diff options
| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-05 02:10:10 -0800 |
|---|---|---|
| committer | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-05 02:10:10 -0800 |
| commit | 46b5d438c9e335fe25090bea89c3e68acbaeda5e (patch) | |
| tree | 13093c3b2fdbabf37d59eb0a593e6b5f2c3b7858 | |
| parent | cc27fc975b4db4247d0138d6be6d4036225ffad7 (diff) | |
| -rw-r--r-- | .gitattributes | 4 | ||||
| -rw-r--r-- | LICENSE.txt | 11 | ||||
| -rw-r--r-- | README.md | 2 | ||||
| -rw-r--r-- | old/50459-0.txt | 1878 | ||||
| -rw-r--r-- | old/50459-0.zip | bin | 42757 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/50459-h.zip | bin | 82304 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/50459-h/50459-h.htm | 2127 | ||||
| -rw-r--r-- | old/50459-h/images/cover.jpg | bin | 39590 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/50459-h/images/logo.png | bin | 2077 -> 0 bytes |
9 files changed, 17 insertions, 4005 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..d7b82bc --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,4 @@ +*.txt text eol=lf +*.htm text eol=lf +*.html text eol=lf +*.md text eol=lf diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize +this eBook outside of the United States should confirm copyright +status under the laws that apply to them. diff --git a/README.md b/README.md new file mode 100644 index 0000000..1e8d1f7 --- /dev/null +++ b/README.md @@ -0,0 +1,2 @@ +Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for +eBook #50459 (https://www.gutenberg.org/ebooks/50459) diff --git a/old/50459-0.txt b/old/50459-0.txt deleted file mode 100644 index b10b9f6..0000000 --- a/old/50459-0.txt +++ /dev/null @@ -1,1878 +0,0 @@ -The Project Gutenberg eBook, Englands Wirtschaftskrieg gegen Deutschland, -by Gustav Stresemann - - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most -other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - - -Title: Englands Wirtschaftskrieg gegen Deutschland - - -Author: Gustav Stresemann - - - -Release Date: November 15, 2015 [eBook #50459] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - - -***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ENGLANDS WIRTSCHAFTSKRIEG GEGEN -DEUTSCHLAND*** - - -E-text prepared by Peter Becker and the Online Distributed Proofreading -Team (http://www.pgdp.net) from page images generously made available by -the Staatsbibliothek zu Berlin (http://staatsbibliothek-berlin.de) - - - -Note: Images of the original pages are available through the - Staatsbibliothek zu Berlin. See - http://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht/?PPN=PPN76952186X - - - +------------------------------------------------------------------+ - | Anmerkungen zur Transkription | - | | - | Gesperrter Text ist als _gesperrt_ dargestellt, und Schrift in | - | Antiqua als ~antiqua~. | - | | - | Eine Liste der Änderungen befindet sich am Ende des Buchs. | - +------------------------------------------------------------------+ - - - - - -ENGLANDS WIRTSCHAFTSKRIEG GEGEN DEUTSCHLAND - -Von - -DR. GUSTAV STRESEMANN - -Mitglied des Reichstages - - - - - - - -[Illustration] - -Deutsche Verlags-Anstalt -Stuttgart und Berlin 1915 - -Alle Rechte vorbehalten - -Druck der -Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart -Papier von der Papierfabrik Salach -in Salach, Württemberg - - - - - - - Auf deiner Insel, - neidisches England, - du bist der Urfeind. - - Schmidtbonn - -Seit den Zeiten, in denen französische Eroberungslust unter Ludwig XIV. -die deutsche Pfalz verwüstete, den Zeiten, von denen die Ruinen des -Heidelberger Schlosses zeugen, gilt über Napoleon I. und seinen kleinen -Namensträger Napoleon III. hinweg bis in die Zeiten der französischen -Revanchepolitiker, der Augenblickserscheinung eines Boulanger und der -Politik eines Delcassé, Frankreich schlechthin als der Erbfeind der -deutschen Nation. Allen Deutschen war der Gedanke gegenwärtig, daß -um das Deutsche Reich, welches auf den Schlachtfeldern errungen war, -noch einmal auf den Schlachtfeldern gestritten werden müßte, um seine -Existenz zu bewahren. Westwärts war der deutsche Blick in diesem Sinn -gerichtet, und wenn in Stunden der Erinnerung an deutsche militärische -Großtaten die Herzen sich weiteten und der Deutsche zum Ausdruck -bringen wollte, daß er sein Vaterland schützen werde gegen jeden -Angriff, der von außen käme, dann sprach er von der Wacht am Rhein und -davon, daß Deutschlands schönster Strom mit dem Herzblut des deutschen -Volkes verteidigt werden würde. - -50 Jahre des Friedens hat uns Moltke als das Höchstmaß dessen genannt, -was uns beschieden sein würde, bis wir wieder zum Schwerte zu greifen -hätten. Ehe noch dieses halbe Jahrhundert verflossen war, ist der -Weltkrieg ausgebrochen, der gegenwärtig in allen Erdteilen Kämpfer -aufruft. Von dem ersten Augenblicke an, in dem es klar war, daß wir -diesen Kampf zu bestehen hätten, da scholl wie in alter Zeit die Wacht -am Rhein aus den Kehlen der Deutschen. Aber die Augen und der Sinn -richteten sich nicht so sehr gegen Westen hin, wo Frankreich seine -Heere aufgestellt hatte, um Revanche zu nehmen für Sedan und Metz -und den Einzug in Paris, auch nicht so sehr nach dem Osten hin, wo -Millionenheere bereit standen, um über deutsche Gaue herzufallen, wie -nach der Nordsee, nach England. - -Fast jeder der am Weltkrieg beteiligten Staaten hat in der Zwischenzeit -Dokumente erscheinen lassen über den Ursprung des Krieges. Jeder sucht -durch Zusammen Stellung von allerlei Beweisstücken die Verantwortung -für den Ursprung des Krieges dem Gegner zuzuschieben. Für den -Historiker späterer Zeiten werden diese Weißbücher und Gelbbücher, -und wie sie alle genannt seien, ihren wenn auch bedingten Wert haben. -Helfferich hat auf Grund einer Vergleichung dieser Dokumente das -Wort von Rußland als dem Brandstifter dieses Krieges geprägt. Aber -der Volksinstinkt, jene unwägbare Seelen Stimmung des Volkes, von -der Bismarck einst sprach, hat längst erkannt, daß es sich in diesem -Weltkrieg nicht handelt um die Mordtat in Serajewo und deren Sühnung, -nicht handelt in erster Linie um russischen Expansionsdrang oder -französische Revanchelust, sondern daß es den Kampf gilt zwischen -England und Deutschland, einen Kampf um Leben und Tod, einen Kampf -um Größe oder um Untergang, nicht herausgeboren aus völkischen und -politischen Gegensätzen der Nationen, nicht herausgeboren aus dem -Gefühl, empfangene Niederlage auf dem Schlachtfeld zu sühnen, sondern -um einen Kampf, herausgeboren aus wirtschaftlichen Beweggründen, der -als der gigantischste Wirtschaftskampf aller Zeiten dastehen wird und -der im deutschen Volk lodernden Zorn mit vollem Recht deshalb ausgelöst -hat, weil seine Motive letzten Endes in der aus dem Hochmutsgefühl -der Weltherrschaftsbestimmung entspringenden Erregung gegen einen -unbequemen Wettbewerber und in einem schrankenlosen Erwerbsdrang -liegen. Das deutsche Gefühl, das seit Scharnhorsts Zeiten in dem -Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht seine höchste Ehre sieht, -wendet sich mit Verachtung hinweg von einem Land, das mit Söldnern -seine Kriege führt, die alte Traumjörgnatur des Deutschen fühlt sich -abgestoßen von der kühlen, rechnerischen Natur eines englischen -Ministers, der davon spricht, daß dieser Kampf geführt werden muß bis -zur letzten silbernen Kugel. Der Gegensatz Rom-Karthago steigt im 20. -Jahrhundert erneut auf, und die Welt hält den Atem an, um zu sehen, wer -in diesem Ringen Sieger bleiben wird. - -Mit dieser Stimmung des deutschen Volkes gegen England sind vor -allem die weitesten Kreise der Industrie und des Handels einig. -Als die Nachricht von der Niederlage Englands bei St. Quentin an -der Börse zu Hamburg bekannt wurde, da spielten sich dort Szenen -eines Freudenausbruches ab, die man dem korrekt steifen Hamburger -Kaufmannsstand kaum zugetraut hätte. Um die Jahreswende 1914 hat die -„Korporation eines ehrbaren Kaufmannes” zu Hamburg in einer Kundgebung -an den deutschen Reichskanzler als Empfindung der Hamburger Kaufleute -zum Ausdruck gebracht, „sie (die Hamburger Kaufleute) achteten nicht -der Verluste an Geld und Gut zu einer Zeit, da alle Söhne und Brüder -voller Begeisterung in einen Kampf ziehen, der für die Erhaltung des -Vaterlandes geführt wird und der nach so schweren Opfern nicht eher -beendet werden darf, als bis _die Zerstörer des Weltfriedens, vor allem -das in seiner Kriegführung nicht nur dem Völkerrecht, sondern jeder -Gesittung und Ritterlichkeit hohnsprechenden England_ gezwungen worden -ist, Deutschland volle Freiheit in der friedlichen Weiterentwicklung -seiner internationalen und wirtschaftlichen Kräfte zu gewährleisten”. - -In gleichem Sinne hat der Vorsitzende der Bremer Handelskammer, -Lohmann, an demselben Tage als Vertreter dieser Handelsstadt mit -ihren vielseitigen Verbindungen zu England und dessen Kolonien der -staunenden Frage Ausdruck gegeben, wie blinder Geschäftsneid gegen -die erfolgreiche Weiterentwicklung seines deutschen Wettbewerbers -England zur Kriegserklärung gegen Deutschland veranlassen konnte. Zur -Erklärung verwies er auf die Worte des englischen Admirals Monk bei der -Zerstörung von Neu-Amsterdam, jetzt Neuyork: „Was wollen wir uns erst -mit Gründen abgeben? Was wir brauchen, ist mehr von dem Handel, den -jetzt die Holländer haben.” - -Beim 250jährigen Jubiläum der Hamburger Handelskammer klang es aus den -Ansprachen Hamburger Kaufleute erneut heraus, daß Deutschland sich -seinen Platz in der Welt von niemand nehmen lassen wolle, „von niemand, -zum wenigsten von diesen Engländern, die diesen Krieg heraufbeschworen -haben, von diesen Engländern, von denen Houston Stewart Chamberlain -sagt, daß sie in ihrer Moral und als Staat morsch seien bis auf die -Knochen. Neid und Niedertracht haben diesen Krieg hervorgerufen, weil -wir es in der Welt, in Handel, Schiffahrt und Industrie vorwärts -gebracht haben, weil wir fleißig gewesen sind und etwas gelernt haben.” -Aus den Kreisen der deutschen Flotte klingt es noch stärker heraus: -„Mit allen Fasern unseres Herzens müssen wir danach trachten, England -zu vernichten. Wenn je ein Haß berechtigt war, so ist es der gegen -England. _England niederzuwerfen ist geradezu eine Kulturtat_,” so -sprach Vizeadmiral v. Kirchhoff in Gegenwart des Königs von Sachsen -unter allgemeiner Zustimmung in Dresden. - -Daß in diesem Ringen nach allen Seiten hin sich alter deutscher -Waffenruhm bewähren würde auf dem Gebiet der Heereskämpfe, das hat -niemand anders erwartet, daß er sich so herrlich bewähren würde auf -dem freien Meere, das ist vielen in der Welt überraschend gekommen, -während allerdings demjenigen, der die zielbewußte Arbeit der -deutschen Flotte seit Jahren beobachtet hatte, von vornherein vor -Augen stand, daß sie in glänzender Weise ihre Pflicht erfüllen würde. -Mit liebevoller Anteilnahme ist der Deutsche den Waffentaten unserer -jungen Flotte gefolgt, kann sich doch trotz allem, was an Poesie -vergangen ist, seitdem die hohen Masten und Segel ersetzt worden sind -durch die nüchternen Schornsteine, die Phantasie vielmehr knüpfen -an den schlanken Rumpf eines Schiffes, das einen Namen trägt, der -gewissermaßen Persönlichkeit verleiht, als wenn im Kampf der Millionen -gegen die Millionen die Bedeutung der Einzelpersönlichkeit und der -Ruhm einzelner Regimenter sich verliert und nur wie leuchtende Sterne -Namen einzelner Heerführer hervorleuchten. Die kühnen Fahrten deutscher -Unterseeboote, der Sieg des deutschen Geschwaders an der chilenischen -Küste und sein heldenhafter Untergang an den Falklandsinseln, der -prächtige Durchbruch der „Goeben” und der „Breslau” aus der Bucht von -Messina, die Fahrten deutscher Schiffe an Englands Küste, die von -Romantik umwobenen Taten der „Emden” und der „Karlsruhe”, davon wird -man noch singen und sagen in späten Zeiten. Noch ist in dem Augenblick, -in dem diese Zeilen niedergeschrieben werden, keine Entscheidung des -Krieges gefallen, aber eines steht schon heute fest, daß etwas zugrunde -gegangen ist, worauf Englands Weltherrschaft in der Welt zum größten -Teil beruhte, daß zugrunde gegangen ist die Tradition von Englands -Unüberwindlichkeit zur See, zugrunde gegangen die Tradition von -Englands unüberwindlicher Flotte. Mit nüchternen Worten hat der Leiter -der größten Dampfschiffreederei der Welt, hat Herr Ballin derjenigen -englischen Zeitung, die ihm Kleinmut sowie den Ausspruch andichtete, -daß die Möglichkeit eines erfolgreichen Ausganges des Kampfes gegen -England ausgeschlossen sei, gesagt: „Meines Erachtens ist England -heute schon besiegt, denn ein England, das in einem solchen Kriege -seine Flotte versteckt und sich nicht mehr aufs Meer hinaus traut, hat -aufgehört, das alte England zu sein. Es hat vor allen Dingen sich damit -ein für allemal des Rechts begeben, mitzusprechen, wenn es sich um -eine Frage des europäischen Gleichgewichts handelt.” - -Besser als alle Lügen der Gegner hat der Kanonendonner an der -chilenischen Küste die Möglichkeit dieses Sieges gezeigt. Dem -endgültigen Sieg in großer, entscheidungsvoller Stunde sehen die -deutschen Herzen sehnsuchtsvoll erwartend entgegen. - -Aber der Kampf zwischen England und Deutschland wird auch auf anderem -Gebiet entschieden, auf dem Gebiete des Wirtschaftskampfes beider -Völker, und von diesem Wirtschaftskampf, von seinen Ursachen, seinen -Mitteln und seinem voraussichtlichen Ausgange soll die Rede sein in -diesen Blättern. - - * * * * * - -Die Entwicklung des Wirtschaftskampfes zwischen England und Deutschland -fällt erst in die Zeit nach Errichtung des Deutschen Reiches und nach -seinem gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung, der zusammenfassend -niedergelegt worden ist einmal in der seinerzeitigen Denkschrift über -die Entwicklung der deutschen Seeinteressen, die das Reichsmarineamt um -die Wende des 20. Jahrhunderts herausgab, und erneut zutage trat in den -Veröffentlichungen, die anläßlich des Regierungsjubiläums erschienen -sind. Ich denke an die Schrift von Helfferich über den Volkswohlstand -Deutschlands, ferner an die hervorragende Zusammenstellung, welche -Dr. Hjalmar Schacht, der Direktor der Dresdener Bank, über die -wirtschaftlichen Kräfte Deutschlands verfaßt hat, an Steinmann-Buchers -verdienstvolle, aufklärende Schriften und die wertvollen Arbeiten in -den vielen politischen und wirtschaftlichen Rückblicken jener Tage. Die -Ziffern, die in genannten volkswirtschaftlichen Schriften niedergelegt -sind, stellen das Endergebnis einer Entwicklung von Jahrzehnten dar, -einer Entwicklung, die unmöglich gewesen wäre ohne die politische -Einheit, zu welcher das Deutsche Reich sich 1870 emporgerungen hatte, -als der deutsche Idealismus der Frankfurter Paulskirche sich mit der -Realpolitik Bismarcks vermählte. - -Es ist ein weiter Weg, der von den Tagen, in denen in der -schwarzrotgoldenen Begeisterung der deutschen Jugend zum erstenmal -der Gedanke der deutschen Freiheit und Einheit aufflammte, bis zum -18. Januar 1871, wo durch eine Politik von Blut und Eisen das junge -Reich geschmiedet wurde, auf deren Notwendigkeit vor dem Realpolitiker -Bismarck bereits selbst einer der achtundvierziger Sturmgesellen, -Gottfried Kinkel, in seiner Verteidigungsrede vor den Geschworenen -hingewiesen hatte. Wir haben in den letzten Jahren die Gedenkfeiern -begangen an die deutschen Freiheitskämpfe. Wir haben das gigantische -Denkmal auf Leipzigs Fluren, das in markiger Weise zum Ausdruck bringt, -was damals namentlich das preußische Volk geleistet hat, errichtet. Es -ist selbstverständlich, daß preußisch-deutsche Auffassung diese Zeiten -und Kämpfe ansieht als die Erlösungskämpfe vom Joche Napoleons I., daß -sie deshalb in dem Zusammenbruch der militärischen Macht des großen -Eroberers auch den Sieg begrüßte, durch den die französische Herrschaft -auf deutschem Boden zerstört wurde. Die deutsche Schulerziehung -stellt Napoleon I. als einen gewalttätigen Eroberer hin, der sich nur -wohlfühlte in einem Meer von Blut, der von Krieg zu Krieg schritt, bis -seine Kräfte im russischen Eise erstarrten, bis das niedergedrückte -preußische Volk sich mit Einsetzung aller Kräfte gegen den Eroberer -erhob. Wir wissen heute aus den Schriften von Lenz und von anderen, -daß dieses Bild, wenn es so gezeichnet ist, gewaltige Verzerrungen -aufweist. Wir wissen, daß der Mann, der den Code Napoleon schrieb, der -ein gewaltiger Verwaltungskünstler war, der Mann, in dessen Kopf zuerst -der Gedanke der Wertzuwachssteuer entstand, der auch den König von -Preußen 1806 noch warnte, den Kampf gegen ihn aufzunehmen, trotzdem er -seines Sieges gewiß war, nicht den Krieg um des Krieges willen führte, -und wir wissen auch, daß das ihm vorschwebende gewaltige Ziel nicht die -dauernde Unterdrückung Deutschlands-Preußens, sondern die Aufrichtung -der Hegemonie Frankreichs über England war. - - „Zwo gewaltige Nationen ringen - um der Welt alleinigen Besitz, - aller Länder Freiheit zu verschlingen, - schwingen sie den Dreizack und den Blitz. - Seine Handelsflotten streckt der Brite - gierig wie Polypenarme aus, - und das Reich der freien Amphitrite - will er schließen wie sein eignes Haus.” - -Mit diesen Worten hat Schiller das anbrechende 19. Jahrhundert -geschildert. Gerade in der Gegenwart hat die Erinnerung an diesen -Weltkampf erneuten Reiz gewonnen. Welche Bilder steigen vor unserem -Geiste auf! Das Bild Napoleons, der in Ägypten angesichts der -tausendjährigen Pyramiden Englands Weltherrschaft hier an ihrer -empfindlichsten Stelle treffen wollte, und der Napoleon, der im Lager -von Boulogne sur Mer seine Transportschiffe liegen hat, um sein Heer -nach England überzusetzen, und der seitdem von England in einen Krieg -um den anderen gehetzt wird: „Soldaten,” so ruft er aus in den Tagen -von Boulogne sur Mer, „wir können nicht nach England gehen, denn das -Gold der Engländer hat den Kaiser von Österreich bewogen, uns den -Krieg zu erklären.” Und wiederum der Napoleon, der auf St. Helena zu -dem getreuen Las Cases sagte, daß England ihm niemals den Besitz von -Belgien verziehen habe, der _Antwerpen_ -- allerdings das Antwerpen -mit der freien Scheldemündung -- _die auf die Brust Englands gesetzte -Pistole_ nennt, und der Napoleon der Kontinentalsperre, der England da -treffen will, wo es am empfindlichsten ist, in seiner wirtschaftlichen -Existenz. England führte damals genau so wie heute den Kampf mit seinen -Söldnertruppen, vor allem aber mit den Truppen anderer Nationen, -überall waren seine Subsidien zu haben, wo es gegen Frankreich galt. -Es bekämpfte in Frankreich die damals zweitstärkste Kontinentalmacht, -es hatte, wie Bülow in seinen Ausführungen über die auswärtige Politik -sagt, schon dem Gesandten Ludwigs XIV. gegenüber ein Bündnis mit -Frankreich verweigert, weil diesem Bündnis eine bedenkliche Tatsache -gegenüberstände, nämlich die Tatsache, daß Frankreich sich eine eigene -Flotte bauen wolle. Die Subventionen an Friedrich den Großen im -Siebenjährigen Kriege galten nicht dem emporstrebenden Preußen, sondern -dem gegen Frankreich kämpfenden König, den es übrigens, sobald es -seine Interessen erforderten, in der rücksichtslosesten und brutalsten -Weise im Stiche ließ. Als Napoleons Macht zusammengebrochen war, als -er selbst in seinem Brief an den König von England Themistokles gleich -den Küsten seines mächtigsten Gegners sich nähert, da war zwar die -englische Staatsschuld auf 16 Milliarden Mark gewachsen, aber Englands -Weg zur unbedingten Weltherrschaft im 19. Jahrhundert gesichert. - -Was haben die Gegner Napoleons nach den Siegen von 1813/15 erreicht? -Preußen erhielt wohl seinen alten Gebietsumfang, aber nicht seine alten -wirtschaftlichen Kräfte. Die Phrase, daß man den Kampf gegen Napoleon -und nicht gegen das französische Volk führte, hat sogar im ersten -Pariser Frieden noch dazu geführt, daß man eine Kriegsentschädigung -von Frankreich nicht gefordert hat. Erst als der Gefürchtete von Elba -zurückkam, als sein „Adlerflug” ihn von der französischen Küste bis -nach Paris trug, als die Monarchen sich erneut an ihr Volk wenden -mußten und als daraufhin der alte Blücher und der große Staatsmann, der -Freiherr vom Stein, Bewegungsfreiheit erhielten, da wurde nach langem -Feilschen auch eine Kriegsentschädigung erreicht, die aber bei weitem -nicht Preußen für das zu entschädigen vermochte, was es in der Zeit von -1806 bis 1813 hatte leiden müssen. Hat doch Napoleon I. nach seinen -eigenen Mitteilungen fast 1 Milliarde Mark aus Preußen herausgepreßt; -noch beinahe bis in die Gegenwart haben preußische Städte abzahlen -müssen von den Anleihen, die sie gemacht hatten, um die Forderungen -Napoleons erfüllen zu können. Preußen war nach den Freiheitskriegen -ein armes Land. Als das Rheinland wieder zu Preußen kam, da sagte -der alte Schaaffhausen in Köln: „O je, da heiraten wir in eine arme -Familie hinein.” Elsaß-Lothringen blieb französisch, vergeblich hat -Freiherr vom Stein versucht, dieses deutsche Land Deutschland wieder -zuzuführen, vergeblich war der Versuch, die einstige Westmark des -Reiches, das belgische Gebiet, dem Deutschen Reiche wiederzugewinnen. -Deutschland, Österreich und Rußland erhielten nichts anderes als ihre -alten Grenzen, England aber erhielt durch die Niederlage Napoleons die -Schlüssel der Weltherrschaft. Verständlich ist deshalb der Jubel, mit -dem Blücher empfangen wurde, verständlich, daß im Londoner Parlament -das Bild hängt, das Blücher zeigt, wie er mit seinen Truppen auf dem -Schlachtfeld von Belle-Alliance eintrifft, um den Sieg an die Fahnen -der schon halb niedergebrochenen englischen Regimenter zu knüpfen. - -Denn wer wollte England die Weltherrschaft streitig machen? Frankreich -war nach den napoleonischen Kriegen zusammengebrochen und mußte jedem -imperialistischen Gedanken entsagen. An eine große französische -Flotte war nach der Schlacht von Trafalgar gar nicht zu denken. -Rußland besaß keinen Weltbeherrschungsdrang, in Deutschland sorgte -der Dualismus zwischen Österreich/Süddeutschland auf der einen und -Preußen/Norddeutschland auf der anderen Seite dafür, daß sie sich -gegenseitig die Wage hielten, und daß Zersplitterung und Kleinstaaterei -jeden Drang nach deutscher Größe und jede Anknüpfung an die alte -Hansezeit verhinderte. Dänemark, dessen Flotte England in räuberischer -Weise im Jahre 1800 hinweggeschleppt hatte, als es die unbefestigte -Stadt Kopenhagen mitten im Frieden beschoß, Holland, Spanien oder -Portugal waren Staaten zweiten oder dritten Ranges. Der Weg zur -Weltherrschaft stand England frei, und es verstand ihn auszunutzen. - -Wie England dies tat, zeigt zunächst die gewaltige Entwicklung, die -sein Kolonialbesitz seit seinen Kämpfen mit Frankreich genommen -hat. Dr. Hennig hat in seinem Buche „Unser Vetter Tartuffe, oder -wie England seine Kolonien erwarb”, diese Entwicklung englischer -Kolonialherrschaft geschildert. 1763 war Kanada englisch geworden, im -Pariser Frieden fielen ihm außer Kanada noch Grenada, St. Vincent, -Dominica, Tobago und das ganze ehemalige französische Senegalgebiet zu. -Als die Franzosen unter Napoleon Holland eroberten, rächte sich England -dafür, indem es die Kapkolonie, Malakka und das westliche Sumatra den -Holländern raubte. 1796 kam Ceylon hinzu. Den Spaniern, als Frankreichs -Verbündeten, nahm es Puerto Rico und Trinidad. Wenn auch einige der -geraubten Inseln und Besitztümer zurückgegeben werden mußten, so -konnte England 1802 doch die für die Beherrschung des Weltmeeres -äußerst wichtige Insel Malta behalten. 1809 wurde Martinique, das -vorher zurückgegeben worden war, von neuem besetzt, Guadeloupe, Ile de -France, die Seychellen folgten. Helgoland, das Kaiser Wilhelms weise -Voraussicht uns wieder zuführte, wurde 1808 den Dänen entrissen. - -Als Frankreich durch Napoleons Niederlage aus der Rivalität mit -England ausschied, begannen die Unternehmungen in Ostindien, 1826 -war ein zusammenhängendes Gebiet von 3 Millionen Quadratkilometern -in Ostindien in englischem Besitz. Bald darauf ging es in seinen -Eroberungszügen gegen Hinterindien vor. Australien wurde gegen 1830 -England einverleibt. Es folgten der Kampf um Englands Einfluß in -Persien und Afghanistan, der Opiumkrieg mit China, der unmoralischste -Krieg, den die Welt je gesehen hat, in dem an England im Frieden -von Nanking die Insel Hongkong und im Frieden 1860 weitere Gebiete -fielen. -- In Afrika wurde Aden 1839 genommen. Der Suezkanal, den Lord -Palmerston zunächst als das größte Schwindelunternehmen des ganzen -Jahrhunderts kennzeichnete, wurde unter englischen Einfluß gestellt, -in Südafrika die Buren von einem Treck zum anderen getrieben, bis sie -zu Anfang des 20. Jahrhunderts in Transvaal und der Oranjerepublik -sich unabhängige Gebiete sichern konnten, aber nur so lange, bis die -Gold- und Diamantenfunde die englische Raubsucht erweckten und zur -Niederringung der Freiheit auch dieser Staaten und zu südafrikanischen -Kolonien unter des Spaniers Botha unterwürfiger Herrschaft führten. -Von Süden und Norden drang englische Eroberungssucht vor. Frankreich -mußte in Faschoda erkennen, was es heißt, England auf diesem Wege -entgegenzutreten. Zypern wurde als Belohnung für die Neutralität im -Russisch-Türkischen Krieg 1878 eingesteckt, 1882 wurde das englische -Protektorat über Ägypten mit einer Scheinfreiheit des Khediven und -einer Scheinoberhoheit des Sultans errichtet. Im Sudan drang man -weiter vor. Wituland und Sansibar ließ man sich von Deutschland im -Sansibarvertrag abtreten. Durch Uganda wurde 1899 der Zusammenhang -des britischen Reiches in Nordafrika sichergestellt, der große -imperialistische Traum von Cecil Rhodes einer Bahn von Kapstadt nach -Kairo nur durch englisches Gebiet näherte sich seiner Verwirklichung, -nur Deutsch-Ostafrika lag dazwischen. In Asien wurde schließlich die -wichtige Bucht von Wei-hai-wei erworben, mit Rußland verständigte -man sich über die Interessensphäre in Persien, der unter deutschem -Einfluß stehenden Bagdadbahn suchte man das wichtigste Schlußstück -englischerseits zu versperren, und so sah die Welt, als das 19. -Jahrhundert seinem Ende sich zuneigte, ein ungemessenes englisches -Kolonialreich in allen Erdteilen; Kanada und Indien, Australien, -Kapland, Ägypten und die wertvollsten Inseln der Erde waren in den -Händen von England, seine Flotte die größte der Welt, die Meeresstraßen -unter seiner Kontrolle, seine Handelsflotte unerreicht, sein Welthandel -an der Spitze aller Völker, sein Wort das wichtigste auf allen -Konferenzen, die über politische Geltung entschieden. So stand es im -wesentlichen schon da, als das junge Deutsche Reich erst in seine -Erscheinung trat. - -Was aus diesem jungen Deutschen Reiche geworden ist in den 44 Jahren -seit seiner Begründung, das ist es, was Englands Haß und Eifersucht -erweckte, was es veranlaßte, seinen ganzen Einfluß gegen Deutschland -zu wenden, und was es auch veranlaßte, den wirtschaftlichen Kampf -gegen Deutschland schon früher als in diesem Kriege zu beginnen. Drei -Faktoren waren es, die Englands Argwohn erregten: die Entwicklung einer -deutschen Kolonialpolitik, die Entwicklung einer deutschen Flotte, -drittens aber und vor allem die Entwicklung der deutschen Industrie und -des deutschen Welthandels. - -Unser deutscher Kolonialbesitz sollte an sich, wie man wohl annehmen -könnte, keine Veranlassung zur Eifersucht geben. Wir sind erst spät -eingetreten in die Kolonialentwicklung der Völker. Alte Tradition -wies uns zwar darauf hin; der große Ahnherr Kaiser Wilhelms II., -der unserem jetzigen Herrscher innerlich wohl auch am meisten vor -Augen schwebt, der Große Kurfürst, hatte versucht, Kolonialpolitik -zu treiben, Emden zu einem großen Handelshafen zu machen und die -brandenburgisch-preußische Handelsflagge auch in fernen Ozeanen -aufzupflanzen. Nur wenig geschichtliche Erinnerung ist uns davon -geblieben, die Meeresgeltung hatte man wohl gesehen zu den Zeiten -der Hansa und des Stahlhofes in London, in den Niederlassungen der -deutschen Handelshäuser in Genua und Venedig. Das alles war später -zugrunde gegangen, als mit dem brudermörderischen Dreißigjährigen Krieg -Deutschlands Wohlstand dahinsank. Seitdem war bis in die Mitte des 19. -Jahrhunderts der deutsche Handel vor allen Dingen auf die Befriedigung -des eigenen Bedarfes im inneren Wirtschaftsgebiet angewiesen. -Noch 1850 hatte der ganze auswärtige Handel Deutschlands nur eine -Milliarde Mark betragen. Zwar bedeutete der Deutsche Zollverein eine -Tat, und die Tage, an denen zuerst die Zollgrenzen in Deutschland -fielen, haben der Entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens neue -Bahnen gewiesen, aber vermessen wäre es wohl erschienen, an eine -weltwirtschaftliche Stellung Preußen-Deutschlands damals zu denken. -Die Gedanken eines Friedrich _List_, der mit geradezu prophetischem -Seherblick Deutschlands Bestimmung zur Welthandelsmacht erkannte und -bis zum Ende seines Lebens den geistigen Wirtschaftskampf Deutschlands -gegen England führen wollte, eilten den Taten seiner Zeit voraus. -Wohl weisen die Werke Rheinland-Westfalens den Weg für eine gewisse -Emanzipation des inneren Marktes von der englischen Werkstatt der -Welt, aber auch wirtschaftlich gilt zunächst Dingelstedts entsagendes -Wort: „Uneins zu Haus, nach außen klein.” Das alles wird anders -mit der Gründung des Reiches und den dadurch geweckten Kräften. -Auch Bismarck sah Deutschlands Bestimmung vor allem in seiner -kontinentalen Macht und sprach sich noch 1871 scharf gegen den Erwerb -von Kolonien aus. Trotzdem zeigt die Schwenkung, welche die deutsche -Wirtschaftspolitik im Jahre 1879 machte, schon die Anfänge einer -Politik, welche bewußt darauf hinarbeitete, der deutschen Industrie -die Unabhängigkeit vom Ausland, namentlich aber von England zu -schaffen und zugleich den Wettbewerb nach außen aufzunehmen, ohne sich -dabei aber einseitig auf exportindustrielle Entwicklung zu stützen, -vielmehr unter bewußtem und folgerichtig durchgeführtem Schutz der -landwirtschaftlichen Entwicklung. Als deutscher Unternehmungsgeist in -Südwestafrika vordringt, hält Bismarck seine schützende starke Hand -über Lüderitz und Dr. Carl Peters, trotz Gladstones sauertöpfender -freundnachbarlicher Abmahnung, und schafft uns damit Deutsch-Ostafrika -und Deutsch-Südwestafrika. - -Die weitere Entwicklung unserer kolonialen Unternehmungen ist bekannt. -Zusammenhanglos war unser afrikanischer Besitz, vier Gebiete, nicht -verbunden, jedes eine andere Eigenart, dazu der wenig wertvolle -Besitz im Südseearchipel, lediglich in den Samoainseln die Gewähr -einer gewissen Entwicklung in sich bergend, und hierzu noch der Platz -an der ostasiatischen Sonne, Kiautschou, das uns Fürst Bülow erwarb. -Über 20 Jahre hindurch ist die Entwicklung der deutschen Kolonien auch -wirtschaftlich eine ziemlich sterile gewesen. Erst die Dernburgsche -Ära hat dem deutschen Volke den Kolonialgedanken nähergebracht und -vor allen Dingen auf die wichtige wirtschaftliche Bedeutung der -deutschen Kolonien, vor allem hinsichtlich der mangelhaften deutschen -Rohstoffversorgung, hingewiesen. Ein frischer Zug ging seitdem durch -unsere koloniale Entwicklung, namentlich auch in ihrer Erschließung -durch Eisenbahnen, und die zielbewußte Arbeit unserer Kolonialpolitik -kommt in den 682 Millionen des Gesamthandels unserer Kolonien im -Jahre 1913 zum Ausdruck. Nur ein kleiner Prozentsatz des deutschen -Welthandels war es, was der Handel der Kolonien mit Deutschland -ausmachte, nur wenig Stützpunkte für die Fundierung der deutschen -Ausfuhr, für die Versorgung mit den unentbehrlichen Rohstoffen, nur -geringe Absatzgebiete für die deutsche Industrie, von der immer größere -Arbeitermassen abhängig wurden. Dabei ohne Schutz einer starken -deutschen Flotte, nur mit einem allerdings jährlich sich verringernden -Zuschuß aus dem deutschen Staatssäckel zu erhalten, alles in allem -kein großer Wert gegenüber dem englischen Kolonialbesitz, mehr -Zukunftshoffnungen, deren Erfüllung allen, die fest und mit Freudigkeit -an die deutsche Kolonialpolitik glaubten, zwar sicher erschien, die -aber keinen Gegenstand des Neides für ein Volk bieten konnten, das -in einem Kolonialbesitz von über 30 Millionen Quadratkilometer mit -einer Bevölkerung von etwa 400 Millionen Menschen über den größten -Kolonialbesitz der Welt gebot. - -Trotzdem sahen wir die Geschichte der neuesten Zeit erfüllt von -dem heftigsten Widerstreben Englands gegen diesen Besitz und seine -Entwicklung. Wenn irgendwo ein Gerücht auftauchte, daß Deutschland -eine Kohlenstation oder einen Flottenstützpunkt erwerben oder seinen -Kolonialbesitz vergrößern wolle, wurde die öffentliche Meinung in -England aufgepeitscht. Wie fanden sich alle die Verbündeten von 1914 -schon früher zusammen, wenn Deutschland versuchte, in Marokko festen -Fuß zu fassen, oder davon gesprochen wurde, daß bei der Liquidierung -des portugiesischen Kolonialbesitzes auch Deutschland entscheidend -mitbeteiligt sein müsse, wenn irgendwo von der Erwerbung belgischen -Kongogebietes durch Deutschland die Rede war oder der deutsche -Botschafter in Konstantinopel darauf hinwies, daß in Kleinasien auch -Lebensinteressen des deutschen Volkes zur Frage ständen. Die Konferenz -von Algeciras zeigte ebenso wie die letzte Marokkokrisis, daß England -gewillt war, jede Weiterentwicklung Deutschlands auf diesem Gebiete als -Kriegsfall zu betrachten. Das hörte man heraus aus den Reden englischer -Minister, die mit dem Munde die deutsche Flotte in 48 Stunden -vernichten wollten; dies trat schon früher in den Tischreden englischer -Minister zutage, die man sich im Deutschen Reichstag mit Recht verbat. - -Nur nach einer Richtung hin konnte man Englands Unwillen verstehen: in -bezug auf Ostafrika, das wie ein Keil zwischen dem Nord- und Südafrika -Englands lag, das es unmöglich machte, die Bahn Kapstadt-Kairo nur -durch englisches Gebiet zu führen. Trotzdem ist der Widerstand -Englands seit den ersten Worten Gladstones gegen die deutsche -Kolonialpolitik bis in die Gegenwart der deutschen kolonialen Tätigkeit -nur zu verstehen unter der Voraussetzung, daß England ein Monopol -der Beherrschung der Welt für sich in Anspruch nimmt, daß es diese -Beherrschung als von Gott gewollt ansieht und das Herrscherrecht zu -haben glaubt. - -Die Entwicklung der deutschen Flotte war der zweite Faktor, der England -den künftigen Kampf gegen Deutschland als Lebensaufgabe Englands -ansehen ließ. Mit dem Auge auf die englische Flotte ist, wie Bülow -in seinen Ausführungen zum Kaiser-Jubiläum darlegte, die deutsche -Flotte gebaut worden, ebenso aber mit dem Auge auf die deutsche, die -englische Flotte. Der Zweimächte-Standard Englands ist unter diesem -Gesichtspunkte zu verstehen, die Notwendigkeit, den deutschen Handel -durch eine deutsche Flotte stark zu schützen, wurde von England nicht -anerkannt, die deutsche Flotte als Luxus hingestellt gegenüber der -englischen, die für England eine Lebensnotwendigkeit sei. Und so wurde -mit allen Dreadnoughts, die in Deutschland vom Stapel liefen, Englands -Mißwollen verstärkt. - -Wie Englands Neid auf jede neben ihm emporkommende Seemacht schon -früher eingeschätzt wurde, das läßt sich an Beispielen aus der -Geschichte vielfältig beweisen. Wie schon erwähnt, weist Fürst Bülow -in seinen Ausführungen über auswärtige Politik darauf hin, daß schon -zu Ludwigs XIV. Zeiten von der englischen Regierung ein von Frankreich -angebotenes Bündnis, im Hinblick auf die Absicht Frankreichs, sich eine -Flotte zu bauen, abgelehnt wurde. Als Friedrich Wilhelm III. nach den -Freiheitskriegen in England weilte und ihm der König von England eine -kleine Schaluppe zum Geschenk machte, erwiderte König Friedrich Wilhelm -III.: „Hoffentlich wird England nicht neidisch werden auf meine -Flotte.” Eine Anekdote nur, jedoch kennzeichnend für die Auffassung, -die man auch zu jener Zeit von Englands Empfindungen hatte. Bedeutsam -mit dieser Bezeichnung sind jedoch vor allem die Ausführungen, welche -der bekannte Leipziger Nationalökonom Dr. Roscher zu einer Zeit machte, -als das Deutsche Reich im Jahre 1881 erst 39 Millionen Mark für seine -Flotte (431 Millionen Mark im Jahre 1913) ausgab. In der ersten -Auflage seiner „Nationalökonomie des Handels und Gewerbefleißes” sagt -er im § 12 über den Handelsstand: „Es ist immer ein verhängnisvoller -Wendepunkt, wo die tonangebende Landmacht anfängt, dem ersten -Handelsstaate auch zur See gleichzukommen.” In einer Anmerkung gibt er -in seiner inhaltsvollen Kürze drei weltgeschichtliche Belege für diesen -Satz: „Sparta im Peloponnesischen Kriege, Zeit 424, Rom, Zeit Duilius, -Frankreich, Zeit Colbert.” Wir könnten heute hinzufügen: „Deutschland, -Zeit Kaiser Wilhelm II.” - -Diese Frage des Flottengegensatzes, auf die hier nicht näher -eingegangen werden soll, liegt auf politischem Gebiete. Der -hauptsächlichste Beweggrund zu Englands Handeln aber war die -Entwicklung der deutschen Industrie und des deutschen Welthandels. -Statt einer langatmigen Darstellung der Entwicklung des beiderseitigen -Anteils am Welthandel seien einzelne Ziffern genannt, die erkennen -lassen, wie grundlegend sich auf diesem Gebiete die Verhältnisse seit -der Reichsgründung verschoben haben. Die Bevölkerung Englands stieg -seit der Reichsgründung von 31,5 auf 45,6 Millionen, die des Deutschen -Reiches von 40,9 auf 66 Millionen. Nicht nur die absolute, auch die -relative Zunahme der Bevölkerung hat im Deutschen Reiche England weit -übertroffen. Im Gegensatz zu England ist es dabei einer verständigen -Wirtschaftspolitik in Deutschland gelungen, neben einer mächtig sich -entwickelnden Industrie und einem gewaltig anwachsenden Welthandel, -sich auch eine starke Landwirtschaft zu erhalten, die, wenn auch ihr -relativer Anteil an der gesamten Bevölkerung zurückgegangen ist, es -doch verstand, auf den im wesentlichen sich gleichbleibenden Boden -eine gewaltige Steigerung der Erzeugung von Körnerfrüchten, allein -in den letzten 25 Jahren um über 80 % herbeizuführen und gleichzeitig -die Viehhaltung quantitativ und qualitativ in ungewöhnlicher Weise zu -verstärken. Die Kaufkraft der deutschen Landwirtschaft, die namentlich -durch die letzten Zollverträge gestärkt wurde, war die sichere -Unterlage, auf der die deutsche Industrie sich aufbauen konnte. Die -Entwicklung war nicht nur auf den Export eingestellt, sondern in -denjenigen Jahren, in denen stürmische Schwankungen die Weltkonjunktur -niederhielten und manches Land aus dem Gleichgewicht brachten, wurde -bei uns dieses Gleichgewicht erhalten. Schon darin lag eine Stärke -Deutschlands gegenüber England, die sich beispielsweise auch bei den -gewaltigen Konjunkturrückschlägen des Jahres 1907 darin zeigte, daß -nach den gleichzeitigen Ermittlungen der englischen und deutschen -Gewerkschaften in England die Zahl der Arbeitslosen eine bedeutend -größere war als in Deutschland. - -Nicht weniger aber ist vor allen Dingen die deutsche Industrie als -solche in die Höhe gekommen, seitdem einmal eine verständige, maßvolle -Schutzzollbewegung ihr die Möglichkeit technischen Fortschrittes -in ausgiebigstem Maße gab (Bergbau, Eisenerzeugung), und seitdem -andererseits das innige Bündnis zwischen Wissenschaft, Technik und -kaufmännischen Fähigkeiten und einer steigenden Arbeitsintensität -auf dem Gebiete der Chemie und der Elektrotechnik geradezu Monopole -für Deutschland schuf, während bei vielen anderen Warengattungen -die Überlegenheit des deutschen Fabrikanten in bezug auf dessen -Anpassungsfähigkeit an fremde Bedürfnisse, seine Sprachenkenntnisse, -seine Reisetätigkeit, die Schaffung stets neuer Muster, seine -sorgfältige Ausführung auch kleiner und kleinster Aufträge und sein -Grundsatz, den Kunden an sich heranzuziehen, statt auf ihn zu warten, -zu jenem gewaltigen Aufschwunge verhalf, der Deutschland auf diesem -Gebiete das in konservativen Geschäftsgrundsätzen wandelnde England -überholen ließ. Um das Siebenfache ist seit Gründung des Reiches -die Erzeugung der Stein- und Braunkohle gewachsen. In Roheisen und -Eisenerzen stieg vom Jahre 1885 auf 1912 die Erzeugung um 384,5 % -gegenüber einer Steigerung in England um 28,5 %. Noch im Jahre 1900 war -die Differenz zwischen der deutschen Stahlerzeugung und der englischen -nur etwa 1½ Millionen Tonnen, im Jahre 1912 war diese Differenz auf -etwa 11 Millionen Tonnen gestiegen. In absoluten Ziffern gemessen, -betrug 1913 die Produktion von Roheisen in Deutschland 19309172 ~t~ -gegen 10646838 ~t~ in England, die Produktion von Stahl 18935000 ~t~ -gegen 7700000 ~t~ in England. Der Kupferverbrauch, ein Grundpfeiler -namentlich auch für die elektrotechnische Industrie, stieg in den -letzten zehn Jahren um 359 % in Deutschland und 87 % in England. Die -elektrotechnische Industrie überragt in ihrer gesamten Erzeugung die -englische beinahe um das Dreifache. In der deutschen chemischen -Industrie, die in den letzten 25 Jahren die Zahl der Arbeiter mehr -als verdoppelt hat, zeigt sich die weltbeherrschende Stellung gerade -in diesem Kriege, wo England selbst unter der Nichtzufuhr deutscher -chemischer Produkte auf das empfindlichste leidet und mit gewaltigen -Arbeiterentlassungen die Tatsache der Nichtversorgung des heimischen -Marktes quittieren muß, und die amerikanische Baumwollausfuhr nach -Deutschland durchgesetzt wurde, weil Amerika ohne die deutschen -chemischen Erzeugnisse seine eigenen Textilwerke nicht aufrechtzuhalten -vermochte. - -In den Ziffern des deutschen Gesamtaußenhandels kommt diese Steigerung -deutlich zum Ausdruck. Noch im Jahre 1887 war England in seinem -Export Deutschland um etwa 50 % überlegen (4533 Millionen gegenüber -2937 Millionen Mark). Im Jahre 1912 war diese Differenz auf etwa 10 % -gesunken (9943 Millionen Mark auf englischer gegenüber 8956 Millionen -Mark auf deutscher Seite). Nehmen wir den gesamten Welthandel, so sehen -wir im Spezialhandel der Völker, daß seit 1887 Englands Anteil um 113 %, -derjenige der Vereinigten Staaten von Nordamerika um 173 %, der deutsche -um 225 % gestiegen ist. Allein in den Jahren 1901-1911 ist die deutsche -Ausfuhr von Fabrikaten um 93,2 % gegenüber 62,3 % bei Großbritannien -gestiegen. Noch führt England im Welthandel der Völker mit einer -Gesamtziffer des Gesamthandels von 24,2 Milliarden Mark, ihm folgt dann -an zweiter Stelle mit einem Gesamtaußenhandel von etwa 22,5 Milliarden -Mark Deutschland, an dritter Stelle folgen die Vereinigten Staaten mit -etwa 17,9, an vierter Stelle Frankreich mit 12,46 Milliarden Mark. Von -Einzelheiten sei hier erwähnt die deutsche Maschinenausfuhr, die 1913 -678 Millionen Mark wertete gegen 674 Millionen Mark in England, während -dieselben Ziffern im Jahre 1900 noch 183 Millionen für Deutschland -gegenüber 401 Millionen Mark in England betrugen. In 14 Jahren also -für Deutschland eine Steigerung um mehr als das 3½fache, in England -nur um mehr als die Hälfte! Denkt man an die Zeit, in welcher Englands -Welthandel denjenigen Deutschlands um das Doppelte überragte, und nimmt -man an, daß es Deutschland gelungen wäre, diesen relativen Aufschwung -aufrechtzuerhalten, den es bisher aufweisen konnte, so konnte man -allerdings erwarten, daß eine Zeit kommen würde, welche überhaupt nicht -mehr England, sondern Deutschland an der Spitze des Welthandels aller -Völker sehen würde. - -Die gewaltige Entwicklung, die sich in diesen Ziffern zeigt, tritt auch -zutage in der Entwicklung der Handelsmarine. Zwar ist hier Englands -Vorsprung ein ganz anderer wie auf dem Gebiet des Welthandels an sich. -Noch ist es der große Weltverfrachter, und wenn auch allein in den -letzten zehn Jahren der Raumgehalt der deutschen Seeschiffe um 111,4 % -stieg gegenüber 39 % bei England, so ist dieses doch in der absoluten -Ziffer der deutschen weit überlegen. Von 1416300 Registertonnen -stieg in den letzten 20 Jahren der Nettoraumgehalt der deutschen -Seeschiffe auf 2994200 Registertonnen, während in der gleichen Zeit -der Nettoraumgehalt der englischen Seeschiffe von 8933500 auf 12415800 -Registertonnen stieg. Allerdings muß man dem gegenüberhalten, daß der -Anteil Englands an der Welthandelsmarine in dem gleichen Zeitraum von -46,8 % auf 42,6 % gesunken ist, während gleichzeitig Deutschlands Anteil -von 7,4 auf 10,3 % gestiegen ist. In der amtlichen Denkschrift zur -Begründung der deutschen Flottenvorlage ist zuerst, vielleicht damals -mit allzu großer Deutlichkeit, auf diese Entwicklung der deutschen -Seeinteressen hingewiesen worden. Auch hier sah England Deutschland -als Rivalen neben sich, sah, wie Hamburg mit London und Liverpool -wetteiferte, mußte vor allem erleben, daß die beiden führenden großen -deutschen Schiffahrtsgesellschaften es verstanden hatten, sich eine -Führung ohnegleichen auf dem Gebiete des Personen- und Frachtenverkehrs -nach den Vereinigten Staaten zu sichern, mußte erleben, wie der -„Imperator” und das „Vaterland” vom Stapel liefen und die größten -Schiffe der Welt unter deutscher Flagge ihren Weg sich durch die Fluten -bahnten. - -Vervollständigen wir das Bild, das diese Ziffern geben, noch durch zwei -Betrachtungen. Deutschland war einstmals das Land der Auswanderung; -politische Unzufriedenheit um die Mitte des vorigen Jahrhunderts hat -die einen, wirtschaftliche Not auch noch nach Gründung des Reiches die -anderen über die Meere getrieben; bis auf jährlich 275000 Menschen -stieg die Zahl derjenigen, die Deutschland verließen, um sich eine -neue Heimat jenseits des großen Wassers zu begründen. In Neuyork, -in Chicago, in Milwaukee, in Cincinnati ebenso wie in Rio Grande -do Sul zeigen sich noch heute die Folgen dieser Auswanderung. Wie -anders ist das geworden! Im letzten Jahre haben noch 25000 Deutsche -ihr Heimatland verlassen, aber mehr als 12000 sind zurückgekehrt, so -daß Deutschland zu den wenigen europäischen Ländern gehört, die fast -keine internationalen Auswanderungsverluste zu verzeichnen haben, -denen es möglich ist, das, was hineinwächst in ihre Bevölkerung, auch -im eigenen Vaterlande zu ernähren; ja die große Zahl ausländischer -Wanderarbeiter zeigt, daß selbst diese wachsende Bevölkerung -Deutschlands nicht mehr in der Lage war, Deutschlands Bedarf an -Arbeitskräften zu decken, welche das Neudeutschland der Gegenwart -verlangte. - -England muß demgegenüber den großen Bevölkerungsverlust decken, wozu -namentlich die Stimmung in Irland beiträgt, das unter englischer -Herrschaft zu einem entvölkerten Lande wurde. Dem Wachstum -Deutschlands, das seinen Geburtenüberschuß in den letzten Jahren als -wirtschaftlichen, militärischen und politischen Machtzuwachs buchen -konnte, stehen die 240000 Engländer gegenüber, die in den letzten -Jahren durchschnittlich England und Irland verlassen haben. - -Im Volkswohlstand beider Länder kommt letzten Endes das Ergebnis zum -Ausdruck. Auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet, ist England auch -heute noch reicher als Deutschland. Seine Steuerpolitik hat bis in die -letzten Jahre hinein erlaubt, in viel größerem Maße als in Deutschland -die niedrigen Einkommen von der Steuer freizulassen. Nach dem -„Economist” wird das Gesamtvermögen Englands auf 285 Milliarden Mark, -nach Ballot dasjenige Deutschlands auf 270 Milliarden Mark geschätzt. -Wir können heute nach dem Ergebnis des Wehrbeitrages die Überzeugung -aussprechen, daß diese Schätzung Ballots zu niedrig gegriffen ist, -daß wir weit mehr Steinmann-Bucher glauben können, der Deutschlands -Volksvermögen auf 350 Milliarden Mark berechnet. Einen Vergleich geben -auch die Sparkasseneinlagen. Im Jahre 1875 kamen auf den Kopf der -Bevölkerung gemessen in Deutschland 44 Mark, auf den Kopf in England 42 -Mark, im Jahre 1911 in England 103, in Deutschland 272 Mark. - -Keine Sprache ist für die Engländer verständlicher als die Sprache der -kühlen, nüchternen Ziffern, und auf den Ziffern, die hier genannt sind, -beruht Englands Eifersucht und Neid. - - * * * * * - -England hat schon lange vor dem Krieg die Folgerung aus dieser -Entwicklung gezogen. Sein Wirtschaftskrieg gegen Deutschland begann -mit jenem 1887 erlassenen _Gesetz_ über die Herkunftsbezeichnungen -„_~Made in Germany~_”, das ein Brandmal sein sollte für deutsche -Erzeugnisse, aber zu einem Ehrendenkmal deutscher Qualität wurde. Daß -es bewußt gegen Deutschland gerichtet war, bedarf keines weiteren -Hinweises, denn Deutschland gehört zu den Hauptversorgern von -Großbritannien. Dieses Gesetz war der erste Bruch mit der bis dahin -traditionell betriebenen Freihandelspolitik Englands. Wie oft ist -uns das Lied dieser englischen Freihandelspolitik nicht gesungen -worden! Die guten Deutschen, die so gern das Vorbild im Ausland -suchen und die vielleicht ein gewisses Recht hatten, in der Zeit -preußischer Reaktion ein englisches Parlament, das seine Vorzüge -hatte, anzuerkennen, vergaßen, daß Englands Wirtschaftspolitik -nie von einem anderen Gesichtspunkt geleitet worden ist als von -demjenigen des rücksichtslosesten Eigennutzes. Professor Harms, dem wir -verschiedene hervorragende Darlegungen über England und Deutschland -verdanken, hat in einem in der „Deutschen Revue” veröffentlichten -Aufsatz über England und Deutschland mit Recht darauf hingewiesen, daß -England zunächst durch Jahrhunderte hindurch an einer rücksichtslos -gehandhabten Ausschließungspolitik festhielt und erst dann, als es nach -dem Niederbruch Frankreichs die unbedingte kommerzielle Übermacht in -Europa hatte, seine Grenzen aus dem Grunde öffnete, weil die anderen -Völker auf seinem eigenen Markt nicht konkurrieren konnten und weil -es die Hoffnung hatte, daß die anderen Staaten dem Beispiel folgen -und ihm die Grenzen öffnen würden und ihm dann diese Absatzgebiete -schrankenlos offen standen. Diese Hoffnung Englands hat sich als -vollständig richtig erwiesen. Es wurde die große Werkstatt der Welt -und es konnte sich die unbedingte Herrschaft auf den Märkten der Welt -aneignen, solange dieses Freihandelssystem auch von anderen Ländern -adoptiert wurde. Die Notwendigkeit von Schutzzöllen für die deutsche -Industrie hatte ja zuerst Friedrich List, dessen geradezu grandiose -prophetische Voraussage man auch darin wieder bewundern muß, in den -Vordergrund seiner Ausführungen gestellt. Als England merkte, daß diese -Freihandelspolitik ihm gefährlich wurde, beginnt es mit dem Abbau des -Freihandels, und das Gesetz: „~Made in Germany~” ist der erste Schritt -auf diesem Wege. Mit einem freien Wettbewerb aller Völker ist ein -Gesetz, welches eine besondere Kennzeichnung bestimmter Waren verlangt, -grundsätzlich unvereinbar. Die Nachahmung, welches dieses Vorgehen in -Frankreich gefunden hat mit einem Versuch, die Waren durch die Worte: -„~Importé d'Allemagne~” vom französischen Markt zu verdrängen, zeigt -ja, aus welchen Erwägungen heraus das Gesetz gekommen ist. Daß es in -das Gegenteil des Gewollten umschlug, ist sicherlich weder Englands -Absicht noch sein Verdienst gewesen. - -In gleicher Richtung bewegt sich die englische Wirtschaftspolitik, die -in dem _englischen Patentgesetz_ vom Jahre 1907 zum Ausdruck kommt. -Im Abs. 1 des § 27 dieses Gesetzes wird bestimmt, daß jedermann in -England den Antrag auf Nichtigkeit eines Patentes stellen kann mit der -Begründung, daß die patentierte Ware fast ausschließlich außerhalb -Englands hergestellt wird. Eine solche Nichtigkeitsklage kann also -erhoben werden, wenn die Fabrikation im Auslande stattfindet, ja sogar -schon, wenn die Herstellung hauptsächlich im Auslande stattfindet. Die -Herstellung muß in England geschehen, oder es muß ein triftiger Grund -angeführt werden, weshalb das nicht geschehen kann. - -Es erhellt von vornherein, daß eine derartige Bestimmung sich -namentlich gegen die chemische Industrie Deutschlands und gegen -die Vorherrschaft auf dem Gebiete der Erzeugung und des Vertriebes -patentierter Artikel richtet. England versuchte diejenigen deutschen -Firmen, die bisher auf Grund englischer Patente den englischen Markt -beherrschten, zu zwingen, ihren Tribut in der Form zu zahlen, daß -sie entweder ihre Patente an Engländer abtreten oder ihre eigenen -Fabriken nach England verlegen und so die Löhne für die Erzeugung -englischen Arbeitern zugute kommen lassen, ebenso wie ihr Gewinn mehr -als bisher in England versteuert werden sollte. Tatsächlich hatte -auch gerade bei der chemischen Großindustrie das Gesetz vom Jahre -1907 in dieser Form gewirkt. So haben die Elberfelder Farbenfabriken -gemeinsam mit der Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation in Berlin -eine Filiale in England eingerichtet, um auf diese Weise die bisher -in England abgesetzten Waren in England herzustellen und vor der -Nichtigkeitserklärung zu schützen. Desgleichen sind die Höchster -Farbwerke gezwungen worden, nach England zu gehen. - -Man mag vom englischen Standpunkt aus über die Zweckmäßigkeit eines -solchen Gesetzes denken, wie man will, mag es als Ausfluß eines starken -merkantilistischen Geistes verteidigen, jedenfalls ist niemals der -Bruch mit der Freihandelstradition schärfer zum Ausdruck gekommen -als in diesem Vorgehen. Hier ist nicht nur die vorhandene Theorie -durch eine Schutzzollgesetzgebung aufgehoben, sondern durch eine -Prohibitivpolitik ersetzt worden. Das vorliegende Gesetz ist die -Aufhebung des freien Wettbewerbs auf dem Gebiete der patentierten -Artikel. - -Aus demselben Geist ist das Gesetz geboren, welches zwischen -der englischen Admiralität und dem englischen Postministerium -einerseits und der Cunard-Linie andererseits in bezug auf die -_Schiffahrtssubventionen_ geschlossen wurde. In dieser Vereinbarung -verspricht die englische Regierung der Cunard-Linie eine Subvention -von 3 Millionen Mark jährlich zu zahlen als Zuschuß für die -Indienststellung der beiden Dampfer „Mauretania” und „Lusitania”, -welche die Cunard-Linie nur unter der Bedingung, daß sie diese -Subvention erhalte, bauen konnte. - -Das blaue Band des Ozeans war England verloren gegangen, als der -Norddeutsche-Lloyd-Dampfer „Kaiser Wilhelm II.” den Rekord in der -Fahrt Bremen-Neuyork geschlagen hatte. Da erfolgte jenes Gesetz im -englischen Parlament, durch welches der Cunard-Linie die vorerwähnte -Jahressubvention zugesichert wurde für den Bau zweier Dampfer, welche -bestimmt waren, diesen deutschen Rekord zu brechen. Wohlgemerkt, -es handelt sich nicht um die Subvention einer notleidenden Linie, -es handelt sich auch nicht um eine Schiffahrtstrecke, welche ohne -staatliche Subvention etwa keine Erträgnisse brachte, nein, an die -bestrentierende Linie des ganzen Weltverkehrs und an eine glänzend -fundierte Gesellschaft wird aus allgemeinen Staatsmitteln diese -Subvention gezahlt, nur damit Deutschland nicht mehr den Ruhm besäße, -die schnellsten Schiffe zu besitzen. Gewiß wäre es unserem Lloyd oder -der Hapag auch möglich gewesen, eine „Mauretania” in Dienst zu stellen, -wenn man für den riesigen Kohlenverbrauch dieser großen Dampfer ein -Staatsopfer von mehreren Millionen jährlich gebracht hätte. Nur würde -man in Deutschland eine solche Prestigepolitik auf Staatskosten sowohl -im Bundesrat wie im Reichstag abgelehnt haben. Mit vollem Recht hat -deshalb Herr Ballin in einer geistvollen Rede auf einer Versammlung -des Zentralverbands des deutschen Bank- und Bankiergewerbes am 7. -September 1907 darauf hingewiesen, daß nichts so sehr den Niedergang -Englands von seiner einstigen Herrschaft kennzeichnet, nichts so -charakteristisch sei für den Neid und für die Eifersucht gegen -Deutschland, als daß es den früher jahrzehntelang aufrecht erhaltenen -Grundsatz des freien Spiels der Kräfte im Welthandel aufgebe, um mit -Staatsmitteln eine Stellung aufrecht zu erhalten, die es im privaten -Wettbewerb gegenüber Deutschland nicht mehr behaupten könnte. „Es ist -noch nicht lange Zeit,” so führte Ballin damals wörtlich aus, „daß wir -uns einer regen Teilnahme an dem heißen Wettbewerb rühmen können, der -sich zwischen den Schiffahrt treibenden Nationen auf dem Weltmeere -vollzieht. Herr Professor Thieß erinnerte in einem Vortrag daran, daß -im Jahre 1790, als der französischen Nationalversammlung der Titel -einer ihr gewidmeten Broschüre verlesen wurde: „Über die Schiffahrt -- -von einem Deutschen”, die ganze Versammlung in schallendes Gelächter -ausbrach, so komisch erschien es damals, daß ein „Deutscher” über -Schiffahrt mitreden wollte. Das sind 117 Jahre her, eine längst -vergangene Zeit! Aber noch im Jahre 1861, als man in Preußen schon -eine Kriegsmarine organisierte und die atlantische Schiffahrt schon -von Bremen und Hamburg einen lebhaften Aufschwung nahm, da schrieb -noch die „Morning Post”, das Organ des damaligen Premierministers -Lord Palmerston: „Die Deutschen mögen den Boden pflügen, mit den -Wolken segeln und Luftschlösser bauen, aber nie, seit Anfang aller -Zeiten, hatten sie das Genie, das Weltmeer zu durchqueren oder nur -schmale Gewässer zu durchfahren.” Das war 1861, und 10 Jahre später -hatten wir, von Meisterhand gezimmert, ein einiges Deutsches Reich, -und weitere 20 Jahre später, da hatte das junge Deutschland auf dem -Gebiete der Weltschiffahrt alle anderen Länder überflügelt und war -der großen englischen Schiffahrt gefürchtetster Rivale geworden. Das -war ein Erfolg, in heißer Arbeit errungen, und der täglich in heißer -Arbeit verteidigt werden muß. Hat doch selbst England, um diesen Erfolg -zu schmälern, _den alten bewährten Grundsatz vom freien Spiel der -Kräfte_, dem es seine glänzende wirtschaftliche Entwicklung verdankt, -_verlassen_ und die reich vergoldete Hand einer einzelnen Gesellschaft -gereicht, nur um sie in die Lage zu setzen, zwei Schiffe zu erbauen, -welche die deutschen Schnelldampfer um ein Geringes überbieten sollen.” - -Am schlagendsten aber tritt dieser Wirtschaftskampf Englands zutage in -der _Zollbegünstigung gegenüber seinen Kolonien_. Der imperialistische -Sinn Englands ist einst zum Ausdruck gekommen in der Schaffung des -großen englischen Weltreiches und dessen politischer Beherrschung. Mit -dieser politischen Beherrschung der Welt war aber für England auch -die Gewähr der wirtschaftlichen Monopolstellung verbunden. Politische -Herrschaft ist aber auch unzweifelhaft die sicherste Grundlage -einer solchen wirtschaftlichen Monopolstellung. Unter nichts hat -Deutschland so sehr gelitten als unter der Phrase der „offenen Tür”. -Die formale Gleichberechtigung in einem von einem Industrie-Exportlande -beherrschten Kolonialland wird niemals ein Land in die Lage versetzen, -sich die tatsächliche wirtschaftliche Gleichberechtigung gegenüber -dem Land zu erringen, das die politische Herrschaft in der Hand hat. -Soweit die wirtschaftliche Entwicklung eines Koloniallandes in Betracht -kommt, werden Aufträge immer an das Mutterland vergeben werden, -und hieran wird auch eine freie Submission nichts ändern, denn der -betreffende Gouverneur wird immer in der Lage sein, die zu vergebenden -Aufträge seinem Land zu übermitteln. Wir bauen die Bahn in unseren -Kolonien auch nicht auf englischen Stahlschienen, und Frankreich -denkt nicht daran, die marokkanischen Häfen von deutschen Firmen -anlegen zu lassen. So würde also, selbst wenn die völlige formale -Gleichberechtigung zwischen England und anderen Nationen tatsächlich -bestehen würde, England einen gewaltigen Vorsprung in bezug auf die -Versorgung seiner Kolonien vor uns voraus haben. England ist aber -weiter gegangen. Während es schamhaft im eigenen Heimatlande noch an -der Idee des Freihandels festhält, hat es diese Idee in bezug auf -das Verhältnis zu seinen Kolonien längst aufgegeben. Mit Kanada hat -es bereits am 1. August 1898, mit Neuseeland 1903, mit Australien -1907, mit der südafrikanischen Union 1903 Verträge geschlossen, -welche ihm als dem Mutterlande eine Zollbegünstigung gewähren, die -in einzelnen Fällen bis zu 33⅓ % des Zolles ausmachen. Gewiß mag es -formell unrichtig sein, wenn man sagt, England hätte derartige Verträge -geschlossen, denn formell sind diese Gesetzesvorlagen der Initiative -der Kolonien selbst entsprungen und England hat scheinheilig an dieser -Phrase festgehalten. Der Zollkrieg zwischen dem Deutschen Reich und -Kanada hatte in dieser Zollbegünstigung Englands seine Ursache. Das -Deutsche Reich bezog sich darauf, daß ihm in Kanada nach einem schon -zwischen England und Preußen geschlossenen Vertrag die unbedingte -Meistbegünstigung zustände und diese Meistbegünstigung sich auch auf -die englischen Kolonien bezöge. Der Versuch, die Kanadier durch einen -Zollkrieg zur Aufgabe ihres Standpunktes zu zwingen, schlug fehl und -mußte fehlschlagen, denn er war gegen ein Prinzip gerichtet, das nicht -von Ottawa, sondern von London ausgegangen war und die Grundlage -derjenigen wirtschaftlich-imperialistischen Bestrebungen bildete, die -in Chamberlain den Hauptträger ihrer Ideen sahen und deren Gedanken bis -weit in die liberalsten Kreise hinein mehr und mehr Geltung erlangten. -Was jenen vorschwebte, das war ein ~Greater Britain~, ein Groß-England, -geeinigt durch ein möglichst enges politisches Bündnis, geeinigt -aber auch durch ein möglichst enges wirtschaftliches System zwischen -den Kolonien und England, gerichtet gegen jeden Wettbewerber, vor -allem aber gerichtet gegen Deutschland. Bedurfte es doch erst eines -energischen Einspruches der deutschen Regierung, um zu verhindern, -daß in die staatlichen Submissionsbestimmungen Australiens der Satz -aufgenommen wurde, daß deutsche Waren grundsätzlich von jedem Mitbewerb -ausgeschlossen seien, hat das Gesetz „~Made in Germany~” doch selbst -in Indien seine Nachahmung gefunden! Wie weit dieser imperialistische -Gedanke Besitz ergriffen hat in der Politik der Staatsminister der -englischen Kolonien, davon konnte ich mich überzeugen, als ich vor -einigen Jahren in Toronto die Rede des jetzigen Staatsministers -von Kanada, Borden, hörte, die nichts anderes war als der Ausdruck -des Bekenntnisses einer völlig politischen und wirtschaftlichen -Zugehörigkeit zu England -- eine Rede, in der damals schon die Drohung -enthalten war, daß jedem Feind, der sich dem Mutterlande nahen -würde, nicht nur englische, sondern auch kanadische Dreadnoughts -entgegengesandt würden. Ich habe damals in der Presse auf diese -Stimmung in Kanada hingewiesen, die jetzige Haltung Kanadas beweist, -daß die damalige Rede Bordens, der gerade aus London kam und über -seine Eindrücke in England berichtete, nicht einer Augenblicksstimmung -entsprang, sondern der Ausdruck einer festbegründeten politischen und -wirtschaftspolitischen Überzeugung war. - -Wie bedeutend diese schutzzöllnerische Gesetzgebung in den Kolonien, -wie bedeutend überhaupt der Kolonialbesitz Englands für seine -wirtschaftliche Machtstellung ist, dafür liefern uns die Ziffern -des englischen Außenhandels einen schlagenden Beweis. Wenn wir den -englischen Außenhandel mit dem deutschen vergleichen, so sehen wir -eine englische Ausfuhr von 9943 Millionen Mark im Jahre 1912 und eine -deutsche Ausfuhr von 8956 Millionen Mark im gleichen Jahre. England -ist uns also auf diesem Gebiete um nur 1000 Millionen Mark überlegen. -Gliedern wir aber diese Ausfuhr, betrachten wir den Wettbewerb der -beiden Länder einmal in denjenigen Ländern, in denen sie unter gleichen -Bedingungen, d. h. unter gleicher Zollbehandlung kämpfen, und scheiden -wir daher die Länder aus, in denen die politische und wirtschaftliche -Vorherrschaft eines der beiden Staaten besteht. Wir müssen dann von -dem englischen Außenhandel abziehen die Ausfuhr nach den englischen -Kolonien, von dem deutschen Außenhandel die Ausfuhr nach den deutschen -Kolonien, wo ähnliche Deutschland begünstigende Verhältnisse in -der politischen Vorherrschaft, wenn auch nicht in wirtschaftlicher -Vorzugsbehandlung, bestehen. - -Nach den englischen Kolonien hat England 1912 insgesamt für 191,5 -Millionen (= 3830 Millionen Mark) ausgeführt, wovon auf Indien 65,679 -Millionen, auf Kanada 27,3 Millionen, auf Neuseeland 11,1 Millionen, -auf Südwestafrika 23,1 Millionen entfallen. - -Nach denselben englischen Kolonien betrug die deutsche Ausfuhr 1912 -348,9 Millionen Mark. Wir sehen also, daß, während England in seiner -Gesamtausfuhr Deutschland etwa wie 10:9 steht, das Verhältnis in der -Ausfuhr nach englischen Kolonien wie 11:1 ist. Derartig machen sich -die politischen und wirtschaftlichen Einflüsse Englands uns gegenüber -geltend. - -Noch stärker tritt übrigens der Gesichtspunkt der Beherrschung der -Kolonien durch das Mutterland zutage, wenn wir denselben Vergleich -auf das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland ausdehnen. Die -deutsche Ausfuhr überhaupt beträgt 10,8 Milliarden, die französische -5,3 Milliarden. Nach den französischen Kolonien aber führte Frankreich -im Jahre 1913 für 906,5 Millionen Franken, Deutschland aber nur für -etwa 15 Millionen Mark aus. Das Gebiet, in dem die Flagge eines fremden -Landes weht, ist also für unseren Außenhandel verschlossenes Gebiet -oder doch solches, wo wir unter den größten Widerständen einen kleinen -Teil des Bedarfs decken können. - -Ziehen wir nun von dem englischen Außenhandel die Ziffer der Ausfuhr -nach den englischen Kolonien, von dem deutschen Außenhandel die Ziffer -der Ausfuhr nach den deutschen Kolonien ab, so erhalten wir folgendes -Bild: - - Englische Gesamtausfuhr 1912 9943 Millionen Mark - Davon nach den Kolonien und Protektoraten 3830 „ „ - Ausfuhr in Gebiete freien Wettbewerbs 6113 „ „ - _Deutsches Reich Gesamtausfuhr_ 1912 8956 „ „ - Davon nach deutschen Kolonien 51 „ „ - Ausfuhr in Gebiete freien Wettbewerbs 8905 „ „ - -Daraus folgt, daß in denjenigen Teilen der Welt, wo wir mit England -unter gleichen Bedingungen konkurrieren, die englische Ausfuhr -insgesamt 6113 Millionen Mark, die deutsche Ausfuhr aber 8905 Millionen -Mark beträgt, _daß also Deutschland England in der Ausfuhr längst schon -überholt hätte, wenn nicht Englands Kolonialbesitz die unbedingte -Fundierung für die englische Industrie und den englischen Handel -abgeben würde, eine Tatsache, die zu denken gibt, wenn nach dem Kriege -die Frage der Vergrößerung des deutschen Kolonialbesitzes erörtert -werden wird_. - -Erst unter diesen Gesichtspunkten versteht man Englands Kampf gegen -eine weitere koloniale Betätigung des Deutschen Reiches, versteht -man weiter auch die imperialistischen Ideen Chamberlains. Sie sind -der Ausdruck eines gegen Deutschland gerichteten Wirtschaftskampfes. -Bereits im September 1897 schreibt Sir Alfred Mond in der „Saturday -Review” wörtlich: „Wenn Deutschland morgen vernichtet wäre, so -gäbe es in der Welt nicht einen Engländer, der übermorgen nicht -um so reicher wäre. Völker haben jahrelang um eine Stadt, um ein -Erbfolgerecht gekämpft. Müßten wir nicht um 250000000 £ jährlichen -Handels Krieg führen? Wenn England einst erwacht und sieht, was seine -einzige Hoffnung für eine gedeihliche Zukunft ist, dann _nieder mit -Deutschland_.” Das ist der Geist, der von dem Herstellungsgesetz zu den -Schiffahrtssubventionen, zum Patentgesetz, zur Vorzugsstellung Englands -gegenüber seinen Kolonien, zu dem Tage führte, wo England die Völker -der Erde in Sold nahm, um Deutschlands wirtschaftliche Macht gewaltsam -zu brechen, nachdem es mit allen anderen Mitteln nicht gelungen war, -Deutschland von der zweiten Stelle der Weltwirtschaft zurückzudrängen. - - * * * * * - -Unter dem Gesichtspunkt dieses Kampfes gegen Deutschlands -wirtschaftliche Stellung sind neben der Entfesselung des Weltkrieges -selbst diejenigen Maßnahmen mit zu buchen, die England gegen -Deutschland in dem jetzigen Weltkrieg ergriffen hat, um es -wirtschaftlich auf die Knie zu zwingen. Mehrere Gesichtspunkte kamen -für England nach dieser Richtung in Frage, einmal die Abschneidung -Deutschlands von der Nordsee, um die Lebensmittelzufuhr und damit die -Ernährung der deutschen Bevölkerung in Frage zu stellen, zweitens die -völlige Unterbindung der deutschen Ausfuhr nach neutralen Ländern, -soweit diese Ausfuhr durch England kontrolliert werden konnte, drittens -die Vernichtung der deutschen Handelsflotte, viertens die Vernichtung -seiner Guthaben im feindlichen Ausland, vor allen Dingen in England -selbst, fünftens die Eroberung der deutschen Absatzmärkte während der -Zeit der Ausschließung Deutschlands vom Weltverkehr, schließlich die -Unterbindung aller Zufuhr von Rohstoffen zur völligen Lahmlegung der -deutschen Industrie. - -Wenn man diese Maßnahmen übersieht, wird man feststellen müssen, -daß sie teilweise völlig wirkungslos geblieben sind, teilweise -den erhofften Erfolg nicht gehabt haben. Zunächst ist die -Lebensmittelversorgung Deutschlands nach menschlichem Ermessen, wenn -auch unter Einschränkung des Verbrauchs, sichergestellt. Die deutsche -Wirtschaftspolitik hat uns in die Lage gesetzt, den größten Teil des -deutschen Bedarfes selbst zu erzeugen. Bis August dieses Jahres ist -Deutschland mit Lebensmitteln derart versorgt, daß jede Hoffnung des -Feindes, eine Schwächung Deutschlands durch den Mangel an Lebensmitteln -herbeizuführen, als gescheitert anzusehen ist. Daß wir den Krieg nicht -im eigenen Lande haben, sondern daß unsere Truppen verstanden haben, -denselben in Feindesland hineinzutragen, so daß das deutsche Heer -zum großen Teil durch Requirierung im fremden Lande leben konnte, -hat selbstverständlich mit dazu beigetragen. Hat doch erst kürzlich -der Berichterstatter einer neutralen Macht das glänzendste Zeugnis -deutscher Organisationstätigkeit darin erblickt, daß es den deutschen -Militärbehörden in Frankreich gelungen wäre, die Versorgung der -deutschen Armee mit Lebensmitteln ohne Zufuhren aus Deutschland selbst -durchzuführen! - -In bezug auf die Unterbindung unserer Ausfuhr nach dem neutralen -Ausland ist es England gelungen, einen teilweisen Erfolg zu erzielen. -Die Schiffe der Hapag und des Lloyd sind entweder in die Kriegsflotte -eingereiht oder liegen in neutralen Häfen, ein Handel unter deutscher -Flagge ist bei der gegenwärtig noch vorhandenen Beherrschung der See -durch England nur in geringem Maße möglich. Andererseits hat sich -aber bereits gezeigt, daß die völlige Unterbindung des deutschen -Außenhandels sich nicht hat bewerkstelligen lassen. Einmal kommt für -den deutschen Außenhandel das Gebiet des verbündeten Österreich, ferner -das Gebiet der neutralen Staaten, Schweiz, Italien, die Balkanländer -und die Türkei in Betracht, soweit nicht die Sorge um die eigene -Volkswirtschaft Ausfuhrverbote als notwendig erscheinen ließ. Weiterhin -sind aber diejenigen Waren, die nicht Kriegskonterbande sind, zum -Teil auf neutralen Schiffen in das Ausland befördert worden. Hat es -doch, worauf schon hingewiesen, beispielsweise durchgesetzt werden -können, daß ohne Schwierigkeiten die Ausfuhr chemischer Produkte -nach Amerika unter amerikanischer Flagge und unter dem Schutz der -politischen Macht der Vereinigten Staaten erfolgt. Damit ist nicht nur -für Deutschland die Möglichkeit der Ausfuhr seiner Chemikalien gegeben, -sondern es ist gleichfalls dafür eingetauscht worden die Zusage der -Vereinigten Staaten, daß Baumwolle nicht Konterbande sei, und nach -der Erklärung des amerikanischen Botschafters Gerard ist die von den -Vereinigten Staaten festgesetzte Ausfuhr amerikanischer Baumwolle nach -Deutschland in Höhe von 50000 Ballen pro Monat bestimmt worden, und -bis zum 31. Dezember 1914 sind bereits in Bremen 48617, in Rotterdam -69900 Ballen amerikanischer Baumwolle angekommen. Gewiß werden sich -noch Schwierigkeiten in bezug auf die Heranschaffung anderer Rohstoffe -bemerkbar machen, andererseits sind wir aber zum Teil dadurch dieser -Schwierigkeiten enthoben worden, daß uns durch die Eroberung Belgiens -und die besetzten französischen Gebiete die gewaltigen dortigen -Rohstoffbestände in den Schoß gefallen sind, beträgt doch das besetzte -französische Gebiet, industriell berechnet, 40 % der gesamten in -Frankreich arbeitenden Maschinenkräfte. Bereits heute nach einem -beinahe einhalbjährigen Kriege sehen wir, daß es uns gelungen ist, -die Rohstoffversorgung Deutschlands annähernd sicherzustellen und die -Überzeugung unserer verantwortlichen Stellen ist, daß dies auch während -der ganzen Dauer des Krieges der Fall sein wird. - -Ebensowenig ist es England gelungen, die deutsche Handelsflotte zu -vernichten. Wäre es vom ersten Tage an auf die Seite unserer Gegner -getreten, vielleicht hätte es große Erfolge nach dieser Richtung hin -erreichen können. So aber versuchte es in seiner alten Heuchelei -den Anschein des Friedensvermittlers zu erwecken, verhandelte über -Belgiens Neutralität, die ihm innerlich ganz gleichgültig war, um dann -als das moralische Gewissen der Welt in die Arena zu treten. Herr -Ballin wußte, weshalb er die „Vaterland” von Neuyork nicht abfahren -ließ, weshalb der „Imperator” im Hafen von Hamburg liegen blieb. -Wir wissen nicht, wie groß die Verluste sind, die England unserer -Handelsflotte zugefügt hat, wohl aber wissen wir, wie groß der Inhalt -derjenigen Schiffe ist, welche die „Emden” aufgebracht hat, welche die -„Karlsruhe” zum Sinken brachte und welche durch andere Hilfskreuzer -Deutschlands vernichtet wurden. Auf 1,9 % der englischen Handelsflotte -hat man im englischen Parlament Ende 1914 die Verluste der englischen -Handelsflotte angegeben, sicherlich wird man dabei nicht zuviel -gerechnet haben. Legen wir aber selbst diese englische Berechnung -zugrunde, so wurde sich doch daraus allein ein Verlust von englischen -Schiffen in Höhe von etwa 250000 ~t~ ergeben. Im August 1914 sanken -sieben britische Dampfer mit 35742 ~t~, im September 15 Dampfer mit -61055 ~t~, im Oktober 22 Dampfer mit 89591 ~t~. ~Vivant sequentes!~ -Seit dem 18. Februar 1915 ist Deutschland auf den Weg getreten, den -der Staatssekretär von Tirpitz in der Unterredung mit dem Vertreter -der ~United Press~ gewiesen und durch die Vernichtung des „Bulwark” -durchzuführen bereits begonnen hat, die feindlichen Handelsschiffe -durch seine Unterseeboote zu vernichten. Erfüllen sich die auf -diese Aktion gesetzten Hoffnungen, dann wird am Ende des Krieges -voraussichtlich auf Englands Seite der größere Verlust zu buchen sein. -Deutschlands Handelsflotte hat große Einbuße erlitten, aber daß sie -groß auch nach dem Kriege dastehen wird, und daß nach dem Kriege die -größten Schiffe der Welt nach wie vor unter deutscher Flagge fahren -werden, liegt nach dem ganzen Stand der Dinge klar zutage. - -Das meiste aber haben sich die Engländer von einem rücksichtslosen -Vorgehen gegen die deutschen wirtschaftlichen Interessen versprochen. -In England war kurz nach dem Ausbruch des Krieges eine Verordnung in -Kraft getreten, wodurch der Handel mit dem Feinde verboten wurde. Keine -Geldsumme durfte an den Feind oder an feindliche Gesellschaften gezahlt -werden, keine Vergleiche geschlossen, keine Sicherheit für die Zahlung -einer Schuld gegeben, keine Handlung zu seinen Gunsten, wie Trassieren, -Akzeptieren usw. begangen werden. Lebens- oder andere Versicherungen -mit oder zu Gunsten des Feindes konnten nicht abgeschlossen werden, -die Zufuhr von Waren oder der Bezug von Waren war ausgeschlossen. -Bestimmungen über die völlige oder teilweise Beseitigung von Patenten -und Marken, die für Deutschland geschützt waren, wurden getroffen. Die -deutschen Unternehmungen in England wurden unter staatliche Aufsicht -gestellt und teilweise in gehässiger Weise liquidiert. - -England hat weiter Maßnahmen getroffen, um nicht nur die deutschen -Unternehmungen in England lahmzulegen, sondern auch alle englischen -Betriebe, in denen Deutsche beschäftigt waren, zur Entlassung derselben -gezwungen. Es hat die englischen Firmen von den Vertragsverpflichtungen -gegen Deutschland entbunden, es hat die Hausbesitzer entbunden von der -Verpflichtung der Einhaltung der Mietsverträge, und es hat vom ersten -Augenblick an den wirtschaftlichen Krieg gegen Deutschland auf eigenem -Grund und Boden in unfairer Weise geführt. - -Deutschland ist mit Gegenmaßregeln gegen England erst vorgegangen, -als die öffentliche Meinung dies gebieterisch verlangte. Inwieweit -die deutschen Interessen durch das Vorgehen Englands geschädigt -sind, läßt sich bis heute noch nicht übersehen, unzweifelhaft ist -eine Schädigung der deutschen Volkswirtschaft dadurch herbeigeführt -worden, daß Forderungen an England uneinbringlich sind, daß somit -deutsche Unternehmungen, die Geschäfte mit England treiben, heute über -Außenstände verfügen, deren Einbringung derzeit unmöglich ist. Ebenso -sind unzweifelhaft alle diejenigen Unternehmungen geschädigt, welche in -England domizilieren, und es dürfte keinem Zweifel unterliegen, daß die -Zahl der deutschen Gesellschaften in England ebenso wie die Zahl der in -England lebenden Deutschen weit größer ist als die der in Deutschland -lebenden Engländer oder der englischen Unternehmungen in Deutschland. - -Schon heute zeigt sich aber, daß Deutschland die Folgen dieser -Maßnahmen überwunden hat, und zwar überwunden durch die -Kreditorganisationen, die es sich bei Beginn des Krieges schuf und die -unter anderen in den begründeten Kriegskreditbanken Unternehmungen -entstehen ließen, welche deutsche Forderungen gegen England als -Unterlage für einen zu gewährenden Kredit annehmen und damit die -englischen Maßnahmen zum Teil illusorisch machen. Bedauerlich ist es, -daß in manchen Fällen die Gegenmaßnahmen Deutschlands deshalb unwirksam -bleiben mußten, weil die deutscherseits bestellten Staatskommissare -sich mit einer allzugroßen Anpassungsfähigkeit nicht als Vertreter der -deutschen Interessen, sondern als Vertreter der ihnen unterstellten -Gesellschaften fühlten. Bedauerlich war ebenso die Bereitwilligkeit, -manche englische Gesellschaften in deutsche umzuwandeln, anstatt die -Engländer, um ein Wort Bismarcks anläßlich der Belagerung von Paris zu -gebrauchen, „in ihrem eigenen Fett schmoren zu lassen”. Wenn zeitweise -deutsche Staatskommissare auftraten, um die Forderungen englischer -Niederlassungen gegen deutsche Firmen einzutreiben, und wenn deutsche -Gerichte gar die von einer deutschen Firma erbetene Frist von drei -Monaten zur Bezahlung der Schuld nicht genehmigten, und wenn bis heute -nicht Vorsorge getroffen ist, daß man mindestens solche Forderungen -mit Forderungen an England zahlen kann, so zeigt das eine bedenkliche -Lücke in unseren Gegenmaßregeln, die ebenso unbedingt ausgefüllt -werden muß, wie für einen Ausgleich zwischen deutschen Gläubigern -und Schuldnern gegenüber England Sorge zu tragen ist. Englands -Ausfuhr nach Deutschland betrug im Jahre 1913 (nach der deutschen -Handelsstatistik) 876,1 Millionen Mark, die Einfuhr deutscher Waren -nach England 1438 Millionen Mark, die Ausfuhr Englands _und seiner -Kolonien_ nach Deutschland betrug jedoch im Jahre 1913 2090 Millionen -Mark, die Einfuhr deutscher Waren dahin 1849 Millionen Mark. Nimmt -man diese Zahlen als Grundlage, so wird man immerhin erkennen, daß -durch die gegenseitig getroffenen Maßnahmen doch auch die englischen -Gläubiger Deutschlands mitbetroffen sind, so daß sich auch hier -deutsche Forderungen zum Teil ausgleichen dürften. - -Völlig versagt hat aber schließlich die Hoffnung Englands, sich während -der Zeit des Krieges gewissermaßen die Kundschaft Deutschlands -- -nebenbei vielleicht, wie bekannt gewordene englische Offerten nach -Südamerika zeigen, auch die des mit ihm verbündeten Frankreich -- -anzueignen und Deutschland vom Weltmarkt zu verdrängen. Wenn man die -Grundlagen der deutschen Beherrschung des Weltmarktes sich vor Augen -hält, so muß man sich von vornherein sagen, daß eine Vernichtung des -deutschen Handels gar nicht möglich ist. Die Eigenschaften, welche -dem Deutschen trotz mancher Ungunst seine Stellung im Welthandel -erobert hat, lassen sich nicht in wenigen Monaten adoptieren. Wenn -man in London unter Vorsitz Lord Haldanes das Problem studieren will, -wie man den Vorsprung Deutschlands auf dem Gebiete der chemischen -Industrie wettmachen könne, wenn man Ausstellungen von deutschen Waren -veranstaltet, um die englische Industrie zur Nachahmung zu veranlassen, -so vergißt man, daß man den Vorsprung deutscher Wissenschaft nicht -durch Konferenzen einholen kann, und daß man weiter gegen die ganze -konservative Natur des englischen Volkes ankämpfen müßte, wenn man -es mit den Eigenschaften ausstatten will, die dem deutschen Volk den -Vorsprung geschaffen haben. Für die mit so großem Lärm angekündigte -Gründung einer Anilinfarbenfabrik mit 60 Millionen Mark Kapital fehlen -die Aktienzeichner, weil, wie aus dem Gutachten der Handelskammer in -Leeds und des Economist sich ergab, man sich dessen bewußt ist, daß -mit Kapital allein ein auf deutscher Wissenschaftlichkeit beruhender -Vorsprung nicht einzuholen ist. Ebenso dürfte die in Aussicht genommene -Übertragung der Leipziger Messe nach London oder Birmingham ein frommer -Wunsch bleiben. Leipzigs Weltstellung als Handelsplatz ist durch -jahrhundertelange Tradition ebenso begründet wie durch Deutschlands -Stellung auf dem Weltmarkt, während Londons Markt beispielsweise in -bezug auf seine Stellung für die Weltnotierung vieler Metalle (Rohzink, -Blei) sich nur auf die Tradition berufen kann, während es in der -Produktion hinter den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland -steht. Auch die angekündigte Entsendung von Handelssachverständigen -nach Deutschland und Österreich-Ungarn, sowie die Veranstaltung von -Ausstellungen deutscher Erzeugnisse zum Zwecke der Nachahmung durch -englische Firmen, wie es in Birmingham geschah, dürfte vergeblich sein. -Was den Engländern in bezug auf den Welthandel in Jahrzehnten nicht -gelungen ist, wird ihnen jetzt auch nicht gelingen. Zudem darf England -nicht vergessen, daß ein Weltkrieg wie der jetzige auch alle Völker der -Welt in Mitleidenschaft zieht, so daß nirgends eine starke Kaufkraft -vorhanden ist, Neuinvestierungen von Kapital, Vergrößerung von -Unternehmungen werden nicht vorgenommen werden, solange der Weltkrieg -tobt. So wie mit einem Schlag alle Börsen der Welt ihre Tätigkeit -einstellten, weil der Pulsschlag des Wirtschaftslebens stockte, so wird -dies auch während der ganzen Kriegsdauer bleiben. Es kann sein, daß -Deutschland nach Beendigung des Krieges vielleicht in den feindlichen -Ländern zu leiden hat unter einer gewissen Boykottstimmung, die aus -dem namentlich durch die Beherrschung des Nachrichtendienstes durch -England genährten Haß hervorgeht, daß sich aber in den neutralen -Ländern, namentlich nachdem sich die Wahrheit über den Krieg mehr -und mehr durchsetzt, die Nachfrage nach deutschen Waren in demselben -Maße geltend machen wird wie bisher. Aus Liebe für uns hat uns noch -niemand etwas abgekauft, die Völker haben uns das abgekauft, was sie -mit demselben Preis und in derselben Qualität woanders nicht erhalten -konnten. Das war bisher so, das wird auch in Zukunft so bleiben. - -Andererseits leidet neben dem deutschen Außenhandel schon jetzt der -englische ganz gewaltig. In den ersten drei Monaten nach Ausbruch -des Krieges ist Englands Außenhandel um mehr als zwei Milliarden -zurückgegangen, bis zum 31. Dezember hat sich diese Verminderung bis -auf 3½ Milliarden Mark, davon 1816 Millionen Mark in der Ausfuhr -gesteigert! Neben dem Ausfall des 2-Milliarden-Konsums Deutschlands -aus England und seinen Kolonien und der geminderten Kaufkraft der -neutralen Länder tritt vor allen Dingen zutage, daß die Wirkungen -des Krieges sich in den mit England verbündeten Ländern weit mehr -zeigt als irgendwo in der Welt. Ein nicht unbeträchtlicher Teil von -Frankreich ist in deutschem Besitz, und ganz Belgien ist ebenfalls -von den Deutschen besetzt, die gesamte englische Ausfuhr nach Belgien -und Nordfrankreich sowie nach den übrigen besetzten Gebieten ist damit -erledigt. Aber auch das übrige Frankreich, dessen Rentner jetzt ihre -Zinszahlung auf russische Papiere aus französischen Taschen erhalten, -ist nicht mehr in der Lage, große Warenabschlüsse mit England zu -machen. Das gleiche gilt auch von Rußland. Die Ziffer der Verringerung -des englischen Welthandels zeigt bereits mit Sicherheit, daß England -sich auf abschüssiger Bahn befindet und daß seine Hoffnung auf -Erringung des Weltmarktes sich nach dieser Richtung nicht erfüllen -wird. Andererseits spürt England, das uns aushungern wollte, die -Preissteigerung aller Lebensmittel in seinem Innern, dazu steigen -die Frachtraten, namentlich seit der Unterseebootsblockade, ins -Ungemessene, und schon erwägt man auch in England die Festsetzung -von Höchstpreisen. Dazu tritt Rohstoffmangel in Zink, Indigo, -Chemikalien und anderen Stoffen. Daher jetzt die maßlose Brutalität, -mit der eine maßgebende englische Fachzeitschrift empfiehlt, daß die -verbündeten Heere, sobald sie nach dem Rheinland vorgedrungen sind, -alle industriellen Unternehmungen Deutschlands derartig zerstören -sollten, daß an einen Wiederaufbau derselben überhaupt nicht gedacht -werden könne. Ein Zeichen dafür, wie weit der wirtschaftliche Neid in -England die Triebfeder dieses Weltkrieges ist! -- und ein freundlicher -Wunsch, dem zur Erfüllung nur das eine fehlt, daß die verbündeten -Heere auf deutschem Boden ständen und nicht die Deutschen auf -französischem. Die weiteren Hoffnungen, Deutschland durch den Krieg -selbst volkswirtschaftlich zu schaden, sind völlig zuschanden geworden. -Jeder von uns, der das stark pulsierende Leben in Deutschland seit -Ausbruch des Krieges miterlebt hat, wird sich davon überzeugt haben. -Die Arbeitslosigkeit ist dauernd zurückgegangen. Manche große Bezirke, -und zwar nicht nur die Werkstätten von Krupp und die Werften in -Wilhelmshaven, sondern auch Industriebezirke wie Chemnitz, die zunächst -unter dem Krieg litten, arbeiten in angestrengtester Tätigkeit. Die -Milliardenaufträge der Militärlieferungen sind, wenn auch nicht immer -in die richtigen Hände, so doch in ihrer Gesamtheit der deutschen -Volkswirtschaft zugute gekommen. - -Unsere gesamte Ausfuhr betrug 1913 etwas über 10 Milliarden Mark, -schon heute aber sind 10 Milliarden Mark für den Krieg bewilligt, -die in Aufträgen an die deutsche Industrie und die deutsche -Landwirtschaft wieder zum Ausdruck kommen, so daß die Ausfälle des -Außenhandels durch die Kriegslieferungen mehr als ausgeglichen sind. -Mögen die Staatsschulden des Reiches dadurch wachsen, die deutsche -Volkswirtschaft verliert nicht einen Pfennig von dieser gewaltigen -Summe, denn das Ausland ist an Militärlieferungen nur in ganz geringem -Maße beteiligt. Die vielen Millionen Mark an Gehältern und Löhnen, die -Summen, die von den deutschen Truppen in die Heimat zurückgeschickt -werden, haben zusammen mit den staatlichen Unterstützungen die -Kaufkraft der Bevölkerung fast ungeschwächt erhalten, und wer das Leben -und Treiben in den Weihnachtstagen in den deutschen Großstädten sah, -der konnte einen Unterschied zwischen den Dezembertagen 1914 und denen -von 1913 fast überhaupt nicht finden. - -Wie stark die finanzielle Position Deutschlands ist, zeigt der -glänzende Erfolg der Kriegsanleihe, zeigt der fortgesetzt gesteigerte -Goldbestand der Reichsbank, der Ende Februar 1915 um 1 Milliarde -höher war als zu Beginn des Krieges, zeigt die Herabsetzung des -Reichsbankdiskonts um 1 % am Ende des Jahres. Wie sehr auf der -anderen Seite England gelitten hat, das geht aus den verschiedensten -Momenten hervor. Deutschland war Groß-Englands großer Abnehmer mit -2090 Millionen Mark. Frankreich, Rußland und Belgien haben insgesamt -1576,58 Millionen Mark sonst aus England allein bezogen, auch diese -Ausfuhr dürfte, wie vorher ausgeführt, zum großen Teil verloren sein. -Die ganze Textilindustrie leidet unter der Nichtzufuhr deutscher -Chemikalien ebenso wie unter dem Ausbleiben pharmazeutischer Mittel, -und von seinen Spindeln feiern etwa die Hälfte. Die äußerlich glänzende -finanzielle Position der Bank von England wird, wie Rießer ausführt, -auf den richtigen Stand zurückgeführt, wenn man bedenkt, daß die -Erhöhung des Goldbestandes nicht etwa zu Stande gekommen ist durch -den englischen Markt, sondern durch Überführung der Bestände der -Nationalbank in Brüssel sowie der Bank von Frankreich in Paris. Der -Umstand, daß England gezwungen war, ein Moratorium einzuführen, das -Deutschland vermeiden konnte, der Umstand weiter, daß am 2. August -der Diskont der Bank von England auf 10 % erhöht werden mußte, daß die -Golddeckung der Noten der Bank von England bis auf 15,8 % sank, zeigt am -besten, wie ungeheuerlich der Gedanke des Kriegs mit Deutschland den -englischen finanziellen Markt in Anspruch genommen hat. Die einzelnen -finanziellen Transaktionen Englands in bezug auf die Unterstützung -seiner Verbündeten durch Vorschüsse, in bezug auf Deckung der -englischen Anleihe durch Vorschüsse der Bank von England hat Rießer -in seinem Buch „England und wir” im einzelnen dargelegt, so daß sich -ein näheres Eingehen an dieser Stelle erübrigt. Schon heute aber sei -das eine gesagt, daß ebenso wie die ohne Grundlage festgehaltene -Tradition von Englands unüberwindlicher Flotte durch die Taten -deutscher Kreuzer zerstört worden ist, so auch die herrschende Stellung -der Bank von England zerstört worden ist und ebenso der Glaube an die -Unerschütterlichkeit des englischen Wirtschaftslebens. Schon steht -Neuyork bereit da, um die Erbschaft zu übernehmen; die „Times” selbst -muß neutrale Länder, welche Kapital suchen, auf den amerikanischen -Markt verweisen, und die amerikanische Zeitschrift „~The Commercial -and Financial Chronicle~” attestiert den englischen Freunden, „daß -_England_ wegen einer ganzen Reihe durch den Krieg hervorgerufener -Vorgänge _sein Ansehen und seine finanzielle Kraft verloren hat_”. -Wie die Verhältnisse in Deutschland selbst auf England wirken, zeigt -der Bericht, den die „Daily Mail” unter dem Titel „Deutschland von -innen gesehen” von einem nach Deutschland entsandten, wahrscheinlich -amerikanischen Berichterstatter schreiben läßt, und der als Ergebnis -seiner wochenlangen Beobachtungen die Stimmung in Deutschland wie -folgt niederschreibt: „Deutschland zeigt das Bild eines großen Landes, -geeint, wie es niemals früher in seiner Geschichte gewesen ist, voll -von Siegeszuversicht, weil es entschlossen ist zu siegen und dafür -organisiert ist, mit ungeheuren und, wie es glaubt, unerschöpflichen -Hilfsquellen von Menschen und Rüstungsvorräten, nicht erschüttert -durch schwere Verluste, nicht geschreckt und, abgesehen von wenigen -Fällen, auch fast nicht betroffen von dem wirtschaftlichen Druck der -britischen Seeherrschaft. Beherrscht von einem verzehrenden Haß gegen -England, alle seine geistige, körperliche und Willenskraft in den Kampf -hineinschleudernd, mit manchen Illusionen genährt, aber auch gestützt -von demselben Geist ausdauernder Opferwilligkeit, die Friedrich den -Großen triumphierend durch das glühende Gottesurteil des Siebenjährigen -Krieges brachte. Wir müssen Deutschland in diesen Eigenschaften der -Kühnheit und rücksichtslosen Ergebenheit, von denen es ein so weithin -leuchtendes Beispiel gibt, zunächst einmal gleichkommen und dann es -übertreffen.” - -Wir sehen somit als Ergebnis, daß alle Versuche Englands, die vor -dem Kriege unternommen worden sind, um Deutschlands wirtschaftliche -Stellung auf dem Weltmarkte zu zerstören, abgeprallt sind an -der Leistungsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft. Nur das -Weltkolonialreich hält England überhaupt noch die Stellung an der -Spitze des Welthandels. Sein Gesetz „~Made in Germany~” vernichtete -nicht die deutsche Warenausfuhr, sondern wurde ein Ehrenzeichen, sein -Patentgesetz vermochte Unbequemlichkeiten zu verursachen, ohne die -erhoffte Wirkung auszuüben, seine Schiffahrtsubventionen brachten -ihm einen äußerlichen Erfolg, der durch die großen deutschen Schiffe -längst wettgemacht worden ist. Für den verschlossenen Handel mit -seinen Kolonien fanden wir andere Absatzgebiete in der Welt, seine -Maßnahmen gegen uns waren Nadelstiche, die uns hier und da trafen, -die aber nicht in der Lage waren, das mächtige Gebäude der deutschen -Volkswirtschaft zu schädigen. Es steht noch genau so festgefügt da und -wird so dastehen auch nach dem Kriege. Wir werden neue Wege finden, -wenn es England gelingen sollte, uns einen Teil unseres Exportes -abzunehmen; die Deutschen selbst werden in Zukunft hoffentlich auf -unnötige fremdländische Erzeugnisse gern verzichten, und die Affenliebe -des deutschen Volkes für das Ausländische um des Ausländischen wegen -wird einen starken Stoß erlitten haben. In der Möglichkeit einer -mitteleuropäischen Zollverständigung ist die Möglichkeit gegeben, ein -gewaltiges Wirtschaftsgebiet von 120-150 Millionen Einwohnern dem -~Greater Britain~ Chamberlains gegenüberzustellen und dadurch jeden -Schlag zu parieren, der etwa von England geplant sein sollte. - -Auf politischem Gebiete aber muß dieser Krieg, der für Deutschland -nur siegreich enden kann, wenn es überhaupt noch eine Moral in der -Weltgeschichte gibt, das Ende der Monopolstellung Englands bringen. -England in Schach zu halten ist unsere politische Aufgabe, wenn wir der -Welt die Freiheit des Wirtschaftskampfes wiedergeben wollen, die unter -Englands Monopolherrschaft heute leidet. Wir erstreben für uns keine -Weltherrschaft, nicht die Unterdrückung anderer Völker, aber den freien -Weg in die Meere, deutsche Stützpunkte für die deutsche Flotte genau -so, wie englische für die englische Flotte bestehen, weitere Ausdehnung -des Kolonialbesitzes und im übrigen den freien Wettbewerb mit allen -Völkern der Erde ohne einseitige Vorzugsstellung für uns, aber auch -ohne Vorzugsstellung für andere Länder. Finden wir den Weg in diese -Freiheit, dann wird diese Freiheit, des sind wir sicher, in Zukunft im -Wirtschaftskampf zwischen England und Deutschland die erste Stelle im -Welthandel dem jungen deutschen Volke zuerkennen. - - - - - +------------------------------------------------------------------+ - | Anmerkungen zur Transkription | - | | - | Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen | - | gebräuchlich waren, wie: | - | | - | Bedarfes -- Bedarfs | - | inneren -- Innern | - | Krieges -- Kriegs | - | | - | Folgende Änderungen wurden vorgenommen: | - | | - | S. 16 „Kiautschau” in „Kiautschou” geändert. | - | S. 21 „Chikago” in „Chicago” geändert. | - | S. 21 „Rio Grande del Sul” in „Rio Grande do Sul” geändert. | - | S. 36 „Sowie” in „So wie” geändert. | - +------------------------------------------------------------------+ - - - -***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ENGLANDS WIRTSCHAFTSKRIEG GEGEN -DEUTSCHLAND*** - - -******* This file should be named 50459-0.txt or 50459-0.zip ******* - - -This and all associated files of various formats will be found in: -http://www.gutenberg.org/dirs/5/0/4/5/50459 - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook -for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, -performances and research. They may be modified and printed and given -away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks -not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country outside the United States. - -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: - -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: - - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and - most other parts of the world at no cost and with almost no - restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it - under the terms of the Project Gutenberg License included with this - eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the - United States, you'll have to check the laws of the country where you - are located before using this ebook. - -1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm web site -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that - -* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation." - -* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works. - -* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - -* You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works. - -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The -Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm -trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below. - -1.F. - -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. - -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. - -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. - -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - diff --git a/old/50459-0.zip b/old/50459-0.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index f0f0828..0000000 --- a/old/50459-0.zip +++ /dev/null diff --git a/old/50459-h.zip b/old/50459-h.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index 234d77e..0000000 --- a/old/50459-h.zip +++ /dev/null diff --git a/old/50459-h/50459-h.htm b/old/50459-h/50459-h.htm deleted file mode 100644 index e4b6f7c..0000000 --- a/old/50459-h/50459-h.htm +++ /dev/null @@ -1,2127 +0,0 @@ -<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" - "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> -<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> -<head> -<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=ISO-8859-1" /> -<title>The Project Gutenberg eBook of Englands Wirtschaftskrieg gegen Deutschland, by Gustav Stresemann</title> - <link rel="coverpage" href="images/cover.jpg" /> - <style type="text/css"> - -body { - margin-left: 10%; - margin-right: 10%; -} - -h1,h2,h3,h4 { - text-align: center; /* all headings centered */ - clear: both; -} - -.pagebreak { - page-break-before: always; -} -.nopagebreak { - page-break-before: avoid; -} - -p { - margin-top: .51em; - text-align: justify; - margin-bottom: .49em; - text-indent: 2em; -} - -.p4 {margin-top: 4em;} -.p6 {margin-top: 6em;} -.b10 {margin-bottom: 10em;} -.bigger {font-size: 160%} -.right70 {margin-left: 70%; text-indent: 0em;} - -hr { - width: 33%; - margin-top: 2em; - margin-bottom: 2em; - margin-left: 33.5%; - margin-right: 33.5%; - clear: both; -} - -hr.tb {width: 45%; margin-left: 27.5%; margin-right: 27.5%;} - - -ul.index { list-style-type: none; } - -table { - margin-left: auto; - margin-right: auto; -} - - .tdl {text-align: left;} - .tdr {text-align: right;} - .tdc {text-align: center;} - -.pagenum { /* uncomment the next line for invisible page numbers */ - /* visibility: hidden; */ - position: absolute; - left: 92%; - font-size: smaller; - text-align: right; - text-indent: 0em; - letter-spacing: 0.0em; - margin-right: 0em; -} /* page numbers */ - -.pagenumh2 { font-size: 50%; font-weight: normal; } - -.center {text-align: center; text-indent: 0em;} - -.right {text-align: right;} - -.gesperrt -{ - letter-spacing: 0.2em; - margin-right: -0.2em; -} - -em.gesperrt -{ - font-style: normal; -} - -.antiqua -{ - font-style: normal; - font-family: sans-serif; - font-size: 95%; -} - - -/* Images */ -.figcenter { - margin: auto; - margin-bottom: 6em; - margin-top: 6em; - text-align: center; -} - -/* Poetry */ -.poem { - margin-left:10%; - margin-right:10%; - text-align: left; -} - -.poem br {display: none;} - -.poem .stanza {margin: 1em 0em 1em 0em;} - -/* Transcriber's notes */ -.transnote {background-color: #E6E6FA; - color: black; - font-size:smaller; - padding:0.5em; - margin-bottom:5em; - font-family:sans-serif, serif; } - .poem span.i0 {display: block; margin-left: 0em; padding-left: 3em; text-indent: -3em;} - - hr.full { width: 100%; - margin-top: 3em; - margin-bottom: 0em; - margin-left: auto; - margin-right: auto; - height: 4px; - border-width: 4px 0 0 0; /* remove all borders except the top one */ - border-style: solid; - border-color: #000000; - clear: both; } - </style> -</head> -<body> -<h1>The Project Gutenberg eBook, Englands Wirtschaftskrieg gegen Deutschland, -by Gustav Stresemann</h1> -<p>This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States -and most other parts of the world at no cost and with almost no -restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it -under the terms of the Project Gutenberg License included with this -eBook or online at <a -href="http://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you are not -located in the United States, you'll have to check the laws of the -country where you are located before using this ebook.</p> -<p>Title: Englands Wirtschaftskrieg gegen Deutschland</p> -<p>Author: Gustav Stresemann</p> -<p>Release Date: November 15, 2015 [eBook #50459]</p> -<p>Language: German</p> -<p>Character set encoding: ISO-8859-1</p> -<p>***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ENGLANDS WIRTSCHAFTSKRIEG GEGEN DEUTSCHLAND***</p> -<p> </p> -<h4>E-text prepared by Peter Becker<br /> - and the Online Distributed Proofreading Team<br /> - (<a href="http://www.pgdp.net">http://www.pgdp.net</a>)<br /> - from page images generously made available by<br /> - the Staatsbibliothek zu Berlin<br /> - (<a href="http://staatsbibliothek-berlin.de">http://staatsbibliothek-berlin.de</a>)</h4> -<p> </p> -<table border="0" style="background-color: #ccccff;margin: 0 auto;" cellpadding="10"> - <tr> - <td valign="top"> - Note: - </td> - <td> - Images of the original pages are available through - the Staatsbibliothek zu Berlin. See - <a href="http://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht/?PPN=PPN76952186X"> - http://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht/?PPN=PPN76952186X</a> - </td> - </tr> -</table> -<p> </p> -<hr class="full" /> -<p> </p> -<p> </p> -<p> </p> - -<h1>Englands Wirtschaftskrieg<br /> -gegen Deutschland</h1> - -<p class="center">Von</p> - -<p class="center bigger">Dr. Gustav Stresemann</p> - -<p class="center">Mitglied des Reichstages</p> - -<div class="figcenter" style="width: 100px;"> -<img src="images/logo.png" width="100" height="127" alt="" /> -</div> - -<p class="center">Deutsche Verlags-Anstalt<br /> -Stuttgart und Berlin 1915 -</p> - - - - - -<p class="center p6 b10 pagebreak"> -Alle Rechte vorbehalten<br /> -<br /> -Druck der<br /> -Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart<br /> -Papier von der Papierfabrik Salach<br /> -in Salach, Wrttemberg<br /> -</p> - - - -<h2 title="Englands Wirtschaftskrieg -gegen Deutschland"> -<span class="pagenum pagenumh2"><a name="Seite_5" id="Seite_5">[S. 5]</a></span></h2> - - - - -<p class="right70 p4"> -Auf deiner Insel,<br /> -neidisches England,<br /> -du bist der Urfeind.<br /> -</p> -<p class="right"> -Schmidtbonn -</p> - -<p>Seit den Zeiten, in denen franzsische Eroberungslust unter -Ludwig XIV. die deutsche Pfalz verwstete, den Zeiten, -von denen die Ruinen des Heidelberger Schlosses zeugen, gilt -ber Napoleon I. und seinen kleinen Namenstrger Napoleon III. -hinweg bis in die Zeiten der franzsischen Revanchepolitiker, der -Augenblickserscheinung eines Boulanger und der Politik eines -Delcass, Frankreich schlechthin als der Erbfeind der deutschen -Nation. Allen Deutschen war der Gedanke gegenwrtig, da -um das Deutsche Reich, welches auf den Schlachtfeldern errungen -war, noch einmal auf den Schlachtfeldern gestritten werden mte, -um seine Existenz zu bewahren. Westwrts war der deutsche Blick -in diesem Sinn gerichtet, und wenn in Stunden der Erinnerung -an deutsche militrische Grotaten die Herzen sich weiteten und -der Deutsche zum Ausdruck bringen wollte, da er sein Vaterland -schtzen werde gegen jeden Angriff, der von auen kme, dann -sprach er von der Wacht am Rhein und davon, da Deutschlands -schnster Strom mit dem Herzblut des deutschen Volkes verteidigt -werden wrde.</p> - -<p>50 Jahre des Friedens hat uns Moltke als das Hchstma -dessen genannt, was uns beschieden sein wrde, bis wir wieder zum -Schwerte zu greifen htten. Ehe noch dieses halbe Jahrhundert -verflossen war, ist der Weltkrieg ausgebrochen, der gegenwrtig in -allen Erdteilen Kmpfer aufruft. Von dem ersten Augenblicke an, -in dem es klar war, da wir diesen Kampf zu bestehen htten, da -scholl wie in alter Zeit die Wacht am Rhein aus den Kehlen der -Deutschen. Aber die Augen und der Sinn richteten sich nicht so -sehr gegen Westen hin, wo Frankreich seine Heere aufgestellt hatte, -um Revanche zu nehmen fr Sedan und Metz und den Einzug in -Paris, auch nicht so sehr nach dem Osten hin, wo Millionenheere -bereit standen, um ber deutsche Gaue herzufallen, wie nach der -Nordsee, nach England.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_6" id="Seite_6">[S. 6]</a></span> - -Fast jeder der am Weltkrieg beteiligten Staaten hat in der -Zwischenzeit Dokumente erscheinen lassen ber den Ursprung des -Krieges. Jeder sucht durch Zusammen Stellung von allerlei Beweisstcken -die Verantwortung fr den Ursprung des Krieges dem -Gegner zuzuschieben. Fr den Historiker spterer Zeiten werden -diese Weibcher und Gelbbcher, und wie sie alle genannt seien, -ihren wenn auch bedingten Wert haben. Helfferich hat auf -Grund einer Vergleichung dieser Dokumente das Wort von -Ruland als dem Brandstifter dieses Krieges geprgt. Aber -der Volksinstinkt, jene unwgbare Seelen Stimmung des Volkes, -von der Bismarck einst sprach, hat lngst erkannt, da es sich -in diesem Weltkrieg nicht handelt um die Mordtat in Serajewo -und deren Shnung, nicht handelt in erster Linie um russischen -Expansionsdrang oder franzsische Revanchelust, sondern da es -den Kampf gilt zwischen England und Deutschland, einen Kampf -um Leben und Tod, einen Kampf um Gre oder um Untergang, -nicht herausgeboren aus vlkischen und politischen Gegenstzen -der Nationen, nicht herausgeboren aus dem Gefhl, empfangene -Niederlage auf dem Schlachtfeld zu shnen, sondern um -einen Kampf, herausgeboren aus wirtschaftlichen Beweggrnden, -der als der gigantischste Wirtschaftskampf aller Zeiten dastehen -wird und der im deutschen Volk lodernden Zorn mit vollem Recht -deshalb ausgelst hat, weil seine Motive letzten Endes in der aus -dem Hochmutsgefhl der Weltherrschaftsbestimmung entspringenden -Erregung gegen einen unbequemen Wettbewerber und in einem -schrankenlosen Erwerbsdrang liegen. Das deutsche Gefhl, das -seit Scharnhorsts Zeiten in dem Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht -seine hchste Ehre sieht, wendet sich mit Verachtung hinweg -von einem Land, das mit Sldnern seine Kriege fhrt, die alte -Traumjrgnatur des Deutschen fhlt sich abgestoen von der khlen, -rechnerischen Natur eines englischen Ministers, der davon spricht, -da dieser Kampf gefhrt werden mu bis zur letzten silbernen -Kugel. Der Gegensatz Rom-Karthago steigt im 20. Jahrhundert -erneut auf, und die Welt hlt den Atem an, um zu sehen, wer in -diesem Ringen Sieger bleiben wird.</p> - -<p>Mit dieser Stimmung des deutschen Volkes gegen England -sind vor allem die weitesten Kreise der Industrie und des Handels -einig. Als die Nachricht von der Niederlage Englands bei St. Quentin -an der Brse zu Hamburg bekannt wurde, da spielten sich dort -Szenen eines Freudenausbruches ab, die man dem korrekt steifen<span class="pagenum"><a name="Seite_7" id="Seite_7">[S. 7]</a></span> -Hamburger Kaufmannsstand kaum zugetraut htte. Um die -Jahreswende 1914 hat die „Korporation eines ehrbaren Kaufmannes” -zu Hamburg in einer Kundgebung an den deutschen -Reichskanzler als Empfindung der Hamburger Kaufleute zum -Ausdruck gebracht, „sie (die Hamburger Kaufleute) achteten nicht -der Verluste an Geld und Gut zu einer Zeit, da alle Shne und -Brder voller Begeisterung in einen Kampf ziehen, der fr die Erhaltung -des Vaterlandes gefhrt wird und der nach so schweren -Opfern nicht eher beendet werden darf, als bis <em class="gesperrt">die Zerstrer -des Weltfriedens, vor allem das in seiner Kriegfhrung -nicht nur dem Vlkerrecht, sondern jeder Gesittung -und Ritterlichkeit hohnsprechenden England</em> gezwungen -worden ist, Deutschland volle Freiheit in der friedlichen -Weiterentwicklung seiner internationalen und wirtschaftlichen Krfte -zu gewhrleisten”.</p> - -<p>In gleichem Sinne hat der Vorsitzende der Bremer Handelskammer, -Lohmann, an demselben Tage als Vertreter dieser Handelsstadt -mit ihren vielseitigen Verbindungen zu England und dessen -Kolonien der staunenden Frage Ausdruck gegeben, wie blinder Geschftsneid -gegen die erfolgreiche Weiterentwicklung seines deutschen -Wettbewerbers England zur Kriegserklrung gegen Deutschland -veranlassen konnte. Zur Erklrung verwies er auf die Worte des -englischen Admirals Monk bei der Zerstrung von Neu-Amsterdam, -jetzt Neuyork: „Was wollen wir uns erst mit Grnden abgeben? -Was wir brauchen, ist mehr von dem Handel, den jetzt die Hollnder -haben.”</p> - -<p>Beim 250jhrigen Jubilum der Hamburger Handelskammer -klang es aus den Ansprachen Hamburger Kaufleute erneut heraus, -da Deutschland sich seinen Platz in der Welt von niemand nehmen -lassen wolle, „von niemand, zum wenigsten von diesen Englndern, -die diesen Krieg heraufbeschworen haben, von diesen Englndern, -von denen Houston Stewart Chamberlain sagt, da sie in ihrer -Moral und als Staat morsch seien bis auf die Knochen. Neid und -Niedertracht haben diesen Krieg hervorgerufen, weil wir es in der -Welt, in Handel, Schiffahrt und Industrie vorwrts gebracht -haben, weil wir fleiig gewesen sind und etwas gelernt haben.” Aus -den Kreisen der deutschen Flotte klingt es noch strker heraus: „Mit -allen Fasern unseres Herzens mssen wir danach trachten, England -zu vernichten. Wenn je ein Ha berechtigt war, so ist es der gegen -England. <em class="gesperrt">England niederzuwerfen ist geradezu eine<span class="pagenum"><a name="Seite_8" id="Seite_8">[S. 8]</a></span> -Kulturtat</em>,” so sprach Vizeadmiral v. Kirchhoff in Gegenwart des -Knigs von Sachsen unter allgemeiner Zustimmung in Dresden.</p> - -<p>Da in diesem Ringen nach allen Seiten hin sich alter deutscher -Waffenruhm bewhren wrde auf dem Gebiet der Heereskmpfe, -das hat niemand anders erwartet, da er sich so herrlich bewhren -wrde auf dem freien Meere, das ist vielen in der Welt berraschend -gekommen, whrend allerdings demjenigen, der die zielbewute -Arbeit der deutschen Flotte seit Jahren beobachtet hatte, -von vornherein vor Augen stand, da sie in glnzender Weise ihre -Pflicht erfllen wrde. Mit liebevoller Anteilnahme ist der Deutsche -den Waffentaten unserer jungen Flotte gefolgt, kann sich doch trotz -allem, was an Poesie vergangen ist, seitdem die hohen Masten -und Segel ersetzt worden sind durch die nchternen Schornsteine, -die Phantasie vielmehr knpfen an den schlanken Rumpf eines -Schiffes, das einen Namen trgt, der gewissermaen Persnlichkeit -verleiht, als wenn im Kampf der Millionen gegen die Millionen -die Bedeutung der Einzelpersnlichkeit und der Ruhm einzelner -Regimenter sich verliert und nur wie leuchtende Sterne Namen -einzelner Heerfhrer hervorleuchten. Die khnen Fahrten deutscher -Unterseeboote, der Sieg des deutschen Geschwaders an der chilenischen -Kste und sein heldenhafter Untergang an den Falklandsinseln, -der prchtige Durchbruch der „Goeben” und der „Breslau” -aus der Bucht von Messina, die Fahrten deutscher Schiffe an Englands -Kste, die von Romantik umwobenen Taten der „Emden” -und der „Karlsruhe”, davon wird man noch singen und sagen in -spten Zeiten. Noch ist in dem Augenblick, in dem diese Zeilen -niedergeschrieben werden, keine Entscheidung des Krieges gefallen, -aber eines steht schon heute fest, da etwas zugrunde gegangen ist, -worauf Englands Weltherrschaft in der Welt zum grten Teil -beruhte, da zugrunde gegangen ist die Tradition von Englands -Unberwindlichkeit zur See, zugrunde gegangen die Tradition von -Englands unberwindlicher Flotte. Mit nchternen Worten hat -der Leiter der grten Dampfschiffreederei der Welt, hat Herr -Ballin derjenigen englischen Zeitung, die ihm Kleinmut sowie den -Ausspruch andichtete, da die Mglichkeit eines erfolgreichen Ausganges -des Kampfes gegen England ausgeschlossen sei, gesagt: -„Meines Erachtens ist England heute schon besiegt, denn ein England, -das in einem solchen Kriege seine Flotte versteckt und sich nicht -mehr aufs Meer hinaus traut, hat aufgehrt, das alte England zu -sein. Es hat vor allen Dingen sich damit ein fr allemal des Rechts<span class="pagenum"><a name="Seite_9" id="Seite_9">[S. 9]</a></span> -begeben, mitzusprechen, wenn es sich um eine Frage des europischen -Gleichgewichts handelt.”</p> - -<p>Besser als alle Lgen der Gegner hat der Kanonendonner an -der chilenischen Kste die Mglichkeit dieses Sieges gezeigt. Dem -endgltigen Sieg in groer, entscheidungsvoller Stunde sehen die -deutschen Herzen sehnsuchtsvoll erwartend entgegen.</p> - -<p>Aber der Kampf zwischen England und Deutschland wird -auch auf anderem Gebiet entschieden, auf dem Gebiete des Wirtschaftskampfes -beider Vlker, und von diesem Wirtschaftskampf, -von seinen Ursachen, seinen Mitteln und seinem voraussichtlichen -Ausgange soll die Rede sein in diesen Blttern.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Die Entwicklung des Wirtschaftskampfes zwischen England -und Deutschland fllt erst in die Zeit nach Errichtung des Deutschen -Reiches und nach seinem gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung, -der zusammenfassend niedergelegt worden ist einmal in der seinerzeitigen -Denkschrift ber die Entwicklung der deutschen Seeinteressen, -die das Reichsmarineamt um die Wende des 20. Jahrhunderts -herausgab, und erneut zutage trat in den Verffentlichungen, die -anllich des Regierungsjubilums erschienen sind. Ich denke an -die Schrift von Helfferich ber den Volkswohlstand Deutschlands, -ferner an die hervorragende Zusammenstellung, welche Dr. Hjalmar -Schacht, der Direktor der Dresdener Bank, ber die wirtschaftlichen -Krfte Deutschlands verfat hat, an Steinmann-Buchers verdienstvolle, -aufklrende Schriften und die wertvollen Arbeiten in den -vielen politischen und wirtschaftlichen Rckblicken jener Tage. Die -Ziffern, die in genannten volkswirtschaftlichen Schriften niedergelegt -sind, stellen das Endergebnis einer Entwicklung von Jahrzehnten -dar, einer Entwicklung, die unmglich gewesen wre ohne -die politische Einheit, zu welcher das Deutsche Reich sich 1870 -emporgerungen hatte, als der deutsche Idealismus der Frankfurter -Paulskirche sich mit der Realpolitik Bismarcks vermhlte.</p> - -<p>Es ist ein weiter Weg, der von den Tagen, in denen in der schwarzrotgoldenen -Begeisterung der deutschen Jugend zum erstenmal der -Gedanke der deutschen Freiheit und Einheit aufflammte, bis zum -18. Januar 1871, wo durch eine Politik von Blut und Eisen das -junge Reich geschmiedet wurde, auf deren Notwendigkeit vor dem -Realpolitiker Bismarck bereits selbst einer der achtundvierziger -Sturmgesellen, Gottfried Kinkel, in seiner Verteidigungsrede vor den<span class="pagenum"><a name="Seite_10" id="Seite_10">[S. 10]</a></span> -Geschworenen hingewiesen hatte. Wir haben in den letzten Jahren -die Gedenkfeiern begangen an die deutschen Freiheitskmpfe. Wir -haben das gigantische Denkmal auf Leipzigs Fluren, das in markiger -Weise zum Ausdruck bringt, was damals namentlich das preuische -Volk geleistet hat, errichtet. Es ist selbstverstndlich, da preuisch-deutsche -Auffassung diese Zeiten und Kmpfe ansieht als die Erlsungskmpfe -vom Joche Napoleons I., da sie deshalb in dem Zusammenbruch -der militrischen Macht des groen Eroberers auch den Sieg -begrte, durch den die franzsische Herrschaft auf deutschem Boden -zerstrt wurde. Die deutsche Schulerziehung stellt Napoleon I. als -einen gewaltttigen Eroberer hin, der sich nur wohlfhlte in einem -Meer von Blut, der von Krieg zu Krieg schritt, bis seine Krfte im -russischen Eise erstarrten, bis das niedergedrckte preuische Volk -sich mit Einsetzung aller Krfte gegen den Eroberer erhob. Wir -wissen heute aus den Schriften von Lenz und von anderen, da dieses -Bild, wenn es so gezeichnet ist, gewaltige Verzerrungen aufweist. -Wir wissen, da der Mann, der den Code Napoleon schrieb, der -ein gewaltiger Verwaltungsknstler war, der Mann, in dessen -Kopf zuerst der Gedanke der Wertzuwachssteuer entstand, der auch -den Knig von Preuen 1806 noch warnte, den Kampf gegen ihn -aufzunehmen, trotzdem er seines Sieges gewi war, nicht den Krieg -um des Krieges willen fhrte, und wir wissen auch, da das ihm -vorschwebende gewaltige Ziel nicht die dauernde Unterdrckung -Deutschlands-Preuens, sondern die Aufrichtung der Hegemonie -Frankreichs ber England war.</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">„Zwo gewaltige Nationen ringen<br /></span> -<span class="i0">um der Welt alleinigen Besitz,<br /></span> -<span class="i0">aller Lnder Freiheit zu verschlingen,<br /></span> -<span class="i0">schwingen sie den Dreizack und den Blitz.<br /></span> -<span class="i0">Seine Handelsflotten streckt der Brite<br /></span> -<span class="i0">gierig wie Polypenarme aus,<br /></span> -<span class="i0">und das Reich der freien Amphitrite<br /></span> -<span class="i0">will er schlieen wie sein eignes Haus.”<br /></span> -</div></div> - -<p>Mit diesen Worten hat Schiller das anbrechende 19. Jahrhundert -geschildert. Gerade in der Gegenwart hat die Erinnerung -an diesen Weltkampf erneuten Reiz gewonnen. Welche Bilder -steigen vor unserem Geiste auf! Das Bild Napoleons, der in -gypten angesichts der tausendjhrigen Pyramiden Englands Weltherrschaft -hier an ihrer empfindlichsten Stelle treffen wollte, und -der Napoleon, der im Lager von Boulogne sur Mer seine Transportschiffe -liegen hat, um sein Heer nach England berzusetzen, und<span class="pagenum"><a name="Seite_11" id="Seite_11">[S. 11]</a></span> -der seitdem von England in einen Krieg um den anderen gehetzt wird: -„Soldaten,” so ruft er aus in den Tagen von Boulogne sur Mer, -„wir knnen nicht nach England gehen, denn das Gold der Englnder -hat den Kaiser von sterreich bewogen, uns den Krieg zu -erklren.” Und wiederum der Napoleon, der auf St. Helena zu -dem getreuen Las Cases sagte, da England ihm niemals den -Besitz von Belgien verziehen habe, der <em class="gesperrt">Antwerpen</em> — allerdings -das Antwerpen mit der freien Scheldemndung — <em class="gesperrt">die auf die -Brust Englands gesetzte Pistole</em> nennt, und der Napoleon -der Kontinentalsperre, der England da treffen will, wo es am -empfindlichsten ist, in seiner wirtschaftlichen Existenz. England fhrte -damals genau so wie heute den Kampf mit seinen Sldnertruppen, -vor allem aber mit den Truppen anderer Nationen, berall waren -seine Subsidien zu haben, wo es gegen Frankreich galt. Es bekmpfte -in Frankreich die damals zweitstrkste Kontinentalmacht, es hatte, -wie Blow in seinen Ausfhrungen ber die auswrtige Politik -sagt, schon dem Gesandten Ludwigs XIV. gegenber ein Bndnis -mit Frankreich verweigert, weil diesem Bndnis eine bedenkliche -Tatsache gegenberstnde, nmlich die Tatsache, da Frankreich sich -eine eigene Flotte bauen wolle. Die Subventionen an Friedrich -den Groen im Siebenjhrigen Kriege galten nicht dem emporstrebenden -Preuen, sondern dem gegen Frankreich kmpfenden -Knig, den es brigens, sobald es seine Interessen erforderten, in -der rcksichtslosesten und brutalsten Weise im Stiche lie. Als -Napoleons Macht zusammengebrochen war, als er selbst in seinem -Brief an den Knig von England Themistokles gleich den Ksten -seines mchtigsten Gegners sich nhert, da war zwar die englische -Staatsschuld auf 16 Milliarden Mark gewachsen, aber Englands -Weg zur unbedingten Weltherrschaft im 19. Jahrhundert gesichert.</p> - -<p>Was haben die Gegner Napoleons nach den Siegen von -1813/15 erreicht? Preuen erhielt wohl seinen alten Gebietsumfang, -aber nicht seine alten wirtschaftlichen Krfte. Die Phrase, -da man den Kampf gegen Napoleon und nicht gegen das -franzsische Volk fhrte, hat sogar im ersten Pariser Frieden -noch dazu gefhrt, da man eine Kriegsentschdigung von Frankreich -nicht gefordert hat. Erst als der Gefrchtete von Elba zurckkam, -als sein „Adlerflug” ihn von der franzsischen Kste bis -nach Paris trug, als die Monarchen sich erneut an ihr Volk wenden -muten und als daraufhin der alte Blcher und der groe Staatsmann, -der Freiherr vom Stein, Bewegungsfreiheit erhielten, da<span class="pagenum"><a name="Seite_12" id="Seite_12">[S. 12]</a></span> -wurde nach langem Feilschen auch eine Kriegsentschdigung erreicht, -die aber bei weitem nicht Preuen fr das zu entschdigen vermochte, -was es in der Zeit von 1806 bis 1813 hatte leiden mssen. -Hat doch Napoleon I. nach seinen eigenen Mitteilungen fast 1 Milliarde -Mark aus Preuen herausgepret; noch beinahe bis in die -Gegenwart haben preuische Stdte abzahlen mssen von den Anleihen, -die sie gemacht hatten, um die Forderungen Napoleons erfllen -zu knnen. Preuen war nach den Freiheitskriegen ein armes -Land. Als das Rheinland wieder zu Preuen kam, da sagte der -alte Schaaffhausen in Kln: „O je, da heiraten wir in eine arme -Familie hinein.” Elsa-Lothringen blieb franzsisch, vergeblich hat -Freiherr vom Stein versucht, dieses deutsche Land Deutschland -wieder zuzufhren, vergeblich war der Versuch, die einstige Westmark -des Reiches, das belgische Gebiet, dem Deutschen Reiche -wiederzugewinnen. Deutschland, sterreich und Ruland erhielten -nichts anderes als ihre alten Grenzen, England aber erhielt durch -die Niederlage Napoleons die Schlssel der Weltherrschaft. Verstndlich -ist deshalb der Jubel, mit dem Blcher empfangen wurde, -verstndlich, da im Londoner Parlament das Bild hngt, das -Blcher zeigt, wie er mit seinen Truppen auf dem Schlachtfeld von -Belle-Alliance eintrifft, um den Sieg an die Fahnen der schon halb -niedergebrochenen englischen Regimenter zu knpfen.</p> - -<p>Denn wer wollte England die Weltherrschaft streitig machen? -Frankreich war nach den napoleonischen Kriegen zusammengebrochen -und mute jedem imperialistischen Gedanken entsagen. An eine -groe franzsische Flotte war nach der Schlacht von Trafalgar gar -nicht zu denken. Ruland besa keinen Weltbeherrschungsdrang, in -Deutschland sorgte der Dualismus zwischen sterreich/Sddeutschland -auf der einen und Preuen/Norddeutschland auf der anderen -Seite dafr, da sie sich gegenseitig die Wage hielten, und da -Zersplitterung und Kleinstaaterei jeden Drang nach deutscher Gre -und jede Anknpfung an die alte Hansezeit verhinderte. Dnemark, -dessen Flotte England in ruberischer Weise im Jahre 1800 hinweggeschleppt -hatte, als es die unbefestigte Stadt Kopenhagen mitten -im Frieden bescho, Holland, Spanien oder Portugal waren -Staaten zweiten oder dritten Ranges. Der Weg zur Weltherrschaft -stand England frei, und es verstand ihn auszunutzen.</p> - -<p>Wie England dies tat, zeigt zunchst die gewaltige Entwicklung, -die sein Kolonialbesitz seit seinen Kmpfen mit Frankreich genommen -hat. Dr. Hennig hat in seinem Buche „Unser Vetter Tartuffe, oder<span class="pagenum"><a name="Seite_13" id="Seite_13">[S. 13]</a></span> -wie England seine Kolonien erwarb”, diese Entwicklung englischer -Kolonialherrschaft geschildert. 1763 war Kanada englisch geworden, -im Pariser Frieden fielen ihm auer Kanada noch Grenada, -St. Vincent, Dominica, Tobago und das ganze ehemalige franzsische -Senegalgebiet zu. Als die Franzosen unter Napoleon Holland -eroberten, rchte sich England dafr, indem es die Kapkolonie, -Malakka und das westliche Sumatra den Hollndern raubte. 1796 -kam Ceylon hinzu. Den Spaniern, als Frankreichs Verbndeten, -nahm es Puerto Rico und Trinidad. Wenn auch einige der -geraubten Inseln und Besitztmer zurckgegeben werden muten, -so konnte England 1802 doch die fr die Beherrschung des Weltmeeres -uerst wichtige Insel Malta behalten. 1809 wurde Martinique, -das vorher zurckgegeben worden war, von neuem besetzt, -Guadeloupe, Ile de France, die Seychellen folgten. Helgoland, -das Kaiser Wilhelms weise Voraussicht uns wieder zufhrte, -wurde 1808 den Dnen entrissen.</p> - -<p>Als Frankreich durch Napoleons Niederlage aus der Rivalitt -mit England ausschied, begannen die Unternehmungen in Ostindien, -1826 war ein zusammenhngendes Gebiet von 3 Millionen -Quadratkilometern in Ostindien in englischem Besitz. Bald darauf -ging es in seinen Eroberungszgen gegen Hinterindien vor. Australien -wurde gegen 1830 England einverleibt. Es folgten der Kampf um -Englands Einflu in Persien und Afghanistan, der Opiumkrieg mit -China, der unmoralischste Krieg, den die Welt je gesehen hat, in dem -an England im Frieden von Nanking die Insel Hongkong und im -Frieden 1860 weitere Gebiete fielen. — In Afrika wurde Aden 1839 -genommen. Der Suezkanal, den Lord Palmerston zunchst als das -grte Schwindelunternehmen des ganzen Jahrhunderts kennzeichnete, -wurde unter englischen Einflu gestellt, in Sdafrika die Buren von -einem Treck zum anderen getrieben, bis sie zu Anfang des 20. Jahrhunderts -in Transvaal und der Oranjerepublik sich unabhngige -Gebiete sichern konnten, aber nur so lange, bis die Gold- und Diamantenfunde -die englische Raubsucht erweckten und zur Niederringung -der Freiheit auch dieser Staaten und zu sdafrikanischen -Kolonien unter des Spaniers Botha unterwrfiger Herrschaft -fhrten. Von Sden und Norden drang englische Eroberungssucht -vor. Frankreich mute in Faschoda erkennen, was es heit, England -auf diesem Wege entgegenzutreten. Zypern wurde als Belohnung -fr die Neutralitt im Russisch-Trkischen Krieg 1878 eingesteckt, -1882 wurde das englische Protektorat ber gypten mit einer<span class="pagenum"><a name="Seite_14" id="Seite_14">[S. 14]</a></span> -Scheinfreiheit des Khediven und einer Scheinoberhoheit des Sultans -errichtet. Im Sudan drang man weiter vor. Wituland und -Sansibar lie man sich von Deutschland im Sansibarvertrag abtreten. -Durch Uganda wurde 1899 der Zusammenhang des britischen -Reiches in Nordafrika sichergestellt, der groe imperialistische -Traum von Cecil Rhodes einer Bahn von Kapstadt nach -Kairo nur durch englisches Gebiet nherte sich seiner Verwirklichung, -nur Deutsch-Ostafrika lag dazwischen. In Asien wurde schlielich die -wichtige Bucht von Wei-hai-wei erworben, mit Ruland verstndigte -man sich ber die Interessensphre in Persien, der unter deutschem -Einflu stehenden Bagdadbahn suchte man das wichtigste Schlustck -englischerseits zu versperren, und so sah die Welt, als das -19. Jahrhundert seinem Ende sich zuneigte, ein ungemessenes englisches -Kolonialreich in allen Erdteilen; Kanada und Indien, Australien, -Kapland, gypten und die wertvollsten Inseln der Erde waren -in den Hnden von England, seine Flotte die grte der Welt, die -Meeresstraen unter seiner Kontrolle, seine Handelsflotte unerreicht, -sein Welthandel an der Spitze aller Vlker, sein Wort das wichtigste -auf allen Konferenzen, die ber politische Geltung entschieden. So -stand es im wesentlichen schon da, als das junge Deutsche Reich erst -in seine Erscheinung trat.</p> - -<p>Was aus diesem jungen Deutschen Reiche geworden ist in den -44 Jahren seit seiner Begrndung, das ist es, was Englands Ha -und Eifersucht erweckte, was es veranlate, seinen ganzen Einflu -gegen Deutschland zu wenden, und was es auch veranlate, den -wirtschaftlichen Kampf gegen Deutschland schon frher als in diesem -Kriege zu beginnen. Drei Faktoren waren es, die Englands Argwohn -erregten: die Entwicklung einer deutschen Kolonialpolitik, die -Entwicklung einer deutschen Flotte, drittens aber und vor allem die -Entwicklung der deutschen Industrie und des deutschen Welthandels.</p> - -<p>Unser deutscher Kolonialbesitz sollte an sich, wie man wohl annehmen -knnte, keine Veranlassung zur Eifersucht geben. Wir sind -erst spt eingetreten in die Kolonialentwicklung der Vlker. Alte -Tradition wies uns zwar darauf hin; der groe Ahnherr Kaiser -Wilhelms II., der unserem jetzigen Herrscher innerlich wohl auch -am meisten vor Augen schwebt, der Groe Kurfrst, hatte versucht, -Kolonialpolitik zu treiben, Emden zu einem groen Handelshafen zu -machen und die brandenburgisch-preuische Handelsflagge auch in -fernen Ozeanen aufzupflanzen. Nur wenig geschichtliche Erinnerung -ist uns davon geblieben, die Meeresgeltung hatte man wohl<span class="pagenum"><a name="Seite_15" id="Seite_15">[S. 15]</a></span> -gesehen zu den Zeiten der Hansa und des Stahlhofes in London, in -den Niederlassungen der deutschen Handelshuser in Genua und -Venedig. Das alles war spter zugrunde gegangen, als mit dem -brudermrderischen Dreiigjhrigen Krieg Deutschlands Wohlstand -dahinsank. Seitdem war bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts -der deutsche Handel vor allen Dingen auf die Befriedigung des -eigenen Bedarfes im inneren Wirtschaftsgebiet angewiesen. Noch -1850 hatte der ganze auswrtige Handel Deutschlands nur eine Milliarde -Mark betragen. Zwar bedeutete der Deutsche Zollverein eine -Tat, und die Tage, an denen zuerst die Zollgrenzen in Deutschland -fielen, haben der Entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens neue -Bahnen gewiesen, aber vermessen wre es wohl erschienen, an eine -weltwirtschaftliche Stellung Preuen-Deutschlands damals zu -denken. Die Gedanken eines Friedrich <em class="gesperrt">List</em>, der mit geradezu prophetischem -Seherblick Deutschlands Bestimmung zur Welthandelsmacht -erkannte und bis zum Ende seines Lebens den geistigen Wirtschaftskampf -Deutschlands gegen England fhren wollte, eilten den -Taten seiner Zeit voraus. Wohl weisen die Werke Rheinland-Westfalens -den Weg fr eine gewisse Emanzipation des inneren Marktes -von der englischen Werkstatt der Welt, aber auch wirtschaftlich gilt -zunchst Dingelstedts entsagendes Wort: „Uneins zu Haus, nach auen -klein.” Das alles wird anders mit der Grndung des Reiches und -den dadurch geweckten Krften. Auch Bismarck sah Deutschlands -Bestimmung vor allem in seiner kontinentalen Macht und sprach -sich noch 1871 scharf gegen den Erwerb von Kolonien aus. Trotzdem -zeigt die Schwenkung, welche die deutsche Wirtschaftspolitik -im Jahre 1879 machte, schon die Anfnge einer Politik, welche bewut -darauf hinarbeitete, der deutschen Industrie die Unabhngigkeit -vom Ausland, namentlich aber von England zu schaffen und -zugleich den Wettbewerb nach auen aufzunehmen, ohne sich dabei -aber einseitig auf exportindustrielle Entwicklung zu sttzen, vielmehr -unter bewutem und folgerichtig durchgefhrtem Schutz der landwirtschaftlichen -Entwicklung. Als deutscher Unternehmungsgeist in -Sdwestafrika vordringt, hlt Bismarck seine schtzende starke Hand -ber Lderitz und Dr. Carl Peters, trotz Gladstones sauertpfender -freundnachbarlicher Abmahnung, und schafft uns damit Deutsch-Ostafrika -und Deutsch-Sdwestafrika.</p> - -<p>Die weitere Entwicklung unserer kolonialen Unternehmungen ist -bekannt. Zusammenhanglos war unser afrikanischer Besitz, vier -Gebiete, nicht verbunden, jedes eine andere Eigenart, dazu der<span class="pagenum"><a name="Seite_16" id="Seite_16">[S. 16]</a></span> -wenig wertvolle Besitz im Sdseearchipel, lediglich in den Samoainseln -die Gewhr einer gewissen Entwicklung in sich bergend, und -hierzu noch der Platz an der ostasiatischen Sonne, Kiautschou, das -uns Frst Blow erwarb. ber 20 Jahre hindurch ist die Entwicklung -der deutschen Kolonien auch wirtschaftlich eine ziemlich sterile -gewesen. Erst die Dernburgsche ra hat dem deutschen Volke den -Kolonialgedanken nhergebracht und vor allen Dingen auf die -wichtige wirtschaftliche Bedeutung der deutschen Kolonien, vor allem -hinsichtlich der mangelhaften deutschen Rohstoffversorgung, hingewiesen. -Ein frischer Zug ging seitdem durch unsere koloniale Entwicklung, -namentlich auch in ihrer Erschlieung durch Eisenbahnen, -und die zielbewute Arbeit unserer Kolonialpolitik kommt in den -682 Millionen des Gesamthandels unserer Kolonien im Jahre 1913 -zum Ausdruck. Nur ein kleiner Prozentsatz des deutschen Welthandels -war es, was der Handel der Kolonien mit Deutschland ausmachte, -nur wenig Sttzpunkte fr die Fundierung der deutschen Ausfuhr, -fr die Versorgung mit den unentbehrlichen Rohstoffen, nur -geringe Absatzgebiete fr die deutsche Industrie, von der immer -grere Arbeitermassen abhngig wurden. Dabei ohne Schutz einer -starken deutschen Flotte, nur mit einem allerdings jhrlich sich verringernden -Zuschu aus dem deutschen Staatssckel zu erhalten, alles -in allem kein groer Wert gegenber dem englischen Kolonialbesitz, -mehr Zukunftshoffnungen, deren Erfllung allen, die fest und mit -Freudigkeit an die deutsche Kolonialpolitik glaubten, zwar sicher erschien, -die aber keinen Gegenstand des Neides fr ein Volk bieten -konnten, das in einem Kolonialbesitz von ber 30 Millionen Quadratkilometer -mit einer Bevlkerung von etwa 400 Millionen Menschen -ber den grten Kolonialbesitz der Welt gebot.</p> - -<p>Trotzdem sahen wir die Geschichte der neuesten Zeit erfllt von -dem heftigsten Widerstreben Englands gegen diesen Besitz und seine -Entwicklung. Wenn irgendwo ein Gercht auftauchte, da Deutschland -eine Kohlenstation oder einen Flottensttzpunkt erwerben oder -seinen Kolonialbesitz vergrern wolle, wurde die ffentliche Meinung -in England aufgepeitscht. Wie fanden sich alle die Verbndeten -von 1914 schon frher zusammen, wenn Deutschland versuchte, -in Marokko festen Fu zu fassen, oder davon gesprochen wurde, da -bei der Liquidierung des portugiesischen Kolonialbesitzes auch Deutschland -entscheidend mitbeteiligt sein msse, wenn irgendwo von der Erwerbung -belgischen Kongogebietes durch Deutschland die Rede war -oder der deutsche Botschafter in Konstantinopel darauf hinwies,<span class="pagenum"><a name="Seite_17" id="Seite_17">[S. 17]</a></span> -da in Kleinasien auch Lebensinteressen des deutschen Volkes zur -Frage stnden. Die Konferenz von Algeciras zeigte ebenso wie -die letzte Marokkokrisis, da England gewillt war, jede Weiterentwicklung -Deutschlands auf diesem Gebiete als Kriegsfall zu betrachten. -Das hrte man heraus aus den Reden englischer Minister, -die mit dem Munde die deutsche Flotte in 48 Stunden vernichten -wollten; dies trat schon frher in den Tischreden englischer Minister -zutage, die man sich im Deutschen Reichstag mit Recht verbat.</p> - -<p>Nur nach einer Richtung hin konnte man Englands Unwillen -verstehen: in bezug auf Ostafrika, das wie ein Keil zwischen dem -Nord- und Sdafrika Englands lag, das es unmglich machte, die -Bahn Kapstadt-Kairo nur durch englisches Gebiet zu fhren. -Trotzdem ist der Widerstand Englands seit den ersten Worten -Gladstones gegen die deutsche Kolonialpolitik bis in die Gegenwart -der deutschen kolonialen Ttigkeit nur zu verstehen unter der Voraussetzung, -da England ein Monopol der Beherrschung der Welt -fr sich in Anspruch nimmt, da es diese Beherrschung als von -Gott gewollt ansieht und das Herrscherrecht zu haben glaubt.</p> - -<p>Die Entwicklung der deutschen Flotte war der zweite Faktor, der -England den knftigen Kampf gegen Deutschland als Lebensaufgabe -Englands ansehen lie. Mit dem Auge auf die englische Flotte ist, -wie Blow in seinen Ausfhrungen zum Kaiser-Jubilum darlegte, -die deutsche Flotte gebaut worden, ebenso aber mit dem Auge auf -die deutsche, die englische Flotte. Der Zweimchte-Standard Englands -ist unter diesem Gesichtspunkte zu verstehen, die Notwendigkeit, -den deutschen Handel durch eine deutsche Flotte stark zu schtzen, -wurde von England nicht anerkannt, die deutsche Flotte als Luxus -hingestellt gegenber der englischen, die fr England eine Lebensnotwendigkeit -sei. Und so wurde mit allen Dreadnoughts, die in -Deutschland vom Stapel liefen, Englands Miwollen verstrkt.</p> - -<p>Wie Englands Neid auf jede neben ihm emporkommende Seemacht -schon frher eingeschtzt wurde, das lt sich an Beispielen -aus der Geschichte vielfltig beweisen. Wie schon erwhnt, weist -Frst Blow in seinen Ausfhrungen ber auswrtige Politik -darauf hin, da schon zu Ludwigs XIV. Zeiten von der englischen -Regierung ein von Frankreich angebotenes Bndnis, im Hinblick -auf die Absicht Frankreichs, sich eine Flotte zu bauen, abgelehnt wurde. -Als Friedrich Wilhelm III. nach den Freiheitskriegen in England -weilte und ihm der Knig von England eine kleine Schaluppe -zum Geschenk machte, erwiderte Knig Friedrich Wilhelm III.:<span class="pagenum"><a name="Seite_18" id="Seite_18">[S. 18]</a></span> -„Hoffentlich wird England nicht neidisch werden auf meine Flotte.” -Eine Anekdote nur, jedoch kennzeichnend fr die Auffassung, die -man auch zu jener Zeit von Englands Empfindungen hatte. Bedeutsam -mit dieser Bezeichnung sind jedoch vor allem die Ausfhrungen, -welche der bekannte Leipziger Nationalkonom Dr. Roscher zu -einer Zeit machte, als das Deutsche Reich im Jahre 1881 erst -39 Millionen Mark fr seine Flotte (431 Millionen Mark im -Jahre 1913) ausgab. In der ersten Auflage seiner „Nationalkonomie -des Handels und Gewerbefleies” sagt er im 12 ber -den Handelsstand: „Es ist immer ein verhngnisvoller Wendepunkt, -wo die tonangebende Landmacht anfngt, dem ersten Handelsstaate -auch zur See gleichzukommen.” In einer Anmerkung gibt -er in seiner inhaltsvollen Krze drei weltgeschichtliche Belege fr -diesen Satz: „Sparta im Peloponnesischen Kriege, Zeit 424, Rom, -Zeit Duilius, Frankreich, Zeit Colbert.” Wir knnten heute hinzufgen: -„Deutschland, Zeit Kaiser Wilhelm II.”</p> - -<p>Diese Frage des Flottengegensatzes, auf die hier nicht nher -eingegangen werden soll, liegt auf politischem Gebiete. Der hauptschlichste -Beweggrund zu Englands Handeln aber war die Entwicklung -der deutschen Industrie und des deutschen Welthandels. -Statt einer langatmigen Darstellung der Entwicklung des beiderseitigen -Anteils am Welthandel seien einzelne Ziffern genannt, die -erkennen lassen, wie grundlegend sich auf diesem Gebiete die Verhltnisse -seit der Reichsgrndung verschoben haben. Die Bevlkerung -Englands stieg seit der Reichsgrndung von 31,5 auf -45,6 Millionen, die des Deutschen Reiches von 40,9 auf 66 Millionen. -Nicht nur die absolute, auch die relative Zunahme der -Bevlkerung hat im Deutschen Reiche England weit bertroffen. Im -Gegensatz zu England ist es dabei einer verstndigen Wirtschaftspolitik -in Deutschland gelungen, neben einer mchtig sich entwickelnden -Industrie und einem gewaltig anwachsenden Welthandel, sich -auch eine starke Landwirtschaft zu erhalten, die, wenn auch ihr -relativer Anteil an der gesamten Bevlkerung zurckgegangen ist, -es doch verstand, auf den im wesentlichen sich gleichbleibenden -Boden eine gewaltige Steigerung der Erzeugung von Krnerfrchten, -allein in den letzten 25 Jahren um ber 80 % herbeizufhren -und gleichzeitig die Viehhaltung quantitativ und qualitativ -in ungewhnlicher Weise zu verstrken. Die Kaufkraft der deutschen -Landwirtschaft, die namentlich durch die letzten Zollvertrge gestrkt -wurde, war die sichere Unterlage, auf der die deutsche Industrie<span class="pagenum"><a name="Seite_19" id="Seite_19">[S. 19]</a></span> -sich aufbauen konnte. Die Entwicklung war nicht nur auf -den Export eingestellt, sondern in denjenigen Jahren, in denen -strmische Schwankungen die Weltkonjunktur niederhielten und -manches Land aus dem Gleichgewicht brachten, wurde bei uns -dieses Gleichgewicht erhalten. Schon darin lag eine Strke Deutschlands -gegenber England, die sich beispielsweise auch bei den gewaltigen -Konjunkturrckschlgen des Jahres 1907 darin zeigte, -da nach den gleichzeitigen Ermittlungen der englischen und -deutschen Gewerkschaften in England die Zahl der Arbeitslosen -eine bedeutend grere war als in Deutschland.</p> - -<p>Nicht weniger aber ist vor allen Dingen die deutsche Industrie -als solche in die Hhe gekommen, seitdem einmal eine verstndige, -mavolle Schutzzollbewegung ihr die Mglichkeit technischen Fortschrittes -in ausgiebigstem Mae gab (Bergbau, Eisenerzeugung), -und seitdem andererseits das innige Bndnis zwischen Wissenschaft, -Technik und kaufmnnischen Fhigkeiten und einer steigenden Arbeitsintensitt -auf dem Gebiete der Chemie und der Elektrotechnik -geradezu Monopole fr Deutschland schuf, whrend bei vielen -anderen Warengattungen die berlegenheit des deutschen Fabrikanten -in bezug auf dessen Anpassungsfhigkeit an fremde Bedrfnisse, -seine Sprachenkenntnisse, seine Reisettigkeit, die Schaffung -stets neuer Muster, seine sorgfltige Ausfhrung auch kleiner und -kleinster Auftrge und sein Grundsatz, den Kunden an sich heranzuziehen, -statt auf ihn zu warten, zu jenem gewaltigen Aufschwunge -verhalf, der Deutschland auf diesem Gebiete das in konservativen -Geschftsgrundstzen wandelnde England berholen lie. Um das -Siebenfache ist seit Grndung des Reiches die Erzeugung der Stein- -und Braunkohle gewachsen. In Roheisen und Eisenerzen stieg vom -Jahre 1885 auf 1912 die Erzeugung um 384,5 % gegenber einer -Steigerung in England um 28,5 %. Noch im Jahre 1900 war die -Differenz zwischen der deutschen Stahlerzeugung und der englischen -nur etwa 1 Millionen Tonnen, im Jahre 1912 war diese Differenz -auf etwa 11 Millionen Tonnen gestiegen. In absoluten Ziffern gemessen, -betrug 1913 die Produktion von Roheisen in Deutschland -19309172 <span class="antiqua">t</span> gegen 10646838 <span class="antiqua">t</span> in England, die Produktion von Stahl -18935000 <span class="antiqua">t</span> gegen 7700000 <span class="antiqua">t</span> in England. Der Kupferverbrauch, -ein Grundpfeiler namentlich auch fr die elektrotechnische Industrie, -stieg in den letzten zehn Jahren um 359 % in Deutschland und 87 % -in England. Die elektrotechnische Industrie berragt in ihrer gesamten -Erzeugung die englische beinahe um das Dreifache. In<span class="pagenum"><a name="Seite_20" id="Seite_20">[S. 20]</a></span> -der deutschen chemischen Industrie, die in den letzten 25 Jahren die -Zahl der Arbeiter mehr als verdoppelt hat, zeigt sich die weltbeherrschende -Stellung gerade in diesem Kriege, wo England selbst -unter der Nichtzufuhr deutscher chemischer Produkte auf das empfindlichste -leidet und mit gewaltigen Arbeiterentlassungen die Tatsache -der Nichtversorgung des heimischen Marktes quittieren mu, -und die amerikanische Baumwollausfuhr nach Deutschland durchgesetzt -wurde, weil Amerika ohne die deutschen chemischen Erzeugnisse -seine eigenen Textilwerke nicht aufrechtzuhalten vermochte.</p> - -<p>In den Ziffern des deutschen Gesamtauenhandels kommt -diese Steigerung deutlich zum Ausdruck. Noch im Jahre 1887 war -England in seinem Export Deutschland um etwa 50 % berlegen -(4533 Millionen gegenber 2937 Millionen Mark). Im Jahre -1912 war diese Differenz auf etwa 10 % gesunken (9943 Millionen -Mark auf englischer gegenber 8956 Millionen Mark auf -deutscher Seite). Nehmen wir den gesamten Welthandel, so sehen -wir im Spezialhandel der Vlker, da seit 1887 Englands Anteil -um 113 %, derjenige der Vereinigten Staaten von Nordamerika -um 173 %, der deutsche um 225 % gestiegen ist. Allein in den -Jahren 1901–1911 ist die deutsche Ausfuhr von Fabrikaten um -93,2 % gegenber 62,3 % bei Grobritannien gestiegen. Noch -fhrt England im Welthandel der Vlker mit einer Gesamtziffer -des Gesamthandels von 24,2 Milliarden Mark, ihm folgt dann -an zweiter Stelle mit einem Gesamtauenhandel von etwa 22,5 -Milliarden Mark Deutschland, an dritter Stelle folgen die Vereinigten -Staaten mit etwa 17,9, an vierter Stelle Frankreich mit -12,46 Milliarden Mark. Von Einzelheiten sei hier erwhnt die -deutsche Maschinenausfuhr, die 1913 678 Millionen Mark wertete -gegen 674 Millionen Mark in England, whrend dieselben Ziffern -im Jahre 1900 noch 183 Millionen fr Deutschland gegenber -401 Millionen Mark in England betrugen. In 14 Jahren also -fr Deutschland eine Steigerung um mehr als das 3fache, in -England nur um mehr als die Hlfte! Denkt man an die Zeit, -in welcher Englands Welthandel denjenigen Deutschlands um das -Doppelte berragte, und nimmt man an, da es Deutschland gelungen -wre, diesen relativen Aufschwung aufrechtzuerhalten, den -es bisher aufweisen konnte, so konnte man allerdings erwarten, -da eine Zeit kommen wrde, welche berhaupt nicht mehr England, -sondern Deutschland an der Spitze des Welthandels aller -Vlker sehen wrde.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_21" id="Seite_21">[S. 21]</a></span> - -Die gewaltige Entwicklung, die sich in diesen Ziffern zeigt, -tritt auch zutage in der Entwicklung der Handelsmarine. Zwar -ist hier Englands Vorsprung ein ganz anderer wie auf dem Gebiet -des Welthandels an sich. Noch ist es der groe Weltverfrachter, -und wenn auch allein in den letzten zehn Jahren der Raumgehalt -der deutschen Seeschiffe um 111,4 % stieg gegenber 39 % bei -England, so ist dieses doch in der absoluten Ziffer der deutschen -weit berlegen. Von 1416300 Registertonnen stieg in den letzten -20 Jahren der Nettoraumgehalt der deutschen Seeschiffe auf -2994200 Registertonnen, whrend in der gleichen Zeit der Nettoraumgehalt -der englischen Seeschiffe von 8933500 auf 12415800 -Registertonnen stieg. Allerdings mu man dem gegenberhalten, -da der Anteil Englands an der Welthandelsmarine in dem gleichen -Zeitraum von 46,8 % auf 42,6 % gesunken ist, whrend gleichzeitig -Deutschlands Anteil von 7,4 auf 10,3 % gestiegen ist. In der -amtlichen Denkschrift zur Begrndung der deutschen Flottenvorlage -ist zuerst, vielleicht damals mit allzu groer Deutlichkeit, auf diese Entwicklung -der deutschen Seeinteressen hingewiesen worden. Auch hier -sah England Deutschland als Rivalen neben sich, sah, wie Hamburg -mit London und Liverpool wetteiferte, mute vor allem erleben, -da die beiden fhrenden groen deutschen Schiffahrtsgesellschaften -es verstanden hatten, sich eine Fhrung ohnegleichen auf dem Gebiete -des Personen- und Frachtenverkehrs nach den Vereinigten -Staaten zu sichern, mute erleben, wie der „Imperator” und das -„Vaterland” vom Stapel liefen und die grten Schiffe der Welt -unter deutscher Flagge ihren Weg sich durch die Fluten bahnten.</p> - -<p>Vervollstndigen wir das Bild, das diese Ziffern geben, noch -durch zwei Betrachtungen. Deutschland war einstmals das Land der -Auswanderung; politische Unzufriedenheit um die Mitte des vorigen -Jahrhunderts hat die einen, wirtschaftliche Not auch noch nach -Grndung des Reiches die anderen ber die Meere getrieben; bis -auf jhrlich 275000 Menschen stieg die Zahl derjenigen, die Deutschland -verlieen, um sich eine neue Heimat jenseits des groen Wassers -zu begrnden. In Neuyork, in Chicago, in Milwaukee, in Cincinnati -ebenso wie in Rio Grande do Sul zeigen sich noch heute die -Folgen dieser Auswanderung. Wie anders ist das geworden! Im -letzten Jahre haben noch 25000 Deutsche ihr Heimatland verlassen, -aber mehr als 12000 sind zurckgekehrt, so da Deutschland zu den -wenigen europischen Lndern gehrt, die fast keine internationalen -Auswanderungsverluste zu verzeichnen haben, denen es mglich ist,<span class="pagenum"><a name="Seite_22" id="Seite_22">[S. 22]</a></span> -das, was hineinwchst in ihre Bevlkerung, auch im eigenen Vaterlande -zu ernhren; ja die groe Zahl auslndischer Wanderarbeiter -zeigt, da selbst diese wachsende Bevlkerung Deutschlands nicht -mehr in der Lage war, Deutschlands Bedarf an Arbeitskrften -zu decken, welche das Neudeutschland der Gegenwart verlangte.</p> - -<p>England mu demgegenber den groen Bevlkerungsverlust -decken, wozu namentlich die Stimmung in Irland beitrgt, das unter -englischer Herrschaft zu einem entvlkerten Lande wurde. Dem Wachstum -Deutschlands, das seinen Geburtenberschu in den letzten Jahren -als wirtschaftlichen, militrischen und politischen Machtzuwachs -buchen konnte, stehen die 240000 Englnder gegenber, die in den -letzten Jahren durchschnittlich England und Irland verlassen haben.</p> - -<p>Im Volkswohlstand beider Lnder kommt letzten Endes das -Ergebnis zum Ausdruck. Auf den Kopf der Bevlkerung gerechnet, -ist England auch heute noch reicher als Deutschland. Seine Steuerpolitik -hat bis in die letzten Jahre hinein erlaubt, in viel grerem -Mae als in Deutschland die niedrigen Einkommen von der Steuer -freizulassen. Nach dem „Economist” wird das Gesamtvermgen -Englands auf 285 Milliarden Mark, nach Ballot dasjenige Deutschlands -auf 270 Milliarden Mark geschtzt. Wir knnen heute -nach dem Ergebnis des Wehrbeitrages die berzeugung aussprechen, -da diese Schtzung Ballots zu niedrig gegriffen ist, da -wir weit mehr Steinmann-Bucher glauben knnen, der Deutschlands -Volksvermgen auf 350 Milliarden Mark berechnet. Einen -Vergleich geben auch die Sparkasseneinlagen. Im Jahre 1875 -kamen auf den Kopf der Bevlkerung gemessen in Deutschland -44 Mark, auf den Kopf in England 42 Mark, im Jahre 1911 in England -103, in Deutschland 272 Mark.</p> - -<p>Keine Sprache ist fr die Englnder verstndlicher als die -Sprache der khlen, nchternen Ziffern, und auf den Ziffern, die hier -genannt sind, beruht Englands Eifersucht und Neid.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>England hat schon lange vor dem Krieg die Folgerung aus -dieser Entwicklung gezogen. Sein Wirtschaftskrieg gegen Deutschland -begann mit jenem 1887 erlassenen <em class="gesperrt">Gesetz</em> ber die Herkunftsbezeichnungen -„<em class="gesperrt"><span class="antiqua">Made in Germany</span></em>”, das ein Brandmal -sein sollte fr deutsche Erzeugnisse, aber zu einem Ehrendenkmal -deutscher Qualitt wurde. Da es bewut gegen -Deutschland gerichtet war, bedarf keines weiteren Hinweises, denn<span class="pagenum"><a name="Seite_23" id="Seite_23">[S. 23]</a></span> -Deutschland gehrt zu den Hauptversorgern von Grobritannien. -Dieses Gesetz war der erste Bruch mit der bis dahin traditionell -betriebenen Freihandelspolitik Englands. Wie oft ist uns das -Lied dieser englischen Freihandelspolitik nicht gesungen worden! -Die guten Deutschen, die so gern das Vorbild im Ausland suchen -und die vielleicht ein gewisses Recht hatten, in der Zeit preuischer -Reaktion ein englisches Parlament, das seine Vorzge hatte, -anzuerkennen, vergaen, da Englands Wirtschaftspolitik nie von -einem anderen Gesichtspunkt geleitet worden ist als von demjenigen -des rcksichtslosesten Eigennutzes. Professor Harms, dem wir -verschiedene hervorragende Darlegungen ber England und Deutschland -verdanken, hat in einem in der „Deutschen Revue” verffentlichten -Aufsatz ber England und Deutschland mit Recht darauf -hingewiesen, da England zunchst durch Jahrhunderte hindurch -an einer rcksichtslos gehandhabten Ausschlieungspolitik festhielt -und erst dann, als es nach dem Niederbruch Frankreichs die unbedingte -kommerzielle bermacht in Europa hatte, seine Grenzen -aus dem Grunde ffnete, weil die anderen Vlker auf seinem eigenen -Markt nicht konkurrieren konnten und weil es die Hoffnung hatte, -da die anderen Staaten dem Beispiel folgen und ihm die Grenzen -ffnen wrden und ihm dann diese Absatzgebiete schrankenlos offen -standen. Diese Hoffnung Englands hat sich als vollstndig richtig -erwiesen. Es wurde die groe Werkstatt der Welt und es konnte -sich die unbedingte Herrschaft auf den Mrkten der Welt aneignen, -solange dieses Freihandelssystem auch von anderen Lndern adoptiert -wurde. Die Notwendigkeit von Schutzzllen fr die deutsche -Industrie hatte ja zuerst Friedrich List, dessen geradezu grandiose -prophetische Voraussage man auch darin wieder bewundern mu, -in den Vordergrund seiner Ausfhrungen gestellt. Als England -merkte, da diese Freihandelspolitik ihm gefhrlich wurde, beginnt -es mit dem Abbau des Freihandels, und das Gesetz: „<span class="antiqua">Made -in Germany</span>” ist der erste Schritt auf diesem Wege. Mit einem -freien Wettbewerb aller Vlker ist ein Gesetz, welches eine besondere -Kennzeichnung bestimmter Waren verlangt, grundstzlich unvereinbar. -Die Nachahmung, welches dieses Vorgehen in Frankreich gefunden -hat mit einem Versuch, die Waren durch die Worte: „<span class="antiqua">Import -d'Allemagne</span>” vom franzsischen Markt zu verdrngen, zeigt ja, -aus welchen Erwgungen heraus das Gesetz gekommen ist. Da -es in das Gegenteil des Gewollten umschlug, ist sicherlich weder -Englands Absicht noch sein Verdienst gewesen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_24" id="Seite_24">[S. 24]</a></span> - -In gleicher Richtung bewegt sich die englische Wirtschaftspolitik, -die in dem <em class="gesperrt">englischen Patentgesetz</em> vom Jahre 1907 -zum Ausdruck kommt. Im Abs. 1 des 27 dieses Gesetzes wird -bestimmt, da jedermann in England den Antrag auf Nichtigkeit -eines Patentes stellen kann mit der Begrndung, da die patentierte -Ware fast ausschlielich auerhalb Englands hergestellt wird. Eine -solche Nichtigkeitsklage kann also erhoben werden, wenn die Fabrikation -im Auslande stattfindet, ja sogar schon, wenn die Herstellung -hauptschlich im Auslande stattfindet. Die Herstellung mu in -England geschehen, oder es mu ein triftiger Grund angefhrt -werden, weshalb das nicht geschehen kann.</p> - -<p>Es erhellt von vornherein, da eine derartige Bestimmung -sich namentlich gegen die chemische Industrie Deutschlands und -gegen die Vorherrschaft auf dem Gebiete der Erzeugung und des -Vertriebes patentierter Artikel richtet. England versuchte diejenigen -deutschen Firmen, die bisher auf Grund englischer Patente -den englischen Markt beherrschten, zu zwingen, ihren Tribut in der -Form zu zahlen, da sie entweder ihre Patente an Englnder -abtreten oder ihre eigenen Fabriken nach England verlegen und -so die Lhne fr die Erzeugung englischen Arbeitern zugute kommen -lassen, ebenso wie ihr Gewinn mehr als bisher in England versteuert -werden sollte. Tatschlich hatte auch gerade bei der chemischen Groindustrie -das Gesetz vom Jahre 1907 in dieser Form gewirkt. So -haben die Elberfelder Farbenfabriken gemeinsam mit der Aktiengesellschaft -fr Anilinfabrikation in Berlin eine Filiale in England -eingerichtet, um auf diese Weise die bisher in England abgesetzten -Waren in England herzustellen und vor der Nichtigkeitserklrung -zu schtzen. Desgleichen sind die Hchster Farbwerke gezwungen -worden, nach England zu gehen.</p> - -<p>Man mag vom englischen Standpunkt aus ber die Zweckmigkeit -eines solchen Gesetzes denken, wie man will, mag es als -Ausflu eines starken merkantilistischen Geistes verteidigen, jedenfalls -ist niemals der Bruch mit der Freihandelstradition schrfer -zum Ausdruck gekommen als in diesem Vorgehen. Hier ist nicht -nur die vorhandene Theorie durch eine Schutzzollgesetzgebung aufgehoben, -sondern durch eine Prohibitivpolitik ersetzt worden. Das -vorliegende Gesetz ist die Aufhebung des freien Wettbewerbs auf -dem Gebiete der patentierten Artikel.</p> - -<p>Aus demselben Geist ist das Gesetz geboren, welches zwischen -der englischen Admiralitt und dem englischen Postministerium<span class="pagenum"><a name="Seite_25" id="Seite_25">[S. 25]</a></span> -einerseits und der Cunard-Linie andererseits in bezug auf die -<em class="gesperrt">Schiffahrtssubventionen</em> geschlossen wurde. In dieser Vereinbarung -verspricht die englische Regierung der Cunard-Linie eine -Subvention von 3 Millionen Mark jhrlich zu zahlen als Zuschu -fr die Indienststellung der beiden Dampfer „Mauretania” und -„Lusitania”, welche die Cunard-Linie nur unter der Bedingung, -da sie diese Subvention erhalte, bauen konnte.</p> - -<p>Das blaue Band des Ozeans war England verloren gegangen, -als der Norddeutsche-Lloyd-Dampfer „Kaiser Wilhelm II.” den -Rekord in der Fahrt Bremen-Neuyork geschlagen hatte. Da erfolgte -jenes Gesetz im englischen Parlament, durch welches der -Cunard-Linie die vorerwhnte Jahressubvention zugesichert wurde -fr den Bau zweier Dampfer, welche bestimmt waren, diesen -deutschen Rekord zu brechen. Wohlgemerkt, es handelt sich -nicht um die Subvention einer notleidenden Linie, es handelt -sich auch nicht um eine Schiffahrtstrecke, welche ohne staatliche -Subvention etwa keine Ertrgnisse brachte, nein, an -die bestrentierende Linie des ganzen Weltverkehrs und an eine -glnzend fundierte Gesellschaft wird aus allgemeinen Staatsmitteln -diese Subvention gezahlt, nur damit Deutschland nicht mehr den -Ruhm bese, die schnellsten Schiffe zu besitzen. Gewi wre es -unserem Lloyd oder der Hapag auch mglich gewesen, eine „Mauretania” -in Dienst zu stellen, wenn man fr den riesigen Kohlenverbrauch -dieser groen Dampfer ein Staatsopfer von mehreren -Millionen jhrlich gebracht htte. Nur wrde man in Deutschland -eine solche Prestigepolitik auf Staatskosten sowohl im Bundesrat -wie im Reichstag abgelehnt haben. Mit vollem Recht hat deshalb -Herr Ballin in einer geistvollen Rede auf einer Versammlung -des Zentralverbands des deutschen Bank- und Bankiergewerbes -am 7. September 1907 darauf hingewiesen, da nichts so sehr -den Niedergang Englands von seiner einstigen Herrschaft kennzeichnet, -nichts so charakteristisch sei fr den Neid und fr die Eifersucht -gegen Deutschland, als da es den frher jahrzehntelang aufrecht -erhaltenen Grundsatz des freien Spiels der Krfte im Welthandel -aufgebe, um mit Staatsmitteln eine Stellung aufrecht zu -erhalten, die es im privaten Wettbewerb gegenber Deutschland -nicht mehr behaupten knnte. „Es ist noch nicht lange Zeit,” so -fhrte Ballin damals wrtlich aus, „da wir uns einer regen Teilnahme -an dem heien Wettbewerb rhmen knnen, der sich zwischen -den Schiffahrt treibenden Nationen auf dem Weltmeere vollzieht.<span class="pagenum"><a name="Seite_26" id="Seite_26">[S. 26]</a></span> -Herr Professor Thie erinnerte in einem Vortrag daran, da im -Jahre 1790, als der franzsischen Nationalversammlung der Titel -einer ihr gewidmeten Broschre verlesen wurde: „ber die Schiffahrt -— von einem Deutschen”, die ganze Versammlung in schallendes -Gelchter ausbrach, so komisch erschien es damals, da ein „Deutscher” -ber Schiffahrt mitreden wollte. Das sind 117 Jahre her, -eine lngst vergangene Zeit! Aber noch im Jahre 1861, als man -in Preuen schon eine Kriegsmarine organisierte und die atlantische -Schiffahrt schon von Bremen und Hamburg einen lebhaften Aufschwung -nahm, da schrieb noch die „Morning Post”, das Organ -des damaligen Premierministers Lord Palmerston: „Die Deutschen -mgen den Boden pflgen, mit den Wolken segeln und Luftschlsser -bauen, aber nie, seit Anfang aller Zeiten, hatten sie das Genie, das -Weltmeer zu durchqueren oder nur schmale Gewsser zu durchfahren.” -Das war 1861, und 10 Jahre spter hatten wir, von Meisterhand -gezimmert, ein einiges Deutsches Reich, und weitere 20 Jahre -spter, da hatte das junge Deutschland auf dem Gebiete der Weltschiffahrt -alle anderen Lnder berflgelt und war der groen englischen -Schiffahrt gefrchtetster Rivale geworden. Das war ein -Erfolg, in heier Arbeit errungen, und der tglich in heier Arbeit -verteidigt werden mu. Hat doch selbst England, um diesen Erfolg -zu schmlern, <em class="gesperrt">den alten bewhrten Grundsatz vom freien -Spiel der Krfte</em>, dem es seine glnzende wirtschaftliche Entwicklung -verdankt, <em class="gesperrt">verlassen</em> und die reich vergoldete Hand einer -einzelnen Gesellschaft gereicht, nur um sie in die Lage zu setzen, -zwei Schiffe zu erbauen, welche die deutschen Schnelldampfer um -ein Geringes berbieten sollen.”</p> - -<p>Am schlagendsten aber tritt dieser Wirtschaftskampf Englands -zutage in der <em class="gesperrt">Zollbegnstigung gegenber seinen -Kolonien</em>. Der imperialistische Sinn Englands ist einst zum Ausdruck -gekommen in der Schaffung des groen englischen Weltreiches -und dessen politischer Beherrschung. Mit dieser politischen Beherrschung -der Welt war aber fr England auch die Gewhr der -wirtschaftlichen Monopolstellung verbunden. Politische Herrschaft -ist aber auch unzweifelhaft die sicherste Grundlage einer solchen -wirtschaftlichen Monopolstellung. Unter nichts hat Deutschland so -sehr gelitten als unter der Phrase der „offenen Tr”. Die formale -Gleichberechtigung in einem von einem Industrie-Exportlande beherrschten -Kolonialland wird niemals ein Land in die Lage versetzen, -sich die tatschliche wirtschaftliche Gleichberechtigung gegenber<span class="pagenum"><a name="Seite_27" id="Seite_27">[S. 27]</a></span> -dem Land zu erringen, das die politische Herrschaft in der -Hand hat. Soweit die wirtschaftliche Entwicklung eines Koloniallandes -in Betracht kommt, werden Auftrge immer an das Mutterland -vergeben werden, und hieran wird auch eine freie Submission -nichts ndern, denn der betreffende Gouverneur wird immer in der -Lage sein, die zu vergebenden Auftrge seinem Land zu bermitteln. -Wir bauen die Bahn in unseren Kolonien auch nicht auf englischen -Stahlschienen, und Frankreich denkt nicht daran, die marokkanischen -Hfen von deutschen Firmen anlegen zu lassen. So wrde also, selbst -wenn die vllige formale Gleichberechtigung zwischen England und -anderen Nationen tatschlich bestehen wrde, England einen gewaltigen -Vorsprung in bezug auf die Versorgung seiner Kolonien -vor uns voraus haben. England ist aber weiter gegangen. Whrend -es schamhaft im eigenen Heimatlande noch an der Idee des Freihandels -festhlt, hat es diese Idee in bezug auf das Verhltnis zu -seinen Kolonien lngst aufgegeben. Mit Kanada hat es bereits am -1. August 1898, mit Neuseeland 1903, mit Australien 1907, mit -der sdafrikanischen Union 1903 Vertrge geschlossen, welche ihm -als dem Mutterlande eine Zollbegnstigung gewhren, die in -einzelnen Fllen bis zu 33⅓ % des Zolles ausmachen. Gewi mag -es formell unrichtig sein, wenn man sagt, England htte derartige -Vertrge geschlossen, denn formell sind diese Gesetzesvorlagen der -Initiative der Kolonien selbst entsprungen und England hat scheinheilig -an dieser Phrase festgehalten. Der Zollkrieg zwischen dem -Deutschen Reich und Kanada hatte in dieser Zollbegnstigung -Englands seine Ursache. Das Deutsche Reich bezog sich darauf, da -ihm in Kanada nach einem schon zwischen England und Preuen -geschlossenen Vertrag die unbedingte Meistbegnstigung zustnde -und diese Meistbegnstigung sich auch auf die englischen Kolonien -bezge. Der Versuch, die Kanadier durch einen Zollkrieg zur Aufgabe -ihres Standpunktes zu zwingen, schlug fehl und mute fehlschlagen, -denn er war gegen ein Prinzip gerichtet, das nicht von -Ottawa, sondern von London ausgegangen war und die Grundlage -derjenigen wirtschaftlich-imperialistischen Bestrebungen bildete, die -in Chamberlain den Haupttrger ihrer Ideen sahen und deren Gedanken -bis weit in die liberalsten Kreise hinein mehr und mehr -Geltung erlangten. Was jenen vorschwebte, das war ein <span class="antiqua">Greater -Britain</span>, ein Gro-England, geeinigt durch ein mglichst enges -politisches Bndnis, geeinigt aber auch durch ein mglichst enges -wirtschaftliches System zwischen den Kolonien und England, gerichtet<span class="pagenum"><a name="Seite_28" id="Seite_28">[S. 28]</a></span> -gegen jeden Wettbewerber, vor allem aber gerichtet gegen Deutschland. -Bedurfte es doch erst eines energischen Einspruches der deutschen -Regierung, um zu verhindern, da in die staatlichen Submissionsbestimmungen -Australiens der Satz aufgenommen wurde, -da deutsche Waren grundstzlich von jedem Mitbewerb ausgeschlossen -seien, hat das Gesetz „<span class="antiqua">Made in Germany</span>” doch selbst in -Indien seine Nachahmung gefunden! Wie weit dieser imperialistische -Gedanke Besitz ergriffen hat in der Politik der Staatsminister der -englischen Kolonien, davon konnte ich mich berzeugen, als ich vor -einigen Jahren in Toronto die Rede des jetzigen Staatsministers -von Kanada, Borden, hrte, die nichts anderes war als der Ausdruck -des Bekenntnisses einer vllig politischen und wirtschaftlichen -Zugehrigkeit zu England — eine Rede, in der damals schon die -Drohung enthalten war, da jedem Feind, der sich dem Mutterlande -nahen wrde, nicht nur englische, sondern auch kanadische -Dreadnoughts entgegengesandt wrden. Ich habe damals in der -Presse auf diese Stimmung in Kanada hingewiesen, die jetzige Haltung -Kanadas beweist, da die damalige Rede Bordens, der gerade aus -London kam und ber seine Eindrcke in England berichtete, nicht -einer Augenblicksstimmung entsprang, sondern der Ausdruck einer festbegrndeten -politischen und wirtschaftspolitischen berzeugung war.</p> - -<p>Wie bedeutend diese schutzzllnerische Gesetzgebung in den -Kolonien, wie bedeutend berhaupt der Kolonialbesitz Englands fr -seine wirtschaftliche Machtstellung ist, dafr liefern uns die Ziffern -des englischen Auenhandels einen schlagenden Beweis. Wenn -wir den englischen Auenhandel mit dem deutschen vergleichen, so -sehen wir eine englische Ausfuhr von 9943 Millionen Mark im -Jahre 1912 und eine deutsche Ausfuhr von 8956 Millionen Mark -im gleichen Jahre. England ist uns also auf diesem Gebiete um -nur 1000 Millionen Mark berlegen. Gliedern wir aber diese -Ausfuhr, betrachten wir den Wettbewerb der beiden Lnder einmal -in denjenigen Lndern, in denen sie unter gleichen Bedingungen, -d. h. unter gleicher Zollbehandlung kmpfen, und scheiden wir daher -die Lnder aus, in denen die politische und wirtschaftliche Vorherrschaft -eines der beiden Staaten besteht. Wir mssen dann von -dem englischen Auenhandel abziehen die Ausfuhr nach den englischen -Kolonien, von dem deutschen Auenhandel die Ausfuhr nach -den deutschen Kolonien, wo hnliche Deutschland begnstigende -Verhltnisse in der politischen Vorherrschaft, wenn auch nicht in -wirtschaftlicher Vorzugsbehandlung, bestehen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_29" id="Seite_29">[S. 29]</a></span> - -Nach den englischen Kolonien hat England 1912 insgesamt -fr 191,5 Millionen (= 3830 Millionen Mark) ausgefhrt, wovon -auf Indien 65,679 Millionen, auf Kanada 27,3 Millionen, auf -Neuseeland 11,1 Millionen, auf Sdwestafrika 23,1 Millionen -entfallen.</p> - -<p>Nach denselben englischen Kolonien betrug die deutsche Ausfuhr -1912 348,9 Millionen Mark. Wir sehen also, da, whrend -England in seiner Gesamtausfuhr Deutschland etwa wie 10:9 steht, -das Verhltnis in der Ausfuhr nach englischen Kolonien wie 11:1 ist. -Derartig machen sich die politischen und wirtschaftlichen Einflsse -Englands uns gegenber geltend.</p> - -<p>Noch strker tritt brigens der Gesichtspunkt der Beherrschung -der Kolonien durch das Mutterland zutage, wenn wir denselben -Vergleich auf das Verhltnis zwischen Frankreich und Deutschland -ausdehnen. Die deutsche Ausfuhr berhaupt betrgt 10,8 Milliarden, -die franzsische 5,3 Milliarden. Nach den franzsischen Kolonien -aber fhrte Frankreich im Jahre 1913 fr 906,5 Millionen Franken, -Deutschland aber nur fr etwa 15 Millionen Mark aus. Das Gebiet, -in dem die Flagge eines fremden Landes weht, ist also fr -unseren Auenhandel verschlossenes Gebiet oder doch solches, wo -wir unter den grten Widerstnden einen kleinen Teil des Bedarfs -decken knnen.</p> - -<p>Ziehen wir nun von dem englischen Auenhandel die Ziffer -der Ausfuhr nach den englischen Kolonien, von dem deutschen -Auenhandel die Ziffer der Ausfuhr nach den deutschen Kolonien -ab, so erhalten wir folgendes Bild:</p> - - -<div class="center"> -<table border="0" cellpadding="1" cellspacing="0" summary="Englische und Deutsche Gesamtausfuhr 1912"> -<tr><td class="tdl">Englische Gesamtausfuhr 1912</td><td class="tdr"> 9943</td><td class="tdc"> Millionen</td><td class="tdc"> Mark</td></tr> -<tr><td class="tdl">Davon nach den Kolonien und Protektoraten</td><td class="tdr">3830</td><td class="tdc">„</td><td class="tdc">„</td></tr> -<tr><td class="tdl">Ausfuhr in Gebiete freien Wettbewerbs</td><td class="tdr">6113</td><td class="tdc">„</td><td class="tdc">„</td></tr> -<tr><td class="tdl"><em class="gesperrt">Deutsches Reich Gesamtausfuhr</em> 1912</td><td class="tdr">8956</td><td class="tdc">„</td><td class="tdc">„</td></tr> -<tr><td class="tdl">Davon nach deutschen Kolonien</td><td class="tdr">51</td><td class="tdc">„</td><td class="tdc">„</td></tr> -<tr><td class="tdl">Ausfuhr in Gebiete freien Wettbewerbs</td><td class="tdr">8905</td><td class="tdc">„</td><td class="tdc">„</td></tr> -</table></div> - -<p>Daraus folgt, da in denjenigen Teilen der Welt, wo wir mit -England unter gleichen Bedingungen konkurrieren, die englische -Ausfuhr insgesamt 6113 Millionen Mark, die deutsche Ausfuhr -aber 8905 Millionen Mark betrgt, <em class="gesperrt">da also Deutschland England -in der Ausfuhr lngst schon berholt htte, wenn<span class="pagenum"><a name="Seite_30" id="Seite_30">[S. 30]</a></span> -nicht Englands Kolonialbesitz die unbedingte Fundierung -fr die englische Industrie und den englischen -Handel abgeben wrde, eine Tatsache, die zu denken -gibt, wenn nach dem Kriege die Frage der Vergrerung -des deutschen Kolonialbesitzes errtert werden wird</em>.</p> - -<p>Erst unter diesen Gesichtspunkten versteht man Englands -Kampf gegen eine weitere koloniale Bettigung des Deutschen -Reiches, versteht man weiter auch die imperialistischen Ideen Chamberlains. -Sie sind der Ausdruck eines gegen Deutschland gerichteten -Wirtschaftskampfes. Bereits im September 1897 schreibt Sir -Alfred Mond in der „Saturday Review” wrtlich: „Wenn Deutschland -morgen vernichtet wre, so gbe es in der Welt nicht einen -Englnder, der bermorgen nicht um so reicher wre. Vlker -haben jahrelang um eine Stadt, um ein Erbfolgerecht gekmpft. -Mten wir nicht um 250000000 jhrlichen Handels Krieg -fhren? Wenn England einst erwacht und sieht, was seine einzige -Hoffnung fr eine gedeihliche Zukunft ist, dann <em class="gesperrt">nieder mit -Deutschland</em>.” Das ist der Geist, der von dem Herstellungsgesetz -zu den Schiffahrtssubventionen, zum Patentgesetz, zur Vorzugsstellung -Englands gegenber seinen Kolonien, zu dem Tage -fhrte, wo England die Vlker der Erde in Sold nahm, um -Deutschlands wirtschaftliche Macht gewaltsam zu brechen, nachdem -es mit allen anderen Mitteln nicht gelungen war, Deutschland -von der zweiten Stelle der Weltwirtschaft zurckzudrngen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Unter dem Gesichtspunkt dieses Kampfes gegen Deutschlands -wirtschaftliche Stellung sind neben der Entfesselung des Weltkrieges -selbst diejenigen Manahmen mit zu buchen, die England -gegen Deutschland in dem jetzigen Weltkrieg ergriffen hat, um es -wirtschaftlich auf die Knie zu zwingen. Mehrere Gesichtspunkte -kamen fr England nach dieser Richtung in Frage, einmal die Abschneidung -Deutschlands von der Nordsee, um die Lebensmittelzufuhr -und damit die Ernhrung der deutschen Bevlkerung in -Frage zu stellen, zweitens die vllige Unterbindung der deutschen -Ausfuhr nach neutralen Lndern, soweit diese Ausfuhr durch England -kontrolliert werden konnte, drittens die Vernichtung der -deutschen Handelsflotte, viertens die Vernichtung seiner Guthaben -im feindlichen Ausland, vor allen Dingen in England selbst, fnftens -die Eroberung der deutschen Absatzmrkte whrend der Zeit der<span class="pagenum"><a name="Seite_31" id="Seite_31">[S. 31]</a></span> -Ausschlieung Deutschlands vom Weltverkehr, schlielich die Unterbindung -aller Zufuhr von Rohstoffen zur vlligen Lahmlegung der -deutschen Industrie.</p> - -<p>Wenn man diese Manahmen bersieht, wird man feststellen -mssen, da sie teilweise vllig wirkungslos geblieben sind, teilweise -den erhofften Erfolg nicht gehabt haben. Zunchst ist die Lebensmittelversorgung -Deutschlands nach menschlichem Ermessen, wenn -auch unter Einschrnkung des Verbrauchs, sichergestellt. Die deutsche -Wirtschaftspolitik hat uns in die Lage gesetzt, den grten Teil des -deutschen Bedarfes selbst zu erzeugen. Bis August dieses Jahres -ist Deutschland mit Lebensmitteln derart versorgt, da jede Hoffnung -des Feindes, eine Schwchung Deutschlands durch den Mangel -an Lebensmitteln herbeizufhren, als gescheitert anzusehen ist. Da -wir den Krieg nicht im eigenen Lande haben, sondern da unsere -Truppen verstanden haben, denselben in Feindesland hineinzutragen, -so da das deutsche Heer zum groen Teil durch Requirierung im -fremden Lande leben konnte, hat selbstverstndlich mit dazu beigetragen. -Hat doch erst krzlich der Berichterstatter einer neutralen Macht -das glnzendste Zeugnis deutscher Organisationsttigkeit darin erblickt, -da es den deutschen Militrbehrden in Frankreich gelungen -wre, die Versorgung der deutschen Armee mit Lebensmitteln ohne -Zufuhren aus Deutschland selbst durchzufhren!</p> - -<p>In bezug auf die Unterbindung unserer Ausfuhr nach dem -neutralen Ausland ist es England gelungen, einen teilweisen Erfolg -zu erzielen. Die Schiffe der Hapag und des Lloyd sind entweder in -die Kriegsflotte eingereiht oder liegen in neutralen Hfen, ein -Handel unter deutscher Flagge ist bei der gegenwrtig noch vorhandenen -Beherrschung der See durch England nur in geringem -Mae mglich. Andererseits hat sich aber bereits gezeigt, da die -vllige Unterbindung des deutschen Auenhandels sich nicht hat bewerkstelligen -lassen. Einmal kommt fr den deutschen Auenhandel -das Gebiet des verbndeten sterreich, ferner das Gebiet der neutralen -Staaten, Schweiz, Italien, die Balkanlnder und die Trkei -in Betracht, soweit nicht die Sorge um die eigene Volkswirtschaft -Ausfuhrverbote als notwendig erscheinen lie. Weiterhin sind -aber diejenigen Waren, die nicht Kriegskonterbande sind, zum Teil auf -neutralen Schiffen in das Ausland befrdert worden. Hat es -doch, worauf schon hingewiesen, beispielsweise durchgesetzt werden -knnen, da ohne Schwierigkeiten die Ausfuhr chemischer Produkte -nach Amerika unter amerikanischer Flagge und unter dem Schutz der<span class="pagenum"><a name="Seite_32" id="Seite_32">[S. 32]</a></span> -politischen Macht der Vereinigten Staaten erfolgt. Damit ist nicht -nur fr Deutschland die Mglichkeit der Ausfuhr seiner Chemikalien -gegeben, sondern es ist gleichfalls dafr eingetauscht worden die -Zusage der Vereinigten Staaten, da Baumwolle nicht Konterbande -sei, und nach der Erklrung des amerikanischen Botschafters Gerard -ist die von den Vereinigten Staaten festgesetzte Ausfuhr amerikanischer -Baumwolle nach Deutschland in Hhe von 50000 Ballen pro -Monat bestimmt worden, und bis zum 31. Dezember 1914 sind -bereits in Bremen 48617, in Rotterdam 69900 Ballen amerikanischer -Baumwolle angekommen. Gewi werden sich noch Schwierigkeiten -in bezug auf die Heranschaffung anderer Rohstoffe bemerkbar -machen, andererseits sind wir aber zum Teil dadurch dieser Schwierigkeiten -enthoben worden, da uns durch die Eroberung Belgiens und -die besetzten franzsischen Gebiete die gewaltigen dortigen Rohstoffbestnde -in den Scho gefallen sind, betrgt doch das besetzte -franzsische Gebiet, industriell berechnet, 40 % der gesamten in -Frankreich arbeitenden Maschinenkrfte. Bereits heute nach einem -beinahe einhalbjhrigen Kriege sehen wir, da es uns gelungen ist, -die Rohstoffversorgung Deutschlands annhernd sicherzustellen und -die berzeugung unserer verantwortlichen Stellen ist, da dies auch -whrend der ganzen Dauer des Krieges der Fall sein wird.</p> - -<p>Ebensowenig ist es England gelungen, die deutsche Handelsflotte -zu vernichten. Wre es vom ersten Tage an auf die Seite -unserer Gegner getreten, vielleicht htte es groe Erfolge nach dieser -Richtung hin erreichen knnen. So aber versuchte es in seiner alten -Heuchelei den Anschein des Friedensvermittlers zu erwecken, verhandelte -ber Belgiens Neutralitt, die ihm innerlich ganz gleichgltig -war, um dann als das moralische Gewissen der Welt in die -Arena zu treten. Herr Ballin wute, weshalb er die „Vaterland” von -Neuyork nicht abfahren lie, weshalb der „Imperator” im Hafen von -Hamburg liegen blieb. Wir wissen nicht, wie gro die Verluste sind, -die England unserer Handelsflotte zugefgt hat, wohl aber wissen -wir, wie gro der Inhalt derjenigen Schiffe ist, welche die „Emden” -aufgebracht hat, welche die „Karlsruhe” zum Sinken brachte und -welche durch andere Hilfskreuzer Deutschlands vernichtet wurden. -Auf 1,9 % der englischen Handelsflotte hat man im englischen -Parlament Ende 1914 die Verluste der englischen Handelsflotte -angegeben, sicherlich wird man dabei nicht zuviel gerechnet haben. -Legen wir aber selbst diese englische Berechnung zugrunde, so wurde -sich doch daraus allein ein Verlust von englischen Schiffen in Hhe<span class="pagenum"><a name="Seite_33" id="Seite_33">[S. 33]</a></span> -von etwa 250000 <span class="antiqua">t</span> ergeben. Im August 1914 sanken sieben -britische Dampfer mit 35742 <span class="antiqua">t</span>, im September 15 Dampfer mit -61055 <span class="antiqua">t</span>, im Oktober 22 Dampfer mit 89591 <span class="antiqua">t</span>. <span class="antiqua">Vivant sequentes!</span> -Seit dem 18. Februar 1915 ist Deutschland auf den Weg getreten, -den der Staatssekretr von Tirpitz in der Unterredung mit dem -Vertreter der <span class="antiqua">United Press</span> gewiesen und durch die Vernichtung -des „Bulwark” durchzufhren bereits begonnen hat, die feindlichen -Handelsschiffe durch seine Unterseeboote zu vernichten. Erfllen -sich die auf diese Aktion gesetzten Hoffnungen, dann wird -am Ende des Krieges voraussichtlich auf Englands Seite der -grere Verlust zu buchen sein. Deutschlands Handelsflotte hat -groe Einbue erlitten, aber da sie gro auch nach dem Kriege -dastehen wird, und da nach dem Kriege die grten Schiffe der -Welt nach wie vor unter deutscher Flagge fahren werden, liegt -nach dem ganzen Stand der Dinge klar zutage.</p> - -<p>Das meiste aber haben sich die Englnder von einem rcksichtslosen -Vorgehen gegen die deutschen wirtschaftlichen Interessen versprochen. -In England war kurz nach dem Ausbruch des Krieges -eine Verordnung in Kraft getreten, wodurch der Handel mit dem -Feinde verboten wurde. Keine Geldsumme durfte an den Feind -oder an feindliche Gesellschaften gezahlt werden, keine Vergleiche -geschlossen, keine Sicherheit fr die Zahlung einer Schuld gegeben, -keine Handlung zu seinen Gunsten, wie Trassieren, Akzeptieren usw. -begangen werden. Lebens- oder andere Versicherungen mit -oder zu Gunsten des Feindes konnten nicht abgeschlossen werden, -die Zufuhr von Waren oder der Bezug von Waren war ausgeschlossen. -Bestimmungen ber die vllige oder teilweise Beseitigung -von Patenten und Marken, die fr Deutschland geschtzt -waren, wurden getroffen. Die deutschen Unternehmungen in England -wurden unter staatliche Aufsicht gestellt und teilweise in gehssiger -Weise liquidiert.</p> - -<p>England hat weiter Manahmen getroffen, um nicht nur die -deutschen Unternehmungen in England lahmzulegen, sondern auch -alle englischen Betriebe, in denen Deutsche beschftigt waren, zur -Entlassung derselben gezwungen. Es hat die englischen Firmen von -den Vertragsverpflichtungen gegen Deutschland entbunden, es hat -die Hausbesitzer entbunden von der Verpflichtung der Einhaltung -der Mietsvertrge, und es hat vom ersten Augenblick an den -wirtschaftlichen Krieg gegen Deutschland auf eigenem Grund und -Boden in unfairer Weise gefhrt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Seite_34" id="Seite_34">[S. 34]</a></span> - -Deutschland ist mit Gegenmaregeln gegen England erst vorgegangen, -als die ffentliche Meinung dies gebieterisch verlangte. -Inwieweit die deutschen Interessen durch das Vorgehen Englands -geschdigt sind, lt sich bis heute noch nicht bersehen, unzweifelhaft -ist eine Schdigung der deutschen Volkswirtschaft dadurch herbeigefhrt -worden, da Forderungen an England uneinbringlich sind, -da somit deutsche Unternehmungen, die Geschfte mit England -treiben, heute ber Auenstnde verfgen, deren Einbringung derzeit -unmglich ist. Ebenso sind unzweifelhaft alle diejenigen Unternehmungen -geschdigt, welche in England domizilieren, und es -drfte keinem Zweifel unterliegen, da die Zahl der deutschen Gesellschaften -in England ebenso wie die Zahl der in England lebenden -Deutschen weit grer ist als die der in Deutschland lebenden Englnder -oder der englischen Unternehmungen in Deutschland.</p> - -<p>Schon heute zeigt sich aber, da Deutschland die Folgen dieser -Manahmen berwunden hat, und zwar berwunden durch die -Kreditorganisationen, die es sich bei Beginn des Krieges schuf und -die unter anderen in den begrndeten Kriegskreditbanken Unternehmungen -entstehen lieen, welche deutsche Forderungen gegen England -als Unterlage fr einen zu gewhrenden Kredit annehmen und -damit die englischen Manahmen zum Teil illusorisch machen. Bedauerlich -ist es, da in manchen Fllen die Gegenmanahmen -Deutschlands deshalb unwirksam bleiben muten, weil die deutscherseits -bestellten Staatskommissare sich mit einer allzugroen Anpassungsfhigkeit -nicht als Vertreter der deutschen Interessen, -sondern als Vertreter der ihnen unterstellten Gesellschaften fhlten. -Bedauerlich war ebenso die Bereitwilligkeit, manche englische Gesellschaften -in deutsche umzuwandeln, anstatt die Englnder, um -ein Wort Bismarcks anllich der Belagerung von Paris zu gebrauchen, -„in ihrem eigenen Fett schmoren zu lassen”. Wenn zeitweise -deutsche Staatskommissare auftraten, um die Forderungen -englischer Niederlassungen gegen deutsche Firmen einzutreiben, und -wenn deutsche Gerichte gar die von einer deutschen Firma erbetene -Frist von drei Monaten zur Bezahlung der Schuld nicht genehmigten, -und wenn bis heute nicht Vorsorge getroffen ist, da -man mindestens solche Forderungen mit Forderungen an England -zahlen kann, so zeigt das eine bedenkliche Lcke in unseren Gegenmaregeln, -die ebenso unbedingt ausgefllt werden mu, wie fr -einen Ausgleich zwischen deutschen Glubigern und Schuldnern -gegenber England Sorge zu tragen ist. Englands Ausfuhr nach<span class="pagenum"><a name="Seite_35" id="Seite_35">[S. 35]</a></span> -Deutschland betrug im Jahre 1913 (nach der deutschen Handelsstatistik) -876,1 Millionen Mark, die Einfuhr deutscher Waren nach -England 1438 Millionen Mark, die Ausfuhr Englands <em class="gesperrt">und seiner -Kolonien</em> nach Deutschland betrug jedoch im Jahre 1913 2090 Millionen -Mark, die Einfuhr deutscher Waren dahin 1849 Millionen -Mark. Nimmt man diese Zahlen als Grundlage, so wird man -immerhin erkennen, da durch die gegenseitig getroffenen Manahmen -doch auch die englischen Glubiger Deutschlands mitbetroffen -sind, so da sich auch hier deutsche Forderungen zum -Teil ausgleichen drften.</p> - -<p>Vllig versagt hat aber schlielich die Hoffnung Englands, -sich whrend der Zeit des Krieges gewissermaen die Kundschaft -Deutschlands — nebenbei vielleicht, wie bekannt gewordene englische -Offerten nach Sdamerika zeigen, auch die des mit ihm verbndeten -Frankreich — anzueignen und Deutschland vom Weltmarkt zu verdrngen. -Wenn man die Grundlagen der deutschen Beherrschung -des Weltmarktes sich vor Augen hlt, so mu man sich von vornherein -sagen, da eine Vernichtung des deutschen Handels gar nicht -mglich ist. Die Eigenschaften, welche dem Deutschen trotz mancher -Ungunst seine Stellung im Welthandel erobert hat, lassen sich -nicht in wenigen Monaten adoptieren. Wenn man in London unter -Vorsitz Lord Haldanes das Problem studieren will, wie man den -Vorsprung Deutschlands auf dem Gebiete der chemischen Industrie -wettmachen knne, wenn man Ausstellungen von deutschen Waren -veranstaltet, um die englische Industrie zur Nachahmung zu veranlassen, -so vergit man, da man den Vorsprung deutscher Wissenschaft -nicht durch Konferenzen einholen kann, und da man weiter -gegen die ganze konservative Natur des englischen Volkes ankmpfen -mte, wenn man es mit den Eigenschaften ausstatten -will, die dem deutschen Volk den Vorsprung geschaffen haben. -Fr die mit so groem Lrm angekndigte Grndung einer Anilinfarbenfabrik -mit 60 Millionen Mark Kapital fehlen die Aktienzeichner, -weil, wie aus dem Gutachten der Handelskammer in Leeds -und des Economist sich ergab, man sich dessen bewut ist, da mit -Kapital allein ein auf deutscher Wissenschaftlichkeit beruhender Vorsprung -nicht einzuholen ist. Ebenso drfte die in Aussicht genommene -bertragung der Leipziger Messe nach London oder Birmingham -ein frommer Wunsch bleiben. Leipzigs Weltstellung als Handelsplatz -ist durch jahrhundertelange Tradition ebenso begrndet wie -durch Deutschlands Stellung auf dem Weltmarkt, whrend Londons<span class="pagenum"><a name="Seite_36" id="Seite_36">[S. 36]</a></span> -Markt beispielsweise in bezug auf seine Stellung fr die Weltnotierung -vieler Metalle (Rohzink, Blei) sich nur auf die Tradition -berufen kann, whrend es in der Produktion hinter den Vereinigten -Staaten von Amerika und Deutschland steht. Auch die angekndigte -Entsendung von Handelssachverstndigen nach Deutschland und -sterreich-Ungarn, sowie die Veranstaltung von Ausstellungen -deutscher Erzeugnisse zum Zwecke der Nachahmung durch englische -Firmen, wie es in Birmingham geschah, drfte vergeblich sein. -Was den Englndern in bezug auf den Welthandel in Jahrzehnten -nicht gelungen ist, wird ihnen jetzt auch nicht gelingen. Zudem -darf England nicht vergessen, da ein Weltkrieg wie der jetzige -auch alle Vlker der Welt in Mitleidenschaft zieht, so da -nirgends eine starke Kaufkraft vorhanden ist, Neuinvestierungen -von Kapital, Vergrerung von Unternehmungen werden nicht -vorgenommen werden, solange der Weltkrieg tobt. So wie -mit einem Schlag alle Brsen der Welt ihre Ttigkeit einstellten, -weil der Pulsschlag des Wirtschaftslebens stockte, so wird -dies auch whrend der ganzen Kriegsdauer bleiben. Es kann sein, -da Deutschland nach Beendigung des Krieges vielleicht in den -feindlichen Lndern zu leiden hat unter einer gewissen Boykottstimmung, -die aus dem namentlich durch die Beherrschung des -Nachrichtendienstes durch England genhrten Ha hervorgeht, -da sich aber in den neutralen Lndern, namentlich nachdem sich die -Wahrheit ber den Krieg mehr und mehr durchsetzt, die Nachfrage -nach deutschen Waren in demselben Mae geltend machen wird -wie bisher. Aus Liebe fr uns hat uns noch niemand etwas abgekauft, -die Vlker haben uns das abgekauft, was sie mit demselben -Preis und in derselben Qualitt woanders nicht erhalten konnten. -Das war bisher so, das wird auch in Zukunft so bleiben.</p> - -<p>Andererseits leidet neben dem deutschen Auenhandel schon -jetzt der englische ganz gewaltig. In den ersten drei Monaten nach -Ausbruch des Krieges ist Englands Auenhandel um mehr als -zwei Milliarden zurckgegangen, bis zum 31. Dezember hat sich -diese Verminderung bis auf 3 Milliarden Mark, davon 1816 Millionen -Mark in der Ausfuhr gesteigert! Neben dem Ausfall des -2-Milliarden-Konsums Deutschlands aus England und seinen Kolonien -und der geminderten Kaufkraft der neutralen Lnder tritt vor -allen Dingen zutage, da die Wirkungen des Krieges sich in den -mit England verbndeten Lndern weit mehr zeigt als irgendwo in -der Welt. Ein nicht unbetrchtlicher Teil von Frankreich ist in<span class="pagenum"><a name="Seite_37" id="Seite_37">[S. 37]</a></span> -deutschem Besitz, und ganz Belgien ist ebenfalls von den Deutschen -besetzt, die gesamte englische Ausfuhr nach Belgien und Nordfrankreich -sowie nach den brigen besetzten Gebieten ist damit erledigt. -Aber auch das brige Frankreich, dessen Rentner jetzt ihre Zinszahlung -auf russische Papiere aus franzsischen Taschen erhalten, ist nicht mehr -in der Lage, groe Warenabschlsse mit England zu machen. Das -gleiche gilt auch von Ruland. Die Ziffer der Verringerung des -englischen Welthandels zeigt bereits mit Sicherheit, da England -sich auf abschssiger Bahn befindet und da seine Hoffnung auf Erringung -des Weltmarktes sich nach dieser Richtung nicht erfllen -wird. Andererseits sprt England, das uns aushungern wollte, -die Preissteigerung aller Lebensmittel in seinem Innern, dazu -steigen die Frachtraten, namentlich seit der Unterseebootsblockade, -ins Ungemessene, und schon erwgt man auch in England die Festsetzung -von Hchstpreisen. Dazu tritt Rohstoffmangel in Zink, Indigo, -Chemikalien und anderen Stoffen. Daher jetzt die malose Brutalitt, -mit der eine magebende englische Fachzeitschrift empfiehlt, da -die verbndeten Heere, sobald sie nach dem Rheinland vorgedrungen -sind, alle industriellen Unternehmungen Deutschlands derartig zerstren -sollten, da an einen Wiederaufbau derselben berhaupt nicht -gedacht werden knne. Ein Zeichen dafr, wie weit der wirtschaftliche -Neid in England die Triebfeder dieses Weltkrieges ist! — und ein -freundlicher Wunsch, dem zur Erfllung nur das eine fehlt, da die -verbndeten Heere auf deutschem Boden stnden und nicht die -Deutschen auf franzsischem. Die weiteren Hoffnungen, Deutschland -durch den Krieg selbst volkswirtschaftlich zu schaden, sind vllig zuschanden -geworden. Jeder von uns, der das stark pulsierende Leben -in Deutschland seit Ausbruch des Krieges miterlebt hat, wird sich -davon berzeugt haben. Die Arbeitslosigkeit ist dauernd zurckgegangen. -Manche groe Bezirke, und zwar nicht nur die Werksttten -von Krupp und die Werften in Wilhelmshaven, sondern -auch Industriebezirke wie Chemnitz, die zunchst unter dem Krieg -litten, arbeiten in angestrengtester Ttigkeit. Die Milliardenauftrge -der Militrlieferungen sind, wenn auch nicht immer in die -richtigen Hnde, so doch in ihrer Gesamtheit der deutschen Volkswirtschaft -zugute gekommen.</p> - -<p>Unsere gesamte Ausfuhr betrug 1913 etwas ber 10 Milliarden -Mark, schon heute aber sind 10 Milliarden Mark fr den Krieg bewilligt, -die in Auftrgen an die deutsche Industrie und die deutsche -Landwirtschaft wieder zum Ausdruck kommen, so da die Ausflle<span class="pagenum"><a name="Seite_38" id="Seite_38">[S. 38]</a></span> -des Auenhandels durch die Kriegslieferungen mehr als ausgeglichen -sind. Mgen die Staatsschulden des Reiches dadurch wachsen, die -deutsche Volkswirtschaft verliert nicht einen Pfennig von dieser -gewaltigen Summe, denn das Ausland ist an Militrlieferungen -nur in ganz geringem Mae beteiligt. Die vielen Millionen Mark -an Gehltern und Lhnen, die Summen, die von den deutschen -Truppen in die Heimat zurckgeschickt werden, haben zusammen -mit den staatlichen Untersttzungen die Kaufkraft der Bevlkerung -fast ungeschwcht erhalten, und wer das Leben und Treiben in den -Weihnachtstagen in den deutschen Grostdten sah, der konnte einen -Unterschied zwischen den Dezembertagen 1914 und denen von 1913 -fast berhaupt nicht finden.</p> - -<p>Wie stark die finanzielle Position Deutschlands ist, zeigt der -glnzende Erfolg der Kriegsanleihe, zeigt der fortgesetzt gesteigerte -Goldbestand der Reichsbank, der Ende Februar 1915 um 1 Milliarde -hher war als zu Beginn des Krieges, zeigt die Herabsetzung -des Reichsbankdiskonts um 1 % am Ende des Jahres. Wie -sehr auf der anderen Seite England gelitten hat, das geht aus den -verschiedensten Momenten hervor. Deutschland war Gro-Englands -groer Abnehmer mit 2090 Millionen Mark. Frankreich, Ruland -und Belgien haben insgesamt 1576,58 Millionen Mark sonst aus -England allein bezogen, auch diese Ausfuhr drfte, wie vorher ausgefhrt, -zum groen Teil verloren sein. Die ganze Textilindustrie -leidet unter der Nichtzufuhr deutscher Chemikalien ebenso wie unter -dem Ausbleiben pharmazeutischer Mittel, und von seinen Spindeln -feiern etwa die Hlfte. Die uerlich glnzende finanzielle Position -der Bank von England wird, wie Rieer ausfhrt, auf den richtigen -Stand zurckgefhrt, wenn man bedenkt, da die Erhhung -des Goldbestandes nicht etwa zu Stande gekommen ist durch den -englischen Markt, sondern durch berfhrung der Bestnde der -Nationalbank in Brssel sowie der Bank von Frankreich in Paris. -Der Umstand, da England gezwungen war, ein Moratorium einzufhren, -das Deutschland vermeiden konnte, der Umstand weiter, -da am 2. August der Diskont der Bank von England auf 10 % -erhht werden mute, da die Golddeckung der Noten der Bank -von England bis auf 15,8 % sank, zeigt am besten, wie ungeheuerlich -der Gedanke des Kriegs mit Deutschland den englischen finanziellen -Markt in Anspruch genommen hat. Die einzelnen finanziellen -Transaktionen Englands in bezug auf die Untersttzung seiner Verbndeten -durch Vorschsse, in bezug auf Deckung der englischen<span class="pagenum"><a name="Seite_39" id="Seite_39">[S. 39]</a></span> -Anleihe durch Vorschsse der Bank von England hat Rieer in -seinem Buch „England und wir” im einzelnen dargelegt, so da -sich ein nheres Eingehen an dieser Stelle erbrigt. Schon heute -aber sei das eine gesagt, da ebenso wie die ohne Grundlage festgehaltene -Tradition von Englands unberwindlicher Flotte durch -die Taten deutscher Kreuzer zerstrt worden ist, so auch die herrschende -Stellung der Bank von England zerstrt worden ist und -ebenso der Glaube an die Unerschtterlichkeit des englischen Wirtschaftslebens. -Schon steht Neuyork bereit da, um die Erbschaft -zu bernehmen; die „Times” selbst mu neutrale Lnder, welche -Kapital suchen, auf den amerikanischen Markt verweisen, und die -amerikanische Zeitschrift „<span class="antiqua">The Commercial and Financial Chronicle</span>” -attestiert den englischen Freunden, „da <em class="gesperrt">England</em> wegen -einer ganzen Reihe durch den Krieg hervorgerufener Vorgnge -<em class="gesperrt">sein Ansehen und seine finanzielle Kraft verloren -hat</em>”. Wie die Verhltnisse in Deutschland selbst auf England -wirken, zeigt der Bericht, den die „Daily Mail” unter dem -Titel „Deutschland von innen gesehen” von einem nach Deutschland -entsandten, wahrscheinlich amerikanischen Berichterstatter schreiben -lt, und der als Ergebnis seiner wochenlangen Beobachtungen die -Stimmung in Deutschland wie folgt niederschreibt: „Deutschland -zeigt das Bild eines groen Landes, geeint, wie es niemals frher -in seiner Geschichte gewesen ist, voll von Siegeszuversicht, weil es -entschlossen ist zu siegen und dafr organisiert ist, mit ungeheuren -und, wie es glaubt, unerschpflichen Hilfsquellen von Menschen -und Rstungsvorrten, nicht erschttert durch schwere Verluste, -nicht geschreckt und, abgesehen von wenigen Fllen, auch fast nicht -betroffen von dem wirtschaftlichen Druck der britischen Seeherrschaft. -Beherrscht von einem verzehrenden Ha gegen England, alle seine -geistige, krperliche und Willenskraft in den Kampf hineinschleudernd, -mit manchen Illusionen genhrt, aber auch gesttzt von demselben -Geist ausdauernder Opferwilligkeit, die Friedrich den Groen -triumphierend durch das glhende Gottesurteil des Siebenjhrigen -Krieges brachte. Wir mssen Deutschland in diesen Eigenschaften -der Khnheit und rcksichtslosen Ergebenheit, von denen es ein so -weithin leuchtendes Beispiel gibt, zunchst einmal gleichkommen -und dann es bertreffen.”</p> - -<p>Wir sehen somit als Ergebnis, da alle Versuche Englands, die -vor dem Kriege unternommen worden sind, um Deutschlands wirtschaftliche -Stellung auf dem Weltmarkte zu zerstren, abgeprallt sind<span class="pagenum"><a name="Seite_40" id="Seite_40">[S. 40]</a></span> -an der Leistungsfhigkeit der deutschen Volkswirtschaft. Nur das -Weltkolonialreich hlt England berhaupt noch die Stellung an der -Spitze des Welthandels. Sein Gesetz „<span class="antiqua">Made in Germany</span>” vernichtete -nicht die deutsche Warenausfuhr, sondern wurde ein Ehrenzeichen, sein -Patentgesetz vermochte Unbequemlichkeiten zu verursachen, ohne die -erhoffte Wirkung auszuben, seine Schiffahrtsubventionen brachten -ihm einen uerlichen Erfolg, der durch die groen deutschen Schiffe -lngst wettgemacht worden ist. Fr den verschlossenen Handel mit -seinen Kolonien fanden wir andere Absatzgebiete in der Welt, seine -Manahmen gegen uns waren Nadelstiche, die uns hier und da -trafen, die aber nicht in der Lage waren, das mchtige Gebude -der deutschen Volkswirtschaft zu schdigen. Es steht noch genau so -festgefgt da und wird so dastehen auch nach dem Kriege. Wir -werden neue Wege finden, wenn es England gelingen sollte, uns -einen Teil unseres Exportes abzunehmen; die Deutschen selbst werden -in Zukunft hoffentlich auf unntige fremdlndische Erzeugnisse gern -verzichten, und die Affenliebe des deutschen Volkes fr das Auslndische -um des Auslndischen wegen wird einen starken Sto erlitten -haben. In der Mglichkeit einer mitteleuropischen Zollverstndigung -ist die Mglichkeit gegeben, ein gewaltiges Wirtschaftsgebiet -von 120–150 Millionen Einwohnern dem <span class="antiqua">Greater -Britain</span> Chamberlains gegenberzustellen und dadurch jeden Schlag -zu parieren, der etwa von England geplant sein sollte.</p> - -<p>Auf politischem Gebiete aber mu dieser Krieg, der fr Deutschland -nur siegreich enden kann, wenn es berhaupt noch eine Moral -in der Weltgeschichte gibt, das Ende der Monopolstellung Englands -bringen. England in Schach zu halten ist unsere politische -Aufgabe, wenn wir der Welt die Freiheit des Wirtschaftskampfes -wiedergeben wollen, die unter Englands Monopolherrschaft heute -leidet. Wir erstreben fr uns keine Weltherrschaft, nicht die Unterdrckung -anderer Vlker, aber den freien Weg in die Meere, deutsche -Sttzpunkte fr die deutsche Flotte genau so, wie englische fr die -englische Flotte bestehen, weitere Ausdehnung des Kolonialbesitzes -und im brigen den freien Wettbewerb mit allen Vlkern der -Erde ohne einseitige Vorzugsstellung fr uns, aber auch ohne -Vorzugsstellung fr andere Lnder. Finden wir den Weg in diese -Freiheit, dann wird diese Freiheit, des sind wir sicher, in Zukunft -im Wirtschaftskampf zwischen England und Deutschland die erste -Stelle im Welthandel dem jungen deutschen Volke zuerkennen.</p> - - -<div class="transnote pagebreak p4"> -<h2 class="nopagebreak">Anmerkungen zur Transkription</h2> - -<p>Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen gebruchlich waren, wie:</p> - -<ul class="index"> -<li>Bedarfes -- Bedarfs</li> -<li>inneren -- Innern</li> -<li>Krieges -- Kriegs</li> -</ul> - -<p>Folgende nderungen wurden vorgenommen:</p> - -<ul class="index"> -<li>S. 16 „Kiautschau” in „Kiautschou” gendert.</li> -<li>S. 21 „Chikago” in „Chicago” gendert.</li> -<li>S. 21 „Rio Grande del Sul” in „Rio Grande do Sul” -gendert.</li> -<li>S. 36 „Sowie” in „So wie” gendert.</li> -</ul> - -</div> - -<p> </p> -<p> </p> -<hr class="full" /> -<p>***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ENGLANDS WIRTSCHAFTSKRIEG GEGEN DEUTSCHLAND***</p> -<p>******* This file should be named 50459-h.htm or 50459-h.zip *******</p> -<p>This and all associated files of various formats will be found in:<br /> -<a href="http://www.gutenberg.org/dirs/5/0/4/5/50459">http://www.gutenberg.org/5/0/4/5/50459</a></p> -<p> -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed.</p> - -<p>Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook -for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, -performances and research. They may be modified and printed and given -away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks -not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. -</p> - -<h2>START: FULL LICENSE<br /> -<br /> -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE<br /> -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK</h2> - -<p>To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license.</p> - -<h3>Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works</h3> - -<p>1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8.</p> - -<p>1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below.</p> - -<p>1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others.</p> - -<p>1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country outside the United States.</p> - -<p>1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:</p> - -<p>1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed:</p> - -<blockquote><p>This eBook is for the use of anyone anywhere in the United - States and most other parts of the world at no cost and with almost - no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use - it under the terms of the Project Gutenberg License included with - this eBook or online - at <a href="http://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you - are not located in the United States, you'll have to check the laws - of the country where you are located before using this - ebook.</p></blockquote> - -<p>1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.</p> - -<p>1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work.</p> - -<p>1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.</p> - -<p>1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License.</p> - -<p>1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm web site -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.</p> - -<p>1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.</p> - -<p>1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that</p> - -<ul> -<li>You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation."</li> - -<li>You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works.</li> - -<li>You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work.</li> - -<li>You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works.</li> -</ul> - -<p>1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The -Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm -trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.</p> - -<p>1.F.</p> - -<p>1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment.</p> - -<p>1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE.</p> - -<p>1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem.</p> - -<p>1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.</p> - -<p>1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions.</p> - -<p>1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. </p> - -<h3>Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm</h3> - -<p>Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life.</p> - -<p>Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org.</p> - -<h3>Section 3. Information about the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation</h3> - -<p>The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws.</p> - -<p>The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact</p> - -<p>For additional contact information:</p> - -<p> Dr. Gregory B. Newby<br /> - Chief Executive and Director<br /> - gbnewby@pglaf.org</p> - -<h3>Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation</h3> - -<p>Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS.</p> - -<p>The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit <a href="http://www.gutenberg.org/donate">www.gutenberg.org/donate</a>.</p> - -<p>While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate.</p> - -<p>International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.</p> - -<p>Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate</p> - -<h3>Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.</h3> - -<p>Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support.</p> - -<p>Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition.</p> - -<p>Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org</p> - -<p>This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.</p> - -</body> -</html> - diff --git a/old/50459-h/images/cover.jpg b/old/50459-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index fd8c843..0000000 --- a/old/50459-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/50459-h/images/logo.png b/old/50459-h/images/logo.png Binary files differdeleted file mode 100644 index 2aab58b..0000000 --- a/old/50459-h/images/logo.png +++ /dev/null |
