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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Geld und Erfahrung - -Author: Max Eyth - -Annotator: Carl Müller-Rastatt - -Illustrator: Theodor Herrmann - -Release Date: October 30, 2015 [EBook #50344] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GELD UND ERFAHRUNG *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - - - - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Im Original gesperrter Text ist +so dargestellt+. - - Im Original in Antiqua gesetzter Text ist ~so dargestellt~. - - Im Original kursiver Text ist _so dargestellt_. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des - Buches. - - - - - Hausbücherei - - 32 - - - - - Hausbücherei - - der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung - - 32. Band - - [Illustration] - - Hamburg-Großborstel - Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung - 1910 - - 11.-20. Tausend - - - - - Geld und Erfahrung - - von - - Max Eyth - - Mit einem Bildnis Eyths, einer Einleitung - von ~Dr.~ +Carl Müller+-Rastatt und Bildern - von +Theodor Herrmann+ in Hamburg - - [Illustration] - - Hamburg-Großborstel - Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung - 1910 - - 11.-20. Tausend - - - - -[Illustration] - - - - -Inhalt - - - Seite - - Einleitung von ~Dr.~ Carl Müller-Rastatt 5-- 10 - - +Max Eyth:+ Geld und Erfahrung 11--176 - -[Illustration] - -Für die Abdruckserlaubnis dieser Erzählung schulden wir der Deutschen -Verlagsanstalt in Stuttgart Dank. Die Erzählung ist dem zweiten Bande -des Max Eythschen Werkes »Hinter Pflug und Schraubstock« entnommen. - -[Illustration] - - Ein Bild Max Eyths ist hinter Seite 4 eingeheftet. - -[Illustration] - -Ein ausführliches Verzeichnis der früher erschienenen Bände der -»Hausbücherei« sowie der »Volksbücher« befindet sich am Schluß des -Bandes. - -[Illustration] - -[Illustration: M. Eyth] - - - - -[Illustration] - - - - -Einleitung. - - -+Geld und Erfahrung!+ Man kennt das Geschichtchen von den beiden -Männern, die zusammen ein Geschäft begründeten. Der eine brachte das -nötige Geld dazu mit, der andere die Erfahrung. Als aber ein paar Jahre -ins Land gegangen waren und die beiden sich wieder trennten, da hatten -sie die Rollen getauscht: der das Geld mitgebracht hatte, der hatte -jetzt die Erfahrung; aber der andere hatte das Geld. - -Das Geschichtchen ist eines von denen, die ewig neu bleiben und -die sich in der Welt immer wieder abspielen. Umsonst ist der Tod, -und Erfahrung gewinnt man nicht, ohne Lehrgeld dafür zu zahlen. Es -hilft nichts, daß man darüber klagt und jammert. Man wird am besten -damit fertig, wenn man gute Miene zum bösen Spiel macht und sich mit -fröhlichem Humor in sein Schicksal findet. Das haben wenige so gut -verstanden wie +Max Eyth+. Sein ganzes Jünglings- und Mannesalter ist -ein einziges Sammeln von Erfahrungen gewesen, und er hat sie alle -redlich bezahlen müssen. Aber statt sich darüber zu grämen, hat er aus -all seinen Erlebnissen lustige und unterhaltsame Geschichten gemacht, -von denen dieses Buch eine treffliche Probe gibt. - -Es gibt Schriftsteller, die sich ihre Bücher zusammenfabeln, weil sie -uns recht absonderliche Dinge erzählen wollen, ohne Rücksicht darauf, -ob sie wahr sind oder nicht. Und es gibt andere, die sich ihre Bücher -zusammenträumen, während sie irgendwo in der schlichten Alltäglichkeit -sitzen und sich heimlich hinaussehnen in Abenteuer, in fremde Länder -und zu fremden Menschen. Max Eyth hat nicht gefabelt und nicht -geträumt: er hat erlebt. Und das, was er erlebt hat, hat er mit klarem -Auge und fröhlichem Wesen beobachtet und dann niedergeschrieben, andern -zur Belehrung und zur Freude. - -+Max Eyth+ ist im Jahr 1836 im Pfarrhaus des Städtchens Kirchheim -unter Teck geboren worden. Die Kunst, mit der Feder umzugehen, war ihm -von seinen Eltern überkommen, die sich beide dichterisch betätigten. -Daneben hatte er schon in seinen Kinderjahren besonderes Interesse an -praktischen Dingen, an Maschinen. Und so entschied er sich dafür, das -Stuttgarter Polytechnikum zu besuchen, um Maschinenbauer zu werden. -Das war damals, wo die Maschinen erst ganz allmählich anfingen, die -Bedeutung zu gewinnen, die sie jetzt in der Welt haben, noch ein kühnes -Unterfangen. Aber Max Eyth hat Zeit seines Lebens frischen Wagemut -besessen und darauf vertraut, daß dem Kühnen das Glück lächelt und der -Erfolg hold ist. Mit diesem Wagemut begann er sein Studium: mit diesem -Wagemut beschloß er, als es glücklich beendet war, ins Ausland zu -ziehen und sich draußen den Wind um die Nase wehen zu lassen. - -Der Anfang war nicht vielversprechend. Er zog rheinabwärts und klopfte -in all den großen Fabriken an, die sich links und rechts des schönen -Stroms aufgetan hatten. Aber auf seine Frage nach einer Anstellung fand -er von Mainz bis Antwerpen nur ein Achselzucken. Und es beweist seine -Energie, daß er nicht reumütig umkehrte, sondern über See nach England -ging, um dort sein Heil zu versuchen. Auch hier wiederholte sich -zunächst, was er auf seiner Rheinfahrt erlebt hatte: Monat für Monat -wurde er abgewiesen, wo er anklopfte. Endlich aber kam der Tag, an dem -sein Ausharren belohnt wurde: sein guter Stern führte ihn mit +John -Fowler+ zusammen, einem der größten englischen Maschinenfabrikanten, -der hauptsächlich Dampfpflüge baute. - -Fowler berief Eyth in seine Fabrik. Ein Schraubstock, an dem er -arbeiten sollte, und dreißig Schilling Wochenlohn: viel war es -nicht, was dem jungen Ingenieur geboten wurde. Aber er griff rasch -entschlossen zu und hatte es nicht zu bereuen. Bald fand er an -den Dampfpflügen Gefallen und Fowler an ihm. Auf der Londoner -Weltausstellung hatte er schon als Vertreter der Firma die dort -arbeitenden Dampfpflüge zu leiten. Da er sich dabei ausgezeichnet -bewährte, entsandte man ihn im Anschluß daran nach Ägypten. Halim -Pascha, der Oheim des damaligen Vizekönigs des Pyramidenlandes, -einer der größten Grundbesitzer in der ungeheuren Nilebene, wollte -seine Güter besser ausnützen, als dies bei der bis dahin üblichen, -altväterlichen Weise des Ackerbaues möglich war. Er bestellte bei -Fowler ein paar Dampfpflüge und Eyth wurde ausersehen, sie ins Nildelta -zu bringen, dort aufzustellen und aus der eingeborenen Bevölkerung die -nötige Bedienungsmannschaft heranzubilden. - -Es war keine Kleinigkeit, die hier gestellte Aufgabe in einem -halb zivilisierten Lande zu lösen. Aber Eyth fand sich in die -fremdländischen Verhältnisse so glücklich hinein und stand so wacker -seinen Mann, daß Halim Pascha ihm den Antrag machte, als Oberingenieur -ganz in seine Dienste zu treten. Eyth ging darauf ein und blieb vier -Jahre in Ägypten. - -Dann trat er wieder in die Dienste der Fowlerschen Fabrik, aber -nicht, um in England hinter Zeichentisch und Schraubstock zu sitzen, -sondern um das in Ägypten begonnene Wanderleben weiter fortzusetzen. -Zunächst sandte man ihn in die Vereinigten Staaten von Nordamerika, -um hier den Dampfpflug einzuführen. Es war bald nach der Beendigung -des Sezessionskrieges und der Niederwerfung der Südstaaten, als er -den Boden der Neuen Welt betrat. Wie es ihm dort erging, das hat er -in »Geld und Erfahrung« ebenso anschaulich wie humorvoll geschildert. -Der Kontrast zwischen Nord- und Südstaatlern, das übertriebene -Selbstgefühl des Nordamerikaners, sein Drang, Geld zu »machen« um -jeden Preis, kurz, das ganze, seltsam zusammengesetzte Wesen tritt -uns in der Geschichte lebenswahr entgegen. Und Eyth verhehlt dabei -nicht, wie er, der so stolz war, in Ägypten sich durchgesetzt zu haben, -dieser amerikanischen Art zunächst ziemlich hilflos gegenübersteht, -wie er erst allmählich sie begreift und festen Boden unter die Füße -bekommt. Schließlich gelang es ihm auch hier, seinem Auftrag gerecht -zu werden. Aber schon harrten seiner neue Aufgaben in der alten Welt. -In Deutschland, Österreich, Belgien hatte er zunächst tätig zu sein. -Dann ging er mit seinen Pflügen ins Innere des heiligen Rußland, das er -verließ, um Fowlers Maschinen in Rumänien einzubürgern. Von Rumänien -zog er nach Italien, und weiter übers Mittelmeer in die heißen Gefilde -Algiers. Dann beorderte man ihn in die Türkei, die er nur verließ, um -nach Westindien zu fahren. Als seine Aufgabe da erfüllt war, schickte -Fowler ihn nach Peru und von dort wieder nordwärts nach Kalifornien. -Wahrlich, ein buntes, wechselvolles Wanderleben. Und er lebte es nicht -in gemütlichem Behagen als Vergnügungsreisender: wohin er ging, folgte -ihm als treue Reisegefährtin die Arbeit. - -Aber nach zwanzig Jahren solcher Tätigkeit war seine Wanderlust -befriedigt. Er gab seine Stellung bei Fowler auf und kehrte nach -Deutschland zurück. Freilich war er nicht der Mann dazu, sich hier -ruhig auf die Bärenhaut zu legen: Erstens gründete er die große -Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft, deren Leitung ihm bis 1896 -oblag. Und dann ging er jetzt daran, was er erlebt und erfahren -hatte, schriftstellerisch festzuhalten und andern mitzuteilen. Damit -beschäftigte er sich, bis ihn am 25. August 1906 der Tod abberief. - -Eyths Erzählungen dürfen also nicht als freie Erfindungen -angesehen werden. Er hat in ihnen nur Bruchstücke seines eigenen, -abwechslungsreichen Lebens aufgefangen und dargestellt. Er hat -sich aber nicht damit begnügt, die Wirklichkeit so peinlich treu -wiederzugeben, wie etwa ein Photograph es tun würde, sondern er -hat jedes Stück in einheitlichen Fluß gebracht und geschickt -abgerundet, wie ein Maler die darzustellende Landschaft abrundet. Und -er hat seine Erlebnisse nicht rein sachlich, trocken und nüchtern -heruntererzählt, sondern er hat die Erzählung mit seinem köstlichen, -herzerquickenden Humor gewürzt. Er sieht all die kleinen Schwächen und -Absonderlichkeiten der Menschen, mit denen er zu tun hat. Aber sie -machen ihn nicht zum Griesgram und nicht zum bissigen Spötter. Er freut -sich an ihnen und möchte die Menschen gar nicht ohne sie sehen. Er -lacht über sie ein gesundes, herzhaftes Lachen und weiß uns dies Lachen -durch seine Darstellung mitzuteilen. Seine Bücher sind voll gesunder -Lebenskraft und Lebensfreude. Das macht sie dem Leser lieb und wert, -und das ist der Grund, daß sie eine so große Verbreitung gefunden haben. - - +Hamburg.+ - - +~Dr.~ Carl Müller-Rastatt.+ - - - - -1. Im Süden - - -[Illustration] - -»Passen Sie auf, Mister Eyth, wenn ich Ihnen die Geschichte noch nicht -erzählt haben sollte: Vor drei Jahren begegnete mir im Broadway in -New York ein junger Engländer, frisch und grün, wie sie die Alte Welt -manchmal noch liefert. Er hatte schon drei Wochen in der Metropole der -Neuen verbummelt und darüber nachgedacht, wie er es angreifen könne, -sein Glück zu machen, und hatte sogar mich darüber befragt, obgleich -ich damals so wenig wie jetzt danach aussah, als ob ich das Problem -gelöst hätte. Ein Bürschchen aus guter Familie, dem seine Mama tausend -Pfund in die Tasche gesteckt hatte, um ihm den Anfang zu erleichtern. -Er strahlte vor Vergnügen, als ich ihn zum zweitenmal sah. Er hatte -einen entfernten Vetter gefunden, der Amerika seit fünfundzwanzig -Jahren kannte und schon ein halber Yankee geworden sein mußte, scharf -und hell wie ein Eingeborener. Sie wollten sich assoziieren, ein -Agenturgeschäft gründen, Zucker, Baumwolle, Tabak verkaufen -- was weiß -ich! Mein Engländer hatte das Geld, der entfernte Vetter die Erfahrung. -Das mußte gehen! In fünf Jahren konnten sie Millionen verdient haben! --- Zwei Jahre darauf begegnete ich ihm wieder, fast am gleichen Fleck; -aber er war traurig. ›Nun, wie geht's mit der Agentur?‹ frage ich. -- -›Mittelmäßig‹, sagt er zögernd. -- ›Was!‹ rufe ich, ›Ihr Vetter mit der -Erfahrung und Sie mit dem Geld -- das mußte ja gehen!‹ -- ›Wir haben -uns gestern getrennt, mein Partner und ich‹, -- erklärte er seufzend. -›Jetzt hat +er+ das Geld und +ich+ die Erfahrung!‹ -- Passen Sie auf, -Mister Eyth, daß ich mit Ihnen in kurzer Zeit nicht etwas Ähnliches -erlebe. Seit dem Krieg sind wir alle zweimal so scharf geworden als vor -fünf Jahren.« - -»Gehört habe ich die Geschichte schon, aber nicht von Ihnen«, sagte -ich lachend. »Doch bange machen gilt nicht. Ein Mensch, der in Ägypten -vier Jahre lang unter Mamelucken und Eunuchen gepumpt und dampfgepflügt -hat und aus dem großen Baumwollkrach vor zwei Jahren lebendig -herausgekrochen kommt, ist so grün nicht mehr wie Ihr Engländer. -Die Griechen und Armenier von Alexandrien sind keine schlechten -Lehrmeister.« - -»Mag sein«, nickte der Oberst, indem er nachdenklich an seinem -zweiten Frühstücksei herumknusperte. »Ich wünsche Ihnen alles Glück -zu Ihrem Glauben und Ihrer Schlauheit und wollte nur, der nächste -Dampfer brächte auch mir einen Dampfpflug, der achttausend Golddollar -wert wäre. Ich wollte ihn geschwind genug losgeschlagen haben, unter -Kostpreis, wenn nötig.« - -Wir saßen beim Frühstück an einem der grünen Tischchen im Garten -des deutschen Restaurants und Biersalons von Breitling, in der -Tschapatulastraße von New Orleans, Louisiana. Der Garten war eine -Schöpfung nach Erinnerungen Breitlings aus seiner deutschen Heimat -und bestand aus sechs Tischchen und einem alten, knorrigen, schlecht -belaubten Hickorybaum, an dem als natürlicher Festschmuck zerlumpte -Fetzen hängenden Mooses klunkerten. Der Baum stammte ersichtlich -aus der Zeit, in der der Mississippi an dieser Stelle noch wildes -Swampland anzuschwemmen pflegte, und stand jetzt trübselig zwischen -vier hohen Backsteinmauern, die ihm und uns den stets willkommenen -Schatten gaben. Die Luft war dumpf und schwül; doch war man sozusagen -im Freien. Die Mittagsglut, welche über die große Stadt hereinzog, war -morgens um acht Uhr noch nicht bis in diesen Winkel gedrungen, so daß -schon seit vierzehn Tagen, seitdem ich in der Nähe wohnte, mir diese -Frühstücksstunde zu den angenehmeren des Tags gehörte. Breitlings -Figur, die seinem Namen, sonderlich von hinten, Ehre machte, und eine -zerrissene, etwas bierbefleckte »Gartenlaube« sorgten dafür, daß man -sich halb in Deutschland fühlen konnte. - -Auch der Oberst, den ich hier kennen gelernt hatte, trug dazu bei. -Es war ein großer, hagerer, vierzigjähriger Mann, dem man allerdings -ansah, daß er einiges erlebt hatte. Schmettkow, Herr von Schmettkow -erlaube ich mir ihn aus Rücksicht für seine Familie zu nennen. Er -erzählte gerne von seinen leichteren Jugendstreichen, die er in die -Zeit verlegte, in welcher er Rittmeister in der preußischen Garde zu -Berlin gewesen sein wollte. Dies hatte wohl seine Richtigkeit; ich -hatte wenigstens keinen Grund, daran zu zweifeln. Dagegen beobachtete -er ein tiefes Schweigen darüber, wie es kam, daß er aufgehört hatte, -es zu sein. Nach seiner eignen, etwas unzusammenhängenden Lebensskizze -befand er sich plötzlich in Amerika, den üblichen Kampf ums Dasein -fechtend, und zwar von der Pike auf; und von was für einer Pike! Der -Ausbruch des Bürgerkriegs fand ihn bei Baltimore als Buchhalter einer -Baumwollplantage, auf der Südseite der Sezessionsgrenze. Politische -Grundsätze beeinflußten ihn sichtlich wenig. Er focht mit als braver -Soldat und biederer Landsknecht, wo ihn der Zufall hingestellt -hatte, und schied als Oberst von seinem nur noch aus vierundzwanzig -Mann, meist Majoren, bestehenden Regiment, als die große Sache der -Aristokratie des Südens zusammenbrach. Bei Atlanta, im letzten Gefecht, -in dem sich das Regiment auszeichnete, hatte er einen Sergeanten der -föderierten Armee unter Sherman samt der Kompagnie, welche dieser -zufällig befehligte, beim Frühstück überrascht und gefangen genommen, -oder vielleicht richtiger gesagt: er hatte Breitlings Frühstück -gefangen genommen und diesen, der ihm sofort wieder entwischte, -hierdurch unangenehm überrascht. Die beiden Herren konnten sich über -den Hergang der Waffentat nie völlig einigen. Breitling war nach dem -Friedensschluß mit andern politischen Kräften gen Süden gewandert und -besaß nach kurzer amtlicher Tätigkeit als Steuereinnehmer genügende -Mittel, seinen Biersalon in der Tschapatulastraße zu eröffnen. Dort -überraschte ihn Oberst von Schmettkow zum zweitenmal, den ein rauhes -Schicksal ebenfalls nach Louisiana verschlug. Es war hohe Zeit, denn -der Oberst, einer der wenigen Deutschen, die auf der verlorenen Seite -des großen Bürgerkriegs gefochten hatten, war dem Versinken nahe. -Breitling hatte ein gutes, dickes Herz und zwei Töchterchen von elf und -neun Jahren, die während der Kriegsjahre in ihren Elementarkenntnissen -etwas zurückgeblieben waren. Das paßte vortrefflich. Der Oberst wurde -Haus- und Mädchenschullehrer, hatte bereits sechs höhere Töchter und -bei Breitling freie Kost gefunden. Das Dameninstitut befand sich im -Tanzsalon hinter der Bierwirtschaft. Wo der Herr Professor wohnte, -wußte niemand. Aber seine Schnurrbartspitzen hoben sich aufs neue, und -der auf »Ä« gestimmte Ton des einstigen Offiziers vom Tempelhofer Feld -klang leise und gedämpft wieder durch. Ganz war er ja auch im größten -Elend nicht verschwunden, denn er war hörbar waschecht. - -Ich selbst hatte vor zwei Wochen das Sankt Charleshotel verlassen -und war in eine Privatwohnung in der benachbarten Tschapatulastraße -übergesiedelt. Es war mir im Gasthof etwas zu unruhig geworden. Ein -Senator von Alabama hatte am Hotelschenktisch nach dem Mittagsmahl -im ruhigsten Gespräch sechs Schritte von mir einen Richter aus -Texas niedergeschossen. Man hatte zwar den toten Richter sofort auf -die benachbarte Polizeistation und den Senator, nach einem kleinen -Wortwechsel mit den Umstehenden, nach seinem Zimmer gebracht. Auch -ließ man dessen Tür von zwei nach und nach herbeigeholten Schutzleuten -zur allgemeinen Genugtuung der ängstlicheren Hotelbewohner streng -bewachen, nachdem der Senator kurz zuvor durch das Fenster abgereist -war. Da ich diesen Herrn aus Alabama persönlich nicht kannte, mit -ihm also auch nicht sympathisieren konnte, dagegen mit dem Richter, -der gleichzeitig großer Grundbesitzer war, schon mehrere Cocktails -getrunken und intime Beziehungen betreffs der Dampfkultur in Texas -angeknüpft hatte, ärgerte mich dieser Zwischenfall lebhaft und -veranlaßte, neben anderm, meinen Umzug nach der Tschapatulastraße. Auch -fand ich, daß meine augenblickliche Beschäftigung, das Warten auf den -englischen Frachtdampfer »Wild-West«, in einer Privatwohnung ebenso -wirkungsvoll gefördert werden konnte als in dem in ganz Louisiana, -wenn auch nicht wegen seiner Billigkeit, berühmten Sankt Charleshotel. -Meinen anderweitigen leiblichen Bedürfnissen genügte das Nachbarhaus, -Breitlings Restaurant und Biersalon, vollständig. Und so genoß ich -nach etlichen bewegten Reisewochen in unerwarteter Weise eine kleine, -wohlverdiente Ruhepause während meines ersten Aufenthalts in der -Crescent City, der »Mondsichelstadt«, wie der poetische Amerikaner New -Orleans zu nennen liebt, und konnte mir Land und Leute ansehen, ehe ich -mit ihnen handgemein werden sollte. - -Das heutige Frühstück war der letzte Takt dieser Pause. Ich hatte schon -gestern abend einen Zettel von General Longstreet, dem Haupt der jungen -Firma Longstreet, Owen & Co., erhalten, der mich benachrichtigte, daß -der »Wilde Westen« signalisiert sei und an der Barre, der achtzig -Meilen entfernten Mündung des Mississippi, nur auf die Flut warte, um -heraufzukommen. Ich segnete meine Sterne und war schon in einem kleinen -Arbeitsfieber, ohne etwas Greifbares tun zu können; denn es war hohe -Zeit, daß ich meines Dampfpflugs habhaft wurde, wenn ausgeführt werden -sollte, was ich mit Longstreet geplant hatte. - -»Nur kühl!« rief mein Oberst, indem er auf die Uhr und die zwei -internen Zöglinge seines Dameninstituts sah, die am Nachbartisch Lotto -spielten. »Und passen Sie auf! Die Geschichte mit Ihrem Obersten in -Washington -- wie heißt er?« - -»Olcott, Oberst Olcott, Kongreßmitglied aus Ohio«, antwortete ich mit -Betonung, um meinen schwankenden Glauben zu stärken. - -»Ich möchte vor allen Dingen wissen,« fragte sich Schmettkow -nachdenklich, »ob er schon Pulver gerochen hat, Ihr Oberst, oder nur -das riecht, das Sie mitbringen. Die Geschichte gefällt mir nur halb.« - -»Aber sie kann kaum schief gehen, so wie sie jetzt eingeleitet ist«, -meinte ich zuversichtlich. - -»Es kann in Washington alles schief gehen, seitdem die große Sache -schief gegangen ist«, versetzte der Oberst mit einiger Wärme. »Sie -kennen die Yankees noch nicht. Ein Kongreßmitglied in Washington! -Guter Gott! Ehe Sie sich umsehen, hat man Ihnen die Augen von Ihrem -Wassersüppchen geschöpft. Vollends ein Kongreßmann, den man Ihnen in -der Quäker-City angehängt hat, in der Sie am Sonntag in Gegenwart von -sechshunderttausend Mitmenschen verdursten können! Lieber Herr Eyth, es -mag ziemlich heiß sein in Ihrem Ägypten, aber Sie sind trotzdem grüner -geblieben, als Sie es selbst ahnen. Passen Sie mal auf!« - -»Hexen können Sie hier auch nicht«, meinte ich, etwas verstimmt. »Ich -sehe wirklich nicht ein, wie --« - -»Einsehen! Das ist gar nicht nötig. Das Einsehen kommt immer erst -später. Sie werden Ihr Lehrgeld bezahlen wie jeder andre. Zum Glück -haben Sie, wie es scheint, einen soliden Kassierer im Hintergrund. -Lernen Sie wenigstens +den+ benutzen! -- Übrigens gebe ich zu, um Sie -nicht zu ärgern, daß Sie die Sache nicht ganz ungeschickt angegriffen -haben. Wenn Sie so fortfahren, werde ich Ihnen auch künftig gewogen -bleiben.« - -Er sagte dies im Ton gutmütiger Bevormundung, den wir bei unsern -abendlichen Schachpartien unter dem Hickorybaum gegenseitig -gebrauchten, um eine drohende Niederlage zu beschönigen. Die Sache -aber, um die es sich handelte, war die folgende: - -Ich war vor zwei Monaten mit dem Auftrag der Fowlerschen Fabrik ans -Land gestiegen, unsre Dampfpflüge in Amerika einzuführen. Das war fast -die einzige Weisung, die ich mitbrachte. Man steht mit einer solchen -Aufgabe etwas zweifelnd am Strande eines neuen Weltteils; doch scheint -der Zeitpunkt, aus der Ferne gesehen, nicht ungünstig. Die Südstaaten, -die nach dem furchtbaren Krieg und nach der Befreiung der Sklaven in -irgendwelcher Weise weiterleben mußten, hatten sich irgendwie den neuen -Verhältnissen anzupassen. Für die Sklavenarbeit auf den Plantagen mußte -ein Ersatz gefunden werden. Hier konnte die Dampfkraft eingreifen und -nach der blutigen eine friedliche Revolution einleiten; wieder aufbauen -helfen, was jene zerstört hatte. Ich war nicht ohne einige Begeisterung -bei diesem Gedanken, wenn auch sehr seekrank, über den Atlantischen -Ozean gekommen und suchte so rasch als möglich Angriffspunkte für -meine Aufgabe zu finden. Leicht fand ich es nicht -- nach einigen -Wochen --, einen Weltteil zu erschließen; man mußte offenbar an die -Arbeit im kleinen und einzelnen gehen. Doch hatte die Firma Fowler -Freunde und sogar Verwandte in New York und Philadelphia, ein Haus, das -»in Blei« groß geworden war und zur alten Aristokratie der Quäkerstadt -gehörte. Hier fand ich wenigstens Ratschläge, auf die ich mich -verlassen konnte. - -Eins wurde mir sofort klar: mit einem Eingangszoll von fünfundvierzig -Prozent des Maschinenwertes, der für jeden Dampfpflug viertausend -Dollar in Gold, siebentausend Dollar in Papier jener Tage -ausmachte, war die Einführung der Dampfkultur von England aus eine -augenscheinliche Unmöglichkeit. Dieses Verhältnis mußte vor allen -Dingen geändert werden. Mit einem Brief der Gebrüder Tatham, meiner -Berater in Philadelphia, ging ich nach Washington und stellte mich am -Schenktisch des Hotels Villard einem Herrn Oberst Olcott vor. Ich fand -in ihm einen klugen, energischen Mann, der im Tone biederer Offenheit -den kitzlichsten Verhandlungen den wohltuenden Schein der Ehrlichkeit -zu geben wußte. »Der Zweck heiligt die Mittel« war für ihn ein über -alle Zweifel erhabener Grundsatz. Es schien ihm völlig ausgeschlossen -zu sein, daß in unsrer Zeit noch Menschen geboren werden könnten, die -in diesem Punkt nicht völlig kapitelfest waren. Was aber die Heiligkeit -des Zwecks anbelangt, so kam es eben hauptsächlich darauf an, wieviel -dabei zu verdienen war. - -Ein gemeinsames Frühstück, zu dem ich mir erlaubte, ihn sofort -einzuladen, genügte, ihm das Wesen und die Vorzüge eines Fowlerschen -Dampfpflugs zu erklären, ein Mittagsmahl, ihn von der Notwendigkeit -der Einführung und Verbreitung dieses großartigen Fortschritts auf dem -Gebiet der landwirtschaftlichen Technik zu überzeugen. Mit Papieren -aller Art war ich wohl vorbereitet. Ein begeisterter Aufsatz, noch -im Manuskript, stellte fest, daß namentlich der wirtschaftliche -Wiederaufbau des Südens, dem durch die Sklavenbefreiung die Hauptquelle -von Kraft und Arbeit entzogen worden war, nur durch Fowlers Dampfpflüge -möglich sei, die in Ägypten in der Hand halbwilder Fellachin Wunder -geschaffen hätten und in Indien -- hier dichtete ich beträchtlich --- die vertrockneten Riesenflächen entlang des Ganges in blühende -Teegärten zu verwandeln in Begriff stünden. Ist es nicht die -patriotische Pflicht einer erleuchteten Gesetzgebung, fragte ich in -einem Wald von Ausrufungszeichen, die Einführung eines derartigen -menschenbeglückenden Apparates mit allen zu Gebot stehenden Mitteln zu -fördern? jeden Schritt freudig zu begrüßen, der den von ihren Irrtümern -befreiten, aber heute daniederliegenden Bruderstaaten ihre materielle -Wohlfahrt wiedergibt und sie gleichzeitig dem Fluch einer sündhaften -Ausbeutung der Menschenkraft entzieht? Darf nicht erwartet werden, daß -die weitsichtige Vertretung des größten Volkes unsrer Zeit mit Freuden -das einzige Hindernis entfernt, das der Erreichung dieses herrlichen -Zieles Schwierigkeiten bereitet, und ohne Verzug die Abschaffung -oder wenigstens die zeitweise Aufhebung eines Prohibitivzolls auf -Dampfpflüge beschließen wird? - -»Sehr gut!« sagte Olcott, als ich ihm mein Memorandum vorgelesen hatte; -»was bezahlen Sie dafür?« - -Obgleich selbst nicht Amerikaner, war ich in einen patriotischen -Schwung geraten, dem ich so rasch als möglich Einhalt tun mußte, um -antworten zu können. - -»Wofür?« fragte ich, ein wenig nach Luft schnappend, um Zeit zu -gewinnen. - -»Nun -- für das Spezialgesetz, für die Aufhebung des Zolls auf -Dampfpflüge, sagen wir auf ein Jahr.« - -»Sagen wir auf fünf Jahre«, schlug ich vor, nach Fassung ringend. - -»Gut! Nehmen wir an auf fünf Jahre. Wieviel?« - -Ich schwieg. So nahe hatte ich mir das Ziel nicht gedacht. Das schien -ja über alles Erwarten einfach zu sein. Aber die Frage kam mir doch mit -gar zu betäubender Wucht über den Kopf. - -Olcott sah mich verwundert an. Nach einer Pause bemerkte er: - -»Ihr Dampfpflug mag vortrefflich sein. Das müssen Sie am besten wissen. -Auch was Sie da auf Ihrem Papier haben, ist nicht übel. Jedenfalls -läßt sich etwas damit machen. Aber Sie glauben doch wohl selbst nicht, -daß man eine wertvolle Verordnung wie die, die Sie brauchen, durch den -Kongreß drückt ohne Schmiermaterial. Da hat man zunächst alle möglichen -Kosten: Druckkosten, Trinkkosten, Reisekosten, Konferenzkosten, -Reklamekosten -- alle möglichen Kosten, die sich nicht spezifizieren -lassen! -- Doch kommen wir zum Geschäft -- Zeit ist Geld -- Wieviel?« - -So rasch ging es nun doch nicht, wie ich es voreiligerweise vermutet -hatte. Die Verhandlungen dauerten drei Tage. Ich wand und krümmte mich, -so gut ich konnte; Olcott hatte viel Geduld mit mir. Am zweiten Tag -war ich nahe daran, in einem Anfall heiligen Zorns abzureisen; er half -mir selbst meinen Koffer wieder auspacken. Ich sei furchtbar grün; das -sei kein Wunder, meinte er, mich entschuldigend, bei meiner kurzen -Anwesenheit in diesem großen und freien Lande; aber ich sei sichtlich -ehrlich. Beides würde sich wohl mit der Zeit geben; dann könne noch ein -tüchtiger Mann aus mir werden. Jedenfalls werde er meine Laufbahn mit -großer Teilnahme verfolgen. Ich habe ihm vorläufig viel Spaß gemacht. -Das einzige, was er bedaure, sei, daß ich mit ihm auf politischem -Gebiet nicht ganz übereinzustimmen scheine. Dann formulierte er den -zehnten Vorschlag eines Abkommens, das ihm die Dampfkultur Amerikas -zinspflichtig machen sollte. - -Schließlich waren wir am Ziel; wo ein Wille ist, findet sich ein -Weg. »Oberst Olcott verpflichtet sich,« lautete die geheimnisvolle -Vereinbarung, »nach Kräften dahin zu wirken, daß der Kongreß der -Vereinigten Staaten von Nordamerika innerhalb der nächsten zwölf -Monate die zollfreie Einfuhr von Dampfpflügen auf eine Reihe von -Jahren, jedoch nicht unter drei, zum Gesetz erhebt. Für die hierdurch -entstehenden Geschäftskosten und Bemühungen erhält Oberst Olcott von -der durch Herrn Eyth vertretenen Firma zunächst zur Einleitung der -erforderlichen Schritte tausend Dollar bar, sodann 7½ Prozent von -jedem unter dem Gesetz eingeführten Dampfpflug, bis die erhaltene -Summe zehntausend Dollar beträgt, und später 2½ Prozent bis zur -Wiedereinführung des gesetzlichen Normalzolls für landwirtschaftliche -Maschinen.« Damit konnten wir beide zufrieden sein. Ich oder vielmehr -Olcott hatte mich überzeugt, daß man auch in der größten der Republiken -dem Lande nicht umsonst Wohltaten erweisen kann. Ich fühlte eine -gewisse Dankbarkeit gegen den Biedermann, der mit seinem offenen -Lächeln der ganzen Verhandlung jeden bösen Schein abzustreifen gewußt -hatte und mit Eifer an die Arbeit zu gehen versprach. Wir schieden -an den Marmorstufen des Kapitols mit lebhaften Versicherungen -gegenseitiger Hochachtung. Mir jedenfalls war es um tausend Dollar -leichter zumute, was auch aus der Sache weiter werden sollte. - -»Und seitdem haben Sie nichts mehr von Ihrem Oberst und Gesetzgeber -gehört?« lachte Schmettkow etwas verächtlich, nachdem ich ihm die -Geschichte zu meiner eignen Beruhigung beim dritten Male etwas -ausführlicher mitgeteilt hatte. »Na, das wird schon kommen. Mit tausend -Dollar ist mein Herr Kamerad im Norden nicht zufrieden. Ich kenne meine -Pappenheimer.« - -»Wir werden ja sehen,« meinte ich etwas kleinlaut; »unter tausend -Dollar konnte ich wohl kaum erwarten, mit dieser Aufgabe durch -Washington zu kommen. So weit kennen glücklicherweise auch meine -englischen Freunde das Land. Im übrigen soll mich das alles wenig -kümmern, wenn ich in ein paar Tagen meinen Dampfpflug zwischen die -Finger bekomme. Dann sollen die Herren Amerikaner schon die Augen -aufmachen.« - -»Na, na!« machte der Oberst, in dessen Seele der Stolz des werdenden -Yankees mit dem Ärger, in Amerika zu sein, in fortwährendem Kampfe lag. -Wir hatten, wie es die Unsitte des Landes will, halb deutsch, halb -englisch gesprochen und kaum bemerkt, daß sich auch am Nachbartisch -jemand niedergelassen und zu frühstücken begonnen hatte: ein älterer, -gutmütig aussehender Herr mit einem furchtbaren Knotenstock. - -»Na, na!« sagte auch der neue Gast, sichtlich bestrebt, deutsch zu -sprechen, fuhr aber dann sogleich auf englisch fort: »Entschuldigen Sie -mich, Gentlemen; ich bin Mister Lawrences Bruder; Mister Lawrence, -Magnoliaplantage, Plagueminegrafschaft, Louisiana -- Sie kennen ihn?« -- - -Wir kannten nichts von all dem, glaubten ihm aber aufs Wort. Der Mann -hatte ein so ehrliches, zutrauliches Aussehen, nahm seinen Knotenstock, -ein wunderbares Naturerzeugnis, zwischen die Knie, stützte sein Kinn -darauf und sah uns freundlich an. - -»Dampfpflüge!« fuhr er nach einer Pause fort, »Dampfpflüge -- das -interessiert mich. Wir haben in diesem großen Land Dampfpflüge in -Menge. In Vicksburg läuft einer seit drei Jahren -- in Cincinnati -- in -Chikago --« - -»Mein lieber Herr!« sagte ich etwas erregt, denn er hatte mich an -einer wunden Stelle berührt, »das geht nicht! Ich bin noch nicht -lange in Ihrem großen und ruhmgekrönten Land, aber eins weiß ich: den -amerikanischen Dampfpflug, von dem mir jedermann erzählt, hat noch -niemand gesehen. Haben Sie ihn schon gesehen?« - -»In Baltimore ist einer,« fuhr Herrn Lawrences Bruder ausweichend, -aber eifrig fort, »in Saint Louis hat erst vor wenig Wochen ein -außerordentlich talentvoller Milchhändler einen Pflug erfunden, der mit -dem Wind segelt. Warten Sie ein wenig; sehen Sie, hier!« -- Er zog aus -seinem geräumigen Rock ein großes, blaues Heft hervor, nachdem er sechs -kleine Tüten, die mit Zuckerproben gefüllt waren, auf den Tisch gelegt -hatte. Das blaue Heft enthielt zahllose, in kreuz und quer eingeklebte -Zeitungsausschnitte, unter denen er eifrig nach dem gewünschten -segelnden Pflug suchte. - -»Haben Sie ihn gesehen?« fragte ich hartnäckig. »Nein? -- Nun will ich -Ihnen erzählen, wie es mir in diesem großen und erleuchteten Land damit -ging. Auf der Überfahrt von Liverpool nach Boston sagte mir die ganze -Schiffsgesellschaft, soweit sie amerikanisch war, daß es bei ihnen -von Dampfpflügen wimmeln müsse. Ein Herr aus Boston meinte, in seiner -Vaterstadt seien allein drei, wahrscheinlich in vollem Gang, denn er -erinnere sich, schon als Schuljunge davon gehört zu haben. Ich hielt -mich zwei Tage auf, um sie zu finden. Niemand wußte etwas davon. Aber -in Philadelphia sei ein blühendes Geschäft, das sie fabriziere. Ich -interessiere mich ein wenig dafür; es ist mein Handwerk. Ich gehe also -nach Philadelphia und finde mit Müh' und Not die Adresse eines Herrn -in New York, der einmal mit einem englischen Geschäft korrespondiert -habe, um sich einen kommen zu lassen. Es wurde nichts daraus wegen -des hohen Eingangszolls. Aber in Cincinnati sei ein Mister Fox; der -mache amerikanische Dampfpflüge, hauptsächlich fürs Präriepflügen, -höre ich in der Metropole der Welt. Ich gehe nach Cincinnati. Mister -Fox war tot. In einem Schuppen fand ich eine alte Straßenlokomotive, -die seiner armen Schwester gehörte und aussah, als ob sie Noah gebaut -hätte. Pflüge wolle ich sehen? Nein, das sei nicht zum Pflügen; das -sei ein Lastwagen mit Dampfbetrieb, erklärte mir die Schwester. Aber -in Chikago: dort werden für die Maisfelder von Illinois Hunderte von -Dampfpflügen gebaut. Ich war auf dem Weg nach dem Süden, aber ich ließ -mich's nicht verdrießen: ich gehe nach Chikago. Die Firma Thompson & -Smith, von der ich in Cincinnati gehört hatte, war bankrott. Einen -Dampfpflug habe sie nie gebaut. Dagegen habe allerdings Mister Thompson -einen erfunden, der zehn Morgen in drei Minuten aufbreche. Nur der -Bankrott sei ungeschickterweise dazwischen gekommen, die epochemachende -Erfindung auszuführen. Jetzt sei er in Kalifornien, um das Geschäft -fortzusetzen. Dort werde eigentlich nur noch mit amerikanischen -Dampfpflügen gearbeitet. So werde es in Louisiana wahrscheinlich auch -sein, namentlich in New Orleans, seitdem die Sklavenarbeit aufgehört -habe. Hier bin ich jetzt, Mister Lawrence,« schloß ich, ganz warm -von meinem Bericht, »und Sie schicken mich nach Vicksburg. Bei Gott, -es ist ein großes Land, Ihr Amerika! Aber die Geschichte von seinen -Dampfpflügen fängt an, etwas monoton zu werden.« - -Lawrence tat, als ob er mir nicht zugehört hätte, und suchte eifrig in -seinem blauen Heft. - -»Sehen Sie hier!« rief er triumphierend. »Vicksburg, den 2. November -1866 -- na nu! Das ist eigentlich etwas andres, aber nicht weniger -interessant, und zeigt Ihnen, was unsre Erfinder leisten. Ein Land -mit solchen geistigen Kräften ist nicht umzubringen, darauf können -Sie wetten! Hören Sie zu. ›Vicksburg, den 2. November. Wir vernehmen -mit Vergnügen, daß es einem unsrer Mitbürger, einem genialen jungen -Erfinder, Mr. Hodgekiß, nach langem Studium und kostspieligen Versuchen -gelungen ist, einen Dampfneger zu konstruieren. Derselbe kann -bereits Holz sägen, Maiskolben raspeln und Zuckerrohr kauen. In der -gegenwärtigen verzweifelten Lage unsers Südens ist diese Erfindung von -der höchsten Bedeutung. Der Neger ist gegen ein Eintrittsgeld von 50 -Cents zu New York, 218 Fultonstreet, zu sehen. Der geniale Erfinder ist -nunmehr eifrig damit beschäftigt, auch ein Dampfmaultier anzufertigen, -teilt uns jedoch in der liebenswürdigsten Weise mit, daß dies eine -sehr viel schwierigere Aufgabe sei als die von ihm bereits glücklich -gelöste. Es wird dies jedermann, auch der Nicht-Techniker, begreifen, -wenn man bedenkt, daß ein Maultier gewöhnlich vier artikulierte Beine -in Bewegung setzen muß, während der Neger nur zweibeinig ist. Mr. -Hodgekiß ist übrigens noch nicht zweiundzwanzig Jahre alt und im -Begriff, sich mit der reizenden Miß Evelin Sharp aus Warrenton zu -verheiraten. Er geht mit dem Plane um, auf Grund seiner Erfindungen -eine Dampfneger- und -maultier-Aktiengesellschaft mit beschränkter -Haftpflicht zu gründen, worauf wir Kapitalisten und Freunde der -Regeneration des Südens besonders aufmerksam machen.‹« - -»Wieviel Aktien haben Sie genommen?« fragte Oberst von Schmettkow -Herrn Lawrence, der sich siegreich umsah. - -»Vorläufig noch keine«, sagte Lawrence, ohne eine Miene zu verziehen. -»Mein Bruder befindet sich augenblicklich im Norden und will sich den -Neger erst ansehen. Das ist jetzt nicht mehr so einfach als früher. Sie -wissen, mein Bruder ist ein vortrefflicher Geschäftsmann und läßt sich -nicht leicht einseifen. Man muß sich mit den Yankees in acht nehmen. -Auch in der guten alten Zeit haben wir keine Neger gekauft, ohne sie -anzusehen. Und wenn Sie uns Ihren Dampfpflug zeigen, wer weiß, dann -läßt mein Bruder am Ende den Dampfneger fahren und läuft Ihnen nach. Es -sollte mich freuen, Mister -- Mister -- wie heißen Sie?« - -Ich befriedigte seine Neugierde. - -Wir schüttelten uns heftig die Hände, während ich mich zum Fortgehen -anschickte. »Mister Lawrences Bruder« gefiel mir, obgleich mir noch -nicht ganz klar war, was ich aus ihm machen sollte. Jedenfalls war -er ein lebender Beweis der Zuträglichkeit des Klimas von Louisiana, -über das man mir in der Ferne viel Böses gesagt hatte. Sein breites -Gesicht lachte harmlos, seine Äuglein blinzelten listig hinter -den roten Wangen und unter den struppigen weißen Augenbrauen. Ein -kindlicher Glaube an die unbegrenzten Möglichkeiten des menschlichen -Fortschritts schien der leitende Gedanke, die Poesie seines Lebens -zu sein und ihn häufig, nach Art der Poesie, in etwas nebelhafte -Regionen zu entführen. Wenn jedoch von Dollars die Rede war, hatte -er plötzlich festen Grund unter den Füßen. Er hoffte, mich wieder -zu sehen. Wenn mein Dampfpflug ankäme, wolle er der erste sein, der -seinen Ruhm in der Crescent City verkündige. Und seinen Bruder wolle er -mitbringen! »Sie wissen, wir haben dreitausend Acker Land in Zucker. -Das ist kein Kinderspiel ein Jahr nach dem Krieg, wenn alles die Arme -hängen läßt und die verfluchten Reisesäckler[1] dem Süden den letzten -Blutstropfen aussaugen. -- General Longstreet, sagten Sie? Sie gehen -zu General Longstreet? Das ist ein Mann, wie er sein soll, Mister -Eyth, unser bester Soldat und heute der ehrlichste Baumwollmakler in -ganz Louisiana. Ich werde Sie begleiten. Es ist mir eine Ehre, Sie zu -General Longstreet zu begleiten.« - -»Passen Sie auf!« flüsterte mir Schmettkow zu, der sich's zur -Lebensaufgabe gemacht zu haben schien, mich vor den üblichen Gefahren -des Landes zu schützen. - -Dann gingen wir in die glühende Helle der Kanalstraße hinaus. - -[Illustration] - - - - -2. Eine Generalversammlung - - -Die Geschäftszimmer der Firma Longstreet, Owen & Co. in der -Jacksonstraße bestanden aus zwei geräumigen, hellen Gemächern mit dem -freundlichen Ausblick auf einen etwas verwilderten Garten, in welchem -Palmetten, Kaktusbirnen und Aloes in der weißen Vormittagssonne -schimmerten. Er mußte vor fünf Jahren ein prachtvolles Bild südlicher -Pflanzenüppigkeit geboten haben. Jetzt schien er sich selbst überlassen -zu sein, und seine Lianen machten ernstlich Anstalt, über das Haus -wegzukriechen, um sich dessen Straßenfront anzusehen. Im äußeren, -größeren Zimmer hausten die zwei jungen Owen, von denen der eine -Major, der andre Kapitän genannt wurde. Dies waren sichtlich keine -bloßen Ehrentitel: der Major hinkte infolge eines Schusses im Bein, -der Kapitän hatte einen tiefen Säbelhieb in der im übrigen rosigen -Wange. Das zweite, kleinere Gelaß war das Geschäftszimmer des Generals -Longstreet, den Freund und Feind im Süden mit sichtlicher Hochachtung -die rechte Hand des Generals Lee zu nennen pflegten, seitdem Longstreet -selbst nur noch eine linke hatte. Seine eigne Rechte lag auf dem -Schlachtfeld bei Chattanooga begraben. Alle drei waren jetzt ehrsame -Baumwollmakler und Generalagenten für alles mögliche, was der Süden -brauchen oder nicht brauchen konnte, auch für unsre Dampfpflüge. Ich -selbst bin ein Mann des Friedens, und als mich der junge Owen mit der -liebenswürdigen Höflichkeit des Südländers bat, ein wenig zu warten, -da sich General Beauregard und General Taylor augenblicklich bei -General Longstreet befänden, wurde es mir doch etwas schwül in dieser -kriegerischen Umgebung, trotz der Baumwollproben, die auf allen Tischen -und Gesimsen umherstanden. Doch so ist nun einmal das amerikanische -Leben. Gestern standen die drei Männer, die im Nebenzimmer das Sinken -der Baumwollpreise besprachen, an der Spitze von Armeen und schrieben -in blutigen Schriftzügen an der Geschichte der Neuen Welt. Beauregard -hatte zur Eröffnung des großen Bürgerkriegs die ersten Schüsse bei -Fort Sumter abgefeuert, Taylor war vier blutige Jahre lang der -Soldatenliebling aller Damen Louisianas gewesen, und Longstreet, eine -mächtige, echt ritterliche Gestalt, hatte bis zum bitteren Ende beim -Appomatox-Courthouse mit seiner verstümmelten Rechten an der Seite -seines großen Chefs gefochten, wobei ihm die beiden Owen als seine -persönlichen Adjutanten zur Seite standen. Der Kapitän hatte mir schon -davon erzählt, wie es ihm und den Tausenden seiner halbverhungerten -und halbverbluteten Kameraden am Abend bei der Übergabe der Armee, -die den furchtbaren Krieg beendete, zumute gewesen war, wie ihm und -allen andern eine Zentnerlast vom Herzen gefallen sei, an der sie -seit Monaten geschleppt hatten, und wie er in der nächsten halben -Stunde sein armes, halbtotes Pferd um 32000 Dollar in konföderiertem -Papiergeld verkauft und ein Paar Stiefel um 430 Dollar gekauft habe. -So stand es damals um Stiefel, Pferde und Geld. -- Etwas besser war's -nun doch schon geworden. Taylor war Präsident des kleinen versumpften -Kanals, der von New Orleans nach dem Pont Chartrin führt, Beauregard -geschäftlicher Leiter einer im Bau begriffenen Bahn nach Texas, -Longstreet und seine einstigen Adjutanten Baumwollhändler. Der Major -war nicht anwesend. Er sagte mir, sein jüngerer Bruder sei auch in -kaufmännischen Dingen noch heute Longstreets rechte Hand. »Lauter -rechte Hände,« dachte ich, »und doch ist die ›große Sache‹ schief -gegangen.« - -Während mein neuer Freund Lawrence sofort in lebhaftem Gespräch -mit dem jungen Owen seine Zuckertüten aus der Tasche holte, sie -auf den Tisch schüttete und ihn für die herrlichen Kristalle der -Magnoliaplantage zu begeistern suchte, öffnete sich die Tür des -Nebenzimmers, und Longstreets breites, treuherziges Soldatengesicht -winkte mir zu, einzutreten. Die beiden andern Heerführer standen -um ein Tischchen und zupften mit jener langsamen, sachverständigen -Handbewegung Baumwollflocken auseinander, die bewies, daß sie wußten, -was sie taten. Jedes Gewerbe hat gewisse zünftige Bewegungen, an denen -sich die Eingeweihten sofort erkennen: man weiß, wie der richtige -Getreidehändler das Korn von einer Hand in die andre rollen läßt, der -Zuckersieder den zähflüssigen Zucker zwischen Daumen und Zeigefinger -ausspinnt und der Gastwirt seinen Kaviar empfiehlt, indem er Daumen -und Zeigefinger zusammendrückt und mit halbgeschlossenen Augen den -Mund zuspitzt, als ob er küssen oder pfeifen wollte. So wußte ich nun -auch, daß sämtliche drei Generale aus Familien stammten, die große -Baumwollplantagen besessen hatten. - -Longstreet stellte mich vor: »Herr Eyth, Ingenieur und Vertreter der -berühmten Firma John Fowler & Co. aus Leeds in England; Herr Eyth -ist im Begriff, Gentlemen, einen Ersatz für unsre Neger in Louisiana -einzuführen, so daß die farbigen Gentlemen sich in Zukunft mit größerer -Ruhe der Anfertigung unsrer neuen Konstitution widmen können.« - -Beauregard, ein schweigsamer Mann mit weißen Haaren, machte ein -finsteres Gesicht und zeigte keine Lust, auf Longstreets Witzchen -einzugehen. Der kleine, elastische General Taylor dagegen lachte. - -»Was hilft das Zähneknirschen, Beauregard?« sagte er munter. »Wir -sind geschlagen. Darüber ist kein Zweifel. Man muß sehen, wie man -sich daran gewöhnt. -- Waren Sie schon in unserm Abgeordnetenhaus?« -wandte er sich an mich. »Dorthin müssen Sie gehen. Alles schwarz. So -etwas hat man nicht gesehen, seit sich der Erdball um die Sonne dreht. -Mein Plantagenhufschmied, der mich seinerzeit dreizehnhundert Dollars -kostete, ist erster Schriftführer. Aber reden sollten Sie den Mann -hören! Alle sechs Wochen erhöhen die Herren in namentlicher Abstimmung -ihre Tagegelder. Bis jetzt war dies ihre einzige gesetzgeberische -Tätigkeit. Aber reden muß man sie hören. O Jerusalem!« ... - -»Mittlerweile müssen wir jetzt danach sehen, wie man Maulesel -beschlägt«, meinte Longstreet, »und den Boden aufreißt, Kanalschiffe -durch die alten Swamps schleppt und Schienen im Sand von Texas begräbt. -Das ist Beauregards Spezialität. -- Sie also wollen uns pflügen helfen, -Herr Eyth?« - -»Ich hoffe so, General«, antwortete ich mit erwachender Zuversicht -und fühlte mich den drei Helden des großen Bürgerkriegs mit jeder -Minute menschlich näher. »Der Dampf hat schon größere Schwierigkeiten -überwunden.« - -»Sie scheinen einen guten Glauben an den Dampf zu haben«, meinte -Beauregard grimmig. »Vor fünf Jahren ging mir's ähnlich: mit dem -Pulverdampf!« - -»Wenn einmal die erste Lokomotive über seine ›Texasstrandlinie‹ läuft, -wird sein Glaube wieder lebendig werden«, sagte Taylor tröstend. -»Nehmen Sie ihm ein paar hundert Aktien ab, Herr Eyth, wenn Sie den -alten Bären lachen sehen wollen. Ich habe leider mit dem größeren -Teil meines Vermögens meinen Salon tapezieren lassen: alles echte -konföderierte Tausenddollarnoten, die die Yankees für uns fabrizierten. -Das müssen Sie sich ansehen, ehe Sie uns verlassen. Verstehen Sie etwas -von Kanalschiffahrt? Ich nicht; und ein unbehagliches Gefühl ist es für -einen Soldaten und Kanaldirektor.« - -Als in diesem Augenblick Major Owen eintrat, verabschiedeten sich die -Herren mir gegenüber mit allgemeinem Händeschütteln, untereinander -mit halb militärischen Grüßen und kaum bemerkbaren Blicken, die -jedoch erraten ließen, daß sich unter der Oberfläche einer zu lauten -Heiterkeit manches regte, das der Fremde nicht zu sehen brauchte. - -»Galgenhumor!« sagte Longstreet, von der Tür zurückkommend, mit einem -leichten Schatten auf seinem guten, wohlwollenden Gesicht. »Taylor -hat sein ganzes, großes Vermögen endgültig verloren. Er hat zwei -Schwestern, vor fünf Jahren die ersten Damen von New Orleans, die -eine Nähschule anfangen wollen, um zu leben. Übrigens geht es uns -allen nicht viel besser. Doch es wird wieder anders kommen! Bei Gott, -schlechter kann's nicht werden! -- Ihr Schiff, der ›Wilde Westen‹, muß -jeden Augenblick hier sein, Herr Eyth. Der Major ist auf dem Zollamt, -um den Betrag des Zolls festzustellen. Er hofft, Ihren Pflug um -fünfzehnhundert Dollars hereinzubekommen. Natürlich muß er erklären, -daß die ganze Sendung aus rohem Gußeisen besteht. Das wird ihm um so -leichter, als er noch nichts davon gesehen hat und einen Dampfpflug von -einem Bienenkorb nicht unterscheiden kann, wenigstens zollamtlich. Sie -sehen, wir haben schon einiges von unsern nordischen Freunden gelernt. -Im schlimmsten Fall müßten Sie allerdings beschwören, daß die Angaben -meines Geschäftsteilhabers ihre Richtigkeit haben.« - -Ich schnappte nach Luft. Jedermann kannte Longstreet als einen -Ehrenmann ohne Furcht und Tadel, und seine treuherzigen blauen Augen -sahen so kindlich in die Welt hinaus, daß ihm der größte europäische -Spitzbube aufs Wort geglaubt hätte. - -»Aber, General, das geht wirklich etwas zu weit«, stotterte ich. -»Gußeisen! Seit zehn Jahren trompeten wir in Wort und Schrift in alle -Welt hinaus, daß wir den besten Stahl an Stelle jedes Stückchens -Gußeisen anwenden, das durch Stahl zu ersetzen ist. Ich habe erst -gestern einen Zeitungsartikel an den ›New Orleans Picayune‹ gesandt, in -dem ich mit Nachdruck darauf hinweise.« - -»Und ist das alles, was Sie da geschrieben haben, so ganz wörtlich -zu nehmen?« fragte Longstreet, indem er mich zutraulich anblinzelte. -»Sehen Sie, lieber Herr Eyth, Sie müssen sich in unsre Sitten einleben. -Geschworen wird bei uns das Blaue vom Himmel herunter; an das müssen -Sie sich vor allen Dingen gewöhnen. Auf dem hiesigen Zollamt werden -an guten Tagen etliche fünfzig Eide geleistet. Schweinefleisch, -Baumwollballen, Stockfische, Seidenkleider, Guß- und Schmiedeeisen, -alles, was die Barre passiert, wird im Namen des allmächtigen Gottes -für das erklärt, was es meist nicht ist. Die ganze Union ist entlang -ihrer zwölftausend Meilen langen Grenze von einem Schnellfeuer von -Meineiden beschützt, die jahraus jahrein ununterbrochen, außer am -Sabbat, gen Himmel knallen. Das verlangt die Konstitution dieses -großen und erleuchteten Landes und gehört zum Segen des Schutzzolls. -Sie sehen, wir sind ein religiöses und gesetzliebendes Volk, seitdem -wir wieder zur glorreichen, unteilbaren Republik gehören und ein -Rudel Schwarzer unsre Gesetze macht. Auch uns, den alten Herren von -Louisiana, wird es nicht immer ganz leicht, im neuen Fahrwasser zu -schwimmen, das kann ich Ihnen unter der Hand versichern.« - -Major Owen trat ein, ein noch junger, hübscher Mann, dem man übrigens -die Strapazen einer harten Zeit deutlich ansah, und bei dem unter -der höflich lächelnden Oberfläche häufiger als bei Longstreet der -verhaltene Grimm, die kochende Bitterkeit gegen die Verhältnisse -durchbrach, in denen wir lebten. Der kurze Gruß der beiden zeigte -deutlich die soldatischen Beziehungen der kaum vergangenen Zeit und -zugleich von seiten des jüngeren Mannes eine fast schwärmerische -Verehrung für den älteren. Man weiß in langen Friedenszeiten so viel -von der Verrohung zu erzählen, die der Krieg mit sich bringt. Mitten im -Kampf und oft genug nach demselben sieht man nicht selten auch Blüten -und Früchte andrer Art. - -Nein, es sei nichts mit den 1500 Dollars, berichtete der Major. Der -Zolldirektor, ein regelrechter Reisesackpolitiker aus dem Norden, -bestehe auf dem vollen Zoll von 4200 Dollars in Gold, wenn ich nicht -vielleicht bereit sei, andre Überredungskünste in Bewegung zu setzen. - -»Wieviel?« fragte ich. Diese Form der Frage begann mir schon geläufiger -zu werden. - -»Ich denke, mit 500 Dollars ließe sich der Gußeisenzoll erreichen«, -sagte der Major nachdenklich. »Das wären noch immer 2200 Dollars in -Ihre Tasche. Aber bei Jupiter! das müssen Sie selbst regeln, Herr Eyth. -Ich habe die Spitzbubengeschichte satt.« - -»Und ich bin für eine solche Verhandlung noch nicht lange genug in -Ihrem großen und erleuchteten Lande gewesen!« rief ich in einer -Aufwallung moralischer Entrüstung, die beide Herren höchlich belustigte. - -»Aber Sie kommen doch aus der Türkei oder aus Ägypten«, meinte -Longstreet nach einer Pause. - -»Wohl wahr, und ich überlege selbst gelegentlich, worin eigentlich -der Unterschied liegt. Das tröstliche Wort Bakschisch erklärt ihn -vielleicht teilweise. Dort, einem schmunzelnden Effendi gegenüber, -hat man das Gefühl, als sei dies alles, wie es der Schöpfer gewollt -hat, als habe man es mit einer andern Gattung von Säugetieren zu tun, -die nun einmal nicht leben können, wenn sie nicht geschmiert werden. -Hier, im Verkehr mit Herren in schwarzen Sonntagshosen, mit einem -Gesicht ernst und ehrenfest und wie aus Holz geschnitzt, finde ich den -richtigen Ton noch nicht.« - -»Das wird kommen, Herr Eyth,« meinte Longstreet, »ich fürchte, das -wird rasch genug kommen. Eine im Grunde aufrichtige Natur wie Sie -findet sich bei uns bald zurecht. Man muß uns nur verstehen. Sie haben -noch keinen Begriff davon, mit welcher Ehrlichkeit unsre Spitzbuben -zu Werke gehen. Lesen Sie die Verhandlungen, in denen der große Boß -des Tammanyrings, Mister Tweed, in New York seit ein paar Wochen -glänzt. Sie kommen gerade zur rechten Zeit hierher. Wir wissen das -alles schon seit fünf Jahren: für Sie ist es eine gute Anfangslektion. -Bitte, beachten Sie die Ehrlichkeit, mit der der Mann seine fünfzig -Millionen aus dem Steuerbeutel der New Yorker gestohlen hat. Keine -Intriguen wie in der alten, verrotteten Welt, aus der Sie kommen, -keine Heimlichkeiten, keine Hintertreppengemeinheiten. Alles offen und -geradeaus, was man auf beiden Seiten des Wassers ›~fair play~‹ nennt. -›Ich greife in die Stadtkasse und hole mir eine Million heraus -- -ungezählt. Sie, Mister Schatzmeister, drücken die Augen zu und erhalten -hierfür dreimalhunderttausend Dollars. Abgemacht?‹ sagt der eine. -- -›Abgemacht!‹ sagt der andre. Das war die Formel für alle Geschäfte des -großen Mannes, der New York bis gestern regierte. Möglich, daß er jetzt -ins Zuchthaus wandert. Alle zwölf Jahre schüttelt sich das unglaublich -faule Volk der wirklich achtbaren Leute, und das Geschmeiß fällt ab. -Wahrscheinlicher ist aber, daß er das Geschäft nach einigen Monaten -wieder aufnimmt. Ein andrer, wenn nicht er, tut es sicher.« - -Ich erzählte, was ich mit Olcott in Washington vereinbart hatte. - -»Sehr schön,« sagte Longstreet, »für einen Anfang sogar recht brav -gemacht! -- Olcott? -- Olcott? -- Ich erinnere mich des Namens. -- -Major, wissen Sie, wo wir einem Olcott begegnet sind?« - -»Wenn es der Artilleriehauptmann ist, der uns bei Chattanooga -gegenüberstand,« sagte Owen, »so ist es wenigstens ein braver Soldat. -Der Mann stand bei seinen zerschossenen Kanonen, bis der letzte -Artillerist am Boden lag. James Olcott. Ich ließ mir den Namen von ein -paar Gefangenen sagen, die zu seiner Batterie gehört hatten. Er selber -entwischte uns schließlich doch.« - -»James Olcott!« rief ich erfreut, »das stimmt! Da glauben Sie wohl -auch, daß ich an den richtigen Mann geraten bin, der unsre Sache -ehrlich vertreten wird?« - -»Was das betrifft,« meinte Longstreet gedehnt, »warten wir's ab! -Bei Chattanooga hätte ich dem Mann mein Vermögen samt Weib und Kind -anvertraut, in Washington würde ich keinen roten Cent an ihn wagen. -Für den Augenblick hilft uns Ihr Freund jedenfalls nichts. Sie müssen -sich entscheiden: entweder bleibt der Pflug unter Zollverschluß, bis -der Kongreß zu einer Entscheidung kommt -- das mag sechs Wochen dauern -oder sechs Monate oder sechs Jahre, kein Mensch kann es wissen -- oder -Sie entschließen sich, die 4200 Dollars zu zahlen. Einen dritten Ausweg -sehe ich nicht, wenn Sie dem Zolldirektor keinen Privatbesuch machen -mögen. Was wollen Sie tun?« - -»Aber so viel Geld habe ich nicht hier«, bemerkte ich sorgenvoll. - -»Natürlich, doch das ist einfach!« tröstete Longstreet. »Ein Wechsel -auf Ihre Freunde in London regelt die Sache in drei Minuten.« - -Kapitän Owens rosiges Gesicht sah zu der sich leise öffnenden Tür -herein: - -»Kann Sie Mister Lawrence sprechen, General? Der Bruder des Mister -Lawrence von der Magnoliaplantage. Es betrifft den Dampfpflug.« - -»Sicherlich!« rief Longstreet fröhlich. »Wie geht es Ihnen, Mister -Lawrence?« Mister Lawrence stand nämlich schon mitten im Zimmer, den -Hut auf dem Hinterkopf, beide Hände auf dem Knotenstock, die stämmigen -Beinchen ausgespreizt wie eine kleine Kopie des Kolosses von Rhodos, -und lächelte uns der Reihe nach verständnisvoll an. - -»Wie geht es Ihnen, General?« rief er eifrig. »Ich bin Mister -Lawrences Bruder von Magnoliaplantage, Plagueminegrafschaft; Sie -wissen, General? Ein guter Südländer in der Zeit der Sezession. Aber -wir müssen mit den Wölfen heulen und schließlich auch dampfpflügen, -wenn unsre farbigen Herren es wünschen. Übrigens bin ich im Ausschuß -der Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana und habe Ihnen einen -Vorschlag zu machen.« - -»Was, sind Sie noch nicht bankrott?« fragte Longstreet verwundert. - -»Die Landwirtschaftsgesellschaft? Noch nicht, im Gegenteil! Wir haben -bloß kein Geld. Aber hier, dieser Gentleman aus der Alten Welt hat -mir eine Idee eingegeben, aus der sich etwas machen läßt. Wir haben -unsern Ausstellungspark vor der Stadt, einen prächtigen Platz. Die -Herren Owen kennen ihn; Rennbahn, Tribüne, alles. Wir machen den -nötigen Lärm, dafür lassen Sie mich sorgen. Herr Eyth läßt dort seinen -Dampfpflug laufen, und die ganze Welt strömt zusammen, das Weltwunder -anzustaunen. Überall hört man vom Dampfpflug; kein Mensch hat das Ding -je gesehen. Das muß ziehen. Die Landwirtschaftsgesellschaft nimmt das -Eintrittsgeld; Sie, General, haben die Ehre, den Süden zum zweitenmal -zu retten; das heißt« -- Lawrence wurde sichtlich verlegen -- »das -heißt zum erstenmal, und Mister Eyth verkauft ungezählte Apparate an -die Yankees, die unsre Plantagen in Besitz genommen haben und nicht -wissen, was sie jetzt weiter tun sollen.« - -»Und die Kosten?« fragte ich nicht ganz ohne Bedenken, obgleich -Lawrences Plan wie ein Lichtstrahl in das zweifelhafte Dunkel fiel, -in dem ich bis jetzt gelebt hatte. Denn auch ich wußte kaum, wie ich -weiterkommen sollte. »Es kostet ein rundes Sümmchen, Herr Lawrence, den -großen Apparat, sagen wir, eine Woche lang auf Ihrem Ausstellungsplatz -in Gang zu erhalten.« - -»Ganz einfach!« sprudelte mein neuer Freund. »Die -Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana schreibt einen glänzenden -Preis für den besten Dampfpflug aus. Sie erhalten den Preis, den wir -aus den Eintrittsgeldern bezahlen. Was kostet der Rummel, wenn wir acht -Tage arbeiten?« - -»Ich denke, ich sollte mindestens 500 Dollars haben, um die Kosten -zu decken«, sagte ich, mit höchst unnötiger Gewissenhaftigkeit -kopfrechnend. - -»Sagen wir 750!« meinte Lawrence. »Gut! Morgen schreibt unser Komitee -einen Preis von 750 Dollars aus; dafür lassen Sie mich sorgen.« - -»Sie können nichts Gescheiteres tun, als ja sagen, Herr Eyth«, sagte -Longstreet, sichtlich erstaunt über mein Zaudern. »Mister Lawrences -Bruder ist ein praktischer Mann, das sieht man auf den ersten Blick. --- Ich gratuliere Ihnen, Herr Lawrence! Sie sind ein würdiges -Ausschußmitglied unsrer großen Landwirtschaftsgesellschaft von -Louisiana!« - -»Wann kann die Prüfung losgehen, Mister Eyth?« fragte Lawrence, ohne -des Generals Komplimente zu beachten, indem er seinen Hut noch weiter -auf den Hinterkopf schob, der vor Eifer zu dampfen schien. - -Das war der rasche Pulsschlag des amerikanischen Lebens, der uns -langsame Europäer manchmal fast betäubt. Ich hatte, wie es schien, -zehn Sekunden Zeit, mir alles zu überlegen. Der Pflug, in etlichen -fünfzig gewaltigen Kisten, schwamm noch wohlverpackt und unverzollt auf -dem Mississippi. Ich wußte nicht, ob der unentbehrliche Monteur und -Dampfpflüger mitgekommen war, ohne den es nahezu unmöglich war, eine -öffentliche Vorstellung mit dem neuen Apparat und einer Bemannung von -völlig unerfahrenen Heizern und Pflügern zu geben. Dann, wer weiß, in -welch unpflügbarem Zustand sich der gerühmte Ausstellungspark befand, -in dem das Experiment stattfinden sollte. Doch es war nicht mein erster -rascher Entschluß. Frisch gewagt ist halb gewonnen, und die vierzehn -Tage Wartens in der schwülen Luft des Mississippideltas hatten mich ein -wenig ungeduldig und tatendurstig gemacht. - -»Haben Sie ein Wechselformular zur Hand?« fragte ich. - -Major Owen reichte mir die Feder; das Papier lag bereits säuberlich -ausgeschrieben auf des Generals Schreibtisch, der es in wundersam -wackligen, nach links fallenden Schriftzügen mit seiner noch -vorhandenen Hand ausgefüllt hatte, während wir uns unterhielten. Ich -unterzeichnete das Dokument, demzufolge die Herren John Fowler & Co. -sich verpflichteten, vierzehn Tage nach Sicht dem Überbringer 4200 -Dollars in Gold auszuzahlen. - -Der Major verabschiedete sich mit dem kleinen Zettel, um ihn zu -versilbern. Es war keine Zeit zu verlieren. Ein Junge stand im äußeren -Bureau mit der Nachricht, daß der »Wilde Westen« soeben am Fuße der -Tschapatulastraße anlege. Der Kapitän wolle wissen, was mit den fünfzig -Maschinenkisten geschehen solle, die sofort ausgeladen werden müßten, -da der Pflug als Deckladung verschifft sei. - -Und damit hatte ich ja meinen Pflug und konnte die Neue Welt fünfzehn -Zoll tief aufbrechen, wann und wo ich wollte! - -[Illustration] - - - - -3. Die erste Großmacht unsrer Zeit - - -Herrn Lawrences Bruder nahm seinen Knotenstock unter den Arm und rieb -sich die Hände vor Vergnügen, als wir Longstreets Bureau verließen. -»Sehen Sie, das freut mich!« rief er noch unter der Türe. »Seit sechs -Monaten gebe ich mir alle erdenkliche Mühe, den Dampfnigger hierher -zu bekommen. Aber der Kerl will zu viel Geld und verlangt dazu noch -Vorausbezahlung. Das geht nicht. Der Erfinder ist kein Südländer, -darauf können Sie wetten, und wenn er zehnmal in Vicksburg geboren -wäre. Ein kniffiger Yankee, ohne Zweifel, der kein Herz unter den -Rippen hat wie alle. Nun haben wir dafür einen Dampfpflug und Sie! Und -Sie -- Sie sind« -- er suchte offenbar nach einem schmeichelhaften -Ausdruck, doch was ihm einfiel, schien diesem löblichen Streben kaum -zu entsprechen, so kam schließlich nicht viel dabei heraus -- »Sie -sind ein vernünftiger Mensch, ein ganz vernünftiger Mensch! Wenn ich -etwas für Sie tun kann, Mister Eyth, rechnen Sie auf mich und auf -meinen Bruder, der in vierzehn Tagen zurückkommt. Sie müssen sich die -Magnoliaplantage ansehen, wenn Sie Land sehen wollen und Zucker. Haben -Sie die hiesigen Zeitungsredaktionen schon besucht?« - -»Nein. Wozu?« - -»Was! Sie haben die Redaktionen nicht besucht und einen Dampfpflug -am Fuß der Tschapatulastraße? Sie sind wohl nicht bei Trost! -- das -heißt -- verzeihen Sie -- Sie kennen dieses große Land noch zu wenig, -lieber Freund. Das erste ist, allen Redakteuren von New Orleans Ihre -Aufwartung zu machen. Es ist weitaus billiger als jeder andre Weg. Ich -werde Sie begleiten.« - -»Sehr gütig, Herr Lawrence,« versetzte ich, »aber ich wollte vor allen -Dingen nach meinen Kisten sehen und hauptsächlich auch nach meinem -Monteur, der im ›Wilden Westen‹ mitgekommen sein muß und sich nicht zu -helfen weiß.« - -»Das ist alles Nebensache«, erklärte mein hitziger Freund. »Die -Redaktionen müssen Sie besuchen, ohne eine Minute zu verlieren. -Ich werde Sie vorstellen. Und dann gehen wir zum Sekretär der -Landwirtschaftsgesellschaft. -- Donnerwetter!« -- er blieb stehen; -es schien ihm plötzlich etwas einzufallen -- »ich glaube, ich habe -Ihnen versprochen, daß die Gesellschaft morgen einen Preis von -siebenhundertfünfzig Dollars für den besten Dampfpflug aussetzen wird. -Wir müssen doch wohl eine Komiteesitzung abhalten.« - -Der Hickorystock setzte sich in Bewegung, Lawrence, flink wie ein -Wiesel, hinterher. Ich folgte fast willenlos: die kleine dicke -Verkörperung eines Wirbelwinds riß mich mit. Ich mußte mich zum -wenigsten vergewissern, ob es mit der Komiteesitzung ernst werden -würde, von deren doch noch sehr zweifelhaften Beschlüssen meine -nächsten Schritte abhingen. - -In der St. Charlesstraße fanden wir das übliche Gewimmel von Menschen -und Tieren. Es war kaum möglich, meinem übereifrigen Führer zu folgen. -Da plötzlich, hinter dem Rücken eines vierschrötigen Negers, war er -verschwunden, als hätte ihn vor meinen Augen die Erde verschlungen, -ohne sich zu öffnen. Ich stand etwas erschrocken und völlig ratlos -da, ging auf dem Fußsteig der Straße, vom Strom der Vorübergehenden -geschoben und gestoßen, zehn Schritte weiter, dann zehn Schritte -zurück und wiederholte dies mit wachsendem Staunen. Lawrence blieb -verschwunden. War die ganze Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana -samt ihrem Ausschußmitglied eine amerikanische Sinnestäuschung gewesen, -deren Bedeutung ich noch nicht begreifen konnte? - -Plötzlich hörte ich aus dem Dunkel eines kleinen Tunnels, der -unmittelbar von der Straße in ein altes, finsteres Gebäude führte, -die mir wohlbekannte Stimme: »Wo stecken Sie denn? Hier haust der -›Picayune‹! Kommen Sie! Schnell!« - -Ich stürzte mich erfreut in die stockfinstere Nacht, in der mein -wiedergefundener Freund völlig zu Hause zu sein schien, erwischte ihn -am Rockärmel und war entschlossen, ihn nicht mehr zu verlieren, bis der -Preis für den besten Dampfpflug schwarz auf weiß ausgeschrieben war. - -»Dies sind die Geschäftsräume des Picayune,« sagte er, mich an der -Wand des Tunnels vorwärtstreibend; »das älteste Blatt der Stadt. Die -größte Zeitung im Süden. Nehmen Sie sich in acht, was Sie sagen. Guter -Demokrat. Südliche Sympathien. Der Redakteur ist Oberst, hat in Texas -kommandiert, aber nicht viele Schlachten gewonnen. Mehr Federmann. Hier -sind wir!« - -Es dämmerte in der Wand, die sich teilweise auf meinen Rock übertragen -hatte. Seitlich ging es eine schmale, steile Treppe empor, die den -letzten Grad der Abnutzung erreicht zu haben schien, den eine Treppe -erreichen kann. Mehrere Herren kamen uns hastig entgegen; auch Arbeiter -mit Setzkästen. Es war nicht leicht, hinaufzudringen. Oben summten und -rasselten die Pressen. Dort in dem schwülen Halbdunkel eines großen, -niederen Saals wurden in allen Richtungen feuchte Zeitungsblätter -von wunderlich zuckenden und rollenden Maschinen in beängstigendem -Takte ausgespieen. Lawrence zog mich weiter, durch den Setzersaal. -Es war jetzt nicht an der Zeit, Maschinenbewegungen zu studieren. In -der kleinen, aber fürchterlichen Höhle, die wir ohne jede Zeremonie -betraten, hauste der Geist, der diese halbdämonische Welt regierte. - -Ein Räuberhauptmann, dem Aussehen nach, braun wie ein Mulatte, -mit gewaltigem Schnurrbart und einer imponierenden, unzweifelhaft -rötlichen Adlernase, maß uns während des energischen Händeschüttelns -mit schwarzen, stechenden Augen, machte jedoch gleichzeitig mit einer -nicht unhöflichen Bewegung zwei Stühle frei, indem er die Berge von -Manuskripten, Zeitungsschnipfeln und Fahnenabzügen, die sie bedeckten, -auf den Boden fegte. Dann deutete er uns mit einer riesigen Schere an, -Platz zu nehmen, wenn uns unser Leben lieb sei. - -»Mit was ist Ihnen gedient, Mister Lawrence?« fragte er, indem er mit -seiner Waffe nach der Wand wies, wo auf einem langen Papierstreifen in -roten Buchstaben der Zauberspruch »~Time is money!~«[2] prangte. Über -der Inschrift waren zwei sich kunstreich kreuzende Revolver angebracht, -der einzige Schmuck an den im übrigen kahlen Wänden. Man hatte den -Eindruck, daß man sich hier nicht am richtigen Ort für ein gemütliches -Plauderstündchen befand. - -»Ich wünsche, Ihnen diesen Gentleman vorzustellen,« sagte Lawrence -eifrig: »Mister Eyth, Mister Rawley; Mister Rawley, Mister Eyth, --- mit dessen Ankunft eine neue Zeit für unsern unglücklichen -Süden beginnen wird. Mister Eyth ist der Vertreter der größten und -berühmtesten englischen Fabrik für Dampfkulturgeräte: Dampfpflüge, -Dampfkultivatoren, Dampfeggen, Dampfwalzen, Dampfsäemaschinen, -Dampfzuckerrohrschneider und Dampfbaumwollpicker. Sie machen doch -auch Dampferntemaschinen jeder Art, Herr Eyth? -- versteht sich -- -natürlich!« -- wandte er sich an mich im Ton unerschütterlichen -Glaubens an seine Inspiration. »Kurzum, Mister Rawley, die Negerfrage -existiert nicht mehr, wenn wir Herrn Eyth in Louisiana aufnehmen, wie -er es verdient.« - -Rawley brummte mürrisch: »Hm! sehr angenehm! Immer noch lieber von -England als von jenseits des Potomaks. -- Sehr angenehm, Mister Eyth. -Ich nehme an, daß Ihr Dampfpflug uns besser hilft, als Ihre Landsleute -es getan haben. Ah so -- Sie sind kein Engländer; um so besser! -- -Wie gefällt Ihnen unser schönes Land in seinem jetzigen, jammervollen -Zustand? Nicht übel -- wie?« - -»Longstreet, der General, hat die Agentur für die Sache übernommen«, -fiel Lawrence ein. - -»Der General Longstreet, die rechte Hand von Lee? Das ist etwas andres! -Warum haben Sie das nicht gleich gesagt?« fragte Rawley, während sich -seine Räuberhauptmannszüge in etwas menschlichere Falten legten. -»Wir werden Sie mit Interesse beobachten, Mister Eyth! Wann soll es -losgehen?« - -»Was meinen Sie, Herr Rawley?« fragte ich, etwas Mut schöpfend. - -»Die Rettung des Südens, das Gepflüge«, versetzte der Redakteur. »Sie -geben doch ein Frühstück, um die Sache einzuleiten? Wir werden einen -Berichterstatter hinschicken, wenn ich nicht selbst kommen kann. Sie -wünschen ohne Zweifel eine redaktionelle Notiz schon vor dem Frühstück? -Natürlich! Wollen Sie die Gefälligkeit haben, mir einige Anhaltspunkte -zu geben. Wie alt sind Sie? verheiratet? glücklich verheiratet? Wo -wurden Sie erzogen? Bitte, teilen Sie mir alles mit, was zur Sache -gehört. General Longstreet ist mein Freund, ein Mann, den ich hoch -verehre. Nehmen wir einen Tropfen Rum -- echten Jamaika -- wie, Herr -Lawrence?« - -Sie winkten sich, verständnisinnig. Eine geschäftige Freundlichkeit -durchbrach endlich die rauhe Schale des Räuberhauptmanns. Es gelang -mir zwar nicht, seine Aufmerksamkeit von meinem ~curriculum vitae~ -auf die Vorzüge des Fowlerschen Doppelmaschinensystems zu übertragen. -Auch Lawrence half mit, meinem Jugendleben und meinen persönlichen -Wünschen und Hoffnungen auf den Grund zu kommen, und fügte, gegen -Rawley gewendet, von Zeit zu Zeit die Versicherung bei, daß ich von -Kindesbeinen an ein wirklicher Gentleman und ein unzweifelhafter -Demokrat -- im amerikanischen Sinne des Wortes -- gewesen sei. In -der Sklavenfrage halte ich noch jetzt »mit Zähnen und Klauen« an -den geheiligten Gesetzen unsrer Vorfahren fest. Dies brachte mir -jedesmal einen stummen, schmerzhaften Händedruck des Redakteurs ein, -der seinerzeit selbst fünf Neger besessen hatte. Dazwischen wurde -festgesetzt, daß Longstreet ein großes Frühstück geben müsse, zu dem -die gesamte zu rettende Gesellschaft Louisianas sowie die Vertreter -der Presse, in erster Linie aber des Picayune, einzuladen seien. -Daran werde sich das Pflügen in würdiger Weise anschließen. Bezahlen -werde ich es ja mit Vergnügen; eine solche Einführung des englischen -Dampfpflugs sei etwas mehr wert, sollte man denken, als ein paar -Dutzend Hummern und das erforderliche Zubehör. Ich selbst mußte dies -zugeben und bekämpfte mannhaft eine vorübergehende Trübung meiner -Stimmung. »Noch einen Tropfen Rum, Herr Eyth!« rief der finstere -Redakteur, indem er nach der steinernen Flasche griff, die neben seinem -Tintenfaß stand. »Nein? Das müssen Sie noch besser lernen, wenn Sie uns -retten wollen. Das oder Temperenzler werden. Dazwischen liegt nichts. -Adieu! Schicken Sie mir, was Sie gedruckt haben wollen, schon vor dem -Frühstück!« - -[Illustration] - -Wir gingen. Lawrence nahm im Tunnel den Knotenstock wieder unter den -Arm. Ich bemerkte es, weil er mich damit heftig in die Magengegend -stieß. Es war der Ausdruck seiner Befriedigung. Dann lief er weiter, -als ob er feurige Kohlen in den Stiefeln hätte. »Jetzt rasch, solange -wir noch warm sind, in die Konkurrenzbude!« sagte er, mehr für sich als -zu mir. Unser Ziel befand sich in derselben Straße, nur zwei »Blocks«, -zwei Häuserviertel, entfernt; ein prächtiger, noch im Bau begriffener -Palast, an dessen Steinfront der Titel der Zeitung: »~The Crescent City -News~« in goldenen, riesengroßen Buchstaben prangte. Eine prachtvolle -Marmortreppe, deren vergoldete Eisengeländer man anzuschrauben im -Begriff stand, führte in die hellen, luftigen Drucksäle. Alles glänzte -und funkelte hier, und selbst das Maschinengerassel hatte einen -schärferen Klang als beim Nachbar. Auch flogen die Abendzeitungen nicht -unordentlich aus allen Winkeln heraus wie dort. Ein schwarz gekleideter -Herr empfing uns an der Tür eines geräumigen Bureaus, wohlwollend und -würdig, so daß ich ihn für einen Geistlichen zu halten geneigt war. Es -war Herr Smithson, der erste Redakteur der »Crescent City News«. Er war -entzückt, Herrn Lawrence zu sehen, entzückt, daß Herr Lawrence mich -mitgebracht hatte, direkt aus England. Er rang mit meiner Hand, als ob -er sie aus dem Gelenke schütteln wollte. »Entzückt, Herr Eyth, Ihre -Bekanntschaft zu machen. Ein Deutscher aus England, höchst interessant! -Wie gefällt Ihnen dieses herrliche Land?« - -Mister Smithson bot uns zwei große, mit braunrotem Leder überzogene -Armstühle, aber keinen Rum an. Ich war ihm wahrhaft dankbar -dafür, Lawrence dagegen ließ seine Blicke fragend im Zimmer -umherschweifen: nirgends die Spur einer Flasche. Die Tatsache war -in die Augen springend: Smithson war nicht bloß ein Yankee, er war -ein Mäßigkeitsapostel. Zum erstenmal glaubte ich durchzufühlen, daß -Lawrences überwallendes Herz ein wenig sank. - -Der Redakteur dagegen blieb freudig erregt. »Dampfpflüge!« rief er, -mir nochmals die Hand schüttelnd, »und schon auf dem Wege! Sehr schön! -Im Begriff zu arbeiten; ausgezeichnet! Dem unglücklichen Neger, dem -bedrückten Mitbruder die Last der Arbeit abzunehmen, welch glücklicher -Gedanke; welch großes Ziel Ihres Wirkens, Herr Eyth! Die Rasse bedarf -der Erziehung; unter uns muß ich dies zugeben. Aber wie kann sie -erzogen werden, wenn sie nach wie vor vor den Pflug gespannt bleibt, -um der alten verkommenen Aristokratie des Landes Sklavendienste zu -leisten? Ich frage Sie, Herr Lawrence, als Mann den Mann, als Christ -den Christen: Wie wollen Sie den Neger erziehen, solange er am Pflug -zieht? Da kommt Herr Eyth mit seinem Dampfpflug, und die Sache ist -gemacht. Große Gesichtspunkte; ich halte mich an große Gesichtspunkte! -Nur indem wir an großen Gesichtspunkten festhalten, können wir -den fürchterlichen Bürgerkrieg zu einem Segen für unsern teuren -Süden ausgestalten. Nur so wird einem Volke von Brüdern die Kraft -wiederkehren, das sternbesäte Banner der Union über dem unteilbaren -Kontinent zu schwingen.« - -»Das war Mister Eyths Ansicht schon von Kindesbeinen an!« rief Lawrence -mit Überzeugung. - -Smithson drückte auch ihm die Hand. »Dampfpflüge!« fuhr er fort, fast -ohne Atem zu schöpfen. »Ich habe sie längst mit Spannung erwartet. -Allerdings habe ich noch nie einen gesehen, aber in unserm Norden, -in Philadelphia, in Cincinnati, in Chikago sind in diesem Augenblick -Hunderte im Gang! Meine Landsleute, Herr Eyth, sind ziemlich -erfinderisch und warten gewöhnlich nicht darauf, was Sie drüben in der -Alten Welt machen; -- Hunderte!« - -»Das heißt,« -- begann ich, bestrebt, ein paar Worte einzuschalten, kam -aber nicht weiter. - -»Das soll uns natürlich nicht hindern, den vortrefflichen Apparat -gebührend zu würdigen, den Sie uns bringen. Sie wünschen natürlich eine -präliminare, eine hervorragende präliminare Anzeige Ihrer Bestrebungen -im redaktionellen Teil der ›Crescent City News‹. Vortrefflich! Fünfzig -Cents die Zeile. Die Sache muß diesen Herren im Süden eindringlich ans -Herz gelegt werden. Wie alt sind Sie? Wo sind Sie geboren? Sind Sie -verheiratet?« - -Ich kämpfte abermals, und sichtlich ebenso vergebens, gegen diese -Art, die Dampfkultur dem Publikum näher zu bringen. Auch hier ließ -mich Lawrence völlig im Stich und hetzte den sprachseligen Redakteur -nur noch tiefer in seine Forschungen nach meinem Stammbaum und nach -andern Einzelheiten, die für ihn von Interesse gewesen wären, wenn ich -seine Tochter hätte heiraten wollen. Ich ergab mich schließlich und -erzählte ihm alles, was mir aus meinen Jugendjahren einfiel. Er schien -befriedigt. - -»Sehr schön! Höchst interessant!« rief er schließlich. Als ich selbst -im besten Zuge war und ihm die Herkunft meiner Mutter aus einer -Schweizer Adelsfamilie erklären wollte, glaubte er genug zu wissen und -steuerte plötzlich rückwärts. »General Longstreet steht an der Spitze -der Sache, wie Sie mir sagen; ein vortrefflicher Mann, der leider auf -die falsche Seite geraten ist. Nehmen Sie sich ein wenig in acht, -Herr Eyth, daß Ihr Dampfpflug nicht allzu konföderiert wird. Mister -Lawrence versteht mich; er kennt beide Seiten; ein vortrefflicher -Mann, Mister Lawrence! -- Also Longstreet wird ein großes Frühstück -geben, ehe Sie zu pflügen anfangen. Ausgezeichnet! Wir werden einen -Berichterstatter schicken, wenn ich nicht selbst kommen kann. Ich -hoffe, ich werde selbst kommen können! Doch möchte ich um Limonade -bitten; nur Limonade für mich! Adieu, Herr Eyth. ~Time is money!~ Die -Rechnung für die heutige redaktionelle Anzeige werde ich Ihnen schon -morgen zusenden können. Es war mir höchst angenehm! Adieu! Adieu!« - -Damit komplimentierte er uns durch die Druckerei. - -»Verfluchter Yankee!« brummte Lawrence schon auf der Prunktreppe. -»Trinkt nur Wasser und schwatzt wie ein altes Brunnenrohr. Vor -dem müssen Sie sich in acht nehmen, Herr Eyth: der regelrechte -Reisesackpolitikus. Aber es hilft nichts, wir brauchen sie alle, -solange sie mit Kind und Kegel auf unserm Land herumsitzen wie die -Heuschrecken. Uff! Mister Eyth, wenn Sie vor fünf Jahren zu uns -gekommen wären, hätten wir anders mit dem Herrn geredet. Aber wir -brauchen sie, Gott sei's geklagt, wir brauchen sie alle!« - -Lawrence schleppte mich weiter. Wir besuchten die hochdemokratische, -das heißt aristokratische »Biene«, die republikanischen »Louisiana -Times«, die neutralen, leicht nach Süden hängenden »Commercial News«. -Mein treuer Führer schien unermüdlich, bis sie alle wußten, wie alt -ich sei, wo ich geboren wurde und daß ich mich vorläufig nicht zu -verheiraten gedenke. Zuletzt kamen wir auch über die Kanalstraße, in -das alte französische Viertel der Stadt. Dort, vor einem unansehnlichen -Hause in der St. Louisstraße, blieb er stehen, wartete, bis ich ihn -erreicht hatte, denn er war mir gewöhnlich zehn Schritte voraus, und -sagte: - -»So! da können Sie allein hinaufgehen, Herr Eyth. Hier hausen Ihre -Landsleute, die ›Deutsche Zeitung‹. Ich muß jetzt nach meinem Komitee -und nach Ihrem Preis sehen. Die Sache bekommt Hände und Füße, wenn Sie -so noch ein paar Stunden fortmachen.« - -Er trocknete sich den Schweiß von der Stirne, und wahrhaftig, er -hatte das Recht dazu. Es war glühend heiß geworden. Sein Eifer hatte -mich jedoch angesteckt. Ich wußte jetzt, wie man Redakteure besucht, -und machte mir nichts daraus, auch meinen Landsleuten die offenbar -landesübliche Aufwartung zu machen. - -»Und glauben Sie wirklich, daß Sie das Preisausschreiben seitens Ihrer -Gesellschaft so rasch zustande bringen werden?« fragte ich Lawrence, -ehe wir uns trennten. Ich konnte meine Zweifel noch immer nicht los -werden; es ging alles so verblüffend geschwind. »Man muß doch wohl eine -Art Programm ausarbeiten, Bedingungen beraten, eine Prüfungskommission -aufstellen --« - -Er unterbrach mich: »Verlassen Sie sich darauf, Herr Eyth! Morgen früh -lesen Sie das Ausschreiben in allen Zeitungen. Was wetten Sie?« - -Dies zu hören, war mir außerordentlich lieb. Wenn ein Amerikaner so -fragt, ist ihm die Sache ernst. - -»Zehn Dollar!« sagte ich deshalb ohne langes Bedenken. - -»Sie scheinen kein großes Vertrauen in Ihre Zweifel zu haben«, -versetzte er lachend und fuhr dann mit einer gewissen Feierlichkeit -fort: »Gut, zehn gegen zehn; Sie lesen das Preisausschreiben morgen -in allen Zeitungen der Stadt, die täglich erscheinen. Eine ehrliche, -gradlinige Wette. Ich kann sie verlieren, wenn ein Drucker Dummheiten -macht oder ein Redakteur zu tief in die Whiskyflasche sieht, anders -nicht. In Hunderten wäre mir die Wette lieber gewesen.« - -Er machte mit einem Bleistift von einem halben Zentimeter Länge eine -Notiz auf eine seiner Zuckertüten und war schon um die Straßenecke -verschwunden, als ich die mit Papierfetzen reich geschmückte Treppe -der »Deutschen Zeitung« hinaufkletterte und mit einer Beilage um das -linke Bein oben anlangte. Es war alles etwas klebrig im Hause, trotz -der Hitze. In der Druckerei, die kleiner war als die andern, die ich -heute kennen gelernt hatte, standen die Maschinen still. Dagegen schien -eine Art Volksversammlung stattzufinden. An einen Setztisch gelehnt, -stand eine teutonische Gestalt von echtem Schrot und Korn, mit blonden, -wallenden Haaren, blauen Augen, einem mächtigen roten Bart. Auch der -Schnitt ihres Anzugs, namentlich die Weite der Beinkleider, verriet -etwas vom deutschen Studenten der älteren Generation, die noch Ideale -kannte. Der Herr schien mitten in einer Volksrede für fünftausend -Zuhörer zu schwimmen und ließ sich durch mich, der ich etwa der -sechzehnte war, nicht unterbrechen. - -»Ich wende mich an Sie, meine Herren«, rief er, »vertrauensvoll, -schmerzbewegt! Wir haben ein gemeinsames Ziel: unsre Grundsätze -der Wahrheit und Freiheit der deutschen Welt unsers großen neuen -Vaterlandes täglich zu verkündigen, das Panier der Gleichheit und -Brüderlichkeit, ohne Ansehen der Farbe unsrer Leser, im Süden -voranzutragen. Wir haben dieselben Freuden, dieselben Sorgen. Im -Schweiß unsers Angesichts haben wir wieder vierzehn Tage lang der -großen Sache gedient. Die Zahl unsrer Abonnenten ist um fünf gestiegen; -das Ergebnis des Straßenverkaufs hat jedoch bedauerlicherweise -abgenommen, da unser tätigster Austräger samt seinen Freitagsexemplaren -spurlos verschwunden ist; Fritz Kleile ist mit einem kleinen Vorschuß -aus unsrer Mitte geschieden, ich fürchte, für immer. Sie, meine Herren, -waren schon gestern berechtigt, den sauer verdienten Lohn für Ihr -aufopferungsvolles Wirken aus meiner Hand zu empfangen. Ich mußte Sie -auf heute vertrösten. Meine Herren, auch heute ist unsre Kasse« -- -der Redner hob ein Blechkästchen, das neben ihm stand, in die Höhe, -öffnete es feierlich und zeigte nach allen Seiten das glänzende Vakuum -seiner Innenseite -- »diese unsre Kasse ist leer! Wollen Sie sich -gefälligst selbst überzeugen«, fügte er in vertraulichem Tone bei, -indem er sich an seine nächsten Nachbarn, einen grimmigen alten Setzer -und zwei schmächtige zwölfjährige Jungen, wandte, die ihn hungrig -ansahen. - -»Aber wo der Teufel ist das Geld von gestern?« fragte einer der -fünfzehn, dessen trockene Kehle eigentümlich krächzende Laute -hervorbrachte. Der Mann war sichtlich übermäßig durstig. - -»Sie haben ein Recht, diese Frage aufzuwerfen, verehrter Freund!« -entgegnete der Redakteur mit einem mitleidigen Blick auf den Sprecher. -»Ich werde sie beantworten. Wir hatten das Unglück, gestern abend den -Besuch des Geschäftsführers unsres Papierlieferanten zu empfangen. Ich -stand vor der peinlichen Gewißheit, der heutigen Ausgabe der ›Deutschen -Zeitung von Louisiana‹ papierlos entgegensehen zu müssen. Ich hatte die -Wahl, den nicht ganz unberechtigten Forderungen des unerbittlichen, -ich darf sagen, herzlosen Geschäftsmenschen zu trotzen und damit uns -alle zu vernichten oder ihm den Inhalt unsrer Kasse einzuhändigen. Da -gedachte ich Ihrer Seelenstärke, meine Herren, gedachte der deutschen -Treue, die sich in schweren Zeiten seit zwei Jahrtausenden bewährt -hat. ›Besser,‹ sagte ich, ›noch einmal ohne Geld vor meinen Freunden -zu erscheinen als ohne Papier.‹ Und nun« -- der Ton des Redners wurde -um eine halbe Oktave tiefer, seine Stirne legte sich in Falten und -sein blonder Haarbusch schien in die Höhe zu steigen -- »und nun, -meine Leidensgenossen, frage ich Sie. Sie selber werden entscheiden. -In Ihre Hand lege ich das Panier unsrer großen Sache. Wollen Sie -- ja -oder nein -- wollen Sie nochmals zwei Wochen ungelohnt in alter Treue -Ihre Pflicht erfüllen? Oder wollen wir gemeinsam das sinkende Schiff -verlassen und jeder für sich an unbekanntem Strande eine zweifelhafte -Rettung suchen? Im ersteren Falle« -- er verfiel plötzlich wieder in -den gemütlichsten Gesprächston, in welchem er alle wichtigeren Teile -seiner Rede vorzutragen schien -- »im ersteren Falle bekommen Sie -vorläufig allerdings noch einmal nichts, aber es wird ohne Verzug -weitergedruckt. Im zweiten Falle schließe ich die Bude, und Sie -bekommen auch nichts.« - -»Weiterdrucken!« riefen die zwei hungrigen Jungen mit vor Begeisterung -glänzenden Augen. - -»Abstimmen!« stöhnte der Durstige. - -»Abstimmen!« riefen noch drei oder vier der Älteren, und so kam es -nach den besten Regeln eines in Trübsal geläuterten Parlamentarismus -zur namentlichen Abstimmung. »Herr Faktor Müller?« -- »Weiterdrucken!« --- »Herr Setzer Kunze?« -- »Der Teufel hole die ganze Bude samt dem -Herrn Redakteur; schließen!« -- »Der nächste?« -- »Weiterdrucken! -- -Weiterdrucken! -- Schließen! -- Weiterdrucken!« und so weiter. - -Die Abstimmung war rasch beendet. Der Redakteur tat einen tiefen, -theatralischen Atemzug und begann wieder: »Meine Herren und Freunde! -Das Ergebnis unsrer Abstimmung ist das erwartete. Die deutsche Treue -hat auch auf fremder Erde abermals glänzend gesiegt. Sieben Stimmen -sind für den Schluß der Bude, acht fürs Weiterdrucken. Die gute Sache -ist gerettet. Wie ein Phönix wird das Panier der ›Deutschen Zeitung von -Louisiana‹ aus der Asche dieser vorübergehenden Prüfung erstehen, und -Arm in Arm mit dem sternbesäten Banner dieses großen und freien Landes« --- er hielt plötzlich an, wie wenn ihm etwas Wichtiges eingefallen wäre --- »Meine Herren! Ich bitte die Herren Setzer, sich an ihre Plätze zu -begeben. Es ist die höchste Zeit, wenn die Abendzeitung rechtzeitig auf -die Straße kommen soll. Und, bei Gott, wir müssen heute abend etwas -Geld haben. Was eingeht, wird verteilt. Rasch an die Arbeit, meine -Kinder! -- Was wünschen Sie?« - -Das galt mir. Der kleine Bienenkorb war in einer halben Minute in -voller Tätigkeit. Der Redakteur, Herausgeber und Eigentümer der -»Deutschen Zeitung von Louisiana« trocknete sich den Schweiß von der -Stirne und gab mir vorsichtig die Hand. Ich war ein Landsmann. Sollte -ich gekommen sein, ihn anzupumpen? - -»Sie kommen in einem nicht ganz glücklichen Augenblick, verehrter -Herr!« sagte er, ohne jedoch im geringsten verlegen zu sein. »Das -nennen wir den Kampf ums Dasein. Er ist Ihnen vielleicht aus den -neuesten Schriften eines gewissen Darwin bekannt. Hier sehen Sie die -Theorien des großen Naturforschers ~in natura~.« - -»Es war mir höchst interessant, und ich wünsche Ihnen Glück zu Ihrem -Siege«, sagte ich höflich. »Ich verstehe und würdige Ihre freudige -Erregung, denn auch ich, Herr Doktor, --« - -Er nickte freundlich. - -»-- auch ich bin damit beschäftigt, im Kampf ums Dasein ein kleines -Gemetzel vorzubereiten.« - -»Was? Doch nicht hier bei uns?« rief der Redakteur. »Sie haben gehört, -wie es augenblicklich bei uns steht. Augenblicklich? Der Zustand ist -chronisch, Verehrtester. Ich kann Sie nicht brauchen!« - -»Vielleicht doch«, entgegnete ich zuversichtlich und erklärte ihm, um -was es sich handle. Jetzt erst schüttelte er mir die Hand nach gut -amerikanischer Art, und dann beide Hände wie ein Deutscher, der seinen -längst erwarteten Schutzengel gefunden hat. Um fünfzig Dollar wollte -er meinen Dampfpflug über alle Himmel erheben. Um die Hälfte, wenn ich -sofort bar bezahle. Zwei Artikel von je zwei Spalten, die ich morgen -selbst liefern könne, wenn ich wolle. Dies war in der Tat billig. Die -Zeitung hatte ohne Zweifel wenig Einfluß und keine Abonnenten. Aber --- wer weiß? -- ein geschickt geschriebener Artikel aus dem Süden -ging in andre Zeitungen über. Man war gegenwärtig in der ganzen Union -neugierig, was in New Orleans vorging. Ich legte fünfundzwanzig Dollar -auf den Tisch, lud den Redakteur zum kommenden Dampfpflugfrühstück ein -und hatte in Doktor Wurzler nach seiner Versicherung den treuesten -Freund gewonnen, den ich in diesem -- ebenfalls nach Doktor Wurzler -- -gottverfluchten Süden finden konnte. - -[Illustration] - - - - -4. Wolken - - -Mit all diesen Seitensprüngen war es spät am Tage und höchste Zeit -geworden, nach der Hauptsache zu sehen, von der alles andre abhing. -Ein hastiges Gabelfrühstück, Mittag- und Abendessen, in einheitlicher -Zusammensetzung, die eine Wirtschaft in der Kanalstraße bot, setzte -die menschliche Maschine wieder in arbeitsfähigen Zustand. Aber es war -fast Dämmerung, ehe ich auf die Levees einbog, um nach dem »Wilden -Westen« zu fahnden. Der gewaltige, halbkreisförmige Landungsplatz, den -der Mississippi gegen die Stadt hin ausgegraben und vertieft hat, lag -schon in seiner Feierabendstille vor mir. Für eingeborene Landratten -bleibt ein Seehafen, in welcher Form er sich auch darstellt, zeitlebens -ein Anblick, der das Blut in lebhaftere Wallung bringt. Der Bogen der -»Levees« von New Orleans, der zu einem großartigen Staden ausgebauten -Schutzdämme der Stadt, macht hiervon keine Ausnahme. Man sieht, wie -der gewaltige Strom schon hier, achtzig Meilen von der See, einen -großen Kontinent mit den Meeren aller Weltteile verbindet. Gegen Norden -reiht sich, enggedrängt, nur mit den Vorderteilen das Ufer berührend, -Boot an Boot: die phantastisch verzierten, schwimmenden Paläste -des Mississippi, des Missouri, des Ohio mit ihren Riesenrädern und -ihren barock gekrönten Doppelschornsteinen; dazwischen auch kleinere -Dampfer, unter ihrer Last von Baumwollballen und Zuckerfässern fast -versinkend. Nach Süden liegen die Seeschiffe, schwarze, wuchtige -Massen, die volle Breitseite gegen das Ufer gekehrt, haushoch aus dem -Wasser ragend, die roten Schraubenflügel, unheimlichen Seeungeheuern -gleichend, halb in der Luft, ihre stumpfen, trutzigen Kamine kaum über -der Brüstung sichtbar. Noch weiter unten liegen die Segelschiffe: -Schoner, Brigantinen und Dreimaster jeder Art und Größe, die mit ihren -Rahen und Tauen eine zierliche, wenn auch unentwirrbare Filigranarbeit -in den goldenen Abendhimmel zeichnen. Das sind die Gäste aus der -Havanna und New York, aus Rio und Quebek, aus Genua und Stockholm, aus -Liverpool und Southampton und vor allem aus der eignen Heimat, aus -Bremen und Hamburg. Auf den Levees selbst, der riesigen Holzplattform, -die sich in stattlicher Breite und mehrere Meilen lang zwischen Fluß -und Stadt hinzieht, liegen Hunderte von Zuckerfässern, Tausende von -Baumwollballen, Pyramide an Pyramide von Fäßchen mit gesalzenem -Schweinefleisch aus Kentucky und Illinois, Berge von Mais aus Illinois -und Missouri, alles hübsch geordnet und aufgestellt wie die Bataillone -einer Armee, die vor dem Abmarsch ins Feld ihre letzte Parade erwartet. -Dieses Bild beleben trotz der Abendstunde Gruppen von Negern, auf den -Ballen umherlungernd, unermüdlich schwatzend und lachend, und da und -dort ein paar Matrosen, die der Stadt zueilen, sichtlich entschlossen, -mit leeren Taschen und schwerem Kopfe zurückzukehren. Doch der Lärm der -Tagesarbeit war verstummt. Eine schwüle Stille lag über dem Ganzen, und -der Mond, eine blutrote Riesenscheibe, stieg hinter der Stadt zwischen -den Türmen der Kathedrale des heiligen Ludwig auf dem Jacksonsquare -langsam in die Höhe. - -Wo die Tschapatulastraße in den Landungsplatz einmündet, ragte -ein gewaltiger, pechschwarzer Dampfer über die kleineren Schiffe -heraus, die ihn umgaben, und sendete noch zarte Rauchwölkchen in -den Abendhimmel empor. Er hatte die schmucklosen, trotzigen Formen -englischer Frachtschiffe, die man überall auf den ersten Blick erkennt: -keinen Bogen, keine Krümmung, die nicht unbedingt erforderlich war, -keinen Farbenfleck, der seine dunkle Geschäftsjacke verunziert hätte. -Das war mein »Wilder Westen«; es war unmöglich, sich zu irren. - -[Illustration] - -Und in der Tat, am Fuß der haushohen Schiffswand, die fensterlos und -senkrecht von der Landungsplattform aufstieg, standen schon in wildem -Gewirr etliche dreißig wuchtige Kisten, ein Lokomotivkessel, ein -halbes Dutzend schmiedeeiserner, walzenförmiger Riesenräder, wie -sie auf dem leichten Bretterboden der Levees noch nie gesehen worden -waren. Der »Wilde Westen«, das war klar, ließ sich nicht viel Zeit. -Die Kisten und Räder gehörten mir; mein Dampfpflug war schon halb -ausgeladen. Da er als Deckladung herüberkam, war er das erste, was das -Schiff ans Land setzen mußte. In reiner Freude kletterte ich über die -Kisten und feierte ein kleines Wiedersehen; ich war zu Hause in diesem -zyklopischen Wirrwarr. - -»Hallo! Wer ist da drunten?« schallte plötzlich hoch über mir eine -scharfe Stimme, und ein Kopf erschien über der Schiffsbrüstung. »Wozu -krabbeln Sie auf den Kisten herum?« - -»Eigentümer der Kisten!« schrie ich hinauf. - -»Gut, daß Sie kommen!« rief es zurück. »Wir brauchen Platz. Morgen früh -müssen sie abgefahren sein.« - -»Na, so geschwind schießen die Preußen nicht!« rief ich hinauf, mich in -meinem Kistenheimatsgefühl ein wenig vergessend. - -»Was?« brüllte es herunter. - -»So schnell werden die Nigger von Louisiana nicht kutschieren«, -übersetzte ich dem Mann, der jetzt am Nachthimmel etwas deutlicher zu -sehen war. »Haben Sie einen Engländer mitgebracht, einen Monteur?« - -»Nicht daß ich wüßte«, war die Antwort. - -»Was!« schrie ich entsetzt, »keinen Monteur von Fowler aus Leeds? Einen -Passagier, James Parker. Sie +müssen+ einen Passagier mitgebracht -haben.« - -»Wir führen keine Passagiere. Nur manchmal -- aus Gefälligkeit -- -ausnahmsweise!« erklärte der Mann von oben. - -»Dann ausnahmsweise! Sie müssen James Parker an Bord haben! Den Mann, -der zu den Maschinen gehört!« Ich bestand darauf und fühlte, daß ich -zornig wurde. - -»Mein guter Herr,« rief es begütigend zurück, »ich bin der Zahlmeister -des ›Wilden Westens‹ und sollte es wissen. Wir haben ausnahmsweise -einen Methodistenpfarrer mitgenommen und seine zwei Töchter. Wenn Ihnen -mit diesen gedient ist -- aber sie sind aus Bradford.« - -»Also keinen Monteur, der zu den Kisten gehört?« rief ich nochmals -hinauf und fühlte, daß mich die Kraft meiner Lungen verließ. - -»Keinen Monteur!« tönte es wie aus weiter Ferne zurück. Der Kopf des -Zahlmeisters war verschwunden. - -Ich setzte mich und dachte nach. Also kein Monteur, kein Brief, keine -Erklärung nach der feierlichen Zusage, daß Parker mit den Kisten -ankommen solle! Was konnten sie in Leeds gedacht haben? Wußten sie doch -so gut als ich, daß kein einzelner Mann mit seinen zwei Händen einen -Doppelmaschinendampfpflug in Bewegung setzen kann, der sich vom ersten -Tag an wenigstens leidlich präsentieren sollte. Es handelte sich hier, -wenn der Himmel nicht eingriff, um eine physische Unmöglichkeit. - -Die Kisten um mich her, die jetzt der Mond grell beleuchtete, wuchsen -mit ihren schwarzen, viereckigen Schatten ins Ungeheure; um das offene, -rot angestrichene Feuerloch des ausgeladenen Kessels spielte ein -dämonisches Lächeln. Ich kochte vor Zorn. Was konnten sie in Leeds -gedacht haben? Mich so hinzusetzen! Aber ich kam nicht über die Frage -hinaus. Über mir begannen die Sterne zu funkeln, still und friedlich, -als ob hier unten alles in Ordnung wäre. Der reinste Hohn! - -»Was machen Sie da droben?« näselte jetzt eine grätige Yankeestimme -von unten, die zu einem herumlungernden Schutzmann gehörte, der -wahrscheinlich an der Nachtwache der Levees beteiligt war. - -»Luft schöpfen! Eigentümer!« brummte ich, ohne Anstrengung, so mürrisch -als möglich. - -»Gut, daß Sie kommen!« sagte auch dieser Mann. »Die Kisten müssen -morgen früh von der Levee abgefahren werden, Mister! Und so schnell als -möglich. Die Levees sind für Baumwolle gebaut, nicht für vierschrötige -Eisenklumpen wie diese Engländer.« -- Er klopfte entrüstet auf meine -Kisten. -- »Die Fundamentpfähle sind heute abend schon um drei Zoll -gesunken, sagt der Levee-Inspektor. Sie werden eine gesalzene Rechnung -bekommen, Mister Eigentümer! Wenn die Bohlen brechen, ist der Teufel -los.« - -Ich hütete mich, zu antworten, und schlüpfte lautlos von meiner -mondbeglänzten Höhe auf der andern Seite des Kistengebirgs in die Tiefe. - -Fünf Minuten später sah man entlang der finsteren Schattenseite der -Tschapatulastraße einen Mann, den Hut über die Augen gedrückt, mit -gesenktem Kopfe langsam seiner Wohnung zusteuern. Manchmal murmelte er -halblaut vor sich hin. Dann versank er wieder in stummes Nachdenken. -Der Mann war ich. - -Und ich fühlte nur eins: noch ehe ich heute einschlief, mußte ich -wissen, was am nächsten Morgen zu geschehen hatte. - -[Illustration] - - - - -5. Arbeitstage - - -Ein kurzer, tiefer Schlaf tat das übrige. - -Mit beiden Füßen sprang ich in den jungen Tag; ich wußte jetzt, was -zu tun war. Zuerst mußte Kapitän Owen aufgefunden werden. Die seine -war die einzige Adresse einer Privatwohnung in der Stadt, die ich -kannte. Auf dem Wege sang ich eine meiner Schlachthymnen, aber nur -und wiederholt, den ernsten Zeiten entsprechend, ihren dritten Vers: -»Und wenn die Welt voll Teufel wär'!« Er war mir schon als kleiner, -ahnungsloser Junge der liebste gewesen und hat mir im späteren Leben -mehr als einmal treulich gedient, wenn ich nicht mehr genau wußte, wo -hinaus? Warum auch nicht? Hatte ich nicht ein Recht zu dem Vers, so -gut als ein andrer? Stand ich nicht seit Jahren mitten in einer Art von -Bodenreformation, in der »der arg' böse Feind« oft genug sein Wesen -trieb? - -Sie sind im allgemeinen keine Langschläfer in New Orleans. Der frühe -Morgen ist der beste Teil des Tages an den Bayous des Mississippi. Doch -schlief Owen noch, als ich versuchte, ihm die Adresse der nächsten -besten Maschinenfabrik zu entlocken, und war, sich die Augen reibend, -über meinen Besuch nicht wenig erstaunt. Eine halbe Stunde später stand -ich in einem fast leeren Fabrikhof, der müde und lebenssatt aussah. Wie -alles in der Stadt, war das Geschäft halb bankrott und hatte keinen -Mangel an müßigen Arbeitern. Man ließ mir die Wahl. Nach weiteren -dreißig Minuten hatte ich zwei junge Monteure ausgesucht -- der eine -war allerdings, wie sich später herausstellte, ein gelernter Schneider ---, die mit Brechstangen, Hämmern und Meißeln bewaffnet hinter mir -drein liefen. Auf den Levees war alles schon voll Leben. Zuckerfässer -rollten hin und her, Baumwollballen flogen durch die Lüfte. Dampfer -rauchten und spieen Wasser und Feuer aus. Geschrei, Gerassel und -dröhnendes Gepolter auf dem hohlen Bretterboden in allen Richtungen. -Hunderte von Negern aller Schattierungen, darunter wahre Herkulesse, -rollten im Eifer der Arbeit lachend über die Ballen oder sprangen -singend hinter den Fässern her. Es wurde viel und kräftig geflucht; -aber auch des Herrn Lob erschallte in wundersamen Liedern unter Lachen -und Gejauchze. »Wir gehen alle über den Jordan -- o Jerusalem!« war ein -besonders beliebter Kehrreim der Ernstergesinnten. Den Schwarzen war -es in diesen Morgenstunden sichtlich wohler als ihren einstigen weißen -Herren. - -Auch auf dem Deck des »Wilden Westen« war schon alles in Bewegung. -Mein zweiter Kessel schwebte an einem kräftigen Schiffskranen hoch -in der Luft, machte eine elegante Schwenkung über Bord, als sei ihm -das Fliegen zeitlebens eine liebe Gewohnheit gewesen, und sank in der -nächsten Minute auf die krachende Levee nieder. In zehn Minuten hatte -ich sechs Neger, Jem, Jo, Jack, Kato, Alexander und Bucephalus, in -meine Dienste genommen. Neugierig und energisch machten sie sich daran, -die Deckel der Kisten aufzureißen, die ich den Monteuren bezeichnete, -und die blanken Stangen und Wellen, die schweren Lager und Ständer aus -den Spänen herauszuschälen, welche sich in gewaltigen Haufen um uns -auftürmten. Vor der Frühstücksstunde noch war mein Trüpplein im besten -Zuge; mir selbst begann es ganz leicht ums Herz zu werden. Dazu kam -noch »Lawrences Bruder«, der schon in der Ferne eine Zeitung in der -Luft schwenkte, als er den »Wilden Westen« und mich entdeckt hatte. - -»Sie haben verloren, Mister Eyth, Sie haben verloren!« rief er aus -weiter Ferne. »Geben Sie mir zehn Dollar und hören Sie zu!« - -Er kletterte auf eine der Kisten, setzte sich, entfaltete die nasse -Morgenzeitung und las: - -»›Die berühmte und stets auf das Wohl unsres Staates bedachte -Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana hat sich entschlossen, den -beträchtlichen Preis von siebenhundertundfünfzig Dollar für den besten -Dampfpflug zur Bearbeitung von Baumwoll- und Zuckerland auszusetzen. -Man hofft mit Recht, auf diese Weise der unglaublichen Not des Südens, -dem Mangel an Arbeitskräften jeder Art, für alle Zeiten abhelfen zu -können. Wie wir hören, soll sich bereits ein Bewerber für diesen -ansehnlichen Preis eingestellt und am Fuß der Tschapatulastraße seine -Vorbereitungen begonnen haben. Ehre einer Gesellschaft, die auch in -den schwersten Zeiten Mut und Tatkraft bewahrt, an dem Wiederaufbau -und der Wohlfahrt unsres glorreichen Südens weiterarbeiten zu können!‹ --- Wie gefällt Ihnen das? Sie brauchen die andern Zeitungen nicht -nachzusehen. Sie bringen alle denselben packenden Artikel, den ich -und unser Geschäftsführer noch gestern nacht ausgebrütet haben. Er -wollte zuerst nicht recht dran; die Komiteesitzung kann erst übermorgen -stattfinden, und so ist eigentlich noch nichts beschlossen. Merken Sie -allmählich, daß Sie in Amerika sind?« - -»Merken Sie, daß Sie auf einer englischen Maschine sitzen?« antwortete -ich vergnügt, indem ich gleichzeitig Bucephalus anwies, meinem Freund -eine Brechstange zwischen die Beine zu stoßen, denn er saß auf der -Kiste, die ich vor allen andern geöffnet haben wollte. Bucephalus -war energisch, aber etwas ungeschickt. Lawrence sprang deshalb mit -jugendlicher Behendigkeit in die Höhe, um dem gefährlichen Stoß zu -entgehen. - -»Und sehen Sie, da kommen Sie selbst!« rief er aus der Zeitung heraus, -seinen Knotenstock schwingend, ohne jedoch den Zwischenfall eines -weiteren Wortes zu würdigen. - -»Frühstück, Frühstück!« schrieen die Neger, während ein halbes -Dutzend Glocken und hundert heulende Dampfpfeifen entlang der ganzen -Levee einen infernalischen Lärm erhoben. Ein paar Stunden nüchterner -Morgenbeschäftigung mit dreiundfünfzig Kisten eines demontierten -Dampfpflugs verfehlen ihre appetiterregende Wirkung auch in einem -halbtropischen Lande nicht. Ich war deshalb mit den Negern völlig -einverstanden und bat Lawrence, mir Gesellschaft zu leisten. Er kannte -eine Wirtschaft in unmittelbarer Nähe, wo wir unter Schiffskapitänen, -Baumwollmaklern und Zuckerbörsenleuten rasch ein Tischchen und ein -»elegantes« Frühstück fanden. Als Beilage las er mir eifrig die -Morgenzeitungen vor, deren Inhalt, soweit er unsre Sache betraf, ihn -sichtlich mit dem erhebenden Gefühl der Vaterschaft beglückte. - -Der »Picayune« erzählte in Sperrdruck: - -»Wir hatten gestern das Vergnügen, den Besuch des Herrn Eyth, des -gentlemännlichen Vertreters der großen englischen Firma John Fowler & -Co. von Leeds und London, zu erhalten, der uns von dem Bruder unsres -großen Zuckerplantagenbesitzers, Herrn Henry Lawrence, freundlich -zugeführt wurde. Herr Eyth beabsichtigt, durch die Einführung der -weltberühmten Dampfpflüge seiner Firma, die alles bisher Dagewesene -übertreffen sollen, an der Regeneration des Südens mitzuwirken, und -wird damit voraussichtlich in wenigen Tagen im Ausstellungspark der -Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana den Anfang machen. General -Longstreet und die hervorragendsten Männer unsres Staats nehmen den -lebhaftesten Anteil an seiner Tätigkeit. Sein Pflug soll stündlich fünf -Acker des schwersten Zuckerbodens auf eine Tiefe umbrechen, die nach -der Versicherung unsres Freundes, Herrn Lawrence, von sechs Paar Ochsen -nicht erreicht wird. In liebenswürdigster Weise teilte uns Herr Eyth -mit, daß er ein Deutscher von Geburt und, im Gegensatz zur Mehrzahl -seiner übrigens hochachtbaren Landsleute, der Sache der Südstaaten -stets aufs wärmste zugetan gewesen sei. Hochinteressant finden wir, -daß Herr Eyth aus einer alten Schweizer Fürstenfamilie abstammt und -daß er in einem mittelalterlichen Männerkloster seines Vaterlandes -das Licht der Welt erblickte. Der letztere Punkt bedarf jedoch noch -der Aufklärung. Trotz dieser geheimnisvollen und hochromantischen -Vergangenheit scheint Herr Eyth ein lebhaftes Verständnis für die -modernen Verhältnisse unsres glorreichen Vaterlandes mit nicht -gewöhnlicher Geschäftsenergie zu verbinden. Unsre geschätzten -Leserinnen dürfte es jedoch mehr interessieren, zu vernehmen, daß Herr -Eyth durch keine zarten Bande an den alten Kontinent geknüpft ist und -nicht unweigerlich an den klösterlichen Grundsätzen seiner Jugend -festzuhalten gedenkt. Wir wünschen ihm in dieser und jeder andern -Beziehung einen erfolgreichen Aufenthalt in den wieder auflebenden -Golfstaaten.« - -»Das ist gut, das ist sehr gut für einen Anfang!« meinte Lawrence. »Sie -werden sehen, unsre schönen Kreolinnen werden sich nach Ihnen umsehen; -das kann nichts schaden. -- Weiter!« - -Er griff nach dem »Crescent City News«. Der Anfang des Artikels der -republikanischen Zeitung, den er mit raschem Kennerblick gefunden -hatte, war nahezu der gleiche. Auch hier war der Vertreter der großen -Firma von John Fowler & Co. vor allen Dingen »gentlemanly«, ein -Ausdruck südlichen Zeitungsstils, dem kaum jemand entgeht, und den ich -oben in der Not mit »gentlemännlich« zu übersetzen suchte. Geboren -war ich hier, nach meinen eignen liebenswürdigen Mitteilungen, in den -Tiefen des Schwarzwalds und der Rauhen Alb, wo mein Vater, »wenn wir -Herrn Eyth, der ein Deutscher ist, richtig verstanden haben, teils dem -Holzhandel, teils der schon von Tacitus erwähnten Jagd auf Bären und -Wölfe oblag. Schon von Jugend an hatte deshalb Herr Eyth eine fast -schwärmerische Zuneigung für das große Amerika, namentlich aber für -unsern lebenskräftigen Norden, der in dem soeben glorreich zu Ende -geführten Kampf seine Stärke und seinen gesunden Sinn zum Wohle des -Ganzen mit blutiger Energie bewährt hat. Die Jugendzeit, verbracht -in der finsteren Einsamkeit primitiver Wälder, mag auch die Ursache -gewesen sein, daß der übrigens nicht unsympathische Vertreter der -englischen Firma, dessen politische Ansichten im Gegensatz zu der in -England herrschenden bedauerlichen Stimmung durchaus korrekt zu sein -scheinen, sein Geschick noch nicht mit dem Rosenband einer glücklichen -Liebe umwunden hat. Eigentümlicher ist, daß die englische Firma es für -nötig hält, dem erfindungsreichen Amerika, das in nichts, somit auch -nicht in Dampfpflügen, hinter irgendwelchem Lande zurücksteht -- wir -machen nur auf die Dampfkulturgeräte in Pennsylvanien, in Ohio, in -Illinois und neuerdings auch in Kalifornien aufmerksam --, derartige -Apparate uns zusenden zu müssen glaubt. Ihre Nützlichkeit bleibe -hierbei unbestritten. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß Herr Eyth, -dessen offener Blick uns sofort sympathisch berührte, mannigfach und -reichlich belehrt zu seinen englischen Freunden zurückkehren wird, und -wünschen ihm hierzu wie in jeder andern Beziehung den besten Erfolg.« - -»Ein verfluchter Yankee!« meinte Lawrence, ohne große Aufregung, -während ich, etwas grimmiger als er, ein Beefsteak von landesüblicher -Zähigkeit zersäbelte. Sämtliche sieben Morgenblätter brachten ähnliche -Aufsätze, so daß sich seitdem sieben verschiedene Städte um die Ehre -streiten können, meine Wiege beherbergt zu haben. Alle aber waren in -einem Punkte einig: daß meinem armen, unschuldigen Dampfpflug eine -hervorragende politische Rolle zukomme. Ein unverkennbarer, wenn auch -leichter Hang gegen den demokratischen Süden schien von der einen Seite -das höchste Lob, von der andern den schärfsten Tadel zu verdienen. -Nur mit Rücksicht auf das noch nicht ganz ausgesprochene pekuniäre -Verhalten des sympathischen Vertreters der Firma John Fowler & Co. -legten sich die kleineren Blätter noch einige Zurückhaltung auf. Das -Beefsteak aus Texas war wirklich zu zäh; ich warf Messer und Gabel weg -und stand auf. - -»Lieber Herr Eyth,« sagte Lawrence, der meine Verstimmung -kopfschüttelnd bemerkte, »an das müssen Sie sich gewöhnen, wenn es -Ihnen bei uns wohl werden soll. Es tut nicht weh, sobald man's gewöhnt -ist. Was Sie zu tun haben, ist, Ihren Pflug auszupacken. Je mehr man -über Sie schimpft, um so besser. Man wird auf Sie aufmerksam; das ist -alles, was Sie brauchen, und kostet Sie nichts. Übrigens läßt sich -die Sache auch sehr leicht in Ihrem Sinn regeln. Ich will Ihnen das -besorgen. Wieviel wollen Sie an die ›Crescent City News‹ rücken?« - -»Keinen roten Cent!« rief ich grimmig, indem ich unser Frühstück -bezahlte. - -»Sie sind aufgeregt!« meinte Lawrence begütigend. »Das ist nicht gut. -Kühl bleiben ist die erste Regel des Lebens, namentlich im Süden und -heutzutage. Wir wären alle besser dran, wenn wir sie vor fünf Jahren -mehr beherzigt hätten.« - -Ich ging wieder nach den Levees, dem »Wilden Westen« zu. Ein gewaltiger -Menschenhaufen umstand jetzt die Ausladestelle des Schiffs. Im Kern -des Knäuels schien es lebhaft zuzugehen. Meine sechs Neger hatten sich -auf die übereinandergetürmten Kisten geflüchtet und verteidigten ihre -günstige Stellung mit rühmlicher Hartnäckigkeit. Zoll- und Leveebeamte -waren die Angreifer. Das unparteiische Publikum begrüßte jede Wendung -des Wortgefechts mit lauten Lachsalven. - -»Herunter von den Kisten!« schrie ein bärtiger Mann, der in Reste einer -unbekannten Uniform gekleidet war. »Herunter, verdammte Nigger! Die -ganze Bagage muß in dreißig Minuten verschwunden sein. Nichts darf auf -den Levees ausgepackt werden. Fort mit dem Zeug!« - -Der aufgeregte Herr hatte eine Hilfstruppe von drei Mann in Zivil, -die nach den nackten Beinen meiner Neger griffen. Eine Brechstange, -welche zufällig auf die Finger eines der Angreifer fiel, veranlaßte die -heftige Fortsetzung des bloßen Wortgefechts. Ich drängte mich durch. - -»Hier ist unser Herr!« schrieen die Neger triumphierend. »Hurra für -Alt-Dixies Land!« - -Der Levee-Inspektor wandte sich zornig an mich. - -»Wissen Sie nicht, Mister, daß nichts auf den Levees montiert werden -darf?« fragte er mich mit ausgesprochener Unhöflichkeit. »Wollen Sie -Ihren Kram fortführen?« - -»Wollen +Sie+ ihn fortführen?« fragte ich mit völlig wiedergewonnener -Ruhe, seitdem ich die Zeitungen nicht mehr sah. »Soll ich ein paar -Kesselwagen und zwanzig Pferde auf Ihren Tanzboden bringen lassen und -die alten Bohlen durchbrechen?« - -Er starrte mich an. - -»Seien Sie vernünftig und lassen Sie mich machen«, fuhr ich zutraulich -fort. »Ich vermute, ich verstehe mein Geschäft besser als Sie. Zum -Vergnügen bleibe ich nicht hier. Ich bringe meine Sachen weg, so -schnell ich kann. Mehr kann auch ein Yankee nicht tun, soviel ich weiß.« - -»Aber es ist gegen das Gesetz; es darf auf den Levees nichts montiert -werden«, erklärte mein Gegner. - -»Was wollen Sie machen?« fragte ich ruhig. »Es gibt nur einen Weg, die -Sachen fortzuschaffen: ich montiere meine Maschinen, mache Dampf in den -Kesseln und fahre davon, wie es bis jetzt überall gehalten wurde. Haben -Sie noch nie von einem Dampfpflug gehört? Wenn Sie's besser wissen, -greifen Sie zu. Ich werde Ihnen sehr dankbar sein.« - -»Aber die Instruktionen, das Gesetz!« rief er, etwas kleinlauter. -»Donnerwetter, ich bin hier, um Ordnung zu halten.« - -»Was wollen Sie machen?« wiederholte ich. »Ich stelle die Ordnung auf -dem schnellsten Weg her, der überhaupt möglich ist. Sehen Sie das -nicht?« - -Er starrte mich aufs neue fragend an, dann die Kessel, dann die -dreiundfünfzig Kisten. - -»Was will ich machen?« fragte er endlich, sehr nachdenklich werdend. - -»Ich will Ihnen das andeuten!« antwortete ich und drückte ihm zwei -Fünfdollarscheine in die Hand. »Dort an der Ecke ist ein Biersalon. -Von dort aus können Sie die Fortschritte, die wir machen, genau -kontrollieren. Wenn Ihnen die Sache nicht flott genug zu gehen scheint, -so wenden Sie sich nur gütigst an mich. Wir wollen schon Ordnung -halten, Sie und ich.« - -Er lachte befriedigt. »Vorwärts, Jungen!« rief er seinen Hilfstruppen -zu. »Dieser Herr ist ein Gentleman. Guten Morgen, Sir!« - -Die vier Mann des Gesetzes marschierten in geradester Linie dem -angedeuteten Biersalon zu und erschienen erst am folgenden Morgen -wieder, um sich weitere Instruktionen zu holen, die mich fünf Dollars -täglich kosteten. »Billig!« meinte Lawrence. »Sie machen Fortschritte. -Aus Ihnen kann schon noch etwas werden.« - -Gegen Abend stand der erste der zwei Kessel auf seinen vier -Straßenrädern. Meine Negertruppe hatte sich auf zwölf Mann vermehrt, -die mit wachsendem Stolz ihr eignes Werk betrachtete. Auch die -Zeitungsartikel hatten sichtlich schon gewirkt. Wir bekamen Besuche von -Herren, denen der »Picayune« aus der hinteren Rocktasche sah, und die -viertelstundenlang still beobachtend unter meinen Kisten und Kasten -herumstöberten. Keiner versäumte, die Breite der mächtigen Fahrräder -mit den ausgespreizten Fingern beider Hände abzugreifen. Die meisten -zogen hierauf verstohlen einen Maßstab aus der Tasche, steckten ihn -aber rasch wieder ein, wenn sie bemerkten, daß sie beobachtet wurden. -Dann kamen sie gewöhnlich etwas verlegen an mich heran. - -»Dies soll wohl der neue englische Dampfpflug sein?« begann die -Unterhaltung. - -»Jawohl!« antwortete ich zuvorkommend. »In einigen Tagen werden Sie -deutlicher sehen, wie das alles zusammenhängt. Vorläufig sind es nur -zerbrochene Kisten.« - -»Ich denke, ich könnte wesentliche Verbesserungen in Vorschlag -bringen«, war fast regelmäßig die nächste Bemerkung, und dann, wenn -ich hierauf nicht einging, studierte der Mann mit dem Ausdruck -wohlwollenden Mitleids in seinem intelligenten Gesicht weiter. - -Einer derselben hatte in dieser Weise mehrere Stunden des Nachmittags -zugebracht, ehe er sich an mich wandte, ein Mann von mittleren Jahren, -in schwarzem Anzug, mit einem scharfen Yankeegesicht, das seinen -nördlichen Ursprung nicht verleugnete. Erst am Schluß der Arbeit, -als ich die Neger unsre Winden, Hebel und Brechstangen für die Nacht -zusammenstellen ließ, kam auch dieser Herr mit seinem: »Dies ist wohl -der neue englische Dampfpflug?« an mich heran. - -»Jawohl,« sagte ich, »in einigen Tagen werden Sie deutlicher --« - -Er unterbrach mich mit einem leisen, nicht unfeinen Lächeln um den -zusammengepreßten Mund. Er hatte meine Antwort wohl schon mehrmals -gehört und wollte mir die weitere Mühe ersparen. - -»Ich bin Maschinenbauer«, sagte er, »und habe eine Stellung bei den -städtischen Wasserwerken in Aussicht. Augenblicklich habe ich nichts zu -tun und Langeweile. Lassen Sie mich mitarbeiten.« - -»Aber ich habe die Leute, die ich gebrauche«, bemerkte ich. - -»Ohne Lohn«, antwortete er. »Ich habe genügend Geld und muß fünf Wochen -warten, ehe ich bei den Wasserwerken eintreten kann. Ihr Pflug würde -mich unterhalten.« - -»Sehr hübsch!« sagte ich, etwas mißtrauisch. »Sie wollen ihn wohl -verbessern?« - -Er lächelte wieder, kaum merklich. - -»Ich bin ein praktischer Maschinenbauer von Beruf«, versicherte er, -»und mit dem Verbessern nicht so rasch bei der Hand. Aber ich möchte -sehen, was sie im alten Land drüben zuwege gebracht haben, und will -dafür arbeiten. Versuchen Sie mich.« - -»Ich lasse niemand gerne umsonst für mich arbeiten; das bezahlt sich -nicht«, versetzte ich. »Und ich bin nicht in der Lage, Ihnen so viel -zu geben, als Sie, wie mir scheint, beanspruchen können. Die zwei -Monteure der Ankerwerke, die Sie hier sehen, werde ich zurücksenden, -sobald die Maschinen zusammengestellt sind. Dann will und werde ich mit -den Schwarzen auskommen. Ich kann Ihnen deshalb nicht mehr zahlen, als -ich einem dieser Leute gebe: zwei Dollars den Tag.« - -»Ganz vernünftig!« sagte der Amerikaner trocken. »Ich heiße Stone. -Morgen früh werde ich hier sein.« - -Der Mann in seiner ruhigen, geraden Weise gefiel mir wohl. Es gibt -doch auch in diesem kuriosen Lande vernünftige Menschen, überlegte -ich. Wenn sie Dampfpflügen lernen wollen, um so besser; Hunderte -müssen es lernen, ehe ich hier fertig sein kann. Geheimnisse gibt es -bei der Dampfpflügerei kaum. Die es gibt, lernt man nur in ein paar -Jahren harter Arbeit, zu der mir jeder Yankee willkommen sein soll. --- Der Horizont fing an sich ein wenig aufzuhellen und der Mut mir -fühlbar zu wachsen, als ich in der Abenddämmerung einen letzten Blick -über die Levees warf und den Schornstein der ersten meiner Maschinen -über die Baumwollballengebirge hervorragen sah. Ich hatte ihn bloß zu -diesem Zweck im letzten Augenblick noch aufstellen lassen. Es war unsre -Standarte, die ich auf dem Boden von Louisiana aufgepflanzt sah, und -die Hoffnungen, die ein solches Zeichen weckt, erfrischen, auch wenn -sie niemals in Erfüllung gehen. - -Die nächsten fünf Tage verliefen in gewohnter Arbeit, wenn auch in -etwas ungewohntem Geleise. Stone war eine große Errungenschaft und -arbeitete fleißig mit Kopf und Händen. Bei den Negern war die Neugierde -und der Eifer des ersten Tages allerdings rasch verdampft, aber die -gutmütige und gutwillige Kraft des Herrn Bucephalus und die naseweise -Intelligenz des kleinen Jem, der als der Schlauste der Bande die andern -mit komischer Überhebung kommandierte, förderte die Zusammenstellung -der Maschinen so, daß die Arbeit hinter dem üblichen Tempo nicht -zurückblieb. Der junge Owen besuchte uns gelegentlich, beschäftigte -sich aber allerdings ausschließlich mit dem geplanten Frühstück, -mit dem der erste englische Dampfpflug auf dem Boden der Südstaaten -seine rettende Tätigkeit beginnen sollte. Ich war hierfür von Herzen -dankbar und überließ ihm mit Freuden die ganze Sorge für diesen, wie -es schien, hochwichtigen Teil unsrer Aufgabe. -- Lawrence stattete -mir täglich zweimal seinen Besuch ab. Sein Bruder war noch immer im -Norden. Er selbst wohnte im Hause seiner Schwägerin, einer reichen -Kreolin, und war damit beschäftigt, Verkaufsverträge für den Zucker -der nächsten Ernte abzuschließen. Dies hielt ihn noch auf mehrere -Wochen in der Stadt zurück und gab ihm Zeit, sich dem Dampfpflug -zu widmen, den er mehr und mehr als seine Schöpfung ansah und mit -wachsendem Eifer unter seinen Schutz nahm. Seine Sonderaufgabe blieb -die Leitung der Presse. Der »Picayune« machte schon zum drittenmal -auf die bevorstehende Rettung des Südens aufmerksam, während die mir -persönlich weniger bekannte »Tribüne« laut auf die großartige Feier -hinwies, die bei dieser Gelegenheit im Ausstellungspark stattfinden -und voraussichtlich die ganze landbesitzende Aristokratie Louisianas -an festlicher Tafel vereinigen werde. Wohl zum erstenmal, nach langer, -bitterer Unterbrechung, dürfte in greifbarer Weise die Erinnerung an -den alten Glanz des Südens wieder auftauchen. Ohne indiskret zu sein, -glaubte die »Tribüne« darauf hinweisen zu können, daß Monsieur Mercier, -der ~Chef de cuisine~ des ersten Restaurants der Kanalstraße, seit -Wochen mit der Zusammenstellung eines exquisiten Menüs beschäftigt sei, -und daß eine schwere Sendung Sekt mit dem nächsten Dampfer von New York -erwartet werde; Nachrichten, die ich nicht ohne Besorgnis entgegennahm. -Nur die »Crescent City News« blieben weniger guter Laune und erzählten -von den riesigen Eisenmassen des englischen Dampfpflugs, »die unsre -herrlichen Levees am Fuß der Tschapatulastraße mit Zerstörung -bedrohten«. »Geduld!« meinte Lawrence, »bis wir den Redakteur bei -dem Eröffnungsschmaus gehabt haben. Er ist von Natur kein schlechter -Mensch, aber hungrig, wie alle Reisesackpolitiker.« -- Ich selbst kam -jeden Abend müde genug nach Hause und war mit der Arbeitsteilung, -die sich wie von selbst unter meinen unerwartet heranwachsenden -Mitarbeitern vollzogen hatte, höchlich befriedigt. Es kam sichtlich ein -gewisser Zug in die Sache; auch gewöhnt man sich's ab, in derartigen -Lagen allzu weit in die Zukunft sehen zu wollen. Jeder Tag bringt -schließlich von selbst seine Aufgabe und die Zeit deren Lösung. - -Auch den Geschäftsführer der Landwirtschaftsgesellschaft, Herrn Delano, -lernte ich in diesen Tagen kennen; einen spanisch aussehenden, kleinen, -gelbbraunen Herrn, der sehr elegant gekleidet war, sieben Ringe an -jeder Hand trug und durchbohrte Ohrläppchen besaß, die in seiner -Jugendzeit wohl auch mit Ringen geschmückt gewesen waren. Trotzdem -gefiel er mir nicht allzu sehr. Die Komiteesitzung seines Vereins hatte -mittlerweile stattgefunden und nach einer stürmischen Beratung den -Preis von 750 Dollars für den besten Dampfpflug nachträglich bewilligt. -Herr Lawrence hatte mit dem Austritt seines Bruders drohen müssen, der -im fernen Norden von der ganzen Sache natürlich nichts wußte, um die -Opposition der Herren zu überwinden, die mürrisch auf die völlige Ebbe -in der Gesellschaftskasse hinwiesen. Aber mein Freund hatte einen guten -Tropfen echten Yankeebluts in den Adern und damit ein unzerstörbares -Vertrauen in die Zukunft. - -»Kein Geld?« rief er; »Unsinn! wir brauchen kein Geld. Dieser gute -Eyth pflügt uns acht Tage lang im Ausstellungspark. Unser Herr Delano -rührt die Trommel, was er meisterlich versteht. Wir lassen uns fünfzig -Cents Eintrittsgeld bezahlen. Ganz Louisiana will den Dampfpflug sehen. -In zwei Tagen -- was! in einem halben Tag hat sich Eyth seinen Preis -selbst verdient. Alles übrige fließt in die Gesellschaftskasse.« - -»Und wenn der ganze Dampfpflug ein verflixter englischer Humbug ist?« -warf der mürrische Geschäftsführer ein. »Fragen Sie einmal im Bureau -der ›Crescent City News‹ nach, Herr Lawrence.« - -»Um so besser!« rief Lawrence, entrüstet über Delanos böswillige -Kurzsichtigkeit. »Dann will jedermann den englischen Humbug sehen; wir -brauchen keinen Preis zu bezahlen und das ganze Eintrittsgeld gehört -der Gesellschaft!« - -Die Opposition war vernichtet. Lawrences Vorschlag wurde einstimmig -angenommen, worauf er mir mit der größten Zutraulichkeit den Verlauf -der Verhandlung mitteilte. Er hatte die große Gabe, jedermann davon zu -überzeugen, daß er unter einer Decke mit mir stecke. »Da der Beschluß -schon zwei Tage zuvor in allen Zeitungen gestanden hat, war mir's doch -nicht unangenehm, daß wir durchdrangen«, schloß er seinen Bericht. -»Wann kann die Vorstellung losgehen, Herr Eyth?« - -Die zwei Straßenlokomotiven mit ihren Drahtseiltrommeln, ein -Sechsfurchenkippflug, ein Kultivator, eine Egge und zwei Wasserwagen -standen fast fertig um uns her, als mir Lawrence all dies erzählte. -Ich fuhr nun zum erstenmal mit ihm nach dem Ausstellungspark im Osten -der Stadt, um unser künftiges Schlachtfeld anzusehen. Etliche sechzig -Hektar leidlich flachen Landes waren dort von einem eleganten weißen -Zaun und einem tiefen Entwässerungskanal umgeben, über den eine -breite hölzerne Brücke führte. Da und dort standen malerische Gruppen -von Akazien und uralten Hickorybäumen, deren knorrige, teilweise -kahle Äste die wirren Guirlanden des »hängenden Mooses« schmückten, -das den Sumpflandschaften des Mississippis eigentümlich ist. Da und -dort staken aus dem Boden noch verkohlte Stämme und Wurzeln; ein -nicht unbedenklicher Anblick für einen Dampfpflüger. Ob der Boden, -der an vielen Stellen unter unsern Tritten fühlbar schwankte, meine -Maschinen tragen würde, mußte ebenfalls erst die Erfahrung zeigen. -Aber all diese Bedenken konnten das rollende Rad des Geschicks jetzt -nicht mehr aufhalten. Im stillen nagte eine viel schwerere Sorge an -meinem Herzen. Wie wird vor der ganzen Aristokratie Louisianas, von -der ich fortwährend hören mußte, das Pflügen gehen, mit nicht einem -Manne, außer mir selbst, der die Behandlung der Maschinen und die -notwendigsten Handgriffe bei ihrer Bedienung kannte? Wenigstens an drei -Punkten, die Hunderte von Metern auseinanderliegen: auf dem Pflug und -auf jeder der zwei Dampfmaschinen, war ein Mann dringend erforderlich, -der wußte, was er zu tun hatte, wenn nicht alles in Stücke gehen -sollte. Aber es wäre Wahnsinn gewesen, diese Sorgen meinen neuen -Freunden anzuvertrauen. Ihr Glaube mußte aufrecht erhalten werden, -solange noch eine Möglichkeit vorhanden war, in diesen herrlichen Park -hinein und mit heiler Haut wieder herauszukommen. Mit einer nagenden -Angst auf der Seele mutig zu lächeln, will gelernt sein. Ich hatte zum -Glück diese Kunst nicht zum erstenmal geübt. -- - -Die Herren, die meinen Pflug zu verbessern wünschten, hatten sich mit -der Zeit stetig vermehrt und waren unerschöpflich in ihren Vorschlägen. -Als ich am sechsten Tage die Kessel mit Wasser füllen ließ, und die -ersten weißen Rauchwölkchen schüchtern aus den Schornsteinen stiegen, -waren sie in Scharen versammelt und prophezeiten allerhand Unheil. Ich -hatte beschlossen, zuerst nur eine Maschine mit dem Pflug nach dem -Ausstellungsplatz zu führen und die zweite am folgenden Tag zu holen. -Deshalb nahm ich zunächst Stone und den kleinen Jem auf den Tender, -um ihnen den ersten Unterricht im Führen einer Straßenlokomotive -zu geben. Dies beleidigte Bucephalus aufs schwerste. Der riesige -Neger konnte nur durch das Versprechen getröstet werden, daß er am -folgenden Tage die zweite Maschine führen solle und heute mit einer -roten Flagge vorauslaufen dürfe, um uns die Straße frei zu halten. -Mit fast übermäßigem Eifer stellte er sich auf seinen Posten, wo er -seine Tätigkeit damit begann, an die sich ansammelnde, hundertköpfige -Volksmenge erklärende Anreden zu halten. Als aber nach einer Stunde, -die wir zur Dampfentwicklung brauchten, die Maschine ihre ersten -Bewegungen machte, und das Ungetüm langsam über die krachende Levee -hinschlich, erschrak er so heftig, daß er eine halbe Stunde lang -still, mit gesenktem Kopfe und in achtbarer Entfernung von der -Maschine voranging, ohne sich seiner führenden Stellung bewußt zu -werden. Später kam er wieder zu sich und begann aufs neue der Menge -zu predigen, wobei er alte Bibelsprüche und seine jüngst erworbenen, -noch etwas wirren technischen Kenntnisse wundersam zu mischen verstand. -Beim Einbiegen in die Kanalstraße liefen einige Droschkenpferde in -wildem Schrecken davon. Dies setzte die Stadtpolizei in Bewegung. Fünf -Dollars genügten auch hier, ihr wohlwollendes Interesse an uns zu -fesseln, so daß der brausende Festzug ohne Zwischenfall von Bedeutung -nach drei Stunden einer ermüdenden Fahrt mitten durch die große -Stadt im Ausstellungspark anlangte. Nur in der äußersten Vorstadt, -nicht weit von unserm Ziele, wo ich Jem seinen ersten Versuch machen -ließ, die Maschine allein zu steuern, hatten wir den Eckpfeiler -eines unbedeutenden Biersalons mitgenommen. Da sich jedoch infolge -dieser kleinen Verirrung die Kundschaft des Wirts für den Augenblick -verzehnfachte, fand derselbe zu unliebsamen Auseinandersetzungen weder -Zeit noch Lust. Die Sache wäre völlig unbemerkt geblieben, wenn nicht -am folgenden Morgen die »Crescent City News« eine Notiz gebracht -hätten, die bewies, daß der Redakteur noch immer hungrig war. Sie -lautete: - -»Der englische Dampfpflug begann gestern seine Tätigkeit damit, -den eleganten Biersalon des Herrn Henry Cooper an der Ecke der 42. -Avenue und der Show Park Road mitzunehmen. Menschenleben sind nicht -zu beklagen. Im Gegenteil. Die Frau des Gastwirts, eines unsrer -geschätztesten Mitbürger, die sich zur Zeit der Katastrophe im oberen -Stockwerk des mitgenommenen Hotels befand, soll unsrer großen Republik -fast gleichzeitig, wenn auch in etwas überstürzter Weise, einen -gesunden kleinen Mitbürger geschenkt haben. Wir wünschen dem achtbaren -Ehepaar von Herzen Glück zu dieser Wendung der Dinge, möchten es dem -unförmlichen englischen Dampfpflug aber trotzdem nahelegen, namentlich -mit Rücksicht auf unsre Damen, seine Tätigkeit für die Regeneration des -Südens in etwas weniger gewaltsamer Weise auszuüben.« - -Als wir am Abend des folgenden Tags mit der zweiten Maschine an dem -erschütterten Salon vorüberkamen, unterließ ich nicht, einzutreten, -um auch meinerseits der Familie meine Glückwünsche darzubringen. Ich -fand den Salon schon provisorisch genügend gestützt und in blühendem -Geschäftsschwung. Herr Cooper war vollständig befriedigt, denn meine -Maschinen brachten ihm Gäste, wie er sie in seiner bescheidenen -Trinkstube noch nicht gesehen hatte. Im übrigen versicherte er mir, -er sei kein Amerikaner, sondern ein Irländer, sei nie verheiratet -gewesen und denke nicht daran, es zu werden. Und da der Salon kein -zweites Stockwerk besaß, in dem das interessante Ereignis, von dem -die »Crescent City News« berichtete, hätte stattfinden können, so -mußten wir wohl annehmen, daß die Nachrichten auf einem kleinen -Mißverständnis beruhten. Erfreut hierüber trank ich mit meinem -auf diese Weise gewonnenen neuesten Freund zwei Gläschen seines -schauderhaften Whiskys und versprach, ihm auch künftig meine Kundschaft -zuzuwenden, sobald ich körperlich genügend gekräftigt sein würde. - -Doch eine weit größere Freude und Überraschung stand mir an jenem -sichtlich glückbringenden Tage bevor. Es war schon Abenddämmerung, -als Bucephalus mit seiner roten Flagge über die Holzbrücke des -Ausstellungsparks einzog. Er hatte nämlich selbst vorgezogen, -ständiger Bannerträger der Dampfkultur zu bleiben, nachdem ihm tags -zuvor der kleine Jem, schwärzer als je und halb gebrochen, die Leiden -eines Heizers geschildert hatte. Da bemerkte ich schon aus der Ferne -und mit wachsender Entrüstung auf der ersten Maschine, die gestern -unter einem Hickorybaum mitten im Park stehen geblieben war, eine -geheimnisvolle Gestalt. Der Mann hatte die die Maschine schützende -geteerte Leinwanddecke halb zurückgeschlagen und schien, auf dem -Tender knieend, in seine Arbeit versunken zu sein. Als wir näher -kamen, bemerkte ich sogar, daß der Werkzeugkasten vor der Rauchkammer -jener Maschine geöffnet war. Das war denn doch zu bunt, selbst für -die Neugier eines verbesserungssüchtigen Yankees. Ich gab Stone den -Anlaßhebel unsrer Maschine in die Hand, sprang ab und lief auf die -andre zu, um den Eindringling womöglich ~in flagranti~ abzufangen. -Er bemerkte mich nicht, so fleißig war er an der Arbeit, und mein -Erstaunen wuchs, als ich wahrnahm, daß der Mann damit beschäftigt war, -ein neues Wasserstandsglas einzusetzen, das er in dem Werkzeugkasten -gefunden haben mußte. Das alte war nämlich bei dem Zusammenstoß mit -dem Biersalon schon gestern zerbrochen. Unerklärlich! aber dennoch, -welche Unverschämtheit! Der Fremde kniete mit gesenktem Kopf vor der -Kesselwand, noch immer ohne aufzusehen. Ich sprang auf den Tender, -entschlossen, ihn an den Ohren zu packen, was auch aus der Begegnung -werden würde. Da, nicht eine Sekunde zu früh, hob er den Kopf auf. Ein -rundes, mir wohlbekanntes Gesicht mit treuherzigen blauen Augen, aber -mit der mir ebenso bekannten steinernen Ruhe, sah mir entgegen und -sprach: »Guten Abend, Sir!« Dann fuhr der Fremde in seinen Versuchen -fort, einen eigensinnigen kleinen Kautschukring über die neue Glasröhre -zu schlüpfen, die er an Stelle der zerbrochenen einschalten wollte. - -Es war Jem! Jem Parker, der Monteur und Dampfpflüger, den ich mit dem -»Wilden Westen« erwartet hatte. Er hatte sich in Schottland bei der -Aufstellung eines andern Dampfpflugs verspätet, wurde mit einem der -nächsten Schiffe nach New York geschickt und kam von dort über Land -mit der Bahn nach New Orleans. Er hatte heute früh nach viertägiger -Eisenbahnfahrt die Stadt erreicht, hatte sich nach dem Ausstellungspark -durchgefragt und dort die einsame Maschine gefunden. Und da er bei -näherer Betrachtung das zerbrochene Wasserstandsglas entdeckte und -der Werkzeugkastenschlüssel tags zuvor stecken geblieben war, hatte -er in aller Gemütsruhe angefangen, ein neues Glas einzusetzen, wie -wenn nicht viertausend Meilen zwischen seiner heutigen und seiner -letzten Beschäftigung lägen. Er habe gedacht, es werde schon jemand -kommen und nach ihm sehen. Das alles kam in kurzen, trockenen Sätzchen -heraus, ohne seine Arbeit zu unterbrechen. Jetzt saß das Glas zu seiner -Zufriedenheit an der richtigen Stelle; er probierte die Hahnen und -schüttelte, wegen des niederen Wasserstands, vorwurfsvoll den Kopf. -Dann richtete er sich auf, zog wortlos einen Brief aus der Jacke, die -er unter dem Rock trug, und gab ihn mir. Derselbe war von Herrn Fowler -in London und erklärte, wie es kam, daß Parker erst mit einem späteren -Schiff abgereist sei. Zwei Leute könne er mir zu seinem Bedauern -nicht schicken. Es seien alle verfügbaren, brauchbaren Kräfte vollauf -beschäftigt. Ich müsse mich mit Parker behelfen, so gut ich könne. -Ich habe mich in Ägypten ja auch schon in ähnlichen Lagen glücklich -herausgewunden. - -Dies war richtig; und zugleich war mir ein förmlicher Stein vom -Herzen gefallen. Stone und der kleine schwarze Jem, wenn sie auch -noch gelegentlich einen Biersalon umfahren mochten, waren anstellige -Leute. Nun hatte ich noch den weißen Jem, der das Handwerk verstand, -und mich. So konnte die Sache doch nicht völlig schief gehen und die -»Regeneration des Südens«, von der seit acht Tagen halb New Orleans -sprach, allen Ernstes beginnen. - -Seit ich Amerika betreten hatte, war ich nie so müd und wohlgemut nach -Hause gekommen als an jenem Abend, spielte zum erstenmal wieder ein -Schach mit Oberst Schmettkow und gewann's. - -[Illustration] - - - - -6. Ein Fest - - -Niemand hat übrige Zeit in Amerika. Lawrence, obgleich um eine volle -Generation der ältere der beiden, war ungeduldiger als selbst der junge -Owen, seitdem der letztere die Speisenfolge seines Gabelfrühstücks mit -Hilfe Monsieur Merciers und mehrerer Privatgelehrter auf diesem Gebiet -festgestellt hatte. Sie ließen mir kaum einige Stunden zu, wie es ihnen -schien, nutzlosen Proben meiner Maschinen. Delano, dem mürrischen -Geschäftsführer der Landwirtschaftsgesellschaft, wurde überdies um -seinen Park bange, als ich die erste Furche durch den jungfräulichen -Grasboden zog, der nie zuvor mehr als leise gekratzt worden war, und -mein Pflug den schwarzen Urschlamm des verschwundenen Sumpfwaldes -ans Tageslicht förderte. Nach seiner Ansicht sei es um so besser, -je weniger ich ihnen von meiner Kunst zeige, an der er nicht mehr -zweifelte, seitdem er im ersten Schrecken über das gespannte Drahtseil -gefallen war. So wurde der nächste Donnerstag, zwei Tage, nachdem der -Dampfpflug sein Arbeitsfeld erreicht hatte, für die Eröffnungsfeier -bestimmt. - -Das Programm war einfach. Zwischen zehn und elf Uhr sollten die -geladenen Gäste erwartet werden. Von elf Uhr an hatte ich eine halbe -Stunde lang den Pflug, eine weitere halbe Stunde den Kultivator laufen -zu lassen. Um zwölf Uhr mußte in dem Pavillon, der sich neben der -Rennbahn befand, das Gabelfrühstück bereit stehen. Um zwei Uhr sollte -das Publikum gegen ein Eintrittsgeld von einem Dollar zugelassen und -das Pflügen bis gegen Abend fortgesetzt werden. Am folgenden Tag -konnte die Presse sodann erklären, daß der Dampfpflug den seitens -der Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana ausgesetzten großen -Preis von 750 Dollar nach eingehender Prüfung errungen habe, und ich -sollte in der Freude meines Herzens drei Tage lang und mit häufigen -Ruhepausen, um den Park nicht allzusehr zu ruinieren, weiterpflügen. -Während dieser Zeit hatte die herbeiströmende Volksmenge ihre fünfzig -Cents an der Parktorkasse abzuliefern, teils um die Gesellschaft in die -Lage zu versetzen, mir möglichst schmerzlos 750 Dollar auszubezahlen, -teils um ihr selbst eine sorglosere Zukunft anzubahnen. Im ganzen ließ -sich gegen diesen Plan nichts einwenden. Er kostete mich ein, wie mir -schien, allzu üppiges Frühstück, verschaffte dagegen, wenn alles gut -ging, dem Dampfpflug, was er vor allen Dingen brauchte: eine tüchtige, -gut amerikanische Reklame. - -Die kurzen Versuche, die ich anstellen konnte, verliefen erträglich. -Der Pflug rannte nur zweimal in die Dampfmaschine, die Herrn Stone und -seinem Heizer Kato anvertraut werden mußte, während auf der andern -Lokomotive der weiße und der schwarze Jem als Lehrer und Schüler gut -miteinander auskamen; abgesehen davon, daß der schwarze sich laut und -lebhaft beschwerte, durch seinen Ehrgeiz in eine hervorragende Stellung -gedrängt worden zu sein, die unerwartet viel Mühe und Arbeit mit sich -brachte. Ich selbst saß mit Bucephalus auf dem Pflug und suchte ihm das -Steuern des Gerätes und den Begriff einer geraden Linie im allgemeinen -beizubringen. Der Mann hatte eine Riesenkraft und ließ sich mit großer -Gutmütigkeit an den Ohren ziehen, wenn er gar zu krumm dreinfuhr. -Ich tat dies zwar energisch, da er sonst nichts bemerkt hätte, aber -doch stets mit der Miene väterlichen Wohlwollens; denn es war von -der höchsten Bedeutung, meine rohen Hilfstruppen bei guter Laune zu -erhalten. Das erkannte Bucephalus auch grinsend an und hatte bald die -Genugtuung, mich wiederholt darauf aufmerksam zu machen, wie gerade -seine krummen Furchen ausfielen. -- Übrigens hielt ich es selbst für -gut, nicht allzuviele Proben abzuhalten. Jeder Augenblick, wenn das -böse Schicksal es wollte, konnte, während ich an einem Ende des Feldes -das Drahtseil regulierte oder dem mangelnden Wasserstand im Kessel -nachhalf, am andern Ende eine zerschmetternde Katastrophe herbeiführen -und uns unter Umständen auf Wochen und Monate das Handwerk legen. -Das wichtigste blieb zunächst, wenigstens mit heiler Haut und ganzen -Gliedern über das drohende Frühstück hinwegzukommen. - -Eine prachtvolle Frühlingssonne strahlte über dem lieblichen Park -mit seinen moosbehangenen Baumgruppen und den noch nicht verbrannten -Grasflächen, die in dem Untergrund des Mississippideltas reichlich -Wasser finden. Die beiden Maschinen standen kampfbereit an den Enden -eines dreihundert Meter langen Feldstücks und sandten weiße, senkrechte -Rauchsäulen friedlich in den blauen Himmel empor. Jem, Bucephalus, -Kato und ein halbes Dutzend weiterer Nigger, die als Extrahilfskräfte -im Wege standen, waren nicht nur infolge der Wichtigkeit des -Tages und ihrer eignen Person, sondern auch durch das Versprechen -eines königlichen Trinkgeldes, wenn alles gut gehe, in gehobener -Stimmung. Zwischen Stone und Parker war eine gewisse ehrgeizige -Wettbewerbstimmung entstanden, die sich in kleinen trockenen Neckereien -äußerte und mir im Interesse der Sache so wohl gefiel, daß ich sie bei -beiden heimlich schürte. Es war das instinktive Gefühl zwischen jung -und alt; zwischen Amerika und Europa. Beide waren stille, wortkarge -Leute und sich kaum bewußt, was sie reizte. Aber ich sah das Gefühl -deutlich in ihnen arbeiten, und in beiden arbeitete es für mich. -- -Im Pavillon hinter unserm Felde deckten sechs schwarze Kellner in -tadellosen Fräcken und weißen Halsbinden eine hufeisenförmige Tafel, -und geheimnisvolle, angenehm duftende Korbwagen fuhren durch das -Parktor. Lawrence hing seit dem frühen Morgen an meinen Fersen, und -Kapitän Owen erwartete in fieberhafter Aufregung den Champagnerwagen, -der irgendwo aufgehalten, wenn nicht umgeworfen worden war. - -Dann kamen in leichten, eleganten Kabrioletts und Buggies die -vornehmeren, in den maultierbespannten Tramwagen die einfacheren der -geladenen Gäste: Longstreet mit Beauregard, Taylor mit Burnside und -Jackson, leider nicht der berühmte Stonewall Jackson, der wenige Wochen -zuvor gestorben war. Auch General Lee hatte zum allgemeinen Bedauern -abgesagt. Doch fehlte es nicht an Generalen, Regimentskommandeuren, -Majoren und Kapitänen in verwirrender Menge; dann aber kamen auch große -Grundbesitzer vom oberen und unteren Mississippi und weltbekannte -Politiker aus der alten Zeit, die heute von ihren Erinnerungen lebten -und jeden einluden, sie mit ihnen aufzufrischen; kurz, es sammelte -sich rasch eine zahlreiche, fröhlich belebte Gesellschaft, in der sich -jedermann zu kennen schien und in deren Mitte der wackere Longstreet -den liebenswürdigen Wirt spielte, während mir Owen die Heldentaten -jedes einzelnen ins Ohr flüsterte. Auch unbekannte Gestalten erschienen -zur Genüge. Ich selbst hatte nur dafür gesorgt, daß Oberst Schmettkow -nicht fehlte und der teutonische Redakteur der »Deutschen Zeitung« -seine Einladung erhielt. An alles übrige ließ ich Owen denken, der -seinerseits vertrauensvoll auf meine Fähigkeit baute, mit einem -Check auf meine englischen Freunde am Tag der Abrechnung die kleinen -Schwierigkeiten auszugleichen, die etwa entstehen sollten. - -Alles sammelte sich in dem Felde, in welchem der Dampfpflug kampfbereit -aufgestellt war. Noch nie hatte dieser friedliche Träger der Kultur -ein so kriegerisches Publikum um sich gesehen. Die alten Haudegen des -großen Bürgerkriegs standen entlang dem ausgespannten Drahtseil und -sahen verständnisvoll, oder auch anders, in die tiefe Furche hinab, die -gestern abend noch gezogen worden war. Longstreet erklärte, mich von -Zeit zu Zeit zu Hilfe rufend, was er von der Sache wußte, sichtlich -bemüht, das Interesse dem Pflug zuzulenken; aber unwillkürlich -verirrte er sich samt seinen Freunden jeden Augenblick wieder in -die Erinnerungen an ein abenteuerliches Gefecht, in die Beurteilung -einer strategischen Bewegung und vor allem in die Betrachtung der -jammervollen politischen Lage der »alten und wahren« Herren des Landes. -Alle Stimmungen kamen zum lebhaften Ausdruck, vom Galgenhumor völliger -Hoffnungslosigkeit bis zur finsteren Entschlossenheit, sich knirschend -zermalmen zu lassen. Der Dampfpflug schien mit jeder Minute mehr vor -den Augen der ganzen Gesellschaft zu verschwinden. - -Da ließ ich pfeifen. Das Drahtseil schnellte in die Höhe und zog an. -Die lange Reihe der leidenschaftlich gestikulierenden Herren sprang -mit Entsetzen und militärischer Präzision auf die Seite. Der Pflug -setzte sich in Bewegung, die schweren, schwarzbraunen Schollen in -sechs glatten geradlinigen Reihen aufstellend. Dies brachte meine -Gäste zur Sache zurück. Eifrig liefen die meisten hinter dem Pfluge -her, nachdenklich maßen andre die Tiefe der Furche. Es ging in der Tat -nicht schlecht, wenn man den Umständen einigermaßen Rechnung trug. -Stone und Kato auf der fernen Maschine übertrafen sich selbst. Stolz -saß Bucephalus auf dem Pflug und steuerte ihn in sanftem Zickzack über -das Feld. Er war überglücklich, da er unter den Eingeladenen seinen -alten Herrn aus der Sklavenzeit entdeckt hatte und ihm die Geheimnisse -seiner neuen Würde, als erster Dampfpflüger Amerikas, auseinandersetzen -konnte. Nachdem der Pflug sechs- bis siebenmal auf und ab gefahren -war, ohne Schiffbruch zu leiden, näherte sich allerdings das Aussehen -der letzten Furche den Windungen eines durch ein Wiesental sich -hinschlängelnden Bächleins. General Burnside tröstete mich. Die Linie -erinnerte ihn lebhaft an seinen ersten Sieg: an die Schlachtlinie der -Föderierten bei Bull Run. Dank seiner südlichen Lebhaftigkeit hatte -General Taylor mittlerweile alles begriffen und hielt den Augenblick -für gekommen, tatkräftig einzugreifen. Er schob Bucephalus von seinem -Sitz, setzte sich auf das Geräte und erfaßte das Steuerrad. Dreißig -Schritte weit ging alles gut. Der Pflug blieb in seinem durch die -Furche gegebenen Geleise, und Taylor sah sich triumphierend um. Dann -aber nahm das Instrument plötzlich eine Wendung nach dem ungepflügten -Teil des Feldes und lief, als sei es verrückt geworden, trotz der -verzweifelten Steuerbewegungen des Generals, querfeldein. Kein Pfeifen -von Parkers Maschine half. Stone, dessen Maschine am andern Ende des -Feldes während der Katastrophe den Pflug zog, war mit seinem Feuer -beschäftigt und merkte zu spät, welches Unheil vor sich ging, so daß -er erst dazu kam, anzuhalten, als sich der General mit dem entlaufenen -Pflug mitten auf ungepflügtem Felde befand, hundert Schritte von dem -Platz, wo er hätte sein sollen. Er hatte allerdings eine merkwürdig -gerade Linie diagonal zur Pflugrichtung über das Feld gezogen. Beschämt -stieg er ab und betrachtete sein Werk. Seine alten Kriegskameraden -waren außer sich vor Vergnügen. Selbst der unehrerbietige Bucephalus, -der staunend dem Pflug nachgesehen hatte, lachte mit, daß sein roter -Mund das schwarze Gesicht von Ohr zu Ohr spaltete. Der Erfolg -- der -Heiterkeitserfolg des Dampfpflugs war großartig. Der ältere Owen, -der mehr Verständnis für die wahre Lage der Dinge zu haben schien -als alle andern, sagte leise zu mir: »Lassen Sie aufhören! -- Die -Schildkrötenbouillon wird sonst kalt!« Longstreet nahm Burnside unter -den Arm. Taylor wurde von den andern im Triumph herbeigeholt und als -preisgekrönter Dampfpflüger Louisianas fast auf den Händen getragen. -Alles strömte dem Gartenpavillon zu, wo sich das blinkende Hufeisen im -Nu gefüllt hatte und die Sektflaschen zu knallen begannen. - -Es ging hier noch brillanter als im Felde. Die Not der Zeit löste -sich fühlbar in dem warmen Sonnenschein, der durch den luftigen -kleinen Saal, und im perlenden Wein, der kühlend durch unsre Adern -strömte. Longstreet hielt eine prächtige kleine Rede: ernst, männlich, -geradeaus: Die große Sache sei verloren; wozu die Augen schließen und -die Hände sinken lassen? Die Männer seien noch da, die ehrlich für -sie geblutet hätten; sie würden sich nicht erdrücken lassen. Die alte -Kraft rege sich wieder und werde auf andern Feldern neue Siege bringen. -»Das Schwert ist in unsrer Hand zerbrochen«, schloß er. »In Gottes -Namen -- nehmen wir die Lage, die uns der Himmel geschickt hat. Es -lebe der Pflug!« Darauf verlangte es der Anstand, daß ich etwas sagte. -Der Staub der Pflugfurchen steckte mir noch in der Kehle und die Angst -vor dem jeden Augenblick möglichen Zusammenbruch der einen oder der -andern Maschine in der Seele; aber ich ließ getrost den Süden leben, -dessen tropische Lebenskraft schon mehr als einmal aus den Sümpfen -um den Mississippi ein Paradies geschaffen habe. Dann kamen andre, -weniger harmlos, manchmal bitter und zornig, manchmal allzu laut der -wiederkeimenden Hoffnung entgegenjubelnd. Der Pflug war vergessen. Die -politischen Phrasen rollten mächtig über die erhitzten Köpfe weg. Doch -fühlte ich mich ziemlich beruhigt, als ich unter den letzten, die das -Gartenhaus verließen, den Chefredakteur des »Picayune« Arm in Arm mit -seinem Feind, dem Chefredakteur der »Crescent City News«, bemerkte, -die abwechslungsweise versuchten, föderierte und konföderierte -Kriegslieder zweistimmig zu singen. Ein erstaunlicher Grad mangelhaften -musikalischen Sinns und der gute Wille, mit dem sie sich gegenseitig -unterstützten, ergab eine Verschmelzung von Dissonanzen, die das -Beste für die Zukunft hoffen ließ. Nur ein einziger Mißton trübte den -Schluß der schönen Feier. Meine zwei deutschen Freunde waren sich -in die Haare geraten. Oberst Schmettkow versuchte den Redakteur der -»Deutschen Zeitung« über die Irrtümer seiner politischen Auffassung des -Zustandes der Südstaaten aufzuklären. Doktor Wurzler machte vergebliche -Anstrengungen, den Obersten zu überzeugen, daß ein verunglückter -Jarde-Offizier von der Sache nichts verstehen könne. Sie wurden laut -und heftig, und nur mit Mühe konnte ich sie bewegen, in zwei getrennten -Trambahnwagen nach der Stadt zurückzukehren. - -[Illustration] - -[Illustration] - - - - -[Illustration] - - - - -7. Rettungspläne - - -Regen nach Sonnenschein -- können wir mehr fordern vom wechselnden -Leben? Aber allerdings, es brauchte nicht gerade ein Donnerwetter -zu sein, mit der Aussicht, in einen vierwöchentlichen Landregen -überzugehen. - -Am folgenden Morgen brachten die »Crescent City News« einen zornigen -Aufsatz über England und die heimtückische Art und Weise, wie John Bull -die Einführung der sonst nicht ganz nutzlosen Dampfkultur benutze, -um einer verderblichen und verlorenen Sache neue Lebenshoffnungen -einzuflößen, die nie in Erfüllung gehen können. Doppelt bedauerlich -sei, daß der in andrer Beziehung anständige und nicht unintelligente -Leiter des unförmlichen englischen Dampfpflugs sich zu Kundgebungen -mißbrauchen lasse, die einem förmlichen Wiedererwachen der alten -sezessionistischen Bestrebungen gleichkämen. Der Herr möge sich -nicht täuschen: neuer Wein, auch der, den er zu verzapfen wünsche, -lasse sich nicht in alte Schläuche füllen. Weder Dampf noch Sekt -werde die verbrauchten Männer einer verlorenen Partei zu neuem Leben -erwecken. Die Sezession sei tot. Den Dampfpflug an die tote Sezession -binden zu wollen, sei sicherlich das törichtste, was dieser fremde -Herr jemals versucht habe. Es wäre ihm vielleicht nützlich gewesen, -wenn er sich zuvor über die Verhältnisse des Südens etwas eingehender -belehrt hätte. Als charakteristisch sei zu erwähnen, wie ein gewisser, -in Louisiana sehr überschätzter General, der sich neuerdings mit -Kanalschiffahrt beschäftige, den Pflug quer über das Feld gesteuert -und das unglückselige englische Instrument in einer Lage stecken -gelassen habe, über die mehrere Sachverständige sich heute noch den -Kopf zerbrächen. Übrigens sei Wohlwollen und Gerechtigkeit auch -dem Gegner gegenüber stets der Grundsatz der »Crescent City News« -gewesen. Die Schriftleitung stehe deshalb nicht an, ihren Lesern die -vortreffliche Speisenfolge des Gabelfrühstücks mitzuteilen, das den -Kern der Eröffnungsfeier des englischen Dampfpflugs gebildet habe: -Schildkrötensuppe mit Heydsik usw. - -Der freundlicher gesinnte »Picayune« begann mit der Speisekarte, -brachte eine enthusiastische Beschreibung des Dampfpflugs, die kein -Mensch verstehen konnte, und war überzeugt, daß der erste Stein -zum Wiederaufbau des Südens gestern gelegt worden sei, »dank den -Männern,« schloß er, »die entschlossen den großen Aufgaben unsrer Zeit -entgegentreten und die Not der Gegenwart mit den glänzenden Waffen der -Zukunft zu bekämpfen wissen.« - -Da Lawrence, der energisch mitgekämpft hatte, ebenso wie Schmettkow -am folgenden Tag etwas unwohl waren, hörte ich von dem kleinen -Zeitungskrieg, der um meinen Dampfpflug entbrannt war, zunächst so -viel wie nichts. Die ruhigere, planmäßige Arbeit nahm ihren Fortgang. -Ich pflügte in den nächsten Tagen jeden Morgen und Abend für das -Fünfzigcentpublikum ein paar Stunden lang. Meine Leute kamen nach -und nach in Übung, es ging mit jedem Versuch etwas besser; nur der -Strom der erwarteten Volksmassen blieb aus. Der Geschäftsführer der -Landwirtschaftsgesellschaft war mein getreuester Zuschauer, und sein -Gesicht wurde nach jeder Vorstellung um einen Zoll länger. Am zweiten -Tag wurde der zweite Kassierer am Eingangstor als völlig überflüssig -eingezogen, und am dritten konnte auch der noch im Dienst stehende -seine Siesta, die um die Mittagsstunden in seinem kleinen Brathäuschen -verzeihlich war, über den Rest des Tages ausdehnen, ohne seine -Amtspflichten zu vernachlässigen. - -Am Abend dieses dritten Tages kam Lawrence mit Delano in ungewöhnlicher -Eile über das Feld, als ich soeben die Vorstellung, die wir den zwei -Söhnchen des eingeschlafenen Kassierers gegeben hatten, abzuschließen -im Begriff war. Man sah es dem Gang der beiden Herren an, daß sie -ein neuer, belebender Gedanke trug. Lawrence grüßte vergnügt, der -Geschäftsführer grämlich, und betrachtete sodann kopfschüttelnd -die beiden Knäblein, die eifrig auf dem stillstehenden Pflug -herumkletterten und nach Yankeejungenart versuchten, ob nicht da oder -dort eine Mutter loszuschrauben, eine Schraube abzudrehen war. - -»Nun, wie ging's heute, Herr Eyth? Mehr Publikum hier gewesen?« rief -Lawrence, als ob alles, was er sah, seine höchste Befriedigung erregt -hätte. - -»Sie sehen, welches Interesse die Bevölkerung an unserm Pfluge nimmt«, -antwortete ich, auf die zwei Jungen weisend, die wirklich eine -lose Mutter gefunden hatten und emsig an der Arbeit waren. »Heute -Vormittag war auch ein alter Herr hier, der sich ernstlich nach der -Leistungsfähigkeit der Maschinen erkundigte. Er brauche eine billige -Lokomobile zum Wasserpumpen, erzählte er mir.« - -»Der Kassierer behauptet, er müsse am Ostende des Platzes über den -Parkzaun gestiegen sein«, bemerkte Delano, die zwei Bürschchen mit -finsteren Blicken messend. »Das kann so nicht fortgehen, Herr Lawrence. -Wir müssen den Zaun am Ostende reparieren lassen. Wenn nur Geld in der -Kasse wäre! Guter Gott, wenn nur etwas Geld in der Kasse wäre!« - -»Man wird doch deshalb den Mut nicht sinken lassen!« rief Lawrence, -ohne den Geschäftsführer zu beachten. »Zweifellos haben wir den -richtigen Weg noch nicht gefunden, das gesamte Interesse des Südens -auf unsre Sache zu lenken, Herr Eyth. Die »Crescent City News« fahren -allerdings fort, Ihnen Opposition zu machen. Das ist gut; das regt an.« - -Er holte das widerwärtige Blatt aus der Tasche. - -»Mir scheint es eher abzuschrecken«, meinte ich. »Der Lump von -Redakteur schrieb gestern wieder ein paar Zeilen über den plumpen -englischen Dampfelefanten, der in blinder Arbeitswut unsern schönen -Ausstellungspark aufwühle.« - -»Sehr gut! Sehr gut!« rief Lawrence. »Sehen Sie, Herr Eyth, Sie -verstehen unsre Sprache noch nicht völlig. Das ist ja verzeihlich; aber -Sie sollten mit sich selber etwas Geduld haben. Wir müssen den Mann -bezahlen, wenn er verspricht, kräftiger zu schimpfen. Hören Sie einmal, -was der »Picayune« heute früh sagt. Es gefällt Ihnen vielleicht besser; -aber es ist nicht halb so wirksam.« - -Er zog eine zweite Zeitung hervor, setzte sich auf den Pflug und las -mit pathetischem Feuer: - -»Der glänzende Erfolg der großen englischen Erfindung, welche uns -einen Ersatz für die wohl für immer verlorene Arbeit unsrer farbigen -Mitbürger zu schaffen bestimmt ist, zieht täglich Tausende von -Schaulustigen nach dem Ausstellungspark der Landwirtschaftsgesellschaft -von Louisiana. Die Prüfungskommission dieses wahrhaft patriotischen -Vereins, bestehend aus den Herren Lawrence -- hier folgten -zehn weitere, mir völlig unbekannte Namen -- hat dem riesigen -Kulturinstrument einstimmig den ausgesetzten Ehrenpreis von 750 Dollar -zuerkannt. Wenn in Indien der Elefant am Pfluge des Rajahs Wunder der -Kraft und Klugheit verrichtet, so arbeitet in unserm erleuchteteren -Lande die elefantine Kraft des Dampfes an der neu erstehenden Wohlfahrt -unsres zu Boden getretenen Südens. Ein Volk, das im Handumdrehen -den Pflug mit dem Schwert zu vertauschen weiß, wie unser wackerer -Longstreet so wahr bemerkte, kann nicht untergehen.« - -»Wenn ich nur wüßte, wo ich die 750 Dollar auftreiben sollte, mit -denen mir das verehrliche Komitee seit acht Tagen in den Ohren liegt«, -brummte der Geschäftsführer. - -»Deshalb kommen wir zu Ihnen, Herr Eyth«, sagte Lawrence mit -wachsendem Frohsinn. »Die Elefantenidee hat gezündet; ich weiß es von -verschiedenen Seiten. Wenn Sie uns ein wenig die Hand bieten, so wird -sich alles zum besten wenden.« - -»Aber was kann ich mehr tun, als Ihren Park vierzehn Zoll tief -aufreißen?« fragte ich, ziemlich ratlos um mich blickend. »Wenn dies -Ihren ruhmbedeckten Süden nicht interessiert, so bleibt mir schließlich -nichts andres übrig, als ihn seinem Schicksal zu überlassen.« - -»Fangen Sie nicht auch an, die Flügel hängen zu lassen!« mahnte -Lawrence. »Das tut unser Geschäftsführer schon hinreichend für uns -alle. Aber hören Sie mir zu! Das Pflügen interessiert die Stadtleute -nicht; zugegeben! Die großen Gutsbesitzer sind keine Volksmasse; auch -kommen sie nicht in die Stadt. Sie haben kein Geld mehr, wie vor fünf -Jahren. Wir müssen es anders angreifen. Wenn Sie damit einverstanden -sind, lasse ich heute abend in alle Zeitungen eine Anzeige einrücken. -Ich habe sie schon im Entwurf in der Tasche. Hören Sie! Passen Sie auf, -Delano!« - -Er zog einen Bogen Papier aus der Brusttasche, auf dem in viel -korrigierter Schrift folgendes zu lesen war: - -»Große Sensation! Wettrennen der zwei Dampfelefanten John Bull -und Jonathan; John Bull, geritten von dem berühmten englischen -Dampfelefantenjockey Mister Jem Parker; Jonathan von dem amerikanischen -Gentlemanreiter Mister Eleazar Stone. An die gesamte Bevölkerung, -Damen und Herren, groß und klein, alt und jung der Staaten Louisiana, -Alabama, Mississippi und Texas! Nachdem die berühmten Dampfelefanten -John Bull und sein Bruder Jonathan während der vergangenen Woche in -gewaltiger Arbeit den Urgrund des Mississippitals aufgewühlt haben, -beabsichtigen diese gewandten und zu heiterem Spiel geneigten Tierchen -ihre angeborene Munterkeit in einem kleinen Wettlauf zum Ausdruck zu -bringen, der auf der Rennbahn des Parks der Landwirtschaftsgesellschaft -von Louisiana am Donnerstag, den 4. März, nachmittags fünf Uhr -stattfinden wird. Besondere Anziehung wird das Rennen dadurch ausüben, -daß der Elefant Jonathan von dem amerikanischen Amateur Mister Stone, -John Bull dagegen von dem berühmten englischen Berufsjockey Parker -gesteuert werden wird. Es sollen bereits beträchtliche Wetten auf den -Erfolg des einen oder andern der kühnen Reiter angeboten und angenommen -worden sein. Herr Stone stammt aus einer alten Familie Virginiens und -wird die Ehre des neuen Kontinents aufrecht zu erhalten wissen, während -Parker vor einigen Tagen aus England eintraf, so daß ihm die ganze -Geschicklichkeit und Erfahrung der älteren Kulturwelt zur Verfügung -steht. - -»Achtung, Bürger von Louisiana, Alabama, Texas und Mississippi, -Achtung! -- Der Riesenmammutwettkampf zweier Welten, in Arbeit und -Sport! Amerika gegen England! England gegen Amerika! Wer wird der -Sieger bleiben? Parkkassenöffnung um zwei Uhr. Eintritt einen Dollar. -Tribünenkarten drei Dollar.« - -Lawrence sah sich um, als habe er zu eigner Verwunderung das Ei des -Kolumbus auf den Kopf gestellt; die trüben Augen des Geschäftsführers -blitzten, eine hektische Röte war in seine gelben Wangen gestiegen. Mir -standen die Haare zu Berge. - -»Das ist ja aber rein unmöglich, mein lieber Herr Lawrence«, rief ich, -nach Luft schnappend. - -»Unmöglich?« schrie Lawrence stürmisch. »Unmöglich! Mein bester Gedanke -seit dreißig Jahren! Aber warum denn, mein lieber Herr Eyth?« - -Ich suchte mich zu fassen und ruhig zu sprechen. - -»Ich kann doch ganz unmöglich meinen Dampfpflug zu einem solchen -Karnevalsstreich, zu einer so verrückten Barnumiade hergeben.« - -»Ich bitte Sie! Barnum ist einer der geachtetsten Bürger unsrer -großen Republik. Ein Charakter! Ein Charakter, Herr Eyth! Er hat -kleiner angefangen als Sie und hat heute das größte Museum der Welt. -Er ist Millionen wert, Millionen, hat schon drei Kirchen gebaut, ist -dreifacher Kirchenältester in seinen eignen Gotteshäusern und kann sich -den Degen umschnallen, den Napoleon bei Waterloo verlor, wenn es ihm -beliebt. Ich bitte Sie, warum denn nicht?« - -»Meine Dampfpflugmaschinen -- wettrennen!« rief ich mit neu erwachendem -Entsetzen. »Die plumpen englischen Dampfelefanten, wie die ›Crescent -City News‹ sagen! Sie laufen ja keine vier Meilen in der Stunde, beim -besten Willen.« - -»Das ist ja eben das Pikante! Ein Elefantenwettrennen, ein -Dampfmammutwettrennen! Nichts von Ihren windigen Vollblutskniffen der -Alten Welt; keine brutale Tierquälerei ihrer barbarischen Vergangenheit --- das Ganze elegant, human, würdig -- Zukunftsmusik! Der ›Picayune‹ -wird jubeln; der ›Crescent City News‹-Redakteur wird sich die Haare -ausreißen. Die ganze Stadt wird auf unsrer Seite sein. Und diese -Reklame! Diese Reklame! Bedenken Sie doch!« - -»Vor der ganzen Welt werden wir dastehen wie blamierte Hanswurste«, -sagte ich düster, denn ich fühlte, daß etwas in mir nachgab, daß eine -Feder meines Innersten brechen wollte, die ich bis jetzt für stahlhart -gehalten hatte. Lawrence merkte es ebenfalls, setzte sich wieder auf -den Pflug, von dem er in der Hitze des Gefechts aufgesprungen war, und -fuhr ruhiger und eindringlich fort: - -»Sie verstehen dieses Land nicht. Sie können den mächtigen Strom des -Fortschritts nicht fassen, der uns über solch kleinliche Bedenken -wegträgt und uns größer gemacht hat als alle andern Nationen des -Erdballs. Aber Sie müssen einsehen, was ich Ihnen hier biete. Jetzt -sitzen Sie da vor zwei kleinen Jungen, die Sie auslachen. In ein paar -Tagen haben Sie fünfzigtausend Menschen hier, die Sie anstaunen.« - -»Ich glaube gar nicht, daß ich Jem Parker bewegen kann, den Narren zu -spielen,« brummte ich. - -»Dafür lassen Sie mich sorgen!« rief Lawrence freudig, denn er sah, wie -schwach ich wurde. »Sechs Glas Jamaikarum und fünfzig Dollar Trinkgeld! -Damit zieht er uns eine brennrote Jockeyjacke an. Stone, der ein Vater -von sieben Kindern ist und Professor an einem Technikum in Buffalo war, -will in grünem Spenzer und gelben Hosen antreten. Er denkt wie ich. -Aber wohlgemerkt, Sie müssen es ihn gewinnen lassen. Er repräsentiert -Amerika.« - -»Das ist ein weiterer Punkt«, warf ich ein. »Die beiden Maschinen -gleichen sich wie ein Ei dem andern und laufen genau gleichschnell. -Von einem Wettrennen ist also nicht die Rede.« - -»Kann man dies nicht machen wie man will?« fragte Lawrence, fast wieder -aufgebracht über meine Borniertheit. »Das wird mit Stone und Parker -ganz genau verabredet. Dreimal über die Bahn, denke ich mir; zuerst -Stone voraus; dann Parker voraus, immer weiter voraus, eine halbe -Bahnlänge zwischen beiden. Stone in Nöten -- Parker lachend. Dann auf -einmal Stone hinterher wie der Teufel, mit offenen Zylinderhähnen, -damit man sieht, daß sein Elefant sich anstrengt. Parker pustet -und keucht. Vergeblich. Fünfzig Schritte vom Ziel sind sie beide -Schornstein an Schornstein. Parker hat die Innenseite der Bahn; noch -immer kann er gewinnen -- aber in den letzten drei Sekunden, unter dem -donnernden Jubel von fünfzigtausend Menschen, siegt Amerika mit einer -Nasen- oder Rüssel- oder Kessellänge, ganz wie Sie wollen. Was sagen -Sie jetzt?« - -»Die einzige Rettung für uns alle!« stöhnte Delano, der mich ängstlich -betrachtete. Es mußte mit der Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana -in der Tat schlecht stehen. - -»Ich will mir's überlegen!« sagte ich zögernd und fühlte, wie die -scharfe Luft Amerikas mein Lungengewebe durchdrang und das schwere, -deutsche Blut rascher oxydierte. Die Empfindung steigender Wärme war -nicht unangenehm. Auch leichter fühlte ich mich, wie ein Ballon, -dem plötzlich mit weiteren fünfzig Kubikmetern Gas unter die Arme -gegriffen wird. - -»Und ich«, rief Lawrence, indem er mir rasch die Hand drückte, »laufe -auf die Redaktionen. Für die Morgenblätter wird es gerade noch Zeit -sein. Aus Ihnen, Herr Eyth, kann immer noch etwas werden. Ich gebe Sie -nicht ganz verloren. Adieu!« - -Er lief, den nächsten Weg über das gepflügte Feld nehmend, dem Parktor -zu und zwar so eifrig, daß er, über die mächtigen Furchen stolpernd, -zweimal auf die Knie fiel, ohne Zeit zu verlieren. - -Delano und ich sahen einander an, zaghaft, trübselig, ich noch immer -in einem unbeendeten Seelenkampf, in dem die Neue und die Alte Welt -miteinander rangen und mich qualvoll hin und her zerrten; Delano mich -mißtrauisch betrachtend, als ob er fürchtete, es könne doch noch alles -schief gehen. - -»Es ist gut, daß Sie sich entschieden haben«, sagte er endlich mit dem -ersten Lächeln auf seinem gelben Gesicht. »Wenn Sie nein gesagt hätten, -wäre ich morgen früh nach Kuba abgereist. Ohne die Gesellschaftskasse. -Die ist leer.« - -[Illustration] - - - - -8. Neue Hoffnung - - -Die »Crescent City News« waren besiegt, sogar vor dem großen Tage, auf -den Lawrence seine ganze Hoffnung setzte. Wie er dies zuwege gebracht -hatte, blieb ein Geheimnis. Die spaltenlangen Inserate, in denen das -kommende Wettrennen zur Anzeige kam, konnten den Stimmungswechsel kaum -hervorgebracht haben, dafür waren sie trotz der fetten Buchstaben nicht -groß genug. Aber die spitzen Bemerkungen über die plumpen Dampfpflüge -hörten plötzlich auf. Die löbliche Absicht, ein Wettrennen abzuhalten, -wurde laut und dankbar anerkannt, die beiden Dampfelefanten John Bull -und Jonathan in begeisterten Farben geschildert, ihre merkwürdige -äußerliche Ähnlichkeit nicht verschwiegen, jedoch darauf hingewiesen, -daß in ihrem Innern wesentliche Verschiedenheiten bestehen dürften. -Das Verhältnis von Heiz- und Rostfläche, vom Zylinderraum zum -Dampfraum im Kessel, eine künstliche Zugvorrichtung, ein heimlicher -Expansionsschieber, kurz das eigentliche Seelenleben beider Maschinen -lasse den Ausgang des Kampfes durchaus zweifelhaft erscheinen. Übrigens -komme es, wie bei jedem Rennen, doch auch wesentlich auf die Jockeys -an, und da Jonathan von dem berühmten Amerikaner Stone (grün und gelb), -John Bull von einem nicht minder hervorragenden Engländer, Jem Parker -(rot und blau) geritten werde -- der Berichterstatter entschuldigte -sich hier, daß er beim Anblick der eleganten Dampfrenner unwillkürlich -in die Sprache des Turfs verfalle --, so sei der Sieg des einen oder -des andern keineswegs eine leicht vorauszusehende Sache. An den -Schenktischen der Hotels und Salons von St. Charles- und Kanalstraße -sei das Wetten bereits in lebhaftem Gang. Im allgemeinen sei in -den Kanalstraßenrestaurants Jonathan der Favorite, während im St. -Charleshotel Wetten von zwei gegen eins auf John Bull, dessen Jockey -man größere Erfahrung zuschreibe, bereitwillig angenommen werden. - -Unser nutzloses Pflügen im Ausstellungspark wurde nicht wieder -aufgenommen. Das amerikanische Fieber, das den wohlakklimatisierten -Lawrence in einen jungen Mann voll Feuer und Energie verwandelt -hatte, packte auch mich mit jeder Stunde mehr. Am Morgen nach unsrer -Besprechung im Park, nachdem ich nicht ohne Herzbeklemmung die bekannte -Anzeige in fünf Zeitungen gesehen und mich an deren Aussehen ein wenig -gewöhnt hatte, schlug ich mit einer entschlossenen Aufwallung alle -Bedenken in den Wind. Ein Trost blieb mir ja immer: Louisiana war -viertausend Meilen vom würdevollen England entfernt. Wenn es nun einmal -sein mußte und mein ernster, ehrbarer Dampfpflug auf ein paar Stunden -den Narren spielen sollte, nun, dann lieber auch recht! -- General -Longstreet fand nichts Bedenkliches in der Sache. Im Gegenteil; er -lobte mich, daß ich Land und Volk so rasch begreifen lerne. Persönlich -wünsche er allerdings in diesem Fall mehr in den Hintergrund zu treten. -Um so tätiger waren seine jungen Geschäftsteilnehmer, die beiden Owen, -die das Wetten unter ihren Freunden in einen Schwung brachten, der mich -kleinen Anwandlungen von Gewissensbissen aussetzte. Lawrence lachte -mich aus: »Ist es unsre Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die jungen Leute -ihr Geld in der Tasche behalten?« fragte er. »Ist es für das gemeine -Wohl von irgend welcher Bedeutung, in wessen Tasche des Volkes es -schließlich sitzen bleibt?« Ich mußte ihm recht geben. - -Parker machte keine Schwierigkeiten. In seiner trockenen Weise sagte -er: »Mister Fowler schickte mich hierher und befahl mir, zu tun, -was +Sie+ befehlen. Das sind meine Anweisungen. Wenn ich mit meiner -Maschine wettrennen soll, so wettrenne ich; das ist einfach!« -- Ich -klopfte ihm auf die Schulter und begann, etwas zögernd, von der roten -Jacke zu sprechen. Aber auch hier kam mir ein unerwarteter Zwischenfall -zu Hilfe. Der ruhige Jem hatte bereits die intime Bekanntschaft -einer jungen Dame gemacht, der hübschen, wenn auch etwas bronzierten -Tochter eines Handelsgärtners, der in der Nähe des Parks einen -stattlichen Bananen- und Orangenwald pflegte. Der Engländer teilte -die amerikanische Abneigung gegen leichte Farbenmischungen nicht, und -die junge Dame war Feuer und Flamme für den hübschen, kräftigen, wenn -auch stummen Liebhaber, dessen ehrliche Augen die besten Absichten -verrieten. Fräulein Sally war begeistert für die rote Jacke, half sie -anmessen und setzte Goldborten auf den Kragen. Ihr Jem sah prächtig -aus, wie ein Kakadu! Jetzt erst war sie wirklich überzeugt, eine -glückliche Frau zu werden. Er brummte, aber er war ein herziger Junge, -ihr Jem, wenn er die Kakadujacke anhatte. - -Die Ackergeräte blieben im Felde stehen, wo sie standen, verstaubt -und verachtet. Beide Dampfmaschinen dagegen wurden drei Tage lang -geputzt und geschmirgelt, daß sie in der Sonne blitzten. Auf der -Rückseite des Tenders und auf dem Deckel der Rauchkammer ließ ich durch -einen hervorragenden Künstler aus Deutschland, der drüben mehrere -Malerschulen besucht hatte und dementsprechend am Hungertuch nagte, die -eine mit den Worten »John Bull«, die andre mit dem Namen »Jonathan« -bemalen, so daß ich nun auch selbst wußte, welches die eine und -welches die andre war. Stone brachte auf eigne Kosten nationalfarbene, -besternte Tücher, mit welchen er Jonathan schmückte. John Bull fand -sich am Mittwoch nachmittag mit Guirlanden über und über bedeckt, in -denen sich reife Orangen besonders reizend ausnahmen. Das war Sallys -Werk. Ich selbst sorgte dafür, daß am Tender jeder Maschine zwei -Banner befestigt wurden: Parker erhielt die englische Union-Jack, die -er mit ruhigem Stolz aufsteckte, Stone die sternbesäte Flagge seiner -amerikanischen Heimat. Das eigentümliche Verhältnis beider war auch -nach längerem Zusammenarbeiten das gleiche geblieben. Sie sprachen -nicht viel und nicht höflich, wenn sie sich etwas zu sagen hatten, -aber die magnetische Antipathie, mit der sie sich betrachteten, war -im Wachsen. Parker verachtete Stone, Stone ärgerte sich über Parker. -Das geschah aus nationalem Instinkt. Hätten sie sich als Individuen -gegenübergestanden, so wäre das umgekehrte Verhältnis natürlicher -gewesen. Stone, der ältere, verhältnismäßig gebildetere Mann, hätte -Jem verachten, Jem sich über Stone ärgern sollen. Aber das unbewußte -Rassengefühl ist meist stärker als das bewußte Empfinden des einzelnen. -Zum Glück hatten sie bis jetzt nicht viel Gelegenheit gehabt, sich -aneinander zu reiben. Es ist dies schwierig, wenn jeder den ganzen Tag -an einem der beiden Enden eines vierhundert Meter langen Drahtseils -beschäftigt ist. - -Auch Delano hatte nun genügend zu tun und wurde deshalb etwas heiterer. -Er ließ die Tribüne abstäuben und stützen, da sie sich gefährlich -nach hinten neigte, und ein drittes Kassenhäuschen aufstellen. -Man sah, meine amerikanischen Freunde glaubten an die englischen -Elefanten. Ich selbst war sehr beschäftigt und warf kaum einen Blick -auf die Zeitungsnotiz, die mir Lawrence, der jetzt alle Taschen -voll Fahnenabzüge und Ausschnitte hatte, am Dienstag vor dem Rennen -auf die Maschine heraufreichte. Einen Augenblick später sprang ich -jedoch erregt zur Erde. Der Himmel klärte sich. Es regnet auch im -Mississippidelta nicht immer. Dann las ich mit gespannter, aber -freudiger Aufregung: - -»Washington, den 1. März 1867. Der unerwartete Schluß der Sitzungen des -Kongresses war in den letzten Tagen die Veranlassung, eine ganze Reihe -weniger bedeutender Vorlagen, namentlich auf wirtschaftlichem Gebiete, -zur Beratung zu bringen, die meist ohne längere Diskussion zur Annahme -kamen. Die sichtliche, die Arbeit fördernde Ermüdung der würdigen -Vertreter des souveränen Volkes mag hierbei ebenso kräftig mitgewirkt -haben wie die sachlichen Interessen, die von einzelnen Mitgliedern -mit Gewandtheit und Umsicht vertreten wurden. Namentlich war dies am -letzten Tage der Session der Fall, an dem die folgenden neun Anträge -die Zustimmung des hohen Hauses erhielten.« Dann folgte die Liste -von acht mir völlig gleichgültigen Bestimmungen, die sich auf die -Gewährung von Pensionen, die Bezahlung von Komitees, die Erhöhung von -Beiträgen zu verschiedenen Verkehrsunternehmungen bezogen. Dem neunten -Paragraphen sah man es fast an, wie hastig er im letzten Augenblick -noch angehängt worden war. Er lautete: - -Ferner wird beschlossen, daß Geräte und Maschinen, die zur Bearbeitung -des Bodens mittels Dampfkraft bestimmt sind, zoll- und steuerfrei -eingeführt werden können, und soll diese Zollbefreiung auf die Dauer -von drei Jahren festgesetzt sein. Auch soll die Bestimmung rückwirkende -Kraft besitzen und vom 1. Januar 1867 an Geltung haben. -- - -»So hat mein zweifelhafter Freund Olcott doch nicht umsonst gearbeitet, -und Schmettkow wird mir beschämt zugestehen müssen, daß auch im Norden -noch Menschen wohnen, auf die man sich verlassen kann!« rief ich -innerlich hocherfreut und schickte Stone in die Stadt, um noch zwei -Banner zu bestellen, mit denen ich Jonathans Schornstein schmücken -wollte. Die Sterne und Streifen waren nicht so schlimm, als ich seit -einigen Wochen zu fürchten begonnen hatte. - -Noch am gleichen Nachmittag, als meine zwei Renner blank und glänzend, -mit Kohlen, Wasser und Öl versorgt, hinter der geschmückten Tribüne -aufgestellt waren, fuhr ich nach dem Zollamt und überreichte dem -Generalzolldirektor von New Orleans den »Picayune« und die »Crescent -City News« mit ihren Telegrammen aus Washington. Der Herr, ein dünner, -schwarzgekleideter Yankee mit der Miene eines Kirchenältesten, schien -in eifrigem Geschäftsgespräch mit einem seiner Unterbeamten. Beide -hatten zerrissene Taschenbücher in der Hand und ließen sich durch -meinen Eintritt kaum stören. Zwei gegen eins auf Jonathan; so weit -wollte der Zolldirektor gehen, während der Assistent zögernd an seinem -Bleistift kaute. Beide Herren empfingen mich unwirsch, als ich eintrat, -und sehr höflich, als ich mich zu erkennen gab. Mit sichtlichem -Widerstreben entfernte sich der Assistent auf einen energischen Wink -seines Vorgesetzten. Ich zog den »Picayune« hervor und zeigte ihm den -dickunterstrichenen Paragraphen. - -»Sehr gut, sehr gut, Sir!« sagte er mit unerwarteter Zuvorkommenheit. -»Ich gratuliere Ihnen, Herr -- Herr Jed! Nebenbei: würden Sie -vielleicht die Güte haben, mir den Unterschied, die wesentlichen -inneren Eigenschaften von Jonathan und John Bull zu erklären? Ich -verstehe nicht viel von Dampfmaschinen, interessiere mich aber doch -außerordentlich für die Fortschritte der Technik. Die beiden Elefanten -seien äußerlich ziemlich ähnlich, habe ich mir von sachverständiger -Seite sagen lassen. Welchen -- ganz unter uns -- welchen halten Sie bei -einem Viereinhalbmeilen-Rennen für den leistungsfähigeren? Sie wissen, -die Bahn ist anderthalb Meilen lang.« - -Hier handelte es sich offenbar um ein unerwartet glückliches -Zusammentreffen von Umständen, das ich nicht ungenützt vorübergehen -lassen durfte. - -»Ich komme, verehrter Herr,« sagte ich, »um Sie auf den Paragraphen -bezüglich der rückwirkenden Kraft dieser Zollbestimmung aufmerksam zu -machen.« - -»Sehr interessant!« rief der Zöllner. »Ich höre, Jonathans Feuerbüchse -sei um zehn Zoll länger. Wenn dies der Fall ist, muß er ein verdammt -guter Dampfer sein --« - -»Wie Sie wissen,« unterbrach ich ihn mit großer Ruhe, »haben -wir, unsre Vertreter Longstreet, Owen & Co., in meinem Namen -viertausendzweihundert Dollar Zollgebühren für den Dampfpflug bezahlt, -der sich augenblicklich im Ausstellungspark befindet.« - -»Gewiß, gewiß! ich erinnere mich. Dagegen habe ich gehört, daß John -Bull größere Straßenräder hat. Das müßte man aber doch sehen, und mein -Sohn, den ich gestern nacht hinausschickte, konnte einen Unterschied -nicht mehr feststellen; es war allerdings schon dunkel. Niemand kann -mich nun hierüber so gut aufklären als Sie, mein werter Herr Jed. Ich -betrachte es als eine ganz besondere Vergünstigung, daß ich die Ehre -habe, Sie heute bei mir zu sehen.« - -»Nun denke ich,« fuhr ich mit Beharrlichkeit fort, »werden wir wohl -die viertausendzweihundert Dollar ohne weiteres zurückerhalten -können. Etwas Bargeld wäre mir augenblicklich nicht unangenehm, Herr -Generalzolldirektor! Jonathan frißt, wie Sie richtig vermuten, eine -erstaunliche Menge Kohlen.« - -»Sie glauben also auch, daß Jonathan, namentlich auf viereinhalb -Meilen, die Wahrscheinlichkeit für sich hat?« drängte der -Kirchenälteste. - -»Ich kann natürlich nichts Bestimmtes sagen, Sir«, sagte ich -zurückhaltend. »Jonathan ist ein feiner, junger Dampfelefant, dem ich -viel zutraue -- viel zutraue, Herr Direktor, und John Bull ist nicht -schlecht für sein Alter. Beide sind am gleichen Tage geboren. Es wäre -nicht ehrlich, wenn ich mehr plaudern wollte. Auch kann man ja nie -wissen, wie es geht. Der Zustand der Bahn, das Wetter, Wasser und -Kohle, die Jockeys, alles hat seinen Einfluß. Von den Elefanten als -Renner wissen wir alle nicht zuviel. Was die viertausendzweihundert -Dollar betrifft -- --« - -»Das genügt«, unterbrach mich der Direktor mit schlauem Augenblinzeln. -»Jonathan ist fein und jung. Sie sagen, Jonathan kann man viel -zutrauen. Mehr als einen Wink darf ich von Ihnen nicht verlangen. Ich -hoffe, Sie zu verstehen.« - -»Und was die viertausendzweihundert Dollar betrifft«, mahnte ich, -zutraulich lächelnd, als ob wir jetzt unter einer Decke steckten. - -»Ja, sehen Sie,« sagte der Kirchenälteste mit der wohlwollendsten -Freundlichkeit, »das ist so eine Sache! Das Geld werden Sie ohne -Zweifel bekommen, namentlich -- namentlich wenn Jonathan gewinnt. Aber -ich muß doch erst Weisungen von Washington haben; direkte Anweisung. So -geschwind wie mit Ihren Dampfelefanten geht es in den Regierungsbureaux -gewöhnlich doch nicht. Besuchen Sie mich in einer Woche wieder, Herr -Jed. Da soll die Summe auf dem Tisch liegen, wenn der ›Picayune‹ nicht -gelogen hat; mein Wort darauf! -- Also Jonathan? Sie denken wirklich -Jonathan?« - -»Wie Sie sagen: ich denke Jonathan«, bestätigte ich halblaut, sinnend, -wie wenn ich meine eignen Gedanken belauschte, und dachte dabei an -das Orakel von Delphi. Dann verabschiedeten wir uns mit lebhaftem -Händeschütteln. Ich kann es nicht leugnen, so unerklärlich es ist: -noch nach Jahren meines amerikanischen Lebens machte dieses biedere -Händeschütteln einen gewissen Eindruck auf mich. - -In dem dunklen Gange vor der Tür kam der kleine, aber greisenhafte -Assistent aus einer Nische hervor. Er hatte auf mich gelauert und -schüttelte mir noch heftiger die Hand. - -»Sie kommen wegen des Zolls auf Ihren Dampfpflug«, sagte er leise und -eifrig. »Ich weiß, ich weiß! Ich las die Nachricht selbst heute früh -in den ›Crescent City News‹ und dachte sofort: hier gibt es etwas für -mich zu tun. Ohne mich geht das nämlich nicht. Er ist zäh wie ein -Hickorystock, wenn er herauszahlen soll« -- dabei deutete der Kleine -auf die Zimmertür des Großen. -- »Eine höchst wichtige Nachricht für -Ihr Geschäft. Gratuliere, gratuliere! Die viertausendzweihundert Dollar -werden Sie übrigens im Handumdrehen bekommen, wenn ich die Sache in -die Hand nehme, und das habe ich zu tun im Sinn, Mister Eyth! Nebenbei --- was halten Sie von John Bull? Ich glaube nicht, daß die beiden -Elefanten so verschieden sind, als sie aussehen. Sie sehen verschieden -aus, höre ich von sachverständiger Seite, aber nicht so verschieden, -daß man daraus seine Schlüsse ziehen könnte. Auf die Jockeys wird es -wohl ankommen -- unter uns --« - -»Die Jockeys sind allerdings auch bei wirklichen Elefanten ein -wichtiges Element«, sagte ich zustimmend. - -»Herr Eyth, ich heiße Smith und habe die Geldanweisungen -auszuschreiben. Es wird mir das größte Vergnügen machen, Ihnen gefällig -zu sein. Ich weiß, die Engländer lieben einen prompten Geschäftsgang; -ich war selbst drei Wochen in England. Und da John Bulls Jockey, -wie ich höre, ein Engländer ist und natürlich besser mit diesen -Dampfelefanten umzugehen weiß --« - -»So würde ich selbst vermuten,« unterbrach ich ihn entgegenkommend, -»daß John Bull die größere Wahrscheinlichkeit für sich hat, als Sieger -aus dem Rennen herauszukommen.« - -»Das genügt, das genügt!« rief der Kleine stürmisch. »Natürlich, es -wäre unrecht, Sie zu veranlassen, weiter aus der Schule zu schwatzen. -Aber kommen Sie nach dem Wettrennen wieder. Sie sollen Ihr Geld haben, -ehe wir ein Schnippchen schlagen. Mein Chef?« -- Herr Smith machte eine -unehrerbietige Grimasse -- »er läßt niemand in Ruhe, die alte Schraube! -Er hat mir bei unsrer letzten Wette meinen halben Jahresgehalt -abgeschwindelt, und ich bin ein verheirateter Mann mit einer kleinen -Familie von sieben. Diesmal soll er mir einmal bluten! -- John Bull; -natürlich! Sie werden es den Amerikaner nicht gewinnen lassen; das kann -ja ein Kind sehen. -- Diesmal soll er geschröpft werden. Besten Dank, -wertester Herr Eyth!« - -Er klopfte mit schneidiger Schärfe an die Zimmertür seines -Vorgesetzten. Ein freudiges Herein! der etwas krächzenden Stimme -des kirchenältesten Zöllners drang bis zu mir. Ich konnte noch auf -der Treppe an dem heiteren Ton ihres Gesprächs hören, wie sie beide -glaubten, sich gegenseitig in der Tasche zu haben. Ein schöneres -Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Untergebenen konnte es doch wohl -kaum geben. Und hierfür, sagte ich mir mit heimlichem Stolze, sind mir -beide jetzt gleich dankbar. - -[Illustration] - - - - -9. Das Elefantenrennen - - -Ein kurzer, scharfer Regenguß, der in der Nacht gefallen war und die -Frühlingsregenzeit einleitete, konnte unsrer Rennbahn zwar nicht -sonderlich zuträglich sein, doch trocknete der sonnige Morgen die -Wege, die Tribüne und deren etwas spärliche Dekoration genügend, -so daß alles glänzte und prangte, wie es sich für einen großen -Tag geziemt. In der Stadt war für ein kundiges Auge eine gewisse -Bewegung deutlich erkennbar. Gruppen umstanden die Anschlagsäulen -und die Bretterwände der im Bau begriffenen Häuser, an denen sich -das von Lawrence gedichtete Plakat in Riesenbuchstaben breit machte: -»Unerhörte Sensation! Amerika gegen England; England gegen Amerika! Das -Mammutwettrennen der zwei Dampfelefanten Jonathan und John Bull« usw. -An Straßenecken wurden von zweifelhaften Gestalten Wetten angeboten und -angenommen. Gegen nachmittag war die Trambahnlinie in der Richtung des -Ausstellungsparks belagert, und von vier Uhr an hingen aufgeregte und -im allgemeinen fröhliche Menschen in lebensgefährlicher Weise an den -Geländern und Treppen der Wagen, von denen alle acht Minuten fünf und -sechs unmittelbar hintereinander nach Osten fuhren. - -Schon um elf Uhr hatten wir bei verschlossenen Türen im Parkpavillon -eine geheime Sitzung abgehalten: Lawrence, Delano, ich und die -zwei Elefantenjockeys Parker und Stone. Es handelte sich um genaue -Anweisungen für die beiden letztgenannten. Flüsternd ersuchte ich sie, -nachdem die Türen verriegelt waren, ihr heiliges Ehrenwort abzugeben, -daß nichts -- aber auch nichts! --, was sie in dieser feierlichen -Stunde hören sollten, jemals über ihre Lippen kommen werde. »~I will -be blown~,« sagte der Engländer bereitwillig, aber ernst, »wenn ich je -etwas ausplaudere.« -- »~I will be darned!~« schwur der Amerikaner. -Wörtlich übersetzt heißt das eine: »ich will geblasen«, das andre -»ich will gestopft sein« und ist in der Heimat der Betreffenden die -landesübliche Umschreibung für den Wunsch, in der untersten Hölle zu -braten. Ich konnte beruhigt fortfahren: - -»Sie wissen, meine Herren, daß, was wir heute zu tun haben, die Grenze -eines kleinen, heiteren Humbugs nicht überschreitet. Ich brauche Ihnen, -bei Ihrer Intelligenz, nicht mitzuteilen, daß unsre Elefanten keine -wirklichen Elefanten, unser Wettrennen kein wirkliches Wettrennen ist. -Herr Lawrence wird Ihnen vielleicht auseinandersetzen, wenn Sie dies -wünschen sollten, wie weit unser Vorgehen vom ethischen Standpunkte -aus haltbar ist. Ich überlasse ihm diesen Punkt, da derselbe -ausschließlich die Anschauungsweise der großen und erleuchteten Nation -betrifft, die wir heute zu erfreuen und zu belehren hoffen, und für -deren hervorragenden Vertreter ich ihn ansehe. Ich beschränke mich -darauf, Ihnen die Versicherung zu geben, daß Herr Lawrence in diesem -Punkte völlig beruhigt ist.« - -Stone nickte mit einem kaum merklichen Anflug eines Lächelns um seine -dünnen Lippen, Parker in stummem Staunen. - -»Die Sache ist also einfach die,« begann ich wieder in -geschäftsmäßigerem Ton, »Punkt halb fünf Uhr haben Sie sechs -Atmosphären Dampf im Kessel, Wasser und Kohle in Ordnung, alle Lager -gut geölt -- vergessen Sie das Bremsband auf der Hinterachse nicht, -Herr Stone --, kurz, die Maschine zur Abfahrt vollständig bereit zu -halten. Sie fahren dann vor die Tribüne, wo ich Ihnen Ihre Plätze -anweisen werde. Punkt fünf Uhr gibt Herr Delano ein Zeichen; er wird -einen Revolver abschießen, wenn ich recht weiß, und Sie, meine Herren, -fahren dann dreimal auf dem großen Ring herum. Keine Übereilung; keine -unnötige Anstrengung. Zuerst bitte ich Herrn Stone, vorauszufahren, -- -dann, nach etwa hundert Schritt, muß Parker ihn überholen und einen -ziemlichen Vorsprung beibehalten, bis bei der dritten Umfahrt, kurz vor -dem Ziel, Herr Stone ihn wieder einholt und eine halbe Minute, oder -besser nur ein paar Sekunden, vor Parker durchs Ziel fährt. Hier zum -Schluß müssen Sie natürlich ein wenig aufpassen, daß die Sache nicht -umgekehrt ausfällt. Sie haben mich verstanden?« - -Parkers rundes, harmloses Gesicht verdüsterte sich. »Aber« -- fing er -an. - -»Kein ›Aber‹, Parker,« sagte ich bestimmt, »Sie tun, wie ich Ihnen -sagte. Wir sind in Amerika und müssen den Herren Amerikanern zeigen, -daß ein englischer Gentleman höflich sein kann.« - -Stone lächelte mitleidig; Parker hing den Kopf. »Ich möchte mit Ihnen -allein sprechen«, murmelte er in sichtlicher Seelennot. - -Wir traten in eine Fensternische, und Jem flüsterte, während sein Kopf -purpurrot wurde: - -»Mir wäre es ja gleichgültig, Sir, wer am Schluß vorausfährt; aber -Sally -- ich habe Sally versprochen --« - -»Weibergeschichten! Dummheiten! Schämen Sie sich, Parker!« sagte ich -entrüstet. »Ich hoffe -- die Herren Fowler in England hoffen, daß Sie -Ihre Pflicht tun werden.« - -Er schwieg und schämte sich. Hiermit konnte die geheime Konferenz -geschlossen werden. Stone und Parker entfernten sich, um ihren -Maschinen, die hinter der Tribüne und einer provisorischen Zeltwand -friedlich nebeneinander rauchten, vor dem großen Kampfe die letzten -liebevollen Handreichungen angedeihen zu lassen und sich sodann in -den dunklen Hohlräumen der Tribüne in ihr schmuckes Jockeykostüm zu -werfen. Delano eilte in fieberhafter Stimmung nach den Kassenhäuschen -am Eingang, wo bereits zwei Kassierer auf ihre kommende Tätigkeit -warteten. Sie kam auch, mit jeder Viertelstunde sichtlich wachsend. Der -Ausstellungspark, sonst ein Bild tiefer, melancholischer Einsamkeit, -begann sich zu beleben. Lawrence strahlte wie eine zweite Sonne über -dem Platz, Freunde begrüßend, Fremde zurechtweisend. Es war sein Werk, -das sich ringsumher entwickelte, und er fühlte, daß die Augen von zwei -Weltteilen auf ihm ruhten. - -Die Tribüne füllte sich langsam; um die Barrieren des großen Rings -schloß sich ein Menschenring in Form einer dünnen riesigen Mondsichel, -deren Hörner sich bereits zu einem Kreis zusammenschlossen. Daß das -Sonntagspublikum der Stadt in Bewegung geraten könnte, hatte ich halb -und halb gehofft; daß aber auch die Aristokratie der Crescent City -erscheinen werde, war mehr, als ich erwartete. Longstreet kam -- -man hörte sein vergnügliches lautes Lachen schon von weitem --, der -ernste Beauregard, Taylor, unruhig wie ein Wiesel, nach allen Seiten -auf Jonathan und gegen John Bull wettend. Die Owens mit der jüngeren -Generation belebten das Innere des Rings und brachten ganze Scharen von -Damen in glänzenden Toiletten. Es gab doch noch schwarze leuchtende -Augen und blitzende Diamanten in der Stadt. Gelegentlich sah man Delano -mit einem Leinwandbeutel im Arm vom Eingangstor nach dem Pavillon -laufen. Es waren Geldsäcke, die er in Longstreets Bureau entlehnt -hatte. Er lachte förmlich, zum erstenmal seit dem Bürgerkriege, wie -mir Owen, ebenfalls lachend, versicherte. Eine heitere Aufregung -bemächtigte sich der Menge in steigendem Grade. Der improvisierte -Zeltverschlag, hinter dem in stoischer Ruhe die zwei Maschinen ihre -Rauchwolken zum Himmel sandten, war von hundert Jungen umdrängt, die -die Leinwandwände einzudrücken versuchten und von Zeit zu Zeit von -Bucephalus und dem schwarzen Jem mit entrüsteter Beredsamkeit verjagt -wurden. Es half wenig, da der eine eine riesige amerikanische, der -andre eine englische Kokarde trug, die sofort der Mittelpunkt jubelnder -Bewunderung wurden. - -So wurde es halb fünf Uhr. Aus einem Loch in der Rückwand der Tribüne -schlüpfte jetzt Stone in hellgrüner Jacke und gelben Beinkleidern und -marschierte, von dreißig Jungen geleitet, ernst, als ob er in einer -grünen Jacke geboren wäre, dem Maschinenzelt zu. Keine Muskel rührte -sich in seinem steinernen Gesicht. Er war der echte Jockey, der mit -zusammengebissenen Zähnen einem Kampf auf Leben und Tod entgegengeht. - -Vor dem Loch in der Tribüne wartete in sichtlicher Ungeduld eine -junge Dame in feuerrotem Seidenkleid und einem wogenden Federhut -von erstaunlicher Größe. Als Parker in seinem prachtvollen -Kakadugefieder, rot und blau, in der Öffnung erschien, wollte er -wieder zurückschlüpfen. Der große Junge war so rot wie seine Jacke. -Aber es half ihm nichts; die begeisterte Sally erfaßte ihn beim Arm, -zog ihn heraus und begleitete ihn stolz nach dem Maschinenzelt, wo sie -mit Bucephalus in ein entrüstetes Zwiegespräch geriet, der ihr rund -erklärte, daß hier Damen nicht zugelassen würden. - -Fünfzehn Minuten vor fünf öffneten sich die Zeltwände mit erfreulicher -Pünktlichkeit. Es ging alles wie am Schnürchen. Die beiden Elefanten -dampften keuchend und rasselnd, aber mit feierlichem Ernste, aus -der Hütte hervor und wälzten sich in den Ring, der Tribüne zu. Die -Aufregung wuchs; die Volksmenge umringte sie schreiend, manchmal -in jähem Schreck auseinanderstiebend, dann wieder sich gefährlich -zusammenballend. »Das ist Jonathan!« -- »Das ist John Bull!« erklärten -sie sich hundertstimmig. »Ein feiner Bursche, John Bull!« -- »Sehen -Sie, die Räder! diese Breite!« -- »Und wie Jonathan dampft! Das -heiß' ich ein paar Lungen!« -- »Aufpassen! Aus dem Weg!« -- »Vier -gegen drei auf Jonathan!« -- »Zwei gegen eins auf John Bull!« -- -»Hipp, hipp, hurra für Amerika!« -- »Zwei gegen eins auf Jonathan!« -So schwirrte es durcheinander, bis die beiden Maschinen vor der -Tribüne angelangt waren und nebeneinander zum Stillstand kamen. Der -kleine schwarze Jem, der bei Jonathan, und Bucephalus, welcher bei -John Bull Heizerdienste versah, grinsten sich an. Parker und Stone -lehnten auf ihren Steuerrädern und sahen ernst und schweigend auf die -brausende Volksmenge herab, die zögernd die Rennbahn freigab und, -heftig protestierend, von sechs Schutzleuten unter die Barrieren -durchgejagt wurde, wobei abgestreifte Zylinderhüte die Heiterkeit -wieder herstellten. Das Ganze schien einen durchaus würdigen Verlauf -nehmen zu wollen. Lawrence, der an alles zu denken schien, hatte selbst -für Komiteemitglieder gesorgt, die in amerikanischen und englischen -Schärpen um die Maschinen herumliefen, sichtlich ohne zu wissen, was -sie zu tun hatten, und dadurch dem Publikum zu denken gaben. - -Auf der Pavillonuhr schlug es fünf. Atemlos kam Delano aus der Richtung -des Kassentors herbei, eine riesige Pistole in der Hand. Er wechselte -mit Parker und Stone einige hastige Worte, um sicher zu sein, ob er das -Zeichen geben könne. Beide nickten. Fräulein Sally, die ihre nächste -Umgebung nur mit Mühe verhindern konnte, die Barriere zu überklettern, -rief ihrem Jem ermunternde Zärtlichkeiten zu. Dann knallte der -Schuß. Sally stieß einen gellenden Schrei aus, sank in die Arme -ihres Nachbars, raffte sich aber ebenso rasch wieder empor. Mit acht -offenen Zylinderhähnen, Dampf und Feuer speiend, beide Pfeifen schrill -trompetend, hatten sich die zwei Maschinen in Bewegung gesetzt. Das war -nicht der Augenblick für weibliche Schwächen. »Hurra, Jonathan!« -- -»Hurra, John Bull!« brüllte die beglückte Menge. »Vorwärts, vorwärts!« --- »Hurra, Jonathan!« -- »Amerika für immer!« -- »Hurra, Jonathan!« - -Der Start war untadelhaft; das Wettrennen hatte durchaus programmgemäß -begonnen. Beide Maschinen liefen in behaglicher Ruhe hintereinander her -die Rennbahn entlang. Da aber sämtliche Zylinderhähne geöffnet blieben -und sie demgemäß unter lautem Zischen Wolken von Wasser und Dampf -ausspieen, machten sie den Eindruck außerordentlicher Kraftanstrengung, -so daß das Publikum hochbefriedigt war. »Hurra, John!« -- »Vorwärts, -vorwärts, Jonathan!« schrie es in steigender Erregung. Ich wunderte -mich anfänglich, daß der England repräsentierende John Bull mindestens -ebenso viele brüllende Freunde zu haben schien als Jonathan. Aber -eine große Anzahl Wetten waren zugunsten Johns abgeschlossen worden. -Der schlauere Teil der Wettlustigen traute der Sache doch nicht ganz -und vermutete, daß ich, der Leiter und Besitzer der Elefanten, dem -Engländer geheime Vorteile verschaffen werde. Daß ich weder Engländer -noch Amerikaner, sondern »nur« -- wir schrieben, wie erwähnt, noch -nicht 1870 -- ein ehrlicher Deutscher war, wußten natürlich die -wenigsten. -- Eine schrille, den größeren Teil des Ringes beherrschende -Stimme leitete den Chor der Rotblauen. Es war Sally, die den -Tribünenaufgang erklettert hatte, auf dem ich selbst stand und mich -vergebens bemühte, unberechtigte, aber enthusiastische Zuschauer -hinunterzujagen. Sally sah mir mit ihren blitzenden, kohlschwarzen -Augen lachend ins Gesicht, ohne ihr Schreien einzustellen, und -klammerte sich fest ans Geländer an. Man sah, sie war entschlossen, -nicht zu weichen, ohne das Gebälke mitzunehmen. Ich kapitulierte ohne -weiteres. Diese Lungen! Ein gewaltiger Perlmutterknopf über ihrem -königlichen Busen sprang mit einem hörbaren Knall ab und flog in -großem Bogen in die untenstehende Volksmenge. »Hurra, Jonathan!« -- -»Hurra, Jem!« Ihre Gefühle für die Lokomotive mischten sich bereits -bis zur Unkenntlichkeit mit denen für den Lokomotivführer, und als die -Maschinen die Bahn zum erstenmal umkreist hatten und John Bull sechs -Maschinenlängen vor Jonathan durch das Ziel dampfte, kannte ihre Freude -und ihr Stolz keine Grenzen mehr. »Hurra, Jem! Hurra, Jem!« jubelte sie -dem Blauroten zu, der in stoischer Ruhe, den Anlaßhebel in der einen, -den Regulator in der andern Hand, auf seinem Tender stand und sich -sichtlich bemühte, die Freudenrufe seiner jungen tropischen Liebe nicht -zu hören. Zu unsern Füßen sahen Leute entrüstet herauf und suchten ihre -Chorführerin zu belehren, daß ihr Elefant nicht Jem heiße, sondern -John, John Bull. Aber nichts in der Welt hätte Sally irre gemacht. -»Hurra, Jem! Hurra, Jem!« - -[Illustration] - -Höhnend behandelte sie Jonathan, der eine halbe Minute später an uns -vorüberdampfte. Auch Stone sah ruhig und trocken, wie sich's geziemt, -von seiner Maschine herab. Das Brüllen der Grüngelben, aus dem schon -Angst und Zorn deutlich durchklang: »Vorwärts, Jonathan!« -- »Nicht -nachlassen, nicht nachlassen!« -- »Schneller!« -- »Hurra für Amerika!« --- »Schneller, schneller!« schien an seinem starren Yankeegesicht -abzuprallen wie ein tosender Gebirgsbach an einem Felsblock. Dagegen -konnte ich jetzt mit meinem Opernglas bemerken, daß der schwarze Jem, -sein Heizer, in sichtlicher Aufregung große Klumpen Kohle in das Feuer -warf und dazu zornig in das Feuerloch hineinschrie. Trotzdem erweiterte -sich die Entfernung zwischen den beiden Rennern mehr und mehr. - -»Donnerwetter, der Amerikaner verliert's!« sagte Longstreet, der -unmittelbar hinter mir auf der Tribüne stand, zu seinem Freund -Beauregard. Die Aufregung und das Geschrei der tausendköpfigen Menge -hatte seine bekannte, magnetische Wirkung. Selbst die beiden, damals -weltberühmten Generale der konföderierten Armee, die in blutigen -Schlachten kühl ihre Befehle gegeben hatten, begannen den Einfluß der -wunderlichen Nervenströmung zu fühlen, die in solchen Augenblicken -durch die schwüle, brausende Luft zieht. »Was wetten Sie, Beauregard, -der Amerikaner verliert's?« - -»Zwei gegen eins, in Zehndollarnoten«, sagte der andre trocken. »Vor -dem Krieg hätten wir mit Hundertdollarnoten gespielt, Longstreet, aber -es geht auch so.« - -»Und es geht ehrlich zu, da drunten?« fragte Longstreet, sich über -meine Schulter neigend. - -»So ehrlich wie irgendwo in diesem großen und erleuchteten Lande!« -antwortete ich, in der Hoffnung, er werde mich verstehen. »Es ist alles -aufs beste geordnet und geregelt, General!« - -Aber Longstreet war zu ehrlich für sein großes und erleuchtetes -Vaterland und verstand mich nicht. Die beiden notierten die Wette und -verfolgten jetzt das behagliche Elefantenrennen mit derselben Teilnahme -wie die Volksmasse unter uns, deren brausendes Geschrei mit den -Maschinen zum zweitenmal um den Ring lief. - -Jonathan, welcher keuchend schwarze Rauchwolken ausblies, war jetzt -über hundert Schritte hinter John Bull geblieben, mehr, als ich für -gut hielt. War nicht alles in Ordnung? Wollte Stone den Schlußeffekt -um so glänzender gestalten? Schon bewegte sich seine Maschine in einem -Sturm von Entrüstung entlang der Barriere. Höhnische Zurufe, zornige -Mahnungen, sein Vaterland nicht zu verraten, wurden ihm zugeschleudert. -Der schwarze Jem, in heftigem Wortwechsel mit seinem Vorgesetzten, warf -eine Schaufel Kohle nach der andern ins Feuer. Und wirklich, jetzt -endlich schien die Maschine sich aufzuraffen. Rasselnd und klappernd -brauste sie ihrer Genossin nach. Der Zwischenraum nahm sichtlich ab. -»Hurra, Jonathan! Hurra, Jonathan!« Die Grüngelben gewannen wieder Mut. - -Bei der zweiten Vorbeifahrt am Ziel war Jonathan eine halbe -Elefantenlänge voraus! Dies war gegen das verabredete Programm. Als sie -aneinander vorübergefahren waren, hatte Parker seinem Kollegen zornige -Blicke zugeworfen. Stone sah nach der andern Seite, als ob er allein -in der Welt wäre. Die beiden Heizer dagegen, der schwarze Jem und -Bucephalus, hatten ein lebhaftes Zwiegespräch eröffnet, sobald sie sich -hören konnten. - -»Glaubst du in den Himmel zu kommen mit deinem Gekeuch, du großer -Maulesel?« erkundigte sich Jem. - -»Wir alle gehen über den Jordan, o Jerusalem!« sang Bucephalus mit -lauter Stimme, indem er das alte Baptistennegerlied benutzte, um -seinen schwarzen Mitbruder außer sich zu bringen. Aber auch er -tanzte vor Wut auf dem Tender, als seine Maschine wirklich langsam -zurückblieb. Es war für den Augenblick nicht zu ändern. Parkers Dampf -war um etwas gesunken, während bei Stone beide Sicherheitsventile -abbliesen wie toll. Der weiße Jem unterbrach die nutzlosen Wutausbrüche -seines Heizers mit einer gelinden Ohrfeige und stieß ihm den Kopf gegen -das Feuerloch. Diesen Wink billigte der Schwarze und begann wie wütend -Kohlen in die Feuerbüchse zu schaufeln. - -Sally war zum erstenmal seit Beginn des Rennens still geworden und -starrte mit weit aufgerissenen Augen dem Unheil entgegen, das ihren -Jem betroffen hatte. Jetzt riß sie ihren prachtvollen Federhut vom -Kopf und schwenkte ihn an den Bändern wie ein Rad in der Luft, um -den Geliebten aufzumuntern. »Hurra, Jem! Schnell, schnell! Vorwärts! -Hurra!« Der Chor der Blauroten, der etwas schwächer geworden war, -brauste unter diesem Gefühlssturm seiner Führerin wieder auf, die sich -durch das Hutschwenken rasch Platz verschafft hatte und jetzt auf der -Tribünentreppe eine hervorragende Stellung einnahm. Aber Jonathan -gewann noch immer. Fünf Minuten mußten vergehen, ehe Parker Dampf genug -hatte, um das verlorene Terrain wiederzugewinnen. - -Nun aber war es an mir, etwas bange zu werden. Mein Opernglas war gut, -so daß ich die Bewegungen der zwei Leute auf jeder Maschine genau -beobachten und fast sehen konnte, was sie sich sagten. Es war klar, -sowohl Stone als Parker hatte das Programm völlig vergessen. Vielleicht -hatte der erstere den Hohn seiner Landsleute nicht länger ertragen -können, vielleicht war der Stoizismus Parkers den leidenschaftlichen -Ausbrüchen seiner hitzigen Geliebten erlegen. Tatsache war: die -Maschinen liefen nicht mehr hintereinander her, wie es der Würde eines -braven Dampfpflugs entspricht; sie stießen zornige Rauchwolken aus, sie -rannten, sie suchten sich zu überholen. Beide Maschinenführer hatten -die eine Hand auf den Sicherheitsventilhebeln -- ein böses Zeichen --, -die erregbaren Heizer drohten sich mit den Kohlenschaufeln und stimmten -jauchzend in das Geschrei der Menge ein. -- Das Wettrennen war ernst -geworden, und von allen Beteiligten wußte eigentlich nur Parker genau, -was er tat. Wenn es so fortging, konnte der Spaß jeden Augenblick mit -einer Katastrophe enden, und die Zeichen mehrten sich, daß wir einem -tragischen Ende entgegentrieben. - -Auch der Himmel hatte sich plötzlich verdüstert. Eine schwarze -Regenwolke trieb mitten durch den Sonnenschein über den Park hin, eine -im März gewöhnliche Erscheinung des Klimas von Louisiana. Das helle -Bild lag plötzlich in tiefem Schatten, und eine Minute später schüttete -der Himmel Wasser in Strömen auf die Rennbahn. Doch dauerte der -sündflutartige Guß nur zwei Minuten lang, dann glänzte die Abendsonne -wieder durch das dampfende Gewölke, und alles strahlte und funkelte in -frischen Farben. - -Auf die Volksmenge hatte das gewohnte Zwischenspiel kaum einen -merklichen Eindruck gemacht. Lachend wurden tausend triefende -Regenschirme wieder zugeklappt und der gefüllte Rand von hundert -Hüten dem zu nahe stehenden Nachbar in den Nacken geschüttet. Dagegen -hatten die Elefanten mit einer neuen und jedem, außer mir und Parker, -unerwarteten Schwierigkeit zu kämpfen. Während des Regens war John -Bull wieder vorgeeilt und hatte Jonathan um zwanzig Schritte überholt. -Beide rangen jetzt mit allen Mitteln um den Sieg. Sie waren noch -hundert Schritte vom Ziel, aber auf dem nassen Rasen, auf dem der -kurze stürmische Regen da und dort kleine Seen zurückgelassen hatte, -glitten und glitschten jetzt die Triebräder in hilflosem Eifer. Auch -die Vorderräder, durch deren Stellung die Maschine gesteuert wird, -hatten keinen Halt mehr und schlüpften nach rechts oder links mit -unberechenbarer Willkür. Die wuchtigen Lokomotiven schwankten hin und -her wie Betrunkene, blieben stecken, schossen vorwärts, versuchten sich -quer zur Bahn zu stellen. Es war ein tolles Ringen mit den Elementen, -die sich gegen beide Renner gleichmäßig verschworen hatten. - -Da hielt Parker plötzlich still und sprang von seiner Maschine, -Bucephalus ihm nach. Zischend heulte der gepreßte Dampf durch die -sich weit öffnenden Sicherheitsventile. Stone, wenn auch mühselig -und in unregelmäßigen Stößen sich fortbewegend, fuhr an der stehenden -Maschine vorüber. England brüllte vor Wut; Amerika brach in brausenden -Siegesjubel aus. Sally verlor den zweiten Perlmutterknopf über dem -gepreßten Herzen: »Vorwärts, Jem! Vorwärts! O Jerusalem, vorwärts!« - -Parker, der noch hundert Meter der überfluteten Rennbahn vor sich -sah, war nicht stehen geblieben, um Luft zu schöpfen, und verstand -sein Geschäft. Mit aller Macht, aber stumm drauf los arbeitend, den -willigen, aber ungeschickten Bucephalus nur mit Rippenstößen anleitend, -seine rotblaue Jacke mit Schmutz und Lehm bedeckend, befestigte -er an den Triebradreifen ein halbes Dutzend sogenannter »Sporen«, -gewaltige eiserne Schaufeln, die, in den Boden einhauend, auch auf -nassem, schlüpfrigem Felde die Maschine vorwärts bringen. Stone hatte -trotz seiner Nöte sechzig Schritte Vorsprung gewonnen, ehe Parker mit -dieser Arbeit fertig war. Er war nur noch vierzig Schritte vom Ziel, -aber seine Maschine, kaum mehr steuerbar, die Räder handhoch mit Lehm -bedeckt, taumelte hilflos hin und her. Jetzt sprang Parker wieder auf -den Tender, ließ die Dampfpfeife spielen, und stolz und ruhig hieb sich -die Maschine vorwärts. - -Das Geschrei wurde betäubend. John Bull klatschte mit einer Sicherheit -durch das Wasser, als sei er darin geboren. Sally warf ihren Federhut -in die Luft, der einen wild gestikulierenden, achtbaren Geistlichen -unter ihr zudeckte. »Hurra, Jem! Hurra, Jem!« So dampfte Parker an uns -vorüber. Noch zwanzig Schritte, und England hatte gesiegt. - -Doch plötzlich stockte auch John Bull wieder. Die Hinterräder drehten -sich, aber die Maschine ging nicht vorwärts. Auf einen Augenblick wurde -die tausendstimmige Menge fast still; das Interesse war aufs höchste -gestiegen. Wasser spritzte nach allen Seiten; große Klumpen Erde flogen -in die Luft. Die Nächststehenden stoben entsetzt auseinander; sie -wußten nicht, was vorging. Ich wußte es nur zu gut: Parkers Maschine -war auf eine besonders weiche Stelle geraten; die Sporen, anstatt -einzuhauen und die Maschine vorwärts zu treiben, warfen den Boden nach -hinten und begannen nach den besten Regeln der Kunst der Maschine ihr -eignes Grab zu graben. Parker sprang wieder herab und riß Bucephalus -mit. Beide hoben mit Anstrengung aller Kräfte, Bucephalus laut heulend -vor Wut, ein Stück der nächstgelegenen Barriere aus dem Boden und -warfen das gewonnene Gebälk unter die Räder. Aber es half nichts. -Knirschend, alles zermalmend arbeiteten die Sporen das Holz in die -tiefer und tiefer werdende Grube. Die Maschine sank -- sank! -- Der -Schornstein neigte sich wie zum Sterben. Im nächsten Augenblick saß der -Tender auf dem Boden, und alle weiteren Versuche, vorwärts zu kommen, -waren zu Ende. - -Und langsam, bedächtig, durch nichts entmutigt, kroch Stones Maschine -hinterher. Jetzt passierte sie Parker. »Hipp, hipp, hurra!« schrie -der kleine Jem, ganz außer sich vor Freude, obgleich ihm Bucephalus -ein Stück Kohle an den Kopf warf. Glitschend und gleitend, oft fast -quer über die Bahn stehend, quälte sich Jonathan weiter. Drei Minuten -brauchte er zu den letzten zehn Schritten. Aber keuchend und röchelnd, -platschend und scheinbar halb schwimmend, über und über mit Schmutz -bedeckt, glitt er endlich durch das heiß erkämpfte Ziel. - -Jonathan hatte gewonnen -- programmgemäß. - -Stone sprang ab. »Hurra für Amerika!« schrie er laut und schwenkte -feierlich seine Mütze. »Hurra für Amerika!« heulten tausend Stimmen -in dem rasch sich füllenden Ring. Dreißig Schritte davon stand Parker -trotzig und stumm neben seiner versunkenen Maschine und versuchte -vergeblich, sich Sallys zu erwehren, die laut schluchzend an seinem -Halse hing. - -[Illustration] - - - - -10. Hans im Glück - - -Leider verläuft nicht alles programmgemäß unter diesem wechselnden Mond. - -Die drei folgenden Tage waren der Aufgabe gewidmet, meist unter -strömendem Regen, die beiden Maschinen aus dem Sumpf herauszuschleppen, -in den sich der Ausstellungspark der Landwirtschaftsgesellschaft von -Louisiana verwandelte. Dabei galt es, nicht bloß die Maschinen, sondern -auch den Mut meiner farbigen Hilfstruppe aufrecht zu erhalten, die an -derartige Zwischenfälle nicht gewöhnt war und in den entscheidenden -Augenblicken mehrfach davonzulaufen drohte. Nur fröhliches, -persönliches Zugreifen konnte hier eine schwere Katastrophe verhindern. -Nachdem wir mehrere Klafter Holz in dem schwarzen Untergrund des -Mississippideltas begraben und den Weg von der Rennbahn zum Parktor in -den Zustand des Chaos vor der Scheidung von Wasser und Feste verwandelt -hatten; nachdem schließlich auch die Holzbrücke, welche über den -den Park umgebenden Kanal führt, unter der Last John Bulls zermalmt -zusammengebrochen war -- ein großartiger Augenblick für die nicht -unmittelbar Beteiligten -- und wir uns selbst täglich zweimal mit einer -klebrigen Schichte aus den Urbestandteilen der Schöpfung überzogen -hatten, standen endlich am Abend des dritten Tages die beiden berühmt -gewordenen Renner erschöpft und mannigfach zerstoßen und verwundet auf -dem festen Straßendamm, der nach der Stadt führt. - -Während ich so drei harte Tage lang mit den Mächten der Unterwelt rang -und mich damit tröstete, daß in dem einsamen, sturmgepeitschten Park -wenigstens keine Seele diesen Kampf mit ansah, erschienen glänzende -Beschreibungen des großen Rennens in der Presse der Stadt. Selbst -die »Crescent City News« erklärten sich für überwunden. Wenn in der -Alten Welt, sagten sie, der plumpe indische Elefant den Pflug einer -modernden Kultur mühselig durch den entkräfteten Boden schleppe, so -mache die Neue Welt in unsrer Zeit, der Zeit des Fortschritts und der -Intelligenz, sich die Arbeit des Dampfes nutzbar. An Stelle der rohen -tierischen Kraft trete der Genius der Menschheit und schaffe sich aus -Kohle und Wasser die Diener seiner Macht. Für seine Bedürfnisse, für -sein Wohlergehen, für seinen Genuß, ja selbst für jene Verbindung -von höchster Arbeitsleistung und höchstem Genuß, die in jedem Sport -zum Ausdruck komme, dienen ihm heute wunderbare, selbstersonnene -Werkzeuge. Das Wettrennen der beiden Dampfelefanten Jonathan und John -Bull sei ein Beweis dieser jedes Herz mit freudigem Stolz erfüllenden -Tatsache. Dann folgte eine lange, etwas konfuse Beschreibung des großen -Ereignisses, in welcher meist richtige Sportausdrücke, meist falsche -maschinentechnische Erörterungen und die dem Konversationslexikon -entnommene Zoologie des Elefanten wundersam gemischt waren. Einen -kleinen Stoßseufzer konnte zum Schluß die Schriftleitung des Blattes -nicht unterdrücken: daß die zwei Elefanten von England importiert -seien, sei zwar bedauerlich, aber, bei Licht betrachtet, nebensächlich. -Hier erst, auf amerikanischem Boden, sei ihnen Gelegenheit gegeben -worden, ihre Kraft im Dienste der Menschheit völlig zu entwickeln, und -doppelt erfreulich sei es, daß dies mit dem Sieg des zäh ausdauernden, -froh einherbrausenden Jonathan über den schwerfälligen John Bull -geendet habe. Während jener spielend das Ziel erreichte, habe sich -dieser unter dem Jubel einer tausendstimmigen Volksmenge mit den -hinterlistig benutzten Radsporen sein eignes Grab gegraben. - -Der glänzend geschriebene Artikel ging durch alle Zeitungen von Alaska -bis Texas. Noch zwei Wochen später bekam ich ihn aus entlegenen Wald- -und Prairiegegenden zugesandt, mit dem gedruckten Winke, mich doch auf -die »Bluff Creek Times« oder den »Jacksonville Herald« zu abonnieren, -die in so aufopferungsvoller Weise meine Bestrebungen unterstützten. -Ich war für die Zeit meines irdischen Daseins mit -- allerdings -brüchigem -- Packpapier überreichlich versorgt. - -Was aber nun? Todmüde und mit Schmutz bedeckt war ich am Abend -des dritten Tags nach dem Rennen nach Hause gekommen. Der ganze -Apparat stand gerettet, aber wie ein großes Fragezeichen, -dazu nach europäischen Begriffen völlig polizeiwidrig auf der -muschelgepflasterten Chaussee drei Kilometer vor der Stadt. Parker, -Stone und die schwarze Gesellschaft brauchten, so gut wie ich, zunächst -ein paar Ruhetage. Soweit war die Sache gut. Aber was dann? - -Doch die Welt steht nicht still, wenn wir selbst keinen Weg mehr sehen. -Während ich, alle Fragen und Sorgen des Daseins vergessend, noch in -tiefem Schlafe lag, war ein ereignisvoller Tag angebrochen. - -Mein erster Gang galt dem Hauptzollamt und seinem Direktor. Der Herr -empfing mich mit einer Herzlichkeit, welche keiner der mir bekannten -europäischen Zollbeamten, deren Herzlichkeit gemäßigt zu sein pflegt, -auch nur entfernt erreicht hätte. - -»Sehr angenehm, Herr Eyth! Entzückt, Sie zu sehen, Herr Eyth!« rief -er mir entgegen, indem er gleichzeitig seinen Assistenten aus dem -Zimmer jagte, der ein Gesicht schnitt wie die letzten Regennächte gegen -zwei Uhr morgens. »Ich gratuliere Ihnen zum Sieg Jonathans! Das wird -Ihr Glück machen; ich bin fest überzeugt, das muß Ihr Glück machen. -Mein Assistent hat zwar ein verteufeltes Häufchen Geld verloren; der -wird Ihnen nicht gratulieren. Aber er hat mir die Wette förmlich -aufgedrängt. Geschieht ihm recht, dem Querkopf! Er konnte sich doch -denken, daß ich Elefanten besser beurteilen kann als er. Ich und Sie, -Herr Eyth! Ha, ha!« - -Er lachte mit einer Stimme, die dem Klang eines zersprungenen -Zinntellers nicht unähnlich war. - -»Sie haben wohl Nachrichten von Washington, Herr Generaldirektor?« -bemerkte ich, um etwas rascher zur Sache zu kommen. - -»Von Washington, Herr Eyth?« fragte er, mich groß ansehend. »Alle -Zeitungen sind voll! Natürlich, auch dort. Es soll mich nicht wundern, -wenn Sie bald Anträge bekommen, mit Ihren Doppelelefanten in allen -größeren Städten der Union aufzutreten. Bei Zeus, das wäre keine -schlechte Spekulation. Wie ich sage: alle Zeitungen sind voll! Der Sieg -des amerikanischen Dampfrenners Jonathan -- Mister Harris, bringen Sie -uns doch die neuesten Zeitungen von Washington!« - -»Ich meinte eigentlich unsre Zollangelegenheiten«, warf ich ein. - -»Ach -- das!« rief der Direktor mit einem leichten Schatten auf den -mehr und mehr in Leder übergehenden Zügen. »Gewiß! Ich habe für -Sie telegraphiert. Soeben Antwort erhalten; interessant -- etwas -unerklärlich.« - -»Weshalb? Die Sache schien mir doch ziemlich einfach«, bemerkte ich. - -»In der Hauptsache ist alles in Ordnung, gewiß!« versetzte der Zollmann -mit unangenehmem Zaudern. »Sie bekommen die viertausendzweihundert -Dollars zurück, die Sie für den Pflug bezahlt haben. Ich garantierte -Ihnen dies schon vor dem Rennen. Kongreßbeschluß unzweifelhaft und ganz -klar. Sie müssen sie zurückbekommen.« - -»Sehr schön«, sagte ich freudig. »Können Sie mir gleich eine Anweisung -ausstellen? Bargeld wäre mir augenblicklich nicht unangenehm. -Elefantenrennen kosten runde Sümmchen.« - -»Bringen auch hübsch Geld«, lachte der Direktor mit einem Wink auf die -Tür, hinter der der Assistent verschwunden war. »Ja, ja, Herr Eyth, die -Sache ist ganz in Ordnung. Sie sollen die viertausendzweihundert Dollar -zurückerhalten. Aber --« - -»Was aber?« drängte ich ungeduldig. - -»Der Generalzolldirektor von Washington schreibt mir, daß am Tage nach -dem Kongreßbeschluß einer Ihrer Freunde die ganze Summe für Sie in -Washington erhoben habe.« - -»Olcott!« rief ich, während mein ganzes Innere von einem elektrischen -Gedankenblitz erhellt wurde. - -»Oberst Olcott. Wissen Sie es schon?« bestätigte der Direktor. »Sie -sehen, daß sich alles bei uns ziemlich prompt und flink abwickelt. Ein -andres Tempo als in Ihrer alten Heimat, das müssen Sie zugeben. Oberst -Olcott, einer unsrer schneidigsten Kongreßleute -- ich gratuliere Ihnen -dazu, daß Sie mit +dem+ befreundet sind. Ich habe schon öfter von ihm -gehört und wollte, er wäre mein Freund!« - -»Und dagegen ist nichts zu machen?« fragte ich halb betäubt. - -»Zu machen? Was wollen Sie dagegen machen?« fragte der Direktor. »Ich -gratuliere Ihnen zu Ihrem Freund, und Sie wollen etwas dagegen machen?« - -»Aber das Geld sollte nicht Olcott, sondern ich erheben! Olcott hatte -nicht entfernt die Berechtigung --« - -»Was, ist er nicht Ihr Freund?« - -»Gewiß, aber wie bekomme ich jetzt das Geld von dem Obersten?« fragte -ich, aufs tiefste beunruhigt. - -»Ja, das ist eine ganz andre Sache, lieber Herr Eyth«, versetzte der -Direktor und preßte einen leisen, dünnen Pfiff durch seine schmalen -Lippen. »Dies geht das Zollamt eigentlich nichts an. Ich würde ihm -schreiben.« - -»Donnerwetter!« rief ich mit überwallendem Gefühl, »das will ich auch. -Einen gepfefferten Brief!« - -»Freilich, es wird seine Häkchen haben. Ich würde mit dem Pfeffer -vorläufig recht sorgfältig umgehen«, sagte mein Berater sehr -nachdenklich. »Ein Kongreßmann, der vierundzwanzig Stunden nach der -Annahme einer derartigen Verordnung viertausendzweihundert Dollars -aus der Hauptzollamtskasse gabelt und für seinen Freund in die Tasche -steckt, versteht das Geschäft. Aber schreiben Sie nur. Ich würde ihm -sehr höflich schreiben. Und wenn er nicht antwortet, telegraphieren -Sie, am sichersten mit bezahlter Antwort. Die Herren haben nicht immer -bar Geld bei der Hand.« - -Er lachte vergnügt mit seiner dünnen, zersprungenen Stimme und schob -mich höflich zur Tür hinaus. Ich war selbst in Eile. Der Brief an -Olcott brannte mir unter den Fersen. Diese Unverschämtheit! - -Eine Stunde später war die Epistel im Briefkasten, leidlich gesalzen, -trotz der Warnung des Direktors, und ich auf dem Wege nach dem -Bureau der Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana. Das Ereignis -des Morgens hatte mich aufgeweckt. Ich wollte wenigstens zunächst -die siebenhundertundfünfzig Dollar sichern -- meinen Ehrenpreis für -den besten Dampfpflug, den ich mir wettrennend redlich verdient -hatte. ›Wer weiß,‹ dachte ich, ›ob mein zweiter Freund Delano mit dem -bescheidenen Betrag nicht schon auf dem Wege nach der Havanna ist!‹ - -Doch nein, Delano war noch in Amt und Würden. Seine trübselige Stimmung -hatte ihn allerdings wieder erfaßt; auch war er gelber als je und -empfing mich mit dem hoffnungslosen Lächeln, das ihm eigen war. Ich -begrüßte ihn mit künstlicher Fröhlichkeit. Es war für meine Zwecke -notwendig, seinen Mut aufzurichten. - -»Ich besuche Sie hauptsächlich, Verehrtester, um Ihnen zu den -glänzenden Einnahmen Glück zu wünschen, die uns der Donnerstag gebracht -hat«, log ich, mit derselben Absicht, munter. Es machte mir nicht die -geringsten moralischen Bedenken, denn Delano durchschaute mich, trotz -seines trüben Blicks, ohne alle Schwierigkeit, und ich wußte dies. - -»Glänzende Einnahmen!« stöhnte er. »Wenn Sie nur wüßten! Es reichte -gerade, um die dringendsten Schulden zu bezahlen, wenn wir weiter -existieren wollen. Fünf Minuten vor Ihnen war ein Mann hier, der -die zweite Anzahlung für die Holzbrücke haben wollte, die Sie uns -zusammengefahren haben. Sieht das wie Kredit aus? Ah, dieser Krieg, -dieser Krieg! Das war anders vor fünf Jahren, und ich fürchte, selbst -Ihr Dampfpflug wird uns nicht herausreißen.« - -»Fassen Sie Mut, Herr Delano«, sagte ich mit steigender Besorgnis; -»selbst in den alten Sklavenzeiten haben Sie sicherlich nie -einen besseren Tag gehabt als den letzten Donnerstag. Sie müssen -fünfzigtausend Dollar eingenommen haben, nach dem Gesicht zu urteilen, -mit dem Sie abends in Ihrer Gelddroschke saßen. Seinen Ehrenpreis hat -der Dampfpflug zehnmal verdient.« - -»Mein Gesicht!« rief Delano mit schmerzlicher Entrüstung. »Kann ich -dafür, daß ich mit einer heiteren Miene geboren wurde? Sie täuschen -sich bitter. Mein Gesicht wird noch mein Tod sein. Alle Welt zieht mich -mit meinem vergnügten Gesicht auf, wenn ich vor Sorgen zusammenbreche. -Dieser Krieg hat uns alle ruiniert. Nichts aus der guten alten Zeit -ist übrig geblieben als mein Gesicht; glauben Sie mir das. Aber daraus -Schlüsse zu ziehen auf unsre Kasseneinnahmen, das ist grausam!« - -Delano war offenbar kein Freund seines Rasierspiegels. Er hätte sich -sonst besser kennen müssen. Ich suchte jetzt ohne Umschweife auf mein -Ziel loszugehen. - -»Jedenfalls wird es Ihnen Vergnügen machen, mir meinen Ehrenpreis -auszuhändigen. Ich wenigstens könnte mir keinen größeren Genuß -für den Generalsekretär einer Landwirtschaftsgesellschaft denken. -Siebenhundertundfünfzig Dollar ist wahrhaftig ein bescheidenes -Sümmchen, alles in Betracht gezogen! Mir selbst liegt eigentlich mehr -an der Ehre. Es ist der erste Preis, den unser Dampfpflug in Amerika -erringt.« - -»Das freut mich, Herr Eyth, das freut mich in der Tat«, sagte Delano -mit ungewohnter Wärme. »Ich dachte mir's übrigens sogleich, daß Ihnen -die Ehre genüge. Die Sache wird in der ganzen Welt Aufsehen erregen und -Ihnen tausendfältige Früchte bringen, davon bin ich fest überzeugt.« - -»Ich auch. Aber doch wäre mir's lieb, wenn Sie mir, der Ordnung wegen, -die siebenhundertundfünfzig Dollars einhändigen wollten, Herr Delano!« -drängte ich mit einer Deutlichkeit, die nichts zu wünschen übrig ließ. - -»Und an die Parkwege, die Sie uns zerfahren haben, denken Sie nicht, -Herr Eyth«, entgegnete Delano vorwurfsvoll. »Sie hätten gestern unser -Rennkomitee schimpfen hören sollen über den Zustand, in den Sie den -großen Ring versetzt haben. Was glauben Sie wohl, was es uns kosten -wird, die Löcher und Gruben, die Berge und Täler wieder einzuebnen, die -Ihre Elefanten auf meinem Rasen angelegt haben? Von den zwei Klaftern -Holz will ich gar nicht sprechen, die ich für Sie anfahren ließ und die -spurlos versunken sind. Sagen Sie einmal, wie ging das denn eigentlich -zu? wie machten Sie es? Der Erdboden in Louisiana hat doch kein Loch, -so daß zwei Klafter Holz spurlos unten durchfallen könnten?« - -Unser Gespräch nahm eine bedenkliche Wendung. Ich fühlte, daß ich -zornig wurde. Je düsterer ich aber dreinsah, um so heiterer wurde -Delano, während er mir die Not der letzten drei Tage mit wachsender -Beredsamkeit vorhielt. Zum Glück trat in diesem Augenblick Lawrence -ein, guter Dinge und voller Geschäfte, wie immer. Ich weihte ihn sofort -in unser Gespräch ein, während Delano wieder gelb und traurig wurde. - -»Natürlich! selbstverständlich!« rief mein Freund und Gönner, »Ihren -Ehrenpreis müssen Sie haben. Die Landwirtschaftsgesellschaft von -Louisiana läßt sich nicht lumpen; dafür stehe ich Ihnen, ich, Mister -Lawrences Bruder! Machen Sie keine Umstände, Delano! Heraus mit der -Kasse!« - -Mit allen Anzeichen hoffnungsloser Gebrochenheit wandte sich Delano -zögernd nach dem Kassenschrank. Auf dem Wege machte er einen letzten -Versuch, sich an die zwei Klafter Holz anzuklammern, und wollte von -Lawrence wissen, wie zwei ganze Kubikmeter wertvoller Hickoryscheiter -spurlos verschwinden können. Lachend half ihm Lawrence den Schrank -öffnen und erklärte, daß sie beide nichts von Elefanten verstünden. -Dann zählten sie siebenhundertundfünfzig Dollar in Papierscheinen -auf den Tisch, wobei Delano mit der peinlichsten Vorsicht, Lawrence -mit jugendlicher Unbesonnenheit darauf los arbeitete. Ich hatte in -meinem ganzen Leben eine solche Lumpensammlung nicht gesehen. Ein -halbes Dutzend völlig entwerteter konföderierter Papiere wurde von -Lawrence mit ehrlicher Entrüstung auf den Boden geworfen und von Delano -sorgfältig wieder aufgehoben. - -»Aber das ist ja lauter Stadtgeld«, sagte ich, als die beiden Herren -fertig zu sein schienen und Lawrence mich triumphierend heranwinkte, -um die Kolonnen zu bewundern, die er mit militärischer Präzision -aufgestellt hatte. - -»Stadtgeld!« rief er, mich mit einem Anflug von Verstimmung ansehend. -Delano brach in ein bitteres Lachen aus. - -»Guter Gott!« rief er, »Herr Eyth wünscht ohne Zweifel Golddollars zu -sehen; Golddollars in New Orleans.« - -»Das nicht«, entgegnete ich etwas niedergeschlagen. »Aber Greenbacks, -Unionsgeld glaube ich beanspruchen zu dürfen. Das steht wahrhaftig -schlecht genug. Bedenken Sie, meine Herren, meine Dampfelefanten -fressen gute englische Pfunde, und nicht wenige.« - -Delano und Lawrence sahen sich an, Lawrence etwas verlegen, Delano mit -dem Mephistogesicht aus der Papiergeldszene im zweiten Teil des Faust, -boshaft, höhnisch und voll Profits. - -»Ihr Stadtgeld nimmt kein Mensch außerhalb New Orleans,« fuhr ich fort, -»und auch hier weiß niemand, was er in der Hand hat. Vorige Woche waren -Ihre Kommunalwahlen. Die Zeitungen sagen, daß die ›Crescent City‹ nun -auch mit ihrem Tweed gesegnet sei, wie das glückliche New York.[3] -Am Tag nach der Entscheidung fiel das Stadtgeld um zwanzig Prozent, -gestern wieder um fünf. Siebenhundertundfünfzig Dollar sind heute -keine dreihundertundfünfzig Dollars in Gold wert, keine fünfhundert -in Greenbacks! Ich glaubte mit einer achtbaren, zahlungsfähigen -Körperschaft zu tun zu haben, Herr Lawrence, als wir unser Abkommen -besprachen.« - -Meine Stimme zitterte vor innerer Bewegung. - -»Achtbar ohne allen Zweifel,« antwortete Delano für ihn mit einiger -Schärfe, »zahlungsfähig, lieber Herr Eyth, solvent, wie Sie noch -entdecken werden, ist nichts in der Welt, in der Sie sich seit -einiger Zeit bewegen. Glauben Sie, wir haben Golddollars am Parktor -eingenommen? Glauben Sie, die achtbaren Bürger dieses blühenden -Gemeinwesens haben sich verdammte Greenbacks gekauft, um Ihre Elefanten -ansehen zu können? Waren übrigens, wenn ich mir die Frage erlauben -darf, diese Elefanten echte Elefanten, oder, unter uns, auch nur halb -so echt, als unser Stadtgeld echtes Geld ist? Wir bezahlen in dem Geld, -das wir empfingen. Wenn Sie klug sind, machen Sie es bei der nächsten -Gelegenheit auch so. Nebenbei -- zahlen Sie Ihre Nigger in englischen -Sovereigns?« - -Der Geschäftsführer war warm geworden, und ich schwieg. Ich schweige -immer, wenn die Währungsfrage in irgendwelcher Form auftaucht. Auch -wäre es nicht weise gewesen, um siebenhundertundfünfzig Dollars mit -der Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana in ernstlichen Streit zu -geraten, wenn man an den Ufern des Mississippi dampfpflügen will. - -»Delano hat recht«, sagte Lawrence begütigend und klopfte mir tröstend -auf die Schulter. »Man muß das Leben nehmen, wie man es findet. Auch -die Menschen. Auch das Geld. Packen Sie die Papierpäckchen zusammen, -Herr Eyth. Gehen Sie in Frieden, und preisen Sie mit uns den Herrn, -der das alles geschaffen hat. -- Bei Gott, Mann!« rief er plötzlich, -als ob ihn der glücklichste Gedanke beseelt hätte, »bei der nächsten -Kommunalwahl steigt der Plunder wieder um fünfzig Prozent. Das geht wie -die Wassereimer in einem Ziehbrunnen, seitdem die Reisesäckler unsern -Staat regieren. Packen Sie ein, Sie Glücksvogel!« - -Es war sichtlich das klügste, was ich tun konnte. Delano gab mir -mit großer Zuvorkommenheit ein mächtiges Kuvert, das ich mit -meinem ungefähr um die Hälfte geschwundenen Sieges- und Ehrenpreis -vollstopfte. Es war noch immer ein sehr ansehnliches Paket. Dann -unterzeichnete ich eine Empfangsbescheinigung, die der Geschäftsführer -seufzend in den Kassenschrank legte, und verabschiedete mich von den -Herren mit dem unbehaglichen Gefühl, den amerikanischen Verhältnissen -vielleicht doch noch nicht ganz gewachsen zu sein. - -Nachdenklich ging ich die schöne Kanalstraße hinunter, ohne sie zu -sehen. Anstatt ruhiger zu werden, fühlte ich, wie mein Zorn wuchs und -sich langsam gegen mich selbst wendete. Als ich um die Ecke in die St. -Charlesstraße biegen wollte, stieß ich mit Oberst Schmettkow zusammen, -der in seinem abgeschabten Schulmeistersröcklein mit gewohnter -Sorglosigkeit daher geschlendert kam. Es war mir lieb. Er war, soweit -ich ihn kannte, eine ehrliche Haut und ein Landsmann. Ich brauchte -jemand, um mein Herz auszuschütten, jemand, mit dem ich über Amerika -schimpfen konnte, und der Oberst war hierzu wie geschaffen. Wir gingen -langsam die St. Charlesstraße entlang und taten es. - -Ich erzählte ihm, was ich erlebt hatte. Er wurde mit einemmal sehr -nachdenklich, tiefsinniger, als ich ihn je gesehen hatte. Er ließ mich -sogar fünf Minuten lang sprechen, ohne mir zu widersprechen. Auch das -war noch nie vorgekommen, denn trotz all der bunten Erlebnisse, die -sein Gesicht gefurcht und seine Haare gebleicht hatten, war er doch -immer noch ein halber Berliner. Plötzlich blieb er stehen. - -»Herr Eyth!« sagte er, war dann wieder still und atmete, wie wenn es -ihm schwer würde, weiter zu sprechen. Ich sah ihn verwundert an; es -wurde auch mir etwas unbehaglich. Einen so tiefen Eindruck hatte ich -mit meinem leidvollen Bericht kaum hervorzubringen gehofft. Nach einer -qualvollen Pause begann er mit gedämpfter Stimme aufs neue: - -»Herr Eyth, wollen Sie mir --« - -So kam es endlich! Ich hatte es schon längst erwartet. - -»Herr Eyth, wollen Sie ein altes Menschenleben retten?« - -»Eine meiner Liebhabereien, Oberst!« antwortete ich, in dem Bestreben, -die Schärfe des Angriffs durch einen schlechten Witz zu mildern. - -»Ohne Scherz«, fuhr Schmettkow rasch fort; seine Worte überstürzten -sich jetzt. »Gestern abend begegnete ich dem Kapitän eines deutschen -Schoners, der morgen nach Bremen absegelt. Ein braver Kerl, der aus -Danzig stammt und die Schmettkows kennt. Er will mich für achtzig -Dollars -- Greenbacks -- mitnehmen. Ich habe einige Schulden hier, die -bezahlt sein wollen: zweihundertundfünfzig Dollars bei unserm Wirt -in der Tschapatulastraße, ungefähr fünfzig Dollars in dem deutschen -Zigarrenladen an der Ecke dort, fünfundsiebzig bei meinem Schneider. -Man sieht mir das nicht an. Die Leute sollen nicht glauben, ich habe -sie um ihr Geld gebracht. Die Schulden müssen bezahlt werden, ehe -ich abreise. Dann, das werden Sie einsehen, Herr Eyth, muß ich mich -ein wenig ausstatten, Kleider, Koffer kaufen; ich kann nicht wie ein -fechtender Handwerksbursche in Bremen ankommen. Hundert Dollars laufen -Ihnen hierbei wie Wasser durch die Finger.« - -Er schwieg und rechnete, in der Stille, mit aller Macht. Dabei stieg -seine Aufregung. - -»Ungefähr siebenhundert Dollars -- Stadtgeld, Herr Eyth, nur Stadtgeld --- muß ich haben. Sobald ich deutschen Boden berühre, bin ich gerettet. -Ich habe reiche Verwandte, die mich nicht stecken lassen, wenn sie mich -wieder sehen. Mein Onkel, wenn er noch lebt, ist Rittergutsbesitzer -bei Bromberg. Alte Streiche sind längst vergessen. An alte Zeiten -denkt er noch. Ist er tot, so hat mein Vetter das Gut, dem fünfhundert -Dollars von jeher eine Prise Tabak waren, wie mir seinerzeit auch. Mein -Bruder muß jetzt Generalleutnant sein, zum mindesten. Sie müssen nicht -glauben, daß ich bettle; so weit hat es noch kein Schmettkow gebracht. -Drei Tage nach meiner Ankunft in Bremen schicke ich Ihnen fünfhundert -Dollars in Gold. Leihen Sie mir die siebenhundertundfünfzig Lumpen, die -Sie in der Tasche haben. Sie machen ein gutes Geschäft, und Sie retten -einen Mann, der nicht schlechter ist als andre, aber am Zugrundegehen. -Der Schoner heißt ›Die Hoffnung‹, Kapitän Petersen; wie das stimmt!« - -Seine Stimme bebte. Er faßte meine Hand; die seine war heiß und naß. -Daß es ihm ernst war mit meinem Geld, war nicht zweifelhaft; er keuchte -fast, indem er fortfuhr: - -»Was riskieren Sie, wenn ich mein heiliges Ehrenwort gebe, daß die -Summe mit der nächsten Post Ihnen zurückgeschickt wird? Fünfhundert -Dollars in Gold; die kleine Differenz ist unter Freunden nicht -erwähnenswert. Wollen Sie? Sie schinden sich die Haut ab für diese -Engländer; tun Sie einmal ein gutes Werk für einen Deutschen. Wollen -Sie?« - -Wir standen vor einem der eleganten Austernsalons der Charlesstraße. -Er zog mich am Arm hinein und rief dem Austernmann zu, uns Tinte -und Papier zu geben. Dann, leiser und dringender, setzte er seine -Auseinandersetzungen fort: wie er sich fünfzehn Jahre lang in Amerika -herumgeschlagen, bald im Elend, bald in ehrenhaften Verhältnissen, -gleich tausend andern, die dazu bestimmt scheinen, aus unerklärlichen -Gründen im Leben auf keinen grünen Zweig zu kommen; wie er jetzt -in seinem achtundvierzigsten Jahr als Oberst und Schulmeister sich -ermatten fühle und wisse, daß er auf Stroh sterben werde, wenn es noch -länger so weitergehe. Da sende ihm der Himmel diese Möglichkeit! - -Wieder drückte er mir die Hand. Seine matten Augen glänzten; seine -etwas rote Nase glühte. Was mich aber mehr als alles bewegte, -war die geheime Angst, die aus seinen zitternden Gesichtszügen -sprach; die Sorge, ob es ihm gelingen werde, mich bis zum Jasagen -hinaufzuschrauben, denn ich hatte noch immer nicht zugestimmt. - -Er nahm den großen weißen Bogen, den ihm der Wirt reichte, und schrieb -leise murmelnd, aber mit großer Gewandtheit eine Schuldverschreibung, -indem er mich von Zeit zu Zeit ansah. Sie lautete: - -New Orleans, den 14. März 1867. Der Unterzeichnete bekennt sich zum -Empfang eines Anlehens von siebenhundertundfünfzig Dollars in New -Orleans Stadtgeld zum heutigen Kurse von fünfundvierzig Prozent und -verpflichtet sich, in Bezahlung dieser Schuld drei Tage nach seiner -Ankunft in Bremen fünfhundert Dollars in Gold an Herrn Ingenieur Eyth -zu New Orleans, Tschapatulastraße Nr. 21, abzusenden. - -»Genügt uns das?« fragte er, aufblickend und mich mit einer Miene -ansehend, wie wenn ich der Schuldner und er der Gläubiger werden sollte. - -Ich hatte meinen Entschluß gefaßt. - -»Sie brauchen das Geld nicht hierher zu schicken«, sagte ich. -»Senden Sie nicht fünfhundert Dollars, sondern den richtigen Betrag, -dreihundertsiebenunddreißig Dollars fünfzig Cents an meinen Vater in -Württemberg, mit dem ich die Sache dann leicht regeln kann.« - -»Sehr gut, sehr gut!« rief er, fröhlich aufatmend, bestellte zwei -Dutzend Austern der besten Sorte und eine Flasche englisches Stout, -öffnete das Paket, das ich ihm überreicht hatte, nahm zwei Dollars -heraus und bezahlte die Zeche. Wir aßen plaudernd die prachtvollen -Seetiere des Golfs. Dann unterzeichnete er die Schuldverschreibung mit -fester Hand und einer Handschrift, die an energischer Entschlossenheit -von keiner Keilschrift übertroffen wird. Ich steckte das wertvolle -Schriftstück sorgfältig in meine Brusttasche, an Stelle des -beschwerlichen Pakets. Erklärlicherweise war er jetzt etwas in Eile. Er -mußte vor Abend Schulden bezahlen, Koffer und Ausstattung einkaufen, -das Dameninstitut auflösen! So schied ich von Oberst von Schmettkow -mit einem warmen Händedruck an der Tür des Austernsalons. Ich habe -ihn nie wieder gesehen, auch nie mehr von ihm gehört; weder von -ihm noch von den dreihundertsiebenunddreißig Dollars in Gold, eine -Summe, die ich so gewissenhaft ausgerechnet hatte. Möglich, daß die -»Hoffnung« untergegangen ist oder aus andern Gründen nie in Bremen -ankam. Zur Ehre des Menschengeschlechts habe ich das schon längst als -selbstverständlich angenommen. - -Es war ziemlich spät am Tage geworden, als ich selbst nach -Hause kam; noch nachdenklicher als zuvor. Ich legte Schmettkows -Schuldverschreibung in ein geheimes Fach meines Blechkoffers neben -die Kopie meines Briefs an Olcott. Noch nie und nirgends, seit dem -ersten Kanonenschuß bei Fort Sumter, lagen ein föderierter und ein -konföderierter Oberst so friedlich und einträchtig beisammen wie diese -beiden. Und was mich anbelangt, so war das friedliche Zusammenwirken -der zwei Herren von gleich erfreulichem Erfolg für sie. Eine -geheimnisvolle Ahnung sagte mir dies schon in jener Dämmerstunde; -ich fühlte mich deshalb so ziemlich wie Hans im Glück in modern -umgearbeiteter Auflage, nur etwas weniger vergnügt. Was sollte nun aber -werden? Wie sollte die Sache weiter gehen? Wo konnte ich, für teures -Geld, meinen Pflug einsetzen? Es war offenbar nicht so leicht, als -ich mir vorgestellt hatte, diesen starren Kontinent aufzureißen. Ich -sammelte allerdings Erfahrungen in erstaunlichem Grad, und keine von -den billigen. Aber das Ergebnis war vorläufig nicht ermutigend, es war -nicht zu verhehlen. - -Ich war müde -- schon amerikamüde! -- und starrte wohl eine Stunde lang -über die Dächer der Nachbarhäuser hinweg in den glänzenden Abendhimmel, -die ungelesenen »Crescent City News« auf den Knien, ohne Ziel und -Zweck, denn ich wußte wirklich nicht, was dabei herauskommen sollte. -Doch ist es manchmal auch gut, die Ruder sinken zu lassen und ruhig zu -warten, bis sich das müde Segel wieder rührt. - -Da klopfte es. Ich schreckte auf, denn ich war halb eingeschlafen in -trübseliger Erschöpfung. »Herein!« - -Es war Lawrence, munter und quecksilbern wie immer -- wurde dieser Mann -nie müde? --, und hinter ihm ein Fremder, ein großer, stattlicher Herr, -der wie gewohnheitsmäßig sich bückte, um zur Tür hereinzukommen und, -gut amerikanisch, erst den Hut abnahm, als er mitten im Zimmer stand. - -»Frederic, hier ist Herr Eyth!« sagte der kleine Lawrence. »Herr -Eyth, ich bringe Ihnen meinen Bruder, Herrn Frederic Lawrence von -Magnoliaplantage.« - -Es wäre nicht leicht gewesen, unähnlichere Brüder zu finden. Herr -Lawrence der Ältere war eine schöne, imponierende Gestalt mit schwarzen -Haaren, gebräuntem Gesicht und hellen, durchdringenden Augen, elegant -gekleidet, sehr bestimmt in seinem Auftreten und klug und klar in dem, -was er sagte. Man hatte das Gefühl, jemand vor sich zu haben, der -wußte, was er wollte, und es gewöhnlich auch bekam. Der Mann gefiel mir -auf den ersten Blick. - -»Freut mich, Sie kennen zu lernen«, sagte er, mir die Hand schüttelnd. -»Ich kam gestern aus dem Norden zurück und sah heute Ihren Dampfpflug -vor dem Ausstellungspark. In Baltimore hatte ich schon von den -Dampfelefanten gelesen und hielt sie für einen Humbug. Natürlich. -Aber ich muß sagen, die Art, wie Sie die Maschinen aus dem Sumpf -herausgezogen haben, in den Sie den Park verwandelt haben, hat mir -imponiert. Damit läßt sich bei uns etwas machen. Ich bin jetzt -überzeugt, daß Ihre Maschinen mehr können als wettrennen. Der Park -sieht aus, wie wenn sich hundert Riesenschweine drin herumgewälzt -hätten. Meine Glückwünsche, Herr Eyth!« - -Er lachte ermunternd. Ich wußte kaum, sollte ich es für Spott -oder Ernst nehmen, und sagte ausweichend: »Leider finden Sie mich -augenblicklich in einiger Verlegenheit, ein weiteres Feld der Tätigkeit -für meine Elefanten zu finden.« - -»Deshalb komme ich zu Ihnen, Herr Eyth«, sagte Frederic. »Schon in -Baltimore, wo ich von dem Wettrennen las und nachträglich von dem -Pflügen hörte -- der Unsinn läuft immer flinker als der Sinn --, war es -meine Absicht, Sie aufzusuchen. Für einen bloßen Schwindel sah mir die -Sache selbst von der Ferne zu groß aus. Aber fix war es von Ihnen, das -Wettrennen zu veranstalten. Man muß Lärm machen in unserm großen Land, -wenn man gehört werden will; ob die Trommel rot oder blau lackiert ist, -die Sie benutzen, tut nichts zur Sache.« - -»Den Lärm verdanke ich Ihrem Bruder, Herr Lawrence,« bemerkte ich, -»ganz allein Ihrem Herrn Bruder. Und ich beginne zu glauben, daß ich -ihm mehr zu danken habe, als ich ahnte.« - -»Fangen Sie an zu begreifen?« lachte Henry, sich vergnügt die Hände -reibend. »Es ist einfach phänomenal, Frederic, wie langsam die -Deutschen sind. Er fängt an zu begreifen!« - -»Kurz, ich habe Ihnen einen Vorschlag zu machen«, fuhr Lawrence der -Ältere fort, ohne sich um seinen Bruder zu kümmern, was diesem ganz -natürlich vorkam. »Sie packen Ihren ganzen Apparat morgen zusammen und -bringen ihn nach der Magnoliaplantage, sechzig Meilen stromabwärts. -Ich stelle Ihnen einen Flußdampfer zur Verfügung. Drunten finden Sie -tausend Acker Ratoons[4], in denen Sie pflügen können, solange Sie Lust -haben. Ebensolange sind Sie mein Gast. Ihre Leute finden ein bequemes -Unterkommen auf dem Gut. Alle Auslagen bezahle ich. Wenn mir nach einem -Monat Ihr Pflügen gefällt, so behalte ich den Pflug und bin und bleibe -der erste Dampfpflüger in Louisiana. Was kostet er?« - -»Magnolia liegt im besten Zuckerdistrikt des Staats«, fuhr er fort, -als ob er mich überreden müßte. »Eine stolze Plantage, Sir, trotz -des Kriegs. Aber nur eine von fünfzig, entlang dem Strom. Und alle -wissen nicht mehr, wie sie pflügen sollen, seitdem die Schwarzen in -die Stadt zu laufen anfangen. Ein Feld für Sie, ein kolossales Feld. -Aber den Anfang müssen Sie bei mir machen. Ich biete Ihnen, was ich -vernünftigerweise bieten kann.« - -Ob ich einschlug?! - -Es wurde wie Sonnenschein um mich her, trotz der Dämmerung. Hurra! -sagte ich im tiefsten Innern und war kaum imstande, es nicht laut zu -rufen. Endlich kommt die ehrliche, einfache Ochsenarbeit, um die ich -seit einem Monat kämpfe! Dem Himmel sei's getrommelt und gepfiffen; das -Elefantenrennen hat ein Ende! - - -[Illustration: Ende gut -- Alles gut.] - - Buchdruckerei Richard Hahn (H. Otto), Leipzig. - - - - - Fußnoten - - - [1] Carpet-baggers -- politische Intriganten, die nach der - Sklavenbefreiung aus den Nordstaaten in die Südstaaten reisten, um - dort im Trüben zu fischen. - - (Anm. der Stiftung.) - - [2] Zeit ist Geld. - - [3] Der Gauner Tweed beutete damals die New Yorker Stadtverwaltung - furchtbar aus. - - [4] Zuckerrohrschößling, der aus der Wurzel des abgeschnittenen - Rohrs wächst. - - - - -[Illustration: ~F 1506b X 10~: 100.000] - -Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung. - -Die Stiftung ist ein rein gemeinnütziges Unternehmen unter Ausschluß -aller privaten Erwerbsinteressen. Ihr Zweck ist, »hervorragenden -Dichtern durch Verbreitung ihrer Werke ein Denkmal im Herzen des -deutschen Volkes zu setzen« und durch Verbreitung guter Bücher der -schlechten Literatur den Boden abzugraben. Seit dem Jahre 1903 verteilt -sie alljährlich an eine stetig wachsende Zahl von Volksbibliotheken -sorgfältig ausgewählte Zusammenstellungen guter volkstümlicher Bücher. -Bis Ende 1909 wurden 245.954 Bücher an Volksbibliotheken verteilt. - -Die Auflage der von der Stiftung herausgegebenen Sammlungen -»Hausbücherei« und »Volksbücher« betrug bis Oktober 1910: 1.220.000 -Exemplare. - -Abzüge des +Werbeblatts+, des letzten Jahresberichts, auch des -Aufrufs und der Satzungen usw. werden von der Kanzlei der Deutschen -Dichter-Gedächtnis-Stiftung in Hamburg-Großborstel gern unentgeltlich -übersandt. - -Die Stiftung erbittet jährliche oder einmalige Beiträge. +Für Beiträge -von 2 Mk.+ an gewährt die Stiftung durch Übersendung eines Einzelbandes -ihrer »Hausbücherei« oder »Volksbücher« Gegenleistung. - - -Gute und billige Bücher - -Unter den mancherlei billigen Sammlungen, die in den letzten Jahren -zur Verbreitung guter Literatur geschaffen wurden, zeichnen sich die -Bücher der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung durch sorgfältige -literarische Auswahl und ausgezeichnete Ausstattung aus: holzfreies -Papier, schönen und großen Druck, abwaschbaren, geschmackvollen -Einband. Diese Eigenschaften haben in Verbindung mit dem äußerst -billigen Preise den beiden Sammlungen der Stiftung schnell große -Verbreitung verschafft. - -Bisher sind erschienen: - - - Hausbücherei - - (gebunden, jeder Band 1 Mark) - - Bd. 1. +Heinrich von Kleist+: Michael Kohlhaas. Mit Bild - Kleists. 7 Vollbilder von Ernst Liebermann. Einleitung - von ~Dr.~ Ernst Schultze. _11.-20. Taus._ 170 S. - - Bd. 2. +Goethe+: Götz von Berlichingen. Mit Bild Goethes. - Einleitung v. ~Dr.~ W. Bode. _6.-10. Taus._ 178 S. - - Bd. 3. +Deutsche Humoristen.+ _1. ~Bd.~_: Ausgew. humor. Erzählungen - v. P. Rosegger, W. Raabe, Fr. Reuter und - A. Roderich. _40.-45. Taus._ 221 S. - - Bd. 4. +Deutsche Humoristen.+ _2. ~Bd.~_: Cl. Brentano, E. - Th. A. Hoffmann, H. Zschokke. _20.-25. Taus._ 222 S. - - Bd. 5. +Deutsche Humoristen.+ _3. ~Bd.~_: Hans Hoffmann, - Otto Ernst, Max Eyth, Helene Böhlau. _30.-35. T._ - 196 S. - - Bd. 6/7. +Balladenbuch.+ _1. ~Bd.~_: Neuere Dichter. _16.-20. T._ - 498 S. 2 Mark. - - Bd. 8. +Herm. Kurz+: Der Weihnachtsfund. Eine Volkserzählung. - Mit Bild Kurz'. Einleitung v. Prof. Sulger-Gebing. - _6.-10. Taus._ 209 S. - - Bd. 9. +Novellenbuch.+ _1. ~Bd.~_: C. F. Meyer, E. v. Wildenbruch, - Fr. Spielhagen, Detl. v. Liliencron. _26.-35. Taus._ - 194 S. - - Bd. 10. +Novellenbuch.+ _2. ~Bd.~_ (Dorfgeschichten): E. Wichert, - H. Sohnrey, W. v. Polenz, R. Greinz. _16.-20. T._ 199 S. - - Bd. 11. +Schiller+: Philosophische Gedichte. Ausgew. u. eingel. v. - Prof. E. Kühnemann. Mit Bild Schillers. _6.-10. T._ - 230 S. - - Bd. 12/13. +Schiller+: Briefe. Ausgew. und eingel. von Prof. - E. Kühnemann. Mit 2 Bildern Schillers. 2 Bände - in 1 Bande. _6.-10. Taus._ 226 u. 302 S. 2 Mark. - - Bd. 14. +Novellenbuch.+ _3. ~Bd.~_ (Geschichten aus deutscher - Vorzeit): A. Schmitthenner, J. J. David, W. Hauff. - _11.-20. Taus._ 246 S. - - Bd. 15. +Novellenbuch.+ _4. ~Bd.~_ (Seegeschichten): Joachim - Nettelbeck, W. Hauff, Hans Hoffmann, W. Jensen, - Wilh. Poeck, Johs. Wilda. _16.-20. Taus._ 179 S. - - Bd. 16. Auswahl aus den Dichtungen +Eduard Mörikes+. - Herausgeg. u. eingel. v. Dr. J. Loewenberg-Hamburg. - Mit Bild u. Silhouette Mörikes. _11.-20. Taus._ 235 S. - - Bd. 17. +Heine-Buch.+ Eine Auswahl aus Heinrich Heines - Dichtungen. Herausgeg. und eingel. von Otto Ernst-Hamburg. - Mit Bild Heines. _6.-10. Taus._ 203 S. - - Bd. 18 u. 19. +Goethes+ ausgewählte Briefe. Herausgeg. u. - eingel. v. Dr. Wilh. Bode-Weimar. Mit Bildern Goethes. - 2 Bände. _11.-15. Taus._ 169 u. 197 S. - - Bd. 20/21. +Deutsches Weihnachtsbuch.+ Eine Sammlung - der schönsten u. beliebtesten Weihnachtsdichtungen in - Poesie u. Prosa. _16.-20. Taus._ 413 S. 2 Mark. - - Bd. 22. +Novellenbuch.+ _5. ~Bd.~_ (Frauennovellen): Cl. Viebig, - L. v. Strauß u. Torney, Lou Andreas-Salomé, M. R. - Fischer. _11.-20. Taus._ 198 Seiten. - - Bd. 23. +Novellenbuch.+ _6. ~Band.~_ (Kindheitsgeschichten): - A. Schmitthenner, H. Aeckerle, M. Lienert, M. v. Rentz, - Hans Land, A. Bayersdorfer, Ch. Niese, Th. Mann. - _11.-20. Taus._ 199 S. - - Bd. 24. +Novellenbuch.+ _7. ~Bd.~_ (Kriegsgeschichten): Carl - Beyer, H. v. Kleist, W. v. Conrady, M. v. La Roche, - D. v. Liliencron, Th. Fontane. _11.-20. Taus._ 177 S. - - Bd. 25/26. +Balladenbuch.+ _2. ~Bd.~_: Ältere Dichter. _6.-10. T._ - 518 S. 2 Mark. - - Bd. 27. +Karl Immermann+: Preußische Jugend zur Zeit - Napoleons. Herausgeg. u. eingeleitet von ~Dr.~ Wilhelm - Bode-Weimar. Mit Bild Immermanns und 3 Bildern - Magdeburgs. _6.-10. Taus._ 171 Seiten. - - Bd. 28. +Martin Luther als deutscher Klassiker+, nebst - einer Einführung von ~Dr.~ Eugen Lessing. Mit Bild - Luthers. 176 Seiten. _6.-10. Taus._ - - Bd. 29/30. +Deutsche Humoristen.+ _4. ~und~ 5. ~Bd.~_ (Humoristische - Gedichte.) 351 Seiten. 2 Mark. _6.-10. Taus._ - - Bd. 31. +Deutsche Humoristen.+ _6. ~Bd.~_: E. Th. A. Hoffmann, - B. v. Arnim, Fr. Th. Vischer, A. Bayersdorfer, Henry - F. Urban, Ludw. Thoma. 160 S. _11.-20. Taus._ - - Bd. 32. +Max Eyth+: Geld und Erfahrung (humoristische Erzählung). - Mit Original-Illustrationen von Th. Herrmann - und Einleitung von ~Dr.~ C. Müller-Rastatt, - Hamburg. 176 Seiten. _6.-10. Taus._ - - Bd. 33. +Ludwig Uhland+: Ausgewählte Balladen und Romanzen. - Mit Einleitung von K. Küchler, Altona, und - Illustrationen von H. Schroedter, Karlsruhe. 160 S. - - Bd. 34. +J. J. David+: Ruzena Capek. Cyrill Wallenta. - Mit Einleitung von A. v. Weilen und Bild Davids. - 146 S. - - Bd. 35. +Ludwig Finckh+: Rapunzel. Mit Bild L. Finckhs - und Einleitung von M. Lang. 159 S. - - Bd. 36. +Grethe Auer+: Marraksch. Mit Bild Gr. Auers und - Einleitung von Dr. H. Bloesch. 192 S. - - - Geschenkausgaben - -+in prächtigem, biegsamem Einband+ mit Goldschnitt sind +zum Preise von -je 4 Mark+ hergestellt von: - - Bd. 6/7 (rot, Ganzleder) - Bd. 12/13 (grün, Ganzleder) - Bd. 18/19 (grau, Ganzleder) - Bd. 20/21 (weiß, Dermatoid) - Bd. 25/26 (rot, Ganzleder) - Bd. 29/30 (rot, Ganzleder). - -Schillerbuch, enth. Einltg. über Schillers Leben, die Glocke, Balladen, -Tell. Mit Bild Schillers. 346 S. _21.-30. T._ Geb. 1 M. - - - Volksbücher. - -Heft 1. 50 Gedichte v. +Goethe+. 95 S. Geh. 20, geb. 50 Pf. _11.-20. T._ - -Heft 2. +Schiller+: Tell. _11.-20. T._ 19 S. Geh. 30, geb. 60 Pf. - -Heft 3. +Schiller+: Balladen. _31.-40. T._ 108 S. Geh. 20, geb. 50 Pf. - -Heft 4. +Schiller+: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. 215 S. Geh. -30, geb. 60 Pf. _11.-20. T._ - -Heft 5. +Schiller+: Wallensteins Tod. 222 S. Geh. 30, geb. 60 Pf. -_11.-20. T._ - -_Heft 4 und 5 in einen Band gebunden 1 Mark._ _11.-20. T._ - -Heft 6. +Brentano+: Die Geschichte vom braven Kasperl u. dem schönen -Annerl. Ill. v. W. Schulz. 59 S. Geh. 15, geb. 40 Pf. _11.-20. T._ - -Heft 7. +E. Th. A. Hoffmann+: Das Fräulein von Scuderi. 113 S. Geh. 20, -geb. 50 Pf. - -Heft 8. +Fr. Halm+: Die Marzipanliese. Die Freundinnen. Ill. v. H. -Amberg. 124 S. Geh. 20, geb. 50 Pf. _11.-20. T._ - -Heft 9. +Fritz Reuter+: Woans ick tau 'ne Fru kamm. 61 S. Geh. 15, geb. -40 Pf. _11.-20. T._ - -Heft 10. +Max Eyth+: Der blinde Passagier. Ill. v. Th. Herrmann. -_21.-30. T._ 68 S. Geh. 20, geb. 50 Pf. - -Heft 11. +Marie von Ebner-Eschenbach+: Die Freiherren von Gemperlein. -_11.-20. T._ 82 S. Geh. 20, geb. 50 Pf. - -Heft 12. +Wilhelm Jensen+: Über der Heide. _11.-20. T._ 127 S. Geh. 25, -geb. 55 Pf. - -Heft 13. +Ernst Wichert+: Der Wilddieb. 144 S. Geh. 30, geb. 60 Pf. -_11.-20. T._ - -Heft 14. +Levin Schücking+: Die drei Großmächte. Illustr. v. H. -Schroedter. 96 S. Geh. 25, geb. 55 Pf. _11.-20. T._ - -Heft 15. +Ludwig Anzengruber+: Der Erbonkel u. andere Geschichten. -_11.-20. T._ 86 S. Geh. 25, geb. 55 Pf. - -Heft 16. +Helene Böhlau+: Kußwirkungen. _11.-20. T._ 68 S. Geh. 20, -geb. 50 Pf. - -Heft 17. +Ilse Frapan-Akunian+: Die Last. _11.-20. T._ 87 S. Geh. 25, -geb. 55 Pf. - -Heft 18. +H. v. Kleist+: Die Verlobung in St. Domingo. Das Erdbeben in -Chili. Der Zweikampf. 142 S. Geh. 30, geb. 60 Pf. - -Heft 19. +Peter Rosegger+: Der Adlerwirt von Kirchbrunn. 139 S. Geh. -30, geb. 60 Pf. _11.-20. T._ - -Heft 20. +Ernst Zahn+: Die Mutter. _11.-20. T._ 66 S. Geh. 20, geb. 50 -Pf. - -Heft 21. +E. J. Groth+: Die Kuhhaut (Humoreske). Mit Illustr. v. Gg. O. -Erler. 40 S. Geh. 15, geb. 40 Pf. _11.-20. T._ - -Heft 22. +A. Schmitthenner+: Die Frühglocke. Mit Illustr. v. Wilh. -Schulz. ~11.-20. T.~ 64 S. Geh. 20, geb. 50 Pf. - -Heft 23. +G. Freytag+: Karl d. Große. -- Friedrich Barbarossa. -Minnesang und Minnedienst zur Hohenstaufenzeit. 80 S. Geh. 25, geb. 55 -Pf. - -Heft 24. +Fr. Spielhagen+: Hans u. Grete. Mit Illustr. v. Th. Herrmann. -_11.-20. T._ 174 S. Geh. 40, geb. 75 Pf. - -Heft 25. +St. v. Kotze+: Geschichten aus Australien. 88 S. Geh. 25, -geb. 55 Pf. - -Heft 26. +Paul Heyse+: Andrea Delfin. 136 S. Geh. 30, geb. 60 Pf. - -Heft 27. +H. Villinger+: Leodegar, der Hirtenschüler. Mit Ill. v. H. -Eichrodt. 72 S. Geh. 20, geb. 50 Pf. - -Heft 28. +Otto Ludwig+: Aus dem Regen in die Traufe. Ill. v. H. -Schroedter. 123 S. Geh. 25, geb. 55 Pf. - -Heft 29. +Richard Huldschiner+: Fegefeuer. Mit Buchschmuck v. H. -Amberg. 250 S. Geh. 70 Pf., geb. 1 Mark. - -Heft 30. +Franz Grillparzer+: Weh dem, der lügt! 132 S. Geh. 25, geb. -55 Pf. - - - Druck von Grimme & Trömel in Leipzig. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtlich fehlerhafte Zeichensetzung wurde stillschweigend - korrigiert. - - Sofern nicht unter den Korrekturen aufgeführt, wurde die - Originalschreibweise beibehalten. - - Korrekturen (das korrigierte Wort ist in {} eingeschlossen): - - S. 18: ihnen → Ihnen - Vollends ein Kongreßmann, den man {Ihnen} - - S. 31: Jaksonstraße → Jacksonstraße - in der {Jacksonstraße} bestanden aus zwei geräumigen - - S. 49: vorwärtsreibend → vorwärtstreibend - mich an der Wand des Tunnels {vorwärtstreibend} - - S. 77: ihnen → Ihnen - Wie gefällt {Ihnen} das? - - S. 88: aufgeflanzt → aufgepflanzt - auf dem Boden von Louisiana {aufgepflanzt} sah - - S. 97: Ueberraschung → Überraschung - Doch eine weit größere Freude und {Überraschung} stand mir - - S. 101: Dampfflug → Dampfpflug - nachdem der {Dampfpflug} sein Arbeitsfeld erreicht hatte - - S. 107: zur → zu - das schwarze Gesicht von Ohr {zu} Ohr spaltete - - S. 129: mußte → müßte - Das {müßte} man aber doch sehen - - S. 150: Nöten → Nöte - Stone hatte trotz seiner {Nöte} sechzig - - S. 154: jäh → zäh - mit dem Sieg des {zäh} ausdauernden - - S. 157: Sie → sie - Sie müssen {sie} zurückbekommen - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Geld und Erfahrung, by Max Eyth - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GELD UND ERFAHRUNG *** - -***** This file should be named 50344-0.txt or 50344-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/0/3/4/50344/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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