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-The Project Gutenberg eBook, Englands Wirtschaftskrieg gegen Deutschland,
-by Gustav Stresemann
-
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-
-
-
-Title: Englands Wirtschaftskrieg gegen Deutschland
-
-
-Author: Gustav Stresemann
-
-
-
-Release Date: November 15, 2015 [eBook #50459]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-
-***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ENGLANDS WIRTSCHAFTSKRIEG GEGEN
-DEUTSCHLAND***
-
-
-E-text prepared by Peter Becker and the Online Distributed Proofreading
-Team (http://www.pgdp.net) from page images generously made available by
-the Staatsbibliothek zu Berlin (http://staatsbibliothek-berlin.de)
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-Note: Images of the original pages are available through the
- Staatsbibliothek zu Berlin. See
- http://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht/?PPN=PPN76952186X
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- | Antiqua als ~antiqua~. |
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-ENGLANDS WIRTSCHAFTSKRIEG GEGEN DEUTSCHLAND
-
-Von
-
-DR. GUSTAV STRESEMANN
-
-Mitglied des Reichstages
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-[Illustration]
-
-Deutsche Verlags-Anstalt
-Stuttgart und Berlin 1915
-
-Alle Rechte vorbehalten
-
-Druck der
-Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart
-Papier von der Papierfabrik Salach
-in Salach, Württemberg
-
-
-
-
-
-
- Auf deiner Insel,
- neidisches England,
- du bist der Urfeind.
-
- Schmidtbonn
-
-Seit den Zeiten, in denen französische Eroberungslust unter Ludwig XIV.
-die deutsche Pfalz verwüstete, den Zeiten, von denen die Ruinen des
-Heidelberger Schlosses zeugen, gilt über Napoleon I. und seinen kleinen
-Namensträger Napoleon III. hinweg bis in die Zeiten der französischen
-Revanchepolitiker, der Augenblickserscheinung eines Boulanger und der
-Politik eines Delcassé, Frankreich schlechthin als der Erbfeind der
-deutschen Nation. Allen Deutschen war der Gedanke gegenwärtig, daß
-um das Deutsche Reich, welches auf den Schlachtfeldern errungen war,
-noch einmal auf den Schlachtfeldern gestritten werden müßte, um seine
-Existenz zu bewahren. Westwärts war der deutsche Blick in diesem Sinn
-gerichtet, und wenn in Stunden der Erinnerung an deutsche militärische
-Großtaten die Herzen sich weiteten und der Deutsche zum Ausdruck
-bringen wollte, daß er sein Vaterland schützen werde gegen jeden
-Angriff, der von außen käme, dann sprach er von der Wacht am Rhein und
-davon, daß Deutschlands schönster Strom mit dem Herzblut des deutschen
-Volkes verteidigt werden würde.
-
-50 Jahre des Friedens hat uns Moltke als das Höchstmaß dessen genannt,
-was uns beschieden sein würde, bis wir wieder zum Schwerte zu greifen
-hätten. Ehe noch dieses halbe Jahrhundert verflossen war, ist der
-Weltkrieg ausgebrochen, der gegenwärtig in allen Erdteilen Kämpfer
-aufruft. Von dem ersten Augenblicke an, in dem es klar war, daß wir
-diesen Kampf zu bestehen hätten, da scholl wie in alter Zeit die Wacht
-am Rhein aus den Kehlen der Deutschen. Aber die Augen und der Sinn
-richteten sich nicht so sehr gegen Westen hin, wo Frankreich seine
-Heere aufgestellt hatte, um Revanche zu nehmen für Sedan und Metz
-und den Einzug in Paris, auch nicht so sehr nach dem Osten hin, wo
-Millionenheere bereit standen, um über deutsche Gaue herzufallen, wie
-nach der Nordsee, nach England.
-
-Fast jeder der am Weltkrieg beteiligten Staaten hat in der Zwischenzeit
-Dokumente erscheinen lassen über den Ursprung des Krieges. Jeder sucht
-durch Zusammen Stellung von allerlei Beweisstücken die Verantwortung
-für den Ursprung des Krieges dem Gegner zuzuschieben. Für den
-Historiker späterer Zeiten werden diese Weißbücher und Gelbbücher,
-und wie sie alle genannt seien, ihren wenn auch bedingten Wert haben.
-Helfferich hat auf Grund einer Vergleichung dieser Dokumente das
-Wort von Rußland als dem Brandstifter dieses Krieges geprägt. Aber
-der Volksinstinkt, jene unwägbare Seelen Stimmung des Volkes, von
-der Bismarck einst sprach, hat längst erkannt, daß es sich in diesem
-Weltkrieg nicht handelt um die Mordtat in Serajewo und deren Sühnung,
-nicht handelt in erster Linie um russischen Expansionsdrang oder
-französische Revanchelust, sondern daß es den Kampf gilt zwischen
-England und Deutschland, einen Kampf um Leben und Tod, einen Kampf
-um Größe oder um Untergang, nicht herausgeboren aus völkischen und
-politischen Gegensätzen der Nationen, nicht herausgeboren aus dem
-Gefühl, empfangene Niederlage auf dem Schlachtfeld zu sühnen, sondern
-um einen Kampf, herausgeboren aus wirtschaftlichen Beweggründen, der
-als der gigantischste Wirtschaftskampf aller Zeiten dastehen wird und
-der im deutschen Volk lodernden Zorn mit vollem Recht deshalb ausgelöst
-hat, weil seine Motive letzten Endes in der aus dem Hochmutsgefühl
-der Weltherrschaftsbestimmung entspringenden Erregung gegen einen
-unbequemen Wettbewerber und in einem schrankenlosen Erwerbsdrang
-liegen. Das deutsche Gefühl, das seit Scharnhorsts Zeiten in dem
-Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht seine höchste Ehre sieht,
-wendet sich mit Verachtung hinweg von einem Land, das mit Söldnern
-seine Kriege führt, die alte Traumjörgnatur des Deutschen fühlt sich
-abgestoßen von der kühlen, rechnerischen Natur eines englischen
-Ministers, der davon spricht, daß dieser Kampf geführt werden muß bis
-zur letzten silbernen Kugel. Der Gegensatz Rom-Karthago steigt im 20.
-Jahrhundert erneut auf, und die Welt hält den Atem an, um zu sehen, wer
-in diesem Ringen Sieger bleiben wird.
-
-Mit dieser Stimmung des deutschen Volkes gegen England sind vor
-allem die weitesten Kreise der Industrie und des Handels einig.
-Als die Nachricht von der Niederlage Englands bei St. Quentin an
-der Börse zu Hamburg bekannt wurde, da spielten sich dort Szenen
-eines Freudenausbruches ab, die man dem korrekt steifen Hamburger
-Kaufmannsstand kaum zugetraut hätte. Um die Jahreswende 1914 hat die
-„Korporation eines ehrbaren Kaufmannes” zu Hamburg in einer Kundgebung
-an den deutschen Reichskanzler als Empfindung der Hamburger Kaufleute
-zum Ausdruck gebracht, „sie (die Hamburger Kaufleute) achteten nicht
-der Verluste an Geld und Gut zu einer Zeit, da alle Söhne und Brüder
-voller Begeisterung in einen Kampf ziehen, der für die Erhaltung des
-Vaterlandes geführt wird und der nach so schweren Opfern nicht eher
-beendet werden darf, als bis _die Zerstörer des Weltfriedens, vor allem
-das in seiner Kriegführung nicht nur dem Völkerrecht, sondern jeder
-Gesittung und Ritterlichkeit hohnsprechenden England_ gezwungen worden
-ist, Deutschland volle Freiheit in der friedlichen Weiterentwicklung
-seiner internationalen und wirtschaftlichen Kräfte zu gewährleisten”.
-
-In gleichem Sinne hat der Vorsitzende der Bremer Handelskammer,
-Lohmann, an demselben Tage als Vertreter dieser Handelsstadt mit
-ihren vielseitigen Verbindungen zu England und dessen Kolonien der
-staunenden Frage Ausdruck gegeben, wie blinder Geschäftsneid gegen
-die erfolgreiche Weiterentwicklung seines deutschen Wettbewerbers
-England zur Kriegserklärung gegen Deutschland veranlassen konnte. Zur
-Erklärung verwies er auf die Worte des englischen Admirals Monk bei der
-Zerstörung von Neu-Amsterdam, jetzt Neuyork: „Was wollen wir uns erst
-mit Gründen abgeben? Was wir brauchen, ist mehr von dem Handel, den
-jetzt die Holländer haben.”
-
-Beim 250jährigen Jubiläum der Hamburger Handelskammer klang es aus den
-Ansprachen Hamburger Kaufleute erneut heraus, daß Deutschland sich
-seinen Platz in der Welt von niemand nehmen lassen wolle, „von niemand,
-zum wenigsten von diesen Engländern, die diesen Krieg heraufbeschworen
-haben, von diesen Engländern, von denen Houston Stewart Chamberlain
-sagt, daß sie in ihrer Moral und als Staat morsch seien bis auf die
-Knochen. Neid und Niedertracht haben diesen Krieg hervorgerufen, weil
-wir es in der Welt, in Handel, Schiffahrt und Industrie vorwärts
-gebracht haben, weil wir fleißig gewesen sind und etwas gelernt haben.”
-Aus den Kreisen der deutschen Flotte klingt es noch stärker heraus:
-„Mit allen Fasern unseres Herzens müssen wir danach trachten, England
-zu vernichten. Wenn je ein Haß berechtigt war, so ist es der gegen
-England. _England niederzuwerfen ist geradezu eine Kulturtat_,” so
-sprach Vizeadmiral v. Kirchhoff in Gegenwart des Königs von Sachsen
-unter allgemeiner Zustimmung in Dresden.
-
-Daß in diesem Ringen nach allen Seiten hin sich alter deutscher
-Waffenruhm bewähren würde auf dem Gebiet der Heereskämpfe, das hat
-niemand anders erwartet, daß er sich so herrlich bewähren würde auf
-dem freien Meere, das ist vielen in der Welt überraschend gekommen,
-während allerdings demjenigen, der die zielbewußte Arbeit der
-deutschen Flotte seit Jahren beobachtet hatte, von vornherein vor
-Augen stand, daß sie in glänzender Weise ihre Pflicht erfüllen würde.
-Mit liebevoller Anteilnahme ist der Deutsche den Waffentaten unserer
-jungen Flotte gefolgt, kann sich doch trotz allem, was an Poesie
-vergangen ist, seitdem die hohen Masten und Segel ersetzt worden sind
-durch die nüchternen Schornsteine, die Phantasie vielmehr knüpfen
-an den schlanken Rumpf eines Schiffes, das einen Namen trägt, der
-gewissermaßen Persönlichkeit verleiht, als wenn im Kampf der Millionen
-gegen die Millionen die Bedeutung der Einzelpersönlichkeit und der
-Ruhm einzelner Regimenter sich verliert und nur wie leuchtende Sterne
-Namen einzelner Heerführer hervorleuchten. Die kühnen Fahrten deutscher
-Unterseeboote, der Sieg des deutschen Geschwaders an der chilenischen
-Küste und sein heldenhafter Untergang an den Falklandsinseln, der
-prächtige Durchbruch der „Goeben” und der „Breslau” aus der Bucht von
-Messina, die Fahrten deutscher Schiffe an Englands Küste, die von
-Romantik umwobenen Taten der „Emden” und der „Karlsruhe”, davon wird
-man noch singen und sagen in späten Zeiten. Noch ist in dem Augenblick,
-in dem diese Zeilen niedergeschrieben werden, keine Entscheidung des
-Krieges gefallen, aber eines steht schon heute fest, daß etwas zugrunde
-gegangen ist, worauf Englands Weltherrschaft in der Welt zum größten
-Teil beruhte, daß zugrunde gegangen ist die Tradition von Englands
-Unüberwindlichkeit zur See, zugrunde gegangen die Tradition von
-Englands unüberwindlicher Flotte. Mit nüchternen Worten hat der Leiter
-der größten Dampfschiffreederei der Welt, hat Herr Ballin derjenigen
-englischen Zeitung, die ihm Kleinmut sowie den Ausspruch andichtete,
-daß die Möglichkeit eines erfolgreichen Ausganges des Kampfes gegen
-England ausgeschlossen sei, gesagt: „Meines Erachtens ist England
-heute schon besiegt, denn ein England, das in einem solchen Kriege
-seine Flotte versteckt und sich nicht mehr aufs Meer hinaus traut, hat
-aufgehört, das alte England zu sein. Es hat vor allen Dingen sich damit
-ein für allemal des Rechts begeben, mitzusprechen, wenn es sich um
-eine Frage des europäischen Gleichgewichts handelt.”
-
-Besser als alle Lügen der Gegner hat der Kanonendonner an der
-chilenischen Küste die Möglichkeit dieses Sieges gezeigt. Dem
-endgültigen Sieg in großer, entscheidungsvoller Stunde sehen die
-deutschen Herzen sehnsuchtsvoll erwartend entgegen.
-
-Aber der Kampf zwischen England und Deutschland wird auch auf anderem
-Gebiet entschieden, auf dem Gebiete des Wirtschaftskampfes beider
-Völker, und von diesem Wirtschaftskampf, von seinen Ursachen, seinen
-Mitteln und seinem voraussichtlichen Ausgange soll die Rede sein in
-diesen Blättern.
-
- * * * * *
-
-Die Entwicklung des Wirtschaftskampfes zwischen England und Deutschland
-fällt erst in die Zeit nach Errichtung des Deutschen Reiches und nach
-seinem gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung, der zusammenfassend
-niedergelegt worden ist einmal in der seinerzeitigen Denkschrift über
-die Entwicklung der deutschen Seeinteressen, die das Reichsmarineamt um
-die Wende des 20. Jahrhunderts herausgab, und erneut zutage trat in den
-Veröffentlichungen, die anläßlich des Regierungsjubiläums erschienen
-sind. Ich denke an die Schrift von Helfferich über den Volkswohlstand
-Deutschlands, ferner an die hervorragende Zusammenstellung, welche
-Dr. Hjalmar Schacht, der Direktor der Dresdener Bank, über die
-wirtschaftlichen Kräfte Deutschlands verfaßt hat, an Steinmann-Buchers
-verdienstvolle, aufklärende Schriften und die wertvollen Arbeiten in
-den vielen politischen und wirtschaftlichen Rückblicken jener Tage. Die
-Ziffern, die in genannten volkswirtschaftlichen Schriften niedergelegt
-sind, stellen das Endergebnis einer Entwicklung von Jahrzehnten dar,
-einer Entwicklung, die unmöglich gewesen wäre ohne die politische
-Einheit, zu welcher das Deutsche Reich sich 1870 emporgerungen hatte,
-als der deutsche Idealismus der Frankfurter Paulskirche sich mit der
-Realpolitik Bismarcks vermählte.
-
-Es ist ein weiter Weg, der von den Tagen, in denen in der
-schwarzrotgoldenen Begeisterung der deutschen Jugend zum erstenmal
-der Gedanke der deutschen Freiheit und Einheit aufflammte, bis zum
-18. Januar 1871, wo durch eine Politik von Blut und Eisen das junge
-Reich geschmiedet wurde, auf deren Notwendigkeit vor dem Realpolitiker
-Bismarck bereits selbst einer der achtundvierziger Sturmgesellen,
-Gottfried Kinkel, in seiner Verteidigungsrede vor den Geschworenen
-hingewiesen hatte. Wir haben in den letzten Jahren die Gedenkfeiern
-begangen an die deutschen Freiheitskämpfe. Wir haben das gigantische
-Denkmal auf Leipzigs Fluren, das in markiger Weise zum Ausdruck bringt,
-was damals namentlich das preußische Volk geleistet hat, errichtet. Es
-ist selbstverständlich, daß preußisch-deutsche Auffassung diese Zeiten
-und Kämpfe ansieht als die Erlösungskämpfe vom Joche Napoleons I., daß
-sie deshalb in dem Zusammenbruch der militärischen Macht des großen
-Eroberers auch den Sieg begrüßte, durch den die französische Herrschaft
-auf deutschem Boden zerstört wurde. Die deutsche Schulerziehung
-stellt Napoleon I. als einen gewalttätigen Eroberer hin, der sich nur
-wohlfühlte in einem Meer von Blut, der von Krieg zu Krieg schritt, bis
-seine Kräfte im russischen Eise erstarrten, bis das niedergedrückte
-preußische Volk sich mit Einsetzung aller Kräfte gegen den Eroberer
-erhob. Wir wissen heute aus den Schriften von Lenz und von anderen,
-daß dieses Bild, wenn es so gezeichnet ist, gewaltige Verzerrungen
-aufweist. Wir wissen, daß der Mann, der den Code Napoleon schrieb, der
-ein gewaltiger Verwaltungskünstler war, der Mann, in dessen Kopf zuerst
-der Gedanke der Wertzuwachssteuer entstand, der auch den König von
-Preußen 1806 noch warnte, den Kampf gegen ihn aufzunehmen, trotzdem er
-seines Sieges gewiß war, nicht den Krieg um des Krieges willen führte,
-und wir wissen auch, daß das ihm vorschwebende gewaltige Ziel nicht die
-dauernde Unterdrückung Deutschlands-Preußens, sondern die Aufrichtung
-der Hegemonie Frankreichs über England war.
-
- „Zwo gewaltige Nationen ringen
- um der Welt alleinigen Besitz,
- aller Länder Freiheit zu verschlingen,
- schwingen sie den Dreizack und den Blitz.
- Seine Handelsflotten streckt der Brite
- gierig wie Polypenarme aus,
- und das Reich der freien Amphitrite
- will er schließen wie sein eignes Haus.”
-
-Mit diesen Worten hat Schiller das anbrechende 19. Jahrhundert
-geschildert. Gerade in der Gegenwart hat die Erinnerung an diesen
-Weltkampf erneuten Reiz gewonnen. Welche Bilder steigen vor unserem
-Geiste auf! Das Bild Napoleons, der in Ägypten angesichts der
-tausendjährigen Pyramiden Englands Weltherrschaft hier an ihrer
-empfindlichsten Stelle treffen wollte, und der Napoleon, der im Lager
-von Boulogne sur Mer seine Transportschiffe liegen hat, um sein Heer
-nach England überzusetzen, und der seitdem von England in einen Krieg
-um den anderen gehetzt wird: „Soldaten,” so ruft er aus in den Tagen
-von Boulogne sur Mer, „wir können nicht nach England gehen, denn das
-Gold der Engländer hat den Kaiser von Österreich bewogen, uns den
-Krieg zu erklären.” Und wiederum der Napoleon, der auf St. Helena zu
-dem getreuen Las Cases sagte, daß England ihm niemals den Besitz von
-Belgien verziehen habe, der _Antwerpen_ -- allerdings das Antwerpen
-mit der freien Scheldemündung -- _die auf die Brust Englands gesetzte
-Pistole_ nennt, und der Napoleon der Kontinentalsperre, der England da
-treffen will, wo es am empfindlichsten ist, in seiner wirtschaftlichen
-Existenz. England führte damals genau so wie heute den Kampf mit seinen
-Söldnertruppen, vor allem aber mit den Truppen anderer Nationen,
-überall waren seine Subsidien zu haben, wo es gegen Frankreich galt.
-Es bekämpfte in Frankreich die damals zweitstärkste Kontinentalmacht,
-es hatte, wie Bülow in seinen Ausführungen über die auswärtige Politik
-sagt, schon dem Gesandten Ludwigs XIV. gegenüber ein Bündnis mit
-Frankreich verweigert, weil diesem Bündnis eine bedenkliche Tatsache
-gegenüberstände, nämlich die Tatsache, daß Frankreich sich eine eigene
-Flotte bauen wolle. Die Subventionen an Friedrich den Großen im
-Siebenjährigen Kriege galten nicht dem emporstrebenden Preußen, sondern
-dem gegen Frankreich kämpfenden König, den es übrigens, sobald es
-seine Interessen erforderten, in der rücksichtslosesten und brutalsten
-Weise im Stiche ließ. Als Napoleons Macht zusammengebrochen war, als
-er selbst in seinem Brief an den König von England Themistokles gleich
-den Küsten seines mächtigsten Gegners sich nähert, da war zwar die
-englische Staatsschuld auf 16 Milliarden Mark gewachsen, aber Englands
-Weg zur unbedingten Weltherrschaft im 19. Jahrhundert gesichert.
-
-Was haben die Gegner Napoleons nach den Siegen von 1813/15 erreicht?
-Preußen erhielt wohl seinen alten Gebietsumfang, aber nicht seine alten
-wirtschaftlichen Kräfte. Die Phrase, daß man den Kampf gegen Napoleon
-und nicht gegen das französische Volk führte, hat sogar im ersten
-Pariser Frieden noch dazu geführt, daß man eine Kriegsentschädigung
-von Frankreich nicht gefordert hat. Erst als der Gefürchtete von Elba
-zurückkam, als sein „Adlerflug” ihn von der französischen Küste bis
-nach Paris trug, als die Monarchen sich erneut an ihr Volk wenden
-mußten und als daraufhin der alte Blücher und der große Staatsmann, der
-Freiherr vom Stein, Bewegungsfreiheit erhielten, da wurde nach langem
-Feilschen auch eine Kriegsentschädigung erreicht, die aber bei weitem
-nicht Preußen für das zu entschädigen vermochte, was es in der Zeit von
-1806 bis 1813 hatte leiden müssen. Hat doch Napoleon I. nach seinen
-eigenen Mitteilungen fast 1 Milliarde Mark aus Preußen herausgepreßt;
-noch beinahe bis in die Gegenwart haben preußische Städte abzahlen
-müssen von den Anleihen, die sie gemacht hatten, um die Forderungen
-Napoleons erfüllen zu können. Preußen war nach den Freiheitskriegen
-ein armes Land. Als das Rheinland wieder zu Preußen kam, da sagte
-der alte Schaaffhausen in Köln: „O je, da heiraten wir in eine arme
-Familie hinein.” Elsaß-Lothringen blieb französisch, vergeblich hat
-Freiherr vom Stein versucht, dieses deutsche Land Deutschland wieder
-zuzuführen, vergeblich war der Versuch, die einstige Westmark des
-Reiches, das belgische Gebiet, dem Deutschen Reiche wiederzugewinnen.
-Deutschland, Österreich und Rußland erhielten nichts anderes als ihre
-alten Grenzen, England aber erhielt durch die Niederlage Napoleons die
-Schlüssel der Weltherrschaft. Verständlich ist deshalb der Jubel, mit
-dem Blücher empfangen wurde, verständlich, daß im Londoner Parlament
-das Bild hängt, das Blücher zeigt, wie er mit seinen Truppen auf dem
-Schlachtfeld von Belle-Alliance eintrifft, um den Sieg an die Fahnen
-der schon halb niedergebrochenen englischen Regimenter zu knüpfen.
-
-Denn wer wollte England die Weltherrschaft streitig machen? Frankreich
-war nach den napoleonischen Kriegen zusammengebrochen und mußte jedem
-imperialistischen Gedanken entsagen. An eine große französische
-Flotte war nach der Schlacht von Trafalgar gar nicht zu denken.
-Rußland besaß keinen Weltbeherrschungsdrang, in Deutschland sorgte
-der Dualismus zwischen Österreich/Süddeutschland auf der einen und
-Preußen/Norddeutschland auf der anderen Seite dafür, daß sie sich
-gegenseitig die Wage hielten, und daß Zersplitterung und Kleinstaaterei
-jeden Drang nach deutscher Größe und jede Anknüpfung an die alte
-Hansezeit verhinderte. Dänemark, dessen Flotte England in räuberischer
-Weise im Jahre 1800 hinweggeschleppt hatte, als es die unbefestigte
-Stadt Kopenhagen mitten im Frieden beschoß, Holland, Spanien oder
-Portugal waren Staaten zweiten oder dritten Ranges. Der Weg zur
-Weltherrschaft stand England frei, und es verstand ihn auszunutzen.
-
-Wie England dies tat, zeigt zunächst die gewaltige Entwicklung, die
-sein Kolonialbesitz seit seinen Kämpfen mit Frankreich genommen
-hat. Dr. Hennig hat in seinem Buche „Unser Vetter Tartuffe, oder
-wie England seine Kolonien erwarb”, diese Entwicklung englischer
-Kolonialherrschaft geschildert. 1763 war Kanada englisch geworden, im
-Pariser Frieden fielen ihm außer Kanada noch Grenada, St. Vincent,
-Dominica, Tobago und das ganze ehemalige französische Senegalgebiet zu.
-Als die Franzosen unter Napoleon Holland eroberten, rächte sich England
-dafür, indem es die Kapkolonie, Malakka und das westliche Sumatra den
-Holländern raubte. 1796 kam Ceylon hinzu. Den Spaniern, als Frankreichs
-Verbündeten, nahm es Puerto Rico und Trinidad. Wenn auch einige der
-geraubten Inseln und Besitztümer zurückgegeben werden mußten, so
-konnte England 1802 doch die für die Beherrschung des Weltmeeres
-äußerst wichtige Insel Malta behalten. 1809 wurde Martinique, das
-vorher zurückgegeben worden war, von neuem besetzt, Guadeloupe, Ile de
-France, die Seychellen folgten. Helgoland, das Kaiser Wilhelms weise
-Voraussicht uns wieder zuführte, wurde 1808 den Dänen entrissen.
-
-Als Frankreich durch Napoleons Niederlage aus der Rivalität mit
-England ausschied, begannen die Unternehmungen in Ostindien, 1826
-war ein zusammenhängendes Gebiet von 3 Millionen Quadratkilometern
-in Ostindien in englischem Besitz. Bald darauf ging es in seinen
-Eroberungszügen gegen Hinterindien vor. Australien wurde gegen 1830
-England einverleibt. Es folgten der Kampf um Englands Einfluß in
-Persien und Afghanistan, der Opiumkrieg mit China, der unmoralischste
-Krieg, den die Welt je gesehen hat, in dem an England im Frieden
-von Nanking die Insel Hongkong und im Frieden 1860 weitere Gebiete
-fielen. -- In Afrika wurde Aden 1839 genommen. Der Suezkanal, den Lord
-Palmerston zunächst als das größte Schwindelunternehmen des ganzen
-Jahrhunderts kennzeichnete, wurde unter englischen Einfluß gestellt,
-in Südafrika die Buren von einem Treck zum anderen getrieben, bis sie
-zu Anfang des 20. Jahrhunderts in Transvaal und der Oranjerepublik
-sich unabhängige Gebiete sichern konnten, aber nur so lange, bis die
-Gold- und Diamantenfunde die englische Raubsucht erweckten und zur
-Niederringung der Freiheit auch dieser Staaten und zu südafrikanischen
-Kolonien unter des Spaniers Botha unterwürfiger Herrschaft führten.
-Von Süden und Norden drang englische Eroberungssucht vor. Frankreich
-mußte in Faschoda erkennen, was es heißt, England auf diesem Wege
-entgegenzutreten. Zypern wurde als Belohnung für die Neutralität im
-Russisch-Türkischen Krieg 1878 eingesteckt, 1882 wurde das englische
-Protektorat über Ägypten mit einer Scheinfreiheit des Khediven und
-einer Scheinoberhoheit des Sultans errichtet. Im Sudan drang man
-weiter vor. Wituland und Sansibar ließ man sich von Deutschland im
-Sansibarvertrag abtreten. Durch Uganda wurde 1899 der Zusammenhang
-des britischen Reiches in Nordafrika sichergestellt, der große
-imperialistische Traum von Cecil Rhodes einer Bahn von Kapstadt nach
-Kairo nur durch englisches Gebiet näherte sich seiner Verwirklichung,
-nur Deutsch-Ostafrika lag dazwischen. In Asien wurde schließlich die
-wichtige Bucht von Wei-hai-wei erworben, mit Rußland verständigte
-man sich über die Interessensphäre in Persien, der unter deutschem
-Einfluß stehenden Bagdadbahn suchte man das wichtigste Schlußstück
-englischerseits zu versperren, und so sah die Welt, als das 19.
-Jahrhundert seinem Ende sich zuneigte, ein ungemessenes englisches
-Kolonialreich in allen Erdteilen; Kanada und Indien, Australien,
-Kapland, Ägypten und die wertvollsten Inseln der Erde waren in den
-Händen von England, seine Flotte die größte der Welt, die Meeresstraßen
-unter seiner Kontrolle, seine Handelsflotte unerreicht, sein Welthandel
-an der Spitze aller Völker, sein Wort das wichtigste auf allen
-Konferenzen, die über politische Geltung entschieden. So stand es im
-wesentlichen schon da, als das junge Deutsche Reich erst in seine
-Erscheinung trat.
-
-Was aus diesem jungen Deutschen Reiche geworden ist in den 44 Jahren
-seit seiner Begründung, das ist es, was Englands Haß und Eifersucht
-erweckte, was es veranlaßte, seinen ganzen Einfluß gegen Deutschland
-zu wenden, und was es auch veranlaßte, den wirtschaftlichen Kampf
-gegen Deutschland schon früher als in diesem Kriege zu beginnen. Drei
-Faktoren waren es, die Englands Argwohn erregten: die Entwicklung einer
-deutschen Kolonialpolitik, die Entwicklung einer deutschen Flotte,
-drittens aber und vor allem die Entwicklung der deutschen Industrie und
-des deutschen Welthandels.
-
-Unser deutscher Kolonialbesitz sollte an sich, wie man wohl annehmen
-könnte, keine Veranlassung zur Eifersucht geben. Wir sind erst spät
-eingetreten in die Kolonialentwicklung der Völker. Alte Tradition
-wies uns zwar darauf hin; der große Ahnherr Kaiser Wilhelms II.,
-der unserem jetzigen Herrscher innerlich wohl auch am meisten vor
-Augen schwebt, der Große Kurfürst, hatte versucht, Kolonialpolitik
-zu treiben, Emden zu einem großen Handelshafen zu machen und die
-brandenburgisch-preußische Handelsflagge auch in fernen Ozeanen
-aufzupflanzen. Nur wenig geschichtliche Erinnerung ist uns davon
-geblieben, die Meeresgeltung hatte man wohl gesehen zu den Zeiten
-der Hansa und des Stahlhofes in London, in den Niederlassungen der
-deutschen Handelshäuser in Genua und Venedig. Das alles war später
-zugrunde gegangen, als mit dem brudermörderischen Dreißigjährigen Krieg
-Deutschlands Wohlstand dahinsank. Seitdem war bis in die Mitte des 19.
-Jahrhunderts der deutsche Handel vor allen Dingen auf die Befriedigung
-des eigenen Bedarfes im inneren Wirtschaftsgebiet angewiesen.
-Noch 1850 hatte der ganze auswärtige Handel Deutschlands nur eine
-Milliarde Mark betragen. Zwar bedeutete der Deutsche Zollverein eine
-Tat, und die Tage, an denen zuerst die Zollgrenzen in Deutschland
-fielen, haben der Entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens neue
-Bahnen gewiesen, aber vermessen wäre es wohl erschienen, an eine
-weltwirtschaftliche Stellung Preußen-Deutschlands damals zu denken.
-Die Gedanken eines Friedrich _List_, der mit geradezu prophetischem
-Seherblick Deutschlands Bestimmung zur Welthandelsmacht erkannte und
-bis zum Ende seines Lebens den geistigen Wirtschaftskampf Deutschlands
-gegen England führen wollte, eilten den Taten seiner Zeit voraus.
-Wohl weisen die Werke Rheinland-Westfalens den Weg für eine gewisse
-Emanzipation des inneren Marktes von der englischen Werkstatt der
-Welt, aber auch wirtschaftlich gilt zunächst Dingelstedts entsagendes
-Wort: „Uneins zu Haus, nach außen klein.” Das alles wird anders
-mit der Gründung des Reiches und den dadurch geweckten Kräften.
-Auch Bismarck sah Deutschlands Bestimmung vor allem in seiner
-kontinentalen Macht und sprach sich noch 1871 scharf gegen den Erwerb
-von Kolonien aus. Trotzdem zeigt die Schwenkung, welche die deutsche
-Wirtschaftspolitik im Jahre 1879 machte, schon die Anfänge einer
-Politik, welche bewußt darauf hinarbeitete, der deutschen Industrie
-die Unabhängigkeit vom Ausland, namentlich aber von England zu
-schaffen und zugleich den Wettbewerb nach außen aufzunehmen, ohne sich
-dabei aber einseitig auf exportindustrielle Entwicklung zu stützen,
-vielmehr unter bewußtem und folgerichtig durchgeführtem Schutz der
-landwirtschaftlichen Entwicklung. Als deutscher Unternehmungsgeist in
-Südwestafrika vordringt, hält Bismarck seine schützende starke Hand
-über Lüderitz und Dr. Carl Peters, trotz Gladstones sauertöpfender
-freundnachbarlicher Abmahnung, und schafft uns damit Deutsch-Ostafrika
-und Deutsch-Südwestafrika.
-
-Die weitere Entwicklung unserer kolonialen Unternehmungen ist bekannt.
-Zusammenhanglos war unser afrikanischer Besitz, vier Gebiete, nicht
-verbunden, jedes eine andere Eigenart, dazu der wenig wertvolle
-Besitz im Südseearchipel, lediglich in den Samoainseln die Gewähr
-einer gewissen Entwicklung in sich bergend, und hierzu noch der Platz
-an der ostasiatischen Sonne, Kiautschou, das uns Fürst Bülow erwarb.
-Über 20 Jahre hindurch ist die Entwicklung der deutschen Kolonien auch
-wirtschaftlich eine ziemlich sterile gewesen. Erst die Dernburgsche
-Ära hat dem deutschen Volke den Kolonialgedanken nähergebracht und
-vor allen Dingen auf die wichtige wirtschaftliche Bedeutung der
-deutschen Kolonien, vor allem hinsichtlich der mangelhaften deutschen
-Rohstoffversorgung, hingewiesen. Ein frischer Zug ging seitdem durch
-unsere koloniale Entwicklung, namentlich auch in ihrer Erschließung
-durch Eisenbahnen, und die zielbewußte Arbeit unserer Kolonialpolitik
-kommt in den 682 Millionen des Gesamthandels unserer Kolonien im
-Jahre 1913 zum Ausdruck. Nur ein kleiner Prozentsatz des deutschen
-Welthandels war es, was der Handel der Kolonien mit Deutschland
-ausmachte, nur wenig Stützpunkte für die Fundierung der deutschen
-Ausfuhr, für die Versorgung mit den unentbehrlichen Rohstoffen, nur
-geringe Absatzgebiete für die deutsche Industrie, von der immer größere
-Arbeitermassen abhängig wurden. Dabei ohne Schutz einer starken
-deutschen Flotte, nur mit einem allerdings jährlich sich verringernden
-Zuschuß aus dem deutschen Staatssäckel zu erhalten, alles in allem
-kein großer Wert gegenüber dem englischen Kolonialbesitz, mehr
-Zukunftshoffnungen, deren Erfüllung allen, die fest und mit Freudigkeit
-an die deutsche Kolonialpolitik glaubten, zwar sicher erschien, die
-aber keinen Gegenstand des Neides für ein Volk bieten konnten, das
-in einem Kolonialbesitz von über 30 Millionen Quadratkilometer mit
-einer Bevölkerung von etwa 400 Millionen Menschen über den größten
-Kolonialbesitz der Welt gebot.
-
-Trotzdem sahen wir die Geschichte der neuesten Zeit erfüllt von
-dem heftigsten Widerstreben Englands gegen diesen Besitz und seine
-Entwicklung. Wenn irgendwo ein Gerücht auftauchte, daß Deutschland
-eine Kohlenstation oder einen Flottenstützpunkt erwerben oder seinen
-Kolonialbesitz vergrößern wolle, wurde die öffentliche Meinung in
-England aufgepeitscht. Wie fanden sich alle die Verbündeten von 1914
-schon früher zusammen, wenn Deutschland versuchte, in Marokko festen
-Fuß zu fassen, oder davon gesprochen wurde, daß bei der Liquidierung
-des portugiesischen Kolonialbesitzes auch Deutschland entscheidend
-mitbeteiligt sein müsse, wenn irgendwo von der Erwerbung belgischen
-Kongogebietes durch Deutschland die Rede war oder der deutsche
-Botschafter in Konstantinopel darauf hinwies, daß in Kleinasien auch
-Lebensinteressen des deutschen Volkes zur Frage ständen. Die Konferenz
-von Algeciras zeigte ebenso wie die letzte Marokkokrisis, daß England
-gewillt war, jede Weiterentwicklung Deutschlands auf diesem Gebiete als
-Kriegsfall zu betrachten. Das hörte man heraus aus den Reden englischer
-Minister, die mit dem Munde die deutsche Flotte in 48 Stunden
-vernichten wollten; dies trat schon früher in den Tischreden englischer
-Minister zutage, die man sich im Deutschen Reichstag mit Recht verbat.
-
-Nur nach einer Richtung hin konnte man Englands Unwillen verstehen: in
-bezug auf Ostafrika, das wie ein Keil zwischen dem Nord- und Südafrika
-Englands lag, das es unmöglich machte, die Bahn Kapstadt-Kairo nur
-durch englisches Gebiet zu führen. Trotzdem ist der Widerstand
-Englands seit den ersten Worten Gladstones gegen die deutsche
-Kolonialpolitik bis in die Gegenwart der deutschen kolonialen Tätigkeit
-nur zu verstehen unter der Voraussetzung, daß England ein Monopol
-der Beherrschung der Welt für sich in Anspruch nimmt, daß es diese
-Beherrschung als von Gott gewollt ansieht und das Herrscherrecht zu
-haben glaubt.
-
-Die Entwicklung der deutschen Flotte war der zweite Faktor, der England
-den künftigen Kampf gegen Deutschland als Lebensaufgabe Englands
-ansehen ließ. Mit dem Auge auf die englische Flotte ist, wie Bülow
-in seinen Ausführungen zum Kaiser-Jubiläum darlegte, die deutsche
-Flotte gebaut worden, ebenso aber mit dem Auge auf die deutsche, die
-englische Flotte. Der Zweimächte-Standard Englands ist unter diesem
-Gesichtspunkte zu verstehen, die Notwendigkeit, den deutschen Handel
-durch eine deutsche Flotte stark zu schützen, wurde von England nicht
-anerkannt, die deutsche Flotte als Luxus hingestellt gegenüber der
-englischen, die für England eine Lebensnotwendigkeit sei. Und so wurde
-mit allen Dreadnoughts, die in Deutschland vom Stapel liefen, Englands
-Mißwollen verstärkt.
-
-Wie Englands Neid auf jede neben ihm emporkommende Seemacht schon
-früher eingeschätzt wurde, das läßt sich an Beispielen aus der
-Geschichte vielfältig beweisen. Wie schon erwähnt, weist Fürst Bülow
-in seinen Ausführungen über auswärtige Politik darauf hin, daß schon
-zu Ludwigs XIV. Zeiten von der englischen Regierung ein von Frankreich
-angebotenes Bündnis, im Hinblick auf die Absicht Frankreichs, sich eine
-Flotte zu bauen, abgelehnt wurde. Als Friedrich Wilhelm III. nach den
-Freiheitskriegen in England weilte und ihm der König von England eine
-kleine Schaluppe zum Geschenk machte, erwiderte König Friedrich Wilhelm
-III.: „Hoffentlich wird England nicht neidisch werden auf meine
-Flotte.” Eine Anekdote nur, jedoch kennzeichnend für die Auffassung,
-die man auch zu jener Zeit von Englands Empfindungen hatte. Bedeutsam
-mit dieser Bezeichnung sind jedoch vor allem die Ausführungen, welche
-der bekannte Leipziger Nationalökonom Dr. Roscher zu einer Zeit machte,
-als das Deutsche Reich im Jahre 1881 erst 39 Millionen Mark für seine
-Flotte (431 Millionen Mark im Jahre 1913) ausgab. In der ersten
-Auflage seiner „Nationalökonomie des Handels und Gewerbefleißes” sagt
-er im § 12 über den Handelsstand: „Es ist immer ein verhängnisvoller
-Wendepunkt, wo die tonangebende Landmacht anfängt, dem ersten
-Handelsstaate auch zur See gleichzukommen.” In einer Anmerkung gibt er
-in seiner inhaltsvollen Kürze drei weltgeschichtliche Belege für diesen
-Satz: „Sparta im Peloponnesischen Kriege, Zeit 424, Rom, Zeit Duilius,
-Frankreich, Zeit Colbert.” Wir könnten heute hinzufügen: „Deutschland,
-Zeit Kaiser Wilhelm II.”
-
-Diese Frage des Flottengegensatzes, auf die hier nicht näher
-eingegangen werden soll, liegt auf politischem Gebiete. Der
-hauptsächlichste Beweggrund zu Englands Handeln aber war die
-Entwicklung der deutschen Industrie und des deutschen Welthandels.
-Statt einer langatmigen Darstellung der Entwicklung des beiderseitigen
-Anteils am Welthandel seien einzelne Ziffern genannt, die erkennen
-lassen, wie grundlegend sich auf diesem Gebiete die Verhältnisse seit
-der Reichsgründung verschoben haben. Die Bevölkerung Englands stieg
-seit der Reichsgründung von 31,5 auf 45,6 Millionen, die des Deutschen
-Reiches von 40,9 auf 66 Millionen. Nicht nur die absolute, auch die
-relative Zunahme der Bevölkerung hat im Deutschen Reiche England weit
-übertroffen. Im Gegensatz zu England ist es dabei einer verständigen
-Wirtschaftspolitik in Deutschland gelungen, neben einer mächtig sich
-entwickelnden Industrie und einem gewaltig anwachsenden Welthandel,
-sich auch eine starke Landwirtschaft zu erhalten, die, wenn auch ihr
-relativer Anteil an der gesamten Bevölkerung zurückgegangen ist, es
-doch verstand, auf den im wesentlichen sich gleichbleibenden Boden
-eine gewaltige Steigerung der Erzeugung von Körnerfrüchten, allein
-in den letzten 25 Jahren um über 80 % herbeizuführen und gleichzeitig
-die Viehhaltung quantitativ und qualitativ in ungewöhnlicher Weise zu
-verstärken. Die Kaufkraft der deutschen Landwirtschaft, die namentlich
-durch die letzten Zollverträge gestärkt wurde, war die sichere
-Unterlage, auf der die deutsche Industrie sich aufbauen konnte. Die
-Entwicklung war nicht nur auf den Export eingestellt, sondern in
-denjenigen Jahren, in denen stürmische Schwankungen die Weltkonjunktur
-niederhielten und manches Land aus dem Gleichgewicht brachten, wurde
-bei uns dieses Gleichgewicht erhalten. Schon darin lag eine Stärke
-Deutschlands gegenüber England, die sich beispielsweise auch bei den
-gewaltigen Konjunkturrückschlägen des Jahres 1907 darin zeigte, daß
-nach den gleichzeitigen Ermittlungen der englischen und deutschen
-Gewerkschaften in England die Zahl der Arbeitslosen eine bedeutend
-größere war als in Deutschland.
-
-Nicht weniger aber ist vor allen Dingen die deutsche Industrie als
-solche in die Höhe gekommen, seitdem einmal eine verständige, maßvolle
-Schutzzollbewegung ihr die Möglichkeit technischen Fortschrittes
-in ausgiebigstem Maße gab (Bergbau, Eisenerzeugung), und seitdem
-andererseits das innige Bündnis zwischen Wissenschaft, Technik und
-kaufmännischen Fähigkeiten und einer steigenden Arbeitsintensität
-auf dem Gebiete der Chemie und der Elektrotechnik geradezu Monopole
-für Deutschland schuf, während bei vielen anderen Warengattungen
-die Überlegenheit des deutschen Fabrikanten in bezug auf dessen
-Anpassungsfähigkeit an fremde Bedürfnisse, seine Sprachenkenntnisse,
-seine Reisetätigkeit, die Schaffung stets neuer Muster, seine
-sorgfältige Ausführung auch kleiner und kleinster Aufträge und sein
-Grundsatz, den Kunden an sich heranzuziehen, statt auf ihn zu warten,
-zu jenem gewaltigen Aufschwunge verhalf, der Deutschland auf diesem
-Gebiete das in konservativen Geschäftsgrundsätzen wandelnde England
-überholen ließ. Um das Siebenfache ist seit Gründung des Reiches
-die Erzeugung der Stein- und Braunkohle gewachsen. In Roheisen und
-Eisenerzen stieg vom Jahre 1885 auf 1912 die Erzeugung um 384,5 %
-gegenüber einer Steigerung in England um 28,5 %. Noch im Jahre 1900 war
-die Differenz zwischen der deutschen Stahlerzeugung und der englischen
-nur etwa 1½ Millionen Tonnen, im Jahre 1912 war diese Differenz auf
-etwa 11 Millionen Tonnen gestiegen. In absoluten Ziffern gemessen,
-betrug 1913 die Produktion von Roheisen in Deutschland 19309172 ~t~
-gegen 10646838 ~t~ in England, die Produktion von Stahl 18935000 ~t~
-gegen 7700000 ~t~ in England. Der Kupferverbrauch, ein Grundpfeiler
-namentlich auch für die elektrotechnische Industrie, stieg in den
-letzten zehn Jahren um 359 % in Deutschland und 87 % in England. Die
-elektrotechnische Industrie überragt in ihrer gesamten Erzeugung die
-englische beinahe um das Dreifache. In der deutschen chemischen
-Industrie, die in den letzten 25 Jahren die Zahl der Arbeiter mehr
-als verdoppelt hat, zeigt sich die weltbeherrschende Stellung gerade
-in diesem Kriege, wo England selbst unter der Nichtzufuhr deutscher
-chemischer Produkte auf das empfindlichste leidet und mit gewaltigen
-Arbeiterentlassungen die Tatsache der Nichtversorgung des heimischen
-Marktes quittieren muß, und die amerikanische Baumwollausfuhr nach
-Deutschland durchgesetzt wurde, weil Amerika ohne die deutschen
-chemischen Erzeugnisse seine eigenen Textilwerke nicht aufrechtzuhalten
-vermochte.
-
-In den Ziffern des deutschen Gesamtaußenhandels kommt diese Steigerung
-deutlich zum Ausdruck. Noch im Jahre 1887 war England in seinem
-Export Deutschland um etwa 50 % überlegen (4533 Millionen gegenüber
-2937 Millionen Mark). Im Jahre 1912 war diese Differenz auf etwa 10 %
-gesunken (9943 Millionen Mark auf englischer gegenüber 8956 Millionen
-Mark auf deutscher Seite). Nehmen wir den gesamten Welthandel, so sehen
-wir im Spezialhandel der Völker, daß seit 1887 Englands Anteil um 113 %,
-derjenige der Vereinigten Staaten von Nordamerika um 173 %, der deutsche
-um 225 % gestiegen ist. Allein in den Jahren 1901-1911 ist die deutsche
-Ausfuhr von Fabrikaten um 93,2 % gegenüber 62,3 % bei Großbritannien
-gestiegen. Noch führt England im Welthandel der Völker mit einer
-Gesamtziffer des Gesamthandels von 24,2 Milliarden Mark, ihm folgt dann
-an zweiter Stelle mit einem Gesamtaußenhandel von etwa 22,5 Milliarden
-Mark Deutschland, an dritter Stelle folgen die Vereinigten Staaten mit
-etwa 17,9, an vierter Stelle Frankreich mit 12,46 Milliarden Mark. Von
-Einzelheiten sei hier erwähnt die deutsche Maschinenausfuhr, die 1913
-678 Millionen Mark wertete gegen 674 Millionen Mark in England, während
-dieselben Ziffern im Jahre 1900 noch 183 Millionen für Deutschland
-gegenüber 401 Millionen Mark in England betrugen. In 14 Jahren also
-für Deutschland eine Steigerung um mehr als das 3½fache, in England
-nur um mehr als die Hälfte! Denkt man an die Zeit, in welcher Englands
-Welthandel denjenigen Deutschlands um das Doppelte überragte, und nimmt
-man an, daß es Deutschland gelungen wäre, diesen relativen Aufschwung
-aufrechtzuerhalten, den es bisher aufweisen konnte, so konnte man
-allerdings erwarten, daß eine Zeit kommen würde, welche überhaupt nicht
-mehr England, sondern Deutschland an der Spitze des Welthandels aller
-Völker sehen würde.
-
-Die gewaltige Entwicklung, die sich in diesen Ziffern zeigt, tritt auch
-zutage in der Entwicklung der Handelsmarine. Zwar ist hier Englands
-Vorsprung ein ganz anderer wie auf dem Gebiet des Welthandels an sich.
-Noch ist es der große Weltverfrachter, und wenn auch allein in den
-letzten zehn Jahren der Raumgehalt der deutschen Seeschiffe um 111,4 %
-stieg gegenüber 39 % bei England, so ist dieses doch in der absoluten
-Ziffer der deutschen weit überlegen. Von 1416300 Registertonnen
-stieg in den letzten 20 Jahren der Nettoraumgehalt der deutschen
-Seeschiffe auf 2994200 Registertonnen, während in der gleichen Zeit
-der Nettoraumgehalt der englischen Seeschiffe von 8933500 auf 12415800
-Registertonnen stieg. Allerdings muß man dem gegenüberhalten, daß der
-Anteil Englands an der Welthandelsmarine in dem gleichen Zeitraum von
-46,8 % auf 42,6 % gesunken ist, während gleichzeitig Deutschlands Anteil
-von 7,4 auf 10,3 % gestiegen ist. In der amtlichen Denkschrift zur
-Begründung der deutschen Flottenvorlage ist zuerst, vielleicht damals
-mit allzu großer Deutlichkeit, auf diese Entwicklung der deutschen
-Seeinteressen hingewiesen worden. Auch hier sah England Deutschland
-als Rivalen neben sich, sah, wie Hamburg mit London und Liverpool
-wetteiferte, mußte vor allem erleben, daß die beiden führenden großen
-deutschen Schiffahrtsgesellschaften es verstanden hatten, sich eine
-Führung ohnegleichen auf dem Gebiete des Personen- und Frachtenverkehrs
-nach den Vereinigten Staaten zu sichern, mußte erleben, wie der
-„Imperator” und das „Vaterland” vom Stapel liefen und die größten
-Schiffe der Welt unter deutscher Flagge ihren Weg sich durch die Fluten
-bahnten.
-
-Vervollständigen wir das Bild, das diese Ziffern geben, noch durch zwei
-Betrachtungen. Deutschland war einstmals das Land der Auswanderung;
-politische Unzufriedenheit um die Mitte des vorigen Jahrhunderts hat
-die einen, wirtschaftliche Not auch noch nach Gründung des Reiches die
-anderen über die Meere getrieben; bis auf jährlich 275000 Menschen
-stieg die Zahl derjenigen, die Deutschland verließen, um sich eine
-neue Heimat jenseits des großen Wassers zu begründen. In Neuyork,
-in Chicago, in Milwaukee, in Cincinnati ebenso wie in Rio Grande
-do Sul zeigen sich noch heute die Folgen dieser Auswanderung. Wie
-anders ist das geworden! Im letzten Jahre haben noch 25000 Deutsche
-ihr Heimatland verlassen, aber mehr als 12000 sind zurückgekehrt, so
-daß Deutschland zu den wenigen europäischen Ländern gehört, die fast
-keine internationalen Auswanderungsverluste zu verzeichnen haben,
-denen es möglich ist, das, was hineinwächst in ihre Bevölkerung, auch
-im eigenen Vaterlande zu ernähren; ja die große Zahl ausländischer
-Wanderarbeiter zeigt, daß selbst diese wachsende Bevölkerung
-Deutschlands nicht mehr in der Lage war, Deutschlands Bedarf an
-Arbeitskräften zu decken, welche das Neudeutschland der Gegenwart
-verlangte.
-
-England muß demgegenüber den großen Bevölkerungsverlust decken, wozu
-namentlich die Stimmung in Irland beiträgt, das unter englischer
-Herrschaft zu einem entvölkerten Lande wurde. Dem Wachstum
-Deutschlands, das seinen Geburtenüberschuß in den letzten Jahren als
-wirtschaftlichen, militärischen und politischen Machtzuwachs buchen
-konnte, stehen die 240000 Engländer gegenüber, die in den letzten
-Jahren durchschnittlich England und Irland verlassen haben.
-
-Im Volkswohlstand beider Länder kommt letzten Endes das Ergebnis zum
-Ausdruck. Auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet, ist England auch
-heute noch reicher als Deutschland. Seine Steuerpolitik hat bis in die
-letzten Jahre hinein erlaubt, in viel größerem Maße als in Deutschland
-die niedrigen Einkommen von der Steuer freizulassen. Nach dem
-„Economist” wird das Gesamtvermögen Englands auf 285 Milliarden Mark,
-nach Ballot dasjenige Deutschlands auf 270 Milliarden Mark geschätzt.
-Wir können heute nach dem Ergebnis des Wehrbeitrages die Überzeugung
-aussprechen, daß diese Schätzung Ballots zu niedrig gegriffen ist,
-daß wir weit mehr Steinmann-Bucher glauben können, der Deutschlands
-Volksvermögen auf 350 Milliarden Mark berechnet. Einen Vergleich geben
-auch die Sparkasseneinlagen. Im Jahre 1875 kamen auf den Kopf der
-Bevölkerung gemessen in Deutschland 44 Mark, auf den Kopf in England 42
-Mark, im Jahre 1911 in England 103, in Deutschland 272 Mark.
-
-Keine Sprache ist für die Engländer verständlicher als die Sprache der
-kühlen, nüchternen Ziffern, und auf den Ziffern, die hier genannt sind,
-beruht Englands Eifersucht und Neid.
-
- * * * * *
-
-England hat schon lange vor dem Krieg die Folgerung aus dieser
-Entwicklung gezogen. Sein Wirtschaftskrieg gegen Deutschland begann
-mit jenem 1887 erlassenen _Gesetz_ über die Herkunftsbezeichnungen
-„_~Made in Germany~_”, das ein Brandmal sein sollte für deutsche
-Erzeugnisse, aber zu einem Ehrendenkmal deutscher Qualität wurde. Daß
-es bewußt gegen Deutschland gerichtet war, bedarf keines weiteren
-Hinweises, denn Deutschland gehört zu den Hauptversorgern von
-Großbritannien. Dieses Gesetz war der erste Bruch mit der bis dahin
-traditionell betriebenen Freihandelspolitik Englands. Wie oft ist
-uns das Lied dieser englischen Freihandelspolitik nicht gesungen
-worden! Die guten Deutschen, die so gern das Vorbild im Ausland
-suchen und die vielleicht ein gewisses Recht hatten, in der Zeit
-preußischer Reaktion ein englisches Parlament, das seine Vorzüge
-hatte, anzuerkennen, vergaßen, daß Englands Wirtschaftspolitik
-nie von einem anderen Gesichtspunkt geleitet worden ist als von
-demjenigen des rücksichtslosesten Eigennutzes. Professor Harms, dem wir
-verschiedene hervorragende Darlegungen über England und Deutschland
-verdanken, hat in einem in der „Deutschen Revue” veröffentlichten
-Aufsatz über England und Deutschland mit Recht darauf hingewiesen, daß
-England zunächst durch Jahrhunderte hindurch an einer rücksichtslos
-gehandhabten Ausschließungspolitik festhielt und erst dann, als es nach
-dem Niederbruch Frankreichs die unbedingte kommerzielle Übermacht in
-Europa hatte, seine Grenzen aus dem Grunde öffnete, weil die anderen
-Völker auf seinem eigenen Markt nicht konkurrieren konnten und weil
-es die Hoffnung hatte, daß die anderen Staaten dem Beispiel folgen
-und ihm die Grenzen öffnen würden und ihm dann diese Absatzgebiete
-schrankenlos offen standen. Diese Hoffnung Englands hat sich als
-vollständig richtig erwiesen. Es wurde die große Werkstatt der Welt
-und es konnte sich die unbedingte Herrschaft auf den Märkten der Welt
-aneignen, solange dieses Freihandelssystem auch von anderen Ländern
-adoptiert wurde. Die Notwendigkeit von Schutzzöllen für die deutsche
-Industrie hatte ja zuerst Friedrich List, dessen geradezu grandiose
-prophetische Voraussage man auch darin wieder bewundern muß, in den
-Vordergrund seiner Ausführungen gestellt. Als England merkte, daß diese
-Freihandelspolitik ihm gefährlich wurde, beginnt es mit dem Abbau des
-Freihandels, und das Gesetz: „~Made in Germany~” ist der erste Schritt
-auf diesem Wege. Mit einem freien Wettbewerb aller Völker ist ein
-Gesetz, welches eine besondere Kennzeichnung bestimmter Waren verlangt,
-grundsätzlich unvereinbar. Die Nachahmung, welches dieses Vorgehen in
-Frankreich gefunden hat mit einem Versuch, die Waren durch die Worte:
-„~Importé d'Allemagne~” vom französischen Markt zu verdrängen, zeigt
-ja, aus welchen Erwägungen heraus das Gesetz gekommen ist. Daß es in
-das Gegenteil des Gewollten umschlug, ist sicherlich weder Englands
-Absicht noch sein Verdienst gewesen.
-
-In gleicher Richtung bewegt sich die englische Wirtschaftspolitik, die
-in dem _englischen Patentgesetz_ vom Jahre 1907 zum Ausdruck kommt.
-Im Abs. 1 des § 27 dieses Gesetzes wird bestimmt, daß jedermann in
-England den Antrag auf Nichtigkeit eines Patentes stellen kann mit der
-Begründung, daß die patentierte Ware fast ausschließlich außerhalb
-Englands hergestellt wird. Eine solche Nichtigkeitsklage kann also
-erhoben werden, wenn die Fabrikation im Auslande stattfindet, ja sogar
-schon, wenn die Herstellung hauptsächlich im Auslande stattfindet. Die
-Herstellung muß in England geschehen, oder es muß ein triftiger Grund
-angeführt werden, weshalb das nicht geschehen kann.
-
-Es erhellt von vornherein, daß eine derartige Bestimmung sich
-namentlich gegen die chemische Industrie Deutschlands und gegen
-die Vorherrschaft auf dem Gebiete der Erzeugung und des Vertriebes
-patentierter Artikel richtet. England versuchte diejenigen deutschen
-Firmen, die bisher auf Grund englischer Patente den englischen Markt
-beherrschten, zu zwingen, ihren Tribut in der Form zu zahlen, daß
-sie entweder ihre Patente an Engländer abtreten oder ihre eigenen
-Fabriken nach England verlegen und so die Löhne für die Erzeugung
-englischen Arbeitern zugute kommen lassen, ebenso wie ihr Gewinn mehr
-als bisher in England versteuert werden sollte. Tatsächlich hatte
-auch gerade bei der chemischen Großindustrie das Gesetz vom Jahre
-1907 in dieser Form gewirkt. So haben die Elberfelder Farbenfabriken
-gemeinsam mit der Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation in Berlin
-eine Filiale in England eingerichtet, um auf diese Weise die bisher
-in England abgesetzten Waren in England herzustellen und vor der
-Nichtigkeitserklärung zu schützen. Desgleichen sind die Höchster
-Farbwerke gezwungen worden, nach England zu gehen.
-
-Man mag vom englischen Standpunkt aus über die Zweckmäßigkeit eines
-solchen Gesetzes denken, wie man will, mag es als Ausfluß eines starken
-merkantilistischen Geistes verteidigen, jedenfalls ist niemals der
-Bruch mit der Freihandelstradition schärfer zum Ausdruck gekommen
-als in diesem Vorgehen. Hier ist nicht nur die vorhandene Theorie
-durch eine Schutzzollgesetzgebung aufgehoben, sondern durch eine
-Prohibitivpolitik ersetzt worden. Das vorliegende Gesetz ist die
-Aufhebung des freien Wettbewerbs auf dem Gebiete der patentierten
-Artikel.
-
-Aus demselben Geist ist das Gesetz geboren, welches zwischen
-der englischen Admiralität und dem englischen Postministerium
-einerseits und der Cunard-Linie andererseits in bezug auf die
-_Schiffahrtssubventionen_ geschlossen wurde. In dieser Vereinbarung
-verspricht die englische Regierung der Cunard-Linie eine Subvention
-von 3 Millionen Mark jährlich zu zahlen als Zuschuß für die
-Indienststellung der beiden Dampfer „Mauretania” und „Lusitania”,
-welche die Cunard-Linie nur unter der Bedingung, daß sie diese
-Subvention erhalte, bauen konnte.
-
-Das blaue Band des Ozeans war England verloren gegangen, als der
-Norddeutsche-Lloyd-Dampfer „Kaiser Wilhelm II.” den Rekord in der
-Fahrt Bremen-Neuyork geschlagen hatte. Da erfolgte jenes Gesetz im
-englischen Parlament, durch welches der Cunard-Linie die vorerwähnte
-Jahressubvention zugesichert wurde für den Bau zweier Dampfer, welche
-bestimmt waren, diesen deutschen Rekord zu brechen. Wohlgemerkt,
-es handelt sich nicht um die Subvention einer notleidenden Linie,
-es handelt sich auch nicht um eine Schiffahrtstrecke, welche ohne
-staatliche Subvention etwa keine Erträgnisse brachte, nein, an die
-bestrentierende Linie des ganzen Weltverkehrs und an eine glänzend
-fundierte Gesellschaft wird aus allgemeinen Staatsmitteln diese
-Subvention gezahlt, nur damit Deutschland nicht mehr den Ruhm besäße,
-die schnellsten Schiffe zu besitzen. Gewiß wäre es unserem Lloyd oder
-der Hapag auch möglich gewesen, eine „Mauretania” in Dienst zu stellen,
-wenn man für den riesigen Kohlenverbrauch dieser großen Dampfer ein
-Staatsopfer von mehreren Millionen jährlich gebracht hätte. Nur würde
-man in Deutschland eine solche Prestigepolitik auf Staatskosten sowohl
-im Bundesrat wie im Reichstag abgelehnt haben. Mit vollem Recht hat
-deshalb Herr Ballin in einer geistvollen Rede auf einer Versammlung
-des Zentralverbands des deutschen Bank- und Bankiergewerbes am 7.
-September 1907 darauf hingewiesen, daß nichts so sehr den Niedergang
-Englands von seiner einstigen Herrschaft kennzeichnet, nichts so
-charakteristisch sei für den Neid und für die Eifersucht gegen
-Deutschland, als daß es den früher jahrzehntelang aufrecht erhaltenen
-Grundsatz des freien Spiels der Kräfte im Welthandel aufgebe, um mit
-Staatsmitteln eine Stellung aufrecht zu erhalten, die es im privaten
-Wettbewerb gegenüber Deutschland nicht mehr behaupten könnte. „Es ist
-noch nicht lange Zeit,” so führte Ballin damals wörtlich aus, „daß wir
-uns einer regen Teilnahme an dem heißen Wettbewerb rühmen können, der
-sich zwischen den Schiffahrt treibenden Nationen auf dem Weltmeere
-vollzieht. Herr Professor Thieß erinnerte in einem Vortrag daran, daß
-im Jahre 1790, als der französischen Nationalversammlung der Titel
-einer ihr gewidmeten Broschüre verlesen wurde: „Über die Schiffahrt --
-von einem Deutschen”, die ganze Versammlung in schallendes Gelächter
-ausbrach, so komisch erschien es damals, daß ein „Deutscher” über
-Schiffahrt mitreden wollte. Das sind 117 Jahre her, eine längst
-vergangene Zeit! Aber noch im Jahre 1861, als man in Preußen schon
-eine Kriegsmarine organisierte und die atlantische Schiffahrt schon
-von Bremen und Hamburg einen lebhaften Aufschwung nahm, da schrieb
-noch die „Morning Post”, das Organ des damaligen Premierministers
-Lord Palmerston: „Die Deutschen mögen den Boden pflügen, mit den
-Wolken segeln und Luftschlösser bauen, aber nie, seit Anfang aller
-Zeiten, hatten sie das Genie, das Weltmeer zu durchqueren oder nur
-schmale Gewässer zu durchfahren.” Das war 1861, und 10 Jahre später
-hatten wir, von Meisterhand gezimmert, ein einiges Deutsches Reich,
-und weitere 20 Jahre später, da hatte das junge Deutschland auf dem
-Gebiete der Weltschiffahrt alle anderen Länder überflügelt und war
-der großen englischen Schiffahrt gefürchtetster Rivale geworden. Das
-war ein Erfolg, in heißer Arbeit errungen, und der täglich in heißer
-Arbeit verteidigt werden muß. Hat doch selbst England, um diesen Erfolg
-zu schmälern, _den alten bewährten Grundsatz vom freien Spiel der
-Kräfte_, dem es seine glänzende wirtschaftliche Entwicklung verdankt,
-_verlassen_ und die reich vergoldete Hand einer einzelnen Gesellschaft
-gereicht, nur um sie in die Lage zu setzen, zwei Schiffe zu erbauen,
-welche die deutschen Schnelldampfer um ein Geringes überbieten sollen.”
-
-Am schlagendsten aber tritt dieser Wirtschaftskampf Englands zutage in
-der _Zollbegünstigung gegenüber seinen Kolonien_. Der imperialistische
-Sinn Englands ist einst zum Ausdruck gekommen in der Schaffung des
-großen englischen Weltreiches und dessen politischer Beherrschung. Mit
-dieser politischen Beherrschung der Welt war aber für England auch
-die Gewähr der wirtschaftlichen Monopolstellung verbunden. Politische
-Herrschaft ist aber auch unzweifelhaft die sicherste Grundlage
-einer solchen wirtschaftlichen Monopolstellung. Unter nichts hat
-Deutschland so sehr gelitten als unter der Phrase der „offenen Tür”.
-Die formale Gleichberechtigung in einem von einem Industrie-Exportlande
-beherrschten Kolonialland wird niemals ein Land in die Lage versetzen,
-sich die tatsächliche wirtschaftliche Gleichberechtigung gegenüber
-dem Land zu erringen, das die politische Herrschaft in der Hand hat.
-Soweit die wirtschaftliche Entwicklung eines Koloniallandes in Betracht
-kommt, werden Aufträge immer an das Mutterland vergeben werden,
-und hieran wird auch eine freie Submission nichts ändern, denn der
-betreffende Gouverneur wird immer in der Lage sein, die zu vergebenden
-Aufträge seinem Land zu übermitteln. Wir bauen die Bahn in unseren
-Kolonien auch nicht auf englischen Stahlschienen, und Frankreich
-denkt nicht daran, die marokkanischen Häfen von deutschen Firmen
-anlegen zu lassen. So würde also, selbst wenn die völlige formale
-Gleichberechtigung zwischen England und anderen Nationen tatsächlich
-bestehen würde, England einen gewaltigen Vorsprung in bezug auf die
-Versorgung seiner Kolonien vor uns voraus haben. England ist aber
-weiter gegangen. Während es schamhaft im eigenen Heimatlande noch an
-der Idee des Freihandels festhält, hat es diese Idee in bezug auf
-das Verhältnis zu seinen Kolonien längst aufgegeben. Mit Kanada hat
-es bereits am 1. August 1898, mit Neuseeland 1903, mit Australien
-1907, mit der südafrikanischen Union 1903 Verträge geschlossen,
-welche ihm als dem Mutterlande eine Zollbegünstigung gewähren, die
-in einzelnen Fällen bis zu 33⅓ % des Zolles ausmachen. Gewiß mag es
-formell unrichtig sein, wenn man sagt, England hätte derartige Verträge
-geschlossen, denn formell sind diese Gesetzesvorlagen der Initiative
-der Kolonien selbst entsprungen und England hat scheinheilig an dieser
-Phrase festgehalten. Der Zollkrieg zwischen dem Deutschen Reich und
-Kanada hatte in dieser Zollbegünstigung Englands seine Ursache. Das
-Deutsche Reich bezog sich darauf, daß ihm in Kanada nach einem schon
-zwischen England und Preußen geschlossenen Vertrag die unbedingte
-Meistbegünstigung zustände und diese Meistbegünstigung sich auch auf
-die englischen Kolonien bezöge. Der Versuch, die Kanadier durch einen
-Zollkrieg zur Aufgabe ihres Standpunktes zu zwingen, schlug fehl und
-mußte fehlschlagen, denn er war gegen ein Prinzip gerichtet, das nicht
-von Ottawa, sondern von London ausgegangen war und die Grundlage
-derjenigen wirtschaftlich-imperialistischen Bestrebungen bildete, die
-in Chamberlain den Hauptträger ihrer Ideen sahen und deren Gedanken bis
-weit in die liberalsten Kreise hinein mehr und mehr Geltung erlangten.
-Was jenen vorschwebte, das war ein ~Greater Britain~, ein Groß-England,
-geeinigt durch ein möglichst enges politisches Bündnis, geeinigt
-aber auch durch ein möglichst enges wirtschaftliches System zwischen
-den Kolonien und England, gerichtet gegen jeden Wettbewerber, vor
-allem aber gerichtet gegen Deutschland. Bedurfte es doch erst eines
-energischen Einspruches der deutschen Regierung, um zu verhindern,
-daß in die staatlichen Submissionsbestimmungen Australiens der Satz
-aufgenommen wurde, daß deutsche Waren grundsätzlich von jedem Mitbewerb
-ausgeschlossen seien, hat das Gesetz „~Made in Germany~” doch selbst
-in Indien seine Nachahmung gefunden! Wie weit dieser imperialistische
-Gedanke Besitz ergriffen hat in der Politik der Staatsminister der
-englischen Kolonien, davon konnte ich mich überzeugen, als ich vor
-einigen Jahren in Toronto die Rede des jetzigen Staatsministers
-von Kanada, Borden, hörte, die nichts anderes war als der Ausdruck
-des Bekenntnisses einer völlig politischen und wirtschaftlichen
-Zugehörigkeit zu England -- eine Rede, in der damals schon die Drohung
-enthalten war, daß jedem Feind, der sich dem Mutterlande nahen
-würde, nicht nur englische, sondern auch kanadische Dreadnoughts
-entgegengesandt würden. Ich habe damals in der Presse auf diese
-Stimmung in Kanada hingewiesen, die jetzige Haltung Kanadas beweist,
-daß die damalige Rede Bordens, der gerade aus London kam und über
-seine Eindrücke in England berichtete, nicht einer Augenblicksstimmung
-entsprang, sondern der Ausdruck einer festbegründeten politischen und
-wirtschaftspolitischen Überzeugung war.
-
-Wie bedeutend diese schutzzöllnerische Gesetzgebung in den Kolonien,
-wie bedeutend überhaupt der Kolonialbesitz Englands für seine
-wirtschaftliche Machtstellung ist, dafür liefern uns die Ziffern
-des englischen Außenhandels einen schlagenden Beweis. Wenn wir den
-englischen Außenhandel mit dem deutschen vergleichen, so sehen wir
-eine englische Ausfuhr von 9943 Millionen Mark im Jahre 1912 und eine
-deutsche Ausfuhr von 8956 Millionen Mark im gleichen Jahre. England
-ist uns also auf diesem Gebiete um nur 1000 Millionen Mark überlegen.
-Gliedern wir aber diese Ausfuhr, betrachten wir den Wettbewerb der
-beiden Länder einmal in denjenigen Ländern, in denen sie unter gleichen
-Bedingungen, d. h. unter gleicher Zollbehandlung kämpfen, und scheiden
-wir daher die Länder aus, in denen die politische und wirtschaftliche
-Vorherrschaft eines der beiden Staaten besteht. Wir müssen dann von
-dem englischen Außenhandel abziehen die Ausfuhr nach den englischen
-Kolonien, von dem deutschen Außenhandel die Ausfuhr nach den deutschen
-Kolonien, wo ähnliche Deutschland begünstigende Verhältnisse in
-der politischen Vorherrschaft, wenn auch nicht in wirtschaftlicher
-Vorzugsbehandlung, bestehen.
-
-Nach den englischen Kolonien hat England 1912 insgesamt für 191,5
-Millionen (= 3830 Millionen Mark) ausgeführt, wovon auf Indien 65,679
-Millionen, auf Kanada 27,3 Millionen, auf Neuseeland 11,1 Millionen,
-auf Südwestafrika 23,1 Millionen entfallen.
-
-Nach denselben englischen Kolonien betrug die deutsche Ausfuhr 1912
-348,9 Millionen Mark. Wir sehen also, daß, während England in seiner
-Gesamtausfuhr Deutschland etwa wie 10:9 steht, das Verhältnis in der
-Ausfuhr nach englischen Kolonien wie 11:1 ist. Derartig machen sich
-die politischen und wirtschaftlichen Einflüsse Englands uns gegenüber
-geltend.
-
-Noch stärker tritt übrigens der Gesichtspunkt der Beherrschung der
-Kolonien durch das Mutterland zutage, wenn wir denselben Vergleich
-auf das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland ausdehnen. Die
-deutsche Ausfuhr überhaupt beträgt 10,8 Milliarden, die französische
-5,3 Milliarden. Nach den französischen Kolonien aber führte Frankreich
-im Jahre 1913 für 906,5 Millionen Franken, Deutschland aber nur für
-etwa 15 Millionen Mark aus. Das Gebiet, in dem die Flagge eines fremden
-Landes weht, ist also für unseren Außenhandel verschlossenes Gebiet
-oder doch solches, wo wir unter den größten Widerständen einen kleinen
-Teil des Bedarfs decken können.
-
-Ziehen wir nun von dem englischen Außenhandel die Ziffer der Ausfuhr
-nach den englischen Kolonien, von dem deutschen Außenhandel die Ziffer
-der Ausfuhr nach den deutschen Kolonien ab, so erhalten wir folgendes
-Bild:
-
- Englische Gesamtausfuhr 1912 9943 Millionen Mark
- Davon nach den Kolonien und Protektoraten 3830 „ „
- Ausfuhr in Gebiete freien Wettbewerbs 6113 „ „
- _Deutsches Reich Gesamtausfuhr_ 1912 8956 „ „
- Davon nach deutschen Kolonien 51 „ „
- Ausfuhr in Gebiete freien Wettbewerbs 8905 „ „
-
-Daraus folgt, daß in denjenigen Teilen der Welt, wo wir mit England
-unter gleichen Bedingungen konkurrieren, die englische Ausfuhr
-insgesamt 6113 Millionen Mark, die deutsche Ausfuhr aber 8905 Millionen
-Mark beträgt, _daß also Deutschland England in der Ausfuhr längst schon
-überholt hätte, wenn nicht Englands Kolonialbesitz die unbedingte
-Fundierung für die englische Industrie und den englischen Handel
-abgeben würde, eine Tatsache, die zu denken gibt, wenn nach dem Kriege
-die Frage der Vergrößerung des deutschen Kolonialbesitzes erörtert
-werden wird_.
-
-Erst unter diesen Gesichtspunkten versteht man Englands Kampf gegen
-eine weitere koloniale Betätigung des Deutschen Reiches, versteht
-man weiter auch die imperialistischen Ideen Chamberlains. Sie sind
-der Ausdruck eines gegen Deutschland gerichteten Wirtschaftskampfes.
-Bereits im September 1897 schreibt Sir Alfred Mond in der „Saturday
-Review” wörtlich: „Wenn Deutschland morgen vernichtet wäre, so
-gäbe es in der Welt nicht einen Engländer, der übermorgen nicht
-um so reicher wäre. Völker haben jahrelang um eine Stadt, um ein
-Erbfolgerecht gekämpft. Müßten wir nicht um 250000000 £ jährlichen
-Handels Krieg führen? Wenn England einst erwacht und sieht, was seine
-einzige Hoffnung für eine gedeihliche Zukunft ist, dann _nieder mit
-Deutschland_.” Das ist der Geist, der von dem Herstellungsgesetz zu den
-Schiffahrtssubventionen, zum Patentgesetz, zur Vorzugsstellung Englands
-gegenüber seinen Kolonien, zu dem Tage führte, wo England die Völker
-der Erde in Sold nahm, um Deutschlands wirtschaftliche Macht gewaltsam
-zu brechen, nachdem es mit allen anderen Mitteln nicht gelungen war,
-Deutschland von der zweiten Stelle der Weltwirtschaft zurückzudrängen.
-
- * * * * *
-
-Unter dem Gesichtspunkt dieses Kampfes gegen Deutschlands
-wirtschaftliche Stellung sind neben der Entfesselung des Weltkrieges
-selbst diejenigen Maßnahmen mit zu buchen, die England gegen
-Deutschland in dem jetzigen Weltkrieg ergriffen hat, um es
-wirtschaftlich auf die Knie zu zwingen. Mehrere Gesichtspunkte kamen
-für England nach dieser Richtung in Frage, einmal die Abschneidung
-Deutschlands von der Nordsee, um die Lebensmittelzufuhr und damit die
-Ernährung der deutschen Bevölkerung in Frage zu stellen, zweitens die
-völlige Unterbindung der deutschen Ausfuhr nach neutralen Ländern,
-soweit diese Ausfuhr durch England kontrolliert werden konnte, drittens
-die Vernichtung der deutschen Handelsflotte, viertens die Vernichtung
-seiner Guthaben im feindlichen Ausland, vor allen Dingen in England
-selbst, fünftens die Eroberung der deutschen Absatzmärkte während der
-Zeit der Ausschließung Deutschlands vom Weltverkehr, schließlich die
-Unterbindung aller Zufuhr von Rohstoffen zur völligen Lahmlegung der
-deutschen Industrie.
-
-Wenn man diese Maßnahmen übersieht, wird man feststellen müssen,
-daß sie teilweise völlig wirkungslos geblieben sind, teilweise
-den erhofften Erfolg nicht gehabt haben. Zunächst ist die
-Lebensmittelversorgung Deutschlands nach menschlichem Ermessen, wenn
-auch unter Einschränkung des Verbrauchs, sichergestellt. Die deutsche
-Wirtschaftspolitik hat uns in die Lage gesetzt, den größten Teil des
-deutschen Bedarfes selbst zu erzeugen. Bis August dieses Jahres ist
-Deutschland mit Lebensmitteln derart versorgt, daß jede Hoffnung des
-Feindes, eine Schwächung Deutschlands durch den Mangel an Lebensmitteln
-herbeizuführen, als gescheitert anzusehen ist. Daß wir den Krieg nicht
-im eigenen Lande haben, sondern daß unsere Truppen verstanden haben,
-denselben in Feindesland hineinzutragen, so daß das deutsche Heer
-zum großen Teil durch Requirierung im fremden Lande leben konnte,
-hat selbstverständlich mit dazu beigetragen. Hat doch erst kürzlich
-der Berichterstatter einer neutralen Macht das glänzendste Zeugnis
-deutscher Organisationstätigkeit darin erblickt, daß es den deutschen
-Militärbehörden in Frankreich gelungen wäre, die Versorgung der
-deutschen Armee mit Lebensmitteln ohne Zufuhren aus Deutschland selbst
-durchzuführen!
-
-In bezug auf die Unterbindung unserer Ausfuhr nach dem neutralen
-Ausland ist es England gelungen, einen teilweisen Erfolg zu erzielen.
-Die Schiffe der Hapag und des Lloyd sind entweder in die Kriegsflotte
-eingereiht oder liegen in neutralen Häfen, ein Handel unter deutscher
-Flagge ist bei der gegenwärtig noch vorhandenen Beherrschung der See
-durch England nur in geringem Maße möglich. Andererseits hat sich
-aber bereits gezeigt, daß die völlige Unterbindung des deutschen
-Außenhandels sich nicht hat bewerkstelligen lassen. Einmal kommt für
-den deutschen Außenhandel das Gebiet des verbündeten Österreich, ferner
-das Gebiet der neutralen Staaten, Schweiz, Italien, die Balkanländer
-und die Türkei in Betracht, soweit nicht die Sorge um die eigene
-Volkswirtschaft Ausfuhrverbote als notwendig erscheinen ließ. Weiterhin
-sind aber diejenigen Waren, die nicht Kriegskonterbande sind, zum
-Teil auf neutralen Schiffen in das Ausland befördert worden. Hat es
-doch, worauf schon hingewiesen, beispielsweise durchgesetzt werden
-können, daß ohne Schwierigkeiten die Ausfuhr chemischer Produkte
-nach Amerika unter amerikanischer Flagge und unter dem Schutz der
-politischen Macht der Vereinigten Staaten erfolgt. Damit ist nicht nur
-für Deutschland die Möglichkeit der Ausfuhr seiner Chemikalien gegeben,
-sondern es ist gleichfalls dafür eingetauscht worden die Zusage der
-Vereinigten Staaten, daß Baumwolle nicht Konterbande sei, und nach
-der Erklärung des amerikanischen Botschafters Gerard ist die von den
-Vereinigten Staaten festgesetzte Ausfuhr amerikanischer Baumwolle nach
-Deutschland in Höhe von 50000 Ballen pro Monat bestimmt worden, und
-bis zum 31. Dezember 1914 sind bereits in Bremen 48617, in Rotterdam
-69900 Ballen amerikanischer Baumwolle angekommen. Gewiß werden sich
-noch Schwierigkeiten in bezug auf die Heranschaffung anderer Rohstoffe
-bemerkbar machen, andererseits sind wir aber zum Teil dadurch dieser
-Schwierigkeiten enthoben worden, daß uns durch die Eroberung Belgiens
-und die besetzten französischen Gebiete die gewaltigen dortigen
-Rohstoffbestände in den Schoß gefallen sind, beträgt doch das besetzte
-französische Gebiet, industriell berechnet, 40 % der gesamten in
-Frankreich arbeitenden Maschinenkräfte. Bereits heute nach einem
-beinahe einhalbjährigen Kriege sehen wir, daß es uns gelungen ist,
-die Rohstoffversorgung Deutschlands annähernd sicherzustellen und die
-Überzeugung unserer verantwortlichen Stellen ist, daß dies auch während
-der ganzen Dauer des Krieges der Fall sein wird.
-
-Ebensowenig ist es England gelungen, die deutsche Handelsflotte zu
-vernichten. Wäre es vom ersten Tage an auf die Seite unserer Gegner
-getreten, vielleicht hätte es große Erfolge nach dieser Richtung hin
-erreichen können. So aber versuchte es in seiner alten Heuchelei
-den Anschein des Friedensvermittlers zu erwecken, verhandelte über
-Belgiens Neutralität, die ihm innerlich ganz gleichgültig war, um dann
-als das moralische Gewissen der Welt in die Arena zu treten. Herr
-Ballin wußte, weshalb er die „Vaterland” von Neuyork nicht abfahren
-ließ, weshalb der „Imperator” im Hafen von Hamburg liegen blieb.
-Wir wissen nicht, wie groß die Verluste sind, die England unserer
-Handelsflotte zugefügt hat, wohl aber wissen wir, wie groß der Inhalt
-derjenigen Schiffe ist, welche die „Emden” aufgebracht hat, welche die
-„Karlsruhe” zum Sinken brachte und welche durch andere Hilfskreuzer
-Deutschlands vernichtet wurden. Auf 1,9 % der englischen Handelsflotte
-hat man im englischen Parlament Ende 1914 die Verluste der englischen
-Handelsflotte angegeben, sicherlich wird man dabei nicht zuviel
-gerechnet haben. Legen wir aber selbst diese englische Berechnung
-zugrunde, so wurde sich doch daraus allein ein Verlust von englischen
-Schiffen in Höhe von etwa 250000 ~t~ ergeben. Im August 1914 sanken
-sieben britische Dampfer mit 35742 ~t~, im September 15 Dampfer mit
-61055 ~t~, im Oktober 22 Dampfer mit 89591 ~t~. ~Vivant sequentes!~
-Seit dem 18. Februar 1915 ist Deutschland auf den Weg getreten, den
-der Staatssekretär von Tirpitz in der Unterredung mit dem Vertreter
-der ~United Press~ gewiesen und durch die Vernichtung des „Bulwark”
-durchzuführen bereits begonnen hat, die feindlichen Handelsschiffe
-durch seine Unterseeboote zu vernichten. Erfüllen sich die auf
-diese Aktion gesetzten Hoffnungen, dann wird am Ende des Krieges
-voraussichtlich auf Englands Seite der größere Verlust zu buchen sein.
-Deutschlands Handelsflotte hat große Einbuße erlitten, aber daß sie
-groß auch nach dem Kriege dastehen wird, und daß nach dem Kriege die
-größten Schiffe der Welt nach wie vor unter deutscher Flagge fahren
-werden, liegt nach dem ganzen Stand der Dinge klar zutage.
-
-Das meiste aber haben sich die Engländer von einem rücksichtslosen
-Vorgehen gegen die deutschen wirtschaftlichen Interessen versprochen.
-In England war kurz nach dem Ausbruch des Krieges eine Verordnung in
-Kraft getreten, wodurch der Handel mit dem Feinde verboten wurde. Keine
-Geldsumme durfte an den Feind oder an feindliche Gesellschaften gezahlt
-werden, keine Vergleiche geschlossen, keine Sicherheit für die Zahlung
-einer Schuld gegeben, keine Handlung zu seinen Gunsten, wie Trassieren,
-Akzeptieren usw. begangen werden. Lebens- oder andere Versicherungen
-mit oder zu Gunsten des Feindes konnten nicht abgeschlossen werden,
-die Zufuhr von Waren oder der Bezug von Waren war ausgeschlossen.
-Bestimmungen über die völlige oder teilweise Beseitigung von Patenten
-und Marken, die für Deutschland geschützt waren, wurden getroffen. Die
-deutschen Unternehmungen in England wurden unter staatliche Aufsicht
-gestellt und teilweise in gehässiger Weise liquidiert.
-
-England hat weiter Maßnahmen getroffen, um nicht nur die deutschen
-Unternehmungen in England lahmzulegen, sondern auch alle englischen
-Betriebe, in denen Deutsche beschäftigt waren, zur Entlassung derselben
-gezwungen. Es hat die englischen Firmen von den Vertragsverpflichtungen
-gegen Deutschland entbunden, es hat die Hausbesitzer entbunden von der
-Verpflichtung der Einhaltung der Mietsverträge, und es hat vom ersten
-Augenblick an den wirtschaftlichen Krieg gegen Deutschland auf eigenem
-Grund und Boden in unfairer Weise geführt.
-
-Deutschland ist mit Gegenmaßregeln gegen England erst vorgegangen,
-als die öffentliche Meinung dies gebieterisch verlangte. Inwieweit
-die deutschen Interessen durch das Vorgehen Englands geschädigt
-sind, läßt sich bis heute noch nicht übersehen, unzweifelhaft ist
-eine Schädigung der deutschen Volkswirtschaft dadurch herbeigeführt
-worden, daß Forderungen an England uneinbringlich sind, daß somit
-deutsche Unternehmungen, die Geschäfte mit England treiben, heute über
-Außenstände verfügen, deren Einbringung derzeit unmöglich ist. Ebenso
-sind unzweifelhaft alle diejenigen Unternehmungen geschädigt, welche in
-England domizilieren, und es dürfte keinem Zweifel unterliegen, daß die
-Zahl der deutschen Gesellschaften in England ebenso wie die Zahl der in
-England lebenden Deutschen weit größer ist als die der in Deutschland
-lebenden Engländer oder der englischen Unternehmungen in Deutschland.
-
-Schon heute zeigt sich aber, daß Deutschland die Folgen dieser
-Maßnahmen überwunden hat, und zwar überwunden durch die
-Kreditorganisationen, die es sich bei Beginn des Krieges schuf und die
-unter anderen in den begründeten Kriegskreditbanken Unternehmungen
-entstehen ließen, welche deutsche Forderungen gegen England als
-Unterlage für einen zu gewährenden Kredit annehmen und damit die
-englischen Maßnahmen zum Teil illusorisch machen. Bedauerlich ist es,
-daß in manchen Fällen die Gegenmaßnahmen Deutschlands deshalb unwirksam
-bleiben mußten, weil die deutscherseits bestellten Staatskommissare
-sich mit einer allzugroßen Anpassungsfähigkeit nicht als Vertreter der
-deutschen Interessen, sondern als Vertreter der ihnen unterstellten
-Gesellschaften fühlten. Bedauerlich war ebenso die Bereitwilligkeit,
-manche englische Gesellschaften in deutsche umzuwandeln, anstatt die
-Engländer, um ein Wort Bismarcks anläßlich der Belagerung von Paris zu
-gebrauchen, „in ihrem eigenen Fett schmoren zu lassen”. Wenn zeitweise
-deutsche Staatskommissare auftraten, um die Forderungen englischer
-Niederlassungen gegen deutsche Firmen einzutreiben, und wenn deutsche
-Gerichte gar die von einer deutschen Firma erbetene Frist von drei
-Monaten zur Bezahlung der Schuld nicht genehmigten, und wenn bis heute
-nicht Vorsorge getroffen ist, daß man mindestens solche Forderungen
-mit Forderungen an England zahlen kann, so zeigt das eine bedenkliche
-Lücke in unseren Gegenmaßregeln, die ebenso unbedingt ausgefüllt
-werden muß, wie für einen Ausgleich zwischen deutschen Gläubigern
-und Schuldnern gegenüber England Sorge zu tragen ist. Englands
-Ausfuhr nach Deutschland betrug im Jahre 1913 (nach der deutschen
-Handelsstatistik) 876,1 Millionen Mark, die Einfuhr deutscher Waren
-nach England 1438 Millionen Mark, die Ausfuhr Englands _und seiner
-Kolonien_ nach Deutschland betrug jedoch im Jahre 1913 2090 Millionen
-Mark, die Einfuhr deutscher Waren dahin 1849 Millionen Mark. Nimmt
-man diese Zahlen als Grundlage, so wird man immerhin erkennen, daß
-durch die gegenseitig getroffenen Maßnahmen doch auch die englischen
-Gläubiger Deutschlands mitbetroffen sind, so daß sich auch hier
-deutsche Forderungen zum Teil ausgleichen dürften.
-
-Völlig versagt hat aber schließlich die Hoffnung Englands, sich während
-der Zeit des Krieges gewissermaßen die Kundschaft Deutschlands --
-nebenbei vielleicht, wie bekannt gewordene englische Offerten nach
-Südamerika zeigen, auch die des mit ihm verbündeten Frankreich --
-anzueignen und Deutschland vom Weltmarkt zu verdrängen. Wenn man die
-Grundlagen der deutschen Beherrschung des Weltmarktes sich vor Augen
-hält, so muß man sich von vornherein sagen, daß eine Vernichtung des
-deutschen Handels gar nicht möglich ist. Die Eigenschaften, welche
-dem Deutschen trotz mancher Ungunst seine Stellung im Welthandel
-erobert hat, lassen sich nicht in wenigen Monaten adoptieren. Wenn
-man in London unter Vorsitz Lord Haldanes das Problem studieren will,
-wie man den Vorsprung Deutschlands auf dem Gebiete der chemischen
-Industrie wettmachen könne, wenn man Ausstellungen von deutschen Waren
-veranstaltet, um die englische Industrie zur Nachahmung zu veranlassen,
-so vergißt man, daß man den Vorsprung deutscher Wissenschaft nicht
-durch Konferenzen einholen kann, und daß man weiter gegen die ganze
-konservative Natur des englischen Volkes ankämpfen müßte, wenn man
-es mit den Eigenschaften ausstatten will, die dem deutschen Volk den
-Vorsprung geschaffen haben. Für die mit so großem Lärm angekündigte
-Gründung einer Anilinfarbenfabrik mit 60 Millionen Mark Kapital fehlen
-die Aktienzeichner, weil, wie aus dem Gutachten der Handelskammer in
-Leeds und des Economist sich ergab, man sich dessen bewußt ist, daß
-mit Kapital allein ein auf deutscher Wissenschaftlichkeit beruhender
-Vorsprung nicht einzuholen ist. Ebenso dürfte die in Aussicht genommene
-Übertragung der Leipziger Messe nach London oder Birmingham ein frommer
-Wunsch bleiben. Leipzigs Weltstellung als Handelsplatz ist durch
-jahrhundertelange Tradition ebenso begründet wie durch Deutschlands
-Stellung auf dem Weltmarkt, während Londons Markt beispielsweise in
-bezug auf seine Stellung für die Weltnotierung vieler Metalle (Rohzink,
-Blei) sich nur auf die Tradition berufen kann, während es in der
-Produktion hinter den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland
-steht. Auch die angekündigte Entsendung von Handelssachverständigen
-nach Deutschland und Österreich-Ungarn, sowie die Veranstaltung von
-Ausstellungen deutscher Erzeugnisse zum Zwecke der Nachahmung durch
-englische Firmen, wie es in Birmingham geschah, dürfte vergeblich sein.
-Was den Engländern in bezug auf den Welthandel in Jahrzehnten nicht
-gelungen ist, wird ihnen jetzt auch nicht gelingen. Zudem darf England
-nicht vergessen, daß ein Weltkrieg wie der jetzige auch alle Völker der
-Welt in Mitleidenschaft zieht, so daß nirgends eine starke Kaufkraft
-vorhanden ist, Neuinvestierungen von Kapital, Vergrößerung von
-Unternehmungen werden nicht vorgenommen werden, solange der Weltkrieg
-tobt. So wie mit einem Schlag alle Börsen der Welt ihre Tätigkeit
-einstellten, weil der Pulsschlag des Wirtschaftslebens stockte, so wird
-dies auch während der ganzen Kriegsdauer bleiben. Es kann sein, daß
-Deutschland nach Beendigung des Krieges vielleicht in den feindlichen
-Ländern zu leiden hat unter einer gewissen Boykottstimmung, die aus
-dem namentlich durch die Beherrschung des Nachrichtendienstes durch
-England genährten Haß hervorgeht, daß sich aber in den neutralen
-Ländern, namentlich nachdem sich die Wahrheit über den Krieg mehr
-und mehr durchsetzt, die Nachfrage nach deutschen Waren in demselben
-Maße geltend machen wird wie bisher. Aus Liebe für uns hat uns noch
-niemand etwas abgekauft, die Völker haben uns das abgekauft, was sie
-mit demselben Preis und in derselben Qualität woanders nicht erhalten
-konnten. Das war bisher so, das wird auch in Zukunft so bleiben.
-
-Andererseits leidet neben dem deutschen Außenhandel schon jetzt der
-englische ganz gewaltig. In den ersten drei Monaten nach Ausbruch
-des Krieges ist Englands Außenhandel um mehr als zwei Milliarden
-zurückgegangen, bis zum 31. Dezember hat sich diese Verminderung bis
-auf 3½ Milliarden Mark, davon 1816 Millionen Mark in der Ausfuhr
-gesteigert! Neben dem Ausfall des 2-Milliarden-Konsums Deutschlands
-aus England und seinen Kolonien und der geminderten Kaufkraft der
-neutralen Länder tritt vor allen Dingen zutage, daß die Wirkungen
-des Krieges sich in den mit England verbündeten Ländern weit mehr
-zeigt als irgendwo in der Welt. Ein nicht unbeträchtlicher Teil von
-Frankreich ist in deutschem Besitz, und ganz Belgien ist ebenfalls
-von den Deutschen besetzt, die gesamte englische Ausfuhr nach Belgien
-und Nordfrankreich sowie nach den übrigen besetzten Gebieten ist damit
-erledigt. Aber auch das übrige Frankreich, dessen Rentner jetzt ihre
-Zinszahlung auf russische Papiere aus französischen Taschen erhalten,
-ist nicht mehr in der Lage, große Warenabschlüsse mit England zu
-machen. Das gleiche gilt auch von Rußland. Die Ziffer der Verringerung
-des englischen Welthandels zeigt bereits mit Sicherheit, daß England
-sich auf abschüssiger Bahn befindet und daß seine Hoffnung auf
-Erringung des Weltmarktes sich nach dieser Richtung nicht erfüllen
-wird. Andererseits spürt England, das uns aushungern wollte, die
-Preissteigerung aller Lebensmittel in seinem Innern, dazu steigen
-die Frachtraten, namentlich seit der Unterseebootsblockade, ins
-Ungemessene, und schon erwägt man auch in England die Festsetzung
-von Höchstpreisen. Dazu tritt Rohstoffmangel in Zink, Indigo,
-Chemikalien und anderen Stoffen. Daher jetzt die maßlose Brutalität,
-mit der eine maßgebende englische Fachzeitschrift empfiehlt, daß die
-verbündeten Heere, sobald sie nach dem Rheinland vorgedrungen sind,
-alle industriellen Unternehmungen Deutschlands derartig zerstören
-sollten, daß an einen Wiederaufbau derselben überhaupt nicht gedacht
-werden könne. Ein Zeichen dafür, wie weit der wirtschaftliche Neid in
-England die Triebfeder dieses Weltkrieges ist! -- und ein freundlicher
-Wunsch, dem zur Erfüllung nur das eine fehlt, daß die verbündeten
-Heere auf deutschem Boden ständen und nicht die Deutschen auf
-französischem. Die weiteren Hoffnungen, Deutschland durch den Krieg
-selbst volkswirtschaftlich zu schaden, sind völlig zuschanden geworden.
-Jeder von uns, der das stark pulsierende Leben in Deutschland seit
-Ausbruch des Krieges miterlebt hat, wird sich davon überzeugt haben.
-Die Arbeitslosigkeit ist dauernd zurückgegangen. Manche große Bezirke,
-und zwar nicht nur die Werkstätten von Krupp und die Werften in
-Wilhelmshaven, sondern auch Industriebezirke wie Chemnitz, die zunächst
-unter dem Krieg litten, arbeiten in angestrengtester Tätigkeit. Die
-Milliardenaufträge der Militärlieferungen sind, wenn auch nicht immer
-in die richtigen Hände, so doch in ihrer Gesamtheit der deutschen
-Volkswirtschaft zugute gekommen.
-
-Unsere gesamte Ausfuhr betrug 1913 etwas über 10 Milliarden Mark,
-schon heute aber sind 10 Milliarden Mark für den Krieg bewilligt,
-die in Aufträgen an die deutsche Industrie und die deutsche
-Landwirtschaft wieder zum Ausdruck kommen, so daß die Ausfälle des
-Außenhandels durch die Kriegslieferungen mehr als ausgeglichen sind.
-Mögen die Staatsschulden des Reiches dadurch wachsen, die deutsche
-Volkswirtschaft verliert nicht einen Pfennig von dieser gewaltigen
-Summe, denn das Ausland ist an Militärlieferungen nur in ganz geringem
-Maße beteiligt. Die vielen Millionen Mark an Gehältern und Löhnen, die
-Summen, die von den deutschen Truppen in die Heimat zurückgeschickt
-werden, haben zusammen mit den staatlichen Unterstützungen die
-Kaufkraft der Bevölkerung fast ungeschwächt erhalten, und wer das Leben
-und Treiben in den Weihnachtstagen in den deutschen Großstädten sah,
-der konnte einen Unterschied zwischen den Dezembertagen 1914 und denen
-von 1913 fast überhaupt nicht finden.
-
-Wie stark die finanzielle Position Deutschlands ist, zeigt der
-glänzende Erfolg der Kriegsanleihe, zeigt der fortgesetzt gesteigerte
-Goldbestand der Reichsbank, der Ende Februar 1915 um 1 Milliarde
-höher war als zu Beginn des Krieges, zeigt die Herabsetzung des
-Reichsbankdiskonts um 1 % am Ende des Jahres. Wie sehr auf der
-anderen Seite England gelitten hat, das geht aus den verschiedensten
-Momenten hervor. Deutschland war Groß-Englands großer Abnehmer mit
-2090 Millionen Mark. Frankreich, Rußland und Belgien haben insgesamt
-1576,58 Millionen Mark sonst aus England allein bezogen, auch diese
-Ausfuhr dürfte, wie vorher ausgeführt, zum großen Teil verloren sein.
-Die ganze Textilindustrie leidet unter der Nichtzufuhr deutscher
-Chemikalien ebenso wie unter dem Ausbleiben pharmazeutischer Mittel,
-und von seinen Spindeln feiern etwa die Hälfte. Die äußerlich glänzende
-finanzielle Position der Bank von England wird, wie Rießer ausführt,
-auf den richtigen Stand zurückgeführt, wenn man bedenkt, daß die
-Erhöhung des Goldbestandes nicht etwa zu Stande gekommen ist durch
-den englischen Markt, sondern durch Überführung der Bestände der
-Nationalbank in Brüssel sowie der Bank von Frankreich in Paris. Der
-Umstand, daß England gezwungen war, ein Moratorium einzuführen, das
-Deutschland vermeiden konnte, der Umstand weiter, daß am 2. August
-der Diskont der Bank von England auf 10 % erhöht werden mußte, daß die
-Golddeckung der Noten der Bank von England bis auf 15,8 % sank, zeigt am
-besten, wie ungeheuerlich der Gedanke des Kriegs mit Deutschland den
-englischen finanziellen Markt in Anspruch genommen hat. Die einzelnen
-finanziellen Transaktionen Englands in bezug auf die Unterstützung
-seiner Verbündeten durch Vorschüsse, in bezug auf Deckung der
-englischen Anleihe durch Vorschüsse der Bank von England hat Rießer
-in seinem Buch „England und wir” im einzelnen dargelegt, so daß sich
-ein näheres Eingehen an dieser Stelle erübrigt. Schon heute aber sei
-das eine gesagt, daß ebenso wie die ohne Grundlage festgehaltene
-Tradition von Englands unüberwindlicher Flotte durch die Taten
-deutscher Kreuzer zerstört worden ist, so auch die herrschende Stellung
-der Bank von England zerstört worden ist und ebenso der Glaube an die
-Unerschütterlichkeit des englischen Wirtschaftslebens. Schon steht
-Neuyork bereit da, um die Erbschaft zu übernehmen; die „Times” selbst
-muß neutrale Länder, welche Kapital suchen, auf den amerikanischen
-Markt verweisen, und die amerikanische Zeitschrift „~The Commercial
-and Financial Chronicle~” attestiert den englischen Freunden, „daß
-_England_ wegen einer ganzen Reihe durch den Krieg hervorgerufener
-Vorgänge _sein Ansehen und seine finanzielle Kraft verloren hat_”.
-Wie die Verhältnisse in Deutschland selbst auf England wirken, zeigt
-der Bericht, den die „Daily Mail” unter dem Titel „Deutschland von
-innen gesehen” von einem nach Deutschland entsandten, wahrscheinlich
-amerikanischen Berichterstatter schreiben läßt, und der als Ergebnis
-seiner wochenlangen Beobachtungen die Stimmung in Deutschland wie
-folgt niederschreibt: „Deutschland zeigt das Bild eines großen Landes,
-geeint, wie es niemals früher in seiner Geschichte gewesen ist, voll
-von Siegeszuversicht, weil es entschlossen ist zu siegen und dafür
-organisiert ist, mit ungeheuren und, wie es glaubt, unerschöpflichen
-Hilfsquellen von Menschen und Rüstungsvorräten, nicht erschüttert
-durch schwere Verluste, nicht geschreckt und, abgesehen von wenigen
-Fällen, auch fast nicht betroffen von dem wirtschaftlichen Druck der
-britischen Seeherrschaft. Beherrscht von einem verzehrenden Haß gegen
-England, alle seine geistige, körperliche und Willenskraft in den Kampf
-hineinschleudernd, mit manchen Illusionen genährt, aber auch gestützt
-von demselben Geist ausdauernder Opferwilligkeit, die Friedrich den
-Großen triumphierend durch das glühende Gottesurteil des Siebenjährigen
-Krieges brachte. Wir müssen Deutschland in diesen Eigenschaften der
-Kühnheit und rücksichtslosen Ergebenheit, von denen es ein so weithin
-leuchtendes Beispiel gibt, zunächst einmal gleichkommen und dann es
-übertreffen.”
-
-Wir sehen somit als Ergebnis, daß alle Versuche Englands, die vor
-dem Kriege unternommen worden sind, um Deutschlands wirtschaftliche
-Stellung auf dem Weltmarkte zu zerstören, abgeprallt sind an
-der Leistungsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft. Nur das
-Weltkolonialreich hält England überhaupt noch die Stellung an der
-Spitze des Welthandels. Sein Gesetz „~Made in Germany~” vernichtete
-nicht die deutsche Warenausfuhr, sondern wurde ein Ehrenzeichen, sein
-Patentgesetz vermochte Unbequemlichkeiten zu verursachen, ohne die
-erhoffte Wirkung auszuüben, seine Schiffahrtsubventionen brachten
-ihm einen äußerlichen Erfolg, der durch die großen deutschen Schiffe
-längst wettgemacht worden ist. Für den verschlossenen Handel mit
-seinen Kolonien fanden wir andere Absatzgebiete in der Welt, seine
-Maßnahmen gegen uns waren Nadelstiche, die uns hier und da trafen,
-die aber nicht in der Lage waren, das mächtige Gebäude der deutschen
-Volkswirtschaft zu schädigen. Es steht noch genau so festgefügt da und
-wird so dastehen auch nach dem Kriege. Wir werden neue Wege finden,
-wenn es England gelingen sollte, uns einen Teil unseres Exportes
-abzunehmen; die Deutschen selbst werden in Zukunft hoffentlich auf
-unnötige fremdländische Erzeugnisse gern verzichten, und die Affenliebe
-des deutschen Volkes für das Ausländische um des Ausländischen wegen
-wird einen starken Stoß erlitten haben. In der Möglichkeit einer
-mitteleuropäischen Zollverständigung ist die Möglichkeit gegeben, ein
-gewaltiges Wirtschaftsgebiet von 120-150 Millionen Einwohnern dem
-~Greater Britain~ Chamberlains gegenüberzustellen und dadurch jeden
-Schlag zu parieren, der etwa von England geplant sein sollte.
-
-Auf politischem Gebiete aber muß dieser Krieg, der für Deutschland
-nur siegreich enden kann, wenn es überhaupt noch eine Moral in der
-Weltgeschichte gibt, das Ende der Monopolstellung Englands bringen.
-England in Schach zu halten ist unsere politische Aufgabe, wenn wir der
-Welt die Freiheit des Wirtschaftskampfes wiedergeben wollen, die unter
-Englands Monopolherrschaft heute leidet. Wir erstreben für uns keine
-Weltherrschaft, nicht die Unterdrückung anderer Völker, aber den freien
-Weg in die Meere, deutsche Stützpunkte für die deutsche Flotte genau
-so, wie englische für die englische Flotte bestehen, weitere Ausdehnung
-des Kolonialbesitzes und im übrigen den freien Wettbewerb mit allen
-Völkern der Erde ohne einseitige Vorzugsstellung für uns, aber auch
-ohne Vorzugsstellung für andere Länder. Finden wir den Weg in diese
-Freiheit, dann wird diese Freiheit, des sind wir sicher, in Zukunft im
-Wirtschaftskampf zwischen England und Deutschland die erste Stelle im
-Welthandel dem jungen deutschen Volke zuerkennen.
-
-
-
-
- +------------------------------------------------------------------+
- | Anmerkungen zur Transkription |
- | |
- | Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen |
- | gebräuchlich waren, wie: |
- | |
- | Bedarfes -- Bedarfs |
- | inneren -- Innern |
- | Krieges -- Kriegs |
- | |
- | Folgende Änderungen wurden vorgenommen: |
- | |
- | S. 16 „Kiautschau” in „Kiautschou” geändert. |
- | S. 21 „Chikago” in „Chicago” geändert. |
- | S. 21 „Rio Grande del Sul” in „Rio Grande do Sul” geändert. |
- | S. 36 „Sowie” in „So wie” geändert. |
- +------------------------------------------------------------------+
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-
-***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ENGLANDS WIRTSCHAFTSKRIEG GEGEN
-DEUTSCHLAND***
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-<h1>The Project Gutenberg eBook, Englands Wirtschaftskrieg gegen Deutschland,
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-<p>Title: Englands Wirtschaftskrieg gegen Deutschland</p>
-<p>Author: Gustav Stresemann</p>
-<p>Release Date: November 15, 2015 [eBook #50459]</p>
-<p>Language: German</p>
-<p>Character set encoding: ISO-8859-1</p>
-<p>***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ENGLANDS WIRTSCHAFTSKRIEG GEGEN DEUTSCHLAND***</p>
-<p>&nbsp;</p>
-<h4>E-text prepared by Peter Becker<br />
- and the Online Distributed Proofreading Team<br />
- (<a href="http://www.pgdp.net">http://www.pgdp.net</a>)<br />
- from page images generously made available by<br />
- the Staatsbibliothek zu Berlin<br />
- (<a href="http://staatsbibliothek-berlin.de">http://staatsbibliothek-berlin.de</a>)</h4>
-<p>&nbsp;</p>
-<table border="0" style="background-color: #ccccff;margin: 0 auto;" cellpadding="10">
- <tr>
- <td valign="top">
- Note:
- </td>
- <td>
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- </td>
- </tr>
-</table>
-<p>&nbsp;</p>
-<hr class="full" />
-<p>&nbsp;</p>
-<p>&nbsp;</p>
-<p>&nbsp;</p>
-
-<h1>Englands Wirtschaftskrieg<br />
-gegen Deutschland</h1>
-
-<p class="center">Von</p>
-
-<p class="center bigger">Dr. Gustav Stresemann</p>
-
-<p class="center">Mitglied des Reichstages</p>
-
-<div class="figcenter" style="width: 100px;">
-<img src="images/logo.png" width="100" height="127" alt="" />
-</div>
-
-<p class="center">Deutsche Verlags-Anstalt<br />
-Stuttgart und Berlin 1915
-</p>
-
-
-
-
-
-<p class="center p6 b10 pagebreak">
-Alle Rechte vorbehalten<br />
-<br />
-Druck der<br />
-Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart<br />
-Papier von der Papierfabrik Salach<br />
-in Salach, Wrttemberg<br />
-</p>
-
-
-
-<h2 title="Englands Wirtschaftskrieg
-gegen Deutschland">
-<span class="pagenum pagenumh2"><a name="Seite_5" id="Seite_5">[S. 5]</a></span></h2>
-
-
-
-
-<p class="right70 p4">
-Auf deiner Insel,<br />
-neidisches England,<br />
-du bist der Urfeind.<br />
-</p>
-<p class="right">
-Schmidtbonn
-</p>
-
-<p>Seit den Zeiten, in denen franzsische Eroberungslust unter
-Ludwig&nbsp;XIV. die deutsche Pfalz verwstete, den Zeiten,
-von denen die Ruinen des Heidelberger Schlosses zeugen, gilt
-ber Napoleon I. und seinen kleinen Namenstrger Napoleon&nbsp;III.
-hinweg bis in die Zeiten der franzsischen Revanchepolitiker, der
-Augenblickserscheinung eines Boulanger und der Politik eines
-Delcass, Frankreich schlechthin als der Erbfeind der deutschen
-Nation. Allen Deutschen war der Gedanke gegenwrtig, da
-um das Deutsche Reich, welches auf den Schlachtfeldern errungen
-war, noch einmal auf den Schlachtfeldern gestritten werden mte,
-um seine Existenz zu bewahren. Westwrts war der deutsche Blick
-in diesem Sinn gerichtet, und wenn in Stunden der Erinnerung
-an deutsche militrische Grotaten die Herzen sich weiteten und
-der Deutsche zum Ausdruck bringen wollte, da er sein Vaterland
-schtzen werde gegen jeden Angriff, der von auen kme, dann
-sprach er von der Wacht am Rhein und davon, da Deutschlands
-schnster Strom mit dem Herzblut des deutschen Volkes verteidigt
-werden wrde.</p>
-
-<p>50 Jahre des Friedens hat uns Moltke als das Hchstma
-dessen genannt, was uns beschieden sein wrde, bis wir wieder zum
-Schwerte zu greifen htten. Ehe noch dieses halbe Jahrhundert
-verflossen war, ist der Weltkrieg ausgebrochen, der gegenwrtig in
-allen Erdteilen Kmpfer aufruft. Von dem ersten Augenblicke an,
-in dem es klar war, da wir diesen Kampf zu bestehen htten, da
-scholl wie in alter Zeit die Wacht am Rhein aus den Kehlen der
-Deutschen. Aber die Augen und der Sinn richteten sich nicht so
-sehr gegen Westen hin, wo Frankreich seine Heere aufgestellt hatte,
-um Revanche zu nehmen fr Sedan und Metz und den Einzug in
-Paris, auch nicht so sehr nach dem Osten hin, wo Millionenheere
-bereit standen, um ber deutsche Gaue herzufallen, wie nach der
-Nordsee, nach England.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_6" id="Seite_6">[S. 6]</a></span>
-
-Fast jeder der am Weltkrieg beteiligten Staaten hat in der
-Zwischenzeit Dokumente erscheinen lassen ber den Ursprung des
-Krieges. Jeder sucht durch Zusammen Stellung von allerlei Beweisstcken
-die Verantwortung fr den Ursprung des Krieges dem
-Gegner zuzuschieben. Fr den Historiker spterer Zeiten werden
-diese Weibcher und Gelbbcher, und wie sie alle genannt seien,
-ihren wenn auch bedingten Wert haben. Helfferich hat auf
-Grund einer Vergleichung dieser Dokumente das Wort von
-Ruland als dem Brandstifter dieses Krieges geprgt. Aber
-der Volksinstinkt, jene unwgbare Seelen Stimmung des Volkes,
-von der Bismarck einst sprach, hat lngst erkannt, da es sich
-in diesem Weltkrieg nicht handelt um die Mordtat in Serajewo
-und deren Shnung, nicht handelt in erster Linie um russischen
-Expansionsdrang oder franzsische Revanchelust, sondern da es
-den Kampf gilt zwischen England und Deutschland, einen Kampf
-um Leben und Tod, einen Kampf um Gre oder um Untergang,
-nicht herausgeboren aus vlkischen und politischen Gegenstzen
-der Nationen, nicht herausgeboren aus dem Gefhl, empfangene
-Niederlage auf dem Schlachtfeld zu shnen, sondern um
-einen Kampf, herausgeboren aus wirtschaftlichen Beweggrnden,
-der als der gigantischste Wirtschaftskampf aller Zeiten dastehen
-wird und der im deutschen Volk lodernden Zorn mit vollem Recht
-deshalb ausgelst hat, weil seine Motive letzten Endes in der aus
-dem Hochmutsgefhl der Weltherrschaftsbestimmung entspringenden
-Erregung gegen einen unbequemen Wettbewerber und in einem
-schrankenlosen Erwerbsdrang liegen. Das deutsche Gefhl, das
-seit Scharnhorsts Zeiten in dem Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht
-seine hchste Ehre sieht, wendet sich mit Verachtung hinweg
-von einem Land, das mit Sldnern seine Kriege fhrt, die alte
-Traumjrgnatur des Deutschen fhlt sich abgestoen von der khlen,
-rechnerischen Natur eines englischen Ministers, der davon spricht,
-da dieser Kampf gefhrt werden mu bis zur letzten silbernen
-Kugel. Der Gegensatz Rom-Karthago steigt im 20. Jahrhundert
-erneut auf, und die Welt hlt den Atem an, um zu sehen, wer in
-diesem Ringen Sieger bleiben wird.</p>
-
-<p>Mit dieser Stimmung des deutschen Volkes gegen England
-sind vor allem die weitesten Kreise der Industrie und des Handels
-einig. Als die Nachricht von der Niederlage Englands bei St. Quentin
-an der Brse zu Hamburg bekannt wurde, da spielten sich dort
-Szenen eines Freudenausbruches ab, die man dem korrekt steifen<span class="pagenum"><a name="Seite_7" id="Seite_7">[S. 7]</a></span>
-Hamburger Kaufmannsstand kaum zugetraut htte. Um die
-Jahreswende 1914 hat die &#8222;Korporation eines ehrbaren Kaufmannes&#8221;
-zu Hamburg in einer Kundgebung an den deutschen
-Reichskanzler als Empfindung der Hamburger Kaufleute zum
-Ausdruck gebracht, &#8222;sie (die Hamburger Kaufleute) achteten nicht
-der Verluste an Geld und Gut zu einer Zeit, da alle Shne und
-Brder voller Begeisterung in einen Kampf ziehen, der fr die Erhaltung
-des Vaterlandes gefhrt wird und der nach so schweren
-Opfern nicht eher beendet werden darf, als bis <em class="gesperrt">die Zerstrer
-des Weltfriedens, vor allem das in seiner Kriegfhrung
-nicht nur dem Vlkerrecht, sondern jeder Gesittung
-und Ritterlichkeit hohnsprechenden England</em> gezwungen
-worden ist, Deutschland volle Freiheit in der friedlichen
-Weiterentwicklung seiner internationalen und wirtschaftlichen Krfte
-zu gewhrleisten&#8221;.</p>
-
-<p>In gleichem Sinne hat der Vorsitzende der Bremer Handelskammer,
-Lohmann, an demselben Tage als Vertreter dieser Handelsstadt
-mit ihren vielseitigen Verbindungen zu England und dessen
-Kolonien der staunenden Frage Ausdruck gegeben, wie blinder Geschftsneid
-gegen die erfolgreiche Weiterentwicklung seines deutschen
-Wettbewerbers England zur Kriegserklrung gegen Deutschland
-veranlassen konnte. Zur Erklrung verwies er auf die Worte des
-englischen Admirals Monk bei der Zerstrung von Neu-Amsterdam,
-jetzt Neuyork: &#8222;Was wollen wir uns erst mit Grnden abgeben?
-Was wir brauchen, ist mehr von dem Handel, den jetzt die Hollnder
-haben.&#8221;</p>
-
-<p>Beim 250jhrigen Jubilum der Hamburger Handelskammer
-klang es aus den Ansprachen Hamburger Kaufleute erneut heraus,
-da Deutschland sich seinen Platz in der Welt von niemand nehmen
-lassen wolle, &#8222;von niemand, zum wenigsten von diesen Englndern,
-die diesen Krieg heraufbeschworen haben, von diesen Englndern,
-von denen Houston Stewart Chamberlain sagt, da sie in ihrer
-Moral und als Staat morsch seien bis auf die Knochen. Neid und
-Niedertracht haben diesen Krieg hervorgerufen, weil wir es in der
-Welt, in Handel, Schiffahrt und Industrie vorwrts gebracht
-haben, weil wir fleiig gewesen sind und etwas gelernt haben.&#8221; Aus
-den Kreisen der deutschen Flotte klingt es noch strker heraus: &#8222;Mit
-allen Fasern unseres Herzens mssen wir danach trachten, England
-zu vernichten. Wenn je ein Ha berechtigt war, so ist es der gegen
-England. <em class="gesperrt">England niederzuwerfen ist geradezu eine<span class="pagenum"><a name="Seite_8" id="Seite_8">[S. 8]</a></span>
-Kulturtat</em>,&#8221; so sprach Vizeadmiral v. Kirchhoff in Gegenwart des
-Knigs von Sachsen unter allgemeiner Zustimmung in Dresden.</p>
-
-<p>Da in diesem Ringen nach allen Seiten hin sich alter deutscher
-Waffenruhm bewhren wrde auf dem Gebiet der Heereskmpfe,
-das hat niemand anders erwartet, da er sich so herrlich bewhren
-wrde auf dem freien Meere, das ist vielen in der Welt berraschend
-gekommen, whrend allerdings demjenigen, der die zielbewute
-Arbeit der deutschen Flotte seit Jahren beobachtet hatte,
-von vornherein vor Augen stand, da sie in glnzender Weise ihre
-Pflicht erfllen wrde. Mit liebevoller Anteilnahme ist der Deutsche
-den Waffentaten unserer jungen Flotte gefolgt, kann sich doch trotz
-allem, was an Poesie vergangen ist, seitdem die hohen Masten
-und Segel ersetzt worden sind durch die nchternen Schornsteine,
-die Phantasie vielmehr knpfen an den schlanken Rumpf eines
-Schiffes, das einen Namen trgt, der gewissermaen Persnlichkeit
-verleiht, als wenn im Kampf der Millionen gegen die Millionen
-die Bedeutung der Einzelpersnlichkeit und der Ruhm einzelner
-Regimenter sich verliert und nur wie leuchtende Sterne Namen
-einzelner Heerfhrer hervorleuchten. Die khnen Fahrten deutscher
-Unterseeboote, der Sieg des deutschen Geschwaders an der chilenischen
-Kste und sein heldenhafter Untergang an den Falklandsinseln,
-der prchtige Durchbruch der &#8222;Goeben&#8221; und der &#8222;Breslau&#8221;
-aus der Bucht von Messina, die Fahrten deutscher Schiffe an Englands
-Kste, die von Romantik umwobenen Taten der &#8222;Emden&#8221;
-und der &#8222;Karlsruhe&#8221;, davon wird man noch singen und sagen in
-spten Zeiten. Noch ist in dem Augenblick, in dem diese Zeilen
-niedergeschrieben werden, keine Entscheidung des Krieges gefallen,
-aber eines steht schon heute fest, da etwas zugrunde gegangen ist,
-worauf Englands Weltherrschaft in der Welt zum grten Teil
-beruhte, da zugrunde gegangen ist die Tradition von Englands
-Unberwindlichkeit zur See, zugrunde gegangen die Tradition von
-Englands unberwindlicher Flotte. Mit nchternen Worten hat
-der Leiter der grten Dampfschiffreederei der Welt, hat Herr
-Ballin derjenigen englischen Zeitung, die ihm Kleinmut sowie den
-Ausspruch andichtete, da die Mglichkeit eines erfolgreichen Ausganges
-des Kampfes gegen England ausgeschlossen sei, gesagt:
-&#8222;Meines Erachtens ist England heute schon besiegt, denn ein England,
-das in einem solchen Kriege seine Flotte versteckt und sich nicht
-mehr aufs Meer hinaus traut, hat aufgehrt, das alte England zu
-sein. Es hat vor allen Dingen sich damit ein fr allemal des Rechts<span class="pagenum"><a name="Seite_9" id="Seite_9">[S. 9]</a></span>
-begeben, mitzusprechen, wenn es sich um eine Frage des europischen
-Gleichgewichts handelt.&#8221;</p>
-
-<p>Besser als alle Lgen der Gegner hat der Kanonendonner an
-der chilenischen Kste die Mglichkeit dieses Sieges gezeigt. Dem
-endgltigen Sieg in groer, entscheidungsvoller Stunde sehen die
-deutschen Herzen sehnsuchtsvoll erwartend entgegen.</p>
-
-<p>Aber der Kampf zwischen England und Deutschland wird
-auch auf anderem Gebiet entschieden, auf dem Gebiete des Wirtschaftskampfes
-beider Vlker, und von diesem Wirtschaftskampf,
-von seinen Ursachen, seinen Mitteln und seinem voraussichtlichen
-Ausgange soll die Rede sein in diesen Blttern.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>Die Entwicklung des Wirtschaftskampfes zwischen England
-und Deutschland fllt erst in die Zeit nach Errichtung des Deutschen
-Reiches und nach seinem gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung,
-der zusammenfassend niedergelegt worden ist einmal in der seinerzeitigen
-Denkschrift ber die Entwicklung der deutschen Seeinteressen,
-die das Reichsmarineamt um die Wende des 20. Jahrhunderts
-herausgab, und erneut zutage trat in den Verffentlichungen, die
-anllich des Regierungsjubilums erschienen sind. Ich denke an
-die Schrift von Helfferich ber den Volkswohlstand Deutschlands,
-ferner an die hervorragende Zusammenstellung, welche Dr.&nbsp;Hjalmar
-Schacht, der Direktor der Dresdener Bank, ber die wirtschaftlichen
-Krfte Deutschlands verfat hat, an Steinmann-Buchers verdienstvolle,
-aufklrende Schriften und die wertvollen Arbeiten in den
-vielen politischen und wirtschaftlichen Rckblicken jener Tage. Die
-Ziffern, die in genannten volkswirtschaftlichen Schriften niedergelegt
-sind, stellen das Endergebnis einer Entwicklung von Jahrzehnten
-dar, einer Entwicklung, die unmglich gewesen wre ohne
-die politische Einheit, zu welcher das Deutsche Reich sich 1870
-emporgerungen hatte, als der deutsche Idealismus der Frankfurter
-Paulskirche sich mit der Realpolitik Bismarcks vermhlte.</p>
-
-<p>Es ist ein weiter Weg, der von den Tagen, in denen in der schwarzrotgoldenen
-Begeisterung der deutschen Jugend zum erstenmal der
-Gedanke der deutschen Freiheit und Einheit aufflammte, bis zum
-18.&nbsp;Januar 1871, wo durch eine Politik von Blut und Eisen das
-junge Reich geschmiedet wurde, auf deren Notwendigkeit vor dem
-Realpolitiker Bismarck bereits selbst einer der achtundvierziger
-Sturmgesellen, Gottfried Kinkel, in seiner Verteidigungsrede vor den<span class="pagenum"><a name="Seite_10" id="Seite_10">[S. 10]</a></span>
-Geschworenen hingewiesen hatte. Wir haben in den letzten Jahren
-die Gedenkfeiern begangen an die deutschen Freiheitskmpfe. Wir
-haben das gigantische Denkmal auf Leipzigs Fluren, das in markiger
-Weise zum Ausdruck bringt, was damals namentlich das preuische
-Volk geleistet hat, errichtet. Es ist selbstverstndlich, da preuisch-deutsche
-Auffassung diese Zeiten und Kmpfe ansieht als die Erlsungskmpfe
-vom Joche Napoleons I., da sie deshalb in dem Zusammenbruch
-der militrischen Macht des groen Eroberers auch den Sieg
-begrte, durch den die franzsische Herrschaft auf deutschem Boden
-zerstrt wurde. Die deutsche Schulerziehung stellt Napoleon I. als
-einen gewaltttigen Eroberer hin, der sich nur wohlfhlte in einem
-Meer von Blut, der von Krieg zu Krieg schritt, bis seine Krfte im
-russischen Eise erstarrten, bis das niedergedrckte preuische Volk
-sich mit Einsetzung aller Krfte gegen den Eroberer erhob. Wir
-wissen heute aus den Schriften von Lenz und von anderen, da dieses
-Bild, wenn es so gezeichnet ist, gewaltige Verzerrungen aufweist.
-Wir wissen, da der Mann, der den Code Napoleon schrieb, der
-ein gewaltiger Verwaltungsknstler war, der Mann, in dessen
-Kopf zuerst der Gedanke der Wertzuwachssteuer entstand, der auch
-den Knig von Preuen 1806 noch warnte, den Kampf gegen ihn
-aufzunehmen, trotzdem er seines Sieges gewi war, nicht den Krieg
-um des Krieges willen fhrte, und wir wissen auch, da das ihm
-vorschwebende gewaltige Ziel nicht die dauernde Unterdrckung
-Deutschlands-Preuens, sondern die Aufrichtung der Hegemonie
-Frankreichs ber England war.</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">&#8222;Zwo gewaltige Nationen ringen<br /></span>
-<span class="i0">um der Welt alleinigen Besitz,<br /></span>
-<span class="i0">aller Lnder Freiheit zu verschlingen,<br /></span>
-<span class="i0">schwingen sie den Dreizack und den Blitz.<br /></span>
-<span class="i0">Seine Handelsflotten streckt der Brite<br /></span>
-<span class="i0">gierig wie Polypenarme aus,<br /></span>
-<span class="i0">und das Reich der freien Amphitrite<br /></span>
-<span class="i0">will er schlieen wie sein eignes Haus.&#8221;<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>Mit diesen Worten hat Schiller das anbrechende 19. Jahrhundert
-geschildert. Gerade in der Gegenwart hat die Erinnerung
-an diesen Weltkampf erneuten Reiz gewonnen. Welche Bilder
-steigen vor unserem Geiste auf! Das Bild Napoleons, der in
-gypten angesichts der tausendjhrigen Pyramiden Englands Weltherrschaft
-hier an ihrer empfindlichsten Stelle treffen wollte, und
-der Napoleon, der im Lager von Boulogne sur Mer seine Transportschiffe
-liegen hat, um sein Heer nach England berzusetzen, und<span class="pagenum"><a name="Seite_11" id="Seite_11">[S. 11]</a></span>
-der seitdem von England in einen Krieg um den anderen gehetzt wird:
-&#8222;Soldaten,&#8221; so ruft er aus in den Tagen von Boulogne sur Mer,
-&#8222;wir knnen nicht nach England gehen, denn das Gold der Englnder
-hat den Kaiser von sterreich bewogen, uns den Krieg zu
-erklren.&#8221; Und wiederum der Napoleon, der auf St. Helena zu
-dem getreuen Las Cases sagte, da England ihm niemals den
-Besitz von Belgien verziehen habe, der <em class="gesperrt">Antwerpen</em> &mdash; allerdings
-das Antwerpen mit der freien Scheldemndung &mdash; <em class="gesperrt">die auf die
-Brust Englands gesetzte Pistole</em> nennt, und der Napoleon
-der Kontinentalsperre, der England da treffen will, wo es am
-empfindlichsten ist, in seiner wirtschaftlichen Existenz. England fhrte
-damals genau so wie heute den Kampf mit seinen Sldnertruppen,
-vor allem aber mit den Truppen anderer Nationen, berall waren
-seine Subsidien zu haben, wo es gegen Frankreich galt. Es bekmpfte
-in Frankreich die damals zweitstrkste Kontinentalmacht, es hatte,
-wie Blow in seinen Ausfhrungen ber die auswrtige Politik
-sagt, schon dem Gesandten Ludwigs&nbsp;XIV. gegenber ein Bndnis
-mit Frankreich verweigert, weil diesem Bndnis eine bedenkliche
-Tatsache gegenberstnde, nmlich die Tatsache, da Frankreich sich
-eine eigene Flotte bauen wolle. Die Subventionen an Friedrich
-den Groen im Siebenjhrigen Kriege galten nicht dem emporstrebenden
-Preuen, sondern dem gegen Frankreich kmpfenden
-Knig, den es brigens, sobald es seine Interessen erforderten, in
-der rcksichtslosesten und brutalsten Weise im Stiche lie. Als
-Napoleons Macht zusammengebrochen war, als er selbst in seinem
-Brief an den Knig von England Themistokles gleich den Ksten
-seines mchtigsten Gegners sich nhert, da war zwar die englische
-Staatsschuld auf 16 Milliarden Mark gewachsen, aber Englands
-Weg zur unbedingten Weltherrschaft im 19. Jahrhundert gesichert.</p>
-
-<p>Was haben die Gegner Napoleons nach den Siegen von
-1813/15 erreicht? Preuen erhielt wohl seinen alten Gebietsumfang,
-aber nicht seine alten wirtschaftlichen Krfte. Die Phrase,
-da man den Kampf gegen Napoleon und nicht gegen das
-franzsische Volk fhrte, hat sogar im ersten Pariser Frieden
-noch dazu gefhrt, da man eine Kriegsentschdigung von Frankreich
-nicht gefordert hat. Erst als der Gefrchtete von Elba zurckkam,
-als sein &#8222;Adlerflug&#8221; ihn von der franzsischen Kste bis
-nach Paris trug, als die Monarchen sich erneut an ihr Volk wenden
-muten und als daraufhin der alte Blcher und der groe Staatsmann,
-der Freiherr vom Stein, Bewegungsfreiheit erhielten, da<span class="pagenum"><a name="Seite_12" id="Seite_12">[S. 12]</a></span>
-wurde nach langem Feilschen auch eine Kriegsentschdigung erreicht,
-die aber bei weitem nicht Preuen fr das zu entschdigen vermochte,
-was es in der Zeit von 1806 bis 1813 hatte leiden mssen.
-Hat doch Napoleon I. nach seinen eigenen Mitteilungen fast 1 Milliarde
-Mark aus Preuen herausgepret; noch beinahe bis in die
-Gegenwart haben preuische Stdte abzahlen mssen von den Anleihen,
-die sie gemacht hatten, um die Forderungen Napoleons erfllen
-zu knnen. Preuen war nach den Freiheitskriegen ein armes
-Land. Als das Rheinland wieder zu Preuen kam, da sagte der
-alte Schaaffhausen in Kln: &#8222;O je, da heiraten wir in eine arme
-Familie hinein.&#8221; Elsa-Lothringen blieb franzsisch, vergeblich hat
-Freiherr vom Stein versucht, dieses deutsche Land Deutschland
-wieder zuzufhren, vergeblich war der Versuch, die einstige Westmark
-des Reiches, das belgische Gebiet, dem Deutschen Reiche
-wiederzugewinnen. Deutschland, sterreich und Ruland erhielten
-nichts anderes als ihre alten Grenzen, England aber erhielt durch
-die Niederlage Napoleons die Schlssel der Weltherrschaft. Verstndlich
-ist deshalb der Jubel, mit dem Blcher empfangen wurde,
-verstndlich, da im Londoner Parlament das Bild hngt, das
-Blcher zeigt, wie er mit seinen Truppen auf dem Schlachtfeld von
-Belle-Alliance eintrifft, um den Sieg an die Fahnen der schon halb
-niedergebrochenen englischen Regimenter zu knpfen.</p>
-
-<p>Denn wer wollte England die Weltherrschaft streitig machen?
-Frankreich war nach den napoleonischen Kriegen zusammengebrochen
-und mute jedem imperialistischen Gedanken entsagen. An eine
-groe franzsische Flotte war nach der Schlacht von Trafalgar gar
-nicht zu denken. Ruland besa keinen Weltbeherrschungsdrang, in
-Deutschland sorgte der Dualismus zwischen sterreich/Sddeutschland
-auf der einen und Preuen/Norddeutschland auf der anderen
-Seite dafr, da sie sich gegenseitig die Wage hielten, und da
-Zersplitterung und Kleinstaaterei jeden Drang nach deutscher Gre
-und jede Anknpfung an die alte Hansezeit verhinderte. Dnemark,
-dessen Flotte England in ruberischer Weise im Jahre 1800 hinweggeschleppt
-hatte, als es die unbefestigte Stadt Kopenhagen mitten
-im Frieden bescho, Holland, Spanien oder Portugal waren
-Staaten zweiten oder dritten Ranges. Der Weg zur Weltherrschaft
-stand England frei, und es verstand ihn auszunutzen.</p>
-
-<p>Wie England dies tat, zeigt zunchst die gewaltige Entwicklung,
-die sein Kolonialbesitz seit seinen Kmpfen mit Frankreich genommen
-hat. Dr. Hennig hat in seinem Buche &#8222;Unser Vetter Tartuffe, oder<span class="pagenum"><a name="Seite_13" id="Seite_13">[S. 13]</a></span>
-wie England seine Kolonien erwarb&#8221;, diese Entwicklung englischer
-Kolonialherrschaft geschildert. 1763 war Kanada englisch geworden,
-im Pariser Frieden fielen ihm auer Kanada noch Grenada,
-St. Vincent, Dominica, Tobago und das ganze ehemalige franzsische
-Senegalgebiet zu. Als die Franzosen unter Napoleon Holland
-eroberten, rchte sich England dafr, indem es die Kapkolonie,
-Malakka und das westliche Sumatra den Hollndern raubte. 1796
-kam Ceylon hinzu. Den Spaniern, als Frankreichs Verbndeten,
-nahm es Puerto Rico und Trinidad. Wenn auch einige der
-geraubten Inseln und Besitztmer zurckgegeben werden muten,
-so konnte England 1802 doch die fr die Beherrschung des Weltmeeres
-uerst wichtige Insel Malta behalten. 1809 wurde Martinique,
-das vorher zurckgegeben worden war, von neuem besetzt,
-Guadeloupe, Ile de France, die Seychellen folgten. Helgoland,
-das Kaiser Wilhelms weise Voraussicht uns wieder zufhrte,
-wurde 1808 den Dnen entrissen.</p>
-
-<p>Als Frankreich durch Napoleons Niederlage aus der Rivalitt
-mit England ausschied, begannen die Unternehmungen in Ostindien,
-1826 war ein zusammenhngendes Gebiet von 3 Millionen
-Quadratkilometern in Ostindien in englischem Besitz. Bald darauf
-ging es in seinen Eroberungszgen gegen Hinterindien vor. Australien
-wurde gegen 1830 England einverleibt. Es folgten der Kampf um
-Englands Einflu in Persien und Afghanistan, der Opiumkrieg mit
-China, der unmoralischste Krieg, den die Welt je gesehen hat, in dem
-an England im Frieden von Nanking die Insel Hongkong und im
-Frieden 1860 weitere Gebiete fielen. &mdash; In Afrika wurde Aden 1839
-genommen. Der Suezkanal, den Lord Palmerston zunchst als das
-grte Schwindelunternehmen des ganzen Jahrhunderts kennzeichnete,
-wurde unter englischen Einflu gestellt, in Sdafrika die Buren von
-einem Treck zum anderen getrieben, bis sie zu Anfang des 20. Jahrhunderts
-in Transvaal und der Oranjerepublik sich unabhngige
-Gebiete sichern konnten, aber nur so lange, bis die Gold- und Diamantenfunde
-die englische Raubsucht erweckten und zur Niederringung
-der Freiheit auch dieser Staaten und zu sdafrikanischen
-Kolonien unter des Spaniers Botha unterwrfiger Herrschaft
-fhrten. Von Sden und Norden drang englische Eroberungssucht
-vor. Frankreich mute in Faschoda erkennen, was es heit, England
-auf diesem Wege entgegenzutreten. Zypern wurde als Belohnung
-fr die Neutralitt im Russisch-Trkischen Krieg 1878 eingesteckt,
-1882 wurde das englische Protektorat ber gypten mit einer<span class="pagenum"><a name="Seite_14" id="Seite_14">[S. 14]</a></span>
-Scheinfreiheit des Khediven und einer Scheinoberhoheit des Sultans
-errichtet. Im Sudan drang man weiter vor. Wituland und
-Sansibar lie man sich von Deutschland im Sansibarvertrag abtreten.
-Durch Uganda wurde 1899 der Zusammenhang des britischen
-Reiches in Nordafrika sichergestellt, der groe imperialistische
-Traum von Cecil Rhodes einer Bahn von Kapstadt nach
-Kairo nur durch englisches Gebiet nherte sich seiner Verwirklichung,
-nur Deutsch-Ostafrika lag dazwischen. In Asien wurde schlielich die
-wichtige Bucht von Wei-hai-wei erworben, mit Ruland verstndigte
-man sich ber die Interessensphre in Persien, der unter deutschem
-Einflu stehenden Bagdadbahn suchte man das wichtigste Schlustck
-englischerseits zu versperren, und so sah die Welt, als das
-19. Jahrhundert seinem Ende sich zuneigte, ein ungemessenes englisches
-Kolonialreich in allen Erdteilen; Kanada und Indien, Australien,
-Kapland, gypten und die wertvollsten Inseln der Erde waren
-in den Hnden von England, seine Flotte die grte der Welt, die
-Meeresstraen unter seiner Kontrolle, seine Handelsflotte unerreicht,
-sein Welthandel an der Spitze aller Vlker, sein Wort das wichtigste
-auf allen Konferenzen, die ber politische Geltung entschieden. So
-stand es im wesentlichen schon da, als das junge Deutsche Reich erst
-in seine Erscheinung trat.</p>
-
-<p>Was aus diesem jungen Deutschen Reiche geworden ist in den
-44 Jahren seit seiner Begrndung, das ist es, was Englands Ha
-und Eifersucht erweckte, was es veranlate, seinen ganzen Einflu
-gegen Deutschland zu wenden, und was es auch veranlate, den
-wirtschaftlichen Kampf gegen Deutschland schon frher als in diesem
-Kriege zu beginnen. Drei Faktoren waren es, die Englands Argwohn
-erregten: die Entwicklung einer deutschen Kolonialpolitik, die
-Entwicklung einer deutschen Flotte, drittens aber und vor allem die
-Entwicklung der deutschen Industrie und des deutschen Welthandels.</p>
-
-<p>Unser deutscher Kolonialbesitz sollte an sich, wie man wohl annehmen
-knnte, keine Veranlassung zur Eifersucht geben. Wir sind
-erst spt eingetreten in die Kolonialentwicklung der Vlker. Alte
-Tradition wies uns zwar darauf hin; der groe Ahnherr Kaiser
-Wilhelms&nbsp;II., der unserem jetzigen Herrscher innerlich wohl auch
-am meisten vor Augen schwebt, der Groe Kurfrst, hatte versucht,
-Kolonialpolitik zu treiben, Emden zu einem groen Handelshafen zu
-machen und die brandenburgisch-preuische Handelsflagge auch in
-fernen Ozeanen aufzupflanzen. Nur wenig geschichtliche Erinnerung
-ist uns davon geblieben, die Meeresgeltung hatte man wohl<span class="pagenum"><a name="Seite_15" id="Seite_15">[S. 15]</a></span>
-gesehen zu den Zeiten der Hansa und des Stahlhofes in London, in
-den Niederlassungen der deutschen Handelshuser in Genua und
-Venedig. Das alles war spter zugrunde gegangen, als mit dem
-brudermrderischen Dreiigjhrigen Krieg Deutschlands Wohlstand
-dahinsank. Seitdem war bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts
-der deutsche Handel vor allen Dingen auf die Befriedigung des
-eigenen Bedarfes im inneren Wirtschaftsgebiet angewiesen. Noch
-1850 hatte der ganze auswrtige Handel Deutschlands nur eine Milliarde
-Mark betragen. Zwar bedeutete der Deutsche Zollverein eine
-Tat, und die Tage, an denen zuerst die Zollgrenzen in Deutschland
-fielen, haben der Entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens neue
-Bahnen gewiesen, aber vermessen wre es wohl erschienen, an eine
-weltwirtschaftliche Stellung Preuen-Deutschlands damals zu
-denken. Die Gedanken eines Friedrich <em class="gesperrt">List</em>, der mit geradezu prophetischem
-Seherblick Deutschlands Bestimmung zur Welthandelsmacht
-erkannte und bis zum Ende seines Lebens den geistigen Wirtschaftskampf
-Deutschlands gegen England fhren wollte, eilten den
-Taten seiner Zeit voraus. Wohl weisen die Werke Rheinland-Westfalens
-den Weg fr eine gewisse Emanzipation des inneren Marktes
-von der englischen Werkstatt der Welt, aber auch wirtschaftlich gilt
-zunchst Dingelstedts entsagendes Wort: &#8222;Uneins zu Haus, nach auen
-klein.&#8221; Das alles wird anders mit der Grndung des Reiches und
-den dadurch geweckten Krften. Auch Bismarck sah Deutschlands
-Bestimmung vor allem in seiner kontinentalen Macht und sprach
-sich noch 1871 scharf gegen den Erwerb von Kolonien aus. Trotzdem
-zeigt die Schwenkung, welche die deutsche Wirtschaftspolitik
-im Jahre 1879 machte, schon die Anfnge einer Politik, welche bewut
-darauf hinarbeitete, der deutschen Industrie die Unabhngigkeit
-vom Ausland, namentlich aber von England zu schaffen und
-zugleich den Wettbewerb nach auen aufzunehmen, ohne sich dabei
-aber einseitig auf exportindustrielle Entwicklung zu sttzen, vielmehr
-unter bewutem und folgerichtig durchgefhrtem Schutz der landwirtschaftlichen
-Entwicklung. Als deutscher Unternehmungsgeist in
-Sdwestafrika vordringt, hlt Bismarck seine schtzende starke Hand
-ber Lderitz und Dr. Carl Peters, trotz Gladstones sauertpfender
-freundnachbarlicher Abmahnung, und schafft uns damit Deutsch-Ostafrika
-und Deutsch-Sdwestafrika.</p>
-
-<p>Die weitere Entwicklung unserer kolonialen Unternehmungen ist
-bekannt. Zusammenhanglos war unser afrikanischer Besitz, vier
-Gebiete, nicht verbunden, jedes eine andere Eigenart, dazu der<span class="pagenum"><a name="Seite_16" id="Seite_16">[S. 16]</a></span>
-wenig wertvolle Besitz im Sdseearchipel, lediglich in den Samoainseln
-die Gewhr einer gewissen Entwicklung in sich bergend, und
-hierzu noch der Platz an der ostasiatischen Sonne, Kiautschou, das
-uns Frst Blow erwarb. ber 20 Jahre hindurch ist die Entwicklung
-der deutschen Kolonien auch wirtschaftlich eine ziemlich sterile
-gewesen. Erst die Dernburgsche ra hat dem deutschen Volke den
-Kolonialgedanken nhergebracht und vor allen Dingen auf die
-wichtige wirtschaftliche Bedeutung der deutschen Kolonien, vor allem
-hinsichtlich der mangelhaften deutschen Rohstoffversorgung, hingewiesen.
-Ein frischer Zug ging seitdem durch unsere koloniale Entwicklung,
-namentlich auch in ihrer Erschlieung durch Eisenbahnen,
-und die zielbewute Arbeit unserer Kolonialpolitik kommt in den
-682 Millionen des Gesamthandels unserer Kolonien im Jahre 1913
-zum Ausdruck. Nur ein kleiner Prozentsatz des deutschen Welthandels
-war es, was der Handel der Kolonien mit Deutschland ausmachte,
-nur wenig Sttzpunkte fr die Fundierung der deutschen Ausfuhr,
-fr die Versorgung mit den unentbehrlichen Rohstoffen, nur
-geringe Absatzgebiete fr die deutsche Industrie, von der immer
-grere Arbeitermassen abhngig wurden. Dabei ohne Schutz einer
-starken deutschen Flotte, nur mit einem allerdings jhrlich sich verringernden
-Zuschu aus dem deutschen Staatssckel zu erhalten, alles
-in allem kein groer Wert gegenber dem englischen Kolonialbesitz,
-mehr Zukunftshoffnungen, deren Erfllung allen, die fest und mit
-Freudigkeit an die deutsche Kolonialpolitik glaubten, zwar sicher erschien,
-die aber keinen Gegenstand des Neides fr ein Volk bieten
-konnten, das in einem Kolonialbesitz von ber 30 Millionen Quadratkilometer
-mit einer Bevlkerung von etwa 400 Millionen Menschen
-ber den grten Kolonialbesitz der Welt gebot.</p>
-
-<p>Trotzdem sahen wir die Geschichte der neuesten Zeit erfllt von
-dem heftigsten Widerstreben Englands gegen diesen Besitz und seine
-Entwicklung. Wenn irgendwo ein Gercht auftauchte, da Deutschland
-eine Kohlenstation oder einen Flottensttzpunkt erwerben oder
-seinen Kolonialbesitz vergrern wolle, wurde die ffentliche Meinung
-in England aufgepeitscht. Wie fanden sich alle die Verbndeten
-von 1914 schon frher zusammen, wenn Deutschland versuchte,
-in Marokko festen Fu zu fassen, oder davon gesprochen wurde, da
-bei der Liquidierung des portugiesischen Kolonialbesitzes auch Deutschland
-entscheidend mitbeteiligt sein msse, wenn irgendwo von der Erwerbung
-belgischen Kongogebietes durch Deutschland die Rede war
-oder der deutsche Botschafter in Konstantinopel darauf hinwies,<span class="pagenum"><a name="Seite_17" id="Seite_17">[S. 17]</a></span>
-da in Kleinasien auch Lebensinteressen des deutschen Volkes zur
-Frage stnden. Die Konferenz von Algeciras zeigte ebenso wie
-die letzte Marokkokrisis, da England gewillt war, jede Weiterentwicklung
-Deutschlands auf diesem Gebiete als Kriegsfall zu betrachten.
-Das hrte man heraus aus den Reden englischer Minister,
-die mit dem Munde die deutsche Flotte in 48 Stunden vernichten
-wollten; dies trat schon frher in den Tischreden englischer Minister
-zutage, die man sich im Deutschen Reichstag mit Recht verbat.</p>
-
-<p>Nur nach einer Richtung hin konnte man Englands Unwillen
-verstehen: in bezug auf Ostafrika, das wie ein Keil zwischen dem
-Nord- und Sdafrika Englands lag, das es unmglich machte, die
-Bahn Kapstadt-Kairo nur durch englisches Gebiet zu fhren.
-Trotzdem ist der Widerstand Englands seit den ersten Worten
-Gladstones gegen die deutsche Kolonialpolitik bis in die Gegenwart
-der deutschen kolonialen Ttigkeit nur zu verstehen unter der Voraussetzung,
-da England ein Monopol der Beherrschung der Welt
-fr sich in Anspruch nimmt, da es diese Beherrschung als von
-Gott gewollt ansieht und das Herrscherrecht zu haben glaubt.</p>
-
-<p>Die Entwicklung der deutschen Flotte war der zweite Faktor, der
-England den knftigen Kampf gegen Deutschland als Lebensaufgabe
-Englands ansehen lie. Mit dem Auge auf die englische Flotte ist,
-wie Blow in seinen Ausfhrungen zum Kaiser-Jubilum darlegte,
-die deutsche Flotte gebaut worden, ebenso aber mit dem Auge auf
-die deutsche, die englische Flotte. Der Zweimchte-Standard Englands
-ist unter diesem Gesichtspunkte zu verstehen, die Notwendigkeit,
-den deutschen Handel durch eine deutsche Flotte stark zu schtzen,
-wurde von England nicht anerkannt, die deutsche Flotte als Luxus
-hingestellt gegenber der englischen, die fr England eine Lebensnotwendigkeit
-sei. Und so wurde mit allen Dreadnoughts, die in
-Deutschland vom Stapel liefen, Englands Miwollen verstrkt.</p>
-
-<p>Wie Englands Neid auf jede neben ihm emporkommende Seemacht
-schon frher eingeschtzt wurde, das lt sich an Beispielen
-aus der Geschichte vielfltig beweisen. Wie schon erwhnt, weist
-Frst Blow in seinen Ausfhrungen ber auswrtige Politik
-darauf hin, da schon zu Ludwigs&nbsp;XIV. Zeiten von der englischen
-Regierung ein von Frankreich angebotenes Bndnis, im Hinblick
-auf die Absicht Frankreichs, sich eine Flotte zu bauen, abgelehnt wurde.
-Als Friedrich Wilhelm III. nach den Freiheitskriegen in England
-weilte und ihm der Knig von England eine kleine Schaluppe
-zum Geschenk machte, erwiderte Knig Friedrich Wilhelm III.:<span class="pagenum"><a name="Seite_18" id="Seite_18">[S. 18]</a></span>
-&#8222;Hoffentlich wird England nicht neidisch werden auf meine Flotte.&#8221;
-Eine Anekdote nur, jedoch kennzeichnend fr die Auffassung, die
-man auch zu jener Zeit von Englands Empfindungen hatte. Bedeutsam
-mit dieser Bezeichnung sind jedoch vor allem die Ausfhrungen,
-welche der bekannte Leipziger Nationalkonom Dr. Roscher zu
-einer Zeit machte, als das Deutsche Reich im Jahre 1881 erst
-39 Millionen Mark fr seine Flotte (431 Millionen Mark im
-Jahre 1913) ausgab. In der ersten Auflage seiner &#8222;Nationalkonomie
-des Handels und Gewerbefleies&#8221; sagt er im 12 ber
-den Handelsstand: &#8222;Es ist immer ein verhngnisvoller Wendepunkt,
-wo die tonangebende Landmacht anfngt, dem ersten Handelsstaate
-auch zur See gleichzukommen.&#8221; In einer Anmerkung gibt
-er in seiner inhaltsvollen Krze drei weltgeschichtliche Belege fr
-diesen Satz: &#8222;Sparta im Peloponnesischen Kriege, Zeit 424, Rom,
-Zeit Duilius, Frankreich, Zeit Colbert.&#8221; Wir knnten heute hinzufgen:
-&#8222;Deutschland, Zeit Kaiser Wilhelm&nbsp;II.&#8221;</p>
-
-<p>Diese Frage des Flottengegensatzes, auf die hier nicht nher
-eingegangen werden soll, liegt auf politischem Gebiete. Der hauptschlichste
-Beweggrund zu Englands Handeln aber war die Entwicklung
-der deutschen Industrie und des deutschen Welthandels.
-Statt einer langatmigen Darstellung der Entwicklung des beiderseitigen
-Anteils am Welthandel seien einzelne Ziffern genannt, die
-erkennen lassen, wie grundlegend sich auf diesem Gebiete die Verhltnisse
-seit der Reichsgrndung verschoben haben. Die Bevlkerung
-Englands stieg seit der Reichsgrndung von 31,5 auf
-45,6 Millionen, die des Deutschen Reiches von 40,9 auf 66 Millionen.
-Nicht nur die absolute, auch die relative Zunahme der
-Bevlkerung hat im Deutschen Reiche England weit bertroffen. Im
-Gegensatz zu England ist es dabei einer verstndigen Wirtschaftspolitik
-in Deutschland gelungen, neben einer mchtig sich entwickelnden
-Industrie und einem gewaltig anwachsenden Welthandel, sich
-auch eine starke Landwirtschaft zu erhalten, die, wenn auch ihr
-relativer Anteil an der gesamten Bevlkerung zurckgegangen ist,
-es doch verstand, auf den im wesentlichen sich gleichbleibenden
-Boden eine gewaltige Steigerung der Erzeugung von Krnerfrchten,
-allein in den letzten 25 Jahren um ber 80&nbsp;% herbeizufhren
-und gleichzeitig die Viehhaltung quantitativ und qualitativ
-in ungewhnlicher Weise zu verstrken. Die Kaufkraft der deutschen
-Landwirtschaft, die namentlich durch die letzten Zollvertrge gestrkt
-wurde, war die sichere Unterlage, auf der die deutsche Industrie<span class="pagenum"><a name="Seite_19" id="Seite_19">[S. 19]</a></span>
-sich aufbauen konnte. Die Entwicklung war nicht nur auf
-den Export eingestellt, sondern in denjenigen Jahren, in denen
-strmische Schwankungen die Weltkonjunktur niederhielten und
-manches Land aus dem Gleichgewicht brachten, wurde bei uns
-dieses Gleichgewicht erhalten. Schon darin lag eine Strke Deutschlands
-gegenber England, die sich beispielsweise auch bei den gewaltigen
-Konjunkturrckschlgen des Jahres 1907 darin zeigte,
-da nach den gleichzeitigen Ermittlungen der englischen und
-deutschen Gewerkschaften in England die Zahl der Arbeitslosen
-eine bedeutend grere war als in Deutschland.</p>
-
-<p>Nicht weniger aber ist vor allen Dingen die deutsche Industrie
-als solche in die Hhe gekommen, seitdem einmal eine verstndige,
-mavolle Schutzzollbewegung ihr die Mglichkeit technischen Fortschrittes
-in ausgiebigstem Mae gab (Bergbau, Eisenerzeugung),
-und seitdem andererseits das innige Bndnis zwischen Wissenschaft,
-Technik und kaufmnnischen Fhigkeiten und einer steigenden Arbeitsintensitt
-auf dem Gebiete der Chemie und der Elektrotechnik
-geradezu Monopole fr Deutschland schuf, whrend bei vielen
-anderen Warengattungen die berlegenheit des deutschen Fabrikanten
-in bezug auf dessen Anpassungsfhigkeit an fremde Bedrfnisse,
-seine Sprachenkenntnisse, seine Reisettigkeit, die Schaffung
-stets neuer Muster, seine sorgfltige Ausfhrung auch kleiner und
-kleinster Auftrge und sein Grundsatz, den Kunden an sich heranzuziehen,
-statt auf ihn zu warten, zu jenem gewaltigen Aufschwunge
-verhalf, der Deutschland auf diesem Gebiete das in konservativen
-Geschftsgrundstzen wandelnde England berholen lie. Um das
-Siebenfache ist seit Grndung des Reiches die Erzeugung der Stein-
-und Braunkohle gewachsen. In Roheisen und Eisenerzen stieg vom
-Jahre 1885 auf 1912 die Erzeugung um 384,5&nbsp;% gegenber einer
-Steigerung in England um 28,5&nbsp;%. Noch im Jahre 1900 war die
-Differenz zwischen der deutschen Stahlerzeugung und der englischen
-nur etwa 1 Millionen Tonnen, im Jahre 1912 war diese Differenz
-auf etwa 11 Millionen Tonnen gestiegen. In absoluten Ziffern gemessen,
-betrug 1913 die Produktion von Roheisen in Deutschland
-19309172 <span class="antiqua">t</span> gegen 10646838 <span class="antiqua">t</span> in England, die Produktion von Stahl
-18935000 <span class="antiqua">t</span> gegen 7700000 <span class="antiqua">t</span> in England. Der Kupferverbrauch,
-ein Grundpfeiler namentlich auch fr die elektrotechnische Industrie,
-stieg in den letzten zehn Jahren um 359&nbsp;% in Deutschland und 87&nbsp;%
-in England. Die elektrotechnische Industrie berragt in ihrer gesamten
-Erzeugung die englische beinahe um das Dreifache. In<span class="pagenum"><a name="Seite_20" id="Seite_20">[S. 20]</a></span>
-der deutschen chemischen Industrie, die in den letzten 25 Jahren die
-Zahl der Arbeiter mehr als verdoppelt hat, zeigt sich die weltbeherrschende
-Stellung gerade in diesem Kriege, wo England selbst
-unter der Nichtzufuhr deutscher chemischer Produkte auf das empfindlichste
-leidet und mit gewaltigen Arbeiterentlassungen die Tatsache
-der Nichtversorgung des heimischen Marktes quittieren mu,
-und die amerikanische Baumwollausfuhr nach Deutschland durchgesetzt
-wurde, weil Amerika ohne die deutschen chemischen Erzeugnisse
-seine eigenen Textilwerke nicht aufrechtzuhalten vermochte.</p>
-
-<p>In den Ziffern des deutschen Gesamtauenhandels kommt
-diese Steigerung deutlich zum Ausdruck. Noch im Jahre 1887 war
-England in seinem Export Deutschland um etwa 50&nbsp;% berlegen
-(4533 Millionen gegenber 2937 Millionen Mark). Im Jahre
-1912 war diese Differenz auf etwa 10&nbsp;% gesunken (9943 Millionen
-Mark auf englischer gegenber 8956 Millionen Mark auf
-deutscher Seite). Nehmen wir den gesamten Welthandel, so sehen
-wir im Spezialhandel der Vlker, da seit 1887 Englands Anteil
-um 113&nbsp;%, derjenige der Vereinigten Staaten von Nordamerika
-um 173&nbsp;%, der deutsche um 225&nbsp;% gestiegen ist. Allein in den
-Jahren 1901&ndash;1911 ist die deutsche Ausfuhr von Fabrikaten um
-93,2&nbsp;% gegenber 62,3&nbsp;% bei Grobritannien gestiegen. Noch
-fhrt England im Welthandel der Vlker mit einer Gesamtziffer
-des Gesamthandels von 24,2 Milliarden Mark, ihm folgt dann
-an zweiter Stelle mit einem Gesamtauenhandel von etwa 22,5
-Milliarden Mark Deutschland, an dritter Stelle folgen die Vereinigten
-Staaten mit etwa 17,9, an vierter Stelle Frankreich mit
-12,46 Milliarden Mark. Von Einzelheiten sei hier erwhnt die
-deutsche Maschinenausfuhr, die 1913 678 Millionen Mark wertete
-gegen 674 Millionen Mark in England, whrend dieselben Ziffern
-im Jahre 1900 noch 183 Millionen fr Deutschland gegenber
-401 Millionen Mark in England betrugen. In 14 Jahren also
-fr Deutschland eine Steigerung um mehr als das 3fache, in
-England nur um mehr als die Hlfte! Denkt man an die Zeit,
-in welcher Englands Welthandel denjenigen Deutschlands um das
-Doppelte berragte, und nimmt man an, da es Deutschland gelungen
-wre, diesen relativen Aufschwung aufrechtzuerhalten, den
-es bisher aufweisen konnte, so konnte man allerdings erwarten,
-da eine Zeit kommen wrde, welche berhaupt nicht mehr England,
-sondern Deutschland an der Spitze des Welthandels aller
-Vlker sehen wrde.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_21" id="Seite_21">[S. 21]</a></span>
-
-Die gewaltige Entwicklung, die sich in diesen Ziffern zeigt,
-tritt auch zutage in der Entwicklung der Handelsmarine. Zwar
-ist hier Englands Vorsprung ein ganz anderer wie auf dem Gebiet
-des Welthandels an sich. Noch ist es der groe Weltverfrachter,
-und wenn auch allein in den letzten zehn Jahren der Raumgehalt
-der deutschen Seeschiffe um 111,4&nbsp;% stieg gegenber 39&nbsp;% bei
-England, so ist dieses doch in der absoluten Ziffer der deutschen
-weit berlegen. Von 1416300 Registertonnen stieg in den letzten
-20 Jahren der Nettoraumgehalt der deutschen Seeschiffe auf
-2994200 Registertonnen, whrend in der gleichen Zeit der Nettoraumgehalt
-der englischen Seeschiffe von 8933500 auf 12415800
-Registertonnen stieg. Allerdings mu man dem gegenberhalten,
-da der Anteil Englands an der Welthandelsmarine in dem gleichen
-Zeitraum von 46,8&nbsp;% auf 42,6&nbsp;% gesunken ist, whrend gleichzeitig
-Deutschlands Anteil von 7,4 auf 10,3&nbsp;% gestiegen ist. In der
-amtlichen Denkschrift zur Begrndung der deutschen Flottenvorlage
-ist zuerst, vielleicht damals mit allzu groer Deutlichkeit, auf diese Entwicklung
-der deutschen Seeinteressen hingewiesen worden. Auch hier
-sah England Deutschland als Rivalen neben sich, sah, wie Hamburg
-mit London und Liverpool wetteiferte, mute vor allem erleben,
-da die beiden fhrenden groen deutschen Schiffahrtsgesellschaften
-es verstanden hatten, sich eine Fhrung ohnegleichen auf dem Gebiete
-des Personen- und Frachtenverkehrs nach den Vereinigten
-Staaten zu sichern, mute erleben, wie der &#8222;Imperator&#8221; und das
-&#8222;Vaterland&#8221; vom Stapel liefen und die grten Schiffe der Welt
-unter deutscher Flagge ihren Weg sich durch die Fluten bahnten.</p>
-
-<p>Vervollstndigen wir das Bild, das diese Ziffern geben, noch
-durch zwei Betrachtungen. Deutschland war einstmals das Land der
-Auswanderung; politische Unzufriedenheit um die Mitte des vorigen
-Jahrhunderts hat die einen, wirtschaftliche Not auch noch nach
-Grndung des Reiches die anderen ber die Meere getrieben; bis
-auf jhrlich 275000 Menschen stieg die Zahl derjenigen, die Deutschland
-verlieen, um sich eine neue Heimat jenseits des groen Wassers
-zu begrnden. In Neuyork, in Chicago, in Milwaukee, in Cincinnati
-ebenso wie in Rio Grande do Sul zeigen sich noch heute die
-Folgen dieser Auswanderung. Wie anders ist das geworden! Im
-letzten Jahre haben noch 25000 Deutsche ihr Heimatland verlassen,
-aber mehr als 12000 sind zurckgekehrt, so da Deutschland zu den
-wenigen europischen Lndern gehrt, die fast keine internationalen
-Auswanderungsverluste zu verzeichnen haben, denen es mglich ist,<span class="pagenum"><a name="Seite_22" id="Seite_22">[S. 22]</a></span>
-das, was hineinwchst in ihre Bevlkerung, auch im eigenen Vaterlande
-zu ernhren; ja die groe Zahl auslndischer Wanderarbeiter
-zeigt, da selbst diese wachsende Bevlkerung Deutschlands nicht
-mehr in der Lage war, Deutschlands Bedarf an Arbeitskrften
-zu decken, welche das Neudeutschland der Gegenwart verlangte.</p>
-
-<p>England mu demgegenber den groen Bevlkerungsverlust
-decken, wozu namentlich die Stimmung in Irland beitrgt, das unter
-englischer Herrschaft zu einem entvlkerten Lande wurde. Dem Wachstum
-Deutschlands, das seinen Geburtenberschu in den letzten Jahren
-als wirtschaftlichen, militrischen und politischen Machtzuwachs
-buchen konnte, stehen die 240000 Englnder gegenber, die in den
-letzten Jahren durchschnittlich England und Irland verlassen haben.</p>
-
-<p>Im Volkswohlstand beider Lnder kommt letzten Endes das
-Ergebnis zum Ausdruck. Auf den Kopf der Bevlkerung gerechnet,
-ist England auch heute noch reicher als Deutschland. Seine Steuerpolitik
-hat bis in die letzten Jahre hinein erlaubt, in viel grerem
-Mae als in Deutschland die niedrigen Einkommen von der Steuer
-freizulassen. Nach dem &#8222;Economist&#8221; wird das Gesamtvermgen
-Englands auf 285 Milliarden Mark, nach Ballot dasjenige Deutschlands
-auf 270 Milliarden Mark geschtzt. Wir knnen heute
-nach dem Ergebnis des Wehrbeitrages die berzeugung aussprechen,
-da diese Schtzung Ballots zu niedrig gegriffen ist, da
-wir weit mehr Steinmann-Bucher glauben knnen, der Deutschlands
-Volksvermgen auf 350 Milliarden Mark berechnet. Einen
-Vergleich geben auch die Sparkasseneinlagen. Im Jahre 1875
-kamen auf den Kopf der Bevlkerung gemessen in Deutschland
-44 Mark, auf den Kopf in England 42 Mark, im Jahre 1911 in England
-103, in Deutschland 272 Mark.</p>
-
-<p>Keine Sprache ist fr die Englnder verstndlicher als die
-Sprache der khlen, nchternen Ziffern, und auf den Ziffern, die hier
-genannt sind, beruht Englands Eifersucht und Neid.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>England hat schon lange vor dem Krieg die Folgerung aus
-dieser Entwicklung gezogen. Sein Wirtschaftskrieg gegen Deutschland
-begann mit jenem 1887 erlassenen <em class="gesperrt">Gesetz</em> ber die Herkunftsbezeichnungen
-&#8222;<em class="gesperrt"><span class="antiqua">Made in Germany</span></em>&#8221;, das ein Brandmal
-sein sollte fr deutsche Erzeugnisse, aber zu einem Ehrendenkmal
-deutscher Qualitt wurde. Da es bewut gegen
-Deutschland gerichtet war, bedarf keines weiteren Hinweises, denn<span class="pagenum"><a name="Seite_23" id="Seite_23">[S. 23]</a></span>
-Deutschland gehrt zu den Hauptversorgern von Grobritannien.
-Dieses Gesetz war der erste Bruch mit der bis dahin traditionell
-betriebenen Freihandelspolitik Englands. Wie oft ist uns das
-Lied dieser englischen Freihandelspolitik nicht gesungen worden!
-Die guten Deutschen, die so gern das Vorbild im Ausland suchen
-und die vielleicht ein gewisses Recht hatten, in der Zeit preuischer
-Reaktion ein englisches Parlament, das seine Vorzge hatte,
-anzuerkennen, vergaen, da Englands Wirtschaftspolitik nie von
-einem anderen Gesichtspunkt geleitet worden ist als von demjenigen
-des rcksichtslosesten Eigennutzes. Professor Harms, dem wir
-verschiedene hervorragende Darlegungen ber England und Deutschland
-verdanken, hat in einem in der &#8222;Deutschen Revue&#8221; verffentlichten
-Aufsatz ber England und Deutschland mit Recht darauf
-hingewiesen, da England zunchst durch Jahrhunderte hindurch
-an einer rcksichtslos gehandhabten Ausschlieungspolitik festhielt
-und erst dann, als es nach dem Niederbruch Frankreichs die unbedingte
-kommerzielle bermacht in Europa hatte, seine Grenzen
-aus dem Grunde ffnete, weil die anderen Vlker auf seinem eigenen
-Markt nicht konkurrieren konnten und weil es die Hoffnung hatte,
-da die anderen Staaten dem Beispiel folgen und ihm die Grenzen
-ffnen wrden und ihm dann diese Absatzgebiete schrankenlos offen
-standen. Diese Hoffnung Englands hat sich als vollstndig richtig
-erwiesen. Es wurde die groe Werkstatt der Welt und es konnte
-sich die unbedingte Herrschaft auf den Mrkten der Welt aneignen,
-solange dieses Freihandelssystem auch von anderen Lndern adoptiert
-wurde. Die Notwendigkeit von Schutzzllen fr die deutsche
-Industrie hatte ja zuerst Friedrich List, dessen geradezu grandiose
-prophetische Voraussage man auch darin wieder bewundern mu,
-in den Vordergrund seiner Ausfhrungen gestellt. Als England
-merkte, da diese Freihandelspolitik ihm gefhrlich wurde, beginnt
-es mit dem Abbau des Freihandels, und das Gesetz: &#8222;<span class="antiqua">Made
-in Germany</span>&#8221; ist der erste Schritt auf diesem Wege. Mit einem
-freien Wettbewerb aller Vlker ist ein Gesetz, welches eine besondere
-Kennzeichnung bestimmter Waren verlangt, grundstzlich unvereinbar.
-Die Nachahmung, welches dieses Vorgehen in Frankreich gefunden
-hat mit einem Versuch, die Waren durch die Worte: &#8222;<span class="antiqua">Import
-d'Allemagne</span>&#8221; vom franzsischen Markt zu verdrngen, zeigt ja,
-aus welchen Erwgungen heraus das Gesetz gekommen ist. Da
-es in das Gegenteil des Gewollten umschlug, ist sicherlich weder
-Englands Absicht noch sein Verdienst gewesen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_24" id="Seite_24">[S. 24]</a></span>
-
-In gleicher Richtung bewegt sich die englische Wirtschaftspolitik,
-die in dem <em class="gesperrt">englischen Patentgesetz</em> vom Jahre 1907
-zum Ausdruck kommt. Im Abs. 1 des 27 dieses Gesetzes wird
-bestimmt, da jedermann in England den Antrag auf Nichtigkeit
-eines Patentes stellen kann mit der Begrndung, da die patentierte
-Ware fast ausschlielich auerhalb Englands hergestellt wird. Eine
-solche Nichtigkeitsklage kann also erhoben werden, wenn die Fabrikation
-im Auslande stattfindet, ja sogar schon, wenn die Herstellung
-hauptschlich im Auslande stattfindet. Die Herstellung mu in
-England geschehen, oder es mu ein triftiger Grund angefhrt
-werden, weshalb das nicht geschehen kann.</p>
-
-<p>Es erhellt von vornherein, da eine derartige Bestimmung
-sich namentlich gegen die chemische Industrie Deutschlands und
-gegen die Vorherrschaft auf dem Gebiete der Erzeugung und des
-Vertriebes patentierter Artikel richtet. England versuchte diejenigen
-deutschen Firmen, die bisher auf Grund englischer Patente
-den englischen Markt beherrschten, zu zwingen, ihren Tribut in der
-Form zu zahlen, da sie entweder ihre Patente an Englnder
-abtreten oder ihre eigenen Fabriken nach England verlegen und
-so die Lhne fr die Erzeugung englischen Arbeitern zugute kommen
-lassen, ebenso wie ihr Gewinn mehr als bisher in England versteuert
-werden sollte. Tatschlich hatte auch gerade bei der chemischen Groindustrie
-das Gesetz vom Jahre 1907 in dieser Form gewirkt. So
-haben die Elberfelder Farbenfabriken gemeinsam mit der Aktiengesellschaft
-fr Anilinfabrikation in Berlin eine Filiale in England
-eingerichtet, um auf diese Weise die bisher in England abgesetzten
-Waren in England herzustellen und vor der Nichtigkeitserklrung
-zu schtzen. Desgleichen sind die Hchster Farbwerke gezwungen
-worden, nach England zu gehen.</p>
-
-<p>Man mag vom englischen Standpunkt aus ber die Zweckmigkeit
-eines solchen Gesetzes denken, wie man will, mag es als
-Ausflu eines starken merkantilistischen Geistes verteidigen, jedenfalls
-ist niemals der Bruch mit der Freihandelstradition schrfer
-zum Ausdruck gekommen als in diesem Vorgehen. Hier ist nicht
-nur die vorhandene Theorie durch eine Schutzzollgesetzgebung aufgehoben,
-sondern durch eine Prohibitivpolitik ersetzt worden. Das
-vorliegende Gesetz ist die Aufhebung des freien Wettbewerbs auf
-dem Gebiete der patentierten Artikel.</p>
-
-<p>Aus demselben Geist ist das Gesetz geboren, welches zwischen
-der englischen Admiralitt und dem englischen Postministerium<span class="pagenum"><a name="Seite_25" id="Seite_25">[S. 25]</a></span>
-einerseits und der Cunard-Linie andererseits in bezug auf die
-<em class="gesperrt">Schiffahrtssubventionen</em> geschlossen wurde. In dieser Vereinbarung
-verspricht die englische Regierung der Cunard-Linie eine
-Subvention von 3 Millionen Mark jhrlich zu zahlen als Zuschu
-fr die Indienststellung der beiden Dampfer &#8222;Mauretania&#8221; und
-&#8222;Lusitania&#8221;, welche die Cunard-Linie nur unter der Bedingung,
-da sie diese Subvention erhalte, bauen konnte.</p>
-
-<p>Das blaue Band des Ozeans war England verloren gegangen,
-als der Norddeutsche-Lloyd-Dampfer &#8222;Kaiser Wilhelm&nbsp;II.&#8221; den
-Rekord in der Fahrt Bremen-Neuyork geschlagen hatte. Da erfolgte
-jenes Gesetz im englischen Parlament, durch welches der
-Cunard-Linie die vorerwhnte Jahressubvention zugesichert wurde
-fr den Bau zweier Dampfer, welche bestimmt waren, diesen
-deutschen Rekord zu brechen. Wohlgemerkt, es handelt sich
-nicht um die Subvention einer notleidenden Linie, es handelt
-sich auch nicht um eine Schiffahrtstrecke, welche ohne staatliche
-Subvention etwa keine Ertrgnisse brachte, nein, an
-die bestrentierende Linie des ganzen Weltverkehrs und an eine
-glnzend fundierte Gesellschaft wird aus allgemeinen Staatsmitteln
-diese Subvention gezahlt, nur damit Deutschland nicht mehr den
-Ruhm bese, die schnellsten Schiffe zu besitzen. Gewi wre es
-unserem Lloyd oder der Hapag auch mglich gewesen, eine &#8222;Mauretania&#8221;
-in Dienst zu stellen, wenn man fr den riesigen Kohlenverbrauch
-dieser groen Dampfer ein Staatsopfer von mehreren
-Millionen jhrlich gebracht htte. Nur wrde man in Deutschland
-eine solche Prestigepolitik auf Staatskosten sowohl im Bundesrat
-wie im Reichstag abgelehnt haben. Mit vollem Recht hat deshalb
-Herr Ballin in einer geistvollen Rede auf einer Versammlung
-des Zentralverbands des deutschen Bank- und Bankiergewerbes
-am 7.&nbsp;September 1907 darauf hingewiesen, da nichts so sehr
-den Niedergang Englands von seiner einstigen Herrschaft kennzeichnet,
-nichts so charakteristisch sei fr den Neid und fr die Eifersucht
-gegen Deutschland, als da es den frher jahrzehntelang aufrecht
-erhaltenen Grundsatz des freien Spiels der Krfte im Welthandel
-aufgebe, um mit Staatsmitteln eine Stellung aufrecht zu
-erhalten, die es im privaten Wettbewerb gegenber Deutschland
-nicht mehr behaupten knnte. &#8222;Es ist noch nicht lange Zeit,&#8221; so
-fhrte Ballin damals wrtlich aus, &#8222;da wir uns einer regen Teilnahme
-an dem heien Wettbewerb rhmen knnen, der sich zwischen
-den Schiffahrt treibenden Nationen auf dem Weltmeere vollzieht.<span class="pagenum"><a name="Seite_26" id="Seite_26">[S. 26]</a></span>
-Herr Professor Thie erinnerte in einem Vortrag daran, da im
-Jahre 1790, als der franzsischen Nationalversammlung der Titel
-einer ihr gewidmeten Broschre verlesen wurde: &#8222;ber die Schiffahrt
-&mdash; von einem Deutschen&#8221;, die ganze Versammlung in schallendes
-Gelchter ausbrach, so komisch erschien es damals, da ein &#8222;Deutscher&#8221;
-ber Schiffahrt mitreden wollte. Das sind 117 Jahre her,
-eine lngst vergangene Zeit! Aber noch im Jahre 1861, als man
-in Preuen schon eine Kriegsmarine organisierte und die atlantische
-Schiffahrt schon von Bremen und Hamburg einen lebhaften Aufschwung
-nahm, da schrieb noch die &#8222;Morning Post&#8221;, das Organ
-des damaligen Premierministers Lord Palmerston: &#8222;Die Deutschen
-mgen den Boden pflgen, mit den Wolken segeln und Luftschlsser
-bauen, aber nie, seit Anfang aller Zeiten, hatten sie das Genie, das
-Weltmeer zu durchqueren oder nur schmale Gewsser zu durchfahren.&#8221;
-Das war 1861, und 10 Jahre spter hatten wir, von Meisterhand
-gezimmert, ein einiges Deutsches Reich, und weitere 20 Jahre
-spter, da hatte das junge Deutschland auf dem Gebiete der Weltschiffahrt
-alle anderen Lnder berflgelt und war der groen englischen
-Schiffahrt gefrchtetster Rivale geworden. Das war ein
-Erfolg, in heier Arbeit errungen, und der tglich in heier Arbeit
-verteidigt werden mu. Hat doch selbst England, um diesen Erfolg
-zu schmlern, <em class="gesperrt">den alten bewhrten Grundsatz vom freien
-Spiel der Krfte</em>, dem es seine glnzende wirtschaftliche Entwicklung
-verdankt, <em class="gesperrt">verlassen</em> und die reich vergoldete Hand einer
-einzelnen Gesellschaft gereicht, nur um sie in die Lage zu setzen,
-zwei Schiffe zu erbauen, welche die deutschen Schnelldampfer um
-ein Geringes berbieten sollen.&#8221;</p>
-
-<p>Am schlagendsten aber tritt dieser Wirtschaftskampf Englands
-zutage in der <em class="gesperrt">Zollbegnstigung gegenber seinen
-Kolonien</em>. Der imperialistische Sinn Englands ist einst zum Ausdruck
-gekommen in der Schaffung des groen englischen Weltreiches
-und dessen politischer Beherrschung. Mit dieser politischen Beherrschung
-der Welt war aber fr England auch die Gewhr der
-wirtschaftlichen Monopolstellung verbunden. Politische Herrschaft
-ist aber auch unzweifelhaft die sicherste Grundlage einer solchen
-wirtschaftlichen Monopolstellung. Unter nichts hat Deutschland so
-sehr gelitten als unter der Phrase der &#8222;offenen Tr&#8221;. Die formale
-Gleichberechtigung in einem von einem Industrie-Exportlande beherrschten
-Kolonialland wird niemals ein Land in die Lage versetzen,
-sich die tatschliche wirtschaftliche Gleichberechtigung gegenber<span class="pagenum"><a name="Seite_27" id="Seite_27">[S. 27]</a></span>
-dem Land zu erringen, das die politische Herrschaft in der
-Hand hat. Soweit die wirtschaftliche Entwicklung eines Koloniallandes
-in Betracht kommt, werden Auftrge immer an das Mutterland
-vergeben werden, und hieran wird auch eine freie Submission
-nichts ndern, denn der betreffende Gouverneur wird immer in der
-Lage sein, die zu vergebenden Auftrge seinem Land zu bermitteln.
-Wir bauen die Bahn in unseren Kolonien auch nicht auf englischen
-Stahlschienen, und Frankreich denkt nicht daran, die marokkanischen
-Hfen von deutschen Firmen anlegen zu lassen. So wrde also, selbst
-wenn die vllige formale Gleichberechtigung zwischen England und
-anderen Nationen tatschlich bestehen wrde, England einen gewaltigen
-Vorsprung in bezug auf die Versorgung seiner Kolonien
-vor uns voraus haben. England ist aber weiter gegangen. Whrend
-es schamhaft im eigenen Heimatlande noch an der Idee des Freihandels
-festhlt, hat es diese Idee in bezug auf das Verhltnis zu
-seinen Kolonien lngst aufgegeben. Mit Kanada hat es bereits am
-1.&nbsp;August 1898, mit Neuseeland 1903, mit Australien 1907, mit
-der sdafrikanischen Union 1903 Vertrge geschlossen, welche ihm
-als dem Mutterlande eine Zollbegnstigung gewhren, die in
-einzelnen Fllen bis zu 33&#8531;&nbsp;% des Zolles ausmachen. Gewi mag
-es formell unrichtig sein, wenn man sagt, England htte derartige
-Vertrge geschlossen, denn formell sind diese Gesetzesvorlagen der
-Initiative der Kolonien selbst entsprungen und England hat scheinheilig
-an dieser Phrase festgehalten. Der Zollkrieg zwischen dem
-Deutschen Reich und Kanada hatte in dieser Zollbegnstigung
-Englands seine Ursache. Das Deutsche Reich bezog sich darauf, da
-ihm in Kanada nach einem schon zwischen England und Preuen
-geschlossenen Vertrag die unbedingte Meistbegnstigung zustnde
-und diese Meistbegnstigung sich auch auf die englischen Kolonien
-bezge. Der Versuch, die Kanadier durch einen Zollkrieg zur Aufgabe
-ihres Standpunktes zu zwingen, schlug fehl und mute fehlschlagen,
-denn er war gegen ein Prinzip gerichtet, das nicht von
-Ottawa, sondern von London ausgegangen war und die Grundlage
-derjenigen wirtschaftlich-imperialistischen Bestrebungen bildete, die
-in Chamberlain den Haupttrger ihrer Ideen sahen und deren Gedanken
-bis weit in die liberalsten Kreise hinein mehr und mehr
-Geltung erlangten. Was jenen vorschwebte, das war ein <span class="antiqua">Greater
-Britain</span>, ein Gro-England, geeinigt durch ein mglichst enges
-politisches Bndnis, geeinigt aber auch durch ein mglichst enges
-wirtschaftliches System zwischen den Kolonien und England, gerichtet<span class="pagenum"><a name="Seite_28" id="Seite_28">[S. 28]</a></span>
-gegen jeden Wettbewerber, vor allem aber gerichtet gegen Deutschland.
-Bedurfte es doch erst eines energischen Einspruches der deutschen
-Regierung, um zu verhindern, da in die staatlichen Submissionsbestimmungen
-Australiens der Satz aufgenommen wurde,
-da deutsche Waren grundstzlich von jedem Mitbewerb ausgeschlossen
-seien, hat das Gesetz &#8222;<span class="antiqua">Made in Germany</span>&#8221; doch selbst in
-Indien seine Nachahmung gefunden! Wie weit dieser imperialistische
-Gedanke Besitz ergriffen hat in der Politik der Staatsminister der
-englischen Kolonien, davon konnte ich mich berzeugen, als ich vor
-einigen Jahren in Toronto die Rede des jetzigen Staatsministers
-von Kanada, Borden, hrte, die nichts anderes war als der Ausdruck
-des Bekenntnisses einer vllig politischen und wirtschaftlichen
-Zugehrigkeit zu England &mdash; eine Rede, in der damals schon die
-Drohung enthalten war, da jedem Feind, der sich dem Mutterlande
-nahen wrde, nicht nur englische, sondern auch kanadische
-Dreadnoughts entgegengesandt wrden. Ich habe damals in der
-Presse auf diese Stimmung in Kanada hingewiesen, die jetzige Haltung
-Kanadas beweist, da die damalige Rede Bordens, der gerade aus
-London kam und ber seine Eindrcke in England berichtete, nicht
-einer Augenblicksstimmung entsprang, sondern der Ausdruck einer festbegrndeten
-politischen und wirtschaftspolitischen berzeugung war.</p>
-
-<p>Wie bedeutend diese schutzzllnerische Gesetzgebung in den
-Kolonien, wie bedeutend berhaupt der Kolonialbesitz Englands fr
-seine wirtschaftliche Machtstellung ist, dafr liefern uns die Ziffern
-des englischen Auenhandels einen schlagenden Beweis. Wenn
-wir den englischen Auenhandel mit dem deutschen vergleichen, so
-sehen wir eine englische Ausfuhr von 9943 Millionen Mark im
-Jahre 1912 und eine deutsche Ausfuhr von 8956 Millionen Mark
-im gleichen Jahre. England ist uns also auf diesem Gebiete um
-nur 1000 Millionen Mark berlegen. Gliedern wir aber diese
-Ausfuhr, betrachten wir den Wettbewerb der beiden Lnder einmal
-in denjenigen Lndern, in denen sie unter gleichen Bedingungen,
-d.&nbsp;h. unter gleicher Zollbehandlung kmpfen, und scheiden wir daher
-die Lnder aus, in denen die politische und wirtschaftliche Vorherrschaft
-eines der beiden Staaten besteht. Wir mssen dann von
-dem englischen Auenhandel abziehen die Ausfuhr nach den englischen
-Kolonien, von dem deutschen Auenhandel die Ausfuhr nach
-den deutschen Kolonien, wo hnliche Deutschland begnstigende
-Verhltnisse in der politischen Vorherrschaft, wenn auch nicht in
-wirtschaftlicher Vorzugsbehandlung, bestehen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_29" id="Seite_29">[S. 29]</a></span>
-
-Nach den englischen Kolonien hat England 1912 insgesamt
-fr 191,5 Millionen (= 3830 Millionen Mark) ausgefhrt, wovon
-auf Indien 65,679 Millionen, auf Kanada 27,3 Millionen, auf
-Neuseeland 11,1 Millionen, auf Sdwestafrika 23,1 Millionen
-entfallen.</p>
-
-<p>Nach denselben englischen Kolonien betrug die deutsche Ausfuhr
-1912 348,9 Millionen Mark. Wir sehen also, da, whrend
-England in seiner Gesamtausfuhr Deutschland etwa wie 10:9 steht,
-das Verhltnis in der Ausfuhr nach englischen Kolonien wie 11:1 ist.
-Derartig machen sich die politischen und wirtschaftlichen Einflsse
-Englands uns gegenber geltend.</p>
-
-<p>Noch strker tritt brigens der Gesichtspunkt der Beherrschung
-der Kolonien durch das Mutterland zutage, wenn wir denselben
-Vergleich auf das Verhltnis zwischen Frankreich und Deutschland
-ausdehnen. Die deutsche Ausfuhr berhaupt betrgt 10,8 Milliarden,
-die franzsische 5,3 Milliarden. Nach den franzsischen Kolonien
-aber fhrte Frankreich im Jahre 1913 fr 906,5 Millionen Franken,
-Deutschland aber nur fr etwa 15 Millionen Mark aus. Das Gebiet,
-in dem die Flagge eines fremden Landes weht, ist also fr
-unseren Auenhandel verschlossenes Gebiet oder doch solches, wo
-wir unter den grten Widerstnden einen kleinen Teil des Bedarfs
-decken knnen.</p>
-
-<p>Ziehen wir nun von dem englischen Auenhandel die Ziffer
-der Ausfuhr nach den englischen Kolonien, von dem deutschen
-Auenhandel die Ziffer der Ausfuhr nach den deutschen Kolonien
-ab, so erhalten wir folgendes Bild:</p>
-
-
-<div class="center">
-<table border="0" cellpadding="1" cellspacing="0" summary="Englische und Deutsche Gesamtausfuhr 1912">
-<tr><td class="tdl">Englische Gesamtausfuhr 1912</td><td class="tdr">&nbsp;9943</td><td class="tdc">&nbsp;Millionen</td><td class="tdc">&nbsp;Mark</td></tr>
-<tr><td class="tdl">Davon nach den Kolonien und Protektoraten</td><td class="tdr">3830</td><td class="tdc">&#8222;</td><td class="tdc">&#8222;</td></tr>
-<tr><td class="tdl">Ausfuhr in Gebiete freien Wettbewerbs</td><td class="tdr">6113</td><td class="tdc">&#8222;</td><td class="tdc">&#8222;</td></tr>
-<tr><td class="tdl"><em class="gesperrt">Deutsches Reich Gesamtausfuhr</em> 1912</td><td class="tdr">8956</td><td class="tdc">&#8222;</td><td class="tdc">&#8222;</td></tr>
-<tr><td class="tdl">Davon nach deutschen Kolonien</td><td class="tdr">51</td><td class="tdc">&#8222;</td><td class="tdc">&#8222;</td></tr>
-<tr><td class="tdl">Ausfuhr in Gebiete freien Wettbewerbs</td><td class="tdr">8905</td><td class="tdc">&#8222;</td><td class="tdc">&#8222;</td></tr>
-</table></div>
-
-<p>Daraus folgt, da in denjenigen Teilen der Welt, wo wir mit
-England unter gleichen Bedingungen konkurrieren, die englische
-Ausfuhr insgesamt 6113 Millionen Mark, die deutsche Ausfuhr
-aber 8905 Millionen Mark betrgt, <em class="gesperrt">da also Deutschland England
-in der Ausfuhr lngst schon berholt htte, wenn<span class="pagenum"><a name="Seite_30" id="Seite_30">[S. 30]</a></span>
-nicht Englands Kolonialbesitz die unbedingte Fundierung
-fr die englische Industrie und den englischen
-Handel abgeben wrde, eine Tatsache, die zu denken
-gibt, wenn nach dem Kriege die Frage der Vergrerung
-des deutschen Kolonialbesitzes errtert werden wird</em>.</p>
-
-<p>Erst unter diesen Gesichtspunkten versteht man Englands
-Kampf gegen eine weitere koloniale Bettigung des Deutschen
-Reiches, versteht man weiter auch die imperialistischen Ideen Chamberlains.
-Sie sind der Ausdruck eines gegen Deutschland gerichteten
-Wirtschaftskampfes. Bereits im September 1897 schreibt Sir
-Alfred Mond in der &#8222;Saturday Review&#8221; wrtlich: &#8222;Wenn Deutschland
-morgen vernichtet wre, so gbe es in der Welt nicht einen
-Englnder, der bermorgen nicht um so reicher wre. Vlker
-haben jahrelang um eine Stadt, um ein Erbfolgerecht gekmpft.
-Mten wir nicht um 250000000 jhrlichen Handels Krieg
-fhren? Wenn England einst erwacht und sieht, was seine einzige
-Hoffnung fr eine gedeihliche Zukunft ist, dann <em class="gesperrt">nieder mit
-Deutschland</em>.&#8221; Das ist der Geist, der von dem Herstellungsgesetz
-zu den Schiffahrtssubventionen, zum Patentgesetz, zur Vorzugsstellung
-Englands gegenber seinen Kolonien, zu dem Tage
-fhrte, wo England die Vlker der Erde in Sold nahm, um
-Deutschlands wirtschaftliche Macht gewaltsam zu brechen, nachdem
-es mit allen anderen Mitteln nicht gelungen war, Deutschland
-von der zweiten Stelle der Weltwirtschaft zurckzudrngen.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>Unter dem Gesichtspunkt dieses Kampfes gegen Deutschlands
-wirtschaftliche Stellung sind neben der Entfesselung des Weltkrieges
-selbst diejenigen Manahmen mit zu buchen, die England
-gegen Deutschland in dem jetzigen Weltkrieg ergriffen hat, um es
-wirtschaftlich auf die Knie zu zwingen. Mehrere Gesichtspunkte
-kamen fr England nach dieser Richtung in Frage, einmal die Abschneidung
-Deutschlands von der Nordsee, um die Lebensmittelzufuhr
-und damit die Ernhrung der deutschen Bevlkerung in
-Frage zu stellen, zweitens die vllige Unterbindung der deutschen
-Ausfuhr nach neutralen Lndern, soweit diese Ausfuhr durch England
-kontrolliert werden konnte, drittens die Vernichtung der
-deutschen Handelsflotte, viertens die Vernichtung seiner Guthaben
-im feindlichen Ausland, vor allen Dingen in England selbst, fnftens
-die Eroberung der deutschen Absatzmrkte whrend der Zeit der<span class="pagenum"><a name="Seite_31" id="Seite_31">[S. 31]</a></span>
-Ausschlieung Deutschlands vom Weltverkehr, schlielich die Unterbindung
-aller Zufuhr von Rohstoffen zur vlligen Lahmlegung der
-deutschen Industrie.</p>
-
-<p>Wenn man diese Manahmen bersieht, wird man feststellen
-mssen, da sie teilweise vllig wirkungslos geblieben sind, teilweise
-den erhofften Erfolg nicht gehabt haben. Zunchst ist die Lebensmittelversorgung
-Deutschlands nach menschlichem Ermessen, wenn
-auch unter Einschrnkung des Verbrauchs, sichergestellt. Die deutsche
-Wirtschaftspolitik hat uns in die Lage gesetzt, den grten Teil des
-deutschen Bedarfes selbst zu erzeugen. Bis August dieses Jahres
-ist Deutschland mit Lebensmitteln derart versorgt, da jede Hoffnung
-des Feindes, eine Schwchung Deutschlands durch den Mangel
-an Lebensmitteln herbeizufhren, als gescheitert anzusehen ist. Da
-wir den Krieg nicht im eigenen Lande haben, sondern da unsere
-Truppen verstanden haben, denselben in Feindesland hineinzutragen,
-so da das deutsche Heer zum groen Teil durch Requirierung im
-fremden Lande leben konnte, hat selbstverstndlich mit dazu beigetragen.
-Hat doch erst krzlich der Berichterstatter einer neutralen Macht
-das glnzendste Zeugnis deutscher Organisationsttigkeit darin erblickt,
-da es den deutschen Militrbehrden in Frankreich gelungen
-wre, die Versorgung der deutschen Armee mit Lebensmitteln ohne
-Zufuhren aus Deutschland selbst durchzufhren!</p>
-
-<p>In bezug auf die Unterbindung unserer Ausfuhr nach dem
-neutralen Ausland ist es England gelungen, einen teilweisen Erfolg
-zu erzielen. Die Schiffe der Hapag und des Lloyd sind entweder in
-die Kriegsflotte eingereiht oder liegen in neutralen Hfen, ein
-Handel unter deutscher Flagge ist bei der gegenwrtig noch vorhandenen
-Beherrschung der See durch England nur in geringem
-Mae mglich. Andererseits hat sich aber bereits gezeigt, da die
-vllige Unterbindung des deutschen Auenhandels sich nicht hat bewerkstelligen
-lassen. Einmal kommt fr den deutschen Auenhandel
-das Gebiet des verbndeten sterreich, ferner das Gebiet der neutralen
-Staaten, Schweiz, Italien, die Balkanlnder und die Trkei
-in Betracht, soweit nicht die Sorge um die eigene Volkswirtschaft
-Ausfuhrverbote als notwendig erscheinen lie. Weiterhin sind
-aber diejenigen Waren, die nicht Kriegskonterbande sind, zum Teil auf
-neutralen Schiffen in das Ausland befrdert worden. Hat es
-doch, worauf schon hingewiesen, beispielsweise durchgesetzt werden
-knnen, da ohne Schwierigkeiten die Ausfuhr chemischer Produkte
-nach Amerika unter amerikanischer Flagge und unter dem Schutz der<span class="pagenum"><a name="Seite_32" id="Seite_32">[S. 32]</a></span>
-politischen Macht der Vereinigten Staaten erfolgt. Damit ist nicht
-nur fr Deutschland die Mglichkeit der Ausfuhr seiner Chemikalien
-gegeben, sondern es ist gleichfalls dafr eingetauscht worden die
-Zusage der Vereinigten Staaten, da Baumwolle nicht Konterbande
-sei, und nach der Erklrung des amerikanischen Botschafters Gerard
-ist die von den Vereinigten Staaten festgesetzte Ausfuhr amerikanischer
-Baumwolle nach Deutschland in Hhe von 50000 Ballen pro
-Monat bestimmt worden, und bis zum 31.&nbsp;Dezember 1914 sind
-bereits in Bremen 48617, in Rotterdam 69900 Ballen amerikanischer
-Baumwolle angekommen. Gewi werden sich noch Schwierigkeiten
-in bezug auf die Heranschaffung anderer Rohstoffe bemerkbar
-machen, andererseits sind wir aber zum Teil dadurch dieser Schwierigkeiten
-enthoben worden, da uns durch die Eroberung Belgiens und
-die besetzten franzsischen Gebiete die gewaltigen dortigen Rohstoffbestnde
-in den Scho gefallen sind, betrgt doch das besetzte
-franzsische Gebiet, industriell berechnet, 40&nbsp;% der gesamten in
-Frankreich arbeitenden Maschinenkrfte. Bereits heute nach einem
-beinahe einhalbjhrigen Kriege sehen wir, da es uns gelungen ist,
-die Rohstoffversorgung Deutschlands annhernd sicherzustellen und
-die berzeugung unserer verantwortlichen Stellen ist, da dies auch
-whrend der ganzen Dauer des Krieges der Fall sein wird.</p>
-
-<p>Ebensowenig ist es England gelungen, die deutsche Handelsflotte
-zu vernichten. Wre es vom ersten Tage an auf die Seite
-unserer Gegner getreten, vielleicht htte es groe Erfolge nach dieser
-Richtung hin erreichen knnen. So aber versuchte es in seiner alten
-Heuchelei den Anschein des Friedensvermittlers zu erwecken, verhandelte
-ber Belgiens Neutralitt, die ihm innerlich ganz gleichgltig
-war, um dann als das moralische Gewissen der Welt in die
-Arena zu treten. Herr Ballin wute, weshalb er die &#8222;Vaterland&#8221; von
-Neuyork nicht abfahren lie, weshalb der &#8222;Imperator&#8221; im Hafen von
-Hamburg liegen blieb. Wir wissen nicht, wie gro die Verluste sind,
-die England unserer Handelsflotte zugefgt hat, wohl aber wissen
-wir, wie gro der Inhalt derjenigen Schiffe ist, welche die &#8222;Emden&#8221;
-aufgebracht hat, welche die &#8222;Karlsruhe&#8221; zum Sinken brachte und
-welche durch andere Hilfskreuzer Deutschlands vernichtet wurden.
-Auf 1,9&nbsp;% der englischen Handelsflotte hat man im englischen
-Parlament Ende 1914 die Verluste der englischen Handelsflotte
-angegeben, sicherlich wird man dabei nicht zuviel gerechnet haben.
-Legen wir aber selbst diese englische Berechnung zugrunde, so wurde
-sich doch daraus allein ein Verlust von englischen Schiffen in Hhe<span class="pagenum"><a name="Seite_33" id="Seite_33">[S. 33]</a></span>
-von etwa 250000 <span class="antiqua">t</span> ergeben. Im August 1914 sanken sieben
-britische Dampfer mit 35742 <span class="antiqua">t</span>, im September 15 Dampfer mit
-61055 <span class="antiqua">t</span>, im Oktober 22 Dampfer mit 89591 <span class="antiqua">t</span>. <span class="antiqua">Vivant sequentes!</span>
-Seit dem 18.&nbsp;Februar 1915 ist Deutschland auf den Weg getreten,
-den der Staatssekretr von Tirpitz in der Unterredung mit dem
-Vertreter der <span class="antiqua">United Press</span> gewiesen und durch die Vernichtung
-des &#8222;Bulwark&#8221; durchzufhren bereits begonnen hat, die feindlichen
-Handelsschiffe durch seine Unterseeboote zu vernichten. Erfllen
-sich die auf diese Aktion gesetzten Hoffnungen, dann wird
-am Ende des Krieges voraussichtlich auf Englands Seite der
-grere Verlust zu buchen sein. Deutschlands Handelsflotte hat
-groe Einbue erlitten, aber da sie gro auch nach dem Kriege
-dastehen wird, und da nach dem Kriege die grten Schiffe der
-Welt nach wie vor unter deutscher Flagge fahren werden, liegt
-nach dem ganzen Stand der Dinge klar zutage.</p>
-
-<p>Das meiste aber haben sich die Englnder von einem rcksichtslosen
-Vorgehen gegen die deutschen wirtschaftlichen Interessen versprochen.
-In England war kurz nach dem Ausbruch des Krieges
-eine Verordnung in Kraft getreten, wodurch der Handel mit dem
-Feinde verboten wurde. Keine Geldsumme durfte an den Feind
-oder an feindliche Gesellschaften gezahlt werden, keine Vergleiche
-geschlossen, keine Sicherheit fr die Zahlung einer Schuld gegeben,
-keine Handlung zu seinen Gunsten, wie Trassieren, Akzeptieren usw.
-begangen werden. Lebens- oder andere Versicherungen mit
-oder zu Gunsten des Feindes konnten nicht abgeschlossen werden,
-die Zufuhr von Waren oder der Bezug von Waren war ausgeschlossen.
-Bestimmungen ber die vllige oder teilweise Beseitigung
-von Patenten und Marken, die fr Deutschland geschtzt
-waren, wurden getroffen. Die deutschen Unternehmungen in England
-wurden unter staatliche Aufsicht gestellt und teilweise in gehssiger
-Weise liquidiert.</p>
-
-<p>England hat weiter Manahmen getroffen, um nicht nur die
-deutschen Unternehmungen in England lahmzulegen, sondern auch
-alle englischen Betriebe, in denen Deutsche beschftigt waren, zur
-Entlassung derselben gezwungen. Es hat die englischen Firmen von
-den Vertragsverpflichtungen gegen Deutschland entbunden, es hat
-die Hausbesitzer entbunden von der Verpflichtung der Einhaltung
-der Mietsvertrge, und es hat vom ersten Augenblick an den
-wirtschaftlichen Krieg gegen Deutschland auf eigenem Grund und
-Boden in unfairer Weise gefhrt.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Seite_34" id="Seite_34">[S. 34]</a></span>
-
-Deutschland ist mit Gegenmaregeln gegen England erst vorgegangen,
-als die ffentliche Meinung dies gebieterisch verlangte.
-Inwieweit die deutschen Interessen durch das Vorgehen Englands
-geschdigt sind, lt sich bis heute noch nicht bersehen, unzweifelhaft
-ist eine Schdigung der deutschen Volkswirtschaft dadurch herbeigefhrt
-worden, da Forderungen an England uneinbringlich sind,
-da somit deutsche Unternehmungen, die Geschfte mit England
-treiben, heute ber Auenstnde verfgen, deren Einbringung derzeit
-unmglich ist. Ebenso sind unzweifelhaft alle diejenigen Unternehmungen
-geschdigt, welche in England domizilieren, und es
-drfte keinem Zweifel unterliegen, da die Zahl der deutschen Gesellschaften
-in England ebenso wie die Zahl der in England lebenden
-Deutschen weit grer ist als die der in Deutschland lebenden Englnder
-oder der englischen Unternehmungen in Deutschland.</p>
-
-<p>Schon heute zeigt sich aber, da Deutschland die Folgen dieser
-Manahmen berwunden hat, und zwar berwunden durch die
-Kreditorganisationen, die es sich bei Beginn des Krieges schuf und
-die unter anderen in den begrndeten Kriegskreditbanken Unternehmungen
-entstehen lieen, welche deutsche Forderungen gegen England
-als Unterlage fr einen zu gewhrenden Kredit annehmen und
-damit die englischen Manahmen zum Teil illusorisch machen. Bedauerlich
-ist es, da in manchen Fllen die Gegenmanahmen
-Deutschlands deshalb unwirksam bleiben muten, weil die deutscherseits
-bestellten Staatskommissare sich mit einer allzugroen Anpassungsfhigkeit
-nicht als Vertreter der deutschen Interessen,
-sondern als Vertreter der ihnen unterstellten Gesellschaften fhlten.
-Bedauerlich war ebenso die Bereitwilligkeit, manche englische Gesellschaften
-in deutsche umzuwandeln, anstatt die Englnder, um
-ein Wort Bismarcks anllich der Belagerung von Paris zu gebrauchen,
-&#8222;in ihrem eigenen Fett schmoren zu lassen&#8221;. Wenn zeitweise
-deutsche Staatskommissare auftraten, um die Forderungen
-englischer Niederlassungen gegen deutsche Firmen einzutreiben, und
-wenn deutsche Gerichte gar die von einer deutschen Firma erbetene
-Frist von drei Monaten zur Bezahlung der Schuld nicht genehmigten,
-und wenn bis heute nicht Vorsorge getroffen ist, da
-man mindestens solche Forderungen mit Forderungen an England
-zahlen kann, so zeigt das eine bedenkliche Lcke in unseren Gegenmaregeln,
-die ebenso unbedingt ausgefllt werden mu, wie fr
-einen Ausgleich zwischen deutschen Glubigern und Schuldnern
-gegenber England Sorge zu tragen ist. Englands Ausfuhr nach<span class="pagenum"><a name="Seite_35" id="Seite_35">[S. 35]</a></span>
-Deutschland betrug im Jahre 1913 (nach der deutschen Handelsstatistik)
-876,1 Millionen Mark, die Einfuhr deutscher Waren nach
-England 1438 Millionen Mark, die Ausfuhr Englands <em class="gesperrt">und seiner
-Kolonien</em> nach Deutschland betrug jedoch im Jahre 1913 2090 Millionen
-Mark, die Einfuhr deutscher Waren dahin 1849 Millionen
-Mark. Nimmt man diese Zahlen als Grundlage, so wird man
-immerhin erkennen, da durch die gegenseitig getroffenen Manahmen
-doch auch die englischen Glubiger Deutschlands mitbetroffen
-sind, so da sich auch hier deutsche Forderungen zum
-Teil ausgleichen drften.</p>
-
-<p>Vllig versagt hat aber schlielich die Hoffnung Englands,
-sich whrend der Zeit des Krieges gewissermaen die Kundschaft
-Deutschlands &mdash; nebenbei vielleicht, wie bekannt gewordene englische
-Offerten nach Sdamerika zeigen, auch die des mit ihm verbndeten
-Frankreich &mdash; anzueignen und Deutschland vom Weltmarkt zu verdrngen.
-Wenn man die Grundlagen der deutschen Beherrschung
-des Weltmarktes sich vor Augen hlt, so mu man sich von vornherein
-sagen, da eine Vernichtung des deutschen Handels gar nicht
-mglich ist. Die Eigenschaften, welche dem Deutschen trotz mancher
-Ungunst seine Stellung im Welthandel erobert hat, lassen sich
-nicht in wenigen Monaten adoptieren. Wenn man in London unter
-Vorsitz Lord Haldanes das Problem studieren will, wie man den
-Vorsprung Deutschlands auf dem Gebiete der chemischen Industrie
-wettmachen knne, wenn man Ausstellungen von deutschen Waren
-veranstaltet, um die englische Industrie zur Nachahmung zu veranlassen,
-so vergit man, da man den Vorsprung deutscher Wissenschaft
-nicht durch Konferenzen einholen kann, und da man weiter
-gegen die ganze konservative Natur des englischen Volkes ankmpfen
-mte, wenn man es mit den Eigenschaften ausstatten
-will, die dem deutschen Volk den Vorsprung geschaffen haben.
-Fr die mit so groem Lrm angekndigte Grndung einer Anilinfarbenfabrik
-mit 60 Millionen Mark Kapital fehlen die Aktienzeichner,
-weil, wie aus dem Gutachten der Handelskammer in Leeds
-und des Economist sich ergab, man sich dessen bewut ist, da mit
-Kapital allein ein auf deutscher Wissenschaftlichkeit beruhender Vorsprung
-nicht einzuholen ist. Ebenso drfte die in Aussicht genommene
-bertragung der Leipziger Messe nach London oder Birmingham
-ein frommer Wunsch bleiben. Leipzigs Weltstellung als Handelsplatz
-ist durch jahrhundertelange Tradition ebenso begrndet wie
-durch Deutschlands Stellung auf dem Weltmarkt, whrend Londons<span class="pagenum"><a name="Seite_36" id="Seite_36">[S. 36]</a></span>
-Markt beispielsweise in bezug auf seine Stellung fr die Weltnotierung
-vieler Metalle (Rohzink, Blei) sich nur auf die Tradition
-berufen kann, whrend es in der Produktion hinter den Vereinigten
-Staaten von Amerika und Deutschland steht. Auch die angekndigte
-Entsendung von Handelssachverstndigen nach Deutschland und
-sterreich-Ungarn, sowie die Veranstaltung von Ausstellungen
-deutscher Erzeugnisse zum Zwecke der Nachahmung durch englische
-Firmen, wie es in Birmingham geschah, drfte vergeblich sein.
-Was den Englndern in bezug auf den Welthandel in Jahrzehnten
-nicht gelungen ist, wird ihnen jetzt auch nicht gelingen. Zudem
-darf England nicht vergessen, da ein Weltkrieg wie der jetzige
-auch alle Vlker der Welt in Mitleidenschaft zieht, so da
-nirgends eine starke Kaufkraft vorhanden ist, Neuinvestierungen
-von Kapital, Vergrerung von Unternehmungen werden nicht
-vorgenommen werden, solange der Weltkrieg tobt. So wie
-mit einem Schlag alle Brsen der Welt ihre Ttigkeit einstellten,
-weil der Pulsschlag des Wirtschaftslebens stockte, so wird
-dies auch whrend der ganzen Kriegsdauer bleiben. Es kann sein,
-da Deutschland nach Beendigung des Krieges vielleicht in den
-feindlichen Lndern zu leiden hat unter einer gewissen Boykottstimmung,
-die aus dem namentlich durch die Beherrschung des
-Nachrichtendienstes durch England genhrten Ha hervorgeht,
-da sich aber in den neutralen Lndern, namentlich nachdem sich die
-Wahrheit ber den Krieg mehr und mehr durchsetzt, die Nachfrage
-nach deutschen Waren in demselben Mae geltend machen wird
-wie bisher. Aus Liebe fr uns hat uns noch niemand etwas abgekauft,
-die Vlker haben uns das abgekauft, was sie mit demselben
-Preis und in derselben Qualitt woanders nicht erhalten konnten.
-Das war bisher so, das wird auch in Zukunft so bleiben.</p>
-
-<p>Andererseits leidet neben dem deutschen Auenhandel schon
-jetzt der englische ganz gewaltig. In den ersten drei Monaten nach
-Ausbruch des Krieges ist Englands Auenhandel um mehr als
-zwei Milliarden zurckgegangen, bis zum 31.&nbsp;Dezember hat sich
-diese Verminderung bis auf 3 Milliarden Mark, davon 1816 Millionen
-Mark in der Ausfuhr gesteigert! Neben dem Ausfall des
-2-Milliarden-Konsums Deutschlands aus England und seinen Kolonien
-und der geminderten Kaufkraft der neutralen Lnder tritt vor
-allen Dingen zutage, da die Wirkungen des Krieges sich in den
-mit England verbndeten Lndern weit mehr zeigt als irgendwo in
-der Welt. Ein nicht unbetrchtlicher Teil von Frankreich ist in<span class="pagenum"><a name="Seite_37" id="Seite_37">[S. 37]</a></span>
-deutschem Besitz, und ganz Belgien ist ebenfalls von den Deutschen
-besetzt, die gesamte englische Ausfuhr nach Belgien und Nordfrankreich
-sowie nach den brigen besetzten Gebieten ist damit erledigt.
-Aber auch das brige Frankreich, dessen Rentner jetzt ihre Zinszahlung
-auf russische Papiere aus franzsischen Taschen erhalten, ist nicht mehr
-in der Lage, groe Warenabschlsse mit England zu machen. Das
-gleiche gilt auch von Ruland. Die Ziffer der Verringerung des
-englischen Welthandels zeigt bereits mit Sicherheit, da England
-sich auf abschssiger Bahn befindet und da seine Hoffnung auf Erringung
-des Weltmarktes sich nach dieser Richtung nicht erfllen
-wird. Andererseits sprt England, das uns aushungern wollte,
-die Preissteigerung aller Lebensmittel in seinem Innern, dazu
-steigen die Frachtraten, namentlich seit der Unterseebootsblockade,
-ins Ungemessene, und schon erwgt man auch in England die Festsetzung
-von Hchstpreisen. Dazu tritt Rohstoffmangel in Zink, Indigo,
-Chemikalien und anderen Stoffen. Daher jetzt die malose Brutalitt,
-mit der eine magebende englische Fachzeitschrift empfiehlt, da
-die verbndeten Heere, sobald sie nach dem Rheinland vorgedrungen
-sind, alle industriellen Unternehmungen Deutschlands derartig zerstren
-sollten, da an einen Wiederaufbau derselben berhaupt nicht
-gedacht werden knne. Ein Zeichen dafr, wie weit der wirtschaftliche
-Neid in England die Triebfeder dieses Weltkrieges ist! &mdash; und ein
-freundlicher Wunsch, dem zur Erfllung nur das eine fehlt, da die
-verbndeten Heere auf deutschem Boden stnden und nicht die
-Deutschen auf franzsischem. Die weiteren Hoffnungen, Deutschland
-durch den Krieg selbst volkswirtschaftlich zu schaden, sind vllig zuschanden
-geworden. Jeder von uns, der das stark pulsierende Leben
-in Deutschland seit Ausbruch des Krieges miterlebt hat, wird sich
-davon berzeugt haben. Die Arbeitslosigkeit ist dauernd zurckgegangen.
-Manche groe Bezirke, und zwar nicht nur die Werksttten
-von Krupp und die Werften in Wilhelmshaven, sondern
-auch Industriebezirke wie Chemnitz, die zunchst unter dem Krieg
-litten, arbeiten in angestrengtester Ttigkeit. Die Milliardenauftrge
-der Militrlieferungen sind, wenn auch nicht immer in die
-richtigen Hnde, so doch in ihrer Gesamtheit der deutschen Volkswirtschaft
-zugute gekommen.</p>
-
-<p>Unsere gesamte Ausfuhr betrug 1913 etwas ber 10 Milliarden
-Mark, schon heute aber sind 10 Milliarden Mark fr den Krieg bewilligt,
-die in Auftrgen an die deutsche Industrie und die deutsche
-Landwirtschaft wieder zum Ausdruck kommen, so da die Ausflle<span class="pagenum"><a name="Seite_38" id="Seite_38">[S. 38]</a></span>
-des Auenhandels durch die Kriegslieferungen mehr als ausgeglichen
-sind. Mgen die Staatsschulden des Reiches dadurch wachsen, die
-deutsche Volkswirtschaft verliert nicht einen Pfennig von dieser
-gewaltigen Summe, denn das Ausland ist an Militrlieferungen
-nur in ganz geringem Mae beteiligt. Die vielen Millionen Mark
-an Gehltern und Lhnen, die Summen, die von den deutschen
-Truppen in die Heimat zurckgeschickt werden, haben zusammen
-mit den staatlichen Untersttzungen die Kaufkraft der Bevlkerung
-fast ungeschwcht erhalten, und wer das Leben und Treiben in den
-Weihnachtstagen in den deutschen Grostdten sah, der konnte einen
-Unterschied zwischen den Dezembertagen 1914 und denen von 1913
-fast berhaupt nicht finden.</p>
-
-<p>Wie stark die finanzielle Position Deutschlands ist, zeigt der
-glnzende Erfolg der Kriegsanleihe, zeigt der fortgesetzt gesteigerte
-Goldbestand der Reichsbank, der Ende Februar 1915 um 1 Milliarde
-hher war als zu Beginn des Krieges, zeigt die Herabsetzung
-des Reichsbankdiskonts um 1&nbsp;% am Ende des Jahres. Wie
-sehr auf der anderen Seite England gelitten hat, das geht aus den
-verschiedensten Momenten hervor. Deutschland war Gro-Englands
-groer Abnehmer mit 2090 Millionen Mark. Frankreich, Ruland
-und Belgien haben insgesamt 1576,58 Millionen Mark sonst aus
-England allein bezogen, auch diese Ausfuhr drfte, wie vorher ausgefhrt,
-zum groen Teil verloren sein. Die ganze Textilindustrie
-leidet unter der Nichtzufuhr deutscher Chemikalien ebenso wie unter
-dem Ausbleiben pharmazeutischer Mittel, und von seinen Spindeln
-feiern etwa die Hlfte. Die uerlich glnzende finanzielle Position
-der Bank von England wird, wie Rieer ausfhrt, auf den richtigen
-Stand zurckgefhrt, wenn man bedenkt, da die Erhhung
-des Goldbestandes nicht etwa zu Stande gekommen ist durch den
-englischen Markt, sondern durch berfhrung der Bestnde der
-Nationalbank in Brssel sowie der Bank von Frankreich in Paris.
-Der Umstand, da England gezwungen war, ein Moratorium einzufhren,
-das Deutschland vermeiden konnte, der Umstand weiter,
-da am 2.&nbsp;August der Diskont der Bank von England auf 10&nbsp;%
-erhht werden mute, da die Golddeckung der Noten der Bank
-von England bis auf 15,8&nbsp;% sank, zeigt am besten, wie ungeheuerlich
-der Gedanke des Kriegs mit Deutschland den englischen finanziellen
-Markt in Anspruch genommen hat. Die einzelnen finanziellen
-Transaktionen Englands in bezug auf die Untersttzung seiner Verbndeten
-durch Vorschsse, in bezug auf Deckung der englischen<span class="pagenum"><a name="Seite_39" id="Seite_39">[S. 39]</a></span>
-Anleihe durch Vorschsse der Bank von England hat Rieer in
-seinem Buch &#8222;England und wir&#8221; im einzelnen dargelegt, so da
-sich ein nheres Eingehen an dieser Stelle erbrigt. Schon heute
-aber sei das eine gesagt, da ebenso wie die ohne Grundlage festgehaltene
-Tradition von Englands unberwindlicher Flotte durch
-die Taten deutscher Kreuzer zerstrt worden ist, so auch die herrschende
-Stellung der Bank von England zerstrt worden ist und
-ebenso der Glaube an die Unerschtterlichkeit des englischen Wirtschaftslebens.
-Schon steht Neuyork bereit da, um die Erbschaft
-zu bernehmen; die &#8222;Times&#8221; selbst mu neutrale Lnder, welche
-Kapital suchen, auf den amerikanischen Markt verweisen, und die
-amerikanische Zeitschrift &#8222;<span class="antiqua">The Commercial and Financial Chronicle</span>&#8221;
-attestiert den englischen Freunden, &#8222;da <em class="gesperrt">England</em> wegen
-einer ganzen Reihe durch den Krieg hervorgerufener Vorgnge
-<em class="gesperrt">sein Ansehen und seine finanzielle Kraft verloren
-hat</em>&#8221;. Wie die Verhltnisse in Deutschland selbst auf England
-wirken, zeigt der Bericht, den die &#8222;Daily Mail&#8221; unter dem
-Titel &#8222;Deutschland von innen gesehen&#8221; von einem nach Deutschland
-entsandten, wahrscheinlich amerikanischen Berichterstatter schreiben
-lt, und der als Ergebnis seiner wochenlangen Beobachtungen die
-Stimmung in Deutschland wie folgt niederschreibt: &#8222;Deutschland
-zeigt das Bild eines groen Landes, geeint, wie es niemals frher
-in seiner Geschichte gewesen ist, voll von Siegeszuversicht, weil es
-entschlossen ist zu siegen und dafr organisiert ist, mit ungeheuren
-und, wie es glaubt, unerschpflichen Hilfsquellen von Menschen
-und Rstungsvorrten, nicht erschttert durch schwere Verluste,
-nicht geschreckt und, abgesehen von wenigen Fllen, auch fast nicht
-betroffen von dem wirtschaftlichen Druck der britischen Seeherrschaft.
-Beherrscht von einem verzehrenden Ha gegen England, alle seine
-geistige, krperliche und Willenskraft in den Kampf hineinschleudernd,
-mit manchen Illusionen genhrt, aber auch gesttzt von demselben
-Geist ausdauernder Opferwilligkeit, die Friedrich den Groen
-triumphierend durch das glhende Gottesurteil des Siebenjhrigen
-Krieges brachte. Wir mssen Deutschland in diesen Eigenschaften
-der Khnheit und rcksichtslosen Ergebenheit, von denen es ein so
-weithin leuchtendes Beispiel gibt, zunchst einmal gleichkommen
-und dann es bertreffen.&#8221;</p>
-
-<p>Wir sehen somit als Ergebnis, da alle Versuche Englands, die
-vor dem Kriege unternommen worden sind, um Deutschlands wirtschaftliche
-Stellung auf dem Weltmarkte zu zerstren, abgeprallt sind<span class="pagenum"><a name="Seite_40" id="Seite_40">[S. 40]</a></span>
-an der Leistungsfhigkeit der deutschen Volkswirtschaft. Nur das
-Weltkolonialreich hlt England berhaupt noch die Stellung an der
-Spitze des Welthandels. Sein Gesetz &#8222;<span class="antiqua">Made in Germany</span>&#8221; vernichtete
-nicht die deutsche Warenausfuhr, sondern wurde ein Ehrenzeichen, sein
-Patentgesetz vermochte Unbequemlichkeiten zu verursachen, ohne die
-erhoffte Wirkung auszuben, seine Schiffahrtsubventionen brachten
-ihm einen uerlichen Erfolg, der durch die groen deutschen Schiffe
-lngst wettgemacht worden ist. Fr den verschlossenen Handel mit
-seinen Kolonien fanden wir andere Absatzgebiete in der Welt, seine
-Manahmen gegen uns waren Nadelstiche, die uns hier und da
-trafen, die aber nicht in der Lage waren, das mchtige Gebude
-der deutschen Volkswirtschaft zu schdigen. Es steht noch genau so
-festgefgt da und wird so dastehen auch nach dem Kriege. Wir
-werden neue Wege finden, wenn es England gelingen sollte, uns
-einen Teil unseres Exportes abzunehmen; die Deutschen selbst werden
-in Zukunft hoffentlich auf unntige fremdlndische Erzeugnisse gern
-verzichten, und die Affenliebe des deutschen Volkes fr das Auslndische
-um des Auslndischen wegen wird einen starken Sto erlitten
-haben. In der Mglichkeit einer mitteleuropischen Zollverstndigung
-ist die Mglichkeit gegeben, ein gewaltiges Wirtschaftsgebiet
-von 120&ndash;150 Millionen Einwohnern dem <span class="antiqua">Greater
-Britain</span> Chamberlains gegenberzustellen und dadurch jeden Schlag
-zu parieren, der etwa von England geplant sein sollte.</p>
-
-<p>Auf politischem Gebiete aber mu dieser Krieg, der fr Deutschland
-nur siegreich enden kann, wenn es berhaupt noch eine Moral
-in der Weltgeschichte gibt, das Ende der Monopolstellung Englands
-bringen. England in Schach zu halten ist unsere politische
-Aufgabe, wenn wir der Welt die Freiheit des Wirtschaftskampfes
-wiedergeben wollen, die unter Englands Monopolherrschaft heute
-leidet. Wir erstreben fr uns keine Weltherrschaft, nicht die Unterdrckung
-anderer Vlker, aber den freien Weg in die Meere, deutsche
-Sttzpunkte fr die deutsche Flotte genau so, wie englische fr die
-englische Flotte bestehen, weitere Ausdehnung des Kolonialbesitzes
-und im brigen den freien Wettbewerb mit allen Vlkern der
-Erde ohne einseitige Vorzugsstellung fr uns, aber auch ohne
-Vorzugsstellung fr andere Lnder. Finden wir den Weg in diese
-Freiheit, dann wird diese Freiheit, des sind wir sicher, in Zukunft
-im Wirtschaftskampf zwischen England und Deutschland die erste
-Stelle im Welthandel dem jungen deutschen Volke zuerkennen.</p>
-
-
-<div class="transnote pagebreak p4">
-<h2 class="nopagebreak">Anmerkungen zur Transkription</h2>
-
-<p>Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen gebruchlich waren, wie:</p>
-
-<ul class="index">
-<li>Bedarfes -- Bedarfs</li>
-<li>inneren -- Innern</li>
-<li>Krieges -- Kriegs</li>
-</ul>
-
-<p>Folgende nderungen wurden vorgenommen:</p>
-
-<ul class="index">
-<li>S. 16 &#8222;Kiautschau&#8221; in &#8222;Kiautschou&#8221; gendert.</li>
-<li>S. 21 &#8222;Chikago&#8221; in &#8222;Chicago&#8221; gendert.</li>
-<li>S. 21 &#8222;Rio Grande del Sul&#8221; in &#8222;Rio Grande do Sul&#8221;
-gendert.</li>
-<li>S. 36 &#8222;Sowie&#8221; in &#8222;So wie&#8221; gendert.</li>
-</ul>
-
-</div>
-
-<p>&nbsp;</p>
-<p>&nbsp;</p>
-<hr class="full" />
-<p>***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ENGLANDS WIRTSCHAFTSKRIEG GEGEN DEUTSCHLAND***</p>
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-<p>
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-Literary Archive Foundation</h3>
-
-<p>The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.</p>
-
-<p>The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact</p>
-
-<p>For additional contact information:</p>
-
-<p> Dr. Gregory B. Newby<br />
- Chief Executive and Director<br />
- gbnewby@pglaf.org</p>
-
-<h3>Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation</h3>
-
-<p>Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.</p>
-
-<p>The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit <a href="http://www.gutenberg.org/donate">www.gutenberg.org/donate</a>.</p>
-
-<p>While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.</p>
-
-<p>International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.</p>
-
-<p>Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate</p>
-
-<h3>Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.</h3>
-
-<p>Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.</p>
-
-<p>Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.</p>
-
-<p>Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org</p>
-
-<p>This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.</p>
-
-</body>
-</html>
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