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-The Project Gutenberg EBook of Die Uhren, by Fintan Kindler
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
-
-
-Title: Die Uhren
- Ein Abriß der Geschichte der Zeitmessung
-
-Author: Fintan Kindler
-
-Release Date: October 17, 2015 [EBook #50244]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE UHREN ***
-
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-
-Produced by Peter Becker and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net
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- | Anmerkungen zur Transkription |
- | |
- | Gesperrter Text ist als _gesperrt_ dargestellt, Fettschrift als |
- | $fett$ und Schrift in Antiqua als ~antiqua~. |
- | |
- | Eine Liste der Änderungen befindet sich am Ende des Buchs. |
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-
-[Illustration]
-
-~EX LIBRIS~
-
-Benzigers Naturwissenschaftliche Bibliothek.
-
-Schon lange suchen _glaubenslose Vertreter der modernen
-Naturwissenschaft_ die glänzenden Erfolge, die in der Erkenntnis der
-materiellen Welt errungen worden sind, zu verwerten, um geistige
-Strömungen zu erregen und Ideen zu verbreiten, die das Christentum
-unterwühlen sollen. Sogar scheinbar ganz harmlose Gegenstände müssen
-oft Gelegenheit bieten zu Ausfällen gegen Christentum und Kirche.
-
-_Dieser Tatsache gegenüber steht der gläubige Gebildete vielfach
-ratlos da._ Er weiß zwar, daß ein wirklicher Widerspruch zwischen der
-Naturwissenschaft und der geoffenbarten christlichen Wahrheit unmöglich
-ist und daß die großen christlichen Gelehrten für die Harmonie
-zwischen Glaube und Wissen stets eingetreten sind. Will er aber über
-diese Fragen sich näher orientieren und sich ein eigenes Urteil
-bilden, so ist er auf gelehrte, meist sehr umfangreiche Spezialwerke
-angewiesen. Das Studium solcher Werke jedoch setzt wiederum besondere
-wissenschaftliche Vorstudien und großen Zeitaufwand voraus --
-Bedingungen, die den wenigsten Nichtfachleuten zusagen können.
-
-Da möchte nun das vorliegende Unternehmen nach Kräften Abhilfe
-schaffen. Eine Reihe kompetenter Fachmänner hat demselben in
-dankenswerter Weise ihre Mitwirkung zugesichert. In zwangloser Folge
-soll eine gewählte Sammlung handlicher Bändchen erscheinen, die in
-gedrängter, knapper und doch erschöpfender Fassung (je 120-200 Seiten
-in kl. 8^o) naturwissenschaftliche Fragen sowohl grundsätzlicher
-als auch rein wissenschaftlicher Natur behandeln. Bei den Fragen
-grundsätzlicher Natur wird es stets die Hauptaufgabe dieser
-Abhandlungen sein, _das volle Beweismaterial für die christliche
-Naturanschauung in klarer, überzeugender Gestaltung dem Leser
-beizubringen_. Die Darstellung soll so gehalten sein, daß jeder
-Gebildete ihr leicht zu folgen vermag. Den Text wird eine ausgiebige
-zweckdienliche Illustration begleiten.
-
-Mitarbeiter und Verlagshandlung hoffen angesichts dieses Programms,
-für das Unternehmen auf die wohlwollende Aufnahme und allseitige
-Unterstützung jener Kreise zählen zu dürfen, für welche dasselbe
-geschaffen wurde.
-
- $Die Verlagshandlung.$
-
-[Illustration]
-
-
-Benzigers Naturwissenschaftliche Bibliothek.
-
-
-
-
- Die Uhren.
-
- Ein Abriß der Geschichte der Zeitmessung.
-
- Von
-
- ~P.~ Fintan Kindler, ~O. S. B.~
-
- Mit 65 Illustrationen.
-
- [Illustration]
-
- _Verlagsanstalt Benziger_ & Co. A. G.
- Einsiedeln -- Waldshut -- Köln a/Rh.
-
- New York, Cincinnati, Chicago, bei Benziger Brothers.
-
- 1905.
-
-
-
-
-Vorwort.
-
-
-Die folgenden Ausführungen erheben keinen Anspruch darauf, eine
-vollständige Geschichte der Uhren zu liefern, eine solche würde
-viele Bände füllen; es sollen vielmehr nur die Hauptmomente in der
-Entwicklung der Zeitmessung kurz angedeutet werden. Ebensowenig will
-das Büchlein etwa „eine Lücke ausfüllen, einem dringenden Bedürfnis
-abhelfen,” denn es gibt zahlreiche Werke, die unsern Gegenstand
-behandeln. Sie sind aber meist sehr umfangreich, und infolge dessen
-teuer, aus beiden Gründen also nicht für jedermann. Und doch sind
-es gerade die Uhren, welche von jeher mit Recht das Interesse des
-gebildeten Menschen erregt haben, denn auf wenige Gegenstände des
-täglichen Gebrauches ist so viel Scharfsinn, Fleiß und Mühe verwendet
-worden, als auf unsere Zeitmesser. Dieses Interesse hat auch bis heute
-nicht ab- sondern eher zugenommen, weil die modernen Verkehrs- und
-Erwerbsverhältnisse den Menschen immer mehr von einem richtigen Zeitmaß
-abhängig machen, ohne daß wir uns für gewöhnlich dessen bewußt wären.
-Klar wird uns diese Abhängigkeit meist nur im unangenehmen Falle des
-„zu spät” kommens. Auch ist es immer anregend, den Werdegang einer
-Kunst, und um eine solche handelt es sich hier, zu verfolgen und sich
-ein klares Bild zu machen vom Streben früherer Zeiten, wie von den
-Erfolgen der Gegenwart. Aus diesen und ähnlichen Erwägungen ist das
-vorliegende Schriftchen hervorgegangen.
-
-Die Verlagshandlung hat keine Kosten gescheut, das Büchlein möglichst
-reich auszustatten, wofür derselben hier besonders gedankt sei.
-
- Stift Einsiedeln, i. d. Schweiz.
-
- $Der Verfasser.$
-
-
-
-
-Inhaltsübersicht.
-
-
- ~I.~ Die Zeitmesser der alten Völker.
-
- ~II.~ Uhren und Zeitmessung bis zum 12. Jahrhundert.
-
- ~III.~ Anfänge und Entwicklung der Räder- und Gewichtuhren.
-
- ~IV.~ Die Pendeluhr. Erfindungsgeschichte derselben.
-
- ~V.~ Weitere Entwicklung der Uhren im 18. und 19. Jahrhundert.
-
- 1. Die Pendeluhren im allgemeinen.
-
- 2. Die Kompensation.
-
- 3. Die elektrischen Uhren.
-
- 4. Fortschritte in der Herstellung von Taschenuhren.
-
- 5. Die Chronometer.
-
- 6. Leistung, Nutzen, Auswahl und Behandlung einer Uhr.
-
- ~VI.~ Die fabrikmäßige Herstellung der Uhren.
-
- 1. Die Uhrenindustrie in der Schweiz.
-
- 2. Die Schwarzwälder Uhr.
-
- 3. Die Uhrenindustrie in den übrigen Ländern.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Illustrationsverzeichnis.
-
-
- Seite
-
- Fig. 1. Antike Sonnenuhr 6
-
- „ 2. Wasseruhr von ~P.~ Athanas Kircher 14
-
- „ 3. Sanduhr aus dem 16. Jahrhundert 15
-
- „ 4. Oeluhr 20
-
- „ 5. Aelteste Hemmung (Waagunruhe) 28
-
- „ 6. Waageuhr 30
-
- „ 7. Alte Räderuhr 31
-
- „ 8. Uhr von Dover Castle aus dem Jahr 1348 35
-
- „ 9. Uhr von Lyon 38
-
- „ 10. Uhr von 1392. Germanisches Museum Nürnberg 41
-
- „ 11. Uhrmacherwerkstätte im 16. Jahrhundert nach Stradanus 45
-
- „ 12. Zeitglockenturm in Bern 48
-
- „ 13. Kalenderzifferblatt der Uhr am Zeitglockenturm in Bern 49
-
- „ 14. Automatengruppe der Uhr am Zeitglockenturm in Bern 50
-
- „ 15. Zifferblatt der Uhr in Solothurn 53
-
- „ 16. Straßburgeruhr 57
-
- „ 17. Federhaus, Schnecke und Kette 71
-
- „ 18. Alte Tischuhr von 1504 72
-
- „ 19. Inneres derselben 73
-
- „ 20. Taschenuhr aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts 78
-
- „ 21. Zylindrische Taschenuhr aus der Zeit Peter Henleins 79
-
- „ 22. Französische Taschenuhren aus der Zeit der Valois 80
-
- „ 23. Totenkopfuhr 81
-
- „ 24. Jost Bürgi 86
-
- „ 25. Galilei 89
-
- „ 26. Pendeluhr Galileis 92
-
- „ 27. Galileische Hemmung 93
-
- „ 28. Christiaan Huygens 96
-
- „ 29. Pendeluhr von Huygens 102
-
- „ 30. Pendelaufhängung 105
-
- „ 31. Aeußeres einer Huygensʼschen Uhr 105
-
- „ 32. Entstehung einer Cykloide 110
-
- „ 33. Halbcykloide 111
-
- „ 34. Hemmung von Clement 115
-
- „ 35. Graham 116
-
- „ 36. Graham-Anker 117
-
- „ 37. Stiftehemmung 118
-
- „ 38. Mannhardtʼsche Uhr 119
-
- „ 39. Riesterʼs Hemmung, Vorderansicht 123
-
- „ 40. „ „ Seitenansicht 124
-
- „ 41. „ Astronomische Uhr unter Glas 126
-
- „ 42. Rostpendel 127
-
- „ 43. Quecksilberpendel 129
-
- „ 44. Nickelstahlpendel 130
-
- „ 45. Einfachste elektrische Uhr 132
-
- „ 46. Schematische Kontaktvorrichtung 133
-
- „ 47. Vorderansicht einer Uhr von Hipp 134
-
- „ 48. Seitenansicht „ „ „ „ 135
-
- „ 49. Kontaktvorrichtung von Hipp 136
-
- „ 50. }
- } System Magneta 137 u. 138
- „ 51. }
-
- „ 52. Pneumatische Uhr 140
-
- „ 53. ~a.~ ~b.~ Zwei Taschenuhren mit Automaten 141 u. 142
-
- „ 54. Ringuhr ~c.~ 1780 143
-
- „ 55. Kleine Uhr von 1680 143
-
- „ 56. Uhr von Beaumarchais und Genferuhr 143
-
- „ 57. Zylinderhemmung, vergrößert 146
-
- „ 58. Wirkungsweise der Zylinderhemmung 146
-
- „ 59. Schweizer Ankerhemmung 147
-
- „ 60. Kompensationsunruhe 148
-
- „ 61. Chronometer 155
-
- „ 62. Chronometerhemmung 156
-
- „ 63. La Chaux-de-Fonds 166
-
- „ 64. Breguet 168
-
- „ 65. Aelteste Holzräderuhr von 1613 175
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-~I.~
-
-Die Zeitmesser der alten Völker.
-
-
-Die Worte der Genesis: „Es wurde Abend und es wurde Morgen, ein Tag”,
-geben uns einen Fingerzeig über das zuerst angewandte Zeitmaß: den
-scheinbaren Umlauf der Sonne. Nach ihrem Auf- und Untergang berechnete
-der Mensch die Tage, ohne jedoch damit vorläufig ein eigentliches,
-genaues Zeitmaß zu haben. Mond und Sterne wurden ebenfalls schon in den
-ersten Zeiten beobachtet, um auf das „Wie spät ist es?” eine Antwort
-geben zu können. Der Wechsel des Mondes führte allmählich zum Begriff
-„Monat”; Sommer und Winter mit je sechs solchen Wechseln bildeten das
-Jahr.
-
-Die fortschreitende Kultur verlangte aber bald eine genauere Messung;
-diese finden wir im Begriff „Mittag”. Sein Ursprung ist wohl bei den
-Chaldäern, Babyloniern und Aegyptern zu suchen; die westlichen Völker,
-so z. B. die Römer, überkamen ihn erst ziemlich spät von den Griechen.
-Ein öffentlicher Diener der Konsuln mußte diesen Mittag ausrufen,
-sobald er von der Kurie aus die Sonne zwischen den Rostren und dem
-Gesandtenpalast stehen sah. In den zwölf Tafeln findet sich auch zuerst
-die Bezeichnung „~ante meridiem~” vormittags; man brauchte aber bei
-den Römern mit Vorliebe, wie aus vielen Stellen der antiken Texte
-hervorgeht, den Ausdruck „~hora sexta~” (sechste Stunde).[1]
-
-Uebrigens mochte schon von Anfang an der Magen die Stelle einer ersten
-Tageseinteilung vertreten, wie denn auch nach Aulus Gellius[2] Plautus
-in einer verloren gegangenen Komödie einen Schmarotzer sagen läßt:
-„Daß die Götter den verdammen, der zuerst die Stunden erfand und
-deshalb diese erste Sonnenuhr setzte, die mir Armen stückweise den Tag
-verkürzt. Als Knabe war der Bauch meine Sonnenuhr, unter allen die
-beste und richtigste. Ueberall mahnte diese zum Essen, außer wo nichts
-zu essen war; jetzt aber wird auch was da ist, nicht gegessen, wenn es
-der Sonne nicht gefällt” u. s. w. -- Das Kriegswesen der Römer brachte
-bald auch die Einteilung der Nacht in sog. Vigilien, vier an der
-Zahl[3].
-
-Als weiteres Mittel der Zeitbestimmung diente auch schon früher der
-Haushahn. Die Römer führten ihn mit sich auf ihren Kriegszügen,
-daher war er dem Mars geweiht. Weil er zweimal kräht, das erstemal
-um Mitternacht, dann vor Tagesanbruch, so ließ sich mit dieser Uhr
-allenfalls auskommen, so lange keine große Genauigkeit erforderlich
-war, wie ja auch jetzt noch der Hahn bei den Landleuten vielfach
-als Wecker dient. Uebrigens blieb dieses streitbare Tier noch
-lange Begleiter der Heere; so führten in der ersten Hälfte des 15.
-Jahrhunderts die Burgunder bei der Belagerung von Calais unter Philipp
-dem Guten viele Hähne mit sich, damit sie ihnen die Mitternacht und den
-Beginn der Dämmerung anzeigten. Zum gleichen Zwecke nahmen auch die
-Seefahrer Hähne mit sich[4].
-
-Viel leichter aber und genauer läßt sich irgend eine Tageszeit aus
-der Länge des Schattens, d. h. aus der Sonnenhöhe bestimmen. So finden
-wir auch tatsächlich in den ältesten Nachrichten neben den später zu
-erwähnenden Wasseruhren Sonnenuhren genannt. Sonnen- und Wasseruhren
-sind also die ältesten Zeitmesser.
-
-Die Erfindung der Sonnenuhr liegt vollständig im Dunkeln; vielleicht
-benutzten die Aegypter die Obelisken als Sonnenzeiger, vielleicht
-ist sie babylonischen Ursprungs. Gewöhnlich wird als ihr Erfinder
-der Chaldäer Berosus (ca. 600 v. Chr.) genannt,[5] der seine Heimat
-verlassend, auf der Insel Kos, gegenüber Milet, eine Schule errichtete
-und so die Kenntnis der Sonnenuhr den Griechen vermittelt hätte.[6]
-
-Ursprünglich diente ein Stab oder eine Säule als Sonnenzeiger
-(Gnomon), auch der menschliche Körper wurde dazu benützt. Eine der
-ältesten Sonnenuhren, die erwähnt wird, ist jene des Königs Achaz
-(4. Könige 20, 9-11; Is. 38, 8.), welche für den Gebrauch des
-Hofes bestimmt war; nach und nach kamen auch auf die öffentlichen
-Plätze der Städte Sonnenuhren. Von derartigen Uhren haben uns die
-alten Schriftsteller viele Nachrichten überliefert. So läßt z. B.
-Aristophanes in den „~Ecclesiazusen~” die Praxagora, eine Schwärmerin
-für Frauenemanzipation, ihrem Manne auf die Frage, wer denn unter dem
-neuen Regiment das Feld bestellen müsse, antworten: „Die Sklaven. Du
-aber hast nichts zu besorgen, als gebadet und gesalbt zum Essen zu
-kommen, wenn das Stoicheion (der Schattenzeiger) 10 Fuß mißt.” Der
-Erklärer sagt dazu, daß man damals die Tageszeit, zu der man sich zum
-Essen bestellte, durch die Länge des Schattens angab. Ebenso hat uns
-Athenäus ein Fragment des Menander aufbewahrt, worin ein Schmarotzer
-geschildert wird, dem das Ungeschick widerfährt, morgens beim Aufstehen
-den hellen Mondschein für die Nachmittagssonne anzusehen; eiligst mißt
-er den Schatten, und da er ihn länger als 12 Fuß findet, so läuft er
-aus Leibeskräften, um -- bei Tagesanbruch an dem Orte anzukommen,
-wohin er auf den Abend geladen ist. -- Der Komiker Eubulos (~Athen.
-I, 8.~) läßt den Philokrates den Schatten, statt vor Sonnenuntergang,
-nach Sonnenaufgang messen; dieser mißt 22 Fuß. Er ist aber auf 20 Fuß
-zum Mahle bestellt, und entschuldigt sich mit Geschäften, die ihn
-zurückgehalten hätten.[7]
-
-Der Schatten wurde ursprünglich durch Abschreiten, Fuß vor Fuß,
-gemessen, nachdem man sich vorher genau die Stelle merkte, wo der
-Schatten des Kopfes war. Salmasius bemerkt hiezu, daß die Ungleichheit
-des Schattens bei verschiedener Körperlänge sich durch das Fußmaß zum
-guten Teile wieder ausgleiche, indem ein konstantes Verhältnis bestehe
-zwischen der Körperlänge eines Menschen und seiner Fußlänge. Diese
-Meßmethode findet sich sogar bis ins Mittelalter hinein, so z. B.
-in der Gnomonik von Schoner, einem im 16. Jahrhundert erschienenen
-Werke über Sonnenuhren. Später verzeichnete man die Grenzen des
-Schattens auf dem Boden vor dem Sonnenzeiger, wie dies der Fall war
-bei dem Obelisken, den Augustus auf dem Marsfelde errichten ließ.
-Plinius berichtet hierüber:[8] „Den Obelisk auf dem Marsfelde hat der
-göttliche Augustus auf eine merkwürdige Art nutzbar gemacht: er dient
-nämlich als Zeiger der Länge des Sonnenschattens und also der Tag-
-und Nachtlängen. Er ließ nach Verhältnis der Höhe des Obeliskus einen
-Stein legen (nordwärts) von solcher Länge, daß ihm der Sonnenschatten
-am kürzesten Tage in der 6. Stunde (zu Mittag) gleich wurde. Auf diesem
-waren metallene Linien eingelegt, nach welchen man das Ab- und Zunehmen
-der Schattenlänge wahrnehmen konnte. Was dabei besonders merkwürdig
-ist und dem erfinderischen Genie des Mathematikers ~Facundus Novus~
-Ehre macht, ist dieses: Auf die Spitze (des Obelisken) setzt er eine
-vergoldete Kugel, weil sich der Schatten am Scheitel einer Kugel
-beisammen hält, während er, von einer Spitze geworfen, sich regellos
-zerstreut; der menschliche Kopf soll ihn, wie man sagt, auf diese Idee
-gebracht haben.”
-
-Aus dieser Stelle geht hervor, daß vor dem Obelisk eine Art Zifferblatt
-angebracht war, mit Ziffern aus Erz; daß ferner die Spitze desselben
-mit einer Kugel versehen war, welche den Schatten sammelte, d. h.
-genauer abgrenzte als die Spitze, und daß endlich diese Messung des
-Schattens analog war jener, bei welcher als Endpunkt der Kopf des
-Menschen genommen wurde. -- Selbstverständlich gibt aber ein und
-derselbe Schattenzeiger zu verschiedenen Jahreszeiten auch verschiedene
-Schattenlängen; man mußte also den Zeiger öfters auswechseln,
-wenigstens zweimal im Jahre. Leicht ließ sich auch für einen
-bestimmten Sonnenzeiger der Schatten ein für allemal feststellen durch
-Kreise, die man konzentrisch zum Gnomon zog, wodurch das Abschreiten
-wegfiel. Aber auch so war die Zeitbestimmung noch eine sehr rohe,
-und es trat an Mechaniker und Mathematiker die schwierige Aufgabe
-heran, eine Sonnenuhr zu konstruieren, welche den zu verschiedenen
-Zeiten ungleichen Bogen der Sonne in gleiche Teile teilte und so den
-Schattenweg zu einem getreuen Abbild des Sonnenweges machte. Bald
-wurden auch Schattentabellen für alle Monate des Jahres angefertigt,
-woraus man jederzeit eine beliebige Tagesstunde aus der Länge des
-Schattens berechnen konnte.
-
-Ohne hier auf Einzelheiten in der Konstruktion näher einzugehen, sei
-nur noch bemerkt, daß Sonnenuhren in Form hohler Halbkugeln im Altertum
-sehr verbreitet waren. Vitruv (~l. IX c. 8~) bezeichnet eine solche Uhr
-als „halbe Hohlkugel viereckig und in einem der Polhöhe entsprechenden
-Winkel geschnitten.” Es möge hier die Abbildung (Fig. 1) einer antiken
-Sonnenuhr folgen, mit der Beschreibung, wie Bilfinger sie gibt
-(~l. c.~ S. 25). „Man denke sich eine ausgehöhlte Halbkugel, genau
-wagrecht gestellt und mit der Höhlung dem Zenith zugewendet. Im Zentrum
-sei irgend ein kleiner schattenwerfender Gegenstand, etwa ein Kügelchen
-(oder wie gewöhnlich ein gegen die Mitte der Höhlung ragender Stift)
-angebracht. Sobald die Sonne am Horizont erscheint, wird sich auch am
-Horizont der hohlen Halbkugel, nur an der entgegengesetzten Seite der
-Schatten des Kügelchens zeigen und dieser wird dann bis zum Untergang
-der Sonne im Inneren der Hohlkugel genau denselben Kreis beschreiben,
-den die Sonne am Himmel macht, nur in umgekehrter Richtung. Bezeichnet
-man im Inneren des Hemicycliums den Weg des Schattens durch eine
-bleibende Linie und wiederholt dieses an beliebig vielen Tagen, so hat
-man ebenso viele Tageskurven für die zu entwerfende Uhr gewonnen. Man
-wird sich aber nach der Gewohnheit der Alten mit drei Schattenkurven,
-für das Aequinoktium, für den längsten und den kürzesten Tag, begnügen
-und darf dann nur noch jede dieser Kurven in zwölf gleiche Teile
-teilen, die Schnittpunkte durch Stundenlinien miteinander verbinden,
-und im Prinzip ist die Uhr fertig.”
-
-[Illustration: Fig. 1.]
-
-Die hier abgebildete Sonnenuhr stammt aus der „~casa dei capitelli
-figurati~” und wurde von Avellino (~Descrizione di una casa Pompeiana.
-Napoli 1837~) veröffentlicht. Die Ziffern und Zeichen des Tierkreises
-sind nur des bessern Verständnisses halber beigefügt, fehlen also im
-Original, indem die Alten die Stunden wahrscheinlich abzählten, statt
-sie abzulesen; nur die Mittagslinie wurde besonders hervorgehoben.
-Außer dieser Art Uhren kannten die Alten noch viele andere. Bald
-konstruierte man auch tragbare Sonnenuhren, die man aufhing, vielleicht
-am Halse, wie später die mechanischen Taschenuhren. Darauf scheint
-auch eine Stelle bei Athenäus hinzudeuten, wo von einem Geizhals,
-der einen Oelkrug trägt, gesagt wird: „Er sah so oft nach seinem
-Oel, daß man glauben konnte, er trage eine Uhr.” Es bezeichnet diese
-Verallgemeinerung der Uhren einen großen Fortschritt; denn die
-Sonnenuhren waren nicht bloß kostbare Instrumente, sondern mußten
-natürlich für gewöhnlich auf freien Plätzen aufgestellt sein; es war
-somit bei der eigentümlichen Bauart der Alten oft sehr umständlich, zu
-wissen, wieviel Uhr es sei. Reiche Leute hielten sich einen eigenen
-Sklaven, welcher ihnen die Zeit anzuzeigen hatte; oft bezahlten auch
-mehrere miteinander einen Stundenherold zum gleichen Zweck. Ganz reiche
-Männer erlaubten sich den Luxus einer kostbaren Uhr in ihrer Wohnung,
-wie z. B. Petronius von Trimalchio, einem zu großem Reichtum gelangten
-ehemaligen Sklaven berichtet, er habe seinen staunenden Gästen eine
-solche Uhr vorweisen können.[9]
-
-Als Erbteil der Alten erhielten sich die Sonnenuhren bis weit in
-die neuere Zeit herein. Im Mittelalter und später wurde die Theorie
-derselben vielfach ausgebildet und vervollkommnet. Die bedeutendsten
-Mathematiker und Astronomen beschäftigten sich mit Gnomonik, der Lehre
-von den Sonnenuhren. Hier mögen bloß die Namen Purbach, Regiomontan,
-Stabius und besonders Sebastian Münster (1489-1552) genannt sein, von
-denen der letztere allein drei Werke hierüber verfaßte, weshalb er oft
-der Vater der Gnomonik heißt.
-
-Einen Fehler aber haben die Sonnenuhren bei aller Vollkommenheit, der
-sich auch gar nicht beseitigen läßt: sie zeigen bei trübem Wetter und
-bei Nacht nicht. Es lag nun wohl der Gedanke nahe, beim Anblick z. B.
-von langsam ausrinnendem Wasser, diese scheinbare Gleichmäßigkeit als
-Zeitmesser zu benützen, d. h. eine Wasseruhr zu konstruieren. Der
-klassische Name dieses Instrumentes „Klepshydra” ist vielleicht gerade
-von dem langsamen, gleichsam „verstohlenen” Ausfließen des Wassers
-hergenommen.
-
-Wer die Wasseruhren erfunden, läßt sich nicht sagen. Sicher ist, daß
-die Chaldäer solche verwendeten; Macrobius berichtet nämlich von ihnen,
-daß sie ein bestimmtes Quantum Wasser in zwölf Teilen teilten, so
-daß jeder Teil während der Zeit ablaufen sollte, während welcher ein
-Zeichen des Tierkreises durch den Meridian ging. Aus vielen Gründen
-konnte aber diese Art der Zeitmessung bei den Alten nicht genau
-sein, denn abgesehen von der stets ändernden Druckhöhe und folglich
-veränderlichen Ausflußmenge, war die eigentümliche Stundeneinteilung
-ein großes Hindernis der Genauigkeit. Die Alten teilten bekanntlich
-den Tag und die Nacht das ganze Jahr hindurch in zwölf gleiche
-Teile, so daß die Dauer der Stunden beständig wechselte. Genannter
-Uebelstand wurde jedoch bald überwunden und die Wasseruhren kamen
-rasch zu ziemlicher Vollkommenheit. Bilfinger (~l. c.~ S. 8) ist
-der Ansicht, daß die bekannte Klepshydra der attischen Gerichtssäle
-nicht ein eigentlicher Zeitmesser im heutigen Sinn gewesen, sondern
-nur zur rohen Abmessung der zum Sprechen eingeräumten Zeit überhaupt
-gedient habe. Sie bestand aus einem größeren, auf einem Dreifuß
-stehenden Gefäß, welches durch eine enge Oeffnung das eingefüllte
-Wasser in einen darunter stehenden Behälter abgab. Aus verschiedenen
-Notizen geht hervor, daß Versuche angestellt wurden, wie viele
-solcher Wassermaße in einem Lichttag Raum fanden, und daß man, weil
-der kürzeste Tag als Norm angewendet wurde, nie in die Nacht hinein
-kam. Deshalb werden die Wasseruhren in einem Tacitus zugeschriebenen
-Werke mit Recht Zügel der Beredsamkeit genannt. Die eigentümlichen
-Ausdrücke, die sich auf Wasseruhren beziehen, sind dem Leser der
-alten Klassiker geläufig. So z. B. bei ~Aeschines~: „erstes, zweites
-etc. Wasser” ebenso „~clepshydras clepshydris addere~,” wenn der
-Richter in außerordentlichen Fällen doppelte Zeit bewilligte, oder
-„~aquam sustinere~,” das Wasser aufhalten, beim Verlesen von Urkunden,
-Zeugenverhör u. s. w., bis der Redner wieder weiterfahren konnte. „~Hic
-hæret aqua~,” „~aqua mihi hæret~,” sagte man, wenn etwa durch ein
-Fäserchen, was leicht vorkam, die Ausflußöffnung verstopft war. ~Aquam
-perdere~, hieß „in den Tag hinein reden.”
-
-Auch die Aegypter benützten schon Wasseruhren, wie z. B. die Sage
-vom Kynoskephalos (Hundskopf), von der Horapollo berichtet, beweist.
-Nach ihr hätte dieses Tier täglich zwölfmal sein Wasser lassen müssen
-und dabei geschrieen; daher stamme die Zwölfteilung. Deshalb wurde
-auch häufig auf die Wasseruhren dieser Kynoskephalos gesetzt. Sie
-gebrauchten die Wasseruhr auch zu astronomischen Zwecken; Ptolemäus
-tadelt zwar in seinem Almagest die Ungenauigkeit dieser Instrumente,
-indes sind doch die von den Aegyptern erzielten Resultate erstaunlich
-genau. Sie berechneten aus der Zeit, während welcher die Sonne
-ganz über den Horizont heraufsteigt, bezw. durch Vergleichung des
-Wasserquantums, das hiebei ausfloß, mit dem den ganzen Tag über
-ausfließenden, den Durchmesser der Sonne zu 28 und zirka 31 Minuten für
-Sonnennähe und Sonnenferne; neuere Messungen ergaben hiefür 31 bezw. 32
-Minuten![10]
-
-Die Babylonier benützten schon 600 v. Chr. Wasseruhren, welche bei
-Sonnenaufgang gefüllt wurden; sobald sie leer waren, wurde dies durch
-Herolde in der Stadt bekannt gemacht, was täglich mehrere Male
-geschah. So konnte also jeder seine Uhr leicht selbst richten.
-
-Plato (427-347 v. Chr.)[11] soll ebenfalls eine Wasseruhr verwendet
-haben und zwar als Wecker, so daß fälschlich dieser Gelehrte hie und
-da als deren Erfinder genannt wird. Vitruv gibt im 9. Buch seiner
-Architektur weitläufigere Nachrichten über die Wasseruhren und deren
-Konstruktion. Nach ihm wäre der Sohn eines Barbiers, Ktesibius aus
-Alexandrien (geb. ca. 150, oder nach anderer Angabe 247 v. Chr.),
-ein mechanisches Genie des Altertums, der Erfinder dieser Uhren. Wie
-bekannt, wird diesem gleichen Mann auch die Erfindung der Feuerspritze,
-d. h. der Druckpumpe und der Wasserorgel zugeschrieben.[12]
-
-Die von Vitruv gegebene Beschreibung ist so kompliziert, daß die
-Uhr des Ktesibius jedenfalls nicht als erste derartige Vorrichtung
-angesehen werden kann. Sie zeigte nicht bloß die Tagesstunden, sondern
-auch den Monatstag, den Monat und sogar den Stand der Sonne im
-Tierkreis. Auch war sie mit einem Räderwerk versehen, und wenn nicht
-schon Aristoteles (384-322) Räderwerke erwähnte, könnte man Ktesibius
-für deren Erfinder halten.
-
-Um dem Leser jedoch wenigstens einen Begriff von den Wasseruhren der
-Alten zu geben, lassen wir hier die Beschreibung Vitruvs folgen.[13]
-„Zuerst stellte Ktesibius eine Mündung her (im oberen Wassergefäß),
-indem er sie entweder in einem Stück Gold ausarbeitete, oder mit einem
-durchbohrten Edelstein versah, denn diese beiden Körper werden weder
-von dem Hindurchfließen des Wassers angegriffen, noch bildet sich an
-ihnen Unreinigkeit, welche das Mündungsloch verstopfen könnte. Indem
-nun das Wasser ganz gleichmäßig durch diese Mündung hindurchfließt,
-hebt es ein umgestürztes Becken, das von den Technikern „der Kork” oder
-„die Scheibe” genannt wird, auf welchem ein Stab angebracht ist, der
-mit gleichen Zähnchen besetzt ist, wie die damit in Verbindung stehende
-Drehscheibe (Rad), welche Zähne, ineinandergreifend, eine langsame,
-regelmäßige Drehung und Bewegung verursachen.[14] Andere damit in
-Verbindung stehende und in derselben Weise gezähnte Drehscheiben, die
-alle durch ein und dieselbe bewegende Kraft getrieben werden, bewirken
-durch ihre Drehung die verschiedenen Bewegungen, nach welchen Figuren
-sich bewegen, Kegelsäulen sich drehen, Kügelchen oder Eier fallen
-(Schlagwerk!), Blasinstrumente ertönen und andere Nebendinge mehr. Bei
-diesen Uhrwerken sind die Stunden entweder auf einer Säule oder einem
-Pfeiler verzeichnet und eine von unten heraufsteigende menschliche
-Figur zeigt den ganzen Tag über mit einem Stäbchen auf diese hin.”
-
-Weil aber, wie schon bemerkt, die Tages- und Nachtstunden bei den Alten
-nicht das ganze Jahr hindurch gleich blieben (Aequinoktialstunden),
-sondern beständig wechselten, so mußte natürlich auch die Regulierung
-des Wassers veränderlich sein, ebenso das Zifferblatt. Ersteres
-wurde nach Vitruv erzielt durch einen massiven Kegel, der in den mit
-Wasser gefüllten Hohlkegel genau paßte und durch einen Regulierstab
-höher oder tiefer gestellt werden konnte, wodurch die Oeffnung des
-Hohlkegels mehr oder weniger frei wurde. Das Zifferblatt war entweder
-auswechselbar oder es wurde theoretisch für das ganze Jahr konstruiert,
-indem man die Stunden des längsten und kürzesten Tages auf der Säule
-in zwei vertikalen Linien anbrachte und durch zur Basis der Säule
-etwas schräglaufende horizontale Linien mit einander verband. Der
-Zwischenraum wurde wieder durch die Monatslinien in vertikaler Richtung
-geteilt. So entstand eine Art Netz, wie bei den Sonnenuhren; durch
-Einstellen der Stundensäule auf die richtige Zeit ließ sich dann auch
-eine beliebige Tagesstunde ordentlich genau ablesen.[15]
-
-Auch andere Uhren werden von Vitruv angeführt, sie sind jedoch, bei der
-dunkeln Ausdrucksweise dieses Schriftstellers, schwierig zu erklären.
-So z. B. das ~„horologium anaphoricum,”~ die Aufzuguhr, mit Gewichten,
-welche sich aber doch wesentlich von unsern heutigen Räder- und
-Gewichtuhren unterscheidet.
-
-Von alten indischen Wasseruhren berichtet Schlagintweit (Münchener
-Sitzungsberichte 1871. 2. S. 128-38). Sie bestehen aus metallenen
-hohlen Halbkugeln, die unten mit einer feinen Oeffnung versehen
-sind. Auf Wasser geworfen, füllen sie sich langsam und werden, wenn
-sie untersinken wollen, geleert und neu aufgesetzt. Ein aus Benares
-mitgebrachtes Exemplar brauchte bei einem Radius von 7 ~cm~ und 6 ~cm~
-Höhe etwas über eine Stunde, bis es untersank. Die Zeit vom Auflegen
-bis zum Untersinken der Kugel nannte man Najika; dieselbe hatte wieder
-ihre Unterabteilungen.
-
-Ob die Alten ihre Wasseruhren regelmäßig, auch nachts benützten,
-erscheint zweifelhaft, denn einmal finden wir z. B. bei Vitruv nie die
-Bezeichnung Nachtuhr, sondern nur: ~„horologium hibernum,”~ d. h. eine
-Uhr, welche die Stunden auch bei trübem Wetter angibt; ferner zeigten
-diese Uhren bloß zwölf Stunden, und endlich war es im Altertum wohl
-nicht leicht, sich zu jeder Stunde der Nacht Licht zu verschaffen. Bei
-Sternenhimmel, und das ist in der Heimat der alten Völker doch die
-Regel, konnte man viel bequemer das schon von Hipparch (ca. 160-125 v.
-Chr.) erfundene ~Astrolabium~ verwenden, welches aus der Höhe eines
-Gestirns in jedem Augenblick die Zeit anzugeben gestattet.[16] Eine
-Menge Wasseruhren der verschiedensten Konstruktionen, zum Teil mit
-Abbildungen, finden sich in C. Schott ~S. J.~, ~Hidraulica pneumatica~.
-Würzbg. 1658.
-
-[Illustration: Fig. 2.]
-
-An der Vervollkommnung der Wasseruhren wurde bis ins Mittelalter
-hinein, ja selbst bis in die neueste Zeit emsig gearbeitet. Es seien
-hier nur genannt Hero, der Schüler des Ktesibios, der auch eine Art
-Dampfmaschine erstellte; der Philosoph Boëthius; Galilei; der Abbé
-Varignon (1654-1722); der schweizerische Gelehrte Johann Bernoulli und
-dessen Sohn Daniel, der 1725 den Preis der Pariser Akademie im Betrag
-von 2000 Franken gewann; die Aufgabe hatte gelautet: ~La perfection
-des Clepsydres ou des sabliers sur mer.~[17] Auch der berühmte ~P.~
-Athanasius Kircher (1601-1680) beschäftigte sich mit der Konstruktion
-von allerlei Wasseruhren; er verfertigte für Kaiser Ferdinand ~III.~
-eine solche mit dem kaiserlichen Doppeladler (Fig. 2). Die Abbildung
-ist wohl ohne weitere Erklärung verständlich; der Schwimmer zeigt die
-Stunden; durch eine über die Rolle ~a~ (~II~) gehende Schnur wird
-ein weiterer Stundenzeiger bewegt. (Vergl. Kircher: ~Musæum Collegii
-Romani. Amstelodami~ 1680. ~p.~ 40).
-
-[Illustration: Fig. 3.]
-
-Außer den bisher behandelten Zeitmessern benützten die Alten auch noch
-die _Sanduhren_, deren sich schon Archimedes bedient haben soll. Eine
-Sanduhr besteht bekanntlich aus zwei in ein Gestell eingesetzten,
-gleichen konischen Gefäßen, welche mit ihren offenen Spitzen gegen
-einander gekehrt sind (Fig. 3). Ist z. B. das obere mit feinem Sande
-gefüllt, so fließt dieser in einer bestimmten Zeit in das untere ab.
-Durch Umdrehung der Vorrichtung kann das Spiel von neuem beginnen.
-Die älteste bekannte Abbildung einer solchen Uhr liefert ein antikes
-Basrelief, die Hochzeit des Peleus und der Thetis vorstellend; unter
-anderen Figuren sieht man auch Morpheus mit einer Sanduhr in der
-Linken.[18] Die Größe dieser Uhren wechselt von einem Fuß bis zu
-wenigen Zoll Höhe, ebenso die Zeit, welche sie zu messen gestatteten;
-gewöhnlich gingen sie ½ bis eine Stunde. Sie wurden zu jeder Zeit
-verwendet, im Mittelalter bei Turnieren, bei Schützenfesten etc.,
-selbst als die Räderuhren schon lange erfunden waren. Vielfach nahm
-man sie, ähnlich wie Messer und Pfriemen, auf Reisen mit. Eine solche
-Reisesanduhr, die von Erasmus herstammt, wird noch in Basel aufbewahrt;
-sie wurde in einem blechernen Futteral mitgeführt. In dem notariellen
-Verzeichnis der Ammerbachschen Sammlung von 1662 findet sich auch
-diese Uhr, mit dem sonderbaren Titel: „~Erasmi~ bleyern Sanduhrlein
-von Ebenholz in einem Futter.”[19] Zur Zeit Pascals (1623-1672) wurden
-Sanduhren auch in der Sorbonne gebraucht, um den Rednern die Zeit
-zuzumessen (~Lettres provinciales~, ~II~). Dieser Gebrauch erhielt sich
-vielerorts noch bis tief in unser Jahrhundert hinein auf Kanzeln, in
-Gerichtssälen, bei Auktionen u. s. w. Heute findet sich der Gebrauch
-der Sanduhren noch etwa in der Küche beim Eiersieden, oder im Atelier
-des Photographen. Auch beim sogenannten „Logen,” um die Geschwindigkeit
-eines Schiffes zu bestimmen, bedient man sich einer Sanduhr, die
-gewöhnlich 14 Sekunden läuft. Fig. 3 zeigt eine reich verzierte
-Sanduhr, französische Arbeit, aus dem 16. Jahrhundert.
-
-Die Genauigkeit der Sanduhr läßt aber noch viel zu wünschen übrig,[20]
-denn wie man sich leicht überzeugen kann, treten sehr oft Stauungen des
-Sandes auf, welche natürlich die Richtigkeit der Zeitmessung nachteilig
-beeinflussen.
-
-Noch im ausgehenden 16. Jahrhundert fanden die Uhrmacher es nicht für
-unnötig, auf den feinen Uhrsand hinzuweisen, wie der Spruch zeigt, den
-ein zeitgenössischer Versmacher unter den bekannten Holzschnitt von
-Jost Amman setzte:
-
- Ich mache die reysenden Vhr/[21]
- Gerecht vnd Glatt nach der Mensur/
- Von hellem glaß vnd kleim Vhrsant/
- Gut/daß sie haben langen bestandt/
- Mach auch darzu Hültzen Geheuß/
- Dareyn ich sie fleissig beschleuß/
- Ferb die gheuß Grün/Graw/rot vnn blaw
- Drinn man die Stund vnd vierteil hab.
-
-Viertelstunden konnte man auch an Sanduhren ablesen, wie noch erhaltene
-Exemplare zeigen; es waren in diesem Falle vier Stück aneinander
-gereihter Sanduhren. Die erste lief eine Viertelstunde, die zweite eine
-halbe, die dritte drei viertel, und die vierte eine ganze Stunde. Das
-Germanische Museum in Nürnberg besitzt eine solche Zusammenstellung.
-
-
-
-
-~II.~
-
-Uhren und Zeitmessung bis zum 12. Jahrhundert.
-
-
-Was Geist und Fleiß des klassischen Altertums geschaffen, ging in den
-Stürmen der Völkerwanderung zum großen Teil unter; die wenigen Keime,
-die noch geblieben, fanden eine neue Pflanzstätte in den Klöstern.
-Dorthin zog sich auf viele Jahrhunderte hinaus Kunst und Wissenschaft
-zurück, und von da aus verbreiteten sie sich wieder nach und nach in
-die Welt, um neue Triumphe zu feiern.
-
-Im vorigen Kapitel wurde darauf hingewiesen, wie die drei Zeitmesser
-der Alten vervollkommnet wurden bis in die neuere Zeit hinein, und zwar
-sind es während des ersten Jahrtausends fast ausschließlich Geistliche
-und Mönche, die sich damit beschäftigten. Wohl lebte man damals noch
-langsamer als jetzt und kannte die Hast des heutigen Erwerbslebens
-nicht, die Uhr aber diente gleichwohl als ein Regulator des
-menschlichen Lebens, „zum großen Nutzen des Menschengeistes erfunden,”
-wie Cassiodor († um 570) sagt.[22]
-
-Der hl. Benedikt dringt in seiner Regel oft darauf, daß alles zur
-bestimmten Zeit, ~„horis competentibus”~ geschehe (Vergl. ~S. Reg. c.~
-47). Zu den vorzüglichsten Pflichten der Mönche gehörte aber von jeher
-das gemeinschaftliche Psalmengebet, welches zu bestimmten Stunden des
-Tages und der Nacht verrichtet werden mußte. Natürlich benutzte man wo
-möglich zur Zeitbestimmung Sonnen- und Wasseruhren, wie auch der oben
-erwähnte Cassiodor (a. a. O.) seinen Mönchen sagt: „Wie Ihr wißt, habe
-ich Euch eine Sonnenuhr hergestellt; ebenso eine Wasseruhr, welche
-Tag und Nacht die Zeit bestimmt, denn oft ereignet es sich, daß an
-einzelnen Tagen der Sonnenschein fehlt; dann vollbringt auf wunderbare
-Weise das Wasser auf Erden, was sonst die feurige Kraft der Sonne am
-Himmel wechselnd vollendet.”
-
-Cassian († ca. 435) bezeugt, daß die alten Mönche die Sterne
-beobachteten, um aus ihrer Stellung die Zeit zu entnehmen. Es wird
-nämlich derjenige ermahnt, dem die Sorge seine Mitbrüder zu wecken
-oblag, dies nicht nach Gutdünken zu tun, nämlich wann er aufwache,
-je nachdem er gut oder schlecht geschlafen, sondern fleißig nach
-den Sternen zu sehen; wenn auch die Gewohnheit, zur bestimmten Zeit
-aufzustehen, ihn gewöhnlich wecke. In Frauenklöstern besorgte eine
-Nonne dieses Geschäft. Mabillon berichtet in den ~Acta SS. O. S. B.~
-von einer solchen, „daß sie aufstand und hinausging, um aus den Sternen
-zu sehen, ob es Zeit sei, das Zeichen zur Mette zu geben.”
-
-Oft wurden zwei Brüder als Wächter bestellt, die andern zu wecken.
-Diese nannte man ~„vigilgallos,”~ was also, nur in anderer Form, unsern
-Nachtwächtern entspricht, die besonders früher die Stunden ausriefen.
-Ihnen oblag auch die Aufsicht über die Wasseruhr, wo eine solche
-vorhanden war.
-
-In vielen Klöstern besorgte der Sakristan die Uhr. In den „Gebräuchen”
-von Hirschau (10. und 11. Jahrhundert) wird von ihm berichtet:[23] „Er
-besorgt und richtet die Uhr sorgfältig; weil es aber vorkommen kann,
-daß diese unrichtig geht (Wasseruhr), so soll er die Zeit abschätzen
-an der Kerze (~in cereo~) oder nach dem Lauf der Sterne oder des
-Mondes, damit er die Brüder zur bestimmten Zeit wecken könne. Es läute
-aber niemand mit der Schelle zur Mette, als nur er.” Fast genau mit
-denselben Worten wird das Amt des Sakristan geschildert in dem sog.
-~Ordo Cluniacensis~ (Cluny), von einem Mönch Bernard im 11. Jahrhundert
-verfaßt (Herrgott: ~Ordo Clun. c.~ 51).
-
-Erwähnt sei hier noch ein anderer interessanter Zeitmesser, die Oeluhr,
-welche Speckhart (Geschichte der Zeitmeßkunst, Bautzen, Verlag von E.
-Hübner, S. 175 u. ff.) folgendermaßen beschreibt: „Die Oeluhr besteht
-eigentlich nur aus einer Lampe, deren Glasbehälter unten eine kleine
-Abflußöffnung besitzt, durch die das Brennöl von einem Dochte angesaugt
-wird. Das Gestell der Lampe ist aus Zinn gearbeitet, ebenso die am
-Oelbehälter angebrachte Stunden-Skala. Letztere trägt die Stunden
-von abends ~VI~ bis morgens ~VIII~ Uhr. Die Stärke des Dochtes war
-so gewählt, daß das Oel in der Lampe von der Flamme in 14 Stunden
-aufgezehrt wurde. Füllte man abends ~VI~ Uhr den Oelbehälter bis zum
-obersten Teilstrich und brannte die Lampe an, so hatte man während der
-ganzen Nacht nicht nur Beleuchtung, sondern annähernd auch die Zeit,
-welche durch die Spiegelfläche des langsam sinkenden Oeles angezeigt
-wird.
-
-[Illustration: Fig. 4.]
-
-Der Oelbehälter bekam später die Form einer Birne, damit auch die
-einzelnen Stunden in möglichst gleicher Länge angezeigt wurden, weil
-der Druck des Oeles, wenn es aufgefüllt war, einen zu raschen Brand des
-Lichtes in einem ganz cylindrischen Glase erzeugte.” Unsere Abbildung
-Fig. 4 zeigt diesen eigenartigen Zeitmesser, der, wenn wir nicht irren,
-1900 in Paris ausgestellt war und der berühmten Junghansʼschen Sammlung
-in Schramberg angehört.
-
-Eine andere vielgebrauchte Methode, die Zeit zu messen, bestand in der
-Rezitation bekannter Gebete, die sich noch erhielt, als die Räderuhren
-schon lange im Gebrauch waren. Petrus Damiani († 1072) sagt, die Mönche
-möchten sich an eine bestimmte Methode des Psalmengebetes gewöhnen,
-wenn sie täglich wissen wollten, wie viel es an der Zeit sei. Wenn
-dann die Sonne nicht scheine oder die Sterne verdeckt seien durch
-Wolken, so hätte doch jeder eine Uhr, an der Art und Weise, wie er die
-Psalmen bete. In den Schriften der Mystiker treffen wir häufig auf
-ähnliche Zeitbestimmungen; es mögen hier nur einige Proben genannt
-werden. Die Nonne Adelheid Langman († 1375 im Kloster Engelthal bei
-Nürnberg) erzählt: „do sweig (er) und sprach ein wort niht, wohl als
-lang als daz man ein fünftzig Ave Maria gesprechen moht.” Oder: „etwan
-gestillet ich, als umb einen de profundis,” (war ich still, so lang
-als man ein de profundis beten mag). Mechthild von Magdeburg[24] (†
-1291) schreibt: „daß ich so lang gedenke daran, als daß man gesprechen
-mag Ave Maria”; „kum eines Ave Marien lang,” oder: „sie pruft es wol,
-daz diu stund als lang wert, als daz man rasch ein Ave Maria gesprech
-oder lanksam ein halbs,” u. s. w. Daraus ergibt sich, daß Uhren um
-diese Zeit entweder selten waren, oder daß man von der altgewohnten
-Weise, die Zeit zu messen, noch nicht abging. -- Wenn wir aber in
-Christian Wolfs (1679-1754) ~Elementa Pyrotechniæ~, ~Problem. XI~, bei
-einem Rezept für Anfertigung von Feuerwerkskörpern und als Prüfmittel
-derselben, die Angabe finden, die Probe solle nicht eher aufhören zu
-brennen, „bis schnell das Apostolische Glaubensbekenntnis gebetet ist,”
-so kann man sich kaum eines Lächelns erwehren beim Gedanken an die
-Mienen moderner Chemiker, denen bei einer analytischen Arbeit derartige
-Kriterien vorgeschlagen würden! -- Nach dieser kleinen Abschweifung
-kehren wir zurück zur Geschichte der Uhren in den Klöstern des früheren
-Mittelalters.
-
-Wo eine Wasseruhr vorhanden war, wandte man sie selbstverständlich an
-als die beste Zeitmessung. Hildemar (9. Jahrhundert) sagt in seiner
-Erklärung der Benediktinerregel: wer das nächtliche Psalmengebet
-vernünftig (~rationabiliter~) machen will, hat eine Wasseruhr nötig.
-
-In Ermanglung von Wasser- oder andern Uhren gebrauchte man auch den
-Haushahn als Wecker. Schon Chrysostomus beschreibt in seiner 59.
-Homilie an die Antiochener das Leben der Mönche seiner Zeit mit den
-Worten: nachdem der Hahn gekräht, kommt sofort der Obere und weckt
-alle, mit festem Tritte den gemeinsamen Schlafsaal durchwandernd; doch
-ohne allzuviel Lärm zu machen, wie der gleiche an einer andern Stelle
-sagt.
-
-Auch ein Brett, auf das geschlagen wurde, oder eine Schelle wurde als
-Weckvorrichtung gebraucht; eine kleine Glocke bezeichnet auch der
-Ausdruck ~„index,”~ den Martene also umschreibt (~Index. onomastic.
-t. IV~): ein Zeichen, durch welches die Brüder zum göttlichen Dienste
-gerufen wurden. Es ist also unrichtig, wenn übersetzt wird „Uhrzeiger,”
-wie Dufresne und Muratori tun.
-
-Papst Paul ~I.~ übersandte an Pipin eine Nachtuhr, von deren
-Beschaffenheit wir jedoch leider gar nichts Näheres wissen. Eine
-Seltenheit war das Geschenk zweifelsohne, wenn es auch nicht, wie man
-schon angenommen hat, eine Räderuhr war.
-
-Bekannt ist die Beschreibung der Uhr, welche Karl d. Gr. von dem
-Kalifen Harun Al-Raschid erhielt. Das ~Chronicon Turonense~ berichtet
-darüber: Im 7. Jahr der Regierung Kaiser Karls (807) schickte der
-König von Persien eine große Menge kostbarer Geschenke und eine Uhr,
-an welcher man die 12 Stunden ablesen konnte; es ertönte nämlich eine
-Cymbel und nach Verlauf der einzelnen Stunden traten nach und nach
-zwölf Reiter aus den Türen heraus; nach Ablauf der letzten Stunde zogen
-sich alle wieder zurück, indem sie die Türen schlossen. Diese Uhr hatte
-zwar Räder, da sich sonst der komplizierte Mechanismus nicht leicht
-erklären ließe, im übrigen war es eine Wasseruhr.
-
-Als Erfinder der Räderuhren wird vielfach der Archidiakon Pacificus von
-Verona († 846) genannt. Muratori führt seine Grabschrift an,[25] worin
-es heißt, daß niemand vorher je eine Nachtuhr gesehen, und daß er sie
-als Erster erfunden habe.
-
-Es scheint, um mit Muratori zu reden, seltsam, daß hier gesagt wird,
-man habe nie zuvor eine Nachtuhr gesehen, da doch, wie wir soeben
-gezeigt, Pipin eine solche erhielt, und Cassiodor gerade für nächtliche
-Zeitbestimmungen eine Wasseruhr verfertigt hatte. Vielleicht ist es
-nicht unrichtig, in dieser Inschrift eine Uebertreibung zu sehen, die
-also nicht so wörtlich zu nehmen wäre; eine Uhr konnte zu jener Zeit
-immerhin etwas so Seltenes sein, daß man sie verewigen wollte. Neu aber
-war die Erfindung kaum, und an eine Räderuhr zu denken, fehlen uns alle
-Anhaltspunkte. Wie der Ausdruck „Nachtuhr” zu erklären sei, ist schwer
-zu sagen, denn wenn z. B. irgend ein Ton oder Geräusch die Stunden
-angab, so geschah dies doch bei Tag und Nacht, warum also „_Nacht_uhr?”
-
-Räderwerke gab es in Verbindung mit Uhren schon frühe, sie dienten
-zum Betrieb der künstlichen Beigaben an den Uhren. Schon die Araber
-hatten solche. Gelcich (Geschichte der Uhrmacherkunst, S. 17 und 18)
-beschreibt eine derartige Uhr von Damaskus ausführlich.
-
-Vom 11. Jahrhundert an findet man bald diesem, bald jenem Gelehrten die
-Erfindung der Räderuhr zugeschrieben, ohne daß mit auch nur einiger
-Wahrscheinlichkeit auszumachen wäre, wem wir diesen so wichtigen
-Schritt in der Herstellung der Zeitmesser verdanken. Sicherlich
-kannten die Alten das Räderwerk und verwendeten es auch. Eine Räderuhr
-unterscheidet sich aber von der Wasseruhr nicht etwa bloß durch
-die Räder, auch nicht dadurch allein, daß ein Gewicht oder eine
-Feder Ursache der Bewegung sei, sondern vor allem durch die Hemmung
-(~échappement~). Verbinden wir mit einer durch Gewichte in Umlauf
-versetzten Welle Räder und Getriebe, so haben wir ein durch Gewichte
-bewegtes Räderwerk, das aber so schnell abläuft, daß es zur Zeitmessung
-untauglich wird. Kommt aber die Hemmung hinzu, d. h. eine Vorrichtung,
-welche den Gang des Räderwerkes mäßigt und gleichförmig macht, dadurch,
-daß ein Hindernis von einem Zahn des letzten Rades weggestoßen wird,
-aber immer wiederkehrt, so haben wir eine Räderuhr, welche sich im
-Prinzip von den heutigen nicht wesentlich unterscheidet. Die Frage
-nach dem Erfinder der Räderuhr läuft also darauf hinaus: _wer hat die
-Hemmung erfunden_? Es bedurfte dazu jedenfalls eines mechanischen
-Talentes ersten Ranges und so treffen wir auch in der Geschichte der
-Uhren Männer, welche den gelehrtesten ihrer Zeit beizuzählen sind,
-und man darf, ohne zu irren, die praktische Beschäftigung mit der
-Uhrmacherkunst als den Prüfstein mechanischen Könnens in alter und
-neuer Zeit ansehen.
-
-Gerbert[26] von Aurillac, einer der gelehrtesten Männer seiner Zeit
-(ca. 950-1003), als armer Hirtenknabe von den Mönchen zu Aurillac
-(~Dép. du Cantal~) aufgenommen und gebildet, wird sehr oft als Erfinder
-der Räderuhr genannt. Er soll seine mathematischen und mechanischen
-Kenntnisse bei den Arabern geholt haben; wurde Oberer des Klosters
-Bobbio in Italien, Erzbischof von Reims, Lehrer Ottos ~III.~,
-Erzbischof von Ravenna und endlich unter dem Namen Sylvester ~II.~
-Papst.
-
-Die Sage, daß Gerbert auf den arabisch-spanischen Hochschulen
-studiert habe, wurde von dem engl. Geschichtsschreiber Wilhelm
-von Malmesbury[27] überliefert; derselbe berichtet auch allerlei
-Zaubergeschichten von ihm. Sevilla und Cordova, diese Hochsitze
-arabischer Wissenschaft, hat Gerbert nie gesehen (Vgl. Büdinger, S.
-7 u. ff.), dagegen wird ihm allgemein die Einführung der sogenannten
-arabischen Ziffern zugeschrieben. Wenn aber auch gesagt wird,[28] er
-habe die Gewichtuhren und die Hemmung erfunden, so läßt sich dies nicht
-beweisen. Tiethmar, Bischof von Merseburg, sagt bloß (~Mon. Germ. V~,
-835, 21): „Gerbert machte in Magdeburg eine Uhr, welche er richtig
-aufstellte mit einer Röhre und unter Zuhilfenahme eines gewissen
-Sternes, des Führers der Schiffer.” Um mit dem letzteren zu beginnen,
-so ist der Stern, der Führer der Schiffer, offenbar der Nordstern;
-die Röhre diente dazu, auf diesen Stern zu visieren, war also eine
-Art Diopter. Wir können folglich hier an eine Sonnenuhr denken, deren
-Zeiger mit Hilfe des Polarsterns gerichtet wurde, oder auch an eine Art
-Sternglobus (wie ja Gerbert derartige Instrumente verfertigte), bei
-welchem die vorüberziehenden Sterne durch eine Röhre beobachtet wurden.
-Für eine Räderuhr aber spricht der vorliegende Text nicht. Es ist
-schwer zu sagen, wie die Verfasser der ~Hist. litt. de la France~ (~t.
-VI~, ~p.~ 68 und 609) diese Annahme aufrecht halten können.
-
-Eine weitere Schwierigkeit bleibt auch noch zu lösen: angenommen,
-Gerbert habe die Räderuhr erfunden, wie kommt es, daß eine so wichtige
-und nützliche Sache für so lange Zeit vergessen wurde? Warum hat keiner
-der zahlreichen Schüler Gerberts dessen Erfindung weiter entwickelt,
-oder doch wenigstens erwähnt? Wie kommt es, daß noch 200 Jahre später
-Ludwig der Heilige eine Kerze als Zeitmesser benützte, um seine Lektüre
-während der Nacht zu regeln? Der Name ~„horologium”~ darf uns nicht
-schwankend machen, da er ja ganz allgemein für alle Uhren angewendet
-wurde.
-
-Als gelehrten Uhrmacher finden wir noch Abt Wilhelm von Hirschau
-(Württemberg) erwähnt († 1091). Er verfertigte eine sehr künstliche
-Uhr, welche die Aequinoktien und Solstitien zeigte; die dürftige
-Nachricht, welche uns überliefert ist, erlaubt jedoch keinen Schluß auf
-die Konstruktion der Uhr. Allerdings findet sich in den Konstitutionen
-von Hirschau (~l. II. c.~ 29) der Ausdruck: „nachdem die Uhr
-geschlagen” was aber noch nicht notwendig eine Gewichts- und Räderuhr
-voraussetzt.
-
-Es läßt sich also gar nicht sagen, wer die Räderuhr erfunden habe, noch
-beweisen, daß sie vor dem 12. Jahrhundert aufkam. Diese Dunkelheit
-wird uns weniger befremden, wenn wir bedenken, wie schwer es oft wird,
-den Urheber einer nützlichen Maschine oder Erfindung zu nennen, selbst
-in unserer Zeit, wo doch die öffentlichen Blätter, Fachschriften und
-Patente große Sicherheit in dieser Hinsicht zu gewähren scheinen.
-Man denke nur an die so hartnäckigen Prioritätsstreitigkeiten, die
-alljährlich auf dem Gebiete der Naturwissenschaften auftauchen! --
-
-Allgemein aber wird angenommen, und dies läßt sich auch mit ziemlicher
-Sicherheit beweisen, daß im 12. Jahrhundert die Räderuhren erfunden
-wurden. Von dieser Zeit an mehren sich nämlich die Nachrichten über
-Uhren, welche unmöglich durch Wasser getrieben sein konnten derart, daß
-man annehmen muß, die Erfindung unserer heutigen Zeitmesser falle ins
-12. Jahrhundert.
-
-
-
-
-~III.~
-
-Anfänge und Entwicklung der Räder- und Gewichtuhren.
-
-
-In den sogenannten „Gebräuchen” des Cisterzienserordens, die
-ungefähr um 1120 niedergeschrieben wurden, finden wir mehrfach
-Weckeruhren erwähnt. So heißt es z. B. ~c.~ 21, daß von der Messe
-des hohen Donnerstages an bis zum Karsamstag die Glocken bei keinem
-Gottesdienst geläutet werden dürften, und daß nicht einmal die
-Uhr (Schlaguhr) gehört werden solle. -- Im 114. Kapitel wird dem
-Sakristan befohlen, daß er seine Uhr so richte, daß durch ihren Ton
-die Brüder im Winter vor der Matutin geweckt würden. In den Statuten
-des Prämonstratenserordens findet sich die Vorschrift: der Sakristan
-soll die Uhr richten und sie täglich vor der Messe schlagen lassen,
-damit er wach werde. Ebenso bestimmt das ~Chronicon Mellicense~ (Mölk,
-12. Jahrhundert), ~c.~ 774: daß ein von den Obern zu bezeichnender
-Bruder, der eine Weckeruhr haben solle, die andern wecken und in jeder
-Zelle für Licht sorgen müsse; dieser Brauch hat sich bis heute in den
-Klöstern erhalten.
-
-Die vollkommenste und berühmteste Uhr des 13. Jahrhunderts ist
-diejenige, welche Sultan Saladin 1232 dem Hohenstaufen Friedrich ~II.~
-zum Geschenk übersandte. Trithemius sagt ausdrücklich, die Bewegung sei
-durch Räder und Gewichte vermittelt worden, und schätzt das Werk auf
-die für jene Zeit ungeheure Summe von 5000 Dukaten. Diese Uhr war eine
-astronomische, sie zeigte den Lauf der bekannten Planeten, sowie die
-Zeichen des Tierkreises, ebenso Tag und Stunde und zwar genau. Weil uns
-hier die Räderuhr bereits in hoher Vollendung entgegentritt, glauben
-manche Schriftsteller, sie sei nicht eine europäische Erfindung,
-sondern stamme aus dem Orient.
-
-Schon in diesem Jahrhundert treten die Zeitmesser in den Dienst der
-Gemeinden und geistlichen Genossenschaften. 1288 wurde unter Eduard
-~I.~ von England in Westminsterhall eine Schlaguhr aufgestellt, deren
-Kosten aus Strafgeldern bestritten wurden. Ebenso verfertigte Richard
-Wallingford, ein englischer Benediktiner, Sohn eines Schmiedes und
-zuletzt Abt des Klosters St. Alban († ca. 1326), eine sehr künstliche
-Uhr, welche neben den gewöhnlichen Angaben (Planetenlauf u. s. w.) auch
-noch Ebbe und Flut anzeigte. Er hinterließ eine Beschreibung seines
-Werkes mit dem Titel „Albion” (Anspielung auf: ~„all-by-one”~ d. h.
-alles zeigt das Werk durch ein und dieselbe bewegende Kraft), welche
-sich noch jetzt auf der Bodleyanischen Bibliothek zu Oxford befinden
-soll.
-
-[Illustration: Fig. 5.]
-
-Bevor wir uns weiter mit der Entwicklung und Ausbreitung der
-Uhrmacherkunst beschäftigen, mag hier eine kurze Beschreibung des
-wichtigsten Bestandteiles jeder Räderuhr, der Hemmung folgen, speziell
-jener, welche bis zur Erfindung des Pendels ausschließlich zur
-Anwendung kam. (Siehe Fig. 5).
-
-~A~ ist das von der Triebkraft am weitesten entfernte letzte Rad,
-Steigrad genannt, wie es noch in den Spindeluhren verwendet wurde. ~B~
-eine runde Stahlwelle oder Spindel, ist an einer Schnur aufgehängt,
-und das Ganze am Kolben ~C~, einem Holz- oder Metallstück, befestigt.
-~D~ und ~D′~ sind flache Stahlplättchen, die Spindellappen, welche an
-der Welle unter einem Winkel von etwa 100° befestigt sind. ~E~ ist
-die Unruhe, eine Stange aus Holz oder Eisen, auch Wage oder Balancier
-genannt. An ihr sind kleine Gewichte ~F~ und ~F′~ zu beiden Seiten der
-Welle angebracht.
-
-Der Mechanismus ist nun folgender: das Gewicht treibt unmittelbar
-das erste Rad (Walzenrad) und mittelbar alle übrigen, zuletzt das
-Steigrad an. Als Bewegungsrichtung gelte die des Pfeiles, so daß also
-die oberen Zähne sich vom Beschauer weg, die unteren ihm zuwenden. Dem
-obersten Zahn stellt sich auf seinem Weg der Lappen ~D~ entgegen und
-wird weggedrängt, bis das Rad vorbei kann; er kommt aber nur so weit,
-als die halbe Entfernung zweier Zähne beträgt, weil dann der untere
-Lappen ~D′~ sich einem unteren Zahn entgegenstemmt und nun ebenso
-weggeschoben wird, wie kurz zuvor der obere. So wiederholt sich das
-Spiel beständig. An der Bewegung, welche die Spindel hiebei macht,
-nimmt natürlich auch der Wagebalken, die Unruhe teil. Sie dreht sich
-also, wenn ein oberer Zahn an den Lappen stößt, in der einen, und
-wenn ein unterer gehemmt wird, in der entgegengesetzten Richtung. So
-wirkt jeder Stoß eines Zahnes als Antrieb auf die Unruhe und zwar so
-lange, bis das Gewicht abgelaufen ist. Dies würde sehr rasch geschehen,
-wenn nur 2 oder 3 Räder verwendet würden; durch Zwischenglieder
-(Uebersetzungen) kann man das Fallen des Gewichtes, also auch den
-Gang der Uhr leicht bis zu einer gewissen Grenze verlängern. -- Es
-liegt auf der Hand, daß die Unruhe um so langsamer schwingen wird, je
-weiter ihr Schwerpunkt nach außen liegt, oder kurz gesagt, je größer
-ihr Trägheitsmoment ist. Die Größe dieses Trägheitsmomentes kann aber
-beliebig verändert werden durch Verschiebung der Gewichte ~F~ und ~F′~;
-dadurch wird auch die Uhr selbst reguliert. Geht sie z. B. vor, so
-werden die Gewichte nach außen, geht sie aber nach, gegen die Spindel
-zu verschoben. (Auf ähnliche Weise wirkt bei unsern Taschenuhren der
-sogenannte Korrektionsrechen, durch Verkürzung, bezw. Verlängerung des
-schwingenden Teiles der Unruhefeder).
-
-[Illustration: Fig. 6.]
-
-Mit der Erfindung der Hemmung war außerordentlich viel gewonnen; das
-Gewicht konnte nur fallen, so oft ein Zahn am Lappen der Spindel
-vorbeiging und nur so lange, bis der entgegengesetzte Lappen den
-nächsten Zahn ergriff. Der nächste Zahn derselben Seite traf aber
-erst auf die Hemmung, nachdem der entgegengesetzte die Unruhe auf die
-andere Seite gedreht hatte. So machte die Wage noch einmal soviel
-Schwingungen, als das Kronrad (Steigrad) Zähne besaß. Um den Gang der
-Unruhe gleichmäßiger zu machen, ist die Spindel durch eine Schnur am
-Kolben ~C~ aufgehängt. Wenn nämlich die Unruhe sich nach einer Richtung
-dreht, wird die Schnur immer stärker gespannt, sie strebt also wieder
-und zwar mit stets vermehrter Kraft in ihren ursprünglichen Zustand
-zurückzukehren und hemmt so den Wagebalken. Wir haben also hier schon
-die Spiralfeder unserer Taschenuhren in ihrem ersten Anfang. -- Es
-wird sich später noch Gelegenheit bieten, über die Mängel der alten
-Räderuhren zu sprechen; die Wagehemmung aber wurde bis zur Pendeluhr,
-und an den Schwarzwälderuhren bis zu Ende des 18. Jahrhunderts
-vielfach beibehalten. In Kabinetten und Sammlungen findet man noch
-viele derartige Uhren. Um eine genaue Vorstellung einer Waguhr zu
-ermöglichen, fügen wir hier zwei Ansichten einer solchen bei (Figur 6
-und 7). Von der Größe alter Uhren kann man sich einen Begriff machen,
-wenn man hört, daß an der Uhr, welche Heinrich von Vick für Karl ~V.~
-von Frankreich machte, das Gewicht des Schlagwerkes 5 Zentner betrug
-und in 24 Stunden 32 Fuß herabstieg; es gab aber auch Gewichte bis zu
-zwölf Zentnern. Auf manchen Türmen befinden sich noch solche Ungetüme
-von Uhren, ganz aus Schmiedeisen verfertigt, mit Rädern von 2-3 Fuß
-Durchmesser und Pendel von 20 bis 30 Fuß Länge.[29]
-
-[Illustration: Fig. 7.]
-
-Nun zur Verbreitung der Uhren! Im Verlauf des 14. und 15. Jahrhunderts
-eroberten sie sich die ganze zivilisierte Welt, und in verhältnismäßig
-kurzer Frist war nicht bloß jede Stadt, jeder Palast oder jedes Kloster
-im Besitze eines derartigen Zeitmessers, sondern diese bildeten auch
-den Schmuck des Salons wie des bürgerlichen Hauses, natürlich in
-entsprechender Ausführung. Schon im jüngeren Titurel (ca. 1270 verfaßt)
-wird unter andern kostbaren Zieraten des hl. Graltempels auch eine
-Räderuhr erwähnt (~„orolei”~), welche die goldfarbene Sonne und den
-silberweißen Mond in Bewegung setzte, ohne daß man von den Rädern etwas
-sah; goldene Cymbeln verkündeten die sieben Tagzeiten und die sonstigen
-Stunden des Gebetes und Gottesdienstes. Dante (1265-1321) erwähnt in
-seiner Göttlichen Komödie die Uhr mehrfach, so z. B. Paradies, ~XXIV.~
-V. 13:
-
- ~E come cerchi in tempra di oriuoli
- Si giran si, che il primo a chi pon mente
- Quieto pare e lo ultimo che voli,~ ...
-
-(„Und wie gemeßnen Ganges des Uhrwerks Räder sich drehen, so daß das
-erste dem Betrachter zu stehen scheint, und das letzte scheint zu
-fliehen.” Philalethes[30]). Auch ein anderer Zeitgenosse des berühmten
-Florentiners, ~Jean de Meun~, mit dem Zunamen ~Clopinel~ († ca. 1320),
-der Fortsetzer des berühmten ~„Roman de la Rose,”~ singt (V. 21288 u.
-ff.) von der Räderuhr:
-
- ~Et refait sonner ses horloges
- Par ses salles et ses loges
- A roës (roues) trop sotivement (très-adroitement)
- De pardurable movement.~
-
-Aus diesen Stellen geht hervor, daß schon im 13. oder zu Anfang des
-14. Jahrhunderts die neuen Zeitmesser weit verbreitet waren. Vom
-alten Kulturland Italien wissen wir dies auch aus andern Quellen ganz
-bestimmt. So berichtet Fiamma, der Chronist des Klosters St. Eustorgius
-in Mailand, daß 1306 der Glockenturm einen neuen Stern erhalten habe
-und die eiserne Uhr vergrößert (?) worden sei (~horologium ferreum
-multiplicatur~). Dies ist, so viel bekannt, die älteste Uhr Italiens;
-es mag jedoch schon früher derartige Werke gegeben haben, denn
-Fiamma spricht von der erwähnten Uhr als etwas ganz Gewöhnlichem.
-Derselbe Schriftsteller sagt auch, daß unter der Regierung von ~Azo
-Visconti~ (1328-1339) auf dem Turm der St. Gotthardkirche eine
-bewunderungswürdige Schlaguhr erstellt worden sei; „es befindet sich
-an derselben ein sehr dicker Klöppel, welcher 24 mal auf eine Glocke
-schlägt, gemäß den 24 Stunden des Tages und der Nacht; derart nämlich,
-daß sie in der ersten Nachtstunde einen Schlag gibt, in der zweiten
-zwei u. s. w. und so Stunde von Stunde unterscheidet, was höchst
-notwendig ist für jeglichen Beruf.”
-
-Die berühmtesten Uhrmacher Italiens sind zwei Mediziner von Padua,
-Jakob und sein Sohn Johannes, aus der alten Familie ~de Dondis~. Nach
-der Chronik dieser Stadt wurde auf Befehl Ubertinos von Carrara, dem
-Padua gehörte, im Jahre 1344 auf dem Stadthaus eine Uhr erstellt, die
-24 Stunden zeigte. Sie war das Werk Jakob de Dondis, der zu jener Zeit
-lebte, wie aus seiner Grabschrift hervorgeht; sein Todesjahr fällt um
-1350.
-
-Johannes, der Sohn des vorigen, 1318-89, war als geschickter Uhrmacher
-noch viel berühmter. Er verfertigte eine Räderuhr, welche den
-Planetenlauf anzeigte und als eine Art Weltwunder angestaunt wurde.
-Von allen Seiten strömten Künstler und Astronomen herbei, das Werk
-zu schauen. Ein Freund und Zeitgenosse Johannes de Dondis, Philipp
-de Mazières hat uns in seinem Werke ~„Songe du vieil Pélerin”~ eine
-Beschreibung davon hinterlassen.[31] Nach derselben hätte das Werk
-aus sehr vielen (200) Rädern bestanden; alles aus Messing oder Kupfer
-von Johannes selbst gearbeitet während eines Zeitraumes von 16
-Jahren. Michael Savonarola, der Großvater des berühmten Fra Girolamo,
-berichtet, daß das Werk nach dem Tode des Urhebers stille gestanden,
-daß aber niemand sich getraute, eine Reparatur vorzunehmen, bis
-endlich ein französischer Astronom es mit vieler Mühe wieder in Gang
-gebracht habe. Von dieser in ganz Italien und weit über dessen Grenzen
-hinaus berühmten Uhr erhielt die Familie de Dondis den Beinamen ~„ab
-Horologio”~ (~degli orologi~).
-
-Johannes de Dondis war außer durch seine mechanische Geschicklichkeit
-noch berühmt als gelehrter Arzt und Astronom. Er genoß die
-Freundschaft Petrarcas (1307-74), welcher, obgleich erbitterter
-Feind aller Aerzte, Johannes hoch schätzte und mehrere Briefe an
-denselben richtete. In einem derselben sagt er, die Medizin sei für
-ihn (Johannes) doch nur ein Anhängsel, so daß er noch größer geworden,
-ja bis zu den Sternen gestiegen wäre, hätte nicht die unglückselige
-Arzneikunst ihn gehemmt. Petrarca bedachte seinen Freund im Testament
-mit 50 Dukaten, damit er sich einen Ring kaufe und ihn zum Andenken
-tragen möge.
-
-[Illustration: Fig. 8.]
-
-Zu den ältesten beglaubigten Uhren, die noch vorhanden sind, zählt
-jene von Dover-Castle aus dem Jahre 1348. Gerland bringt in Westermanns
-Monatsheften 1884 eine Abbildung davon (Fig. 8). Er sagt, daß dieses
-Werk fünf Jahrhunderte lang, von 1348-1872 die Stunden schlug. Nach dem
-gleichen Schriftsteller würde diese Uhr aus der Schweiz stammen, was
-aber von anderer Seite bestritten wird.
-
-1353 ließ der Erzbischof von Mailand, Johann Visconti, eine Uhr in
-Genua errichten; sie wird als „ein schönes und genaues Werk” (~pulcra
-et subtilis fabrica~) gerühmt, das jede Stunde des Tages und der
-Nacht schlug.[32] Drei Jahre später folgte Bologna dem Beispiele der
-Genuesen (~Murat. l. c. t. XVIII, p. 444~). „Am achten April wurde
-die große Glocke, welche auf dem Palaste des Messer Giovanni Pepoli,
-des Herrn dieser Stadt, sich befand, herabgenommen, in den Hof des
-Stadthauptmanns geführt und auf dem Turm daselbst aufgehängt; es war
-das die erste Gemeindeuhr von Bologna, sie schlug zum erstenmal am 19.
-Mai.” Alle Bolognesen über 20 Jahren mußten an diese Uhr eine Steuer
-von einem Soldo und 6 Denaren bezahlen. -- Die Herren der italienischen
-Städte wetteiferten im 13. und 14. Jahrhundert überhaupt mit einander,
-ihre Paläste mit prächtigen Uhren zu zieren, so daß diese bald
-allgemein verbreitet waren.
-
-Zu den ersten öffentlichen Uhren Frankreichs zählt Dubois diejenige von
-Caen, welche 1314 auf einer Brücke daselbst aufgestellt wurde mit der
-Inschrift:[33]
-
- ~Puisque la ville me loge
- Sur ce pont pour servir dʼorloge,
- Je feray les heures ouir
- Pour le kommun peuple réjouir.
- Mʼa faite Beaumont 1314.~
-
-(Da die Stadt mich auf diese Brücke stellt, als Uhr zu dienen, so will
-ich zur Freude des Volkes die Stunden hören lassen. Mich hat Beaumont
-gemacht 1314). Dieser Angabe widerspricht jedoch entschieden der
-Uhrmacher und Forscher Hainaut von Rouen. Nach ihm wurde eine Glocke
-„Uhr” genannt, weil sie dazu diente, gewisse Tageszeiten durch ihr
-Geläute dem Volke kund zu geben. Zudem war die Normandie, als Karl ~V.~
-durch den gleich zu erwähnenden Heinrich von Vic 1370 für Paris eine
-Uhr anfertigen ließ, schon lange mit der Krone vereinigt. Sicher hätte
-man nun doch einen fähigen Inländer dem Fremden vorgezogen. Aus all dem
-geht hervor, daß eine eigentliche Uhr 1314 in Caen nicht existierte,
-daß aber auf einer Glocke Zeichen gegeben, resp. durch einen Wächter
-die Stunden geschlagen wurden, entweder nach dem Stande der Sonne,
-oder nach den Angaben einer Wasser- oder Sonnenuhr (Ausführliches über
-diesen Punkt siehe bei Saunier-Speckhart: Geschichte der Zeitmeßkunst.
-Bautzen. S. 207 u. ff.).
-
-Dijon besaß eine sehr berühmte Uhr, welche Herzog Philipp der Kühne
-von Burgund von Courtray, dem ursprünglichen Standorte, 1382 auf
-Wagen verladen und samt der Glocke nach Dijon bringen ließ. Diese Uhr
-schlug alle 24 Stunden des Tages.[34] Hier finden sich auch zuerst
-zwei Automaten, sogenannte ~„Jacquemarts”,~ ein Mann und eine Frau;
-später kam noch die Figur eines Kindes hinzu. Einige Autoren leiten
-das Wort ~Jacquemart~ ab von dem barbarischen lateinischen Ausdruck
-~„jaccomarchiadus,”~ was Panzerhemd heißen soll; wahrscheinlicher
-ist jedoch die Ableitung vom Namen des ersten Erstellers Jaques
-Marck, eines Uhrmachers, der im 14. Jahrhundert lebte und diese
-Zugabe erfunden haben soll. (~Jacquemart~ war auch ein Spottname der
-Nachtwächter.)
-
-[Illustration: Fig. 9.]
-
-Geschickte Künstler waren aber in diesen Zeiten eine Seltenheit. Karl
-~V.~ von Frankreich ließ 1370 in Paris eine Uhr herstellen durch einen
-Deutschen, Heinrich von Vic oder Wick. Dieser erhielt als bescheidenen
-täglichen Lohn 6 Pariser Sous, nebst freier Wohnung im Turm, wo die
-Uhr aufgestellt werden sollte. Derselbe König ließ auf seinem Schloß
-~Montargis~ (~Loiret~) durch ~Jean Jouvence~ 1380 eine Uhr errichten;
-1372 erhielt Sens eine solche; Karl ~V.~ bezahlte die Hälfte der
-~„lanterne.”~ Auxerre folgte ungefähr um dieselbe Zeit; 1391 finden wir
-in Metz die neue Erfindung erwähnt. Die berühmteste Uhr Frankreichs
-wurde erst etwa 200 Jahre später erstellt in Lyon, durch den Basler
-Künstler Nikolaus Lipp. Sie galt als würdige Nebenbuhlerin des
-Straßburger Werkes.
-
-Unsere Abbildung (Fig. 9) gibt eine Ansicht der berühmten Uhr, die in
-der ehrwürdigen Kathedrale in St. Jean aufgestellt ist. 1578 von Lipp
-verfertigt, wurde sie im Jahre 1660 von Wilhelm Nourisson repariert
-und beträchtlich vervollkommnet; 1780 wurde eine neue Reparatur nötig,
-welche Charny besorgte, zuletzt besserte M. Maurier das alte Werk aus.
-Wie die meisten derartigen Kunstuhren zeigt auch das Werk des Basler
-Künstlers den Lauf der Gestirne sowie einen ewigen Kalender. Stunden
-und Minuten, Tag, Monat und Jahr, die Mondphasen etc. werden angegeben,
-die Wochentage sind bezeichnet durch Figuren, die um Mitternacht
-wechselnd, in einer Nische erscheinen. Die Bewohner Lyons sind ebenso
-stolz auf ihre Uhr, als die Straßburger auf das berühmte Werk des
-Dasypodius.
-
-Leider gingen viele derartige Kunstdenkmäler im Sturme der Revolution
-unter, selbst in unserer Zeit zerstört hie und da ein unbegreiflicher
-Vandalismus den einen oder andern Ueberrest frühen Kunstfleißes der
-Vorfahren. So hatte, um nur ein Beispiel zu nennen, die berühmte Uhr
-von Bourges von 1423 bis 1872 allen Gefahren getrotzt, um dann auf
-Befehl eines aufgeklärten Magistrates ohne Grund zerschlagen und zum
-alten Eisen geworfen zu werden! Einzig das Zifferblatt blieb und
-dient jetzt einer modernen Fabrikuhr. Verfertiger des Werkes war Jean
-Furoris, Canonicus von Paris und Reims; der Preis stellte sich auf 60
-Goldgulden, die durch allgemeine Beisteuer aufgebracht wurden. Das
-Ganze bestand aus 26 Rädern und Scheiben.
-
-Wenn schon 1370 ein Deutscher Karl ~V.~ eine Uhr erstellte, und 200
-Jahre später ein Basler Lyon durch sein Kunstwerk berühmt machte,
-wenn 1368 Eduard ~III.~ von England drei Uhrmachern, die er aus Delft
-berufen hatte, seinen Schutz angedeihen ließ, so läßt dies alles
-schließen, daß auch in deutschen Landen die Uhrmacherkunst schon sehr
-frühe Wurzel gefaßt und sich rasch zu hoher Blüte entwickelt habe. In
-der Tat beweisen vielfache Nachrichten, daß in Deutschland die Uhren im
-14. Jahrhundert bekannt waren. So erhielt, um einige Namen anzuführen,
-1368 Breslau sein erstes Schlagwerk durch Meister Schwelbelin;
-Frankfurt a. M. 1383 durch Johann Orglocker aus Hagenau; 1359 ist
-die Frankenberger Pfarrkirche im Besitze einer Uhr; 1396 der Dom zu
-Magdeburg; 1395 Speier; 1398 Augsburg; Mainz 1369; Kolmar 1370; Köln
-ca. 1385; Metz 1391 u. s. w.
-
-Das Germanische Museum in Nürnberg besitzt eine der ältesten
-Räderuhren, die noch erhalten sind (Fig. 10). Sie stammt aus dem Jahre
-1392 und gab auf dem südlichen Sebaldusturme stehend, dem Wächter
-die verflossenen Stunden an, damit er sie durch Schläge auf die
-große Glocke der Stadt verkünde. Es ist das Verdienst des bekannten
-Geschichtsforschers auf dem Gebiete der Uhren, Hofuhrmacher G.
-Speckhart in Nürnberg, dieses Stück gerettet zu haben. Wir geben im
-Folgenden die Beschreibung kurz nach den Ausführungen des genannten
-Forschers (Saunier, a. a. O. 235 u. ff.). Die Uhr ist ganz aus Eisen
-gebaut, ihre Höhe mißt 40 ~cm~. Das Zifferblatt hat einen Durchmesser
-von 28 ~cm~. Es war am Umfang mit 16 Nieten versehen, die oberste,
-da wo jetzt die Ziffer 12 angebracht wird, war mit einem Stachel
-versehen. Speckhart entfernte den Anstrich von 2 Zifferblättern,
-bis er das ursprüngliche aufdeckte. Die Uhr zeigte 16 Stunden, ging
-also nach der sogenannten „großen (Nürnberger) Uhr,” welche den Tag
-von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang maß. Die Nieten dienten dem
-Wächter in der Dunkelheit, um die Zeit abzulesen, der Stachel war der
-Anfangspunkt der Zählung. Ein Schlagwerk ist nicht vorhanden, wohl
-aber ein Wecker, der alle Stunden abläuft. Man mußte sich also bis zur
-Erfindung der selbstständigen Schlaguhren auf diese Weise behelfen und
-kam auch ganz gut zustande damit.
-
-[Illustration: Fig. 10.]
-
-In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts treffen wir auch in der
-Schweiz in den meisten größeren Städten Räderuhren.
-
-So in Basel 1381. Vergl. Fechter: Basler Taschenb. 1852. Dort wird auf
-ein Urteil hingewiesen, das gegen einige wegen nächtlicher Ruhestörung
-gesprochen wurde, weil sie nachts „_da die Glogge zwey geslagen hatte_,
-den Lüten uf Colahüsern und zu Crüze ir thüren ufbrachent.” Ebenso
-findet sich in den Rechnungen der Münsterfabrik folgender Posten: ~pro
-materia dicta~ „möschin trat” ~ad horologium~. Nach Boos (Geschichte
-der Stadt Basel, 1877, ~I.~ S. 239) erhielt auch der Martinsturm
-gegen Ende des 14. Jahrhunderts eine Uhr, die 1475 verbessert und auf
-den Georgsturm verbracht wurde. 1407 wird ein „Orlei” auf dem Rathaus
-erwähnt.
-
-Eine Eigentümlichkeit der Basler Uhren, daß sie nämlich eine Stunde
-vorausgingen, hat Simrock in dem launigen Gedichte: „Die Basler Uhr”
-behandelt, von welchem wir hier einige Strophen anführen wollen:
-
- Wenn wir die Basler necken,
- So istʼs um ihre Uhr,
- Sie sei in ein jedem Stücke
- Wohl hundert Jahr zurücke
- Und vor ein Stündchen nur.
-
-Simrock berichtet, wie 1271 die Stadt einst um 12 Uhr nachts überfallen
-werden sollte, was der Glöckner noch kurz vor Mitternacht erfuhr;
-rasche Tat war jetzt nötig:
-
- So schlug es gar nicht Zwölfe
- und auch nicht wieder Elfe,
- Es schlug gleich Eins vom Turm.
-
-Damit war der Ueberfall vereitelt.
-
- Die (Uhr) ließ man zum Gedächtnis
- Nun gehen immer so,
- und noch in unsern Tagen
- Die Basler Glocken schlagen
- Eins mehr als anderswo.
- Doch auf dem Turm der Brücke
- Da guckt ein Kopf hervor,
- Der 60 Mal die Stunde
- Die Zunge reckt im Munde
- Den Feinden vor dem Tor.
- und neckt ihr nun die Basler,
- Verdirbt man euch den Spaß;
- Sagt ihr, sie seiʼn zurücke,
- Führt man Euch auf die Brücke
- Und sagt: „Wie gʼfallt euch das?”
-
-Ueber den Grund dieser Abnormität sind die Geschichtsschreiber der
-Stadt nicht einig. Groß (Kurtze Basler Chronik, 1624) sagt, es sei
-um 1433 diese Aenderung eingeführt worden, „zur Beförderung des
-Konziliums, daß, da es sonst 12 Uhr schlagen sollte, die Uhr eins
-geschlagen ... J. Stumpfius haltet dafür, diese Aenderung werde
-gehalten zu einem ewigen Gedenkzeichen eines mordtlichen Ueberfalls
-wider die Stadt” (S. 76). Daniel Bernoulli hielt die ungenaue
-Orientierung des Münsters und die hieraus erfolgte unrichtige
-Konstruktion der Sonnenuhr, nach welcher die Stadtuhr gerichtet
-wurde, für die Ursache. Streuber (die Stadt Basel) (S. 377 ff.)
-schreibt hierüber: „Eine Eigentümlichkeit Basels, die bis zum Jahre
-1798 bestanden, war, daß die Uhren eine Stunde früher zeigten, als
-anderswo. Vergebens suchte der Rat im November 1778 die Sonderbarkeit
-abzuschaffen, schon im Januar 1779 mußte der alte Stundenschlag wieder
-eingeführt werden. Den Grund dieser sonderbaren Abweichung der Basler
-Stadtuhren von allen übrigen kennt man nicht. Daß man bei einer
-Verräterei 1271 den Zeiger vorgerückt, ist ebenso unbegründet, als daß
-die besondere Stundenrechnung daher rühre, daß die erste Sonnenuhr
-unrichtig auf die östliche Lage des Chores gegründet worden sei. Die
-älteste Schlaguhr Basels ist erweislich aus dem Jahre 1380. Da diese
-Uhren aber von untergeordneten Personen, Schlossern u. s. w. gerichtet
-wurden, so schiebt man wohl am besten diese Unrichtigkeit auf Rechnung
-der Unkenntnis dieser Leute; einmal eingewurzelt, konnte sie nicht mehr
-ausgerottet werden.”
-
-Soweit Streuber. Hiezu bemerkt Speckhart (a. a. O. S. 222): „die
-oben ausgesprochenen Ansichten und Nachrichten über die sonderbare
-Schlagweise der alten Baseleruhr sind nicht stichhaltig. Die uns so
-eigentümlich berührende Schlaganordnung, nach welcher die alte Basler
-Uhr _eins_ schlug, wenn alle Uhren der unter dem gleichen Längengrad
-liegenden Orte der Welt _zwölf_ schlugen, scheint eine wohl erwogene
-und richtig begründete Bewandtnis zu haben.
-
-Stellen wir uns vor, daß, wenn es bei uns 12 Uhr schlägt, der höchste
-Stand der Sonne, der Mittag eingetreten ist. Die Mittagsstunde,
-d. h. die 12. Stunde ist somit bei uns _beendigt_. Anders war das
-an der alten Basler Uhr: sie schlug 12 Uhr, wenn die 12. Stunde, die
-Mittagsstunde, ihren _Anfang_ nimmt, also in dem Augenblick, wenn
-es bei uns 11 Uhr schlägt. Der Mittag, der höchste Stand der Sonne,
-fällt demnach bei der Basler Uhr nach Verlauf der 12. Stunde mit
-dem Glockenschlag _eins_ zusammen. Beide Zählarten der Stunden sind
-richtig, denn die sich ergebende Differenz von einer Stunde liegt in
-Wirklichkeit gar nicht vor.”
-
-Als weitern Grund erwähnt Speckhart noch, daß die Stundenmeldung erst
-nach abgelaufener Zeit, eigentlich nur für den ersten Schlag gelte, die
-übrigen Schläge aber sozusagen zu spät kommen. Deshalb wäre es nach ihm
-richtiger gewesen, den abgelaufenen Mittag nur durch _einen_ Schlag zu
-bezeichnen, also da _eins_ schlagen zu lassen, wo die gewöhnliche Uhr
-12 schlägt. Diese Auffassung ist ja mathematisch unstreitig richtiger,
-es scheint uns nur fraglich, ob man früher, wo der Wert der Zeit lange
-nicht wie heute gewürdigt ward, so spitzfindig zu Werke ging. Immerhin
-ist das eine Erklärung, die vieles für sich hat. Ein weiterer Umstand
-fällt nach unserem Ermessen noch schwer in die Wagschale zugunsten
-dieser Ansicht: eine von Stradanus gezeichnete Uhrwerkstätte aus dem
-16. Jahrhundert zeigt eine Uhr mit der eigentümlichen Einteilung des
-Zifferblattes, daß da eins steht, wo unsere Uhren 12 zeigen. Auch eine
-Art „Lällenkönig” ist über der Mitte des Zifferblattes angebracht.
-Unsere Abbildung (Fig. 11) gibt diesen interessanten Stich wieder.
-
-Der Kopf, den Simrock erwähnt, ist der berühmte „Lällenkönig,”
-ebenfalls von einer Uhr getrieben. Er befand sich über dem Zifferblatt
-der Uhr des nun abgetragenen Rheintores von Großbasel, auf der Seite
-gegen Kleinbasel. Von Zeit zu Zeit streckte derselbe seine Zunge
-heraus und zog sie wieder ein. Diese Figur war zum Wahrzeichen Basels
-geworden und befand sich bis 1839 auf der Brücke: jetzt ist sie im
-mittelalterlichen Museum, wo sie zeitweilig ihre Tätigkeit wieder
-aufnimmt, aber nicht bloß zur Freude der Handwerksburschen und Kinder
-wie ehedem, sondern auch aller derjenigen, welche es bedauern, daß dem
-oft urwüchsigen, im ganzen aber harmlosen Humor der Alten keine Stätte
-mehr gegönnt wird im unruhigen Hasten unserer Tage.
-
-[Illustration: Fig. 11.]
-
-Man erzählt auch, die Kleinbasler hätten sich durch eine noch derbere
-Karrikatur gegen Großbasel hin gerächt.
-
-Für Luzern fertigte der Basler Heinrich Halder im Jahre 1385 eine Uhr
-an, welche zuerst „uf dem graggen turne” aufgestellt war und sich
-jetzt auf dem „Zytturm” befindet. (Vergl. auch v. Liebenau, das alte
-Luzern, an verschied. Orten). Der Meister hinterließ eine interessante
-Anleitung zur Regulierung und Behandlung dieser Uhr, aus welcher hier
-einige Sätze folgen mögen (Geschichtsfreund ~I~, S. 87). „Als du das
-Vrleiy (Uhr) wit richten, und das nider gewe (Gewicht) uf ziehen, oder
-ab lan, so tuo das Frowen gemuete (die Wagunruhe) von dem Rade oder
-us dem Rade do es Inne gat, und behab das Kamprat sicher in der hant,
-oder das gewege verlieffe sich als balde, dass das werg vil liechte
-breche.... Und so das Frowen gemuete ze balde (schnell) gat, des dich
-dunkt, so henke di bli kloetzli vaste hin us an das redelin, und so
-es ze trege gat, so henke sie hin In an das redelin, hie mitte macht
-du es hindern und fürdern wie du wit, sunderlich darf es ze nacht
-fürnderndes, wand das werg den merteil ze nacht treger got denne tages”
-.... Im Jahre 1408 erhielt auch der Rathausturm eine Uhr. -- In Zürich
-schloß der Rat 1366 mit dem Werkmeister Konrad von Klothen einen
-Vertrag über den Bau und Unterhalt einer Uhr auf St. Peter. (Vergl.
-Salom. Vögelin, Das alte Zürich; neue Auflage; 1879-90.)
-
-Bern hatte in seinem Zytglockenturm, ungefähr aus der nämlichen Zeit,
-eine Merkwürdigkeit ersten Ranges.
-
-[Illustration: Fig. 12.]
-
-Diese Stadt hatte anfangs des 16. Jahrhunderts drei Zeitglocken;
-eine auf Nydeck, eine im obern Spital und diejenige, welche uns hier
-beschäftigt. Aber auch diese Uhr war keineswegs die erste, denn schon
-eine Rechnung aus dem Jahre 1499 bemerkt, daß dem „Zitgloggenrichter”
-4 pfd. verrechnet wurden. Ebenso 1519: „dem Zitgloggenmacher uff
-sin arbeit des _wärchs_ der Zitgloggen, mit sampt dem trinkgeld den
-Knechten 109 ℔ 10 ß.” „Zitgloggenrichter” hieß der Angestellte, der die
-Uhr im Stand zu halten hatte. 1526 wurde Kaspar Bruner für dieses Amt
-gewählt. Er legte dem Rate bald ein Projekt für eine ganz neue Uhr vor,
-welches auch genehmigt wurde. „Ist mit Brunner dem slosser überkommen,
-daß er die reder zu der Zitgloggen machen soll, wie er die mustrung
-anzöngt, umb 1000 gulden (ca. 30000 Fr.) und ime alle fronvasten darzu
-10 pfund geben und soll die zitgloggen richten wie vor und darzu acht
-haben, alls lang ~m. h.~ das gevellig.” Höchst wahrscheinlich wurde
-alles, auch das Spielwerk von der Hand desselben geschickten Meisters
-gefertigt. Vollendet wurde das Werk schon 1530 (nicht erst 1534), wie
-eine am eisernen Gehäuse des Räderwerkes angebrachte Tafel zeigt:
-„Kaspar 1530 Bruner.” Nur der geharnischte Stundenschläger scheint
-älter zu sein; er hieß „Hans v. Thann.”[35]
-
-[Illustration: Fig. 13.]
-
-Die älteste Beschreibung des berühmten Werkes stammt aus dem Jahre
-1534. Der Ulmer Fischer bereiste als Handwerksbursche die Schweiz
-und zeichnete überall die Merkwürdigkeiten auf, die er gesehen. Die
-Zeitglockenuhr hat er sogar abgezeichnet; merkwürdigerweise zählt er
-die Ziffern von rechts nach links! Wir lassen diese Beschreibung in
-ihrem treuherzigen Wortlaute folgen:[36] ... „Jetzt will ich schreyben,
-wie fisierlich es vff ainander gadt vnd folgt also: wan es will anfahen
-schlahen, so sytzt ain guldiner han enbor vff dem dechle, der thutt die
-fligel auff vnd zu, sam (als ob) er flieg, vnd hangen an den fliglen
-vil schella. Wan nun der han hat auffheren schella, so stand darneben
-zwen thurnblaser, die fahen an zu blausen so artlich zusamen, als
-ob sy leben. Wan sy nun ain weyl geblasen haund, so heren sie auff
-blasen vnd halten ain weyl still vnd sehen sich vm, darnach so thond sy
-die Kepf wider zum busaunen vnd blasen die backen auff vnd thrumeten
-zusamen wie forhin. Wan sy nun haben außgeblasen, so sitz ain narr
-oben uff dem dechle, der schlecht all fiertel stund, das erst fiertayl
-ain straych, das ander fiertayl zweu straych, das dryt fiertayl drey
-straych, vnd wan die drumeter außgeblosen haund fier straych. Wan
-nun der narr die fier straych hat außgschlagen, so ist ain großer
-geharnaster man zu aller oberst im thurn bey der stund, vnd so oft er
-ain straych thut, so sytzt ain alts mendle daniden vnder dem hamer vnd
-thurnblaser, das thut den mund auff vnd zu vnd zelt alle straych, die
-er thut. Vnd wan der geharnest man hat außgeschlagen, so hat das alt
-mendle ain stund (Sanduhr) in der hand, die kert es vm, vnd gadt also
-wesentlich uff ainander als ob es als lebendig sey. Vnd ist das, da dan
-der han vnd die drumeter, der narr vnd das alt mendle ist, das ist ain
-ercker, der fein firn thurn herausgadt wie ain ercker an aim hauß vnd
-fein inainander verfaßt, wie ich dan alle ding fleyßig vnd ordenlich
-fir augen gemalet vnd gstelt hab, sampt der stund und reder darin, auch
-die zwelff zaichen, die bloneten, die ob der stund staund, als Jupiter,
-Mars vnd Fenus ist nur sunst darzu gmalet, vnd auch die beeren vnd die
-zwen geyger ist als nur am thurn gmalet, aber die reder vnd die zwelff
-zaychen vnd Sun vnd Mon, das sellig gadt vm nach yrem lauff. Im 1534
-jar haun ich zu Bern ain gantz jar gearbayt, da haun ich diesen thurn
-abgemalet.”
-
-[Illustration: Fig. 14.]
-
-Wie diese Beschreibung und die von Fischer gemachte Zeichnung beweisen,
-ist die berühmte Uhr bis heute wesentlich die gleiche geblieben; nur
-der Erker (Fig. 14) ist ein anderer geworden, er baut sich jetzt aus
-zwei über einander gestellten Nischen auf; der Hahn steht zur Linken
-des alten Mannes, gegenüber einem Löwen. An Stelle der beiden Trompeter
-sind laufende Bären angebracht, welche stündlich unter dem Sitze des
-alten Mannes (Sonnenkönig) ihren Umzug halten. Gruner berichtet in
-„Merkwürdigkeiten der Hochlöbl. Stadt Bern” Zürich 1732, daß die Uhr
-lange Zeit still gestanden, ohne daß ein Meister sich gefunden hätte,
-der sie wieder herstellte. 1712 aber brachte ein Bauer aus Langnau im
-Amt Trachselwald sie wieder in Gang.
-
-Das Aeußere des Turmes wurde leider 1770 „renoviert,” wobei die alten
-Malereien verschwanden. Die Inschrift, welche damals angebracht wurde,
-lautet:
-
-~Bertholdus V Dux Zähringiæ, Rector Burgund. Urbis conditor Turrim
-et portam fecit MCXCI et renovata MDCCLXX~ (Berthold ~V.~ Herzog von
-Zähringen, Regent von Burgund, der Gründer dieser Stadt, hat diesen
-Turm und das Tor erbaut im Jahre 1191; die Renovation geschah 1770).
-
-Solothurn, diese uralte Schweizerstadt, von der Glarean behauptet,
-daß sich diesseits der Alpen nur Trier an Alter mit ihr messen könne,
-besitzt auch eine merkwürdige alte Uhr. Sie befindet sich auf dem
-aus dem 12. Jahrh. stammenden Turm auf dem Marktplatz. Zum erstenmal
-wird dieses Gebäude 1408 in einem Protokoll als Uhrturm erwähnt. Im
-Jahre 1452 wurde daselbst eine Uhr aufgestellt, ebenso der Automat,
-welcher die Stunden schlägt. Joachim Habrecht (der Vater der beiden
-Habrecht, welche die Straßburger Uhr erbauten?) erstellte 1545 die
-jetzige Uhr. Sie hat 4 Zifferblätter, das gegen den Marktplatz sehende
-mit zwei Zeigern, die übrigen weisen nur die Stunden. Das Uhrwerk
-selbst stellt einen Würfel dar von 1,6 ~m~ Länge, 1,7 ~m~ Breite und
-1,7 ~m~ Höhe. Die beiden Platten (Platinen), sowie die Räder bestehen
-aus Schmiedeisen, mit Ausnahme der Zähne des Hemmungsrades, welche
-stählern und einzeln durch Gewinde mit dem Radumfang verschraubt sind.
-Die Automaten werden vom Uhrwerk durch ein System von Hebeln betrieben.
-Es sind ein Kürassier, der die Viertel auf seinem Panzer schlägt;
-der König auf dem Throne, welcher alle Stunden das Scepter bis auf
-das Knie senkt und der Tod, der seine Sanduhr unmittelbar vor jedem
-Stundenschlag umstürzt. Oberhalb der Automaten befindet sich eine Kugel
-zur Darstellung der Mondphasen, die sich an einem Sternhimmel bewegt.
-
-[Illustration: Fig. 15.]
-
-Das astronomische Zifferblatt (Fig. 15), ist unter einem Schutzdach
-angebracht und über 30 Quadratmeter groß; allein der Stundenkreis
-hat über 4 ~m~ Durchmesser. Wie die Abbildung zeigt, ist er in 2 mal
-zwölf Stunden geteilt. Von den 3 Zeigern gibt der größte, in eine Hand
-endigend, mit Zeiger und Mittelfinger die Stunden an. Der Mondlauf im
-Tierkreis ist durch den zweiten Zeiger dargestellt und hat monatlichen
-Umlauf; der letzte gibt den Sonnenlauf während eines Jahres an. Diese
-Zeiger haben ein eigenes Räderwerk, welches von der Uhr mittels
-Stangenübertragung bewegt wird. Die Malereien stammen aus dem Jahre
-1583 und wurden von dem Meister Heinrich Nikolaus Knopf ausgeführt;
-1880 restaurierte sie H. Jenny von Solothurn. Besonders treten S. Urs
-und Victor, die Patrone der Stadt hervor.
-
-Hier sehen wir auch noch die Eigentümlichkeit, daß der
-Viertelstundenzeiger kürzer ist als der Stundenzeiger; die
-Viertelteilung stammt erst aus dem Jahre 1642. Die auf unserer
-Abbildung sichtbare Türe diente zum Richten der Zeiger von innen aus.
--- Die Solothurner Uhr ist neben derjenigen zu Bern eine Merkwürdigkeit
-der Schweiz; möge sie sich noch recht lange erhalten als Wahrzeichen
-der Stadt und des historischen Sinnes ihrer Bewohner.
-
-Ein Zeitmesser darf hier nicht übergangen werden: die berühmte Uhr von
-Straßburg, welche im ganzen Mittelalter und bis in unsere Zeit den
-Stolz und die Freude dieser Stadt bildete. Auch heute noch wird wohl
-kaum ein Tourist versäumen, dem äußerst interessanten Werke seinen
-Besuch abzustatten. Es galt als eines der 7 Wunderwerke Deutschlands;
-an dem Portal des Domes zu Mainz stand zu lesen: Die 7 Wunderwerke
-Deutschlands sind: der Straßburger Turm, der Kölner Chor, die
-Straßburger Uhr, die Orgel von Ulm, die Frankfurter Messe, Nürnberger
-Kunstwerke und das Augsburger Rathaus.[37] Diese Uhr wurde von Fischart
-in ziemlich hölzernen Versen besungen; auch Frischlin, Xylander,
-Cell, Crusis u. a. erwähnen sie in ihren Gedichten. Die neue Uhr fand
-ihren Sänger in Bilharz: Die astron. Uhr von Straßburg, Gedicht in
-alemannischer Mundart, 1872.
-
-Die erste Münsteruhr zu Straßburg wurde 1352 begonnen und 2 Jahre
-später unter Bischof Johann von Lichtenberg von einem unbekannten
-Meister vollendet. 1399 mußte sie repariert werden und ging später
-nach und nach zugrunde. Das Gehäuse bestand ganz aus Holz und umfaßte
-drei Abteilungen: zu unterst war der gewöhnliche Kalender, in der
-Mitte das Astrolabium samt Stundenblatt; oben waren verschiedene
-Automaten angebracht. Im Jahre 1547 beschloß die Stadtbehörde nach dem
-Beispiel anderer Städte (Bern erhielt 1527 eine „gar schöne” Uhr für
-den Zytglockenturm von einem auswärtigen Künstler; 1538 erstellte Hans
-Luther von Waldshut eine neue Uhr auf St. Peter in Zürich um 2394 ℔, 9
-Schillinge und 2 Heller, wofür er das Bürgerrecht erhielt u. s. w.),
-auch eine neue, der alten würdige Uhr anzuschaffen. „Drey fürnemme,
-gelehrte und verständige Mathematici, ~Dr.~ Michael Herus, Nicolaus
-Brucknerus, Christianus Herlinus und neben ihnen andere Handwerksleut”
-wurden beauftragt, die Uhr in Angriff zu nehmen, „und ward das Werk so
-weit gebracht, das der Uhrenmacher ettliche redder, und das gestell
-verfertigt hat, der Steynmetz das geheuß auffgefürt, bis gar nach
-an den helm, die Mathematici das Astrolabium auffgerissen haben:
-aber solches werk ist darnach durch ettlicher absterben unnd anderer
-ungelegenheit verhindert, unnd also unaußgemacht verbliben.”[38]
-So stockte die Arbeit, bis 1570 Konrad Dasypodius (Rauchfuß) von
-Schaffhausen, der Nachfolger Herlins als Professor der Mathematik in
-Straßburg, die Sache wieder aufnahm. Er erweiterte den ursprünglichen
-Plan und führte ihn auch aus; den mechanischen Teil übernahmen zwei
-Landsleute, Isaak und Josias Habrecht aus Schaffhausen, (letzterer
-erstellte auch 1580 die Uhr auf dem Rathause in Ulm), während zwei
-andere Schaffhauser, die Maler Tobias und Josias Stimmer das Gehäuse
-ausschmückten. M. David Wolkenstein aus Preßlaw unterstützte den durch
-allzugroße Arbeitslast krank gewordenen Freund Dasypodius bei der
-Vollendung der Uhr; 1574 war sie fertig gestellt und zur allgemeinen
-Zufriedenheit ausgefallen. Das Werk war sehr künstlich gearbeitet,
-es zeigte an einem Globus von drei Fuß Durchmesser alle täglichen
-Erscheinungen an Sonne, Mond und den sämtlichen 1022 auf dem Globus
-verzeichneten Ptolemäischen Sternen. Mehrere Scheiben zeigten z. B.
-den immerwährenden Julianischen Kalender, die Mondphasen, die Zeichen
-des Tierkreises u. s. w. Automaten fehlten natürlich auch nicht, so
-z. B. ein Hahn, der anfangs jeden Mittag krähte, später aber, als
-1640 der Blitz in ihn schlug, nur mehr an den Sonn- und Feiertagen.
-Der bildliche Schmuck war sehr reich; das Porträt des Astronomen
-Copernicus, das Stimmer nach einer Vorlage aus Danzig gemalt, gab
-Veranlassung zur Sage, jener hätte die Uhr verfertigt. 1669 und 1732
-wurden Ausbesserungen vorgenommen; 1789 stand die Uhr still. Als 1838
-die neue Uhr in Arbeit genommen wurde, fügte man den Mechanismus
-und die übrigen Teile der alten wieder zusammen und stellte sie im
-Frauenhause in Straßburg aus, wo sie noch zu sehen sind. Die jetzige
-Uhr wurde 1842 vollendet von J. B. Schwilgué; sie ist wohl allgemein
-bekannt, so daß hier von einer nähern Schilderung abgesehen werden
-kann. Das Gehäuse ist das alte von 1574, weshalb wir hier eine
-Abbildung desselben geben (Fig. 16). Es sei nur noch bemerkt, daß diese
-nach allen Anforderungen der modernen Wissenschaft konstruierte Uhr bis
-zum Jahre 9999 richtig zeigt und dann erst eine Ziffer geändert werden
-müßte, falls es möglich wäre, daß ein Werk so lange dauern kann.
-
-Eine Sage, die sich an die Straßburger Uhr knüpft, sei hier noch
-erwähnt, die Blendung des Meisters nach Vollendung seines Werkes,
-damit er kein ähnliches mehr erstellen könne. Gleiches wird auch von
-Lipp, dem Erbauer der Lyoner Uhr erzählt, aber mit ebenso geringer
-Berechtigung. Dieser lebte hochgeehrt und reich belohnt in Lyon; Isaak
-Habrecht starb in Straßburg 1610 als Stadtuhrenmacher; sein Bruder
-Josias in Kayserswerk; er hatte eine blinde Schwester, welcher Umstand
-vielleicht zur erwähnten Sage Veranlassung gab.
-
-[Illustration: Fig. 16.]
-
-Die Künstler des Mittelalters waren noch nicht beeinflußt von einem
-so unruhigen Gewerbsleben, wie es sich heute überall geltend macht.
-Sie konnten ihre Arbeiten in aller Muße vollenden. In unserer modernen
-Zeit, wo ein Fortschritt sozusagen den andern verdrängt, hat man auch
-nicht mehr so viel Verständnis für Werke, deren Ausführung jahrelange
-geduldige Arbeit und mühevolles Studium erfordert. Die Eindrücke kommen
-zu rasch und verwischen sich entsprechend schnell wieder, wir sind eben
-in gar vielen Punkten blasiert geworden. Dennoch hat es bis in die
-neueste Zeit Meister gegeben, welche ihr Können an Kunstuhren erproben
-wollten und es mit dem besten Erfolge auch getan haben. Bevor wir das
-Gebiet der alten Kunstuhren verlassen, möge es deswegen gestattet sein,
-der Zeit vorgreifend, zwei neuere Werke kurz anzuführen.
-
-Hier ist besonders zu nennen die astronomische Uhr von C. Julius Späth
-in Steinmauern (bei Rastatt), welche u. a. das Osterfest selbsttätig
-darstellt. Der Erfinder verwandte 19 Jahre auf die Erbauung dieses
-Werkes, das aus 2200 Teilen besteht. -- Eine andere Uhr, die hier noch
-genannt sein soll, ist jene von Hofuhrmacher Gustav Speckhart von
-Nürnberg. Sie wurde erstellt im Auftrage von C. Marfels in Berlin und
-bildete auf der Ausstellung von Chicago 1893 eine Zierde des „Deutschen
-Hauses.” Zur Darstellung kommt das Passionsspiel von Oberammergau.
-Das Innere der Uhr zählt 13 Uhrwerke; eines für die Musik, neun zur
-Bewegung der Gruppen, sowie eines für den Hahnenschrei und Stunden
-und Viertelschlagwerk. Das Kunstwerk wurde 1897 durch einen Brand
-vernichtet, aber zum zweiten male hergestellt; 1900 vertrat es würdig
-deutschen Kunstfleiß auf der Ausstellung zu Paris. Gegenwärtig befindet
-sich die Uhr im Museum für Zeitmeßkunde in Schramberg.
-
-Vom 15. Jahrhundert an gab es bald keine bedeutendere Stadt mehr,
-die nicht ihre Uhr gehabt hätte; nach allen Richtungen der Windrose
-breiteten sich die neuen Zeitmesser aus. Es kann nicht unsere Aufgabe
-sein, eine Aufzählung der in diesem Zeitraum erstandenen Uhren zu
-geben, weshalb hier nur noch einige Länder genannt sein mögen. Im
-Norden finden wir in der alten Universitätsstadt Lund eine Uhr mit
-vielen Automaten aus gediegenem Silber. Als 1658 die Provinz Schonen an
-die Schweden kam, wurde das kostbare Kunstwerk sogleich eingeschifft,
-das Fahrzeug versank aber im Sturme und so ruht der Schatz schon
-lange auf dem Meeresgrunde. Auch Upsala hatte schon frühe Uhren, wie
-Erzbischof Olaf Magnus († 1544) berichtet. Er sagt,[39] zwar hätten die
-nordischen Völker die Uhren erst später erhalten, ebenso die Glocken;
-jetzt aber gebe es in diesen Ländern so gute und richtig gehende Uhren,
-sowohl einheimischen als fremden Ursprunges, daß nur noch die richtige
-Wartung für dieselben erfordert werde.[40]
-
-In England waren im 14. Jahrhundert die Uhren schon verbreitet. Es
-läßt sich dies schließen aus einigen Stellen Chaucers (ca. 1340-1400),
-des Vaters der englischen Dichtkunst, der in seinen ~Canterbury Tales~
-(~V.~ 14859 und 60) singt:
-
- ~Full sickerer was his crowing in his loge,
- As is a clock, or any abbey orloge.~
-
- (Viel sicherer konnte man nach seinem Krähen, als nach der Kirchen-
- oder Abteiuhr gehen.) Bekannt ist auch, daß Shakespeare die Uhren
- öfter erwähnt.
-
-In Spanien stellte man die erste Uhr zu Olite auf. Sevilla erhielt 1400
-eine solche; 1402 Moskau, durch einen serbischen Künstler Lazarus.
-
-In den ersten Zeiten der Uhrmacherkunst stellten sich die Uhren
-natürlich teuer, da sie einerseits große Kenntnisse bei dem Ersteller
-voraussetzten, anderseits waren der bedeutenden Größe wegen die
-Materialkosten nicht gering. Später jedoch verfertigte man sie kleiner
-und billiger, so daß gegen Ende des 15. Jahrhunderts auch Privatleute
-im Besitze von Uhren sind. Auch verschwinden nach und nach die
-Gelehrten und Astronomen als Uhrmacher, an ihre Stelle treten die
-Schlosser und später die eigentliche Uhrmacherzunft.[41] Wenn nun
-auch die Herstellung der Zeitmesser handwerksmäßig betrieben wurde,
-so entbehrten sie vielfach doch nicht des künstlerischen Schmuckes,
-weshalb solche alte kleinere Uhren sehr gesucht und wichtig sind für
-das Kunsthandwerk. Mancherorts finden sich, besonders aus der Zeit der
-Renaissance, wahre Perlen der Kleinkunst unter den Uhren vor.
-
-Die Obrigkeit beschäftigte sich bald mit der Organisation der
-Uhrmacher. Sehr ausführliche, zum Teil strenge Bestimmungen enthält die
-Zunftordnung der Pariser Uhrmacher vom Jahre 1544, welche im folgenden
-der Hauptsache nach angeführt werden.
-
-1. Es ist weder einem Goldschmied, noch sonst jemand erlaubt, Uhren
-oder Bestandteile derselben herzustellen, feil zu bieten oder zu
-verkaufen, unter Strafe der Einziehung seiner Waren und einer Buße in
-Geld; außer er habe sich als Meister in die Zunft aufnehmen lassen.
-
-2. Niemand darf als Meister aufgenommen werden vor Ablegung einer
-Prüfung und Fertigstellung eines Probestückes in der Werkstätte eines
-Aufsehers.
-
-3. Das zu liefernde Meisterwerk sei wenigstens eine Weckeruhr.
-
-4. Die Meister dürfen keine Lehrlinge annehmen für auf weniger als 8
-Jahre; einen zweiten erst, nachdem der andere 7 Jahre seiner Lehrzeit
-hinter sich hat.
-
-5. Kein Lehrling darf älter, kein Meister jünger als 20 Jahre sein.
-
-6. Jeder Meister kann alle Bestandteile von beliebigem Metalle oder
-Stoff anfertigen, sich auch überall niederlassen, wo er will. -- Die
-beeidigten Zunftaufseher können zu jeder Zeit jede Werkstätte besuchen
-und dürfen schlecht gearbeitete Ware wegnehmen u. s. w.
-
-Aehnliche Bestimmungen mögen auch in den Zunftsatzungen anderer Länder
-sich finden.[42]
-
-Auf diese Weise konnte es nicht ausbleiben, daß die neue Uhrmacherkunst
-zu hoher Blüte gelangte; die Uhren wurden so gut hergestellt, als es
-eben der damalige Stand der Kenntnisse und die vorhandenen mechanischen
-Hilfsmittel gestatteten. Deshalb sagt der Bischof Simon Majolus (lebte
-gegen Ende des 16. Jahrhunderts), daß die Uhren seiner Zeit sehr
-vollkommen seien, sie leisteten alles für den Menschen, es fehle nur
-noch, daß sie auch für ihn studierten.
-
-Wenn die ersten Räderuhren oft kolossale Dimensionen aufwiesen, so
-gaben die Zimmeruhren den unsrigen an Kleinheit nichts nach, übertrafen
-sie aber meistens durch oft bewunderungswürdige Feinheit und Schönheit
-des Schmuckes. Gezählt wurde gewöhnlich von 1-24; diese Weise hat
-sich bekanntlich in Italien bis in die neuere Zeit erhalten und ist
-neuerdings in einzelnen Ländern für den Eisenbahnverkehr wieder
-eingeführt worden. In den nördlichern Gegenden kam später die bequemere
-Zählung von zwei mal zwölf in Aufnahme, jedoch nicht erst nach der
-Reformation und vielleicht als eine Folge derselben, sondern teilweise
-schon viel früher. Am Rhein z. B. treffen wir die Halbierung schon
-1395 und vielerorts im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts.[43] In
-Breslau dagegen wurde erst 1580 durch Ratsbeschluß die halbe Zählung
-eingeführt (Gelcich, S. 26). Derartige Uhren nannte man „halbe,” im
-Gegensatz zu den „ganzen,” deren Zifferblatt 24 Stunden zeigt. L.
-Guicciardini, der Neffe des berühmten Francesco Guicciardini rühmt in
-seiner ~„Description de tous les Pais-Bas”~ (~Anvers 1582, p. 57~) die
-weit bequemere Zählweise der deutschen Völker zu zweimal zwölf Stunden
-gegenüber der italienischen mit 24.[44]
-
-Bei den ältesten Zimmeruhren drehte sich nicht der Zeiger
-(ursprünglich nur einer), sondern das Zifferblatt bewegte sich um sich
-selbst. Statt der Wagunruhe findet sich im Laufe des 15. Jahrhunderts
-die Radunruhe, oft mit Zinnen versehen, wodurch der Gang der Uhr sehr
-belebend wirkte. Nach und nach kommt auch das Gehäuse auf, welches das
-Getriebe verhüllt. Ebenso soll schon im 15. Jahrhundert der geradlinige
-Balancier (ein kurzes Pendel, das vor dem Zifferblatt schwingt und
-sich auch noch bis ins 18. Jahrhundert erhielt) aufgekommen sein.
-Bei den Tischuhren des 16. und 17. Jahrhunderts kommt es oft vor. --
-Von der Mitte des 16. Jahrhunderts an werden Uhren erwähnt, welche
-auch Minuten und Sekunden anzeigen. Eine solche aus der Zeit von ca.
-1540-1550 besitzt das germanische Museum in Nürnberg. Sie hat 3 über
-einander angeordnete Zifferblätter: das oberste zeigt die Stunden,
-das mittlere die Minuten, das dritte mit dem Bilde der strahlenden
-Sonne gibt Sekunden. Der Sekundenzeiger ist auf dem Steigrad, das 30
-Zähne hat, aufgesetzt, die Zeitsekunde wird also ruckweise angegeben,
-nicht wie bei unsern modernen Taschenuhren, deren Sekundenzeiger eine
-fortdauernde Bewegung besitzt.
-
-Der große Aufschwung, den die Uhrmacherkunst im 14., 15. und 16.
-Jahrhundert genommen, gereicht den Meistern jener Zeit zur Ehre, nicht
-minder aber den Fürsten, welche derartige Bestrebungen tatkräftig
-unterstützten. Schon früher wurde als Förderer Karl ~V.~ der Weise von
-Frankreich genannt; es sind hier noch aufzuführen Maximilian ~I.~,
-Gian Galeazzo Visconti, Franz ~I.~, Kaiser Karl ~V.~ von Spanien,
-welcher sich wie bekannt nach seinem Rücktritt von der Regierung, in
-St. Just im Verein mit dem Mathematiker Janellus Turianus viel mit der
-Verfertigung von allerlei Uhren und andern mechanischen Kunstwerken
-beschäftigte. Heinrich ~VIII.~ von England, Karl ~IX.~, Heinrich ~III.~
-und ~IV.~ von Frankreich waren ebenfalls Gönner der Uhrmacherkunst.
-
-Allʼ das konnte jedoch nicht hindern, daß die damaligen Uhren ungenau
-waren; es gab ja noch keine Maschinen, sondern alles mußte mühsam
-ausgezirkelt und von Hand bearbeitet werden. Die Waghemmung leidet an
-manchen Fehlern; bei der oft unverhältnismäßig großen Zahl von Rädern
-mußte auch die Reibung entsprechend ausfallen, was wiederum kolossale
-Gewichte bedingte, diese aber nutzten das Werk rasch ab, u. s. w. Wir
-dürfen in keinem Fall an die Genauigkeit unserer gewöhnlichen heutigen
-Uhren denken, auch wenn eine berühmte alte Uhr in Frage kommt.
-
-Wenn nun trotzdem schon frühe versucht wurde, die Uhren als Zeitmesser
-bei astronomischen Untersuchungen anzuwenden, so darf es uns nicht
-auffallen, Klagen über die Unvollkommenheit derselben zu vernehmen
-und große Ungenauigkeit im Gange festgestellt zu sehen. Als Erster
-benutzte, so viel bekannt, Bernhard Walter[45] aus Nürnberg (1430 bis
-1504) eine Räderuhr zu astronomischen Beobachtungen, ungefähr vom Jahre
-1484 an. Seine Uhr hatte ein Stundenrad mit 56 Zähnen; aus der Anzahl
-der Umdrehungen dieses Rades beobachtete er die Zeit, welche zwischen
-dem Erscheinen Merkurs und der Sonne verstrich. Diese Uhr soll ganz
-genau (~ad unguem~) gegangen sein.
-
-Die Beobachtungen sind aufgezeichnet in der 1666 und später noch
-mehrfach erschienenen „Geschichte des Himmels” des Jesuiten Albert
-Curtius, der aber durch Buchstabenversetzung seinen Namen in Lucius
-Barettus umwandelte. Den Hauptinhalt des Werkes bilden außer den bis
-dahin bekannten Beobachtungen der Alten, die Ergebnisse der Tätigkeit
-Tycho Brahes. Die auf Bernhard Walter bezügliche Stelle findet sich
-a. a. O. S. 52: „Im Jahre Christi 1484: Beobachtungen zu Nürnberg.
-Am 16. Januar habe ich ☿ (Merkur) beobachtet, nachdem ich die Uhr,
-welche von Mittag zu Mittag ganz genau gegangen, gerichtet hatte. Ich
-sah aber morgens früh den Merkur in Berührung mit dem Horizonte. Im
-selben Augenblicke hing ich das Gewicht der Uhr ein (~appendi pondus
-horologii~), welche ein Stundenrad von 56 Zähne hat. Dieses machte
-einen Umlauf und dazu noch 35 Zähne, bis der Mittelpunkt der Sonne im
-Horizont erschien. Daraus folgt, daß an diesem Tage der Merkur um 1
-Stunde und 37 Minuten vor der Sonne aufging, was mit der Berechnung
-ziemlich stimmt.”
-
-Auch Mästlein oder Möstlein (1550-1631), der berühmte Astronom und
-Mathematiker zu Tübingen und Lehrer Keplers, benützte eine Räderuhr
-zu astronomischen Beobachtungen. Von dieser Uhr sagt Mästlein, das
-größte Rad, welches in zwölf Stunden einen Umlauf macht (Stunden- oder
-Zeigerrad) habe 42 Zähne; der Trieb, welcher in dasselbe eingriff, 3
-Zähne; auf derselben Achse war das Bodenrad, an welchem das Gewicht
-hängt, mit 64 Zähnen. Sein Trieb hatte 8 und das nächste Rad 54 Zähne.
-Das vierte und letzte Rad mit einem Triebe von 6, zählte 21 Zähne und
-gab 42 Doppelschläge. Durch Rechnung ergibt sich, daß stündlich 3528
-Schläge gehört werden. Nach der Annahme Mästleins bewegt sich nun
-der Himmel von einem Schlag zum andern um 15″ 18‴; daraus berechnete
-er den Durchmesser der Sonne zu 34′ 13″, indem er die Anzahl Schläge
-zählte, während welcher die Sonne durch einen Meridianfaden ging.
-Am 6. Dezember wurden die Beobachtungen wiederholt, es ergaben sich
-aber jetzt nur mehr 137, statt wie früher 146 Schläge, so daß für den
-Sonnendurchmesser 32′ 6″ erhalten wurden. Später erhielt derselbe
-Astronom bloß 129 Schläge, also 29,75′.
-
-Mästlein schloß mit Recht aus dieser Verschiedenheit, daß die Uhr
-ungenau sei; er sagt auch, sie sei einmal innert 24 Stunden ¾ Stunden
-zu spät gegangen. Dies war auch bei der angegebenen Konstruktion des
-Werkes gar nicht anders möglich.
-
-Neben Mästlein benützte der fürstliche Astronom Landgraf Wilhelm ~IV.~
-von Hessen Räderuhren. Er sowohl, als sein mathematischer Gehülfe,
-Christoph Rothmann, rühmen die Genauigkeit ihrer Instrumente, welche
-der Schweizer Jost Bürgi, von dem später die Rede sein wird, verfertigt
-hatte. Tycho will aber nicht recht an diese Genauigkeit glauben.
-
-Dieser Gelehrte, der „König der Astronomen,” fällt ein ganz anderes
-und wohl begründetes Urteil über damalige Uhren als astronomische
-Instrumente.[46] Seine Hilfsmittel waren so sorgfältig gearbeitet, als
-es damals nur möglich war. Eine Beschreibung derselben besitzen wir von
-Tycho selbst, welche er durch seinen deutschen Sekretär für Wilhelm von
-Hessen, mit dem er in lebhaftem Briefwechsel stand, hatte anfertigen
-lassen. (Vergl. ~Epistolarum Astronomicarum libri. Uraniburgi Daniæ~,
-~p.~ 219). „Ein zusammengefaßte Beschreibung, welche kürtzlich inhelt,
-was für Astronomische Instrumenten der Edel und Wohlgeborne Tycho Brahe
-hat anrichten lassen. ... ~VII.~ bey diesem ~Observatorio~ ist ein
-groß ~Horologium~ (Uhr), welchs die Stunden, Minuten und ~Secunden~
-zeigt, und das ~paucis exceptis~, durch einige ~rotam Orichalcicam~,
-welche zwey ~Cubitos in Diametro~ hat vnd in 1200 Zehne gar fleißig
-außgeteilt (~sic!~). Hat auch darneben zwey ander kleinere ~Horologia~,
-die deßgleichen ~Horas~, ~Minuta~ vnd ~Secunden~ zeigen.” Diese
-drei Uhren waren in der Uranienburg selbst aufgestellt; der Bericht
-spricht aber noch von den Instrumenten, „so außerhalb dem Schloß in
-unterirdischen Gewölben ordiniert sein.” „In dem Nordwesterwinckel
-hangen zwey Vhrwerk bey dem Tisch, welche die ~Horas~, ~Minuta~ und
-~Secunda~ außweisen, also daß der die ~Observationes~ anschreibt, dabey
-sitzen, vnd das ~Momentum~, wann die ~Observatio~ geschiecht, flux
-anmerken kan.” Tycho benützte also wenigstens fünf Uhren.
-
-Die Gründe der Ungenauigkeit aller damaligen Räderuhren für
-astronomische Beobachtungen werden gut angegeben. „Mit welchʼ
-mechanischer Sorgfalt solche Uhren auch immer gearbeitet sein mögen, so
-sind sie doch wegen Veränderung in Luft und Wind selbst veränderlich,
-und es gibt keine Abwehr dieser Unbeständigkeit, wenn sie zur
-Winterszeit in geheizten Zimmern aufgestellt sind; selbst dann nicht,
-wenn die Temperatur so viel als möglich gleich gehalten wird. (Es gab
-damals noch keine Thermometer!) So werden sich Schwankungen des Ganges
-zeigen. Leicht kann es sich auch treffen, daß einige Zähnchen oder
-Räder ungleichmäßig gearbeitet sind, so daß sie die Regelmäßigkeit des
-Ganges, wenn auch nur wenig, stören, auch wenn die Uhr anfangs genau
-mit der Sonne oder den Sternen übereinstimmte. Ja selbst die Schnur,
-an welcher das Gewicht hängt, beschleunigt den Gang, wenn viel davon
-abgewickelt ist, mehr, als wenn das Gewicht noch hoch hängt. Wenn
-dieser Unterschied auch gering sein mag, so stört er doch, da ja eine
-Differenz von 4 Sekunden an der Uhr, bei einem Sterne schon eine Minute
-ausmacht. Auch andre Gründe raten, den Uhren nicht zu trauen.”[47]
-
-Es war also notwendig, um zu einigermaßen genauen Resultaten zu
-gelangen, die Uhr fleißig zu korrigieren. Dies geschah entweder
-durch Sternbeobachtungen, oder durch Feststellung des Sonnenstandes.
-Tycho beobachtete besonders mit zwei Uhren, einer größeren und einer
-kleineren; es finden sich aber doch Fehler von mehr als zwei Stunden
-angemerkt von einem Tag zum andern. Das Beobachtungstagebuch ist von
-derartigen Bemerkungen voll. Natürlich hatte da auch der Uhrmacher
-vollauf Arbeit, und die Astronomen gerieten in große Verlegenheit, wenn
-ihnen ein solcher fehlte. So ersucht auch Tycho einmal dringend Wilhelm
-von Hessen um baldmöglichste Zusendung eines geschickten ~„Automatopæum
-sive Horologiarium”~ (Uhrmacher), da der frühere, Crole, gestorben sei.
-
-Es darf uns also nicht wundern, wenn Tycho, dieser ausgezeichnete
-Astronom, nach einem Ersatz der Räderuhren sich umsah, allerdings
-mit negativem Erfolg. Er schildert diese Bemühungen in humorvoller
-Weise. Zuerst wurde ein Versuch mit Quecksilber gemacht, das durch 3
-bis 4malige Sublimation mühsam gereinigt wurde. Es sollte eine Art
-Wasseruhr hergestellt werden, wobei Tycho noch die Vorsicht benützte,
-das Niveau der Flüssigkeit konstant zu erhalten. Das in einer
-bestimmten Zeit ausgeflossene Quecksilber wurde gewogen, und man suchte
-danach zu bestimmen, wie viel in einer Stunde, Minute oder Sekunde
-ausfließen könne. Aus dem Gewichte wurde also die Zeit bemessen, um so
-auf eine genauere Bestimmung der Rektaszension eines Sternes etc. zu
-kommen. Tycho sagt mit Recht: „Gewiß eine mühevolle und teure Arbeit.
-So erfüllte sich auch hier der Spruch des stagirischen Philosophen
-(Aristoteles): Es findet sich in Merkur (Quecksilber), was immer ein
-Weiser suchen mag.” Merkur der Planet bewährte indes auch hier wieder
-seine Feindschaft gegen die Astronomen!
-
-Auch mit Bleikalk (oxydiertem Blei) versuchte Brahe durch Konstruktion
-einer Sanduhr zu bessern Ergebnissen zu gelangen. Er wollte Merkur
-und Saturn vereinigen, da ja nach der Meinung der Astrologen, deren
-Verbindung (Konjunktion) die günstigste sei. Alles umsonst! „Aber
-nicht bloß der verschmitzte Merkur vereitelte meine Bemühungen, so wie
-er am Himmel die Astronomen, auf Erden die Chemiker narrt, sondern
-sogar der sonst so ernste und bedächtige Saturn[48] ließ von seinem
-arglistigen und heimtückischen Gebaren nicht ab, so daß schließlich die
-ganze Arbeit vereitelt wurde. Dies alles erwähne ich nur deswegen so
-weitläufig, damit die Freunde der Astronomie ersehen, wie schwierig es
-sei, die Stellung auch nur eines einzigen Sternes am Himmel in bezug
-auf die Solstitien oder Aequinoktien im voraus zu berechnen”, und fügen
-wir noch bei: wie viel besser wir mit unsern weit genauer gehenden
-Uhren gestellt sind, als es bei diesem großen Astronomen vor 300 Jahren
-der Fall war.
-
-Nach allʼ dem wird das Mißtrauen Tychos gegen die angebliche
-Genauigkeit der hessischen Uhren begreiflich, und müssen uns auch die
-noch um 100 Jahre ältern Angaben Walthers über seine genau gehende Uhr
-sehr verdächtig erscheinen.
-
-Kehren wir nach diesen Bemerkungen zur weitern Entwicklung der
-Räderuhren zurück!
-
-Wenn auch die Dimensionen der Uhren nach und nach auf ein immer
-bescheideneres Maß zurückgeführt wurden, so blieb man dabei doch nicht
-stehen, sondern suchte sie so klein zu machen, daß dieselben auch
-auf Reisen, ja sogar in der Tasche bequem nachgeführt werden konnten.
-Es waren jedoch hier ganz bedeutende Schwierigkeiten zu überwinden,
-bevor das Ziel einigermaßen erreicht war. Einmal fiel natürlich das
-Gewicht als treibende Kraft ganz weg, und es mußte für passenden Ersatz
-gesorgt werden. Dies geschah durch die gespannte Stahlfeder, welche
-vermöge ihrer Elastizität das Räderwerk zu treiben im stande ist. Sie
-wurde ursprünglich an eine der 4 Säulen, zwischen denen sie ruhte (das
-Federhaus entstand erst später), mit dem einen, und mit dem andern
-Ende an dem Wellbaum befestigt. Oben saß das sogenannte Stirnrad,
-welches die übrigen Räder in Bewegung setzte. Von nachteiligem
-Einfluß auf die Genauigkeit einer solchen Uhr war der Umstand, daß
-sie beim Aufziehen der Feder still stand; dem wurde abgeholfen durch
-Einführung des „Gesperres,” bestehend aus Sperrrad und Sperrkegel.
-Beide befinden sich außerhalb der Platinen (Platten, zwischen denen das
-Räderwerk angeordnet ist); das Rad läßt wohl die Bewegung zum Spannen
-der Feder zu, verhindert aber durch Einklappen des Sperrkegels die
-entgegengesetzte.
-
-Eine andere Schwierigkeit bestand in der geringen Größe der Räder einer
-Taschenuhr. Wenn das Werk erträglich genau gehen sollte, so mußten alle
-Teile sehr fein gearbeitet sein; gewiß keine kleine Aufgabe bei dem
-damaligen Stande der Werkzeuge.
-
-Eine Feder wirkt um so kräftiger, je stärker sie gespannt ist;
-also müßte an und für sich eine Federuhr anfänglich sehr rasch,
-nach und nach aber immer langsamer gehen. Diesem Uebelstand wurde
-abgeholfen durch die sogenannte Schnecke. Es ist dies, wie jedermann
-bekannt, ein kegelförmiger Körper, welcher an seiner Oberfläche mit
-schraubenförmigen Windungen versehen ist. Trommel (Federhaus) und
-Schnecke stehen nebeneinander und sind durch eine Schnur, Darmsaite
-oder Kette verbunden, von welcher das eine Ende am oberen Teil der
-Trommel, das andere am unteren Teil des Kegels befestigt ist. Wird nun
-die Feder aufgezogen, so strebt sie sich wieder auszudehnen, also die
-Trommel in entgegengesetzter Richtung zu drehen. Wegen des Sperrrades
-ist dies aber nicht möglich, ohne daß zugleich auch die Schnecke sich
-drehe, wodurch allmählich die Kette von oben nach unten auf die Trommel
-sich abwickelt. Nun wirkt nach den Gesetzen der Mechanik eine Kraft
-um so intensiver, je länger ihr Arm ist. Sollte also der Antrieb der
-gespannten Feder anfangs und gegen Ende hin sich annähernd gleich
-bleiben, so mußte sie zuerst am kürzeren und nach und nach an einem
-immer längeren Hebelarme tätig sein (Fig. 17). Dieser Zweck wird durch
-die geniale Konstruktion der Schnecke erreicht, welche dem Scharfsinn
-ihres unbekannten Erfinders alle Ehre macht.
-
-[Illustration: Fig. 17.]
-
-Ebenso wie die Erfindung der Schnecke, ist auch jene der Uhrfeder in
-tiefes Dunkel gehüllt. Sicher ist, daß Henlein, wie es weiter unten
-ausführlicher besprochen werden soll, Taschenuhren ohne Gewicht, also
-mit Federn herstellte. Es scheint auch ohne weiteres klar, daß einem
-Schlosser, und aus diesen gingen ja die Uhrmacher hervor, der Gedanke
-kommen konnte, die Feder, welche schon längst in den Türschlössern
-angewendet wurde, auch bei der Uhr als Ersatz des Gewichtes zu
-verwerten. Die Franzosen allerdings schreiben diese Erfindung einem
-Landsmann unter Karl ~VII.~ (gest. 1461) zu, ohne daß jedoch bis jetzt
-eine sicher beglaubigte Uhr aus jener Zeit zum Vorschein gekommen
-wäre. Wir geben hier die Abbildung eines alten Tischührchens, das die
-Jahreszahl 1504 eingeritzt trägt und in so fern einigen Anhalt gäbe für
-die Erfindung der Feder. Fig. 18 stellt das Aeußere dar; Fig. 19 den
-inneren Mechanismus, von unten gesehen. Zum Gebrauche der Uhr während
-der Nacht sind auf dem Zifferblatt Knöpfe angebracht, unter der Ziffer
-12 ein etwas größerer. Ein in Fig. 18 sichtbares Türchen bei ~A~ (mit
-der Jahrzahl und einem durchstrichenen ~S~) läßt den Gang der Uhr
-beobachten. Jedenfalls ist dieses Werk sehr merkwürdig und gehört zu
-den ältesten, die noch vorhanden sind.
-
-[Illustration: Fig. 18.]
-
-Die Hemmung der ersten Taschenuhren war ähnlich wie bei den
-Gewichtuhren, also ein schwingender Balken, entsprechend verkleinert
-und an den Enden verdickt nach Art eines Löffels, weshalb man sie auch
-Löffelunruhe nannte. Bald trat an ihre Stelle die ringförmige Unruhe,
-welche heute noch verwendet wird. Später kam noch die Spiralfeder
-hinzu, und diese beiden Stücke, Unruhe und Spiralfeder, bilden die
-eigentliche Hemmung der Taschenuhren.[49]
-
-[Illustration: Fig. 19.]
-
-Wann wurde die erste Taschenuhr hergestellt? Diese Frage läßt sich,
-wie die bezüglich der Räderuhren, nicht genau beantworten. Allgemein
-wird als Erfinder dieser nützlichen Vorrichtung Peter Henlein aus
-Nürnberg und als Zeitpunkt derselben der Anfang des 16. Jahrhunderts
-genannt. Diese Annahme hat auch die meisten Gründe für sich, obschon
-Deutschland, England und Frankreich sich um die Ehre der Erfindung
-streiten; in Deutschland im besondern die Städte Augsburg, Straßburg
-und Nürnberg. Auch die Zeit findet sich verschieden angegeben; es
-scheint aber sicher, daß im 15. Jahrhundert kleine tragbare Uhren
-verfertigt worden seien.
-
-Der Ausdruck „tragbar” hat zu Mißverständnissen Veranlassung gegeben,
-indem einige Stellen, wo von kleinen tragbaren Uhren die Rede ist, auf
-Taschenuhren gedeutet wurden. „Tragbar” hießen auch die Zimmeruhren,
-im Gegensatz zu den Turmuhren. So findet sich im Inventar Karls ~V.~
-von Frankreich eine Uhr verzeichnet, welche einst Philipp dem Schönen
-(1285-1314) gehört haben soll; man hat diese Uhr ohne weitere Beweise
-als Taschenuhr angesehen. Hamberger und Beckmann betrachten auch die
-Uhr, welche Kaspar Visconti († 1499) besingt, als eine Taschenuhr.[50]
-Sie zeigte aber außer den Stunden auch noch den Planetenlauf, die
-jährlichen Feste und war mit einem Schlagwerk versehen; es ist also
-schwerlich an eine Taschenuhr zu denken.[51] Wir haben demnach hier
-eine Wohnungsuhr vor uns, „die damals in den verschiedenen Ländern
-Europas eben aufkamen und gegen die unbeweglichen Turmuhren „beweglich”
-und von einem Ort zum andern transportierbar waren, wenn sie auch noch
-durch das treibende Gewicht an eine Wand gebunden waren. Sie bezeichnen
-als solche gewiß einen so bedeutenden Fortschritt in der Uhrmacherei,
-daß sie einen Dichter gar wohl zu einem Lobgesang auf sie veranlassen
-konnten” (Friedrich a. a. O).
-
-Speckhart erwähnt auch eine 1494 in die Sebalduskirche zu Nürnberg
-gestiftete Tafel, auf welcher ein gewisser Grundherr als Stifter einer
-Uhr gepriesen wird:
-
- Herr Ulrich Grundherr war beflissen,
- Uff eine Uhr, die hett ein Grund,
- Die schlug viermal in einer Stund,
- Teilt fein die Viertel alle aus,
- Das bracht der Herr mit ihm zu Haus
- und gabs den Herren zu verstahn,
- Die hießen bald eins machen lahn.
-
-Also auch eine tragbare Uhr, wenn auch noch nicht eine Taschenuhr.
-Du Verdier erzählt nach alten Chronisten aus der Zeit Ludwigs ~XI.~
-(1461-1483) von einem Höfling, der ein leidenschaftlicher Spieler war
-und einst alles verloren hatte. Er trat in das Zimmer des Königs und
-nahm eine dort befindliche Uhr weg, indem er sie in seinem Aermel
-verbarg. Der Diebstahl wurde aber alsbald entdeckt, da die Uhr zu
-schlagen begann. Der König verzieh dem armen Schelmen und schenkte ihm
-die Uhr.[52] Ob dieses kleine Werk eine Taschenuhr gewesen, läßt sich
-wegen Mangel näherer Quellenangaben nicht feststellen.[53]
-
-Bezüglich des Nürnberger Schlossermeisters Peter Henlein haben wir
-aber positive Nachrichten.
-
-Ein Hauptzeuge in dieser Angelegenheit ist Johannes Cochläus, der
-bekannte Gegner Luthers. Im Anhang zu seiner 1511 erschienenen
-~Cosmographia Pomponii Melæ~, welche Willibald Pirkheimer gewidmet ist
-und von den Vorzügen Nürnbergs handelt, sagt er u. a. folgendes: „Es
-werden tagtäglich schwierigere Dinge erfunden; so hat Peter _Hele_,
-ein noch junger Mann, Werke gemacht, welche selbst bei den größten
-Mathematikern Bewunderung erregen; denn aus wenig Eisen (~parvo ferro~)
-baut er Uhren mit sehr vielen Rädern, welche, wie immer gelegt, ohne
-jedes Gewicht 40 Stunden zeigen und schlagen, auch wenn sie auf der
-Brust oder in der Börse getragen werden.” Aus dieser wichtigen Stelle
-ergibt sich, daß die Uhren klein und von Eisen waren; ferner, daß
-eine Feder das Räderwerk trieb. Vielleicht kam Henlein durch seinen
-Schlosserberuf auf den guten Gedanken, die Feder bei den Uhren zu
-verwenden. Ueber das Jahr der Erfindung erfahren wir durch Cochläus
-nichts; Speckhart ist geneigt, die Zeit von 1500 bis 1510 dafür
-anzusetzen. Die ersten Taschenuhren wurden wahrscheinlich als Reise-
-oder Kutschenuhren verwendet; eine solche von 36 Stunden Gehzeit aus
-dem Jahre 1560, bewahrt das Germanische Museum.
-
-Cochläus schreibt Peter _Hele_; andere Schreibweisen sind Heinlein,
-Henlein, Henle und statt Peter, Andreas Henlein. Es ist das Verdienst
-der Herren ~Dr.~ Mayer, früher Archiv-Sekretär in Nürnberg, und
-~Dr.~ Locher, die richtige Schreibweise gefunden zu haben. Mayer
-durchforschte zu diesem Zwecke die Verzeichnisse Nürnberger Schlosser
-von 1462 bis 1548, ohne einen Peter _Hele_ zu finden, wohl aber wird
-öfter ein Peter _Henlein_ erwähnt. Dies ist also die einzig richtige
-Leseart.
-
-Das Geburtsjahr unseres Meisters ist nicht bekannt. 1504 war Henlein
-in einen Raufhandel verwickelt, welcher mit einem Totschlag endete;
-Peter scheint jedoch nicht der Hauptschuldige gewesen zu sein,
-wenigstens wurde nur eine Geldbuße über ihn verhängt. Wir dürfen nun
-annehmen, daß Henlein damals ein erwachsener Bursche, in den zwanziger
-Jahren war. 1509 wurde er Meister, was ein Alter von wenigstens 30
-Jahren erforderte. Er verehelichte sich, wann ist unbekannt; seine
-Frau hieß Kunigunde. Auch eines Bruders, Hermann Henlein, geschieht
-Erwähnung, welcher wegen Ermordung „eines jungen Bettelmaidle” zu
-Augsburg hingerichtet wurde. Das Todesjahr Henleins ist 1542; denn im
-ältesten Nürnberger Totenbuch findet sich vom 4. Juni bis 14. September
-genannten Jahres der Eintrag: „Peter Henlein, Vrmacher auff St.
-Katharina.”
-
-Wann Henlein seine erste Uhr verfertigte, ist ungewiß. 1511 wendet sich
-die Nonne Felicitas Grundherrin an ihren Vater Leonhard Grundherrn,
-mit der Bitte um einige „Orrlein.” Sie wurde aber von ihrer Aebtissin
-getadelt, weil sie „um Lappenwerk” angehalten habe. Damals also waren
-die Taschenuhren schon käuflich zu haben.[54]
-
-Die neue Erfindung verbreitete sich, wie leicht einzusehen, ihrer
-ausgezeichneten Brauchbarkeit entsprechend sehr rasch; bei dem regen
-Verkehr Nürnbergs mit fast allen Ländern war dieses auch nicht
-schwer. Gemma Frisius (verdienter Schriftsteller über Astronomie und
-Kosmographie, 1508 bis 1555) gab 1530 eine Schrift heraus (Prinzipien
-der Astronomie und Kosmographie), worin er sagt, daß die kleinen oder
-Taschenuhren erst letzthin erfunden worden seien; sie hatten sich also
-in kurzer Zeit bis nach Holland verbreitet. Das South Kensington-Museum
-in London besitzt Taschenuhren englischen Fabrikates aus den Jahren
-1539, 1540, 1541 und 1560. -- Da die neue Erfindung hochgeschätzt
-war, wurden die Taschenuhren auch zu Geschenken verwendet. So sandte
-Friedrich Pistorius, letzter Abt von St. Aegidien in Nürnberg,
-gestorben 1553, an Luther eine Nürnberger Taschenuhr. Sie war diesem
-noch unbekannt und bewog ihn, Pistorius dafür besonders zu danken. In
-seinem Schreiben sagt er u. a.: ein höchst angenehmes Geschenk; so daß
-ich mich gezwungen fühle Schüler unserer Mathematiker zu werden, um
-alle die Gesetze und Regeln einer Uhr zu verstehen, denn vordem habe
-ich etwas derartiges nie gesehen oder beobachtet (Roth, Geschichte
-des Nürnberger Handels). Auch Melanchthon soll eine von Peter Henlein
-verfertigte Uhr besessen haben. Auch als Legate wurden Taschenuhren
-vermacht. Parker, Erzbischof von Canterbury, bestimmte in seinem
-Testament vom 5. April 1575 (Beckmann ~l. c. I.~ Bd.): ~„do et lego
-fratri meo Richardo baculum meum de canna Indica, qui horologium
-habet in summitate.”~ Ebenso erhielt der schweizerische Humanist
-Glarean durch Oekolampadius, als Erasmus von Rotterdam gestorben, eine
-Taschenuhr als Andenken an diesen.
-
-[Illustration: Fig. 20.]
-
-Ob noch von Henlein selbst herrührende Uhren vorhanden seien, ist
-schwer zu sagen. Sicher besitzen viele Sammlungen Taschenuhren aus der
-ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts (S. Fig. 20). Die Sammlung der Gebr.
-Junghans in Schramberg, das „Neue deutsche Museum für Zeitmeßkunst”
-bewahrt als eine Zierde eine Taschenuhr, die ganz von Eisen gefertigt
-ist und Henlein allgemein zugeschrieben wird. Sie mißt bei 2 ~cm~ Höhe
-6 ~cm~ im Durchmesser und geht 40 Stunden. Die Form ist rund.
-
-[Illustration: Fig. 21.]
-
-Eine sehr alte Uhr, die wohl in die Zeit Henleins zurückreicht, birgt
-die berühmte Sammlung Marfels in Berlin. Das Gehäuse besteht aus
-Bronze, die Form ist zylindrisch, das Werk ganz von Eisen. An den
-Zahlen des Zifferblattes sind erhöhte Knöpfe befestigt, so daß man im
-Dunkeln die Stellung des Zeigers mit den Fingern tasten kann. Bei der
-Zahl 12 ist statt des Knopfes eine Spitze angebracht. Den Dienst der
-Spirale versieht eine Schweinsborste (Fig. 21).
-
-[Illustration: Fig. 22.]
-
-Als Uebergang zu den „Eiern” treffen wir dort auch achteckige Uhren,
-welche ja neuestens wieder nachgeahmt werden. (In dieser ganz aus
-Privatmitteln erstellten und wohl vollständigsten und einzigen Sammlung
-der Welt befinden sich Zeitmesser vom 12. Jahrhundert an bis herauf
-zu den neuesten Erzeugnissen und aus allen möglichen Materialien.
-Die Sammlung setzt sich zusammen aus der Speckhartschen Kollektion,
-der Sammlung Marfels in Berlin, über welchʼ letztere im Verlag der
-Deutschen Uhrmacherzeitung eine Schrift von Horstmann erschien, und
-der Sammlung O. Gasser in Magdeburg.[55] -- Zwei Zeiger (für Stunden
-und Minuten) kamen erst um 1700 auf; ältere Uhren haben nur einen.
-Sogenannte „Nürnberger Eier” haben sich noch viele erhalten, diese
-Form entstand aber erst später (ca. 1550); auch hießen die Nürnberger
-Uhren nicht schlechtweg Eier, sondern „lebende Eyerlein.” Die Uhrmacher
-gefielen sich bald in den seltsamsten Formen: Uhren in Kreuzform, Uhren
-als Rosen, Tulpen, Sterne, Aepfel u. s. w. Die Gehäuse sind vielfach
-auf das schönste gearbeitet, mit Edelsteinen und Email, heidnischen und
-christlichen Figuren, Apollo und Diana, Christus, Maria etc. verziert.
-(Vgl. Fig. 22. Französische Taschenuhren aus der Zeit der Valois).
-
-[Illustration: Fig. 23.]
-
-Eine originelle deutsche Arbeit ist Fig. 23, eine Totenkopfuhr. Die
-obere Platine trägt den Namen des Augsburger Uhrmachers Johann Lendl.
-Auf der Innenseite der Platte, die das Zifferblatt bedeckt, ist die
-Inschrift eingraviert: ~„Lorlogeur francoient (?) du ducq dʼAremberque
-a mons.”~ (Der französische (?) Uhrmacher des Herzogs von Aremberg in
-Mons (Belgien)). Diese Inschrift scheint später angebracht worden zu
-sein. Der Totenkopf ist aus Silber; das ebenfalls silberne Zifferblatt
-trägt eine gravierte Darstellung des jüngsten Gerichtes (Speckhart
-a. a. O. 401).
-
-Henlein verfertigte in seinen späteren Jahren Uhren, welche so klein
-waren, daß sie in sogenannten Bisamknöpfen untergebracht werden
-konnten. Auch anderwärts wurden derartige Kunststücke ausgeführt.
-Peter Aretino erwähnt in einem Briefe von 1537[56] eine Uhr, welche
-Gian Vincenzio, eigentlich Joh. Capobianco geheißen († 1570), in einem
-Fingerring für den Großtürken verfertigt hatte. Eine andere, ebenso
-kleine und noch künstlichere Uhr machte derselbe Meister für Ubaldo,
-den Herzog von Urbino. Sie zeigte die zwölf Himmelszeichen, eine Figur
-in der Mitte wies die Stunden; wenn der Bericht zuverlässig ist, besaß
-diese Ringuhr auch noch ein Schlagwerk. Sie wurde an ihrem Verfertiger
-zur Lebensretterin. Capobianco hatte nämlich in Venedig einen Feind
-niedergestochen; er wurde deswegen zum Tode verurteilt, auf Fürbitte
-Karls ~V.~ jedoch, der, wie bekannt, ein großer Freund geschickter
-Uhrmacher war, befreit und bloß verbannt.[57]
-
-Es braucht wohl nicht bemerkt zu werden, daß derartige kleine Werke
-nicht genau gehen konnten, sondern daß bedeutende Fehler vorkommen
-mußten; dies hindert aber nicht, dem unbedingt großen technischen
-Können der alten Meister alles Lob zu spenden.
-
-Wie Paul von Stetten in seiner 1779 und 1788 erschienenen
-„Kunst-Gewerbe- und Handwerksgeschichte der Stadt Augsburg” bemerkt,
-trugen daselbst die Stutzer vor Erfindung der Taschenuhren Sanduhren
-an den Beinen! 1588 dagegen werden solche erwähnt, welche kleine runde
-Schlaguhren vorn auf der Brust tragen.
-
-Auch an den Taschenuhren wurden bald Verbesserungen angebracht; ca.
-1550 wurden die 4 Pflöcke, zwischen denen die Feder offen dalag,
-durch das Federhaus ersetzt; 1590 führte der Genfer Gruet statt der
-Darmsaite auf der Schnecke eine Kette ein, welche den Vorteil bot,
-nicht hygroskopisch zu sein.[58] An den ersten Taschenuhren geschah
-die Regulierung durch zwei an verschiebbaren Hebeln angebrachte
-Schweinsborsten, an welche die Unruhe anprallte. Die Spiralfeder
-wird Huygens zugeschrieben,[59] andere nennen den französischen Abbé
-Hautefeuille von Orleans, wieder andere den Engländer Hooke als
-Erfinder. Vielleicht gebührt diese Ehre allen zusammen.
-
-Die weiteren wichtigen Vervollkommnungen, welche die Taschenuhr im
-Laufe der Zeit erfahren, werden in einem späteren Abschnitte behandelt.
-Daß aber alle damaligen Uhren größeren Ansprüchen auf Genauigkeit nicht
-genügten, haben die angeführten Tatsachen gezeigt. Auch die Taschenuhr
-war noch keineswegs jener zuverlässige Zeitmesser, als welchen wir sie
-heute schätzen.
-
-
-
-
-~IV.~
-
-Die Erfindung der Pendeluhr.
-
-
-Bei den Taschenuhren war es die Erfindung der Spiralfeder durch
-Huygens, bei den übrigen die des Pendels und dessen passende Anwendung,
-welche die Zeitmesser zu jener Vollkommenheit brachte, die wir heute an
-ihnen bewundern.
-
-Unter einfachem oder mathematischem Pendel versteht man einen
-materiellen, dem Einfluß der Schwere unterworfenen Punkt, welcher an
-einem als gewichtslos gedachten Faden hängt. Letzterer stellt die
-Verbindung des beweglichen schweren Punktes her mit dem unbeweglichen
-(der Achse), um welchen jener sich dreht. In Wirklichkeit findet
-sich selbstverständlich ein mathematisches Pendel nie, sondern nur
-das physische oder zusammengesetzte, welches durch jeden Körper
-dargestellt wird, der um eine horizontale Achse schwingen kann. Es
-lassen sich aber die Gesetze dieses Pendels auf die des mathematischen
-zurückführen; Galilei und Huygens beschäftigten sich zuerst damit. Wie
-die Mechanik beweist, ist die Schwingungsdauer eines Pendels bei sehr
-kleinen Schwingungen annähernd unabhängig von der Schwingungsweite oder
-Amplitude. Dieser als Isochronismus kleiner Schwingungen bezeichnete
-Satz ist sehr wichtig für die Anwendung des Pendels als Regulierapparat
-der Uhren.
-
-Bekannt ist die Anekdote, nach welcher der junge Galilei 1583
-durch Beobachtung der Schwingungen einer Lampe im Dom zu Pisa auf
-den Isochronismus der Pendelschwingungen gekommen sein soll; er
-stellte aber ein Zählwerk (Pendel mit Vorrichtung zur Angabe der
-Schwingungszahl) erst 1636 her. Die Astronomen benützten dieses
-Instrument alsbald. Zwar soll nach Humboldt (Kosmos ~II.~ S. 258 und
-451) schon der im 10. Jahrhundert lebende arabische Astronom Ibn
-Junis das Pendel bei seinen Beobachtungen benützt haben; sicher ist,
-daß der Danziger Bürgermeister und Astronom Hevelius (1611 bis 1687)
-es verwendete, und zwar zur Beobachtung der Sonnenfinsternis vom 11.
-August 1659. Ebenso bezeugt der Jesuit Riccioli (1598-1671), wohl der
-bedeutendste Gegner Galileis, ausdrücklich, daß er mit seinem Genossen
-Grimaldi viele Beobachtungen mit einem Pendel gemacht habe.[60] Auch
-der Jesuit Schott, dem wir die erste gedruckte Beschreibung der
-Luftpumpe (~„Experimentum novum Magdeburgicum”~) verdanken, machte
-zahlreiche Versuche, das Pendel als Regulator an Uhren zu benützen.
-In seinen ~„Mirabilia chronometrica”~[61] beschreibt er eine Anzahl
-Hemmungen, von welchen zwar einige unausführbar sind, andere jedoch
-haben nach dem Urteil Duboisʼ (~Histoire de lʼHorlogerie~, ~p.~ 133)
-auch jetzt noch für den Uhrmacher Interesse.
-
-Keiner dieser Männer aber, von Galilei abgesehen, ersetzte wirklich die
-Bilanz der alten Räderuhr durch das Pendel; Hevelius versichert zwar,
-sich lange mit diesem Gedanken getragen zu haben, aber Huygens kam ihm
-zuvor.
-
-Drei Namen sind es, die gewöhnlich mit der Erfindung der Pendeluhr in
-Verbindung gebracht werden: Jost Bürgi, Galilei und Christiaan Huygens.
-Bei der Wichtigkeit der Sache erscheint es angezeigt, auf die Gründe,
-die für den einzelnen sprechen, etwas näher einzugehen.
-
-Jost Bürgi[62] (Fig. 24) (auch Byrgi, Burgk u. s. w. geschrieben),
-geboren zu Lichtensteig, Kt. St. Gallen, genoß nach Kepler keinerlei
-gelehrte Bildung in der Jugend, schwang sich aber durch andauernden
-Fleiß und durch besonderes Geschick für Mechanik und Mathematik zum
-Künstler und Gelehrten empor. Wir wissen von seinem Lebensgange nichts
-bis zum Zeitpunkte, da er als Mechaniker an den Hof des schon öfter
-erwähnten Landgrafen Wilhelm von Hessen berufen wurde. Dieser schätzte
-ihn bald sehr hoch; er nannte ihn sogar „ein zweiter Archimedes an
-Spürsinn.” Nach dem Tode seines Herrn wurde Bürgi von Rudolf ~II.~
-als Kammeruhrmacher nach Prag berufen, in welcher Stellung er bis
-1622 blieb. Sein Tod erfolgte zu Kassel im Jahre 1632. Er erfand
-mancherlei mathematische Instrumente, berechnete auch nach Keplers
-Zeugnis (bei Wolf, Biographien, a. a. O. S. 71) viele Jahre vor Neper
-die Logarithmen,[63] welche er als „Progreßtabul” veröffentlichte,
-allerdings erst 1620, also sechs Jahre nach Nepers Tafeln. -- Was nun
-die Erfindung der Pendeluhr betrifft, so ist Wolf entschieden der
-Ansicht, daß sie Bürgi zuerkannt werden müsse.
-
-[Illustration: Fig. 24.]
-
-Die Gründe, auf welche diese Annahme sich stützt, sind kurz folgende:
-Rothmann, der Mathematiker Wilhelms von Hessen, erwähnt in der
-ca. 1586 geschriebenen Einleitung zum Hessischen Sternverzeichnis,
-daß in Kassel eine Sekundenuhr benützt worden sei, bei welcher
-das Libramentum, d. h. die Unruhe oder der Balancier, „nicht auf
-gewöhnliche, sondern auf ganz besondere und neue Weise so getrieben
-werde, daß jede Bewegung einer Sekunde entspreche.” Ferner sei schon
-zur Zeit Rudolfs ~II.~ in Prag eine von Bürgi verfertigte Pendeluhr
-vorhanden gewesen, was auch ein gewisser flamändischer Mathematiker,
-Doms, nach dem Augenschein bestätige. So berichtet Joachim Becher in
-einer 1680 erschienenen Schrift; er fügt noch bei, daß auch Tycho diese
-Uhr benützt habe. Professor Weiß in Wien fand 1873 auf der kaiserlichen
-Schatzkammer außer einer sicher von Bürgi gefertigten Prachtuhr noch
-eine sehr alte Pendeluhr mit verschiebbarer Linse vor, welche er Bürgi
-zuschreibt und als die älteste Pendeluhr ansieht. Zu Kassel endlich,
-dem langjährigen Aufenthaltsorte Bürgis, befinden sich drei Uhren,
-welche nach Ausweis der alten Inventarien von Bürgi herstammen; eine
-derselben besitzt ein Pendel. Dies sind im wesentlichen die zu seinen
-Gunsten vorgebrachten Angaben.
-
-Gerland prüft nun alle diese Gründe in seiner abschließenden Arbeit[64]
-„Zur Geschichte der Pendeluhr,” welcher wir hier folgen. Er gelangt zum
-Ergebnis, daß die Einführung des Pendels als Regulator der Uhren Bürgi
-nicht zugeschrieben werden könne.
-
-Der Bericht Rothmanns würde, wenn man annimmt, daß Bürgi das Pendel
-erfunden, diesen auch als Entdecker des Isochronismus hinstellen,
-als welcher doch allgemein Galilei angesehen wird. Wäre ferner die
-von Bürgi an der Uhr angebrachte Verbesserung ein Pendel gewesen,
-so ist nicht abzusehen, warum Rothmann den Apparat nicht auch mit
-diesem Namen bezeichnete, sondern mit ~„libramentum,”~ (Unruhe), da
-er doch an andern Orten das Wort ~„perpendicula”~ gebraucht. Tycho
-würde gewiß die ebenso bequeme als nützliche Neuerung Bürgis auch
-erwähnt haben, wenn er sie wirklich benützt hätte. Was nun endlich die
-Kasseler Uhren betrifft, so ist eine derselben nicht bloß mit einem
-Pendel, allerdings ältester Form (Birne) versehen, sondern sie besitzt
-sogar die erst 1680 (nach der gewöhnlichen Angabe) von dem englischen
-Uhrmacher Element erfundene rückspringende Ankerhemmung. Gerland
-beweist auch noch aus Kasseler Akten, daß an der von Bürgi herrührenden
-Uhr wiederholt Veränderungen vorgenommen wurden und schließt hieraus,
-daß man bei einer solchen Gelegenheit, wahrscheinlich 1676, die alte,
-sehr schön und genau gearbeitete Uhr mit einem Pendel versah und so
-den neuen Anforderungen anpaßte. Derartige Verbesserungen wurden auch
-anderwärts, bald nach Bekanntwerden der Huygensschen Erfindung an schon
-vorhandenen Werken angebracht. So z. B. berichtet Blunschli[65] von
-Zürcher Uhren, welche Pendel erhielten. Die 1538 durch Hans Luter von
-Waldshut erstellte Uhr auf St. Peter wurde durch Meister Felix Bachofen
-1675 in eine Pendeluhr umgewandelt; ebenso 1689 die aus dem Jahre 1581
-stammende Uhr auf dem Oberdörffer Turm; 1682 wurden die Uhren auf dem
-Ketzer- und dem Grimmenturm in der angegebenen Weise verändert u. s. w.
-
-Hieraus ergibt sich, daß Bürgi wohl kaum als Erfinder der Pendeluhr
-angesehen werden kann. Bei den übrigen Verdiensten als Mathematiker und
-Mechaniker kann dieser Umstand seinen Ruhm nicht schmälern. Als Rivalen
-bleiben also noch Galilei und Huygens.
-
-[Illustration: Fig. 25.]
-
-Galilei (Fig. 25) (eigentlich Galileo, oder Galileo Galilei ~scil.
-filius~) wurde geboren zu Pisa am 15. Februar 1564 als Sohn des
-Vincenzio di Michelangelo Galilei. Sein Vater war ein gelehrter Mann,
-der sich vorzüglich mit mathematischer Musiktheorie beschäftigte und
-hierüber ein Werk herausgab. Der Sohn sollte Tuchhändler werden, da die
-Familie arm war. Er kam jedoch zu den Mönchen des Klosters Vallombroso
-in die Schule, wo er sich große Fertigkeit in den alten Sprachen und
-jene Meisterschaft des italienischen Stiles aneignete, welche seine
-Landsleute noch heute an ihm bewundern. Mit 17 Jahren bezog der junge
-Galilei die Universität zu Pisa, um dort Arzneikunst zu studieren.
-Er setzte jedoch bald diese Disziplin beiseite und verlegte sich
-vorwiegend auf das Studium der Mathematik und Experimentalphysik. Seine
-erste Entdeckung, den Isochronismus der Pendelschwingungen, schlug
-er den Aerzten seiner Zeit als Pulsmesser am Krankenbett vor, ein
-Verfahren, das sich in Italien auch längere Zeit erhalten haben soll.
-
-Die übrigen wissenschaftlichen Entdeckungen Galileis, seine
-Untersuchungen über den freien Fall, über das Fernrohr, die Auffindung
-der vier Jupitertrabanten, der Konfiguration der Mondoberfläche, der
-Sonnenflecken, der Sichelgestalt der Venus sind bekannt; ebenso die
-traurigen Schicksale, welche diesen Mann bis zum Tode verfolgten.
-Er starb erblindet im Alter von 77 Jahren, 10 Monaten und 20 Tagen
-den 8. Januar 1642. Als Schüler Galileis sind Viviani und besonders
-Torricelli, der Erfinder des Thermometers, berühmt geworden. Ein treuer
-Freund des unglücklichen Gelehrten, der auch in den gefährlichsten
-Lagen bei ihm ausharrte, war der 1644 als Professor der Mathematik zu
-Rom verstorbene Benediktinermönch Benedetto Castelli, welcher sich
-besonders als praktischer Hydrauliker großen Ansehens erfreute.
-
-Galilei knüpfte schon frühe (1612) mit dem spanischen Hof
-Unterhandlungen an, um eine von ihm erdachte Methode der
-Längenbestimmung zur See, durch Beobachtung der Jupitertrabanten,
-einzuführen. In diesen sich mit Unterbrechung bis 1630 hinziehenden
-Verhandlungen wird noch mit keinem Worte des Pendels als Zeitmessers
-gedacht, woraus wir schließen dürfen, daß Galilei dasselbe auch noch
-nicht praktisch verwertete. Im Jahre 1636 dagegen bot er seine Methode
-den Generalstaaten an und versprach zugleich, einen genauen Zeitmesser
-herzustellen. Worin dieser bestehe, erklärt er in einem Briefe vom
-5. Juli desselben Jahres, welcher an Laurens Reaal, den früheren
-Statthalter von Holländisch-Ostindien, gerichtet ist. „Ich bediene
-mich,” sagt er, „zur Zeitmessung eines Pendels von Messing oder Kupfer,
-welchem ich die Form eines Sektors von 12-15° gebe, dessen Radius
-über Spannen lang ist. Den Sektor verdicke ich im mittleren Radius und
-verdünne ihn sehr scharf auf beiden Seiten, damit ihm, soweit möglich,
-die Luft keinen Widerstand leiste. In seinem Mittelpunkt hat er eine
-Oeffnung, durch welche ein Eisen geht, wie jenes, um welches sich eine
-Wage bewegt. Dieses Eisen endet unten in eine scharfe Ecke und ruht
-auf zwei Stützen von Erz. Wenn nun der Sektor weit vom bleirechten
-(lotrechten) Stande entfernt ist und dem eigenen Fall überlassen wird,
-so legt er eine Menge Schwingungen zurück, ehe er stille steht. Damit
-er aber seine Schwingungen fortsetze und immer weit aushole, muß
-derjenige, welcher dabei steht, ihm von Zeit zu Zeit einen starken
-Stoß geben.” Eine am Pendelgewicht befestigte Borste (~setola fissa~)
-stieß bei jedem Hin- und Hergang des Pendels ein Rädchen um einen Zahn
-vorwärts. Ob eine derartige Vorrichtung damals von Galilei ausgeführt
-wurde, weiß man nicht; er wollte wahrscheinlich den Abschluß der
-Verhandlungen abwarten, um dann die versprochenen Instrumente an die
-Holländer abzusenden. Durch Tod einiger der eifrigsten holländischen
-Kommissionsmitglieder wurde die Angelegenheit erst verschoben und
-schlief dann zuletzt ganz ein.
-
-Diese soeben beschriebene Vorrichtung kann natürlich nicht als Uhr,
-sondern nur als Zählwerk bezeichnet werden. Dagegen ist in einem von
-Arcetri (bei Florenz) aus an ~P.~ Fulgenzio Micanzio gerichteten
-Briefe, datiert vom 5. November 1637, von Zeitmessern die Rede, welche
-an Genauigkeit alles Bisherige übertreffen. Er erziele, sagt Galilei,
-mit seinen Instrumenten nicht bloß eine Genauigkeit von einem Grad,
-sondern auch noch von Minuten, Sekunden Terzen und weiter, wenn es
-verlangt werde. Die Vorrichtung selbst wird leider nicht beschrieben.
-
-[Illustration: Fig. 26.]
-
-Es läßt sich aber aus andern Quellen unzweifelhaft beweisen, daß
-Galilei die Pendeluhr erfunden habe.[66] Viviani, „der letzte Schüler
-Galileis,” wie er sich gern nannte, erwähnt diesen Gegenstand in einer
-1659 an Prinz Leopold von Medici gerichteten Schrift.[67] Darin wird
-erzählt, wie Galilei 1641, also schon erblindet, auf den Gedanken
-kam, „daß es möglich wäre, das Pendel an den Feder- und Gewichtuhren
-anzubringen und sich seiner zu bedienen; in der Hoffnung, der sehr
-gleichmäßige und natürliche Gang des Pendels werde alle Mängel der
-Kunst an den Uhren zu heben im stande sein.” An der persönlichen
-Ausführung dieser Idee wurde Galilei durch seine Blindheit verhindert;
-er übertrug aber dem Sohne die Konstruktion nach einer Zeichnung,
-welche Viviani seiner Schrift für den Prinzen beilegte. Durch den
-Tod des Vaters sei jedoch die Sache verzögert und erst 1649 mit der
-Ausführung begonnen worden. Die Räder wurden von einem Schlosser
-verfertigt, die Zähne aber, um die Sache geheim zu halten, von
-Vincenzio selbst geschnitten. Als der Apparat soweit gediehen war,
-um seine Wirkungsweise studieren zu können, wurde Vincenzio Galilei
-vom Fieber dahingerafft. Viviani beschreibt jedoch die Uhr genau und
-an Hand der noch in der Bibliotheca Palatina zu Florenz vorhandenen
-Zeichnung fällt es nicht schwer, dieselbe zu verstehen.[68] Die
-beigegebene Figur 26 wird das Verständnis erleichtern; sie ist eine
-verkleinerte Wiedergabe des Originales, wobei die Hemmung getrennt
-dargestellt ist.[69] (Fig. 27).
-
-[Illustration: Fig. 27.]
-
-~P~ bedeutet die Pendelstange, ihre Achse ist in ~M~; ~r~ und ~qs~
-sind zwei Hebel, welche mit dem Pendel fest verbunden sind, sich
-also auch um ~M~ drehen. ~Np~ ist ein weiterer Hebel, der seinen
-Drehpunkt in ~N~ hat; an ihm befindet sich ein Stift (vertikal zur
-Papierebene, ebenso wie die Stifte des Zahnrades), vermittelst dessen
-sein hakenförmiges Ende aus einem Einschnitt des Zahnrades durch den
-Arm ~qs~ herausgehoben werden kann. Der Verlauf der Hemmung ist nun
-folgender:
-
-Auf der Welle des untersten Zahnrades hängt an einer Schnur das
-treibende Gewicht, welches in der Zeichnung weggelassen ist. Dadurch
-wird direkt das unterste Rad und mittelst Uebertragung durch andere
-Zahnräder auch das oberste (Sperrrad), welches mit einseitigen scharf
-eingeschnittenen Zähnen versehen ist, in Bewegung gesetzt. Hatte nun
-das Pendel die in der Figur dargestellte Lage durch Bewegung von rechts
-nach links erreicht, so griff der Arm ~qs~ in den Sperrhaken ~Np~ ein
-und hob ihn empor, so daß das Sperrrad sich in der Richtung des Pfeiles
-(Fig. 27) bewegen konnte, aber nur so lange, bis einer der Stifte,
-welcher seitlich am Sperrrad (gegen den Beschauer zu) angebracht sind,
-von dem Arm ~r~ arretiert wurde und dadurch die Bewegung hemmte.
-Wenn nun das Pendel wieder nach der andern Seite schwingt, so löst
-sich beim Passieren der Gleichgewichtslage desselben der Arm ~r~ von
-seinem Stifte, wobei er zugleich noch einen kleinen Antrieb erhält
-durch das mit einem Ruck sich wieder drehende Sperrrad. Entsprechend
-kurze Zeit nachher fällt aber der Sperrhaken ~Np~ wieder herunter und
-hemmt die Bewegung aufs neue. Beim Zurückschwingen des Pendels hebt
-nun der obere, längere Arm ~qs~ den Sperrhaken wieder, und das Rad
-bewegt sich aufs neue um einen Zahn, d. h. um den Abstand zweier Stifte
-vorwärts. Diese Bewegung läßt sich natürlich leicht auf ein Zeigerwerk
-übertragen. Die Uhr geht so lange, als das Gewicht noch fallen kann.
-
-Diese Hemmung ist eine sehr gute und enthält schon den Grundgedanken
-des erst 100 Jahre später erfundenen Grahamschen Ankers. Das Pendel
-schwingt fast völlig frei und insoweit wäre die Galileiʼsche Hemmung
-der Huygensschen vorzuziehen.
-
-Die Erzählung Vivianis findet ihre Bestätigung in der ausführlichen
-Biographie Galileis von Nelli, nach welcher 1688 die Witwe Vincenzios
-den Nachlaß ihres Gemahls verkaufte. Darunter befand sich auch
-„eine eiserne, unvollendete Pendeluhr, zuerst von Galilei erfunden”
-(~un Oriuolo non finito di ferro col pendolo, prima invenzione del
-Galileo~). Wohin diese Uhr damals gelangte, ist nicht bekannt.
-
-Aus dem Gesagten erhellt, daß Galilei als der erste Erfinder der
-Pendeluhr angesehen werden muß; wenn seine Erfindung sich nicht
-verbreitete, sondern in Vergessenheit geriet, so ändert dieser Umstand
-an der Tatsache selbst gar nichts. Er wird aber erklärlich, wenn man
-bedenkt, daß Vincenzio vor Vollendung des Werkes starb und Viviani
-vielleicht im Drange anderer Geschäfte dasselbe ebenfalls nicht
-vollenden konnte oder mochte; endlich war die Einrichtung derartig,
-daß nicht leicht schon vorhandene Uhren mit dem Pendel versehen werden
-konnten. Für die Zeichnung selbst darf Galilei nicht verantwortlich
-gemacht werden, da er sie ja, wie bekannt, schon erblindet, diktierte.
-Jedenfalls aber ist die Erfindung der Pendeluhr ein schöner Edelstein
-in der schon so reichen Krone des großen Physikers und Astronomen
-Galileo Galilei.
-
-Durchaus selbständig und ganz unabhängig von Galilei wurde die
-Pendeluhr noch einmal erfunden, 15 Jahre später, durch den berühmten
-niederländischen Gelehrten Huygens; zwischen Galilei und Newton
-vielleicht der bedeutendste Physiker.
-
-[Illustration: Fig. 28.]
-
-Christiaan Huygens[70] (Fig. 28) (latinisiert ~Hugenius~) wurde
-geboren im Haag am 14. April 1629. Sein Vater, als lateinischer Dichter
-und Mathematiker bekannt, bekleidete die Stelle eines Kabinettsrates
-des Hauses Oranien. Er war sehr begütert und unterrichtete seinen
-Sohn Christiaan selbst in Mathematik, Musik und Maschinenkunde.
-Dieser verfertigte schon als zehnjähriger Knabe allerlei Modelle von
-Maschinen, welche zum Teil noch vorhanden sein sollen. Sechszehnjährig
-ging er nach Leyden auf die Universität; später setzte er seine Studien
-in Breda (Nord-Brabant) fort. 1649 machte Huygens eine große Reise nach
-Deutschland und 1655 nach Frankreich, wo er zu Angers als Doktor Juris
-promovierte. Die folgenden Jahre wurden abwechselnd in Holland und
-England zugebracht, bis Ludwig ~XIV.~ ihn im Jahre 1665 als Mitglied
-der vor kurzem gegründeten Akademie nach Paris berief. Von Frankreich
-siedelte er 1681 wieder nach Holland über, wo er an den Folgen einer
-schweren Krankheit, nachdem die Geisteskräfte rasch abgenommen, im Haag
-sein Leben beschloß den 8. Juni 1695 im Alter von 67 Jahren.
-
-Huygens war nie verheiratet und lebte sehr zurückgezogen ganz der
-Wissenschaft. Seine Schriften können hier nicht im einzelnen aufgeführt
-werden, ebenso wenig als die zahlreichen Entdeckungen, welche die
-Physik auf vielen Gebieten diesem Manne verdankt; nur einiges möge
-genannt sein. Wie Galilei, beschäftigte auch Huygens sich viel mit
-der Optik und mit Anfertigung und Verbesserung der Fernrohre. Mit
-Hilfe mächtiger Instrumente, die viel besser waren als jene, welche
-Galilei benützte, machte er eine Reihe wichtiger Entdeckungen. So
-fand er 1656 den 6. Saturnmond und 1657 den Orionnebel; in einem im
-Jahre 1659 erschienenen Werke ~„_Systema Saturnium_,”~ gibt er die
-erste Abbildung des Orionnebels, sowie die Auflösung des schon früher
-gestellten Anagramms[71] betreffs der Ringe des Saturn und endlich eine
-genaue Erklärung derselben.
-
-Außer vielen andern, für unsern Zweck nicht in Betracht kommenden
-Schriften Huygensʼ, sind es besonders zwei, welche hier berücksichtigt
-werden müssen, nämlich die kleine 1658 erschienene Abhandlung:
-~_Horologium_~, ~Hag. Com.~; in derselben wird die schon 1656 gemachte
-Erfindung der Pendeluhr beschrieben. Ganz besonders wertvoll aber
-ist die größere Schrift: ~_Horologium oscillatorium_~ etc. Paris
-1673. Hier findet sich neben vielem andern eine genaue Theorie des
-einfachen und zusammengesetzten Pendels und eine ins einzelne gehende
-Beschreibung der neuen Uhr.
-
-Die Schrift zerfällt in fünf Abschnitte: 1. Beschreibung der Pendeluhr
-in verbesserter Form mit Cykloidenpendel und einer horizontalen
-Hemmung. 2. Vom Falle schwerer Körper und ihrer Bewegung auf der
-Cykloide. In 26 Propositionen wird der freie Fall, der Fall auf der
-schiefen Ebene und auf der genannten Kurve behandelt, zugleich auch
-bewiesen, daß letztere eine sogenannte „Tautochrone” ist (siehe weiter
-unten), da es gleichgültig, von welchem Punkte der Krümmung aus der
-Körper fällt. Voraus gehen diesem Teil die drei „Hypothesen,” welche
-die Stelle der Bewegungsgesetze vertreten. Im 3. Abschnitt werden die
-Evolutentheorie, als deren Begründer Huygens anzusehen ist, und die
-Dimensionen der Kurven behandelt. Der 4. Teil handelt vom physischen
-oder zusammengesetzten und vom Cykloidenpendel. Diese Ausführungen sind
-wohl die wichtigsten für die theoretische Mechanik. Im 5. und letzten
-Abschnitt werden einige Sätze aufgestellt über die Centrifugalkraft,
-sowie über die Konstruktion einer besonderen Art Uhren, der sogenannten
-Cirkularpendeluhren.
-
-In der Vorrede genannter Schrift sagt Huygens, daß er bereits vor
-16 Jahren über das Pendel geschrieben, seither aber manches daran
-verbessert habe, weshalb er jetzt noch einmal alles zusammenfasse:
-„Wie es aber immer gewesen und wohl auch immer sein wird, haben sich
-auch jetzt wieder Leute gefunden, welche meine Erfindung sich oder
-wenigstens ihrer Nation zuschreiben wollen. Ich glaube also, es sei an
-der Zeit, derartigen Bestrebungen einmal entgegenzutreten.” Es genüge,
-nur dies eine entgegenzuhalten: vor 16 Jahren sei weder in Wort noch
-Schrift von einer derartigen Pendeluhr die Rede gewesen, also dürfe er
-wohl sagen, durch eigenes Studium auf die Erfindung gekommen zu sein.
-Im Jahre 1658 habe er dann eine kleine Schrift über diesen Gegenstand
-veröffentlicht. „Wenn aber gesagt wird, Galilei habe an der Erfindung
-gearbeitet, sie aber nicht vollendet, so wäre das mehr ein Tadel für
-ihn als für mich, der ich die Sache mit besserem Erfolg angefaßt hätte.
-Erwidert man, Galilei oder sein Sohn hätten wirklich eine solche Uhr
-gemacht, so ist schwer zu glauben, daß etwas Derartiges volle 8 Jahre
-habe verborgen bleiben können. Daß es mit Absicht geschehen sei,
-könnte, wie man leicht sieht, jeder sagen, welcher die Erfindung eines
-andern für sich beansprucht. Jedenfalls aber wäre das zu beweisen,
-und mich würde die ganze Sache nicht weiter angehen, außer es würde
-zugleich festgestellt, daß allein ich von dem wußte, was allen andern
-verborgen geblieben.”
-
-Wie man sieht, steht Huygens tapfer ein für das Kind seines Geistes,
-und dies mit Recht, denn seine Erfindung war selbständig gemacht
-worden und ganz verschieden von derjenigen Galileis. Daß die Sprache
-des Gelehrten in obigem einige Male etwas scharf wird, beruht, wie
-sogleich gezeigt werden soll, auf Mißverständnissen. Sobald er
-besser unterrichtet war, trug er kein Bedenken, Galileis Priorität
-anzuerkennen. Dies geschah bald.
-
-Boulliau[72] sandte noch im Jahre 1658 ein Exemplar des ~„Horologium
-oscillatorium”~ an den Prinzen Leopold von Toskana. In der Antwort
-wies dieser auf das Zählwerk Galileis hin und beanspruchte für diesen
-die Priorität. Boulliau teilte diese Aeußerung Huygens mit, welcher
-darüber schreibt: man muß wohl glauben, da ein solcher Fürst es
-versichert, daß Galilei vor mir diesen Gedanken gehabt. Indes hatte
-er noch einige Bedenken: „denn schließlich, wenn das Modell Galileis
-keine Unzuträglichkeiten gehabt hätte, so wäre es ganz unglaublich,
-daß er eine in vielen Punkten so wichtige Sache nicht ausgeführt
-hätte, noch nach ihm der Fürst Leopold, als er das Modell fand. Wenn
-ich die Ehre hätte, von S. Hoheit näher gekannt zu werden und Kühnheit
-genug, so würde ich an denselben gelangen, um eine Zeichnung davon
-zu bekommen, damit ich sehen könnte, inwiefern es von meinem Modell
-verschieden ist. (Wenn die Verschiedenheit nur in den Rädern liegt,
-so hat es wenig zu sagen). Aber wenn das Pendel anders aufgehängt ist
-als ich es getan; wenn es sich z. B. um eine Achse dreht, so könnte
-der Erfolg kein so guter sein.” Boulliau machte den Prinzen mit diesen
-Gedanken bekannt und Gerland[73] glaubt, daß dieser Brief Veranlassung
-zu dem oben erwähnten Bericht Vivianis von 1659 gewesen sei. Eine
-Kopie der Zeichnung,[74] nebst einer Skizze der Uhr selbst, sandte
-Leopold noch im gleichen Jahre durch Boulliau an Huygens. Boulliau
-meldet den Empfang und die Absendung mit den Worten: „Die Zeichnung
-der beiden durch Pendel betriebenen Uhren, welche ich von Ihrer Hoheit
-empfangen, habe ich an Huygens geschickt; und wenn ich Zeit gefunden,
-hätte ich auch noch die Geschichte des von Galilei erfundenen Pendels
-beigefügt.” Huygens scheint geglaubt zu haben, man wolle ihn in Italien
-eines Plagiates beschuldigen, was durchaus nicht der Fall war, weshalb
-er wieder an Boulliau (1670) zurückschrieb: „Aber was ist zu tun, um
-dem Fürsten die Meinung zu benehmen, die er von mir gefaßt zu haben
-scheint, als ob ich mir die Erfindungen anderer anmaßen wolle. Gewiß
-würde ich mich nicht wert halten zu leben.” Weil aber, fährt er fort,
-das Gegenteil schwer zu beweisen sei, so könne er nur versichern, daß
-weder er selbst, noch sonst jemand in diesem Lande, so viel er wisse,
-von der Erfindung gehört habe, bevor er sie veröffentlichte. Diese
-Versicherung gab Huygens bei jeder Gelegenheit, und sie verdient auch
-in allen Punkten vollen Glauben, da ja, wie wir gesehen, Vincenzio und
-Viviani Galileis Erfindung so geheim als möglich hielten.
-
-Es darf also als bewiesen angesehen werden, daß Huygens zwar 15 Jahre
-später, als Galilei, (1656, er veröffentlichte seine Schrift erst zwei
-Jahre darauf), aber durchaus selbständig, ohne von der ersten Pendeluhr
-etwas zu wissen, dieses so wichtige Instrument zum zweiten male
-erfunden hat.
-
-[Illustration: Fig. 29.]
-
-Nach diesem Ergebnis gehen wir nun zur Beschreibung der Uhr über,
-welche im folgenden an der Hand der Originalzeichnung Huygensʼ in
-Uebersetzung gegeben werden soll.
-
-Die nebenstehende Figur 29 zeigt eine Seitenansicht; ~AA~ und ~BB~
-sind zwei Bleche (~laminæ~), jedes ungefähr ½ Fuß lang und 2½ Daumen
-breit; ihre Enden werden durch zwei Säulchen zusammengehalten, so daß
-ein Zwischenraum von etwa 1½ Daumen bleibt. In diese Lamellen sind auf
-beiden Seiten die Achsen der vorzüglichsten Räder eingelassen. Das
-erste und unterste Rad ~C~ hat 80 Zähne; auf seiner Achse sitzt die
-Scheibe (Schnurlauf) ~D~, welche mit Eisenstiften versehen ist, damit
-die Schnur und die Gewichte, deren Anordnung später besprochen wird,
-haften können. Das Rad ~C~ wird also durch das Gewicht in Bewegung
-gesetzt; es bewegt den Trieb (~tympanum~) ~E~ mit 8 Zähnen, ebenso das
-auf der gleichen Achse sitzende Rad ~F~ von 48 Zähnen. In dieses greift
-ein anderer Trieb ~G~ ein, welcher das Rad ~H~ antreibt. ~G~ und ~H~
-haben gleichviel Zähne wie ~E~ und ~F~, nämlich 8 und 48. Das Rad ~H~
-gehört zu jener Art von Rädern, welche die Künstler nach ihrer Form
-„Kronräder” (~coronarias~) nennen. Seine Zähne vermitteln die Bewegung
-des Triebes ~I~ und des auf derselben Achse angebrachten Rades ~K~. Der
-Trieb besitzt 24, das Rad 15 sägeförmige Zähne. Ueber die Mitte dieses
-Rades ~K~ kommt die Flügelachse (~axis pinnatus~) ~LM~ zu liegen, deren
-Enden in den Winkelhaken ~NQ~ und ~P~ laufen, welche an der Lamelle
-~BB~ befestigt sind. Der Haken ~NP~ hat nach unten einen Fortsatz
-~Q~, der mit einer Bohrung versehen ist, durch welche die Achse ~LM~
-hindurch geht. Zugleich dient dieser Vorsprung ~Q~ als Halt für die
-dem Rad ~K~ und dem Trieb ~I~ gemeinsame Achse, welche mit ihrem
-oberen Ende in ~N~ ruht. Die Platte ~BB~ ist mit einer weiten Bohrung
-versehen, welche durchsetzt wird von der Achse ~LM~, die mit der Spitze
-in ~P~ sich dreht. Sie erhält so eine größere Beweglichkeit, als wenn
-~BB~ allein ihr Lager bildete. Länger muß sie deswegen sein, damit das
-Steuer (die Gabel) ~S~ bei ~M~ an ihr befestigt werden kann. Letzteres
-dreht sich dann zugleich um die angegebene Achse. Diese Bewegung ist
-eine hin und hergehende, da die Zähne des Rades ~K~ in der bekannten
-Weise (siehe oben Fig. 5), welche keiner Erklärung bedarf, abwechselnd
-an die Lappen ~LL~ anstoßen.
-
-Das Steuer ~S~ führt in einer länglichen Oeffnung die eiserne
-Pendelstange ~VV~, an welcher unten das Bleigewicht ~X~ befestigt ist.
-Oben ist sie an einem Doppelfaden aufgehängt zwischen zwei Blättchen,
-von denen Figur 29 nur das eine zeigt, weshalb wir dieselben noch
-gesondert abbilden in Figur 30. Durch diese Zeichnung wird ihre Form
-und Krümmung, sowie die ganze Aufhängungsweise des Pendels klar.
-Uebrigens werden wir später noch im besondern über die Gestalt dieser
-Blättchen handeln.
-
-Gehen wir nun zum Gang der Uhr über; die andere Figur 31 wird nachher
-erklärt. Es ist klar, daß das Pendel durch den Antrieb der Räder,
-welche durch Gewichte in Bewegung gesetzt werden, nach einmaligem
-Anstoß mit der Hand sowohl seinen Lauf beibehält, als auch, daß seine
-Schwingungen den ganzen Gang der Uhr regeln. Denn die Gabel ~S~ folgt
-nicht bloß beim leisesten Antrieb der Räder dem Pendel, sondern sie
-hilft ihm auch bei jeder einzelnen Umkehr etwas, und so bleibt es
-beständig in Bewegung, während es sonst, sich selbst überlassen, von
-selber, oder besser gesagt, durch den Widerstand der Luft allmählich
-zur Ruhe kommen würde. Hinwiederum, da das Pendel in einem fort
-geht und diese Regelmäßigkeit (allerdings wurde sie erst erlangt
-durch die Krümmung der Blättchen ~T~) nicht geändert wird außer
-durch Veränderung der Pendellänge, kann auch das Rad ~K~ nicht mehr
-schneller oder langsamer gehen, wie dies bei gewöhnlichen Uhren gern
-vorkommt, sondern seine Zähne sind gezwungen, in gleichen Zeiträumen
-vorbeizugehen. Daraus erhellt, daß auch alle übrigen Räder, ebenso wie
-die Zeiger, eine gleichmäßige Drehbewegung bekommen, da alle diese
-aufgeführten Teile in entsprechendem Verhältnisse gleichförmig bewegt
-werden. Infolge dessen wird auch, wenn irgend etwas bei Herstellung
-der Uhr fehlerhaft gemacht wurde, oder wenn bei veränderter (erhöhter)
-Temperatur die Räder schwerer gehen, keine Ungleichheit der Bewegung
-eintreten, vorausgesetzt, der Fehler sei nicht so groß, daß der Gang
-der Uhr durch ihn überhaupt unterbrochen wird. Die Uhr wird also die
-Zeit entweder immer richtig angeben, oder dann sie gar nicht anzeigen,
-d. h. stille stehen.
-
-[Illustration: Fig. 30.]
-
-[Illustration: Fig. 31.]
-
-Die Zeiger endlich werden auf folgende Art befestigt und bewegt:
-den beiden schon genannten Platten ~AA~ und ~BB~ parallel ist eine
-dritte angebracht ~YY~ (Fig. 29), ungefähr um ¼ Daumenbreite von ~AA~
-abstehend. Darauf sind die Stundenkreise angebracht mit dem Zentrum in
-~X~ (in der Abbildung nicht angegeben), in welchem sich auch die Achse
-des Rades ~C~ dreht. Der innere Kreis ist in 12 Stunden geteilt, der
-äußere in 60 Minuten. Auf der Achse des Rades ~C~ sitzt neben ~AA~ das
-Rad β; mit ihm ist ein Röhrchen fest verbunden, welches die Platte
-~YY~ durchsetzt und bis ~E~ geht. Es sitzt so auf der Achse, daß es
-sich zugleich mit ihr dreht, aber wenn nötig, auch ohne sie bewegt
-werden kann. Bei ~E~ wird der Zeiger aufgesetzt, welcher stündlich eine
-Umdrehung macht, also die ~„scrupula prima,”~ den sechzigsten Teil
-einer Stunde (Minuten) anzeigt. Das Rad ~B~ aber treibt ein anderes,
-Σ, mit gleichviel (30) Zähnen an, zugleich auch dessen Trieb mit 62
-Zähnen. Die Achse beider (des Rades und seines Triebes) ruht im Winkel
-δ. Durch diesen Trieb endlich bewegt sich das Rad ζ mit 72 Zähnen,
-ebenso das an ihm angebrachte Röhrchen, welches durch ~Y~ hindurch bis
-θ reicht, also nicht ganz so weit, als das von ihm umfaßte Röhrchen des
-Rades β. Auf das Ende θ wird der Stundenzeiger aufgesetzt, der etwas
-kürzer ist, als der Minutenzeiger, da er den inneren Kreis durchläuft.
-Um aber das genaue Ablesen der Sekunden zu ermöglichen, sitzt auf der
-Achse des Rades ~H~ eine Scheibe λ, welche bis zu ~Y~ reicht. Auf ihr
-ist ein Kreis verzeichnet, welcher 60 Teile zählt; die Platte ~YY~
-hat vor γ eine Oeffnung ~Z~. Zu oberst an dieser befindet sich ein
-feststehender Stift, welcher die vorbeigehenden Sekunden angibt.
-
-Die Anordnung der Zeiger ergibt sich deutlicher aus Figur 31, welche
-das Aeußere einer Pendeluhr darstellt.
-
-Was die Länge des Pendels betrifft, so muß sie bei obiger Anordnung
-so sein, daß bei jedem Rücklauf eine Sekunde gemessen wird. Dies
-ist der Fall bei einer Länge von drei Fuß; da eine solche sich
-aber in der Zeichnung nicht gut darstellen ließ, so gaben wir den
-fünften Teil davon an, gemessen vom Aufhängepunkt, da wo die beiden
-Bleche ~T~ sich krümmen, bis zum Mittelpunkte des Gewichtes ~X~. Ich
-spreche von einer Länge von drei „Fuß”, nicht rücksichtlich irgend
-eines Fußmaßes bei einem Volke in Europa, sondern von jenem Fuß,
-der nach ewig gleichbleibendem Maß von einem Pendel hergenommen ist
-(~„certo æternoque pedis modulo ab ipsa huius penduli longitudine
-desumpto,”~) und der deshalb in Zukunft „Stundenfuß” genannt werden
-mag. Auf ihn müssen alle andern Fußmaße bezogen werden, wenn wir sie
-unverfälscht der Nachwelt überliefern wollen. So kann z. B. nie in
-folgenden Jahrhunderten eine Unsicherheit darüber herrschen, welches
-die Länge des Pariser Fußes sei (0,3248394 ~m~), wenn man weiß, daß
-er sich zum Stundenfuß verhält wie 864 : 881. Darüber werden wir
-aber noch ausführlicher reden in jenem Teil des Buches, welcher den
-Schwingungsmittelpunkt behandelt.[75]
-
-Vorderhand bezeichnen wir die Umlaufszeit der einzelnen Räder und
-Zeiger nur im allgemeinen, damit man daraus ersehe, wie alles
-übereinstimme mit der Zahl der Zähne, welche angegeben wurde.
-
-Es ist klar, daß bei einer einzigen Umdrehung des Rades ~C~ das Rad
-~F~ sich zehnmal dreht, ~H~ aber sechzigmal, und 120mal das oberste
-~K~, mit 15 Zähnen, welche abwechselnd die Lappen ~LL~ bewegen, so
-daß einer Umdrehung des Rades ~K~ 30 Antriebe der Lappen entsprechen.
-Genau so viele Hin- und Hergänge macht das Pendel ~VX~. Es werden also
-120 Umläufen 3600 einfache Schwingungen entsprechen; das ist aber die
-Anzahl Sekunden, welche eine Stunde enthält. Also geht in einer Stunde
-das Rad ~C~ einmal herum, und ebenso oft der auf seiner Achse sitzende
-Minutenzeiger. Weil ihn auch in derselben Zeit das Rad β und durch
-dieses γ mitsamt seinem Trieb von 6 Zähnen sich drehen, das Rad ξ aber
-zwölfmal mehr Zähne, d. h. 72 besitzt, so liegt auf der Hand, daß bei
-ihm auf 12 Stunden nur ein Umlauf kommt; das gleiche gilt vom Zeiger,
-welcher an diesem Rad ξ bei θ befestigt ist. Wie wir aber bewiesen
-haben, dreht das Rad ~H~ sich während einer Drehung von ~C~ sechzigmal,
-und mit ihm vollendet der auf seiner Achse angebrachte Kreis λ seinen
-Lauf sechzigmal in der Stunde, einmal in einer Minute; sein sechzigster
-Teil zeigt also beim Vorübergang am Stifte die Sekunden an! So ist
-alles richtig.
-
-Das Gewicht ~X~ wiegt drei Pfund; es ist entweder ganz von Blei oder
-mit einer Messinghülse versehen, welche das Blei enthält. Man hat hier
-indes nicht bloß auf das Gewicht der Metallmasse zu sehen, sondern
-auch (und dieser Umstand ist sehr wichtig) auf seine Form, damit die
-Luft ihm so wenig Widerstand als möglich entgegensetze. Deshalb wird
-es verwendet in Gestalt eines länglichen, liegenden Zylinders, dessen
-beide Enden spitz zulaufen, wie aus Fig. 31 ersichtlich ist. Bei
-den Uhren, welche für die Schifffahrt[76] bestimmt sind, wurde eine
-aufrecht stehende Linse als zweckmäßig erfunden.
-
-In der gleichen Figur 31 ist auch die Aufhängung eines andern Gewichtes
-~b~, welches den Gang der Uhr bewirkt, angegeben. Wir mußten sie,
-da noch nichts darüber bekannt war, erst ausfindig machen, damit
-beim Aufziehen das Werk nicht ins Stocken gerate, oder doch gehemmt
-werde, was besonders hier zu meiden war. (Nun folgt im Original die
-Beschreibung des Flaschenzuges) ...
-
-Die Schwere des Gewichtes ~b~ kann nicht genau bestimmt werden; im
-allgemeinen wird die Uhr um so besser gehen, je geringer das Gewicht
-sein darf, welches sie in Gang zu erhalten vermag. Bei den besten
-Uhren, die von uns bisher erstellt wurden, wog es bloß sechs Pfund.
-Die Linse wiegt, wie gesagt, drei Pfund und die Pendellänge ist drei
-Fuß. Das Pendel muß, worauf wir noch besonders aufmerksam machen, im
-Kasten der Uhr herabhängen, es ist also in diesem ein so langer Schnitt
-anzubringen, daß er für die Schwingungen genügt. Wenn man die Uhr
-ungefähr in Mannshöhe aufhängt, so bleibt sie, einmal aufgezogen, 30
-Stunden in Gang.
-
-Soweit die Beschreibung Huygensʼ. Auf Seite 151 findet sich noch die
-richtige Bemerkung, daß die Uhr um so gleichmäßiger gehe, je schwerer
-die Pendellinse sei.
-
-Schon früher wurde des Isochronismus der Pendelschwingungen als einer
-Entdeckung Galileis gedacht. Genau genommen ist dies aber nicht
-ganz richtig, indem er annahm, daß die erwähnte Gesetzmäßigkeit für
-Schwingungen jeder Weite gelte. Annähernd trifft Galileis Ansicht
-zu; genauer aber werden Pendelschwingungen nur dann als isochron
-bezeichnet, wenn ihre Bogen als Gerade aufgefaßt werden können, was
-nur bei sehr kleinen Amplituden der Fall ist. Huygens gebührt das
-Verdienst, diesen wichtigen Satz genau bewiesen zu haben, anläßlich
-einer nähern Untersuchung der Pendelgesetze.
-
-Es haben, wie bekannt, alle Sehnen, welche man von irgend einem Punkte
-der Peripherie eines vertikalen Kreises aus nach dem tiefsten Punkte
-desselben zieht, die Eigenschaft, als schiefe Ebenen betrachtet, von
-einem auf ihnen fallenden Körper in gleicher Zeit durchlaufen zu
-werden, mögen sie nun im übrigen kurz oder lang sein. Weil nun aber
-ein Pendel nicht in einer Geraden sich bewegen kann, sondern seine
-entsprechende Kurve beschreibt, welche immer länger ist, als die
-Gerade, so braucht es dazu auch eine längere Zeit. So wies Huygens
-nach, daß dasselbe Pendel, welches bei kleinster Schwingungsweite 34
-Schwingungen machte, in derselben Zeit bloß 29 ausführt, wenn es einen
-Halbkreis durchläuft. Damit schien der Wert des Pendels als Regulator
-der Uhren wieder hinfällig geworden zu sein. Die scharfsinnigen und
-gelehrten Untersuchungen, welche der große Geometer nun anstellte über
-den Weg, den das Pendel einschlagen müßte, um seine Schwingungen, seien
-sie groß oder klein, in gleichen Zeiträumen erfolgen zu lassen, führten
-ihn auf die sogenannte Cykloide oder Radlinie, bei welcher wir kurz
-verweilen wollen.
-
-[Illustration: Fig. 32.]
-
-Unter Cykloide oder Radlinie versteht man, wie schon der Name
-andeutet, jene Kurve, welche beschrieben wird von einem Punkte
-~P~ (siehe Fig. 32), der nicht Mittelpunkt eines Kreises ~C~ ist,
-wenn dieser, ohne zu gleiten, auf einer Geraden in derselben Ebene
-fortrollt. Liegt der Punkt auf der Peripherie, so entsteht die gemeine
-oder eigentliche Cykloide ~A B E~.[77] Dieses Gebilde beschäftigte
-die Mathematiker des 17. Jahrhunderts lebhaft. Galilei, Mersenne,
-Roberval, Descartes, besonders aber Huygens, studierten ihre
-Eigenschaften. Während Leibniz die schon von Galilei gestellte Aufgabe
-löste, den zeitlich kürzesten Weg eines Körpers von einem Punkte zu
-einem andern zu finden, welcher tiefer gelegen ist und sich nicht in
-derselben Vertikalen befindet, und als Weg dieses Punktes die Cykloide
-(Brachystochrone) fand, bewies Huygens in seinem 1673 erschienenen
-Werke, daß genannte Kurve zugleich ihre Evolute sei.[78] Viel wichtiger
-aber für unsern Gegenstand ist der ebenfalls von Huygens aufgefundene
-Satz, daß die Cykloide auch eine _Tautochrone_ oder _Isochrone_
-darstellt.
-
-Unter Tautochrone versteht man jede krumme Linie, auf welcher ein der
-Schwere unterworfener materieller Punkt oder Körper immer in ein und
-derselben Zeit am tiefsten Punkte anlangt, gleichgültig von welchem
-Orte der Kurve aus er seine Bewegung begann.
-
-[Illustration: Fig. 33.]
-
-Es sei ~AHEC~ (Fig. 33) eine Semicykloide, und ~H~ ein beliebiger
-Punkt derselben. Es ist nun ganz gleichgültig, ob ein fallender Körper
-von ~H~ oder z. B. von ~E~ aus seine Bewegung beginne; er wird in
-beiden Fällen zur gleichen Zeit den tiefsten Punkt seiner Bahn, ~C~,
-erreichen. Durch diese Eigenschaft der Cykloide ist die Möglichkeit
-geboten, die Pendelschwingungen genau isochron zu machen, indem man
-nämlich das Pendel zwingt, die Evolute einer Cykloide zu beschreiben.
-Ein Pendel, dessen Faden als unbiegsam gedacht wird und das in einer
-Ebene schwingt, beschreibt einen Kreisbogen; auch wenn der Faden
-biegsam ist, wird dies unter dem Einfluß der Schwere im allgemeinen
-noch der Fall sein. Stellt sich aber dem Pendelfaden eine krumme Linie
-in den Weg, so wird er sich an diese anschmiegen und die Bahn wird
-keine kreisförmige mehr sein, sondern je nach der Form des Hindernisses
-irgend eine andere Kurve darstellen. Ist also dieses Hindernis, wie bei
-der Pendeluhr von Huygens, ein cykloidisch gekrümmtes Blättchen, so
-bildet der vom Schwingungsmittelpunkt beschriebene Bogen als Evolute
-ebenfalls wieder eine Cykloide, folglich sind die Schwingungen genau
-isochron. Darauf beruht die Anwendung des Huygensschen Pendels. Auf die
-nähere mathematische Darlegung kann hier verzichtet werden.
-
-Schließlich darf aber nicht verschwiegen werden, daß auch bei dem
-Cykloidenpendel der Spruch zutrifft, welchen Kaspar Schott auf seine
-eigenen Pendelhemmungen anwandte: ~nihil ex omni parte beatum~,
-d. h. nichts ist vollkommen unter der Sonne. Huygens selbst lernte
-die Mängel seines Werkes wohl kennen; er suchte auch mannigfaltige
-Verbesserungen daran anzubringen. Ein Uebelstand ist hier vor allem zu
-erwähnen: die Form der Bleche, an welche der Pendelfaden sich anlegen
-soll. Diese Halbcykloiden sind nur schwer genau herzustellen; der
-Pendelfaden selbst (von Seide) ist zu sehr den Einflüssen der Witterung
-unterworfen. Die geringe Schwere der Linse ließe sich zwar leicht
-ändern, aber dadurch würden auch die unvermeidlichen Stöße der Lappen
-heftiger, so daß das Werk sich rasch abnutzen müßte. Der letztgenannte
-Uebelstand liegt jedoch in der Natur der Hemmung selbst, welche Huygens
-überkam und benutzte; er verschwand daher auch, sobald eine bessere
-Konstruktion an die Stelle der alten trat. Im Prinzip aber sind unsere
-modernen Pendeluhren geblieben, wie sie Galilei und Huygens erdacht.
-Dieser fruchtbare Gedanke hat erst die Vollkommenheit unserer jetzigen
-Zeitmesser ermöglicht und ihre Herstellung zu einem glänzenden Triumph
-der Feinmechanik gemacht.
-
-
-
-
-~V.~
-
-Weitere Entwicklung der Uhren im 18. und 19. Jahrhundert.
-
-
-1. Die Pendeluhren im allgemeinen.
-
-Wie wir im bisherigen gesehen, sind die Pendeluhren trotz des
-wissenschaftlich richtigen und interessanten Prinzips praktisch
-doch noch immer sehr unvollkommen; dieser Uebelstand blieb so
-lange bestehen, als es nicht gelang, eine bessere Hemmung und
-zweckdienlichere Aufhängung des Pendels zu ersinnen. (Unter Hemmung
-versteht man im allgemeinen eine Vorrichtung, welche die Aufgabe hat,
-im Verein mit dem Pendel oder der Unruhe das gleichmäßige Ablaufen des
-Räderwerkes zu erzielen). Diese und andere Verbesserungen ließen nun
-nicht mehr lange auf sich warten, denn einerseits waren gegen Ende
-des 17. Jahrhunderts die Uhren Gegenstand reger wissenschaftlicher
-Studien und Untersuchungen von seiten hervorragender Mathematiker und
-Astronomen, anderseits erwarben sich auch die Uhrmacher rasch jene
-Kenntnisse, welche zur Erzielung eines Fortschrittes auf dem Gebiete
-der eigentlichen Uhrmacherkunst erforderlich waren.
-
-Bei der Spindelhemmung, wie sie Huygens benutzte, sind große
-Schwingungsweiten unvermeidlich; man erkannte aber bald, daß kleine
-Schwingungsbögen mehr isochron sind, d. h. eher in gleicher Zeit
-durchmessen werden, als große. Die Gleichzeitigkeit wurde nun
-ermöglicht durch die Erfindung der Ankerhemmung, oder des sogenannten
-englischen Hakens, welcher für einfache Pendeluhren bis heute in
-Gebrauch geblieben ist. Man unterscheidet _dreierlei Hemmungen_: die
-zurückfallende, die ruhende und die freie Hemmung. Die _zurückfallende_
-ist jene, bei welcher der Zahn der Hemmung genötigt ist, der Richtung
-zu folgen, nach welcher das Pendel oder die Unruhe schwingt. Er muß
-also, bevor dem Pendel oder der Unruhe ein neuer Antrieb gegeben werden
-kann, wieder zurückgehen. Hieher gehören die Hemmung mit Steigrad und
-Spindel bei Pendel- und Taschenuhren, ferner bei ersteren der bereits
-genannte englische Haken.
-
-[Illustration: Fig. 34.]
-
-Fig. 34 stellt die ursprüngliche Hemmung des Engländers Clement vor
-(ca. 1680). ~P~ ist die Pendelstange, an deren Aufhängung ~G~ der
-Anker ~AB~ befestigt ist. Er ist gekrümmt und trägt bei ~A~ einen
-Ansatz, welcher ungefähr die gleiche Krümmung besitzt, wie die Zähne
-des Hemmungsrades. Auf diese wirken nun in leichtverständlicher Weise
-die Ankerarme ~A~ und ~B~. Ursprünglich saß das Pendel direkt auf der
-Ankerachse, wie z. B. beim geradlinigen Balancier, es wurde aber später
-für sich aufgehängt und steht nun durch eine Gabel mit dem Anker in
-Verbindung. Clement ersetzte den Seidenfaden durch eine biegsame Feder,
-und Julien le Roy verwendete zuerst deren zwei.
-
-Die _ruhende_ Hemmung stellt einen weiteren Fortschritt dar und wurde
-von Graham eingeführt. (Fig. 35).
-
-[Illustration: Fig. 35.]
-
-Georg Graham, geb. im Jahre 1675 zu Horsgills in der Grafschaft
-Cumberland, kam als Lehrling zu dem ausgezeichneten Uhrmacher Tompion
-in London. Bald zeichnete er sich durch Geschicklichkeit und eine
-große Erfindungsgabe aus. Er studierte zuerst die Störungen, welche
-Temperaturunterschiede im Gang von Pendeluhren hervorbringen und suchte
-sie durch Anwendung eines hölzernen Pendels zu beseitigen, weil, wie
-er gefunden, Holz sich in der Richtung der Fasern nur wenig ausdehnt.
-Durch Kochen in Oel oder durch Ueberzug von Firnis sollte auch der
-Einfluß der Luftfeuchtigkeit ausgeschaltet werden. Die Ergebnisse
-langer Studien waren das Rostpendel (soll eigentlich von dem Engländer
-Harrison, 1726, erfunden worden sein) und die Quecksilberkompensation.
-Graham erfand auch die Zylinderhemmung für Taschenuhren. Als
-ausgezeichneter Mechaniker verfertigte er auch astronomische und
-physikalische Instrumente, wie er ebenfalls in diesen Zweigen praktisch
-tätig war. Im Jahre 1721 wählte ihn die Innung der Londoner Uhrmacher
-zu ihrem Vorsteher; 1728 wurde er Mitglied der königl. Akademie der
-Wissenschaften. Graham starb 1751 und ist in der Westminsterabtei, in
-der Gruft seines Lehrmeisters Tompion beigesetzt.
-
-[Illustration: Fig. 36.]
-
-Einen _Graham-Anker_ zeigt Abbildung 36. Die Wirkungsweise ist ähnlich
-wie bei der Clementʼschen Hemmung, man unterscheidet aber hier Ruhe-
-und Arbeitsflächen. Die Ruheflächen sind nach einem Kreise um das
-Ankermittel gekrümmt; wenn der Zahn des Steigrades auf ihnen liegt, ist
-der Anker in Ruhe. Arbeit wird auf ihn nur übertragen, wenn der Zahn
-(des Steigrades) auf den kleinen, ebenen Flächen, den Arbeitsflächen,
-sich befindet. Diese Hemmung wird bei feinen Uhren noch vielfach
-angewendet; bei Turmuhren ist sie oft etwas abgeändert und tritt als
-sogenannte „_Stiftehemmung_” auf (Fig. 37). Hier sind die Zahnspitzen
-des Graham-Ganges durch Stifte ersetzt, welche im Hemmungsrade mit der
-Radwelle laufen. Die Paletten (Flächen) des Ankers liegen ganz nahe
-beieinander und lassen die Stifte von einer gleich zur andern gehen.
-Es werden auch Stiftehemmungen konstruiert, bei denen das Rad auf
-beiden Seiten Stifte aufweist; die Radscheibe geht dann zwischen den
-Ankerarmen hindurch und die Stifte der einen Seite berühren bloß den
-zugekehrten Ankerarm.
-
-Es ist aber leicht einzusehen, daß auch bei dieser ruhenden Hemmung die
-Reibung noch ziemlich bedeutend ist. Deswegen kamen mehrere Künstler,
-so z. B. 1748 Pierre le Roy (der Sohn des oben genannten Julien le Roy)
-u. a. auf den Gedanken, das Hemmungsrad nicht vom Regulator (Pendel)
-selbst, sondern von einem besonderen Einfall aufhalten zu lassen,
-welcher vom Regulator ausgelöst wird. Hiedurch verringert sich die
-Reibung auf ein Minimum, der Gang wird möglichst leicht. Die Unruhe
-schwingt zum größten Teil frei, macht also viel größere Schwingungen,
-als bei der Zylinderhemmung. Dieses ist das Prinzip der _freien_
-Hemmungen, welche namentlich bei Präzisionsuhren angewendet wird. Als
-besonders geistreiche und originelle Ausführungen der freien Hemmung
-sei hier das Mannhardtʼsche Pendel sowie die Rieflersche Hemmung
-genannt, von denen noch näher die Rede sein soll.
-
-[Illustration: Fig. 37.]
-
-Mit welch großer Mühe und Scharfsinn die alten Turm- und Kunstuhren
-auch ausgeführt sein mochten, so waren sie doch nicht geeignet,
-eine genaue Messung der Zeit zu ermöglichen, weil sowohl die
-Werkzeuge, als auch die Kenntnis der hier besonders in Betracht
-kommenden verschiedenen Widerstände noch sehr mangelhaft waren.
-Bei Turmuhren ist es besonders die große Reibung im Werke selbst,
-die Zeigerleitungen, die Hemmung des Windes u. s. w., welche die
-Genauigkeit beeinträchtigen. Ließ man, um diese Uebelstände etwas
-auszugleichen, die Uhr mit großem Kraftüberschuß gehen, so mußte das
-Pendel einen großen Weg machen, was wieder andere Uebelstände zur Folge
-hatte. Es mußte also der Antrieb, den das Pendel erhält, oder den das
-Steigrad auf den Anker ausübt, nur gering sein.
-
-[Illustration: Fig. 38.]
-
-Die Anordnung, durch welche das erreicht wird, heißt Hemmung mit
-„konstanter Kraft” und besteht darin, daß das Gewicht des Laufwerkes
-der Uhr alle Minuten nur einige wenige Sekunden lang wirkt; das
-Steigrad und damit das Pendel erhalten ihren Antrieb durch einen
-besonderen Hilfsmechanismus, welcher alle Minuten aufs neue aufgezogen
-wird. Infolge dieser Einrichtung bewegt sich der Minutenzeiger
-sprungweise. Diese Erfindung, schon länger bekannt, wurde nun erst
-durch die Mannhardtʼsche Ausführung so recht praktisch.[79] Das
-sogenannte „freie Pendel” bezeichnet einen wichtigen Abschnitt in der
-Großuhrenfabrikation, indem hier die freie Hemmung mit konstanter Kraft
-sehr sinnreich verwirklicht ist. Fig. 38 gibt eine Vorderansicht der
-Mannhardtʼschen Konstruktion.
-
-Das Laufwerk der Uhr besteht aus dem Bodenrad (~a~), dem Laufrad (~b~)
-und dem Windfang (~c~). Das Gewicht des Laufwerkes ist ohne jeden
-Einfluß auf den direkten Antrieb des Pendels. Dieses erhält ihn nämlich
-in ganz gleicher Größe alle Minuten einmal, so daß die Schwingungen
-ebenfalls gleich sind. Die geniale Art dieses Antriebes, sowie die
-Auslösung des Laufwerkes sind im folgenden dargestellt. Das Pendel
-~A~, welches in zwei Federn hängt, trägt nahe dem Aufhängepunkt ein
-Rädchen ~e~, welches ebensoviele Zähne hat, als das Pendel in einer
-Minute Doppelschwingungen vollführt. Am festen Ständer ~B~ ist ein
-Sperrhaken ~i~ angebracht, der das Rädchen um einen Zahn vorwärts
-schiebt, wenn das Pendel von rechts nach links schwingt; es macht also
-alle Minuten eine Umdrehung, und ebenso oft stößt ein auf der Achse
-desselben fest angebrachter Haken ~f~ an das Auslösungsstück ~lmn~.
-Hiedurch wird das Laufwerk frei und macht der Windfang eine Umdrehung.
-Auf der Achse des Windfanges sitzt der Arm ~gh~, welcher nach
-vollendeter Drehung angehalten wird durch den Haken des Auslösungshebel
-~lmn~.
-
-Ferner sitzt auf der Windfangachse noch die exzentrische Scheibe ~K~,
-welche die Rolle ~p~ sanft auf die am Pendelrahmen angebrachte schiefe
-Ebene ~ss~ auflegt. Diese Rolle übt nun beim Heruntergleiten durch
-ihr Eigengewicht einen Druck aus, welcher dem Pendel den erlittenen
-Kraftverlust ersetzt. All das vollzieht sich fast ohne Reibung und ohne
-Stoß, was sonst bei keiner Hemmung erreicht wird. Der Exzenter ~K~ hebt
-nun die Rolle wieder auf, so daß während der nächsten Minute das Pendel
-tatsächlich ganz frei schwingt, und erst am Ende dieser Zeit einen
-neuen Antrieb erhält.
-
-Es mag noch bemerkt werden, daß Mannhardt bei der Antriebrolle und dem
-Sperrrädchen jede Oelschmierung vermeidet, indem die feinst polierten
-Zapfen in Büchsen laufen, welche mit Graphit ausgekleidet sind. Eine
-besonders angebrachte Vorrichtung, in Art einer Bremse verhindert, daß
-das Sperrrädchen während der Zwischenzeit sich bewege.
-
-Die Vorzüge dieses ausgezeichneten Systems sind derart, daß die
-Mannhardtʼschen Turmuhren sich rasch überall hin verbreiteten und
-hohe Anerkennung fanden. Die Werkstätte selbst besteht heute noch
-unter der Firma: J. Mannhardtʼsche Turmuhrenfabrik in München (Inhaber
-G. Hartmann).
-
-Wären die Widerstände, welche das Pendel durch seine Verbindung
-mit dem Räderwerk der Uhr erfährt, gleichbleibend, so hätten sie
-keinen schädlichen Einfluß auf dessen Gang; da es aber unmöglich ist,
-alle Ungleichheiten zu beseitigen, so muß man darnach trachten, sie
-möglichst gering zu machen. Es ist sehr wichtig, daß der Antrieb,
-welchen das Pendel von Zeit zu Zeit erhalten muß, im rechten Moment
-der Schwingung und an der rechten Stelle des Pendels, endlich auch
-in richtiger Weise erfolge. Die richtige Zeit für einen Antrieb ist
-offenbar dann gegeben, wenn das Pendel die größte lebendige Kraft
-besitzt, also, wenn es die Ruhelage passiert, weil dann etwaige
-Ungleichheiten des Antriebes die Regelmäßigkeit der Schwingungen am
-wenigsten beeinflussen können. Soll der Schwingungsbogen und damit die
-Schwingungszeit nicht geändert werden, so muß der Anstoß möglichst nahe
-der Achse des Pendels erfolgen. Auf die beste Weise endlich erfolgt
-der Antrieb, wenn er rasch und ohne Stoß vor sich geht, was wiederum,
-wenigstens in bezug auf das erstere, beim Passieren der Mittellage der
-Fall ist.[80]
-
-Genauere Untersuchungen haben nun dargetan, daß die Grahamhemmung alle
-diese Erfordernisse nur unvollkommen erfüllt; unter den zahlreichen
-bereits konstruierten Hemmungen ist diejenige von Herrn S. Riefler
-unstreitig eine der besten. Eigentümlich und neu ist hier, daß der
-Antrieb in die Pendelfeder verlegt wird, also nicht am Pendel selbst
-erfolgt.
-
-[Illustration: Fig. 39.]
-
-Unsere Abbildung Fig. 39 zeigt die Rieflerʼsche Hemmung in
-Vorderansicht; Fig. 40 von der Seite. Wie man sieht, sind hier statt
-eines Steigrades deren zwei angebracht. Das hintere (Fig. 40), ~H~,
-ist das Hebungsrad, das vordere, ~R~, das Ruherad; beide sitzen auf
-derselben Achse fest. Der Anker (~A~) dreht sich nicht um einen
-Zapfen, sondern der geringeren Reibung halber um Schneiden. An ihm
-befinden sich 2 Hebestifte (~S S′~) aus Stein, deren Querschnitt rund,
-beziehungsweise halbkreisförmig ist. Das Pendel selbst ist einzig durch
-Federn mit dem Anker verbunden und zwar so, daß die Schwingungsachse
-der Federn und die Schneidenachse des Ankers zusammenfallen. Die
-Wirkungsweise der Rieflerʼschen Hemmung ist nun folgende:
-
-[Illustration: Fig. 40.]
-
-Angenommen ist, das Pendel schwinge gerade von rechts nach links (Fig.
-39), wobei vorderhand der Zahn ~r~ des Ruherades ~R~ noch auf der
-ebenen Fläche des Stiftes ~S~ aufruht. Die Pendelfeder ~ii~ bleibt noch
-gerade (Fig. 40) und der Anker dreht sich um seine Schneiden ~aa~, bis
-die Spitze des Ruheradezahnes ~r~ von der ebenen Fläche der Palette
-~S~ herabfällt. Jetzt ist die Zylinderfläche der Palette ~S^1~ an den
-Hebezahn ~h~ des Heberades (~H~ in Fig. 40) gelangt, die beiden Räder
-drehen sich nach rechts herum, bis der Ruhezahn ~r^1~ auf der ebenen
-Fläche des Stiftes ~S^1~ aufliegt; der Hebezahn ~h~ drängt die Palette
-~S^1~ zurück, wodurch das Pendel einen zu seiner Schwingungsrichtung
-entgegengesetzten Antrieb erhält. Durch diese Drehbewegung des Ankers
-erfährt die Pendelfeder ~ii~ eine kleine Spannung, welche den nötigen
-Antrieb erteilt. Zunächst zwar schwingt das Pendel noch nach links um
-die Biegungsachse der Feder, bei ruhendem Anker. Bei der Rückkehr nach
-rechts wird der Zahn ~r^1~, der unterdessen auf ~S^1~ ruhte, frei, und
-der Zahn ~h^1~ des Heberades bewirkt eine neue Hebung u. s. f.
-
-Die Hemmung ist so vorzüglich, daß astronomische Uhren, an deren
-gleichmäßigen Gang die größten Anforderungen gestellt werden, durch
-sie einen außerordentlichen Grad von Genauigkeit erlangen. Diese
-Instrumente sind außerdem noch mit Quecksilber- oder Nickelstahlpendel
-versehen. Riefler fertigt zwei Arten derselben: die eine in
-Glasgehäuse montiert, welches aus zwei Teilen besteht, die luftdicht
-zusammengeschliffen sind. Vergl. Abbildung 41. Die Uhr ist mit einem
-Mikroskop versehen, um die Schwingungen des Pendels genau zu messen,
-und mit einer Luftpumpe, um die Luft zu verdünnen; ebenso sind
-ein Barometer und Hygrometer angebracht, um alle hier in Betracht
-kommenden äußeren Einflüsse bestimmen und so das Werk möglichst genau
-regulieren zu können. Ein elektrischer Sekundenkontakt vermittelt den
-Anschluß an die Nebenuhren. Der Druck im Inneren des Glasgefäßes wird
-geringer gehalten als außen, dadurch kann die Uhr reguliert werden.
-Geht sie nämlich etwas vor, so läßt man Luft einströmen, wodurch der
-Reibungswiderstand des Pendels vermehrt wird, sie geht also langsamer;
-umgekehrt wird verfahren, wenn sie eine Kleinigkeit nachgeht. Die
-grobe Regulierung geschieht wie bei den übrigen Uhren durch eine
-Regulierschraube, bezw. durch Zulagegewichte. Nach den Angaben ~Dr.~
-S. Rieflers bringt eine Verminderung des Luftdruckes um ein ~mm~
-Quecksilbersäule eine wöchentliche Gangdifferenz von 1/10 Sekunde
-hervor. Der luftdichte Verschluß schützt die Uhr gegen Schwankungen
-des Barometerstandes.
-
-[Illustration: Fig. 41.]
-
-Eine billigere, aber noch immer sehr gute Uhr wird vom gleichen
-Fabrikanten in Holzgehäuse geliefert. Die Schwankungen des Luftdruckes
-werden hier durch ein am Pendel angebrachtes Aneroidbarometer
-ausgeglichen. Dasselbe trägt nämlich auf dem oberen Boden ein Gewicht,
-welches sich hebt und senkt, und dadurch den Abstand des Schwerpunktes
-ändert, und also den Gang reguliert. Der Preis eines astronomischen
-Rieflerschen Regulators beträgt 1400 bis 3000 Mk. Es ist dies eine
-relativ mäßige Summe, wenn man bedenkt, daß diese Zeitmesser jetzt wohl
-das vollkommenste darstellen, was geboten werden kann. Auch Turmuhren
-werden in Rieflers Werkstätte gebaut, nach gleichem System, wobei die
-Verhältnisse natürlich entsprechend größer sind.
-
-
-2. Die Kompensation.
-
-Die Wärme dehnt alle Materialien, welche für Pendel in Frage kommen,
-aus und zwar so, daß ein Pendel aus Stahl oder aus Eisen bei
-einer Temperaturerhöhung von 1° C täglich etwa eine halbe Sekunde
-zurückbleibt; dies gilt für lange und kurze Pendel. Man sucht nun
-diesem Uebelstande dadurch abzuhelfen, daß Materialien verschiedener
-Ausdehnung genommen werden, so daß die Ausdehnungen sich gegenseitig
-möglichst ausgleichen, daß also der Schwingungsmittelpunkt des
-Pendels in annähernd gleichem Abstande vom Aufhängepunkt bleibt.
-Als kompensierendes Element verwendet man in der Regel Messing,
-Zink oder Quecksilber. Das bekannte Rostpendel (an den billigen
-„Regulatoren” übrigens oft nur zum Schein angebracht) zeigt Stäbe
-von verschiedenem Material, aber von gleicher Form und gleichem
-Volumen; die Temperaturänderungen übertragen sich ziemlich gleich
-schnell auf alle Teile, allein durch die Querverbindungen der Stäbe
-entsteht Reibung, welche eine ruckweise Ausdehnung bewirkt, wodurch
-die Kompensation vielfach wieder vereitelt wird. Ursprünglich, als
-man bloß Eisen und Stahl verwendete, mußten bis neun Stäbe genommen
-werden, da der Unterschied in der Ausdehnung hier nur gering ist.
-Nimmt man jedoch Zink, so genügen fünf. Fig. 42 stellt ein Rostpendel
-dar. Die beiden inneren, die Pendelstange umgebenden Zinkstäbe dehnen
-sich bei zunehmender Temperatur nach oben aus, suchen also das Pendel
-zu verkürzen; diese Verkürzung wird aber wieder ausgeglichen durch
-die zwei äußeren Stäbe und die innere Stange, welche sich nach unten
-ausdehnen. Theoretisch tritt folglich keine Aenderung der Pendellänge
-ein.
-
-[Illustration: Fig. 42.]
-
-Das beste Material für Wärmeausgleich ist aber Quecksilber; es
-besitzt einen großen Ausdehnungskoeffizienten, ein bedeutendes
-spezifisches Gewicht und keinerlei Reibung beim Ausdehnen. Deshalb
-wurde es auch bereits von Graham angewendet. In der gewöhnlichen
-Form ist ein Quecksilberpendel folgendermaßen eingerichtet: ein
-zylindrisches Glasgefäß (zuweilen auch zwei), teilweise mit Quecksilber
-gefüllt, ist am unteren Ende der eisernen Pendelstange befestigt.
-Diese kann sich nach unten, das Quecksilber nach oben ausdehnen;
-man bestimmt die Menge des letzteren so, daß der Schwingungspunkt
-des Pendels bei jeder Temperatur in der gleichen Lage bleibt.
-Theoretisch ist das nun ganz schön, allein in Wirklichkeit ergeben
-sich Schwierigkeiten, welche den Wärmeausgleich sofort wieder ungenau
-machen. Um nur einiges zu erwähnen, nimmt selbstredend die dünne
-Pendelstange Temperaturänderungen leichter an als die beträchtliche
-Quecksilbermasse; dann ist die Höhe der Quecksilbersäule, verglichen
-mit der Pendellänge, gering, so daß Temperaturunterschiede in
-verschiedener Höhenlage nicht kompensiert werden. Endlich ist auch
-die Form des Quecksilbergefäßes ziemlich ungeeignet, die Luft mit dem
-möglichst geringen Widerstande zu durchschneiden; dieser letztere
-ungünstige Umstand wird noch mehr ins Gewicht fallen, wenn das
-Quecksilber auf zwei Gefäße verteilt wird.
-
-Von ähnlichen Erwägungen ausgehend, hat Herr S. Riefler eine
-Quecksilberkompensation konstruiert, welche die eben genannten
-Fehlerquellen möglichst vermeidet und im Wesentlichen wie folgt
-eingerichtet ist (Fig. 43). Die Pendelstange ist ein Mannesmannrohr
-von 1 ~mm~ Wandstärke und 16 ~mm~ Weite, das auf zwei Drittel der
-Länge mit Quecksilber gefüllt ist (einen ähnlichen Gedanken hatte
-schon Graham); die Linse ist im Verhältnis zum Gewichte des ganzen
-Pendels sehr schwer. Während nun die Grahamkompensation dadurch richtig
-eingestellt wird, daß man Quecksilber ein- oder weggießt, bleibt beim
-Riefler-Pendel die Höhe desselben immer gleich; es wird die Korrektur
-der Kompensation durch Hinwegnahme (wenn zu wenig kompensiert wird)
-oder durch Hinzufügen von Ersatzscheiben, also durch Aenderungen der
-Pendelmasse bewerkstelligt. Der Ausdehnungskoëffizient des Stahlrohres
-wird durch höchst sorgfältige Messungen bestimmt, so daß schließlich
-die Genauigkeit eine ganz außerordentliche wird; schwankt sie doch
-nach den Angaben ~Dr.~ Rieflers pro Tag und ± Celsiusgrad nicht
-mehr als 5/1000 Sekunden! Zum Zwecke ganz feiner Regulierung werden
-noch Zulagegewichte beigegeben, welche in einen an der Pendelstange
-angebrachten Becher zu legen sind und dem Pendel innerhalb 24 Stunden
-eine Beschleunigung geben, die auf den Gewichten selbst vermerkt ist.
-
-[Illustration: Fig. 43.]
-
-Herr Riefler hat das Kompensationspendel auch noch in einer 2. Form
-hergestellt, als sogenanntes „Nickel-Stahl-Kompensationspendel”.[81]
-Herr ~Dr.~ E. Guillaume, Mitglied des Direktoriums des internationalen
-Bureaus für Maß und Gewicht zu St. Cloud bei Paris fand nämlich, daß
-eine Legierung von 37,7 Prozent Nickel und 64,3 Prozent Stahl einen
-außerordentlich geringen Ausdehnungskoëffizienten habe, etwa ein
-1/12 von demjenigen des Stahles, 1/18 von Messing und bloß 1/23 von
-Aluminium. Es lag nun der Gedanke nahe, und einläßliche Untersuchungen
-Rieflers bestätigten ihn, daß diese Legierung, „Invar” genannt, sich
-für Pendel sehr gut eignen möchte.
-
-[Illustration: Fig. 44.]
-
-Das von der Firma Riefler konstruierte Nickelstahlpendel, (~D. R. P.~
-No. 100870) Fig. 44, besteht aus dem massiven Nickelstab ~S~, der
-Linse ~L~, sowie den zwei Kompensationsröhren ~C~ und ~C′~ und den
-Reguliermuttern ~M~ und ~M′~. Bei den Sekundenpendeln ist das Rohr ~C~
-aus Messing, ~C′~ aus Stahl, beide sind etwa 10 ~cm~ lang. Die Dicke
-des Pendelstabes beträgt für astronomische Uhren 14 ~mm~, für billigere
-Uhren 10 ~mm~. Auch hier ist der Wärmeausgleich noch ein vorzüglicher:
-pro Tag und Grad C beträgt der Unterschied bloß ± 0,02 Sekunden.
-
-Die letztgenannte Konstruktion hat vor dem Quecksilberpendel den Vorzug
-größerer Billigkeit bei fast gleicher Genauigkeit. Sie wird bereits
-an vielen Uhren angebracht und zwar in 4 Ausführungen: Als Halb- und
-Ganzsekundenpendel, ferner in einer Länge, die 80 und 90 Schwingungen
-entspricht.
-
-Herr Riefler hat auch eine genaue Berechnung der Kompensation
-ausgeführt, welche wohl für lange Zeit genügen mag. Früher wurde
-nämlich angenommen, daß sich die Linse ebensoviel heben müsse, als sich
-die Stange verlängert hat; es ist dies aber deswegen ungenau, weil bei
-einer Verlängerung der Pendelstange auch der Schwerpunkt sich senkt.
-Genau muß nämlich die Länge des mathematischen Pendels konstant bleiben.
-
-
-3. Die elektrischen Uhren.
-
-Wie auf vielen andern Gebieten menschlicher Tätigkeit, so hat auch
-bei der Zeitmeßkunst die Elektrizität sich sozusagen als Mädchen für
-alles angeboten. Diese geheimnisvolle Kraft besitzt allerdings geradezu
-ideale Eigenschaften, welche sie für Mitteilung der Zeit hervorragend
-befähigen. Da ist zuerst ihre kolossale Geschwindigkeit: rund 300000
-~km~ in der Sekunde, so daß sie fast momentan vom Pol zum Aequator
-läuft, die leichte Teilbarkeit des elektrischen Stromes, einfache
-Installation u. s. w., Gründe genug, diese kostbare Kraft auch in den
-Dienst der Zeitmessung zu stellen, was von Tag zu Tag in größerem Maße
-geschieht.
-
-Der elektrische Strom wird vorzüglich in dreifacher Weise zur
-Mitteilung der Zeit verwendet: im elektrischen Zeigerwerk, also in
-den sogenannten „sympathischen” Uhren, wo unmittelbar die Angaben
-einer Normaluhr auf beliebig viele Zifferblätter übertragen werden; in
-Uhren mit selbständigem Gang, welche von Zeit zu Zeit durch den Strom
-gerichtet werden und endlich in der elektrischen Pendeluhr, bei welcher
-die Elektrizität als Motor wirkt, d. h. Gewicht oder Feder ersetzt.
-
-So viel bekannt, suchte zuerst der Münchener Ramis (Uhrmacher?) die
-Elektrizität als treibende Kraft in der Uhr zu verwenden, indem er
-zwischen den Polen einer Zambonischen Säule eine Nadel, die als
-Sekundenpendel schwang, mit einem Uhrwerk in Verbindung setzte. Allein
-die elektrische Kraft nahm bald ab und die Säule mußte erneuert werden.
-
-[Illustration: Fig. 45.]
-
-Mit besserm Erfolge benützten Steinheil und Wheatstone 1839 den
-Elektromagnetismus, um von einer genau gehenden Normaluhr aus, eine
-beliebige Anzahl anderer Uhren in übereinstimmendem Gange zu erhalten.
-Steinheil ließ durch die Normaluhr alle Minuten oder Sekunden
-einen Strom schließen, wodurch der Elektromagnet der abhängigen
-Uhr erregt wurde und zwei polarisierte Anker bewegte. Er verwandte
-also Wechselstrom. Die Anker, bald angezogen, bald abgestoßen,
-wirkten nun ähnlich wie eine Hemmung, indem sie die Zeigerbewegung
-hervorbrachten. -- Wheatstones Uhr war im wesentlichen eingerichtet
-wie sein Zeigertelegraph. Ein Elektromagnet zieht den Anker an und
-treibt dadurch das Zeigerrad um einen Zahn vorwärts. Der Strom wird
-alle Sekunden oder Minuten durch das Steigrad der Hauptuhr geschlossen.
-Der Franzose Garnier verbesserte dieses System insofern, als er den
-Stromschluß nicht direkt durch die Normaluhr bewirken läßt, sondern
-durch ein von dieser betriebenes Hilfsräderwerk. Von dieser Art Uhren
-haben jene von Breguet, Siemens und Halske, vor allen aber die von Hipp
-in Neuenburg weitere Verbreitung gefunden. Fig. 45 und 46 werden die
-Wirkungsweise des elektrischen Stromes in einer Uhr resp. Uhrenleitung
-leicht klar machen. Der Anker ~a~, Fig. 45, trägt eine Feder ~S~,
-welche das Minutenrad ~R~ bei jedem Stromschluß um einen Zahn vorwärts
-schiebt. Damit beim Zurückgehen des Ankers das Rad ~R~ nicht wieder,
-etwa durch Reibung mitgenommen wird, ist der Sperrhaken ~t~ angebracht;
-das Vorwärtsschieben von zwei Zähnen wird durch den Ansatz ~h~
-verhindert. Fig. 46 gibt eine schematische Kontaktvorrichtung. ~S~
-ist eine auf der Achse des Sekunden- oder Minutenrades angebrachte
-isolierende Scheibe, deren Nase den Kontakt bei ~C~ besorgt. ~B~ ist
-die Batterie. Das Weitere ergibt sich aus der Abbildung.
-
-[Illustration: Fig. 46.]
-
-Die zweite Art elektrischer Uhren kann hier übergangen werden, da
-sie im wesentlichen nur Zeigertelegraphen darstellen. Wie bekannt
-faßte Steinheil zuerst diesen Gedanken und führte ihn auch aus.
-Verbesserungen erfuhr dieses System außer von Bain und Breguet,
-namentlich durch Siemens und Halske.
-
-Als Beispiel einer selbstständigen elektrischen Uhr sei hier die
-Hippʼsche etwas einläßlicher beschrieben, da sie wohl die verbreitetste
-sein dürfte.
-
-[Illustration: Fig. 47.]
-
-So schön auch der Gedanke ist, den elektrischen Strom zur Zeitmessung
-zu verwenden und so zahlreich die an den Uhren in dieser Hinsicht
-angebrachten Verbesserungen immer sein mögen, es bleiben doch noch
-viele Uebelstände übrig, welche oft so groß sein können, daß der
-Nutzen der ganzen Einrichtung in Frage gestellt wird. Hier möge nur
-Weniges erwähnt sein. Die Zeitindikatoren werden, wie wir oben gesehen,
-durch einen Elektromagneten betätigt, indem dieser einen Anker aus
-weichem Eisen anzieht oder losläßt. Gewöhnlich ist nun dieser Anker
-sehr nahe beim Magneten, hat also nur wenig Weg; es kann infolge
-dessen auch eine leichte Erschütterung der Uhr ein Vorwärtsschieben
-des Zeigers veranlassen. Wird ein polarisierter Anker (durch Influenz
-magnetisch, oder auch ein permanenter Magnet) angewendet, so können
-Induktionsströme höherer Ordnung sich bilden, welche denselben
-zweimal bewegen; ebenso kann es vorkommen, daß er in der Mitte stehen
-bleibt, wodurch schwere Störungen verursacht werden. Diese und andere
-Uebelstände nun hat Hipp in seinen Uhren beseitigt, so namentlich auch
-die Funkenbildung bei der Stromöffnung; dadurch wird die Schädigung
-der Kontakte bedeutend vermindert. Es kann aber hier auf diese
-Einzelheiten nicht näher eingegangen werden.
-
-[Illustration: Fig. 48.]
-
-Die elektrische Uhr von Hipp ist entweder eine Pendeluhr, oder dann ein
-elektrischer Regulator; nur die erstere soll hier beschrieben werden.
-Unsere Abbildung, Fig. 47 gibt eine Vorderansicht der Hippʼschen
-Pendeluhr. Das Pendel hat Federaufhängung und schwingt halbe Sekunden;
-es besteht aus einer Stahlstange mit schwerer Linse, unterhalb welcher
-der Anker aus weichem Eisen angebracht ist. In unmittelbarer Nähe
-befindet sich der zweischenkelige Elektromagnet. Wenn nun das Pendel
-schwingt, so nehmen natürlich die Schwingungsweiten bald ab, so daß ein
-neuer Anstoß nötig wird. Dieser wird durch eine im richtigen Momente
-wirkende Anziehung des Elektromagneten erteilt. Eine eigentümliche
-Kontaktvorrichtung setzt den Strom in Tätigkeit. Wie Fig. 48 zeigt,
-ist die Pendelstange in der Mitte abgekröpft; diese Abkröpfung trägt
-auf einem Messingarm ein Stück glasharten Stahles, welches unter der
-sogenannten Palette hin- und herschwingt. Diese, eine feine Schneide
-aus Stahl, ist an der Feder ~ac~ (Fig. 49) um eine Achse leicht
-beweglich angebracht und gleitet für gewöhnlich über das unter ihr
-schwingende, mit feinen, sägezähneartigen Furchen versehene Stahlstück
-~d~ hinweg. Der Aufhängepunkt ~e~ der Palette liegt etwas seitlich,
-außerhalb der Gleichgewichtslage des Pendels und reguliert so die
-kleinste Amplitude, mit der das Pendel schwingen darf. Fallen nun ~e~
-und der Umkehrpunkt des Pendels zusammen, so wird Kontakt gemacht und
-zwar auf folgende Weise: bewegt sich das Pendel bei der kleinsten
-Schwingungsweite z. B. von rechts nach links, so steht die Palette
-schief über ~d~ und wird durch das Pendel aufgerichtet. Dadurch wird
-aber die Feder ~ac~ nach oben gedrückt, so daß bei ~c^1~ der Strom
-geschlossen wird. In diesem Augenblick ist das Pendel noch rechts
-vom Elektromagneten, aber ganz nahe; es hat also fast das Maximum
-der Bewegungsintensität, nun kommt die Anziehung des Magneten und
-vergrößert dadurch die Schwingungsweite. Wenn das Plättchen ~d~ die
-Palette wieder verläßt, ist der Strom unterbrochen. Dieses Spiel
-wiederholt sich nun so oft, als die Schwingungsweite ihr Minimum
-erreicht; sollte irgend einmal der Strom nicht wirken, so wiederholt
-sich der Kontakt noch öfters, wodurch eine bedeutende Sicherheit
-erreicht wird. Der Stromverbrauch ist sehr gering, da nur etwa alle
-halbe Minuten Kontakt stattfindet. Die Uebertragung der Pendelbewegung
-auf das Steigrad erfolgt jede Sekunde durch einen Winkelhebel, der vom
-Pendel mitgenommen wird.
-
-[Illustration: Fig. 49.]
-
-Soll diese Uhr zugleich als Normaluhr oder Regulator dienen, so ist
-an derselben noch ein Stromwender und eine Kontaktvorrichtung für
-die Uhrenleitungen angebracht, auf deren nähere Erklärung wir hier
-verzichten müssen.
-
-[Illustration: Fig. 50.]
-
-Zum Schlusse dieser kurzen und keineswegs vollständigen Uebersicht
-über die elektrischen Uhren möge noch ein System genannt sein,
-das erst vor kurzem in den Handel kam und vielleicht eine große
-Zukunft hat. Jedermann weiß, wie lästig, oft auch kostspielig die
-Instandhaltung einer großen Uhrenbatterie ist. Fast immer liegen auch
-die Störungsursachen in der Stromquelle oder im Versagen der Kontakte.
-Es ist deshalb als ein sehr erfreulicher Fortschritt anzusehen, daß
-es jetzt gelungen ist, elektrische Uhren ohne jede Batterie oder
-Akkumulatoren zu betreiben und zwar sowohl Normaluhren als auch
-zahlreiche von ihnen abhängige Zeigerwerke. Der Gang dieser Zeitmesser
-beruht auf der Magneto-Induktion, d. h. auf der Erzeugung elektrischer
-Ströme durch kräftige Drehung eines Eisenankers in einem permanenten
-Magnetfelde, wodurch in einem benachbarten stromlosen Leiter, einer
-Spule, Stromstöße hervorgerufen werden. Der Gedanke ist zwar längst
-bekannt und auf anderem Gebiete ausgeführt worden; auf die Uhren
-angewendet aber hat ihn, so viel wir wissen, erst Herr Martin Fischer
-aus Zürich; die Werke seines Systems werden von der Aktiengesellschaft
-„Magneta” in Zürich erstellt.
-
-[Illustration: Fig. 51.]
-
-Das Prinzip ist im wesentlichen folgendes: an einem Feder- oder
-Gewichtsregulator ist ein Magnet-Induktor angebracht, welcher vom
-Gehwerk der Uhr alle Minuten ausgelöst wird. Dadurch wird ein zwischen
-den Magneten befindlicher Eisenstab gezwungen, eine Viertelsdrehung zu
-machen; durch diese plötzliche Bewegung entsteht in der feststehenden,
-den Stab umgebenden Spule ein momentaner elektrischer Strom, welchen
-die Leitungen auf die Nebenuhren übertragen, wodurch deren Zeiger
-gleichzeitig bewegt werden. Jede Batterie fällt so weg, die einzige
-Wartung, derer die Uhr bedarf, ist das Aufziehen des Regulators.
-Soll sie gerichtet werden, so kann dies durch beliebige Bewegung
-des Zeigers geschehen. -- Die Dauer der Magnete wird vom Erfinder
-auf 10 bis 20 Jahre berechnet. In dieser Einfachheit stellt das
-Magneta-System wohl das billigste vor, was bis jetzt auf dem Gebiete
-der elektrischen Uhren geleistet wurde. Es bleibt nur noch abzuwarten,
-ob diese geistreiche Einrichtung sich bewährt. Eingehende Prüfungen
-ergaben ein gutes Resultat und lassen hoffen, daß das System sich
-bald in weiterem Umfange einbürgern werde. Es sei noch bemerkt, daß
-jeder Sekundär-Uhr bis 25 Ohm Widerstand vorgeschaltet werden konnten,
-ohne ihren regelmäßigen Gang zu beeinflussen. Dieser Widerstand würde
-einer Doppelleitung von 2 bis 3 Kilometer Länge und etwa 2 Millimeter
-Dicke entsprechen, so daß die Verwendbarkeit des Systems auch in sehr
-ausgedehnten Gebäude-Komplexen gesichert ist (Fig. 50 und 51).
-
-Weil die Elektrizität überall, wo sie in den Dienst des Menschen
-gestellt wird, sich als mehr und mehr brauchbar und wertvoll bewährt
-hat, so dürfen wir wohl auch auf dem Gebiete der Zeitmessung gerade von
-dieser Kraft noch viele Ueberraschungen und ungeahnte Erfolge in der
-Zukunft erwarten.
-
-An Stelle des Gewichtes oder des elektrischen Stromes wurde auch
-schon der Luftdruck verwendet; dies geschieht bei den sogenannten
-_pneumatischen Uhren_. Als Erfinder gilt der Wiener Ingenieur
-Mayrhofer, welcher 1875 und 1876 sein System bekannt machte. Gepreßte
-Luft, welche auf der Zentralstation in einem Behälter sich befindet,
-wird durch Röhrenleitungen zu den abhängigen Uhren geführt. Hinter dem
-Hauptbehälter ist ein Abschlußventil angebracht, das den Zutritt der
-Luft zu den einzelnen Uhren verhindert. Das Oeffnen dieses Ventils
-wird nun durch die Normaluhr alle Sekunden oder Minuten besorgt. Die
-Luft strömt unter Druck und mit großer Geschwindigkeit zunächst in
-einen kleinen Behälter, der als Balg ausgebildet und nahe dem Uhrwerk
-angebracht ist: Fig. 52. Der obere Boden dieses Balges trägt einen
-leichten Hebel, welcher beim Aufwärtsgehen das Steigrad um einen Zahn
-vorwärts schiebt. Eine Klinke verhindert das Zurücknehmen des Rades.
-Das Zeigerwerk ist ganz gleich wie bei den elektrischen Uhren. Sobald
-die Arbeit geleistet ist, wird bei der Hauptstation ein zweites Ventil
-geöffnet, welches der Preßluft in den einzelnen Leitungen den Austritt
-in die äußere Atmosphäre gestattet. Dadurch sinkt natürlich der Balg
-und mit ihm der Hebel; der Betriebsmechanismus ist sofort zu weiterer
-Funktion bereit. Wahrscheinlich bieten sich hier aber Mißstände, welche
-nur schwer zu beseitigen sind, z. B. schädlicher Einfluß der feuchten
-Atmosphäre auf das Balgmaterial u. s. w. und es scheint, daß der
-elektrische Strom über den pneumatischen Meister geworden, wenigstens
-verlautet nichts über häufigere Anwendung oder weitere Fortschritte auf
-dem Gebiete der pneumatischen Uhren. Möglich, daß auch hier das Bessere
-wieder einmal der Feind des Guten geworden ist.
-
-[Illustration: Fig. 52.]
-
-
-4. Fortschritte in der Herstellung von Taschenuhren.
-
-Wie leicht begreiflich, begnügte man sich nicht mit der ursprünglich
-ziemlich roh erstellten Taschenuhr. Mit fortschreitender Genauigkeit
-wuchs selbstverständlich auch die Wertschätzung der Zeitmesser,
-speziell der Taschenuhren. Infolge dessen wurden dieselben in den
-kostbarsten Materialien, mit allem Aufwand von Scharfsinn und Kunst
-hergestellt und so nach und nach zum Luxusartikel, als welchen wir sie
-teilweise auch heute noch sehen. Es sind uns bereits im Vorhergehenden
-Beispiele künstlerisch ausgestatteter Uhren begegnet und mögen hier
-noch einige genannt sein.
-
-Wir bemerkten bereits, daß sich besonders die Uhren aus der Zeit der
-Valois auszeichnen durch reichen künstlerischen Schmuck. Goldschmiede
-und Graveure leisteten ihr Bestes, so daß derartige Erzeugnisse der
-Stolz jeder Sammlung sind und außerordentlich gut bezahlt werden.
-Bewegliche Figuren, die wir zuerst bei den Turmuhren getroffen, wurden
-auch an Taschenuhren nach und nach angebracht. Die bereits mehrfach
-erwähnte Sammlung Marfels in Berlin weist zahlreiche Beispiele
-derartiger Werke auf. Als Probe geben wir in Fig. 53 die Abbildung
-zweier kostbaren Uhren mit kleinen Automaten. Uhren in Form von
-Tabakdosen, Federhaltern, Tulpen, Pyramiden, Musikinstrumenten etc.
-sind nicht selten; jede ein Kunstwerk, und mit unendlichem Fleiße
-ausgeführt. Schon sehr frühe gelang es, Taschenuhren so klein zu
-machen, daß sie in einem Ringe am Finger getragen werden konnten.
-(Fig. 54). Wohl die kleinste ältere Uhr von 9 ~mm~ Durchmesser,
-aus dem Jahre 1650, zeigt unsere Abbildung 55. -- Vergleichshalber
-geben wir hier noch 2 chronometrische Merkwürdigkeiten aus früherer
-und neuester Zeit: es sind dies die kleine Uhr, welche Caron de
-Beaumarchais konstruierte für die Pompadour und ein Genferührchen, das
-mit allen Hilfsmitteln moderner Technik hergestellt wurde (Fig. 56).
-Der Kreis gibt die Größe eines 20 Pfennigstückes wieder.
-
-[Illustration: Fig. 53 ~a~.]
-
-[Illustration: Fig. 53 ~b~.]
-
-Was das erste dieser kleinen Kunstwerke betrifft, so sei hier
-gleich bemerkt, daß der Ersteller ebenso interessant ist, als sein
-Werk. Pierre Augustin Caron, wohl einer der berühmtesten Uhrmacher,
-wurde 1732 zu Paris geboren als Sohn des Uhrmachers Caron, der in
-bescheidenen Verhältnissen lebte. Der Knabe zeichnete sich schon frühe
-durch große Handfertigkeit aus, sowie durch seine dem Vater höchst
-unliebsame Vorliebe für Musik. Nach manchem Zerwürfnis mit demselben
-versprach er, der Musik, wenigstens einigermaßen zu entsagen, was
-auch geschehen zu sein scheint, denn Caron erfand schon mit 20 Jahren
-den Stiftengang für Taschenuhren. Durch unvorsichtige Mitteilung
-seiner Erfindung an einen Kollegen, wäre er beinahe um deren Früchte
-gekommen, erst nach einem glücklich geführten Prozeß erkannte ihn die
-Akademie als rechtmäßigen und einzigen Erfinder an. Damit war nun
-das Glück des jungen Caron gemacht. Durch das Aufsehen, welches der
-Prozeß verursachte, wurden weite Kreise auf den talentvollen Uhrmacher
-aufmerksam und Ludwig ~XV.~ bestellte bei ihm eine möglichst kleine
-Uhr, die zur vollsten Zufriedenheit ausfiel und der bald weitere
-folgten. So wurde Caron rasch in den höchsten Kreisen bekannt. Nach und
-nach erhielt er Zutritt bei Hofe und schließlich durch eine Heirat den
-Adelstitel, welchen er sich allerdings vorerst selbst beilegte: Caron
-de Beaumarchais. Später bestätigte der König diesen Namen. Die Ausübung
-des früheren Berufes hatte Beaumarchais natürlich längst aufgegeben.
-1784 kam seine „Hochzeit des Figaro” auf die Bühne und machte den
-Verfasser zum berühmten Mann. Wie bekannt, ist Caron de Beaumarchais
-auch der Schöpfer des Lustspieles: „der Barbier von Sevilla.” Er starb
-1799 in Paris, wohin er nach Beendigung der Schreckensherrschaft wieder
-zurückgekehrt war.
-
-[Illustration: Fig. 54.]
-
-[Illustration: Fig. 55.]
-
-[Illustration: Fig. 56.]
-
-Die andere kleine Uhr, welche unsere Abbildung zeigt, wurde in Genf
-hergestellt. Wir geben im folgenden einige Daten über dieses Kunstwerk
-nach Mitteilungen der Leipziger Uhrmacherzeitung. Das Werk besteht aus
-95 Einzelbestandteilen im Gesamtgewicht von 0,93 ~gr~; also noch nicht
-ein Gramm! Es hat eine Gangdauer von 28 Stunden; der winzige Schlüssel
-umfaßt einen Vierkant von nicht ganz ½ Millimeter Seitenlänge. Der
-Durchmesser des Federhauses beträgt 4,18 ~mm~, die Länge der Feder
-3,4 ~mm~; ihr Gewicht ist 38 Milligramm, bei einer „Dicke” von 45/1000
-Millimeter! Die Werkplatte, auf welcher die Teile befestigt sind, mißt
-9 ~mm~ im Durchmesser. Die Unruhe wiegt etwa ein hundertstel Gramm, bei
-3,5 ~mm~ Durchmesser. Die Spirale hat ein Gewicht von 1/10 Milligramm
-(d. h. 10000 solcher Federchen hätten erst 1 ~gr~!); die Unruhe macht
-stündlich 18152 Schwingungen; u. s. w. Aus diesen Angaben läßt sich
-leicht ein Schluß ziehen auf die Feinheit der nötigen Instrumente, aber
-mit mehr Recht noch, auf das Werkzeug aller Werkzeuge, die Hand des
-Menschen und den Geist, der sie leitet. -- Der Preis des Kunstwerkes
-ist nicht für jedermann: 5000 Mk., gewiß nicht übertrieben hoch,
-angesichts solcher Leistungen!
-
-Ein anderes weites Feld der Betätigung bot die Uhrmacherkunst
-namentlich der Email-Malerei; die Zartheit und zugleich das Feuer
-und der Glanz der Farben läßt sich durch Abbildungen nur mangelhaft
-wiedergeben.
-
-Als ein bedeutender Fortschritt auf dem Gebiete der Uhren darf hier
-die Erfindung genannt werden, Edelsteine für Lager u. s. w. zu bohren.
-Sie wird dem anfangs des 18. Jahrhunderts in der Schweiz geborenen,
-aber in England lebenden Nikolaus Fatio zugeschrieben, welcher 1764 vom
-englischen Parlament ein auf 14 Jahre gültiges Patent erhielt.
-
-Die ältesten Taschenuhren besitzen keine Gläser, sondern dann und
-wann Platten aus Bergkristall, deren Bearbeitung sehr mühsam, also
-teuer ist. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts finden sich allgemein
-Uhrgläser, zunächst in der bekannten gewölbten Form für Spindeluhren.
-Der Preis war aber noch sehr hoch, 4-5 Fr. das Stück!
-
-Der Engländer Barlow (1636-1716) ist der Erfinder der Repetieruhr;
-ursprünglich für Pendeluhren berechnet, versah er erst im Jahre 1691
-eine Taschenuhr mit dieser Einrichtung.
-
-Als sehr wichtige Neuerung muß die Einführung der Taschenuhren ohne
-Schlüssel, oder wie wir jetzt sagen, der Remontoir-Uhr bezeichnet
-werden. Nach Saunier (~l. c.~ S. 523 ff.) reichen die ersten
-diesbezüglichen Versuche bis ins erste Viertel des 18. Jahrhunderts
-zurück. P. F. Ingold in La Chaux-de-Fonds verfertigte 1815 eine Uhr,
-die durch Drehen des Glasreifens aufgezogen wurde.
-
-Auch der sogenannte Pump-Aufzug gehört hieher. Der Bügelhals wurde so
-lange aus- und eingestoßen, bis die Uhr aufgezogen war. -- Der berühmte
-Uhrmacher Adrien Philipp legte 1842 eine Uhr ohne Schlüsselaufzug vor;
-in der Folge verband er sich mit dem Genfer Fabrikant Patek zur Firma
-Patek, Philipp & Co., welche bis heute solche Aufzüge herstellt.
-
-Nach diesen Bemerkungen kehren wir noch einmal zu der Hemmung zurück.
-Ursprünglich verwendete Henlein, wie wir gesehen, die Waagehemmung,
-welche sich lange erhalten hat. Wohl die meisten Leser kennen noch die
-Spindeluhr als Erbstück aus Großvaters Zeit. Gegenwärtig kommt sie aber
-nicht mehr in Anwendung, weshalb wir von einer nähern Beschreibung
-absehen können. Noch häufig sind dagegen Uhren mit _Zylindergang_,
-welche deshalb etwas einläßlicher behandelt werden sollen.
-
-[Illustration: Fig. 57.]
-
-Erfunden wurde diese Hemmung von dem Engländer Thomas Thompion
-(1637-1713) schon 1695 und später von dessen Landsmann Graham zur
-jetzigen Form vervollkommnet. Sie gehört zu den „ruhenden” Hemmungen,
-so bezeichnet, weil durch ihre Wirkung das Steigrad völlig stille
-steht, während die Unruhe einen Teil ihrer Schwingung vollführt.
-Zylinderhemmung heißt sie, weil die Unruhespindel teilweise als
-Zylinder gebaut ist, der sich zu einer halbrunden Vertiefung
-einbiegt, in welche die Zähne des Steigrades eintreten. Vergl. unsere
-vergrößerte Abbildung Fig. 57. Unterhalb der Ausbuchtung, die für den
-Zahneingriff bestimmt ist, befindet sich noch ein weiterer Ausschnitt
-der Zylinderwand, um den nachfolgenden Zahnarm aufzunehmen. Abbildung
-58 zeigt die Spindel im Querschnitt, nebst einem kleinen Teil des
-Steigrades. Die Pfeile geben die Bewegungsrichtung von Unruhe und
-Steigrad an. Stellung 1 zeigt den größten Ausschlag der Spindel nach
-links; weil hier die Lippe ~a~ (Rand der Zylinderhöhlung) den Zahn ~c~
-des Steigrades hemmt, so ruht dieses. Im nächsten Moment nun schwingt
-die Spindel etwas nach rechts, so daß der Zahn, an ihr vorbeigehend,
-einen kleinen Anstoß geben und in die Höhlung eintreten kann. In 3
-steht die Unruhe am weitesten nach rechts, das Steigrad steht wieder
-still, bei 4 beginnt die Bewegung nach rückwärts, wobei der bei ~b~
-austretende Zahn abermals einen kleinen Antrieb erteilt.
-
-[Illustration: Fig. 58.]
-
-Ein Nachteil dieser Hemmung ist die ziemlich beträchtliche Abnützung,
-welche bei der jetzt sehr viel ausgeführten _Ankerhemmung_ vermieden
-ist. Sie wird verschieden konstruiert, ist aber im Prinzip
-überall dieselbe. Unsere Abbildung 59, welche eine sogenannte
-Schweizer-Ankerhemmung darstellt, mag die Wirkungsweise klar machen.
-
-[Illustration: Fig. 59.]
-
-Auf der Unruhachse sitzt die Hebescheibe ~d~ (bei feinen Uhren ein
-Rubin) mit dem Hebestift ~i~, welcher die Gabel des Ankers ~bc~
-antreibt. Zwei seitlich angebrachte Stifte ~v~ und ~w~ regulieren die
-Schwingungsweiten des Ankers. Das Ankerrad ~a~ besitzt abgestumpfte
-Zähne, welche durch Vermittlung des Ankers die Kraft des Steigrades
-auf die Unruhe übertragen. Diese schwingt frei nach erhaltenem Impuls,
-während das Steigrad mit einem seiner Zähne am Anker anliegt. Kehrt
-die Schwingung um, so bewegt der Hebestift ~i~ die Gabel und hebt den
-Anker, wobei das Rad mit einem Zahn abgleitet, während das andere
-Ende des Ankers sich festlegt, wodurch das Steigrad wieder zur Ruhe
-kommt u. s. w. Weil die Schwingungen der Unruhe hier fast einen ganzen
-Umlauf, vor- und rückwärts ausmachen, also wie ein kräftiges Schwungrad
-wirken, überwindet eine Ankeruhr auch leichter alle jene kleinen
-Störungen, die beim Tragen der Uhr unvermeidlich sind. Vorausgesetzt
-allerdings, daß der Anker sehr gut gearbeitet sei, was nicht immer der
-Fall ist; dann ist eine Zylinderuhr vorzuziehen.
-
-[Illustration: Fig. 60.]
-
-Hier sei auch noch ein Wort gesagt über die Kompensation bei feinen
-Taschenuhren. Die Unruhe ist an zwei gegenüberliegenden Stellen
-durchschnitten und besteht wie beim Rostpendel aus zwei verschiedenen
-Metallen, welche streifenförmig miteinander verlötet sind. Vergl.
-Fig. 60. Ein diametral verlaufender Steg verbindet die beiden Hälften
-des Schwungringes der Unruhe. Gewöhnlich wird Messing und Stahl
-verwendet. Bildet nun das Metall mit der größeren Wärmeausdehnung die
-Außenseite, so dehnt bei steigender Temperatur die Unruhe sich zwar
-aus, aber die Lappen krümmen sich nach innen, so daß der Schwerpunkt
-der schwingenden Massen dem Mittelpunkte etwas näher rückt; dadurch
-werden aber die Schwingungen beschleunigt. Umgekehrt verläuft der
-Vorgang bei Temperaturerniedrigung. Die Formänderungen in irgend einem
-Sinne gleichen sich also bei richtig gewählten Verhältnissen aus: die
-Unruhe ist kompensiert. Gewöhnlich sind am Umfange des Metallreifens
-noch kleine Schrauben angebracht, welche die Schwerpunktslage der
-beiden Ringhälften regeln. Ihre genaue Einstellung ist eine sehr
-langwierige und beschwerliche Arbeit. Aus letzterem ergibt sich auch,
-daß bei gewöhnlichen Ankeruhren die Kompensation nur zum Scheine
-angebracht ist, da ein so feiner Mechanismus bei dem niedrigen Preise
-dieser Uhren sich nicht lohnen würde.
-
-
-5. Die Chronometer.
-
-Mit diesem Namen („Zeitmesser”) wird eigentlich jede Uhr bezeichnet;
-es hat sich aber jetzt dieser Ausdruck ausschließlich eingebürgert für
-jene feinsten Federuhren, welche gegen Temperatur- und Lageänderungen
-etc. möglichst unempfindlich sein sollen bei hervorragend genauem
-Gange. Sie dienen besonders den Zwecken der Schifffahrt und Astronomie.
-Die Chronometer werden in zwei Ausführungen gebaut: in großem
-Maßstabe, als sogenannte Box-Chronometer und in kleinerer Form, als
-Taschenchronometer.
-
-Da Pendeluhren zur See selbstverständlich nicht brauchbar sind, eine
-Uhr aber doch erwünscht und notwendig ist, so treffen wir schon
-frühe auf Versuche zur Herstellung genau gehender Zeitmesser behufs
-Ortsbestimmung auf dem Ozean. Es ist das die berühmte Frage der
-Längenbestimmung auf offenem Meer.
-
-Während die alten Völker sich vorzugsweise auf Küstenfahrten
-beschränken mußten, durchfurcht das moderne Schiff alle Meere mit
-täglich wachsender Geschwindigkeit und einer Sicherheit, als ob
-es von unsichtbarer Hand dem Ziele zugesteuert würde. Außer dem
-Berufsseefahrer, oder denjenigen Lesern, welche in der mathematischen
-Geographie bewandert sind, wissen wohl die wenigsten Menschen, wie es
-möglich ist, jeden Augenblick den Ort des Schiffes zu bestimmen. Es hat
-tatsächlich auch lange gedauert, bis diese Aufgabe befriedigend gelöst
-war, und nur unter steter Beihilfe von Wissenschaft und Kunstfertigkeit
-ist sie endlich gelungen. -- Unzweideutig ist die Lage eines Punktes
-auf unserer Erde bestimmt, durch Angabe seiner geographischen Breite
-und Länge. Die Breite läßt sich am leichtesten feststellen, da sie
-immer gleich dem Bogenabstand des Poles vom Horizont (Polhöhe) ist.
-Segelt der Schiffer nach Norden, so heben sich die zugewandten Sterne
-scheinbar immer mehr; diese wechselnde Stellung bietet nun ein Mittel,
-die geographische Breite, d. h. den Abstand vom Aequator zu messen.
-Zum gleichen Ziele führen auch Messungen der Sonnenhöhe, wenn sie
-durch den Meridian geht u. s. w.
-
-Bedeutend schwieriger ist es jedoch, den Längengrad zu bestimmen,
-d. h. den Abstand des Meridians des Beobachters vom Meridian eines
-bestimmten festen Punktes. Als Ausgangspunkt der Zählung wird jetzt auf
-allen Seekarten Greenwich angenommen, nur die Franzosen beziehen sie
-auf den Meridian von Paris (Paris liegt 2° 20′ 14″ östlich von G.). Da
-unsere Erde sich mit der größten Regelmäßigkeit in 24 Stunden einmal
-um die eigene Achse dreht, so ist es klar, daß auf eine Stunde Zeit
-15 Längengrade kommen, also 4 Minuten auf einen Grad u. s. w. Ebenso
-leicht begreifen wir, daß östlich gelegene Orte früher Mittag haben
-als westliche, daß also bei einer Reise von Westen nach Osten parallel
-zum Aequator, die Uhr des Reisenden beständig zurückbleiben muß, auf
-einen Grad Längendifferenz um 4 Minuten, ebenso viel geht sie voraus
-bei einer Bewegung im entgegengesetzten Sinne. Nun verstehen wir auch,
-wie die Bestimmung der Länge mit Hilfe einer genau gehenden Uhr möglich
-wird. Wurde, um ein Beispiel anzuführen, die Schiffsuhr bei der Abreise
-genau nach Greenwicher Zeit gerichtet, und zeigt sie irgendwo am Mittag
-statt 12 Uhr, wie die betreffende Ortsuhr, z. B. 2 Uhr, so ist die
-Sonne schon vor 2 Stunden durch den Meridian von Greenwich gegangen;
-wir befinden uns folglich um so viele Grade westlich von diesem Punkte,
-als die Sonne in der Zeit von zwei Stunden durchläuft, d. h. 30°
-westlich von Greenwich. Angesichts der Wichtigkeit des Seeverkehrs, der
-Verantwortung für so viele Menschenleben und auch des großen Kapitals,
-welches in unsern modernen Schiffskolossen steckt, ist es begreiflich,
-daß das größte Gewicht auf genaue Ortsbestimmungen gelegt wird und
-ebenso, daß Irrtümer in dieser Beziehung immer unangenehme, nicht
-selten gefährliche Folgen haben müssen. Daher das Interesse, welches
-schon seit mehreren Jahrhunderten dem Schiffschronometer zu teil
-geworden. Dieses Interesse mag es auch rechtfertigen, hier, bevor wir
-auf die eigentliche Schiffsuhr eingehen, kurz noch die Hauptmomente der
-Geschichte des Chronometers, oder des Längenproblems zu berühren.
-
-Einer der ersten, welcher Uhren zur Längenbestimmung (auf dem Lande)
-vorschlug, war so viel bekannt, Rainer Gemma, aus Friesland.[82] Aber
-dieser gute Rat scheiterte aus Mangel an guten Uhren. Wie die Spanier
-versichern, hätte schon früher Alonso de Sta. Cruz in einem seither
-verloren gegangenen, Philipp ~II.~ gewidmeten Buche denselben Vorschlag
-gemacht; ebenso der Sohn des Christof Columbus, Don Hernando Colon.
-Letzterer könnte als der Vater dieser Idee bezeichnet werden. Der
-genannte spanische Herrscher soll auch für die Lösung des Problems
-einen Preis von 10000 Talern in Aussicht gestellt haben (nach heutigem
-Geldwert ca. 100000 Fr.). Die holländischen Staaten bestimmten anfangs
-des ~XVII.~ Jahrhunderts zum gleichen Zwecke die Summe von 30000
-Gulden.[83] Auch Huygens beschäftigte sich mit dieser Aufgabe, ebenso
-Leibniz. In rechten Fluß kam die Frage aber erst, als England 1714
-einen entscheidenden Schritt tat. In diesem Jahre wurde eine Kommission
-eingesetzt, an welcher neben andern auch der berühmte Newton teilnahm.
-Dieser unterzog in einer Denkschrift die bisherigen Methoden der
-Längenbestimmung einer Kritik und schloß mit dem Rate, zur Aufmunterung
-von Künstlern und Gelehrten einen Preis auszuschreiben. Dem wurde
-seitens der Regierung Folge gegeben, indem sie 10000 Pfund (200000
-Mk.) bestimmte für denjenigen, welcher eine Methode erfände, um bei
-einer Fahrt von England nach Westindien die Länge bis auf 1 Grad, 15000
-Pfund bis auf ⅔ und 20000 bis ½ Grad genau zu bestimmen. 1720 folgte
-Frankreich diesem Beispiele, indem es die gleiche Preisaufgabe stellte.
-
-Der Mann nun, welcher die gestellte, gewiß nicht leichte Forderung
-erfüllte, und, wenn auch erst spät, den Preis erhielt, war Jean
-Harrison von Barrow, Grafschaft Lincoln (1693-1776), Sohn eines
-Zimmermanns und auf dem Gebiete der Uhrmacherkunst vollständiger
-Autodidakt. 1736 brachte er einen Chronometer zustande, welcher vorerst
-auf einem Flußschiff erprobt wurde. Später übernahm ihn ein englischer
-Schiffskapitän auf eine Fahrt nach Lissabon. Das Resultat war gut, so
-daß die Längenkommission ihn zu weiterem Schaffen ermutigte und eine
-Unterstützung gewährte. Nachdem Harrison noch zwei weitere Modelle
-angefertigt, erhielt er 1749 von der königlichen Akademie die goldene
-Copley-Medaille (diese drei Uhren werden als kostbare Urkunden zur
-Geschichte der Zeitmessung im Observatorium zu Greenwich aufbewahrt).
-
-Im Jahre 1761 willfahrte endlich die Kommission den Bitten Harrisons,
-seine Uhr zur Erprobung auf eine Fahrt nach Jamaica mitzunehmen.
-Der Sohn des Erfinders machte die Reise mit, welche nach 18tägiger
-Dauer eine berechnete Längendifferenz von 13° 50′ ergab, während das
-Chronometer 15° 19′ wies. Natürlich erhob sich ein Streit; der junge
-Harrison stand zu den Angaben der Uhr und behauptete, daß am nächsten
-Morgen die Insel Portland sichtbar sein müßte, was auch wirklich
-eintraf. Aehnlich erging es beim Anlaufen der Antillen. Am 61. Tage
-lief das Schiff im Hafen von Jamaica ein. Es wurde nun nach den
-Ergebnissen des Merkurdurchganges von 1743 der Längenabstand von Port
-Royal auf Jamaica zu 5 Stunden 2′ 51″ westlich von Portsmouth bestimmt,
-während das Chronometer 5″ weniger ergab. Auch auf der Rückfahrt
-bewährte sich die Uhr ausgezeichnet; nach einer Probezeit von 161
-Tagen ging sie noch auf 65″ genau, was ¼ Grad entspricht.[84]
-
-So hatte Harrison die Aufgabe gelöst und zwar genauer als es verlangt
-war, aber den ganzen Preis erhielt er doch noch lange nicht. Man erhob
-Zweifel über die Zuverlässigkeit der Längenbestimmung von 1743 und
-beschloß, eine zweite Fahrt zu unternehmen, vorher aber dem Erfinder
-eine Abschlagszahlung von 5000 Pfund zu machen, mit der Verpflichtung
-seine Konstruktion zu veröffentlichen. Es geschah dies in der Schrift:
-~„Principles of time keeper.”~ Die Fahrt wurde 1764 angetreten, das
-Fahrzeug, ein Kriegsschiff, zählte unter seinen Passagieren wieder
-den jungen Harrison. Diesmal war das Ergebnis noch besser als zuvor,
-so daß die Längenkommission erklärte, Harrison gebühre der Preis.
-Das Parlament aber verstand sich bloß zur Zahlung von weitern 5000
-Pfund mit der Erklärung, der Rest würde folgen, sobald der Gewinner
-andere Uhrkünstler instand gesetzt haben werde, derartige Uhren auch
-zu verfertigen. Diese Bedingung gab Anlaß zu langen und ärgerlichen
-Streitigkeiten, bis schließlich der Uhrmacher Kendal nach Angaben
-Harrisons eine Seeuhr herstellte, welche Cook auf seiner Weltumseglung
-mitnahm und als gut erprobte. Der Erfinder war 75 Jahre alt, als er den
-letzten Teil seines sauer verdienten Guthabens erlangte.
-
-Außer dem oben erwähnten Kendal erwarben sich noch Mudge und andere
-großen Ruhm durch Verfertigung genauer Chronometer.
-
-Die glücklichen Erfolge, welche der geniale Harrison erzielt hatte,
-reizten auch andere Künstler zur Lösung der gleichen Aufgabe. Hier sind
-vor allem der Franzose Le Roy und der Neuenburger Berthoud zu nennen.
-
-Pierre le Roy, den Saunier den hervorragendsten Uhrmacher Frankreichs
-nennt, geb. 1717 zu Paris, gest. daselbst 1785, war der Sohn Julien
-le Royʼs. Er erfand eine eigene freie Hemmung, die zuerst an seinem
-1763 fertig gestellten Chronometer zur Anwendung kam.[85] Schon 1754
-erhielt die Akademie von ihm ein versiegeltes Schreiben, in welchem
-er die Prinzipien seiner Seeuhr klar legte; nach 10jähriger Arbeit
-lag die erste Ausführung vor, welcher im Verlaufe noch zwei weitere
-Modelle folgten. 1767 bewarb sich Le Roy um den Preis; die Akademie
-verlangte jedoch eine Prüfung zur See. Diese erfolgte auf Kosten eines
-edelsinnigen Privatmannes, Courtanvaux, und fiel gut aus. Ein zweiter
-Versuch wurde mit einem Regierungsschiffe unternommen; den Uhrstand bei
-der Abfahrt bestimmte der berühmte Cassini, das Endergebnis war eine
-Genauigkeit von ⅛ Grad. Zwei weitere Fahrten genügten endlich, um alle
-Zweifel an der Brauchbarkeit des Werkes zu beseitigen. Nun beginnen,
-ganz wie in England, auch die Schwierigkeiten für den Erfinder: man
-wollte nicht bezahlen. Dazu kamen noch Prioritätsstreitigkeiten mit
-Berthoud, dessen Chronometer auf der letzten der oben genannten
-Prüfungsfahrten zugleich mit dem Instrumente Le Royʼs erprobt worden
-war. Schließlich indes erhielt Le Roy den Lohn für 25jährige Arbeit im
-Dienste des Vaterlandes.
-
-Der soeben erwähnte Berthoud (1727-1807) war außer auf dem Gebiete
-der Uhrmacherkunst noch schriftstellerisch tätig; er verfaßte u. a.
-eine Geschichte der Zeitmessung (~histoire de la mesure du temps
-par les horloges~, 1782, 2 Bde.), auch brachte er einige wichtige
-Verbesserungen an der Chronometerhemmung an. Le Roy und Berthoud
-verwarfen überhaupt die Harrisonʼsche Hemmung, ihre Konstruktion ist
-zweifellos besser und der Idee nach bis heute geblieben. Saunier nennt
-die Chronometerhemmung eine Kollektiverfindung von Pierre le Roy,
-Berthoud, Arnold, Breguet und Earnshav.[86]
-
-Werfen wir nun nach diesen, vielleicht etwas langen geschichtlichen
-Bemerkungen einen Blick auf die heute gebräuchlichen Chronometer.
-
-[Illustration: Fig. 61.]
-
-Fig. 61 zeigt ein derartiges Instrument. Es weicht im Bau bedeutend
-von einer Taschenuhr ab. Die beiden, in der Abbildung sichtbaren
-Federhäuser wirken auf ein und denselben Trieb ein; die Federn werden
-nach einander aufgezogen, während die Uhr weiter läuft. Das Aufziehen
-erfolgt alle Tage, wobei aber die Feder nur ganz wenig gespannt wird,
-so daß sie mit einer gewissen mittleren, nahezu gleichbleibenden
-Kraft zieht. Die Unruhe unterscheidet sich von der gewöhnlichen durch
-die Form ihrer Spiralfeder, welche nicht in einer Ebene gebogen ist,
-sondern wie eine Sprungfeder läuft. Sie besteht aus Stahl oder Gold.
-Die Kompensation ist die oben erwähnte (Fig. 60).
-
-[Illustration: Fig. 62.]
-
-Eine eigentümliche Konstruktion zeigt die Hemmung. Wie unsere Abbildung
-Fig. 62 darlegt, fehlt der Anker. Seine Stelle nimmt die Feder ~A~ ein,
-welche in ~B~ mit dem dünneren Teile befestigt ist und etwas oberhalb
-des Hemmungsrades, d. h. ein wenig über der Zeichenebene liegt. Diese
-Feder ist nahe am dickeren Ende bei ~C~ mit einem Ansatz, senkrecht zur
-Bildebene, dem sogenannten Ruhestein versehen, welcher die Zähne des
-Hemmungsrades der Reihe nach aufhält, sie auf sich ruhen läßt. Gegen
-das dünne Ende der Feder hin ist in ~D~ eine zweite sehr feine und
-biegsame Feder ~E~ aus Gold befestigt, welche durch den hakenförmigen
-Ansatz ~F~ frei beweglich hindurch geht, so daß ~E~ nach unten sich
-ungehindert gegen die Radmitte bewegen kann, aber beim Rückgang nach
-oben die Feder ~A~ mitnimmt. -- Auf der Achse der Unruhe ~G~ befindet
-sich ein Scheibchen, welches bei ~a~ einen Stift trägt, der bei jeder
-Schwingung der Unruhe mitbewegt wird, also gegen die Goldfeder stößt.
-Geht nun z. B. ~a~ nach unten, so verschiebt sich das feine Federchen
-~E~ leicht in der gleichen Richtung, während ~A~ in Ruhe bleibt,
-wie auch der Zahn des Hemmungsrades bei ~C~. Wenn dann ~a~ wieder
-zurückkommt, so wird auch ~A~ mitgenommen, so daß das Steigrad sich
-drehen kann. Diese Drehung beträgt aber nur einen Zahn, weil die kleine
-Feder, so bald sie frei wird, samt der Hemmungsfeder in die Ruhelage
-zurückschnellt und den folgenden Zahn aufhält. Unterdessen stößt
-einer der späteren Zähne an die Kante des Einschnittes ~i~ und gibt
-dadurch der Unruhe einen neuen kleinen Antrieb. -- Wir haben also hier
-eine „freie” Hemmung, da ja der Regulator (die Unruhe) mit Ausnahme
-des kleinen Stoßes frei schwingt und vom Steigrad weder durch Druck
-noch durch Reibung in seiner freien Bewegung gehemmt ist. So viel zur
-Erklärung der Chronometerhemmung. Man begreift, daß eine derart exakte
-und schwierige Konstruktion nur bei den feinsten und teuersten Uhren
-in Anwendung kommt, also gewiß nicht bei den „Chronometern” des großen
-Publikums sich findet.
-
-Die Schiffschronometer werden in einem doppelwandigen, gepolsterten
-Kasten in kardanischer Aufhängung, d. h. nach jeder Richtung frei
-beweglich, also immer in horizontaler Lage verharrend, aufbewahrt.
-Dieses „Chronometerspind” befindet sich im ruhigsten Teil des Schiffes.
-Da sehr große Anforderungen an eine solche Uhr gestellt werden, so
-hat jedes Werk eine eingehende Prüfung zu bestehen; diese wird in
-Deutschland meist von der Seewarte zu Hamburg besorgt. Im übrigen
-besitzt jede Kriegsmarine eigene Institute zur Anstellung derartiger
-Versuche.
-
-Die deutsche Seewarte in Hamburg prüft Chronometer sowohl inbezug
-auf die Kompensation als auch auf genaue kardanische Aufhängung.
-Die Dauer einer Untersuchung beträgt drei Monate; während welcher
-die Uhren Temperaturschwankungen von etwa 5-30° ausgesetzt werden.
-Für niedrige Temperaturen ist ein eigener Eiskeller vorhanden; in
-einer Heizkammer wird die Luft durch Oefen oder Gasflammen auf die
-erforderliche Temperaturhöhe gebracht. Zur genauen Kontrolle des Ganges
-dient ein Chronograph, der mit der Normaluhr der Sternwarte verbunden
-ist. Bei Konkurrenzprüfungen beträgt die Dauer zuweilen 180 Tage; es
-wird dabei die Temperatur immer von 5 zu 5 Grad verändert, so daß
-die Uhren jeder dieser Wärmestufen 30 Tage lang ausgesetzt sind. Die
-Güte der Aufhängung wird geprüft, indem man den Uhren jede beliebig
-geneigte Lage gibt und sie längere Zeit so gehen läßt. Um den Einfluß
-der verschiedenen Bewegungen, die ein Schiff macht, zu bestimmen, wird
-das Chronometer in einen Apparat gebracht, der nach verschiedenen
-Richtungen durch einen Motor bewegt werden kann. Eine andere Prüfung
-erstreckt sich auf den Magnetismus und dauert zwei weitere Wochen.
-Die Ziffer ~XII~ der Uhr wird abwechselnd nach den 4 Himmelsgegenden
-gekehrt und der Gang darnach kontrolliert.
-
-Im Bisherigen wurde öfters der Ausdruck „Gang” gebraucht. Man versteht
-darunter den Zeitunterschied, den das Chronometer zeigt gegenüber der
-wahren astronomischen Zeit. Dieser Unterschied wird mit dem ± Zeichen
-versehen angegeben und zwar so, daß z. B. der Ausdruck: „täglicher Gang
-= + 3,5 Sekunden” besagen will, die Uhr zeige in 24 Stunden 3,5″ zu
-wenig, sie bleibe zurück, man müsse also den genannten Betrag addieren,
-um die genaue Zeit zu erhalten (hier ist Greenwicher Zeit verstanden,
-oder, wenn auf mitteleuropäische bezogen, immer genau 1 Stunde mehr).
-
-Nun wird auch der beste Chronometer nie absolut genau gehen; ebenso
-sind Störungen nie ausgeschlossen; aus diesem Grunde führen z. B.
-Kriegsschiffe drei oder mehr Chronometer an Bord. Zwei anzuwenden,
-hätte nicht viel Nutzen, da man bei allfälligen Störungen nicht
-wissen könnte, welcher fehlerhaft zeige. Ein drittes Instrument aber
-ermöglicht eine gute Kontrolle. Bei den Riesensummen, welche der Bau
-eines Kriegsschiffes verschlingt, kommen ja die Kosten für einige
-Seeuhren nicht ernstlich in Frage.
-
-Zweifelsohne stellen die Chronometer den Höhe- und Glanzpunkt der
-gegenwärtigen Leistungen auf dem Gebiete der Uhrmacherkunst dar; es
-leuchtet ein, daß nur das Zusammenwirken der mannigfaltigsten Kräfte im
-Vereine mit strengster Prüfung derartige Erfolge möglich machen.
-
-
-6. Leistung, Nutzen, Auswahl und Behandlung einer Uhr.
-
-Vom rein mechanischen Standpunkte aus, das ist, als Maschine
-betrachtet, gehört die Uhr zu den interessantesten Apparaten. Wir
-tragen sie täglich mit uns herum, verlangen jeden Augenblick ihre
-Dienste und zwar ganz genau, stellen also große Anforderungen an das
-kleine Kunstwerk, ohne uns jedoch immer der Größe derselben bewußt zu
-werden. Es mag deshalb wohl für viele von Interesse sein, etwas über
-die Arbeit zu vernehmen, welche eine gute Taschenuhr im Verlaufe einer
-bestimmten Zeit zu leisten hat.
-
-Die Arbeitsleistung einer Taschenuhr während eines Jahres wird erst
-erkennbar, wenn man sich die Summe der von ihren Hemmungsteilen
-ausgeführten Bewegungen ausrechnet.[87] Bekanntlich machen die
-Zylinder- oder Ankeruhren in der Stunde 18000 Schwingungen, wobei
-jedesmal auch das Hemmungsrad eine sprungweise Vorwärtsbewegung macht,
-die sich durch das ganze Uhrwerk fortpflanzt. In einem Tag beträgt
-die Zahl dieser Schwingungen, bezw. Sprünge 432000 und in einem Jahr
-157680000. Bedenkt man, daß eine Taschenuhr sehr oft 5 Jahre, ja
-manchmal 10 Jahre und länger ununterbrochen fortgeht, so muß man in der
-Tat staunen über die Leistungsfähigkeit, welche dem zarten Mechanismus
-inne wohnt.
-
-Noch augenfälliger wird diese Tatsache, wenn man sich die schwingende
-Unruhe als ein beständig in derselben Richtung fortrollendes Rad denkt
-und den Weg berechnet, welchen dasselbe in dem Zeitraum eines Jahres
-zurücklegt. Der äußere Durchmesser der Unruhe in einer Herren-Ankeruhr
-gewöhnlicher Größe ist ungefähr 18 ~mm~, der Umfang derselben somit
-56,5 ~mm~. Bei jeder Schwingung macht die Unruhe einer solchen Uhr ca.
-1½ Umgänge, was einem Weg von 84,75 ~mm~ an ihrem Umfang entspricht. Da
-die Uhr nun in jeder Sekunde fünf Schwingungen macht, so beträgt der
-vom Umfang der Unruhe in dieser kurzen Zeit zurückgelegte Weg schon
-423,75 ~mm~, also nahezu ½ ~m~. In der Stunde erhöht sich dieser Betrag
-auf 1520,5 ~m~ oder rund 1½ ~km~. In einem Tag legt die Unruhe also
-einen Weg von etwa 36,5 ~km~ Luftlinie zurück. Wenn die Uhr 365 Tage
-lang ununterbrochen fortgegangen ist, so hat ihre Unruhe einen Luftweg
-von 13320 ~km~ oder 1795 geographischen Meilen zurückgelegt, das ist
-reichlich ⅓ des Erdumfanges.
-
-Wenn diese Tatsachen im großen Publikum mehr bekannt wären, als es
-leider der Fall ist und entsprechend gewürdigt würden, so würde wohl
-ein größerer Teil desselben Verständnis dafür besitzen, daß ein so
-kleiner und dabei so viel leistender Mechanismus mindestens alle zwei
-Jahre der gründlichen Reinigung und mitunter auch eines Ersatzes
-abgenützter Teile bedarf. Während jedermann es ganz begreiflich
-findet, daß eine viele Zentner schwere Lokomotive z. B., die nur
-mit entsprechenden Pausen in Dienst gestellt ist, alle drei Monate
-gründlich revidiert und nötigenfalls ausgebessert wird, sind sehr viele
-Leute darüber erstaunt, wenn ein winziges Maschinchen im Gewichte von
-50 bis 60 Gramm, wie es die Taschenuhr ist, die zudem Tag und Nacht in
-ununterbrochenem Betriebe steht, alle 12-14 Monate dasselbe nötig hat.
--- Daraus ersieht man, was eine Uhr eigentlich in der angegebenen Zeit
-geleistet hat, ohne -- um beim Vergleich der Lokomotive zu bleiben --
-in dieser ganzen Zeit auch nur für einen einzigen Pfennig Heiz- oder
-Schmiermaterial beansprucht zu haben. So weit unser Gewährsmann.
-
-Wenn wir noch nach dem Nutzen der Uhren fragen, so wird es vielleicht
-manchem scheinen, das sei überflüssig, der Zweck sei doch ganz einfach
-Angabe der Zeit! Gewiß, aber damit ist die Frage lange nicht erledigt.
-Sie leistet und nützt weit mehr!
-
-Welche Bedeutung der Uhr zukommt im modernen Verkehrswesen braucht
-hier nicht erst dargelegt zu werden, wir alle erfahren das täglich;
-wer glaubt, das habe nicht viel auf sich, lasse z. B. einmal seine
-Uhr stehen, wenn er den Fahrtenplan studiert! Den Nutzen, welchen
-die Schifffahrt aus dem Chronometer zieht, lernten wir oben kennen;
-auch die Kriegsführung könnte heute wohl kaum mehr auf genaue Uhren
-verzichten, man denke an die Granaten, Shrapnells und Torpedos, die
-zu einem gegebenen Momente ihre verderbliche Wirkung äußern müssen.
-Durch Beobachtungen an genauen Uhren messen wir die Höhe eines Tones,
-bestimmen wir den freien Fall der Körper, die Schallgeschwindigkeit
-u. s. w. Auch dem kranken Menschen nützt die Uhr in der Hand des
-beobachtenden Arztes. Und in welchem Zustande befände sich wohl noch
-heute die Königin der Wissenschaften, die Astronomie, ohne genaueste
-Zeitmesser? Wie wir früher sahen, bemühten sich Tycho Brahe und andere
-vergeblich, genaue Zeitbestimmungen zu machen, unter Aufwand des
-größten Scharfsinnes; kämen sie heute wieder, es würde ihnen sicherlich
-eine Lust sein, „zu leben,” d. h. mit unsern vervollkommneten Mitteln
-zu beobachten. Ohne in weitern Einzelheiten einzugehen, möchten wir
-nur noch dem Leser raten, sich einmal vorzustellen, was geschehen
-würde, wie unser modernes Leben sich gestalten müßte, beim plötzlichen
-Verschwinden aller Uhren! Eine Revolution ohne gleichen auf fast allen
-Gebieten menschlicher Tätigkeit wäre die unausbleibliche Folge. So sehr
-stehen wir im Banne der Uhr!
-
-Nun noch ein Wort über die Auswahl und Behandlung unserer Zeitmesser.
--- Für den gewöhnlichen Laien ist die Wahl, bezw. der Ankauf einer Uhr
-in besonderem Maße Vertrauenssache. Daraus ergibt sich als erste Regel:
-Kaufe nur in einem soliden Geschäfte, bei einem Uhrmacher, dessen
-Solidität wirklich Gewähr leistet für etwas dem Preise Entsprechendes.
-Heute, in der Zeit schwindelhaftester Reklame gilt das ganz besonders.
-Der Verfasser erinnert sich hier eines Vorfalles, welcher manchem
-zur Lehre dienen könnte: irgendwo schrieb eine Firma zweifelhafter
-Güte viele nützliche und schöne Dinge aus zu einem erstaunlich
-billigen Preis; als Lockspeise diente „eine genau gehende Uhr mit
-Kette,” die sozusagen darein gegeben wurde. Ein Käufer, der richtig
-hereinfiel, zeigte mir die Uhr, es war eine „gehende” winzige Uhr, in
-Schwarzwälderstil, mit drei Rädern und -- Kette -- für das Gewicht!
-Aehnliche Beispiele gibt es in Menge. Hier gilt gewiß der Grundsatz:
-das Teuerste ist das billigste! Sehr flache kleine Uhren haben auch
-selten einen guten Gang. Wer sich eine wöchentliche Differenz von
-einigen Minuten gefallen lassen will, mag mit einer soliden Zylinderuhr
-auskommen, besonders wenn sein Beruf ihm zu viel Bewegung verpflichtet.
-Eine feine, aber entsprechend teure Ankeruhr, die gut abgezogen und
-reguliert ist, bietet die gleiche Differenz erst in einem Monat. Ein
-„Chronometer” im richtigen Sinne, welcher die Zeit bis auf Zehntel
-Sekunden genau zeigt, ist wohl nur für wenige Börsen erschwinglich, die
-übrigen unter diesem Namen angebotenen Uhren sind meist Dutzendware.
-Erfahrene Uhrmacher behaupten auch, daß Taschenuhren, die über 40
-Stunden gehen, selten genau zeigen.
-
-Wer aber eine wirklich gut gehende Uhr hat und sie schätzt als solche,
-wird sie auch richtig behandeln. Wir sahen soeben, daß alle zwei,
-höchstens drei Jahre, gründliche Reinigung not tut; auch sonst will
-eine Uhr sorgfältig behandelt sein. Viele behaupten, es sei am besten,
-sie abends vor Schlafengehen aufzuziehen, andere, und dies mit mehr
-Recht, wie uns scheinen will, morgens. Denn während der Nacht leidet
-die Uhr viel weniger durch Erschütterungen, Stöße etc., sie wird also
-auch bei wenig gespannter Feder doch richtig gehen. Am Morgen jedoch
-beginnen diese Störungen wieder, welche von der frisch gespannten Feder
-aber leichter überwunden werden. Die Gefahr des Ueberziehens ist wohl
-morgens auch geringer, da wir dann ruhiger sind als nach der Arbeit
-des Tages. Ein Springen der Feder tritt auch weniger ein, wenn die Uhr
-unaufgezogen auf den kalten Tisch gelegt wird am Abend, was übrigens
-ein Fehler ist; sie geht am besten in der Lage, in welcher sie unter
-Tags getragen wird, also nachts hängend, auf einer Unterlage von Tuch
-etc. Die gewöhnlichen Uhren gehen etwa 30 Stunden; wird eine solche nun
-morgens aufgezogen, so läuft sie bis zum andern Mittag; sie bleibt also
-stehen zu einer Zeit, wo man sie leicht wieder richten kann. Wurde sie
-aber gegen Abend aufgezogen, so kann es sich leicht treffen, daß der
-Ablauf der Feder in eine Nachtstunde fällt. Eine allzuschwere Kette
-beeinträchtigt den Gang der Uhr durch die fortwährenden, wenn auch
-kleinen Erschütterungen, die sich von ihr auch auf das Werk übertragen.
-Das Gleiche gilt vom Tragen der Uhr in der Tasche des Beinkleides. --
-Eigene Beobachtung wird hier am besten das richtige finden lassen, so
-daß eine gute Uhr auch wirklich gut bleibt, ein Gegenstand der Freude
-für den Besitzer, nicht eine Quelle beständigen Aergers.
-
-
-
-
-~VI.~
-
-Die fabrikmäßige Herstellung der Uhren.
-
-
-Als Abschluß der vorliegenden Ausführungen über die Geschichte
-der Uhren im allgemeinen möge ein kurzer Ueberblick über deren
-Massenherstellung dienen. Es ist leicht einzusehen, daß bei einem
-Gegenstande wie die Uhr, welche so rasch sich überall Eingang
-verschaffte und bald jedem unentbehrlich wurde, schon frühe das
-Bedürfnis nach billiger Erstellung sich geltend machte. So wäre
-ein wenn auch nur gedrängter Ueberblick über die Geschichte der
-Zeitmesser notwendig unvollständig, wenn dieser Punkt übergangen würde,
-ganz abgesehen von der nationalökonomischen Bedeutung, welche der
-Uhrmacherkunst in vielen Ländern zukommt.
-
-Im folgenden wird von den Zünften abgesehen, denn hier kann von einer
-fabrikmäßigen Ausübung des Uhrmacherhandwerkes nicht die Rede sein,
-es beruhte vielmehr die ganze Produktion auf Handarbeit. Wir bemerken
-nur noch, daß unter den ersten Städten, in welchen die Uhrmacherei
-in größerem Maßstabe ausgeübt wurde, Genf und Nürnberg zu nennen
-sind. Wie wir schon gesehen, waren anfangs des 16. Jahrhunderts die
-Uhrmacher noch Mitglieder der Schlosserzunft, von der sie erst später
-sich abtrennten; in Genf 1589, in Nürnberg dagegen schon im Jahre
-1565. Der Nürnberger weltbekannte Kunstfleiß hatte sich schon frühe
-auch dieses Zweiges bemächtigt, wie die lange Liste von Uhrmachern,
-welche Speckhart aus alten Urkunden veröffentlichte, zeigt. Sie
-werden dort als „Orelmacher, Orlemacher, Ormacher, Hormacher” etc.
-aufgeführt. Aehnlich war auch in Frankreich unter Franz dem Ersten
-(1515-1547) die Uhrmacherei schon in Blüte, und gegen Ende des 18.
-Jahrhunderts schätzte Pierre le Roy die Zahl der Meister in der Pariser
-Uhrmachergilde auf 400.
-
-Eigentliche fabrikmäßige Herstellung von Uhren dagegen treffen wir
-zuerst in der Schweiz und auf dem Schwarzwald; bald folgten auch andere
-Länder; heute ist die Uhr fast ganz ein Erzeugnis der Maschine geworden.
-
-
-1. Die Uhrenindustrie in der Schweiz.
-
-Eine der bekanntesten Oertlichkeiten in der ganzen Welt ist das durch
-seine Uhrenfabrikation berühmte La Chaux-de-Fonds. Gegenwärtig über
-25000 Einwohner zählend, die sich meist mit Uhrmacherei beschäftigen,
-war dieser Ort im 15. Jahrhundert ein einsamer Weiler mit nur 5
-Familien. Bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts blieben die Uhren
-daselbst unbekannte Dinge; erst 1679 brachte ein Pferdehändler in
-das benachbarte La Sagnethal eine Taschenuhr mit, die als Wunderwerk
-angestaunt wurde. Da die Uhr reparaturbedürftig war, zeigte der
-Besitzer sie einem geschickten Schmied des Dorfes, bei welcher
-Gelegenheit er mehrere Arbeiten des erst 15jährigen Daniel Jean
-Richard, eines Sohnes des Meisters, sah. Gefragt, ob er sich wohl
-getraute, das Werk wieder herzustellen, bejahte er dieses und wirklich
-gelang das Wagnis. Der Schmiedelehrling wurde auf diese Weise mit dem
-Mechanismus einer Taschenuhr vertraut, und faßte den Plan, ebenfalls
-eine solche zu konstruieren. Mit den Werkzeugen seines Vaters ging
-die Sache natürlich nicht, es mußten also zuerst neue hergestellt,
-d. h. ersonnen werden. Darüber verstrich ein Jahr; sechs Monate später
-war die erste Taschenuhr im Neuenburger Jura fertig, 1681. Die Sache
-erregte gewaltiges Aufsehen und Aufträge liefen zahlreich ein, welche
-gewissenhaft erledigt wurden. Große Schwierigkeiten bereitete dem
-angehenden Künstler, der sich in den Mußestunden auch mit Gravieren
-beschäftigte, die Einteilung und das Schneiden der Zähne. Er erfuhr,
-daß man in Genf sich zu diesem Zwecke einer Maschine bediene; sofort
-reiste er dorthin, um sie zu sehen, was jedoch nicht gelang, weil
-der Bau derselben geheim gehalten wurde. Nur einige Räder wurden ihm
-gegeben. An ihnen studierte er die Konstruktion der Maschine und erfand
-sie so selbständig wieder und noch besser. Nun war der Grund gelegt.
-Richard machte sich bald auch an die Herstellung von Standuhren,
-die er mit Repetierwerk versah. Es strömten Scharen junger Leute
-herbei, um sich unterrichten zu lassen und dann selbst Werkstätten zu
-gründen. Der erste von ihm ausgebildete Schüler war Jakob Brandt von
-La Chaux-de-Fonds, welcher später als Mitbegründer der Uhrenindustrie
-segensreich wirkte.
-
-[Illustration: Fig. 63.]
-
-Um 1705 siedelte Richard mit seinen 5 Söhnen, sämtlich Uhrmacher,
-nach Le Locle über. Er starb 1741 im Alter von 75 Jahren. Wie rasch
-der neue Erwerbszweig sich ausbreitete, ersieht man daraus, daß 1752
-in den Neuenburger Bergen schon 466 Uhrmacher beschäftigt waren.[88]
-1781 waren es bereits über 2000; 1802 fast 4000. Im Jahre 1868 wurden
-laut einer Berechnung allein im Kanton Neuenburg 800000 verschiedene
-Uhrteile im Werte von 35 Millionen Franken geliefert; 13000 Arbeiter
-fanden dabei Beschäftigung. Es war also nicht mehr als billig, daß Le
-Locle seinem Mitbürger Richard ein Denkmal errichtete, welches ihn als
-15jährigen Knaben darstellt, wie er die erste Taschenuhr voll Eifer
-ansieht (1888).
-
-Berühmte Uhren gingen auch aus der Werkstätte des Jean Jacques Richard
-in der Montagne hervor; seine Uhren trugen Schalen aus Kristall, das
-Werk ist also sichtbar. Die Familie Benoit in Les Ponts verlegte
-sich besonders auf die Fabrikation von Zifferblättern, sowie auf
-Emailmalerei (Louis Benoit starb 93 Jahre alt im Jahre 1825). Früher
-bezog man emaillierte Zifferblätter vorzugsweise aus England und
-Frankreich, sie waren jedoch sehr teuer. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts
-führten Othenin-Girard und L. Nicolet in den Neuenburger Bergen die
-Guillochiermaschine ein zur Herstellung verzierter Uhrgehäuse.
-
-Neuenburg zählt noch viele berühmte Uhrmacher unter seinen Söhnen. Wir
-nennen Daniel Vaucher, ein Schüler Richards, der in Val de Travers 1730
-die Uhrmacherei einführte; Abraham Robert und Daniel Perrelet, Erfinder
-mehrerer nützlicher Uhrmacherwerkzeuge; Houriet, ein sehr geschickter
-und berühmter Graveur; Jakob Droz (1721-1788); der besonders berühmt
-war durch seine kunstreichen Automaten.
-
-Aus dem Kanton Neuenburg stammte auch _Abraham Louis Breguet_ (Fig.
-64), geboren zu Neuenburg im Jahre 1747, dessen Vorfahren schon frühe
-aus der Picardie nach der Schweiz eingewandert waren. Bei seinem
-Stiefvater lernte er die Uhrmacherei, aber erst in Versailles, wohin er
-mit 15 Jahren kam, entfaltete sich sein Talent, das durch mannigfaltige
-mathematische und physikalische Studien immer größere Erfolge errang.
-Er hat u. a. die sogenannten Perpetualuhren (Uhren, die sich durch
-die geringen Erschütterungen beim Gehen selbst aufziehen) wenn nicht
-erfunden, so doch vervollkommnet. Die Uhrenwerkstätte, welche von
-ihm in Paris gegründet wurde, trug seinen Namen in alle Welt. Seine
-Chronometer und astronomischen Uhren waren sehr geschätzt. Bei der
-Ausführung des Chappeʼschen Telegraphen leistete Breguet ebenfalls
-wertvolle Dienste. Bekannt sind auch seine Metallthermometer. Hoch
-geehrt starb er, als Mitglied der Akademie zu Paris im Jahre 1823.
-
-[Illustration: Fig. 64.]
-
-Es scheint überhaupt, daß natürliche Begabung und örtliche Verhältnisse
-in den Bergen dieses Kantons (Armut der früheren Bevölkerung, schlechte
-Beschaffenheit von Grund und Boden, rauhes Klima u. s. w.) die
-Entwicklung der Uhren-Industrie besonders begünstigt haben. Dazu kommt
-noch das schon sehr frühe geübte Prinzip der Arbeitsteilung. Jede
-unserer Uhren ist durch sehr viele Hände gegangen, bevor sie zu ihrem
-Dienste tauglich war.
-
-Die rohen Werke (~ébauches~) werden in Fabriken erstellt; es sind
-die Platinen, in welche die Radachsen eingelassen sind, die Räder
-u. s. w. Jeder Fabrikant hält davon einen Vorrat. Der Hauptleiter des
-Geschäftes, der Visiteur, gibt diese Teile aus und erhält das fertige
-Werk wieder. Er muß also die gesamte Arbeit von Grund aus verstehen, da
-er auch entscheidet über Annahme oder Verwerfung des Gelieferten. Nun
-werden von den Arbeitern (~finisseurs~) die Tragsäulen der Bodenplatten
-eingesetzt, die Räder bearbeitet, die Wellen gedreht und eingepaßt,
-kurz alle Teile so eingefügt, daß die Uhr allenfalls gehen könnte.
-Die Hemmungen der Zylinder- und Ankeruhren sind besonders geübten und
-entsprechend gut bezahlten Arbeitern übergeben. Die Uhr kehrt nun zum
-Visiteur zurück, wird auseinander genommen und geprüft. Diejenigen
-Uhrteile, welche das Gerüste der Uhr bilden, kommen zum Gehäusemacher
-(~monteur de boîtes~); das übrige wird von neuem in Arbeit genommen
-und endgültig instand gesetzt; worauf es zum Zeigerfabrikanten,
-zum Zifferblattmaler, Vergolder, Polierer etc. kommt. Das Gehäuse
-wandert zum Guillocheur, der es verziert, wenn es eine gewöhnliche
-Uhr aufnehmen soll; andernfalls wird es der Hand des geschickten
-Graveurs, meist in Genf, übergeben, um dessen Werkstätte als Kunstwerk
-zu verlassen und die eigentliche Uhr endgültig aufzunehmen. Hier liegt
-die Hauptbeschäftigung der Genfer Uhrmacher; die Werke kommen aus den
-Bergen, die Gehäuse werden in der Stadt vollendet.
-
-Im Val de Travers (Neuenburg) werden fast ausschließlich Instrumente
-aller Art für Uhrmacher verfertigt; daneben noch Ketten, Federn
-u. s. w. Auch in den einzelnen Dörfern wird meist nur ein bestimmter
-Zweig der Uhrmacherei betrieben, oder es werden nur Uhren erstellt,
-die dem Geschmacke eines bestimmten Landes angepaßt sind. In dieser
-Beziehung zeichnet sich besonders das savoyische Städtchen Cluse aus,
-wo nur Rohwerke verfertigt werden. „Die Bauern fabrizieren nicht
-während des Sommers, weil verschiedene Feldarbeiten und die Ernte
-sie zu dieser Jahreszeit in Anspruch nehmen; aber sobald der Monat
-September heranrückt und die ersten Schneeflocken in der Luft wirbeln,
-dann schließen sie sich in ihren Häusern ein, greifen zur Feile und
-Drehbank und gewinnen durch Herstellung der leichter auszuführenden
-Teile der Uhr ihren Lebensunterhalt.
-
-Die Arbeit am Tage genügt diesen emsigen Bergbewohnern nicht. Sobald
-die Dämmerung hereinbricht, sieht man die Lampen der Uhrmacher an allen
-Fenstern der Häuser vom Erdgeschoß bis zur Dachkammer hinauf wie Sterne
-glitzern. Bis spät in die Nacht hinein dauert oft ihre Arbeit. In den
-kleinen bäuerlichen Werkstätten machen sich auch die Frauen nützlich.
-Neben ihrer Hausarbeit lehren sie ihren Kindern schon in früher Jugend
-die Kunst, die ihre Väter frei machte und die ihnen Wohlstand und
-Bürgerglück, die natürlichen Folgen einer segensreichen Industrie,
-brachte” (Saunier, a. a. O. S. 741).
-
-Nach dem Kanton Waadt gelangte die Uhrmacherei anläßlich der Aufhebung
-des Ediktes von Nantes. Dadurch wurden französische Uhrmacher
-veranlaßt, nach der Schweiz auszuwandern. Hauptsitz der Uhrenmacherei
-ist das Städtchen St. Croix, welches über 1000 Uhrmacher zählt. Im
-Kanton Bern wird die Uhrenfabrikation namentlich von den Bewohnern
-des St. Immertales ausgeübt. Lange Zeit war die Herstellung von
-Spindeluhren eine Spezialität, die hier besonders gepflegt wurde,
-während jetzt das Geschäft sich auch auf andere Zweige ausgedehnt hat.
-
-Ziemlich jung ist die Uhrenfabrikation in Biel, welches jetzt Hauptsitz
-dieser Industrie im Kanton Bern geworden ist. Vorzüglich werden
-Gehäuse, vom gewöhnlichen bis zur feinsten Goldschale hier angefertigt.
-Auch eine gut besuchte Uhrmacherschule hat in Biel ihren Sitz.
-
-Einen hervorragenden Platz in der schweizerischen Uhrenindustrie nimmt
-endlich noch Genf ein. Es ist neben La Chaux-de-Fonds der größte Markt
-für Uhren, wohl auf der ganzen Welt. Seine günstige Lage machten es
-frühe zu einem Mittelpunkte der Uhrenfabrikation. Hier finden wir schon
-vom Ende des 18. Jahrhunderts ab eine weitgehende Spezialisierung
-der Arbeit. Das bedeutendste Haus in Genf dürfte gegenwärtig Patek,
-Philippe u. Co. sein. Die Uhrmacherschule in Genf ist die älteste
-überhaupt, ihre Gründung fällt in das Jahr 1824 und umfaßt einen
-2½jährigen Kurs; außerdem werden noch höhere Vorlesungen erteilt für
-Spezialisten. Neben der hier genannten Schule und der schon erwähnten
-in Biel zählt die Schweiz noch solche zu Fleurier, St. Immer, Locle, La
-Chaux-de-Fonds, Neuenburg, Solothurn und Pruntrut.
-
-Die Wichtigkeit der schweizerischen Uhrenindustrie mögen zum Schlusse
-noch einige statistische Angaben dartun. Wir entnehmen dieselben dem
-Statistischen Jahrbuch der Schweiz, 1902 und 1904.
-
-1903 wurden _eingeführt_:
-
- Taschenuhren 13309 Stück im Werte von 176000 Fr.
- Stand- u. Wanduhren 1754 „ „ „ „ 756000 „
- Musikdosen 106 „ „ „ „ 89000 „
- Werke u. Bestandteile 202965 „ „ „ „ 2523000 „
-
-Die Gesamteinfuhr betrug 3544000 Fr. Die wichtigsten Herkunftländer
-sind Frankreich, besonders für Taschenuhren und Bestandteile; für
-Stand- und Wanduhren Deutschland und Amerika.
-
-Im gleichen Jahre erreichte die _Ausfuhr_ einen Totalwert von 118515000
-Fr. Die Stückzahl belief sich auf 8432048. Davon waren:
-
- Goldene Taschenuhren 824576 Stück, im Werte von 44404000 Fr.
- Silberne „ 2686503 „ „ „ „ 32202000 „
- Metallene „ 3046048 „ „ „ „ 23199000 „
- Stand- und Zimmeruhren im Werte von über 200000 Fr.
- Musikdosen „ „ „ „ 2071000 „
- Werke u. Bestandteile 1874921 Stück; Wert: 16434000 „
-
-Zu den wichtigsten Absatzgebieten zählen Deutschland (26½ Millionen),
-Oesterreich (11,2 Mill.), England (19 Mill.), während der Absatz nach
-Amerika früher viel bedeutender war als jetzt (Vereinigte Staaten:
-7½ Mill.).
-
-Nach der gleichen Quelle (Jahrb. 1902) belief sich im Jahre 1901
-die Anzahl der Arbeiter im Bijouterie- und Uhrenfach auf 24858 in
-zusammen 645 Betrieben mit 3737 Motoren, deren Gesamtstärke 3274 ~P.S.~
-betrug. 7594 Arbeiter betreiben Hausindustrie. Bezüglich des letzteren
-Punktes ist jedoch zu bemerken, daß diese Zahl in Wirklichkeit viel
-bedeutender anzunehmen ist, da ja in solchen Betrieben meist die ganze
-Familie arbeitet, während die Statistik nur das Oberhaupt der Familie
-zählt, respektive denjenigen, welcher mit der Fabrik in geschäftlicher
-Verbindung steht.
-
-Während früher die Uhrenindustrie ihre Arbeiter vorzüglich daheim
-beschäftigte, geschieht dies jetzt mit zunehmender Einführung aller Art
-Arbeitsmaschinen immer mehr in den Fabriken, so daß die Hausindustrie
-in beständigem Rückgang begriffen ist. Trotzdem ist sie noch bedeutend;
-so waren z. B. 1902 allein im Kanton Neuenburg 9000 Arbeiter zu Hause
-beschäftigt. Gewisse Zweige der Fabrikation sind auch jetzt noch
-meistens Hausindustrie: Polieren, Vergolden, Oxydieren, Füßesetzen
-u. s. w. und werden meistens von Frauen ausgeübt, einerseits wegen
-der leichten Hand, anderseits wegen den geringen Lohnansprüchen. Die
-Fabriklöhne schwanken bei 10stündiger Arbeit zwischen 1 bis 3½ Fr.;
-während der Hauslohn durchschnittlich um 20-30% geringer ist, bei
-längerer Arbeitszeit. Angesichts vieler Uebelstände, welche die
-Hausarbeit für die ganze Familie gar oft im Gefolge hat, ist es schwer
-zu sagen, ob man sich über die Abnahme dieses Erwerbszweiges freuen,
-oder sie bedauern soll.
-
-Aus der Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 waren die
-Schweizeraussteller in Klasse 96, Uhrmacherei, am zahlreichsten
-vertreten; auch die große Anzahl Auszeichnungen (10 große Preise, 14
-goldene, 122 silberne und 17 bronzene Medaillen nebst 7 ehrenvollen
-Erwähnungen) beweisen, daß die Schweiz immer noch auf der Höhe steht
-und ihrer Aufgabe gewachsen ist.
-
-
-2. Die Schwarzwälder Uhrenfabrikation.
-
-Bis zum 17. Jahrhundert lebten die Schwarzwälder, von der Welt
-fast ganz abgeschlossen, einzig der Bebauung des armen Bodens, der
-Viehzucht und in etwa der Bearbeitung des Holzes, als Köhler u. s. w.
-Der dreißigjährige Krieg brachte mit den Einquartierungen auch neue
-Gesichtspunkte von außen, oft allerdings auch Not und Elend, und
-damit wohl die Nötigung, sich auf neuen Wegen den Lebensunterhalt
-zu verschaffen. Steyrer, Benediktiner des Stiftes St. Peter auf dem
-Schwarzwald teilt uns in einer kleinen Schrift sehr schätzenswerte
-Einzelheiten über die Entstehung der dortigen Uhrenindustrie mit.[89]
-Er bemerkt in der Vorrede seines Werkchens: „Niemand wird in Abrede
-stellen, daß die Kunst, Uhren zu verfertigen, eine der nützlichsten und
-notwendigsten für Stadt und Land, und alle Vorfälle des menschlichen
-Lebens sei. Nun aber darf man dreiste sagen, daß eben diese Kunst
-vielleicht nirgends höher, vielfältiger und gemeinnütziger getrieben
-werde, als auf dem Schwarzwald, und zwar von dessen Bewohnern,
-den Schwarzwäldern selbst, deren Geschicklichkeit, Einsicht und
-erfinderischer Geist schier alle Vermutung in diesem Fach übersteigt.
-Und was hiebei das Merkwürdigste ist; so beschäftigen sich nicht nur
-viele Hundert Schwarzwälder mit Verfertigung aller Gattungen der
-Uhren, sondern sie verschleißen auch diese Waren selbst, handeln damit
-in die entferntesten Lande, und kommen insgemein mit reichem Gewinne
-wieder zurück. Der sonst so rauhe und seinem Namen nach fürchterliche
-Schwarzwald ist es, welcher schon viele Jahre hindurch ganz Europa
-und neuerdings Asien und Amerika mit vielen Tausend zwar mehreren
-Teils hölzernen, doch sehr dauerhaften, richtigen, schönen, teils
-gemeinen, teil künstlichen Uhrwerken versieht. Der Schwarzwald ist es,
-welcher ohne Lehrmeister, ohne Aufmunterung, ohne Unterstützung einer
-höheren Macht aus innerem Triebe und durch eigenen Fleiß es in dieser
-Kunst so weit gebracht hat, daß er jetzt die größten Künstler hierin
-zählt, seinen Herren Ehre macht, etliche tausend Hände beschäftigt,
-das Land bereichert, und ein weit aussehendes, beträchtliches Gewerb
-treibt. Eine merkwürdige Epoche für den Schwarzwald”. Diese warmen, von
-berechtigtem Stolz getragenen Worte beweisen, daß man schon vor einem
-Jahrhundert die Bedeutung des neuen Erwerbszweiges gar wohl erkannte
-und würdigte.
-
-Um die Mitte des 17. Jahrhunderts errichtete das Kloster St. Peter
-eine Glashütte im sogenannten Knobelwalde, welche bald zu einem Weiler
-heranwuchs und den Namen „Glaserdörfle” erhielt. Hier entstanden die
-ersten Schwarzwälder Uhren. Die Glasbläser vertrieben ihre Ware selbst,
-zuerst in der Umgegend, nach und nach immer weiter hin, als eine Art
-Handelsgesellschaft mit Niederlagen an verschiedenen Orten. Ein von
-Böhmen zurückkehrender Glasträger brachte eine Holzuhr mit, welche
-nicht bloß angestaunt, sondern bald nachgemacht wurde von Gliedern
-der Familie Kreuz auf dem Glashof bei Waldau, Pfarrei Neukirch. Der
-gelungene Versuch wurde von anderen Seiten wiederholt. Eine der ersten
-Uhren kam, wie Steyrer schreibt, in den Besitz des Paters Kalteisen,
-damals Pfarrverweser zu Neukirch um 1667. Sie versah ihren Dienst im
-dortigen Pfarrhause bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts hinein,
-um dann zu verschwinden. Nachbildungen davon sind in der Sammlung
-der großh. Gewerbehalle in Furtwangen und in der Altertumssammlung
-daselbst.[90] Als zweiter Uhrmacher wird noch der „Hackbretterlenz,”
-Lorenz Frey in der Nähe von St. Peter erwähnt. Diese Uhren, mit rohen
-Werkzeugen verfertigt, waren Wageuhren und natürlich wenig genau.
-Infolge der Kriegswirren schlief die Sache wieder ein, so daß die
-eigentliche Uhrenindustrie erst von später, nämlich aus dem Jahre 1725
-datiert.
-
-[Illustration: Fig. 65.]
-
-Weil keine früheren Aufzeichnungen bekannt sind, als die
-~P.~ Steyrerʼs, und das Büchlein selten geworden ist, so mögen hier
-über die zweite Periode der Schwarzwälder Uhrenindustrie aus genanntem
-Schriftchen einige Angaben mitgeteilt werden.
-
-„_Simon Dilger_ aus Urach fürstenbergischer Herrschaft gebürtig und
-eben allda haussäßig, seines Handwerkes ein Drechsler, unternahm ohne
-Lehrmeister durch eigenen Fleiß das Uhrenmachen, wie schon gesagt
-worden ist, um das Jahr 1725, und verfertigte keine andere, als
-Waguhren, wiewohl anderswo die weit richtigeren Pendeluhren schon eine
-geraume Zeit im Schwunge gingen. Von diesem lernte sein Sohn Friedrich
-Dilger, der hernach mit seinem Vater die Uhrmacherkunst fortführte, und
-unter andern auch ein württembergischer Untertan aus dem St. Georger
-Kirchspiel, namens _Weißer_, insgemein der Mulenweber genannt, in die
-Lehre nahm, welcher bald hernach ein Meisteruhrenmacher ward.
-
-Schier zu gleicher Zeit, doch etwas später als Friedrich Dilger,
-verlegte sich auf das Uhrenmachen Josef Dilger aus der Neukirch im
-Waagenstal, gleichfalls seines Handwerks ein Drechsler wie Simon
-Dilger, mit dem er aber in keiner Blutsfreundschaft stand, und Georg
-Gföll aus der Urach. Alsdann zogen beide in das Klostertal, und trieben
-allda mit gutem Fortgang ihre Kunst..... Indessen, als sich Josef
-Dilger in dem Klostertal aufhält, kommt zu ihm, um die Uhrenmacherkunst
-zu lernen, _Anton Ganther_ aus der Neukirch, welcher, nachdem er
-dieselbe wohl begriffen, gleich wieder, und zwar 20 Jahre früher als
-sein Lehrmeister nach Hause wandert, wo er auch einen jungen Buben,
-namens _Christian Wehrle_ in die Lehre nimmt, ungeachtet diesem hievon
-alles abwehrte, unter dem Vorwande: die Uhren würden nicht immerdar
-abgehen, da sie schier ewig dauern. Es vermehrte sich also die Zahl der
-Uhrenmacher durch Christian Wehrle und Michael Dilger oder Gosemichele,
-welche beide zu hohem Alter gekommen und unter die ersten Uhrmacher zu
-zählen sind.”
-
-Wir übergehen die folgende lange Liste von Uhrmachern, die Steyrer
-aufführt; die Ausbreitung der neuen Kunst erhellt am besten aus
-der Angabe, daß allein in der Herrschaft St. Peter 1796 29 Meister
-arbeiteten, welche jährlich über 3300 Uhren der verschiedensten Art
-anfertigten. Zur gleichen Zeit schätzte man die auf dem Schwarzwald
-ansässigen Uhrmachermeister auf etwa 500, abgesehen von jenen, die auf
-dem Handel begriffen und ebenfalls der Mehrzahl nach Meister waren. Der
-Lohn eines guten Gesellen belief sich um diese Zeit auf 30-100 Gulden,
-eine Summe, die auch heute wohl nur von wenigen überschritten, von den
-meisten aber nicht erreicht werden dürfte, wenn man den damaligen hohen
-Geldwert berücksichtigt.
-
-Die Holzuhren waren sehr einfach: drei Räder nebst Getrieben und
-einem Zeiger; Feile, Bohrer, Messer und ein Zirkel um die Zähne
-vorzuzeichnen, bildeten das ganze Werkzeug. Sie fanden aber
-dessenungeachtet guten Absatz und bald traten auch bessere Instrumente
-an Stelle der alten. Mathias Löffler in Gütenbach (Amt Triberg)
-erfand einen Apparat zum bequemen Einteilen und Schneiden der Räder,
-das sogenannte Zahngeschirr. Friedrich Dilger erstellte zuerst eine
-Teilscheibe. Um 1750 kamen die bekannten Kuckuckuhren auf; auch
-bewegliche Figuren wurden angebracht, ebenso Planetarien. Steyrer zählt
-unter den „gemeinen Uhren” solche auf, welche Viertel und Stunden,
-auch die Sekunden zeigen; Repetieruhren; Werke mit achttägigem Gange,
-teils mit Gewichten, teils mit Feder versehen. Von „Kunstuhren” erwähnt
-derselbe u. a.: Uhren, auf denen ein Kapuziner-Bruder alle Stunden
-läutet; Uhren, worauf eine Schildwache geht und ihre ordentliche
-Wendung macht; Uhren, worauf ein Scherenschleifer schleift;
-„_Sackuhren von Holz_” u. s. w. Ins 18. Jahrhundert zurück geht auch
-die Fabrikation von Spieluhren, die sich heute gerade im Schwarzwald
-so hoch entwickelt hat. Um 1740 wurden die gläsernen Glöckchen der
-Schlaguhren durch metallene ersetzt, die zuerst von auswärts bezogen
-wurden; etwa 1750 führte Paul Kreuz aus der Herrschaft St. Peter
-die Glockengießerei mit großem Erfolg ein. Die Zifferblätter wurden
-anfänglich von Hand bemalt, bis Mathäus Grießhaber aus Gütenbach
-die Zeichnung auf eine Kupferplatte stechen und Abdrücke auf Papier
-machen ließ. Am Gehäuse wurden bald auch Schnitzereien angebracht. Das
-Zifferblatt wurde mit Oelfarben bemalt und gefirnißt, den betreffenden
-Lack erfanden drei Uhrmacher und gaben so Anlaß zur weitern Verbreitung
-der Schildmalerei. Auch die Patres von St. Peter unterstützten die neue
-Industrie auf jede mögliche Weise; so erfand ~P.~ Thaddäus Rinderle für
-die Uhrmacher ein neues Bohrgeschirr. Das gleiche ist zu sagen von den
-Chorherren zu St. Mergen.
-
-Mit zunehmender Produktion dehnten sich natürlich auch die
-Handelsbeziehungen immer weiter aus; schon 1740 treffen wir eine
-Niederlage in Magkraut bei Eisenbach; das erste fremde Land, wohin
-die Schwarzwälderuhren ihren Weg nahmen, war Frankreich; dann folgten
-der Reihe nach England, Irland, Schottland, Holland, Rußland, Polen,
-Ungarn, Italien, Spanien, Portugal, Dänemark, Schweden, Nordamerika,
-die Türkei und Aegypten. Die Händler fanden vielfach allerlei
-Hindernisse, welche jedoch ihr zäher Sinn nach und nach überwand.
-Kaiserin Katharina ~II.~ erlaubte den Handel in ihrem ganzen Reich,
-nachdem ein Händler ihr eine kunstvolle Uhr zum Geschenk gemacht;
-ebenso erteilte 1779 der Sultan ihnen einen Freibrief.
-
-Dieser Gewerbezweig hatte sich offenbar stark entwickelt. Im Jahre 1800
-schätzte man die Anzahl der jährlich erstellten Uhren auf 110000 Stück.
-
-Als 1805 die früheren österreichischen und fürstenbergischen
-Territorien an das badische Haus übergingen, zählte das Amt Triberg
-unter 8693 Einwohnern 375 Uhrmacher, 303 Händler neben 109 sonst noch
-als Nebenarbeiter in der Uhrmacherei angestellten Personen.
-
-Die Revolutionskriege schädigten auch die Uhrenindustrie gewaltig,
-ohne sie jedoch vernichten zu können; sie breitete sich vielmehr
-auf weitere Gemeinden aus. Poppe gibt für das Jahr 1840 (Dinglers
-Journal) als Gesamtproduktion 540000 Stück an, welche nach Meitzen von
-1845-1846 die Zahl 600000 erreichten (A. Meitzen: die Uhrenindustrie
-des Schwarzwaldes. 1848. Neudruck von Fehsenfeld, Freiburg 1900). Im
-Jahre 1872 endlich belief sich die gesamte Produktion des Schwarzwaldes
-auf 1800000 Uhren aller Art, im Werte von ca. 18 Mill. Mark. Nach
-einer Schätzung anläßlich der Berichterstattung über die Karlsruher
-Ausstellung von 1875 betrug die Zahl derjenigen, welche ihren Unterhalt
-mit der Uhrmacherei verdienen, mehr als 13000. 1885 wurden im
-Schwarzwald 92 Gemeinden gezählt, welche sich mit der Herstellung von
-Uhren beschäftigen.
-
-Aehnlich wie in der Schweiz vollzieht sich auch hier nach und nach ein
-Uebergang von der Hausindustrie zum Großbetrieb in Fabriken mit den
-neuesten und besten Einrichtungen. Hieher ist besonders die Fabrikation
-nach amerikanischem Muster zu rechnen, gegen welche der kleine Betrieb
-nicht mehr aufkommen kann.
-
-Wir müssen es uns leider versagen, hier näher auf die einzelnen Zentren
-der Uhrenindustrie im Schwarzwald einzugehen; es möge genügen, kurz auf
-einige bekannte und berühmte Heimstätten dieses Gewerbes hinzuweisen.
-
-In dem württembergischen Städtchen _Schramberg_ liegt nicht bloß
-die bedeutendste Uhrenfabrik des Schwarzwaldes, sondern vielleicht
-der ganzen Welt; es ist dies die „Vereinigte Uhrenfabrik von
-Gebrüder Junghans und Thomas Haller, A.-G.” Der Gründer ist Erhard
-Junghans, aus einer dürftigen Arbeiterfamilie stammend; zuerst in der
-Strohmanufaktur hervorragend beschäftigt, gründete derselbe 1860
-auch eine Uhrwerkstätte nach amerikanischem Systeme (Ausstanzen der
-Uhrteile) und es gelang, die amerikanische Ware nicht nur zu erreichen,
-sondern noch zu übertreffen. Welch gewaltigen Umfang dieses Geschäft
-hat, beweisen folgende Zahlen, die wir den Ausführungen G. Speckharts
-entnehmen: im Jahre 1889 belief sich die Zahl der Maschinen auf 776;
-850 Arbeiter waren beschäftigt und die Anzahl der fabrizierten Uhren
-betrug 482930 Stück. 1896 dagegen hatten sich die Maschinen auf 1357,
-die Zahl der Arbeiter auf 1202 vermehrt, während 1166056 Uhren die
-Werkstätten verließen, um den Namen Junghans überall bekannt zu machen.
-Die Fabrik der Gebr. Junghans allein umfaßt 26 meist 6stöckige Gebäude;
-die zahlreichen Arbeitsmaschinen werden durch Dynamos betrieben,
-diese wieder durch 2 gewaltige Dampfmaschinen von 800 und 250 ~P.S.~
-(Die 800 Pferdekraftmaschine repräsentiert einen Wert von 250000 Mk).
-Auch Wasserkraft kommt noch zur Verwendung. Augenzeugen berichten
-Wunderdinge über die Maschinen in den sogenannten Geheimsälen, welche
-stets verschlossen gehalten werden und das denkbar Vollkommenste auf
-diesem Gebiete darstellen sollen. -- In Schramberg ist auch der Sitz
-der bereits mehrfach erwähnten großartigsten Uhrensammlung der Welt,
-das sogenannte deutsche Museum für Zeitmeßkunst, gegründet von Arthur
-Junghans.
-
-Erwähnt sei noch die „_Württembergische Uhrenfabrik Schweningen_.”
-Gegründet 1848 von Johannes Bürk, dem Erfinder der tragbaren
-Wächter-Kontroll-Uhr, hat sich auch dieses Geschäft sehr rasch
-entwickelt. Bis 1904 betrug die Anzahl der gelieferten Kontroll-Uhren
-ca. 50000. Außerdem werden noch elektrische Uhren, Triebwerke u. s. w.
-angefertigt. Die Fabrik beschäftigt 250 Arbeiter. -- Noch ausgedehnter
-ist die Uhrenfabrik von Friedrich Mauthe (jetzt Gesellschaft m. b. H.)
-am gleichen Ort. Dieselbe erstellt Regulatoren, sowie amerikanische
-Uhren und zählt in den Haupt- und Nebenbetrieben etwas über 1100
-Angestellte. Die Firma Schlenker und Kienzle beschäftigt 1200
-Arbeiter. Seit 1900 besitzt Schweningen eine Kgl. Fachschule.
-
-Die badische Stadt Villingen ist ebenfalls ein wichtiger Sitz der
-Uhren-Industrie; diese entwickelte sich namentlich durch die Ausdauer
-des jetzigen Direktors der „Uhrenfabrik Villingen. A.-G.”, Herrn
-Wilhelm Jerger.
-
-Seit mehr als einem halben Jahrhundert hat der Großbetrieb in der
-Herstellung von Uhren in _Lenzkirch_ (Baden) seinen Sitz. Die Begründer
-desselben sind Eduard Hauser und Franz Josef Faller. Die Fabrik
-beschäftigt 500-600 Arbeiter.
-
-Die nötige wissenschaftliche Förderung erhält die Schwarzwälder
-Uhrenindustrie durch die 1850 gegründete Uhrmacherschule in Furtwangen,
-wo schon seit der Mitte des 18. Jahrhunderts Uhren, besonders
-Spielwerke hergestellt werden. Die Anstalt ging 1863 zeitweilig ein;
-neu eröffnet wurde sie 1877; die Anzahl der Schüler belief sich im
-Jahre 1899/1900 auf 64. Die Schule genießt staatliche Unterstützung und
-unterrichtet ihre Schüler ein Jahr lang.
-
-Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die Uhrenfabrikation des
-Schwarzwaldes sich nicht bloß erhalten, sondern immer mehr ausbreiten
-werde.
-
-Den Schluß vorstehenden Kapitels möge ein kurzer Hinweis auf die jetzt
-bereits so hoch entwickelte deutsche Präzisions-Taschenuhrenindustrie
-in _Glashütte i. S._ bilden. Es muß dieser Ort hier deswegen genannt
-werden, weil die Glashüttenuhren sich den besten Genferuhren würdig
-an die Seite stellen, überhaupt z. Z. von keinem andern Fabrikat
-übertroffen werden.
-
-Glashütte liegt 30 ~km~ südlich von Dresden und besitzt außer einer
-Uhrmacherschule und verschiedenen großen Uhrenfabriken zahlreiche
-Werkstätten, die sich mit Herstellung von astronomischen Pendeluhren,
-Chronometern, Werkzeugen u. s. w. beschäftigen. Uns interessieren hier
-nur die Taschenuhren. Die Gründung dieser Industrie reicht über 50
-Jahre zurück; Ferdinand Adolf Lange (1815-1875) gebührt das Verdienst,
-seinem Lande durch Einführung der Uhrenindustrie den größten Dienst
-geleistet zu haben. Nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten setzte er,
-zuerst mit finanzieller Unterstützung des Staates, sein Unternehmen
-ins Werk, mit so großem Erfolg, daß 1895, beim 50jährigen Jubiläum
-der Firma, in Glashütte ca. 50 Werkstattinhaber gezählt wurden.
-Der jährliche Umsatz beträgt etwa 3500 Uhren, sämtliche feiner und
-feinster Qualität, da billige Ware hier nicht fabriziert wird. In
-Langeʼs Geschäft arbeitete bis zu seinem Tode auch der berühmte Moritz
-Großmann, bekannt als Schriftsteller auf dem Gebiete der Uhrentechnik.
-Er gründete auch die deutsche Uhrmacherschule zu Glashütte, im
-Jahre 1878; sie zählt, sowohl was Unterricht als wissenschaftliche
-und praktische Hilfsmittel betrifft, unter die besten derartigen
-Anstalten.[91]
-
-Der Gewerbestatistik des Deutschen Reiches vom Jahre 1882 entnehmen wir
-noch zu besserem Ueberblick folgende Zahlen:
-
-Württemberg beschäftigte zu genanntem Zeitpunkte insgesamt 2519
-selbständige Uhrmacher, Lehrlinge und Gehilfen (von der Hausindustrie
-abgesehen). Baden 4696; Preußen 14132; Sachsen 1813; im ganzen Reiche
-zusammen 29035 Personen. Auf 14988 selbständige Meister kommen nur
-14047 Lehrlinge, was also für später ein gutes Auskommen derselben
-verbürgt.
-
-Aus all dem ergibt sich, daß Deutschland anfängt, sich vom Ausland
-immer mehr unabhängig zu machen und daß dieses Ziel wahrscheinlich in
-absehbarer Zeit erreicht sein dürfte.
-
-
-3. Die Uhrenindustrie in den übrigen Ländern.
-
-Die Staaten, welche hier noch in Betracht kommen können, sind
-_Frankreich_, _England_ und _Nordamerika_. Ersteres weil es schon
-frühe viele Uhrmacher aufzuweisen hat und auch jetzt noch eine
-bedeutende Rolle spielt, das letztere, weil besonders auf seinem Boden
-der Ersatz der Menschenhand durch die alles besorgende Maschine so
-allgemein geworden ist. England endlich, die Heimat so vieler berühmter
-Uhrkünstler ist auch heute noch ein gewichtiger Teilhaber am Weltmarkt.
-
-_Frankreich_ zeichnete sich durch seine Erzeugnisse auf dem Gebiete der
-Uhrmacherei besonders aus zur Zeit des Julien und Pierre le Roy; gegen
-das Ende des 18. und anfangs des 19. Jahrhunderts galten die Franzosen
-als die ersten, was Geschicklichkeit und Geschmack betraf. Gegenwärtig
-hat die Fabrikation von Taschenuhren in Paris aufgehört; diese Stadt
-ist aber der Stapelplatz für Aus- und Einfuhr des Landes geblieben.
-Dagegen werden noch Monumentaluhren, Reise- und astronomische Uhren im
-Großen daselbst erzeugt. Als Hauptsitz der französischen Uhrenindustrie
-muß _Besançon_ bezeichnet werden. Sie verdankt ihre Entstehung
-zahlreichen 1793 aus der Schweiz, namentlich aus Genf und Neuenburg
-in das Land der neuen Freiheit auswandernden Uhrmacherfamilien.
-Die Emigranten wurden mit offenen Armen ausgenommen und sogar vom
-Nationalkonvent mit allen Mitteln unterstützt. Wohnungen wurden
-unentgeltlich zur Verfügung gestellt, Vorschüsse an Geld und Material
-gegeben, Pensionen für Lehrlinge etc. eingerichtet. Der Konvent
-gründete auch eine Darlehenskasse und dotierte sie mit 1200000 Franken.
-Trotz der ungünstigen Zeitverhältnisse entwickelte sich das junge Reis
-nach und nach und 1820 schätzte man die im Dép. Doubs verfertigten
-Uhren auf über 30000 Stück; 1856 belief sich die Produktion auf 160165
-Stück. Die im genannten Departement ansässige Uhrenmacherbevölkerung
-wurde 1865 auf 15000 Personen veranschlagt; davon kamen auf die Stadt
-selbst etwa 3500. Gegenwärtig beläuft sich die jährliche Produktion
-auf ca. 450000 Stück im Werte von mehr als 40 Millionen Fr.; das ist
-über vier Fünftel aller in Frankreich verkauften Uhren. Die berühmteste
-und größte Firma ist das Haus Japy, dessen Ursprung bis zum Jahr 1780
-zurück reicht. Es erstellt vor allem Rohwerke, sowohl für Taschen-
-als auch Pendeluhren. Weil bis in die siebziger Jahre die verzierten
-Gehäuse meist aus der Schweiz bezogen wurden, beschloß man 1873, auch
-diesen Artikel im eigenen Lande herzustellen. So wurde Besançon einer
-der gefährlichsten Konkurrenten der Schweiz und ist es bis heute
-geblieben.
-
-Neben Besançon und Paris ist noch _Montbéliard_ zu erwähnen als Sitz
-einer bedeutenden Uhrenfabrikation. Es werden von dort aus jährlich
-60-70000 Werke für Pendulen, Wecker u. s. w. in den Handel gebracht. --
-_Morez_, im französischen Jura liefert etwa 80000 Uhren.
-
-Ganz Frankreich produziert jährlich für ca. 80 Mill. Fr. Uhren; die
-Industrie beschäftigt etwa 35000 Arbeiter; die Ausfuhr weist aber einen
-bedeutenden Rückgang auf (1887: 22,4, 1892: 14,7 Mill. Fr.) infolge des
-schweizerischen und amerikanischen Wettbewerbes.
-
-Historisch merkwürdig ist noch die Gründung einer Uhrmacherkolonie
-in _Ferney_ bei Genf (Dép. de lʼAin) durch den bekannten Philosophen
-Voltaire. Dieser hatte sich schon 1758 nach Ferney zurückgezogen, und
-als 1770 fünfzig Uhrmacher aus Genf ausgewiesen wurden, nahm er sie
-auf und brachte in erstaunlich kurzer Zeit eine blühende Industrie
-zustande, welche bald einen jährlichen Umsatz von über 500000 Fr.
-erzielte. Voltaire war die Seele des Ganzen, so daß nach seinem
-Wegzuge der neue Erwerbszweig rasch wie er gekommen wieder verschwand,
-hauptsächlich durch die Schuld der französischen Regierung, welche die
-Wichtigkeit des Unternehmens allem Anscheine nach nicht erkannte.
-
-Ueber den Ursprung der Uhrenindustrie in _England_ schwanken die
-Angaben der verschiedenen Schriftsteller sehr stark. Nach den einen
-blühte die Uhrmacherei in England schon unter Elisabeth (1558-1603),
-nach andern Angaben wäre sie erst 1685 gelegentlich der Aufhebung
-des Ediktes von Nantes entstanden. Wie dem auch sei, sicher ist,
-daß ausgewiesene Protestanten in England die Uhrenindustrie günstig
-beeinflußten, und daß Frankreich eine Zeit lang seine besten Uhren von
-jenseits des Kanales bezog. Dem ist aber jetzt schon lange nicht mehr
-so. Im 19. Jahrhundert ging die Uhrenfabrikation beständig zurück;
-einiger Export fand nur nach den Kolonien statt. Es wurden von jeher in
-England gute, aber auch entsprechend teure Uhren hergestellt; nach dem
-Urteil von Sachverständigen haben sie aber heute neben den vorzüglichen
-deutschen, schweizerischen etc. Uhren nur noch den Vorrang in bezug auf
-den Preis. So stellte sich beispielsweise 1870 der Durchschnittspreis
-einer englischen Taschenuhr auf 98,2 Mark, während eine importierte
-ausländische bloß 32 Mark galt. Bis heute mögen ja die Preise noch mehr
-gefallen sein, sie sind aber doch noch bedeutend höher als im Ausland.
-Daher wird namentlich der Arbeiterstand von auswärts mit Uhren versorgt.
-
-Hauptorte der englischen Uhrenindustrie sind London, Liverpool,
-Coventry und Prescot; in neuerer Zeit scheint auch noch Birmingham
-ein besonderes Zentrum der Uhrenindustrie zu werden; es ist die
-Weltzentrale für Uhrgehäuse. Allmählich fangen die englischen Fabriken
-ebenfalls an, neuere Maschinen anzuwenden, während bis vor kurzem noch
-veraltete ihren Dienst versahen. Gelobt wird an den englischen Uhren
-die äußerst sauber und solid ausgeführte Arbeit. Was im Vorstehenden
-über mangelhaften Fortschritt in der fabrikmäßigen Herstellung von
-Uhren gesagt wurde, gilt nicht in bezug auf die Chronometer. In dieser
-Hinsicht steht England an der Spitze und seine Produktion übertrifft
-die aller andern Länder. Die meisten werden in Clerkenwell, einem
-Londoner Stadtteil angefertigt. Ebendaselbst befindet sich auch seit
-1858 das ~British Horological Institute~; ein Fachverein, dessen
-Mitglieder aus den bedeutendsten Fachmännern nicht bloß der Hauptstadt
-und der Provinzen, sondern auch der Kolonien entnommen sind. Mit ihm
-ist zugleich eine Schule verbunden.[92] In der Schiffsuhrenfabrikation
-ist der Grundsatz der Arbeitsteilung streng durchgeführt; infolge
-dessen können dieselben nicht nur gut, sondern auch billig geliefert
-werden.[93]
-
-Es erübrigt nun noch, einiges über die amerikanische Uhrenfabrikation
-anzuführen.
-
-_Amerika_ ist vor allen andern das Land der Maschine und der
-Massenfabrikation. Bei dem energischen, zielbewußten Handelsgeist der
-Amerikaner sind große Fortschritte auf dem Gebiete der Uhrenindustrie
-selbstverständlich; ihr Bestreben geht aber dahin, die Einfuhr von
-Uhren möglichst zu vernichten und das eigene Produkt an die Stelle des
-fremden zu setzen; Amerika ist auch der weitaus gefährlichste Gegner
-der Schweizer Uhrenindustrie. Umfassendste Reklame in jeder Form
-trägt das Ihrige bei, das inländische Fabrikat bekannt zu machen und
-im vorteilhaftesten Lichte erscheinen zu lassen. Der ausschließliche
-Maschinenbetrieb ermöglicht einen so niederen Preis, daß er von andern
-Ländern kaum erreicht, geschweige unterboten werden kann.
-
-So viel bekannt, stellte ein gewisser Eli Terry 1793 zuerst hölzerne
-und messingene Schlaguhren her; sein Geschäft erweiterte sich offenbar
-rasch, denn schon 1807 verpflichtete er sich, innerhalb 3 Jahren 4000
-Uhren zu liefern. Später verlegte Terry sich auf die Fabrikation
-von Stutzuhren (~Short Shelf Clocks~), welche die alten Wanduhren
-bald verdrängten. Im Jahre 1885 betrug die monatliche Produktion
-in den Vereinigten Staaten über 200000 Stück. Hiebei sind 11 große
-Gesellschaften beteiligt, von denen 8 ihren Sitz im Staate Connecticut
-haben. Zentren sind Waterbury, Thomaston, New-Haven, Busonia,
-Forestville, Bristol u. s. w. Diese Uhren sind im allgemeinen sehr
-billig, besonders die „Mercantile Clocks”, welche 2 Dollars das Stück
-kosten. Auf Reparatur wird nicht gerechnet, sondern nach Verbrauch
-des alten Werkes ein neues gekauft. Nach und nach überschwemmte
-Amerika fast die ganze Welt mit seinen billigen Uhren; in Europa
-wurde jedoch das amerikanische Erzeugnis bald ersetzt durch die nach
-amerikanischem System hergestellten Uhren (besonders im Schwarzwald).
-Hauptabsatzgebiete für Amerika sind jetzt Japan, Indien, China und
-Süd-Afrika.
-
-Der amerikanische Techniker begnügte sich jedoch nicht lange damit,
-geeignete Maschinen für Großuhrenfabrikation herzustellen, er wandte
-vielmehr dieses Prinzip schon frühe auch auf die feinsten Taschenuhren
-an. Europa ist in dieser Beziehung nachgefolgt, vielleicht etwas spät
-zu seinem eigenen Schaden. Mit ihren Spezialmaschinen fabrizieren
-die Amerikaner vor allem vollständige Werke, welche bereits genau
-reguliert die Fabrik verlassen und in jedes Gehäuse sich einpassen
-lassen. Als praktische Leute sagen sie sich, daß es vorteilhafter
-sei, eine Anzahl solcher Werke vorrätig zu haben, als Schweizeruhren,
-deren jede ihr eigenes Gehäuse besitzt und noch genaue Regulierung
-verlangt, also weiter Zeit und Geld kostet, ganz abgesehen vom größeren
-Anlagekapital, das sie erfordern. Ein Uebelstand ist übrigens mit
-dieser Herstellungsart doch verbunden, die Ueberproduktion, wodurch
-dem Lande schon große Kapitalien verloren gingen; die einzelnen
-Fabrikanten unterbieten sich gegenseitig; der Preis der Werke sinkt
-beständig und natürlich auch der Arbeitslohn. So betrug der Wochenlohn
-eines guten Arbeiters 1873 16-18 Dollars, 1879 war er bereits auf
-10-12 gefallen, seither dürfte ein weiteres Sinken eingetreten sein.
-Aehnlich verhält es sich mit dem Preis der Uhren. Beispiele, daß
-Großhändler 50% Rabatt erhielten, sind nicht selten. Die Folge dieses
-Verfahrens ist schließlich, daß die Uhren für ganz wenig Geld zu haben
-sind, 2-3 Dollars, und zwar gute Qualität, (hier ist das Werk ohne
-Schale zu verstehen), ein Preis wie ihn die europäische Industrie nicht
-einhalten kann. Kenner der Verhältnisse behaupten allerdings, daß das
-Geschäft nicht rentiere, was wir, wegen Mangel genauer statistischer
-Daten nicht beurteilen können. Einen Erfolg haben die Amerikaner aber
-sicher gehabt, nämlich den, die ausländische Konkurrenz, besonders die
-schweizerische lahm zu legen, oder wenigstens bedeutend zu schwächen.
-
-Im Jahre 1885 bestanden in den Vereinigten Staaten 20 Uhrenfabriken,
-welche täglich etwa 5000 Stück herstellten. Von den bedeutendsten sei
-hier nur genannt die _Waltham Watch Co._, gegründet 1854, eine der
-ältesten und größten. Sie fabrizierte 1900 täglich durchschnittlich
-2000 Stück in sieben Größen und Qualitäten, zum Preise von 14-400 Mark
-das Werk. Die Zahl der bei Vollbetrieb beschäftigten Arbeiter beträgt
-3000. Der schärfste Konkurrent obiger Gesellschaft ist die _Elgin
-Watch Co._, 1852 gegründet. Die „_Keystone Watch Case Co._” verfertigt
-Schalen aus einer harten Metalllegierung, die beiderseits mit einer
-Platte von 14karätigem Golde überzogen sind und vollen Ersatz bieten
-für eine ganz goldene Uhr bei einem Drittel oder der Hälfte des Preises
-der letzteren. Viel verbreitet sind ferner in Amerika die von der
-„_~Self winding Clock-Company~_” erstellten, sich selbst aufziehenden
-Haus- und Zimmeruhren. Sie bestehen aus vollständigen Uhrwerken, welche
-durch Federn getrieben werden. Der Strom einer auf ein Jahr berechneten
-Batterie wird stündlich durch die Uhr geschlossen und zieht sie wieder
-auf. Täglich werden sie von einer Zentrale aus automatisch eingestellt,
-welche das Signal von der Sternwarte zu Washington empfängt und den
-Abonnenten übermittelt. (Die Angaben zu Vorstehendem sind z. T.
-den Ausführungen Speckhartʼs entnommen, der 1893 den Stand der
-amerikanischen Uhrenfabrikation persönlich kennen lernte).
-
-Wir sind am Schlusse angelangt. Dem geneigten Leser ist der gewaltige
-Unterschied zwischen dem ersten Zeitmaß, dessen die heilige Schrift
-gedenkt und worauf wir anfangs Bezug nahmen und der jetzigen Gestaltung
-der Zeitmeßkunst, nicht entgangen. Ein großer Zeitraum liegt zwischen
-uns und jenem Worte („und es ward Abend und Morgen, ein Tag”); vieles
-ist entstanden und wieder verschwunden, die Sonne aber ist unsere
-genaueste Uhr geblieben bis zum heutigen Tag. Wenn wir nun die Zeit
-gegenwärtig mit einer vorher nicht geahnten Genauigkeit messen, so
-möchten wir das nicht etwa dem kalten Geschäftsgrundsatz zuschreiben:
-„Zeit ist Geld”, sondern vielmehr dem hoffentlich nie schwindenden
-Bewußtsein, daß der Mensch die Zeit, dieses kostbarste Geschenk seines
-Schöpfers, gut benützen und einmal Rechenschaft davon ablegen müsse.
-
-
-
-
-Fußnoten
-
-[1] _Bilfinger_, Die antiken Stundenangaben. Stuttgart 1888. ~c.~ 3.
-
-[2] ~L. III. c.~ 3.
-
-[3] Bekanntlich begannen die Babylonier, Perser, Römer, Griechen etc.
-den Tag mit Sonnenaufgang, während die Juden ihn von Sonnenuntergang
-an zählten. Die alten Aegypter fingen den Tag um Mitternacht an, von
-Hipparch bis Copernicus auch die Astronomen; diese Einteilung ist
-jetzt noch im bürgerlichen Leben gebräuchlich, während die modernen
-Astronomen aus Gründen der größern Zweckmäßigkeit den Tag vom
-höchsten Stand der Sonne, also von Mittag an zählen. Sagt man z. B.
-im gewöhnlichen Leben: „den 8. Mai vormittags 9 Uhr,” so datiert der
-Astronom „den 7. Mai 21 Uhr.”
-
-[4] E. Gelcich: Geschichte der Uhrenmacherkunst. Weimar 1892. S. 7.
-
-[5] Vergl. Herodot ~II.~ 109. u. ~Vitruv: de Architectura I. 8. c. 7~
-
-[6] Wenn die Angabe Appions (~Jos. Flav. contra Appionem, I. II. c.
-II.~) wahr ist, so hätte Moses zuerst als Sonnenuhren Säulen verwendet,
-welche auf einem wie eine Schüssel geformten Fuß standen. Darin ging
-der Schatten der Säule herum nach dem Laufe der Sonne am Himmel.
-
-[7] Andere Beispiele siehe bei Bilfinger: Die Zeitmesser der antiken
-Völker. 1886. S. 11.
-
-[8] ~Hist. nat. XXXVI, 10.~
-
-[9] Daß sich der Luxus schon frühe auch der Uhren bemächtigte, beweist
-die im Jahre 62 v. Chr. von Pompejus im Pontus erbeutete Wasseruhr, die
-bloß einmal täglich zu füllen war. Gefäß und Zifferblatt bestanden aus
-Gold, während die Zeiger mit Rubinen besetzt und die Zahlen in Saphir
-geschnitten waren. Wolf, Geschichte d. Astron. 1877. Nr. 40.
-
-[10] Schafhäutl: Ueber die Geschichte der Uhren. S. 17.
-
-[11] ~Athen Deipn. l. IV. c. 23.~ Nach dieser Beschreibung wäre es eine
-Wasserorgel gewesen, die zur bestimmten Zeit einen Ton gab.
-
-[12] In Athen war im ersten Jahrhundert vor Chr. durch Andronikos aus
-Kyrrhos der sogenannte „Windturm” erbaut worden, ein Gegenstück der
-heutigen Uhrensäulen in großen Städten. Auf dem Dache des kleinen
-Gebäudes war ein Triton als Windfahne angebracht, der immer gegen den
-Wind stand und mit einem Stab auf das Bild des eben wehenden Windes
-zeigte. Die Bilder der acht Windgötter liefen rund um das Gebäude
-herum. An den Mauerflächen sind noch jetzt die scharf geritzten
-Sonnenzeiger sichtbar. Im Inneren war eine Wasseruhr angebracht, worauf
-Rinnen und Löcher im Fußboden, sowie Reste eines Reservoirs hinweisen.
-
-[13] ~l. c. lib. IX. c. 8.~ Die Uebersetzung ist von ~Dr.~ Reber.
-Stuttg. 1865.
-
-[14] Dazu bemerkt Reber: Man denke sich in einem allmählich sich mit
-Wasser füllenden Bottich einen deckelförmig gehöhlten Schild mit nach
-oben gekehrter Höhlung schwimmend und so angebracht, daß kein Hin- und
-Herschwanken, sondern nur bei regelmäßig sich erhöhendem Wasserstand
-ein regelmäßiges Aufsteigen desselben möglich ist. An dem Scheitel
-dieses Schildes nun ist eine senkrechte Stange angebracht, welche
-selbstverständlich auch mitgeschoben wird. Greift nun diese Stange,
-auf einer Seite ausgezahnt, mit ihren Zähnchen in die entsprechenden
-Zähnchen eines Rades oder einer Scheibe ein, so setzt sie auch diese in
-Bewegung, die sich dann auch durch Vermittlung eines andern gezahnten
-Rades auf eine zweite mit Zähnen versehene Stange fortsetzt, die
-auf ihrem oberen Ende eine Figur trägt, welche mit einem Stäbchen
-auf eine Säule zeigt. An dieser sind aber von unten bis oben die
-Stundenzahlen verzeichnet. Je höher sich also die Figur hebt, eine
-desto vorgerücktere Stunde wird ihr Stab zeigen.
-
-[15] Bezüglich näherer Einzelheiten und Abbildungen verweisen wir auf
-Bilfinger, a. a. O. S. 140 ff.
-
-[16] Wolf, Geschichte der Astronomie. 1877. S. 162.
-
-[17] Wolf, Biographien der Kunstgeschichte der Schweiz. ~II.~ S. 93.
-
-[18] Winckelmann, ~Monumenti antichi inediti II. N~ 110.
-
-[19] Streuber, Basler Taschenbuch 1850.
-
-[20] Der Scherz Senecas über die Uhren seiner Zeit läßt ihre
-Genauigkeit in einem schlimmen Licht erscheinen: ~„horam non possum
-certam tibi dicere, facilius inter philosophos convenit, quam inter
-horologia.”~ (Eher stimmen Philosophen mit einander überein, als
-Uhren). ~Senec. in mortem Claudii Cæsaris ludus.~
-
-[21] = Sanduhr.
-
-[22] ~Divin. Lect. c. XXX.~
-
-[23] ~Constitut. Hirsaug. Edit. Herrgott~ 1726. ~c~. 34. Der
-~„cereus,”~ von dem hier die Rede, ist wahrscheinlich die Kerze, welche
-im gemeinsamen Schlafsaal brennen mußte; man konnte also an der Abnahme
-derselben die Zeit ungefähr abschätzen, welche seit dem Anzünden
-verflossen war.
-
-[24] Vgl. „Ein vließende liht meiner Gottheit”; dieses Werk in
-oberdeutscher Mundart ist erhalten in einer Handschrift unseres
-Stiftes, veröffentlicht von ~P.~ G. Morell, Regensbg. 1869.
-
-[25] ~Dissertazioni sopra le Antichità Italiane~, ~t. I~, 2. ~p.~ 96.
-
-[26] Vgl. Hock: Gerbert oder Papst Sylvester ~II.~ und sein
-Jahrhundert, Wien 1837; Büdinger: Ueber Gerberts wissenschaftl. und
-polit. Stellung, Kassel 1851.
-
-[27] Wilhelm von Malmesbury war ein um die englische Geschichte höchst
-verdienter Mann, Bibliothekar und Vorsänger im Kloster Malmesbury; er
-hat viele Werke verfaßt, von denen aber noch nicht alle veröffentlicht
-sind. Er lebte noch 1143. Sein Todesjahr ist unbekannt.
-
-[28] Z. B. von Dubois in seiner ~Histoire de lʼhorlogerie~. ~Paris~
-1849. ~p.~ 63 u. ff.
-
-[29] Eine derartige große Uhr besaß z. B. das Stift Einsiedeln aus dem
-Jahre 1663, welche später mit Pendel versehen wurde; sie befindet sich
-jetzt im Landesmuseum in Zürich.
-
-[30] Vergl. auch ~Parad. X~, 139-144:
-
-„Darauf gleich dem Seiger (Sanduhr), der uns ruft zur Stunde, Da
-Gottes Braut aufsteht dem Bräutigam, Daß er sie liebʼ, ihr Morgenlied
-zu bringen, Da einen Teil zieht, den andern treibt, ~„Tin, tin,”~
-enthaltend mit so süßem Klange.”
-
-
-[31] ~Mém. de lʼAcad. t. XVI, p. 227~; diese Schilderung wurde auch in
-die ~Encyclopédie~, ~s. v. „horloges,”~ aufgenommen.
-
-[32] ~Murat. l. c. t. 17. p. 1092.~
-
-[33] ~Dubois. p. 67.~
-
-[34] Froissart schreibt: ~le duc de Bourgogne fit oster des halles un
-orologe qui sonnait les heures, lʼun des plus beaux quʼon sçeut trouver
-delà ne deçà la mer; et celuy orologe mettre tout par membres et par
-pièces sur chars et la cloche aussi. Dub. p. 68.~
-
-[35] Vergl. Sammlung bernischer Biographien, ~IV.~ Bd., Kaspar Brunner,
-von Ad. Fluri. S. 437 u. ff.
-
-[36] Vergl. Neues Berner Taschenbuch 1897, S. 185 ff.
-
-[37] Schwilgué G. Kurze Beschreibung der astron. Uhr zu Straßburg.
-S. 15. Wir folgen in der Schilderung der alten und neuen Uhr zum Teil
-diesem Werkchen.
-
-[38] R. Wolf, Biographien zur Kulturgeschichte der Schweiz. 3. Cyklus.
-S. 56.
-
-[39] ~Hist. Olai Magni Gothi, Archiep. Upsal. De gentium
-septentrionalium variis conditionibus. Basil.~ 1557.
-
-[40] ~Ambrosius Camaldulensis~ (~Traversari~) geb. 1386, gest. 1439,
-spricht in einem Briefe an den Gelehrten Nikolaus de Nicolao von Uhren
-als etwas ganz Gewöhnlichem. „Deine Uhr ist bereit; ich hätte sie schon
-gesendet, wenn ein Bote zu haben wäre. Ich ließ sie reinigen; sie
-konnte nicht gehen, weil der Staub überall eingedrungen war. Weil der
-Gang aber auch nachher noch nicht befriedigte, übergab ich das Werk dem
-in solchen Dingen sehr geschickten jungen Angelo .....” ~Martène et
-Durand Collectio ampliss. III.~
-
-[41] Patron der Schlosserzunft, zu der alle, welche Hammer und Zange
-führten, gerechnet wurden, war der heilige Petrus, weil er einen
-Schlüssel führt; da auf seinen Bildern jedoch auch der Hahn, einer der
-ersten Zeitmesser, erscheint, so behielten auch die Uhrmacher ihn als
-Schutzheiligen bei.
-
-[42] 1589 vereinigten sich die Genfer Uhrmacher zu einer Gilde. Nach
-dem Urteil Großmanns (bei Gelcich, S. 164) lassen diese Statuten an
-Strenge und Engherzigkeit alles hinter sich, was die Innungen des
-deutschen Mittelalters hierin geleistet haben. (Auszug dieser Satzungen
-ebendaselbst a. a. O.)
-
-[43] Ott, Handbuch der kirchlichen Kunstarchäologie des deutschen
-Mittelalters. Leipz. 1893, S. 290.
-
-[44] Der Ursprung der Zwölfteilung (Duodezimalsystem) reicht bis ins
-tiefste Altertum zurück; einige Gelehrte sind sogar der Ansicht, sie
-datiere von der Urzeit des menschlichen Geschlechtes her. Dieses
-System, das von der Natur selbst gegeben zu sein scheint, findet sich
-bei den Babyloniern, welche nicht bloß ein Mondjahr zu 354 und das
-eigentliche Sonnenjahr zu 365 Tagen kannten, sondern auch ein solches
-zu 360 (12 mal 30) Tagen hatten. Die Indier und Aegypter zählten
-das Jahr ebenfalls zu 360 Tagen, mit Einschluß der 5 Schalttage
-(~Epagomenen~). Der Tag wurde in 12 Doppelstunden oder in 24 einfache
-geteilt. Die Kreisteilung beruht bekanntlich ebenfalls auf dem
-Duodezimalsystem.
-
-Auch bei den Längenmaßen findet sich diese Teilung. Einheit der Länge
-war bei den Babyloniern die Doppelelle, zu 60 Fingern, ein größeres
-Wegmaß war das Soß zu 360 Doppelellen oder 720 einfachen. Die Hohlmaße
-und Gewichte wurden von dieser Einheit in ähnlicher Weise, wie beim
-heutigen metrischen Systeme abgeleitet. Daß wir auf unsern Uhren noch
-die Einteilung in fünf Minuten haben, ist wahrscheinlich ebenfalls ein
-Ueberrest dieser alten Zählungsart. -- Wenn der Uhrzeiger jetzt zweimal
-täglich einen Umlauf macht, so erinnert das an die Zeit, wo es noch
-keine mechanischen Uhren gab, sondern der Himmel direkt befragt werden
-mußte, einmal des Nachts durch Beobachtung der Sterne (12 Zeichen des
-Tierkreises), dann am Tage durch Verfolgung des Schattenweges des
-Sonnenzeigers.
-
-Neuestens soll nun diese alte Duodezimalabteilung durch das
-Dezimalsystem, die Zehnteilung, verdrängt werden. Was Laplace und
-einige Staatsregierungen in bezug auf die Kreisteilung in 400 Teile
-(Kartographie) schon eingeführt, soll nun auch in der Zeitmessung zur
-Anwendung gelangen, so daß die Stunde fortan 100 Minuten und 10000
-Sekunden zählen würde. Da jedoch gegenwärtig nach großen Mühen endlich
-das absolute System in die Wissenschaft eingeführt ist, welches ja
-als Einheit auch die jetzige Sekunde benützt, so erscheint es sehr
-fraglich, von andern Unbequemlichkeiten zu schweigen, ob die Nachteile
-einer solchen Maßregel nicht größer wären, als die Vorteile derselben.
-Vergl. über diesen Punkt z. B. Prometheus 1897. N. 416.
-
-[45] Walther war noch in reiferen Jahren ein Schüler Regiomontans
-geworden; er erbaute aus eigenen Mitteln zu Nürnberg eine Sternwarte
-und versah sie mit kostbaren Instrumenten. 1472 beobachtete er mit
-Regiomontan den eben erscheinenden Kometen. Er war auch der Erbe des
-literarischen Nachlasses seines Lehrers, dessen Beobachtungen er
-fortsetzte. Walther berücksichtigte bei seinen astronomischen Arbeiten
-zuerst die Refraktion; er soll auch bei Ortsbestimmungen der Sonne
-statt des Mondes die Venus verwendet haben.
-
-[46] Tycho Brahe wurde geboren auf der Insel Schonen zu Knudstrup bei
-Helsingborg im Jahre 1546. Er studierte in Kopenhagen und Leipzig und
-machte seinen Namen bekannt durch Beobachtungen des Sterns von 1572.
-Nach wechselvollen Schicksalen konnte er mit Unterstützung König
-Friedrichs ~II.~ von Dänemark auf der Insel Hven (zwischen Seeland und
-Schonen) eine Mustersternwarte, die „Uranienborg” bauen, auf welcher er
-lange Jahre beobachtete. 1597 trat er als Astronom in den Dienst des
-Kaisers Rudolf ~II.~ zu Prag. Er starb 1601.
-
-[47] ~Astronomiæ instauratæ Progymnasmata. Uraniburgi et Pragæ~ 1610,
-~p.~ 148.
-
-[48] Bekanntlich bezeichneten die Alten die 7 Metalle, welche man
-seit langer Zeit als solche kannte, mit dem Namen und Zeichen der 7
-Planeten. Also: Gold, ☉ (Sonne); Silber, ☽ (Mond); Quecksilber, ☿
-(Merkur); Kupfer, ♀ (Venus); Eisen, ♂ (Mars); Zinn, ♃ (Jupiter); Blei,
-♄ (Saturn). Wie nun die Astrologen auf astronomischem Gebiete mit den
-7 Planeten allerlei höchst sonderbare Ideen verbanden, so ihre Genossen,
-die Alchemisten, in der Chemie. Eine besonders wichtige Rolle spielte
-hier das Quecksilber, als Ausgangspunkt zur Herstellung des Steines
-der Weisen, und dann natürlich, gerade wie heute, Gold und Silber, der
-König und die Königin der Metalle. So wird die angeführte Aeußerung
-Tychos verständlich.
-
-[49] Der bekannte Philosoph Cardanus (1501-1576) hat als einer der
-Ersten sehr interessante Gedanken über die Federuhren veröffentlicht in
-seinem Werke ~Exæreton Mathematicorum~ (Band ~IV~ der Lyoner Ausgabe
-von 1663 in zehn Foliobänden), ~Propositio~ 156 und 157. ~Propositio~
-158 behandelt die Einrichtung des Schlagwerkes. In seinem Hauptwerke
-~„de subtilitate,”~ ~lib. XXI~, ~p.~ 362 gibt er die Beschreibung
-der ~„mola horologii”~ (Uhrfeder); ebendaselbst ~p.~ 612 ~lib. XVII~
-wird die Erfindung der Uhren ohne Gewicht erwähnt. An gleicher Stelle
-befindet sich auch eine Besprechung der „Cardanischen Aufhängung,”
-die ihm übrigens mit Unrecht zugeschrieben wird. In seinen Schriften
-erscheint er als ein excentrisches Genie; er rühmt von sich, bloß zu
-dem Zwecke geboren zu sein, um die Welt von ihren Irrtümern zu erlösen,
-behauptet auch, in je 24 Stunden griechisch, lateinisch, französisch
-und spanisch gelernt zu haben. Seine Verdienste in der Mathematik
-sind bedeutend, in seiner ~Ars magna~ gibt er die Auflösung kubischer
-Gleichungen; er erfaßte auch zuerst den Begriff der negativen Wurzel
-einer Gleichung. Man erzählt von ihm, er sei 1576 den freiwilligen
-Hungertod gestorben, nur um die astrologische Vorhersage seines Endes
-wahr zu machen.
-
-[50] ~Tiraboschi t. IV. p.~ 775 und 1090. Die Ueberschrift des
-Gedichtes besagt u. a.: ~„si fanno certi orologi piccoli e portativi.”~
-
-[51] Ueber die Geschichte der Taschenuhr vgl. Karl Friedrich,
-Bibliothekar in Nürnberg, im ~XI.~ Bande des Allgem. Journals der
-Uhrmacherkunst; ferner den zusammenfassenden Artikel von Hofuhrmacher
-Gustav Speckhart in „Antiquitätenzeitung,” Stuttgart 1896, Nr. 1 u.
-ff. Hier werden auch die Ansprüche Augsburgs und Straßburgs, sowie
-der Franzosen geprüft. Ebenso Saunier-Speckhart; Geschichte der
-Zeitmeßkunst: S. 337 u. ff.
-
-[52] ~Encyclopédie~, ~s. v. Horloge~.
-
-[53] Gelcich (S. 28) schließt aus einer gegen Ende des vorigen
-Jahrhunderts angeblich in dem Schlosse Tifeshire bei Bruce in England
-aufgefundene Uhr, deren Zifferblatt die Worte trug: ~„Robertus B. rex
-Scottorum”~ auf das hohe Alter der Taschenuhren. Dieser Robertus B.
-wäre nämlich Robert Bruce, der 1306 die schottische Krone erhielt und
-1329 starb. Nun hat aber schon Beckmann, Beiträge zur Geschichte der
-Erfindungen, Leipzig 1785, Bd. ~II~, S. 468 u. ff. nachgewiesen, daß
-diese berühmte Uhr eine Fälschung sei. Er stützt sich dabei auf einen
-gewissen John Jamieson, der den Betrug im „Gentlemanʼs Magazine,” 1785,
-~p.~ 688 zuerst aufdeckte.
-
-[54] Ueber diese Frage vergleiche man: Peter Henlein, der Erfinder
-der Taschenuhr. Fachgeschichtliche Abhandlung von Gustav Speckhart.
-Nürnberg 1890.
-
-[55] Vgl. über die Junghansʼsche Sammlung u. a. Deutsche
-Uhrmacherzeitung, 1898, Nr. 8; Handelszeitung für die gesamte
-Uhrenindustrie, 1898, Nr. 9 und 10 u. s. w. Laut einer Zeitungsmeldung
-hätte Herr Kommerzienrat Junghans neuestens diese Sammlung dem
-Gewerbe-Museum in Stuttgart geschenkt.
-
-[56] ~Tir. VII. p.~ 1569.
-
-[57] Capobianco brachte auch für den Kardinal von Sitten (Schinner?) an
-einem Leuchter eine Uhr an, welche zugleich die Stunden schlug und die
-Kerze anzündete. A. a. O. ~p.~ 1570.
-
-[58] Vgl. ~Lacroix~, ~Les arts au moyen-âge et à lʼépoque de la
-renaissance, (Horlogerie)~. ~Paris~ 1877.
-
-[59] Er veröffentlichte diese Erfindung im ~Journal des Savants~ von
-1675; Robert Hooke soll schon 1658 eine ähnliche Vorrichtung ausgedacht
-haben; er nahm aber kein Patent, weil er sich mit seinen Genossen nicht
-einigen konnte. Hautefeuille strengte sogar einen Prozeß gegen Huygens
-an inbezug auf Priorität der Erfindung der Spiralfeder. Ersterer erfand
-nebst vielem andern auch eine Pulvermaschine, das Vorbild der heutigen
-Gasmotoren, bei welcher schon ein Kolben zur Anwendung gelangte.
-
-[60] ~Almagestum novum~, ~t. I. p.~ 84 und 117. Daselbst befindet sich
-auch eine Zeichnung der Pendelaufhängung. Von Riccioli und Grimaldi
-rührt auch zum Teil die Nomenklatur der Mondgegenden her. Vgl. Stimmen
-aus M. Laach 1898, Heft ~III~.
-
-[61] ~Technica curiosa~, ~Herbipoli~ (Würzburg) 1664, Bd. ~II~,
-~Propositio VII~, ~VIII~, ~IV~.
-
-[62] Vergleiche hiezu noch: Wolf R., Biographien 1. Bd. S. 57 u. ff.
-und desselben Verfassers Geschichte der Astronomie. S. 369 ff.; ferner
-von demselben: Quellenmäßige Darstellung der Erfindungsgeschichte der
-Pendeluhr bis auf Huygens, S. 308-344.
-
-[63] Nach Heller, Geschichte der Physik ~I~, S. 296, schreibt Kepler in
-seinem „Oesterreichischen Weinvisierbüchlein” Bürgi auch die Erfindung
-des Rechnens mit Dezimalbrüchen zu.
-
-[64] Annalen der Physik und Chemie. Neue Folge von G. Wiedemann,
-Bd. ~IV~, 1878, S. 585 u. ff.
-
-[65] ~Memorabilia Tigurina~. Zürich 1742. S. 490. Siehe auch S.
-Vögelin, das alte Zürich. 2. Aufl. ~I.~ Bd. an verschiedenen Orten.
-
-[66] Vergl. auch: E. Gerland. Ueber die Erfindung der Pendeluhr.
-~Bibliotheca mathematica.~ 5. S. 234-247. 1904.
-
-[67] ~Albèri, Le Opere di Galileo, t. XIV, p. 339: „dellʼOriuolo a
-Pendolo.”~
-
-[68] ~Albèri l. c.~ veröffentlichte die Zeichnung in seiner
-Gesamtausgabe der Werke Galileiʼs; ebenso geben Biedermann (Bericht
-über die Ausstellung wissenschaftlicher Apparate. London 1877) und
-andere eine Kopie davon.
-
-[69] Die Beschreibung, welche Viviani gibt, lautet: ~„Il quale~
-(das Pendel) ~stando fermo tratteneva il discender di quello~ (des
-Gewichtes), ~ma sollevato in fuori e lasciato poi in libertà, nel
-passare oltre il perpendicolo, con la più lunga delle due code
-annesse allʼimpernatura del dondolo, alzava la chiave che posa ed
-incastra nella ruota delle tacche, la quale tirata dal contrappeso,
-voltandosi con le parti superiori verso il dondolo, con uno deʼ suoi
-pironi calcava per disopra lʼaltra codetta più corta, e le dava nel
-principio del suo ritorno uno impulso tale, che serviva dʼuna certa
-accompagnatura al pendolo, che lo faceva sollevare fino allʼaltezza
-donde sʼera partito; il qual ricadendo naturalmente, e trapassando il
-perpendicolo, tornava a sollevare la chiave, e subito la ruota delle
-tacche, in vigore del contrappeso, ripigliava il suo moto seguendo a
-volgersi e spignere col pirone susseguente il detto pendolo; e così in
-un certo modo si andava perpetuando lʼandata e tornata del pendolo,
-sino a che il peso poteva calare a basso.”~
-
-[70] „Huygens,” (sprich: Heuchens) nicht „Huyghens,” ist die
-richtige Schreibweise, denn so schreibt sich der Gelehrte selbst. Im
-physikalischen Kabinett des Collège de ~N. D. de la Paix~ zu Namur
-befinden sich drei von H. geschliffene Linsen, in welche er auch seinen
-Namen in folgender Weise eingeritzt hat: C. Huygens 15. Mai 1695;
-C. Huygens 12. Juni 1685; Chr. Hugenius a^o 1685. 24. Juli. Heller
-~II.~ S. 180.
-
-[71] Es war bei den Gelehrten des 17. Jahrhunderts vielfach
-Uebung, zur Wahrung der Priorität einer Entdeckung dieselbe in ein
-rätselhaftes Gewand zu kleiden, so daß für jeden Nichteingeweihten
-ein unverständlicher Sinn herauskam. _Galilei_ veröffentlichte
-die Entdeckung der „Dreigestaltigkeit” des Saturn in seinem
-~Sidereus nuntius~ (Sternenbote) unter folgendem Anagramm:
-~„SMAISMRMILMEPOETALEVMIBVNENVGTTAVIRAS.”~ Kepler versuchte sich lange
-umsonst daran, um endlich einen falschen Satz zu finden, bis Galilei
-auf wiederholte Bitten das scheinbar sinnlose Buchstabengewirr las:
-~„Altissimum Planetam tergeminum observavi.”~ (den äußersten Planeten
-habe ich dreigestaltig gesehen). Als er aber später denselben wieder
-beobachten wollte und nun nichts Auffälliges mehr bemerkte (weil eben
-die Stellung ungünstig war), soll er, ärgerlich über die vermeintliche
-Täuschung, Saturn keines Blickes mehr gewürdigt haben. In ähnlicher
-Weise gab auch _Huygens_ der gelehrten Welt ein Rätsel auf: ~a a a a
-a a a c c c c c d e e e e e g h i i i i i i i l l l l m m n n n n n n
-n n n o o o o p p q r r s t t t t t u u u u u~. Es ist nun ganz klar,
-daß eine Lösung für jedermann vollständig unmöglich ist, außer für
-den Verfasser; denn wie die Kombinationslehre zeigt, sind hier viele
-tausend Billionen Lösungen möglich (die Zahl, welche entsteht, hat
-ca. 64 Stellen!), von denen doch nur eine richtig sein kann. In der
-oben genannten Schrift wird diese Lösung gegeben: ~„Annulo cingitur,
-tenui, plano, nusquam cohærente, ad eclipticam inclinato,”~ d. h.:
-Er (Saturn) ist umgeben von einem dünnen, ebenen, nirgends mit ihm
-zusammenhängenden, gegen die Ekliptik geneigten Ringe. Die modernen
-Teleskope, welche weite Tiefen des Himmels durchdringen, beweisen uns,
-daß dieses Gebilde aus wenigstens drei von einander getrennten Ringen
-besteht; über ihre wirkliche Beschaffenheit dagegen sind wir noch nicht
-ins klare gekommen.
-
-[72] Lebte 1605-1694 als französischer Geistlicher und Gelehrter und
-stand mit Huygens in lebhaftem Verkehr. Er verfaßte u. a.: ~Ismaelis
-Bullialdi Astronomia philolaica~, Paris 1645, worin er z. B. auch von
-der Gravitation spricht.
-
-[73] ~l. c. p.~ 601.
-
-[74] Vergl. Gerland und Trautmüller: Geschichte der physikal.
-Experimentierkunst. Leipzig 1899. S. 181.
-
-[75] Dieser Vorschlag Huygensʼ, um zu einem absoluten Maß zu
-kommen, ist zwar sehr interessant, praktisch aber unbequem, da wir
-jetzt wissen, daß die Länge des Sekundenpendels eine Funktion der
-geographischen Breite ist, d. h. von dieser abhängt. Zur Zeit Huygensʼ
-war dieser Umstand noch unbekannt. Jean Picard gilt als der erste,
-welcher behauptete, daß am Aequator ein und dasselbe Pendel langsamer
-schwinge als am Pol; Jean Richer hat durch Messungen in Cayenne diese
-Vermutung bestätigt. -- Neuestens hat Freycinet (~Compt. rend.~ 105,
-~p.~ 903), ohne ersichtlichen Vorteil, einen ähnlichen Vorschlag
-gemacht, nämlich als Einheit der Länge die Geschwindigkeit anzunehmen,
-welche ein Körper erlangt hat, wenn er in Paris eine Sekunde lang im
-leeren Raum gefallen ist. Es ist aber gewiß merkwürdig, daß schon
-vor mehr als 4000 Jahren die Babylonier das Ideal Huygensʼ betreffs
-Stundenfuß wahrscheinlich verwirklicht haben. Sicher ist, daß die
-Längenmaße ursprünglich vom menschlichen Körper hergenommen wurden;
-z. B. die „Elle” (Strecke zwischen dem Ellenbogen und der Spitze des
-Mittelfingers), der Fuß, der Daumen u. s. w. Nach der Ansicht von
-Lehmann, Alsberg u. s. w. (vergl. Jahrbuch der Naturwissenschaften,
-~VI~, S. 334 ff.) wären die Babylonier später davon abgegangen und
-hätten die Norm für das Längenmaß vom Sekundenpendel hergenommen.
-
-[76] Eine solche „Schiffsuhr” findet sich im vorliegenden Werke
-Huygensʼ abgebildet und besprochen; ebenso die Aufstellung des
-Instrumentes. Die Holländer als seefahrende Nation halten natürlich
-großes Interesse an allem, was die Schifffahrt zu heben geeignet war.
-Hiezu gehört aber in erster Linie eine genaue und leichte Bestimmung
-der Meereslängen, die aber wiederum nur möglich ist mit Hilfe präzis
-gehender Uhren. Näheres über diesen Gegenstand folgt später.
-
-[77] Liegt er innerhalb der Peripherie, wie z. B. ein Punkt auf
-den Speichen eines Rades, oder außerhalb derselben, so heißen die
-entsprechenden Rollkurven _gedehnte_ oder gestreckte und _verkürzte_
-oder verschlungene Cykloiden. Rollt der Mittelpunkt des Kreises statt
-auf einer Geraden auf der Peripherie eines andern Kreises, so entsteht
-die Epicykloide, welche im Ptolemäischen Weltsystem bis auf Kepler
-eine wichtige Rolle spielte, indem durch sie die oft verwickelten
-Planetenbewegungen auf die als allein zulässig geltende Kreisbewegung
-zurückgeführt wurden.
-
-[78] ~III.~ Teil, ~Propos. VI~. Wenn der Krümmungshalbmesser einer
-Kurve diese selbst durchläuft, so beschreibt bei stets wechselndem
-Krümmungshalbmesser ihr Mittelpunkt eine neue Kurve, die man _Evolute_
-nennt; die ursprüngliche Kurve heißt die _Evolvente_ ihrer Evolute.
-Bei der Cykloide ist nun die Evolute auch wieder eine Cykloide; daher
-ihre Wichtigkeit für das Pendel. Sie ist kongruent mit der Evolvente,
-aber um 90° gegen diese verschoben. So z. B. in Fig. 32, wo ~A B E~ die
-Evolvente, und ~A D E~ die Evolute derselben darstellt.
-
-[79] Johann Mannhardt, geb. 1798, verlor früh seinen Vater; die
-Mutter, eine, wie es scheint, etwas rauhe Frau, konnte sich um die
-Erziehung der Kinder nicht viel kümmern, da sie vollauf zu tun hatte,
-der Familie den nötigen Unterhalt zu beschaffen. Bald wurde der Knabe
-als Hirtenbube verdingt, und blieb bei seinem Bauer, bis ihn ein
-glücklicher Zufall in eine Uhrmacherwerkstätte führte, in welche er
-bald als Lehrling eintrat und acht Jahre blieb. Später als Geselle in
-Miesbach beschäftigt, fand er in der Person des Generalmaut-Direktors
-von Miller aus München einen warmen Gönner, der ihn auch später nicht
-vergaß und die erste Turmuhr, die Mannhardt für Egern verfertigte,
-von einer Kommission des Polytechnischen Vereins in München
-begutachten ließ. 1827 siedelte er nach München über, wo sich seine
-Verhältnisse nach und nach besserten und sein Name in weiteren Kreisen
-bekannt wurde. Im Jahre 1837 verlieh ihm König Ludwig die goldene
-Zivilverdienst-Medaille. 1842 verfertigte Mannhardt eine Uhr für die
-Domkirche in München, welche auf beiden Türmen an 6 Zifferblättern die
-Zeit angibt. Später kamen Uhren seines Systems nach Berlin (Rathaus),
-Rom (Vatikan) u. s. w. Mannhardt erhielt auch auf Verwendung Ludwigʼs
-~I.~ eine staatliche Unterstützung. Immer mehr suchte er seine
-Kenntnisse, namentlich durch große Reisen, die er im Fachinteresse
-unternahm, zu mehren. Außer Uhren wurden in der Mannhardtʼschen Fabrik
-noch alle möglichen Maschinen angefertigt. Der unermüdlich tätige Mann
-starb nach vielen schmerzlichen Prüfungen im Jahre 1878, 80 Jahre
-alt. (Vergl. über unsern Meister: E. Gohlke: Die Turmuhr des Berliner
-Rathauses, von Georg F. Bley. 1894.)
-
-[80] Vergleiche über diese Punkte die Schrift S. Rieflers: Die
-Präzisionsuhren mit vollkommen freiem Echappement und neuem
-Quecksilber-Kompensationspendel. München 1894. Die Angaben Herrn
-Rieflers sind im folgenden teilweise benützt.
-
-[81] Die folgenden Angaben sind größtenteils den Ausführungen Herrn
-Rieflers entnommen, wie sie in den Preisverzeichnissen seiner Firma,
-sowie in der schon oben genannten Schrift desselben Verfassers: „Die
-Präzisionsuhren” etc. gegeben sind.
-
-[82] Rainer Gemma Frisius wurde geboren zu Dorpat 1508 und starb als
-Professor der Medizin zu Löwen 1555. Die hier in Frage kommende Schrift
-erschien 1530 zu Antwerpen unter dem Titel: ~de principiis astronomiæ
-et cosmographiæ~.
-
-[83] Galilei hatte sie aufmerksam gemacht auf eine mögliche Verwertung
-der Beobachtung der Jupitertrabanten für die Bestimmung der Länge. Der
-Vorschlag blieb jedoch erfolglos, ebenso wie die später seitens der
-Holländer mit Galilei angeknüpften Unterhandlungen, worin sie ihm eine
-goldene Ehrenkette für die Lösung des Problems anboten.
-
-[84] Als Maßstab für die hohe, schon vor 150 Jahren erreichte
-Genauigkeit mag die Angabe dienen, daß z. B. das Pariser Observatorium
-für moderne Chronometer als Fehlergrenze für 3 Monate 120″, also pro
-Tag 1⅓″, angibt.
-
-[85] Nach Saunier.
-
-[86] F. Brönimann erwähnt in seinem Jahresbericht der Solothurner
-Kantonschule 1891: „die Uhr”, folgende hübsche Anekdote. Berthoud war
-Mitglied der Akademie und las öfters über theoretische Fragen der
-Uhrmacherkunst vor. Seine gelehrten, aber wohl dann und wann etwas
-trockenen Erörterungen fanden nicht immer den Beifall der Kollegen. Ein
-Mitglied schrieb nun einst während einer solchen Sitzung folgende Verse
-auf einen Zettel, der rasch von Hand zu Hand ging:
-
-~Berthoud, quand de _lʼéchappement_ Tu nous trace la théorie, Heureux
-qui peut adroitement, _Sʼéchapper_ de lʼacadémie.~
-
-Der Erfolg war, daß schließlich außer dem Vorlesenden nur noch der
-Präsident nebst Sekretär im Saale anwesend waren.
-
-[87] Die folgenden Ausführungen entnehmen wir einem Aufsatze der
-deutschen Uhrmacherzeitung, den Speckhart in seiner Bearbeitung des
-Saunierschen Werkes, S. 549 und 550 mitteilt.
-
-[88] 1766 wurden in Le Locle und La Chaux-de-Fonds über 15000 goldene
-und silberne Uhren, sowie zahlreiche Standuhren (~pendules~) verfertigt.
-
-[89] „~P.~ Franz Steyrerʼs Benediktiners des Stiftes St. Peter auf dem
-Schwarzwalde Geschichte der Schwarzwälder Uhrmacherkunst, nebst einem
-Anhange von dem Uhrenhandel derselben. Eine Beylage zur Geschichte des
-Schwarzwaldes. Freyburg i. Br. 1796.”
-
-[90] Die älteste datierte Holzräderuhr befindet sich in der Sammlung
-Junghans in Schramberg, mit der Jahreszahl 1613 (Fig. 65). Eine weitere
-aus dem Jahre 1630 besitzt das germanische Museum.
-
-[91] Diese Schule umfaßt 2 Abteilungen, eine für Uhrmacherei,
-(Heranbildung von Taschenuhrenfabrikanten, Konstrukteure, Reparateure
-und Werkführer), die andere für Elektrotechnik (Herstellung
-elektrischer Uhren, Fabrikanten und Monteure von Haus- und
-Hôteltelegraphen, Fernsprechanlagen u. s. w.). Der Unterricht umfaßt
-niedere und höhere Mathematik, Physik und Chemie, Astronomie (Orts-
-und Zeitbestimmungen), Zeichnen, Technologie, Handelswissenschaft,
-Französisch und Englisch. Der mehr praktische Teil umfaßt die
-eigentliche Uhrmacherei. Reiche Sammlungen und Anlagen aller Art machen
-die Anstalt zu einer der besten, welche zur Zeit existieren.
-
-[92] Eine weitere befindet sich in Coventry; auch auf dem Londoner
-Polytechnikum wird ein Kurs für Uhrmacher gegeben.
-
-[93] Das Hauptprüfungsinstitut ist in Greenwich; außerdem befassen sich
-damit die Observatorien in Liverpool, Southampton etc.
-
-
-Verlagsanstalt Benziger & Co. A. G, Einsiedeln, Waldshut, Köln a/Rh.
-
-
-Einige Preßstimmen
-
-über $Benzigers Naturwissenschaftliche Bibliothek$.
-
-$Praxis der kathol. Volksschule, Breslau.$ No. 14 vom 15./~VII.~ 05.
-Die beiden Bändchen (die Erde; die Abstammungslehre) bilden den Anfang
-einer naturwissenschaftlichen Bibliothek, die auf katholischem Boden
-steht. Wenn die Fortsetzung dem Anfang entspricht, so liegt hier ein
-Unternehmen vor, das sich unter andern gleichartigen sehen lassen kann.
-Der Verfasser zeigt sich als ein tüchtiger Gelehrter und gründlicher
-Literaturkenner, seine Ausführungen sind klar und interessant.
-Besonders aber verdient hervorgehoben zu werden, daß er überall die
-Tatsachen sprechen läßt und ihnen ganz unbefangen gegenüber steht.
-Ungezwungen ergibt sich das für jeden überzeugten Christen durchaus
-nicht überraschende Resultat, daß die Resultate der Naturwissenschaft
-mit dem christlichen Glauben durchaus nicht in Widerspruch stehen.
-Besonders gilt das vom Bändchen ~III~, das die so heiß umstrittene
-Abstammungslehre zum Gegenstande hat. Gander findet das zum Beweise
-für die Deszendenztheorie besonders für die Abstammung des Menschen
-vom Affen beigebrachte Material unzureichend. Seine sachlichen
-Ausführungen lassen nicht daran zweifeln, daß er dabei einzig seiner
-wissenschaftlichen Überzeugung folgt und die Entwicklungstheorie nicht
-etwa deshalb ablehnt, weil sie mit dem religiösen Dogma in Widerspruch
-geraten könnte. Er weist vielmehr nach, daß ein solcher Widerstreit
-künstlich konstruiert werden muß, in der Abstammungslehre an sich ist
-er nicht enthalten ...
-
-$Literarischer Anzeiger, Graz.$ No. 8 vom 15./~V.~ 05. Die ersten
-drei Bändchen sind sämtliche von ~P.~ Martin Gander, Professor der
-Naturgeschichte in Einsiedeln verfaßt; sein Name hat besonders in der
-Geologie einen guten Klang. Die zahlreichen einschlägigen Fragen aus
-der Kosmogonie, Geologie, der Entwicklungslehre etc. etc., die in
-diesen drei Bändchen zur Sprache kommen, sind gründlich behandelt.
-Sehr interessant sind die oft in Bezug auf die wichtigsten Fragen
-obwaltenden Differenzen zwischen den bedeutendsten Vertretern der
-Wissenschaft, die manches als Ergebnis der wissenschaftlichen Forschung
-hingestelltes Resultat in sehr zweifelhaftem Licht erscheinen
-lassen. Übrigens wird man den Verfasser gewiß keines einseitigen
-oder rückständigen Standpunktes beschuldigen können, auch nicht in
-theologischen Fragen.
-
-$St. Benedikts-Stimmen, Emaus b. Prag.$ Heft 9. 1905. Nachdem die
-ungläubige Naturforschung eingestandenermaßen sich allmählich
-überzeugt, daß sie in den Fragen über den Ursprung des Lebens auf
-Erden vielfach nur irregegangen ist und irregeführt hat, ist es eine
-ungemein wohltuende Sache, von einem in wissenschaftlichen Kreisen
-schon längst bekannten und geschätzten Autor im Sinne der gläubigen
-Naturerkenntnis über alle wirklichen Resultate so belehrt zu werden,
-wie es in vorliegenden Bändchen 1-4 geschieht. Populär gehalten, leicht
-verständlich und dabei das Gemüt erfrischend, sind diese Spezimina der
-Benzigerschen naturwissenschaftlichen Bibliothek sich selbst eigentlich
-die beste Empfehlung.
-
-$Biblische Zeitschrift, Freiburg.$ ~III.~ 3. 1905. Diese populär
-gehaltenen, aber sehr instruktiven Bändchen berühren selbstverständlich
-auch die Bibel und werden für die Schöpfungsgeschichte eine Apologie
-der biblischen Auffassung. Der Hauptwert der Schriftchen liegt übrigens
-darin, daß sie sehr geeignet sich erweisen, Naturerkenntnis nach den
-neuesten Ergebnissen für einen gläubigen Sinn zu vermitteln.
-
-$Theolog.-praktische Quartalschrift, Linz.$ Heft 3. 1905. Das
-Unternehmen ist ohne Zweifel auf das wärmste zu begrüßen. Es ist
-hervorgegangen aus dem Bestreben, dem gläubigen Gebildeten zu
-zeigen, daß zwischen Glaube und Wissen bei den hauptsächlich in
-Betracht kommenden Fragen kein Widerspruch vorhanden ist. Wie aus der
-Inhaltsangabe ersichtlich ist, werden in den bereits erschienenen
-Bändchen sehr interessante aber zugleich auch heikle Themata
-besprochen. Ihre Bearbeitung lag in tüchtigen Händen. ~P.~ Martin
-Gander ~O. S. B.~, Professor der Naturgeschichte in Einsiedeln,
-verstand es, die weit verzweigten und oft vom verschiedensten
-Standpunkt aus beantworteten Fragen in knapper und dabei doch
-verhältnismäßig erschöpfender, gut verständlicher und ansprechender
-Form auseinanderzusetzen und war redlich bemüht, sowohl der Offenbarung
-als den neuesten Ergebnissen der naturwissenschaftlichen Forschung
-gerecht zu werden ...
-
-$Wissenschaftliche Beilage zur Germania, Berlin.$ No. 4 1905 ...
-Der Inhalt dieser ersten Bändchen zeigt, daß der Verfasser sowohl
-naturwissenschaftlich als philosophisch wohl orientiert und mit
-dem neuesten Stand der Forschung vertraut ist. Die Polemik ist im
-allgemeinen ruhig und vornehm. Die bisherigen Bändchen können nach
-allem als zuverlässige Führer in den behandelten Fragen aufs wärmste
-empfohlen werden.
-
-$Literarischer Handweiser, Münster.$ No. 3. 1905.
-Wenn die folgenden Bändchen das halten, was man nach den vorliegenden
-drei sich versprechen zu können glaubt, -- und es ist kein Grund,
-daran zu zweifeln, -- so ist das Unternehmen auf das wärmste allen
-Gebildeten zu empfehlen und nicht zuletzt der gebildeten Jugend.
-
-$Neue Zürcher Nachrichten.$ No. 13 vom 24./~VII.~ 04 ... Wer Ganders
-drei erste Bändchen von Benzigers Naturwissenschaftliche Bibliothek
-studiert, ist auf der Höhe des heutigen naturwissenschaftlichen Tages
-und darf kühn mit jedem Darwinisten auf die Mensur gehen. Der Verfasser
-läßt uns tief ins Chaos der Systeme blicken, er entwirrt uns mit
-leichter Hand das ungeheuere Netz der Hypothesen, alles in naturgemäßem
-Gang der Forschung. Dann setzt er selber ein, er mit seiner klugen,
-klaren, sichern Denkweise, mit seiner ungezwungenen Würdigung des Für
-und Wider, mit der Bloßstellung der Schwächen und der Anerkennung der
-Vorzüge im Untersuch, endlich mit dem rechnerisch kalten Kassasturz,
-womit dieses naturwissenschaftliche Theater abschließt ...
-
-$Hochland, München.$ Die bisherigen drei Bändchen von Benzigers
-Naturwissenschaftliche Bibliothek, sämtliche von ~P.~ Martin
-Gander ~O. S. B.~ verfaßt, behandeln das Problem der „Schöpfung
-und Entwicklung.” Die Einzeltitel lauten: „Die Erde; ihre
-Entstehung und ihr Untergang,” -- „Der erste Organismus” -- und
-„Die Abstammungslehre.” -- Grundtatsachen werden jedesmal in
-gemeinverständlicher Sprache mitgeteilt und durch reichen Bilderapparat
-angemessen verdeutlicht. Die wichtigsten Theorien werden erörtert und,
-soweit sie als sachlich begründet erscheinen, ihre Übereinstimmung mit
-der christlichen Weltauffassung dargetan. Besonders glücklich sind,
-namentlich im ersten Bändchen, die Hinweise, wie sich oft ganz moderne
-Theorien den Vorstellungen altchristlicher Denker nähern ... Die
-Bändchen verdienen weiteste Verbreitung.
-
-$Korrespondenz- und Offertenblatt für die ges. kathol. Geistlichkeit
-Deutschlands, Regensburg.$ No. 6. 1905. Was die erschienenen Bändchen
-vor allem auszeichnet, ist der durchaus wissenschaftliche Ernst, der
-alles durchzieht. Trotzdem ist die Darstellung nicht allzuschwer
-geraten, so daß die reifere Jugend, besonders unsere Gymnasiasten,
-die Bändchen schon mit Erfolg benützen. In den Versuchen, die
-wissenschaftlichen Ergebnisse mit den Andeutungen der Bibel zusammen
-zu stellen, zeigt der Verfasser eine sehr glückliche Hand; er will
-nicht mehr beweisen, als bewiesen werden kann und bewahrt sich so das
-Vertrauen auch kritischer Leser ...
-
-☛ $Ähnlich lautende Urteile finden sich in zahlreichen angesehenen
-Zeitschriften und Zeitungen des In- und Auslandes.$ ☚
-
-
-Durch alle Buchhandlungen zu beziehen.
-
-
-~FIDES ET SCIENTIA.~
-
-Benzigers Naturwissenschaftliche Bibliothek.
-
-Erschienen sind bis jetzt:
-
- $No 1. Die Erde. Ihre Entstehung und ihr Untergang.$ Von ~P.~
- _Martin Gander_, ~O. S. B.~, Professor der Naturgeschichte. Mit 28
- Textillustrationen und einer Spektraltafel. 160 Seiten.
-
- $No. 2. Der erste Organismus.$ Von ~P.~ _Martin Gander_, ~O. S. B.~,
- Professor der Naturgeschichte. Mit 28 Textillustrationen. 160 Seiten.
-
- $No. 3. Die Abstammungslehre.$ Von ~P.~ _Martin Gander_, ~O. S. B.~,
- Professor der Naturgeschichte. Mit 28 Textillustrationen. 182 Seiten.
-
- $No. 4. Die Bakterien.$ Von ~P.~ _Martin Gander_, ~O. S. B.~,
- Professor der Naturgeschichte. Mit 23 Textillustrationen. 160 Seiten.
-
- $No. 5 und 6. Die Pflanze in ihrem äußeren Bau.$ Von ~P.~ M.
- _Gander_, ~O. S. B.~, Professor der Naturgeschichte. Doppelbändchen.
- Mit 117 Illustrationen. 336 Seiten.
-
- $No. 7. Die Uhren. Ein Abriß der Geschichte d. Zeitmessung.$ Von
- ~P.~ _Fintan Kindler_, ~O. S. B.~, Professor der Physik. Mit 65
- Textillustrationen. 192 Seiten.
-
-☛ Demnächst wird erscheinen:
-
- $No. 8. Naturwissenschaft und Glaube. Angriffe u. Abwehr.$ Von ~P.~
- M. _Gander_, ~O. S. B.~, Professor der Naturgeschichte. ca. 180
- Seiten.
-
-
-Vom gleichen und andern Verfassern sind in Vorbereitung und liegen
-teils druckbereit vor:
-
- Naturwissenschaft und Glaube.
- Darwin und seine Schule.
- Wunder der Kleintierwelt.
- Die Vulkane und Erdbeben.
- Die fünf Sinne des Menschen.
- Das Gehirn und seine Tätigkeit.
- Der Kalender.
- Wind und Wetter.
- Die Pflanze in ihrem inneren Bau.
- Die Energie.
- Die Ameisen.
-
-
-Preis des Bändchens in Leinwand gebunden Mk. 1.50.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-+------------------------------------------------------------------+
-| Anmerkungen zur Transkription |
-| |
-| Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen |
-| gebräuchlich waren, wie: |
-| |
-| Aehnlich -- Ähnlich |
-| all -- allʼ |
-| anderen -- andern |
-| Ausdehnungskoeffizienten -- Ausdehnungskoëffizienten |
-| benützte -- benutzte |
-| besserem -- besserm |
-| Kaspar Bruner -- Kaspar Brunner |
-| danach -- darnach |
-| Domes -- Doms |
-| Email-Malerei -- Emailmalerei |
-| Galileische -- Galileiʼsche |
-| Galileis -- Galileiʼs |
-| größeren -- größern |
-| Jahreszahl -- Jahrzahl |
-| Ktesibios -- Ktesibius |
-| Ludwigʼs -- Ludwigs |
-| Hans Luther -- Hans Luter |
-| Martène -- Martene |
-| mittels -- mittelst |
-| oberen -- obern |
-| Rieflerʼsche -- Rieflersche |
-| selbständig -- selbstständig |
-| Speckhartʼs -- Speckharts |
-| Sternenhimmel -- Sternhimmel |
-| Tageszeiten -- Tagzeiten |
-| Uhren-Industrie -- Uhrenindustrie |
-| Heinrich von Vic -- Heinrich von Vick |
-| Waagehemmung -- Wagehemmung -- Waghemmung |
-| weiteren -- weitern |
-| |
-| Folgende Änderungen wurden vorgenommen: |
-| |
-| S. VII "Christian Huygens" in "Christiaan Huygens" geändert. |
-| S. VIII "Seite" entfernt und "Fig." durch " ersetzt. |
-| S. VIII "Chronometer-Hemmung" in "Chronometerhemmung" geändert. |
-| S. VIII "Manhardtʼsche" in "Mannhardtʼsche" geändert. |
-| S. 13 "Clepshydres" in "Clepsydres" geändert. |
-| S. 15 "Winkelmann" in "Winckelmann" geändert (Fußnote 18). |
-| S. 17 "Jost Ammann" in "Jost Amman" geändert. |
-| S. 24 "Gerbert oder Sylvester II. und seine Zeit" in "Gerbert |
-| oder Papst Sylvester II. und sein Jahrhundert" geändert |
-| (Fußnote 26). |
-| S. 25 "dnrch" in "durch" geändert. |
-| S. 47 "Zitglockenrichter" in "Zitgloggenrichter" geändert. |
-| S. 47 „ entfernt. |
-| S. 52 "Plantinen" in "Platinen" geändert. |
-| S. 54 "alemanischer" in "alemannischer" geändert. |
-| S. 55 "Isaac" in "Isaak" geändert. |
-| S. 60 , eingefügt (Fußnote). |
-| S. 65 "Mästlins" in "Mästleins" geändert. |
-| S. 66 "Joost" in "Jost" geändert. |
-| S. 66 "Rottmann" in "Rothmann" geändert. |
-| S. 66 "Helsinborg" in "Helsingborg" geändert (Fußnote 46). |
-| S. 67 "Also" in "also" geändert. |
-| S. 67 , entfernt. |
-| S. 75 "Saunier-Speckhardt" in "Saunier-Speckhart" geändert |
-| (Fußnote 51). |
-| S. 81 "Uhrmacherzeitnng" in "Uhrmacherzeitung" geändert |
-| (Fußnote 55). |
-| S. 82 ) eingefügt. |
-| S. 87 . entfernt. |
-| S. 88 "Huygenschen" in "Huygensschen" geändert. |
-| S. 93 "Vinzenzio" in "Vincenzio" geändert. |
-| S. 94 "allʼimperniatura" in "allʼimpernatura" geändert |
-| (Fußnote 69). |
-| S. 97 "Christian" in "Christiaan" geändert. |
-| S. 98 "nusqam" in "nusquam" geändert (Fußnote 71). |
-| S. 98 "SMAISMRMILMEPOETALEVMIBVNENVSTTAVRAS" in |
-| "SMAISMRMILMEPOETALEVMIBVNENVGTTAVIRAS" geändert |
-| (Fußnote 71). |
-| S. 98 "o" eingefügt (Fußnote 71). |
-| S. 101 "Bouillau" in "Boulliau" geändert. |
-| S. 101 "Mästlins" in "Mästleins" geändert. |
-| S. 129 ” eingefügt. |
-| S. 132 "Fig. 42" in "Fig. 45" geändert. |
-| S. 132 "Bréguet" in "Breguet" geändert. |
-| S. 132 "Fig. 42" (2. Erwähnung) in "Fig. 46" geändert. |
-| S. 133 "Bréguet" in "Breguet" geändert. |
-| S. 145 "La Chauxdefonds" in "La Chaux-de-Fonds" geändert. |
-| S. 151 , vor "ebenso" eingefügt. |
-| S. 153 , hinter "Kriegsschiff" eingefügt. |
-| S. 154 "Bréguet" in "Breguet" geändert. |
-| S. 154 "par des" in "par les" geändert. |
-| S. 157 "von" in "vom" geändert. |
-| S. 162 "ihm" in "ihn" geändert. |
-| S. 185 "Prescolt" in "Prescot" geändert. |
-| S. 185 "au" in "an" geändert. |
-| S. 190 Wiederholtes "Durch alle Buchhandlungen zu beziehen." |
-| entfernt. |
-+------------------------------------------------------------------+
-
-
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Die Uhren, by Fintan Kindler
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE UHREN ***
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-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
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-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
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-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
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-business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
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