summaryrefslogtreecommitdiff
path: root/old/50081-8.txt
diff options
context:
space:
mode:
Diffstat (limited to 'old/50081-8.txt')
-rw-r--r--old/50081-8.txt6755
1 files changed, 0 insertions, 6755 deletions
diff --git a/old/50081-8.txt b/old/50081-8.txt
deleted file mode 100644
index 09f7beb..0000000
--- a/old/50081-8.txt
+++ /dev/null
@@ -1,6755 +0,0 @@
-The Project Gutenberg EBook of Natur und Mensch, by Ernst Haeckel
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-Title: Natur und Mensch
- Sechs Abschnitte aus Werken von Ernst Haeckel
-
-Author: Ernst Haeckel
-
-Editor: Carl W. Neumann
-
-Release Date: September 30, 2015 [EBook #50081]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK NATUR UND MENSCH ***
-
-
-
-
-Produced by Ralph Janke, Marilynda Fraser-Cunliffe, Jens
-Sadowski,and the Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net
-
-
-
-
-
-
- [Illustration: Phot. A. Bischoff, Jena.]
-
- [Illustration: Unterschrift: Ernst Haeckel.]
-
-
-
-
- Natur und Mensch.
-
-
- Sechs Abschnitte aus Werken
- von
- Ernst Haeckel.
-
- Herausgegeben und mit einer Einleitung versehen
- von
- Carl W. Neumann.
-
- Mit dem Bildnis Ernst Haeckels
- und zahlreichen Abbildungen im Text.
-
- Leipzig
- Druck und Verlag von Philipp Reclam jun.
-
-
-
-
- Einleitung.
-
-
-Hunderttausende führen den Namen Haeckels im Munde, urteilen über ihn
-und sein Lebenswerk und kennen doch nichts von ihm als sein
-vielbefehdetes Buch von den »Welträtseln«; vielleicht auch noch außerdem
-ein paar kleinere Schriften. Was er _vor_ diesen in vierzigjähriger
-rastloser Forscherarbeit geschaffen hat, blieb für die meisten
-Geheimnis. Sie wissen, daß Haeckels Name aufs engste verknüpft ist mit
-jener großen Bewegung, die Darwin durch sein epochemachendes Werk »Die
-Entstehung der Arten im Tier- und Pflanzenreiche« (1859) ins Leben rief,
-aber sie haben nur unklare Vorstellungen von der besonderen Art der
-Verdienste Ernst Haeckels. Ganz zu geschweigen von dem, was er
-unabhängig von Darwin in seinen voluminösen Monographien der
-Radiolarien, Kalkschwämme, Medusen usw. der Wissenschaft Großes
-geschenkt hat. Es ist daher angezeigt, der kleinen Auswahl von
-Abschnitten aus den bedeutendsten populären Werken des Jenaer
-Naturforschers, die dieses Bändchen vereinigt, wenigstens im Umriß ein
-Bild seines Lebens und Schaffens voranzustellen.
-
-Ernst Haeckel wurde am 16. Februar 1834 als Sohn des Regierungsrats Karl
-Haeckel in Potsdam geboren, wuchs aber in Merseburg auf, wohin noch im
-ersten Lebensjahre des Knaben der Vater versetzt worden war. Wer Fäden
-sucht, die bereits aus den Tagen der Jugend ins spätere Leben und Wirken
-des reifen Mannes hinüberwehen, kommt nicht in Verlegenheit.
-Kraftstrotzender Übermut auf der einen Seite, auf der anderen die
-Neigung, in einsamen Wanderstunden geheime Zwiesprache zu halten mit
-allem, was kreucht und fleucht, grünt und blüht, sind von früh an
-hervorstechende Züge im Wesen des Knaben. Der Elfjährige durchstreift
-schon die Kreuz und die Quer das Siebengebirge, um die vermeintlich nur
-dort wachsende graue Erika ausfindig zu machen. Der Merseburger
-Gymnasiast liefert Beiträge zu Garckes »^Flora Hallensis^« und legt sich
-in seinen Mußestunden ein Doppelherbarium an, eins für die »guten
-Arten«, die sich hübsch fügsam in Linnés System bequemen, und ein
-zweites für die »verdächtigen« Genera, die dann, in langer Reihe
-geordnet, den ununterbrochenen Übergang von einer guten Art zur anderen
-demonstrieren. »Es waren die von der Schule verbotenen Früchte der
-Erkenntnis, an denen ich in stillen Mußestunden mein geheimes,
-kindisches Vergnügen hatte.« In Wirklichkeit rührte der Gymnasiast da
-schon leise an jenes große Problem von der Dauer und Wandelbarkeit der
-Arten, das freilich vorerst nur in der Luft lag, aber ihn später so
-mächtig erfassen sollte.
-
-Als dieses »Später« im Jahre 1859 in greifbare Nähe zu rücken begann,
-fischte der fünfundzwanzigjährige Haeckel im Hafen von Messina nach
-allerlei Seetieren, vor allem nach Radiolarien, jenen trotz ihrer
-mikroskopischen Kleinheit so überaus reizvollen Strahltierchen mit dem
-vielgestaltigen, rhythmisch gewachsenen Kieselskelett, die wenige Jahre
-zuvor erst sein großer Lehrer Johannes Müller entdeckt hatte. Haeckel
-war Arzt seines Zeichens. Gehorchend dem Wunsche des Vaters -- nicht
-seinem eigenen Triebe, der ihn vielmehr mit Macht zur Botanik drängte --
-hatte er in Berlin, Würzburg und Wien das medizinische Brotstudium
-absolviert und sich nach bestandenem Staatsexamen als praktischer Arzt
-in Berlin niedergelassen. Als Mann der Theorie aber fehlte ihm für die
-Praxis der rechte Sinn, wie er später oft scherzte, so daß ihm der Vater
-zur endgültigen Klärung der Berufsfrage noch ein weiteres Studienjahr in
-Italien, dem Land seiner Sehnsucht, bewilligte. Und dieses Jahr ward
-entscheidend. Das fesselnde Studium des Planktons, dem er schon früher
-(1854) als junger Student unter Führung Johannes Müllers auf Helgoland
-eine Zeitlang obgelegen hatte, schob die Botanik und Medizin nunmehr
-definitiv in den Hintergrund. Zoologie hieß die Losung, und schneller,
-als er's sich träumen mochte, sollte er Fuß in ihr fassen. Im Mai 1860
-kam er zurück nach Berlin, um seine sizilianischen Planktonschätze,
-Zeichnungen und Präparate, im großen Stil zu bearbeiten, und ehe das
-Werk noch vollendet war, saß er mit Hilfe seines einstigen Würzburger
-Studienfreundes Karl Gegenbaur als außerordentlicher Professor in Jena.
-Im gleichen Jahre (1862) erschien als ein riesiger Folioband mit 35
-farbigen Kupfertafeln die »_Monographie der Radiolarien_«, die seinen
-Ruf als zoologischen Facharbeiter mit einem Schlage begründete, und daß
-auch das Tipfelchen auf dem i des Triumphes nicht fehle, verband er sich
-im August 1862 mit seiner »hochbegabten, feinsinnigen« Cousine Anna
-Sethe zu glücklichster, aber leider nur kurzer Ehe. Schon anderthalb
-Jahre später, gerade an seinem dreißigsten Geburtstag, entriß ihm ein
-jäher Tod die geliebte Frau. Dem höchsten Glück folgte fast auf dem Fuße
-der schwerste Schicksalsschlag, der ihn treffen konnte. In dieser
-trübsten Zeit aber schrieb er -- höchst seltsam zu sagen -- in einem
-Zuge das tiefste, bedeutendste Werk seines Lebens, die »_Generelle
-Morphologie der Organismen_.« Zwei starke Bände mit über 1200 Seiten
-Text.
-
-Noch während er an der italienischen Küste in Plankton schwelgte, erfuhr
-er, es sei da von England ein »ganz verrücktes« Buch nach Deutschland
-herübergekommen, dessen Verfasser nicht bloß das Linnésche Dogma von der
-Unveränderlichkeit der Arten bestreite, sondern auch an Stelle des
-einmaligen planvollen Schöpfungsaktes ein großes Gesetz kontinuierlicher
-Entwicklung des Lebens zu künden die Dreistigkeit habe: Darwins
-»Entstehung der Arten«. Dieses ketzerische Buch, das die Fachzoologen
-von damals entweder ganz totschwiegen oder schlankweg für »Humbug«
-erklärten, zog Haeckel gleich bei der ersten Lektüre ganz
-unwiderstehlich in seinen Bann und ließ ihn fortan nicht mehr los.
-Bereits in den »Radiolarien« war er ganz kurz darauf eingegangen, um
-dann auf der Stettiner Naturforscherversammlung von 1863 ausführlich,
-und zwar in zustimmendem Sinne, zu Darwins Ideengang Stellung zu nehmen.
-Die große Mehrzahl der Fachgenossen war freilich noch anderer Ansicht.
-Ein angesehener Zoologe erklärte Darwins Buch für den »harmlosen Traum
-eines Nachmittagsschläfchens«, ein anderer verglich die
-»naturphilosophischen Phantasien« mit dem Tischrücken, ein namhafter
-Geologe meinte, daß dem »vorübergehenden Schwindel« bald die
-Ernüchterung folgen müsse, und ein Anatom prophezeite, nach wenigen
-Jahren werde kein Mensch mehr davon sprechen. ^Tempora mutantur^!
-
-Auf Haeckel machte die Ablehnung so wenig Eindruck, daß er sich, obwohl
-tief niedergedrückt durch den Tod der geliebten Gattin (er hat später,
-1868, zum zweitenmal geheiratet), mit fliegender Feder daran machte, die
-ganze biologische Wissenschaft, soweit sie zusammenhing mit dem Problem
-der Entwicklung, aus der von Darwin geschaffenen Basis ganz neu zu
-gruppieren und umzugestalten. Eine Art wissenschaftlichen Testaments
-sollte die »Generelle Morphologie« werden. Auch damals, wie
-dreiunddreißig Jahre später in den »Welträtseln«, gedachte er mit dem
-Ende des Werkes einen Strich unter seine Lebensarbeit zu machen.
-Gelegentlich der Feier seines sechzigsten Geburtstages hat er es selber
-so dargestellt: »Ich lebte damals ganz als Einsiedler, gönnte mir kaum
-drei bis vier Stunden Schlaf täglich und arbeitete den ganzen Tag und
-die halbe Nacht. Dabei lebte ich in so strenger Askese, daß ich mich
-eigentlich wundern muß, heute noch gesund und lebendig vor Ihnen zu
-stehen.« Durch eifrige, hastige Arbeit wollte er alle die seelischen
-Schmerzen betäuben, und dann -- ja, was dann kommen sollte, wußte er
-selbst nicht. Tatsache ist aber, daß er in weniger als Jahresfrist die
-mehr als zwölfhundert engen Druckseiten aufs Papier brachte. Tatsache
-ist ferner, daß er in diesem monumentalen Werk alle, aber auch wirklich
-_alle_ die wichtigen Konsequenzen schon zog und alle wesentlichen und
-entscheidenden Anschauungen seiner monistischen und genetischen
-Philosophie schon entwickelte, deren Ausbau im einzelnen sein ganzes
-künftiges Leben beschäftigt hat. »In der Methode naturwissenschaftlicher
-Forschung«, sagt Bölsche sehr treffend, »bedeutet das Werk einen
-Markstein, an dem man die ganze Geistesarbeit der zweiten Hälfte des 19.
-Jahrhunderts charakterisieren und werten kann. Für die allgemeine
-biologische Systematik beginnt mit ihm eine neue Epoche in der Weise,
-wie es fünfzig Jahre vorher bei Cuvier und nochmals über fünfzig weiter
-zurück bei Linné der Fall gewesen war. Was es für die Zoologie im
-engeren Sinne ist, hat ein gewiß kompetenter Urteiler wie Richard
-Hertwig dreißig Jahre später in das einfache Wort zusammengefaßt: daß
-wenige Werke so viel beigetragen haben, das geistige Niveau der Zoologie
-zu heben.« Im ersten Bande wurden mit Hilfe einer selbstgeschaffenen
-wissenschaftlichen Kunstsprache, die heute vielfach zum eisernen
-Bestande der Zoologie gehört, die Grundbegriffe des Lebens, der
-Formenbildung und -umbildung, der Individualität und natürlichen
-Verwandtschaft, die Gesetze der Anpassung, Vererbung und Auslese
-methodologisch neu festgestellt. Im zweiten Bande wurde auf Grund der
-vergleichenden Anatomie, der Stammesgeschichte (Phylogenie) und
-Keimesgeschichte (Ontogenie) der dreifache Beweis für die
-Abstammungslehre versucht und das Ganze gekrönt durch das von Haeckel
-zum erstenmal scharf formulierte und auf das gesamte Gebiet der
-organischen Formenwelt angewandte »_biogenetische Grundgesetz_«, wonach
-die Entwicklungsgeschichte des Einzelwesens eine gedrängte, stark
-abgekürzte und häufig abgeänderte Wiederholung der Entwicklung des
-zugehörigen Stammes ist. Daß ein derartig weit in die Zukunft
-vorauseilendes wissenschaftliches Werk bei all seinen Vorzügen auch
-Unvollkommenheiten und Irrtümer aufweisen mußte, braucht kaum noch
-ausdrücklich betont zu werden. Kommende Jahre haben manche der
-Hypothesen, die Haeckel zum erstenmal aufgestellt hatte, von Grund aus
-verändert oder völlig verworfen, und auch er selbst ist nicht müde
-geworden, zu bessern und nachzuprüfen. Dem Werke selbst aber bleibt doch
-der Ruhm unbestritten, zum erstenmal »eine markige Skizze der belebten
-Natur im neuen Lichte der Entwicklungslehre und zugleich ein ganzes
-Programm für die biologische Forschung der nächsten Zukunft entworfen zu
-haben«.
-
-Im Herbst 1866 war das große Werk abgeschlossen. Physisch und geistig
-erschöpft, ging Haeckel, ohne erst noch das Erscheinen der »Morphologie«
-abzuwarten, auf Reisen, besuchte Darwin auf seinem Landsitze Down bei
-London und fuhr danach, den Rat seiner Freunde befolgend, nach
-Teneriffa, um dort unter Palmen Erholung zu suchen. In weiterer Folge
-ging dann die Reise nach Lanzerote, der kleinen vulkanischen Ozeaninsel,
-deren waldlose Kraterlandschaften stark an die Bilder vom Monde
-erinnern. Hier wurden in Gemeinschaft mit Richard Greeff und zwei
-jüngeren Zoologen vor allem Medusen und Siphonophoren (Staatsquallen)
-studiert, die das Meer in verschwenderischer Fülle herbeitrug, und in
-viermonatiger eifriger Arbeit kamen die Schätze zusammen, die Haeckel
-später die Abfassung seiner preisgekrönten »_Entwicklungsgeschichte der
-Siphonophoren_« (mit 14 Tafeln, 1869) ermöglichten.
-
-Sechs Monate blieb er von Jena fern. Wenn er indessen bei seiner
-Heimkehr erwartet hatte, die »Generelle Morphologie« würde in der
-Zwischenzeit die Geister wachgerüttelt haben, so sah er sich bitter
-enttäuscht. Die Fachgenossen ignorierten sie völlig oder verspotteten
-sie als ein »Konglomerat naturwissenschaftlicher Träumereien«, und die
-außerhalb der Fachwissenschaft stehende Leserwelt wußte auch damals so
-wenig wie heute von der Existenz des bedeutsamen Werkes. »Generelle
-Morphologie.« Schon der Titel sah keineswegs aus nach sehr weiter
-Verbreitung. Und im übrigen galt -- in einem gewissen Sinne -- wohl
-wirklich auch das, was der Verfasser selbst später von seinem Hauptwerke
-sagte: es sei zu weitschweifig und schwerfällig geschrieben gewesen.
-
-Indessen enttäuscht sein, heißt nicht auch entmutigt sein. Wenn man den
-naturphilosophischen Kern aus der »Morphologie« herausschälte,
-die Grundzüge der Entwicklungtheorie knapp und klar, aller
-sachwissenschaftlichen Schwere entledigt, noch einmal für weitere Kreise
-populär darstellte und gleichzeitig den Stoff chronologisch anordnete,
-d. h. den Gang der Entwicklung des Weltganzen vom Einfachen zum
-Komplizierten, vom Urnebel zum Menschen herauf vorführte, so müßte es
-doch in der Tat seltsam zugehen, wenn einem so beschaffenen Auszug der
-Erfolg versagt bleiben sollte. Aus solchen Erwägungen heraus hielt
-Haeckel im Wintersemester 1867/68 vor einem aus Laien und Studierenden
-aller Fakultäten zusammengesetzten Publikum Vorträge, die 1868 als
-»_Natürliche Schöpfungsgeschichte_« auch in Buchform erschienen --
-damals ein einzelner schmaler Band, der im Laufe der Zeit sich
-verdoppelte und heute in zwölf verschiedenen Übersetzungen vorliegt. Und
-dieses Buch drang nun tatsächlich durch. Es wurde nicht bloß von
-Gebildeten aller Stände gelesen, es zwang auch die Fachgenossen des
-Verfassers jetzt definitiv, so oder anders sich mit der neuen Auffassung
-und Darstellung der Entwicklungslehre auseinanderzusetzen. Das gab dann
-den Anlaß zu bitteren Kämpfen und Debatten, zu kräftigen Angriffen und
-ebenso kräftiger Gegenwehr. Besonders das »biogenetische Grundgesetz«
-war der Zankapfel, der sowohl die Empiriker als auch die Philosophen aus
-ihrer anfänglichen Passivität aufschreckte und auf das Kampffeld rief.
-
-Noch lebhafter aber entbrannte der Streit, als Haeckel im Jahre 1872 in
-seiner »_Monographie der Kalkschwämme_« (zwei Bände Text mit einem Atlas
-von 60 Bildertafeln) den »Versuch zur analytischen Lösung des Problems
-von der Entstehung der Arten« gemacht und dabei zum erstenmal die
-berühmte und fruchtbare _Gasträatheorie_ aufgestellt hatte, d. h. die
-Zurückführung aller höheren Tiere mit Einschluß des Menschen auf eine
-uralte gemeinsame Stammform, deren ganzer Körper zeitlebens nur aus zwei
-Zellschichten (Haut und Magen) besteht. Das war die hypothetische
-Gasträa oder das Urdarmtier. Bei seinen Untersuchungen über die
-Keimesgeschichte der Kalkschwämme war Haeckel aufgefallen, daß sich das
-Kalkschwamm-Individuum in ganz ähnlicher Weise aus dem Ei entwickelt,
-wie er es früher schon mehrfach bei anderen Tieren beobachtet hatte. Die
-befruchtete Eizelle teilt sich, und die neuentstandenen Zellen setzen
-die Teilung so lange fort, bis sich ein ganzer Zellhaufen gebildet hat,
-ein »Maulbeerkeim«, wie man ihn seiner äußeren Form wegen nannte. In
-diesem Maulbeerkeim bildet sich, da sämtliche Zellen aus Gründen der
-Ernährung nach außen drängen, eine Höhlung, die größer und größer wird
-und schließlich dem ganzen früheren Zellklumpen das Aussehen eines
-winzigen Gummiballs gibt; aus dem Maulbeerkeim ist allmählich ein
-kugeliger »Blasenkeim« geworden. Nun geht die Entwicklung in der Weise
-weiter, daß sich an einem Pol die Zellenschicht einsenkt und sich
-zuletzt völlig an die innere Seite der nicht eingestülpten Wand
-anschmiegt, so daß ein doppelwandiger Becher mit einer Öffnung zustande
-kommt, eine sogenannte »Gastrula«. Die äußere Zellenschicht funktioniert
-als Leibes-, die innere als Darmhaut; die Becheröffnung bildet den
-Gastrulamund. Ganz plump veranschaulichen kann man sich diesen
-Gastrulationsprozeß, indem man einen durchstochenen Gummiball so tief
-einbeult, daß Wand an Wand zu liegen kommt.
-
-Eine Gastrulation wie die geschilderte vollzieht sich aber nicht bloß
-bei einer Anzahl von Schwämmen, sondern auch bei vielen Nesseltieren
-(Polypen, Medusen), bei Würmern, Stachelhäutern und Manteltieren, ja
-sogar bei dem niedrigsten Wirbeltier, dem Lanzettfisch. Ähnlich -- nur
-die Form der Gastrula ändert sich -- spielt sich der Vorgang aber auch
-in der Keimesgeschichte aller höheren Tiere ab, und eben auf diesem
-durchgängigen Vorkommen der Gastrula begründete Haeckel seine
-hypothetische Gasträatheorie. Inzwischen hat man auch wirklich noch
-lebende Tierformen entdeckt, die dem Bild jener hypothetischen Gasträa
-annähernd noch völlig entsprechen.
-
-Es hat lange gedauert, bis die hier flüchtig angedeutete Gasträatheorie,
-die heute allgemein für eine der wichtigsten und fruchtbarsten in der
-ganzen Entwicklungsgeschichte gilt, sich durchsetzen konnte. Ihr
-Entdecker aber ließ sich auch hier durch die Gegnerschaft nicht beirren.
-Nachdem er die Theorie in der »Monographie der Kalkschwämme« mitgeteilt
-und in den »_Studien zur Gasträatheorie_« näher begründet hatte, ließ er
-sie einstweilen selbst für ihren Sieg sorgen und wandte sich inzwischen
-einer neuen großen Aufgabe zu: dem schwierigen Versuch, das
-biogenetische Grundgesetz in seinem ganzen Umfang auf den
-_Menschen_ anzuwenden und aus den empirischen Tatsachen seiner
-Keimesgeschichte den historischen Stufengang seiner Stammesgeschichte
-hypothetisch zu ergründen. Das geschah in der »_Anthropogenie oder
-Entwicklungsgeschichte des Menschen_«, die 1874 herauskam. Erst die
-beiden folgenden Jahre brachten dann zwei weitere Hefte der »Studien zur
-Gasträatheorie«.
-
-Die »Anthropogenie« war zugleich eine geniale und -- kühne Tat. Nicht
-genug, daß Haeckel als erster die gesamte Entwicklungsgeschichte des
-Menschen unter großen philosophischen Gesichtspunkten historisch
-darlegte und damit anfing, die genetische Betrachtung auch auf die
-Zellen, Gewebe, Organe und Funktionen auszudehnen, er besaß auch die in
-den Augen der »Exakten« unerhörte Kühnheit, den spröden Stoff
-gemeinverständlich zu fassen, die wissenschaftlichen Geheimnisse der
-Embryologie einem größeren Leserkreise auszuliefern und den gebildeten
-Zeitgenossen schonungslos ihren tierischen Ursprung klarzumachen. Bis
-dahin hatte man sich begnügt, die sicheren, weil direkt wahrnehmbaren
-Tatsachen möglichst genau zu beschreiben; nun kam da wieder der
-popularisationswütige Jenenser Professor und verknüpfte auch auf dem
-Gebiet der menschlichen Entwicklungsgeschichte mit Tatsachen kühne
-genealogische Hypothesen! Die »Würde der Wissenschaft« war in Gefahr,
-und die Angriffe fielen abermals, wie nach dem Erscheinen der
-»Schöpfungsgeschichte«, schneeflockendicht auf das neue Werk. In
-Wirklichkeit hat die Würde der Wissenschaft in den vier Jahrzehnten, die
-seit dem Erscheinen der »Anthropogenie« jetzt verflossen sind, so wenig
-darunter gelitten, wie das Werk selbst an Bedeutung verloren hat. Die
-beiden reich illustrierten Prachtbände, die fortgesetzt neue
-Auflagen erleben, gelten immer noch unbestritten als die beste
-zusammenhängende Darstellung des großen Wundergebiets der menschlichen
-Entwicklungsgeschichte, die in der gesamten naturwissenschaftlichen
-Literatur existiert.
-
-Auch in der Folgezeit hat Haeckel fast unausgesetzt im schärfsten
-Kreuzfeuer der durch die Entwicklungslehre erzeugten Debatten gestanden.
-Besonders wiederum nach dem 18. September 1877, wo er in München auf der
-50. Versammlung der deutschen Naturforscher und Ärzte über »_Die heutige
-Entwicklungslehre im Verhältnis zur Gesamtwissenschaft_« sprach und
-unter anderem forderte, die Deszendenztheorie müsse als wichtiges
-Bildungsmittel auch in der Schule ihren berechtigten Einfluß geltend
-machen -- eine Rede, die Rudolf Virchow zu seinem vielbesprochenen
-Gegenvortrage über »Die Freiheit der Wissenschaft im modernen Staate«
-Veranlassung gab. Im Jahre vor jener Münchener Naturforscherversammlung
-hatte Haeckel in seiner Schrift: »_Die Perigenesis der Plastidule_ oder
-die Wellenzeugung der Lebensteilchen« bereits zu erweisen versucht, daß
-das »unbewußte Gedächtnis« eine allgemeine Funktion nicht bloß der
-Zelle, sondern auch aller Protoplasma-Moleküle der Zelle (Plastidule)
-sei, mit anderen Worten: daß die Zellseele, die Grundlage der
-erfahrungsmäßigen Psychologie, selbst wieder zusammengesetzt sei aus den
-psychischen Tätigkeiten der kleinsten Teilchen des Protoplasmas: »die
-Plastidule ist demnach der letzte Faktor des organischen Seelenlebens«.
-Das zog er auch jetzt, in der Münchener Rede, mit Nachdruck heran bei
-der Besprechung des bedeutungsvollen Umschwungs in der Beurteilung der
-»Seelenfrage«; ist doch die Annahme der Beseelung aller Materie ein
-notwendiges Postulat für die folgerichtige Durchführung der monistischen
-Entwicklungslehre und damit der monistischen Weltanschauung. Virchow war
-aber auch damit nicht einverstanden. Die Theorie der Zellseele erklärte
-er für ein »bloßes Spiel mit Worten«, und ganz entschieden bestritt er
-das wissenschaftliche Bedürfnis, das Gebiet der geistigen Vorgänge über
-den Kreis derjenigen Körper hinaus auszudehnen, in und an denen wir sie
-wirklich sich darstellen sehen. »Wir haben keinen Grund, jetzt schon
-davon zu sprechen, daß die niedrigsten Tiere psychische Eigenschaften
-besitzen; wir finden dieselben nur bei den höheren, ganz sicher nur bei
-den höchsten« usw. Und dann kam im Anschluß an die Bekämpfung der
-Zellseelentheorie die Bekämpfung der Deszendenztheorie überhaupt, nicht
-mit Gründen der Wissenschaft, sondern -- im Staatsinteresse! »Nun
-stellen Sie sich einmal vor,« rief der Redner emphatisch aus, »wie sich
-die Deszendenztheorie heute schon im Kopfe eines Sozialisten darstellt!
-Ja, meine Herren, das mag manchem lächerlich erscheinen, und ich will
-hoffen, daß die Deszendenztheorie für uns nicht alle die Schrecken
-bringen möge, die ähnliche Theorien wirklich im Nachbarlande angerichtet
-haben. Immerhin hat auch diese Theorie, wenn sie konsequent durchgeführt
-wird, eine ungemein bedenkliche Seite, und daß der Sozialismus mit ihr
-Fühlung genommen hat, wird Ihnen hoffentlich nicht entgangen sein.«
-Zuletzt resumierte sich Virchow dahin, daß man _nicht_ lehren und es
-_nicht_ als eine Errungenschaft der Wissenschaft bezeichnen könne, »daß
-der Mensch vom Affen oder von irgendeinem anderen Tier abstamme«. Heute
-schütteln wir lächelnd den Kopf über all diese Velleitäten. Damals
-jedoch galt die Virchowsche Rede für eine »moralische Tat«
-sondergleichen, die auf Jahrzehnte hinaus allen grundsätzlichen Gegnern
-der Abstammungslehre ein Ansporn zu doppeltem Eifer in ihrer Bekämpfung
-wurde.
-
-Haeckel hat im Jahre 1878 in seiner Schrift »_Freie Wissenschaft und
-freie Lehre_« ausführlich auf Virchows Münchener Rede geantwortet, im
-übrigen aber auch die Entscheidung dieses Streites der Zukunft
-anheimgegeben. Nur ganz gelegentlich ist er später auf die Debatten
-zurückgekommen, vor allem in seinen Berliner Vorträgen; »_Der Kampf um
-den Entwicklungsgedanken_« (1905). Ihn lockten zunächst wieder
-wichtigere und fruchtbarere Aufgaben.
-
-Schon 1864 und 1865 waren im Anschluß an die »Monographie der
-Radiolarien« die ersten Teile eines umfangreichen Prachtwerkes über die
-Medusen erschienen, deren Studium Haeckel seit den Tagen von Helgoland
-immer von neuem entzückt hatte. Jetzt galt es nicht bloß den Abschluß
-_dieses_ Werkes, dessen erster Band 1879 unter dem Titel »_Das System
-der Medusen_« (mit 40 Tafeln in Farbendruck) und dessen zweiter (mit 32
-Tafeln) 1881 unter dem Titel »_Die Tiefsee-Medusen der Challengerreise_
-und der Organismus der Medusen« herauskam, jetzt galt es auch die
-mikroskopische Durchforschung der riesigen Radiolarienschätze und weiter
-der Siphonophoren und Tiefsee-Hornschwämme, die die berühmte
-wissenschaftliche Expedition der englischen Korvette »Challenger« in den
-Jahren 1873 bis 1876 gesammelt und deren Bearbeitung die englische
-Regierung Haeckel anvertraut hatte. Zehn Jahre mühsamer Arbeit
-verflossen, bis das neue große _Radiolarienwerk_ (2750 Seiten Text und
-140 Tafeln) zum Abschluß gebracht war, zwei weitere Jahre, bis auch das
-»_System der Siphonophoren_« (mit 50 Farbendrucktafeln) und die
-»_Tiefsee-Hornschwämme_« (mit 8 Tafeln) erscheinen konnten. Besonders
-das Radiolarienwerk ist bewundernswert. 810 Arten waren bekannt, als
-Haeckel 1877 die Arbeit in Angriff nahm; als er zehn Jahre später den
-Abschlußstrich machte, hatte er 3508 neue Arten hinzuentdeckt! Alle
-diese zauberhaft schönen, mikroskopisch kleinen Meeresgeschöpfe hatte
-sein Ordnungssinn nicht nur benannt und beschrieben, sondern nach
-wissenschaftlichen Grundsätzen auch übersichtlich gruppiert und nach
-Verwandtschaftsgraden in ein System von 85 Familien, 20 Ordnungen, 4
-Legionen und 2 Unterklassen gebracht. Welch beispielloses Gedächtnis,
-welch kritisches Unterscheidungsvermögen war dazu nötig! Und welch ein
-künstlerisch geschulter Blick war erforderlich, um die subtilen und
-schwierigen Formen dann auch im Bilde noch festzuhalten! Nur einmal noch
-in seinem späteren Leben gelang ihm ein gleich phänomenales Werk, wenn
-auch anderer Art: die dreibändige »_Systematische Phylogenie_«, der
-Entwurf eines natürlichen Systems der Organismen auf Grund ihrer
-Stammesgeschichte, der 1896 vollendet wurde. »Man mag im einzelnen, ja
-in Hauptpunkten verschiedener Ansicht sein,« sagt darüber der Züricher
-Zoologe Professor Arnold Lang, »aber staunend und bewundernd müssen wir
-stehen vor diesem Werke, staunend über die ungeheure Fülle des Wissens,
-die sich in diesem Umfange vielleicht nie mehr in einem Kopfe vereinigen
-wird, bewundernd vor der geistigen Arbeit, mit welcher einerseits die
-unzähligen Einzelerscheinungen verknüpft werden und anderseits der ganze
-riesige Stoff in formal vollendeter Weise übersichtlich gegliedert
-wird.«
-
-Von allen diesen hervorragenden Gaben des unermüdlichen Spezialforschers
-und Detailarbeiters Haeckel weiß in der Regel der Laie nichts oder so
-gut wie nichts. Für ihn kommt zunächst nur der »populäre« Verfasser der
-»Natürlichen Schöpfungsgeschichte«, der »_Welträtsel_« und
-»_Lebenswunder_« in Frage. Zumal der Verfasser der »Welträtsel«, der
-sich vermaß, über irdische und himmlische Dinge so temperamentvoll sein
-Urteil abzugeben. Höchstens daß dieser und jener auch noch das
-verdienstvolle Tafelwerk der »_Kunstformen der Natur_« kennt, in dem vom
-Standpunkt des Ästhetikers die wundersamen Kunstgebilde der Radiolarien,
-Schwämme, Siphonophoren usw., aber auch die aus der höheren Tier- und
-Pflanzenwelt als vorbildlicher Ornamentenschatz für das moderne
-Kunstgewerbe zusammengestellt sind. Kein Wunder deshalb, daß man auch
-unter Gebildeten vielfach den schiefsten und ungerechtesten Urteilen
-begegnet, sobald einmal auf Haeckel und dessen Wirken und Schaffen die
-Rede kommt.
-
-Allein schon die rein quantitative Arbeitsleistung dieses Mannes muß mit
-Bewunderung erfüllen. Wenn man erwägt, daß außer den genannten populären
-und wissenschaftlichen Werken, die er von Auflage zu Auflage stets neu
-zu bearbeiten und zu verbessern bestrebt war, noch eine Menge kleinerer
-Aufsätze und Abhandlungen seiner Feder entflossen sind, und daß neben
-all diesem noch seine Lehrtätigkeit an der Jenaer Hochschule und seine
-alljährlichen Forschungsreisen einhergingen, so muß angesichts solcher
-Schaffenskraft selbst den Arbeitsfreudigsten ein gelindes Gruseln
-anwehen. Hinzu kommt aber noch, daß Haeckel auch die Originale seiner
-wundervollen Farbendrucktafeln, von denen allein die großen Monographien
-rund 360 an der Zahl aufweisen, großenteils selbst aquarelliert hat,
-wobei ihm sein hochentwickeltes Zeichen- und Maltalent sehr zustatten
-kam.
-
-Wie sehr übrigens Haeckel stets Forscher und Künstler in einer Person
-war, das zeigen am besten seine weit über tausend farbenprächtigen
-»_Wanderbilder_«, von denen ein kleiner Teil unter diesem Titel
-erschienen ist. Wohin seine Forschungsreisen ihn immer auch führten --
-und er hat mehr als dreißig in seinem Leben gemacht -- immer und überall
-war das Malzeug sein Weggefährte. Hatte die Feder ihr Pensum vollendet
-oder fühlte der Forscher sich abgespannt von der mühsamen zoologischen
-Facharbeit, so dürstete die Seele des Künstlers, des Ästhetikers dann um
-so glühender nach einem Trunk aus dem sprudelnden Quell der Gesamtnatur,
-und er ruhte nicht eher, als bis er ihr irgendein Stück ihrer Schönheit
-mit Stift oder Pinsel entwunden hatte. Auf dem blauen Meer wie auf
-ragenden Berggipfeln, unter den sengenden Strahlen der Tropensonne wie
-im Schatten des Urwalddickichts, in den russischen Steppen wie im
-nordischen Fjord -- allüberall war der nimmersatte Schönheitssucher in
-Haeckel dem Forscher ein steter Begleiter. Seine mit Hildebrandtscher
-Farbenglut gemalten Wanderbilder muß man gesehen, seine formvollendeten
-reichillustrierten Reisebücher »_Arabische Korallen_«, »_Indische
-Reisebriefe_« und »_Aus Insulinde_« muß man gelesen haben, um seinen
-heiligen Enthusiasmus für alles Wahre, Schöne und Gute dem ganzen
-Umfange nach zu begreifen.
-
-In wundervoller Geschlossenheit liegt heute das arbeits- und
-früchtereiche Lebenswerk Haeckels vor unseren Augen, das Lebenswerk
-eines Forschers, Künstlers und Philosophen. Und das eines Kämpfers, wie
-man hinzufügen darf. Niemand kann leugnen, daß er bei all seiner
-Genialität recht oft auch gefehlt hat wie ein ganz sterblicher Mensch,
-daß ihm sein heißes Temperament oft die Sehweite kürzte und daß seine
-Philosophie, seine Weltanschauung an Lücken und Schwächen nicht arm ist.
-Jeder hat die Philosophie, die in ihm ist. Er hat die seine, die aus dem
-fruchtbaren Boden der Erfahrungswissenschaften hervorgewachsen und
-deshalb allen rein spekulativen Erkenntnistheorien wenig hold ist. Er
-hat sie zum Abschluß gebracht und ist glücklich darin. Ihm ist es genug,
-das Unerforschte so in die Enge getrieben zu haben, daß es sich wie von
-selbst ihm ergeben muß. Aber niemand, der wirklich sein Lebenswerk
-kennt, kann auch leugnen, daß Haeckels ganze fünfzigjährige
-Beschäftigung mit der Natur und Hingebung an die Natur, daß sein ganzes
-Forschen und Denken nichts anderes war als ein Ausfluß religiösen
-Sehnens, als Herzenssache, Gemütssache. Ihm, der der Wahrheit um ihrer
-selbst willen nachspürte, war ganz notwendig das Wahre identisch mit dem
-Göttlichen.
-
-Ernst Haeckel kann, wenn er die Inventur seines Lebens macht, wohl
-zufrieden sein. Das höchste Glück der Erdenkinder hat er erreicht und
-gewährt: das Glück der Persönlichkeit, und seinen Namen hat er mit
-unvergänglichen Lettern tief eingegraben in die Annalen der
-Menschheitsgeschichte. »Spätere Generationen«, sagt Wilhelm Bölsche, auf
-dessen ausgezeichnete Biographie des Gelehrten der Leser ausdrücklich
-verwiesen sei, »werden uns um einen Mann wie Haeckel beneiden. Von
-anderen wird man Folianten wälzen, zum Nachschlagen, ohne auf das
-Titelblatt mit dem Namen zu achten. Bei ihm wird man den Namen suchen.
-Von seiner geistigen Persönlichkeit wird man sich erzählen. Daß man mit
-ihm streiten konnte, wird man verstehen. Daß Zeitgenossen seine Größe
-nicht sahen -- dafür wird man nur ein Achselzucken haben.«
-
- * * * * *
-
-Die sechs kurzen Abschnitte aus einigen der bedeutendsten
-gemeinverständlichen Werke Ernst Haeckels, die dieses Sammelbändchen
-vereinigt, vermögen natürlich nur einen schwachen Begriff von der
-wissenschaftlichen Gesamtleistung des berühmten Naturforschers zu
-vermitteln. Wenn sie dem einen oder anderen Welträtsel-Leser, dem einen
-oder anderen für Fragen der Naturwissenschaft Interessierten zum Anlaß
-werden, die Werke selbst in die Hand zu nehmen, ist ihr Hauptzweck
-erreicht. Nichtsdestoweniger ist zu erwarten, daß die Lektüre der
-einzelnen Kapitel auch an und für sich jedem Leser genußreiche und
-anregende Stunden bescheren wird.
-
-Die ersten beiden Abschnitte »Inhalt und Bedeutung der Abstammungslehre«
-und »Schöpfungsperioden und Schöpfungsurkunden« sind der »Natürlichen
-Schöpfungsgeschichte« (11. Auflage, 1911, Verlag von Georg Reimer in
-Berlin) entnommen. Es sind zwei von den dreißig darin vereinigten
-Vorträgen über die Entwicklungslehre im allgemeinen und die von Darwin,
-Goethe und Lamarck im besonderen, Vorträge, die selbst dem ohne jede
-wissenschaftliche Vorbildung an sie herantretenden Laien verständlich
-sind. Der dritte Abschnitt über »Die Gasträatheorie« dagegen will schon
-ein bißchen »studiert« sein, wie klar und anschaulich Haeckel das
-schwierige Thema auch zu behandeln verstanden hat. Wenn wir unter den
-dreißig Vorträgen der »Anthropogenie oder Entwicklungsgeschichte des
-Menschen« (6. Auflage, 1911. Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig)
-gerade diesen zum Abdruck erwählten, so geschah es, weil er im Rahmen
-des zweibändigen Werkes noch wiederum ein Stück besonderen Eigenwerks
-darstellt, insofern Ernst Haeckel selbst, wie schon ausgeführt wurde,
-der Entdecker der bedeutsamen Gasträatheorie ist. Der Abschnitt
-»Erfahrung und Erkenntnis«, in dem der Verfasser im Anschluß an
-Schleiden und Johannes Müller ein für allemal programmatisch seinen
-Standpunkt zur Naturphilosophie festlegte, entstammt der 1866
-erschienenen »Generellen Morphologie« (von der ein teilweiser,
-unveränderter Abdruck unter dem Titel »Prinzipien der Generellen
-Morphologie der Organismen« 1906 bei Georg Reimer herausgekommen ist),
-der Abschnitt »Arabische Korallen« dem kleinen, durch zahlreiche
-Abbildungen und farbenfreudige Aquarell-Reproduktionen geschmückten
-Prachtbande gleichen Titels, in dem Ernst Haeckel 1875 seinen Ausflug
-nach den Korallenbänken des Roten Meeres beschrieb, zugleich einen Blick
-in das Leben der Korallentiere erschließend (Verlag von Georg Reimer).
-In dieser unübertrefflich lebendigen Schilderung, nicht minder in der
-ihr folgenden über »Brussa und den asiatischen Olymp«, kommt neben dem
-Naturforscher in Haeckel vor allem der feinempfindende Ästhetiker zur
-Geltung, der schönheitsuchende Künstler wie der Meister des Worts.
-
-Für die Erlaubnis zur Wiedergabe des Aufsatzes über »Brussa«, der 1875
-in der Deutschen Rundschau erschien und seitdem nicht wieder abgedruckt
-wurde, bin ich Sr. Exzellenz Herrn Geheimrat Haeckel zu besonderem Danke
-verpflichtet, für die Genehmigung zum Nachdruck der übrigen Abschnitte
-außerdem den Herren Verlagsbuchhändlern Dr. de Gruyter (i. Fa.: Georg
-Reimer) und Wilhelm Engelmann.
-
-_Leipzig_, Ostern 1912.
-
- Carl W. Neumann.
-
-
-
-
- Natur und Mensch.
-
-
-
-
-
- I.
- Inhalt und Bedeutung der
- Abstammungslehre.
-
-
-Die geistige Bewegung, zu welcher der englische Naturforscher Charles
-Darwin im Jahre 1859 durch sein berühmtes Werk »Über die Entstehung der
-Arten«[1] den Anstoß gab, hat während des seitdem verflossenen kurzen
-Zeitraums eine beispiellose Tiefe und Ausdehnung gewonnen. Allerdings
-ist die in jenem Werke dargestellte naturwissenschaftliche Theorie
-(gewöhnlich kurzweg die Darwinsche Theorie oder der Darwinismus genannt)
-nur ein Bruchteil einer viel umfassenderen Wissenschaft, nämlich der
-universalen Entwicklungslehre, welche ihre unermeßliche Bedeutung über
-das ganze Gebiet aller menschlichen Erkenntnis erstreckt. Allein die Art
-und Weise, in welcher Darwin die letztere durch die erstere fest
-begründet hat, ist so überzeugend, und die entscheidende Wendung, welche
-durch die notwendigen Folgeschlüsse jener Theorie in der gesamten
-Weltanschauung der Menschheit angebahnt worden ist, muß jedem tiefer
-denkenden Menschen so gewaltig erscheinen, daß man ihre allgemeine
-Bedeutung nicht hoch genug anschlagen kann. Ohne Zweifel muß diese
-ungeheure Erweiterung unseres menschlichen Gesichtskreises unter allen
-den zahlreichen und großartigen wissenschaftlichen Fortschritten unserer
-Zeit als der bei weitem folgenschwerste und wichtigste angesehen werden.
-
-[Fußnote 1: Universal-Bibliothek Nr. 3071-76.]
-
-Wenn man das 19. Jahrhundert mit Recht das Zeitalter der
-Naturwissenschaften nennt, wenn man mit Stolz auf die unermeßlich
-bedeutenden Fortschritte in allen Zweigen derselben blickt, so pflegt
-man dabei gewöhnlich weniger an die Erweiterung unserer allgemeinen
-Naturerkenntnis, als vielmehr an die unmittelbaren praktischen Erfolge
-jener Fortschritte zu denken. Man erwägt dabei die völlige und unendlich
-folgenreiche Umgestaltung des menschlichen Verkehrs, welche durch das
-entwickelte Maschinenwesen, durch die Eisenbahnen, Dampfschiffe,
-Telegraphen, Telephone und andere Erfindungen der Physik hervorgebracht
-worden ist. Oder man denkt an den mächtigen Einfluß, welchen die Chemie
-in der Heilkunst, in der Landwirtschaft, in allen Künsten und Gewerben
-gewonnen hat. Wie hoch Sie aber auch diese Einwirkung der neueren
-Naturwissenschaft auf das praktische Leben anschlagen mögen, so muß
-dieselbe, von einem höheren und allgemeineren Standpunkt aus gewürdigt,
-doch hinter dem ungeheuren Einfluß zurückstehen, welchen die
-theoretischen Fortschritte der heutigen Naturwissenschaft auf das
-gesamte Erkenntnisgebiet des Menschen, auf seine ganze Weltanschauung
-und Geistesbildung notwendig ausüben. Denken Sie nur an den
-unermeßlichen Umschwung aller unserer theoretischen Anschauungen,
-welchen wir der allgemeinen Anwendung des Mikroskops verdanken. Denken
-Sie allein an die Zellentheorie, die uns die scheinbare Einheit des
-menschlichen Organismus als das zusammengesetzte Resultat aus der
-staatlichen Verbindung von Milliarden elementarer Lebenseinheiten, der
-Zellen, nachweist. Oder erwägen Sie die ungeheure Erweiterung unseres
-theoretischen Gesichtskreises, welche wir der Spektralanalyse, der Lehre
-von der Wärmemechanik und von der Erhaltung der Kraft verdanken. Unter
-allen diesen bewunderungswürdigen theoretischen Fortschritten nimmt aber
-jedenfalls unsere heutige Entwicklungslehre bei weitem den höchsten Rang
-ein.
-
-Jeder von Ihnen wird den Namen Darwin gehört haben, aber die meisten
-werden wahrscheinlich nur unvollkommene Vorstellungen von dem
-eigentlichen Werte seiner Lehre besitzen. Denn wenn man alles
-vergleicht, was seit dem Erscheinen seines epochemachenden Hauptwerks
-über dasselbe geschrieben worden ist, so muß demjenigen, der sich nicht
-näher mit den organischen Naturwissenschaften befaßt hat, der nicht in
-die inneren Geheimnisse der Zoologie und Botanik eingedrungen ist, der
-Wert jener Theorie doch zweifelhaft erscheinen. Die Beurteilung
-derselben ist voll von Widersprüchen und Mißverständnissen. Daher hat
-selbst jetzt, fünfzig Jahre nach dem Erscheinen von Darwins Werk,
-dasselbe noch nicht allgemein diejenige volle Bedeutung erlangt, welche
-ihm von Rechts wegen gebührt, und welche es jedenfalls früher oder
-später erlangen wird. Die meisten von den zahllosen Schriften, welche
-für und gegen den Darwinismus während dieses Zeitraums veröffentlicht
-wurden, lassen den erforderlichen Grad von biologischer, und besonders
-von zoologischer Bildung vermissen. Obwohl jetzt alle bedeutenden
-Naturforscher der Gegenwart zu den Anhängern jener Theorie gehören,
-haben doch nur wenige derselben Geltung und Verständnis in weiteren
-Kreisen zu verschaffen gesucht. Daher rühren die befremdenden
-Widersprüche und die seltsamen Urteile, die man noch heute vielfach über
-den Darwinismus hören kann. Gerade dieser Umstand hat mich vorzugsweise
-bestimmt, die Darwinsche Theorie und die damit zusammenhängenden
-weiteren Lehren zum Gegenstand allgemein verständlicher Vorträge zu
-machen. Ich halte es für die Pflicht der Naturforscher, daß sie nicht
-allein in dem engeren Kreise ihrer Fachwissenschaft auf Verbesserungen
-und Entdeckungen sinnen, daß sie sich nicht allein in das Studium des
-Einzelnen mit Liebe und Sorgfalt vertiefen, sondern daß sie auch die
-wichtigen, allgemeinen Ergebnisse ihrer besonderen Studien für das Ganze
-nutzbar machen, und daß sie naturwissenschaftliche Bildung in weiten
-Kreisen verbreiten helfen. Der höchste Triumph des menschlichen Geistes,
-die wahre Erkenntnis der allgemeinsten Naturgesetze, darf nicht das
-Privateigentum einer privilegierten Gelehrtenkaste bleiben, sondern muß
-segensreiches Gemeingut der ganzen gebildeten Menschheit werden.
-
-Die Theorie, welche durch Darwin an die Spitze unserer Naturerkenntnis
-gestellt worden ist, pflegt man gewöhnlich als Abstammungslehre oder
-Deszendenztheorie zu bezeichnen. Andere nennen sie Umbildungslehre oder
-Transmutationstheorie oder auch kurz: Transformismus. Beide
-Bezeichnungen sind richtig. Denn diese Lehre behauptet, daß alle
-verschiedenen Organismen (d. h. alle Tierarten und Pflanzenarten, welche
-jemals auf der Erde gelebt haben, und noch jetzt leben) von einer
-einzigen oder von wenigen höchst einfachen Stammformen abstammen, und
-daß sie sich aus diesen auf dem natürlichen Wege allmählicher Umbildung
-langsam entwickelt haben. Obwohl diese Entwicklungstheorie schon im
-Anfange unseres Jahrhunderts von verschiedenen großen Naturforschern,
-insbesondere von Lamarck und Goethe, aufgestellt und verteidigt wurde,
-hat sie doch erst im Jahre 1859 durch Darwin ihre vollständige
-Ausbildung und ihre ursächliche Begründung erfahren. Dies ist der Grund,
-weshalb sie oft ausschließlich (obwohl nicht ganz richtig) als Darwins
-Theorie bezeichnet wird.
-
-Der unschätzbare Wert der Abstammungslehre erscheint in verschiedenem
-Lichte, je nachdem Sie bloß deren nähere Bedeutung für die organische
-Naturwissenschaft, oder aber ihren weiteren Einfluß auf die gesamte
-Welterkenntnis des Menschen in Betracht ziehen. Die organische
-Naturwissenschaft oder die Biologie, welche als Zoologie die Tiere, als
-Botanik die Pflanzen zum Gegenstand ihrer Erkenntnis hat, wird durch die
-Abstammungslehre von Grund aus umgestaltet. Denn durch die
-Deszendenztheorie lernen wir die wahren wirkenden Ursachen der
-organischen Formerscheinungen erkennen, während die bisherige Tier- und
-Pflanzenkunde sich überwiegend mit der Kenntnis ihrer Tatsachen
-beschäftigte. Man kann daher auch die Abstammungslehre als die
-mechanische Erklärung der organischen Form-Erscheinungen oder als »die
-Lehre von den wahren Ursachen in der organischen Natur« bezeichnen.
-
-Da ich nicht voraussetzen kann, daß Ihnen allen die Ausdrücke
-»organische und anorganische Natur« geläufig sind, und da uns die
-Gegenüberstellung dieser beiderlei Naturkörper in der Folge noch
-vielfach beschäftigen wird, so muß ich ein paar Worte zur Verständigung
-darüber vorausschicken. Organismen oder organische Naturkörper nennen
-wir alle Lebewesen oder belebten Körper, also alle Pflanzen und Tiere,
-den Menschen mit inbegriffen, weil bei ihnen fast immer eine
-Zusammensetzung aus verschiedenartigen Teilen (Werkzeugen oder
-»Organen«) nachzuweisen ist; diese Organe müssen zusammenwirken, um die
-Lebenserscheinungen hervorzubringen. Eine solche Zusammensetzung
-vermissen wir dagegen bei den Anorganen oder anorganischen Naturkörpern,
-den sogenannten toten oder unbelebten Körpern, den Mineralien oder
-Gesteinen, dem Wasser, der atmosphärischen Luft usw. Die Organismen
-enthalten stets eiweißartige Kohlenstoffverbindungen in weichem oder
-»festflüssigem« Zustande, während diese den Anorganen stets fehlen. Auf
-diesem wichtigen Unterschiede beruht die Einteilung der gesamten
-Naturwissenschaft in zwei große Hauptabteilungen, in die Biologie oder
-Wissenschaft von den Organismen (Anthropologie, Zoologie und Botanik)
-und die Anorgologie oder Abiologie, die Wissenschaft von den Anorganen
-(Mineralogie, Geologie, Hydrographie, Meteorologie usw.).
-
-Die unvergleichliche Bedeutung der Abstammungslehre für die Biologie
-liegt also vorzugsweise darin, daß sie uns die Entstehung der
-organischen Formen auf mechanischem Wege erklärt und deren wirkende
-Ursachen nachweist. So hoch man aber auch mit Recht dieses Verdienst der
-Deszendenztheorie anschlagen mag, so tritt dasselbe doch fast zurück vor
-der unermeßlichen Wichtigkeit, welche eine einzige notwendige Folgerung
-derselben für sich allein in Anspruch nimmt. Diese unvermeidliche
-Folgerung ist die Lehre von der tierischen Abstammung des
-Menschengeschlechts.
-
-Die Bestimmung der Stellung des Menschen in der Natur und seiner
-Beziehungen zur Gesamtheit der Dinge, diese Frage aller Fragen für die
-Menschheit, wie sie Huxley mit Recht genannt hat, wird durch jene
-Erkenntnis der tierischen Abstammung des Menschengeschlechts endgültig
-gelöst. Wir gelangen also durch den Transformismus oder die
-Deszendenztheorie zum erstenmal in die Lage, eine natürliche
-Entwicklungsgeschichte des Menschengeschlechts wissenschaftlich
-begründen zu können. Sowohl alle Verteidiger als alle denkenden Gegner
-Darwins haben anerkannt, daß die Abstammung des Menschengeschlechts
-zunächst von affenartigen Säugetieren, weiterhin aber von niederen
-Wirbeltieren, mit Notwendigkeit aus seiner Theorie folgt.
-
-Allerdings hat Darwin diese wichtigste von allen Folgerungen seiner
-Lehre nicht sofort selbst ausgesprochen. In seinem Werke von der
-»Entstehung der Arten« ist die tierische Abstammung des Menschen nicht
-erörtert. Der ebenso vorsichtige als kühne Naturforscher ging damals
-absichtlich mit Stillschweigen darüber hinweg, weil er voraussah, daß
-dieser bedeutendste von allen Folgeschlüssen der Abstammungslehre
-zugleich das größte Hindernis für die Verbreitung und Anerkennung
-derselben sein werde. Gewiß hätte Darwins Buch von Anfang an noch weit
-mehr Widerspruch und Ärgernis erregt, wenn sogleich diese wichtigste
-Konsequenz darin klar ausgesprochen worden wäre. Erst zwölf Jahre
-später, in dem 1871 erschienenen Werke über »Die Abstammung des Menschen
-und die geschlechtliche Zuchtwahl«[2] hat Darwin jenen weitreichendsten
-Folgeschluß offen anerkannt, und ausdrücklich seine volle
-Übereinstimmung mit den Naturforschern erklärt, welche denselben
-inzwischen schon selbst gezogen hatten. Offenbar ist die Tragweite
-dieser Folgerung ganz unermeßlich, und keine Wissenschaft wird sich den
-Konsequenzen derselben entziehen können. Die Anthropologie oder die
-Wissenschaft vom Menschen, und infolgedessen auch die ganze Philosophie,
-wird in allen einzelnen Zweigen dadurch von Grund aus umgestaltet.
-
-[Fußnote 2: Universal-Bibliothek Nr. 3216-25.]
-
-Um es mit einem Satze auszudrücken, so ist jene bedeutungsvolle, aber
-die meisten Menschen von vornherein abstoßende Folgerung nichts weiter
-als ein besonderer Deduktionsschluß, den wir aus dem sicher begründeten
-allgemeinen Induktionsgesetze der Deszendenztheorie nach den strengen
-Geboten der unerbittlichen Logik notwendig ziehen müssen.
-
-Vielleicht ist nichts geeigneter, Ihnen die ganze und volle Bedeutung
-der Abstammungslehre mit zwei Worten klarzumachen, als die Bezeichnung
-derselben mit dem Ausdruck: »Natürliche Schöpfungsgeschichte«. Jedoch
-ist dieselbe nur in einem gewissen Sinne richtig; denn streng genommen
-schließt der Ausdruck »natürliche Schöpfungsgeschichte« einen inneren
-Widerspruch, eine ^contradictio in adjecto^ ein. Lassen Sie uns, um dies
-zu verstehen, einen Augenblick den zweideutigen Begriff der Schöpfung
-etwas näher ins Auge fassen. Wenn man unter Schöpfung die Entstehung
-eines Körpers durch eine schaffende Gewalt oder Kraft versteht, so kann
-man dabei entweder an die Entstehung seines Stoffes (der körperlichen
-Materie) oder an die Entstehung seiner Form (der körperlichen Gestalt)
-denken.
-
-Die Schöpfung im ersteren Sinne, als die Entstehung der Materie, geht
-uns hier gar nichts an. Dieser Vorgang, wenn er überhaupt jemals
-stattgefunden hat, ist gänzlich der menschlichen Erkenntnis entzogen, er
-kann daher auch niemals Gegenstand naturwissenschaftlicher Erforschung
-sein. Die Naturwissenschaft hält die Materie für ewig und unvergänglich,
-weil durch die Erfahrung noch niemals das Entstehen oder Vergehen auch
-nur des kleinsten Teilchens der Materie nachgewiesen worden ist. Da wo
-ein Naturkörper zu verschwinden scheint, wie z. B. beim Verbrennen, beim
-Verwesen, beim Verdunsten usw., da ändert er nur seine Form, seinen
-physikalischen Aggregatzustand oder seine chemische Verbindungsweise.
-Ebenso beruht die Entstehung eines neuen Naturkörpers, z. B. eines
-Kristalles, eines Pilzes, eines Infusoriums nur darauf, daß
-verschiedene Stoffteilchen, welche vorher in einer gewissen Form
-oder Verbindungsweise existierten, infolge von veränderten
-Existenzbedingungen eine neue Form oder Verbindungsweise annehmen. Aber
-noch niemals ist der Fall beobachtet worden, daß auch nur das kleinste
-Stoffteilchen aus der Welt verschwunden, oder nur ein Atom zu der
-bereits vorhandenen Masse hinzugekommen wäre. Der Naturforscher kann
-sich daher ein Entstehen der Materie ebensowenig als ein Vergehen
-derselben vorstellen; er betrachtet die in der Welt bestehende Quantität
-der Materie als eine gegebene feste Tatsache. Fühlt jemand das
-Bedürfnis, sich die Entstehung dieser Materie als die Wirkung einer
-übernatürlichen Schöpfungstätigkeit, einer außerhalb der Materie
-stehenden schöpferischen Kraft vorzustellen, so haben wir nichts
-dagegen. Aber wir müssen bemerken, daß damit auch nicht das geringste
-für eine wissenschaftliche Naturkenntnis gewonnen ist. Eine solche
-Vorstellung von einer immateriellen Kraft, welche die Materie erst
-schafft, ist ein Glaubensartikel, welcher mit der menschlichen
-Wissenschaft gar nichts zu tun hat. Wo der mystische Glaube anfängt,
-hört die echte Wissenschaft auf. Beide Tätigkeiten des menschlichen
-Geistes sind scharf voneinander zu halten. Der Glaube an übernatürliche
-Vorgänge hat seinen Ursprung in der dichtenden Einbildungskraft, das
-klare Wissen dagegen in dem erkennenden Verstande des Menschen. Die
-Wissenschaft hat die segenbringenden Früchte von dem Baume der
-Erkenntnis zu pflücken, unbekümmert darum, ob dadurch die dichterischen
-Einbildungen der Glaubenschaft beeinträchtigt werden oder nicht.
-
-Wenn also die Naturwissenschaft sich die »natürliche
-Schöpfungsgeschichte« zu ihrer höchsten, schwersten und lohnendsten
-Aufgabe macht, so kann sie den Begriff der Schöpfung nur in der zweiten,
-oben angeführten Bedeutung verstehen, als die Entstehung der Form
-der Naturkörper. In diesem Sinne kann man die Geologie die
-Schöpfungsgeschichte der Erde nennen; denn sie sucht die Entstehung der
-geformten anorganischen Erdoberfläche und die mannigfaltigen
-geschichtlichen Veränderungen in der Gestalt der festen Erdrinde zu
-erforschen. Ebenso kann man die Entwicklungsgeschichte der Tiere und
-Pflanzen, welche die Entstehung der belebten Formen und den
-mannigfaltigen historischen Wechsel der tierischen und pflanzlichen
-Gestalten untersucht, die Schöpfungsgeschichte der Organismen nennen. Da
-jedoch in den Begriff der Schöpfung sich immer leicht die
-unwissenschaftliche Vorstellung von einem außerhalb der Materie
-stehenden und dieselbe umbildenden Schöpfer einschleicht, so wird es in
-Zukunft wohl besser sein, denselben durch die strengere Bezeichnung der
-Entwicklung zu ersetzen.
-
-Der hohe Wert, welchen die Entwicklungsgeschichte für das
-wissenschaftliche Verständnis der Tier- und Pflanzenformen besitzt, ist
-seit einem halben Jahrhundert allgemein anerkannt; man kann ohne sie in
-der organischen Morphologie oder Formenlehre keinen sicheren Schritt
-mehr tun. Jedoch hat man vor 1866 unter Entwicklungsgeschichte nur einen
-Teil dieser Wissenschaft, nämlich diejenige der organischen Individuen
-oder Einzelwesen verstanden, die sogenannte Embryologie, richtiger und
-umfassender _Ontogenie_ genannt. Außer dieser gibt es aber auch noch
-eine Entwicklungsgeschichte der organischen Arten, Klassen und Stämme
-(Phylen); und diese steht zu der ersteren in den wichtigsten
-Beziehungen. Das Material dafür liefert die Versteinerungskunde oder
-Paläontologie. Diese lehrt uns, daß jedes organische Phylum, jeder Stamm
-des Tier- und Pflanzenreichs, während der verschiedenen Perioden der
-Erdgeschichte durch eine Reihe von ganz verschiedenen Klassen und Arten
-vertreten wird. So ist z. B. der Stamm der Wirbeltiere durch die Klassen
-der Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere vertreten und
-jede dieser Klassen zu verschiedenen Zeiten durch ganz verschiedene
-Arten. Diese paläontologische Entwicklungsgeschichte der Organismen kann
-man als Stammesgeschichte oder _Phylogenie_ bezeichnen; sie steht in den
-wichtigsten und merkwürdigsten Beziehungen zu dem anderen Zweige der
-organischen Entwicklungsgeschichte, zur Keimesgeschichte oder Ontogenie.
-Die letztere läuft der ersteren im großen und ganzen parallel. Um
-es kurz mit einem Satze zu sagen, so ist die individuelle
-Entwicklungsgeschichte eine schnelle, durch die Gesetze der Vererbung
-und Anpassung bedingte Wiederholung der langsamen paläontologischen
-Entwicklungsgeschichte; die Ontogenie ist ein kurzer Auszug oder eine
-Rekapitulation der Phylogenie. Das ist unser _biogenetisches
-Grundgesetz_ (1866), das einzig und allein durch die Abstammungslehre
-erklärt und in seinen Ursachen verstanden werden kann; ohne dieselbe
-bleibt es ganz unverständlich und unerklärlich.
-
-Die Deszendenztheorie zeigt uns zugleich, _warum_ überhaupt die
-einzelnen Tiere und Pflanzen sich entwickeln müssen, _warum_ dieselben
-nicht gleich in fertiger und entwickelter Form ins Leben treten. Keine
-übernatürliche Schöpfungsgeschichte vermag uns das große Rätsel der
-organischen Entwicklung irgendwie zu erklären. Ebenso wie auf diese
-hochwichtige Frage gibt uns der Transformismus auch auf alle anderen
-allgemeinen biologischen Fragen befriedigende Antworten, und zwar sind
-diese Antworten rein mechanisch-kausaler Natur; sie weisen lediglich
-natürliche, physikalisch-chemische Kräfte als die Ursachen von
-Erscheinungen nach, die man früher gewohnt war, der unmittelbaren
-Einwirkung übernatürlicher, schöpferischer Kräfte zuzuschreiben. Mithin
-entfernt der Transformismus aus allen Gebietsteilen der Botanik und
-Zoologie, und namentlich auch aus dem wichtigsten Teile der letzteren,
-aus der Anthropologie, den Wunderglauben; er lüftet den mystischen
-Schleier des Wunderbaren und Übernatürlichen, mit welchem man bisher die
-verwickelten Erscheinungen dieser natürlichen Erkenntnisgebiete zu
-verhüllen liebte. Das unklare Nebelbild mythologischer Dichtung kann vor
-dem klaren Sonnenlicht naturwissenschaftlicher Erkenntnis nicht länger
-bestehen.
-
-Von ganz besonderem Interesse sind unter jenen biologischen
-Erscheinungen diejenigen, welche die gewöhnliche Annahme von der
-Entstehung eines jeden Organismus durch eine zweckmäßig bauende
-Schöpferkraft widerlegen. Nichts hat in dieser Beziehung der früheren
-Naturforschung so große Schwierigkeiten verursacht, als die Deutung der
-sogenannten »_rudimentären Organe_«, derjenigen Teile im Tier- und
-Pflanzenkörper, welche eigentlich ohne Leistung, ohne physiologische
-Bedeutung, und dennoch formell vorhanden sind. Diese Teile verdienen das
-allerhöchste Interesse, obwohl die meisten Leute wenig oder nichts davon
-wissen. Fast jeder höher entwickelte Organismus, fast jedes Tier und
-jede Pflanze, besitzt neben den scheinbar zweckmäßigen Einrichtungen
-seiner Organisation andere Einrichtungen, die durchaus keinen Zweck,
-keine Funktion in dessen Leben haben können.
-
-Beispiele davon finden sich überall. Bei den Embryonen mancher
-Wiederkäuer, unter anderen bei unserem gewöhnlichen Rindvieh, stehen
-Schneidezähne im Zwischenkiefer der oberen Kinnlade, welche niemals zum
-Durchbruch gelangen, also auch keinen Zweck haben. Die Embryonen mancher
-Walfische, welche späterhin die bekannten Barten statt der Zähne
-besitzen, tragen, solange sie noch nicht geboren sind und keine Nahrung
-zu sich nehmen, dennoch zahlreiche Zähne in ihren Kiefern; auch dieses
-Gebiß tritt niemals in Tätigkeit. Ferner besitzen die meisten höheren
-Tiere Muskeln, die nie zur Anwendung kommen; selbst der Mensch besitzt
-solche rudimentäre Muskeln. Die meisten von uns sind nicht fähig, ihre
-Ohren willkürlich zu bewegen, obwohl die Muskeln für diese Bewegung
-vorhanden sind; aber einzelnen Personen, die sich andauernd Mühe geben,
-diese Muskeln zu üben, ist es in der Tat gelungen, ihre Ohren wieder in
-Bewegung zu setzen. In diesen noch jetzt vorhandenen, aber verkümmerten
-Organen, welche dem vollständigen Verschwinden entgegengehen, ist es
-noch möglich, durch besondere Übung, durch andauernden Einfluß der
-Willenstätigkeit des Nervensystems, die beinahe erloschene Tätigkeit
-wieder zu beleben. Dagegen vermögen wir dies nicht mehr in den kleinen
-rudimentären Ohrmuskeln, welche noch am Knorpel unserer Ohrmuschel
-vorkommen; diese bleiben immer völlig wirkungslos. Bei unseren
-langohrigen Vorfahren aus der Tertiärzeit, Affen, Halbaffen und
-Beuteltieren, welche gleich den meisten anderen Säugetieren ihre große
-Ohrmuschel frei und lebhaft bewegten, waren jene Muskeln viel stärker
-entwickelt und von großer Bedeutung. So haben in gleicher Weise auch
-viele Spielarten der Hunde und Kaninchen, deren wilde Vorfahren ihre
-steifen Ohren vielseitig bewegten, unter dem Einflusse des Kulturlebens
-sich jenes »Ohrenspitzen« abgewöhnt; sie haben dadurch verkümmerte
-Ohrmuskeln und schlaff herabhängende Ohren bekommen.
-
-Auch noch an anderen Stellen seines Körpers besitzt der Mensch solche
-rudimentäre Organe, welche durchaus von keiner Bedeutung für das Leben
-sind und niemals funktionieren. Eines der merkwürdigsten, obwohl
-unscheinbarsten Organe der Art ist die kleine halbmondförmige Falte,
-welche wir am inneren Winkel unseres Auges, nahe der Nasenwurzel
-besitzen, die sogenannte ^Plica semilunaris^. Diese unbedeutende
-Hautfalte bietet für unser Auge gar keinen Nutzen; sie ist nur der ganz
-verkümmerte Rest eines dritten, inneren Augenlides, welches neben dem
-oberen und unteren Augenlide bei anderen Säugetieren, bei Vögeln und
-Reptilien sehr entwickelt ist. Ja sogar schon unsere uralten Vorfahren
-aus der Silurzeit, die Urfische, scheinen dies dritte Augenlid, die
-sogenannte Nickhaut, besessen zu haben. Denn viele von ihren nächsten
-Verwandten, die in wenig veränderter Form noch heute fortleben, viele
-Haifische nämlich, besitzen eine sehr starke Nickhaut, und diese kann
-vom inneren Augenwinkel her über den ganzen Augapfel hinübergezogen
-werden.
-
-Zu den schlagendsten Beispielen von rudimentären Organen gehören die
-Augen, welche nicht sehen. Solche finden sich bei sehr vielen Tieren,
-welche im Dunkeln, z. B. in Höhlen, unter der Erde leben. Die Augen sind
-hier oft wirklich in ausgebildetem Zustande vorhanden; aber sie sind von
-dicker, undurchsichtiger Haut bedeckt, so daß kein Lichtstrahl in sie
-hineinfallen kann, mithin können sie auch niemals sehen. Solche Augen
-ohne Gesichtsfunktion besitzen z. B. mehrere Arten von unterirdisch
-lebenden Maulwürfen und Blindmäusen, von Schlangen und Eidechsen, von
-Amphibien und Fischen; ferner zahlreiche wirbellose Tiere, die im
-Dunkeln ihr Leben zubringen: viele Käfer, Krebstiere, Schnecken, Würmer
-usw.
-
-Eine Fülle der interessantesten Beispiele von rudimentären Organen
-liefert die vergleichende Osteologie oder Skelettlehre der Wirbeltiere,
-einer der anziehendsten Zweige der vergleichenden Anatomie. Bei den
-allermeisten Wirbeltieren finden wir zwei Paar Gliedmaßen am Rumpf, ein
-Paar Vorderbeine und ein Paar Hinterbeine. Sehr häufig ist jedoch das
-eine oder das andere Paar derselben verkümmert, seltener beide, wie bei
-den Schlangen und einigen aalartigen Fischen. Aber einige Schlangen, z.
-B. die Riesenschlangen (^Boa^, ^Python^), haben hinten noch einige
-unnütze Knochenstückchen im Leibe, welche die Reste der verloren
-gegangenen Hinterbeine sind. Ebenso haben die walfischartigen Säugetiere
-(^Cetaceen^), welche nur entwickelte Vorderbeine (Brustflossen)
-besitzen, hinten im Fleische noch ein Paar ganz überflüssige Knochen,
-die Überbleibsel der verkümmerten Hinterbeine. Dasselbe gilt von vielen
-echten Fischen, bei denen in gleicher Weise die Hinterbeine
-(Bauchflossen) verloren gegangen sind. Umgekehrt besitzen unsere
-Blindschleichen (^Anguis^) und einige andere Eidechsen inwendig ein
-vollständiges Schultergerüst, obwohl die Vorderbeine, zu deren
-Befestigung dasselbe dient, nicht mehr vorhanden sind. Ferner finden
-sich bei verschiedenen Wirbeltieren die einzelnen Knochen der beiden
-Beinpaare in allen verschiedenen Stufen der Verkümmerung, und oft die
-rückgebildeten Knochen und die zugehörigen Muskeln stückweise erhalten,
-ohne doch irgendwie eine Verrichtung ausführen zu können. Das Instrument
-ist wohl noch da, aber es kann nicht mehr spielen.
-
-Fast ganz allgemein finden Sie ferner rudimentäre Organe in den
-Pflanzenblüten vor, indem der eine oder der andere Teil der männlichen
-Fortpflanzungsorgane (der Staubfäden und Staubbeutel), oder der
-weiblichen Fortpflanzungsorgane (Griffel, Fruchtknoten usw.) mehr oder
-weniger verkümmert oder »fehlgeschlagen« (abortiert) ist. Auch hier
-können Sie bei verschiedenen, nahe verwandten Pflanzenarten das Organ in
-allen Graden der Rückbildung verfolgen. So z. B. ist die große
-natürliche Familie der lippenblütigen Pflanzen (^Labiaten^), zu welcher
-Melisse, Pfefferminze, Majoran, Gundelrebe, Thymian usw. gehören,
-dadurch ausgezeichnet, daß die rachenförmige zweilippige Blumenkrone
-zwei lange und zwei kurze Staubfäden enthält. Allein bei vielen
-einzelnen Pflanzen dieser Familie, z. B. bei verschiedenen Salbeiarten
-und beim Rosmarin, ist nur das eine Paar der Staubfäden ausgebildet, und
-das andere Paar ist mehr oder weniger verkümmert, oft ganz verschwunden.
-Bisweilen sind die Staubfäden vorhanden, aber ohne Staubbeutel, so daß
-sie keinen Nutzen haben können. Seltener findet sich sogar noch das
-Rudiment oder der verkümmerte Rest eines fünften Staubfadens, ein
-physiologisch (für die Lebensverrichtung) ganz nutzloses, aber
-morphologisch (für die Erkenntnis der Form und der natürlichen
-Verwandtschaft) äußerst wertvolles Organ. In meiner »Generellen
-Morphologie der Organismen« habe ich in dem Abschnitt von der
-»Unzweckmäßigkeitslehre oder Dysteleologie« noch eine große Anzahl von
-anderen Beispielen angeführt.
-
-Keine biologische Erscheinung hat wohl jemals die Zoologen und Botaniker
-in größere Verlegenheit versetzt als diese rudimentären oder abortiven
-(verkümmerten) Organe. Es sind Werkzeuge außer Dienst, Körperteile,
-welche da sind, ohne etwas zu leisten, zweckmäßig eingerichtet, ohne
-ihren Zweck in Wirklichkeit zu erfüllen. Wenn man die Versuche früherer
-Naturforscher zur Erklärung dieses Rätsels betrachtet, kann man sich in
-der Tat kaum eines Lächelns über ihre seltsamen Vorstellungen erwehren.
-Außerstande, eine wirkliche Erklärung zu finden, kamen einige z. B. zu
-dem Endresultate, daß der Schöpfer »der Symmetrie wegen« diese Organe
-angelegt habe. Nach der Meinung anderer mußte es dem Schöpfer unpassend
-oder unanständig erscheinen, daß diese Organe bei denjenigen Organismen,
-bei denen sie nicht leistungsfähig sind und ihrer ganzen Lebensweise
-nach nicht sein können, völlig fehlten, während die nächsten Verwandten
-sie besäßen; und zum Ersatz für die mangelnde Funktion verlieh er ihnen
-wenigstens die äußere Ausstattung der leeren Form. Sind doch auch die
-uniformierten Zivilbeamten bei Hofe oft mit einem unschuldigen Degen
-ausgestattet, den sie niemals aus der Scheide ziehen. Ich glaube aber
-kaum, daß Sie von einer solchen dekorativen Erklärung befriedigt sein
-werden.
-
-Nun wird gerade diese allgemein verbreitete und rätselhafte Erscheinung
-der rudimentären Organe, an welcher alle übrigen Erklärungsversuche
-scheitern, vollkommen erklärt, und zwar in der einfachsten und
-einleuchtendsten Weise erklärt durch Darwins Theorie von der _Vererbung_
-und von der _Anpassung_. Wir können die wichtigen Gesetze der Vererbung
-und Anpassung an den Haustieren und Kulturpflanzen, welche wir künstlich
-züchten, empirisch verfolgen, und es ist bereits eine Reihe solcher
-Gesetze festgestellt worden. Ohne jetzt auf diese einzugehen, will ich
-nur sagen, daß einige davon auf mechanischem Wege die Entstehung der
-rudimentären Organe vollkommen erklären, so daß wir das Auftreten
-derselben als einen ganz natürlichen Prozeß ansehen müssen, bedingt
-durch den Nichtgebrauch der Organe. Durch Anpassung an besondere
-Lebensbedingungen sind die früher tätigen und wirklich arbeitenden
-Organe allmählich nicht mehr gebraucht worden und außer Dienst getreten.
-Infolge der mangelnden Übung sind sie mehr und mehr verkümmert, trotzdem
-aber immer noch durch Vererbung von einer Generation auf die andere
-übertragen worden, bis sie endlich größtenteils verschwanden. Wenn wir
-nun annehmen, daß alle oben angeführten Wirbeltiere von einem einzigen
-gemeinsamen Stammvater abstammen, welcher zwei sehende Augen und zwei
-wohlentwickelte Beinpaare besaß, so erklärt sich ganz einfach der
-verschiedene Grad der Verkümmerung und Rückbildung dieser Organe bei
-solchen Nachkommen desselben, welche diese Teile nicht mehr gebrauchen
-konnten. Ebenso erklärt sich vollständig der verschiedene
-Ausbildungsgrad der ursprünglich (in der Blütenknospe) angelegten fünf
-Staubfäden bei den Lippenblütern, wenn wir annehmen, daß alle Pflanzen
-dieser Familie von einem gemeinsamen, mit fünf Staubfäden ausgestatteten
-Stammvater abstammen.
-
-Ich habe Ihnen die Erscheinung der rudimentären Organe etwas
-ausführlicher vorgeführt, weil dieselbe von der allergrößten allgemeinen
-Bedeutung ist; denn sie führt uns auf die großen, allgemeinen,
-tiefliegenden Grundlagen der Philosophie und der Naturwissenschaft hin,
-für deren Lösung die Deszendenztheorie nunmehr der unentbehrliche
-Leitstern geworden ist. Sobald wir nämlich, dieser Theorie entsprechend,
-die ausschließliche Wirksamkeit physikalisch-chemischer Ursachen ebenso
-in der lebenden (organischen) Körperwelt, wie in der sogenannten
-leblosen (anorganischen) Natur anerkennen, so räumen wir damit jener
-Weltanschauung die ausschließliche Herrschaft ein, welche man mit dem
-Namen der mechanischen bezeichnen kann, im Gegensatze zu der
-hergebrachten teleologischen Auffassung. Wenn Sie die Weltanschauungen
-der verschiedenen Völker und Zeiten miteinander vergleichend
-zusammenstellen, können Sie dieselben schließlich alle in zwei
-gegenüberstehende Gruppen bringen: eine kausale oder mechanische und
-eine teleologische oder vitalistische. Die letztere war in der Biologie
-früher fast allgemein herrschend. Man sah danach das Tierreich und das
-Pflanzenreich als Produkte einer zweckmäßig wirkenden schöpferischen
-Tätigkeit an. Bei dem Anblick jedes Organismus schien sich zunächst
-unabweislich die Überzeugung aufzudrängen, daß eine so künstliche
-Maschine, ein so verwickelter Bewegungsapparat, wie es der Organismus
-ist, nur durch eine zwecktätige Schöpferkraft hervorgebracht werden
-könne; durch eine Tätigkeit, welche analog, obwohl unendlich viel
-vollkommener ist, als die Tätigkeit des Menschen bei der Konstruktion
-seiner Maschinen. Wie erhaben man auch die früheren Vorstellungen des
-Schöpfers und seiner schöpferischen Tätigkeit steigern, wie sehr man sie
-aller menschlichen Analogie entkleiden mag, so bleibt doch im letzten
-Grunde bei der teleologischen Naturauffassung dieser Vergleich
-unabweislich und notwendig. Man muß sich im Grunde dann immer den
-Schöpfer selbst als einen Organismus vorstellen, als ein Wesen, welches
-ähnlich dem Menschen, wenn auch in unendlich vollkommenerer Form, über
-seine bildende Tätigkeit nachdenkt, den Plan der Maschinen entwirft, und
-dann mittels Anwendung geeigneter Materialien diese Maschinen
-zweckentsprechend ausführt. Alle diese Vorstellungen leiden notwendig an
-der Grundschwäche des Anthropomorphismus oder der Vermenschlichung.
-Stets werden dabei, wie hoch man sich auch den Schöpfer vorstellen mag,
-demselben die menschlichen Eigenschaften beigelegt, einen Plan zu
-entwerfen und danach den Organismus zweckmäßig zu konstruieren. Das wird
-auch von derjenigen Schule, welche Darwins Lehre am schroffsten
-gegenübersteht, und welche unter den Naturforschern ihren bedeutendsten
-Vertreter in Louis Agassiz gefunden hat, ganz klar ausgesprochen. Das
-berühmte Werk von Agassiz (^Essay on classification^), welches dem
-Darwinschen Werke vollkommen entgegengesetzt ist und fast gleichzeitig
-erschien (1858), hat ganz folgerichtig jene absurden anthropomorphischen
-Vorstellungen vom Schöpfer bis zum höchsten Grade ausgebildet.
-
-Was nun überhaupt jene vielgerühmte _Zweckmäßigkeit in der Natur_
-betrifft, so ist sie nur für denjenigen vorhanden, welcher die
-Erscheinungen im Tier- und Pflanzenleben durchaus oberflächlich
-betrachtet. Schon die rudimentären Organe mußten dieser beliebten Lehre
-einen harten Stoß versetzen. Jeder aber, der tiefer in die Organisation
-und Lebensweise der verschiedenen Tiere und Pflanzen eindringt, der sich
-mit der Wechselwirkung der Lebenserscheinungen und der sogenannten
-»Ökonomie der Natur« vertrauter macht, muß sie notwendig fallen lassen.
-Die vielgrepriesene Weisheit und Zweckmäßigkeit existiert ebensowenig
-als die vielgerühmte »Allgüte des Schöpfers«. Diese optimistischen
-Anschauungen haben leider ebensowenig wirkliche Begründung als die
-beliebte Redensart von der »sittlichen Weltordnung«, welche durch die
-ganze Völkergeschichte in ironischer Weise illustriert wird. Im
-Mittelalter ist dafür die »sittliche« Herrschaft der christlichen Päpste
-und ihrer frommen, vom Blute zahlloser Menschenopfer dampfenden
-Inquisition nicht weniger bezeichnend, als in der Gegenwart der
-herrschende Militarismus mit seinem »sittlichen« Apparate von Zündnadeln
-und anderen raffinierten Mordwaffen; oder der Pauperismus als
-untrennbarer Anhang unserer verfeinerten Kultur.
-
-Wenn Sie das Zusammenleben und die gegenseitigen Beziehungen der
-Pflanzen und der Tiere (mit Inbegriff der Menschen) näher betrachten, so
-finden Sie überall und zu jeder Zeit das Gegenteil von jenem gemütlichen
-und friedlichen Beisammensein, welches die Güte des Schöpfers den
-Geschöpfen hätte bereiten müssen; vielmehr sehen Sie überall einen
-schonungslosen, höchst erbitterten _Kampf aller gegen alle_. Nirgends in
-der Natur, wohin Sie auch Ihre Blicke lenken mögen, ist jener
-idyllische, von den Dichtern besungene Friede vorhanden -- vielmehr
-überall Kampf, Streben nach Selbsterhaltung, nach Vernichtung der
-direkten Gegner und nach Vernichtung des Nächsten. Leidenschaft und
-Selbstsucht, bewußt oder unbewußt, bleibt überall die Triebfeder des
-Lebens. Das bekannte Dichterwort:
-
- »Die Natur ist vollkommen überall,
- Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual«
-
-ist schön, aber leider nicht wahr. Vielmehr bildet auch in dieser
-Beziehung der Mensch keine Ausnahme von der übrigen Tierwelt. Darwin hat
-gerade dieses wichtige Verhältnis in seiner hohen und allgemeinen
-Bedeutung uns erst recht klar vor Augen gestellt, und derjenige
-Abschnitt seiner Lehre, welchen er selbst den »Kampf ums Dasein« nennt,
-ist einer ihrer wichtigsten Teile.
-
-Wir müssen also jener vitalistischen oder teleologischen Betrachtung der
-lebendigen Natur, welche die Tier- und Pflanzenformen als Produkte eines
-gütigen und weisen Schöpfers oder einer zweckmäßig tätigen
-schöpferischen Naturkraft ansieht, durchaus entgegentreten; dagegen sind
-wir gezwungen, uns entschieden jene Weltanschauung anzueignen, welche
-man die mechanische oder kausale nennt. Man kann sie auch als die
-monistische oder einheitliche bezeichnen, im Gegensatze zu der
-zwiespältigen oder dualistischen Anschauung, welche in jener
-teleologischen Weltauffassung notwendig enthalten ist. Die mechanische
-Naturbetrachtung ist seit Jahrzehnten auf gewissen Gebieten der
-Naturwissenschaft so sehr eingebürgert, daß hier über die
-entgegengesetzte kein Wort mehr verloren wird. Es fällt keinem Physiker
-oder Chemiker, keinem Mineralogen oder Astronomen mehr ein, in den
-Erscheinungen, welche ihm auf seinem wissenschaftlichen Gebiete
-fortwährend vor Augen kommen, die Wirksamkeit eines zweckmäßig tätigen
-Schöpfers zu erblicken oder aufzusuchen. Man betrachtet jene
-Erscheinungen vielmehr allgemein und ohne Widerspruch als die
-notwendigen und unabänderlichen Wirkungen der physikalischen und
-chemischen Kräfte, welche an dem Stoffe oder der Materie haften; und
-insofern ist diese Anschauung rein »materialistisch«, in einem gewissen
-Sinne dieses vieldeutigen Wortes. Wenn der Physiker die
-Bewegungserscheinungen der Elektrizität oder des Magnetismus, den Fall
-eines Körpers oder die Schwingungen der Lichtwellen zu erklären sucht,
-so ist er bei dieser Arbeit durchaus davon entfernt, das Eingreifen
-einer übernatürlichen schöpferischen Kraft anzunehmen. In dieser
-Beziehung befand sich bisher die Biologie, als die Wissenschaft von den
-sogenannten »belebten« Naturkörpern, in vollem Gegensatze zu jenen
-vorher genannten anorganischen Naturwissenschaften (der
-Anorgologie). Zwar hat die neuere Physiologie, die Lehre von den
-Bewegungserscheinungen im Tier- und Pflanzenkörper, den mechanischen
-Standpunkt der letzteren vollkommen angenommen; allein die Morphologie,
-die Wissenschaft von der Gestaltung der Tiere und Pflanzen, schien
-dadurch gar nicht berührt zu werden. Die Morphologen behandeln nach wie
-vor, im Gegensatze zu jener mechanischen Betrachtung der Leistungen, die
-Formen der Tiere und Pflanzen als Erscheinungen, die durchaus nicht
-mechanisch erklärbar seien, die vielmehr notwendig einer höheren,
-übernatürlichen, zweckmäßig tätigen Schöpferkraft ihren Ursprung
-verdanken müßten. Dabei war es ganz gleichgültig, ob man diese
-Schöpferkraft als persönlichen Gott anbetete, oder ob man sie
-Lebenskraft (^vis vitalis^) oder Endursache (^causa finalis^) nannte. In
-allen Fallen flüchtete man hier, um es mit einem Worte zu sagen, zum
-Wunder als der Erklärung. Man warf sich einer mystischen
-Glaubensdichtung in die Arme und verließ somit das sichere Gebiet
-naturwissenschaftlicher Erkenntnis.
-
-Alles nun, was vor Darwin geschehen ist, um eine natürliche, mechanische
-Auffassung von der Entstehung der Tier- und Pflanzenformen zu begründen,
-vermochte diese nicht zum Durchbruch und zu allgemeiner Anerkennung zu
-bringen. Dies gelang erst Darwins Lehre, und hierin liegt ein
-unermeßliches Verdienst derselben. Denn wir werden dadurch zu der
-Überzeugung von der Einheit der organischen und der anorganischen Natur
-geführt. Auch derjenige Teil der Naturwissenschaft, welcher bisher am
-längsten und am hartnäckigsten sich einer mechanischen Auffassung und
-Erklärung widersetzte, die Lehre vom zweckmäßigen Bau der lebendigen
-Formen, von der Bedeutung und Entstehung derselben, wird dadurch mit
-allen übrigen naturwissenschaftlichen Lehren auf einen und denselben Weg
-der Vollendung gebracht. Die Einheit _aller_ Naturerscheinungen wird
-dadurch endgültig festgestellt.
-
-Diese Einheit der ganzen Natur, die Beseelung aller Materie, die
-Untrennbarkeit der geistigen Kraft und des körperlichen Stoffes hat
-Goethe mit den Worten behauptet: »Die Materie kann nie ohne Geist, der
-Geist nie ohne Materie existieren und wirksam sein.« Von den großen
-monistischen Philosophen aller Zeiten sind diese obersten Grundsätze der
-mechanischen Weltanschauung vertreten worden. Schon Demokritos von
-Abdera, der unsterbliche Begründer der Atomenlehre, sprach dieselben
-fast ein halbes Jahrtausend vor Christus klar aus, ganz vorzüglich aber
-der erhabene Spinoza und der große Dominikanermönch Giordano Bruno. Der
-letztere wurde dafür am 17. Februar 1600 in Rom von der christlichen
-Inquisition auf dem Scheiterhaufen verbrannt, an demselben Tage, an
-welchem 36 Jahre früher sein großer Landsmann und Kampfgenosse Galilei
-geboren wurde. Auf dem Campo di Fiori in Rom, wo jener Scheiterhaufen
-stand, hat jetzt das freie neuerstandene Italien dem großen monistischen
-Märtyrer ein Denkmal errichtet (am 9. Juni 1889), ein beredtes Zeichen
-des gewaltigen Umschwungs der Zeit.
-
-Durch die Deszendenztheorie wird es uns zum erstenmal möglich, die
-monistische Lehre von der Einheit der Natur fest zu begründen; danach
-bietet eine mechanisch-kausale Erklärung auch der verwickeltsten
-organischen Erscheinungen, z. B. der Entstehung und Einrichtung der
-Sinnesorgane, in der Tat nicht mehr prinzipielle Schwierigkeiten für das
-allgemeine Verständnis, als die mechanische Erklärung irgendwelcher
-physikalischen Prozesse, wie z. B. der Erdbeben, des Erdmagnetismus, der
-Meeresströmungen usw. Wir gelangen dadurch zu der äußerst wichtigen
-Überzeugung, daß _alle Naturkörper_, die wir kennen, _gleichmäßig
-belebt_ sind, daß der Gegensatz, welchen man zwischen lebendiger und
-toter Körperwelt aufstellte, im Grunde nicht existiert. Wenn ein Stein,
-frei in die Luft geworfen, nach bestimmten Gesetzen zur Erde fällt, oder
-wenn in einer Salzlösung sich ein Kristall bildet, oder wenn Schwefel
-und Quecksilber sich zu Zinnober verbinden, so sind diese Erscheinungen
-nicht mehr und nicht minder mechanische Lebenserscheinungen, als das
-Wachstum und das Blühen der Pflanzen, als die Fortpflanzung und die
-Sinnestätigkeit der Tiere, als die Empfindung und die Gedankenbildung
-des Menschen. Insbesondere ist auch das Bewußtsein des Menschen und der
-höheren Tiere keineswegs ein besonderes übernatürliches »Welträtsel«,
-wie Du Bois-Reymond 1872 in seiner »Ignorabimus«-Rede irrtümlich
-behauptet hatte. Vielmehr beruht dasselbe ebenso auf der mechanischen
-Arbeit der Ganglienzellen im Gehirn, wie die übrigen Seelentätigkeiten;
-den Beweis dafür habe ich im zehnten Kapitel meines Buches über die
-»Welträtsel« geführt. Die Naturkräfte treten auch im Seelenleben nur in
-verschiedenen Verbindungen und Formen auf, bald einfacher, bald
-zusammengesetzter; aber immer sind sie auch hier dem allgemeinen
-Substanzgesetz unterworfen. Gebundene Spannkräfte werden frei und gehen
-in lebendige Kräfte über, oder umgekehrt. Das große Gesetz von der
-Erhaltung der Kraft oder Energie (Robert Mayer 1842) und das damit
-verknüpfte Gesetz von der Erhaltung des Stoffes oder der Materie
-(Lavoisier 1789) gelten beide in gleicher Weise für alle organischen wie
-für alle anorganischen Naturkörper. In dieser Herstellung der
-einheitlichen oder monistischen Naturauffassung liegt das höchste und
-allgemeinste Verdienst unserer neuen, die Krone der heutigen
-Naturwissenschaft bildenden Entwicklungslehre.
-
- (Aus »Natürliche Schöpfungsgeschichte«.)
-
-
-
-
- II.
- Schöpfungsperioden und Schöpfungsurkunden.
-
-
-Die geschichtliche Auffassung des organischen Lebens, welche die
-Abstammungslehre in die biologischen Wissenschaften eingeführt hat,
-fördert nächst der Anthropologie keinen anderen Wissenschaftszweig so
-sehr, als den beschreibenden Teil der Naturgeschichte, die systematische
-Zoologie und Botanik. Die meisten Naturforscher, die sich bisher mit der
-Systematik der Tiere und Pflanzen beschäftigten, sammelten, benannten
-und ordneten die verschiedenen Arten dieser Naturkörper mit einem
-ähnlichen Interesse, wie die Altertumsforscher und Ethnographen die
-Waffen und Gerätschaften der verschiedenen Völker sammeln. Viele erhoben
-sich selbst nicht über denjenigen Grad der Wißbegierde, mit dem man
-Wappen, Briefmarken und ähnliche Kuriositäten zu sammeln, zu
-etikettieren und zu ordnen pflegt. In ähnlicher Weise wie diese Sammler
-an der Formenmannigfaltigkeit, Schönheit oder Seltsamkeit der Wappen,
-Briefmarken usw. ihre Freude finden, und dabei die erfinderische
-Bildungskunst des Menschen bewundern, in ähnlicher Weise ergötzten sich
-die meisten Naturforscher an den mannigfaltigen Formen der Tiere und
-Pflanzen und erstaunten über die reiche Phantasie des Schöpfers, über
-seine unermüdliche Schöpfungstätigkeit und über die seltsame Laune, in
-welcher er neben so vielen schönen und nützlichen Organismen auch eine
-Anzahl häßlicher und unnützer Formen gebildet habe.
-
-Diese kindliche Behandlung der systematischen Zoologie und Botanik wird
-durch die Abstammungslehre gründlich vernichtet. An die Stelle des
-oberflächlichen und spielenden Interesses, mit welchem die meisten
-bisher die organischen Gestalten betrachteten, tritt das weit
-höhere Interesse des erkennenden Verstandes, welcher in der
-_Formverwandtschaft_ der Organismen ihre wahre _Stammverwandtschaft_
-erblickt. Das natürliche System der Tiere und Pflanzen, welches man
-früher entweder nur als Namenregister zur übersichtlichen Ordnung der
-verschiedenen Formen oder als Sachregister zum kurzen Ausdruck ihres
-Ähnlichkeitsgrades schätzte, erhält durch die Abstammungslehre den
-ungleich höheren Wert eines wahren Stammbaumes der Organismen. Diese
-Stammtafel soll uns den genealogischen Zusammenhang der kleineren und
-größeren Gruppen enthüllen. Sie soll zu zeigen versuchen, in welcher
-Weise die verschiedenen Klassen, Ordnungen, Familien, Gattungen und
-Arten des Tier- und Pflanzenreichs den verschiedenen Zweigen, Ästen und
-Astgruppen ihres Stammbaums entsprechen. Jede weitere und höherstehende
-Kategorie oder Gruppenstufe des Systems (z. B. Klasse, Ordnung) umfaßt
-eine Anzahl von größeren und stärkeren Zweigen des Stammbaums, jede
-engere und tieferstehende Kategorie (z. B. Gattung, Art) nur eine
-kleinere und schwächere Gruppe von Ästchen. Nur wenn wir in dieser Weise
-das natürliche System als Stammbaum betrachten, können wir den wahren
-Wert desselben erkennen. Dieser genealogischen Auffassung des
-organischen Systems gehört ohne Zweifel allein die Zukunft.
-
-Wie können wir uns aber den wirklichen Stammbaum der tierischen und
-pflanzlichen Formengruppen aus den dürftigen und fragmentarischen, bis
-jetzt darüber gewonnenen Erfahrungen konstruieren? Die Antwort hierauf
-liegt schon zum Teil in demjenigen, was wir früher über den
-Parallelismus der drei Entwicklungsreihen bemerkt haben, über den
-wichtigen ursächlichen Zusammenhang, welcher die paläontologische
-Entwicklung der ganzen organischen Stämme mit der embryologischen
-Entwicklung der Individuen und mit der systematischen Entwicklung der
-Gruppenstufen verbindet.
-
-Zunächst werden wir uns zur Lösung dieser schwierigen Aufgabe an die
-_Paläontologie_ oder Versteinerungskunde zu wenden haben. Denn wenn
-wirklich die Deszendenztheorie wahr ist, wenn wirklich die versteinerten
-Reste der vormals lebenden Tiere und Pflanzen von den ausgestorbenen
-Urahnen und Vorfahren der jetzigen Organismen herrühren, so müßte uns
-eigentlich ohne weiteres die Kenntnis und Vergleichung der
-Versteinerungen den Stammbaum der Organismen aufdecken. So einfach und
-einleuchtend dies nach dem theoretisch entwickelten Prinzip erscheint,
-so außerordentlich schwierig und verwickelt gestaltet sich die Aufgabe,
-wenn man sie wirklich in Angriff nimmt. Ihre praktische Lösung würde
-schon sehr schwierig sein, wenn die Versteinerungen einigermaßen
-vollständig erhalten wären. Das ist aber keineswegs der Fall. Vielmehr
-ist die handgreifliche Schöpfungsurkunde, welche in den Versteinerungen
-begraben liegt, über alle Maßen unvollständig. Daher erscheint es jetzt
-vor allem notwendig, diese Urkunde kritisch zu prüfen und den Wert,
-welchen die Versteinerungen für die Entwicklungsgeschichte der
-organischen Stämme besitzen, zu bestimmen.
-
-In der Regel finden wir Versteinerungen oder Petrefakten nur in
-denjenigen Gesteinen eingeschlossen, welche schichtenweise als Schlamm
-im Wasser abgelagert wurden, und welche man deshalb neptunische,
-geschichtete oder sedimentäre Gesteine nennt. Die Ablagerung solcher
-Schichten konnte natürlich erst beginnen, nachdem im Verlaufe der
-Erdgeschichte die Verdichtung des Wasserdampfes zu tropfbar-flüssigem
-Wasser erfolgt war. Seit diesem Zeitpunkt begann nicht allein das
-organische Leben auf der Erde, sondern auch eine ununterbrochene und
-höchst wichtige Umgestaltung der erstarrten anorganischen Erdrinde. Das
-Wasser begann seitdem jene außerordentlich wichtige mechanische
-Wirksamkeit, durch welche die Erdoberfläche fortwährend, wenn auch
-langsam, umgestaltet wird. Ich darf wohl als bekannt voraussetzen,
-welchen außerordentlich bedeutenden Einfluß in dieser Beziehung noch
-jetzt das Wasser in jedem Augenblick ausübt. Indem es als Regen
-niederfällt, die obersten Schichten der Erdrinde durchsickert und von
-den Erhöhungen in die Vertiefungen herabfließt, löst es verschiedene
-mineralische Bestandteile des Bodens chemisch auf und spült mechanisch
-die locker zusammenhängenden Teilchen ab. An den Bergen herabfließend
-führt das Wasser den Schutt derselben in die Ebene und lagert ihn als
-Schlamm im stehenden Wasser ab. So arbeitet es beständig an einer
-Erniedrigung der Berge und Ausfüllung der Täler. Ebenso arbeitet die
-Brandung des Meeres ununterbrochen an der Zerstörung der Küsten und an
-der Auffüllung des Meerbodens durch die herabgeschlämmten Trümmer. So
-würde schon die Tätigkeit des Wassers allein, wenn sie nicht durch
-andere Umstände wieder aufgewogen würde, mit der Zeit die ganze Erde
-nivellieren. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Gebirgsmassen,
-welche alljährlich als Schlamm dem Meere zugeführt werden und sich auf
-dessen Boden absetzen, so bedeutend sind, daß im Verlauf einer längeren
-oder kürzeren Periode, vielleicht von wenigen Millionen Jahren, die
-Erdoberfläche vollkommen geebnet und von einer zusammenhängenden
-Wasserschale umschlossen werden würde. Daß dies nicht geschieht,
-verdanken wir der fortdauernden Schrumpfung und Faltung der erhärteten
-Erdrinde und der vulkanischen Gegenwirkung des feurigflüssigen
-Erdinneren. Diese Reaktion des geschmolzenen Kerns gegen die feste Rinde
-bedingt ununterbrochen wechselnde Hebungen und Senkungen an den
-verschiedensten Stellen der Erdoberfläche. Meistens geschehen dieselben
-sehr langsam; allein indem sie Jahrtausende hindurch fortdauern, bringen
-sie durch Summierung der kleinen Einzelwirkungen nicht minder großartige
-Resultate hervor, wie die entgegenwirkende und nivellierende Tätigkeit
-des Wassers.
-
-Indem die Hebungen und Senkungen verschiedener Gegenden im Laufe von
-Jahrmillionen vielfach miteinander wechseln, kommt bald dieser bald
-jener Teil der Erdoberfläche über oder unter den Spiegel des Meeres. Es
-gibt vielleicht keinen Oberflächenteil der Erdrinde, der nicht
-infolgedessen schon wiederholt über oder unter dem Meeresspiegel gewesen
-wäre. Durch diesen vielfachen Wechsel erklärt sich die Mannigfaltigkeit
-und die verschiedenartige Zusammensetzung der zahlreichen neptunischen
-Gesteinschichten, welche sich an den meisten Stellen in beträchtlicher
-Dicke übereinander abgelagert haben. In den verschiedenen
-Geschichtsperioden, während deren die Ablagerung stattfand, lebte eine
-mannigfach verschiedene Bevölkerung von Tieren und Pflanzen. Wenn die
-Leichen derselben auf den Boden der Gewässer herabsanken, drückten sie
-ihre Körperform in dem weichen Schlamme ab, und unverwesliche Teile,
-harte Knochen, Zähne, Schalen usw. wurden unzerstört in demselben
-eingeschlossen. Sie blieben in dem Schlamm, der sich zu neptunischem
-Gestein verdichtete, erhalten, und dienen nun als Versteinerungen zur
-Charakteristik der betreffenden Schichten. Durch sorgfältige
-Vergleichung der verschiedenen übereinander gelagerten Schichten und der
-in ihnen erhaltenen Versteinerungen ist es so möglich geworden, sowohl
-das relative Alter der Schichten und Schichtengruppen zu bestimmen, als
-auch gewisse Hauptmomente der Phylogenie oder der Entwicklungsgeschichte
-der Tier- und Pflanzenstämme empirisch festzustellen.
-
-Die verschiedenen übereinander abgelagerten Schichten der neptunischen
-Gesteine, welche in sehr mannigfaltiger Weise aus Kalk, Ton und Sand
-zusammengesetzt sind, haben die Geologen gruppenweise in ein ideales
-System zusammengestellt, welches dem ganzen Zusammenhange der
-_organischen Erdgeschichte_ entspricht, d. h. desjenigen Teiles der
-Erdgeschichte, während dessen organisches Leben existierte. Wie die
-sogenannte »Weltgeschichte« in größere oder kleinere Perioden zerfällt,
-welche durch den zeitweiligen Entwicklungszustand der bedeutendsten
-Völker charakterisiert und durch hervorragende Ereignisse voneinander
-abgegrenzt werden, so teilen wir auch die unendlich längere organische
-Erdgeschichte in eine Reihe von größeren oder kleineren Perioden ein.
-Jede dieser Perioden ist durch eine charakteristische Flora und Fauna,
-durch die besonders starke Entwicklung bestimmter Pflanzen- oder
-Tiergruppen ausgezeichnet, und jede ist von der vorhergehenden und
-folgenden Periode durch einen auffallenden teilweisen Wechsel in der
-Zusammensetzung der Tier- und Pflanzenbevölkerung getrennt.
-
-Für die nachfolgende Übersicht des historischen Entwicklungsganges, den
-die großen Tier- und Pflanzenstämme genommen haben, ist es notwendig,
-zunächst hier die systematische Klassifikation der neptunischen
-Schichtengruppen und der denselben entsprechenden größeren und kleineren
-Geschichtsperioden anzugeben. Wie Sie sogleich sehen werden, sind wir
-imstande, die ganze Masse der übereinanderliegenden Sedimentgesteine in
-fünf oberste Hauptgruppen oder _Terrains_, jedes Terrain in mehrere
-untergeordnete Schichtengruppen oder _Systeme_, und jedes System von
-Schichten wiederum in noch kleinere Gruppen oder _Formationen_
-einzuteilen; endlich kann auch jede Formation wieder in Etagen oder
-Unterformationen, und jede von diesen wiederum in noch kleinere Lagen,
-Bänke usw. geschieden werden. Jedes der fünf großen Terrains wurde
-während eines großen Hauptabschnittes der Erdgeschichte, während eines
-_Zeitalters_, abgelagert; jedes System während einer kürzeren _Periode_,
-jede Formation während einer noch kürzeren Epoche usw. Indem wir so die
-Zeiträume der organischen Erdgeschichte und die während derselben
-abgelagerten neptunischen und versteinerungsführenden Erdschichten in
-ein gegliedertes System bringen, verfahren wir genau wie die Historiker,
-welche die Völkergeschichte in die drei Hauptabschnitte des Altertums,
-des Mittelalters und der Neuzeit, und jeden dieser Abschnitte wieder in
-untergeordnete Perioden und Epochen einteilen. Wie aber der Historiker
-durch diese scharfe systematische Einteilung und durch die bestimmte
-Abgrenzung der Perioden durch einzelne Jahreszahlen nur die Übersicht
-erleichtern und keineswegs den ununterbrochenen Zusammenhang der
-Ereignisse und der Völkerentwicklung leugnen will, so gilt ganz dasselbe
-auch von unserer systematischen Einteilung, Spezifikation oder
-Klassifikation der organischen Erdgeschichte. Auch hier geht der rote
-Faden der zusammenhängenden Entwicklung überall ununterbrochen hindurch.
-Wir verwahren uns also ausdrücklich gegen die Anschauung, als wollten
-wir durch unsere scharfe Abgrenzung der größeren und kleineren
-Schichtengruppen und der ihnen entsprechenden Zeiträume irgendwie an
-Cuviers irrige Lehre von den Erdrevolutionen und von den wiederholten
-Neuschöpfungen der organischen Bevölkerung anknüpfen.
-
-Die fünf großen Hauptabschnitte der organischen Erdgeschichte oder der
-paläontologischen Entwicklungsgeschichte bezeichnen wir als
-primordiales, primäres, sekundäres, tertiäres und quartäres Zeitalter.
-Jedes ist durch die vorwiegende Entwicklung bestimmter Tier- und
-Pflanzengruppen in demselben bestimmt charakterisiert, und wir könnten
-demnach auch die fünf Zeitalter einerseits durch die natürlichen
-Hauptgruppen des Pflanzenreichs, andererseits durch die verschiedenen
-Klassen des Wirbeltierstammes anschaulich bezeichnen. Dann wäre das
-erste oder primordiale Zeitalter dasjenige der Tange und Schädellosen,
-das zweite oder primäre Zeitalter das der Farne und Fische, das dritte
-oder sekundäre Zeitalter das der Nadelwälder und Reptilien, das vierte
-oder tertiäre Zeitalter das der Laubwälder und Säugetiere, endlich das
-fünfte oder quartäre Zeitalter dasjenige des Menschen und seiner Kultur.
-Die Abschnitte oder Perioden, welche wir in jedem der fünf Zeitalter
-unterscheiden, werden durch die verschiedenen Systeme von Schichten
-bestimmt, in die jedes der fünf großen Terrains zerfällt. Lassen Sie uns
-jetzt noch einen flüchtigen Blick auf die Reihe dieser Systeme und
-zugleich auf die Bevölkerung der fünf großen Zeitalter werfen.
-
-Den ersten und längsten Hauptabschnitt der organischen Erdgeschichte
-bildet die _Primordialzeit_ oder das Zeitalter der Tangwälder, das auch
-das archäische, archolithische oder archozoische Zeitalter genannt wird.
-Es umfaßt den ungeheuren Zeitraum von der ersten Urzeugung, von der
-Entstehung des ersten irdischen Organismus, bis zum Ende der silurischen
-Schichtenbildung. Während dieses unermeßlichen Zeitraums, welcher
-wahrscheinlich länger war, als alle übrigen vier Zeiträume
-zusammengenommen, lagerten sich die drei mächtigsten von allen
-neptunischen Schichtensystemen ab, nämlich zu unterst das laurentische,
-darüber das kambrische und darüber das silurische System. Von den
-meisten Geologen wird das silurische System, und von vielen auch noch
-das kambrische System zu den paläolithischen Terrains gestellt; indessen
-erscheint es aus biologisch-historischen Gesichtspunkten zweckmäßiger,
-sie mit den archozoischen zu vereinigen. Die ungefähre Dicke oder
-Mächtigkeit dieser drei Systeme zusammengenommen beträgt 70000 Fuß.
-Davon kommen ungefähr 30000 auf das laurentische, 18000 auf das
-kambrische und 22000 auf das silurische System. Die durchschnittliche
-Mächtigkeit aller vier übrigen Terrains, des primären, sekundären,
-tertiären und quartären zusammengenommen, mag dagegen etwa höchstens
-60000 Fuß betragen, und schon hieraus, abgesehen von vielen anderen
-Gründen, ergibt sich, daß die Dauer der Primordialzeit wahrscheinlich
-viel länger war, als die Dauer der folgenden Zeitalter bis zur Gegenwart
-zusammengenommen. Viele Millionen von Jahren müssen zur Ablagerung
-solcher Schichtenmassen erforderlich gewesen sein. Leider befindet sich
-der bei weitem größte Teil der primordialen Schichtengruppen in dem
-sogleich zu erörternden metamorphischen Zustande, und dadurch sind die
-in ihnen enthaltenen Versteinerungen, die ältesten und wichtigsten von
-allen, größtenteils zerstört und unkenntlich geworden. Nur in einem
-Teile der kambrischen und silurischen Schichten sind Petrefakten in
-größerer Menge und in kenntlichem Zustande erhalten worden.
-
-Trotzdem die primordialen oder archozoischen Versteinerungen uns nur zum
-bei weitem kleinsten Teile in kenntlichem Zustande erhalten sind,
-besitzen dieselben dennoch den Wert unschätzbarer Dokumente für diese
-älteste und dunkelste Zeit der organischen Erdgeschichte. Zunächst
-scheint daraus hervorzugehen, daß während dieses ganzen ungeheuren
-Zeitraums fast nur Wasserbewohner existierten. Wenigstens sind bis jetzt
-unter allen archozoischen Petrefakten nur sehr wenige gefunden worden,
-welche man mit Sicherheit auf landbewohnende Organismen beziehen kann:
-die ältesten von diesen sind einige silurische Farne und Skorpione. Fast
-alle Pflanzenreste, die wir aus der Primordialzeit besitzen, gehören zu
-der niedrigsten von allen Pflanzengruppen, zu der im Wasser lebenden
-Klasse der Tange oder Algen. Diese bildeten in dem warmen Urmeere der
-Primordialzeit mächtige Wälder, von deren Formenreichtum und Dichtigkeit
-uns noch heutigen Tages ihre Epigonen, die Tangwälder des atlantischen
-Sargassomeeres, eine ungefähre Vorstellung geben mögen. Die kolossalen
-Tangwälder der archozoischen Zeit ersetzten damals die noch fehlende
-Waldvegetation des Festlandes. Gleich den Pflanzen lebten auch fast alle
-Tiere, von denen man Reste in den archozoischen Schichten gefunden hat,
-im Wasser. Von den Gliedertieren finden sich nur Krebstiere und einzelne
-Skorpione, noch keine Insekten. Von den Wirbeltieren sind nur sehr
-wenige Fischreste bekannt, welche sich in den jüngsten von allen
-primordialen Schichten, in der oberen Silurformation, vorfinden. Dagegen
-müssen wir annehmen, daß Würmer und schädellose Wirbeltiere (Akranier),
-die Ahnen der Fische, massenhaft während der Primordialzeit gelebt
-haben. Daher können wir sie sowohl nach den Schädellosen als nach den
-Tangen benennen.
-
-Die _Primärzeit_ oder das Zeitalter der Farnwälder, der zweite
-Hauptabschnitt der organischen Erdgeschichte, welchen man auch das
-paläolithische oder paläozoische Zeitalter nennt, dauerte vom Ende der
-silurischen Schichtenbildung bis zum Ende der permischen
-Schichtenbildung. Auch dieser Zeitraum war von sehr langer Dauer und
-zerfällt wiederum in drei Perioden, während deren sich drei mächtige
-Schichtensysteme ablagerten, nämlich zu unterst das devonische System
-oder der alte rote Sandstein, darüber das karbonische oder
-Steinkohlensystem, und darüber das permische System oder der neue rote
-Sandstein und der Zechstein. Die durchschnittliche Dicke dieser drei
-Systeme zusammengenommen mag etwa 42000 Fuß betragen, woraus sich schon
-die ungeheure Länge der für ihre Bildung erforderlichen Zeiträume
-ergibt. Die meisten Geologen rechnen zur Paläozoischen Ära noch die
-silurische und viele auch die kambrische Periode.
-
-Die devonischen und permischen Formationen sind vorzüglich reich an
-Fischresten, sowohl an Urfischen als an Schmelzfischen. Aber noch fehlen
-in der primären Zeit gänzlich die Knochenfische. In der Steinkohle
-finden sich schon verschiedene Reste von landbewohnenden Tieren, und
-zwar sowohl Gliedertieren (Spinnen und Insekten) als Wirbeltieren
-(Amphibien). Im permischen System kommen zu den Amphibien noch die höher
-entwickelten Schleicher oder Reptilien, und zwar unseren Eidechsen
-nahverwandte Formen (^Proterosaurus^ usw.). Trotzdem können wir das
-primäre Zeitalter das der Fische nennen, weil diese wenigen Amphibien
-und Reptilien ganz gegen die ungeheure Menge der paläozoischen Fische
-zurücktreten. Ebenso wie die Fische unter den Wirbeltieren, so
-herrschten unter den Pflanzen während dieses Zeitraums die Farnpflanzen
-oder Filicinen vor, und zwar sowohl echte Farnkräuter und Farnbäume
-(Laubfarne oder Filikarien) als Schaftfarne (Kalamarien) und
-Schuppenfarne (Selagineen). Diese landbewohnenden Farne oder Filizinen
-bildeten die Hauptmasse der dichten paläozoischen Inselwälder, deren
-fossile Reste uns in den ungeheuer mächtigen Steinkohlenlagern des
-karbonischen Systems und in den schwächeren Kohlenlagern des devonischen
-und permischen Systems erhalten sind. Sie berechtigen uns, die
-Primärzeit ebensowohl das Zeitalter der Farne als das der Fische zu
-nennen.
-
-Der dritte große Hauptabschnitt der paläontologischen
-Entwicklungsgeschichte wird durch die _Sekundärzeit_ oder das Zeitalter
-der Nadelwälder gebildet, welches auch das mesolithische oder
-mesozoische Zeitalter genannt wird. Es reicht vom Ende der permischen
-Schichtenbildung bis zum Ende der Kreideschichtenbildung und zerfällt
-abermals in drei große Perioden. Die währenddessen abgelagerten
-Schichtensysteme sind zu unterst das Triassystem, in der Mitte das
-Jurasystem und zu oberst das Kreidesystem. Die durchschnittliche Dicke
-dieser drei Systeme zusammengenommen bleibt schon weit hinter derjenigen
-der primären Systeme zurück und beträgt im ganzen nur ungefähr 15000
-Fuß. Die Sekundärzeit wird demnach wahrscheinlich nicht halb so lang als
-die Primärzeit gewesen sein.
-
-Wie in der Primärzeit die Fische, so herrschen in der Sekundärzeit die
-Schleicher oder Reptilien über alle übrigen Wirbeltiere vor. Zwar
-entstanden während dieses Zeitraums die ersten Vögel und Säugetiere;
-auch lebten damals die riesigen Labyrinthodonten; und zu den zahlreich
-vorhandenen Urfischen und Schmelzfischen der älteren Zeit gesellten sich
-die ersten echten Knochenfische. Aber die charakteristische und
-überwiegende Wirbeltierklasse der Sekundärzeit bildeten die höchst
-mannigfaltig entwickelten Reptilien. Neben solchen Schleichern, welche
-den heute noch lebenden Eidechsen, Krokodilen und Schildkröten
-nahestanden, wimmelte es in der mesozoischen Zeit überall von
-abenteuerlich gestalteten Drachen. Insbesondere sind die merkwürdigen
-fliegenden Eidechsen oder Pterosaurier, die schwimmenden Seedrachen oder
-Halisaurier und die kolossalen Landdrachen oder Dinosaurier der
-Sekundärzeit eigentümlich, da sie weder vorher noch nachher lebten. Man
-kann demgemäß die Sekundärzeit das Zeitalter der Schleicher oder
-Reptilien nennen. Andere bezeichnen sie als das Zeitalter
-der Nadelwälder, genauer eigentlich der Gymnospermen oder
-Nacktsamenpflanzen. Diese Pflanzen, vorzugsweise durch die beiden
-wichtigen Klassen der Nadelhölzer oder Koniferen und der Farnpalmen oder
-Zycadeen vertreten, setzten während der Sekundärzeit ganz überwiegend
-den Bestand der Wälder zusammen. Die farnartigen Pflanzen traten dagegen
-zurück und die Laubhölzer entwickelten sich erst gegen Ende des
-Zeitalters, in der Kreidezeit.
-
-Viel kürzer und weniger eigentümlich als diese drei ersten Zeitalter war
-der vierte Hauptabschnitt der organischen Erdgeschichte, die
-_Tertiärzeit_ oder das Zeitalter der Laubwälder. Dieser Zeitraum,
-welcher auch zänolithisches oder zänozoisches Zeitalter heißt,
-erstreckte sich vom Ende der Kreideschichtenbildung bis zum Ende der
-pliozänen Schichtenbildung. Die währenddessen abgelagerten Schichten
-erreichen nur ungefähr eine mittlere Mächtigkeit von 3000 Fuß und
-bleiben demnach weit hinter den drei ersten Terrains zurück. Auch sind
-die drei Systeme, welche man in dem tertiären Terrain unterscheidet, nur
-schwer voneinander zu trennen. Das älteste derselben heißt eozänes oder
-alttertiäres, das mittlere miozänes oder mitteltertiäres und das jüngste
-pliozänes oder neutertiäres System.
-
-Die gesamte Bevölkerung der Tertiärzeit nähert sich im ganzen und im
-einzelnen schon viel mehr derjenigen der Gegenwart, als es in den
-vorhergehenden Zeitaltern der Fall war. Unter den Wirbeltieren überwiegt
-von nun an die Klasse der Säugetiere bei weitem alle übrigen. Ebenso
-herrscht in der Pflanzenwelt die formenreiche Gruppe der
-Decksamen-Pflanzen oder Angiospermen vor; ihre Laubhölzer bilden die
-charakteristischen Laubwälder der Tertiärzeit. Die Abteilung der
-Angiospermen besteht aus den beiden Klassen der Einkeimblättrigen oder
-Monokotylen und der Zweikeimblättrigen oder Dikotylen. Zwar hatten sich
-Angiospermen aus beiden Klassen schon in der Kreidezeit gezeigt, und
-Säugetiere traten schon im letzten Abschnitt der Triaszeit auf. Allein
-beide Gruppen, Säugetiere und Decksamenpflanzen, erreichen ihre
-eigentliche Entwicklung und Oberherrschaft erst in der Tertiärzeit, so
-daß man diese mit vollem Rechte danach benennen kann.
-
-Den fünften und letzten Hauptabschnitt der organischen Erdgeschichte
-bildet die _Quartärzeit_ oder Kulturzeit, derjenige, gegen die Länge der
-vier übrigen Zeitalter verschwindend kurze Zeitraum, den wir gewöhnlich
-in komischer Selbstüberhebung die »Weltgeschichte« zu nennen pflegen. Da
-die Ausbildung des Menschen und seiner Kultur mächtiger als alle
-früheren Vorgänge auf die organische Welt umgestaltend einwirkte, und da
-sie vor allem dieses jüngste Zeitalter charakterisiert, so könnte man
-dasselbe auch die Menschenzeit, das anthropolithische oder
-anthropozoische Zeitalter nennen. Es könnte allenfalls auch das
-Zeitalter der Kulturwälder heißen, weil selbst auf den niederen Stufen
-der menschlichen Kultur ihr umgestaltender Einfluß sich bereits in der
-Benutzung der Wälder und ihrer Erzeugnisse, und somit auch in der
-Physiognomie der Landschaft bemerkbar macht. Geologisch wird der Beginn
-dieses Zeitalters, welches bis zur Gegenwart reicht, durch das Ende der
-pliozänen Schichtenablagerung begrenzt.
-
-Die neptunischen Schichten, welche während des verhältnismäßig kurzen
-quartären Zeitraums abgelagert wurden, sind an den verschiedenen Stellen
-der Erde von sehr verschiedener, meist aber von sehr geringer Dicke. Man
-bringt dieselben in zwei verschiedene Systeme, von denen man das ältere
-als diluvial oder pleistozän, das neuere als alluvial oder rezent
-bezeichnet. Das Diluvialsystem zerfällt selbst wieder in zwei
-Formationen, in die älteren glazialen und die neueren postglazialen
-Bildungen. Während der älteren Diluvialzeit nämlich fand jene
-außerordentlich merkwürdige Erniedrigung der Erdtemperatur statt, welche
-zu einer ausgedehnten Vergletscherung der gemäßigten Zonen führte. Diese
-»Eiszeit« oder Glazialperiode hat für die geographische und
-topographische Verbreitung der Organismen hohe Bedeutung gewonnen. Auch
-die auf die Eiszeit folgende »Nacheiszeit«, die postglaziale Periode
-oder die neuere Diluvialzeit, während welcher die Temperatur wiederum
-stieg und das Eis sich nach den Polen zurückzog, war für die
-gegenwärtige Gestaltung der chorologischen Verhältnisse höchst
-bedeutungsvoll.
-
-Der biologische Charakter der Quartärzeit liegt wesentlich in der
-Entwicklung und Ausbreitung des menschlichen Organismus und seiner
-Kultur. Weit mehr als jeder andere Organismus hat der Mensch
-umgestaltend, zerstörend und neubildend auf die Tier- und
-Pflanzenbevölkerung der Erde eingewirkt. Aus diesem Grunde -- nicht weil
-wir dem Menschen im übrigen eine privilegierte Ausnahmestellung in der
-Natur einräumen -- können wir mit vollem Rechte die Ausbreitung des
-Menschen und seiner Kultur als Beginn eines besonderen letzten
-Hauptabschnitts der organischen Erdgeschichte bezeichnen. Wahrscheinlich
-fand allerdings die körperliche Entwicklung des Urmenschen aus
-menschenähnlichen Affen bereits in der jüngeren oder pliozänen,
-vielleicht sogar schon in der mittleren oder miozänen Tertiärzeit statt.
-Allein die eigentliche Entwicklung der menschlichen Sprache, welche wir
-als den wichtigsten Hebel für die Ausbildung der eigentümlichen Vorzüge
-des Menschen und seiner Herrschaft über die übrigen Organismen
-betrachten, fällt wahrscheinlich erst in jenen Zeitraum, welchen man aus
-geologischen Gründen als pleistozäne oder diluviale Zeit von der
-vorhergehenden Pliozänperiode trennt. Jedenfalls ist derjenige Zeitraum,
-welcher seit der Entwicklung der menschlichen Sprache bis zur Gegenwart
-verfloß, mag derselbe auch viele Jahrtausende und vielleicht
-Hunderttausende von Jahren in Anspruch genommen haben, verschwindend
-gering gegen die unermeßliche Länge der Zeiträume, welche vom Beginn
-des organischen Lebens auf der Erde bis zur Entstehung des
-Menschengeschlechts verflossen.
-
-Die tabellarische Übersicht Seite 69 zeigt die Reihenfolge der
-paläontologischen Terrains, Systeme und Formationen, d. h. der größeren
-und kleineren neptunischen Schichtengruppen, welche Versteinerungen
-einschließen, von den obersten oder alluvialen bis zu den untersten oder
-laurentischen Ablagerungen hinab. Die Tabelle Seite 68 führt die
-historische Einteilung der entsprechenden Zeiträume vor, der größeren
-und kleineren paläontologischen Perioden, und zwar in umgekehrter
-Reihenfolge.
-
- Übersicht
- der paläontologischen Perioden oder der größeren
- Zeitabschnitte
- der organischen Erdgeschichte.
-
- Erster Zeitraum: Archozoisches Zeitalter.
- Primordial-Zeit.
- (Zeitalter der Schädellosen und der Tangwälder.)
-
- 1. Ältere Archolithzeit oder Laurentische Periode.
- 2. Mittlere Archolithzeit " Kambrische Periode.
- 3. Neuere Archolithzeit " Silurische Periode.
-
- Zweiter Zeitraum: Paläozoisches Zeitalter.
- Primär-Zeit.
- (Zeitalter der Fische und Farnwälder.)
-
- 4. Ältere Paläolithzeit oder Devonische Periode.
- 5. Mittlere Paläolithzeit " Steinkohlen-Periode.
- 6. Neuere Paläolithzeit " Permische Periode.
-
- Dritter Zeitraum: Mesozoisches Zeitalter.
- Sekundär-Zeit.
- (Zeitalter der Reptilien und der Nadelwälder.)
-
- 7. Ältere Mesolithzeit oder Trias-Periode.
- 8. Mittlere Mesolithzeit " Jura-Periode.
- 9. Neuere Mesolithzeit " Kreide-Periode.
-
- Vierter Zeitraum: Zänozoisches Zeitalter.
- Tertiär-Zeit.
- (Zeitalter der Säugetiere und der Laubwälder.)
-
- 10. Ältere Zänolithzeit oder Eozäne Periode.
- 11. Mittlere Zänolithzeit " Miozäne Periode.
- 12. Neuere Zänolithzeit " Pliozäne Periode.
-
- Fünfter Zeitraum: Anthropozoisches Zeitalter.
- Quartär-Zeit.
- (Zeitalter der Menschen und der Kulturwälder.)
-
- 13. Ältere Anthropolithzeit oder Eiszeit. Glaziale Periode.
- 14. Mittlere Anthropolithzeit " Postglaziale Periode.
- 15. Neuere Anthropolithzeit " Kultur-Periode.
-
- (Die Kultur-Periode ist die historische Zeit oder die Periode der
- Überlieferungen.)
-
- Übersicht
- der paläontologischen Formationen oder der
- versteinerungsführenden
- Schichten der Erdrinde.
-
- =============================================================================
- Terrains | Systeme | Formation | Synonyme der
- | | | Formationen
- -----------------------------------------------------------------------------
- V. Anthropolithische { XIV. Rezent { 36. Präsent Oberalluviale
- Terrains oder { (Alluvium) { 35. Rezent Unteralluviale
- anthropozoische {
- (quartäre) { XIII. Pleistozän { 34. Postglazial Oberdiluviale
- Schichtengruppen { (Diluvium) { 33. Glazial Unterdiluviale
-
- IV. Zänolithische { XII. Pliozän { 32. Arvern Oberpliozäne
- Terrains oder { (Neutertiär) { 31. Subapennin Unterpliozäne
- zänozoische {
- (tertiäre) { XI. Miozän { 30. Falun Obermiozäne
- Schichtengruppen { (Mitteltertiär) { 29. Limburg Untermiozäne
- {
- { X. Eozän { 28. Gips Obereozäne
- { (Alttertiär) { 27. Grobkalk Mitteleozäne
- { { 26. Londonton Untereozäne
-
- III. Mesolithische { IX. Kreide { 25. Weißkreide Oberkreide
- Terrains oder { { 24. Grünsand Mittelkreide
- mesozoische { { 23. Neokom Unterkreide
- (sekundäre) { { 22. Wealden Wälderformation
- Schichtengruppen {
- { VIII. Jura { 21. Portland Oberoolith
- { { 20. Oxford Mitteloolith
- { { 19. Bath Unteroolith
- { { 18. Lias Liasformation
- {
- { VII. Trias { 17. Keuper Obertrias
- { { 16. Muschelkalk Mitteltrias
- { { 15. Buntsand Untertrias
-
- II. Paläolithische { VI. Permisches { 14. Zechstein Oberpermische
- Terrains oder { (Dyas) { 13. Neurotsand Unterpermische
- paläozoische {
- (primäre) { V. Karbonisches { 12. Kohlensand Oberkarbonische
- Schichtengruppen { (Steinkohle) { 11. Kohlenkalk Unterkarbonische
- {
- { IV. Devonisches { 10. Pilton Oberdevonische
- { (Altrotsand) { 9. Ilfracombe Mitteldevonische
- { { 8. Linton Unterdevonische
-
- I. Archolithische { III. Silurisches { 7. Ludlow Obersilurische
- Terrains oder { { 6. Landovery Mittelsilurische
- archozoische { { 5. Landeilo Untersilurische
- (primordiale) {
- Schichtengruppen { II. Kambrisches { 4. Potsdam Oberkambrische
- { { 3. Longmynd Unterkambrische
- {
- { I. Laurentisches { 2. Labrador Oberlaurentische
- { { 1. Ottawa Unterlaurentische
-
- ---------------------------------------------------------------------
- | Tabelle |
- | |
- | zur Übersicht der neptunischen versteinerungsführenden Schichten- |
- | Systeme der Erdrinde mit Bezug auf ihre verhältnismäßige |
- | durchschnittliche Dicke. (130000 Fuß zirka.) |
- |=====================================================================|
- | IV. Zänozoische Schichten-Systeme. | Eozän, Miozän, |
- | Zirka 3000 Fuß. | Pliozän. |
- |-----------------------------------------+---------------------------|
- | | IX. Kreide-System. |
- | III. Mesozoische Schichten-Systeme. |---------------------------|
- | Ablagerungen der Sekundärzeit. | VIII. Jura-System. |
- | Zirka 15000 Fuß. |---------------------------|
- | | VII. Trias-System. |
- |-----------------------------------------+---------------------------|
- | | VI. Permisches |
- | II. Paläozoische Schichten-Systeme. | System. |
- | |---------------------------|
- | Ablagerungen der Primär-Zeit. | V. Steinkohlen- |
- | | System. |
- | Zirka 42000 Fuß. |---------------------------|
- | | IV. Devonisches |
- | | System. |
- |-----------------------------------------+---------------------------|
- | | III. Silurisches |
- | | System. |
- | I. Archozoische Schichten-Systeme. | Zirka 22000 Fuß. |
- | |---------------------------|
- | Ablagerungen der Primordial-Zeit. | II. Kambrisches |
- | | System. |
- | Zirka 70000 Fuß. | Zirka 18000 Fuß. |
- | |---------------------------|
- | | I. Laurentisches |
- | | System. |
- | | Zirka 30000 Fuß. |
- ---------------------------------------------------------------------
-
-Man hat viele Versuche angestellt, die Zahl der Jahrtausende, welche
-diese Zeiträume zusammensetzen, annähernd zu berechnen. Man verglich die
-Dicke der Schlammschichten, welche erfahrungsgemäß während eines
-Jahrhunderts sich absetzen, und welche nur wenige Linien oder Zolle
-betragen, mit der gesamten Dicke der geschichteten Gesteinsmassen, deren
-ideales System wir soeben überblickt haben. Diese Dicke mag im ganzen
-durchschnittlich ungefähr 130000 Fuß betragen, und hiervon kommen 70000
-auf das primordiale oder archozoische, 42000 auf das primäre oder
-paläozoische, 15000 auf das sekundäre oder mesozoische und endlich nur
-3000 auf das tertiäre oder zänozoische Terrain. Die sehr geringe und
-nicht annähernd bestimmbare durchschnittliche Dicke des quartären oder
-anthropozoischen Terrains kommt dabei gar nicht in Betracht. Man kann
-sie höchstens durchschnittlich auf 500-700 Fuß anschlagen.
-Selbstverständlich haben aber alle diese Maßangaben nur einen ganz
-durchschnittlichen und annähernden Wert und sollen nur dazu dienen, das
-_relative_ Maßverhältnis der Schichtensysteme und der ihnen
-entsprechenden Zeitabschnitte ganz _ungefähr_ zu überblicken. Auch
-werden die Maße sehr verschieden abgeschätzt.
-
-Wenn man nun die gesamte Zeit der organischen Erdgeschichte, d. h. den
-ganzen Zeitraum seit Beginn des Lebens auf der Erde bis auf den heutigen
-Tag, in hundert gleiche Teile teilt, und wenn man dann, dem angegebenen
-durchschnittlichen Dickenverhältnis der Schichtensysteme entsprechend,
-die relative Zeitdauer der fünf Hauptabschnitte oder Zeitalter nach
-Prozenten berechnet, so ergibt sich folgendes Resultat. (Vergl. Seite
-70.)
-
- I. Archozoische oder Primordialzeit 53,6
- II. Paläozoische oder Primärzeit 32,1
- III. Mesozoische oder Sekundärzeit 11,5
- IV. Zänozoische oder Tertiärzeit 2,3
- V. Anthropozoische oder Quartärzeit 0,5
- ------
- Summa: 100,0
-
-Es beträgt demnach die Länge des archozoischen Zeitraums, währenddessen
-fast noch keine landbewohnenden Tiere und Pflanzen existierten, mehr als
-die Hälfte, mehr als 53 Prozent, dagegen die Länge des anthropozoischen
-Zeitraums, währenddessen der Mensch existierte, kaum ein halbes Prozent
-von der ganzen Länge der organischen Erdgeschichte. Es ist aber ganz
-unmöglich, die Länge dieser Zeiträume auch nur annähernd nach Jahren zu
-berechnen.
-
-Die Dicke der Schlammschichten, welche während eines Jahrhunderts sich
-in der Gegenwart ablagern, und welche man als Basis für diese Berechnung
-benutzen wollte, ist an den verschiedenen Stellen der Erde unter den
-ganz verschiedenen Bedingungen, unter denen überall die Ablagerung
-stattfindet, natürlich ganz verschieden. Sie ist sehr gering auf dem
-Boden des hohen Meeres, in den Betten breiter Flüsse mit kurzem Laufe
-und in Landseen, welche sehr dürftige Zuflüsse erhalten. Sie ist
-verhältnismäßig bedeutend an Meeresküsten mit starker Brandung, am
-Ausfluß großer Ströme mit langem Lauf und in Landseen mit starken
-Zuflüssen. An der Mündung des Mississippi, welcher sehr bedeutende
-Schlammassen mit sich fortführt, würden in 100000 Jahren wohl etwa 600
-Fuß abgelagert werden. Auf dem Grunde des offenen Meeres, weit von den
-Küsten entfernt, werden sich während dieses langen Zeitraums nur wenige
-Fuß Schlamm absetzen. Selbst an den Küsten, wo verhältnismäßig viel
-Schlamm abgelagert wird, mag die Dicke der dadurch während eines
-Jahrhunderts gebildeten Schichten, wenn sie nachher sich zu festem
-Gesteine verdichtet haben, doch nur wenige Zoll oder Linien betragen.
-Jedenfalls aber bleiben alle auf diese Verhältnisse gegründeten
-Berechnungen ganz unsicher, und wir können uns auch nicht einmal
-annähernd die ungeheure Länge der Zeiträume vorstellen, welche zur
-Bildung jener neptunischen Schichtensysteme erforderlich waren. Nur
-relative, nicht absolute Zeitmaße sind hier mit Vorsicht anwendbar.
-
-Man würde übrigens auch vollkommen fehlgehen, wenn man die Mächtigkeit
-jener Schichtensysteme allein als Maßstab für die inzwischen wirklich
-verflossene Zeit der Erdgeschichte betrachten wollte. Denn Hebungen und
-Senkungen der Erdrinde haben beständig miteinander gewechselt, und aller
-Wahrscheinlichkeit nach entspricht oft der mineralogische und
-paläontologische Unterschied, den man zwischen je zwei aufeinander
-folgenden Schichtensystemen und zwischen je zwei Formationen derselben
-wahrnimmt, einem beträchtlichen Zwischenraum von mehreren Jahrtausenden,
-währenddessen die betreffende Stelle der Erdrinde über das Wasser
-gehoben war. Erst nach Ablauf dieser Zwischenzeit, als eine neue Senkung
-diese Stelle wieder unter Wasser brachte, fand die Ablagerung einer
-neuen Bodenschicht statt. Da aber inzwischen die anorganischen und
-organischen Verhältnisse an diesem Orte eine beträchtliche Umbildung
-erfahren hatten, mußte die neugebildete Schlammschicht aus verschiedenen
-Bodenbestandteilen zusammengesetzt sein und ganz verschiedene
-Versteinerungen einschließen.
-
-Die auffallenden Unterschiede, die zwischen den Versteinerungen zweier
-übereinander liegenden Schichten so häufig stattfinden, sind einfach und
-leicht nur durch die Annahme zu erklären, daß derselbe Punkt der
-Erdoberfläche _wiederholten Senkungen und Hebungen_ ausgesetzt wurde.
-Noch gegenwärtig finden solche Hebungen und Senkungen, welche man teils
-der Faltung der schrumpfenden Erdrinde, teils der Reaktion des
-feuerflüssigen Erdkerns gegen die erstarrte Rinde zuschreibt, in weiter
-Ausdehnung statt. So steigt z. B. die Küste von Schweden und ein Teil
-von der Westküste Südamerikas beständig langsam empor, während die Küste
-von Holland und ein Teil von der Ostküste Südamerikas allmählich
-untersinkt. Das Steigen wie das Sinken geschieht nur sehr langsam und
-beträgt im Jahrhundert bald nur einige Linien, bald einige Zoll oder
-höchstens einige Fuß. Wenn aber diese Bewegung Hunderte von
-Jahrtausenden hindurch ununterbrochen andauert, kann sie die höchsten
-Gebirge bilden.
-
-Offenbar haben ähnliche Hebungen und Senkungen während des ganzen
-Verlaufes der organischen Erdgeschichte ununterbrochen an verschiedenen
-Stellen miteinander gewechselt. Das ergibt sich mit Sicherheit aus der
-geographischen Verbreitung der Organismen. Nun ist es aber für die
-Beurteilung unserer paläontologischen Schöpfungsurkunde außerordentlich
-wichtig, sich klarzumachen, daß bleibende Schichten sich bloß während
-langsamer Senkung des Bodens unter Wasser ablagern können, nicht aber
-während andauernder Hebung. Wenn der Boden langsam mehr und mehr unter
-den Meeresspiegel versinkt, so gelangen die abgelagerten
-Schlammschichten in immer tieferes und ruhigeres Wasser, wo sie sich
-ungestört zu Gestein verdichten können. Wenn sich dagegen umgekehrt der
-Boden langsam hebt, so kommen die soeben abgelagerten Schlammschichten,
-welche Reste von Pflanzen und Tieren umschließen, sogleich wieder in den
-Bereich des Wogenspiels und werden durch die Kraft der Brandung alsbald
-nebst den eingeschlossenen organischen Resten zerstört. Aus diesem
-einfachen, aber sehr gewichtigen Grunde können also nur während einer
-andauernden Senkung des Bodens sich reichlichere Schichten ablagern, in
-denen die organischen Reste erhalten bleiben. Wenn je zwei verschiedene
-übereinander liegende Formationen oder Schichten mithin zwei
-verschiedenen Senkungsperioden entsprechen, so müssen wir zwischen
-diesen letzteren einen langen Zeitraum der Hebung annehmen, von dem wir
-gar nichts wissen, weil uns keine fossilen Reste von den damals lebenden
-Tieren und Pflanzen aufbewahrt werden konnten. Offenbar verdienen aber
-diese spurlos dahingegangenen Hebungszeiträume nicht geringere
-Berücksichtigung als die damit abwechselnden Senkungszeiträume, von
-deren organischer Bevölkerung uns die versteinerungsführenden Schichten
-eine ungefähre Vorstellung geben. Wahrscheinlich waren die ersteren
-durchschnittlich von nicht geringerer Dauer als die letzteren; für diese
-Annahme sprechen viele gewichtige Gründe.
-
-Schon hieraus ergibt sich, wie unvollständig unsere Urkunde notwendig
-sein muß, um so mehr, da sich theoretisch erweisen läßt, daß gerade
-während der Hebungszeiträume das Tier- und Pflanzenleben an
-Mannigfaltigkeit zunehmen mußte. Denn indem neue Strecken Landes über
-das Wasser gehoben werden, bilden sich neue Inseln. Jede neue Insel ist
-aber ein neuer Schöpfungsmittelpunkt, weil die zufällig dorthin
-verschlagenen Tiere und Pflanzen aus dem neuen Boden im Kampf ums Dasein
-reiche Gelegenheit finden, sich eigentümlich zu entwickeln und neue
-Arten zu bilden. Die Bildung neuer Arten hat offenbar während dieser
-Zwischenzeiten, aus denen uns leider keine Versteinerungen erhalten
-bleiben konnten, vorzugsweise stattgefunden; umgekehrt gab die langsame
-Senkung des Bodens eher Gelegenheit zum Aussterben zahlreicher Arten und
-zu einem Rückschritt in der Artenbildung. Auch die Zwischenformen
-zwischen den alten und den neu sich bildenden Spezies werden
-vorzugsweise während jener Hebungszeiträume gelebt haben und konnten
-daher ebenfalls keine fossilen Reste hinterlassen.
-
-Zu den sehr bedeutenden und empfindlichen Lücken der paläontologischen
-Schöpfungsurkunde, welche durch die Hebungszeiträume bedingt werden,
-kommen nun leider noch viele andere Umstände hinzu, welche den hohen
-Wert derselben außerordentlich verringern. Dahin gehört vor allen der
-metamorphische Zustand der ältesten Schichtengruppen, gerade derjenigen,
-welche die Reste der ältesten Flora und Fauna, der Stammformen aller
-folgenden Organismen enthalten, und dadurch von ganz besonderem
-Interesse sein würden. Gerade diese Gesteine, und zwar der größere Teil
-der primordialen oder archolithischen Schichten, fast das ganze
-laurentische und ein großer Teil des kambrischen Systems, enthalten gar
-keine kenntlichen Reste mehr, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil
-diese Schichten durch den Einfluß des feuerflüssigen Erdinnern
-nachträglich wieder verändert oder metamorphosiert wurden. Durch die
-Hitze des glühenden Erdkerns sind diese tiefsten neptunischen
-Rindenschichten in ihrer ursprünglichen Schichtenstruktur gänzlich
-umgewandelt und in einen kristallinischen Zustand übergeführt worden.
-Dabei ging aber die Form der darin eingeschlossen organischen Reste ganz
-verloren. Nur hier und da wurde sie durch einen glücklichen Zufall
-erhalten, wie es bei manchen der ältesten bekannten Petrefakten aus den
-untersten kambrischen Schichten der Fall ist. Jedoch können wir aus den
-Lagern von kristallinischer Kohle (Graphit) und kristallinischem Kalk
-(Marmor), welche sich in den metamorphischen Gesteinen eingelagert
-finden, mit Sicherheit auf die frühere Anwesenheit von versteinerten
-Pflanzen- und Tierresten in denselben schließen. Neuerdings sind fossile
-Radiolarien auch in präkambrischen Schichten entdeckt.
-
-Außerordentlich unvollständig wird unsere Schöpfungsurkunde durch den
-Umstand, daß erst ein sehr kleiner Teil der Erdoberfläche genauer
-geologisch untersucht ist, vorzugsweise Europa und Nordamerika; auch von
-Südamerika und Ostindien sind einzelne Stellen der Erdrinde
-aufgeschlossen; der größte Teil derselben ist uns aber unbekannt.
-Dasselbe gilt vom größten Teil Asiens, des umfangreichsten aller
-Weltteile, auch von Afrika (ausgenommen das Kap der Guten Hoffnung und
-die Mittelmeerküste) und von Australien wissen wir nur sehr wenig. Im
-ganzen ist wohl kaum der hundertste Teil der gesamten Erdoberfläche
-gründlich paläontologisch erforscht. Wir können daher wohl hoffen, bei
-weiterer Ausbreitung der geologischen Untersuchungen, denen namentlich
-die Anlage von Eisenbahnen und Bergwerken sehr zu Hilfe kommen wird,
-noch einen großen Teil wichtiger Versteinerungen aufzufinden. Ein
-Fingerzeig dafür ist uns durch die merkwürdigen Versteinerungen gegeben,
-die man an den wenigen genauer untersuchten Punkten von Afrika und
-Asien, in den Kapgegenden und am Himalaja, sowie neuerdings in
-Patagonien aufgefunden hat. Eine Reihe von ganz neuen und sehr
-eigentümlichen Tierformen ist uns dadurch bekannt geworden. Freilich
-müssen wir anderseits erwägen, daß der ausgedehnte Boden der jetzigen
-Meere vorläufig für die paläontologischen Forschungen fast unzugänglich
-ist; den größten Teil der hier seit uralten Zeiten begrabenen
-Versteinerungen werden wir entweder niemals oder erst nach Verlauf
-vieler Jahrtausende kennen lernen, wenn durch allmähliche Hebungen der
-gegenwärtige Meeresboden mehr zutage getreten sein wird. Wenn Sie
-bedenken, daß die ganze Erdoberfläche zu ungefähr drei Fünfteilen aus
-Wasser und nur zu zwei Fünfteilen aus Festland besteht, so können Sie
-ermessen, daß auch in dieser Beziehung die paläontologische Urkunde eine
-ungeheure Lücke enthalten muß.
-
-Nun kommen aber noch eine Reihe von Schwierigkeiten für die
-Paläontologie hinzu, welche in der Natur der Organismen selbst begründet
-sind. Vor allem ist hier hervorzuheben, daß in der Regel nur harte und
-feste Körperteile der Organismen auf den Boden des Meeres und der süßen
-Gewässer gelangen und hier in Schlamm eingeschlossen und versteinert
-werden können. Es sind also namentlich die Knochen und Zähne der
-Wirbeltiere, die Kalkschalen der Weichtiere, die Chitinskelette der
-Gliedertiere, die Kalkskelette der Sterntiere und Korallen, ferner die
-holzigen, festen Teile der Pflanzen, die einer solchen Versteinerung
-fähig sind. Die weichen und zarten Teile dagegen, welche bei den
-allermeisten Organismen den bei weitem größten Teil des Körpers bilden,
-gelangen nur sehr selten unter so günstigen Verhältnissen in den
-Schlamm, daß sie versteinern, oder daß ihre äußere Form deutlich in dem
-erhärteten Schlamme sich abdrückt. Nun bedenken Sie, daß ganze große
-Klassen von Organismen, wie z. B. die Medusen, die Platoden, die nackten
-Mollusken, welche keine Schale haben, ein großer Teil der Gliedertiere,
-die meisten Würmer und selbst die niedersten Wirbeltiere gar keine
-festen und harten, versteinerungsfähigen Körperteile besitzen. Ebenso
-sind gerade die wichtigsten Pflanzenteile, die Blüten, meistens so weich
-und zart, daß sie sich nicht in kenntlicher Form konservieren können.
-Von allen diesen wichtigen Lebensformen werden wir naturgemäß auch gar
-keine versteinerten Reste zu finden erwarten können. Ferner sind die
-Embryonen und Jugendzustände fast aller Organismen so weich und zart,
-daß sie gar nicht versteinerungsfähig sind. Was wir also von
-Versteinerungen in den neptunischen Schichtensystemen der Erdrinde
-vorfinden, das sind im Verhältnis zum Ganzen nur wenige Formen, und
-meistens nur einzelne Bruchstücke.
-
-Sodann ist zu berücksichtigen, daß die Meerbewohner in einem viel
-höheren Grade Aussicht haben, ihre toten Körper in den abgelagerten
-Schlammschichten versteinert zu erhalten, als die Bewohner der süßen
-Gewässer und des Festlandes. Die das Land bewohnenden Organismen können
-in der Regel nur dann versteinert werden, wenn ihre Leichen zufällig ins
-Wasser fallen und auf dem Boden in erhärtenden Schlammschichten begraben
-werden, was von mancherlei Bedingungen abhängig ist. Daher kann es uns
-nicht wundernehmen, daß die bei weitem größte Mehrzahl der
-Versteinerungen Organismen angehört, die im Meere lebten, und daß von
-den Landbewohnern verhältnismäßig nur sehr wenige im fossilen Zustande
-erhalten sind. Welche Zufälligkeiten hierbei ins Spiel kommen, mag Ihnen
-allein der Umstand beweisen, daß man von vielen fossilen Säugetieren,
-insbesondere von den meisten Säugetieren der Sekundärzeit, weiter nichts
-kennt als den Unterkiefer. Dieser Knochen ist erstens verhältnismäßig
-fest und löst sich zweitens sehr leicht von dem toten Körper, der auf
-dem Wasser schwimmt, ab. Während die Leiche vom Wasser fortgetrieben und
-zerstört wird, fällt der Unterkiefer auf den Grund des Wassers hinab und
-wird hier vom Schlamm umschlossen. Daraus erklärt sich allein die
-merkwürdige Tatsache, daß in einer Kalkschicht des Jurasystems bei
-Oxford in England, in den Schiefern von Stonesfield, bis jetzt fast nur
-die Unterkiefer von zahlreichen Beuteltieren gefunden worden sind; sie
-gehören zu den ältesten Säugetieren, welche wir kennen. Von dem ganzen
-übrigen Körper derselben war auch nicht ein Knochen mehr vorhanden. Die
-»exakten« Gegner der Entwicklungstheorie würden nach der bei ihnen
-gebräuchlichen Logik hieraus den Schluß ziehen müssen, daß der
-Unterkiefer der einzige Knochen im Leibe jener merkwürdigen Tiere war.
-
-Für die kritische Würdigung der vielen unbedeutenden Zufälle, die unsere
-Kenntnis der Versteinerungen in der bedeutendsten Weise beeinflussen,
-sind ferner auch die Fußspuren sehr lehrreich, welche sich in großer
-Menge in verschiedenen ausgedehnten Sandsteinlagern, z. B. in dem roten
-Sandstein von Connecticut in Nordamerika, finden. Diese Fußtritte rühren
-offenbar von Wirbeltieren, wahrscheinlich von Reptilien her, von deren
-Körper selbst uns nicht die geringste Spur erhalten geblieben ist. Die
-Abdrücke, welche ihre Füße im Schlamm hinterlassen haben, verraten uns
-allein die vormalige Existenz von diesen uns sonst ganz unbekannten
-Tieren.
-
-Welche Zufälligkeiten außerdem noch die Grenzen unserer
-paläontologischen Kenntnisse bestimmen, können Sie daraus ermessen, daß
-man von sehr vielen wichtigen Versteinerungen nur ein einziges oder nur
-ein paar Exemplare kennt. Im Jahre 1861 wurde im lithographischen
-Schiefer von Solnhofen das unvollständige Skelett des ältesten bis jetzt
-bekannten Vogels entdeckt; ^Archaeopteryx lithographica^; 1877 wurde
-ebendaselbst ein zweites Exemplar gefunden, welches das erste in
-glücklichster Weise ergänzt. Die Kenntnis dieses einzigen Vogels aus dem
-Jurasystem besitzt für die Phylogenie der ganzen Vogelklasse die
-allergrößte Wichtigkeit. Alle bisher bekannten Vögel stellten eine sehr
-einförmig organisierte Gruppe dar, und zeigten keine auffallenden
-Übergangsbildungen zu anderen Wirbeltierklassen, auch nicht zu den
-nächstverwandten Reptilien. Jener fossile Vogel aus dem Jura dagegen
-besaß keinen gewöhnlichen Vogelschwanz, sondern einen Eidechsenschwanz,
-und bestätigte dadurch die aus anderen Gründen vermutete Abstammung der
-Vögel von den Eidechsen. Durch dieses Petrefakt wurde also nicht nur
-unsere Vorstellung von dem Alter der Vogelklasse, sondern auch von ihrer
-Blutsverwandtschaft mit den Reptilien wesentlich erweitert. Ebenso sind
-unsere Kenntnisse von anderen Tiergruppen oft durch die zufällige
-Entdeckung einer einzigen Versteinerung wesentlich umgestaltet worden.
-Da wir aber wirklich von vielen wichtigen Petrefakten nur sehr wenige
-Exemplare oder nur Bruchstücke kennen, so muß auch aus diesem Grunde die
-paläontologische Urkunde höchst unvollständig sein.
-
-Eine weitere und sehr empfindliche Lücke derselben ist durch den Umstand
-bedingt, daß die _Zwischenformen_, welche die verschiedenen Arten
-verbinden, in der Regel nicht erhalten sind, und zwar aus dem einfachen
-Grunde, weil dieselben (nach dem Prinzip der Divergenz des Charakters)
-im Kampfe ums Dasein ungünstiger gestellt waren als die am meisten
-divergierenden Varietäten, die sich aus einer und derselben Stammform
-entwickelten. Die Zwischenglieder sind im ganzen immer rasch
-ausgestorben und haben sich nur selten vollständig erhalten. Die am
-stärksten divergierenden Formen dagegen konnten sich längere Zeit
-hindurch als selbständige Arten am Leben erhalten, sich in zahlreichen
-Individuen ausbreiten und demnach auch leichter versteinert werden.
-Dadurch ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß nicht in vielen Fällen auch
-die verbindenden Zwischenformen der Arten sich so vollständig
-versteinert erhielten, daß sie noch gegenwärtig die systematischen
-Paläontologen in die größte Verlegenheit versetzen und endlose
-Streitigkeiten über die ganz willkürlichen Grenzen der Spezies
-hervorrufen.
-
-Ein ausgezeichnetes Beispiel der Art liefert die berühmte vielgestaltige
-Süßwasserschnecke aus dem Stubental bei Steinheim in Württemberg, welche
-bald als ^Paludina^, bald als ^Valvata^, bald als ^Planorbis
-multiformis^ beschrieben worden ist. Die schneeweißen Schalen dieser
-kleinen Schnecke setzen mehr als die Hälfte von der ganzen Masse eines
-tertiären Kalkhügels zusammen und offenbaren dabei an dieser einen
-Lokalität eine solche wunderbare Formenmannigfaltigkeit, daß man die am
-meisten divergierenden Extreme als wenigstens zwanzig ganz verschiedene
-Arten beschreiben und diese sogar in vier ganz verschiedene Gattungen
-versetzen könnte. Aber alle diese extremen Formen sind durch so
-massenhafte verbindende Zwischenformen verknüpft, und diese liegen so
-gesetzmäßig über- und nebeneinander, daß Hilgendorf daraus auf das
-klarste den Stammbaum der ganzen Formengruppe entwickeln konnte. Ebenso
-finden sich bei sehr vielen anderen fossilen Arten (z. B. vielen
-Ammoniten, Terebrateln, Seeigeln, Seelilien usw.) die verknüpfenden
-Zwischenformen in solcher Masse, daß sie die »fossilen Spezieskrämer«
-zur Verzweiflung bringen.
-
-Wenn Sie nun alle vorher angeführten Verhältnisse erwägen, so werden Sie
-sich nicht darüber wundern, daß die paläontologische Schöpfungsurkunde
-ganz außerordentlich lückenhaft und unvollständig ist. Aber dennoch
-haben die wirklich gefundenen Versteinerungen den größten Wert. Ihre
-Bedeutung für die natürliche Schöpfungsgeschichte ist nicht geringer als
-die Bedeutung, welche die berühmte Inschrift von Rosette und das Dekret
-von Kanopus für die Völkergeschichte, für die Archäologie und Philologie
-besitzen. Wie es durch diese beiden uralten Inschriften möglich wurde,
-die Geschichte des alten Ägyptens außerordentlich zu erweitern und die
-ganze Hieroglyphenschrift zu entziffern, so genügen uns in vielen Fällen
-einzelne Knochen eines Tieres oder unvollständige Abdrücke einer
-niederen Tier- oder Pflanzenform, um die wichtigsten Anhaltspunkte für
-die Geschichte einer ganzen Gruppe und die Erkenntnis ihres Stammbaums
-zu gewinnen. Ein paar kleine Backzähne, die in der Keuperformation der
-Trias gefunden wurden, waren lange Zeit hindurch der einzige Beweis
-dafür, daß schon in der Triaszeit Säugetiere wirklich existiert haben.
-
-Von der Unvollkommenheit des geologischen Schöpfungsberichtes sagt
-Darwin, in Übereinstimmung mit Lyell, dem berühmten Geologen: »Der
-natürliche Schöpfungsbericht, wie ihn die Paläontologie liefert, ist
-eine Geschichte der Erde, unvollständig erhalten und in wechselnden
-Dialekten geschrieben, wovon aber nur der letzte, bloß auf einige Teile
-der Erdoberfläche sich beziehende Band bis auf uns gekommen ist. Doch
-auch von diesem Bande ist nur hier und da ein kurzes Kapitel erhalten,
-und von jeder Seite sind nur da und dort einige Zeilen übrig. Jedes Wort
-der langsam wechselnden Sprache dieser Beschreibung, mehr oder weniger
-verschieden in der ununterbrochenen Reihenfolge der einzelnen
-Abschnitte, mag den anscheinend plötzlich wechselnden Lebensformen
-entsprechen, welche in den unmittelbar aufeinander liegenden Schichten
-unserer weit voneinander getrennten Formationen begraben liegen.«
-
-Wenn Sie diese außerordentliche Unvollständigkeit der paläontologischen
-Urkunde sich beständig vor Augen halten, so wird es Ihnen nicht
-wunderbar erscheinen, daß wir noch auf so viele unsichere Hypothesen
-angewiesen sind, indem wir wirklich den Stammbaum der verschiedenen
-organischen Gruppen entwerfen wollen. Jedoch besitzen wir
-glücklicherweise außer den Versteinerungen auch noch andere historische
-Urkunden; und diese sind in vielen Fällen von nicht geringerem und in
-den meisten sogar von viel höherem Werte als die Petrefakten. Die bei
-weitem wichtigste von diesen anderen Schöpfungsurkunden ist ohne Zweifel
-die _Ontogenie_ oder Keimesgeschichte; denn sie wiederholt uns kurz in
-großen, markigen Zügen das Bild der Stammesgeschichte oder _Phylogenie_.
-
-Allerdings ist die Skizze, welche uns die Ontogenie der Organismen von
-ihrer Phylogenie gibt, in den meisten Fällen mehr oder weniger
-verwischt, und zwar um so mehr, je mehr die Anpassung im Laufe der Zeit
-das Übergewicht über die Vererbung erlangt hat, und je mächtiger das
-Gesetz der abgekürzten Vererbung und das Gesetz der wechselbezüglichen
-Anpassung eingewirkt haben. Allein dadurch wird der hohe Wert nicht
-vermindert, welchen die wirklich treu erhaltenen Züge jener Skizze
-besitzen. Besonders für die Erkenntnis der frühesten paläontologischen
-Entwicklungszustände ist die Ontogenie von ganz unschätzbaren Werte,
-weil gerade von den ältesten Entwicklungsstufen der Stämme und Klassen
-uns gar keine versteinerten Reste erhalten worden sind und auch schon
-wegen der weichen und zarten Körperbeschaffenheit derselben nicht
-erhalten bleiben konnten. Keine Versteinerung könnte uns von der
-unschätzbar wichtigen Tatsache berichten, welche die Ontogenie uns
-erzählt, daß die ältesten gemeinsamen Vorfahren aller verschiedenen
-Tier- und Pflanzenarten ganz einfache Zellen, gleich den Eiern waren.
-Keine Versteinerung könnte uns die unendlich wertvolle, durch die
-Ontogenie festgestellte Tatsache beweisen, daß durch einfache
-Vermehrung, Gemeindebildung und Arbeitsteilung jener Zellen die
-unendlich mannigfaltigen Körperformen der vielzelligen Organismen
-entstanden. Allein schon die Gastrulation ist eine der wichtigsten
-Stammesurkunden. So hilft uns die Ontogenie über viele und große Lücken
-der Paläontologie hinweg.
-
-[Illustration: Hand von neun verschiedenen Säugetieren. 1. Mensch. 2.
-Gorilla. 3. Orang. 4. Hund. 5. Seehund. 6. Delphin. 7. Fledermaus. 8.
-Maulwurf. 9. Schnabeltier.]
-
-Zu den unschätzbaren Schöpfungsurkunden der Paläontologie und Ontogenie
-gesellen sich nun drittens die nicht minder wichtigen Zeugnisse für die
-Blutsverwandtschaft der Organismen, welche uns die _vergleichende
-Anatomie_ liefert. Wenn äußerlich sehr verschiedene Organismen in ihrem
-inneren Bau nahezu übereinstimmen, so können wir daraus mit voller
-Sicherheit schließen, daß diese Übereinstimmung ihren Grund in der
-Vererbung, jene Ungleichheit dagegen ihren Grund in der Anpassung hat.
-Betrachten Sie z. B. vergleichend die Hände oder Vorderpfoten der neun
-verschiedenen Säugetiere, welche auf Seite 87 abgebildet sind, und bei
-denen das knöcherne Skelettgerüst im Innern der Hand und der fünf Finger
-sichtbar ist. Überall finden sich bei der verschiedensten äußeren Form
-dieselben Knochen in derselben Zahl, Lagerung und Verbindung wieder. Daß
-die Hand des Menschen (Fig. 1) von derjenigen seiner nächsten
-Verwandten, des Gorilla (Fig. 2) und des Orang (Fig. 3), sehr wenig
-verschieden ist, wird vielleicht sehr natürlich erscheinen. Wenn aber
-auch die Vorderpfote des Hundes (Fig. 4), sowie die Brustflosse (die
-Hand) des Seehundes (Fig. 5) und des Delphins (Fig. 6) ganz denselben
-wesentlichen Bau zeigt, so wird dies schon mehr überraschen. Und noch
-wunderbarer wird es Ihnen vorkommen, daß auch der Flügel der Fledermaus
-(Fig. 7), die Grabschaufel des Maulwurfs (Fig. 8) und der Vorderfuß des
-unvollkommensten aller Säugetiere, des Schnabeltieres (Fig. 9) ganz aus
-denselben Knochen zusammengesetzt ist. Nur die Größe und Form der
-Knochen ist vielfach geändert. Die Zahl und die Art ihrer Anordnung und
-Verbindung ist dieselbe geblieben. Es ist ganz undenkbar, daß irgendeine
-andere Ursache als die gemeinschaftliche Vererbung von gemeinsamen
-Stammeltern diese wunderbare Homologie oder Gleichheit im wesentlichen
-inneren Bau bei so verschiedener äußerer Form verursacht habe. Und wenn
-Sie nun im System von den Säugetieren weiter hinuntersteigen und finden,
-daß sogar bei den Vögeln die Flügel, bei den Reptilien und Amphibien die
-Vorderfüße wesentlich in derselben Weise aus denselben Knochen
-zusammengesetzt sind, wie die Arme des Menschen und die Vorderbeine der
-übrigen Säugetiere, so können Sie schon daraus auf die gemeinsame
-Abstammung aller dieser Wirbeltiere mit voller Sicherheit schließen. Der
-Grad der inneren Formverwandtschaft enthüllt Ihnen hier, wie überall,
-den Grad der wahren Stammverwandtschaft.
-
- (Aus »Natürliche Schöpfungsgeschichte«.)
-
-
-
-
- III.
- Die Gasträatheorie.
-
-
-Die ersten Vorgänge der individuellen Entwicklung, welche nach erfolgter
-Befruchtung der Eizelle und Bildung der Stammzelle eintreten, sind im
-ganzen Tierreiche wesentlich dieselben; sie beginnen überall mit der
-sogenannten Eifurchung und Keimblätterbildung. Nur die niedersten und
-einfachsten Tiere, die Urtiere oder Protozoen, machen davon eine
-Ausnahme; denn sie bleiben zeitlebens einzellig. Zu diesen Urtieren
-gehören die Amöben, Gregarinen, Rhizopoden, Infusorien usw. Da ihr
-ganzer Organismus nur durch eine einzige Zelle repräsentiert wird,
-können sie niemals »Keimblätter«, d. h. bestimmt geformte
-Zellenschichten bilden. Alle übrigen Tiere dagegen, alle Gewebetiere
-oder Metazoen (wie wir sie im Gegensatz zu jenen Protozoen nennen)
-bilden durch wiederholte Teilung der befruchteten Eizelle echte
-Keimblätter. Das gilt ebensowohl von den niederen Nesseltieren und
-Wurmtieren, wie von den höher entwickelten Weichtieren, Sterntieren,
-Gliedertieren und Wirbeltieren.
-
-Bei allen diesen Metazoen oder vielzelligen Tieren sind die wichtigsten
-Vorgänge der Keimung im wesentlichen gleich, obwohl sie, äußerlich
-betrachtet, oft sehr verschieden erscheinen. Überall zerfällt die
-Stammzelle, welche aus der befruchteten Eizelle hervorgegangen ist,
-zunächst durch wiederholte Teilung in eine große Anzahl von einfachen
-Zellen. Diese Zellen sind alle direkte Nachkommen der Stammzelle und
-werden aus später zu erörternden Gründen als Furchungszellen oder
-»Furchungskugeln« bezeichnet (^Blastomera^ oder ^Segmentella^). Der
-wiederholte Teilungsprozeß der Stammzelle, durch welchen die
-Furchungszellen entstehen, ist schon lange unter dem Namen der
-_Eifurchung_ oder schlechtweg »Furchung« (^Segmentatio^) bekannt. Früher
-oder später treten die Furchungszellen zur Bildung einer runden
-(ursprünglich kugeligen) _Keimblase_ (^Blastula^) zusammen; dann aber
-sondern sie sich in zwei wesentlich verschiedene Gruppen und ordnen sich
-in zwei getrennte Zellenschichten: die beiden _primären Keimblätter_.
-Diese umschließen eine Verdauungshöhle, den _Urdarm_, mit einer Öffnung,
-dem _Urmund_. Die bedeutungsvolle Keimform, welche diese ältesten
-Primitivorgane besitzt, nennen wir _Gastrula_, den Vorgang ihrer
-Entstehung _Gastrulation_. Dieser ontogenetische Vorgang besitzt die
-höchste Bedeutung und ist der eigentliche Ausgangspunkt für die
-Gestaltung des vielzelligen Tierkörpers.
-
-Die fundamentalen Keimungsprozesse der Eifurchung und der
-Keimblätterbildung sind erst in den letzten dreißig Jahren vollkommen
-klar erkannt und in ihrer wahren Bedeutung richtig gewürdigt worden. Sie
-bieten in den verschiedenen Tiergruppen mancherlei auffallende
-Verschiedenheiten dar, und es war nicht leicht, die wesentliche
-Gleichheit oder Identität derselben im ganzen Tierreiche nachzuweisen.
-Erst nachdem ich 1872 die Gasträatheorie aufgestellt und später (1875)
-alle die einzelnen Formen der Eifurchung und Gastrulabildung auf eine
-und dieselbe Grundform zurückgeführt hatte, konnte jene wichtige
-Identität als wirklich bewiesen angesehen werden. Es ist damit ein
-_einheitliches Gesetz_ gewonnen, welches die ersten Vorgänge der Keimung
-bei sämtlichen Tieren beherrscht.
-
-Der Mensch verhält sich in bezug auf diese ersten und wichtigsten
-Vorgänge jedenfalls durchaus gleich den übrigen höheren Säugetieren, und
-zunächst den Affen. Da der menschliche Keim oder Embryo selbst noch in
-einem viel späteren Stadium der Ausbildung, wo bereits Gehirnblasen,
-Augen, Gehörorgane, Kiemenbogen usw. angelegt sind, nicht wesentlich von
-dem gleichgeformten Keime der übrigen höheren Säugetiere verschieden
-ist, so dürfen wir mit voller Sicherheit annehmen, daß auch die ersten
-Vorgänge der Keimung, der Eifurchung und Keimblätterbildung dieselben
-sind. Wirklich beobachtet sind diese Verhältnisse allerdings bisher noch
-nicht. Da aber sowohl die jüngsten wirklich beobachteten menschlichen
-Embryonen (in Form von Keimblasen), als auch die darauf folgenden weiter
-entwickelten Keimformen mit denjenigen des Kaninchens, des Hundes und
-anderer höherer Säugetiere wesentlich übereinstimmen, so wird kein
-vernünftiger Mensch daran zweifeln, daß auch die Eifurchung und
-Keimblätterbildung hier geradeso wie dort verläuft.
-
-Nun ist aber die besondere Form, welche die Eifurchung und
-Keimblätterbildung bei den Säugetieren besitzt, keineswegs die
-ursprüngliche, einfache und palingenetische Form der Keimung. Vielmehr
-ist dieselbe infolge von zahlreichen embryonalen Anpassungen sehr stark
-abgeändert, gestört oder cenogenetisch modifiziert. Wir können dieselbe
-daher unmöglich an und für sich allein verstehen. Vielmehr müssen wir,
-um zu diesem Verständnis zu gelangen, die verschiedenen Formen der
-Eifurchung und Keimblätterbildung im Tierreiche vergleichend betrachten;
-und vor allem müssen wir die ursprüngliche, _palingenetische_ Form
-derselben aufsuchen, aus welcher die abgeänderte, _cenogenetische_ Form
-der Säugetierkeimung erst viel später allmählich entstanden ist.
-
-Diese ursprüngliche, palingenetische Form der Eifurchung und
-Keimblätterbildung besteht im Stamme der Wirbeltiere, zu welchem der
-Mensch gehört, heutzutage einzig und allein noch beim niedersten und
-ältesten Gliede dieses Stammes, bei dem wunderbaren Lanzettierchen oder
-Amphioxus. Dieselbe palingenetische Form der Keimung finden wir aber in
-ganz gleicher Weise auch noch bei vielen niederen, wirbellosen Tieren
-vor, so z. B. bei der merkwürdigen Seescheide (^Ascidia^), bei der
-Teichschnecke (^Limnaeus^), beim Pfeilwurm (^Sagitta^), ferner bei sehr
-vielen Sterntieren und Nesseltieren, so z. B. beim gewöhnlichen Seestern
-und Seeigel, bei vielen Medusen und Korallen und bei den einfachsten
-Schwämmen (^Olynthus^). Wir wollen hier als Beispiel die palingenetische
-Eifurchung und Keimblätterbildung einer achtzähligen Einzelkoralle
-betrachten, welche ich 1873 im Roten Meere entdeckt und in meinen
-»Arabischen Korallen« als ^Monoxenia Darwinii^ beschrieben habe.
-
-[Illustration: Fig. 1. Gastrulation einer Koralle (^Monoxenia
-Darwinii^).]
-
-Die befruchtete Eizelle dieser Koralle (siehe die Abbildungen S. 93)
-zerfällt zunächst durch Teilung in zwei gleiche Zellen (C). Zuerst teilt
-sich der Kern der Stammzelle und das anhängende Centrosoma in zwei
-gleiche Hälften, diese stoßen sich ab, weichen auseinander und wirken
-als Anziehungsmittelpunkte auf das umgebende Protoplasma; infolgedessen
-schnürt sich das letztere durch eine Ringfurche ringsherum ein und geht
-ebenfalls in zwei gleiche Hälften auseinander. Jede der beiden so
-entstandenen »Furchungszellen« zerfällt auf dieselbe Weise wiederum in
-zwei gleiche Zellen, und zwar liegt die Trennungsebene dieser beiden
-letzteren senkrecht auf derjenigen der beiden ersteren (Fig. D). Die
-vier gleichen Furchungszellen (die Enkelinnen der Stammzelle) liegen in
-einer Ebene. Jetzt teilt sich jede derselben abermals in zwei gleiche
-Hälften, und wiederum geht die Teilung des Zellkernes derjenigen des
-umhüllenden Protoplasma voraus. Die so entstandenen acht Furchungszellen
-zerfallen auf die gleiche Weise wieder in sechzehn. Aus diesen werden
-durch abermalige Teilung 32 Furchungszellen. Indem jede von diesen sich
-halbiert, entstehen 64, weiterhin 128 Zellen usw. Das Endresultat dieser
-wiederholten gleichmäßigen Zweiteilung ist die Bildung eines kugeligen
-Haufens von gleichartigen Furchungszellen, und diesen nennen wir
-_Maulbeerkeim_ (^Morula^). Die Zellen liegen so dicht gedrängt
-aneinander, wie die Körner einer Maulbeere oder Brombeere, und daher
-erscheint die Oberfläche der Kugel im ganzen höckerig.
-
-Nachdem die Eifurchung dergestalt beendigt ist, verwandelt sich der
-dichte Maulbeerkeim in eine hohle kugelige Blase. Wässerige Flüssigkeit
-oder Gallerte sammelt sich in der Mitte der dichten Kugel an; die
-Furchungszellen weichen auseinander und begeben sich alle an die
-Oberfläche derselben. Hier platten sie sich durch gegenseitigen Druck
-vielflächig ab, nehmen die Gestalt von abgestutzten Pyramiden an und
-ordnen sich in eine einzige Schicht regelmäßig nebeneinander (Fig. F,
-G). Diese Zellenschicht heißt die _Keimhaut_ (^Blastoderma^); die
-gleichartigen Zellen, welche dieselbe in einfacher Lage zusammensetzen,
-nennen wir _Keimhautzellen_, und die ganze hohle Kugel, deren Wand die
-letzteren bilden, heißt _Keimhautblase_, auch kurz »Keimblase« oder
-»Blasenkeim« (^Blastula^). Der innere Hohlraum der Kugel, der mit klarer
-Flüssigkeit oder Gallerte gefüllt ist, heißt »Furchungshöhle« oder
-_Keimhöhle_.
-
-Bei unserer Koralle, wie bei vielen anderen niederen Tieren, beginnt
-schon jetzt der junge Tierkeim sich selbständig zu bewegen und im Wasser
-umherzuschwimmen. Es wächst nämlich aus jeder Keimhautzelle ein dünner
-und langer, fadenförmiger Fortsatz hervor, eine Peitsche oder Geißel;
-und diese führt selbständig langsame, später raschere Schwingungen aus
-(Fig. F). Jede Keimhautzelle wird so zu einer schwingenden
-»Geißelzelle«. Durch die vereinigte Kraft aller dieser schwingenden
-Geißeln wird die ganze kugelige Keimhautblase drehend oder rotierend im
-Wasser umhergetrieben. Bei vielen anderen Tieren, insbesondere bei
-solchen, wo sich der Keim innerhalb geschlossener Eihüllen entwickelt,
-bilden sich die schwingenden Geißelfäden an den Keimhautzellen erst
-später oder kommen überhaupt nicht zur Ausbildung. Die Keimhautblase
-kann wachsen und sich ausdehnen, indem sich die Keimhautzellen durch
-fortgesetzte Teilung (in der Kugelfläche!) vermehren und im inneren
-Hohlraum noch mehr Flüssigkeit ausgeschieden wird. Es gibt noch heute
-einige Organismen, welche auf der Bildungsstufe der Blastula zeitlebens
-stehenbleiben, Hohlkugeln, welche durch Flimmerbewegung im Wasser
-umherschwimmen und deren Wand aus einer einzigen Zellenschicht besteht:
-die Kugeltierchen (^Volvox^), die Flimmerkugeln (^Magosphaera^,
-^Synura^) und andere.
-
-Jetzt tritt ein sehr wichtiger und merkwürdiger Vorgang ein, nämlich die
-_Einstülpung der Keimblase_ (Fig. H). Aus der Kugel mit einschichtiger
-Zellenwand wird ein Becher mit zweischichtiger Zellenwand (Fig. G, H,
-I). An einer bestimmten Stelle der Kugeloberfläche bildet sich eine
-Abplattung, die sich zu einer Grube vertieft. Diese Grube wird tiefer
-und tiefer; sie wächst auf Kosten der inneren Keimhöhle oder
-Furchungshöhle. Die letztere nimmt immer mehr ab, je mehr sich die
-erstere ausdehnt. Endlich verschwindet die innere Keimhöhle ganz, indem
-sich der innere, eingestülpte Teil der Keimhaut (oder die Wand der
-Grube) an den äußeren, nicht eingestülpten Teil derselben innig anlegt.
-Zugleich nehmen die Zellen der beiden Teile verschiedene Gestalt und
-Größe an; die inneren Zellen werden mehr rundlich, die äußeren mehr
-länglich (Fig. I). So bekommt der Keim die Gestalt eines becherförmigen
-oder krugförmigen Körpers, dessen Wand aus zwei verschiedenen
-Zellenschichten besteht, und dessen innere Höhlung sich am einen Ende
-(an der ursprünglichen Einstülpungsstelle) nach außen öffnet. Diese
-höchst wichtige und interessante Keimform nennen wir Becherkeim oder
-_Becherlarve_ (^Gastrula^, Fig. 1 I im Längsschnitt, K von außen).
-
-_Die Gastrula halte ich für die wichtigste und bedeutungsvollste
-Keimform des Tierreichs._ Denn bei allen echten Tieren (nach Ausschluß
-der einzelligen Protozoen) geht aus der Eifurchung entweder eine reine,
-ursprüngliche, palingenetische Gastrula hervor, oder doch eine
-gleichbedeutende cenogenetische Keimform, die sekundär aus der ersteren
-entstanden ist und sich unmittelbar darauf zurückführen läßt. Sicher ist
-es eine Tatsache von höchstem Interesse und von der größten Bedeutung,
-daß Tiere der verschiedensten Stämme: Wirbeltiere und Manteltiere,
-Weichtiere und Gliedertiere, Sterntiere und Wurmtiere, Nesseltiere und
-Schwammtiere sich aus einer und derselben Keimform entwickeln. Als
-redende Beispiele stelle ich hier einige reine Gastrulaformen aus
-verschiedenen Tierstämmen nebeneinander:
-
-[Illustration: Fig. 2 (B). Gastrula eines Wurmes (Pfeilwurm, ^Sagitta^)
-nach Kowalevsky. -- Fig. 3 (C). Gastrula eines Echinodermen (Seestern,
-^Uraster^), nicht völlig eingestülpt (^Depula^), nach Alexander Agassiz.
--- Fig. 4 (D). Gastrula eines Arthropoden (Urkrebs, ^Nauplius^) (wie 3).
--- Fig. 5. (E). Gastrula eines Mollusken (Teichschnecke, ^Limnaeus^),
-nach Karl Rabl. -- Fig. 6 (A). Gastrula eines einfachsten Urdarmtieres,
-einer Gasträade (^Gastrophysema^), Haeckel. -- Fig. 7 (F). Gastrula
-eines Wirbeltieres (Lanzettierchen, ^Amphioxus^), nach Kowalevsky.
-(Frontal-Ansicht.) -- Überall bedeutet: d Urdarmhöhle. o Urmund. s
-Furchungshöhle. i Entoderm (Darmblatt). e Ektoderm (Hautblatt).]
-
-Bei dieser außerordentlichen Bedeutung der Gastrula müssen wir die
-Zusammensetzung ihrer ursprünglichen Körperform auf das genaueste
-untersuchen. Gewöhnlich ist die typische reine Gastrula sehr klein, mit
-bloßem Auge nicht sichtbar oder höchstens unter günstigen Umständen als
-ein feiner Punkt erkennbar, meistens von 1/20-1/10, seltener von 1/5-1/2
-mm Durchmesser (bisweilen mehr). Ihre Gestalt gleicht meistens einem
-rundlichen Becher, bald ist sie mehr eiförmig, bald mehr ellipsoid oder
-spindelförmig; bei einigen mehr halbkugelig oder fast kugelig, bei
-anderen wiederum mehr in die Länge gestreckt oder fast zylindrisch. Sehr
-charakteristisch ist die geometrische Grundform des Körpers, welche
-durch eine einzige Achse mit zwei verschiedenen Polen bestimmt wird.
-Diese Achse ist die Hauptachse oder Längsachse des späteren Tierkörpers;
-der eine Pol ist der Mundpol; der entgegengesetzte der Gegenmundpol. Bei
-den Bilaterien oder den höheren Tieren mit zweiseitiger Grundform nimmt
-die cenogenetisch abgeänderte Gastrula gewöhnlich schon frühzeitig
-ebenfalls die bilaterale (dreiachsige) Grundform an. Durch die
-einachsige Grundform unterscheidet sich die Gastrula sehr wesentlich von
-der kugeligen Blastula und Morula, bei denen alle Körperachsen gleich
-sind. Der Querschnitt der primären Gastrula ist kreisrund.
-
-Die innere Höhle des Gastrulakörpers bezeichne ich als _Urdarm_
-(^Progaster^) und seine Öffnung als _Urmund_ (^Prostoma^). Denn jene
-Höhle ist die ursprüngliche Ernährungshöhle oder Darmhöhle des Körpers,
-und diese Öffnung hat anfänglich zur Nahrungsaufnahme in denselben
-gedient. Später allerdings verhalten sich Urdarm und Urmund in den
-verschiedenen Tierstämmen sehr verschieden. Bei den meisten Nesseltieren
-und vielen Wurmtieren bleiben sie zeitlebens bestehen. Bei den meisten
-höheren Tieren hingegen, und so auch bei den Wirbeltieren, geht nur der
-größere mittlere Teil des späteren Darmrohrs aus dem Urdarme hervor; die
-spätere Mundöffnung bildet sich neu, während der Urmund zuwächst oder
-sich in den After umwandelt. Wir müssen also wohl unterscheiden zwischen
-dem Urmund und Urdarm der Gastrula einerseits und zwischen dem Nachdarm
-und Nachmund des ausgebildeten Wirbeltieres anderseits.
-
-Von der größten Bedeutung sind die beiden Zellenschichten, welche die
-Urdarmhöhle umschließen und deren Wand allein zusammensetzen. Denn diese
-beiden Zellenschichten, die einzig und allein den ganzen Körper bilden,
-sind nichts anderes als die beiden primären Keimblätter oder die
-_Urkeimblätter_ (^Blastophylla^). Die äußere Zellenschicht ist das
-_Hautblatt_ oder ^Ektoderma^ (Fig. 2-7 e); die innere Zellenschicht ist
-das _Darmblatt_ oder ^Entoderma^ (i). Ersteres wird auch oft als
-Ektoblast oder Epiblast, letzteres als Endoblast oder Hypoblast
-bezeichnet. _Aus diesen beiden primären Keimblättern allein baut sich
-der ganze Körper bei allen Metazoen oder vielzelligen Tieren auf._ Das
-Hautblatt liefert die äußere Oberhaut, das Darmblatt hingegen die innere
-Darmhaut. Zwischen beiden Keimblättern bildet sich später das mittlere
-Keimblatt (^Mesoderma^) und die mit Blut oder Lymphe erfüllte
-Leibeshöhle (^Coeloma^).
-
-Die beiden primären Keimblätter wurden zuerst im Jahre 1817 von Pander
-beim bebrüteten Hühnchen klar unterschieden, das äußere als seröses, das
-innere als muköses Blatt oder Schleimblatt. Aber ihre volle Bedeutung
-wurde erst von Baer erkannt, welcher in seiner klassischen
-Entwicklungsgeschichte (1828) das äußere als animales, das innere als
-vegetatives bezeichnete. Diese Bezeichnung ist insofern passend, als aus
-dem äußeren Blatte vorzugsweise (wenn auch nicht ausschließlich) die
-animalen Organe der Empfindung: Haut, Nerven und Sinnesorgane entstehen;
-hingegen aus dem inneren Blatte vorzugsweise die vegetativen Organe der
-Ernährung und Fortpflanzung, namentlich der Darm und das
-Blutgefäßsystem. Zwanzig Jahre später (1849) wies dann Huxley darauf
-hin, daß bei vielen niederen Pflanzentieren, namentlich Medusen, der
-ganze Körper eigentlich zeitlebens nur aus diesen beiden primären
-Keimblättern besteht. Bald darauf führte Allman (1853) für dieselben die
-Benennung ein, die bald allgemein angenommen wurde; er nannte das äußere
-Ektoderm (Außenblatt), das innere Entoderm (Innenblatt). Aber erst seit
-dem Jahre 1867 wurde (vorzugsweise von Kowalevsky) durch vergleichende
-Beobachtung der Nachweis geführt, daß auch bei wirbellosen Tieren der
-verschiedensten Klassen, bei Wurmtieren, Weichtieren, Sterntieren und
-Gliedertieren, der Körper sich aus denselben beiden primären
-Keimblättern aufbaut. Endlich habe ich selbst auch bei den niedersten
-Gewebetieren, bei den Schwämmen oder Spongien, dieselben (1872)
-nachgewiesen und zugleich in meiner Gasträatheorie den Beweis zu führen
-gesucht, daß diese »Grenzblätter« überall, von den Schwämmen und
-Korallen bis zu den Insekten und Wirbeltieren hinauf (also auch beim
-Menschen) als gleichbedeutend oder homolog aufzufassen sind. Diese
-fundamentale »Homologie der primären Keimblätter und des Urdarms« ist im
-Laufe der letzten dreißig Jahre durch die sorgfältigen Untersuchungen
-zahlreicher vortrefflicher Beobachter bestätigt und jetzt für sämtliche
-Metazoen fast allgemein anerkannt worden.
-
-[Illustration: Fig. 8. Gastrula eines niederen Schwammes (^Olynthus^). A
-von außen, B im Längsschnitte durch die Achse. g Urdarm (primitive
-Darmhöhle). o Urmund (primitive Mundöffnung). i innere Zellenschicht der
-Körperwand (inneres Keimblatt, Entoderm, Endoblast oder Darmblatt). c
-äußere Zellenschicht (äußeres Keimblatt, Ektoderm, Ektoblast oder
-Hautblatt).]
-
-Gewöhnlich bieten auch schon am Gastrulakeim die Zellen, welche die
-beiden primären Keimblätter zusammensetzen, erkennbare Verschiedenheiten
-dar. Meistens (wenn auch nicht immer) sind die Zellen des Hautblattes
-oder Ektoderms (Fig. 8c, 9e) kleiner, zahlreicher, heller, hingegen die
-Zellen des Darmblattes oder Entoderms (i) größer, weniger zahlreich und
-dunkler. Das Protoplasma der Ektodermzellen ist klarer und fester als
-die trübere und weichere Zellsubstanz der Entodermzellen, letztere sind
-meist viel reicher an Dotterkörnern (Eiweiß- und Fettkörnchen) als
-erstere. Auch besitzen die Darmblattzellen gewöhnlich eine stärkere
-Verwandtschaft zu Farbstoffen und färben sich in Karminlösung, Anilin
-usw. rascher und lebhafter als die Hautblattzellen. Die Kerne der
-Entodermzellen sind meistens rundlich, diejenigen der Ektodermzellen
-hingegen länglich.
-
-Diese physikalischen, chemischen und morphologischen Unterschiede der
-beiden Keimblätter, welche ihrem physiologischen Gegensatze entsprechen,
-sind auch insofern von hohem Interesse, als sie uns den ersten und
-ältesten Vorgang der Sonderung oder Differenzierung im Tierkörper vor
-Augen führen. Die Keimhaut (^Blastoderma^), welche die Wand der
-kugeligen Keimhautblase oder Blastula bildet, besteht bloß aus einer
-einzigen Schicht von gleichartigen Zellen. Diese Keimhautzellen oder
-Blastodermzellen sind ursprünglich sehr regelmäßig und gleichartig
-gebildet, von ganz gleicher Größe, Form und Beschaffenheit. Meistens
-sind sie durch gegenseitigen Druck abgeplattet, sehr oft regelmäßig
-sechseckig. Sie bilden das _erste Gewebe_ des Metazoen-Organismus, ein
-einfaches Zellenpflaster oder Epithelium. Die Gleichmäßigkeit dieser
-Zellen verschwindet früher oder später während der Einstülpung der
-Keimhautblase. Die Zellen, welche den eingestülpten, inneren Teil
-derselben (das spätere Entoderm) zusammensetzen, nehmen gewöhnlich schon
-während des Einstülpungs-Vorganges selbst eine andere Beschaffenheit an
-als die Zellen, welche den äußeren, nicht eingestülpten Teil (das
-spätere Ektoderm) konstituieren. Wenn der Einstülpungs-Prozeß vollendet
-ist, treten die histologischen Verschiedenheiten in den Zellen der
-beiden primären Keimblätter meist sehr auffallend hervor.
-
-Wir haben bisher nur diejenige Form der Eifurchung und der Gastrula ins
-Auge gefaßt, welche wir aus vielen und gewichtigen Gründen als die
-_ursprüngliche_, die primordiale oder palingenetische aufzufassen
-berechtigt sind. Wir können sie die äquale oder gleichmäßige Furchung
-nennen, weil die Furchungszellen zunächst gleich bleiben. Die daraus
-hervorgehende Gastrula bezeichnen wir als _Glocken_-Gastrula oder
-^Archigastrula^. In ganz gleicher Form, wie bei unserer Koralle treffen
-wir dieselbe auch bei den niedersten Pflanzentieren an, bei
-Gastrophysema (Fig. 6) und bei den einfachsten Schwämmen (^Olynthus^,
-Fig. 8); ferner bei vielen Medusen und Hydrapolypen, bei niederen
-Würmern verschiedener Klassen (Brachiopoden, ^Sagitta^, Fig. 2), bei
-Manteltieren (^Ascidia^); sodann bei vielen Sterntieren (Fig. 3),
-niederen Gliedertieren (Fig. 4) und Weichtieren (Fig. 5); endlich ein
-wenig modifiziert auch beim niedersten Wirbeltiere (^Amphioxus^).
-
-[Illustration: Fig. 9. Zellen aus den beiden primären Keimblättern d.
-Säugetieres (aus den beiden Schichten der Keimhaut). i größere dunklere
-Zellen der inneren Schicht, des vegetativen Keimblattes od. Entoderms. e
-kleinere hellere Zellen der äußeren Schicht, des animalen Keimblattes
-oder Ektoderms.]
-
-Die _Gastrulation des Amphioxus_ ist deshalb von besonderem Interesse,
-weil dieses niederste und älteste aller Wirbeltiere die größte Bedeutung
-für die Phylogenie dieses Stammes, also auch für unsere Anthropogenie
-besitzt. Wie die vergleichende Anatomie der Wirbeltiere die verwickelten
-Verhältnisse im Körperbau der verschiedenen Klassen durch divergente
-Entwicklung aus jenem einfachsten »Urwirbeltier« ableitet, so führt die
-vergleichende Ontogenie die verschiedenen sekundären Gastrulationsformen
-der Wirbeltiere auf die einfache, primäre Keimblätterbildung des
-Amphioxus zurück. Obwohl diese letztere, im Gegensatze zu den
-cenogenetischen Modifikationen der ersteren, im ganzen als
-palingenetisch zu betrachten ist, so unterscheidet sie sich doch schon
-in einigen Punkten von der ganz ursprünglichen Gastrulation, wie sie z.
-B. bei Monoxenia und bei Sagitta vorliegt. Aus der mustergültigen
-Darstellung von Hatschek (1881) geht hervor, daß die beiderlei
-Zellenarten der Keimblätter beim Amphioxus, wie bei vielen anderen
-Tieren, schon frühzeitig während des Furchungsprozesses ungleiche
-Beschaffenheit annehmen. Nur die vier ersten Furchungszellen, welche
-durch zwei vertikale, sich rechtwinklig schneidende Teilungsebenen
-getrennt werden, sind vollkommen gleich. Die dritte horizontale
-Furchungsebene liegt nicht im Äquator des Eies, sondern ein wenig
-oberhalb desselben, so daß sie jene vier Blastomeren in ungleiche
-Hälften teilt: vier obere kleinere und vier untere größere; jene bilden
-die animale, diese die vegetale Hemisphäre. Hatschek sagt daher mit
-Recht, daß die Eifurchung des Amphioxus keine streng äquale, sondern
-eine adäquale oder »fastgleiche« sei und sich der inäqualen nähere. Auch
-im weiteren Verlaufe des Furchungsprozesses bleibt der Größenunterschied
-der beiderlei Zellgruppen bemerkbar; die kleineren, animalen Zellen der
-oberen Halbkugel teilen sich rascher als die größeren vegetalen Zellen
-der unteren Hemisphäre (Fig. 10 A, B). Daher besteht denn auch die
-Keimhaut, welche am Ende des Furchungsprozesses die einschichtige Wand
-der kugeligen Keimblase bildet, nicht aus lauter gleichartigen und
-gleich großen Zellen, wie bei Sagitta und Monoxenia; sondern die Zellen
-der oberen Blastodermhälfte sind zahlreicher und kleiner (Mutterzellen
-des Ektoderms), die Zellen der unteren Hälfte weniger zahlreich, aber
-größer (Mutterzellen des Entoderms); mithin ist auch die Furchungshöhle
-der Keimblase (Fig 10 C, h) nicht vollkommen kugelig, sondern ein
-abgeplattetes Sphäroid, mit ungleichen Polen der vertikalen Achse.
-Während am Vegetalpole der Achse die Blastula eingestülpt wird, nimmt
-der Größenunterschied der Keimhautzellen beständig zu (Fig. 10 D, E); er
-ist am auffallendsten, nachdem die Invagination vollendet und die
-Furchungshöhle verschwunden ist (Fig. 10 F). Die größeren vegetalen
-Zellen des Entoderms sind reicher an eingelagerten Körnern und daher
-trüber als die kleineren und helleren animalen Zellen des Ektoderms.
-
-[Illustration: Fig. 10. Gastrulation des Amphioxus, nach Hatschek
-(vertikale Durchschnitte durch die Eiachse). A, B, C drei Stadien der
-Blastulabildung; D, E Einstülpung der Blastula; F fertige Gastrula. h
-Furchungshöhle. g Urdarmhöhle.]
-
-[Illustration: Fig. 11. Gastrula des Amphioxus in der Seitenansicht von
-links (optischer Medianschnitt). Nach Hatschek. g Urdarm, u Urmund, p
-peristomale Polzellen, i Entoderm, e Ektoderm, d Rückenseite, v
-Bauchseite.]
-
-Aber nicht nur durch diese frühzeitige (oder cenogenetisch vorzeitige!)
-Sonderung der beiderlei Keimblattzellen, sondern auch noch durch eine
-andere wichtige Eigentümlichkeit entfernt sich die adäquale Gastrulation
-des Amphioxus von der typischen äqualen Eifurchung der Sagitta, der
-Monoxenia und des Olynthus. Die reine Archigastrula dieser letzteren ist
-einachsig, ihr Querschnitt in der ganzen Länge kreisrund. Der Vegetalpol
-der vertikalen Achse liegt genau in der Mitte des Urmundes. Bei der
-Gastrula des Amphioxus ist das nicht der Fall. Schon während der
-Einstülpung seiner Keimblase wird die ideale Achse nach einer Seite
-gekrümmt, indem das Wachstum des Blastoderms (oder die Vermehrung seiner
-Zellen) an einer Seite lebhafter ist als an der entgegengesetzten; die
-rascher wachsende und daher stärker gekrümmte Seite (Fig. 11 v) ist die
-künftige Bauchseite, die entgegengesetzte flachere ist die Rückenseite
-(d). Der Urmund, welcher ursprünglich, bei der typischen Archigastrula,
-am Vegetalpole der Hauptachse lag, ist aus diesem auf die Rückenseite
-verschoben; und während seine beiden Lippen ursprünglich in einer auf
-der Hauptachse senkrechten Ebene lagen, sind sie jetzt so verschoben,
-daß diese Ebene (die Urmundebene) die Achse unter einem schiefen Winkel
-schneidet. Die dorsale Lippe liegt daher mehr oben und vorn, die
-ventrale Lippe mehr unten und hinten. In dieser letzteren, am ventralen
-Übergang des Entoderms in das Ektoderm, liegen nebeneinander ein paar
-auffallend große Zellen, eine rechte und eine linke (Fig. 11p); das sind
-die bedeutungsvollen Urmundpolzellen, oder die »Urzellen des Mesoderms«.
-
-Durch diese wichtigen, schon im Laufe der Gastrulation auftretenden
-Sonderungen ist die ursprüngliche einachsige Grundform der Archigastrula
-bei Amphioxus bereits in die _dreiachsige_ übergegangen und somit schon
-die _zweiseitige_ oder »bilateralsymmetrische« Grundform des
-Wirbeltieres bestimmt. Die senkrechte Mittelebene oder Sagittalebene
-geht zwischen den beiden Urmundpolzellen der Länge nach durch den Körper
-hindurch und teilt ihn in zwei gleiche Hälften, rechte und linke. Der
-Urmund liegt am späteren Hinterende, etwas oberhalb des Aboralpols der
-Längsachse. Senkrecht auf dieser Hauptachse steht in der Medianebene die
-Pfeilachse (Sagittalachse) oder »Dorsoventralachse«, welche die
-Mittellinien der flachen Rückenseite und der gewölbten Bauchseite
-verbindet. Die horizontale Querachse oder Lateralachse, senkrecht auf
-den beiden (ungleichpoligen) Achsen, ist gleichpolig und geht quer
-herüber von rechts nach links. Somit zeigt bereits die Gastrula des
-Amphioxus die charakteristische bilaterale oder zweiseitige Grundform
-des Wirbeltierkörpers, und diese hat sich von ihr aus auf alle anderen
-modifizierten Gastrulaformen dieses Stammes übertragen.
-
-Abgesehen von dieser zweiseitigen Grundform gleicht die Gastrula des
-Amphioxus darin der typischen Archigastrula der niederen Tiere (Fig.
-2-8), daß beide primäre Keimblätter noch aus einer einzigen einfachen
-Zellenschicht bestehen. Offenbar ist das die älteste und ursprünglichste
-Form des Metazoenkeims. Obgleich die vorhergenannten Tiere den
-verschiedensten Klassen angehören, so stimmen sie doch untereinander und
-mit vielen anderen niederen Tieren darin überein, daß sie diese von
-ihren ältesten gemeinsamen Vorfahren überkommene palingenetische Form
-der Gastrulabildung durch konservative _Vererbung_ bis auf den heutigen
-Tag beibehalten haben. Bei der großen Mehrzahl der Tiere ist das aber
-nicht der Fall. Vielmehr ist bei diesen der ursprüngliche Vorgang der
-Keimung im Laufe vieler Millionen Jahre allmählich mehr oder minder
-abgeändert, durch _Anpassung_ an neue Entwicklungsbedingungen gestört
-und modifiziert worden. Sowohl die Eifurchung als auch die darauf
-folgende Gastrulation haben infolgedessen ein mannigfach verschiedenes
-Aussehen gewonnen. Ja, die Verschiedenheiten sind im Laufe der Zeit so
-bedeutend geworden, daß man bei den meisten Tieren die Furchung nicht
-richtig gedeutet und die Gastrula überhaupt nicht erkannt hat. Erst
-durch ausgedehnte vergleichende Untersuchungen, welche ich in den Jahren
-1866-1875 bei Tieren der verschiedensten Klassen angestellt habe, ist es
-mir gelungen, in jenen anscheinend so abweichenden Keimungsprozessen
-denselben gemeinsamen Grundvorgang nachzuweisen und alle verschiedenden
-Keimungsformen auf die eine, bereits beschriebene, ursprüngliche Form
-der Keimung zurückzuführen. Im Gegensatze zu dieser primären
-palingenetischen Keimungsform betrachte ich alle übrigen, davon
-abweichenden Formen als sekundäre, abgeänderte oder cenogenetische. Die
-mehr oder minder abweichende Gastrulaform, welche daraus hervorgeht,
-kann man allgemein als sekundäre, modifizierte Gastrula oder
-Metagastrula bezeichnen.
-
-Unter den zahlreichen und mannigfaltigen cenogenetischen Formen der
-Eifurchung und Gastrulation unterscheide ich wieder drei verschiedene
-Hauptformen: 1. die ungleichmäßige Furchung; 2. die scheibenförmige
-Furchung und 3. die oberflächliche Furchung. Aus der ungleichmäßigen
-Furchung entsteht die _Hauben_gastrula; aus der scheibenförmigen
-Furchung geht die _Scheiben_gastrula hervor; aus der oberflächlichen
-Furchung entwickelt sich die _Blasen_gastrula. Bei den Wirbeltieren
-kommt die letztere Form gar nicht vor; diese ist dagegen die
-gewöhnlichste bei den Gliedertieren (Krebsen, Spinnen, Insekten usw.).
-Die Säugetiere und Amphibien besitzen die ungleichmäßige Furchung und
-die Haubengastrula; ebenso die Schmelzfische (Ganoiden) und die
-Rundmäuler (Pricken und Inger). Hingegen finden wir bei den meisten
-Fischen und bei allen Reptilien und Vögeln die scheibenförmige Furchung
-und die Scheibengastrula.
-
-Der weitaus wichtigste Vorgang, welcher die verschiedenen
-cenogenetischen Formen der Gastrulation bedingt, ist die _veränderte
-Ernährung des Eies_ und die Anhäufung von _Nahrungsdotter_ in der
-Eizelle. Unter diesem Begriffe fassen wir verschiedene chemische
-Substanzen zusammen (hauptsächlich Körner von Eiweiß- und Fettkörpern),
-welche ausschließlich als Reservestoff oder Nahrungsmaterial für den
-Keim dienen. Da der Keim der Metazoen in der ersten Zeit seiner
-Entwicklung noch nicht imstande ist, selbständig sich Nahrung zu
-verschaffen und daraus den Tierkörper aufzubauen, muß das nötige
-Material dazu bereits in der Eizelle aufgespeichert sein. Wir
-unterscheiden daher in den Eiern allgemein als zwei Hauptbestandteile
-den aktiven _Bildungsdotter_ (^Protoplasma^) und den passiven
-_Nahrungsdotter_ (^Deutoplasma^) auch schlechtweg »Dotter« genannt. Bei
-den kleinen palingenetischen Eiern sind die Dotterkörnchen so klein und
-so gleichmäßig im Protoplasma der Eizelle verteilt, daß die regelmäßige
-wiederholte Teilung derselben dadurch nicht beeinflußt wird. Bei der
-großen Mehrzahl der Tiereier hingegen ist die Masse des Dottervorrats
-mehr oder weniger ansehnlich, und derselbe ist in einem bestimmten Teile
-der Eizelle angehäuft, so daß man schon am unbefruchteten Ei diese
-»Proviantkammer« von dem Bildungsdotter deutlich unterscheiden kann.
-Gewöhnlich tritt dann eine polare Differenzierung der Eizelle in der
-Weise ein, daß eine Hauptachse an derselben sichtbar wird und daß der
-Bildungsdotter (mit dem Keimbläschen) an einem Pole, der Nahrungsdotter
-hingegen am entgegengesetzten Pole dieser Eiachse sich anhäuft; ersterer
-heißt dann der _animale Pol_, letzterer der _vegetale_ Pol der
-vertikalen Eiachse.
-
-Bei solchen »telolecithalen Eiern« erfolgt dann allgemein die
-Gastrulation in der Weise, daß bei der wiederholten Teilung des
-befruchteten Eies die animale (gewöhnlich obere) Hälfte sich rascher
-teilt als die vegetale (untere). Die Kontraktionen des aktiven
-Protoplasma, welche die fortgesetzte Zellteilung bewirken, finden in der
-unteren vegetalen Hälfte größeren Widerstand des passiven Deutoplasma
-als in der oberen animalen Hälfte. Daher finden wir in der letzteren
-zahlreichere, aber kleinere, in der ersteren weniger zahlreiche, aber
-größere Zellen. Die animalen Zellen liefern das äußere, die vegetalen
-das innere Keimblatt.
-
-Obgleich diese »ungleichmäßige Furchung« der Rundmäuler, Ganoiden und
-Amphibien von der ursprünglichen »gleichmäßigen Furchung« (z. B. der
-Monoxenia) sich auf den ersten Blick unterscheidet, haben doch beide
-Arten der Gastrulation das gemein, daß der Teilungsprozeß fortdauernd
-die ganze Eizelle betrifft. Remak nannte sie daher totale Eifurchung und
-die betreffenden Eier _holoblastisch_. Anders verhält es sich bei der
-zweiten Hauptgruppe der Eier, welche er jenen als meroblastische
-gegenüberstellte; dazu gehören die bekannten großen Eier der Vögel und
-Reptilien, sowie der meisten Fische. Die träge Masse des passiven
-Nahrungsdotters wird hier so groß, daß die Protoplasma-Kontraktionen des
-aktiven Bildungsdotters ihre Teilung nicht mehr zu bewältigen vermögen.
-Es erfolgt daher nur eine _partielle Eifurchung_. Während das
-Protoplasma im animalen Bezirk der Eizelle sich unter lebhafter
-Vermehrung der Kerne fortdauernd teilt, bleibt das Deutoplasma im
-vegetalen Bezirk mehr oder weniger ungeteilt, es wird einfach als
-Nahrungsmaterial von den sich bildenden Zellen aufgezehrt. Je größer die
-Masse des angehäuften Proviants, desto mehr erscheint der
-Furchungsprozeß lokal beschränkt. Jedoch kann derselbe noch lange Zeit
-(selbst nachdem schon die Gastrulation mehr oder weniger vollendet ist)
-in der Weise fortdauern, daß die im Deutoplasma verteilten vegetalen
-Zellkerne sich durch Teilung langsam vermehren; da jeder derselben von
-einer geringen Menge Protoplasma umhüllt ist, kann er sich später eine
-Portion des Nahrungsdotters aneignen und so eine wahre »_Dotterzelle_«
-bilden. Wenn diese vegetale Zellbildung sich noch längere Zeit
-fortsetzt, nachdem bereits die beiden primären Keimblätter gesondert
-sind, bezeichnet man den Prozeß als _Nachfurchung_ (Waldeyer).
-
-Die meroblastischen Eier finden sich bloß bei größeren und höher
-entwickelten Tieren, und nur bei solchen, deren Embryo längerer Zeit und
-reichlicher Ernährung zu seiner Entwicklung innerhalb der Eihüllen
-bedarf. Je nachdem der Nahrungsdotter zentral im Innern der Eizelle oder
-exzentrisch, an einer Seite derselben, angehäuft ist, unterscheiden wir
-zwei Gruppen von teilfurchenden Eiern, periblastische und
-diskoblastische. Bei den ersteren, den _periblastischen_ Eiern, ist der
-Nahrungsdotter zentral, im Innern der Eizelle eingeschlossen; der
-Bildungsdotter umgibt ersteren blasenförmig, und daher erfährt derselbe
-eine oberflächliche Furchung; eine solche findet sich im Stamme der
-Gliedertiere, bei den Krebsen, Spinnen, Insekten usw. Bei den
-_diskoblastischen_ Eiern hingegen häuft sich der Nahrungsdotter
-einseitig, am vegetalen oder unteren Pole der senkrechten Eiachse an,
-während am oberen oder animalen Pole der Eikern und die Hauptmasse des
-Bildungsdotters liegt. Die Eifurchung beginnt hier am oberen Pole und
-führt zur Bildung einer dorsalen Keimscheibe. Das ist der Fall bei allen
-meroblastischen Wirbeltieren, bei den meisten Fischen, den Reptilien und
-Vögeln, und den eierlegenden Säugetieren (Schnabeltieren).
-
-Die Gastrulation der diskoblastischen Eier bietet der mikroskopischen
-Untersuchung und der einheitlichen Erkenntnis außerordentliche
-Schwierigkeiten dar. Diese zu überwinden ist erst den
-_vergleichend_-ontogenetischen Untersuchungen gelungen, welche
-zahlreiche ausgezeichnete Beobachter während der letzten Dezennien
-angestellt haben; vor allen die Gebrüder Hertwig, Rabl, Kupffer,
-Selenka, Rückert, Goette, Rauber u. a. Diese eingehenden und
-sorgfältigen, mit Hilfe der vervollkommneten modernen Technik (Färbungs-
-und Schnittmethoden) ausgeführten Untersuchungen haben in erfreulichster
-Weise die Anschauungen bestätigt, welche ich zuerst 1875 in meiner
-Abhandlung über die »Gastrula und die Eifurchung der Tiere« ausgeführt
-hatte. Da das klare Verständnis dieser phylogenetisch begründeten
-Anschauungen nicht allein für die Entwicklungsgeschichte im allgemeinen,
-sondern auch für die Anthropogenie im besonderen von fundamentaler
-Bedeutung ist, gestatte ich mir, dieselben hier nochmals kurz mit
-Beziehung auf den Wirbeltierstamm zusammenzufassen.
-
-1. Alle Wirbeltiere, mit Inbegriff des Menschen, sind phylogenetisch
-verwandt, Glieder eines einzigen natürlichen Stammes. 2. Daher müssen
-auch die ontogenetischen Grundzüge ihrer individuellen Entwicklung
-phylogenetisch zusammenhängen. 3. Da die Gastrulation des Amphioxus die
-einfachsten Verhältnisse in der ursprünglichen palingenetischen Form
-zeigt, muß diejenige der übrigen Wirbeltiere sich von der ersteren
-ableiten lassen. 4. Die cenogenetischen Abänderungen der letzteren
-werden um so bedeutender, je mehr Nahrungsdotter sich im Ei ansammelt.
-5. Obgleich die Masse des Nahrungsdotters in den Eiern der
-diskoblastischen Wirbeltiere sehr groß werden kann, geht doch in allen
-Fällen aus der Morula ebenso eine Keimblase oder Blastula hervor, wie
-bei den holoblastischen Eiern. 6. Ebenso entsteht in allen Fällen aus
-der Keimblase durch Einstülpung oder Invagination die Gastrula. 7. Die
-Höhle, welche durch diese Einstülpung im Keim entsteht, ist in allen
-Fällen der Urdarm und seine Öffnung der Urmund. 8. Der Nahrungsdotter,
-gleichviel ob groß oder klein, liegt stets in der Bauchwand des Urdarms,
-die Zellen, welche nachträglich (durch »Nachfurchung«) in demselben
-entstehen können, gehören ebenso dem inneren Keimblatt oder Endoblast
-an, wie die Zellen, welche die Urdarmhöhle unmittelbar einschließen. 9.
-Der Urmund welcher ursprünglich unten am Basalpol der vertikalen Achse
-liegt, wird durch das Dotterwachstum nach hinten und dann nach oben, auf
-die Dorsalseite des Keimes gedrängt; die vertikale Achse des Urdarms
-wird dadurch allmählich in horizontale Lage gedrängt. 10. Der Urmund
-kommt bei allen Wirbeltieren früher oder später zum Verschlusse und geht
-nicht in die bleibende Mundöffnung über; vielmehr entspricht der
-Urmundrand der späteren Aftergegend. Von dieser bedeutungsvollen Stelle
-geht weiterhin die Bildung des mittleren Keimblattes aus, das von hier
-aus zwischen die beiden primären Keimblätter hineinwächst.
-
-Die ausgedehnten vergleichenden Untersuchungen der vorher erwähnten
-Forscher haben ferner ergeben, daß bei den diskoblastischen höheren
-Wirbeltieren (Reptilien, Vögel, Säugetiere) der lange vergeblich
-gesuchte »_Urmund_« der Keimscheibe überall an deren Hinterende sich
-findet und nichts anderes ist als die längst bekannte »_Primitivrinne_«.
-Das ist eine in der hinteren Rückenfläche der scheibenförmigen Gastrula
-gelegene Rinne, die früher irrtümlich mit dem Hinterteil des
-Medullarrohrs verwechselt wurde. Allerdings steht sie mit diesem eine
-Zeitlang in direktem Zusammenhang; allein ursprünglich ist sie nach
-Anlage und Bedeutung ganz davon verschieden. Die beiden parallelen
-Längswülste, welche diese schmale, in der Mittellinie gelegene
-»Primitivrinne« einschließen, sind die beiden _Urmundlippen_, rechte und
-linke. Der Urmund, der ursprünglich (bei den holoblastischen
-Wirbeltieren) eine kleine kreisrunde Öffnung ist, ändert also (infolge
-der wachsenden Anhäufung des Nahrungsdotters und der dadurch bedingten
-Ausdehnung der Bauchwand des Urdarms) nicht allein seine Lage und
-Richtung, sondern auch seine Gestalt und Ausdehnung. Er verwandelt sich
-zunächst in eine sichelförmige Querspalte (»Sichelrinne«), an der wir
-eine untere und eine obere Urmundlippe unterscheiden. Die breite
-Querspalte wird aber bald schmäler und verwandelt sich in eine
-Längsspalte (ähnlich einer »Hasenscharte«), indem rechte und linke
-Hälfte der »Sichelrinne« sich verkürzen, der Mittelteil sich nach vorn
-verlängert und die beiden Hälften der dorsalen Oberlippe nach vorn
-auswachsen. Letztere berühren sich später in der Medianlinie und bilden
-den wichtigen sogenannten »Primitivstreif«.
-
-Die Gastrulation läßt sich somit bei allen Wirbeltieren auf einen und
-denselben Vorgang zurückführen. Ebenso lassen sich auch die
-verschiedenen Formen derselben bei den wirbellosen Metazoen immer auf
-eine von jenen vier Hauptformen der Eifurchung reduzieren. Mit Bezug auf
-die Unterscheidung der totalen und partiellen Eifurchung stellt sich das
-Verhältnis der vier Eifurchungsformen zueinander folgendermaßen:
-
- I. Palingenetische { 1. Gleichmäßige Furchung }
- (ursprüngliche) { (Glockengastrula). }
- Furchung { }
- } A. Totale Furchung
- } (ohne selbständigen
- } Nahrungsdotter).
- { 2. Ungleichmäßige Furchung }
- { (Haubengastrula). }
- {
- II. Cenogenetische {
- (durch {
- Anpassung { 3. Scheibenartige Furchung }
- abgeänderte) { (Scheibengastrula). } B. Partielle Furchung
- Furchung. { } (mit selbständigem
- { 4. Oberflächliche Furchung } Nahrungsdotter).
- { (Blasengastrula). }
-
-Die niedersten Metazoen, welche wir kennen, nämlich die niederen
-Pflanzentiere (Schwämme, einfachste Polypen usw.), bleiben zeitlebens
-auf einer Bildungsstufe stehen, welche von der Gastrula nur sehr wenig
-verschieden ist; ihr ganzer Körper ist nur aus zwei Zellenschichten oder
-Blättern zusammengesetzt. Diese Tatsache ist von außerordentlicher
-Bedeutung. Denn wir sehen, daß der Mensch, und überhaupt jedes
-Wirbeltier, rasch vorübergehend ein zweiblätteriges Bildungsstadium
-durchläuft, welches bei jenen niedersten Pflanzentieren zeitlebens
-erhalten bleibt. Wenn wir hier wieder unser Biogenetisches Grundgesetz
-(Seite 35) anwenden, so gelangen wir sofort zu folgendem hochwichtigen
-Schlusse: »_Der Mensch und alle anderen Tiere, welche in ihrer ersten
-individuellen Entwicklungsperiode eine zweiblätterige Bildungsstufe oder
-eine Gastrulaform durchlaufen, müssen von einer uralten einfachen
-Stammform abstammen, deren ganzer Körper zeitlebens (wie bei den
-niedersten Pflanzentieren noch heute) nur aus zwei verschiedenen
-Zellenschichten oder Keimblättern bestanden hat._« Wir wollen diese
-bedeutungsvolle uralte Stammform _Gasträa_ (d. h. Urdarmtier) nennen.
-
-Nach dieser Gasträatheorie ist ein Organ bei allen vielzelligen Tieren
-ursprünglich von derselben morphologischen und physiologischen
-Bedeutung: der _Urdarm_, und ebenso müssen auch die beiden primären
-Keimblätter, welche die Wand des Urdarms bilden, überall als
-gleichbedeutend oder »homolog« angesehen werden. Diese wichtige
-»_Homologie der beiden primären Keimblätter_« wird einerseits dadurch
-bewiesen, daß überall die Gastrula ursprünglich auf dieselbe Weise
-entsteht, nämlich durch Einstülpung der Blastula; und anderseits
-dadurch, daß überall dieselben fundamentalen Organe aus den beiden
-Keimblättern hervorgehen. Überall bildet das äußere Keimblatt, das
-Hautblatt oder Ektoderm, die wichtigsten Organe des animalen Lebens:
-Hautdecke, Nervensystem, Sinnesorgane usw. Hingegen entstehen aus dem
-inneren Keimblatt, aus dem Darmblatt oder Entoderm, die wichtigsten
-Organe des vegetativen Lebens: die Organe der Ernährung, Verdauung,
-Blutbildung usw.
-
-Bei denjenigen niederen Pflanzentieren, deren ganzer Körper zeitlebens
-auf der zweiblätterigen Bildungsstufe stehenbleibt, bei den Gasträaden,
-den einfachsten Schwämmen (^Olynthus^) und Polypen (^Hydra^), bleiben
-auch diese beiden Funktionsgruppen, animale und vegetative Leistungen,
-scharf auf die beiden einfachen primären Keimblätter verteilt.
-Zeitlebens behält hier das äußere Keimblatt die einfache Bedeutung einer
-umhüllenden Decke (einer Oberhaut) und vollzieht zugleich die Bewegungen
-und Empfindungen des Körpers. Hingegen das innere Keimblatt besitzt
-zeitlebens die einfache Bedeutung einer ernährenden Darmzellenschicht
-und liefert außerdem häufig noch die Fortpflanzungszellen.
-
-Das bekannteste von diesen Gasträaden oder »gastrulaähnlichen Tieren«
-ist der gemeine Süßwasserpolyp (^Hydra^). Allerdings besitzt dieses
-einfachste aller Nesseltiere noch einen Kranz von Tentakeln oder
-Fangfäden, welcher den Mund umgibt. Auch ist das äußere Keimblatt
-bereits etwas histologisch differenziert. Aber diese Zutaten sind erst
-sekundär entstanden, und das innere Keimblatt ist eine ganz einfache
-Zellenschicht geblieben. In der Hauptsache hat auch die Hydra den
-einfachen Körperbau unserer uralten Stammutter Gasträa bis auf den
-heutigen Tag durch zähe Vererbung getreu konserviert.
-
-Bei allen übrigen Tieren, und namentlich bei allen Wirbeltieren,
-erscheint die Gastrula nur als ein rasch vorübergehender Keimzustand.
-Hier verwandelt sich vielmehr bald das zweiblätterige Stadium der
-Keimanlage zunächst in ein dreiblätteriges und dann in ein
-vierblätteriges Stadium. Mit dem Zustandekommen von vier übereinander
-liegenden Keimblättern haben wir wieder einen festen und sicheren
-Standpunkt gewonnen, von welchem aus wir die weiteren, viel
-schwierigeren und verwickelteren Vorgänge der Ausbildung beurteilen und
-verfolgen können.
-
- (Aus »Anthropogenie oder Entwicklungsgeschichte des Menschen«.)
-
-
-
-
- IV.
- Erfahrung und Erkenntnis.
-
-
-»Die wichtigsten Wahrheiten in den Naturwissenschaften sind weder allein
-durch Zergliederung der Begriffe der Philosophie, noch allein durch
-bloßes Erfahren gefunden worden, sondern durch eine denkende Erfahrung,
-welche das Wesentliche von dem Zufälligen in der Erfahrung unterscheidet
-und dadurch Grundsätze findet, aus welchen viele Erfahrungen abgeleitet
-werden. Dies ist mehr als bloßes Erfahren, und wenn man will, eine
-philosophische Erfahrung.« (Johannes Müller, Handbuch der Physiologie
-des Menschen.)
-
-»Vergleichen wir die morphologischen Wissenschaften mit den
-physikalischen Theorien, so müssen wir uns gestehen, daß erstere in
-jeder Hinsicht unendlich weit zurück sind. Die Ursache dieser
-Erscheinung liegt nun allerdings zum Teil in dem Gegenstande, dessen
-verwickeltere Verhältnisse sich noch am meisten der mathematischen
-Behandlung entziehen, aber großenteils ist auch die große Nichtachtung
-methodologischer Verständigung daran schuld, indem man sich einerseits
-durchaus nicht um scharfe Fassung der leitenden Prinzipien bekümmert,
-anderseits selbst die allgemeinsten und bekanntesten Anforderungen der
-Philosophie hintangesetzt hat, weil bei dem weiten Abstande ihrer
-allgemeinen Aussprüche von den Einzelheiten, mit denen sich die
-empirischen Naturwissenschaften beschäftigen, die Notwendigkeit ihrer
-Anwendung sich der unmittelbaren Auffassung entzog. So sind gar viele
-Arbeiter in dieser Beziehung durchaus nicht mit ihrer Aufgabe
-verständigt, und die Fortschritte in der Wissenschaft hängen oft rein
-vom Zufall ab.« (Schleiden, Grundzüge der wissenschaftlichen Botanik.)
-
-Wir erlauben uns, dieses methodologische Kapitel,[3] welches die Mittel
-und Wege zur Lösung unserer morphologischen Aufgaben zeigen soll, mit
-zwei vortrefflichen Aussprüchen von den beiden größten Morphologen
-einzuleiten, welche im fünften Dezennium des neunzehnten Jahrhunderts
-die organische Naturwissenschaft in Deutschland beherrschten. Wie
-Johannes Müller für die Zoologie, so hat Schleiden damals für die
-Botanik mit der klarsten Bestimmtheit den Weg gewiesen, welcher uns
-allein auf dem Gebiete der Biologie, und insbesondere auf dem der
-Morphologie, zu dem Ziele unserer Wissenschaft hinzuführen vermag.
-Dieser einzig mögliche Weg kann natürlich kein anderer sein als
-derjenige, welcher für alle Naturwissenschaften -- oder, was dasselbe
-ist, für alle wahren Wissenschaften -- ausschließliche Gültigkeit hat.
-Es ist dies der Weg der denkenden Erfahrung, der Weg der philosophischen
-Empirie. Wir könnten ihn ebensogut als den Weg des erfahrungsmäßigen
-Denkens, den Weg der empirischen Philosophie bezeichnen.
-
-[Fußnote 3: Im vierten Kapitel seiner 1866 erschienenen »generellen
-Morphologie« behandelt Haeckel kritisch die »naturwissenschaftlichen
-Methoden, welche sich gegenseitig notwendig ergänzen müssen«. Es sind
-dies 1. Empirie und Philosophie (Erfahrung und Erkenntnis), 2. Analyse
-und Synthese und 3. Induktion und Deduktion. Wir geben hier den ersten
-Abschnitt dieser »Methodik der Morphologie der Organismen« wieder, weil
-die darin niedergelegten »unerschütterlichen Überzeugungen« für das
-gesamte spätere Lebenswerk des Jenaer Naturforschers maßgebend geblieben
-sind. Aus der innigen Verbindung von empirischer Beobachtung und
-philosophischer Theorie beruhen seine sämtlichen wissenschaftlichen
-Werke. (Anm. d. H.)]
-
-Absichtlich stellen wir die bedeutenden Aussprüche dieser beiden großen
-»empirischen und exakten« Naturforscher an die Spitze dieses
-methodologischen Kapitels, weil wir dadurch hoffen, die Aufmerksamkeit
-der heutigen Morphologen und der Biologen überhaupt intensiver auf einen
-Punkt zu lenken, der nach unserer innigsten Überzeugung für den
-Fortschritt der gesamten Biologie, und der Morphologie insbesondere, von
-der allergrößten Bedeutung ist, der aber gerade im gegenwärtigen
-Zeitpunkte in demselben Maße von den allermeisten Naturforschern völlig
-vernachlässigt wird, als er vor allen anderen hervorgehoben zu werden
-verdiente. Es ist dies die gegenseitige Ergänzung von Beobachtung und
-Gedanken, der innige Zusammenhang von Naturbeschreibung und
-Naturphilosophie, die notwendige Wechselwirkung zwischen Empirie und
-Theorie.
-
-Einer der größten Morphologen, den unser deutsches Vaterland erzeugt
-hat, Karl Ernst v. Bär, hat dem klassischen Werke, durch welches er die
-tierische Ontogenie, eine sogenannte »rein empirische und deskriptive
-Wissenschaft«, neu begründete, den Titel vorangesetzt: »Über
-Entwicklungsgeschichte der Tiere. _Beobachtung und Reflexion._« Wenn
-seine Nachfolger diese drei Worte stets bei ihren Arbeiten im Auge
-behalten hätten, würde es besser um unsere Wissenschaft aussehen, als es
-jetzt leider aussieht. »Beobachtung und Reflexion« sollte die
-Überschrift jeder wahrhaft _naturwissenschaftlichen_ Arbeit lauten
-können. Bei wie vielen aber ist dies möglich? Wenn wir ehrlich sein
-wollen, können wir ihre Zahl kaum gering genug anschlagen und finden
-unter Hunderten kaum eine. Und dennoch können nur durch die innigste
-Wechselwirkung von Beobachtung und Reflexion wirkliche Fortschritte in
-jeder Naturwissenschaft, und also auch in der Morphologie, gemacht
-werden. Hören wir weiter, was K. E. v. Bär, der »empirische und exakte«
-Naturforscher, in dieser Beziehung sagt:
-
-»Zwei Wege sind es, aus denen die Naturwissenschaft gefördert werden
-kann: Beobachtung und Reflexion. Die Forscher ergreifen meistens für den
-einen von beiden Partei. Einige verlangen nach _Tatsachen_, andere nach
-Resultaten und allgemeinen _Gesetzen_, jene nach _Kenntnis_, diese nach
-_Erkenntnis_, jene möchten für besonnen, diese für tiefblickend gelten.
-Glücklicherweise ist der Geist des Menschen selten so einseitig
-ausgebildet, daß es ihm möglich wird, nur den einen Weg der Forschung zu
-gehen, ohne auf den anderen Rücksicht zu nehmen. Unwillkürlich wird der
-Verächter der Abstraktion sich von Gedanken bei seiner Beobachtung
-beschleichen lassen; und nur in kurzen Perioden der Fieberhitze ist sein
-Gegner vermögend, sich der Spekulation im Felde der Naturwissenschaft
-mit völliger Hintansetzung der Erfahrung hinzugeben. Indessen bleibt
-immer, für die Individuen sowohl als für ganze Perioden der
-Wissenschaft, die eine Tendenz die vorherrschende, der man mit
-Bewußtsein des Zwecks sich hingibt, wenn auch die andere nicht ganz
-fehlt.«
-
-Mit diesen wenigen Worten ist das gegenseitige Wechselverhältnis von
-Beobachtung und Reflexion, die notwendige Verbindung von empirischer
-Tatsachenkenntnis und von philosophischer Gesetzeserkenntnis treffend
-bezeichnet. Aber auch die Tatsache, daß in den einzelnen Naturforschern
-sowohl als in den einzelnen Perioden der Naturwissenschaft selten beide
-Richtungen in harmonischer Eintracht und gegenseitiger Durchdringung
-zusammenwirken, vielmehr eine von beiden fast immer bedeutend über die
-andere überwiegt, ist von Bär sehr richtig hervorgehoben worden, und
-gerade dieser Punkt ist es, auf den wir hier zunächst die besondere
-Aufmerksamkeit lenken möchten. Denn wenn wir einerseits überzeugt sind,
-daß wir nur durch die gemeinsame Tätigkeit beider Richtungen dem Ziele
-unserer Wissenschaft uns nähern können, und wenn wir anderseits zu der
-Einsicht gelangen, welche von beiden Richtungen im gegenwärtigen Stadium
-unserer wissenschaftlichen Entwicklung die einseitig überwiegende ist,
-so werden wir auch die Mittel zur Hebung dieser Einseitigkeit angeben
-und die Methode bestimmen können, welche die Morphologie gegenwärtig
-zunächst und vorzugsweise einzuschlagen hat.
-
-Es bedarf nun keines allzu tiefen Scharfblicks und keines allzu weiten
-Überblicks, um alsbald zu der Überzeugung zu gelangen, daß in dem ganzen
-zweiten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts und darüber hinaus bis
-jetzt, und zwar vorzüglich vom Jahre 1840-1860, die rein empirische und
-»exakte« Richtung ganz überwiegend in der Biologie und vor allem in der
-Morphologie geherrscht, und daß sie diese Alleinherrschaft in
-fortschreitendem Maße dergestalt ausgedehnt hat, daß die spekulative
-oder philosopische Richtung im fünften Dezennium vorigen Jahrhunderts
-fast vollständig von ihr verdrängt war. Auf allen Gebieten der Biologie,
-sowohl in der Zoologie als in der Botanik, galt während dieses Zeitraums
-allgemein die Naturbeobachtung und die Naturbeschreibung als »die
-eigentliche Naturwissenschaft«, und die »Naturphilosophie« wurde als
-eine Verirrung betrachtet, als ein Phantasiespiel, welches nicht nur
-nichts mit der Beobachtung und Beschreibung zu tun habe, sondern auch
-gänzlich aus dem Gebiete der »eigentlichen Naturwissenschaft« zu
-verbannen sei. Freilich war diese einseitige Verkennung der Philosophie
-nur zu sehr gefördert und gerechtfertigt durch das verkehrte und
-willkürliche Verfahren der sogenannten »Naturphilosophie«, welche im
-ersten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts die Naturwissenschaft zu
-unterwerfen suchte, und welche, statt von empirischer Basis auszugehen,
-in der ungemessensten Weise ihrer wilden und erfahrungslosen Phantasie
-die Zügel schießen ließ. Die namentlich von Oken, Schelling usw.
-ausgehende Naturphantasterei mußte ganz natürlich als anderes Extrem den
-krassesten Empirismus hervorrufen. Der natürliche Rückschlag gegen diese
-letztere in demselben Grade einseitige Richtung trat erst im Jahre 1859
-ein, als Charles Darwin seine großartige Entdeckung der »natürlichen
-Züchtung« veröffentlichte und damit den Anstoß zu einem allgemeinen
-Umschwung der gesamten Biologie und namentlich der Morphologie gab. Die
-gedankenvolle Naturbetrachtung, der im besten Sinne philosophische, d.
-h. naturgemäß denkende Geist, welcher sein epochemachendes Werk
-durchzieht, wird der vergessenen und verlassenen Naturphilosophie wieder
-zu dem ihr gebührenden Platze verhelfen und den Beginn einer neuen
-Periode der Wissenschaft bezeichnen. Freilich ist dieser gewaltige
-Umschwung bei weitem noch nicht zu allgemeinem Durchbruch gelangt; die
-Mehrzahl der Biologen ist noch zu sehr und zu allgemein in den Folgen
-der vorher überall herrschenden einseitig empirischen Richtung befangen,
-als daß wir die Rückkehr zur denkenden Naturbetrachtung als eine bewußte
-und allgemeine bezeichnen könnten. Indes hat dieselbe doch bereits in
-einigen Kreisen begonnen, an vielen Stellen feste Wurzel geschlagen, und
-wird voraussichtlich nicht allein in den nächsten Jahren schon das
-verlorene Terrain wieder erobern, sondern in wenigen Dezennien sich so
-allgemeine Geltung verschafft haben, daß man (wohl noch vor Ablauf des
-neunzehnten Jahrhunderts) verwundert auf die Beschränktheit und
-Verblendung zahlreicher Naturforscher zurückblicken wird, die heute noch
-die Philosophie von dem Gebiete der Biologie ausschließen wollen. Wir
-unsererseits sind unerschütterlich davon überzeugt, daß man in der
-wahrhaft »erkennenden« Wissenschaft die Empirie und die Philosophie gar
-nicht voneinander trennen kann. Jene ist nur die erste und niederste,
-diese die letzte und höchste Stufe der Erkenntnis. _Alle wahre
-Naturwissenschaft ist Philosophie und alle wahre Philosophie ist
-Naturwissenschaft._ _Alle wahre Wissenschaft aber ist in diesem Sinne
-Naturphilosophie._
-
-In der Tat könnte heute schon die allgemein übliche einseitige
-Ausschließung der Philosophie aus der Naturwissenschaft jedem objektiv
-dies Verhältnis betrachtenden Gebildeten als ein befremdendes Rätsel
-erscheinen, wenn nicht der Entwicklungsgang der Biologie selbst ihm die
-Lösung dieses Rätsels sehr nahe legte. Wenn wir die Geschichte unserer
-Wissenschaft in den allgemeinsten Zügen überblicken, so bemerken wir
-alsbald, daß die beiden scheinbar entgegengesetzten, in der Tat aber
-innig verbundenen Forschungsrichtungen in der Naturwissenschaft, die
-beobachtende oder empirische und die denkende oder philosophische, zwar
-stets mehr oder minder eng verbunden nebeneinander herlaufen, daß aber
-doch, wie es Bär sehr richtig ausdrückt, immer die eine der beiden
-Richtungen über die andere bedeutend überwiegt, und zwar »sowohl für die
-Individuen, als für ganze Perioden der Wissenschaft«. So finden wir ein
-beständiges Oszillieren, einen Wechsel der beiden Richtungen, der uns
-zeigt, daß niemals in gleichmäßigem Fortschritt, sondern stets in
-wechselnder Wellenbewegung die Biologie ihrem Ziele sich nähert. Die
-Exzesse, welche jede der beiden Forschungsrichtungen begeht, sobald sie
-das Übergewicht über die andere gewonnen hat, die Ausschließlichkeit,
-durch welche jede in der Regel sich als die allein richtige, als die
-»eigentliche« Methode der Naturwissenschaft betrachtet, führen nach
-längerer oder kürzerer Dauer wieder zu einem Umschwung, welcher der
-überlegenen Gegnerin abermals zur Herrschaft verhilft.
-
-Wie dieser regelmäßige Regierungswechsel von empirischer und
-philosophischer Naturforschung auf dem gesamten Gebiete der Biologie uns
-überall entgegentritt, so sehen wir ganz besonders bei einem allgemeinen
-Überblick des Entwicklungsganges, den die Morphologie vom Anfang des
-achtzehnten Jahrhunderts an genommen, daß die beiden feindlichen
-Schwestern, die doch im Grunde nicht ohne einander leben können, stets
-abwechselnd die Herrschaft behauptet haben. Nachdem Linné die
-Morphologie der Organismen zum ersten Male in feste wissenschaftliche
-Form gebracht und ihr das systematische Gewand angezogen hatte, wurde
-zunächst der allgemeine Strom der neubelebten Naturforschung auf die
-rein empirische Beobachtung und Beschreibung der zahllosen neuen Formen
-hingelenkt, welche unterschieden, benannt und in das Fachwerk des
-Systems eingeordnet werden mußten. Die systematische Beschreibung und
-Benennung, als Mittel des geordneten Überblicks der zahllosen
-Einzelformen, wurde aber bald Selbstzweck, und damit verlor sich die
-Formbeobachtung der Tiere und Pflanzen in der gedankenlosesten Empirie.
-Das massenhaft sich anhäufende Rohmaterial forderte mehr und mehr zu
-einer denkenden Verwertung desselben auf, und so entstand die Schule der
-Naturphilosophen, als deren bedeutendsten Forscher, wenn auch nicht
-(wegen mangelnder Anerkennung) als deren eigentlichen Begründer wir
-Lamarck bezeichnen müssen.[4] In Deutschland vorzüglich durch _Oken_ und
-_Goethe_, in Frankreich durch _Lamarck_ und Etienne _Geoffroy S.
-Hilaire_ vertreten, war diese ältere Naturphilosophie eifrigst bemüht,
-aus dem Chaos der zahllosen Einzelbeobachtungen, die sich immer mehr zu
-einem unübersehbaren Berge häuften, allgemeine Gesetze abzuleiten und
-den Zusammenhang der Erscheinungen zu ermitteln. Wie weit sie schon
-damals auf diesem Wege gelangte, zeigt die klassische ^Philosophie
-zoologique^ von Lamarck (1809) und die bewunderungswürdige Metamorphose
-der Pflanzen von _Goethe_ (1790). Doch war die empirische Basis, auf
-welcher diese Heroen der Naturforschung ihre genialen Gedankengebäude
-errichteten, noch zu schmal und unvollkommen, die ganze damalige
-Kenntnis der Organismen noch zu sehr bloß auf die äußeren
-Formverhältnisse beschränkt, als daß ihre denkende Naturbetrachtung die
-festesten Anhaltspunkte hätte gewinnen und die darauf gegründeten
-allgemeinen Gesetze schon damals eine weitere Geltung hätten erringen
-können. Entwicklungsgeschichte und Paläontologie existierten noch nicht,
-und die vergleichende Anatomie hatte kaum noch Wurzeln geschlagen. Wie
-weit aber diese Genien trotzdem ihrer Zeit vorauseilten, bezeugt vor
-allem die (in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast allgemein
-ignorierte) Tatsache, daß beide, sowohl Lamarck als Goethe, die
-wichtigsten Sätze der Deszendenztheorie bereits mit voller Klarheit und
-Bestimmtheit aussprachen. Erst ein volles halbes Jahrhundert später
-sollte _Darwin_ dafür die Beweise liefern.
-
-[Fußnote 4: Selten ist wohl das Verdienst eines der bedeutendsten Männer
-so völlig von seinen Zeitgenossen verkannt und gar nicht gewürdigt
-worden, wie es mit Lamarck ein halbes Jahrhundert hindurch der Fall war.
-Nichts beweist dies vielleicht so schlagend als der Umstand, daß Cuvier
-in seinem Bericht über die Fortschritte der Naturwissenschaften, in
-welchem auch die unbedeutendsten Bereicherungen des empirischen
-Materials aufgeführt werden, des bedeutendsten aller biologischen Werke
-jenes Zeitraums, der ^Philosophie zoologique^ von Lamarck, mit keinem
-Worte Erwähnung tut!]
-
-Die eigentliche Blütezeit der älteren Naturphilosophie fällt in die
-ersten Dezennien des neunzehnten Jahrhunderts. Aber schon im zweiten und
-noch schneller im dritten näherte sie sich ihrem jähen Untergange, teils
-durch eigene Verblendung und Ausartung, teils durch Mangel an
-Verständnis bei der Mehrzahl der Zeitgenossen, teils durch das rasche
-und glänzende Emporblühen der empirischen Richtung, welche in _Cuvier_
-einen neuen und gewaltigen Reformator fand. Gegenüber der willkürlichen
-und verkehrten Phantasterei, in welche die Naturphilosophie bald sowohl
-in Frankreich als in Deutschland damals ausartete, war es dem exakten,
-strengen und auf der breitesten empirischen Basis stehenden Cuvier ein
-leichtes, die verwilderten und undisziplinierten Gegner aus dem Felde zu
-schlagen. Bekanntlich war es der 22. Februar 1830, an welchem der
-Konflikt zwischen den beiden entgegengesetzten Richtungen in der Pariser
-Akademie zum öffentlichen Austrage kam und damit definitiv geendigt zu
-sein schien, daß Cuvier seinen Hauptgegner E. Geoffroy S. Hilaire mit
-Hilfe seiner überwiegenden empirischen Beweismittel in den Augen der
-großen Mehrheit vollständig besiegte. Dieser merkwürdige öffentliche
-Konflikt, durch welchen die Niederlage der älteren Naturphilosophie
-besiegelt wurde, ist in mehrfacher Beziehung von höchstem Interesse,
-vorzüglich auch deshalb, weil er von _Goethe_ in der meisterhaftesten
-Form in einem kritischen Aufsatze dargestellt wurde, welchen derselbe
-wenige Tage vor seinem Tode (im März 1832) vollendete. Dieser höchst
-lesenswerte Aufsatz, das letzte schriftliche Vermächtnis, welches der
-deutsche Dichterfürst uns hinterlassen, enthält nicht allein eine
-vortreffliche Charakteristik von Cuvier und Geoffroy S. Hilaire, sondern
-auch eine ausgezeichnete Darstellung der beiden entgegengesetzten von
-ihnen vertretenen Richtungen, »des immerwährenden Konfliktes zwischen
-den Denkweisen, in die sich die wissenschaftliche Welt schon lange
-trennt; zwei Denkweisen, welche sich in dem menschlichen Geschlechte
-meistens getrennt und dergestalt verteilt finden, daß sie, wie überall,
-so auch im Wissenschaftlichen, schwer zusammen verbunden angetroffen
-werden, und wie sie getrennt sind, sich nicht wohl vereinigen mögen.
-Haben wir die Geschichte der Wissenschaften und eine eigene lange
-Erfahrung vor Augen, so möchte man befürchten, die menschliche Natur
-werde sich von diesem Zwiespalt kaum jemals retten können.«
-
-Die Niederlage der älteren Naturphilosophie, welche Cuvier als der
-Heerführer der neu erstehenden »exakten Empirie« herbeigeführt und in
-jenem Konflikt offenbar gemacht hatte, war so vollständig, daß in den
-folgenden drei Dezennien, von 1830-1860, unter der nun allgemein sich
-ausbreitenden empirischen Schule von Philosophie gar keine Rede mehr
-war. Mit den Träumereien und Phantasiespielen jener ausgearteten
-Naturphantasterei wurden auch die wahren und großen Verdienste der alten
-Naturphilosophie vergessen, aus der jene hervorgegangen war, und man
-gewöhnte sich sehr allgemein an die Vorstellung, daß Naturwissenschaft
-und Philosophie in einem unversöhnlichen Gegensatze zueinander ständen.
-Dieser Irrtum wurde dadurch insbesondere begünstigt, daß die
-verbesserten Instrumente und Beobachtungsmethoden der Neuzeit, und vor
-allem die sehr verbesserten Mikroskope, der empirischen Naturbeobachtung
-ein unendlich weites Feld der Forschung eröffneten, aus welchem es ein
-leichtes war, mit wenig Mühe und ohne große Gedankenanstrengung
-Entdeckungen neuer Formverhältnisse in Hülle und Fülle zu machen.
-Während die Beobachtungen der ersten empirischen Periode, welche sich
-aus _Linnés_ Schule entwickelte, vorzugsweise nur auf die _äußeren_
-Formverhältnisse der Organismen gerichtet gewesen waren, wandte sich nun
-die zweite empirische Periode, welche aus _Cuviers_ Schule hervorging,
-vorwiegend der Beobachtung des _inneren_ Baues der Tiere und Pflanzen
-zu. Und in der Tat gab es hier, nachdem Cuvier durch Begründung der
-vergleichenden Anatomie und der Paläontologie ein weites neues Feld der
-Beobachtung geöffnet, nachdem _Bär_ durch Reformation der
-Entwicklungsgeschichte und _Schwann_ durch Begründung der Gewebelehre
-auf dem tierischen, _Schleiden_ auf dem pflanzlichen Gebiete neue und
-große Ziele gesteckt, nachdem _Johannes Müller_ die gesamte Biologie mit
-gewaltiger Hand in die neugeöffneten Bahnen der exakten Beobachtung
-hineingewiesen hatte, überall so unendlich viel zu beobachten und zu
-beschreiben, es wurde so leicht, mit nur wenig Geduld, Fleiß und
-Beobachtungsgabe neue Tatsachen zu entdecken, daß wir uns nicht wundern
-können, wenn darüber die leitenden Prinzipien der Naturforschung
-gänzlich vernachlässigt und die erklärende Gedankenarbeit von den
-meisten völlig vergessen wurde. Da noch im gegenwärtigen Augenblick
-diese »rein empirische« Richtung die allgemein überwiegende ist, da
-die Bezeichnung der Naturphilosophie noch in den weitesten
-naturwissenschaftlichen Kreisen nur als Schimpfwort gilt und selbst von
-den hervorragendsten Biologen nur in diesem Sinne gebraucht wird, so
-haben wir nicht nötig, die grenzenlose Einseitigkeit dieser Richtung
-noch näher zu erläutern und werden nur noch insofern näher darauf
-eingehen, als wir gezwungen sind, unseren Zeitgenossen ihr
-»exakt-empirisches«, d. h. gedankenloses und beschränktes Spiegelbild
-vorzuhalten. Wir wollen hier nur noch auf die seltsame Selbsttäuschung
-hinweisen, in welcher die neuere Biologie befangen ist, wenn sie die
-nackte gedankenlose Beschreibung _innerer_ und feinerer, insbesondere
-_mikroskopischer_ Formverhältnisse als »_wissenschaftliche Zoologie_«
-und »_wissenschaftliche Botanik_« preist und mit nicht geringem Stolze
-der früher ausschließlich herrschenden reinen Beschreibung der _äußeren_
-und gröberen Formverhältnisse gegenüberstellt, welche die sogenannten
-»Systematiker« beschäftigt. Sobald bei diesen beiden Richtungen, die
-sich so scharf gegenüberzustellen belieben, die Beschreibung an sich das
-Ziel ist (gleichviel ob der inneren oder äußeren, der feineren oder
-gröberen Formen), so ist die eine genau so viel wert als die andere.
-Beide werden erst zur Wissenschaft, wenn sie die Form zu erklären und
-auf Gesetze zurückzuführen streben.
-
-Nach unserer eigenen innigsten Überzeugung ist der Rückschlag, der gegen
-diese ganze einseitige und daher beschränkte Empirie notwendig früher
-oder später erfolgen mußte, bereits tatsächlich erfolgt, wenn auch
-zunächst nur in wenigen engen Kreisen. Die 1859 von _Charles Darwin_
-veröffentlichte Entdeckung der natürlichen Zuchtwahl im Kampfe
-ums Dasein, eine der größten Entdeckungen des menschlichen
-Forschungstriebes, hat mit einem Male ein so gewaltiges und klärendes
-Licht in das dunkle Chaos der haufenweis gesammelten biologischen
-Tatsachen geworfen, daß es auch den krassesten Empirikern fernerhin,
-wenn sie überhaupt mit der Wissenschaft fortschreiten wollen, nicht mehr
-möglich sein wird, sich der daraus emporwachsenden neuen
-Naturphilosophie zu entziehen. Indem die von Darwin neu begründete
-Deszendenztheorie die ganze gewaltige Fülle der seither empirisch
-angehäuften Tatsachenmassen durch einen einzigen genialen Gedanken
-erleuchtet, die schwierigsten Probleme der Biologie aus dem einen
-obersten Gesetze der »wirkenden Ursachen« vollständig erklärt, die
-unzusammenhängende Masse aller biologischen Erscheinungen auf dieses
-eine einfache große Naturgesetz zurückführt, hat sie bereits tatsächlich
-die bisher ausschließlich herrschende Empirie völlig überflügelt und
-einer neuen und gesunden Philosophie die weiteste und fruchtbarste Bahn
-geöffnet. Es ist eine Hauptaufgabe der »generellen Morphologie« zu
-zeigen, wie die wichtigsten Erscheinungsreihen der Morphologie sich mit
-Hilfe derselben vollständig erklären und auf große und allgemeine
-Naturgesetze zurückführen lassen.
-
-Wenn wir das Resultat dieses flüchtigen Überblickes über den inneren
-Entwicklungsgang der Morphologie in wenigen Worten zusammenfassen, so
-können wir füglich von Beginn des achtzehnten Jahrhunderts an bis jetzt
-vier abwechselnd empirische und philosophische Perioden der Morphologie
-unterscheiden, welche durch die Namen von Linné, Lamarck, Cuvier, Darwin
-bezeichnet sind, nämlich: I. Periode: _Linné_, (geb. 1707). _Erste
-empirische Periode_ (achtzehntes Jahrhundert). Herrschaft der
-empirischen äußeren Morphologie (Systematik). II. Periode: _Lamarck_
-(geb. 1744) und _Goethe_ (geb. 1749).[5] _Erste philosophische Periode_
-(erstes Drittel des neunzehnten Jahrhunderts). Herrschaft der
-phantastisch-philosophischen Morphologie (ältere Naturphilosophie). III.
-Periode: _Cuvier_ (geb. 1769).[6] _Zweite empirische Periode_ (zweites
-Drittel des neunzehnten Jahrhunderts). Herrschaft der empirischen
-inneren Morphologie (Anatomie). IV. Periode: _Darwin_ (geb. 1809).
-_Zweite philosophische Periode_. Begonnen 1859. Herrschaft der
-empirisch-philosophischen Morphologie (neuere Naturphilosophie).
-
-[Fußnote 5: Wir nennen hier absichtlich Lamarck und Goethe als die
-geistvollsten Repräsentanten der älteren Naturphilosophie, wenngleich
-sie sich entfernt nicht desselben Einflusses und derselben Anerkennung
-zu erfreuen hatten, wie Etienne Geoffroy S. Hilaire (geb. 1771) und
-Lorenz Oken (geb. 1779), die gewöhnlich als die Koryphäen dieser
-Richtung vorangestellt werden.]
-
-[Fußnote 6: Als hervorragende Koryphäen dieser Periode würden wir hier
-noch Johannes Müller, Schleiden und einige andere hervorzuheben haben,
-wenn nicht gerade diese bedeutendsten Männer, als wahrhaft
-philosophische Naturforscher, sich von der großen Einseitigkeit
-freigehalten hätten, welche Cuviers Schule und der große Troß der
-Zeitgenossen zum extremsten Empirismus ausbildete.]
-
-Indem wir die beiden Richtungen der organischen Morphologie, die
-empirische und philosophische, so schroff einander gegenüberstellen,
-müssen wir ausdrücklich bemerken, daß nur die große Masse der
-beschränkteren und gröber organisierten Naturforscher es war, welche
-diesen Gegensatz in seiner ganzen Schärfe ausbildete und entweder die
-eine oder die andere Methode als die allein seligmachende pries und für
-die »eigentliche« Naturwissenschaft hielt. Die umfassenderen und seiner
-organisierten Naturforscher, und vor allen die großen Koryphäen, deren
-Namen wir an die Spitze der von ihnen beherrschten Perioden gestellt
-haben, waren stets mehr oder minder überzeugt, daß nur eine innige
-Verbindung von Beobachtung und Theorie, von Empirie und Philosophie, den
-Fortschritt der Naturwissenschaft wahrhaft fördern könnte. Man pflegt
-gewöhnlich Cuvier als den strengsten und exklusivsten Empiriker, als den
-abgesagtesten Feind jeder Naturphilosophie hinzustellen. Und sind nicht
-seine besten Arbeiten, seine wertvollsten Entdeckungen, wie z. B. die
-Aufstellung der vier tierischen Typen (Stämme), die Begründung des
-Gesetzes von der Korrelation der Teile, von den »^Causes finales^«,
-Ausflüsse der reinsten Naturphilosophie? Ist nicht die von ihm neu
-begründete »vergleichende Anatomie« ihrem ganzen Wesen nach eine rein
-philosophische Wissenschaft, welche das empirische Material der Zootomie
-bloß als Basis braucht? Ist es nicht lediglich der _Gedanke_, die
-Theorie, welche auf der rein empirischen Zootomie als notwendiger
-Grundlage das philosophische Lehrgebäude der vergleichenden Anatomie
-errichten? Und wenn _Cuvier_ aus einem einzigen Zahne oder Knochen eines
-fossilen Tieres die ganze Natur und systematische Stellung desselben mit
-Sicherheit erkannte, war dies Beobachtung oder war es Reflexion?
-Betrachten wir anderseits den Stifter der älteren Naturphilosophie,
-_Lamarck_, so brauchen wir, um den Vorwurf der Einseitigkeit zu
-widerlegen, bloß darauf hinzuweisen, daß dieser eminente Mann seinen Ruf
-als großer Naturforscher größtenteils einem vorwiegend deskriptiven
-Werke, der berühmten »^Histoire naturelle des animaux sans vertèbres^«
-verdankte. Seine »^Philosophie zoologique^«, welche die Deszendenzlehre
-zum ersten Male als vollkommen abgerundete Theorie aufstellte, eilte mit
-ihrem prophetischen Gedankenfluge seiner Zeit so voraus, daß sie von
-seinen Zeitgenossen gar nicht verstanden und ein volles halbes
-Jahrhundert hindurch (1809-1859) totgeschwiegen wurde. _Johannes
-Müller_, den wir Deutschen mit gerechtem Stolz als den größten Biologen
-der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts unser eigen nennen, und
-der in den Augen der meisten jetzt lebenden Biologen als der strengste
-Empiriker und Gegner der Naturphilosophie gilt, verdankt die Fülle
-seiner zahlreichen und großen Entdeckungen viel weniger seinem
-ausgezeichneten sinnlichen Beobachtungstalent, als seinem kombinierenden
-Gedankenreichtum und der natürlichen Philosophie seiner wahrhaft
-denkenden Beobachtungsmethode. _Charles Darwin_, der größte aller jetzt
-lebenden Naturforscher, überragt uns alle nicht allein durch
-Ideenreichtum und Gedankenfülle seines die ganze organische Natur
-umfassenden Geistes, sondern ebensosehr durch die intensiv und extensiv
-gleichbedeutende und fruchtbare Methode seiner empirischen
-Naturbeobachtung.
-
-Nach unserer festesten Überzeugung können nur diejenigen Naturforscher
-wahrhaft fördernd und schaffend in den Gang der Wissenschaft eingreifen,
-welche, bewußt oder unbewußt, ebenso scharfe Denker als sorgfältige
-Beobachter sind. Niemals kann die bloße Entdeckung einer nackten
-_Tatsache_, und wäre sie noch so merkwürdig, einen wahrhaften
-Fortschritt in der Naturwissenschaft herbeiführen, sondern stets nur der
-Gedanke, die _Theorie_, welche diese Tatsache erklärt, sie mit den
-verwandten Tatsachen vergleichend verbindet und daraus ein _Gesetz_
-ableitet. Betrachten wir die größten Naturforscher, welche zu allen
-Zeiten auf dem biologischen Gebiete tätig gewesen sind, von Aristoteles
-an, Linné und Cuvier, Lamarck und Goethe, Bär und Johannes Müller und
-wie die Reihe der glänzenden Sterne erster Größe, bis auf Charles Darwin
-herab, weiter heißt -- sie alle sind ebenso große Denker, als Beobachter
-gewesen, und sie alle verdanken ihren unsterblichen Ruhm nicht der Summe
-der einzelnen von ihnen entdeckten Tatsachen, sondern ihrem denkenden
-Geiste, der diese Tatsachen in Zusammenhang zu bringen und daraus
-Gesetze abzuleiten verstand. Die rein empirischen Naturforscher, welche
-nur durch Entdeckung neuer Tatsachen die Wissenschaft zu fördern
-glauben, können in derselben ebensowenig etwas leisten, als die rein
-spekulativen Philosophen, welche der Tatsachen entbehren zu können
-glauben und die Natur aus ihren Gedanken konstruieren wollen. Diese
-werden zu phantastischen Träumern, jene im besten Falle zu genauen
-Kopiermaschinen der Natur. Im Grunde freilich gestaltet sich das
-tatsächliche Verhältnis überall so, daß die reinen Empiriker sich mit
-einer unvollständigen und unklaren, ihnen selbst nicht bewußten
-Philosophie, die reinen Philosophen dagegen mit einer ebensolchen,
-unreinen und mangelhaften Empirie begnügen. Das Ziel der
-Naturwissenschaft ist die Herstellung eines vollkommen architektonisch
-geordneten Lehrgebäudes. Der reine Empiriker bringt statt dessen einen
-ungeordneten Steinhaufen zusammen; der reine Philosoph auf der andern
-Seite baut Luftschlösser, welche der erste empirische Windstoß über den
-Haufen wirft. Jener begnügt sich mit dem Rohmaterial, dieser mit dem
-Plan des Gebäudes. Aber nur durch die innigste Wechselwirkung von
-empirischer Beobachtung und philosophischer Theorie kann das Lehrgebäude
-der Naturwissenschaft wirklich zustande kommen.
-
-Wir schließen diesen Abschnitt, wie wir ihn begonnen, mit einem
-Ausspruch von Johannes Müller: »Die Phantasie ist ein unentbehrliches
-Gut, denn sie ist es, durch welche neue Kombinationen zur Veranlassung
-wichtiger Entdeckungen gemacht werden. Die Kraft der Unterscheidung des
-isolierenden Verstandes sowohl, als der erweiternden und zum Allgemeinen
-strebenden Phantasie sind dem Naturforscher in einem harmonischen
-Wechselwirken notwendig. Durch Störung dieses Gleichgewichts wird der
-Naturforscher von der Phantasie zu Träumereien hingerissen, während
-diese Gabe den talentvollen Naturforscher von hinreichender
-Verstandesstärke zu den wichtigsten Entdeckungen führt.«
-
- (Aus »Generelle Morphologie der Organismen«. 1866.)
-
-
-
-
- V.
- Arabische Korallen.
-
-
-Die zauberhaften Korallenbänke des Roten Meeres aus eigener Anschauung
-kennen zu lernen, war schon seit langer Zeit mein lebhafter Wunsch. Als
-daher im März 1873 eine lange gehegte Hoffnung in Erfüllung ging und ich
-eine zweimonatige Reise in den Orient antreten konnte, lag es in meinem
-Plane, wenn irgend möglich, von Suez aus einen Abstecher nach den
-nächstgelegenen Korallenriffen zu machen. Ein solcher Ausflug erscheint
-auf der Landkarte sehr leicht, ist aber für einen einzelnen Reisenden
-mit vielen und großen Schwierigkeiten verknüpft. Denn die Zahl der
-bewohnten Orte an den langgestreckten, öden und unwirtlichen Küsten des
-Roten Meeres ist sehr gering, und diese wenigen Orte selbst sind
-meistens nur von armen, halbwilden Mohammedanern bewohnt. Man muß Zelte,
-Diener, Lebensmittel und Trinkwasser selbst mitbringen, um
-dort existieren zu können. Auch gibt es keine regelmäßige
-Dampfschiffverbindung zwischen Suez und diesen elenden Küstenorten.
-Keiner derselben wird von den großen europäischen Dampfern berührt, die
-allwöchentlich durch das Rote Meer fahren und die Überlandpost nach
-Indien befördern.
-
-In der nächsten Umgebung von Suez und überhaupt im nördlichsten Teile
-des Roten Meeres fehlen die Korallenbänke, die sonst über den größten
-Teil beider Küsten desselben sich ausdehnen. Der nächstgelegene Ort, an
-welchem man schöne Korallenriffe beobachten und den man in kürzester
-Zeit erreichen kann, ist das arabische Dörfchen Tor oder Tur, an der
-Westküste der Sinaihalbinsel gelegen. Hier hatten früher schon
-Ehrenberg, Ransonnet, Frauenfeld und andere Naturforscher der Korallen
-wegen sich längere oder kürzere Zeit aufgehalten. Um von Suez aus nach
-Tur zu gelangen, muß man entweder ein eigenes Segelschiff mieten, oder
-zu Kamel durch die arabische Wüste reiten. Zu diesem Landweg auf dem
-Wüstenschiff, der 55 Reitstunden beträgt, sind mindestens vier bis fünf
-Tage erforderlich. Dazu reichte aber meine Zeit nicht aus; auch wäre der
-Transport der Korallen, die ich zu sammeln wünschte, auf dem Kamel sehr
-mißlich gewesen. Es blieb also nichts übrig, als ein Segelschiff zu
-mieten. Aber auch das erwies sich als untunlich. Denn die gewöhnlichen,
-halbgedeckten arabischen Segelboote sind böse Fahrzeuge, im höchsten
-Grade unbequem und unreinlich, überfüllt mit parasitischen Insekten
-aller Art; und dabei war der geforderte Preis unerschwinglich hoch.
-Außerdem hätte ich mich der Gefahr ausgesetzt, bei widrigem Winde acht
-Tage und länger in einem solchen erbärmlichen Fahrzeug auf dem Roten
-Meere zu kreuzen, ohne mein Ziel erreichen zu können.
-
-So wäre denn mein sehnlicher Wunsch, die Korallenbänke von Tur zu
-besuchen, schwerlich in Erfüllung gegangen, wenn nicht der
-österreichische Generalkonsul in Kairo, Herr von Cischini, der mich
-während meines dortigen Aufenthaltes mit Freundlichkeiten aller Art
-überhäufte, mir ein Fahrzeug verschafft hätte, das zu erlangen ich mir
-früher nie hatte träumen lassen. Er bewog nämlich den Vizekönig von
-Ägypten, Ismail Pascha, für den beabsichtigten Ausflug nach Tur die
-Benutzung eines in Suez stationierten Dampfschiffes der ägyptischen
-Kriegsflotte zu gestatten. Zugleich wurden meine Freunde und
-Reisegefährten, Professor Straßburger aus Jena und Professor Panceri aus
-Neapel, eingeladen, als Gäste des Khedive an der Expedition
-teilzunehmen.
-
-Am 22. März verließen wir Kairo, die wunderbare Metropole des Nillandes,
-in der wir die Märchen aus Tausend und einer Nacht lebendig vor uns
-gesehen hatten. Die Eisenbahn führte uns von dort in elf Stunden nach
-Suez. Unsere interessante Reisegesellschaft bestand zum größten Teile
-aus einer bunten Karawane von Mekkapilgern. Namentlich bot ein
-Haremwaggon dritter Klasse, in welchen ein glücklicher Zufall uns einen
-Einblick gewährte, ein merkwürdiges Bild. Die Bahnfahrt selbst ist
-höchst originell. Wir durchschneiden zuerst in nordöstlicher Richtung
-den östlichen Rand des üppig fruchtbaren Nildelta und passieren
-zahlreiche Fellah-Dörfer. Da bieten uns die niederen braunen Lehmhütten,
-von Dattelpalmen umgeben, mit ihrer charakteristischen Staffage von
-verschleierten Weibern, nackten Kindern, Büffeln, die Schöpfräder
-treiben, Kamelen usw. eine Fülle von malerischen Motiven. In Benha
-wendet sich die Bahn nach Osten, vereinigt sich mit dem von Alexandrien
-nach Suez gehenden Schienenweg, der die ostindische Überlandpost
-befördert, und geht nun eine Strecke weit mitten durch die Wüste.
-Ringsum erblicken wir eine Zeitlang nichts als gelben Sand und blauen
-Himmel. Um uns den vollen Eindruck einer Wüstenreise zu geben, wehte den
-ganzen Tag hindurch ein heftiger Chamsin, jener erstickend heiße
-Wüstenwind, der als Samum der Schrecken der Karawanen ist. Sein
-glühender Odem warf ganze Regenschauer feinen Wüstensandes gegen die
-Fenster unseres Coupés, und wir wünschten uns Glück, im geschlossenen
-Waggon und nicht draußen auf dem Rücken der Kamele zu sitzen.
-
-Abends um sieben Uhr in Suez angelangt, wurden wir von dem dortigen
-österreichischen Konsul, Herrn von Remy-Berzenkovich, freundlichst
-empfangen und sogleich zum Gouverneur Hassan-Bey geführt. Hier erfuhren
-wir zu unserer Freude, daß unser Kriegsschiff, die Dampferkorvette
-»Khartoum«, zur Fahrt bereit draußen auf der Reede liege. Der Kommandant
-derselben, Kapitän Ali Schukri, ein stattlicher brauner Araber in
-ägyptischer Marineuniform, wurde uns vorgestellt und bot uns mit
-orientalischer Unterwürfigkeit seine Dienste an. In dem großartigen
-englischen Peninsular-Hotel, das noch vor wenigen Jahren von den
-Engländern als das üppigste und komfortabelste Hotel der Welt gepriesen
-wurde, war für uns Quartier bereitet. Wir wurden als Gäste des Khedive
-mit größter Aufmerksamkeit bedient und fürstlich verpflegt.
-
-Am anderen Morgen wollten wir unsere Seereise antreten. Leider steigerte
-sich aber der heftige Chamsin in der Nacht zu einem förmlichen Sturme,
-so daß wir den ganzen Tag in Suez bleiben mußten. Obgleich diese Stadt
-weder durch Naturschönheiten, noch durch besondere Sehenswürdigkeiten
-ausgezeichnet ist, so ist ein kurzer Aufenthalt in derselben interessant
-genug. Denn als Knotenpunkt des lebendigsten Verkehrs zwischen drei
-Weltteilen und als Hafenort der Mekkapilger bietet es in dem bunten
-Leben seiner Straßen und Basare eine reiche ethnographische Musterkarte.
-Mit europäischen Reisenden und Matrosen aller Nationen mischen sich
-Neger aus dem Osten und Süden Afrikas, Berber und Ägypter, Araber und
-Levantiner aller Klassen, Mekkapilger aus allen Ländern des Ostens,
-persische und indische Kaufleute. Dazwischen drängen sich verschleierte
-braune Weiber und unverschleierte Früchteverkäuferinnen, Kamele und
-Pferde, schöne orientalische Esel und zahllose Hunde.
-
-Nicht minder interessant als dieser bunte Völkermarkt war für uns
-Naturforscher der Fischmarkt von Suez. Denn obwohl derselbe weder
-besonders groß noch reichhaltig ist, so erkannten wir doch auf den
-ersten Blick, daß wir uns in einem völlig neuen Gebiete der marinen
-Fauna, ja schon mitten in der wunderbaren Tierwelt des Indischen Ozeans
-befanden. Die schmale Landenge von Suez trennt nämlich zwei gewaltige
-Seereiche, die schon seit vielen Jahrtausenden außer allem Zusammenhange
-stehen und in denen sich demgemäß, der Darwinschen Theorie entsprechend,
-eine völlig verschiedene Tier- und Pflanzenwelt entwickelt hat. Die
-Fauna und Flora des Mittelmeeres, die zum großen Gebiete des
-Atlantischen Ozeans gehört, ist gänzlich verschieden von der Tier- und
-Pflanzenbevölkerung des Roten Meeres, das eine Provinz des Indischen
-Ozeans bildet. Unter hundert Korallenarten des Roten Meeres findet sich
-nicht eine einzige Art, die auch im Mittelmeere vorkäme. Nur ein ganz
-kleiner Bruchteil von Tierarten ist beiden benachbarten Meeren
-gemeinsam. Wenn wir daher gestern früh den Fischmarkt von Alexandrien
-und heute morgen, kaum vierundzwanzig Stunden später, denjenigen von
-Suez besuchen, so finden wir den auffallenden Gegensatz zwischen beiden
-ebenso groß, als ob wir gestern den Fischmarkt von Barcelona oder
-Marseille und heute denjenigen von Kalkutta oder Singapore gesehen
-hätten. Diese merkwürdige Erscheinung erklärt sich ganz einfach aus den
-Konsequenzen der Deszendenztheorie und der damit verbundenen
-Migrationstheorie.
-
-Der Sturm, der uns diesen interessanten, obwohl unerwünschten Aufenthalt
-in Suez verursachte, legte sich erst am Morgen des zweiten Tages, und
-gegen Mittag erschien der Gouverneur, um uns in seiner Dampfjolle nach
-dem fast eine Stunde von der Stadt entfernt auf der Reede ankernden
-Kriegsschiffe »Khartoum« hinüberzufahren. Die Wellen gingen immer noch
-so hoch, daß sie das ganze Verdeck überfluteten, und brachten beim
-Anlegen beide Dampfschiffe in so unsanfte Berührung, daß das Bugspriet
-und die Schanzkleidung des kleineren Dampfers vollständig
-zersplitterten. Auch das Hinüberklettern vom einen zum anderen war
-ebenso wie der Transport unserer Gläserkisten, Netze und Instrumente,
-mit ziemlichen Schwierigkeiten verbunden und wurde unter heillosem
-Geschrei der Matrosen bewerkstelligt, welches das Toben von Wind und
-Wellen übertönte. Das höllische Konzert wurde vollständig durch das
-ohrenzerreißende Trommeln, Pfeifen und Klappern des Musikkorps von
-Khartoum. Die ganze Mannschaft desselben, 126 Köpfe stark, war nämlich
-zu unserem feierlichen Empfange unter Gewehr getreten und salutierte.
-Der Kapitän empfing uns mit größter Unterwürfigkeit und stellte uns das
-Offizierkorps vor. Jedoch blieb die Unterhaltung ziemlich mangelhaft, da
-wir kaum ein Dutzend arabischer Worte und unsere neuen Freunde ungefähr
-ebensoviel englische Vokabeln kannten. Die eigentliche Unterhaltung
-wurde durch den österreichischen Konsul von Remy vermittelt, der
-geläufig Arabisch sprach. Er hatte die Güte, uns zu begleiten und auf
-der ganzen Fahrt die Rolle des Dolmetschers zu spielen.
-
-Wegen des fortdauernden hohen Wellenganges, der erst gegen Abend
-schwächer wurde, konnte unser Dampfer erst um Mitternacht die Anker
-lichten und gen Süden steuern. Den ganzen folgenden Tag fuhren wir
-zwischen Asien und Afrika durch den Golf von Suez, zu unserer Rechten
-die ägyptische, zur Linken die arabische Küste; malerische
-langgestreckte öde Gebirgsketten auf beiden Seiten im Hintergrunde.
-
-Da wir erst spät in der Nacht unser Reiseziel erreicht haben würden,
-wegen der gefährlichen Korallenriffe aber doch in den Hafen von Tur
-nicht hätten einlaufen können, ging unsere Korvette um vier Uhr
-nachmittags, etwa 20 Seemeilen von Tur entfernt, in einer geschützten
-kleinen Bucht der arabischen Küste vor Anker. Wir ließen uns sofort im
-Boote ans Land setzen, und voll Ehrfurcht betraten wir zum erstenmal den
-heiligen Boden der alten Asia. Die Küste war völlig öde und einsam, aber
-großartig wild. Mächtige, 3000 bis 4000 Fuß hohe Berge der Sinaikette
-erhoben sich steil über dem schmalen sandigen Küstensaum.
-
-Alle überragt der gewaltige »Djebel Serbal«, dessen wildzerklüftete rote
-Granitwälle, von zahlreichen Diorit- und Porphyrgängen durchsetzt, sich
-bis über 6000 Fuß erheben. Durch die zahlreichen zerrissenen Spitzen,
-die steilen Abstürze, die phantastischen Kluftbildungen erhebt sich
-dieser malerische »Djebel Serbal« zu dem großartigsten und prächtigsten
-unter allen den gewaltigen Berghäuptern der Sinaihalbinsel. Auch hat er
-lange Zeit als Nebenbuhler der eigentlichen Sinaikuppe, des Mosesberges
-(Djebel Musa) dagestanden; und viele frommen Seelen glauben noch heute,
-daß auf ersterem, nicht auf letzterem die Gesetztafeln der zehn Gebote
-publiziert und der »alte Bund« zwischen Jehova und seiner auserwählten
-Semitenrasse geschlossen wurde. In den ersten Jahrhunderten des
-Christentums war diese Ansicht herrschend, und zahlreiche Einsiedler,
-Mönche und Nonnen, wohnten damals in den Grotten und Felsenhöhlen des
-zerklüfteten »Berges der Gesetzgebung«. Zahlreiche Prozessionen
-pilgerten zu seinen Höhen und erfreuten sich der mannigfachen Genüsse,
-welche die dichtbelaubten und quellenreichen Fruchtgärten des
-»Wadi-Feiran« darboten. Letzteres ist ein herrliches Tal am Fuße des
-»Djebel Serbal«, das wegen seiner üppigen Fruchtbarkeit als »Perle der
-Sinaihalbinsel« gepriesen wird, ein greller Gegensatz zu der umgebenden
-öden Steinwüste.
-
-Als wir aus dem Boote ans Land sprangen, berührte unser Fuß zuerst
-reinen Korallenfelsen. Überall im Sande des Strandes lagen tote,
-gebleichte Korallenblöcke umher, pilzförmige Fungien, sternbedeckte
-Asträen, labyrinthische Mäandrinen, verästelte Madreporen, dunkelrote
-Orgelkorallen oder Tubiporen. Mit Ausnahme einiger niederer
-Strandpflanzen mit fleischigen Blättern und eines zwischen den Felsen
-wachsenden Kappernstrauches war nichts von Vegetation zu sehen. Lautlose
-Stille rings umher; von menschlicher Existenz keine Spur weit und breit.
-Küste und Gebirge sahen aus, als ob sie nie ein Menschenfuß betreten
-hätte.
-
-Der Sonnenuntergang war prächtig und übergoß die gewaltigen roten
-Granitmauern mit den glühendsten Farben. Rasch brach die Dunkelheit ein
-und der wolkenlose Himmel bedeckte sich mit einem Sternengewand, das wir
-nie zuvor in solchem Glanze hatten funkeln sehen. Wir ließen uns durch
-unseren indischen Koch unsere Abendmahlzeit vom Schiffe an den Strand
-holen und genossen sie auf Korallenblöcken sitzend in gehobenster
-Stimmung. Unser edler Gastfreund, der Khedive, hatte unsere Küche aufs
-beste versorgt, und unter anderem auch mit einer Champagnerkiste
-ausgestattet. Dieses schäumende Getränk ist bei den Orientalen sehr
-beliebt und wird, da der Koran nur den Genuß des Weines verbietet, als
-eine Art Bier angesehen. So konnte denn auch der arabische
-Schiffsleutnant, der unsere Schaluppe führte, unbeschadet seiner
-Frömmigkeit, uns helfen, den ersten Abend auf asiatischem Boden in
-Champagnerbier zu feiern. Erst spät abends kehrten wir in heiterster
-Stimmung an Bord des »Khartoum« zurück, wo uns ein herrliches Lager auf
-den über Verdeck gelegten Polstern unter dem funkelnden Sternenzelt
-erwartete. Um Mitternacht lichtete das Schiff die Anker und lief am
-anderen Morgen kurz nach Sonnenaufgang im Hafen von Tur ein.
-
-Die Küstenlandschaft von Tur ist ein echtes Charakterbild vom Strande
-des steinigen Arabiens. Die gelbe Sandwüste, die sich längs des
-dunkelblauen Meeres hinzieht, ist von Vegetation völlig entblößt; mit
-Ausnahme einzelner Dhumpalmen und einiger kleiner Gruppen von
-Dattelpalmen, die teils in der unmittelbaren Umgebung von Tur ein wenig
-dürftigen Schatten spenden, teils eine entfernte Oase bezeichnen. In
-imposanter Majestät erhebt sich aber im Hintergrunde der Wüste das
-gewaltige Gebirge des Sinai, mit seinen kühn geformten Gipfeln und
-zerklüfteten Felsrücken. Tur selbst ist ein dürftiges Dörfchen mit kaum
-zwei Dutzend Hütten und wenig über hundert Einwohnern. Ein kleines
-Zeltlager, von einer eben jetzt am Strande lagernden Karawane errichtet,
-steigerte den orientalischen Charakter des originellen Bildes. Das
-Dörfchen Tur liegt an der Umrandung eines kleinen, flachen,
-hufeisenförmigen Hafenbeckens. Die Felsenriffe, welche dieses Becken
-umfassen und nur eine schmale Einfahrt freilassen, sind Korallenbänke.
-Der ganze Hafen ist ein reizender Korallengarten. Als wir in der
-Schaluppe über die flachen Bänke hinglitten und in zehn bis zwanzig Fuß
-Tiefe durch die kristallklare Flut hindurch den Boden betrachteten,
-entzückten uns die prächtigsten, nie zuvor lebend gesehenen
-Korallenbüsche, auf dem gelben Sande überall in bunter Mannigfaltigkeit
-zerstreut, wie exotische Ziersträucher in einem schönen Blumengarten.
-Der Hafendamm, an dem unser Boot anlegt, ist ganz aus Korrallenblöcken
-erbaut, und als wir uns den niederen würfelförmigen Hütten nähern,
-werden wir durch die Wahrnehmung überrascht, daß auch diese fast ganz
-aus Korallenstein bestehen. Als ob es gewöhnliche Sandsteine wären,
-liegen da die herrlichsten schneeweißen Blöcke von Sternkorallen,
-Mäandrinen, Madreporen usw. übereinander gehäuft. Manche von diesen
-elenden Hütten birgt in einer einzigen Wand eine größere Sammlung von
-schönen Korallenblöcken, als in vielen europäischen Museen zu finden
-ist. Am liebsten hätten wir das ganze Dorf aufgekauft, zusammengepackt
-und in die Heimat geschickt.
-
-Augenblicklich sind jedoch die herrlichen lebenden Korallentiere im
-Hafen für uns von größerem Interesse als die toten Steingerüste in den
-Hüttenwänden, und begierig besteigen wir die flachen arabischen Boote,
-die inzwischen für unsere Korallenjagd ausgerüstet und mit Tauchern
-bemannt worden sind. Die bei weitem zweckmäßigste Methode nämlich,
-lebende Korallen vom Meeresgrunde zu erhalten, ist die Anwendung von
-Tauchern. Unser gewöhnliches Schleppnetz, mit dem wir sonst die
-zoologischen Schätze vom Meeresboden heraufholen, ist hier ganz
-unbrauchbar. Die kleinen und zierlichen Korallenstöcke werden durch das
-Schleppnetz zerbrochen und verdorben; die großen und schweren Blöcke
-zerreißen selbst das Netz und sind nicht damit heraufzuheben. Hingegen
-bewährten sich die arabischen Taucher, deren wir uns in Tur bedienten
-und die durch den Betrieb der Perlenfischerei im längeren Verweilen
-unter Wasser sehr geübt waren, als äußerst geschickte Korallenfänger.
-Sie waren weder mit Taucherglocken noch mit Skaphandern oder anderen
-Tauchapparaten ausgerüstet; sie schwammen aber so ausgezeichnet, konnten
-so lange unter Wasser bleiben und wußten so geschickt selbst größere
-Korallen von ihren Ansatzpunkten abzulösen, daß sie niemals wieder
-emportauchten, ohne uns mit neuen prächtigen Korallengeschenken zu
-überraschen.
-
-Die Korallenfischerei mit diesen Tauchern, die uns während unseres
-Aufenthaltes in Tur fast den ganzen Tag beschäftigte, war höchst
-anziehend und unterhaltend. Das Wasser in dem seichten und stillen,
-durch das vorliegende Korallenriff gegen die Brandung geschützten Hafen
-ist so kristallhell, daß wir bis auf zehn und zwanzig Fuß Tiefe jeden
-kleinen Krebs und Seestern, jede Muschel und Schnecke auf dem Boden
-zwischen den Korallenbüschen erkennen können. Sobald wir unseren
-Tauchern den gewünschten Gegenstand bezeichnet haben, springen sie
-hinab. Vorsichtig die spitzen Ecken und scharfen Kanten der
-Korallenstöcke vermeidend, huschen die schlanken braunen Jünglinge wie
-Fische zwischen denselben umher und lösen die gewünschten Stücke vom
-Boden ab. Bloß mit den Füßen rudernd, die Beute mit beiden Armen
-umschlungen haltend, tauchen sie wieder empor. In wenigen Stunden sind
-unsere Boote mit den kostbarsten Schätzen gefüllt.
-
-Die großen Glasgefäße, die wir in Fächerkisten aus Triest mitgebracht
-haben, sind bald ganz voll von lebenden Korallen. Vorsichtig aus dem
-Meere genommen und in das ruhige Wasser der Gefäße versetzt, entfalten
-sie allmählich ihre zarten, zurückgezogenen Blumenleiber. Da schauen wir
-zum erstenmal in nächster Nähe das unbeschreiblich schöne Schauspiel,
-welches diese herrlichen, scheinbar aus dem Korallenstein
-hervorwachsenden Blumentiere mit ihren wundervollen Farben, zierlichen
-Formen und graziösen Bewegungen gewähren. Die prächtigen bunten Aktinien
-des Roten Meeres, die blauen Xenien, die grünen Ammotheen und die gelben
-Sarkophyten wetteifern an leuchtender Farbenpracht mit den in allen
-Irisfarben strahlenden Blumenkelchen, die wie durch Zauber aus den
-scheinbar toten Kalkgerüsten der Steinkorallen hervorsprossen. Besonders
-fallen uns unter diesen die glänzenden Sternkorallen oder Asträen und
-die merkwürdigen Orgelkorallen oder Tubiporen auf. Aus den purpurroten
-Kalkröhren der letzteren, die gleich Orgelpfeifen dicht nebeneinander
-gereiht stehen, stecken zierliche grasgrüne Personen ihre acht
-gefiederten Fangarme aus.
-
-Wir beschränken uns aber nicht auf den Hafen von Tur, sondern segeln
-weiter hinaus, wo an den größeren Korallenriffen längs der Küste neue
-Überraschungen unserer harren und wo wir die vielgerühmte Pracht der
-indischen Korallenbänke in ihrem vollen Farbenglanze schauen. Das
-kristallklare Wasser ist hier unmittelbar an der Küste fast immer so
-ruhig und bewegungslos, daß man die ganze wunderbare Korallendecke des
-Bodens mit ihrer mannigfaltigen Bevölkerung von allerlei Seetieren
-deutlich erkennen kann. Hier, wie im größten Teile des Roten Meeres,
-zieht parallel der Küste ein langer Damm von Korallenriffen hin,
-ungefähr eine Viertelstunde vom Lande entfernt. Diese Wallriffe oder
-Barrierenriffe sind wahre Wellenbrecher. Der Wogenandrang zerschellt an
-ihrer unebenen zackigen Oberfläche, welche bis nahe unter den
-Wasserspiegel ragt; und ein weißer Schaumkamm kennzeichnet so deutlich
-ihren Verlauf. Auch wenn draußen auf dem Meere der Sturm tobt, ist hier
-in dem durch das Riff geschützten Kanale oder Graben das Wasser
-verhältnismäßig ruhig, und kleinere Schiffe können darin ungestört ihre
-Fahrt längs der Küste fortsetzen. Nach außen gegen das hohe Meer fällt
-das Korallenriff steil hinunter. Nach innen gegen die Küste dagegen
-flacht es sich allmählich ab, und meist bleibt die Tiefe des Kanals so
-gering, daß man die ganze Farbenpracht der Korallengärten auf seinem
-Boden erblicken kann.
-
-Diese Pracht zu schildern vermag keine Feder und kein Pinsel. Die
-begeisterten Schilderungen von Darwin, Ehrenberg, Ransonnet und anderen
-Naturforschern, die ich früher gelesen, hatten meine Erwartungen sehr
-hoch gespannt; sie wurden aber durch die Wirklichkeit übertroffen. Ein
-Vergleich dieser formenreichen und farbenglänzenden Meerschaften mit den
-blumenreichsten Landschaften gibt keine richtige Vorstellung. Denn hier
-unten in der blauen Tiefe ist eigentlich alles mit bunten Blumen
-überhäuft und alle diese zierlichen Blumen sind lebendige Korallentiere.
-Die Oberfläche der größeren Korallenblöcke, von sechs bis acht Fuß
-Durchmesser, ist mit Tausenden von lieblichen Blumensternen bedeckt. Auf
-den verzweigten Bäumen und Sträuchern sitzt Blüte an Blüte. Die großen
-bunten Blumenkelche zu deren Füßen sind ebenfalls Korallen. Ja sogar das
-bunte Moos, das die Zwischenräume zwischen den größeren Stöcken
-ausfüllt, zeigt sich bei genauerer Betrachtung aus Millionen winziger
-Korallentierchen gebildet. Und alle diese Blütenpracht übergießt die
-leuchtende arabische Sonne in dem kristallhellen Wasser mit einem
-unsagbaren Glanze!
-
-In diesen wunderbaren Korallengärten, welche die sagenhafte Pracht der
-zauberischen Hesperidengärten übertreffen, wimmelt außerdem ein
-vielgestaltiges Tierleben der mannigfaltigsten Art. Metallglänzende
-Fische von den sonderbarsten Formen und Farben spielen in Scharen um die
-Korallenkelche, gleich den Kolibris, die um die Blumenkelche der
-Tropenpflanzen schweben. Unter ihnen fällt uns vor allen der sonderbare
-Halbmondfisch auf (^Platax Ehrenbergii^). Sein platt zusammengedrückter,
-sichelförmiger Körper, der je nach dem Lichtfalle bald in gelbgrünlichem
-Bronzeglanz, bald in prachtvollem Blau strahlt, ist oben in eine lange
-dreieckige gekrümmte Rückenflosse, unten in eine gleiche Analflosse
-ausgezogen. So erscheint der ganze Fisch als leuchtende Sichel im
-Halbdunkel der Korallenwälder, als das Symbol des türkischen Halbmondes,
-der jetzt noch diese arabischen Küsten beherrscht. Gleich einem
-leuchtenden Kometenschweife zieht durch die blaue Tiefe ein silberweißer
-Bandfisch von der Gestalt eines silbernen Schuppengürtels
-(^Trichiurus^). Ein rotbrauner, mit seltsamem Helmschmuck an dem
-gepanzerten Haupte ausgestatteter Drachenkopf (^Scorpaena^) jagt eine
-ganze Schar von kleinen goldgelben Lippfischen vor sich her
-(^Labroiden^). Aber auch der grimme Menschenhai, der Schrecken des
-Meeres, fehlt nicht, und bisweilen erscheinen im Hafen von Tur solche
-Haifische von zehn bis zwanzig Fuß Länge.
-
-Noch viel mannigfaltiger und interessanter als die Fische sind die
-wirbellosen Tiere der verschiedensten Klassen, welche auf den
-Korallenbänken ihr Wesen treiben. Zierliche durchsichtige Krebse aus der
-Garnelengruppe schnellen haufenweise vorüber und bunte Krabben klettern
-zwischen den Korallenzweigen. Auch rote Seesterne, violette
-Schlangensterne und schwarze Seeigel klettern in Menge auf den Ästen der
-Korallensträucher; der Scharen bunter Muscheln und Schnecken nicht zu
-gedenken. Reizende Würmer mit bunten Kiemenfederbüschen schauen aus
-ihren Röhren hervor. Da kommt auch ein dichter Schwarm von zarten
-violetten Medusen geschwommen, und zu unserer Überraschung erkennen wir
-in der zierlichen Glocke eine alte Bekannte aus der Ostsee und Nordsee,
-die Aurelia.
-
-Man könnte glauben, daß in diesen bezaubernden Korallenhainen, wo jedes
-Tier zur Blume wird, der glückselige Friede der elysischen Gefilde
-herrsche. Aber ein näherer Blick in ihr buntes Getriebe lehrt uns bald,
-daß auch hier, wie im Menschenleben, beständig der wilde Kampf ums
-Dasein tobt, oft zwar still und lautlos, aber darum nicht minder
-furchtbar und unerbittlich. Die große Mehrzahl des Lebendigen, das hier
-in üppigster Fülle sich entwickelt, wird beständig vernichtet, um die
-Existenz einer bevorzugten Minderzahl zu ermöglichen. Überall lauert
-Schrecken und Gefahr. Um uns davon zu überzeugen, brauchen wir bloß
-selbst einmal unterzutauchen. Rasch entschlossen springen wir über Bord
-und schauen nun erst, von wunderbarem, grünem und blauem Glanze
-umgossen, die Farbenpracht der Korallenbänke ganz in der Nähe. Aber bald
-erfahren wir, daß der Mensch ungestraft so wenig unter Korallen als
-unter Palmen wandelt. Die spitzen Zacken der Steinkorallen erlauben uns
-nirgends festen Fuß zu fassen. Wir suchen uns einen freien Sandfleck zum
-Standpunkt aus. Aber ein im Sande verborgener Seeigel (^Diadema^) bohrt
-seine fußlangen, mit seinen Widerhaken bewaffneten Stacheln in unseren
-Fuß; äußerst spröde zersplittern sie in der Wunde und können nur durch
-vorsichtiges Ausschneiden entfernt werden. Wir bücken uns, um eine
-prächtige smaragdgrüne Aktinie vom Boden aufzuheben, die zwischen den
-Schalenklappen einer toten Riesenmuschel zu sitzen scheint. Jedoch zur
-rechten Zeit noch erkennen wir, daß der grüne Körper keine Aktinie,
-sondern der Leib des lebenden Muscheltieres selbst ist; hätten wir es
-unvorsichtig angefaßt, so wäre unsere Hand durch den kräftigen Schluß
-der beiden Schalenklappen elend zerquetscht worden. Nun suchen wir einen
-schönen violetten Madreporenzweig abzubrechen, ziehen aber rasch die
-Hand zurück; denn eine mutige kleine Krabbe (^Trapezia^), die
-scharenweise zwischen den Ästen wohnt, zwickt uns empfindlich mit den
-Scheren. Noch schlimmere Erfahrungen machen wir bei dem Versuche, die
-daneben stehende Feuerkoralle (^Millepora^) abzubrechen. Millionen
-mikroskopischer Giftbläschen entleeren bei der oberflächlichen Berührung
-ihren ätzenden Saft auf unsere Haut, und unsere Hand brennt, als ob wir
-ein glühendes Eisen angefaßt hätten. Ebenso heftig brennt ein zierlicher
-kleiner Hydrapolyp, der höchst unschuldig aussieht. Um nicht auch noch
-mit einem brennenden Medusenschwarme in unliebsame Berührung zu kommen
-oder gar einem der nicht seltenen Haifische zur Beute zu fallen, tauchen
-wir wieder empor und schwingen uns in die Barke.
-
-Welche fabelhafte Fülle des buntesten Tierlebens auf diesen
-Korallenbänken durcheinander wimmelt und miteinander ums Dasein kämpft,
-davon kann man sich erst bei genauerem Studium ein annäherndes Bild
-machen. Jeder einzelne Korallenstock ist eigentlich ein kleines
-zoologisches Museum. Wir setzen z. B. einen schönen Madreporenstock
-(^Stylopora^), den eben unser Taucher emporgebracht hat, vorsichtig in
-ein großes, mit Seewasser gefülltes Glasgesäß, damit seine Korallentiere
-ruhig ihren zierlichen Blumenkörper entfalten. Als wir eine Stunde
-später wieder nachsehen, ist nicht nur der vielverzweigte Stock mit den
-schönsten Korallenblüten bedeckt, sondern auch Hunderte von größeren und
-Tausende von kleineren Tierchen kriechen und schwimmen im Glase herum:
-Krebse und Würmer, Kraken und Schnecken, Tascheln und Muscheln,
-Seesterne und Seeigel, Medusen und Fischchen; alle vorher im Geäste des
-Stockes verborgen. Und selbst wenn wir den Korallenstock herausnehmen
-und mit dem Hammer in Stücke zerschlagen, finden wir in seinem Inneren
-noch eine Menge verschiedener Tierchen, namentlich bohrende Muscheln,
-Krebse und Würmer verborgen. Und welche Fülle unsichtbaren Lebens
-enthüllt uns erst das Mikroskop! Welcher Reichtum merkwürdiger
-Entdeckungen harrt hier noch zukünftiger Zoologen, denen das Glück
-beschieden ist, Monate und Jahre hindurch an diesen Korallenküsten zu
-verweilen.
-
-Uns war leider nur ein paar kurze Tage lang der Genuß dieser feenhaften
-Korallengärten beschieden. Glücklicherweise begünstigte uns das
-herrlichste Frühlingswetter, so daß wir unsere Korallenfischerei mit dem
-glänzendsten Erfolg betreiben konnten. Die mitgenommenen Kisten mit
-Gläsern und Weingeist waren in kurzer Zeit völlig mit Korallen und
-anderen Seetieren gefüllt. Unsere Boote schleppten ganze Ladungen von
-Korallenblöcken zur Korvette, deren Verdeck bald vollständig damit
-überhäuft war. Schwerlich ist wohl noch ein Kriegsschiff, und sicher
-niemals ein ägyptisches, so über und über mit Korallen bedeckt gewesen.
-Wir konnten später von Suez aus nur zwölf Kisten damit füllen und nach
-Hause schicken; der bei weitem größte Teil mußte zurückbleiben und ziert
-jetzt den Garten unseres dort wohnenden Freundes, des Konsuls Remy.
-
-Ein letzter Besuch am Lande schloß unseren kurzen Aufenthalt in Tur. Mit
-dankbarem und gerührtem Herzen nahmen wir Abschied von Land und Leuten,
-von Meer und Korallenbänken. Die Bewohner von Tur, halb griechischen,
-halb arabischen Ursprungs, sind arme Fischer; gute unverdorbene
-Menschen, die selten mit Fremden in Berührung kommen. Der günstige
-Eindruck, den sie uns gleich beim ersten Besuch gemacht hatten, wurde
-durch nähere Bekanntschaft nur verstärkt, und wir erinnern uns mit
-lebhaftem Vergnügen der herzlichen Gastfreundschaft, die wir in ihren
-niederen Korallenhütten genossen.
-
-Ganz besonderen Dank schulden wir dem braven Hennaen, dem eingeborenen
-»Naturforscher von Tur«; einem Fischer, der schon den früher hier
-anwesenden deutschen Naturforschern die wesentlichsten Dienste geleistet
-hatte und sich auch bei unserer Korallenfischerei vorzüglich bewährte.
-Mit den Lokalitäten der Korallenbänke von Tur und mit ihren zahlreichen
-Bewohnern genau vertraut, vermochte er uns in kürzester Zeit die
-reichste zoologische Ernte zu verschaffen. Er besitzt ein Dokument, in
-welchem von den früheren Besuchern seine vortrefflichen Dienstleistungen
-dankbarst anerkannt sind, und auch ich konnte nur ein gleich ehrenvolles
-Zeugnis hinzufügen. Auf Hennaens ausdrückliche Bitte mußten wir am
-letzten Nachmittag vor unserer Abreise nochmals in seine niedere
-Korallenhütte kommen, wo er uns, umgeben von den angesehensten
-Einwohnern des Ortes, mit Kaffee und Datteln bewirtete. Auch
-verschiedene hübsche Korallen, Sterntiere und Mollusken, die wir nicht
-selbst erbeutet hatten, machte er uns hier noch zum Geschenk. Dann
-machten wir noch einen gemeinsamen Spaziergang nach dem kleinen, eine
-halbe Stunde vom Dorfe entfernten Palmenhain, wo neben prächtig
-entwickelten Dattelpalmen (^Phoenix^) auch einzelne Exemplare von der
-schönen, gabelig verzweigten Dhumpalme Oberägyptens sich finden
-(^Hyphaene^). Bei der Rückkehr an den Strand besuchten wir noch die
-Ruine eines kleinen alten Forts, in der Nähe des Dorfes.
-
-Wie gerne hätten wir noch länger bei unseren neuen arabischen Freunden
-verweilt und hätten mit der kleinen, vor dem Dorfe liegenden
-Kamelkarawane eine Wüstenreise angetreten! Wie gerne hätten wir die so
-nahe vor uns liegenden gewaltigen Bergkuppen des Sinai und des Serbal
-erklommen; und in dem Mosestal das uralte berühmte Sinaikloster oder in
-dem Feirantal die wundervollen Fruchtgärten der »Sinaiperle« besucht!
-Aber unsere Uhr ist leider abgelaufen! Schon raucht der Schornstein
-unseres Dampfers. Die blauen Schatten der Palmen im gelben Sande neigen
-sich stark nach Osten und die Gebirgskuppen des Sinai beginnen sich in
-magischen Purpurglanz zu hüllen. Noch erquicken wir uns nach des Tages
-schwerer Arbeit durch ein letztes, herrliches Bad in der blauen, jetzt
-aber im Abendglanze wirklich purpurschimmernden Flut des »Roten Meeres«.
-Nach herzlichstem Abschiede von den guten Turbewohnern und besonders von
-Hennaen und von unseren braven Tauchern besteigen wir zum letztenmal die
-Schaluppe und rudern zum »Khartoum« hinüber.
-
-Während unsere Korvette die Anker lichtet und sich nach Norden wendet,
-genießen wir den unvergeßlichen Anblick eines Sonnenunterganges, wie man
-ihn nur in diesen Breiten und nur in dieser Luft sehen kann. Gleich dem
-Zauberbilde einer Fata Morgana strahlt die ganze Sinaikette mit ihren
-zackigen Gipfeln in glühendem Purpur; die Schatten ihrer Klüfte
-schimmern in magischem Blau. Am Fuße des Gebirges gehen diese herrlichen
-Farbentöne in ein zartes Violett über, das durch eine gesättigte Lage
-von tiefem Braun sich vom gelben Wüstensande abhebt. Die glühenden
-Farben werden durch das tiefe, fast schwarze Blau des Meeres kraftvoll
-gehoben. Die Kronen der Palmen am Strande, leise im lauen Abendwinde
-schwankend, senden uns einen letzten Gruß, und die rasch hereinsinkende
-Nacht entzieht das märchenhafte Bild unseren scheidenden Blicken. Addio
-Arabia!
-
- (Aus »Arabische Korallen«.)
-
-
-
-
- VI.
- Brussa und der asiatische Olymp.
-
-
-Wenn man auf dem Seewege nach Konstantinopel den Hellespontos passiert
-hat und das Marmarameer ostwärts durchschneidet, erblickt man am
-südlichen Gestade des letzteren in blauer Ferne langgestreckte Bergzüge.
-In mehrfach unterbrochenen, edelgeformten Linien stufenweise ansteigend,
-finden dieselben in einer majestätischen, mit ewigem Schnee bedeckten
-Kuppel ihren malerischen Abschluß. Diese stolze Gebirgskuppel ist der
-Olympos der asiatischen Griechen, der musische Olymp des Herodot, der
-bithynische Olmyp anderer klassischer Autoren. Allerdings erfreut sich
-dieser asiatische Olympos nicht des hohen Rufes wie sein europäischer
-Namensbruder, der auf der Grenze von Mazedonien und Thessalien liegt und
-auf den die altgriechischen Sagen den Sitz der Götter verlegen. Aber
-dennoch wird der abendländische Wanderer durch den Besuch des ersteren
-weit mehr als durch die Besteigung des letzteren befriedigt werden. Denn
-der wenig besuchte asiatische Olymp und seine nähere Umgebung ist mit
-einer Fülle von Naturschönheiten geschmückt, welche dem europäischen
-Götterberge abgehen, und die historischen Erinnerungen, welche sich an
-die von ersterem beherrschte Schaubühne weltgeschichtlicher Dramen
-knüpfen, verleihen ihm einen besonderen Reiz. Unmittelbar am Fuße des
-asiatischen Olymps liegt Brussa, die von Hannibal gegründete Hauptstadt
-Bithyniens, die Wiege der osmanischen Dynastie, eine von türkischen
-Dichtern vielbesungene Perle des Orients, welche an hohem Reiz der Lage
-mit Damaskus und mit Granada wetteifert.
-
-Im Abendlande ist Brussa heutzutage ein wenig bekannter und wenig
-genannter Ort. Für den Geschichtsforscher knüpfen sich freilich an
-diesen Namen hochwichtige Begebenheiten; dem Arzt ist Brussa durch seine
-heilkräftigen, weitberühmten heißen Quellen bekannt, das »Baden« des
-Orients, und für den Kaufmann ist diese ansehnlichste Handelsstadt
-Anatoliens durch ihre Seidenwaren und Samtfabriken von großer Bedeutung.
-Aber von den hohen Naturschönheiten Brussas, von den malerischen Reizen
-seiner Lage, von dem üppigen Schmucke seiner südlichen Vegetation, von
-der Fülle rauschender Quellen in seinen kühlen Felsentälern ist in
-Europa wenig bekannt; unter Tausenden von Touristen, die jetzt
-alljährlich nach Konstantinopel reisen, gelangen nur sehr wenige nach
-dem kaum eine Tagereise davon entfernten Brussa. Und doch ist sicher ein
-Besuch dieses herrlichen Ortes weit lohnender, als viele berühmte
-»Sehenswürdigkeiten« des Orients.
-
-Der Besuch, den ich selbst im April 1873 dem asiatischen Olymp und
-Brussa abstattete, ist mir unter den vielen anmutigen Erinnerungen, die
-ich von meiner damals unternommenen Orientreise mit nach Hause brachte,
-eine der wertvollsten geblieben; und wenn ich hier eine flüchtige Skizze
-davon mitteile, so hoffe ich, dadurch manchen Leser, den sein
-Glücksstern nach den reizenden Ufern des Bosporus führt, zu veranlassen,
-von der türkischen Hauptstadt aus diesen höchst lohnenden Ausflug nach
-der Residenz der ersten Sultane des Osmanenreiches zu unternehmen.
-Insbesondere möchte ich aber dadurch diesen oder jenen Landschaftsmaler
-auf die ungehobenen Schätze aufmerksam machen, die sein Auge in Brussa
-und seiner Umgebung reicher als in den ausgebeuteten Gefilden von
-Neapel, Palermo oder Granada finden wird.
-
-Wenige Wochen, bevor ich nach Brussa kam, hatte ich in Kairo die Märchen
-von Tausend und einer Nacht lebendig an mir vorüberziehen sehen, hatte
-von der Pyramide des Cheops einen Blick in die Libysche Wüste getan und
-von Suez auf einem Kriegsschiffe des Khedive einen höchst interessanten
-Ausflug zu den Korallenbänken des Roten Meeres am Fuße des Sinai
-unternommen. Von Alexandrien war ich darauf nach Smyrna gefahren, von wo
-ich in Gesellschaft liebenswürdiger deutscher Landsleute Exkursionen
-nach dem klassischen Trümmerstätten von Magnesia und Ephesus unternahm,
-in ersterem das uralte, in den Felsen gehauene Riesenbild der Niobe, in
-letzterem die kürzlich ausgegrabenen Substruktionen des weltberühmten
-Dianatempels bewundernd. Wenige Tage später genoß ich auf der Akropolis
-von Athen und auf den Tempelruinen von Eleusis unvergeßliche Stunden
-lebendiger Erinnerung an die Blüte des klassischen Altertums; und
-abermals nach wenigen Tagen erfreute ich mich an den Ufern des Bosporus
-und am Goldenen Horn von Konstantinopel der Fülle von Natur- und
-Kunstgenüssen, von historischen Reminiszenzen und ethnographischen
-Bildern, mit denen die gewaltige Hauptstadt des Türkenreiches noch heute
-geschmückt ist. Und doch, nachdem alle diese wunderbaren Gemälde des
-Orients in der raschen Folge weniger Wochen an meinem Auge
-vorübergegangen waren, nachdem die Phantasie durch das Übermaß der
-genossenen großartigen und mannigfaltigen Bilder übersättigt erschien,
-vermochte zuletzt noch das herrliche Brussa einen so tiefen Eindruck zu
-hinterlassen, daß ich mir keinen schöneren und harmonischeren Abschluß
-zu der langen Reihe der bunten vorhergegangenen Orientbilder wünschen
-könnte.
-
-Es war ein heiterer, wolkenloser Frühlingsmorgen, als ich am 25. April
-1873 in Gesellschaft des bekannten Landschaftsmalers Ernst Körner aus
-Berlin die Fahrt nach Brussa antrat. Der Kanzler am deutschen
-Generalkonsulat in Konstantinopel, Herr Rohnstock, welcher der
-türkischen Sprache vollkommen mächtig ist, begleitete uns und hatte die
-Güte, die Rolle eines Dolmetschers zu übernehmen. Während die
-aufsteigende Morgensonne mit ihren ersten Strahlen die Fenster von
-Skutari und von den kleineren Ortschaften am asiatischen Ufer des
-Bosporus vergoldete, stiegen wir nach der großen Brücke hinunter, welche
-an der Ausmündung des Goldenen Horns das fränkische Pera mit dem
-alttürkischen Stambul verbindet. In der Nähe dieser Brücke ankern die
-kleinen Dampfboote, welche mehrmals wöchentlich von Konstantinopel nach
-dem Golfe von Mudania fahren. Die kleine Stadt Mudania liegt am
-südlichen Gestade des Marmarameeres, in gerader Linie etwa sechs
-deutsche Meilen südwärts von Stambul entfernt. Sie ist der Hafenort von
-Brussa und steht durch eine gute, vier Meilen lange Fahrstraße mit ihm
-in Verbindung.
-
-Ein leichter Kaik, einer venezianischen Gondel ähnlich, führt uns von
-der Perabrücke zu dem kleinen Dampfer hinüber; wir finden sein Verdeck
-bereits dicht besetzt mit türkischen Landleuten in buntfarbiger Tracht,
-mit zerlumpten Fischern und verschleierten Weibern. Um acht Uhr lichtet
-unser Schiff die Anker und bahnt sich mühsam seinen Weg durch das dichte
-Gewühl von Fahrzeugen aller Nationen, welche den größten Hafen des
-Orients erfüllen. Rasch durchkreuzen wir das südliche Ende des Bosporus,
-lassen die malerische, mit Zypressen bedeckte Serailspitze von Stambul
-zu unserer Rechten, den alten Leanderturm und den riesigen
-Begräbnisplatz von Skutari mit seinem berühmten Zypressenwald zu unserer
-Linken liegen, und ergötzen uns an dem wundervollen Bilde, welches das
-alte Stambul hier von der Südseite gewährt. Je weiter wir uns von ihm
-entfernen, desto imposanter tritt die gewaltige Häusermasse der
-türkischen Hauptstadt auf ihren Hügeln hervor; die Kuppeln ihrer
-zahlreichen Moscheen und die schlanken Minarette daneben schimmern
-golden im Glanze der Morgensonne. Unten am Strande zieht sich der Rest
-der alten Stadtmauer hin, deren westliches Ende mit dem malerischen
-Schlosse der sieben Türme abschließt. Dieses mächtige alte Kastell
-spielte lange Zeit als Zitadelle der Hauptstadt eine wichtige Rolle bei
-den Belagerungen und erinnert uns mit seinen mittelalterlichen
-Mauerkränzen und Turmzinnen an die gewaltigen Ereignisse, die hier im
-Laufe von zwei Jahrtausenden vorübergezogen sind. Doch werden wir in
-diesen historischen Betrachtungen bald durch den modernen Pfiff der
-Lokomotive gestört, die längs der Mauern hindampft; sie befährt den
-neuen Schienenweg nach Adrianopel, welcher wenige Monate nach unserer
-Anwesenheit dem Verkehr übergeben wurde; ein wichtiger Fortschritt zur
-abendländischen Kultur und somit zur Auflösung des altersschwachen
-Osmanenreiches.
-
-Während wir südwärts steuern, entschwindet das glänzende Bild der
-Konstantins-Stadt allmählich unseren Blicken. Wir fahren ziemlich nahe
-an den Prinzeninseln vorüber, den lieblichen, mit Villen und Gärten
-bedeckten Eilanden, auf denen im heißen Sommer die vornehmen Bewohner
-von Pera und Stambul sich vom staubigen Gewühl des Alltagstreibens
-erholen. Scharen von Delphinen umspielen unser Schiff und tauchen mit
-ihren Rückenflossen sich tummelnd empor. Unser Kurs geht gerade auf eine
-steile, links weit vorspringende Landspitze zu, das »Bos burun« oder das
-»Vorgebirge des Eises«. Zwischen diesen und den Prinzeninseln öffnet
-sich zu unserer Linken ein tief einschneidender, von bewaldeten Bergen
-umgebener Meerbusen, der Golf von Nikomedia, der »Sinus Astacenus« der
-alten Römer. Tief im Grunde desselben liegt das unbedeutende Städtchen
-Isnikmid, der letzte Rest des mächtigen alten Nikomedia, jener früheren
-Residenz der bithynischen Könige, die durch zahlreiche Erdbeben
-verwüstet wurde.
-
-Zu unserer Rechten taucht jetzt aus der blauen Flut das schöne Eiland
-Kalolimni auf; wir fahren zwischen ihm und dem Eiskap hindurch und
-werden durch den herrlichen Anblick des Golfs von Mudania überrascht.
-Rings von langgestreckten, schöngeformten Bergketten umschlossen, deren
-Füße kulissenartig vorspringen, gleicht dieser Golf, der »Sinus Cianus«
-der Alten, einem großen, stillen Landsee. An seinen Gestaden landete
-Jason auf der Argonautenfahrt. Am südlichen Ufer des Golfs, wo er sich
-in das Marmarameer öffnet, liegt das Städtchen Mudania, eine Doppelreihe
-ärmlicher Holzhäuser, von vielen pyramidenförmigen Lebensbäumen
-(^Thuja^) überragt. Ihre Bewohner sind zum größten Teile griechische
-Gärtner und Weinbauer. Die Tochter eines solchen war die hier geborene
-Sophia Witt, die später durch ihre Schönheit und ihren Geist berühmt
-gewordene Gräfin Potocka.
-
-Um zwölf Uhr mittags legt unser Boot an der Landungsbrücke von Mudania
-an. Nachdem wir uns bei den Polizeibeamten mittels unseres türkischen
-Passes legitimiert haben, besteigen wir einen der bereitstehenden
-offenen Wagen, der mit zwei schmucken Schimmeln bespannt ist, und im
-munteren Trab fahren wir auf der Landstraße nach Brussa.
-
-Die Mittagssonne entsendete jetzt glühende Strahlen vom wolkenlosen
-Aprilhimmel Kleinasiens herab, und zu unserer Linken schlugen die
-plätschernden Wellen des spiegelklaren Meeres so verführerisch auf den
-weichen Sand des schmalen Strandes, daß wir der Versuchung nicht
-widerstehen konnten, unsere Fahrt nach kurzer Dauer zu unterbrechen und
-ein improvisiertes Bad zu nehmen. Köstlich erfrischt von den kühlen
-Wellen und von einem frischen Trunk aus einer Felsenquelle, die nach
-kurzem Lauf sich ins Meer ergießt, gingen wir jetzt eine Strecke neben
-dem Wagen aufwärts. Die Straße steigt zwischen Olivengärten und
-Weinbergen in vielen Windungen bergan. Je höher wir hinaufkommen, desto
-schöner gestaltet sich der Blick auf den blauen Golf zu unseren Füßen
-und auf die edelgeformten, teils bebauten, teils bewaldeten Berge, die
-denselben in stattlichem Kranze umschließen. Besonders werden unsere
-Blicke durch den hohen, südöstlich gelegenen Berg Usuntschar gefesselt,
-seine ungemein schöne Form erinnert auffallend an den berühmten »Monte
-Pellegrino« bei Palermo.
-
-Nachdem wir anderthalb Stunden gestiegen, haben wir den Sattel des
-langgestreckten Bergrückens erreicht, welcher den Golf von Mudania und
-die Ebene von Brussa trennt, und wir fahren nun, nach einem letzten
-Rückblick auf das Marmarameer, hinter dem türkischen Dorfe Tschakirchan
-durch eine felsige Schlucht bergab. Am Ausgange der letzteren überrascht
-uns plötzlich die großartige Aussicht auf den weiten grünen Talkessel
-von Brussa, überragt von der gewaltigen, den ganzen südlichen
-Hintergrund ausfüllenden Granitpyramide des schneegekrönten Olympos. Das
-frischeste Frühlingsgrün schmückt die lachende Ebene zu unseren Füßen,
-mitten hindurch windet sich in weitem S-förmigen Doppelbogen der
-anmutige Fluß Nilufer. Er umgürtet den Fuß des Olymps und nimmt in sein
-Bett die zahllosen Bergbäche und Quellen auf, die den westlichen und
-nördlichen Abhängen des Berges entströmen. Den schönen Namen Nilufer --
-d. h. »Lotosblume« (^Lotos Nenufar^) -- verdankt der Fluß einer
-griechischen Prinzessin, die durch ihre Schönheit und Anmut weit berühmt
-war. Diese unglückliche Fürstin wurde während ihres Hochzeitsfestes auf
-dem festen Schlosse Biledschik von dem Sultan Osman, dem Gründer der
-Osmanendynastie, überfallen, räuberisch entführt und in den Harem seines
-Sohnes Orchan eingesperrt. Hier wurde sie später die Mutter des
-kriegerischen Sultan Murad I.
-
-Nach halbstündiger heißer Fahrt durch die Ebene, deren Wiesen
-stellenweise ganz blau von Irisblüten waren, hatten wir das Gestade des
-Nilufer erreicht und hielten Rast im Schatten eines anmutigen
-Eichenhaines; ein türkisches Kaffeehaus erquickte uns mit köstlichem
-Mokkatrank. Hier zog auf der Straße eine lange Karawane von schweren
-anatolischen Lastkameelen an uns vorüber, wie man sie in den Straßen von
-Smyrna so oft sieht. Mit Ballen von kostbarer Brussaseide belastet,
-gingen die schwerfälligen Tiere gravitätisch hintereinander her, durch
-Stricke zu einer langen Kette verbunden. Den Kopf der langen Kolonne
-bildete ein kleiner kluger Esel, wie er hier gewöhnlich als Führer der
-Kamelzüge auftritt. Denn das Langohr vertritt hier im Morgenlande die
-leitende Intelligenz der Huftiere, im Gegensatze zu den im Abendlande
-herrschenden Anschauungen.
-
-Je mehr wir uns auf unserer weiteren Fahrt dem Olympgebirge näherten,
-desto mehr entfalteten sich die landschaftlichen Reize der Gegend. In
-freundlichem Gegensatze zu den dunkeln, waldigen Schluchten des Gebirges
-zeigte sich die üppige Fruchtbarkeit des Tales in lachendem
-Frühlingsgrün. Plätschernde Brunnen und mächtige Platanen an den Seiten
-des Weges verbreiteten Kühlung und Schatten.
-
-Die Sonne neigte sich schon stark gen Westen, als wir in die Stadt
-einfuhren. Unsere Ankunft gestaltete sich dadurch besonders festlich,
-daß gerade ein griechischer Feiertag war. Die ganze griechische
-Bevölkerung, in die buntesten Festgewänder gekleidet, lustwandelte vor
-der Stadt und erfreute sich des schönen warmen Frühlingsabends. In
-heiteren Gruppen lagerten viele Familien auf den blumigen Hügeln vor den
-Mauern und ergötzten sich mit Musik, Spiel und Tanz. Keine schönere
-Staffage hätte den Vordergrund des herrlichen Bildes zieren können, das
-die prächtige Stadt mit ihren zahllosen Minaretten und Kuppeln, im
-Glanze der Abendsonne funkelnd, unseren entzückten Augen darbot.
-
-In dem schön gelegenen »Hotel du Mont Olymp«, dem einzigen europäischen
-Gasthofe von Brussa, fanden wir freundlichste Aufnahme und beste
-Verpflegung. Der treffliche Wirt desselben, Don Franzesco Franchi aus
-Florenz, war in jeder Weise bemüht, uns unseren Aufenthalt so angenehm
-als möglich zu machen. Seine köstlichen Orangen und Feigen, die
-vorzüglichen ^Maccaroni con pomi d'oro^ und die leckeren Forellen aus
-den Olymposbächen, gewürzt durch den edlen, rosenroten, am Fuße des
-Götterberges gewachsenen Wein, mundeten uns so vortrefflich, als ob es
-Nektar und Ambrosia von der olympischen Göttertafel selbst gewesen wäre.
-Dabei ergötzten sich unsere Geruchsnerven an den aromatischen
-Blumendüften der zahlreichen benachbarten Gärten, in denen Rosen und
-Lilien, Jasmin und Nelken, Daphne und Balsamine in üppigster Fülle
-blühten; und als ob Vater Zeus am Tore seiner Götterwohnung alle Sinne
-gleichmäßig entzücken wolle, wurden wir noch am späten Abend durch ein
-unerwartetes Konzert überrascht. Denn als wir das Verlangen nach Speise
-und Trank gesättigt hatten, unsere Schlafzimmer aufsuchten und auf deren
-Balkon hinaustraten, um die würzige Abendluft zu atmen, tönte uns aus
-der benachbarten Waldschlucht der melodische Gesang zahlreicher
-Nachtigallen entgegen. Während diese liebliche Sängerin bei uns meistens
-die Einsamkeit aufsucht, wohnt sie in Kleinasien scharenweis in den
-Gärten und scheint im Wettgesange besondere Kunst zu entfalten. Jeden
-Abend, wenn wir in Brussa unser Lager aufgesucht hatten, lauschten wir
-noch lange ihren entzückenden Liedern und wurden erst spät dadurch in
-den süßesten Schlaf gesungen.
-
-Waren so schon die ersten Eindrücke, die wir am Abend unserer Ankunft in
-Brussa empfingen, höchst angenehm, so überzeugten uns unsere Wanderungen
-in der Stadt und in der näheren Umgebung bald, daß eine lieblichere
-Sommerfrische im Orient wohl nicht gefunden werden kann. Fürwahr, die
-türkischen Dichter haben recht, wenn sie diese Stadt als ein irdisches
-Paradies besingen. Reizend schön, lieblich und großartig zugleich ist
-die ganze Lage und Umgebung der Stadt, in vieler Beziehung derjenigen
-von Granada ähnlich. Als ich auf der alten Schloßruine von Brussa, auf
-steilem Felsen hoch über der Stadt stand, und als mein Blick über die
-Häusermassen, Kuppeln und Gärten zu meinen Füßen schweifte, und weiter
-hinaus über die ausgedehnte, üppige grüne Ebene und in blauer Ferne über
-den umschließenden Kranz von malerischen Höhenzügen, da tauchte lebendig
-die Erinnerung an das herrliche Panorama in mir auf, das ich vor Jahren
-auf der Alhambra und über der berühmten Vega von Granada genossen hatte.
-Wie die andalusische Hauptstadt von den schneegekrönten Höhen der Sierra
-Nevada, so wird Brussa von dem gewaltigen Schneehaupte des Olymp
-überragt. Hier wie dort erhält die Lage der Stadt ihren besonderen Reiz
-durch die Anlehnung an das wilde und großartige Gebirge, durch den
-Quellenreichtum der buschigen Felsenschluchten und durch die üppige
-Vegetation der von vielen Bächen bewässerten Ebene. Auch bieten die
-beiden Städte viele Vergleichungspunkte in den zahlreichen und
-prächtigen Denkmälern islamitischer Kunst und Geschichte, mit denen sie
-noch heute geschmückt sind. Aber die Verhältnisse sind in Brussa
-großartiger und gewaltiger als in Granada. Die anatolische
-Osmanenresidenz mit ihren vielen hundert glänzenden Kuppeln, weißen
-Minaretten und schwarzen Zypressen daneben ist weit malerischer als die
-berühmte andalusische Kalifenresidenz, und auch in bezug auf die
-sprudelnde Wasserfülle und die Üppigkeit der südlichen Vegetation ist
-die erstere der letzteren weit überlegen. Im übrigen aber hat doch der
-landschaftliche Charakter beider Gegenden sehr viel Ähnlichkeit, und es
-legt ein gutes Zeugnis für den Schönheitssinn und das feine Naturgefühl
-der mohammedanischen Fürsten ab, daß sie ebenso in Kleinasien wie in
-Spanien die mit den höchsten Naturreizen geschmückte Stadt zum
-bleibenden Herrschersitz wählten. Das Gegenteil gilt von den
-christlichen Königen Spaniens, den Gönnern der heiligen Inquisition;
-denn diese erwählten zu ihrer Residenz das traurige Madrid, mitten auf
-der öden Hochebene von Kastilien, ohne Wald und ohne Wasser.
-
-Die üppige Ebene von Brussa, die südlich vom Olympgebirge, nördlich von
-den Höhenzügen des Arganthonios (jetzt Katirli) umschlossen wird, ist
-ungefähr vier deutsche Meilen lang, eine Meile breit, und fast in ihrer
-ganzen Ausdehnung teils mit fruchtbaren Wiesen, teils mit
-Maulbeerpflanzungen bedeckt. Dieser Maulbeerwald ist das große
-Proviantmagazin für die Seidenraupen, welche Brussas wichtigsten
-Handelsartikel, die kostbare Brussaseide, spinnen. Zahlreiche, aus dem
-Olymp hervorquellende Bäche sorgen für beständige Bewässerung der Ebene.
-Während die Hauptmasse des Olymp nach Süden steil abfällt, strahlen nach
-Norden von seinem Fuße zwölf gewaltige Bergrücken aus, zwischen denen
-ebensoviele Schluchten liegen. In jeder Schlucht rauscht ein Bergstrom,
-der aus tausend Quellen das schmelzende Schneewasser des Olympgipfels
-sammelt. Diese Bergströme führen auch im heißesten Sommer eine nie
-versiegende Wasserfülle in das Tal, und darin liegt bei dem köstlichen
-Klima die Hauptursache der üppigen Vegetationsfülle, wie des poetischen
-Reizes der herrlichen Gegend. Überall rieseln kalte und warme Quellen
-aus den Schluchten des Götterberges, Wasserfälle stürzen von seinen
-jähen Felswänden, plätschernde Brunnen versorgen alle Teile der Stadt,
-und hier wird der Koranspruch zur Wahrheit:
-
- »Das Wasser hat Leben
- Allen Dingen gegeben.«
- (^Min el -- mai^
- ^Küllun schejun hai.^)
-
-Eine von den erwähnten Schluchten, wegen ihrer himmelhohen Felswände das
-Himmelstal (Gökdereh) genannt, geht durch den östlichen Teil der Stadt
-mitten hindurch und ist von einer kühnen Brücke überspannt. Im Grunde
-rauscht der wilde Bergstrom über Felsentrümmer, während die Felsenmauern
-an beiden Seiten, unterhalb der Häuser, mit Buschwerk und
-Schlingpflanzen behangen sind. Eine andere, kleinere, aber ebenfalls
-sehr malerische Schlucht (Kodocha Naib) durchschneidet den westlichen
-Teil der Stadt. Zwischen diesen beiden Schluchten erheben sich, mitten
-über Brussa, auf einer gewaltigen, fast senkrecht abfallenden
-Felsenterrasse, die Ruinen der Zitadelle und der ältesten osmanischen
-Herrscherpaläste, derjenigen von Muhammed I. und Murad I., daneben die
-Moschee Sultan Orchans und die Grabkapellen von Orchan und Osman. Auch
-vom Marmorbade des Harems sind noch bedeutende Reste vorhanden. Von der
-alten Festung, der ältesten des osmanischen Reiches, sind nur noch ein
-paar Mauern und Turmruinen übrig, und im Grase versteckt liegen vier
-uralte, verrostete, eiserne Kanonenläufe. Wilder Wein und Efeu
-überziehen wuchernd das zerfallene Trümmerwerk. Gleich hinter der
-Zitadelle liegt Bunarbaschi, das »Quellenhaupt«, einer der beliebtesten
-öffentlichen Spaziergänge Brussas. Hier trifft man jederzeit, besonders
-aber gegen Abend, lustwandelnde oder auf den Rasenplätzen gelagerte
-Gruppen, die im Schatten alter Platanen ihren Tschibuk rauchen, Kaffee
-schlürfen und dem Gemurmel der vorübereilenden Bergbäche lauschen.
-
-Unmittelbar an diese reizende Promenade stößt ein Friedhof mit mächtigen
-alten Zypressen, und wenn wir diesen durchschreiten und dann auf einem
-anmutigen Felsenpfade den Berg eine Viertelstunde hinansteigen, so
-kommen wir zu den berühmten Wallfahrtsorten zweier mohammedanischer
-Heiligen, Murad Abdal und Seid Nassir. Von hier genießen wir bei
-Abendbeleuchtung eine der schönsten Aussichten über die ganze, zu
-unseren Füßen liegende Stadt, über die weite grüne Ebene und über die
-fernen Arganthoniosberge, die im Glanze der Abendsonne sich in das
-zarteste rosige Gewand hüllen.
-
-Nicht weniger als 365 malerische Aussichtspunkte und anmutige
-Spaziergänge zählen die Bewohner von Brussa mit Stolz in ihrer
-herrlichen Umgebung auf, und ebenso groß soll auch die Zahl der
-glänzenden Kuppeln, der Moscheen und Gruftkirchen sein, die aus dem
-bunten Häusermeer der Stadt und aus den überall eingestreuten grünen
-Gärten hervorragen. Doch ist wohl die Mehrzahl derselben jetzt halb
-verfallen oder ganz zerstört. Immerhin dürften noch gegen 200 Kuppeln
-vorhanden sein, und diese gehören nebst den schlanken Minaretten und den
-uralten Zypressen zu den charakteristischen Zierden der Stadt. Die
-weißen Minarette, die gleich hohen Marmorsäulen über die
-metallglänzenden Kuppeln der Moscheen emporstreben, stehen in
-lichtvollem Kontrast zu den düstern, schwarzgrünen Zypressen, welche
-überall einzeln und gruppenweise in der Stadt und ihrer nächsten
-Umgebung zerstreut sind. Nie habe ich gewaltigere und ehrwürdigere
-Zypressen gesehen als hier in Brussa. Verglichen mit diesen mächtigen,
-uralten Riesen, erschienen mir die berühmten Zypressen der Villa d'Este
-in Tivoli bei Rom als schlanke Jünglinge. Überaus wirkungsvoll heben
-sich ihre dichten, schwarzen Nadelpyramiden auf der lichtvollen und
-farbenprächtigen Landschaft von Brussa ab, besonders wenn die
-untergehende Sonne diese mit einem zauberhaften roten Glanze überzieht.
-
-Gleich allen anderen Städten des Orients ist auch Brussa im Innern viel
-weniger anziehend als von außen. Doch zeichnen sich die engen Straßen
-durch verhältnismäßige Reinlichkeit aus, und die blumenreichen Gärten
-hinter den Häusern geben ihnen einen freundlichen Charakter. Die Stadt
-zieht sich über eine Stunde lang am Olympabhange hin, ist aber kaum eine
-Viertelstunde breit. Die Einwohnerzahl, früher weit über hunderttausend,
-beträgt jetzt kaum 70000, darunter ungefähr 10000 Armenier, 6000
-Griechen und 3000 Juden. Auch einige deutsche Kaufleute leben in Brussa,
-darunter ein Badenser, namens Schwab, der zugleich das Amt eines
-deutschen Vizekonsuls vertritt. Wir lernten in ihm einen ebenso
-liebenswürdigen als fein gebildeten und poetisch begabten Landsmann
-kennen und denken mit Vergnügen an die höchst angenehmen Abende zurück,
-die wir in seinem gastfreien Hause verlebten. Ganz besonders erfreut war
-ich, in Herrn Schwab einen warmen Freund der »Natürlichen
-Schöpfungsgeschichte« zu entdecken und zu hören, daß er dem
-»Darwinismus« unter den Anwohnern des asiatischen Olympos schon manchen
-Anhänger geworben hat.
-
-Unter den öffentlichen Gebäuden von Brussa sind vor allen die von den
-ältesten Osmanen-Sultanen gegründeten Moscheen und Grabdenkmäler von
-Interesse, sowohl durch ihren architektonischen Schmuck als durch die
-daran geknüpften historischen Erinnerungen. Alle die älteren Herrscher
-der Osmanen-Dynastie haben sich hier durch schöne Kuppeldome verewigt:
-voran Osman, Ertoghruls Sohn, der als Gründer des Osmanenreichs sich
-welthistorische Bedeutung erwarb; dann Orchan, der nach langer
-hartnäckiger Belagerung im Jahre 1326 Brussa eroberte, kurz vor dem Tode
-seines Vaters Osman; darauf Murad I., welcher den Schrecken der
-türkischen Waffen nach Europa trug und 1389 in der siegreichen Schlacht
-auf dem Amselfeld in Serbien fiel. Murads Sohn war Childrim Bajasid, der
-»Blitzstrahl«, der gewaltige Krieger, der bis in das westliche Ungarn
-vordrang, 1396 bei Nikopolis den deutschen Kaiser Sigismund schlug,
-selbst aber 1402 in der furchtbaren Schlacht bei Angora von dem Mongolen
-Timur geschlagen und gefangengenommen wurde. Auf Bajasid folgte sein
-Sohn Mohammed I., auf diesem Murad II. und dann Mohammed II., der 1453
-Konstantinopel eroberte. Alle diese mächtigen Sultane des
-Osmanenreiches, die das ganze Abendland mit ihrer furchtbar wachsenden
-Macht in Schrecken setzten, haben in Brussa eine Zeitlang residiert und
-Moscheen gestiftet; die meisten sind auch dort begraben.
-
-Auf der Ostseite der Stadt hat Childrim Bajasid seine Moschee erbaut,
-durch edle Einfachheit ausgezeichnet. Daneben steht sein Grabmal, im
-ältesten und einfachsten Stil der osmanischen Baukunst. Nicht weit davon
-erhebt sich auf einem Hügel mit herrlicher Aussicht die prachtvolle
-Moschee Mohammeds I., die für die schönste des ganzen osmanischen
-Reiches gilt. Polierte Platten von buntfarbigem Marmor schmücken die
-Außenwände, so daß der Dom schon von fern wie ein Edelstein glänzt. Ein
-wundervolles Tor, mit den zierlichsten Marmorarabesken, führt in das
-Innere, das mit blauen und grünen Porzellanplatten getäfelt ist; darauf
-prangen Koraninschriften in weißem Schmelz. Der Mirab (die Nische, worin
-der Koran liegt) ist von rotem Marmor, mit Gold verziert. Auch die
-Kuppeln und Minarettes dieser wundervollen Moschee waren ehedem ganz mit
-grünem persischen Porzellan bekleidet, weshalb sie den Namen der »grünen
-Moschee« erhielt.
-
-Am anderen Ende von Brussa, nahe dem westlichen Eingang, liegt an einem
-höchst malerischen Platze, von hohen Platanen und Zypressen umgeben, die
-»^Muradieh^«, die Moschee und Gruftkirche Murads II., daran stoßend ein
-Dutzend Mausoleen, Kapellen und Schulen. In den Gruftkirchen hängen noch
-Kleider und Waffen der Sultane und ihrer Familien. Auf den Sarkophagen
-liegen schwarze Samtdecken, mit Silber und Gold gestickt, davor der
-Koran und Gebetbücher in prächtigen alten Pergamentbänden mit feiner
-Malerei. Reizend ist der Garten vor dieser Moschee, in welchem jetzt
-eben Rosen, Lilien und Jasmin ihre Wohlgerüche ausströmen.
-
-Die größte Moschee von Brussa, auf dem höchsten Punkte der Stadt
-gelegen, ist vom Sultan Murad I. angefangen, von seinem Sohn Bajasid I.
-fortgeführt und erst von seinem Enkel Mohammed I. vollendet. Sie bildet
-ein Quadrat von 200 Fuß Seitenlänge, und ihr Dach ist aus 19 Kuppeln
-zusammengesetzt. An Stelle der zwanzigsten befindet sich ein mächtiges
-kreisrundes Fenster und darunter ein großes viereckiges Wasserbecken, in
-dem Forellen spielen; eine Eigentümlichkeit dieser Moschee. Mirab und
-Estrade sind mit Marmorarabesken, Pfeiler und Wände mit seltsamen
-Schriftzügen, Sprüchen aus dem Koran geschmückt. Früher wurde diese
-Moschee in den Ramasannächten mit 700 Lampen erleuchtet.
-
-Viele von den Moscheen und den andern merkwürdigen Gebäuden Brussas, die
-Hammer in seinem »Umblick auf einer Reise von Konstantinopel nach
-Brussa« (1818) genau beschrieben hat, sind gelegentlich der wiederholten
-Verheerungen der schönen Stadt durch Krieg, Feuersbrünste und Erdbeben,
-insbesondere durch das letzte große Erdbeben von 1855, zerstört worden.
-Unter den wohlerhaltenen Gebäuden sind besonders noch die warmen Bäder
-zu erwähnen, schön gewölbte Kuppeldome, in denen mächtige warme Quellen
-sprudeln. Diese Thermalquellen, sieben an der Zahl, brechen aus den
-Tiefen des Olymp hervor; sie waren schon im Altertum wegen ihrer
-Heilkraft berühmt und wurden vielleicht für Hannibal die Veranlassung,
-hier die Stadt zu gründen, die er seinem Gastfreunde und Gönner, dem
-Könige Prusias von Bithynien zu Ehren »Prusa« nannte. Noch jetzt werden
-die Heilquellen Brussas alljährlich von mehreren tausend Patienten aus
-allen Teilen des Orients besucht. In manche der Bäder werden heiße und
-kalte Quellen nebeneinander geleitet und nach Bedürfnis in den
-Marmorbassins gemischt. Die Temperatur ist teilweise ausnehmend hoch und
-beträgt bei den vier mächtigen Hauptquellen 66 Grad R.
-
-Unter den Ausflügen, die wir von Brussa aus unternahmen, war der
-weiteste und interessanteste die Ersteigung des Olymp. Am 26. April um 5
-Uhr morgens bestiegen wir die starken türkischen Bergpferde, welche uns
-auf den ungefähr 8000 Fuß hohen Götterberg hinauftragen sollten. Zwei
-berittene und bewaffnete Türken dienten uns als Führer und als Eskorte.
-Der klare wolkenlose Himmel und die empfindlich kalte Morgenluft
-versprachen uns einen schönen Tag, und sie hielten Wort. Nachdem wir die
-Stadt am östlichen Ende verlassen und eine kurze Strecke durch
-Weingärten geritten waren, führte uns ein steiler und steiniger Pfad in
-dem Walde aufwärts, der als dichter grüner Mantel den ganzen unteren
-Teil des gewaltigen Berges einhüllt. Der nördliche Abhang des Olymp
-gliedert sich in drei verschiedene Terrassen, von denen die unterste
-gegen 2000, jede der beiden oberen ungefähr 3000 Fuß hoch ist. Die
-oberste Terrasse ist fast ohne Baumwuchs, die mittlere mit Nadelholz,
-die untere mit Laubholz bedeckt; hier unten bestand auf unserem Wege der
-Laubwald größtenteils aus edlen Kastanien und Nußbäumen, weiter oben
-gesellten sich dazu viele Buchen und Eichen. Wilder Wein, Waldreben,
-Brombeeren und andere Schlingpflanzen winden sich in zierlichen
-Girlanden von Baum zu Baum und dichtes Efeugewand umschließt die
-altersgrauen Stämme. Der Boden zwischen den Baumwurzeln ist mit einem
-lachenden Teppich bunter Frühlingsblumen geziert: roten Anemonen,
-violetten Hyazinthen, blauen Veilchen, gelben Ranunkeln und weißen
-Narzissen. Der gelbe Jasminstrauch verbreitet mit seinen zierlichen
-Blütentrauben ringsum balsamischen Duft. Der Weg führt eine lange
-Strecke an dem steilen östlichen Rande des Gökdereh oder Himmelstales
-empor, dessen gewaltiger Felsenkessel mit senkrecht abfallenden Wänden
-in schwindelnder Tiefe zu unseren Füßen liegt. Die granitische
-Felsenmasse des Olymp ist auf dieser ersten Terrasse zum größten Teile
-von einem Gürtel von schiefrigem Gneiß umgeben, jedoch ist derselbe an
-vielen Stellen von weißem Marmor durchsetzt. Auf der zweiten Terrasse
-tritt fast überall der Granit zutage. Auf der dritten Terrasse ist der
-rote Granit wieder vielfach von grauem und weißem Marmor bedeckt, der
-auch den Gipfel bildet.
-
-Nachdem wir etwa eine Stunde lang an der oberen Kante der
-Himmelsschlucht emporgestiegen waren, erreichten wir an der Grenze der
-ersten und zweiten Terrasse einen sehr anmutigen Platz. Der Wald ist
-hier auf eine ausgedehnte Strecke gelichtet und der quellenreiche
-Felsboden mit üppigem Rasen bedeckt. Das Gebell großer zottiger
-Wolfshunde, die uns entgegensprangen, lenkte unsere Blicke auf eine
-Ziegenherde, die in einiger Entfernung am Felsenhang weidete, und
-daneben wurden wir einige sonderbare Zelte von halbtonnenförmiger
-Gestalt gewahr. Es waren die Sennhütten turkomanischer Hirten, die den
-Sommer über auf den Abhängen des Olymp Alpenwirtschaft treiben. Im
-Winter ziehen sie als unstete, halbwilde Nomaden in der Ebene umher.
-Ihre Schafe und Ziegen sollen von den Herden Sultan Osmans abstammen,
-der an 40000 Lämmer auf dem Olymp weiden ließ.
-
-Auf dieser Turkmenenplatte genossen wir einen herrlichen Rückblick über
-die ganze grüne Ebene von Brussa, tief unten im Grunde der blaue See von
-Jenischehr, rechts im Hintergrunde die schöne Bergkette des
-Arganthonios, links jäh zu unserer Seite das großartige Gökdereh. Von
-der Turkmenenplatte aufwärts führte uns der Weg fast drei Stunden lang
-über die Granitgehänge der zweiten Terrasse, deren Walddecke meist aus
-Nadelholz, größtenteils Edeltannen und Lärchenfichten, besteht.
-Namentlich unter ersteren finden sich prachtvolle alte Stämme von
-gewaltiger Höhe und Stärke, mit langen, grauen Bartflechten behangen.
-Große Strecken des Forstes waren durch Waldbrände zerstört, und wie
-riesige Gespenster ragten die nackten, gebleichten Stämme der hohen
-Edeltannen mit ihren halbverkohlten Zweigen aus den üppigen
-Farnkrautbüschen hervor, die sich auf der Brandstätte angesiedelt
-hatten. Zwischen den Aschenhaufen und den umherliegenden verkohlten
-Baumtrümmern sproßte neues reiches Pflanzenleben aus den Ruinen der
-vorhergegangenen Generation empor. Hunderte von kleinen Bächen, von dem
-schmelzenden Olymposschnee gespeist, rieselten zwischen den
-Felsentrümmern, und mehrmals mußten unsere Pferde durch reißende
-Bergwasser schreiten, deren schäumende Wellen bis zu unserem Sattel
-emporreichten.
-
-Der gewaltige Bergspalt des Himmelstales, auf dessen östlichem Rande
-sich unser Pfad bisher meistens hielt, findet jetzt seinen Abschluß
-durch eine kolossale Mauer von himmelhohen Felswänden, die von dem
-untern Rande der dritten Olympterrasse fast senkrecht abstürzen.
-
-Prächtige Wasserfälle schäumen donnernd zwischen den zerklüfteten
-Granitpfeilern in die furchtbare Tiefe hinab und lösen sich unten in
-feinen Wasserstaub auf. Üppige weiche Moospolster bekleiden die
-hervorragenden Köpfe des triefenden Gesteins. Unser beschwerlicher Pfad
-weicht der unersteiglichen Felsenmauer, die südwärts von uns liegt, aus
-und wendet sich mehr gegen Osten, über einen zerklüfteten Abhang hinweg,
-der über und über mit den großartigsten Felsentrümmern bedeckt ist. Die
-riesigen Granitblöcke, die hier chaotisch durcheinander und übereinander
-liegen, sind von früheren Reisenden treffend mit den Wurfgeschossen
-verglichen, deren sich die Giganten bei ihrem mißlungenen Sturme auf die
-Götterburg bedienten; oder auch mit den zerrissenen Gliedern der
-Giganten selbst, die Jupiter mit seinem Blitzstrahl zerschmetterte und
-in Stein verwandelte.
-
-Mühsam zwischen diesem Granitgetrümmer uns hindurchwindend, gelangen wir
-zu einer steilen Felsentreppe, über welche unsere wackeren Rosse mit
-bewunderungswürdiger Geschicklichkeit und Vorsicht hinanklettern. Nur an
-wenigen Stellen müssen wir absteigen und den guten Tieren selbst mit
-heraufhelfen. Nachdem wir die steilen, zum Teil in eine senkrechte
-Felswand gehauenen Stufen glücklich erklommen haben, stehen wir
-plötzlich vor einem neuen überraschenden Bilde. Vor uns liegt die dritte
-Terrasse, eine ausgedehnte Hochebene, mit Tausenden von riesigen
-Granitblöcken bedeckt, hier und da auch mit einigen niederen, ganz
-verkümmerten Tannen. Über denselben aber steigt in erhabener Majestät
-der gewaltige Dom des Olympgipfels auf, eine schön gewölbte Kuppe, von
-oben bis unten in einen schimmernden Schneemantel gehüllt. Zu unserer
-Rechten liegt am oberen Waldrande vorn ein kleiner, von Gebüsch
-umgebener, Forellen enthaltender Alpensee. Mein Freund Körner hat diese
-großartige Szenerie in einem prächtigen Ölbilde verewigt, das jetzt mein
-Studierzimmer schmückt.
-
-In munterem Galopp reiten wir nun auf dem weichen Moosboden gerade auf
-unser Ziel los. Doch nimmt der Wasserreichtum des von tausend Quellen
-getränkten Hochmoores bald so sehr zu, daß unsere Rosse bei jedem
-Schritte tief in den Schlamm sinken. Wir müssen absteigen und sie
-vorsichtig hinter uns herziehen, bis wir wieder festen Granitboden unter
-den Füßen haben. Wir begegnen hier einer langen Karawane von Eseln, die
-in Zwerchsäcken Olymposschnee herabholen, in Brussa und Konstantinopel
-die Hauptquelle für das schöne Fruchteis, das die Bewohner im heißen
-Sommer erquickt.
-
-Langsam über eine fast geneigte, teilweise mit Schnee bedeckte Berglehne
-aufsteigend, haben wir endlich um 10 Uhr den nördlichen Fuß des
-kegelförmigen Gipfels erreicht. Hier liegt eine halb verfallene
-steinerne Hütte, die im Sommer von turkmenischen Hirten bewohnt wird.
-Sie erinnerte mich an die ^Casa inglese^ am Fuße des obersten
-Aschenkegels des Ätna, in der ich im Oktober 1859 übernachtete, und an
-die ähnliche Steinhütte, in der ich im November 1866 oben auf dem Pik
-von Teneriffa rastete, bevor ich die Besteigung des obersten, damals
-ebenfalls ganz mit Schnee bedeckten Kegels begann. Obgleich die elende
-Turkmenenhütte uns wenig mehr als ein trockenes Plätzchen inmitten der
-umgebenden Schneelandschaft gewährte, so war uns doch eine halbstündige
-Rast in derselben nach dem ununterbrochenen, anstrengenden,
-fünfstündigen Reiten und Klettern sehr willkommen.
-
-Wir zäumten unsere Pferde ab, breiteten die Satteldecken auf dem
-zerfallenen Gemäuer aus und zündeten aus umherliegendem Wurzelwerk und
-mitgebrachten Kohlen ein wohltuendes Feuer an. Bald kochte über
-demselben ein kräftiger Kaffee, und mit ausgezeichnetem Appetit
-verzehrten wir den Inhalt unserer Satteltaschen: olympischen Käse und
-anatolische Hühnereier, Smyrnafeigen und zyprische Orangen. Der
-treffliche rosenrote Feuerwein aus dem Olymphotel goß neue Kraft in
-unsere ermüdeten Glieder. Während dieses herzerfreuenden Mahles
-bewunderten wir den großartigen Ernst der Alpenlandschaft, die uns
-umgab, und beratschlagten, ob und wie wir die Ersteigung des unmittelbar
-vor uns liegenden Schneekegels bewerkstelligen könnten. Unsere Freunde
-unten in Brussa hatten uns zwar vorher schon versichert, daß in dieser
-Jahreszeit an eine Besteigung des Gipfels nicht zu denken sei und daß
-wir des Schnees wegen höchstens bis zur dritten Terrasse kommen würden.
-Auch wollten unsere Führer davon nichts wissen und verweigerten jeden
-Versuch zur Mitwirkung; ja sie prophezeiten uns sogar sicheren Untergang
-im Schnee, wenn wir unbegreiflicherweise auf den Gipfel klettern
-wollten. Indessen lag der schneeblinkende Doppelgipfel so verlockend vor
-uns, daß wir wenigstens den Versuch einer Ersteigung beschlossen, zumal
-ein glücklicher Erfolg ähnlicher früherer Wagnisse uns ermutigte. War
-ich den höheren und steileren Schneekegel des Pik von Teneriffa vor
-sieben Jahren allein und gegen den Willen der Führer glücklich
-hinaufgekommen, so mußte auch dieses, offenbar viel weniger schwierige
-Unternehmen glücken; und so traten wir denn wohlgemut nach halbstündiger
-Rast unsere Wanderung an.
-
-Das glückliche Gelingen mußte davon abhängen, ob die vor uns liegende
-steile Schneewand, die in ununterbrochener Flucht von der Turkmenenhütte
-bis zum Doppelgipfel aufstieg, zugänglich war; ob der Schnee weich genug
-war, um darin festen Fuß zu fassen, hart genug, um nicht zu tief
-einzusinken. In der Tat war dies der Fall, und wir konnten ohne Gefahr,
-wenn auch nur langsam und beschwerlich, im Zickzack über die glänzende
-Lehne emporsteigen. Unsere kleine Gesellschaft kam jedoch bald
-auseinander, da sich jeder seinen eigenen Weg suchte. Ich hielt mich am
-weitesten östlich, zog die kürzeste und steilste Richtung vor und hatte
-nach anderthalbstündigem anstrengenden Klettern glücklich den höchsten
-Gipfel erreicht; es war gerade 12 Uhr mittags. Eine halbe Stunde später
-traf auch der Maler Körner oben ein, der sich seinen Pfad auf einer
-etwas flacher geneigten Schneelehne gesucht und dadurch einen Umweg
-gemacht hatte. Unsere anderen Reisegefährten, die eine ungünstigere, zu
-sehr von der Sonne aufgeweichte Schneehalde betreten hatten, erreichten
-die Höhe nicht und kehrten nach vergeblichen Versuchen zur
-Turkmenenhütte zurück, wo unsere Führer bei den Pferden geblieben waren.
-
-Eigentümlich erhebend und großartig war die gewaltige Rundsicht, die wir
-nun auf dem Gipfel des asiatischen Olymp, in ungefähr 8000 Fuß Höhe über
-dem Meere, genossen, und die durch das herrlichste, klarste Sonnenlicht
-begünstigt wurde. Wir standen auf einem anatolischen »Dreiherrenspitz«,
-denn der Gipfel des Olympos bezeichnet die Grenze dreier Provinzen des
-alten römischen Weltreiches. Bithynien im Norden und Osten, Phrygien im
-Süden, Mysien im Westen. Vor allem großartig und prächtig ist der Blick
-nach Norden, wo unser Auge über die grüne Ebene von Brussa und den
-blauen Golf von Mudania hinüber auf das Marmarameer schweift, auf die
-Prinzeninseln und weiter bis zum Bosporus, ja bis zu dem Häusermeer und
-dem Kuppelwald von Konstantinopel, das wir eben noch erkennen können.
-Westwärts erfreut sich das Auge an den herrlichen grünen Gefilden des
-fruchtbaren und früher reich bevölkerten mysischen Küstenlandes, aus
-denen die beiden großen Landseen von Apollonia und Manija wie zwei
-blinkende Augen glanzvoll hervorschauen. Im Süden hingegen erblicken wir
-weit und breit nur dunkles Waldgebirge, Kuppen über Kuppen gehäuft, die
-Gipfel noch mit Schnee bedeckt, ohne eine Spur von menschlichen
-Wohnsitzen. Ostwärts ist die Rundsicht großenteils durch die
-benachbarten niederen Höhen des Olymprückens verdeckt.
-
-Welche Ereignisse vollzogen sich auf der welthistorischen Schaubühne,
-welche unser Auge hier mit einem Blicke meilenweit überfliegt! Welche
-Fülle der größten historischen Erinnerungen knüpft sich allein an die
-Wasserstraße zu unseren Füßen, die gleich einem Zauberbande zwei
-Weltteile trennt und verbindet! Hier führten Xerxes und Darius ihre
-persischen Heeresmassen nach Griechenland hinüber; hier traten die
-römischen Legionen von Europa nach Asien über, um die Königreiche von
-Bithynien und Mysien der Universalherrschaft Roms zu unterwerfen; aus
-demselben Boden sammelten die ersten Osmanensultane, deren Wiege in
-Brussa stand, ihre Türkenheere, die in kurzer Zeit der Schrecken Europas
-wurden; und ebenda strömten wiederum die bunten Scharen der Kreuzfahrer
-aus allen Landen Europas nach dem »Heiligen Lande«, um das leere Phantom
-der Grabeskirche zu erobern!
-
-Nachdem wir uns an dem wunderbaren Panorama gesättigt und die daran sich
-knüpfenden Erinnerungen in raschem Phantasiefluge an uns hatten
-vorüberziehen lassen, warfen wir noch einen Blick auf die nächste
-Umgebung, auf die weißen Marmorblöcke, die den Gipfel des Olymp
-bedecken, und auf die winzige Alpenflora, die zwischen denselben den
-Boden bekleidet. Da erkannten wir, unter der Schneedecke versteckt,
-zierliche kleine Saxifragen und Gentianen, niedliche Kruziferen und
-Primeln, Alpenpflanzen, deren schöne, farbenreiche Blüten im Hochsommer
-den Gipfel des Götterberges mit buntem Schmucke zieren. Gegenwärtig
-waren nur das im Winterschlaf versunkene Kraut der Zwergflora sichtbar
-und trockene Früchte aus dem vorigen Jahre. Aber ein Schwarm von
-niedlichen roten, schwarz getüpfelten Marienkäferchen (^Coccionella^)
-tummelte sich im Sonnenschein auf dem schneebedeckten Rasen. Auch eine
-der beliebtesten und am meisten charakteristischen Pflanzen unserer
-Hochalpen fehlte nicht: das Edelweiß, oder doch eine diesem nahe
-verwandte, mit weitem Filz bedeckte ^Gnaphalium^-Art.
-
-Als bleibendes Andenken an die gelungene Olympbesteigung schlug ich mir
-die Spitze des am höchsten vorragenden Marmorblockes ab und steckte sie
-zu den Alpenpflanzen in die Wandertasche; vertrauend, daß Vater Zeus
-darüber nicht zürnen werde, wenn sein Götterberg um einen halben Fuß
-niedriger ist. Dann trat ich mit meinem Gefährten Körner wohlgemut den
-Rückweg an. Über die glatte Schneewand herabrutschend, waren wir in
-kurzer Zeit wieder bei der Turkmenen-Hütte und banden uns hier noch
-einen schönen Strauß von den bunten Blumen, die unmittelbar am Rande des
-schmelzenden Schnees blühten: gelber und violetter Safran (^Crocus^),
-blaue Meerzwiebel (^Scilla^) und rote Aurikeln (^Primula^). Dann setzten
-wir uns wieder zu Pferde, genossen auf dem Rückwege, der mit mehr Muße
-zurückgelegt wurde, noch eine prachtvolle Abendbeleuchtung und waren um
-8 Uhr abends wieder in Brussa.
-
- Ende.
-
-
-
-
- Natur und Mensch.
- Inhalt.
-
-
- Seite
- Einleitung: Ernst Haeckel 3
- Natur und Mensch: 23
- I. Inhalt und Bedeutung der Abstammungslehre 25
- II. Schöpfungsperioden und Schöpfungsurkunden 51
- III. Die Gasträatheorie 89
- IV. Erfahrung und Erkenntnis 119
- V. Arabische Korallen 138
- VI. Brussa und der asiatische Olymp 159
-
-
-
-
-
-
- Georg Reimer, Berlin W. 35.
-
- Ernst Haeckel
-
- Natürliche Schöpfungsgeschichte.
-
- Gemeinverständliche wissenschaftliche Vorträge über die
- Entwicklungsgeschichte.
-
- Ausgabe in einem Bande. Mit 30 Tafeln. Geb. 8 M.
-
- Prinzipien der Generellen Morphologie der Organismen.
-
- Wörtlicher Abdruck eines Teiles der 1866 erschienenen Generellen
- Morphologie. (Allg. Grundzüge der organischen Formen-Wissenschaft
- mechanisch begründet durch die von Charles Darwin reformierte
- Deszendenz-Theorie.)
-
- Mit einem Porträt. Geheftet 12 M. Halbfranz geb. 14 M
-
- Systematische Phylogenie.
-
- Entwurf eines natürlichen Systems der Organismen auf Grund
- ihrer Stammesgeschichte.
-
- 1. Teil: Protisten und Pflanzen. 10 M.
- 2. Teil: Wirbellose Tiere (Invertebrata). 17 M.
- 3. Teil: Wirbeltiere (Vertebrata). 16 M.
-
- Drei Halbfranzbände gebunden 49 M.
-
- Arabische Korallen.
-
- Ein Ausflug nach den Korallenbänken des Roten Meeres und ein
- Blick in das Leben der Korallentiere. Populäre Vorlesung mit
- wissenschaftlichen Erläuterungen.
-
- Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 20 Holzschnitten. Geheftet
- 15 M.
-
- Selektionsprinzip
- und Probleme der Artbildung.
-
- Ein Handbuch des Darwinismus
- von
- Dr. Ludwig Plate
- Professor der Zoologie an der Landw. Hochschule und an der
- Universität Berlin.
-
- Dritte, sehr vermehrte Auflage.
-
- Mit 60 Figuren im Text.
-
- VIII u. 493 S. Gr. 8. Geh. M 12.--, in Leinen geb. M 13.--
-
- Von allen neueren Arbeiten über die Selektionstheorie ist
- vorliegende unstreitig die bedeutendste ... Zum Schlusse möchten
- wir noch auf den Gegensatz dieser im besten Sinne
- wissenschaftlichen Kritik zu den tendenziösen Entstellungen
- Fleischmanns, Dennerts usw. hinweisen, ein Gegensatz, der so
- auffallend ist, daß selbst der Laie sofort sehen wird, zu wessen
- Führung er am meisten Vertrauen haben darf.
-
- Die Umschau.
-
- Einführung
- in die Vererbungswissenschaft.
-
- In zwanzig Vorlesungen für Studierende,
- Ärzte, Züchter von
- Dr. Richard Goldschmidt
- a. o. Professor der Zoologie an der Universität München.
-
- Mit 161 Abbildungen im Text.
-
- IX u. 502 S. gr. 8. Geh. M 11.--; in Leinen geb. M 12.25.
-
- Das fesselnd und klar geschriebene Buch muß dringend allen denen
- empfohlen werden, welche in die moderne Ausgestaltung der
- Vererbungslehre, ihre Methoden, Ergebnisse und theoretischen
- Vorstellungen eindringen wollen.
-
- Zentralbl. f. Physiologie.
-
- Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder direkt vom Verlage
- Wilhelm Engelmann in Leipzig.
-
- Anthropogenie
- oder Entwickelungsgeschichte
- des Menschen.
-
- Keimes- und Stammesgeschichte
- von
- Ernst Haeckel.
-
- Sechste, verbesserte Auflage.
-
- Zwei Teile:
-
- Erster Teil:
- Keimesgeschichte oder Ontogenie.
-
- Zweiter Teil:
- Stammesgeschichte oder Phylogenie.
-
- Mit 30 Tafeln, 512 Textfiguren und 60 genetischen Tabellen.
- In zwei Leinenbänden M 20.--; in zwei Halbfranzbänden M
- 24.--.
-
- Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder direkt vom Verlage
- Wilhelm Engelmann in Leipzig.
-
- Reclams Universal-Bibliothek.
-
- Preis jeder Nummer 20 Pfennig.
-
- Bücher der Naturwissenschaft
- herausgegeben von Prof. Dr. Siegmund Günther.
-
- 1. Band. Grundriß der Naturphilosophie v. Prof. Dr. Wilh.
- Ostwald. Mit dem Bildnis des Verfassers. Nr. 4992/93. Geb. 80 Pf.
- In Leder- od. Pergamentbd. M. 1.50.
-
- 2. Band. Geschichte d. Naturwissenschaften v. Prof. Dr. Siegm.
- Günther. Erster Teil. Mit dem Bildnis des Verfassers, 2 farbigen
- u. 4 schwarzen Tafeln. Nr. 5069/70.
-
- 3. Band. Geschichte d. Naturwissenschaften v. Prof. Dr. Siegm.
- Günther. Zweiter Teil. Mit 2 farbigen und 8 schwarzen Tafeln. Nr.
- 5071-74. (1. u. 2. Teil zus. in 1 Band geb. M. 1.50. In Lederbd.
- M. 2.50.)
-
- 4. Band. Strahlungserscheinungen, Ionen, Elektronen und
- Radioaktivität von Dr. G. Bugge. Mit 4 Tafeln und 20 Zeichnungen
- im Text. Nr. 5151/52. Geb. 80 Pf. In Lederband M. 1.50.
-
- 5. Band. Licht und Farbe v. Prof. Dr. Rob. Geigel. Mit 1 Porträt,
- 4 bunten Tafeln u. 75 Zeichnungen im Text. Nr. 5188-90. Geb. 1 M.
- In Lederband M. 1.75.
-
- 6. Band. Der Sternenhimmel v. Prof. Dr. I. B. Messerschmitt. Mit
- dem Bildnis des Verfassers, 4 farbigen, 9 schwarzen Tafeln und 24
- Zeichnungen im Text. Nr. 5228-30. Geb. M. 1.--. In Lederband M.
- 1.75.
-
- 7. Band. Die Abstammungslehre v. Prof. Dr. Kurt Lampert. Mit dem
- Bildnis des Verfassers, 4 bunten, 7 schwarzen Tafeln und 9
- Abbildungen im Text. Nr. 5241-43. Geb. M. 1.--. In Lederband M.
- 1.75.
-
- 8. Band. Die chemischen Grundstoffe v. Dr. Max Speter. Mit 4
- bunten, 6 schwarzen Tafeln und 10 Figuren im Text. Nr. 5269/70.
- Geb. 80 Pf.
-
- 9. Band. Die Elektrizität von Prof. Franz Adami. Erster Teil. Mit
- einem Porträt, 4 schwarzen Tafeln und 29 Textfiguren. Nr.
- 5298/99.
-
- 10. Band. Die Wärme v. Robert Geigel. Mit 4 Tafeln und 32
- Zeichnungen im Text. Nr. 5321-23. Geb. M. 1.--. In Leder- oder
- Pergamentband M. 1.75.
-
- 11. Band. Chemie u. Technik v. Dr. Günther Bugge. Mit 7 Tafeln
- und 14 Zeichnungen im Text. Nr. 5348-50. Geb. M. 1.--. In Leder-
- oder Pergamentband M. 1.75.
-
- Miniatur-Ausgaben
- in modernen Leinenbänden aus Reclams
- Universal-Bibliothek
-
- Pf.
-
- Abaelard u. Heloise, Briefwechsel 100
- Achleitner, Eisenbahnstreik 80
- Adami, Die Elektrizität 150
- Adlersfeld-Ballestrem, Violet 80
- Aeschylos, Sämtliche Dramen 150
- Albrecht, Abriß der römischen Literaturgeschichte 120
- Albumblätter 60
- Alt, Das Klima 80
- Alexis, Cabanis. 2 Bände 220
- --, Hosen d. Herrn v. Bredow 100
- --, Der Roland von Berlin 175
- --, Der Werwolf 120
- --, Der falsche Woldemar. 2 Bde. je 100
- Andersen, Bilderbuch ohne Bilder 60
- --, Glückspeter 60
- --, Der Improvisator 120
- --, Nur ein Geiger 120
- --, Sämtliche Märchen. 2 Lnbde. 250
- --, O. Z. 100
- -- Sein oder Nichtsein 100
- Anschütz, Erinnerung. aus dessen Leben und Wirken 100
- Anthologie, Griechische 120
- Apel u. Laun, Gespensterbuch 150
- Archenholtz, Gesch. d. 7 jähr Krieg. 120
- Ariosto, Rasender Roland. 2 Bde. 225
- Aristoteles, Die Poetik 60
- --, Verfassung von Athen 60
- Arndt, Erinnerungen 100
- --, Gedichte 80
- --, Wanderungen mit Stein 80
- Arnim, Bettina von, Goethes Briefwechsel mit einem Kinde 150
- Arnim-Brentano, Des Knaben Wunderhorn 175
- Arnold, Die Leuchte Asiens 80
- Auerbach, Barfüßele 100
- --, Die Frau Professorin 80
- --, Diethelm von Buchenberg 100
- --, Joseph im Schnee 80
- Augustinus, Bekenntnisse 120
-
- Balzac, Die Chouans 120
- --, Die Frau von 30 Jahren 80
- Bandlow, Stratenfegels. 5 Bände zus. in 1 Band 150
- --, Lustig Tügs. 5 Bde. zus. in 1 Bd. 150
- Bartels, Hebbel-Biographie 60
- Basedows Vorstellung an Menschenfreunde 60
- Baudelaire, Gedichte u. Skizzen 60
- Beecher-Stowe, Onkel Toms Hütte 150
- Beetschen, Flegeljahre der Liebe 60
- Beitzke, Geschichte des Russischen Krieges im Jahre 1812 120
- Bell, Jane Eyre 150
- Bellamy, Ein Rückblick 80
- --, Dr. Heidenhoffs Wunderkur 60
- --, Miß Ludingtons Schwester 80
- Benzmann, Mod. deutsche Lyrik 150
- Bérangers Lieder 80
- Berges, Amerikana. Bd. 1-5 zus. 150
- Bern, Deklamatorium 150
- Bernhard, Die Glücklichen 60
- Bierbaum, Reife Früchte 80
- Bier-Komment (Tascheneinband) 40
- Biernatzki, Die Hallig 80
- Bismarck, Goldene Worte 60
- --, Reden. 13 Bände je 100
- Bismarcks Humor 60
- Björnson, Erzählungen 175
- --, Schauspiele 225
- Bleibtreu, Bei Jena u. a. Nov. 60
- --, Friedrich d. Große bei Kolin 80
- Blumauer, Aeneis 80
- Blumenthal, Scherzgedichte 60
- Blüthgen, Aus gärender Zeit 120
- Bock, Meßfahrt u. and. Novellen 60
- Boëtius, Tröstungen d. Philos. 80
- Bojardo, Verliebt. Roland. 2 Bde. 225
- Boner, Der Edelstein 80
- Börne, Skizzen u. Erzählungen 100
- Börner, Raimund-Biographie 60
- Bötticher, Alfanzereien 60
- --, Allerlei Schnick-Schnack 60
- --, Allotria 60
- --, Neue Allotria. (Illustr.) 60
- --, Weiteres Heiteres 60
- --, Leichte Ware 60
- --, Humoristisches Allerlei. Zus. geb. in 2 Bänden je 120
- Bourget, Der Luxus der Andern 80
- Boy-Ed, Aus Tantalus Geschlecht 120
- Boyesen, Faust-Kommentar 80
- Brachvogel, Friedem. Bach. 2 Bde. je 100
- Brant, Narrenschiff 80
- Bremer, Die Nachbarn 120
- --, Friedrich, Musiklexikon 175
- Brendicke, Bilder aus der Geschichte der Leibesübungen 80
- Brentano, Heitere Geschichten. Bd. 1-5 zus. in 1 Band 150
- Bret Harte, Gabriel Conroy 150
- --, Kalifornische Erzählungen. 2 Bände je 120
- --, Geschichte einer Mine 80
- --, Thankful Blossom 60
- Briesen, Gemütsmenschen. 1. u. 2. Band zus. in 1 Band 80
- Brillat-Savarin, Physiologie des Geschmacks 120
- Brinckman, Kasper-Ohm un ick 80
- Brücke, Säugetierorganismus 175
- Brugsch, Aus dem Morgenlande 80
- Brümmer, Lexikon deutsch. Dichter bis Ende des 18. Jahrh. 150
- --, Lexikon der deutschen Dichter des 19. Jahrh. 8 Bde. je 150
- Bruno, Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen 80
- Buchanan, Der Deserteur 120
- Bücher der Naturwissenschaft. Hrsg. v. Prof. Dr. S. Günther:
- Bd. 1. Ostwald, Naturphilosophie 80
- " 2/3. Günther, Geschichte der Naturwissenschaft 150
- " 4. Bugge, Strahlungserschein. 80
- " 5. Geigel, Licht und Farbe 100
- " 6. Messerschmitt, Sternenhimmel 100
- " 7. Lampert, Abstammungslehre 100
- " 8. Speter, Chem. Grundstoffe 80
- " 9. u. 14. Adami, Elektrizität 150
- " 10. Geigel, Wärme 100
- " 11. Bugge, Chemie u. Technik 100
- " 12. Alt, Klima 80
- " 13. Messerschmitt, Physik der Gestirne 100
- " 14. s. Bd. 9.
- " 15. Lampert, Vom Keim zum Leben 100
- " 16. Wieleitner, Schnee und Eis der Erde 100
- " 17. Speter, Chem. Verwandtsch. 80
- " 18/19. Hempelmann, Wirbeltierkörper 150
- " 20. Pahde, Meereskunde 100
- " 21. Leiser, Welt der Kolloide 80
- " 22/23. Brücke, Säugetierorg. 175
- " 24. Halbfaß, Süßwass. d. Erde 100
- Buddhas Leben und Wirken 100
- Bugge, Chemie und Technik 100
- --, Strahlungserscheinungen (Radioaktivität) 80
- Bülows Reden. 4 Bde. je 100
- Bulwer, Eugen Aram 150
- --, Nacht und Morgen 150
- --, Pelham 150
- --, Rienzi 150
- --, Die letzten Tage von Pompeji 150
- Bürger, Gedichte 100
- --, Münchhausens Abenteuer 60
- Burnett, Lord Fauntleroy 80
- Burns' Lieder und Balladen 60
- Busch, Gedichte 60
- Busse, Der dankb. Heilige u. a. Nov. 60
- Byron, Briefe 100
- --, Gesang. v. Chillon. -- Mazeppa 60
- --, Der Gjaur 60
- --, Der Korsar 60
- --, Manfred 60
- --, Ritter Harold 80
-
- Calderon, Das Leben ein Traum 60
- Camoes, Die Lusiaden 100
- Carlyle, Über Helden, Heldenverehrung und das Heldentümliche 100
- in der Geschichte
- Carmen Sylva, Aus dem Leben 60
- Cäsar, Der Bürgerkrieg 80
- --, Der Gallische Krieg 100
- Cervantes, Don Quijote. 2 Bde. 250
- Chamisso, Gedichte 120
- --, Peter Schlemihl 60
- Chateaubriand, Atala. -- René. -- Der letzte Abencerrage 80
- Cherbuliez, Reich geworden 100
- Chiavacci, Wiener Bilder 80
- Cholmondeley, Diana 120
- Chop, Richard Wagners Tondramen. Komplett in 2 Bänden 300
- --, Beethovens Symphonien 100
- Cicero, Gespräche in Tuskulum 100
- Claudius' Ausgewählte Werke 150
- Cölestin, Forsthausgeschichten 80
- Collius, Ohne Namen 150
- Cooper, Der letzte Mohikan 100
- --, Der Spion 100
- Cornelius, Peter, Gedichte 60
- Cremer, Holländische Novellen 150
- Çûdraka, Vasantasênâ 80
-
- Dadone, Wie ich z. mein. Frau kam 80
- Damm, Arthur Schopenhauer 100
- Dante, Göttliche Komödie 150
- --, Das Neue Leben 60
- Darwin, Die Abstammung des Menschen. 2 Bde. je 150
- --, Entstehung der Arten 175
- Daudet, A., Briefe a. mein. Mühle 80
- --, Fromont jun. & Risler sen. 100
- --, Jack 175
- --, Künstler-Ehen 60
- --, Tartarin aus Tarascon 60
- --, E., Die Frau des Botschafters 120
- Daumer, Hafis 80
- David, Der Bettelvogt u. a. Erz. 60
- --, Ein Poet u. a. Erzählungen 60
- Davids, Der Buddhismus 80
- Defoe, Robinson Crusoe 100
- Denison, So'n Mann wie mein Mann 80
- Descartes, Methode des richtigen Vernunftgebrauchs 60
- Dessauer, Götzendienst 100
- Detmold, Randzeichnungen. -- Anleitung zur Kunstkennerschaft 60
- Deutscher Minnesang 80
- Dickens, Copperfield. 2 Leinenbde. 225
- --, Dombey & Sohn. 2 Bde. je 150
- --, Harte Zeiten 100
- --, Heimchen am Herde 60
- --, Der Kampf des Lebens 60
- --, Klein Dorrit. 2 Leinenbände 250
- --, Londoner Skizzen 120
- --, Martin Chuzzlewit. 2 Leinbde. 225
- --, Nikolas Nickelby. 2 Leinenbde. 225
- --, Oliver Twist 120
- --, Die Pickwickier. 2 Lnbde. 200
- --, Zwei Städte 120
- --, Die Silvester-Glocken 60
- --, Der Verwünschte 60
- --, Der Weihnachtsabend 60
- --, Weihnachtsgeschichten in 1 Bd. 150
- Diers, Frau Elsbeth 80
- Dittrich, Tages-Chronik v. 1870/71 80
- Dokumente zur Geschichte des Krieges 1914/15. 3 Bände je 60
- Dombrowski, Grüne Brüche. 2 Bde. je 60
- Donnelly, Cäsars Denksäule 100
- Dostojewskij, Erzählungen 60
- --, Memoiren aus einem Totenhaus 100
- --, Schuld und Sühne 150
- Doyle, Onkel Bernac 80
- Droste-Hülshoff, Gedichte 120
- Dufresne, Damespiel 80
- --, Schachaufgaben. 5 Teile je 80
- --, Schachmeisterpartien. 1. Teil (2.-4. s. Mieses) 80
- --, Schachspiel 150
- Dumas, Die drei Musketiere 175
- --, Zwanzig Jahre später. 2 Bde. 250
-
- Eberhard, Hannchen und die Küchlein 60
- Eckermann, Gespräche m. Goethe 175
- Eckstein, Der Besuch im Karzer 60
- Edda. Deutsch von Wolzogen 120
- v. Eichendorff, Gedichte 100
- --, Aus d. Leben e. Taugenichts 60
- --, Marmorbild. -- Schloß Dürande 60
- Ekkehard von St. Gallen, Das Waltharilied 60
- Eliot, Adam Bede 175
- --, Die Mühle am Floß 175
- --, Silas Marner 80
- Emerson, Essays 80
- --, Repräsentanten des Menschengeschlechts 80
- Enking, Heine Stölting u. a. Erz. 60
- Eötvös, Der Dorfnotar 150
- Epiktets Handbüchlein d. Moral 60
- Erckmann-Chatrian, Freund Fritz 80
- --, Geschichte eines Anno 1813 Konskribierten 80
- --, Waterloo 80
- --, Geschichte e. Anno 1813 Konskribierten u. Waterloo in 1 120
- Bd.
- Ernst, Vom Strande des Lebens 60
- Etlar, Vendetta 80
- Eulenspiegel 80
- Euler, Algebra 120
- Ewald, Bilder aus dem Tier- und Pflanzenleben 60
- --, Streiflichter 60
- Eyth, Berufstragik 80
-
- Felder, Liebeszeichen 60
- Ferry, Der Waldläufer. 2 Bde. 225
- Feth, Gedichte 60
- Feuchtersleben, Diätetik d. Seele 60
- Feuerbach, Wesen d. Christentums 150
- Feuerwehrliederb. (Tascheneinbd.) 40
- Fichte, Bestimmung d. Menschen 80
- --, Reden an die deutsche Nation 80
- Fielding, Tom Jones. 2 Bde. 225
- Fischart, Die Flohhatz 60
- Flaubert, Madame Bovary 150
- --, Salambo 120
- Fleming, Ausgewählte Dichtungen 80
- Flygare-Carlen, Rose von Tistelö 150
- Fofanow, Gedichte 60
- Forster, Ansichten vom Niederrhein. 3 Teile. Zus. geb. 175
- Fouqué, Undine 60
- France, Prof. Bonnards Schuld 80
- Franklins Leben 80
- Französische Lyrik 150
- Faungruber, Ausseer G'schichten 80
- Freidanks Bescheidenheit 80
- Freiligrath, Gedichte 80
- Frenzel, Das Abenteuer 60
- --, Die Berliner Märztage und andere Erinnerungen 60
- --, Der Hausfreund 60
- --, Die Uhr 60
- Freund, Rätselschatz 150
- Fried, Lexikon deutscher Zitate 100
- --, Lexikon fremdsprachl. Zitate 100
- Friedrichs des Großen ausgewählte Briefe 120
- Fritze, Indische Sprüche 60
-
- Gaedertz, Fritz Reuter-Biogr. 80
- Gallet, Kapitän Satan 120
- Gaudy, Schneidergesell 60
- --, Venezianische Novellen 100
- Geibel, Gedichte 100
- Geigel, Licht und Farbe 100
- --, Die Wärme 100
- Geiger, A., Der Blitz -- Die Trommel 80
- --, L., Chamisso-Biographie 60
- Geijer, Gedichte 60
- Gellert, Fabeln u. Erzählungen 80
- --, Oden und Lieder 60
- Gensichen, Zu den Sternen! 80
- George, Fortschritt und Armut 150
- Gerhard, Die Stangenjäger u. andere Erzählungen 60
- Gerhardts geistliche Lieder 100
- Gerstäcker, Unter dem Äquator 150
- --, Flußpiraten des Mississippi 150
- --, Der Kunstreiter 120
- --, Die Regulatoren in Arkansas 150
- Gerstmann, Der Mühlhofbauer 60
- Gesetze: s. unter Reichsgesetze, Preußische, Österreichische
- und Schweizerische Gesetze.
- Gilm, Gedichte 120
- Girschner, Musikal. Aphorismen 60
- Gleim, Ausgewählte Werke 80
- Glümer, Schröder-Devrient 80
- Gobineau, Asiatische Novellen 80
- --, Reisefrüchte 80
- --, Die Renaissance 150
- --, Das Siebengestirn 120
- --, Die Tänzerin von Schemacha 60
- Gogol, Phantasien u. Geschichten 120
- Goldsmith, Der Landprediger von Wakefield 80
- Gorjkij, Erzählungen 175
- Goethe, Egmont 60
- --, Faust. 2 Teile in 1 Band 80
- --, Gedichte. In Leinen, 2 Bde. je 150
- --, Götz von Berlichingen 60
- --, Hermann und Dorothea 60
- --, Iphigenie auf Tauris 60
- --, Dramatische Meisterwerke (Götz von Berlichingen. Egmont. 100
- Iphigenie auf Tauris. Tasso)
- --, Reineke Fuchs 60
- --, Torquato Tasso 60
- --, Werthers Leiden 60
- --, Briefe an Frau Charlotte von Stein 175
- Goethe u. Zelter, Briefwechsel. 3 Bände je 150
- Goethe-Schiller Xenien 80
- Goethes Mutter, Briefe 100
- Gottfried v. Straßburg, Tristan und Isolde 175
- Gotthelf, Uli der Knecht 100
- --, Uli der Pächter 120
- Gottschall, H. Schachaufg. 2 Teile je 80
- --, R., Deutsche Lyrik d. 19. Jahrhdts. bis zur modernen Ära 150
- --, Grabbe-Biographie 60
- --, Lenau-Biographie 60
- --, Schiller-Biographie 80
- --, Die Rose vom Kaukasus 60
- Grabein, Der tolle Hans 80
- --, Wildwasser 60
- Gracians Handorakel 80
- Greinz, Lust. Tiroler Geschichten 60
- Grillparzer, Gedichte 80
- Grimm, Brüder, 50 Märchen (mit 12 Bildern) 80
- --, Sämtl. Märchen 1. u. 2. Bd. 175
- --, -- 3. Bd. 150
- --, M., Aus der Kinderstube 60
- Grimmelshausen, Der abenteuerliche Simplizissimus 150
- Groller, Detektiv Dagoberts Taten und Abenteuer. 2 Bände je 100
- --, Vom kleinen Rudi 60
- Grosse, Novellen des Architekten 60
- Grossi, Marco Visconti 120
- Grün, Anastasius, Gedichte 80
- --, Spaziergänge e. Wiener Poeten 60
- Gruppe, O. F., Gedichte 80
- Gudrun. Deutsch von Junghans 80
- Gundlach, Französische Lyrik 150
- --, 1000 Schnadahüpfln 80
- Gunkel, Ohne Heim 80
- Günther, Joh. Chr., Gedichte 80
- --, Sigm., Geschichte der Naturwissenschaften 150
- Gussew und Spiro, Gespräche mit Graf Leo Tolstoi 60
- Gutzkow, Ausgewählte Novellen 80
- --, Der Königsleutnant 60
- --, Urbild des Tartüffe 60
- --, Uriel Acosta 60
- --, Zopf und Schwert 60
-
- Haarhaus, Goethe-Biographie 100
- Habberton, Allerhand Leute 80
- --, Frau Marburgs Zwillinge 60
- --, Andrer Leute Kinder 100
- --, Helenes Kinderchen 80
- --, Helenes Kinderchen u. Andrer Leute Kinder in 1 Band 150
- Hackländer, Augenblick d. Glücks 100
- --, Handel und Wandel 100
- --, Soldatenleben im Frieden 80
- Haeckel, Natur und Mensch 80
- Haek, Phantasie- u. Lebensbilder 60
- Hagedorn, Poetische Werke 100
- Hagen, Norika 80
- Halbfaß, Süßwasser der Erde 100
- Hals oder Peinliche Gerichtsordnung 60
- Hamm, Wilhelm, Gedichte 60
- Hammer, Schau um dich 60
- Hansjakob, Der Theodor 60
- Hartmann, Krieg um den Wald 80
- Hartmann v. Aue, Gregorius 60
- --, Der arme Heinrich 60
- Hauff, Die Bettlerin 60
- --, Lichtenstein 100
- --, Der Mann im Monde 80
- --, Märchen 100
- --, Memoiren des Satan 100
- --, Phantasien 60
- Haug, Sinngedichte 60
- Haushofer, Der Floßmeister. -- Scharka 60
- Häusser, Freiheitskriege. 1. Band 120
- --, -- 2. Band 175
- --, Völkerschlacht b. Leipzig 1813 60
- Hebbel, Gedichte 120
- --, Die Nibelungen 80
- Hebel, Allemannische Gedichte 60
- --, Schatzkästlein 80
- Hegel, Philosophie der Geschichte 150
- Heiberg, Die Andere. -- Einmal im Himmel 80
- Hein, Adalbert Stifter 60
- Heine, Atta Troll -- Deutschland 60
- --, Buch der Lieder 80
- --, Neue Gedichte 60
- --, Die Harzreise 60
- --, Romanzero 80
- Heliand 80
- Helmer, Prinz Rosa-Stramin 60
- Hempelmann, Der Wirbeltierkörper. 1. u. 2. Teil zus. in 1 Bd. 150
- Herbart, Allgemeine Pädagogik 80
- --, Pädagogische Vorlesungen 80
- Herder, Der Eid 60
- --, Schulreden 80
- --, Stimmen der Völker 100
- Hermannsthal, Ghaselen 60
- Herodotos Geschichten. 2 Bände 200
- Herold, Zenab 80
- Herrig, Gesamm. Aufsätze über Schopenhauer 60
- Hertz, König Renés Tochter 60
- Hertzka, Reise nach Freiland 80
- Herwegh, Gedichte eines Lebendigen 80
- Herzog, Komödien des Lebens 80
- Hesekiel, Das Buch vom Fürsten Bismarck. 2 Bände 200
- Heyden, Das Wort der Frau 60
- Heyse, Paul, Zwei Gefangene 60
- --, König Saul 60
- Hilfsbuch, engl.-franz.-deutsches 150
- Hille, Aus d. Heiligtum d. Schönh. 60
- Hiob, Das Buch 100
- Hippel, Über die Ehe 80
- Hitopadesa 100
- Hocking, Im Kampfe m. d. Schicksal 100
- Hoefer, Erzählgn. e. alt. Tambours 60
- Hoffmann, Elixiere des Teufels 100
- --, Kater Murr 120
- --, Klein Zaches 60
- --, Kreisleriana 80
- Hoffmann v. Fallersleben, Ausgewählte Gedichte 80
- --, Kinderlieder 60
- Hölderlin, Gedichte 60
- Hollaender, Der Pflegesohn und zwei andere Novellen 60
- Holtei, Der letzte Komödiant 175
- --, Schlesische Gedichte 120
- --, Die Vagabunden. 2 Bände 240
- Hölty, Gedichte 60
- Holzamer, Der Held u. a. Nov. 60
- Homer, Werke. Von Voß (Ilias, Odyssee) 150
- --, Ilias 100
- --, Odyssee 100
- Hopfen, Der Böswirt 60
- --, Mein Onkel Don Juan 120
- Horaz Werke. Von Voß 80
- Hufeland, Makrobiotik 120
- Hugo, Victor, Notre-Dame 175
- Humboldt, A. v., Ansicht d. Natur 100
- --, W. v., Briefe an eine Freundin 150
- Hume, Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand 80
- Hunt, Leigh, Liebesmär von Rimini. Deutsch v. Meerheimb 60
- Hutten, Gesprächsbüchlein 80
-
- Jacobsen, Niels Lyhne 80
- --, Sechs Novellen 60
- Jahn, Deutsches Volkstum 80
- --, Kleine Schriften 80
- --, u. Eiselen, Deutsche Turnkunst 80
- Japanische Novellen u. Gedichte 60
- Ibsen, Brand 80
- --, Gedichte 60
- --, Gesammelte Werke. 4 Lbd. je 150
- Iden-Zeller, 12000 Kilometer durch Sibirien 60
- Jean Paul, Flegeljahre 120
- --, Hesperus. 2 Leinenbde. 200
- --, Immergrün &c. 60
- --, Der Jubelsenior 80
- --, Dr. Katzberger 80
- --, Der Komet 120
- --, Levana 100
- --, Quintus Fixlein 80
- --, Siebenkäs 120
- --, Titan. 2 Leinenbände 225
- Jensen, H., Schatten d. Schlachtfeldes 80
- --, Wilh., Erbin von Helmstede 100
- --, Hunnenblut 60
- Jerome, Die müßigen Gedanken eines Müßigen 80
- Jerrold, Frau Kaudels Gardinenpredigten 80
- Jesaja, Buch vom Propheten 100
- Ifflands Briefwechsel 100
- Immermann, Die Epigonen 150
- --, Münchhausen 175
- --, Der Oberhof 100
- --, Tristan u. Isolde 100
- --, Tulifäntchen 60
- Joëls Kochbuch 120
- Jókai, Dame mit den Meeraugen 100
- --, Schwarze Diamanten 150
- --, Ein Goldmensch 150
- --, Ein ungarischer Nabob 150
- --, Gold. Zeit in Siebenbürgen 100
- --, Die Táblabirós 120
- --, Traurige Tage 100
- --, Die unsichtb. Sängerin. -- Das Faustpfand 60
- --, Zoltán Karpáthi 150
- Irving, Alhambra 100
- --, Skizzenbuch 120
- Jugenderinnerungen eines alten Mannes 150
- Jugendliederbuch (Tascheneinband) 40
- Junggesellenbrevier 60
- Jung-Stillings Lebensgeschichte 150
-
- Kalidasa, Sakuntala 60
- Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten 60
- --, Zum ewigen Frieden 60
- --, Kritik der Urteilskraft 120
- --, Kritik der prakt. Vernunft 80
- --, Kritik der reinen Vernunft 150
- --, Von der Macht des Gemüts 60
- --, Allgemeine Naturgeschichte &c. 80
- --, Prolegomena 80
- --, Die Religion 80
- --, Streit der Fakultäten 60
- --, Träume eines Geistersehers 60
- Kartenspiele. 3 Bände je 60
- Kellen, Bienenbuch 60
- Keller, Helen, Auswahl 60
- Kennan, Russische Gefängnisse 60
- --, Sibirien. 3 Teile 150
- --, Zeltleben in Sibirien 100
- Kerner, Gedichte 80
- --, Die Seherin von Prevorst 150
- Kiesgen, Kleist-Biographie 60
- Kinkel, Otto der Schütz 60
- Kleist, E. Chr. v., Werke 60
- Klepp, Lehrbuch d. Photographie 80
- Klopstock, Messias 120
- --, Oden und Epigramme 100
- Knigge, Umgang mit Menschen 100
- Kobell, Gedichte in oberbayrischer Mundart 80
- --, Gedichte in pfälz. Mundart 60
- Köhler, Fr., s. Taschenwörterbücher.
- --, Fremdwörterbuch 100
- --, Br., Trachtenkunde. 2 Bde. 400
- Kolzow, Gedichte 60
- Kommersbuch (Tascheneinband) 40
- Kommers- u. Studentenliederbuch in 1 Band 60
- Konrad, Das Rolandslied 120
- Kopisch, Gedichte 100
- Koran, Der 150
- Körner, Leier und Schwert 60
- --, Zriny 60
- Korolenko, Der blinde Musiker 60
- --, Sibirische Novellen 80
- Kortum, Die Jobsiade 100
- Kosegarten, Jucunde 60
- Kriegslieder (Tascheneinband) 40
- Kröger, Wohnung des Glücks 60
- Krummacher, Parabeln 100
- Kugler, Geschichte Friedrichs d. Großen 150
- Kühns, Unter Napoleons Joch 100
- Kürnberger, Der Amerikamüde 150
-
- Lafontaines Fabeln 100
- Lagerlöf, Gösta Berling 120
- --, Eine Gutsgeschichte 80
- Lamartine, Dichtungen 60
- --, Graziella 60
- Lambeck, Engl.-franz.-deutsches Hilfsbuch 150
- Lampert, Abstammungslehre 100
- --, vom Keim zum Leben 100
- Lamprecht, Porträtgalerie aus der Deutschen Geschichte 80
- Land, Ja -- die Liebe 60
- Lange, Geschichte des Materialismus. 2 Bde. je 175
- Lavater, Worte des Herzens 60
- Le Braz, Sirenenblut 80
- Leffler, Sonja Kovalevsky 80
- Lehmann, Fludyer in Cambridge 80
- Leibniz, Kleinere philos. Schriften 100
- --, Die Theodizee. 2 Bde. 225
- Leiser, Die Welt der Kolloide 80
- Leitner, Gedichte 100
- Lenau, Die Albigenser 60
- --, Faust 60
- --, Gedichte 100
- --, Savonarola 60
- Lenk, Gesch. d. Buren (1652-1899) 150
- Lennig, Etwas zum Lachen 60
- Lenz, Militärische Humoresken 120
- Lermontow, Gedichte 60
- --, Ein Held unsrer Zeit 80
- Lesage, Gil Blas 175
- --, Der hinkende Teufel 80
- Lessing, Dramat. Meisterwerke (Nathan der Weise. Emilia 80
- Galotti. Minna von Barnhelm)
- --, Emilia Galotti 60
- --, Laokoon 80
- --, Minna von Barnhelm 60
- --, Nathan der Weise 60
- Leuthold, Gedichte 100
- Lichtenberg, Ausgew. Schriften 120
- Lichtstrahlen aus dem Talmud 60
- Lie, Die Familie auf Gilje 80
- --, Ein Mahlstrom 80
- --, Der Dreimaster »Zukunft« 80
- Liebesbrevier 60
- Liebmann, Christliche Symbolik 80
- Lingg, Byzantinische Novellen 60
- Linguet, Die Bastille 150
- Livius, Röm. Geschichte, 4 Bde. je 150
- Locke, Über den menschlichen Verstand, 2 Bde. je 150
- Lohengrin, Deutsch v. Junghans 80
- Lombroso, Genie und Irrsinn 120
- --, Handbuch der Graphologie 150
- --, Studien üb. Genie u. Entart. 100
- --, P., Kodak 80
- Longfellow, Evangeline 60
- --, Gedichte 60
- --, Hiawatha 80
- --, Miles Standish 60
- Loti, Die Islandfischer 80
- Lucrez, Von der Natur der Dinge 100
- Ludwig, Die Heiterethei 100
- --, Zwischen Himmel und Erde 80
- Ludwig I. von Bayern, Gedichte 80
- Luther, Sendbrief v. Dolmetschen 60
- --, Tischreden 120
- Lux, Kunst im eigenen Heim 60
- Lyrik, Deutsche, des 19. Jahrh. bis zur modernen Ära 150
- --, Moderne Deutsche 150
-
- Macchiavelli, Buch vom Fürsten 80
- Mackay, Letzte Pflicht 80
- Madách, Tragödie des Menschen 80
- Mahlmann, Gedichte 60
- Maikow, Gedichte 60
- Manzoni, Die Verlobten. 2 Bde. 200
- Marc Aurels Selbstbetrachtungen 80
- Margueritte, Weltkinder 100
- Mark Twain, Ausgew. Skizzen 175
- Marryat, Japhet 120
- --, Peter Simpel 150
- Martials Gedichte 60
- Mathesius, Luthers Leben 120
- Matthisson, Gedichte 60
- Maupassant, Novellen 150
- Meerheimb, Psychodram. 2 Bde. je 60
- Mehring, Deutsche Verslehre 100
- --, Ungebundenes in geb. Form 60
- Meißner, Aus d. Papieren eines Polizeikommissärs 150
- Mendelssohn, Phädon 60
- Mendheim, Uhland-Biographie 60
- Merbach, Bismarck 60
- Merker, Wieland-Biographie 60
- Messerschmitt, Physik d. Gestirne 100
- --, Sternenhimmel 100
- Meyer, Auf der Sternwarte 60
- Michelet, Die Frau 100
- --, Die Liebe 100
- Mickiewicz, Balladen 60
- Mieses, Schachmeisterpartien. Teil 2-4 (Teil 1 f. Dufresne) je 80
- Mignet, Geschichte der französischen Revolution 150
- Mikszáth, Der wundertätige Regenschirm 80
- Mill, Über Freiheit 80
- Milow, Stephan, Drei Novellen 60
- Milton, Das verlorene Paradies 80
- Minnesang, Deutscher 80
- Möbius, Das Nervensystem 60
- Molo, Totes Sein 60
- Moltke, Die beiden Freunde 60
- Montesquieu, Persische Briefe 120
- Moore, Irische Melodien 60
- --, Lalla Rukh 80
- Moreto, Donna Diana 60
- Mörike, Gedichte 80
- --, Mozart auf d. Reise nach Prag 60
- Moritz, Anton Reiser 120
- --, Götterlehre 120
- Mosen, Bilder vom Moose 100
- Möser, Patriotische Phantasien 80
- Mügge, Afraja. 2 Bde. 220
- --, Der Vogt von Sylt 100
- Muellenbach, Waldmann und Zampa und andere Novellen 60
- Müller, Curt, Hexenaberglaube 80
- --, Wilh., Gedichte 120
- Müllner, Dramatische Werke 150
- Murger, Zigeunerleben 120
- Murner, Narrenbeschwörung 100
- Musäos, Hero und Leander 60
- Mutterherz, Das 60
- Mylius, Die Türken vor Wien 80
-
- Nadler, Fröhlich Palz, Gott erhalts! 80
- Nadson, Gedichte 60
- Namenbuch 80
- Nathusius, Elisabeth 150
- --, Tagebuch eines armen Fräuleins 60
- Nekrassow, Gedichte 60
- --, Wer lebt glücklicher in Rußland? 100
- Nepos' Biographien 80
- Nettelbecks Lebensbeschreibung 150
- Neumann, H. K., Nur Jehan 60
- --, C. W., Wunder d. Urwelt. 2 Bde. je 60
- Neumann-Hofer, Familie Rizzoni 120
- Nibelungenlied 120
- Niese, Der verrückte Flinsheim und zwei andere Novellen 60
- Nikitin, Gedichte 60
- Nirwana 60
- Noël, Kleines Volk 60
- Nohl, Musikgeschichte 100
- Novalis, Gedichte 60
-
- Ohnet, Sergius Panin 100
- Ossig, Spanisches Taschen-Wörterbuch 150
- Österreichische Börsenschiedsgerichtsordnungen 80
- --, Bürgerliches Gesetzbuch 150
- --, Exekutionsordnung 150
- --, Gerichtsorganisationsgesetz 80
- --, Personalsteuergesetz 100
- --, Vollzugsvorschrift z. Personalsteuergesetz. 1. Hauptstück 120
- 2. u. 3. Hauptstück 100
- 4.-6. Hauptstück 100
- 1.-6. Hauptstück zusammen in 1 Band 250
- --, Zivilprozeßordnung 150
- Ostwald, H., Landstreichergeschichten 60
- --, W., Grundriß der Naturphilosophie 80
- Oswald von Wolkenstein, Dichtungen 80
- Ouida, Fürstin Zouroff 80
- Ovid, Heroiden 80
- --, Verwandlungen 80
-
- Pahde, Meereskunde 100
- Parreidt, Zähne u. ihre Pflege 60
- Pascal, Gedanken 100
- Pauli, Schimpf und Ernst 80
- Perfall, Dämon Ruhm 120
- --, Trudenstein. -- Prüglmensch 80
- Pestalozzi, Lienhard u. Gertrud 120
- --, Wie Gertrud ihre Kinder lehrt 80
- Peter, Das Aquarium 60
- Petersen, Die Irrlichter 60
- --, Prinzessin Ilse 60
- Petöfi, Gedichte 80
- --, Prosaische Schriften 80
- Petrarca, Sonette 80
- Pfarrer vom Kalenberg und Peter Leu 60
- Pfeffel, Poetische Werke 120
- Platen Gedichte 80
- Platon, Phädon 60
- Plutarch, Vergleichende Lebensbeschreibungen. 4 Bände je 150
- Poe, Novellen. 3 Bde. zus. in 1 Bd. 100
- Pol de Mont, Zeiten und Zonen 60
- Pollock, Gesch. der Staatslehre 60
- Polonskij, Gedichte 60
- Pötzl, Der Herr von Nigerl 80
- --, Hoch vom Kahlenberg. I-III 100
- --, Kriminal-Humoresken 100
- --, Die Leute von Wien 80
- --, Rund um den Stephansturm 80
- Presber, Das Eichhorn u. a. Sat. 60
- --, Untermensch u. and. Satiren 60
- Preußische Gesetze:
- Verfassungsurkunde für den preußischen Staat 60
- Wahl-Reglement d. Preußischen Abgeordneten-Hauses 60
- Properz, Elegieen 60
- Prophet Jesaja 100
- Psalter, Der 60
- Pferhofer, Aus jungen Tagen 60
- Puschkin, Gedichte 80
- --, Der Gefangene im Kaukasus 60
- --, Die Hauptmannstochter 80
- --, Novellen 80
- --, Onegin 80
-
- Raabe, Zum wilden Mann 60
- Rameau, Die Hexe 100
- Rangabé, Kriegserinnerungen aus 1870-71 60
- Ranke, Die Erhebung Preußens im Jahre 1813 80
- Räuber, Literarische Salzkörner 100
- Reclam, Prof. Dr. Carl, Gesundheits-Schlüssel 60
- Rehfues, Scipio Cicala. 2 Lbde. 225
- Reichenau, Bilder aus dem Kinderleben 60
- Reichsgesetze, Deutsche:
- Bankwesen 80
- Binnenschiffahrts- u. Flößereigesetz 60
- Bürgerliches Gesetzbuch 150
- -- -- Tascheneinbd. 125
- Freiwillige Gerichtsbarkeit 60
- Gerichtskostenwesen 60
- Gerichtsverfassungsgesetz 60
- Geschäftsordnung f. d. Reichstag 60
- Gewerbegerichtsgesetz 60
- Gewerbeordnung 80
- Grundbuchordnung 60
- Handelsgesetzbuch 80
- -- u. Wechselordnung zus. geb. 100
- Impfgesetz f. d. Deutsche Reich 60
- Kaufmannsgerichte 60
- Konkursordnung 60
- Kriegsgesetze 100
- -- Ergänzungsband 80
- Militärversorgungsgesetze für das Deutsche Reich 80
- Patentgesetz 60
- Preßgesetz und Verlagsrecht 60
- Rechtsanwaltsordnung 80
- Reichs- und Staatsangehörigkeit 60
- Reichsverfassung 60
- Stempelgesetz 80
- Strafgesetzbuch 60
- Strafprozeßordnung 80
- Unlauterer Wettbewerb 60
- Urheberrechtsgesetze 60
- Vereinsgesetz 80
- Verfass. des Deutschen Reiches 60
- Versicherungsgesetze:
- Angestelltenversicherung 100
- Reichsversicherungsordnung 150
- -- Tascheneinband 125
- Versicherungsbehörden [Gewerbeunfallversicherung 2623/24 -- 60
- Invalidenversicherung 2571 -- Krankenversicherung 3564/65
- -- Unfallversicherung 4531-33: jetzt in
- Reichsversicherungsordnung, s. oben.]
- Wehrbeitrag u. Besitzsteuergesetz 60
- Wechselordnung 60
- Zivilprozeßordnung 100
- Zuwachssteuergesetz 80
- Zwangsversteigerungsgesetz 60
- Reinick, Geschichten und Lieder für die Jugend 80
- Renan, Die Apostel 100
- --, Das Leben Jesu 100
- Renard, Ist der Mensch frei? 80
- Resa, Weihnachtsgeschichten 60
- Reuß, Doktors Bescherung u. a. N. 60
- Reuter, Christian, Schelmuffskys Reisebeschreibung 60
- Reuter, Fritz, Dörchläuchting 80
- --, Eine heitere Episode aus einer traurigen Zeit 60
- --, Hanne Nüte un de lütte Pudel 80
- --, Julklapp! Polterabendgedichte 60
- --, Kein Hüsung 80
- --, Läuschen un Rimels 100
- --, De meckelnbörgschen Montecchi un Capuletti 100
- --, Meine Vaterst. Stavenhagen 80
- --, Ut mine Festungstid 80
- --, Ut de Franzosentid 80
- --, De Reis' nah Belligen 80
- --, Ut mine Stromtid 175
- Reuter, Gabriele, Eines Toten Wiederkehr u. andere Novellen 60
- Ricek-Gerolding, Gelehrt. Zecher goldnes Alphabet 60
- Riehl, Burg Reibeck 60
- --, Die 14 Nothelfer 60
- Riemann, Bürger-Biographie 60
- --, Lessing-Biographie 60
- Roberts, Um den Namen 80
- Rodenbach, Die Eiche am Kreuzweg. -- Berufung 80
- --, Das tote Brügge 60
- Rosegger, Geschichten und Gestalten aus den Alpen 60
- Rosenberger, König der Diebe 60
- Roswitha von Gandersheim 80
- Rousseau, Bekenntnisse. 2 Bde. 225
- --, Emil. 2 Bde. 225
- --, Gesellschaftsvertrag 80
- --, Die neue Heloise 2 Bde. 225
- Rückert, Gedichte 80
- --, Gedichte für die Jugend 80
- --, Liebesfrühling 80
- --, Weisheit des Brahmanen 150
- Rumohr, Geist der Kochkunst 120
- Runeberg, Fähnrich Stahl 80
- Ruppius, Der Pedlar 100
- --, Vermächtnis des Pedlars 100
- Ruskin, Vorlesungen über Kunst 80
- Russische Dichterinnen 60
- Ruth, Das Buch 60
- Rützebeck, Dänischer Sommer 80
- Rydberg, Venus von Milo 60
-
- Saar, Ginevra. -- Die Troglodytin 60
- Sach, Hans, Poet. Werke. 2 Bde. je 80
- --, Dramatische Werke. 2 Bde. je 80
- Sachsen-Spiegel 80
- St. Pierre, Paul und Virginie 60
- Salis-Seewis, Gedichte 60
- Sallet, Gedichte 100
- --, Laien-Evangelium 100
- Sallust, Der Jugurthinische Krieg 60
- Sallwürk, Mörike-Biographie 60
- Salus, Nachdenkliche Geschichten 60
- Salzmann, Ameisenbüchlein 60
- --, Der Himmel auf Erden 80
- --, Krebsbüchlein 80
- Saphir, Deklamationsgedichte 100
- Sarcey, Belagerung von Paris 100
- Schanz, Wolken 80
- Scharling, Zur Neujahrszeit im Pfarrhof von Röddebo 100
- Schaumberger, Im Hirtenhaus 80
- --, Bergheimer Musikanten-Gesch. 100
- Schefer, Laienbrevier 100
- Schelling, Clara 80
- --, Die Weltalter 100
- Schenkendorf, Gedichte 100
- Schermann, Firma Murks. Band 1-3 zusammen gebunden 100
- Scherr, Das rote Quartal 60
- Schiller, Braut von Messina 60
- --, Don Karlos 60
- --, Gedichte. Leinen 80
- --, Jungfrau von Orleans 60
- --, Dram. Meisterwerke. 2 Bde. je 120
- --, Maria Stuart 60
- --, Die Räuber 60
- --, Wilhelm Tell 60
- --, Wallenstein. 2 Teile 80
- Schiller u. Goethe, Briefwechsel. 3 Bände je 100
- Schlaf, Tantchen Mohnhaupt 80
- Schleiermacher, Monologen 60
- --, Weihnachtsfeier 60
- Schmid, Almenrausch u. Edelweiß 80
- Schmidt, Zeitgenössische Berichte über die Leipziger Schlacht 60
- Schmied-Kufahl, Fechtbüchlein. (Illustriert) 100
- Schnadahüpfln, Tausend 80
- Schöne, Lehr- und Flegeljahre eines alten Schauspielers 80
- Schönthan, F. v., Der General 60
- --, P. v., Kindermund 60
- --, Der Kuß 60
- Schopenhauer, A., Sämtliche Werke. 6 Bände je 150
- --, Aphorismen z. Lebensweisheit 80
- --, Briefe 150
- --, Einleitung in die Philosophie nebst Abhandlungen &c. 80
- --, Gracians Handorakel 80
- --, Neue Paralipomena 150
- --, Philosophische Anmerkungen 80
- Schreiner, Hohe Fahrt 60
- Schubart, Gedichte 120
- Schücking, Eine dunkle Tat 80
- --, Die Rheider Burg 100
- --, Der Kampf im Spessart 80
- Schulze, Die bezauberte Rose 60
- Schumann, Ges. Schriften über Musik u. Musiker. 3 Bde. in 1 175
- Bd.
- Schwab, Gedichte 150
- --, Die deutschen Volksbücher 200
- Schwegler, Gesch. d. Philosophie 150
- Schweizerische Bundesverfassung 60
- -- Kranken- u. Unfallversicherung 60
- -- Obligationenrecht 100
- -- Zivilgesetzbuch 100
- -- -- u. Obligationenrecht in 1 Bd. 175
- -- -- -- Tascheneinband 150
- Scott, Braut von Lammermoor 100
- --, Der Herr der Inseln 60
- --, Ivanhoe 120
- --, Die Jungfrau vom See 80
- --, Kenilworth 120
- --, Letzten Minnesängers Sang 60
- --, Quentin Durward 150
- --, Waverley 150
- Sealsfield, Das Kajütenbuch 100
- Seidl, Ausgewählte Dichtungen Band 1-3 zusammen 100
- Seneca, Ausgewählte Schriften 100
- --, Fünfzig ausgewählte Briefe 80
- Seume, Gedichte 100
- --, Spaziergang nach Syrakus 100
- Shakespeare, Hamlet 60
- --, Der Kaufmann von Venedig 60
- --, Othello 60
- --, Romeo und Julia 60
- Shelley, Entfesselte Prometheus 80
- --, Feenkönigin 60
- Sienkiewicz, Familie Polaniecki 2 Bände 240
- --, Quo vadis? 175
- --, Zersplittert 80
- Silberstein, Trutz-Nachtigall 60
- Smiles, Der Charakter 100
- --, Die Pflicht 120
- --, Selbsthilfe 100
- --, Sparsamkeit 120
- Soldatenliederbuch (Tascheneinbd.) 40
- Sophokles, Sämtliche Dramen 150
- Souvestre, Am Kamin 80
- --, Ein Philosoph 80
- Spee, Trutznachtigall 100
- Speter, Die chemisch. Grundstoffe 80
- --, Die chemische Verwandtschaft 80
- Spielhagen, Alles fließt 60
- --, Dorfkokette 60
- --, Was die Schwalbe sang 100
- Spindler, Der Jesuit 120
- --, Der Jude 175
- Spinoza, Briefwechsel 100
- --, Die Ethik 120
- --, Der politische Traktat 80
- --, Der theologisch-politische Traktat 120
- --, Vervollkommnung d. Verstandes 60
- Spitta, Psalter und Harfe 60
- Spurgeon, Geistesstrahlen 200
- Staël, Corinna oder Italien 150
- --, Über Deutschland. 2 Bde 225
- Stanley, Wie ich Livingstone fand 150
- Stein, v., Goethe und Schiller 60
- Steinmüller, Baron Kahlebutz. 1. und 2. Bd. zus. in 1 Bd. 80
- Stelzhamer, Ausgew. Dichtungen 80
- Stendhal, Novellen 100
- Steputat, Deutsches Reimlexikon 80
- Stern, Gluck in Versailles. -- Nanon 60
- Sterne, Empfindsame Reise 60
- --, Tristram Shandy 150
- Stevenson, Die Schatzinsel 100
- --, u. Osbourne, Schiffbruch 120
- Stifter, Bergkristall. -- Brigitta 60
- --, Der Hochwald 60
- Stirner, Der Einzige und sein Eigentum 120
- Strachwitz, Gedichte 80
- Streicher, Schillers Flucht 80
- Striegler, Das deutsche Turnen 80
- Strindberg, Die Leute auf Hemsö 80
- Strodtmann, Gedichte. Mit Goldschn. 120
- Studentenliederbuch (Tascheneinbd.) 40
- Swift, Gullivers Reisen 120
-
- Tacitus, Die Annalen 120
- --, Die Germania 60
- --, Die Historien 100
- Tagebuch eines bösen Buben 80
- Taschen-Wörterbücher:
- --, Englisches 150
- Engl.-deutsch. Teil einzeln 100
- Deutsch-engl. Teil einzeln 100
- --, Französisches 150
- Franz.-deutsch. Teil einzeln 100
- Deutsch-franz. Teil einzeln 100
- --, Italienisches 150
- Ital.-deutsch. Teil einzeln 100
- Deutsch-ital. Teil einzeln 100
- --, Spanisches 150
- --, Englisch-französisch-deutsches Hilfsbuch 150
- --, Fremdwörterbuch 100
- --, Deutsches Wörterbuch 100
- Tasso, Befreites Jerusalem 120
- Tausend und eine Nacht. 8 Bde. je 150
- Tegnér, Abendmahlskinder 60
- --, Axel 60
- --, Frithjofs-Sage 80
- Telmann, In Reichenhall 60
- Tennyson, Enoch Arden 60
- --, Königsidyllen, 80
- Testament, Neues. [Übersetzt von E. Stage.], 150
- Tetzner, Deutsche Geschichte in Liedern, 150
- --, Namenbuch, 80
- --, Deutsches Sprichwörterbuch, 150
- --, Deutsches Wörterbuch, 100
- --, Wörterbuch sinnverwandter Ausdrücke, 150
- --, Wörterverzeichnis zur deutschen Rechtschreibung. 40
- (Tascheneinband),
- Thackeray, Der Jahrmarkt des Lebens. 2 Bde., 225
- --, Das Snobsbuch, 100
- Theokrits Gedichte. Von Boß, 60
- Thukydides, Der Peloponnesische Krieg, 175
- Thümmel, Wilhelmine, 60
- Thiedge, Urania, 60
- Tillier, Belle-Plante u. Kornelius, 80
- --, Mein Onkel Benjamin, 80
- Tintschew, Gedichte, 60
- Tolstoj Alexej, Gedichte, 60
- --, Leo, Anna Karenina. 2 Bde., 250
- --, Auferstehung. 1. u. 2. Bd. zus., 150
- --, Chadshi Murat, 80
- --, Evangelium, 80
- --, Zwei Husaren, 60
- --, Kindheit, 80
- --, Die Kosake, 80
- --, Krieg und Frieden 2 Bde., 250
- --, Volkserzählungen, 80
- Torn, Offiziersgeschichten, 150
- Torrund, Sein Herzenskind, 60
- Trenck, Friedr. von der, Lebensgeschichte, 80
- Tschabuschnigg, Sonnenwende, 60
- Tschechow, Humoresken und Satiren. Band 1-3 zus., 100
- Tschudi, Kaiserin Elisabeth, 80
- --, Kaiserin Eugenie, 80
- --, König Ludwig II. v. Bayern, 100
- --, Königin Maria Sophia von Neapel, 80
- --, Marie Antoinettes Jugend, 80
- --, Marie Antoinette und die Revolution, 120
- --, Napoleons Mutter, 80
- --, Napoleons Sohn, 100
- Turgenjew, Dunst, 80
- --, Frühlingswogen, 80
- --, Gedichte in Prosa, 60
- --, Die neue Generation, 120
- --, Erste Liebe, 60
- --, Memoiren eines Jägers, 100
- --, Väter und Söhne, 100
- Turnerliederbuch (Tascheneinband), 40
-
- Uhland, Dramatische Dichtungen, 60
- --, Gedichte, 80
- Usteri, De Vikari, 80
-
- Vaka, Harem, 80
- Varnhagen, Fürst Leopold, 80
- Vely, Mente, 80
- Vergils Aeneide. Von Boß, 80
- --, Ländliche Gedichte, 60
- Villinger, Die Sünde des heiligen Johannes und andre 60
- Novellen,
- Vix, Die Totenbestattung, 80
- Vogl, Ausgewählte Dichtungen, 80
- Volney, Die Aninen, 100
- Voltaire, Geschichte Karls XII., 100
- --, Zeitalter Ludwig XIV. 2 Bde., 225
- Voneisen, Albumblätter, 60
- --, Junggesellenbrevier, 60
- --, Kunterbunt, 60
- --, Liebesbrevier, 60
- --, Das Mutterherz, 60
- --, Nirwana, 60
- Voß, Idyllen und Lieder, 60
- --, Luise, 60
- --, d. J., Goethe und Schiller in Briefen, 80
- --, R., Amata. -- Liebeopfer, 60
- --, Die Auferstandenen. 2 Bde. zus. in 1 Bandm 175
- --, Kentaurenliebe. -- Die Toteninsel, 60
- --, Narzissenzauber. -- Das Wunderbare, 60
- --, Rolla, 120
- Vrchlicky, Gedichte, 80
-
- Wagner, Rich., Autobiogr. Skizze. Mitteilung an meine 80
- Freunde,
- --, Bayreuth, 60
- --, Ein deutscher Musiker in Paris, 80
- --, Erinnerungen, 60
- --, Über das Dirigieren. -- Bericht über eine deutsche 80
- Musikschule,
- --, Tondramen. 2 Bde. je, 150
- Wahlreglement des preußischen Abgeordnetenhauses, 60
- Waiblinger, Gedichte aus Italien, 100
- Waldmüller, Walpra, 60
- Waldow, Wera, 80
- Wallace, Ben Hur. 2 Bände je, 100
- Walther von der Vogelweide, Sämtliche Gedichte, 80
- Weber, C. M. v., Ausgew. Schriften, 80
- --, L., Shakespeare-Biographie, 60
- Weddigen, Geistliche Oden, 60
- Weiser, Jesus. Teil 1-4 zus., 120
- Weißbuch, Deutsch. (Dokumente I), 60
- Westkirch, Der Bürgermeister von Immelheim u. and. Nov., 60
- --, Diebe 60
- --, Die Gletschermühle, 60
- --, Der Knecht von Wörpedamm, 60
- --, Recht der Liebe u. 2 and. Nov., 60
- --, Timm Bredenkamps Glück, 80
- --, Urschels Fundgut, 60
- --, Erzählungen. Zus. geb. in 2 Bdn. je, 150
- Whitman, Grashalme, 80
- Wichert, Am Strande, 60
- --, Für tot erklärt, 60
- --, Eine Geige. -- Drei Weihnachten, 60
- --, Nur Wahrheit. -- Sie verlangt ihre Strafe, 60
- --, Die gnädige Frau von Paretz, 60
- Wickenburg, Franz Mooshammer, 80
- Wieland, Die Abderiten, 100
- --, Oberon, 80
- Wieleitner, Schnee u. Eis der Erde, 100
- Wilbrandt, König Teja, 60
- Wildberg, Dunkle Geschichten, 60
- --, Neben der Welt u. a. Erzähl., 80
- Wilde, Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading, 60
- --, Dorian Gray, 100
- Wildermuth, Hagestolze, 60
- --, Schwäbische Pfarrhäuser, 60
- Wilhelm II. Reden. 4 Bände je, 100
- Willomitzer, Nacht im Mittelalter, 60
- Winter, Ohne Fehl, 100
- Wiseman, Fabiola, 120
- Witschel, Morgen- und Abendopfer, 80
- Wolf, Prolegomena zu Homer, 100
- Wolff, Allgemeine Musiklehre, 60
- --, Elementar-Gesanglehre, 60
- Wolfram von Eschenbach, Parzival. 2 Bde., 225
- Wörterbücher s. Taschenwörterbücher.
- Woude, Traudel und ich, 80
- Wundt, Zur Psychologie u. Ethik, 80
- Württemberg, Alex. Graf von, Sämtliche Gedichte, 100
-
- Xenophon, Anabasis, 80
- --, Erinnerungen an Sokrates, 80
- --, Griechische Geschichte, 100
- --, Kyrupädie, 120
-
- Zaleski, Die heilige Familie, 60
- Zangerle, Meraner Geschichte, 60
- Zedlitz, Gedichte, 80
- --, Waldfräulein, 60
- Zipper, Grillparzer-Biographie, 60
- --, Körner-Biographie, 60
- Zittel, Entstehung der Bibel, 80
- Zobeltitz, H. v., König Pharaos Tochter, 60
- Zola, Das Fest in Coqueville und andere Novellen, 80
- --, Germinal, 150
- --, Herrn Chabres Kur u. a. N., 80
- --, Sturm auf die Mühle u. a. N., 80
- Zschokke, Alamontade, 80
-
- Durch jede Buchhandlung oder direkt vom Verleger Philipp Reclam
- jun. in Leipzig unberechnet zu beziehen
-
- Prospekte der Universal-Bibliothek:
-
- Vollständiges Verzeichnis nach Autoren geordnet.
-
- Vollständiges Verzeichnis nach Materien geordnet.
-
- Verzeichnis der dramatischen Werke mit Angabe der Personenzahl
- und des Theatervertriebes.
-
- Verzeichnis von 100 einaktigen Lustspielen mit Angabe des Inhalts
- und der Besetzung.
-
- Verzeichnung von Reise- und Unterhaltungslektüre.
-
- Ausführliches Verzeichnis der Neuerscheinungen.
-
- Die Helios-Klassiker
-
- sind von bedeutenden Literarhistorikern herausgegeben und mit
- künstlerisch ausgeführten Porträt-Beilagen geschmückt. Die Werke
- sind in geschmackvollen biegsamen Leinen- und in prächtigen
- Ganzleder-Bänden mit echtem Goldschnitt vorrätig. -- Durch
- erstaunliche Wohlfeilheit bei modern-geschmackvoller Ausstattung
- werden sie die Freude an den Büchern der Klassiker immer mehr
- verbreiten.
-
- Verzeichnis der Helios-Klassiker:
-
- Börne. Gesammelte Schriften. 3 Bände mit Bildnis. In Leinen M.
- 5.--.
-
- Byron. Sämtl. Werke. 3 Bde. mit Bildn. In Lein. M. 5.--.
-
- Chamisso. Sämtliche Werke. 2 Bde. mit 2 Bildn. In Lein. M.
- 2.50, in Leder M. 6.--.
-
- Chamisso. Auswahl. 1 Band mit Bildn. In Lein. M. 1.25.
-
- Eichendorff. Gesamm. Werke. 2 Bde. mit 2 Bildn. In Lein. M.
- 3.--, in Leder M. 6.--.
-
- Gaudy. Ausgew. Werke. 2 Bde. mit Bildn. In Lein. M. 3.50.
-
- Goethe. Sämtl. Werke. 10 Bde. mit 3 Bildnissen. In Leinen M.
- 15.--, in Leder M. 30.--.
-
- Goethes Werke in 4 Hauptbdn. u. einer Folge v. Ergänzungsbdn.
- M. Abb., Portr., Faksim. Preis der 4 Hauptbde. in Lein. M.
- 5.--, in Leder M. 12.--. Ergänzungsbde. in Leinen je M. 1.25,
- in Leder je M. 2.--.
-
- Grabbe. Sämtl. Werke. 2 Bde. m. Bildn. In Leinen M. 3.50.
-
- Grillparzer. Sämtliche Werke. 3 Bde. mit 3 Bildn. In Lein. M.
- 5.--, in Leder M. 9.--.
-
- Hauff. Sämtl. Werke. 2 Bde. mit Bildn. In Lein. M. 3.--, in
- Leder M. 7.--.
-
- Hebbel. Sämtliche Werke in 4 Bd. u. 2 Ergänzungsbdn. Mit
- Abbildg. u. Faksimiles. Preis der 4 Hauptbände in Lein. M.
- 5.--, in Led. M. 12.--; der 2 Ergänzgsbde. in Leinen M. 2.50,
- in Leder M. 6.--.
-
- Heine. Sämtl. Werke. 4 Bde. mit 2 Bildnissen. In Leinen M.
- 5.--, in Leder M. 12.--.
-
- Herder. Ausgewählte Werke. 3 Bände mit 2 Bildnissen. In Leinen
- M. 5.--.
-
- Kleist. Sämtliche Werke. 1 Bd. mit Bildn. In Lein. M. 1.50, in
- Leder M. 3.25.
-
- Verlag von Philipp Reclam jun. in Leipzig
-
- Verlag von Philipp Reclam jun. in Leipzig
-
- Körner. Sämtl. Werke. 1 Bd. mit Bildn. In Lein. M. 1.40. in
- Leder M. 3.--.
-
- Lenau. Sämtl. Werke. 1 Band mit Bildn. In Lein. M. 1.50, in
- Leder M. 3.25.
-
- Lessing. Sämtl. Werke 3 Bde. mit 2 Bildnissen. In Leinen M.
- 5.--, in Leder M. 9.--.
-
- Lessing. Auswahl. 1 Bd. mit Bildnis. In Leinen M. 1.75.
-
- Longfellow. Sämtl. poetische Werke. 2 Bände mit 2 Bildnissen.
- In Leinen M. 3.50.
-
- Ludwig. Ausgewählte Werke. 1 Bd. mit Bildn. In Leinen M. 1.75,
- in Leder M. 3.50.
-
- Milton. Poetische Werke. 1 Bd. mit Bildn. In Lein. M. 2.--.
-
- Molière. Sämtl. Werke. 2 Bde. mit Bildn. In Lein. M. 3.50.
-
- Möricke. Sämtl. Werke. 2 Bde. mit 2 Bildnissen. In Leinen M.
- 3.50, in Leder M. 6.--.
-
- Reuter. Sämtl. Werke. 4 Bde. mit zahlreich. Abb. In Lein. M.
- 6.--, in Leder M. 12.--.
-
- Reuter. Auswahl. 2 Bde. mit zahlreich. Abbildgn. In Lein. M.
- 3.50, in Leder M. 7.--.
-
- Rückert. Ausgewählte Werke. 3 Bde. mit 2 Bildn. In Lein. M.
- 5.--, in Leder M. 9.--.
-
- Schiller. Sämtliche Werke in 4 Hauptbdn. u. 2 Ergänzungsbänden.
- Mit Abb., Portr., Faksim. Preis d. 4 Hauptbde. in Lein. M.
- 5.--, in Led. M. 12.--, der Gesamtausgabe in Leinen M. 7.50,
- in Leder M. 18.--.
-
- Shakespeare. Dramat. Werke. 4 Bde. mit Abbild. In Leinen M.
- 5.--, in Leder M. 12.--.
-
- Stifter. Ausgewählte Werke. 2 Bde. mit Bildn. In Lein. M.
- 3.50, in Leder M. 6.--.
-
- Uhland. Gesammelte Werke. 2 Bde. mit Bildn. In Lein. M. 2.50,
- in Leder M. 6.--.
-
- Sonderausgaben aus Reclams Klassikern:
-
- Goethe. Aus meinem Leben. Geh. 90 Pf., Halblein. M. 1.20.
-
- Goethe. Gedichte. 2 Bde. Geh. je M. 1.--, in Lein. je M. 1.50,
- in Leder m. Goldschn. je M. 2.50.
-
- Goethe. Italien. Reise. Geh. 90 Pf., in Halbleinen M. 1.20.
-
- Goethe. Die Wahlverwandtschaften. Geh. 30 Pf., in Halbleinen
- 60 Pf.
-
- Goethe. West-östl. Diwan. Geh. 70 Pf., in Leinen M. 1.--.
-
- Goethe. Wilhelm Meisters Lehrjahre. Geh. 90 Pf., in Halbleinen
- M. 1.20.
-
- Goethe. Wilhelm Meisters Wanderjahre. Geh. 60 Pf., in
- Halbleinen 90 Pf.
-
- Lessing. Hamburgische Dramaturgie. Geh. 90 Pf., in Halbleinen
- M. 1.20.
-
- Schiller. Gedichte. Geh. 50 Pf., in Leinen 80 Pf., in Leder
- mit Goldschnitt M. 2.--.
-
- Schiller. Geschichte des 30jährigen Krieges. Geh. 70 Pf., in
- Leinen M. 1.--.
-
- Schiller. Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande.
- Geh. 30 Pf., in Halblein. 60 Pf.
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription
-
-
-Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im Original
-g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_
-gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt waren,
-wurden ^so^ markiert.
-
-Offensichtliche Fehler wurden berichtigt wie hier aufgeführt
-(vorher/nachher):
-
- [S. 73]:
- ... miteinander gewechselt, und aller Wahrscheilichkeit nach ...
- ... miteinander gewechselt, und aller Wahrscheinlichkeit nach ...
-
- [S. 106]:
- ... verschwunden ist (Fig. 40 F). Die größeren vegetalen ...
- ... verschwunden ist (Fig. 10 F). Die größeren vegetalen ...
-
- [S. 182]:
- ... jeden Versuch zur Mitwirkung; ja sie prohezeiten uns ...
- ... jeden Versuch zur Mitwirkung; ja sie prophezeiten uns ...
-
- [S. 185]:
- ... in raschem Phatasiefluge an uns hatten vorüberziehen ...
- ... in raschem Phantasiefluge an uns hatten vorüberziehen ...
-
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Natur und Mensch, by Ernst Haeckel
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK NATUR UND MENSCH ***
-
-***** This file should be named 50081-8.txt or 50081-8.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
- http://www.gutenberg.org/5/0/0/8/50081/
-
-Produced by Ralph Janke, Marilynda Fraser-Cunliffe, Jens
-Sadowski,and the Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions will
-be renamed.
-
-Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
-law means that no one owns a United States copyright in these works,
-so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United
-States without permission and without paying copyright
-royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part
-of this license, apply to copying and distributing Project
-Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm
-concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark,
-and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive
-specific permission. If you do not charge anything for copies of this
-eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook
-for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports,
-performances and research. They may be modified and printed and given
-away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks
-not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the
-trademark license, especially commercial redistribution.
-
-START: FULL LICENSE
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
-PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
-
-To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
-distribution of electronic works, by using or distributing this work
-(or any other work associated in any way with the phrase "Project
-Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full
-Project Gutenberg-tm License available with this file or online at
-www.gutenberg.org/license.
-
-Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project
-Gutenberg-tm electronic works
-
-1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
-electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
-and accept all the terms of this license and intellectual property
-(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
-the terms of this agreement, you must cease using and return or
-destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your
-possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a
-Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound
-by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the
-person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph
-1.E.8.
-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
-agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
-electronic works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
-Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
-of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
-works in the collection are in the public domain in the United
-States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
-United States and you are located in the United States, we do not
-claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
-displaying or creating derivative works based on the work as long as
-all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
-that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting
-free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm
-works in compliance with the terms of this agreement for keeping the
-Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily
-comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
-same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when
-you share it without charge with others.
-
-1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
-in a constant state of change. If you are outside the United States,
-check the laws of your country in addition to the terms of this
-agreement before downloading, copying, displaying, performing,
-distributing or creating derivative works based on this work or any
-other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no
-representations concerning the copyright status of any work in any
-country outside the United States.
-
-1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
-
-1.E.1. The following sentence, with active links to, or other
-immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear
-prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work
-on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the
-phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed,
-performed, viewed, copied or distributed:
-
- This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
- most other parts of the world at no cost and with almost no
- restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
- under the terms of the Project Gutenberg License included with this
- eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the
- United States, you'll have to check the laws of the country where you
- are located before using this ebook.
-
-1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is
-derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not
-contain a notice indicating that it is posted with permission of the
-copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
-the United States without paying any fees or charges. If you are
-redistributing or providing access to a work with the phrase "Project
-Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply
-either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
-obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
-trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
-additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
-will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
-posted with the permission of the copyright holder found at the
-beginning of this work.
-
-1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
-License terms from this work, or any files containing a part of this
-work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
-
-1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
-
-1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
-any word processing or hypertext form. However, if you provide access
-to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
-other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official
-version posted on the official Project Gutenberg-tm web site
-(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
-to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
-of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
-Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
-full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.
-
-1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
-performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
-unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
-access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works
-provided that
-
-* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
- to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has
- agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
- within 60 days following each date on which you prepare (or are
- legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
- payments should be clearly marked as such and sent to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
- Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
- Literary Archive Foundation."
-
-* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or destroy all
- copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
- all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm
- works.
-
-* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
- any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
- receipt of the work.
-
-* You comply with all other terms of this agreement for free
- distribution of Project Gutenberg-tm works.
-
-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
-Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
-are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
-from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The
-Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm
-trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
-Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm
-electronic works, and the medium on which they may be stored, may
-contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
-or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
-intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
-other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
-cannot be read by your equipment.
-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
-liability to you for damages, costs and expenses, including legal
-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
-TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
-INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
-DAMAGE.
-
-1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium
-with your written explanation. The person or entity that provided you
-with the defective work may elect to provide a replacement copy in
-lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
-or entity providing it to you may choose to give you a second
-opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
-the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
-without further opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
-OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
-LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of
-damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
-violates the law of the state applicable to this agreement, the
-agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
-limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
-unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
-remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
-accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
-production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
-electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
-including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
-the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
-or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
-additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
-Defect you cause.
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org
-
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-