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-Project Gutenberg's Setma, das türkische Mädchen, by Christian Gottlob Barth
-
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-Title: Setma, das türkische Mädchen
- Eine Erzählung für Christenkinder
-
-Author: Christian Gottlob Barth
-
-Release Date: October 11, 2015 [EBook #50182]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
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-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SETMA, DAS TÜRKISCHE MÄDCHEN ***
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-
-Produced by Heiko Evermann, Jens Sadowski, and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This
-book was produced from scanned images of public domain
-material from the Google Books project.
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- Setma,
- das türkische Mädchen.
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- Eine Erzählung für Christenkinder.
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- Vom Verfasser des >armen Heinrich<.
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- Fünfte Auflage.
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- Stuttgart, 1869.
- Druck und Verlag von J. F. Steinkopf.
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- Liebe Kinder!
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-Ich soll euch wieder etwas erzählen, haben einige Leute gesagt, und zwar
-haben sie gesagt, ich soll auch einmal eine Geschichte von einem Mädchen
-erzählen, nicht immer nur von Knaben. Nun weiß ich eine schöne
-Geschichte, und die auch wahr ist, aber von einem _türkischen_ Mädchen.
-In den letzten Jahren habt ihr wohl immer viel von den Türken gehört,
-was das für wilde grausame Leute sind; aber vor diesem Mädchen dürft ihr
-euch deßwegen nicht fürchten, die ist gar sanft und gutmüthig, und hat
-viel mehr Angst vor den Christen ausgestanden, als ihr je vor den
-Türken. Ich denke also, ich will euch diese Geschichte erzählen, und
-wenn sie euch nicht gefallen sollte, so ist mir's leid, und ich will's
-ein ander Mal besser machen, wenn ich noch lebe. Manches von euch liest
-wohl heuer zum letzten Mal ein Weihnachtbüchlein, und ist über's Jahr
-nicht mehr da. Was meinet ihr, liebe Kinder! wie viele von denen, die
-den »armen Heinrich« vor drei Jahren gelesen haben, seitdem in die
-andere Welt hinübergegangen sind? Wenn ich's wüßte, wollte ich es euch
-sagen, und ihr würdet erstaunen. Wie bald kann's auch uns treffen!
-Bedenket dieß!
-
-Nun so lebet denn wohl, ihr Lebenden! und sterbet wohl, ihr Sterbenden!
-Es kommt ein Tag, da wir uns wiedersehen.
-
- Der Verfasser.
-
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-
- Erstes Kapitel.
- Setma und Guly in Belgrad.
-
-
-Wo die Save in die Donau fließt, an der Grenze des türkischen Reiches
-gegen Oestreich, liegt die große Handelsstadt und Festung _Belgrad_,
-sonst auch _Griechisch-Weißenburg_ genannt. Sie hat 30,000 Einwohner,
-und hundert türkische Moscheen oder Bethäuser stehen innerhalb ihrer
-Mauern. Die Einwohner sind größtentheils Servier, doch wohnen auch viele
-Türken darin, da die Stadt unter türkischer Botmäßigkeit steht, obgleich
-sie schon mehrere Mal von den Christen erobert worden ist. In dieser
-Stadt wurde im Jahr Christi 1671 das Mädchen geboren, dessen Geschichte
-euch in diesem Büchlein erzählt werden soll. Sie erhielt den Namen
-_Setma_. Fast hätt' ich gesagt: bei der Taufe; und doch wurde sie nicht
-getauft: denn ihre Eltern bekannten sich zur muhamedanischen Religion.
-Ihr Vater war ein türkischer Kaufmann, Namens _Osman_, der ein
-beträchtliches Vermögen besaß, und sein Geschäft mit Schiffen auf der
-Donau trieb. Er hatte das Amt eines Baschi oder türkischen
-Ober-Commissärs, und stand überdieß noch deßwegen in großem Ansehen,
-weil er ein Hadschi war, d. h. weil er eine Wallfahrt nach Jerusalem und
-nach Mekka, dem Geburtsort Muhameds, gemacht hatte. Er wurde daher
-gewöhnlich _Hadsch'-Osman_ genannt.
-
-Nun soll euch Setma selber weiter erzählen:
-
-In stiller Zurückgezogenheit bin ich aufgewachsen, und nicht viel unter
-die Leute gekommen: denn mein Vater war ein sehr ernsthafter und
-strenger Mann, und meine Mutter starb, da ich kaum drei Jahre alt war.
-Ich wurde hierauf der Aufsicht einer verständigen Sklavin übergeben,
-welche schon bei Jahren war und unsere Haushaltung besorgte. Im Lesen
-und Schreiben wurde ich nicht unterrichtet; das Einzige, was man mich
-lehrte, waren einige Gebete und Sprüche, wie sie bei den Muhamedanern
-gebräuchlich sind. Doch lernte ich auch einige weibliche Arbeiten. Mein
-Vater hatte einen deutschen Sklaven aus Böhmen; von dem lernte ich zum
-Zeitvertreib etwas deutsch. Ach wer hätte es damals glauben sollen, daß
-ich das einst so gut würde brauchen können! Aber die Wege Gottes mit
-Seinen Menschenkindern sind wunderbar, und oft bereitet Er sie lange
-vorher auf etwas vor, das sie später erfahren sollen. Ehe der Weber sein
-Gewebe anfängt, sind schon die rothen und blauen Fäden zugerüstet,
-welche hineingewoben werden sollen; aber Niemand als er allein weiß
-zuvor, wo sie hineinkommen, und was für ein Bild daraus werden wird.
-
-Ich hatte eine Gespielin von meinem Alter, Namens _Guly_, welche täglich
-zu mir kam, und mit welcher ich nach und nach zur innigsten Freundschaft
-verbunden wurde. Wir unterhielten uns, wenn wir zusammenkamen, mit
-Kinderspielen: denn von Gott und göttlichen Dingen wußten wir nichts zu
-reden, weil wir zu wenig davon verstanden. O wie glücklich sind doch
-Christenkinder, die von Kindheit auf mit dem Heiland und mit so vielen
-schönen Geschichten, welche in der Bibel stehen, bekannt gemacht werden!
-Die können ihre Zeit viel besser zubringen. Wenn sie es nur auch immer
-thäten! Wie froh wären wir gewesen, wenn wir die schönen Erzählungen von
-Joseph, Mose, Samuel, David, Jesus selbst und den Aposteln gewußt
-hätten, und hätten sie einander erzählen können! Da hätte uns die Zeit
-nie lang werden können. Das Liebste war uns, wenn der Vater, der oft in
-Geschäften verreisen mußte, nicht zu Hause war, und die Aufseherin Zeit
-hatte, sich mit uns abzugeben und uns allerlei Geschichten, Mährchen und
-Fabeln zu erzählen. Das war freilich nichts Christliches; aber doch war
-zuweilen etwas Gutes und Lehrreiches darunter. Ich erinnere mich noch
-einer Fabel, die sie uns oft erzählen mußte, weil wir immer große Freude
-daran hatten. Es war
-
-
- die Fabel vom Frosch und von der Haselmaus:
-
-»Vor vielen, vielen Jahren lebte eine Haselmaus mit sehr weichen Füßchen
-und hellen Aeuglein in einer kleinen Höhle nahe an dem Fuß eines
-Felsens. Die kleinen Kinder, welche von einigen benachbarten Hütten
-herbeikamen, um auf einem Moosplatz unter diesem Felsen zu spielen,
-konnten die Höhle nicht sehen, weil ein Zweig von Epheu darüber
-hergewachsen war; und da der Epheu das ganze Jahr grün blieb, so
-gewährte er der Haselmaus ein beständiges Obdach. Nicht weit von der
-Höhle der Haselmaus, in einem sumpfigen Platz unter dem Felsen lebte
-eine Familie von Fröschen, welche sich in den dunkeln Stunden der Nacht
-durch ihr Gequake der Nachbarschaft kund gaben, so daß Jeder, der
-vorbeigieng, sie leicht ausfindig machen konnte, wenn er sich die Mühe
-nehmen wollte. Nun geschah es in einer hellen Mondnacht, daß eine Anzahl
-roher Knaben, welche vom Felde in ihre Hütten zurückgiengen, zufällig
-das Quaken dieser Frösche hörte, worauf sie dem Schalle nachgiengen bis
-zu ihrem Aufenthaltsort, und anfiengen, sie mit Steinen zu werfen.
-Dadurch wurden die kleinen Thiere bewogen, sich zu flüchten, so gut sie
-konnten, und einer von ihnen nahm seine Zuflucht zu der Wohnung der
-Haselmaus, wo er sich hinter die grüne Thüre von Epheu setzte, und um
-Erlaubniß bat, unter diesem Obdach zu bleiben, bis die Gefahr vorüber
-wäre. Die Haselmaus, als sie von den Umständen unterrichtet war, hieß
-den Frosch sehr freundlich willkommen, und sagte zu ihm, obgleich ihre
-Höhle sehr klein sei, so stehe ihm doch die Hälfte derselben zu Dienst.
-Der Frosch war sehr dankbar für dieses gütige Anerbieten, schob sich in
-die Höhle hinein, kauerte sich auf eine Seite so eng zusammen, als er
-konnte, und wartete ganz ruhig, bis der Lärm der Knaben aufhören würde.
-Es wurde sonst kein Laut in den Wäldern gehört, als das Zirpen einiger
-Grillen, die sich in der Nähe aufhielten, und das Plätschern einer
-kühlen Quelle, welche über den Felsen herabrann.
-
-Als seine Furcht nachgelassen hatte, fieng der Frosch an, nach seiner
-Gewohnheit sich zu blähen und aufzublasen, und ließ seiner üblen Laune
-freien Lauf. »In der That, Nachbarin Haselmaus« -- sagte er -- »du hast
-da eine sehr bequeme Wohnung, ob sie gleich für unser zwei kaum geräumig
-genug ist, und dennoch könnte ich sehr froh sein, den Rest meines Lebens
-hier zuzubringen.«
-
-»Ja« -- erwiederte die Haselmaus -- »die Wohnung ist allerdings sehr
-bequem, und ist schon lange ein Eigenthum unserer Familie.«
-
-»Wirklich« -- fuhr der Frosch fort -- »ich wünschte nur, daß sie ein
-bischen größer wäre: denn ich fürchte, du wirst schon finden, daß du in
-deinem Winkel kaum Platz genug hast.« -- Damit fieng er an, seine
-faltige Haut so aufzublasen, daß die kleine Haselmaus ganz an die Wand
-gedrückt wurde, und da sie merkte, daß es vergeblich sein würde, sich
-mit einem so gehässigen Thiere in einen Streit einzulassen, flüchtete
-sie sich aus der Höhle, lief einen großen Theil der Nacht hindurch, und
-kam vor der Morgendämmerung wohlbehalten am andern Ende des Waldes bei
-einer bequemen Wohnung an, welche ihrem Bruder gehörte. Unterdessen
-blieb der Frosch in der Höhle, und da er in einem Winkel derselben einen
-Vorrath von Lebensmitteln fand, welche die Haselmaus für den Winter
-aufgespeichert hatte, ließ er sich diese Leckerbissen so gut schmecken,
-bis er so breit und dick wurde, daß er nicht mehr durch die Oeffnung der
-Höhle hindurch konnte. Nach und nach verschlossen Erdstückchen und
-Steinchen, die vom Felsen herabfielen, den Eingang vollends, und da das
-Wasser, welches über die Felsen rieselte, eine versteinernde Eigenschaft
-hatte, so wurde der Frosch in seiner Höhle eingeschlossen, wie in einem
-Grab, und ohne Luft schöpfen zu können, mußte er darin bleiben bis vor
-ungefähr dreißig Jahren. Da wurde von einigen Steinbrechern der Fels,
-der aus Kalkstein bestand, gebrochen; sein Grab ward geöffnet; er
-athmete noch ein paar Mal, und starb.«
-
-Damals verstand ich den Sinn dieser Fabel nicht, und ergötzte mich nur
-an der Erzählung selber; später aber fiel sie mir oft ein, wenn ich sah,
-wie übel es einem Menschen gehen kann, der einen Andern gewaltthätig aus
-seinem Eigenthume vertreibt, und sich zum Besitzer davon macht,
-besonders aber, wenn ich darauf Acht hatte, welch' trauriges Ende der
-Undank nimmt. O du armer Mann! dachte ich da, du hast auch nichts vom
-Unglück des Frosches gehört!
-
-So lebte ich nun unter glücklichen Umständen in leichtem Kindersinne
-dahin bis in's eilfte Jahr; da hatte ich die erste schmerzhafte
-Erfahrung zu machen. Mein Vater wurde gefährlich krank, und man sagte
-mir bald, daß an seine Genesung nicht mehr zu denken sei. Ich war
-untröstlich, denn ob er gleich ein strenger Mann gewesen, so hatte ich
-ihn doch herzlich lieb, und konnte mich nicht in die Trennung von ihm
-schicken. Ich kniete oft an seinem Krankenlager und weinte. Er war ganz
-ruhig und in sein Schicksal ergeben. »Jedem Menschen,« sagte er, »ist
-seine Stunde bestimmt, und er kann ihr nicht entrinnen. Die meinige ist
-nun gekommen, und ich fürchte sie nicht. Ich hoffe, in das Paradies
-einzugehen. Allah akbar! (d. h. Gott ist groß!)« Mein Vater verließ sich
-darauf, daß er in Mekka gewesen, und glaubte deßwegen, die Seligkeit
-könne ihm nicht fehlen. Als ich nachher zur Erkenntniß der christlichen
-Wahrheit kam, war ich oft wegen seines Schicksals in der Ewigkeit sehr
-bekümmert, bis mich Gott nach Seiner großen Barmherzigkeit auch darüber
-innerlich beruhigte. Am siebenten Tage nach dem Anfang seiner Krankheit
-starb mein Vater. Nach der Beerdigung übernahm mein Bruder das
-Handlungsgeschäft und die Haushaltung. Sonst blieb Alles beim Alten.
-Guly besuchte mich alle Tage, und wir brachten die meiste Zeit bei
-einander zu. Zwar gab's ein Jahr darauf einen schweren Krieg. Eine
-türkische Armee zog bis nach Wien, und belagerte diese Stadt neun Wochen
-lang, wurde aber geschlagen, und mußte in Eilmärschen sich bis nach
-Belgrad zurückziehen. Da kamen auch viele Tausende gefangener
-Christensklaven durch die Stadt, welche durch ihr jammervolles Aussehen
-manches türkische Herz zum Mitleiden bewegten. Aber Alles das gieng
-vorüber, und war für Kinder meines Alters mehr ein unterhaltendes
-Schauspiel als ein Gegenstand ernsthafter Ueberlegung. Sonst gieng ein
-Tag dahin wie der andere, mit wenig Abwechslung in unserem kleinen
-häuslichen Kreise. Was ich wünschte, bekam ich im Ueberfluß; Plage hatte
-ich keine als manchmal Langeweile; zu fürchten hatte ich auch nichts als
-die Trennung von meiner Guly, welche ich wie eine Schwester liebte. Dieß
-ist Alles, was ich von meiner Jugendzeit bis in's siebenzehnte Jahr
-meines Alters zu erzählen weiß. Als ich dasselbe angetreten hatte,
-gefiel es meinem Bruder, dem ich wie einem Vater gehorchen mußte, mich
-mit einem seiner Freunde, einem türkischen Kriegs-Commmissär und
-Zahlmeister bei den Janitscharen, zu verloben. Ich kannte ihn nicht, war
-auch nicht darum befragt worden, und das Widerstreben hätte nichts
-geholfen: ich mußte mich also darein ergeben. Was mir diese Veränderung
-am meisten erschwerte, war die Besorgniß, in Zukunft die Gesellschaft
-meiner lieben Guly entbehren zu müssen, an die ich mich so sehr gewöhnt
-hatte. Aber wie ganz anders gieng's! Mein Bruder hatte beschlossen, ehe
-die Heirath wirklich vollzogen würde, noch eine große Geschäftsreise
-nach Tiflis und Ispahan zu machen, und trat diese Reise im Juni des
-Jahres 1688 wirklich an. Ich nahm Abschied von ihm, ohne daran zu
-denken, daß wir uns zum letzten Mal gesehen hätten. Aber bald hieß es,
-Belgrad solle belagert werden, und schon im Anfang des August rückten
-die Deutschen, unter der Anführung des tapfern Kurfürsten von Bayern,
-Maximilian Emanuel, gegen die Stadt an. Im Anfang hatten die Türken gar
-wenig Furcht, und hielten es fast für unmöglich, daß die Stadt
-eingenommen werden könnte; deßwegen wurde auch Niemanden gestattet, aus
-der Stadt zu flüchten. Aber am 10. August merkte man aus den Anstalten,
-welche die Deutschen trafen, daß es ihnen mit der Belagerung Ernst sei,
-und nun bekamen die Einwohner der Stadt Erlaubniß, auf ihre Rettung
-bedacht zu sein. Viele Personen brachten nun ihr bestes Eigenthum auf
-die Schiffe, und fuhren damit die Donau hinunter. Aus allen Straßen
-drängten sich Leute herzu, welche ihr Leben vor dem Christenschwert, und
-ihre Habe vor den räuberischen Christenhänden in Sicherheit bringen
-wollten. Aber noch war nicht die Hälfte der Fliehenden eingeschifft, als
-sich ein ungemein heftiger Sturmwind erhob, der die übrigen vom Strome
-hinweg in ihre Häuser trieb, um auf den morgenden Tag zu warten, denn
-während des Sturmes war es nicht möglich, die Schiffe zu laden und
-fortzubringen. Unter diesen Flüchtlingen, die wieder in die Stadt
-zurückkehren mußten, war auch ich. Mit zwei Sklavinnen und einem
-Bedienten hatte ich mein väterliches Haus verlassen, und nichts mit mir
-genommen, als eine kleine Kasse voll Goldstücke und mein
-Juwelenkästchen. Aber ich war zu spät an den Haven gekommen, um noch mit
-den ersten Schiffen abfahren zu können, und als ich schon mit einem
-andern Schiffer für mich und meine Leute akkordirt hatte, was mein
-Bedienter besorgte, da kam jener Sturm, und trieb uns in die Stadt
-zurück. Es war eine angstvolle Nacht, und kein Schlaf kam in meine
-Augen. Der Sturm wehte heftig fort, und wenn er morgen nicht aufhörte,
-so war zu befürchten, daß uns der einzig noch offene Weg zu entkommen,
-auch vollends verschlossen werde. Endlich nach Mitternacht wurde es
-ruhig, der Sturm hatte aufgehört, und ich faßte wieder neuen Muth und
-neue Hoffnung. Die Augenblicke wurden mir zu Stunden, bis der Tag
-anbrach, und ich das Haus verlassen konnte, um zum Haven in das rettende
-Schiff zu eilen. Zuerst gieng ich nach dem Hause meiner Freundin _Guly_,
-deren Familie sich, wie ich erst spät in der Nacht hörte, endlich auch
-noch entschlossen hatte, zu fliehen. Aber schon dort hörte ich, was den
-muthigsten Flüchtling in Angst und Schrecken setzen mußte, daß nämlich
-die Stadt umher von den Deutschen völlig berennt und eingeschlossen sei;
-kein Ausweg zur Flucht sei mehr offen, und ein Jedes müsse sich nun auf
-das Schicksal gefaßt machen, das auf die Einwohner einer belagerten und
-eroberten Stadt warte. Unglückselige Botschaft! Da stand ich, von allen
-meinen Hoffnungen herabgeworfen zu der traurigen Nothwendigkeit, in die
-Hände christlicher Sieger zu fallen, die an den Türken so viel erlittene
-Mißhandlung und Grausamkeit zu rächen hatten. Ich fiel meiner Freundin
-um den Hals und weinte, und sie weinte mit. O die armen kurzsichtigen
-Menschen, die sich so viele vergebliche Sorgen machen! O die noch
-ärmeren, die keinen lebendigen Gott kennen, auf den sie ihr Vertrauen
-setzen dürften, und daher in Verzweiflung gerathen, sobald es dunkel
-wird um sie her! So war ich damals. Die erbarmende Liebe Gottes, welche
-etwas Besseres für mich ausersehen hatte, machte mir das Entrinnen
-unmöglich, und ich war darüber höchst unzufrieden und schmerzlich
-betrübt. Er wollte mir zur wahren Freiheit helfen, und mir graute nur
-vor Ketten und Banden des Leibes. O Er hielt mich damals schon fest mit
-Seilen der Liebe. Lobe den Herrn, meine Seele!
-
-
-
-
- Zweites Kapitel.
- Der Besuch in Wien.
-
-
-So nahm denn am 11. August die eigentliche Belagerung der Stadt ihren
-Anfang, und weil ich in der Vorstadt an der Oberstadt wohnte, so mußte
-ich meine Wohnung gleich den Feinden überlassen, und mich auf die andere
-Seite in die Wasserstadt flüchten, wo ich in dem Hause meiner Freundin
-_Guly_ freundliche Aufnahme fand. Das war eine Zeit großer Angst und
-Furcht, in welcher eine Schreckensbotschaft die andere ablöste, die Tage
-ohne Ruhe und die Nächte ohne Schlaf dahingiengen, und jeder Lebende nur
-Einen Nachbar hatte, nämlich den Tod. O hätte ich damals recht beten
-können, wie viel leichter wäre mir das Alles zu tragen gewesen! In den
-sechs und zwanzig Tagen der Belagerung wuchs die Noth und Beängstigung
-von Tag zu Tage mehr. Alle Nachrichten von den täglichen Fortschritten
-der Feinde überzeugten uns, daß nichts Anderes als die Einnahme der
-Stadt zu erwarten sei. Endlich am 6. September wurde, ungeachtet der
-verzweifelten Gegenwehr von türkischer Seite, durch die unglaubliche
-Tapferkeit der Christen die Stadt und Festung mit stürmender Hand
-erobert, und in der ersten Hitze Alles niedergemacht. Da die
-Wasserstadt, wo wir wohnten, am weitesten von dem Anlauf entfernt war,
-so mußten wir auch länger in der Todesangst schweben. Immer näher wälzte
-sich das brüllende Geschrei der Sieger und das jammernde Wehklagen der
-Mißhandelten und Sterbenden; ich hatte mich darauf gefaßt gemacht zu
-sterben, und es war noch mein einziger Wunsch, nur nicht den Barbaren
-als Sklavin in die Hände zu fallen. Aber was ich auf's Aeußerste
-fürchtete, gerade das widerfuhr mir. Ein vornehmer Offizier nahm mich
-gefangen, ergriff mich bei der Hand, und riß mich in größter Eile mit
-sich fort. So gieng's denn durch das Gedränge von Menschen und Pferden,
-über Todte und Verwundete hinüber, durch Bäche von Blut, unter
-herzzerreißendem Geschrei von allen Seiten, der Sklaverei zu, vor der
-mir's tausendmal mehr schauderte, als vor dem Tode. Welche Bestürzung,
-welches Entsetzen mich damals ergriffen hatte, kann man sich denken.
-Etlichemal suchte ich, wenn wir in's Gedränge kamen, mich loszureißen,
-und wollte lieber von den Pferden zertreten werden, als eine Gefangene
-der Christen sein. Aber ich wurde fest bei der Hand gehalten, und mußte
-folgen, wohin ich nicht wollte, bis ich, von fremdem Blut fast ganz
-überzogen, endlich mit großer Mühe in's feindliche Lager gebracht war.
-
-So mußte ich denn Sklavin sein unter einem Volke, das ich aufs Aeußerste
-verabscheute, nicht blos, weil mir von Kindheit an ein Haß gegen die
-christliche Religion eingepflanzt war, sondern auch, weil ich sehen,
-hören und erfahren mußte, wie diejenigen, die sich rühmten, Christen zu
-sein, eben so arg und noch ärger als die Türken lebten, und sich mit den
-gräulichsten Lastern befleckten. Das konnte dann freilich bei mir und
-andern Türken keinen andern Eindruck machen, als daß ihre Religion ganz
-falsch, und sie ferne sein müssen von der Furcht des wahren Gottes.
-Nachher erst lernte ich auch Christen von einer besseren Beschaffenheit
-kennen, die mich anders denken lehrten.
-
-Indessen war bei mir keine Wahl; ich mußte folgen, wohin mich der, den
-mir Gott zum Herrn und Gebieter gegeben hatte, haben wollte. Als nun der
-Kurfürst von Baiern nach der Eroberung Belgrads so schnell zurückeilte,
-daß er schon den 4. Oktober in seiner Residenz zu München ankam, so
-mußten ihm auch seine christlichen Truppen schleunigst folgen, und so
-wurde auch ich noch denselben Herbst von meinem Gebieter, dem bairischen
-Obristlieutenant _Burget_, durch Ungarn und Oestreich nach Baiern
-geführt, und in die Stadt Landshut gebracht. Unterwegs machte mein Herr
-einen Besuch bei seinem Bruder in Wien, der östreichischen Hauptstadt,
-welche die Türken _Beks_ nennen. Dieser war ein kaiserlicher Hofrath und
-wohnte in der Annagasse, nicht weit vom Kärnthner Thor. Mein Herr durfte
-nur drei Tage in Wien bleiben, was ihm sehr ärgerlich war, und mir wo
-möglich noch mehr. Denn hier lernte ich zum ersten Mal einen Christen
-kennen, der diesen Namen verdiente. Es war ein alter Legationsrath,
-der im Hause des Hofraths wohnte, und schon mehrfach als
-Gesandtschafts-Sekretär gedient hatte. Er kam jedesmal zum Essen, und
-ich verstand so viel Deutsch, um aus seinen Erzählungen zu merken, daß
-in ihm ein frommes Gemüth sei, das für alle Erfahrungen, die er in
-seinem Leben gemacht, Gott die Ehre gab, und Ihm für Seine Güte dankte.
-Das war mir etwas ganz Neues und Seltsames, und ich war sehr aufmerksam,
-um kein Wort zu verlieren, das dieser gute alte Mann sagte. Einmal bei
-Gelegenheit einer Nachricht, daß an mehreren Orten auf der türkischen
-Grenze die Pest ausgebrochen sei, theilte er seine eigenen Erfahrungen
-mit, die in uns Allen einen tiefen Eindruck von der schrecklichen Gewalt
-dieser Krankheit zurückließen. Ich will es mit seinen Worten wieder
-erzählen:
-
-»Als ich,« sagte er, »vor drei und zwanzig Jahren Gesandschafts-Sekretär
-in London war, brach dort die große Pest aus, die vielen tausend
-Menschen das Leben kostete. Diese Krankheit machte nicht viele Umstände:
-in der kürzesten Zeit raffte sie die vorher gesundesten Menschen hinweg.
-Manchmal fiel ein Mann oder eine Frau mitten auf dem Marktplatz todt
-darnieder: denn viele Leute, welche die Pest hatten, wußten nichts
-davon, bis ihre Lebensgeister angegriffen wurden und sie in wenig
-Augenblicken starben. Häufig fielen Leute auf diese Weise auf den
-Straßen ohne irgend ein Vorzeichen plötzlich um, und waren auf der
-Stelle todt. Andere hatten etwa noch Zeit, bis zur nächsten Bude oder
-Thorhalle zu gehen, und setzten sich nieder und starben. Diese Vorfälle
-waren auf den Straßen so häufig, daß man kaum Jemand wandeln sah, wohl
-aber hie und da einen Leichnam auf dem Boden liegen. Im Anfang standen
-die Vorübergehenden still, wenn sie so einen Todten antrafen, und riefen
-den Nachbarsleuten zu, sie sollten herbeikommen; aber nachher, als die
-Fälle so häufig wurden, und die Angst eines Jeden für sein eigenes Leben
-immer größer, nahm man gar keine Notiz mehr davon. Fand Jemand unterwegs
-einen Leichnam liegen, so gieng er quer über den Weg, um ihm
-auszuweichen; und war es in einer engen Gasse, so kehrte er um und
-machte einen andern Weg. Da blieben denn die Leichname so liegen, bis
-die Polizei Nachricht hatte und sie wegschaffen ließ, oder bis in die
-Nacht, wo sie der Todtenkarren, der durch die ganze Stadt fuhr, auflud.«
-
-»Auf meinen Wanderungen mußte ich manchen traurigen Auftritt mit ansehen
-von Leuten, welche in den Straßen todt niederfielen, oder das furchtbare
-Angstgeschrei der Frauen anhören, welche im Todeskampf noch die Fenster
-öffneten, und auf eine erschreckliche Weise herausschrieen. Eines Tages,
-als ich durch Tokenhouse Yard gieng, wurde plötzlich gerade über mir ein
-Fensterflügel heftig aufgerissen, und eine Frau stieß drei furchtbare
-Schreie aus, und rief: O Tod! Tod! Tod! in einem schreckenerregenden
-Tone, der mir das Blut gerinnen machte. Es war Niemand auf der Straße zu
-sehen, öffnete auch Niemand ein Fenster: denn die Leute hatten alle
-Neugierde verloren. In Whitechapel kannte ich eine Familie von zehn
-Personen: sie waren alle anscheinend wohl am Montag; am Samstag
-Nachmittag waren alle todt, und das Haus stand leer.«
-
-»Ein sonderbarer Vorfall begegnete nur eines Abends, als ich über City
-Road gieng. Es war schon halb Abenddämmerung, und ein dichter Nebel, der
-kaum zehn Schritte weit sehen ließ. Ich hatte mich verspätet, und eilte,
-um noch bei Tage meine Wohnung zu erreichen, ohne Jemand zu berühren.
-Niemand begegnete mir. Niemand zeigte sich auf der Straße. Auf einmal
-sah ich vor mir eine Gestalt, die sich bewegte, und blieb stehen. Bei
-genauerer Betrachtung fand ich, daß es ein Mensch war, der sich bemühte,
-einen andern zu Boden gefallenen, und also wahrscheinlich todten
-Menschen aufzurichten. Ich rief ihm zu: »»Freund! bedenket Ihr auch, was
-Ihr thut? Ihr rühret einen Menschen an, der ohne Zweifel an der Pest
-gestorben ist, und müßt doch wissen, daß eine solche Berührung das Leben
-kostet!«« -- Der Mann richtete sich langsam auf, und entgegnete mit
-einer hohlen Stimme: »»Kamerad! für mich darfst du keine Sorge haben;
-ich bin schon einmal an der Pest gestorben, mir thut sie nichts mehr;
-aber den da hat sie scharf gepackt.«« -- Die Stimme klang so tief
-herauf, ihr Inhalt war so sonderbar, Alles umher so still, alle Umstände
-waren so aufregend, und die Gestalt stand im Nebel so feierlich da, daß
-es mir zu verzeihen gewesen wäre, wenn ich wirklich geglaubt hätte,
-einen Geist aus der andern Welt zu hören; aber indem ich überlegte, was
-ich aus der Sache machen sollte, fiel die lange Gestalt mit einem Schrei
-zu Boden, und war auch todt. Nachher hörte ich, daß es ein Wahnsinniger
-gewesen, der durch die Abwesenheit seines Wächters, welcher etwas holen
-wollte, Gelegenheit gefunden hatte, sich los zu machen und auf die
-Straße zu gehen. Da traf er denn seinen Wächter an, den die Pest
-unterwegs ergriffen und getödtet.«
-
-»Zu dieser Zeit lebte auch Lord Craven in London. Sein Haus war in dem
-Theil der Stadt, der seitdem Craven Buildings heißt. Als die Pest
-allgemein wurde, entschloß sich der Lord, auf seinen Landsitz zu ziehen,
-um der Gefahr zu entgehen. Als er durch sein Schloß gieng, den Hut auf,
-seine Handschuhe anziehend, um eben in die Kutsche zu steigen, hörte er
-seinen Kutscher, der ein Neger war, zu einem andern Bedienten sagen:
-»»Ich denke, da mein Herr London verläßt, um der Pest zu entfliehen, so
-muß sein Gott auf dem Lande leben, und nicht in der Stadt.«« -- Der arme
-Schwarze sagte dieß in der Einfalt seines Herzens, weil er wirklich
-glaubte, daß es verschiedene Götter gebe, die an verschiedenen Orten
-Macht haben. Dieses Gespräch machte aber auf Lord Craven einen solchen
-Eindruck, daß er in London blieb, wo er in dieser Zeit der Noth sehr
-thätig und nützlich war, und Gott war so gnädig, sein Leben zu
-erhalten.«
-
-So erzählte der Legationsrath, und setzte hinzu: »Lasset uns Gott
-bitten, daß diese fürchterliche Plage nicht auch zu uns herüberdringe.
-Wir hätten's wohl verdient mit unsern Sünden.«
-
-Wie gerne hätte ich diesem Manne mein Herz geöffnet, wenn die Umstände
-es erlaubt hätten, und unser Aufenthalt in Wien von längerer Dauer
-gewesen wäre. Aber nach drei Tagen mußte ich auch diesen Ruhepunkt
-wieder verlassen, und meine betrübte Reise weiter fortsetzen. O wie
-schmerzlich war das! Vom Vaterlande immer weiter hinweg, ohne Hoffnung,
-wieder in dasselbe zurückzukommen, oder jemals Eines von den Meinigen
-wieder zu sehen; und hinein unter ein Volk, gegen welches ich die größte
-Abneigung hatte, und von dem ich nichts als Verachtung, Mangel und
-harten Dienst zu erwarten hatte. Als wir Wien verließen, hörten wir dort
-schon ein Volkslied auf die Eroberung von Belgrad singen, das also
-anfieng:
-
- Sechszehnhundert acht und achtzig
- Hobn's Belgrad eing'nomme;
- Die Türke, die seyn g'loffe,
- Wie der Maxel is komme &c.
-
-Das war auch wieder eine Erinnerung an mein Unglück, die mich
-schmerzlich verwundete; und so war auch meine Lage in Landshut nicht
-dazu geeignet, mich dasselbe vergessen zu lassen. Mein Herr war zwar ein
-gutmüthiger, rechtschaffener Mann; aber seine Frau, aus Böhmen gebürtig,
-war streng und unbarmherzig, führte einen ungeordneten Lebenswandel, war
-besonders dem Weintrinken ergeben, und plagte und mißhandelte mich oft
-über die Maßen. Wie oft seufzte ich nach Erlösung; aber es schien, als
-ob kein Ohr auf meine Bitten hörte. Nirgends fand ich eine Freundin oder
-Vertraute, vor welcher ich hätte mein Herz ausleeren können, und Guly --
-ach! ich habe ganz vergessen, von ihrem Schicksal etwas zu sagen. Wir
-hatten uns fest an einander geschlossen, um mit einander zu sterben; als
-aber der Obristlieutenant Burget in unser Haus eindrang und mich
-gefangen nahm, kam von der andern Seite ein anderer feindlicher
-Hauptmann, der Guly am Arme ergriff, und trotz ihrem Schreien und
-Sträuben von mir losriß. Ich habe sie nicht wieder gesehen. So gieng
-mir's denn hart und schwer; endlich aber kam doch auch eine Zeit der
-Erquickung.
-
-
-
-
- Drittes Kapitel.
- Der Vogt in Liebenzell.
-
-
-Es war noch in demselbigen Winter, daß der Krieg am Oberrhein ausbrach,
-und der Kurfürst von Baiern war der Erste, der gegen Frankreich in's
-Feld zog. Da mußte denn auch ich mit meinem Obristlieutenant und seiner
-Frau, die ich zu bedienen hatte, noch im Winter des Jahrs 1689 weiter
-nach Schwaben hinein, und namentlich in's Herzogthum Württemberg,
-ziehen. So geschah es, daß ich zum ersten Mal das Land zu sehen bekam,
-in welchem so viel Segen meiner wartete. Unser Weg gieng über Würzburg
-und Heilbronn nach Pforzheim, und von da in das württembergische
-Städtchen Liebenzell. Da mußte ich, während meine Herrschaft weiter zog,
-bleiben, so lange der Feldzug währte, und wurde dem damaligen Vogt oder
-Amtmann daselbst, Namens _Frisch_, in die Kost gegeben. Nun war ich auf
-eine Zeit lang aus meinem Kerker los, und konnte wieder freier athmen.
-Das Städtchen liegt in einem tiefen, engen Thale des Schwarzwaldes an
-dem Nagoldflusse, und lehnt sich an einen Hügel, welchen die Trümmer
-einer alten Ritterburg krönen, malerisch an. Hier ist's das ganze Jahr
-ruhig und geräuschlos; die Straße, welche von Calw und Hirschau durch's
-Thal herunter führt, ist nicht sehr belebt; auf allen Seiten steigen
-hohe, steile Berge, die mit Weißtannen und Eichen bewachsen sind,
-himmelan, und das Städtchen selbst wird nur in den Sommermonaten
-lebendiger, wo die dort befindlichen warmen Bäder stark besucht werden.
-Was mir aber mehr werth war, als dieß, das war die Erfahrung, welche ich
-bald machen durfte, daß ich in eine wahrhaft christliche Familie
-gekommen sei. In Wien hatte ich die vorübergehende Erscheinung eines
-wahren Christen gesehen; hier konnte ich das ruhige, liebliche Bild
-eines ganzen christlichen Hauskreises täglich von allen Seiten
-beobachten. Da erst fieng ich an, eine bessere Meinung von den Christen
-und ihrer Religion zu bekommen. Die Predigten, welche ich von dem
-Stadtpfarrer _Mack_ und dem Helfer _Moseder_ hörte, und die
-Freundlichkeit und Liebe, welche ich von der lieben Familie des Herrn
-Vogts erfuhr, machten zum ersten Mal den Gedanken in mir rege, daß ein
-Christ doch besser sei als ein Türke, und daß ich mich wohl auch noch
-entschließen könnte, eine Christin zu werden. Vor allen Dingen aber
-wollte ich das Wort Gottes selbst kennen lernen: denn ich hatte einmal
-den Spruch in der Kirche gehört: »So ihr bleiben werdet an _meiner_
-Rede, so seid ihr meine rechten Jünger, und werdet die Wahrheit
-erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.« Dieser Spruch hat
-mich sehr gefreut; denn wenn man einem Gefangenen sagt, wie er frei
-werden könne, so lacht ihm das Herz. An die Freiheit, welche Christus
-meint, dachte ich dabei nicht, denn von dieser verstand ich noch nichts.
-Aber ich hatte von da an eine mächtige Begierde in mir, das Neue
-Testament durchzulesen. Zwar hörte ich in der Kirche manchen Abschnitt
-daraus, auch wurde in unserm Hause bei der Morgen-Andacht jeden Tag ein
-Kapitel aus der Bibel vom Herrn Vogt selbst vorgelesen; aber das Alles
-genügte mir nicht, ich wäre gern selbst an der Quelle gewesen, um mit
-vollen Zügen daraus zu trinken. Allein vor dieser Quelle hieng ein
-Schloß. _Ich konnte nicht lesen._ Ich dachte aber, lernen sei keine
-Schande, und bat die zwölfjährige Tochter des Vogts, mich im Lesen zu
-unterrichten. Da ich mit großem Ernst und Eifer an dieses Geschäft
-gieng, so war ich auch in wenig Wochen damit im Reinen, und nun konnte
-ich meinen Durst befriedigen, und war unbeschreiblich froh, dieses
-verschlossene Heiligthum nun vor mir eröffnet zu sehen. Freilich kam ich
-da an Manches, was ich nicht so bald verstand; aber ich hatte Jemand, an
-den ich mich wenden durfte: das war die Schwester des Herrn Vogts, Frau
-Doktor _Commerell_ aus Stuttgart, eine sehr liebreiche und äußerst
-verständige Frau, die während der Sommermonate das Bad in Liebenzell
-gebrauchte und in unserem Hause wohnte. Diese nahm sich meiner wahrhaft
-mütterlich an, und gewann durch ihre Freundlichkeit mein ganzes
-Vertrauen, so daß ich sie über Alles fragen konnte, was mir dunkel war,
-und nie von ihr abgewiesen wurde. Das war mir viel werth.
-
-Eine besondere Freude hatte ich mit den liebenswürdigen Kindern des
-Vogts, die alle einen sehr aufgeweckten und lebhaften Verstand zeigten.
-Wir ergötzten uns oft an ihren kindlichen Einfällen, deren mir immer
-noch einige erinnerlich sind.
-
-Der fünfjährige Theodor war eines Morgens früh wach geworden, als eben
-der Vater sich rüstete, eine Reise nach Wildbad zu machen. Es war ein
-schöner Aprilmorgen; die Sonne war eben aufgegangen und schien hell in's
-Zimmer herein. Theodor fragte: »Warum hat denn heute die Sonne so früh
-ausgeschlafen? Nicht wahr, Vater! sie ist so früh aufgestanden, um dir
-auf dem Wege nach Wildbad zu leuchten?«
-
-Ein ander Mal auf einem Abendspaziergang, als der Mond abwechselnd
-hinter den Wolken war, und der Stern Jupiter in seiner Nähe, sagte
-Theodor: »Sieh', Vater, der Mond will den Stern fangen.«
-
-Als die Großmutter krank war, fragte er sie: »Warum bist du krank?« Sie
-sagte: »Ja, das weiß nur der liebe Gott.« Er fuhr fort: »Darf man Ihn
-denn fragen?« -- »Nein,« antwortete die Großmutter, »man muß mit Allem
-zufrieden sein, was Gott thut.« -- Theodor fragte weiter: »Darf man denn
-den lieben Gott fragen, wenn man zu Ihm in den Himmel kommt, warum Er
-einen hier krank werden läßt?« -- »O!« war die Antwort, »im Himmel bei
-Gott ist man dann so froh, daß man dann noch besser weiß, man solle
-nicht so fragen.«
-
-Einmal fragte er: »Warum blühen die Birnbäume weiß, und die Apfelbäume
-roth? nicht wahr, weil jene weiße Birnen und diese Aepfel mit rothen
-Backen tragen?«
-
-Ein ander Mal sagte er: »Man sollte die Männer _Nauspersonen_ heißen,
-weil so viele auf der Straße vorbeigehen; die Frauen aber
-_Stubenpersonen_, weil sie mehr im Zimmer bleiben.«
-
-Die sanft aussehende, aber manchmal etwas eigensinnige _Lina_ fragte die
-Mutter: »Warum tadelst du mich denn so oft, und fremde Leute loben mich
-doch immer?« -- Man sieht daraus, wie vorsichtig man mit seinen
-Aeußerungen auch über kleine Kinder sein muß, wenn sie dabei sind.
-
-Von den Fliegen sagte Lina, sie seien Müßiggänger und Schmarotzer. Ein
-ander Mal aber, als sie sah, daß die Kindsmagd das Tischtuch in's Feuer
-ausschüttelte, sagte sie zu ihr: »Ei, Regina! weißt du nicht, daß Gott
-für die Sperlinge sorgt, und muß es Ihm nicht mißfallen, wenn du so
-manche Brosamen zu Grunde gehen lässest, welche ein Frühstück für die
-Sperlinge hätten geben können?«
-
-Ihren Großvater, der ziemlich übel hörte, fragte sie: »nicht wahr,
-Großvater, du hörst nicht wohl, weil du so alt bist?« -- »Ja!« -- »Aber
-du bist doch nicht älter als der liebe Gott, und der hört doch Alles!«
-
-Aehnliche Aeußerungen kamen fast täglich vor, und machten uns manche
-fröhliche Stunde.
-
-Der Vogt hatte auch zwei Knaben von neun und zehn Jahren, die bei großer
-Munterkeit sehr viel Gutmüthigkeit zeigten, und wenn die Lebhaftigkeit
-zuweilen in Wildheit ausartete, doch das Gute hatten, daß sie dem
-elterlichen Befehl auf der Stelle gehorchten. Wir hatten an einem
-schönen Nachmittag im Mai einen Spaziergang in das nur eine Stunde
-entlegene Kloster Hirschau gemacht, um von dem frommen Abt Matthäus
-_Aulber_, der seinem Ende nahe war, Abschied zu nehmen. Er wurde
-weggerafft vor dem Unglück, das drei Jahre später dieses große und
-schöne Kloster traf, als die Franzosen es durch Brand zerstörten. Wir
-waren Alle voll von dem Eindruck, welchen das Bild dieses sterbenden,
-ehrwürdigen Dieners Christi in unsern Herzen zurückließ, und als bei
-unserem Weggehen die großen Fenster des hochgelegenen Prälaturgebäudes
-im letzten Strahl der Abendsonne glänzten, so ergriff uns der Gedanke,
-daß auch drinnen ein helles Licht der Kirche im Verlöschen sei, dessen
-letzte Strahlen wir aus den Fenstern seiner Augen hatten schimmern
-sehen. Ernst gestimmt wandelten wir das enge Thal hinunter, dem Fluß
-entlang. Ein paar böse Knaben begegneten uns, die einem armen alten Mann
-nachspotteten, weil sein alter brauner Tuchrock mit weißer Leinwand
-geflickt war. Die beiden Knaben des Vogts waren auch in Versuchung, in
-das Gelächter einzustimmen; aber ein scharfer Blick vom Vater verwies es
-ihnen sogleich, und etwas später fragte er sie: »Kinder! warum ist's
-nicht recht, über jenen armen Mann zu lachen?« -- »Wir haben ja nicht
-über den Mann gelacht, sondern nur über seinen Rock,« antwortete Ernst.
-
-»Ei! was soll das heißen?« fuhr der Vater fort. »Ist der Rock
-lächerlich, so ist auch der Mann lächerlich, daß er den lächerlichen
-Rock anzieht!«
-
-»Aber,« sagte Gottfried, »der Mann kann ja nichts dafür, daß sein Rock
-so geflickt ist; er wird eben kein anderes Tuch gehabt haben.«
-
-Der Vater stand still. »Seht ihr wohl, daß keiner von beiden das
-Auslachen verdient, weder der Mann noch sein Rock! Der arme Mann kann
-nichts dafür, daß sein Rock so geflickt ist, weil er kein anderes Tuch
-hatte, und der Rock ist ohnehin unschuldig. Aber wißt ihr denn auch, was
-hier besser am Ort gewesen wäre, als auslachen?«
-
-Beschämt sagten Beide mit einander: »Mitleiden mit dem armen Manne, daß
-er keinen bessern Rock hat.«
-
-»Nun,« erwiederte der Vater, »merkt euch dieß für ein anderes Mal, und
-nennet mir eine Geschichte aus dem Alten Testament, an die man in
-solchen Fällen denken muß.«
-
-_Gottfried._ O ich weiß schon, du meinst die Geschichte von den bösen
-Knaben aus Bethel, die im zweiten Buch der Könige steht.
-
-_Vater._ Recht, die meine ich, und wenn wir nach Hause kommen, will ich
-sie euch vorlesen.
-
-_Ernst._ O, aber aus dem Bilderbuch!
-
-_Vater._ Gut.
-
-Als wir nach Hause gekommen waren, wurde gleich das Bilderbuch geholt,
-und die Geschichte aufgeschlagen. Der Vater las:
-
- Elias war im Feuerwagen,
- Empor in's Reich des Lichts getragen,
- Und staunend blickt Elisa nach.
- D'rauf greift er nach Eliä Mantel,
- Zertheilt des Jordans tiefen Bach,
- Und schickt sich zum Propheten-Wandel.
- Mit Salz beginnet er sein Amt,
- Die bösen Wasser rein zu machen, --
- Und sehet, wie sein Eifer flammt,
- Als böse Buben ihn verlachen!
- Von Bethel sie gekommen waren,
- Woher der Kälberdienst gestammt,
- Und wild, als wie die rothen Kamt-
- schadalen, rufen ihre Schaaren:
- »Komm her, du Kahlkopf! Komm herauf,
- Kahlkopf!« -- und machen ihn zum Spott.
- Und er die wilde Brut verdammt
- Im Namen des Herrn Zebaoth,
- Und setzt dann weiter seinen Lauf.
- Und eh' ihr euch umgesehen habt,
- Und Elisa auf den Carmel kommt,
- Da ist der Fluch schon eingetroffen:
- Im nahen Eichwald dumpf es brummt,
- Und es kommen zwei Bären einhergetrabt,
- Den schrecklichen Rachen grimmig offen.
- Nun hört man ein Jammern und Zettergeschrei,
- Der Eine flieht da, der Andere dort,
- Aber das Fliehen ist bald vorbei:
- Die Meisten ergreift der blutige Mord,
- Und zweiundvierzig Knaben zerrissen,
- Die Strafe der Bosheit leiden müssen.
- Doch haben die Bären keinen verzehrt;
- Nicht Hunger sie trieb, sondern Gottes Schwert.
- Sie gehen nun langsam wieder heim,
- Und suchen sich Bäume mit Honigseim.
-
-Zuweilen machte der Vogt einen Besuch bei seinem Freunde, dem Pfarrer
-Roth in Möttlingen, einem kleinen Dorfe östlich von Liebenzell. Er war
-damals schon neunzehn Jahre Pfarrer auf diesem Dorfe, und blieb nachher
-noch neunundzwanzig Jahre daselbst. Da der Vogt gewohnt war, bei solchen
-Besuchen immer seine ganze Familie mitzunehmen, zu welcher ich auch
-gezählt wurde, so durfte ich jedesmal auch mitgehen, was mir eine
-besondere Freude machte, da ich den Pfarrer Roth, einen sehr
-unterhaltenden Mann, so gern erzählen hörte. Ich hatte ein rechtes Herz
-zu ihm, und konnte ihm meine Gedanken und Empfindungen ganz offen
-mittheilen. Er verstand mich gleich, und wußte mir immer etwas Passendes
-zu antworten. Einmal z. B. sagte er mir: »Weißt du denn auch, wie die
-Bauernweiber bei uns es machen, ehe sie zu Bette gehen?« -- »Nein,«
-sagte ich. -- »Nun sieh, damit sie nicht am Morgen die Mühe haben, erst
-Feuer anzumachen, kehren sie am Abend die Glut auf dem Heerd zusammen
-und bedecken sie mit Asche, dann haben sie am andern Morgen gleich
-wieder Feuer. Nun mach' du's auch so. Wenn du Abends zu Bette gehst, so
-bitte den Heiland, daß Er die guten Gedanken in deiner Seele
-zusammenkehre, damit du sie am Morgen gleich wieder findest, und dein
-erster Gedanke beim Erwachen Jesus sei.« Diesen Rath habe ich denn auch
-befolgt, und großen Nutzen davon gehabt.
-
-Ein anderes Mal äußerte ich gegen ihn, wie bang es mir sei, wenn ich nun
-bald wieder in den Dienst meiner Herrschaft zurücktreten müsse, wo ich
-nichts als Spott und Verachtung zu erfahren haben würde, wenn ich meinen
-Glauben an Jesum bekennen wollte, und wo es mir schmerzlich ahnd thun
-werde nach dem christlichen Umgang und Unterricht, den ich in meiner
-jetzigen Lage in so reichem Maße genieße. Bei dieser Gelegenheit
-erzählte er mir, zur Ermunterung meiner Standhaftigkeit, die Geschichte
-von dem jungen christlichen Märtyrer
-
-
- Cyrillus.
-
-»In Cäsärea bewies im Jahr 258 nach Christi Geburt ein Kind, Namens
-_Cyrillus_, eine ungemeine Beharrlichkeit. Er rief ununterbrochen den
-Namen Christi an, und Mißhandlungen und Schläge konnten ihn nicht von
-einem offenen Bekenntniß des Christenthums abschrecken. Verschiedene
-Kinder von gleichem Alter verfolgten ihn, und sein eigener Vater trieb
-ihn aus dem Hause, worüber ihm viele Leute wegen seines Eifers für das
-Heidenthum Lob ertheilten. Der Richter ließ den Knaben vor sich kommen
-und sagte zu ihm: »»Mein Kind! ich will dir deine Fehler verzeihen, und
-dein Vater soll dich wieder aufnehmen. Es steht in deiner Macht, in den
-Genuß der Güter deines Vaters gesetzt zu werden, wenn du nämlich klug
-bist, und dein Glück nicht mit Füßen trittst.«« -- »»Ich trage Eure
-Vorwürfe gern«« -- erwiederte das Kind. -- »»Gott wird mich aufnehmen.
-Es macht mir keinen Kummer, daß ich aus meinem väterlichen Hause
-vertrieben bin: ich werde eine bessere Wohnung bekommen. Ich fürchte den
-Tod nicht: denn er wird mich in ein besseres Leben führen.«« -- Nachdem
-ihn die Gnade Gottes gestärkt hatte, dieses gute Bekenntniß abzulegen,
-ließ man ihn binden und zur Hinrichtung führen. Der Richter hatte
-geheime Befehle gegeben, ihn zurückzuführen, weil er hoffte, der Anblick
-des Feuers könnte seinen Entschluß überwältigen. Cyrill blieb
-unbeweglich. Die Menschlichkeit des Richters versuchte immer wieder
-auf's Neue, Gegenvorstellungen zu machen. »»Euer Feuer und Euer
-Schwert«« -- sagte der junge Märtyrer -- »»sind unbedeutend. Ich gehe in
-ein besseres Haus, zu vortrefflicheren Reichthümern. Laßt mich lieber
-gleich sterben, daß ich zu ihrem Genuß gelange.«« Die Zuschauer weinten
-vor Rührung. »»Ihr solltet euch lieber freuen,«« -- sagte er -- »»wenn
-Ihr mich zum Tode führet. Ihr wisset nicht, was für eine Stadt ich
-bewohnen werde, und was für eine Hoffnung ich besitze.«« So gieng er
-seinem Tode entgegen und war die Bewunderung der ganzen Stadt. Aus dem
-Munde der Kinder hat Gott sich ein Lob zubereitet!« --
-
-Ich schämte mich bei dieser Erzählung herzlich über meine Schwachheit
-und Furchtsamkeit; aber doch konnte ich mich, so oft ich an eine
-Trennung von der mir so lieb gewordenen Familie in Liebenzell dachte,
-eines heimlichen Schauders nicht erwehren, und sah auch keinen Ausweg,
-um dieser schmerzlichen Veränderung zu entgehen. Das Spätjahr kam mit
-schnellen Schritten herbei, der Feldzug hatte ein Ende, meine Herrschaft
-zog in die Winterquartiere nach Baiern zurück, und ich mußte mit. Bei
-dem herzverwundenden Abschied von meinen Freunden in Liebenzell blieb
-mir zur Aufrichtung nur die Hoffnung, sie etwa im nächsten Feldzug
-wieder zu sehen.
-
-
-
-
- Viertes Kapitel.
- Der Adler in Weilerstadt.
-
-
-Was ich gehofft hatte, geschah -- nur halb. Der Feldzug fieng zwar im
-nächsten Jahre frühzeitig wieder an, und ich mußte wieder mit meiner
-Herrschaft nach Württemberg reisen; aber dieß Mal gieng's nicht nach
-Liebenzell, sondern nach der kleinen Reichsstadt Weil (gewöhnlich
-Weilerstadt genannt), wo der Obrist-Lieutenant seine Frau, und mich zur
-Bedienung derselben, zurückließ. Da hatte ich es nun freilich nicht so
-gut, wie in Liebenzell; kein Freund und Vertrauter war da, dem ich meine
-Noth hätte klagen, kein Bibelbuch, aus dem ich hätte Trost schöpfen
-können. Wie gern hätte ich einen, wenn auch nur kurzen Besuch bei dem
-Pfarrer Roth in Möttlingen gemacht, das nur eine Stunde von Weilerstadt
-entfernt ist; aber auch das wurde mir nicht gestattet. Ich hatte unter
-dem Druck meiner Gebieterin herbe und schwere Tage durchzumachen, und
-würde vergangen sein in meiner Noth, wenn mich nicht Gott von Zeit zu
-Zeit durch einen Spruch aus der Bibel auf mein tiefes Seufzen hin
-erquickt hätte.
-
-Eines Tages hatte mich meine Frau Obrist-Lieutenant sehr hart
-mißhandelt, und war darauf aus dem Hause zu einer Gesellschaft gegangen.
-Ich stellte mich an ein Fenster im Hause, und weinte bitterlich. Meine
-Seele schrie zu Gott: Du, der Du doch Alles siehest und hörest,
-himmlischer Vater! kannst Du denn das Alles so ruhig mit ansehen und
-anhören, und weißt doch, daß ich unschuldig bin? Willst Du mir denn
-nicht auch einmal helfen, da ich Dich schon so oft darum angerufen habe,
-und mich frei machen aus dieser Knechtschaft, wo ich immer unter Angst
-und Furcht leben muß? O Vater! erbarme Dich über mich! -- Indem ich
-innerlich so seufzte und jammerte, kam der Hauswirth (es war der
-Gastgeber zum schwarzen Adler in Weilerstadt) zu mir her, und sah meine
-Thränen. Weil er von der üblen Aufführung meiner Frau wußte, und selbst
-ärgerlich darüber war, mochte er sich schon denken können, warum ich so
-traurig sei, und da ich sah, daß er Mitleiden mit mir hatte, so war ich
-offen gegen ihn, schilderte ihm meine betrübte Lage, und gab ihm zu
-verstehen, daß ich Gelegenheit wünschte, von diesem Elende loszukommen
-und davon zu laufen. Er erkundigte sich, ob ich keine Bekannten im Lande
-habe, zu denen ich meine Zuflucht nehmen könnte. Ich wußte ihm Niemand
-zu nennen als Herrn Vogt Frisch in Liebenzell und seine Schwester, Frau
-Doktorin _Commerell_ in Stuttgart. Der letztere Name gefiel ihm, und
-sein Entschluß war bald gefaßt. Ohne Jemand in seinem Hause ein Wort
-davon zu sagen, verschloß er mich in eine Kammer, die gerade über dem
-Gemach meiner Gebieterin war, so daß man alle ihre Reden vernehmen, und
-durch eine Oeffnung sogar hinunter sehen konnte. Nachdem er mich nun
-erinnert hatte, daß ich auf ihre Reden gut Acht haben möchte (sie sprach
-nämlich Böhmisch, was ich schon ziemlich gut verstand), nahm er den
-Schlüssel zu sich, und erwartete unten, wie ich oben, die Heimkunft
-meiner Gebieterin. Wie mir da zu Muthe gewesen, kann ich nicht wohl
-beschreiben; es war in meinem Gemüth ein sonderbares Gemisch von Furcht,
-Angst, Hoffnung und Freude, von denen immer wieder eins das andere
-verdrängte, und eine Zeit lang die Oberhand behielt. Jene angstvolle
-Entscheidungszeit hat sich aber meinem Gemüth und meinen Nerven so fest
-eingedrückt, daß mir noch lange nachher, so oft ich in einem
-verschlossenen Gemach mich allein befand, in der Erinnerung an jene
-Angststunden übel zu Muthe wurde, und mich ein unwillkürliches Zittern
-in allen Gliedern anwandelte. Mit der Zeit hörte auch dieses auf,
-nachdem ich die rechte Ruhe in Gott gefunden. Endlich kam sie spät in
-der Nacht, ziemlich betrunken, wie wir wohl vermuthet hatten, und ob sie
-gleich nach mir fragte, gab sie sich doch bald zur Ruhe. Ich konnte in
-dieser Nacht nicht viel schlafen, und wenn ich über meinen kummervollen
-Gedanken einschlummerte, so weckten mich ängstliche Träume wieder auf.
-Die Besorgniß, es möchte der Anschlag des Wirths, von dem ich bis jetzt
-nichts Genaueres wußte, mißlingen, raubte mir alle Ruhe. Wie leicht
-war's möglich, daß ich in meinem Versteck ausfindig gemacht oder
-verrathen wurde, und was hatte ich dann zu erwarten! Meine Gebieterin,
-eine heftige, zornmüthige Frau, hätte mir das nie vergeben, ich hätte es
-gewiß schwer empfinden müssen, und meine Lage wäre mehr als um's
-Doppelte verschlimmert worden. -- Am Morgen, als sie aus ihrem schweren
-Schlafe erwachte, gieng's nicht so gut ab. Lange rief sie vergebens, und
-ließ nach mir fragen; es wollte keine Setma kommen. Endlich forderte sie
-den Wirth vor sich; der sagte ihr, man hätte mich seit gestern
-Nachmittag im Hause nicht gesehen. Da fieng sie an zu muthmaßen, was an
-der Sache sei; sie fluchte und tobte, daß mir die Haut schauderte; sie
-ließ allenthalben scharfe Nachsuchungen anstellen, und weil ihr einfiel,
-daß ich nirgends als zu Liebenzell bekannt sei, schickte sie
-unverzüglich einen Reitenden dahin. Das hatte der kluge Wirth
-vorhergesehen, und mir deßwegen den Weg nach Liebenzell abgerathen. Als
-nun dieser Bote ohne Nachricht wieder zurückkam, und auch sonst nichts
-zu erfahren war, gieng das Toben, besonders über den Wirth, von Neuem
-an, und ich hörte sie zu ihrer anderen Dienerin auf Böhmisch sagen, ich
-müsse nur im Hause heimlich verborgen sein, aber morgen mit Tagesanbruch
-wolle sie das ganze Haus durchsuchen lassen. Natürlich erschrack ich
-darüber sehr, und als der Wirth später kam, um mir heimlich etwas Speise
-zu bringen, theilte ich ihm diese Nachricht sogleich mit. Dem war denn
-auch nicht länger wohl bei der Sache; er kam daher nach Mitternacht, da
-Alles im Hause still war, und führte mich, an dem Zimmer meiner
-Gebieterin vorbei, unter Angst und Zittern zum Hause hinaus zu seiner
-Mutter, welche ziemlich weit vom Adler entfernt wohnte. Hier mußte er
-noch eine gute Weile klopfen, bis uns aufgemacht wurde, obgleich schon
-Alles mit der alten Frau verabredet war. Der Wirth fragte mich, ob ich
-Geld habe. Ich hatte mein ganzes Vermögen bei mir, welches in drei
-Gulden bestand; die zog ich heraus. Er gab einen davon seiner Mutter,
-die zwei andern stellte er mir wieder zu, zum deutlichen Beweis seiner
-Redlichkeit und Uneigennützigkeit. Blos aus herzlichem Mitleiden hatte
-er sich entschlossen, mich mit eigener großer Gefahr zu erretten. Nach
-der Zeit habe ich nichts mehr von ihm erfahren können, als daß er
-gestorben sei. Möge ihm der Herr, der keinen Trunk kalten Wassers
-unvergolten läßt, seine Barmherzigkeit und Treue an jenem Tage reichlich
-lohnen!
-
-Ich mußte nun auf seine Anweisung die wenige türkische Oberkleidung,
-welche ich noch anhatte, ablegen, und dagegen eine geringe Magd- oder
-Bauern-Kleidung anziehen, die schon in Bereitschaft war. Als nun der Tag
-schon von fernher zu dämmern anfieng, mußte ich ohne weiteren
-Zeitverlust mit der alten Frau zum Thor hinaus, und Stuttgart zuwandern.
-Durch die Wache am Thor kam ich mit Hilfe meiner alten Mutter, obwohl
-unter großer Angst, glücklich hindurch; aber unterwegs hatte ich noch
-einmal eine schreckliche Verlegenheit durchzumachen. Als wir nämlich in
-der Gegend von Magstatt auf dem freien Felde waren, und der Tag schon
-völlig angebrochen, kam ein Wachtmeister meines Obristlieutenants zu
-Pferd auf uns zu, den ich gleich von ferne erkannte. Kaum hatte ich in
-meinem großen Schrecken noch Zeit, meiner Führerin die Gefahr zu
-bezeichnen, daß sie mit mir auf einen Seitenweg einlenkte, und der
-Wachtmeister, ohne auf uns zu achten, vorüberritt. So hatte mich die
-gute Hand Gottes auch dießmal gerettet, daß ich unerkannt blieb, und ich
-durfte es, noch ehe ich Ihn recht erkannte, schon deutlich und
-mannigfaltig erfahren, was die Schrift sagt: »Sein Rath ist
-wunderbarlich, und Er führet es herrlich hinaus!«
-
-Aber ach! wie sauer wurde es mir, den weiten Weg von fünf starken
-Stunden zu Fuß zurückzulegen. Ich war des Gehens gänzlich ungewohnt. So
-lange ich daheim in Belgrad war, hatte ich nie auch nur eine Stunde zu
-Fuß gemacht. Ich besaß alle Bequemlichkeiten reicher und vornehmer
-Personen; eine Schaar von Sklaven und Sklavinnen wartete auf meine
-Befehle, und da die türkischen Frauenzimmer überhaupt gewöhnlich ihre
-Zeit in der Stille ihrer Wohnungen zubringen, so war mir das längere
-Gehen etwas ganz Neues. Auch während meiner Gefangenschaft und der
-Reisen mit meiner Herrschaft waren wir immer gefahren, und erst in
-Liebenzell hatte ich gelernt, kürzere oder längere Spaziergänge zu Fuß
-zu machen, von denen ich jedoch jedesmal sehr ermüdet zurückkam. Und nun
-sollte ich auf einmal einen so weiten Weg in ungewohnter Kleidung unter
-ermüdender Angst, von Nachtwachen ermattet, zu Fuß machen. Das war
-beinahe zu viel gefordert. Meine Füße wurden bald wund, und jeder Tritt
-machte mir die empfindlichsten Schmerzen. So kam es, daß wir erst gegen
-Abend die ersehnte Residenzstadt Stuttgart erreichten, welche ich nach
-großer Angst und Trübsal als eine liebe Frei- und Ruhe-Stadt begrüßte.
-Als wir auf der Höhe des Hasenberges ankamen, von welcher man das schöne
-Kesselthal und die fernen Hügelreihen überblickt, lag die Stadt im Gold
-der Abendsonne vor uns; die blühenden Obstbäume waren roth angeschienen
-wie die Mandelbäume in unserem Garten zu Belgrad; auch der Tannenwald
-schimmerte röthlich, und noch mehr die Weinberge; die fernen Hügel, von
-denen einer das Württembergische Stammschloß trägt, waren in einen
-violetten Duft getaucht, und am Himmel schwammen rothe Wölkchen in Menge
-herum, die mir viel schöner dünkten, als ich sie je gesehen, denn sie
-trugen die Farbe der Freiheit, in deren Genuß mir's jetzt bei allen
-Schmerzen so unbeschreiblich wohl war.
-
-Die Noth war indessen noch nicht zu Ende. Als ich mit großer Mühe
-endlich am Rothenbühlthor anlangte, wurden wir da, weil es eben
-Kriegszeit war, nicht eingelassen, und mußten noch einen großen
-viertelstündigen Umweg bis zum Hauptstätter Thore machen. Es war mir
-fast nicht möglich, mit meinen wunden Füßen mich noch so weit zu
-schleppen; aber die Noth zwang mich, und wenn ich vor Ermattung
-niedersinken wollte, so nahm mich meine Führerin wieder beim Arm und
-sprach mir Muth zu. Aber ihr eigener Muth sollte nun auch geprüft
-werden. Die äußere Wache des Hauptstätter Thors ließ uns ungehindert
-ein; aber desto strenger wurden wir von der inneren Wache angehalten und
-ausgefragt, so daß meine Führerin, welcher man am hitzigsten zusetzte,
-endlich hinausschlüpfte und sich aus dem Staube machte. Ich habe sie
-auch nachher nicht mehr gesehen, noch etwas von ihr gehört, ohne Zweifel
-ist sie aber glücklich wieder nach Hause gekommen. Nun stand ich allem
-da unter den wilden Soldaten, denen mich meine Sprache schon als einen
-Fremdling verrathen mußte; und ich weiß nicht, ob ich diese angstvolle
-Beklemmung noch länger würde ausgehalten haben, ohne in Ohnmacht zu
-fallen, wenn mir nicht Gott so schnell Hilfe geschickt hätte. Aber Er
-wachte über Seinem Kinde, dem Er so große Gnade zugedacht hatte, und
-ließ es nicht zu, daß mir auch nur ein Haar gekrümmt worden wäre. Eben
-als die Soldaten auf's Neue über mich herfallen wollten, kam von
-ungefähr, d. h. durch die Schickung Gottes, die Frau eines Ipsers,
-welche ganz nahe beim Hauptstätter Thor wohnte, und riß mich fast mit
-Gewalt aus den Händen der Soldaten los, denen Gott nicht erlaubte, es zu
-verwehren. Kaum hatte ich ihre Stube erreicht, so sank ich kraftlos
-zusammen und bat die gute Frau, sie möchte mir nur ein Lager anweisen,
-auf dem ich ausruhen könne; denn ich sei nicht mehr im Stande, auf
-meinen Füßen zu stehen. Sie war äußerst besorgt um mich, und behandelte
-mich so freundlich, als hätte sie mich schon lange gekannt. Sie richtete
-mir ein gutes Bett zu, kleidete mich selbst aus und legte mich hinein.
-Darauf untersuchte sie meine Füße, die sehr übel zugerichtet waren, und
-legte eine kühlende weiße Salbe darauf, welche bald ihren wohlthätigen
-Einfluß mich empfinden ließ, indem sie die große Hitze herauszog. Dann
-kochte sie mir eine gute Suppe, und gab mir ein Glas Wein zu trinken.
-Die große Müdigkeit ließ mich bald einschlafen und die ganze Nacht sanft
-ruhen. Zwei Tage mußte ich bei der guten Frau bleiben, und wegen meiner
-kranken Füße das Bett hüten: ihr Mann war auf Arbeit in einem
-benachbarten Städtchen. Als ich mich ein wenig erholt hatte, wozu es
-meine Hauswirthin an Pflege nicht fehlen ließ, sagte ich dieser, daß ich
-mit Frau Doktorin Commerell bekannt sei, und sie gern sehen möchte. Sie
-traf dann auch sogleich Anstalt, daß die Frau Doktorin erfuhr, ich sei
-in ihrem Hause. Alsbald kam sie zu mir, erkannte mich auf der Stelle,
-und da ich ihr erzählte, wie es mir bisher gegangen, nahm sie den
-herzlichsten Antheil an meinem Schicksal, und sagte zu mir, ich solle
-nur mit ihr in ihr Haus kommen, welches auf dem Spitalplatz war. Von
-Stund' an war meiner Noth abgeholfen. Diese treffliche Frau erzeigte mir
-unaussprechlich viel Liebe und Wohlthaten nach Leib und Seele, und hielt
-mich wie eine Tochter, so daß ich für alle bisherigen traurigen
-Erfahrungen reichlich getröstet wurde und hinlänglichen Ersatz fand.
-
-
-
-
- Fünftes Kapitel.
- Der Gasthof zum Bären in Stuttgart.
-
-
-Das Erste, wornach ich fragte, und was ich mir wünschte, nachdem ich
-meinen neuen Wohnsitz bezogen hatte, war -- eine Bibel. Bisher konnte
-ich nicht dazu kommen, eine eigene Bibel oder auch nur ein eigenes
-Testament zu besitzen; nun aber hatte ich Gelegenheit dazu, und meine
-Bitte war auch nicht vergeblich. Frau Doktorin Commerell, die ich von
-nun an immer _Mutter_ nannte, schenkte mir eine schöne neue Handbibel,
-die in Wittenberg gedruckt war, und mir nach und nach so lieb wurde, daß
-ich sie, wenn mir Jemand mein Juwelenkästchen aus Belgrad gebracht und
-dafür angeboten hätte, nicht würde darum vertauscht haben. Alle die
-Sprüche, welche mir bei früheren Gelegenheiten wichtig und zum Segen
-geworden waren, oder nachher wurden, pflegte ich mit rother Tinte zu
-unterstreichen. Wenn ich dann später einen solchen unterstrichenen
-Spruch wieder fand, so fiel mir auch die Erfahrung wieder ein, bei
-welcher er mir seiner Zeit gedient hatte, die Gebetserhörung, die
-Bewahrung, die Errettung, die Demüthigung; kurz Alles, was Gott schon an
-mir gethan, und das war mir denn eine vielfache Aufforderung zum Dank
-und Lob Gottes, und zum festen Vertrauen auf Ihn. Mein ganzes Leben seit
-meiner Bekanntschaft mit Gott und Seinem Wort stand so in lauter
-Sprüchen verzeichnet vor mir, und manche Seite meiner Bibel war in
-späteren Jahren ganz roth. Kam ich z. B. an den Spruch: »Denen, die Gott
-lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen;« so war er roth
-unterstrichen zur Erinnerung an einige Angststunden, die ich in Landshut
-erlebte, als ich den Schatullenschlüssel meiner Frau verloren hatte.
-Damals fiel mir dieser Spruch ein, und tröstete mich so, daß ich mich
-von meiner Verlegenheit erholen und nüchtern besinnen konnte, wo ich den
-Schlüssel hingelegt hatte. Oder kam ich zu dem Spruch: »der Herr weiß
-die Gerechten zu erlösen &c.«; so war er unterstrichen zum Andenken an
-meine Befreiung aus der Gefangenschaft. Die Stelle: »der Herr will nicht
-den Tod des Sünders, sondern daß sich der Sünder bekehre und lebe;«
-erinnerte mich daran, wie ich in Belgrad so sehr gewünscht hatte zu
-sterben, als die Stadt erobert war, und wie gut es Gott gemacht, daß Er
-mich wider meinen Willen hieher führte, wo ich Ihn und Seinen Sohn
-kennen lernte. So wurde mir mein Bibelbuch von Tag zu Tag theurer, ich
-lernte es als den größten Schatz ansehen, den ein Mensch besitzen kann,
-und wunderte mich nicht wenig, wenn ich zuweilen in ein Christenhaus
-kam, wo die Bibel auf dem Schrank und der Staub auf der Bibel lag.« --
-
-Hier, liebe Kinder! muß ich die Erzählerin, die gute Setma, die ihr
-gewiß schon Alle lieb gewonnen habt, ein wenig unterbrechen, um euch
-eine kleine Geschichte zu erzählen, welche die Setma noch nicht wissen
-konnte, weil sie sich erst neulich und zwar in England zugetragen hat.
-Ich habe euch diese Geschichte aus dem Englischen übersetzt, denn es
-wäre gar schön, wenn auch deutsche Kinder ihre Bibel so lieb hätten.
-
-
- Die kleinen Wanderer.
- Eine wahre Geschichte.
-
- Zwei kleine Knaben kamen einst,
- Von Kummer bleich gemacht,
- Zu einem Haus, und baten dort
- Um Obdach für die Nacht.
-
- Als sie erzählt ihr Mißgeschick,
- Trieb's Manchem Thränen aus:
- Ihr Angesicht so offen war,
- Die Wahrheit blickte d'raus.
-
- Die Eltern waren weggerafft
- Durch schweren Fiebers Macht;
- Zu armen Waisen wurden sie
- An Einem Tag gemacht.
-
- Nicht Freund noch Heimat hatten sie,
- Kein Stücklein grobes Brod;
- Sie suchten einen fernen Ohm
- In ihrer großen Noth.
-
- All' ihre ird'sche Habe schloß
- Ein kleines Bündel ein;
- Der And're wohlverwahret trug
- Die Bibel hintend'rein.
-
- Der Hausherr sagte zu dem Kind:
- »Euch mangelt Geld und Speis';
- Verkaufe deine Bibel mir;
- Ein Thaler sei der Preis.«
-
- »O nein,« sprach er, und floßen ihm
- Der Thränen viel' herab:
- »Eh' ich verkaufe dieses Buch,
- Sei lieber hier mein Grab.« --
-
- »Es gibt ja and're Bücher noch,
- Gibt Bibeln nicht allein.« --
- »Ja,« sprach er, »aber keines kann
- Mir je so nützlich sein.
-
- »Sie ward mir in der Schul geschenkt,
- Eh' mich die Noth vertrieb;
- Da lernt' ich lesen in dem Buch,
- Und ich gewann es lieb.
-
- »Ich sah, obschon ich noch so jung,
- Mein böses Herz darin;
- Sie lehrte mich, wie Jesus starb,
- Und starb -- auch für Edwin.
-
- »Oft in der Drangsal stärkte sie
- Den Muth mir, wenn er sank;
- Ich setzte müd' und matt mich hin,
- Und fand d'rin Speis' und Trank.
-
- »Die Psalmen brachten Licht und Ruh',
- Und milderten den Schmerz;
- Erfrischende Verheißungen
- Fand mein verschmachtet Herz.« --
-
- Zwei Thaler bot der Hausherr nun,
- Und brachte sie herein.
- Er aber schlug sie standhaft aus,
- Und ließ sich nicht d'rauf ein.
-
- Man fragte: »Wie? wenn nun der Ohm
- Nicht mehr am Leben ist,
- Und in der weiten Welt umher
- Ihr hilflos irren müßt?«
-
- Vor seiner Antwort möchte wohl
- Erröthen mancher Christ:
- -- »Wenn Eltern, Freund' und Heimat flieh'n,
- Dann Gott mein Führer ist.«
-
- Hier schwieg der Hausherr ganz erstaunt,
- Und Alle weinten d'rob;
- Er dachte: »Aus der Kinder Mund
- Bereitet Gott sich Lob!«
-
- Die kleinen Pilger beugten Nachts
- Ihr Knie vor dem, der mild
- Die Raben speiset, wenn sie schrei'n,
- Und Waisenthränen stillt.
-
- Am andern Morgen traten sie
- Die Reise wieder an.
- Der Waisen Vater wolle sie
- Geleiten auf der Bahn!
-
-Nun lasse ich Setma weiter erzählen.
-
-»Meine getreue Mutter und Pflegerin war nun nach ihrer Klugheit und
-Vorsicht vor allen Dingen für Schutz und Sicherheit meiner Person
-besorgt, und machte solche Personen, welche Einfluß hatten, mit meiner
-Geschichte bekannt. Namentlich geschah dieß bei der damaligen Frau
-Oberhofmeisterin _v. Wachenheim_, welche sich dann bei der Frau Herzogin
-_Magdalena Sibylla_, damaliger Mitregentin und Landesmutter für mich
-verwendete. Die Herzogin schenkte mir gnädigst ihre Huld, versicherte
-mich ihres Schutzes, und bewies mir von da an bis zu ihrem Ende
-unzählige Wohlthaten, was ihr der Herr in Seinem Lichte reichlich und
-ewig vergelten wolle.
-
-Dieser mächtige Schutz war mir aber auch sehr nöthig, und kam mir wohl
-zu Statten, als kurze Zeit hernach mein vormaliger Gebieter, der
-Obrist-Lieutenant Burget, von ungefähr nach Stuttgart kam, und, ich weiß
-nicht auf welchem Wege, auskundschaftete, daß ich mich in Stuttgart
-aufhalte. Gleich noch in der Nacht schickte er einen seiner Diener, den
-ich wohl kannte, in das Haus der Frau Doktorin, und ließ mich hart
-bedrohen. Zum Unglück befand sich gerade Niemand zu Hause, als ich und
-der Sohn der Frau Doktorin, der damals Magister war, und so wurde ich
-sehr in Angst und Schrecken gesetzt. Sobald meine Mutter nach Hause kam,
-erzählte ich ihr den Vorfall, und sie wußte gleich Rath. Den andern
-Morgen schickte sie früh zur Frau v. Wachenheim und ließ ihr sagen, was
-vorgefallen sei. Diese gieng sogleich zur Herzogin, und bat sie, die
-nöthigen Maßregeln zu treffen, damit ich vor den Ansprüchen des
-Obristlieutenants geschützt werde. Die Herzogin nahm sich unverweilt der
-Sache thätig an, und schickte einen ihrer Kammerherren zu ihm, der wegen
-meiner Loskaufung mit ihm unterhandeln sollte. Hierauf ließ sie den
-Obristlieutenant zur herzoglichen Tafel laden, und behandelte ihn da mit
-so viel Auszeichnung und Herablassung, daß er nachgiebigeren Sinnes
-wurde, und mich der Herzogin um einige Eimer Wein zu eigen überließ.
-Darein mußte denn endlich auch seine Frau willigen, obwohl sehr ungern:
-denn viel lieber hätte sie ihre Rachgier an mir ausgelassen. Am liebsten
-wäre es mir freilich gewesen, sie gar nicht wieder sehen zu müssen; aber
-das konnte ich nicht verhindern. Ich mußte mich, auf ihre Einladung und
-den Befehl der Herzogin, im Gasthof zum Bären, wo sie logirten, auf eine
-Mahlzeit bei ihnen einfinden, und konnte nicht ohne Angst und Zittern
-hingehen; aber da ich nun ein Eigenthum der Herzogin war, durfte sie es
-nicht wagen, anders mit mir zu reden als freundlich. Von der Art und
-Weise, wie ich entkommen, wurde gar nicht gesprochen, und das ersparte
-mir die Verlegenheit, den Adlerwirth, der sich so großmüthig meiner
-angenommen, verrathen zu müssen. Man fragte mich blos, wie es mir in
-Stuttgart gefalle, was ich für Beschäftigung habe, ob ich schon im
-Schloß gewesen, und dergleichen. Als ich Abschied von ihnen nahm, dankte
-ich noch für alles Gute, was sie, und besonders er, mir von Anfang an
-erwiesen. Damit war mir's Ernst. Er hätte mich ja auch an einen andern
-Ort verkaufen, oder noch mehr mißhandeln können; ich war ja in seiner
-Gewalt. Aber der HErr war es, der unsichtbar meinen Odem bewahrte, meine
-Schritte und Tritte leitete, und Seine Hand über mir hielt, daß mich
-kein Uebel anrühren durfte. Und das Schmerzliche, was ich erfahren
-mußte, das war gewiß nothwendig und wohlthätig für mich, wär's auch nur
-deßwegen, weil ich so die Errettung um so mehr schätzen und dafür danken
-lernte.
-
-Als ich aus dem Bären wieder heraus war, da fühlte ich mich so froh wie
-Jonas, da ihn der Wallfisch wieder an's Land spie. Den langen Weg von da
-bis zum Spitalplatz hatte ich, mehr fliegend als gehend, in wenigen
-Minuten zurückgelegt, und als ich heim kam, warf ich mich in die Arme
-meiner treuen Pflegerin und rief: »Aber nun sollen sie mich nicht wieder
-hier wegreißen!« -- »Nein, das sollen sie auch nicht,« erwiederte die
-Mutter, »Gott selbst hat dich auf wunderbaren Wegen frei gemacht. Vergiß
-nicht, Ihm zu danken.«
-
- Ja, ich bleibe stets an Dir,
- Du hältst mich bei meiner Rechten;
- Deine Hand wird mich verfechten,
- Und mich leiten für und für
- Nach dem Rathschluß Deiner Treue,
- Bis ich mich mit Ehren freue.
-
-
-
-
- Sechstes Kapitel.
- Die Stiftskirche in Stuttgart.
-
-
-So lebte ich nun in der Gemeinschaft und im Umgang mit wahren Christen;
-aber ich selbst war noch keine Christin, ich war noch eine
-Muhamedanerin. Das konnte und durfte nicht so bleiben, da ich doch an
-die Bibel und den darin geoffenbarten lebendigen Gott und Seinen Sohn
-Jesum Christum von Herzen glaubte, und aus vielfacher Erfahrung wußte,
-wie kräftig und trostreich dieses Wort dem Herzen ist. Ich äußerte daher
-gegen meine Pflegemutter den Wunsch, ich möchte gern durch die Taufe in
-die christliche Kirche aufgenommen werden. Sie hatte das erwartet, und
-war mir mit Freuden dazu behilflich. Ihr Sohn, der damals Repetent in
-Stuttgart war, und nachher als Spezial in Urach starb, gab sich dazu
-her, mir alle Tage regelmäßigen Unterricht in der christlichen Religion
-zu ertheilen, und den Segen dieser Unterrichtsstunden, die er mit Gebet
-anfieng und endigte, werde ich nicht vergessen und hoffentlich auch
-nicht verlieren. Das Wort Gottes wurde mir durch ihn so deutlich und
-klar, daß ich vom Lesen desselben viel mehr Genuß hatte als vorher, und
-daß es mir immer leid war, wenn ich durch häusliche Arbeiten, welche
-doch auch nicht versäumt werden durften, in der Betrachtung der heiligen
-Schrift unterbrochen wurde. Er besaß nicht nur die Gabe der
-Deutlichkeit, sondern behandelte auch seinen Unterricht mit großer
-Genauigkeit. Einiges aus meiner Erinnerung an seinen Unterricht möge
-hier stehen.
-
-Wenn er von der heiligen Geschichte und von dem Rathschlusse Gottes mit
-der Welt redete, war es ihm hauptsächlich angelegen, nachzuweisen, wie
-Gott überall Sich nach allen Seinen Eigenschaften geoffenbaret habe und
-offenbare. Dieß pflegte er an solchen Beispielen zu zeigen, welche beim
-ersten Anblick das Gegentheil zu sagen scheinen. Die Sündfluth, welche
-die leichtsinnigen Zeitgenossen Noah's hinwegraffte, das Feuer, welches
-die gottlosen Menschen zu Sodom und Gomorrha verzehrte, waren ihm nicht
-blos Beweise der strafenden Gerechtigkeit Gottes, sondern auch Seiner
-Liebe: denn, sagte er, es wurde ihnen dadurch die Möglichkeit benommen,
-sich noch mehr zu versündigen, und so ihre Verdammniß noch schwerer zu
-machen. An Pharao, behauptete er, habe sich nicht blos die Macht,
-sondern auch die Liebe und Barmherzigkeit Gottes verherrlicht; denn wenn
-er nur _gewollt_ hätte, so würden ihn die vielfachen Thatbeweise der
-Allmacht Jehovah's, die Gott vor seinen Augen geschehen ließ, gewiß zum
-Glauben und zur Furcht Gottes, und damit zur Seligkeit gebracht haben.
-Dagegen sagte er aber auch: Gott beweise bei der Sündenvergebung nicht
-blos Seine Liebe und Gnade, sondern auch Seine Gerechtigkeit nach dem
-Spruch in der ersten Epistel des _Johannes_: »_So wir unsere Sünde
-bekennen, so ist Gott getreu und gerecht, daß Er uns die Sünde vergibt,
-und reiniget uns von aller Untugend._« -- Gegen den Heiland hatte mein
-Lehrer einen tiefen, kindlichen Respekt, und doch zugleich eine innige,
-herzliche Liebe. Ich hörte ihn nie, wie es gewöhnlich ist, sagen: »_der
-HErr Jesus_,« oder: »_der HErr Christus_;« das sei, meinte er, wie wenn
-man sagte: »der Herr Pfarrer,« oder: »der Herr Doktor.« Das »Herr,« wenn
-es von Christo gebraucht werde, sei nicht blos eine Titulatur, wie sie
-bei uns dem Namen eines jeden etwas vornehmeren Mannes vorangesetzt
-werde, sondern habe eine viel größere Bedeutung. Christus _heiße_ nicht
-blos _Herr_, sondern sei es auch wirklich, weil Ihm Gott die Regierung
-der ganzen Welt anvertraut habe. Er sagte deßwegen immer: »_Unser HErr
-Jesus_ &c.« oder: »_der HErr Jesus Christus_ &c.«
-
-Von der christlichen Kirche und den wahren Christen hielt er große
-Stücke. »Wenn einmal« -- sagte er -- »die christliche Kirche
-zusammenbricht, dann mag sich die Welt um andere Stützen umsehen.« Die
-wahren Christen nämlich nannte er, mit Berufung auf das Gespräch
-Abrahams mit dem Herrn wegen Sodom, die Weltträger, weil sie durch ihr
-Gebet das Gericht über die verdorbene Welt noch aufhalten.
-
-In einer seiner Unterrichtsstunden redete er von der Wahrheitsliebe, und
-stellte da das Beispiel Jesu vor dem Hohenpriester und vor Pilatus, und
-das Beispiel des Petrus bei dem Kohlfeuer einander gegenüber. Auf einmal
-fragte er mich: »Welche Lügen sind erlaubt?« -- Unüberlegt, weil ich von
-seiner Frage überrascht war, antwortete ich: »Die Nothlügen.«
-
-_Lehrer._ Das wollen wir sehen. Was ist die Lüge vor Gott?
-
-_Ich._ Eine Sünde.
-
-_Lehrer._ Was müßte also auch erlaubt sein, wenn deine Antwort richtig
-wäre?
-
-_Ich._ Nothsünden.
-
-_Lehrer._ Ist das denkbar?
-
-_Ich._ Nein.
-
-_Lehrer._ Warum nicht?
-
-_Ich._ Weil jede Sünde, sei sie aus Noth oder ohne Noth begangen,
-verboten ist. 1 Joh. 5, 17. 18.
-
-_Lehrer._ Wenn z. B. Einer aus Noth stiehlt, um sein Leben zu erhalten,
-ist das auch Sünde?
-
-_Ich._ Warum denn nicht? Er hätte sollen seinen Nächsten darum bitten.
-
-_Lehrer._ Wenn er aber das gethan hat, und es ist vergeblich gewesen?
-
-_Ich._ Dann hätte er sollen Gott bitten, der hätte ihn ohne Diebstahl
-durchbringen können.
-
-_Lehrer._ Was gehört aber zum Gebet?
-
-_Ich._ Glaube.
-
-_Lehrer._ Warum hat also der Mensch gestohlen?
-
-_Ich._ Aus Unglauben.
-
-_Lehrer._ Ein anderer Fall: der holländische Schiffskapitän Wilhelm
-Isbrand _Bontekoe_ (l. Bonteku) verlor sein Schiff im indischen Meere
-durch Brand. Er entkam mit einem Theile der Mannschaft auf einem offenen
-Boote; aber alle hatten vergessen, Lebensmittel mit sich zu nehmen. Bald
-entstand die größte Hungersnoth. In den gierigen Blicken der Matrosen
-las man schon den Vorsatz, den sie bald auch wirklich aussprachen, daß
-sie einige von der Mannschaft tödten, und dann ihr Fleisch verzehren
-wollten. Wäre das erlaubt gewesen?
-
-_Ich._ Nein; denn im fünften Gebot ist das Tödten ohne Unterschied
-verboten.
-
-_Lehrer._ Aber wenn nun die Noth so groß war, daß kein anderes Mittel
-mehr übrig blieb; sollten sie dann lieber Alle umkommen, da sie
-vielleicht durch die Aufopferung weniger Personen die andern retten
-konnten?
-
-_Ich._ Ich denke, wer Gottes Gebot hält, mit dem läßt's Gott nie so weit
-kommen, daß er verzweifeln müßte. Und am Ende doch lieber sterben, als
-wider Gott sündigen.
-
-_Lehrer._ Worauf gründen sich aber diese Ueberzeugungen?
-
-_Ich._ Auf den Glauben, daß es Gott nicht an Mitteln und an Wegen fehlt,
-zu helfen, auch wo die kurzsichtigen Menschen keinen Ausweg mehr
-erblicken; und daß dieses zeitliche Leben nicht so viel werth sei, daß
-man das Leben seiner Seele dafür aufopfern sollte.
-
-_Lehrer._ Ja, und daß, wenn ich dieses irdische Leben auch nur mit Einer
-Sünde erkaufen müßte, der Preis doch viel zu hoch wäre. Siehe, diese
-Ueberzeugung hatte auch Bontekoe. In dem Vertrauen zu Gott, daß Er
-helfen werde, bat er seine Reisegefährten, ihren blutigen Vorsatz nur
-noch drei Tage aufzuschieben, weil er hoffe, in dieser Zeit Land zu
-erreichen. Und seine Hoffnung täuschte ihn nicht. Der HErr half ihm
-wunderbar aus allen seinen Nöthen, wie Er allen Denen hilft, die auf Ihn
-trauen. -- Wo haben denn nun auch die Nothlügen ihren Grund?
-
-_Ich._ Im Unglauben.
-
-_Lehrer._ Inwiefern?
-
-_Ich._ Weil man im Glauben es dem HErrn zutraut, daß Er diejenigen,
-welche aus Ehrfurcht vor Ihm bei der Wahrheit bleiben, auch aus der Noth
-und Verlegenheit erretten wird. -- Aber wie ist's denn nun mit den
-heiligen Männern Abraham, Isaak, Jakob, David, von denen stehen doch
-auch Nothlügen in der Schrift?
-
-_Lehrer._ Diese Männer waren auch Menschen, welche sündigten, und denen
-wir also nur das nachmachen dürfen, was gut ist an ihnen. Ihre Fehler
-aber stehen für uns zur Warnung und Demüthigung da. Es ist nur ein
-Einziger da, der nichts Böses that, und von dem ausdrücklich versichert
-wird, daß kein _Betrug_ in Seinem Munde erfunden worden sei, also auch
-keine Nothlüge. Wenn jene heiligen Männer sich Nothlügen erlaubten, so
-geschah es in den Augenblicken des Unglaubens; Jesus aber war beständig
-stark im Glauben, und darum konnte er alle Versuchungen überwinden.
-
-Ein anderes Mal sprach er wieder mit mir über diesen Gegenstand; Obiges
-kann aber hinreichen, um zu zeigen, wie seine Lehrweise war.
-
-Ich genoß seinen Unterricht etwas länger als ein halbes Jahr, und
-brachte es unter dem Segen Gottes in dieser Zeit zu einer geordneten und
-vollständigen Erkenntniß der Religionswahrheiten, so daß ich am Ende des
-Jahres 1690 von dem damaligen Herrn Spezial _Meurer_ und Herrn Helfer
-_Clemm_ nach einer vorgenommenen Prüfung für fähig erklärt wurde, durch
-die Taufe in die christliche Kirche aufgenommen zu werden. Diese
-Erklärung brachte meinem Herzen große Freude, und ich betete nun täglich
-zu Gott, daß Er mir die rechte Gemüthsfassung für diese heilige Handlung
-schenken wolle, damit ich auch den vollen Segen derselben empfange. Auf
-Weihnachten schenkte mir die Herzogin eine große silberne Denkmünze. Es
-war auf derselben eine Abbildung, wie Jesus von Johannes im Jordan
-getauft wird, und auf der andern Seite war die Geschichte des
-Pfingstfestes bildlich dargestellt. Auf jener Seite standen nur die
-Worte: _ohne Maaß!_ auf dieser stand: _ohne Zahl!_ Ich bat meine
-Pflegemutter um Erklärung dieser Inschriften. Diese gab sie gern. »Die
-Worte: »»_ohne Maaß!_«« -- sagte sie -- »gehen auf den Herrn Jesus, der
-mit dem heiligen Geist ohne Maaß, d. h. mit einer überschwenglichen
-Fülle des Geistes, gesalbt worden ist, und darum auch der _Gesalbte_,
-Christus, heißt (Joh. 3, 34.). Die Worte: »»_ohne Zahl!_«« gehen auf die
-Christen, welche die Gabe des heiligen Geistes empfangen, und deren Zahl
-so groß werden soll wie die Zahl der Sterne am Himmel. Zu dieser
-zahllosen Schaar sollst auch du kommen, und es muß dir diese gnädige
-Berufung doppelt wichtig sein, da du durch die wunderbare Hand des HErrn
-aus einem Volke herausgezogen worden bist, das bis jetzt noch keinen
-Antheil genommen hat an den Segnungen des Geistes Christi, das aber
-hoffentlich einst auch noch herbeikommen und seine Kniee beugen wird vor
-dem Gekreuzigten.«
-
-Ich sagte: »Amen, möge diese Zeit bald kommen!«
-
-Meine Taufe war auf den sechsten Januar, als auf das Fest der
-Erscheinung Christi unter den Heiden, festgesetzt, und sollte nach dem
-Willen der Herzogin in der Stiftskirche in Stuttgart auf eine feierliche
-Weise vorgenommen werden. Ein feierlicher Kirchgang wurde von dem
-Schlosse aus zur Stiftskirche gehalten. Voran giengen die Taufzeugen,
-welche aus freiwilliger christlicher Liebe diese Stelle vertreten
-wollten, nämlich: die Frau Herzogin Wittwe _Magdalena Sibylla_, der
-Erbprinz, nachmaliger Herzog, _Eberhard Ludwig_, die Frau
-Oberhofmeisterin _von Wachenheim_, Herr Consistorial-Direktor _Bardili_,
-Frau Doktorin _Commerell_, Frau Kammerrath _Faber_ und Herr
-Kanzlei-Advokat Dr. _Stierlin_. Hierauf kam ich, von zwei adeligen
-jungen Herren begleitet, und dann folgten alle die Personen, welche zum
-herzoglichen Hofe gehörten.
-
-Als wir uns in der von den Zuhörern angefüllten Kirche auf unsere Plätze
-begeben hatten, wurden einige Verse aus dem Liede von Paul _Gerhard_
-gesungen:
-
- O du allersüßte Freude,
- O du allerschönstes Licht! u. s. w.
-
-Hierauf predigte der Stifts-Prediger _Schmidlin_ über das Evangelium des
-Tages _Matth._ 2, und verglich die Reise der Weisen aus Jerusalem mit
-meiner wunderbaren Führung von Belgrad nach Stuttgart. Die Predigt
-währte ziemlich lange; ich war aber mit innerlichem Seufzen und Flehen
-zu sehr beschäftigt, als daß ich viel davon hätte fassen können. Zum
-Anfang der Taufhandlung wurde der Vers gesungen:
-
- O Gott und Vater gnadenvoll &c.
-
-Dann legte ich öffentlich mein Glaubensbekenntniß ab, wozu mir der
-Heiland ein reiches Maß von Freudigkeit verlieh, wiewohl mir vorher sehr
-angst gewesen. So bald ich aufstand und anfieng zu reden, war alle Angst
-wie weggehaucht; ich sah nicht mehr auf die Menschenmenge, sondern
-dachte allein an Gott, der in das Herz sieht und weiß, ob unser
-Bekenntniß aufrichtig und lauter ist. Hierauf kniete ich nieder, wurde
-im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes getauft,
-und erhielt die Namen _Christiana Magdalena Eberhardina_, welchen
-hernachmals noch der Name _Gottliebin_ als Zuname beigegeben wurde. Der
-türkische Name _Setma_ war der letzte Ueberrest von meinem türkischen
-Vaterland, den ich vollends abzulegen hatte. Vaterland, Familie,
-Freunde, Erbschaft, Religion, Sprache, Sitten, Kleider hatte ich Alles
-schon längst verlassen und abgelegt; aber auch nach der Verheißung Jesu
-hundertfältig wieder gefunden schon in dieser Zeit. Warum hätte ich
-nicht gern auch meinen Namen vollends hergeben sollen, um auch äußerlich
-darzustellen, was ich innerlich zu erfahren wünschte: -- eine gänzliche
-Wiedergeburt! Gott aber sei Dank, der nach und nach Alles vollends
-hinwegnimmt, was nicht in Sein Reich hineintaugt!
-
-Nach der Taufe, während welcher mir unbeschreiblich wohl war, wurden die
-zwei letzten Verse gesungen aus dem Lied des seligen Dr. _Luther_:
-
- Christ, unser HErr, zum Jordan kam &c.
-
-Das war denn der Tag meiner höchsten Ehren, da ich aus der Zahl der
-Ungläubigen feierlich herausgenommen, und als ein Kind und Eigenthum
-Gottes erklärt wurde, ein Glück, das nicht hoch genug zu schätzen ist,
-und für das so viele Christen, die schon in den ersten Tagen ihres
-Lebens diese Gnade erfahren, bei weitem dankbarer sein würden, wenn sie
-recht überlegten, wie viel Mühe es mich gekostet, wie manchen sauren, ja
-ich darf wohl sagen, blutigen Tritt es mich gekostet, bis ich so weit
-kam, und wie so mancher Heide sich's noch viel mehr kosten lassen würde,
-wenn er Gelegenheit hätte, zu diesem hohen Vorzug zu gelangen.
-
-Von der Kirche aus gieng der Zug wieder in das herzogliche Schloß, wo
-ich in Anwesenheit des ganzen Hofes der Herzogin meinen fußfälligen Dank
-sagte. Sie aber erklärte vor dem ganzen Hof, daß sie mir, als einer
-Christin, nunmehr meine Freiheit schenke, und das, was sie meine
-Loskaufung gekostet, mir als Taufpfennig anrechnen wolle. Zugleich
-machte sie mir das gnädigste Anerbieten, ob ich in Zukunft in ihren
-Diensten bleiben wolle. Beides nahm ich natürlich mit großer Freude und
-unterthänigstem Danke an, bat aber zunächst nur um die Erlaubniß, mich
-für heute ganz in die Stille zurückziehen zu dürfen, weil ich
-befürchtete, in der großen Zerstreuung von dem reichlich empfangenen
-geistlichen Segen etwas zu verlieren. Wie leicht ist ein volles Gefäß
-verschüttet, wenn man damit hin und her geht oder gar rennt! Ich suchte
-deßwegen die Stille im Hause meiner gütigen Pflegemutter, welche mich
-mit inniger Freude von dem Herzen der ewigen Liebe empfieng, und an ihr
-mütterlich-liebendes Herz drückte. Den ganzen Tag wollte ich Niemand
-mehr sehen noch sprechen, sondern blieb auf meiner Stube, las bald
-einige Verse im Wort Gottes, bald ein schönes Lied, bald überließ ich
-mich dem Jubel meiner innerlichen Freude, bald schickte ich ein
-frohlockendes Dankgebet zum Throne Gottes hinauf. Ich ließ die ganze
-wunderbare Geschichte meines Lebens und den reichen Segen des heutigen
-Tages mehr als einmal vor meinem Gemüthe vorübergehen, und fand jedes
-Mal neue Ursache, Den zu preisen und zu erheben, der Wunderbar heißt und
-wunderbar ist. Ich fand, daß der stille Nachgenuß eines solchen Festes
-fast noch süßer und lieblicher werden kann als die Festfeier selbst, bei
-welcher man durch manche beengende oder zerstreuende Umstände von außen
-gestört wird. Zugleich kann ich es nicht verhehlen, daß, so groß das
-Glück ist, schon als Kind in den Bund mit Gott aufgenommen zu werden,
-doch auch ein besonderer Segen darin liegt, bei dieser Aufnahme selbst
-mit Bewußtsein empfinden zu dürfen und überlegen zu können, wie groß die
-Gnadengüter sind, die Gott Seinen Kindern anbietet.«
-
-Ich muß hier unsere Erzählerin wieder einen Augenblick unterbrechen, um
-zu dem so eben Gesagten eine kurze Bemerkung zu machen. Damals, als
-Setma, oder, wie sie von jetzt an heißt, Gottliebin, dieses
-niederschrieb, war die Confirmation bei uns noch nicht eingeführt. Durch
-diese ist ein Ersatz gegeben für das, was _Gottliebin_ bei der
-Kindertaufe vermißte. Und möchten nur alle unsere Konfirmanden ihrem
-Rathe folgen, und die Stunden nach der heiligen Handlung nicht mit
-eiteln Zerstreuungen verderben, unter denen der empfangene Segen wieder
-verloren geht, sondern vielmehr in der Stille zubringen in der Gegenwart
-Dessen, der der beste Gesellschafter ist, und aus dessen Nähe man nie
-leer zurückkommt!
-
-Nun lasse ich unsere Neugetaufte weiter erzählen.
-
-»Am folgenden Tage nahm ich unter tausend Thränen und wiederholten
-Danksagungen für alle Mutterliebe und Treue von meiner bisherigen
-Pflegemutter Abschied, und bezog ein Zimmer im herzoglichen Schlosse, wo
-ich der Aufsicht der Frau Oberhofmeisterin _v. Wachenheim_, einer
-gottseligen und verständigen Dame, übergeben ward, welche mich durch
-Lehre und Beispiel immer weiter zum wahren Christenthum anleitete und
-förderte. Meine Beschäftigung bestand hauptsächlich im Sticken, welches
-ich schon in meinem väterlichen Hause erlernt und fleißig geübt hatte.
-
-Nachher schenkte mir die Prinzessin _Eberhardine Louise_ ihre besondere
-Gnade, und nahm mich mit Genehmigung der Herzogin Mutter in ihre
-Dienste, in denen ich auch blieb bis an ihren frühen Tod. Sie war von
-Natur sehr lebhaft, aber von Herzen fromm, und unterhielt sich mit mir
-meistens über das Wort Gottes und über Herzenserfahrungen. Zuweilen
-hörte ich von ihr folgende von einer englischen Prinzessin gedichteten
-Verse:
-
- Ich war so eitel, wild und jung;
- Ich lachte, tanzte, spielt' und sung:
- Ich war gesund, mein freies Herz
- Wußt' nichts von Sorge, Müh' und Schmerz;
- In solchen frohen Stunden meinte ich,
- Die ganze Welt wär' nur gemacht für mich.
-
- Doch wenn die Noth zum Herzen drang,
- Wenn Krankheit ihre Geißel schwang,
- Die Lust der Eitelkeit verschwand,
- Ich nicht mehr singen und tanzen konnt':
- Dann fiel mir ein, wie schlimm es würde sein,
- Wär' diese Welt nur da für mich allein.
-
-Das frühzeitige Hinscheiden dieser trefflichen Prinzessin setzte das
-ganze fürstliche Haus in tiefe Trauer, und war auch für mich ein
-schmerzlicher Schlag, da ich bei der herablassenden Freundlichkeit der
-Prinzessin nicht wie eine Dienerin, sondern wie eine Freundin von ihr
-angesehen wurde. Die reichlichen Geschenke, mit denen meine geringe
-Treue im Dienst der Entschlafenen nach ihrem Abscheiden belohnt wurde,
-konnten meinen Schmerz nicht einschläfern. Eine andere Erquickung war
-mir aufgehoben.
-
-
-
-
- Siebentes Kapitel.
- Kirchheim unter Teck.
-
-
-Nach dem Tode der Prinzessin Eberhardine Louise hatte mich die Herzogin
-Mutter selbst unmittelbar in ihre Dienste genommen, und mir die
-Bedienung ihrer eigenen Person übertragen. Sie war meine größte
-Wohlthäterin, ihr wollte ich auch am liebsten dienen. Nach wenigen Tagen
-trat noch eine Kammerfrau in den Dienst, welche der Herzogin von Sachsen
-aus empfohlen worden war, und _Christiana Maria Weisse_ hieß. Als sie
-dem Hof vorgestellt wurde, fühlte sich mein Herz sehr zu ihrer sanften
-Gestalt hingezogen, und sobald wir allein waren, drückte ich ihr meine
-Freude darüber aus, daß wir in Zukunft neben einander dienen sollten,
-weil ich die lebhafte Hoffnung in mir hätte, daß unsere Herzen sich bald
-gegenseitig verstehen würden. Sie äußerte dasselbige, und versicherte,
-es sei ihr so, als hätten wir schon Jahre lang mit einander gelebt, und
-wären nur eine Zeit lang im Schlafe gelegen. »_Guly!_« rief ich, und sie
-im nämlichen Moment: »_Setma!_« und wir lagen einander in den Armen, und
-hielten uns fest umschlossen. Der Eindruck von den verschiedenartigen
-Auftritten, deren Bilder jetzt so schnell an meiner Seele vorüberzogen,
-war aber so stark und heftig, daß ich unwillkürlich in ein lautes Weinen
-gerieth, das wohl eine Viertelstunde anhielt, und während dessen ich
-kein Wort reden konnte. Guly weinte mit, war aber gefaßter als ich, und
-sagte: »ein anderes Mal will ich dir meine Geschichte erzählen, heute
-bist du zu schwach dazu.« -- Ich war damit einverstanden, und in der
-überfließenden Freude meines Herzens stand mir nur Eines klar vor Augen:
-ich wollte so bald als möglich darüber Gewißheit erhalten, ob Guly eine
-Christin geworden, ob sie eine _wahre_ Christin sei, die den Heiland von
-Herzen lieb habe. Um meine Freude völlig zu machen, durfte ich mich auch
-davon überzeugen, daß sie an christlicher Erkenntniß und Erfahrung
-weiter war als ich, und mir eine Stütze werden konnte, der ich sehr
-bedürftig war. Das Herz verläßt sich auf Gott, aber die Hand sucht einen
-Stab. David setzte seine Zuversicht auf den Allmächtigen, aber er hatte
-auch einen Jonathan, und weinte um ihn, als er ihn verlor. Paulus, der
-muthige Glaubenszeuge, klagt wehmüthig, daß ihn in Rom Alle verlassen
-haben, und er nun allein stehe. Wer wollte mir's übel nehmen, daß mein
-Herz bei der Entdeckung, was es in Zukunft an Guly haben werde, vor
-Freuden jauchzte. Ach die Tage der Trauer bleiben ja doch nicht aus; das
-habe ich auch sattsam erfahren. -- Nach einigen Tagen nahm mich Guly,
-als wir eine ruhige Stunde hatten, am Arm, und gieng mit mir in den
-herzoglichen Lustgarten, wo wir uns auf einer Rasenbank niederließen,
-und nun erzählte sie mir ihre Geschichte:
-
-»Meine Empfindungen, als wir nach der Eroberung unserer Vaterstadt so
-unerwartet von einander gerissen wurden, darf ich dir nicht erst
-beschreiben; sie sind ja auch die deinigen gewesen. Ich war fast ganz
-besinnungslos, als mich der General, welcher mich gefangen genommen
-hatte, in's Lager schleppte. Er war schon ein bejahrter Mann, sehr mild
-und leutselig, und hatte mit mir nichts Anderes im Sinn, als mich seiner
-Tochter zur Gesellschafterin zu bringen. Das erfuhr ich aber erst
-später: denn er konnte nicht türkisch und ich nicht deutsch, und so
-mußte ich mich einstweilen mit seiner freundlichen Behandlung begnügen,
-welche ganz über meine Erwartung war. Da der Feldzug bald zu Ende gieng,
-so durfte ich nicht lange im Lager bleiben, und der General, der außer
-der Kriegszeit auf seinem Landgut in Schlesien wohnte, nahm mich mit
-dahin, wo er von seiner Tochter mit der größten Freude empfangen wurde.
-Er sagte ihr, was ich freilich nicht verstand, aber aus seinen
-Bewegungen schließen konnte, daß er mich für sie zur Aufwartung und
-Unterhaltung mitgebracht habe, worüber sie sehr vergnügt zu sein schien.
-Die Freude stockte aber bald wieder, als sie merkte, daß ich nichts von
-ihrer Sprache verstand. Indessen wurde sie nicht unwillig, sondern
-unterrichtete mich mit vieler Geduld und Angelegenheit im Deutschreden
-und Lesen. Letzteres gieng mir schwerer als das Erstere; indessen hatte
-ich es doch in einem halben Jahre so weit, daß ich mich Jedermann im
-Hause verständlich machen und ziemlich deutlich in der Bibel lesen
-konnte. Diese hatte man mir zum Lesebuch gegeben, denn der General war
-ein von Herzen frommer Mann, -- und da ich im Anfang noch nicht wußte,
-was darinnen stand, und daß dieß das Religionsbuch der Christen sei, so
-ließ ich es mir gefallen, was ich nimmermehr gethan haben würde, wäre
-mir jenes bekannt gewesen; denn meine väterliche Religion zu verlassen,
-hatte ich keineswegs im Sinn. Je mehr ich aber nun verstehen lernte, was
-ich las, desto mehr gefiel mir das Buch, und wie ich endlich an die
-Geschichte Jesu kam, und nun merkte, woran ich war, da hatte mich die
-Wahrheit und Lieblichkeit dieser Gottesworte schon so gefangen genommen
-und gefesselt, daß ich nicht mehr zurück konnte. Ich las also die
-Geschichte Jesu vollends durch, las die Apostelgeschichte, die Briefe,
-las Alles bis an's Ende, und da war es in meinem Herzen felsenfeste
-Gewißheit: Das ist ein wahrhaftiges Wort! Das ist Gottes Wort! Noch ehe
-ich die deutsche Sprache recht gelernt hatte, nahm ich schon die
-deutsche Religion an, und ehe ich eine unparteiische Vergleichung des
-Christenthums und des Muhamedanismus anstellen konnte, hatte Christus
-schon Besitz von meinem Herzen genommen. O da erfuhr ich große Gnade und
-Seligkeit! -- Der General und seine Tochter merkten, daß etwas
-Besonderes mit mir vorgehe; aber sie wollten den freien Gang der
-Entwicklung nicht stören, bis ich endlich selbst ihnen mit dem
-Geständniß entgegenkam, daß ich glaube an Christum, den Heiland der
-Welt. Sie waren sehr erfreut darüber, und theilten ihre Freude auch
-sogleich dem Prediger _Rothe_ mit, der in dem zum Gut gehörigen Dorfe
-angestellt war. Dieser kam, und ließ sich von mir erzählen, wie ich zu
-diesem Glauben gekommen sei; dann stand er auf, ein ehrwürdiger
-achtzigjähriger Greis mit schneeweißen Haaren, richtete seine Augen gen
-Himmel, hob die gefalteten Hände empor, und rief: »HErr! nun lässest Du
-Deinen Diener in Frieden fahren; denn meine Augen haben gesehen, daß
-sich eine Seele aus Ismael zu Dir bekehret hat.« -- Dieser alte Knecht
-Christi hatte sich's nämlich zum besondern Anliegen gemacht, um die
-Bekehrung der Muhamedaner zu beten, und seufzte täglich zum HErrn, Er
-möchte doch einmal Seinen Geist unter sie senden, und ihre verblendeten
-Augen aufthun. Um so erwünschter war ihm daher das Beispiel einer zu
-Christo gekommenen Muhamedanerin, und er nahm es als ein Unterpfand der
-Erhörung seiner Gebete an, die ja auch wohl noch in Erfüllung gehen
-können. Er nahm mich nun in besonderen Unterricht, und gab sich alle
-Mühe, mir die christliche Wahrheit recht süß und lieblich, Jesum recht
-groß, mein Verderben recht tief, und die ewige Seligkeit recht herrlich
-vorzustellen. Seine Worte fielen auf einen empfänglichen offenen Boden;
-mein Herz war begierig, recht viel von Jesus und von den himmlischen
-Dingen zu hören, und ich machte oft Fragen an ihn, auf die er mir gar
-keine Antwort gab, sondern sagte: »Du mußt nicht Alles wissen; halte
-fest, was du hast.« Am Weihnachtstage wurde ich getauft, und erhielt die
-Namen:_ Maria Christiana_. Ich fand aber nicht das, was ich erwartet
-hatte. Mein Herz war ziemlich kalt und ungefühlig, meine Aufmerksamkeit
-mehr auf das Aeußere gerichtet, meine Andacht mehr gezwungen als
-lebendig. Ich merkte es zeitig, seufzte und betete, so gut ich konnte;
-aber es blieb so. Ich setzte das Beten den ganzen Tag fort, und siehe
-da, am folgenden Tage kamen alle die Segen, die ich heute nicht genossen
-hatte, stromweise über mich. Der Friede Gottes erfüllte mein Herz, und
-ein solches Wohlsein kehrte bei mir ein, daß ich mich nicht enthalten
-konnte, laut zu jauchzen. Der General sagte: »Maria, nimm dich in Acht:
-wenn der Himmel glüht, gibt's gern Regen. Es könnte auch anders kommen.«
--- Der alte Prediger aber sagte: »Laßt sie doch in ihrer Freude, und
-gönnet ihr's. Die Hochzeitleute können nicht fasten, so lange der
-Bräutigam bei ihnen ist. Freilich wird's einmal anders kommen; aber dann
-ist's noch Zeit genug, das Gesicht in Falten zu legen.«
-
-Der gute Mann hatte Recht, ich dachte oft an ihn. Nun ruht er schon
-lange in seinem Grabe, und neben ihm der alte General. Ach, er starb im
-Frühjahr nach meiner Taufe! Die ersten Schlüsselblümchen schienen sein
-Grab aufgeschlossen zu haben. Er starb schnell dahin, nicht wie eine
-Eiche, die nach und nach abfault; sondern wie eine hohe Fichte, die von
-den gewaltigen Schlägen der Axt schnell zu Boden gelegt wird. Er starb
-gern. »Wenn man nur eine Stunde Zahnweh hat,« sagte er, »so hat man
-schon das Leben satt, und in einem Lebenslauf von 64 Jahren kommt
-manches Weh an den Erdenpilger. Ich hoffe einen guten Tausch zu treffen.
-Mein HErr und Heiland hat mir eine Stätte bereitet. Meine Menschensünden
-und meine Soldatensünden, und meine Generalssünden hat Er mir alle
-vergeben; ich habe Gnade erlangt.« Vor seinem Ende ließ er sich noch
-folgende Verse vorlesen:
-
- Ich geh' dem schönen Land
- Voll Freud' und Segen zu,
- Dem heil'gen Friedensland,
- Dem Land der ew'gen Ruh';
- Wo Oel und Wein mir blüh'n,
- Wo Milch und Honig fließt,
- Aus Lebensbäumen ewig grün
- Mir Gnade sprießt:
-
- Wo unser König wohnt,
- Der Herr der Heiligkeit,
- Der über Welt und Sünde thront
- Im Friedenskleid.
- Auf Zion's sel'gen Höh'n
- Hat Er sein Reich erricht't,
- Und herrscht mit Seinen Heiligen
- Im ew'gen Licht.
-
- Der Herr der Ehren schwor
- (Sein Eid fällt nicht dahin):
- Ich soll mit Adlersflug empor
- Zum Himmel zieh'n.
- Ich soll sein Antlitz seh'n,
- Anbeten Seine Macht,
- Und Seiner Wunder Preis erhöh'n
- In ew'ger Pracht!
-
-Dann sagte er, als er uns weinen sah: »Weinet nicht, Kinder! ein Soldat
-hat schon etwas Uebriges, wenn er auf dem Bett sterben darf, und was
-noch mehr ist: ein sterbender Christ tauscht mit keinem lebenden König.«
-
- »Ich bin selig, reich und satt,
- Weil mein Herz den Heiland hat.«
-
-»Laßt mich im Frieden ziehen?« Darauf faltete er die Hände, schloß die
-Augen und schlief ein wie ein Kind, das am Morgen wieder erwachen wird.
-
-Nach seinem Tode nahm sein Sohn, ein Hauptmann in sächsischen Diensten,
-seinen Abschied, um das väterliche Gut zu übernehmen. Er war ebenfalls
-ein edler, christlicher Mann, und sicherte mir gleich am ersten Tage den
-ungehinderten Aufenthalt bei ihm und seiner Schwester zu. Aber ehe ein
-ganzes Jahr verfloß, kam er zu mir mit dem überraschenden Antrag, ich
-solle seine Gattin werden. Ich machte viele Einwendungen, und bat mir
-Bedenkzeit aus. Durch vieles Zureden von seiner und seiner Schwester
-Seite, und weil ich keine innere Freudigkeit hatte, ihn abzuweisen, ließ
-ich mich endlich bewegen, in seinen Wunsch zu willigen. Wir Drei lebten
-nun bei einander wie die Kinder so vergnügt, und Eines suchte dem Andern
-auf dem Wege zum Leben behilflich zu sein. Nach drei Jahren sah sich
-mein Gatte durch allerlei Umstände genöthigt, seine Güter in Schlesien
-zu verkaufen, und kaufte ein kleines Landgut in Sachsen in der Gegend
-von Budissin. Guten Muthes traten wir die Reise dorthin an. Gleich auf
-der ersten Tagreise aber wurde mein Gatte krank, so daß wir langsam
-reisen und oft unterwegs stille halten mußten. Du kannst dir denken, wie
-beschwert mein Herz auf dieser Reise war, wie viele Thränen ich im
-Verborgenen vergoß, und wie viele Seufzer hinaufstiegen zu Dem, der die
-Liebe ist, auch wenn Er schlägt. Als wir in der Gegend der Landskrone
-bei Görlitz ankamen, ließen wir still halten, und setzten uns im
-Abendsonnenschein auf einen grünen Rasen. Nicht weit davon saß ein Hirte
-bei seiner Schafheerde unter einem Baum und sang folgendes Lied:
-
- Kommt, Lämmlein, weidet nur
- Hier auf der fetten Flur,
- Wo stille Bächlein zieh'n
- Durch Gras und Blumen hin.
- Nah' ist des Hirten Stab und Arm;
- Ruht friedlich hier ohn' Furcht und Harm!
-
- Ihr Lämmer, lauft nicht weg,
- Und bleibt mir im Gehäg':
- Der wilde Wolf wird nah'n,
- Fällt irre Schäflein an.
- Hier ruhet auf der schönen Waid'
- In Fülle, Fried' und Sicherheit.
-
- Kann sich ein Lamm erfreu'n,
- Das nicht will folgsam sein?
- Das die Gefahren kennt,
- Und doch in's Weite rennt?
- Der Wolf erhascht's, in Herzensnoth
- Schreit's laut und jammert, und -- ist todt.
-
- O liebes Lämmlein! flieh'
- Aus meiner Pflege nie!
- Bleib' auf dem reichen Feld,
- Das dir dein Hirt' erwählt.
- Ich will dich schützen Tag und Nacht;
- D'rum bleib' in deines Hirten Wacht!
-
- Ihr Lämmlein in der Hürd'!
- Mich waidet auch ein Hirt',
- Führt mich auf rechter Straß',
- Und liebt mich ohne Maaß':
- Sein Stab und Stecken hilft in Noth.
- Mein Hirte ist mein Heiland, Gott!
-
-Die Worte: »Führt mich auf rechter Straß', und liebt mich ohne Maaß'« --
-giengen mir tief in's Herz, und mein Glaube mußte fest stehen, um bei
-den nachherigen Erfahrungen sie nicht aus dem Gesicht zu verlieren. Laß
-mich schnell darüber weggehen. Nach einem Jahre starb mein Gatte in
-meinen Armen. Seine Schwester folgte ihm bald nach in's Grab. Das Gut
-fiel dem Staate heim, weil keine Erben da waren. Ich wurde mit einer
-kleinen Summe Geldes abgefunden. Mit Empfehlungen an die Herzogin
-versehen, reiste ich nach Württemberg, um einige Verwandte meines sel.
-Gatten aufzusuchen. Sie waren gestorben. So benützte ich denn meine
-Empfehlungen, um bei der Herzogin Dienste zu suchen.«
-
-So weit erzählte Guly, die jetzt Maria heißt, und ich sah nun mit Dank
-gegen Gott, daß mein Weg noch lange nicht der schwerste gewesen sei.
-Später erzählte sie mir Manches noch ausführlicher, und ich erstaunte
-über die schweren Prüfungen, welche Gott ihr auferlegt, und über die
-Geduld und Demuth, welche sie unter denselbigen gelernt hatte. Sie
-beschämte mich oft, wenn ich unzufrieden oder kleinmüthig war, durch
-ihre Stille und Gelassenheit, und durch ihr festes Vertrauen auf Gott,
-und ich kann nicht sagen, wie wohlthätig die Verbindung mit ihr für mein
-Herz war. Unsere gegenseitige Liebe, die schon in früher Jugend
-gepflanzt worden, nahm von Tag zu Tag zu, und wir durften den Segen
-einer durch Christum geheiligten Freundschaft und Gemeinschaft reichlich
-erfahren. Als unsere gnädigste Frau, die Herzogin _Magdalena Sibylla_,
-auf ihren Wittwensitz nach Kirchheim unter Teck zog, waren wir froh, aus
-dem geräuschvollen und zerstreuenden Leben in der Residenz in die Stille
-eines Landstädtchens zu kommen. Wir fanden auch dort christliche fromme
-Menschen, in deren Umgang wir uns erbauen konnten, und brachten unsere
-Zeit im Segen zu. Mit Genehmigung der Herzogin hielten wir eine kleine
-Arbeitsschule für Töchter aus der Stadt von vierzehn bis zwanzig Jahren,
-welche wir im Nähen, Stricken und Sticken unterrichteten, und denen wir
-zugleich durch christliche Gespräche nützlich zu werden suchten. Jedes
-Mal wurde ein Kapitel aus der Bibel gelesen und während der Arbeit
-darüber gesprochen. Dazwischen wurden schöne christliche Lieder
-gesungen, und zuweilen benützten wir, um das Nachdenken unserer Zöglinge
-anzuregen, und sie zu einer genauen Bekanntschaft und einem fleißigen
-Umgang mit der Bibel zu veranlassen, ein altes Buch, in welchem
-mancherlei biblische Räthsel standen, die wir von ihnen auflösen ließen.
-Hier sind einige davon:
-
-In welchem Jahre war die Erde unfruchtbar, und entstand doch keine
-Theurung?
-
-Wer hat einen Fingerring getrunken?
-
-Was ist das für eine Frau, welche in der Schrift in Verbindung mit den
-Zahlen 3, 10 und 12 vorkommt?
-
-Wer ist das, der etwas fand, das er nicht suchte, der zu arm war, es zu
-kaufen, und doch noch etwas dazu kaufte?
-
-Was ist das für ein Haus? -- es steht nicht auf dem Fels und nicht auf
-dem Sand; es hat keine Mauern und keine Fenster; es wohnen mehr Familien
-darin als Menschen; im Januar steht's im Thal und im Dezember auf dem
-Berg.
-
-Welches ist das größte Gefäß, das in der Bibel vorkommt?
-
-Was war das für ein Mann, der auf dem Gebirge geboren wurde, am Wasser
-lebte und in einer Vestung starb? Er war kleiner als die Kleinen und
-größer als die Großen.
-
-Wie hieß der Mann, der am Morgen den Schwachen fürchtete, und bei Nacht
-den Stärksten überwand?
-
-Wie hießen die vier Männer, die von oben herab auf den höchsten Berg des
-Landes kamen?
-
-Wer war das, der sich darüber freute, daß er immer kleiner wurde, und
-deßwegen so groß ist?
-
-Wo wurde das Zeichen der herzlichsten Liebe aus Haß gegeben?
-
-Wie hieß die Frau, die ihr Kostbarstes und ihr Schlechtestes an einem
-Orte verbarg?
-
-Was ist das für ein Thorwart, der nie geboren ist und nie sterben wird?
-
-Wer waren die Männer, die eine theure Waare für Geld kauften, und doch
-umsonst bekamen?
-
-Was ist das für ein Kleid, das kein Schneider gemacht hat, und doch ein
-Weber gewoben?
-
-Was war das für ein Redner, der nur Einmal in seinem Leben gesprochen,
-und der nur Einen Zuhörer hatte?
-
-Was war das für ein Holz, das 600 Männer mehr fürchteten als zwei
-Ochsen?
-
- Was ist so klein und wird so groß,
- Verbirgt so viel und ist so blos?
-
-Gern hätten wir es uns gefallen lassen, bis an unser Lebensende in dem
-freundlichen Kirchheim zu bleiben; aber da am 11. August 1712 die
-Herzogin, meine große Wohlthäterin, starb, so mußten wir wieder nach
-Stuttgart ziehen. --
-
-So weit erzählte Setma selbst. Sie erhielt von dem Herzog _Eberhard
-Ludwig_ auf Empfehlung der verstorbenen Herzogin Kost und Wohnung
-lebenslänglich in der herzoglichen Hofhaltung, lag im Jahr 1714 an einer
-schweren Krankheit darnieder, von der sie sich nie ganz erholte, und wie
-lang sie dann noch gelebt hat, weiß ich nicht. Sie hat an Armen und
-Kranken nach Vermögen viel Gutes gethan, und vielen Sterbenden durch
-frommen Zuspruch ihre letzten Stunden erleichtert. Unsere Großeltern in
-Stuttgart hörten noch manchmal von der _frommen Jungfer Gottliebin_
-erzählen, und wenn auch unsere Enkel nichts mehr von ihr wissen werden,
-so werden sie doch unsere Engel um so besser kennen.
-
-
-
-
- Bei J. F. Steinkopf in Stuttgart sind
- ferner erschienen:
-
-
- Barth, Dr. C. G., Kleinere Erzählungen für die christliche
- Jugend.
-
- I. Bändchen. 3. Aufl. 8. geb. 1 fl. od. 20 sgr.
-
- Inhalt: 1. Der Apotheker und sein Arzt. 2. Die Geschichte des
- Peter Trom. 3. Das Rubinenkreuz. 4. Das Frauenkreuz. 5. Die
- Wachsfigur. 6. Das Stöberwetter. 7. Die Geschichte des Michel
- von Breitenfurth. 8. Das Concilium Nepomucenum. 9. Geschichte
- einer Sturmhaube. 10. Das Kutschenrad.
-
- II. Bändchen. 2. Aufl. 8. geb. 1 fl. od. 20 sgr.
-
- Inhalt: 1. Der Bernhardskrebs. 2. Die Geschichte vom Sternwirth.
- 3. Das verlorene Kind. 4. Die vier Brüder. 5. Die drei Häuser. 6.
- Der Sacktuchhändler. 7. Der seltsame Appetit. 8. Die
- Schatzgräber. 9. Der blaue Herr. 10. Das Rettungshaus auf dem
- Arlberge.
-
- III. Bändchen. 8. geb. 1 fl. od. 20 sgr.
-
- Inhalt: 1. Zwei Schiffsjungen. 2. Der Kontrast. 3. Nilus und
- Theodulus. 4. Die Winternacht. 5. Das Joch in der Jugend. 6. Der
- kleine Schornsteinfeger. 7. Der Knabe im Ledersack. 8. Die
- Pistolenkugel. 9. Glück aus Todesfurcht. 10. Die Erscheinung. 11.
- Die Nacht am Tage.
-
- IV. Bändchen. 8. geb. 1 fl. od. 20 sgr.
-
- Inhalt: 1. Das verlorene Kind. 2. Das maurische Gold. 3. Jusqu' à
- la mer. 4. Jusqu' à l'amère. 5. Poccahontas. 6. Züge aus dem Bild
- eines Menschenfreundes. 7. Der Apostel der Maoris. 8. Der
- verwaiste Knabe. 9. Die himmlische Prinzessin. 10. Viktor von
- Upflamör. 11. Graf Hubert von Calw.
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription
-
-
-Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im Original
-g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_
-gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt waren,
-wurden ^so^ markiert.
-
-Die Schreibweise und Grammatik der Vorlage wurden weitgehend
-beibehalten. Lediglich offensichtliche Fehler wurden berichtigt wie hier
-aufgeführt (vorher/nachher):
-
- [S. 21]:
- ... ein Haß gegen die christliche Religon eingepflanzt ...
- ... ein Haß gegen die christliche Religion eingepflanzt ...
-
- [S. 26]:
- ... so still, alle Umstände waren so anfregend, ...
- ... so still, alle Umstände waren so aufregend, ...
-
- [S. 35]:
- ... Zimmer beiben.« ...
- ... Zimmer bleiben.« ...
-
- [S. 68]:
- ... in der Betrachtuug der heiligen Schrift ...
- ... in der Betrachtung der heiligen Schrift ...
-
- [S. 74]:
- ... erretten wird. -- Aber wie ist's denu nun ...
- ... erretten wird. -- Aber wie ist's denn nun ...
-
- [S. 84]:
- ... folgende von einer englischen Prinzessin gedichtete ...
- ... folgende von einer englischen Prinzessin gedichteten ...
-
- [S. 91]:
- ... Angen aufthun. Um so erwünschter ...
- ... Augen aufthun. Um so erwünschter ...
-
- [S. 97]:
- ... Mich waidet anch ein Hirt', ...
- ... Mich waidet auch ein Hirt', ...
-
- [S. 104]:
- ... l'amère. 5. Poccahoutas. 6. Züge aus dem Bild ...
- ... l'amère. 5. Poccahontas. 6. Züge aus dem Bild ...
-
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Setma, das türkische Mädchen, by
-Christian Gottlob Barth
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SETMA, DAS TÜRKISCHE MÄDCHEN ***
-
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