — Ja, Kind. —
- Gremst wieder Trabertbossert beim Kaufst (du da) wieder
- Trabertkafler, Patris? — Der Pferdefleisch beim
- Mass vor'm Jahne ist dof Roßmetzger, Vater. Das
- g'hauret. — Fleisch voriges Jahr ist gut
- gewesen. —
- Nobis Fiesel, wir kemeret, ein Nein, Junge, wir kaufen ein
- Kible. Kibenbossert hauret Hündchen. Hundefleisch ist
- döfer. — besser. —
- Kaffer, wenn's nobis flösslet, Mann, wenn's nicht regnet,
- pflanzet mir Blatt unter dem übernachten wir am Sonntag im
- grandichen Krächerstöber in Freien unter dem großen
- dem wonischen Ruchegefahr Nußbaum in dem katholischen
- über'n Weisling. Rauschert Bauerndorf. Stroh bekommen
- bestiebet mir. Wenn's nobis wir (schon). Wenn's (nur)
- ein Flösselschei schefft! — kein Regentag wird! —
- Kenn, Moss, und sicheret eine Ja, Weib, und (dann) kochen wir
- Hegesleschnall, Groenert und eine »Spätzles«suppe, Kraut
- Groenikelbossert. — und Schweinefleisch. —
- Lore, Kaffer, Bolleblättling und Nein, Mann, Kartoffelsalat und
- Stupfelmass. Igelfleisch.
- 26. Stichler, — dibert der 26. Schneider, — sagt der
- Schmelemer — schefftet so Zigeuner — seid so gut und
- dof und pflanzet diese macht mir diese schlechte
- schofle Buxe. Ich bereim' ein (zerrissene) Hose. Ich
- Flächsle. — bezahle (dafür) eine Mark. —
- Nobis, nobis, — schmust der Nein, nein, — sagt der Schneider [65.86]
- Stichler — ich pflanz' die — ich flicke (eigtl.: mache)
- schundich' Buxe nobis. Ich diese schmutzige Hose nicht.
- will lore Kenemer. Ich will keine Läuse
- (bekommen).
- 27. _Ruch_ (butschet ein 27. _Bauer_ (fragt ein
- jenischen Galmen): Wo »jenisches« Kind): Woher seid
- haureter schureles?[2285] — ihr? —
- Dibert des Schrawiners _Patris_: (Es) sagt des Kindes _Vater_:
- Schmus' nobis, Galm! — Sag' (es) nicht, Kind! —
- _Galm_: Von Schmusdernobishausen _Kind_: Von »Sag' - dir's - nicht
- am Niesebach. — - hausen« am Narrenbach. —
- _Ruch_: Wo hauret's? — _Bauer_: Wo liegt (denn) das?
- _Galm_: Bei Nobisgneis am _Kind_: Bei »Ich - weiß - (es) -
- Nilleberg aufs Kohl und nicht« am Dummkopfberg, und
- Blauangestrichen[2286]. alles ist recht erlogen.
- 28. Pflanz', doge mir ein 28. Mach', gib mir ein
- Funkerle zum Toberich Streichholz zum Anzünden der
- anfunken. — Pfeife. —
- Herles, meine Dämpfete funkt, Hier, meine Zigarre brennt, nimm
- schniffse zum anfunken. sie zum Anzünden.
- 29. Herles, Galme, schefft der 29. Hier Kinder, sitzt (ist) der
- Patris ein' Schei im Kittle Vater einen Tag im Arrest
- wegen Hamore und Stenzerei. wegen Händel und Schlägerei.
- 30. Linz, Moss, herlem in der Lek 30. Sieh, Frau, hier im Gefängnis
- schefft mein Glied ein Jahne sitzt (ist) mein Bruder ein
- wegen Dupfen und Schnellen. Jahr (lang) wegen Stechens
- und Schießens.
- 31. Herles im Gefahr scheffte 31. Hier im Dorf wurde (ich)
- gestrupft wegen Derchen und bestraft wegen Bettelns und
- link Schenzieren. Mein Kaffer unerlaubten Hausierens. Mein
- stämpft und pflanzt Hamore Mann schimpft und fängt
- mit Buz und Scharle. Streit an (eigtl.: macht
- Streit) mit dem Polizeidiener
- und dem Schultheiß.
- 32. Spann', die grandich Kitt 32. Schau, das große Haus hier! [65.87]
- herles! — Kenn, Gneistse — Ja. Kennst du es nicht? —
- lore? — Nobis. — Die Nein. — Das Zuchthaus ist
- Schoffelkitt schefft's. es.
- 33. _Derchermoss_: Hauret so dof, 33. _Bettelweib_: Seid so gut,
- Lehmschupfer, und dogt mir Bäcker, und gebt mir (etwas)
- dofen Lehm oder Gleiskechelte Weißbrot oder Milchbrötchen
- für mein Gälmle zum für mein Kindlein, um eine
- Gleisschnälle sicheren. Milchsuppe zu kochen.
- _Lehmschupfer_: Nobis, nobis, für _Bäckermeister_: Nein, nein,
- Dercherulme wird lore 'dogt. Bettelleuten wird nichts
- gegeben.
- 34. Mir schefft's gielerich vor 34. Mir ist (es) schlecht vom
- grandig Grabegautschert vielen Apfelmost-Trinken,
- schwächen und lore biken. — ohne etwas (dazu) gegessen zu
- Herles, schwäche Fluhte. — haben (wörtlich: »und nichts
- Nobis. essen«). — Hier, trinke
- Wasser. — Nein.
- 35. Mei' Kluper schefft schofel. 35. Meine Uhr ist entzwei. Ich
- Ich pfich' schiebes zum gehe fort zum Uhrmacher. —
- Genglespflanzer.
-
-[Fußnote 2283: ([1] auf S. 65.71) Schon in meiner »Vorbemerkung« (S. 3)
-habe ich erwähnt, daß die »Sprachproben« — aus dort näher angegebenen
-Gründen — nicht unwesentlich gekürzt worden sind. Sie umfaßten
-ursprünglich 46 Nummern, die auf 35 reduziert werden konnten; außerdem
-wurden aber auch noch _innerhalb_ einzelner Nummern (s. bes. in Nr. 25)
-mehrfache Streichungen vorgenommen. Bei der Übersetzung der jenischen
-Gespräche ins Deutsche habe ich grundsätzlich soweit wie möglich den
-_Wittichschen_ Wortlaut beibehalten und nur hier und da einzelne Stellen
-in eine etwas flüssigere Form gebracht. Der jenische Text stellt sich
-als wichtige Ergänzung zu dem »Wörterbuch« dar, nicht nur durch die
-Verwendung mancher dort ursprünglich fehlender (und erst von mir mit dem
-Zusatz »Spr.« hinzugefügter) Vokabeln, sondern namentlich auch insofern,
-als wir erst hier erfahren, wie die einzelnen Wörter in einer konkreten
-Satzverbindung gebraucht zu werden pflegen. Während z. B. im Wörterbuch
-über das _Geschlecht der Hauptwörter_ nur ganz ausnahmsweise etwas zu
-entnehmen ist, erscheinen sie hier regelmäßig in Verbindung
-mit dem (bestimmten oder unbestimmten) Artikel, also unter
-Geschlechtsbezeichnung. Diese aber weicht in zahlreichen Fällen von der
-in unserer Gemeinsprache üblichen ab (vgl. z. B. _der_ Galm = _das_
-Kind, _der_ Funk = _das_ Feuer, _der_ Flu[h]te = _das_ Wasser [vgl.
-_die_ Flut], _der_ Stichling = _die_ Gabel [aber — in Übereinstimmg.
-mit dem Deutsch. u. Französ. — _die_ Furschet], _die_ Model = _das_
-Mädchen, _die_ Kitt = _das_ Haus usw.). Zuweilen scheint auch der
-Sprachgebrauch zu schwanken. So findet sich z. B. in Nr. 7 _der_ Sore =
-_die_ Sache (in Übereinstimmg. u. a. mit dem _W.-B. des Konst. Hans_
-[254]), während an einer anderen Stelle (Nr. 26) das Wort als _femin._
-gebraucht wird (_pflanzte Sore_ = die gemachte Ware), was auch in der
-_neueren_ Gaunersprache der Fall ist (vgl. z. B. [Griechisch: Ô]
-[Griechisch: S] in Z. V, 429 u. _Rabben_ 124). In einzelnen Fällen ist
-aber _kein_ Artikel gesetzt worden, während wir nach dem deutschen Text
-einen solchen erwarten würden, so z. B. in Nr. 23 (_Schefft Schnall
-nobis bibrisch?_ = Ist _die_ Suppe nicht kalt?); Nr. 25 (_Wo schefft
-Fehte?_ = Wo ist _die_ Herberge?; … _pflanzet Schaffel auf_ = …
-macht _die_ Scheune auf; _bohlet Säuftling in Rädling_ = tut [eigtl.
-werft] _die_ Betten in den Wagen; … _pflanzet Strauberts_ = … macht
-[euch] _die_ Haare), namentlich auch dann, wenn schon ein _anderes_,
-_mit_ (dem bestimmten od. unbestimmten) Artikel versehenes Hauptwort
-_voran_gestellt worden; vgl. z. B. Nr. 11 (_Ich schniff' ein Rande und
-Stenz_ = Ich nehme einen Sack und _einen_ Stock mit); Nr. 19 (_mit der
-dof Beizere und Beizer_ … = … mit der guten Wirtin und _dem_ Wirt
-…); Nr. 25 (_Linze die dof Latt und Klass_ = Schau [nur] den schönen
-Hirschfänger und _das_ Gewehr).
-
-Obwohl sonst — wie beim Rotwelsch — _Grammatik_ und _Syntax_ sich auch
-beim Gebrauch des »Jenischen« grundsätzlich den allgemeinen Regeln
-unserer Muttersprache anschließen, enthalten naturgemäß Gespräche, die
-zwischen Leuten aus dem niederen Volke geführt werden, auch in dieser
-Beziehung mancherlei Abweichungen von der Schriftsprache.
-
-I. Zunächst seien hierfür zwei (nicht bloß auf einzelne Mundarten
-beschränkte, vielmehr) wohl durch ganz Deutschland verbreitete
-Besonderheiten der volkstümlichen Redeweise erwähnt, nämlich:
-
-1. daß »des Nachdrucks halber _Verneinungen doppelt_ (ja dreifach)
-gesetzt werden können, _ohne einander_ aufzuheben« (_Polle-Weise_, Wie
-denkt das Volk über die Sprache?, 3. Aufl., Leipzig 1904, S. 108; vgl.
-Näh. noch bei _R. Hildebrand_, Ges. Aufsätze, Leipzig 1890, S. 214 ff.).
-_Beispiele_: in Nr. 20 (… _der kemeret nobis keine Stiebe_ … = …
-der kauft keine Bürsten …) u. Nr. 25 (… _ich spann' nobis kei Kenem_
-= … ich sehe keine Laus);
-
-2. die Verwechselung des _Dativs_ u. _Akkusativs_ bei den _persönlichen
-Fürwörtern_ (also mir statt mich, dir statt dich usw. und umgekehrt).
-_Beispiel_: in Nr. 16 (_Ich baus' mir_ = ich fürchte mich).
-
-II. Folgende Eigentümlichkeiten sind dagegen auf die _Mundarten_
-namentl. die süddeutschen (bayr.-schwäb. Dialekt) beschränkt:
-
-1. der Gebrauch des _Nominativs statt_ des _Akkusativs_ bei
-Hauptwörtern. Während sich für den _umgekehrten_ Fall (also Gebrauch des
-Akkus. für den Nomin.), der z. B. auch im Schwäbischen vorkommt (s.
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 579 unter »ein« Nr. I: das ist ein_en_
-gut_en_ Mann) m. Wiss. in _Wittichs_ Jenisch kein Beispiel findet,
-enthält es für die _zuerst_ genannte Besonderheit — außer einigen
-unsicheren Fällen (in denen der unbestimmte Artikel _ein_ ev. auch als
-Akkusativ eines Neutrums aufgefaßt werden könnte) — mehrere
-_zweifelsfreie_, so z. B. Nr. 11 (… _vielleicht bestiebemer ein
-Schmaler_ = … vielleicht bekommen wir eine Katze), Nr. 18 (… _spann'
-sein dofer Oberman_ = … schau seinen schönen Hut), Nr. 24 (… _ich
-schwäch' ein Stielingsjohle_ = … ich trinke einen Birnenmost; …
-_schwächt … Gefinkelter_ = … trinket … Branntwein), Nr. 25 (…
-_ich bestieb' ein Stumpf_ = … ich bekomme einen Zorn; … _der Ruch
-pflanzt ein linker Giel_ = … der Bauer macht einen wüsten Mund) usw.;
-2) der Gebrauch des relat. räuml. Adv. _wo_ statt des Relativpronomens
-_welcher_ (-e -es) bezw. der (die das), worüber zu vgl. u. a. _v.
-Schmid_, Schwäb. W.-B. S. 536/37 u. _Schmeller_, Bayer. W.-B. II, Sp.
-828 (unter »wo«, lit. c). _Beispiele_: Nr. 21 (… _in dem Mochem, wo
-man spannt_ = in dem Dorfe, das man ḍ sieht); Nr. 25 (… _Ulme, wo
-kasperet_ = Leute, die zaubern).
-
-III. _Zum Teil_ gleichfalls auf die _Mundarten_ beschränkt, _zum Teil_
-aber auch _allgemein_ volkstümlich erscheinen gewisse (übrigens nur
-_neben_ den schriftdeutschen Formen auftretende) _Veränderungen_
-(namentlich _Kürzungen_) verschiedener (kurzer) Wertgattungen) so: 1)
-_des_ (bestimmten und [häufiger] des unbestimmten) _Artikels_; s. Nr. 11
-(_d' Schmaler_ = die Katzen); Nr. 18 (_in de' Griffling_ = in der Hand;
-_auf'em Kiebes_ = auf dem Kopfe); Nr. 19 (_vor'm Jahne_ = vor einem
-Jahre); Nr. 25 (_s' Glied_ = der Sohn; _in's Steinhäufle_ = in die
-Stadt); bes. aber (betr. a' = _ein_ [einer, eine]; vgl. dazu _v.
-Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 1 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 578):
-Nr. 24 _a' jenisches Model_; _a' jenischer Fiesel_); Nr. 25 (_a'
-Schuberle_; _a' Schafnas'_; _a' Finkelmoss_); 2) des _adj. Zahlpronomens
-kein_ (-ner, -ne) = _kei'_ (vgl. dazu _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp.
-310); s. Nr. 25 (_kei' Kenem_ = keine Laus); 3) _des besitzanzeigenden
-Fürworts mein_ (-ner, -ne) = _mei'_; s. z. B. Nr. 11 (_mei' Keiluf_);
-Nr. 14 (_mei' Patris_); Nr. 15 (_mei' Moss_); Nr. 35 (_mei' Kluper_); 4)
-_der persönlichen Fürwörter_ in Verbindung mit Zeitwörtern; vgl. z. B.
-a) _du_ = d'; s. z. B. Nr. 13 (_bis d' umbohlst_ = bis du umfällst); b)
-_dir_ = _der_; s. Nr. 27 (_Schmusder nobis_ = sag' dir['s] nicht); c)
-_dich_ = _te_ in der (z. B. in Nr. 20, 25 [öfter] begegnenden)
-Imperativform _schupfte_ (für: schupf dich) = hör' auf (schweig' still);
-d) _ihm_ = (e)m; s. Nr. 20 (_ich schmusem's_ = ich sage es ihm); e)
-_sie_ (Nom. u. Akkus.) = s(e); s. z. B. 23 (_hauretse_ …? = ist sie
-…?); Nr. 25 (_ich … bukles'_ = ich trage sie); Nr. 28 (_schniffse_ =
-nimm sie); Nr. 32 (_gneistse lore_ …?); f) _es_ (Nom. u. Akkus.) = 's;
-s. Nr. 8, 9, 18 (_s' schefft_ od. _s' hauret ein Sins_ = es ist ein
-Herr; _ich spann's_ = ich sehe es; _er gneist's_ = er merkt es); Nr. 19,
-25 (_s' hauret_ = es ist) u. a. m.; g) _man_ = _mer_ (vgl. dazu _v.
-Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 382 unter »mer«, Nr. 1; _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. IV, Sp. 1433 unter »man«; auch _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp.
-1642 unter »mir«, lit. c); s. Nr. 22 (… _da bestiebtmer nobis_ = …
-da bekommt man nichts); h) _wir_ = _mer_ oder (etwas seltener) _mir_
-(vgl. _v. Schmid_, a. a. O., S. 382 unter »mer«, Nr. 2 u. S. 533 unter
-»wir«; _Fischer_, a. a. O. IV, Sp. 1433 unter »man« a. E.; _Schmeller_,
-a. a. O. I, Sp. 1641 unter »mir«, lit. b); _Beispiele_: [Griechisch: a])
-für _mer_: Nr. 11 (_bostemer_ = gehen wir; _bestiebemer_ = bekommen
-wir); Nr. 19 (_ruedlemer_ …? = fahren wir …?; _buttemer_ …? =
-essen wir …?); Nr. 25 (_Wo schlaunetmer_ = Wo schlafen wir?) u. a. m.;
-[Griechisch: b]) für _mir_: Nr. 25 (_Dann [Jetzt] pfichet mir in
-Sauft[linge]_ = dann (jetzt) gehen wir zu Bett; _bostet mir_ = gehen
-wir; _pflanzet mir Blatt_ = übernachten wir im Freien; _bestiebet mir_ =
-bekommen wir); i) _ihr_ = _er_; s. Nr. 25 (_durmeter noch nobis?_ =
-schlaft ihr noch nicht?); Nr. 27 (_haureter?_ = seid ihr?); k) _euch_ =
-_ich_; s. Nr. 25 (_schupfetich_ = seid still; _der Koele mussich bukele_
-= der Teufel muß [soll] euch holen). — Oft werden auch die persönl.
-Fürwörter ganz weggelassen; s. z. B. Nr. 4 (_hauerst begerisch?_ = bist
-du krank?); Nr. 6 (_was sicherst?_ = was kochst du?); Nr. 13 (_in Nolle
-hauret_ = im Krug ist er [näml. d. Most]); Nr. 25 (_spannst nobis_ =
-siehst du nichts; _dann scheffte schiebes_ = dann gehe ich fort;
-_pflanze_ = mache ich) u. a. m.
-
-IV. Auch allerlei _Abkürzungen_ durch Weglassung der _Endsilben_
-(Buchstaben) _oder_ der _Anfangssilben_ — bei Haupt-, Eigenschafts-,
-Umstands-, namentlich aber Zeitwörtern — stehen (gleich den Fällen
-unter III) in Übereinstimmung mit der allgemein oder doch mundartlich
-üblichen Redeweise des Volkes überhaupt. _Beispiele_: 1) für Kürzung
-durch Weglassung der _End_silbe -e (-en): a) _bei Substantiven_: Nr. 25
-(_a' Schafnas'_); b) _bei Adjektiven_: u. a. Nr. 16 (_die jenisch
-Moss_); Nr. 19 (_mit der dof Beizere_); Nr. 25 (_in die dof Duft_; _die
-dof Latt_) usw.; c) _bei Adverbien_: Nr. 11 und öfter (_heut'_ [Leile] =
-heute [Nacht]; d) _bei Verben_: hier ist dieser Sprachgebrauch für _die
-erste Person Präsentis_ und _den Imperativ_ so häufig, daß er fast als
-_Regel_ erscheint, immerhin finden sich in diesen Fällen _auch_ noch die
-volleren Formen, und zwar zuweilen unmittelbar _neben_ den kürzeren;
-vgl. z. B. (für die _1. Person Präs._) Nr. 16 (_Ich boste und
-beschrenk'_ = ich gehe und schließe zu) und (für den _Imperativ_) Nr. 28
-(_Pflanz', doge mir ein Funkerle_ = Mach', gib mir ein Streichholz); 2)
-für Kürzung durch Weglassung der _Anfangssilbe_ (ge-): bei Zeitwörtern
-(Partizipien): Nr. 17 (_'buttet_ = gegessen); Nr. 25 (_ein'bascht_ =
-eingekauft; _'pflanzte Sore_ = gemachte Ware; _'dalft_ = gebettelt); Nr.
-33 (_'dogt_ = gegeben) usw. Den Übergang dazu vermittelt g' statt ge-;
-s. z. B. Nr. 24 (_g'schallet_ = gesungen); Nr. 25 (_abg'schunde Gleis_,
-_g'sprunkt_, _g'hauret_ usw.).
-
-V. Eine spezielle (wohl auch auf _mundartlichen_ Einfluß
-zurückzuführende) Eigentümlichkeit des _Wittichschen_ Jenisch ist
-endlich noch der Gebrauch der Endsilbe _-et_ statt des im Schriftdeutsch
-üblichen _-en_ in mehreren Zeitwortformen, nämlich für den _Infinitiv_,
-für die _erste_ und für die _dritte Person Pluralis des Präsens_, wofür
-sich übrigens mehrfache Beispiele auch schon im _W.-B. des Konstanzer
-Hans_ (»Schmusereyen«) finden, dessen Ähnlichkeiten mit unserem Jenisch
-ja auch sonst mehrfach auffallen (vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 3, Anm.
-4, S. 6 u. in _dieser_ Anm. oben S. 73 sowie noch weiter unten die Anm.
-2284 zu den »jenischen Schnadahüpfeln«). _Beispiele_: 1) für den
-_Infinitiv_: a) in _W.-B. des Konst. Hans_: 256 u. 258 (_z' malochet_ =
-zu plündern; _z' holchet_ = zu laufen); 259 (_z' kahlet und z'
-schwächet_ = zu essen und zu trinken); b) in _Wittichs Sprachpr._: Nr.
-12 (_z' schwächet_ = zum Trinken [zu trinken]); Nr. 21 (_z' biket und z'
-schwächet_ = zu essen und zu trinken); Nr. 25 (_z' buttet_ = zu essen;
-_z' dalfet_ = zu betteln); 2) _für die erste Person Plur. des Präs._: a)
-im _W.-B. des Konstanzer Hans_: 256 (_Holchet mir_ …? = Kommen wir
-…?); b) in _Wittichs Sprachpr._: Nr. 11 (_vielleicht bestiebemer …
-und spannet_ = vielleicht bekommen wir … und sehen); Nr. 18 (_dass wir
-… schmuset_ = daß wir … sprechen); ebds. (_wir pfichet_ = wir
-gehen); Nr. 19 (_Schwächet und buttemer_ …? = Trinken und essen wir
-…?); Nr. 20 (_Wir zeinet … und schefften schiebes_ = wir bezahlen
-… und gehen fort); Nr. 25 (_wir kemeret_ = wir kaufen usw.); ebds.
-([schon oben unter Nr. III, 3 lit. h als Belege für den Gebrauch von
-_mer_ und _mir_ = _wir_ angeführt]: _Wo schlaunetmer?_; _Jetzt pfichet
-mir in Sauft_; _bostet mir_; _pflanzet mir Blatt_; _bestiebet mir_); 3)
-für die _dritte Person Plur. des Präs._: a) im _W.-B. des Konst. Hans_:
-256 (… _den Kochem, die schiaunet_ = … den Dieben, die schlafen;
-_S'e schmuset_ = sie sagen; _Jetzt schwächet s'e_ = Jetzt trinken sie);
-260 (… _Grandscharrle schefftet lau und Prinzen schefftet lau schofel_
-= … Die Hatschier' sind für nichts, und die Herren sind gar nicht
-scharf); b) in _Wittichs Sprachpr._: Nr. 4 (_Buz und Scharle hauret …
-dof_ = Polizeidiener und Schultheiß sind … gut); Nr. 25 (_Durmet die
-Schrawiner?_ = Schlafen die Kinder?; _herles pfichet Ulme_ = hier kommen
-Leute; _die Horboge hauret am Kaim_ = die Kühe gehören dem Juden) u. a.
-m. — Die sonst noch vorkommenden Abweichungen von der Schriftsprache
-bedürfen kaum einer besonderen Hervorhebung oder Erläuterung.]
-
-[Fußnote 2284: ([2] auf S. 65.75) Nach dem Wörterbuch bedeutet
-_ni(e)sich_ und _nillich_ sowohl dumm als _auch_ verrückt.]
-
-[Fußnote 2285: ([1] auf S. 65.86) Das hier in Verbindung mit »wo« (für
-»woher«) vorkommende Wort _schureles_ habe ich nicht ins
-jenisch-deutsche Wörterbuch eingestellt, weil es sehr schwierig
-erscheint, eine passende Verdeutschung dafür (ohne Rücksicht auf den
-ganzen Satz) zu geben. (Das einfache »her« würde kaum deutlich genug
-sein.) In der _schwäbischen Händlersprache in Unterdeufstetten_ (213)
-ist _schurles_ für »fort!« gebräuchlich. Dahingestellt lasse ich es auch
-sein, ob dieses Adverb — etwa gleich dem Zeitw. _schurele(n)_ — noch
-in Verbindung mit dem — einen Aushilfscharakter an sich tragenden —
-Hauptw. _Schure_ (Schurele) gebracht werden darf oder etwa anders zu
-erklären ist.]
-
-[Fußnote 2286: ([2] auf S. 65.86) Eine wörtliche Übersetzung dieser
-Redensart erscheint nicht gut möglich. Ins W.-B. ist sie deshalb nicht
-mit eingetragen worden.]
-
-
-
-
- VIII. Jenische Schnadahüpfel.[2287]
-
-
-1.
-
- Ei, g'want sein Kocheme,
- Denn sie tun nobis als schoren,
- Wann sie lore Rande füllen
- Und dof mit der Sore springen.
- Hei ja! Viva!
- Grandscharle was pflanzst du da?[2288]
-
-[Fußnote 2287: ([1] auf S. 65.87) _Wittich_ hat hierzu in einer
-Anmerkung bemerkt, daß er von einer Übersetzung dieser »Schnadahüpfel«
-abgesehen habe, weil teils ihr Sinn sich leicht mit Hilfe des
-jenisch-deutschen Wörterbuchs herausbringen lasse, teils dagegen (wie z.
-B. bei Nr. 3) eine Wiedergabe der jenischen Unflätigkeiten im Deutschen
-kaum möglich erscheine. Ich kann dem nur beistimmen. Die Gründe, weshalb
-ich von diesen »Schnadahüpfeln« — trotz ihres groben Inhalts — nichts
-gestrichen habe, sind in meiner »Vorbemerkung.«, S. 3, 4 angegeben
-worden.]
-
-[Fußnote 2288: ([2] auf S. 65.87) Die Nummern 1 u. 2 (bezw. 4) der
-»Schnadahüpfel« stimmen (wie schon in der »Vorbemerkg.«, S. 3, Anm. 4
-erwähnt) auffälligerweise dem _Inhalte_ nach _fast ganz_ und auch in der
-_Form zum Teil_ noch mit »ein paar Strophen aus _Jauner-Liedern_«
-überein, die sich am Schluß des »_Wörterbuchs des_ _Konstanzer Hans_«
-von 1791 (bei _Kluge_, Rotw. I, S. 260) abgedruckt finden. Da mir nun
-_Wittich_ auf eine Anfrage hin versicherte, daß ihm das W.-B. des
-Konstanzer Hans gänzlich _unbekannt_ gewesen sei, so muß man wohl
-schlechterdings annehmen, daß es sich hier um alte, bis in die Gegenwart
-hinein erhaltene Überlieferungen aus der Blütezeit des deutschen
-Gaunertums handelt, die bei den »jenischen Leuten« nur in der äußeren
-Form einige Abänderungen erfahren haben. — Von Nr. 1 lautet (nach
-_Kluge_, a. a. O.) die ältere Fassung folgendermaßen:
-
- Ey lustig seyn Kanofer (die Diebe, Schorne)
- Dann sia thun nichts als Schofle;
- Wann sia kenne Rande fülla
- Und brav mit der Sore springa.
- Hei ja! Vi va!
- Grandscharrle, was machst du da?
-
-Zu _Kanofer_, das auch das _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Kanoffer_ = Dieb;
-vgl. 339, 343, 345) kennt u. das auch sonst im Rotwelsch vorkommt, s.
-_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 193, der das Wort in erster Linie zwar
-zu jüd. _chonef_ = »Heuchler, Betrüger«, _chanufa_ = »Heuchelei«
-gestellt hat (vgl. dazu auch _Weigand_ im »Intelligenzblatt für die
-Provinz Oberhessen«, Jahrg. 1846, Nr. 74, S. 300 [unter Nr. 13]), jedoch
-hinzufügt, daß es »doch (auch) wohl nicht ohne Beziehung zu _ganfen_,
-stehlen« sei.]
-
-2. [65.88]
-
- Schicksel, was hat auch der Kochem g'schmust?
- Er hat g'schmust: Wann er vom Schoren pficht,
- Schefft er gleich wieder zu mir[2289].
-
-3.
-
- Jann mei' Bos,
- Bos mei' Bos,
- Pflanz' mei Bos um,
- Bik' mein Schund,
- Zehnthalb Pfund,
- Weil der'n wohl gunnt!
-
-4.
-
- Model, was hat der Fiesel g'schmust,
- Wo er ist 'bostet zu dir?
- Er hat g'schmust, wenn er nobis eine andere bestiebt,
- Bostet er gleich wieder zu mir[2289].
-
-5.
-
- Do' drüben auf'm Bergele
- Haun i d' Derchermodel karessiert,
- No' hauret ihrs Schmunkschottele,
- Der Berg na' g'marschiert.
-
-[Fußnote 2289: ([1] auf S. 65.88) Zu dieser Nummer (sowie auch zu Nr. 4)
-vgl. die folgende Fassung beim »_Konstanzer Hans_«:
-
- Schicksal, was hot auch der Kochern g'schmußt,
- Wia er ist abgeholcht von dier?
- Er hat g'schmußt: Wann er vom Schornen holch,
- Scheft er gleich wieder zu mier.
-]
-
-6. [65.89]
-
- Jenischer Benges, bist nena g'want,
- I schmelz dir in d'Griffling,
- No' bohlst da an d' Wand.
-
-7.
-
- Jesses Marerkele, vors Grandscharleskitt
- Grandscharleskitt, Grandscharleskitt,
- Wenn du mi' nobis schniffst,
- No' schmelz d'r in's G'nick.
- Holdri, Holdra, Holdro!
-
-
-
-
- Nachträge.
-
-
-Nachträge zu Band 63. _Zu S. 5, Anm. 8_: Die Verallgemeinerung des
-Wortes _jenisch_ zu der Bedeutg. »klug« findet sich auch schon bei
-_Thiele_ 259, dem _Fröhlich_ 1851 gefolgt ist.
-
-_Zu S. 19, Anm. 48 a. E._: Mit dem zigeun. _chadschē do parr_, d. h.
-»gebrannter Stein« = Backstein steht in Übereinstimmg. in _Wittichs_
-W.-B. _g'funkter Kies_ = Ziegelstein.
-
-_Zu S. 105, Anm. 173 a. E._: Der (im Anschluß an _Fischer_, Schwäb.
-W.-B. IV, Sp. 1432) vertretenen Herleitung von _Mamere_ = Mutter vom
-französischen _ma mère_ steht entgegen, daß die rotw. Quellen ganz
-überwiegend die Vokabel mit mm (also _Mammere_ od. [wie z. B. _v.
-Grolman_ 44 u. T.-G. 112 u. andere] _Mammer_) schreiben, woraus zu
-schließen, daß der Ton auf die _erste_ Silbe zu legen ist. Nach einer
-gefl. Mitteilung von Dr. _A. Landau_ (Wien) würde es sich deshalb wohl
-um das in den meisten Mundarten (auch im Schwäbischen [s. _Fischer_, a.
-a. O.]) bekannte Wort _Mamme_ = Mutter handeln, das mit der Endung -re
-versehen worden. Zur Erklärung dieses Vorgangs aber vermag allerdings
-auch _Landau_ nur zu verweisen auf »die polnisch-jüdische verächtliche
-Bezeichnung für Mutter: _Mammeru_ (mit dem Hauptton auf a und der
-Pejorativendung -ru)«.
-
-_Zu S. 123, Anm. 229_: Die Vokabel _Ulme_ (-ma) = Leute findet sich in
-der Form _Ohlen_ und mit der Bedeutg. »Welt« auch bei _Pfister_ 1812
-(303); vgl. _Fischer_, Schwäb. W.-B. V, Sp. 55 unter »Olem« vbd. mit I,
-Sp. 448 unter »Aulem«.
-
-Nachträge zu Band 64. _Zu S. 138, Anm. 539_ (Zeile 5 von unten) ist das
-_non_ vor _nobis_ zu streichen.
-
-_Zu S. 140, Anm. 550_: Die Beschränkung des Ausdrucks _Mokum_ auf die
-Bedeutung »Dorf« findet sich auch in der von _H. Weber_ in _Groß'_
-Archiv, Bd. 59 veröffentlichten Liste von Wörtern der Kundensprache (s.
-das. S. 283 vbd. m. S. 266). _Zu S. 174, Anm. 850_: Eine Zusammensetzung
-mit _Schuberle_ ist auch noch _Schuberleweisling_ (d. h. eigentl.
-»Geistsonntag« = Pfingsten (worüber das Näh. schon S. 155, Anm. 689 [zu
-»Feiertag«] angeführt).
-
-_Zu S. 142, Anm. 565 vbd. mit S. 336, Anm. 1454_ ist zu
-_Flu(h)tegroanikele_ = Meerschweinchen zu bemerken, daß es sich hierbei
-wohl um eine _Diminutivbildung_ von _Groanikel_ handelt.
-
-_Zu S. 164/165, Anm. 763._ Für _Fünflamme_ = Schürze stellte mir Dr. _A.
-Landau_ die folgende Etymologie zur Verfügung, die in der Tat weniger
-gesucht erscheint als die von A.-L. 540 gegebene, der ich mich
-angeschlossen. Er denkt nämlich an die ältere Bedeutung von _Flamm_
-(Flamme) = »Haut, Lappen« (s. _Grimm_, D. W.-B. III, Sp. 1712, Nr. 2),
-wozu zu vgl. auch französ. _flamme_ — »Lappen, Wimpel, Fähnchen« (vom
-lat. _flamma_). In den vom D. W.-B. III, Sp. 1714, Nr. 3 zitierten
-Stellen aus _Musculus_ (»Hosenteufel«) scheint _Flamme_ u. _Hosenflamme_
-soviel wie »Hosenlatz« zu bedeuten. _Fünflamm(e)_ wäre demnach aus
-_Flamm(e)_ analog gebildet wie _Fürfleck_ = »Schurzfell, Schürze« (s. D.
-W.-B. IV 1, 1, Sp. 727; vgl. _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 786) aus
-_Fleck_ (Grundbedtg.: »pannus, Lappen, Fetzen«; s. D. W.-B. III, Sp.
-1741, Nr. 1). Vgl. auch _Fürschurz_ u. bes. noch _Fürtuch_ (=
-»[Weiber-]Schürze«; s. Näh. D. W.-B. IV, 1, 1, Sp. 920/21, Nr. 2).
-
-_Zu S. 180, Anm. 929_: _Gari_ = penis ist (nach _Pollak_ 213) auch noch
-der neueren _Wiener Gaunersprache_ bekannt.
-
-Nachtrag zu Band 65. _Zu S. 65, Anm. 2262_: In rotwelschen Quellen des
-19. Jahrhunderts (so z. B. bei _Pfister bei Christensen_ 1814 [326], _v.
-Grolman_ 46 u. T.-G. 130 u. _Karmayer_ G.-D. 209) kommt das Wort
-_Massi(c)k_ auch für »Schwätzer« oder »Verräter« vor. Man könnte dabei
-an einen Zusammenhang mit dem rotw. _massern_, hebr. _masr_ =
-»verraten« (vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 76) denken; jedoch kann sich
-jene Bedeutung auch _ohne dem_ entwickelt haben, da es ja nur
-begreiflich ist, daß die Gauner, um ihren gefährlichsten Feind, den
-Verräter, zu bezeichnen, zu den stärksten Ausdrücken greifen.
-
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- Anmerkungen zur Transkription
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-Dieses Buch ist ursprünglich erschienen als eine Serie von Artikeln in:
-Groß, Hans (Hrsg.); Archiv für Kriminal-Anthropologie und Kriminalistik,
-F. C. W. Vogel, Leipzig; Bd. 63 (1915), S. 1-46, 97-133, 372-396; Bd. 64
-(1915), S. 127-183, 297-355; Bd. 65 (1916), S. 33-89. Die einzelnen
-Artikel wurden zu einem zusammenhängenden Text vereinigt.
-Fortsetzungshinweise und Wiederholungen der Zwischenüberschriften wurden
-entfernt und die »Nachträge« am Ende der jeweiligen Artikel an einer
-Stelle zusammengefaßt. Seitennummern wurden durch Voranstellung der
-Nummer des jeweiligen Bandes des »Archivs« ergänzt.
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-Die Fußnoten mußten vom Fließtext getrennt und durchgängig neu numeriert
-werden. Auf Grund der großen Anzahl von Fußnoten (2289) und der
-zahllosen Querverweise zwischen den Fußnoten wurde eine Liste der
-ursprünglichen Nummern, der entsprechenden neuen Nummern und der
-zugehörigen Seitennummern zum Vergleich weiter unten angefügt.
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-Außerdem wurden die Fußnoten mit der ursprünlichen Nummer sowie der
-Seitennummer markiert.
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-Einige Seiten enthielten nur Fußnoten. Die entsprechenden Seitennummern
-wurden entfernt.
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-Hervorhebungen, die im Original g e s p e r r t sind, wurden mit
-Unterstrichen wie _hier_ gekennzeichnet. Fettdruck wurde ¶so¶ markiert.
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-Offensichtliche Fehler wurden berichtigt, teilweise unter Verwendung der
-zitierten Quellenliteratur. Eine Liste der Änderungen findet sich weiter
-unten. Der folgende Fall ließ sich nicht eindeutig klären: Anm. 302,
-»topor«: Am Ende des russischen Wortes _topor_ (Axt) erscheint im Druck
-ein Buchstabe, der wie ein kleines b oder das Weichheitszeichen des
-kyrillischen Alphabetes aussieht, dort aber nicht hingehört (entfernt).
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-Liste der Änderungen am Originaltext
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-Die Schreibweise und Grammatik der Vorlage wurden weitgehend
-beibehalten. Lediglich offensichtliche Fehler wurden berichtigt wie hier
-aufgeführt (vorher/nachher):
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- [S. 63.7]:
- … jenischem Form, näher aufzuzählen. Mit ziemlicher Sicherheit …
- … jenischen Form, näher aufzuzählen. Mit ziemlicher Sicherheit …
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- [S. 63.8]:
- … berauscht, schofel = schlecht, wo(h)nisch = katholisch; c)
- das …
- … berauscht, schofel = schlecht, wo(h)nisch = katholisch; d)
- das …
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- [S. 63.14]:
- … Kittchen), u. Käfferle (zu Kaffee [s. oben]), das zwar
- »Junggeselle« und …
- … Kittchen), u. Käfferle (zu Kaffer [s. oben]), das zwar
- »Junggeselle« und …
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- [S. 63.19]:
- … grundsätzlich die Methode beobachtet, das jedesmal dort zu
- einer …
- … grundsätzlich die Methode beobachtet, daß jedesmal dort zu
- einer …
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- [S. 63.33]:
- … Zahnfleich). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkreise): nur
- Schwäb. Händlerspr. …
- … Zahnfleisch). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkreise): nur
- Schwäb. Händlerspr. …
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- [S. 63.42]:
- … Erkärung gegeben. …
- … Erklärung gegeben. …
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- [S. 63.43]:
- … Gauerspr. 94 [künnigen]) und verkündigen = verkaufen (s. z.
- B. auch …
- … Gaunerspr. 94 [künnigen]) und verkündigen = verkaufen (s. z.
- B. auch …
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- [S. 63.100]:
- … S. 173 (unter »garant«) sowie Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp.
- 790. Nur in den …
- … S. 173 (unter »garant«) sowie Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp.
- 790. Nur in dem …
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- [S. 63.105]:
- … Dobrisch schwächen = Tabak rauchen; es schwachet mich = es
- dürstet …
- … Dobrisch schwächen = Tabak rauchen; es schwächet mich = es
- dürstet …
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- [S. 63.107]:
- … desgl. für die Bedeutgn. »Richter«, »Herrscher« u. »Oberherr«
- (s. d. Vok. …
- … desgl. für die Bedeutgn. »Richter«, »Herrscher« u. »Oberherr«
- (s. d. Vork. …
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- [S. 63.107]:
- … Herrin (Dame, Edeldame) u. d. Dimien. Sinsle = Junker]) sind:
- a) im Anfang: …
- … Herrin (Dame, Edeldame) u. d. Dimin. Sinsle = Junker]) sind:
- a) im Anfang: …
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- [S. 63.107]:
- … (fem. -sinse = Quatierfrau), Sturmkittsins = Ratsherr,
- Dupfsins = …
- … (fem. -sinse = Quartierfrau), Sturmkittsins = Ratsherr,
- Dupfsins = …
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- [S. 63.109]:
- … (dazu die Verbdg. biblicher Schuberle = heiliger Geist). In
- dem verw. …
- … (dazu die Verbdg. bliblicher Schuberle = heiliger Geist). In
- dem verw. …
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- [S. 63.109]:
- … (eigtl. »böse Sachen machen«) = »huren« (s. Näh. unter
- »böse«); mit auspfanzen ist …
- … (eigtl. »böse Sachen machen«) = »huren« (s. Näh. unter
- »böse«); mit auspflanzen ist …
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- [S. 63.115]:
- … Quellenkr.): Dolm. der Gaunerpr. 97 (schmusen = reden); W.-B.
- des …
- … Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 97 (schmusen = reden);
- W.-B. des …
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- [S. 63.120]:
- … = Taschenspieler. In den verw. Quellenkr. m. Wiss. unbekannt, …
- … = Taschenspieler. In dem verw. Quellenkr. m. Wiss. unbekannt, …
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- [S. 63.130]:
- … (Lütz. 214: bremse[n] = »furzem«, Bremser = »Furz«). Die
- Etymologie …
- … (Lütz. 214: bremse[n] = »furzen«, Bremser = »Furz«). Die
- Etymologie …
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- [S. 63.390]:
- … ([109] auf S. 63.390) Mit Blamb ist zusammgesetzt nur
- Blambglansert (s. d. W.-B.), …
- … ([109] auf S. 63.390) Mit Blamb ist zusammengesetzt nur
- Blambglansert (s. d. W.-B.), …
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- [S. 64.130]:
- … Ware, Achelsore = Eßwaren); Pfulld. J.-W.-B. 339, 341-343,
- 34ö, 34ô (Sore …
- … Ware, Achelsore = Eßwaren); Pfulld. J.-W.-B. 339, 341-343,
- 345, 346 (Sore …
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- [S. 64.136]:
- … Quellenkr.): Dolm. der Gaunerpr. 91 (Schiebes[-]machen =
- durchgehen …
- … Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 (Schiebes[-]machen =
- durchgehen …
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- [S. 64.138]:
- … Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); [Greek: b]) mit der ersten u.
- dritten Perf. Präs. (als …
- … Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); [Greek: b]) mit der ersten u.
- dritten Pers. Präs. (als …
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- [S. 64.138]:
- … zumal, gleichwie in lone lautlich lô = nein steckt, auch in
- nobis des no als …
- … zumal, gleichwie in lone lautlich lô = nein steckt, auch in
- nobis das no als …
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- [S. 64.147]:
- … s. A.-L. 524). Der Etymolgie nach erscheint biberen (wie auch
- das gemeinspr. …
- … s. A.-L. 524). Der Etymologie nach erscheint biberen (wie
- auch das gemeinspr. …
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- [S. 64.149]:
- … Zusammensetzgn. gebildet: Srohbutzerstenkert = Gänsestall, …
- … Zusammensetzgn. gebildet: Strohbutzerstenkert = Gänsestall, …
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- [S. 64.150]:
- … verw. Quellenkr.): Dolm. der Gauerspr. 95 ([einen] kneisen =
- [einen …
- … verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 ([einen] kneisen =
- [einen …
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- [S. 64.155]:
- … [288]), für dem »Silbergnanziger« (s. Fröhlich 1851 [419];
- vgl. in der neueren …
- … [288]), für den »Silbergnanziger« (s. Fröhlich 1851 [419];
- vgl. in der neueren …
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- [S. 64.170]:
- … sind gebildet die Verbindung grandich Stohbutzer = Schwan (s. …
- … sind gebildet die Verbindung grandich Strohbutzer = Schwan
- (s. …
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- [S. 64.178]:
- … dem verw. Quellen kennen die Sammlungen der Gaun.- u.
- Kundenspr. die …
- … den verw. Quellen kennen die Sammlungen der Gaun.- u.
- Kundenspr. die …
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- [S. 64.181]:
- … Goldstück, Füchsle od. Godfüchsle …
- … Goldstück, Füchsle od. Goldfüchsle …
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- [S. 64.182]:
- … große Dame, grandische Sense …
- … große Dame, grandiche Sense …
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- [S. 64.303]:
- … dürfte dann vielleicht auch in Wittichs Jensich statt
- schenzieren richtiger …
- … dürfte dann vielleicht auch in Wittichs Jenisch statt
- schenzieren richtiger …
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- [S. 64.311]:
- … ([152] auf S. 64.311) S. Subtantivierung des Adjektives
- grandich; vgl. »Vorbemerkung«, …
- … ([152] auf S. 64.311) S. Substantivierung des Adjektives
- grandich; vgl. »Vorbemerkung«, …
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- [S. 64.314]:
- … Liebich, S. 149 u. 212) die Insel paninjākri monteia, d.
- h. »Wasserberg« od. …
- … Liebich, S. 149 u. 212) die Insel paninjākri montaia, d.
- h. »Wasserberg« od. …
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- [S. 64.314]:
- … Anm. 2 a. E. (über einem Einfluß auch des deutschen Zeitw.
- »kennen« bei dem …
- … Anm. 2 a. E. (über einen Einfluß auch des deutschen Zeitw.
- »kennen« bei dem …
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- [S. 64.316]:
- … Tee, Zucker u. allgem. Süßigkeit. Dazu folgende
- Zusammensetzgn.: Süs(s)plengnolle …
- … Tee, Zucker u. allgem. Süßigkeit. Dazu folgende
- Zusammensetzgn.: Süs(s)lengnolle …
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- [S. 64.319]:
- … Näh. s. darüber bei Pott II, S. 257/58 (unter »Ciral«);
- Liebich, S. 142 u. 213 …
- … Näh. s. darüber bei Pott II, S. 257/58 (unter »Giral«);
- Liebich, S. 142 u. 213 …
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- [S. 64.329]:
- … Brot« (s. Liebisch, S. 138 u. 218). …
- … Brot« (s. Liebich, S. 138 u. 218). …
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- [S. 64.340]:
- … zu schließen ist; vgl. auch nobis dofer Bichpflanzer (Kies-
- od. Lobepfanzer) …
- … zu schließen ist; vgl. auch nobis dofer Bichpflanzer (Kies-
- od. Lobepflanzer) …
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- [S. 64.342]:
- … nacht, nobis ang'kluftet (d. h. »nicht angekleidet«) od.
- auskluftet …
- … nackt, nobis ang'kluftet (d. h. »nicht angekleidet«) od.
- auskluftet …
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- [S. 64.345]:
- … Ochenmaulsalat, Hornikelgielblättling …
- … Ochsenmaulsalat, Hornikelgielblättling …
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- [S. 64.351]:
- … Begriff negativ umschrieben dursh tschi tschātscho (od.
- ladscho) radíngĕro …
- … Begriff negativ umschrieben durch tschi tschātscho (od.
- ladscho) radíngĕro …
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- [S. 65.35]:
- … = Scheuer); Schwäb. Händerspr. (Lütz. [215]: Schafell =
- Scheune). …
- … = Scheuer); Schwäb. Händlerspr. (Lütz. [215]: Schafell =
- Scheune). …
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- [S. 65.36]:
- … Schinken, Schwäzlingbossert (d. h. eigtl. »Ruß- [od. Rauch- …
- … Schinken, Schwärzlingbossert (d. h. eigtl. »Ruß- [od. Rauch- …
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- [S. 65.38]:
- … schmelzen (richtiger wohl: schmälzen), schmunken …
- … schmelzen (richtiger wohl: schmalzen), schmunken …
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- [S. 65.39]:
- … ([96] auf S. 65.39) S. (betr. -planzer) anbrennen. …
- … ([96] auf S. 65.39) S. (betr. -pflanzer) anbrennen. …
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- [S. 65.41]:
- … Schwester, Glied, Model; vgl. Gsschwister …
- … Schwester, Glied, Model; vgl. Geschwister …
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- [S. 65.56]:
- … verlängere, grandicher pflanzen (d. h. »größer machen«) …
- … verlängern, grandicher pflanzen (d. h. »größer machen«) …
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- [S. 65.64]:
- … sīnte); s. (außer Pott, a. a. O. u. II, S. 239 u.
- Liebisch, S. 159 u. 262) …
- … sīnte); s. (außer Pott, a. a. O. u. II, S. 239 u. Liebich,
- S. 159 u. 262) …
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- [S. 65.70]:
- … Schure (shcurele) s. abbiegen. …
- … Schure (schurele) s. abbiegen. …
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- [S. 65.87]:
- … Obwohl sonst — wie beim Rotwelsch — Grammatik und Syntex
- sich …
- … Obwohl sonst — wie beim Rotwelsch — Grammatik und Syntax
- sich …
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- [S. 65.87]:
- … oder (etwa seltener) mir (vgl. v. Schmid, a. a. O., S. 382
- unter »mer«, Nr. 2 u. …
- … oder (etwas seltener) mir (vgl. v. Schmid, a. a. O., S. 382
- unter »mer«, Nr. 2 u. …
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- [S. 65.89]:
- … eine Diminitivbildung von Groanikel handelt. …
- … eine Diminutivbildung von Groanikel handelt. …
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-Liste der Fußnotennummern vor und nach der durchgehenden Neunumerierung
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-Band 63
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-S. 2 [1]: [1], S. 2 [2]: [2], S. 3 [1]: [3],
-S. 3 [2]: [4], S. 4 [1]: [5], S. 4 [2]: [6],
-S. 5 [1]: [7], S. 5 [2]: [8], S. 6 [1]: [9],
-S. 6 [2]: [10], S. 6 [3]: [11], S. 6 [4]: [12],
-S. 7 [1]: [13], S. 7 [2]: [14], S. 7 [3]: [15],
-S. 7 [4]: [16], S. 8 [1]: [17], S. 8 [2]: [18],
-S. 8 [3]: [19], S. 8 [4]: [20], S. 8 [5]: [21],
-S. 8 [6]: [22], S. 9 [1]: [23], S. 9 [2]: [24],
-S. 10 [1]: [25], S. 10 [2]: [26], S. 10 [3]: [27],
-S. 11 [1]: [28], S. 12 [1]: [29], S. 13 [1]: [30],
-S. 13 [2]: [31], S. 13 [3]: [32], S. 13 [4]: [33],
-S. 14 [1]: [34], S. 15 [1]: [35], S. 15 [2]: [36],
-S. 15 [3]: [37], S. 15 [4]: [38], S. 16 [1]: [39],
-S. 16 [2]: [40], S. 17 [1]: [41], S. 17 [2]: [42],
-S. 17 [3]: [43], S. 17 [4]: [44], S. 18 [1]: [45],
-S. 18 [2]: [46], S. 18 [3]: [47], S. 19 [1]: [48],
-S. 19 [2]: [49], S. 19 [3]: [50], S. 20 [1]: [51],
-S. 20 [2]: [52], S. 21 [1]: [53], S. 22 [1]: [54],
-S. 22 [2]: [55], S. 23 [1]: [56], S. 23 [2]: [57],
-S. 23 [3]: [58], S. 24 [1]: [59], S. 24 [2]: [60],
-S. 25 [1]: [61], S. 26 [2]: [62], S. 26 [3]: [63],
-S. 26 [4]: [64], S. 26 [5]: [65], S. 26 [6]: [66],
-S. 26 [7]: [67], S. 26 [8]: [68], S. 26 [9]: [69],
-S. 26 [10]: [70], S. 26 [11]: [71], S. 27 [12]: [72],
-S. 27 [13]: [73], S. 27 [14]: [74], S. 27 [15]: [75],
-S. 27 [16]: [76], S. 27 [17]: [77], S. 27 [18]: [78],
-S. 27 [19]: [79], S. 27 [20]: [80], S. 28 [21]: [81],
-S. 28 [22]: [82], S. 28 [23]: [83], S. 28 [24]: [84],
-S. 28 [25]: [85], S. 28 [26]: [86], S. 28 [27]: [87],
-S. 28 [28]: [88], S. 28 [29]: [89], S. 28 [30]: [90],
-S. 28 [31]: [91], S. 28 [32]: [92], S. 29 [1]: [93],
-S. 29 [2]: [94], S. 29 [3]: [95], S. 29 [4]: [96],
-S. 30 [5]: [97], S. 30 [6]: [98], S. 30 [7]: [99],
-S. 30 [8]: [100], S. 30 [9]: [101], S. 30 [10]: [102],
-S. 30 [11]: [103], S. 30 [12]: [104], S. 30 [13]: [105],
-S. 30 [14]: [106], S. 30 [15]: [107], S. 30 [16]: [108],
-S. 30 [17]: [109], S. 30 [18]: [110], S. 30 [19]: [111],
-S. 30 [20]: [112], S. 30 [21]: [113], S. 30 [22]: [114],
-S. 30 [23]: [115], S. 30 [24]: [116], S. 31 [1]: [117],
-S. 31 [2]: [118], S. 31 [3]: [119], S. 33 [4]: [120],
-S. 33 [5]: [121], S. 34 [6]: [122], S. 34 [7]: [123],
-S. 35 [8]: [124], S. 35 [9]: [125], S. 36 [10]: [126],
-S. 37 [11]: [127], S. 37 [12]: [128], S. 37 [13]: [129],
-S. 38 [14]: [130], S. 38 [15]: [131], S. 39 [16]: [132],
-S. 39 [17]: [133], S. 39 [18]: [134], S. 40 [19]: [135],
-S. 40 [20]: [136], S. 40 [21]: [137], S. 41 [22]: [138],
-S. 41 [23]: [139], S. 42 [24]: [140], S. 43 [25]: [141],
-S. 43 [26]: [142], S. 43 [27]: [143], S. 43 [28]: [144],
-S. 43 [29]: [145], S. 43 [30]: [146], S. 44 [31]: [147],
-S. 45 [32]: [148], S. 46 [33]: [149], S. 46 [34]: [150],
-S. 97 [1]: [151], S. 97 [2]: [152], S. 97 [3]: [153],
-S. 98 [4]: [154], S. 98 [5]: [155], S. 98 [6]: [156],
-S. 98 [7]: [157], S. 99 [8]: [158], S. 100 [9]: [159],
-S. 100 [10]: [160], S. 100 [11]: [161], S. 100 [12]: [162],
-S. 100 [13]: [163], S. 100 [14]: [164], S. 100 [15]: [165],
-S. 103 [16]: [166], S. 103 [17]: [167], S. 103 [18]: [168],
-S. 104 [19]: [169], S. 104 [20]: [170], S. 104 [21]: [171],
-S. 105 [22]: [172], S. 105 [23]: [173], S. 107 [24]: [174],
-S. 107 [25]: [175], S. 107 [26]: [176], S. 107 [27]: [177],
-S. 108 [28]: [178], S. 108 [29]: [179], S. 109 [30]: [180],
-S. 109 [31]: [181], S. 109 [32]: [182], S. 109 [33]: [183],
-S. 110 [34]: [184], S. 110 [35]: [185], S. 111 [36]: [186],
-S. 111 [37]: [187], S. 111 [38]: [188], S. 112 [39]: [189],
-S. 113 [40]: [190], S. 113 [41]: [191], S. 113 [42]: [192],
-S. 113 [43]: [193], S. 114 [44]: [194], S. 114 [45]: [195],
-S. 114 [46]: [196], S. 115 [47]: [197], S. 115 [48]: [198],
-S. 115 [49]: [199], S. 116 [50]: [200], S. 116 [51]: [201],
-S. 116 [52]: [202], S. 116 [53]: [203], S. 116 [54]: [204],
-S. 116 [55]: [205], S. 116 [56]: [206], S. 117 [57]: [207],
-S. 117 [58]: [208], S. 117 [59]: [209], S. 117 [60]: [210],
-S. 117 [61]: [211], S. 117 [62]: [212], S. 118 [63]: [213],
-S. 118 [64]: [214], S. 119 [65]: [215], S. 119 [66]: [216],
-S. 119 [67]: [217], S. 120 [68]: [218], S. 120 [69]: [219],
-S. 120 [70]: [220], S. 120 [71]: [221], S. 121 [72]: [222],
-S. 121 [73]: [223], S. 121 [74]: [224], S. 122 [75]: [225],
-S. 123 [76]: [226], S. 123 [77]: [227], S. 123 [78]: [228],
-S. 123 [79]: [229], S. 123 [80]: [230], S. 123 [81]: [231],
-S. 123 [82]: [232], S. 123 [83]: [233], S. 123 [84]: [234],
-S. 124 [85]: [235], S. 124 [86]: [236], S. 124 [87]: [237],
-S. 124 [88]: [238], S. 124 [89]: [239], S. 125 [90]: [240],
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-Band 65
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-End of Project Gutenberg's Die jenische Sprache, by Engelbert Wittich
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-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE JENISCHE SPRACHE ***
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