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-The Project Gutenberg EBook of Geld und Erfahrung, by Max Eyth
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
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-
-Title: Geld und Erfahrung
-
-Author: Max Eyth
-
-Annotator: Carl Müller-Rastatt
-
-Illustrator: Theodor Herrmann
-
-Release Date: October 30, 2015 [EBook #50344]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GELD UND ERFAHRUNG ***
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-Produced by The Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net
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- Anmerkungen zur Transkription
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- Im Original gesperrter Text ist +so dargestellt+.
-
- Im Original in Antiqua gesetzter Text ist ~so dargestellt~.
-
- Im Original kursiver Text ist _so dargestellt_.
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des
- Buches.
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-
- Hausbücherei
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- 32
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- Hausbücherei
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- der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung
-
- 32. Band
-
- [Illustration]
-
- Hamburg-Großborstel
- Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung
- 1910
-
- 11.-20. Tausend
-
-
-
-
- Geld und Erfahrung
-
- von
-
- Max Eyth
-
- Mit einem Bildnis Eyths, einer Einleitung
- von ~Dr.~ +Carl Müller+-Rastatt und Bildern
- von +Theodor Herrmann+ in Hamburg
-
- [Illustration]
-
- Hamburg-Großborstel
- Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung
- 1910
-
- 11.-20. Tausend
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Inhalt
-
-
- Seite
-
- Einleitung von ~Dr.~ Carl Müller-Rastatt 5-- 10
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- +Max Eyth:+ Geld und Erfahrung 11--176
-
-[Illustration]
-
-Für die Abdruckserlaubnis dieser Erzählung schulden wir der Deutschen
-Verlagsanstalt in Stuttgart Dank. Die Erzählung ist dem zweiten Bande
-des Max Eythschen Werkes »Hinter Pflug und Schraubstock« entnommen.
-
-[Illustration]
-
- Ein Bild Max Eyths ist hinter Seite 4 eingeheftet.
-
-[Illustration]
-
-Ein ausführliches Verzeichnis der früher erschienenen Bände der
-»Hausbücherei« sowie der »Volksbücher« befindet sich am Schluß des
-Bandes.
-
-[Illustration]
-
-[Illustration: M. Eyth]
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Einleitung.
-
-
-+Geld und Erfahrung!+ Man kennt das Geschichtchen von den beiden
-Männern, die zusammen ein Geschäft begründeten. Der eine brachte das
-nötige Geld dazu mit, der andere die Erfahrung. Als aber ein paar Jahre
-ins Land gegangen waren und die beiden sich wieder trennten, da hatten
-sie die Rollen getauscht: der das Geld mitgebracht hatte, der hatte
-jetzt die Erfahrung; aber der andere hatte das Geld.
-
-Das Geschichtchen ist eines von denen, die ewig neu bleiben und
-die sich in der Welt immer wieder abspielen. Umsonst ist der Tod,
-und Erfahrung gewinnt man nicht, ohne Lehrgeld dafür zu zahlen. Es
-hilft nichts, daß man darüber klagt und jammert. Man wird am besten
-damit fertig, wenn man gute Miene zum bösen Spiel macht und sich mit
-fröhlichem Humor in sein Schicksal findet. Das haben wenige so gut
-verstanden wie +Max Eyth+. Sein ganzes Jünglings- und Mannesalter ist
-ein einziges Sammeln von Erfahrungen gewesen, und er hat sie alle
-redlich bezahlen müssen. Aber statt sich darüber zu grämen, hat er aus
-all seinen Erlebnissen lustige und unterhaltsame Geschichten gemacht,
-von denen dieses Buch eine treffliche Probe gibt.
-
-Es gibt Schriftsteller, die sich ihre Bücher zusammenfabeln, weil sie
-uns recht absonderliche Dinge erzählen wollen, ohne Rücksicht darauf,
-ob sie wahr sind oder nicht. Und es gibt andere, die sich ihre Bücher
-zusammenträumen, während sie irgendwo in der schlichten Alltäglichkeit
-sitzen und sich heimlich hinaussehnen in Abenteuer, in fremde Länder
-und zu fremden Menschen. Max Eyth hat nicht gefabelt und nicht
-geträumt: er hat erlebt. Und das, was er erlebt hat, hat er mit klarem
-Auge und fröhlichem Wesen beobachtet und dann niedergeschrieben, andern
-zur Belehrung und zur Freude.
-
-+Max Eyth+ ist im Jahr 1836 im Pfarrhaus des Städtchens Kirchheim
-unter Teck geboren worden. Die Kunst, mit der Feder umzugehen, war ihm
-von seinen Eltern überkommen, die sich beide dichterisch betätigten.
-Daneben hatte er schon in seinen Kinderjahren besonderes Interesse an
-praktischen Dingen, an Maschinen. Und so entschied er sich dafür, das
-Stuttgarter Polytechnikum zu besuchen, um Maschinenbauer zu werden.
-Das war damals, wo die Maschinen erst ganz allmählich anfingen, die
-Bedeutung zu gewinnen, die sie jetzt in der Welt haben, noch ein kühnes
-Unterfangen. Aber Max Eyth hat Zeit seines Lebens frischen Wagemut
-besessen und darauf vertraut, daß dem Kühnen das Glück lächelt und der
-Erfolg hold ist. Mit diesem Wagemut begann er sein Studium: mit diesem
-Wagemut beschloß er, als es glücklich beendet war, ins Ausland zu
-ziehen und sich draußen den Wind um die Nase wehen zu lassen.
-
-Der Anfang war nicht vielversprechend. Er zog rheinabwärts und klopfte
-in all den großen Fabriken an, die sich links und rechts des schönen
-Stroms aufgetan hatten. Aber auf seine Frage nach einer Anstellung fand
-er von Mainz bis Antwerpen nur ein Achselzucken. Und es beweist seine
-Energie, daß er nicht reumütig umkehrte, sondern über See nach England
-ging, um dort sein Heil zu versuchen. Auch hier wiederholte sich
-zunächst, was er auf seiner Rheinfahrt erlebt hatte: Monat für Monat
-wurde er abgewiesen, wo er anklopfte. Endlich aber kam der Tag, an dem
-sein Ausharren belohnt wurde: sein guter Stern führte ihn mit +John
-Fowler+ zusammen, einem der größten englischen Maschinenfabrikanten,
-der hauptsächlich Dampfpflüge baute.
-
-Fowler berief Eyth in seine Fabrik. Ein Schraubstock, an dem er
-arbeiten sollte, und dreißig Schilling Wochenlohn: viel war es
-nicht, was dem jungen Ingenieur geboten wurde. Aber er griff rasch
-entschlossen zu und hatte es nicht zu bereuen. Bald fand er an
-den Dampfpflügen Gefallen und Fowler an ihm. Auf der Londoner
-Weltausstellung hatte er schon als Vertreter der Firma die dort
-arbeitenden Dampfpflüge zu leiten. Da er sich dabei ausgezeichnet
-bewährte, entsandte man ihn im Anschluß daran nach Ägypten. Halim
-Pascha, der Oheim des damaligen Vizekönigs des Pyramidenlandes,
-einer der größten Grundbesitzer in der ungeheuren Nilebene, wollte
-seine Güter besser ausnützen, als dies bei der bis dahin üblichen,
-altväterlichen Weise des Ackerbaues möglich war. Er bestellte bei
-Fowler ein paar Dampfpflüge und Eyth wurde ausersehen, sie ins Nildelta
-zu bringen, dort aufzustellen und aus der eingeborenen Bevölkerung die
-nötige Bedienungsmannschaft heranzubilden.
-
-Es war keine Kleinigkeit, die hier gestellte Aufgabe in einem
-halb zivilisierten Lande zu lösen. Aber Eyth fand sich in die
-fremdländischen Verhältnisse so glücklich hinein und stand so wacker
-seinen Mann, daß Halim Pascha ihm den Antrag machte, als Oberingenieur
-ganz in seine Dienste zu treten. Eyth ging darauf ein und blieb vier
-Jahre in Ägypten.
-
-Dann trat er wieder in die Dienste der Fowlerschen Fabrik, aber
-nicht, um in England hinter Zeichentisch und Schraubstock zu sitzen,
-sondern um das in Ägypten begonnene Wanderleben weiter fortzusetzen.
-Zunächst sandte man ihn in die Vereinigten Staaten von Nordamerika,
-um hier den Dampfpflug einzuführen. Es war bald nach der Beendigung
-des Sezessionskrieges und der Niederwerfung der Südstaaten, als er
-den Boden der Neuen Welt betrat. Wie es ihm dort erging, das hat er
-in »Geld und Erfahrung« ebenso anschaulich wie humorvoll geschildert.
-Der Kontrast zwischen Nord- und Südstaatlern, das übertriebene
-Selbstgefühl des Nordamerikaners, sein Drang, Geld zu »machen« um
-jeden Preis, kurz, das ganze, seltsam zusammengesetzte Wesen tritt
-uns in der Geschichte lebenswahr entgegen. Und Eyth verhehlt dabei
-nicht, wie er, der so stolz war, in Ägypten sich durchgesetzt zu haben,
-dieser amerikanischen Art zunächst ziemlich hilflos gegenübersteht,
-wie er erst allmählich sie begreift und festen Boden unter die Füße
-bekommt. Schließlich gelang es ihm auch hier, seinem Auftrag gerecht
-zu werden. Aber schon harrten seiner neue Aufgaben in der alten Welt.
-In Deutschland, Österreich, Belgien hatte er zunächst tätig zu sein.
-Dann ging er mit seinen Pflügen ins Innere des heiligen Rußland, das er
-verließ, um Fowlers Maschinen in Rumänien einzubürgern. Von Rumänien
-zog er nach Italien, und weiter übers Mittelmeer in die heißen Gefilde
-Algiers. Dann beorderte man ihn in die Türkei, die er nur verließ, um
-nach Westindien zu fahren. Als seine Aufgabe da erfüllt war, schickte
-Fowler ihn nach Peru und von dort wieder nordwärts nach Kalifornien.
-Wahrlich, ein buntes, wechselvolles Wanderleben. Und er lebte es nicht
-in gemütlichem Behagen als Vergnügungsreisender: wohin er ging, folgte
-ihm als treue Reisegefährtin die Arbeit.
-
-Aber nach zwanzig Jahren solcher Tätigkeit war seine Wanderlust
-befriedigt. Er gab seine Stellung bei Fowler auf und kehrte nach
-Deutschland zurück. Freilich war er nicht der Mann dazu, sich hier
-ruhig auf die Bärenhaut zu legen: Erstens gründete er die große
-Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft, deren Leitung ihm bis 1896
-oblag. Und dann ging er jetzt daran, was er erlebt und erfahren
-hatte, schriftstellerisch festzuhalten und andern mitzuteilen. Damit
-beschäftigte er sich, bis ihn am 25. August 1906 der Tod abberief.
-
-Eyths Erzählungen dürfen also nicht als freie Erfindungen
-angesehen werden. Er hat in ihnen nur Bruchstücke seines eigenen,
-abwechslungsreichen Lebens aufgefangen und dargestellt. Er hat
-sich aber nicht damit begnügt, die Wirklichkeit so peinlich treu
-wiederzugeben, wie etwa ein Photograph es tun würde, sondern er
-hat jedes Stück in einheitlichen Fluß gebracht und geschickt
-abgerundet, wie ein Maler die darzustellende Landschaft abrundet. Und
-er hat seine Erlebnisse nicht rein sachlich, trocken und nüchtern
-heruntererzählt, sondern er hat die Erzählung mit seinem köstlichen,
-herzerquickenden Humor gewürzt. Er sieht all die kleinen Schwächen und
-Absonderlichkeiten der Menschen, mit denen er zu tun hat. Aber sie
-machen ihn nicht zum Griesgram und nicht zum bissigen Spötter. Er freut
-sich an ihnen und möchte die Menschen gar nicht ohne sie sehen. Er
-lacht über sie ein gesundes, herzhaftes Lachen und weiß uns dies Lachen
-durch seine Darstellung mitzuteilen. Seine Bücher sind voll gesunder
-Lebenskraft und Lebensfreude. Das macht sie dem Leser lieb und wert,
-und das ist der Grund, daß sie eine so große Verbreitung gefunden haben.
-
- +Hamburg.+
-
- +~Dr.~ Carl Müller-Rastatt.+
-
-
-
-
-1. Im Süden
-
-
-[Illustration]
-
-»Passen Sie auf, Mister Eyth, wenn ich Ihnen die Geschichte noch nicht
-erzählt haben sollte: Vor drei Jahren begegnete mir im Broadway in
-New York ein junger Engländer, frisch und grün, wie sie die Alte Welt
-manchmal noch liefert. Er hatte schon drei Wochen in der Metropole der
-Neuen verbummelt und darüber nachgedacht, wie er es angreifen könne,
-sein Glück zu machen, und hatte sogar mich darüber befragt, obgleich
-ich damals so wenig wie jetzt danach aussah, als ob ich das Problem
-gelöst hätte. Ein Bürschchen aus guter Familie, dem seine Mama tausend
-Pfund in die Tasche gesteckt hatte, um ihm den Anfang zu erleichtern.
-Er strahlte vor Vergnügen, als ich ihn zum zweitenmal sah. Er hatte
-einen entfernten Vetter gefunden, der Amerika seit fünfundzwanzig
-Jahren kannte und schon ein halber Yankee geworden sein mußte, scharf
-und hell wie ein Eingeborener. Sie wollten sich assoziieren, ein
-Agenturgeschäft gründen, Zucker, Baumwolle, Tabak verkaufen -- was weiß
-ich! Mein Engländer hatte das Geld, der entfernte Vetter die Erfahrung.
-Das mußte gehen! In fünf Jahren konnten sie Millionen verdient haben!
--- Zwei Jahre darauf begegnete ich ihm wieder, fast am gleichen Fleck;
-aber er war traurig. ›Nun, wie geht's mit der Agentur?‹ frage ich. --
-›Mittelmäßig‹, sagt er zögernd. -- ›Was!‹ rufe ich, ›Ihr Vetter mit der
-Erfahrung und Sie mit dem Geld -- das mußte ja gehen!‹ -- ›Wir haben
-uns gestern getrennt, mein Partner und ich‹, -- erklärte er seufzend.
-›Jetzt hat +er+ das Geld und +ich+ die Erfahrung!‹ -- Passen Sie auf,
-Mister Eyth, daß ich mit Ihnen in kurzer Zeit nicht etwas Ähnliches
-erlebe. Seit dem Krieg sind wir alle zweimal so scharf geworden als vor
-fünf Jahren.«
-
-»Gehört habe ich die Geschichte schon, aber nicht von Ihnen«, sagte
-ich lachend. »Doch bange machen gilt nicht. Ein Mensch, der in Ägypten
-vier Jahre lang unter Mamelucken und Eunuchen gepumpt und dampfgepflügt
-hat und aus dem großen Baumwollkrach vor zwei Jahren lebendig
-herausgekrochen kommt, ist so grün nicht mehr wie Ihr Engländer.
-Die Griechen und Armenier von Alexandrien sind keine schlechten
-Lehrmeister.«
-
-»Mag sein«, nickte der Oberst, indem er nachdenklich an seinem
-zweiten Frühstücksei herumknusperte. »Ich wünsche Ihnen alles Glück
-zu Ihrem Glauben und Ihrer Schlauheit und wollte nur, der nächste
-Dampfer brächte auch mir einen Dampfpflug, der achttausend Golddollar
-wert wäre. Ich wollte ihn geschwind genug losgeschlagen haben, unter
-Kostpreis, wenn nötig.«
-
-Wir saßen beim Frühstück an einem der grünen Tischchen im Garten
-des deutschen Restaurants und Biersalons von Breitling, in der
-Tschapatulastraße von New Orleans, Louisiana. Der Garten war eine
-Schöpfung nach Erinnerungen Breitlings aus seiner deutschen Heimat
-und bestand aus sechs Tischchen und einem alten, knorrigen, schlecht
-belaubten Hickorybaum, an dem als natürlicher Festschmuck zerlumpte
-Fetzen hängenden Mooses klunkerten. Der Baum stammte ersichtlich
-aus der Zeit, in der der Mississippi an dieser Stelle noch wildes
-Swampland anzuschwemmen pflegte, und stand jetzt trübselig zwischen
-vier hohen Backsteinmauern, die ihm und uns den stets willkommenen
-Schatten gaben. Die Luft war dumpf und schwül; doch war man sozusagen
-im Freien. Die Mittagsglut, welche über die große Stadt hereinzog, war
-morgens um acht Uhr noch nicht bis in diesen Winkel gedrungen, so daß
-schon seit vierzehn Tagen, seitdem ich in der Nähe wohnte, mir diese
-Frühstücksstunde zu den angenehmeren des Tags gehörte. Breitlings
-Figur, die seinem Namen, sonderlich von hinten, Ehre machte, und eine
-zerrissene, etwas bierbefleckte »Gartenlaube« sorgten dafür, daß man
-sich halb in Deutschland fühlen konnte.
-
-Auch der Oberst, den ich hier kennen gelernt hatte, trug dazu bei.
-Es war ein großer, hagerer, vierzigjähriger Mann, dem man allerdings
-ansah, daß er einiges erlebt hatte. Schmettkow, Herr von Schmettkow
-erlaube ich mir ihn aus Rücksicht für seine Familie zu nennen. Er
-erzählte gerne von seinen leichteren Jugendstreichen, die er in die
-Zeit verlegte, in welcher er Rittmeister in der preußischen Garde zu
-Berlin gewesen sein wollte. Dies hatte wohl seine Richtigkeit; ich
-hatte wenigstens keinen Grund, daran zu zweifeln. Dagegen beobachtete
-er ein tiefes Schweigen darüber, wie es kam, daß er aufgehört hatte,
-es zu sein. Nach seiner eignen, etwas unzusammenhängenden Lebensskizze
-befand er sich plötzlich in Amerika, den üblichen Kampf ums Dasein
-fechtend, und zwar von der Pike auf; und von was für einer Pike! Der
-Ausbruch des Bürgerkriegs fand ihn bei Baltimore als Buchhalter einer
-Baumwollplantage, auf der Südseite der Sezessionsgrenze. Politische
-Grundsätze beeinflußten ihn sichtlich wenig. Er focht mit als braver
-Soldat und biederer Landsknecht, wo ihn der Zufall hingestellt
-hatte, und schied als Oberst von seinem nur noch aus vierundzwanzig
-Mann, meist Majoren, bestehenden Regiment, als die große Sache der
-Aristokratie des Südens zusammenbrach. Bei Atlanta, im letzten Gefecht,
-in dem sich das Regiment auszeichnete, hatte er einen Sergeanten der
-föderierten Armee unter Sherman samt der Kompagnie, welche dieser
-zufällig befehligte, beim Frühstück überrascht und gefangen genommen,
-oder vielleicht richtiger gesagt: er hatte Breitlings Frühstück
-gefangen genommen und diesen, der ihm sofort wieder entwischte,
-hierdurch unangenehm überrascht. Die beiden Herren konnten sich über
-den Hergang der Waffentat nie völlig einigen. Breitling war nach dem
-Friedensschluß mit andern politischen Kräften gen Süden gewandert und
-besaß nach kurzer amtlicher Tätigkeit als Steuereinnehmer genügende
-Mittel, seinen Biersalon in der Tschapatulastraße zu eröffnen. Dort
-überraschte ihn Oberst von Schmettkow zum zweitenmal, den ein rauhes
-Schicksal ebenfalls nach Louisiana verschlug. Es war hohe Zeit, denn
-der Oberst, einer der wenigen Deutschen, die auf der verlorenen Seite
-des großen Bürgerkriegs gefochten hatten, war dem Versinken nahe.
-Breitling hatte ein gutes, dickes Herz und zwei Töchterchen von elf und
-neun Jahren, die während der Kriegsjahre in ihren Elementarkenntnissen
-etwas zurückgeblieben waren. Das paßte vortrefflich. Der Oberst wurde
-Haus- und Mädchenschullehrer, hatte bereits sechs höhere Töchter und
-bei Breitling freie Kost gefunden. Das Dameninstitut befand sich im
-Tanzsalon hinter der Bierwirtschaft. Wo der Herr Professor wohnte,
-wußte niemand. Aber seine Schnurrbartspitzen hoben sich aufs neue, und
-der auf »Ä« gestimmte Ton des einstigen Offiziers vom Tempelhofer Feld
-klang leise und gedämpft wieder durch. Ganz war er ja auch im größten
-Elend nicht verschwunden, denn er war hörbar waschecht.
-
-Ich selbst hatte vor zwei Wochen das Sankt Charleshotel verlassen
-und war in eine Privatwohnung in der benachbarten Tschapatulastraße
-übergesiedelt. Es war mir im Gasthof etwas zu unruhig geworden. Ein
-Senator von Alabama hatte am Hotelschenktisch nach dem Mittagsmahl
-im ruhigsten Gespräch sechs Schritte von mir einen Richter aus
-Texas niedergeschossen. Man hatte zwar den toten Richter sofort auf
-die benachbarte Polizeistation und den Senator, nach einem kleinen
-Wortwechsel mit den Umstehenden, nach seinem Zimmer gebracht. Auch
-ließ man dessen Tür von zwei nach und nach herbeigeholten Schutzleuten
-zur allgemeinen Genugtuung der ängstlicheren Hotelbewohner streng
-bewachen, nachdem der Senator kurz zuvor durch das Fenster abgereist
-war. Da ich diesen Herrn aus Alabama persönlich nicht kannte, mit
-ihm also auch nicht sympathisieren konnte, dagegen mit dem Richter,
-der gleichzeitig großer Grundbesitzer war, schon mehrere Cocktails
-getrunken und intime Beziehungen betreffs der Dampfkultur in Texas
-angeknüpft hatte, ärgerte mich dieser Zwischenfall lebhaft und
-veranlaßte, neben anderm, meinen Umzug nach der Tschapatulastraße. Auch
-fand ich, daß meine augenblickliche Beschäftigung, das Warten auf den
-englischen Frachtdampfer »Wild-West«, in einer Privatwohnung ebenso
-wirkungsvoll gefördert werden konnte als in dem in ganz Louisiana,
-wenn auch nicht wegen seiner Billigkeit, berühmten Sankt Charleshotel.
-Meinen anderweitigen leiblichen Bedürfnissen genügte das Nachbarhaus,
-Breitlings Restaurant und Biersalon, vollständig. Und so genoß ich
-nach etlichen bewegten Reisewochen in unerwarteter Weise eine kleine,
-wohlverdiente Ruhepause während meines ersten Aufenthalts in der
-Crescent City, der »Mondsichelstadt«, wie der poetische Amerikaner New
-Orleans zu nennen liebt, und konnte mir Land und Leute ansehen, ehe ich
-mit ihnen handgemein werden sollte.
-
-Das heutige Frühstück war der letzte Takt dieser Pause. Ich hatte schon
-gestern abend einen Zettel von General Longstreet, dem Haupt der jungen
-Firma Longstreet, Owen & Co., erhalten, der mich benachrichtigte, daß
-der »Wilde Westen« signalisiert sei und an der Barre, der achtzig
-Meilen entfernten Mündung des Mississippi, nur auf die Flut warte, um
-heraufzukommen. Ich segnete meine Sterne und war schon in einem kleinen
-Arbeitsfieber, ohne etwas Greifbares tun zu können; denn es war hohe
-Zeit, daß ich meines Dampfpflugs habhaft wurde, wenn ausgeführt werden
-sollte, was ich mit Longstreet geplant hatte.
-
-»Nur kühl!« rief mein Oberst, indem er auf die Uhr und die zwei
-internen Zöglinge seines Dameninstituts sah, die am Nachbartisch Lotto
-spielten. »Und passen Sie auf! Die Geschichte mit Ihrem Obersten in
-Washington -- wie heißt er?«
-
-»Olcott, Oberst Olcott, Kongreßmitglied aus Ohio«, antwortete ich mit
-Betonung, um meinen schwankenden Glauben zu stärken.
-
-»Ich möchte vor allen Dingen wissen,« fragte sich Schmettkow
-nachdenklich, »ob er schon Pulver gerochen hat, Ihr Oberst, oder nur
-das riecht, das Sie mitbringen. Die Geschichte gefällt mir nur halb.«
-
-»Aber sie kann kaum schief gehen, so wie sie jetzt eingeleitet ist«,
-meinte ich zuversichtlich.
-
-»Es kann in Washington alles schief gehen, seitdem die große Sache
-schief gegangen ist«, versetzte der Oberst mit einiger Wärme. »Sie
-kennen die Yankees noch nicht. Ein Kongreßmitglied in Washington!
-Guter Gott! Ehe Sie sich umsehen, hat man Ihnen die Augen von Ihrem
-Wassersüppchen geschöpft. Vollends ein Kongreßmann, den man Ihnen in
-der Quäker-City angehängt hat, in der Sie am Sonntag in Gegenwart von
-sechshunderttausend Mitmenschen verdursten können! Lieber Herr Eyth, es
-mag ziemlich heiß sein in Ihrem Ägypten, aber Sie sind trotzdem grüner
-geblieben, als Sie es selbst ahnen. Passen Sie mal auf!«
-
-»Hexen können Sie hier auch nicht«, meinte ich, etwas verstimmt. »Ich
-sehe wirklich nicht ein, wie --«
-
-»Einsehen! Das ist gar nicht nötig. Das Einsehen kommt immer erst
-später. Sie werden Ihr Lehrgeld bezahlen wie jeder andre. Zum Glück
-haben Sie, wie es scheint, einen soliden Kassierer im Hintergrund.
-Lernen Sie wenigstens +den+ benutzen! -- Übrigens gebe ich zu, um Sie
-nicht zu ärgern, daß Sie die Sache nicht ganz ungeschickt angegriffen
-haben. Wenn Sie so fortfahren, werde ich Ihnen auch künftig gewogen
-bleiben.«
-
-Er sagte dies im Ton gutmütiger Bevormundung, den wir bei unsern
-abendlichen Schachpartien unter dem Hickorybaum gegenseitig
-gebrauchten, um eine drohende Niederlage zu beschönigen. Die Sache
-aber, um die es sich handelte, war die folgende:
-
-Ich war vor zwei Monaten mit dem Auftrag der Fowlerschen Fabrik ans
-Land gestiegen, unsre Dampfpflüge in Amerika einzuführen. Das war fast
-die einzige Weisung, die ich mitbrachte. Man steht mit einer solchen
-Aufgabe etwas zweifelnd am Strande eines neuen Weltteils; doch scheint
-der Zeitpunkt, aus der Ferne gesehen, nicht ungünstig. Die Südstaaten,
-die nach dem furchtbaren Krieg und nach der Befreiung der Sklaven in
-irgendwelcher Weise weiterleben mußten, hatten sich irgendwie den neuen
-Verhältnissen anzupassen. Für die Sklavenarbeit auf den Plantagen mußte
-ein Ersatz gefunden werden. Hier konnte die Dampfkraft eingreifen und
-nach der blutigen eine friedliche Revolution einleiten; wieder aufbauen
-helfen, was jene zerstört hatte. Ich war nicht ohne einige Begeisterung
-bei diesem Gedanken, wenn auch sehr seekrank, über den Atlantischen
-Ozean gekommen und suchte so rasch als möglich Angriffspunkte für
-meine Aufgabe zu finden. Leicht fand ich es nicht -- nach einigen
-Wochen --, einen Weltteil zu erschließen; man mußte offenbar an die
-Arbeit im kleinen und einzelnen gehen. Doch hatte die Firma Fowler
-Freunde und sogar Verwandte in New York und Philadelphia, ein Haus, das
-»in Blei« groß geworden war und zur alten Aristokratie der Quäkerstadt
-gehörte. Hier fand ich wenigstens Ratschläge, auf die ich mich
-verlassen konnte.
-
-Eins wurde mir sofort klar: mit einem Eingangszoll von fünfundvierzig
-Prozent des Maschinenwertes, der für jeden Dampfpflug viertausend
-Dollar in Gold, siebentausend Dollar in Papier jener Tage
-ausmachte, war die Einführung der Dampfkultur von England aus eine
-augenscheinliche Unmöglichkeit. Dieses Verhältnis mußte vor allen
-Dingen geändert werden. Mit einem Brief der Gebrüder Tatham, meiner
-Berater in Philadelphia, ging ich nach Washington und stellte mich am
-Schenktisch des Hotels Villard einem Herrn Oberst Olcott vor. Ich fand
-in ihm einen klugen, energischen Mann, der im Tone biederer Offenheit
-den kitzlichsten Verhandlungen den wohltuenden Schein der Ehrlichkeit
-zu geben wußte. »Der Zweck heiligt die Mittel« war für ihn ein über
-alle Zweifel erhabener Grundsatz. Es schien ihm völlig ausgeschlossen
-zu sein, daß in unsrer Zeit noch Menschen geboren werden könnten, die
-in diesem Punkt nicht völlig kapitelfest waren. Was aber die Heiligkeit
-des Zwecks anbelangt, so kam es eben hauptsächlich darauf an, wieviel
-dabei zu verdienen war.
-
-Ein gemeinsames Frühstück, zu dem ich mir erlaubte, ihn sofort
-einzuladen, genügte, ihm das Wesen und die Vorzüge eines Fowlerschen
-Dampfpflugs zu erklären, ein Mittagsmahl, ihn von der Notwendigkeit
-der Einführung und Verbreitung dieses großartigen Fortschritts auf dem
-Gebiet der landwirtschaftlichen Technik zu überzeugen. Mit Papieren
-aller Art war ich wohl vorbereitet. Ein begeisterter Aufsatz, noch
-im Manuskript, stellte fest, daß namentlich der wirtschaftliche
-Wiederaufbau des Südens, dem durch die Sklavenbefreiung die Hauptquelle
-von Kraft und Arbeit entzogen worden war, nur durch Fowlers Dampfpflüge
-möglich sei, die in Ägypten in der Hand halbwilder Fellachin Wunder
-geschaffen hätten und in Indien -- hier dichtete ich beträchtlich
--- die vertrockneten Riesenflächen entlang des Ganges in blühende
-Teegärten zu verwandeln in Begriff stünden. Ist es nicht die
-patriotische Pflicht einer erleuchteten Gesetzgebung, fragte ich in
-einem Wald von Ausrufungszeichen, die Einführung eines derartigen
-menschenbeglückenden Apparates mit allen zu Gebot stehenden Mitteln zu
-fördern? jeden Schritt freudig zu begrüßen, der den von ihren Irrtümern
-befreiten, aber heute daniederliegenden Bruderstaaten ihre materielle
-Wohlfahrt wiedergibt und sie gleichzeitig dem Fluch einer sündhaften
-Ausbeutung der Menschenkraft entzieht? Darf nicht erwartet werden, daß
-die weitsichtige Vertretung des größten Volkes unsrer Zeit mit Freuden
-das einzige Hindernis entfernt, das der Erreichung dieses herrlichen
-Zieles Schwierigkeiten bereitet, und ohne Verzug die Abschaffung
-oder wenigstens die zeitweise Aufhebung eines Prohibitivzolls auf
-Dampfpflüge beschließen wird?
-
-»Sehr gut!« sagte Olcott, als ich ihm mein Memorandum vorgelesen hatte;
-»was bezahlen Sie dafür?«
-
-Obgleich selbst nicht Amerikaner, war ich in einen patriotischen
-Schwung geraten, dem ich so rasch als möglich Einhalt tun mußte, um
-antworten zu können.
-
-»Wofür?« fragte ich, ein wenig nach Luft schnappend, um Zeit zu
-gewinnen.
-
-»Nun -- für das Spezialgesetz, für die Aufhebung des Zolls auf
-Dampfpflüge, sagen wir auf ein Jahr.«
-
-»Sagen wir auf fünf Jahre«, schlug ich vor, nach Fassung ringend.
-
-»Gut! Nehmen wir an auf fünf Jahre. Wieviel?«
-
-Ich schwieg. So nahe hatte ich mir das Ziel nicht gedacht. Das schien
-ja über alles Erwarten einfach zu sein. Aber die Frage kam mir doch mit
-gar zu betäubender Wucht über den Kopf.
-
-Olcott sah mich verwundert an. Nach einer Pause bemerkte er:
-
-»Ihr Dampfpflug mag vortrefflich sein. Das müssen Sie am besten wissen.
-Auch was Sie da auf Ihrem Papier haben, ist nicht übel. Jedenfalls
-läßt sich etwas damit machen. Aber Sie glauben doch wohl selbst nicht,
-daß man eine wertvolle Verordnung wie die, die Sie brauchen, durch den
-Kongreß drückt ohne Schmiermaterial. Da hat man zunächst alle möglichen
-Kosten: Druckkosten, Trinkkosten, Reisekosten, Konferenzkosten,
-Reklamekosten -- alle möglichen Kosten, die sich nicht spezifizieren
-lassen! -- Doch kommen wir zum Geschäft -- Zeit ist Geld -- Wieviel?«
-
-So rasch ging es nun doch nicht, wie ich es voreiligerweise vermutet
-hatte. Die Verhandlungen dauerten drei Tage. Ich wand und krümmte mich,
-so gut ich konnte; Olcott hatte viel Geduld mit mir. Am zweiten Tag
-war ich nahe daran, in einem Anfall heiligen Zorns abzureisen; er half
-mir selbst meinen Koffer wieder auspacken. Ich sei furchtbar grün; das
-sei kein Wunder, meinte er, mich entschuldigend, bei meiner kurzen
-Anwesenheit in diesem großen und freien Lande; aber ich sei sichtlich
-ehrlich. Beides würde sich wohl mit der Zeit geben; dann könne noch ein
-tüchtiger Mann aus mir werden. Jedenfalls werde er meine Laufbahn mit
-großer Teilnahme verfolgen. Ich habe ihm vorläufig viel Spaß gemacht.
-Das einzige, was er bedaure, sei, daß ich mit ihm auf politischem
-Gebiet nicht ganz übereinzustimmen scheine. Dann formulierte er den
-zehnten Vorschlag eines Abkommens, das ihm die Dampfkultur Amerikas
-zinspflichtig machen sollte.
-
-Schließlich waren wir am Ziel; wo ein Wille ist, findet sich ein
-Weg. »Oberst Olcott verpflichtet sich,« lautete die geheimnisvolle
-Vereinbarung, »nach Kräften dahin zu wirken, daß der Kongreß der
-Vereinigten Staaten von Nordamerika innerhalb der nächsten zwölf
-Monate die zollfreie Einfuhr von Dampfpflügen auf eine Reihe von
-Jahren, jedoch nicht unter drei, zum Gesetz erhebt. Für die hierdurch
-entstehenden Geschäftskosten und Bemühungen erhält Oberst Olcott von
-der durch Herrn Eyth vertretenen Firma zunächst zur Einleitung der
-erforderlichen Schritte tausend Dollar bar, sodann 7½ Prozent von
-jedem unter dem Gesetz eingeführten Dampfpflug, bis die erhaltene
-Summe zehntausend Dollar beträgt, und später 2½ Prozent bis zur
-Wiedereinführung des gesetzlichen Normalzolls für landwirtschaftliche
-Maschinen.« Damit konnten wir beide zufrieden sein. Ich oder vielmehr
-Olcott hatte mich überzeugt, daß man auch in der größten der Republiken
-dem Lande nicht umsonst Wohltaten erweisen kann. Ich fühlte eine
-gewisse Dankbarkeit gegen den Biedermann, der mit seinem offenen
-Lächeln der ganzen Verhandlung jeden bösen Schein abzustreifen gewußt
-hatte und mit Eifer an die Arbeit zu gehen versprach. Wir schieden
-an den Marmorstufen des Kapitols mit lebhaften Versicherungen
-gegenseitiger Hochachtung. Mir jedenfalls war es um tausend Dollar
-leichter zumute, was auch aus der Sache weiter werden sollte.
-
-»Und seitdem haben Sie nichts mehr von Ihrem Oberst und Gesetzgeber
-gehört?« lachte Schmettkow etwas verächtlich, nachdem ich ihm die
-Geschichte zu meiner eignen Beruhigung beim dritten Male etwas
-ausführlicher mitgeteilt hatte. »Na, das wird schon kommen. Mit tausend
-Dollar ist mein Herr Kamerad im Norden nicht zufrieden. Ich kenne meine
-Pappenheimer.«
-
-»Wir werden ja sehen,« meinte ich etwas kleinlaut; »unter tausend
-Dollar konnte ich wohl kaum erwarten, mit dieser Aufgabe durch
-Washington zu kommen. So weit kennen glücklicherweise auch meine
-englischen Freunde das Land. Im übrigen soll mich das alles wenig
-kümmern, wenn ich in ein paar Tagen meinen Dampfpflug zwischen die
-Finger bekomme. Dann sollen die Herren Amerikaner schon die Augen
-aufmachen.«
-
-»Na, na!« machte der Oberst, in dessen Seele der Stolz des werdenden
-Yankees mit dem Ärger, in Amerika zu sein, in fortwährendem Kampfe lag.
-Wir hatten, wie es die Unsitte des Landes will, halb deutsch, halb
-englisch gesprochen und kaum bemerkt, daß sich auch am Nachbartisch
-jemand niedergelassen und zu frühstücken begonnen hatte: ein älterer,
-gutmütig aussehender Herr mit einem furchtbaren Knotenstock.
-
-»Na, na!« sagte auch der neue Gast, sichtlich bestrebt, deutsch zu
-sprechen, fuhr aber dann sogleich auf englisch fort: »Entschuldigen Sie
-mich, Gentlemen; ich bin Mister Lawrences Bruder; Mister Lawrence,
-Magnoliaplantage, Plagueminegrafschaft, Louisiana -- Sie kennen ihn?« --
-
-Wir kannten nichts von all dem, glaubten ihm aber aufs Wort. Der Mann
-hatte ein so ehrliches, zutrauliches Aussehen, nahm seinen Knotenstock,
-ein wunderbares Naturerzeugnis, zwischen die Knie, stützte sein Kinn
-darauf und sah uns freundlich an.
-
-»Dampfpflüge!« fuhr er nach einer Pause fort, »Dampfpflüge -- das
-interessiert mich. Wir haben in diesem großen Land Dampfpflüge in
-Menge. In Vicksburg läuft einer seit drei Jahren -- in Cincinnati -- in
-Chikago --«
-
-»Mein lieber Herr!« sagte ich etwas erregt, denn er hatte mich an
-einer wunden Stelle berührt, »das geht nicht! Ich bin noch nicht
-lange in Ihrem großen und ruhmgekrönten Land, aber eins weiß ich: den
-amerikanischen Dampfpflug, von dem mir jedermann erzählt, hat noch
-niemand gesehen. Haben Sie ihn schon gesehen?«
-
-»In Baltimore ist einer,« fuhr Herrn Lawrences Bruder ausweichend,
-aber eifrig fort, »in Saint Louis hat erst vor wenig Wochen ein
-außerordentlich talentvoller Milchhändler einen Pflug erfunden, der mit
-dem Wind segelt. Warten Sie ein wenig; sehen Sie, hier!« -- Er zog aus
-seinem geräumigen Rock ein großes, blaues Heft hervor, nachdem er sechs
-kleine Tüten, die mit Zuckerproben gefüllt waren, auf den Tisch gelegt
-hatte. Das blaue Heft enthielt zahllose, in kreuz und quer eingeklebte
-Zeitungsausschnitte, unter denen er eifrig nach dem gewünschten
-segelnden Pflug suchte.
-
-»Haben Sie ihn gesehen?« fragte ich hartnäckig. »Nein? -- Nun will ich
-Ihnen erzählen, wie es mir in diesem großen und erleuchteten Land damit
-ging. Auf der Überfahrt von Liverpool nach Boston sagte mir die ganze
-Schiffsgesellschaft, soweit sie amerikanisch war, daß es bei ihnen
-von Dampfpflügen wimmeln müsse. Ein Herr aus Boston meinte, in seiner
-Vaterstadt seien allein drei, wahrscheinlich in vollem Gang, denn er
-erinnere sich, schon als Schuljunge davon gehört zu haben. Ich hielt
-mich zwei Tage auf, um sie zu finden. Niemand wußte etwas davon. Aber
-in Philadelphia sei ein blühendes Geschäft, das sie fabriziere. Ich
-interessiere mich ein wenig dafür; es ist mein Handwerk. Ich gehe also
-nach Philadelphia und finde mit Müh' und Not die Adresse eines Herrn
-in New York, der einmal mit einem englischen Geschäft korrespondiert
-habe, um sich einen kommen zu lassen. Es wurde nichts daraus wegen
-des hohen Eingangszolls. Aber in Cincinnati sei ein Mister Fox; der
-mache amerikanische Dampfpflüge, hauptsächlich fürs Präriepflügen,
-höre ich in der Metropole der Welt. Ich gehe nach Cincinnati. Mister
-Fox war tot. In einem Schuppen fand ich eine alte Straßenlokomotive,
-die seiner armen Schwester gehörte und aussah, als ob sie Noah gebaut
-hätte. Pflüge wolle ich sehen? Nein, das sei nicht zum Pflügen; das
-sei ein Lastwagen mit Dampfbetrieb, erklärte mir die Schwester. Aber
-in Chikago: dort werden für die Maisfelder von Illinois Hunderte von
-Dampfpflügen gebaut. Ich war auf dem Weg nach dem Süden, aber ich ließ
-mich's nicht verdrießen: ich gehe nach Chikago. Die Firma Thompson &
-Smith, von der ich in Cincinnati gehört hatte, war bankrott. Einen
-Dampfpflug habe sie nie gebaut. Dagegen habe allerdings Mister Thompson
-einen erfunden, der zehn Morgen in drei Minuten aufbreche. Nur der
-Bankrott sei ungeschickterweise dazwischen gekommen, die epochemachende
-Erfindung auszuführen. Jetzt sei er in Kalifornien, um das Geschäft
-fortzusetzen. Dort werde eigentlich nur noch mit amerikanischen
-Dampfpflügen gearbeitet. So werde es in Louisiana wahrscheinlich auch
-sein, namentlich in New Orleans, seitdem die Sklavenarbeit aufgehört
-habe. Hier bin ich jetzt, Mister Lawrence,« schloß ich, ganz warm
-von meinem Bericht, »und Sie schicken mich nach Vicksburg. Bei Gott,
-es ist ein großes Land, Ihr Amerika! Aber die Geschichte von seinen
-Dampfpflügen fängt an, etwas monoton zu werden.«
-
-Lawrence tat, als ob er mir nicht zugehört hätte, und suchte eifrig in
-seinem blauen Heft.
-
-»Sehen Sie hier!« rief er triumphierend. »Vicksburg, den 2. November
-1866 -- na nu! Das ist eigentlich etwas andres, aber nicht weniger
-interessant, und zeigt Ihnen, was unsre Erfinder leisten. Ein Land
-mit solchen geistigen Kräften ist nicht umzubringen, darauf können
-Sie wetten! Hören Sie zu. ›Vicksburg, den 2. November. Wir vernehmen
-mit Vergnügen, daß es einem unsrer Mitbürger, einem genialen jungen
-Erfinder, Mr. Hodgekiß, nach langem Studium und kostspieligen Versuchen
-gelungen ist, einen Dampfneger zu konstruieren. Derselbe kann
-bereits Holz sägen, Maiskolben raspeln und Zuckerrohr kauen. In der
-gegenwärtigen verzweifelten Lage unsers Südens ist diese Erfindung von
-der höchsten Bedeutung. Der Neger ist gegen ein Eintrittsgeld von 50
-Cents zu New York, 218 Fultonstreet, zu sehen. Der geniale Erfinder ist
-nunmehr eifrig damit beschäftigt, auch ein Dampfmaultier anzufertigen,
-teilt uns jedoch in der liebenswürdigsten Weise mit, daß dies eine
-sehr viel schwierigere Aufgabe sei als die von ihm bereits glücklich
-gelöste. Es wird dies jedermann, auch der Nicht-Techniker, begreifen,
-wenn man bedenkt, daß ein Maultier gewöhnlich vier artikulierte Beine
-in Bewegung setzen muß, während der Neger nur zweibeinig ist. Mr.
-Hodgekiß ist übrigens noch nicht zweiundzwanzig Jahre alt und im
-Begriff, sich mit der reizenden Miß Evelin Sharp aus Warrenton zu
-verheiraten. Er geht mit dem Plane um, auf Grund seiner Erfindungen
-eine Dampfneger- und -maultier-Aktiengesellschaft mit beschränkter
-Haftpflicht zu gründen, worauf wir Kapitalisten und Freunde der
-Regeneration des Südens besonders aufmerksam machen.‹«
-
-»Wieviel Aktien haben Sie genommen?« fragte Oberst von Schmettkow
-Herrn Lawrence, der sich siegreich umsah.
-
-»Vorläufig noch keine«, sagte Lawrence, ohne eine Miene zu verziehen.
-»Mein Bruder befindet sich augenblicklich im Norden und will sich den
-Neger erst ansehen. Das ist jetzt nicht mehr so einfach als früher. Sie
-wissen, mein Bruder ist ein vortrefflicher Geschäftsmann und läßt sich
-nicht leicht einseifen. Man muß sich mit den Yankees in acht nehmen.
-Auch in der guten alten Zeit haben wir keine Neger gekauft, ohne sie
-anzusehen. Und wenn Sie uns Ihren Dampfpflug zeigen, wer weiß, dann
-läßt mein Bruder am Ende den Dampfneger fahren und läuft Ihnen nach. Es
-sollte mich freuen, Mister -- Mister -- wie heißen Sie?«
-
-Ich befriedigte seine Neugierde.
-
-Wir schüttelten uns heftig die Hände, während ich mich zum Fortgehen
-anschickte. »Mister Lawrences Bruder« gefiel mir, obgleich mir noch
-nicht ganz klar war, was ich aus ihm machen sollte. Jedenfalls war
-er ein lebender Beweis der Zuträglichkeit des Klimas von Louisiana,
-über das man mir in der Ferne viel Böses gesagt hatte. Sein breites
-Gesicht lachte harmlos, seine Äuglein blinzelten listig hinter
-den roten Wangen und unter den struppigen weißen Augenbrauen. Ein
-kindlicher Glaube an die unbegrenzten Möglichkeiten des menschlichen
-Fortschritts schien der leitende Gedanke, die Poesie seines Lebens
-zu sein und ihn häufig, nach Art der Poesie, in etwas nebelhafte
-Regionen zu entführen. Wenn jedoch von Dollars die Rede war, hatte
-er plötzlich festen Grund unter den Füßen. Er hoffte, mich wieder
-zu sehen. Wenn mein Dampfpflug ankäme, wolle er der erste sein, der
-seinen Ruhm in der Crescent City verkündige. Und seinen Bruder wolle er
-mitbringen! »Sie wissen, wir haben dreitausend Acker Land in Zucker.
-Das ist kein Kinderspiel ein Jahr nach dem Krieg, wenn alles die Arme
-hängen läßt und die verfluchten Reisesäckler[1] dem Süden den letzten
-Blutstropfen aussaugen. -- General Longstreet, sagten Sie? Sie gehen
-zu General Longstreet? Das ist ein Mann, wie er sein soll, Mister
-Eyth, unser bester Soldat und heute der ehrlichste Baumwollmakler in
-ganz Louisiana. Ich werde Sie begleiten. Es ist mir eine Ehre, Sie zu
-General Longstreet zu begleiten.«
-
-»Passen Sie auf!« flüsterte mir Schmettkow zu, der sich's zur
-Lebensaufgabe gemacht zu haben schien, mich vor den üblichen Gefahren
-des Landes zu schützen.
-
-Dann gingen wir in die glühende Helle der Kanalstraße hinaus.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-2. Eine Generalversammlung
-
-
-Die Geschäftszimmer der Firma Longstreet, Owen & Co. in der
-Jacksonstraße bestanden aus zwei geräumigen, hellen Gemächern mit dem
-freundlichen Ausblick auf einen etwas verwilderten Garten, in welchem
-Palmetten, Kaktusbirnen und Aloes in der weißen Vormittagssonne
-schimmerten. Er mußte vor fünf Jahren ein prachtvolles Bild südlicher
-Pflanzenüppigkeit geboten haben. Jetzt schien er sich selbst überlassen
-zu sein, und seine Lianen machten ernstlich Anstalt, über das Haus
-wegzukriechen, um sich dessen Straßenfront anzusehen. Im äußeren,
-größeren Zimmer hausten die zwei jungen Owen, von denen der eine
-Major, der andre Kapitän genannt wurde. Dies waren sichtlich keine
-bloßen Ehrentitel: der Major hinkte infolge eines Schusses im Bein,
-der Kapitän hatte einen tiefen Säbelhieb in der im übrigen rosigen
-Wange. Das zweite, kleinere Gelaß war das Geschäftszimmer des Generals
-Longstreet, den Freund und Feind im Süden mit sichtlicher Hochachtung
-die rechte Hand des Generals Lee zu nennen pflegten, seitdem Longstreet
-selbst nur noch eine linke hatte. Seine eigne Rechte lag auf dem
-Schlachtfeld bei Chattanooga begraben. Alle drei waren jetzt ehrsame
-Baumwollmakler und Generalagenten für alles mögliche, was der Süden
-brauchen oder nicht brauchen konnte, auch für unsre Dampfpflüge. Ich
-selbst bin ein Mann des Friedens, und als mich der junge Owen mit der
-liebenswürdigen Höflichkeit des Südländers bat, ein wenig zu warten,
-da sich General Beauregard und General Taylor augenblicklich bei
-General Longstreet befänden, wurde es mir doch etwas schwül in dieser
-kriegerischen Umgebung, trotz der Baumwollproben, die auf allen Tischen
-und Gesimsen umherstanden. Doch so ist nun einmal das amerikanische
-Leben. Gestern standen die drei Männer, die im Nebenzimmer das Sinken
-der Baumwollpreise besprachen, an der Spitze von Armeen und schrieben
-in blutigen Schriftzügen an der Geschichte der Neuen Welt. Beauregard
-hatte zur Eröffnung des großen Bürgerkriegs die ersten Schüsse bei
-Fort Sumter abgefeuert, Taylor war vier blutige Jahre lang der
-Soldatenliebling aller Damen Louisianas gewesen, und Longstreet, eine
-mächtige, echt ritterliche Gestalt, hatte bis zum bitteren Ende beim
-Appomatox-Courthouse mit seiner verstümmelten Rechten an der Seite
-seines großen Chefs gefochten, wobei ihm die beiden Owen als seine
-persönlichen Adjutanten zur Seite standen. Der Kapitän hatte mir schon
-davon erzählt, wie es ihm und den Tausenden seiner halbverhungerten
-und halbverbluteten Kameraden am Abend bei der Übergabe der Armee,
-die den furchtbaren Krieg beendete, zumute gewesen war, wie ihm und
-allen andern eine Zentnerlast vom Herzen gefallen sei, an der sie
-seit Monaten geschleppt hatten, und wie er in der nächsten halben
-Stunde sein armes, halbtotes Pferd um 32000 Dollar in konföderiertem
-Papiergeld verkauft und ein Paar Stiefel um 430 Dollar gekauft habe.
-So stand es damals um Stiefel, Pferde und Geld. -- Etwas besser war's
-nun doch schon geworden. Taylor war Präsident des kleinen versumpften
-Kanals, der von New Orleans nach dem Pont Chartrin führt, Beauregard
-geschäftlicher Leiter einer im Bau begriffenen Bahn nach Texas,
-Longstreet und seine einstigen Adjutanten Baumwollhändler. Der Major
-war nicht anwesend. Er sagte mir, sein jüngerer Bruder sei auch in
-kaufmännischen Dingen noch heute Longstreets rechte Hand. »Lauter
-rechte Hände,« dachte ich, »und doch ist die ›große Sache‹ schief
-gegangen.«
-
-Während mein neuer Freund Lawrence sofort in lebhaftem Gespräch
-mit dem jungen Owen seine Zuckertüten aus der Tasche holte, sie
-auf den Tisch schüttete und ihn für die herrlichen Kristalle der
-Magnoliaplantage zu begeistern suchte, öffnete sich die Tür des
-Nebenzimmers, und Longstreets breites, treuherziges Soldatengesicht
-winkte mir zu, einzutreten. Die beiden andern Heerführer standen
-um ein Tischchen und zupften mit jener langsamen, sachverständigen
-Handbewegung Baumwollflocken auseinander, die bewies, daß sie wußten,
-was sie taten. Jedes Gewerbe hat gewisse zünftige Bewegungen, an denen
-sich die Eingeweihten sofort erkennen: man weiß, wie der richtige
-Getreidehändler das Korn von einer Hand in die andre rollen läßt, der
-Zuckersieder den zähflüssigen Zucker zwischen Daumen und Zeigefinger
-ausspinnt und der Gastwirt seinen Kaviar empfiehlt, indem er Daumen
-und Zeigefinger zusammendrückt und mit halbgeschlossenen Augen den
-Mund zuspitzt, als ob er küssen oder pfeifen wollte. So wußte ich nun
-auch, daß sämtliche drei Generale aus Familien stammten, die große
-Baumwollplantagen besessen hatten.
-
-Longstreet stellte mich vor: »Herr Eyth, Ingenieur und Vertreter der
-berühmten Firma John Fowler & Co. aus Leeds in England; Herr Eyth
-ist im Begriff, Gentlemen, einen Ersatz für unsre Neger in Louisiana
-einzuführen, so daß die farbigen Gentlemen sich in Zukunft mit größerer
-Ruhe der Anfertigung unsrer neuen Konstitution widmen können.«
-
-Beauregard, ein schweigsamer Mann mit weißen Haaren, machte ein
-finsteres Gesicht und zeigte keine Lust, auf Longstreets Witzchen
-einzugehen. Der kleine, elastische General Taylor dagegen lachte.
-
-»Was hilft das Zähneknirschen, Beauregard?« sagte er munter. »Wir
-sind geschlagen. Darüber ist kein Zweifel. Man muß sehen, wie man
-sich daran gewöhnt. -- Waren Sie schon in unserm Abgeordnetenhaus?«
-wandte er sich an mich. »Dorthin müssen Sie gehen. Alles schwarz. So
-etwas hat man nicht gesehen, seit sich der Erdball um die Sonne dreht.
-Mein Plantagenhufschmied, der mich seinerzeit dreizehnhundert Dollars
-kostete, ist erster Schriftführer. Aber reden sollten Sie den Mann
-hören! Alle sechs Wochen erhöhen die Herren in namentlicher Abstimmung
-ihre Tagegelder. Bis jetzt war dies ihre einzige gesetzgeberische
-Tätigkeit. Aber reden muß man sie hören. O Jerusalem!« ...
-
-»Mittlerweile müssen wir jetzt danach sehen, wie man Maulesel
-beschlägt«, meinte Longstreet, »und den Boden aufreißt, Kanalschiffe
-durch die alten Swamps schleppt und Schienen im Sand von Texas begräbt.
-Das ist Beauregards Spezialität. -- Sie also wollen uns pflügen helfen,
-Herr Eyth?«
-
-»Ich hoffe so, General«, antwortete ich mit erwachender Zuversicht
-und fühlte mich den drei Helden des großen Bürgerkriegs mit jeder
-Minute menschlich näher. »Der Dampf hat schon größere Schwierigkeiten
-überwunden.«
-
-»Sie scheinen einen guten Glauben an den Dampf zu haben«, meinte
-Beauregard grimmig. »Vor fünf Jahren ging mir's ähnlich: mit dem
-Pulverdampf!«
-
-»Wenn einmal die erste Lokomotive über seine ›Texasstrandlinie‹ läuft,
-wird sein Glaube wieder lebendig werden«, sagte Taylor tröstend.
-»Nehmen Sie ihm ein paar hundert Aktien ab, Herr Eyth, wenn Sie den
-alten Bären lachen sehen wollen. Ich habe leider mit dem größeren
-Teil meines Vermögens meinen Salon tapezieren lassen: alles echte
-konföderierte Tausenddollarnoten, die die Yankees für uns fabrizierten.
-Das müssen Sie sich ansehen, ehe Sie uns verlassen. Verstehen Sie etwas
-von Kanalschiffahrt? Ich nicht; und ein unbehagliches Gefühl ist es für
-einen Soldaten und Kanaldirektor.«
-
-Als in diesem Augenblick Major Owen eintrat, verabschiedeten sich die
-Herren mir gegenüber mit allgemeinem Händeschütteln, untereinander
-mit halb militärischen Grüßen und kaum bemerkbaren Blicken, die
-jedoch erraten ließen, daß sich unter der Oberfläche einer zu lauten
-Heiterkeit manches regte, das der Fremde nicht zu sehen brauchte.
-
-»Galgenhumor!« sagte Longstreet, von der Tür zurückkommend, mit einem
-leichten Schatten auf seinem guten, wohlwollenden Gesicht. »Taylor
-hat sein ganzes, großes Vermögen endgültig verloren. Er hat zwei
-Schwestern, vor fünf Jahren die ersten Damen von New Orleans, die
-eine Nähschule anfangen wollen, um zu leben. Übrigens geht es uns
-allen nicht viel besser. Doch es wird wieder anders kommen! Bei Gott,
-schlechter kann's nicht werden! -- Ihr Schiff, der ›Wilde Westen‹, muß
-jeden Augenblick hier sein, Herr Eyth. Der Major ist auf dem Zollamt,
-um den Betrag des Zolls festzustellen. Er hofft, Ihren Pflug um
-fünfzehnhundert Dollars hereinzubekommen. Natürlich muß er erklären,
-daß die ganze Sendung aus rohem Gußeisen besteht. Das wird ihm um so
-leichter, als er noch nichts davon gesehen hat und einen Dampfpflug von
-einem Bienenkorb nicht unterscheiden kann, wenigstens zollamtlich. Sie
-sehen, wir haben schon einiges von unsern nordischen Freunden gelernt.
-Im schlimmsten Fall müßten Sie allerdings beschwören, daß die Angaben
-meines Geschäftsteilhabers ihre Richtigkeit haben.«
-
-Ich schnappte nach Luft. Jedermann kannte Longstreet als einen
-Ehrenmann ohne Furcht und Tadel, und seine treuherzigen blauen Augen
-sahen so kindlich in die Welt hinaus, daß ihm der größte europäische
-Spitzbube aufs Wort geglaubt hätte.
-
-»Aber, General, das geht wirklich etwas zu weit«, stotterte ich.
-»Gußeisen! Seit zehn Jahren trompeten wir in Wort und Schrift in alle
-Welt hinaus, daß wir den besten Stahl an Stelle jedes Stückchens
-Gußeisen anwenden, das durch Stahl zu ersetzen ist. Ich habe erst
-gestern einen Zeitungsartikel an den ›New Orleans Picayune‹ gesandt, in
-dem ich mit Nachdruck darauf hinweise.«
-
-»Und ist das alles, was Sie da geschrieben haben, so ganz wörtlich
-zu nehmen?« fragte Longstreet, indem er mich zutraulich anblinzelte.
-»Sehen Sie, lieber Herr Eyth, Sie müssen sich in unsre Sitten einleben.
-Geschworen wird bei uns das Blaue vom Himmel herunter; an das müssen
-Sie sich vor allen Dingen gewöhnen. Auf dem hiesigen Zollamt werden
-an guten Tagen etliche fünfzig Eide geleistet. Schweinefleisch,
-Baumwollballen, Stockfische, Seidenkleider, Guß- und Schmiedeeisen,
-alles, was die Barre passiert, wird im Namen des allmächtigen Gottes
-für das erklärt, was es meist nicht ist. Die ganze Union ist entlang
-ihrer zwölftausend Meilen langen Grenze von einem Schnellfeuer von
-Meineiden beschützt, die jahraus jahrein ununterbrochen, außer am
-Sabbat, gen Himmel knallen. Das verlangt die Konstitution dieses
-großen und erleuchteten Landes und gehört zum Segen des Schutzzolls.
-Sie sehen, wir sind ein religiöses und gesetzliebendes Volk, seitdem
-wir wieder zur glorreichen, unteilbaren Republik gehören und ein
-Rudel Schwarzer unsre Gesetze macht. Auch uns, den alten Herren von
-Louisiana, wird es nicht immer ganz leicht, im neuen Fahrwasser zu
-schwimmen, das kann ich Ihnen unter der Hand versichern.«
-
-Major Owen trat ein, ein noch junger, hübscher Mann, dem man übrigens
-die Strapazen einer harten Zeit deutlich ansah, und bei dem unter
-der höflich lächelnden Oberfläche häufiger als bei Longstreet der
-verhaltene Grimm, die kochende Bitterkeit gegen die Verhältnisse
-durchbrach, in denen wir lebten. Der kurze Gruß der beiden zeigte
-deutlich die soldatischen Beziehungen der kaum vergangenen Zeit und
-zugleich von seiten des jüngeren Mannes eine fast schwärmerische
-Verehrung für den älteren. Man weiß in langen Friedenszeiten so viel
-von der Verrohung zu erzählen, die der Krieg mit sich bringt. Mitten im
-Kampf und oft genug nach demselben sieht man nicht selten auch Blüten
-und Früchte andrer Art.
-
-Nein, es sei nichts mit den 1500 Dollars, berichtete der Major. Der
-Zolldirektor, ein regelrechter Reisesackpolitiker aus dem Norden,
-bestehe auf dem vollen Zoll von 4200 Dollars in Gold, wenn ich nicht
-vielleicht bereit sei, andre Überredungskünste in Bewegung zu setzen.
-
-»Wieviel?« fragte ich. Diese Form der Frage begann mir schon geläufiger
-zu werden.
-
-»Ich denke, mit 500 Dollars ließe sich der Gußeisenzoll erreichen«,
-sagte der Major nachdenklich. »Das wären noch immer 2200 Dollars in
-Ihre Tasche. Aber bei Jupiter! das müssen Sie selbst regeln, Herr Eyth.
-Ich habe die Spitzbubengeschichte satt.«
-
-»Und ich bin für eine solche Verhandlung noch nicht lange genug in
-Ihrem großen und erleuchteten Lande gewesen!« rief ich in einer
-Aufwallung moralischer Entrüstung, die beide Herren höchlich belustigte.
-
-»Aber Sie kommen doch aus der Türkei oder aus Ägypten«, meinte
-Longstreet nach einer Pause.
-
-»Wohl wahr, und ich überlege selbst gelegentlich, worin eigentlich
-der Unterschied liegt. Das tröstliche Wort Bakschisch erklärt ihn
-vielleicht teilweise. Dort, einem schmunzelnden Effendi gegenüber,
-hat man das Gefühl, als sei dies alles, wie es der Schöpfer gewollt
-hat, als habe man es mit einer andern Gattung von Säugetieren zu tun,
-die nun einmal nicht leben können, wenn sie nicht geschmiert werden.
-Hier, im Verkehr mit Herren in schwarzen Sonntagshosen, mit einem
-Gesicht ernst und ehrenfest und wie aus Holz geschnitzt, finde ich den
-richtigen Ton noch nicht.«
-
-»Das wird kommen, Herr Eyth,« meinte Longstreet, »ich fürchte, das
-wird rasch genug kommen. Eine im Grunde aufrichtige Natur wie Sie
-findet sich bei uns bald zurecht. Man muß uns nur verstehen. Sie haben
-noch keinen Begriff davon, mit welcher Ehrlichkeit unsre Spitzbuben
-zu Werke gehen. Lesen Sie die Verhandlungen, in denen der große Boß
-des Tammanyrings, Mister Tweed, in New York seit ein paar Wochen
-glänzt. Sie kommen gerade zur rechten Zeit hierher. Wir wissen das
-alles schon seit fünf Jahren: für Sie ist es eine gute Anfangslektion.
-Bitte, beachten Sie die Ehrlichkeit, mit der der Mann seine fünfzig
-Millionen aus dem Steuerbeutel der New Yorker gestohlen hat. Keine
-Intriguen wie in der alten, verrotteten Welt, aus der Sie kommen,
-keine Heimlichkeiten, keine Hintertreppengemeinheiten. Alles offen und
-geradeaus, was man auf beiden Seiten des Wassers ›~fair play~‹ nennt.
-›Ich greife in die Stadtkasse und hole mir eine Million heraus --
-ungezählt. Sie, Mister Schatzmeister, drücken die Augen zu und erhalten
-hierfür dreimalhunderttausend Dollars. Abgemacht?‹ sagt der eine. --
-›Abgemacht!‹ sagt der andre. Das war die Formel für alle Geschäfte des
-großen Mannes, der New York bis gestern regierte. Möglich, daß er jetzt
-ins Zuchthaus wandert. Alle zwölf Jahre schüttelt sich das unglaublich
-faule Volk der wirklich achtbaren Leute, und das Geschmeiß fällt ab.
-Wahrscheinlicher ist aber, daß er das Geschäft nach einigen Monaten
-wieder aufnimmt. Ein andrer, wenn nicht er, tut es sicher.«
-
-Ich erzählte, was ich mit Olcott in Washington vereinbart hatte.
-
-»Sehr schön,« sagte Longstreet, »für einen Anfang sogar recht brav
-gemacht! -- Olcott? -- Olcott? -- Ich erinnere mich des Namens. --
-Major, wissen Sie, wo wir einem Olcott begegnet sind?«
-
-»Wenn es der Artilleriehauptmann ist, der uns bei Chattanooga
-gegenüberstand,« sagte Owen, »so ist es wenigstens ein braver Soldat.
-Der Mann stand bei seinen zerschossenen Kanonen, bis der letzte
-Artillerist am Boden lag. James Olcott. Ich ließ mir den Namen von ein
-paar Gefangenen sagen, die zu seiner Batterie gehört hatten. Er selber
-entwischte uns schließlich doch.«
-
-»James Olcott!« rief ich erfreut, »das stimmt! Da glauben Sie wohl
-auch, daß ich an den richtigen Mann geraten bin, der unsre Sache
-ehrlich vertreten wird?«
-
-»Was das betrifft,« meinte Longstreet gedehnt, »warten wir's ab!
-Bei Chattanooga hätte ich dem Mann mein Vermögen samt Weib und Kind
-anvertraut, in Washington würde ich keinen roten Cent an ihn wagen.
-Für den Augenblick hilft uns Ihr Freund jedenfalls nichts. Sie müssen
-sich entscheiden: entweder bleibt der Pflug unter Zollverschluß, bis
-der Kongreß zu einer Entscheidung kommt -- das mag sechs Wochen dauern
-oder sechs Monate oder sechs Jahre, kein Mensch kann es wissen -- oder
-Sie entschließen sich, die 4200 Dollars zu zahlen. Einen dritten Ausweg
-sehe ich nicht, wenn Sie dem Zolldirektor keinen Privatbesuch machen
-mögen. Was wollen Sie tun?«
-
-»Aber so viel Geld habe ich nicht hier«, bemerkte ich sorgenvoll.
-
-»Natürlich, doch das ist einfach!« tröstete Longstreet. »Ein Wechsel
-auf Ihre Freunde in London regelt die Sache in drei Minuten.«
-
-Kapitän Owens rosiges Gesicht sah zu der sich leise öffnenden Tür
-herein:
-
-»Kann Sie Mister Lawrence sprechen, General? Der Bruder des Mister
-Lawrence von der Magnoliaplantage. Es betrifft den Dampfpflug.«
-
-»Sicherlich!« rief Longstreet fröhlich. »Wie geht es Ihnen, Mister
-Lawrence?« Mister Lawrence stand nämlich schon mitten im Zimmer, den
-Hut auf dem Hinterkopf, beide Hände auf dem Knotenstock, die stämmigen
-Beinchen ausgespreizt wie eine kleine Kopie des Kolosses von Rhodos,
-und lächelte uns der Reihe nach verständnisvoll an.
-
-»Wie geht es Ihnen, General?« rief er eifrig. »Ich bin Mister
-Lawrences Bruder von Magnoliaplantage, Plagueminegrafschaft; Sie
-wissen, General? Ein guter Südländer in der Zeit der Sezession. Aber
-wir müssen mit den Wölfen heulen und schließlich auch dampfpflügen,
-wenn unsre farbigen Herren es wünschen. Übrigens bin ich im Ausschuß
-der Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana und habe Ihnen einen
-Vorschlag zu machen.«
-
-»Was, sind Sie noch nicht bankrott?« fragte Longstreet verwundert.
-
-»Die Landwirtschaftsgesellschaft? Noch nicht, im Gegenteil! Wir haben
-bloß kein Geld. Aber hier, dieser Gentleman aus der Alten Welt hat
-mir eine Idee eingegeben, aus der sich etwas machen läßt. Wir haben
-unsern Ausstellungspark vor der Stadt, einen prächtigen Platz. Die
-Herren Owen kennen ihn; Rennbahn, Tribüne, alles. Wir machen den
-nötigen Lärm, dafür lassen Sie mich sorgen. Herr Eyth läßt dort seinen
-Dampfpflug laufen, und die ganze Welt strömt zusammen, das Weltwunder
-anzustaunen. Überall hört man vom Dampfpflug; kein Mensch hat das Ding
-je gesehen. Das muß ziehen. Die Landwirtschaftsgesellschaft nimmt das
-Eintrittsgeld; Sie, General, haben die Ehre, den Süden zum zweitenmal
-zu retten; das heißt« -- Lawrence wurde sichtlich verlegen -- »das
-heißt zum erstenmal, und Mister Eyth verkauft ungezählte Apparate an
-die Yankees, die unsre Plantagen in Besitz genommen haben und nicht
-wissen, was sie jetzt weiter tun sollen.«
-
-»Und die Kosten?« fragte ich nicht ganz ohne Bedenken, obgleich
-Lawrences Plan wie ein Lichtstrahl in das zweifelhafte Dunkel fiel,
-in dem ich bis jetzt gelebt hatte. Denn auch ich wußte kaum, wie ich
-weiterkommen sollte. »Es kostet ein rundes Sümmchen, Herr Lawrence, den
-großen Apparat, sagen wir, eine Woche lang auf Ihrem Ausstellungsplatz
-in Gang zu erhalten.«
-
-»Ganz einfach!« sprudelte mein neuer Freund. »Die
-Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana schreibt einen glänzenden
-Preis für den besten Dampfpflug aus. Sie erhalten den Preis, den wir
-aus den Eintrittsgeldern bezahlen. Was kostet der Rummel, wenn wir acht
-Tage arbeiten?«
-
-»Ich denke, ich sollte mindestens 500 Dollars haben, um die Kosten
-zu decken«, sagte ich, mit höchst unnötiger Gewissenhaftigkeit
-kopfrechnend.
-
-»Sagen wir 750!« meinte Lawrence. »Gut! Morgen schreibt unser Komitee
-einen Preis von 750 Dollars aus; dafür lassen Sie mich sorgen.«
-
-»Sie können nichts Gescheiteres tun, als ja sagen, Herr Eyth«, sagte
-Longstreet, sichtlich erstaunt über mein Zaudern. »Mister Lawrences
-Bruder ist ein praktischer Mann, das sieht man auf den ersten Blick.
--- Ich gratuliere Ihnen, Herr Lawrence! Sie sind ein würdiges
-Ausschußmitglied unsrer großen Landwirtschaftsgesellschaft von
-Louisiana!«
-
-»Wann kann die Prüfung losgehen, Mister Eyth?« fragte Lawrence, ohne
-des Generals Komplimente zu beachten, indem er seinen Hut noch weiter
-auf den Hinterkopf schob, der vor Eifer zu dampfen schien.
-
-Das war der rasche Pulsschlag des amerikanischen Lebens, der uns
-langsame Europäer manchmal fast betäubt. Ich hatte, wie es schien,
-zehn Sekunden Zeit, mir alles zu überlegen. Der Pflug, in etlichen
-fünfzig gewaltigen Kisten, schwamm noch wohlverpackt und unverzollt auf
-dem Mississippi. Ich wußte nicht, ob der unentbehrliche Monteur und
-Dampfpflüger mitgekommen war, ohne den es nahezu unmöglich war, eine
-öffentliche Vorstellung mit dem neuen Apparat und einer Bemannung von
-völlig unerfahrenen Heizern und Pflügern zu geben. Dann, wer weiß, in
-welch unpflügbarem Zustand sich der gerühmte Ausstellungspark befand,
-in dem das Experiment stattfinden sollte. Doch es war nicht mein erster
-rascher Entschluß. Frisch gewagt ist halb gewonnen, und die vierzehn
-Tage Wartens in der schwülen Luft des Mississippideltas hatten mich ein
-wenig ungeduldig und tatendurstig gemacht.
-
-»Haben Sie ein Wechselformular zur Hand?« fragte ich.
-
-Major Owen reichte mir die Feder; das Papier lag bereits säuberlich
-ausgeschrieben auf des Generals Schreibtisch, der es in wundersam
-wackligen, nach links fallenden Schriftzügen mit seiner noch
-vorhandenen Hand ausgefüllt hatte, während wir uns unterhielten. Ich
-unterzeichnete das Dokument, demzufolge die Herren John Fowler & Co.
-sich verpflichteten, vierzehn Tage nach Sicht dem Überbringer 4200
-Dollars in Gold auszuzahlen.
-
-Der Major verabschiedete sich mit dem kleinen Zettel, um ihn zu
-versilbern. Es war keine Zeit zu verlieren. Ein Junge stand im äußeren
-Bureau mit der Nachricht, daß der »Wilde Westen« soeben am Fuße der
-Tschapatulastraße anlege. Der Kapitän wolle wissen, was mit den fünfzig
-Maschinenkisten geschehen solle, die sofort ausgeladen werden müßten,
-da der Pflug als Deckladung verschifft sei.
-
-Und damit hatte ich ja meinen Pflug und konnte die Neue Welt fünfzehn
-Zoll tief aufbrechen, wann und wo ich wollte!
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-3. Die erste Großmacht unsrer Zeit
-
-
-Herrn Lawrences Bruder nahm seinen Knotenstock unter den Arm und rieb
-sich die Hände vor Vergnügen, als wir Longstreets Bureau verließen.
-»Sehen Sie, das freut mich!« rief er noch unter der Türe. »Seit sechs
-Monaten gebe ich mir alle erdenkliche Mühe, den Dampfnigger hierher
-zu bekommen. Aber der Kerl will zu viel Geld und verlangt dazu noch
-Vorausbezahlung. Das geht nicht. Der Erfinder ist kein Südländer,
-darauf können Sie wetten, und wenn er zehnmal in Vicksburg geboren
-wäre. Ein kniffiger Yankee, ohne Zweifel, der kein Herz unter den
-Rippen hat wie alle. Nun haben wir dafür einen Dampfpflug und Sie! Und
-Sie -- Sie sind« -- er suchte offenbar nach einem schmeichelhaften
-Ausdruck, doch was ihm einfiel, schien diesem löblichen Streben kaum
-zu entsprechen, so kam schließlich nicht viel dabei heraus -- »Sie
-sind ein vernünftiger Mensch, ein ganz vernünftiger Mensch! Wenn ich
-etwas für Sie tun kann, Mister Eyth, rechnen Sie auf mich und auf
-meinen Bruder, der in vierzehn Tagen zurückkommt. Sie müssen sich die
-Magnoliaplantage ansehen, wenn Sie Land sehen wollen und Zucker. Haben
-Sie die hiesigen Zeitungsredaktionen schon besucht?«
-
-»Nein. Wozu?«
-
-»Was! Sie haben die Redaktionen nicht besucht und einen Dampfpflug
-am Fuß der Tschapatulastraße? Sie sind wohl nicht bei Trost! -- das
-heißt -- verzeihen Sie -- Sie kennen dieses große Land noch zu wenig,
-lieber Freund. Das erste ist, allen Redakteuren von New Orleans Ihre
-Aufwartung zu machen. Es ist weitaus billiger als jeder andre Weg. Ich
-werde Sie begleiten.«
-
-»Sehr gütig, Herr Lawrence,« versetzte ich, »aber ich wollte vor allen
-Dingen nach meinen Kisten sehen und hauptsächlich auch nach meinem
-Monteur, der im ›Wilden Westen‹ mitgekommen sein muß und sich nicht zu
-helfen weiß.«
-
-»Das ist alles Nebensache«, erklärte mein hitziger Freund. »Die
-Redaktionen müssen Sie besuchen, ohne eine Minute zu verlieren.
-Ich werde Sie vorstellen. Und dann gehen wir zum Sekretär der
-Landwirtschaftsgesellschaft. -- Donnerwetter!« -- er blieb stehen;
-es schien ihm plötzlich etwas einzufallen -- »ich glaube, ich habe
-Ihnen versprochen, daß die Gesellschaft morgen einen Preis von
-siebenhundertfünfzig Dollars für den besten Dampfpflug aussetzen wird.
-Wir müssen doch wohl eine Komiteesitzung abhalten.«
-
-Der Hickorystock setzte sich in Bewegung, Lawrence, flink wie ein
-Wiesel, hinterher. Ich folgte fast willenlos: die kleine dicke
-Verkörperung eines Wirbelwinds riß mich mit. Ich mußte mich zum
-wenigsten vergewissern, ob es mit der Komiteesitzung ernst werden
-würde, von deren doch noch sehr zweifelhaften Beschlüssen meine
-nächsten Schritte abhingen.
-
-In der St. Charlesstraße fanden wir das übliche Gewimmel von Menschen
-und Tieren. Es war kaum möglich, meinem übereifrigen Führer zu folgen.
-Da plötzlich, hinter dem Rücken eines vierschrötigen Negers, war er
-verschwunden, als hätte ihn vor meinen Augen die Erde verschlungen,
-ohne sich zu öffnen. Ich stand etwas erschrocken und völlig ratlos
-da, ging auf dem Fußsteig der Straße, vom Strom der Vorübergehenden
-geschoben und gestoßen, zehn Schritte weiter, dann zehn Schritte
-zurück und wiederholte dies mit wachsendem Staunen. Lawrence blieb
-verschwunden. War die ganze Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana
-samt ihrem Ausschußmitglied eine amerikanische Sinnestäuschung gewesen,
-deren Bedeutung ich noch nicht begreifen konnte?
-
-Plötzlich hörte ich aus dem Dunkel eines kleinen Tunnels, der
-unmittelbar von der Straße in ein altes, finsteres Gebäude führte,
-die mir wohlbekannte Stimme: »Wo stecken Sie denn? Hier haust der
-›Picayune‹! Kommen Sie! Schnell!«
-
-Ich stürzte mich erfreut in die stockfinstere Nacht, in der mein
-wiedergefundener Freund völlig zu Hause zu sein schien, erwischte ihn
-am Rockärmel und war entschlossen, ihn nicht mehr zu verlieren, bis der
-Preis für den besten Dampfpflug schwarz auf weiß ausgeschrieben war.
-
-»Dies sind die Geschäftsräume des Picayune,« sagte er, mich an der
-Wand des Tunnels vorwärtstreibend; »das älteste Blatt der Stadt. Die
-größte Zeitung im Süden. Nehmen Sie sich in acht, was Sie sagen. Guter
-Demokrat. Südliche Sympathien. Der Redakteur ist Oberst, hat in Texas
-kommandiert, aber nicht viele Schlachten gewonnen. Mehr Federmann. Hier
-sind wir!«
-
-Es dämmerte in der Wand, die sich teilweise auf meinen Rock übertragen
-hatte. Seitlich ging es eine schmale, steile Treppe empor, die den
-letzten Grad der Abnutzung erreicht zu haben schien, den eine Treppe
-erreichen kann. Mehrere Herren kamen uns hastig entgegen; auch Arbeiter
-mit Setzkästen. Es war nicht leicht, hinaufzudringen. Oben summten und
-rasselten die Pressen. Dort in dem schwülen Halbdunkel eines großen,
-niederen Saals wurden in allen Richtungen feuchte Zeitungsblätter
-von wunderlich zuckenden und rollenden Maschinen in beängstigendem
-Takte ausgespieen. Lawrence zog mich weiter, durch den Setzersaal.
-Es war jetzt nicht an der Zeit, Maschinenbewegungen zu studieren. In
-der kleinen, aber fürchterlichen Höhle, die wir ohne jede Zeremonie
-betraten, hauste der Geist, der diese halbdämonische Welt regierte.
-
-Ein Räuberhauptmann, dem Aussehen nach, braun wie ein Mulatte,
-mit gewaltigem Schnurrbart und einer imponierenden, unzweifelhaft
-rötlichen Adlernase, maß uns während des energischen Händeschüttelns
-mit schwarzen, stechenden Augen, machte jedoch gleichzeitig mit einer
-nicht unhöflichen Bewegung zwei Stühle frei, indem er die Berge von
-Manuskripten, Zeitungsschnipfeln und Fahnenabzügen, die sie bedeckten,
-auf den Boden fegte. Dann deutete er uns mit einer riesigen Schere an,
-Platz zu nehmen, wenn uns unser Leben lieb sei.
-
-»Mit was ist Ihnen gedient, Mister Lawrence?« fragte er, indem er mit
-seiner Waffe nach der Wand wies, wo auf einem langen Papierstreifen in
-roten Buchstaben der Zauberspruch »~Time is money!~«[2] prangte. Über
-der Inschrift waren zwei sich kunstreich kreuzende Revolver angebracht,
-der einzige Schmuck an den im übrigen kahlen Wänden. Man hatte den
-Eindruck, daß man sich hier nicht am richtigen Ort für ein gemütliches
-Plauderstündchen befand.
-
-»Ich wünsche, Ihnen diesen Gentleman vorzustellen,« sagte Lawrence
-eifrig: »Mister Eyth, Mister Rawley; Mister Rawley, Mister Eyth,
--- mit dessen Ankunft eine neue Zeit für unsern unglücklichen
-Süden beginnen wird. Mister Eyth ist der Vertreter der größten und
-berühmtesten englischen Fabrik für Dampfkulturgeräte: Dampfpflüge,
-Dampfkultivatoren, Dampfeggen, Dampfwalzen, Dampfsäemaschinen,
-Dampfzuckerrohrschneider und Dampfbaumwollpicker. Sie machen doch
-auch Dampferntemaschinen jeder Art, Herr Eyth? -- versteht sich --
-natürlich!« -- wandte er sich an mich im Ton unerschütterlichen
-Glaubens an seine Inspiration. »Kurzum, Mister Rawley, die Negerfrage
-existiert nicht mehr, wenn wir Herrn Eyth in Louisiana aufnehmen, wie
-er es verdient.«
-
-Rawley brummte mürrisch: »Hm! sehr angenehm! Immer noch lieber von
-England als von jenseits des Potomaks. -- Sehr angenehm, Mister Eyth.
-Ich nehme an, daß Ihr Dampfpflug uns besser hilft, als Ihre Landsleute
-es getan haben. Ah so -- Sie sind kein Engländer; um so besser! --
-Wie gefällt Ihnen unser schönes Land in seinem jetzigen, jammervollen
-Zustand? Nicht übel -- wie?«
-
-»Longstreet, der General, hat die Agentur für die Sache übernommen«,
-fiel Lawrence ein.
-
-»Der General Longstreet, die rechte Hand von Lee? Das ist etwas andres!
-Warum haben Sie das nicht gleich gesagt?« fragte Rawley, während sich
-seine Räuberhauptmannszüge in etwas menschlichere Falten legten.
-»Wir werden Sie mit Interesse beobachten, Mister Eyth! Wann soll es
-losgehen?«
-
-»Was meinen Sie, Herr Rawley?« fragte ich, etwas Mut schöpfend.
-
-»Die Rettung des Südens, das Gepflüge«, versetzte der Redakteur. »Sie
-geben doch ein Frühstück, um die Sache einzuleiten? Wir werden einen
-Berichterstatter hinschicken, wenn ich nicht selbst kommen kann. Sie
-wünschen ohne Zweifel eine redaktionelle Notiz schon vor dem Frühstück?
-Natürlich! Wollen Sie die Gefälligkeit haben, mir einige Anhaltspunkte
-zu geben. Wie alt sind Sie? verheiratet? glücklich verheiratet? Wo
-wurden Sie erzogen? Bitte, teilen Sie mir alles mit, was zur Sache
-gehört. General Longstreet ist mein Freund, ein Mann, den ich hoch
-verehre. Nehmen wir einen Tropfen Rum -- echten Jamaika -- wie, Herr
-Lawrence?«
-
-Sie winkten sich, verständnisinnig. Eine geschäftige Freundlichkeit
-durchbrach endlich die rauhe Schale des Räuberhauptmanns. Es gelang
-mir zwar nicht, seine Aufmerksamkeit von meinem ~curriculum vitae~
-auf die Vorzüge des Fowlerschen Doppelmaschinensystems zu übertragen.
-Auch Lawrence half mit, meinem Jugendleben und meinen persönlichen
-Wünschen und Hoffnungen auf den Grund zu kommen, und fügte, gegen
-Rawley gewendet, von Zeit zu Zeit die Versicherung bei, daß ich von
-Kindesbeinen an ein wirklicher Gentleman und ein unzweifelhafter
-Demokrat -- im amerikanischen Sinne des Wortes -- gewesen sei. In
-der Sklavenfrage halte ich noch jetzt »mit Zähnen und Klauen« an
-den geheiligten Gesetzen unsrer Vorfahren fest. Dies brachte mir
-jedesmal einen stummen, schmerzhaften Händedruck des Redakteurs ein,
-der seinerzeit selbst fünf Neger besessen hatte. Dazwischen wurde
-festgesetzt, daß Longstreet ein großes Frühstück geben müsse, zu dem
-die gesamte zu rettende Gesellschaft Louisianas sowie die Vertreter
-der Presse, in erster Linie aber des Picayune, einzuladen seien.
-Daran werde sich das Pflügen in würdiger Weise anschließen. Bezahlen
-werde ich es ja mit Vergnügen; eine solche Einführung des englischen
-Dampfpflugs sei etwas mehr wert, sollte man denken, als ein paar
-Dutzend Hummern und das erforderliche Zubehör. Ich selbst mußte dies
-zugeben und bekämpfte mannhaft eine vorübergehende Trübung meiner
-Stimmung. »Noch einen Tropfen Rum, Herr Eyth!« rief der finstere
-Redakteur, indem er nach der steinernen Flasche griff, die neben seinem
-Tintenfaß stand. »Nein? Das müssen Sie noch besser lernen, wenn Sie uns
-retten wollen. Das oder Temperenzler werden. Dazwischen liegt nichts.
-Adieu! Schicken Sie mir, was Sie gedruckt haben wollen, schon vor dem
-Frühstück!«
-
-[Illustration]
-
-Wir gingen. Lawrence nahm im Tunnel den Knotenstock wieder unter den
-Arm. Ich bemerkte es, weil er mich damit heftig in die Magengegend
-stieß. Es war der Ausdruck seiner Befriedigung. Dann lief er weiter,
-als ob er feurige Kohlen in den Stiefeln hätte. »Jetzt rasch, solange
-wir noch warm sind, in die Konkurrenzbude!« sagte er, mehr für sich als
-zu mir. Unser Ziel befand sich in derselben Straße, nur zwei »Blocks«,
-zwei Häuserviertel, entfernt; ein prächtiger, noch im Bau begriffener
-Palast, an dessen Steinfront der Titel der Zeitung: »~The Crescent City
-News~« in goldenen, riesengroßen Buchstaben prangte. Eine prachtvolle
-Marmortreppe, deren vergoldete Eisengeländer man anzuschrauben im
-Begriff stand, führte in die hellen, luftigen Drucksäle. Alles glänzte
-und funkelte hier, und selbst das Maschinengerassel hatte einen
-schärferen Klang als beim Nachbar. Auch flogen die Abendzeitungen nicht
-unordentlich aus allen Winkeln heraus wie dort. Ein schwarz gekleideter
-Herr empfing uns an der Tür eines geräumigen Bureaus, wohlwollend und
-würdig, so daß ich ihn für einen Geistlichen zu halten geneigt war. Es
-war Herr Smithson, der erste Redakteur der »Crescent City News«. Er war
-entzückt, Herrn Lawrence zu sehen, entzückt, daß Herr Lawrence mich
-mitgebracht hatte, direkt aus England. Er rang mit meiner Hand, als ob
-er sie aus dem Gelenke schütteln wollte. »Entzückt, Herr Eyth, Ihre
-Bekanntschaft zu machen. Ein Deutscher aus England, höchst interessant!
-Wie gefällt Ihnen dieses herrliche Land?«
-
-Mister Smithson bot uns zwei große, mit braunrotem Leder überzogene
-Armstühle, aber keinen Rum an. Ich war ihm wahrhaft dankbar
-dafür, Lawrence dagegen ließ seine Blicke fragend im Zimmer
-umherschweifen: nirgends die Spur einer Flasche. Die Tatsache war
-in die Augen springend: Smithson war nicht bloß ein Yankee, er war
-ein Mäßigkeitsapostel. Zum erstenmal glaubte ich durchzufühlen, daß
-Lawrences überwallendes Herz ein wenig sank.
-
-Der Redakteur dagegen blieb freudig erregt. »Dampfpflüge!« rief er,
-mir nochmals die Hand schüttelnd, »und schon auf dem Wege! Sehr schön!
-Im Begriff zu arbeiten; ausgezeichnet! Dem unglücklichen Neger, dem
-bedrückten Mitbruder die Last der Arbeit abzunehmen, welch glücklicher
-Gedanke; welch großes Ziel Ihres Wirkens, Herr Eyth! Die Rasse bedarf
-der Erziehung; unter uns muß ich dies zugeben. Aber wie kann sie
-erzogen werden, wenn sie nach wie vor vor den Pflug gespannt bleibt,
-um der alten verkommenen Aristokratie des Landes Sklavendienste zu
-leisten? Ich frage Sie, Herr Lawrence, als Mann den Mann, als Christ
-den Christen: Wie wollen Sie den Neger erziehen, solange er am Pflug
-zieht? Da kommt Herr Eyth mit seinem Dampfpflug, und die Sache ist
-gemacht. Große Gesichtspunkte; ich halte mich an große Gesichtspunkte!
-Nur indem wir an großen Gesichtspunkten festhalten, können wir
-den fürchterlichen Bürgerkrieg zu einem Segen für unsern teuren
-Süden ausgestalten. Nur so wird einem Volke von Brüdern die Kraft
-wiederkehren, das sternbesäte Banner der Union über dem unteilbaren
-Kontinent zu schwingen.«
-
-»Das war Mister Eyths Ansicht schon von Kindesbeinen an!« rief Lawrence
-mit Überzeugung.
-
-Smithson drückte auch ihm die Hand. »Dampfpflüge!« fuhr er fort, fast
-ohne Atem zu schöpfen. »Ich habe sie längst mit Spannung erwartet.
-Allerdings habe ich noch nie einen gesehen, aber in unserm Norden,
-in Philadelphia, in Cincinnati, in Chikago sind in diesem Augenblick
-Hunderte im Gang! Meine Landsleute, Herr Eyth, sind ziemlich
-erfinderisch und warten gewöhnlich nicht darauf, was Sie drüben in der
-Alten Welt machen; -- Hunderte!«
-
-»Das heißt,« -- begann ich, bestrebt, ein paar Worte einzuschalten, kam
-aber nicht weiter.
-
-»Das soll uns natürlich nicht hindern, den vortrefflichen Apparat
-gebührend zu würdigen, den Sie uns bringen. Sie wünschen natürlich eine
-präliminare, eine hervorragende präliminare Anzeige Ihrer Bestrebungen
-im redaktionellen Teil der ›Crescent City News‹. Vortrefflich! Fünfzig
-Cents die Zeile. Die Sache muß diesen Herren im Süden eindringlich ans
-Herz gelegt werden. Wie alt sind Sie? Wo sind Sie geboren? Sind Sie
-verheiratet?«
-
-Ich kämpfte abermals, und sichtlich ebenso vergebens, gegen diese
-Art, die Dampfkultur dem Publikum näher zu bringen. Auch hier ließ
-mich Lawrence völlig im Stich und hetzte den sprachseligen Redakteur
-nur noch tiefer in seine Forschungen nach meinem Stammbaum und nach
-andern Einzelheiten, die für ihn von Interesse gewesen wären, wenn ich
-seine Tochter hätte heiraten wollen. Ich ergab mich schließlich und
-erzählte ihm alles, was mir aus meinen Jugendjahren einfiel. Er schien
-befriedigt.
-
-»Sehr schön! Höchst interessant!« rief er schließlich. Als ich selbst
-im besten Zuge war und ihm die Herkunft meiner Mutter aus einer
-Schweizer Adelsfamilie erklären wollte, glaubte er genug zu wissen und
-steuerte plötzlich rückwärts. »General Longstreet steht an der Spitze
-der Sache, wie Sie mir sagen; ein vortrefflicher Mann, der leider auf
-die falsche Seite geraten ist. Nehmen Sie sich ein wenig in acht,
-Herr Eyth, daß Ihr Dampfpflug nicht allzu konföderiert wird. Mister
-Lawrence versteht mich; er kennt beide Seiten; ein vortrefflicher
-Mann, Mister Lawrence! -- Also Longstreet wird ein großes Frühstück
-geben, ehe Sie zu pflügen anfangen. Ausgezeichnet! Wir werden einen
-Berichterstatter schicken, wenn ich nicht selbst kommen kann. Ich
-hoffe, ich werde selbst kommen können! Doch möchte ich um Limonade
-bitten; nur Limonade für mich! Adieu, Herr Eyth. ~Time is money!~ Die
-Rechnung für die heutige redaktionelle Anzeige werde ich Ihnen schon
-morgen zusenden können. Es war mir höchst angenehm! Adieu! Adieu!«
-
-Damit komplimentierte er uns durch die Druckerei.
-
-»Verfluchter Yankee!« brummte Lawrence schon auf der Prunktreppe.
-»Trinkt nur Wasser und schwatzt wie ein altes Brunnenrohr. Vor
-dem müssen Sie sich in acht nehmen, Herr Eyth: der regelrechte
-Reisesackpolitikus. Aber es hilft nichts, wir brauchen sie alle,
-solange sie mit Kind und Kegel auf unserm Land herumsitzen wie die
-Heuschrecken. Uff! Mister Eyth, wenn Sie vor fünf Jahren zu uns
-gekommen wären, hätten wir anders mit dem Herrn geredet. Aber wir
-brauchen sie, Gott sei's geklagt, wir brauchen sie alle!«
-
-Lawrence schleppte mich weiter. Wir besuchten die hochdemokratische,
-das heißt aristokratische »Biene«, die republikanischen »Louisiana
-Times«, die neutralen, leicht nach Süden hängenden »Commercial News«.
-Mein treuer Führer schien unermüdlich, bis sie alle wußten, wie alt
-ich sei, wo ich geboren wurde und daß ich mich vorläufig nicht zu
-verheiraten gedenke. Zuletzt kamen wir auch über die Kanalstraße, in
-das alte französische Viertel der Stadt. Dort, vor einem unansehnlichen
-Hause in der St. Louisstraße, blieb er stehen, wartete, bis ich ihn
-erreicht hatte, denn er war mir gewöhnlich zehn Schritte voraus, und
-sagte:
-
-»So! da können Sie allein hinaufgehen, Herr Eyth. Hier hausen Ihre
-Landsleute, die ›Deutsche Zeitung‹. Ich muß jetzt nach meinem Komitee
-und nach Ihrem Preis sehen. Die Sache bekommt Hände und Füße, wenn Sie
-so noch ein paar Stunden fortmachen.«
-
-Er trocknete sich den Schweiß von der Stirne, und wahrhaftig, er
-hatte das Recht dazu. Es war glühend heiß geworden. Sein Eifer hatte
-mich jedoch angesteckt. Ich wußte jetzt, wie man Redakteure besucht,
-und machte mir nichts daraus, auch meinen Landsleuten die offenbar
-landesübliche Aufwartung zu machen.
-
-»Und glauben Sie wirklich, daß Sie das Preisausschreiben seitens Ihrer
-Gesellschaft so rasch zustande bringen werden?« fragte ich Lawrence,
-ehe wir uns trennten. Ich konnte meine Zweifel noch immer nicht los
-werden; es ging alles so verblüffend geschwind. »Man muß doch wohl eine
-Art Programm ausarbeiten, Bedingungen beraten, eine Prüfungskommission
-aufstellen --«
-
-Er unterbrach mich: »Verlassen Sie sich darauf, Herr Eyth! Morgen früh
-lesen Sie das Ausschreiben in allen Zeitungen. Was wetten Sie?«
-
-Dies zu hören, war mir außerordentlich lieb. Wenn ein Amerikaner so
-fragt, ist ihm die Sache ernst.
-
-»Zehn Dollar!« sagte ich deshalb ohne langes Bedenken.
-
-»Sie scheinen kein großes Vertrauen in Ihre Zweifel zu haben«,
-versetzte er lachend und fuhr dann mit einer gewissen Feierlichkeit
-fort: »Gut, zehn gegen zehn; Sie lesen das Preisausschreiben morgen
-in allen Zeitungen der Stadt, die täglich erscheinen. Eine ehrliche,
-gradlinige Wette. Ich kann sie verlieren, wenn ein Drucker Dummheiten
-macht oder ein Redakteur zu tief in die Whiskyflasche sieht, anders
-nicht. In Hunderten wäre mir die Wette lieber gewesen.«
-
-Er machte mit einem Bleistift von einem halben Zentimeter Länge eine
-Notiz auf eine seiner Zuckertüten und war schon um die Straßenecke
-verschwunden, als ich die mit Papierfetzen reich geschmückte Treppe
-der »Deutschen Zeitung« hinaufkletterte und mit einer Beilage um das
-linke Bein oben anlangte. Es war alles etwas klebrig im Hause, trotz
-der Hitze. In der Druckerei, die kleiner war als die andern, die ich
-heute kennen gelernt hatte, standen die Maschinen still. Dagegen schien
-eine Art Volksversammlung stattzufinden. An einen Setztisch gelehnt,
-stand eine teutonische Gestalt von echtem Schrot und Korn, mit blonden,
-wallenden Haaren, blauen Augen, einem mächtigen roten Bart. Auch der
-Schnitt ihres Anzugs, namentlich die Weite der Beinkleider, verriet
-etwas vom deutschen Studenten der älteren Generation, die noch Ideale
-kannte. Der Herr schien mitten in einer Volksrede für fünftausend
-Zuhörer zu schwimmen und ließ sich durch mich, der ich etwa der
-sechzehnte war, nicht unterbrechen.
-
-»Ich wende mich an Sie, meine Herren«, rief er, »vertrauensvoll,
-schmerzbewegt! Wir haben ein gemeinsames Ziel: unsre Grundsätze
-der Wahrheit und Freiheit der deutschen Welt unsers großen neuen
-Vaterlandes täglich zu verkündigen, das Panier der Gleichheit und
-Brüderlichkeit, ohne Ansehen der Farbe unsrer Leser, im Süden
-voranzutragen. Wir haben dieselben Freuden, dieselben Sorgen. Im
-Schweiß unsers Angesichts haben wir wieder vierzehn Tage lang der
-großen Sache gedient. Die Zahl unsrer Abonnenten ist um fünf gestiegen;
-das Ergebnis des Straßenverkaufs hat jedoch bedauerlicherweise
-abgenommen, da unser tätigster Austräger samt seinen Freitagsexemplaren
-spurlos verschwunden ist; Fritz Kleile ist mit einem kleinen Vorschuß
-aus unsrer Mitte geschieden, ich fürchte, für immer. Sie, meine Herren,
-waren schon gestern berechtigt, den sauer verdienten Lohn für Ihr
-aufopferungsvolles Wirken aus meiner Hand zu empfangen. Ich mußte Sie
-auf heute vertrösten. Meine Herren, auch heute ist unsre Kasse« --
-der Redner hob ein Blechkästchen, das neben ihm stand, in die Höhe,
-öffnete es feierlich und zeigte nach allen Seiten das glänzende Vakuum
-seiner Innenseite -- »diese unsre Kasse ist leer! Wollen Sie sich
-gefälligst selbst überzeugen«, fügte er in vertraulichem Tone bei,
-indem er sich an seine nächsten Nachbarn, einen grimmigen alten Setzer
-und zwei schmächtige zwölfjährige Jungen, wandte, die ihn hungrig
-ansahen.
-
-»Aber wo der Teufel ist das Geld von gestern?« fragte einer der
-fünfzehn, dessen trockene Kehle eigentümlich krächzende Laute
-hervorbrachte. Der Mann war sichtlich übermäßig durstig.
-
-»Sie haben ein Recht, diese Frage aufzuwerfen, verehrter Freund!«
-entgegnete der Redakteur mit einem mitleidigen Blick auf den Sprecher.
-»Ich werde sie beantworten. Wir hatten das Unglück, gestern abend den
-Besuch des Geschäftsführers unsres Papierlieferanten zu empfangen. Ich
-stand vor der peinlichen Gewißheit, der heutigen Ausgabe der ›Deutschen
-Zeitung von Louisiana‹ papierlos entgegensehen zu müssen. Ich hatte die
-Wahl, den nicht ganz unberechtigten Forderungen des unerbittlichen,
-ich darf sagen, herzlosen Geschäftsmenschen zu trotzen und damit uns
-alle zu vernichten oder ihm den Inhalt unsrer Kasse einzuhändigen. Da
-gedachte ich Ihrer Seelenstärke, meine Herren, gedachte der deutschen
-Treue, die sich in schweren Zeiten seit zwei Jahrtausenden bewährt
-hat. ›Besser,‹ sagte ich, ›noch einmal ohne Geld vor meinen Freunden
-zu erscheinen als ohne Papier.‹ Und nun« -- der Ton des Redners wurde
-um eine halbe Oktave tiefer, seine Stirne legte sich in Falten und
-sein blonder Haarbusch schien in die Höhe zu steigen -- »und nun,
-meine Leidensgenossen, frage ich Sie. Sie selber werden entscheiden.
-In Ihre Hand lege ich das Panier unsrer großen Sache. Wollen Sie -- ja
-oder nein -- wollen Sie nochmals zwei Wochen ungelohnt in alter Treue
-Ihre Pflicht erfüllen? Oder wollen wir gemeinsam das sinkende Schiff
-verlassen und jeder für sich an unbekanntem Strande eine zweifelhafte
-Rettung suchen? Im ersteren Falle« -- er verfiel plötzlich wieder in
-den gemütlichsten Gesprächston, in welchem er alle wichtigeren Teile
-seiner Rede vorzutragen schien -- »im ersteren Falle bekommen Sie
-vorläufig allerdings noch einmal nichts, aber es wird ohne Verzug
-weitergedruckt. Im zweiten Falle schließe ich die Bude, und Sie
-bekommen auch nichts.«
-
-»Weiterdrucken!« riefen die zwei hungrigen Jungen mit vor Begeisterung
-glänzenden Augen.
-
-»Abstimmen!« stöhnte der Durstige.
-
-»Abstimmen!« riefen noch drei oder vier der Älteren, und so kam es
-nach den besten Regeln eines in Trübsal geläuterten Parlamentarismus
-zur namentlichen Abstimmung. »Herr Faktor Müller?« -- »Weiterdrucken!«
--- »Herr Setzer Kunze?« -- »Der Teufel hole die ganze Bude samt dem
-Herrn Redakteur; schließen!« -- »Der nächste?« -- »Weiterdrucken! --
-Weiterdrucken! -- Schließen! -- Weiterdrucken!« und so weiter.
-
-Die Abstimmung war rasch beendet. Der Redakteur tat einen tiefen,
-theatralischen Atemzug und begann wieder: »Meine Herren und Freunde!
-Das Ergebnis unsrer Abstimmung ist das erwartete. Die deutsche Treue
-hat auch auf fremder Erde abermals glänzend gesiegt. Sieben Stimmen
-sind für den Schluß der Bude, acht fürs Weiterdrucken. Die gute Sache
-ist gerettet. Wie ein Phönix wird das Panier der ›Deutschen Zeitung von
-Louisiana‹ aus der Asche dieser vorübergehenden Prüfung erstehen, und
-Arm in Arm mit dem sternbesäten Banner dieses großen und freien Landes«
--- er hielt plötzlich an, wie wenn ihm etwas Wichtiges eingefallen wäre
--- »Meine Herren! Ich bitte die Herren Setzer, sich an ihre Plätze zu
-begeben. Es ist die höchste Zeit, wenn die Abendzeitung rechtzeitig auf
-die Straße kommen soll. Und, bei Gott, wir müssen heute abend etwas
-Geld haben. Was eingeht, wird verteilt. Rasch an die Arbeit, meine
-Kinder! -- Was wünschen Sie?«
-
-Das galt mir. Der kleine Bienenkorb war in einer halben Minute in
-voller Tätigkeit. Der Redakteur, Herausgeber und Eigentümer der
-»Deutschen Zeitung von Louisiana« trocknete sich den Schweiß von der
-Stirne und gab mir vorsichtig die Hand. Ich war ein Landsmann. Sollte
-ich gekommen sein, ihn anzupumpen?
-
-»Sie kommen in einem nicht ganz glücklichen Augenblick, verehrter
-Herr!« sagte er, ohne jedoch im geringsten verlegen zu sein. »Das
-nennen wir den Kampf ums Dasein. Er ist Ihnen vielleicht aus den
-neuesten Schriften eines gewissen Darwin bekannt. Hier sehen Sie die
-Theorien des großen Naturforschers ~in natura~.«
-
-»Es war mir höchst interessant, und ich wünsche Ihnen Glück zu Ihrem
-Siege«, sagte ich höflich. »Ich verstehe und würdige Ihre freudige
-Erregung, denn auch ich, Herr Doktor, --«
-
-Er nickte freundlich.
-
-»-- auch ich bin damit beschäftigt, im Kampf ums Dasein ein kleines
-Gemetzel vorzubereiten.«
-
-»Was? Doch nicht hier bei uns?« rief der Redakteur. »Sie haben gehört,
-wie es augenblicklich bei uns steht. Augenblicklich? Der Zustand ist
-chronisch, Verehrtester. Ich kann Sie nicht brauchen!«
-
-»Vielleicht doch«, entgegnete ich zuversichtlich und erklärte ihm, um
-was es sich handle. Jetzt erst schüttelte er mir die Hand nach gut
-amerikanischer Art, und dann beide Hände wie ein Deutscher, der seinen
-längst erwarteten Schutzengel gefunden hat. Um fünfzig Dollar wollte
-er meinen Dampfpflug über alle Himmel erheben. Um die Hälfte, wenn ich
-sofort bar bezahle. Zwei Artikel von je zwei Spalten, die ich morgen
-selbst liefern könne, wenn ich wolle. Dies war in der Tat billig. Die
-Zeitung hatte ohne Zweifel wenig Einfluß und keine Abonnenten. Aber
--- wer weiß? -- ein geschickt geschriebener Artikel aus dem Süden
-ging in andre Zeitungen über. Man war gegenwärtig in der ganzen Union
-neugierig, was in New Orleans vorging. Ich legte fünfundzwanzig Dollar
-auf den Tisch, lud den Redakteur zum kommenden Dampfpflugfrühstück ein
-und hatte in Doktor Wurzler nach seiner Versicherung den treuesten
-Freund gewonnen, den ich in diesem -- ebenfalls nach Doktor Wurzler --
-gottverfluchten Süden finden konnte.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-4. Wolken
-
-
-Mit all diesen Seitensprüngen war es spät am Tage und höchste Zeit
-geworden, nach der Hauptsache zu sehen, von der alles andre abhing.
-Ein hastiges Gabelfrühstück, Mittag- und Abendessen, in einheitlicher
-Zusammensetzung, die eine Wirtschaft in der Kanalstraße bot, setzte
-die menschliche Maschine wieder in arbeitsfähigen Zustand. Aber es war
-fast Dämmerung, ehe ich auf die Levees einbog, um nach dem »Wilden
-Westen« zu fahnden. Der gewaltige, halbkreisförmige Landungsplatz, den
-der Mississippi gegen die Stadt hin ausgegraben und vertieft hat, lag
-schon in seiner Feierabendstille vor mir. Für eingeborene Landratten
-bleibt ein Seehafen, in welcher Form er sich auch darstellt, zeitlebens
-ein Anblick, der das Blut in lebhaftere Wallung bringt. Der Bogen der
-»Levees« von New Orleans, der zu einem großartigen Staden ausgebauten
-Schutzdämme der Stadt, macht hiervon keine Ausnahme. Man sieht, wie
-der gewaltige Strom schon hier, achtzig Meilen von der See, einen
-großen Kontinent mit den Meeren aller Weltteile verbindet. Gegen Norden
-reiht sich, enggedrängt, nur mit den Vorderteilen das Ufer berührend,
-Boot an Boot: die phantastisch verzierten, schwimmenden Paläste
-des Mississippi, des Missouri, des Ohio mit ihren Riesenrädern und
-ihren barock gekrönten Doppelschornsteinen; dazwischen auch kleinere
-Dampfer, unter ihrer Last von Baumwollballen und Zuckerfässern fast
-versinkend. Nach Süden liegen die Seeschiffe, schwarze, wuchtige
-Massen, die volle Breitseite gegen das Ufer gekehrt, haushoch aus dem
-Wasser ragend, die roten Schraubenflügel, unheimlichen Seeungeheuern
-gleichend, halb in der Luft, ihre stumpfen, trutzigen Kamine kaum über
-der Brüstung sichtbar. Noch weiter unten liegen die Segelschiffe:
-Schoner, Brigantinen und Dreimaster jeder Art und Größe, die mit ihren
-Rahen und Tauen eine zierliche, wenn auch unentwirrbare Filigranarbeit
-in den goldenen Abendhimmel zeichnen. Das sind die Gäste aus der
-Havanna und New York, aus Rio und Quebek, aus Genua und Stockholm, aus
-Liverpool und Southampton und vor allem aus der eignen Heimat, aus
-Bremen und Hamburg. Auf den Levees selbst, der riesigen Holzplattform,
-die sich in stattlicher Breite und mehrere Meilen lang zwischen Fluß
-und Stadt hinzieht, liegen Hunderte von Zuckerfässern, Tausende von
-Baumwollballen, Pyramide an Pyramide von Fäßchen mit gesalzenem
-Schweinefleisch aus Kentucky und Illinois, Berge von Mais aus Illinois
-und Missouri, alles hübsch geordnet und aufgestellt wie die Bataillone
-einer Armee, die vor dem Abmarsch ins Feld ihre letzte Parade erwartet.
-Dieses Bild beleben trotz der Abendstunde Gruppen von Negern, auf den
-Ballen umherlungernd, unermüdlich schwatzend und lachend, und da und
-dort ein paar Matrosen, die der Stadt zueilen, sichtlich entschlossen,
-mit leeren Taschen und schwerem Kopfe zurückzukehren. Doch der Lärm der
-Tagesarbeit war verstummt. Eine schwüle Stille lag über dem Ganzen, und
-der Mond, eine blutrote Riesenscheibe, stieg hinter der Stadt zwischen
-den Türmen der Kathedrale des heiligen Ludwig auf dem Jacksonsquare
-langsam in die Höhe.
-
-Wo die Tschapatulastraße in den Landungsplatz einmündet, ragte
-ein gewaltiger, pechschwarzer Dampfer über die kleineren Schiffe
-heraus, die ihn umgaben, und sendete noch zarte Rauchwölkchen in
-den Abendhimmel empor. Er hatte die schmucklosen, trotzigen Formen
-englischer Frachtschiffe, die man überall auf den ersten Blick erkennt:
-keinen Bogen, keine Krümmung, die nicht unbedingt erforderlich war,
-keinen Farbenfleck, der seine dunkle Geschäftsjacke verunziert hätte.
-Das war mein »Wilder Westen«; es war unmöglich, sich zu irren.
-
-[Illustration]
-
-Und in der Tat, am Fuß der haushohen Schiffswand, die fensterlos und
-senkrecht von der Landungsplattform aufstieg, standen schon in wildem
-Gewirr etliche dreißig wuchtige Kisten, ein Lokomotivkessel, ein
-halbes Dutzend schmiedeeiserner, walzenförmiger Riesenräder, wie
-sie auf dem leichten Bretterboden der Levees noch nie gesehen worden
-waren. Der »Wilde Westen«, das war klar, ließ sich nicht viel Zeit.
-Die Kisten und Räder gehörten mir; mein Dampfpflug war schon halb
-ausgeladen. Da er als Deckladung herüberkam, war er das erste, was das
-Schiff ans Land setzen mußte. In reiner Freude kletterte ich über die
-Kisten und feierte ein kleines Wiedersehen; ich war zu Hause in diesem
-zyklopischen Wirrwarr.
-
-»Hallo! Wer ist da drunten?« schallte plötzlich hoch über mir eine
-scharfe Stimme, und ein Kopf erschien über der Schiffsbrüstung. »Wozu
-krabbeln Sie auf den Kisten herum?«
-
-»Eigentümer der Kisten!« schrie ich hinauf.
-
-»Gut, daß Sie kommen!« rief es zurück. »Wir brauchen Platz. Morgen früh
-müssen sie abgefahren sein.«
-
-»Na, so geschwind schießen die Preußen nicht!« rief ich hinauf, mich in
-meinem Kistenheimatsgefühl ein wenig vergessend.
-
-»Was?« brüllte es herunter.
-
-»So schnell werden die Nigger von Louisiana nicht kutschieren«,
-übersetzte ich dem Mann, der jetzt am Nachthimmel etwas deutlicher zu
-sehen war. »Haben Sie einen Engländer mitgebracht, einen Monteur?«
-
-»Nicht daß ich wüßte«, war die Antwort.
-
-»Was!« schrie ich entsetzt, »keinen Monteur von Fowler aus Leeds? Einen
-Passagier, James Parker. Sie +müssen+ einen Passagier mitgebracht
-haben.«
-
-»Wir führen keine Passagiere. Nur manchmal -- aus Gefälligkeit --
-ausnahmsweise!« erklärte der Mann von oben.
-
-»Dann ausnahmsweise! Sie müssen James Parker an Bord haben! Den Mann,
-der zu den Maschinen gehört!« Ich bestand darauf und fühlte, daß ich
-zornig wurde.
-
-»Mein guter Herr,« rief es begütigend zurück, »ich bin der Zahlmeister
-des ›Wilden Westens‹ und sollte es wissen. Wir haben ausnahmsweise
-einen Methodistenpfarrer mitgenommen und seine zwei Töchter. Wenn Ihnen
-mit diesen gedient ist -- aber sie sind aus Bradford.«
-
-»Also keinen Monteur, der zu den Kisten gehört?« rief ich nochmals
-hinauf und fühlte, daß mich die Kraft meiner Lungen verließ.
-
-»Keinen Monteur!« tönte es wie aus weiter Ferne zurück. Der Kopf des
-Zahlmeisters war verschwunden.
-
-Ich setzte mich und dachte nach. Also kein Monteur, kein Brief, keine
-Erklärung nach der feierlichen Zusage, daß Parker mit den Kisten
-ankommen solle! Was konnten sie in Leeds gedacht haben? Wußten sie doch
-so gut als ich, daß kein einzelner Mann mit seinen zwei Händen einen
-Doppelmaschinendampfpflug in Bewegung setzen kann, der sich vom ersten
-Tag an wenigstens leidlich präsentieren sollte. Es handelte sich hier,
-wenn der Himmel nicht eingriff, um eine physische Unmöglichkeit.
-
-Die Kisten um mich her, die jetzt der Mond grell beleuchtete, wuchsen
-mit ihren schwarzen, viereckigen Schatten ins Ungeheure; um das offene,
-rot angestrichene Feuerloch des ausgeladenen Kessels spielte ein
-dämonisches Lächeln. Ich kochte vor Zorn. Was konnten sie in Leeds
-gedacht haben? Mich so hinzusetzen! Aber ich kam nicht über die Frage
-hinaus. Über mir begannen die Sterne zu funkeln, still und friedlich,
-als ob hier unten alles in Ordnung wäre. Der reinste Hohn!
-
-»Was machen Sie da droben?« näselte jetzt eine grätige Yankeestimme
-von unten, die zu einem herumlungernden Schutzmann gehörte, der
-wahrscheinlich an der Nachtwache der Levees beteiligt war.
-
-»Luft schöpfen! Eigentümer!« brummte ich, ohne Anstrengung, so mürrisch
-als möglich.
-
-»Gut, daß Sie kommen!« sagte auch dieser Mann. »Die Kisten müssen
-morgen früh von der Levee abgefahren werden, Mister! Und so schnell als
-möglich. Die Levees sind für Baumwolle gebaut, nicht für vierschrötige
-Eisenklumpen wie diese Engländer.« -- Er klopfte entrüstet auf meine
-Kisten. -- »Die Fundamentpfähle sind heute abend schon um drei Zoll
-gesunken, sagt der Levee-Inspektor. Sie werden eine gesalzene Rechnung
-bekommen, Mister Eigentümer! Wenn die Bohlen brechen, ist der Teufel
-los.«
-
-Ich hütete mich, zu antworten, und schlüpfte lautlos von meiner
-mondbeglänzten Höhe auf der andern Seite des Kistengebirgs in die Tiefe.
-
-Fünf Minuten später sah man entlang der finsteren Schattenseite der
-Tschapatulastraße einen Mann, den Hut über die Augen gedrückt, mit
-gesenktem Kopfe langsam seiner Wohnung zusteuern. Manchmal murmelte er
-halblaut vor sich hin. Dann versank er wieder in stummes Nachdenken.
-Der Mann war ich.
-
-Und ich fühlte nur eins: noch ehe ich heute einschlief, mußte ich
-wissen, was am nächsten Morgen zu geschehen hatte.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-5. Arbeitstage
-
-
-Ein kurzer, tiefer Schlaf tat das übrige.
-
-Mit beiden Füßen sprang ich in den jungen Tag; ich wußte jetzt, was
-zu tun war. Zuerst mußte Kapitän Owen aufgefunden werden. Die seine
-war die einzige Adresse einer Privatwohnung in der Stadt, die ich
-kannte. Auf dem Wege sang ich eine meiner Schlachthymnen, aber nur
-und wiederholt, den ernsten Zeiten entsprechend, ihren dritten Vers:
-»Und wenn die Welt voll Teufel wär'!« Er war mir schon als kleiner,
-ahnungsloser Junge der liebste gewesen und hat mir im späteren Leben
-mehr als einmal treulich gedient, wenn ich nicht mehr genau wußte, wo
-hinaus? Warum auch nicht? Hatte ich nicht ein Recht zu dem Vers, so
-gut als ein andrer? Stand ich nicht seit Jahren mitten in einer Art von
-Bodenreformation, in der »der arg' böse Feind« oft genug sein Wesen
-trieb?
-
-Sie sind im allgemeinen keine Langschläfer in New Orleans. Der frühe
-Morgen ist der beste Teil des Tages an den Bayous des Mississippi. Doch
-schlief Owen noch, als ich versuchte, ihm die Adresse der nächsten
-besten Maschinenfabrik zu entlocken, und war, sich die Augen reibend,
-über meinen Besuch nicht wenig erstaunt. Eine halbe Stunde später stand
-ich in einem fast leeren Fabrikhof, der müde und lebenssatt aussah. Wie
-alles in der Stadt, war das Geschäft halb bankrott und hatte keinen
-Mangel an müßigen Arbeitern. Man ließ mir die Wahl. Nach weiteren
-dreißig Minuten hatte ich zwei junge Monteure ausgesucht -- der eine
-war allerdings, wie sich später herausstellte, ein gelernter Schneider
---, die mit Brechstangen, Hämmern und Meißeln bewaffnet hinter mir
-drein liefen. Auf den Levees war alles schon voll Leben. Zuckerfässer
-rollten hin und her, Baumwollballen flogen durch die Lüfte. Dampfer
-rauchten und spieen Wasser und Feuer aus. Geschrei, Gerassel und
-dröhnendes Gepolter auf dem hohlen Bretterboden in allen Richtungen.
-Hunderte von Negern aller Schattierungen, darunter wahre Herkulesse,
-rollten im Eifer der Arbeit lachend über die Ballen oder sprangen
-singend hinter den Fässern her. Es wurde viel und kräftig geflucht;
-aber auch des Herrn Lob erschallte in wundersamen Liedern unter Lachen
-und Gejauchze. »Wir gehen alle über den Jordan -- o Jerusalem!« war ein
-besonders beliebter Kehrreim der Ernstergesinnten. Den Schwarzen war
-es in diesen Morgenstunden sichtlich wohler als ihren einstigen weißen
-Herren.
-
-Auch auf dem Deck des »Wilden Westen« war schon alles in Bewegung.
-Mein zweiter Kessel schwebte an einem kräftigen Schiffskranen hoch
-in der Luft, machte eine elegante Schwenkung über Bord, als sei ihm
-das Fliegen zeitlebens eine liebe Gewohnheit gewesen, und sank in der
-nächsten Minute auf die krachende Levee nieder. In zehn Minuten hatte
-ich sechs Neger, Jem, Jo, Jack, Kato, Alexander und Bucephalus, in
-meine Dienste genommen. Neugierig und energisch machten sie sich daran,
-die Deckel der Kisten aufzureißen, die ich den Monteuren bezeichnete,
-und die blanken Stangen und Wellen, die schweren Lager und Ständer aus
-den Spänen herauszuschälen, welche sich in gewaltigen Haufen um uns
-auftürmten. Vor der Frühstücksstunde noch war mein Trüpplein im besten
-Zuge; mir selbst begann es ganz leicht ums Herz zu werden. Dazu kam
-noch »Lawrences Bruder«, der schon in der Ferne eine Zeitung in der
-Luft schwenkte, als er den »Wilden Westen« und mich entdeckt hatte.
-
-»Sie haben verloren, Mister Eyth, Sie haben verloren!« rief er aus
-weiter Ferne. »Geben Sie mir zehn Dollar und hören Sie zu!«
-
-Er kletterte auf eine der Kisten, setzte sich, entfaltete die nasse
-Morgenzeitung und las:
-
-»›Die berühmte und stets auf das Wohl unsres Staates bedachte
-Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana hat sich entschlossen, den
-beträchtlichen Preis von siebenhundertundfünfzig Dollar für den besten
-Dampfpflug zur Bearbeitung von Baumwoll- und Zuckerland auszusetzen.
-Man hofft mit Recht, auf diese Weise der unglaublichen Not des Südens,
-dem Mangel an Arbeitskräften jeder Art, für alle Zeiten abhelfen zu
-können. Wie wir hören, soll sich bereits ein Bewerber für diesen
-ansehnlichen Preis eingestellt und am Fuß der Tschapatulastraße seine
-Vorbereitungen begonnen haben. Ehre einer Gesellschaft, die auch in
-den schwersten Zeiten Mut und Tatkraft bewahrt, an dem Wiederaufbau
-und der Wohlfahrt unsres glorreichen Südens weiterarbeiten zu können!‹
--- Wie gefällt Ihnen das? Sie brauchen die andern Zeitungen nicht
-nachzusehen. Sie bringen alle denselben packenden Artikel, den ich
-und unser Geschäftsführer noch gestern nacht ausgebrütet haben. Er
-wollte zuerst nicht recht dran; die Komiteesitzung kann erst übermorgen
-stattfinden, und so ist eigentlich noch nichts beschlossen. Merken Sie
-allmählich, daß Sie in Amerika sind?«
-
-»Merken Sie, daß Sie auf einer englischen Maschine sitzen?« antwortete
-ich vergnügt, indem ich gleichzeitig Bucephalus anwies, meinem Freund
-eine Brechstange zwischen die Beine zu stoßen, denn er saß auf der
-Kiste, die ich vor allen andern geöffnet haben wollte. Bucephalus
-war energisch, aber etwas ungeschickt. Lawrence sprang deshalb mit
-jugendlicher Behendigkeit in die Höhe, um dem gefährlichen Stoß zu
-entgehen.
-
-»Und sehen Sie, da kommen Sie selbst!« rief er aus der Zeitung heraus,
-seinen Knotenstock schwingend, ohne jedoch den Zwischenfall eines
-weiteren Wortes zu würdigen.
-
-»Frühstück, Frühstück!« schrieen die Neger, während ein halbes
-Dutzend Glocken und hundert heulende Dampfpfeifen entlang der ganzen
-Levee einen infernalischen Lärm erhoben. Ein paar Stunden nüchterner
-Morgenbeschäftigung mit dreiundfünfzig Kisten eines demontierten
-Dampfpflugs verfehlen ihre appetiterregende Wirkung auch in einem
-halbtropischen Lande nicht. Ich war deshalb mit den Negern völlig
-einverstanden und bat Lawrence, mir Gesellschaft zu leisten. Er kannte
-eine Wirtschaft in unmittelbarer Nähe, wo wir unter Schiffskapitänen,
-Baumwollmaklern und Zuckerbörsenleuten rasch ein Tischchen und ein
-»elegantes« Frühstück fanden. Als Beilage las er mir eifrig die
-Morgenzeitungen vor, deren Inhalt, soweit er unsre Sache betraf, ihn
-sichtlich mit dem erhebenden Gefühl der Vaterschaft beglückte.
-
-Der »Picayune« erzählte in Sperrdruck:
-
-»Wir hatten gestern das Vergnügen, den Besuch des Herrn Eyth, des
-gentlemännlichen Vertreters der großen englischen Firma John Fowler &
-Co. von Leeds und London, zu erhalten, der uns von dem Bruder unsres
-großen Zuckerplantagenbesitzers, Herrn Henry Lawrence, freundlich
-zugeführt wurde. Herr Eyth beabsichtigt, durch die Einführung der
-weltberühmten Dampfpflüge seiner Firma, die alles bisher Dagewesene
-übertreffen sollen, an der Regeneration des Südens mitzuwirken, und
-wird damit voraussichtlich in wenigen Tagen im Ausstellungspark der
-Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana den Anfang machen. General
-Longstreet und die hervorragendsten Männer unsres Staats nehmen den
-lebhaftesten Anteil an seiner Tätigkeit. Sein Pflug soll stündlich fünf
-Acker des schwersten Zuckerbodens auf eine Tiefe umbrechen, die nach
-der Versicherung unsres Freundes, Herrn Lawrence, von sechs Paar Ochsen
-nicht erreicht wird. In liebenswürdigster Weise teilte uns Herr Eyth
-mit, daß er ein Deutscher von Geburt und, im Gegensatz zur Mehrzahl
-seiner übrigens hochachtbaren Landsleute, der Sache der Südstaaten
-stets aufs wärmste zugetan gewesen sei. Hochinteressant finden wir,
-daß Herr Eyth aus einer alten Schweizer Fürstenfamilie abstammt und
-daß er in einem mittelalterlichen Männerkloster seines Vaterlandes
-das Licht der Welt erblickte. Der letztere Punkt bedarf jedoch noch
-der Aufklärung. Trotz dieser geheimnisvollen und hochromantischen
-Vergangenheit scheint Herr Eyth ein lebhaftes Verständnis für die
-modernen Verhältnisse unsres glorreichen Vaterlandes mit nicht
-gewöhnlicher Geschäftsenergie zu verbinden. Unsre geschätzten
-Leserinnen dürfte es jedoch mehr interessieren, zu vernehmen, daß Herr
-Eyth durch keine zarten Bande an den alten Kontinent geknüpft ist und
-nicht unweigerlich an den klösterlichen Grundsätzen seiner Jugend
-festzuhalten gedenkt. Wir wünschen ihm in dieser und jeder andern
-Beziehung einen erfolgreichen Aufenthalt in den wieder auflebenden
-Golfstaaten.«
-
-»Das ist gut, das ist sehr gut für einen Anfang!« meinte Lawrence. »Sie
-werden sehen, unsre schönen Kreolinnen werden sich nach Ihnen umsehen;
-das kann nichts schaden. -- Weiter!«
-
-Er griff nach dem »Crescent City News«. Der Anfang des Artikels der
-republikanischen Zeitung, den er mit raschem Kennerblick gefunden
-hatte, war nahezu der gleiche. Auch hier war der Vertreter der großen
-Firma von John Fowler & Co. vor allen Dingen »gentlemanly«, ein
-Ausdruck südlichen Zeitungsstils, dem kaum jemand entgeht, und den ich
-oben in der Not mit »gentlemännlich« zu übersetzen suchte. Geboren
-war ich hier, nach meinen eignen liebenswürdigen Mitteilungen, in den
-Tiefen des Schwarzwalds und der Rauhen Alb, wo mein Vater, »wenn wir
-Herrn Eyth, der ein Deutscher ist, richtig verstanden haben, teils dem
-Holzhandel, teils der schon von Tacitus erwähnten Jagd auf Bären und
-Wölfe oblag. Schon von Jugend an hatte deshalb Herr Eyth eine fast
-schwärmerische Zuneigung für das große Amerika, namentlich aber für
-unsern lebenskräftigen Norden, der in dem soeben glorreich zu Ende
-geführten Kampf seine Stärke und seinen gesunden Sinn zum Wohle des
-Ganzen mit blutiger Energie bewährt hat. Die Jugendzeit, verbracht
-in der finsteren Einsamkeit primitiver Wälder, mag auch die Ursache
-gewesen sein, daß der übrigens nicht unsympathische Vertreter der
-englischen Firma, dessen politische Ansichten im Gegensatz zu der in
-England herrschenden bedauerlichen Stimmung durchaus korrekt zu sein
-scheinen, sein Geschick noch nicht mit dem Rosenband einer glücklichen
-Liebe umwunden hat. Eigentümlicher ist, daß die englische Firma es für
-nötig hält, dem erfindungsreichen Amerika, das in nichts, somit auch
-nicht in Dampfpflügen, hinter irgendwelchem Lande zurücksteht -- wir
-machen nur auf die Dampfkulturgeräte in Pennsylvanien, in Ohio, in
-Illinois und neuerdings auch in Kalifornien aufmerksam --, derartige
-Apparate uns zusenden zu müssen glaubt. Ihre Nützlichkeit bleibe
-hierbei unbestritten. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß Herr Eyth,
-dessen offener Blick uns sofort sympathisch berührte, mannigfach und
-reichlich belehrt zu seinen englischen Freunden zurückkehren wird, und
-wünschen ihm hierzu wie in jeder andern Beziehung den besten Erfolg.«
-
-»Ein verfluchter Yankee!« meinte Lawrence, ohne große Aufregung,
-während ich, etwas grimmiger als er, ein Beefsteak von landesüblicher
-Zähigkeit zersäbelte. Sämtliche sieben Morgenblätter brachten ähnliche
-Aufsätze, so daß sich seitdem sieben verschiedene Städte um die Ehre
-streiten können, meine Wiege beherbergt zu haben. Alle aber waren in
-einem Punkte einig: daß meinem armen, unschuldigen Dampfpflug eine
-hervorragende politische Rolle zukomme. Ein unverkennbarer, wenn auch
-leichter Hang gegen den demokratischen Süden schien von der einen Seite
-das höchste Lob, von der andern den schärfsten Tadel zu verdienen.
-Nur mit Rücksicht auf das noch nicht ganz ausgesprochene pekuniäre
-Verhalten des sympathischen Vertreters der Firma John Fowler & Co.
-legten sich die kleineren Blätter noch einige Zurückhaltung auf. Das
-Beefsteak aus Texas war wirklich zu zäh; ich warf Messer und Gabel weg
-und stand auf.
-
-»Lieber Herr Eyth,« sagte Lawrence, der meine Verstimmung
-kopfschüttelnd bemerkte, »an das müssen Sie sich gewöhnen, wenn es
-Ihnen bei uns wohl werden soll. Es tut nicht weh, sobald man's gewöhnt
-ist. Was Sie zu tun haben, ist, Ihren Pflug auszupacken. Je mehr man
-über Sie schimpft, um so besser. Man wird auf Sie aufmerksam; das ist
-alles, was Sie brauchen, und kostet Sie nichts. Übrigens läßt sich
-die Sache auch sehr leicht in Ihrem Sinn regeln. Ich will Ihnen das
-besorgen. Wieviel wollen Sie an die ›Crescent City News‹ rücken?«
-
-»Keinen roten Cent!« rief ich grimmig, indem ich unser Frühstück
-bezahlte.
-
-»Sie sind aufgeregt!« meinte Lawrence begütigend. »Das ist nicht gut.
-Kühl bleiben ist die erste Regel des Lebens, namentlich im Süden und
-heutzutage. Wir wären alle besser dran, wenn wir sie vor fünf Jahren
-mehr beherzigt hätten.«
-
-Ich ging wieder nach den Levees, dem »Wilden Westen« zu. Ein gewaltiger
-Menschenhaufen umstand jetzt die Ausladestelle des Schiffs. Im Kern
-des Knäuels schien es lebhaft zuzugehen. Meine sechs Neger hatten sich
-auf die übereinandergetürmten Kisten geflüchtet und verteidigten ihre
-günstige Stellung mit rühmlicher Hartnäckigkeit. Zoll- und Leveebeamte
-waren die Angreifer. Das unparteiische Publikum begrüßte jede Wendung
-des Wortgefechts mit lauten Lachsalven.
-
-»Herunter von den Kisten!« schrie ein bärtiger Mann, der in Reste einer
-unbekannten Uniform gekleidet war. »Herunter, verdammte Nigger! Die
-ganze Bagage muß in dreißig Minuten verschwunden sein. Nichts darf auf
-den Levees ausgepackt werden. Fort mit dem Zeug!«
-
-Der aufgeregte Herr hatte eine Hilfstruppe von drei Mann in Zivil,
-die nach den nackten Beinen meiner Neger griffen. Eine Brechstange,
-welche zufällig auf die Finger eines der Angreifer fiel, veranlaßte die
-heftige Fortsetzung des bloßen Wortgefechts. Ich drängte mich durch.
-
-»Hier ist unser Herr!« schrieen die Neger triumphierend. »Hurra für
-Alt-Dixies Land!«
-
-Der Levee-Inspektor wandte sich zornig an mich.
-
-»Wissen Sie nicht, Mister, daß nichts auf den Levees montiert werden
-darf?« fragte er mich mit ausgesprochener Unhöflichkeit. »Wollen Sie
-Ihren Kram fortführen?«
-
-»Wollen +Sie+ ihn fortführen?« fragte ich mit völlig wiedergewonnener
-Ruhe, seitdem ich die Zeitungen nicht mehr sah. »Soll ich ein paar
-Kesselwagen und zwanzig Pferde auf Ihren Tanzboden bringen lassen und
-die alten Bohlen durchbrechen?«
-
-Er starrte mich an.
-
-»Seien Sie vernünftig und lassen Sie mich machen«, fuhr ich zutraulich
-fort. »Ich vermute, ich verstehe mein Geschäft besser als Sie. Zum
-Vergnügen bleibe ich nicht hier. Ich bringe meine Sachen weg, so
-schnell ich kann. Mehr kann auch ein Yankee nicht tun, soviel ich weiß.«
-
-»Aber es ist gegen das Gesetz; es darf auf den Levees nichts montiert
-werden«, erklärte mein Gegner.
-
-»Was wollen Sie machen?« fragte ich ruhig. »Es gibt nur einen Weg, die
-Sachen fortzuschaffen: ich montiere meine Maschinen, mache Dampf in den
-Kesseln und fahre davon, wie es bis jetzt überall gehalten wurde. Haben
-Sie noch nie von einem Dampfpflug gehört? Wenn Sie's besser wissen,
-greifen Sie zu. Ich werde Ihnen sehr dankbar sein.«
-
-»Aber die Instruktionen, das Gesetz!« rief er, etwas kleinlauter.
-»Donnerwetter, ich bin hier, um Ordnung zu halten.«
-
-»Was wollen Sie machen?« wiederholte ich. »Ich stelle die Ordnung auf
-dem schnellsten Weg her, der überhaupt möglich ist. Sehen Sie das
-nicht?«
-
-Er starrte mich aufs neue fragend an, dann die Kessel, dann die
-dreiundfünfzig Kisten.
-
-»Was will ich machen?« fragte er endlich, sehr nachdenklich werdend.
-
-»Ich will Ihnen das andeuten!« antwortete ich und drückte ihm zwei
-Fünfdollarscheine in die Hand. »Dort an der Ecke ist ein Biersalon.
-Von dort aus können Sie die Fortschritte, die wir machen, genau
-kontrollieren. Wenn Ihnen die Sache nicht flott genug zu gehen scheint,
-so wenden Sie sich nur gütigst an mich. Wir wollen schon Ordnung
-halten, Sie und ich.«
-
-Er lachte befriedigt. »Vorwärts, Jungen!« rief er seinen Hilfstruppen
-zu. »Dieser Herr ist ein Gentleman. Guten Morgen, Sir!«
-
-Die vier Mann des Gesetzes marschierten in geradester Linie dem
-angedeuteten Biersalon zu und erschienen erst am folgenden Morgen
-wieder, um sich weitere Instruktionen zu holen, die mich fünf Dollars
-täglich kosteten. »Billig!« meinte Lawrence. »Sie machen Fortschritte.
-Aus Ihnen kann schon noch etwas werden.«
-
-Gegen Abend stand der erste der zwei Kessel auf seinen vier
-Straßenrädern. Meine Negertruppe hatte sich auf zwölf Mann vermehrt,
-die mit wachsendem Stolz ihr eignes Werk betrachtete. Auch die
-Zeitungsartikel hatten sichtlich schon gewirkt. Wir bekamen Besuche von
-Herren, denen der »Picayune« aus der hinteren Rocktasche sah, und die
-viertelstundenlang still beobachtend unter meinen Kisten und Kasten
-herumstöberten. Keiner versäumte, die Breite der mächtigen Fahrräder
-mit den ausgespreizten Fingern beider Hände abzugreifen. Die meisten
-zogen hierauf verstohlen einen Maßstab aus der Tasche, steckten ihn
-aber rasch wieder ein, wenn sie bemerkten, daß sie beobachtet wurden.
-Dann kamen sie gewöhnlich etwas verlegen an mich heran.
-
-»Dies soll wohl der neue englische Dampfpflug sein?« begann die
-Unterhaltung.
-
-»Jawohl!« antwortete ich zuvorkommend. »In einigen Tagen werden Sie
-deutlicher sehen, wie das alles zusammenhängt. Vorläufig sind es nur
-zerbrochene Kisten.«
-
-»Ich denke, ich könnte wesentliche Verbesserungen in Vorschlag
-bringen«, war fast regelmäßig die nächste Bemerkung, und dann, wenn
-ich hierauf nicht einging, studierte der Mann mit dem Ausdruck
-wohlwollenden Mitleids in seinem intelligenten Gesicht weiter.
-
-Einer derselben hatte in dieser Weise mehrere Stunden des Nachmittags
-zugebracht, ehe er sich an mich wandte, ein Mann von mittleren Jahren,
-in schwarzem Anzug, mit einem scharfen Yankeegesicht, das seinen
-nördlichen Ursprung nicht verleugnete. Erst am Schluß der Arbeit,
-als ich die Neger unsre Winden, Hebel und Brechstangen für die Nacht
-zusammenstellen ließ, kam auch dieser Herr mit seinem: »Dies ist wohl
-der neue englische Dampfpflug?« an mich heran.
-
-»Jawohl,« sagte ich, »in einigen Tagen werden Sie deutlicher --«
-
-Er unterbrach mich mit einem leisen, nicht unfeinen Lächeln um den
-zusammengepreßten Mund. Er hatte meine Antwort wohl schon mehrmals
-gehört und wollte mir die weitere Mühe ersparen.
-
-»Ich bin Maschinenbauer«, sagte er, »und habe eine Stellung bei den
-städtischen Wasserwerken in Aussicht. Augenblicklich habe ich nichts zu
-tun und Langeweile. Lassen Sie mich mitarbeiten.«
-
-»Aber ich habe die Leute, die ich gebrauche«, bemerkte ich.
-
-»Ohne Lohn«, antwortete er. »Ich habe genügend Geld und muß fünf Wochen
-warten, ehe ich bei den Wasserwerken eintreten kann. Ihr Pflug würde
-mich unterhalten.«
-
-»Sehr hübsch!« sagte ich, etwas mißtrauisch. »Sie wollen ihn wohl
-verbessern?«
-
-Er lächelte wieder, kaum merklich.
-
-»Ich bin ein praktischer Maschinenbauer von Beruf«, versicherte er,
-»und mit dem Verbessern nicht so rasch bei der Hand. Aber ich möchte
-sehen, was sie im alten Land drüben zuwege gebracht haben, und will
-dafür arbeiten. Versuchen Sie mich.«
-
-»Ich lasse niemand gerne umsonst für mich arbeiten; das bezahlt sich
-nicht«, versetzte ich. »Und ich bin nicht in der Lage, Ihnen so viel
-zu geben, als Sie, wie mir scheint, beanspruchen können. Die zwei
-Monteure der Ankerwerke, die Sie hier sehen, werde ich zurücksenden,
-sobald die Maschinen zusammengestellt sind. Dann will und werde ich mit
-den Schwarzen auskommen. Ich kann Ihnen deshalb nicht mehr zahlen, als
-ich einem dieser Leute gebe: zwei Dollars den Tag.«
-
-»Ganz vernünftig!« sagte der Amerikaner trocken. »Ich heiße Stone.
-Morgen früh werde ich hier sein.«
-
-Der Mann in seiner ruhigen, geraden Weise gefiel mir wohl. Es gibt
-doch auch in diesem kuriosen Lande vernünftige Menschen, überlegte
-ich. Wenn sie Dampfpflügen lernen wollen, um so besser; Hunderte
-müssen es lernen, ehe ich hier fertig sein kann. Geheimnisse gibt es
-bei der Dampfpflügerei kaum. Die es gibt, lernt man nur in ein paar
-Jahren harter Arbeit, zu der mir jeder Yankee willkommen sein soll.
--- Der Horizont fing an sich ein wenig aufzuhellen und der Mut mir
-fühlbar zu wachsen, als ich in der Abenddämmerung einen letzten Blick
-über die Levees warf und den Schornstein der ersten meiner Maschinen
-über die Baumwollballengebirge hervorragen sah. Ich hatte ihn bloß zu
-diesem Zweck im letzten Augenblick noch aufstellen lassen. Es war unsre
-Standarte, die ich auf dem Boden von Louisiana aufgepflanzt sah, und
-die Hoffnungen, die ein solches Zeichen weckt, erfrischen, auch wenn
-sie niemals in Erfüllung gehen.
-
-Die nächsten fünf Tage verliefen in gewohnter Arbeit, wenn auch in
-etwas ungewohntem Geleise. Stone war eine große Errungenschaft und
-arbeitete fleißig mit Kopf und Händen. Bei den Negern war die Neugierde
-und der Eifer des ersten Tages allerdings rasch verdampft, aber die
-gutmütige und gutwillige Kraft des Herrn Bucephalus und die naseweise
-Intelligenz des kleinen Jem, der als der Schlauste der Bande die andern
-mit komischer Überhebung kommandierte, förderte die Zusammenstellung
-der Maschinen so, daß die Arbeit hinter dem üblichen Tempo nicht
-zurückblieb. Der junge Owen besuchte uns gelegentlich, beschäftigte
-sich aber allerdings ausschließlich mit dem geplanten Frühstück,
-mit dem der erste englische Dampfpflug auf dem Boden der Südstaaten
-seine rettende Tätigkeit beginnen sollte. Ich war hierfür von Herzen
-dankbar und überließ ihm mit Freuden die ganze Sorge für diesen, wie
-es schien, hochwichtigen Teil unsrer Aufgabe. -- Lawrence stattete
-mir täglich zweimal seinen Besuch ab. Sein Bruder war noch immer im
-Norden. Er selbst wohnte im Hause seiner Schwägerin, einer reichen
-Kreolin, und war damit beschäftigt, Verkaufsverträge für den Zucker
-der nächsten Ernte abzuschließen. Dies hielt ihn noch auf mehrere
-Wochen in der Stadt zurück und gab ihm Zeit, sich dem Dampfpflug
-zu widmen, den er mehr und mehr als seine Schöpfung ansah und mit
-wachsendem Eifer unter seinen Schutz nahm. Seine Sonderaufgabe blieb
-die Leitung der Presse. Der »Picayune« machte schon zum drittenmal
-auf die bevorstehende Rettung des Südens aufmerksam, während die mir
-persönlich weniger bekannte »Tribüne« laut auf die großartige Feier
-hinwies, die bei dieser Gelegenheit im Ausstellungspark stattfinden
-und voraussichtlich die ganze landbesitzende Aristokratie Louisianas
-an festlicher Tafel vereinigen werde. Wohl zum erstenmal, nach langer,
-bitterer Unterbrechung, dürfte in greifbarer Weise die Erinnerung an
-den alten Glanz des Südens wieder auftauchen. Ohne indiskret zu sein,
-glaubte die »Tribüne« darauf hinweisen zu können, daß Monsieur Mercier,
-der ~Chef de cuisine~ des ersten Restaurants der Kanalstraße, seit
-Wochen mit der Zusammenstellung eines exquisiten Menüs beschäftigt sei,
-und daß eine schwere Sendung Sekt mit dem nächsten Dampfer von New York
-erwartet werde; Nachrichten, die ich nicht ohne Besorgnis entgegennahm.
-Nur die »Crescent City News« blieben weniger guter Laune und erzählten
-von den riesigen Eisenmassen des englischen Dampfpflugs, »die unsre
-herrlichen Levees am Fuß der Tschapatulastraße mit Zerstörung
-bedrohten«. »Geduld!« meinte Lawrence, »bis wir den Redakteur bei
-dem Eröffnungsschmaus gehabt haben. Er ist von Natur kein schlechter
-Mensch, aber hungrig, wie alle Reisesackpolitiker.« -- Ich selbst kam
-jeden Abend müde genug nach Hause und war mit der Arbeitsteilung,
-die sich wie von selbst unter meinen unerwartet heranwachsenden
-Mitarbeitern vollzogen hatte, höchlich befriedigt. Es kam sichtlich ein
-gewisser Zug in die Sache; auch gewöhnt man sich's ab, in derartigen
-Lagen allzu weit in die Zukunft sehen zu wollen. Jeder Tag bringt
-schließlich von selbst seine Aufgabe und die Zeit deren Lösung.
-
-Auch den Geschäftsführer der Landwirtschaftsgesellschaft, Herrn Delano,
-lernte ich in diesen Tagen kennen; einen spanisch aussehenden, kleinen,
-gelbbraunen Herrn, der sehr elegant gekleidet war, sieben Ringe an
-jeder Hand trug und durchbohrte Ohrläppchen besaß, die in seiner
-Jugendzeit wohl auch mit Ringen geschmückt gewesen waren. Trotzdem
-gefiel er mir nicht allzu sehr. Die Komiteesitzung seines Vereins hatte
-mittlerweile stattgefunden und nach einer stürmischen Beratung den
-Preis von 750 Dollars für den besten Dampfpflug nachträglich bewilligt.
-Herr Lawrence hatte mit dem Austritt seines Bruders drohen müssen, der
-im fernen Norden von der ganzen Sache natürlich nichts wußte, um die
-Opposition der Herren zu überwinden, die mürrisch auf die völlige Ebbe
-in der Gesellschaftskasse hinwiesen. Aber mein Freund hatte einen guten
-Tropfen echten Yankeebluts in den Adern und damit ein unzerstörbares
-Vertrauen in die Zukunft.
-
-»Kein Geld?« rief er; »Unsinn! wir brauchen kein Geld. Dieser gute
-Eyth pflügt uns acht Tage lang im Ausstellungspark. Unser Herr Delano
-rührt die Trommel, was er meisterlich versteht. Wir lassen uns fünfzig
-Cents Eintrittsgeld bezahlen. Ganz Louisiana will den Dampfpflug sehen.
-In zwei Tagen -- was! in einem halben Tag hat sich Eyth seinen Preis
-selbst verdient. Alles übrige fließt in die Gesellschaftskasse.«
-
-»Und wenn der ganze Dampfpflug ein verflixter englischer Humbug ist?«
-warf der mürrische Geschäftsführer ein. »Fragen Sie einmal im Bureau
-der ›Crescent City News‹ nach, Herr Lawrence.«
-
-»Um so besser!« rief Lawrence, entrüstet über Delanos böswillige
-Kurzsichtigkeit. »Dann will jedermann den englischen Humbug sehen; wir
-brauchen keinen Preis zu bezahlen und das ganze Eintrittsgeld gehört
-der Gesellschaft!«
-
-Die Opposition war vernichtet. Lawrences Vorschlag wurde einstimmig
-angenommen, worauf er mir mit der größten Zutraulichkeit den Verlauf
-der Verhandlung mitteilte. Er hatte die große Gabe, jedermann davon zu
-überzeugen, daß er unter einer Decke mit mir stecke. »Da der Beschluß
-schon zwei Tage zuvor in allen Zeitungen gestanden hat, war mir's doch
-nicht unangenehm, daß wir durchdrangen«, schloß er seinen Bericht.
-»Wann kann die Vorstellung losgehen, Herr Eyth?«
-
-Die zwei Straßenlokomotiven mit ihren Drahtseiltrommeln, ein
-Sechsfurchenkippflug, ein Kultivator, eine Egge und zwei Wasserwagen
-standen fast fertig um uns her, als mir Lawrence all dies erzählte.
-Ich fuhr nun zum erstenmal mit ihm nach dem Ausstellungspark im Osten
-der Stadt, um unser künftiges Schlachtfeld anzusehen. Etliche sechzig
-Hektar leidlich flachen Landes waren dort von einem eleganten weißen
-Zaun und einem tiefen Entwässerungskanal umgeben, über den eine
-breite hölzerne Brücke führte. Da und dort standen malerische Gruppen
-von Akazien und uralten Hickorybäumen, deren knorrige, teilweise
-kahle Äste die wirren Guirlanden des »hängenden Mooses« schmückten,
-das den Sumpflandschaften des Mississippis eigentümlich ist. Da und
-dort staken aus dem Boden noch verkohlte Stämme und Wurzeln; ein
-nicht unbedenklicher Anblick für einen Dampfpflüger. Ob der Boden,
-der an vielen Stellen unter unsern Tritten fühlbar schwankte, meine
-Maschinen tragen würde, mußte ebenfalls erst die Erfahrung zeigen.
-Aber all diese Bedenken konnten das rollende Rad des Geschicks jetzt
-nicht mehr aufhalten. Im stillen nagte eine viel schwerere Sorge an
-meinem Herzen. Wie wird vor der ganzen Aristokratie Louisianas, von
-der ich fortwährend hören mußte, das Pflügen gehen, mit nicht einem
-Manne, außer mir selbst, der die Behandlung der Maschinen und die
-notwendigsten Handgriffe bei ihrer Bedienung kannte? Wenigstens an drei
-Punkten, die Hunderte von Metern auseinanderliegen: auf dem Pflug und
-auf jeder der zwei Dampfmaschinen, war ein Mann dringend erforderlich,
-der wußte, was er zu tun hatte, wenn nicht alles in Stücke gehen
-sollte. Aber es wäre Wahnsinn gewesen, diese Sorgen meinen neuen
-Freunden anzuvertrauen. Ihr Glaube mußte aufrecht erhalten werden,
-solange noch eine Möglichkeit vorhanden war, in diesen herrlichen Park
-hinein und mit heiler Haut wieder herauszukommen. Mit einer nagenden
-Angst auf der Seele mutig zu lächeln, will gelernt sein. Ich hatte zum
-Glück diese Kunst nicht zum erstenmal geübt. --
-
-Die Herren, die meinen Pflug zu verbessern wünschten, hatten sich mit
-der Zeit stetig vermehrt und waren unerschöpflich in ihren Vorschlägen.
-Als ich am sechsten Tage die Kessel mit Wasser füllen ließ, und die
-ersten weißen Rauchwölkchen schüchtern aus den Schornsteinen stiegen,
-waren sie in Scharen versammelt und prophezeiten allerhand Unheil. Ich
-hatte beschlossen, zuerst nur eine Maschine mit dem Pflug nach dem
-Ausstellungsplatz zu führen und die zweite am folgenden Tag zu holen.
-Deshalb nahm ich zunächst Stone und den kleinen Jem auf den Tender,
-um ihnen den ersten Unterricht im Führen einer Straßenlokomotive
-zu geben. Dies beleidigte Bucephalus aufs schwerste. Der riesige
-Neger konnte nur durch das Versprechen getröstet werden, daß er am
-folgenden Tage die zweite Maschine führen solle und heute mit einer
-roten Flagge vorauslaufen dürfe, um uns die Straße frei zu halten.
-Mit fast übermäßigem Eifer stellte er sich auf seinen Posten, wo er
-seine Tätigkeit damit begann, an die sich ansammelnde, hundertköpfige
-Volksmenge erklärende Anreden zu halten. Als aber nach einer Stunde,
-die wir zur Dampfentwicklung brauchten, die Maschine ihre ersten
-Bewegungen machte, und das Ungetüm langsam über die krachende Levee
-hinschlich, erschrak er so heftig, daß er eine halbe Stunde lang
-still, mit gesenktem Kopfe und in achtbarer Entfernung von der
-Maschine voranging, ohne sich seiner führenden Stellung bewußt zu
-werden. Später kam er wieder zu sich und begann aufs neue der Menge
-zu predigen, wobei er alte Bibelsprüche und seine jüngst erworbenen,
-noch etwas wirren technischen Kenntnisse wundersam zu mischen verstand.
-Beim Einbiegen in die Kanalstraße liefen einige Droschkenpferde in
-wildem Schrecken davon. Dies setzte die Stadtpolizei in Bewegung. Fünf
-Dollars genügten auch hier, ihr wohlwollendes Interesse an uns zu
-fesseln, so daß der brausende Festzug ohne Zwischenfall von Bedeutung
-nach drei Stunden einer ermüdenden Fahrt mitten durch die große
-Stadt im Ausstellungspark anlangte. Nur in der äußersten Vorstadt,
-nicht weit von unserm Ziele, wo ich Jem seinen ersten Versuch machen
-ließ, die Maschine allein zu steuern, hatten wir den Eckpfeiler
-eines unbedeutenden Biersalons mitgenommen. Da sich jedoch infolge
-dieser kleinen Verirrung die Kundschaft des Wirts für den Augenblick
-verzehnfachte, fand derselbe zu unliebsamen Auseinandersetzungen weder
-Zeit noch Lust. Die Sache wäre völlig unbemerkt geblieben, wenn nicht
-am folgenden Morgen die »Crescent City News« eine Notiz gebracht
-hätten, die bewies, daß der Redakteur noch immer hungrig war. Sie
-lautete:
-
-»Der englische Dampfpflug begann gestern seine Tätigkeit damit,
-den eleganten Biersalon des Herrn Henry Cooper an der Ecke der 42.
-Avenue und der Show Park Road mitzunehmen. Menschenleben sind nicht
-zu beklagen. Im Gegenteil. Die Frau des Gastwirts, eines unsrer
-geschätztesten Mitbürger, die sich zur Zeit der Katastrophe im oberen
-Stockwerk des mitgenommenen Hotels befand, soll unsrer großen Republik
-fast gleichzeitig, wenn auch in etwas überstürzter Weise, einen
-gesunden kleinen Mitbürger geschenkt haben. Wir wünschen dem achtbaren
-Ehepaar von Herzen Glück zu dieser Wendung der Dinge, möchten es dem
-unförmlichen englischen Dampfpflug aber trotzdem nahelegen, namentlich
-mit Rücksicht auf unsre Damen, seine Tätigkeit für die Regeneration des
-Südens in etwas weniger gewaltsamer Weise auszuüben.«
-
-Als wir am Abend des folgenden Tags mit der zweiten Maschine an dem
-erschütterten Salon vorüberkamen, unterließ ich nicht, einzutreten,
-um auch meinerseits der Familie meine Glückwünsche darzubringen. Ich
-fand den Salon schon provisorisch genügend gestützt und in blühendem
-Geschäftsschwung. Herr Cooper war vollständig befriedigt, denn meine
-Maschinen brachten ihm Gäste, wie er sie in seiner bescheidenen
-Trinkstube noch nicht gesehen hatte. Im übrigen versicherte er mir,
-er sei kein Amerikaner, sondern ein Irländer, sei nie verheiratet
-gewesen und denke nicht daran, es zu werden. Und da der Salon kein
-zweites Stockwerk besaß, in dem das interessante Ereignis, von dem
-die »Crescent City News« berichtete, hätte stattfinden können, so
-mußten wir wohl annehmen, daß die Nachrichten auf einem kleinen
-Mißverständnis beruhten. Erfreut hierüber trank ich mit meinem
-auf diese Weise gewonnenen neuesten Freund zwei Gläschen seines
-schauderhaften Whiskys und versprach, ihm auch künftig meine Kundschaft
-zuzuwenden, sobald ich körperlich genügend gekräftigt sein würde.
-
-Doch eine weit größere Freude und Überraschung stand mir an jenem
-sichtlich glückbringenden Tage bevor. Es war schon Abenddämmerung,
-als Bucephalus mit seiner roten Flagge über die Holzbrücke des
-Ausstellungsparks einzog. Er hatte nämlich selbst vorgezogen,
-ständiger Bannerträger der Dampfkultur zu bleiben, nachdem ihm tags
-zuvor der kleine Jem, schwärzer als je und halb gebrochen, die Leiden
-eines Heizers geschildert hatte. Da bemerkte ich schon aus der Ferne
-und mit wachsender Entrüstung auf der ersten Maschine, die gestern
-unter einem Hickorybaum mitten im Park stehen geblieben war, eine
-geheimnisvolle Gestalt. Der Mann hatte die die Maschine schützende
-geteerte Leinwanddecke halb zurückgeschlagen und schien, auf dem
-Tender knieend, in seine Arbeit versunken zu sein. Als wir näher
-kamen, bemerkte ich sogar, daß der Werkzeugkasten vor der Rauchkammer
-jener Maschine geöffnet war. Das war denn doch zu bunt, selbst für
-die Neugier eines verbesserungssüchtigen Yankees. Ich gab Stone den
-Anlaßhebel unsrer Maschine in die Hand, sprang ab und lief auf die
-andre zu, um den Eindringling womöglich ~in flagranti~ abzufangen.
-Er bemerkte mich nicht, so fleißig war er an der Arbeit, und mein
-Erstaunen wuchs, als ich wahrnahm, daß der Mann damit beschäftigt war,
-ein neues Wasserstandsglas einzusetzen, das er in dem Werkzeugkasten
-gefunden haben mußte. Das alte war nämlich bei dem Zusammenstoß mit
-dem Biersalon schon gestern zerbrochen. Unerklärlich! aber dennoch,
-welche Unverschämtheit! Der Fremde kniete mit gesenktem Kopf vor der
-Kesselwand, noch immer ohne aufzusehen. Ich sprang auf den Tender,
-entschlossen, ihn an den Ohren zu packen, was auch aus der Begegnung
-werden würde. Da, nicht eine Sekunde zu früh, hob er den Kopf auf. Ein
-rundes, mir wohlbekanntes Gesicht mit treuherzigen blauen Augen, aber
-mit der mir ebenso bekannten steinernen Ruhe, sah mir entgegen und
-sprach: »Guten Abend, Sir!« Dann fuhr der Fremde in seinen Versuchen
-fort, einen eigensinnigen kleinen Kautschukring über die neue Glasröhre
-zu schlüpfen, die er an Stelle der zerbrochenen einschalten wollte.
-
-Es war Jem! Jem Parker, der Monteur und Dampfpflüger, den ich mit dem
-»Wilden Westen« erwartet hatte. Er hatte sich in Schottland bei der
-Aufstellung eines andern Dampfpflugs verspätet, wurde mit einem der
-nächsten Schiffe nach New York geschickt und kam von dort über Land
-mit der Bahn nach New Orleans. Er hatte heute früh nach viertägiger
-Eisenbahnfahrt die Stadt erreicht, hatte sich nach dem Ausstellungspark
-durchgefragt und dort die einsame Maschine gefunden. Und da er bei
-näherer Betrachtung das zerbrochene Wasserstandsglas entdeckte und
-der Werkzeugkastenschlüssel tags zuvor stecken geblieben war, hatte
-er in aller Gemütsruhe angefangen, ein neues Glas einzusetzen, wie
-wenn nicht viertausend Meilen zwischen seiner heutigen und seiner
-letzten Beschäftigung lägen. Er habe gedacht, es werde schon jemand
-kommen und nach ihm sehen. Das alles kam in kurzen, trockenen Sätzchen
-heraus, ohne seine Arbeit zu unterbrechen. Jetzt saß das Glas zu seiner
-Zufriedenheit an der richtigen Stelle; er probierte die Hahnen und
-schüttelte, wegen des niederen Wasserstands, vorwurfsvoll den Kopf.
-Dann richtete er sich auf, zog wortlos einen Brief aus der Jacke, die
-er unter dem Rock trug, und gab ihn mir. Derselbe war von Herrn Fowler
-in London und erklärte, wie es kam, daß Parker erst mit einem späteren
-Schiff abgereist sei. Zwei Leute könne er mir zu seinem Bedauern
-nicht schicken. Es seien alle verfügbaren, brauchbaren Kräfte vollauf
-beschäftigt. Ich müsse mich mit Parker behelfen, so gut ich könne.
-Ich habe mich in Ägypten ja auch schon in ähnlichen Lagen glücklich
-herausgewunden.
-
-Dies war richtig; und zugleich war mir ein förmlicher Stein vom
-Herzen gefallen. Stone und der kleine schwarze Jem, wenn sie auch
-noch gelegentlich einen Biersalon umfahren mochten, waren anstellige
-Leute. Nun hatte ich noch den weißen Jem, der das Handwerk verstand,
-und mich. So konnte die Sache doch nicht völlig schief gehen und die
-»Regeneration des Südens«, von der seit acht Tagen halb New Orleans
-sprach, allen Ernstes beginnen.
-
-Seit ich Amerika betreten hatte, war ich nie so müd und wohlgemut nach
-Hause gekommen als an jenem Abend, spielte zum erstenmal wieder ein
-Schach mit Oberst Schmettkow und gewann's.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-6. Ein Fest
-
-
-Niemand hat übrige Zeit in Amerika. Lawrence, obgleich um eine volle
-Generation der ältere der beiden, war ungeduldiger als selbst der junge
-Owen, seitdem der letztere die Speisenfolge seines Gabelfrühstücks mit
-Hilfe Monsieur Merciers und mehrerer Privatgelehrter auf diesem Gebiet
-festgestellt hatte. Sie ließen mir kaum einige Stunden zu, wie es ihnen
-schien, nutzlosen Proben meiner Maschinen. Delano, dem mürrischen
-Geschäftsführer der Landwirtschaftsgesellschaft, wurde überdies um
-seinen Park bange, als ich die erste Furche durch den jungfräulichen
-Grasboden zog, der nie zuvor mehr als leise gekratzt worden war, und
-mein Pflug den schwarzen Urschlamm des verschwundenen Sumpfwaldes
-ans Tageslicht förderte. Nach seiner Ansicht sei es um so besser,
-je weniger ich ihnen von meiner Kunst zeige, an der er nicht mehr
-zweifelte, seitdem er im ersten Schrecken über das gespannte Drahtseil
-gefallen war. So wurde der nächste Donnerstag, zwei Tage, nachdem der
-Dampfpflug sein Arbeitsfeld erreicht hatte, für die Eröffnungsfeier
-bestimmt.
-
-Das Programm war einfach. Zwischen zehn und elf Uhr sollten die
-geladenen Gäste erwartet werden. Von elf Uhr an hatte ich eine halbe
-Stunde lang den Pflug, eine weitere halbe Stunde den Kultivator laufen
-zu lassen. Um zwölf Uhr mußte in dem Pavillon, der sich neben der
-Rennbahn befand, das Gabelfrühstück bereit stehen. Um zwei Uhr sollte
-das Publikum gegen ein Eintrittsgeld von einem Dollar zugelassen und
-das Pflügen bis gegen Abend fortgesetzt werden. Am folgenden Tag
-konnte die Presse sodann erklären, daß der Dampfpflug den seitens
-der Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana ausgesetzten großen
-Preis von 750 Dollar nach eingehender Prüfung errungen habe, und ich
-sollte in der Freude meines Herzens drei Tage lang und mit häufigen
-Ruhepausen, um den Park nicht allzusehr zu ruinieren, weiterpflügen.
-Während dieser Zeit hatte die herbeiströmende Volksmenge ihre fünfzig
-Cents an der Parktorkasse abzuliefern, teils um die Gesellschaft in die
-Lage zu versetzen, mir möglichst schmerzlos 750 Dollar auszubezahlen,
-teils um ihr selbst eine sorglosere Zukunft anzubahnen. Im ganzen ließ
-sich gegen diesen Plan nichts einwenden. Er kostete mich ein, wie mir
-schien, allzu üppiges Frühstück, verschaffte dagegen, wenn alles gut
-ging, dem Dampfpflug, was er vor allen Dingen brauchte: eine tüchtige,
-gut amerikanische Reklame.
-
-Die kurzen Versuche, die ich anstellen konnte, verliefen erträglich.
-Der Pflug rannte nur zweimal in die Dampfmaschine, die Herrn Stone und
-seinem Heizer Kato anvertraut werden mußte, während auf der andern
-Lokomotive der weiße und der schwarze Jem als Lehrer und Schüler gut
-miteinander auskamen; abgesehen davon, daß der schwarze sich laut und
-lebhaft beschwerte, durch seinen Ehrgeiz in eine hervorragende Stellung
-gedrängt worden zu sein, die unerwartet viel Mühe und Arbeit mit sich
-brachte. Ich selbst saß mit Bucephalus auf dem Pflug und suchte ihm das
-Steuern des Gerätes und den Begriff einer geraden Linie im allgemeinen
-beizubringen. Der Mann hatte eine Riesenkraft und ließ sich mit großer
-Gutmütigkeit an den Ohren ziehen, wenn er gar zu krumm dreinfuhr.
-Ich tat dies zwar energisch, da er sonst nichts bemerkt hätte, aber
-doch stets mit der Miene väterlichen Wohlwollens; denn es war von
-der höchsten Bedeutung, meine rohen Hilfstruppen bei guter Laune zu
-erhalten. Das erkannte Bucephalus auch grinsend an und hatte bald die
-Genugtuung, mich wiederholt darauf aufmerksam zu machen, wie gerade
-seine krummen Furchen ausfielen. -- Übrigens hielt ich es selbst für
-gut, nicht allzuviele Proben abzuhalten. Jeder Augenblick, wenn das
-böse Schicksal es wollte, konnte, während ich an einem Ende des Feldes
-das Drahtseil regulierte oder dem mangelnden Wasserstand im Kessel
-nachhalf, am andern Ende eine zerschmetternde Katastrophe herbeiführen
-und uns unter Umständen auf Wochen und Monate das Handwerk legen.
-Das wichtigste blieb zunächst, wenigstens mit heiler Haut und ganzen
-Gliedern über das drohende Frühstück hinwegzukommen.
-
-Eine prachtvolle Frühlingssonne strahlte über dem lieblichen Park
-mit seinen moosbehangenen Baumgruppen und den noch nicht verbrannten
-Grasflächen, die in dem Untergrund des Mississippideltas reichlich
-Wasser finden. Die beiden Maschinen standen kampfbereit an den Enden
-eines dreihundert Meter langen Feldstücks und sandten weiße, senkrechte
-Rauchsäulen friedlich in den blauen Himmel empor. Jem, Bucephalus,
-Kato und ein halbes Dutzend weiterer Nigger, die als Extrahilfskräfte
-im Wege standen, waren nicht nur infolge der Wichtigkeit des
-Tages und ihrer eignen Person, sondern auch durch das Versprechen
-eines königlichen Trinkgeldes, wenn alles gut gehe, in gehobener
-Stimmung. Zwischen Stone und Parker war eine gewisse ehrgeizige
-Wettbewerbstimmung entstanden, die sich in kleinen trockenen Neckereien
-äußerte und mir im Interesse der Sache so wohl gefiel, daß ich sie bei
-beiden heimlich schürte. Es war das instinktive Gefühl zwischen jung
-und alt; zwischen Amerika und Europa. Beide waren stille, wortkarge
-Leute und sich kaum bewußt, was sie reizte. Aber ich sah das Gefühl
-deutlich in ihnen arbeiten, und in beiden arbeitete es für mich. --
-Im Pavillon hinter unserm Felde deckten sechs schwarze Kellner in
-tadellosen Fräcken und weißen Halsbinden eine hufeisenförmige Tafel,
-und geheimnisvolle, angenehm duftende Korbwagen fuhren durch das
-Parktor. Lawrence hing seit dem frühen Morgen an meinen Fersen, und
-Kapitän Owen erwartete in fieberhafter Aufregung den Champagnerwagen,
-der irgendwo aufgehalten, wenn nicht umgeworfen worden war.
-
-Dann kamen in leichten, eleganten Kabrioletts und Buggies die
-vornehmeren, in den maultierbespannten Tramwagen die einfacheren der
-geladenen Gäste: Longstreet mit Beauregard, Taylor mit Burnside und
-Jackson, leider nicht der berühmte Stonewall Jackson, der wenige Wochen
-zuvor gestorben war. Auch General Lee hatte zum allgemeinen Bedauern
-abgesagt. Doch fehlte es nicht an Generalen, Regimentskommandeuren,
-Majoren und Kapitänen in verwirrender Menge; dann aber kamen auch große
-Grundbesitzer vom oberen und unteren Mississippi und weltbekannte
-Politiker aus der alten Zeit, die heute von ihren Erinnerungen lebten
-und jeden einluden, sie mit ihnen aufzufrischen; kurz, es sammelte
-sich rasch eine zahlreiche, fröhlich belebte Gesellschaft, in der sich
-jedermann zu kennen schien und in deren Mitte der wackere Longstreet
-den liebenswürdigen Wirt spielte, während mir Owen die Heldentaten
-jedes einzelnen ins Ohr flüsterte. Auch unbekannte Gestalten erschienen
-zur Genüge. Ich selbst hatte nur dafür gesorgt, daß Oberst Schmettkow
-nicht fehlte und der teutonische Redakteur der »Deutschen Zeitung«
-seine Einladung erhielt. An alles übrige ließ ich Owen denken, der
-seinerseits vertrauensvoll auf meine Fähigkeit baute, mit einem
-Check auf meine englischen Freunde am Tag der Abrechnung die kleinen
-Schwierigkeiten auszugleichen, die etwa entstehen sollten.
-
-Alles sammelte sich in dem Felde, in welchem der Dampfpflug kampfbereit
-aufgestellt war. Noch nie hatte dieser friedliche Träger der Kultur
-ein so kriegerisches Publikum um sich gesehen. Die alten Haudegen des
-großen Bürgerkriegs standen entlang dem ausgespannten Drahtseil und
-sahen verständnisvoll, oder auch anders, in die tiefe Furche hinab, die
-gestern abend noch gezogen worden war. Longstreet erklärte, mich von
-Zeit zu Zeit zu Hilfe rufend, was er von der Sache wußte, sichtlich
-bemüht, das Interesse dem Pflug zuzulenken; aber unwillkürlich
-verirrte er sich samt seinen Freunden jeden Augenblick wieder in
-die Erinnerungen an ein abenteuerliches Gefecht, in die Beurteilung
-einer strategischen Bewegung und vor allem in die Betrachtung der
-jammervollen politischen Lage der »alten und wahren« Herren des Landes.
-Alle Stimmungen kamen zum lebhaften Ausdruck, vom Galgenhumor völliger
-Hoffnungslosigkeit bis zur finsteren Entschlossenheit, sich knirschend
-zermalmen zu lassen. Der Dampfpflug schien mit jeder Minute mehr vor
-den Augen der ganzen Gesellschaft zu verschwinden.
-
-Da ließ ich pfeifen. Das Drahtseil schnellte in die Höhe und zog an.
-Die lange Reihe der leidenschaftlich gestikulierenden Herren sprang
-mit Entsetzen und militärischer Präzision auf die Seite. Der Pflug
-setzte sich in Bewegung, die schweren, schwarzbraunen Schollen in
-sechs glatten geradlinigen Reihen aufstellend. Dies brachte meine
-Gäste zur Sache zurück. Eifrig liefen die meisten hinter dem Pfluge
-her, nachdenklich maßen andre die Tiefe der Furche. Es ging in der Tat
-nicht schlecht, wenn man den Umständen einigermaßen Rechnung trug.
-Stone und Kato auf der fernen Maschine übertrafen sich selbst. Stolz
-saß Bucephalus auf dem Pflug und steuerte ihn in sanftem Zickzack über
-das Feld. Er war überglücklich, da er unter den Eingeladenen seinen
-alten Herrn aus der Sklavenzeit entdeckt hatte und ihm die Geheimnisse
-seiner neuen Würde, als erster Dampfpflüger Amerikas, auseinandersetzen
-konnte. Nachdem der Pflug sechs- bis siebenmal auf und ab gefahren
-war, ohne Schiffbruch zu leiden, näherte sich allerdings das Aussehen
-der letzten Furche den Windungen eines durch ein Wiesental sich
-hinschlängelnden Bächleins. General Burnside tröstete mich. Die Linie
-erinnerte ihn lebhaft an seinen ersten Sieg: an die Schlachtlinie der
-Föderierten bei Bull Run. Dank seiner südlichen Lebhaftigkeit hatte
-General Taylor mittlerweile alles begriffen und hielt den Augenblick
-für gekommen, tatkräftig einzugreifen. Er schob Bucephalus von seinem
-Sitz, setzte sich auf das Geräte und erfaßte das Steuerrad. Dreißig
-Schritte weit ging alles gut. Der Pflug blieb in seinem durch die
-Furche gegebenen Geleise, und Taylor sah sich triumphierend um. Dann
-aber nahm das Instrument plötzlich eine Wendung nach dem ungepflügten
-Teil des Feldes und lief, als sei es verrückt geworden, trotz der
-verzweifelten Steuerbewegungen des Generals, querfeldein. Kein Pfeifen
-von Parkers Maschine half. Stone, dessen Maschine am andern Ende des
-Feldes während der Katastrophe den Pflug zog, war mit seinem Feuer
-beschäftigt und merkte zu spät, welches Unheil vor sich ging, so daß
-er erst dazu kam, anzuhalten, als sich der General mit dem entlaufenen
-Pflug mitten auf ungepflügtem Felde befand, hundert Schritte von dem
-Platz, wo er hätte sein sollen. Er hatte allerdings eine merkwürdig
-gerade Linie diagonal zur Pflugrichtung über das Feld gezogen. Beschämt
-stieg er ab und betrachtete sein Werk. Seine alten Kriegskameraden
-waren außer sich vor Vergnügen. Selbst der unehrerbietige Bucephalus,
-der staunend dem Pflug nachgesehen hatte, lachte mit, daß sein roter
-Mund das schwarze Gesicht von Ohr zu Ohr spaltete. Der Erfolg -- der
-Heiterkeitserfolg des Dampfpflugs war großartig. Der ältere Owen,
-der mehr Verständnis für die wahre Lage der Dinge zu haben schien
-als alle andern, sagte leise zu mir: »Lassen Sie aufhören! -- Die
-Schildkrötenbouillon wird sonst kalt!« Longstreet nahm Burnside unter
-den Arm. Taylor wurde von den andern im Triumph herbeigeholt und als
-preisgekrönter Dampfpflüger Louisianas fast auf den Händen getragen.
-Alles strömte dem Gartenpavillon zu, wo sich das blinkende Hufeisen im
-Nu gefüllt hatte und die Sektflaschen zu knallen begannen.
-
-Es ging hier noch brillanter als im Felde. Die Not der Zeit löste
-sich fühlbar in dem warmen Sonnenschein, der durch den luftigen
-kleinen Saal, und im perlenden Wein, der kühlend durch unsre Adern
-strömte. Longstreet hielt eine prächtige kleine Rede: ernst, männlich,
-geradeaus: Die große Sache sei verloren; wozu die Augen schließen und
-die Hände sinken lassen? Die Männer seien noch da, die ehrlich für
-sie geblutet hätten; sie würden sich nicht erdrücken lassen. Die alte
-Kraft rege sich wieder und werde auf andern Feldern neue Siege bringen.
-»Das Schwert ist in unsrer Hand zerbrochen«, schloß er. »In Gottes
-Namen -- nehmen wir die Lage, die uns der Himmel geschickt hat. Es
-lebe der Pflug!« Darauf verlangte es der Anstand, daß ich etwas sagte.
-Der Staub der Pflugfurchen steckte mir noch in der Kehle und die Angst
-vor dem jeden Augenblick möglichen Zusammenbruch der einen oder der
-andern Maschine in der Seele; aber ich ließ getrost den Süden leben,
-dessen tropische Lebenskraft schon mehr als einmal aus den Sümpfen
-um den Mississippi ein Paradies geschaffen habe. Dann kamen andre,
-weniger harmlos, manchmal bitter und zornig, manchmal allzu laut der
-wiederkeimenden Hoffnung entgegenjubelnd. Der Pflug war vergessen. Die
-politischen Phrasen rollten mächtig über die erhitzten Köpfe weg. Doch
-fühlte ich mich ziemlich beruhigt, als ich unter den letzten, die das
-Gartenhaus verließen, den Chefredakteur des »Picayune« Arm in Arm mit
-seinem Feind, dem Chefredakteur der »Crescent City News«, bemerkte,
-die abwechslungsweise versuchten, föderierte und konföderierte
-Kriegslieder zweistimmig zu singen. Ein erstaunlicher Grad mangelhaften
-musikalischen Sinns und der gute Wille, mit dem sie sich gegenseitig
-unterstützten, ergab eine Verschmelzung von Dissonanzen, die das
-Beste für die Zukunft hoffen ließ. Nur ein einziger Mißton trübte den
-Schluß der schönen Feier. Meine zwei deutschen Freunde waren sich
-in die Haare geraten. Oberst Schmettkow versuchte den Redakteur der
-»Deutschen Zeitung« über die Irrtümer seiner politischen Auffassung des
-Zustandes der Südstaaten aufzuklären. Doktor Wurzler machte vergebliche
-Anstrengungen, den Obersten zu überzeugen, daß ein verunglückter
-Jarde-Offizier von der Sache nichts verstehen könne. Sie wurden laut
-und heftig, und nur mit Mühe konnte ich sie bewegen, in zwei getrennten
-Trambahnwagen nach der Stadt zurückzukehren.
-
-[Illustration]
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-[Illustration]
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-[Illustration]
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-7. Rettungspläne
-
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-Regen nach Sonnenschein -- können wir mehr fordern vom wechselnden
-Leben? Aber allerdings, es brauchte nicht gerade ein Donnerwetter
-zu sein, mit der Aussicht, in einen vierwöchentlichen Landregen
-überzugehen.
-
-Am folgenden Morgen brachten die »Crescent City News« einen zornigen
-Aufsatz über England und die heimtückische Art und Weise, wie John Bull
-die Einführung der sonst nicht ganz nutzlosen Dampfkultur benutze,
-um einer verderblichen und verlorenen Sache neue Lebenshoffnungen
-einzuflößen, die nie in Erfüllung gehen können. Doppelt bedauerlich
-sei, daß der in andrer Beziehung anständige und nicht unintelligente
-Leiter des unförmlichen englischen Dampfpflugs sich zu Kundgebungen
-mißbrauchen lasse, die einem förmlichen Wiedererwachen der alten
-sezessionistischen Bestrebungen gleichkämen. Der Herr möge sich
-nicht täuschen: neuer Wein, auch der, den er zu verzapfen wünsche,
-lasse sich nicht in alte Schläuche füllen. Weder Dampf noch Sekt
-werde die verbrauchten Männer einer verlorenen Partei zu neuem Leben
-erwecken. Die Sezession sei tot. Den Dampfpflug an die tote Sezession
-binden zu wollen, sei sicherlich das törichtste, was dieser fremde
-Herr jemals versucht habe. Es wäre ihm vielleicht nützlich gewesen,
-wenn er sich zuvor über die Verhältnisse des Südens etwas eingehender
-belehrt hätte. Als charakteristisch sei zu erwähnen, wie ein gewisser,
-in Louisiana sehr überschätzter General, der sich neuerdings mit
-Kanalschiffahrt beschäftige, den Pflug quer über das Feld gesteuert
-und das unglückselige englische Instrument in einer Lage stecken
-gelassen habe, über die mehrere Sachverständige sich heute noch den
-Kopf zerbrächen. Übrigens sei Wohlwollen und Gerechtigkeit auch
-dem Gegner gegenüber stets der Grundsatz der »Crescent City News«
-gewesen. Die Schriftleitung stehe deshalb nicht an, ihren Lesern die
-vortreffliche Speisenfolge des Gabelfrühstücks mitzuteilen, das den
-Kern der Eröffnungsfeier des englischen Dampfpflugs gebildet habe:
-Schildkrötensuppe mit Heydsik usw.
-
-Der freundlicher gesinnte »Picayune« begann mit der Speisekarte,
-brachte eine enthusiastische Beschreibung des Dampfpflugs, die kein
-Mensch verstehen konnte, und war überzeugt, daß der erste Stein
-zum Wiederaufbau des Südens gestern gelegt worden sei, »dank den
-Männern,« schloß er, »die entschlossen den großen Aufgaben unsrer Zeit
-entgegentreten und die Not der Gegenwart mit den glänzenden Waffen der
-Zukunft zu bekämpfen wissen.«
-
-Da Lawrence, der energisch mitgekämpft hatte, ebenso wie Schmettkow
-am folgenden Tag etwas unwohl waren, hörte ich von dem kleinen
-Zeitungskrieg, der um meinen Dampfpflug entbrannt war, zunächst so
-viel wie nichts. Die ruhigere, planmäßige Arbeit nahm ihren Fortgang.
-Ich pflügte in den nächsten Tagen jeden Morgen und Abend für das
-Fünfzigcentpublikum ein paar Stunden lang. Meine Leute kamen nach
-und nach in Übung, es ging mit jedem Versuch etwas besser; nur der
-Strom der erwarteten Volksmassen blieb aus. Der Geschäftsführer der
-Landwirtschaftsgesellschaft war mein getreuester Zuschauer, und sein
-Gesicht wurde nach jeder Vorstellung um einen Zoll länger. Am zweiten
-Tag wurde der zweite Kassierer am Eingangstor als völlig überflüssig
-eingezogen, und am dritten konnte auch der noch im Dienst stehende
-seine Siesta, die um die Mittagsstunden in seinem kleinen Brathäuschen
-verzeihlich war, über den Rest des Tages ausdehnen, ohne seine
-Amtspflichten zu vernachlässigen.
-
-Am Abend dieses dritten Tages kam Lawrence mit Delano in ungewöhnlicher
-Eile über das Feld, als ich soeben die Vorstellung, die wir den zwei
-Söhnchen des eingeschlafenen Kassierers gegeben hatten, abzuschließen
-im Begriff war. Man sah es dem Gang der beiden Herren an, daß sie
-ein neuer, belebender Gedanke trug. Lawrence grüßte vergnügt, der
-Geschäftsführer grämlich, und betrachtete sodann kopfschüttelnd
-die beiden Knäblein, die eifrig auf dem stillstehenden Pflug
-herumkletterten und nach Yankeejungenart versuchten, ob nicht da oder
-dort eine Mutter loszuschrauben, eine Schraube abzudrehen war.
-
-»Nun, wie ging's heute, Herr Eyth? Mehr Publikum hier gewesen?« rief
-Lawrence, als ob alles, was er sah, seine höchste Befriedigung erregt
-hätte.
-
-»Sie sehen, welches Interesse die Bevölkerung an unserm Pfluge nimmt«,
-antwortete ich, auf die zwei Jungen weisend, die wirklich eine
-lose Mutter gefunden hatten und emsig an der Arbeit waren. »Heute
-Vormittag war auch ein alter Herr hier, der sich ernstlich nach der
-Leistungsfähigkeit der Maschinen erkundigte. Er brauche eine billige
-Lokomobile zum Wasserpumpen, erzählte er mir.«
-
-»Der Kassierer behauptet, er müsse am Ostende des Platzes über den
-Parkzaun gestiegen sein«, bemerkte Delano, die zwei Bürschchen mit
-finsteren Blicken messend. »Das kann so nicht fortgehen, Herr Lawrence.
-Wir müssen den Zaun am Ostende reparieren lassen. Wenn nur Geld in der
-Kasse wäre! Guter Gott, wenn nur etwas Geld in der Kasse wäre!«
-
-»Man wird doch deshalb den Mut nicht sinken lassen!« rief Lawrence,
-ohne den Geschäftsführer zu beachten. »Zweifellos haben wir den
-richtigen Weg noch nicht gefunden, das gesamte Interesse des Südens
-auf unsre Sache zu lenken, Herr Eyth. Die »Crescent City News« fahren
-allerdings fort, Ihnen Opposition zu machen. Das ist gut; das regt an.«
-
-Er holte das widerwärtige Blatt aus der Tasche.
-
-»Mir scheint es eher abzuschrecken«, meinte ich. »Der Lump von
-Redakteur schrieb gestern wieder ein paar Zeilen über den plumpen
-englischen Dampfelefanten, der in blinder Arbeitswut unsern schönen
-Ausstellungspark aufwühle.«
-
-»Sehr gut! Sehr gut!« rief Lawrence. »Sehen Sie, Herr Eyth, Sie
-verstehen unsre Sprache noch nicht völlig. Das ist ja verzeihlich; aber
-Sie sollten mit sich selber etwas Geduld haben. Wir müssen den Mann
-bezahlen, wenn er verspricht, kräftiger zu schimpfen. Hören Sie einmal,
-was der »Picayune« heute früh sagt. Es gefällt Ihnen vielleicht besser;
-aber es ist nicht halb so wirksam.«
-
-Er zog eine zweite Zeitung hervor, setzte sich auf den Pflug und las
-mit pathetischem Feuer:
-
-»Der glänzende Erfolg der großen englischen Erfindung, welche uns
-einen Ersatz für die wohl für immer verlorene Arbeit unsrer farbigen
-Mitbürger zu schaffen bestimmt ist, zieht täglich Tausende von
-Schaulustigen nach dem Ausstellungspark der Landwirtschaftsgesellschaft
-von Louisiana. Die Prüfungskommission dieses wahrhaft patriotischen
-Vereins, bestehend aus den Herren Lawrence -- hier folgten
-zehn weitere, mir völlig unbekannte Namen -- hat dem riesigen
-Kulturinstrument einstimmig den ausgesetzten Ehrenpreis von 750 Dollar
-zuerkannt. Wenn in Indien der Elefant am Pfluge des Rajahs Wunder der
-Kraft und Klugheit verrichtet, so arbeitet in unserm erleuchteteren
-Lande die elefantine Kraft des Dampfes an der neu erstehenden Wohlfahrt
-unsres zu Boden getretenen Südens. Ein Volk, das im Handumdrehen
-den Pflug mit dem Schwert zu vertauschen weiß, wie unser wackerer
-Longstreet so wahr bemerkte, kann nicht untergehen.«
-
-»Wenn ich nur wüßte, wo ich die 750 Dollar auftreiben sollte, mit
-denen mir das verehrliche Komitee seit acht Tagen in den Ohren liegt«,
-brummte der Geschäftsführer.
-
-»Deshalb kommen wir zu Ihnen, Herr Eyth«, sagte Lawrence mit
-wachsendem Frohsinn. »Die Elefantenidee hat gezündet; ich weiß es von
-verschiedenen Seiten. Wenn Sie uns ein wenig die Hand bieten, so wird
-sich alles zum besten wenden.«
-
-»Aber was kann ich mehr tun, als Ihren Park vierzehn Zoll tief
-aufreißen?« fragte ich, ziemlich ratlos um mich blickend. »Wenn dies
-Ihren ruhmbedeckten Süden nicht interessiert, so bleibt mir schließlich
-nichts andres übrig, als ihn seinem Schicksal zu überlassen.«
-
-»Fangen Sie nicht auch an, die Flügel hängen zu lassen!« mahnte
-Lawrence. »Das tut unser Geschäftsführer schon hinreichend für uns
-alle. Aber hören Sie mir zu! Das Pflügen interessiert die Stadtleute
-nicht; zugegeben! Die großen Gutsbesitzer sind keine Volksmasse; auch
-kommen sie nicht in die Stadt. Sie haben kein Geld mehr, wie vor fünf
-Jahren. Wir müssen es anders angreifen. Wenn Sie damit einverstanden
-sind, lasse ich heute abend in alle Zeitungen eine Anzeige einrücken.
-Ich habe sie schon im Entwurf in der Tasche. Hören Sie! Passen Sie auf,
-Delano!«
-
-Er zog einen Bogen Papier aus der Brusttasche, auf dem in viel
-korrigierter Schrift folgendes zu lesen war:
-
-»Große Sensation! Wettrennen der zwei Dampfelefanten John Bull
-und Jonathan; John Bull, geritten von dem berühmten englischen
-Dampfelefantenjockey Mister Jem Parker; Jonathan von dem amerikanischen
-Gentlemanreiter Mister Eleazar Stone. An die gesamte Bevölkerung,
-Damen und Herren, groß und klein, alt und jung der Staaten Louisiana,
-Alabama, Mississippi und Texas! Nachdem die berühmten Dampfelefanten
-John Bull und sein Bruder Jonathan während der vergangenen Woche in
-gewaltiger Arbeit den Urgrund des Mississippitals aufgewühlt haben,
-beabsichtigen diese gewandten und zu heiterem Spiel geneigten Tierchen
-ihre angeborene Munterkeit in einem kleinen Wettlauf zum Ausdruck zu
-bringen, der auf der Rennbahn des Parks der Landwirtschaftsgesellschaft
-von Louisiana am Donnerstag, den 4. März, nachmittags fünf Uhr
-stattfinden wird. Besondere Anziehung wird das Rennen dadurch ausüben,
-daß der Elefant Jonathan von dem amerikanischen Amateur Mister Stone,
-John Bull dagegen von dem berühmten englischen Berufsjockey Parker
-gesteuert werden wird. Es sollen bereits beträchtliche Wetten auf den
-Erfolg des einen oder andern der kühnen Reiter angeboten und angenommen
-worden sein. Herr Stone stammt aus einer alten Familie Virginiens und
-wird die Ehre des neuen Kontinents aufrecht zu erhalten wissen, während
-Parker vor einigen Tagen aus England eintraf, so daß ihm die ganze
-Geschicklichkeit und Erfahrung der älteren Kulturwelt zur Verfügung
-steht.
-
-»Achtung, Bürger von Louisiana, Alabama, Texas und Mississippi,
-Achtung! -- Der Riesenmammutwettkampf zweier Welten, in Arbeit und
-Sport! Amerika gegen England! England gegen Amerika! Wer wird der
-Sieger bleiben? Parkkassenöffnung um zwei Uhr. Eintritt einen Dollar.
-Tribünenkarten drei Dollar.«
-
-Lawrence sah sich um, als habe er zu eigner Verwunderung das Ei des
-Kolumbus auf den Kopf gestellt; die trüben Augen des Geschäftsführers
-blitzten, eine hektische Röte war in seine gelben Wangen gestiegen. Mir
-standen die Haare zu Berge.
-
-»Das ist ja aber rein unmöglich, mein lieber Herr Lawrence«, rief ich,
-nach Luft schnappend.
-
-»Unmöglich?« schrie Lawrence stürmisch. »Unmöglich! Mein bester Gedanke
-seit dreißig Jahren! Aber warum denn, mein lieber Herr Eyth?«
-
-Ich suchte mich zu fassen und ruhig zu sprechen.
-
-»Ich kann doch ganz unmöglich meinen Dampfpflug zu einem solchen
-Karnevalsstreich, zu einer so verrückten Barnumiade hergeben.«
-
-»Ich bitte Sie! Barnum ist einer der geachtetsten Bürger unsrer
-großen Republik. Ein Charakter! Ein Charakter, Herr Eyth! Er hat
-kleiner angefangen als Sie und hat heute das größte Museum der Welt.
-Er ist Millionen wert, Millionen, hat schon drei Kirchen gebaut, ist
-dreifacher Kirchenältester in seinen eignen Gotteshäusern und kann sich
-den Degen umschnallen, den Napoleon bei Waterloo verlor, wenn es ihm
-beliebt. Ich bitte Sie, warum denn nicht?«
-
-»Meine Dampfpflugmaschinen -- wettrennen!« rief ich mit neu erwachendem
-Entsetzen. »Die plumpen englischen Dampfelefanten, wie die ›Crescent
-City News‹ sagen! Sie laufen ja keine vier Meilen in der Stunde, beim
-besten Willen.«
-
-»Das ist ja eben das Pikante! Ein Elefantenwettrennen, ein
-Dampfmammutwettrennen! Nichts von Ihren windigen Vollblutskniffen der
-Alten Welt; keine brutale Tierquälerei ihrer barbarischen Vergangenheit
--- das Ganze elegant, human, würdig -- Zukunftsmusik! Der ›Picayune‹
-wird jubeln; der ›Crescent City News‹-Redakteur wird sich die Haare
-ausreißen. Die ganze Stadt wird auf unsrer Seite sein. Und diese
-Reklame! Diese Reklame! Bedenken Sie doch!«
-
-»Vor der ganzen Welt werden wir dastehen wie blamierte Hanswurste«,
-sagte ich düster, denn ich fühlte, daß etwas in mir nachgab, daß eine
-Feder meines Innersten brechen wollte, die ich bis jetzt für stahlhart
-gehalten hatte. Lawrence merkte es ebenfalls, setzte sich wieder auf
-den Pflug, von dem er in der Hitze des Gefechts aufgesprungen war, und
-fuhr ruhiger und eindringlich fort:
-
-»Sie verstehen dieses Land nicht. Sie können den mächtigen Strom des
-Fortschritts nicht fassen, der uns über solch kleinliche Bedenken
-wegträgt und uns größer gemacht hat als alle andern Nationen des
-Erdballs. Aber Sie müssen einsehen, was ich Ihnen hier biete. Jetzt
-sitzen Sie da vor zwei kleinen Jungen, die Sie auslachen. In ein paar
-Tagen haben Sie fünfzigtausend Menschen hier, die Sie anstaunen.«
-
-»Ich glaube gar nicht, daß ich Jem Parker bewegen kann, den Narren zu
-spielen,« brummte ich.
-
-»Dafür lassen Sie mich sorgen!« rief Lawrence freudig, denn er sah, wie
-schwach ich wurde. »Sechs Glas Jamaikarum und fünfzig Dollar Trinkgeld!
-Damit zieht er uns eine brennrote Jockeyjacke an. Stone, der ein Vater
-von sieben Kindern ist und Professor an einem Technikum in Buffalo war,
-will in grünem Spenzer und gelben Hosen antreten. Er denkt wie ich.
-Aber wohlgemerkt, Sie müssen es ihn gewinnen lassen. Er repräsentiert
-Amerika.«
-
-»Das ist ein weiterer Punkt«, warf ich ein. »Die beiden Maschinen
-gleichen sich wie ein Ei dem andern und laufen genau gleichschnell.
-Von einem Wettrennen ist also nicht die Rede.«
-
-»Kann man dies nicht machen wie man will?« fragte Lawrence, fast wieder
-aufgebracht über meine Borniertheit. »Das wird mit Stone und Parker
-ganz genau verabredet. Dreimal über die Bahn, denke ich mir; zuerst
-Stone voraus; dann Parker voraus, immer weiter voraus, eine halbe
-Bahnlänge zwischen beiden. Stone in Nöten -- Parker lachend. Dann auf
-einmal Stone hinterher wie der Teufel, mit offenen Zylinderhähnen,
-damit man sieht, daß sein Elefant sich anstrengt. Parker pustet
-und keucht. Vergeblich. Fünfzig Schritte vom Ziel sind sie beide
-Schornstein an Schornstein. Parker hat die Innenseite der Bahn; noch
-immer kann er gewinnen -- aber in den letzten drei Sekunden, unter dem
-donnernden Jubel von fünfzigtausend Menschen, siegt Amerika mit einer
-Nasen- oder Rüssel- oder Kessellänge, ganz wie Sie wollen. Was sagen
-Sie jetzt?«
-
-»Die einzige Rettung für uns alle!« stöhnte Delano, der mich ängstlich
-betrachtete. Es mußte mit der Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana
-in der Tat schlecht stehen.
-
-»Ich will mir's überlegen!« sagte ich zögernd und fühlte, wie die
-scharfe Luft Amerikas mein Lungengewebe durchdrang und das schwere,
-deutsche Blut rascher oxydierte. Die Empfindung steigender Wärme war
-nicht unangenehm. Auch leichter fühlte ich mich, wie ein Ballon,
-dem plötzlich mit weiteren fünfzig Kubikmetern Gas unter die Arme
-gegriffen wird.
-
-»Und ich«, rief Lawrence, indem er mir rasch die Hand drückte, »laufe
-auf die Redaktionen. Für die Morgenblätter wird es gerade noch Zeit
-sein. Aus Ihnen, Herr Eyth, kann immer noch etwas werden. Ich gebe Sie
-nicht ganz verloren. Adieu!«
-
-Er lief, den nächsten Weg über das gepflügte Feld nehmend, dem Parktor
-zu und zwar so eifrig, daß er, über die mächtigen Furchen stolpernd,
-zweimal auf die Knie fiel, ohne Zeit zu verlieren.
-
-Delano und ich sahen einander an, zaghaft, trübselig, ich noch immer
-in einem unbeendeten Seelenkampf, in dem die Neue und die Alte Welt
-miteinander rangen und mich qualvoll hin und her zerrten; Delano mich
-mißtrauisch betrachtend, als ob er fürchtete, es könne doch noch alles
-schief gehen.
-
-»Es ist gut, daß Sie sich entschieden haben«, sagte er endlich mit dem
-ersten Lächeln auf seinem gelben Gesicht. »Wenn Sie nein gesagt hätten,
-wäre ich morgen früh nach Kuba abgereist. Ohne die Gesellschaftskasse.
-Die ist leer.«
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-8. Neue Hoffnung
-
-
-Die »Crescent City News« waren besiegt, sogar vor dem großen Tage, auf
-den Lawrence seine ganze Hoffnung setzte. Wie er dies zuwege gebracht
-hatte, blieb ein Geheimnis. Die spaltenlangen Inserate, in denen das
-kommende Wettrennen zur Anzeige kam, konnten den Stimmungswechsel kaum
-hervorgebracht haben, dafür waren sie trotz der fetten Buchstaben nicht
-groß genug. Aber die spitzen Bemerkungen über die plumpen Dampfpflüge
-hörten plötzlich auf. Die löbliche Absicht, ein Wettrennen abzuhalten,
-wurde laut und dankbar anerkannt, die beiden Dampfelefanten John Bull
-und Jonathan in begeisterten Farben geschildert, ihre merkwürdige
-äußerliche Ähnlichkeit nicht verschwiegen, jedoch darauf hingewiesen,
-daß in ihrem Innern wesentliche Verschiedenheiten bestehen dürften.
-Das Verhältnis von Heiz- und Rostfläche, vom Zylinderraum zum
-Dampfraum im Kessel, eine künstliche Zugvorrichtung, ein heimlicher
-Expansionsschieber, kurz das eigentliche Seelenleben beider Maschinen
-lasse den Ausgang des Kampfes durchaus zweifelhaft erscheinen. Übrigens
-komme es, wie bei jedem Rennen, doch auch wesentlich auf die Jockeys
-an, und da Jonathan von dem berühmten Amerikaner Stone (grün und gelb),
-John Bull von einem nicht minder hervorragenden Engländer, Jem Parker
-(rot und blau) geritten werde -- der Berichterstatter entschuldigte
-sich hier, daß er beim Anblick der eleganten Dampfrenner unwillkürlich
-in die Sprache des Turfs verfalle --, so sei der Sieg des einen oder
-des andern keineswegs eine leicht vorauszusehende Sache. An den
-Schenktischen der Hotels und Salons von St. Charles- und Kanalstraße
-sei das Wetten bereits in lebhaftem Gang. Im allgemeinen sei in
-den Kanalstraßenrestaurants Jonathan der Favorite, während im St.
-Charleshotel Wetten von zwei gegen eins auf John Bull, dessen Jockey
-man größere Erfahrung zuschreibe, bereitwillig angenommen werden.
-
-Unser nutzloses Pflügen im Ausstellungspark wurde nicht wieder
-aufgenommen. Das amerikanische Fieber, das den wohlakklimatisierten
-Lawrence in einen jungen Mann voll Feuer und Energie verwandelt
-hatte, packte auch mich mit jeder Stunde mehr. Am Morgen nach unsrer
-Besprechung im Park, nachdem ich nicht ohne Herzbeklemmung die bekannte
-Anzeige in fünf Zeitungen gesehen und mich an deren Aussehen ein wenig
-gewöhnt hatte, schlug ich mit einer entschlossenen Aufwallung alle
-Bedenken in den Wind. Ein Trost blieb mir ja immer: Louisiana war
-viertausend Meilen vom würdevollen England entfernt. Wenn es nun einmal
-sein mußte und mein ernster, ehrbarer Dampfpflug auf ein paar Stunden
-den Narren spielen sollte, nun, dann lieber auch recht! -- General
-Longstreet fand nichts Bedenkliches in der Sache. Im Gegenteil; er
-lobte mich, daß ich Land und Volk so rasch begreifen lerne. Persönlich
-wünsche er allerdings in diesem Fall mehr in den Hintergrund zu treten.
-Um so tätiger waren seine jungen Geschäftsteilnehmer, die beiden Owen,
-die das Wetten unter ihren Freunden in einen Schwung brachten, der mich
-kleinen Anwandlungen von Gewissensbissen aussetzte. Lawrence lachte
-mich aus: »Ist es unsre Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die jungen Leute
-ihr Geld in der Tasche behalten?« fragte er. »Ist es für das gemeine
-Wohl von irgend welcher Bedeutung, in wessen Tasche des Volkes es
-schließlich sitzen bleibt?« Ich mußte ihm recht geben.
-
-Parker machte keine Schwierigkeiten. In seiner trockenen Weise sagte
-er: »Mister Fowler schickte mich hierher und befahl mir, zu tun,
-was +Sie+ befehlen. Das sind meine Anweisungen. Wenn ich mit meiner
-Maschine wettrennen soll, so wettrenne ich; das ist einfach!« -- Ich
-klopfte ihm auf die Schulter und begann, etwas zögernd, von der roten
-Jacke zu sprechen. Aber auch hier kam mir ein unerwarteter Zwischenfall
-zu Hilfe. Der ruhige Jem hatte bereits die intime Bekanntschaft
-einer jungen Dame gemacht, der hübschen, wenn auch etwas bronzierten
-Tochter eines Handelsgärtners, der in der Nähe des Parks einen
-stattlichen Bananen- und Orangenwald pflegte. Der Engländer teilte
-die amerikanische Abneigung gegen leichte Farbenmischungen nicht, und
-die junge Dame war Feuer und Flamme für den hübschen, kräftigen, wenn
-auch stummen Liebhaber, dessen ehrliche Augen die besten Absichten
-verrieten. Fräulein Sally war begeistert für die rote Jacke, half sie
-anmessen und setzte Goldborten auf den Kragen. Ihr Jem sah prächtig
-aus, wie ein Kakadu! Jetzt erst war sie wirklich überzeugt, eine
-glückliche Frau zu werden. Er brummte, aber er war ein herziger Junge,
-ihr Jem, wenn er die Kakadujacke anhatte.
-
-Die Ackergeräte blieben im Felde stehen, wo sie standen, verstaubt
-und verachtet. Beide Dampfmaschinen dagegen wurden drei Tage lang
-geputzt und geschmirgelt, daß sie in der Sonne blitzten. Auf der
-Rückseite des Tenders und auf dem Deckel der Rauchkammer ließ ich durch
-einen hervorragenden Künstler aus Deutschland, der drüben mehrere
-Malerschulen besucht hatte und dementsprechend am Hungertuch nagte, die
-eine mit den Worten »John Bull«, die andre mit dem Namen »Jonathan«
-bemalen, so daß ich nun auch selbst wußte, welches die eine und
-welches die andre war. Stone brachte auf eigne Kosten nationalfarbene,
-besternte Tücher, mit welchen er Jonathan schmückte. John Bull fand
-sich am Mittwoch nachmittag mit Guirlanden über und über bedeckt, in
-denen sich reife Orangen besonders reizend ausnahmen. Das war Sallys
-Werk. Ich selbst sorgte dafür, daß am Tender jeder Maschine zwei
-Banner befestigt wurden: Parker erhielt die englische Union-Jack, die
-er mit ruhigem Stolz aufsteckte, Stone die sternbesäte Flagge seiner
-amerikanischen Heimat. Das eigentümliche Verhältnis beider war auch
-nach längerem Zusammenarbeiten das gleiche geblieben. Sie sprachen
-nicht viel und nicht höflich, wenn sie sich etwas zu sagen hatten,
-aber die magnetische Antipathie, mit der sie sich betrachteten, war
-im Wachsen. Parker verachtete Stone, Stone ärgerte sich über Parker.
-Das geschah aus nationalem Instinkt. Hätten sie sich als Individuen
-gegenübergestanden, so wäre das umgekehrte Verhältnis natürlicher
-gewesen. Stone, der ältere, verhältnismäßig gebildetere Mann, hätte
-Jem verachten, Jem sich über Stone ärgern sollen. Aber das unbewußte
-Rassengefühl ist meist stärker als das bewußte Empfinden des einzelnen.
-Zum Glück hatten sie bis jetzt nicht viel Gelegenheit gehabt, sich
-aneinander zu reiben. Es ist dies schwierig, wenn jeder den ganzen Tag
-an einem der beiden Enden eines vierhundert Meter langen Drahtseils
-beschäftigt ist.
-
-Auch Delano hatte nun genügend zu tun und wurde deshalb etwas heiterer.
-Er ließ die Tribüne abstäuben und stützen, da sie sich gefährlich
-nach hinten neigte, und ein drittes Kassenhäuschen aufstellen.
-Man sah, meine amerikanischen Freunde glaubten an die englischen
-Elefanten. Ich selbst war sehr beschäftigt und warf kaum einen Blick
-auf die Zeitungsnotiz, die mir Lawrence, der jetzt alle Taschen
-voll Fahnenabzüge und Ausschnitte hatte, am Dienstag vor dem Rennen
-auf die Maschine heraufreichte. Einen Augenblick später sprang ich
-jedoch erregt zur Erde. Der Himmel klärte sich. Es regnet auch im
-Mississippidelta nicht immer. Dann las ich mit gespannter, aber
-freudiger Aufregung:
-
-»Washington, den 1. März 1867. Der unerwartete Schluß der Sitzungen des
-Kongresses war in den letzten Tagen die Veranlassung, eine ganze Reihe
-weniger bedeutender Vorlagen, namentlich auf wirtschaftlichem Gebiete,
-zur Beratung zu bringen, die meist ohne längere Diskussion zur Annahme
-kamen. Die sichtliche, die Arbeit fördernde Ermüdung der würdigen
-Vertreter des souveränen Volkes mag hierbei ebenso kräftig mitgewirkt
-haben wie die sachlichen Interessen, die von einzelnen Mitgliedern
-mit Gewandtheit und Umsicht vertreten wurden. Namentlich war dies am
-letzten Tage der Session der Fall, an dem die folgenden neun Anträge
-die Zustimmung des hohen Hauses erhielten.« Dann folgte die Liste
-von acht mir völlig gleichgültigen Bestimmungen, die sich auf die
-Gewährung von Pensionen, die Bezahlung von Komitees, die Erhöhung von
-Beiträgen zu verschiedenen Verkehrsunternehmungen bezogen. Dem neunten
-Paragraphen sah man es fast an, wie hastig er im letzten Augenblick
-noch angehängt worden war. Er lautete:
-
-Ferner wird beschlossen, daß Geräte und Maschinen, die zur Bearbeitung
-des Bodens mittels Dampfkraft bestimmt sind, zoll- und steuerfrei
-eingeführt werden können, und soll diese Zollbefreiung auf die Dauer
-von drei Jahren festgesetzt sein. Auch soll die Bestimmung rückwirkende
-Kraft besitzen und vom 1. Januar 1867 an Geltung haben. --
-
-»So hat mein zweifelhafter Freund Olcott doch nicht umsonst gearbeitet,
-und Schmettkow wird mir beschämt zugestehen müssen, daß auch im Norden
-noch Menschen wohnen, auf die man sich verlassen kann!« rief ich
-innerlich hocherfreut und schickte Stone in die Stadt, um noch zwei
-Banner zu bestellen, mit denen ich Jonathans Schornstein schmücken
-wollte. Die Sterne und Streifen waren nicht so schlimm, als ich seit
-einigen Wochen zu fürchten begonnen hatte.
-
-Noch am gleichen Nachmittag, als meine zwei Renner blank und glänzend,
-mit Kohlen, Wasser und Öl versorgt, hinter der geschmückten Tribüne
-aufgestellt waren, fuhr ich nach dem Zollamt und überreichte dem
-Generalzolldirektor von New Orleans den »Picayune« und die »Crescent
-City News« mit ihren Telegrammen aus Washington. Der Herr, ein dünner,
-schwarzgekleideter Yankee mit der Miene eines Kirchenältesten, schien
-in eifrigem Geschäftsgespräch mit einem seiner Unterbeamten. Beide
-hatten zerrissene Taschenbücher in der Hand und ließen sich durch
-meinen Eintritt kaum stören. Zwei gegen eins auf Jonathan; so weit
-wollte der Zolldirektor gehen, während der Assistent zögernd an seinem
-Bleistift kaute. Beide Herren empfingen mich unwirsch, als ich eintrat,
-und sehr höflich, als ich mich zu erkennen gab. Mit sichtlichem
-Widerstreben entfernte sich der Assistent auf einen energischen Wink
-seines Vorgesetzten. Ich zog den »Picayune« hervor und zeigte ihm den
-dickunterstrichenen Paragraphen.
-
-»Sehr gut, sehr gut, Sir!« sagte er mit unerwarteter Zuvorkommenheit.
-»Ich gratuliere Ihnen, Herr -- Herr Jed! Nebenbei: würden Sie
-vielleicht die Güte haben, mir den Unterschied, die wesentlichen
-inneren Eigenschaften von Jonathan und John Bull zu erklären? Ich
-verstehe nicht viel von Dampfmaschinen, interessiere mich aber doch
-außerordentlich für die Fortschritte der Technik. Die beiden Elefanten
-seien äußerlich ziemlich ähnlich, habe ich mir von sachverständiger
-Seite sagen lassen. Welchen -- ganz unter uns -- welchen halten Sie bei
-einem Viereinhalbmeilen-Rennen für den leistungsfähigeren? Sie wissen,
-die Bahn ist anderthalb Meilen lang.«
-
-Hier handelte es sich offenbar um ein unerwartet glückliches
-Zusammentreffen von Umständen, das ich nicht ungenützt vorübergehen
-lassen durfte.
-
-»Ich komme, verehrter Herr,« sagte ich, »um Sie auf den Paragraphen
-bezüglich der rückwirkenden Kraft dieser Zollbestimmung aufmerksam zu
-machen.«
-
-»Sehr interessant!« rief der Zöllner. »Ich höre, Jonathans Feuerbüchse
-sei um zehn Zoll länger. Wenn dies der Fall ist, muß er ein verdammt
-guter Dampfer sein --«
-
-»Wie Sie wissen,« unterbrach ich ihn mit großer Ruhe, »haben
-wir, unsre Vertreter Longstreet, Owen & Co., in meinem Namen
-viertausendzweihundert Dollar Zollgebühren für den Dampfpflug bezahlt,
-der sich augenblicklich im Ausstellungspark befindet.«
-
-»Gewiß, gewiß! ich erinnere mich. Dagegen habe ich gehört, daß John
-Bull größere Straßenräder hat. Das müßte man aber doch sehen, und mein
-Sohn, den ich gestern nacht hinausschickte, konnte einen Unterschied
-nicht mehr feststellen; es war allerdings schon dunkel. Niemand kann
-mich nun hierüber so gut aufklären als Sie, mein werter Herr Jed. Ich
-betrachte es als eine ganz besondere Vergünstigung, daß ich die Ehre
-habe, Sie heute bei mir zu sehen.«
-
-»Nun denke ich,« fuhr ich mit Beharrlichkeit fort, »werden wir wohl
-die viertausendzweihundert Dollar ohne weiteres zurückerhalten
-können. Etwas Bargeld wäre mir augenblicklich nicht unangenehm, Herr
-Generalzolldirektor! Jonathan frißt, wie Sie richtig vermuten, eine
-erstaunliche Menge Kohlen.«
-
-»Sie glauben also auch, daß Jonathan, namentlich auf viereinhalb
-Meilen, die Wahrscheinlichkeit für sich hat?« drängte der
-Kirchenälteste.
-
-»Ich kann natürlich nichts Bestimmtes sagen, Sir«, sagte ich
-zurückhaltend. »Jonathan ist ein feiner, junger Dampfelefant, dem ich
-viel zutraue -- viel zutraue, Herr Direktor, und John Bull ist nicht
-schlecht für sein Alter. Beide sind am gleichen Tage geboren. Es wäre
-nicht ehrlich, wenn ich mehr plaudern wollte. Auch kann man ja nie
-wissen, wie es geht. Der Zustand der Bahn, das Wetter, Wasser und
-Kohle, die Jockeys, alles hat seinen Einfluß. Von den Elefanten als
-Renner wissen wir alle nicht zuviel. Was die viertausendzweihundert
-Dollar betrifft -- --«
-
-»Das genügt«, unterbrach mich der Direktor mit schlauem Augenblinzeln.
-»Jonathan ist fein und jung. Sie sagen, Jonathan kann man viel
-zutrauen. Mehr als einen Wink darf ich von Ihnen nicht verlangen. Ich
-hoffe, Sie zu verstehen.«
-
-»Und was die viertausendzweihundert Dollar betrifft«, mahnte ich,
-zutraulich lächelnd, als ob wir jetzt unter einer Decke steckten.
-
-»Ja, sehen Sie,« sagte der Kirchenälteste mit der wohlwollendsten
-Freundlichkeit, »das ist so eine Sache! Das Geld werden Sie ohne
-Zweifel bekommen, namentlich -- namentlich wenn Jonathan gewinnt. Aber
-ich muß doch erst Weisungen von Washington haben; direkte Anweisung. So
-geschwind wie mit Ihren Dampfelefanten geht es in den Regierungsbureaux
-gewöhnlich doch nicht. Besuchen Sie mich in einer Woche wieder, Herr
-Jed. Da soll die Summe auf dem Tisch liegen, wenn der ›Picayune‹ nicht
-gelogen hat; mein Wort darauf! -- Also Jonathan? Sie denken wirklich
-Jonathan?«
-
-»Wie Sie sagen: ich denke Jonathan«, bestätigte ich halblaut, sinnend,
-wie wenn ich meine eignen Gedanken belauschte, und dachte dabei an
-das Orakel von Delphi. Dann verabschiedeten wir uns mit lebhaftem
-Händeschütteln. Ich kann es nicht leugnen, so unerklärlich es ist:
-noch nach Jahren meines amerikanischen Lebens machte dieses biedere
-Händeschütteln einen gewissen Eindruck auf mich.
-
-In dem dunklen Gange vor der Tür kam der kleine, aber greisenhafte
-Assistent aus einer Nische hervor. Er hatte auf mich gelauert und
-schüttelte mir noch heftiger die Hand.
-
-»Sie kommen wegen des Zolls auf Ihren Dampfpflug«, sagte er leise und
-eifrig. »Ich weiß, ich weiß! Ich las die Nachricht selbst heute früh
-in den ›Crescent City News‹ und dachte sofort: hier gibt es etwas für
-mich zu tun. Ohne mich geht das nämlich nicht. Er ist zäh wie ein
-Hickorystock, wenn er herauszahlen soll« -- dabei deutete der Kleine
-auf die Zimmertür des Großen. -- »Eine höchst wichtige Nachricht für
-Ihr Geschäft. Gratuliere, gratuliere! Die viertausendzweihundert Dollar
-werden Sie übrigens im Handumdrehen bekommen, wenn ich die Sache in
-die Hand nehme, und das habe ich zu tun im Sinn, Mister Eyth! Nebenbei
--- was halten Sie von John Bull? Ich glaube nicht, daß die beiden
-Elefanten so verschieden sind, als sie aussehen. Sie sehen verschieden
-aus, höre ich von sachverständiger Seite, aber nicht so verschieden,
-daß man daraus seine Schlüsse ziehen könnte. Auf die Jockeys wird es
-wohl ankommen -- unter uns --«
-
-»Die Jockeys sind allerdings auch bei wirklichen Elefanten ein
-wichtiges Element«, sagte ich zustimmend.
-
-»Herr Eyth, ich heiße Smith und habe die Geldanweisungen
-auszuschreiben. Es wird mir das größte Vergnügen machen, Ihnen gefällig
-zu sein. Ich weiß, die Engländer lieben einen prompten Geschäftsgang;
-ich war selbst drei Wochen in England. Und da John Bulls Jockey,
-wie ich höre, ein Engländer ist und natürlich besser mit diesen
-Dampfelefanten umzugehen weiß --«
-
-»So würde ich selbst vermuten,« unterbrach ich ihn entgegenkommend,
-»daß John Bull die größere Wahrscheinlichkeit für sich hat, als Sieger
-aus dem Rennen herauszukommen.«
-
-»Das genügt, das genügt!« rief der Kleine stürmisch. »Natürlich, es
-wäre unrecht, Sie zu veranlassen, weiter aus der Schule zu schwatzen.
-Aber kommen Sie nach dem Wettrennen wieder. Sie sollen Ihr Geld haben,
-ehe wir ein Schnippchen schlagen. Mein Chef?« -- Herr Smith machte eine
-unehrerbietige Grimasse -- »er läßt niemand in Ruhe, die alte Schraube!
-Er hat mir bei unsrer letzten Wette meinen halben Jahresgehalt
-abgeschwindelt, und ich bin ein verheirateter Mann mit einer kleinen
-Familie von sieben. Diesmal soll er mir einmal bluten! -- John Bull;
-natürlich! Sie werden es den Amerikaner nicht gewinnen lassen; das kann
-ja ein Kind sehen. -- Diesmal soll er geschröpft werden. Besten Dank,
-wertester Herr Eyth!«
-
-Er klopfte mit schneidiger Schärfe an die Zimmertür seines
-Vorgesetzten. Ein freudiges Herein! der etwas krächzenden Stimme
-des kirchenältesten Zöllners drang bis zu mir. Ich konnte noch auf
-der Treppe an dem heiteren Ton ihres Gesprächs hören, wie sie beide
-glaubten, sich gegenseitig in der Tasche zu haben. Ein schöneres
-Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Untergebenen konnte es doch wohl
-kaum geben. Und hierfür, sagte ich mir mit heimlichem Stolze, sind mir
-beide jetzt gleich dankbar.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-9. Das Elefantenrennen
-
-
-Ein kurzer, scharfer Regenguß, der in der Nacht gefallen war und die
-Frühlingsregenzeit einleitete, konnte unsrer Rennbahn zwar nicht
-sonderlich zuträglich sein, doch trocknete der sonnige Morgen die
-Wege, die Tribüne und deren etwas spärliche Dekoration genügend,
-so daß alles glänzte und prangte, wie es sich für einen großen
-Tag geziemt. In der Stadt war für ein kundiges Auge eine gewisse
-Bewegung deutlich erkennbar. Gruppen umstanden die Anschlagsäulen
-und die Bretterwände der im Bau begriffenen Häuser, an denen sich
-das von Lawrence gedichtete Plakat in Riesenbuchstaben breit machte:
-»Unerhörte Sensation! Amerika gegen England; England gegen Amerika! Das
-Mammutwettrennen der zwei Dampfelefanten Jonathan und John Bull« usw.
-An Straßenecken wurden von zweifelhaften Gestalten Wetten angeboten und
-angenommen. Gegen nachmittag war die Trambahnlinie in der Richtung des
-Ausstellungsparks belagert, und von vier Uhr an hingen aufgeregte und
-im allgemeinen fröhliche Menschen in lebensgefährlicher Weise an den
-Geländern und Treppen der Wagen, von denen alle acht Minuten fünf und
-sechs unmittelbar hintereinander nach Osten fuhren.
-
-Schon um elf Uhr hatten wir bei verschlossenen Türen im Parkpavillon
-eine geheime Sitzung abgehalten: Lawrence, Delano, ich und die
-zwei Elefantenjockeys Parker und Stone. Es handelte sich um genaue
-Anweisungen für die beiden letztgenannten. Flüsternd ersuchte ich sie,
-nachdem die Türen verriegelt waren, ihr heiliges Ehrenwort abzugeben,
-daß nichts -- aber auch nichts! --, was sie in dieser feierlichen
-Stunde hören sollten, jemals über ihre Lippen kommen werde. »~I will
-be blown~,« sagte der Engländer bereitwillig, aber ernst, »wenn ich je
-etwas ausplaudere.« -- »~I will be darned!~« schwur der Amerikaner.
-Wörtlich übersetzt heißt das eine: »ich will geblasen«, das andre
-»ich will gestopft sein« und ist in der Heimat der Betreffenden die
-landesübliche Umschreibung für den Wunsch, in der untersten Hölle zu
-braten. Ich konnte beruhigt fortfahren:
-
-»Sie wissen, meine Herren, daß, was wir heute zu tun haben, die Grenze
-eines kleinen, heiteren Humbugs nicht überschreitet. Ich brauche Ihnen,
-bei Ihrer Intelligenz, nicht mitzuteilen, daß unsre Elefanten keine
-wirklichen Elefanten, unser Wettrennen kein wirkliches Wettrennen ist.
-Herr Lawrence wird Ihnen vielleicht auseinandersetzen, wenn Sie dies
-wünschen sollten, wie weit unser Vorgehen vom ethischen Standpunkte
-aus haltbar ist. Ich überlasse ihm diesen Punkt, da derselbe
-ausschließlich die Anschauungsweise der großen und erleuchteten Nation
-betrifft, die wir heute zu erfreuen und zu belehren hoffen, und für
-deren hervorragenden Vertreter ich ihn ansehe. Ich beschränke mich
-darauf, Ihnen die Versicherung zu geben, daß Herr Lawrence in diesem
-Punkte völlig beruhigt ist.«
-
-Stone nickte mit einem kaum merklichen Anflug eines Lächelns um seine
-dünnen Lippen, Parker in stummem Staunen.
-
-»Die Sache ist also einfach die,« begann ich wieder in
-geschäftsmäßigerem Ton, »Punkt halb fünf Uhr haben Sie sechs
-Atmosphären Dampf im Kessel, Wasser und Kohle in Ordnung, alle Lager
-gut geölt -- vergessen Sie das Bremsband auf der Hinterachse nicht,
-Herr Stone --, kurz, die Maschine zur Abfahrt vollständig bereit zu
-halten. Sie fahren dann vor die Tribüne, wo ich Ihnen Ihre Plätze
-anweisen werde. Punkt fünf Uhr gibt Herr Delano ein Zeichen; er wird
-einen Revolver abschießen, wenn ich recht weiß, und Sie, meine Herren,
-fahren dann dreimal auf dem großen Ring herum. Keine Übereilung; keine
-unnötige Anstrengung. Zuerst bitte ich Herrn Stone, vorauszufahren, --
-dann, nach etwa hundert Schritt, muß Parker ihn überholen und einen
-ziemlichen Vorsprung beibehalten, bis bei der dritten Umfahrt, kurz vor
-dem Ziel, Herr Stone ihn wieder einholt und eine halbe Minute, oder
-besser nur ein paar Sekunden, vor Parker durchs Ziel fährt. Hier zum
-Schluß müssen Sie natürlich ein wenig aufpassen, daß die Sache nicht
-umgekehrt ausfällt. Sie haben mich verstanden?«
-
-Parkers rundes, harmloses Gesicht verdüsterte sich. »Aber« -- fing er
-an.
-
-»Kein ›Aber‹, Parker,« sagte ich bestimmt, »Sie tun, wie ich Ihnen
-sagte. Wir sind in Amerika und müssen den Herren Amerikanern zeigen,
-daß ein englischer Gentleman höflich sein kann.«
-
-Stone lächelte mitleidig; Parker hing den Kopf. »Ich möchte mit Ihnen
-allein sprechen«, murmelte er in sichtlicher Seelennot.
-
-Wir traten in eine Fensternische, und Jem flüsterte, während sein Kopf
-purpurrot wurde:
-
-»Mir wäre es ja gleichgültig, Sir, wer am Schluß vorausfährt; aber
-Sally -- ich habe Sally versprochen --«
-
-»Weibergeschichten! Dummheiten! Schämen Sie sich, Parker!« sagte ich
-entrüstet. »Ich hoffe -- die Herren Fowler in England hoffen, daß Sie
-Ihre Pflicht tun werden.«
-
-Er schwieg und schämte sich. Hiermit konnte die geheime Konferenz
-geschlossen werden. Stone und Parker entfernten sich, um ihren
-Maschinen, die hinter der Tribüne und einer provisorischen Zeltwand
-friedlich nebeneinander rauchten, vor dem großen Kampfe die letzten
-liebevollen Handreichungen angedeihen zu lassen und sich sodann in
-den dunklen Hohlräumen der Tribüne in ihr schmuckes Jockeykostüm zu
-werfen. Delano eilte in fieberhafter Stimmung nach den Kassenhäuschen
-am Eingang, wo bereits zwei Kassierer auf ihre kommende Tätigkeit
-warteten. Sie kam auch, mit jeder Viertelstunde sichtlich wachsend. Der
-Ausstellungspark, sonst ein Bild tiefer, melancholischer Einsamkeit,
-begann sich zu beleben. Lawrence strahlte wie eine zweite Sonne über
-dem Platz, Freunde begrüßend, Fremde zurechtweisend. Es war sein Werk,
-das sich ringsumher entwickelte, und er fühlte, daß die Augen von zwei
-Weltteilen auf ihm ruhten.
-
-Die Tribüne füllte sich langsam; um die Barrieren des großen Rings
-schloß sich ein Menschenring in Form einer dünnen riesigen Mondsichel,
-deren Hörner sich bereits zu einem Kreis zusammenschlossen. Daß das
-Sonntagspublikum der Stadt in Bewegung geraten könnte, hatte ich halb
-und halb gehofft; daß aber auch die Aristokratie der Crescent City
-erscheinen werde, war mehr, als ich erwartete. Longstreet kam --
-man hörte sein vergnügliches lautes Lachen schon von weitem --, der
-ernste Beauregard, Taylor, unruhig wie ein Wiesel, nach allen Seiten
-auf Jonathan und gegen John Bull wettend. Die Owens mit der jüngeren
-Generation belebten das Innere des Rings und brachten ganze Scharen von
-Damen in glänzenden Toiletten. Es gab doch noch schwarze leuchtende
-Augen und blitzende Diamanten in der Stadt. Gelegentlich sah man Delano
-mit einem Leinwandbeutel im Arm vom Eingangstor nach dem Pavillon
-laufen. Es waren Geldsäcke, die er in Longstreets Bureau entlehnt
-hatte. Er lachte förmlich, zum erstenmal seit dem Bürgerkriege, wie
-mir Owen, ebenfalls lachend, versicherte. Eine heitere Aufregung
-bemächtigte sich der Menge in steigendem Grade. Der improvisierte
-Zeltverschlag, hinter dem in stoischer Ruhe die zwei Maschinen ihre
-Rauchwolken zum Himmel sandten, war von hundert Jungen umdrängt, die
-die Leinwandwände einzudrücken versuchten und von Zeit zu Zeit von
-Bucephalus und dem schwarzen Jem mit entrüsteter Beredsamkeit verjagt
-wurden. Es half wenig, da der eine eine riesige amerikanische, der
-andre eine englische Kokarde trug, die sofort der Mittelpunkt jubelnder
-Bewunderung wurden.
-
-So wurde es halb fünf Uhr. Aus einem Loch in der Rückwand der Tribüne
-schlüpfte jetzt Stone in hellgrüner Jacke und gelben Beinkleidern und
-marschierte, von dreißig Jungen geleitet, ernst, als ob er in einer
-grünen Jacke geboren wäre, dem Maschinenzelt zu. Keine Muskel rührte
-sich in seinem steinernen Gesicht. Er war der echte Jockey, der mit
-zusammengebissenen Zähnen einem Kampf auf Leben und Tod entgegengeht.
-
-Vor dem Loch in der Tribüne wartete in sichtlicher Ungeduld eine
-junge Dame in feuerrotem Seidenkleid und einem wogenden Federhut
-von erstaunlicher Größe. Als Parker in seinem prachtvollen
-Kakadugefieder, rot und blau, in der Öffnung erschien, wollte er
-wieder zurückschlüpfen. Der große Junge war so rot wie seine Jacke.
-Aber es half ihm nichts; die begeisterte Sally erfaßte ihn beim Arm,
-zog ihn heraus und begleitete ihn stolz nach dem Maschinenzelt, wo sie
-mit Bucephalus in ein entrüstetes Zwiegespräch geriet, der ihr rund
-erklärte, daß hier Damen nicht zugelassen würden.
-
-Fünfzehn Minuten vor fünf öffneten sich die Zeltwände mit erfreulicher
-Pünktlichkeit. Es ging alles wie am Schnürchen. Die beiden Elefanten
-dampften keuchend und rasselnd, aber mit feierlichem Ernste, aus
-der Hütte hervor und wälzten sich in den Ring, der Tribüne zu. Die
-Aufregung wuchs; die Volksmenge umringte sie schreiend, manchmal
-in jähem Schreck auseinanderstiebend, dann wieder sich gefährlich
-zusammenballend. »Das ist Jonathan!« -- »Das ist John Bull!« erklärten
-sie sich hundertstimmig. »Ein feiner Bursche, John Bull!« -- »Sehen
-Sie, die Räder! diese Breite!« -- »Und wie Jonathan dampft! Das
-heiß' ich ein paar Lungen!« -- »Aufpassen! Aus dem Weg!« -- »Vier
-gegen drei auf Jonathan!« -- »Zwei gegen eins auf John Bull!« --
-»Hipp, hipp, hurra für Amerika!« -- »Zwei gegen eins auf Jonathan!«
-So schwirrte es durcheinander, bis die beiden Maschinen vor der
-Tribüne angelangt waren und nebeneinander zum Stillstand kamen. Der
-kleine schwarze Jem, der bei Jonathan, und Bucephalus, welcher bei
-John Bull Heizerdienste versah, grinsten sich an. Parker und Stone
-lehnten auf ihren Steuerrädern und sahen ernst und schweigend auf die
-brausende Volksmenge herab, die zögernd die Rennbahn freigab und,
-heftig protestierend, von sechs Schutzleuten unter die Barrieren
-durchgejagt wurde, wobei abgestreifte Zylinderhüte die Heiterkeit
-wieder herstellten. Das Ganze schien einen durchaus würdigen Verlauf
-nehmen zu wollen. Lawrence, der an alles zu denken schien, hatte selbst
-für Komiteemitglieder gesorgt, die in amerikanischen und englischen
-Schärpen um die Maschinen herumliefen, sichtlich ohne zu wissen, was
-sie zu tun hatten, und dadurch dem Publikum zu denken gaben.
-
-Auf der Pavillonuhr schlug es fünf. Atemlos kam Delano aus der Richtung
-des Kassentors herbei, eine riesige Pistole in der Hand. Er wechselte
-mit Parker und Stone einige hastige Worte, um sicher zu sein, ob er das
-Zeichen geben könne. Beide nickten. Fräulein Sally, die ihre nächste
-Umgebung nur mit Mühe verhindern konnte, die Barriere zu überklettern,
-rief ihrem Jem ermunternde Zärtlichkeiten zu. Dann knallte der
-Schuß. Sally stieß einen gellenden Schrei aus, sank in die Arme
-ihres Nachbars, raffte sich aber ebenso rasch wieder empor. Mit acht
-offenen Zylinderhähnen, Dampf und Feuer speiend, beide Pfeifen schrill
-trompetend, hatten sich die zwei Maschinen in Bewegung gesetzt. Das war
-nicht der Augenblick für weibliche Schwächen. »Hurra, Jonathan!« --
-»Hurra, John Bull!« brüllte die beglückte Menge. »Vorwärts, vorwärts!«
--- »Hurra, Jonathan!« -- »Amerika für immer!« -- »Hurra, Jonathan!«
-
-Der Start war untadelhaft; das Wettrennen hatte durchaus programmgemäß
-begonnen. Beide Maschinen liefen in behaglicher Ruhe hintereinander her
-die Rennbahn entlang. Da aber sämtliche Zylinderhähne geöffnet blieben
-und sie demgemäß unter lautem Zischen Wolken von Wasser und Dampf
-ausspieen, machten sie den Eindruck außerordentlicher Kraftanstrengung,
-so daß das Publikum hochbefriedigt war. »Hurra, John!« -- »Vorwärts,
-vorwärts, Jonathan!« schrie es in steigender Erregung. Ich wunderte
-mich anfänglich, daß der England repräsentierende John Bull mindestens
-ebenso viele brüllende Freunde zu haben schien als Jonathan. Aber
-eine große Anzahl Wetten waren zugunsten Johns abgeschlossen worden.
-Der schlauere Teil der Wettlustigen traute der Sache doch nicht ganz
-und vermutete, daß ich, der Leiter und Besitzer der Elefanten, dem
-Engländer geheime Vorteile verschaffen werde. Daß ich weder Engländer
-noch Amerikaner, sondern »nur« -- wir schrieben, wie erwähnt, noch
-nicht 1870 -- ein ehrlicher Deutscher war, wußten natürlich die
-wenigsten. -- Eine schrille, den größeren Teil des Ringes beherrschende
-Stimme leitete den Chor der Rotblauen. Es war Sally, die den
-Tribünenaufgang erklettert hatte, auf dem ich selbst stand und mich
-vergebens bemühte, unberechtigte, aber enthusiastische Zuschauer
-hinunterzujagen. Sally sah mir mit ihren blitzenden, kohlschwarzen
-Augen lachend ins Gesicht, ohne ihr Schreien einzustellen, und
-klammerte sich fest ans Geländer an. Man sah, sie war entschlossen,
-nicht zu weichen, ohne das Gebälke mitzunehmen. Ich kapitulierte ohne
-weiteres. Diese Lungen! Ein gewaltiger Perlmutterknopf über ihrem
-königlichen Busen sprang mit einem hörbaren Knall ab und flog in
-großem Bogen in die untenstehende Volksmenge. »Hurra, Jonathan!« --
-»Hurra, Jem!« Ihre Gefühle für die Lokomotive mischten sich bereits
-bis zur Unkenntlichkeit mit denen für den Lokomotivführer, und als die
-Maschinen die Bahn zum erstenmal umkreist hatten und John Bull sechs
-Maschinenlängen vor Jonathan durch das Ziel dampfte, kannte ihre Freude
-und ihr Stolz keine Grenzen mehr. »Hurra, Jem! Hurra, Jem!« jubelte sie
-dem Blauroten zu, der in stoischer Ruhe, den Anlaßhebel in der einen,
-den Regulator in der andern Hand, auf seinem Tender stand und sich
-sichtlich bemühte, die Freudenrufe seiner jungen tropischen Liebe nicht
-zu hören. Zu unsern Füßen sahen Leute entrüstet herauf und suchten ihre
-Chorführerin zu belehren, daß ihr Elefant nicht Jem heiße, sondern
-John, John Bull. Aber nichts in der Welt hätte Sally irre gemacht.
-»Hurra, Jem! Hurra, Jem!«
-
-[Illustration]
-
-Höhnend behandelte sie Jonathan, der eine halbe Minute später an uns
-vorüberdampfte. Auch Stone sah ruhig und trocken, wie sich's geziemt,
-von seiner Maschine herab. Das Brüllen der Grüngelben, aus dem schon
-Angst und Zorn deutlich durchklang: »Vorwärts, Jonathan!« -- »Nicht
-nachlassen, nicht nachlassen!« -- »Schneller!« -- »Hurra für Amerika!«
--- »Schneller, schneller!« schien an seinem starren Yankeegesicht
-abzuprallen wie ein tosender Gebirgsbach an einem Felsblock. Dagegen
-konnte ich jetzt mit meinem Opernglas bemerken, daß der schwarze Jem,
-sein Heizer, in sichtlicher Aufregung große Klumpen Kohle in das Feuer
-warf und dazu zornig in das Feuerloch hineinschrie. Trotzdem erweiterte
-sich die Entfernung zwischen den beiden Rennern mehr und mehr.
-
-»Donnerwetter, der Amerikaner verliert's!« sagte Longstreet, der
-unmittelbar hinter mir auf der Tribüne stand, zu seinem Freund
-Beauregard. Die Aufregung und das Geschrei der tausendköpfigen Menge
-hatte seine bekannte, magnetische Wirkung. Selbst die beiden, damals
-weltberühmten Generale der konföderierten Armee, die in blutigen
-Schlachten kühl ihre Befehle gegeben hatten, begannen den Einfluß der
-wunderlichen Nervenströmung zu fühlen, die in solchen Augenblicken
-durch die schwüle, brausende Luft zieht. »Was wetten Sie, Beauregard,
-der Amerikaner verliert's?«
-
-»Zwei gegen eins, in Zehndollarnoten«, sagte der andre trocken. »Vor
-dem Krieg hätten wir mit Hundertdollarnoten gespielt, Longstreet, aber
-es geht auch so.«
-
-»Und es geht ehrlich zu, da drunten?« fragte Longstreet, sich über
-meine Schulter neigend.
-
-»So ehrlich wie irgendwo in diesem großen und erleuchteten Lande!«
-antwortete ich, in der Hoffnung, er werde mich verstehen. »Es ist alles
-aufs beste geordnet und geregelt, General!«
-
-Aber Longstreet war zu ehrlich für sein großes und erleuchtetes
-Vaterland und verstand mich nicht. Die beiden notierten die Wette und
-verfolgten jetzt das behagliche Elefantenrennen mit derselben Teilnahme
-wie die Volksmasse unter uns, deren brausendes Geschrei mit den
-Maschinen zum zweitenmal um den Ring lief.
-
-Jonathan, welcher keuchend schwarze Rauchwolken ausblies, war jetzt
-über hundert Schritte hinter John Bull geblieben, mehr, als ich für
-gut hielt. War nicht alles in Ordnung? Wollte Stone den Schlußeffekt
-um so glänzender gestalten? Schon bewegte sich seine Maschine in einem
-Sturm von Entrüstung entlang der Barriere. Höhnische Zurufe, zornige
-Mahnungen, sein Vaterland nicht zu verraten, wurden ihm zugeschleudert.
-Der schwarze Jem, in heftigem Wortwechsel mit seinem Vorgesetzten, warf
-eine Schaufel Kohle nach der andern ins Feuer. Und wirklich, jetzt
-endlich schien die Maschine sich aufzuraffen. Rasselnd und klappernd
-brauste sie ihrer Genossin nach. Der Zwischenraum nahm sichtlich ab.
-»Hurra, Jonathan! Hurra, Jonathan!« Die Grüngelben gewannen wieder Mut.
-
-Bei der zweiten Vorbeifahrt am Ziel war Jonathan eine halbe
-Elefantenlänge voraus! Dies war gegen das verabredete Programm. Als sie
-aneinander vorübergefahren waren, hatte Parker seinem Kollegen zornige
-Blicke zugeworfen. Stone sah nach der andern Seite, als ob er allein
-in der Welt wäre. Die beiden Heizer dagegen, der schwarze Jem und
-Bucephalus, hatten ein lebhaftes Zwiegespräch eröffnet, sobald sie sich
-hören konnten.
-
-»Glaubst du in den Himmel zu kommen mit deinem Gekeuch, du großer
-Maulesel?« erkundigte sich Jem.
-
-»Wir alle gehen über den Jordan, o Jerusalem!« sang Bucephalus mit
-lauter Stimme, indem er das alte Baptistennegerlied benutzte, um
-seinen schwarzen Mitbruder außer sich zu bringen. Aber auch er
-tanzte vor Wut auf dem Tender, als seine Maschine wirklich langsam
-zurückblieb. Es war für den Augenblick nicht zu ändern. Parkers Dampf
-war um etwas gesunken, während bei Stone beide Sicherheitsventile
-abbliesen wie toll. Der weiße Jem unterbrach die nutzlosen Wutausbrüche
-seines Heizers mit einer gelinden Ohrfeige und stieß ihm den Kopf gegen
-das Feuerloch. Diesen Wink billigte der Schwarze und begann wie wütend
-Kohlen in die Feuerbüchse zu schaufeln.
-
-Sally war zum erstenmal seit Beginn des Rennens still geworden und
-starrte mit weit aufgerissenen Augen dem Unheil entgegen, das ihren
-Jem betroffen hatte. Jetzt riß sie ihren prachtvollen Federhut vom
-Kopf und schwenkte ihn an den Bändern wie ein Rad in der Luft, um
-den Geliebten aufzumuntern. »Hurra, Jem! Schnell, schnell! Vorwärts!
-Hurra!« Der Chor der Blauroten, der etwas schwächer geworden war,
-brauste unter diesem Gefühlssturm seiner Führerin wieder auf, die sich
-durch das Hutschwenken rasch Platz verschafft hatte und jetzt auf der
-Tribünentreppe eine hervorragende Stellung einnahm. Aber Jonathan
-gewann noch immer. Fünf Minuten mußten vergehen, ehe Parker Dampf genug
-hatte, um das verlorene Terrain wiederzugewinnen.
-
-Nun aber war es an mir, etwas bange zu werden. Mein Opernglas war gut,
-so daß ich die Bewegungen der zwei Leute auf jeder Maschine genau
-beobachten und fast sehen konnte, was sie sich sagten. Es war klar,
-sowohl Stone als Parker hatte das Programm völlig vergessen. Vielleicht
-hatte der erstere den Hohn seiner Landsleute nicht länger ertragen
-können, vielleicht war der Stoizismus Parkers den leidenschaftlichen
-Ausbrüchen seiner hitzigen Geliebten erlegen. Tatsache war: die
-Maschinen liefen nicht mehr hintereinander her, wie es der Würde eines
-braven Dampfpflugs entspricht; sie stießen zornige Rauchwolken aus, sie
-rannten, sie suchten sich zu überholen. Beide Maschinenführer hatten
-die eine Hand auf den Sicherheitsventilhebeln -- ein böses Zeichen --,
-die erregbaren Heizer drohten sich mit den Kohlenschaufeln und stimmten
-jauchzend in das Geschrei der Menge ein. -- Das Wettrennen war ernst
-geworden, und von allen Beteiligten wußte eigentlich nur Parker genau,
-was er tat. Wenn es so fortging, konnte der Spaß jeden Augenblick mit
-einer Katastrophe enden, und die Zeichen mehrten sich, daß wir einem
-tragischen Ende entgegentrieben.
-
-Auch der Himmel hatte sich plötzlich verdüstert. Eine schwarze
-Regenwolke trieb mitten durch den Sonnenschein über den Park hin, eine
-im März gewöhnliche Erscheinung des Klimas von Louisiana. Das helle
-Bild lag plötzlich in tiefem Schatten, und eine Minute später schüttete
-der Himmel Wasser in Strömen auf die Rennbahn. Doch dauerte der
-sündflutartige Guß nur zwei Minuten lang, dann glänzte die Abendsonne
-wieder durch das dampfende Gewölke, und alles strahlte und funkelte in
-frischen Farben.
-
-Auf die Volksmenge hatte das gewohnte Zwischenspiel kaum einen
-merklichen Eindruck gemacht. Lachend wurden tausend triefende
-Regenschirme wieder zugeklappt und der gefüllte Rand von hundert
-Hüten dem zu nahe stehenden Nachbar in den Nacken geschüttet. Dagegen
-hatten die Elefanten mit einer neuen und jedem, außer mir und Parker,
-unerwarteten Schwierigkeit zu kämpfen. Während des Regens war John
-Bull wieder vorgeeilt und hatte Jonathan um zwanzig Schritte überholt.
-Beide rangen jetzt mit allen Mitteln um den Sieg. Sie waren noch
-hundert Schritte vom Ziel, aber auf dem nassen Rasen, auf dem der
-kurze stürmische Regen da und dort kleine Seen zurückgelassen hatte,
-glitten und glitschten jetzt die Triebräder in hilflosem Eifer. Auch
-die Vorderräder, durch deren Stellung die Maschine gesteuert wird,
-hatten keinen Halt mehr und schlüpften nach rechts oder links mit
-unberechenbarer Willkür. Die wuchtigen Lokomotiven schwankten hin und
-her wie Betrunkene, blieben stecken, schossen vorwärts, versuchten sich
-quer zur Bahn zu stellen. Es war ein tolles Ringen mit den Elementen,
-die sich gegen beide Renner gleichmäßig verschworen hatten.
-
-Da hielt Parker plötzlich still und sprang von seiner Maschine,
-Bucephalus ihm nach. Zischend heulte der gepreßte Dampf durch die
-sich weit öffnenden Sicherheitsventile. Stone, wenn auch mühselig
-und in unregelmäßigen Stößen sich fortbewegend, fuhr an der stehenden
-Maschine vorüber. England brüllte vor Wut; Amerika brach in brausenden
-Siegesjubel aus. Sally verlor den zweiten Perlmutterknopf über dem
-gepreßten Herzen: »Vorwärts, Jem! Vorwärts! O Jerusalem, vorwärts!«
-
-Parker, der noch hundert Meter der überfluteten Rennbahn vor sich
-sah, war nicht stehen geblieben, um Luft zu schöpfen, und verstand
-sein Geschäft. Mit aller Macht, aber stumm drauf los arbeitend, den
-willigen, aber ungeschickten Bucephalus nur mit Rippenstößen anleitend,
-seine rotblaue Jacke mit Schmutz und Lehm bedeckend, befestigte
-er an den Triebradreifen ein halbes Dutzend sogenannter »Sporen«,
-gewaltige eiserne Schaufeln, die, in den Boden einhauend, auch auf
-nassem, schlüpfrigem Felde die Maschine vorwärts bringen. Stone hatte
-trotz seiner Nöte sechzig Schritte Vorsprung gewonnen, ehe Parker mit
-dieser Arbeit fertig war. Er war nur noch vierzig Schritte vom Ziel,
-aber seine Maschine, kaum mehr steuerbar, die Räder handhoch mit Lehm
-bedeckt, taumelte hilflos hin und her. Jetzt sprang Parker wieder auf
-den Tender, ließ die Dampfpfeife spielen, und stolz und ruhig hieb sich
-die Maschine vorwärts.
-
-Das Geschrei wurde betäubend. John Bull klatschte mit einer Sicherheit
-durch das Wasser, als sei er darin geboren. Sally warf ihren Federhut
-in die Luft, der einen wild gestikulierenden, achtbaren Geistlichen
-unter ihr zudeckte. »Hurra, Jem! Hurra, Jem!« So dampfte Parker an uns
-vorüber. Noch zwanzig Schritte, und England hatte gesiegt.
-
-Doch plötzlich stockte auch John Bull wieder. Die Hinterräder drehten
-sich, aber die Maschine ging nicht vorwärts. Auf einen Augenblick wurde
-die tausendstimmige Menge fast still; das Interesse war aufs höchste
-gestiegen. Wasser spritzte nach allen Seiten; große Klumpen Erde flogen
-in die Luft. Die Nächststehenden stoben entsetzt auseinander; sie
-wußten nicht, was vorging. Ich wußte es nur zu gut: Parkers Maschine
-war auf eine besonders weiche Stelle geraten; die Sporen, anstatt
-einzuhauen und die Maschine vorwärts zu treiben, warfen den Boden nach
-hinten und begannen nach den besten Regeln der Kunst der Maschine ihr
-eignes Grab zu graben. Parker sprang wieder herab und riß Bucephalus
-mit. Beide hoben mit Anstrengung aller Kräfte, Bucephalus laut heulend
-vor Wut, ein Stück der nächstgelegenen Barriere aus dem Boden und
-warfen das gewonnene Gebälk unter die Räder. Aber es half nichts.
-Knirschend, alles zermalmend arbeiteten die Sporen das Holz in die
-tiefer und tiefer werdende Grube. Die Maschine sank -- sank! -- Der
-Schornstein neigte sich wie zum Sterben. Im nächsten Augenblick saß der
-Tender auf dem Boden, und alle weiteren Versuche, vorwärts zu kommen,
-waren zu Ende.
-
-Und langsam, bedächtig, durch nichts entmutigt, kroch Stones Maschine
-hinterher. Jetzt passierte sie Parker. »Hipp, hipp, hurra!« schrie
-der kleine Jem, ganz außer sich vor Freude, obgleich ihm Bucephalus
-ein Stück Kohle an den Kopf warf. Glitschend und gleitend, oft fast
-quer über die Bahn stehend, quälte sich Jonathan weiter. Drei Minuten
-brauchte er zu den letzten zehn Schritten. Aber keuchend und röchelnd,
-platschend und scheinbar halb schwimmend, über und über mit Schmutz
-bedeckt, glitt er endlich durch das heiß erkämpfte Ziel.
-
-Jonathan hatte gewonnen -- programmgemäß.
-
-Stone sprang ab. »Hurra für Amerika!« schrie er laut und schwenkte
-feierlich seine Mütze. »Hurra für Amerika!« heulten tausend Stimmen
-in dem rasch sich füllenden Ring. Dreißig Schritte davon stand Parker
-trotzig und stumm neben seiner versunkenen Maschine und versuchte
-vergeblich, sich Sallys zu erwehren, die laut schluchzend an seinem
-Halse hing.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-10. Hans im Glück
-
-
-Leider verläuft nicht alles programmgemäß unter diesem wechselnden Mond.
-
-Die drei folgenden Tage waren der Aufgabe gewidmet, meist unter
-strömendem Regen, die beiden Maschinen aus dem Sumpf herauszuschleppen,
-in den sich der Ausstellungspark der Landwirtschaftsgesellschaft von
-Louisiana verwandelte. Dabei galt es, nicht bloß die Maschinen, sondern
-auch den Mut meiner farbigen Hilfstruppe aufrecht zu erhalten, die an
-derartige Zwischenfälle nicht gewöhnt war und in den entscheidenden
-Augenblicken mehrfach davonzulaufen drohte. Nur fröhliches,
-persönliches Zugreifen konnte hier eine schwere Katastrophe verhindern.
-Nachdem wir mehrere Klafter Holz in dem schwarzen Untergrund des
-Mississippideltas begraben und den Weg von der Rennbahn zum Parktor in
-den Zustand des Chaos vor der Scheidung von Wasser und Feste verwandelt
-hatten; nachdem schließlich auch die Holzbrücke, welche über den
-den Park umgebenden Kanal führt, unter der Last John Bulls zermalmt
-zusammengebrochen war -- ein großartiger Augenblick für die nicht
-unmittelbar Beteiligten -- und wir uns selbst täglich zweimal mit einer
-klebrigen Schichte aus den Urbestandteilen der Schöpfung überzogen
-hatten, standen endlich am Abend des dritten Tages die beiden berühmt
-gewordenen Renner erschöpft und mannigfach zerstoßen und verwundet auf
-dem festen Straßendamm, der nach der Stadt führt.
-
-Während ich so drei harte Tage lang mit den Mächten der Unterwelt rang
-und mich damit tröstete, daß in dem einsamen, sturmgepeitschten Park
-wenigstens keine Seele diesen Kampf mit ansah, erschienen glänzende
-Beschreibungen des großen Rennens in der Presse der Stadt. Selbst
-die »Crescent City News« erklärten sich für überwunden. Wenn in der
-Alten Welt, sagten sie, der plumpe indische Elefant den Pflug einer
-modernden Kultur mühselig durch den entkräfteten Boden schleppe, so
-mache die Neue Welt in unsrer Zeit, der Zeit des Fortschritts und der
-Intelligenz, sich die Arbeit des Dampfes nutzbar. An Stelle der rohen
-tierischen Kraft trete der Genius der Menschheit und schaffe sich aus
-Kohle und Wasser die Diener seiner Macht. Für seine Bedürfnisse, für
-sein Wohlergehen, für seinen Genuß, ja selbst für jene Verbindung
-von höchster Arbeitsleistung und höchstem Genuß, die in jedem Sport
-zum Ausdruck komme, dienen ihm heute wunderbare, selbstersonnene
-Werkzeuge. Das Wettrennen der beiden Dampfelefanten Jonathan und John
-Bull sei ein Beweis dieser jedes Herz mit freudigem Stolz erfüllenden
-Tatsache. Dann folgte eine lange, etwas konfuse Beschreibung des großen
-Ereignisses, in welcher meist richtige Sportausdrücke, meist falsche
-maschinentechnische Erörterungen und die dem Konversationslexikon
-entnommene Zoologie des Elefanten wundersam gemischt waren. Einen
-kleinen Stoßseufzer konnte zum Schluß die Schriftleitung des Blattes
-nicht unterdrücken: daß die zwei Elefanten von England importiert
-seien, sei zwar bedauerlich, aber, bei Licht betrachtet, nebensächlich.
-Hier erst, auf amerikanischem Boden, sei ihnen Gelegenheit gegeben
-worden, ihre Kraft im Dienste der Menschheit völlig zu entwickeln, und
-doppelt erfreulich sei es, daß dies mit dem Sieg des zäh ausdauernden,
-froh einherbrausenden Jonathan über den schwerfälligen John Bull
-geendet habe. Während jener spielend das Ziel erreichte, habe sich
-dieser unter dem Jubel einer tausendstimmigen Volksmenge mit den
-hinterlistig benutzten Radsporen sein eignes Grab gegraben.
-
-Der glänzend geschriebene Artikel ging durch alle Zeitungen von Alaska
-bis Texas. Noch zwei Wochen später bekam ich ihn aus entlegenen Wald-
-und Prairiegegenden zugesandt, mit dem gedruckten Winke, mich doch auf
-die »Bluff Creek Times« oder den »Jacksonville Herald« zu abonnieren,
-die in so aufopferungsvoller Weise meine Bestrebungen unterstützten.
-Ich war für die Zeit meines irdischen Daseins mit -- allerdings
-brüchigem -- Packpapier überreichlich versorgt.
-
-Was aber nun? Todmüde und mit Schmutz bedeckt war ich am Abend
-des dritten Tags nach dem Rennen nach Hause gekommen. Der ganze
-Apparat stand gerettet, aber wie ein großes Fragezeichen,
-dazu nach europäischen Begriffen völlig polizeiwidrig auf der
-muschelgepflasterten Chaussee drei Kilometer vor der Stadt. Parker,
-Stone und die schwarze Gesellschaft brauchten, so gut wie ich, zunächst
-ein paar Ruhetage. Soweit war die Sache gut. Aber was dann?
-
-Doch die Welt steht nicht still, wenn wir selbst keinen Weg mehr sehen.
-Während ich, alle Fragen und Sorgen des Daseins vergessend, noch in
-tiefem Schlafe lag, war ein ereignisvoller Tag angebrochen.
-
-Mein erster Gang galt dem Hauptzollamt und seinem Direktor. Der Herr
-empfing mich mit einer Herzlichkeit, welche keiner der mir bekannten
-europäischen Zollbeamten, deren Herzlichkeit gemäßigt zu sein pflegt,
-auch nur entfernt erreicht hätte.
-
-»Sehr angenehm, Herr Eyth! Entzückt, Sie zu sehen, Herr Eyth!« rief
-er mir entgegen, indem er gleichzeitig seinen Assistenten aus dem
-Zimmer jagte, der ein Gesicht schnitt wie die letzten Regennächte gegen
-zwei Uhr morgens. »Ich gratuliere Ihnen zum Sieg Jonathans! Das wird
-Ihr Glück machen; ich bin fest überzeugt, das muß Ihr Glück machen.
-Mein Assistent hat zwar ein verteufeltes Häufchen Geld verloren; der
-wird Ihnen nicht gratulieren. Aber er hat mir die Wette förmlich
-aufgedrängt. Geschieht ihm recht, dem Querkopf! Er konnte sich doch
-denken, daß ich Elefanten besser beurteilen kann als er. Ich und Sie,
-Herr Eyth! Ha, ha!«
-
-Er lachte mit einer Stimme, die dem Klang eines zersprungenen
-Zinntellers nicht unähnlich war.
-
-»Sie haben wohl Nachrichten von Washington, Herr Generaldirektor?«
-bemerkte ich, um etwas rascher zur Sache zu kommen.
-
-»Von Washington, Herr Eyth?« fragte er, mich groß ansehend. »Alle
-Zeitungen sind voll! Natürlich, auch dort. Es soll mich nicht wundern,
-wenn Sie bald Anträge bekommen, mit Ihren Doppelelefanten in allen
-größeren Städten der Union aufzutreten. Bei Zeus, das wäre keine
-schlechte Spekulation. Wie ich sage: alle Zeitungen sind voll! Der Sieg
-des amerikanischen Dampfrenners Jonathan -- Mister Harris, bringen Sie
-uns doch die neuesten Zeitungen von Washington!«
-
-»Ich meinte eigentlich unsre Zollangelegenheiten«, warf ich ein.
-
-»Ach -- das!« rief der Direktor mit einem leichten Schatten auf den
-mehr und mehr in Leder übergehenden Zügen. »Gewiß! Ich habe für
-Sie telegraphiert. Soeben Antwort erhalten; interessant -- etwas
-unerklärlich.«
-
-»Weshalb? Die Sache schien mir doch ziemlich einfach«, bemerkte ich.
-
-»In der Hauptsache ist alles in Ordnung, gewiß!« versetzte der Zollmann
-mit unangenehmem Zaudern. »Sie bekommen die viertausendzweihundert
-Dollars zurück, die Sie für den Pflug bezahlt haben. Ich garantierte
-Ihnen dies schon vor dem Rennen. Kongreßbeschluß unzweifelhaft und ganz
-klar. Sie müssen sie zurückbekommen.«
-
-»Sehr schön«, sagte ich freudig. »Können Sie mir gleich eine Anweisung
-ausstellen? Bargeld wäre mir augenblicklich nicht unangenehm.
-Elefantenrennen kosten runde Sümmchen.«
-
-»Bringen auch hübsch Geld«, lachte der Direktor mit einem Wink auf die
-Tür, hinter der der Assistent verschwunden war. »Ja, ja, Herr Eyth, die
-Sache ist ganz in Ordnung. Sie sollen die viertausendzweihundert Dollar
-zurückerhalten. Aber --«
-
-»Was aber?« drängte ich ungeduldig.
-
-»Der Generalzolldirektor von Washington schreibt mir, daß am Tage nach
-dem Kongreßbeschluß einer Ihrer Freunde die ganze Summe für Sie in
-Washington erhoben habe.«
-
-»Olcott!« rief ich, während mein ganzes Innere von einem elektrischen
-Gedankenblitz erhellt wurde.
-
-»Oberst Olcott. Wissen Sie es schon?« bestätigte der Direktor. »Sie
-sehen, daß sich alles bei uns ziemlich prompt und flink abwickelt. Ein
-andres Tempo als in Ihrer alten Heimat, das müssen Sie zugeben. Oberst
-Olcott, einer unsrer schneidigsten Kongreßleute -- ich gratuliere Ihnen
-dazu, daß Sie mit +dem+ befreundet sind. Ich habe schon öfter von ihm
-gehört und wollte, er wäre mein Freund!«
-
-»Und dagegen ist nichts zu machen?« fragte ich halb betäubt.
-
-»Zu machen? Was wollen Sie dagegen machen?« fragte der Direktor. »Ich
-gratuliere Ihnen zu Ihrem Freund, und Sie wollen etwas dagegen machen?«
-
-»Aber das Geld sollte nicht Olcott, sondern ich erheben! Olcott hatte
-nicht entfernt die Berechtigung --«
-
-»Was, ist er nicht Ihr Freund?«
-
-»Gewiß, aber wie bekomme ich jetzt das Geld von dem Obersten?« fragte
-ich, aufs tiefste beunruhigt.
-
-»Ja, das ist eine ganz andre Sache, lieber Herr Eyth«, versetzte der
-Direktor und preßte einen leisen, dünnen Pfiff durch seine schmalen
-Lippen. »Dies geht das Zollamt eigentlich nichts an. Ich würde ihm
-schreiben.«
-
-»Donnerwetter!« rief ich mit überwallendem Gefühl, »das will ich auch.
-Einen gepfefferten Brief!«
-
-»Freilich, es wird seine Häkchen haben. Ich würde mit dem Pfeffer
-vorläufig recht sorgfältig umgehen«, sagte mein Berater sehr
-nachdenklich. »Ein Kongreßmann, der vierundzwanzig Stunden nach der
-Annahme einer derartigen Verordnung viertausendzweihundert Dollars
-aus der Hauptzollamtskasse gabelt und für seinen Freund in die Tasche
-steckt, versteht das Geschäft. Aber schreiben Sie nur. Ich würde ihm
-sehr höflich schreiben. Und wenn er nicht antwortet, telegraphieren
-Sie, am sichersten mit bezahlter Antwort. Die Herren haben nicht immer
-bar Geld bei der Hand.«
-
-Er lachte vergnügt mit seiner dünnen, zersprungenen Stimme und schob
-mich höflich zur Tür hinaus. Ich war selbst in Eile. Der Brief an
-Olcott brannte mir unter den Fersen. Diese Unverschämtheit!
-
-Eine Stunde später war die Epistel im Briefkasten, leidlich gesalzen,
-trotz der Warnung des Direktors, und ich auf dem Wege nach dem
-Bureau der Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana. Das Ereignis
-des Morgens hatte mich aufgeweckt. Ich wollte wenigstens zunächst
-die siebenhundertundfünfzig Dollar sichern -- meinen Ehrenpreis für
-den besten Dampfpflug, den ich mir wettrennend redlich verdient
-hatte. ›Wer weiß,‹ dachte ich, ›ob mein zweiter Freund Delano mit dem
-bescheidenen Betrag nicht schon auf dem Wege nach der Havanna ist!‹
-
-Doch nein, Delano war noch in Amt und Würden. Seine trübselige Stimmung
-hatte ihn allerdings wieder erfaßt; auch war er gelber als je und
-empfing mich mit dem hoffnungslosen Lächeln, das ihm eigen war. Ich
-begrüßte ihn mit künstlicher Fröhlichkeit. Es war für meine Zwecke
-notwendig, seinen Mut aufzurichten.
-
-»Ich besuche Sie hauptsächlich, Verehrtester, um Ihnen zu den
-glänzenden Einnahmen Glück zu wünschen, die uns der Donnerstag gebracht
-hat«, log ich, mit derselben Absicht, munter. Es machte mir nicht die
-geringsten moralischen Bedenken, denn Delano durchschaute mich, trotz
-seines trüben Blicks, ohne alle Schwierigkeit, und ich wußte dies.
-
-»Glänzende Einnahmen!« stöhnte er. »Wenn Sie nur wüßten! Es reichte
-gerade, um die dringendsten Schulden zu bezahlen, wenn wir weiter
-existieren wollen. Fünf Minuten vor Ihnen war ein Mann hier, der
-die zweite Anzahlung für die Holzbrücke haben wollte, die Sie uns
-zusammengefahren haben. Sieht das wie Kredit aus? Ah, dieser Krieg,
-dieser Krieg! Das war anders vor fünf Jahren, und ich fürchte, selbst
-Ihr Dampfpflug wird uns nicht herausreißen.«
-
-»Fassen Sie Mut, Herr Delano«, sagte ich mit steigender Besorgnis;
-»selbst in den alten Sklavenzeiten haben Sie sicherlich nie
-einen besseren Tag gehabt als den letzten Donnerstag. Sie müssen
-fünfzigtausend Dollar eingenommen haben, nach dem Gesicht zu urteilen,
-mit dem Sie abends in Ihrer Gelddroschke saßen. Seinen Ehrenpreis hat
-der Dampfpflug zehnmal verdient.«
-
-»Mein Gesicht!« rief Delano mit schmerzlicher Entrüstung. »Kann ich
-dafür, daß ich mit einer heiteren Miene geboren wurde? Sie täuschen
-sich bitter. Mein Gesicht wird noch mein Tod sein. Alle Welt zieht mich
-mit meinem vergnügten Gesicht auf, wenn ich vor Sorgen zusammenbreche.
-Dieser Krieg hat uns alle ruiniert. Nichts aus der guten alten Zeit
-ist übrig geblieben als mein Gesicht; glauben Sie mir das. Aber daraus
-Schlüsse zu ziehen auf unsre Kasseneinnahmen, das ist grausam!«
-
-Delano war offenbar kein Freund seines Rasierspiegels. Er hätte sich
-sonst besser kennen müssen. Ich suchte jetzt ohne Umschweife auf mein
-Ziel loszugehen.
-
-»Jedenfalls wird es Ihnen Vergnügen machen, mir meinen Ehrenpreis
-auszuhändigen. Ich wenigstens könnte mir keinen größeren Genuß
-für den Generalsekretär einer Landwirtschaftsgesellschaft denken.
-Siebenhundertundfünfzig Dollar ist wahrhaftig ein bescheidenes
-Sümmchen, alles in Betracht gezogen! Mir selbst liegt eigentlich mehr
-an der Ehre. Es ist der erste Preis, den unser Dampfpflug in Amerika
-erringt.«
-
-»Das freut mich, Herr Eyth, das freut mich in der Tat«, sagte Delano
-mit ungewohnter Wärme. »Ich dachte mir's übrigens sogleich, daß Ihnen
-die Ehre genüge. Die Sache wird in der ganzen Welt Aufsehen erregen und
-Ihnen tausendfältige Früchte bringen, davon bin ich fest überzeugt.«
-
-»Ich auch. Aber doch wäre mir's lieb, wenn Sie mir, der Ordnung wegen,
-die siebenhundertundfünfzig Dollars einhändigen wollten, Herr Delano!«
-drängte ich mit einer Deutlichkeit, die nichts zu wünschen übrig ließ.
-
-»Und an die Parkwege, die Sie uns zerfahren haben, denken Sie nicht,
-Herr Eyth«, entgegnete Delano vorwurfsvoll. »Sie hätten gestern unser
-Rennkomitee schimpfen hören sollen über den Zustand, in den Sie den
-großen Ring versetzt haben. Was glauben Sie wohl, was es uns kosten
-wird, die Löcher und Gruben, die Berge und Täler wieder einzuebnen, die
-Ihre Elefanten auf meinem Rasen angelegt haben? Von den zwei Klaftern
-Holz will ich gar nicht sprechen, die ich für Sie anfahren ließ und die
-spurlos versunken sind. Sagen Sie einmal, wie ging das denn eigentlich
-zu? wie machten Sie es? Der Erdboden in Louisiana hat doch kein Loch,
-so daß zwei Klafter Holz spurlos unten durchfallen könnten?«
-
-Unser Gespräch nahm eine bedenkliche Wendung. Ich fühlte, daß ich
-zornig wurde. Je düsterer ich aber dreinsah, um so heiterer wurde
-Delano, während er mir die Not der letzten drei Tage mit wachsender
-Beredsamkeit vorhielt. Zum Glück trat in diesem Augenblick Lawrence
-ein, guter Dinge und voller Geschäfte, wie immer. Ich weihte ihn sofort
-in unser Gespräch ein, während Delano wieder gelb und traurig wurde.
-
-»Natürlich! selbstverständlich!« rief mein Freund und Gönner, »Ihren
-Ehrenpreis müssen Sie haben. Die Landwirtschaftsgesellschaft von
-Louisiana läßt sich nicht lumpen; dafür stehe ich Ihnen, ich, Mister
-Lawrences Bruder! Machen Sie keine Umstände, Delano! Heraus mit der
-Kasse!«
-
-Mit allen Anzeichen hoffnungsloser Gebrochenheit wandte sich Delano
-zögernd nach dem Kassenschrank. Auf dem Wege machte er einen letzten
-Versuch, sich an die zwei Klafter Holz anzuklammern, und wollte von
-Lawrence wissen, wie zwei ganze Kubikmeter wertvoller Hickoryscheiter
-spurlos verschwinden können. Lachend half ihm Lawrence den Schrank
-öffnen und erklärte, daß sie beide nichts von Elefanten verstünden.
-Dann zählten sie siebenhundertundfünfzig Dollar in Papierscheinen
-auf den Tisch, wobei Delano mit der peinlichsten Vorsicht, Lawrence
-mit jugendlicher Unbesonnenheit darauf los arbeitete. Ich hatte in
-meinem ganzen Leben eine solche Lumpensammlung nicht gesehen. Ein
-halbes Dutzend völlig entwerteter konföderierter Papiere wurde von
-Lawrence mit ehrlicher Entrüstung auf den Boden geworfen und von Delano
-sorgfältig wieder aufgehoben.
-
-»Aber das ist ja lauter Stadtgeld«, sagte ich, als die beiden Herren
-fertig zu sein schienen und Lawrence mich triumphierend heranwinkte,
-um die Kolonnen zu bewundern, die er mit militärischer Präzision
-aufgestellt hatte.
-
-»Stadtgeld!« rief er, mich mit einem Anflug von Verstimmung ansehend.
-Delano brach in ein bitteres Lachen aus.
-
-»Guter Gott!« rief er, »Herr Eyth wünscht ohne Zweifel Golddollars zu
-sehen; Golddollars in New Orleans.«
-
-»Das nicht«, entgegnete ich etwas niedergeschlagen. »Aber Greenbacks,
-Unionsgeld glaube ich beanspruchen zu dürfen. Das steht wahrhaftig
-schlecht genug. Bedenken Sie, meine Herren, meine Dampfelefanten
-fressen gute englische Pfunde, und nicht wenige.«
-
-Delano und Lawrence sahen sich an, Lawrence etwas verlegen, Delano mit
-dem Mephistogesicht aus der Papiergeldszene im zweiten Teil des Faust,
-boshaft, höhnisch und voll Profits.
-
-»Ihr Stadtgeld nimmt kein Mensch außerhalb New Orleans,« fuhr ich fort,
-»und auch hier weiß niemand, was er in der Hand hat. Vorige Woche waren
-Ihre Kommunalwahlen. Die Zeitungen sagen, daß die ›Crescent City‹ nun
-auch mit ihrem Tweed gesegnet sei, wie das glückliche New York.[3]
-Am Tag nach der Entscheidung fiel das Stadtgeld um zwanzig Prozent,
-gestern wieder um fünf. Siebenhundertundfünfzig Dollar sind heute
-keine dreihundertundfünfzig Dollars in Gold wert, keine fünfhundert
-in Greenbacks! Ich glaubte mit einer achtbaren, zahlungsfähigen
-Körperschaft zu tun zu haben, Herr Lawrence, als wir unser Abkommen
-besprachen.«
-
-Meine Stimme zitterte vor innerer Bewegung.
-
-»Achtbar ohne allen Zweifel,« antwortete Delano für ihn mit einiger
-Schärfe, »zahlungsfähig, lieber Herr Eyth, solvent, wie Sie noch
-entdecken werden, ist nichts in der Welt, in der Sie sich seit
-einiger Zeit bewegen. Glauben Sie, wir haben Golddollars am Parktor
-eingenommen? Glauben Sie, die achtbaren Bürger dieses blühenden
-Gemeinwesens haben sich verdammte Greenbacks gekauft, um Ihre Elefanten
-ansehen zu können? Waren übrigens, wenn ich mir die Frage erlauben
-darf, diese Elefanten echte Elefanten, oder, unter uns, auch nur halb
-so echt, als unser Stadtgeld echtes Geld ist? Wir bezahlen in dem Geld,
-das wir empfingen. Wenn Sie klug sind, machen Sie es bei der nächsten
-Gelegenheit auch so. Nebenbei -- zahlen Sie Ihre Nigger in englischen
-Sovereigns?«
-
-Der Geschäftsführer war warm geworden, und ich schwieg. Ich schweige
-immer, wenn die Währungsfrage in irgendwelcher Form auftaucht. Auch
-wäre es nicht weise gewesen, um siebenhundertundfünfzig Dollars mit
-der Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana in ernstlichen Streit zu
-geraten, wenn man an den Ufern des Mississippi dampfpflügen will.
-
-»Delano hat recht«, sagte Lawrence begütigend und klopfte mir tröstend
-auf die Schulter. »Man muß das Leben nehmen, wie man es findet. Auch
-die Menschen. Auch das Geld. Packen Sie die Papierpäckchen zusammen,
-Herr Eyth. Gehen Sie in Frieden, und preisen Sie mit uns den Herrn,
-der das alles geschaffen hat. -- Bei Gott, Mann!« rief er plötzlich,
-als ob ihn der glücklichste Gedanke beseelt hätte, »bei der nächsten
-Kommunalwahl steigt der Plunder wieder um fünfzig Prozent. Das geht wie
-die Wassereimer in einem Ziehbrunnen, seitdem die Reisesäckler unsern
-Staat regieren. Packen Sie ein, Sie Glücksvogel!«
-
-Es war sichtlich das klügste, was ich tun konnte. Delano gab mir
-mit großer Zuvorkommenheit ein mächtiges Kuvert, das ich mit
-meinem ungefähr um die Hälfte geschwundenen Sieges- und Ehrenpreis
-vollstopfte. Es war noch immer ein sehr ansehnliches Paket. Dann
-unterzeichnete ich eine Empfangsbescheinigung, die der Geschäftsführer
-seufzend in den Kassenschrank legte, und verabschiedete mich von den
-Herren mit dem unbehaglichen Gefühl, den amerikanischen Verhältnissen
-vielleicht doch noch nicht ganz gewachsen zu sein.
-
-Nachdenklich ging ich die schöne Kanalstraße hinunter, ohne sie zu
-sehen. Anstatt ruhiger zu werden, fühlte ich, wie mein Zorn wuchs und
-sich langsam gegen mich selbst wendete. Als ich um die Ecke in die St.
-Charlesstraße biegen wollte, stieß ich mit Oberst Schmettkow zusammen,
-der in seinem abgeschabten Schulmeistersröcklein mit gewohnter
-Sorglosigkeit daher geschlendert kam. Es war mir lieb. Er war, soweit
-ich ihn kannte, eine ehrliche Haut und ein Landsmann. Ich brauchte
-jemand, um mein Herz auszuschütten, jemand, mit dem ich über Amerika
-schimpfen konnte, und der Oberst war hierzu wie geschaffen. Wir gingen
-langsam die St. Charlesstraße entlang und taten es.
-
-Ich erzählte ihm, was ich erlebt hatte. Er wurde mit einemmal sehr
-nachdenklich, tiefsinniger, als ich ihn je gesehen hatte. Er ließ mich
-sogar fünf Minuten lang sprechen, ohne mir zu widersprechen. Auch das
-war noch nie vorgekommen, denn trotz all der bunten Erlebnisse, die
-sein Gesicht gefurcht und seine Haare gebleicht hatten, war er doch
-immer noch ein halber Berliner. Plötzlich blieb er stehen.
-
-»Herr Eyth!« sagte er, war dann wieder still und atmete, wie wenn es
-ihm schwer würde, weiter zu sprechen. Ich sah ihn verwundert an; es
-wurde auch mir etwas unbehaglich. Einen so tiefen Eindruck hatte ich
-mit meinem leidvollen Bericht kaum hervorzubringen gehofft. Nach einer
-qualvollen Pause begann er mit gedämpfter Stimme aufs neue:
-
-»Herr Eyth, wollen Sie mir --«
-
-So kam es endlich! Ich hatte es schon längst erwartet.
-
-»Herr Eyth, wollen Sie ein altes Menschenleben retten?«
-
-»Eine meiner Liebhabereien, Oberst!« antwortete ich, in dem Bestreben,
-die Schärfe des Angriffs durch einen schlechten Witz zu mildern.
-
-»Ohne Scherz«, fuhr Schmettkow rasch fort; seine Worte überstürzten
-sich jetzt. »Gestern abend begegnete ich dem Kapitän eines deutschen
-Schoners, der morgen nach Bremen absegelt. Ein braver Kerl, der aus
-Danzig stammt und die Schmettkows kennt. Er will mich für achtzig
-Dollars -- Greenbacks -- mitnehmen. Ich habe einige Schulden hier, die
-bezahlt sein wollen: zweihundertundfünfzig Dollars bei unserm Wirt
-in der Tschapatulastraße, ungefähr fünfzig Dollars in dem deutschen
-Zigarrenladen an der Ecke dort, fünfundsiebzig bei meinem Schneider.
-Man sieht mir das nicht an. Die Leute sollen nicht glauben, ich habe
-sie um ihr Geld gebracht. Die Schulden müssen bezahlt werden, ehe
-ich abreise. Dann, das werden Sie einsehen, Herr Eyth, muß ich mich
-ein wenig ausstatten, Kleider, Koffer kaufen; ich kann nicht wie ein
-fechtender Handwerksbursche in Bremen ankommen. Hundert Dollars laufen
-Ihnen hierbei wie Wasser durch die Finger.«
-
-Er schwieg und rechnete, in der Stille, mit aller Macht. Dabei stieg
-seine Aufregung.
-
-»Ungefähr siebenhundert Dollars -- Stadtgeld, Herr Eyth, nur Stadtgeld
--- muß ich haben. Sobald ich deutschen Boden berühre, bin ich gerettet.
-Ich habe reiche Verwandte, die mich nicht stecken lassen, wenn sie mich
-wieder sehen. Mein Onkel, wenn er noch lebt, ist Rittergutsbesitzer
-bei Bromberg. Alte Streiche sind längst vergessen. An alte Zeiten
-denkt er noch. Ist er tot, so hat mein Vetter das Gut, dem fünfhundert
-Dollars von jeher eine Prise Tabak waren, wie mir seinerzeit auch. Mein
-Bruder muß jetzt Generalleutnant sein, zum mindesten. Sie müssen nicht
-glauben, daß ich bettle; so weit hat es noch kein Schmettkow gebracht.
-Drei Tage nach meiner Ankunft in Bremen schicke ich Ihnen fünfhundert
-Dollars in Gold. Leihen Sie mir die siebenhundertundfünfzig Lumpen, die
-Sie in der Tasche haben. Sie machen ein gutes Geschäft, und Sie retten
-einen Mann, der nicht schlechter ist als andre, aber am Zugrundegehen.
-Der Schoner heißt ›Die Hoffnung‹, Kapitän Petersen; wie das stimmt!«
-
-Seine Stimme bebte. Er faßte meine Hand; die seine war heiß und naß.
-Daß es ihm ernst war mit meinem Geld, war nicht zweifelhaft; er keuchte
-fast, indem er fortfuhr:
-
-»Was riskieren Sie, wenn ich mein heiliges Ehrenwort gebe, daß die
-Summe mit der nächsten Post Ihnen zurückgeschickt wird? Fünfhundert
-Dollars in Gold; die kleine Differenz ist unter Freunden nicht
-erwähnenswert. Wollen Sie? Sie schinden sich die Haut ab für diese
-Engländer; tun Sie einmal ein gutes Werk für einen Deutschen. Wollen
-Sie?«
-
-Wir standen vor einem der eleganten Austernsalons der Charlesstraße.
-Er zog mich am Arm hinein und rief dem Austernmann zu, uns Tinte
-und Papier zu geben. Dann, leiser und dringender, setzte er seine
-Auseinandersetzungen fort: wie er sich fünfzehn Jahre lang in Amerika
-herumgeschlagen, bald im Elend, bald in ehrenhaften Verhältnissen,
-gleich tausend andern, die dazu bestimmt scheinen, aus unerklärlichen
-Gründen im Leben auf keinen grünen Zweig zu kommen; wie er jetzt
-in seinem achtundvierzigsten Jahr als Oberst und Schulmeister sich
-ermatten fühle und wisse, daß er auf Stroh sterben werde, wenn es noch
-länger so weitergehe. Da sende ihm der Himmel diese Möglichkeit!
-
-Wieder drückte er mir die Hand. Seine matten Augen glänzten; seine
-etwas rote Nase glühte. Was mich aber mehr als alles bewegte,
-war die geheime Angst, die aus seinen zitternden Gesichtszügen
-sprach; die Sorge, ob es ihm gelingen werde, mich bis zum Jasagen
-hinaufzuschrauben, denn ich hatte noch immer nicht zugestimmt.
-
-Er nahm den großen weißen Bogen, den ihm der Wirt reichte, und schrieb
-leise murmelnd, aber mit großer Gewandtheit eine Schuldverschreibung,
-indem er mich von Zeit zu Zeit ansah. Sie lautete:
-
-New Orleans, den 14. März 1867. Der Unterzeichnete bekennt sich zum
-Empfang eines Anlehens von siebenhundertundfünfzig Dollars in New
-Orleans Stadtgeld zum heutigen Kurse von fünfundvierzig Prozent und
-verpflichtet sich, in Bezahlung dieser Schuld drei Tage nach seiner
-Ankunft in Bremen fünfhundert Dollars in Gold an Herrn Ingenieur Eyth
-zu New Orleans, Tschapatulastraße Nr. 21, abzusenden.
-
-»Genügt uns das?« fragte er, aufblickend und mich mit einer Miene
-ansehend, wie wenn ich der Schuldner und er der Gläubiger werden sollte.
-
-Ich hatte meinen Entschluß gefaßt.
-
-»Sie brauchen das Geld nicht hierher zu schicken«, sagte ich.
-»Senden Sie nicht fünfhundert Dollars, sondern den richtigen Betrag,
-dreihundertsiebenunddreißig Dollars fünfzig Cents an meinen Vater in
-Württemberg, mit dem ich die Sache dann leicht regeln kann.«
-
-»Sehr gut, sehr gut!« rief er, fröhlich aufatmend, bestellte zwei
-Dutzend Austern der besten Sorte und eine Flasche englisches Stout,
-öffnete das Paket, das ich ihm überreicht hatte, nahm zwei Dollars
-heraus und bezahlte die Zeche. Wir aßen plaudernd die prachtvollen
-Seetiere des Golfs. Dann unterzeichnete er die Schuldverschreibung mit
-fester Hand und einer Handschrift, die an energischer Entschlossenheit
-von keiner Keilschrift übertroffen wird. Ich steckte das wertvolle
-Schriftstück sorgfältig in meine Brusttasche, an Stelle des
-beschwerlichen Pakets. Erklärlicherweise war er jetzt etwas in Eile. Er
-mußte vor Abend Schulden bezahlen, Koffer und Ausstattung einkaufen,
-das Dameninstitut auflösen! So schied ich von Oberst von Schmettkow
-mit einem warmen Händedruck an der Tür des Austernsalons. Ich habe
-ihn nie wieder gesehen, auch nie mehr von ihm gehört; weder von
-ihm noch von den dreihundertsiebenunddreißig Dollars in Gold, eine
-Summe, die ich so gewissenhaft ausgerechnet hatte. Möglich, daß die
-»Hoffnung« untergegangen ist oder aus andern Gründen nie in Bremen
-ankam. Zur Ehre des Menschengeschlechts habe ich das schon längst als
-selbstverständlich angenommen.
-
-Es war ziemlich spät am Tage geworden, als ich selbst nach
-Hause kam; noch nachdenklicher als zuvor. Ich legte Schmettkows
-Schuldverschreibung in ein geheimes Fach meines Blechkoffers neben
-die Kopie meines Briefs an Olcott. Noch nie und nirgends, seit dem
-ersten Kanonenschuß bei Fort Sumter, lagen ein föderierter und ein
-konföderierter Oberst so friedlich und einträchtig beisammen wie diese
-beiden. Und was mich anbelangt, so war das friedliche Zusammenwirken
-der zwei Herren von gleich erfreulichem Erfolg für sie. Eine
-geheimnisvolle Ahnung sagte mir dies schon in jener Dämmerstunde;
-ich fühlte mich deshalb so ziemlich wie Hans im Glück in modern
-umgearbeiteter Auflage, nur etwas weniger vergnügt. Was sollte nun aber
-werden? Wie sollte die Sache weiter gehen? Wo konnte ich, für teures
-Geld, meinen Pflug einsetzen? Es war offenbar nicht so leicht, als
-ich mir vorgestellt hatte, diesen starren Kontinent aufzureißen. Ich
-sammelte allerdings Erfahrungen in erstaunlichem Grad, und keine von
-den billigen. Aber das Ergebnis war vorläufig nicht ermutigend, es war
-nicht zu verhehlen.
-
-Ich war müde -- schon amerikamüde! -- und starrte wohl eine Stunde lang
-über die Dächer der Nachbarhäuser hinweg in den glänzenden Abendhimmel,
-die ungelesenen »Crescent City News« auf den Knien, ohne Ziel und
-Zweck, denn ich wußte wirklich nicht, was dabei herauskommen sollte.
-Doch ist es manchmal auch gut, die Ruder sinken zu lassen und ruhig zu
-warten, bis sich das müde Segel wieder rührt.
-
-Da klopfte es. Ich schreckte auf, denn ich war halb eingeschlafen in
-trübseliger Erschöpfung. »Herein!«
-
-Es war Lawrence, munter und quecksilbern wie immer -- wurde dieser Mann
-nie müde? --, und hinter ihm ein Fremder, ein großer, stattlicher Herr,
-der wie gewohnheitsmäßig sich bückte, um zur Tür hereinzukommen und,
-gut amerikanisch, erst den Hut abnahm, als er mitten im Zimmer stand.
-
-»Frederic, hier ist Herr Eyth!« sagte der kleine Lawrence. »Herr
-Eyth, ich bringe Ihnen meinen Bruder, Herrn Frederic Lawrence von
-Magnoliaplantage.«
-
-Es wäre nicht leicht gewesen, unähnlichere Brüder zu finden. Herr
-Lawrence der Ältere war eine schöne, imponierende Gestalt mit schwarzen
-Haaren, gebräuntem Gesicht und hellen, durchdringenden Augen, elegant
-gekleidet, sehr bestimmt in seinem Auftreten und klug und klar in dem,
-was er sagte. Man hatte das Gefühl, jemand vor sich zu haben, der
-wußte, was er wollte, und es gewöhnlich auch bekam. Der Mann gefiel mir
-auf den ersten Blick.
-
-»Freut mich, Sie kennen zu lernen«, sagte er, mir die Hand schüttelnd.
-»Ich kam gestern aus dem Norden zurück und sah heute Ihren Dampfpflug
-vor dem Ausstellungspark. In Baltimore hatte ich schon von den
-Dampfelefanten gelesen und hielt sie für einen Humbug. Natürlich.
-Aber ich muß sagen, die Art, wie Sie die Maschinen aus dem Sumpf
-herausgezogen haben, in den Sie den Park verwandelt haben, hat mir
-imponiert. Damit läßt sich bei uns etwas machen. Ich bin jetzt
-überzeugt, daß Ihre Maschinen mehr können als wettrennen. Der Park
-sieht aus, wie wenn sich hundert Riesenschweine drin herumgewälzt
-hätten. Meine Glückwünsche, Herr Eyth!«
-
-Er lachte ermunternd. Ich wußte kaum, sollte ich es für Spott
-oder Ernst nehmen, und sagte ausweichend: »Leider finden Sie mich
-augenblicklich in einiger Verlegenheit, ein weiteres Feld der Tätigkeit
-für meine Elefanten zu finden.«
-
-»Deshalb komme ich zu Ihnen, Herr Eyth«, sagte Frederic. »Schon in
-Baltimore, wo ich von dem Wettrennen las und nachträglich von dem
-Pflügen hörte -- der Unsinn läuft immer flinker als der Sinn --, war es
-meine Absicht, Sie aufzusuchen. Für einen bloßen Schwindel sah mir die
-Sache selbst von der Ferne zu groß aus. Aber fix war es von Ihnen, das
-Wettrennen zu veranstalten. Man muß Lärm machen in unserm großen Land,
-wenn man gehört werden will; ob die Trommel rot oder blau lackiert ist,
-die Sie benutzen, tut nichts zur Sache.«
-
-»Den Lärm verdanke ich Ihrem Bruder, Herr Lawrence,« bemerkte ich,
-»ganz allein Ihrem Herrn Bruder. Und ich beginne zu glauben, daß ich
-ihm mehr zu danken habe, als ich ahnte.«
-
-»Fangen Sie an zu begreifen?« lachte Henry, sich vergnügt die Hände
-reibend. »Es ist einfach phänomenal, Frederic, wie langsam die
-Deutschen sind. Er fängt an zu begreifen!«
-
-»Kurz, ich habe Ihnen einen Vorschlag zu machen«, fuhr Lawrence der
-Ältere fort, ohne sich um seinen Bruder zu kümmern, was diesem ganz
-natürlich vorkam. »Sie packen Ihren ganzen Apparat morgen zusammen und
-bringen ihn nach der Magnoliaplantage, sechzig Meilen stromabwärts.
-Ich stelle Ihnen einen Flußdampfer zur Verfügung. Drunten finden Sie
-tausend Acker Ratoons[4], in denen Sie pflügen können, solange Sie Lust
-haben. Ebensolange sind Sie mein Gast. Ihre Leute finden ein bequemes
-Unterkommen auf dem Gut. Alle Auslagen bezahle ich. Wenn mir nach einem
-Monat Ihr Pflügen gefällt, so behalte ich den Pflug und bin und bleibe
-der erste Dampfpflüger in Louisiana. Was kostet er?«
-
-»Magnolia liegt im besten Zuckerdistrikt des Staats«, fuhr er fort,
-als ob er mich überreden müßte. »Eine stolze Plantage, Sir, trotz
-des Kriegs. Aber nur eine von fünfzig, entlang dem Strom. Und alle
-wissen nicht mehr, wie sie pflügen sollen, seitdem die Schwarzen in
-die Stadt zu laufen anfangen. Ein Feld für Sie, ein kolossales Feld.
-Aber den Anfang müssen Sie bei mir machen. Ich biete Ihnen, was ich
-vernünftigerweise bieten kann.«
-
-Ob ich einschlug?!
-
-Es wurde wie Sonnenschein um mich her, trotz der Dämmerung. Hurra!
-sagte ich im tiefsten Innern und war kaum imstande, es nicht laut zu
-rufen. Endlich kommt die ehrliche, einfache Ochsenarbeit, um die ich
-seit einem Monat kämpfe! Dem Himmel sei's getrommelt und gepfiffen; das
-Elefantenrennen hat ein Ende!
-
-
-[Illustration: Ende gut -- Alles gut.]
-
- Buchdruckerei Richard Hahn (H. Otto), Leipzig.
-
-
-
-
- Fußnoten
-
-
- [1] Carpet-baggers -- politische Intriganten, die nach der
- Sklavenbefreiung aus den Nordstaaten in die Südstaaten reisten, um
- dort im Trüben zu fischen.
-
- (Anm. der Stiftung.)
-
- [2] Zeit ist Geld.
-
- [3] Der Gauner Tweed beutete damals die New Yorker Stadtverwaltung
- furchtbar aus.
-
- [4] Zuckerrohrschößling, der aus der Wurzel des abgeschnittenen
- Rohrs wächst.
-
-
-
-
-[Illustration: ~F 1506b X 10~: 100.000]
-
-Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung.
-
-Die Stiftung ist ein rein gemeinnütziges Unternehmen unter Ausschluß
-aller privaten Erwerbsinteressen. Ihr Zweck ist, »hervorragenden
-Dichtern durch Verbreitung ihrer Werke ein Denkmal im Herzen des
-deutschen Volkes zu setzen« und durch Verbreitung guter Bücher der
-schlechten Literatur den Boden abzugraben. Seit dem Jahre 1903 verteilt
-sie alljährlich an eine stetig wachsende Zahl von Volksbibliotheken
-sorgfältig ausgewählte Zusammenstellungen guter volkstümlicher Bücher.
-Bis Ende 1909 wurden 245.954 Bücher an Volksbibliotheken verteilt.
-
-Die Auflage der von der Stiftung herausgegebenen Sammlungen
-»Hausbücherei« und »Volksbücher« betrug bis Oktober 1910: 1.220.000
-Exemplare.
-
-Abzüge des +Werbeblatts+, des letzten Jahresberichts, auch des
-Aufrufs und der Satzungen usw. werden von der Kanzlei der Deutschen
-Dichter-Gedächtnis-Stiftung in Hamburg-Großborstel gern unentgeltlich
-übersandt.
-
-Die Stiftung erbittet jährliche oder einmalige Beiträge. +Für Beiträge
-von 2 Mk.+ an gewährt die Stiftung durch Übersendung eines Einzelbandes
-ihrer »Hausbücherei« oder »Volksbücher« Gegenleistung.
-
-
-Gute und billige Bücher
-
-Unter den mancherlei billigen Sammlungen, die in den letzten Jahren
-zur Verbreitung guter Literatur geschaffen wurden, zeichnen sich die
-Bücher der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung durch sorgfältige
-literarische Auswahl und ausgezeichnete Ausstattung aus: holzfreies
-Papier, schönen und großen Druck, abwaschbaren, geschmackvollen
-Einband. Diese Eigenschaften haben in Verbindung mit dem äußerst
-billigen Preise den beiden Sammlungen der Stiftung schnell große
-Verbreitung verschafft.
-
-Bisher sind erschienen:
-
-
- Hausbücherei
-
- (gebunden, jeder Band 1 Mark)
-
- Bd. 1. +Heinrich von Kleist+: Michael Kohlhaas. Mit Bild
- Kleists. 7 Vollbilder von Ernst Liebermann. Einleitung
- von ~Dr.~ Ernst Schultze. _11.-20. Taus._ 170 S.
-
- Bd. 2. +Goethe+: Götz von Berlichingen. Mit Bild Goethes.
- Einleitung v. ~Dr.~ W. Bode. _6.-10. Taus._ 178 S.
-
- Bd. 3. +Deutsche Humoristen.+ _1. ~Bd.~_: Ausgew. humor. Erzählungen
- v. P. Rosegger, W. Raabe, Fr. Reuter und
- A. Roderich. _40.-45. Taus._ 221 S.
-
- Bd. 4. +Deutsche Humoristen.+ _2. ~Bd.~_: Cl. Brentano, E.
- Th. A. Hoffmann, H. Zschokke. _20.-25. Taus._ 222 S.
-
- Bd. 5. +Deutsche Humoristen.+ _3. ~Bd.~_: Hans Hoffmann,
- Otto Ernst, Max Eyth, Helene Böhlau. _30.-35. T._
- 196 S.
-
- Bd. 6/7. +Balladenbuch.+ _1. ~Bd.~_: Neuere Dichter. _16.-20. T._
- 498 S. 2 Mark.
-
- Bd. 8. +Herm. Kurz+: Der Weihnachtsfund. Eine Volkserzählung.
- Mit Bild Kurz'. Einleitung v. Prof. Sulger-Gebing.
- _6.-10. Taus._ 209 S.
-
- Bd. 9. +Novellenbuch.+ _1. ~Bd.~_: C. F. Meyer, E. v. Wildenbruch,
- Fr. Spielhagen, Detl. v. Liliencron. _26.-35. Taus._
- 194 S.
-
- Bd. 10. +Novellenbuch.+ _2. ~Bd.~_ (Dorfgeschichten): E. Wichert,
- H. Sohnrey, W. v. Polenz, R. Greinz. _16.-20. T._ 199 S.
-
- Bd. 11. +Schiller+: Philosophische Gedichte. Ausgew. u. eingel. v.
- Prof. E. Kühnemann. Mit Bild Schillers. _6.-10. T._
- 230 S.
-
- Bd. 12/13. +Schiller+: Briefe. Ausgew. und eingel. von Prof.
- E. Kühnemann. Mit 2 Bildern Schillers. 2 Bände
- in 1 Bande. _6.-10. Taus._ 226 u. 302 S. 2 Mark.
-
- Bd. 14. +Novellenbuch.+ _3. ~Bd.~_ (Geschichten aus deutscher
- Vorzeit): A. Schmitthenner, J. J. David, W. Hauff.
- _11.-20. Taus._ 246 S.
-
- Bd. 15. +Novellenbuch.+ _4. ~Bd.~_ (Seegeschichten): Joachim
- Nettelbeck, W. Hauff, Hans Hoffmann, W. Jensen,
- Wilh. Poeck, Johs. Wilda. _16.-20. Taus._ 179 S.
-
- Bd. 16. Auswahl aus den Dichtungen +Eduard Mörikes+.
- Herausgeg. u. eingel. v. Dr. J. Loewenberg-Hamburg.
- Mit Bild u. Silhouette Mörikes. _11.-20. Taus._ 235 S.
-
- Bd. 17. +Heine-Buch.+ Eine Auswahl aus Heinrich Heines
- Dichtungen. Herausgeg. und eingel. von Otto Ernst-Hamburg.
- Mit Bild Heines. _6.-10. Taus._ 203 S.
-
- Bd. 18 u. 19. +Goethes+ ausgewählte Briefe. Herausgeg. u.
- eingel. v. Dr. Wilh. Bode-Weimar. Mit Bildern Goethes.
- 2 Bände. _11.-15. Taus._ 169 u. 197 S.
-
- Bd. 20/21. +Deutsches Weihnachtsbuch.+ Eine Sammlung
- der schönsten u. beliebtesten Weihnachtsdichtungen in
- Poesie u. Prosa. _16.-20. Taus._ 413 S. 2 Mark.
-
- Bd. 22. +Novellenbuch.+ _5. ~Bd.~_ (Frauennovellen): Cl. Viebig,
- L. v. Strauß u. Torney, Lou Andreas-Salomé, M. R.
- Fischer. _11.-20. Taus._ 198 Seiten.
-
- Bd. 23. +Novellenbuch.+ _6. ~Band.~_ (Kindheitsgeschichten):
- A. Schmitthenner, H. Aeckerle, M. Lienert, M. v. Rentz,
- Hans Land, A. Bayersdorfer, Ch. Niese, Th. Mann.
- _11.-20. Taus._ 199 S.
-
- Bd. 24. +Novellenbuch.+ _7. ~Bd.~_ (Kriegsgeschichten): Carl
- Beyer, H. v. Kleist, W. v. Conrady, M. v. La Roche,
- D. v. Liliencron, Th. Fontane. _11.-20. Taus._ 177 S.
-
- Bd. 25/26. +Balladenbuch.+ _2. ~Bd.~_: Ältere Dichter. _6.-10. T._
- 518 S. 2 Mark.
-
- Bd. 27. +Karl Immermann+: Preußische Jugend zur Zeit
- Napoleons. Herausgeg. u. eingeleitet von ~Dr.~ Wilhelm
- Bode-Weimar. Mit Bild Immermanns und 3 Bildern
- Magdeburgs. _6.-10. Taus._ 171 Seiten.
-
- Bd. 28. +Martin Luther als deutscher Klassiker+, nebst
- einer Einführung von ~Dr.~ Eugen Lessing. Mit Bild
- Luthers. 176 Seiten. _6.-10. Taus._
-
- Bd. 29/30. +Deutsche Humoristen.+ _4. ~und~ 5. ~Bd.~_ (Humoristische
- Gedichte.) 351 Seiten. 2 Mark. _6.-10. Taus._
-
- Bd. 31. +Deutsche Humoristen.+ _6. ~Bd.~_: E. Th. A. Hoffmann,
- B. v. Arnim, Fr. Th. Vischer, A. Bayersdorfer, Henry
- F. Urban, Ludw. Thoma. 160 S. _11.-20. Taus._
-
- Bd. 32. +Max Eyth+: Geld und Erfahrung (humoristische Erzählung).
- Mit Original-Illustrationen von Th. Herrmann
- und Einleitung von ~Dr.~ C. Müller-Rastatt,
- Hamburg. 176 Seiten. _6.-10. Taus._
-
- Bd. 33. +Ludwig Uhland+: Ausgewählte Balladen und Romanzen.
- Mit Einleitung von K. Küchler, Altona, und
- Illustrationen von H. Schroedter, Karlsruhe. 160 S.
-
- Bd. 34. +J. J. David+: Ruzena Capek. Cyrill Wallenta.
- Mit Einleitung von A. v. Weilen und Bild Davids.
- 146 S.
-
- Bd. 35. +Ludwig Finckh+: Rapunzel. Mit Bild L. Finckhs
- und Einleitung von M. Lang. 159 S.
-
- Bd. 36. +Grethe Auer+: Marraksch. Mit Bild Gr. Auers und
- Einleitung von Dr. H. Bloesch. 192 S.
-
-
- Geschenkausgaben
-
-+in prächtigem, biegsamem Einband+ mit Goldschnitt sind +zum Preise von
-je 4 Mark+ hergestellt von:
-
- Bd. 6/7 (rot, Ganzleder)
- Bd. 12/13 (grün, Ganzleder)
- Bd. 18/19 (grau, Ganzleder)
- Bd. 20/21 (weiß, Dermatoid)
- Bd. 25/26 (rot, Ganzleder)
- Bd. 29/30 (rot, Ganzleder).
-
-Schillerbuch, enth. Einltg. über Schillers Leben, die Glocke, Balladen,
-Tell. Mit Bild Schillers. 346 S. _21.-30. T._ Geb. 1 M.
-
-
- Volksbücher.
-
-Heft 1. 50 Gedichte v. +Goethe+. 95 S. Geh. 20, geb. 50 Pf. _11.-20. T._
-
-Heft 2. +Schiller+: Tell. _11.-20. T._ 19 S. Geh. 30, geb. 60 Pf.
-
-Heft 3. +Schiller+: Balladen. _31.-40. T._ 108 S. Geh. 20, geb. 50 Pf.
-
-Heft 4. +Schiller+: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. 215 S. Geh.
-30, geb. 60 Pf. _11.-20. T._
-
-Heft 5. +Schiller+: Wallensteins Tod. 222 S. Geh. 30, geb. 60 Pf.
-_11.-20. T._
-
-_Heft 4 und 5 in einen Band gebunden 1 Mark._ _11.-20. T._
-
-Heft 6. +Brentano+: Die Geschichte vom braven Kasperl u. dem schönen
-Annerl. Ill. v. W. Schulz. 59 S. Geh. 15, geb. 40 Pf. _11.-20. T._
-
-Heft 7. +E. Th. A. Hoffmann+: Das Fräulein von Scuderi. 113 S. Geh. 20,
-geb. 50 Pf.
-
-Heft 8. +Fr. Halm+: Die Marzipanliese. Die Freundinnen. Ill. v. H.
-Amberg. 124 S. Geh. 20, geb. 50 Pf. _11.-20. T._
-
-Heft 9. +Fritz Reuter+: Woans ick tau 'ne Fru kamm. 61 S. Geh. 15, geb.
-40 Pf. _11.-20. T._
-
-Heft 10. +Max Eyth+: Der blinde Passagier. Ill. v. Th. Herrmann.
-_21.-30. T._ 68 S. Geh. 20, geb. 50 Pf.
-
-Heft 11. +Marie von Ebner-Eschenbach+: Die Freiherren von Gemperlein.
-_11.-20. T._ 82 S. Geh. 20, geb. 50 Pf.
-
-Heft 12. +Wilhelm Jensen+: Über der Heide. _11.-20. T._ 127 S. Geh. 25,
-geb. 55 Pf.
-
-Heft 13. +Ernst Wichert+: Der Wilddieb. 144 S. Geh. 30, geb. 60 Pf.
-_11.-20. T._
-
-Heft 14. +Levin Schücking+: Die drei Großmächte. Illustr. v. H.
-Schroedter. 96 S. Geh. 25, geb. 55 Pf. _11.-20. T._
-
-Heft 15. +Ludwig Anzengruber+: Der Erbonkel u. andere Geschichten.
-_11.-20. T._ 86 S. Geh. 25, geb. 55 Pf.
-
-Heft 16. +Helene Böhlau+: Kußwirkungen. _11.-20. T._ 68 S. Geh. 20,
-geb. 50 Pf.
-
-Heft 17. +Ilse Frapan-Akunian+: Die Last. _11.-20. T._ 87 S. Geh. 25,
-geb. 55 Pf.
-
-Heft 18. +H. v. Kleist+: Die Verlobung in St. Domingo. Das Erdbeben in
-Chili. Der Zweikampf. 142 S. Geh. 30, geb. 60 Pf.
-
-Heft 19. +Peter Rosegger+: Der Adlerwirt von Kirchbrunn. 139 S. Geh.
-30, geb. 60 Pf. _11.-20. T._
-
-Heft 20. +Ernst Zahn+: Die Mutter. _11.-20. T._ 66 S. Geh. 20, geb. 50
-Pf.
-
-Heft 21. +E. J. Groth+: Die Kuhhaut (Humoreske). Mit Illustr. v. Gg. O.
-Erler. 40 S. Geh. 15, geb. 40 Pf. _11.-20. T._
-
-Heft 22. +A. Schmitthenner+: Die Frühglocke. Mit Illustr. v. Wilh.
-Schulz. ~11.-20. T.~ 64 S. Geh. 20, geb. 50 Pf.
-
-Heft 23. +G. Freytag+: Karl d. Große. -- Friedrich Barbarossa.
-Minnesang und Minnedienst zur Hohenstaufenzeit. 80 S. Geh. 25, geb. 55
-Pf.
-
-Heft 24. +Fr. Spielhagen+: Hans u. Grete. Mit Illustr. v. Th. Herrmann.
-_11.-20. T._ 174 S. Geh. 40, geb. 75 Pf.
-
-Heft 25. +St. v. Kotze+: Geschichten aus Australien. 88 S. Geh. 25,
-geb. 55 Pf.
-
-Heft 26. +Paul Heyse+: Andrea Delfin. 136 S. Geh. 30, geb. 60 Pf.
-
-Heft 27. +H. Villinger+: Leodegar, der Hirtenschüler. Mit Ill. v. H.
-Eichrodt. 72 S. Geh. 20, geb. 50 Pf.
-
-Heft 28. +Otto Ludwig+: Aus dem Regen in die Traufe. Ill. v. H.
-Schroedter. 123 S. Geh. 25, geb. 55 Pf.
-
-Heft 29. +Richard Huldschiner+: Fegefeuer. Mit Buchschmuck v. H.
-Amberg. 250 S. Geh. 70 Pf., geb. 1 Mark.
-
-Heft 30. +Franz Grillparzer+: Weh dem, der lügt! 132 S. Geh. 25, geb.
-55 Pf.
-
-
- Druck von Grimme & Trömel in Leipzig.
-
-
-
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Offensichtlich fehlerhafte Zeichensetzung wurde stillschweigend
- korrigiert.
-
- Sofern nicht unter den Korrekturen aufgeführt, wurde die
- Originalschreibweise beibehalten.
-
- Korrekturen (das korrigierte Wort ist in {} eingeschlossen):
-
- S. 18: ihnen → Ihnen
- Vollends ein Kongreßmann, den man {Ihnen}
-
- S. 31: Jaksonstraße → Jacksonstraße
- in der {Jacksonstraße} bestanden aus zwei geräumigen
-
- S. 49: vorwärtsreibend → vorwärtstreibend
- mich an der Wand des Tunnels {vorwärtstreibend}
-
- S. 77: ihnen → Ihnen
- Wie gefällt {Ihnen} das?
-
- S. 88: aufgeflanzt → aufgepflanzt
- auf dem Boden von Louisiana {aufgepflanzt} sah
-
- S. 97: Ueberraschung → Überraschung
- Doch eine weit größere Freude und {Überraschung} stand mir
-
- S. 101: Dampfflug → Dampfpflug
- nachdem der {Dampfpflug} sein Arbeitsfeld erreicht hatte
-
- S. 107: zur → zu
- das schwarze Gesicht von Ohr {zu} Ohr spaltete
-
- S. 129: mußte → müßte
- Das {müßte} man aber doch sehen
-
- S. 150: Nöten → Nöte
- Stone hatte trotz seiner {Nöte} sechzig
-
- S. 154: jäh → zäh
- mit dem Sieg des {zäh} ausdauernden
-
- S. 157: Sie → sie
- Sie müssen {sie} zurückbekommen
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Geld und Erfahrung, by Max Eyth
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GELD UND ERFAHRUNG ***
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-additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
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-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
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-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org
-
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
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-For additional contact information:
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- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
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-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
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-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
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-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
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-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
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-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
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-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
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-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
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-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
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-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
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-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
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-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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