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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - - -Title: Ameisenbüchlein - Anweisung zu einer vernünftigen Erziehung der Erzieher - - -Author: Christian Gotthilf Salzmann - - - -Release Date: December 14, 2015 [eBook #50691] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - - -***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK AMEISENBÜCHLEIN*** - - -E-text prepared by Iris Schröder-Gehring, Jens Pönisch, and the Online -Distributed Proofreading Team (http://www.pgdp.net) - - - -Anmerkungen zur Transkription: - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. - - Im Original in _Antiqua_ gesetzter Text wurde mit _ markiert. - - Im Original ~gesperrt~ gesetzter Text wurde mit ~ markiert. - - Im Original #fett# gesetzter Text wurde mit # markiert. - - Doppelte Anführungsstriche wurden durch » (unten) und « (oben) - ersetzt. - - Einfache Anführungsstriche wurden durch > (unten) und < (oben) - ersetzt. - - Das Kreuz (4x), welches das Sterbedatum symbolisiert, wurde - durch ¿ ersetzt (Seite 3 und Fußnote 39) - - - - - -AMEISENBÜCHLEIN - -oder - -Anweisung zu einer vernünftigen Erziehung der Erzieher - -von - -CHRISTIAN GOTTHILF SALZMANN - -Mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Ernst Schreck - - - - - - - -[Illustration: Dekoration] - -Leipzig -Druck und Verlag von Philipp Reclam jun. - - - - -Einleitung. - - -Die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts war eine Zeit der Umwälzung -auf dem Gebiete der Kunst, Wissenschaft und Poesie. Der Kunst wurden -von ~Winkelmann~ (1716-1768) und ~Lessing~ (1729-1781) neue Richtlinien -gegeben, und in der deutschen Litteratur begann, vorbereitet durch die -kritischen Kämpfe, mit dem Erscheinen von ~Klopstocks~ »~Messiade~«, -von ~Wielands~ und ~Lessings~ ersten Schriften die Morgenröte der -zweiten klassischen Periode, der zuvor aber noch die ~Sturm- und -Drangperiode~, die »Periode der Original- und Kraftgenies« voranging, -der selbst unsere größten Dichter ~Schiller~ und ~Goethe~ mit ihren -Erstlingswerken angehören. Auf religiösem Gebiete suchte der in England -durch ~Shaftesbury~ und seine Anhänger ins Leben tretende ~Deismus~ an -Stelle der positiven Religion die Vernunft- und Naturreligion zu setzen. -~Voltaire~ und ~Rousseau~ verbreiteten die deistischen Ideen durch ihre -Schriften weiter, und durch die französischen Enzyklopädisten ~Diderot~ -(¿ 1784), ~Helvetius~ (¿ 1771), ~Holbach~ und ~d'Alembert~ (¿ 1783) ward -der Deismus, dem immer noch ein gewisser Ernst eigen war, zum flachen, -alles Glaubens baren ~Materialismus~. Die Naturreligion fand auch in -Deutschland ihre Anhänger, wo sie in gemildeter Form als ~Rationalismus~ -auftrat, als dessen Vertreter ~Ernesti~ (1707-1781), ~Semler~ (1725-1791) -und ~Reimarus~ (1694-1768) zu nennen sind. - -Daß diese Reformbestrebungen auch auf die ~Pädagogik~ ihren Einfluß -ausüben mußten, ist selbstverständlich, wenn man bedenkt, wie innig diese -Wissenschaft mit Religion, Naturanschauung und anderen Wissensgebieten -zusammenhängt. Und diese Reform auf dem Gebiete der Erziehung und -des Unterrichts blieb dann auch nicht aus. Die Hauptanregung zu -derselben ging von Frankreich aus, namentlich als ~Rousseau~ in seinen -socialpädagogischen Schriften, besonders aber in seinem »~Emil~« 1762), -dem »Naturevangelium«, wie Goethe es nennt, das Ideal einer naturgemäßen -Erziehung aufgestellt hatte. Zwar waren schon im 17. Jahrhundert Männer -aufgetreten, die ihre Lebensaufgabe darin suchten, das Erziehungswesen aus -den alten, ausgetretenen Geleisen, aus dem Mechanismus, herauszureißen. -Es sei nur erinnert an die Bestrebungen eines ~Ratich~, ~Comenius~, -Herzog ~Ernst des Frommen~, August Hermann ~Francke~ u. a. Aber ihre -Bestrebungen hatten es nicht vermocht, den alten Schlendrian im Schulwesen -zu beseitigen. So sagt Raumer in seiner Geschichte der Pädagogik (_II_. -S. 297): »Die Jugend war damals für die meisten eine sehr geplagte Zeit, -der Unterricht hart und herzlos streng. Die Grammatik wurde dem Gedächtnis -eingebläut, ebenso die Sprüche der Schrift und die Liederverse. Eine -gewöhnliche Schulstrafe war das Auswendiglernen des 119. Psalmes. Die -Schulstuben waren melancholisch-dunkel. Daß die Jugend auch mit Liebe -etwas arbeiten könne, das fiel niemandem ein, so wenig, als daß sie die -Augen zu irgend etwas anderem als zum Lesen und Schreiben haben könne.« -Da traten ~John Locke~ und namentlich ~Jean-Jacques Rousseau~ mit ihren -pädagogischen Reformbestrebungen auf den Schauplatz. Während letzterer in -Frankreich verfolgt ward, und seine Schriften verbrannt wurden, begrüßte -man in Deutschland seine pädagogischen Ideen mit Freuden. Hier waren -es die ~Philanthropen~, die die durch sie geläuterten Ideen Rousseaus -zur praktischen Ausführung brachten. Philanthropen wurden diese Männer -genannt, weil sie »als ~das Ziel der Erziehung~ überhaupt und ihrer Arbeit -insbesondere ~die menschliche Glückseligkeit~ betrachteten« (Dittes). -Sie suchten beim Unterrichte dem ~Nützlichkeitsprinzipe~ Geltung zu -verschaffen und an Stelle eines traditionellen Mechanismus eine bessere, -~der Natur des Kindes entsprechende Methode~ einzuführen. Die bislang -trotz Comenius und Francke fast völlig unbeachtet gelassenen ~Realien~ -wurden von ihnen mehr berücksichtigt, und die ~leibliche Erziehung~ -des Kindes gemäß dem Worte Lockes: »_Mens sana in corpore sano!_« mehr -in den Vordergrund gestellt. _Dr._ Karl Schmidt stellt als Vorzüge der -philanthropischen Erziehung hin: Der ~Philanthropinismus~ hat: _a_) die -Erziehung dem verderblichen Zwange des ~äußeren Lebens~ enthoben und sie -mit ~freierem~ Geiste belebt; _b_) der ~körperlichen~ Ausbildung Geltung -verschafft; _c_) den ~toten~ Gedächtniskram aus der Schule verbannt; _d_) -der ~Offenbarung~ Gottes in der ~Natur~ und dem Kirchentum gegenüber das -~Christentum~ betont; _e_) die Schulstuben zu Sitzen der ~Gesundheit~, des -Frohsinns und der ~Liebe~ gemacht; _f_) vor allem aber eine ~neue Periode~ -für ~Unterrichtsbücher~ und ~Unterhaltungsschriften~ geschaffen. - -Zwar gerieten die Philanthropen in ihren Bestrebungen auf falsche Bahnen, -da sie entgegen der christlichen Lehre statt der Erlangung der ewigen -Seligkeit die ~menschliche Glückseligkeit~, den ~Eudämonismus~ als das -~Ziel der Erziehung~ hinstellten; doch haben sie auf die Entwickelung -der deutschen Pädagogik einen nicht zu unterschätzenden segensreichen -Einfluß ausgeübt. Mag ihren Ideen und Bestrebungen auch manches Irrige -und Unpraktische anhaften, so muß man doch mit Dankbarkeit das durch -sie bewirkte Gute und Nützliche anerkennen. Viele ihrer pädagogischen -Grundsätze und Ideen haben auch jetzt noch ihre volle Berechtigung; ja -manche von ihnen harren trotz des Fortschrittes, den die Pädagogik seitdem -gemacht, noch der Erfüllung. - -Als Vertreter des Philanthropinismus sind zu nennen: ~Wolke~, der durch -seine litterarischen Arbeiten eine gründliche Reform der deutschen -Sprache anstrebte, ~Trapp~, der eine wissenschaftliche Begründung und -systematische Ordnung der Erziehungslehre herbeizuführen sich bemühte, -~Olivier~, der durch seine Lesemethode, die zwar sinnreich und bildend, -aber unpraktisch war, den ersten Leseunterricht zu bessern versuchte. Die -Hauptvertreter des Philanthropinismus waren aber ~Basedow~, der Gründer -des Dessauer Philanthropin, der durch seine Schriften und Reklamemacherei -viel zur Verbreitung der neuen pädagogischen Ideen beitrug, ~Campe~, der -Verfasser des Robinsons und vieler anderer Jugendschriften, der sich um -die Reinigung der deutschen Sprache verdient machte, und ~Salzmann~. -Letzterer ist aber die verehrungswürdigste Gestalt von den Philanthropen -und hat von diesen auch am nachhaltigsten gewirkt. - -~Christian Gotthilf Salzmann~ ward am 1. Juni 1744 als der Sohn eines -Predigers zu ~Sömmerda~, im Kreise Weißensee, Regierungsbezirk Erfurt -geboren. Sömmerda ist in unserer kriegerischen Zeit durch Nikolaus von -Dreyses Zündnadelgewehr bekannt. Bis zu seinem fünften Jahre erhielt -Salzmann Unterricht von seinen Eltern, von der Mutter im Lesen, vom -Vater im Lateinischen. Die Erziehung des Elternhauses war wie das Leben -desselben einfach und fromm. Später besuchte der Knabe die Schule, -die aber keinen günstigen Eindruck auf ihn machte. In seinen späteren -Jahren sagte er darüber: »In der Schule wurde der Religionsunterricht -eigentlich gar nicht erteilt; denn das Auswendiglernen des Katechismus -und des Spruchbuches kann doch wohl nicht Religionsunterricht heißen.« -Das Einkommen des Vaters war nur gering, so daß er, um seine Familie in -Ehren durchzubringen, neben seinem Amte in Feld und Garten tüchtig Hand -anlegen, ja seiner thätigen Hausfrau oft das Gespinst haspeln mußte. So -lernte auch der junge Salzmann im elterlichen Hause die Arbeit früh lieb -gewinnen. Wenn an langen Winterabenden der Vater am Haspel und die Mutter -am Spinnrocken saß, so mußte der Sohn in der Bibel vorlesen. So gewann er -früh trotz des mangelhaften Religionsunterrichtes in der Schule das Wort -Gottes lieb, und noch in seinem letzten Lebensjahre bekannte er: »Wenn ich -oft, von Unmut niedergedrückt, am Rande der Verzweiflung wandelte, gab mir -ein Spruch aus den Psalmen neues Leben, neuen Mut. Noch jetzt dienen mir -diese Sprüche zur Erquickung.« - -Von 1756 an besuchte Salzmann das Gymnasium zu ~Langensalza~, und als -sein Vater 1758 nach ~Erfurt~ versetzt ward, empfing er von diesem -Privatunterricht. Er besuchte kein Gymnasium mehr, sondern besuchte später -noch einige Kollegia an der damals noch bestehenden Erfurter Universität. -Seiner Eltern Wunsch war, daß der Sohn, wie es der Vater war, Prediger -werden solle. Diesem Wunsche kam Salzmann auch nach, als er mit seinem 17. -Jahre (1761) die Universität ~Jena~ behufs Studium der Theologie bezog. - -An dem wüsten Studentenleben, das dort herrschte, nahm er keinen Anteil. -Viel lieber erging er sich in dem romantischen ~Rauhthale~ bei Jena in der -Betrachtung des Stilllebens in der Natur. Er schrieb später darüber:»Die -innige Freude, welche ich bei meinen einsamen Spaziergängen durch das -Rauhthal an dem Aufmerken auf die mich umgebenden Naturgegenstände, an der -genaueren Betrachtung und Beobachtung derselben finden lernte, war mir bis -dahin noch unbekannt gewesen. Ich sah die Schöpfung und ihren Urheber in -einem neuen Lichte.« Hier ruht der Keim zu der späteren Schnepfenthaler -Lebensregel, daß die sittliche und auch geistige Entwickelung zu führen -sei: »~Vom Sichtbaren zum Unsichtbaren~.« - -Ende 1764 kehrte Salzmann ins Elternhaus zurück, wo er bis 1768 blieb -und den Unterricht seiner jüngeren Geschwister übernahm. Im Jahre -1768 ward er Pfarrer in dem Dorfe ~Rohrborn~ bei Erfurt, wo er sich -der vierzehnjährigen Tochter des Pfarrers ~Schnell~ zu Schloß-Vippach -vermählte. Von seinem Gehalte, 80 Thaler, konnte er nicht mit Familie -leben, umsomehr nicht, als er nach dem Tode seiner Schwiegereltern seine -beiden Schwägerinnen zu sich ins Haus nahm. Er war deshalb gezwungen, -nebenbei Ackerbau zu treiben, und er that dieses mit solcher Umsicht und -solchem Erfolge, daß er den Dorfbewohnern auch in dieser Hinsicht ein -Vorbild war. - -1772 ward Salzmann Prediger in ~Erfurt~. Wegen seiner freieren religiösen -Ansichten ward er von seinen Amtsgenossen vielfach angefeindet, so daß -er 1781 in das von ~Basedow~ 1774 gegründete Philanthropin zu ~Dessau~ -als Religionslehrer und Liturg eintrat. Mit Eifer und Liebe widmete -er sich dem Erziehungswesen, in dem er sich bald eingearbeitet hatte. -Von Dessau aus machte er auch die Bekanntschaft des Volksmannes und -Pädagogen ~Eberhard von Rochow~, dessen Schule zu ~Rekahn~ ihn sehr -befriedigte. Obgleich er in Dessau Mitleiter des Philanthropins war -und mit gleichgesinnten Pädagogen nach philanthropischen Grundsätzen -arbeitete, so fand er sich doch nicht ganz befriedigt. Er beschloß, selbst -eine Erziehungsanstalt zu gründen, an die er folgende Anforderungen -stellte: Dieselbe solle 1) auf dem Lande liegen, 2) von ~einem~ Oberhaupte -einheitlich geleitet, und 3) die Zöglinge soviel als möglich als -Familienglieder behandelt werden. - -Salzmann kaufte deshalb in der Nähe von ~Waltershausen~ im Gothaischen ein -Landgut, wozu ihm der Herzog ~Ernst~ _II._ von Gotha, ein Urenkel Ernst -des Frommen, des Pädagogen unter den Fürsten, 4000 Thaler schenkte. Hier -gründete er im März 1784 seine Erziehungsanstalt ~Schnepfenthal~. - -Schwere Sorgen suchten ihn oft, namentlich anfangs, heim; doch im -Vertrauen auf Gottes Beistand begann er sein Werk. Die Anstalt war zwar -da, aber keine Zöglinge. Salzmann entschloß sich nun, einen begabten -Knaben unentgeltlich aufzunehmen. Die Wahl fiel auf ~Karl Ritter~, den -Sohn eines verstorbenen Arztes in Quedlinburg, der 1788 mit seinem -ältesten Bruder und seinem bisherigen Erzieher ~Guts-Muths~ in die -Anstalt eintrat. Karl Ritter war also der erste Schüler Schnepfenthals -und ist auch ihr berühmtester geworden. Seine geographischen Werke sind -weltbekannt; er ist der Vater der vergleichenden Erdbeschreibung. Später -fanden sich noch mehrere Schüler ein, ja die Schnepfenthaler Anstalt ward -bald eine der gesuchtesten Deutschlands. Zehn Jahre nach der Gründung, -im Jahre 1794, zählte sie außer des Gründers zahlreicher Familie und -einer ganzen Anzahl Lehrer gegen 60 Schüler, die sämtlich mit der größten -Liebe zu ihrem Vater Salzmann aufblickten. Im Jahre 1803 zählte Salzmanns -Anstalt 61 Zöglinge, welche Anzahl erst seit den napoleonischen Kriegen -(1809) sank, weil von jetzt an der Geist Pestalozzis die allgemeine -Aufmerksamkeit an sich fesselte, und die durch den Krieg bedingte -Verarmung vieler Eltern das hohe Kostgeld nicht erschwingen konnte; in -diesem Jahre hatte die Anstalt bloß 36 Zöglinge. Sie ist das einzige -philanthropische Institut, das noch blüht, und das im Jahre 1884 die -hundertjährige Jubelfeier seines Bestehens begehen konnte. - -Tüchtige Lehrkräfte wirkten an der Salzmannschen Anstalt. Es seien genannt -~Guts-Muths~, der Erzvater der Turnerei und Verfasser nachstehender -Schriften: »Gymnastik für die Jugend«, »Spiele zur Übung und Erholung -des Körpers«, »Turnbuch«, »Handbuch der Geographie«, »Methodik der -Geographie«; ~Blasche~, Verfasser der »Anleitung zu Papparbeiten« und -anderer Schriften für den Handfertigkeitsunterricht; ~Glaz~, später -Konsistorialrat in Wien; ~Lenz~, der später Vater des durch seine -naturhistorischen Schriften bekannten Harald Otmar Lenz und Rektor des -Weimarer Gymnasiums ward; ~André~, ~Bechstein~, die drei Brüder ~Ausfeld~, -~Märker~, ~Weißenborn~. Märker, Lenz und Weißenborn wurden sogar Salzmanns -Schwiegersöhne, was viel dazu beitrug, daß die Anstalt zu Schnepfenthal -trotz ihrer Vergrößerung den Familiencharakter behielt. - -Im Unterrichte wurden in Schnepfenthal im allgemeinen die bekannten -philanthropischen Grundsätze durchführt. Die geistige Entwickelung -des Kindes galt als oberster Grundsatz; in zweite Linie trat erst die -materielle Aneignung gewisser Stoffgebiete. Das Ziel, das sich Salzmann -bei der Erziehung der Jugend setzte, war nach seinen eigenen Worten: -»~Gesunde, verständige, gute und frohe Menschen zu bilden~, sie dadurch in -sich selbst glücklich zu machen und zu befähigen, zur Förderung des Wohles -ihrer Mitmenschen kräftig mitzuwirken.« Deshalb ward vor allen Dingen auf -Weckung und Schärfung der eigenen Beobachtung in der umgebenden Natur, auf -Bildung und Übung des Verstandes und somit auf die Selbständigkeit des -Urteils abgesehen. - -Fast dreißig Jahre wirkte Salzmann selbst an seiner Anstalt, die er -als ein Vater leitete. Im Jahre 1809 nach langem Genusse ungestörter -Gesundheit ward er von der Gicht befallen, welche die Kraft seines Lebens -allmählich erschöpfte. Er starb am 31. Oktober 1811, nachdem ihm seine -Gattin, mit der er vierzig Jahre in glücklicher und kinderreicher Ehe -gelebt hatte, und die ihm eine treue Gehilfin seines Lebenswerkes gewesen, -bereits 1810 vorangegangen war. Einer seiner Zeitgenossen widmete ihm bei -seinem Hinscheiden folgende Worte: »Die Anstalt zu Schnepfenthal hat einen -großen Verlust zu beklagen. Den sie verloren, halten wir für der Besten -Einen, denn gleich sehr war er ausgezeichnet durch Eigenschaften des -Geistes und des Herzens. Eindringend und scharf war sein Blick, ruhig und -besonnen sein unermüdliches Wirken, schnell sein Entschluß und groß seine -Selbstbeherrschung. Wohlthätigkeit und Milde hat er stets geübt, dabei -aber nie der Eitelkeit und der Ruhmsucht Raum gegeben. Sein Auftreten -war einfach, aber würdig; es kennzeichnete den Vater und Regierer eines -großen Hauswesens. Die ihm Untergebenen leitete er durch Blicke und Worte; -Strafen, um seine Autorität zu stützen, bedurfte er nie.« Nach dem Willen -des bescheidenen Mannes schmückt nur ein Fliederbusch sein Grab. Der -Dichter ~Welker~ rief ihm nach: - - »Nicht eingeengt in dumpfumschlossnen Räumen, - Nein frei, wie einst dich die Natur erzog, - Schläfst du hier, Deutschlands edler Pädagog, - Im grünen Hain bei deinen Lieblingsbäumen. - - Und was du früh gesehn in holden Träumen, - Es war kein Wahn der schmeichelnd dich betrog; - Denn als dein Geist dem Irdischen entflog, - Stand's herrlich da mit Frucht und Blütenkeimen. - - Hier liegt dein Staub. -- Doch lebt unsterblich fort, - Was deine Kraft erschuf durch That und Wort. - Wenn Marmormonumente längst zerfallen, - - Dein Denkmal blüht auf jenem Hügel dort, - Wo Kinder wie zum Vaterhause wallen, - Und segnend ruht dein Geist auf jenen Hallen!« - - * * * * * - -Neben seiner praktischen Thätigkeit als Erzieher war Salzmann auch als -~Schriftsteller~ für die Hebung der Volks- und Jugendbildung thätig. -Seine schriftstellerische Thätigkeit war eine sehr umfassende. Er begann -dieselbe schon kurz nach seiner Versetzung nach Erfurt. Hier lernte -er als Seelsorger manches Elend in den Familien kennen, das er durch -zwei Mittel zu steuern glaubte. Er sagt darüber: 1) müssen die Eltern -über die Quelle ihres Elends belehrt werden; 2) müssen die Kinder eine -bessere Erziehung erhalten. Er suchte dieses nun durch seine Schriften -zu erreichen. Seine erste pädagogische Schrift war: »~Unterhaltungen -für Kinder und Kinderfreunde~«, in der er das wiedergab, was er in den -Abendstunden mit seinen Kindern getrieben hatte. Ihr folgte 1780 das -»~Krebsbüchlein oder Anweisung zu unvernünftiger Erziehung der Kinder~«, -eine ironische Anweisung, die Kinder schlecht zu erziehen, in der die -vorhandenen Übelstände der Erziehung lächerlich gemacht werden. Grund zu -den Anfeindungen von orthodoxer Seite gab das Buch: »~Über die wirksamsten -Mittel, den Kindern Religion beizubringen~.« - -Während Salzmanns Aufenthalt am Dessauer Philanthropin entstanden: -»~Vorträge bei den Gottesverehrungen~« 4 Bände, »~Moralisches -Elementarbuch~« _I._ Teil, der pädagogische Roman: »~Karl von Karlsberg -oder über das menschliche Elend~«. Der sechste und letzte Band erschien -erst 1788. Ferner: das erste Bändchen der »~Reisen der Salzmannschen -Zöglinge~«. - -In Schnepfenthal schrieb Salzmann: »~Konrad Kiefer oder Anweisung zu -einer vernünftigen Erziehung der Kinder~«, in der uns die Erziehung eines -Bauernsohnes durch seinen Vater unter Mitwirkung des Pfarrers geschildert -wird. Die Schrift bildet ein Gegenstück zu Rousseaus »Emil«, deshalb auch -wohl »der deutsche Emil« genannt. Das bedeutendste pädagogische Werk -Salzmanns ist aber unstreitig sein »~Ameisenbüchlein~«, das zugleich die -schönste Darstellung seiner Pädagogik enthält und die rechte Frucht seiner -pädagogischen Arbeit und Erfahrung ist. Da dasselbe im Nachfolgenden -selbst gebracht wird, so wird noch ausführlicher davon demnächst zu -reden sein. Ferner schrieb Salzmann: »~Noch etwas über Erziehung~«. In -dieser Schrift führt er fünf Hauptmängel an, an welchen die Erziehung -noch leide, und welche einer raschen Abstellung bedürften. Diese fünf -Hauptmängel sind: _a_) Vernachlässigung der ~körperlichen~ Erziehung, -_b_) daß man die Jugend zu wenig mit der Natur bekannt mache, _c_) daß -der ganze Unterricht dahin abziele, die Aufmerksamkeit der Kinder von dem -Gegenwärtigen abzuziehen und auf das Abwesende zu lenken, _d_) daß die -Kinder beim Lernen mehr fremde als eigene Kräfte gebrauchen, _e_) daß -die jugendliche Arbeit nicht unmittelbar belohnt werde. In Schnepfenthal -entstanden ferner: »~Über die heimlichen Sünden der Jugend~«, »~Der -Himmel auf Erden~«, »~Reisen der Salzmannschen Zöglinge~, neue Folge«, -»~Die Familie Ehrenfried oder erster Unterricht in der Sittenlehre für -Kinder von 8 bis 10 Jahren~«. Als Fortsetzung dazu erschien: »~Heinrich -Gottschalk in seiner Familie oder erster Religionsunterricht für -Kinder von 10-12 Jahren~«, als weitere Fortsetzung: »~Unterricht in -der christlichen Religion~«. Weiter seien noch genannt: »~Nachrichten -für Kinder aus Schnepfenthal~«, »~Über die Erlösung des Menschen vom -Elend durch Jesum~« und »~Christliche Hauspostille~« (67 Predigten). -Als Volksschrift erschien 1791: »~Auserlesene Gespräche des Boten aus -Thüringen~« (1886 neu herausgegeben vom städtischen Schulinspektor _Dr._ -Fritz Jonas in Berlin, Verlag von L. Oehmigke ebenda). Von Salzmanns -Volks- und Jugendschriften seien genannt: »~Sebastian Kluge~«, »~Konstants -kuriose Lebensgeschichte~«, »~Ernst Haberfeld~«, »~Josef Schwarzmantel~«, -»~Heinrich Glaskopf~«. Von Salzmanns ~Jugendschriften~ heißt es in Schmids -»Encyklopädie der Pädagogik«: »Im Triumvirate der ersten Kinderbuchperiode -(Weiße, Campe, Salzmann) ist ~Salzmann~ vielleicht der Schwächste, -aber gewiß nicht der Schlechteste. Neben dem realistischen Campe, dem -civilisierenden Weiße steht er am bescheidensten, aber am reinsten da.« - - * * * * * - -~Basedow~, der »Herold unter den Philanthropen«, erkannte wohl die -Schäden des Erziehungswesens, war auch durch Wort und That bemüht, sie -zu bessern. Da aber seine Grundsätze viel Irriges und Unpraktisches -enthielten, so vermochten sie einen ~dauernden~ Erfolg nicht auszuüben; -dazu kam noch sein prahlerisches, aller Gewissenhaftigkeit, Umsicht -und Besonnenheit bares Wesen, sodaß ~Herder~ über ihn äußerte: »Ihm -möchte ich keine Kälber zu erziehen geben, geschweige Menschen.« ~Campe~ -dagegen wirkte hauptsächlich nur durch seine litterarische Thätigkeit -auf die Erziehung ein. Fassen wir nun kurz ~Salzmanns Stellung unter den -Philanthropen~ zusammen, so ist er der ~Praktiker~ unter ihnen, der die -lebensfähigen Grundgedanken des Philanthropinismus festhielt, der die -neuen Ideen am sichersten und am besonnensten durchführte in ruhiger und -unverdrossener Arbeit. Dittes sagt von ihm: »Salzmann ist ohne Zweifel -der bedeutendste Praktiker unter den Philanthropen, ausgezeichnet durch -Besonnenheit, Mäßigung, Ausdauer, stille Heiterkeit und hausväterlichen -Sinn.« Von all den vielen Philanthropinen, die entstanden, ist die -Anstalt zu Schnepfenthal das einzigste, das noch besteht. Schuldirektor -~Moritz Kleinert~ in Dresden widmete der Anstalt zu ihrer Jubelfeier 1884 -folgendes Sonett: - - »Viel Ritter edlen Geistes seh' ich schreiten - Durch ein Idyll, mit Namen ~Schnepfenthal~, - Den Geist voll Feuer, Körper wie von Stahl, - Zu bessern die beschränkten, zopf'gen Zeiten, - - Die Unnatur hin zur Natur zu leiten - In Freud' und Arbeit, Kleidung und im Mahl; - Zu heben trocknen Lernens bittre Qual, - Den >~Himmel hier auf Erden~< zu bereiten. - - So seh' ich ~Salzmann~ in dem Kreis der Seinen - Ein Patriarch, geliebt und hochbewundert; - Ich sehe ~Guts-Muths~ sich mit ihm vereinen; - - Es steht vor mir ein herrliches Jahrhundert, - Das groß im Schaffen, nicht bloß im Verneinen, - Und das auch uns zu gleichem Thun ermuntert.« - - * * * * * - -Wie schon gesagt, ist das bedeutendste pädagogische Werk Salzmanns sein -»~Ameisenbüchlein~«, das deshalb auch in einer Sammlung von Schriften -aus allen Zweigen der Litteratur und Wissenschaften, wie es »Reclams -Universal-Bibliothek« ist, nicht gut fehlen konnte, weshalb sich der -Verleger, dieses erkennend, auch entschloß, dasselbe in seine Sammlung -aufzunehmen und den Unterzeichneten mit der Herausgabe betraute. - -Ihren ~Titel~ hat die Schrift von dem Titelblatte der Originalausgabe, -auf dem sich nämlich das ~Bild eines Ameisenhaufens~ befand. Eine Anzahl -Ameisen bemüht sich um Ameisenlarven, während eine andere Anzahl unbesorgt -in der Luft umherfliegt. Die Ersteren sollen die Lehrer vorstellen, die -sich der Erziehung und des Unterrichts der Kinder angenommen haben, -die letzteren dagegen die Eltern, die, nachdem sie ihr Geschlecht -fortgepflanzt, sich in die Luft schwingen und nach menschlicher Art und -Weise sich nicht um ihre Brut bekümmern. Unter dem Bilde befindet sich das -Wort: Spr. Sal. 6, 6: »Gehe hin zur Ameise, du Fauler, siehe ihre Weise an -und lerne.« - -Möge jetzt eine ~kurze, übersichtliche Darstellung des Inhalts~ folgen. - - _A._ ~Anrede an Hermann.~ Aufforderung an denselben, sich der - Erziehung zu widmen und zwar aus folgenden Gründen: - - _a_) Die Erziehung schafft die Gelegenheit, ~für Menschenwohl - recht thätig sein~ zu können; - - _b_) die gewissenhafte Ausübung der Erziehungskunst verschafft - dir die Seligkeit, einst Männer, ~durch dich gebildete - Männer~, zu sehen, die mit Kraft und Nachdruck für alles - Gute thätig sind; - - _c_) das Erziehungsgeschäft ist ~nicht so mühsam~, als es - von denen, die es nicht verstanden haben, geschildert - worden ist; - - _d_) die Fröhlichkeit, welche ein wahrer Erzieher unter den - Kleinen hervorzubringen vermag, hat einen wohlthätigen - Einfluß auf denselben; - - _e_) kein Geschäft ist ~belohnender~ als das - Erziehungsgeschäft. Als Lohn wird dem Erzieher: - - 1) Frohsinn, Gesundheit und ein heiteres Alter, - - 2) eigene Veredelung, - - 3) materieller Gewinn. - - _B._ ~Vorbericht~ über den Titel. In ihm setzt Salzmann auseinander, - warum er: - - _a_) diesen Titel gewählt und - - _b_) dem Büchlein diesen Inhalt gegeben habe; - - _c_) Entschuldigung über die etwas starke und schneidige Art - des Vortrags. - - _C._ ~Die Schrift selbst~: 5 Teile: - - _I._ ~Symbolum~: »~Von allen Fehlern und Untugenden seiner Zöglinge - muß der Erzieher den Grund in sich selber suchen~;« denn - - _a_) vielen Lehrern fehlt das Lehrgeschick; - - _b_) viele Erzieher und Lehrer lehren die Kinder die Fehler - - 1) durch schlechtes Beispiel, - - 2) durch falsche Behandlungsart, - - 3) durch den Mißbrauch des Zutrauens, das ihnen vom - Kinde entgegengebracht wird, - - 4) durch Nichtbefriedigung des Thätigkeitstriebes; - - _c_) viele Erzieher dichten ihren Zöglingen Fehler und - Untugenden an, da sie nicht die kindliche Natur - berücksichtigen. - - _d_) oft nehmen die Erzieher eine willkürliche Regel an, nach - der sie die Zöglinge richten wollen, und rechnen diesen - jede Abweichung von derselben als Untugend an. - - _e_) indem die Erzieher Eigenheiten ihrer Zöglinge zu den - Fehlern und Untugenden rechnen, vergrößern sie dieselben. - - _II._ ~Was ist Erziehung? Sie ist Entwickelung und Übung der - jugendlichen Kräfte.~ In diesem Kapitel giebt Salzmann einen - kurzen Abriß der Erziehung und der allmählichen Entwickelung - der jugendlichen Kräfte. - - _III._ ~Was muß ein Erzieher lernen?~ - - _a_) Er muß sich und seine Zöglinge ~gesund~ zu erhalten - suchen und zwar: - - 1) durch einfache Kost, - - 2) durch Abhärtung, - - 3) durch Bewegung. - - _b_) Er muß die kindlichen Kräfte an ~sinnlichen~ Gegenständen - üben und durch nützliche und unterhaltende Beschäftigungen - für die ~Befriedigung des Thätigkeitstriebes~ - (durch Handarbeiten) sorgen. - - _c_) Er muß sich bemühen, ~mit Kindern umzugehen~. - - _d_) Er muß die Kinder zur ~Sittlichkeit~ gewöhnen, und zwar: - - 1) durch Wahrhaftigkeit, - - 2) durch Vorhalten von Vorbildern, - - 3) durch Ermahnung unter vier Augen, - - 4) dadurch, daß das Kind selbst das Gute einsieht - und will. - - _IV._ ~Plan zur Erziehung der Erzieher.~ Hier giebt Salzmann - denjenigen, die sich dem Erziehungsgeschäfte widmen, eine - Anweisung zur ~Selbsterziehung~; seine Hauptregel ist: - Erziehe dich selbst! 11 Regeln: - - 1) sei gesund; - - 2) sei immer heiter; - - 3) lerne mit Kindern sprechen und umgehen; - - 4) lerne mit Kindern dich beschäftigen; - - 5) bemühe dich, dir deutliche Kenntnisse der Erzeugnisse - der Natur zu erwerben; - - 6) lerne die Erzeugnisse des menschlichen Fleißes kennen; - - 7) lerne deine Hände brauchen; - - 8) gewöhne dich mit deiner Zeit sparsam umzugehen; - - 9) suche mit einer Familie oder Erziehungsgesellschaft - in Verbindung zu kommen, deren Kinder oder Pflegesöhne - sich durch einen hohen Grad von Gesundheit auszeichnen; - - 10) suche dir eine Fertigkeit zu erwerben, die Kinder zur - innigen Überzeugung von ihren Pflichten zu bringen; - - 11) handle immer so, wie du wünschest, daß deine Zöglinge - handeln sollen! - - _V._ ~Schlußermahnung~: _Non ex quovis lignofit Mercurius_. ~Prüfe - dich~, ob du die Gabe hast, auf Kinder zu wirken und sie - zu lenken. - -Salzmanns ~Ameisenbüchlein~ verdient auch noch jetzt trotz der vielen -pädagogischen Schriften, die alljährlich auf den Büchermarkt gelangen, -gelesen und studiert zu werden. Ist heutzutage auch das meiste von dem, -was es giebt, wenigstens theoretisch allgemein anerkannt, so ist der -Inhalt des Buches noch nicht als veraltet zu betrachten. ~Moller~ sagt in -Schmids Encyklopädie des gesamten Erziehungs- und Unterrichtswesens: »Es -giebt in der neueren pädagogischen Litteratur vielleicht kein Werk, das -die Pflicht des Erziehers, sich selbst zu vervollkommnen und den Grund -jedes Mißerfolgs vor allem in sich selbst zu suchen, so eindringlich mit -mildem Ernst und erfahrungsreicher Weisheit ans Herz gelegt hätte, wie -das ~Ameisenbüchlein~.« Ist nun auch diese Salzmannsche Schrift besonders -für Erzieher von Fach und für diejenigen geschrieben, die es werden -wollen, so finden doch auch die Eltern manchen beherzigenswerten Wink in -demselben. Klarheit und Wahrheit, Frische und Natürlichkeit spricht sich -auf jeder Seite dieser Schrift aus, so daß ihre Lektüre auch jetzt noch -reichen Genuß bietet. Möge deshalb auch die von mir veranstaltete Ausgabe -freundliche Aufnahme bei Deutschlands Lehrern und in deutschen Familien -finden. - - * * * * * - -Das »~Ameisenbüchlein~« erschien im Jahre 1806 in Schnepfenthal in -der Buchhandlung der Erziehungsanstalt. Veranlaßt dazu ward Salzmann -durch den Mangel an Anweisungen zur Erziehung der Erzieher, während an -Büchern, die Anweisungen zur Erziehung der Kinder enthalten, Überfluß -war. Salzmann schreibt: »Was helfen aber diese, wenn jene nicht da sind? -Wozu nützen alle Theorien, wenn die Leute fehlen, die sie ausführen -können? Statt darauf zu denken, das Wahre und Gute, was wir von der -Erziehung bereits wissen, in Ausübung zu bringen, fährt man fort, neue -Theorien aufzustellen, denen, so gut wie jenen, die Ausführung fehlen -wird. Wir gleichen theoretischen Baumeistern, die die Ideale zu den -vollkommensten Gebäuden mit der Reißfeder entwerfen können, die aber immer -nur Risse bleiben, mit denen man etwa die Wände bekleiden kann, da ihren -Verfertigern die Geschicklichkeit fehlt, das Entworfene zur Wirklichkeit -zu bringen.« - -Dem nachfolgenden Abdrucke ward die Originalausgabe von 1806 zu -Grunde gelegt. Diese erschien doppelt, nämlich in einer auf besserem -Papier, in größerem Drucke und mit dem oben erwähnten Bilde auf dem -Titelblatte hergestellten Ausgabe und in einer »wohlfeilen Ausgabe« ohne -Titelbild. Hinderlich waren der Verbreitung der Schrift die bald nach -ihrem Erscheinen in Deutschland auftretenden Kriegsunruhen, die auch -auf die Schnepfenthaler Anstalt nachteilig wirkten. Ein Nachdruck des -»Ameisenbüchleins« erschien 1807 in der J.J. Mäckenschen Buchhandlung in -Reutlingen. Wieder abgedruckt ward es in der 1845 von der Hoffmannschen -Verlagsbuchhandlung in Stuttgart verlegten und zum hundertjährigen -Geburtstage Salzmanns von dessen Familie veranstalteten Ausgabe seiner -Volks- und Jugendschriften. Benutzt sind von mir auch, soweit es meinen -Zwecken entsprach, die Ausgabe der Salzmannschen Schriften von Karl -Richter, sowie diejenige von Richard Bosse und Johs. Meyer. - - ~Hannover~, am Todestage Salzmanns, den 31. Oktober 1887. - - #Ernst Schreck.# - - - - -Ameisenbüchlein. - - - - -An Hermann! - - -So nenne ich dich, lieber junger Mann, der du in deiner Brust ein Streben -fühlst, durch Thätigkeit für Menschenwohl dich in der Welt auszuzeichnen. - -Gieb mir die Hand! Wenn du nicht vorzügliche Talente und entschiedene -Neigung zu einem andern Geschäfte in dir fühlst -- so widme dich der -Erziehung! - -Diese schafft dir Gelegenheit, für Menschenwohl recht thätig zu sein. Wer -Moräste austrocknet, Heerstraßen anlegt, Tausenden Gelegenheit verschafft, -sich ihre Bedürfnisse zu verschaffen, Gärten pflanzt, Krankenhäuser -stiftet, wirkt auch für Menschenwohl, aber nicht so unmittelbar und -durchgreifend als der Erzieher. Jener verbessert den Zustand der Menschen, -dieser veredelt den Menschen selbst. Und ist der Mensch erst veredelt, so -geht aus ihm die Verbesserung von selbst hervor, und der Zögling, dessen -Veredelung dir gelungen ist, hat Anlage, auf dem Platze, wohin ihn die -Vorsehung stellt, den Zustand von tausenden seiner Brüder angenehmer und -behaglicher zu machen. - -In keiner Klasse von Menschen findest du so viel Empfänglichkeit für alles -Gute, als bei Kindern. Ihr Herz ist die wahre Jungfernerde, in welcher -jedes Samenkorn schnell Wurzel schlägt und emporwächst; es ist ein Wachs, -das sich willig in jede Form schmiegt, in die du es drückst. Das Herz der -Erwachsenen gleicht einem Lande, das schon mit Gewächsen besetzt ist, die -darin tiefe Wurzeln schlugen, und die erst mit vieler, oft vergeblicher -Mühe ausgerottet werden müssen, wenn der Same, den du in dasselbe werfen -willst, gedeihen soll; einem Marmor, der mit großer Behutsamkeit -bearbeitet sein will, und in dem man, nach langer mühseliger Arbeit, oft -auf eine Ader stößt, die alle fernere Arbeit zwecklos macht. Wenn du die -Erziehungskunst wirklich gründlich erlernst und mit Gewissenhaftigkeit -ausübest, so verschaffst du dir gewiß die Seligkeit, einst Männer, durch -dich gebildete Männer, zu sehen, die mit Kraft und Nachdruck für alles -Gute thätig sind. - -Wende mir nicht ein, das Erziehungsgeschäft wäre so mühsam. Wo ist denn -ein gemeinnütziges Geschäft, das nicht mühsam wäre? Und wenn es ein -solches, wie z. B. das Zerlegen einer Pastete, gäbe, wolltest du dich -wohl demselben widmen? Aber glaube mir, das Erziehungsgeschäft ist nicht -so mühsam, als du denkst. Erzieher, die die Erziehung nicht verstanden, -haben es in einen übeln Ruf gebracht. Merke nur auf die Winke, die dir -in diesem Buche gegeben werden, ~und befolge sie~, so wirst du bei der -Erziehung zwar Mühe, aber fast immer solche finden, die durch einen -baldigen glücklichen Erfolg belohnt wird, und deswegen kaum den Namen der -Mühe verdient. Und diese kleine Mühe -- durch wie mannigfaltige Freude -wird sie versüßt werden! Sieh', was für ein harmloses, fröhliches Völklein -die Leutchen sind, in deren Kreise der Erzieher wirkt! Wird, wenn du ein -wirklicher Erzieher wirst und dich zu ihnen herabstimmen lernst, ihre -beständige Fröhlichkeit nicht einen wohlthätigen Einfluß auf dich haben? - -Die Erfahrung lehrt, daß Männer, die in der jugendlichen Atmosphäre leben -und weben, gemeiniglich alt werden, unterdessen daß von denjenigen ihrer -Jugendfreunde, die in dem Dunstkreise der Erwachsenen arbeiteten, einer -nach dem andern dahin welkt. - -Man hat diese unleugbare Erscheinung oft den jugendlichen Ausdünstungen -zugeschrieben, die solche Männer einatmen, und damit ihre zähwerdende -Blutmasse verdünnen. Ob es wahr sei, kann ich nicht entscheiden, da mir -hierzu die nötigen ärztlichen Kenntnisse fehlen.[1] Sicher trägt aber die -beständige Munterkeit und Fröhlichkeit der Jugend das ihrige dazu bei, -wenn man ihr nur nicht durch Eigensinn und üble Laune entgegenarbeitet. -Will man sich in den Lehnstuhl setzen, um des Marasmus Ankunft ruhig -abzuwarten, so kommt ein munterer Knabe gehüpft, bittet, einen seiner -jugendlichen Wünsche zu befriedigen, und reizt uns, den Lehnstuhl zu -verlassen. Dort beginnen einige frohe Knaben ein munteres Spiel, das auch -uns zum Frohsinn stimmt. Nun ruft uns die Glocke in das Lehrzimmer, wo -man, soll anders der Unterricht einen guten Erfolg haben, der üblen Laune -entsagen und zum Frohsinn sich stimmen muß. So verjüngt der Erzieher, der -seiner Bestimmung gemäß lebt, sich täglich, und hält das Alter mit seinen -mannigfaltigen Beschwerden von sich entfernt. - -Die Erziehung, denkst du vielleicht, wird aber so schlecht belohnt. - -Das glaubst du wirklich? Mir deucht, kein Geschäft ist belohnender als -dieses. Sind denn Frohsinn, Gesundheit und ein heiteres Alter, die -gewöhnlich dem ~wahren~ Erzieher zu teil werden, eine Kleinigkeit? - -Nächstdem kann er noch auf eine andere Belohnung rechnen, dies ist -- die -eigene Veredelung. Der Erzieher, der sein Geschäft nicht als Broterwerb -treibt, den die Veredelung seiner Pflegebefohlenen Hauptzweck ist, muß -schlechterdings ein guter, edler Mensch werden. Wie? er sollte stets -die Pflicht mit Wärme empfehlen können, ohne über dieselbe täglich -nachzudenken und ihren Wert zu fühlen? ohne sich selbst als Muster der -Pflichterfüllung darzustellen? Er sollte unter jungen Leuten leben können, -deren scharfes Auge jeden Fehler bemerkt, deren Freimütigkeit jeden Fehler -bemerkbar macht, ohne dieselben abzulegen? Das so wahre Sprichwort: -_docendo discimus_ ist auch in moralischer Hinsicht wahr. Wenn wir uns -ernstlich bestreben, unsere Pflegebefohlenen zu veredeln, werden wir -selbst veredelt. - -Und nun, mein guter Hermann! wenn du bei dem Erziehungsgeschäfte gesund -und froh wirst, wenn dabei dein innerer Mensch gedeihet und immer mehr -edlen Sinn bekommt, bist du nicht belohnt genug? Gesetzt, du müßtest deine -Tage in niedriger Dürftigkeit verleben, bist du nicht belohnt genug? -Oder, wolltest du wohl dies alles dahin geben, um eine glänzende Rolle zu -spielen? wolltest lieber an einer reichlich besetzten Tafel krank, als -bei einer einfachen Mahlzeit mit gutem Appetite sitzen? wolltest lieber -Jubel um dich und in dir Gram, als in dir Frohsinn und um dich Stille -haben? wolltest lieber einen Schwarm feiler Seelen befehlen, als dich -selbst beherrschen? Nun, so triff den Tausch, aber -- mein Hermann bist du -nicht -- dir ist dies Buch nicht geweihet. - -An dich wende ich mich, der du den Wert dieser großen Belohnung fühlen -kannst. Erlangtest du auch keine als diese, so wirst du jede andere -entbehren können. - -Aber gewiß, wenn du dich bestrebst, kein mittelmäßiger, sondern ein -ausgezeichneter Erzieher zu werden, wird dir auch andere Belohnung nicht -fehlen. Die Zeiten sind vorbei, da das Erziehungsgeschäft verächtlich war. -Die Familien werden immer zahlreicher, denen ein ~guter~ Erzieher das -höchste Bedürfnis ist, die sich denselben um jeden Preis zu verschaffen -suchen; die ihn nicht als ersten Bedienten, sondern als ersten Freund des -Hauses betrachten. Fürstenfamilien sehen sich nach dem Manne um, dessen -Leitung sie ihre Kinder mit vollem Zutrauen übergeben können. -- Und du -wolltest nicht Erzieher werden? - - - - -Vorbericht. - - -Als ich mich bei Ausfertigung des ~Krebsbüchleins~[2] in das Kerbtierfach -warf, war meine Meinung, eine Reihe von Schriften auszuarbeiten, die -ihren Namen von Kerbtieren haben sollten. Allein die Geschäfte, in die -ich von diesem Zeitpunkte an verwickelt wurde, hielten mich immer davon -ab, und nun läßt mir das herannahende Alter wenig Hoffnung übrig, meinen -Vorsatz ausführen zu können. Das Skorpionbüchlein, oder Anweisung zu -einer unvernünftigen Regierung der Völker, sowie das Spinnenbüchlein, -oder Anweisung zu unvernünftiger Führung der Ehe, wird also nicht zur -Wirklichkeit kommen. ~Das Ameisenbüchlein oder die Anweisung zu einer -vernünftigen Erziehung der Erzieher~ erscheint aber hier. - -Wozu der sonderbare Titel? wird man fragen. Erstlich dazu, daß dadurch -Leser herbeigelockt werden. Der Inhalt dieses Buches scheint mir so -wichtig, daß ich wünsche, es möchte von allen, die erziehen oder erziehen -lassen, gelesen und beherzigt werden. Gleichwohl ist zu besorgen, daß -es unter der Flut von Schriften, mit welchen Deutschland in jeder Messe -überschwemmt wird, nicht möchte bemerkt werden, wenn es nicht eine -Auszeichnung bekommt, die in die Augen fällt, und es unter den tausenden, -von welchen es umgeben ist, bemerkbar macht. Was ist hierzu aber wohl -schicklicher als der Titel? Ein anderer würde dazu vielleicht einen -griechischen oder französischen Namen, oder den Namen einer Gottheit oder -eines Weisen des Altertums gewählt haben; mir aber gefiel der Titel: -~Ameisenbüchlein~. - -Zweitens wählte ich gerade diesen Titel, weil das Krebsbüchlein so gut -ist aufgenommen worden, daß es noch nach 24 Jahren gelesen und hier und -da empfohlen wird, und ich daher hoffen durfte, daß die Ähnlichkeit des -Namens diesem Buche einen ähnlichen Beifall im Publikum verschaffen würde. - -Endlich liegt auch wirklich ein Grund zu der Wahl dieses Titels im -Ameisenhaufen selbst. Die Eltern der Ameisen, nachdem sie ihr Geschlecht -fortgepflanzt haben, schwingen sich in die Luft, und sind, nach -menschlicher Art und Weise, um ihre Brut unbekümmert, deren Pflege und -Erziehung sie jenen Ameisen überlassen, die durch die Natur zu einem -niederen Wirkungskreise bestimmt sind. Diese nun besorgen ihr Geschäft -auch recht gut; sie bringen die junge Brut täglich an die Sonne, laufen -herbei und suchen sie zu retten bei jeder Gefahr, von welcher sie bedroht -wird[3] -- und der Erfolg bürgt für die Güte der Erziehung, da jeder -Ameisenhaufen der Wohnsitz der Gesundheit, Reinlichkeit, Thätigkeit -und Folgsamkeit ist, die in vielen menschlichen Gesellschaften vermißt -werden, zu welchen man aber die jungen Ameisen gleich nach ihrem Entstehen -gewöhnt. So wie also Salomo den Faulen zum Ameisenhaufen verweist, könnte -man auch in anderer Rücksicht den Erzieher auf denselben aufmerksam machen. - -So viel vom Titel! Was den Inhalt betrifft, so scheint er mir von großer -Wichtigkeit zu sein. Wir haben einen Überfluß von Büchern, die Anweisung -zur Erziehung der Kinder enthalten, aber an Anweisungen zur Erziehung -der Erzieher scheint mir noch Mangel zu sein. Was helfen aber jene, wenn -diese nicht da sind? Wozu nützen alle Theorien, wenn die Leute fehlen, die -sie ausführen können? ~Die Revision des Schul- und Erziehungswesens~[4] -stellt gute Theorien auf, wo sind sie aber ausgeführt worden? Statt darauf -zu denken, das Wahre und Gute, was wir von der Erziehung bereits wissen, -in Ausführung zu bringen, fährt man fort, neue Theorien aufzustellen, -denen, so gut wie jenen, die Ausführung fehlen wird. Wir gleichen -theoretischen Baumeistern, die die Ideale zu den vollkommensten Gebäuden -mit der Reißfeder entwerfen können, die aber immer nur Risse bleiben, -mit denen man etwa die Wände bekleiden kann, da ihren Verfertigern die -Geschicklichkeit fehlt, das Entworfene zur Wirklichkeit zu bringen. - -Ach, gebt uns gute Erzieher! gebt uns Leute, die die Neigung, -Geschicklichkeit und Fertigkeit haben, Kinder vernünftig zu behandeln, -sich die Liebe und das Zutrauen derselben zu erwerben, die Kräfte zu -wecken, ihre Neigungen zu lenken, und durch ihre Lehre und ihr ~Beispiel~ -die jungen Menschen zu dem zu machen, was sie, ihren Anlagen und ihrer -Bestimmung nach, sein können und sein sollen, und die Erziehung wird -gelingen, ohne daß wir neue Theorien nötig haben. So geht aus der -Dorfschule manches verständigen, rechtschaffenen und treuen Schulmeisters, -der nie etwas von reiner Pflicht hörte[5], noch neue Theorien über den -Unterricht im Lesen studierte, nach und nach eine Gemeinde hervor, die -durch ihre Rechtschaffenheit, helle Einsichten, Ordnung, Thätigkeit und -Lesefertigkeit sich im ganzen Umkreise zu ihrem Vorteile auszeichnet, und -alle hinter sich zurückläßt, die nach den neuesten Theorien von Männern -erzogen wurden, die nicht zu erziehen verstanden. - -Was ist z. E. vernünftiger, als die Forderungen der Erzieher, die Kinder -mehr durch Vorstellungen, als durch Belohnungen und Strafen zu lenken? -Allein zu dem Lenken der Kinder durch Vorstellungen gehört eine ganz -eigene Geschicklichkeit. Derjenige, dem sie fehlt, kann den Kindern sehr -viel Vernünftiges und Gutes sagen, das sich recht gut lesen läßt, und -wird damit doch nichts ausrichten, unterdessen daß ein anderer, der die -Erziehung versteht, mit weit weniger Worten zu seinem Zwecke kommt. - -Es ist unter den Erziehern allgemein angenommen worden, daß zur Erziehung -auch eine gewisse Abhärtung des Körpers gehöre; wenn der Erzieher aber -selbst weichlich ist, wie will er andere abhärten? u. s. w. - -Was die Art meines Vortrags betrifft, so wird man manches daran -auszusetzen finden, das aber doch wegen meiner Eigenheit verdient -entschuldigt zu werden. Bisweilen werde ich etwas stark und entscheidend -sprechen, und fordern, daß dies und jenes so und nicht anders sein müsse. -Dies ist eine Folge von der Lebhaftigkeit meiner Überzeugung. Ich bin -kein Jüngling mehr, der sich mit Idealen beschäftigt, von denen er noch -zweifelhaft ist, ob sie außer seinem Gehirne gedeihen werden; ich habe -einige und zwanzig Jahre selbst erzogen, die Eigenheiten der Kinder -in mancherlei Verhältnissen kennen gelernt, manchen Versuch mit ihnen -gemacht, der mir mißlang, und andere, von denen ich die gesegnetsten -Wirkungen verspürte. Was ich also weiß, das weiß ich aus vieljähriger -Erfahrung; ist es mir daher zu verdenken, wenn ich davon mit eben der -Zuversicht spreche, mit welcher ein alter Arzt die Heilart einer gewissen -Krankheit, deren Güte ihm eine vieljährige Erfahrung bestätigte, zu -empfehlen pflegt? - -Auch werde ich wenig oder gar nicht dessen Erwähnung thun, was andere -Erzieher geleistet haben. Dies rührt keineswegs von der Geringschätzung -anderer her, sondern ist bloß eine Folge meiner Eigenheit. Ich habe wenig -gelesen, desto mehr gedacht, beobachtet und gehandelt. Will man dies als -Unvollkommenheit ansehen, so mag man es; so viel ist aber doch gewiß, daß -es einem Manne, der die Arbeiten anderer nicht hinlänglich kennt, nicht -geziemt, darüber zu urteilen. - -Besonders auffallend wird man es finden, daß ich der Pestalozzischen -Lehrart, die die Augen von Europa auf sich gezogen hat, nicht oft -Erwähnung thue. - -Es geschieht dies aus eben diesem Grunde. So viel ich in einem flüchtigen -Blicke von der Lehrart dieses verdienten Mannes gefaßt habe, scheint es -mir, als wenn wir in der Hauptsache mit einander übereinstimmten, und nur -im Ausdrucke voneinander verschieden wären. Manches aber, das mir bei ihm -neu war, habe ich angenommen und benutze es mit Dank. - -Dahin gehören seine Linearzeichnungen, die Übungen des Gedächtnisses, die -Rechnungsmethode und das laute Aussprechen von mehreren Schülern zugleich. - -Möge dies kleine Buch den Zweck, zu welchem es aufgesetzt wurde, ~ganz~ -erreichen! Mögen viele deutsche Jünglinge dadurch für das wichtige, -wohlthätige Geschäft der Erziehung gewonnen, mögen sie dadurch auf den -einzig wahren Weg, den die Natur uns vorzeichnet, geleitet, möge dadurch -das Vorurteil zerstört werden, als wenn die Erziehung eine lästige Arbeit -und das Gelingen derselben äußerst zweifelhaft sei, damit unsere Nation -den Ruhm, den sie sich durch ihre Erziehungskunst im Auslande erwarb, noch -ferner behaupte und begründe. - - ~Schnepfenthal~, im Oktober 1805. - - #C.G. Salzmann.# - - - - -Symbolum. - - -Denen, die sich entschließen, das Christentum anzunehmen, wird gewöhnlich -bei Einweihung zu demselben eine Formel vorgelegt, zu deren Annahme sie -sich bekennen müssen, die man Symbolum nennt. Damit ist nun freilich -großer Mißbrauch getrieben worden, und manches Symbolum scheint mehr -in der Absicht gegeben zu sein, um Haß gegen Andersdenkende, als -Anhänglichkeit an die Partei, mit welcher man sich vereinigen will, -einzuflößen. An sich ist diese Gewohnheit aber doch gut und nötig. -Jede Gesellschaft muß doch einen gewissen Zweck haben, zu welchem sie -sich vereinigt, und gewisse Grundsätze, durch deren Befolgung sie den -vorgesetzten Zweck erreichen will; diese können in eine kurze Formel -verfaßt, und die Annahme derselben von denen verlangt werden, die mit der -Gesellschaft sich verbinden wollen. - -Ich lade jetzt deutsche Jünglinge ein, sich dem wichtigen Geschäft der -Erziehung zu weihen. Man wird es also nicht sonderbar finden, wenn ich -ihnen auch eine Formel zur Annehmung als Symbolum vorlege. Ein jeder, der -Neigung hat, in die Gesellschaft der Erzieher zu treten, beherzige sie und -prüfe sich selbst, ob er wohl von ganzem Herzen sie glauben und annehmen -könne. Wer dies nicht kann, wer darin Widerspruch findet, der lasse mein -Buch lieber ungelesen, weil er unfähig ist, das Erziehungsgeschäft mit -Vergnügen, mit Eifer und Wirksamkeit zu betreiben. - -Mein Symbolum ist kurz und lautet folgendermaßen: ~Von allen Fehlern und -Untugenden seiner Zöglinge muß der Erzieher den Grund in sich selbst -suchen.~[6] - -Dies ist eine harte Rede, werden viele denken; sie ist aber wirklich nicht -so hart, als sie es bei dem ersten Anblicke scheint. Man verstehe sie nur -recht, so wird die scheinbare Härte sich bald verlieren. - -Meine Meinung ist gar nicht, als wenn der Grund von allen Fehlern und -Untugenden seiner Zöglinge in dem Erzieher wirklich läge; sondern ich will -nur, daß er ihn in sich suchen soll. - -Sobald er Kraft und Unparteilichkeit genug fühlt, dieses zu thun, ist er -auf dem Wege, ein guter Erzieher zu werden. - -Es liegt freilich in der Natur des Menschen, den Grund von allen -Unannehmlichkeiten, ja von seinen eigenen Fehltritten außer sich zu -suchen; man findet Spuren davon schon in der Geschichte des ersten -Sündenfalls; es ist also kein Wunder, wenn auch der Erzieher geneigt ist, -die Schuld von der Unfolgsamkeit, Ungeschicklichkeit und dem Mangel an -Fortschritten seiner Zöglinge lieber diesen, als sich selbst beizumessen; -allein diese Neigung gehört zu denen, die durch die Vernunft nicht nur -geleitet, sondern, wie Neid und Schadenfreude unterdrückt werden müssen. - -Ich setze es als bekannt voraus, daß der Grund von den Fehlern der -Zöglinge wirklich ~oft~ in den Erziehern liege. Wäre dies nicht, müßte man -die Ursache derselben schlechterdings allemal den Kindern oder der Lage -zuschreiben, in welcher sich die Erzieher befinden, so wäre es freilich -eine ungerechte und thörichte Forderung, dem Erzieher zuzumuten, sie in -sich selbst zu suchen. Welcher vernünftige Erzieher wird dies aber wohl -glauben? - -Bist du nun überzeugt, daß der Grund von den Fehlern der Zöglinge wirklich -~oft~ in den Erziehern liege, so wünsche ich, dir es glaublich zu machen, -daß dies auch bei dir oft der Fall sei, der du es liesest. - -Hast du nicht vielleicht bemerkt, daß die Zöglinge, die gegen dich -unfolgsam sind, anderen willig gehorchen? oder daß die nämlichen Zöglinge, -die bei deinem Vortrage flatterhaft sind und nichts lernen, wenn sie -in die Lehrstunden anderer kommen, Aufmerksamkeit zeigen und gute -Fortschritte machen? - -Solltest du diese Bemerkung wirklich gemacht haben, so täusche dich nicht, -sei aufrichtig gegen dich selbst, und gestehe dir ein, daß du selbst an -dem schuld sein kannst, was du an deinen Zöglingen tadelst. Sage nicht, -ich bin mir doch bewußt, daß ich meine Pflichten redlich erfülle. Dies -kann wohl sein, aber vielleicht verstehst du noch nicht recht, die Kinder -zu behandeln. - -Vielleicht hast du in deinem Betragen etwas Zurückstoßendes, das die -Kinder mißtrauisch und abgeneigt macht. Vielleicht fehlt dir die Lehrgabe. -Du bist zu schläfrig, oder dein Vortrag ist zu trocken und zu abstrakt. -Hast du ferner nicht wahrgenommen, daß die nämlichen Zöglinge, die zu -gewissen Zeiten auf deinen Vortrag merken und deine Winke befolgen, zu -anderen Zeiten flatterhaft und unfolgsam sind? Kann dich dies nicht auch -belehren, daß der Grund von ihren Fehlern in dir zu suchen sei? - -Ich begreife nicht, antwortest du, wie dies daraus folge. Bin ich nicht -der nämliche, der ich gestern war? Wenn meine Zöglinge nun nicht die -nämlichen mehr sind, muß der Grund von diesen Veränderungen nicht in ihnen -liegen? - -Es kann sein. Ehe du dies aber annimmst, so untersuche nur erst, ob du -wirklich noch der nämliche seiest, der du gestern warest. Gar oft wirst -du finden, daß du ein ganz anderer Mann geworden bist. Vielleicht leidest -du an Unverdaulichkeit, oder hast dir durch Erkältung den Schnupfen -zugezogen, oder ein unangenehmer Vorfall hat deine Seele verstimmt, oder -du hast etwas gelesen, was dich noch beschäftigt und hindert, deine -ganze Aufmerksamkeit auf dein Geschäft zu wenden u. s. w. Ein einziger -von diesen Zufällen kann dich zu einem ganz andern Manne gemacht haben. -Gestern tratest du mit heiterer Seele und feurigem Blicke unter deine -Kleinen; dein Vortrag war lebhaft, mit Scherz gewürzt, deine Erinnerungen -waren sanft und liebevoll, die Lebhaftigkeit deiner Zöglinge machte -dir Freude. Und heute? Ach, du bist der Mann nicht mehr, der du gestern -warst. Deine Seele ist trübe, dein Blick finster und zurückstoßend, deine -Erinnerungen sind herbe, jeder jugendliche Mutwille reizt dich zum Zorne. -Hast du dies nicht zuweilen an dir wahrgenommen? Nun so sei aufrichtig und -gestehe dir, daß der Grund, warum deine Zöglinge heute nicht so gut sind, -als sie gestern waren, in dir liege. - -Ich erwarte noch vielerlei Einwendungen gegen mein Symbolum, davon ich -einige anführen und beantworten will. Derjenige, dem diese Beantwortungen -genügen, wird sich leicht die übrigen Einwendungen selbst widerlegen -können; wer sich aber dabei nicht beruhigen kann, bei dem werde ich auch -nichts ausrichten, wenn ich alle möglichen Einwendungen anführen und -widerlegen wollte. Er ist ein durch die Eigenliebe geblendeter Mensch, der -schlechterdings nicht Unrecht haben will, der eher alle seine Zöglinge für -Dummköpfe und Bösewichte erklärt, als daß er an seine Brust schlüge und -sich eingestünde, daß er gefehlt habe; er ist -- zur Erziehung unfähig. - -Lasset uns also die Einwendungen hören! - -Mein Zögling hat alle die Fehler, über die ich Klage führe, gehabt, ehe -ich ihn bekam, wie kann ich denn die Schuld davon mir beimessen? - -Zugestanden, daß dein Zögling diese Fehler hatte, ehe du ihn bekamest. -Warum hat er sie noch? Ist nicht die Abgewöhnung von Fehlern ein -Hauptstück der Erziehung? Wenn diese nun nicht erfolgt, ist es denn nicht -wenigstens möglich, daß der Grund davon in dir liege? - -Du bekamst z. E. deinen Zögling als ein schwächliches Kind, mit dem -wenig anzufangen war, warum ist er denn noch nicht stärker? Hast du -nicht von schwächlichen Kindern gehört, die durch eine vernünftige -Behandlung gestärkt wurden? Kennst du die Mittel, schwächliche Kinder zu -stärken? Hast du davon Gebrauch gemacht? Dein Zögling ist zuvor verzogen -worden -- er ist eigensinnig, widerspenstig, lügenhaft; warum ist er -dies aber noch, nachdem er so lange unter deiner Leitung war? Hast du -ihn auch die Folgen seines Eigensinns fühlen lassen, um ihn dadurch zum -Nachdenken zu bringen? Hast du es ihm gehörig fühlbar gemacht, daß du ein -Mann, er ein Kind ist, daß du ihm an Kraft, Erfahrungen und Einsichten -überlegen bist, und ihn so zur Überzeugung zu bringen gesucht, daß er von -dir abhänge und deine Vorschriften befolgen müsse? Hast du dir auch immer -die gehörige Mühe gegeben, zu untersuchen, ob das, was er dir sagte, wahr -sei, und ihn durch Aufdeckung seiner Lügen zu beschämen? Du erzählst, wie -du deine Zöglinge behandelst, welche Ermahnungen du ihnen giebst, durch -welche Vorstellungen du sie zu leiten suchst, und klagst, daß du mit alle -dem doch nichts ausrichtetest. - -Dies kann wohl sein; es kann auch sein, daß ich an der Vorstellung deiner -Behandlungsart gar nichts auszusetzen finde; sollte ich dich aber handeln -sehen, so würde ich vielleicht doch bemerken, daß die Ursache von dem -schlechten Erfolge deiner Bemühungen in dir liege. - -Es ist nicht genug, daß man etwas Gutes sagt und vernünftig handelt, -sondern es kommt auch noch darauf an, ~wie~ man spricht, und ~wie~ man -handelt. ~Wer Ohren hat zu hören, der höre!~ - -Der Ton, in dem man mit jungen Leuten spricht, ist von großer Wichtigkeit. -Sie sind geneigt, mehr durch das Gefühl, als durch die Vernunft sich -leiten zu lassen. Wer also den rechten Ton treffen kann, der der -jugendlichen Natur am angemessensten ist, und auf sie den meisten Eindruck -macht, der richtet bei ihr mit wenigen Worten weit mehr aus, als ein -anderer, der sich nicht in den rechten Ton stimmen kann, mit einer langen -Rede. - -So ist der Ton, in welchem manche Erzieher mit ihren Zöglingen, zumal wenn -diese von vornehmer Herkunft sind, sprechen, zu schüchtern, zu blöde, -es fehlt ihnen das Durchgreifende. So wie nun das Roß an dem Beben der -Schenkel seines Reiters bald die Furchtsamkeit desselben merkt und ihm -den Gehorsam versagt, so fühlen junge Leute an dem schüchternen Tone, in -welchem der Erzieher mit ihnen spricht, bald, daß er ihnen nicht gewachsen -sei, und achten nicht viel auf ihn. - -Bei anderen Erziehern ist der Ton, in welchem sie reden, zu trocken, zu -einförmig. Wenn man sie höret, so sollte man glauben, sie läsen ihre -Ermahnungen aus einem Buche ab. - -Solche Ermahnungen fruchten auch nichts. Man kann von Kindern nicht -erwarten, daß sie auf einen zusammenhängenden Vortrag viel merken, den -Sinn desselben fassen und darüber nachdenken sollen. Der Ton, die Mienen, -der ganze Anstand des Redners muß ihnen den Inhalt der Rede begreiflich -machen, sonst wirkt sie wenig. - -Ich gehe hin und weine -- sagt ein gewisser Prediger ~lächelnd~ am -Schlusse der Trauerrede, die er am Grabe seines Amtsbruders hielt. -Und -- niemand ließ eine Thräne fallen. Lag die Schuld davon vielleicht an -der Hartherzigkeit der Zuhörer? Nicht doch -- sie lag an der lächelnden -Miene, mit welcher der Redner sagte: ~Ich gehe hin und weine~. Hätte er -mit einer weinerlichen Miene geschlossen und dazu das Schnupftuch vor die -Augen gehalten, so würde er mehr ausgerichtet haben, wenn er auch gar -nichts dazu gesagt hätte. - -Endlich ist der Ton mancher Erzieher zu gebieterisch. Mit stolzen Blicken -sehen sie auf ihre Pflegesöhne herab, wie ein adelstolzer Offizier auf -seine Compagnie, und jede Ermahnung, jede Erinnerung hat die Form eines -despotischen Befehls. Was wird die Wirkung davon sein? Abneigung und -Widerspenstigkeit. Der zur Freiheit bestimmte Mensch fühlt eine natürliche -Abneigung gegen jede harte, willkürliche Behandlung, und man kann es ihm -nicht zur Last legen, wenn er sie gegen seinen despotischen Erzieher -äußert. - -Nun sollte ich noch von dem Korporalstone sprechen, den manche Erzieher -sich angewöhnt haben, die ihren Ermahnungen und Vorschriften durch -Rippenstöße und Stockschläge Nachdruck zu geben suchen. Da aber dagegen -schon so viel gesagt worden, und die Unschicklichkeit desselben allgemein -anerkannt ist, so halte ich es für überflüssig, davon weiter Erwähnung zu -thun. Unterdessen rate ich jedem jungen Manne, der die Jugend nicht anders -als mit Rippenstößen und Schlägen zu lenken weiß, daß er der Erziehung -gänzlich entsage, weil er dabei doch nicht froh werden und nichts Gutes -wirken wird. Er bemühe sich, eine Korporalstelle oder die Stelle eines -Zuchtmeisters zu erhalten, da wird er auf seinem Platze sein. - -Das bisher Gesagte wird hinreichend beweisen, daß viele Erzieher sich -deswegen die Ursache von den Fehlern ihrer Zöglinge beizumessen haben, -weil ihnen die Geschicklichkeit fehlt, ihnen dieselben abzugewöhnen. - -Oft lehren sie aber auch wirklich dieselben. - -Nun werden die meisten Leser denken, dies ist bei mir der Fall nicht, -ich lehre meinen Zöglingen ihre Pflichten und suche sie durch meine -Ermahnungen zu guten und thätigen Menschen zu bilden. Ich glaube es gern. -Ich nehme es als bekannt an, daß unter meinen Lesern keiner sei, der seine -Zöglinge zur Trägheit, Lügenhaftigkeit, Unverträglichkeit und anderen -Untugenden ermahne. Daraus folgt aber noch nicht, daß sie diese Untugenden -nicht lehrten. Kann man die Untugend nicht durch sein Exempel lehren? -Wirkt dies nicht stärker auf die Jugend als Ermahnung? Du empfiehlst -z. E. den Fleiß, und bist doch selbst träge, gehst mit Verdrossenheit -an deine Geschäfte, klagst über deine vielen Arbeiten, äußerst oft den -Wunsch, von deinen Geschäften befreit zu werden; du ermahnst sie zur -Wahrheitsliebe und lügst doch selbst; sagst, daß du einen Freund besuchen -wollest, und schleichst dich in das Wirtshaus zum Spieltische, setzest -deine Lehrstunden unter dem Vorgeben aus, daß du krank wärest und bist -doch nicht krank; forderst von deinen Zöglingen Verträglichkeit, und -zankst doch immer mit den Personen, die mit dir in Verbindung stehen. Du -kommst mir vor wie ein Sprachlehrer, der die Theorie der Sprache recht gut -vorzutragen weiß, aber sie selbst fehlerhaft spricht und schreibt. Wenn -seine Schüler ein Gleiches thun, kann man denn nicht von ihm sagen, daß -er sie die Fehler gegen die Sprachregeln gelehrt habe? - -Kann man ferner nicht auch Fehler und Untugenden durch die Behandlungsart -lehren? - -Ich glaube es allerdings. Wenn du z. E. jeden Mutwillen, jede -Unbesonnenheit, jedes Versehen deines Zöglings strenge ahndest, was hast -du ihn gelehrt? Die Lügenhaftigkeit. Seiner jugendlichen Natur ist es nun -einmal notwendig, bisweilen mutwillig zu sein, unbesonnen zu handeln, dies -und jenes zu versehen; weiß er nun, daß du dies alles strenge ahndest, -was wird er thun? Er wird seine Fehltritte vor dir zu verbergen suchen, -ableugnen, ein Lügner werden. Mißbrauchst du das Zutrauen, das dir dein -Zögling beweist, plauderst du die Geständnisse aus, die er dir als seinem -Freunde thut, hältst sie ihm wohl gar öffentlich vor und beschämst ihn -deswegen -- was lehrst du ihn? Verschlossenheit. Kannst du im Ernste -verlangen, daß dieser junge Mensch dir seine Geheimnisse anvertrauen soll, -da du sie nicht zu bewahren weißt? daß er Offenherzigkeit gegen dich -zeigen soll, wenn du sie ihm zum Verbrechen machst? Nur der Einfältige, -der Schwachkopf wird dies thun; der Knabe, der sich fühlt und die -Unregelmäßigkeit deines Benehmens beurteilen kann, wird dir sein Zutrauen -entziehen und es Personen schenken, bei denen seine Geheimnisse besser -aufgehoben sind. - -Wenn du den Thätigkeitsbetrieb deiner Zöglinge nicht zu befriedigen -suchst; wenn du, um sie zu beschäftigen, ihnen nichts in die Hände -giebst als Bücher und Federn, was lehrst du sie? Eine ganze Reihe von -Untugenden, deren ausführliches Verzeichnis ich hier niederzuschreiben -nicht geneigt bin. Der Thätigkeitsbetrieb ist nun einmal da und ist ein -wohlthätiges Geschenk des Schöpfers, ist die Stahlfeder, die er in die -junge Maschine gesetzt hat. Bücher und Federn vermögen ihn nicht zu -befriedigen; denn zum Gebrauche derselben gehört Nachdenken, welches ein -Geschäft der Vernunft ist, die bei den Knaben noch in der Entwickelung -steht; und wenn auch gleich Bücher und Federn in vielen Fällen ohne -Nachdenken können gebraucht werden, so ist doch der beständige Gebrauch -derselben zu einförmig, als daß er Knaben[A], die Abwechselung lieben, -angemessen sein sollte. Folglich haben Knaben, die man an die Bücher und -den Schreibtisch fesselt, Langeweile. Gelingt es nun bei einigen, daß sie -sich daran gewöhnen, so ist der Thätigkeitstrieb erstickt, sie werden -faul und träge; gelingt dies, welches bei den meisten der Fall zu sein -pflegt, nicht, so bricht der gehemmte Thätigkeitstrieb durch und verfällt -auf Ausschweifungen, wovon die heimlichen Sünden gemeiniglich die ersten -zu sein pflegen.[7] Wer hat sie diese gelehrt? ~Der Erzieher.~ Wer von -den mannigfaltigen Methoden, die Kinderuntugenden zu lehren, ein Mehreres -wissen will, dem empfehle ich das ~Krebsbüchlein, oder die Anweisung zu -einer unvernünftigen Erziehung der Kinder~. - -Der Erzieher macht sich drittens auch der Fehler und Untugenden seiner -Zöglinge dadurch schuldig, daß er ihnen dieselben andichtet. - -Wenn man die Schilderung hört, die manche Erzieher von ihren Zöglingen -machen, so möchte man sich entsetzen und alle Lust verlieren, sich dem so -wohlthätigen Geschäfte der Erziehung zu widmen. Da ist nicht der geringste -Trieb, etwas Nützliches zu thun, unausstehliche Trägheit, Unbesonnenheit, -Unverträglichkeit, Tücke, Bosheit, es ist eine Schar roher, ungeschlachter -Buben, bei denen nichts ausgerichtet werden kann. - -Der gebildete Erzieher lächelt dabei, weil er wahrnimmt, daß diese -Untugenden größtenteils in dem Gehirne des Erziehers sitzen, der das für -Untugenden erklärt, was doch notwendige Eigenschaften der Kindheit sind. - -Was würde man von einem Vater halten, der sein dreiwöchiges Kind -unreinlich schelten wollte, weil es die Windeln verunreinigt; oder von -einem Gärtner, der darüber im Frühlinge Klage führte, daß er auf allen -seinen Kirschbäumen nicht eine einzige Frucht, lauter Blüten fände? Würden -wir sie nicht mitleidig belächeln? - -Viele Erzieher handeln aber nicht vernünftiger. Sie machen es ihren -Zöglingen zum Verbrechen, wenn sie so handeln, wie die kindische[8] Natur -zu handeln pflegt und handeln muß, und fordern von ihnen ein Betragen, das -nur die Wirkung der gebildeten Vernunft, die bei ihnen noch klein ist, -sein kann; sie suchen Früchte zur Zeit der Baumblüte. - -Wir wollen darüber ein Gespräch zwischen Herrn Corydon und seinem Freunde -Mentor hören. Nichts Gesetztes, sagt er, ist bei meinen Zöglingen. Kann -ich sie dahin bringen, daß sie bedächtig gingen? Da ist nichts als hüpfen, -springen und laufen. - -M. So? Das ist ja recht schön. Ich würde sehr unmutig werden, wenn meine -Zöglinge wie die Drahtpuppen gingen. Der Knabe ~muß~ hüpfen, springen und -laufen, wenn er seine Kräfte fühlt. - -C. Keine Spur von Nachdenken. - -M. Und darüber wundern Sie sich? Was denkt denn im Menschen nach? Ist's -nicht wahr, die Vernunft? Wo soll denn also bei den Knaben, deren Vernunft -sich noch nicht entwickelt hat, das Nachdenken herkommen? - -C. Nichts als Kindereien treiben sie. - -M. Das kommt daher, weil sie Kinder sind. - -C. Wenn das Zeichen zur Lehrstunde gegeben wird, da geht es so langsam, -so verdrossen, daß man die Geduld verlieren möchte; geht es aber zum -Spielplatze, da sollte man die Freudigkeit sehen, mit welcher sie dahin -eilen, gleichsam, als wenn der Mensch zum Spielen bestimmt wäre. - -M. Der Mensch ist freilich zum Spielen nicht bestimmt, wohl aber der -werdende Mensch, der Knabe. Nach und nach muß man ihm Geschmack an der -Arbeit beibringen, darf es ihm aber nicht zur Last legen, wenn er daran -nicht sogleich Geschmack finden kann. - -C. Und in den Lehrstunden sind sie nicht einen Augenblick ruhig. - -M. Das kommt daher, weil sie sich in einer Lage befinden, die ihnen nicht -natürlich ist. Das gesunde Kind ist nur so lange ruhig, als es schläft, -außerdem ist es in beständiger Bewegung. Sie haben dabei weiter nichts zu -thun, als darüber nachzudenken, wie Sie ihr unruhiges Wesen zur Erreichung -guter Zwecke benutzen wollen. Geben Sie den kleinen Händen etwas zu thun, -und den plauderhaften Mäulern recht viel Gelegenheit zu sprechen, so -werden Sie die unruhigen Geister nicht mehr lästig finden. - -C. Wie viele Kränkungen verursachen sie mir durch ihre Tücke und Bosheit! - -M. Tücke und Bosheit? Diese habe ich noch nicht oft an Knaben bemerkt. -Geben Sie mir doch davon ein Beispiel. - -C. Ein Beispiel? Ich könnte davon ein Buch schreiben. Stellen Sie sich um -des Himmels willen vor -- gestern führte ich meine Knaben aus, die Glieder -zittern mir noch, wenn ich daran denke. - -M. Nun? Was gab es denn? - -C. Da warfen sie sich mit Schneeballen. - -M. Und das nennen Sie Tücke und Bosheit? - -C. Nicht doch! Aber ehe ich mich versah, warf mir einer einen Schneeballen -auf den Rücken; mir, seinem Aufseher! - -M. Um Sie zu kränken? - -C. Warum denn sonst? - -M. Ja! Das ist eben der Punkt, worin ihr Herren so oft fehlt. Bei jeder -Äußerung des Mutwillens und der Unbesonnenheit wittert ihr Tücke und -Bosheit und versündigt euch dadurch an der Jugend. Tücke und Bosheit sind -der Jugend nicht natürlich. Wenn sie sich zeigen, so sind sie ihr gewiß -durch die verkehrte Art, mit welcher sie von den Erwachsenen behandelt -wurde, eingeimpft. - -C. Was sollte aber der Bube, der mich warf, für eine andere Absicht gehabt -haben, als mich zu kränken? - -M. Sie zu reizen, an der Schneeballerei teilzunehmen. Was thaten Sie denn, -da Sie den Schneeball bekommen hatten? - -C. Ich drehte mich um und fragte: Wer ist der Bube, der mich geworfen hat? - -M. Nu? Was bekamen Sie denn für eine Antwort? - -C. Keine. Ich drohte, sie alle von der Mittagsmahlzeit auszuschließen, -wenn sie mir den Buben nicht nennen würden, der die Achtung gegen mich -verletzt hätte. Keiner antwortete. Sie aßen zu Mittag lieber alle trocken -Brot, als daß einer so aufrichtig gewesen wäre, mir den Buben, der mich -beleidigt hatte, zu entdecken. - -M. Ich sehe darin das Abscheuliche nicht, das Sie darin wahrnehmen. - -C. Wie? Ein Komplott können Sie billigen, das diese Bösewichter gegen -ihren Lehrer und Aufseher machten? - -M. Ich sehe weder Komplott noch Bösewichter. Einer von der Gesellschaft -hat in einer Anwandlung von Mutwillen Sie geworfen -- das wissen alle. -Sie aber erklären diesen Knaben deswegen für einen Buben, der die Achtung -gegen Sie aus den Augen gesetzt hätte. Sie drohen ihm durch ihren Blick -und den rauhen Ton, mit welchem Sie sprechen, jene harte Strafe. Die -Knaben fühlen alle, daß Sie hierin unrecht thun, und verraten deswegen -ihren Kameraden nicht. Sie versagen sich lieber eine Mittagsmahlzeit, als -daß sie einen guten, aber mutwilligen Knaben einer zu harten Behandlung -preisgeben. Gesetzt auch, daß diese Knaben darin unrecht thaten, daß sie -den Mutwilligen nicht entdeckten, haben Sie durch Ihre Härte ihnen nicht -selbst dazu Veranlassung gegeben? Wissen Sie, was ich gethan hätte, wenn -ich an Ihrer Stelle gewesen wäre? Ich hätte mich umgedreht und ~lächelnd~ -gefragt: Ich glaube, ihr wollt es gar mit mir aufnehmen? Wer ist der -kleine Held, der es wagt, sich mit mir zu messen? Da würde denn der Knabe -von selbst herausgetreten sein und gesagt haben: Ich! Ich hätte darauf den -Kampf mit ihm begonnen, und, wenn ein paar Schneebälle wären gewechselt -worden, hätte ich etwas ernsthaft gesagt: nun, Freund! ist es gut, nun -haben wir uns miteinander gemessen. So würde er den Schneeball, den er -schon gegen Sie aufgehoben hatte, haben fallen lassen, und das ganze -Schauspiel würde sich zur allgemeinen Zufriedenheit geendigt haben. - -Hier mag Herr Corydon abbrechen. Wollte ich ihn ausreden lassen, so würden -seine Klagen den ganzen Raum ausfüllen, den ich dem Ameisenbüchlein -bestimmt habe. Denn wer die Eigenheiten der kindlichen Natur in die Klasse -der Untugenden setzt, wie viel wird dieser nicht zu klagen haben! - -Oft werden die Erzieher auch dadurch die Schöpfer der Untugenden ihrer -Zöglinge, daß sie eine willkürliche Regel annehmen, nach welcher sich die -jungen Leute richten sollen, und jede Abweichung von derselben ihnen als -Untugend anrechnen. Wenn die Regel nun albern und widernatürlich ist, und -die jungen Leute dies fühlen, so werden sie auch keine Neigung haben, sie -zu befolgen, jeden Augenblick davon abweichen, und so als Übertreter in -des Erziehers Augen erscheinen. - -Dies begegnet besonders den stolzen Erziehern, die sich für unfehlbar -halten, ihre Zöglinge als Sklaven betrachten, die ihnen blinden Gehorsam -schuldig wären, bei allen ihren Handlungen auf sie Rücksicht nehmen und -bei jeder Gelegenheit die strengste Unterwürfigkeit gegen sie beweisen -müßten. Ein solcher Erzieher duldet keine Einwendung, keinen Widerspruch, -dies wäre Beleidigung, Mangel an Hochachtung. Wenn er sich zeigt, soll -alles Spiel ruhen, tiefes Stillschweigen erfolgen, alles in einer -ehrfurchtsvollen Stellung vor ihm stehen. - -Der freimütige, unbefangene Knabe, der keine Verstellung gelernt hat -und geneigt ist, sich an jeden, den er für gut hält, anzuschmiegen, -wird diese Forderung unerträglich finden. Furcht vor Mißhandlungen wird -ihn vielleicht bewegen, sich einige Augenblicke nach den unbilligen -Forderungen seines Zuchtmeisters zu richten; bald wird er sich aber -vergessen, sich in seiner natürlichen Gestalt zeigen, und deswegen als ein -nichtswürdiger Bube behandelt werden. - -Jetzt kommt Herr Crispin mit steifem Nacken und abgemessenen Schritten -einhergegangen, um seine Lehrstunde zu geben. Seine Schüler sind vor -dem Hause eben mit Ballspiel beschäftigt. Einige erschrecken bei seinem -Anblicke und verbeugen sich vor ihm mit heuchlerischer Miene, andere -setzen ihr Spiel fort. Was für eine schändliche Aufführung, schreit er -ihnen zu, ist dies! Habe ich Gassenbuben zu Schülern? Unwillig folgen sie -ihm in das Lehrzimmer. - -Setzet euch, gebietet er, und daß keiner sich unterstehe, das geringste -Geräusch zu machen. Schreibt, was ich euch diktiere: _Il vit la carosse_ -(= Er sah den Wagen). - -Herr Crispin! sagte der kleine muntere Klaus, ich dächte, es müsse heißen -_le carosse_. - -Schweig! antwortete er, und wenn es gleich heißen sollte _le carosse_, -so mußt du doch schreiben _la carosse_, weil ich, dein Lehrer, es gesagt -habe. Einem unbärtigen Knaben kommt es nicht zu, seinem Lehrer zu -widersprechen. - -Nun fängt er an, das Diktierte zu erklären, und bemerkt, daß ein paar -Knaben sich ein Stückchen Papier zeigen, die Köpfe zusammenstecken und -lachen. Er fährt zu, nimmt das Papier weg, und erblickt darauf eine -kleine Handzeichnung, die der junge Klaus soeben verfertigt und darunter -geschrieben hat: ~Das ist Herr Crispin~. - -Nun ist die Lehrstunde beendigt, weil Herr Crispin in so heftigen Zorn -geraten ist, daß er sie nicht fortsetzen kann. Er wirft den schändlichen, -verworfenen Buben zur Thür hinaus und befiehlt, daß er ihm nicht wieder -vor die Augen kommen soll. - -Der übrige Teil der zum Unterricht bestimmten Stunde wird mit Schimpfreden -und Drohungen zugebracht, die ich niederzuschreiben mich schäme. Nach -Crispins Schilderung ist seine Klasse ein Haufen schändlicher, verworfener -Gassenbuben. - -Und was ist es, wogegen er sich so sehr ereifert? Eine Geburt seines -eigenen Gehirns -- schändliche Beleidigung des Lehrers -- wovon ein -anderer gebildeter Mann gar nichts würde geahnt haben. Wenn die Knaben -durch seine Gegenwart sich im Spielen nicht stören ließen, so kam es von -dem Bewußtsein her, daß sie nichts Unrechtes thäten; wenn Klaus Herrn -Crispin auf einen Sprachfehler aufmerksam machte, so war dies eine Wirkung -seiner liebenswürdigen Freimütigkeit, wofür ihm ein anderer die Hand würde -gedrückt haben. Daß bei der Verfertigung seiner Handzeichnung nicht etwas -Tücke im Hintergrunde gelegen habe, getraue ich mir nicht zu behaupten. -Gesetzt aber, dies wäre der Fall; wer hat sie rege gemacht? Kein anderer -Mensch, als Herr Crispin, durch das offenbare Unrecht, das er dem kleinen -Zeichner that. - -Endlich vergrößern Erzieher bei ihren Zöglingen oft die Zahl der -Untugenden, indem sie die Eigenheiten derselben dazu rechnen. Wenn man -in einer Erziehungsanstalt die Stiefeln sämtlicher Zöglinge nach einem -Leisten wollte machen lassen, so würde es sich finden, daß sie nur für die -wenigsten paßten und den übrigen entweder zu groß oder zu klein wären. -Und was wäre nun in diesem Falle wohl zu thun? Die Füße, für welche die -Stiefeln nicht passen, für fehlerhaft erklären? an den Füßen einiger -Zöglinge etwas abschneiden, an anderen etwas hinzusetzen? - -Ihr lacht? Ihr wollt wissen, was ich mit dieser sonderbaren Frage wolle? -Ich will es gleich sagen. Sowie jeder Knabe seine eigene Form des Fußes -hat, so hat auch jeder seinen eigenen Charakter[9] und seine eigenen -Talente. Wollt ihr nun die Knaben mit ihren verschiedenen Charaktern und -Talenten auf einen Fuß, oder, wie man auch zu sagen pflegt, über einen -Leisten behandeln, so wird diese Behandlungsart immer den wenigsten -angemessen sein; wollt ihr nun dieses den Knaben als Untugend anrechnen -und sie eurer Behandlungsart anzupassen suchen, so handelt ihr mit ebenso -weniger Überlegung, als derjenige, der die Füße nach den ihnen bestimmten -Stiefeln formen wollte. Ihr gebt euren Zöglingen wegen begangener -Fehltritte ~öffentliche~ Verweise. Dies mag für gewisse Fühllose, bei -welchen vorhergegangene Ermahnungen fruchtlos waren, von guter Wirkung -sein; wenn ihr dies aber bei allen thun wollt, so wird der ehrgeizige -Ferdinand sich für beleidigt halten und geneigt sein, die größten -Unbesonnenheiten zu begehen; der weichmütige Wilhelm hingegen wird bittere -Thränen weinen und mutlos werden. Ihr lehrt den Fritz und Karl. Jener -faßt sogleich alles, was ihr ihm sagt, und die Arbeit, die ihr ihm gebt, -ist in einer Viertelstunde vollendet. So ist es nicht mit Karl. Dieser -gute, ehrliche Knabe hat einen sehr langsamen Kopf, faßt sehr schwer den -Vortrag, bringt an der ihm aufgegebenen Arbeit eine Stunde zu, und am Ende -ist sie doch nicht so gut, wie die, die Fritz lieferte. Darüber gebt ihr -ihm Verweise, die er nicht verdient hat. - -Ihr unterrichtet den Heinrich und Ludwig im Lateinischen und in der -Mathematik. Heinrich kann schlechterdings die lateinischen Sprachregeln -nicht fassen, in der mathematischen Lehrstunde hingegen ist er der beste -Schüler; und Ludwig bringt euch lateinische Aufsätze, an denen ihr nur -wenig zu verbessern findet; aber die Mathematik -- für diese hat er keinen -Sinn. Gleichwohl verlangt ihr von beiden, daß sie im Lateinischen und in -der Mathematik gleiche Fortschritte machen sollen; verweist dem Heinrich -seine Faulheit in der lateinischen und dem Ludwig seine Verdrossenheit in -der mathematischen Lehrstunde und -- thut beiden unrecht. Ihre Faulheit -und Trägheit sitzt in euerm Gehirne.[B] - -Dies wäre also mein Symbolum, das jeder verstehen, annehmen und befolgen -muß, wenn mein Ameisenbuch ihm nützen soll. - -Sowie aber alle Symbole sind gemißbraucht worden, so wird es -wahrscheinlich auch mit diesem gehen. Wenn nun mancher Erzieher mit seinen -Bemühungen bei seinen Zöglingen wenig oder nichts ausrichtet, wenn sie -wenig lernen, ihre Untugenden beibehalten und unter seiner Leitung mehrere -annehmen, so werden die Eltern ihm die Schuld davon geradezu beimessen und -sich auf mein Ameisenbüchlein berufen. Hierin thun sie unrecht. - -Habe ich denn gesagt, daß ~man~ den Grund von allen Untugenden und Fehlern -der Zöglinge dem Erzieher ~beimessen~ müsse? Nichts weniger als dieses. -Nur von dem ~Erzieher~ fordere ich, daß ~er selber~ den Grund davon in -~sich suchen solle~, damit, wenn er wirklich in ihm läge, er ihn wegräumen -könne. Daraus folgt aber noch nicht, daß andere ihm die Schuld davon -beilegen sollen. - -Ihr, liebe Eltern, seid auch die Erzieher eurer Kinder. Habt ihr gleich -die Erziehung derselben zum Teil einem andern übertragen, so nehmet ihr -doch noch immer auf eine nähere oder entferntere Art daran Anteil. Für -euch ist also mein Symbolum auch niedergeschrieben. Ueberdenkt, beherzigt -es und macht die Anwendung davon auf euch selbst. Statt die Untugenden -eurer Kinder dem Erzieher zur Last zu legen, suchet den Grund davon in -~euch~. Der Erzieher sucht ihn in sich, ihr sucht ihn in euch, und jeder -Teil bessert da, wo er findet, daß er gefehlet habe. So wird alles recht -gut gehen. - - ~Ein jeder lern' seine Lektion!~ - ~So wird es wohl im Hause stohn.~ - -Wer mein Symbolum nicht annimmt, sich für unfehlbar hält, und die ganze -Schuld von den Untugenden seiner Zöglinge und dem Mißlingen ihrer -Bearbeitung in ihnen oder in der äußerlichen Lage sucht -- wie will der -erziehen können! Mit Unwillen wird er seine Zöglinge ansehen, ihr Anblick -wird ihm unangenehme Empfindungen verursachen, jede ihrer Unbesonnenheiten -ihn beleidigen, oft wird er in ihren unschuldigsten Aeußerungen Tücke und -Bosheit wittern, von lauter verworfenen Menschen, bei denen man nichts -wirken kann, sich umgeben glauben. Wie lästig wird ihm die Erziehung -werden, wie herbe sein Ton, wie verkehrt sein Benehmen gegen seine jungen -Freunde sein und wie fruchtlos alle seine Bemühungen! Sehnlich wird er dem -Zeitpunkte entgegensehen, da ihm das Erziehungsgeschäft abgenommen wird, -und er seine bisherige Lage mit einer andern vertauschen kann. - -Er wird kommen, der sehnlich herbeigewünschte Zeitpunkt; du wirst dich -dann leichter fühlen, und dir wird es scheinen, als wenn du neugeboren -wärest. Bald aber wirst du in deiner neuen Lage neue Unannehmlichkeiten -finden; deine Umgebungen werden deinen Erwartungen nicht entsprechen, -und weil du nun einmal dich gewöhnt hast, die Ursachen des Mißvergnügens -immer außer dir zu suchen, so wirst du die Schuld davon deinen Umgebungen -beimessen, und die alten Klagen werden von neuem beginnen. ~Der Anfang der -Weisheit ist die Selbsterkenntnis~;[10] wo diese fehlt, wird man die -Weisheit in keiner Lage finden, und den Gleichmut und die Zufriedenheit, -die aus derselben entspringen, allenthalben vermissen. - -Freund! der du dich der Erziehung widmest, sei also stark und entschließe -dich, wenn du an deinen Pflegesöhnen Fehler und Untugenden bemerkst, wenn -die Bearbeitung derselben dir nicht gelingen will, den Grund davon immer -in dir zu suchen. Du wirst gewiß ~vieles~ finden, das du nicht geahnt -hast, und wenn du es findest, freue dich und laß es dir ein Ernst sein, -es wegzuschaffen. Es wird dir gewiß gelingen, und dann -- dann -- welche -angenehme Veränderung wirst du in und außer dir verspüren! Die dir -anvertraute Jugend wird dir in einem andern Lichte erscheinen, ihre -Munterkeit wird dich aufheitern, ihre Thorheiten und Unbesonnenheiten -werden dich nicht mehr beleidigen, du wirst sie mit mehr Nachsicht und -Schonung behandeln; das Herbe und Bittere in deinem Tone, das Finstere in -deinem Gesichte wird sich verlieren, die Aufwallungen des Zorns, zu denen -du geneigt bist, werden sich nach und nach mindern, der Bequemlichkeit, -die du dir angewöhnt hattest, wirst du entsagen, so manchen andern Felder, -der auf deine jungen Freunde üble Eindrücke machte, wirst du ablegen, -du wirst deinem Vortrage immer mehr Lebhaftigkeit und Annehmlichkeit -verschaffen. Hast du einige Zeit so an dir gebessert -- was wird der -Erfolg sein? Du wirst dich zu einem guten Erzieher gebildet haben. - -Deine Pflegesöhne werden dich mit ihrer Liebe und ihrem Zutrauen belohnen; -deine Winke werden sie befolgen, deine Bemühungen werden gelingen, ihre -Fehler und Untugenden werden nach und nach weichen. - -Will es dir in manchen Fällen doch nicht gelingen, kannst du gewisse -Fehler und Untugenden doch nicht wegschaffen -- gut! so hast du doch die -Beruhigung, mit Ueberzeugung zu dir sagen zu können: ~ich habe das Meinige -redlich gethan, die Schuld von dem Mißlingen meiner Bemühungen kann ich -mir nicht beimessen~. - - - - -Was ist Erziehung? - - -Seitdem es Menschen giebt, sind dieselben auch erzogen worden. Gleichwohl -hat man noch keinen bestimmten, allgemein angenommenen Begriff von der -Erziehung. Fast jeder, der über dieses Geschäft schreibt, giebt davon -seine eigene Vorstellung. - -Da könnte ich nun alle die Begriffe, die seit Aristoteles[11] bis auf -Pestalozzi von der Erziehung sind gegeben worden, anführen, erklären, -mit einander vergleichen und den richtigen heraussuchen. Ich habe aber -meine Ursachen, warum ich es nicht thue. Erstlich, weil mir viele davon -unbekannt sind, zweitens, weil ich es für zweckwidrig halte. Wozu würde -es nützen, wenn ich die Leser mit den verschiedenen Vorstellungen, die -man sich in verschiedenen Zeitaltern von der Erziehung machte, aufhielte? -Am Ende komme ich doch mit meinem eigenen Begriffe hervorgetreten und -suche ihnen denselben zu empfehlen. Da ist es ja kürzer, wenn ich sie -sogleich, ohne alle Umschweife, damit bekannt mache. Nach meiner Meinung -ist Erziehung: ~Entwickelung und Übung der jugendlichen Kräfte~.[12] - -Erzieht man das Kind zum Menschen, so werden alle seine Kräfte entwickelt -und geübt; erzieht man es aber für ein gewisses Geschäft, so hält man -es für nötig, daß man nur diejenigen, die zur Verrichtung desselben -erforderlich sind, in Thätigkeit setze, und andere, die der Wirksamkeit -derselben nachteilig sein können, schlummern lasse oder gar lähme, so wie -man den Stier entmannt, der zum Zuge bestimmt ist. Hier rede ich nur von -der ersten Art der Erziehung. - -Um die Gehkraft der Kinder zu entwickeln und zu üben, steckte man sie -ehedem in Laufbänke, oder legte ihnen Laufzäume[13] an, und sie wurden -oft krummschenklig und hochschultrig, und wenn man ihnen den freien -Gebrauch ihrer Glieder zuließ, hatten sie dieselben nicht in ihrer -Gewalt, strauchelten oft, zerschlugen sich die Köpfe, oder bekamen andere -Beschädigungen. Jetzt sind Laufbänke und Laufzäume aus allen Kinderstuben -verbannt, wohin das Licht der bessern Erziehung gedrungen ist. Man sieht -da die Kinder, wie junge Tiere, herumkriechen; fühlen sie mehr Kraft in -ihren Schenkeln, so richten sie sich empor und treten an Stühle. Man setzt -nun mehrere Stühle in kleiner Entfernung von einander hin, legt Bilder und -Spielwerk drauf, um sie zu reizen, von einem Stuhle zum andern zu wandeln. -Nach einigen Tagen lassen sie die Stühle stehen, und wandeln, ohne sich -an etwas zu halten, durch das Zimmer. Verlieren sie das Gleichgewicht, -so setzen sie sich gewöhnlich auf den Hintern. Bei dieser Übung bleiben -die Glieder gesund und unverletzt. Wie lange währt es, so sieht man die -nämlichen Kinder, die erst krochen, laufen und springen. - -Diese Behandlungsart enthüllt uns das ganze Geheimnis einer vernünftigen, -der menschlichen Natur angemessenen Erziehung. - -So wie man bei dieser Anleitung zum Gehen die Gehkraft nicht eher zu üben -sucht, bis die Kriechkraft hinlänglich geübt ist, und jene hinlänglich -sich äußert, so darf man auch nicht andere Kräfte zu entwickeln suchen, -bis sie wirklich da sind, und diejenigen, aus welchen sie hervorgehen -pflegen, hinlängliche Übung bekommen haben. Ferner, so wie die Laufbänke -und Laufzäume entfernt sind, und die Kinder gereizt werden, aus eigenem -Entschlusse fortschreiten, und so ihre Gehkraft zu üben, so muß auch der -Erzieher bei Übung der übrigen Kräfte alles Laufzaumähnliche zu entfernen -suchen; er darf nicht sowohl die jugendlichen Kräfte üben, als vielmehr -den Kindern Gelegenheit und Reiz verschaffen, diese Übungen selbst -vorzunehmen. - -Das Kind empfängt ohne Zweifel alle seine Kräfte durch die Erzeugung und -bringt sie mit, wenn es sich seinem pflanzenähnlichen Zustande entwindet -und in das Tierreich übergeht. Die meisten aber schlummern noch, wie der -Keim im Weizenkorne, wenn es in die Erde geworfen wird; sie sind nur noch -Vermögen und entwickeln sich, mit dem Fortgange der Zeit, in folgender -Ordnung. - -Zuerst die meisten Kräfte des Leibes. Das neugeborene Kind atmet, -schreit, schluckt, verdauet u. s. w. Die äußerlichen Dinge machen auf -dasselbe Eindrücke, aber das Vermögen, sie zu empfinden oder sich davon -Vorstellungen zu machen, äußert sich in seinen ersten Lebenstagen noch -nicht. Nach und nach fängt es an, die äußerlichen Dinge sich vorzustellen, -diese Vorstellungen aufzubewahren, sie von Zeit zu Zeit wieder -hervorzubringen: die Kräfte der Sinnlichkeit,[14] des Gedächtnisses, der -Einbildungskraft entwickeln sich. - -In der Folge äußert sich der Verstand durch Urteile, die er über -Gegenstände fället, die in die Sinne fallen. Zugleich fangen die in den -Händen befindlichen Kräfte an, ein Streben nach Thätigkeit zu äußern. -Das Kind greift nach allem, betastet alles, wirft es von einem Orte zum -andern. Giebt man ihm in der Folge ein hölzernes Pferd, so bauet es von -Büchern oder Stühlen einen Stall, legt ihm Futter vor, zieht es heraus, -bindet es an einen Stuhl oder sonst etwas, das des Pferdes Wagen sein -und von ihm fortgezogen werden soll u. dgl. Erst bei dem Austritte aus -dem Stande der Kindheit fängt die Vernunft an durch Vorstellung von -übersinnlichen Gegenständen sich thätig zu beweisen. - -Hierdurch hat uns die Natur die Ordnung vorgezeichnet, in welcher wir ihr -bei Entwickelung der jugendlichen Kräfte behilflich sein müssen. - - - - -Was muß ein Erzieher lernen? - - -Es ist ein Lieblingssatz der neueren Erzieher, daß die Erziehung des -Kindes mit seiner Geburt anfangen müsse, und ich stimme demselben von -ganzem Herzen bei. - -Schriebe ich nun jetzt über die Erziehung der Kinder, so müßte ich zeigen, -wie Eltern, Kinderwärterinnen und alle Personen, in deren Händen sich -das Kind in seinen ersten Lebensjahren befindet, sich gegen dasselbe in -diesem Zeitraume verhalten müßten. Da ich aber bei Ausfertigung dieser -Schrift die Erziehung der Erzieher zum Gegenstande habe, wodurch man nach -dem Sprachgebrauche Personen versteht, die von den Eltern verschieden -sind, und die gewöhnlich das Kind dann erst unter ihre Aufsicht bekommen, -wenn es schon gehen, sprechen, sich Vorstellungen von Gegenständen der -Sinnenwelt machen und darüber urteilen kann, so würde es mich zu weit von -meinem Zwecke abführen, wenn ich mich auf die Behandlungsart der Kinder in -ihren ersten Lebenstagen einlassen wollte. - -Wer hierüber belehrt sein will, dem empfehle ich das Buch, welches ich -unter dem Titel: ~Konrad Kiefer, oder über eine vernünftige Erziehung der -Kinder~, herausgegeben habe, wo er verschiedene gute Winke und Belehrungen -erhalten wird. - -Jetzt untersuche ich also nur, was die Person für die Erziehung des Kindes -zu thun habe, welche es aus dem Schoße der Familie zur ferneren Ausbildung -erhält. - -Das Lebensjahr, in welchem dieses geschieht, ist bekanntlich nicht -allgemein bestimmt. Mancher Erzieher erhält seine Zöglinge im fünften oder -sechsten Jahre, die meisten erhalten sie später. - -Hier nehme ich an, der Erzieher trete sein Amt bei fünfjährigen Zöglingen -an. Da fragt es sich nun, was hat er von diesem Zeitpunkte an bei ihnen zu -thun? und was muß er in dieser Rücksicht lernen? - -Die Kräfte des Leibes, und unter diesen vorzüglich diejenigen, deren -Thätigkeit zur Erhaltung und Nahrung desselben am nötigsten sind, -entwickeln sich bei den Kindern zuerst. Folglich muß der Erzieher auch -verstehen, wie er die Wirksamkeit derselben oder die Gesundheit des Leibes -erhalten soll. - -Bei ungesunden Knaben mißlingt alle Erziehung.[15] Ihr beständiges -Übelbefinden macht sie eigensinnig, verdrossen, schwächt den -Thätigkeitstrieb und macht sie abgeneigt, durch Aufmerksamkeit auf die -sie umgebenden Dinge sich Vorstellungen zu verschaffen. Jeder rauhe Wind, -jeder Regenschauer schreckt sie aus der Natur zurück und verhindert sie, -in ihrem Schoße Kenntnisse einzusammeln. - -Die Erziehung ungesunder Kinder ist also ein höchst mühsames und fast -undankbares Geschäft, und wer erziehen will, muß wissen, wie man seine -Zöglinge gesund erhalte. - -Dazu, wird man einwenden, sind ja die Ärzte da. - -Freilich sind sie da. Sind sie aber auch immer da, wo der Erzieher mit -seinen Zöglingen sich befindet? Sind sie auf dem Landgute des Edelmannes? -sind sie auf den Landhäusern, wo die begüterten Stadtbewohner oft ihre -Kinder erziehen lassen? sind sie auf Reisen zugegen? Und wenn sie zugegen -sind, kann man denn ihnen seine Zöglinge immer ohne Bedenken anvertrauen? -Ach, es ist ein höchst schädliches Vorurteil, daß das Doktordiplom eine -vorzügliche Geschicklichkeit zur Erhaltung der menschlichen Gesundheit -erteile. Ein Arzt, der zu einem kranken Knaben gerufen wird, dessen Natur -er nicht kennt, dessen Lebensart er nicht beobachtet hat, der vielleicht -den Kopf voll von einer gewissen Krankheit hat, die er allenthalben sucht -und allenthalben zu finden glaubt, kann leichter in der Beurteilung seines -Übelbefindens, des Ursprungs desselben und in der Wahl der Heilmittel -irren, als ein aufmerksamer Erzieher, der seinen Zögling immer um sich hat -und seine Natur und Lebensart kennt. - -Und sind denn alle Ärzte redlich? Sind nicht manche unter ihnen, die -ihre Patienten so behandeln, wie ein gewinnsüchtiger Uhrmacher die -Taschenuhren, die ihm zur Ausbesserung übergeben werden, der sie nie -vollkommen herstellt, damit immer daran etwas zu bessern bleibe, immer -etwas für ihn zu gewinnen ist?[16] - -Der ~Erzieher~ muß also verstehen, wie er seine Zöglinge gesund erhalte, -wie er es verhüte, daß sie krank werden, und wie ihnen zu helfen sei, -wenn da und dort in der Maschine eine Stockung entsteht; und nur bei -außerordentlichen Fällen wo seine Einsichten ihn verlassen, muß er zum -Arzte seine Zuflucht nehmen.[C] - -Alles auseinanderzusetzen, was man thun muß, um seine Pflegesöhne gesund -zu erhalten, ist hier der Ort nicht. Nur dies bemerke ich, daß man sie zur -Abhärtung gewöhnen, täglich, ohne sich an die Witterung zu kehren, sie -im Freien bewegen, einfache Kost ihnen zu genießen geben, und des kalten -Bades nebst den damit verknüpften Schwimmübungen sich bedienen muß.[D] - -Dies sei ein Wink für euch jungen Männer, die ihr euch der Erziehung -widmen wollt. Wenn eure Zöglinge durch Abhärtung ihre Gesundheit erhalten -sollen, so müßt ihr euch selbst abhärten. Denn glaubt ihr wohl, daß sie im -Schneegestöber sich wohl befinden werden, wenn ihr über die unangenehmen -Empfindungen klagt, die es euch verursacht? daß sie gern mit leichter -Kleidung und unbedeckten Köpfen ausgehen werden, wenn ihr euch in Pelzwerk -hüllt? Oder glaubt ihr wohl, daß verzärtelte Jünglinge sich gern der -rauhen Luft aussetzen werden? Ach, ich besorge, sie werden, so oft die -Luft rauh ist, allerlei Entschuldigungen hervorsuchen, um das Ausgehen -abzulehnen und in der warmen Stube bleiben zu können, und so, statt ihre -Zöglinge abzuhärten, dieselben verzärteln. - -Also, liebe Freunde! Wenn ihr nicht nur Erzieher heißen, sondern es -wirklich sein wollt, so härtet euren Leib ab! Werft die Federbetten weg -und gewöhnet euch, auf Stroh unter einer leichten Bedeckung zu schlafen; -bedeckt den Kopf leicht oder gar nicht. Daß der Kopf immer bedeckt sein -müsse, ist Vorurteil. Eure Kleidung sei leicht, Pelzwerk darf nie an euren -Leib kommen. So lange man durch Gehen und Laufen sich in Bewegung hält, -kann man viel aushalten; nur dann wird eine Ausnahme stattfinden müssen, -wenn man in ruhiger Lage, im Wagen oder auf dem Schlitten sich befindet. -Gehet täglich in die freie Luft, ohne erst durch die Fensterscheiben -nachzusehen, was es für Wetter sei. Macht bisweilen starke Reisen zu -Fuße, damit euer Leib sich gewöhne, das damit verknüpfte Ungemach -auszuhalten. Da die Bewegungen auf dem Schnee und Eise ein vorzügliches -Stärkungsmittel sind, so lernt auf kleinen Schlitten fahren und mit -Schlittschuhen auf der Eisfläche laufen. Dann habt ihr nicht nötig, -durch weitläufige Vorstellungen euren Zöglingen die Nutzbarkeit dieser -Bewegungen begreiflich zu machen. Ihr setzt euch auf euern Schlitten und -gleitet den Berg herab, ihr schnallet eure Schlittschuhe an und fahret -über die Eisfläche hin, und eure Zöglinge bitten euch von selbst, daß ihr -ihnen Schlitten und Schlittschuhe sollt machen lassen. - -Wenn der Genuß einfacher Kost ein Erhaltungsmittel der jugendlichen -Gesundheit ist, so begreift ihr von selbst, daß ihr euch auch dazu -gewöhnen müßt. Die warmen ausländischen Getränke, die bei der gewöhnlichen -Erziehung uns zu einem notwendigen Bedürfnisse gemacht werden, die -Leckereien, die auf den Tafeln der Begüterten einen Teil der Mahlzeit -ausmachen, müßt ihr entbehren lernen. Dann habt ihr nicht nötig, euern -Zöglingen die Vortrefflichkeit einer einfachen Kost vorzupredigen. Wenn -ihr selbst euern Genuß auf Milch und Obst, Butter, Gemüse, Fleisch -und andere Nahrungsmittel, welche die naheliegende Natur darbietet, -einschränkt, so werden sie sich von selbst daran gewöhnen, und die -Lüsternheit nach gekünstelten Nahrungsmitteln wird bei ihnen schwach, und -leicht zu besiegen sein. - -Wird dies wohl ebenso leicht sein, wenn ihr euch Genüsse erlaubt, vor -denen ihr sie warnet? - -Wollet ihr die Zöglinge zum kalten Bade führen, ohne selbst daran -teilzunehmen, so könnt ihr leicht voraussehen, was für Unannehmlichkeiten -daraus entspringen werden. Mehrere von ihnen werden mit Unwillen ins -Wasser gehen, unter allerlei Entschuldigungen sich dieser Übung zu -entziehen suchen, und, was tausend jungen Leuten Wollust ist, das wird -ihnen Frondienst sein. Ihr selbst werdet ängstlich am Ufer umherlaufen, -wie eine Truthenne, wenn ihre Entenbrut auf dem Teiche schwimmt, und ihnen -bei den Gefahren, in die sie kommen, nicht raten und nicht helfen können. - -Das kürzeste Mittel, diesen Unannehmlichkeiten vorzubeugen, ist -- lernt -selbst Schwimmen. Dann wird das Tauchen, Platschern und Schwimmen im -kalten Wasser euch Freude machen, ihr werdet euch mit Vergnügen in -dasselbe stürzen, eure Kleinen werden euch nachfolgen, ihr werdet imstande -sein, ihnen alle die Vorteile bekannt zu machen, durch welche man sich -über dem Wasser erhalten und auf seiner Fläche sich frei bewegen kann, und -sie retten können, wenn sie in Gefahr kommen sollten.[E] - -Bei einer solchen Behandlungsart werden die Kräfte, die der Schöpfer euern -Kleinen zur Erhaltung des Leibes einpflanzte, ihre Verrichtungen selbst -thun und nicht oft und nicht lange in denselben gestört werden. - -Bisweilen wird dies aber doch geschehen. Dann bedarf es oft nur eines -kleinen Reizes, um die abgespannten Kräfte wieder in Thätigkeit zu setzen. -Diesen Reiz ihnen zu geben, müßt ihr verstehen. - -Außer diesen nährenden und erhaltenden Kräften muß nun auch der -Sinnlichkeit, dem Gedächtnisse, der Einbildungskraft und dem Verstande -Übung verschafft werden. - -Woran sollen diese Übungen geschehen? An Gegenständen, die in die Sinne -fallen. Diese müssen ~in großer Mannigfaltigkeit~ herbeigeschafft und -den Kindern zur Betrachtung vorgestellt werden. Wo diese bei sechs- bis -achtjährigen Kindern fehlen, da ist keine Erziehung, weil nichts da ist, -woran sie ihre regenden Kräfte üben können. - -Und welches sollen diese sinnlichen Gegenstände sein? Dies müssen uns -die Kinder selbst lehren. Wir müssen ihnen ablernen, welche Gegenstände -am meisten geeignet sind, ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wenn -man ihnen dann dieselben vorzeigt, so hat man nicht nötig, sie immer zu -ermahnen: gebt Achtung, liebe Kinder! Sie fühlen in sich selbst Drang -zum Beobachten. Sie thun das, worauf ihr Erzieher hinarbeiten muß -- sie -erziehen sich selbst. - -Da hat mich nun eine lange Erfahrung gelehrt, daß nichts die -Aufmerksamkeit der Kinder so früh auf sich ziehe, als -- Tiere. Wer daran -zweifelt, der beobachte die Kinder selbst, und er wird das Nämliche -wahrnehmen. Ihre Augen sind selten auf ihren Leib,[17] gewöhnlich auf die -Gegenstände gerichtet, mit welchen sie umgeben sind. Bringt man nun einen -Sperling, eine Maus, einen Fisch oder ein anderes Tier in das Zimmer, so -sehen sie von allen andern Dingen weg und -- blicken auf die Tiere. Selbst -wenn man ihnen ein Bilderbuch vorlegt, so verweilen sie am längsten bei -den Bildern, auf welchen Tiere vorgestellt sind. Dadurch fordern sie laut: -wollt ihr die Kräfte, die sich jetzt bei uns äußern, üben, so zeigt uns -~Tiere~! - -Man fängt auch wirklich hier und da an, auf diese Forderung Rücksicht zu -nehmen, und die Naturgeschichte, die ehedem der Jugend ganz fremd blieb, -in Schulen und Erziehungshäusern zu lehren, aber -- meistenteils ganz -zwecklos. - -Man hält Vorlesungen über ein System der Naturgeschichte, ohne von den -Erzeugnissen der Natur etwas vorzuzeigen, glaubt dadurch die Forderungen -der jugendlichen Natur zu erfüllen und irrt sich.[18] - -Das Kind will seine Kräfte üben an sinnlichen Gegenständen; wie kann es -dies, wenn ihm keine vorgezeigt werden? Naturgeschichte soll gelehrt -werden, nicht um ihrer selbst willen, sondern um der Jugend auch -Gelegenheit zu schaffen, an der Natur verschiedene Kräfte zu üben. Dies -fällt ja alles bei den naturhistorischen Vorlesungen weg. Da verhält ja -das Kind sich bloß leidend und läßt den Lehrer für sich beobachten und -urteilen. - -Sollen die jugendlichen Kräfte an der Natur geübt werden, so müssen die -Erzeugnisse derselben ihnen nach und nach zur Betrachtung vorgestellt -werden, und zwar eins auf einmal, damit die Aufmerksamkeit sich besser -auf dasselbe heften könne, und zwar anfänglich -- ein Tier. Dies Tier -muß nun genau betrachtet werden nach seinen verschiedenen Teilen, ihrer -Form, ihrer Farbe, ihrer Absicht; es muß nun mit einem andern verglichen -und bemerkt werden, was es mit ihm gemein habe, und wodurch es von ihm -unterschieden sei, es muß den Augen bisweilen entzogen und von dem Kinde -beschrieben werden. Was durch die eigene Beobachtung nicht kann gefunden -werden, z. B. die Nahrung, die Lebensart, der Nutzen, den es dem Ganzen -schaffe, das setzt der Lehrer durch seine Erzählung hinzu. - -Ich stelle z. E. zur Betrachtung einen Kanarienvogel auf. Wie viel giebt -es da zu betrachten! - -Ich kann die Betrachtung nun auf zweierlei Art anstellen: erstlich indem -ich meinen Kleinen vorerzähle, was ich an dem Vogel bemerke; zweitens, -indem ich sie reize, denselben zu betrachten. Im ersten Falle übe ich -meine, im zweiten der Kinder Kräfte. Da nun nicht jenes, sondern dieses -bei der Erziehung der Kinder Zweck sein soll, so muß ich sie zur eigenen -Betrachtung zu reizen suchen, wenn ich nicht zweckwidrig handeln will. -Dies würde ungefähr auf folgende Art geschehen: - -Wie heißt dies Tierchen? - -Warum ein Vogel? - -Warum Kanarienvogel? - -Welches sind seine Gliedmaßen? - -Was hat er vorne am Kopfe? - -Aus wie vielen Teilen besteht der Schnabel? - -Was hat der Oberkiefer für eine Form? - -Was steht an beiden Seiten des Oberkiefers? - -Was haben die Nasenlöcher für eine Form? - -Was hat der Unterkiefer für eine Form? - -Welcher Kiefer ist beweglich? - -Welcher unbeweglich? - -Wozu braucht der Kanarienvogel seinen Schnabel? - -Haben alle Kanarienvögel Schnäbel? - -Ist also der Schnabel ein wesentlicher oder ein zufälliger Teil? - -Was steht an beiden Seiten des Kopfes? - -Wozu nützen die Augen? - -Was steht über den Augen? - -Wozu nützen die Augenlider? - -Warum schließt dieser Vogel bisweilen die Augenlider? - -Womit ist der Kopf bedeckt? - -Warum? - -Was haben die Federn für eine Farbe? - -Haben sie diese Farbe bei allen Kanarienvögeln? - -Ist diese Farbe also wesentlich oder zufällig? - -Worauf steht der Kopf? - -Was kann der Vogel mit dem Halse thun? - -Wie heißt der obere Teil des Halses? - -Und der untere? - -Wie heißen die beiden Gliedmaßen an den zwei Seiten des Körpers? - -Aus wie viel Teilen besteht der Flügel? - -Wie heißen die Federn, mit denen die Flügel bedeckt sind? - -Wie heißen die Federn an der Seite? - -Welche Federn sind länger? - -Aus wie viel Teilen besteht eine Schwungfeder? - -Wozu braucht der Vogel die Flügel? - -Wie heißen die Gliedmaßen unten am Körper? - -Aus wie viel Teilen bestehen sie? - -Warum bestehen sie denn aus mehreren Teilen? - -Wie heißt der obere Teil, der unmittelbar am Körper sitzt? - -Wie der mittlere? - -Wie der untere? - -Was steht an dem untern? - -Womit sind die Lenden und Schenkel bedeckt? - -Womit die Beine und Zehen? - -Wie viele Zehen stehen an jedem Beine? - -Wie viele an beiden? - -Wie viel Zehen haben zehn Kanarienvögel? - -Wie viele hundert? - -Sind alle Zehen gleich lang? - -Welches ist der längste? - -Welches der kürzeste? - -Wie viele Gelenke hat jeder Zehe? - -Warum haben die Zehen Gelenke? - -Was steht vorne an den Zehen? - -Wie heißt der Teil des Vogels, an welchem alle Gliedmaßen stehen? - -Wie heißt der obere Teil? - -Wie der untere? - -Wie heißt der Vorderteil des untern Teils? - -Was für eine Farbe hat der Rücken? - -Und die Brust? - -Und der Bauch? - -Wie heißen die Federn hinten am Rumpfe? - -Wie viel sind es Schwanzfedern? - -Wie heißen hier diese Federn über den Schwanzfedern? - -Und diejenigen, die unter den Schwanzfedern sind? - -Was ist das für eine fleischichte Erhöhung über den Schwanzfedern? - -Wozu nützt die Fettdrüse? - -Jetzt drehe dich um, Adolf, und beschreibe mir den Kanarienvogel! - -Was für ein Tier betrachteten wir gestern? - -Nenne mir jeder etwas, was der Kanarienvogel mit dem Frosche gemein hat! - -Nenne mir jeder etwas, wodurch der Kanarienvogel von dem Frosche -unterschieden ist! - -Dies ist nur ein Wink, wie der Unterricht über Gegenstände aus dem -Tierreiche kann angestellt und zur Übung jugendlicher Kräfte angewendet -werden. Wer ihn versteht, wird die Fragen leicht noch mehr vervielfältigen -können. - -Es kann z. E. den Kindern noch vieles abgefragt werden, was sie von dem -Vaterlande, der Nahrung, der Pflege, dem Nutzen und dem Handel wissen, der -mit Kanarienvögeln getrieben wird; was die Kinder nicht wissen, wird von -dem Lehrer hinzugesetzt. - -Kann es nun wohl eine bessere Übung der jugendlichen Kräfte geben, als -Betrachtung der Gegenstände aus dem Tierreiche? Sie hat für die Kleinen -so vielen Reiz und gewöhnt sie daher leicht, ihre Aufmerksamkeit auf eine -Sache eine Zeit lang zu heften; sie gewöhnt das Auge, die Dinge nicht -obenhin, sondern genau anzusehen, und ein so geübtes Auge bemerkt tausend -kleine Merkmale, die dem ungeübten Auge verborgen sind; die Sinnlichkeit -übt sich, von den empfundenen Sachen sich richtige Vorstellungen -zu machen; das Gedächtnis wird durch Auffassung der mannigfaltigen -Benennungen der verschiedenen Teile des Tieres, und die Einbildungskraft -durch Entwerfung eines richtigen Bildes von dem betrachteten Tiere, und -der Verstand durch Beurteilung der Absichten eines Tieres und durch -Aufsuchung der Ähnlichkeit und Unähnlichkeit, die zwischen verschiedenen -Tieren stattfindet, in Thätigkeit gesetzt. - -Dies ist wohl ganz gut, wird man einwenden; aber woher sollen wir Tiere -genug nehmen, um täglich eins zum Aufstellen zu haben? - -Daran wird es, wenn nur der gute Wille da ist, gewiß nicht fehlen. -Zwar kann ich nicht voraussetzen, daß jeder Erzieher mit einem -Naturalienkabinette versehen sei; aber das große Naturalienkabinett, -die Natur, steht ihm doch offen! Wenn er mit seinen Zöglingen in dieser -fleißig sucht, so wird er gewiß vieles finden; und wenn er mit einigen -Jägern, Hirten, Bauern u. dergl. in Verbindung tritt und sie zu bewegen -sucht, die Tiere, die sie in ihre Gewalt bekommen, ihm zur Ausstellung -in der Lehrstunde zu leihen, so wird er über den Stoff zu seiner -naturhistorischen Lehrstunde nicht dürfen verlegen sein. Es ist diese -Lehrstunde in hiesiger Anstalt gleich in den ersten Jahren ihres Daseins, -da wir noch kein Naturalienkabinett hatten, ~täglich~ gegeben und täglich -ein neues Tier aufgestellt worden. - -Also, fragt jemand höhnisch, sollen wir den Ochsen, das Pferd, den Esel in -das Lehrzimmer führen und den Kindern zur Betrachtung aufstellen? - -Diese Frage verdient keine Antwort, da jeder Vernünftige gleich darauf -verfallen wird, daß man die Kinder auch zu den Tieren führen kann, -welche ihnen zuzuführen unschicklich sein würde. Man kann sie nach allen -ihren Teilen und unterscheidenden Merkmalen betrachten, und dann in -das Lehrzimmer zurückkehren, um über den betrachteten Gegenstand eine -Unterredung anzustellen. - -Woher sollen wir aber, fragt man weiter, die ausländischen Tiere bekommen? - -Von Zeit zu Zeit werden ausländische Tiere zur Schau herumgeführt, die man -dann mit seinen Zöglingen betrachten kann. Dies sind freilich nur wenige; -es wird aber nichts schaden, wenn sie auch einen großen Teil derselben nie -zu sehen bekommen. Der Zweck des Unterrichts in der Naturgeschichte soll -ja bei Kindern nicht sein die Erlernung derselben, sondern -- Übung ihrer -Kräfte, wozu die naheliegende Natur hinlänglichen Stoff darbietet. - -Um sich gegen Mangel desselben ganz zu sichern, muß man mit dem -Unterrichte in der Tierkunde den Unterricht in der Pflanzenkunde -verbinden, und diesen vorzüglich im Sommer, jenen im Winter treiben. - -Diese Unterweisung kommt im wesentlichen mit dem Unterrichte in der -Tierkunde überein. Der Hauptzweck ist -- Kraftübung der Kinder. Das Mittel -dazu ist Aufstellung einer Pflanze zum ~eignen~ Betrachten derselben. - -Würde dieser Unterricht nun in Landschulen gegeben, deren Schüler sich -wahrscheinlich in ihrer Gegend ansiedeln werden, so könnte man ja -wohl mit den deutschen Benennungen der Pflanzen, die in dieser Gegend -gewöhnlich sind, auskommen; erteilt man denselben aber Kindern, welche -wahrscheinlich reisen und sich in verschiedenen Ländern niederlassen -werden, so ist es besser, sie sogleich zu gewöhnen, die Pflanzen mit dem -Linnéischen lateinischen Namen zu benennen. - -Dies ist für Kinder zu schwer, sagt ihr. Ich sage aber, es ist nicht zu -schwer. Sechs- bis achtjährige Kinder, Mädchen sowohl als Knaben, die ein -halbes Jahr in meiner Anstalt in der Pflanzenkunde Unterricht erhalten -haben, kennen beinahe alle Pflanzen, die in hiesiger Gegend wachsen, -wissen sie Linnéisch zu benennen und freuen sich nicht wenig darüber, daß -sie es können. - -Freilich ist das Behalten der lateinischen und griechischen Benennungen -anfänglich etwas schwer, aber eben deswegen ist es eine herrliche -Gedächtnisübung.[19] Ein Kind, das ein paar tausend solche Namen gemerkt -hat, wird leicht Wörter der Wissenschaften und fremden Sprachen auffassen, -zu deren Erlernung es bestimmt ist. - -Da die Linnéischen Benennungen von allen europäischen gebildeten Völkern -angenommen sind, so ist es denen, die sie gefaßt haben, hernach auch -möglich, sich in allen Weltgegenden über die Pflanzenkunde verständlich -auszudrücken und, wenn sie in der Folge dieselbe weiter fortsetzen -wollten, die Kunstsprache zu verstehen. - -Da die Zahl der Pflanzen sehr groß und öftere Wiederholung nötig ist, wenn -die Namen derselben sollen behalten werden, so ist es nötig, daß außer der -Pflanze, die man in der Lehrstunde zur Betrachtung aufstellt, noch mehrere -hingelegt und ihre Namen hergesagt werden. - -Man thut wohl, wenn man diesen Unterricht in zwei Kursus einteilt. Im -ersten wird der Bau der Pflanze, der sogleich in die Augen fällt, die -Wurzel und ihre Form, der Stengel, die Blätter nach ihrer Form, Farbe -und ihrem Stande, die Blattansätze, die Gabeln, die Blüten, ihre Form, -ihr Stand, Kelch, Blumenkrone, Same, Frucht betrachtet; im zweiten aber -wird dies alles wiederholt, und nun werden auch die Befruchtungswerkzeuge -untersucht und der Pflanze die Klasse und Ordnung angewiesen, in die sie -gehört. - -Man wird leicht begreifen, wie unsäglich mannigfaltig die Übungen sind, -die den Augen, dem Gefühle, dem Gedächtnisse, der Einbildungskraft und dem -Verstande der Kinder bei dieser Gelegenheit verschafft werden können. - -Um dies begreiflich zu machen, denke ich mir jetzt eine Klasse von Knaben, -welcher im ersten Kursus Unterricht erteilt, und welcher _Galeopsis -ladanum_ zur Betrachtung vorgestellt wird. - -Wie heißt diese Pflanze? - -_Galeopsis ladanum._ - -Was bemerkst du am Stengel? - -Er ist holzig. - -Ferner? - -Gestreift. - -Ferner? - -Ästig. - -Wie stehen die Äste? - -Einander gegenüber. - -Was steht an den Ästen? - -Blätter. - -Was für eine Farbe haben sie? - -Grün. - -Was für eine Form? - -Lanzettförmig. - -Was bemerkst du noch mehr an den Blättern? - -Sie sind gezähnt. - -Sonst nichts? - -Gestielt. - -Wie stehen sie? - -Einander gegenüber. - -Wie steht's mit den Blüten? - -Sie sind rachenförmig. - -Wie stehen sie? - -Wirtelförmig. - -Was bemerkst du an dem Kelche? - -Er ist fünfmal gezähnt. - -Bemerkst du nichts an den Zähnen? - -Sie haben Grannen. - -Jetzt drehe dich um und beschreibe mir _Galeopsis ladanum_. - -_Galeopsis ladanum_ hat einen holzigen, gesteiften, ästigen Stengel. Die -Äste stehen einander gegenüber. Die Blätter sind grün, lanzettförmig, -gezähnt, gestielt, stehen einander gegenüber, die Blüten sind rachenförmig -und stehen wirtelförmig; der Kelch ist fünfzähnig und die Zähne haben -Grannen. - -Gestern betrachteten wir _Atropa Belladonna_; worin sind beide Pflanzen -einander ähnlich? worin unähnlich? u. s. w. - -Nun werden die Namen aller Pflanzen, die auf dem Tische liegen, von -demjenigen Schüler, der von der Pflanzenkunde die meisten Kenntnisse -hat, laut und deutlich ausgesprochen und von der ganzen Versammlung -laut nachgesprochen. Ferner wird von dem Lehrer eine Pflanze nach der -andern genannt, und die Kinder müssen die genannten heraussuchen. Zur -Abwechselung kann man auch ~einem~ Kinde leise den Namen einer Pflanze -ins Ohr sagen, und die übrigen müssen erraten, welche es gewesen sei. -Dadurch werden sie gereizt, die Namen immer zu wiederholen, ohne daß diese -einförmige Beschäftigung sie ermüde.[20] - -Diese Übungen können noch sehr vervielfältigt werden. Z. E. man kann -bisweilen die Kinder auffordern, daß sie die vorgelegte Pflanzenreihe -genau ansehen, sich umkehren und dann eine Anzahl in der Ordnung hersagen, -wie sie daliegen. Eine herrliche Übung der Einbildungskraft und des -Gedächtnisses! Ich habe bisweilen achtjährige Kinder in meiner Anstalt -40 Pflanzen in der Ordnung, in welcher sie auf dem Tische lagen, mit -weggewandtem Gesichte hersagen hören. Oder man kann die ganze Klasse -die Hände auf den Rücken legen lassen, jedem Kinde ein Blatt von einer -Pflanze darein legen und sie durch das Gefühl erraten lassen, von welcher -Pflanze es sei u. s. w. - -Im zweiten Kursus können alle diese Übungen wiederholt und nun auch die -Befruchtungswerkzeuge, die Merkmale der Klasse und Ordnung, zu welcher die -Pflanze gehört, aufgesucht werden. Um die Kinder in der Klassifizierung zu -üben, kann man bisweilen den Namen einer Pflanze auf ein Papier schreiben, -das Papier umwenden und die Kinder reizen, die Pflanze, deren Namen man -aufgeschrieben hat, durch die Klassifizierung zu erraten. - -Diese Methode ist höchst einfach, hat für die jungen Leute vielen Reiz und -ist eine vortreffliche Verstandesübung. - -Z. E. Ich schreibe auf das Papier _Galeopsis ladanum_ und fordere Fritzen -auf, zu erraten, was für eine Pflanze ich aufgeschrieben habe. Er wird, -wenn er einigermaßen geübt ist, folgende Fragen thun: - -Gehört die Pflanze in eine von den ersten zwölf Klassen? - -Nein. - -In eine von den ersten sechs der zweiten zwölf Klassen? - -Ja. - -In die dreizehnte? - -Nein. - -In die vierzehnte? - -Ja. - -In die erste Ordnung? - -Ja. - -_Mentha?_ - -Nein. - -_Prunella?_ - -Nein. - -_Ajuga?_ - -Nein. - -_Thymus?_ - -Nein. - -_Galeopsis?_ - -Ja. - -_Tetrahit?_ - -Nein. - -_Ladanum?_ - -Getroffen. - -Welche Freude für Fritzen, daß er durch so wenige Fragen aus den vielen -hundert Pflanzen, die ihm bekannt sind, diese einzige, deren Namen ich mir -niedergeschrieben hatte, sogleich herausfinden konnte. - -Hierbei muß ich aber vor einer Verirrung warnen, deren mancher Erzieher -sich wahrscheinlich schuldig machen wird, -- man hüte sich, den -Kindern Vergrößerungsgläser in die Hände zu geben, um die Klassen- und -Ordnungsmerkmale der Pflanzen zu untersuchen. Die _Cryptogamia_ stelle -man also gar nicht zur Betrachtung auf und lasse auch diejenigen Pflanzen -nicht besonders untersuchen, deren Merkmale mit unbewaffneten Augen nicht -entdeckt werden können, sondern ~sage~ ihnen nur, in welche Klasse und -Ordnung sie gehören. Diese alle liegen im eigentlichen Verstande außerhalb -des Gesichtskreises der Kinder. Sie sollen die Pflanzen kennen lernen, um -daran ihre Kräfte, besonders aber ihr Empfindungsvermögen[21] zu üben; -durch den Gebrauch der Vergrößerungsgläser wird aber ein Teil derselben, -das Gesicht, abgestumpft. Sollte einer oder der andere in der Folge sich -der Pflanzenkunde ausschließend widmen, so ist es noch immer Zeit genug, -mit Vergrößerungsgläsern seine Untersuchungen fortzusetzen und so dem -allgemeinen Besten die Schärfe seines Gesichtes aufzuopfern. - -Mehrere Väter, wenn sie dies lesen, werden sagen: wozu dies alles? Mein -Sohn soll kein Naturforscher, kein Botaniker, er soll Soldat oder Kaufmann -oder Gelehrter werden. -- - -Wir sind vollkommen einerlei Meinung, liebe Freunde. Eure Kinder sollen -gar nicht in der Absicht zur Betrachtung der Natur angeleitet werden, -damit sie sich der Naturforschung überhaupt und der Pflanzenkunde -besonders widmen, sondern daß sie bei der Betrachtung der Natur ihre -Kräfte, ihr Empfindungsvermögen, Gedächtnis, Einbildungskraft und Verstand -üben sollen, die sie in jeder Lage, in die sie kommen werden, so nötig -haben. Ein junger Mensch, der seine Kräfte auf diese Art ausgebildet hat, -faßt mit denselben in der Folge leicht alles auf, was ihm gelehrt wird, er -geht mit offenen Augen durch die Natur, sieht alles, was darin merkwürdig -ist, weiß die feinsten Merkmale aufzufinden, wodurch sich die Sachen -voneinander unterscheiden, und sieht tausend Dinge, die den Augen anderer -verborgen bleiben. Ich führe jetzt Fritz und Kilian, davon der erste auf -vorbeschriebene Art geübt, der andere aber von der Übung zurückgehalten -und an Bücher gefesselt wurde, in die Natur. - -Was siehst du hier, Kilian? frage ich. ~Gras~, erhalte ich zur Antwort. - -Was siehst du, Fritz? frage ich weiter. - -_Dactylis glomerata, Cynosurus cristatus, Bromus mollis, Aira flexuosa, -Rhinantus crista galli etc._ - -Ich möchte, daß diese Übung so lange als möglich fortgesetzt würde, und -da dieselbe durch die Mannigfaltigkeit der aufgestellten Gegenstände -sehr befördert wird, so schlage ich vor, daß man, nachdem man mit der -Betrachtung der Erzeugnisse der Natur sich eine Zeitlang beschäftigt hat, -nun auch die Betrachtung der Erzeugnisse des menschlichen Verstandes, der -Werkzeuge, Gefäße, Kleidungsstücke und Hausgeräte damit verbinde, eins -derselben nach dem andern aufstelle und die Kinder gewöhne, an demselben -alle Teile, Formen und Absichten zu bemerken. - -Wenn man die Sache ernstlich angreift, so wird man sich wundern, wie viel -an den gewöhnlichsten Dingen zu bemerken und zu unterscheiden ist. - -Zum Beispiele füge ich den Entwurf zu einer Unterredung über die Handsäge -bei, so wie ihn mein Gehilfe ~Märker~ niedergeschrieben hat. - -Die Handsäge ist neu, groß, schwer, brauchbar (nützlich). - -Das Sägeblatt ist stählern, lang, breit, neu, glatt, dünn. - -Die Zähne des Sägeblattes sind scharf, geschränkt, dicht, kurz. - -Die Angeln des Sägeblattes sind lang, schmal, dünn. - -Das Gestell der Säge ist hölzern, neu, groß, zusammengesetzt. - -Die Arme des Gestells sind hölzern, gebogen, dick, lang, breit. - -Die Zapfenlöcher der Arme sind rund, groß. - -Die Handgriffe der Säge sind hölzern, kurz, rund, dick. - -Die Zapfen der Handgriffe sind kurz, walzenförmig, dick, eingeschnitten. - -Der Steg der Säge ist hölzern, lang, dick, gerade. - -Die Schnur der Säge ist hanfen, lang, stark, gespannt, zusammengedreht, -neu. - -Der Spanner der Säge ist hölzern, lang, keilförmig, schmal, dünn.[F] - -So wie nun die Betrachtung der Natur und Kunst als Erziehungsmittel -gebraucht werden soll, so muß man sich bemühen, allem übrigen Unterrichte -eine solche Form zu geben, daß dadurch dieser Zweck befördert, die Kräfte -geübt, die Kinder erzogen werden. - -Auf ähnliche Art, wie bei Betrachtung der Natur und Kunst, muß -auch bei dem übrigen ersten Unterrichte alles zur Anschauung, wo -nicht zur äußerlichen, doch zur innerlichen gebracht werden. Bei -dem Sprachunterrichte z. E. muß man anfänglich lauter solche Bücher -gebrauchen, bei deren Lesung nur Vorstellungen in der jungen Seele erregt -werden, die sie entweder selbst durch die Anschauung bekommen hat und -sie also leicht wieder hervorbringen kann, oder die doch mit denselben -in Verwandtschaft stehen. Benennungen von übersinnlichen Gegenständen -dürfen darin gar nicht vorkommen. Töne, mit denen das Kind nicht sogleich -eine Vorstellung verbinden kann, haben für dasselbe keinen Reiz, es hat -keine Neigung sie aufzufassen, und -- wenn es sie auffaßt, so nützen sie -ihm nichts, weil es dabei gar nichts oder etwas ganz Falsches denkt.[22] -Ebendeswegen darf mit Kindern anfänglich noch keine Grammatik getrieben -werden. - -Dies wird jetzt ziemlich allgemein angenommen, indem in mehreren, in -lebenden Sprachen aufgesetzten Lesebüchern für Kinder ein Bestreben -sichtbar ist, die Kinder über Dinge zu unterhalten, die innerhalb ihres -Gesichtskreises liegen. In der lateinischen Sprache sind solche Bücher -schon seltener, und von den wenigen, welche vorhanden sind, wird nicht -immer Gebrauch gemacht. Man schreitet bei dem Unterrichte in dieser -Sprache zu schnell zu dem Lesen römischer Schriftsteller, wo eine Menge -Wörter vorkommen, zu denen den Kindern die Vorstellung fehlt, und dies -ist gewiß eine Hauptursache, warum man bei vielen so wenig Lust zur -Erlernung dieser Sprache bemerkt. Ebendeswegen wird es immer gewöhnlicher, -diejenigen Knaben, die nicht zum Studieren bestimmt sind, von Erlernung -dieser Sprache loszuzählen. Ich kann dies nicht billigen. Mehrere -europäische Sprachen sind doch aus dieser entstanden, und werden leichter -gelernt, wenn man in jener einen guten Grund gelegt hat; überdies ist sie -nun einmal so allgemein, daß man nicht leicht ein Buch in neueren Sprachen -lesen kann, in welchem sich nicht hier und da Brocken davon befänden, -welche Lesern, die damit ganz unbekannt sind, immer Steine des Anstoßes -sein müssen. Dadurch wird es notwendig, daß den gebildeten Ständen diese -Sprache nicht ganz fremd sein darf. Hätte der Erzieher so viel Kenntnis -der lateinischen Sprache, daß er über die aufgestellten Gegenstände der -Natur und Kunst, über merkwürdige Vorfälle in der Familie, kurz über -Dinge, die den Kindern anschaulich wurden, im leichten, aber echten Latein -Aufsätze niederschreiben könnte, sie den Kindern vorlese, von ihnen laut -nachsprechen und in das Deutsche übersetzen ließe, so würde er davon -großen Nutzen verspüren. Es würde den Kindern Vergnügen machen, sie -würden eine Menge lateinische Wörter behalten, mit einigen Eigenheiten -der Sprache bekannt werden und bei dem künftigen Lesen der lateinischen -Schriftsteller weniger Schwierigkeiten finden.[23] - -Schriebe ich ein Buch über die Erziehung der Kinder, so müßte ich mich -noch über den ganzen Unterricht ausbreiten, den Kinder erhalten sollen: da -ich aber von der Erziehung der Erzieher handle, so ist dies Wenige genug, -ihnen einen sehr bedeutenden Wink zu geben, was junge Männer, die sich der -Erziehung widmen, eigentlich zu erlernen haben. - -Wenn ich, liebe Freunde, sehe, wie bei weitem die meisten von euch sich zu -ihrer Bestimmung vorbereiten, so kann ich nicht anders, als euch und die -armen Kleinen, die eurer Aufsicht werden anvertraut werden, bemitleiden. -Ihr lernt die alten Sprachen, etwas Geographie, Geschichte und Mathematik, -höchstens etwas Französisch und Musik, hört einen philosophischen und -theologischen Kursus und glaubt nun, euch zu Erziehern gebildet zu haben. - -Wenn man euch nun den Franz, Robert, Stephan, fünfjährige Knaben, zur -Erziehung übergiebt, was wollt ihr denn mit ihnen anfangen? Was von -aller eurer Gelehrsamkeit könnt ihr denn in diesem euern Wirkungskreise -benutzen? Fast gar nichts. Diese Kleinen hängen noch ganz an der -sichtbaren Welt, durch deren Betrachtung sich ihr edlerer Teil entwickeln -und für übersinnliche Vorstellungen Empfänglichkeit erwerben soll, und -ihr -- seid in der sichtbaren Welt Fremdlinge. Die Dinge, die euch täglich -umgeben, sind euch unbekannt, und ihr wißt von vielen nicht einmal den -Namen anzugeben. Da geht ihr dann mit euren Kleinen durch die Natur, wie -ein Landmann durch die Dresdner Bildergalerie. Ei sehen Sie, sagt Robert, -den Vogel, der hier auf dem Aste sitzt! Wie heißt er? -- Ich kenne ihn -nicht, ist die Antwort. Freudig kommt Franz gehüpft mit einer Blume in der -Hand und fragt: Kennen Sie diese Blume? Es erfolgt die nämliche Antwort. - -Nun geht es in die Lehrstunde. Blumen und alles, was die Kinder aus der -sichtbaren Welt aufgerafft haben, wird ihnen weggenommen, der Trieb -nach Anschauung, der bei ihnen so stark ist, wird erstickt; ihr gebt -ihnen statt Blumen Bücher in die Hände, und stellt ihnen statt Sachen -Zeichen der Sachen auf, zu deren Erlernung sie keine Lust besitzen.[24] -Da verbreitet sich denn über die Verbindung, in welcher ihr so glücklich -leben könntet, Mißvergnügen; die Kinder können einen Mann nicht lieb -gewinnen, der sie nicht auf eine ihnen angenehme Art zu unterhalten weiß, -und ihr betrachtet eure Kinder mit Mißfallen, bei denen ihr mit eurem -Unterrichte wenig oder gar nichts bewirket. - -Folgt also, Freunde, dem Rate eines alten Erziehers, und macht euch mehr -mit der sichtbaren Welt bekannt, nach der Anweisung, die ihr im folgenden -Abschnitte finden werdet. - -Jetzt denke ich mir nun einen Erzieher, der sich nach meinem Wunsche -bildet, in dem Kreise seiner Zöglinge, Einen Gegenstand nach dem andern, -aus dem Tier- und Pflanzenreiche und den Werkstätten der menschlichen -Kunst, stellt er ihnen vor, fesselt ihre Aufmerksamkeit daran, unterhält -sich mit ihnen darüber auf eine für beide Teile sehr angenehme Art, übt -das Empfindungsvermögen und mehrere Seelenkräfte der Kleinen und spürt -davon schon in den ersten Tagen die wohlthätigsten Wirkungen. Mit dieser -Beschäftigung füllt er täglich ein paar Stunden aus. - -Da aber jeder Tag mehr als zwei Stunden hat, so fragt es sich, was soll -in den übrigen Stunden mit den Kindern vorgenommen werden? Das ist die -schwere Frage, die sich nur wenige Erzieher lösen können. Unterhalten -Sie mich doch, lieber Herr Richard! sagte einmal ein kleiner Junker, der -von Langeweile geplagt wurde, zu seinem Hofmeister. War dieser Wunsch -unbillig? Muß man den kleinen Mann nicht lieb gewinnen, der einen Ekel -gegen die Langeweile bezeigt? - -Aber in welche Verlegenheit muß der Erzieher bei diesem so billigen und -gerechten Wunsche der Kinder geraten? Kinder fünf bis sechs Stunden des -Tages zu unterhalten, ist fürwahr kein leichtes und angenehmes Geschäft. -Denn womit soll man die Kinder unterhalten? Mit Erzählen? Dies ist eine -so angenehme als nützliche Unterhaltung, wenn man etwa eine Viertelstunde -täglich darauf verwendet. Aber immer erzählen, ermüdet die Kinder, sowie -den Erzieher. Bilder erklären? Hiermit hat es die nämliche Bewandtnis. -Bücher zu lesen geben? Kinder von so zartem Alter können noch nicht -lesen. Es gehört dazu nicht nur das deutliche Aussprechen der Zeichen, -sondern auch das richtige Vorstellen der dadurch bezeichneten Sachen. Sie -spielen lassen? Auch dies bekommen sie bald überdrüssig. Ja, wenn man -sie mit Nüssen und Mandeln versieht und ihnen Karten und Würfel in die -Hände giebt, so werden sie sich damit mehrere Stunden auf eine ihnen sehr -angenehme Art zu unterhalten wissen; wer sieht aber nicht, daß ihnen dies -eben so nachteilig sei als Mohnsaft, dessen die Kinderwärterinnen sich oft -bedienen, um die Kinder zur Ruhe zu bringen. - -Merket auf! Außer dem Vermögen zu empfinden, sich vorzustellen und zu -urteilen, regen sich in den Kindern noch verschiedene Kräfte, die nach -Übung streben. Daher die beständige Unruhe der Kinder, die den Erziehern -so lästig ist; daher die beständigen Ermahnungen: stille, Kinder! seid -ruhig! die die Kinder verstimmen und die Gegenwart der Erzieher ihnen -höchst lästig machen. - -Schafft doch den nach Übung strebenden Kräften der Kinder hinlängliche -Übung, und ihr werdet gewiß finden, daß sie sich auf eine angenehme und -nützliche Art zu unterhalten wissen, euch nicht mehr lästig sein, sondern -vielmehr die angenehmste Aufheiterung verschaffen werden. - -Wie sollen wir, fragt ihr, dies anfangen? Dies ist nun eure eigene Sache. -Wenn ihr auf die Wünsche eurer Zöglinge, auf ihre tägliche Lage merkt, so -werdet ihr Gelegenheit genug finden, sie zu beschäftigen. - -Hier sind indes ~einige~ Winke. - -In den Lehrstunden verlangt ihr, daß sie stets ruhig sein und stille -sitzen sollen. Gegen diese Forderung strebt ihre ganze Natur, die durchaus -regsam, zur Thätigkeit geneigt und abgeneigt ist, sich bloß leidend zu -verhalten. Ihr werdet die Kinder verdrossen machen und Widerwillen gegen -euch erregen, wenn ihr auf eurer Forderung zu streng besteht. Sucht sie -in beständiger Thätigkeit zu erhalten, so werdet ihr beide miteinander -zufrieden sein. - -Haltet ihnen also keine Vorlesungen, verlangt nicht von ihnen, daß sie -euch bloß zuhören sollen, sondern laßt euern Vortrag eine beständige -Unterredung sein, an welcher bald dieser, bald jener teilnehmen muß, -laßt nach Pestalozzischer Lehrart die ganze Versammlung von Zeit zu Zeit -nachsagen, was ihr vorgesagt worden.[G] - -Wird ein Unterricht erteilt, an welchem die Kinder nicht mit den Augen, -sondern nur mit den Ohren und Sprachwerkzeugen teilnehmen, so wird das -Zeichnen der Linien, Winkel und Quadrate nach Pestalozzischer Art, während -des Unterrichts, ihre Hände von allen Spielereien abziehen, und ihnen eine -unterhaltende und nützliche Beschäftigung gewähren. - -Aber außer den Lehrstunden, was sollen wir, fragt ihr, dann mit unsern -Zöglingen anfangen? - -Höret nur auf ihre Wünsche, so werden sie euch schon selbst dazu Anleitung -geben. Einmal wollen sie ein Schiffchen haben, das auf dem Bache -schwimmen soll, ein andermal Knallbüchsen, Handspritzen, Bogen und Pfeile, -Drachen u. dgl. Von solchen Kindereien suchen nun überweise Erzieher sie -abzubringen und verleiden so ihnen und sich selbst das Leben; der wahre -Erzieher freuet sich aber allemal, so oft er solch einen Wunsch bei seinen -Kindern bemerkt, und ist bereit, ihnen Rat und Anweisung zu geben, wie -sie sich die gewünschten Sachen ~selbst verfertigen~ können. ~Selbst -verfertigen~, sage ich. - -Das ~Selbstverfertigen~, anfänglich von allerlei Spielwerk und in -der Folge von wirklich nützlichen Werkzeugen und Geräten, ist ein so -nützliches und angenehmes Geschäft, daß ich es zu einer ~unerläßlichen~ -Forderung an alle Anstalten, wo die Kinder zweckmäßig erzogen werden -sollen, mache, daß ihnen Anleitung und Gelegenheit zum Selbstverfertigen -gegeben werde. - -Dazu gehört denn freilich eine Werkstatt, mancherlei Werkzeuge und -Materialien und Anweisung, davon Gebrauch zu machen. Hat es der Erzieher -dahin gebracht, daß seine Zöglinge nach geendigten Lehrstunden mit ihren -Händen sich beschäftigen und ihre kleinen Wünsche ausführen können, so -hat er gewonnen Spiel. Das schwere Geschäft, sie zu unterhalten, ist -ihm abgenommen, sie unterhalten sich selbst -- er ist bloß Zuschauer -und Ratgeber. Der Gewinn, der für die Kinder daraus entspringt, ist -unbeschreiblich groß. - -Erstlich wird ihr Thätigkeitstrieb befriedigt und allen den -Ausschweifungen, die aus dem gehemmten Thätigkeitstriebe zu entspringen -pflegen, ist vorgebeugt. Zehn Kinder an der Werkstatt sind leichter zu -lenken, als drei, die nicht wissen, was sie thun sollen. Zweitens befinden -sich die Kinder dabei so wohl; denn ist denn das nicht das reinste -innigste Vergnügen, wenn man gewissen vorgesetzten Zwecken sich immer mehr -nähern kann und sie endlich ganz erreicht? Jetzt ist das Schiff fertig, an -dem die Kleinen seit einiger Zeit arbeiteten -- jetzt wird es vom Stapel -gelassen -- wird auf den Bach gebracht, auf dem es nun segeln soll. Mit -welchem Frohlocken geschieht es! So etwas müßt ihr selbst gesehen haben, -liebe Freunde, um euch zu überzeugen, wie ungemein wichtig es sei, Kindern -Gelegenheit zu geben, selbst etwas zu verfertigen. - -Drittens werden dabei so viele Kräfte geübt. Der Geist, der bei der -sonst üblichen Lehrart immer dressiert wird, nach fremden Vorschriften -zu handeln, lebt dabei auf, faßt eigene Ideen und erfindet Mittel, sie -auszuführen. Das Auge übt sich, die Größen zu messen, um jedem Teile des -auszuführenden Werkes das nötige Verhältnis zum Ganzen zu geben; und -die Muskeln der Hände werden auf so mannigfaltige Art geübt, daß sie -hernach bei den mannigfaltigen Vorfällen des menschlichen Lebens, in den -Verlegenheiten, in die man oft gerät, sich selbst zu helfen imstande -sind, ohne daß sie immer nötig haben, zu fremder Hilfe ihre Zuflucht zu -nehmen. Ein Mann, der seinen Händen nicht mancherlei Geschicklichkeiten in -der Jugend erworben hat, ist nur ein halber Mann, weil er beständig von -anderen Leuten abhängig ist. - -Wahrscheinlich befinden sich neun Zehnteile der Leser ~mit mir~ in diesem -Falle. Diese frage ich auf ihr Gewissen, ob sie nicht viel drum gäben, -wenn sie in ihrer Jugend Anweisung bekommen hätten, mit ihren Händen etwas -zu verfertigen? - -Die Einwendungen, die dagegen werden gemacht werden, sind mannigfaltig, -und ich habe nicht Lust, mich mit Aufzählung und Widerlegung derselben -aufzuhalten. Die meisten derselben werden doch daher rühren, weil die -wenigsten Herren Erzieher Handarbeit gelernt haben und deswegen diese -Erziehungsart verschreien und lächerlich zu machen suchen. Was würde ich -denn bei ihnen ausrichten, wenn ich mit ihnen darüber streiten wollte? - -Mit vieler Beredsamkeit suchte einst ein Prediger einige seiner Zuhörer -von einer gewissen übeln Gewohnheit abzubringen. Herr Pfarrer! sagten sie, -als er ausgesprochen hatte, recht mag er wohl haben, aber wir thun es -doch nicht. So möchte es mir auch wohl gehen. - -Ein paar Einwendungen kann ich aber doch nicht mit Stillschweigen -übergehen, da sie vielen Schein haben. Sie sind diese: Wenn man die Kinder -mit Handarbeiten beschäftigt, so geht zu viele Zeit verloren, und sie -verlieren die Lust zum Erlernen der Sprachen und Wissenschaften. - -Dies möchte freilich wohl vielmal der Fall sein, wenn man den Kindern -die freie Wahl ließe, ob sie einen schriftlichen Aufsatz verfertigen -oder mit Handarbeit sich beschäftigen wollten. So meine ich es aber -nicht. Nur die Freistunden sollen dazu angewendet werden. Je jünger der -Zögling ist, desto mehr bedarf er Freistunden oder Stunden, in denen er -von Geistesarbeiten frei ist; je mehr sich hingegen des Geistes Kräfte -entwickeln, desto mannigfaltigere und anhaltendere Beschäftigungen kann -man ihm geben, desto mehr mindert sich auch die Zahl der Freistunden. - -Die zweite Einwendung, die man machen könnte, ist diese: Zu Handarbeiten -ist doch der Gebrauch von allerlei scharfen und spitzigen Instrumenten -nötig -- wie leicht kann sich ein Kind damit gefährlich verwunden! - -Möglich ist dies freilich. Allein der öftere Gebrauch der scharfen -Werkzeuge lehrt auch zugleich die dabei nötige Vorsicht. Und die -Erfahrung -- diese ist doch sicher auf meiner Seite. Hört man nicht immer -von Kindern, die sich gefährlich verwundeten, und die nie zur Handarbeit -Anleitung bekamen? Und bei meinen Zöglingen, die so mancherlei spitzige -und scharfe Werkzeuge in Händen haben, ist noch ~nie~ eine ~gefährliche~ -Verwundung vorgefallen. - -Wenn es also schlechterdings nötig ist, den Kindern Anleitung zu geben, -selbst mit ihren Händen etwas zu verfertigen, so begreift ihr von selbst, -die ihr euch der Erziehung widmet, daß ihr verbunden seid, ~Handarbeit zu -erlernen~. Es giebt da keinen Ausweg. Entweder ihr müßt euch entschließen, -eure Zöglinge den ganzen Tag zu unterhalten und den Thätigkeitstrieb, der -sich in ihren Händen regt, zu lähmen, oder -- ihr müßt euch in allerlei -Handarbeiten selbst suchen Geschicklichkeit zu erwerben.[27] - -Können wir, sagt ihr vielleicht, nicht Handwerksleute annehmen, die in -unserer Gegenwart den Zöglingen die nötige Anweisung geben? Versucht es, -und ihr werdet dann alle die Unannehmlichkeiten selbst finden, die aus -solchen Verbindungen zu entspringen pflegen.[H] - -Ich komme auf den wichtigsten Teil der Erziehung, auf die Gewöhnung zur -Sittlichkeit, oder nach gewissen richtigen Regeln zu handeln. Wo diese -fehlt, hat die übrige Erziehung wenigen oder gar keinen Wert. Ich denke -mir jetzt einen Jüngling, der unter den Händen seines Erziehers gesund -und stark wurde, sich mancherlei Geschicklichkeiten erwarb, alle seine -Geisteskräfte durch Übung entwickelte, der nun aber alle diese Vorzüge -anwendet, seinen Lüsten Befriedigung zu verschaffen -- was ist denn -durch die Erziehung gewonnen worden? Für ihn nichts, ihm fehlt ja die -eigentliche Menschenwürde, die in der Freiheit oder in der Kraft besteht, -seine Lüste zu beherrschen und nach richtigen Grundsätzen zu handeln; und -glückselig wird er nie, da es für den Menschen keine andere Glückseligkeit -giebt, als die aus dem Bewußtsein entspringt, seine Pflicht erfüllt oder -nach richtigen Grundsätzen gehandelt zu haben. Und für die menschliche -Gesellschaft thut er auch wenig. Er wird für sie nichts thun, wenn dadurch -seinen Lüsten nicht Befriedigung verschafft wird, und wird dadurch Unheil -stiften, wenn er damit zu seinem Zwecke kommen kann. Je mehr seine Kräfte -ausgebildet sind, desto überlegener ist er andern, desto weniger können -sie ihm widerstehen, desto gefährlicher ist er für die Gesellschaft. - -Was soll ich dies weitläufiger ausführen? Diese Wahrheit ist bereits fast -allgemein anerkannt, und man findet sie fast in allen Büchern, die über -die Erziehung geschrieben sind. Wie steht es aber mit der Befolgung? -Zeigen sich nicht allenthalben moralische Ungeheuer, auf deren Unterricht -und Kraftentwickelung doch viel Fleiß gewendet wurde? Man sucht die -Ursache davon teils in dem Verderben der menschlichen Natur, teils in der -Mangelhaftigkeit der sittlichen Grundsätze, die ihnen mitgeteilt wurden; -ich hingegen glaube ihn mehr in einer fehlerhaften Behandlung des jungen -Menschen gefunden zu haben. - -Ich will darüber mit niemandem rechten; man erlaube mir aber meine eigene, -auf Erfahrung gegründete Meinung vorzutragen. - -Der neugeborne Mensch kann noch nicht gehen, und das Prinzip seiner -Handlungen sind seine Empfindungen. Was ihm angenehme Empfindungen -verursacht, begehrt, was unangenehme Empfindungen bewirkt, das flieht er. -Da ist keine Rücksicht auf Religion oder Moral sichtbar. Will man dies -moralisches Verderben nennen, nun so thue man es; man erlaube mir aber -dann auch, daß ich das Unvermögen zu gehen, das man an dem jungen Menschen -bemerkt, das physische Verderben der menschlichen Natur nenne. - -Seitdem man die Laufzäume und Gängelwagen abgeschafft hat, verliert sich -das physische Verderben der Natur nach und nach, und die Kinder lernen -erst gehen, dann sogar laufen und springen. Schafft die moralischen -Gängelwagen und Laufzäume ab, und der moralische Mensch wird sich ebenso -gut von selbst entwickeln und erst gut, dann edel zu handeln anfangen. - -Und was sind denn die moralischen Gängelbänder? Die Gebote und Verbote und -die künstlichen Mittel, wodurch man die Kinder an Befolgung derselben zu -gewöhnen sucht.[28] - -Der Mensch hat gegen alle Gebote und Verbote, insofern sie es sind, eine -natürliche Abneigung. Er will immer gern seinen eigenen Willen thun; -zweifelst du daran, mein Leser, so bemerke nur selbst, was in dir vorgeht, -wenn deine Freiheit durch Gebote und Verbote eingeschränkt wird. So wie -bei den Kindern die Menschwerdung eintritt, wie die Geisteskräfte sich -entwickeln, zeigt sich auch die Abneigung gegen Gebote und Verbote. Wenn -man nun durch Gebote und Verbote und durch die damit verknüpften Strafen -und Belohnungen sie zu gängeln sucht, so entsteht Unwille und Abneigung -gegen den Befehlshaber, es regt sich ein Bestreben, seinen Gesetzen -auszuweichen, und wenn die Verbindung mit dem Gesetzgeber aufhört, dann -zeigt sich Zügellosigkeit, weil nichts mehr da ist, das verhinderte, die -Wünsche, die sie seither bei sich hegten und unterdrücken mußten, zu -befriedigen. - -~Man lasse daher das Kind immer seinen eigenen Willen thun, so wird es gut -werden.~ - -Ihr entsetzt euch über diese Behauptung? Ihr fragt, wozu es der Erzieher -bedürfe, wenn das Kind immer seinen eigenen Willen thun sollte? - -Liebe Freunde! Leset das, was nun folgt, mit einiger Aufmerksamkeit, und -ich will mich bemühen, so deutlich zu sprechen, als es mir möglich ist, so -werden wir hoffentlich am Ende einander die Hände geben und miteinander -eins sein. - -Meine Meinung ist diese: Der Erzieher soll den Zögling dahin zu bringen -suchen, daß er selbst das Gute wolle und es thue, nicht deswegen, weil es -ihm von anderen geboten und das Gegenteil verboten wird, weil er von der -Befolgung des Gebots Belohnung, von der Übertretung Strafe zu erwarten -hat, sondern weil er es selbst will. - -Sind wir nun miteinander eins? Ich hoffe es. - -Die Frage ist nur, wie man das Kind dahin bringe, daß es das Gute wolle; -dies ist schwer und nicht schwer, je nachdem man es angreift. - -Nach meinen Erfahrungen gehört dazu zweierlei: - -1. Daß man dem Kinde stets die Wahrheit sage oder ihm von seinen Pflichten -die richtige Ansicht gehe. - -2. Daß man es dahin bringe, daß es die Wahrheit einsehe. - -Hat man es ~dahin~ gebracht, so will es das Gute und bedarf nur einer -kleinen Erinnerung von Zeit zu Zeit, um es von seinen Verirrungen, die -freilich nicht fehlen werden, zurückzubringen. - -Man sei also stets wahr in seinen Ermahnungen! Die Kinder haben für die -Wahrheit einen ungemein feinen Sinn, der ihnen aber auch jede Unwahrheit -bemerkbar macht. Wer also durch Unwahrheit seine Zöglinge zum Guten zu -lenken sucht, wird sein Ziel gewiß verfehlen. - -Schreie nicht, mein Kind! sagte einst eine Mutter, als sie ihr weinendes -Kind durch das Feld führte, es sind Mäuse hier im Acker, die kommen -hervor, wenn sie dich schreien hören, und beißen dich. - -Wer sieht nicht das Unvernünftige und Unwahre dieser Vorstellung? Das Kind -schwieg ein paar Augenblicke. Da ihm aber dann wieder ein paar Schreie -entfuhren, und keine Maus sich zeigte, so schrie es weit stärker als zuvor. - -Handeln denn die Erzieher aber vernünftiger, die ihren Zöglingen von der -Erfüllung der Pflichten Folgen versprechen, die höchst zufällig sind, -und wegen Verletzung derselben ihnen Strafen drohen, die so selten sich -einfinden, als ein weinendes Kind von einer Maus gebissen wird? - -Fallen nicht ferner diejenigen Erzieher in eben diesen Fehler, die ihren -Zöglingen manches zur Pflicht machen, wozu sie doch nicht verbunden sind? -Müssen sie denn nicht lauter falsche Gründe anführen, um ihre Forderungen -zu beschönigen? - -Willst du z. E. deinen lügenhaften Zögling dahin bringen, daß er die -Wahrheit rede, so kannst du sagen, auf eine Lüge gehört eine Maulschelle, -und es ihm auch sogleich fühlbar machen. Was wirst du damit ausrichten? -Er wird gegen dich erbittert werden, aber die Neigung zur Unwahrheit wird -bleiben. - -Oder du kannst sagen, wer lügt, der stiehlt, und wenn du so zu lügen -fortfährst, so wirst du ein Dieb und kommst an den Galgen. Ist denn dies -wahr? - -Oder du kannst etwas nachdrücklich sagen: »Kind! Wenn du lügst, so glaubt -man dir nicht mehr. Dies wäre für dich ein großes Unglück.« - -Dies ist wahr, und daß es wahr sei, begreift das Kind leicht.[29] - -Aber wenn man ihm die Verbindlichkeit, sich aller Bewegungen im Freien zu -enthalten und acht Stunden täglich stille zu sitzen, begreiflich machen -will, wie soll man dies anfangen, ohne die Unwahrheit zu reden? Und wie -kann man einem Kinde zumuten, zu glauben, was nicht wahr ist, und danach -zu handeln? - -Wenn man Kindern die Wahrheit begreiflich machen will, nach welcher sie -handeln sollen, so vergesse man ja nicht, wen man vor sich habe -- nicht -Menschen, sondern Geschöpfe, die imstande der Menschwerdung sich befinden, -bei denen die Vernunft noch klein ist. Alle langen zusammenhängenden -Ermahnungen, alle abstrakten Grundsätze, die nur mit der Vernunft können -gefaßt werden, sind unwirksam. Die Kinder verstehen nichts davon. - -Sie haben aber eine Nachahmungsbegierde, die sie geneigt macht, alles, -was ihnen an andern gefällt, nachzuthun. Diese muß in Anspruch genommen -werden. Man muß ihnen in wahren oder erdichteten Erzählungen von der -Handlungsart, zu welcher man sie bringen will, Muster vorstellen und sie -so lebhaft schildern, daß sie glauben dieselben vor sich stehen zu sehen, -und so gefällig, daß in ihnen der Entschluß entsteht, ebenso zu handeln. -Dabei muß man sich hüten, die Anwendung geradezu auf sie zu machen und -sie zu ermahnen, ebenso zu handeln. Denn die Kinder sollen ihren ~eignen~ -Willen ~thun~. Wenn man sie nun die Anwendung auf sich selbst machen läßt, -und sie fassen dann selbst den Entschluß, so zu handeln, so thun sie ihren -eignen Willen. - -Ich habe von der Wirksamkeit dieser Art des Unterrichts sehr viele -Erfahrungen gemacht. Oft, nicht immer, aber oft, wenn ich eben recht -aufgelegt war, in meiner ~Erklärung meines ersten Unterrichts in der -Sittenlehre~[30] meinen Zöglingen ein gewisses Muster recht darzustellen, -umschlossen sie mich am Ende der Lehrstunde und baten: O Vater! Laß uns -doch auch so handeln! - -Die Kinder haben ferner Verstand, der auffaßt, was ihm anschaulich -dargestellt wird. Dieser muß ebenfalls in Anspruch genommen werden. -Man muß ihnen die Verbindlichkeit, so und nicht anders zu handeln, so -anschaulich als möglich zu machen suchen. Sobald sie dieselbe gefaßt -haben, ist auch gewiß der Entschluß da, darnach zu handeln. - -Dazu gehört eine eigene Gewandtheit, die nur durch Übung erlangt werden -kann. Zu allen Zeiten ist man nicht aufgelegt dazu, und da thut man -besser, wenn man seinen Vortrag so lange verschiebt, bis man sich dazu -aufgelegt fühlt. Dann kann man aber auch Wunder thun. - -Von den vielen Erfahrungen, die ich in dieser Rücksicht gemacht habe, will -ich nur eine anführen, die ich neuerlich zu machen Gelegenheit hatte. Vor -einiger Zeit riß bei meinen Pflegesöhnen die üble Gewohnheit ein, daß sie -immer die Schlüssel zu ihren Schränken und Kisten verloren. Da sie einen -gefälligen Schlosser zur Seite hatten, der ihnen sogleich drei Schlüssel -auf einmal verfertigte, so legten sie auf dieselben gar keinen Wert -mehr. Ich konnte ihnen deswegen scharfe Verweise geben, konnte auf das -Schlüsselverlieren eine große Strafe setzen und noch mancherlei thun, das -nichts würde gewirkt haben. Aber eben deswegen, weil ich vorhersah, daß -dies alles nichts helfen würde, that ich lieber gar nichts und ließ sie -eine Zeitlang Schlüssel verlieren, so viel sie wollten. Endlich fiel mir -ein, wie ich ihnen die Verbindlichkeit, ihre Schlüssel in acht zu nehmen, -anschaulich machen könnte. - -Als sie daher einmal in Reihe und Glied vor mir standen, hielt ich einen -Schlüssel in die Höhe und sagte: Jetzt gebt Achtung! Jetzt, liebe Freunde, -will ich eine Vorlesung halten über -- den Schlüssel. Die Materie, aus -welcher der Schlüssel besteht, ist gewöhnlich Eisen. In Ansehung seiner -Form bemerken wir diesen Teil, der heißt Kamm, und diesen, der ist das -Rohr, und diesen, das ist der Griff. - -Dies habt ihr freilich alles lange schon gewußt, jetzt will ich euch aber -noch etwas sagen, was wenigstens zwei Dritteilen von euch unbekannt war, -nämlich ~was eigentlich ein Schlüssel~ ist. Hättet ihr dies gewußt, so -würdet ihr gewiß auf eure Schlüssel einen größern Wert gelegt haben. - -Achtung! (die folgenden Worte wurden langsam und mit großem Nachdrucke -ausgesprochen). ~Ein Schlüssel ist das Mittel, das Behältnis, zu dem -er gehört, zu öffnen.~ Wenn ich also den Schlüssel zu meinem Schranke -verliere, so bekommt der Finder das Mittel in die Hände, meinen Schrank -zu öffnen. Verliere ich viele Schlüssel, so erhalten die Domestiken, die -Handwerksleute, die Tagelöhner, die Bettler, die in unsere Häuser kommen, -nach und nach Mittel, den Schrank zu öffnen. In diesem Falle thäte ich -besser, wenn ich ihn gar nicht mehr verschlösse, da ersparte ich mir -doch die Mühe des Auf- und Zuschließens. Das Zuschließen wäre ja doch -vergeblich. Daß es möglich sei, seinen Schlüssel nicht zu verlieren, dies -beweist der Schlüssel, den ich hier in der Hand habe, den ich im Jahre -1766 verfertigen ließ, der also nun beinahe 40 Jahre alt ist. - -Mit diesen Worten trat ich ab und überließ die Versammlung ihrem eigenen -Nachdenken. - -Der Erfolg davon war, daß das Schlüsselverlieren ~sogleich~ aufhörte, und -daß nunmehr seit zwei Monaten von meinen Pflegesöhnen kein einziger nötig -gehabt hat, sich einen neuen Schlüssel verfertigen zu lassen. - -Und worin liegt denn die Zauberkraft, die dies bewirkte? - -1. Darin, daß ich durch den sonderbaren Eingang zu meiner Rede aller -Erwartung spannte und sie zur Aufmerksamkeit brachte. Was hätten die -triftigsten Vorstellungen vermocht, wenn man nicht darauf aufmerksam -gewesen wäre? - -2. Daß ich den Wert der Schlüssel und die Verbindlichkeit, sie zu -bewahren, recht anschaulich machte. - -3. Daß ich sie dadurch dahin brachte, daß sie die Verbindlichkeit, ihre -Schlüssel zu bewahren, begriffen und ~sich selbst~ entschlossen, dies zu -thun. - -Ich hielt diesen Vortrag öffentlich, weil er einen Fehler betraf, der fast -allgemein war. - -Man hüte sich ein Gleiches zu thun, wenn man ein einzelnes Kind zur -Erfüllung einer Pflicht oder Ablegung eines Fehlers bringen will. Man -wird dabei seinen Zweck gewiß verfehlen, denn die Wirkung öffentlicher -Ermahnungen, die eine gewisse Person betreffen, ist allemal Beschämung, -wodurch eine Art von Betäubung hervorgebracht wird, die den Ermahnten -unfähig macht, aufzumerken; sehr oft wird dadurch auch Erbitterung gegen -den Ermahner bewirkt, die den Vorsatz erzeugt, die Ermahnung nicht zu -befolgen. - -Die Kinder haben ferner Sinnlichkeit, die man auch benutzen muß. Dies -geschieht, wenn man durch Ton und Mienen das ausdrückt, was man sagen -will. Da ich hiervon schon oben gesprochen habe, so ist es überflüssig, -darüber weitläufiger zu reden. Ich bemerke nur dies noch, daß es ungemein -wichtig sei, durch Ton und Miene auf Kinder zu wirken, die Vernunftgründe -noch nicht fassen können. Wer dies versteht, der richtet durch einen -Blick, ein Wort, die Beifall oder Mißfallen ausdrücken, mehr aus, als ein -anderer durch eine lange Gottesverehrung. - -Die Einwendungen, die gegen diese Erziehungsart werden gemacht werden, -sehe ich voraus und übergehe sie mit Stillschweigen, weil sie jeder -Denkende leicht selbst widerlegen kann. - -Nur eine kann ich nicht unerörtert lassen. - -»Der Mensch, wird man sagen, muß gehorchen lernen, wenn er in die -menschliche Gesellschaft passen soll. Was soll aus der Gesellschaft -werden, wenn man ihr Glieder zuzieht, die gewöhnt sind, keinen andern als -ihren eigenen Willen zu thun? Die Revolutionen, die Staatsumwälzungen, die -Königsmorde, die in unsern Tagen vorgefallen sind, die sind die Früchte -der liberalen Erziehung, die man jetzt den jungen Leuten giebt.« - -Liebe Freunde! Ereifert euch nicht zu sehr! Denkt nur an die Frauenzimmer -in N., von denen ich oben gesprochen habe, die an Nervenkrankheiten -sterben, seitdem die Schnepfenthäler Zöglinge sich im kalten Wasser -baden![31] Die Staatsumwälzungen und Königsmorde hängen mit der liberalen -Erziehung ebenso zusammen, wie die Nervenkrankheiten der Frauenzimmer -in N. mit dem kalten Baden der Schnepfenthäler Zöglinge. Wie? Sind denn -etwa die berüchtigten Staatsumwälzer nach der hier empfohlenen Methode -erzogen worden? Oder haben sich diejenigen, die so erzogen wurden, durch -Insubordination ausgezeichnet? Und wenn es von Hunderten einer that, was -beweist dieses? Man suche doch junge Leute zu überzeugen (und wie leicht -ist dies), daß es Pflicht sei, die Vorschriften derer zu befolgen, die -ihnen vorgesetzt sind, und sie dahin zu bringen, daß sie es sich selbst -zum Gesetz machen, dies zu thun, so ist es ja gut. Sie werden dann immer -geneigt sein, die Vorschriften ihrer Vorgesetzten zu befolgen, ohne daß es -nötig ist, ihnen in jedem einzelnen Falle die Gründe davon anzugeben. - -Freilich setze ich voraus, daß ein ~vernünftiger~ Erzieher seinen Zögling -nicht willkürlich behandle, daß er ihm keine Vorschriften gebe, die nicht -auf wahren Gründen beruhen; freilich muß ich zugeben, daß der Zögling -künftig wahrscheinlich in Lagen kommen werde, wo er willkürlich und -unvernünftig behandelt wird. Was ist denn aber dabei zu thun? Sollen wir -das Kind vielleicht unvernünftig behandeln, damit es an die unvernünftige -Behandlung, die seiner in der Zukunft wartet, gewöhnet werde? Dies wäre -doch wirklich eine sonderbare Forderung. - -Man bereite es darauf vor, man zeige ihm in Beispielen, welch' -willkürliche Behandlung sich oft der Mensch gefallen lassen müsse, und -mache ihm die Verbindlichkeit begreiflich, sich derselben zu unterwerfen, -so lange man von dem willkürlichen Behandler abhängig ist, und er nicht -eine Handlungsart von uns verlangt, die wir für unrecht halten. - -Wollt ihr, meine jungen Freunde, euch also der Erziehung widmen, so -müßt ihr notwendig lernen, den Kindern die praktischen Wahrheiten so -anschaulich zu machen, daß sie dieselben auffassen, annehmen, sich die -Befolgung derselben zum Gesetz machen und so ihren eignen Willen thun. -Gewöhnt ihr sie bloß, durch allerlei Künsteleien, euern Willen zu thun, -so ist ihre ganze Moralität eine Windmühle, die stille steht, sobald -sie von einer Anhöhe ins Thal gesetzt wird, auf welches der Wind nicht -wirken kann. Wollt ihr ihnen die Wahrheit vorpredigen, ohne euch darum zu -bekümmern, ob sie dieselbe fassen, so erzieht ihr Kinder, an denen, wie -ihr zu sagen pflegt, Hopfen und Malz verloren ist, bei denen kein Zureden, -kein Ermahnen etwas hilft, von denen ihr klagt, daß ihr immer tauben Ohren -predigt. Die Ursache davon liegt nicht in ihren Ohren, sondern in eurer -leisen Sprache, weil ihr nicht so sprechen gelernt habt, daß es durch die -Ohren in die Seele dringt. - -Statt also euch die Köpfe über das oberste Moralprinzip zu zerbrechen, -lernt nur die allgemein zuerkannten praktischen Wahrheiten den Kindern -recht faßlich und annehmlich zu machen. - -Der Gewinn, der daraus entspringt, ist groß -- sehr groß. Sobald das Kind -das Gute selbst will, so erzieht es sich selbst, und fünfzig Kinder, die -das Gute wollen, sind leichter zu lenken, als ein einziges, dem es noch -nicht eingefallen ist, gut zu werden. Sobald ein Kind eine Sprache lernen -will, so lernt es sie, und in einer einzigen Lehrstunde, die ihm darin -gegeben wird, kommt es weiter, als ein anderes, das diese Sprache nicht -erlernen will, und vom Morgen bis zum Abend darin Unterricht bekommt. - -Ist der Zeitpunkt da, wo sich bei den jungen Leuten Empfänglichkeit für -das Übersinnliche zeigt, so muß man nun den praktischen Wahrheiten, -die man sie lehrte, eine höhere Sanktion dadurch geben, daß man sie zu -überzeugen sucht, daß dieselben Gottes Wille sind. Wie dies anzufangen -sei, glaube ich in meinem ~Heinrich Gottschalk~ gezeigt zu haben und -werde es ausführlicher zeigen in dem ~christlichen Religionsunterrichte~, -den ich nächstens hoffe liefern zu können.[32] - -Dabei kommt denn aber freilich wieder viel auf den Vortrag des Lehrers -an. Er muß so zuversichtlich und eindringlich zu sprechen wissen, daß die -Zuhörer überzeugt werden, daß er selbst alles, was er sagt, von ganzem -Herzen glaube, er muß die Wahrheit mit solchen Gründen zu unterstützen -wissen, daß ihnen kein Zweifel dagegen übrig bleibt. - - - - -Plan zur Erziehung der Erzieher. - - -Man errichte vor allen Dingen eine Pflanzschule für Erzieher. Man berufe -die berühmtesten Erzieher aus allen Weltgegenden zusammen, stelle sie als -Lehrer der Erziehungskunst an und gebe jedem tausend bis fünfzehnhundert -Thaler Gehalt, damit er gegen Sorgen gedeckt sei; man stelle einen Lehrer -der Zergliederungskunst an und sorge dafür, daß es nicht an Leichnamen -fehle, an denen er den jungen Erziehern den Bau des menschlichen Leibes -zeigen kann; man berufe ferner einen Lehrer der Heilkunde, welcher -Vorlesungen über die Kinderkrankheiten hält und die zweckmäßigsten -Heilmittel kennen lehrt; man errichte eine Büchersammlung, in welche -alle Schriften aufgenommen werden, die von Griechen, Römern, Franzosen, -Engländern, Italienern, Deutschen, Dänen, Schweden über die Erziehung sind -geschrieben worden, damit der künftige Erzieher eine recht vielseitige -Ansicht von seinem Geschäfte bekomme. Man errichte ferner einen Lesesaal, -in welchem alle Zeitschriften, die in Deutschland, wo möglich auch in -anderen gebildeten Ländern Europas, herauskommen, zu finden sind, damit es -die Pflanzschule sogleich erfahre, wenn irgend jemand etwas Neues in der -Erziehungskunst erfunden hat. Könnte damit ein Schauspielhaus verbunden -werden, in welchem die Erzieher monatlich ein paar Schauspiele aufführten, -so wäre es desto besser, so lernten sie Ton, Miene und Anstand des Körpers -bilden. Unumgänglich nötig wäre aber die Anlegung eines Gartens, in -welchen, so viel als möglich, ~alle~ Pflanzen gesetzt würden, die unser -Erdball hervorbringt. - -Die Ausführung dieses Plans würde freilich große Summen kosten; ist die -Erziehung aber nicht das Wichtigste für den Staat? Werden die Unterthanen -nicht gern die schwersten Auflagen sich gefallen lassen, wenn sie von dem -wohlthätigen Zwecke derselben belehrt werden? wenn Schriftsteller und -Prediger sich vereinigen, ihnen die Wichtigkeit der Sache begreiflich zu -machen? Wird der Fürst nicht gern seine Schätze öffnen, um solch eine -Anstalt zu unterstützen, die für den Staat von so unabsehlich wichtigen -Folgen sein kann und muß? - -Solch einen Plan zu entwerfen, wäre ich vielleicht vor vierzig Jahren -fähig gewesen, da das Blut noch flüchtig durch meine Adern strömte, in -meinem Gehirne Entwürfe auf Entwürfe sich erzeugten, ohne daß mich die -Bedenklichkeit beunruhigte, ob sie auch in der wirklichen Welt ausführbar -wären. Jetzt aber, da das Blut etwas langsamer fließt, fallen nur doch -gegen diesen Plan allerlei Bedenklichkeiten ein. - -Erstlich glaube ich doch, daß es etwas schwer sein werde, die Summen, die -zur Ausführung desselben nötig sind, aufzubringen; zweitens, wenn dies -auch wäre, so würde darüber so viel Zeit verfließen, daß unsere jetzt -lebende Jugend aufwüchse, ohne sich der wohlthätigen Wirkung desselben -zu erfreuen. Dies wäre doch wirklich schade! Drittens gebe ich zwar zu, -daß, wenn alles gelänge, der Staat eine Menge vielseitig gebildeter -Erzieher erhalten würde, die von der Erziehungskunst recht viel sprechen -und schreiben könnten; ob aber ein einziger imstande sein würde, ein Kind -wirklich zweckmäßig zu erziehen, daran zweifle ich sehr.[33] - -Ich will also diesen Plan, der sich gut lesen, aber schwer ausführen läßt, -lieber ganz aufgeben und jedem, der sich der Erziehung widmet, einen etwas -einfachern vorlegen, der in den drei Worten begriffen ist: ~Erziehe dich -selbst~! - -Dieser hat den Vorzug, daß er einfach ist, wenig Geld kostet, gleich nach -Lesung dieses Buches von allen, die dafür Sinn haben, ausgeführt werden -kann und Erzieher bilden wird, die nicht bloß von der Erziehung sprechen -und schreiben, sondern wirklich erziehen können. - -Wer nun glaubt, von mir noch etwas lernen zu können, der merke auf die -Winke, die ich ihm jetzt zur Selbsterziehung geben werde. - - -1. Sei gesund! - -Ein kranker Mann ist ein armer Mann, alle Geschäfte werden ihm schwer, -aber keins schwerer, als die Erziehung. Im krankhaften Zustande ist man -sehr reizbar, jeder Mutwille, jede Unbesonnenheit der Jugend erregt -Unwillen. Man muß sich also in einer Gesellschaft, welcher Mutwillen -und Unbesonnenheit eigen sind, sehr übel befinden, weil man sich alle -Augenblicke von derselben für beleidigt hält. Und wie will man sie in -einem steten Zustande unangenehmer Empfindungen erziehen können? Alle -Ermahnungen werden von Galle triefen oder mit einem zitternden Tone -vorgebracht werden. Dieser wird nichts wirken, und jene wird schaden. Die -vielen Klagen, die man über die Unfolgsamkeit der Jugend hören muß, rühren -gewiß meistens von der Kränklichkeit der Erzieher her, und wie kann man -sich zutrauen, gesunde Kinder erziehen zu können, wenn man selbst ungesund -ist? - -Dies ist ja aber, wird man sagen, eine sonderbare Forderung: ~Sei gesund~! -Gesund will freilich ein jeder sein; hängt denn die Gesundheit aber von -seinem Willen ab? - -Allerdings. Vorausgesetzt, daß keins der Eingeweide verletzt ist und du -deinen Körper nicht durch Ausschweifungen sehr geschwächt hast, so kannst -du gesund sein, wenn du nur ernstlich willst. Der ernstliche Wille hat auf -den Körper einen mächtigen Einfluß. Härte ihn nur nach und nach ab, sei -mäßig und enthaltsam, widme den Tag der Arbeit und die Nacht der Ruhe, -und wenn du demungeachtet zu kränkeln anfängst, anstatt zur Apotheke -deine Zuflucht zu nehmen, suche lieber den Grund deines Übelbefindens -zu erfahren. Dies kannst du, wenn du über deine bisherige Lebensweise -nachdenkst. Hast du den Grund deines Übelbefindens erst entdeckt, so wird -es dir leicht sein, dir durch einfache Mittel zu helfen. Unpäßlichkeiten -z. E., die von Überladung des Magens herrühren, werden oft durch Versagung -einer Mahlzeit gehoben. Etwas Mehreres hierüber zu sagen, trage ich -deswegen Bedenken, weil es das Ansehen gewinnen würde, als wenn ich den -Arzt machen wollte, was mir aber noch nie in den Sinn gekommen ist. Es -mache sich ein jeder mit seiner Natur bekannt, erforsche, woher seine -Krankheit komme und lerne die einfachen Mittel kennen, dieselbe zu heben, -so wird er sich eine dauerhafte Gesundheit erwerben können. - -Das geht bei mir nicht! höre ich viele sagen. Lieber Freund, versuche es, -ich hoffe, es wird gehen. Ich kenne mehrere Personen, die sonst viel mit -körperlichen Leiden kämpfen mußten, aber durch Befolgung dieser einfachen -Vorschriften zu einer festen Gesundheit gelangt sind. Geht es bei dir aber -wirklich nicht, entweder weil dir der Sinn für echte Gesundheitspflege -fehlt, oder weil dein Körper fehlerhaft gebaut ist, oder weil durch irgend -eine Ursache etwas darin zerstört worden, so befolge meinen Rat, entsage -der Erziehung und widme dich einem andern Geschäfte. Sie würde dir äußerst -lästig werden, und du würdest, auch bei dem besten Willen, mehr Schaden -als Nutzen stiften. - - -2. Sei immer heiter! - -In einer heitern Stunde ist man unter seinen Zöglingen allmächtig. Sie -hängen an uns mit ganzer Seele, sie fassen alle unsere Worte auf, sie -befolgen alle unsere Winke. Könntest du immer heiter sein, so wäre -kein leichter Geschäft als die Erziehung. Es giebt Personen, denen die -Heiterkeit angeboren ist, denen alles von der lachenden Seite erscheint; -diese bedürfen dieser Ermunterung nicht, vielmehr muß ich sie erinnern, -daß zur Erziehung auch Ernst nötig sei, wenn man sein Ansehen behaupten -und seinen Erinnerungen die nötige Wirksamkeit verschaffen will. - -Allein die Zahl derer, die von der Natur mit Heiterkeit beschenkt wurden, -ist sehr klein, die meisten sind mehr für Mißmut empfänglich und befinden -sich daher gewöhnlich in einer unzufriedenen Stimmung des Gemüts. Daß -bei dieser unangenehmen Stimmung die Erziehung sehr schwer wird und -wenig nutzt, weiß jeder und fühlt daher die Verbindlichkeit, nach steter -Heiterkeit zu streben. Sich dieselbe zu verschaffen, ist so schwer nicht, -als manche vielleicht glauben werden. - -Man suche nur erst den Ursprung des Mißmuts auf, so wird es etwas Leichtes -sein, ihn wegzuschaffen. Warum, frage ich dich also, lieber Leser, bist du -denn immer so mißmutig? - -Meine Lage -- antwortest du. - -Du irrst dich, mein Freund! es ist wahr, daß immer eine Lage geeigneter -ist, den Mißmut zu reizen, als die andere; allein der eigentliche Grund -des Mißmuts liegt doch immer in dir selbst. Ein Mann voll Kraft und hellen -Einsichten muß imstande sein, sich von seinen Umgebungen unabhängig zu -machen und seiner Heiterkeit aus sich selbst Nahrung zu geben. Er ist -ruhig, wenn es auch um ihn her stürmt und wetterleuchtet, und zufrieden, -wenn um ihn herum Unzufriedenheit herrscht. Ein anderer, dem diese Kraft -und Einsichten fehlen, ist finster und mißmutig, auch wenn ihn alles -anlacht. - -Der Grund des Mißmuts liegt oft in einem fehlerhaften Zustande des -Körpers. Wer nun gelernt hat, sich gesund zu erhalten, wird auch gegen -diese Art des Mißmuts sich schützen können. - -Oft, und vielleicht meistenteils, entspringt er aber aus einem -fehlerhaften Zustande der Seele, und zwar vorzüglich aus der üblen -Gewohnheit, sich von seinen Umgebungen unangenehme Vorstellungen zu -machen. Sehet, liebe Freunde! es giebt eine doppelte Welt. Die eine ist -außer uns, die andere in uns. Jene Welt ist von unseren Vorstellungen -unabhängig, diese besteht in den Vorstellungen, die wir uns von derselben -machen. Auf erstere können wir nur wenig wirken, diese aber ist unser -Werk, wir sind Schöpfer derselben. Ist also die Welt außer dir nicht so, -wie sie deiner Meinung nach sein sollte, so schaffe dir selbst eine Welt, -die dich anlacht, die dich zur Heiterkeit stimmt, lerne allen Dingen eine -angenehme Ansicht abzugewinnen, dir von ihnen beruhigende, aufheiternde -Vorstellungen zu machen, und -- deine Heiterkeit ist fest, wenigstens -so fest gegründet, als es in dem Larvenstande, in dem wir uns befinden, -möglich ist. - -Laß uns einmal mit dieser Schöpfung einen Versuch machen und sehen, ob von -dem Kreise, in dem du wirkst, nicht eine angenehme, reizende Vorstellung -möglich sei. - -Du wandelst und wirkst in einem Kreise von Kindern. Wer sind sie? - -Werdende Menschen. - -Wer gab sie dir? - -Gott, der alles giebt. - -In welcher Absicht? - -Um sie zu leiten, daß sie sich zu vernünftigen, freien, thätigen, -glückseligen Wesen bilden, und dir dadurch Gelegenheit zu schaffen, dich -selbst zu veredeln. - -Aber ihre Untugenden? - -Sind Reizungen zum Nachdenken über den Ursprung derselben und die besten -Mittel, sie wegzuschaffen. - -Und die Schwierigkeiten, die man dir in den Weg legt? - -Sollen dich reizen, deine Kräfte anzustrengen, um sie zu überwinden. - -Der Undank, mit dem du belohnt wirst? - -Schafft dir Gelegenheit, dich zu üben, rein sittlich zu handeln. - -Sind solche Ansichten nicht ungemein aufheiternd? Begreifst du nicht die -Möglichkeit, wie ein Mann, der sich eine Fertigkeit erworben hat, seinen -Umgebungen solche Ansichten abzugewinnen, sich die Heiterkeit eigen machen -kann? - -Aber solche Ansichten bekommen zu können, muß man freilich einen höhern -Standpunkt zu erreichen suchen, auf dem man, über das Sichtbare wegsehend, -seinen Blick auf das Unsichtbare richten kann. Hier verschwindet alle -Unordnung, Verwirrung und alles Übel, und öffnet sich ein Feld, wo lauter -Harmonie und erhabne Zwecke sichtbar sind. - -Denen, die Neigung haben, diesen höhern Standpunkt zu erklimmen, habe ich -dazu die Hand geboten in dem bekannten Buche -- ~Der Himmel auf Erden~.[34] - -Ich zweifle nicht, daß junge Erzieher, welche die in diesem Buche -gegebenen Vorstellungen sich eigen machen, sich bei ihrem Geschäfte zur -Heiterkeit zu stimmen, erlernen werden. - - -3. Lerne mit Kindern sprechen und umgehen. - -Jede Klasse von Menschen hat ihre eigene Sprache und Gewohnheiten, -mit welchen man viele Bekanntschaft haben muß, wenn man sich bei ihr -wohlbefinden und gefallen will. Daher ist der Stubengelehrte ängstlich und -macht sich lächerlich, wenn er in den Kreis der höhern Stände eintritt, -und weiß nicht, wie er sich benehmen soll, wenn er in eine Gesellschaft -von Ackerleuten kommt. - -Ein ähnliches Schicksal haben junge Männer, die nur mit Büchern und -erwachsenen Personen umgingen, wenn Kinder ihnen anvertraut werden. Sie -wissen nicht, wie sie sich benehmen sollen, sie sind immer in Verlegenheit -und -- gefallen den Kindern nicht, denen ihre Gesellschaft lästig ist. -Woher kommt dies? Die Sprache und die Gewohnheiten der Kinder sind ihnen -fremd. - -Macht euch also mit denselben bekannt! Statt viel über die Erziehung zu -lesen und pädagogische Vorlesungen zu hören, sucht lieber Kinder auf, in -deren Gesellschaft ihr täglich ein paar Stunden verlebt. Kinder giebt es -ja allenthalben, wo Menschen wohnen, ihr werdet sie gewiß auch antreffen -auf dem Platze, wo ihr euch befindet. Vielleicht habt ihr einen Hauswirt, -einen Nachbar, einen Freund oder Verwandten, der mit Kindern gesegnet ist, -und dem es lieb sein wird, wenn ihr sie bisweilen unterhalten wollt. - -Zum Stoffe der Unterhaltung schlage ich zuerst vor ~die Erzählung~. - -Die Erzählung hat für alle Kinder Reiz, und sobald eine Person, die gut -erzählen kann, ihren Mund öffnet, so sammeln sich die Kinder um sie, -wie die Küchlein, wenn die Mutter lockt. Und dieses Herzudrängen, diese -sichtbare Begierde nach Erzählung macht denn auch dem Erzähler sein -Geschäft leicht und angenehm. - -In unseren Tagen, wo so viele Bücher für Kinder geschrieben sind, kann es -an Stoff zur Erzählung nicht fehlen. Das beste, das ich kenne, ist der -~Campesche Robinson~.[35] - -Wenn du nun zu erzählen anfängst, so bemerke wohl, wie sich deine kleinen -Zuhörer dabei benehmen. Sind ihre Augen und Ohren auf dich gerichtet, -bitten sie dich, wenn du schließen willst, daß du weiter erzählen sollst, -so ist es ein Zeichen, daß sie in deiner Erzählung Unterhaltung finden; -werden sie aber schläfrig oder fangen an zu spielen und sich untereinander -zu necken, so muß es irgendwo fehlen. Du wirst vielleicht meinen, es fehle -am guten Willen der Kinder. Ich glaube aber, daß du dich irrst, da die -Kinder, so weit ich sie kenne, alle an Erzählungen Vergnügen finden. Der -Fehler liegt vielmehr sicherlich entweder an dem Inhalte der Geschichte, -die du vorträgst -- oder an dir selbst. - -Vielleicht enthält deine Geschichte nichts für Kinder Anziehendes. -Versuche es daher mit einer andern; fesselt diese ihre Aufmerksamkeit -mehr, so hättest du vorher in der Auswahl der Erzählung gefehlt. Nur hüte -dich, deine Kleinen mit Feen- und Zaubergeschichten zu unterhalten. Diese -hören sie freilich so gern, als sie Pfefferkuchen essen, sie sind aber -ihrem Geiste so nachteilig, als der Pfefferkuchen ihrem Magen. - -Solltest du aber finden, daß die Kinder bei allen deinen Erzählungen -zerstreut und teilnahmslos bleiben, so liegt der Fehler sicher in dem Tone -deines Vortrags, und du hast dann umsomehr Ursache, daran zu bessern, da -die Absicht deiner Erzählung doch vorzüglich ist, mit Kindern sprechen zu -lernen. - -Hier sind einige Winke, wie du deinen Erzählungston verbessern kannst. - -Der Mann spricht wie ein Buch, pflegt man zu sagen, wenn man jemandem -wegen seiner Unterhaltungsgabe einen Lobspruch beilegen will. Wenn du aber -dich mit deinen Kindern unterhältst, so rate ich dir, sprich nicht wie ein -Buch, sondern wie ein Mensch im Umgange mit Menschen zu sprechen pflegt, -sprich die Sprache des gemeinen Lebens. Wenn man ein Buch schreibt, so -wählt man jedes Wort und jede Redensart und vermeidet viele Ausdrücke des -gemeinen Lebens als unedel. Vermeide du bei deinen Erzählungen keinen -Ausdruck als unedel, dessen du dich im täglichen Umgange nicht zu schämen -pflegst; dadurch bekommt deine Erzählung Leben und wird für Kinder -anziehend. - -Vermeide ferner, so viel du kannst, allgemeine Ausdrücke, weil diese -Kindern weniger faßlich sind und nenne lieber die Sachen einzeln, die -dadurch bezeichnet werden. Du kannst z. E. sagen: Die Mutter, als sie von -ihrer Reise zurückkam, brachte ihren Kindern Früchte und Spielwerk mit; -du kannst diesen Satz aber auch so ausdrücken: Da die Mutter von ihrer -Reise zurückkam, brachte sie Fränzchen und Wilhelminchen allerlei artige -Sachen mit, Äpfel, Birnen, Haselnüsse, eine Schachtel voll kleiner Teller, -Leuchter, Schüsseln, Löffel, Bilder u. dgl.; die letzte Darstellung hat -für die Kinder sicher mehr Reiz als die erste. - -Sei ferner in deiner Erzählung etwas umständlich und vergiß nicht, in -dieselbe allerlei Nebenumstände einzuweben, die die Handlung begleiteten. -So kannst du der obigen Erzählung durch Einflechtung folgender -Nebenumstände mehr Leben geben. - -»Ach, wenn doch die Mutter nur einmal wiederkäme!« sagte Fränzchen zu -Wilhelminchen. Kaum hatte sie es gesagt, so rasselte etwas unter dem -Fenster. Fränzchen sah hinaus, erblickte die Mutter in einem Reisewagen, -sprang mit Wilhelminchen hinaus -- da stieg die Mutter heraus, umarmte -ihre Kinder, ließ den Koffer vom Wagen nehmen und in die Stube tragen. -Die Kinder folgten ihr und waren begierig zu sehen, was in dem Koffer -wäre. Jetzt wurde er geöffnet und ausgepackt. Auch eine Schachtel wurde -ausgepackt und den Kindern hingesetzt. Neugierig öffneten sie dieselbe -und fanden darin allerlei artige Sachen, die ihnen Freude machten: Äpfel, -Birnen u. s. w. - -Führe ferner die Personen immer redend ein und laß sie in dem Tone -sprechen, wie sie wirklich würden gesprochen haben. - -Z. E. Fränzchen erblickte ihre Mutter. -- Wilhelmine! rief sie, die Mutter -ist da. -- - -Die Mutter? sagte Wilhelmine -- und beide sprangen die Treppe -hinab -- Mutter! gute liebe Mutter! sagten sie und fielen ihr um den Hals. - -Gute Kinder! sprach diese, indem sie dieselben an ihre Brust drückte, wie -sehr habe ich mich nach euch gesehnt. Ihr seid doch noch gesund? - -W. Recht gesund! Hast du uns etwas mitgebracht? - -M. Wollen sehen! Hans, trage diesen Koffer in meine Stube. - -W. Was wird in dem Koffer sein? u. s. w. - -Es versteht sich von selbst, daß du immer in dem Tone sprechen mußt, in -welchem die Person, die du redend einführst, würde gesprochen haben, -und dir daher Mühe geben, deine Stimme in deine Gewalt zu bekommen. -~Wilhelmine, die Mutter ist da!~ muß ganz anders ausgesprochen werden, als -das: ~Gute Kinder! Wie sehr habe ich mich nach euch gesehnt!~ - -Durch diese beständige Abwechselung des Tons bekommt nicht nur deine -Erzählung Leben, sondern deine Stimme bekommt auch die gehörige -Geschmeidigkeit, die dir unentbehrlich ist, wenn du mit Nachdruck und -Herzlichkeit zu deinen Pflegebefohlenen sprechen willst. - -Endlich suche auch in deine Erzählung Handlung zu bringen. Dies geschieht -alsdann, wenn du durch deine Mienen und die Bewegung deiner Glieder die -Handlungen, welche du erzählst, auszudrücken suchst. - -Z. E. das: ~Wilhelmine, die Mutter ist da!~ muß mit einer Miene -ausgesprochen werden, die den höchsten Grad der Freude ausdrückt. Dabei -darfst du nicht in ruhiger Stellung bleiben, sondern mußt eine solche -annehmen, in welche ein Kind durch die Freude über die unvermutete -Zurückkunft der geliebten Mutter versetzt zu werden pflegt. - -Zum Stoffe der Unterhaltung mit Kindern schlage ich ferner vor: ~Erklärung -solcher Bilder, die für Kinder etwas Anziehendes haben~. - -Freilich haben alle Bilder für Kinder etwas Anziehendes, aber doch immer -eins mehr als das andere. Abbildung der lebendigen mehr als Vorstellung -der leblosen Natur, Tiere mehr als Menschen, handelnde Wesen mehr als -solche, die sich in einer ruhigen Stellung befinden. Die Abbildung eines -Hahnenkampfes hat für Kinder sicher mehr Anziehendes, als die Vorstellung -aller hühnerartigen Vögel. Diese werden Kinder zwar auch einige Zeit mit -Vergnügen betrachten, aber sich daran bald satt sehen. Bei Betrachtung -des Hahnenkampfes werden sie hingegen länger verweilen und sie öfters mit -Vergnügen wiederholen. - -Bei Verfertigung der Kupfer zu Konrad Kiefers ABC- und Lesebüchlein, wie -auch zum ersten Unterrichte in der Sittenlehre, ist auf diese Bemerkungen -Rücksicht genommen worden. - -Alles, was von der Erzählung ist gesagt worden, gilt auch von der -Erklärung der Bilder; du mußt, wenn sie Kinder an dich ziehen sollen, bei -derselben die nämlichen Winke befolgen, die ich dir in Ansehung jener -gegeben habe. - -Über beides könnte ich dir noch vieles sagen; wenn du aber Drang fühlst, -durch Erzählung und Bildererklärung deine Kleinen an dich zu ziehen, so -wirst du von selbst alles besser lernen, als ich es dir sagen kann. - - -4. Lerne mit Kindern dich beschäftigen. - -Bei den jetzt beschriebenen Unterhaltungen bist du die handelnde Person, -und die Kinder sind bloß Zuhörer und Zuschauer. Dieses Verhältnis, so -angenehm es ihnen anfänglich ist, würde sie doch ermüden, wenn es zu lange -dauern sollte, da ihr Trieb zur Selbstthätigkeit dabei keine Befriedigung -findet. Du mußt daher auch Unterhaltungen suchen, an denen sie thätigen -Anteil nehmen können. Zu diesen rechne ich zuerst das Spiel, nämlich ein -solches, das einen nützlichen Zweck hat, entweder dem Leibe eine freie -Bewegung und Behendigkeit zu verschaffen, oder die geistigen Kräfte zu -üben. - -Diese Spiele kannst du zum Teil von den Kindern selbst lernen, wenn du sie -von deinen Pflegebefohlenen angeben läßt und bisweilen die Spielplätze -anderer Kinder besuchst, teils kannst du Anleitung zu denselben finden in -~Guts-Muths Spielen für Kinder~.[36] - -Bei der Wahl derselben hast du auf zweierlei Rücksicht zu nehmen: daß -sie einen wirklich nützlichen Zweck haben, und daß sie deinen Kleinen -Vergnügen machen. - -O ihr alle, die ihr euch der Erziehung weihet, lernet, ich bitte euch, -lernet mit Kindern spielen! Ihr werdet durch diese Übung drei wichtige -Zwecke erreichen: die Kinder an euch ziehen und ihre Liebe und ihr -Zutrauen erwerben, die Gabe, mit ihnen zu sprechen und sie zu behandeln, -euch mehr eigen machen -- und Gelegenheit finden, in das Innerste eurer -Kleinen zu sehen, da sie bei dem Spiele weit offner und freier handeln, -als in andern Lagen, und sich mit allen ihren Fehlern, Schwachheiten, -Einfällen, Anlagen, Neigungen zeigen, wie sie wirklich sind. - -Wer mit Kindern nicht spielen kann, wer in dem Wahne steht, daß diese Art -der Unterhaltung mit Kindern unter seiner Würde sei, sollte eigentlich -nicht Erzieher werden. - -Da wir doch aber nicht bloß zum Spielen bestimmt sind, und die Kinder -desselben bald überdrüssig würden, wenn sie sonst gar keine Beschäftigung -hätten, so wirst du bald das Bedürfnis anderer, etwas ernstlicherer -Beschäftigungen fühlen. Worin diese bestehen sollen, ist vorhin gezeigt -worden. - -Jetzt fragt es sich nur, wie du dir die Geschicklichkeit dazu erwerben -kannst. Daher rate ich dir: - - -5. Bemühe dich, dir deutliche Kenntnisse der Erzeugnisse der Natur zu -erwerben. - -Unter deutliche Kenntnis verstehe ich Kenntnis der Merkmale, wodurch man -die verschiedenen Klassen und Gattungen der Naturerzeugnisse voneinander -unterscheiden kann. - -Dazu fehlt es mir, antwortest du vielleicht, an Gelegenheit. Wirklich? Du -lebst ja in der Natur und bist mit Erzeugnissen derselben umgeben, die um -dich her wachsen und leben. - -Gewöhne dich nur, eines derselben nach dem andern genau zu betrachten und -die Merkmale aufzusuchen, wodurch sie sich von andern, ihnen ähnlichen, -unterscheiden. Dadurch wirst du deinem Unterscheidungsvermögen schon -einige Fertigkeit erwerben. Aber die Worte werden dir fehlen, womit du -jedes Naturerzeugnis und seine Merkmale benennen sollst. - -Daher mußt du nun einen Freund aufsuchen, der mit der Natur sich bekannt -gemacht hat, und der dir einige Anleitung giebt, die Merkmale der -Naturerzeugnisse, z. E. in der Pflanzenkunde die verschiedenen Teile der -Blumen, aufzusuchen, und dir die Kunstausdrücke, mit welchen sie pflegen -benannt zu werden, bekannt macht. In unsern Tagen, wo die Naturkenntnis -immer weiter sich verbreitet, sind solche Freunde so selten nicht, als -vor zwanzig Jahren. Solltest du auch einige Stunden weit gehen müssen, um -diesen Freund zu finden, so ist es doch der Mühe wert, bisweilen einen Weg -zu ihm zu machen. - -Ferner mußt du dir einige Bücher zu verschaffen suchen, die dir Anleitung -geben, die Natur kennen zu lernen. - -Auch hieran ist jetzt ein Überfluß. Unter der Menge derselben nenne ich -nur in der Pflanzenkunde: ~Dietrichs Anleitung zur Kenntnis der Pflanzen~; -~Deutschlands Flora von Hofmann und Röhling~; in der Tierkunde: ~Leskens -Naturgeschichte~, und in beiden: ~Bechsteins gemeinnützige Naturgeschichte -des In- und Auslandes~.[37] - -Findest du nun ein Naturerzeugnis, von dessen Natur und Namen du dir -Kenntnis zu erwerben wünschest, z. B. eine Pflanze, so siehe zuerst auf -die Merkmale der Klasse, dann der Gattung, ferner der Ordnung, wobei du -dich vorzüglich an die Merkmale halten mußt, die am meisten in die Augen -springen, dann schlage dein Buch nach und suche die Klasse und Gattung -auf, zu welcher deine Pflanze gehört, so wird es dir nicht schwer sein, -auch die Ordnung zu finden, zu welcher sie gerechnet, und den Namen, mit -welchem sie benannt wird. Frage dann bisweilen deinen Freund, ob du dich -nicht geirrt habest, du wirst dich dann freuen, wenn du wirklich gefunden -hast, was du suchtest, und selbst dein erkannter Irrtum wird dir lehrreich -sein und dich vor ähnlichen Verirrungen bewahren. - -Ich gebe dir diesen Rat um desto zuversichtlicher, da ich aus Erfahrung -weiß, daß verschiedene junge Männer während eines kurzen Aufenthalts in -meiner Anstalt sich auf diesem Wege nicht gemeine Kenntnisse der Natur, -vorzüglich der Pflanzen, erworben haben. - -Da ich vorhin hinlänglich glaube bewiesen zu haben, daß die Betrachtung -der Natur zur Unterhaltung der Kinder, zur Weckung und Übung ihrer -Geisteskräfte höchst nötig sei, so ergiebt sich hieraus von selbst, daß -du mit der Natur dich bekannt machen mußt, wenn du mit Vergnügen und mit -Nutzen erziehen willst. - -Diese Bekanntschaft wird dir große und mannigfaltige Vorteile gewähren. -Für dich wird sie eine ergiebige Quelle des Vergnügens sein, weil du nun -nicht mehr durch die Welt als ein Fremdling wandelst, dem alle seine -Umgebungen unbekannt sind, sondern als ein Einheimischer, der auf den -Bergen und in Thälern, im Wasser und in dem Innern der Erde, Bekannte -antrifft, mit denen er sich unterhalten kann. Noch wichtiger wird sie -dir im Umgange mit deinen Kleinen sein, da sie dir den mannigfaltigsten -Stoff zur Unterhaltung und zum Unterrichte darbietet, dich deinen Kleinen -wichtig und unentbehrlich macht und dir Gelegenheit giebt, besonders im -Sommer, manche Stunde bei deinen Kleinen auf eine höchst nützliche und -angenehme Art mit dem Sammeln und Trocknen der Pflanzen auszufüllen. - - -6. Lerne die Erzeugnisse des menschlichen Fleißes kennen. - -Da diese einen sehr mannigfaltigen Stoff zur lehrreichen Unterhaltung -mit Kindern geben, wie ich vorhin zeigte, so ist die Kenntnis derselben -unentbehrlich. Bei der sonst gewöhnlichen Erziehung blieb uns dieselbe -fast ganz fremd; von den meisten Dingen, die uns umgeben, hatten wir keine -deutlichen Vorstellungen, und die Namen der verschiedenen Teile derselben -waren uns unbekannt. Suchen wir uns diese Kenntnis nicht zu verschaffen, -so können wir sie auch unsern Pflegesöhnen nicht mitteilen; sie werden -sich daher gewöhnen, ihre Umgebungen nur oberflächlich ansehen, und sich -mit einer dunkeln Erkenntnis derselben begnügen. - -Also, Freund! der du dich der Erziehung widmest, bemühe dich, mit den -mancherlei Erzeugnissen des menschlichen Fleißes bekannt zu werden, und -lerne vorzüglich ihre Materie, ihre Teile, ihre Form, ihren Zweck kennen -und richtig benennen. Die Gelegenheit dazu wirst du finden, wenn du sie -suchest. Die Person, die die Sache verfertigt hat und die sie gebraucht, -wird dir über alles, was du zu wissen verlangst, Aufschluß geben können. - -Triffst du z. E. einen Ackersmann an, der deinen Gruß freundlich -erwiedert, so laß dich mit ihm in ein Gespräch ein über sein Geschäft und -über das Werkzeug, dessen er sich bedient, um Furchen zu ziehen und den -Acker zur Hervorbringung des Getreides, das dich nährt, zuzubereiten. -Laß dir von ihm die verschiedenen Teile des Pflugs benennen und die -Absicht anzeigen, in welcher sie an demselben angebracht sind. Er wird -mit Vergnügen deine Fragen beantworten, und du wirst da mancherlei kennen -lernen, das dir zuvor unbekannt war, und dich freuen, es gelernt zu haben. - -So besuche die Werkstatt des Schreiners, des Drechslers, des Schmieds -u. s. w., unterhalte dich mit ihnen über die Materien, die sie bearbeiten, -über die Form, die sie ihnen geben, die Werkzeuge, deren sie sich -bedienen, um zu ihren Zwecken zu kommen; besuche ferner die Plätze, wo -Maschinen aufgestellt sind, die durch den Druck einer mäßigen Kraft große -Wirkungen hervorbringen, z. E. ein Mühlwerk, und laß dir die verschiedenen -Teile, ihre Benennungen und Absichten, bekannt machen u. s. w. - -Du wirst bei solchen Unterredungen mit der produzierenden Menschenklasse -oft mehr an nützlichen Kenntnissen und Fertigkeiten erwerben, als in -dem Hörsaale manches Philosophen. Du wirst mit dieser zahlreichen, so -wichtigen, der menschlichen Gesellschaft unentbehrlichen Menschenklasse -umgehen und sprechen lernen, eine Gabe, die nicht immer dem -Stubengelehrten eigen ist; du wirst einen Schatz von Kenntnissen dir -erwerben, die du in der Folge im Kreise deiner Pflegesöhne benutzen -kannst; die gewöhnlichsten Dinge werden dir Stoff zur Unterhaltung -mit ihnen darbieten; du wirst dich endlich gewöhnen, die Dinge nicht -oberflächlich, sondern genau anzusehen, und diese Gewohnheit deinen -Zöglingen mitteilen. - - -7. Lerne deine Hände brauchen. - -Wer den Zucker in der Kaffeeschale mit dem Löffelchen herumrührt, -gebraucht seine Hände zwar auch; aber daß man einen solchen Gebrauch nicht -verstehe, wenn man den andern ermuntert, seine Hände brauchen zu lernen, -ergiebt sich von selbst. - -Seine Hände brauchen lernen heißt vielmehr, durch mancherlei Übungen alle -Muskeln derselben in seine Gewalt zu bekommen suchen, um damit mancherlei -verrichten und verfertigen zu können. - -Und da hier von der Bildung zum Erzieher die Rede ist, so mußt du -vorzüglich solche Geschäfte verrichten und solche Sachen verfertigen -lernen, die dir bei der Erziehung nützlich sein können. - -Personen, von denen du in dieser Hinsicht etwas lernen kannst, findest -du allenthalben, und sie werden meistenteils geneigt sein, dir die -Handgriffe, die sie bei ihren Arbeiten anwenden, bekannt zu machen. - -Triffst du z. E. eine Person an, die die Geschicklichkeit besitzt, durch -Biegung des Papiers mancherlei Figuren zu verfertigen, so halte dies -nicht für zu gering, suche es zu erlernen. Es wird dir in der Folge -bei den Kindern, die dir anvertraut werden, vorzüglich bei solchen, -deren Hände noch zu schwach sind, um Werkzeuge gebrauchen zu können, -mannigfaltige Vorteile gewähren. - -So nimm auch Unterricht im Netzstricken, wenn du hierzu Gelegenheit -findest, weil du auch hiermit deine Kleinen auf eine angenehme und -nützliche Art wirst beschäftigen können. - -Suche auch einen Gärtner auf, bei dem du bisweilen in die Lehre gehen -kannst. Lerne den Spaten und Rechen gebrauchen, ein Gartenbeet anlegen und -mache dir die Vorteile bekannt, die bei Aussäung, Pflanzung und Abwartung -der gewöhnlichen Gartengewächse zu beobachten sind. Wenn dann bei deinen -Pflegebefohlenen die Neigung zum Gartenbau erwacht, so wirst du derselben -nicht entgegenarbeiten, du wirst sie zu nähren und zu befriedigen suchen, -der Gehilfe und Ratgeber der kleinen Gärtner und so für sie eine sehr -wichtige Person sein. - -Vorzüglich suche Gelegenheit, wo du lernen kannst, Holz und Pappe zu -bearbeiten. Diese Arbeiten empfehle ich dir vorzüglich, weil sie so -reinlich sind und nicht so, wie viele andere, Veranlassung geben, die -Hände, Kleidung und das Zimmer zu beschmutzen, und -- weil du dabei -mancherlei Werkzeuge, das Schnitzmesser, den Hobel, den Meißel, den -Bohrer, den Hammer, den Schraubstock u. s. w. brauchen lernst. - -Weißt du mit solchen Werkzeugen umzugehen, dann ist deine Kraft und -Wirksamkeit um ein merkliches vergrößert, und du bist in den Stand -gesetzt, sie auf deine Kleinen überzutragen, und sie zu der so wichtigen, -nützlichen und angenehmen ~Selbstverfertigung~ anzuführen. - -Woher will ich, fragst du, die Zeit hernehmen, um dies alles erlernen zu -können? - -Dadurch veranlassest du mich, dir den achten Wink zu gehen. - - -8. Gewöhne dich mit deiner Zeit sparsam umzugehen. - -~Zeit ist Geld~, sagte, wenn ich nicht irre, Franklin, vermutlich um -Leuten, in deren Augen nichts so großen Wert hat, als Geld, den gewissen -Wert der Zeit begreiflich zu machen. Ich sage aber, Zeit ist mehr als -Geld, da man durch gute Verwendung der Zeit viel Geld erwerben, aber -durch keine Geldsummen sich Zeit erkaufen kann. Die Zahl der Familien ist -nicht klein, welche über Geldmangel klagen. Sie besuchen die Schauspiele -und Konzerte, bewirten oft ihre Bekannten an Tafeln, die mit den -mannigfaltigsten und teuersten Speisen beseht sind, ahmen in Verzierung -ihrer Zimmer den Personen vom ersten Range nach, richten sich in ihrer -Bekleidung nach den Gesetzen der Mode und klagen dann, daß ihre Einnahme -nicht zureichen wolle. - -Wie diesen Familien könne geholfen, wie sie in eine Lage könnten versetzt -werden, wodurch der Geldmangel mit einem Male aufgehoben würde, sieht ein -jeder, nur sie selbst nicht. - -Freund! der du fragst, wo soll ich Zeit hernehmen, dies alles zu erlernen? -In dem Bilde solcher Familien bist du selbst gezeichnet. Die schönsten -Stunden des Tages, die Morgenstunden, bringst du vielleicht im Bette zu. -Dann setzest du dich an den Tisch und liesest die Zeitungen, Zeitschriften -und andere Schriften, die dir von der Lesegesellschaft, deren Mitglied du -bist, sind zugeschickt worden; nachmittags besuchst du Gesellschaften, -abends sitzest du bei dem Spieltische. Wenn ich dir nun rate, die Natur -kennen und die Hände brauchen zu lernen, so fragst du mich, woher soll ich -die Zeit nehmen, dies alles zu erlernen? - -Denke doch nur darüber nach, wie du deine Zeit am zweckmäßigsten anwenden -willst, und thue das, was dir deine Vernunft dann raten wird, so wirst du -Zeit genug haben, nicht nur dieses, wozu ich dir rate, sondern noch weit -mehr zu erlernen. - -Stehe früh auf, so hast du gleich ein paar Stunden gewonnen, in welchen du -viel lernen kannst. - -Da bei der Annäherung des Morgens die ganze Natur, die Nachtvögel -ausgenommen, erwacht, so ist es unschicklich, daß der Mensch, der in -gewissen Rücksichten Herr der Natur ist, dann im Schlafe liege. Die -Abweichung von dieser Ordnung der Natur hat gewiß sehr mannigfaltige -traurige Folgen, vorzüglich für den Erzieher. Deine Zöglinge müssen doch, -wenn sie anders gesund bleiben und vor Entkräftung bewahrt werden sollen, -früh aufstehen. Wirst du sie dazu gewöhnen können, wenn du dich selbst von -der Sonne in deinem nächtlichen Lager bescheinen läßt? - -Denken und beobachten muß immer dein Hauptgeschäft sein; dadurch wird -deine Geisteskraft geübt, und du sammelst einen Schatz selbsterworbener -Kenntnisse, von deren Wahrheit du überzeugt bist und die du bei deinen -Arbeiten anwenden kannst. Lesen mußt du auch, um dir mehr Stoff zum Denken -zu verschaffen. Geschieht dies mit Mäßigung, mit Auswahl vorzüglich in -Hinsicht auf das Fach, dem du dich gewidmet hast, so verschaffst du deinem -Geiste eine gesunde, stärkende Nahrung. - -Liesest du aber, so wie es jetzt gewöhnlich ist, unmäßig, so kommst du mir -vor wie ein Mensch, der den ganzen Tag ißt. Sein stets beladener Magen -macht ihn zum Denken unfähig, und seine Säfte werden durch die heterogenen -Nahrungsmittel, die in dieselben übergehen, verderbt. Das beständige Lesen -füllt den größten Teil des Tages aus und raubt dir die Zeit, die du zum -Denken und Handeln anwenden solltest. Du fassest eine Menge Begriffe, -wahre, halbwahre und falsche durcheinander, auf, die dich verwirren und zu -keiner Selbständigkeit kommen lassen. Heute urteilst du so, die nächste -Woche behauptest du das Gegenteil, je nachdem das Buch urteilt, das du -zuletzt durchgelesen hast. - -So nachteilig würde dir das unmäßige Lesen sein, wenn du auch keine -bestimmten Geschäfte hättest. Weit größerer Nachteil entspringt aber -hieraus, wenn du gewisse bestimmte Geschäfte, wie z. E. die Erziehung, -übernimmst. - -Jetzt trittst du unter deine Kleinen, aber nur mit dem Körper, dein Geist -ist abwesend und wandelt noch in dem Ideenkreise, in welchen ihn die -Zeitschrift versetzte, die du eben jetzt aus der Hand gelegt hast. Daher -hörst du nicht recht und siehst verkehrt, und deinen Reden fehlt der -nötige Nachdruck. Du übernimmst die Aufsicht über sie mit der Zeitschrift -in der Hand, verlangst nun von ihnen eine ihnen unnatürliche Stille, -damit du im Lesen nicht gestört werdest; bei jedem Geräusche, bei jeder -Frage, die an dich geschieht, wirst du unwillig und läßt dich wohl zu -einem auffahrenden Tone verleiten. Ihre Handlungen zu beobachten, bist du -unfähig, und deine Gegenwart wirkt nicht viel mehr als eine Vogelscheuche, -die in den Weizen gestellt ist, um die Sperlinge abzuhalten. Eine Zeitlang -fürchten sie dieselbe, nach und nach gewöhnen sie sich daran und setzen -sich am Ende gar darauf. - -Willst du also, Freund! ein wirklich guter Erzieher werden, so befolge -meinen Rat und mäßige dich im Lesen. Bedenke, daß das Lesen immer nur -Mittel zur Erreichung höherer Zwecke sein muß, und daß du eine Thorheit -begehst, wenn du das Mittel zum Zwecke machst. Du wirst dann viel Zeit -ersparen, die du nun zur Erwerbung solcher Kenntnisse und Fertigkeiten -anwenden kannst, die dir bei dem Erziehungsgeschäfte unumgänglich nötig -sind. Denke an Pestalozzi! Würde er wohl der mächtigwirkende Mann geworden -sein, der er ist, wenn er die Zeit, die er auf das Denken und Beobachten -verwendete, mit Lesen zugebracht hätte?[38] - -Du wirst ferner eine große Zeitersparnis machen, wenn du dich nicht zu -sehr an die Gesellschaftlichkeit gewöhnst. - -Daß die Gesellschaftlichkeit ihre großen Vorteile habe, und der mäßige -Genuß derselben Bedürfnis sei, wer wird dies leugnen? - -Aber mehrere halbe Tage die Woche hindurch in Gesellschaften zu verleben, -ist Zeitverschwendung, ist wahrer Müßiggang, der, so wie jeder Müßiggang, -viel Böses lehrt, und dem Erzieher die Zeit raubt, die er auf Vorbereitung -und Abwartung seines Geschäfts verwenden sollte. Wirst du nur die Hälfte -der Zeit, die du bisher verplaudertest, in der Natur oder in der Werkstatt -zubringen, so wirst du bald ein anderer Mann werden. - -Noch eins! Du bist doch wohl kein Spieler? Du hast doch wohl nicht die -Gewohnheit angenommen, halbe Tage oder Abende hinter der Spielkarte -zuzubringen? Wäre dieses, so mußt du von neuem geboren werden, es -muß eine gänzliche Änderung mit dir vorgehen, wenn du zum Erzieher -tüchtig sein willst. Hast du denn noch gar nicht über den Wert der -Zeit nachgedacht; noch gar nicht überlegt, wie viel ein vernünftiger -Mensch in einer Stunde denken, lernen und wirken kann? Wie kannst du -denn mit deinen Lebensstunden so verschwenderisch umgehen? Wie willst -du denn erziehen können, wenn die Spielsucht dich beherrscht? Wirst du, -wenn die Spielstunde schlägt und dich zum Spieltische ruft, dich nicht -von deinen Pflichten losmachen? Wirst du deinen Pflegebefohlenen wohl -Selbstbeherrschung predigen können, wenn du selbst Sklave der Spielsucht -bist? Wird dein Exempel nicht auf deine Kleinen Einfluß haben und ihnen -Neigung zum Kartenspiele beibringen? - -Also, Freund! der du mit dieser Sucht behaftet bist, wähle! Entsage dem -Kartenspiele oder der Erziehung, weil beide sich so wenig miteinander -vertragen, wie die Arbeiten in einem Hammerwerke mit dem Spielen auf der -Harmonika. - -So glaube ich dir denn die Frage: ~Wo soll ich denn die Zeit hernehmen, -dies alles zu erlernen?~ hinlänglich beantwortet zu haben. Entsage nur -allen den Gewohnheiten, die Zeit zu verschwenden, die du bisher angenommen -hattest, so wirst du überflüssige Zeit haben, das alles zu erlernen, was -das Erziehungsgeschäft erleichtern und begünstigen kann. - - -9. Suche mit einer Familie oder einer Erziehungsgesellschaft in -Verbindung zu kommen, deren Kinder oder Pflegesöhne sich durch einen hohen -Grad von Gesundheit auszeichnen. - -Warum? Das wirst du leicht erraten. Wenn du Erzieher werden willst, so -mußt du auch lernen, deine Pflegebefohlenen gesund zu erhalten. Dazu -könntest du dir zwar auch die nötigen Kenntnisse in den Schulen der Ärzte -und aus den Büchern, die sie schreiben, erwerben; ich glaube aber, du -erwirbst sie dir leichter und sicherer im Umgange mit Personen, die -es bewiesen haben, daß sie zur Erhaltung der Gesundheit der Kinder die -nötige Einsicht und Geschicklichkeit besitzen. Siehe! der Baumgärtner hat -mehrere tausend junge Bäume unter seiner Aufsicht, die bei seiner Pflege -wachsen und gedeihen, ohne daß er eine genaue Kenntnis ihrer innern Teile -besitzt, ohne Physiologie der Pflanzen studiert zu haben. Er lernte die -Behandlungsart derselben von dem Exempel seines Vaters oder Lehrmeisters. - -Auf ähnliche Art wirst du auch lernen können, die Gesundheit der Kinder -zu erhalten. In dem Umgange mit den Personen, mit denen ich dir rate, in -Verbindung zu kommen, wirst du sehen, wie sie die Kinder behandeln, um -ihrem Körper Kraft und Festigkeit zu verschaffen, und was sie mit ihnen -thun, wenn sie sich übel befinden. - -Im letztern Falle mußt du dreierlei verstehen: zu erfahren, wo es den -Kindern fehle, was ihr Übelbefinden veranlaßt habe, und das einfache -Mittel, wodurch die Unordnung im Körper gehoben werden könne. - -Alles dies wird weit sicherer durch den Umgang mit solchen Personen, unter -deren Aufsicht die Kinder gedeihen, als durch ärztliche Vorlesungen und -Bücher erlernt, weil man bei dem erstern die Sachen durch die Anschauung -und bei diesen durch die Beschreibung wahrnimmt, bei deren Anwendung man -sich so leicht irren kann. - - -10. Suche dir eine Fertigkeit zu erwerben, die Kinder zur innigen -Überzeugung von ihren Pflichten zu bringen. - -Wie nötig dies sei, habe ich vorhin gezeigt. Sobald die Überzeugung da -ist, entsteht auch der Entschluß zur Pflichterfüllung. Das Kind thut -nun seine Pflichten, nicht weil sie von anderen geboten, nicht wegen -der Belohnungen und Strafen, die mit der Erfüllung und Vernachlässigung -derselben verknüpft sind, sondern weil es überzeugt ist, daß es notwendig -so sein muß. - -Deswegen denke selbst oft über deine Pflichten nach und suche dich -von der Verbindlichkeit, sie zu erfüllen, zu überzeugen. So lange dir -diese Überzeugung fehlt, so lange du nur durch die Umstände dich zur -Pflichterfüllung bestimmen läßt, so lange wird es dir auch schwer sein, -sie mitzuteilen, und deine Ermahnungen werden so kalt und Unwirksam sein, -als die Predigten eines Jakobiners von den Pflichten der Unterthanen -gegen die Obrigkeit. Bist du aber dazu gelangt, so wirst du auch Drang -empfinden, sie auf deine Kleinen zu übertragen, der dich beredt machen und -deinem Vortrage die nötige Wärme und Wirksamkeit verschaffen wird. Was von -Herzen kommt, geht wieder zu Herzen. - -Ist z. E. die Überzeugung von der Pflicht der Selbstbeherrschung bei dir -lebendig geworden, so wird sie dir auch stets gegenwärtig sein, und du -wirst sie deinen Kleinen leicht anschaulich machen können. - -Übe dich nun darin, durch anschauliche Darstellung der Pflichten die -Kinder zur Überzeugung davon zu bringen. Jede Übung verschafft Fertigkeit, -und je öfter sie wiederholt wird, desto mehr Vorteile, leicht zum Zweck zu -kommen, zeigt sie uns. - -Dieser Zweck ist bei der Erziehung in moralischer Hinsicht doppelt: -erstlich den von ihren Pflichten überzeugten Kindern zur Erfüllung Neigung -einzuflößen; zweitens sie zu bestimmen, gewisse Pflichten sogleich -auszuüben. Beide Zwecke wirst du erreichen, wenn du eine Fertigkeit dir -erwirbst, alles recht anschaulich darzustellen und die Pflicht gleichsam -zu versinnlichen. - -Da der Mangel an Geisteskraft die erste und vorzüglichste Ursache ist, -warum die Kinder gegen die Pflicht Abneigung haben und auch dann, wenn -die Neigung wirklich da ist, sie doch sehr oft vernachlässigen, so mußt -du dich mit einem Vorrate von Bildern versehen, unter denen du die -Notwendigkeit, nach seinen Einsichten zu handeln und die Sinnlichkeit zu -beherrschen, damit unsere geistige Kraft immer die regierende, der Leib -mit seinen Begierden die gehorchende sein müsse, vorstellest. Dieses -kannst du versinnlichen durch das Bild eines Reiters, eines Hausvaters, -eines Fürsten, kannst zeigen, daß nicht das Roß, nicht das Gesinde, nicht -die Unterthanen, sondern der Reiter, der Hausvater und der Fürst regieren, -und das Roß, das Gesinde, die Unterthanen gehorchen müssen, wenn alles -gut gehen soll; daß das Schicksal eines Reiters sehr traurig sei, der -sein Pferd nicht bändigen und regieren kann; daß der Hausvater und Fürst, -die von ihren Untergebenen sich müssen vorschreiben lassen, sich eben so -übel befinden, und dies der nämliche Fall mit einem Menschen sei, dessen -Geisteskraft so schwach ist, daß er die Begierden nicht bändigen kann, und -ihren Forderungen nachgeben muß. - -Du mußt dir ferner eine Fertigkeit zu erwerben suchen, die Pflichten zu -personifizieren oder Personen zum Muster aufzustellen, die sich durch -Erfüllung gewisser Pflichten auszeichneten. Dazu findest du reichlichen -Stoff in den Schriften für Kinder, welche erdichtete Erzählungen -enthalten, deren Zweck Veredelung der Gesinnung ist. Noch weit mehr wirst -du aber wirken, wenn du die Beispiele von wirklichen Personen aus der -alten und neuen Geschichte sammelst, die du deinen Kleinen als Muster -in Erfüllung gewisser Pflichten vorstellen kannst. Erzähle ihnen z. E. -die edle Handlung des Herrn von Montesquieu, der in der Stille einen in -barbarischer Sklaverei seufzenden Hausvater loskaufte, ihn kleiden ließ -und seiner trauernden Familie wieder schenkte, ohne es merken zu lassen, -wem sie diese Freude zu verdanken habe; oder die Gewissenhaftigkeit jenes -Mennoniten, der, als er von einem feindlichen Offizier genötigt wurde, -ihm ein Gerstenstück zum Abmähen für die Pferde zu zeigen, denselben vor -den Äckern seiner Nachbarn vorbeiführte und ihm sein eignes Gerstenstück -zeigte -- und du wirst gewiß wahrnehmen, daß deine kleinen Zuhörer das -Edle dieser Handlungen innig fühlen und von dem Entschlusse werden belebt -werden, ebenso zu handeln. - -Willst du aber deine Kleinen dahin bringen, daß sie gewisse Pflichten -sogleich erfüllen, so mußt du dir eine Fertigkeit erwerben, ihnen die -Notwendigkeit derselben recht anschaulich zu machen. Dies kann geschehen, -wenn du sie das Unschickliche der Vernachlässigung recht innig fühlen -läßt. Gesetzt, der kleine Hieronymus sollte dahin gebracht werden, zu -gewissen Stunden bestimmte Arbeiten zu machen, und weigere sich dessen, -so könntest du sagen: Wenn du glaubst recht zu haben, so wollen wir es -zum Gesetz machen, daß jedes Glied unserer kleinen Gesellschaft in der -Arbeitsstunde vornehmen kann, was es will, spielen, singen, umherlaufen, -wie es will. Er wird das Ungereimte einer solchen Verordnung sogleich -fühlen und sich zur Arbeit bequemen; oder du kannst auch nur kurzweg -fragen: Willst du, daß alle Kinder so handeln sollen? und wenn er sich -merken läßt, daß er das Unschickliche davon fühle, kannst du weiter -fragen: Aus welchem Grunde willst du denn eine Ausnahme von der Regel -machen? - -Ein andermal, wenn er eine gewisse Pflicht vernachlässigt, kannst du -auch fragen: Hältst du mich für einen rechtschaffnen Mann? wirklich? wie -kannst du mir denn zumuten, daß ich der Vernachlässigung deiner Pflichten -nachsehen soll? Thut das ein rechtschaffner Mann? Würdest du mich nicht -selbst verachten müssen, wenn ich mein Aufseheramt gewissenlos verwaltete -und zur Vernachlässigung deiner Pflichten schwiege? - -Durch solche und ähnliche Behandlungen wirst du viel bewirken, deine -Pflegebefohlenen zur Kenntnis und Überzeugung von ihren Pflichten -bringen, in ihnen der Entschluß, sie zu erfüllen, erzeugen, sie gewöhnen, -pflichtmäßig zu handeln, und nur selten in die Notwendigkeit versetzt -werden, ihnen ihre Verirrungen durch Strafen fühlbar zu machen. - - -11. Handle immer so, wie du wünschest, daß deine Zöglinge handeln sollen! - -Jedes Kind hat, wie ich schon bemerkt habe, einen Hang so zu handeln, wie -es andere handeln sieht, und es ist geneigter, Handlungen nachzuahmen, als -Ermahnungen und Vorschriften zu befolgen. - -Dein stetes Bestreben muß also dahin gehen, deinen Zöglingen in jeder -Hinsicht Muster zu sein, und die Belehrungen, die du ihnen giebst, durch -dein Beispiel zu bestätigen. Kinder haben ein ungemein feines Gefühl und -bemerken jeden Fehler ihres Erziehers. Sie vor ihnen zu verbergen, ist -eine vergebliche Bemühung; sie zu verteidigen, heißt sie ihnen empfehlen. -Das einzige Mittel, zu verhüten, daß deine Fehler keinen nachteiligen -Einfluß auf sie haben, ist -- daß du sie ablegst. - -Ehe du dich also entschließest, Erzieher zu werden, prüfe dich wohl, ob -dir deine moralische Besserung ein Ernst sei, und du dir hinlängliche -Kraft zutrauest, deinen Kleinen in jeder Hinsicht Muster zu sein. Ist dies -bei dir der Fall nicht, so entsage lieber diesem Geschäfte, bei welchem du -doch nicht viel Gutes stiften wirst, und wähle ein anderes, bei welchem -dein Beispiel für deine Mitmenschen weniger ansteckend ist. - -Fühlst du aber bei dir Entschlossenheit und Kraft, deinen Kleinen in jeder -Rücksicht Muster zu werden, so widme dich diesem wichtigen Geschäfte mit -Freudigkeit und rechne auf einen gesegneten Erfolg desselben. Je eifriger -du es treibst, desto vollkommner wirst du selbst werden. - -Deine Pflegebefohlnen werden deine Erzieher sein, manchen deiner Fehler, -der deiner Aufmerksamkeit entging, dir bemerklich machen und dich reizen, -ihn abzulegen. Dein Beispiel wird auf sie wirken, jeder deiner Ermahnungen -den nötigen Nachdruck geben, und so wie sie durch den steten Umgang mit -dir deine Mundart, so werden sie auch deine Tugenden annehmen.[I] - - - - -Schlußermahnung. - - -Das bekannte Sprichwort: _Non ex quovis ligno fit Mercurius_[40] kann auch -auf den Erzieher angewendet werden. So wie es nicht jedem Menschen gegeben -ist, ein Maler oder Dichter, auch bei dem besten Willen und der besten -Anweisung, zu werden, so ist es auch nicht jedes Menschen Sache, das -Geschäft der Erziehung mit gutem Erfolg zu treiben. Es gehört dazu eine -eigene natürliche Anlage. Man kann in hohem Grade rechtschaffen und weise -sein, viele Wissenschaft und mannigfaltige Geschicklichkeit besitzen und -doch, wenn jene Gabe fehlt, unvermögend sein, auf Kinder zu wirken und sie -zu lenken. - -Prüfe dich also wohl! Hast du die Winke, die dir in dieser Schrift gegeben -wurden, befolgt, so beobachte, was dies für Wirkung auf deine Kleinen -thue, ob sie gern in deiner Gesellschaft sind, ob deine Vorstellungen -auf sie Eindruck machten und deine Erinnerungen von ihnen befolgt werden. -Sollte dies der Fall nicht sein, so entrüste dich nicht gegen sie, sondern -untersuche, wo du gefehlt habest. Könntest du bei einer fortgesetzten -Untersuchung nichts an dir bemerken, was abzuändern wäre, und daß du, -auch bei dem redlichsten Bestreben, wenig bei ihnen ausrichten, ihre -Liebe und ihr Zutrauen nicht erwerben könntest, so wäre dies wohl ein -bedeutender Wink der Vorsehung, daß sie dich nicht zur Erziehung, sondern -zu irgend einem andern Geschäfte bestimmt habe, und du thust wohl, wenn -du diesen Wink befolgest. Du wirst bei fortgesetzter Selbstprüfung gewiß -eine vorzügliche Neigung und Anlage zu irgend einem andern Geschäfte -finden. Der Vater der Menschen hat jedes seiner Kinder gut ausgestattet, -jedem sein Pfund gegeben, mit dem es wuchern, das es durch gute Anwendung -vergrößern und zur Beförderung seines und des Wohls seiner Brüder benutzen -kann. Folge also dem Winke der Vorsehung und widme dich dem Geschäfte, -zu dem du dich berufen fühlst. Du wirst es mit Vergnügen treiben, es gut -ausrichten und damit viel Gutes wirken. - -Wolltest du hingegen ferner der Erziehung, bei aller Unfähigkeit zu -derselben, dich weihen, so würdest du dir und deinen Pflegesöhnen das -Leben verleiden und bei dem besten Willen ihrem Charakter eine schiefe -Richtung geben. - -Findest du aber, daß der Umgang mit Kindern dir Freude macht, daß sie an -dir mit ganzem Herzen hängen, daß du sie mit Leichtigkeit lenken kannst, -dann glaube, daß der Weltregierer dich zur Erziehung derselben berufen -habe. Folge seinem Rufe mit Freudigkeit und sei versichert, daß der -Lohn deiner Berufstreue sehr groß sein werde, daß du im Kreise deiner -Pflegebefohlenen immer Aufheiterung finden, von deinen Arbeiten reiche -Früchte sehen und durch dieselben einen sehr beträchtlichen Beitrag zur -Beförderung des Wohls der Menschenfamilie geben wirst! - - - - -Anmerkungen. - - -[1] Die ~Gereokomie~, d. i. die Methode, durch ~Einatmung der jugendlichen -Ausdünstungen~ den alternden Körper zu verjüngern, beruht auf einem aus -dem Altertume stammenden Irrtume. Siehe 1. ~Kön.~ 1. Auch ~Hufeland~ -erzählt in seiner ~Makrobiotik~ (Univ.-Bibl. Nr. 481-484) von der -Anwendung derselben. Die Ausdünstungen der Kinder in den Schulräumen -sind wegen der Kohlensäure u. dergl., die sie enthalten, der Gesundheit -nur schädlich, während der Sauerstoff, der so notwendig für die Atmung -ist, bald verzehrt wird. Es ist deshalb in gesundheitlicher Hinsicht -dringend notwendig, nach jeder Unterrichtsstunde in geschlossenen Räumen, -frische Luft in diese einzuführen. Wohl hat dagegen Salzmann Recht, -wenn er sagt, daß die beständige Munterkeit und Fröhlichkeit der Jugend -erfrischend auf das Gemüt des Lehrers einwirken. Der herzliche Verkehr, -der tägliche Umgang mit der frohen Jugend bewahrt das Herz des Erziehers -vor düsterer Melancholie und finsterer Misanthropie. Dagegen ist die -körperlich und geistig anstrengende Thätigkeit des Lehrers gewiß der -Grund, daß nach statistischen Nachweisen der Lehrerstand in Bezug auf sein -Durchschnittslebensalter nicht hoch steht. - -[2] Über das »~Krebsbüchlein~« siehe Einleitung. Das Titelbild dieser -Schrift zeigte einen alten und drei junge Krebse in einem Teiche mit der -Unterschrift: »_Faciam, mi papule, si te idem facientem prius videro_« -(Ich werde's thun, mein Väterchen, wenn ich zuvor sehen werde, daß du's -thust). - -[3] Nach unserer heutigen Kenntnis stimmt der von Salzmann geschilderte -~Vorgang bei den Ameisen~ nicht mit der Wirklichkeit. Man unterscheidet -bei den Ameisen: _a_) geflügelte Männchen, _b_) geflügelte Weibchen, _c_) -verkümmerte, ungeflügelte Weibchen oder geschlechtslose Arbeiter. An -schönen Augustabenden erheben sich die geflügelten Männchen und Weibchen -in die Luft, wobei die Begattung im Fluge vor sich geht. Das Aufschwingen -in die Luft geschieht also nicht ~nach~ geschehener Begattung, wie -Salzmann irrtümlich meint, sondern ~vor~ derselben. Nach der Begattung -kommen die männlichen Ameisen um, wogegen die Weibchen sich selbst die -Flügel abstreifen und neue Kolonien gründen. Die Erziehung wird durch die -dritte Art besorgt. - -[4] In den Jahren 1785-91 gab ~Joh. Heinr. Campe~ unter Mitwirkung -von Gedike, Resewitz, Trapp, Salzmann, Lieberkühn, Funk u. a. in 16 -Bänden »~Allgemeine Revision des gesamten Schul- und Erziehungswesen -von einer Gesellschaft praktischer Erzieher~« heraus. In diesem Werke -werden die wichtigsten Fragen der Erziehung im Sinne der von Rousseau -und den Philanthropen angebahnten Reform behandelt. Die Arbeiten dieses -Sammelwerkes enthalten namentlich in Bezug auf leibliche Erziehung -und Elementarunterricht manches Brauchbare; teilweise waren sie aber -auch nur Übersetzungen von ~Lockes Gedanken über Erziehung~ und von -~Rousseaus Emil~ (Univ.-Bibl. Nr. 901-908), mit zahlreichen Glossen der -Herausgeber versehen. Getadelt wird an »diesem bedeutendstem Denkmal -des philanthropischen Zeitalters« die bisweilen zu sehr hervortretende -einseitige Richtung auf das materiell Nützliche, insonderheit in den -Originalarbeiten, die von Campe selbst herrühren, von dem es heißt, daß er -das Verdienst dessen, der bei uns den Kartoffelbau einheimisch gemacht, -oder das Spinnrad erfunden hatte, höher anschlug als das Verdienst des -Dichters einer Ilias und Odyssee. - -[5] Der große Philosoph ~Immanuel Kant~ (1724-1804) hielt in Königsberg -auch Vorlesungen über Pädagogik, hat aber kein eigentliches System der -Pädagogik hinterlassen (s. Kant: Über Pädagogik, herausgegeben von Th. -Vogt, Verlag von Beyer & Söhne, Langensalza). Salzmann denkt an das von -Kant aufgestellte Prinzip der Moralität: »~Thue die Pflicht um der Pflicht -willen!~« Dieses ist Kant das höchste sittliche Ziel, und zu dieser -sittlichen Freiheit soll der Mensch erzogen werden. - -[6] Dieser Satz klingt etwas paradox, ist aber, wie Salzmann nachweist, -für den Erzieher ernst und wichtig. Da Salzmann in Bezug auf sein -~anthropologisches Prinzip~ auf dem Boden des ~Naturalismus~ stand, -so suchte er auch nie den Urgrund aller Fehler und Untugenden in der -angeborenen Verderbtheit der menschlichen Natur, im Menschen selbst, -sondern stets außerhalb desselben. Auch in Salzmanns anderen Schriften -kehrt dieser Gedanke wieder. In der Vorrede zum »Krebsbüchlein« heißt -es: »Der Grund von allen Fehlern, Untugenden und Lastern der Kinder ist -mehrenteils bei dem Vater oder der Mutter, oder bei beiden zugleich zu -suchen. Es klingt dies hart, und ist doch wahr.« Und am Schlusse der -Vorrede: »Eltern und Erzieher! Wenn eure Kinder Untugenden und Fehler an -sich haben: so sucht den Grund davon nicht in ihnen, sondern -- in euch.« -Im 19. Kapitel von »Konrad Kiefer« sagt Salzmann: »So lernen diejenigen -Eltern auch immer besser ihre Kinder erziehen, die fein bescheiden gute -Lehren annehmen und den Grund von den Fehlern, die die Kinder angenommen -haben, erst in sich suchen.« Schon ~Rousseau~ stellte in seinem »Emil« den -ähnlich klingenden Satz auf: »An allen Lügen der Kinder ist der Erzieher -schuld.« So versucht man auch jetzt vielfach die Schule für die angebliche -Zunahme der Verrohung und Verwilderung der Bevölkerung, für die Zunahme -der Verbrechen, verantwortlich zu machen. Trifft der Schule hierin ein -Vorwurf, so kann das Maß desselben nur gering sein. Außer ihr kommen noch -viele andere Erziehungsfaktoren in Betracht, auf die die Schule wenig oder -gar keinen Einfluß hat. - -[7] Daß die Pflege des früh im Kinde wach werdenden ~Thätigkeitstriebes~ -nicht erst der Schule anheimfallen muß, sondern daß sie schon im -Elternhause bezw. durch den Kindergarten stattzufinden hat, habe ich -in meiner Schrift: »~Einfluß des Fröbelschen Kindergartens auf den -nachfolgenden Schulunterricht~« näher dargelegt. Daß die Schule die -~Selbstthätigkeit~ der Kinder ebenfalls fördern soll, ist selbstredend. -Niemals soll der Lehrer dem Schüler jene Arbeit abnehmen, die dieser -selbst zu leisten vermag. Was dessen Geisteskräften nur erreichbar ist, -das gebe man ihm nicht fertig, nein, darnach gestatte man ihm nur seinen -Geist auszurecken. ~Kehr~ sagt: »Selbstsuchen, selbstsehen, selbstfinden, -selbstthätig sein, hält den Schüler geistig wach.« Auch ~Salzmann~ legt -großen Wert auf möglichst selbständiges Arbeiten der Kinder. In seiner -Schrift: »Noch etwas über die Erziehung« heißt es: »Es ist noch sehr wenig -Anleitung zum eigenen Beobachten, eigener Erforschung, eigener Erwerbung -der Kenntnisse, sondern der Lehrer arbeitet den Kindern vor, unterrichtet -sie von dem, was er durch seine mühsamen Arbeiten herausgebracht hat, und -das Kind verhält sich mehrenteils leidend.« - -[8] kindische = kindliche. Im vorigen Jahrhundert hatte die Endung »isch« -noch nicht den Begriff des Lächerlichen; diesen hat sie erst in diesem -Jahrhundert erhalten. - -[9] ~Charakter~ ist -- wie ~Lindner~ sagt -- die bleibende Art und Weise, -zu handeln und zu wollen; sein Kennzeichen ist innere Übereinstimmung -und Konsequenz. Fassen wir den Begriff Charakter noch schärfer, so ist -er die vollständige Konsequenz des sämtlichen Wollens und Handelns -durch Unterordnung desselben unter praktische Grundsätze und dieser -wieder unter einen obersten praktischen Grundsatz. Das letzte Ziel -aller Erziehung ist nach ~Herbart~ die ~Heranbildung des sittlichen -Charakters~ oder, wie er es nennt, ~Charakterstärke der Sittlichkeit~. -Sittlichkeit und Charakter stehen im engen Verhältnis zum ~Wollen~. Ohne -Wollen keine Sittlichkeit, kein Charakter, da wir mit Charakter die -Konsequenz des Denkens und Handelns, angeregt von bewußten Beweggründen -und geleitet von bewußten festen Grundsätzen, bezeichnen. Von einem -Charakter ist deshalb beim Kinde nicht gut zu sprechen; es läßt sich -vielmehr durch die Eingebung des Augenblicks und der Umgebung, durch -Beispiel und Überredung bestimmen. Es soll erst zum Charakter erzogen -werden. Zur Entwickelung eines guten und großen Charakters ist _a_) eine -~günstige Naturanlage~, _b_) die ~Vielseitigkeit~ und ~Einheitlichkeit -des Unterrichts~, welcher kenntnisreich macht und gleiche Gedanken mit -möglichst vielen verschiedenen Vorstellungen verknüpft, sie aber alle -einer Einheit, der ~Sittlichkeit~, unterordnet, nötig; ferner ist _c_) -namentlich die richtige ~Gewöhnung~ notwendig. Die letztere ist für -die Entwickelung des sittlichen Charakters sehr wichtig, da sie die -Individualität veredelt, die Geisteskräfte, besonders das verständige und -vernünftige Denken stählt, das Gedächtnis des Willens bildet und so die -Schnelligkeit und Konsequenz des Entschlusses und Handelns fördert, und -viele Tugenden zur Gewohnheit macht. Was Salzmann hier unter Charakter -meint, nennen wir jetzt nach heutigem psychologischen Sprachgebrauch -~Individualität~, d. i. die Summe der allgemeinen und besonderen Merkmale -oder die Eigentümlichkeiten eines Menschen. Die Individualität wird -bestimmt: _a_) durch die ~körperliche Beschaffenheit~ nach Alter und -Geschlecht, Gesundheit oder Kränklichkeit, Naturell u. s. w., _b_) durch -das ~Temperament~, _c_) durch die besondere Richtung der ~natürlichen -Anlagen~, _d_) durch die ~Erziehung~. ~Comenius~ unterscheidet in -seiner _Didactica magna_ sechs Haupttypen von Schülerindividualitäten: -_a_) die Scharfsinnigen, Lernbegierigen, Bildsamen, _b_) diejenigen, -die zwar scharfsinnig sind, aber langsam und hierbei gefügig, _c_) die -Scharfsinnigen und Lernbegierigen, aber dabei Trotzigen und Verstockten, -_d_) die Willfährigen und zugleich Lernbegierigen, aber Langsamen und -Schwerfälligen, _e_) jene, die schwachsinnig und überdies nachlässig und -träge sind, _f_) die Schwachköpfe, die überdies noch von verkehrter und -bösartiger Beschaffenheit sind. -- Es ist eine Hauptaufgabe der Erziehung, -die Individualität des Zöglings soviel als möglich unversehrt zu erhalten. -Es ist deshalb Pflicht des Erziehers, die Individualitäten seiner Schüler -zu erkennen und diese bei seiner Erziehung und seinem Unterrichte zu -berücksichtigen. Doch darf er der Individualität nicht einen allzu -freien Spielraum einräumen, da sonst leicht Sonderlinge, Hartköpfe und -Egoisten erzogen werden. Deshalb ist in Hinsicht auf die Beachtung der -Individualität der richtige allgemeine Grundsatz der: »~Der Erzieher -erforsche die Individualität seiner Zöglinge und bilde sie so, daß sie -sich stets in Übereinstimmung mit der Mehrheit des gebildeten und edleren -Teiles der menschlichen Gesellschaft befindet.~« (Petzold.) - -[10] »~Erkenne dich selbst!~« war der Wahlspruch des Lakedämoniers -~Chilon~, eines der sieben griechischen Weisen. Es war ferner die -Inschrift des delphischen Apollotempels. ~Sokrates~ stellte dieses Wort -jedem Einzelnen seiner Schüler als Lebensaufgabe, damit er gut handeln -lerne. - -[11] ~Aristoteles~ ward 385 v. Chr. zu Stagira in Thrazien geboren; in -seinem 17. Jahre ward er Schüler ~Platos~ zu Athen, bei dem er 20 Jahre -blieb. 343 ward er vom makedonischen Könige ~Philipp~ zur Erziehung seines -dreizehnjährigen Sohnes ~Alexander~ berufen. Als Alexander später seinen -Feldzug gegen Persien unternahm, gründete Aristoteles in Athen eine -Philosophenschule. Er starb 323 v. Chr. zu Chalcis auf Euböa. Aristoteles -ist nicht nur praktisch als Erzieher thätig gewesen, sondern er hat -sich auch in seinen Schriften theoretisch vielfach mit der Erziehung -beschäftigt, so in seiner »~Nikomachischen Ethik~« und in der »~Politik~«. -Eine besondere von ihm verfaßte Schrift über die Erziehung ist verloren -gegangen. Aristoteles betrachtet die Erziehung als die schwierigste -Aufgabe, die gestellt werden, und auch als die höchste, deren Lösung -versucht werden kann. Das Ziel der gesamten menschlichen Thätigkeit -ist nach ihm die ~Glückseligkeit~ (Eudämonie), die sich auf die Tugend -gründet. Im Unterrichte betont er vor allem das Notwendige und zum Leben -~Nützliche~ (Utilitätsprinzip), wie später auch die Philanthropen. - -[12] Die ~Aufgabe der Erziehung~ ist die ~Entwickelung und Übung aller -Kräfte des Kindes~, der ~leiblichen~ sowohl als auch der ~seelischen~. -Damit ist aber noch nicht das ~Ziel der Erziehung~, wie auch das ~Wesen~ -derselben festgesetzt. Dieses liegt vielmehr darin, daß das Ebenbild des -Schöpfers in dem Zöglinge wieder hergestellt werde, oder in der Erreichung -nicht nur der ~irdischen~, sondern auch der ~himmlischen Glückseligkeit~. - -[13] Die ~Laufbänke~ und ~Laufzäume~ (Laufbänder) wurden früher und -werden auch noch jetzt angewandt, um die Kleinen eher zum Laufen zu -bringen. Durch die gutartig vor die Brust gelegten Bänder bei den -Laufzäumen und durch die Leisten bei den Laufbänken wird die Brust -zum Schaden der Gesundheit eingeengt bezw. gedrückt. Mit Recht eifert -deshalb Salzmann in seinem »Ameisenbüchlein«, wie auch im »Konrad Kiefer« -und in »Noch etwas über Erziehung« gegen solche unnatürliche Mittel. -Schon ~Rousseau~ sagt im zweiten Buche seines »Emils«: »Man lehre den -Kindern nichts, was sie von selbst lernen; ~so~ z. B. nicht das Gehen. -Gängelbänder als Laufkorb, Fallhut und andere Hilfen taugen nichts.« Auch -~Kant~ zieht gegen die Leitbänder und dergl. zu Felde. - -[14] Sinnlichkeit = ~Sinne~. Über die Übung der Sinne s. Anm. 21. - -[15] Für die Erreichung des Unterrichts- und Erziehungszieles ist zwar -die ~Gesundheit~ des Kindes ein wesentlicher Faktor; doch ist es von -Salzmann zuviel behauptet, wenn er sagt, daß bei ungesunden Kindern -~alle~ Erziehung mißlinge. Wohl erschwert die Kränklichkeit oder die -Schwäche eines Kindes die Arbeit des Erziehers, da er ja bei derselben -die physische Natur des Zöglings berücksichtigen muß, und von einem -schwächlichen Kinde nicht das fordern darf, was er von einem gesunden -verlangt. Die physische Schwäche wirkt auch oft nachteilig auf Geist -und Gemüt ein, aber von einem gänzlichen Mißlingen der Erziehung bei -ungesunden Kindern darf doch nicht die Rede sein. Es erfordert aber -die schwächliche Beschaffenheit der physischen Natur des Schülers eine -besondere Berücksichtigung seitens des Lehrers und eine gediegene -pädagogische Durchbildung desselben. - -[16] Wenn Salzmann hier gegen die ~Ärzte~ eifert, so hat dieses -seinen Grund in dem niederen Standpunkte, den die Arzneikunde im -vorigen Jahrhundert einnahm. Seitdem sich aber die Medizin und ihre -Hilfswissenschaften zu wirklichen Wissenschaften erhoben, und berühmte -Gelehrte der Neuzeit als Virchow, Stromeyer, Koch, Schrötter, Bock, -Klencke, Esmarch, Fürst, Freerichs u. a. zu ihren Vertretern zählt, ist -es damit anders geworden. Dies schließt aber nicht aus, daß der Lehrer -selbst verstehe, die Gesundheit seiner Zöglinge zu fördern, und sie auch -in der ~Gesundheitspflege~ zu unterweisen. Als einschlägliche Schriften -seien genannt: ~Kirchhoff~: »Gesundheitspflege«; ~Bock~: »Bau, Leben -und Pflege des menschlichen Körpers«; ~Correus~:»Der Mensch«; ~Katz~: -»Fürs Auge«; ~Reclam~: »Gesundheitsschlüssel«, »Gesundheitslehre für -Schulen«; ~Zwick~: »Körperpflege und Jugenderziehung«; ~Reimann~: »Die -körperliche Erziehung und die Gesundheitspflege in der Schule«; ~Kohler~: -»Die Gesundheitslehre in der Volks- und Fortbildungsschule«; ~Gauster~: -»Die Gesundheitspflege im allgemeinen und hinsichtlich der Schule im -besonderen«; ~Scholz~: »Leitfaden der Gesundheitslehre«; ~Siegert~: -»Die Schulkrankheiten«. -- Schon ~Comenius~, ~Montaigne~ und ~Rousseau~ -forderten die Schulhygieine; diesen tritt auch ~Salzmann~ bei. Jetzt wird -sogar von mehreren Seiten gefordert, daß in jeder Schulkommission ein Arzt -Sitz und Stimme haben solle. Wohl ist die Mitarbeit des Arztes in der -Schule wünschenswert, da die Schule weder die körperliche Gesundheit noch -die geistige Frische des Schülers schädigen darf. Den Ärzten aber jeder -Zeit freien Zutritt in die Schule zu gestatten, würde viele Störungen des -Unterrichts herbeiführen. Dagegen ist zu fordern, daß der Gesundheitslehre -der ihr gebührende Platz im Unterrichte eingeräumt werde, und daß die -Seminare die angehenden Lehrer in der Schulhygieine unterweisen, diese -auch bei den Prüfungen der Lehrer Prüfungsgegenstand sei, damit die -Lehrer zur Erhaltung der Gesundheit der Kinder in der Schule beitragen -können. Denn »gerade während der Schulzeit ist die ~körperliche Kultur~ -sehr wichtig: erstens, weil der jugendliche Körper des Schülers allen -Schädlichkeiten der Umgebung mehr offen steht und unter den Folgen übler -Angewöhnungen mehr leidet, als der abgehärtete Körper des Erwachsenen, und -zweitens, weil der Unterricht durch den Zwang des Stillsitzens in dicht -besetzten Schulstuben, sowie durch die andauernde geistige Anstrengung auf -die Gesundheit des Kindes leicht ungünstig einwirken kann.« (Lindner.) Daß -die Forderung Salzmanns und der anderen Philanthropen: die Schule habe das -leibliche Wohl der Schüler zu berücksichtigen und zu fördern, so wichtig -ist, geht daraus hervor, daß der Körper die ~Wohnung~ und das ~Werkzeug -der Seele~ ist. Deshalb spricht auch ~Rückert~: - - »Ein gutes Werkzeug braucht zur Arbeit der Arbeiter, - Und gute Waffen auch zum Waffenstreit ein Streiter. - Du Streiter Gottes und Arbeiter, merk's, o Geist, - Daß deines eignen Leibs du nicht unachtsam seist - Das ist dein Arbeitszeug, das ist dein Streitgewaffen, - Das halte wohl im Stand, zu streiten und zu schaffen! - O, wie du dich bethörst, wenn du den Leib zerstörst, - Der dir so angehört, wie du Gott angehörst. - Wie du Gott angehörst, so hört dein Leib dir an, - Und ohne deinen Leib bist du kein Gottesmann.« - -[17] Hier tritt Salzmann in Gegensatz zu ~Pestalozzi~, der in seiner -Schrift: »Wie Gertrud ihre Kinder lehrt« (Univ.-Bibl. Nr. 991. 992) -die Behauptung aufstellt: »Der Mensch ist selbst der erste Vorwurf der -Anschauung« und diesem Satze gemäß den ~Körper des Kindes und seine -Glieder~ zuerst als Betrachtungsobjekt behandelt wissen will, wozu er im -»Buch der Mütter« Anleitung gab. Die neuere Pädagogik stellt sich dagegen -auf den Standpunkt Salzmanns und stimmt den Worten ~von Türks~, der 1808 -in Ifferten bei Pestalozzi weilte, bei. Türk sagt: »Ich hatte schon -früher die Idee des Buches der Mütter als gut anerkannt, aber die Wahl -des Gegenstandes der dort aufgestellten Übungen: des menschlichen Körpers -gemißbilligt; ich erachte die Umgebungen des Kindes im Hause und in der -Natur für weit mehr dazu geeignet.« - -[18] Mit Recht tadelt Salzmann das Verfahren, ~Naturgeschichte~ -zu lehren, ohne die Kinder selbst in die Natur einzuführen. Schon -~Rousseau~ sagte: »Eure Philosophen lernen die Naturgeschichte in den -Naturalienkabinetten, sie besitzen Flitterkram, wissen Namen und haben -durchaus keine Idee von der Natur.« Auch in seiner Schrift: »Noch etwas -über die Erziehung« zieht Salzmann gegen den naturgeschichtlichen -Unterricht, der sich nicht auf ~Anschauung der Natur selbst~ stützt, -zu Felde. Gewiß ist es jetzt bedeutend besser damit geworden; -doch wird der naturgeschichtliche Unterricht noch vielfach in zu -wissenschaftlicher Weise erteilt, indem man sich zu sehr an das System -hält, während doch die ~Einführung der Kinder in die Natur~ selbst -die Hauptsache sein sollte. Verbesserungsbestrebungen machen sich -in neuester Zeit geltend. Es sei in dieser Hinsicht hingewiesen auf -die Schriften von ~Junge~: »Der Dorfteich«; ~Baade~: »Zur Reform des -naturgeschichtlichen Unterrichts«; ~Twiehausen~: »Der naturgeschichtliche -Unterricht in ausgeführten Lektionen«; ~Vögler~: »Präparationen für -den Naturgeschichtsunterricht«; ~Kießling~ und ~Pfalz~: »Methodisches -Handbuch für den Unterricht in der Naturgeschichte«. Was Salzmann weiter -vom naturgeschichtlichen Unterricht sagt, gilt auch namentlich vom -~ersten Schulunterricht~. Seine Lehrbeispiele, die er im Nachfolgenden -giebt, beziehen sich besonders auf diesen Unterricht. Hier ist gerade -die ~Anschauung~ an ihrem Platze. Namentlich findet die Anschauung ihre -Pflege in dem sog. ~Anschauungsunterrichte~, dessen Ziel sein soll, das -Kind mit der heimatlichen Umgebung, ihrer Natur und Lebewesen bekannt -zu machen, weshalb er vielfach auch als »~Heimatskunde~« bezeichnet -wird. Der angehende Lehrer, dem bekanntlich gerade dieser so wichtige -Unterricht obliegt, sei auf folgende Schriften hingewiesen: ~Wernecke~: -»Praxis der Elementarklasse«; ~Strübing~: »Sprachstoffe«; ~Harder~: -»Anschauungsunterricht«; ~Jütting-Weber~: »Anschauungsunterricht -und Heimatskunde«; ~Wiedemann~: »Präparationen«; ~Wagner~: -»Entdeckungsreisen in Haus und Hof, in Wald und Feld &c.«; ~Breiden~: »Der -Anschauungsunterricht«; ~Fuhr~ und ~Ortmann~: »Anschauungsunterricht«; -~Niedergesäß~: »Anschauungsunterricht«; ~Stieber~: »Anschauungsunterricht -im Anschlusse an die Pfeifferschen und Winkelmannschen Bilder«; -~Heinemann~: »Handbuch für den Anschauungsunterricht und die -Heimatskunde«; ~Seidel~: »Materialien für den Anschauungs- und -Sprachunterricht im ersten Schuljahre«; ~Fischer~: »Sprachstoffe zu -Leutemanns fünfzehn Tierbildern«; ~Richter~: »Der Anschauungsunterricht«. - -[19] Die ~lateinischen Namen der Pflanzen~ sind für die Kinder der -Volksschule nur toter Ballast. Auch hier gilt das Wort: »_Res, non -verba_.« Was nützen den Kindern die ~Namen~ der Naturdinge, zumal -die lateinischen, wenn ihnen die ~Kenntnis der Naturkörper~ selbst -abgeht? ~Hauptsache ist die Betrachtung der Natur~ selbst; dann mag -der Name hinzutreten, aber nur der deutsche. Man hüte sich, den -Naturgeschichtsunterricht in bloße Nomenklatur aufgehen zu lassen; die -Gefahr liegt aber bei dem bloßen Angeben der Namen sehr nahe. Viel ist -in dieser Hinsicht auf dem Gebiete des naturgeschichtlichen Unterrichts -gesündigt worden, weshalb die Reformbestrebungen, von denen die Arbeiten -von Junge, Kießling und Pfalz, Twiehausen, Baade und Vögler zeugen, -freudig zu begrüßen sind. - -[20] In Bezug auf dieses ~Erraten der Pflanzen~, wie Salzmann es will, sei -erinnert an das ~Versteckspiel~, das ~Wolke~ mit den Zöglingen beim großen -Examen am Dessauer Philanthropin aufführte, von wo es Salzmann entlehnt -hat (s. Schummel: Fritzens Reise nach Dessau). - -[21] Unter ~Empfindungsvermögen~ versteht Salzmann, was wir nach dem -heutigen psychologischen Sprachgebrauche ~Sinnesvermögen~ nennen. Salzmann -nennt dieses Empfindungsvermögen, weil die ersten einfachen Eindrücke, -die uns durch die Sinne zugehen, ~Empfindungen~ genannt werden, aus denen -dann die ~Wahrnehmungen~, ~Anschauungen~ und ~Vorstellungen~ hervorgehen. -Die ~Übung der Sinne~ des Kindes ist sehr wichtig. Deshalb fordert -auch ~Rousseau~: »Erst Übung der Sinne, dann Übung der Geisteskräfte! -Sinnenvernunft vor intellektueller Vernunft! Denn die ersten Vermögen, -die sich in uns bilden und entwickeln, sind die Sinne. Übt nicht bloß die -Kräfte der Kinder, übt alle Sinne, welche die Kräfte regieren, benutzt -möglichst jeden Sinn, prüft die Eindrücke des einen Sinnes durch die -anderen. Meßt, zählt, wägt, vergleicht!« Und ~Comenius~ sagt: »Anfangs -übe man die Sinne, dann das Gedächtnis, hierauf den Verstand, zuletzt das -Urteil. Denn die Wissenschaft beginnt mit der sinnlichen Wahrnehmung.« -Und ~Salzmann~ schreibt in seiner Schrift: »Über die Erziehungsanstalt zu -Schnepfenthal«: »Da wir alle unsere Kenntnisse durch die Sinne bekommen, -die den Stoff liefern, aus dem die Vernunft ihre Begriffe abzieht, so -ist es wohl sehr nötig, daß zuerst die Sinne geübt werden,« und in -seinem »Himmel auf Erden«: »Das richtige Empfinden wird am besten in der -ersten Jugend gelernt, wenn die mit der Welt noch unbekannte Seele auf -die Dinge, die um sie sind, aufmerksam gemacht und angeleitet wird, sie -selbst zu beobachten und darüber selbst zu urteilen.« Wie vorteilhaft -es für den Schulunterricht ist, wenn die Sinne der Kinder bereits im -vorschulpflichtigen Alter durch den ~Kindergarten~ geübt und geschärft -worden sind, habe ich in meiner Schrift: »Der Einfluß des Fröbelschen -Kindergartens auf den nachfolgenden Schulunterricht« nachgewiesen. (Verlag -von Siegismund & Volkening, Leipzig.) Daß die Übung der Sinne auch auf den -oberen Schulstufen zu pflegen ist, ist selbstredend. - -[22] Mit Eifer tritt Salzmann gegen das bloße ~Wortlernen~ auf und betont, -wie es nachher auch von ~Pestalozzi~ geschah, die ~Anschauung~, besonders -auf den unteren Stufen. Auch ~Basedow~ verlangt in seinem »Methodenbuche«: -»keine Worte und Sätze zu lehren, mit denen die Kinder noch falsche -Begriffe verbinden.« ~Locke~ sagt: »Nicht durch Worte, sondern durch Dinge -und Abbildungen der Dinge erhalten die Kinder die ersten Vorstellungen.« -Bei ~Comenius~ heißt es: »Alles muß der sinnlichen Anschauung unterstellt -werden.« Gegen Salzmanns Forderung, daß man bei dem Sprachunterrichte -z. B. anfänglich lauter solche Bücher gebrauchen müsse, bei deren Lesung -nur Vorstellungen in den jungen Seelen erzeugt werden, die sie entweder -selbst durch die Anschauung bekommen haben, oder die doch mit denselben -in Verwandtschaft stehen, verstoßen z. B. die meisten unserer ~Fibeln~. -So bringt z. B. eine viel gebrauchte Fibel in ihren Übungsgruppen Wörter, -deren Inhalt den Kindern ganz fern liegt. Ich nenne nur: Domino, Delta, -Indien, Tiber, Xerxes, Xantippe, None u. a. - -[23] Auch der ~fremdsprachliche Unterricht~ muß, wie Salzmann mit Recht -bemerkt, die ~Anschauung~ zur Grundlage haben. Wie viele Vokabeln, Sätze -u. s. w. müssen die Kinder aber lernen, deren Inhalt ihnen ganz fremd -ist. Auch die heterogensten Übungssätze werden ihnen vorgeführt. In -der französischen Sprache hat man nun schon angefangen, dieselbe auf -~Grundlage der Anschauung~ zu lehren. So ~Lehmann~ in seinem »Lehr- -und Lesebuche der französischen Sprache nach der Anschauungsmethode«, -~Ducotterd~ und ~Mardner~: »Lehrgang der französischen Sprache auf Grund -der Anschauung«. In seiner Schrift: »Noch etwas über die Erziehung« giebt -Salzmann seine Lehrweise der fremden Sprachen an: »Erst wird über die -verschiedenen Produkte der Natur, die zusammengebracht werden, lateinisch -(französisch) gesprochen, das Gespräch diktiert und niedergeschrieben, -dann werden zweckmäßig gewählte Schriftsteller gelesen und dabei die -grammatikalischen Regeln gegeben, endlich lateinische (französische) -Aufsätze gemacht.« Salzmann will also die sog. ~direkte Methode~ angewandt -wissen. - -[24] Schon ~Rousseau~ tritt in seinem »Emil« gegen das ~zu frühe -Bücherlesen~ der Kinder ein. Emil soll vor seinem 12. Jahre kein Buch -in die Hand bekommen. Wenn Salzmann auch mit Recht nicht so weit geht, -so sind seine Worte, mit denen er im »Ameisenbüchlein« und im »Konrad -Kiefer« gegen den zu frühzeitigen Beginn des Lesenlernens eifert, -wohl beherzenswert. Er sagt mehrmals: »Kinder müssen erst gewöhnt -werden, aus der ~Natur~ sich zu unterrichten, bevor man ihnen ~Bücher~ -in die Hände giebt.« Das Kind muß erst den Übergang finden aus dem -lustigen Spielleben der Kinderstube zu der ernsten Arbeit der Schule. -Mit Recht fordern deshalb namhafte Pädagogen, als ~Türk~, ~Denzel~, -~Graßmann~, ~Graser~, ~Lüben~, _Dr._ ~K. Schmidt~, ~Kehr~ u. a., daß -dem Lesenlernen ein ~Vorkursus~ vorangehen müsse; ja einige von ihnen -wollen erst das Lesenlernen ins ~zweite~ Schuljahr verlegt wissen. Auch -die »acht Schuljahre« von ~Rein~, ~Pickel~ und ~Scheller~ wissen von -einem Leseunterrichte im ~ersten~ Schuljahre nichts. Was soll man aber -sagen, wenn Kleinkinderschulen und Kindergärten den Kindern die Fibel -in die Hand geben, und wenn ~Therese Focking~ die Lehrerwelt sogar mit -einer »~Fröbelfibel~« beehrt hat?! Vgl. meine Schrift: »Der Einfluß des -Fröbelschen Kindergartens auf den nachfolgenden Schulunterricht.« - -[25] ~Pestalozzi~ widmete dem ~Vorsagen~ und ~Nachsprechenlassen~ langer -und verwinkelter Sätze, deren Inhalt den Kindern oft ganz unverständlich -war, viel Zeit und Kraft (vgl. »Wie Gertrud ihre Kinder lehrt«, -Univ.-Bibl. Nr. 991. 992). Er wollte die Kinder dadurch im Sprechen -üben und ihre Sprachkraft stärken. ~Salzmann~ anerkennt auch den Wert -des ~Nach-~ und des ~Chorsprechens~, will aber nur einen beschränkteren -Gebrauch davon zu machen wissen. Die heutige Pädagogik steht auf Salzmanns -Seite. Auch sie betreibt das Chorsprechen, aber nur von dem, was den -Kindern verständlich ist. ~Wiedemann~ führt in seinem »Lehrer der Kleinen« -als Gründe für das Chorsprechen an: 1) das Chorsprechen löst vor allen -Dingen die Zunge; 2) es kultiviert die Aussprache; 3) es giebt auch den -Schüchternen Mut; 4) es hält bei der Stange; 5) es schützt die Kinder -vor langer Weile, belebt den Unterricht. Siehe auch: ~Haushalter~: »Das -Sprechen im Chor«. - -[26] Zur Verbesserung des ersten Leseunterrichts schrieb Salzmann »~Konrad -Kiefers ABC- und Lesebüchlein~«. Es erschien 1806. - -[27] In seiner Schrift: »Über die Erziehungsanstalt in Schnepfenthal« -läßt sich Salzmann eingehend über die Ausbildung der ~Handfertigkeit~ -aus. So sagt er: »Zur Erziehung des Menschen ist unumgänglich nötig: -Übung seiner Hände und Gewöhnung, von den Werkzeugen, die der -menschliche Verstand erfand, Gebrauch zu machen.« In Schnepfenthal fand -der Handfertigkeitsunterricht eingehende Pflege. Die Zöglinge wurden -unterwiesen in Papparbeiten, Schreinerarbeit, Drechseln, Korbflechten. -Besonders widmete sich der Lehrer ~Blasche~ diesem Unterrichte. Die -Handfertigkeitsunterrichtsfrage ist zur Zeit eine brennende, noch -unentschiedene. In zahlreichen Schriften wird für und gegen den -Handfertigkeitsunterricht gestritten. Nach unserer Ansicht ist Salzmann -in vollem Rechte, wenn er die Betreibung von Handarbeiten zur Kräftigung -des Körpers fordert. Für eine Eingliederung derselben, zumal wenn der -Handfertigkeitsunterricht nur praktisch-formalen Nutzen gewährt und -mit der Schularbeit in gar keiner Verbindung steht, können wir uns -nicht begeistern. Stellt er sich aber in den Dienst des theoretischen -Unterrichts, wie es z. B. die Schrift vom Seminarlehrer ~Magnus~: »~Der -praktische Lehrer~« für die Seminare thut, so ist die Sache eine andere. -Wenn der Handfertigkeitsunterricht dagegen in selbständigen Kursen, wie -in den ~Knabenhorten~, erteilt wird, so haben wir nichts dagegen zu -erinnern. Wer sich eingehender über diese heutige Tagesfrage unterrichten -will, der sei verwiesen auf die Schriften: ~von Schenckendorff~: »Der -praktische Unterricht, eine Forderung der Zeit an die Schule, sein -erziehlicher, volkswirtschaftlicher und sozialer Wert«; ~Eckardt~: »Die -Arbeit als Erziehungsmittel«; ~Hanschmann~: »Die Handarbeit in der -Knabenschule«; ~Salomon~: »Arbeitsschule und Volksschule«; ~Gelbe~: »Der -Handfertigkeitsunterricht«; ~Rauscher~: »Der Handfertigkeitsunterricht, -seine Theorie und Praxis«; ~Barth~ und ~Niederley~: »Des deutschen -Knaben Handwerksbuch«; ~Elm~: »Der Handfertigkeitsunterricht in Theorie -und Praxis«; ~Michelsen~: »Die Lehr- und Arbeitsschule zu Alfeld«; -~Karl Friedrich~ (Professor Biedermann): »Die Erziehung zur Arbeit, -eine Forderung des Lebens an die Schule«; ~Rißmann~: »Geschichte des -Arbeitsunterrichtes in Deutschland«; ~Johs Meyer~: »Die geschichtliche -Entwickelung des Handfertigkeitsunterrichts«; ~von Schenckendorff~: -»Über Bedeutung und Ziel des Handfertigkeitsunterrichts«; ~Johs -Meyer~: »Der Handfertigkeitsunterricht und die Schule«; ~Seidel~: »Der -Arbeitsunterricht, eine pädagogische und soziale Notwendigkeit«; ~Bütow~: -»Die Volksschule und der Handfertigkeitsunterricht«; ~Kreyenberg~: -»Handfertigkeit und Schule«. - -[28] In Bezug auf sein ~anthropologisches Prinzip~ stand Salzmann wie die -anderen Philanthropen auf dem Boden des ~Rationalismus~. Sie huldigten -dem Grundsatze der ~Naturalisten~: ~Der Mensch ist von Natur durchaus -gut~. (_Pelagianismus._) So sagt ~Rousseau~ am Anfange des »Emil«: »Alles -ist gut, wie es aus den Händen des Urhebers aller Dinge hervorgeht; -alles entartet unter den Händen des Menschen.« An einer anderen Stelle -heißt in derselben Schrift: »Stellen wir als unantastbaren Grundsatz -fest, daß die ersten Regungen der Natur immer gut sind; ~es giebt keine -ursprüngliche Verderbtheit in dem menschlichen Herzen~.« Auch ~Salzmann~ -läßt in seinem »Konrad Kiefer« den Pfarrer sprechen: »Lieber Herr Kiefer, -es giebt eine Erbsünde, eine Regung zum Bösen und eine Abneigung vom -Guten, die die Kinder von ihren Eltern bekommen; sie wird ihnen aber -nicht sowohl angeboren, als ~anerzogen~.« Dagegen behaupten die strengen -Supranaturalisten, daß die menschliche Natur zum Guten aus eigener Kraft -absolut unfähig ist. Die Wahrheit liegt wohl, wie so oft, so auch hier, in -der Mitte. In der Natur des Menschen kann kein Absolut-Böses, wohl aber -die Anlage zum Relativ-Bösen sein. Die gemäßigteren Supranaturalisten -beschränken ihre Ansicht auch dahin, daß dem Menschen eine Neigung zum -Bösen angeboren sei, die sich in der frühesten Jugend mit Übergewicht -äußere. - -[29] Wohl enthalten die nachfolgende Worte Salzmanns über die ~sittliche -Erziehung~ manches Beherzigenswerte, wollen aber mit Vorsicht aufgenommen -sein. Wenn Salzmann Verbote und Gebote als »moralische Gängelbänder« -verwirft, so folgt dieses aus seinem anthropologischem Prinzipe, das -auf den Naturalismus beruht. Das Kind muß den Anordnungen des Erziehers -nicht folgen, weil es von deren Vernünftigkeit überzeugt ist, sondern aus -~Gehorsam~, der in der Autorität und in der Liebe zum Lehrer beruht. Das -erste Haupterfordernis der Zucht ist der Gehorsam. So fordert auch ~Jean -Paul~, daß alle Erziehung beim Gehorsam anfangen müsse. Erst auf die Stufe -der Zucht folgt die Stufe der Freiheit des Willens. Doch ist die keimende -Selbständigkeit des Kindes zu beachten. - -[30] Die Schrift: »~Erster Unterricht in der Sittenlehre für Kinder von -8-10 Jahren~« erschien 1803. - -[31] Siehe Salzmanns Anmerkung S. 52. ~Locke~ und ~Rousseau~ hatten das -~Baden~ im Freien zur Abhärtung des Körpers sehr empfohlen. Ihnen folgten -die Philanthropen, indem sie dasselbe praktisch ausführten. So hatte -auch Salzmann das Baden in den zu seinem Besitztume gehörigen Teichen -eingeführt. Man hielt diese Neuerung vielfach als für die Gesundheit -nachteilig, namentlich gab man an, daß das Baden im »kalten« Wasser die -Nerven aufrege. Hierauf beziehen sich Salzmanns Worte. In neuester Zeit -beginnt man ~Schulbäder~ in den Schulanstalten einzurichten wie z. B. in -Göttingen, Hannover, Frankfurt am Main. - -[32] Die Schrift: »~Heinrich Gottschalk oder erster Religionsunterricht -für Kinder von 10-12 Jahren~« erschien 1804; ihr folgte 1808 der -»~Unterricht in der christlichen Religion~«. - -[33] Nach diesen Worten scheint Salzmann wenig von einer ~Vorbildung -zum Lehrerberufe~ auf einer Pflanzschule zu halten, nachdem er doch -selbst kurz vorher den Umriß zu derselben entworfen hat. Als einfacheren -Weg stellt er die Regel: »~Erziehe dich selbst!~« auf. Der Grund liegt, -wie ~Karl Richter~ bemerkt, wohl darin, daß er bei seinem Plane nicht -sowohl Dorfschulen und ihre Lehrer, sondern junge Theologen als Lehrer -in Familien und an Privatinstituten im Auge hatte. Schon zu Salzmanns -Zeit bestanden an vielen Orten Seminare, wie das Berliner Seminar, von -Hecker gegründet, und die von Friedrich d. G. in Schlesien eingerichteten -Seminare. Die von Salzmann gegebenen Regeln sind von den Erziehern wohl -zu beherzigen; sie genügen aber durchaus nicht zur Bildung derselben. -Wer selbst den Lehrerberuf nicht theoretisch und praktisch erlernt hat, -wozu sich am besten unsere heutigen Lehrerbildungsanstalten mit ihren -Übungsschulen eignen, kann kein tüchtiger Erzieher sein. Deshalb wird -auch bei den Prüfungen der Lehrer auf die pädagogische Ausbildung und -auf die Lehrprobe das Hauptgewicht gelegt. Zu fordern ist auch, daß die -Schulaufseher und Schulleiter sowohl theoretisch als praktisch pädagogisch -geschult sind, was leider bis jetzt noch nicht stets der Fall ist. - -[34] »~Der Himmel auf Erden~« erschien 1797. Salzmann zeigt in dieser -Schrift, daß der Mensch die Glückseligkeit nicht erst im Jenseits -erwarten solle, sondern daß er sich schon hier auf Erden das Leben zu -einem Himmel gestalten könne und zwar durch sittliches Handeln und treue -Pflichterfüllung, durch lebendige Erkenntnis Gottes und im Umgange mit -ihm, durch fromme Betrachtung seiner Werke. Eine neue Ausgabe dieser -Schrift ist 1885 von ~August Roth~ besorgt worden (Minden, J.C.C. Bruns' -Verlag). - -[35] Das Original des ~Robinson~ (Univ.-Bibl. Nr. 2194. 2195) hatte -der Engländer ~Daniel Defoe~ (1661-1731) 1719 nach den Erlebnissen -eines Matrosen, namens ~Alex. Selkirks~ frei bearbeitet. ~Campe~ gab -dieses Buch mit vielfach eingestreuten Betrachtungen und langweiligen -Belehrungen 1779 unter dem Titel: »Robinson der Jüngere« heraus. Mit -dieser Zeit hat dasselbe viele Auflagen erlebt und gehört noch jetzt zu -den beliebtesten und vielgelesensten Jugendschriften. Neue treffliche -Bearbeitungen lieferten ~G.A. Gräbner~, ~Ferd. Schmidt~, ~Mensch~, -~Höcker~. Schon ~Rousseau~ wies in seinem »~Emil~« auf den Robinson hin. -Er sagt: »Ein gutes Buch ist es, das mein Emil zuerst lesen soll; es wird -lange Zeit ganz allein seinen Bücherschatz bilden und wird jederzeit den -vornehmsten Rang in diesem einnehmen. Es soll der Text sein, von dem -unsere Unterhaltung über die menschlichen Erfindungen und Wissenschaften -ausgeht; es soll der Prüfstein sein, an dem ich die Fortschritte in der -Urteilskraft meines Zöglings erproben will; und so lange sein Geschmack -einfach und natürlich bleibt, weiß ich, wird die Lesung desselben ihm ein -immer neues Vergnügen bereiten. Und was ist dies für ein wunderbares Buch? -Ist es Aristoteles? Ist es Plinius? Ist es Buffon? Nein! Es ist ~Robinson -Crusoe~.« ~Hettner~ sagt von dem Buch: »Es entrollt sich darin ein Bild -vor uns, so groß und gewaltig, daß wir hier noch einmal die allmähliche -Entwickelung des Menschengeschlechts überschauen.« Und in der Vorrede der -Ausgabe von ~Gräbner~ heißt es: »Der Held hat Fleisch und Blut, er tritt -in voller Wahrheit vor uns hin; er zeigt sich in den Stunden der Schwäche -wie in denen der Größe, wie er vom leichtsinnigen Knaben zum gottlosen -Jünglinge wird, wie er zur Erkenntnis gelangt und wie oft er abermals -strauchelt, ehe er das wird, was ihm die sittlich-religiöse Bedeutung für -die Zwecke der Charakterbildung giebt.« Die ~Herbart-Zillersche Schule~ -legt den Robinson dem Gesinnungsunterrichte des zweiten Schuljahres -(zweite kulturhistorische Stufe) unter. Siehe ~Rein~: Zweites Schuljahr. - -[36] Das ~Guts-Muthssche Spielbuch~ ist mehrfach, neu bearbeitet, -herausgegeben worden. Zuletzt ist es 1884 in sechster Auflage vom -Seminar-Oberlehrer ~O. Schettler~ unter dem Titel: »Guts-Muths' -Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes, gesammelt und -bearbeitet für die Jugend, ihre Erzieher und die Freunde unschuldiger -Jugendfreuden«(Hof, Grau & Co.) erschienen. Ihm sind seit dem Erlasse -des preuß. Kultusministers 1882 über die Jugendspiele eine Menge -neuer Sammlungen von Turnspielen gefolgt. Es seien genannt: ~Ambros~: -»Spielbuch 400 Spiele und Belustigungen für Schule und Haus«; ~Köhler~: -»Bewegungsspiele des Kindergartens«; ~Wagner~: »Illustriertes Spielbuch -für Knaben«; ~Stangenberger~: »Spiele für die Volksschule«; ~Schettler~: -»Turnspiele für Knaben und Mädchen«; ~Jacobs~: »Deutschlands spielende -Jugend«; ~Bräunlich~: »Kinderspiele und Liederreigen für Mädchen«; -~Leske~: »Illustriertes Spielbuch für Mädchen«; ~Lier~: »Turnspiele -für Deutschlands Jugend«; ~Kohlrausch~ und ~Marten~: »Turnspiele«; -~Bruns~: »Illustriertes Kinderspielbuch«; ~Wießner~: »Fest- und -Freizeit-Spielbüchlein«; ~Kümpel~: »Das Spiel der Jugend und seine -Bedeutung für die Volksschule«; ~Lausch~: »134 Spiele im Freien für die -Jugend«; ~Matz~: »Über die Spiele der Kinder«; ~Wolter~: »Das Spiel im -Freien«; ~Zander~: »Über die Bedeutung der Jugendspiele für die Erziehung«. - -[37] Die hier genannten Schriften sind jetzt veraltet, doch an ihre Stelle -neue getreten. Es seien genannt: ~Leunis~: »Synopsis der 3 Naturreiche«; -~Brehm~: »Illustriertes Tierleben«, »Leben der Vögel«; ~Lenz~: -»Gemeinnützliche Naturgeschichte des Tierreichs«; ~Lüben~: »Anweisung -zu einem methodischen Unterrichte in der Pflanzenkunde«; ~Auerswald~: -»Botanische Unterhaltungen«; ~Teller~: »Wegweiser durch die 3 Reiche -der Natur«; ~Cürie~: »Anweisung zur Bestimmung der Pflanzen«; ~Garcke~: -»Flora von Deutschland«; ~Thomé~: »Lehrbuch der Botanik«, »der Zoologie«; -~Roßmäßler~: »Die 4 Jahreszeiten«, »Flora im Winterkleide«, »der Wald«; -~Postel~: »Führer durch die Pflanzenwelt«; ~Polack~: »Illustrierte -Naturgeschichte«; ~Dietlein~: »Tierkunde«; ~Scholz~: »Tierkunde«; -~Eiben~: »Schulnaturgeschichte des Tierreichs«, »des Pflanzenreichs«; -~Vogel~: »Erster Unterricht in der Naturgeschichte«; ~Twiehausen~: »Der -naturgeschichtliche Unterricht in ausgeführten Lektionen«; ~Schleiden~: -»Die Pflanze und ihr Leben«; ~Grube~: »Biographien aus der Naturkunde«, -»Naturbilder«; ~Wagner~: »Pflanzenkunde«, »In die Natur«; ~Lüben~: -»Anweisung zu einem methodischen Unterrichte in der Tierkunde«; ~Masius~: -»Naturstudien«, »Die gesamten Naturwissenschaften«; ~Taschenberg~: »Was da -kriecht und fliegt«; ~Schubert~: »Naturgeschichte«. - -[38] Gewiß ist das ~unmäßige Lesen~, namentlich, wenn es nur geschieht, -um zu lesen, von großem Schaden. Der Lehrer lese alles nur in Beziehung -auf seinen Beruf und seine Lehrfächer. Namentlich gewöhne er sich daran, -mit der Feder in der Hand zu lesen. Er merkt sich dadurch nicht allein das -Gelesene besser, sondern er verbessert auch seinen Stil. Er achte aber -auch auf das Lesen seiner Zöglinge. Er bewahre sie vor dem verderblichen -Viellesen; deshalb ist die Benutzung der Schülerbibliothek wohl zu -kontrollieren, und man halte darauf, daß der Schüler über den Inhalt des -aus derselben entnommenen Buches Bericht erstatte. - -[39] Schon im Dessauer Philanthropin gab es ~Meritentafeln~. Von hier -aus führte Salzmann sie auch in seiner Anstalt ein. Die Meritentafeln -bestanden bei Salzmann aus einer schwarzen, im Betsaal aufgehängten und -mit den Namen sämtlicher Schüler versehenen Tafel. Für jede Leistung und -Arbeit erhielten die Zöglinge je nach dem Werte derselben »~Billette des -Fleißes~«. Hatte einer 50 von diesen, so ward hinter seinem Namen auf der -Tafel ein gelber Nagel eingeschlagen = er hatte einen »~goldenen Punkt~« -erworben. Wer deren 50 hatte, erhielt den »~Orden des Fleißes~«, der bei -feierlichen Gelegenheiten auf der Brust getragen ward. Er bestand aus -einem goldenen Kreuze, das in der Mitte ein rundes Schildchen hatte, auf -dem sich ein erhaben gearbeitetes Grabscheit mit den Buchstaben _D. D. u. -H._ (= Denken, Dulden und Handeln) befand. Durch diese Auszeichnungen ward -der Fleiß des Schülers wohl angespornt, aber auch ein falscher Ehrgeiz und -die Selbstüberschätzung großgezogen. Das Lernen ward dadurch zum Mittel -zum Zwecke herabgewürdigt, anstatt selbst Zweck zu sein. Nicht äußerliche -Auszeichnung, sondern der Unterricht des Lehrers soll das ~unmittelbare -Interesse~ des Lernenden, mit dem dieser sich ganz dem Wissensstoffe -hingiebt, erwecken. Wenn Salzmann gegen die ~körperliche Züchtigung~ -redet, so hat er diese Ansicht nicht immer gehabt. In »Noch etwas über die -Erziehung« und im »Konrad Kiefer« empfiehlt er sie noch. Unserer Ansicht -und Erfahrung nach muß der Lehrer die körperliche Züchtigung nur als -letztes Strafmittel ansehen, zu dem er erst dann greifen darf, wenn alle -anderen nichts gefruchtet haben. Auch ~Luther~ empfiehlt einen »eichenen -Butterwecken« als »geistige Salbe«. Der Pädagoge ~Ludw. Döderlein~ sagt: -»Es kann eine Schule bestehen ohne körperliche Züchtigung, aber nicht ohne -die Möglichkeit derselben, nicht ohne die Berechtigung zu derselben.«Gegen -die körperliche Züchtigung schrieb Schuldirektor _Dr._ ~Th. Mertens~ in -Hannover (¿ 1887) in seiner Schrift: »Schläge in der Schule?« - -[40] »~_Non est quovis ligno fit Mercurius_~« = »Nicht aus jedem Holze -läßt sich ein Merkur schnitzeln.« Dieses Wort soll von ~Pythagoras~ -herrühren. Dem ~Comenius~ ward auf seine Forderung: ~jeder~ Mensch müsse -unterrichtet werden, dies Wort entgegengehalten. Seine Antwort war: »Aber -aus jedem Menschen ein Mensch.« - - Ende. - - - - -Fußnoten: - - -[A] Ich gebrauche hier und in der Folge das Wort Knaben, weil ich bei -Ausarbeitung dieses Buches freilich immer die Behandlungsart der Knaben -vor Augen hatte. Das meiste wird aber auch auf die Mädchenerziehung, mit -einigen Abänderungen, können angewendet werden. - -[B] Seit zwanzig Jahren bin ich Vorsteher einer Erziehungsanstalt, in -welcher Kinder von allerlei Familien und Nationen zusammen leben; ihre -Zahl beläuft sich seit einiger Zeit beinahe auf 70. Unter diesen lebe -und webe ich vom Morgen, bis ich ins Schlafzimmer gehe. Wären nun die -Kinder so schlimm, wie sie von manchen Erziehern geschildert werden, -wie könnte ich das aushalten? Müßte ich nicht schon einigemal ein -Gallenfieber bekommen haben? Das geschieht aber nicht; vielmehr befinde -ich mich in ihrer Gesellschaft sehr wohl. Dies kommt nicht daher, weil -sie so vollkommen, so musterhaft wären; sie geben mir vielmehr beständig -Beispiele von Leichtsinn, Unbesonnenheit u. dergl. Nach geendigter -Lehrstunde spielen, laufen, springen, jauchzen sie; ich trete unter die -jubelnde Gesellschaft, und meine Gegenwart macht weiter keine Veränderung. -In diesem allen finde ich nun nichts Beleidigendes, weil ich glaube, -Kinder sind Kinder, denken und handeln wie Kinder. Daher gehen Wochen -hin, ehe ich durch sie einmal geärgert werde. Geschieht dies, und ich -prüfe mich genau, so finde ich gemeiniglich, daß der Grund davon doch -in mir selbst liege, weil entweder in meinem Körper Unordnung ist, oder -weil ein anderer unangenehmer Vorfall mich verstimmt hat, oder weil -ich mit Geschäften zu sehr überladen bin. Je aufmerksamer ich auf mich -selbst werde, desto seltener werden auch die Beleidigungen. Ja ich kann -versichern, daß in den 20 Erziehungsjahren, die ich hier verlebt habe, -ich mich nicht erinnern kann, daß einer meiner Zöglinge mit Überlegung -etwas in der Absicht gethan habe, um mich zu kränken. Man verzeihe mir -dieses offenherzige Geständnis. Es kann mir dasselbe ebensowenig als -Ruhmredigkeit angerechnet werden, als dem Baumgärtner, wenn er in seinem -Buche über die Baumzucht bisweilen etwas von seiner eigenen Baumpflanzung -sagt. Übrigens gestehe ich gern ein, daß von meinen Pflegesöhnen der -Schluß nicht sogleich auf alle Kinder gemacht werden kann. Denn ob sie -gleich aus verschiedenen Häusern und Ländern zusammengeführt sind, so -leben sie doch in einer gewissen Absonderung von der übrigen Welt, und -das Beispiel der Erwachsenen, das Entgegenwirken der Eltern, Tanten, des -Gesindes u. dergl., die Verführung der Knaben, die ohne Aufsicht und -Erziehung aufwachsen, hat auf sie keinen Einfluß. - -Ein anderer Erzieher, dem von allen Seiten entgegen gearbeitet wird, hat -freilich mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen. - -[C] Da mehrere Leser diese Behauptung für zu kühn erklären werden, so -erlaube man mir, daß ich wieder eine Thatsache aus meinem Wirkungskreise -aufstelle. Ich bin jetzt der Pflegevater von beinahe 70 jungen Leuten, -die in ganz verschiedenen Himmelsstrichen, von Lissabon bis Moskau, -geboren wurden, in deren erster Erziehung also notwendig eine große -Verschiedenheit war. Diese jungen Leute sind ~alle~ gesund, auf ihren -Köpfen ist nicht der geringste Ausschlag sichtbar, es gehen bisweilen -drei Jahre hin, ohne daß einer bettlägerig wird, und in den 21 Jahren, in -denen ich meiner Anstalt vorstehe, ist kein einziger gestorben. Gleichwohl -bin ich kein Arzt. In den ersten zehn Jahren, die ich hier lebte, betrat -nie ein Arzt mein Haus. Erst dann, da sich die Zahl meiner Zöglinge sehr -vergrößerte und zu besorgen war, daß ich etwas bei ihnen übersehen möchte, -fing ich an, mich ärztlicher Hilfe zu bedienen. - -Von der Gesundheit deiner Zöglinge, wird man sagen, sind deine gesunde -Luft und dein gesundes Wasser die Ursachen. - -Diese sind freilich viel wert, allein wenn wir das gesunde Wasser -nicht tränken, uns darin nicht badeten, uns in der gesunden Luft nicht -herumtummelten, so würden beide uns wohl wenig helfen. - -Die Art, wie wir hier junge Leute behandeln, ist die wahre Ursache, warum -sie sich so sehr durch Gesundheit auszeichnen und der Tod bisher noch -nicht zu ihnen kam. - -Sollte einmal von den Grundsätzen, nach welchen bisher hier erzogen wurde, -abgewichen werden, sollte man sich mehr an die in vornehmen Häusern -gewöhnliche Lebensart anschmiegen, so würde man in Schnepfenthal, ebenso -wie in anderen Anstalten, Krankenstuben errichten müssen; statt des -blühenden Rots, das die Wangen der jungen Schnepfenthäler auszeichnet, -würde Blässe sich einfinden, und unser Gottesacker würde Grabmäler von -jungen hoffnungsvollen Knaben bekommen, die in der Blüte ihrer Jahre ein -Raub des Todes wurden. - -Dies alles schreibe ich ~bloß~ in der Absicht nieder, um die Leser zu -überzeugen, daß es allerdings möglich sei, seine Zöglinge gesund zu -erhalten, ohne sich der Heilkunde beflissen zu haben. - -[D] Einige behaupten, die Nervenkrankheiten, die in unseren Tagen so -gewöhnlich sind, wären eine Folge der kalten Bäder. Deshalb will ich nun -mit niemandem streiten. Das sage ich aber ganz freimütig und laut, daß von -den jungen Leuten, die ich erzogen habe und noch erziehe, deren mehrere -Hundert sind, kein einziger eine Nervenkrankheit bekommen hat (wenn auch -einmal ein hier erzogener nervenkrank würde, so folgte doch daraus noch -nicht, daß dies vom kalten Bade komme), daß von alle den nervenkranken -Personen, die ich kannte, nicht eine einzige sich kalt badete, und daß -es mir nicht recht glaublich ist, daß die Nervenkrankheiten, an welchen -die Frauenzimmer in N. leiden, von den kalten Bädern der Zöglinge zu -Schnepfenthal herrühren sollten. - -[E] Ich bemerke ein für allemal, daß ich in diesem Buche mich vorzüglich -mit Jünglingen unterhalte, die sich zur Erziehung bilden wollen. Sollte -also dieser und jener bereits gebildete Erzieher manches Bedürfnis -haben, gegen welches ich hier spreche, manche Fertigkeit nicht besitzen, -welche ich dem sich bildenden Erzieher empfehle, so soll ihm durch meine -freimütigen Äußerungen kein Vorwurf gemacht werden. Dies wird mir aber -jeder zugestehen, daß der Erzieher mit mehr Nachdruck wirken kann, wenn er -von den Bedürfnissen frei ist, an welche er seine Zöglinge nicht gewöhnen, -und die Fertigkeit selbst besitzt, die er ihnen beibringen will. Was soll -nun aber der Erzieher thun, bei dem dies der Fall nicht ist? Freimütig -heraussagen: diese Angewöhnung, dieser Mangel ist eine Unvollkommenheit, -die von meiner ersten Erziehung herrührt, gegen welche ich euch auf das -beste zu verwahren suchen will. - -[F] Der aufgesetzte Entwurf ist einen Bogen lang. Um den Raum zu schonen, -füge ich davon nur dieses Bruchstück bei, das aber hinlänglich sein wird, -den denkenden Erzieher zu belehren, wie viel an den gewöhnlichsten Dingen -des gemeinen Lebens bemerkt und unterschieden werden kann. - -[G] Dieses laute Nachsprechen der ganzen Versammlung hat gewiß seinen -sehr großen Nutzen. Es erhält die Kinder in Thätigkeit, reizt sie zum -Lautsprechen und prägt den Vortrag ihrem Gedächtnisse ein. Man muß aber -von dieser Übung mit Vorsicht Gebrauch machen. Will man gewisse Wörter -und Sätze dem Gedächtnisse seiner Kleinen einprägen, so ist das öftere -laute Aussprechen derselben von der ganzen Versammlung hierzu gewiß ein -wirksames Mittel. Will man aber durch ~eigenes~ Urteil den Verstand üben, -so halte ich das chormäßige Aussprechen für zweckwidrig, weil die Kinder -dadurch vom Selbsturteilen abgezogen und zum Nachbeten gewöhnt werden.[25] - -Wie man bei den sonst so verdrießlichen ABC-, Sillabier- und Leseübungen -die Kinder in einer angenehmen Selbstthätigkeit erhalten kann, glaube ich -in Konrad Kiefers ABC- und Lesebüchlein hinlänglich gezeigt zu haben.[26] - -[H] Da die Erzieher so selten sind, die in ihren Händen Geschicklichkeit -besitzen, etwas zu arbeiten, so hat es mir Mühe gekostet, den Unterricht -in einigen Handarbeiten in meiner Anstalt einzuführen. Jetzt lernen meine -Zöglinge folgendes: anfänglich Verfertigung von allerlei Spielereien aus -Papier und Netzstricken, ferner allerlei Dinge aus Holz zu schnitzen, -Korbflechten, Papparbeiten, Lackierern, Schreinern und Drechseln. - -[I] Wer mit der Einrichtung meiner Erziehungsanstalt bekannt ist und -weiß, daß in derselben sich Meritentafeln befinden, an welchen die -Namen meiner Zöglinge geschrieben, und denselben gelbe Nägel beigefügt -sind, durch welche der Grad ihres Fleißes bemerkbar gemacht wird, der -wird sich wundern, daß ich dieses Erziehungsmittels hier gar nicht -Erwähnung thue. Es ist also wohl nötig, mich hierüber zu erklären, zumal -da es seit einiger Zeit anfängt gewöhnlich zu werden, daß man, um eine -Erziehungsanstalt zu empfehlen, mit einem hämischen Seitenblicke auf die -meinige, von ihr rühmt, sie habe keine Meritentafeln. - -Die moralische Erziehung kann nur auf die Art, wie ich sie vorhin -beschrieben habe, durch lebhafte Überzeugung von den Pflichten bewirkt -werden und wird auf diese Art in meiner Anstalt betrieben. - -Neben der moralischen Bildung ist aber in jeder kleinen und großen -Gesellschaft eine gewisse Polizei nötig, wodurch die äußerlichen -Handlungen der Glieder der Gesellschaft geleitet werden. Daher findet man -in jeder guten Erziehungsanstalt eine Einrichtung, wodurch die fleißigen -Zöglinge vorgezogen, die unfleißigen zurückgesetzt werden. Für meine Lage -habe ich die Meritentafel zweckmäßig gefunden, nie aber sie andern zur -Nachahmung empfohlen, vielmehr mein Mißfallen bezeigt, wenn ich bisweilen -in ~Familien~ Meritentafeln vorgefunden habe. - -Ich erreiche in ~meiner Anstalt~ damit zwei sehr wichtige Zwecke: -erstlich, daß Kinder, bei denen die Vernunft noch in der Entwickelung -steht, das Verhältnis, in welchem sie gegeneinander in Ansehung ihres -Fleißes stehen, immer sinnlich dargestellt erblicken. Zweitens, daß die -Lehrer ein Mittel in den Händen haben, ihren Zöglingen, ohne körperliche -Züchtigungen, die ich in dem Kreise meiner Pflegesöhne nicht dulde, ihre -Pflichtvergessenheit durch den Abzug von Billets, deren fünfzig müssen -erworben sein, wenn man neben seinem Namen einen gelben Nagel haben -will, fühlbar zu machen. Wirklich fühlen sie diesen Abzug oft inniger, -als manches an Schläge gewöhntes Kind eine körperliche Züchtigung. In -der Zeit, daß ein Zögling sich seine fünfzig Nägel erwirbt, entwickelt -sich gewöhnlich seine Vernunft so weit, daß er eines solchen sinnlichen -Leitungsmittels nicht mehr bedarf. Er wird nun eine Zeitlang auf die -Probe gestellt, ob er auch ohne dieses Leitungsmittel seine Geschäfte -ordentlich verrichte und die gesellschaftlichen Pflichten erfülle. Hält er -die Probe aus, so wird er zum Offizier erklärt, als Jüngling behandelt, -in die Gesellschaft der Erwachsenen gezogen, bekommt Aufsicht über die -Kleinern u. s. w. Den Orden des Fleißes habe ich schon seit geraumer Zeit -abgeschafft. Er war eben das, was eine Offiziersstelle ist. Die Sache ist -geblieben, der Name aufgegeben, und da die gewöhnlichen Menschen mehr an -dem Namen der Dinge, als an den Dingen selbst hängen, so hoffe ich, daß -diejenigen beruhigt sein werden, denen der Name ~Orden~ anstößig war.[39] - - - - - * * * * * * - - - - -Anmerkungen zur Transkription: - -Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen; -lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. - -Beibehalten wurde: - - Einige Ausdrücke wurden in beiden Schreibweisen übernommen: - - soziale und sozialer (beide Seite 123) und socialpädagogischen (Seite 4) - Encyklopädie (Seiten 12 und 17) und Enzyklopädisten (Seite 3) - Schneeballen (Seite 38) und Schneebälle (Seite 39) - euerm (Seite 43) und eurem (Seite 71) - euern (Seiten 54, 55, 70, 73 und 86) und euren (Seiten 42, 53, 54 und 70) - Äußerungen (Fußnote E) und Aeußerungen (Seite 45) - Ueberzeugung (Seite 46) und Überzeugung (Seite 17, 26, 32, 108, 109 - und 111, Fußnote I) - neugeborne (Seite 78) und neugeborene (Seite 49) - danach (Seite 81) und darnach (Seiten 82 und 116) - größern (Seite 83) und größeren (Seite 43) - einfachern (Seite 88) und einfacheren (Fußnote 33) - letzteren (Seite 108) und letzteren (Seite 14) - erstern (Seite 108) und ersteren (Seite 14) - eignes (Seite 110) und eigenes (Seite 73) - rechtschaffnen (Seite 111) und rechtschaffenen (Seite 25) - Pflegebefohlnen (Seite 112) und Pflegebefohlenen (Seiten 21, 96, 103, - 107, 111 und 114) - z. E. und z. B. (verschiedene Seiten) - u. dgl. und u. dergl. (verschiedene Seiten) - -Folgende offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert: - - geändert wurde - "und namentlich ~Jean Jacque Rousseau~ mit ihren" - in "und namentlich ~Jean-Jacques Rousseau~ mit ihren" - (Seite 4) - - geändert wurde - "Es seien genannt ~Guths-Muths~, der Erzvater der Turnerei" - in "Es seien genannt ~Guts-Muths~, der Erzvater der Turnerei" - (Seite 9) - - geändert wurde - "als das Erziehungsgegeschäft. Als Lohn" - in "als das Erziehungsgeschäft. Als Lohn" - (Seite 15) - - geändert wurde - "der Kinder enthalten, aber Anweisungen zur Erziehung" - in "der Kinder enthalten, aber an Anweisungen zur Erziehung" - (Seite 24) - - geändert wurde - "nach und nach eine Gemeine hervor, die" - in "nach und nach eine Gemeinde hervor, die" - (Seite 25) - - geändert wurde - "sich eingestünde daß er gefehlt" - in "sich eingestünde, daß er gefehlt" - (Seite 31) - - geändert wurde - "ist seine Klasse ein Haufe schändlicher, verworfener Gassenbuben." - in "ist seine Klasse ein Haufen schändlicher, verworfener Gassenbuben." - (Seite 41) - - geändert wurde - "So ist es nicht mit Karln." - in "So ist es nicht mit Karl." - (Seite 43) - - geändert wurde - "davon geradezu beimessen uud sich auf mein" - in "davon geradezu beimessen und sich auf mein" - (Seite 44) - - geändert wurde - "die Laufbänke und Laufzäune entfernt sind, und" - in "die Laufbänke und Laufzäume entfernt sind, und" - (Seite 48) - - geändert wurde - "Zöglinge durch Abhärtuug ihre Gesundheit erhalten" - in "Zöglinge durch Abhärtung ihre Gesundheit erhalten" - (Seite 53) - - geändert wurde - "nicht nötig, durch weitläuftige Vorstellungen euren Zöglingen" - in "nicht nötig, durch weitläufige Vorstellungen euren Zöglingen" - (Seite 54) - - geändert wurde - "Müssen Sie denn nicht lauter" - in "Müssen sie denn nicht lauter" - (Seite 80) - - geändert wurde - "eine Gesellschaft von Ackerleuten kömmt." - in "eine Gesellschaft von Ackerleuten kommt." - (Seite 93) - - geändert wurde - "zerstreut und teilnamlos bleiben, so" - in "zerstreut und teilnahmslos bleiben, so" - (Seite 97) - - geändert wurde - "Feld &c.«; ~Breiden~, »Der Anschauungsunterricht«;" - in "Feld &c.«; ~Breiden~: »Der Anschauungsunterricht«;" - (Fußnote 18) - - geändert wurde - "am Anfange des »Emil«: Alles ist" - in "am Anfange des »Emil«: »Alles ist" - (Fußnote 21) - - geändert wurde - "~Kohlrausch und Marten~: »Turnspiele«;" - in "~Kohlrausch~ und ~Marten~: »Turnspiele«;" - (Fußnote 36) - - - -***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK AMEISENBÜCHLEIN*** - - -******* This file should be named 50691-8.txt or 50691-8.zip ******* - - -This and all associated files of various formats will be found in: -http://www.gutenberg.org/dirs/5/0/6/9/50691 - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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