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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Die Uhren - Ein Abriß der Geschichte der Zeitmessung - -Author: Fintan Kindler - -Release Date: October 17, 2015 [EBook #50244] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE UHREN *** - - - - -Produced by Peter Becker and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - +------------------------------------------------------------------+ - | Anmerkungen zur Transkription | - | | - | Gesperrter Text ist als _gesperrt_ dargestellt, Fettschrift als | - | $fett$ und Schrift in Antiqua als ~antiqua~. | - | | - | Eine Liste der Änderungen befindet sich am Ende des Buchs. | - +------------------------------------------------------------------+ - - -[Illustration] - -~EX LIBRIS~ - -Benzigers Naturwissenschaftliche Bibliothek. - -Schon lange suchen _glaubenslose Vertreter der modernen -Naturwissenschaft_ die glänzenden Erfolge, die in der Erkenntnis der -materiellen Welt errungen worden sind, zu verwerten, um geistige -Strömungen zu erregen und Ideen zu verbreiten, die das Christentum -unterwühlen sollen. Sogar scheinbar ganz harmlose Gegenstände müssen -oft Gelegenheit bieten zu Ausfällen gegen Christentum und Kirche. - -_Dieser Tatsache gegenüber steht der gläubige Gebildete vielfach -ratlos da._ Er weiß zwar, daß ein wirklicher Widerspruch zwischen der -Naturwissenschaft und der geoffenbarten christlichen Wahrheit unmöglich -ist und daß die großen christlichen Gelehrten für die Harmonie -zwischen Glaube und Wissen stets eingetreten sind. Will er aber über -diese Fragen sich näher orientieren und sich ein eigenes Urteil -bilden, so ist er auf gelehrte, meist sehr umfangreiche Spezialwerke -angewiesen. Das Studium solcher Werke jedoch setzt wiederum besondere -wissenschaftliche Vorstudien und großen Zeitaufwand voraus -- -Bedingungen, die den wenigsten Nichtfachleuten zusagen können. - -Da möchte nun das vorliegende Unternehmen nach Kräften Abhilfe -schaffen. Eine Reihe kompetenter Fachmänner hat demselben in -dankenswerter Weise ihre Mitwirkung zugesichert. In zwangloser Folge -soll eine gewählte Sammlung handlicher Bändchen erscheinen, die in -gedrängter, knapper und doch erschöpfender Fassung (je 120-200 Seiten -in kl. 8^o) naturwissenschaftliche Fragen sowohl grundsätzlicher -als auch rein wissenschaftlicher Natur behandeln. Bei den Fragen -grundsätzlicher Natur wird es stets die Hauptaufgabe dieser -Abhandlungen sein, _das volle Beweismaterial für die christliche -Naturanschauung in klarer, überzeugender Gestaltung dem Leser -beizubringen_. Die Darstellung soll so gehalten sein, daß jeder -Gebildete ihr leicht zu folgen vermag. Den Text wird eine ausgiebige -zweckdienliche Illustration begleiten. - -Mitarbeiter und Verlagshandlung hoffen angesichts dieses Programms, -für das Unternehmen auf die wohlwollende Aufnahme und allseitige -Unterstützung jener Kreise zählen zu dürfen, für welche dasselbe -geschaffen wurde. - - $Die Verlagshandlung.$ - -[Illustration] - - -Benzigers Naturwissenschaftliche Bibliothek. - - - - - Die Uhren. - - Ein Abriß der Geschichte der Zeitmessung. - - Von - - ~P.~ Fintan Kindler, ~O. S. B.~ - - Mit 65 Illustrationen. - - [Illustration] - - _Verlagsanstalt Benziger_ & Co. A. G. - Einsiedeln -- Waldshut -- Köln a/Rh. - - New York, Cincinnati, Chicago, bei Benziger Brothers. - - 1905. - - - - -Vorwort. - - -Die folgenden Ausführungen erheben keinen Anspruch darauf, eine -vollständige Geschichte der Uhren zu liefern, eine solche würde -viele Bände füllen; es sollen vielmehr nur die Hauptmomente in der -Entwicklung der Zeitmessung kurz angedeutet werden. Ebensowenig will -das Büchlein etwa „eine Lücke ausfüllen, einem dringenden Bedürfnis -abhelfen,” denn es gibt zahlreiche Werke, die unsern Gegenstand -behandeln. Sie sind aber meist sehr umfangreich, und infolge dessen -teuer, aus beiden Gründen also nicht für jedermann. Und doch sind -es gerade die Uhren, welche von jeher mit Recht das Interesse des -gebildeten Menschen erregt haben, denn auf wenige Gegenstände des -täglichen Gebrauches ist so viel Scharfsinn, Fleiß und Mühe verwendet -worden, als auf unsere Zeitmesser. Dieses Interesse hat auch bis heute -nicht ab- sondern eher zugenommen, weil die modernen Verkehrs- und -Erwerbsverhältnisse den Menschen immer mehr von einem richtigen Zeitmaß -abhängig machen, ohne daß wir uns für gewöhnlich dessen bewußt wären. -Klar wird uns diese Abhängigkeit meist nur im unangenehmen Falle des -„zu spät” kommens. Auch ist es immer anregend, den Werdegang einer -Kunst, und um eine solche handelt es sich hier, zu verfolgen und sich -ein klares Bild zu machen vom Streben früherer Zeiten, wie von den -Erfolgen der Gegenwart. Aus diesen und ähnlichen Erwägungen ist das -vorliegende Schriftchen hervorgegangen. - -Die Verlagshandlung hat keine Kosten gescheut, das Büchlein möglichst -reich auszustatten, wofür derselben hier besonders gedankt sei. - - Stift Einsiedeln, i. d. Schweiz. - - $Der Verfasser.$ - - - - -Inhaltsübersicht. - - - ~I.~ Die Zeitmesser der alten Völker. - - ~II.~ Uhren und Zeitmessung bis zum 12. Jahrhundert. - - ~III.~ Anfänge und Entwicklung der Räder- und Gewichtuhren. - - ~IV.~ Die Pendeluhr. Erfindungsgeschichte derselben. - - ~V.~ Weitere Entwicklung der Uhren im 18. und 19. Jahrhundert. - - 1. Die Pendeluhren im allgemeinen. - - 2. Die Kompensation. - - 3. Die elektrischen Uhren. - - 4. Fortschritte in der Herstellung von Taschenuhren. - - 5. Die Chronometer. - - 6. Leistung, Nutzen, Auswahl und Behandlung einer Uhr. - - ~VI.~ Die fabrikmäßige Herstellung der Uhren. - - 1. Die Uhrenindustrie in der Schweiz. - - 2. Die Schwarzwälder Uhr. - - 3. Die Uhrenindustrie in den übrigen Ländern. - -[Illustration] - - - - -Illustrationsverzeichnis. - - - Seite - - Fig. 1. Antike Sonnenuhr 6 - - „ 2. Wasseruhr von ~P.~ Athanas Kircher 14 - - „ 3. Sanduhr aus dem 16. Jahrhundert 15 - - „ 4. Oeluhr 20 - - „ 5. Aelteste Hemmung (Waagunruhe) 28 - - „ 6. Waageuhr 30 - - „ 7. Alte Räderuhr 31 - - „ 8. Uhr von Dover Castle aus dem Jahr 1348 35 - - „ 9. Uhr von Lyon 38 - - „ 10. Uhr von 1392. Germanisches Museum Nürnberg 41 - - „ 11. Uhrmacherwerkstätte im 16. Jahrhundert nach Stradanus 45 - - „ 12. Zeitglockenturm in Bern 48 - - „ 13. Kalenderzifferblatt der Uhr am Zeitglockenturm in Bern 49 - - „ 14. Automatengruppe der Uhr am Zeitglockenturm in Bern 50 - - „ 15. Zifferblatt der Uhr in Solothurn 53 - - „ 16. Straßburgeruhr 57 - - „ 17. Federhaus, Schnecke und Kette 71 - - „ 18. Alte Tischuhr von 1504 72 - - „ 19. Inneres derselben 73 - - „ 20. Taschenuhr aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts 78 - - „ 21. Zylindrische Taschenuhr aus der Zeit Peter Henleins 79 - - „ 22. Französische Taschenuhren aus der Zeit der Valois 80 - - „ 23. Totenkopfuhr 81 - - „ 24. Jost Bürgi 86 - - „ 25. Galilei 89 - - „ 26. Pendeluhr Galileis 92 - - „ 27. Galileische Hemmung 93 - - „ 28. Christiaan Huygens 96 - - „ 29. Pendeluhr von Huygens 102 - - „ 30. Pendelaufhängung 105 - - „ 31. Aeußeres einer Huygensʼschen Uhr 105 - - „ 32. Entstehung einer Cykloide 110 - - „ 33. Halbcykloide 111 - - „ 34. Hemmung von Clement 115 - - „ 35. Graham 116 - - „ 36. Graham-Anker 117 - - „ 37. Stiftehemmung 118 - - „ 38. Mannhardtʼsche Uhr 119 - - „ 39. Riesterʼs Hemmung, Vorderansicht 123 - - „ 40. „ „ Seitenansicht 124 - - „ 41. „ Astronomische Uhr unter Glas 126 - - „ 42. Rostpendel 127 - - „ 43. Quecksilberpendel 129 - - „ 44. Nickelstahlpendel 130 - - „ 45. Einfachste elektrische Uhr 132 - - „ 46. Schematische Kontaktvorrichtung 133 - - „ 47. Vorderansicht einer Uhr von Hipp 134 - - „ 48. Seitenansicht „ „ „ „ 135 - - „ 49. Kontaktvorrichtung von Hipp 136 - - „ 50. } - } System Magneta 137 u. 138 - „ 51. } - - „ 52. Pneumatische Uhr 140 - - „ 53. ~a.~ ~b.~ Zwei Taschenuhren mit Automaten 141 u. 142 - - „ 54. Ringuhr ~c.~ 1780 143 - - „ 55. Kleine Uhr von 1680 143 - - „ 56. Uhr von Beaumarchais und Genferuhr 143 - - „ 57. Zylinderhemmung, vergrößert 146 - - „ 58. Wirkungsweise der Zylinderhemmung 146 - - „ 59. Schweizer Ankerhemmung 147 - - „ 60. Kompensationsunruhe 148 - - „ 61. Chronometer 155 - - „ 62. Chronometerhemmung 156 - - „ 63. La Chaux-de-Fonds 166 - - „ 64. Breguet 168 - - „ 65. Aelteste Holzräderuhr von 1613 175 - -[Illustration] - - - - -~I.~ - -Die Zeitmesser der alten Völker. - - -Die Worte der Genesis: „Es wurde Abend und es wurde Morgen, ein Tag”, -geben uns einen Fingerzeig über das zuerst angewandte Zeitmaß: den -scheinbaren Umlauf der Sonne. Nach ihrem Auf- und Untergang berechnete -der Mensch die Tage, ohne jedoch damit vorläufig ein eigentliches, -genaues Zeitmaß zu haben. Mond und Sterne wurden ebenfalls schon in den -ersten Zeiten beobachtet, um auf das „Wie spät ist es?” eine Antwort -geben zu können. Der Wechsel des Mondes führte allmählich zum Begriff -„Monat”; Sommer und Winter mit je sechs solchen Wechseln bildeten das -Jahr. - -Die fortschreitende Kultur verlangte aber bald eine genauere Messung; -diese finden wir im Begriff „Mittag”. Sein Ursprung ist wohl bei den -Chaldäern, Babyloniern und Aegyptern zu suchen; die westlichen Völker, -so z. B. die Römer, überkamen ihn erst ziemlich spät von den Griechen. -Ein öffentlicher Diener der Konsuln mußte diesen Mittag ausrufen, -sobald er von der Kurie aus die Sonne zwischen den Rostren und dem -Gesandtenpalast stehen sah. In den zwölf Tafeln findet sich auch zuerst -die Bezeichnung „~ante meridiem~” vormittags; man brauchte aber bei -den Römern mit Vorliebe, wie aus vielen Stellen der antiken Texte -hervorgeht, den Ausdruck „~hora sexta~” (sechste Stunde).[1] - -Uebrigens mochte schon von Anfang an der Magen die Stelle einer ersten -Tageseinteilung vertreten, wie denn auch nach Aulus Gellius[2] Plautus -in einer verloren gegangenen Komödie einen Schmarotzer sagen läßt: -„Daß die Götter den verdammen, der zuerst die Stunden erfand und -deshalb diese erste Sonnenuhr setzte, die mir Armen stückweise den Tag -verkürzt. Als Knabe war der Bauch meine Sonnenuhr, unter allen die -beste und richtigste. Ueberall mahnte diese zum Essen, außer wo nichts -zu essen war; jetzt aber wird auch was da ist, nicht gegessen, wenn es -der Sonne nicht gefällt” u. s. w. -- Das Kriegswesen der Römer brachte -bald auch die Einteilung der Nacht in sog. Vigilien, vier an der -Zahl[3]. - -Als weiteres Mittel der Zeitbestimmung diente auch schon früher der -Haushahn. Die Römer führten ihn mit sich auf ihren Kriegszügen, -daher war er dem Mars geweiht. Weil er zweimal kräht, das erstemal -um Mitternacht, dann vor Tagesanbruch, so ließ sich mit dieser Uhr -allenfalls auskommen, so lange keine große Genauigkeit erforderlich -war, wie ja auch jetzt noch der Hahn bei den Landleuten vielfach -als Wecker dient. Uebrigens blieb dieses streitbare Tier noch -lange Begleiter der Heere; so führten in der ersten Hälfte des 15. -Jahrhunderts die Burgunder bei der Belagerung von Calais unter Philipp -dem Guten viele Hähne mit sich, damit sie ihnen die Mitternacht und den -Beginn der Dämmerung anzeigten. Zum gleichen Zwecke nahmen auch die -Seefahrer Hähne mit sich[4]. - -Viel leichter aber und genauer läßt sich irgend eine Tageszeit aus -der Länge des Schattens, d. h. aus der Sonnenhöhe bestimmen. So finden -wir auch tatsächlich in den ältesten Nachrichten neben den später zu -erwähnenden Wasseruhren Sonnenuhren genannt. Sonnen- und Wasseruhren -sind also die ältesten Zeitmesser. - -Die Erfindung der Sonnenuhr liegt vollständig im Dunkeln; vielleicht -benutzten die Aegypter die Obelisken als Sonnenzeiger, vielleicht -ist sie babylonischen Ursprungs. Gewöhnlich wird als ihr Erfinder -der Chaldäer Berosus (ca. 600 v. Chr.) genannt,[5] der seine Heimat -verlassend, auf der Insel Kos, gegenüber Milet, eine Schule errichtete -und so die Kenntnis der Sonnenuhr den Griechen vermittelt hätte.[6] - -Ursprünglich diente ein Stab oder eine Säule als Sonnenzeiger -(Gnomon), auch der menschliche Körper wurde dazu benützt. Eine der -ältesten Sonnenuhren, die erwähnt wird, ist jene des Königs Achaz -(4. Könige 20, 9-11; Is. 38, 8.), welche für den Gebrauch des -Hofes bestimmt war; nach und nach kamen auch auf die öffentlichen -Plätze der Städte Sonnenuhren. Von derartigen Uhren haben uns die -alten Schriftsteller viele Nachrichten überliefert. So läßt z. B. -Aristophanes in den „~Ecclesiazusen~” die Praxagora, eine Schwärmerin -für Frauenemanzipation, ihrem Manne auf die Frage, wer denn unter dem -neuen Regiment das Feld bestellen müsse, antworten: „Die Sklaven. Du -aber hast nichts zu besorgen, als gebadet und gesalbt zum Essen zu -kommen, wenn das Stoicheion (der Schattenzeiger) 10 Fuß mißt.” Der -Erklärer sagt dazu, daß man damals die Tageszeit, zu der man sich zum -Essen bestellte, durch die Länge des Schattens angab. Ebenso hat uns -Athenäus ein Fragment des Menander aufbewahrt, worin ein Schmarotzer -geschildert wird, dem das Ungeschick widerfährt, morgens beim Aufstehen -den hellen Mondschein für die Nachmittagssonne anzusehen; eiligst mißt -er den Schatten, und da er ihn länger als 12 Fuß findet, so läuft er -aus Leibeskräften, um -- bei Tagesanbruch an dem Orte anzukommen, -wohin er auf den Abend geladen ist. -- Der Komiker Eubulos (~Athen. -I, 8.~) läßt den Philokrates den Schatten, statt vor Sonnenuntergang, -nach Sonnenaufgang messen; dieser mißt 22 Fuß. Er ist aber auf 20 Fuß -zum Mahle bestellt, und entschuldigt sich mit Geschäften, die ihn -zurückgehalten hätten.[7] - -Der Schatten wurde ursprünglich durch Abschreiten, Fuß vor Fuß, -gemessen, nachdem man sich vorher genau die Stelle merkte, wo der -Schatten des Kopfes war. Salmasius bemerkt hiezu, daß die Ungleichheit -des Schattens bei verschiedener Körperlänge sich durch das Fußmaß zum -guten Teile wieder ausgleiche, indem ein konstantes Verhältnis bestehe -zwischen der Körperlänge eines Menschen und seiner Fußlänge. Diese -Meßmethode findet sich sogar bis ins Mittelalter hinein, so z. B. -in der Gnomonik von Schoner, einem im 16. Jahrhundert erschienenen -Werke über Sonnenuhren. Später verzeichnete man die Grenzen des -Schattens auf dem Boden vor dem Sonnenzeiger, wie dies der Fall war -bei dem Obelisken, den Augustus auf dem Marsfelde errichten ließ. -Plinius berichtet hierüber:[8] „Den Obelisk auf dem Marsfelde hat der -göttliche Augustus auf eine merkwürdige Art nutzbar gemacht: er dient -nämlich als Zeiger der Länge des Sonnenschattens und also der Tag- -und Nachtlängen. Er ließ nach Verhältnis der Höhe des Obeliskus einen -Stein legen (nordwärts) von solcher Länge, daß ihm der Sonnenschatten -am kürzesten Tage in der 6. Stunde (zu Mittag) gleich wurde. Auf diesem -waren metallene Linien eingelegt, nach welchen man das Ab- und Zunehmen -der Schattenlänge wahrnehmen konnte. Was dabei besonders merkwürdig -ist und dem erfinderischen Genie des Mathematikers ~Facundus Novus~ -Ehre macht, ist dieses: Auf die Spitze (des Obelisken) setzt er eine -vergoldete Kugel, weil sich der Schatten am Scheitel einer Kugel -beisammen hält, während er, von einer Spitze geworfen, sich regellos -zerstreut; der menschliche Kopf soll ihn, wie man sagt, auf diese Idee -gebracht haben.” - -Aus dieser Stelle geht hervor, daß vor dem Obelisk eine Art Zifferblatt -angebracht war, mit Ziffern aus Erz; daß ferner die Spitze desselben -mit einer Kugel versehen war, welche den Schatten sammelte, d. h. -genauer abgrenzte als die Spitze, und daß endlich diese Messung des -Schattens analog war jener, bei welcher als Endpunkt der Kopf des -Menschen genommen wurde. -- Selbstverständlich gibt aber ein und -derselbe Schattenzeiger zu verschiedenen Jahreszeiten auch verschiedene -Schattenlängen; man mußte also den Zeiger öfters auswechseln, -wenigstens zweimal im Jahre. Leicht ließ sich auch für einen -bestimmten Sonnenzeiger der Schatten ein für allemal feststellen durch -Kreise, die man konzentrisch zum Gnomon zog, wodurch das Abschreiten -wegfiel. Aber auch so war die Zeitbestimmung noch eine sehr rohe, -und es trat an Mechaniker und Mathematiker die schwierige Aufgabe -heran, eine Sonnenuhr zu konstruieren, welche den zu verschiedenen -Zeiten ungleichen Bogen der Sonne in gleiche Teile teilte und so den -Schattenweg zu einem getreuen Abbild des Sonnenweges machte. Bald -wurden auch Schattentabellen für alle Monate des Jahres angefertigt, -woraus man jederzeit eine beliebige Tagesstunde aus der Länge des -Schattens berechnen konnte. - -Ohne hier auf Einzelheiten in der Konstruktion näher einzugehen, sei -nur noch bemerkt, daß Sonnenuhren in Form hohler Halbkugeln im Altertum -sehr verbreitet waren. Vitruv (~l. IX c. 8~) bezeichnet eine solche Uhr -als „halbe Hohlkugel viereckig und in einem der Polhöhe entsprechenden -Winkel geschnitten.” Es möge hier die Abbildung (Fig. 1) einer antiken -Sonnenuhr folgen, mit der Beschreibung, wie Bilfinger sie gibt -(~l. c.~ S. 25). „Man denke sich eine ausgehöhlte Halbkugel, genau -wagrecht gestellt und mit der Höhlung dem Zenith zugewendet. Im Zentrum -sei irgend ein kleiner schattenwerfender Gegenstand, etwa ein Kügelchen -(oder wie gewöhnlich ein gegen die Mitte der Höhlung ragender Stift) -angebracht. Sobald die Sonne am Horizont erscheint, wird sich auch am -Horizont der hohlen Halbkugel, nur an der entgegengesetzten Seite der -Schatten des Kügelchens zeigen und dieser wird dann bis zum Untergang -der Sonne im Inneren der Hohlkugel genau denselben Kreis beschreiben, -den die Sonne am Himmel macht, nur in umgekehrter Richtung. Bezeichnet -man im Inneren des Hemicycliums den Weg des Schattens durch eine -bleibende Linie und wiederholt dieses an beliebig vielen Tagen, so hat -man ebenso viele Tageskurven für die zu entwerfende Uhr gewonnen. Man -wird sich aber nach der Gewohnheit der Alten mit drei Schattenkurven, -für das Aequinoktium, für den längsten und den kürzesten Tag, begnügen -und darf dann nur noch jede dieser Kurven in zwölf gleiche Teile -teilen, die Schnittpunkte durch Stundenlinien miteinander verbinden, -und im Prinzip ist die Uhr fertig.” - -[Illustration: Fig. 1.] - -Die hier abgebildete Sonnenuhr stammt aus der „~casa dei capitelli -figurati~” und wurde von Avellino (~Descrizione di una casa Pompeiana. -Napoli 1837~) veröffentlicht. Die Ziffern und Zeichen des Tierkreises -sind nur des bessern Verständnisses halber beigefügt, fehlen also im -Original, indem die Alten die Stunden wahrscheinlich abzählten, statt -sie abzulesen; nur die Mittagslinie wurde besonders hervorgehoben. -Außer dieser Art Uhren kannten die Alten noch viele andere. Bald -konstruierte man auch tragbare Sonnenuhren, die man aufhing, vielleicht -am Halse, wie später die mechanischen Taschenuhren. Darauf scheint -auch eine Stelle bei Athenäus hinzudeuten, wo von einem Geizhals, -der einen Oelkrug trägt, gesagt wird: „Er sah so oft nach seinem -Oel, daß man glauben konnte, er trage eine Uhr.” Es bezeichnet diese -Verallgemeinerung der Uhren einen großen Fortschritt; denn die -Sonnenuhren waren nicht bloß kostbare Instrumente, sondern mußten -natürlich für gewöhnlich auf freien Plätzen aufgestellt sein; es war -somit bei der eigentümlichen Bauart der Alten oft sehr umständlich, zu -wissen, wieviel Uhr es sei. Reiche Leute hielten sich einen eigenen -Sklaven, welcher ihnen die Zeit anzuzeigen hatte; oft bezahlten auch -mehrere miteinander einen Stundenherold zum gleichen Zweck. Ganz reiche -Männer erlaubten sich den Luxus einer kostbaren Uhr in ihrer Wohnung, -wie z. B. Petronius von Trimalchio, einem zu großem Reichtum gelangten -ehemaligen Sklaven berichtet, er habe seinen staunenden Gästen eine -solche Uhr vorweisen können.[9] - -Als Erbteil der Alten erhielten sich die Sonnenuhren bis weit in -die neuere Zeit herein. Im Mittelalter und später wurde die Theorie -derselben vielfach ausgebildet und vervollkommnet. Die bedeutendsten -Mathematiker und Astronomen beschäftigten sich mit Gnomonik, der Lehre -von den Sonnenuhren. Hier mögen bloß die Namen Purbach, Regiomontan, -Stabius und besonders Sebastian Münster (1489-1552) genannt sein, von -denen der letztere allein drei Werke hierüber verfaßte, weshalb er oft -der Vater der Gnomonik heißt. - -Einen Fehler aber haben die Sonnenuhren bei aller Vollkommenheit, der -sich auch gar nicht beseitigen läßt: sie zeigen bei trübem Wetter und -bei Nacht nicht. Es lag nun wohl der Gedanke nahe, beim Anblick z. B. -von langsam ausrinnendem Wasser, diese scheinbare Gleichmäßigkeit als -Zeitmesser zu benützen, d. h. eine Wasseruhr zu konstruieren. Der -klassische Name dieses Instrumentes „Klepshydra” ist vielleicht gerade -von dem langsamen, gleichsam „verstohlenen” Ausfließen des Wassers -hergenommen. - -Wer die Wasseruhren erfunden, läßt sich nicht sagen. Sicher ist, daß -die Chaldäer solche verwendeten; Macrobius berichtet nämlich von ihnen, -daß sie ein bestimmtes Quantum Wasser in zwölf Teilen teilten, so -daß jeder Teil während der Zeit ablaufen sollte, während welcher ein -Zeichen des Tierkreises durch den Meridian ging. Aus vielen Gründen -konnte aber diese Art der Zeitmessung bei den Alten nicht genau -sein, denn abgesehen von der stets ändernden Druckhöhe und folglich -veränderlichen Ausflußmenge, war die eigentümliche Stundeneinteilung -ein großes Hindernis der Genauigkeit. Die Alten teilten bekanntlich -den Tag und die Nacht das ganze Jahr hindurch in zwölf gleiche -Teile, so daß die Dauer der Stunden beständig wechselte. Genannter -Uebelstand wurde jedoch bald überwunden und die Wasseruhren kamen -rasch zu ziemlicher Vollkommenheit. Bilfinger (~l. c.~ S. 8) ist -der Ansicht, daß die bekannte Klepshydra der attischen Gerichtssäle -nicht ein eigentlicher Zeitmesser im heutigen Sinn gewesen, sondern -nur zur rohen Abmessung der zum Sprechen eingeräumten Zeit überhaupt -gedient habe. Sie bestand aus einem größeren, auf einem Dreifuß -stehenden Gefäß, welches durch eine enge Oeffnung das eingefüllte -Wasser in einen darunter stehenden Behälter abgab. Aus verschiedenen -Notizen geht hervor, daß Versuche angestellt wurden, wie viele -solcher Wassermaße in einem Lichttag Raum fanden, und daß man, weil -der kürzeste Tag als Norm angewendet wurde, nie in die Nacht hinein -kam. Deshalb werden die Wasseruhren in einem Tacitus zugeschriebenen -Werke mit Recht Zügel der Beredsamkeit genannt. Die eigentümlichen -Ausdrücke, die sich auf Wasseruhren beziehen, sind dem Leser der -alten Klassiker geläufig. So z. B. bei ~Aeschines~: „erstes, zweites -etc. Wasser” ebenso „~clepshydras clepshydris addere~,” wenn der -Richter in außerordentlichen Fällen doppelte Zeit bewilligte, oder -„~aquam sustinere~,” das Wasser aufhalten, beim Verlesen von Urkunden, -Zeugenverhör u. s. w., bis der Redner wieder weiterfahren konnte. „~Hic -hæret aqua~,” „~aqua mihi hæret~,” sagte man, wenn etwa durch ein -Fäserchen, was leicht vorkam, die Ausflußöffnung verstopft war. ~Aquam -perdere~, hieß „in den Tag hinein reden.” - -Auch die Aegypter benützten schon Wasseruhren, wie z. B. die Sage -vom Kynoskephalos (Hundskopf), von der Horapollo berichtet, beweist. -Nach ihr hätte dieses Tier täglich zwölfmal sein Wasser lassen müssen -und dabei geschrieen; daher stamme die Zwölfteilung. Deshalb wurde -auch häufig auf die Wasseruhren dieser Kynoskephalos gesetzt. Sie -gebrauchten die Wasseruhr auch zu astronomischen Zwecken; Ptolemäus -tadelt zwar in seinem Almagest die Ungenauigkeit dieser Instrumente, -indes sind doch die von den Aegyptern erzielten Resultate erstaunlich -genau. Sie berechneten aus der Zeit, während welcher die Sonne -ganz über den Horizont heraufsteigt, bezw. durch Vergleichung des -Wasserquantums, das hiebei ausfloß, mit dem den ganzen Tag über -ausfließenden, den Durchmesser der Sonne zu 28 und zirka 31 Minuten für -Sonnennähe und Sonnenferne; neuere Messungen ergaben hiefür 31 bezw. 32 -Minuten![10] - -Die Babylonier benützten schon 600 v. Chr. Wasseruhren, welche bei -Sonnenaufgang gefüllt wurden; sobald sie leer waren, wurde dies durch -Herolde in der Stadt bekannt gemacht, was täglich mehrere Male -geschah. So konnte also jeder seine Uhr leicht selbst richten. - -Plato (427-347 v. Chr.)[11] soll ebenfalls eine Wasseruhr verwendet -haben und zwar als Wecker, so daß fälschlich dieser Gelehrte hie und -da als deren Erfinder genannt wird. Vitruv gibt im 9. Buch seiner -Architektur weitläufigere Nachrichten über die Wasseruhren und deren -Konstruktion. Nach ihm wäre der Sohn eines Barbiers, Ktesibius aus -Alexandrien (geb. ca. 150, oder nach anderer Angabe 247 v. Chr.), -ein mechanisches Genie des Altertums, der Erfinder dieser Uhren. Wie -bekannt, wird diesem gleichen Mann auch die Erfindung der Feuerspritze, -d. h. der Druckpumpe und der Wasserorgel zugeschrieben.[12] - -Die von Vitruv gegebene Beschreibung ist so kompliziert, daß die -Uhr des Ktesibius jedenfalls nicht als erste derartige Vorrichtung -angesehen werden kann. Sie zeigte nicht bloß die Tagesstunden, sondern -auch den Monatstag, den Monat und sogar den Stand der Sonne im -Tierkreis. Auch war sie mit einem Räderwerk versehen, und wenn nicht -schon Aristoteles (384-322) Räderwerke erwähnte, könnte man Ktesibius -für deren Erfinder halten. - -Um dem Leser jedoch wenigstens einen Begriff von den Wasseruhren der -Alten zu geben, lassen wir hier die Beschreibung Vitruvs folgen.[13] -„Zuerst stellte Ktesibius eine Mündung her (im oberen Wassergefäß), -indem er sie entweder in einem Stück Gold ausarbeitete, oder mit einem -durchbohrten Edelstein versah, denn diese beiden Körper werden weder -von dem Hindurchfließen des Wassers angegriffen, noch bildet sich an -ihnen Unreinigkeit, welche das Mündungsloch verstopfen könnte. Indem -nun das Wasser ganz gleichmäßig durch diese Mündung hindurchfließt, -hebt es ein umgestürztes Becken, das von den Technikern „der Kork” oder -„die Scheibe” genannt wird, auf welchem ein Stab angebracht ist, der -mit gleichen Zähnchen besetzt ist, wie die damit in Verbindung stehende -Drehscheibe (Rad), welche Zähne, ineinandergreifend, eine langsame, -regelmäßige Drehung und Bewegung verursachen.[14] Andere damit in -Verbindung stehende und in derselben Weise gezähnte Drehscheiben, die -alle durch ein und dieselbe bewegende Kraft getrieben werden, bewirken -durch ihre Drehung die verschiedenen Bewegungen, nach welchen Figuren -sich bewegen, Kegelsäulen sich drehen, Kügelchen oder Eier fallen -(Schlagwerk!), Blasinstrumente ertönen und andere Nebendinge mehr. Bei -diesen Uhrwerken sind die Stunden entweder auf einer Säule oder einem -Pfeiler verzeichnet und eine von unten heraufsteigende menschliche -Figur zeigt den ganzen Tag über mit einem Stäbchen auf diese hin.” - -Weil aber, wie schon bemerkt, die Tages- und Nachtstunden bei den Alten -nicht das ganze Jahr hindurch gleich blieben (Aequinoktialstunden), -sondern beständig wechselten, so mußte natürlich auch die Regulierung -des Wassers veränderlich sein, ebenso das Zifferblatt. Ersteres -wurde nach Vitruv erzielt durch einen massiven Kegel, der in den mit -Wasser gefüllten Hohlkegel genau paßte und durch einen Regulierstab -höher oder tiefer gestellt werden konnte, wodurch die Oeffnung des -Hohlkegels mehr oder weniger frei wurde. Das Zifferblatt war entweder -auswechselbar oder es wurde theoretisch für das ganze Jahr konstruiert, -indem man die Stunden des längsten und kürzesten Tages auf der Säule -in zwei vertikalen Linien anbrachte und durch zur Basis der Säule -etwas schräglaufende horizontale Linien mit einander verband. Der -Zwischenraum wurde wieder durch die Monatslinien in vertikaler Richtung -geteilt. So entstand eine Art Netz, wie bei den Sonnenuhren; durch -Einstellen der Stundensäule auf die richtige Zeit ließ sich dann auch -eine beliebige Tagesstunde ordentlich genau ablesen.[15] - -Auch andere Uhren werden von Vitruv angeführt, sie sind jedoch, bei der -dunkeln Ausdrucksweise dieses Schriftstellers, schwierig zu erklären. -So z. B. das ~„horologium anaphoricum,”~ die Aufzuguhr, mit Gewichten, -welche sich aber doch wesentlich von unsern heutigen Räder- und -Gewichtuhren unterscheidet. - -Von alten indischen Wasseruhren berichtet Schlagintweit (Münchener -Sitzungsberichte 1871. 2. S. 128-38). Sie bestehen aus metallenen -hohlen Halbkugeln, die unten mit einer feinen Oeffnung versehen -sind. Auf Wasser geworfen, füllen sie sich langsam und werden, wenn -sie untersinken wollen, geleert und neu aufgesetzt. Ein aus Benares -mitgebrachtes Exemplar brauchte bei einem Radius von 7 ~cm~ und 6 ~cm~ -Höhe etwas über eine Stunde, bis es untersank. Die Zeit vom Auflegen -bis zum Untersinken der Kugel nannte man Najika; dieselbe hatte wieder -ihre Unterabteilungen. - -Ob die Alten ihre Wasseruhren regelmäßig, auch nachts benützten, -erscheint zweifelhaft, denn einmal finden wir z. B. bei Vitruv nie die -Bezeichnung Nachtuhr, sondern nur: ~„horologium hibernum,”~ d. h. eine -Uhr, welche die Stunden auch bei trübem Wetter angibt; ferner zeigten -diese Uhren bloß zwölf Stunden, und endlich war es im Altertum wohl -nicht leicht, sich zu jeder Stunde der Nacht Licht zu verschaffen. Bei -Sternenhimmel, und das ist in der Heimat der alten Völker doch die -Regel, konnte man viel bequemer das schon von Hipparch (ca. 160-125 v. -Chr.) erfundene ~Astrolabium~ verwenden, welches aus der Höhe eines -Gestirns in jedem Augenblick die Zeit anzugeben gestattet.[16] Eine -Menge Wasseruhren der verschiedensten Konstruktionen, zum Teil mit -Abbildungen, finden sich in C. Schott ~S. J.~, ~Hidraulica pneumatica~. -Würzbg. 1658. - -[Illustration: Fig. 2.] - -An der Vervollkommnung der Wasseruhren wurde bis ins Mittelalter -hinein, ja selbst bis in die neueste Zeit emsig gearbeitet. Es seien -hier nur genannt Hero, der Schüler des Ktesibios, der auch eine Art -Dampfmaschine erstellte; der Philosoph Boëthius; Galilei; der Abbé -Varignon (1654-1722); der schweizerische Gelehrte Johann Bernoulli und -dessen Sohn Daniel, der 1725 den Preis der Pariser Akademie im Betrag -von 2000 Franken gewann; die Aufgabe hatte gelautet: ~La perfection -des Clepsydres ou des sabliers sur mer.~[17] Auch der berühmte ~P.~ -Athanasius Kircher (1601-1680) beschäftigte sich mit der Konstruktion -von allerlei Wasseruhren; er verfertigte für Kaiser Ferdinand ~III.~ -eine solche mit dem kaiserlichen Doppeladler (Fig. 2). Die Abbildung -ist wohl ohne weitere Erklärung verständlich; der Schwimmer zeigt die -Stunden; durch eine über die Rolle ~a~ (~II~) gehende Schnur wird -ein weiterer Stundenzeiger bewegt. (Vergl. Kircher: ~Musæum Collegii -Romani. Amstelodami~ 1680. ~p.~ 40). - -[Illustration: Fig. 3.] - -Außer den bisher behandelten Zeitmessern benützten die Alten auch noch -die _Sanduhren_, deren sich schon Archimedes bedient haben soll. Eine -Sanduhr besteht bekanntlich aus zwei in ein Gestell eingesetzten, -gleichen konischen Gefäßen, welche mit ihren offenen Spitzen gegen -einander gekehrt sind (Fig. 3). Ist z. B. das obere mit feinem Sande -gefüllt, so fließt dieser in einer bestimmten Zeit in das untere ab. -Durch Umdrehung der Vorrichtung kann das Spiel von neuem beginnen. -Die älteste bekannte Abbildung einer solchen Uhr liefert ein antikes -Basrelief, die Hochzeit des Peleus und der Thetis vorstellend; unter -anderen Figuren sieht man auch Morpheus mit einer Sanduhr in der -Linken.[18] Die Größe dieser Uhren wechselt von einem Fuß bis zu -wenigen Zoll Höhe, ebenso die Zeit, welche sie zu messen gestatteten; -gewöhnlich gingen sie ½ bis eine Stunde. Sie wurden zu jeder Zeit -verwendet, im Mittelalter bei Turnieren, bei Schützenfesten etc., -selbst als die Räderuhren schon lange erfunden waren. Vielfach nahm -man sie, ähnlich wie Messer und Pfriemen, auf Reisen mit. Eine solche -Reisesanduhr, die von Erasmus herstammt, wird noch in Basel aufbewahrt; -sie wurde in einem blechernen Futteral mitgeführt. In dem notariellen -Verzeichnis der Ammerbachschen Sammlung von 1662 findet sich auch -diese Uhr, mit dem sonderbaren Titel: „~Erasmi~ bleyern Sanduhrlein -von Ebenholz in einem Futter.”[19] Zur Zeit Pascals (1623-1672) wurden -Sanduhren auch in der Sorbonne gebraucht, um den Rednern die Zeit -zuzumessen (~Lettres provinciales~, ~II~). Dieser Gebrauch erhielt sich -vielerorts noch bis tief in unser Jahrhundert hinein auf Kanzeln, in -Gerichtssälen, bei Auktionen u. s. w. Heute findet sich der Gebrauch -der Sanduhren noch etwa in der Küche beim Eiersieden, oder im Atelier -des Photographen. Auch beim sogenannten „Logen,” um die Geschwindigkeit -eines Schiffes zu bestimmen, bedient man sich einer Sanduhr, die -gewöhnlich 14 Sekunden läuft. Fig. 3 zeigt eine reich verzierte -Sanduhr, französische Arbeit, aus dem 16. Jahrhundert. - -Die Genauigkeit der Sanduhr läßt aber noch viel zu wünschen übrig,[20] -denn wie man sich leicht überzeugen kann, treten sehr oft Stauungen des -Sandes auf, welche natürlich die Richtigkeit der Zeitmessung nachteilig -beeinflussen. - -Noch im ausgehenden 16. Jahrhundert fanden die Uhrmacher es nicht für -unnötig, auf den feinen Uhrsand hinzuweisen, wie der Spruch zeigt, den -ein zeitgenössischer Versmacher unter den bekannten Holzschnitt von -Jost Amman setzte: - - Ich mache die reysenden Vhr/[21] - Gerecht vnd Glatt nach der Mensur/ - Von hellem glaß vnd kleim Vhrsant/ - Gut/daß sie haben langen bestandt/ - Mach auch darzu Hültzen Geheuß/ - Dareyn ich sie fleissig beschleuß/ - Ferb die gheuß Grün/Graw/rot vnn blaw - Drinn man die Stund vnd vierteil hab. - -Viertelstunden konnte man auch an Sanduhren ablesen, wie noch erhaltene -Exemplare zeigen; es waren in diesem Falle vier Stück aneinander -gereihter Sanduhren. Die erste lief eine Viertelstunde, die zweite eine -halbe, die dritte drei viertel, und die vierte eine ganze Stunde. Das -Germanische Museum in Nürnberg besitzt eine solche Zusammenstellung. - - - - -~II.~ - -Uhren und Zeitmessung bis zum 12. Jahrhundert. - - -Was Geist und Fleiß des klassischen Altertums geschaffen, ging in den -Stürmen der Völkerwanderung zum großen Teil unter; die wenigen Keime, -die noch geblieben, fanden eine neue Pflanzstätte in den Klöstern. -Dorthin zog sich auf viele Jahrhunderte hinaus Kunst und Wissenschaft -zurück, und von da aus verbreiteten sie sich wieder nach und nach in -die Welt, um neue Triumphe zu feiern. - -Im vorigen Kapitel wurde darauf hingewiesen, wie die drei Zeitmesser -der Alten vervollkommnet wurden bis in die neuere Zeit hinein, und zwar -sind es während des ersten Jahrtausends fast ausschließlich Geistliche -und Mönche, die sich damit beschäftigten. Wohl lebte man damals noch -langsamer als jetzt und kannte die Hast des heutigen Erwerbslebens -nicht, die Uhr aber diente gleichwohl als ein Regulator des -menschlichen Lebens, „zum großen Nutzen des Menschengeistes erfunden,” -wie Cassiodor († um 570) sagt.[22] - -Der hl. Benedikt dringt in seiner Regel oft darauf, daß alles zur -bestimmten Zeit, ~„horis competentibus”~ geschehe (Vergl. ~S. Reg. c.~ -47). Zu den vorzüglichsten Pflichten der Mönche gehörte aber von jeher -das gemeinschaftliche Psalmengebet, welches zu bestimmten Stunden des -Tages und der Nacht verrichtet werden mußte. Natürlich benutzte man wo -möglich zur Zeitbestimmung Sonnen- und Wasseruhren, wie auch der oben -erwähnte Cassiodor (a. a. O.) seinen Mönchen sagt: „Wie Ihr wißt, habe -ich Euch eine Sonnenuhr hergestellt; ebenso eine Wasseruhr, welche -Tag und Nacht die Zeit bestimmt, denn oft ereignet es sich, daß an -einzelnen Tagen der Sonnenschein fehlt; dann vollbringt auf wunderbare -Weise das Wasser auf Erden, was sonst die feurige Kraft der Sonne am -Himmel wechselnd vollendet.” - -Cassian († ca. 435) bezeugt, daß die alten Mönche die Sterne -beobachteten, um aus ihrer Stellung die Zeit zu entnehmen. Es wird -nämlich derjenige ermahnt, dem die Sorge seine Mitbrüder zu wecken -oblag, dies nicht nach Gutdünken zu tun, nämlich wann er aufwache, -je nachdem er gut oder schlecht geschlafen, sondern fleißig nach -den Sternen zu sehen; wenn auch die Gewohnheit, zur bestimmten Zeit -aufzustehen, ihn gewöhnlich wecke. In Frauenklöstern besorgte eine -Nonne dieses Geschäft. Mabillon berichtet in den ~Acta SS. O. S. B.~ -von einer solchen, „daß sie aufstand und hinausging, um aus den Sternen -zu sehen, ob es Zeit sei, das Zeichen zur Mette zu geben.” - -Oft wurden zwei Brüder als Wächter bestellt, die andern zu wecken. -Diese nannte man ~„vigilgallos,”~ was also, nur in anderer Form, unsern -Nachtwächtern entspricht, die besonders früher die Stunden ausriefen. -Ihnen oblag auch die Aufsicht über die Wasseruhr, wo eine solche -vorhanden war. - -In vielen Klöstern besorgte der Sakristan die Uhr. In den „Gebräuchen” -von Hirschau (10. und 11. Jahrhundert) wird von ihm berichtet:[23] „Er -besorgt und richtet die Uhr sorgfältig; weil es aber vorkommen kann, -daß diese unrichtig geht (Wasseruhr), so soll er die Zeit abschätzen -an der Kerze (~in cereo~) oder nach dem Lauf der Sterne oder des -Mondes, damit er die Brüder zur bestimmten Zeit wecken könne. Es läute -aber niemand mit der Schelle zur Mette, als nur er.” Fast genau mit -denselben Worten wird das Amt des Sakristan geschildert in dem sog. -~Ordo Cluniacensis~ (Cluny), von einem Mönch Bernard im 11. Jahrhundert -verfaßt (Herrgott: ~Ordo Clun. c.~ 51). - -Erwähnt sei hier noch ein anderer interessanter Zeitmesser, die Oeluhr, -welche Speckhart (Geschichte der Zeitmeßkunst, Bautzen, Verlag von E. -Hübner, S. 175 u. ff.) folgendermaßen beschreibt: „Die Oeluhr besteht -eigentlich nur aus einer Lampe, deren Glasbehälter unten eine kleine -Abflußöffnung besitzt, durch die das Brennöl von einem Dochte angesaugt -wird. Das Gestell der Lampe ist aus Zinn gearbeitet, ebenso die am -Oelbehälter angebrachte Stunden-Skala. Letztere trägt die Stunden -von abends ~VI~ bis morgens ~VIII~ Uhr. Die Stärke des Dochtes war -so gewählt, daß das Oel in der Lampe von der Flamme in 14 Stunden -aufgezehrt wurde. Füllte man abends ~VI~ Uhr den Oelbehälter bis zum -obersten Teilstrich und brannte die Lampe an, so hatte man während der -ganzen Nacht nicht nur Beleuchtung, sondern annähernd auch die Zeit, -welche durch die Spiegelfläche des langsam sinkenden Oeles angezeigt -wird. - -[Illustration: Fig. 4.] - -Der Oelbehälter bekam später die Form einer Birne, damit auch die -einzelnen Stunden in möglichst gleicher Länge angezeigt wurden, weil -der Druck des Oeles, wenn es aufgefüllt war, einen zu raschen Brand des -Lichtes in einem ganz cylindrischen Glase erzeugte.” Unsere Abbildung -Fig. 4 zeigt diesen eigenartigen Zeitmesser, der, wenn wir nicht irren, -1900 in Paris ausgestellt war und der berühmten Junghansʼschen Sammlung -in Schramberg angehört. - -Eine andere vielgebrauchte Methode, die Zeit zu messen, bestand in der -Rezitation bekannter Gebete, die sich noch erhielt, als die Räderuhren -schon lange im Gebrauch waren. Petrus Damiani († 1072) sagt, die Mönche -möchten sich an eine bestimmte Methode des Psalmengebetes gewöhnen, -wenn sie täglich wissen wollten, wie viel es an der Zeit sei. Wenn -dann die Sonne nicht scheine oder die Sterne verdeckt seien durch -Wolken, so hätte doch jeder eine Uhr, an der Art und Weise, wie er die -Psalmen bete. In den Schriften der Mystiker treffen wir häufig auf -ähnliche Zeitbestimmungen; es mögen hier nur einige Proben genannt -werden. Die Nonne Adelheid Langman († 1375 im Kloster Engelthal bei -Nürnberg) erzählt: „do sweig (er) und sprach ein wort niht, wohl als -lang als daz man ein fünftzig Ave Maria gesprechen moht.” Oder: „etwan -gestillet ich, als umb einen de profundis,” (war ich still, so lang -als man ein de profundis beten mag). Mechthild von Magdeburg[24] († -1291) schreibt: „daß ich so lang gedenke daran, als daß man gesprechen -mag Ave Maria”; „kum eines Ave Marien lang,” oder: „sie pruft es wol, -daz diu stund als lang wert, als daz man rasch ein Ave Maria gesprech -oder lanksam ein halbs,” u. s. w. Daraus ergibt sich, daß Uhren um -diese Zeit entweder selten waren, oder daß man von der altgewohnten -Weise, die Zeit zu messen, noch nicht abging. -- Wenn wir aber in -Christian Wolfs (1679-1754) ~Elementa Pyrotechniæ~, ~Problem. XI~, bei -einem Rezept für Anfertigung von Feuerwerkskörpern und als Prüfmittel -derselben, die Angabe finden, die Probe solle nicht eher aufhören zu -brennen, „bis schnell das Apostolische Glaubensbekenntnis gebetet ist,” -so kann man sich kaum eines Lächelns erwehren beim Gedanken an die -Mienen moderner Chemiker, denen bei einer analytischen Arbeit derartige -Kriterien vorgeschlagen würden! -- Nach dieser kleinen Abschweifung -kehren wir zurück zur Geschichte der Uhren in den Klöstern des früheren -Mittelalters. - -Wo eine Wasseruhr vorhanden war, wandte man sie selbstverständlich an -als die beste Zeitmessung. Hildemar (9. Jahrhundert) sagt in seiner -Erklärung der Benediktinerregel: wer das nächtliche Psalmengebet -vernünftig (~rationabiliter~) machen will, hat eine Wasseruhr nötig. - -In Ermanglung von Wasser- oder andern Uhren gebrauchte man auch den -Haushahn als Wecker. Schon Chrysostomus beschreibt in seiner 59. -Homilie an die Antiochener das Leben der Mönche seiner Zeit mit den -Worten: nachdem der Hahn gekräht, kommt sofort der Obere und weckt -alle, mit festem Tritte den gemeinsamen Schlafsaal durchwandernd; doch -ohne allzuviel Lärm zu machen, wie der gleiche an einer andern Stelle -sagt. - -Auch ein Brett, auf das geschlagen wurde, oder eine Schelle wurde als -Weckvorrichtung gebraucht; eine kleine Glocke bezeichnet auch der -Ausdruck ~„index,”~ den Martene also umschreibt (~Index. onomastic. -t. IV~): ein Zeichen, durch welches die Brüder zum göttlichen Dienste -gerufen wurden. Es ist also unrichtig, wenn übersetzt wird „Uhrzeiger,” -wie Dufresne und Muratori tun. - -Papst Paul ~I.~ übersandte an Pipin eine Nachtuhr, von deren -Beschaffenheit wir jedoch leider gar nichts Näheres wissen. Eine -Seltenheit war das Geschenk zweifelsohne, wenn es auch nicht, wie man -schon angenommen hat, eine Räderuhr war. - -Bekannt ist die Beschreibung der Uhr, welche Karl d. Gr. von dem -Kalifen Harun Al-Raschid erhielt. Das ~Chronicon Turonense~ berichtet -darüber: Im 7. Jahr der Regierung Kaiser Karls (807) schickte der -König von Persien eine große Menge kostbarer Geschenke und eine Uhr, -an welcher man die 12 Stunden ablesen konnte; es ertönte nämlich eine -Cymbel und nach Verlauf der einzelnen Stunden traten nach und nach -zwölf Reiter aus den Türen heraus; nach Ablauf der letzten Stunde zogen -sich alle wieder zurück, indem sie die Türen schlossen. Diese Uhr hatte -zwar Räder, da sich sonst der komplizierte Mechanismus nicht leicht -erklären ließe, im übrigen war es eine Wasseruhr. - -Als Erfinder der Räderuhren wird vielfach der Archidiakon Pacificus von -Verona († 846) genannt. Muratori führt seine Grabschrift an,[25] worin -es heißt, daß niemand vorher je eine Nachtuhr gesehen, und daß er sie -als Erster erfunden habe. - -Es scheint, um mit Muratori zu reden, seltsam, daß hier gesagt wird, -man habe nie zuvor eine Nachtuhr gesehen, da doch, wie wir soeben -gezeigt, Pipin eine solche erhielt, und Cassiodor gerade für nächtliche -Zeitbestimmungen eine Wasseruhr verfertigt hatte. Vielleicht ist es -nicht unrichtig, in dieser Inschrift eine Uebertreibung zu sehen, die -also nicht so wörtlich zu nehmen wäre; eine Uhr konnte zu jener Zeit -immerhin etwas so Seltenes sein, daß man sie verewigen wollte. Neu aber -war die Erfindung kaum, und an eine Räderuhr zu denken, fehlen uns alle -Anhaltspunkte. Wie der Ausdruck „Nachtuhr” zu erklären sei, ist schwer -zu sagen, denn wenn z. B. irgend ein Ton oder Geräusch die Stunden -angab, so geschah dies doch bei Tag und Nacht, warum also „_Nacht_uhr?” - -Räderwerke gab es in Verbindung mit Uhren schon frühe, sie dienten -zum Betrieb der künstlichen Beigaben an den Uhren. Schon die Araber -hatten solche. Gelcich (Geschichte der Uhrmacherkunst, S. 17 und 18) -beschreibt eine derartige Uhr von Damaskus ausführlich. - -Vom 11. Jahrhundert an findet man bald diesem, bald jenem Gelehrten die -Erfindung der Räderuhr zugeschrieben, ohne daß mit auch nur einiger -Wahrscheinlichkeit auszumachen wäre, wem wir diesen so wichtigen -Schritt in der Herstellung der Zeitmesser verdanken. Sicherlich -kannten die Alten das Räderwerk und verwendeten es auch. Eine Räderuhr -unterscheidet sich aber von der Wasseruhr nicht etwa bloß durch -die Räder, auch nicht dadurch allein, daß ein Gewicht oder eine -Feder Ursache der Bewegung sei, sondern vor allem durch die Hemmung -(~échappement~). Verbinden wir mit einer durch Gewichte in Umlauf -versetzten Welle Räder und Getriebe, so haben wir ein durch Gewichte -bewegtes Räderwerk, das aber so schnell abläuft, daß es zur Zeitmessung -untauglich wird. Kommt aber die Hemmung hinzu, d. h. eine Vorrichtung, -welche den Gang des Räderwerkes mäßigt und gleichförmig macht, dadurch, -daß ein Hindernis von einem Zahn des letzten Rades weggestoßen wird, -aber immer wiederkehrt, so haben wir eine Räderuhr, welche sich im -Prinzip von den heutigen nicht wesentlich unterscheidet. Die Frage -nach dem Erfinder der Räderuhr läuft also darauf hinaus: _wer hat die -Hemmung erfunden_? Es bedurfte dazu jedenfalls eines mechanischen -Talentes ersten Ranges und so treffen wir auch in der Geschichte der -Uhren Männer, welche den gelehrtesten ihrer Zeit beizuzählen sind, -und man darf, ohne zu irren, die praktische Beschäftigung mit der -Uhrmacherkunst als den Prüfstein mechanischen Könnens in alter und -neuer Zeit ansehen. - -Gerbert[26] von Aurillac, einer der gelehrtesten Männer seiner Zeit -(ca. 950-1003), als armer Hirtenknabe von den Mönchen zu Aurillac -(~Dép. du Cantal~) aufgenommen und gebildet, wird sehr oft als Erfinder -der Räderuhr genannt. Er soll seine mathematischen und mechanischen -Kenntnisse bei den Arabern geholt haben; wurde Oberer des Klosters -Bobbio in Italien, Erzbischof von Reims, Lehrer Ottos ~III.~, -Erzbischof von Ravenna und endlich unter dem Namen Sylvester ~II.~ -Papst. - -Die Sage, daß Gerbert auf den arabisch-spanischen Hochschulen -studiert habe, wurde von dem engl. Geschichtsschreiber Wilhelm -von Malmesbury[27] überliefert; derselbe berichtet auch allerlei -Zaubergeschichten von ihm. Sevilla und Cordova, diese Hochsitze -arabischer Wissenschaft, hat Gerbert nie gesehen (Vgl. Büdinger, S. -7 u. ff.), dagegen wird ihm allgemein die Einführung der sogenannten -arabischen Ziffern zugeschrieben. Wenn aber auch gesagt wird,[28] er -habe die Gewichtuhren und die Hemmung erfunden, so läßt sich dies nicht -beweisen. Tiethmar, Bischof von Merseburg, sagt bloß (~Mon. Germ. V~, -835, 21): „Gerbert machte in Magdeburg eine Uhr, welche er richtig -aufstellte mit einer Röhre und unter Zuhilfenahme eines gewissen -Sternes, des Führers der Schiffer.” Um mit dem letzteren zu beginnen, -so ist der Stern, der Führer der Schiffer, offenbar der Nordstern; -die Röhre diente dazu, auf diesen Stern zu visieren, war also eine -Art Diopter. Wir können folglich hier an eine Sonnenuhr denken, deren -Zeiger mit Hilfe des Polarsterns gerichtet wurde, oder auch an eine Art -Sternglobus (wie ja Gerbert derartige Instrumente verfertigte), bei -welchem die vorüberziehenden Sterne durch eine Röhre beobachtet wurden. -Für eine Räderuhr aber spricht der vorliegende Text nicht. Es ist -schwer zu sagen, wie die Verfasser der ~Hist. litt. de la France~ (~t. -VI~, ~p.~ 68 und 609) diese Annahme aufrecht halten können. - -Eine weitere Schwierigkeit bleibt auch noch zu lösen: angenommen, -Gerbert habe die Räderuhr erfunden, wie kommt es, daß eine so wichtige -und nützliche Sache für so lange Zeit vergessen wurde? Warum hat keiner -der zahlreichen Schüler Gerberts dessen Erfindung weiter entwickelt, -oder doch wenigstens erwähnt? Wie kommt es, daß noch 200 Jahre später -Ludwig der Heilige eine Kerze als Zeitmesser benützte, um seine Lektüre -während der Nacht zu regeln? Der Name ~„horologium”~ darf uns nicht -schwankend machen, da er ja ganz allgemein für alle Uhren angewendet -wurde. - -Als gelehrten Uhrmacher finden wir noch Abt Wilhelm von Hirschau -(Württemberg) erwähnt († 1091). Er verfertigte eine sehr künstliche -Uhr, welche die Aequinoktien und Solstitien zeigte; die dürftige -Nachricht, welche uns überliefert ist, erlaubt jedoch keinen Schluß auf -die Konstruktion der Uhr. Allerdings findet sich in den Konstitutionen -von Hirschau (~l. II. c.~ 29) der Ausdruck: „nachdem die Uhr -geschlagen” was aber noch nicht notwendig eine Gewichts- und Räderuhr -voraussetzt. - -Es läßt sich also gar nicht sagen, wer die Räderuhr erfunden habe, noch -beweisen, daß sie vor dem 12. Jahrhundert aufkam. Diese Dunkelheit -wird uns weniger befremden, wenn wir bedenken, wie schwer es oft wird, -den Urheber einer nützlichen Maschine oder Erfindung zu nennen, selbst -in unserer Zeit, wo doch die öffentlichen Blätter, Fachschriften und -Patente große Sicherheit in dieser Hinsicht zu gewähren scheinen. -Man denke nur an die so hartnäckigen Prioritätsstreitigkeiten, die -alljährlich auf dem Gebiete der Naturwissenschaften auftauchen! -- - -Allgemein aber wird angenommen, und dies läßt sich auch mit ziemlicher -Sicherheit beweisen, daß im 12. Jahrhundert die Räderuhren erfunden -wurden. Von dieser Zeit an mehren sich nämlich die Nachrichten über -Uhren, welche unmöglich durch Wasser getrieben sein konnten derart, daß -man annehmen muß, die Erfindung unserer heutigen Zeitmesser falle ins -12. Jahrhundert. - - - - -~III.~ - -Anfänge und Entwicklung der Räder- und Gewichtuhren. - - -In den sogenannten „Gebräuchen” des Cisterzienserordens, die -ungefähr um 1120 niedergeschrieben wurden, finden wir mehrfach -Weckeruhren erwähnt. So heißt es z. B. ~c.~ 21, daß von der Messe -des hohen Donnerstages an bis zum Karsamstag die Glocken bei keinem -Gottesdienst geläutet werden dürften, und daß nicht einmal die -Uhr (Schlaguhr) gehört werden solle. -- Im 114. Kapitel wird dem -Sakristan befohlen, daß er seine Uhr so richte, daß durch ihren Ton -die Brüder im Winter vor der Matutin geweckt würden. In den Statuten -des Prämonstratenserordens findet sich die Vorschrift: der Sakristan -soll die Uhr richten und sie täglich vor der Messe schlagen lassen, -damit er wach werde. Ebenso bestimmt das ~Chronicon Mellicense~ (Mölk, -12. Jahrhundert), ~c.~ 774: daß ein von den Obern zu bezeichnender -Bruder, der eine Weckeruhr haben solle, die andern wecken und in jeder -Zelle für Licht sorgen müsse; dieser Brauch hat sich bis heute in den -Klöstern erhalten. - -Die vollkommenste und berühmteste Uhr des 13. Jahrhunderts ist -diejenige, welche Sultan Saladin 1232 dem Hohenstaufen Friedrich ~II.~ -zum Geschenk übersandte. Trithemius sagt ausdrücklich, die Bewegung sei -durch Räder und Gewichte vermittelt worden, und schätzt das Werk auf -die für jene Zeit ungeheure Summe von 5000 Dukaten. Diese Uhr war eine -astronomische, sie zeigte den Lauf der bekannten Planeten, sowie die -Zeichen des Tierkreises, ebenso Tag und Stunde und zwar genau. Weil uns -hier die Räderuhr bereits in hoher Vollendung entgegentritt, glauben -manche Schriftsteller, sie sei nicht eine europäische Erfindung, -sondern stamme aus dem Orient. - -Schon in diesem Jahrhundert treten die Zeitmesser in den Dienst der -Gemeinden und geistlichen Genossenschaften. 1288 wurde unter Eduard -~I.~ von England in Westminsterhall eine Schlaguhr aufgestellt, deren -Kosten aus Strafgeldern bestritten wurden. Ebenso verfertigte Richard -Wallingford, ein englischer Benediktiner, Sohn eines Schmiedes und -zuletzt Abt des Klosters St. Alban († ca. 1326), eine sehr künstliche -Uhr, welche neben den gewöhnlichen Angaben (Planetenlauf u. s. w.) auch -noch Ebbe und Flut anzeigte. Er hinterließ eine Beschreibung seines -Werkes mit dem Titel „Albion” (Anspielung auf: ~„all-by-one”~ d. h. -alles zeigt das Werk durch ein und dieselbe bewegende Kraft), welche -sich noch jetzt auf der Bodleyanischen Bibliothek zu Oxford befinden -soll. - -[Illustration: Fig. 5.] - -Bevor wir uns weiter mit der Entwicklung und Ausbreitung der -Uhrmacherkunst beschäftigen, mag hier eine kurze Beschreibung des -wichtigsten Bestandteiles jeder Räderuhr, der Hemmung folgen, speziell -jener, welche bis zur Erfindung des Pendels ausschließlich zur -Anwendung kam. (Siehe Fig. 5). - -~A~ ist das von der Triebkraft am weitesten entfernte letzte Rad, -Steigrad genannt, wie es noch in den Spindeluhren verwendet wurde. ~B~ -eine runde Stahlwelle oder Spindel, ist an einer Schnur aufgehängt, -und das Ganze am Kolben ~C~, einem Holz- oder Metallstück, befestigt. -~D~ und ~D′~ sind flache Stahlplättchen, die Spindellappen, welche an -der Welle unter einem Winkel von etwa 100° befestigt sind. ~E~ ist -die Unruhe, eine Stange aus Holz oder Eisen, auch Wage oder Balancier -genannt. An ihr sind kleine Gewichte ~F~ und ~F′~ zu beiden Seiten der -Welle angebracht. - -Der Mechanismus ist nun folgender: das Gewicht treibt unmittelbar -das erste Rad (Walzenrad) und mittelbar alle übrigen, zuletzt das -Steigrad an. Als Bewegungsrichtung gelte die des Pfeiles, so daß also -die oberen Zähne sich vom Beschauer weg, die unteren ihm zuwenden. Dem -obersten Zahn stellt sich auf seinem Weg der Lappen ~D~ entgegen und -wird weggedrängt, bis das Rad vorbei kann; er kommt aber nur so weit, -als die halbe Entfernung zweier Zähne beträgt, weil dann der untere -Lappen ~D′~ sich einem unteren Zahn entgegenstemmt und nun ebenso -weggeschoben wird, wie kurz zuvor der obere. So wiederholt sich das -Spiel beständig. An der Bewegung, welche die Spindel hiebei macht, -nimmt natürlich auch der Wagebalken, die Unruhe teil. Sie dreht sich -also, wenn ein oberer Zahn an den Lappen stößt, in der einen, und -wenn ein unterer gehemmt wird, in der entgegengesetzten Richtung. So -wirkt jeder Stoß eines Zahnes als Antrieb auf die Unruhe und zwar so -lange, bis das Gewicht abgelaufen ist. Dies würde sehr rasch geschehen, -wenn nur 2 oder 3 Räder verwendet würden; durch Zwischenglieder -(Uebersetzungen) kann man das Fallen des Gewichtes, also auch den -Gang der Uhr leicht bis zu einer gewissen Grenze verlängern. -- Es -liegt auf der Hand, daß die Unruhe um so langsamer schwingen wird, je -weiter ihr Schwerpunkt nach außen liegt, oder kurz gesagt, je größer -ihr Trägheitsmoment ist. Die Größe dieses Trägheitsmomentes kann aber -beliebig verändert werden durch Verschiebung der Gewichte ~F~ und ~F′~; -dadurch wird auch die Uhr selbst reguliert. Geht sie z. B. vor, so -werden die Gewichte nach außen, geht sie aber nach, gegen die Spindel -zu verschoben. (Auf ähnliche Weise wirkt bei unsern Taschenuhren der -sogenannte Korrektionsrechen, durch Verkürzung, bezw. Verlängerung des -schwingenden Teiles der Unruhefeder). - -[Illustration: Fig. 6.] - -Mit der Erfindung der Hemmung war außerordentlich viel gewonnen; das -Gewicht konnte nur fallen, so oft ein Zahn am Lappen der Spindel -vorbeiging und nur so lange, bis der entgegengesetzte Lappen den -nächsten Zahn ergriff. Der nächste Zahn derselben Seite traf aber -erst auf die Hemmung, nachdem der entgegengesetzte die Unruhe auf die -andere Seite gedreht hatte. So machte die Wage noch einmal soviel -Schwingungen, als das Kronrad (Steigrad) Zähne besaß. Um den Gang der -Unruhe gleichmäßiger zu machen, ist die Spindel durch eine Schnur am -Kolben ~C~ aufgehängt. Wenn nämlich die Unruhe sich nach einer Richtung -dreht, wird die Schnur immer stärker gespannt, sie strebt also wieder -und zwar mit stets vermehrter Kraft in ihren ursprünglichen Zustand -zurückzukehren und hemmt so den Wagebalken. Wir haben also hier schon -die Spiralfeder unserer Taschenuhren in ihrem ersten Anfang. -- Es -wird sich später noch Gelegenheit bieten, über die Mängel der alten -Räderuhren zu sprechen; die Wagehemmung aber wurde bis zur Pendeluhr, -und an den Schwarzwälderuhren bis zu Ende des 18. Jahrhunderts -vielfach beibehalten. In Kabinetten und Sammlungen findet man noch -viele derartige Uhren. Um eine genaue Vorstellung einer Waguhr zu -ermöglichen, fügen wir hier zwei Ansichten einer solchen bei (Figur 6 -und 7). Von der Größe alter Uhren kann man sich einen Begriff machen, -wenn man hört, daß an der Uhr, welche Heinrich von Vick für Karl ~V.~ -von Frankreich machte, das Gewicht des Schlagwerkes 5 Zentner betrug -und in 24 Stunden 32 Fuß herabstieg; es gab aber auch Gewichte bis zu -zwölf Zentnern. Auf manchen Türmen befinden sich noch solche Ungetüme -von Uhren, ganz aus Schmiedeisen verfertigt, mit Rädern von 2-3 Fuß -Durchmesser und Pendel von 20 bis 30 Fuß Länge.[29] - -[Illustration: Fig. 7.] - -Nun zur Verbreitung der Uhren! Im Verlauf des 14. und 15. Jahrhunderts -eroberten sie sich die ganze zivilisierte Welt, und in verhältnismäßig -kurzer Frist war nicht bloß jede Stadt, jeder Palast oder jedes Kloster -im Besitze eines derartigen Zeitmessers, sondern diese bildeten auch -den Schmuck des Salons wie des bürgerlichen Hauses, natürlich in -entsprechender Ausführung. Schon im jüngeren Titurel (ca. 1270 verfaßt) -wird unter andern kostbaren Zieraten des hl. Graltempels auch eine -Räderuhr erwähnt (~„orolei”~), welche die goldfarbene Sonne und den -silberweißen Mond in Bewegung setzte, ohne daß man von den Rädern etwas -sah; goldene Cymbeln verkündeten die sieben Tagzeiten und die sonstigen -Stunden des Gebetes und Gottesdienstes. Dante (1265-1321) erwähnt in -seiner Göttlichen Komödie die Uhr mehrfach, so z. B. Paradies, ~XXIV.~ -V. 13: - - ~E come cerchi in tempra di oriuoli - Si giran si, che il primo a chi pon mente - Quieto pare e lo ultimo che voli,~ ... - -(„Und wie gemeßnen Ganges des Uhrwerks Räder sich drehen, so daß das -erste dem Betrachter zu stehen scheint, und das letzte scheint zu -fliehen.” Philalethes[30]). Auch ein anderer Zeitgenosse des berühmten -Florentiners, ~Jean de Meun~, mit dem Zunamen ~Clopinel~ († ca. 1320), -der Fortsetzer des berühmten ~„Roman de la Rose,”~ singt (V. 21288 u. -ff.) von der Räderuhr: - - ~Et refait sonner ses horloges - Par ses salles et ses loges - A roës (roues) trop sotivement (très-adroitement) - De pardurable movement.~ - -Aus diesen Stellen geht hervor, daß schon im 13. oder zu Anfang des -14. Jahrhunderts die neuen Zeitmesser weit verbreitet waren. Vom -alten Kulturland Italien wissen wir dies auch aus andern Quellen ganz -bestimmt. So berichtet Fiamma, der Chronist des Klosters St. Eustorgius -in Mailand, daß 1306 der Glockenturm einen neuen Stern erhalten habe -und die eiserne Uhr vergrößert (?) worden sei (~horologium ferreum -multiplicatur~). Dies ist, so viel bekannt, die älteste Uhr Italiens; -es mag jedoch schon früher derartige Werke gegeben haben, denn -Fiamma spricht von der erwähnten Uhr als etwas ganz Gewöhnlichem. -Derselbe Schriftsteller sagt auch, daß unter der Regierung von ~Azo -Visconti~ (1328-1339) auf dem Turm der St. Gotthardkirche eine -bewunderungswürdige Schlaguhr erstellt worden sei; „es befindet sich -an derselben ein sehr dicker Klöppel, welcher 24 mal auf eine Glocke -schlägt, gemäß den 24 Stunden des Tages und der Nacht; derart nämlich, -daß sie in der ersten Nachtstunde einen Schlag gibt, in der zweiten -zwei u. s. w. und so Stunde von Stunde unterscheidet, was höchst -notwendig ist für jeglichen Beruf.” - -Die berühmtesten Uhrmacher Italiens sind zwei Mediziner von Padua, -Jakob und sein Sohn Johannes, aus der alten Familie ~de Dondis~. Nach -der Chronik dieser Stadt wurde auf Befehl Ubertinos von Carrara, dem -Padua gehörte, im Jahre 1344 auf dem Stadthaus eine Uhr erstellt, die -24 Stunden zeigte. Sie war das Werk Jakob de Dondis, der zu jener Zeit -lebte, wie aus seiner Grabschrift hervorgeht; sein Todesjahr fällt um -1350. - -Johannes, der Sohn des vorigen, 1318-89, war als geschickter Uhrmacher -noch viel berühmter. Er verfertigte eine Räderuhr, welche den -Planetenlauf anzeigte und als eine Art Weltwunder angestaunt wurde. -Von allen Seiten strömten Künstler und Astronomen herbei, das Werk -zu schauen. Ein Freund und Zeitgenosse Johannes de Dondis, Philipp -de Mazières hat uns in seinem Werke ~„Songe du vieil Pélerin”~ eine -Beschreibung davon hinterlassen.[31] Nach derselben hätte das Werk -aus sehr vielen (200) Rädern bestanden; alles aus Messing oder Kupfer -von Johannes selbst gearbeitet während eines Zeitraumes von 16 -Jahren. Michael Savonarola, der Großvater des berühmten Fra Girolamo, -berichtet, daß das Werk nach dem Tode des Urhebers stille gestanden, -daß aber niemand sich getraute, eine Reparatur vorzunehmen, bis -endlich ein französischer Astronom es mit vieler Mühe wieder in Gang -gebracht habe. Von dieser in ganz Italien und weit über dessen Grenzen -hinaus berühmten Uhr erhielt die Familie de Dondis den Beinamen ~„ab -Horologio”~ (~degli orologi~). - -Johannes de Dondis war außer durch seine mechanische Geschicklichkeit -noch berühmt als gelehrter Arzt und Astronom. Er genoß die -Freundschaft Petrarcas (1307-74), welcher, obgleich erbitterter -Feind aller Aerzte, Johannes hoch schätzte und mehrere Briefe an -denselben richtete. In einem derselben sagt er, die Medizin sei für -ihn (Johannes) doch nur ein Anhängsel, so daß er noch größer geworden, -ja bis zu den Sternen gestiegen wäre, hätte nicht die unglückselige -Arzneikunst ihn gehemmt. Petrarca bedachte seinen Freund im Testament -mit 50 Dukaten, damit er sich einen Ring kaufe und ihn zum Andenken -tragen möge. - -[Illustration: Fig. 8.] - -Zu den ältesten beglaubigten Uhren, die noch vorhanden sind, zählt -jene von Dover-Castle aus dem Jahre 1348. Gerland bringt in Westermanns -Monatsheften 1884 eine Abbildung davon (Fig. 8). Er sagt, daß dieses -Werk fünf Jahrhunderte lang, von 1348-1872 die Stunden schlug. Nach dem -gleichen Schriftsteller würde diese Uhr aus der Schweiz stammen, was -aber von anderer Seite bestritten wird. - -1353 ließ der Erzbischof von Mailand, Johann Visconti, eine Uhr in -Genua errichten; sie wird als „ein schönes und genaues Werk” (~pulcra -et subtilis fabrica~) gerühmt, das jede Stunde des Tages und der -Nacht schlug.[32] Drei Jahre später folgte Bologna dem Beispiele der -Genuesen (~Murat. l. c. t. XVIII, p. 444~). „Am achten April wurde -die große Glocke, welche auf dem Palaste des Messer Giovanni Pepoli, -des Herrn dieser Stadt, sich befand, herabgenommen, in den Hof des -Stadthauptmanns geführt und auf dem Turm daselbst aufgehängt; es war -das die erste Gemeindeuhr von Bologna, sie schlug zum erstenmal am 19. -Mai.” Alle Bolognesen über 20 Jahren mußten an diese Uhr eine Steuer -von einem Soldo und 6 Denaren bezahlen. -- Die Herren der italienischen -Städte wetteiferten im 13. und 14. Jahrhundert überhaupt mit einander, -ihre Paläste mit prächtigen Uhren zu zieren, so daß diese bald -allgemein verbreitet waren. - -Zu den ersten öffentlichen Uhren Frankreichs zählt Dubois diejenige von -Caen, welche 1314 auf einer Brücke daselbst aufgestellt wurde mit der -Inschrift:[33] - - ~Puisque la ville me loge - Sur ce pont pour servir dʼorloge, - Je feray les heures ouir - Pour le kommun peuple réjouir. - Mʼa faite Beaumont 1314.~ - -(Da die Stadt mich auf diese Brücke stellt, als Uhr zu dienen, so will -ich zur Freude des Volkes die Stunden hören lassen. Mich hat Beaumont -gemacht 1314). Dieser Angabe widerspricht jedoch entschieden der -Uhrmacher und Forscher Hainaut von Rouen. Nach ihm wurde eine Glocke -„Uhr” genannt, weil sie dazu diente, gewisse Tageszeiten durch ihr -Geläute dem Volke kund zu geben. Zudem war die Normandie, als Karl ~V.~ -durch den gleich zu erwähnenden Heinrich von Vic 1370 für Paris eine -Uhr anfertigen ließ, schon lange mit der Krone vereinigt. Sicher hätte -man nun doch einen fähigen Inländer dem Fremden vorgezogen. Aus all dem -geht hervor, daß eine eigentliche Uhr 1314 in Caen nicht existierte, -daß aber auf einer Glocke Zeichen gegeben, resp. durch einen Wächter -die Stunden geschlagen wurden, entweder nach dem Stande der Sonne, -oder nach den Angaben einer Wasser- oder Sonnenuhr (Ausführliches über -diesen Punkt siehe bei Saunier-Speckhart: Geschichte der Zeitmeßkunst. -Bautzen. S. 207 u. ff.). - -Dijon besaß eine sehr berühmte Uhr, welche Herzog Philipp der Kühne -von Burgund von Courtray, dem ursprünglichen Standorte, 1382 auf -Wagen verladen und samt der Glocke nach Dijon bringen ließ. Diese Uhr -schlug alle 24 Stunden des Tages.[34] Hier finden sich auch zuerst -zwei Automaten, sogenannte ~„Jacquemarts”,~ ein Mann und eine Frau; -später kam noch die Figur eines Kindes hinzu. Einige Autoren leiten -das Wort ~Jacquemart~ ab von dem barbarischen lateinischen Ausdruck -~„jaccomarchiadus,”~ was Panzerhemd heißen soll; wahrscheinlicher -ist jedoch die Ableitung vom Namen des ersten Erstellers Jaques -Marck, eines Uhrmachers, der im 14. Jahrhundert lebte und diese -Zugabe erfunden haben soll. (~Jacquemart~ war auch ein Spottname der -Nachtwächter.) - -[Illustration: Fig. 9.] - -Geschickte Künstler waren aber in diesen Zeiten eine Seltenheit. Karl -~V.~ von Frankreich ließ 1370 in Paris eine Uhr herstellen durch einen -Deutschen, Heinrich von Vic oder Wick. Dieser erhielt als bescheidenen -täglichen Lohn 6 Pariser Sous, nebst freier Wohnung im Turm, wo die -Uhr aufgestellt werden sollte. Derselbe König ließ auf seinem Schloß -~Montargis~ (~Loiret~) durch ~Jean Jouvence~ 1380 eine Uhr errichten; -1372 erhielt Sens eine solche; Karl ~V.~ bezahlte die Hälfte der -~„lanterne.”~ Auxerre folgte ungefähr um dieselbe Zeit; 1391 finden wir -in Metz die neue Erfindung erwähnt. Die berühmteste Uhr Frankreichs -wurde erst etwa 200 Jahre später erstellt in Lyon, durch den Basler -Künstler Nikolaus Lipp. Sie galt als würdige Nebenbuhlerin des -Straßburger Werkes. - -Unsere Abbildung (Fig. 9) gibt eine Ansicht der berühmten Uhr, die in -der ehrwürdigen Kathedrale in St. Jean aufgestellt ist. 1578 von Lipp -verfertigt, wurde sie im Jahre 1660 von Wilhelm Nourisson repariert -und beträchtlich vervollkommnet; 1780 wurde eine neue Reparatur nötig, -welche Charny besorgte, zuletzt besserte M. Maurier das alte Werk aus. -Wie die meisten derartigen Kunstuhren zeigt auch das Werk des Basler -Künstlers den Lauf der Gestirne sowie einen ewigen Kalender. Stunden -und Minuten, Tag, Monat und Jahr, die Mondphasen etc. werden angegeben, -die Wochentage sind bezeichnet durch Figuren, die um Mitternacht -wechselnd, in einer Nische erscheinen. Die Bewohner Lyons sind ebenso -stolz auf ihre Uhr, als die Straßburger auf das berühmte Werk des -Dasypodius. - -Leider gingen viele derartige Kunstdenkmäler im Sturme der Revolution -unter, selbst in unserer Zeit zerstört hie und da ein unbegreiflicher -Vandalismus den einen oder andern Ueberrest frühen Kunstfleißes der -Vorfahren. So hatte, um nur ein Beispiel zu nennen, die berühmte Uhr -von Bourges von 1423 bis 1872 allen Gefahren getrotzt, um dann auf -Befehl eines aufgeklärten Magistrates ohne Grund zerschlagen und zum -alten Eisen geworfen zu werden! Einzig das Zifferblatt blieb und -dient jetzt einer modernen Fabrikuhr. Verfertiger des Werkes war Jean -Furoris, Canonicus von Paris und Reims; der Preis stellte sich auf 60 -Goldgulden, die durch allgemeine Beisteuer aufgebracht wurden. Das -Ganze bestand aus 26 Rädern und Scheiben. - -Wenn schon 1370 ein Deutscher Karl ~V.~ eine Uhr erstellte, und 200 -Jahre später ein Basler Lyon durch sein Kunstwerk berühmt machte, -wenn 1368 Eduard ~III.~ von England drei Uhrmachern, die er aus Delft -berufen hatte, seinen Schutz angedeihen ließ, so läßt dies alles -schließen, daß auch in deutschen Landen die Uhrmacherkunst schon sehr -frühe Wurzel gefaßt und sich rasch zu hoher Blüte entwickelt habe. In -der Tat beweisen vielfache Nachrichten, daß in Deutschland die Uhren im -14. Jahrhundert bekannt waren. So erhielt, um einige Namen anzuführen, -1368 Breslau sein erstes Schlagwerk durch Meister Schwelbelin; -Frankfurt a. M. 1383 durch Johann Orglocker aus Hagenau; 1359 ist -die Frankenberger Pfarrkirche im Besitze einer Uhr; 1396 der Dom zu -Magdeburg; 1395 Speier; 1398 Augsburg; Mainz 1369; Kolmar 1370; Köln -ca. 1385; Metz 1391 u. s. w. - -Das Germanische Museum in Nürnberg besitzt eine der ältesten -Räderuhren, die noch erhalten sind (Fig. 10). Sie stammt aus dem Jahre -1392 und gab auf dem südlichen Sebaldusturme stehend, dem Wächter -die verflossenen Stunden an, damit er sie durch Schläge auf die -große Glocke der Stadt verkünde. Es ist das Verdienst des bekannten -Geschichtsforschers auf dem Gebiete der Uhren, Hofuhrmacher G. -Speckhart in Nürnberg, dieses Stück gerettet zu haben. Wir geben im -Folgenden die Beschreibung kurz nach den Ausführungen des genannten -Forschers (Saunier, a. a. O. 235 u. ff.). Die Uhr ist ganz aus Eisen -gebaut, ihre Höhe mißt 40 ~cm~. Das Zifferblatt hat einen Durchmesser -von 28 ~cm~. Es war am Umfang mit 16 Nieten versehen, die oberste, -da wo jetzt die Ziffer 12 angebracht wird, war mit einem Stachel -versehen. Speckhart entfernte den Anstrich von 2 Zifferblättern, -bis er das ursprüngliche aufdeckte. Die Uhr zeigte 16 Stunden, ging -also nach der sogenannten „großen (Nürnberger) Uhr,” welche den Tag -von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang maß. Die Nieten dienten dem -Wächter in der Dunkelheit, um die Zeit abzulesen, der Stachel war der -Anfangspunkt der Zählung. Ein Schlagwerk ist nicht vorhanden, wohl -aber ein Wecker, der alle Stunden abläuft. Man mußte sich also bis zur -Erfindung der selbstständigen Schlaguhren auf diese Weise behelfen und -kam auch ganz gut zustande damit. - -[Illustration: Fig. 10.] - -In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts treffen wir auch in der -Schweiz in den meisten größeren Städten Räderuhren. - -So in Basel 1381. Vergl. Fechter: Basler Taschenb. 1852. Dort wird auf -ein Urteil hingewiesen, das gegen einige wegen nächtlicher Ruhestörung -gesprochen wurde, weil sie nachts „_da die Glogge zwey geslagen hatte_, -den Lüten uf Colahüsern und zu Crüze ir thüren ufbrachent.” Ebenso -findet sich in den Rechnungen der Münsterfabrik folgender Posten: ~pro -materia dicta~ „möschin trat” ~ad horologium~. Nach Boos (Geschichte -der Stadt Basel, 1877, ~I.~ S. 239) erhielt auch der Martinsturm -gegen Ende des 14. Jahrhunderts eine Uhr, die 1475 verbessert und auf -den Georgsturm verbracht wurde. 1407 wird ein „Orlei” auf dem Rathaus -erwähnt. - -Eine Eigentümlichkeit der Basler Uhren, daß sie nämlich eine Stunde -vorausgingen, hat Simrock in dem launigen Gedichte: „Die Basler Uhr” -behandelt, von welchem wir hier einige Strophen anführen wollen: - - Wenn wir die Basler necken, - So istʼs um ihre Uhr, - Sie sei in ein jedem Stücke - Wohl hundert Jahr zurücke - Und vor ein Stündchen nur. - -Simrock berichtet, wie 1271 die Stadt einst um 12 Uhr nachts überfallen -werden sollte, was der Glöckner noch kurz vor Mitternacht erfuhr; -rasche Tat war jetzt nötig: - - So schlug es gar nicht Zwölfe - und auch nicht wieder Elfe, - Es schlug gleich Eins vom Turm. - -Damit war der Ueberfall vereitelt. - - Die (Uhr) ließ man zum Gedächtnis - Nun gehen immer so, - und noch in unsern Tagen - Die Basler Glocken schlagen - Eins mehr als anderswo. - Doch auf dem Turm der Brücke - Da guckt ein Kopf hervor, - Der 60 Mal die Stunde - Die Zunge reckt im Munde - Den Feinden vor dem Tor. - und neckt ihr nun die Basler, - Verdirbt man euch den Spaß; - Sagt ihr, sie seiʼn zurücke, - Führt man Euch auf die Brücke - Und sagt: „Wie gʼfallt euch das?” - -Ueber den Grund dieser Abnormität sind die Geschichtsschreiber der -Stadt nicht einig. Groß (Kurtze Basler Chronik, 1624) sagt, es sei -um 1433 diese Aenderung eingeführt worden, „zur Beförderung des -Konziliums, daß, da es sonst 12 Uhr schlagen sollte, die Uhr eins -geschlagen ... J. Stumpfius haltet dafür, diese Aenderung werde -gehalten zu einem ewigen Gedenkzeichen eines mordtlichen Ueberfalls -wider die Stadt” (S. 76). Daniel Bernoulli hielt die ungenaue -Orientierung des Münsters und die hieraus erfolgte unrichtige -Konstruktion der Sonnenuhr, nach welcher die Stadtuhr gerichtet -wurde, für die Ursache. Streuber (die Stadt Basel) (S. 377 ff.) -schreibt hierüber: „Eine Eigentümlichkeit Basels, die bis zum Jahre -1798 bestanden, war, daß die Uhren eine Stunde früher zeigten, als -anderswo. Vergebens suchte der Rat im November 1778 die Sonderbarkeit -abzuschaffen, schon im Januar 1779 mußte der alte Stundenschlag wieder -eingeführt werden. Den Grund dieser sonderbaren Abweichung der Basler -Stadtuhren von allen übrigen kennt man nicht. Daß man bei einer -Verräterei 1271 den Zeiger vorgerückt, ist ebenso unbegründet, als daß -die besondere Stundenrechnung daher rühre, daß die erste Sonnenuhr -unrichtig auf die östliche Lage des Chores gegründet worden sei. Die -älteste Schlaguhr Basels ist erweislich aus dem Jahre 1380. Da diese -Uhren aber von untergeordneten Personen, Schlossern u. s. w. gerichtet -wurden, so schiebt man wohl am besten diese Unrichtigkeit auf Rechnung -der Unkenntnis dieser Leute; einmal eingewurzelt, konnte sie nicht mehr -ausgerottet werden.” - -Soweit Streuber. Hiezu bemerkt Speckhart (a. a. O. S. 222): „die -oben ausgesprochenen Ansichten und Nachrichten über die sonderbare -Schlagweise der alten Baseleruhr sind nicht stichhaltig. Die uns so -eigentümlich berührende Schlaganordnung, nach welcher die alte Basler -Uhr _eins_ schlug, wenn alle Uhren der unter dem gleichen Längengrad -liegenden Orte der Welt _zwölf_ schlugen, scheint eine wohl erwogene -und richtig begründete Bewandtnis zu haben. - -Stellen wir uns vor, daß, wenn es bei uns 12 Uhr schlägt, der höchste -Stand der Sonne, der Mittag eingetreten ist. Die Mittagsstunde, -d. h. die 12. Stunde ist somit bei uns _beendigt_. Anders war das -an der alten Basler Uhr: sie schlug 12 Uhr, wenn die 12. Stunde, die -Mittagsstunde, ihren _Anfang_ nimmt, also in dem Augenblick, wenn -es bei uns 11 Uhr schlägt. Der Mittag, der höchste Stand der Sonne, -fällt demnach bei der Basler Uhr nach Verlauf der 12. Stunde mit -dem Glockenschlag _eins_ zusammen. Beide Zählarten der Stunden sind -richtig, denn die sich ergebende Differenz von einer Stunde liegt in -Wirklichkeit gar nicht vor.” - -Als weitern Grund erwähnt Speckhart noch, daß die Stundenmeldung erst -nach abgelaufener Zeit, eigentlich nur für den ersten Schlag gelte, die -übrigen Schläge aber sozusagen zu spät kommen. Deshalb wäre es nach ihm -richtiger gewesen, den abgelaufenen Mittag nur durch _einen_ Schlag zu -bezeichnen, also da _eins_ schlagen zu lassen, wo die gewöhnliche Uhr -12 schlägt. Diese Auffassung ist ja mathematisch unstreitig richtiger, -es scheint uns nur fraglich, ob man früher, wo der Wert der Zeit lange -nicht wie heute gewürdigt ward, so spitzfindig zu Werke ging. Immerhin -ist das eine Erklärung, die vieles für sich hat. Ein weiterer Umstand -fällt nach unserem Ermessen noch schwer in die Wagschale zugunsten -dieser Ansicht: eine von Stradanus gezeichnete Uhrwerkstätte aus dem -16. Jahrhundert zeigt eine Uhr mit der eigentümlichen Einteilung des -Zifferblattes, daß da eins steht, wo unsere Uhren 12 zeigen. Auch eine -Art „Lällenkönig” ist über der Mitte des Zifferblattes angebracht. -Unsere Abbildung (Fig. 11) gibt diesen interessanten Stich wieder. - -Der Kopf, den Simrock erwähnt, ist der berühmte „Lällenkönig,” -ebenfalls von einer Uhr getrieben. Er befand sich über dem Zifferblatt -der Uhr des nun abgetragenen Rheintores von Großbasel, auf der Seite -gegen Kleinbasel. Von Zeit zu Zeit streckte derselbe seine Zunge -heraus und zog sie wieder ein. Diese Figur war zum Wahrzeichen Basels -geworden und befand sich bis 1839 auf der Brücke: jetzt ist sie im -mittelalterlichen Museum, wo sie zeitweilig ihre Tätigkeit wieder -aufnimmt, aber nicht bloß zur Freude der Handwerksburschen und Kinder -wie ehedem, sondern auch aller derjenigen, welche es bedauern, daß dem -oft urwüchsigen, im ganzen aber harmlosen Humor der Alten keine Stätte -mehr gegönnt wird im unruhigen Hasten unserer Tage. - -[Illustration: Fig. 11.] - -Man erzählt auch, die Kleinbasler hätten sich durch eine noch derbere -Karrikatur gegen Großbasel hin gerächt. - -Für Luzern fertigte der Basler Heinrich Halder im Jahre 1385 eine Uhr -an, welche zuerst „uf dem graggen turne” aufgestellt war und sich -jetzt auf dem „Zytturm” befindet. (Vergl. auch v. Liebenau, das alte -Luzern, an verschied. Orten). Der Meister hinterließ eine interessante -Anleitung zur Regulierung und Behandlung dieser Uhr, aus welcher hier -einige Sätze folgen mögen (Geschichtsfreund ~I~, S. 87). „Als du das -Vrleiy (Uhr) wit richten, und das nider gewe (Gewicht) uf ziehen, oder -ab lan, so tuo das Frowen gemuete (die Wagunruhe) von dem Rade oder -us dem Rade do es Inne gat, und behab das Kamprat sicher in der hant, -oder das gewege verlieffe sich als balde, dass das werg vil liechte -breche.... Und so das Frowen gemuete ze balde (schnell) gat, des dich -dunkt, so henke di bli kloetzli vaste hin us an das redelin, und so -es ze trege gat, so henke sie hin In an das redelin, hie mitte macht -du es hindern und fürdern wie du wit, sunderlich darf es ze nacht -fürnderndes, wand das werg den merteil ze nacht treger got denne tages” -.... Im Jahre 1408 erhielt auch der Rathausturm eine Uhr. -- In Zürich -schloß der Rat 1366 mit dem Werkmeister Konrad von Klothen einen -Vertrag über den Bau und Unterhalt einer Uhr auf St. Peter. (Vergl. -Salom. Vögelin, Das alte Zürich; neue Auflage; 1879-90.) - -Bern hatte in seinem Zytglockenturm, ungefähr aus der nämlichen Zeit, -eine Merkwürdigkeit ersten Ranges. - -[Illustration: Fig. 12.] - -Diese Stadt hatte anfangs des 16. Jahrhunderts drei Zeitglocken; -eine auf Nydeck, eine im obern Spital und diejenige, welche uns hier -beschäftigt. Aber auch diese Uhr war keineswegs die erste, denn schon -eine Rechnung aus dem Jahre 1499 bemerkt, daß dem „Zitgloggenrichter” -4 pfd. verrechnet wurden. Ebenso 1519: „dem Zitgloggenmacher uff -sin arbeit des _wärchs_ der Zitgloggen, mit sampt dem trinkgeld den -Knechten 109 ℔ 10 ß.” „Zitgloggenrichter” hieß der Angestellte, der die -Uhr im Stand zu halten hatte. 1526 wurde Kaspar Bruner für dieses Amt -gewählt. Er legte dem Rate bald ein Projekt für eine ganz neue Uhr vor, -welches auch genehmigt wurde. „Ist mit Brunner dem slosser überkommen, -daß er die reder zu der Zitgloggen machen soll, wie er die mustrung -anzöngt, umb 1000 gulden (ca. 30000 Fr.) und ime alle fronvasten darzu -10 pfund geben und soll die zitgloggen richten wie vor und darzu acht -haben, alls lang ~m. h.~ das gevellig.” Höchst wahrscheinlich wurde -alles, auch das Spielwerk von der Hand desselben geschickten Meisters -gefertigt. Vollendet wurde das Werk schon 1530 (nicht erst 1534), wie -eine am eisernen Gehäuse des Räderwerkes angebrachte Tafel zeigt: -„Kaspar 1530 Bruner.” Nur der geharnischte Stundenschläger scheint -älter zu sein; er hieß „Hans v. Thann.”[35] - -[Illustration: Fig. 13.] - -Die älteste Beschreibung des berühmten Werkes stammt aus dem Jahre -1534. Der Ulmer Fischer bereiste als Handwerksbursche die Schweiz -und zeichnete überall die Merkwürdigkeiten auf, die er gesehen. Die -Zeitglockenuhr hat er sogar abgezeichnet; merkwürdigerweise zählt er -die Ziffern von rechts nach links! Wir lassen diese Beschreibung in -ihrem treuherzigen Wortlaute folgen:[36] ... „Jetzt will ich schreyben, -wie fisierlich es vff ainander gadt vnd folgt also: wan es will anfahen -schlahen, so sytzt ain guldiner han enbor vff dem dechle, der thutt die -fligel auff vnd zu, sam (als ob) er flieg, vnd hangen an den fliglen -vil schella. Wan nun der han hat auffheren schella, so stand darneben -zwen thurnblaser, die fahen an zu blausen so artlich zusamen, als -ob sy leben. Wan sy nun ain weyl geblasen haund, so heren sie auff -blasen vnd halten ain weyl still vnd sehen sich vm, darnach so thond sy -die Kepf wider zum busaunen vnd blasen die backen auff vnd thrumeten -zusamen wie forhin. Wan sy nun haben außgeblasen, so sitz ain narr -oben uff dem dechle, der schlecht all fiertel stund, das erst fiertayl -ain straych, das ander fiertayl zweu straych, das dryt fiertayl drey -straych, vnd wan die drumeter außgeblosen haund fier straych. Wan -nun der narr die fier straych hat außgschlagen, so ist ain großer -geharnaster man zu aller oberst im thurn bey der stund, vnd so oft er -ain straych thut, so sytzt ain alts mendle daniden vnder dem hamer vnd -thurnblaser, das thut den mund auff vnd zu vnd zelt alle straych, die -er thut. Vnd wan der geharnest man hat außgeschlagen, so hat das alt -mendle ain stund (Sanduhr) in der hand, die kert es vm, vnd gadt also -wesentlich uff ainander als ob es als lebendig sey. Vnd ist das, da dan -der han vnd die drumeter, der narr vnd das alt mendle ist, das ist ain -ercker, der fein firn thurn herausgadt wie ain ercker an aim hauß vnd -fein inainander verfaßt, wie ich dan alle ding fleyßig vnd ordenlich -fir augen gemalet vnd gstelt hab, sampt der stund und reder darin, auch -die zwelff zaichen, die bloneten, die ob der stund staund, als Jupiter, -Mars vnd Fenus ist nur sunst darzu gmalet, vnd auch die beeren vnd die -zwen geyger ist als nur am thurn gmalet, aber die reder vnd die zwelff -zaychen vnd Sun vnd Mon, das sellig gadt vm nach yrem lauff. Im 1534 -jar haun ich zu Bern ain gantz jar gearbayt, da haun ich diesen thurn -abgemalet.” - -[Illustration: Fig. 14.] - -Wie diese Beschreibung und die von Fischer gemachte Zeichnung beweisen, -ist die berühmte Uhr bis heute wesentlich die gleiche geblieben; nur -der Erker (Fig. 14) ist ein anderer geworden, er baut sich jetzt aus -zwei über einander gestellten Nischen auf; der Hahn steht zur Linken -des alten Mannes, gegenüber einem Löwen. An Stelle der beiden Trompeter -sind laufende Bären angebracht, welche stündlich unter dem Sitze des -alten Mannes (Sonnenkönig) ihren Umzug halten. Gruner berichtet in -„Merkwürdigkeiten der Hochlöbl. Stadt Bern” Zürich 1732, daß die Uhr -lange Zeit still gestanden, ohne daß ein Meister sich gefunden hätte, -der sie wieder herstellte. 1712 aber brachte ein Bauer aus Langnau im -Amt Trachselwald sie wieder in Gang. - -Das Aeußere des Turmes wurde leider 1770 „renoviert,” wobei die alten -Malereien verschwanden. Die Inschrift, welche damals angebracht wurde, -lautet: - -~Bertholdus V Dux Zähringiæ, Rector Burgund. Urbis conditor Turrim -et portam fecit MCXCI et renovata MDCCLXX~ (Berthold ~V.~ Herzog von -Zähringen, Regent von Burgund, der Gründer dieser Stadt, hat diesen -Turm und das Tor erbaut im Jahre 1191; die Renovation geschah 1770). - -Solothurn, diese uralte Schweizerstadt, von der Glarean behauptet, -daß sich diesseits der Alpen nur Trier an Alter mit ihr messen könne, -besitzt auch eine merkwürdige alte Uhr. Sie befindet sich auf dem -aus dem 12. Jahrh. stammenden Turm auf dem Marktplatz. Zum erstenmal -wird dieses Gebäude 1408 in einem Protokoll als Uhrturm erwähnt. Im -Jahre 1452 wurde daselbst eine Uhr aufgestellt, ebenso der Automat, -welcher die Stunden schlägt. Joachim Habrecht (der Vater der beiden -Habrecht, welche die Straßburger Uhr erbauten?) erstellte 1545 die -jetzige Uhr. Sie hat 4 Zifferblätter, das gegen den Marktplatz sehende -mit zwei Zeigern, die übrigen weisen nur die Stunden. Das Uhrwerk -selbst stellt einen Würfel dar von 1,6 ~m~ Länge, 1,7 ~m~ Breite und -1,7 ~m~ Höhe. Die beiden Platten (Platinen), sowie die Räder bestehen -aus Schmiedeisen, mit Ausnahme der Zähne des Hemmungsrades, welche -stählern und einzeln durch Gewinde mit dem Radumfang verschraubt sind. -Die Automaten werden vom Uhrwerk durch ein System von Hebeln betrieben. -Es sind ein Kürassier, der die Viertel auf seinem Panzer schlägt; -der König auf dem Throne, welcher alle Stunden das Scepter bis auf -das Knie senkt und der Tod, der seine Sanduhr unmittelbar vor jedem -Stundenschlag umstürzt. Oberhalb der Automaten befindet sich eine Kugel -zur Darstellung der Mondphasen, die sich an einem Sternhimmel bewegt. - -[Illustration: Fig. 15.] - -Das astronomische Zifferblatt (Fig. 15), ist unter einem Schutzdach -angebracht und über 30 Quadratmeter groß; allein der Stundenkreis -hat über 4 ~m~ Durchmesser. Wie die Abbildung zeigt, ist er in 2 mal -zwölf Stunden geteilt. Von den 3 Zeigern gibt der größte, in eine Hand -endigend, mit Zeiger und Mittelfinger die Stunden an. Der Mondlauf im -Tierkreis ist durch den zweiten Zeiger dargestellt und hat monatlichen -Umlauf; der letzte gibt den Sonnenlauf während eines Jahres an. Diese -Zeiger haben ein eigenes Räderwerk, welches von der Uhr mittels -Stangenübertragung bewegt wird. Die Malereien stammen aus dem Jahre -1583 und wurden von dem Meister Heinrich Nikolaus Knopf ausgeführt; -1880 restaurierte sie H. Jenny von Solothurn. Besonders treten S. Urs -und Victor, die Patrone der Stadt hervor. - -Hier sehen wir auch noch die Eigentümlichkeit, daß der -Viertelstundenzeiger kürzer ist als der Stundenzeiger; die -Viertelteilung stammt erst aus dem Jahre 1642. Die auf unserer -Abbildung sichtbare Türe diente zum Richten der Zeiger von innen aus. --- Die Solothurner Uhr ist neben derjenigen zu Bern eine Merkwürdigkeit -der Schweiz; möge sie sich noch recht lange erhalten als Wahrzeichen -der Stadt und des historischen Sinnes ihrer Bewohner. - -Ein Zeitmesser darf hier nicht übergangen werden: die berühmte Uhr von -Straßburg, welche im ganzen Mittelalter und bis in unsere Zeit den -Stolz und die Freude dieser Stadt bildete. Auch heute noch wird wohl -kaum ein Tourist versäumen, dem äußerst interessanten Werke seinen -Besuch abzustatten. Es galt als eines der 7 Wunderwerke Deutschlands; -an dem Portal des Domes zu Mainz stand zu lesen: Die 7 Wunderwerke -Deutschlands sind: der Straßburger Turm, der Kölner Chor, die -Straßburger Uhr, die Orgel von Ulm, die Frankfurter Messe, Nürnberger -Kunstwerke und das Augsburger Rathaus.[37] Diese Uhr wurde von Fischart -in ziemlich hölzernen Versen besungen; auch Frischlin, Xylander, -Cell, Crusis u. a. erwähnen sie in ihren Gedichten. Die neue Uhr fand -ihren Sänger in Bilharz: Die astron. Uhr von Straßburg, Gedicht in -alemannischer Mundart, 1872. - -Die erste Münsteruhr zu Straßburg wurde 1352 begonnen und 2 Jahre -später unter Bischof Johann von Lichtenberg von einem unbekannten -Meister vollendet. 1399 mußte sie repariert werden und ging später -nach und nach zugrunde. Das Gehäuse bestand ganz aus Holz und umfaßte -drei Abteilungen: zu unterst war der gewöhnliche Kalender, in der -Mitte das Astrolabium samt Stundenblatt; oben waren verschiedene -Automaten angebracht. Im Jahre 1547 beschloß die Stadtbehörde nach dem -Beispiel anderer Städte (Bern erhielt 1527 eine „gar schöne” Uhr für -den Zytglockenturm von einem auswärtigen Künstler; 1538 erstellte Hans -Luther von Waldshut eine neue Uhr auf St. Peter in Zürich um 2394 ℔, 9 -Schillinge und 2 Heller, wofür er das Bürgerrecht erhielt u. s. w.), -auch eine neue, der alten würdige Uhr anzuschaffen. „Drey fürnemme, -gelehrte und verständige Mathematici, ~Dr.~ Michael Herus, Nicolaus -Brucknerus, Christianus Herlinus und neben ihnen andere Handwerksleut” -wurden beauftragt, die Uhr in Angriff zu nehmen, „und ward das Werk so -weit gebracht, das der Uhrenmacher ettliche redder, und das gestell -verfertigt hat, der Steynmetz das geheuß auffgefürt, bis gar nach -an den helm, die Mathematici das Astrolabium auffgerissen haben: -aber solches werk ist darnach durch ettlicher absterben unnd anderer -ungelegenheit verhindert, unnd also unaußgemacht verbliben.”[38] -So stockte die Arbeit, bis 1570 Konrad Dasypodius (Rauchfuß) von -Schaffhausen, der Nachfolger Herlins als Professor der Mathematik in -Straßburg, die Sache wieder aufnahm. Er erweiterte den ursprünglichen -Plan und führte ihn auch aus; den mechanischen Teil übernahmen zwei -Landsleute, Isaak und Josias Habrecht aus Schaffhausen, (letzterer -erstellte auch 1580 die Uhr auf dem Rathause in Ulm), während zwei -andere Schaffhauser, die Maler Tobias und Josias Stimmer das Gehäuse -ausschmückten. M. David Wolkenstein aus Preßlaw unterstützte den durch -allzugroße Arbeitslast krank gewordenen Freund Dasypodius bei der -Vollendung der Uhr; 1574 war sie fertig gestellt und zur allgemeinen -Zufriedenheit ausgefallen. Das Werk war sehr künstlich gearbeitet, -es zeigte an einem Globus von drei Fuß Durchmesser alle täglichen -Erscheinungen an Sonne, Mond und den sämtlichen 1022 auf dem Globus -verzeichneten Ptolemäischen Sternen. Mehrere Scheiben zeigten z. B. -den immerwährenden Julianischen Kalender, die Mondphasen, die Zeichen -des Tierkreises u. s. w. Automaten fehlten natürlich auch nicht, so -z. B. ein Hahn, der anfangs jeden Mittag krähte, später aber, als -1640 der Blitz in ihn schlug, nur mehr an den Sonn- und Feiertagen. -Der bildliche Schmuck war sehr reich; das Porträt des Astronomen -Copernicus, das Stimmer nach einer Vorlage aus Danzig gemalt, gab -Veranlassung zur Sage, jener hätte die Uhr verfertigt. 1669 und 1732 -wurden Ausbesserungen vorgenommen; 1789 stand die Uhr still. Als 1838 -die neue Uhr in Arbeit genommen wurde, fügte man den Mechanismus -und die übrigen Teile der alten wieder zusammen und stellte sie im -Frauenhause in Straßburg aus, wo sie noch zu sehen sind. Die jetzige -Uhr wurde 1842 vollendet von J. B. Schwilgué; sie ist wohl allgemein -bekannt, so daß hier von einer nähern Schilderung abgesehen werden -kann. Das Gehäuse ist das alte von 1574, weshalb wir hier eine -Abbildung desselben geben (Fig. 16). Es sei nur noch bemerkt, daß diese -nach allen Anforderungen der modernen Wissenschaft konstruierte Uhr bis -zum Jahre 9999 richtig zeigt und dann erst eine Ziffer geändert werden -müßte, falls es möglich wäre, daß ein Werk so lange dauern kann. - -Eine Sage, die sich an die Straßburger Uhr knüpft, sei hier noch -erwähnt, die Blendung des Meisters nach Vollendung seines Werkes, -damit er kein ähnliches mehr erstellen könne. Gleiches wird auch von -Lipp, dem Erbauer der Lyoner Uhr erzählt, aber mit ebenso geringer -Berechtigung. Dieser lebte hochgeehrt und reich belohnt in Lyon; Isaak -Habrecht starb in Straßburg 1610 als Stadtuhrenmacher; sein Bruder -Josias in Kayserswerk; er hatte eine blinde Schwester, welcher Umstand -vielleicht zur erwähnten Sage Veranlassung gab. - -[Illustration: Fig. 16.] - -Die Künstler des Mittelalters waren noch nicht beeinflußt von einem -so unruhigen Gewerbsleben, wie es sich heute überall geltend macht. -Sie konnten ihre Arbeiten in aller Muße vollenden. In unserer modernen -Zeit, wo ein Fortschritt sozusagen den andern verdrängt, hat man auch -nicht mehr so viel Verständnis für Werke, deren Ausführung jahrelange -geduldige Arbeit und mühevolles Studium erfordert. Die Eindrücke kommen -zu rasch und verwischen sich entsprechend schnell wieder, wir sind eben -in gar vielen Punkten blasiert geworden. Dennoch hat es bis in die -neueste Zeit Meister gegeben, welche ihr Können an Kunstuhren erproben -wollten und es mit dem besten Erfolge auch getan haben. Bevor wir das -Gebiet der alten Kunstuhren verlassen, möge es deswegen gestattet sein, -der Zeit vorgreifend, zwei neuere Werke kurz anzuführen. - -Hier ist besonders zu nennen die astronomische Uhr von C. Julius Späth -in Steinmauern (bei Rastatt), welche u. a. das Osterfest selbsttätig -darstellt. Der Erfinder verwandte 19 Jahre auf die Erbauung dieses -Werkes, das aus 2200 Teilen besteht. -- Eine andere Uhr, die hier noch -genannt sein soll, ist jene von Hofuhrmacher Gustav Speckhart von -Nürnberg. Sie wurde erstellt im Auftrage von C. Marfels in Berlin und -bildete auf der Ausstellung von Chicago 1893 eine Zierde des „Deutschen -Hauses.” Zur Darstellung kommt das Passionsspiel von Oberammergau. -Das Innere der Uhr zählt 13 Uhrwerke; eines für die Musik, neun zur -Bewegung der Gruppen, sowie eines für den Hahnenschrei und Stunden -und Viertelschlagwerk. Das Kunstwerk wurde 1897 durch einen Brand -vernichtet, aber zum zweiten male hergestellt; 1900 vertrat es würdig -deutschen Kunstfleiß auf der Ausstellung zu Paris. Gegenwärtig befindet -sich die Uhr im Museum für Zeitmeßkunde in Schramberg. - -Vom 15. Jahrhundert an gab es bald keine bedeutendere Stadt mehr, -die nicht ihre Uhr gehabt hätte; nach allen Richtungen der Windrose -breiteten sich die neuen Zeitmesser aus. Es kann nicht unsere Aufgabe -sein, eine Aufzählung der in diesem Zeitraum erstandenen Uhren zu -geben, weshalb hier nur noch einige Länder genannt sein mögen. Im -Norden finden wir in der alten Universitätsstadt Lund eine Uhr mit -vielen Automaten aus gediegenem Silber. Als 1658 die Provinz Schonen an -die Schweden kam, wurde das kostbare Kunstwerk sogleich eingeschifft, -das Fahrzeug versank aber im Sturme und so ruht der Schatz schon -lange auf dem Meeresgrunde. Auch Upsala hatte schon frühe Uhren, wie -Erzbischof Olaf Magnus († 1544) berichtet. Er sagt,[39] zwar hätten die -nordischen Völker die Uhren erst später erhalten, ebenso die Glocken; -jetzt aber gebe es in diesen Ländern so gute und richtig gehende Uhren, -sowohl einheimischen als fremden Ursprunges, daß nur noch die richtige -Wartung für dieselben erfordert werde.[40] - -In England waren im 14. Jahrhundert die Uhren schon verbreitet. Es -läßt sich dies schließen aus einigen Stellen Chaucers (ca. 1340-1400), -des Vaters der englischen Dichtkunst, der in seinen ~Canterbury Tales~ -(~V.~ 14859 und 60) singt: - - ~Full sickerer was his crowing in his loge, - As is a clock, or any abbey orloge.~ - - (Viel sicherer konnte man nach seinem Krähen, als nach der Kirchen- - oder Abteiuhr gehen.) Bekannt ist auch, daß Shakespeare die Uhren - öfter erwähnt. - -In Spanien stellte man die erste Uhr zu Olite auf. Sevilla erhielt 1400 -eine solche; 1402 Moskau, durch einen serbischen Künstler Lazarus. - -In den ersten Zeiten der Uhrmacherkunst stellten sich die Uhren -natürlich teuer, da sie einerseits große Kenntnisse bei dem Ersteller -voraussetzten, anderseits waren der bedeutenden Größe wegen die -Materialkosten nicht gering. Später jedoch verfertigte man sie kleiner -und billiger, so daß gegen Ende des 15. Jahrhunderts auch Privatleute -im Besitze von Uhren sind. Auch verschwinden nach und nach die -Gelehrten und Astronomen als Uhrmacher, an ihre Stelle treten die -Schlosser und später die eigentliche Uhrmacherzunft.[41] Wenn nun -auch die Herstellung der Zeitmesser handwerksmäßig betrieben wurde, -so entbehrten sie vielfach doch nicht des künstlerischen Schmuckes, -weshalb solche alte kleinere Uhren sehr gesucht und wichtig sind für -das Kunsthandwerk. Mancherorts finden sich, besonders aus der Zeit der -Renaissance, wahre Perlen der Kleinkunst unter den Uhren vor. - -Die Obrigkeit beschäftigte sich bald mit der Organisation der -Uhrmacher. Sehr ausführliche, zum Teil strenge Bestimmungen enthält die -Zunftordnung der Pariser Uhrmacher vom Jahre 1544, welche im folgenden -der Hauptsache nach angeführt werden. - -1. Es ist weder einem Goldschmied, noch sonst jemand erlaubt, Uhren -oder Bestandteile derselben herzustellen, feil zu bieten oder zu -verkaufen, unter Strafe der Einziehung seiner Waren und einer Buße in -Geld; außer er habe sich als Meister in die Zunft aufnehmen lassen. - -2. Niemand darf als Meister aufgenommen werden vor Ablegung einer -Prüfung und Fertigstellung eines Probestückes in der Werkstätte eines -Aufsehers. - -3. Das zu liefernde Meisterwerk sei wenigstens eine Weckeruhr. - -4. Die Meister dürfen keine Lehrlinge annehmen für auf weniger als 8 -Jahre; einen zweiten erst, nachdem der andere 7 Jahre seiner Lehrzeit -hinter sich hat. - -5. Kein Lehrling darf älter, kein Meister jünger als 20 Jahre sein. - -6. Jeder Meister kann alle Bestandteile von beliebigem Metalle oder -Stoff anfertigen, sich auch überall niederlassen, wo er will. -- Die -beeidigten Zunftaufseher können zu jeder Zeit jede Werkstätte besuchen -und dürfen schlecht gearbeitete Ware wegnehmen u. s. w. - -Aehnliche Bestimmungen mögen auch in den Zunftsatzungen anderer Länder -sich finden.[42] - -Auf diese Weise konnte es nicht ausbleiben, daß die neue Uhrmacherkunst -zu hoher Blüte gelangte; die Uhren wurden so gut hergestellt, als es -eben der damalige Stand der Kenntnisse und die vorhandenen mechanischen -Hilfsmittel gestatteten. Deshalb sagt der Bischof Simon Majolus (lebte -gegen Ende des 16. Jahrhunderts), daß die Uhren seiner Zeit sehr -vollkommen seien, sie leisteten alles für den Menschen, es fehle nur -noch, daß sie auch für ihn studierten. - -Wenn die ersten Räderuhren oft kolossale Dimensionen aufwiesen, so -gaben die Zimmeruhren den unsrigen an Kleinheit nichts nach, übertrafen -sie aber meistens durch oft bewunderungswürdige Feinheit und Schönheit -des Schmuckes. Gezählt wurde gewöhnlich von 1-24; diese Weise hat -sich bekanntlich in Italien bis in die neuere Zeit erhalten und ist -neuerdings in einzelnen Ländern für den Eisenbahnverkehr wieder -eingeführt worden. In den nördlichern Gegenden kam später die bequemere -Zählung von zwei mal zwölf in Aufnahme, jedoch nicht erst nach der -Reformation und vielleicht als eine Folge derselben, sondern teilweise -schon viel früher. Am Rhein z. B. treffen wir die Halbierung schon -1395 und vielerorts im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts.[43] In -Breslau dagegen wurde erst 1580 durch Ratsbeschluß die halbe Zählung -eingeführt (Gelcich, S. 26). Derartige Uhren nannte man „halbe,” im -Gegensatz zu den „ganzen,” deren Zifferblatt 24 Stunden zeigt. L. -Guicciardini, der Neffe des berühmten Francesco Guicciardini rühmt in -seiner ~„Description de tous les Pais-Bas”~ (~Anvers 1582, p. 57~) die -weit bequemere Zählweise der deutschen Völker zu zweimal zwölf Stunden -gegenüber der italienischen mit 24.[44] - -Bei den ältesten Zimmeruhren drehte sich nicht der Zeiger -(ursprünglich nur einer), sondern das Zifferblatt bewegte sich um sich -selbst. Statt der Wagunruhe findet sich im Laufe des 15. Jahrhunderts -die Radunruhe, oft mit Zinnen versehen, wodurch der Gang der Uhr sehr -belebend wirkte. Nach und nach kommt auch das Gehäuse auf, welches das -Getriebe verhüllt. Ebenso soll schon im 15. Jahrhundert der geradlinige -Balancier (ein kurzes Pendel, das vor dem Zifferblatt schwingt und -sich auch noch bis ins 18. Jahrhundert erhielt) aufgekommen sein. -Bei den Tischuhren des 16. und 17. Jahrhunderts kommt es oft vor. -- -Von der Mitte des 16. Jahrhunderts an werden Uhren erwähnt, welche -auch Minuten und Sekunden anzeigen. Eine solche aus der Zeit von ca. -1540-1550 besitzt das germanische Museum in Nürnberg. Sie hat 3 über -einander angeordnete Zifferblätter: das oberste zeigt die Stunden, -das mittlere die Minuten, das dritte mit dem Bilde der strahlenden -Sonne gibt Sekunden. Der Sekundenzeiger ist auf dem Steigrad, das 30 -Zähne hat, aufgesetzt, die Zeitsekunde wird also ruckweise angegeben, -nicht wie bei unsern modernen Taschenuhren, deren Sekundenzeiger eine -fortdauernde Bewegung besitzt. - -Der große Aufschwung, den die Uhrmacherkunst im 14., 15. und 16. -Jahrhundert genommen, gereicht den Meistern jener Zeit zur Ehre, nicht -minder aber den Fürsten, welche derartige Bestrebungen tatkräftig -unterstützten. Schon früher wurde als Förderer Karl ~V.~ der Weise von -Frankreich genannt; es sind hier noch aufzuführen Maximilian ~I.~, -Gian Galeazzo Visconti, Franz ~I.~, Kaiser Karl ~V.~ von Spanien, -welcher sich wie bekannt nach seinem Rücktritt von der Regierung, in -St. Just im Verein mit dem Mathematiker Janellus Turianus viel mit der -Verfertigung von allerlei Uhren und andern mechanischen Kunstwerken -beschäftigte. Heinrich ~VIII.~ von England, Karl ~IX.~, Heinrich ~III.~ -und ~IV.~ von Frankreich waren ebenfalls Gönner der Uhrmacherkunst. - -Allʼ das konnte jedoch nicht hindern, daß die damaligen Uhren ungenau -waren; es gab ja noch keine Maschinen, sondern alles mußte mühsam -ausgezirkelt und von Hand bearbeitet werden. Die Waghemmung leidet an -manchen Fehlern; bei der oft unverhältnismäßig großen Zahl von Rädern -mußte auch die Reibung entsprechend ausfallen, was wiederum kolossale -Gewichte bedingte, diese aber nutzten das Werk rasch ab, u. s. w. Wir -dürfen in keinem Fall an die Genauigkeit unserer gewöhnlichen heutigen -Uhren denken, auch wenn eine berühmte alte Uhr in Frage kommt. - -Wenn nun trotzdem schon frühe versucht wurde, die Uhren als Zeitmesser -bei astronomischen Untersuchungen anzuwenden, so darf es uns nicht -auffallen, Klagen über die Unvollkommenheit derselben zu vernehmen -und große Ungenauigkeit im Gange festgestellt zu sehen. Als Erster -benutzte, so viel bekannt, Bernhard Walter[45] aus Nürnberg (1430 bis -1504) eine Räderuhr zu astronomischen Beobachtungen, ungefähr vom Jahre -1484 an. Seine Uhr hatte ein Stundenrad mit 56 Zähnen; aus der Anzahl -der Umdrehungen dieses Rades beobachtete er die Zeit, welche zwischen -dem Erscheinen Merkurs und der Sonne verstrich. Diese Uhr soll ganz -genau (~ad unguem~) gegangen sein. - -Die Beobachtungen sind aufgezeichnet in der 1666 und später noch -mehrfach erschienenen „Geschichte des Himmels” des Jesuiten Albert -Curtius, der aber durch Buchstabenversetzung seinen Namen in Lucius -Barettus umwandelte. Den Hauptinhalt des Werkes bilden außer den bis -dahin bekannten Beobachtungen der Alten, die Ergebnisse der Tätigkeit -Tycho Brahes. Die auf Bernhard Walter bezügliche Stelle findet sich -a. a. O. S. 52: „Im Jahre Christi 1484: Beobachtungen zu Nürnberg. -Am 16. Januar habe ich ☿ (Merkur) beobachtet, nachdem ich die Uhr, -welche von Mittag zu Mittag ganz genau gegangen, gerichtet hatte. Ich -sah aber morgens früh den Merkur in Berührung mit dem Horizonte. Im -selben Augenblicke hing ich das Gewicht der Uhr ein (~appendi pondus -horologii~), welche ein Stundenrad von 56 Zähne hat. Dieses machte -einen Umlauf und dazu noch 35 Zähne, bis der Mittelpunkt der Sonne im -Horizont erschien. Daraus folgt, daß an diesem Tage der Merkur um 1 -Stunde und 37 Minuten vor der Sonne aufging, was mit der Berechnung -ziemlich stimmt.” - -Auch Mästlein oder Möstlein (1550-1631), der berühmte Astronom und -Mathematiker zu Tübingen und Lehrer Keplers, benützte eine Räderuhr -zu astronomischen Beobachtungen. Von dieser Uhr sagt Mästlein, das -größte Rad, welches in zwölf Stunden einen Umlauf macht (Stunden- oder -Zeigerrad) habe 42 Zähne; der Trieb, welcher in dasselbe eingriff, 3 -Zähne; auf derselben Achse war das Bodenrad, an welchem das Gewicht -hängt, mit 64 Zähnen. Sein Trieb hatte 8 und das nächste Rad 54 Zähne. -Das vierte und letzte Rad mit einem Triebe von 6, zählte 21 Zähne und -gab 42 Doppelschläge. Durch Rechnung ergibt sich, daß stündlich 3528 -Schläge gehört werden. Nach der Annahme Mästleins bewegt sich nun -der Himmel von einem Schlag zum andern um 15″ 18‴; daraus berechnete -er den Durchmesser der Sonne zu 34′ 13″, indem er die Anzahl Schläge -zählte, während welcher die Sonne durch einen Meridianfaden ging. -Am 6. Dezember wurden die Beobachtungen wiederholt, es ergaben sich -aber jetzt nur mehr 137, statt wie früher 146 Schläge, so daß für den -Sonnendurchmesser 32′ 6″ erhalten wurden. Später erhielt derselbe -Astronom bloß 129 Schläge, also 29,75′. - -Mästlein schloß mit Recht aus dieser Verschiedenheit, daß die Uhr -ungenau sei; er sagt auch, sie sei einmal innert 24 Stunden ¾ Stunden -zu spät gegangen. Dies war auch bei der angegebenen Konstruktion des -Werkes gar nicht anders möglich. - -Neben Mästlein benützte der fürstliche Astronom Landgraf Wilhelm ~IV.~ -von Hessen Räderuhren. Er sowohl, als sein mathematischer Gehülfe, -Christoph Rothmann, rühmen die Genauigkeit ihrer Instrumente, welche -der Schweizer Jost Bürgi, von dem später die Rede sein wird, verfertigt -hatte. Tycho will aber nicht recht an diese Genauigkeit glauben. - -Dieser Gelehrte, der „König der Astronomen,” fällt ein ganz anderes -und wohl begründetes Urteil über damalige Uhren als astronomische -Instrumente.[46] Seine Hilfsmittel waren so sorgfältig gearbeitet, als -es damals nur möglich war. Eine Beschreibung derselben besitzen wir von -Tycho selbst, welche er durch seinen deutschen Sekretär für Wilhelm von -Hessen, mit dem er in lebhaftem Briefwechsel stand, hatte anfertigen -lassen. (Vergl. ~Epistolarum Astronomicarum libri. Uraniburgi Daniæ~, -~p.~ 219). „Ein zusammengefaßte Beschreibung, welche kürtzlich inhelt, -was für Astronomische Instrumenten der Edel und Wohlgeborne Tycho Brahe -hat anrichten lassen. ... ~VII.~ bey diesem ~Observatorio~ ist ein -groß ~Horologium~ (Uhr), welchs die Stunden, Minuten und ~Secunden~ -zeigt, und das ~paucis exceptis~, durch einige ~rotam Orichalcicam~, -welche zwey ~Cubitos in Diametro~ hat vnd in 1200 Zehne gar fleißig -außgeteilt (~sic!~). Hat auch darneben zwey ander kleinere ~Horologia~, -die deßgleichen ~Horas~, ~Minuta~ vnd ~Secunden~ zeigen.” Diese -drei Uhren waren in der Uranienburg selbst aufgestellt; der Bericht -spricht aber noch von den Instrumenten, „so außerhalb dem Schloß in -unterirdischen Gewölben ordiniert sein.” „In dem Nordwesterwinckel -hangen zwey Vhrwerk bey dem Tisch, welche die ~Horas~, ~Minuta~ und -~Secunda~ außweisen, also daß der die ~Observationes~ anschreibt, dabey -sitzen, vnd das ~Momentum~, wann die ~Observatio~ geschiecht, flux -anmerken kan.” Tycho benützte also wenigstens fünf Uhren. - -Die Gründe der Ungenauigkeit aller damaligen Räderuhren für -astronomische Beobachtungen werden gut angegeben. „Mit welchʼ -mechanischer Sorgfalt solche Uhren auch immer gearbeitet sein mögen, so -sind sie doch wegen Veränderung in Luft und Wind selbst veränderlich, -und es gibt keine Abwehr dieser Unbeständigkeit, wenn sie zur -Winterszeit in geheizten Zimmern aufgestellt sind; selbst dann nicht, -wenn die Temperatur so viel als möglich gleich gehalten wird. (Es gab -damals noch keine Thermometer!) So werden sich Schwankungen des Ganges -zeigen. Leicht kann es sich auch treffen, daß einige Zähnchen oder -Räder ungleichmäßig gearbeitet sind, so daß sie die Regelmäßigkeit des -Ganges, wenn auch nur wenig, stören, auch wenn die Uhr anfangs genau -mit der Sonne oder den Sternen übereinstimmte. Ja selbst die Schnur, -an welcher das Gewicht hängt, beschleunigt den Gang, wenn viel davon -abgewickelt ist, mehr, als wenn das Gewicht noch hoch hängt. Wenn -dieser Unterschied auch gering sein mag, so stört er doch, da ja eine -Differenz von 4 Sekunden an der Uhr, bei einem Sterne schon eine Minute -ausmacht. Auch andre Gründe raten, den Uhren nicht zu trauen.”[47] - -Es war also notwendig, um zu einigermaßen genauen Resultaten zu -gelangen, die Uhr fleißig zu korrigieren. Dies geschah entweder -durch Sternbeobachtungen, oder durch Feststellung des Sonnenstandes. -Tycho beobachtete besonders mit zwei Uhren, einer größeren und einer -kleineren; es finden sich aber doch Fehler von mehr als zwei Stunden -angemerkt von einem Tag zum andern. Das Beobachtungstagebuch ist von -derartigen Bemerkungen voll. Natürlich hatte da auch der Uhrmacher -vollauf Arbeit, und die Astronomen gerieten in große Verlegenheit, wenn -ihnen ein solcher fehlte. So ersucht auch Tycho einmal dringend Wilhelm -von Hessen um baldmöglichste Zusendung eines geschickten ~„Automatopæum -sive Horologiarium”~ (Uhrmacher), da der frühere, Crole, gestorben sei. - -Es darf uns also nicht wundern, wenn Tycho, dieser ausgezeichnete -Astronom, nach einem Ersatz der Räderuhren sich umsah, allerdings -mit negativem Erfolg. Er schildert diese Bemühungen in humorvoller -Weise. Zuerst wurde ein Versuch mit Quecksilber gemacht, das durch 3 -bis 4malige Sublimation mühsam gereinigt wurde. Es sollte eine Art -Wasseruhr hergestellt werden, wobei Tycho noch die Vorsicht benützte, -das Niveau der Flüssigkeit konstant zu erhalten. Das in einer -bestimmten Zeit ausgeflossene Quecksilber wurde gewogen, und man suchte -danach zu bestimmen, wie viel in einer Stunde, Minute oder Sekunde -ausfließen könne. Aus dem Gewichte wurde also die Zeit bemessen, um so -auf eine genauere Bestimmung der Rektaszension eines Sternes etc. zu -kommen. Tycho sagt mit Recht: „Gewiß eine mühevolle und teure Arbeit. -So erfüllte sich auch hier der Spruch des stagirischen Philosophen -(Aristoteles): Es findet sich in Merkur (Quecksilber), was immer ein -Weiser suchen mag.” Merkur der Planet bewährte indes auch hier wieder -seine Feindschaft gegen die Astronomen! - -Auch mit Bleikalk (oxydiertem Blei) versuchte Brahe durch Konstruktion -einer Sanduhr zu bessern Ergebnissen zu gelangen. Er wollte Merkur -und Saturn vereinigen, da ja nach der Meinung der Astrologen, deren -Verbindung (Konjunktion) die günstigste sei. Alles umsonst! „Aber -nicht bloß der verschmitzte Merkur vereitelte meine Bemühungen, so wie -er am Himmel die Astronomen, auf Erden die Chemiker narrt, sondern -sogar der sonst so ernste und bedächtige Saturn[48] ließ von seinem -arglistigen und heimtückischen Gebaren nicht ab, so daß schließlich die -ganze Arbeit vereitelt wurde. Dies alles erwähne ich nur deswegen so -weitläufig, damit die Freunde der Astronomie ersehen, wie schwierig es -sei, die Stellung auch nur eines einzigen Sternes am Himmel in bezug -auf die Solstitien oder Aequinoktien im voraus zu berechnen”, und fügen -wir noch bei: wie viel besser wir mit unsern weit genauer gehenden -Uhren gestellt sind, als es bei diesem großen Astronomen vor 300 Jahren -der Fall war. - -Nach allʼ dem wird das Mißtrauen Tychos gegen die angebliche -Genauigkeit der hessischen Uhren begreiflich, und müssen uns auch die -noch um 100 Jahre ältern Angaben Walthers über seine genau gehende Uhr -sehr verdächtig erscheinen. - -Kehren wir nach diesen Bemerkungen zur weitern Entwicklung der -Räderuhren zurück! - -Wenn auch die Dimensionen der Uhren nach und nach auf ein immer -bescheideneres Maß zurückgeführt wurden, so blieb man dabei doch nicht -stehen, sondern suchte sie so klein zu machen, daß dieselben auch -auf Reisen, ja sogar in der Tasche bequem nachgeführt werden konnten. -Es waren jedoch hier ganz bedeutende Schwierigkeiten zu überwinden, -bevor das Ziel einigermaßen erreicht war. Einmal fiel natürlich das -Gewicht als treibende Kraft ganz weg, und es mußte für passenden Ersatz -gesorgt werden. Dies geschah durch die gespannte Stahlfeder, welche -vermöge ihrer Elastizität das Räderwerk zu treiben im stande ist. Sie -wurde ursprünglich an eine der 4 Säulen, zwischen denen sie ruhte (das -Federhaus entstand erst später), mit dem einen, und mit dem andern -Ende an dem Wellbaum befestigt. Oben saß das sogenannte Stirnrad, -welches die übrigen Räder in Bewegung setzte. Von nachteiligem -Einfluß auf die Genauigkeit einer solchen Uhr war der Umstand, daß -sie beim Aufziehen der Feder still stand; dem wurde abgeholfen durch -Einführung des „Gesperres,” bestehend aus Sperrrad und Sperrkegel. -Beide befinden sich außerhalb der Platinen (Platten, zwischen denen das -Räderwerk angeordnet ist); das Rad läßt wohl die Bewegung zum Spannen -der Feder zu, verhindert aber durch Einklappen des Sperrkegels die -entgegengesetzte. - -Eine andere Schwierigkeit bestand in der geringen Größe der Räder einer -Taschenuhr. Wenn das Werk erträglich genau gehen sollte, so mußten alle -Teile sehr fein gearbeitet sein; gewiß keine kleine Aufgabe bei dem -damaligen Stande der Werkzeuge. - -Eine Feder wirkt um so kräftiger, je stärker sie gespannt ist; -also müßte an und für sich eine Federuhr anfänglich sehr rasch, -nach und nach aber immer langsamer gehen. Diesem Uebelstand wurde -abgeholfen durch die sogenannte Schnecke. Es ist dies, wie jedermann -bekannt, ein kegelförmiger Körper, welcher an seiner Oberfläche mit -schraubenförmigen Windungen versehen ist. Trommel (Federhaus) und -Schnecke stehen nebeneinander und sind durch eine Schnur, Darmsaite -oder Kette verbunden, von welcher das eine Ende am oberen Teil der -Trommel, das andere am unteren Teil des Kegels befestigt ist. Wird nun -die Feder aufgezogen, so strebt sie sich wieder auszudehnen, also die -Trommel in entgegengesetzter Richtung zu drehen. Wegen des Sperrrades -ist dies aber nicht möglich, ohne daß zugleich auch die Schnecke sich -drehe, wodurch allmählich die Kette von oben nach unten auf die Trommel -sich abwickelt. Nun wirkt nach den Gesetzen der Mechanik eine Kraft -um so intensiver, je länger ihr Arm ist. Sollte also der Antrieb der -gespannten Feder anfangs und gegen Ende hin sich annähernd gleich -bleiben, so mußte sie zuerst am kürzeren und nach und nach an einem -immer längeren Hebelarme tätig sein (Fig. 17). Dieser Zweck wird durch -die geniale Konstruktion der Schnecke erreicht, welche dem Scharfsinn -ihres unbekannten Erfinders alle Ehre macht. - -[Illustration: Fig. 17.] - -Ebenso wie die Erfindung der Schnecke, ist auch jene der Uhrfeder in -tiefes Dunkel gehüllt. Sicher ist, daß Henlein, wie es weiter unten -ausführlicher besprochen werden soll, Taschenuhren ohne Gewicht, also -mit Federn herstellte. Es scheint auch ohne weiteres klar, daß einem -Schlosser, und aus diesen gingen ja die Uhrmacher hervor, der Gedanke -kommen konnte, die Feder, welche schon längst in den Türschlössern -angewendet wurde, auch bei der Uhr als Ersatz des Gewichtes zu -verwerten. Die Franzosen allerdings schreiben diese Erfindung einem -Landsmann unter Karl ~VII.~ (gest. 1461) zu, ohne daß jedoch bis jetzt -eine sicher beglaubigte Uhr aus jener Zeit zum Vorschein gekommen -wäre. Wir geben hier die Abbildung eines alten Tischührchens, das die -Jahreszahl 1504 eingeritzt trägt und in so fern einigen Anhalt gäbe für -die Erfindung der Feder. Fig. 18 stellt das Aeußere dar; Fig. 19 den -inneren Mechanismus, von unten gesehen. Zum Gebrauche der Uhr während -der Nacht sind auf dem Zifferblatt Knöpfe angebracht, unter der Ziffer -12 ein etwas größerer. Ein in Fig. 18 sichtbares Türchen bei ~A~ (mit -der Jahrzahl und einem durchstrichenen ~S~) läßt den Gang der Uhr -beobachten. Jedenfalls ist dieses Werk sehr merkwürdig und gehört zu -den ältesten, die noch vorhanden sind. - -[Illustration: Fig. 18.] - -Die Hemmung der ersten Taschenuhren war ähnlich wie bei den -Gewichtuhren, also ein schwingender Balken, entsprechend verkleinert -und an den Enden verdickt nach Art eines Löffels, weshalb man sie auch -Löffelunruhe nannte. Bald trat an ihre Stelle die ringförmige Unruhe, -welche heute noch verwendet wird. Später kam noch die Spiralfeder -hinzu, und diese beiden Stücke, Unruhe und Spiralfeder, bilden die -eigentliche Hemmung der Taschenuhren.[49] - -[Illustration: Fig. 19.] - -Wann wurde die erste Taschenuhr hergestellt? Diese Frage läßt sich, -wie die bezüglich der Räderuhren, nicht genau beantworten. Allgemein -wird als Erfinder dieser nützlichen Vorrichtung Peter Henlein aus -Nürnberg und als Zeitpunkt derselben der Anfang des 16. Jahrhunderts -genannt. Diese Annahme hat auch die meisten Gründe für sich, obschon -Deutschland, England und Frankreich sich um die Ehre der Erfindung -streiten; in Deutschland im besondern die Städte Augsburg, Straßburg -und Nürnberg. Auch die Zeit findet sich verschieden angegeben; es -scheint aber sicher, daß im 15. Jahrhundert kleine tragbare Uhren -verfertigt worden seien. - -Der Ausdruck „tragbar” hat zu Mißverständnissen Veranlassung gegeben, -indem einige Stellen, wo von kleinen tragbaren Uhren die Rede ist, auf -Taschenuhren gedeutet wurden. „Tragbar” hießen auch die Zimmeruhren, -im Gegensatz zu den Turmuhren. So findet sich im Inventar Karls ~V.~ -von Frankreich eine Uhr verzeichnet, welche einst Philipp dem Schönen -(1285-1314) gehört haben soll; man hat diese Uhr ohne weitere Beweise -als Taschenuhr angesehen. Hamberger und Beckmann betrachten auch die -Uhr, welche Kaspar Visconti († 1499) besingt, als eine Taschenuhr.[50] -Sie zeigte aber außer den Stunden auch noch den Planetenlauf, die -jährlichen Feste und war mit einem Schlagwerk versehen; es ist also -schwerlich an eine Taschenuhr zu denken.[51] Wir haben demnach hier -eine Wohnungsuhr vor uns, „die damals in den verschiedenen Ländern -Europas eben aufkamen und gegen die unbeweglichen Turmuhren „beweglich” -und von einem Ort zum andern transportierbar waren, wenn sie auch noch -durch das treibende Gewicht an eine Wand gebunden waren. Sie bezeichnen -als solche gewiß einen so bedeutenden Fortschritt in der Uhrmacherei, -daß sie einen Dichter gar wohl zu einem Lobgesang auf sie veranlassen -konnten” (Friedrich a. a. O). - -Speckhart erwähnt auch eine 1494 in die Sebalduskirche zu Nürnberg -gestiftete Tafel, auf welcher ein gewisser Grundherr als Stifter einer -Uhr gepriesen wird: - - Herr Ulrich Grundherr war beflissen, - Uff eine Uhr, die hett ein Grund, - Die schlug viermal in einer Stund, - Teilt fein die Viertel alle aus, - Das bracht der Herr mit ihm zu Haus - und gabs den Herren zu verstahn, - Die hießen bald eins machen lahn. - -Also auch eine tragbare Uhr, wenn auch noch nicht eine Taschenuhr. -Du Verdier erzählt nach alten Chronisten aus der Zeit Ludwigs ~XI.~ -(1461-1483) von einem Höfling, der ein leidenschaftlicher Spieler war -und einst alles verloren hatte. Er trat in das Zimmer des Königs und -nahm eine dort befindliche Uhr weg, indem er sie in seinem Aermel -verbarg. Der Diebstahl wurde aber alsbald entdeckt, da die Uhr zu -schlagen begann. Der König verzieh dem armen Schelmen und schenkte ihm -die Uhr.[52] Ob dieses kleine Werk eine Taschenuhr gewesen, läßt sich -wegen Mangel näherer Quellenangaben nicht feststellen.[53] - -Bezüglich des Nürnberger Schlossermeisters Peter Henlein haben wir -aber positive Nachrichten. - -Ein Hauptzeuge in dieser Angelegenheit ist Johannes Cochläus, der -bekannte Gegner Luthers. Im Anhang zu seiner 1511 erschienenen -~Cosmographia Pomponii Melæ~, welche Willibald Pirkheimer gewidmet ist -und von den Vorzügen Nürnbergs handelt, sagt er u. a. folgendes: „Es -werden tagtäglich schwierigere Dinge erfunden; so hat Peter _Hele_, -ein noch junger Mann, Werke gemacht, welche selbst bei den größten -Mathematikern Bewunderung erregen; denn aus wenig Eisen (~parvo ferro~) -baut er Uhren mit sehr vielen Rädern, welche, wie immer gelegt, ohne -jedes Gewicht 40 Stunden zeigen und schlagen, auch wenn sie auf der -Brust oder in der Börse getragen werden.” Aus dieser wichtigen Stelle -ergibt sich, daß die Uhren klein und von Eisen waren; ferner, daß -eine Feder das Räderwerk trieb. Vielleicht kam Henlein durch seinen -Schlosserberuf auf den guten Gedanken, die Feder bei den Uhren zu -verwenden. Ueber das Jahr der Erfindung erfahren wir durch Cochläus -nichts; Speckhart ist geneigt, die Zeit von 1500 bis 1510 dafür -anzusetzen. Die ersten Taschenuhren wurden wahrscheinlich als Reise- -oder Kutschenuhren verwendet; eine solche von 36 Stunden Gehzeit aus -dem Jahre 1560, bewahrt das Germanische Museum. - -Cochläus schreibt Peter _Hele_; andere Schreibweisen sind Heinlein, -Henlein, Henle und statt Peter, Andreas Henlein. Es ist das Verdienst -der Herren ~Dr.~ Mayer, früher Archiv-Sekretär in Nürnberg, und -~Dr.~ Locher, die richtige Schreibweise gefunden zu haben. Mayer -durchforschte zu diesem Zwecke die Verzeichnisse Nürnberger Schlosser -von 1462 bis 1548, ohne einen Peter _Hele_ zu finden, wohl aber wird -öfter ein Peter _Henlein_ erwähnt. Dies ist also die einzig richtige -Leseart. - -Das Geburtsjahr unseres Meisters ist nicht bekannt. 1504 war Henlein -in einen Raufhandel verwickelt, welcher mit einem Totschlag endete; -Peter scheint jedoch nicht der Hauptschuldige gewesen zu sein, -wenigstens wurde nur eine Geldbuße über ihn verhängt. Wir dürfen nun -annehmen, daß Henlein damals ein erwachsener Bursche, in den zwanziger -Jahren war. 1509 wurde er Meister, was ein Alter von wenigstens 30 -Jahren erforderte. Er verehelichte sich, wann ist unbekannt; seine -Frau hieß Kunigunde. Auch eines Bruders, Hermann Henlein, geschieht -Erwähnung, welcher wegen Ermordung „eines jungen Bettelmaidle” zu -Augsburg hingerichtet wurde. Das Todesjahr Henleins ist 1542; denn im -ältesten Nürnberger Totenbuch findet sich vom 4. Juni bis 14. September -genannten Jahres der Eintrag: „Peter Henlein, Vrmacher auff St. -Katharina.” - -Wann Henlein seine erste Uhr verfertigte, ist ungewiß. 1511 wendet sich -die Nonne Felicitas Grundherrin an ihren Vater Leonhard Grundherrn, -mit der Bitte um einige „Orrlein.” Sie wurde aber von ihrer Aebtissin -getadelt, weil sie „um Lappenwerk” angehalten habe. Damals also waren -die Taschenuhren schon käuflich zu haben.[54] - -Die neue Erfindung verbreitete sich, wie leicht einzusehen, ihrer -ausgezeichneten Brauchbarkeit entsprechend sehr rasch; bei dem regen -Verkehr Nürnbergs mit fast allen Ländern war dieses auch nicht -schwer. Gemma Frisius (verdienter Schriftsteller über Astronomie und -Kosmographie, 1508 bis 1555) gab 1530 eine Schrift heraus (Prinzipien -der Astronomie und Kosmographie), worin er sagt, daß die kleinen oder -Taschenuhren erst letzthin erfunden worden seien; sie hatten sich also -in kurzer Zeit bis nach Holland verbreitet. Das South Kensington-Museum -in London besitzt Taschenuhren englischen Fabrikates aus den Jahren -1539, 1540, 1541 und 1560. -- Da die neue Erfindung hochgeschätzt -war, wurden die Taschenuhren auch zu Geschenken verwendet. So sandte -Friedrich Pistorius, letzter Abt von St. Aegidien in Nürnberg, -gestorben 1553, an Luther eine Nürnberger Taschenuhr. Sie war diesem -noch unbekannt und bewog ihn, Pistorius dafür besonders zu danken. In -seinem Schreiben sagt er u. a.: ein höchst angenehmes Geschenk; so daß -ich mich gezwungen fühle Schüler unserer Mathematiker zu werden, um -alle die Gesetze und Regeln einer Uhr zu verstehen, denn vordem habe -ich etwas derartiges nie gesehen oder beobachtet (Roth, Geschichte -des Nürnberger Handels). Auch Melanchthon soll eine von Peter Henlein -verfertigte Uhr besessen haben. Auch als Legate wurden Taschenuhren -vermacht. Parker, Erzbischof von Canterbury, bestimmte in seinem -Testament vom 5. April 1575 (Beckmann ~l. c. I.~ Bd.): ~„do et lego -fratri meo Richardo baculum meum de canna Indica, qui horologium -habet in summitate.”~ Ebenso erhielt der schweizerische Humanist -Glarean durch Oekolampadius, als Erasmus von Rotterdam gestorben, eine -Taschenuhr als Andenken an diesen. - -[Illustration: Fig. 20.] - -Ob noch von Henlein selbst herrührende Uhren vorhanden seien, ist -schwer zu sagen. Sicher besitzen viele Sammlungen Taschenuhren aus der -ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts (S. Fig. 20). Die Sammlung der Gebr. -Junghans in Schramberg, das „Neue deutsche Museum für Zeitmeßkunst” -bewahrt als eine Zierde eine Taschenuhr, die ganz von Eisen gefertigt -ist und Henlein allgemein zugeschrieben wird. Sie mißt bei 2 ~cm~ Höhe -6 ~cm~ im Durchmesser und geht 40 Stunden. Die Form ist rund. - -[Illustration: Fig. 21.] - -Eine sehr alte Uhr, die wohl in die Zeit Henleins zurückreicht, birgt -die berühmte Sammlung Marfels in Berlin. Das Gehäuse besteht aus -Bronze, die Form ist zylindrisch, das Werk ganz von Eisen. An den -Zahlen des Zifferblattes sind erhöhte Knöpfe befestigt, so daß man im -Dunkeln die Stellung des Zeigers mit den Fingern tasten kann. Bei der -Zahl 12 ist statt des Knopfes eine Spitze angebracht. Den Dienst der -Spirale versieht eine Schweinsborste (Fig. 21). - -[Illustration: Fig. 22.] - -Als Uebergang zu den „Eiern” treffen wir dort auch achteckige Uhren, -welche ja neuestens wieder nachgeahmt werden. (In dieser ganz aus -Privatmitteln erstellten und wohl vollständigsten und einzigen Sammlung -der Welt befinden sich Zeitmesser vom 12. Jahrhundert an bis herauf -zu den neuesten Erzeugnissen und aus allen möglichen Materialien. -Die Sammlung setzt sich zusammen aus der Speckhartschen Kollektion, -der Sammlung Marfels in Berlin, über welchʼ letztere im Verlag der -Deutschen Uhrmacherzeitung eine Schrift von Horstmann erschien, und -der Sammlung O. Gasser in Magdeburg.[55] -- Zwei Zeiger (für Stunden -und Minuten) kamen erst um 1700 auf; ältere Uhren haben nur einen. -Sogenannte „Nürnberger Eier” haben sich noch viele erhalten, diese -Form entstand aber erst später (ca. 1550); auch hießen die Nürnberger -Uhren nicht schlechtweg Eier, sondern „lebende Eyerlein.” Die Uhrmacher -gefielen sich bald in den seltsamsten Formen: Uhren in Kreuzform, Uhren -als Rosen, Tulpen, Sterne, Aepfel u. s. w. Die Gehäuse sind vielfach -auf das schönste gearbeitet, mit Edelsteinen und Email, heidnischen und -christlichen Figuren, Apollo und Diana, Christus, Maria etc. verziert. -(Vgl. Fig. 22. Französische Taschenuhren aus der Zeit der Valois). - -[Illustration: Fig. 23.] - -Eine originelle deutsche Arbeit ist Fig. 23, eine Totenkopfuhr. Die -obere Platine trägt den Namen des Augsburger Uhrmachers Johann Lendl. -Auf der Innenseite der Platte, die das Zifferblatt bedeckt, ist die -Inschrift eingraviert: ~„Lorlogeur francoient (?) du ducq dʼAremberque -a mons.”~ (Der französische (?) Uhrmacher des Herzogs von Aremberg in -Mons (Belgien)). Diese Inschrift scheint später angebracht worden zu -sein. Der Totenkopf ist aus Silber; das ebenfalls silberne Zifferblatt -trägt eine gravierte Darstellung des jüngsten Gerichtes (Speckhart -a. a. O. 401). - -Henlein verfertigte in seinen späteren Jahren Uhren, welche so klein -waren, daß sie in sogenannten Bisamknöpfen untergebracht werden -konnten. Auch anderwärts wurden derartige Kunststücke ausgeführt. -Peter Aretino erwähnt in einem Briefe von 1537[56] eine Uhr, welche -Gian Vincenzio, eigentlich Joh. Capobianco geheißen († 1570), in einem -Fingerring für den Großtürken verfertigt hatte. Eine andere, ebenso -kleine und noch künstlichere Uhr machte derselbe Meister für Ubaldo, -den Herzog von Urbino. Sie zeigte die zwölf Himmelszeichen, eine Figur -in der Mitte wies die Stunden; wenn der Bericht zuverlässig ist, besaß -diese Ringuhr auch noch ein Schlagwerk. Sie wurde an ihrem Verfertiger -zur Lebensretterin. Capobianco hatte nämlich in Venedig einen Feind -niedergestochen; er wurde deswegen zum Tode verurteilt, auf Fürbitte -Karls ~V.~ jedoch, der, wie bekannt, ein großer Freund geschickter -Uhrmacher war, befreit und bloß verbannt.[57] - -Es braucht wohl nicht bemerkt zu werden, daß derartige kleine Werke -nicht genau gehen konnten, sondern daß bedeutende Fehler vorkommen -mußten; dies hindert aber nicht, dem unbedingt großen technischen -Können der alten Meister alles Lob zu spenden. - -Wie Paul von Stetten in seiner 1779 und 1788 erschienenen -„Kunst-Gewerbe- und Handwerksgeschichte der Stadt Augsburg” bemerkt, -trugen daselbst die Stutzer vor Erfindung der Taschenuhren Sanduhren -an den Beinen! 1588 dagegen werden solche erwähnt, welche kleine runde -Schlaguhren vorn auf der Brust tragen. - -Auch an den Taschenuhren wurden bald Verbesserungen angebracht; ca. -1550 wurden die 4 Pflöcke, zwischen denen die Feder offen dalag, -durch das Federhaus ersetzt; 1590 führte der Genfer Gruet statt der -Darmsaite auf der Schnecke eine Kette ein, welche den Vorteil bot, -nicht hygroskopisch zu sein.[58] An den ersten Taschenuhren geschah -die Regulierung durch zwei an verschiebbaren Hebeln angebrachte -Schweinsborsten, an welche die Unruhe anprallte. Die Spiralfeder -wird Huygens zugeschrieben,[59] andere nennen den französischen Abbé -Hautefeuille von Orleans, wieder andere den Engländer Hooke als -Erfinder. Vielleicht gebührt diese Ehre allen zusammen. - -Die weiteren wichtigen Vervollkommnungen, welche die Taschenuhr im -Laufe der Zeit erfahren, werden in einem späteren Abschnitte behandelt. -Daß aber alle damaligen Uhren größeren Ansprüchen auf Genauigkeit nicht -genügten, haben die angeführten Tatsachen gezeigt. Auch die Taschenuhr -war noch keineswegs jener zuverlässige Zeitmesser, als welchen wir sie -heute schätzen. - - - - -~IV.~ - -Die Erfindung der Pendeluhr. - - -Bei den Taschenuhren war es die Erfindung der Spiralfeder durch -Huygens, bei den übrigen die des Pendels und dessen passende Anwendung, -welche die Zeitmesser zu jener Vollkommenheit brachte, die wir heute an -ihnen bewundern. - -Unter einfachem oder mathematischem Pendel versteht man einen -materiellen, dem Einfluß der Schwere unterworfenen Punkt, welcher an -einem als gewichtslos gedachten Faden hängt. Letzterer stellt die -Verbindung des beweglichen schweren Punktes her mit dem unbeweglichen -(der Achse), um welchen jener sich dreht. In Wirklichkeit findet -sich selbstverständlich ein mathematisches Pendel nie, sondern nur -das physische oder zusammengesetzte, welches durch jeden Körper -dargestellt wird, der um eine horizontale Achse schwingen kann. Es -lassen sich aber die Gesetze dieses Pendels auf die des mathematischen -zurückführen; Galilei und Huygens beschäftigten sich zuerst damit. Wie -die Mechanik beweist, ist die Schwingungsdauer eines Pendels bei sehr -kleinen Schwingungen annähernd unabhängig von der Schwingungsweite oder -Amplitude. Dieser als Isochronismus kleiner Schwingungen bezeichnete -Satz ist sehr wichtig für die Anwendung des Pendels als Regulierapparat -der Uhren. - -Bekannt ist die Anekdote, nach welcher der junge Galilei 1583 -durch Beobachtung der Schwingungen einer Lampe im Dom zu Pisa auf -den Isochronismus der Pendelschwingungen gekommen sein soll; er -stellte aber ein Zählwerk (Pendel mit Vorrichtung zur Angabe der -Schwingungszahl) erst 1636 her. Die Astronomen benützten dieses -Instrument alsbald. Zwar soll nach Humboldt (Kosmos ~II.~ S. 258 und -451) schon der im 10. Jahrhundert lebende arabische Astronom Ibn -Junis das Pendel bei seinen Beobachtungen benützt haben; sicher ist, -daß der Danziger Bürgermeister und Astronom Hevelius (1611 bis 1687) -es verwendete, und zwar zur Beobachtung der Sonnenfinsternis vom 11. -August 1659. Ebenso bezeugt der Jesuit Riccioli (1598-1671), wohl der -bedeutendste Gegner Galileis, ausdrücklich, daß er mit seinem Genossen -Grimaldi viele Beobachtungen mit einem Pendel gemacht habe.[60] Auch -der Jesuit Schott, dem wir die erste gedruckte Beschreibung der -Luftpumpe (~„Experimentum novum Magdeburgicum”~) verdanken, machte -zahlreiche Versuche, das Pendel als Regulator an Uhren zu benützen. -In seinen ~„Mirabilia chronometrica”~[61] beschreibt er eine Anzahl -Hemmungen, von welchen zwar einige unausführbar sind, andere jedoch -haben nach dem Urteil Duboisʼ (~Histoire de lʼHorlogerie~, ~p.~ 133) -auch jetzt noch für den Uhrmacher Interesse. - -Keiner dieser Männer aber, von Galilei abgesehen, ersetzte wirklich die -Bilanz der alten Räderuhr durch das Pendel; Hevelius versichert zwar, -sich lange mit diesem Gedanken getragen zu haben, aber Huygens kam ihm -zuvor. - -Drei Namen sind es, die gewöhnlich mit der Erfindung der Pendeluhr in -Verbindung gebracht werden: Jost Bürgi, Galilei und Christiaan Huygens. -Bei der Wichtigkeit der Sache erscheint es angezeigt, auf die Gründe, -die für den einzelnen sprechen, etwas näher einzugehen. - -Jost Bürgi[62] (Fig. 24) (auch Byrgi, Burgk u. s. w. geschrieben), -geboren zu Lichtensteig, Kt. St. Gallen, genoß nach Kepler keinerlei -gelehrte Bildung in der Jugend, schwang sich aber durch andauernden -Fleiß und durch besonderes Geschick für Mechanik und Mathematik zum -Künstler und Gelehrten empor. Wir wissen von seinem Lebensgange nichts -bis zum Zeitpunkte, da er als Mechaniker an den Hof des schon öfter -erwähnten Landgrafen Wilhelm von Hessen berufen wurde. Dieser schätzte -ihn bald sehr hoch; er nannte ihn sogar „ein zweiter Archimedes an -Spürsinn.” Nach dem Tode seines Herrn wurde Bürgi von Rudolf ~II.~ -als Kammeruhrmacher nach Prag berufen, in welcher Stellung er bis -1622 blieb. Sein Tod erfolgte zu Kassel im Jahre 1632. Er erfand -mancherlei mathematische Instrumente, berechnete auch nach Keplers -Zeugnis (bei Wolf, Biographien, a. a. O. S. 71) viele Jahre vor Neper -die Logarithmen,[63] welche er als „Progreßtabul” veröffentlichte, -allerdings erst 1620, also sechs Jahre nach Nepers Tafeln. -- Was nun -die Erfindung der Pendeluhr betrifft, so ist Wolf entschieden der -Ansicht, daß sie Bürgi zuerkannt werden müsse. - -[Illustration: Fig. 24.] - -Die Gründe, auf welche diese Annahme sich stützt, sind kurz folgende: -Rothmann, der Mathematiker Wilhelms von Hessen, erwähnt in der -ca. 1586 geschriebenen Einleitung zum Hessischen Sternverzeichnis, -daß in Kassel eine Sekundenuhr benützt worden sei, bei welcher -das Libramentum, d. h. die Unruhe oder der Balancier, „nicht auf -gewöhnliche, sondern auf ganz besondere und neue Weise so getrieben -werde, daß jede Bewegung einer Sekunde entspreche.” Ferner sei schon -zur Zeit Rudolfs ~II.~ in Prag eine von Bürgi verfertigte Pendeluhr -vorhanden gewesen, was auch ein gewisser flamändischer Mathematiker, -Doms, nach dem Augenschein bestätige. So berichtet Joachim Becher in -einer 1680 erschienenen Schrift; er fügt noch bei, daß auch Tycho diese -Uhr benützt habe. Professor Weiß in Wien fand 1873 auf der kaiserlichen -Schatzkammer außer einer sicher von Bürgi gefertigten Prachtuhr noch -eine sehr alte Pendeluhr mit verschiebbarer Linse vor, welche er Bürgi -zuschreibt und als die älteste Pendeluhr ansieht. Zu Kassel endlich, -dem langjährigen Aufenthaltsorte Bürgis, befinden sich drei Uhren, -welche nach Ausweis der alten Inventarien von Bürgi herstammen; eine -derselben besitzt ein Pendel. Dies sind im wesentlichen die zu seinen -Gunsten vorgebrachten Angaben. - -Gerland prüft nun alle diese Gründe in seiner abschließenden Arbeit[64] -„Zur Geschichte der Pendeluhr,” welcher wir hier folgen. Er gelangt zum -Ergebnis, daß die Einführung des Pendels als Regulator der Uhren Bürgi -nicht zugeschrieben werden könne. - -Der Bericht Rothmanns würde, wenn man annimmt, daß Bürgi das Pendel -erfunden, diesen auch als Entdecker des Isochronismus hinstellen, -als welcher doch allgemein Galilei angesehen wird. Wäre ferner die -von Bürgi an der Uhr angebrachte Verbesserung ein Pendel gewesen, -so ist nicht abzusehen, warum Rothmann den Apparat nicht auch mit -diesem Namen bezeichnete, sondern mit ~„libramentum,”~ (Unruhe), da -er doch an andern Orten das Wort ~„perpendicula”~ gebraucht. Tycho -würde gewiß die ebenso bequeme als nützliche Neuerung Bürgis auch -erwähnt haben, wenn er sie wirklich benützt hätte. Was nun endlich die -Kasseler Uhren betrifft, so ist eine derselben nicht bloß mit einem -Pendel, allerdings ältester Form (Birne) versehen, sondern sie besitzt -sogar die erst 1680 (nach der gewöhnlichen Angabe) von dem englischen -Uhrmacher Element erfundene rückspringende Ankerhemmung. Gerland -beweist auch noch aus Kasseler Akten, daß an der von Bürgi herrührenden -Uhr wiederholt Veränderungen vorgenommen wurden und schließt hieraus, -daß man bei einer solchen Gelegenheit, wahrscheinlich 1676, die alte, -sehr schön und genau gearbeitete Uhr mit einem Pendel versah und so -den neuen Anforderungen anpaßte. Derartige Verbesserungen wurden auch -anderwärts, bald nach Bekanntwerden der Huygensschen Erfindung an schon -vorhandenen Werken angebracht. So z. B. berichtet Blunschli[65] von -Zürcher Uhren, welche Pendel erhielten. Die 1538 durch Hans Luter von -Waldshut erstellte Uhr auf St. Peter wurde durch Meister Felix Bachofen -1675 in eine Pendeluhr umgewandelt; ebenso 1689 die aus dem Jahre 1581 -stammende Uhr auf dem Oberdörffer Turm; 1682 wurden die Uhren auf dem -Ketzer- und dem Grimmenturm in der angegebenen Weise verändert u. s. w. - -Hieraus ergibt sich, daß Bürgi wohl kaum als Erfinder der Pendeluhr -angesehen werden kann. Bei den übrigen Verdiensten als Mathematiker und -Mechaniker kann dieser Umstand seinen Ruhm nicht schmälern. Als Rivalen -bleiben also noch Galilei und Huygens. - -[Illustration: Fig. 25.] - -Galilei (Fig. 25) (eigentlich Galileo, oder Galileo Galilei ~scil. -filius~) wurde geboren zu Pisa am 15. Februar 1564 als Sohn des -Vincenzio di Michelangelo Galilei. Sein Vater war ein gelehrter Mann, -der sich vorzüglich mit mathematischer Musiktheorie beschäftigte und -hierüber ein Werk herausgab. Der Sohn sollte Tuchhändler werden, da die -Familie arm war. Er kam jedoch zu den Mönchen des Klosters Vallombroso -in die Schule, wo er sich große Fertigkeit in den alten Sprachen und -jene Meisterschaft des italienischen Stiles aneignete, welche seine -Landsleute noch heute an ihm bewundern. Mit 17 Jahren bezog der junge -Galilei die Universität zu Pisa, um dort Arzneikunst zu studieren. -Er setzte jedoch bald diese Disziplin beiseite und verlegte sich -vorwiegend auf das Studium der Mathematik und Experimentalphysik. Seine -erste Entdeckung, den Isochronismus der Pendelschwingungen, schlug -er den Aerzten seiner Zeit als Pulsmesser am Krankenbett vor, ein -Verfahren, das sich in Italien auch längere Zeit erhalten haben soll. - -Die übrigen wissenschaftlichen Entdeckungen Galileis, seine -Untersuchungen über den freien Fall, über das Fernrohr, die Auffindung -der vier Jupitertrabanten, der Konfiguration der Mondoberfläche, der -Sonnenflecken, der Sichelgestalt der Venus sind bekannt; ebenso die -traurigen Schicksale, welche diesen Mann bis zum Tode verfolgten. -Er starb erblindet im Alter von 77 Jahren, 10 Monaten und 20 Tagen -den 8. Januar 1642. Als Schüler Galileis sind Viviani und besonders -Torricelli, der Erfinder des Thermometers, berühmt geworden. Ein treuer -Freund des unglücklichen Gelehrten, der auch in den gefährlichsten -Lagen bei ihm ausharrte, war der 1644 als Professor der Mathematik zu -Rom verstorbene Benediktinermönch Benedetto Castelli, welcher sich -besonders als praktischer Hydrauliker großen Ansehens erfreute. - -Galilei knüpfte schon frühe (1612) mit dem spanischen Hof -Unterhandlungen an, um eine von ihm erdachte Methode der -Längenbestimmung zur See, durch Beobachtung der Jupitertrabanten, -einzuführen. In diesen sich mit Unterbrechung bis 1630 hinziehenden -Verhandlungen wird noch mit keinem Worte des Pendels als Zeitmessers -gedacht, woraus wir schließen dürfen, daß Galilei dasselbe auch noch -nicht praktisch verwertete. Im Jahre 1636 dagegen bot er seine Methode -den Generalstaaten an und versprach zugleich, einen genauen Zeitmesser -herzustellen. Worin dieser bestehe, erklärt er in einem Briefe vom -5. Juli desselben Jahres, welcher an Laurens Reaal, den früheren -Statthalter von Holländisch-Ostindien, gerichtet ist. „Ich bediene -mich,” sagt er, „zur Zeitmessung eines Pendels von Messing oder Kupfer, -welchem ich die Form eines Sektors von 12-15° gebe, dessen Radius -über Spannen lang ist. Den Sektor verdicke ich im mittleren Radius und -verdünne ihn sehr scharf auf beiden Seiten, damit ihm, soweit möglich, -die Luft keinen Widerstand leiste. In seinem Mittelpunkt hat er eine -Oeffnung, durch welche ein Eisen geht, wie jenes, um welches sich eine -Wage bewegt. Dieses Eisen endet unten in eine scharfe Ecke und ruht -auf zwei Stützen von Erz. Wenn nun der Sektor weit vom bleirechten -(lotrechten) Stande entfernt ist und dem eigenen Fall überlassen wird, -so legt er eine Menge Schwingungen zurück, ehe er stille steht. Damit -er aber seine Schwingungen fortsetze und immer weit aushole, muß -derjenige, welcher dabei steht, ihm von Zeit zu Zeit einen starken -Stoß geben.” Eine am Pendelgewicht befestigte Borste (~setola fissa~) -stieß bei jedem Hin- und Hergang des Pendels ein Rädchen um einen Zahn -vorwärts. Ob eine derartige Vorrichtung damals von Galilei ausgeführt -wurde, weiß man nicht; er wollte wahrscheinlich den Abschluß der -Verhandlungen abwarten, um dann die versprochenen Instrumente an die -Holländer abzusenden. Durch Tod einiger der eifrigsten holländischen -Kommissionsmitglieder wurde die Angelegenheit erst verschoben und -schlief dann zuletzt ganz ein. - -Diese soeben beschriebene Vorrichtung kann natürlich nicht als Uhr, -sondern nur als Zählwerk bezeichnet werden. Dagegen ist in einem von -Arcetri (bei Florenz) aus an ~P.~ Fulgenzio Micanzio gerichteten -Briefe, datiert vom 5. November 1637, von Zeitmessern die Rede, welche -an Genauigkeit alles Bisherige übertreffen. Er erziele, sagt Galilei, -mit seinen Instrumenten nicht bloß eine Genauigkeit von einem Grad, -sondern auch noch von Minuten, Sekunden Terzen und weiter, wenn es -verlangt werde. Die Vorrichtung selbst wird leider nicht beschrieben. - -[Illustration: Fig. 26.] - -Es läßt sich aber aus andern Quellen unzweifelhaft beweisen, daß -Galilei die Pendeluhr erfunden habe.[66] Viviani, „der letzte Schüler -Galileis,” wie er sich gern nannte, erwähnt diesen Gegenstand in einer -1659 an Prinz Leopold von Medici gerichteten Schrift.[67] Darin wird -erzählt, wie Galilei 1641, also schon erblindet, auf den Gedanken -kam, „daß es möglich wäre, das Pendel an den Feder- und Gewichtuhren -anzubringen und sich seiner zu bedienen; in der Hoffnung, der sehr -gleichmäßige und natürliche Gang des Pendels werde alle Mängel der -Kunst an den Uhren zu heben im stande sein.” An der persönlichen -Ausführung dieser Idee wurde Galilei durch seine Blindheit verhindert; -er übertrug aber dem Sohne die Konstruktion nach einer Zeichnung, -welche Viviani seiner Schrift für den Prinzen beilegte. Durch den -Tod des Vaters sei jedoch die Sache verzögert und erst 1649 mit der -Ausführung begonnen worden. Die Räder wurden von einem Schlosser -verfertigt, die Zähne aber, um die Sache geheim zu halten, von -Vincenzio selbst geschnitten. Als der Apparat soweit gediehen war, -um seine Wirkungsweise studieren zu können, wurde Vincenzio Galilei -vom Fieber dahingerafft. Viviani beschreibt jedoch die Uhr genau und -an Hand der noch in der Bibliotheca Palatina zu Florenz vorhandenen -Zeichnung fällt es nicht schwer, dieselbe zu verstehen.[68] Die -beigegebene Figur 26 wird das Verständnis erleichtern; sie ist eine -verkleinerte Wiedergabe des Originales, wobei die Hemmung getrennt -dargestellt ist.[69] (Fig. 27). - -[Illustration: Fig. 27.] - -~P~ bedeutet die Pendelstange, ihre Achse ist in ~M~; ~r~ und ~qs~ -sind zwei Hebel, welche mit dem Pendel fest verbunden sind, sich -also auch um ~M~ drehen. ~Np~ ist ein weiterer Hebel, der seinen -Drehpunkt in ~N~ hat; an ihm befindet sich ein Stift (vertikal zur -Papierebene, ebenso wie die Stifte des Zahnrades), vermittelst dessen -sein hakenförmiges Ende aus einem Einschnitt des Zahnrades durch den -Arm ~qs~ herausgehoben werden kann. Der Verlauf der Hemmung ist nun -folgender: - -Auf der Welle des untersten Zahnrades hängt an einer Schnur das -treibende Gewicht, welches in der Zeichnung weggelassen ist. Dadurch -wird direkt das unterste Rad und mittelst Uebertragung durch andere -Zahnräder auch das oberste (Sperrrad), welches mit einseitigen scharf -eingeschnittenen Zähnen versehen ist, in Bewegung gesetzt. Hatte nun -das Pendel die in der Figur dargestellte Lage durch Bewegung von rechts -nach links erreicht, so griff der Arm ~qs~ in den Sperrhaken ~Np~ ein -und hob ihn empor, so daß das Sperrrad sich in der Richtung des Pfeiles -(Fig. 27) bewegen konnte, aber nur so lange, bis einer der Stifte, -welcher seitlich am Sperrrad (gegen den Beschauer zu) angebracht sind, -von dem Arm ~r~ arretiert wurde und dadurch die Bewegung hemmte. -Wenn nun das Pendel wieder nach der andern Seite schwingt, so löst -sich beim Passieren der Gleichgewichtslage desselben der Arm ~r~ von -seinem Stifte, wobei er zugleich noch einen kleinen Antrieb erhält -durch das mit einem Ruck sich wieder drehende Sperrrad. Entsprechend -kurze Zeit nachher fällt aber der Sperrhaken ~Np~ wieder herunter und -hemmt die Bewegung aufs neue. Beim Zurückschwingen des Pendels hebt -nun der obere, längere Arm ~qs~ den Sperrhaken wieder, und das Rad -bewegt sich aufs neue um einen Zahn, d. h. um den Abstand zweier Stifte -vorwärts. Diese Bewegung läßt sich natürlich leicht auf ein Zeigerwerk -übertragen. Die Uhr geht so lange, als das Gewicht noch fallen kann. - -Diese Hemmung ist eine sehr gute und enthält schon den Grundgedanken -des erst 100 Jahre später erfundenen Grahamschen Ankers. Das Pendel -schwingt fast völlig frei und insoweit wäre die Galileiʼsche Hemmung -der Huygensschen vorzuziehen. - -Die Erzählung Vivianis findet ihre Bestätigung in der ausführlichen -Biographie Galileis von Nelli, nach welcher 1688 die Witwe Vincenzios -den Nachlaß ihres Gemahls verkaufte. Darunter befand sich auch -„eine eiserne, unvollendete Pendeluhr, zuerst von Galilei erfunden” -(~un Oriuolo non finito di ferro col pendolo, prima invenzione del -Galileo~). Wohin diese Uhr damals gelangte, ist nicht bekannt. - -Aus dem Gesagten erhellt, daß Galilei als der erste Erfinder der -Pendeluhr angesehen werden muß; wenn seine Erfindung sich nicht -verbreitete, sondern in Vergessenheit geriet, so ändert dieser Umstand -an der Tatsache selbst gar nichts. Er wird aber erklärlich, wenn man -bedenkt, daß Vincenzio vor Vollendung des Werkes starb und Viviani -vielleicht im Drange anderer Geschäfte dasselbe ebenfalls nicht -vollenden konnte oder mochte; endlich war die Einrichtung derartig, -daß nicht leicht schon vorhandene Uhren mit dem Pendel versehen werden -konnten. Für die Zeichnung selbst darf Galilei nicht verantwortlich -gemacht werden, da er sie ja, wie bekannt, schon erblindet, diktierte. -Jedenfalls aber ist die Erfindung der Pendeluhr ein schöner Edelstein -in der schon so reichen Krone des großen Physikers und Astronomen -Galileo Galilei. - -Durchaus selbständig und ganz unabhängig von Galilei wurde die -Pendeluhr noch einmal erfunden, 15 Jahre später, durch den berühmten -niederländischen Gelehrten Huygens; zwischen Galilei und Newton -vielleicht der bedeutendste Physiker. - -[Illustration: Fig. 28.] - -Christiaan Huygens[70] (Fig. 28) (latinisiert ~Hugenius~) wurde -geboren im Haag am 14. April 1629. Sein Vater, als lateinischer Dichter -und Mathematiker bekannt, bekleidete die Stelle eines Kabinettsrates -des Hauses Oranien. Er war sehr begütert und unterrichtete seinen -Sohn Christiaan selbst in Mathematik, Musik und Maschinenkunde. -Dieser verfertigte schon als zehnjähriger Knabe allerlei Modelle von -Maschinen, welche zum Teil noch vorhanden sein sollen. Sechszehnjährig -ging er nach Leyden auf die Universität; später setzte er seine Studien -in Breda (Nord-Brabant) fort. 1649 machte Huygens eine große Reise nach -Deutschland und 1655 nach Frankreich, wo er zu Angers als Doktor Juris -promovierte. Die folgenden Jahre wurden abwechselnd in Holland und -England zugebracht, bis Ludwig ~XIV.~ ihn im Jahre 1665 als Mitglied -der vor kurzem gegründeten Akademie nach Paris berief. Von Frankreich -siedelte er 1681 wieder nach Holland über, wo er an den Folgen einer -schweren Krankheit, nachdem die Geisteskräfte rasch abgenommen, im Haag -sein Leben beschloß den 8. Juni 1695 im Alter von 67 Jahren. - -Huygens war nie verheiratet und lebte sehr zurückgezogen ganz der -Wissenschaft. Seine Schriften können hier nicht im einzelnen aufgeführt -werden, ebenso wenig als die zahlreichen Entdeckungen, welche die -Physik auf vielen Gebieten diesem Manne verdankt; nur einiges möge -genannt sein. Wie Galilei, beschäftigte auch Huygens sich viel mit -der Optik und mit Anfertigung und Verbesserung der Fernrohre. Mit -Hilfe mächtiger Instrumente, die viel besser waren als jene, welche -Galilei benützte, machte er eine Reihe wichtiger Entdeckungen. So -fand er 1656 den 6. Saturnmond und 1657 den Orionnebel; in einem im -Jahre 1659 erschienenen Werke ~„_Systema Saturnium_,”~ gibt er die -erste Abbildung des Orionnebels, sowie die Auflösung des schon früher -gestellten Anagramms[71] betreffs der Ringe des Saturn und endlich eine -genaue Erklärung derselben. - -Außer vielen andern, für unsern Zweck nicht in Betracht kommenden -Schriften Huygensʼ, sind es besonders zwei, welche hier berücksichtigt -werden müssen, nämlich die kleine 1658 erschienene Abhandlung: -~_Horologium_~, ~Hag. Com.~; in derselben wird die schon 1656 gemachte -Erfindung der Pendeluhr beschrieben. Ganz besonders wertvoll aber -ist die größere Schrift: ~_Horologium oscillatorium_~ etc. Paris -1673. Hier findet sich neben vielem andern eine genaue Theorie des -einfachen und zusammengesetzten Pendels und eine ins einzelne gehende -Beschreibung der neuen Uhr. - -Die Schrift zerfällt in fünf Abschnitte: 1. Beschreibung der Pendeluhr -in verbesserter Form mit Cykloidenpendel und einer horizontalen -Hemmung. 2. Vom Falle schwerer Körper und ihrer Bewegung auf der -Cykloide. In 26 Propositionen wird der freie Fall, der Fall auf der -schiefen Ebene und auf der genannten Kurve behandelt, zugleich auch -bewiesen, daß letztere eine sogenannte „Tautochrone” ist (siehe weiter -unten), da es gleichgültig, von welchem Punkte der Krümmung aus der -Körper fällt. Voraus gehen diesem Teil die drei „Hypothesen,” welche -die Stelle der Bewegungsgesetze vertreten. Im 3. Abschnitt werden die -Evolutentheorie, als deren Begründer Huygens anzusehen ist, und die -Dimensionen der Kurven behandelt. Der 4. Teil handelt vom physischen -oder zusammengesetzten und vom Cykloidenpendel. Diese Ausführungen sind -wohl die wichtigsten für die theoretische Mechanik. Im 5. und letzten -Abschnitt werden einige Sätze aufgestellt über die Centrifugalkraft, -sowie über die Konstruktion einer besonderen Art Uhren, der sogenannten -Cirkularpendeluhren. - -In der Vorrede genannter Schrift sagt Huygens, daß er bereits vor -16 Jahren über das Pendel geschrieben, seither aber manches daran -verbessert habe, weshalb er jetzt noch einmal alles zusammenfasse: -„Wie es aber immer gewesen und wohl auch immer sein wird, haben sich -auch jetzt wieder Leute gefunden, welche meine Erfindung sich oder -wenigstens ihrer Nation zuschreiben wollen. Ich glaube also, es sei an -der Zeit, derartigen Bestrebungen einmal entgegenzutreten.” Es genüge, -nur dies eine entgegenzuhalten: vor 16 Jahren sei weder in Wort noch -Schrift von einer derartigen Pendeluhr die Rede gewesen, also dürfe er -wohl sagen, durch eigenes Studium auf die Erfindung gekommen zu sein. -Im Jahre 1658 habe er dann eine kleine Schrift über diesen Gegenstand -veröffentlicht. „Wenn aber gesagt wird, Galilei habe an der Erfindung -gearbeitet, sie aber nicht vollendet, so wäre das mehr ein Tadel für -ihn als für mich, der ich die Sache mit besserem Erfolg angefaßt hätte. -Erwidert man, Galilei oder sein Sohn hätten wirklich eine solche Uhr -gemacht, so ist schwer zu glauben, daß etwas Derartiges volle 8 Jahre -habe verborgen bleiben können. Daß es mit Absicht geschehen sei, -könnte, wie man leicht sieht, jeder sagen, welcher die Erfindung eines -andern für sich beansprucht. Jedenfalls aber wäre das zu beweisen, -und mich würde die ganze Sache nicht weiter angehen, außer es würde -zugleich festgestellt, daß allein ich von dem wußte, was allen andern -verborgen geblieben.” - -Wie man sieht, steht Huygens tapfer ein für das Kind seines Geistes, -und dies mit Recht, denn seine Erfindung war selbständig gemacht -worden und ganz verschieden von derjenigen Galileis. Daß die Sprache -des Gelehrten in obigem einige Male etwas scharf wird, beruht, wie -sogleich gezeigt werden soll, auf Mißverständnissen. Sobald er -besser unterrichtet war, trug er kein Bedenken, Galileis Priorität -anzuerkennen. Dies geschah bald. - -Boulliau[72] sandte noch im Jahre 1658 ein Exemplar des ~„Horologium -oscillatorium”~ an den Prinzen Leopold von Toskana. In der Antwort -wies dieser auf das Zählwerk Galileis hin und beanspruchte für diesen -die Priorität. Boulliau teilte diese Aeußerung Huygens mit, welcher -darüber schreibt: man muß wohl glauben, da ein solcher Fürst es -versichert, daß Galilei vor mir diesen Gedanken gehabt. Indes hatte -er noch einige Bedenken: „denn schließlich, wenn das Modell Galileis -keine Unzuträglichkeiten gehabt hätte, so wäre es ganz unglaublich, -daß er eine in vielen Punkten so wichtige Sache nicht ausgeführt -hätte, noch nach ihm der Fürst Leopold, als er das Modell fand. Wenn -ich die Ehre hätte, von S. Hoheit näher gekannt zu werden und Kühnheit -genug, so würde ich an denselben gelangen, um eine Zeichnung davon -zu bekommen, damit ich sehen könnte, inwiefern es von meinem Modell -verschieden ist. (Wenn die Verschiedenheit nur in den Rädern liegt, -so hat es wenig zu sagen). Aber wenn das Pendel anders aufgehängt ist -als ich es getan; wenn es sich z. B. um eine Achse dreht, so könnte -der Erfolg kein so guter sein.” Boulliau machte den Prinzen mit diesen -Gedanken bekannt und Gerland[73] glaubt, daß dieser Brief Veranlassung -zu dem oben erwähnten Bericht Vivianis von 1659 gewesen sei. Eine -Kopie der Zeichnung,[74] nebst einer Skizze der Uhr selbst, sandte -Leopold noch im gleichen Jahre durch Boulliau an Huygens. Boulliau -meldet den Empfang und die Absendung mit den Worten: „Die Zeichnung -der beiden durch Pendel betriebenen Uhren, welche ich von Ihrer Hoheit -empfangen, habe ich an Huygens geschickt; und wenn ich Zeit gefunden, -hätte ich auch noch die Geschichte des von Galilei erfundenen Pendels -beigefügt.” Huygens scheint geglaubt zu haben, man wolle ihn in Italien -eines Plagiates beschuldigen, was durchaus nicht der Fall war, weshalb -er wieder an Boulliau (1670) zurückschrieb: „Aber was ist zu tun, um -dem Fürsten die Meinung zu benehmen, die er von mir gefaßt zu haben -scheint, als ob ich mir die Erfindungen anderer anmaßen wolle. Gewiß -würde ich mich nicht wert halten zu leben.” Weil aber, fährt er fort, -das Gegenteil schwer zu beweisen sei, so könne er nur versichern, daß -weder er selbst, noch sonst jemand in diesem Lande, so viel er wisse, -von der Erfindung gehört habe, bevor er sie veröffentlichte. Diese -Versicherung gab Huygens bei jeder Gelegenheit, und sie verdient auch -in allen Punkten vollen Glauben, da ja, wie wir gesehen, Vincenzio und -Viviani Galileis Erfindung so geheim als möglich hielten. - -Es darf also als bewiesen angesehen werden, daß Huygens zwar 15 Jahre -später, als Galilei, (1656, er veröffentlichte seine Schrift erst zwei -Jahre darauf), aber durchaus selbständig, ohne von der ersten Pendeluhr -etwas zu wissen, dieses so wichtige Instrument zum zweiten male -erfunden hat. - -[Illustration: Fig. 29.] - -Nach diesem Ergebnis gehen wir nun zur Beschreibung der Uhr über, -welche im folgenden an der Hand der Originalzeichnung Huygensʼ in -Uebersetzung gegeben werden soll. - -Die nebenstehende Figur 29 zeigt eine Seitenansicht; ~AA~ und ~BB~ -sind zwei Bleche (~laminæ~), jedes ungefähr ½ Fuß lang und 2½ Daumen -breit; ihre Enden werden durch zwei Säulchen zusammengehalten, so daß -ein Zwischenraum von etwa 1½ Daumen bleibt. In diese Lamellen sind auf -beiden Seiten die Achsen der vorzüglichsten Räder eingelassen. Das -erste und unterste Rad ~C~ hat 80 Zähne; auf seiner Achse sitzt die -Scheibe (Schnurlauf) ~D~, welche mit Eisenstiften versehen ist, damit -die Schnur und die Gewichte, deren Anordnung später besprochen wird, -haften können. Das Rad ~C~ wird also durch das Gewicht in Bewegung -gesetzt; es bewegt den Trieb (~tympanum~) ~E~ mit 8 Zähnen, ebenso das -auf der gleichen Achse sitzende Rad ~F~ von 48 Zähnen. In dieses greift -ein anderer Trieb ~G~ ein, welcher das Rad ~H~ antreibt. ~G~ und ~H~ -haben gleichviel Zähne wie ~E~ und ~F~, nämlich 8 und 48. Das Rad ~H~ -gehört zu jener Art von Rädern, welche die Künstler nach ihrer Form -„Kronräder” (~coronarias~) nennen. Seine Zähne vermitteln die Bewegung -des Triebes ~I~ und des auf derselben Achse angebrachten Rades ~K~. Der -Trieb besitzt 24, das Rad 15 sägeförmige Zähne. Ueber die Mitte dieses -Rades ~K~ kommt die Flügelachse (~axis pinnatus~) ~LM~ zu liegen, deren -Enden in den Winkelhaken ~NQ~ und ~P~ laufen, welche an der Lamelle -~BB~ befestigt sind. Der Haken ~NP~ hat nach unten einen Fortsatz -~Q~, der mit einer Bohrung versehen ist, durch welche die Achse ~LM~ -hindurch geht. Zugleich dient dieser Vorsprung ~Q~ als Halt für die -dem Rad ~K~ und dem Trieb ~I~ gemeinsame Achse, welche mit ihrem -oberen Ende in ~N~ ruht. Die Platte ~BB~ ist mit einer weiten Bohrung -versehen, welche durchsetzt wird von der Achse ~LM~, die mit der Spitze -in ~P~ sich dreht. Sie erhält so eine größere Beweglichkeit, als wenn -~BB~ allein ihr Lager bildete. Länger muß sie deswegen sein, damit das -Steuer (die Gabel) ~S~ bei ~M~ an ihr befestigt werden kann. Letzteres -dreht sich dann zugleich um die angegebene Achse. Diese Bewegung ist -eine hin und hergehende, da die Zähne des Rades ~K~ in der bekannten -Weise (siehe oben Fig. 5), welche keiner Erklärung bedarf, abwechselnd -an die Lappen ~LL~ anstoßen. - -Das Steuer ~S~ führt in einer länglichen Oeffnung die eiserne -Pendelstange ~VV~, an welcher unten das Bleigewicht ~X~ befestigt ist. -Oben ist sie an einem Doppelfaden aufgehängt zwischen zwei Blättchen, -von denen Figur 29 nur das eine zeigt, weshalb wir dieselben noch -gesondert abbilden in Figur 30. Durch diese Zeichnung wird ihre Form -und Krümmung, sowie die ganze Aufhängungsweise des Pendels klar. -Uebrigens werden wir später noch im besondern über die Gestalt dieser -Blättchen handeln. - -Gehen wir nun zum Gang der Uhr über; die andere Figur 31 wird nachher -erklärt. Es ist klar, daß das Pendel durch den Antrieb der Räder, -welche durch Gewichte in Bewegung gesetzt werden, nach einmaligem -Anstoß mit der Hand sowohl seinen Lauf beibehält, als auch, daß seine -Schwingungen den ganzen Gang der Uhr regeln. Denn die Gabel ~S~ folgt -nicht bloß beim leisesten Antrieb der Räder dem Pendel, sondern sie -hilft ihm auch bei jeder einzelnen Umkehr etwas, und so bleibt es -beständig in Bewegung, während es sonst, sich selbst überlassen, von -selber, oder besser gesagt, durch den Widerstand der Luft allmählich -zur Ruhe kommen würde. Hinwiederum, da das Pendel in einem fort -geht und diese Regelmäßigkeit (allerdings wurde sie erst erlangt -durch die Krümmung der Blättchen ~T~) nicht geändert wird außer -durch Veränderung der Pendellänge, kann auch das Rad ~K~ nicht mehr -schneller oder langsamer gehen, wie dies bei gewöhnlichen Uhren gern -vorkommt, sondern seine Zähne sind gezwungen, in gleichen Zeiträumen -vorbeizugehen. Daraus erhellt, daß auch alle übrigen Räder, ebenso wie -die Zeiger, eine gleichmäßige Drehbewegung bekommen, da alle diese -aufgeführten Teile in entsprechendem Verhältnisse gleichförmig bewegt -werden. Infolge dessen wird auch, wenn irgend etwas bei Herstellung -der Uhr fehlerhaft gemacht wurde, oder wenn bei veränderter (erhöhter) -Temperatur die Räder schwerer gehen, keine Ungleichheit der Bewegung -eintreten, vorausgesetzt, der Fehler sei nicht so groß, daß der Gang -der Uhr durch ihn überhaupt unterbrochen wird. Die Uhr wird also die -Zeit entweder immer richtig angeben, oder dann sie gar nicht anzeigen, -d. h. stille stehen. - -[Illustration: Fig. 30.] - -[Illustration: Fig. 31.] - -Die Zeiger endlich werden auf folgende Art befestigt und bewegt: -den beiden schon genannten Platten ~AA~ und ~BB~ parallel ist eine -dritte angebracht ~YY~ (Fig. 29), ungefähr um ¼ Daumenbreite von ~AA~ -abstehend. Darauf sind die Stundenkreise angebracht mit dem Zentrum in -~X~ (in der Abbildung nicht angegeben), in welchem sich auch die Achse -des Rades ~C~ dreht. Der innere Kreis ist in 12 Stunden geteilt, der -äußere in 60 Minuten. Auf der Achse des Rades ~C~ sitzt neben ~AA~ das -Rad β; mit ihm ist ein Röhrchen fest verbunden, welches die Platte -~YY~ durchsetzt und bis ~E~ geht. Es sitzt so auf der Achse, daß es -sich zugleich mit ihr dreht, aber wenn nötig, auch ohne sie bewegt -werden kann. Bei ~E~ wird der Zeiger aufgesetzt, welcher stündlich eine -Umdrehung macht, also die ~„scrupula prima,”~ den sechzigsten Teil -einer Stunde (Minuten) anzeigt. Das Rad ~B~ aber treibt ein anderes, -Σ, mit gleichviel (30) Zähnen an, zugleich auch dessen Trieb mit 62 -Zähnen. Die Achse beider (des Rades und seines Triebes) ruht im Winkel -δ. Durch diesen Trieb endlich bewegt sich das Rad ζ mit 72 Zähnen, -ebenso das an ihm angebrachte Röhrchen, welches durch ~Y~ hindurch bis -θ reicht, also nicht ganz so weit, als das von ihm umfaßte Röhrchen des -Rades β. Auf das Ende θ wird der Stundenzeiger aufgesetzt, der etwas -kürzer ist, als der Minutenzeiger, da er den inneren Kreis durchläuft. -Um aber das genaue Ablesen der Sekunden zu ermöglichen, sitzt auf der -Achse des Rades ~H~ eine Scheibe λ, welche bis zu ~Y~ reicht. Auf ihr -ist ein Kreis verzeichnet, welcher 60 Teile zählt; die Platte ~YY~ -hat vor γ eine Oeffnung ~Z~. Zu oberst an dieser befindet sich ein -feststehender Stift, welcher die vorbeigehenden Sekunden angibt. - -Die Anordnung der Zeiger ergibt sich deutlicher aus Figur 31, welche -das Aeußere einer Pendeluhr darstellt. - -Was die Länge des Pendels betrifft, so muß sie bei obiger Anordnung -so sein, daß bei jedem Rücklauf eine Sekunde gemessen wird. Dies -ist der Fall bei einer Länge von drei Fuß; da eine solche sich -aber in der Zeichnung nicht gut darstellen ließ, so gaben wir den -fünften Teil davon an, gemessen vom Aufhängepunkt, da wo die beiden -Bleche ~T~ sich krümmen, bis zum Mittelpunkte des Gewichtes ~X~. Ich -spreche von einer Länge von drei „Fuß”, nicht rücksichtlich irgend -eines Fußmaßes bei einem Volke in Europa, sondern von jenem Fuß, -der nach ewig gleichbleibendem Maß von einem Pendel hergenommen ist -(~„certo æternoque pedis modulo ab ipsa huius penduli longitudine -desumpto,”~) und der deshalb in Zukunft „Stundenfuß” genannt werden -mag. Auf ihn müssen alle andern Fußmaße bezogen werden, wenn wir sie -unverfälscht der Nachwelt überliefern wollen. So kann z. B. nie in -folgenden Jahrhunderten eine Unsicherheit darüber herrschen, welches -die Länge des Pariser Fußes sei (0,3248394 ~m~), wenn man weiß, daß -er sich zum Stundenfuß verhält wie 864 : 881. Darüber werden wir -aber noch ausführlicher reden in jenem Teil des Buches, welcher den -Schwingungsmittelpunkt behandelt.[75] - -Vorderhand bezeichnen wir die Umlaufszeit der einzelnen Räder und -Zeiger nur im allgemeinen, damit man daraus ersehe, wie alles -übereinstimme mit der Zahl der Zähne, welche angegeben wurde. - -Es ist klar, daß bei einer einzigen Umdrehung des Rades ~C~ das Rad -~F~ sich zehnmal dreht, ~H~ aber sechzigmal, und 120mal das oberste -~K~, mit 15 Zähnen, welche abwechselnd die Lappen ~LL~ bewegen, so -daß einer Umdrehung des Rades ~K~ 30 Antriebe der Lappen entsprechen. -Genau so viele Hin- und Hergänge macht das Pendel ~VX~. Es werden also -120 Umläufen 3600 einfache Schwingungen entsprechen; das ist aber die -Anzahl Sekunden, welche eine Stunde enthält. Also geht in einer Stunde -das Rad ~C~ einmal herum, und ebenso oft der auf seiner Achse sitzende -Minutenzeiger. Weil ihn auch in derselben Zeit das Rad β und durch -dieses γ mitsamt seinem Trieb von 6 Zähnen sich drehen, das Rad ξ aber -zwölfmal mehr Zähne, d. h. 72 besitzt, so liegt auf der Hand, daß bei -ihm auf 12 Stunden nur ein Umlauf kommt; das gleiche gilt vom Zeiger, -welcher an diesem Rad ξ bei θ befestigt ist. Wie wir aber bewiesen -haben, dreht das Rad ~H~ sich während einer Drehung von ~C~ sechzigmal, -und mit ihm vollendet der auf seiner Achse angebrachte Kreis λ seinen -Lauf sechzigmal in der Stunde, einmal in einer Minute; sein sechzigster -Teil zeigt also beim Vorübergang am Stifte die Sekunden an! So ist -alles richtig. - -Das Gewicht ~X~ wiegt drei Pfund; es ist entweder ganz von Blei oder -mit einer Messinghülse versehen, welche das Blei enthält. Man hat hier -indes nicht bloß auf das Gewicht der Metallmasse zu sehen, sondern -auch (und dieser Umstand ist sehr wichtig) auf seine Form, damit die -Luft ihm so wenig Widerstand als möglich entgegensetze. Deshalb wird -es verwendet in Gestalt eines länglichen, liegenden Zylinders, dessen -beide Enden spitz zulaufen, wie aus Fig. 31 ersichtlich ist. Bei -den Uhren, welche für die Schifffahrt[76] bestimmt sind, wurde eine -aufrecht stehende Linse als zweckmäßig erfunden. - -In der gleichen Figur 31 ist auch die Aufhängung eines andern Gewichtes -~b~, welches den Gang der Uhr bewirkt, angegeben. Wir mußten sie, -da noch nichts darüber bekannt war, erst ausfindig machen, damit -beim Aufziehen das Werk nicht ins Stocken gerate, oder doch gehemmt -werde, was besonders hier zu meiden war. (Nun folgt im Original die -Beschreibung des Flaschenzuges) ... - -Die Schwere des Gewichtes ~b~ kann nicht genau bestimmt werden; im -allgemeinen wird die Uhr um so besser gehen, je geringer das Gewicht -sein darf, welches sie in Gang zu erhalten vermag. Bei den besten -Uhren, die von uns bisher erstellt wurden, wog es bloß sechs Pfund. -Die Linse wiegt, wie gesagt, drei Pfund und die Pendellänge ist drei -Fuß. Das Pendel muß, worauf wir noch besonders aufmerksam machen, im -Kasten der Uhr herabhängen, es ist also in diesem ein so langer Schnitt -anzubringen, daß er für die Schwingungen genügt. Wenn man die Uhr -ungefähr in Mannshöhe aufhängt, so bleibt sie, einmal aufgezogen, 30 -Stunden in Gang. - -Soweit die Beschreibung Huygensʼ. Auf Seite 151 findet sich noch die -richtige Bemerkung, daß die Uhr um so gleichmäßiger gehe, je schwerer -die Pendellinse sei. - -Schon früher wurde des Isochronismus der Pendelschwingungen als einer -Entdeckung Galileis gedacht. Genau genommen ist dies aber nicht -ganz richtig, indem er annahm, daß die erwähnte Gesetzmäßigkeit für -Schwingungen jeder Weite gelte. Annähernd trifft Galileis Ansicht -zu; genauer aber werden Pendelschwingungen nur dann als isochron -bezeichnet, wenn ihre Bogen als Gerade aufgefaßt werden können, was -nur bei sehr kleinen Amplituden der Fall ist. Huygens gebührt das -Verdienst, diesen wichtigen Satz genau bewiesen zu haben, anläßlich -einer nähern Untersuchung der Pendelgesetze. - -Es haben, wie bekannt, alle Sehnen, welche man von irgend einem Punkte -der Peripherie eines vertikalen Kreises aus nach dem tiefsten Punkte -desselben zieht, die Eigenschaft, als schiefe Ebenen betrachtet, von -einem auf ihnen fallenden Körper in gleicher Zeit durchlaufen zu -werden, mögen sie nun im übrigen kurz oder lang sein. Weil nun aber -ein Pendel nicht in einer Geraden sich bewegen kann, sondern seine -entsprechende Kurve beschreibt, welche immer länger ist, als die -Gerade, so braucht es dazu auch eine längere Zeit. So wies Huygens -nach, daß dasselbe Pendel, welches bei kleinster Schwingungsweite 34 -Schwingungen machte, in derselben Zeit bloß 29 ausführt, wenn es einen -Halbkreis durchläuft. Damit schien der Wert des Pendels als Regulator -der Uhren wieder hinfällig geworden zu sein. Die scharfsinnigen und -gelehrten Untersuchungen, welche der große Geometer nun anstellte über -den Weg, den das Pendel einschlagen müßte, um seine Schwingungen, seien -sie groß oder klein, in gleichen Zeiträumen erfolgen zu lassen, führten -ihn auf die sogenannte Cykloide oder Radlinie, bei welcher wir kurz -verweilen wollen. - -[Illustration: Fig. 32.] - -Unter Cykloide oder Radlinie versteht man, wie schon der Name -andeutet, jene Kurve, welche beschrieben wird von einem Punkte -~P~ (siehe Fig. 32), der nicht Mittelpunkt eines Kreises ~C~ ist, -wenn dieser, ohne zu gleiten, auf einer Geraden in derselben Ebene -fortrollt. Liegt der Punkt auf der Peripherie, so entsteht die gemeine -oder eigentliche Cykloide ~A B E~.[77] Dieses Gebilde beschäftigte -die Mathematiker des 17. Jahrhunderts lebhaft. Galilei, Mersenne, -Roberval, Descartes, besonders aber Huygens, studierten ihre -Eigenschaften. Während Leibniz die schon von Galilei gestellte Aufgabe -löste, den zeitlich kürzesten Weg eines Körpers von einem Punkte zu -einem andern zu finden, welcher tiefer gelegen ist und sich nicht in -derselben Vertikalen befindet, und als Weg dieses Punktes die Cykloide -(Brachystochrone) fand, bewies Huygens in seinem 1673 erschienenen -Werke, daß genannte Kurve zugleich ihre Evolute sei.[78] Viel wichtiger -aber für unsern Gegenstand ist der ebenfalls von Huygens aufgefundene -Satz, daß die Cykloide auch eine _Tautochrone_ oder _Isochrone_ -darstellt. - -Unter Tautochrone versteht man jede krumme Linie, auf welcher ein der -Schwere unterworfener materieller Punkt oder Körper immer in ein und -derselben Zeit am tiefsten Punkte anlangt, gleichgültig von welchem -Orte der Kurve aus er seine Bewegung begann. - -[Illustration: Fig. 33.] - -Es sei ~AHEC~ (Fig. 33) eine Semicykloide, und ~H~ ein beliebiger -Punkt derselben. Es ist nun ganz gleichgültig, ob ein fallender Körper -von ~H~ oder z. B. von ~E~ aus seine Bewegung beginne; er wird in -beiden Fällen zur gleichen Zeit den tiefsten Punkt seiner Bahn, ~C~, -erreichen. Durch diese Eigenschaft der Cykloide ist die Möglichkeit -geboten, die Pendelschwingungen genau isochron zu machen, indem man -nämlich das Pendel zwingt, die Evolute einer Cykloide zu beschreiben. -Ein Pendel, dessen Faden als unbiegsam gedacht wird und das in einer -Ebene schwingt, beschreibt einen Kreisbogen; auch wenn der Faden -biegsam ist, wird dies unter dem Einfluß der Schwere im allgemeinen -noch der Fall sein. Stellt sich aber dem Pendelfaden eine krumme Linie -in den Weg, so wird er sich an diese anschmiegen und die Bahn wird -keine kreisförmige mehr sein, sondern je nach der Form des Hindernisses -irgend eine andere Kurve darstellen. Ist also dieses Hindernis, wie bei -der Pendeluhr von Huygens, ein cykloidisch gekrümmtes Blättchen, so -bildet der vom Schwingungsmittelpunkt beschriebene Bogen als Evolute -ebenfalls wieder eine Cykloide, folglich sind die Schwingungen genau -isochron. Darauf beruht die Anwendung des Huygensschen Pendels. Auf die -nähere mathematische Darlegung kann hier verzichtet werden. - -Schließlich darf aber nicht verschwiegen werden, daß auch bei dem -Cykloidenpendel der Spruch zutrifft, welchen Kaspar Schott auf seine -eigenen Pendelhemmungen anwandte: ~nihil ex omni parte beatum~, -d. h. nichts ist vollkommen unter der Sonne. Huygens selbst lernte -die Mängel seines Werkes wohl kennen; er suchte auch mannigfaltige -Verbesserungen daran anzubringen. Ein Uebelstand ist hier vor allem zu -erwähnen: die Form der Bleche, an welche der Pendelfaden sich anlegen -soll. Diese Halbcykloiden sind nur schwer genau herzustellen; der -Pendelfaden selbst (von Seide) ist zu sehr den Einflüssen der Witterung -unterworfen. Die geringe Schwere der Linse ließe sich zwar leicht -ändern, aber dadurch würden auch die unvermeidlichen Stöße der Lappen -heftiger, so daß das Werk sich rasch abnutzen müßte. Der letztgenannte -Uebelstand liegt jedoch in der Natur der Hemmung selbst, welche Huygens -überkam und benutzte; er verschwand daher auch, sobald eine bessere -Konstruktion an die Stelle der alten trat. Im Prinzip aber sind unsere -modernen Pendeluhren geblieben, wie sie Galilei und Huygens erdacht. -Dieser fruchtbare Gedanke hat erst die Vollkommenheit unserer jetzigen -Zeitmesser ermöglicht und ihre Herstellung zu einem glänzenden Triumph -der Feinmechanik gemacht. - - - - -~V.~ - -Weitere Entwicklung der Uhren im 18. und 19. Jahrhundert. - - -1. Die Pendeluhren im allgemeinen. - -Wie wir im bisherigen gesehen, sind die Pendeluhren trotz des -wissenschaftlich richtigen und interessanten Prinzips praktisch -doch noch immer sehr unvollkommen; dieser Uebelstand blieb so -lange bestehen, als es nicht gelang, eine bessere Hemmung und -zweckdienlichere Aufhängung des Pendels zu ersinnen. (Unter Hemmung -versteht man im allgemeinen eine Vorrichtung, welche die Aufgabe hat, -im Verein mit dem Pendel oder der Unruhe das gleichmäßige Ablaufen des -Räderwerkes zu erzielen). Diese und andere Verbesserungen ließen nun -nicht mehr lange auf sich warten, denn einerseits waren gegen Ende -des 17. Jahrhunderts die Uhren Gegenstand reger wissenschaftlicher -Studien und Untersuchungen von seiten hervorragender Mathematiker und -Astronomen, anderseits erwarben sich auch die Uhrmacher rasch jene -Kenntnisse, welche zur Erzielung eines Fortschrittes auf dem Gebiete -der eigentlichen Uhrmacherkunst erforderlich waren. - -Bei der Spindelhemmung, wie sie Huygens benutzte, sind große -Schwingungsweiten unvermeidlich; man erkannte aber bald, daß kleine -Schwingungsbögen mehr isochron sind, d. h. eher in gleicher Zeit -durchmessen werden, als große. Die Gleichzeitigkeit wurde nun -ermöglicht durch die Erfindung der Ankerhemmung, oder des sogenannten -englischen Hakens, welcher für einfache Pendeluhren bis heute in -Gebrauch geblieben ist. Man unterscheidet _dreierlei Hemmungen_: die -zurückfallende, die ruhende und die freie Hemmung. Die _zurückfallende_ -ist jene, bei welcher der Zahn der Hemmung genötigt ist, der Richtung -zu folgen, nach welcher das Pendel oder die Unruhe schwingt. Er muß -also, bevor dem Pendel oder der Unruhe ein neuer Antrieb gegeben werden -kann, wieder zurückgehen. Hieher gehören die Hemmung mit Steigrad und -Spindel bei Pendel- und Taschenuhren, ferner bei ersteren der bereits -genannte englische Haken. - -[Illustration: Fig. 34.] - -Fig. 34 stellt die ursprüngliche Hemmung des Engländers Clement vor -(ca. 1680). ~P~ ist die Pendelstange, an deren Aufhängung ~G~ der -Anker ~AB~ befestigt ist. Er ist gekrümmt und trägt bei ~A~ einen -Ansatz, welcher ungefähr die gleiche Krümmung besitzt, wie die Zähne -des Hemmungsrades. Auf diese wirken nun in leichtverständlicher Weise -die Ankerarme ~A~ und ~B~. Ursprünglich saß das Pendel direkt auf der -Ankerachse, wie z. B. beim geradlinigen Balancier, es wurde aber später -für sich aufgehängt und steht nun durch eine Gabel mit dem Anker in -Verbindung. Clement ersetzte den Seidenfaden durch eine biegsame Feder, -und Julien le Roy verwendete zuerst deren zwei. - -Die _ruhende_ Hemmung stellt einen weiteren Fortschritt dar und wurde -von Graham eingeführt. (Fig. 35). - -[Illustration: Fig. 35.] - -Georg Graham, geb. im Jahre 1675 zu Horsgills in der Grafschaft -Cumberland, kam als Lehrling zu dem ausgezeichneten Uhrmacher Tompion -in London. Bald zeichnete er sich durch Geschicklichkeit und eine -große Erfindungsgabe aus. Er studierte zuerst die Störungen, welche -Temperaturunterschiede im Gang von Pendeluhren hervorbringen und suchte -sie durch Anwendung eines hölzernen Pendels zu beseitigen, weil, wie -er gefunden, Holz sich in der Richtung der Fasern nur wenig ausdehnt. -Durch Kochen in Oel oder durch Ueberzug von Firnis sollte auch der -Einfluß der Luftfeuchtigkeit ausgeschaltet werden. Die Ergebnisse -langer Studien waren das Rostpendel (soll eigentlich von dem Engländer -Harrison, 1726, erfunden worden sein) und die Quecksilberkompensation. -Graham erfand auch die Zylinderhemmung für Taschenuhren. Als -ausgezeichneter Mechaniker verfertigte er auch astronomische und -physikalische Instrumente, wie er ebenfalls in diesen Zweigen praktisch -tätig war. Im Jahre 1721 wählte ihn die Innung der Londoner Uhrmacher -zu ihrem Vorsteher; 1728 wurde er Mitglied der königl. Akademie der -Wissenschaften. Graham starb 1751 und ist in der Westminsterabtei, in -der Gruft seines Lehrmeisters Tompion beigesetzt. - -[Illustration: Fig. 36.] - -Einen _Graham-Anker_ zeigt Abbildung 36. Die Wirkungsweise ist ähnlich -wie bei der Clementʼschen Hemmung, man unterscheidet aber hier Ruhe- -und Arbeitsflächen. Die Ruheflächen sind nach einem Kreise um das -Ankermittel gekrümmt; wenn der Zahn des Steigrades auf ihnen liegt, ist -der Anker in Ruhe. Arbeit wird auf ihn nur übertragen, wenn der Zahn -(des Steigrades) auf den kleinen, ebenen Flächen, den Arbeitsflächen, -sich befindet. Diese Hemmung wird bei feinen Uhren noch vielfach -angewendet; bei Turmuhren ist sie oft etwas abgeändert und tritt als -sogenannte „_Stiftehemmung_” auf (Fig. 37). Hier sind die Zahnspitzen -des Graham-Ganges durch Stifte ersetzt, welche im Hemmungsrade mit der -Radwelle laufen. Die Paletten (Flächen) des Ankers liegen ganz nahe -beieinander und lassen die Stifte von einer gleich zur andern gehen. -Es werden auch Stiftehemmungen konstruiert, bei denen das Rad auf -beiden Seiten Stifte aufweist; die Radscheibe geht dann zwischen den -Ankerarmen hindurch und die Stifte der einen Seite berühren bloß den -zugekehrten Ankerarm. - -Es ist aber leicht einzusehen, daß auch bei dieser ruhenden Hemmung die -Reibung noch ziemlich bedeutend ist. Deswegen kamen mehrere Künstler, -so z. B. 1748 Pierre le Roy (der Sohn des oben genannten Julien le Roy) -u. a. auf den Gedanken, das Hemmungsrad nicht vom Regulator (Pendel) -selbst, sondern von einem besonderen Einfall aufhalten zu lassen, -welcher vom Regulator ausgelöst wird. Hiedurch verringert sich die -Reibung auf ein Minimum, der Gang wird möglichst leicht. Die Unruhe -schwingt zum größten Teil frei, macht also viel größere Schwingungen, -als bei der Zylinderhemmung. Dieses ist das Prinzip der _freien_ -Hemmungen, welche namentlich bei Präzisionsuhren angewendet wird. Als -besonders geistreiche und originelle Ausführungen der freien Hemmung -sei hier das Mannhardtʼsche Pendel sowie die Rieflersche Hemmung -genannt, von denen noch näher die Rede sein soll. - -[Illustration: Fig. 37.] - -Mit welch großer Mühe und Scharfsinn die alten Turm- und Kunstuhren -auch ausgeführt sein mochten, so waren sie doch nicht geeignet, -eine genaue Messung der Zeit zu ermöglichen, weil sowohl die -Werkzeuge, als auch die Kenntnis der hier besonders in Betracht -kommenden verschiedenen Widerstände noch sehr mangelhaft waren. -Bei Turmuhren ist es besonders die große Reibung im Werke selbst, -die Zeigerleitungen, die Hemmung des Windes u. s. w., welche die -Genauigkeit beeinträchtigen. Ließ man, um diese Uebelstände etwas -auszugleichen, die Uhr mit großem Kraftüberschuß gehen, so mußte das -Pendel einen großen Weg machen, was wieder andere Uebelstände zur Folge -hatte. Es mußte also der Antrieb, den das Pendel erhält, oder den das -Steigrad auf den Anker ausübt, nur gering sein. - -[Illustration: Fig. 38.] - -Die Anordnung, durch welche das erreicht wird, heißt Hemmung mit -„konstanter Kraft” und besteht darin, daß das Gewicht des Laufwerkes -der Uhr alle Minuten nur einige wenige Sekunden lang wirkt; das -Steigrad und damit das Pendel erhalten ihren Antrieb durch einen -besonderen Hilfsmechanismus, welcher alle Minuten aufs neue aufgezogen -wird. Infolge dieser Einrichtung bewegt sich der Minutenzeiger -sprungweise. Diese Erfindung, schon länger bekannt, wurde nun erst -durch die Mannhardtʼsche Ausführung so recht praktisch.[79] Das -sogenannte „freie Pendel” bezeichnet einen wichtigen Abschnitt in der -Großuhrenfabrikation, indem hier die freie Hemmung mit konstanter Kraft -sehr sinnreich verwirklicht ist. Fig. 38 gibt eine Vorderansicht der -Mannhardtʼschen Konstruktion. - -Das Laufwerk der Uhr besteht aus dem Bodenrad (~a~), dem Laufrad (~b~) -und dem Windfang (~c~). Das Gewicht des Laufwerkes ist ohne jeden -Einfluß auf den direkten Antrieb des Pendels. Dieses erhält ihn nämlich -in ganz gleicher Größe alle Minuten einmal, so daß die Schwingungen -ebenfalls gleich sind. Die geniale Art dieses Antriebes, sowie die -Auslösung des Laufwerkes sind im folgenden dargestellt. Das Pendel -~A~, welches in zwei Federn hängt, trägt nahe dem Aufhängepunkt ein -Rädchen ~e~, welches ebensoviele Zähne hat, als das Pendel in einer -Minute Doppelschwingungen vollführt. Am festen Ständer ~B~ ist ein -Sperrhaken ~i~ angebracht, der das Rädchen um einen Zahn vorwärts -schiebt, wenn das Pendel von rechts nach links schwingt; es macht also -alle Minuten eine Umdrehung, und ebenso oft stößt ein auf der Achse -desselben fest angebrachter Haken ~f~ an das Auslösungsstück ~lmn~. -Hiedurch wird das Laufwerk frei und macht der Windfang eine Umdrehung. -Auf der Achse des Windfanges sitzt der Arm ~gh~, welcher nach -vollendeter Drehung angehalten wird durch den Haken des Auslösungshebel -~lmn~. - -Ferner sitzt auf der Windfangachse noch die exzentrische Scheibe ~K~, -welche die Rolle ~p~ sanft auf die am Pendelrahmen angebrachte schiefe -Ebene ~ss~ auflegt. Diese Rolle übt nun beim Heruntergleiten durch -ihr Eigengewicht einen Druck aus, welcher dem Pendel den erlittenen -Kraftverlust ersetzt. All das vollzieht sich fast ohne Reibung und ohne -Stoß, was sonst bei keiner Hemmung erreicht wird. Der Exzenter ~K~ hebt -nun die Rolle wieder auf, so daß während der nächsten Minute das Pendel -tatsächlich ganz frei schwingt, und erst am Ende dieser Zeit einen -neuen Antrieb erhält. - -Es mag noch bemerkt werden, daß Mannhardt bei der Antriebrolle und dem -Sperrrädchen jede Oelschmierung vermeidet, indem die feinst polierten -Zapfen in Büchsen laufen, welche mit Graphit ausgekleidet sind. Eine -besonders angebrachte Vorrichtung, in Art einer Bremse verhindert, daß -das Sperrrädchen während der Zwischenzeit sich bewege. - -Die Vorzüge dieses ausgezeichneten Systems sind derart, daß die -Mannhardtʼschen Turmuhren sich rasch überall hin verbreiteten und -hohe Anerkennung fanden. Die Werkstätte selbst besteht heute noch -unter der Firma: J. Mannhardtʼsche Turmuhrenfabrik in München (Inhaber -G. Hartmann). - -Wären die Widerstände, welche das Pendel durch seine Verbindung -mit dem Räderwerk der Uhr erfährt, gleichbleibend, so hätten sie -keinen schädlichen Einfluß auf dessen Gang; da es aber unmöglich ist, -alle Ungleichheiten zu beseitigen, so muß man darnach trachten, sie -möglichst gering zu machen. Es ist sehr wichtig, daß der Antrieb, -welchen das Pendel von Zeit zu Zeit erhalten muß, im rechten Moment -der Schwingung und an der rechten Stelle des Pendels, endlich auch -in richtiger Weise erfolge. Die richtige Zeit für einen Antrieb ist -offenbar dann gegeben, wenn das Pendel die größte lebendige Kraft -besitzt, also, wenn es die Ruhelage passiert, weil dann etwaige -Ungleichheiten des Antriebes die Regelmäßigkeit der Schwingungen am -wenigsten beeinflussen können. Soll der Schwingungsbogen und damit die -Schwingungszeit nicht geändert werden, so muß der Anstoß möglichst nahe -der Achse des Pendels erfolgen. Auf die beste Weise endlich erfolgt -der Antrieb, wenn er rasch und ohne Stoß vor sich geht, was wiederum, -wenigstens in bezug auf das erstere, beim Passieren der Mittellage der -Fall ist.[80] - -Genauere Untersuchungen haben nun dargetan, daß die Grahamhemmung alle -diese Erfordernisse nur unvollkommen erfüllt; unter den zahlreichen -bereits konstruierten Hemmungen ist diejenige von Herrn S. Riefler -unstreitig eine der besten. Eigentümlich und neu ist hier, daß der -Antrieb in die Pendelfeder verlegt wird, also nicht am Pendel selbst -erfolgt. - -[Illustration: Fig. 39.] - -Unsere Abbildung Fig. 39 zeigt die Rieflerʼsche Hemmung in -Vorderansicht; Fig. 40 von der Seite. Wie man sieht, sind hier statt -eines Steigrades deren zwei angebracht. Das hintere (Fig. 40), ~H~, -ist das Hebungsrad, das vordere, ~R~, das Ruherad; beide sitzen auf -derselben Achse fest. Der Anker (~A~) dreht sich nicht um einen -Zapfen, sondern der geringeren Reibung halber um Schneiden. An ihm -befinden sich 2 Hebestifte (~S S′~) aus Stein, deren Querschnitt rund, -beziehungsweise halbkreisförmig ist. Das Pendel selbst ist einzig durch -Federn mit dem Anker verbunden und zwar so, daß die Schwingungsachse -der Federn und die Schneidenachse des Ankers zusammenfallen. Die -Wirkungsweise der Rieflerʼschen Hemmung ist nun folgende: - -[Illustration: Fig. 40.] - -Angenommen ist, das Pendel schwinge gerade von rechts nach links (Fig. -39), wobei vorderhand der Zahn ~r~ des Ruherades ~R~ noch auf der -ebenen Fläche des Stiftes ~S~ aufruht. Die Pendelfeder ~ii~ bleibt noch -gerade (Fig. 40) und der Anker dreht sich um seine Schneiden ~aa~, bis -die Spitze des Ruheradezahnes ~r~ von der ebenen Fläche der Palette -~S~ herabfällt. Jetzt ist die Zylinderfläche der Palette ~S^1~ an den -Hebezahn ~h~ des Heberades (~H~ in Fig. 40) gelangt, die beiden Räder -drehen sich nach rechts herum, bis der Ruhezahn ~r^1~ auf der ebenen -Fläche des Stiftes ~S^1~ aufliegt; der Hebezahn ~h~ drängt die Palette -~S^1~ zurück, wodurch das Pendel einen zu seiner Schwingungsrichtung -entgegengesetzten Antrieb erhält. Durch diese Drehbewegung des Ankers -erfährt die Pendelfeder ~ii~ eine kleine Spannung, welche den nötigen -Antrieb erteilt. Zunächst zwar schwingt das Pendel noch nach links um -die Biegungsachse der Feder, bei ruhendem Anker. Bei der Rückkehr nach -rechts wird der Zahn ~r^1~, der unterdessen auf ~S^1~ ruhte, frei, und -der Zahn ~h^1~ des Heberades bewirkt eine neue Hebung u. s. f. - -Die Hemmung ist so vorzüglich, daß astronomische Uhren, an deren -gleichmäßigen Gang die größten Anforderungen gestellt werden, durch -sie einen außerordentlichen Grad von Genauigkeit erlangen. Diese -Instrumente sind außerdem noch mit Quecksilber- oder Nickelstahlpendel -versehen. Riefler fertigt zwei Arten derselben: die eine in -Glasgehäuse montiert, welches aus zwei Teilen besteht, die luftdicht -zusammengeschliffen sind. Vergl. Abbildung 41. Die Uhr ist mit einem -Mikroskop versehen, um die Schwingungen des Pendels genau zu messen, -und mit einer Luftpumpe, um die Luft zu verdünnen; ebenso sind -ein Barometer und Hygrometer angebracht, um alle hier in Betracht -kommenden äußeren Einflüsse bestimmen und so das Werk möglichst genau -regulieren zu können. Ein elektrischer Sekundenkontakt vermittelt den -Anschluß an die Nebenuhren. Der Druck im Inneren des Glasgefäßes wird -geringer gehalten als außen, dadurch kann die Uhr reguliert werden. -Geht sie nämlich etwas vor, so läßt man Luft einströmen, wodurch der -Reibungswiderstand des Pendels vermehrt wird, sie geht also langsamer; -umgekehrt wird verfahren, wenn sie eine Kleinigkeit nachgeht. Die -grobe Regulierung geschieht wie bei den übrigen Uhren durch eine -Regulierschraube, bezw. durch Zulagegewichte. Nach den Angaben ~Dr.~ -S. Rieflers bringt eine Verminderung des Luftdruckes um ein ~mm~ -Quecksilbersäule eine wöchentliche Gangdifferenz von 1/10 Sekunde -hervor. Der luftdichte Verschluß schützt die Uhr gegen Schwankungen -des Barometerstandes. - -[Illustration: Fig. 41.] - -Eine billigere, aber noch immer sehr gute Uhr wird vom gleichen -Fabrikanten in Holzgehäuse geliefert. Die Schwankungen des Luftdruckes -werden hier durch ein am Pendel angebrachtes Aneroidbarometer -ausgeglichen. Dasselbe trägt nämlich auf dem oberen Boden ein Gewicht, -welches sich hebt und senkt, und dadurch den Abstand des Schwerpunktes -ändert, und also den Gang reguliert. Der Preis eines astronomischen -Rieflerschen Regulators beträgt 1400 bis 3000 Mk. Es ist dies eine -relativ mäßige Summe, wenn man bedenkt, daß diese Zeitmesser jetzt wohl -das vollkommenste darstellen, was geboten werden kann. Auch Turmuhren -werden in Rieflers Werkstätte gebaut, nach gleichem System, wobei die -Verhältnisse natürlich entsprechend größer sind. - - -2. Die Kompensation. - -Die Wärme dehnt alle Materialien, welche für Pendel in Frage kommen, -aus und zwar so, daß ein Pendel aus Stahl oder aus Eisen bei -einer Temperaturerhöhung von 1° C täglich etwa eine halbe Sekunde -zurückbleibt; dies gilt für lange und kurze Pendel. Man sucht nun -diesem Uebelstande dadurch abzuhelfen, daß Materialien verschiedener -Ausdehnung genommen werden, so daß die Ausdehnungen sich gegenseitig -möglichst ausgleichen, daß also der Schwingungsmittelpunkt des -Pendels in annähernd gleichem Abstande vom Aufhängepunkt bleibt. -Als kompensierendes Element verwendet man in der Regel Messing, -Zink oder Quecksilber. Das bekannte Rostpendel (an den billigen -„Regulatoren” übrigens oft nur zum Schein angebracht) zeigt Stäbe -von verschiedenem Material, aber von gleicher Form und gleichem -Volumen; die Temperaturänderungen übertragen sich ziemlich gleich -schnell auf alle Teile, allein durch die Querverbindungen der Stäbe -entsteht Reibung, welche eine ruckweise Ausdehnung bewirkt, wodurch -die Kompensation vielfach wieder vereitelt wird. Ursprünglich, als -man bloß Eisen und Stahl verwendete, mußten bis neun Stäbe genommen -werden, da der Unterschied in der Ausdehnung hier nur gering ist. -Nimmt man jedoch Zink, so genügen fünf. Fig. 42 stellt ein Rostpendel -dar. Die beiden inneren, die Pendelstange umgebenden Zinkstäbe dehnen -sich bei zunehmender Temperatur nach oben aus, suchen also das Pendel -zu verkürzen; diese Verkürzung wird aber wieder ausgeglichen durch -die zwei äußeren Stäbe und die innere Stange, welche sich nach unten -ausdehnen. Theoretisch tritt folglich keine Aenderung der Pendellänge -ein. - -[Illustration: Fig. 42.] - -Das beste Material für Wärmeausgleich ist aber Quecksilber; es -besitzt einen großen Ausdehnungskoeffizienten, ein bedeutendes -spezifisches Gewicht und keinerlei Reibung beim Ausdehnen. Deshalb -wurde es auch bereits von Graham angewendet. In der gewöhnlichen -Form ist ein Quecksilberpendel folgendermaßen eingerichtet: ein -zylindrisches Glasgefäß (zuweilen auch zwei), teilweise mit Quecksilber -gefüllt, ist am unteren Ende der eisernen Pendelstange befestigt. -Diese kann sich nach unten, das Quecksilber nach oben ausdehnen; -man bestimmt die Menge des letzteren so, daß der Schwingungspunkt -des Pendels bei jeder Temperatur in der gleichen Lage bleibt. -Theoretisch ist das nun ganz schön, allein in Wirklichkeit ergeben -sich Schwierigkeiten, welche den Wärmeausgleich sofort wieder ungenau -machen. Um nur einiges zu erwähnen, nimmt selbstredend die dünne -Pendelstange Temperaturänderungen leichter an als die beträchtliche -Quecksilbermasse; dann ist die Höhe der Quecksilbersäule, verglichen -mit der Pendellänge, gering, so daß Temperaturunterschiede in -verschiedener Höhenlage nicht kompensiert werden. Endlich ist auch -die Form des Quecksilbergefäßes ziemlich ungeeignet, die Luft mit dem -möglichst geringen Widerstande zu durchschneiden; dieser letztere -ungünstige Umstand wird noch mehr ins Gewicht fallen, wenn das -Quecksilber auf zwei Gefäße verteilt wird. - -Von ähnlichen Erwägungen ausgehend, hat Herr S. Riefler eine -Quecksilberkompensation konstruiert, welche die eben genannten -Fehlerquellen möglichst vermeidet und im Wesentlichen wie folgt -eingerichtet ist (Fig. 43). Die Pendelstange ist ein Mannesmannrohr -von 1 ~mm~ Wandstärke und 16 ~mm~ Weite, das auf zwei Drittel der -Länge mit Quecksilber gefüllt ist (einen ähnlichen Gedanken hatte -schon Graham); die Linse ist im Verhältnis zum Gewichte des ganzen -Pendels sehr schwer. Während nun die Grahamkompensation dadurch richtig -eingestellt wird, daß man Quecksilber ein- oder weggießt, bleibt beim -Riefler-Pendel die Höhe desselben immer gleich; es wird die Korrektur -der Kompensation durch Hinwegnahme (wenn zu wenig kompensiert wird) -oder durch Hinzufügen von Ersatzscheiben, also durch Aenderungen der -Pendelmasse bewerkstelligt. Der Ausdehnungskoëffizient des Stahlrohres -wird durch höchst sorgfältige Messungen bestimmt, so daß schließlich -die Genauigkeit eine ganz außerordentliche wird; schwankt sie doch -nach den Angaben ~Dr.~ Rieflers pro Tag und ± Celsiusgrad nicht -mehr als 5/1000 Sekunden! Zum Zwecke ganz feiner Regulierung werden -noch Zulagegewichte beigegeben, welche in einen an der Pendelstange -angebrachten Becher zu legen sind und dem Pendel innerhalb 24 Stunden -eine Beschleunigung geben, die auf den Gewichten selbst vermerkt ist. - -[Illustration: Fig. 43.] - -Herr Riefler hat das Kompensationspendel auch noch in einer 2. Form -hergestellt, als sogenanntes „Nickel-Stahl-Kompensationspendel”.[81] -Herr ~Dr.~ E. Guillaume, Mitglied des Direktoriums des internationalen -Bureaus für Maß und Gewicht zu St. Cloud bei Paris fand nämlich, daß -eine Legierung von 37,7 Prozent Nickel und 64,3 Prozent Stahl einen -außerordentlich geringen Ausdehnungskoëffizienten habe, etwa ein -1/12 von demjenigen des Stahles, 1/18 von Messing und bloß 1/23 von -Aluminium. Es lag nun der Gedanke nahe, und einläßliche Untersuchungen -Rieflers bestätigten ihn, daß diese Legierung, „Invar” genannt, sich -für Pendel sehr gut eignen möchte. - -[Illustration: Fig. 44.] - -Das von der Firma Riefler konstruierte Nickelstahlpendel, (~D. R. P.~ -No. 100870) Fig. 44, besteht aus dem massiven Nickelstab ~S~, der -Linse ~L~, sowie den zwei Kompensationsröhren ~C~ und ~C′~ und den -Reguliermuttern ~M~ und ~M′~. Bei den Sekundenpendeln ist das Rohr ~C~ -aus Messing, ~C′~ aus Stahl, beide sind etwa 10 ~cm~ lang. Die Dicke -des Pendelstabes beträgt für astronomische Uhren 14 ~mm~, für billigere -Uhren 10 ~mm~. Auch hier ist der Wärmeausgleich noch ein vorzüglicher: -pro Tag und Grad C beträgt der Unterschied bloß ± 0,02 Sekunden. - -Die letztgenannte Konstruktion hat vor dem Quecksilberpendel den Vorzug -größerer Billigkeit bei fast gleicher Genauigkeit. Sie wird bereits -an vielen Uhren angebracht und zwar in 4 Ausführungen: Als Halb- und -Ganzsekundenpendel, ferner in einer Länge, die 80 und 90 Schwingungen -entspricht. - -Herr Riefler hat auch eine genaue Berechnung der Kompensation -ausgeführt, welche wohl für lange Zeit genügen mag. Früher wurde -nämlich angenommen, daß sich die Linse ebensoviel heben müsse, als sich -die Stange verlängert hat; es ist dies aber deswegen ungenau, weil bei -einer Verlängerung der Pendelstange auch der Schwerpunkt sich senkt. -Genau muß nämlich die Länge des mathematischen Pendels konstant bleiben. - - -3. Die elektrischen Uhren. - -Wie auf vielen andern Gebieten menschlicher Tätigkeit, so hat auch -bei der Zeitmeßkunst die Elektrizität sich sozusagen als Mädchen für -alles angeboten. Diese geheimnisvolle Kraft besitzt allerdings geradezu -ideale Eigenschaften, welche sie für Mitteilung der Zeit hervorragend -befähigen. Da ist zuerst ihre kolossale Geschwindigkeit: rund 300000 -~km~ in der Sekunde, so daß sie fast momentan vom Pol zum Aequator -läuft, die leichte Teilbarkeit des elektrischen Stromes, einfache -Installation u. s. w., Gründe genug, diese kostbare Kraft auch in den -Dienst der Zeitmessung zu stellen, was von Tag zu Tag in größerem Maße -geschieht. - -Der elektrische Strom wird vorzüglich in dreifacher Weise zur -Mitteilung der Zeit verwendet: im elektrischen Zeigerwerk, also in -den sogenannten „sympathischen” Uhren, wo unmittelbar die Angaben -einer Normaluhr auf beliebig viele Zifferblätter übertragen werden; in -Uhren mit selbständigem Gang, welche von Zeit zu Zeit durch den Strom -gerichtet werden und endlich in der elektrischen Pendeluhr, bei welcher -die Elektrizität als Motor wirkt, d. h. Gewicht oder Feder ersetzt. - -So viel bekannt, suchte zuerst der Münchener Ramis (Uhrmacher?) die -Elektrizität als treibende Kraft in der Uhr zu verwenden, indem er -zwischen den Polen einer Zambonischen Säule eine Nadel, die als -Sekundenpendel schwang, mit einem Uhrwerk in Verbindung setzte. Allein -die elektrische Kraft nahm bald ab und die Säule mußte erneuert werden. - -[Illustration: Fig. 45.] - -Mit besserm Erfolge benützten Steinheil und Wheatstone 1839 den -Elektromagnetismus, um von einer genau gehenden Normaluhr aus, eine -beliebige Anzahl anderer Uhren in übereinstimmendem Gange zu erhalten. -Steinheil ließ durch die Normaluhr alle Minuten oder Sekunden -einen Strom schließen, wodurch der Elektromagnet der abhängigen -Uhr erregt wurde und zwei polarisierte Anker bewegte. Er verwandte -also Wechselstrom. Die Anker, bald angezogen, bald abgestoßen, -wirkten nun ähnlich wie eine Hemmung, indem sie die Zeigerbewegung -hervorbrachten. -- Wheatstones Uhr war im wesentlichen eingerichtet -wie sein Zeigertelegraph. Ein Elektromagnet zieht den Anker an und -treibt dadurch das Zeigerrad um einen Zahn vorwärts. Der Strom wird -alle Sekunden oder Minuten durch das Steigrad der Hauptuhr geschlossen. -Der Franzose Garnier verbesserte dieses System insofern, als er den -Stromschluß nicht direkt durch die Normaluhr bewirken läßt, sondern -durch ein von dieser betriebenes Hilfsräderwerk. Von dieser Art Uhren -haben jene von Breguet, Siemens und Halske, vor allen aber die von Hipp -in Neuenburg weitere Verbreitung gefunden. Fig. 45 und 46 werden die -Wirkungsweise des elektrischen Stromes in einer Uhr resp. Uhrenleitung -leicht klar machen. Der Anker ~a~, Fig. 45, trägt eine Feder ~S~, -welche das Minutenrad ~R~ bei jedem Stromschluß um einen Zahn vorwärts -schiebt. Damit beim Zurückgehen des Ankers das Rad ~R~ nicht wieder, -etwa durch Reibung mitgenommen wird, ist der Sperrhaken ~t~ angebracht; -das Vorwärtsschieben von zwei Zähnen wird durch den Ansatz ~h~ -verhindert. Fig. 46 gibt eine schematische Kontaktvorrichtung. ~S~ -ist eine auf der Achse des Sekunden- oder Minutenrades angebrachte -isolierende Scheibe, deren Nase den Kontakt bei ~C~ besorgt. ~B~ ist -die Batterie. Das Weitere ergibt sich aus der Abbildung. - -[Illustration: Fig. 46.] - -Die zweite Art elektrischer Uhren kann hier übergangen werden, da -sie im wesentlichen nur Zeigertelegraphen darstellen. Wie bekannt -faßte Steinheil zuerst diesen Gedanken und führte ihn auch aus. -Verbesserungen erfuhr dieses System außer von Bain und Breguet, -namentlich durch Siemens und Halske. - -Als Beispiel einer selbstständigen elektrischen Uhr sei hier die -Hippʼsche etwas einläßlicher beschrieben, da sie wohl die verbreitetste -sein dürfte. - -[Illustration: Fig. 47.] - -So schön auch der Gedanke ist, den elektrischen Strom zur Zeitmessung -zu verwenden und so zahlreich die an den Uhren in dieser Hinsicht -angebrachten Verbesserungen immer sein mögen, es bleiben doch noch -viele Uebelstände übrig, welche oft so groß sein können, daß der -Nutzen der ganzen Einrichtung in Frage gestellt wird. Hier möge nur -Weniges erwähnt sein. Die Zeitindikatoren werden, wie wir oben gesehen, -durch einen Elektromagneten betätigt, indem dieser einen Anker aus -weichem Eisen anzieht oder losläßt. Gewöhnlich ist nun dieser Anker -sehr nahe beim Magneten, hat also nur wenig Weg; es kann infolge -dessen auch eine leichte Erschütterung der Uhr ein Vorwärtsschieben -des Zeigers veranlassen. Wird ein polarisierter Anker (durch Influenz -magnetisch, oder auch ein permanenter Magnet) angewendet, so können -Induktionsströme höherer Ordnung sich bilden, welche denselben -zweimal bewegen; ebenso kann es vorkommen, daß er in der Mitte stehen -bleibt, wodurch schwere Störungen verursacht werden. Diese und andere -Uebelstände nun hat Hipp in seinen Uhren beseitigt, so namentlich auch -die Funkenbildung bei der Stromöffnung; dadurch wird die Schädigung -der Kontakte bedeutend vermindert. Es kann aber hier auf diese -Einzelheiten nicht näher eingegangen werden. - -[Illustration: Fig. 48.] - -Die elektrische Uhr von Hipp ist entweder eine Pendeluhr, oder dann ein -elektrischer Regulator; nur die erstere soll hier beschrieben werden. -Unsere Abbildung, Fig. 47 gibt eine Vorderansicht der Hippʼschen -Pendeluhr. Das Pendel hat Federaufhängung und schwingt halbe Sekunden; -es besteht aus einer Stahlstange mit schwerer Linse, unterhalb welcher -der Anker aus weichem Eisen angebracht ist. In unmittelbarer Nähe -befindet sich der zweischenkelige Elektromagnet. Wenn nun das Pendel -schwingt, so nehmen natürlich die Schwingungsweiten bald ab, so daß ein -neuer Anstoß nötig wird. Dieser wird durch eine im richtigen Momente -wirkende Anziehung des Elektromagneten erteilt. Eine eigentümliche -Kontaktvorrichtung setzt den Strom in Tätigkeit. Wie Fig. 48 zeigt, -ist die Pendelstange in der Mitte abgekröpft; diese Abkröpfung trägt -auf einem Messingarm ein Stück glasharten Stahles, welches unter der -sogenannten Palette hin- und herschwingt. Diese, eine feine Schneide -aus Stahl, ist an der Feder ~ac~ (Fig. 49) um eine Achse leicht -beweglich angebracht und gleitet für gewöhnlich über das unter ihr -schwingende, mit feinen, sägezähneartigen Furchen versehene Stahlstück -~d~ hinweg. Der Aufhängepunkt ~e~ der Palette liegt etwas seitlich, -außerhalb der Gleichgewichtslage des Pendels und reguliert so die -kleinste Amplitude, mit der das Pendel schwingen darf. Fallen nun ~e~ -und der Umkehrpunkt des Pendels zusammen, so wird Kontakt gemacht und -zwar auf folgende Weise: bewegt sich das Pendel bei der kleinsten -Schwingungsweite z. B. von rechts nach links, so steht die Palette -schief über ~d~ und wird durch das Pendel aufgerichtet. Dadurch wird -aber die Feder ~ac~ nach oben gedrückt, so daß bei ~c^1~ der Strom -geschlossen wird. In diesem Augenblick ist das Pendel noch rechts -vom Elektromagneten, aber ganz nahe; es hat also fast das Maximum -der Bewegungsintensität, nun kommt die Anziehung des Magneten und -vergrößert dadurch die Schwingungsweite. Wenn das Plättchen ~d~ die -Palette wieder verläßt, ist der Strom unterbrochen. Dieses Spiel -wiederholt sich nun so oft, als die Schwingungsweite ihr Minimum -erreicht; sollte irgend einmal der Strom nicht wirken, so wiederholt -sich der Kontakt noch öfters, wodurch eine bedeutende Sicherheit -erreicht wird. Der Stromverbrauch ist sehr gering, da nur etwa alle -halbe Minuten Kontakt stattfindet. Die Uebertragung der Pendelbewegung -auf das Steigrad erfolgt jede Sekunde durch einen Winkelhebel, der vom -Pendel mitgenommen wird. - -[Illustration: Fig. 49.] - -Soll diese Uhr zugleich als Normaluhr oder Regulator dienen, so ist -an derselben noch ein Stromwender und eine Kontaktvorrichtung für -die Uhrenleitungen angebracht, auf deren nähere Erklärung wir hier -verzichten müssen. - -[Illustration: Fig. 50.] - -Zum Schlusse dieser kurzen und keineswegs vollständigen Uebersicht -über die elektrischen Uhren möge noch ein System genannt sein, -das erst vor kurzem in den Handel kam und vielleicht eine große -Zukunft hat. Jedermann weiß, wie lästig, oft auch kostspielig die -Instandhaltung einer großen Uhrenbatterie ist. Fast immer liegen auch -die Störungsursachen in der Stromquelle oder im Versagen der Kontakte. -Es ist deshalb als ein sehr erfreulicher Fortschritt anzusehen, daß -es jetzt gelungen ist, elektrische Uhren ohne jede Batterie oder -Akkumulatoren zu betreiben und zwar sowohl Normaluhren als auch -zahlreiche von ihnen abhängige Zeigerwerke. Der Gang dieser Zeitmesser -beruht auf der Magneto-Induktion, d. h. auf der Erzeugung elektrischer -Ströme durch kräftige Drehung eines Eisenankers in einem permanenten -Magnetfelde, wodurch in einem benachbarten stromlosen Leiter, einer -Spule, Stromstöße hervorgerufen werden. Der Gedanke ist zwar längst -bekannt und auf anderem Gebiete ausgeführt worden; auf die Uhren -angewendet aber hat ihn, so viel wir wissen, erst Herr Martin Fischer -aus Zürich; die Werke seines Systems werden von der Aktiengesellschaft -„Magneta” in Zürich erstellt. - -[Illustration: Fig. 51.] - -Das Prinzip ist im wesentlichen folgendes: an einem Feder- oder -Gewichtsregulator ist ein Magnet-Induktor angebracht, welcher vom -Gehwerk der Uhr alle Minuten ausgelöst wird. Dadurch wird ein zwischen -den Magneten befindlicher Eisenstab gezwungen, eine Viertelsdrehung zu -machen; durch diese plötzliche Bewegung entsteht in der feststehenden, -den Stab umgebenden Spule ein momentaner elektrischer Strom, welchen -die Leitungen auf die Nebenuhren übertragen, wodurch deren Zeiger -gleichzeitig bewegt werden. Jede Batterie fällt so weg, die einzige -Wartung, derer die Uhr bedarf, ist das Aufziehen des Regulators. -Soll sie gerichtet werden, so kann dies durch beliebige Bewegung -des Zeigers geschehen. -- Die Dauer der Magnete wird vom Erfinder -auf 10 bis 20 Jahre berechnet. In dieser Einfachheit stellt das -Magneta-System wohl das billigste vor, was bis jetzt auf dem Gebiete -der elektrischen Uhren geleistet wurde. Es bleibt nur noch abzuwarten, -ob diese geistreiche Einrichtung sich bewährt. Eingehende Prüfungen -ergaben ein gutes Resultat und lassen hoffen, daß das System sich -bald in weiterem Umfange einbürgern werde. Es sei noch bemerkt, daß -jeder Sekundär-Uhr bis 25 Ohm Widerstand vorgeschaltet werden konnten, -ohne ihren regelmäßigen Gang zu beeinflussen. Dieser Widerstand würde -einer Doppelleitung von 2 bis 3 Kilometer Länge und etwa 2 Millimeter -Dicke entsprechen, so daß die Verwendbarkeit des Systems auch in sehr -ausgedehnten Gebäude-Komplexen gesichert ist (Fig. 50 und 51). - -Weil die Elektrizität überall, wo sie in den Dienst des Menschen -gestellt wird, sich als mehr und mehr brauchbar und wertvoll bewährt -hat, so dürfen wir wohl auch auf dem Gebiete der Zeitmessung gerade von -dieser Kraft noch viele Ueberraschungen und ungeahnte Erfolge in der -Zukunft erwarten. - -An Stelle des Gewichtes oder des elektrischen Stromes wurde auch -schon der Luftdruck verwendet; dies geschieht bei den sogenannten -_pneumatischen Uhren_. Als Erfinder gilt der Wiener Ingenieur -Mayrhofer, welcher 1875 und 1876 sein System bekannt machte. Gepreßte -Luft, welche auf der Zentralstation in einem Behälter sich befindet, -wird durch Röhrenleitungen zu den abhängigen Uhren geführt. Hinter dem -Hauptbehälter ist ein Abschlußventil angebracht, das den Zutritt der -Luft zu den einzelnen Uhren verhindert. Das Oeffnen dieses Ventils -wird nun durch die Normaluhr alle Sekunden oder Minuten besorgt. Die -Luft strömt unter Druck und mit großer Geschwindigkeit zunächst in -einen kleinen Behälter, der als Balg ausgebildet und nahe dem Uhrwerk -angebracht ist: Fig. 52. Der obere Boden dieses Balges trägt einen -leichten Hebel, welcher beim Aufwärtsgehen das Steigrad um einen Zahn -vorwärts schiebt. Eine Klinke verhindert das Zurücknehmen des Rades. -Das Zeigerwerk ist ganz gleich wie bei den elektrischen Uhren. Sobald -die Arbeit geleistet ist, wird bei der Hauptstation ein zweites Ventil -geöffnet, welches der Preßluft in den einzelnen Leitungen den Austritt -in die äußere Atmosphäre gestattet. Dadurch sinkt natürlich der Balg -und mit ihm der Hebel; der Betriebsmechanismus ist sofort zu weiterer -Funktion bereit. Wahrscheinlich bieten sich hier aber Mißstände, welche -nur schwer zu beseitigen sind, z. B. schädlicher Einfluß der feuchten -Atmosphäre auf das Balgmaterial u. s. w. und es scheint, daß der -elektrische Strom über den pneumatischen Meister geworden, wenigstens -verlautet nichts über häufigere Anwendung oder weitere Fortschritte auf -dem Gebiete der pneumatischen Uhren. Möglich, daß auch hier das Bessere -wieder einmal der Feind des Guten geworden ist. - -[Illustration: Fig. 52.] - - -4. Fortschritte in der Herstellung von Taschenuhren. - -Wie leicht begreiflich, begnügte man sich nicht mit der ursprünglich -ziemlich roh erstellten Taschenuhr. Mit fortschreitender Genauigkeit -wuchs selbstverständlich auch die Wertschätzung der Zeitmesser, -speziell der Taschenuhren. Infolge dessen wurden dieselben in den -kostbarsten Materialien, mit allem Aufwand von Scharfsinn und Kunst -hergestellt und so nach und nach zum Luxusartikel, als welchen wir sie -teilweise auch heute noch sehen. Es sind uns bereits im Vorhergehenden -Beispiele künstlerisch ausgestatteter Uhren begegnet und mögen hier -noch einige genannt sein. - -Wir bemerkten bereits, daß sich besonders die Uhren aus der Zeit der -Valois auszeichnen durch reichen künstlerischen Schmuck. Goldschmiede -und Graveure leisteten ihr Bestes, so daß derartige Erzeugnisse der -Stolz jeder Sammlung sind und außerordentlich gut bezahlt werden. -Bewegliche Figuren, die wir zuerst bei den Turmuhren getroffen, wurden -auch an Taschenuhren nach und nach angebracht. Die bereits mehrfach -erwähnte Sammlung Marfels in Berlin weist zahlreiche Beispiele -derartiger Werke auf. Als Probe geben wir in Fig. 53 die Abbildung -zweier kostbaren Uhren mit kleinen Automaten. Uhren in Form von -Tabakdosen, Federhaltern, Tulpen, Pyramiden, Musikinstrumenten etc. -sind nicht selten; jede ein Kunstwerk, und mit unendlichem Fleiße -ausgeführt. Schon sehr frühe gelang es, Taschenuhren so klein zu -machen, daß sie in einem Ringe am Finger getragen werden konnten. -(Fig. 54). Wohl die kleinste ältere Uhr von 9 ~mm~ Durchmesser, -aus dem Jahre 1650, zeigt unsere Abbildung 55. -- Vergleichshalber -geben wir hier noch 2 chronometrische Merkwürdigkeiten aus früherer -und neuester Zeit: es sind dies die kleine Uhr, welche Caron de -Beaumarchais konstruierte für die Pompadour und ein Genferührchen, das -mit allen Hilfsmitteln moderner Technik hergestellt wurde (Fig. 56). -Der Kreis gibt die Größe eines 20 Pfennigstückes wieder. - -[Illustration: Fig. 53 ~a~.] - -[Illustration: Fig. 53 ~b~.] - -Was das erste dieser kleinen Kunstwerke betrifft, so sei hier -gleich bemerkt, daß der Ersteller ebenso interessant ist, als sein -Werk. Pierre Augustin Caron, wohl einer der berühmtesten Uhrmacher, -wurde 1732 zu Paris geboren als Sohn des Uhrmachers Caron, der in -bescheidenen Verhältnissen lebte. Der Knabe zeichnete sich schon frühe -durch große Handfertigkeit aus, sowie durch seine dem Vater höchst -unliebsame Vorliebe für Musik. Nach manchem Zerwürfnis mit demselben -versprach er, der Musik, wenigstens einigermaßen zu entsagen, was -auch geschehen zu sein scheint, denn Caron erfand schon mit 20 Jahren -den Stiftengang für Taschenuhren. Durch unvorsichtige Mitteilung -seiner Erfindung an einen Kollegen, wäre er beinahe um deren Früchte -gekommen, erst nach einem glücklich geführten Prozeß erkannte ihn die -Akademie als rechtmäßigen und einzigen Erfinder an. Damit war nun -das Glück des jungen Caron gemacht. Durch das Aufsehen, welches der -Prozeß verursachte, wurden weite Kreise auf den talentvollen Uhrmacher -aufmerksam und Ludwig ~XV.~ bestellte bei ihm eine möglichst kleine -Uhr, die zur vollsten Zufriedenheit ausfiel und der bald weitere -folgten. So wurde Caron rasch in den höchsten Kreisen bekannt. Nach und -nach erhielt er Zutritt bei Hofe und schließlich durch eine Heirat den -Adelstitel, welchen er sich allerdings vorerst selbst beilegte: Caron -de Beaumarchais. Später bestätigte der König diesen Namen. Die Ausübung -des früheren Berufes hatte Beaumarchais natürlich längst aufgegeben. -1784 kam seine „Hochzeit des Figaro” auf die Bühne und machte den -Verfasser zum berühmten Mann. Wie bekannt, ist Caron de Beaumarchais -auch der Schöpfer des Lustspieles: „der Barbier von Sevilla.” Er starb -1799 in Paris, wohin er nach Beendigung der Schreckensherrschaft wieder -zurückgekehrt war. - -[Illustration: Fig. 54.] - -[Illustration: Fig. 55.] - -[Illustration: Fig. 56.] - -Die andere kleine Uhr, welche unsere Abbildung zeigt, wurde in Genf -hergestellt. Wir geben im folgenden einige Daten über dieses Kunstwerk -nach Mitteilungen der Leipziger Uhrmacherzeitung. Das Werk besteht aus -95 Einzelbestandteilen im Gesamtgewicht von 0,93 ~gr~; also noch nicht -ein Gramm! Es hat eine Gangdauer von 28 Stunden; der winzige Schlüssel -umfaßt einen Vierkant von nicht ganz ½ Millimeter Seitenlänge. Der -Durchmesser des Federhauses beträgt 4,18 ~mm~, die Länge der Feder -3,4 ~mm~; ihr Gewicht ist 38 Milligramm, bei einer „Dicke” von 45/1000 -Millimeter! Die Werkplatte, auf welcher die Teile befestigt sind, mißt -9 ~mm~ im Durchmesser. Die Unruhe wiegt etwa ein hundertstel Gramm, bei -3,5 ~mm~ Durchmesser. Die Spirale hat ein Gewicht von 1/10 Milligramm -(d. h. 10000 solcher Federchen hätten erst 1 ~gr~!); die Unruhe macht -stündlich 18152 Schwingungen; u. s. w. Aus diesen Angaben läßt sich -leicht ein Schluß ziehen auf die Feinheit der nötigen Instrumente, aber -mit mehr Recht noch, auf das Werkzeug aller Werkzeuge, die Hand des -Menschen und den Geist, der sie leitet. -- Der Preis des Kunstwerkes -ist nicht für jedermann: 5000 Mk., gewiß nicht übertrieben hoch, -angesichts solcher Leistungen! - -Ein anderes weites Feld der Betätigung bot die Uhrmacherkunst -namentlich der Email-Malerei; die Zartheit und zugleich das Feuer -und der Glanz der Farben läßt sich durch Abbildungen nur mangelhaft -wiedergeben. - -Als ein bedeutender Fortschritt auf dem Gebiete der Uhren darf hier -die Erfindung genannt werden, Edelsteine für Lager u. s. w. zu bohren. -Sie wird dem anfangs des 18. Jahrhunderts in der Schweiz geborenen, -aber in England lebenden Nikolaus Fatio zugeschrieben, welcher 1764 vom -englischen Parlament ein auf 14 Jahre gültiges Patent erhielt. - -Die ältesten Taschenuhren besitzen keine Gläser, sondern dann und -wann Platten aus Bergkristall, deren Bearbeitung sehr mühsam, also -teuer ist. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts finden sich allgemein -Uhrgläser, zunächst in der bekannten gewölbten Form für Spindeluhren. -Der Preis war aber noch sehr hoch, 4-5 Fr. das Stück! - -Der Engländer Barlow (1636-1716) ist der Erfinder der Repetieruhr; -ursprünglich für Pendeluhren berechnet, versah er erst im Jahre 1691 -eine Taschenuhr mit dieser Einrichtung. - -Als sehr wichtige Neuerung muß die Einführung der Taschenuhren ohne -Schlüssel, oder wie wir jetzt sagen, der Remontoir-Uhr bezeichnet -werden. Nach Saunier (~l. c.~ S. 523 ff.) reichen die ersten -diesbezüglichen Versuche bis ins erste Viertel des 18. Jahrhunderts -zurück. P. F. Ingold in La Chaux-de-Fonds verfertigte 1815 eine Uhr, -die durch Drehen des Glasreifens aufgezogen wurde. - -Auch der sogenannte Pump-Aufzug gehört hieher. Der Bügelhals wurde so -lange aus- und eingestoßen, bis die Uhr aufgezogen war. -- Der berühmte -Uhrmacher Adrien Philipp legte 1842 eine Uhr ohne Schlüsselaufzug vor; -in der Folge verband er sich mit dem Genfer Fabrikant Patek zur Firma -Patek, Philipp & Co., welche bis heute solche Aufzüge herstellt. - -Nach diesen Bemerkungen kehren wir noch einmal zu der Hemmung zurück. -Ursprünglich verwendete Henlein, wie wir gesehen, die Waagehemmung, -welche sich lange erhalten hat. Wohl die meisten Leser kennen noch die -Spindeluhr als Erbstück aus Großvaters Zeit. Gegenwärtig kommt sie aber -nicht mehr in Anwendung, weshalb wir von einer nähern Beschreibung -absehen können. Noch häufig sind dagegen Uhren mit _Zylindergang_, -welche deshalb etwas einläßlicher behandelt werden sollen. - -[Illustration: Fig. 57.] - -Erfunden wurde diese Hemmung von dem Engländer Thomas Thompion -(1637-1713) schon 1695 und später von dessen Landsmann Graham zur -jetzigen Form vervollkommnet. Sie gehört zu den „ruhenden” Hemmungen, -so bezeichnet, weil durch ihre Wirkung das Steigrad völlig stille -steht, während die Unruhe einen Teil ihrer Schwingung vollführt. -Zylinderhemmung heißt sie, weil die Unruhespindel teilweise als -Zylinder gebaut ist, der sich zu einer halbrunden Vertiefung -einbiegt, in welche die Zähne des Steigrades eintreten. Vergl. unsere -vergrößerte Abbildung Fig. 57. Unterhalb der Ausbuchtung, die für den -Zahneingriff bestimmt ist, befindet sich noch ein weiterer Ausschnitt -der Zylinderwand, um den nachfolgenden Zahnarm aufzunehmen. Abbildung -58 zeigt die Spindel im Querschnitt, nebst einem kleinen Teil des -Steigrades. Die Pfeile geben die Bewegungsrichtung von Unruhe und -Steigrad an. Stellung 1 zeigt den größten Ausschlag der Spindel nach -links; weil hier die Lippe ~a~ (Rand der Zylinderhöhlung) den Zahn ~c~ -des Steigrades hemmt, so ruht dieses. Im nächsten Moment nun schwingt -die Spindel etwas nach rechts, so daß der Zahn, an ihr vorbeigehend, -einen kleinen Anstoß geben und in die Höhlung eintreten kann. In 3 -steht die Unruhe am weitesten nach rechts, das Steigrad steht wieder -still, bei 4 beginnt die Bewegung nach rückwärts, wobei der bei ~b~ -austretende Zahn abermals einen kleinen Antrieb erteilt. - -[Illustration: Fig. 58.] - -Ein Nachteil dieser Hemmung ist die ziemlich beträchtliche Abnützung, -welche bei der jetzt sehr viel ausgeführten _Ankerhemmung_ vermieden -ist. Sie wird verschieden konstruiert, ist aber im Prinzip -überall dieselbe. Unsere Abbildung 59, welche eine sogenannte -Schweizer-Ankerhemmung darstellt, mag die Wirkungsweise klar machen. - -[Illustration: Fig. 59.] - -Auf der Unruhachse sitzt die Hebescheibe ~d~ (bei feinen Uhren ein -Rubin) mit dem Hebestift ~i~, welcher die Gabel des Ankers ~bc~ -antreibt. Zwei seitlich angebrachte Stifte ~v~ und ~w~ regulieren die -Schwingungsweiten des Ankers. Das Ankerrad ~a~ besitzt abgestumpfte -Zähne, welche durch Vermittlung des Ankers die Kraft des Steigrades -auf die Unruhe übertragen. Diese schwingt frei nach erhaltenem Impuls, -während das Steigrad mit einem seiner Zähne am Anker anliegt. Kehrt -die Schwingung um, so bewegt der Hebestift ~i~ die Gabel und hebt den -Anker, wobei das Rad mit einem Zahn abgleitet, während das andere -Ende des Ankers sich festlegt, wodurch das Steigrad wieder zur Ruhe -kommt u. s. w. Weil die Schwingungen der Unruhe hier fast einen ganzen -Umlauf, vor- und rückwärts ausmachen, also wie ein kräftiges Schwungrad -wirken, überwindet eine Ankeruhr auch leichter alle jene kleinen -Störungen, die beim Tragen der Uhr unvermeidlich sind. Vorausgesetzt -allerdings, daß der Anker sehr gut gearbeitet sei, was nicht immer der -Fall ist; dann ist eine Zylinderuhr vorzuziehen. - -[Illustration: Fig. 60.] - -Hier sei auch noch ein Wort gesagt über die Kompensation bei feinen -Taschenuhren. Die Unruhe ist an zwei gegenüberliegenden Stellen -durchschnitten und besteht wie beim Rostpendel aus zwei verschiedenen -Metallen, welche streifenförmig miteinander verlötet sind. Vergl. -Fig. 60. Ein diametral verlaufender Steg verbindet die beiden Hälften -des Schwungringes der Unruhe. Gewöhnlich wird Messing und Stahl -verwendet. Bildet nun das Metall mit der größeren Wärmeausdehnung die -Außenseite, so dehnt bei steigender Temperatur die Unruhe sich zwar -aus, aber die Lappen krümmen sich nach innen, so daß der Schwerpunkt -der schwingenden Massen dem Mittelpunkte etwas näher rückt; dadurch -werden aber die Schwingungen beschleunigt. Umgekehrt verläuft der -Vorgang bei Temperaturerniedrigung. Die Formänderungen in irgend einem -Sinne gleichen sich also bei richtig gewählten Verhältnissen aus: die -Unruhe ist kompensiert. Gewöhnlich sind am Umfange des Metallreifens -noch kleine Schrauben angebracht, welche die Schwerpunktslage der -beiden Ringhälften regeln. Ihre genaue Einstellung ist eine sehr -langwierige und beschwerliche Arbeit. Aus letzterem ergibt sich auch, -daß bei gewöhnlichen Ankeruhren die Kompensation nur zum Scheine -angebracht ist, da ein so feiner Mechanismus bei dem niedrigen Preise -dieser Uhren sich nicht lohnen würde. - - -5. Die Chronometer. - -Mit diesem Namen („Zeitmesser”) wird eigentlich jede Uhr bezeichnet; -es hat sich aber jetzt dieser Ausdruck ausschließlich eingebürgert für -jene feinsten Federuhren, welche gegen Temperatur- und Lageänderungen -etc. möglichst unempfindlich sein sollen bei hervorragend genauem -Gange. Sie dienen besonders den Zwecken der Schifffahrt und Astronomie. -Die Chronometer werden in zwei Ausführungen gebaut: in großem -Maßstabe, als sogenannte Box-Chronometer und in kleinerer Form, als -Taschenchronometer. - -Da Pendeluhren zur See selbstverständlich nicht brauchbar sind, eine -Uhr aber doch erwünscht und notwendig ist, so treffen wir schon -frühe auf Versuche zur Herstellung genau gehender Zeitmesser behufs -Ortsbestimmung auf dem Ozean. Es ist das die berühmte Frage der -Längenbestimmung auf offenem Meer. - -Während die alten Völker sich vorzugsweise auf Küstenfahrten -beschränken mußten, durchfurcht das moderne Schiff alle Meere mit -täglich wachsender Geschwindigkeit und einer Sicherheit, als ob -es von unsichtbarer Hand dem Ziele zugesteuert würde. Außer dem -Berufsseefahrer, oder denjenigen Lesern, welche in der mathematischen -Geographie bewandert sind, wissen wohl die wenigsten Menschen, wie es -möglich ist, jeden Augenblick den Ort des Schiffes zu bestimmen. Es hat -tatsächlich auch lange gedauert, bis diese Aufgabe befriedigend gelöst -war, und nur unter steter Beihilfe von Wissenschaft und Kunstfertigkeit -ist sie endlich gelungen. -- Unzweideutig ist die Lage eines Punktes -auf unserer Erde bestimmt, durch Angabe seiner geographischen Breite -und Länge. Die Breite läßt sich am leichtesten feststellen, da sie -immer gleich dem Bogenabstand des Poles vom Horizont (Polhöhe) ist. -Segelt der Schiffer nach Norden, so heben sich die zugewandten Sterne -scheinbar immer mehr; diese wechselnde Stellung bietet nun ein Mittel, -die geographische Breite, d. h. den Abstand vom Aequator zu messen. -Zum gleichen Ziele führen auch Messungen der Sonnenhöhe, wenn sie -durch den Meridian geht u. s. w. - -Bedeutend schwieriger ist es jedoch, den Längengrad zu bestimmen, -d. h. den Abstand des Meridians des Beobachters vom Meridian eines -bestimmten festen Punktes. Als Ausgangspunkt der Zählung wird jetzt auf -allen Seekarten Greenwich angenommen, nur die Franzosen beziehen sie -auf den Meridian von Paris (Paris liegt 2° 20′ 14″ östlich von G.). Da -unsere Erde sich mit der größten Regelmäßigkeit in 24 Stunden einmal -um die eigene Achse dreht, so ist es klar, daß auf eine Stunde Zeit -15 Längengrade kommen, also 4 Minuten auf einen Grad u. s. w. Ebenso -leicht begreifen wir, daß östlich gelegene Orte früher Mittag haben -als westliche, daß also bei einer Reise von Westen nach Osten parallel -zum Aequator, die Uhr des Reisenden beständig zurückbleiben muß, auf -einen Grad Längendifferenz um 4 Minuten, ebenso viel geht sie voraus -bei einer Bewegung im entgegengesetzten Sinne. Nun verstehen wir auch, -wie die Bestimmung der Länge mit Hilfe einer genau gehenden Uhr möglich -wird. Wurde, um ein Beispiel anzuführen, die Schiffsuhr bei der Abreise -genau nach Greenwicher Zeit gerichtet, und zeigt sie irgendwo am Mittag -statt 12 Uhr, wie die betreffende Ortsuhr, z. B. 2 Uhr, so ist die -Sonne schon vor 2 Stunden durch den Meridian von Greenwich gegangen; -wir befinden uns folglich um so viele Grade westlich von diesem Punkte, -als die Sonne in der Zeit von zwei Stunden durchläuft, d. h. 30° -westlich von Greenwich. Angesichts der Wichtigkeit des Seeverkehrs, der -Verantwortung für so viele Menschenleben und auch des großen Kapitals, -welches in unsern modernen Schiffskolossen steckt, ist es begreiflich, -daß das größte Gewicht auf genaue Ortsbestimmungen gelegt wird und -ebenso, daß Irrtümer in dieser Beziehung immer unangenehme, nicht -selten gefährliche Folgen haben müssen. Daher das Interesse, welches -schon seit mehreren Jahrhunderten dem Schiffschronometer zu teil -geworden. Dieses Interesse mag es auch rechtfertigen, hier, bevor wir -auf die eigentliche Schiffsuhr eingehen, kurz noch die Hauptmomente der -Geschichte des Chronometers, oder des Längenproblems zu berühren. - -Einer der ersten, welcher Uhren zur Längenbestimmung (auf dem Lande) -vorschlug, war so viel bekannt, Rainer Gemma, aus Friesland.[82] Aber -dieser gute Rat scheiterte aus Mangel an guten Uhren. Wie die Spanier -versichern, hätte schon früher Alonso de Sta. Cruz in einem seither -verloren gegangenen, Philipp ~II.~ gewidmeten Buche denselben Vorschlag -gemacht; ebenso der Sohn des Christof Columbus, Don Hernando Colon. -Letzterer könnte als der Vater dieser Idee bezeichnet werden. Der -genannte spanische Herrscher soll auch für die Lösung des Problems -einen Preis von 10000 Talern in Aussicht gestellt haben (nach heutigem -Geldwert ca. 100000 Fr.). Die holländischen Staaten bestimmten anfangs -des ~XVII.~ Jahrhunderts zum gleichen Zwecke die Summe von 30000 -Gulden.[83] Auch Huygens beschäftigte sich mit dieser Aufgabe, ebenso -Leibniz. In rechten Fluß kam die Frage aber erst, als England 1714 -einen entscheidenden Schritt tat. In diesem Jahre wurde eine Kommission -eingesetzt, an welcher neben andern auch der berühmte Newton teilnahm. -Dieser unterzog in einer Denkschrift die bisherigen Methoden der -Längenbestimmung einer Kritik und schloß mit dem Rate, zur Aufmunterung -von Künstlern und Gelehrten einen Preis auszuschreiben. Dem wurde -seitens der Regierung Folge gegeben, indem sie 10000 Pfund (200000 -Mk.) bestimmte für denjenigen, welcher eine Methode erfände, um bei -einer Fahrt von England nach Westindien die Länge bis auf 1 Grad, 15000 -Pfund bis auf ⅔ und 20000 bis ½ Grad genau zu bestimmen. 1720 folgte -Frankreich diesem Beispiele, indem es die gleiche Preisaufgabe stellte. - -Der Mann nun, welcher die gestellte, gewiß nicht leichte Forderung -erfüllte, und, wenn auch erst spät, den Preis erhielt, war Jean -Harrison von Barrow, Grafschaft Lincoln (1693-1776), Sohn eines -Zimmermanns und auf dem Gebiete der Uhrmacherkunst vollständiger -Autodidakt. 1736 brachte er einen Chronometer zustande, welcher vorerst -auf einem Flußschiff erprobt wurde. Später übernahm ihn ein englischer -Schiffskapitän auf eine Fahrt nach Lissabon. Das Resultat war gut, so -daß die Längenkommission ihn zu weiterem Schaffen ermutigte und eine -Unterstützung gewährte. Nachdem Harrison noch zwei weitere Modelle -angefertigt, erhielt er 1749 von der königlichen Akademie die goldene -Copley-Medaille (diese drei Uhren werden als kostbare Urkunden zur -Geschichte der Zeitmessung im Observatorium zu Greenwich aufbewahrt). - -Im Jahre 1761 willfahrte endlich die Kommission den Bitten Harrisons, -seine Uhr zur Erprobung auf eine Fahrt nach Jamaica mitzunehmen. -Der Sohn des Erfinders machte die Reise mit, welche nach 18tägiger -Dauer eine berechnete Längendifferenz von 13° 50′ ergab, während das -Chronometer 15° 19′ wies. Natürlich erhob sich ein Streit; der junge -Harrison stand zu den Angaben der Uhr und behauptete, daß am nächsten -Morgen die Insel Portland sichtbar sein müßte, was auch wirklich -eintraf. Aehnlich erging es beim Anlaufen der Antillen. Am 61. Tage -lief das Schiff im Hafen von Jamaica ein. Es wurde nun nach den -Ergebnissen des Merkurdurchganges von 1743 der Längenabstand von Port -Royal auf Jamaica zu 5 Stunden 2′ 51″ westlich von Portsmouth bestimmt, -während das Chronometer 5″ weniger ergab. Auch auf der Rückfahrt -bewährte sich die Uhr ausgezeichnet; nach einer Probezeit von 161 -Tagen ging sie noch auf 65″ genau, was ¼ Grad entspricht.[84] - -So hatte Harrison die Aufgabe gelöst und zwar genauer als es verlangt -war, aber den ganzen Preis erhielt er doch noch lange nicht. Man erhob -Zweifel über die Zuverlässigkeit der Längenbestimmung von 1743 und -beschloß, eine zweite Fahrt zu unternehmen, vorher aber dem Erfinder -eine Abschlagszahlung von 5000 Pfund zu machen, mit der Verpflichtung -seine Konstruktion zu veröffentlichen. Es geschah dies in der Schrift: -~„Principles of time keeper.”~ Die Fahrt wurde 1764 angetreten, das -Fahrzeug, ein Kriegsschiff, zählte unter seinen Passagieren wieder -den jungen Harrison. Diesmal war das Ergebnis noch besser als zuvor, -so daß die Längenkommission erklärte, Harrison gebühre der Preis. -Das Parlament aber verstand sich bloß zur Zahlung von weitern 5000 -Pfund mit der Erklärung, der Rest würde folgen, sobald der Gewinner -andere Uhrkünstler instand gesetzt haben werde, derartige Uhren auch -zu verfertigen. Diese Bedingung gab Anlaß zu langen und ärgerlichen -Streitigkeiten, bis schließlich der Uhrmacher Kendal nach Angaben -Harrisons eine Seeuhr herstellte, welche Cook auf seiner Weltumseglung -mitnahm und als gut erprobte. Der Erfinder war 75 Jahre alt, als er den -letzten Teil seines sauer verdienten Guthabens erlangte. - -Außer dem oben erwähnten Kendal erwarben sich noch Mudge und andere -großen Ruhm durch Verfertigung genauer Chronometer. - -Die glücklichen Erfolge, welche der geniale Harrison erzielt hatte, -reizten auch andere Künstler zur Lösung der gleichen Aufgabe. Hier sind -vor allem der Franzose Le Roy und der Neuenburger Berthoud zu nennen. - -Pierre le Roy, den Saunier den hervorragendsten Uhrmacher Frankreichs -nennt, geb. 1717 zu Paris, gest. daselbst 1785, war der Sohn Julien -le Royʼs. Er erfand eine eigene freie Hemmung, die zuerst an seinem -1763 fertig gestellten Chronometer zur Anwendung kam.[85] Schon 1754 -erhielt die Akademie von ihm ein versiegeltes Schreiben, in welchem -er die Prinzipien seiner Seeuhr klar legte; nach 10jähriger Arbeit -lag die erste Ausführung vor, welcher im Verlaufe noch zwei weitere -Modelle folgten. 1767 bewarb sich Le Roy um den Preis; die Akademie -verlangte jedoch eine Prüfung zur See. Diese erfolgte auf Kosten eines -edelsinnigen Privatmannes, Courtanvaux, und fiel gut aus. Ein zweiter -Versuch wurde mit einem Regierungsschiffe unternommen; den Uhrstand bei -der Abfahrt bestimmte der berühmte Cassini, das Endergebnis war eine -Genauigkeit von ⅛ Grad. Zwei weitere Fahrten genügten endlich, um alle -Zweifel an der Brauchbarkeit des Werkes zu beseitigen. Nun beginnen, -ganz wie in England, auch die Schwierigkeiten für den Erfinder: man -wollte nicht bezahlen. Dazu kamen noch Prioritätsstreitigkeiten mit -Berthoud, dessen Chronometer auf der letzten der oben genannten -Prüfungsfahrten zugleich mit dem Instrumente Le Royʼs erprobt worden -war. Schließlich indes erhielt Le Roy den Lohn für 25jährige Arbeit im -Dienste des Vaterlandes. - -Der soeben erwähnte Berthoud (1727-1807) war außer auf dem Gebiete -der Uhrmacherkunst noch schriftstellerisch tätig; er verfaßte u. a. -eine Geschichte der Zeitmessung (~histoire de la mesure du temps -par les horloges~, 1782, 2 Bde.), auch brachte er einige wichtige -Verbesserungen an der Chronometerhemmung an. Le Roy und Berthoud -verwarfen überhaupt die Harrisonʼsche Hemmung, ihre Konstruktion ist -zweifellos besser und der Idee nach bis heute geblieben. Saunier nennt -die Chronometerhemmung eine Kollektiverfindung von Pierre le Roy, -Berthoud, Arnold, Breguet und Earnshav.[86] - -Werfen wir nun nach diesen, vielleicht etwas langen geschichtlichen -Bemerkungen einen Blick auf die heute gebräuchlichen Chronometer. - -[Illustration: Fig. 61.] - -Fig. 61 zeigt ein derartiges Instrument. Es weicht im Bau bedeutend -von einer Taschenuhr ab. Die beiden, in der Abbildung sichtbaren -Federhäuser wirken auf ein und denselben Trieb ein; die Federn werden -nach einander aufgezogen, während die Uhr weiter läuft. Das Aufziehen -erfolgt alle Tage, wobei aber die Feder nur ganz wenig gespannt wird, -so daß sie mit einer gewissen mittleren, nahezu gleichbleibenden -Kraft zieht. Die Unruhe unterscheidet sich von der gewöhnlichen durch -die Form ihrer Spiralfeder, welche nicht in einer Ebene gebogen ist, -sondern wie eine Sprungfeder läuft. Sie besteht aus Stahl oder Gold. -Die Kompensation ist die oben erwähnte (Fig. 60). - -[Illustration: Fig. 62.] - -Eine eigentümliche Konstruktion zeigt die Hemmung. Wie unsere Abbildung -Fig. 62 darlegt, fehlt der Anker. Seine Stelle nimmt die Feder ~A~ ein, -welche in ~B~ mit dem dünneren Teile befestigt ist und etwas oberhalb -des Hemmungsrades, d. h. ein wenig über der Zeichenebene liegt. Diese -Feder ist nahe am dickeren Ende bei ~C~ mit einem Ansatz, senkrecht zur -Bildebene, dem sogenannten Ruhestein versehen, welcher die Zähne des -Hemmungsrades der Reihe nach aufhält, sie auf sich ruhen läßt. Gegen -das dünne Ende der Feder hin ist in ~D~ eine zweite sehr feine und -biegsame Feder ~E~ aus Gold befestigt, welche durch den hakenförmigen -Ansatz ~F~ frei beweglich hindurch geht, so daß ~E~ nach unten sich -ungehindert gegen die Radmitte bewegen kann, aber beim Rückgang nach -oben die Feder ~A~ mitnimmt. -- Auf der Achse der Unruhe ~G~ befindet -sich ein Scheibchen, welches bei ~a~ einen Stift trägt, der bei jeder -Schwingung der Unruhe mitbewegt wird, also gegen die Goldfeder stößt. -Geht nun z. B. ~a~ nach unten, so verschiebt sich das feine Federchen -~E~ leicht in der gleichen Richtung, während ~A~ in Ruhe bleibt, -wie auch der Zahn des Hemmungsrades bei ~C~. Wenn dann ~a~ wieder -zurückkommt, so wird auch ~A~ mitgenommen, so daß das Steigrad sich -drehen kann. Diese Drehung beträgt aber nur einen Zahn, weil die kleine -Feder, so bald sie frei wird, samt der Hemmungsfeder in die Ruhelage -zurückschnellt und den folgenden Zahn aufhält. Unterdessen stößt -einer der späteren Zähne an die Kante des Einschnittes ~i~ und gibt -dadurch der Unruhe einen neuen kleinen Antrieb. -- Wir haben also hier -eine „freie” Hemmung, da ja der Regulator (die Unruhe) mit Ausnahme -des kleinen Stoßes frei schwingt und vom Steigrad weder durch Druck -noch durch Reibung in seiner freien Bewegung gehemmt ist. So viel zur -Erklärung der Chronometerhemmung. Man begreift, daß eine derart exakte -und schwierige Konstruktion nur bei den feinsten und teuersten Uhren -in Anwendung kommt, also gewiß nicht bei den „Chronometern” des großen -Publikums sich findet. - -Die Schiffschronometer werden in einem doppelwandigen, gepolsterten -Kasten in kardanischer Aufhängung, d. h. nach jeder Richtung frei -beweglich, also immer in horizontaler Lage verharrend, aufbewahrt. -Dieses „Chronometerspind” befindet sich im ruhigsten Teil des Schiffes. -Da sehr große Anforderungen an eine solche Uhr gestellt werden, so -hat jedes Werk eine eingehende Prüfung zu bestehen; diese wird in -Deutschland meist von der Seewarte zu Hamburg besorgt. Im übrigen -besitzt jede Kriegsmarine eigene Institute zur Anstellung derartiger -Versuche. - -Die deutsche Seewarte in Hamburg prüft Chronometer sowohl inbezug -auf die Kompensation als auch auf genaue kardanische Aufhängung. -Die Dauer einer Untersuchung beträgt drei Monate; während welcher -die Uhren Temperaturschwankungen von etwa 5-30° ausgesetzt werden. -Für niedrige Temperaturen ist ein eigener Eiskeller vorhanden; in -einer Heizkammer wird die Luft durch Oefen oder Gasflammen auf die -erforderliche Temperaturhöhe gebracht. Zur genauen Kontrolle des Ganges -dient ein Chronograph, der mit der Normaluhr der Sternwarte verbunden -ist. Bei Konkurrenzprüfungen beträgt die Dauer zuweilen 180 Tage; es -wird dabei die Temperatur immer von 5 zu 5 Grad verändert, so daß -die Uhren jeder dieser Wärmestufen 30 Tage lang ausgesetzt sind. Die -Güte der Aufhängung wird geprüft, indem man den Uhren jede beliebig -geneigte Lage gibt und sie längere Zeit so gehen läßt. Um den Einfluß -der verschiedenen Bewegungen, die ein Schiff macht, zu bestimmen, wird -das Chronometer in einen Apparat gebracht, der nach verschiedenen -Richtungen durch einen Motor bewegt werden kann. Eine andere Prüfung -erstreckt sich auf den Magnetismus und dauert zwei weitere Wochen. -Die Ziffer ~XII~ der Uhr wird abwechselnd nach den 4 Himmelsgegenden -gekehrt und der Gang darnach kontrolliert. - -Im Bisherigen wurde öfters der Ausdruck „Gang” gebraucht. Man versteht -darunter den Zeitunterschied, den das Chronometer zeigt gegenüber der -wahren astronomischen Zeit. Dieser Unterschied wird mit dem ± Zeichen -versehen angegeben und zwar so, daß z. B. der Ausdruck: „täglicher Gang -= + 3,5 Sekunden” besagen will, die Uhr zeige in 24 Stunden 3,5″ zu -wenig, sie bleibe zurück, man müsse also den genannten Betrag addieren, -um die genaue Zeit zu erhalten (hier ist Greenwicher Zeit verstanden, -oder, wenn auf mitteleuropäische bezogen, immer genau 1 Stunde mehr). - -Nun wird auch der beste Chronometer nie absolut genau gehen; ebenso -sind Störungen nie ausgeschlossen; aus diesem Grunde führen z. B. -Kriegsschiffe drei oder mehr Chronometer an Bord. Zwei anzuwenden, -hätte nicht viel Nutzen, da man bei allfälligen Störungen nicht -wissen könnte, welcher fehlerhaft zeige. Ein drittes Instrument aber -ermöglicht eine gute Kontrolle. Bei den Riesensummen, welche der Bau -eines Kriegsschiffes verschlingt, kommen ja die Kosten für einige -Seeuhren nicht ernstlich in Frage. - -Zweifelsohne stellen die Chronometer den Höhe- und Glanzpunkt der -gegenwärtigen Leistungen auf dem Gebiete der Uhrmacherkunst dar; es -leuchtet ein, daß nur das Zusammenwirken der mannigfaltigsten Kräfte im -Vereine mit strengster Prüfung derartige Erfolge möglich machen. - - -6. Leistung, Nutzen, Auswahl und Behandlung einer Uhr. - -Vom rein mechanischen Standpunkte aus, das ist, als Maschine -betrachtet, gehört die Uhr zu den interessantesten Apparaten. Wir -tragen sie täglich mit uns herum, verlangen jeden Augenblick ihre -Dienste und zwar ganz genau, stellen also große Anforderungen an das -kleine Kunstwerk, ohne uns jedoch immer der Größe derselben bewußt zu -werden. Es mag deshalb wohl für viele von Interesse sein, etwas über -die Arbeit zu vernehmen, welche eine gute Taschenuhr im Verlaufe einer -bestimmten Zeit zu leisten hat. - -Die Arbeitsleistung einer Taschenuhr während eines Jahres wird erst -erkennbar, wenn man sich die Summe der von ihren Hemmungsteilen -ausgeführten Bewegungen ausrechnet.[87] Bekanntlich machen die -Zylinder- oder Ankeruhren in der Stunde 18000 Schwingungen, wobei -jedesmal auch das Hemmungsrad eine sprungweise Vorwärtsbewegung macht, -die sich durch das ganze Uhrwerk fortpflanzt. In einem Tag beträgt -die Zahl dieser Schwingungen, bezw. Sprünge 432000 und in einem Jahr -157680000. Bedenkt man, daß eine Taschenuhr sehr oft 5 Jahre, ja -manchmal 10 Jahre und länger ununterbrochen fortgeht, so muß man in der -Tat staunen über die Leistungsfähigkeit, welche dem zarten Mechanismus -inne wohnt. - -Noch augenfälliger wird diese Tatsache, wenn man sich die schwingende -Unruhe als ein beständig in derselben Richtung fortrollendes Rad denkt -und den Weg berechnet, welchen dasselbe in dem Zeitraum eines Jahres -zurücklegt. Der äußere Durchmesser der Unruhe in einer Herren-Ankeruhr -gewöhnlicher Größe ist ungefähr 18 ~mm~, der Umfang derselben somit -56,5 ~mm~. Bei jeder Schwingung macht die Unruhe einer solchen Uhr ca. -1½ Umgänge, was einem Weg von 84,75 ~mm~ an ihrem Umfang entspricht. Da -die Uhr nun in jeder Sekunde fünf Schwingungen macht, so beträgt der -vom Umfang der Unruhe in dieser kurzen Zeit zurückgelegte Weg schon -423,75 ~mm~, also nahezu ½ ~m~. In der Stunde erhöht sich dieser Betrag -auf 1520,5 ~m~ oder rund 1½ ~km~. In einem Tag legt die Unruhe also -einen Weg von etwa 36,5 ~km~ Luftlinie zurück. Wenn die Uhr 365 Tage -lang ununterbrochen fortgegangen ist, so hat ihre Unruhe einen Luftweg -von 13320 ~km~ oder 1795 geographischen Meilen zurückgelegt, das ist -reichlich ⅓ des Erdumfanges. - -Wenn diese Tatsachen im großen Publikum mehr bekannt wären, als es -leider der Fall ist und entsprechend gewürdigt würden, so würde wohl -ein größerer Teil desselben Verständnis dafür besitzen, daß ein so -kleiner und dabei so viel leistender Mechanismus mindestens alle zwei -Jahre der gründlichen Reinigung und mitunter auch eines Ersatzes -abgenützter Teile bedarf. Während jedermann es ganz begreiflich -findet, daß eine viele Zentner schwere Lokomotive z. B., die nur -mit entsprechenden Pausen in Dienst gestellt ist, alle drei Monate -gründlich revidiert und nötigenfalls ausgebessert wird, sind sehr viele -Leute darüber erstaunt, wenn ein winziges Maschinchen im Gewichte von -50 bis 60 Gramm, wie es die Taschenuhr ist, die zudem Tag und Nacht in -ununterbrochenem Betriebe steht, alle 12-14 Monate dasselbe nötig hat. --- Daraus ersieht man, was eine Uhr eigentlich in der angegebenen Zeit -geleistet hat, ohne -- um beim Vergleich der Lokomotive zu bleiben -- -in dieser ganzen Zeit auch nur für einen einzigen Pfennig Heiz- oder -Schmiermaterial beansprucht zu haben. So weit unser Gewährsmann. - -Wenn wir noch nach dem Nutzen der Uhren fragen, so wird es vielleicht -manchem scheinen, das sei überflüssig, der Zweck sei doch ganz einfach -Angabe der Zeit! Gewiß, aber damit ist die Frage lange nicht erledigt. -Sie leistet und nützt weit mehr! - -Welche Bedeutung der Uhr zukommt im modernen Verkehrswesen braucht -hier nicht erst dargelegt zu werden, wir alle erfahren das täglich; -wer glaubt, das habe nicht viel auf sich, lasse z. B. einmal seine -Uhr stehen, wenn er den Fahrtenplan studiert! Den Nutzen, welchen -die Schifffahrt aus dem Chronometer zieht, lernten wir oben kennen; -auch die Kriegsführung könnte heute wohl kaum mehr auf genaue Uhren -verzichten, man denke an die Granaten, Shrapnells und Torpedos, die -zu einem gegebenen Momente ihre verderbliche Wirkung äußern müssen. -Durch Beobachtungen an genauen Uhren messen wir die Höhe eines Tones, -bestimmen wir den freien Fall der Körper, die Schallgeschwindigkeit -u. s. w. Auch dem kranken Menschen nützt die Uhr in der Hand des -beobachtenden Arztes. Und in welchem Zustande befände sich wohl noch -heute die Königin der Wissenschaften, die Astronomie, ohne genaueste -Zeitmesser? Wie wir früher sahen, bemühten sich Tycho Brahe und andere -vergeblich, genaue Zeitbestimmungen zu machen, unter Aufwand des -größten Scharfsinnes; kämen sie heute wieder, es würde ihnen sicherlich -eine Lust sein, „zu leben,” d. h. mit unsern vervollkommneten Mitteln -zu beobachten. Ohne in weitern Einzelheiten einzugehen, möchten wir -nur noch dem Leser raten, sich einmal vorzustellen, was geschehen -würde, wie unser modernes Leben sich gestalten müßte, beim plötzlichen -Verschwinden aller Uhren! Eine Revolution ohne gleichen auf fast allen -Gebieten menschlicher Tätigkeit wäre die unausbleibliche Folge. So sehr -stehen wir im Banne der Uhr! - -Nun noch ein Wort über die Auswahl und Behandlung unserer Zeitmesser. --- Für den gewöhnlichen Laien ist die Wahl, bezw. der Ankauf einer Uhr -in besonderem Maße Vertrauenssache. Daraus ergibt sich als erste Regel: -Kaufe nur in einem soliden Geschäfte, bei einem Uhrmacher, dessen -Solidität wirklich Gewähr leistet für etwas dem Preise Entsprechendes. -Heute, in der Zeit schwindelhaftester Reklame gilt das ganz besonders. -Der Verfasser erinnert sich hier eines Vorfalles, welcher manchem -zur Lehre dienen könnte: irgendwo schrieb eine Firma zweifelhafter -Güte viele nützliche und schöne Dinge aus zu einem erstaunlich -billigen Preis; als Lockspeise diente „eine genau gehende Uhr mit -Kette,” die sozusagen darein gegeben wurde. Ein Käufer, der richtig -hereinfiel, zeigte mir die Uhr, es war eine „gehende” winzige Uhr, in -Schwarzwälderstil, mit drei Rädern und -- Kette -- für das Gewicht! -Aehnliche Beispiele gibt es in Menge. Hier gilt gewiß der Grundsatz: -das Teuerste ist das billigste! Sehr flache kleine Uhren haben auch -selten einen guten Gang. Wer sich eine wöchentliche Differenz von -einigen Minuten gefallen lassen will, mag mit einer soliden Zylinderuhr -auskommen, besonders wenn sein Beruf ihm zu viel Bewegung verpflichtet. -Eine feine, aber entsprechend teure Ankeruhr, die gut abgezogen und -reguliert ist, bietet die gleiche Differenz erst in einem Monat. Ein -„Chronometer” im richtigen Sinne, welcher die Zeit bis auf Zehntel -Sekunden genau zeigt, ist wohl nur für wenige Börsen erschwinglich, die -übrigen unter diesem Namen angebotenen Uhren sind meist Dutzendware. -Erfahrene Uhrmacher behaupten auch, daß Taschenuhren, die über 40 -Stunden gehen, selten genau zeigen. - -Wer aber eine wirklich gut gehende Uhr hat und sie schätzt als solche, -wird sie auch richtig behandeln. Wir sahen soeben, daß alle zwei, -höchstens drei Jahre, gründliche Reinigung not tut; auch sonst will -eine Uhr sorgfältig behandelt sein. Viele behaupten, es sei am besten, -sie abends vor Schlafengehen aufzuziehen, andere, und dies mit mehr -Recht, wie uns scheinen will, morgens. Denn während der Nacht leidet -die Uhr viel weniger durch Erschütterungen, Stöße etc., sie wird also -auch bei wenig gespannter Feder doch richtig gehen. Am Morgen jedoch -beginnen diese Störungen wieder, welche von der frisch gespannten Feder -aber leichter überwunden werden. Die Gefahr des Ueberziehens ist wohl -morgens auch geringer, da wir dann ruhiger sind als nach der Arbeit -des Tages. Ein Springen der Feder tritt auch weniger ein, wenn die Uhr -unaufgezogen auf den kalten Tisch gelegt wird am Abend, was übrigens -ein Fehler ist; sie geht am besten in der Lage, in welcher sie unter -Tags getragen wird, also nachts hängend, auf einer Unterlage von Tuch -etc. Die gewöhnlichen Uhren gehen etwa 30 Stunden; wird eine solche nun -morgens aufgezogen, so läuft sie bis zum andern Mittag; sie bleibt also -stehen zu einer Zeit, wo man sie leicht wieder richten kann. Wurde sie -aber gegen Abend aufgezogen, so kann es sich leicht treffen, daß der -Ablauf der Feder in eine Nachtstunde fällt. Eine allzuschwere Kette -beeinträchtigt den Gang der Uhr durch die fortwährenden, wenn auch -kleinen Erschütterungen, die sich von ihr auch auf das Werk übertragen. -Das Gleiche gilt vom Tragen der Uhr in der Tasche des Beinkleides. -- -Eigene Beobachtung wird hier am besten das richtige finden lassen, so -daß eine gute Uhr auch wirklich gut bleibt, ein Gegenstand der Freude -für den Besitzer, nicht eine Quelle beständigen Aergers. - - - - -~VI.~ - -Die fabrikmäßige Herstellung der Uhren. - - -Als Abschluß der vorliegenden Ausführungen über die Geschichte -der Uhren im allgemeinen möge ein kurzer Ueberblick über deren -Massenherstellung dienen. Es ist leicht einzusehen, daß bei einem -Gegenstande wie die Uhr, welche so rasch sich überall Eingang -verschaffte und bald jedem unentbehrlich wurde, schon frühe das -Bedürfnis nach billiger Erstellung sich geltend machte. So wäre -ein wenn auch nur gedrängter Ueberblick über die Geschichte der -Zeitmesser notwendig unvollständig, wenn dieser Punkt übergangen würde, -ganz abgesehen von der nationalökonomischen Bedeutung, welche der -Uhrmacherkunst in vielen Ländern zukommt. - -Im folgenden wird von den Zünften abgesehen, denn hier kann von einer -fabrikmäßigen Ausübung des Uhrmacherhandwerkes nicht die Rede sein, -es beruhte vielmehr die ganze Produktion auf Handarbeit. Wir bemerken -nur noch, daß unter den ersten Städten, in welchen die Uhrmacherei -in größerem Maßstabe ausgeübt wurde, Genf und Nürnberg zu nennen -sind. Wie wir schon gesehen, waren anfangs des 16. Jahrhunderts die -Uhrmacher noch Mitglieder der Schlosserzunft, von der sie erst später -sich abtrennten; in Genf 1589, in Nürnberg dagegen schon im Jahre -1565. Der Nürnberger weltbekannte Kunstfleiß hatte sich schon frühe -auch dieses Zweiges bemächtigt, wie die lange Liste von Uhrmachern, -welche Speckhart aus alten Urkunden veröffentlichte, zeigt. Sie -werden dort als „Orelmacher, Orlemacher, Ormacher, Hormacher” etc. -aufgeführt. Aehnlich war auch in Frankreich unter Franz dem Ersten -(1515-1547) die Uhrmacherei schon in Blüte, und gegen Ende des 18. -Jahrhunderts schätzte Pierre le Roy die Zahl der Meister in der Pariser -Uhrmachergilde auf 400. - -Eigentliche fabrikmäßige Herstellung von Uhren dagegen treffen wir -zuerst in der Schweiz und auf dem Schwarzwald; bald folgten auch andere -Länder; heute ist die Uhr fast ganz ein Erzeugnis der Maschine geworden. - - -1. Die Uhrenindustrie in der Schweiz. - -Eine der bekanntesten Oertlichkeiten in der ganzen Welt ist das durch -seine Uhrenfabrikation berühmte La Chaux-de-Fonds. Gegenwärtig über -25000 Einwohner zählend, die sich meist mit Uhrmacherei beschäftigen, -war dieser Ort im 15. Jahrhundert ein einsamer Weiler mit nur 5 -Familien. Bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts blieben die Uhren -daselbst unbekannte Dinge; erst 1679 brachte ein Pferdehändler in -das benachbarte La Sagnethal eine Taschenuhr mit, die als Wunderwerk -angestaunt wurde. Da die Uhr reparaturbedürftig war, zeigte der -Besitzer sie einem geschickten Schmied des Dorfes, bei welcher -Gelegenheit er mehrere Arbeiten des erst 15jährigen Daniel Jean -Richard, eines Sohnes des Meisters, sah. Gefragt, ob er sich wohl -getraute, das Werk wieder herzustellen, bejahte er dieses und wirklich -gelang das Wagnis. Der Schmiedelehrling wurde auf diese Weise mit dem -Mechanismus einer Taschenuhr vertraut, und faßte den Plan, ebenfalls -eine solche zu konstruieren. Mit den Werkzeugen seines Vaters ging -die Sache natürlich nicht, es mußten also zuerst neue hergestellt, -d. h. ersonnen werden. Darüber verstrich ein Jahr; sechs Monate später -war die erste Taschenuhr im Neuenburger Jura fertig, 1681. Die Sache -erregte gewaltiges Aufsehen und Aufträge liefen zahlreich ein, welche -gewissenhaft erledigt wurden. Große Schwierigkeiten bereitete dem -angehenden Künstler, der sich in den Mußestunden auch mit Gravieren -beschäftigte, die Einteilung und das Schneiden der Zähne. Er erfuhr, -daß man in Genf sich zu diesem Zwecke einer Maschine bediene; sofort -reiste er dorthin, um sie zu sehen, was jedoch nicht gelang, weil -der Bau derselben geheim gehalten wurde. Nur einige Räder wurden ihm -gegeben. An ihnen studierte er die Konstruktion der Maschine und erfand -sie so selbständig wieder und noch besser. Nun war der Grund gelegt. -Richard machte sich bald auch an die Herstellung von Standuhren, -die er mit Repetierwerk versah. Es strömten Scharen junger Leute -herbei, um sich unterrichten zu lassen und dann selbst Werkstätten zu -gründen. Der erste von ihm ausgebildete Schüler war Jakob Brandt von -La Chaux-de-Fonds, welcher später als Mitbegründer der Uhrenindustrie -segensreich wirkte. - -[Illustration: Fig. 63.] - -Um 1705 siedelte Richard mit seinen 5 Söhnen, sämtlich Uhrmacher, -nach Le Locle über. Er starb 1741 im Alter von 75 Jahren. Wie rasch -der neue Erwerbszweig sich ausbreitete, ersieht man daraus, daß 1752 -in den Neuenburger Bergen schon 466 Uhrmacher beschäftigt waren.[88] -1781 waren es bereits über 2000; 1802 fast 4000. Im Jahre 1868 wurden -laut einer Berechnung allein im Kanton Neuenburg 800000 verschiedene -Uhrteile im Werte von 35 Millionen Franken geliefert; 13000 Arbeiter -fanden dabei Beschäftigung. Es war also nicht mehr als billig, daß Le -Locle seinem Mitbürger Richard ein Denkmal errichtete, welches ihn als -15jährigen Knaben darstellt, wie er die erste Taschenuhr voll Eifer -ansieht (1888). - -Berühmte Uhren gingen auch aus der Werkstätte des Jean Jacques Richard -in der Montagne hervor; seine Uhren trugen Schalen aus Kristall, das -Werk ist also sichtbar. Die Familie Benoit in Les Ponts verlegte -sich besonders auf die Fabrikation von Zifferblättern, sowie auf -Emailmalerei (Louis Benoit starb 93 Jahre alt im Jahre 1825). Früher -bezog man emaillierte Zifferblätter vorzugsweise aus England und -Frankreich, sie waren jedoch sehr teuer. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts -führten Othenin-Girard und L. Nicolet in den Neuenburger Bergen die -Guillochiermaschine ein zur Herstellung verzierter Uhrgehäuse. - -Neuenburg zählt noch viele berühmte Uhrmacher unter seinen Söhnen. Wir -nennen Daniel Vaucher, ein Schüler Richards, der in Val de Travers 1730 -die Uhrmacherei einführte; Abraham Robert und Daniel Perrelet, Erfinder -mehrerer nützlicher Uhrmacherwerkzeuge; Houriet, ein sehr geschickter -und berühmter Graveur; Jakob Droz (1721-1788); der besonders berühmt -war durch seine kunstreichen Automaten. - -Aus dem Kanton Neuenburg stammte auch _Abraham Louis Breguet_ (Fig. -64), geboren zu Neuenburg im Jahre 1747, dessen Vorfahren schon frühe -aus der Picardie nach der Schweiz eingewandert waren. Bei seinem -Stiefvater lernte er die Uhrmacherei, aber erst in Versailles, wohin er -mit 15 Jahren kam, entfaltete sich sein Talent, das durch mannigfaltige -mathematische und physikalische Studien immer größere Erfolge errang. -Er hat u. a. die sogenannten Perpetualuhren (Uhren, die sich durch -die geringen Erschütterungen beim Gehen selbst aufziehen) wenn nicht -erfunden, so doch vervollkommnet. Die Uhrenwerkstätte, welche von -ihm in Paris gegründet wurde, trug seinen Namen in alle Welt. Seine -Chronometer und astronomischen Uhren waren sehr geschätzt. Bei der -Ausführung des Chappeʼschen Telegraphen leistete Breguet ebenfalls -wertvolle Dienste. Bekannt sind auch seine Metallthermometer. Hoch -geehrt starb er, als Mitglied der Akademie zu Paris im Jahre 1823. - -[Illustration: Fig. 64.] - -Es scheint überhaupt, daß natürliche Begabung und örtliche Verhältnisse -in den Bergen dieses Kantons (Armut der früheren Bevölkerung, schlechte -Beschaffenheit von Grund und Boden, rauhes Klima u. s. w.) die -Entwicklung der Uhren-Industrie besonders begünstigt haben. Dazu kommt -noch das schon sehr frühe geübte Prinzip der Arbeitsteilung. Jede -unserer Uhren ist durch sehr viele Hände gegangen, bevor sie zu ihrem -Dienste tauglich war. - -Die rohen Werke (~ébauches~) werden in Fabriken erstellt; es sind -die Platinen, in welche die Radachsen eingelassen sind, die Räder -u. s. w. Jeder Fabrikant hält davon einen Vorrat. Der Hauptleiter des -Geschäftes, der Visiteur, gibt diese Teile aus und erhält das fertige -Werk wieder. Er muß also die gesamte Arbeit von Grund aus verstehen, da -er auch entscheidet über Annahme oder Verwerfung des Gelieferten. Nun -werden von den Arbeitern (~finisseurs~) die Tragsäulen der Bodenplatten -eingesetzt, die Räder bearbeitet, die Wellen gedreht und eingepaßt, -kurz alle Teile so eingefügt, daß die Uhr allenfalls gehen könnte. -Die Hemmungen der Zylinder- und Ankeruhren sind besonders geübten und -entsprechend gut bezahlten Arbeitern übergeben. Die Uhr kehrt nun zum -Visiteur zurück, wird auseinander genommen und geprüft. Diejenigen -Uhrteile, welche das Gerüste der Uhr bilden, kommen zum Gehäusemacher -(~monteur de boîtes~); das übrige wird von neuem in Arbeit genommen -und endgültig instand gesetzt; worauf es zum Zeigerfabrikanten, -zum Zifferblattmaler, Vergolder, Polierer etc. kommt. Das Gehäuse -wandert zum Guillocheur, der es verziert, wenn es eine gewöhnliche -Uhr aufnehmen soll; andernfalls wird es der Hand des geschickten -Graveurs, meist in Genf, übergeben, um dessen Werkstätte als Kunstwerk -zu verlassen und die eigentliche Uhr endgültig aufzunehmen. Hier liegt -die Hauptbeschäftigung der Genfer Uhrmacher; die Werke kommen aus den -Bergen, die Gehäuse werden in der Stadt vollendet. - -Im Val de Travers (Neuenburg) werden fast ausschließlich Instrumente -aller Art für Uhrmacher verfertigt; daneben noch Ketten, Federn -u. s. w. Auch in den einzelnen Dörfern wird meist nur ein bestimmter -Zweig der Uhrmacherei betrieben, oder es werden nur Uhren erstellt, -die dem Geschmacke eines bestimmten Landes angepaßt sind. In dieser -Beziehung zeichnet sich besonders das savoyische Städtchen Cluse aus, -wo nur Rohwerke verfertigt werden. „Die Bauern fabrizieren nicht -während des Sommers, weil verschiedene Feldarbeiten und die Ernte -sie zu dieser Jahreszeit in Anspruch nehmen; aber sobald der Monat -September heranrückt und die ersten Schneeflocken in der Luft wirbeln, -dann schließen sie sich in ihren Häusern ein, greifen zur Feile und -Drehbank und gewinnen durch Herstellung der leichter auszuführenden -Teile der Uhr ihren Lebensunterhalt. - -Die Arbeit am Tage genügt diesen emsigen Bergbewohnern nicht. Sobald -die Dämmerung hereinbricht, sieht man die Lampen der Uhrmacher an allen -Fenstern der Häuser vom Erdgeschoß bis zur Dachkammer hinauf wie Sterne -glitzern. Bis spät in die Nacht hinein dauert oft ihre Arbeit. In den -kleinen bäuerlichen Werkstätten machen sich auch die Frauen nützlich. -Neben ihrer Hausarbeit lehren sie ihren Kindern schon in früher Jugend -die Kunst, die ihre Väter frei machte und die ihnen Wohlstand und -Bürgerglück, die natürlichen Folgen einer segensreichen Industrie, -brachte” (Saunier, a. a. O. S. 741). - -Nach dem Kanton Waadt gelangte die Uhrmacherei anläßlich der Aufhebung -des Ediktes von Nantes. Dadurch wurden französische Uhrmacher -veranlaßt, nach der Schweiz auszuwandern. Hauptsitz der Uhrenmacherei -ist das Städtchen St. Croix, welches über 1000 Uhrmacher zählt. Im -Kanton Bern wird die Uhrenfabrikation namentlich von den Bewohnern -des St. Immertales ausgeübt. Lange Zeit war die Herstellung von -Spindeluhren eine Spezialität, die hier besonders gepflegt wurde, -während jetzt das Geschäft sich auch auf andere Zweige ausgedehnt hat. - -Ziemlich jung ist die Uhrenfabrikation in Biel, welches jetzt Hauptsitz -dieser Industrie im Kanton Bern geworden ist. Vorzüglich werden -Gehäuse, vom gewöhnlichen bis zur feinsten Goldschale hier angefertigt. -Auch eine gut besuchte Uhrmacherschule hat in Biel ihren Sitz. - -Einen hervorragenden Platz in der schweizerischen Uhrenindustrie nimmt -endlich noch Genf ein. Es ist neben La Chaux-de-Fonds der größte Markt -für Uhren, wohl auf der ganzen Welt. Seine günstige Lage machten es -frühe zu einem Mittelpunkte der Uhrenfabrikation. Hier finden wir schon -vom Ende des 18. Jahrhunderts ab eine weitgehende Spezialisierung -der Arbeit. Das bedeutendste Haus in Genf dürfte gegenwärtig Patek, -Philippe u. Co. sein. Die Uhrmacherschule in Genf ist die älteste -überhaupt, ihre Gründung fällt in das Jahr 1824 und umfaßt einen -2½jährigen Kurs; außerdem werden noch höhere Vorlesungen erteilt für -Spezialisten. Neben der hier genannten Schule und der schon erwähnten -in Biel zählt die Schweiz noch solche zu Fleurier, St. Immer, Locle, La -Chaux-de-Fonds, Neuenburg, Solothurn und Pruntrut. - -Die Wichtigkeit der schweizerischen Uhrenindustrie mögen zum Schlusse -noch einige statistische Angaben dartun. Wir entnehmen dieselben dem -Statistischen Jahrbuch der Schweiz, 1902 und 1904. - -1903 wurden _eingeführt_: - - Taschenuhren 13309 Stück im Werte von 176000 Fr. - Stand- u. Wanduhren 1754 „ „ „ „ 756000 „ - Musikdosen 106 „ „ „ „ 89000 „ - Werke u. Bestandteile 202965 „ „ „ „ 2523000 „ - -Die Gesamteinfuhr betrug 3544000 Fr. Die wichtigsten Herkunftländer -sind Frankreich, besonders für Taschenuhren und Bestandteile; für -Stand- und Wanduhren Deutschland und Amerika. - -Im gleichen Jahre erreichte die _Ausfuhr_ einen Totalwert von 118515000 -Fr. Die Stückzahl belief sich auf 8432048. Davon waren: - - Goldene Taschenuhren 824576 Stück, im Werte von 44404000 Fr. - Silberne „ 2686503 „ „ „ „ 32202000 „ - Metallene „ 3046048 „ „ „ „ 23199000 „ - Stand- und Zimmeruhren im Werte von über 200000 Fr. - Musikdosen „ „ „ „ 2071000 „ - Werke u. Bestandteile 1874921 Stück; Wert: 16434000 „ - -Zu den wichtigsten Absatzgebieten zählen Deutschland (26½ Millionen), -Oesterreich (11,2 Mill.), England (19 Mill.), während der Absatz nach -Amerika früher viel bedeutender war als jetzt (Vereinigte Staaten: -7½ Mill.). - -Nach der gleichen Quelle (Jahrb. 1902) belief sich im Jahre 1901 -die Anzahl der Arbeiter im Bijouterie- und Uhrenfach auf 24858 in -zusammen 645 Betrieben mit 3737 Motoren, deren Gesamtstärke 3274 ~P.S.~ -betrug. 7594 Arbeiter betreiben Hausindustrie. Bezüglich des letzteren -Punktes ist jedoch zu bemerken, daß diese Zahl in Wirklichkeit viel -bedeutender anzunehmen ist, da ja in solchen Betrieben meist die ganze -Familie arbeitet, während die Statistik nur das Oberhaupt der Familie -zählt, respektive denjenigen, welcher mit der Fabrik in geschäftlicher -Verbindung steht. - -Während früher die Uhrenindustrie ihre Arbeiter vorzüglich daheim -beschäftigte, geschieht dies jetzt mit zunehmender Einführung aller Art -Arbeitsmaschinen immer mehr in den Fabriken, so daß die Hausindustrie -in beständigem Rückgang begriffen ist. Trotzdem ist sie noch bedeutend; -so waren z. B. 1902 allein im Kanton Neuenburg 9000 Arbeiter zu Hause -beschäftigt. Gewisse Zweige der Fabrikation sind auch jetzt noch -meistens Hausindustrie: Polieren, Vergolden, Oxydieren, Füßesetzen -u. s. w. und werden meistens von Frauen ausgeübt, einerseits wegen -der leichten Hand, anderseits wegen den geringen Lohnansprüchen. Die -Fabriklöhne schwanken bei 10stündiger Arbeit zwischen 1 bis 3½ Fr.; -während der Hauslohn durchschnittlich um 20-30% geringer ist, bei -längerer Arbeitszeit. Angesichts vieler Uebelstände, welche die -Hausarbeit für die ganze Familie gar oft im Gefolge hat, ist es schwer -zu sagen, ob man sich über die Abnahme dieses Erwerbszweiges freuen, -oder sie bedauern soll. - -Aus der Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 waren die -Schweizeraussteller in Klasse 96, Uhrmacherei, am zahlreichsten -vertreten; auch die große Anzahl Auszeichnungen (10 große Preise, 14 -goldene, 122 silberne und 17 bronzene Medaillen nebst 7 ehrenvollen -Erwähnungen) beweisen, daß die Schweiz immer noch auf der Höhe steht -und ihrer Aufgabe gewachsen ist. - - -2. Die Schwarzwälder Uhrenfabrikation. - -Bis zum 17. Jahrhundert lebten die Schwarzwälder, von der Welt -fast ganz abgeschlossen, einzig der Bebauung des armen Bodens, der -Viehzucht und in etwa der Bearbeitung des Holzes, als Köhler u. s. w. -Der dreißigjährige Krieg brachte mit den Einquartierungen auch neue -Gesichtspunkte von außen, oft allerdings auch Not und Elend, und -damit wohl die Nötigung, sich auf neuen Wegen den Lebensunterhalt -zu verschaffen. Steyrer, Benediktiner des Stiftes St. Peter auf dem -Schwarzwald teilt uns in einer kleinen Schrift sehr schätzenswerte -Einzelheiten über die Entstehung der dortigen Uhrenindustrie mit.[89] -Er bemerkt in der Vorrede seines Werkchens: „Niemand wird in Abrede -stellen, daß die Kunst, Uhren zu verfertigen, eine der nützlichsten und -notwendigsten für Stadt und Land, und alle Vorfälle des menschlichen -Lebens sei. Nun aber darf man dreiste sagen, daß eben diese Kunst -vielleicht nirgends höher, vielfältiger und gemeinnütziger getrieben -werde, als auf dem Schwarzwald, und zwar von dessen Bewohnern, -den Schwarzwäldern selbst, deren Geschicklichkeit, Einsicht und -erfinderischer Geist schier alle Vermutung in diesem Fach übersteigt. -Und was hiebei das Merkwürdigste ist; so beschäftigen sich nicht nur -viele Hundert Schwarzwälder mit Verfertigung aller Gattungen der -Uhren, sondern sie verschleißen auch diese Waren selbst, handeln damit -in die entferntesten Lande, und kommen insgemein mit reichem Gewinne -wieder zurück. Der sonst so rauhe und seinem Namen nach fürchterliche -Schwarzwald ist es, welcher schon viele Jahre hindurch ganz Europa -und neuerdings Asien und Amerika mit vielen Tausend zwar mehreren -Teils hölzernen, doch sehr dauerhaften, richtigen, schönen, teils -gemeinen, teil künstlichen Uhrwerken versieht. Der Schwarzwald ist es, -welcher ohne Lehrmeister, ohne Aufmunterung, ohne Unterstützung einer -höheren Macht aus innerem Triebe und durch eigenen Fleiß es in dieser -Kunst so weit gebracht hat, daß er jetzt die größten Künstler hierin -zählt, seinen Herren Ehre macht, etliche tausend Hände beschäftigt, -das Land bereichert, und ein weit aussehendes, beträchtliches Gewerb -treibt. Eine merkwürdige Epoche für den Schwarzwald”. Diese warmen, von -berechtigtem Stolz getragenen Worte beweisen, daß man schon vor einem -Jahrhundert die Bedeutung des neuen Erwerbszweiges gar wohl erkannte -und würdigte. - -Um die Mitte des 17. Jahrhunderts errichtete das Kloster St. Peter -eine Glashütte im sogenannten Knobelwalde, welche bald zu einem Weiler -heranwuchs und den Namen „Glaserdörfle” erhielt. Hier entstanden die -ersten Schwarzwälder Uhren. Die Glasbläser vertrieben ihre Ware selbst, -zuerst in der Umgegend, nach und nach immer weiter hin, als eine Art -Handelsgesellschaft mit Niederlagen an verschiedenen Orten. Ein von -Böhmen zurückkehrender Glasträger brachte eine Holzuhr mit, welche -nicht bloß angestaunt, sondern bald nachgemacht wurde von Gliedern -der Familie Kreuz auf dem Glashof bei Waldau, Pfarrei Neukirch. Der -gelungene Versuch wurde von anderen Seiten wiederholt. Eine der ersten -Uhren kam, wie Steyrer schreibt, in den Besitz des Paters Kalteisen, -damals Pfarrverweser zu Neukirch um 1667. Sie versah ihren Dienst im -dortigen Pfarrhause bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts hinein, -um dann zu verschwinden. Nachbildungen davon sind in der Sammlung -der großh. Gewerbehalle in Furtwangen und in der Altertumssammlung -daselbst.[90] Als zweiter Uhrmacher wird noch der „Hackbretterlenz,” -Lorenz Frey in der Nähe von St. Peter erwähnt. Diese Uhren, mit rohen -Werkzeugen verfertigt, waren Wageuhren und natürlich wenig genau. -Infolge der Kriegswirren schlief die Sache wieder ein, so daß die -eigentliche Uhrenindustrie erst von später, nämlich aus dem Jahre 1725 -datiert. - -[Illustration: Fig. 65.] - -Weil keine früheren Aufzeichnungen bekannt sind, als die -~P.~ Steyrerʼs, und das Büchlein selten geworden ist, so mögen hier -über die zweite Periode der Schwarzwälder Uhrenindustrie aus genanntem -Schriftchen einige Angaben mitgeteilt werden. - -„_Simon Dilger_ aus Urach fürstenbergischer Herrschaft gebürtig und -eben allda haussäßig, seines Handwerkes ein Drechsler, unternahm ohne -Lehrmeister durch eigenen Fleiß das Uhrenmachen, wie schon gesagt -worden ist, um das Jahr 1725, und verfertigte keine andere, als -Waguhren, wiewohl anderswo die weit richtigeren Pendeluhren schon eine -geraume Zeit im Schwunge gingen. Von diesem lernte sein Sohn Friedrich -Dilger, der hernach mit seinem Vater die Uhrmacherkunst fortführte, und -unter andern auch ein württembergischer Untertan aus dem St. Georger -Kirchspiel, namens _Weißer_, insgemein der Mulenweber genannt, in die -Lehre nahm, welcher bald hernach ein Meisteruhrenmacher ward. - -Schier zu gleicher Zeit, doch etwas später als Friedrich Dilger, -verlegte sich auf das Uhrenmachen Josef Dilger aus der Neukirch im -Waagenstal, gleichfalls seines Handwerks ein Drechsler wie Simon -Dilger, mit dem er aber in keiner Blutsfreundschaft stand, und Georg -Gföll aus der Urach. Alsdann zogen beide in das Klostertal, und trieben -allda mit gutem Fortgang ihre Kunst..... Indessen, als sich Josef -Dilger in dem Klostertal aufhält, kommt zu ihm, um die Uhrenmacherkunst -zu lernen, _Anton Ganther_ aus der Neukirch, welcher, nachdem er -dieselbe wohl begriffen, gleich wieder, und zwar 20 Jahre früher als -sein Lehrmeister nach Hause wandert, wo er auch einen jungen Buben, -namens _Christian Wehrle_ in die Lehre nimmt, ungeachtet diesem hievon -alles abwehrte, unter dem Vorwande: die Uhren würden nicht immerdar -abgehen, da sie schier ewig dauern. Es vermehrte sich also die Zahl der -Uhrenmacher durch Christian Wehrle und Michael Dilger oder Gosemichele, -welche beide zu hohem Alter gekommen und unter die ersten Uhrmacher zu -zählen sind.” - -Wir übergehen die folgende lange Liste von Uhrmachern, die Steyrer -aufführt; die Ausbreitung der neuen Kunst erhellt am besten aus -der Angabe, daß allein in der Herrschaft St. Peter 1796 29 Meister -arbeiteten, welche jährlich über 3300 Uhren der verschiedensten Art -anfertigten. Zur gleichen Zeit schätzte man die auf dem Schwarzwald -ansässigen Uhrmachermeister auf etwa 500, abgesehen von jenen, die auf -dem Handel begriffen und ebenfalls der Mehrzahl nach Meister waren. Der -Lohn eines guten Gesellen belief sich um diese Zeit auf 30-100 Gulden, -eine Summe, die auch heute wohl nur von wenigen überschritten, von den -meisten aber nicht erreicht werden dürfte, wenn man den damaligen hohen -Geldwert berücksichtigt. - -Die Holzuhren waren sehr einfach: drei Räder nebst Getrieben und -einem Zeiger; Feile, Bohrer, Messer und ein Zirkel um die Zähne -vorzuzeichnen, bildeten das ganze Werkzeug. Sie fanden aber -dessenungeachtet guten Absatz und bald traten auch bessere Instrumente -an Stelle der alten. Mathias Löffler in Gütenbach (Amt Triberg) -erfand einen Apparat zum bequemen Einteilen und Schneiden der Räder, -das sogenannte Zahngeschirr. Friedrich Dilger erstellte zuerst eine -Teilscheibe. Um 1750 kamen die bekannten Kuckuckuhren auf; auch -bewegliche Figuren wurden angebracht, ebenso Planetarien. Steyrer zählt -unter den „gemeinen Uhren” solche auf, welche Viertel und Stunden, -auch die Sekunden zeigen; Repetieruhren; Werke mit achttägigem Gange, -teils mit Gewichten, teils mit Feder versehen. Von „Kunstuhren” erwähnt -derselbe u. a.: Uhren, auf denen ein Kapuziner-Bruder alle Stunden -läutet; Uhren, worauf eine Schildwache geht und ihre ordentliche -Wendung macht; Uhren, worauf ein Scherenschleifer schleift; -„_Sackuhren von Holz_” u. s. w. Ins 18. Jahrhundert zurück geht auch -die Fabrikation von Spieluhren, die sich heute gerade im Schwarzwald -so hoch entwickelt hat. Um 1740 wurden die gläsernen Glöckchen der -Schlaguhren durch metallene ersetzt, die zuerst von auswärts bezogen -wurden; etwa 1750 führte Paul Kreuz aus der Herrschaft St. Peter -die Glockengießerei mit großem Erfolg ein. Die Zifferblätter wurden -anfänglich von Hand bemalt, bis Mathäus Grießhaber aus Gütenbach -die Zeichnung auf eine Kupferplatte stechen und Abdrücke auf Papier -machen ließ. Am Gehäuse wurden bald auch Schnitzereien angebracht. Das -Zifferblatt wurde mit Oelfarben bemalt und gefirnißt, den betreffenden -Lack erfanden drei Uhrmacher und gaben so Anlaß zur weitern Verbreitung -der Schildmalerei. Auch die Patres von St. Peter unterstützten die neue -Industrie auf jede mögliche Weise; so erfand ~P.~ Thaddäus Rinderle für -die Uhrmacher ein neues Bohrgeschirr. Das gleiche ist zu sagen von den -Chorherren zu St. Mergen. - -Mit zunehmender Produktion dehnten sich natürlich auch die -Handelsbeziehungen immer weiter aus; schon 1740 treffen wir eine -Niederlage in Magkraut bei Eisenbach; das erste fremde Land, wohin -die Schwarzwälderuhren ihren Weg nahmen, war Frankreich; dann folgten -der Reihe nach England, Irland, Schottland, Holland, Rußland, Polen, -Ungarn, Italien, Spanien, Portugal, Dänemark, Schweden, Nordamerika, -die Türkei und Aegypten. Die Händler fanden vielfach allerlei -Hindernisse, welche jedoch ihr zäher Sinn nach und nach überwand. -Kaiserin Katharina ~II.~ erlaubte den Handel in ihrem ganzen Reich, -nachdem ein Händler ihr eine kunstvolle Uhr zum Geschenk gemacht; -ebenso erteilte 1779 der Sultan ihnen einen Freibrief. - -Dieser Gewerbezweig hatte sich offenbar stark entwickelt. Im Jahre 1800 -schätzte man die Anzahl der jährlich erstellten Uhren auf 110000 Stück. - -Als 1805 die früheren österreichischen und fürstenbergischen -Territorien an das badische Haus übergingen, zählte das Amt Triberg -unter 8693 Einwohnern 375 Uhrmacher, 303 Händler neben 109 sonst noch -als Nebenarbeiter in der Uhrmacherei angestellten Personen. - -Die Revolutionskriege schädigten auch die Uhrenindustrie gewaltig, -ohne sie jedoch vernichten zu können; sie breitete sich vielmehr -auf weitere Gemeinden aus. Poppe gibt für das Jahr 1840 (Dinglers -Journal) als Gesamtproduktion 540000 Stück an, welche nach Meitzen von -1845-1846 die Zahl 600000 erreichten (A. Meitzen: die Uhrenindustrie -des Schwarzwaldes. 1848. Neudruck von Fehsenfeld, Freiburg 1900). Im -Jahre 1872 endlich belief sich die gesamte Produktion des Schwarzwaldes -auf 1800000 Uhren aller Art, im Werte von ca. 18 Mill. Mark. Nach -einer Schätzung anläßlich der Berichterstattung über die Karlsruher -Ausstellung von 1875 betrug die Zahl derjenigen, welche ihren Unterhalt -mit der Uhrmacherei verdienen, mehr als 13000. 1885 wurden im -Schwarzwald 92 Gemeinden gezählt, welche sich mit der Herstellung von -Uhren beschäftigen. - -Aehnlich wie in der Schweiz vollzieht sich auch hier nach und nach ein -Uebergang von der Hausindustrie zum Großbetrieb in Fabriken mit den -neuesten und besten Einrichtungen. Hieher ist besonders die Fabrikation -nach amerikanischem Muster zu rechnen, gegen welche der kleine Betrieb -nicht mehr aufkommen kann. - -Wir müssen es uns leider versagen, hier näher auf die einzelnen Zentren -der Uhrenindustrie im Schwarzwald einzugehen; es möge genügen, kurz auf -einige bekannte und berühmte Heimstätten dieses Gewerbes hinzuweisen. - -In dem württembergischen Städtchen _Schramberg_ liegt nicht bloß -die bedeutendste Uhrenfabrik des Schwarzwaldes, sondern vielleicht -der ganzen Welt; es ist dies die „Vereinigte Uhrenfabrik von -Gebrüder Junghans und Thomas Haller, A.-G.” Der Gründer ist Erhard -Junghans, aus einer dürftigen Arbeiterfamilie stammend; zuerst in der -Strohmanufaktur hervorragend beschäftigt, gründete derselbe 1860 -auch eine Uhrwerkstätte nach amerikanischem Systeme (Ausstanzen der -Uhrteile) und es gelang, die amerikanische Ware nicht nur zu erreichen, -sondern noch zu übertreffen. Welch gewaltigen Umfang dieses Geschäft -hat, beweisen folgende Zahlen, die wir den Ausführungen G. Speckharts -entnehmen: im Jahre 1889 belief sich die Zahl der Maschinen auf 776; -850 Arbeiter waren beschäftigt und die Anzahl der fabrizierten Uhren -betrug 482930 Stück. 1896 dagegen hatten sich die Maschinen auf 1357, -die Zahl der Arbeiter auf 1202 vermehrt, während 1166056 Uhren die -Werkstätten verließen, um den Namen Junghans überall bekannt zu machen. -Die Fabrik der Gebr. Junghans allein umfaßt 26 meist 6stöckige Gebäude; -die zahlreichen Arbeitsmaschinen werden durch Dynamos betrieben, -diese wieder durch 2 gewaltige Dampfmaschinen von 800 und 250 ~P.S.~ -(Die 800 Pferdekraftmaschine repräsentiert einen Wert von 250000 Mk). -Auch Wasserkraft kommt noch zur Verwendung. Augenzeugen berichten -Wunderdinge über die Maschinen in den sogenannten Geheimsälen, welche -stets verschlossen gehalten werden und das denkbar Vollkommenste auf -diesem Gebiete darstellen sollen. -- In Schramberg ist auch der Sitz -der bereits mehrfach erwähnten großartigsten Uhrensammlung der Welt, -das sogenannte deutsche Museum für Zeitmeßkunst, gegründet von Arthur -Junghans. - -Erwähnt sei noch die „_Württembergische Uhrenfabrik Schweningen_.” -Gegründet 1848 von Johannes Bürk, dem Erfinder der tragbaren -Wächter-Kontroll-Uhr, hat sich auch dieses Geschäft sehr rasch -entwickelt. Bis 1904 betrug die Anzahl der gelieferten Kontroll-Uhren -ca. 50000. Außerdem werden noch elektrische Uhren, Triebwerke u. s. w. -angefertigt. Die Fabrik beschäftigt 250 Arbeiter. -- Noch ausgedehnter -ist die Uhrenfabrik von Friedrich Mauthe (jetzt Gesellschaft m. b. H.) -am gleichen Ort. Dieselbe erstellt Regulatoren, sowie amerikanische -Uhren und zählt in den Haupt- und Nebenbetrieben etwas über 1100 -Angestellte. Die Firma Schlenker und Kienzle beschäftigt 1200 -Arbeiter. Seit 1900 besitzt Schweningen eine Kgl. Fachschule. - -Die badische Stadt Villingen ist ebenfalls ein wichtiger Sitz der -Uhren-Industrie; diese entwickelte sich namentlich durch die Ausdauer -des jetzigen Direktors der „Uhrenfabrik Villingen. A.-G.”, Herrn -Wilhelm Jerger. - -Seit mehr als einem halben Jahrhundert hat der Großbetrieb in der -Herstellung von Uhren in _Lenzkirch_ (Baden) seinen Sitz. Die Begründer -desselben sind Eduard Hauser und Franz Josef Faller. Die Fabrik -beschäftigt 500-600 Arbeiter. - -Die nötige wissenschaftliche Förderung erhält die Schwarzwälder -Uhrenindustrie durch die 1850 gegründete Uhrmacherschule in Furtwangen, -wo schon seit der Mitte des 18. Jahrhunderts Uhren, besonders -Spielwerke hergestellt werden. Die Anstalt ging 1863 zeitweilig ein; -neu eröffnet wurde sie 1877; die Anzahl der Schüler belief sich im -Jahre 1899/1900 auf 64. Die Schule genießt staatliche Unterstützung und -unterrichtet ihre Schüler ein Jahr lang. - -Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die Uhrenfabrikation des -Schwarzwaldes sich nicht bloß erhalten, sondern immer mehr ausbreiten -werde. - -Den Schluß vorstehenden Kapitels möge ein kurzer Hinweis auf die jetzt -bereits so hoch entwickelte deutsche Präzisions-Taschenuhrenindustrie -in _Glashütte i. S._ bilden. Es muß dieser Ort hier deswegen genannt -werden, weil die Glashüttenuhren sich den besten Genferuhren würdig -an die Seite stellen, überhaupt z. Z. von keinem andern Fabrikat -übertroffen werden. - -Glashütte liegt 30 ~km~ südlich von Dresden und besitzt außer einer -Uhrmacherschule und verschiedenen großen Uhrenfabriken zahlreiche -Werkstätten, die sich mit Herstellung von astronomischen Pendeluhren, -Chronometern, Werkzeugen u. s. w. beschäftigen. Uns interessieren hier -nur die Taschenuhren. Die Gründung dieser Industrie reicht über 50 -Jahre zurück; Ferdinand Adolf Lange (1815-1875) gebührt das Verdienst, -seinem Lande durch Einführung der Uhrenindustrie den größten Dienst -geleistet zu haben. Nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten setzte er, -zuerst mit finanzieller Unterstützung des Staates, sein Unternehmen -ins Werk, mit so großem Erfolg, daß 1895, beim 50jährigen Jubiläum -der Firma, in Glashütte ca. 50 Werkstattinhaber gezählt wurden. -Der jährliche Umsatz beträgt etwa 3500 Uhren, sämtliche feiner und -feinster Qualität, da billige Ware hier nicht fabriziert wird. In -Langeʼs Geschäft arbeitete bis zu seinem Tode auch der berühmte Moritz -Großmann, bekannt als Schriftsteller auf dem Gebiete der Uhrentechnik. -Er gründete auch die deutsche Uhrmacherschule zu Glashütte, im -Jahre 1878; sie zählt, sowohl was Unterricht als wissenschaftliche -und praktische Hilfsmittel betrifft, unter die besten derartigen -Anstalten.[91] - -Der Gewerbestatistik des Deutschen Reiches vom Jahre 1882 entnehmen wir -noch zu besserem Ueberblick folgende Zahlen: - -Württemberg beschäftigte zu genanntem Zeitpunkte insgesamt 2519 -selbständige Uhrmacher, Lehrlinge und Gehilfen (von der Hausindustrie -abgesehen). Baden 4696; Preußen 14132; Sachsen 1813; im ganzen Reiche -zusammen 29035 Personen. Auf 14988 selbständige Meister kommen nur -14047 Lehrlinge, was also für später ein gutes Auskommen derselben -verbürgt. - -Aus all dem ergibt sich, daß Deutschland anfängt, sich vom Ausland -immer mehr unabhängig zu machen und daß dieses Ziel wahrscheinlich in -absehbarer Zeit erreicht sein dürfte. - - -3. Die Uhrenindustrie in den übrigen Ländern. - -Die Staaten, welche hier noch in Betracht kommen können, sind -_Frankreich_, _England_ und _Nordamerika_. Ersteres weil es schon -frühe viele Uhrmacher aufzuweisen hat und auch jetzt noch eine -bedeutende Rolle spielt, das letztere, weil besonders auf seinem Boden -der Ersatz der Menschenhand durch die alles besorgende Maschine so -allgemein geworden ist. England endlich, die Heimat so vieler berühmter -Uhrkünstler ist auch heute noch ein gewichtiger Teilhaber am Weltmarkt. - -_Frankreich_ zeichnete sich durch seine Erzeugnisse auf dem Gebiete der -Uhrmacherei besonders aus zur Zeit des Julien und Pierre le Roy; gegen -das Ende des 18. und anfangs des 19. Jahrhunderts galten die Franzosen -als die ersten, was Geschicklichkeit und Geschmack betraf. Gegenwärtig -hat die Fabrikation von Taschenuhren in Paris aufgehört; diese Stadt -ist aber der Stapelplatz für Aus- und Einfuhr des Landes geblieben. -Dagegen werden noch Monumentaluhren, Reise- und astronomische Uhren im -Großen daselbst erzeugt. Als Hauptsitz der französischen Uhrenindustrie -muß _Besançon_ bezeichnet werden. Sie verdankt ihre Entstehung -zahlreichen 1793 aus der Schweiz, namentlich aus Genf und Neuenburg -in das Land der neuen Freiheit auswandernden Uhrmacherfamilien. -Die Emigranten wurden mit offenen Armen ausgenommen und sogar vom -Nationalkonvent mit allen Mitteln unterstützt. Wohnungen wurden -unentgeltlich zur Verfügung gestellt, Vorschüsse an Geld und Material -gegeben, Pensionen für Lehrlinge etc. eingerichtet. Der Konvent -gründete auch eine Darlehenskasse und dotierte sie mit 1200000 Franken. -Trotz der ungünstigen Zeitverhältnisse entwickelte sich das junge Reis -nach und nach und 1820 schätzte man die im Dép. Doubs verfertigten -Uhren auf über 30000 Stück; 1856 belief sich die Produktion auf 160165 -Stück. Die im genannten Departement ansässige Uhrenmacherbevölkerung -wurde 1865 auf 15000 Personen veranschlagt; davon kamen auf die Stadt -selbst etwa 3500. Gegenwärtig beläuft sich die jährliche Produktion -auf ca. 450000 Stück im Werte von mehr als 40 Millionen Fr.; das ist -über vier Fünftel aller in Frankreich verkauften Uhren. Die berühmteste -und größte Firma ist das Haus Japy, dessen Ursprung bis zum Jahr 1780 -zurück reicht. Es erstellt vor allem Rohwerke, sowohl für Taschen- -als auch Pendeluhren. Weil bis in die siebziger Jahre die verzierten -Gehäuse meist aus der Schweiz bezogen wurden, beschloß man 1873, auch -diesen Artikel im eigenen Lande herzustellen. So wurde Besançon einer -der gefährlichsten Konkurrenten der Schweiz und ist es bis heute -geblieben. - -Neben Besançon und Paris ist noch _Montbéliard_ zu erwähnen als Sitz -einer bedeutenden Uhrenfabrikation. Es werden von dort aus jährlich -60-70000 Werke für Pendulen, Wecker u. s. w. in den Handel gebracht. -- -_Morez_, im französischen Jura liefert etwa 80000 Uhren. - -Ganz Frankreich produziert jährlich für ca. 80 Mill. Fr. Uhren; die -Industrie beschäftigt etwa 35000 Arbeiter; die Ausfuhr weist aber einen -bedeutenden Rückgang auf (1887: 22,4, 1892: 14,7 Mill. Fr.) infolge des -schweizerischen und amerikanischen Wettbewerbes. - -Historisch merkwürdig ist noch die Gründung einer Uhrmacherkolonie -in _Ferney_ bei Genf (Dép. de lʼAin) durch den bekannten Philosophen -Voltaire. Dieser hatte sich schon 1758 nach Ferney zurückgezogen, und -als 1770 fünfzig Uhrmacher aus Genf ausgewiesen wurden, nahm er sie -auf und brachte in erstaunlich kurzer Zeit eine blühende Industrie -zustande, welche bald einen jährlichen Umsatz von über 500000 Fr. -erzielte. Voltaire war die Seele des Ganzen, so daß nach seinem -Wegzuge der neue Erwerbszweig rasch wie er gekommen wieder verschwand, -hauptsächlich durch die Schuld der französischen Regierung, welche die -Wichtigkeit des Unternehmens allem Anscheine nach nicht erkannte. - -Ueber den Ursprung der Uhrenindustrie in _England_ schwanken die -Angaben der verschiedenen Schriftsteller sehr stark. Nach den einen -blühte die Uhrmacherei in England schon unter Elisabeth (1558-1603), -nach andern Angaben wäre sie erst 1685 gelegentlich der Aufhebung -des Ediktes von Nantes entstanden. Wie dem auch sei, sicher ist, -daß ausgewiesene Protestanten in England die Uhrenindustrie günstig -beeinflußten, und daß Frankreich eine Zeit lang seine besten Uhren von -jenseits des Kanales bezog. Dem ist aber jetzt schon lange nicht mehr -so. Im 19. Jahrhundert ging die Uhrenfabrikation beständig zurück; -einiger Export fand nur nach den Kolonien statt. Es wurden von jeher in -England gute, aber auch entsprechend teure Uhren hergestellt; nach dem -Urteil von Sachverständigen haben sie aber heute neben den vorzüglichen -deutschen, schweizerischen etc. Uhren nur noch den Vorrang in bezug auf -den Preis. So stellte sich beispielsweise 1870 der Durchschnittspreis -einer englischen Taschenuhr auf 98,2 Mark, während eine importierte -ausländische bloß 32 Mark galt. Bis heute mögen ja die Preise noch mehr -gefallen sein, sie sind aber doch noch bedeutend höher als im Ausland. -Daher wird namentlich der Arbeiterstand von auswärts mit Uhren versorgt. - -Hauptorte der englischen Uhrenindustrie sind London, Liverpool, -Coventry und Prescot; in neuerer Zeit scheint auch noch Birmingham -ein besonderes Zentrum der Uhrenindustrie zu werden; es ist die -Weltzentrale für Uhrgehäuse. Allmählich fangen die englischen Fabriken -ebenfalls an, neuere Maschinen anzuwenden, während bis vor kurzem noch -veraltete ihren Dienst versahen. Gelobt wird an den englischen Uhren -die äußerst sauber und solid ausgeführte Arbeit. Was im Vorstehenden -über mangelhaften Fortschritt in der fabrikmäßigen Herstellung von -Uhren gesagt wurde, gilt nicht in bezug auf die Chronometer. In dieser -Hinsicht steht England an der Spitze und seine Produktion übertrifft -die aller andern Länder. Die meisten werden in Clerkenwell, einem -Londoner Stadtteil angefertigt. Ebendaselbst befindet sich auch seit -1858 das ~British Horological Institute~; ein Fachverein, dessen -Mitglieder aus den bedeutendsten Fachmännern nicht bloß der Hauptstadt -und der Provinzen, sondern auch der Kolonien entnommen sind. Mit ihm -ist zugleich eine Schule verbunden.[92] In der Schiffsuhrenfabrikation -ist der Grundsatz der Arbeitsteilung streng durchgeführt; infolge -dessen können dieselben nicht nur gut, sondern auch billig geliefert -werden.[93] - -Es erübrigt nun noch, einiges über die amerikanische Uhrenfabrikation -anzuführen. - -_Amerika_ ist vor allen andern das Land der Maschine und der -Massenfabrikation. Bei dem energischen, zielbewußten Handelsgeist der -Amerikaner sind große Fortschritte auf dem Gebiete der Uhrenindustrie -selbstverständlich; ihr Bestreben geht aber dahin, die Einfuhr von -Uhren möglichst zu vernichten und das eigene Produkt an die Stelle des -fremden zu setzen; Amerika ist auch der weitaus gefährlichste Gegner -der Schweizer Uhrenindustrie. Umfassendste Reklame in jeder Form -trägt das Ihrige bei, das inländische Fabrikat bekannt zu machen und -im vorteilhaftesten Lichte erscheinen zu lassen. Der ausschließliche -Maschinenbetrieb ermöglicht einen so niederen Preis, daß er von andern -Ländern kaum erreicht, geschweige unterboten werden kann. - -So viel bekannt, stellte ein gewisser Eli Terry 1793 zuerst hölzerne -und messingene Schlaguhren her; sein Geschäft erweiterte sich offenbar -rasch, denn schon 1807 verpflichtete er sich, innerhalb 3 Jahren 4000 -Uhren zu liefern. Später verlegte Terry sich auf die Fabrikation -von Stutzuhren (~Short Shelf Clocks~), welche die alten Wanduhren -bald verdrängten. Im Jahre 1885 betrug die monatliche Produktion -in den Vereinigten Staaten über 200000 Stück. Hiebei sind 11 große -Gesellschaften beteiligt, von denen 8 ihren Sitz im Staate Connecticut -haben. Zentren sind Waterbury, Thomaston, New-Haven, Busonia, -Forestville, Bristol u. s. w. Diese Uhren sind im allgemeinen sehr -billig, besonders die „Mercantile Clocks”, welche 2 Dollars das Stück -kosten. Auf Reparatur wird nicht gerechnet, sondern nach Verbrauch -des alten Werkes ein neues gekauft. Nach und nach überschwemmte -Amerika fast die ganze Welt mit seinen billigen Uhren; in Europa -wurde jedoch das amerikanische Erzeugnis bald ersetzt durch die nach -amerikanischem System hergestellten Uhren (besonders im Schwarzwald). -Hauptabsatzgebiete für Amerika sind jetzt Japan, Indien, China und -Süd-Afrika. - -Der amerikanische Techniker begnügte sich jedoch nicht lange damit, -geeignete Maschinen für Großuhrenfabrikation herzustellen, er wandte -vielmehr dieses Prinzip schon frühe auch auf die feinsten Taschenuhren -an. Europa ist in dieser Beziehung nachgefolgt, vielleicht etwas spät -zu seinem eigenen Schaden. Mit ihren Spezialmaschinen fabrizieren -die Amerikaner vor allem vollständige Werke, welche bereits genau -reguliert die Fabrik verlassen und in jedes Gehäuse sich einpassen -lassen. Als praktische Leute sagen sie sich, daß es vorteilhafter -sei, eine Anzahl solcher Werke vorrätig zu haben, als Schweizeruhren, -deren jede ihr eigenes Gehäuse besitzt und noch genaue Regulierung -verlangt, also weiter Zeit und Geld kostet, ganz abgesehen vom größeren -Anlagekapital, das sie erfordern. Ein Uebelstand ist übrigens mit -dieser Herstellungsart doch verbunden, die Ueberproduktion, wodurch -dem Lande schon große Kapitalien verloren gingen; die einzelnen -Fabrikanten unterbieten sich gegenseitig; der Preis der Werke sinkt -beständig und natürlich auch der Arbeitslohn. So betrug der Wochenlohn -eines guten Arbeiters 1873 16-18 Dollars, 1879 war er bereits auf -10-12 gefallen, seither dürfte ein weiteres Sinken eingetreten sein. -Aehnlich verhält es sich mit dem Preis der Uhren. Beispiele, daß -Großhändler 50% Rabatt erhielten, sind nicht selten. Die Folge dieses -Verfahrens ist schließlich, daß die Uhren für ganz wenig Geld zu haben -sind, 2-3 Dollars, und zwar gute Qualität, (hier ist das Werk ohne -Schale zu verstehen), ein Preis wie ihn die europäische Industrie nicht -einhalten kann. Kenner der Verhältnisse behaupten allerdings, daß das -Geschäft nicht rentiere, was wir, wegen Mangel genauer statistischer -Daten nicht beurteilen können. Einen Erfolg haben die Amerikaner aber -sicher gehabt, nämlich den, die ausländische Konkurrenz, besonders die -schweizerische lahm zu legen, oder wenigstens bedeutend zu schwächen. - -Im Jahre 1885 bestanden in den Vereinigten Staaten 20 Uhrenfabriken, -welche täglich etwa 5000 Stück herstellten. Von den bedeutendsten sei -hier nur genannt die _Waltham Watch Co._, gegründet 1854, eine der -ältesten und größten. Sie fabrizierte 1900 täglich durchschnittlich -2000 Stück in sieben Größen und Qualitäten, zum Preise von 14-400 Mark -das Werk. Die Zahl der bei Vollbetrieb beschäftigten Arbeiter beträgt -3000. Der schärfste Konkurrent obiger Gesellschaft ist die _Elgin -Watch Co._, 1852 gegründet. Die „_Keystone Watch Case Co._” verfertigt -Schalen aus einer harten Metalllegierung, die beiderseits mit einer -Platte von 14karätigem Golde überzogen sind und vollen Ersatz bieten -für eine ganz goldene Uhr bei einem Drittel oder der Hälfte des Preises -der letzteren. Viel verbreitet sind ferner in Amerika die von der -„_~Self winding Clock-Company~_” erstellten, sich selbst aufziehenden -Haus- und Zimmeruhren. Sie bestehen aus vollständigen Uhrwerken, welche -durch Federn getrieben werden. Der Strom einer auf ein Jahr berechneten -Batterie wird stündlich durch die Uhr geschlossen und zieht sie wieder -auf. Täglich werden sie von einer Zentrale aus automatisch eingestellt, -welche das Signal von der Sternwarte zu Washington empfängt und den -Abonnenten übermittelt. (Die Angaben zu Vorstehendem sind z. T. -den Ausführungen Speckhartʼs entnommen, der 1893 den Stand der -amerikanischen Uhrenfabrikation persönlich kennen lernte). - -Wir sind am Schlusse angelangt. Dem geneigten Leser ist der gewaltige -Unterschied zwischen dem ersten Zeitmaß, dessen die heilige Schrift -gedenkt und worauf wir anfangs Bezug nahmen und der jetzigen Gestaltung -der Zeitmeßkunst, nicht entgangen. Ein großer Zeitraum liegt zwischen -uns und jenem Worte („und es ward Abend und Morgen, ein Tag”); vieles -ist entstanden und wieder verschwunden, die Sonne aber ist unsere -genaueste Uhr geblieben bis zum heutigen Tag. Wenn wir nun die Zeit -gegenwärtig mit einer vorher nicht geahnten Genauigkeit messen, so -möchten wir das nicht etwa dem kalten Geschäftsgrundsatz zuschreiben: -„Zeit ist Geld”, sondern vielmehr dem hoffentlich nie schwindenden -Bewußtsein, daß der Mensch die Zeit, dieses kostbarste Geschenk seines -Schöpfers, gut benützen und einmal Rechenschaft davon ablegen müsse. - - - - -Fußnoten - -[1] _Bilfinger_, Die antiken Stundenangaben. Stuttgart 1888. ~c.~ 3. - -[2] ~L. III. c.~ 3. - -[3] Bekanntlich begannen die Babylonier, Perser, Römer, Griechen etc. -den Tag mit Sonnenaufgang, während die Juden ihn von Sonnenuntergang -an zählten. Die alten Aegypter fingen den Tag um Mitternacht an, von -Hipparch bis Copernicus auch die Astronomen; diese Einteilung ist -jetzt noch im bürgerlichen Leben gebräuchlich, während die modernen -Astronomen aus Gründen der größern Zweckmäßigkeit den Tag vom -höchsten Stand der Sonne, also von Mittag an zählen. Sagt man z. B. -im gewöhnlichen Leben: „den 8. Mai vormittags 9 Uhr,” so datiert der -Astronom „den 7. Mai 21 Uhr.” - -[4] E. Gelcich: Geschichte der Uhrenmacherkunst. Weimar 1892. S. 7. - -[5] Vergl. Herodot ~II.~ 109. u. ~Vitruv: de Architectura I. 8. c. 7~ - -[6] Wenn die Angabe Appions (~Jos. Flav. contra Appionem, I. II. c. -II.~) wahr ist, so hätte Moses zuerst als Sonnenuhren Säulen verwendet, -welche auf einem wie eine Schüssel geformten Fuß standen. Darin ging -der Schatten der Säule herum nach dem Laufe der Sonne am Himmel. - -[7] Andere Beispiele siehe bei Bilfinger: Die Zeitmesser der antiken -Völker. 1886. S. 11. - -[8] ~Hist. nat. XXXVI, 10.~ - -[9] Daß sich der Luxus schon frühe auch der Uhren bemächtigte, beweist -die im Jahre 62 v. Chr. von Pompejus im Pontus erbeutete Wasseruhr, die -bloß einmal täglich zu füllen war. Gefäß und Zifferblatt bestanden aus -Gold, während die Zeiger mit Rubinen besetzt und die Zahlen in Saphir -geschnitten waren. Wolf, Geschichte d. Astron. 1877. Nr. 40. - -[10] Schafhäutl: Ueber die Geschichte der Uhren. S. 17. - -[11] ~Athen Deipn. l. IV. c. 23.~ Nach dieser Beschreibung wäre es eine -Wasserorgel gewesen, die zur bestimmten Zeit einen Ton gab. - -[12] In Athen war im ersten Jahrhundert vor Chr. durch Andronikos aus -Kyrrhos der sogenannte „Windturm” erbaut worden, ein Gegenstück der -heutigen Uhrensäulen in großen Städten. Auf dem Dache des kleinen -Gebäudes war ein Triton als Windfahne angebracht, der immer gegen den -Wind stand und mit einem Stab auf das Bild des eben wehenden Windes -zeigte. Die Bilder der acht Windgötter liefen rund um das Gebäude -herum. An den Mauerflächen sind noch jetzt die scharf geritzten -Sonnenzeiger sichtbar. Im Inneren war eine Wasseruhr angebracht, worauf -Rinnen und Löcher im Fußboden, sowie Reste eines Reservoirs hinweisen. - -[13] ~l. c. lib. IX. c. 8.~ Die Uebersetzung ist von ~Dr.~ Reber. -Stuttg. 1865. - -[14] Dazu bemerkt Reber: Man denke sich in einem allmählich sich mit -Wasser füllenden Bottich einen deckelförmig gehöhlten Schild mit nach -oben gekehrter Höhlung schwimmend und so angebracht, daß kein Hin- und -Herschwanken, sondern nur bei regelmäßig sich erhöhendem Wasserstand -ein regelmäßiges Aufsteigen desselben möglich ist. An dem Scheitel -dieses Schildes nun ist eine senkrechte Stange angebracht, welche -selbstverständlich auch mitgeschoben wird. Greift nun diese Stange, -auf einer Seite ausgezahnt, mit ihren Zähnchen in die entsprechenden -Zähnchen eines Rades oder einer Scheibe ein, so setzt sie auch diese in -Bewegung, die sich dann auch durch Vermittlung eines andern gezahnten -Rades auf eine zweite mit Zähnen versehene Stange fortsetzt, die -auf ihrem oberen Ende eine Figur trägt, welche mit einem Stäbchen -auf eine Säule zeigt. An dieser sind aber von unten bis oben die -Stundenzahlen verzeichnet. Je höher sich also die Figur hebt, eine -desto vorgerücktere Stunde wird ihr Stab zeigen. - -[15] Bezüglich näherer Einzelheiten und Abbildungen verweisen wir auf -Bilfinger, a. a. O. S. 140 ff. - -[16] Wolf, Geschichte der Astronomie. 1877. S. 162. - -[17] Wolf, Biographien der Kunstgeschichte der Schweiz. ~II.~ S. 93. - -[18] Winckelmann, ~Monumenti antichi inediti II. N~ 110. - -[19] Streuber, Basler Taschenbuch 1850. - -[20] Der Scherz Senecas über die Uhren seiner Zeit läßt ihre -Genauigkeit in einem schlimmen Licht erscheinen: ~„horam non possum -certam tibi dicere, facilius inter philosophos convenit, quam inter -horologia.”~ (Eher stimmen Philosophen mit einander überein, als -Uhren). ~Senec. in mortem Claudii Cæsaris ludus.~ - -[21] = Sanduhr. - -[22] ~Divin. Lect. c. XXX.~ - -[23] ~Constitut. Hirsaug. Edit. Herrgott~ 1726. ~c~. 34. Der -~„cereus,”~ von dem hier die Rede, ist wahrscheinlich die Kerze, welche -im gemeinsamen Schlafsaal brennen mußte; man konnte also an der Abnahme -derselben die Zeit ungefähr abschätzen, welche seit dem Anzünden -verflossen war. - -[24] Vgl. „Ein vließende liht meiner Gottheit”; dieses Werk in -oberdeutscher Mundart ist erhalten in einer Handschrift unseres -Stiftes, veröffentlicht von ~P.~ G. Morell, Regensbg. 1869. - -[25] ~Dissertazioni sopra le Antichità Italiane~, ~t. I~, 2. ~p.~ 96. - -[26] Vgl. Hock: Gerbert oder Papst Sylvester ~II.~ und sein -Jahrhundert, Wien 1837; Büdinger: Ueber Gerberts wissenschaftl. und -polit. Stellung, Kassel 1851. - -[27] Wilhelm von Malmesbury war ein um die englische Geschichte höchst -verdienter Mann, Bibliothekar und Vorsänger im Kloster Malmesbury; er -hat viele Werke verfaßt, von denen aber noch nicht alle veröffentlicht -sind. Er lebte noch 1143. Sein Todesjahr ist unbekannt. - -[28] Z. B. von Dubois in seiner ~Histoire de lʼhorlogerie~. ~Paris~ -1849. ~p.~ 63 u. ff. - -[29] Eine derartige große Uhr besaß z. B. das Stift Einsiedeln aus dem -Jahre 1663, welche später mit Pendel versehen wurde; sie befindet sich -jetzt im Landesmuseum in Zürich. - -[30] Vergl. auch ~Parad. X~, 139-144: - -„Darauf gleich dem Seiger (Sanduhr), der uns ruft zur Stunde, Da -Gottes Braut aufsteht dem Bräutigam, Daß er sie liebʼ, ihr Morgenlied -zu bringen, Da einen Teil zieht, den andern treibt, ~„Tin, tin,”~ -enthaltend mit so süßem Klange.” - - -[31] ~Mém. de lʼAcad. t. XVI, p. 227~; diese Schilderung wurde auch in -die ~Encyclopédie~, ~s. v. „horloges,”~ aufgenommen. - -[32] ~Murat. l. c. t. 17. p. 1092.~ - -[33] ~Dubois. p. 67.~ - -[34] Froissart schreibt: ~le duc de Bourgogne fit oster des halles un -orologe qui sonnait les heures, lʼun des plus beaux quʼon sçeut trouver -delà ne deçà la mer; et celuy orologe mettre tout par membres et par -pièces sur chars et la cloche aussi. Dub. p. 68.~ - -[35] Vergl. Sammlung bernischer Biographien, ~IV.~ Bd., Kaspar Brunner, -von Ad. Fluri. S. 437 u. ff. - -[36] Vergl. Neues Berner Taschenbuch 1897, S. 185 ff. - -[37] Schwilgué G. Kurze Beschreibung der astron. Uhr zu Straßburg. -S. 15. Wir folgen in der Schilderung der alten und neuen Uhr zum Teil -diesem Werkchen. - -[38] R. Wolf, Biographien zur Kulturgeschichte der Schweiz. 3. Cyklus. -S. 56. - -[39] ~Hist. Olai Magni Gothi, Archiep. Upsal. De gentium -septentrionalium variis conditionibus. Basil.~ 1557. - -[40] ~Ambrosius Camaldulensis~ (~Traversari~) geb. 1386, gest. 1439, -spricht in einem Briefe an den Gelehrten Nikolaus de Nicolao von Uhren -als etwas ganz Gewöhnlichem. „Deine Uhr ist bereit; ich hätte sie schon -gesendet, wenn ein Bote zu haben wäre. Ich ließ sie reinigen; sie -konnte nicht gehen, weil der Staub überall eingedrungen war. Weil der -Gang aber auch nachher noch nicht befriedigte, übergab ich das Werk dem -in solchen Dingen sehr geschickten jungen Angelo .....” ~Martène et -Durand Collectio ampliss. III.~ - -[41] Patron der Schlosserzunft, zu der alle, welche Hammer und Zange -führten, gerechnet wurden, war der heilige Petrus, weil er einen -Schlüssel führt; da auf seinen Bildern jedoch auch der Hahn, einer der -ersten Zeitmesser, erscheint, so behielten auch die Uhrmacher ihn als -Schutzheiligen bei. - -[42] 1589 vereinigten sich die Genfer Uhrmacher zu einer Gilde. Nach -dem Urteil Großmanns (bei Gelcich, S. 164) lassen diese Statuten an -Strenge und Engherzigkeit alles hinter sich, was die Innungen des -deutschen Mittelalters hierin geleistet haben. (Auszug dieser Satzungen -ebendaselbst a. a. O.) - -[43] Ott, Handbuch der kirchlichen Kunstarchäologie des deutschen -Mittelalters. Leipz. 1893, S. 290. - -[44] Der Ursprung der Zwölfteilung (Duodezimalsystem) reicht bis ins -tiefste Altertum zurück; einige Gelehrte sind sogar der Ansicht, sie -datiere von der Urzeit des menschlichen Geschlechtes her. Dieses -System, das von der Natur selbst gegeben zu sein scheint, findet sich -bei den Babyloniern, welche nicht bloß ein Mondjahr zu 354 und das -eigentliche Sonnenjahr zu 365 Tagen kannten, sondern auch ein solches -zu 360 (12 mal 30) Tagen hatten. Die Indier und Aegypter zählten -das Jahr ebenfalls zu 360 Tagen, mit Einschluß der 5 Schalttage -(~Epagomenen~). Der Tag wurde in 12 Doppelstunden oder in 24 einfache -geteilt. Die Kreisteilung beruht bekanntlich ebenfalls auf dem -Duodezimalsystem. - -Auch bei den Längenmaßen findet sich diese Teilung. Einheit der Länge -war bei den Babyloniern die Doppelelle, zu 60 Fingern, ein größeres -Wegmaß war das Soß zu 360 Doppelellen oder 720 einfachen. Die Hohlmaße -und Gewichte wurden von dieser Einheit in ähnlicher Weise, wie beim -heutigen metrischen Systeme abgeleitet. Daß wir auf unsern Uhren noch -die Einteilung in fünf Minuten haben, ist wahrscheinlich ebenfalls ein -Ueberrest dieser alten Zählungsart. -- Wenn der Uhrzeiger jetzt zweimal -täglich einen Umlauf macht, so erinnert das an die Zeit, wo es noch -keine mechanischen Uhren gab, sondern der Himmel direkt befragt werden -mußte, einmal des Nachts durch Beobachtung der Sterne (12 Zeichen des -Tierkreises), dann am Tage durch Verfolgung des Schattenweges des -Sonnenzeigers. - -Neuestens soll nun diese alte Duodezimalabteilung durch das -Dezimalsystem, die Zehnteilung, verdrängt werden. Was Laplace und -einige Staatsregierungen in bezug auf die Kreisteilung in 400 Teile -(Kartographie) schon eingeführt, soll nun auch in der Zeitmessung zur -Anwendung gelangen, so daß die Stunde fortan 100 Minuten und 10000 -Sekunden zählen würde. Da jedoch gegenwärtig nach großen Mühen endlich -das absolute System in die Wissenschaft eingeführt ist, welches ja -als Einheit auch die jetzige Sekunde benützt, so erscheint es sehr -fraglich, von andern Unbequemlichkeiten zu schweigen, ob die Nachteile -einer solchen Maßregel nicht größer wären, als die Vorteile derselben. -Vergl. über diesen Punkt z. B. Prometheus 1897. N. 416. - -[45] Walther war noch in reiferen Jahren ein Schüler Regiomontans -geworden; er erbaute aus eigenen Mitteln zu Nürnberg eine Sternwarte -und versah sie mit kostbaren Instrumenten. 1472 beobachtete er mit -Regiomontan den eben erscheinenden Kometen. Er war auch der Erbe des -literarischen Nachlasses seines Lehrers, dessen Beobachtungen er -fortsetzte. Walther berücksichtigte bei seinen astronomischen Arbeiten -zuerst die Refraktion; er soll auch bei Ortsbestimmungen der Sonne -statt des Mondes die Venus verwendet haben. - -[46] Tycho Brahe wurde geboren auf der Insel Schonen zu Knudstrup bei -Helsingborg im Jahre 1546. Er studierte in Kopenhagen und Leipzig und -machte seinen Namen bekannt durch Beobachtungen des Sterns von 1572. -Nach wechselvollen Schicksalen konnte er mit Unterstützung König -Friedrichs ~II.~ von Dänemark auf der Insel Hven (zwischen Seeland und -Schonen) eine Mustersternwarte, die „Uranienborg” bauen, auf welcher er -lange Jahre beobachtete. 1597 trat er als Astronom in den Dienst des -Kaisers Rudolf ~II.~ zu Prag. Er starb 1601. - -[47] ~Astronomiæ instauratæ Progymnasmata. Uraniburgi et Pragæ~ 1610, -~p.~ 148. - -[48] Bekanntlich bezeichneten die Alten die 7 Metalle, welche man -seit langer Zeit als solche kannte, mit dem Namen und Zeichen der 7 -Planeten. Also: Gold, ☉ (Sonne); Silber, ☽ (Mond); Quecksilber, ☿ -(Merkur); Kupfer, ♀ (Venus); Eisen, ♂ (Mars); Zinn, ♃ (Jupiter); Blei, -♄ (Saturn). Wie nun die Astrologen auf astronomischem Gebiete mit den -7 Planeten allerlei höchst sonderbare Ideen verbanden, so ihre Genossen, -die Alchemisten, in der Chemie. Eine besonders wichtige Rolle spielte -hier das Quecksilber, als Ausgangspunkt zur Herstellung des Steines -der Weisen, und dann natürlich, gerade wie heute, Gold und Silber, der -König und die Königin der Metalle. So wird die angeführte Aeußerung -Tychos verständlich. - -[49] Der bekannte Philosoph Cardanus (1501-1576) hat als einer der -Ersten sehr interessante Gedanken über die Federuhren veröffentlicht in -seinem Werke ~Exæreton Mathematicorum~ (Band ~IV~ der Lyoner Ausgabe -von 1663 in zehn Foliobänden), ~Propositio~ 156 und 157. ~Propositio~ -158 behandelt die Einrichtung des Schlagwerkes. In seinem Hauptwerke -~„de subtilitate,”~ ~lib. XXI~, ~p.~ 362 gibt er die Beschreibung -der ~„mola horologii”~ (Uhrfeder); ebendaselbst ~p.~ 612 ~lib. XVII~ -wird die Erfindung der Uhren ohne Gewicht erwähnt. An gleicher Stelle -befindet sich auch eine Besprechung der „Cardanischen Aufhängung,” -die ihm übrigens mit Unrecht zugeschrieben wird. In seinen Schriften -erscheint er als ein excentrisches Genie; er rühmt von sich, bloß zu -dem Zwecke geboren zu sein, um die Welt von ihren Irrtümern zu erlösen, -behauptet auch, in je 24 Stunden griechisch, lateinisch, französisch -und spanisch gelernt zu haben. Seine Verdienste in der Mathematik -sind bedeutend, in seiner ~Ars magna~ gibt er die Auflösung kubischer -Gleichungen; er erfaßte auch zuerst den Begriff der negativen Wurzel -einer Gleichung. Man erzählt von ihm, er sei 1576 den freiwilligen -Hungertod gestorben, nur um die astrologische Vorhersage seines Endes -wahr zu machen. - -[50] ~Tiraboschi t. IV. p.~ 775 und 1090. Die Ueberschrift des -Gedichtes besagt u. a.: ~„si fanno certi orologi piccoli e portativi.”~ - -[51] Ueber die Geschichte der Taschenuhr vgl. Karl Friedrich, -Bibliothekar in Nürnberg, im ~XI.~ Bande des Allgem. Journals der -Uhrmacherkunst; ferner den zusammenfassenden Artikel von Hofuhrmacher -Gustav Speckhart in „Antiquitätenzeitung,” Stuttgart 1896, Nr. 1 u. -ff. Hier werden auch die Ansprüche Augsburgs und Straßburgs, sowie -der Franzosen geprüft. Ebenso Saunier-Speckhart; Geschichte der -Zeitmeßkunst: S. 337 u. ff. - -[52] ~Encyclopédie~, ~s. v. Horloge~. - -[53] Gelcich (S. 28) schließt aus einer gegen Ende des vorigen -Jahrhunderts angeblich in dem Schlosse Tifeshire bei Bruce in England -aufgefundene Uhr, deren Zifferblatt die Worte trug: ~„Robertus B. rex -Scottorum”~ auf das hohe Alter der Taschenuhren. Dieser Robertus B. -wäre nämlich Robert Bruce, der 1306 die schottische Krone erhielt und -1329 starb. Nun hat aber schon Beckmann, Beiträge zur Geschichte der -Erfindungen, Leipzig 1785, Bd. ~II~, S. 468 u. ff. nachgewiesen, daß -diese berühmte Uhr eine Fälschung sei. Er stützt sich dabei auf einen -gewissen John Jamieson, der den Betrug im „Gentlemanʼs Magazine,” 1785, -~p.~ 688 zuerst aufdeckte. - -[54] Ueber diese Frage vergleiche man: Peter Henlein, der Erfinder -der Taschenuhr. Fachgeschichtliche Abhandlung von Gustav Speckhart. -Nürnberg 1890. - -[55] Vgl. über die Junghansʼsche Sammlung u. a. Deutsche -Uhrmacherzeitung, 1898, Nr. 8; Handelszeitung für die gesamte -Uhrenindustrie, 1898, Nr. 9 und 10 u. s. w. Laut einer Zeitungsmeldung -hätte Herr Kommerzienrat Junghans neuestens diese Sammlung dem -Gewerbe-Museum in Stuttgart geschenkt. - -[56] ~Tir. VII. p.~ 1569. - -[57] Capobianco brachte auch für den Kardinal von Sitten (Schinner?) an -einem Leuchter eine Uhr an, welche zugleich die Stunden schlug und die -Kerze anzündete. A. a. O. ~p.~ 1570. - -[58] Vgl. ~Lacroix~, ~Les arts au moyen-âge et à lʼépoque de la -renaissance, (Horlogerie)~. ~Paris~ 1877. - -[59] Er veröffentlichte diese Erfindung im ~Journal des Savants~ von -1675; Robert Hooke soll schon 1658 eine ähnliche Vorrichtung ausgedacht -haben; er nahm aber kein Patent, weil er sich mit seinen Genossen nicht -einigen konnte. Hautefeuille strengte sogar einen Prozeß gegen Huygens -an inbezug auf Priorität der Erfindung der Spiralfeder. Ersterer erfand -nebst vielem andern auch eine Pulvermaschine, das Vorbild der heutigen -Gasmotoren, bei welcher schon ein Kolben zur Anwendung gelangte. - -[60] ~Almagestum novum~, ~t. I. p.~ 84 und 117. Daselbst befindet sich -auch eine Zeichnung der Pendelaufhängung. Von Riccioli und Grimaldi -rührt auch zum Teil die Nomenklatur der Mondgegenden her. Vgl. Stimmen -aus M. Laach 1898, Heft ~III~. - -[61] ~Technica curiosa~, ~Herbipoli~ (Würzburg) 1664, Bd. ~II~, -~Propositio VII~, ~VIII~, ~IV~. - -[62] Vergleiche hiezu noch: Wolf R., Biographien 1. Bd. S. 57 u. ff. -und desselben Verfassers Geschichte der Astronomie. S. 369 ff.; ferner -von demselben: Quellenmäßige Darstellung der Erfindungsgeschichte der -Pendeluhr bis auf Huygens, S. 308-344. - -[63] Nach Heller, Geschichte der Physik ~I~, S. 296, schreibt Kepler in -seinem „Oesterreichischen Weinvisierbüchlein” Bürgi auch die Erfindung -des Rechnens mit Dezimalbrüchen zu. - -[64] Annalen der Physik und Chemie. Neue Folge von G. Wiedemann, -Bd. ~IV~, 1878, S. 585 u. ff. - -[65] ~Memorabilia Tigurina~. Zürich 1742. S. 490. Siehe auch S. -Vögelin, das alte Zürich. 2. Aufl. ~I.~ Bd. an verschiedenen Orten. - -[66] Vergl. auch: E. Gerland. Ueber die Erfindung der Pendeluhr. -~Bibliotheca mathematica.~ 5. S. 234-247. 1904. - -[67] ~Albèri, Le Opere di Galileo, t. XIV, p. 339: „dellʼOriuolo a -Pendolo.”~ - -[68] ~Albèri l. c.~ veröffentlichte die Zeichnung in seiner -Gesamtausgabe der Werke Galileiʼs; ebenso geben Biedermann (Bericht -über die Ausstellung wissenschaftlicher Apparate. London 1877) und -andere eine Kopie davon. - -[69] Die Beschreibung, welche Viviani gibt, lautet: ~„Il quale~ -(das Pendel) ~stando fermo tratteneva il discender di quello~ (des -Gewichtes), ~ma sollevato in fuori e lasciato poi in libertà, nel -passare oltre il perpendicolo, con la più lunga delle due code -annesse allʼimpernatura del dondolo, alzava la chiave che posa ed -incastra nella ruota delle tacche, la quale tirata dal contrappeso, -voltandosi con le parti superiori verso il dondolo, con uno deʼ suoi -pironi calcava per disopra lʼaltra codetta più corta, e le dava nel -principio del suo ritorno uno impulso tale, che serviva dʼuna certa -accompagnatura al pendolo, che lo faceva sollevare fino allʼaltezza -donde sʼera partito; il qual ricadendo naturalmente, e trapassando il -perpendicolo, tornava a sollevare la chiave, e subito la ruota delle -tacche, in vigore del contrappeso, ripigliava il suo moto seguendo a -volgersi e spignere col pirone susseguente il detto pendolo; e così in -un certo modo si andava perpetuando lʼandata e tornata del pendolo, -sino a che il peso poteva calare a basso.”~ - -[70] „Huygens,” (sprich: Heuchens) nicht „Huyghens,” ist die -richtige Schreibweise, denn so schreibt sich der Gelehrte selbst. Im -physikalischen Kabinett des Collège de ~N. D. de la Paix~ zu Namur -befinden sich drei von H. geschliffene Linsen, in welche er auch seinen -Namen in folgender Weise eingeritzt hat: C. Huygens 15. Mai 1695; -C. Huygens 12. Juni 1685; Chr. Hugenius a^o 1685. 24. Juli. Heller -~II.~ S. 180. - -[71] Es war bei den Gelehrten des 17. Jahrhunderts vielfach -Uebung, zur Wahrung der Priorität einer Entdeckung dieselbe in ein -rätselhaftes Gewand zu kleiden, so daß für jeden Nichteingeweihten -ein unverständlicher Sinn herauskam. _Galilei_ veröffentlichte -die Entdeckung der „Dreigestaltigkeit” des Saturn in seinem -~Sidereus nuntius~ (Sternenbote) unter folgendem Anagramm: -~„SMAISMRMILMEPOETALEVMIBVNENVGTTAVIRAS.”~ Kepler versuchte sich lange -umsonst daran, um endlich einen falschen Satz zu finden, bis Galilei -auf wiederholte Bitten das scheinbar sinnlose Buchstabengewirr las: -~„Altissimum Planetam tergeminum observavi.”~ (den äußersten Planeten -habe ich dreigestaltig gesehen). Als er aber später denselben wieder -beobachten wollte und nun nichts Auffälliges mehr bemerkte (weil eben -die Stellung ungünstig war), soll er, ärgerlich über die vermeintliche -Täuschung, Saturn keines Blickes mehr gewürdigt haben. In ähnlicher -Weise gab auch _Huygens_ der gelehrten Welt ein Rätsel auf: ~a a a a -a a a c c c c c d e e e e e g h i i i i i i i l l l l m m n n n n n n -n n n o o o o p p q r r s t t t t t u u u u u~. Es ist nun ganz klar, -daß eine Lösung für jedermann vollständig unmöglich ist, außer für -den Verfasser; denn wie die Kombinationslehre zeigt, sind hier viele -tausend Billionen Lösungen möglich (die Zahl, welche entsteht, hat -ca. 64 Stellen!), von denen doch nur eine richtig sein kann. In der -oben genannten Schrift wird diese Lösung gegeben: ~„Annulo cingitur, -tenui, plano, nusquam cohærente, ad eclipticam inclinato,”~ d. h.: -Er (Saturn) ist umgeben von einem dünnen, ebenen, nirgends mit ihm -zusammenhängenden, gegen die Ekliptik geneigten Ringe. Die modernen -Teleskope, welche weite Tiefen des Himmels durchdringen, beweisen uns, -daß dieses Gebilde aus wenigstens drei von einander getrennten Ringen -besteht; über ihre wirkliche Beschaffenheit dagegen sind wir noch nicht -ins klare gekommen. - -[72] Lebte 1605-1694 als französischer Geistlicher und Gelehrter und -stand mit Huygens in lebhaftem Verkehr. Er verfaßte u. a.: ~Ismaelis -Bullialdi Astronomia philolaica~, Paris 1645, worin er z. B. auch von -der Gravitation spricht. - -[73] ~l. c. p.~ 601. - -[74] Vergl. Gerland und Trautmüller: Geschichte der physikal. -Experimentierkunst. Leipzig 1899. S. 181. - -[75] Dieser Vorschlag Huygensʼ, um zu einem absoluten Maß zu -kommen, ist zwar sehr interessant, praktisch aber unbequem, da wir -jetzt wissen, daß die Länge des Sekundenpendels eine Funktion der -geographischen Breite ist, d. h. von dieser abhängt. Zur Zeit Huygensʼ -war dieser Umstand noch unbekannt. Jean Picard gilt als der erste, -welcher behauptete, daß am Aequator ein und dasselbe Pendel langsamer -schwinge als am Pol; Jean Richer hat durch Messungen in Cayenne diese -Vermutung bestätigt. -- Neuestens hat Freycinet (~Compt. rend.~ 105, -~p.~ 903), ohne ersichtlichen Vorteil, einen ähnlichen Vorschlag -gemacht, nämlich als Einheit der Länge die Geschwindigkeit anzunehmen, -welche ein Körper erlangt hat, wenn er in Paris eine Sekunde lang im -leeren Raum gefallen ist. Es ist aber gewiß merkwürdig, daß schon -vor mehr als 4000 Jahren die Babylonier das Ideal Huygensʼ betreffs -Stundenfuß wahrscheinlich verwirklicht haben. Sicher ist, daß die -Längenmaße ursprünglich vom menschlichen Körper hergenommen wurden; -z. B. die „Elle” (Strecke zwischen dem Ellenbogen und der Spitze des -Mittelfingers), der Fuß, der Daumen u. s. w. Nach der Ansicht von -Lehmann, Alsberg u. s. w. (vergl. Jahrbuch der Naturwissenschaften, -~VI~, S. 334 ff.) wären die Babylonier später davon abgegangen und -hätten die Norm für das Längenmaß vom Sekundenpendel hergenommen. - -[76] Eine solche „Schiffsuhr” findet sich im vorliegenden Werke -Huygensʼ abgebildet und besprochen; ebenso die Aufstellung des -Instrumentes. Die Holländer als seefahrende Nation halten natürlich -großes Interesse an allem, was die Schifffahrt zu heben geeignet war. -Hiezu gehört aber in erster Linie eine genaue und leichte Bestimmung -der Meereslängen, die aber wiederum nur möglich ist mit Hilfe präzis -gehender Uhren. Näheres über diesen Gegenstand folgt später. - -[77] Liegt er innerhalb der Peripherie, wie z. B. ein Punkt auf -den Speichen eines Rades, oder außerhalb derselben, so heißen die -entsprechenden Rollkurven _gedehnte_ oder gestreckte und _verkürzte_ -oder verschlungene Cykloiden. Rollt der Mittelpunkt des Kreises statt -auf einer Geraden auf der Peripherie eines andern Kreises, so entsteht -die Epicykloide, welche im Ptolemäischen Weltsystem bis auf Kepler -eine wichtige Rolle spielte, indem durch sie die oft verwickelten -Planetenbewegungen auf die als allein zulässig geltende Kreisbewegung -zurückgeführt wurden. - -[78] ~III.~ Teil, ~Propos. VI~. Wenn der Krümmungshalbmesser einer -Kurve diese selbst durchläuft, so beschreibt bei stets wechselndem -Krümmungshalbmesser ihr Mittelpunkt eine neue Kurve, die man _Evolute_ -nennt; die ursprüngliche Kurve heißt die _Evolvente_ ihrer Evolute. -Bei der Cykloide ist nun die Evolute auch wieder eine Cykloide; daher -ihre Wichtigkeit für das Pendel. Sie ist kongruent mit der Evolvente, -aber um 90° gegen diese verschoben. So z. B. in Fig. 32, wo ~A B E~ die -Evolvente, und ~A D E~ die Evolute derselben darstellt. - -[79] Johann Mannhardt, geb. 1798, verlor früh seinen Vater; die -Mutter, eine, wie es scheint, etwas rauhe Frau, konnte sich um die -Erziehung der Kinder nicht viel kümmern, da sie vollauf zu tun hatte, -der Familie den nötigen Unterhalt zu beschaffen. Bald wurde der Knabe -als Hirtenbube verdingt, und blieb bei seinem Bauer, bis ihn ein -glücklicher Zufall in eine Uhrmacherwerkstätte führte, in welche er -bald als Lehrling eintrat und acht Jahre blieb. Später als Geselle in -Miesbach beschäftigt, fand er in der Person des Generalmaut-Direktors -von Miller aus München einen warmen Gönner, der ihn auch später nicht -vergaß und die erste Turmuhr, die Mannhardt für Egern verfertigte, -von einer Kommission des Polytechnischen Vereins in München -begutachten ließ. 1827 siedelte er nach München über, wo sich seine -Verhältnisse nach und nach besserten und sein Name in weiteren Kreisen -bekannt wurde. Im Jahre 1837 verlieh ihm König Ludwig die goldene -Zivilverdienst-Medaille. 1842 verfertigte Mannhardt eine Uhr für die -Domkirche in München, welche auf beiden Türmen an 6 Zifferblättern die -Zeit angibt. Später kamen Uhren seines Systems nach Berlin (Rathaus), -Rom (Vatikan) u. s. w. Mannhardt erhielt auch auf Verwendung Ludwigʼs -~I.~ eine staatliche Unterstützung. Immer mehr suchte er seine -Kenntnisse, namentlich durch große Reisen, die er im Fachinteresse -unternahm, zu mehren. Außer Uhren wurden in der Mannhardtʼschen Fabrik -noch alle möglichen Maschinen angefertigt. Der unermüdlich tätige Mann -starb nach vielen schmerzlichen Prüfungen im Jahre 1878, 80 Jahre -alt. (Vergl. über unsern Meister: E. Gohlke: Die Turmuhr des Berliner -Rathauses, von Georg F. Bley. 1894.) - -[80] Vergleiche über diese Punkte die Schrift S. Rieflers: Die -Präzisionsuhren mit vollkommen freiem Echappement und neuem -Quecksilber-Kompensationspendel. München 1894. Die Angaben Herrn -Rieflers sind im folgenden teilweise benützt. - -[81] Die folgenden Angaben sind größtenteils den Ausführungen Herrn -Rieflers entnommen, wie sie in den Preisverzeichnissen seiner Firma, -sowie in der schon oben genannten Schrift desselben Verfassers: „Die -Präzisionsuhren” etc. gegeben sind. - -[82] Rainer Gemma Frisius wurde geboren zu Dorpat 1508 und starb als -Professor der Medizin zu Löwen 1555. Die hier in Frage kommende Schrift -erschien 1530 zu Antwerpen unter dem Titel: ~de principiis astronomiæ -et cosmographiæ~. - -[83] Galilei hatte sie aufmerksam gemacht auf eine mögliche Verwertung -der Beobachtung der Jupitertrabanten für die Bestimmung der Länge. Der -Vorschlag blieb jedoch erfolglos, ebenso wie die später seitens der -Holländer mit Galilei angeknüpften Unterhandlungen, worin sie ihm eine -goldene Ehrenkette für die Lösung des Problems anboten. - -[84] Als Maßstab für die hohe, schon vor 150 Jahren erreichte -Genauigkeit mag die Angabe dienen, daß z. B. das Pariser Observatorium -für moderne Chronometer als Fehlergrenze für 3 Monate 120″, also pro -Tag 1⅓″, angibt. - -[85] Nach Saunier. - -[86] F. Brönimann erwähnt in seinem Jahresbericht der Solothurner -Kantonschule 1891: „die Uhr”, folgende hübsche Anekdote. Berthoud war -Mitglied der Akademie und las öfters über theoretische Fragen der -Uhrmacherkunst vor. Seine gelehrten, aber wohl dann und wann etwas -trockenen Erörterungen fanden nicht immer den Beifall der Kollegen. Ein -Mitglied schrieb nun einst während einer solchen Sitzung folgende Verse -auf einen Zettel, der rasch von Hand zu Hand ging: - -~Berthoud, quand de _lʼéchappement_ Tu nous trace la théorie, Heureux -qui peut adroitement, _Sʼéchapper_ de lʼacadémie.~ - -Der Erfolg war, daß schließlich außer dem Vorlesenden nur noch der -Präsident nebst Sekretär im Saale anwesend waren. - -[87] Die folgenden Ausführungen entnehmen wir einem Aufsatze der -deutschen Uhrmacherzeitung, den Speckhart in seiner Bearbeitung des -Saunierschen Werkes, S. 549 und 550 mitteilt. - -[88] 1766 wurden in Le Locle und La Chaux-de-Fonds über 15000 goldene -und silberne Uhren, sowie zahlreiche Standuhren (~pendules~) verfertigt. - -[89] „~P.~ Franz Steyrerʼs Benediktiners des Stiftes St. Peter auf dem -Schwarzwalde Geschichte der Schwarzwälder Uhrmacherkunst, nebst einem -Anhange von dem Uhrenhandel derselben. Eine Beylage zur Geschichte des -Schwarzwaldes. Freyburg i. Br. 1796.” - -[90] Die älteste datierte Holzräderuhr befindet sich in der Sammlung -Junghans in Schramberg, mit der Jahreszahl 1613 (Fig. 65). Eine weitere -aus dem Jahre 1630 besitzt das germanische Museum. - -[91] Diese Schule umfaßt 2 Abteilungen, eine für Uhrmacherei, -(Heranbildung von Taschenuhrenfabrikanten, Konstrukteure, Reparateure -und Werkführer), die andere für Elektrotechnik (Herstellung -elektrischer Uhren, Fabrikanten und Monteure von Haus- und -Hôteltelegraphen, Fernsprechanlagen u. s. w.). Der Unterricht umfaßt -niedere und höhere Mathematik, Physik und Chemie, Astronomie (Orts- -und Zeitbestimmungen), Zeichnen, Technologie, Handelswissenschaft, -Französisch und Englisch. Der mehr praktische Teil umfaßt die -eigentliche Uhrmacherei. Reiche Sammlungen und Anlagen aller Art machen -die Anstalt zu einer der besten, welche zur Zeit existieren. - -[92] Eine weitere befindet sich in Coventry; auch auf dem Londoner -Polytechnikum wird ein Kurs für Uhrmacher gegeben. - -[93] Das Hauptprüfungsinstitut ist in Greenwich; außerdem befassen sich -damit die Observatorien in Liverpool, Southampton etc. - - -Verlagsanstalt Benziger & Co. A. G, Einsiedeln, Waldshut, Köln a/Rh. - - -Einige Preßstimmen - -über $Benzigers Naturwissenschaftliche Bibliothek$. - -$Praxis der kathol. Volksschule, Breslau.$ No. 14 vom 15./~VII.~ 05. -Die beiden Bändchen (die Erde; die Abstammungslehre) bilden den Anfang -einer naturwissenschaftlichen Bibliothek, die auf katholischem Boden -steht. Wenn die Fortsetzung dem Anfang entspricht, so liegt hier ein -Unternehmen vor, das sich unter andern gleichartigen sehen lassen kann. -Der Verfasser zeigt sich als ein tüchtiger Gelehrter und gründlicher -Literaturkenner, seine Ausführungen sind klar und interessant. -Besonders aber verdient hervorgehoben zu werden, daß er überall die -Tatsachen sprechen läßt und ihnen ganz unbefangen gegenüber steht. -Ungezwungen ergibt sich das für jeden überzeugten Christen durchaus -nicht überraschende Resultat, daß die Resultate der Naturwissenschaft -mit dem christlichen Glauben durchaus nicht in Widerspruch stehen. -Besonders gilt das vom Bändchen ~III~, das die so heiß umstrittene -Abstammungslehre zum Gegenstande hat. Gander findet das zum Beweise -für die Deszendenztheorie besonders für die Abstammung des Menschen -vom Affen beigebrachte Material unzureichend. Seine sachlichen -Ausführungen lassen nicht daran zweifeln, daß er dabei einzig seiner -wissenschaftlichen Überzeugung folgt und die Entwicklungstheorie nicht -etwa deshalb ablehnt, weil sie mit dem religiösen Dogma in Widerspruch -geraten könnte. Er weist vielmehr nach, daß ein solcher Widerstreit -künstlich konstruiert werden muß, in der Abstammungslehre an sich ist -er nicht enthalten ... - -$Literarischer Anzeiger, Graz.$ No. 8 vom 15./~V.~ 05. Die ersten -drei Bändchen sind sämtliche von ~P.~ Martin Gander, Professor der -Naturgeschichte in Einsiedeln verfaßt; sein Name hat besonders in der -Geologie einen guten Klang. Die zahlreichen einschlägigen Fragen aus -der Kosmogonie, Geologie, der Entwicklungslehre etc. etc., die in -diesen drei Bändchen zur Sprache kommen, sind gründlich behandelt. -Sehr interessant sind die oft in Bezug auf die wichtigsten Fragen -obwaltenden Differenzen zwischen den bedeutendsten Vertretern der -Wissenschaft, die manches als Ergebnis der wissenschaftlichen Forschung -hingestelltes Resultat in sehr zweifelhaftem Licht erscheinen -lassen. Übrigens wird man den Verfasser gewiß keines einseitigen -oder rückständigen Standpunktes beschuldigen können, auch nicht in -theologischen Fragen. - -$St. Benedikts-Stimmen, Emaus b. Prag.$ Heft 9. 1905. Nachdem die -ungläubige Naturforschung eingestandenermaßen sich allmählich -überzeugt, daß sie in den Fragen über den Ursprung des Lebens auf -Erden vielfach nur irregegangen ist und irregeführt hat, ist es eine -ungemein wohltuende Sache, von einem in wissenschaftlichen Kreisen -schon längst bekannten und geschätzten Autor im Sinne der gläubigen -Naturerkenntnis über alle wirklichen Resultate so belehrt zu werden, -wie es in vorliegenden Bändchen 1-4 geschieht. Populär gehalten, leicht -verständlich und dabei das Gemüt erfrischend, sind diese Spezimina der -Benzigerschen naturwissenschaftlichen Bibliothek sich selbst eigentlich -die beste Empfehlung. - -$Biblische Zeitschrift, Freiburg.$ ~III.~ 3. 1905. Diese populär -gehaltenen, aber sehr instruktiven Bändchen berühren selbstverständlich -auch die Bibel und werden für die Schöpfungsgeschichte eine Apologie -der biblischen Auffassung. Der Hauptwert der Schriftchen liegt übrigens -darin, daß sie sehr geeignet sich erweisen, Naturerkenntnis nach den -neuesten Ergebnissen für einen gläubigen Sinn zu vermitteln. - -$Theolog.-praktische Quartalschrift, Linz.$ Heft 3. 1905. Das -Unternehmen ist ohne Zweifel auf das wärmste zu begrüßen. Es ist -hervorgegangen aus dem Bestreben, dem gläubigen Gebildeten zu -zeigen, daß zwischen Glaube und Wissen bei den hauptsächlich in -Betracht kommenden Fragen kein Widerspruch vorhanden ist. Wie aus der -Inhaltsangabe ersichtlich ist, werden in den bereits erschienenen -Bändchen sehr interessante aber zugleich auch heikle Themata -besprochen. Ihre Bearbeitung lag in tüchtigen Händen. ~P.~ Martin -Gander ~O. S. B.~, Professor der Naturgeschichte in Einsiedeln, -verstand es, die weit verzweigten und oft vom verschiedensten -Standpunkt aus beantworteten Fragen in knapper und dabei doch -verhältnismäßig erschöpfender, gut verständlicher und ansprechender -Form auseinanderzusetzen und war redlich bemüht, sowohl der Offenbarung -als den neuesten Ergebnissen der naturwissenschaftlichen Forschung -gerecht zu werden ... - -$Wissenschaftliche Beilage zur Germania, Berlin.$ No. 4 1905 ... -Der Inhalt dieser ersten Bändchen zeigt, daß der Verfasser sowohl -naturwissenschaftlich als philosophisch wohl orientiert und mit -dem neuesten Stand der Forschung vertraut ist. Die Polemik ist im -allgemeinen ruhig und vornehm. Die bisherigen Bändchen können nach -allem als zuverlässige Führer in den behandelten Fragen aufs wärmste -empfohlen werden. - -$Literarischer Handweiser, Münster.$ No. 3. 1905. -Wenn die folgenden Bändchen das halten, was man nach den vorliegenden -drei sich versprechen zu können glaubt, -- und es ist kein Grund, -daran zu zweifeln, -- so ist das Unternehmen auf das wärmste allen -Gebildeten zu empfehlen und nicht zuletzt der gebildeten Jugend. - -$Neue Zürcher Nachrichten.$ No. 13 vom 24./~VII.~ 04 ... Wer Ganders -drei erste Bändchen von Benzigers Naturwissenschaftliche Bibliothek -studiert, ist auf der Höhe des heutigen naturwissenschaftlichen Tages -und darf kühn mit jedem Darwinisten auf die Mensur gehen. Der Verfasser -läßt uns tief ins Chaos der Systeme blicken, er entwirrt uns mit -leichter Hand das ungeheuere Netz der Hypothesen, alles in naturgemäßem -Gang der Forschung. Dann setzt er selber ein, er mit seiner klugen, -klaren, sichern Denkweise, mit seiner ungezwungenen Würdigung des Für -und Wider, mit der Bloßstellung der Schwächen und der Anerkennung der -Vorzüge im Untersuch, endlich mit dem rechnerisch kalten Kassasturz, -womit dieses naturwissenschaftliche Theater abschließt ... - -$Hochland, München.$ Die bisherigen drei Bändchen von Benzigers -Naturwissenschaftliche Bibliothek, sämtliche von ~P.~ Martin -Gander ~O. S. B.~ verfaßt, behandeln das Problem der „Schöpfung -und Entwicklung.” Die Einzeltitel lauten: „Die Erde; ihre -Entstehung und ihr Untergang,” -- „Der erste Organismus” -- und -„Die Abstammungslehre.” -- Grundtatsachen werden jedesmal in -gemeinverständlicher Sprache mitgeteilt und durch reichen Bilderapparat -angemessen verdeutlicht. Die wichtigsten Theorien werden erörtert und, -soweit sie als sachlich begründet erscheinen, ihre Übereinstimmung mit -der christlichen Weltauffassung dargetan. Besonders glücklich sind, -namentlich im ersten Bändchen, die Hinweise, wie sich oft ganz moderne -Theorien den Vorstellungen altchristlicher Denker nähern ... Die -Bändchen verdienen weiteste Verbreitung. - -$Korrespondenz- und Offertenblatt für die ges. kathol. Geistlichkeit -Deutschlands, Regensburg.$ No. 6. 1905. Was die erschienenen Bändchen -vor allem auszeichnet, ist der durchaus wissenschaftliche Ernst, der -alles durchzieht. Trotzdem ist die Darstellung nicht allzuschwer -geraten, so daß die reifere Jugend, besonders unsere Gymnasiasten, -die Bändchen schon mit Erfolg benützen. In den Versuchen, die -wissenschaftlichen Ergebnisse mit den Andeutungen der Bibel zusammen -zu stellen, zeigt der Verfasser eine sehr glückliche Hand; er will -nicht mehr beweisen, als bewiesen werden kann und bewahrt sich so das -Vertrauen auch kritischer Leser ... - -☛ $Ähnlich lautende Urteile finden sich in zahlreichen angesehenen -Zeitschriften und Zeitungen des In- und Auslandes.$ ☚ - - -Durch alle Buchhandlungen zu beziehen. - - -~FIDES ET SCIENTIA.~ - -Benzigers Naturwissenschaftliche Bibliothek. - -Erschienen sind bis jetzt: - - $No 1. Die Erde. Ihre Entstehung und ihr Untergang.$ Von ~P.~ - _Martin Gander_, ~O. S. B.~, Professor der Naturgeschichte. Mit 28 - Textillustrationen und einer Spektraltafel. 160 Seiten. - - $No. 2. Der erste Organismus.$ Von ~P.~ _Martin Gander_, ~O. S. B.~, - Professor der Naturgeschichte. Mit 28 Textillustrationen. 160 Seiten. - - $No. 3. Die Abstammungslehre.$ Von ~P.~ _Martin Gander_, ~O. S. B.~, - Professor der Naturgeschichte. Mit 28 Textillustrationen. 182 Seiten. - - $No. 4. Die Bakterien.$ Von ~P.~ _Martin Gander_, ~O. S. B.~, - Professor der Naturgeschichte. Mit 23 Textillustrationen. 160 Seiten. - - $No. 5 und 6. Die Pflanze in ihrem äußeren Bau.$ Von ~P.~ M. - _Gander_, ~O. S. B.~, Professor der Naturgeschichte. Doppelbändchen. - Mit 117 Illustrationen. 336 Seiten. - - $No. 7. Die Uhren. Ein Abriß der Geschichte d. Zeitmessung.$ Von - ~P.~ _Fintan Kindler_, ~O. S. B.~, Professor der Physik. Mit 65 - Textillustrationen. 192 Seiten. - -☛ Demnächst wird erscheinen: - - $No. 8. Naturwissenschaft und Glaube. Angriffe u. Abwehr.$ Von ~P.~ - M. _Gander_, ~O. S. B.~, Professor der Naturgeschichte. ca. 180 - Seiten. - - -Vom gleichen und andern Verfassern sind in Vorbereitung und liegen -teils druckbereit vor: - - Naturwissenschaft und Glaube. - Darwin und seine Schule. - Wunder der Kleintierwelt. - Die Vulkane und Erdbeben. - Die fünf Sinne des Menschen. - Das Gehirn und seine Tätigkeit. - Der Kalender. - Wind und Wetter. - Die Pflanze in ihrem inneren Bau. - Die Energie. - Die Ameisen. - - -Preis des Bändchens in Leinwand gebunden Mk. 1.50. - -[Illustration] - - - - -+------------------------------------------------------------------+ -| Anmerkungen zur Transkription | -| | -| Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen | -| gebräuchlich waren, wie: | -| | -| Aehnlich -- Ähnlich | -| all -- allʼ | -| anderen -- andern | -| Ausdehnungskoeffizienten -- Ausdehnungskoëffizienten | -| benützte -- benutzte | -| besserem -- besserm | -| Kaspar Bruner -- Kaspar Brunner | -| danach -- darnach | -| Domes -- Doms | -| Email-Malerei -- Emailmalerei | -| Galileische -- Galileiʼsche | -| Galileis -- Galileiʼs | -| größeren -- größern | -| Jahreszahl -- Jahrzahl | -| Ktesibios -- Ktesibius | -| Ludwigʼs -- Ludwigs | -| Hans Luther -- Hans Luter | -| Martène -- Martene | -| mittels -- mittelst | -| oberen -- obern | -| Rieflerʼsche -- Rieflersche | -| selbständig -- selbstständig | -| Speckhartʼs -- Speckharts | -| Sternenhimmel -- Sternhimmel | -| Tageszeiten -- Tagzeiten | -| Uhren-Industrie -- Uhrenindustrie | -| Heinrich von Vic -- Heinrich von Vick | -| Waagehemmung -- Wagehemmung -- Waghemmung | -| weiteren -- weitern | -| | -| Folgende Änderungen wurden vorgenommen: | -| | -| S. VII "Christian Huygens" in "Christiaan Huygens" geändert. | -| S. VIII "Seite" entfernt und "Fig." durch " ersetzt. | -| S. VIII "Chronometer-Hemmung" in "Chronometerhemmung" geändert. | -| S. VIII "Manhardtʼsche" in "Mannhardtʼsche" geändert. | -| S. 13 "Clepshydres" in "Clepsydres" geändert. | -| S. 15 "Winkelmann" in "Winckelmann" geändert (Fußnote 18). | -| S. 17 "Jost Ammann" in "Jost Amman" geändert. | -| S. 24 "Gerbert oder Sylvester II. und seine Zeit" in "Gerbert | -| oder Papst Sylvester II. und sein Jahrhundert" geändert | -| (Fußnote 26). | -| S. 25 "dnrch" in "durch" geändert. | -| S. 47 "Zitglockenrichter" in "Zitgloggenrichter" geändert. | -| S. 47 „ entfernt. | -| S. 52 "Plantinen" in "Platinen" geändert. | -| S. 54 "alemanischer" in "alemannischer" geändert. | -| S. 55 "Isaac" in "Isaak" geändert. | -| S. 60 , eingefügt (Fußnote). | -| S. 65 "Mästlins" in "Mästleins" geändert. | -| S. 66 "Joost" in "Jost" geändert. | -| S. 66 "Rottmann" in "Rothmann" geändert. | -| S. 66 "Helsinborg" in "Helsingborg" geändert (Fußnote 46). | -| S. 67 "Also" in "also" geändert. | -| S. 67 , entfernt. | -| S. 75 "Saunier-Speckhardt" in "Saunier-Speckhart" geändert | -| (Fußnote 51). | -| S. 81 "Uhrmacherzeitnng" in "Uhrmacherzeitung" geändert | -| (Fußnote 55). | -| S. 82 ) eingefügt. | -| S. 87 . entfernt. | -| S. 88 "Huygenschen" in "Huygensschen" geändert. | -| S. 93 "Vinzenzio" in "Vincenzio" geändert. | -| S. 94 "allʼimperniatura" in "allʼimpernatura" geändert | -| (Fußnote 69). | -| S. 97 "Christian" in "Christiaan" geändert. | -| S. 98 "nusqam" in "nusquam" geändert (Fußnote 71). | -| S. 98 "SMAISMRMILMEPOETALEVMIBVNENVSTTAVRAS" in | -| "SMAISMRMILMEPOETALEVMIBVNENVGTTAVIRAS" geändert | -| (Fußnote 71). | -| S. 98 "o" eingefügt (Fußnote 71). | -| S. 101 "Bouillau" in "Boulliau" geändert. | -| S. 101 "Mästlins" in "Mästleins" geändert. | -| S. 129 ” eingefügt. | -| S. 132 "Fig. 42" in "Fig. 45" geändert. | -| S. 132 "Bréguet" in "Breguet" geändert. | -| S. 132 "Fig. 42" (2. Erwähnung) in "Fig. 46" geändert. | -| S. 133 "Bréguet" in "Breguet" geändert. | -| S. 145 "La Chauxdefonds" in "La Chaux-de-Fonds" geändert. | -| S. 151 , vor "ebenso" eingefügt. | -| S. 153 , hinter "Kriegsschiff" eingefügt. | -| S. 154 "Bréguet" in "Breguet" geändert. | -| S. 154 "par des" in "par les" geändert. | -| S. 157 "von" in "vom" geändert. | -| S. 162 "ihm" in "ihn" geändert. | -| S. 185 "Prescolt" in "Prescot" geändert. | -| S. 185 "au" in "an" geändert. | -| S. 190 Wiederholtes "Durch alle Buchhandlungen zu beziehen." | -| entfernt. | -+------------------------------------------------------------------+ - - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Die Uhren, by Fintan Kindler - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE UHREN *** - -***** This file should be named 50244-0.txt or 50244-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/0/2/4/50244/ - -Produced by Peter Becker and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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