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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Setma, das türkische Mädchen - Eine Erzählung für Christenkinder - -Author: Christian Gottlob Barth - -Release Date: October 11, 2015 [EBook #50182] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SETMA, DAS TÜRKISCHE MÄDCHEN *** - - - - -Produced by Heiko Evermann, Jens Sadowski, and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This -book was produced from scanned images of public domain -material from the Google Books project. - - - - - - - - - - Setma, - das türkische Mädchen. - - - Eine Erzählung für Christenkinder. - - Vom Verfasser des >armen Heinrich<. - - Fünfte Auflage. - - Stuttgart, 1869. - Druck und Verlag von J. F. Steinkopf. - - - - - Liebe Kinder! - - -Ich soll euch wieder etwas erzählen, haben einige Leute gesagt, und zwar -haben sie gesagt, ich soll auch einmal eine Geschichte von einem Mädchen -erzählen, nicht immer nur von Knaben. Nun weiß ich eine schöne -Geschichte, und die auch wahr ist, aber von einem _türkischen_ Mädchen. -In den letzten Jahren habt ihr wohl immer viel von den Türken gehört, -was das für wilde grausame Leute sind; aber vor diesem Mädchen dürft ihr -euch deßwegen nicht fürchten, die ist gar sanft und gutmüthig, und hat -viel mehr Angst vor den Christen ausgestanden, als ihr je vor den -Türken. Ich denke also, ich will euch diese Geschichte erzählen, und -wenn sie euch nicht gefallen sollte, so ist mir's leid, und ich will's -ein ander Mal besser machen, wenn ich noch lebe. Manches von euch liest -wohl heuer zum letzten Mal ein Weihnachtbüchlein, und ist über's Jahr -nicht mehr da. Was meinet ihr, liebe Kinder! wie viele von denen, die -den »armen Heinrich« vor drei Jahren gelesen haben, seitdem in die -andere Welt hinübergegangen sind? Wenn ich's wüßte, wollte ich es euch -sagen, und ihr würdet erstaunen. Wie bald kann's auch uns treffen! -Bedenket dieß! - -Nun so lebet denn wohl, ihr Lebenden! und sterbet wohl, ihr Sterbenden! -Es kommt ein Tag, da wir uns wiedersehen. - - Der Verfasser. - - - - - Erstes Kapitel. - Setma und Guly in Belgrad. - - -Wo die Save in die Donau fließt, an der Grenze des türkischen Reiches -gegen Oestreich, liegt die große Handelsstadt und Festung _Belgrad_, -sonst auch _Griechisch-Weißenburg_ genannt. Sie hat 30,000 Einwohner, -und hundert türkische Moscheen oder Bethäuser stehen innerhalb ihrer -Mauern. Die Einwohner sind größtentheils Servier, doch wohnen auch viele -Türken darin, da die Stadt unter türkischer Botmäßigkeit steht, obgleich -sie schon mehrere Mal von den Christen erobert worden ist. In dieser -Stadt wurde im Jahr Christi 1671 das Mädchen geboren, dessen Geschichte -euch in diesem Büchlein erzählt werden soll. Sie erhielt den Namen -_Setma_. Fast hätt' ich gesagt: bei der Taufe; und doch wurde sie nicht -getauft: denn ihre Eltern bekannten sich zur muhamedanischen Religion. -Ihr Vater war ein türkischer Kaufmann, Namens _Osman_, der ein -beträchtliches Vermögen besaß, und sein Geschäft mit Schiffen auf der -Donau trieb. Er hatte das Amt eines Baschi oder türkischen -Ober-Commissärs, und stand überdieß noch deßwegen in großem Ansehen, -weil er ein Hadschi war, d. h. weil er eine Wallfahrt nach Jerusalem und -nach Mekka, dem Geburtsort Muhameds, gemacht hatte. Er wurde daher -gewöhnlich _Hadsch'-Osman_ genannt. - -Nun soll euch Setma selber weiter erzählen: - -In stiller Zurückgezogenheit bin ich aufgewachsen, und nicht viel unter -die Leute gekommen: denn mein Vater war ein sehr ernsthafter und -strenger Mann, und meine Mutter starb, da ich kaum drei Jahre alt war. -Ich wurde hierauf der Aufsicht einer verständigen Sklavin übergeben, -welche schon bei Jahren war und unsere Haushaltung besorgte. Im Lesen -und Schreiben wurde ich nicht unterrichtet; das Einzige, was man mich -lehrte, waren einige Gebete und Sprüche, wie sie bei den Muhamedanern -gebräuchlich sind. Doch lernte ich auch einige weibliche Arbeiten. Mein -Vater hatte einen deutschen Sklaven aus Böhmen; von dem lernte ich zum -Zeitvertreib etwas deutsch. Ach wer hätte es damals glauben sollen, daß -ich das einst so gut würde brauchen können! Aber die Wege Gottes mit -Seinen Menschenkindern sind wunderbar, und oft bereitet Er sie lange -vorher auf etwas vor, das sie später erfahren sollen. Ehe der Weber sein -Gewebe anfängt, sind schon die rothen und blauen Fäden zugerüstet, -welche hineingewoben werden sollen; aber Niemand als er allein weiß -zuvor, wo sie hineinkommen, und was für ein Bild daraus werden wird. - -Ich hatte eine Gespielin von meinem Alter, Namens _Guly_, welche täglich -zu mir kam, und mit welcher ich nach und nach zur innigsten Freundschaft -verbunden wurde. Wir unterhielten uns, wenn wir zusammenkamen, mit -Kinderspielen: denn von Gott und göttlichen Dingen wußten wir nichts zu -reden, weil wir zu wenig davon verstanden. O wie glücklich sind doch -Christenkinder, die von Kindheit auf mit dem Heiland und mit so vielen -schönen Geschichten, welche in der Bibel stehen, bekannt gemacht werden! -Die können ihre Zeit viel besser zubringen. Wenn sie es nur auch immer -thäten! Wie froh wären wir gewesen, wenn wir die schönen Erzählungen von -Joseph, Mose, Samuel, David, Jesus selbst und den Aposteln gewußt -hätten, und hätten sie einander erzählen können! Da hätte uns die Zeit -nie lang werden können. Das Liebste war uns, wenn der Vater, der oft in -Geschäften verreisen mußte, nicht zu Hause war, und die Aufseherin Zeit -hatte, sich mit uns abzugeben und uns allerlei Geschichten, Mährchen und -Fabeln zu erzählen. Das war freilich nichts Christliches; aber doch war -zuweilen etwas Gutes und Lehrreiches darunter. Ich erinnere mich noch -einer Fabel, die sie uns oft erzählen mußte, weil wir immer große Freude -daran hatten. Es war - - - die Fabel vom Frosch und von der Haselmaus: - -»Vor vielen, vielen Jahren lebte eine Haselmaus mit sehr weichen Füßchen -und hellen Aeuglein in einer kleinen Höhle nahe an dem Fuß eines -Felsens. Die kleinen Kinder, welche von einigen benachbarten Hütten -herbeikamen, um auf einem Moosplatz unter diesem Felsen zu spielen, -konnten die Höhle nicht sehen, weil ein Zweig von Epheu darüber -hergewachsen war; und da der Epheu das ganze Jahr grün blieb, so -gewährte er der Haselmaus ein beständiges Obdach. Nicht weit von der -Höhle der Haselmaus, in einem sumpfigen Platz unter dem Felsen lebte -eine Familie von Fröschen, welche sich in den dunkeln Stunden der Nacht -durch ihr Gequake der Nachbarschaft kund gaben, so daß Jeder, der -vorbeigieng, sie leicht ausfindig machen konnte, wenn er sich die Mühe -nehmen wollte. Nun geschah es in einer hellen Mondnacht, daß eine Anzahl -roher Knaben, welche vom Felde in ihre Hütten zurückgiengen, zufällig -das Quaken dieser Frösche hörte, worauf sie dem Schalle nachgiengen bis -zu ihrem Aufenthaltsort, und anfiengen, sie mit Steinen zu werfen. -Dadurch wurden die kleinen Thiere bewogen, sich zu flüchten, so gut sie -konnten, und einer von ihnen nahm seine Zuflucht zu der Wohnung der -Haselmaus, wo er sich hinter die grüne Thüre von Epheu setzte, und um -Erlaubniß bat, unter diesem Obdach zu bleiben, bis die Gefahr vorüber -wäre. Die Haselmaus, als sie von den Umständen unterrichtet war, hieß -den Frosch sehr freundlich willkommen, und sagte zu ihm, obgleich ihre -Höhle sehr klein sei, so stehe ihm doch die Hälfte derselben zu Dienst. -Der Frosch war sehr dankbar für dieses gütige Anerbieten, schob sich in -die Höhle hinein, kauerte sich auf eine Seite so eng zusammen, als er -konnte, und wartete ganz ruhig, bis der Lärm der Knaben aufhören würde. -Es wurde sonst kein Laut in den Wäldern gehört, als das Zirpen einiger -Grillen, die sich in der Nähe aufhielten, und das Plätschern einer -kühlen Quelle, welche über den Felsen herabrann. - -Als seine Furcht nachgelassen hatte, fieng der Frosch an, nach seiner -Gewohnheit sich zu blähen und aufzublasen, und ließ seiner üblen Laune -freien Lauf. »In der That, Nachbarin Haselmaus« -- sagte er -- »du hast -da eine sehr bequeme Wohnung, ob sie gleich für unser zwei kaum geräumig -genug ist, und dennoch könnte ich sehr froh sein, den Rest meines Lebens -hier zuzubringen.« - -»Ja« -- erwiederte die Haselmaus -- »die Wohnung ist allerdings sehr -bequem, und ist schon lange ein Eigenthum unserer Familie.« - -»Wirklich« -- fuhr der Frosch fort -- »ich wünschte nur, daß sie ein -bischen größer wäre: denn ich fürchte, du wirst schon finden, daß du in -deinem Winkel kaum Platz genug hast.« -- Damit fieng er an, seine -faltige Haut so aufzublasen, daß die kleine Haselmaus ganz an die Wand -gedrückt wurde, und da sie merkte, daß es vergeblich sein würde, sich -mit einem so gehässigen Thiere in einen Streit einzulassen, flüchtete -sie sich aus der Höhle, lief einen großen Theil der Nacht hindurch, und -kam vor der Morgendämmerung wohlbehalten am andern Ende des Waldes bei -einer bequemen Wohnung an, welche ihrem Bruder gehörte. Unterdessen -blieb der Frosch in der Höhle, und da er in einem Winkel derselben einen -Vorrath von Lebensmitteln fand, welche die Haselmaus für den Winter -aufgespeichert hatte, ließ er sich diese Leckerbissen so gut schmecken, -bis er so breit und dick wurde, daß er nicht mehr durch die Oeffnung der -Höhle hindurch konnte. Nach und nach verschlossen Erdstückchen und -Steinchen, die vom Felsen herabfielen, den Eingang vollends, und da das -Wasser, welches über die Felsen rieselte, eine versteinernde Eigenschaft -hatte, so wurde der Frosch in seiner Höhle eingeschlossen, wie in einem -Grab, und ohne Luft schöpfen zu können, mußte er darin bleiben bis vor -ungefähr dreißig Jahren. Da wurde von einigen Steinbrechern der Fels, -der aus Kalkstein bestand, gebrochen; sein Grab ward geöffnet; er -athmete noch ein paar Mal, und starb.« - -Damals verstand ich den Sinn dieser Fabel nicht, und ergötzte mich nur -an der Erzählung selber; später aber fiel sie mir oft ein, wenn ich sah, -wie übel es einem Menschen gehen kann, der einen Andern gewaltthätig aus -seinem Eigenthume vertreibt, und sich zum Besitzer davon macht, -besonders aber, wenn ich darauf Acht hatte, welch' trauriges Ende der -Undank nimmt. O du armer Mann! dachte ich da, du hast auch nichts vom -Unglück des Frosches gehört! - -So lebte ich nun unter glücklichen Umständen in leichtem Kindersinne -dahin bis in's eilfte Jahr; da hatte ich die erste schmerzhafte -Erfahrung zu machen. Mein Vater wurde gefährlich krank, und man sagte -mir bald, daß an seine Genesung nicht mehr zu denken sei. Ich war -untröstlich, denn ob er gleich ein strenger Mann gewesen, so hatte ich -ihn doch herzlich lieb, und konnte mich nicht in die Trennung von ihm -schicken. Ich kniete oft an seinem Krankenlager und weinte. Er war ganz -ruhig und in sein Schicksal ergeben. »Jedem Menschen,« sagte er, »ist -seine Stunde bestimmt, und er kann ihr nicht entrinnen. Die meinige ist -nun gekommen, und ich fürchte sie nicht. Ich hoffe, in das Paradies -einzugehen. Allah akbar! (d. h. Gott ist groß!)« Mein Vater verließ sich -darauf, daß er in Mekka gewesen, und glaubte deßwegen, die Seligkeit -könne ihm nicht fehlen. Als ich nachher zur Erkenntniß der christlichen -Wahrheit kam, war ich oft wegen seines Schicksals in der Ewigkeit sehr -bekümmert, bis mich Gott nach Seiner großen Barmherzigkeit auch darüber -innerlich beruhigte. Am siebenten Tage nach dem Anfang seiner Krankheit -starb mein Vater. Nach der Beerdigung übernahm mein Bruder das -Handlungsgeschäft und die Haushaltung. Sonst blieb Alles beim Alten. -Guly besuchte mich alle Tage, und wir brachten die meiste Zeit bei -einander zu. Zwar gab's ein Jahr darauf einen schweren Krieg. Eine -türkische Armee zog bis nach Wien, und belagerte diese Stadt neun Wochen -lang, wurde aber geschlagen, und mußte in Eilmärschen sich bis nach -Belgrad zurückziehen. Da kamen auch viele Tausende gefangener -Christensklaven durch die Stadt, welche durch ihr jammervolles Aussehen -manches türkische Herz zum Mitleiden bewegten. Aber Alles das gieng -vorüber, und war für Kinder meines Alters mehr ein unterhaltendes -Schauspiel als ein Gegenstand ernsthafter Ueberlegung. Sonst gieng ein -Tag dahin wie der andere, mit wenig Abwechslung in unserem kleinen -häuslichen Kreise. Was ich wünschte, bekam ich im Ueberfluß; Plage hatte -ich keine als manchmal Langeweile; zu fürchten hatte ich auch nichts als -die Trennung von meiner Guly, welche ich wie eine Schwester liebte. Dieß -ist Alles, was ich von meiner Jugendzeit bis in's siebenzehnte Jahr -meines Alters zu erzählen weiß. Als ich dasselbe angetreten hatte, -gefiel es meinem Bruder, dem ich wie einem Vater gehorchen mußte, mich -mit einem seiner Freunde, einem türkischen Kriegs-Commmissär und -Zahlmeister bei den Janitscharen, zu verloben. Ich kannte ihn nicht, war -auch nicht darum befragt worden, und das Widerstreben hätte nichts -geholfen: ich mußte mich also darein ergeben. Was mir diese Veränderung -am meisten erschwerte, war die Besorgniß, in Zukunft die Gesellschaft -meiner lieben Guly entbehren zu müssen, an die ich mich so sehr gewöhnt -hatte. Aber wie ganz anders gieng's! Mein Bruder hatte beschlossen, ehe -die Heirath wirklich vollzogen würde, noch eine große Geschäftsreise -nach Tiflis und Ispahan zu machen, und trat diese Reise im Juni des -Jahres 1688 wirklich an. Ich nahm Abschied von ihm, ohne daran zu -denken, daß wir uns zum letzten Mal gesehen hätten. Aber bald hieß es, -Belgrad solle belagert werden, und schon im Anfang des August rückten -die Deutschen, unter der Anführung des tapfern Kurfürsten von Bayern, -Maximilian Emanuel, gegen die Stadt an. Im Anfang hatten die Türken gar -wenig Furcht, und hielten es fast für unmöglich, daß die Stadt -eingenommen werden könnte; deßwegen wurde auch Niemanden gestattet, aus -der Stadt zu flüchten. Aber am 10. August merkte man aus den Anstalten, -welche die Deutschen trafen, daß es ihnen mit der Belagerung Ernst sei, -und nun bekamen die Einwohner der Stadt Erlaubniß, auf ihre Rettung -bedacht zu sein. Viele Personen brachten nun ihr bestes Eigenthum auf -die Schiffe, und fuhren damit die Donau hinunter. Aus allen Straßen -drängten sich Leute herzu, welche ihr Leben vor dem Christenschwert, und -ihre Habe vor den räuberischen Christenhänden in Sicherheit bringen -wollten. Aber noch war nicht die Hälfte der Fliehenden eingeschifft, als -sich ein ungemein heftiger Sturmwind erhob, der die übrigen vom Strome -hinweg in ihre Häuser trieb, um auf den morgenden Tag zu warten, denn -während des Sturmes war es nicht möglich, die Schiffe zu laden und -fortzubringen. Unter diesen Flüchtlingen, die wieder in die Stadt -zurückkehren mußten, war auch ich. Mit zwei Sklavinnen und einem -Bedienten hatte ich mein väterliches Haus verlassen, und nichts mit mir -genommen, als eine kleine Kasse voll Goldstücke und mein -Juwelenkästchen. Aber ich war zu spät an den Haven gekommen, um noch mit -den ersten Schiffen abfahren zu können, und als ich schon mit einem -andern Schiffer für mich und meine Leute akkordirt hatte, was mein -Bedienter besorgte, da kam jener Sturm, und trieb uns in die Stadt -zurück. Es war eine angstvolle Nacht, und kein Schlaf kam in meine -Augen. Der Sturm wehte heftig fort, und wenn er morgen nicht aufhörte, -so war zu befürchten, daß uns der einzig noch offene Weg zu entkommen, -auch vollends verschlossen werde. Endlich nach Mitternacht wurde es -ruhig, der Sturm hatte aufgehört, und ich faßte wieder neuen Muth und -neue Hoffnung. Die Augenblicke wurden mir zu Stunden, bis der Tag -anbrach, und ich das Haus verlassen konnte, um zum Haven in das rettende -Schiff zu eilen. Zuerst gieng ich nach dem Hause meiner Freundin _Guly_, -deren Familie sich, wie ich erst spät in der Nacht hörte, endlich auch -noch entschlossen hatte, zu fliehen. Aber schon dort hörte ich, was den -muthigsten Flüchtling in Angst und Schrecken setzen mußte, daß nämlich -die Stadt umher von den Deutschen völlig berennt und eingeschlossen sei; -kein Ausweg zur Flucht sei mehr offen, und ein Jedes müsse sich nun auf -das Schicksal gefaßt machen, das auf die Einwohner einer belagerten und -eroberten Stadt warte. Unglückselige Botschaft! Da stand ich, von allen -meinen Hoffnungen herabgeworfen zu der traurigen Nothwendigkeit, in die -Hände christlicher Sieger zu fallen, die an den Türken so viel erlittene -Mißhandlung und Grausamkeit zu rächen hatten. Ich fiel meiner Freundin -um den Hals und weinte, und sie weinte mit. O die armen kurzsichtigen -Menschen, die sich so viele vergebliche Sorgen machen! O die noch -ärmeren, die keinen lebendigen Gott kennen, auf den sie ihr Vertrauen -setzen dürften, und daher in Verzweiflung gerathen, sobald es dunkel -wird um sie her! So war ich damals. Die erbarmende Liebe Gottes, welche -etwas Besseres für mich ausersehen hatte, machte mir das Entrinnen -unmöglich, und ich war darüber höchst unzufrieden und schmerzlich -betrübt. Er wollte mir zur wahren Freiheit helfen, und mir graute nur -vor Ketten und Banden des Leibes. O Er hielt mich damals schon fest mit -Seilen der Liebe. Lobe den Herrn, meine Seele! - - - - - Zweites Kapitel. - Der Besuch in Wien. - - -So nahm denn am 11. August die eigentliche Belagerung der Stadt ihren -Anfang, und weil ich in der Vorstadt an der Oberstadt wohnte, so mußte -ich meine Wohnung gleich den Feinden überlassen, und mich auf die andere -Seite in die Wasserstadt flüchten, wo ich in dem Hause meiner Freundin -_Guly_ freundliche Aufnahme fand. Das war eine Zeit großer Angst und -Furcht, in welcher eine Schreckensbotschaft die andere ablöste, die Tage -ohne Ruhe und die Nächte ohne Schlaf dahingiengen, und jeder Lebende nur -Einen Nachbar hatte, nämlich den Tod. O hätte ich damals recht beten -können, wie viel leichter wäre mir das Alles zu tragen gewesen! In den -sechs und zwanzig Tagen der Belagerung wuchs die Noth und Beängstigung -von Tag zu Tage mehr. Alle Nachrichten von den täglichen Fortschritten -der Feinde überzeugten uns, daß nichts Anderes als die Einnahme der -Stadt zu erwarten sei. Endlich am 6. September wurde, ungeachtet der -verzweifelten Gegenwehr von türkischer Seite, durch die unglaubliche -Tapferkeit der Christen die Stadt und Festung mit stürmender Hand -erobert, und in der ersten Hitze Alles niedergemacht. Da die -Wasserstadt, wo wir wohnten, am weitesten von dem Anlauf entfernt war, -so mußten wir auch länger in der Todesangst schweben. Immer näher wälzte -sich das brüllende Geschrei der Sieger und das jammernde Wehklagen der -Mißhandelten und Sterbenden; ich hatte mich darauf gefaßt gemacht zu -sterben, und es war noch mein einziger Wunsch, nur nicht den Barbaren -als Sklavin in die Hände zu fallen. Aber was ich auf's Aeußerste -fürchtete, gerade das widerfuhr mir. Ein vornehmer Offizier nahm mich -gefangen, ergriff mich bei der Hand, und riß mich in größter Eile mit -sich fort. So gieng's denn durch das Gedränge von Menschen und Pferden, -über Todte und Verwundete hinüber, durch Bäche von Blut, unter -herzzerreißendem Geschrei von allen Seiten, der Sklaverei zu, vor der -mir's tausendmal mehr schauderte, als vor dem Tode. Welche Bestürzung, -welches Entsetzen mich damals ergriffen hatte, kann man sich denken. -Etlichemal suchte ich, wenn wir in's Gedränge kamen, mich loszureißen, -und wollte lieber von den Pferden zertreten werden, als eine Gefangene -der Christen sein. Aber ich wurde fest bei der Hand gehalten, und mußte -folgen, wohin ich nicht wollte, bis ich, von fremdem Blut fast ganz -überzogen, endlich mit großer Mühe in's feindliche Lager gebracht war. - -So mußte ich denn Sklavin sein unter einem Volke, das ich aufs Aeußerste -verabscheute, nicht blos, weil mir von Kindheit an ein Haß gegen die -christliche Religion eingepflanzt war, sondern auch, weil ich sehen, -hören und erfahren mußte, wie diejenigen, die sich rühmten, Christen zu -sein, eben so arg und noch ärger als die Türken lebten, und sich mit den -gräulichsten Lastern befleckten. Das konnte dann freilich bei mir und -andern Türken keinen andern Eindruck machen, als daß ihre Religion ganz -falsch, und sie ferne sein müssen von der Furcht des wahren Gottes. -Nachher erst lernte ich auch Christen von einer besseren Beschaffenheit -kennen, die mich anders denken lehrten. - -Indessen war bei mir keine Wahl; ich mußte folgen, wohin mich der, den -mir Gott zum Herrn und Gebieter gegeben hatte, haben wollte. Als nun der -Kurfürst von Baiern nach der Eroberung Belgrads so schnell zurückeilte, -daß er schon den 4. Oktober in seiner Residenz zu München ankam, so -mußten ihm auch seine christlichen Truppen schleunigst folgen, und so -wurde auch ich noch denselben Herbst von meinem Gebieter, dem bairischen -Obristlieutenant _Burget_, durch Ungarn und Oestreich nach Baiern -geführt, und in die Stadt Landshut gebracht. Unterwegs machte mein Herr -einen Besuch bei seinem Bruder in Wien, der östreichischen Hauptstadt, -welche die Türken _Beks_ nennen. Dieser war ein kaiserlicher Hofrath und -wohnte in der Annagasse, nicht weit vom Kärnthner Thor. Mein Herr durfte -nur drei Tage in Wien bleiben, was ihm sehr ärgerlich war, und mir wo -möglich noch mehr. Denn hier lernte ich zum ersten Mal einen Christen -kennen, der diesen Namen verdiente. Es war ein alter Legationsrath, -der im Hause des Hofraths wohnte, und schon mehrfach als -Gesandtschafts-Sekretär gedient hatte. Er kam jedesmal zum Essen, und -ich verstand so viel Deutsch, um aus seinen Erzählungen zu merken, daß -in ihm ein frommes Gemüth sei, das für alle Erfahrungen, die er in -seinem Leben gemacht, Gott die Ehre gab, und Ihm für Seine Güte dankte. -Das war mir etwas ganz Neues und Seltsames, und ich war sehr aufmerksam, -um kein Wort zu verlieren, das dieser gute alte Mann sagte. Einmal bei -Gelegenheit einer Nachricht, daß an mehreren Orten auf der türkischen -Grenze die Pest ausgebrochen sei, theilte er seine eigenen Erfahrungen -mit, die in uns Allen einen tiefen Eindruck von der schrecklichen Gewalt -dieser Krankheit zurückließen. Ich will es mit seinen Worten wieder -erzählen: - -»Als ich,« sagte er, »vor drei und zwanzig Jahren Gesandschafts-Sekretär -in London war, brach dort die große Pest aus, die vielen tausend -Menschen das Leben kostete. Diese Krankheit machte nicht viele Umstände: -in der kürzesten Zeit raffte sie die vorher gesundesten Menschen hinweg. -Manchmal fiel ein Mann oder eine Frau mitten auf dem Marktplatz todt -darnieder: denn viele Leute, welche die Pest hatten, wußten nichts -davon, bis ihre Lebensgeister angegriffen wurden und sie in wenig -Augenblicken starben. Häufig fielen Leute auf diese Weise auf den -Straßen ohne irgend ein Vorzeichen plötzlich um, und waren auf der -Stelle todt. Andere hatten etwa noch Zeit, bis zur nächsten Bude oder -Thorhalle zu gehen, und setzten sich nieder und starben. Diese Vorfälle -waren auf den Straßen so häufig, daß man kaum Jemand wandeln sah, wohl -aber hie und da einen Leichnam auf dem Boden liegen. Im Anfang standen -die Vorübergehenden still, wenn sie so einen Todten antrafen, und riefen -den Nachbarsleuten zu, sie sollten herbeikommen; aber nachher, als die -Fälle so häufig wurden, und die Angst eines Jeden für sein eigenes Leben -immer größer, nahm man gar keine Notiz mehr davon. Fand Jemand unterwegs -einen Leichnam liegen, so gieng er quer über den Weg, um ihm -auszuweichen; und war es in einer engen Gasse, so kehrte er um und -machte einen andern Weg. Da blieben denn die Leichname so liegen, bis -die Polizei Nachricht hatte und sie wegschaffen ließ, oder bis in die -Nacht, wo sie der Todtenkarren, der durch die ganze Stadt fuhr, auflud.« - -»Auf meinen Wanderungen mußte ich manchen traurigen Auftritt mit ansehen -von Leuten, welche in den Straßen todt niederfielen, oder das furchtbare -Angstgeschrei der Frauen anhören, welche im Todeskampf noch die Fenster -öffneten, und auf eine erschreckliche Weise herausschrieen. Eines Tages, -als ich durch Tokenhouse Yard gieng, wurde plötzlich gerade über mir ein -Fensterflügel heftig aufgerissen, und eine Frau stieß drei furchtbare -Schreie aus, und rief: O Tod! Tod! Tod! in einem schreckenerregenden -Tone, der mir das Blut gerinnen machte. Es war Niemand auf der Straße zu -sehen, öffnete auch Niemand ein Fenster: denn die Leute hatten alle -Neugierde verloren. In Whitechapel kannte ich eine Familie von zehn -Personen: sie waren alle anscheinend wohl am Montag; am Samstag -Nachmittag waren alle todt, und das Haus stand leer.« - -»Ein sonderbarer Vorfall begegnete nur eines Abends, als ich über City -Road gieng. Es war schon halb Abenddämmerung, und ein dichter Nebel, der -kaum zehn Schritte weit sehen ließ. Ich hatte mich verspätet, und eilte, -um noch bei Tage meine Wohnung zu erreichen, ohne Jemand zu berühren. -Niemand begegnete mir. Niemand zeigte sich auf der Straße. Auf einmal -sah ich vor mir eine Gestalt, die sich bewegte, und blieb stehen. Bei -genauerer Betrachtung fand ich, daß es ein Mensch war, der sich bemühte, -einen andern zu Boden gefallenen, und also wahrscheinlich todten -Menschen aufzurichten. Ich rief ihm zu: »»Freund! bedenket Ihr auch, was -Ihr thut? Ihr rühret einen Menschen an, der ohne Zweifel an der Pest -gestorben ist, und müßt doch wissen, daß eine solche Berührung das Leben -kostet!«« -- Der Mann richtete sich langsam auf, und entgegnete mit -einer hohlen Stimme: »»Kamerad! für mich darfst du keine Sorge haben; -ich bin schon einmal an der Pest gestorben, mir thut sie nichts mehr; -aber den da hat sie scharf gepackt.«« -- Die Stimme klang so tief -herauf, ihr Inhalt war so sonderbar, Alles umher so still, alle Umstände -waren so aufregend, und die Gestalt stand im Nebel so feierlich da, daß -es mir zu verzeihen gewesen wäre, wenn ich wirklich geglaubt hätte, -einen Geist aus der andern Welt zu hören; aber indem ich überlegte, was -ich aus der Sache machen sollte, fiel die lange Gestalt mit einem Schrei -zu Boden, und war auch todt. Nachher hörte ich, daß es ein Wahnsinniger -gewesen, der durch die Abwesenheit seines Wächters, welcher etwas holen -wollte, Gelegenheit gefunden hatte, sich los zu machen und auf die -Straße zu gehen. Da traf er denn seinen Wächter an, den die Pest -unterwegs ergriffen und getödtet.« - -»Zu dieser Zeit lebte auch Lord Craven in London. Sein Haus war in dem -Theil der Stadt, der seitdem Craven Buildings heißt. Als die Pest -allgemein wurde, entschloß sich der Lord, auf seinen Landsitz zu ziehen, -um der Gefahr zu entgehen. Als er durch sein Schloß gieng, den Hut auf, -seine Handschuhe anziehend, um eben in die Kutsche zu steigen, hörte er -seinen Kutscher, der ein Neger war, zu einem andern Bedienten sagen: -»»Ich denke, da mein Herr London verläßt, um der Pest zu entfliehen, so -muß sein Gott auf dem Lande leben, und nicht in der Stadt.«« -- Der arme -Schwarze sagte dieß in der Einfalt seines Herzens, weil er wirklich -glaubte, daß es verschiedene Götter gebe, die an verschiedenen Orten -Macht haben. Dieses Gespräch machte aber auf Lord Craven einen solchen -Eindruck, daß er in London blieb, wo er in dieser Zeit der Noth sehr -thätig und nützlich war, und Gott war so gnädig, sein Leben zu -erhalten.« - -So erzählte der Legationsrath, und setzte hinzu: »Lasset uns Gott -bitten, daß diese fürchterliche Plage nicht auch zu uns herüberdringe. -Wir hätten's wohl verdient mit unsern Sünden.« - -Wie gerne hätte ich diesem Manne mein Herz geöffnet, wenn die Umstände -es erlaubt hätten, und unser Aufenthalt in Wien von längerer Dauer -gewesen wäre. Aber nach drei Tagen mußte ich auch diesen Ruhepunkt -wieder verlassen, und meine betrübte Reise weiter fortsetzen. O wie -schmerzlich war das! Vom Vaterlande immer weiter hinweg, ohne Hoffnung, -wieder in dasselbe zurückzukommen, oder jemals Eines von den Meinigen -wieder zu sehen; und hinein unter ein Volk, gegen welches ich die größte -Abneigung hatte, und von dem ich nichts als Verachtung, Mangel und -harten Dienst zu erwarten hatte. Als wir Wien verließen, hörten wir dort -schon ein Volkslied auf die Eroberung von Belgrad singen, das also -anfieng: - - Sechszehnhundert acht und achtzig - Hobn's Belgrad eing'nomme; - Die Türke, die seyn g'loffe, - Wie der Maxel is komme &c. - -Das war auch wieder eine Erinnerung an mein Unglück, die mich -schmerzlich verwundete; und so war auch meine Lage in Landshut nicht -dazu geeignet, mich dasselbe vergessen zu lassen. Mein Herr war zwar ein -gutmüthiger, rechtschaffener Mann; aber seine Frau, aus Böhmen gebürtig, -war streng und unbarmherzig, führte einen ungeordneten Lebenswandel, war -besonders dem Weintrinken ergeben, und plagte und mißhandelte mich oft -über die Maßen. Wie oft seufzte ich nach Erlösung; aber es schien, als -ob kein Ohr auf meine Bitten hörte. Nirgends fand ich eine Freundin oder -Vertraute, vor welcher ich hätte mein Herz ausleeren können, und Guly -- -ach! ich habe ganz vergessen, von ihrem Schicksal etwas zu sagen. Wir -hatten uns fest an einander geschlossen, um mit einander zu sterben; als -aber der Obristlieutenant Burget in unser Haus eindrang und mich -gefangen nahm, kam von der andern Seite ein anderer feindlicher -Hauptmann, der Guly am Arme ergriff, und trotz ihrem Schreien und -Sträuben von mir losriß. Ich habe sie nicht wieder gesehen. So gieng -mir's denn hart und schwer; endlich aber kam doch auch eine Zeit der -Erquickung. - - - - - Drittes Kapitel. - Der Vogt in Liebenzell. - - -Es war noch in demselbigen Winter, daß der Krieg am Oberrhein ausbrach, -und der Kurfürst von Baiern war der Erste, der gegen Frankreich in's -Feld zog. Da mußte denn auch ich mit meinem Obristlieutenant und seiner -Frau, die ich zu bedienen hatte, noch im Winter des Jahrs 1689 weiter -nach Schwaben hinein, und namentlich in's Herzogthum Württemberg, -ziehen. So geschah es, daß ich zum ersten Mal das Land zu sehen bekam, -in welchem so viel Segen meiner wartete. Unser Weg gieng über Würzburg -und Heilbronn nach Pforzheim, und von da in das württembergische -Städtchen Liebenzell. Da mußte ich, während meine Herrschaft weiter zog, -bleiben, so lange der Feldzug währte, und wurde dem damaligen Vogt oder -Amtmann daselbst, Namens _Frisch_, in die Kost gegeben. Nun war ich auf -eine Zeit lang aus meinem Kerker los, und konnte wieder freier athmen. -Das Städtchen liegt in einem tiefen, engen Thale des Schwarzwaldes an -dem Nagoldflusse, und lehnt sich an einen Hügel, welchen die Trümmer -einer alten Ritterburg krönen, malerisch an. Hier ist's das ganze Jahr -ruhig und geräuschlos; die Straße, welche von Calw und Hirschau durch's -Thal herunter führt, ist nicht sehr belebt; auf allen Seiten steigen -hohe, steile Berge, die mit Weißtannen und Eichen bewachsen sind, -himmelan, und das Städtchen selbst wird nur in den Sommermonaten -lebendiger, wo die dort befindlichen warmen Bäder stark besucht werden. -Was mir aber mehr werth war, als dieß, das war die Erfahrung, welche ich -bald machen durfte, daß ich in eine wahrhaft christliche Familie -gekommen sei. In Wien hatte ich die vorübergehende Erscheinung eines -wahren Christen gesehen; hier konnte ich das ruhige, liebliche Bild -eines ganzen christlichen Hauskreises täglich von allen Seiten -beobachten. Da erst fieng ich an, eine bessere Meinung von den Christen -und ihrer Religion zu bekommen. Die Predigten, welche ich von dem -Stadtpfarrer _Mack_ und dem Helfer _Moseder_ hörte, und die -Freundlichkeit und Liebe, welche ich von der lieben Familie des Herrn -Vogts erfuhr, machten zum ersten Mal den Gedanken in mir rege, daß ein -Christ doch besser sei als ein Türke, und daß ich mich wohl auch noch -entschließen könnte, eine Christin zu werden. Vor allen Dingen aber -wollte ich das Wort Gottes selbst kennen lernen: denn ich hatte einmal -den Spruch in der Kirche gehört: »So ihr bleiben werdet an _meiner_ -Rede, so seid ihr meine rechten Jünger, und werdet die Wahrheit -erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.« Dieser Spruch hat -mich sehr gefreut; denn wenn man einem Gefangenen sagt, wie er frei -werden könne, so lacht ihm das Herz. An die Freiheit, welche Christus -meint, dachte ich dabei nicht, denn von dieser verstand ich noch nichts. -Aber ich hatte von da an eine mächtige Begierde in mir, das Neue -Testament durchzulesen. Zwar hörte ich in der Kirche manchen Abschnitt -daraus, auch wurde in unserm Hause bei der Morgen-Andacht jeden Tag ein -Kapitel aus der Bibel vom Herrn Vogt selbst vorgelesen; aber das Alles -genügte mir nicht, ich wäre gern selbst an der Quelle gewesen, um mit -vollen Zügen daraus zu trinken. Allein vor dieser Quelle hieng ein -Schloß. _Ich konnte nicht lesen._ Ich dachte aber, lernen sei keine -Schande, und bat die zwölfjährige Tochter des Vogts, mich im Lesen zu -unterrichten. Da ich mit großem Ernst und Eifer an dieses Geschäft -gieng, so war ich auch in wenig Wochen damit im Reinen, und nun konnte -ich meinen Durst befriedigen, und war unbeschreiblich froh, dieses -verschlossene Heiligthum nun vor mir eröffnet zu sehen. Freilich kam ich -da an Manches, was ich nicht so bald verstand; aber ich hatte Jemand, an -den ich mich wenden durfte: das war die Schwester des Herrn Vogts, Frau -Doktor _Commerell_ aus Stuttgart, eine sehr liebreiche und äußerst -verständige Frau, die während der Sommermonate das Bad in Liebenzell -gebrauchte und in unserem Hause wohnte. Diese nahm sich meiner wahrhaft -mütterlich an, und gewann durch ihre Freundlichkeit mein ganzes -Vertrauen, so daß ich sie über Alles fragen konnte, was mir dunkel war, -und nie von ihr abgewiesen wurde. Das war mir viel werth. - -Eine besondere Freude hatte ich mit den liebenswürdigen Kindern des -Vogts, die alle einen sehr aufgeweckten und lebhaften Verstand zeigten. -Wir ergötzten uns oft an ihren kindlichen Einfällen, deren mir immer -noch einige erinnerlich sind. - -Der fünfjährige Theodor war eines Morgens früh wach geworden, als eben -der Vater sich rüstete, eine Reise nach Wildbad zu machen. Es war ein -schöner Aprilmorgen; die Sonne war eben aufgegangen und schien hell in's -Zimmer herein. Theodor fragte: »Warum hat denn heute die Sonne so früh -ausgeschlafen? Nicht wahr, Vater! sie ist so früh aufgestanden, um dir -auf dem Wege nach Wildbad zu leuchten?« - -Ein ander Mal auf einem Abendspaziergang, als der Mond abwechselnd -hinter den Wolken war, und der Stern Jupiter in seiner Nähe, sagte -Theodor: »Sieh', Vater, der Mond will den Stern fangen.« - -Als die Großmutter krank war, fragte er sie: »Warum bist du krank?« Sie -sagte: »Ja, das weiß nur der liebe Gott.« Er fuhr fort: »Darf man Ihn -denn fragen?« -- »Nein,« antwortete die Großmutter, »man muß mit Allem -zufrieden sein, was Gott thut.« -- Theodor fragte weiter: »Darf man denn -den lieben Gott fragen, wenn man zu Ihm in den Himmel kommt, warum Er -einen hier krank werden läßt?« -- »O!« war die Antwort, »im Himmel bei -Gott ist man dann so froh, daß man dann noch besser weiß, man solle -nicht so fragen.« - -Einmal fragte er: »Warum blühen die Birnbäume weiß, und die Apfelbäume -roth? nicht wahr, weil jene weiße Birnen und diese Aepfel mit rothen -Backen tragen?« - -Ein ander Mal sagte er: »Man sollte die Männer _Nauspersonen_ heißen, -weil so viele auf der Straße vorbeigehen; die Frauen aber -_Stubenpersonen_, weil sie mehr im Zimmer bleiben.« - -Die sanft aussehende, aber manchmal etwas eigensinnige _Lina_ fragte die -Mutter: »Warum tadelst du mich denn so oft, und fremde Leute loben mich -doch immer?« -- Man sieht daraus, wie vorsichtig man mit seinen -Aeußerungen auch über kleine Kinder sein muß, wenn sie dabei sind. - -Von den Fliegen sagte Lina, sie seien Müßiggänger und Schmarotzer. Ein -ander Mal aber, als sie sah, daß die Kindsmagd das Tischtuch in's Feuer -ausschüttelte, sagte sie zu ihr: »Ei, Regina! weißt du nicht, daß Gott -für die Sperlinge sorgt, und muß es Ihm nicht mißfallen, wenn du so -manche Brosamen zu Grunde gehen lässest, welche ein Frühstück für die -Sperlinge hätten geben können?« - -Ihren Großvater, der ziemlich übel hörte, fragte sie: »nicht wahr, -Großvater, du hörst nicht wohl, weil du so alt bist?« -- »Ja!« -- »Aber -du bist doch nicht älter als der liebe Gott, und der hört doch Alles!« - -Aehnliche Aeußerungen kamen fast täglich vor, und machten uns manche -fröhliche Stunde. - -Der Vogt hatte auch zwei Knaben von neun und zehn Jahren, die bei großer -Munterkeit sehr viel Gutmüthigkeit zeigten, und wenn die Lebhaftigkeit -zuweilen in Wildheit ausartete, doch das Gute hatten, daß sie dem -elterlichen Befehl auf der Stelle gehorchten. Wir hatten an einem -schönen Nachmittag im Mai einen Spaziergang in das nur eine Stunde -entlegene Kloster Hirschau gemacht, um von dem frommen Abt Matthäus -_Aulber_, der seinem Ende nahe war, Abschied zu nehmen. Er wurde -weggerafft vor dem Unglück, das drei Jahre später dieses große und -schöne Kloster traf, als die Franzosen es durch Brand zerstörten. Wir -waren Alle voll von dem Eindruck, welchen das Bild dieses sterbenden, -ehrwürdigen Dieners Christi in unsern Herzen zurückließ, und als bei -unserem Weggehen die großen Fenster des hochgelegenen Prälaturgebäudes -im letzten Strahl der Abendsonne glänzten, so ergriff uns der Gedanke, -daß auch drinnen ein helles Licht der Kirche im Verlöschen sei, dessen -letzte Strahlen wir aus den Fenstern seiner Augen hatten schimmern -sehen. Ernst gestimmt wandelten wir das enge Thal hinunter, dem Fluß -entlang. Ein paar böse Knaben begegneten uns, die einem armen alten Mann -nachspotteten, weil sein alter brauner Tuchrock mit weißer Leinwand -geflickt war. Die beiden Knaben des Vogts waren auch in Versuchung, in -das Gelächter einzustimmen; aber ein scharfer Blick vom Vater verwies es -ihnen sogleich, und etwas später fragte er sie: »Kinder! warum ist's -nicht recht, über jenen armen Mann zu lachen?« -- »Wir haben ja nicht -über den Mann gelacht, sondern nur über seinen Rock,« antwortete Ernst. - -»Ei! was soll das heißen?« fuhr der Vater fort. »Ist der Rock -lächerlich, so ist auch der Mann lächerlich, daß er den lächerlichen -Rock anzieht!« - -»Aber,« sagte Gottfried, »der Mann kann ja nichts dafür, daß sein Rock -so geflickt ist; er wird eben kein anderes Tuch gehabt haben.« - -Der Vater stand still. »Seht ihr wohl, daß keiner von beiden das -Auslachen verdient, weder der Mann noch sein Rock! Der arme Mann kann -nichts dafür, daß sein Rock so geflickt ist, weil er kein anderes Tuch -hatte, und der Rock ist ohnehin unschuldig. Aber wißt ihr denn auch, was -hier besser am Ort gewesen wäre, als auslachen?« - -Beschämt sagten Beide mit einander: »Mitleiden mit dem armen Manne, daß -er keinen bessern Rock hat.« - -»Nun,« erwiederte der Vater, »merkt euch dieß für ein anderes Mal, und -nennet mir eine Geschichte aus dem Alten Testament, an die man in -solchen Fällen denken muß.« - -_Gottfried._ O ich weiß schon, du meinst die Geschichte von den bösen -Knaben aus Bethel, die im zweiten Buch der Könige steht. - -_Vater._ Recht, die meine ich, und wenn wir nach Hause kommen, will ich -sie euch vorlesen. - -_Ernst._ O, aber aus dem Bilderbuch! - -_Vater._ Gut. - -Als wir nach Hause gekommen waren, wurde gleich das Bilderbuch geholt, -und die Geschichte aufgeschlagen. Der Vater las: - - Elias war im Feuerwagen, - Empor in's Reich des Lichts getragen, - Und staunend blickt Elisa nach. - D'rauf greift er nach Eliä Mantel, - Zertheilt des Jordans tiefen Bach, - Und schickt sich zum Propheten-Wandel. - Mit Salz beginnet er sein Amt, - Die bösen Wasser rein zu machen, -- - Und sehet, wie sein Eifer flammt, - Als böse Buben ihn verlachen! - Von Bethel sie gekommen waren, - Woher der Kälberdienst gestammt, - Und wild, als wie die rothen Kamt- - schadalen, rufen ihre Schaaren: - »Komm her, du Kahlkopf! Komm herauf, - Kahlkopf!« -- und machen ihn zum Spott. - Und er die wilde Brut verdammt - Im Namen des Herrn Zebaoth, - Und setzt dann weiter seinen Lauf. - Und eh' ihr euch umgesehen habt, - Und Elisa auf den Carmel kommt, - Da ist der Fluch schon eingetroffen: - Im nahen Eichwald dumpf es brummt, - Und es kommen zwei Bären einhergetrabt, - Den schrecklichen Rachen grimmig offen. - Nun hört man ein Jammern und Zettergeschrei, - Der Eine flieht da, der Andere dort, - Aber das Fliehen ist bald vorbei: - Die Meisten ergreift der blutige Mord, - Und zweiundvierzig Knaben zerrissen, - Die Strafe der Bosheit leiden müssen. - Doch haben die Bären keinen verzehrt; - Nicht Hunger sie trieb, sondern Gottes Schwert. - Sie gehen nun langsam wieder heim, - Und suchen sich Bäume mit Honigseim. - -Zuweilen machte der Vogt einen Besuch bei seinem Freunde, dem Pfarrer -Roth in Möttlingen, einem kleinen Dorfe östlich von Liebenzell. Er war -damals schon neunzehn Jahre Pfarrer auf diesem Dorfe, und blieb nachher -noch neunundzwanzig Jahre daselbst. Da der Vogt gewohnt war, bei solchen -Besuchen immer seine ganze Familie mitzunehmen, zu welcher ich auch -gezählt wurde, so durfte ich jedesmal auch mitgehen, was mir eine -besondere Freude machte, da ich den Pfarrer Roth, einen sehr -unterhaltenden Mann, so gern erzählen hörte. Ich hatte ein rechtes Herz -zu ihm, und konnte ihm meine Gedanken und Empfindungen ganz offen -mittheilen. Er verstand mich gleich, und wußte mir immer etwas Passendes -zu antworten. Einmal z. B. sagte er mir: »Weißt du denn auch, wie die -Bauernweiber bei uns es machen, ehe sie zu Bette gehen?« -- »Nein,« -sagte ich. -- »Nun sieh, damit sie nicht am Morgen die Mühe haben, erst -Feuer anzumachen, kehren sie am Abend die Glut auf dem Heerd zusammen -und bedecken sie mit Asche, dann haben sie am andern Morgen gleich -wieder Feuer. Nun mach' du's auch so. Wenn du Abends zu Bette gehst, so -bitte den Heiland, daß Er die guten Gedanken in deiner Seele -zusammenkehre, damit du sie am Morgen gleich wieder findest, und dein -erster Gedanke beim Erwachen Jesus sei.« Diesen Rath habe ich denn auch -befolgt, und großen Nutzen davon gehabt. - -Ein anderes Mal äußerte ich gegen ihn, wie bang es mir sei, wenn ich nun -bald wieder in den Dienst meiner Herrschaft zurücktreten müsse, wo ich -nichts als Spott und Verachtung zu erfahren haben würde, wenn ich meinen -Glauben an Jesum bekennen wollte, und wo es mir schmerzlich ahnd thun -werde nach dem christlichen Umgang und Unterricht, den ich in meiner -jetzigen Lage in so reichem Maße genieße. Bei dieser Gelegenheit -erzählte er mir, zur Ermunterung meiner Standhaftigkeit, die Geschichte -von dem jungen christlichen Märtyrer - - - Cyrillus. - -»In Cäsärea bewies im Jahr 258 nach Christi Geburt ein Kind, Namens -_Cyrillus_, eine ungemeine Beharrlichkeit. Er rief ununterbrochen den -Namen Christi an, und Mißhandlungen und Schläge konnten ihn nicht von -einem offenen Bekenntniß des Christenthums abschrecken. Verschiedene -Kinder von gleichem Alter verfolgten ihn, und sein eigener Vater trieb -ihn aus dem Hause, worüber ihm viele Leute wegen seines Eifers für das -Heidenthum Lob ertheilten. Der Richter ließ den Knaben vor sich kommen -und sagte zu ihm: »»Mein Kind! ich will dir deine Fehler verzeihen, und -dein Vater soll dich wieder aufnehmen. Es steht in deiner Macht, in den -Genuß der Güter deines Vaters gesetzt zu werden, wenn du nämlich klug -bist, und dein Glück nicht mit Füßen trittst.«« -- »»Ich trage Eure -Vorwürfe gern«« -- erwiederte das Kind. -- »»Gott wird mich aufnehmen. -Es macht mir keinen Kummer, daß ich aus meinem väterlichen Hause -vertrieben bin: ich werde eine bessere Wohnung bekommen. Ich fürchte den -Tod nicht: denn er wird mich in ein besseres Leben führen.«« -- Nachdem -ihn die Gnade Gottes gestärkt hatte, dieses gute Bekenntniß abzulegen, -ließ man ihn binden und zur Hinrichtung führen. Der Richter hatte -geheime Befehle gegeben, ihn zurückzuführen, weil er hoffte, der Anblick -des Feuers könnte seinen Entschluß überwältigen. Cyrill blieb -unbeweglich. Die Menschlichkeit des Richters versuchte immer wieder -auf's Neue, Gegenvorstellungen zu machen. »»Euer Feuer und Euer -Schwert«« -- sagte der junge Märtyrer -- »»sind unbedeutend. Ich gehe in -ein besseres Haus, zu vortrefflicheren Reichthümern. Laßt mich lieber -gleich sterben, daß ich zu ihrem Genuß gelange.«« Die Zuschauer weinten -vor Rührung. »»Ihr solltet euch lieber freuen,«« -- sagte er -- »»wenn -Ihr mich zum Tode führet. Ihr wisset nicht, was für eine Stadt ich -bewohnen werde, und was für eine Hoffnung ich besitze.«« So gieng er -seinem Tode entgegen und war die Bewunderung der ganzen Stadt. Aus dem -Munde der Kinder hat Gott sich ein Lob zubereitet!« -- - -Ich schämte mich bei dieser Erzählung herzlich über meine Schwachheit -und Furchtsamkeit; aber doch konnte ich mich, so oft ich an eine -Trennung von der mir so lieb gewordenen Familie in Liebenzell dachte, -eines heimlichen Schauders nicht erwehren, und sah auch keinen Ausweg, -um dieser schmerzlichen Veränderung zu entgehen. Das Spätjahr kam mit -schnellen Schritten herbei, der Feldzug hatte ein Ende, meine Herrschaft -zog in die Winterquartiere nach Baiern zurück, und ich mußte mit. Bei -dem herzverwundenden Abschied von meinen Freunden in Liebenzell blieb -mir zur Aufrichtung nur die Hoffnung, sie etwa im nächsten Feldzug -wieder zu sehen. - - - - - Viertes Kapitel. - Der Adler in Weilerstadt. - - -Was ich gehofft hatte, geschah -- nur halb. Der Feldzug fieng zwar im -nächsten Jahre frühzeitig wieder an, und ich mußte wieder mit meiner -Herrschaft nach Württemberg reisen; aber dieß Mal gieng's nicht nach -Liebenzell, sondern nach der kleinen Reichsstadt Weil (gewöhnlich -Weilerstadt genannt), wo der Obrist-Lieutenant seine Frau, und mich zur -Bedienung derselben, zurückließ. Da hatte ich es nun freilich nicht so -gut, wie in Liebenzell; kein Freund und Vertrauter war da, dem ich meine -Noth hätte klagen, kein Bibelbuch, aus dem ich hätte Trost schöpfen -können. Wie gern hätte ich einen, wenn auch nur kurzen Besuch bei dem -Pfarrer Roth in Möttlingen gemacht, das nur eine Stunde von Weilerstadt -entfernt ist; aber auch das wurde mir nicht gestattet. Ich hatte unter -dem Druck meiner Gebieterin herbe und schwere Tage durchzumachen, und -würde vergangen sein in meiner Noth, wenn mich nicht Gott von Zeit zu -Zeit durch einen Spruch aus der Bibel auf mein tiefes Seufzen hin -erquickt hätte. - -Eines Tages hatte mich meine Frau Obrist-Lieutenant sehr hart -mißhandelt, und war darauf aus dem Hause zu einer Gesellschaft gegangen. -Ich stellte mich an ein Fenster im Hause, und weinte bitterlich. Meine -Seele schrie zu Gott: Du, der Du doch Alles siehest und hörest, -himmlischer Vater! kannst Du denn das Alles so ruhig mit ansehen und -anhören, und weißt doch, daß ich unschuldig bin? Willst Du mir denn -nicht auch einmal helfen, da ich Dich schon so oft darum angerufen habe, -und mich frei machen aus dieser Knechtschaft, wo ich immer unter Angst -und Furcht leben muß? O Vater! erbarme Dich über mich! -- Indem ich -innerlich so seufzte und jammerte, kam der Hauswirth (es war der -Gastgeber zum schwarzen Adler in Weilerstadt) zu mir her, und sah meine -Thränen. Weil er von der üblen Aufführung meiner Frau wußte, und selbst -ärgerlich darüber war, mochte er sich schon denken können, warum ich so -traurig sei, und da ich sah, daß er Mitleiden mit mir hatte, so war ich -offen gegen ihn, schilderte ihm meine betrübte Lage, und gab ihm zu -verstehen, daß ich Gelegenheit wünschte, von diesem Elende loszukommen -und davon zu laufen. Er erkundigte sich, ob ich keine Bekannten im Lande -habe, zu denen ich meine Zuflucht nehmen könnte. Ich wußte ihm Niemand -zu nennen als Herrn Vogt Frisch in Liebenzell und seine Schwester, Frau -Doktorin _Commerell_ in Stuttgart. Der letztere Name gefiel ihm, und -sein Entschluß war bald gefaßt. Ohne Jemand in seinem Hause ein Wort -davon zu sagen, verschloß er mich in eine Kammer, die gerade über dem -Gemach meiner Gebieterin war, so daß man alle ihre Reden vernehmen, und -durch eine Oeffnung sogar hinunter sehen konnte. Nachdem er mich nun -erinnert hatte, daß ich auf ihre Reden gut Acht haben möchte (sie sprach -nämlich Böhmisch, was ich schon ziemlich gut verstand), nahm er den -Schlüssel zu sich, und erwartete unten, wie ich oben, die Heimkunft -meiner Gebieterin. Wie mir da zu Muthe gewesen, kann ich nicht wohl -beschreiben; es war in meinem Gemüth ein sonderbares Gemisch von Furcht, -Angst, Hoffnung und Freude, von denen immer wieder eins das andere -verdrängte, und eine Zeit lang die Oberhand behielt. Jene angstvolle -Entscheidungszeit hat sich aber meinem Gemüth und meinen Nerven so fest -eingedrückt, daß mir noch lange nachher, so oft ich in einem -verschlossenen Gemach mich allein befand, in der Erinnerung an jene -Angststunden übel zu Muthe wurde, und mich ein unwillkürliches Zittern -in allen Gliedern anwandelte. Mit der Zeit hörte auch dieses auf, -nachdem ich die rechte Ruhe in Gott gefunden. Endlich kam sie spät in -der Nacht, ziemlich betrunken, wie wir wohl vermuthet hatten, und ob sie -gleich nach mir fragte, gab sie sich doch bald zur Ruhe. Ich konnte in -dieser Nacht nicht viel schlafen, und wenn ich über meinen kummervollen -Gedanken einschlummerte, so weckten mich ängstliche Träume wieder auf. -Die Besorgniß, es möchte der Anschlag des Wirths, von dem ich bis jetzt -nichts Genaueres wußte, mißlingen, raubte mir alle Ruhe. Wie leicht -war's möglich, daß ich in meinem Versteck ausfindig gemacht oder -verrathen wurde, und was hatte ich dann zu erwarten! Meine Gebieterin, -eine heftige, zornmüthige Frau, hätte mir das nie vergeben, ich hätte es -gewiß schwer empfinden müssen, und meine Lage wäre mehr als um's -Doppelte verschlimmert worden. -- Am Morgen, als sie aus ihrem schweren -Schlafe erwachte, gieng's nicht so gut ab. Lange rief sie vergebens, und -ließ nach mir fragen; es wollte keine Setma kommen. Endlich forderte sie -den Wirth vor sich; der sagte ihr, man hätte mich seit gestern -Nachmittag im Hause nicht gesehen. Da fieng sie an zu muthmaßen, was an -der Sache sei; sie fluchte und tobte, daß mir die Haut schauderte; sie -ließ allenthalben scharfe Nachsuchungen anstellen, und weil ihr einfiel, -daß ich nirgends als zu Liebenzell bekannt sei, schickte sie -unverzüglich einen Reitenden dahin. Das hatte der kluge Wirth -vorhergesehen, und mir deßwegen den Weg nach Liebenzell abgerathen. Als -nun dieser Bote ohne Nachricht wieder zurückkam, und auch sonst nichts -zu erfahren war, gieng das Toben, besonders über den Wirth, von Neuem -an, und ich hörte sie zu ihrer anderen Dienerin auf Böhmisch sagen, ich -müsse nur im Hause heimlich verborgen sein, aber morgen mit Tagesanbruch -wolle sie das ganze Haus durchsuchen lassen. Natürlich erschrack ich -darüber sehr, und als der Wirth später kam, um mir heimlich etwas Speise -zu bringen, theilte ich ihm diese Nachricht sogleich mit. Dem war denn -auch nicht länger wohl bei der Sache; er kam daher nach Mitternacht, da -Alles im Hause still war, und führte mich, an dem Zimmer meiner -Gebieterin vorbei, unter Angst und Zittern zum Hause hinaus zu seiner -Mutter, welche ziemlich weit vom Adler entfernt wohnte. Hier mußte er -noch eine gute Weile klopfen, bis uns aufgemacht wurde, obgleich schon -Alles mit der alten Frau verabredet war. Der Wirth fragte mich, ob ich -Geld habe. Ich hatte mein ganzes Vermögen bei mir, welches in drei -Gulden bestand; die zog ich heraus. Er gab einen davon seiner Mutter, -die zwei andern stellte er mir wieder zu, zum deutlichen Beweis seiner -Redlichkeit und Uneigennützigkeit. Blos aus herzlichem Mitleiden hatte -er sich entschlossen, mich mit eigener großer Gefahr zu erretten. Nach -der Zeit habe ich nichts mehr von ihm erfahren können, als daß er -gestorben sei. Möge ihm der Herr, der keinen Trunk kalten Wassers -unvergolten läßt, seine Barmherzigkeit und Treue an jenem Tage reichlich -lohnen! - -Ich mußte nun auf seine Anweisung die wenige türkische Oberkleidung, -welche ich noch anhatte, ablegen, und dagegen eine geringe Magd- oder -Bauern-Kleidung anziehen, die schon in Bereitschaft war. Als nun der Tag -schon von fernher zu dämmern anfieng, mußte ich ohne weiteren -Zeitverlust mit der alten Frau zum Thor hinaus, und Stuttgart zuwandern. -Durch die Wache am Thor kam ich mit Hilfe meiner alten Mutter, obwohl -unter großer Angst, glücklich hindurch; aber unterwegs hatte ich noch -einmal eine schreckliche Verlegenheit durchzumachen. Als wir nämlich in -der Gegend von Magstatt auf dem freien Felde waren, und der Tag schon -völlig angebrochen, kam ein Wachtmeister meines Obristlieutenants zu -Pferd auf uns zu, den ich gleich von ferne erkannte. Kaum hatte ich in -meinem großen Schrecken noch Zeit, meiner Führerin die Gefahr zu -bezeichnen, daß sie mit mir auf einen Seitenweg einlenkte, und der -Wachtmeister, ohne auf uns zu achten, vorüberritt. So hatte mich die -gute Hand Gottes auch dießmal gerettet, daß ich unerkannt blieb, und ich -durfte es, noch ehe ich Ihn recht erkannte, schon deutlich und -mannigfaltig erfahren, was die Schrift sagt: »Sein Rath ist -wunderbarlich, und Er führet es herrlich hinaus!« - -Aber ach! wie sauer wurde es mir, den weiten Weg von fünf starken -Stunden zu Fuß zurückzulegen. Ich war des Gehens gänzlich ungewohnt. So -lange ich daheim in Belgrad war, hatte ich nie auch nur eine Stunde zu -Fuß gemacht. Ich besaß alle Bequemlichkeiten reicher und vornehmer -Personen; eine Schaar von Sklaven und Sklavinnen wartete auf meine -Befehle, und da die türkischen Frauenzimmer überhaupt gewöhnlich ihre -Zeit in der Stille ihrer Wohnungen zubringen, so war mir das längere -Gehen etwas ganz Neues. Auch während meiner Gefangenschaft und der -Reisen mit meiner Herrschaft waren wir immer gefahren, und erst in -Liebenzell hatte ich gelernt, kürzere oder längere Spaziergänge zu Fuß -zu machen, von denen ich jedoch jedesmal sehr ermüdet zurückkam. Und nun -sollte ich auf einmal einen so weiten Weg in ungewohnter Kleidung unter -ermüdender Angst, von Nachtwachen ermattet, zu Fuß machen. Das war -beinahe zu viel gefordert. Meine Füße wurden bald wund, und jeder Tritt -machte mir die empfindlichsten Schmerzen. So kam es, daß wir erst gegen -Abend die ersehnte Residenzstadt Stuttgart erreichten, welche ich nach -großer Angst und Trübsal als eine liebe Frei- und Ruhe-Stadt begrüßte. -Als wir auf der Höhe des Hasenberges ankamen, von welcher man das schöne -Kesselthal und die fernen Hügelreihen überblickt, lag die Stadt im Gold -der Abendsonne vor uns; die blühenden Obstbäume waren roth angeschienen -wie die Mandelbäume in unserem Garten zu Belgrad; auch der Tannenwald -schimmerte röthlich, und noch mehr die Weinberge; die fernen Hügel, von -denen einer das Württembergische Stammschloß trägt, waren in einen -violetten Duft getaucht, und am Himmel schwammen rothe Wölkchen in Menge -herum, die mir viel schöner dünkten, als ich sie je gesehen, denn sie -trugen die Farbe der Freiheit, in deren Genuß mir's jetzt bei allen -Schmerzen so unbeschreiblich wohl war. - -Die Noth war indessen noch nicht zu Ende. Als ich mit großer Mühe -endlich am Rothenbühlthor anlangte, wurden wir da, weil es eben -Kriegszeit war, nicht eingelassen, und mußten noch einen großen -viertelstündigen Umweg bis zum Hauptstätter Thore machen. Es war mir -fast nicht möglich, mit meinen wunden Füßen mich noch so weit zu -schleppen; aber die Noth zwang mich, und wenn ich vor Ermattung -niedersinken wollte, so nahm mich meine Führerin wieder beim Arm und -sprach mir Muth zu. Aber ihr eigener Muth sollte nun auch geprüft -werden. Die äußere Wache des Hauptstätter Thors ließ uns ungehindert -ein; aber desto strenger wurden wir von der inneren Wache angehalten und -ausgefragt, so daß meine Führerin, welcher man am hitzigsten zusetzte, -endlich hinausschlüpfte und sich aus dem Staube machte. Ich habe sie -auch nachher nicht mehr gesehen, noch etwas von ihr gehört, ohne Zweifel -ist sie aber glücklich wieder nach Hause gekommen. Nun stand ich allem -da unter den wilden Soldaten, denen mich meine Sprache schon als einen -Fremdling verrathen mußte; und ich weiß nicht, ob ich diese angstvolle -Beklemmung noch länger würde ausgehalten haben, ohne in Ohnmacht zu -fallen, wenn mir nicht Gott so schnell Hilfe geschickt hätte. Aber Er -wachte über Seinem Kinde, dem Er so große Gnade zugedacht hatte, und -ließ es nicht zu, daß mir auch nur ein Haar gekrümmt worden wäre. Eben -als die Soldaten auf's Neue über mich herfallen wollten, kam von -ungefähr, d. h. durch die Schickung Gottes, die Frau eines Ipsers, -welche ganz nahe beim Hauptstätter Thor wohnte, und riß mich fast mit -Gewalt aus den Händen der Soldaten los, denen Gott nicht erlaubte, es zu -verwehren. Kaum hatte ich ihre Stube erreicht, so sank ich kraftlos -zusammen und bat die gute Frau, sie möchte mir nur ein Lager anweisen, -auf dem ich ausruhen könne; denn ich sei nicht mehr im Stande, auf -meinen Füßen zu stehen. Sie war äußerst besorgt um mich, und behandelte -mich so freundlich, als hätte sie mich schon lange gekannt. Sie richtete -mir ein gutes Bett zu, kleidete mich selbst aus und legte mich hinein. -Darauf untersuchte sie meine Füße, die sehr übel zugerichtet waren, und -legte eine kühlende weiße Salbe darauf, welche bald ihren wohlthätigen -Einfluß mich empfinden ließ, indem sie die große Hitze herauszog. Dann -kochte sie mir eine gute Suppe, und gab mir ein Glas Wein zu trinken. -Die große Müdigkeit ließ mich bald einschlafen und die ganze Nacht sanft -ruhen. Zwei Tage mußte ich bei der guten Frau bleiben, und wegen meiner -kranken Füße das Bett hüten: ihr Mann war auf Arbeit in einem -benachbarten Städtchen. Als ich mich ein wenig erholt hatte, wozu es -meine Hauswirthin an Pflege nicht fehlen ließ, sagte ich dieser, daß ich -mit Frau Doktorin Commerell bekannt sei, und sie gern sehen möchte. Sie -traf dann auch sogleich Anstalt, daß die Frau Doktorin erfuhr, ich sei -in ihrem Hause. Alsbald kam sie zu mir, erkannte mich auf der Stelle, -und da ich ihr erzählte, wie es mir bisher gegangen, nahm sie den -herzlichsten Antheil an meinem Schicksal, und sagte zu mir, ich solle -nur mit ihr in ihr Haus kommen, welches auf dem Spitalplatz war. Von -Stund' an war meiner Noth abgeholfen. Diese treffliche Frau erzeigte mir -unaussprechlich viel Liebe und Wohlthaten nach Leib und Seele, und hielt -mich wie eine Tochter, so daß ich für alle bisherigen traurigen -Erfahrungen reichlich getröstet wurde und hinlänglichen Ersatz fand. - - - - - Fünftes Kapitel. - Der Gasthof zum Bären in Stuttgart. - - -Das Erste, wornach ich fragte, und was ich mir wünschte, nachdem ich -meinen neuen Wohnsitz bezogen hatte, war -- eine Bibel. Bisher konnte -ich nicht dazu kommen, eine eigene Bibel oder auch nur ein eigenes -Testament zu besitzen; nun aber hatte ich Gelegenheit dazu, und meine -Bitte war auch nicht vergeblich. Frau Doktorin Commerell, die ich von -nun an immer _Mutter_ nannte, schenkte mir eine schöne neue Handbibel, -die in Wittenberg gedruckt war, und mir nach und nach so lieb wurde, daß -ich sie, wenn mir Jemand mein Juwelenkästchen aus Belgrad gebracht und -dafür angeboten hätte, nicht würde darum vertauscht haben. Alle die -Sprüche, welche mir bei früheren Gelegenheiten wichtig und zum Segen -geworden waren, oder nachher wurden, pflegte ich mit rother Tinte zu -unterstreichen. Wenn ich dann später einen solchen unterstrichenen -Spruch wieder fand, so fiel mir auch die Erfahrung wieder ein, bei -welcher er mir seiner Zeit gedient hatte, die Gebetserhörung, die -Bewahrung, die Errettung, die Demüthigung; kurz Alles, was Gott schon an -mir gethan, und das war mir denn eine vielfache Aufforderung zum Dank -und Lob Gottes, und zum festen Vertrauen auf Ihn. Mein ganzes Leben seit -meiner Bekanntschaft mit Gott und Seinem Wort stand so in lauter -Sprüchen verzeichnet vor mir, und manche Seite meiner Bibel war in -späteren Jahren ganz roth. Kam ich z. B. an den Spruch: »Denen, die Gott -lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen;« so war er roth -unterstrichen zur Erinnerung an einige Angststunden, die ich in Landshut -erlebte, als ich den Schatullenschlüssel meiner Frau verloren hatte. -Damals fiel mir dieser Spruch ein, und tröstete mich so, daß ich mich -von meiner Verlegenheit erholen und nüchtern besinnen konnte, wo ich den -Schlüssel hingelegt hatte. Oder kam ich zu dem Spruch: »der Herr weiß -die Gerechten zu erlösen &c.«; so war er unterstrichen zum Andenken an -meine Befreiung aus der Gefangenschaft. Die Stelle: »der Herr will nicht -den Tod des Sünders, sondern daß sich der Sünder bekehre und lebe;« -erinnerte mich daran, wie ich in Belgrad so sehr gewünscht hatte zu -sterben, als die Stadt erobert war, und wie gut es Gott gemacht, daß Er -mich wider meinen Willen hieher führte, wo ich Ihn und Seinen Sohn -kennen lernte. So wurde mir mein Bibelbuch von Tag zu Tag theurer, ich -lernte es als den größten Schatz ansehen, den ein Mensch besitzen kann, -und wunderte mich nicht wenig, wenn ich zuweilen in ein Christenhaus -kam, wo die Bibel auf dem Schrank und der Staub auf der Bibel lag.« -- - -Hier, liebe Kinder! muß ich die Erzählerin, die gute Setma, die ihr -gewiß schon Alle lieb gewonnen habt, ein wenig unterbrechen, um euch -eine kleine Geschichte zu erzählen, welche die Setma noch nicht wissen -konnte, weil sie sich erst neulich und zwar in England zugetragen hat. -Ich habe euch diese Geschichte aus dem Englischen übersetzt, denn es -wäre gar schön, wenn auch deutsche Kinder ihre Bibel so lieb hätten. - - - Die kleinen Wanderer. - Eine wahre Geschichte. - - Zwei kleine Knaben kamen einst, - Von Kummer bleich gemacht, - Zu einem Haus, und baten dort - Um Obdach für die Nacht. - - Als sie erzählt ihr Mißgeschick, - Trieb's Manchem Thränen aus: - Ihr Angesicht so offen war, - Die Wahrheit blickte d'raus. - - Die Eltern waren weggerafft - Durch schweren Fiebers Macht; - Zu armen Waisen wurden sie - An Einem Tag gemacht. - - Nicht Freund noch Heimat hatten sie, - Kein Stücklein grobes Brod; - Sie suchten einen fernen Ohm - In ihrer großen Noth. - - All' ihre ird'sche Habe schloß - Ein kleines Bündel ein; - Der And're wohlverwahret trug - Die Bibel hintend'rein. - - Der Hausherr sagte zu dem Kind: - »Euch mangelt Geld und Speis'; - Verkaufe deine Bibel mir; - Ein Thaler sei der Preis.« - - »O nein,« sprach er, und floßen ihm - Der Thränen viel' herab: - »Eh' ich verkaufe dieses Buch, - Sei lieber hier mein Grab.« -- - - »Es gibt ja and're Bücher noch, - Gibt Bibeln nicht allein.« -- - »Ja,« sprach er, »aber keines kann - Mir je so nützlich sein. - - »Sie ward mir in der Schul geschenkt, - Eh' mich die Noth vertrieb; - Da lernt' ich lesen in dem Buch, - Und ich gewann es lieb. - - »Ich sah, obschon ich noch so jung, - Mein böses Herz darin; - Sie lehrte mich, wie Jesus starb, - Und starb -- auch für Edwin. - - »Oft in der Drangsal stärkte sie - Den Muth mir, wenn er sank; - Ich setzte müd' und matt mich hin, - Und fand d'rin Speis' und Trank. - - »Die Psalmen brachten Licht und Ruh', - Und milderten den Schmerz; - Erfrischende Verheißungen - Fand mein verschmachtet Herz.« -- - - Zwei Thaler bot der Hausherr nun, - Und brachte sie herein. - Er aber schlug sie standhaft aus, - Und ließ sich nicht d'rauf ein. - - Man fragte: »Wie? wenn nun der Ohm - Nicht mehr am Leben ist, - Und in der weiten Welt umher - Ihr hilflos irren müßt?« - - Vor seiner Antwort möchte wohl - Erröthen mancher Christ: - -- »Wenn Eltern, Freund' und Heimat flieh'n, - Dann Gott mein Führer ist.« - - Hier schwieg der Hausherr ganz erstaunt, - Und Alle weinten d'rob; - Er dachte: »Aus der Kinder Mund - Bereitet Gott sich Lob!« - - Die kleinen Pilger beugten Nachts - Ihr Knie vor dem, der mild - Die Raben speiset, wenn sie schrei'n, - Und Waisenthränen stillt. - - Am andern Morgen traten sie - Die Reise wieder an. - Der Waisen Vater wolle sie - Geleiten auf der Bahn! - -Nun lasse ich Setma weiter erzählen. - -»Meine getreue Mutter und Pflegerin war nun nach ihrer Klugheit und -Vorsicht vor allen Dingen für Schutz und Sicherheit meiner Person -besorgt, und machte solche Personen, welche Einfluß hatten, mit meiner -Geschichte bekannt. Namentlich geschah dieß bei der damaligen Frau -Oberhofmeisterin _v. Wachenheim_, welche sich dann bei der Frau Herzogin -_Magdalena Sibylla_, damaliger Mitregentin und Landesmutter für mich -verwendete. Die Herzogin schenkte mir gnädigst ihre Huld, versicherte -mich ihres Schutzes, und bewies mir von da an bis zu ihrem Ende -unzählige Wohlthaten, was ihr der Herr in Seinem Lichte reichlich und -ewig vergelten wolle. - -Dieser mächtige Schutz war mir aber auch sehr nöthig, und kam mir wohl -zu Statten, als kurze Zeit hernach mein vormaliger Gebieter, der -Obrist-Lieutenant Burget, von ungefähr nach Stuttgart kam, und, ich weiß -nicht auf welchem Wege, auskundschaftete, daß ich mich in Stuttgart -aufhalte. Gleich noch in der Nacht schickte er einen seiner Diener, den -ich wohl kannte, in das Haus der Frau Doktorin, und ließ mich hart -bedrohen. Zum Unglück befand sich gerade Niemand zu Hause, als ich und -der Sohn der Frau Doktorin, der damals Magister war, und so wurde ich -sehr in Angst und Schrecken gesetzt. Sobald meine Mutter nach Hause kam, -erzählte ich ihr den Vorfall, und sie wußte gleich Rath. Den andern -Morgen schickte sie früh zur Frau v. Wachenheim und ließ ihr sagen, was -vorgefallen sei. Diese gieng sogleich zur Herzogin, und bat sie, die -nöthigen Maßregeln zu treffen, damit ich vor den Ansprüchen des -Obristlieutenants geschützt werde. Die Herzogin nahm sich unverweilt der -Sache thätig an, und schickte einen ihrer Kammerherren zu ihm, der wegen -meiner Loskaufung mit ihm unterhandeln sollte. Hierauf ließ sie den -Obristlieutenant zur herzoglichen Tafel laden, und behandelte ihn da mit -so viel Auszeichnung und Herablassung, daß er nachgiebigeren Sinnes -wurde, und mich der Herzogin um einige Eimer Wein zu eigen überließ. -Darein mußte denn endlich auch seine Frau willigen, obwohl sehr ungern: -denn viel lieber hätte sie ihre Rachgier an mir ausgelassen. Am liebsten -wäre es mir freilich gewesen, sie gar nicht wieder sehen zu müssen; aber -das konnte ich nicht verhindern. Ich mußte mich, auf ihre Einladung und -den Befehl der Herzogin, im Gasthof zum Bären, wo sie logirten, auf eine -Mahlzeit bei ihnen einfinden, und konnte nicht ohne Angst und Zittern -hingehen; aber da ich nun ein Eigenthum der Herzogin war, durfte sie es -nicht wagen, anders mit mir zu reden als freundlich. Von der Art und -Weise, wie ich entkommen, wurde gar nicht gesprochen, und das ersparte -mir die Verlegenheit, den Adlerwirth, der sich so großmüthig meiner -angenommen, verrathen zu müssen. Man fragte mich blos, wie es mir in -Stuttgart gefalle, was ich für Beschäftigung habe, ob ich schon im -Schloß gewesen, und dergleichen. Als ich Abschied von ihnen nahm, dankte -ich noch für alles Gute, was sie, und besonders er, mir von Anfang an -erwiesen. Damit war mir's Ernst. Er hätte mich ja auch an einen andern -Ort verkaufen, oder noch mehr mißhandeln können; ich war ja in seiner -Gewalt. Aber der HErr war es, der unsichtbar meinen Odem bewahrte, meine -Schritte und Tritte leitete, und Seine Hand über mir hielt, daß mich -kein Uebel anrühren durfte. Und das Schmerzliche, was ich erfahren -mußte, das war gewiß nothwendig und wohlthätig für mich, wär's auch nur -deßwegen, weil ich so die Errettung um so mehr schätzen und dafür danken -lernte. - -Als ich aus dem Bären wieder heraus war, da fühlte ich mich so froh wie -Jonas, da ihn der Wallfisch wieder an's Land spie. Den langen Weg von da -bis zum Spitalplatz hatte ich, mehr fliegend als gehend, in wenigen -Minuten zurückgelegt, und als ich heim kam, warf ich mich in die Arme -meiner treuen Pflegerin und rief: »Aber nun sollen sie mich nicht wieder -hier wegreißen!« -- »Nein, das sollen sie auch nicht,« erwiederte die -Mutter, »Gott selbst hat dich auf wunderbaren Wegen frei gemacht. Vergiß -nicht, Ihm zu danken.« - - Ja, ich bleibe stets an Dir, - Du hältst mich bei meiner Rechten; - Deine Hand wird mich verfechten, - Und mich leiten für und für - Nach dem Rathschluß Deiner Treue, - Bis ich mich mit Ehren freue. - - - - - Sechstes Kapitel. - Die Stiftskirche in Stuttgart. - - -So lebte ich nun in der Gemeinschaft und im Umgang mit wahren Christen; -aber ich selbst war noch keine Christin, ich war noch eine -Muhamedanerin. Das konnte und durfte nicht so bleiben, da ich doch an -die Bibel und den darin geoffenbarten lebendigen Gott und Seinen Sohn -Jesum Christum von Herzen glaubte, und aus vielfacher Erfahrung wußte, -wie kräftig und trostreich dieses Wort dem Herzen ist. Ich äußerte daher -gegen meine Pflegemutter den Wunsch, ich möchte gern durch die Taufe in -die christliche Kirche aufgenommen werden. Sie hatte das erwartet, und -war mir mit Freuden dazu behilflich. Ihr Sohn, der damals Repetent in -Stuttgart war, und nachher als Spezial in Urach starb, gab sich dazu -her, mir alle Tage regelmäßigen Unterricht in der christlichen Religion -zu ertheilen, und den Segen dieser Unterrichtsstunden, die er mit Gebet -anfieng und endigte, werde ich nicht vergessen und hoffentlich auch -nicht verlieren. Das Wort Gottes wurde mir durch ihn so deutlich und -klar, daß ich vom Lesen desselben viel mehr Genuß hatte als vorher, und -daß es mir immer leid war, wenn ich durch häusliche Arbeiten, welche -doch auch nicht versäumt werden durften, in der Betrachtung der heiligen -Schrift unterbrochen wurde. Er besaß nicht nur die Gabe der -Deutlichkeit, sondern behandelte auch seinen Unterricht mit großer -Genauigkeit. Einiges aus meiner Erinnerung an seinen Unterricht möge -hier stehen. - -Wenn er von der heiligen Geschichte und von dem Rathschlusse Gottes mit -der Welt redete, war es ihm hauptsächlich angelegen, nachzuweisen, wie -Gott überall Sich nach allen Seinen Eigenschaften geoffenbaret habe und -offenbare. Dieß pflegte er an solchen Beispielen zu zeigen, welche beim -ersten Anblick das Gegentheil zu sagen scheinen. Die Sündfluth, welche -die leichtsinnigen Zeitgenossen Noah's hinwegraffte, das Feuer, welches -die gottlosen Menschen zu Sodom und Gomorrha verzehrte, waren ihm nicht -blos Beweise der strafenden Gerechtigkeit Gottes, sondern auch Seiner -Liebe: denn, sagte er, es wurde ihnen dadurch die Möglichkeit benommen, -sich noch mehr zu versündigen, und so ihre Verdammniß noch schwerer zu -machen. An Pharao, behauptete er, habe sich nicht blos die Macht, -sondern auch die Liebe und Barmherzigkeit Gottes verherrlicht; denn wenn -er nur _gewollt_ hätte, so würden ihn die vielfachen Thatbeweise der -Allmacht Jehovah's, die Gott vor seinen Augen geschehen ließ, gewiß zum -Glauben und zur Furcht Gottes, und damit zur Seligkeit gebracht haben. -Dagegen sagte er aber auch: Gott beweise bei der Sündenvergebung nicht -blos Seine Liebe und Gnade, sondern auch Seine Gerechtigkeit nach dem -Spruch in der ersten Epistel des _Johannes_: »_So wir unsere Sünde -bekennen, so ist Gott getreu und gerecht, daß Er uns die Sünde vergibt, -und reiniget uns von aller Untugend._« -- Gegen den Heiland hatte mein -Lehrer einen tiefen, kindlichen Respekt, und doch zugleich eine innige, -herzliche Liebe. Ich hörte ihn nie, wie es gewöhnlich ist, sagen: »_der -HErr Jesus_,« oder: »_der HErr Christus_;« das sei, meinte er, wie wenn -man sagte: »der Herr Pfarrer,« oder: »der Herr Doktor.« Das »Herr,« wenn -es von Christo gebraucht werde, sei nicht blos eine Titulatur, wie sie -bei uns dem Namen eines jeden etwas vornehmeren Mannes vorangesetzt -werde, sondern habe eine viel größere Bedeutung. Christus _heiße_ nicht -blos _Herr_, sondern sei es auch wirklich, weil Ihm Gott die Regierung -der ganzen Welt anvertraut habe. Er sagte deßwegen immer: »_Unser HErr -Jesus_ &c.« oder: »_der HErr Jesus Christus_ &c.« - -Von der christlichen Kirche und den wahren Christen hielt er große -Stücke. »Wenn einmal« -- sagte er -- »die christliche Kirche -zusammenbricht, dann mag sich die Welt um andere Stützen umsehen.« Die -wahren Christen nämlich nannte er, mit Berufung auf das Gespräch -Abrahams mit dem Herrn wegen Sodom, die Weltträger, weil sie durch ihr -Gebet das Gericht über die verdorbene Welt noch aufhalten. - -In einer seiner Unterrichtsstunden redete er von der Wahrheitsliebe, und -stellte da das Beispiel Jesu vor dem Hohenpriester und vor Pilatus, und -das Beispiel des Petrus bei dem Kohlfeuer einander gegenüber. Auf einmal -fragte er mich: »Welche Lügen sind erlaubt?« -- Unüberlegt, weil ich von -seiner Frage überrascht war, antwortete ich: »Die Nothlügen.« - -_Lehrer._ Das wollen wir sehen. Was ist die Lüge vor Gott? - -_Ich._ Eine Sünde. - -_Lehrer._ Was müßte also auch erlaubt sein, wenn deine Antwort richtig -wäre? - -_Ich._ Nothsünden. - -_Lehrer._ Ist das denkbar? - -_Ich._ Nein. - -_Lehrer._ Warum nicht? - -_Ich._ Weil jede Sünde, sei sie aus Noth oder ohne Noth begangen, -verboten ist. 1 Joh. 5, 17. 18. - -_Lehrer._ Wenn z. B. Einer aus Noth stiehlt, um sein Leben zu erhalten, -ist das auch Sünde? - -_Ich._ Warum denn nicht? Er hätte sollen seinen Nächsten darum bitten. - -_Lehrer._ Wenn er aber das gethan hat, und es ist vergeblich gewesen? - -_Ich._ Dann hätte er sollen Gott bitten, der hätte ihn ohne Diebstahl -durchbringen können. - -_Lehrer._ Was gehört aber zum Gebet? - -_Ich._ Glaube. - -_Lehrer._ Warum hat also der Mensch gestohlen? - -_Ich._ Aus Unglauben. - -_Lehrer._ Ein anderer Fall: der holländische Schiffskapitän Wilhelm -Isbrand _Bontekoe_ (l. Bonteku) verlor sein Schiff im indischen Meere -durch Brand. Er entkam mit einem Theile der Mannschaft auf einem offenen -Boote; aber alle hatten vergessen, Lebensmittel mit sich zu nehmen. Bald -entstand die größte Hungersnoth. In den gierigen Blicken der Matrosen -las man schon den Vorsatz, den sie bald auch wirklich aussprachen, daß -sie einige von der Mannschaft tödten, und dann ihr Fleisch verzehren -wollten. Wäre das erlaubt gewesen? - -_Ich._ Nein; denn im fünften Gebot ist das Tödten ohne Unterschied -verboten. - -_Lehrer._ Aber wenn nun die Noth so groß war, daß kein anderes Mittel -mehr übrig blieb; sollten sie dann lieber Alle umkommen, da sie -vielleicht durch die Aufopferung weniger Personen die andern retten -konnten? - -_Ich._ Ich denke, wer Gottes Gebot hält, mit dem läßt's Gott nie so weit -kommen, daß er verzweifeln müßte. Und am Ende doch lieber sterben, als -wider Gott sündigen. - -_Lehrer._ Worauf gründen sich aber diese Ueberzeugungen? - -_Ich._ Auf den Glauben, daß es Gott nicht an Mitteln und an Wegen fehlt, -zu helfen, auch wo die kurzsichtigen Menschen keinen Ausweg mehr -erblicken; und daß dieses zeitliche Leben nicht so viel werth sei, daß -man das Leben seiner Seele dafür aufopfern sollte. - -_Lehrer._ Ja, und daß, wenn ich dieses irdische Leben auch nur mit Einer -Sünde erkaufen müßte, der Preis doch viel zu hoch wäre. Siehe, diese -Ueberzeugung hatte auch Bontekoe. In dem Vertrauen zu Gott, daß Er -helfen werde, bat er seine Reisegefährten, ihren blutigen Vorsatz nur -noch drei Tage aufzuschieben, weil er hoffe, in dieser Zeit Land zu -erreichen. Und seine Hoffnung täuschte ihn nicht. Der HErr half ihm -wunderbar aus allen seinen Nöthen, wie Er allen Denen hilft, die auf Ihn -trauen. -- Wo haben denn nun auch die Nothlügen ihren Grund? - -_Ich._ Im Unglauben. - -_Lehrer._ Inwiefern? - -_Ich._ Weil man im Glauben es dem HErrn zutraut, daß Er diejenigen, -welche aus Ehrfurcht vor Ihm bei der Wahrheit bleiben, auch aus der Noth -und Verlegenheit erretten wird. -- Aber wie ist's denn nun mit den -heiligen Männern Abraham, Isaak, Jakob, David, von denen stehen doch -auch Nothlügen in der Schrift? - -_Lehrer._ Diese Männer waren auch Menschen, welche sündigten, und denen -wir also nur das nachmachen dürfen, was gut ist an ihnen. Ihre Fehler -aber stehen für uns zur Warnung und Demüthigung da. Es ist nur ein -Einziger da, der nichts Böses that, und von dem ausdrücklich versichert -wird, daß kein _Betrug_ in Seinem Munde erfunden worden sei, also auch -keine Nothlüge. Wenn jene heiligen Männer sich Nothlügen erlaubten, so -geschah es in den Augenblicken des Unglaubens; Jesus aber war beständig -stark im Glauben, und darum konnte er alle Versuchungen überwinden. - -Ein anderes Mal sprach er wieder mit mir über diesen Gegenstand; Obiges -kann aber hinreichen, um zu zeigen, wie seine Lehrweise war. - -Ich genoß seinen Unterricht etwas länger als ein halbes Jahr, und -brachte es unter dem Segen Gottes in dieser Zeit zu einer geordneten und -vollständigen Erkenntniß der Religionswahrheiten, so daß ich am Ende des -Jahres 1690 von dem damaligen Herrn Spezial _Meurer_ und Herrn Helfer -_Clemm_ nach einer vorgenommenen Prüfung für fähig erklärt wurde, durch -die Taufe in die christliche Kirche aufgenommen zu werden. Diese -Erklärung brachte meinem Herzen große Freude, und ich betete nun täglich -zu Gott, daß Er mir die rechte Gemüthsfassung für diese heilige Handlung -schenken wolle, damit ich auch den vollen Segen derselben empfange. Auf -Weihnachten schenkte mir die Herzogin eine große silberne Denkmünze. Es -war auf derselben eine Abbildung, wie Jesus von Johannes im Jordan -getauft wird, und auf der andern Seite war die Geschichte des -Pfingstfestes bildlich dargestellt. Auf jener Seite standen nur die -Worte: _ohne Maaß!_ auf dieser stand: _ohne Zahl!_ Ich bat meine -Pflegemutter um Erklärung dieser Inschriften. Diese gab sie gern. »Die -Worte: »»_ohne Maaß!_«« -- sagte sie -- »gehen auf den Herrn Jesus, der -mit dem heiligen Geist ohne Maaß, d. h. mit einer überschwenglichen -Fülle des Geistes, gesalbt worden ist, und darum auch der _Gesalbte_, -Christus, heißt (Joh. 3, 34.). Die Worte: »»_ohne Zahl!_«« gehen auf die -Christen, welche die Gabe des heiligen Geistes empfangen, und deren Zahl -so groß werden soll wie die Zahl der Sterne am Himmel. Zu dieser -zahllosen Schaar sollst auch du kommen, und es muß dir diese gnädige -Berufung doppelt wichtig sein, da du durch die wunderbare Hand des HErrn -aus einem Volke herausgezogen worden bist, das bis jetzt noch keinen -Antheil genommen hat an den Segnungen des Geistes Christi, das aber -hoffentlich einst auch noch herbeikommen und seine Kniee beugen wird vor -dem Gekreuzigten.« - -Ich sagte: »Amen, möge diese Zeit bald kommen!« - -Meine Taufe war auf den sechsten Januar, als auf das Fest der -Erscheinung Christi unter den Heiden, festgesetzt, und sollte nach dem -Willen der Herzogin in der Stiftskirche in Stuttgart auf eine feierliche -Weise vorgenommen werden. Ein feierlicher Kirchgang wurde von dem -Schlosse aus zur Stiftskirche gehalten. Voran giengen die Taufzeugen, -welche aus freiwilliger christlicher Liebe diese Stelle vertreten -wollten, nämlich: die Frau Herzogin Wittwe _Magdalena Sibylla_, der -Erbprinz, nachmaliger Herzog, _Eberhard Ludwig_, die Frau -Oberhofmeisterin _von Wachenheim_, Herr Consistorial-Direktor _Bardili_, -Frau Doktorin _Commerell_, Frau Kammerrath _Faber_ und Herr -Kanzlei-Advokat Dr. _Stierlin_. Hierauf kam ich, von zwei adeligen -jungen Herren begleitet, und dann folgten alle die Personen, welche zum -herzoglichen Hofe gehörten. - -Als wir uns in der von den Zuhörern angefüllten Kirche auf unsere Plätze -begeben hatten, wurden einige Verse aus dem Liede von Paul _Gerhard_ -gesungen: - - O du allersüßte Freude, - O du allerschönstes Licht! u. s. w. - -Hierauf predigte der Stifts-Prediger _Schmidlin_ über das Evangelium des -Tages _Matth._ 2, und verglich die Reise der Weisen aus Jerusalem mit -meiner wunderbaren Führung von Belgrad nach Stuttgart. Die Predigt -währte ziemlich lange; ich war aber mit innerlichem Seufzen und Flehen -zu sehr beschäftigt, als daß ich viel davon hätte fassen können. Zum -Anfang der Taufhandlung wurde der Vers gesungen: - - O Gott und Vater gnadenvoll &c. - -Dann legte ich öffentlich mein Glaubensbekenntniß ab, wozu mir der -Heiland ein reiches Maß von Freudigkeit verlieh, wiewohl mir vorher sehr -angst gewesen. So bald ich aufstand und anfieng zu reden, war alle Angst -wie weggehaucht; ich sah nicht mehr auf die Menschenmenge, sondern -dachte allein an Gott, der in das Herz sieht und weiß, ob unser -Bekenntniß aufrichtig und lauter ist. Hierauf kniete ich nieder, wurde -im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes getauft, -und erhielt die Namen _Christiana Magdalena Eberhardina_, welchen -hernachmals noch der Name _Gottliebin_ als Zuname beigegeben wurde. Der -türkische Name _Setma_ war der letzte Ueberrest von meinem türkischen -Vaterland, den ich vollends abzulegen hatte. Vaterland, Familie, -Freunde, Erbschaft, Religion, Sprache, Sitten, Kleider hatte ich Alles -schon längst verlassen und abgelegt; aber auch nach der Verheißung Jesu -hundertfältig wieder gefunden schon in dieser Zeit. Warum hätte ich -nicht gern auch meinen Namen vollends hergeben sollen, um auch äußerlich -darzustellen, was ich innerlich zu erfahren wünschte: -- eine gänzliche -Wiedergeburt! Gott aber sei Dank, der nach und nach Alles vollends -hinwegnimmt, was nicht in Sein Reich hineintaugt! - -Nach der Taufe, während welcher mir unbeschreiblich wohl war, wurden die -zwei letzten Verse gesungen aus dem Lied des seligen Dr. _Luther_: - - Christ, unser HErr, zum Jordan kam &c. - -Das war denn der Tag meiner höchsten Ehren, da ich aus der Zahl der -Ungläubigen feierlich herausgenommen, und als ein Kind und Eigenthum -Gottes erklärt wurde, ein Glück, das nicht hoch genug zu schätzen ist, -und für das so viele Christen, die schon in den ersten Tagen ihres -Lebens diese Gnade erfahren, bei weitem dankbarer sein würden, wenn sie -recht überlegten, wie viel Mühe es mich gekostet, wie manchen sauren, ja -ich darf wohl sagen, blutigen Tritt es mich gekostet, bis ich so weit -kam, und wie so mancher Heide sich's noch viel mehr kosten lassen würde, -wenn er Gelegenheit hätte, zu diesem hohen Vorzug zu gelangen. - -Von der Kirche aus gieng der Zug wieder in das herzogliche Schloß, wo -ich in Anwesenheit des ganzen Hofes der Herzogin meinen fußfälligen Dank -sagte. Sie aber erklärte vor dem ganzen Hof, daß sie mir, als einer -Christin, nunmehr meine Freiheit schenke, und das, was sie meine -Loskaufung gekostet, mir als Taufpfennig anrechnen wolle. Zugleich -machte sie mir das gnädigste Anerbieten, ob ich in Zukunft in ihren -Diensten bleiben wolle. Beides nahm ich natürlich mit großer Freude und -unterthänigstem Danke an, bat aber zunächst nur um die Erlaubniß, mich -für heute ganz in die Stille zurückziehen zu dürfen, weil ich -befürchtete, in der großen Zerstreuung von dem reichlich empfangenen -geistlichen Segen etwas zu verlieren. Wie leicht ist ein volles Gefäß -verschüttet, wenn man damit hin und her geht oder gar rennt! Ich suchte -deßwegen die Stille im Hause meiner gütigen Pflegemutter, welche mich -mit inniger Freude von dem Herzen der ewigen Liebe empfieng, und an ihr -mütterlich-liebendes Herz drückte. Den ganzen Tag wollte ich Niemand -mehr sehen noch sprechen, sondern blieb auf meiner Stube, las bald -einige Verse im Wort Gottes, bald ein schönes Lied, bald überließ ich -mich dem Jubel meiner innerlichen Freude, bald schickte ich ein -frohlockendes Dankgebet zum Throne Gottes hinauf. Ich ließ die ganze -wunderbare Geschichte meines Lebens und den reichen Segen des heutigen -Tages mehr als einmal vor meinem Gemüthe vorübergehen, und fand jedes -Mal neue Ursache, Den zu preisen und zu erheben, der Wunderbar heißt und -wunderbar ist. Ich fand, daß der stille Nachgenuß eines solchen Festes -fast noch süßer und lieblicher werden kann als die Festfeier selbst, bei -welcher man durch manche beengende oder zerstreuende Umstände von außen -gestört wird. Zugleich kann ich es nicht verhehlen, daß, so groß das -Glück ist, schon als Kind in den Bund mit Gott aufgenommen zu werden, -doch auch ein besonderer Segen darin liegt, bei dieser Aufnahme selbst -mit Bewußtsein empfinden zu dürfen und überlegen zu können, wie groß die -Gnadengüter sind, die Gott Seinen Kindern anbietet.« - -Ich muß hier unsere Erzählerin wieder einen Augenblick unterbrechen, um -zu dem so eben Gesagten eine kurze Bemerkung zu machen. Damals, als -Setma, oder, wie sie von jetzt an heißt, Gottliebin, dieses -niederschrieb, war die Confirmation bei uns noch nicht eingeführt. Durch -diese ist ein Ersatz gegeben für das, was _Gottliebin_ bei der -Kindertaufe vermißte. Und möchten nur alle unsere Konfirmanden ihrem -Rathe folgen, und die Stunden nach der heiligen Handlung nicht mit -eiteln Zerstreuungen verderben, unter denen der empfangene Segen wieder -verloren geht, sondern vielmehr in der Stille zubringen in der Gegenwart -Dessen, der der beste Gesellschafter ist, und aus dessen Nähe man nie -leer zurückkommt! - -Nun lasse ich unsere Neugetaufte weiter erzählen. - -»Am folgenden Tage nahm ich unter tausend Thränen und wiederholten -Danksagungen für alle Mutterliebe und Treue von meiner bisherigen -Pflegemutter Abschied, und bezog ein Zimmer im herzoglichen Schlosse, wo -ich der Aufsicht der Frau Oberhofmeisterin _v. Wachenheim_, einer -gottseligen und verständigen Dame, übergeben ward, welche mich durch -Lehre und Beispiel immer weiter zum wahren Christenthum anleitete und -förderte. Meine Beschäftigung bestand hauptsächlich im Sticken, welches -ich schon in meinem väterlichen Hause erlernt und fleißig geübt hatte. - -Nachher schenkte mir die Prinzessin _Eberhardine Louise_ ihre besondere -Gnade, und nahm mich mit Genehmigung der Herzogin Mutter in ihre -Dienste, in denen ich auch blieb bis an ihren frühen Tod. Sie war von -Natur sehr lebhaft, aber von Herzen fromm, und unterhielt sich mit mir -meistens über das Wort Gottes und über Herzenserfahrungen. Zuweilen -hörte ich von ihr folgende von einer englischen Prinzessin gedichteten -Verse: - - Ich war so eitel, wild und jung; - Ich lachte, tanzte, spielt' und sung: - Ich war gesund, mein freies Herz - Wußt' nichts von Sorge, Müh' und Schmerz; - In solchen frohen Stunden meinte ich, - Die ganze Welt wär' nur gemacht für mich. - - Doch wenn die Noth zum Herzen drang, - Wenn Krankheit ihre Geißel schwang, - Die Lust der Eitelkeit verschwand, - Ich nicht mehr singen und tanzen konnt': - Dann fiel mir ein, wie schlimm es würde sein, - Wär' diese Welt nur da für mich allein. - -Das frühzeitige Hinscheiden dieser trefflichen Prinzessin setzte das -ganze fürstliche Haus in tiefe Trauer, und war auch für mich ein -schmerzlicher Schlag, da ich bei der herablassenden Freundlichkeit der -Prinzessin nicht wie eine Dienerin, sondern wie eine Freundin von ihr -angesehen wurde. Die reichlichen Geschenke, mit denen meine geringe -Treue im Dienst der Entschlafenen nach ihrem Abscheiden belohnt wurde, -konnten meinen Schmerz nicht einschläfern. Eine andere Erquickung war -mir aufgehoben. - - - - - Siebentes Kapitel. - Kirchheim unter Teck. - - -Nach dem Tode der Prinzessin Eberhardine Louise hatte mich die Herzogin -Mutter selbst unmittelbar in ihre Dienste genommen, und mir die -Bedienung ihrer eigenen Person übertragen. Sie war meine größte -Wohlthäterin, ihr wollte ich auch am liebsten dienen. Nach wenigen Tagen -trat noch eine Kammerfrau in den Dienst, welche der Herzogin von Sachsen -aus empfohlen worden war, und _Christiana Maria Weisse_ hieß. Als sie -dem Hof vorgestellt wurde, fühlte sich mein Herz sehr zu ihrer sanften -Gestalt hingezogen, und sobald wir allein waren, drückte ich ihr meine -Freude darüber aus, daß wir in Zukunft neben einander dienen sollten, -weil ich die lebhafte Hoffnung in mir hätte, daß unsere Herzen sich bald -gegenseitig verstehen würden. Sie äußerte dasselbige, und versicherte, -es sei ihr so, als hätten wir schon Jahre lang mit einander gelebt, und -wären nur eine Zeit lang im Schlafe gelegen. »_Guly!_« rief ich, und sie -im nämlichen Moment: »_Setma!_« und wir lagen einander in den Armen, und -hielten uns fest umschlossen. Der Eindruck von den verschiedenartigen -Auftritten, deren Bilder jetzt so schnell an meiner Seele vorüberzogen, -war aber so stark und heftig, daß ich unwillkürlich in ein lautes Weinen -gerieth, das wohl eine Viertelstunde anhielt, und während dessen ich -kein Wort reden konnte. Guly weinte mit, war aber gefaßter als ich, und -sagte: »ein anderes Mal will ich dir meine Geschichte erzählen, heute -bist du zu schwach dazu.« -- Ich war damit einverstanden, und in der -überfließenden Freude meines Herzens stand mir nur Eines klar vor Augen: -ich wollte so bald als möglich darüber Gewißheit erhalten, ob Guly eine -Christin geworden, ob sie eine _wahre_ Christin sei, die den Heiland von -Herzen lieb habe. Um meine Freude völlig zu machen, durfte ich mich auch -davon überzeugen, daß sie an christlicher Erkenntniß und Erfahrung -weiter war als ich, und mir eine Stütze werden konnte, der ich sehr -bedürftig war. Das Herz verläßt sich auf Gott, aber die Hand sucht einen -Stab. David setzte seine Zuversicht auf den Allmächtigen, aber er hatte -auch einen Jonathan, und weinte um ihn, als er ihn verlor. Paulus, der -muthige Glaubenszeuge, klagt wehmüthig, daß ihn in Rom Alle verlassen -haben, und er nun allein stehe. Wer wollte mir's übel nehmen, daß mein -Herz bei der Entdeckung, was es in Zukunft an Guly haben werde, vor -Freuden jauchzte. Ach die Tage der Trauer bleiben ja doch nicht aus; das -habe ich auch sattsam erfahren. -- Nach einigen Tagen nahm mich Guly, -als wir eine ruhige Stunde hatten, am Arm, und gieng mit mir in den -herzoglichen Lustgarten, wo wir uns auf einer Rasenbank niederließen, -und nun erzählte sie mir ihre Geschichte: - -»Meine Empfindungen, als wir nach der Eroberung unserer Vaterstadt so -unerwartet von einander gerissen wurden, darf ich dir nicht erst -beschreiben; sie sind ja auch die deinigen gewesen. Ich war fast ganz -besinnungslos, als mich der General, welcher mich gefangen genommen -hatte, in's Lager schleppte. Er war schon ein bejahrter Mann, sehr mild -und leutselig, und hatte mit mir nichts Anderes im Sinn, als mich seiner -Tochter zur Gesellschafterin zu bringen. Das erfuhr ich aber erst -später: denn er konnte nicht türkisch und ich nicht deutsch, und so -mußte ich mich einstweilen mit seiner freundlichen Behandlung begnügen, -welche ganz über meine Erwartung war. Da der Feldzug bald zu Ende gieng, -so durfte ich nicht lange im Lager bleiben, und der General, der außer -der Kriegszeit auf seinem Landgut in Schlesien wohnte, nahm mich mit -dahin, wo er von seiner Tochter mit der größten Freude empfangen wurde. -Er sagte ihr, was ich freilich nicht verstand, aber aus seinen -Bewegungen schließen konnte, daß er mich für sie zur Aufwartung und -Unterhaltung mitgebracht habe, worüber sie sehr vergnügt zu sein schien. -Die Freude stockte aber bald wieder, als sie merkte, daß ich nichts von -ihrer Sprache verstand. Indessen wurde sie nicht unwillig, sondern -unterrichtete mich mit vieler Geduld und Angelegenheit im Deutschreden -und Lesen. Letzteres gieng mir schwerer als das Erstere; indessen hatte -ich es doch in einem halben Jahre so weit, daß ich mich Jedermann im -Hause verständlich machen und ziemlich deutlich in der Bibel lesen -konnte. Diese hatte man mir zum Lesebuch gegeben, denn der General war -ein von Herzen frommer Mann, -- und da ich im Anfang noch nicht wußte, -was darinnen stand, und daß dieß das Religionsbuch der Christen sei, so -ließ ich es mir gefallen, was ich nimmermehr gethan haben würde, wäre -mir jenes bekannt gewesen; denn meine väterliche Religion zu verlassen, -hatte ich keineswegs im Sinn. Je mehr ich aber nun verstehen lernte, was -ich las, desto mehr gefiel mir das Buch, und wie ich endlich an die -Geschichte Jesu kam, und nun merkte, woran ich war, da hatte mich die -Wahrheit und Lieblichkeit dieser Gottesworte schon so gefangen genommen -und gefesselt, daß ich nicht mehr zurück konnte. Ich las also die -Geschichte Jesu vollends durch, las die Apostelgeschichte, die Briefe, -las Alles bis an's Ende, und da war es in meinem Herzen felsenfeste -Gewißheit: Das ist ein wahrhaftiges Wort! Das ist Gottes Wort! Noch ehe -ich die deutsche Sprache recht gelernt hatte, nahm ich schon die -deutsche Religion an, und ehe ich eine unparteiische Vergleichung des -Christenthums und des Muhamedanismus anstellen konnte, hatte Christus -schon Besitz von meinem Herzen genommen. O da erfuhr ich große Gnade und -Seligkeit! -- Der General und seine Tochter merkten, daß etwas -Besonderes mit mir vorgehe; aber sie wollten den freien Gang der -Entwicklung nicht stören, bis ich endlich selbst ihnen mit dem -Geständniß entgegenkam, daß ich glaube an Christum, den Heiland der -Welt. Sie waren sehr erfreut darüber, und theilten ihre Freude auch -sogleich dem Prediger _Rothe_ mit, der in dem zum Gut gehörigen Dorfe -angestellt war. Dieser kam, und ließ sich von mir erzählen, wie ich zu -diesem Glauben gekommen sei; dann stand er auf, ein ehrwürdiger -achtzigjähriger Greis mit schneeweißen Haaren, richtete seine Augen gen -Himmel, hob die gefalteten Hände empor, und rief: »HErr! nun lässest Du -Deinen Diener in Frieden fahren; denn meine Augen haben gesehen, daß -sich eine Seele aus Ismael zu Dir bekehret hat.« -- Dieser alte Knecht -Christi hatte sich's nämlich zum besondern Anliegen gemacht, um die -Bekehrung der Muhamedaner zu beten, und seufzte täglich zum HErrn, Er -möchte doch einmal Seinen Geist unter sie senden, und ihre verblendeten -Augen aufthun. Um so erwünschter war ihm daher das Beispiel einer zu -Christo gekommenen Muhamedanerin, und er nahm es als ein Unterpfand der -Erhörung seiner Gebete an, die ja auch wohl noch in Erfüllung gehen -können. Er nahm mich nun in besonderen Unterricht, und gab sich alle -Mühe, mir die christliche Wahrheit recht süß und lieblich, Jesum recht -groß, mein Verderben recht tief, und die ewige Seligkeit recht herrlich -vorzustellen. Seine Worte fielen auf einen empfänglichen offenen Boden; -mein Herz war begierig, recht viel von Jesus und von den himmlischen -Dingen zu hören, und ich machte oft Fragen an ihn, auf die er mir gar -keine Antwort gab, sondern sagte: »Du mußt nicht Alles wissen; halte -fest, was du hast.« Am Weihnachtstage wurde ich getauft, und erhielt die -Namen:_ Maria Christiana_. Ich fand aber nicht das, was ich erwartet -hatte. Mein Herz war ziemlich kalt und ungefühlig, meine Aufmerksamkeit -mehr auf das Aeußere gerichtet, meine Andacht mehr gezwungen als -lebendig. Ich merkte es zeitig, seufzte und betete, so gut ich konnte; -aber es blieb so. Ich setzte das Beten den ganzen Tag fort, und siehe -da, am folgenden Tage kamen alle die Segen, die ich heute nicht genossen -hatte, stromweise über mich. Der Friede Gottes erfüllte mein Herz, und -ein solches Wohlsein kehrte bei mir ein, daß ich mich nicht enthalten -konnte, laut zu jauchzen. Der General sagte: »Maria, nimm dich in Acht: -wenn der Himmel glüht, gibt's gern Regen. Es könnte auch anders kommen.« --- Der alte Prediger aber sagte: »Laßt sie doch in ihrer Freude, und -gönnet ihr's. Die Hochzeitleute können nicht fasten, so lange der -Bräutigam bei ihnen ist. Freilich wird's einmal anders kommen; aber dann -ist's noch Zeit genug, das Gesicht in Falten zu legen.« - -Der gute Mann hatte Recht, ich dachte oft an ihn. Nun ruht er schon -lange in seinem Grabe, und neben ihm der alte General. Ach, er starb im -Frühjahr nach meiner Taufe! Die ersten Schlüsselblümchen schienen sein -Grab aufgeschlossen zu haben. Er starb schnell dahin, nicht wie eine -Eiche, die nach und nach abfault; sondern wie eine hohe Fichte, die von -den gewaltigen Schlägen der Axt schnell zu Boden gelegt wird. Er starb -gern. »Wenn man nur eine Stunde Zahnweh hat,« sagte er, »so hat man -schon das Leben satt, und in einem Lebenslauf von 64 Jahren kommt -manches Weh an den Erdenpilger. Ich hoffe einen guten Tausch zu treffen. -Mein HErr und Heiland hat mir eine Stätte bereitet. Meine Menschensünden -und meine Soldatensünden, und meine Generalssünden hat Er mir alle -vergeben; ich habe Gnade erlangt.« Vor seinem Ende ließ er sich noch -folgende Verse vorlesen: - - Ich geh' dem schönen Land - Voll Freud' und Segen zu, - Dem heil'gen Friedensland, - Dem Land der ew'gen Ruh'; - Wo Oel und Wein mir blüh'n, - Wo Milch und Honig fließt, - Aus Lebensbäumen ewig grün - Mir Gnade sprießt: - - Wo unser König wohnt, - Der Herr der Heiligkeit, - Der über Welt und Sünde thront - Im Friedenskleid. - Auf Zion's sel'gen Höh'n - Hat Er sein Reich erricht't, - Und herrscht mit Seinen Heiligen - Im ew'gen Licht. - - Der Herr der Ehren schwor - (Sein Eid fällt nicht dahin): - Ich soll mit Adlersflug empor - Zum Himmel zieh'n. - Ich soll sein Antlitz seh'n, - Anbeten Seine Macht, - Und Seiner Wunder Preis erhöh'n - In ew'ger Pracht! - -Dann sagte er, als er uns weinen sah: »Weinet nicht, Kinder! ein Soldat -hat schon etwas Uebriges, wenn er auf dem Bett sterben darf, und was -noch mehr ist: ein sterbender Christ tauscht mit keinem lebenden König.« - - »Ich bin selig, reich und satt, - Weil mein Herz den Heiland hat.« - -»Laßt mich im Frieden ziehen?« Darauf faltete er die Hände, schloß die -Augen und schlief ein wie ein Kind, das am Morgen wieder erwachen wird. - -Nach seinem Tode nahm sein Sohn, ein Hauptmann in sächsischen Diensten, -seinen Abschied, um das väterliche Gut zu übernehmen. Er war ebenfalls -ein edler, christlicher Mann, und sicherte mir gleich am ersten Tage den -ungehinderten Aufenthalt bei ihm und seiner Schwester zu. Aber ehe ein -ganzes Jahr verfloß, kam er zu mir mit dem überraschenden Antrag, ich -solle seine Gattin werden. Ich machte viele Einwendungen, und bat mir -Bedenkzeit aus. Durch vieles Zureden von seiner und seiner Schwester -Seite, und weil ich keine innere Freudigkeit hatte, ihn abzuweisen, ließ -ich mich endlich bewegen, in seinen Wunsch zu willigen. Wir Drei lebten -nun bei einander wie die Kinder so vergnügt, und Eines suchte dem Andern -auf dem Wege zum Leben behilflich zu sein. Nach drei Jahren sah sich -mein Gatte durch allerlei Umstände genöthigt, seine Güter in Schlesien -zu verkaufen, und kaufte ein kleines Landgut in Sachsen in der Gegend -von Budissin. Guten Muthes traten wir die Reise dorthin an. Gleich auf -der ersten Tagreise aber wurde mein Gatte krank, so daß wir langsam -reisen und oft unterwegs stille halten mußten. Du kannst dir denken, wie -beschwert mein Herz auf dieser Reise war, wie viele Thränen ich im -Verborgenen vergoß, und wie viele Seufzer hinaufstiegen zu Dem, der die -Liebe ist, auch wenn Er schlägt. Als wir in der Gegend der Landskrone -bei Görlitz ankamen, ließen wir still halten, und setzten uns im -Abendsonnenschein auf einen grünen Rasen. Nicht weit davon saß ein Hirte -bei seiner Schafheerde unter einem Baum und sang folgendes Lied: - - Kommt, Lämmlein, weidet nur - Hier auf der fetten Flur, - Wo stille Bächlein zieh'n - Durch Gras und Blumen hin. - Nah' ist des Hirten Stab und Arm; - Ruht friedlich hier ohn' Furcht und Harm! - - Ihr Lämmer, lauft nicht weg, - Und bleibt mir im Gehäg': - Der wilde Wolf wird nah'n, - Fällt irre Schäflein an. - Hier ruhet auf der schönen Waid' - In Fülle, Fried' und Sicherheit. - - Kann sich ein Lamm erfreu'n, - Das nicht will folgsam sein? - Das die Gefahren kennt, - Und doch in's Weite rennt? - Der Wolf erhascht's, in Herzensnoth - Schreit's laut und jammert, und -- ist todt. - - O liebes Lämmlein! flieh' - Aus meiner Pflege nie! - Bleib' auf dem reichen Feld, - Das dir dein Hirt' erwählt. - Ich will dich schützen Tag und Nacht; - D'rum bleib' in deines Hirten Wacht! - - Ihr Lämmlein in der Hürd'! - Mich waidet auch ein Hirt', - Führt mich auf rechter Straß', - Und liebt mich ohne Maaß': - Sein Stab und Stecken hilft in Noth. - Mein Hirte ist mein Heiland, Gott! - -Die Worte: »Führt mich auf rechter Straß', und liebt mich ohne Maaß'« -- -giengen mir tief in's Herz, und mein Glaube mußte fest stehen, um bei -den nachherigen Erfahrungen sie nicht aus dem Gesicht zu verlieren. Laß -mich schnell darüber weggehen. Nach einem Jahre starb mein Gatte in -meinen Armen. Seine Schwester folgte ihm bald nach in's Grab. Das Gut -fiel dem Staate heim, weil keine Erben da waren. Ich wurde mit einer -kleinen Summe Geldes abgefunden. Mit Empfehlungen an die Herzogin -versehen, reiste ich nach Württemberg, um einige Verwandte meines sel. -Gatten aufzusuchen. Sie waren gestorben. So benützte ich denn meine -Empfehlungen, um bei der Herzogin Dienste zu suchen.« - -So weit erzählte Guly, die jetzt Maria heißt, und ich sah nun mit Dank -gegen Gott, daß mein Weg noch lange nicht der schwerste gewesen sei. -Später erzählte sie mir Manches noch ausführlicher, und ich erstaunte -über die schweren Prüfungen, welche Gott ihr auferlegt, und über die -Geduld und Demuth, welche sie unter denselbigen gelernt hatte. Sie -beschämte mich oft, wenn ich unzufrieden oder kleinmüthig war, durch -ihre Stille und Gelassenheit, und durch ihr festes Vertrauen auf Gott, -und ich kann nicht sagen, wie wohlthätig die Verbindung mit ihr für mein -Herz war. Unsere gegenseitige Liebe, die schon in früher Jugend -gepflanzt worden, nahm von Tag zu Tag zu, und wir durften den Segen -einer durch Christum geheiligten Freundschaft und Gemeinschaft reichlich -erfahren. Als unsere gnädigste Frau, die Herzogin _Magdalena Sibylla_, -auf ihren Wittwensitz nach Kirchheim unter Teck zog, waren wir froh, aus -dem geräuschvollen und zerstreuenden Leben in der Residenz in die Stille -eines Landstädtchens zu kommen. Wir fanden auch dort christliche fromme -Menschen, in deren Umgang wir uns erbauen konnten, und brachten unsere -Zeit im Segen zu. Mit Genehmigung der Herzogin hielten wir eine kleine -Arbeitsschule für Töchter aus der Stadt von vierzehn bis zwanzig Jahren, -welche wir im Nähen, Stricken und Sticken unterrichteten, und denen wir -zugleich durch christliche Gespräche nützlich zu werden suchten. Jedes -Mal wurde ein Kapitel aus der Bibel gelesen und während der Arbeit -darüber gesprochen. Dazwischen wurden schöne christliche Lieder -gesungen, und zuweilen benützten wir, um das Nachdenken unserer Zöglinge -anzuregen, und sie zu einer genauen Bekanntschaft und einem fleißigen -Umgang mit der Bibel zu veranlassen, ein altes Buch, in welchem -mancherlei biblische Räthsel standen, die wir von ihnen auflösen ließen. -Hier sind einige davon: - -In welchem Jahre war die Erde unfruchtbar, und entstand doch keine -Theurung? - -Wer hat einen Fingerring getrunken? - -Was ist das für eine Frau, welche in der Schrift in Verbindung mit den -Zahlen 3, 10 und 12 vorkommt? - -Wer ist das, der etwas fand, das er nicht suchte, der zu arm war, es zu -kaufen, und doch noch etwas dazu kaufte? - -Was ist das für ein Haus? -- es steht nicht auf dem Fels und nicht auf -dem Sand; es hat keine Mauern und keine Fenster; es wohnen mehr Familien -darin als Menschen; im Januar steht's im Thal und im Dezember auf dem -Berg. - -Welches ist das größte Gefäß, das in der Bibel vorkommt? - -Was war das für ein Mann, der auf dem Gebirge geboren wurde, am Wasser -lebte und in einer Vestung starb? Er war kleiner als die Kleinen und -größer als die Großen. - -Wie hieß der Mann, der am Morgen den Schwachen fürchtete, und bei Nacht -den Stärksten überwand? - -Wie hießen die vier Männer, die von oben herab auf den höchsten Berg des -Landes kamen? - -Wer war das, der sich darüber freute, daß er immer kleiner wurde, und -deßwegen so groß ist? - -Wo wurde das Zeichen der herzlichsten Liebe aus Haß gegeben? - -Wie hieß die Frau, die ihr Kostbarstes und ihr Schlechtestes an einem -Orte verbarg? - -Was ist das für ein Thorwart, der nie geboren ist und nie sterben wird? - -Wer waren die Männer, die eine theure Waare für Geld kauften, und doch -umsonst bekamen? - -Was ist das für ein Kleid, das kein Schneider gemacht hat, und doch ein -Weber gewoben? - -Was war das für ein Redner, der nur Einmal in seinem Leben gesprochen, -und der nur Einen Zuhörer hatte? - -Was war das für ein Holz, das 600 Männer mehr fürchteten als zwei -Ochsen? - - Was ist so klein und wird so groß, - Verbirgt so viel und ist so blos? - -Gern hätten wir es uns gefallen lassen, bis an unser Lebensende in dem -freundlichen Kirchheim zu bleiben; aber da am 11. August 1712 die -Herzogin, meine große Wohlthäterin, starb, so mußten wir wieder nach -Stuttgart ziehen. -- - -So weit erzählte Setma selbst. Sie erhielt von dem Herzog _Eberhard -Ludwig_ auf Empfehlung der verstorbenen Herzogin Kost und Wohnung -lebenslänglich in der herzoglichen Hofhaltung, lag im Jahr 1714 an einer -schweren Krankheit darnieder, von der sie sich nie ganz erholte, und wie -lang sie dann noch gelebt hat, weiß ich nicht. Sie hat an Armen und -Kranken nach Vermögen viel Gutes gethan, und vielen Sterbenden durch -frommen Zuspruch ihre letzten Stunden erleichtert. Unsere Großeltern in -Stuttgart hörten noch manchmal von der _frommen Jungfer Gottliebin_ -erzählen, und wenn auch unsere Enkel nichts mehr von ihr wissen werden, -so werden sie doch unsere Engel um so besser kennen. - - - - - Bei J. F. Steinkopf in Stuttgart sind - ferner erschienen: - - - Barth, Dr. C. G., Kleinere Erzählungen für die christliche - Jugend. - - I. Bändchen. 3. Aufl. 8. geb. 1 fl. od. 20 sgr. - - Inhalt: 1. Der Apotheker und sein Arzt. 2. Die Geschichte des - Peter Trom. 3. Das Rubinenkreuz. 4. Das Frauenkreuz. 5. Die - Wachsfigur. 6. Das Stöberwetter. 7. Die Geschichte des Michel - von Breitenfurth. 8. Das Concilium Nepomucenum. 9. Geschichte - einer Sturmhaube. 10. Das Kutschenrad. - - II. Bändchen. 2. Aufl. 8. geb. 1 fl. od. 20 sgr. - - Inhalt: 1. Der Bernhardskrebs. 2. Die Geschichte vom Sternwirth. - 3. Das verlorene Kind. 4. Die vier Brüder. 5. Die drei Häuser. 6. - Der Sacktuchhändler. 7. Der seltsame Appetit. 8. Die - Schatzgräber. 9. Der blaue Herr. 10. Das Rettungshaus auf dem - Arlberge. - - III. Bändchen. 8. geb. 1 fl. od. 20 sgr. - - Inhalt: 1. Zwei Schiffsjungen. 2. Der Kontrast. 3. Nilus und - Theodulus. 4. Die Winternacht. 5. Das Joch in der Jugend. 6. Der - kleine Schornsteinfeger. 7. Der Knabe im Ledersack. 8. Die - Pistolenkugel. 9. Glück aus Todesfurcht. 10. Die Erscheinung. 11. - Die Nacht am Tage. - - IV. Bändchen. 8. geb. 1 fl. od. 20 sgr. - - Inhalt: 1. Das verlorene Kind. 2. Das maurische Gold. 3. Jusqu' à - la mer. 4. Jusqu' à l'amère. 5. Poccahontas. 6. Züge aus dem Bild - eines Menschenfreundes. 7. Der Apostel der Maoris. 8. Der - verwaiste Knabe. 9. Die himmlische Prinzessin. 10. Viktor von - Upflamör. 11. Graf Hubert von Calw. - - - - -Anmerkungen zur Transkription - - -Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im Original -g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_ -gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt waren, -wurden ^so^ markiert. - -Die Schreibweise und Grammatik der Vorlage wurden weitgehend -beibehalten. Lediglich offensichtliche Fehler wurden berichtigt wie hier -aufgeführt (vorher/nachher): - - [S. 21]: - ... ein Haß gegen die christliche Religon eingepflanzt ... - ... ein Haß gegen die christliche Religion eingepflanzt ... - - [S. 26]: - ... so still, alle Umstände waren so anfregend, ... - ... so still, alle Umstände waren so aufregend, ... - - [S. 35]: - ... Zimmer beiben.« ... - ... Zimmer bleiben.« ... - - [S. 68]: - ... in der Betrachtuug der heiligen Schrift ... - ... in der Betrachtung der heiligen Schrift ... - - [S. 74]: - ... erretten wird. -- Aber wie ist's denu nun ... - ... erretten wird. -- Aber wie ist's denn nun ... - - [S. 84]: - ... folgende von einer englischen Prinzessin gedichtete ... - ... folgende von einer englischen Prinzessin gedichteten ... - - [S. 91]: - ... Angen aufthun. Um so erwünschter ... - ... Augen aufthun. Um so erwünschter ... - - [S. 97]: - ... Mich waidet anch ein Hirt', ... - ... Mich waidet auch ein Hirt', ... - - [S. 104]: - ... l'amère. 5. Poccahoutas. 6. Züge aus dem Bild ... - ... l'amère. 5. Poccahontas. 6. Züge aus dem Bild ... - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Setma, das türkische Mädchen, by -Christian Gottlob Barth - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SETMA, DAS TÜRKISCHE MÄDCHEN *** - -***** This file should be named 50182-8.txt or 50182-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/0/1/8/50182/ - -Produced by Heiko Evermann, Jens Sadowski, and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net. 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F. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Setma, das türkische Mädchen - Eine Erzählung für Christenkinder - -Author: Christian Gottlob Barth - -Release Date: October 11, 2015 [EBook #50182] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SETMA, DAS TÜRKISCHE MÄDCHEN *** - - - - -Produced by Heiko Evermann, Jens Sadowski, and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This -book was produced from scanned images of public domain -material from the Google Books project. - - - - - - -</pre> - - -<div class="titlematter"> -<h1 class="title"> -<span class="line1">Setma,</span><br /> -<span class="line2">das türkische Mädchen.</span> -</h1> - -<p class="subt"> -Eine Erzählung für Christenkinder. -</p> - -<p class="aut"> -Vom Verfasser des ‚armen Heinrich‘. -</p> - -<p class="run"> -Fünfte Auflage. -</p> - -<p class="pub"> -<span class="line1">Stuttgart, 1869.</span><br /> -<span class="line2">Druck und Verlag von <em>J. F. Steinkopf</em>.</span> -</p> - -</div> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-1"> -<a id="page-3" class="pagenum" title="3"></a> -<span class="line1">Liebe Kinder!</span> -</h2> - -<p class="noindent"> -Ich soll euch wieder etwas erzählen, -haben einige Leute gesagt, und zwar haben -sie gesagt, ich soll auch einmal eine -Geschichte von einem Mädchen erzählen, -nicht immer nur von Knaben. Nun weiß -ich eine schöne Geschichte, und die auch -wahr ist, aber von einem <em>türkischen</em> -Mädchen. In den letzten Jahren habt ihr -wohl immer viel von den Türken gehört, -was das für wilde grausame Leute sind; -aber vor diesem Mädchen dürft ihr euch -deßwegen nicht fürchten, die ist gar sanft -und gutmüthig, und hat viel mehr Angst -vor den Christen ausgestanden, als ihr je -vor den Türken. Ich denke also, ich will -euch diese Geschichte erzählen, und wenn -<a id="page-4" class="pagenum" title="4"></a> -sie euch nicht gefallen sollte, so ist mir’s -leid, und ich will’s ein ander Mal besser -machen, wenn ich noch lebe. Manches -von euch liest wohl heuer zum letzten Mal -ein Weihnachtbüchlein, und ist über’s -Jahr nicht mehr da. Was meinet ihr, -liebe Kinder! wie viele von denen, die den -„armen Heinrich“ vor drei Jahren gelesen -haben, seitdem in die andere Welt hinübergegangen -sind? Wenn ich’s wüßte, wollte -ich es euch sagen, und ihr würdet erstaunen. -Wie bald kann’s auch uns treffen! -Bedenket dieß! -</p> - -<p> -Nun so lebet denn wohl, ihr Lebenden! -und sterbet wohl, ihr Sterbenden! Es -kommt ein Tag, da wir uns wiedersehen. -</p> - -<p class="sign"> -Der Verfasser. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-2"> -<a id="page-5" class="pagenum" title="5"></a> -<span class="line1">Erstes Kapitel.</span><br /> -<span class="line2">Setma und Guly in Belgrad.</span> -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">W</span>o die Save in die Donau fließt, an -der Grenze des türkischen Reiches gegen -Oestreich, liegt die große Handelsstadt und -Festung <em>Belgrad</em>, sonst auch <em>Griechisch-Weißenburg</em> -genannt. Sie hat 30,000 -Einwohner, und hundert türkische Moscheen -oder Bethäuser stehen innerhalb ihrer Mauern. -Die Einwohner sind größtentheils Servier, -doch wohnen auch viele Türken darin, da die -Stadt unter türkischer Botmäßigkeit steht, -obgleich sie schon mehrere Mal von den Christen -erobert worden ist. In dieser Stadt -wurde im Jahr Christi 1671 das Mädchen -geboren, dessen Geschichte euch in diesem -Büchlein erzählt werden soll. Sie erhielt den -Namen <em>Setma</em>. Fast hätt’ ich gesagt: bei -der Taufe; und doch wurde sie nicht getauft: -denn ihre Eltern bekannten sich zur muhamedanischen -<a id="page-6" class="pagenum" title="6"></a> -Religion. Ihr Vater war ein türkischer -Kaufmann, Namens <em>Osman</em>, der -ein beträchtliches Vermögen besaß, und sein -Geschäft mit Schiffen auf der Donau trieb. -Er hatte das Amt eines Baschi oder türkischen -Ober-Commissärs, und stand überdieß noch -deßwegen in großem Ansehen, weil er ein -Hadschi war, d. h. weil er eine Wallfahrt nach -Jerusalem und nach Mekka, dem Geburtsort -Muhameds, gemacht hatte. Er wurde daher -gewöhnlich <em>Hadsch’-Osman</em> genannt. -</p> - -<p> -Nun soll euch Setma selber weiter erzählen: -</p> - -<p> -In stiller Zurückgezogenheit bin ich aufgewachsen, -und nicht viel unter die Leute -gekommen: denn mein Vater war ein sehr -ernsthafter und strenger Mann, und meine -Mutter starb, da ich kaum drei Jahre alt -war. Ich wurde hierauf der Aufsicht einer -verständigen Sklavin übergeben, welche schon -bei Jahren war und unsere Haushaltung besorgte. -Im Lesen und Schreiben wurde ich -nicht unterrichtet; das Einzige, was man mich -lehrte, waren einige Gebete und Sprüche, -wie sie bei den Muhamedanern gebräuchlich -sind. Doch lernte ich auch einige weibliche -<a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a> -Arbeiten. Mein Vater hatte einen deutschen -Sklaven aus Böhmen; von dem lernte ich -zum Zeitvertreib etwas deutsch. Ach wer -hätte es damals glauben sollen, daß ich das -einst so gut würde brauchen können! Aber -die Wege Gottes mit Seinen Menschenkindern -sind wunderbar, und oft bereitet Er sie lange -vorher auf etwas vor, das sie später erfahren -sollen. Ehe der Weber sein Gewebe anfängt, -sind schon die rothen und blauen Fäden zugerüstet, -welche hineingewoben werden sollen; -aber Niemand als er allein weiß zuvor, wo -sie hineinkommen, und was für ein Bild -daraus werden wird. -</p> - -<p> -Ich hatte eine Gespielin von meinem -Alter, Namens <em>Guly</em>, welche täglich zu mir -kam, und mit welcher ich nach und nach zur -innigsten Freundschaft verbunden wurde. -Wir unterhielten uns, wenn wir zusammenkamen, -mit Kinderspielen: denn von Gott -und göttlichen Dingen wußten wir nichts zu -reden, weil wir zu wenig davon verstanden. -O wie glücklich sind doch Christenkinder, die -von Kindheit auf mit dem Heiland und mit -so vielen schönen Geschichten, welche in der -Bibel stehen, bekannt gemacht werden! Die -<a id="page-8" class="pagenum" title="8"></a> -können ihre Zeit viel besser zubringen. Wenn -sie es nur auch immer thäten! Wie froh -wären wir gewesen, wenn wir die schönen -Erzählungen von Joseph, Mose, Samuel, -David, Jesus selbst und den Aposteln gewußt -hätten, und hätten sie einander erzählen können! -Da hätte uns die Zeit nie lang werden -können. Das Liebste war uns, wenn der -Vater, der oft in Geschäften verreisen mußte, -nicht zu Hause war, und die Aufseherin Zeit -hatte, sich mit uns abzugeben und uns allerlei -Geschichten, Mährchen und Fabeln zu erzählen. -Das war freilich nichts Christliches; -aber doch war zuweilen etwas Gutes und -Lehrreiches darunter. Ich erinnere mich noch -einer Fabel, die sie uns oft erzählen mußte, -weil wir immer große Freude daran hatten. -Es war -</p> - -<h3 class="subchap" id="subchap-0-2-1"> -die Fabel vom Frosch und von der -Haselmaus: -</h3> - -<p class="noindent"> -„Vor vielen, vielen Jahren lebte eine -Haselmaus mit sehr weichen Füßchen und -hellen Aeuglein in einer kleinen Höhle nahe -an dem Fuß eines Felsens. Die kleinen Kinder, -welche von einigen benachbarten Hütten -herbeikamen, um auf einem Moosplatz unter -<a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a> -diesem Felsen zu spielen, konnten die Höhle -nicht sehen, weil ein Zweig von Epheu darüber -hergewachsen war; und da der Epheu -das ganze Jahr grün blieb, so gewährte er -der Haselmaus ein beständiges Obdach. Nicht -weit von der Höhle der Haselmaus, in einem -sumpfigen Platz unter dem Felsen lebte eine -Familie von Fröschen, welche sich in den dunkeln -Stunden der Nacht durch ihr Gequake -der Nachbarschaft kund gaben, so daß Jeder, -der vorbeigieng, sie leicht ausfindig machen -konnte, wenn er sich die Mühe nehmen wollte. -Nun geschah es in einer hellen Mondnacht, -daß eine Anzahl roher Knaben, welche vom -Felde in ihre Hütten zurückgiengen, zufällig -das Quaken dieser Frösche hörte, worauf sie -dem Schalle nachgiengen bis zu ihrem Aufenthaltsort, -und anfiengen, sie mit Steinen -zu werfen. Dadurch wurden die kleinen -Thiere bewogen, sich zu flüchten, so gut sie -konnten, und einer von ihnen nahm seine -Zuflucht zu der Wohnung der Haselmaus, -wo er sich hinter die grüne Thüre von Epheu -setzte, und um Erlaubniß bat, unter diesem -Obdach zu bleiben, bis die Gefahr vorüber -wäre. Die Haselmaus, als sie von den Umständen -<a id="page-10" class="pagenum" title="10"></a> -unterrichtet war, hieß den Frosch sehr -freundlich willkommen, und sagte zu ihm, -obgleich ihre Höhle sehr klein sei, so stehe ihm -doch die Hälfte derselben zu Dienst. Der Frosch -war sehr dankbar für dieses gütige Anerbieten, -schob sich in die Höhle hinein, kauerte -sich auf eine Seite so eng zusammen, als er -konnte, und wartete ganz ruhig, bis der Lärm -der Knaben aufhören würde. Es wurde sonst -kein Laut in den Wäldern gehört, als das -Zirpen einiger Grillen, die sich in der Nähe -aufhielten, und das Plätschern einer kühlen -Quelle, welche über den Felsen herabrann. -</p> - -<p> -Als seine Furcht nachgelassen hatte, fieng -der Frosch an, nach seiner Gewohnheit sich -zu blähen und aufzublasen, und ließ seiner -üblen Laune freien Lauf. „In der That, -Nachbarin Haselmaus“ — sagte er — „du -hast da eine sehr bequeme Wohnung, ob sie -gleich für unser zwei kaum geräumig genug -ist, und dennoch könnte ich sehr froh sein, -den Rest meines Lebens hier zuzubringen.“ -</p> - -<p> -„Ja“ — erwiederte die Haselmaus — -„die Wohnung ist allerdings sehr bequem, -und ist schon lange ein Eigenthum unserer -Familie.“ -</p> - -<p> -<a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a> -„Wirklich“ — fuhr der Frosch fort — -„ich wünschte nur, daß sie ein bischen größer -wäre: denn ich fürchte, du wirst schon finden, -daß du in deinem Winkel kaum Platz genug -hast.“ — Damit fieng er an, seine faltige -Haut so aufzublasen, daß die kleine Haselmaus -ganz an die Wand gedrückt wurde, -und da sie merkte, daß es vergeblich sein -würde, sich mit einem so gehässigen Thiere -in einen Streit einzulassen, flüchtete sie sich -aus der Höhle, lief einen großen Theil der -Nacht hindurch, und kam vor der Morgendämmerung -wohlbehalten am andern Ende -des Waldes bei einer bequemen Wohnung -an, welche ihrem Bruder gehörte. Unterdessen -blieb der Frosch in der Höhle, und da -er in einem Winkel derselben einen Vorrath -von Lebensmitteln fand, welche die Haselmaus -für den Winter aufgespeichert hatte, -ließ er sich diese Leckerbissen so gut schmecken, -bis er so breit und dick wurde, daß er nicht -mehr durch die Oeffnung der Höhle hindurch -konnte. Nach und nach verschlossen Erdstückchen -und Steinchen, die vom Felsen herabfielen, -den Eingang vollends, und da das -Wasser, welches über die Felsen rieselte, eine -<a id="page-12" class="pagenum" title="12"></a> -versteinernde Eigenschaft hatte, so wurde der -Frosch in seiner Höhle eingeschlossen, wie in -einem Grab, und ohne Luft schöpfen zu -können, mußte er darin bleiben bis vor ungefähr -dreißig Jahren. Da wurde von einigen -Steinbrechern der Fels, der aus Kalkstein -bestand, gebrochen; sein Grab ward geöffnet; -er athmete noch ein paar Mal, und starb.“ -</p> - -<p> -Damals verstand ich den Sinn dieser -Fabel nicht, und ergötzte mich nur an der -Erzählung selber; später aber fiel sie mir oft -ein, wenn ich sah, wie übel es einem Menschen -gehen kann, der einen Andern gewaltthätig -aus seinem Eigenthume vertreibt, und -sich zum Besitzer davon macht, besonders -aber, wenn ich darauf Acht hatte, welch’ -trauriges Ende der Undank nimmt. O du -armer Mann! dachte ich da, du hast auch -nichts vom Unglück des Frosches gehört! -</p> - -<p> -So lebte ich nun unter glücklichen Umständen -in leichtem Kindersinne dahin bis in’s -eilfte Jahr; da hatte ich die erste schmerzhafte -Erfahrung zu machen. Mein Vater wurde -gefährlich krank, und man sagte mir bald, -daß an seine Genesung nicht mehr zu denken -sei. Ich war untröstlich, denn ob er gleich -<a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a> -ein strenger Mann gewesen, so hatte ich ihn -doch herzlich lieb, und konnte mich nicht in -die Trennung von ihm schicken. Ich kniete -oft an seinem Krankenlager und weinte. Er -war ganz ruhig und in sein Schicksal ergeben. -„Jedem Menschen,“ sagte er, „ist seine -Stunde bestimmt, und er kann ihr nicht entrinnen. -Die meinige ist nun gekommen, und -ich fürchte sie nicht. Ich hoffe, in das Paradies -einzugehen. Allah akbar! (d. h. Gott -ist groß!)“ Mein Vater verließ sich darauf, -daß er in Mekka gewesen, und glaubte deßwegen, -die Seligkeit könne ihm nicht fehlen. -Als ich nachher zur Erkenntniß der christlichen -Wahrheit kam, war ich oft wegen seines -Schicksals in der Ewigkeit sehr bekümmert, -bis mich Gott nach Seiner großen Barmherzigkeit -auch darüber innerlich beruhigte. -Am siebenten Tage nach dem Anfang seiner -Krankheit starb mein Vater. Nach der Beerdigung -übernahm mein Bruder das Handlungsgeschäft -und die Haushaltung. Sonst -blieb Alles beim Alten. Guly besuchte mich -alle Tage, und wir brachten die meiste Zeit -bei einander zu. Zwar gab’s ein Jahr darauf -einen schweren Krieg. Eine türkische -<a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a> -Armee zog bis nach Wien, und belagerte -diese Stadt neun Wochen lang, wurde aber -geschlagen, und mußte in Eilmärschen sich bis -nach Belgrad zurückziehen. Da kamen auch -viele Tausende gefangener Christensklaven -durch die Stadt, welche durch ihr jammervolles -Aussehen manches türkische Herz zum -Mitleiden bewegten. Aber Alles das gieng -vorüber, und war für Kinder meines Alters -mehr ein unterhaltendes Schauspiel als ein -Gegenstand ernsthafter Ueberlegung. Sonst -gieng ein Tag dahin wie der andere, mit -wenig Abwechslung in unserem kleinen häuslichen -Kreise. Was ich wünschte, bekam ich -im Ueberfluß; Plage hatte ich keine als -manchmal Langeweile; zu fürchten hatte ich -auch nichts als die Trennung von meiner -Guly, welche ich wie eine Schwester liebte. -Dieß ist Alles, was ich von meiner Jugendzeit -bis in’s siebenzehnte Jahr meines Alters -zu erzählen weiß. Als ich dasselbe angetreten -hatte, gefiel es meinem Bruder, dem ich wie -einem Vater gehorchen mußte, mich mit einem -seiner Freunde, einem türkischen Kriegs-Commmissär -und Zahlmeister bei den Janitscharen, -zu verloben. Ich kannte ihn nicht, war auch -<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a> -nicht darum befragt worden, und das Widerstreben -hätte nichts geholfen: ich mußte mich -also darein ergeben. Was mir diese Veränderung -am meisten erschwerte, war die -Besorgniß, in Zukunft die Gesellschaft meiner -lieben Guly entbehren zu müssen, an die ich -mich so sehr gewöhnt hatte. Aber wie ganz -anders gieng’s! Mein Bruder hatte beschlossen, -ehe die Heirath wirklich vollzogen würde, -noch eine große Geschäftsreise nach Tiflis -und Ispahan zu machen, und trat diese -Reise im Juni des Jahres 1688 wirklich an. -Ich nahm Abschied von ihm, ohne daran zu -denken, daß wir uns zum letzten Mal gesehen -hätten. Aber bald hieß es, Belgrad solle -belagert werden, und schon im Anfang des -August rückten die Deutschen, unter der Anführung -des tapfern Kurfürsten von Bayern, -Maximilian Emanuel, gegen die Stadt an. -Im Anfang hatten die Türken gar wenig -Furcht, und hielten es fast für unmöglich, daß -die Stadt eingenommen werden könnte; deßwegen -wurde auch Niemanden gestattet, aus -der Stadt zu flüchten. Aber am 10. August -merkte man aus den Anstalten, welche die -Deutschen trafen, daß es ihnen mit der Belagerung -<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a> -Ernst sei, und nun bekamen die -Einwohner der Stadt Erlaubniß, auf ihre -Rettung bedacht zu sein. Viele Personen -brachten nun ihr bestes Eigenthum auf die -Schiffe, und fuhren damit die Donau hinunter. -Aus allen Straßen drängten sich -Leute herzu, welche ihr Leben vor dem Christenschwert, -und ihre Habe vor den räuberischen -Christenhänden in Sicherheit bringen -wollten. Aber noch war nicht die Hälfte der -Fliehenden eingeschifft, als sich ein ungemein -heftiger Sturmwind erhob, der die übrigen -vom Strome hinweg in ihre Häuser trieb, um -auf den morgenden Tag zu warten, denn -während des Sturmes war es nicht möglich, -die Schiffe zu laden und fortzubringen. -Unter diesen Flüchtlingen, die wieder in die -Stadt zurückkehren mußten, war auch ich. -Mit zwei Sklavinnen und einem Bedienten -hatte ich mein väterliches Haus verlassen, und -nichts mit mir genommen, als eine kleine -Kasse voll Goldstücke und mein Juwelenkästchen. -Aber ich war zu spät an den Haven -gekommen, um noch mit den ersten Schiffen -abfahren zu können, und als ich schon mit -einem andern Schiffer für mich und meine -<a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a> -Leute akkordirt hatte, was mein Bedienter -besorgte, da kam jener Sturm, und trieb uns -in die Stadt zurück. Es war eine angstvolle -Nacht, und kein Schlaf kam in meine Augen. -Der Sturm wehte heftig fort, und wenn er -morgen nicht aufhörte, so war zu befürchten, -daß uns der einzig noch offene Weg zu entkommen, -auch vollends verschlossen werde. -Endlich nach Mitternacht wurde es ruhig, -der Sturm hatte aufgehört, und ich faßte -wieder neuen Muth und neue Hoffnung. Die -Augenblicke wurden mir zu Stunden, bis der -Tag anbrach, und ich das Haus verlassen -konnte, um zum Haven in das rettende Schiff -zu eilen. Zuerst gieng ich nach dem Hause -meiner Freundin <em>Guly</em>, deren Familie sich, -wie ich erst spät in der Nacht hörte, endlich -auch noch entschlossen hatte, zu fliehen. Aber -schon dort hörte ich, was den muthigsten -Flüchtling in Angst und Schrecken setzen -mußte, daß nämlich die Stadt umher von -den Deutschen völlig berennt und eingeschlossen -sei; kein Ausweg zur Flucht sei mehr -offen, und ein Jedes müsse sich nun auf das -Schicksal gefaßt machen, das auf die Einwohner -einer belagerten und eroberten Stadt -<a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a> -warte. Unglückselige Botschaft! Da stand -ich, von allen meinen Hoffnungen herabgeworfen -zu der traurigen Nothwendigkeit, -in die Hände christlicher Sieger zu fallen, die -an den Türken so viel erlittene Mißhandlung -und Grausamkeit zu rächen hatten. Ich fiel -meiner Freundin um den Hals und weinte, -und sie weinte mit. O die armen kurzsichtigen -Menschen, die sich so viele vergebliche Sorgen -machen! O die noch ärmeren, die keinen -lebendigen Gott kennen, auf den sie ihr Vertrauen -setzen dürften, und daher in Verzweiflung -gerathen, sobald es dunkel wird um sie -her! So war ich damals. Die erbarmende -Liebe Gottes, welche etwas Besseres für mich -ausersehen hatte, machte mir das Entrinnen -unmöglich, und ich war darüber höchst unzufrieden -und schmerzlich betrübt. Er wollte -mir zur wahren Freiheit helfen, und mir -graute nur vor Ketten und Banden des -Leibes. O Er hielt mich damals schon fest -mit Seilen der Liebe. Lobe den Herrn, meine -Seele! -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-3"> -<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a> -<span class="line1">Zweites Kapitel.</span><br /> -<span class="line2">Der Besuch in Wien.</span> -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">S</span>o nahm denn am 11. August die eigentliche -Belagerung der Stadt ihren Anfang, -und weil ich in der Vorstadt an der Oberstadt -wohnte, so mußte ich meine Wohnung -gleich den Feinden überlassen, und mich auf -die andere Seite in die Wasserstadt flüchten, -wo ich in dem Hause meiner Freundin <em>Guly</em> -freundliche Aufnahme fand. Das war eine -Zeit großer Angst und Furcht, in welcher -eine Schreckensbotschaft die andere ablöste, -die Tage ohne Ruhe und die Nächte ohne -Schlaf dahingiengen, und jeder Lebende nur -Einen Nachbar hatte, nämlich den Tod. O -hätte ich damals recht beten können, wie viel -leichter wäre mir das Alles zu tragen gewesen! -In den sechs und zwanzig Tagen der -Belagerung wuchs die Noth und Beängstigung -von Tag zu Tage mehr. Alle Nachrichten -von den täglichen Fortschritten der -Feinde überzeugten uns, daß nichts Anderes -als die Einnahme der Stadt zu erwarten sei. -<a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a> -Endlich am 6. September wurde, ungeachtet -der verzweifelten Gegenwehr von türkischer -Seite, durch die unglaubliche Tapferkeit der -Christen die Stadt und Festung mit stürmender -Hand erobert, und in der ersten Hitze -Alles niedergemacht. Da die Wasserstadt, wo -wir wohnten, am weitesten von dem Anlauf -entfernt war, so mußten wir auch länger in -der Todesangst schweben. Immer näher wälzte -sich das brüllende Geschrei der Sieger und -das jammernde Wehklagen der Mißhandelten -und Sterbenden; ich hatte mich darauf gefaßt -gemacht zu sterben, und es war noch mein -einziger Wunsch, nur nicht den Barbaren als -Sklavin in die Hände zu fallen. Aber was -ich auf’s Aeußerste fürchtete, gerade das -widerfuhr mir. Ein vornehmer Offizier nahm -mich gefangen, ergriff mich bei der Hand, -und riß mich in größter Eile mit sich fort. -So gieng’s denn durch das Gedränge von -Menschen und Pferden, über Todte und Verwundete -hinüber, durch Bäche von Blut, -unter herzzerreißendem Geschrei von allen -Seiten, der Sklaverei zu, vor der mir’s tausendmal -mehr schauderte, als vor dem Tode. -Welche Bestürzung, welches Entsetzen mich -<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a> -damals ergriffen hatte, kann man sich denken. -Etlichemal suchte ich, wenn wir in’s Gedränge -kamen, mich loszureißen, und wollte lieber -von den Pferden zertreten werden, als eine -Gefangene der Christen sein. Aber ich wurde -fest bei der Hand gehalten, und mußte folgen, -wohin ich nicht wollte, bis ich, von fremdem -Blut fast ganz überzogen, endlich mit großer -Mühe in’s feindliche Lager gebracht war. -</p> - -<p> -So mußte ich denn Sklavin sein unter -einem Volke, das ich aufs Aeußerste verabscheute, -nicht blos, weil mir von Kindheit an -ein Haß gegen die christliche <a id="corr-0"></a>Religion eingepflanzt -war, sondern auch, weil ich sehen, -hören und erfahren mußte, wie diejenigen, -die sich rühmten, Christen zu sein, eben so -arg und noch ärger als die Türken lebten, -und sich mit den gräulichsten Lastern befleckten. -Das konnte dann freilich bei mir und andern -Türken keinen andern Eindruck machen, als -daß ihre Religion ganz falsch, und sie ferne -sein müssen von der Furcht des wahren Gottes. -Nachher erst lernte ich auch Christen von einer -besseren Beschaffenheit kennen, die mich anders -denken lehrten. -</p> - -<p> -Indessen war bei mir keine Wahl; ich -<a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a> -mußte folgen, wohin mich der, den mir Gott -zum Herrn und Gebieter gegeben hatte, haben -wollte. Als nun der Kurfürst von Baiern -nach der Eroberung Belgrads so schnell zurückeilte, -daß er schon den 4. Oktober in seiner -Residenz zu München ankam, so mußten ihm -auch seine christlichen Truppen schleunigst folgen, -und so wurde auch ich noch denselben -Herbst von meinem Gebieter, dem bairischen -Obristlieutenant <em>Burget</em>, durch Ungarn und -Oestreich nach Baiern geführt, und in die -Stadt Landshut gebracht. Unterwegs machte -mein Herr einen Besuch bei seinem Bruder -in Wien, der östreichischen Hauptstadt, welche -die Türken <em>Beks</em> nennen. Dieser war ein -kaiserlicher Hofrath und wohnte in der Annagasse, -nicht weit vom Kärnthner Thor. Mein -Herr durfte nur drei Tage in Wien bleiben, -was ihm sehr ärgerlich war, und mir wo -möglich noch mehr. Denn hier lernte ich zum -ersten Mal einen Christen kennen, der diesen -Namen verdiente. Es war ein alter Legationsrath, -der im Hause des Hofraths wohnte, -und schon mehrfach als Gesandtschafts-Sekretär -gedient hatte. Er kam jedesmal zum -Essen, und ich verstand so viel Deutsch, um -<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a> -aus seinen Erzählungen zu merken, daß in -ihm ein frommes Gemüth sei, das für alle -Erfahrungen, die er in seinem Leben gemacht, -Gott die Ehre gab, und Ihm für Seine Güte -dankte. Das war mir etwas ganz Neues und -Seltsames, und ich war sehr aufmerksam, um -kein Wort zu verlieren, das dieser gute alte -Mann sagte. Einmal bei Gelegenheit einer -Nachricht, daß an mehreren Orten auf der -türkischen Grenze die Pest ausgebrochen sei, -theilte er seine eigenen Erfahrungen mit, die -in uns Allen einen tiefen Eindruck von der -schrecklichen Gewalt dieser Krankheit zurückließen. -Ich will es mit seinen Worten wieder -erzählen: -</p> - -<p> -„Als ich,“ sagte er, „vor drei und zwanzig -Jahren Gesandschafts-Sekretär in London -war, brach dort die große Pest aus, die vielen -tausend Menschen das Leben kostete. Diese -Krankheit machte nicht viele Umstände: in der -kürzesten Zeit raffte sie die vorher gesundesten -Menschen hinweg. Manchmal fiel ein Mann -oder eine Frau mitten auf dem Marktplatz todt -darnieder: denn viele Leute, welche die Pest -hatten, wußten nichts davon, bis ihre Lebensgeister -angegriffen wurden und sie in wenig -<a id="page-24" class="pagenum" title="24"></a> -Augenblicken starben. Häufig fielen Leute -auf diese Weise auf den Straßen ohne irgend -ein Vorzeichen plötzlich um, und waren auf -der Stelle todt. Andere hatten etwa noch -Zeit, bis zur nächsten Bude oder Thorhalle -zu gehen, und setzten sich nieder und starben. -Diese Vorfälle waren auf den Straßen so -häufig, daß man kaum Jemand wandeln sah, -wohl aber hie und da einen Leichnam auf dem -Boden liegen. Im Anfang standen die Vorübergehenden -still, wenn sie so einen Todten -antrafen, und riefen den Nachbarsleuten zu, -sie sollten herbeikommen; aber nachher, als -die Fälle so häufig wurden, und die Angst -eines Jeden für sein eigenes Leben immer -größer, nahm man gar keine Notiz mehr -davon. Fand Jemand unterwegs einen Leichnam -liegen, so gieng er quer über den Weg, -um ihm auszuweichen; und war es in einer -engen Gasse, so kehrte er um und machte einen -andern Weg. Da blieben denn die Leichname -so liegen, bis die Polizei Nachricht hatte und -sie wegschaffen ließ, oder bis in die Nacht, -wo sie der Todtenkarren, der durch die ganze -Stadt fuhr, auflud.“ -</p> - -<p> -„Auf meinen Wanderungen mußte ich -<a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a> -manchen traurigen Auftritt mit ansehen von -Leuten, welche in den Straßen todt niederfielen, -oder das furchtbare Angstgeschrei der -Frauen anhören, welche im Todeskampf noch -die Fenster öffneten, und auf eine erschreckliche -Weise herausschrieen. Eines Tages, als ich -durch Tokenhouse Yard gieng, wurde plötzlich -gerade über mir ein Fensterflügel heftig aufgerissen, -und eine Frau stieß drei furchtbare -Schreie aus, und rief: O Tod! Tod! Tod! -in einem schreckenerregenden Tone, der mir -das Blut gerinnen machte. Es war Niemand -auf der Straße zu sehen, öffnete auch Niemand -ein Fenster: denn die Leute hatten alle Neugierde -verloren. In Whitechapel kannte ich -eine Familie von zehn Personen: sie waren -alle anscheinend wohl am Montag; am -Samstag Nachmittag waren alle todt, und -das Haus stand leer.“ -</p> - -<p> -„Ein sonderbarer Vorfall begegnete nur -eines Abends, als ich über City Road gieng. -Es war schon halb Abenddämmerung, und -ein dichter Nebel, der kaum zehn Schritte -weit sehen ließ. Ich hatte mich verspätet, -und eilte, um noch bei Tage meine Wohnung -zu erreichen, ohne Jemand zu berühren. Niemand -<a id="page-26" class="pagenum" title="26"></a> -begegnete mir. Niemand zeigte sich -auf der Straße. Auf einmal sah ich vor mir -eine Gestalt, die sich bewegte, und blieb -stehen. Bei genauerer Betrachtung fand ich, -daß es ein Mensch war, der sich bemühte, -einen andern zu Boden gefallenen, und also -wahrscheinlich todten Menschen aufzurichten. -Ich rief ihm zu: „„Freund! bedenket Ihr -auch, was Ihr thut? Ihr rühret einen -Menschen an, der ohne Zweifel an der Pest -gestorben ist, und müßt doch wissen, daß eine -solche Berührung das Leben kostet!““ — Der -Mann richtete sich langsam auf, und entgegnete -mit einer hohlen Stimme: „„Kamerad! -für mich darfst du keine Sorge haben; ich bin -schon einmal an der Pest gestorben, mir thut -sie nichts mehr; aber den da hat sie scharf -gepackt.““ — Die Stimme klang so tief herauf, -ihr Inhalt war so sonderbar, Alles umher -so still, alle Umstände waren so <a id="corr-1"></a>aufregend, -und die Gestalt stand im Nebel so feierlich da, -daß es mir zu verzeihen gewesen wäre, wenn -ich wirklich geglaubt hätte, einen Geist aus der -andern Welt zu hören; aber indem ich überlegte, -was ich aus der Sache machen sollte, -fiel die lange Gestalt mit einem Schrei zu -<a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a> -Boden, und war auch todt. Nachher hörte -ich, daß es ein Wahnsinniger gewesen, der -durch die Abwesenheit seines Wächters, welcher -etwas holen wollte, Gelegenheit gefunden -hatte, sich los zu machen und auf die Straße -zu gehen. Da traf er denn seinen Wächter -an, den die Pest unterwegs ergriffen und -getödtet.“ -</p> - -<p> -„Zu dieser Zeit lebte auch Lord Craven -in London. Sein Haus war in dem Theil der -Stadt, der seitdem Craven Buildings heißt. -Als die Pest allgemein wurde, entschloß sich -der Lord, auf seinen Landsitz zu ziehen, um -der Gefahr zu entgehen. Als er durch sein -Schloß gieng, den Hut auf, seine Handschuhe -anziehend, um eben in die Kutsche zu -steigen, hörte er seinen Kutscher, der ein -Neger war, zu einem andern Bedienten -sagen: „„Ich denke, da mein Herr London -verläßt, um der Pest zu entfliehen, so muß -sein Gott auf dem Lande leben, und nicht in -der Stadt.““ — Der arme Schwarze sagte -dieß in der Einfalt seines Herzens, weil er -wirklich glaubte, daß es verschiedene Götter -gebe, die an verschiedenen Orten Macht -haben. Dieses Gespräch machte aber auf -<a id="page-28" class="pagenum" title="28"></a> -Lord Craven einen solchen Eindruck, daß er -in London blieb, wo er in dieser Zeit der -Noth sehr thätig und nützlich war, und Gott -war so gnädig, sein Leben zu erhalten.“ -</p> - -<p> -So erzählte der Legationsrath, und setzte -hinzu: „Lasset uns Gott bitten, daß diese -fürchterliche Plage nicht auch zu uns herüberdringe. -Wir hätten’s wohl verdient mit unsern -Sünden.“ -</p> - -<p> -Wie gerne hätte ich diesem Manne mein -Herz geöffnet, wenn die Umstände es erlaubt -hätten, und unser Aufenthalt in Wien von -längerer Dauer gewesen wäre. Aber nach -drei Tagen mußte ich auch diesen Ruhepunkt -wieder verlassen, und meine betrübte Reise -weiter fortsetzen. O wie schmerzlich war das! -Vom Vaterlande immer weiter hinweg, ohne -Hoffnung, wieder in dasselbe zurückzukommen, -oder jemals Eines von den Meinigen wieder -zu sehen; und hinein unter ein Volk, gegen -welches ich die größte Abneigung hatte, und -von dem ich nichts als Verachtung, Mangel -und harten Dienst zu erwarten hatte. Als -wir Wien verließen, hörten wir dort schon -ein Volkslied auf die Eroberung von Belgrad -singen, das also anfieng: -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> -<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a> - <p class="verse">Sechszehnhundert acht und achtzig</p> - <p class="verse">Hobn’s Belgrad eing’nomme;</p> - <p class="verse">Die Türke, die seyn g’loffe,</p> - <p class="verse">Wie der Maxel is komme &c.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="noindent"> -Das war auch wieder eine Erinnerung -an mein Unglück, die mich schmerzlich verwundete; -und so war auch meine Lage in -Landshut nicht dazu geeignet, mich dasselbe -vergessen zu lassen. Mein Herr war zwar ein -gutmüthiger, rechtschaffener Mann; aber seine -Frau, aus Böhmen gebürtig, war streng und -unbarmherzig, führte einen ungeordneten -Lebenswandel, war besonders dem Weintrinken -ergeben, und plagte und mißhandelte -mich oft über die Maßen. Wie oft seufzte ich -nach Erlösung; aber es schien, als ob kein -Ohr auf meine Bitten hörte. Nirgends fand -ich eine Freundin oder Vertraute, vor welcher -ich hätte mein Herz ausleeren können, und -Guly — ach! ich habe ganz vergessen, von -ihrem Schicksal etwas zu sagen. Wir hatten -uns fest an einander geschlossen, um mit einander -zu sterben; als aber der Obristlieutenant -Burget in unser Haus eindrang und mich -gefangen nahm, kam von der andern Seite -ein anderer feindlicher Hauptmann, der Guly -<a id="page-30" class="pagenum" title="30"></a> -am Arme ergriff, und trotz ihrem Schreien -und Sträuben von mir losriß. Ich habe sie -nicht wieder gesehen. So gieng mir’s denn -hart und schwer; endlich aber kam doch auch -eine Zeit der Erquickung. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-4"> -<span class="line1">Drittes Kapitel.</span><br /> -<span class="line2">Der Vogt in Liebenzell.</span> -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">E</span>s war noch in demselbigen Winter, daß -der Krieg am Oberrhein ausbrach, und der -Kurfürst von Baiern war der Erste, der gegen -Frankreich in’s Feld zog. Da mußte denn -auch ich mit meinem Obristlieutenant und -seiner Frau, die ich zu bedienen hatte, noch -im Winter des Jahrs 1689 weiter nach -Schwaben hinein, und namentlich in’s Herzogthum -Württemberg, ziehen. So geschah -es, daß ich zum ersten Mal das Land zu sehen -bekam, in welchem so viel Segen meiner -wartete. Unser Weg gieng über Würzburg -<a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a> -und Heilbronn nach Pforzheim, und von da -in das württembergische Städtchen Liebenzell. -Da mußte ich, während meine Herrschaft -weiter zog, bleiben, so lange der Feldzug -währte, und wurde dem damaligen Vogt oder -Amtmann daselbst, Namens <em>Frisch</em>, in die -Kost gegeben. Nun war ich auf eine Zeit lang -aus meinem Kerker los, und konnte wieder -freier athmen. Das Städtchen liegt in einem -tiefen, engen Thale des Schwarzwaldes an -dem Nagoldflusse, und lehnt sich an einen -Hügel, welchen die Trümmer einer alten -Ritterburg krönen, malerisch an. Hier ist’s -das ganze Jahr ruhig und geräuschlos; die -Straße, welche von Calw und Hirschau durch’s -Thal herunter führt, ist nicht sehr belebt; auf -allen Seiten steigen hohe, steile Berge, die -mit Weißtannen und Eichen bewachsen sind, -himmelan, und das Städtchen selbst wird nur -in den Sommermonaten lebendiger, wo die -dort befindlichen warmen Bäder stark besucht -werden. Was mir aber mehr werth war, -als dieß, das war die Erfahrung, welche ich -bald machen durfte, daß ich in eine wahrhaft -christliche Familie gekommen sei. In Wien -hatte ich die vorübergehende Erscheinung eines -<a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a> -wahren Christen gesehen; hier konnte ich das -ruhige, liebliche Bild eines ganzen christlichen -Hauskreises täglich von allen Seiten beobachten. -Da erst fieng ich an, eine bessere -Meinung von den Christen und ihrer Religion -zu bekommen. Die Predigten, welche ich -von dem Stadtpfarrer <em>Mack</em> und dem Helfer -<em>Moseder</em> hörte, und die Freundlichkeit und -Liebe, welche ich von der lieben Familie des -Herrn Vogts erfuhr, machten zum ersten Mal -den Gedanken in mir rege, daß ein Christ -doch besser sei als ein Türke, und daß ich -mich wohl auch noch entschließen könnte, eine -Christin zu werden. Vor allen Dingen aber -wollte ich das Wort Gottes selbst kennen lernen: -denn ich hatte einmal den Spruch in -der Kirche gehört: „So ihr bleiben werdet -an <em>meiner</em> Rede, so seid ihr meine rechten -Jünger, und werdet die Wahrheit erkennen, -und die Wahrheit wird euch frei machen.“ -Dieser Spruch hat mich sehr gefreut; denn -wenn man einem Gefangenen sagt, wie er -frei werden könne, so lacht ihm das Herz. -An die Freiheit, welche Christus meint, dachte -ich dabei nicht, denn von dieser verstand ich -noch nichts. Aber ich hatte von da an eine -<a id="page-33" class="pagenum" title="33"></a> -mächtige Begierde in mir, das Neue Testament -durchzulesen. Zwar hörte ich in der -Kirche manchen Abschnitt daraus, auch wurde -in unserm Hause bei der Morgen-Andacht -jeden Tag ein Kapitel aus der Bibel vom -Herrn Vogt selbst vorgelesen; aber das Alles -genügte mir nicht, ich wäre gern selbst an -der Quelle gewesen, um mit vollen Zügen -daraus zu trinken. Allein vor dieser Quelle -hieng ein Schloß. <em>Ich konnte nicht lesen.</em> -Ich dachte aber, lernen sei keine Schande, -und bat die zwölfjährige Tochter des Vogts, -mich im Lesen zu unterrichten. Da ich mit -großem Ernst und Eifer an dieses Geschäft -gieng, so war ich auch in wenig Wochen -damit im Reinen, und nun konnte ich meinen -Durst befriedigen, und war unbeschreiblich -froh, dieses verschlossene Heiligthum nun vor -mir eröffnet zu sehen. Freilich kam ich da -an Manches, was ich nicht so bald verstand; -aber ich hatte Jemand, an den ich mich wenden -durfte: das war die Schwester des Herrn -Vogts, Frau Doktor <em>Commerell</em> aus Stuttgart, -eine sehr liebreiche und äußerst verständige -Frau, die während der Sommermonate -das Bad in Liebenzell gebrauchte und in -<a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a> -unserem Hause wohnte. Diese nahm sich -meiner wahrhaft mütterlich an, und gewann -durch ihre Freundlichkeit mein ganzes Vertrauen, -so daß ich sie über Alles fragen konnte, -was mir dunkel war, und nie von ihr abgewiesen -wurde. Das war mir viel werth. -</p> - -<p> -Eine besondere Freude hatte ich mit den -liebenswürdigen Kindern des Vogts, die alle -einen sehr aufgeweckten und lebhaften Verstand -zeigten. Wir ergötzten uns oft an ihren -kindlichen Einfällen, deren mir immer noch -einige erinnerlich sind. -</p> - -<p> -Der fünfjährige Theodor war eines Morgens -früh wach geworden, als eben der Vater -sich rüstete, eine Reise nach Wildbad zu -machen. Es war ein schöner Aprilmorgen; -die Sonne war eben aufgegangen und schien -hell in’s Zimmer herein. Theodor fragte: -„Warum hat denn heute die Sonne so früh -ausgeschlafen? Nicht wahr, Vater! sie ist so -früh aufgestanden, um dir auf dem Wege -nach Wildbad zu leuchten?“ -</p> - -<p> -Ein ander Mal auf einem Abendspaziergang, -als der Mond abwechselnd hinter den -Wolken war, und der Stern Jupiter in seiner -<a id="page-35" class="pagenum" title="35"></a> -Nähe, sagte Theodor: „Sieh’, Vater, der -Mond will den Stern fangen.“ -</p> - -<p> -Als die Großmutter krank war, fragte -er sie: „Warum bist du krank?“ Sie sagte: -„Ja, das weiß nur der liebe Gott.“ Er fuhr -fort: „Darf man Ihn denn fragen?“ — -„Nein,“ antwortete die Großmutter, „man -muß mit Allem zufrieden sein, was Gott -thut.“ — Theodor fragte weiter: „Darf man -denn den lieben Gott fragen, wenn man zu -Ihm in den Himmel kommt, warum Er einen -hier krank werden läßt?“ — „O!“ war die -Antwort, „im Himmel bei Gott ist man dann -so froh, daß man dann noch besser weiß, man -solle nicht so fragen.“ -</p> - -<p> -Einmal fragte er: „Warum blühen die -Birnbäume weiß, und die Apfelbäume roth? -nicht wahr, weil jene weiße Birnen und diese -Aepfel mit rothen Backen tragen?“ -</p> - -<p> -Ein ander Mal sagte er: „Man sollte die -Männer <em>Nauspersonen</em> heißen, weil so -viele auf der Straße vorbeigehen; die Frauen -aber <em>Stubenpersonen</em>, weil sie mehr im -Zimmer <a id="corr-2"></a>bleiben.“ -</p> - -<p> -Die sanft aussehende, aber manchmal -etwas eigensinnige <em>Lina</em> fragte die Mutter: -<a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a> -„Warum tadelst du mich denn so oft, und -fremde Leute loben mich doch immer?“ — -Man sieht daraus, wie vorsichtig man mit -seinen Aeußerungen auch über kleine Kinder -sein muß, wenn sie dabei sind. -</p> - -<p> -Von den Fliegen sagte Lina, sie seien -Müßiggänger und Schmarotzer. Ein ander -Mal aber, als sie sah, daß die Kindsmagd -das Tischtuch in’s Feuer ausschüttelte, sagte -sie zu ihr: „Ei, Regina! weißt du nicht, daß -Gott für die Sperlinge sorgt, und muß es -Ihm nicht mißfallen, wenn du so manche -Brosamen zu Grunde gehen lässest, welche -ein Frühstück für die Sperlinge hätten geben -können?“ -</p> - -<p> -Ihren Großvater, der ziemlich übel hörte, -fragte sie: „nicht wahr, Großvater, du hörst -nicht wohl, weil du so alt bist?“ — „Ja!“ -— „Aber du bist doch nicht älter als der -liebe Gott, und der hört doch Alles!“ -</p> - -<p> -Aehnliche Aeußerungen kamen fast täglich -vor, und machten uns manche fröhliche -Stunde. -</p> - -<p> -Der Vogt hatte auch zwei Knaben von -neun und zehn Jahren, die bei großer Munterkeit -sehr viel Gutmüthigkeit zeigten, und -<a id="page-37" class="pagenum" title="37"></a> -wenn die Lebhaftigkeit zuweilen in Wildheit -ausartete, doch das Gute hatten, daß sie dem -elterlichen Befehl auf der Stelle gehorchten. -Wir hatten an einem schönen Nachmittag im -Mai einen Spaziergang in das nur eine -Stunde entlegene Kloster Hirschau gemacht, -um von dem frommen Abt Matthäus <em>Aulber</em>, -der seinem Ende nahe war, Abschied zu -nehmen. Er wurde weggerafft vor dem Unglück, -das drei Jahre später dieses große und -schöne Kloster traf, als die Franzosen es durch -Brand zerstörten. Wir waren Alle voll von -dem Eindruck, welchen das Bild dieses sterbenden, -ehrwürdigen Dieners Christi in unsern -Herzen zurückließ, und als bei unserem Weggehen -die großen Fenster des hochgelegenen -Prälaturgebäudes im letzten Strahl der -Abendsonne glänzten, so ergriff uns der Gedanke, -daß auch drinnen ein helles Licht der -Kirche im Verlöschen sei, dessen letzte Strahlen -wir aus den Fenstern seiner Augen hatten -schimmern sehen. Ernst gestimmt wandelten -wir das enge Thal hinunter, dem Fluß entlang. -Ein paar böse Knaben begegneten uns, -die einem armen alten Mann nachspotteten, -weil sein alter brauner Tuchrock mit weißer -<a id="page-38" class="pagenum" title="38"></a> -Leinwand geflickt war. Die beiden Knaben -des Vogts waren auch in Versuchung, in das -Gelächter einzustimmen; aber ein scharfer -Blick vom Vater verwies es ihnen sogleich, -und etwas später fragte er sie: „Kinder! -warum ist’s nicht recht, über jenen armen -Mann zu lachen?“ — „Wir haben ja nicht -über den Mann gelacht, sondern nur über -seinen Rock,“ antwortete Ernst. -</p> - -<p> -„Ei! was soll das heißen?“ fuhr der -Vater fort. „Ist der Rock lächerlich, so ist -auch der Mann lächerlich, daß er den lächerlichen -Rock anzieht!“ -</p> - -<p> -„Aber,“ sagte Gottfried, „der Mann -kann ja nichts dafür, daß sein Rock so geflickt -ist; er wird eben kein anderes Tuch gehabt -haben.“ -</p> - -<p> -Der Vater stand still. „Seht ihr wohl, -daß keiner von beiden das Auslachen verdient, -weder der Mann noch sein Rock! Der -arme Mann kann nichts dafür, daß sein Rock -so geflickt ist, weil er kein anderes Tuch hatte, -und der Rock ist ohnehin unschuldig. Aber -wißt ihr denn auch, was hier besser am Ort -gewesen wäre, als auslachen?“ -</p> - -<p> -Beschämt sagten Beide mit einander: -<a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a> -„Mitleiden mit dem armen Manne, daß er -keinen bessern Rock hat.“ -</p> - -<p> -„Nun,“ erwiederte der Vater, „merkt euch -dieß für ein anderes Mal, und nennet mir -eine Geschichte aus dem Alten Testament, an -die man in solchen Fällen denken muß.“ -</p> - -<p> -<em>Gottfried.</em> O ich weiß schon, du meinst -die Geschichte von den bösen Knaben aus -Bethel, die im zweiten Buch der Könige steht. -</p> - -<p> -<em>Vater.</em> Recht, die meine ich, und wenn -wir nach Hause kommen, will ich sie euch -vorlesen. -</p> - -<p> -<em>Ernst.</em> O, aber aus dem Bilderbuch! -</p> - -<p> -<em>Vater.</em> Gut. -</p> - -<p> -Als wir nach Hause gekommen waren, -wurde gleich das Bilderbuch geholt, und die -Geschichte aufgeschlagen. Der Vater las: -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse2">Elias war im Feuerwagen,</p> - <p class="verse">Empor in’s Reich des Lichts getragen,</p> - <p class="verse">Und staunend blickt Elisa nach.</p> - <p class="verse">D’rauf greift er nach Eliä Mantel,</p> - <p class="verse">Zertheilt des Jordans tiefen Bach,</p> - <p class="verse">Und schickt sich zum Propheten-Wandel.</p> - <p class="verse">Mit Salz beginnet er sein Amt,</p> - <p class="verse">Die bösen Wasser rein zu machen, —</p> - <p class="verse">Und sehet, wie sein Eifer flammt,</p> - <p class="verse">Als böse Buben ihn verlachen!</p> -<a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a> - <p class="verse">Von Bethel sie gekommen waren,</p> - <p class="verse">Woher der Kälberdienst gestammt,</p> - <p class="verse">Und wild, als wie die rothen Kamt-</p> - <p class="verse">schadalen, rufen ihre Schaaren:</p> - <p class="verse">„Komm her, du Kahlkopf! Komm herauf,</p> - <p class="verse">Kahlkopf!“ — und machen ihn zum Spott.</p> - <p class="verse">Und er die wilde Brut verdammt</p> - <p class="verse">Im Namen des Herrn Zebaoth,</p> - <p class="verse">Und setzt dann weiter seinen Lauf.</p> - <p class="verse2">Und eh’ ihr euch umgesehen habt,</p> - <p class="verse">Und Elisa auf den Carmel kommt,</p> - <p class="verse">Da ist der Fluch schon eingetroffen:</p> - <p class="verse">Im nahen Eichwald dumpf es brummt,</p> - <p class="verse">Und es kommen zwei Bären einhergetrabt,</p> - <p class="verse">Den schrecklichen Rachen grimmig offen.</p> - <p class="verse2">Nun hört man ein Jammern und Zettergeschrei,</p> - <p class="verse">Der Eine flieht da, der Andere dort,</p> - <p class="verse">Aber das Fliehen ist bald vorbei:</p> - <p class="verse">Die Meisten ergreift der blutige Mord,</p> - <p class="verse">Und zweiundvierzig Knaben zerrissen,</p> - <p class="verse">Die Strafe der Bosheit leiden müssen.</p> - <p class="verse">Doch haben die Bären keinen verzehrt;</p> - <p class="verse">Nicht Hunger sie trieb, sondern Gottes Schwert.</p> - <p class="verse">Sie gehen nun langsam wieder heim,</p> - <p class="verse">Und suchen sich Bäume mit Honigseim.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="noindent"> -Zuweilen machte der Vogt einen Besuch -bei seinem Freunde, dem Pfarrer Roth in -<a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a> -Möttlingen, einem kleinen Dorfe östlich von -Liebenzell. Er war damals schon neunzehn -Jahre Pfarrer auf diesem Dorfe, und blieb -nachher noch neunundzwanzig Jahre daselbst. -Da der Vogt gewohnt war, bei solchen Besuchen -immer seine ganze Familie mitzunehmen, -zu welcher ich auch gezählt wurde, so -durfte ich jedesmal auch mitgehen, was mir -eine besondere Freude machte, da ich den -Pfarrer Roth, einen sehr unterhaltenden -Mann, so gern erzählen hörte. Ich hatte ein -rechtes Herz zu ihm, und konnte ihm meine -Gedanken und Empfindungen ganz offen mittheilen. -Er verstand mich gleich, und wußte -mir immer etwas Passendes zu antworten. -Einmal z. B. sagte er mir: „Weißt du denn -auch, wie die Bauernweiber bei uns es machen, -ehe sie zu Bette gehen?“ — „Nein,“ -sagte ich. — „Nun sieh, damit sie nicht am -Morgen die Mühe haben, erst Feuer anzumachen, -kehren sie am Abend die Glut auf -dem Heerd zusammen und bedecken sie mit -Asche, dann haben sie am andern Morgen -gleich wieder Feuer. Nun mach’ du’s auch -so. Wenn du Abends zu Bette gehst, so bitte -den Heiland, daß Er die guten Gedanken in -<a id="page-42" class="pagenum" title="42"></a> -deiner Seele zusammenkehre, damit du sie -am Morgen gleich wieder findest, und dein -erster Gedanke beim Erwachen Jesus sei.“ -Diesen Rath habe ich denn auch befolgt, und -großen Nutzen davon gehabt. -</p> - -<p> -Ein anderes Mal äußerte ich gegen ihn, -wie bang es mir sei, wenn ich nun bald -wieder in den Dienst meiner Herrschaft zurücktreten -müsse, wo ich nichts als Spott und -Verachtung zu erfahren haben würde, wenn -ich meinen Glauben an Jesum bekennen -wollte, und wo es mir schmerzlich ahnd thun -werde nach dem christlichen Umgang und -Unterricht, den ich in meiner jetzigen Lage in -so reichem Maße genieße. Bei dieser Gelegenheit -erzählte er mir, zur Ermunterung meiner -Standhaftigkeit, die Geschichte von dem jungen -christlichen Märtyrer -</p> - -<h3 class="subchap" id="subchap-0-4-1"> -Cyrillus. -</h3> - -<p class="noindent"> -„In Cäsärea bewies im Jahr 258 nach -Christi Geburt ein Kind, Namens <em>Cyrillus</em>, -eine ungemeine Beharrlichkeit. Er rief -ununterbrochen den Namen Christi an, und -Mißhandlungen und Schläge konnten ihn -nicht von einem offenen Bekenntniß des -<a id="page-43" class="pagenum" title="43"></a> -Christenthums abschrecken. Verschiedene Kinder -von gleichem Alter verfolgten ihn, und -sein eigener Vater trieb ihn aus dem Hause, -worüber ihm viele Leute wegen seines Eifers -für das Heidenthum Lob ertheilten. Der -Richter ließ den Knaben vor sich kommen und -sagte zu ihm: „„Mein Kind! ich will dir -deine Fehler verzeihen, und dein Vater soll -dich wieder aufnehmen. Es steht in deiner -Macht, in den Genuß der Güter deines Vaters -gesetzt zu werden, wenn du nämlich klug bist, -und dein Glück nicht mit Füßen trittst.““ — -„„Ich trage Eure Vorwürfe gern““ — -erwiederte das Kind. — „„Gott wird mich -aufnehmen. Es macht mir keinen Kummer, -daß ich aus meinem väterlichen Hause vertrieben -bin: ich werde eine bessere Wohnung -bekommen. Ich fürchte den Tod nicht: denn -er wird mich in ein besseres Leben führen.““ -— Nachdem ihn die Gnade Gottes gestärkt -hatte, dieses gute Bekenntniß abzulegen, ließ -man ihn binden und zur Hinrichtung führen. -Der Richter hatte geheime Befehle gegeben, -ihn zurückzuführen, weil er hoffte, der Anblick -des Feuers könnte seinen Entschluß überwältigen. -Cyrill blieb unbeweglich. Die Menschlichkeit -<a id="page-44" class="pagenum" title="44"></a> -des Richters versuchte immer wieder -auf’s Neue, Gegenvorstellungen zu machen. -„„Euer Feuer und Euer Schwert““ — sagte -der junge Märtyrer — „„sind unbedeutend. -Ich gehe in ein besseres Haus, zu vortrefflicheren -Reichthümern. Laßt mich lieber gleich -sterben, daß ich zu ihrem Genuß gelange.““ -Die Zuschauer weinten vor Rührung. „„Ihr -solltet euch lieber freuen,““ — sagte er — -„„wenn Ihr mich zum Tode führet. Ihr -wisset nicht, was für eine Stadt ich bewohnen -werde, und was für eine Hoffnung ich besitze.““ -So gieng er seinem Tode entgegen -und war die Bewunderung der ganzen Stadt. -Aus dem Munde der Kinder hat Gott sich -ein Lob zubereitet!“ — -</p> - -<p> -Ich schämte mich bei dieser Erzählung -herzlich über meine Schwachheit und Furchtsamkeit; -aber doch konnte ich mich, so oft ich -an eine Trennung von der mir so lieb gewordenen -Familie in Liebenzell dachte, eines heimlichen -Schauders nicht erwehren, und sah auch -keinen Ausweg, um dieser schmerzlichen Veränderung -zu entgehen. Das Spätjahr kam -mit schnellen Schritten herbei, der Feldzug -hatte ein Ende, meine Herrschaft zog in die -<a id="page-45" class="pagenum" title="45"></a> -Winterquartiere nach Baiern zurück, und ich -mußte mit. Bei dem herzverwundenden Abschied -von meinen Freunden in Liebenzell blieb -mir zur Aufrichtung nur die Hoffnung, sie -etwa im nächsten Feldzug wieder zu sehen. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-5"> -<span class="line1">Viertes Kapitel.</span><br /> -<span class="line2">Der Adler in Weilerstadt.</span> -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">W</span>as ich gehofft hatte, geschah — nur -halb. Der Feldzug fieng zwar im nächsten -Jahre frühzeitig wieder an, und ich mußte -wieder mit meiner Herrschaft nach Württemberg -reisen; aber dieß Mal gieng’s nicht nach -Liebenzell, sondern nach der kleinen Reichsstadt -Weil (gewöhnlich Weilerstadt genannt), -wo der Obrist-Lieutenant seine Frau, und -mich zur Bedienung derselben, zurückließ. -Da hatte ich es nun freilich nicht so gut, wie -in Liebenzell; kein Freund und Vertrauter -war da, dem ich meine Noth hätte klagen, -<a id="page-46" class="pagenum" title="46"></a> -kein Bibelbuch, aus dem ich hätte Trost schöpfen -können. Wie gern hätte ich einen, wenn -auch nur kurzen Besuch bei dem Pfarrer Roth -in Möttlingen gemacht, das nur eine Stunde -von Weilerstadt entfernt ist; aber auch das -wurde mir nicht gestattet. Ich hatte unter -dem Druck meiner Gebieterin herbe und -schwere Tage durchzumachen, und würde vergangen -sein in meiner Noth, wenn mich nicht -Gott von Zeit zu Zeit durch einen Spruch -aus der Bibel auf mein tiefes Seufzen hin -erquickt hätte. -</p> - -<p> -Eines Tages hatte mich meine Frau -Obrist-Lieutenant sehr hart mißhandelt, und -war darauf aus dem Hause zu einer Gesellschaft -gegangen. Ich stellte mich an ein Fenster -im Hause, und weinte bitterlich. Meine -Seele schrie zu Gott: Du, der Du doch Alles -siehest und hörest, himmlischer Vater! kannst -Du denn das Alles so ruhig mit ansehen und -anhören, und weißt doch, daß ich unschuldig -bin? Willst Du mir denn nicht auch einmal -helfen, da ich Dich schon so oft darum angerufen -habe, und mich frei machen aus dieser -Knechtschaft, wo ich immer unter Angst und -Furcht leben muß? O Vater! erbarme Dich -<a id="page-47" class="pagenum" title="47"></a> -über mich! — Indem ich innerlich so seufzte -und jammerte, kam der Hauswirth (es war -der Gastgeber zum schwarzen Adler in Weilerstadt) -zu mir her, und sah meine Thränen. -Weil er von der üblen Aufführung meiner -Frau wußte, und selbst ärgerlich darüber -war, mochte er sich schon denken können, -warum ich so traurig sei, und da ich sah, -daß er Mitleiden mit mir hatte, so war ich -offen gegen ihn, schilderte ihm meine betrübte -Lage, und gab ihm zu verstehen, daß ich -Gelegenheit wünschte, von diesem Elende loszukommen -und davon zu laufen. Er erkundigte -sich, ob ich keine Bekannten im Lande -habe, zu denen ich meine Zuflucht nehmen -könnte. Ich wußte ihm Niemand zu nennen -als Herrn Vogt Frisch in Liebenzell und -seine Schwester, Frau Doktorin <em>Commerell</em> -in Stuttgart. Der letztere Name gefiel ihm, -und sein Entschluß war bald gefaßt. Ohne -Jemand in seinem Hause ein Wort davon zu -sagen, verschloß er mich in eine Kammer, die -gerade über dem Gemach meiner Gebieterin -war, so daß man alle ihre Reden vernehmen, -und durch eine Oeffnung sogar hinunter sehen -konnte. Nachdem er mich nun erinnert hatte, -<a id="page-48" class="pagenum" title="48"></a> -daß ich auf ihre Reden gut Acht haben möchte -(sie sprach nämlich Böhmisch, was ich schon -ziemlich gut verstand), nahm er den Schlüssel -zu sich, und erwartete unten, wie ich oben, -die Heimkunft meiner Gebieterin. Wie mir -da zu Muthe gewesen, kann ich nicht wohl -beschreiben; es war in meinem Gemüth ein -sonderbares Gemisch von Furcht, Angst, Hoffnung -und Freude, von denen immer wieder -eins das andere verdrängte, und eine Zeit -lang die Oberhand behielt. Jene angstvolle -Entscheidungszeit hat sich aber meinem Gemüth -und meinen Nerven so fest eingedrückt, -daß mir noch lange nachher, so oft ich in -einem verschlossenen Gemach mich allein -befand, in der Erinnerung an jene Angststunden -übel zu Muthe wurde, und mich ein -unwillkürliches Zittern in allen Gliedern anwandelte. -Mit der Zeit hörte auch dieses auf, -nachdem ich die rechte Ruhe in Gott gefunden. -Endlich kam sie spät in der Nacht, ziemlich -betrunken, wie wir wohl vermuthet hatten, -und ob sie gleich nach mir fragte, gab sie sich -doch bald zur Ruhe. Ich konnte in dieser -Nacht nicht viel schlafen, und wenn ich über -meinen kummervollen Gedanken einschlummerte, -<a id="page-49" class="pagenum" title="49"></a> -so weckten mich ängstliche Träume -wieder auf. Die Besorgniß, es möchte der -Anschlag des Wirths, von dem ich bis jetzt -nichts Genaueres wußte, mißlingen, raubte -mir alle Ruhe. Wie leicht war’s möglich, -daß ich in meinem Versteck ausfindig gemacht -oder verrathen wurde, und was hatte ich dann -zu erwarten! Meine Gebieterin, eine heftige, -zornmüthige Frau, hätte mir das nie vergeben, -ich hätte es gewiß schwer empfinden -müssen, und meine Lage wäre mehr als um’s -Doppelte verschlimmert worden. — Am Morgen, -als sie aus ihrem schweren Schlafe erwachte, -gieng’s nicht so gut ab. Lange rief -sie vergebens, und ließ nach mir fragen; es -wollte keine Setma kommen. Endlich forderte -sie den Wirth vor sich; der sagte ihr, man -hätte mich seit gestern Nachmittag im Hause -nicht gesehen. Da fieng sie an zu muthmaßen, -was an der Sache sei; sie fluchte und tobte, -daß mir die Haut schauderte; sie ließ allenthalben -scharfe Nachsuchungen anstellen, und -weil ihr einfiel, daß ich nirgends als zu Liebenzell -bekannt sei, schickte sie unverzüglich -einen Reitenden dahin. Das hatte der kluge -Wirth vorhergesehen, und mir deßwegen den -<a id="page-50" class="pagenum" title="50"></a> -Weg nach Liebenzell abgerathen. Als nun -dieser Bote ohne Nachricht wieder zurückkam, -und auch sonst nichts zu erfahren war, gieng -das Toben, besonders über den Wirth, von -Neuem an, und ich hörte sie zu ihrer anderen -Dienerin auf Böhmisch sagen, ich müsse nur -im Hause heimlich verborgen sein, aber morgen -mit Tagesanbruch wolle sie das ganze -Haus durchsuchen lassen. Natürlich erschrack -ich darüber sehr, und als der Wirth später -kam, um mir heimlich etwas Speise zu bringen, -theilte ich ihm diese Nachricht sogleich -mit. Dem war denn auch nicht länger wohl -bei der Sache; er kam daher nach Mitternacht, -da Alles im Hause still war, und führte mich, -an dem Zimmer meiner Gebieterin vorbei, -unter Angst und Zittern zum Hause hinaus -zu seiner Mutter, welche ziemlich weit vom -Adler entfernt wohnte. Hier mußte er noch -eine gute Weile klopfen, bis uns aufgemacht -wurde, obgleich schon Alles mit der alten -Frau verabredet war. Der Wirth fragte -mich, ob ich Geld habe. Ich hatte mein ganzes -Vermögen bei mir, welches in drei Gulden -bestand; die zog ich heraus. Er gab einen -davon seiner Mutter, die zwei andern stellte -<a id="page-51" class="pagenum" title="51"></a> -er mir wieder zu, zum deutlichen Beweis seiner -Redlichkeit und Uneigennützigkeit. Blos -aus herzlichem Mitleiden hatte er sich entschlossen, -mich mit eigener großer Gefahr zu -erretten. Nach der Zeit habe ich nichts mehr -von ihm erfahren können, als daß er gestorben -sei. Möge ihm der Herr, der keinen Trunk -kalten Wassers unvergolten läßt, seine Barmherzigkeit -und Treue an jenem Tage reichlich -lohnen! -</p> - -<p> -Ich mußte nun auf seine Anweisung die -wenige türkische Oberkleidung, welche ich -noch anhatte, ablegen, und dagegen eine geringe -Magd- oder Bauern-Kleidung anziehen, -die schon in Bereitschaft war. Als nun der -Tag schon von fernher zu dämmern anfieng, -mußte ich ohne weiteren Zeitverlust mit der -alten Frau zum Thor hinaus, und Stuttgart -zuwandern. Durch die Wache am Thor kam -ich mit Hilfe meiner alten Mutter, obwohl -unter großer Angst, glücklich hindurch; aber -unterwegs hatte ich noch einmal eine schreckliche -Verlegenheit durchzumachen. Als wir -nämlich in der Gegend von Magstatt auf -dem freien Felde waren, und der Tag schon -völlig angebrochen, kam ein Wachtmeister -<a id="page-52" class="pagenum" title="52"></a> -meines Obristlieutenants zu Pferd auf uns -zu, den ich gleich von ferne erkannte. Kaum -hatte ich in meinem großen Schrecken noch -Zeit, meiner Führerin die Gefahr zu bezeichnen, -daß sie mit mir auf einen Seitenweg -einlenkte, und der Wachtmeister, ohne auf -uns zu achten, vorüberritt. So hatte mich -die gute Hand Gottes auch dießmal gerettet, -daß ich unerkannt blieb, und ich durfte es, -noch ehe ich Ihn recht erkannte, schon deutlich -und mannigfaltig erfahren, was die Schrift -sagt: „Sein Rath ist wunderbarlich, und -Er führet es herrlich hinaus!“ -</p> - -<p> -Aber ach! wie sauer wurde es mir, den -weiten Weg von fünf starken Stunden zu -Fuß zurückzulegen. Ich war des Gehens -gänzlich ungewohnt. So lange ich daheim -in Belgrad war, hatte ich nie auch nur eine -Stunde zu Fuß gemacht. Ich besaß alle Bequemlichkeiten -reicher und vornehmer Personen; -eine Schaar von Sklaven und Sklavinnen -wartete auf meine Befehle, und da -die türkischen Frauenzimmer überhaupt gewöhnlich -ihre Zeit in der Stille ihrer Wohnungen -zubringen, so war mir das längere -Gehen etwas ganz Neues. Auch während -<a id="page-53" class="pagenum" title="53"></a> -meiner Gefangenschaft und der Reisen mit -meiner Herrschaft waren wir immer gefahren, -und erst in Liebenzell hatte ich gelernt, -kürzere oder längere Spaziergänge zu Fuß -zu machen, von denen ich jedoch jedesmal -sehr ermüdet zurückkam. Und nun sollte ich -auf einmal einen so weiten Weg in ungewohnter -Kleidung unter ermüdender Angst, -von Nachtwachen ermattet, zu Fuß machen. -Das war beinahe zu viel gefordert. Meine -Füße wurden bald wund, und jeder Tritt -machte mir die empfindlichsten Schmerzen. -So kam es, daß wir erst gegen Abend die -ersehnte Residenzstadt Stuttgart erreichten, -welche ich nach großer Angst und Trübsal -als eine liebe Frei- und Ruhe-Stadt begrüßte. -Als wir auf der Höhe des Hasenberges -ankamen, von welcher man das schöne -Kesselthal und die fernen Hügelreihen überblickt, -lag die Stadt im Gold der Abendsonne -vor uns; die blühenden Obstbäume waren -roth angeschienen wie die Mandelbäume in -unserem Garten zu Belgrad; auch der Tannenwald -schimmerte röthlich, und noch mehr die -Weinberge; die fernen Hügel, von denen -einer das Württembergische Stammschloß -<a id="page-54" class="pagenum" title="54"></a> -trägt, waren in einen violetten Duft getaucht, -und am Himmel schwammen rothe Wölkchen -in Menge herum, die mir viel schöner dünkten, -als ich sie je gesehen, denn sie trugen die -Farbe der Freiheit, in deren Genuß mir’s -jetzt bei allen Schmerzen so unbeschreiblich -wohl war. -</p> - -<p> -Die Noth war indessen noch nicht zu -Ende. Als ich mit großer Mühe endlich am -Rothenbühlthor anlangte, wurden wir da, -weil es eben Kriegszeit war, nicht eingelassen, -und mußten noch einen großen viertelstündigen -Umweg bis zum Hauptstätter Thore machen. -Es war mir fast nicht möglich, mit meinen -wunden Füßen mich noch so weit zu schleppen; -aber die Noth zwang mich, und wenn ich vor -Ermattung niedersinken wollte, so nahm mich -meine Führerin wieder beim Arm und sprach -mir Muth zu. Aber ihr eigener Muth sollte -nun auch geprüft werden. Die äußere Wache -des Hauptstätter Thors ließ uns ungehindert -ein; aber desto strenger wurden wir von der -inneren Wache angehalten und ausgefragt, -so daß meine Führerin, welcher man am -hitzigsten zusetzte, endlich hinausschlüpfte und -sich aus dem Staube machte. Ich habe sie -<a id="page-55" class="pagenum" title="55"></a> -auch nachher nicht mehr gesehen, noch etwas -von ihr gehört, ohne Zweifel ist sie aber -glücklich wieder nach Hause gekommen. Nun -stand ich allem da unter den wilden Soldaten, -denen mich meine Sprache schon als einen -Fremdling verrathen mußte; und ich weiß -nicht, ob ich diese angstvolle Beklemmung -noch länger würde ausgehalten haben, ohne -in Ohnmacht zu fallen, wenn mir nicht Gott -so schnell Hilfe geschickt hätte. Aber Er -wachte über Seinem Kinde, dem Er so große -Gnade zugedacht hatte, und ließ es nicht zu, -daß mir auch nur ein Haar gekrümmt worden -wäre. Eben als die Soldaten auf’s Neue -über mich herfallen wollten, kam von ungefähr, -d. h. durch die Schickung Gottes, die -Frau eines Ipsers, welche ganz nahe beim -Hauptstätter Thor wohnte, und riß mich fast -mit Gewalt aus den Händen der Soldaten -los, denen Gott nicht erlaubte, es zu verwehren. -Kaum hatte ich ihre Stube erreicht, -so sank ich kraftlos zusammen und bat die -gute Frau, sie möchte mir nur ein Lager anweisen, -auf dem ich ausruhen könne; denn -ich sei nicht mehr im Stande, auf meinen -Füßen zu stehen. Sie war äußerst besorgt -<a id="page-56" class="pagenum" title="56"></a> -um mich, und behandelte mich so freundlich, -als hätte sie mich schon lange gekannt. Sie -richtete mir ein gutes Bett zu, kleidete mich -selbst aus und legte mich hinein. Darauf -untersuchte sie meine Füße, die sehr übel zugerichtet -waren, und legte eine kühlende weiße -Salbe darauf, welche bald ihren wohlthätigen -Einfluß mich empfinden ließ, indem sie die -große Hitze herauszog. Dann kochte sie mir -eine gute Suppe, und gab mir ein Glas -Wein zu trinken. Die große Müdigkeit ließ -mich bald einschlafen und die ganze Nacht -sanft ruhen. Zwei Tage mußte ich bei der -guten Frau bleiben, und wegen meiner kranken -Füße das Bett hüten: ihr Mann war auf -Arbeit in einem benachbarten Städtchen. Als -ich mich ein wenig erholt hatte, wozu es meine -Hauswirthin an Pflege nicht fehlen ließ, -sagte ich dieser, daß ich mit Frau Doktorin -Commerell bekannt sei, und sie gern sehen -möchte. Sie traf dann auch sogleich Anstalt, -daß die Frau Doktorin erfuhr, ich sei in ihrem -Hause. Alsbald kam sie zu mir, erkannte -mich auf der Stelle, und da ich ihr erzählte, -wie es mir bisher gegangen, nahm sie den -herzlichsten Antheil an meinem Schicksal, und -<a id="page-57" class="pagenum" title="57"></a> -sagte zu mir, ich solle nur mit ihr in ihr -Haus kommen, welches auf dem Spitalplatz -war. Von Stund’ an war meiner Noth abgeholfen. -Diese treffliche Frau erzeigte mir -unaussprechlich viel Liebe und Wohlthaten -nach Leib und Seele, und hielt mich wie eine -Tochter, so daß ich für alle bisherigen traurigen -Erfahrungen reichlich getröstet wurde und -hinlänglichen Ersatz fand. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-6"> -<span class="line1">Fünftes Kapitel.</span><br /> -<span class="line2">Der Gasthof zum Bären in Stuttgart.</span> -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">D</span>as Erste, wornach ich fragte, und was -ich mir wünschte, nachdem ich meinen neuen -Wohnsitz bezogen hatte, war — eine Bibel. -Bisher konnte ich nicht dazu kommen, eine -eigene Bibel oder auch nur ein eigenes Testament -zu besitzen; nun aber hatte ich Gelegenheit -dazu, und meine Bitte war auch nicht -vergeblich. Frau Doktorin Commerell, die ich -von nun an immer <em>Mutter</em> nannte, schenkte -<a id="page-58" class="pagenum" title="58"></a> -mir eine schöne neue Handbibel, die in Wittenberg -gedruckt war, und mir nach und nach -so lieb wurde, daß ich sie, wenn mir Jemand -mein Juwelenkästchen aus Belgrad gebracht -und dafür angeboten hätte, nicht würde -darum vertauscht haben. Alle die Sprüche, -welche mir bei früheren Gelegenheiten wichtig -und zum Segen geworden waren, oder nachher -wurden, pflegte ich mit rother Tinte zu unterstreichen. -Wenn ich dann später einen solchen -unterstrichenen Spruch wieder fand, so fiel -mir auch die Erfahrung wieder ein, bei welcher -er mir seiner Zeit gedient hatte, die Gebetserhörung, -die Bewahrung, die Errettung, -die Demüthigung; kurz Alles, was Gott schon -an mir gethan, und das war mir denn eine -vielfache Aufforderung zum Dank und Lob -Gottes, und zum festen Vertrauen auf -Ihn. Mein ganzes Leben seit meiner Bekanntschaft -mit Gott und Seinem Wort stand -so in lauter Sprüchen verzeichnet vor mir, -und manche Seite meiner Bibel war in späteren -Jahren ganz roth. Kam ich z. B. an -den Spruch: „Denen, die Gott lieben, müssen -alle Dinge zum Besten dienen;“ so war er -roth unterstrichen zur Erinnerung an einige -<a id="page-59" class="pagenum" title="59"></a> -Angststunden, die ich in Landshut erlebte, als -ich den Schatullenschlüssel meiner Frau verloren -hatte. Damals fiel mir dieser Spruch -ein, und tröstete mich so, daß ich mich von -meiner Verlegenheit erholen und nüchtern -besinnen konnte, wo ich den Schlüssel hingelegt -hatte. Oder kam ich zu dem Spruch: -„der Herr weiß die Gerechten zu erlösen &c.“; -so war er unterstrichen zum Andenken an -meine Befreiung aus der Gefangenschaft. -Die Stelle: „der Herr will nicht den Tod des -Sünders, sondern daß sich der Sünder bekehre -und lebe;“ erinnerte mich daran, wie ich in -Belgrad so sehr gewünscht hatte zu sterben, -als die Stadt erobert war, und wie gut es -Gott gemacht, daß Er mich wider meinen -Willen hieher führte, wo ich Ihn und Seinen -Sohn kennen lernte. So wurde mir mein -Bibelbuch von Tag zu Tag theurer, ich lernte -es als den größten Schatz ansehen, den ein -Mensch besitzen kann, und wunderte mich nicht -wenig, wenn ich zuweilen in ein Christenhaus -kam, wo die Bibel auf dem Schrank und der -Staub auf der Bibel lag.“ — -</p> - -<p> -Hier, liebe Kinder! muß ich die Erzählerin, -die gute Setma, die ihr gewiß schon -<a id="page-60" class="pagenum" title="60"></a> -Alle lieb gewonnen habt, ein wenig unterbrechen, -um euch eine kleine Geschichte zu -erzählen, welche die Setma noch nicht wissen -konnte, weil sie sich erst neulich und zwar in -England zugetragen hat. Ich habe euch diese -Geschichte aus dem Englischen übersetzt, denn -es wäre gar schön, wenn auch deutsche Kinder -ihre Bibel so lieb hätten. -</p> - -<h3 class="lines subchap" id="subchap-0-6-1"> -<span class="line1">Die kleinen Wanderer.</span><br /> -<span class="line2">Eine wahre Geschichte.</span> -</h3> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Zwei kleine Knaben kamen einst,</p> - <p class="verse">Von Kummer bleich gemacht,</p> - <p class="verse">Zu einem Haus, und baten dort</p> - <p class="verse">Um Obdach für die Nacht.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Als sie erzählt ihr Mißgeschick,</p> - <p class="verse">Trieb’s Manchem Thränen aus:</p> - <p class="verse">Ihr Angesicht so offen war,</p> - <p class="verse">Die Wahrheit blickte d’raus.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Die Eltern waren weggerafft</p> - <p class="verse">Durch schweren Fiebers Macht;</p> - <p class="verse">Zu armen Waisen wurden sie</p> - <p class="verse">An Einem Tag gemacht.</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-61" class="pagenum" title="61"></a> - <p class="verse">Nicht Freund noch Heimat hatten sie,</p> - <p class="verse">Kein Stücklein grobes Brod;</p> - <p class="verse">Sie suchten einen fernen Ohm</p> - <p class="verse">In ihrer großen Noth.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">All’ ihre ird’sche Habe schloß</p> - <p class="verse">Ein kleines Bündel ein;</p> - <p class="verse">Der And’re wohlverwahret trug</p> - <p class="verse">Die Bibel hintend’rein.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Der Hausherr sagte zu dem Kind:</p> - <p class="verse">„Euch mangelt Geld und Speis’;</p> - <p class="verse">Verkaufe deine Bibel mir;</p> - <p class="verse">Ein Thaler sei der Preis.“</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">„O nein,“ sprach er, und floßen ihm</p> - <p class="verse">Der Thränen viel’ herab:</p> - <p class="verse">„Eh’ ich verkaufe dieses Buch,</p> - <p class="verse">Sei lieber hier mein Grab.“ —</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">„Es gibt ja and’re Bücher noch,</p> - <p class="verse">Gibt Bibeln nicht allein.“ —</p> - <p class="verse">„Ja,“ sprach er, „aber keines kann</p> - <p class="verse">Mir je so nützlich sein.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">„Sie ward mir in der Schul geschenkt,</p> - <p class="verse">Eh’ mich die Noth vertrieb;</p> - <p class="verse">Da lernt’ ich lesen in dem Buch,</p> - <p class="verse">Und ich gewann es lieb.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">„Ich sah, obschon ich noch so jung,</p> - <p class="verse">Mein böses Herz darin;</p> -<a id="page-62" class="pagenum" title="62"></a> - <p class="verse">Sie lehrte mich, wie Jesus starb,</p> - <p class="verse">Und starb — auch für Edwin.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">„Oft in der Drangsal stärkte sie</p> - <p class="verse">Den Muth mir, wenn er sank;</p> - <p class="verse">Ich setzte müd’ und matt mich hin,</p> - <p class="verse">Und fand d’rin Speis’ und Trank.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">„Die Psalmen brachten Licht und Ruh’,</p> - <p class="verse">Und milderten den Schmerz;</p> - <p class="verse">Erfrischende Verheißungen</p> - <p class="verse">Fand mein verschmachtet Herz.“ —</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Zwei Thaler bot der Hausherr nun,</p> - <p class="verse">Und brachte sie herein.</p> - <p class="verse">Er aber schlug sie standhaft aus,</p> - <p class="verse">Und ließ sich nicht d’rauf ein.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Man fragte: „Wie? wenn nun der Ohm</p> - <p class="verse">Nicht mehr am Leben ist,</p> - <p class="verse">Und in der weiten Welt umher</p> - <p class="verse">Ihr hilflos irren müßt?“</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Vor seiner Antwort möchte wohl</p> - <p class="verse">Erröthen mancher Christ:</p> - <p class="verse">— „Wenn Eltern, Freund’ und Heimat flieh’n,</p> - <p class="verse">Dann Gott mein Führer ist.“</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Hier schwieg der Hausherr ganz erstaunt,</p> - <p class="verse">Und Alle weinten d’rob;</p> - <p class="verse">Er dachte: „Aus der Kinder Mund</p> - <p class="verse">Bereitet Gott sich Lob!“</p> - </div> - <div class="stanza"> -<a id="page-63" class="pagenum" title="63"></a> - <p class="verse">Die kleinen Pilger beugten Nachts</p> - <p class="verse">Ihr Knie vor dem, der mild</p> - <p class="verse">Die Raben speiset, wenn sie schrei’n,</p> - <p class="verse">Und Waisenthränen stillt.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Am andern Morgen traten sie</p> - <p class="verse">Die Reise wieder an.</p> - <p class="verse">Der Waisen Vater wolle sie</p> - <p class="verse">Geleiten auf der Bahn!</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="noindent"> -Nun lasse ich Setma weiter erzählen. -</p> - -<p> -„Meine getreue Mutter und Pflegerin -war nun nach ihrer Klugheit und Vorsicht -vor allen Dingen für Schutz und Sicherheit -meiner Person besorgt, und machte solche -Personen, welche Einfluß hatten, mit meiner -Geschichte bekannt. Namentlich geschah dieß -bei der damaligen Frau Oberhofmeisterin -<em>v. Wachenheim</em>, welche sich dann bei der -Frau Herzogin <em>Magdalena Sibylla</em>, -damaliger Mitregentin und Landesmutter -für mich verwendete. Die Herzogin schenkte -mir gnädigst ihre Huld, versicherte mich ihres -Schutzes, und bewies mir von da an bis zu -ihrem Ende unzählige Wohlthaten, was ihr -der Herr in Seinem Lichte reichlich und ewig -vergelten wolle. -</p> - -<p> -<a id="page-64" class="pagenum" title="64"></a> -Dieser mächtige Schutz war mir aber -auch sehr nöthig, und kam mir wohl zu Statten, -als kurze Zeit hernach mein vormaliger -Gebieter, der Obrist-Lieutenant Burget, von -ungefähr nach Stuttgart kam, und, ich weiß -nicht auf welchem Wege, auskundschaftete, -daß ich mich in Stuttgart aufhalte. Gleich -noch in der Nacht schickte er einen seiner -Diener, den ich wohl kannte, in das Haus der -Frau Doktorin, und ließ mich hart bedrohen. -Zum Unglück befand sich gerade Niemand zu -Hause, als ich und der Sohn der Frau Doktorin, -der damals Magister war, und so -wurde ich sehr in Angst und Schrecken gesetzt. -Sobald meine Mutter nach Hause kam, -erzählte ich ihr den Vorfall, und sie wußte -gleich Rath. Den andern Morgen schickte sie -früh zur Frau v. Wachenheim und ließ ihr -sagen, was vorgefallen sei. Diese gieng sogleich -zur Herzogin, und bat sie, die nöthigen -Maßregeln zu treffen, damit ich vor den Ansprüchen -des Obristlieutenants geschützt werde. -Die Herzogin nahm sich unverweilt der Sache -thätig an, und schickte einen ihrer Kammerherren -zu ihm, der wegen meiner Loskaufung -mit ihm unterhandeln sollte. Hierauf ließ sie -<a id="page-65" class="pagenum" title="65"></a> -den Obristlieutenant zur herzoglichen Tafel -laden, und behandelte ihn da mit so viel -Auszeichnung und Herablassung, daß er -nachgiebigeren Sinnes wurde, und mich der -Herzogin um einige Eimer Wein zu eigen -überließ. Darein mußte denn endlich auch -seine Frau willigen, obwohl sehr ungern: -denn viel lieber hätte sie ihre Rachgier an -mir ausgelassen. Am liebsten wäre es mir -freilich gewesen, sie gar nicht wieder sehen zu -müssen; aber das konnte ich nicht verhindern. -Ich mußte mich, auf ihre Einladung und den -Befehl der Herzogin, im Gasthof zum Bären, -wo sie logirten, auf eine Mahlzeit bei ihnen -einfinden, und konnte nicht ohne Angst und -Zittern hingehen; aber da ich nun ein Eigenthum -der Herzogin war, durfte sie es nicht -wagen, anders mit mir zu reden als freundlich. -Von der Art und Weise, wie ich entkommen, -wurde gar nicht gesprochen, und -das ersparte mir die Verlegenheit, den Adlerwirth, -der sich so großmüthig meiner angenommen, -verrathen zu müssen. Man fragte -mich blos, wie es mir in Stuttgart gefalle, -was ich für Beschäftigung habe, ob ich schon -im Schloß gewesen, und dergleichen. Als ich -<a id="page-66" class="pagenum" title="66"></a> -Abschied von ihnen nahm, dankte ich noch für -alles Gute, was sie, und besonders er, mir -von Anfang an erwiesen. Damit war mir’s -Ernst. Er hätte mich ja auch an einen andern -Ort verkaufen, oder noch mehr mißhandeln -können; ich war ja in seiner Gewalt. Aber -der HErr war es, der unsichtbar meinen Odem -bewahrte, meine Schritte und Tritte leitete, -und Seine Hand über mir hielt, daß mich -kein Uebel anrühren durfte. Und das -Schmerzliche, was ich erfahren mußte, das -war gewiß nothwendig und wohlthätig für -mich, wär’s auch nur deßwegen, weil ich so -die Errettung um so mehr schätzen und dafür -danken lernte. -</p> - -<p> -Als ich aus dem Bären wieder heraus -war, da fühlte ich mich so froh wie Jonas, -da ihn der Wallfisch wieder an’s Land spie. -Den langen Weg von da bis zum Spitalplatz -hatte ich, mehr fliegend als gehend, in -wenigen Minuten zurückgelegt, und als ich -heim kam, warf ich mich in die Arme meiner -treuen Pflegerin und rief: „Aber nun sollen -sie mich nicht wieder hier wegreißen!“ — -„Nein, das sollen sie auch nicht,“ erwiederte -die Mutter, „Gott selbst hat dich auf wunderbaren -<a id="page-67" class="pagenum" title="67"></a> -Wegen frei gemacht. Vergiß nicht, -Ihm zu danken.“ -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ja, ich bleibe stets an Dir,</p> - <p class="verse">Du hältst mich bei meiner Rechten;</p> - <p class="verse">Deine Hand wird mich verfechten,</p> - <p class="verse">Und mich leiten für und für</p> - <p class="verse">Nach dem Rathschluß Deiner Treue,</p> - <p class="verse">Bis ich mich mit Ehren freue.</p> - </div> - </div> -</div> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-7"> -<span class="line1">Sechstes Kapitel.</span><br /> -<span class="line2">Die Stiftskirche in Stuttgart.</span> -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">S</span>o lebte ich nun in der Gemeinschaft und -im Umgang mit wahren Christen; aber ich -selbst war noch keine Christin, ich war noch -eine Muhamedanerin. Das konnte und durfte -nicht so bleiben, da ich doch an die Bibel und -den darin geoffenbarten lebendigen Gott und -Seinen Sohn Jesum Christum von Herzen -glaubte, und aus vielfacher Erfahrung wußte, -wie kräftig und trostreich dieses Wort dem -<a id="page-68" class="pagenum" title="68"></a> -Herzen ist. Ich äußerte daher gegen meine -Pflegemutter den Wunsch, ich möchte gern -durch die Taufe in die christliche Kirche aufgenommen -werden. Sie hatte das erwartet, -und war mir mit Freuden dazu behilflich. -Ihr Sohn, der damals Repetent in Stuttgart -war, und nachher als Spezial in Urach starb, -gab sich dazu her, mir alle Tage regelmäßigen -Unterricht in der christlichen Religion -zu ertheilen, und den Segen dieser Unterrichtsstunden, -die er mit Gebet anfieng und -endigte, werde ich nicht vergessen und hoffentlich -auch nicht verlieren. Das Wort Gottes -wurde mir durch ihn so deutlich und klar, -daß ich vom Lesen desselben viel mehr Genuß -hatte als vorher, und daß es mir immer leid -war, wenn ich durch häusliche Arbeiten, -welche doch auch nicht versäumt werden durften, -in der <a id="corr-3"></a>Betrachtung der heiligen Schrift -unterbrochen wurde. Er besaß nicht nur die -Gabe der Deutlichkeit, sondern behandelte -auch seinen Unterricht mit großer Genauigkeit. -Einiges aus meiner Erinnerung an seinen -Unterricht möge hier stehen. -</p> - -<p> -Wenn er von der heiligen Geschichte und -von dem Rathschlusse Gottes mit der Welt -<a id="page-69" class="pagenum" title="69"></a> -redete, war es ihm hauptsächlich angelegen, -nachzuweisen, wie Gott überall Sich nach -allen Seinen Eigenschaften geoffenbaret habe -und offenbare. Dieß pflegte er an solchen -Beispielen zu zeigen, welche beim ersten Anblick -das Gegentheil zu sagen scheinen. Die -Sündfluth, welche die leichtsinnigen Zeitgenossen -Noah’s hinwegraffte, das Feuer, -welches die gottlosen Menschen zu Sodom und -Gomorrha verzehrte, waren ihm nicht blos -Beweise der strafenden Gerechtigkeit Gottes, -sondern auch Seiner Liebe: denn, sagte er, -es wurde ihnen dadurch die Möglichkeit benommen, -sich noch mehr zu versündigen, und -so ihre Verdammniß noch schwerer zu machen. -An Pharao, behauptete er, habe sich nicht -blos die Macht, sondern auch die Liebe und -Barmherzigkeit Gottes verherrlicht; denn -wenn er nur <em>gewollt</em> hätte, so würden ihn -die vielfachen Thatbeweise der Allmacht Jehovah’s, -die Gott vor seinen Augen geschehen -ließ, gewiß zum Glauben und zur Furcht -Gottes, und damit zur Seligkeit gebracht -haben. Dagegen sagte er aber auch: Gott -beweise bei der Sündenvergebung nicht blos -Seine Liebe und Gnade, sondern auch Seine -<a id="page-70" class="pagenum" title="70"></a> -Gerechtigkeit nach dem Spruch in der ersten -Epistel des <em>Johannes</em>: „<em>So wir unsere -Sünde bekennen, so ist Gott getreu -und gerecht, daß Er uns die Sünde -vergibt, und reiniget uns von aller -Untugend.</em>“ — Gegen den Heiland hatte -mein Lehrer einen tiefen, kindlichen Respekt, -und doch zugleich eine innige, herzliche Liebe. -Ich hörte ihn nie, wie es gewöhnlich ist, -sagen: „<em>der HErr Jesus</em>,“ oder: „<em>der -HErr Christus</em>;“ das sei, meinte er, wie -wenn man sagte: „der Herr Pfarrer,“ oder: -„der Herr Doktor.“ Das „Herr,“ wenn es -von Christo gebraucht werde, sei nicht blos -eine Titulatur, wie sie bei uns dem Namen -eines jeden etwas vornehmeren Mannes vorangesetzt -werde, sondern habe eine viel größere -Bedeutung. Christus <em>heiße</em> nicht blos -<em>Herr</em>, sondern sei es auch wirklich, weil Ihm -Gott die Regierung der ganzen Welt anvertraut -habe. Er sagte deßwegen immer: -„<em>Unser HErr Jesus</em> &c.“ oder: „<em>der -HErr Jesus Christus</em> &c.“ -</p> - -<p> -Von der christlichen Kirche und den wahren -Christen hielt er große Stücke. „Wenn -einmal“ — sagte er — „die christliche Kirche -<a id="page-71" class="pagenum" title="71"></a> -zusammenbricht, dann mag sich die Welt um -andere Stützen umsehen.“ Die wahren -Christen nämlich nannte er, mit Berufung -auf das Gespräch Abrahams mit dem Herrn -wegen Sodom, die Weltträger, weil sie durch -ihr Gebet das Gericht über die verdorbene -Welt noch aufhalten. -</p> - -<p> -In einer seiner Unterrichtsstunden redete -er von der Wahrheitsliebe, und stellte da das -Beispiel Jesu vor dem Hohenpriester und vor -Pilatus, und das Beispiel des Petrus bei -dem Kohlfeuer einander gegenüber. Auf einmal -fragte er mich: „Welche Lügen sind -erlaubt?“ — Unüberlegt, weil ich von seiner -Frage überrascht war, antwortete ich: „Die -Nothlügen.“ -</p> - -<p> -<em>Lehrer.</em> Das wollen wir sehen. Was -ist die Lüge vor Gott? -</p> - -<p> -<em>Ich.</em> Eine Sünde. -</p> - -<p> -<em>Lehrer.</em> Was müßte also auch erlaubt -sein, wenn deine Antwort richtig wäre? -</p> - -<p> -<em>Ich.</em> Nothsünden. -</p> - -<p> -<em>Lehrer.</em> Ist das denkbar? -</p> - -<p> -<em>Ich.</em> Nein. -</p> - -<p> -<em>Lehrer.</em> Warum nicht? -</p> - -<p> -<em>Ich.</em> Weil jede Sünde, sei sie aus Noth -<a id="page-72" class="pagenum" title="72"></a> -oder ohne Noth begangen, verboten ist. -1 Joh. 5, 17. 18. -</p> - -<p> -<em>Lehrer.</em> Wenn z. B. Einer aus Noth -stiehlt, um sein Leben zu erhalten, ist das -auch Sünde? -</p> - -<p> -<em>Ich.</em> Warum denn nicht? Er hätte -sollen seinen Nächsten darum bitten. -</p> - -<p> -<em>Lehrer.</em> Wenn er aber das gethan hat, -und es ist vergeblich gewesen? -</p> - -<p> -<em>Ich.</em> Dann hätte er sollen Gott bitten, -der hätte ihn ohne Diebstahl durchbringen -können. -</p> - -<p> -<em>Lehrer.</em> Was gehört aber zum Gebet? -</p> - -<p> -<em>Ich.</em> Glaube. -</p> - -<p> -<em>Lehrer.</em> Warum hat also der Mensch -gestohlen? -</p> - -<p> -<em>Ich.</em> Aus Unglauben. -</p> - -<p> -<em>Lehrer.</em> Ein anderer Fall: der holländische -Schiffskapitän Wilhelm Isbrand -<em>Bontekoe</em> (l. Bonteku) verlor sein Schiff -im indischen Meere durch Brand. Er entkam -mit einem Theile der Mannschaft auf -einem offenen Boote; aber alle hatten vergessen, -Lebensmittel mit sich zu nehmen. -Bald entstand die größte Hungersnoth. In -den gierigen Blicken der Matrosen las man -<a id="page-73" class="pagenum" title="73"></a> -schon den Vorsatz, den sie bald auch wirklich -aussprachen, daß sie einige von der Mannschaft -tödten, und dann ihr Fleisch verzehren -wollten. Wäre das erlaubt gewesen? -</p> - -<p> -<em>Ich.</em> Nein; denn im fünften Gebot ist -das Tödten ohne Unterschied verboten. -</p> - -<p> -<em>Lehrer.</em> Aber wenn nun die Noth so -groß war, daß kein anderes Mittel mehr -übrig blieb; sollten sie dann lieber Alle umkommen, -da sie vielleicht durch die Aufopferung -weniger Personen die andern retten -konnten? -</p> - -<p> -<em>Ich.</em> Ich denke, wer Gottes Gebot hält, -mit dem läßt’s Gott nie so weit kommen, -daß er verzweifeln müßte. Und am Ende -doch lieber sterben, als wider Gott sündigen. -</p> - -<p> -<em>Lehrer.</em> Worauf gründen sich aber diese -Ueberzeugungen? -</p> - -<p> -<em>Ich.</em> Auf den Glauben, daß es Gott -nicht an Mitteln und an Wegen fehlt, zu -helfen, auch wo die kurzsichtigen Menschen -keinen Ausweg mehr erblicken; und daß -dieses zeitliche Leben nicht so viel werth sei, -daß man das Leben seiner Seele dafür aufopfern -sollte. -</p> - -<p> -<em>Lehrer.</em> Ja, und daß, wenn ich dieses -<a id="page-74" class="pagenum" title="74"></a> -irdische Leben auch nur mit Einer Sünde -erkaufen müßte, der Preis doch viel zu hoch -wäre. Siehe, diese Ueberzeugung hatte auch -Bontekoe. In dem Vertrauen zu Gott, daß -Er helfen werde, bat er seine Reisegefährten, -ihren blutigen Vorsatz nur noch drei Tage -aufzuschieben, weil er hoffe, in dieser Zeit -Land zu erreichen. Und seine Hoffnung -täuschte ihn nicht. Der HErr half ihm -wunderbar aus allen seinen Nöthen, wie -Er allen Denen hilft, die auf Ihn trauen. -— Wo haben denn nun auch die Nothlügen -ihren Grund? -</p> - -<p> -<em>Ich.</em> Im Unglauben. -</p> - -<p> -<em>Lehrer.</em> Inwiefern? -</p> - -<p> -<em>Ich.</em> Weil man im Glauben es dem -HErrn zutraut, daß Er diejenigen, welche -aus Ehrfurcht vor Ihm bei der Wahrheit -bleiben, auch aus der Noth und Verlegenheit -erretten wird. — Aber wie ist’s <a id="corr-4"></a>denn nun -mit den heiligen Männern Abraham, Isaak, -Jakob, David, von denen stehen doch auch -Nothlügen in der Schrift? -</p> - -<p> -<em>Lehrer.</em> Diese Männer waren auch -Menschen, welche sündigten, und denen wir -also nur das nachmachen dürfen, was gut -<a id="page-75" class="pagenum" title="75"></a> -ist an ihnen. Ihre Fehler aber stehen für uns -zur Warnung und Demüthigung da. Es ist -nur ein Einziger da, der nichts Böses that, -und von dem ausdrücklich versichert wird, daß -kein <em>Betrug</em> in Seinem Munde erfunden -worden sei, also auch keine Nothlüge. Wenn -jene heiligen Männer sich Nothlügen erlaubten, -so geschah es in den Augenblicken des -Unglaubens; Jesus aber war beständig stark -im Glauben, und darum konnte er alle Versuchungen -überwinden. -</p> - -<p> -Ein anderes Mal sprach er wieder mit -mir über diesen Gegenstand; Obiges kann -aber hinreichen, um zu zeigen, wie seine -Lehrweise war. -</p> - -<p> -Ich genoß seinen Unterricht etwas länger -als ein halbes Jahr, und brachte es unter -dem Segen Gottes in dieser Zeit zu einer -geordneten und vollständigen Erkenntniß der -Religionswahrheiten, so daß ich am Ende des -Jahres 1690 von dem damaligen Herrn -Spezial <em>Meurer</em> und Herrn Helfer <em>Clemm</em> -nach einer vorgenommenen Prüfung für -fähig erklärt wurde, durch die Taufe in die -christliche Kirche aufgenommen zu werden. -Diese Erklärung brachte meinem Herzen -<a id="page-76" class="pagenum" title="76"></a> -große Freude, und ich betete nun täglich zu -Gott, daß Er mir die rechte Gemüthsfassung -für diese heilige Handlung schenken wolle, -damit ich auch den vollen Segen derselben -empfange. Auf Weihnachten schenkte mir die -Herzogin eine große silberne Denkmünze. Es -war auf derselben eine Abbildung, wie Jesus -von Johannes im Jordan getauft wird, und -auf der andern Seite war die Geschichte des -Pfingstfestes bildlich dargestellt. Auf jener -Seite standen nur die Worte: <em>ohne Maaß!</em> -auf dieser stand: <em>ohne Zahl!</em> Ich bat meine -Pflegemutter um Erklärung dieser Inschriften. -Diese gab sie gern. „Die Worte: „„<em>ohne -Maaß!</em>““ — sagte sie — „gehen auf den -Herrn Jesus, der mit dem heiligen Geist ohne -Maaß, d. h. mit einer überschwenglichen -Fülle des Geistes, gesalbt worden ist, und -darum auch der <em>Gesalbte</em>, Christus, heißt -(Joh. 3, 34.). Die Worte: „„<em>ohne -Zahl!</em>““ gehen auf die Christen, welche die -Gabe des heiligen Geistes empfangen, und -deren Zahl so groß werden soll wie die Zahl -der Sterne am Himmel. Zu dieser zahllosen -Schaar sollst auch du kommen, und es muß -dir diese gnädige Berufung doppelt wichtig -<a id="page-77" class="pagenum" title="77"></a> -sein, da du durch die wunderbare Hand des -HErrn aus einem Volke herausgezogen worden -bist, das bis jetzt noch keinen Antheil genommen -hat an den Segnungen des Geistes -Christi, das aber hoffentlich einst auch noch -herbeikommen und seine Kniee beugen wird -vor dem Gekreuzigten.“ -</p> - -<p> -Ich sagte: „Amen, möge diese Zeit bald -kommen!“ -</p> - -<p> -Meine Taufe war auf den sechsten Januar, -als auf das Fest der Erscheinung -Christi unter den Heiden, festgesetzt, und sollte -nach dem Willen der Herzogin in der Stiftskirche -in Stuttgart auf eine feierliche Weise -vorgenommen werden. Ein feierlicher Kirchgang -wurde von dem Schlosse aus zur -Stiftskirche gehalten. Voran giengen die -Taufzeugen, welche aus freiwilliger christlicher -Liebe diese Stelle vertreten wollten, nämlich: -die Frau Herzogin Wittwe <em>Magdalena -Sibylla</em>, der Erbprinz, nachmaliger Herzog, -<em>Eberhard Ludwig</em>, die Frau Oberhofmeisterin -<em>von Wachenheim</em>, Herr Consistorial-Direktor -<em>Bardili</em>, Frau Doktorin -<em>Commerell</em>, Frau Kammerrath <em>Faber</em> -und Herr Kanzlei-Advokat Dr. <em>Stierlin</em>. -<a id="page-78" class="pagenum" title="78"></a> -Hierauf kam ich, von zwei adeligen jungen -Herren begleitet, und dann folgten alle die -Personen, welche zum herzoglichen Hofe gehörten. -</p> - -<p> -Als wir uns in der von den Zuhörern -angefüllten Kirche auf unsere Plätze begeben -hatten, wurden einige Verse aus dem Liede -von Paul <em>Gerhard</em> gesungen: -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O du allersüßte Freude,</p> - <p class="verse">O du allerschönstes Licht! u. s. w.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="noindent"> -Hierauf predigte der Stifts-Prediger -<em>Schmidlin</em> über das Evangelium des Tages -<em>Matth.</em> 2, und verglich die Reise der Weisen -aus Jerusalem mit meiner wunderbaren -Führung von Belgrad nach Stuttgart. Die -Predigt währte ziemlich lange; ich war aber -mit innerlichem Seufzen und Flehen zu sehr -beschäftigt, als daß ich viel davon hätte fassen -können. Zum Anfang der Taufhandlung -wurde der Vers gesungen: -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O Gott und Vater gnadenvoll &c.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="noindent"> -Dann legte ich öffentlich mein Glaubensbekenntniß -ab, wozu mir der Heiland ein -reiches Maß von Freudigkeit verlieh, wiewohl -mir vorher sehr angst gewesen. So bald ich -aufstand und anfieng zu reden, war alle Angst -<a id="page-79" class="pagenum" title="79"></a> -wie weggehaucht; ich sah nicht mehr auf die -Menschenmenge, sondern dachte allein an -Gott, der in das Herz sieht und weiß, ob -unser Bekenntniß aufrichtig und lauter ist. -Hierauf kniete ich nieder, wurde im Namen -Gottes des Vaters, des Sohnes und des -heiligen Geistes getauft, und erhielt die -Namen <em>Christiana Magdalena Eberhardina</em>, -welchen hernachmals noch der -Name <em>Gottliebin</em> als Zuname beigegeben -wurde. Der türkische Name <em>Setma</em> war -der letzte Ueberrest von meinem türkischen -Vaterland, den ich vollends abzulegen hatte. -Vaterland, Familie, Freunde, Erbschaft, -Religion, Sprache, Sitten, Kleider hatte ich -Alles schon längst verlassen und abgelegt; -aber auch nach der Verheißung Jesu hundertfältig -wieder gefunden schon in dieser Zeit. -Warum hätte ich nicht gern auch meinen -Namen vollends hergeben sollen, um auch -äußerlich darzustellen, was ich innerlich zu -erfahren wünschte: — eine gänzliche Wiedergeburt! -Gott aber sei Dank, der nach und -nach Alles vollends hinwegnimmt, was nicht -in Sein Reich hineintaugt! -</p> - -<p> -Nach der Taufe, während welcher mir -<a id="page-80" class="pagenum" title="80"></a> -unbeschreiblich wohl war, wurden die zwei -letzten Verse gesungen aus dem Lied des -seligen Dr. <em>Luther</em>: -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Christ, unser HErr, zum Jordan kam &c.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="noindent"> -Das war denn der Tag meiner höchsten -Ehren, da ich aus der Zahl der Ungläubigen -feierlich herausgenommen, und als ein Kind -und Eigenthum Gottes erklärt wurde, ein -Glück, das nicht hoch genug zu schätzen ist, -und für das so viele Christen, die schon in -den ersten Tagen ihres Lebens diese Gnade -erfahren, bei weitem dankbarer sein würden, -wenn sie recht überlegten, wie viel Mühe es -mich gekostet, wie manchen sauren, ja ich darf -wohl sagen, blutigen Tritt es mich gekostet, -bis ich so weit kam, und wie so mancher Heide -sich’s noch viel mehr kosten lassen würde, wenn -er Gelegenheit hätte, zu diesem hohen Vorzug -zu gelangen. -</p> - -<p> -Von der Kirche aus gieng der Zug wieder -in das herzogliche Schloß, wo ich in Anwesenheit -des ganzen Hofes der Herzogin meinen -fußfälligen Dank sagte. Sie aber erklärte -vor dem ganzen Hof, daß sie mir, als einer -Christin, nunmehr meine Freiheit schenke, und -das, was sie meine Loskaufung gekostet, mir -<a id="page-81" class="pagenum" title="81"></a> -als Taufpfennig anrechnen wolle. Zugleich -machte sie mir das gnädigste Anerbieten, ob -ich in Zukunft in ihren Diensten bleiben wolle. -Beides nahm ich natürlich mit großer Freude -und unterthänigstem Danke an, bat aber zunächst -nur um die Erlaubniß, mich für heute -ganz in die Stille zurückziehen zu dürfen, -weil ich befürchtete, in der großen Zerstreuung -von dem reichlich empfangenen geistlichen -Segen etwas zu verlieren. Wie leicht ist ein -volles Gefäß verschüttet, wenn man damit -hin und her geht oder gar rennt! Ich suchte -deßwegen die Stille im Hause meiner gütigen -Pflegemutter, welche mich mit inniger Freude -von dem Herzen der ewigen Liebe empfieng, -und an ihr mütterlich-liebendes Herz drückte. -Den ganzen Tag wollte ich Niemand mehr -sehen noch sprechen, sondern blieb auf meiner -Stube, las bald einige Verse im Wort Gottes, -bald ein schönes Lied, bald überließ ich mich -dem Jubel meiner innerlichen Freude, bald -schickte ich ein frohlockendes Dankgebet zum -Throne Gottes hinauf. Ich ließ die ganze -wunderbare Geschichte meines Lebens und den -reichen Segen des heutigen Tages mehr als -einmal vor meinem Gemüthe vorübergehen, -<a id="page-82" class="pagenum" title="82"></a> -und fand jedes Mal neue Ursache, Den zu -preisen und zu erheben, der Wunderbar heißt -und wunderbar ist. Ich fand, daß der stille -Nachgenuß eines solchen Festes fast noch süßer -und lieblicher werden kann als die Festfeier -selbst, bei welcher man durch manche beengende -oder zerstreuende Umstände von außen gestört -wird. Zugleich kann ich es nicht verhehlen, -daß, so groß das Glück ist, schon als Kind in -den Bund mit Gott aufgenommen zu werden, -doch auch ein besonderer Segen darin liegt, -bei dieser Aufnahme selbst mit Bewußtsein -empfinden zu dürfen und überlegen zu können, -wie groß die Gnadengüter sind, die Gott -Seinen Kindern anbietet.“ -</p> - -<p> -Ich muß hier unsere Erzählerin wieder -einen Augenblick unterbrechen, um zu dem -so eben Gesagten eine kurze Bemerkung zu -machen. Damals, als Setma, oder, wie sie -von jetzt an heißt, Gottliebin, dieses niederschrieb, -war die Confirmation bei uns noch -nicht eingeführt. Durch diese ist ein Ersatz -gegeben für das, was <em>Gottliebin</em> bei der -Kindertaufe vermißte. Und möchten nur alle -unsere Konfirmanden ihrem Rathe folgen, -und die Stunden nach der heiligen Handlung -<a id="page-83" class="pagenum" title="83"></a> -nicht mit eiteln Zerstreuungen verderben, -unter denen der empfangene Segen wieder -verloren geht, sondern vielmehr in der Stille -zubringen in der Gegenwart Dessen, der der -beste Gesellschafter ist, und aus dessen Nähe -man nie leer zurückkommt! -</p> - -<p> -Nun lasse ich unsere Neugetaufte weiter -erzählen. -</p> - -<p> -„Am folgenden Tage nahm ich unter -tausend Thränen und wiederholten Danksagungen -für alle Mutterliebe und Treue von -meiner bisherigen Pflegemutter Abschied, und -bezog ein Zimmer im herzoglichen Schlosse, -wo ich der Aufsicht der Frau Oberhofmeisterin -<em>v. Wachenheim</em>, einer gottseligen und verständigen -Dame, übergeben ward, welche mich -durch Lehre und Beispiel immer weiter zum -wahren Christenthum anleitete und förderte. -Meine Beschäftigung bestand hauptsächlich -im Sticken, welches ich schon in meinem väterlichen -Hause erlernt und fleißig geübt hatte. -</p> - -<p> -Nachher schenkte mir die Prinzessin -<em>Eberhardine Louise</em> ihre besondere -Gnade, und nahm mich mit Genehmigung -der Herzogin Mutter in ihre Dienste, in denen -ich auch blieb bis an ihren frühen Tod. Sie -<a id="page-84" class="pagenum" title="84"></a> -war von Natur sehr lebhaft, aber von Herzen -fromm, und unterhielt sich mit mir meistens -über das Wort Gottes und über Herzenserfahrungen. -Zuweilen hörte ich von ihr -folgende von einer englischen Prinzessin <a id="corr-5"></a>gedichteten -Verse: -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ich war so eitel, wild und jung;</p> - <p class="verse">Ich lachte, tanzte, spielt’ und sung:</p> - <p class="verse">Ich war gesund, mein freies Herz</p> - <p class="verse">Wußt’ nichts von Sorge, Müh’ und Schmerz;</p> - <p class="verse">In solchen frohen Stunden meinte ich,</p> - <p class="verse">Die ganze Welt wär’ nur gemacht für mich.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Doch wenn die Noth zum Herzen drang,</p> - <p class="verse">Wenn Krankheit ihre Geißel schwang,</p> - <p class="verse">Die Lust der Eitelkeit verschwand,</p> - <p class="verse">Ich nicht mehr singen und tanzen konnt’:</p> - <p class="verse">Dann fiel mir ein, wie schlimm es würde sein,</p> - <p class="verse">Wär’ diese Welt nur da für mich allein.</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="noindent"> -Das frühzeitige Hinscheiden dieser trefflichen -Prinzessin setzte das ganze fürstliche -Haus in tiefe Trauer, und war auch für mich -ein schmerzlicher Schlag, da ich bei der herablassenden -Freundlichkeit der Prinzessin nicht -wie eine Dienerin, sondern wie eine Freundin -von ihr angesehen wurde. Die reichlichen -Geschenke, mit denen meine geringe Treue -<a id="page-85" class="pagenum" title="85"></a> -im Dienst der Entschlafenen nach ihrem Abscheiden -belohnt wurde, konnten meinen -Schmerz nicht einschläfern. Eine andere -Erquickung war mir aufgehoben. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-8"> -<span class="line1">Siebentes Kapitel.</span><br /> -<span class="line2">Kirchheim unter Teck.</span> -</h2> - -<p class="first"> -<span class="firstchar">N</span>ach dem Tode der Prinzessin Eberhardine -Louise hatte mich die Herzogin Mutter -selbst unmittelbar in ihre Dienste genommen, -und mir die Bedienung ihrer eigenen Person -übertragen. Sie war meine größte Wohlthäterin, -ihr wollte ich auch am liebsten dienen. -Nach wenigen Tagen trat noch eine -Kammerfrau in den Dienst, welche der Herzogin -von Sachsen aus empfohlen worden -war, und <em>Christiana Maria Weisse</em> -hieß. Als sie dem Hof vorgestellt wurde, -fühlte sich mein Herz sehr zu ihrer sanften -Gestalt hingezogen, und sobald wir allein -<a id="page-86" class="pagenum" title="86"></a> -waren, drückte ich ihr meine Freude darüber -aus, daß wir in Zukunft neben einander -dienen sollten, weil ich die lebhafte Hoffnung -in mir hätte, daß unsere Herzen sich bald -gegenseitig verstehen würden. Sie äußerte -dasselbige, und versicherte, es sei ihr so, als -hätten wir schon Jahre lang mit einander -gelebt, und wären nur eine Zeit lang im -Schlafe gelegen. „<em>Guly!</em>“ rief ich, und -sie im nämlichen Moment: „<em>Setma!</em>“ und -wir lagen einander in den Armen, und -hielten uns fest umschlossen. Der Eindruck -von den verschiedenartigen Auftritten, deren -Bilder jetzt so schnell an meiner Seele vorüberzogen, -war aber so stark und heftig, -daß ich unwillkürlich in ein lautes Weinen -gerieth, das wohl eine Viertelstunde anhielt, -und während dessen ich kein Wort reden -konnte. Guly weinte mit, war aber gefaßter -als ich, und sagte: „ein anderes Mal will -ich dir meine Geschichte erzählen, heute bist -du zu schwach dazu.“ — Ich war damit -einverstanden, und in der überfließenden -Freude meines Herzens stand mir nur Eines -klar vor Augen: ich wollte so bald als -möglich darüber Gewißheit erhalten, ob -<a id="page-87" class="pagenum" title="87"></a> -Guly eine Christin geworden, ob sie eine -<em>wahre</em> Christin sei, die den Heiland von -Herzen lieb habe. Um meine Freude völlig -zu machen, durfte ich mich auch davon -überzeugen, daß sie an christlicher Erkenntniß -und Erfahrung weiter war als ich, und -mir eine Stütze werden konnte, der ich sehr -bedürftig war. Das Herz verläßt sich auf -Gott, aber die Hand sucht einen Stab. -David setzte seine Zuversicht auf den Allmächtigen, -aber er hatte auch einen Jonathan, -und weinte um ihn, als er ihn verlor. -Paulus, der muthige Glaubenszeuge, klagt -wehmüthig, daß ihn in Rom Alle verlassen -haben, und er nun allein stehe. Wer wollte -mir’s übel nehmen, daß mein Herz bei der -Entdeckung, was es in Zukunft an Guly -haben werde, vor Freuden jauchzte. Ach die -Tage der Trauer bleiben ja doch nicht aus; -das habe ich auch sattsam erfahren. — Nach -einigen Tagen nahm mich Guly, als wir -eine ruhige Stunde hatten, am Arm, und -gieng mit mir in den herzoglichen Lustgarten, -wo wir uns auf einer Rasenbank niederließen, -und nun erzählte sie mir ihre Geschichte: -</p> - -<p> -<a id="page-88" class="pagenum" title="88"></a> -„Meine Empfindungen, als wir nach der -Eroberung unserer Vaterstadt so unerwartet -von einander gerissen wurden, darf ich dir -nicht erst beschreiben; sie sind ja auch die -deinigen gewesen. Ich war fast ganz besinnungslos, -als mich der General, welcher -mich gefangen genommen hatte, in’s Lager -schleppte. Er war schon ein bejahrter Mann, -sehr mild und leutselig, und hatte mit mir -nichts Anderes im Sinn, als mich seiner -Tochter zur Gesellschafterin zu bringen. Das -erfuhr ich aber erst später: denn er konnte -nicht türkisch und ich nicht deutsch, und so -mußte ich mich einstweilen mit seiner freundlichen -Behandlung begnügen, welche ganz -über meine Erwartung war. Da der Feldzug -bald zu Ende gieng, so durfte ich nicht lange -im Lager bleiben, und der General, der außer -der Kriegszeit auf seinem Landgut in Schlesien -wohnte, nahm mich mit dahin, wo er -von seiner Tochter mit der größten Freude -empfangen wurde. Er sagte ihr, was ich -freilich nicht verstand, aber aus seinen Bewegungen -schließen konnte, daß er mich für -sie zur Aufwartung und Unterhaltung mitgebracht -habe, worüber sie sehr vergnügt zu -<a id="page-89" class="pagenum" title="89"></a> -sein schien. Die Freude stockte aber bald -wieder, als sie merkte, daß ich nichts von ihrer -Sprache verstand. Indessen wurde sie nicht -unwillig, sondern unterrichtete mich mit vieler -Geduld und Angelegenheit im Deutschreden -und Lesen. Letzteres gieng mir schwerer als -das Erstere; indessen hatte ich es doch in -einem halben Jahre so weit, daß ich mich -Jedermann im Hause verständlich machen und -ziemlich deutlich in der Bibel lesen konnte. -Diese hatte man mir zum Lesebuch gegeben, -denn der General war ein von Herzen frommer -Mann, — und da ich im Anfang noch -nicht wußte, was darinnen stand, und daß -dieß das Religionsbuch der Christen sei, so -ließ ich es mir gefallen, was ich nimmermehr -gethan haben würde, wäre mir jenes bekannt -gewesen; denn meine väterliche Religion zu -verlassen, hatte ich keineswegs im Sinn. Je -mehr ich aber nun verstehen lernte, was ich -las, desto mehr gefiel mir das Buch, und wie -ich endlich an die Geschichte Jesu kam, und -nun merkte, woran ich war, da hatte mich -die Wahrheit und Lieblichkeit dieser Gottesworte -schon so gefangen genommen und -gefesselt, daß ich nicht mehr zurück konnte. -<a id="page-90" class="pagenum" title="90"></a> -Ich las also die Geschichte Jesu vollends -durch, las die Apostelgeschichte, die Briefe, -las Alles bis an’s Ende, und da war es in -meinem Herzen felsenfeste Gewißheit: Das -ist ein wahrhaftiges Wort! Das ist Gottes -Wort! Noch ehe ich die deutsche Sprache recht -gelernt hatte, nahm ich schon die deutsche Religion -an, und ehe ich eine unparteiische Vergleichung -des Christenthums und des Muhamedanismus -anstellen konnte, hatte Christus -schon Besitz von meinem Herzen genommen. O -da erfuhr ich große Gnade und Seligkeit! — -Der General und seine Tochter merkten, daß -etwas Besonderes mit mir vorgehe; aber sie -wollten den freien Gang der Entwicklung nicht -stören, bis ich endlich selbst ihnen mit dem Geständniß -entgegenkam, daß ich glaube an Christum, -den Heiland der Welt. Sie waren sehr -erfreut darüber, und theilten ihre Freude auch -sogleich dem Prediger <em>Rothe</em> mit, der in dem -zum Gut gehörigen Dorfe angestellt war. Dieser -kam, und ließ sich von mir erzählen, wie ich -zu diesem Glauben gekommen sei; dann stand -er auf, ein ehrwürdiger achtzigjähriger Greis -mit schneeweißen Haaren, richtete seine Augen -gen Himmel, hob die gefalteten Hände empor, -<a id="page-91" class="pagenum" title="91"></a> -und rief: „HErr! nun lässest Du Deinen -Diener in Frieden fahren; denn meine Augen -haben gesehen, daß sich eine Seele aus Ismael -zu Dir bekehret hat.“ — Dieser alte -Knecht Christi hatte sich’s nämlich zum besondern -Anliegen gemacht, um die Bekehrung -der Muhamedaner zu beten, und seufzte täglich -zum HErrn, Er möchte doch einmal Seinen -Geist unter sie senden, und ihre verblendeten -<a id="corr-6"></a>Augen aufthun. Um so erwünschter -war ihm daher das Beispiel einer zu Christo -gekommenen Muhamedanerin, und er nahm -es als ein Unterpfand der Erhörung seiner -Gebete an, die ja auch wohl noch in Erfüllung -gehen können. Er nahm mich nun in -besonderen Unterricht, und gab sich alle Mühe, -mir die christliche Wahrheit recht süß und -lieblich, Jesum recht groß, mein Verderben -recht tief, und die ewige Seligkeit recht herrlich -vorzustellen. Seine Worte fielen auf -einen empfänglichen offenen Boden; mein -Herz war begierig, recht viel von Jesus und -von den himmlischen Dingen zu hören, und -ich machte oft Fragen an ihn, auf die er mir -gar keine Antwort gab, sondern sagte: „Du -mußt nicht Alles wissen; halte fest, was du -<a id="page-92" class="pagenum" title="92"></a> -hast.“ Am Weihnachtstage wurde ich getauft, -und erhielt die Namen:<em> Maria Christiana</em>. -Ich fand aber nicht das, was ich erwartet -hatte. Mein Herz war ziemlich kalt und ungefühlig, -meine Aufmerksamkeit mehr auf -das Aeußere gerichtet, meine Andacht mehr -gezwungen als lebendig. Ich merkte es zeitig, -seufzte und betete, so gut ich konnte; -aber es blieb so. Ich setzte das Beten den -ganzen Tag fort, und siehe da, am folgenden -Tage kamen alle die Segen, die ich heute -nicht genossen hatte, stromweise über mich. -Der Friede Gottes erfüllte mein Herz, und -ein solches Wohlsein kehrte bei mir ein, daß -ich mich nicht enthalten konnte, laut zu jauchzen. -Der General sagte: „Maria, nimm -dich in Acht: wenn der Himmel glüht, gibt’s -gern Regen. Es könnte auch anders kommen.“ -— Der alte Prediger aber sagte: -„Laßt sie doch in ihrer Freude, und gönnet -ihr’s. Die Hochzeitleute können nicht fasten, -so lange der Bräutigam bei ihnen ist. Freilich -wird’s einmal anders kommen; aber -dann ist’s noch Zeit genug, das Gesicht in -Falten zu legen.“ -</p> - -<p> -Der gute Mann hatte Recht, ich dachte oft -<a id="page-93" class="pagenum" title="93"></a> -an ihn. Nun ruht er schon lange in seinem -Grabe, und neben ihm der alte General. -Ach, er starb im Frühjahr nach meiner Taufe! -Die ersten Schlüsselblümchen schienen sein -Grab aufgeschlossen zu haben. Er starb schnell -dahin, nicht wie eine Eiche, die nach und -nach abfault; sondern wie eine hohe Fichte, -die von den gewaltigen Schlägen der Axt -schnell zu Boden gelegt wird. Er starb gern. -„Wenn man nur eine Stunde Zahnweh hat,“ -sagte er, „so hat man schon das Leben satt, -und in einem Lebenslauf von 64 Jahren -kommt manches Weh an den Erdenpilger. -Ich hoffe einen guten Tausch zu treffen. -Mein HErr und Heiland hat mir eine Stätte -bereitet. Meine Menschensünden und meine -Soldatensünden, und meine Generalssünden -hat Er mir alle vergeben; ich habe Gnade -erlangt.“ Vor seinem Ende ließ er sich noch -folgende Verse vorlesen: -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse2">Ich geh’ dem schönen Land</p> - <p class="verse">Voll Freud’ und Segen zu,</p> - <p class="verse">Dem heil’gen Friedensland,</p> - <p class="verse">Dem Land der ew’gen Ruh’;</p> - <p class="verse">Wo Oel und Wein mir blüh’n,</p> - <p class="verse">Wo Milch und Honig fließt,</p> -<a id="page-94" class="pagenum" title="94"></a> - <p class="verse">Aus Lebensbäumen ewig grün</p> - <p class="verse">Mir Gnade sprießt:</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse2">Wo unser König wohnt,</p> - <p class="verse">Der Herr der Heiligkeit,</p> - <p class="verse">Der über Welt und Sünde thront</p> - <p class="verse">Im Friedenskleid.</p> - <p class="verse">Auf Zion’s sel’gen Höh’n</p> - <p class="verse">Hat Er sein Reich erricht’t,</p> - <p class="verse">Und herrscht mit Seinen Heiligen</p> - <p class="verse">Im ew’gen Licht.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse2">Der Herr der Ehren schwor</p> - <p class="verse">(Sein Eid fällt nicht dahin):</p> - <p class="verse">Ich soll mit Adlersflug empor</p> - <p class="verse">Zum Himmel zieh’n.</p> - <p class="verse">Ich soll sein Antlitz seh’n,</p> - <p class="verse">Anbeten Seine Macht,</p> - <p class="verse">Und Seiner Wunder Preis erhöh’n</p> - <p class="verse">In ew’ger Pracht!</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="noindent"> -Dann sagte er, als er uns weinen sah: -„Weinet nicht, Kinder! ein Soldat hat schon -etwas Uebriges, wenn er auf dem Bett -sterben darf, und was noch mehr ist: ein -sterbender Christ tauscht mit keinem lebenden -König.“ -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">„Ich bin selig, reich und satt,</p> - <p class="verse">Weil mein Herz den Heiland hat.“</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="noindent"> -<a id="page-95" class="pagenum" title="95"></a> -„Laßt mich im Frieden ziehen?“ Darauf -faltete er die Hände, schloß die Augen und -schlief ein wie ein Kind, das am Morgen -wieder erwachen wird. -</p> - -<p> -Nach seinem Tode nahm sein Sohn, ein -Hauptmann in sächsischen Diensten, seinen -Abschied, um das väterliche Gut zu übernehmen. -Er war ebenfalls ein edler, christlicher -Mann, und sicherte mir gleich am ersten Tage -den ungehinderten Aufenthalt bei ihm und -seiner Schwester zu. Aber ehe ein ganzes -Jahr verfloß, kam er zu mir mit dem überraschenden -Antrag, ich solle seine Gattin -werden. Ich machte viele Einwendungen, -und bat mir Bedenkzeit aus. Durch vieles -Zureden von seiner und seiner Schwester -Seite, und weil ich keine innere Freudigkeit -hatte, ihn abzuweisen, ließ ich mich -endlich bewegen, in seinen Wunsch zu willigen. -Wir Drei lebten nun bei einander -wie die Kinder so vergnügt, und Eines -suchte dem Andern auf dem Wege zum Leben -behilflich zu sein. Nach drei Jahren -sah sich mein Gatte durch allerlei Umstände -genöthigt, seine Güter in Schlesien zu verkaufen, -und kaufte ein kleines Landgut in -<a id="page-96" class="pagenum" title="96"></a> -Sachsen in der Gegend von Budissin. -Guten Muthes traten wir die Reise dorthin -an. Gleich auf der ersten Tagreise aber -wurde mein Gatte krank, so daß wir langsam -reisen und oft unterwegs stille halten -mußten. Du kannst dir denken, wie beschwert -mein Herz auf dieser Reise war, -wie viele Thränen ich im Verborgenen vergoß, -und wie viele Seufzer hinaufstiegen -zu Dem, der die Liebe ist, auch wenn -Er schlägt. Als wir in der Gegend der -Landskrone bei Görlitz ankamen, ließen wir -still halten, und setzten uns im Abendsonnenschein -auf einen grünen Rasen. Nicht -weit davon saß ein Hirte bei seiner Schafheerde -unter einem Baum und sang folgendes -Lied: -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Kommt, Lämmlein, weidet nur</p> - <p class="verse">Hier auf der fetten Flur,</p> - <p class="verse">Wo stille Bächlein zieh’n</p> - <p class="verse">Durch Gras und Blumen hin.</p> - <p class="verse">Nah’ ist des Hirten Stab und Arm;</p> - <p class="verse">Ruht friedlich hier ohn’ Furcht und Harm!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ihr Lämmer, lauft nicht weg,</p> - <p class="verse">Und bleibt mir im Gehäg’:</p> -<a id="page-97" class="pagenum" title="97"></a> - <p class="verse">Der wilde Wolf wird nah’n,</p> - <p class="verse">Fällt irre Schäflein an.</p> - <p class="verse">Hier ruhet auf der schönen Waid’</p> - <p class="verse">In Fülle, Fried’ und Sicherheit.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Kann sich ein Lamm erfreu’n,</p> - <p class="verse">Das nicht will folgsam sein?</p> - <p class="verse">Das die Gefahren kennt,</p> - <p class="verse">Und doch in’s Weite rennt?</p> - <p class="verse">Der Wolf erhascht’s, in Herzensnoth</p> - <p class="verse">Schreit’s laut und jammert, und — ist todt.</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">O liebes Lämmlein! flieh’</p> - <p class="verse">Aus meiner Pflege nie!</p> - <p class="verse">Bleib’ auf dem reichen Feld,</p> - <p class="verse">Das dir dein Hirt’ erwählt.</p> - <p class="verse">Ich will dich schützen Tag und Nacht;</p> - <p class="verse">D’rum bleib’ in deines Hirten Wacht!</p> - </div> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Ihr Lämmlein in der Hürd’!</p> - <p class="verse">Mich waidet <a id="corr-7"></a>auch ein Hirt’,</p> - <p class="verse">Führt mich auf rechter Straß’,</p> - <p class="verse">Und liebt mich ohne Maaß’:</p> - <p class="verse">Sein Stab und Stecken hilft in Noth.</p> - <p class="verse">Mein Hirte ist mein Heiland, Gott!</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="noindent"> -Die Worte: „Führt mich auf rechter -Straß’, und liebt mich ohne Maaß’“ — -giengen mir tief in’s Herz, und mein -Glaube mußte fest stehen, um bei den -nachherigen Erfahrungen sie nicht aus dem -<a id="page-98" class="pagenum" title="98"></a> -Gesicht zu verlieren. Laß mich schnell darüber -weggehen. Nach einem Jahre starb -mein Gatte in meinen Armen. Seine -Schwester folgte ihm bald nach in’s Grab. -Das Gut fiel dem Staate heim, weil keine -Erben da waren. Ich wurde mit einer -kleinen Summe Geldes abgefunden. Mit -Empfehlungen an die Herzogin versehen, -reiste ich nach Württemberg, um einige -Verwandte meines sel. Gatten aufzusuchen. -Sie waren gestorben. So benützte ich denn -meine Empfehlungen, um bei der Herzogin -Dienste zu suchen.“ -</p> - -<p> -So weit erzählte Guly, die jetzt Maria -heißt, und ich sah nun mit Dank gegen -Gott, daß mein Weg noch lange nicht der -schwerste gewesen sei. Später erzählte sie -mir Manches noch ausführlicher, und ich -erstaunte über die schweren Prüfungen, -welche Gott ihr auferlegt, und über die -Geduld und Demuth, welche sie unter denselbigen -gelernt hatte. Sie beschämte mich -oft, wenn ich unzufrieden oder kleinmüthig -war, durch ihre Stille und Gelassenheit, -und durch ihr festes Vertrauen auf Gott, -und ich kann nicht sagen, wie wohlthätig -<a id="page-99" class="pagenum" title="99"></a> -die Verbindung mit ihr für mein Herz -war. Unsere gegenseitige Liebe, die schon -in früher Jugend gepflanzt worden, nahm -von Tag zu Tag zu, und wir durften den -Segen einer durch Christum geheiligten -Freundschaft und Gemeinschaft reichlich erfahren. -Als unsere gnädigste Frau, die -Herzogin <em>Magdalena Sibylla</em>, auf -ihren Wittwensitz nach Kirchheim unter Teck -zog, waren wir froh, aus dem geräuschvollen -und zerstreuenden Leben in der Residenz -in die Stille eines Landstädtchens zu -kommen. Wir fanden auch dort christliche -fromme Menschen, in deren Umgang wir -uns erbauen konnten, und brachten unsere -Zeit im Segen zu. Mit Genehmigung der -Herzogin hielten wir eine kleine Arbeitsschule -für Töchter aus der Stadt von vierzehn -bis zwanzig Jahren, welche wir im -Nähen, Stricken und Sticken unterrichteten, -und denen wir zugleich durch christliche -Gespräche nützlich zu werden suchten. Jedes -Mal wurde ein Kapitel aus der Bibel gelesen -und während der Arbeit darüber gesprochen. -Dazwischen wurden schöne christliche -Lieder gesungen, und zuweilen benützten -<a id="page-100" class="pagenum" title="100"></a> -wir, um das Nachdenken unserer Zöglinge -anzuregen, und sie zu einer genauen Bekanntschaft -und einem fleißigen Umgang -mit der Bibel zu veranlassen, ein altes -Buch, in welchem mancherlei biblische Räthsel -standen, die wir von ihnen auflösen -ließen. Hier sind einige davon: -</p> - -<p> -In welchem Jahre war die Erde unfruchtbar, -und entstand doch keine Theurung? -</p> - -<p> -Wer hat einen Fingerring getrunken? -</p> - -<p> -Was ist das für eine Frau, welche in -der Schrift in Verbindung mit den Zahlen -3, 10 und 12 vorkommt? -</p> - -<p> -Wer ist das, der etwas fand, das er -nicht suchte, der zu arm war, es zu kaufen, -und doch noch etwas dazu kaufte? -</p> - -<p> -Was ist das für ein Haus? — es steht -nicht auf dem Fels und nicht auf dem Sand; -es hat keine Mauern und keine Fenster; es -wohnen mehr Familien darin als Menschen; -im Januar steht’s im Thal und im Dezember -auf dem Berg. -</p> - -<p> -Welches ist das größte Gefäß, das in -der Bibel vorkommt? -</p> - -<p> -<a id="page-101" class="pagenum" title="101"></a> -Was war das für ein Mann, der auf -dem Gebirge geboren wurde, am Wasser -lebte und in einer Vestung starb? Er war -kleiner als die Kleinen und größer als die -Großen. -</p> - -<p> -Wie hieß der Mann, der am Morgen -den Schwachen fürchtete, und bei Nacht den -Stärksten überwand? -</p> - -<p> -Wie hießen die vier Männer, die von -oben herab auf den höchsten Berg des Landes -kamen? -</p> - -<p> -Wer war das, der sich darüber freute, -daß er immer kleiner wurde, und deßwegen -so groß ist? -</p> - -<p> -Wo wurde das Zeichen der herzlichsten -Liebe aus Haß gegeben? -</p> - -<p> -Wie hieß die Frau, die ihr Kostbarstes -und ihr Schlechtestes an einem Orte -verbarg? -</p> - -<p> -Was ist das für ein Thorwart, der nie -geboren ist und nie sterben wird? -</p> - -<p> -Wer waren die Männer, die eine theure -Waare für Geld kauften, und doch umsonst -bekamen? -</p> - -<p> -Was ist das für ein Kleid, das kein -<a id="page-102" class="pagenum" title="102"></a> -Schneider gemacht hat, und doch ein Weber -gewoben? -</p> - -<p> -Was war das für ein Redner, der nur -Einmal in seinem Leben gesprochen, und -der nur Einen Zuhörer hatte? -</p> - -<p> -Was war das für ein Holz, das -600 Männer mehr fürchteten als zwei -Ochsen? -</p> - -<div class="poem-container"> - <div class="poem"> - <div class="stanza"> - <p class="verse">Was ist so klein und wird so groß,</p> - <p class="verse">Verbirgt so viel und ist so blos?</p> - </div> - </div> -</div> - -<p class="noindent"> -Gern hätten wir es uns gefallen lassen, -bis an unser Lebensende in dem freundlichen -Kirchheim zu bleiben; aber da am -11. August 1712 die Herzogin, meine große -Wohlthäterin, starb, so mußten wir wieder -nach Stuttgart ziehen. — -</p> - -<p> -So weit erzählte Setma selbst. Sie erhielt -von dem Herzog <em>Eberhard Ludwig</em> -auf Empfehlung der verstorbenen Herzogin -Kost und Wohnung lebenslänglich in der -herzoglichen Hofhaltung, lag im Jahr 1714 -an einer schweren Krankheit darnieder, von -der sie sich nie ganz erholte, und wie lang -sie dann noch gelebt hat, weiß ich nicht. -<a id="page-103" class="pagenum" title="103"></a> -Sie hat an Armen und Kranken nach Vermögen -viel Gutes gethan, und vielen Sterbenden -durch frommen Zuspruch ihre letzten -Stunden erleichtert. Unsere Großeltern in -Stuttgart hörten noch manchmal von der -<em>frommen Jungfer Gottliebin</em> erzählen, -und wenn auch unsere Enkel nichts -mehr von ihr wissen werden, so werden sie -doch unsere Engel um so besser kennen. -</p> - -<div class="ads"> -<p class="hdr"> -<a id="page-104" class="pagenum" title="104"></a> -Bei <b>J. F. Steinkopf</b> in <em>Stuttgart</em> sind -ferner erschienen: -</p> - -<p class="ser"> -<b>Barth,</b> Dr. <b>C. G., Kleinere Erzählungen</b> <em>für -die christliche Jugend.</em> -</p> - -<p class="vol"> -I. Bändchen. 3. Aufl. 8. geb. 1 fl. od. 20 sgr. -</p> - -<p class="toc"> -<em>Inhalt</em>: 1. Der Apotheker und sein Arzt. -2. Die Geschichte des Peter Trom. 3. Das Rubinenkreuz. -4. Das Frauenkreuz. 5. Die Wachsfigur. -6. Das Stöberwetter. 7. Die Geschichte des Michel -von Breitenfurth. 8. Das <span class="antiqua">Concilium Nepomucenum</span>. -9. Geschichte einer Sturmhaube. 10. Das Kutschenrad. -</p> - -<p class="vol"> -II. Bändchen. 2. Aufl. 8. geb. 1 fl. od. 20 sgr. -</p> - -<p class="toc"> -<em>Inhalt</em>: 1. Der Bernhardskrebs. 2. Die -Geschichte vom Sternwirth. 3. Das verlorene Kind. -4. Die vier Brüder. 5. Die drei Häuser. 6. Der -Sacktuchhändler. 7. Der seltsame Appetit. 8. Die -Schatzgräber. 9. Der blaue Herr. 10. Das Rettungshaus -auf dem Arlberge. -</p> - -<p class="vol"> -III. Bändchen. 8. geb. 1 fl. od. 20 sgr. -</p> - -<p class="toc"> -<em>Inhalt</em>: 1. Zwei Schiffsjungen. 2. Der -Kontrast. 3. Nilus und Theodulus. 4. Die Winternacht. -5. Das Joch in der Jugend. 6. Der kleine -Schornsteinfeger. 7. Der Knabe im Ledersack. 8. Die -Pistolenkugel. 9. Glück aus Todesfurcht. 10. Die -Erscheinung. 11. Die Nacht am Tage. -</p> - -<p class="vol"> -IV. Bändchen. 8. geb. 1 fl. od. 20 sgr. -</p> - -<p class="toc"> -<em>Inhalt</em>: 1. Das verlorene Kind. 2. Das -maurische Gold. 3. <span class="antiqua">Jusqu’ à la mer.</span> 4. <span class="antiqua">Jusqu’ à -l’amère.</span> 5. <a id="corr-8"></a>Poccahontas. 6. Züge aus dem Bild -eines Menschenfreundes. 7. Der Apostel der Maoris. -8. Der verwaiste Knabe. 9. Die himmlische Prinzessin. -10. Viktor von Upflamör. 11. Graf Hubert -von Calw. -</p> - -</div> - - -<div class="trnote"> -<p id="trnote" class="chapter"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p> - -<p> -Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. -<span class="handheld-only">Hervorhebungen, die im Original -g e s p e r r t -sind, wurden mit <em>einem anderen Schriftstil</em> gekennzeichnet.</span> -Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt waren, wurden in einer -<span class="antiqua">anderen Schriftart</span> markiert. -</p> - -<p> -Die Schreibweise und Grammatik der Vorlage wurden weitgehend -beibehalten. Lediglich offensichtliche Fehler wurden berichtigt wie hier -aufgeführt (vorher/nachher): -</p> - - -<ul> - -<li> -... ein Haß gegen die christliche <span class="underline">Religon</span> eingepflanzt ...<br /> -... ein Haß gegen die christliche <a href="#corr-0"><span class="underline">Religion</span></a> eingepflanzt ...<br /> -</li> - -<li> -... so still, alle Umstände waren so <span class="underline">anfregend</span>, ...<br /> -... so still, alle Umstände waren so <a href="#corr-1"><span class="underline">aufregend</span></a>, ...<br /> -</li> - -<li> -... Zimmer <span class="underline">beiben</span>.“ ...<br /> -... Zimmer <a href="#corr-2"><span class="underline">bleiben</span></a>.“ ...<br /> -</li> - -<li> -... in der <span class="underline">Betrachtuug</span> der heiligen Schrift ...<br /> -... in der <a href="#corr-3"><span class="underline">Betrachtung</span></a> der heiligen Schrift ...<br /> -</li> - -<li> -... erretten wird. — Aber wie ist’s <span class="underline">denu</span> nun ...<br /> -... erretten wird. — Aber wie ist’s <a href="#corr-4"><span class="underline">denn</span></a> nun ...<br /> -</li> - -<li> -... folgende von einer englischen Prinzessin <span class="underline">gedichtete</span> ...<br /> -... folgende von einer englischen Prinzessin <a href="#corr-5"><span class="underline">gedichteten</span></a> ...<br /> -</li> - -<li> -... <span class="underline">Angen</span> aufthun. Um so erwünschter ...<br /> -... <a href="#corr-6"><span class="underline">Augen</span></a> aufthun. Um so erwünschter ...<br /> -</li> - -<li> -... Mich waidet <span class="underline">anch</span> ein Hirt’, ...<br /> -... Mich waidet <a href="#corr-7"><span class="underline">auch</span></a> ein Hirt’, ...<br /> -</li> - -<li> -... l’amère. 5. <span class="underline">Poccahoutas</span>. 6. Züge aus dem Bild ...<br /> -... l’amère. 5. <a href="#corr-8"><span class="underline">Poccahontas</span></a>. 6. Züge aus dem Bild ...<br /> -</li> -</ul> -</div> - - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Setma, das türkische Mädchen, by -Christian Gottlob Barth - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SETMA, DAS TÜRKISCHE MÄDCHEN *** - -***** This file should be named 50182-h.htm or 50182-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/0/1/8/50182/ - -Produced by Heiko Evermann, Jens Sadowski, and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This -book was produced from scanned images of public domain -material from the Google Books project. - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook -for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, -performances and research. They may be modified and printed and given -away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks -not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. 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