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Neumann - -Release Date: September 30, 2015 [EBook #50081] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK NATUR UND MENSCH *** - - - - -Produced by Ralph Janke, Marilynda Fraser-Cunliffe, Jens -Sadowski,and the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - - - - - - [Illustration: Phot. A. Bischoff, Jena.] - - [Illustration: Unterschrift: Ernst Haeckel.] - - - - - Natur und Mensch. - - - Sechs Abschnitte aus Werken - von - Ernst Haeckel. - - Herausgegeben und mit einer Einleitung versehen - von - Carl W. Neumann. - - Mit dem Bildnis Ernst Haeckels - und zahlreichen Abbildungen im Text. - - Leipzig - Druck und Verlag von Philipp Reclam jun. - - - - - Einleitung. - - -Hunderttausende führen den Namen Haeckels im Munde, urteilen über ihn -und sein Lebenswerk und kennen doch nichts von ihm als sein -vielbefehdetes Buch von den »Welträtseln«; vielleicht auch noch außerdem -ein paar kleinere Schriften. Was er _vor_ diesen in vierzigjähriger -rastloser Forscherarbeit geschaffen hat, blieb für die meisten -Geheimnis. Sie wissen, daß Haeckels Name aufs engste verknüpft ist mit -jener großen Bewegung, die Darwin durch sein epochemachendes Werk »Die -Entstehung der Arten im Tier- und Pflanzenreiche« (1859) ins Leben rief, -aber sie haben nur unklare Vorstellungen von der besonderen Art der -Verdienste Ernst Haeckels. Ganz zu geschweigen von dem, was er -unabhängig von Darwin in seinen voluminösen Monographien der -Radiolarien, Kalkschwämme, Medusen usw. der Wissenschaft Großes -geschenkt hat. Es ist daher angezeigt, der kleinen Auswahl von -Abschnitten aus den bedeutendsten populären Werken des Jenaer -Naturforschers, die dieses Bändchen vereinigt, wenigstens im Umriß ein -Bild seines Lebens und Schaffens voranzustellen. - -Ernst Haeckel wurde am 16. Februar 1834 als Sohn des Regierungsrats Karl -Haeckel in Potsdam geboren, wuchs aber in Merseburg auf, wohin noch im -ersten Lebensjahre des Knaben der Vater versetzt worden war. Wer Fäden -sucht, die bereits aus den Tagen der Jugend ins spätere Leben und Wirken -des reifen Mannes hinüberwehen, kommt nicht in Verlegenheit. -Kraftstrotzender Übermut auf der einen Seite, auf der anderen die -Neigung, in einsamen Wanderstunden geheime Zwiesprache zu halten mit -allem, was kreucht und fleucht, grünt und blüht, sind von früh an -hervorstechende Züge im Wesen des Knaben. Der Elfjährige durchstreift -schon die Kreuz und die Quer das Siebengebirge, um die vermeintlich nur -dort wachsende graue Erika ausfindig zu machen. Der Merseburger -Gymnasiast liefert Beiträge zu Garckes »^Flora Hallensis^« und legt sich -in seinen Mußestunden ein Doppelherbarium an, eins für die »guten -Arten«, die sich hübsch fügsam in Linnés System bequemen, und ein -zweites für die »verdächtigen« Genera, die dann, in langer Reihe -geordnet, den ununterbrochenen Übergang von einer guten Art zur anderen -demonstrieren. »Es waren die von der Schule verbotenen Früchte der -Erkenntnis, an denen ich in stillen Mußestunden mein geheimes, -kindisches Vergnügen hatte.« In Wirklichkeit rührte der Gymnasiast da -schon leise an jenes große Problem von der Dauer und Wandelbarkeit der -Arten, das freilich vorerst nur in der Luft lag, aber ihn später so -mächtig erfassen sollte. - -Als dieses »Später« im Jahre 1859 in greifbare Nähe zu rücken begann, -fischte der fünfundzwanzigjährige Haeckel im Hafen von Messina nach -allerlei Seetieren, vor allem nach Radiolarien, jenen trotz ihrer -mikroskopischen Kleinheit so überaus reizvollen Strahltierchen mit dem -vielgestaltigen, rhythmisch gewachsenen Kieselskelett, die wenige Jahre -zuvor erst sein großer Lehrer Johannes Müller entdeckt hatte. Haeckel -war Arzt seines Zeichens. Gehorchend dem Wunsche des Vaters -- nicht -seinem eigenen Triebe, der ihn vielmehr mit Macht zur Botanik drängte -- -hatte er in Berlin, Würzburg und Wien das medizinische Brotstudium -absolviert und sich nach bestandenem Staatsexamen als praktischer Arzt -in Berlin niedergelassen. Als Mann der Theorie aber fehlte ihm für die -Praxis der rechte Sinn, wie er später oft scherzte, so daß ihm der Vater -zur endgültigen Klärung der Berufsfrage noch ein weiteres Studienjahr in -Italien, dem Land seiner Sehnsucht, bewilligte. Und dieses Jahr ward -entscheidend. Das fesselnde Studium des Planktons, dem er schon früher -(1854) als junger Student unter Führung Johannes Müllers auf Helgoland -eine Zeitlang obgelegen hatte, schob die Botanik und Medizin nunmehr -definitiv in den Hintergrund. Zoologie hieß die Losung, und schneller, -als er's sich träumen mochte, sollte er Fuß in ihr fassen. Im Mai 1860 -kam er zurück nach Berlin, um seine sizilianischen Planktonschätze, -Zeichnungen und Präparate, im großen Stil zu bearbeiten, und ehe das -Werk noch vollendet war, saß er mit Hilfe seines einstigen Würzburger -Studienfreundes Karl Gegenbaur als außerordentlicher Professor in Jena. -Im gleichen Jahre (1862) erschien als ein riesiger Folioband mit 35 -farbigen Kupfertafeln die »_Monographie der Radiolarien_«, die seinen -Ruf als zoologischen Facharbeiter mit einem Schlage begründete, und daß -auch das Tipfelchen auf dem i des Triumphes nicht fehle, verband er sich -im August 1862 mit seiner »hochbegabten, feinsinnigen« Cousine Anna -Sethe zu glücklichster, aber leider nur kurzer Ehe. Schon anderthalb -Jahre später, gerade an seinem dreißigsten Geburtstag, entriß ihm ein -jäher Tod die geliebte Frau. Dem höchsten Glück folgte fast auf dem Fuße -der schwerste Schicksalsschlag, der ihn treffen konnte. In dieser -trübsten Zeit aber schrieb er -- höchst seltsam zu sagen -- in einem -Zuge das tiefste, bedeutendste Werk seines Lebens, die »_Generelle -Morphologie der Organismen_.« Zwei starke Bände mit über 1200 Seiten -Text. - -Noch während er an der italienischen Küste in Plankton schwelgte, erfuhr -er, es sei da von England ein »ganz verrücktes« Buch nach Deutschland -herübergekommen, dessen Verfasser nicht bloß das Linnésche Dogma von der -Unveränderlichkeit der Arten bestreite, sondern auch an Stelle des -einmaligen planvollen Schöpfungsaktes ein großes Gesetz kontinuierlicher -Entwicklung des Lebens zu künden die Dreistigkeit habe: Darwins -»Entstehung der Arten«. Dieses ketzerische Buch, das die Fachzoologen -von damals entweder ganz totschwiegen oder schlankweg für »Humbug« -erklärten, zog Haeckel gleich bei der ersten Lektüre ganz -unwiderstehlich in seinen Bann und ließ ihn fortan nicht mehr los. -Bereits in den »Radiolarien« war er ganz kurz darauf eingegangen, um -dann auf der Stettiner Naturforscherversammlung von 1863 ausführlich, -und zwar in zustimmendem Sinne, zu Darwins Ideengang Stellung zu nehmen. -Die große Mehrzahl der Fachgenossen war freilich noch anderer Ansicht. -Ein angesehener Zoologe erklärte Darwins Buch für den »harmlosen Traum -eines Nachmittagsschläfchens«, ein anderer verglich die -»naturphilosophischen Phantasien« mit dem Tischrücken, ein namhafter -Geologe meinte, daß dem »vorübergehenden Schwindel« bald die -Ernüchterung folgen müsse, und ein Anatom prophezeite, nach wenigen -Jahren werde kein Mensch mehr davon sprechen. ^Tempora mutantur^! - -Auf Haeckel machte die Ablehnung so wenig Eindruck, daß er sich, obwohl -tief niedergedrückt durch den Tod der geliebten Gattin (er hat später, -1868, zum zweitenmal geheiratet), mit fliegender Feder daran machte, die -ganze biologische Wissenschaft, soweit sie zusammenhing mit dem Problem -der Entwicklung, aus der von Darwin geschaffenen Basis ganz neu zu -gruppieren und umzugestalten. Eine Art wissenschaftlichen Testaments -sollte die »Generelle Morphologie« werden. Auch damals, wie -dreiunddreißig Jahre später in den »Welträtseln«, gedachte er mit dem -Ende des Werkes einen Strich unter seine Lebensarbeit zu machen. -Gelegentlich der Feier seines sechzigsten Geburtstages hat er es selber -so dargestellt: »Ich lebte damals ganz als Einsiedler, gönnte mir kaum -drei bis vier Stunden Schlaf täglich und arbeitete den ganzen Tag und -die halbe Nacht. Dabei lebte ich in so strenger Askese, daß ich mich -eigentlich wundern muß, heute noch gesund und lebendig vor Ihnen zu -stehen.« Durch eifrige, hastige Arbeit wollte er alle die seelischen -Schmerzen betäuben, und dann -- ja, was dann kommen sollte, wußte er -selbst nicht. Tatsache ist aber, daß er in weniger als Jahresfrist die -mehr als zwölfhundert engen Druckseiten aufs Papier brachte. Tatsache -ist ferner, daß er in diesem monumentalen Werk alle, aber auch wirklich -_alle_ die wichtigen Konsequenzen schon zog und alle wesentlichen und -entscheidenden Anschauungen seiner monistischen und genetischen -Philosophie schon entwickelte, deren Ausbau im einzelnen sein ganzes -künftiges Leben beschäftigt hat. »In der Methode naturwissenschaftlicher -Forschung«, sagt Bölsche sehr treffend, »bedeutet das Werk einen -Markstein, an dem man die ganze Geistesarbeit der zweiten Hälfte des 19. -Jahrhunderts charakterisieren und werten kann. Für die allgemeine -biologische Systematik beginnt mit ihm eine neue Epoche in der Weise, -wie es fünfzig Jahre vorher bei Cuvier und nochmals über fünfzig weiter -zurück bei Linné der Fall gewesen war. Was es für die Zoologie im -engeren Sinne ist, hat ein gewiß kompetenter Urteiler wie Richard -Hertwig dreißig Jahre später in das einfache Wort zusammengefaßt: daß -wenige Werke so viel beigetragen haben, das geistige Niveau der Zoologie -zu heben.« Im ersten Bande wurden mit Hilfe einer selbstgeschaffenen -wissenschaftlichen Kunstsprache, die heute vielfach zum eisernen -Bestande der Zoologie gehört, die Grundbegriffe des Lebens, der -Formenbildung und -umbildung, der Individualität und natürlichen -Verwandtschaft, die Gesetze der Anpassung, Vererbung und Auslese -methodologisch neu festgestellt. Im zweiten Bande wurde auf Grund der -vergleichenden Anatomie, der Stammesgeschichte (Phylogenie) und -Keimesgeschichte (Ontogenie) der dreifache Beweis für die -Abstammungslehre versucht und das Ganze gekrönt durch das von Haeckel -zum erstenmal scharf formulierte und auf das gesamte Gebiet der -organischen Formenwelt angewandte »_biogenetische Grundgesetz_«, wonach -die Entwicklungsgeschichte des Einzelwesens eine gedrängte, stark -abgekürzte und häufig abgeänderte Wiederholung der Entwicklung des -zugehörigen Stammes ist. Daß ein derartig weit in die Zukunft -vorauseilendes wissenschaftliches Werk bei all seinen Vorzügen auch -Unvollkommenheiten und Irrtümer aufweisen mußte, braucht kaum noch -ausdrücklich betont zu werden. Kommende Jahre haben manche der -Hypothesen, die Haeckel zum erstenmal aufgestellt hatte, von Grund aus -verändert oder völlig verworfen, und auch er selbst ist nicht müde -geworden, zu bessern und nachzuprüfen. Dem Werke selbst aber bleibt doch -der Ruhm unbestritten, zum erstenmal »eine markige Skizze der belebten -Natur im neuen Lichte der Entwicklungslehre und zugleich ein ganzes -Programm für die biologische Forschung der nächsten Zukunft entworfen zu -haben«. - -Im Herbst 1866 war das große Werk abgeschlossen. Physisch und geistig -erschöpft, ging Haeckel, ohne erst noch das Erscheinen der »Morphologie« -abzuwarten, auf Reisen, besuchte Darwin auf seinem Landsitze Down bei -London und fuhr danach, den Rat seiner Freunde befolgend, nach -Teneriffa, um dort unter Palmen Erholung zu suchen. In weiterer Folge -ging dann die Reise nach Lanzerote, der kleinen vulkanischen Ozeaninsel, -deren waldlose Kraterlandschaften stark an die Bilder vom Monde -erinnern. Hier wurden in Gemeinschaft mit Richard Greeff und zwei -jüngeren Zoologen vor allem Medusen und Siphonophoren (Staatsquallen) -studiert, die das Meer in verschwenderischer Fülle herbeitrug, und in -viermonatiger eifriger Arbeit kamen die Schätze zusammen, die Haeckel -später die Abfassung seiner preisgekrönten »_Entwicklungsgeschichte der -Siphonophoren_« (mit 14 Tafeln, 1869) ermöglichten. - -Sechs Monate blieb er von Jena fern. Wenn er indessen bei seiner -Heimkehr erwartet hatte, die »Generelle Morphologie« würde in der -Zwischenzeit die Geister wachgerüttelt haben, so sah er sich bitter -enttäuscht. Die Fachgenossen ignorierten sie völlig oder verspotteten -sie als ein »Konglomerat naturwissenschaftlicher Träumereien«, und die -außerhalb der Fachwissenschaft stehende Leserwelt wußte auch damals so -wenig wie heute von der Existenz des bedeutsamen Werkes. »Generelle -Morphologie.« Schon der Titel sah keineswegs aus nach sehr weiter -Verbreitung. Und im übrigen galt -- in einem gewissen Sinne -- wohl -wirklich auch das, was der Verfasser selbst später von seinem Hauptwerke -sagte: es sei zu weitschweifig und schwerfällig geschrieben gewesen. - -Indessen enttäuscht sein, heißt nicht auch entmutigt sein. Wenn man den -naturphilosophischen Kern aus der »Morphologie« herausschälte, -die Grundzüge der Entwicklungtheorie knapp und klar, aller -sachwissenschaftlichen Schwere entledigt, noch einmal für weitere Kreise -populär darstellte und gleichzeitig den Stoff chronologisch anordnete, -d. h. den Gang der Entwicklung des Weltganzen vom Einfachen zum -Komplizierten, vom Urnebel zum Menschen herauf vorführte, so müßte es -doch in der Tat seltsam zugehen, wenn einem so beschaffenen Auszug der -Erfolg versagt bleiben sollte. Aus solchen Erwägungen heraus hielt -Haeckel im Wintersemester 1867/68 vor einem aus Laien und Studierenden -aller Fakultäten zusammengesetzten Publikum Vorträge, die 1868 als -»_Natürliche Schöpfungsgeschichte_« auch in Buchform erschienen -- -damals ein einzelner schmaler Band, der im Laufe der Zeit sich -verdoppelte und heute in zwölf verschiedenen Übersetzungen vorliegt. Und -dieses Buch drang nun tatsächlich durch. Es wurde nicht bloß von -Gebildeten aller Stände gelesen, es zwang auch die Fachgenossen des -Verfassers jetzt definitiv, so oder anders sich mit der neuen Auffassung -und Darstellung der Entwicklungslehre auseinanderzusetzen. Das gab dann -den Anlaß zu bitteren Kämpfen und Debatten, zu kräftigen Angriffen und -ebenso kräftiger Gegenwehr. Besonders das »biogenetische Grundgesetz« -war der Zankapfel, der sowohl die Empiriker als auch die Philosophen aus -ihrer anfänglichen Passivität aufschreckte und auf das Kampffeld rief. - -Noch lebhafter aber entbrannte der Streit, als Haeckel im Jahre 1872 in -seiner »_Monographie der Kalkschwämme_« (zwei Bände Text mit einem Atlas -von 60 Bildertafeln) den »Versuch zur analytischen Lösung des Problems -von der Entstehung der Arten« gemacht und dabei zum erstenmal die -berühmte und fruchtbare _Gasträatheorie_ aufgestellt hatte, d. h. die -Zurückführung aller höheren Tiere mit Einschluß des Menschen auf eine -uralte gemeinsame Stammform, deren ganzer Körper zeitlebens nur aus zwei -Zellschichten (Haut und Magen) besteht. Das war die hypothetische -Gasträa oder das Urdarmtier. Bei seinen Untersuchungen über die -Keimesgeschichte der Kalkschwämme war Haeckel aufgefallen, daß sich das -Kalkschwamm-Individuum in ganz ähnlicher Weise aus dem Ei entwickelt, -wie er es früher schon mehrfach bei anderen Tieren beobachtet hatte. Die -befruchtete Eizelle teilt sich, und die neuentstandenen Zellen setzen -die Teilung so lange fort, bis sich ein ganzer Zellhaufen gebildet hat, -ein »Maulbeerkeim«, wie man ihn seiner äußeren Form wegen nannte. In -diesem Maulbeerkeim bildet sich, da sämtliche Zellen aus Gründen der -Ernährung nach außen drängen, eine Höhlung, die größer und größer wird -und schließlich dem ganzen früheren Zellklumpen das Aussehen eines -winzigen Gummiballs gibt; aus dem Maulbeerkeim ist allmählich ein -kugeliger »Blasenkeim« geworden. Nun geht die Entwicklung in der Weise -weiter, daß sich an einem Pol die Zellenschicht einsenkt und sich -zuletzt völlig an die innere Seite der nicht eingestülpten Wand -anschmiegt, so daß ein doppelwandiger Becher mit einer Öffnung zustande -kommt, eine sogenannte »Gastrula«. Die äußere Zellenschicht funktioniert -als Leibes-, die innere als Darmhaut; die Becheröffnung bildet den -Gastrulamund. Ganz plump veranschaulichen kann man sich diesen -Gastrulationsprozeß, indem man einen durchstochenen Gummiball so tief -einbeult, daß Wand an Wand zu liegen kommt. - -Eine Gastrulation wie die geschilderte vollzieht sich aber nicht bloß -bei einer Anzahl von Schwämmen, sondern auch bei vielen Nesseltieren -(Polypen, Medusen), bei Würmern, Stachelhäutern und Manteltieren, ja -sogar bei dem niedrigsten Wirbeltier, dem Lanzettfisch. Ähnlich -- nur -die Form der Gastrula ändert sich -- spielt sich der Vorgang aber auch -in der Keimesgeschichte aller höheren Tiere ab, und eben auf diesem -durchgängigen Vorkommen der Gastrula begründete Haeckel seine -hypothetische Gasträatheorie. Inzwischen hat man auch wirklich noch -lebende Tierformen entdeckt, die dem Bild jener hypothetischen Gasträa -annähernd noch völlig entsprechen. - -Es hat lange gedauert, bis die hier flüchtig angedeutete Gasträatheorie, -die heute allgemein für eine der wichtigsten und fruchtbarsten in der -ganzen Entwicklungsgeschichte gilt, sich durchsetzen konnte. Ihr -Entdecker aber ließ sich auch hier durch die Gegnerschaft nicht beirren. -Nachdem er die Theorie in der »Monographie der Kalkschwämme« mitgeteilt -und in den »_Studien zur Gasträatheorie_« näher begründet hatte, ließ er -sie einstweilen selbst für ihren Sieg sorgen und wandte sich inzwischen -einer neuen großen Aufgabe zu: dem schwierigen Versuch, das -biogenetische Grundgesetz in seinem ganzen Umfang auf den -_Menschen_ anzuwenden und aus den empirischen Tatsachen seiner -Keimesgeschichte den historischen Stufengang seiner Stammesgeschichte -hypothetisch zu ergründen. Das geschah in der »_Anthropogenie oder -Entwicklungsgeschichte des Menschen_«, die 1874 herauskam. Erst die -beiden folgenden Jahre brachten dann zwei weitere Hefte der »Studien zur -Gasträatheorie«. - -Die »Anthropogenie« war zugleich eine geniale und -- kühne Tat. Nicht -genug, daß Haeckel als erster die gesamte Entwicklungsgeschichte des -Menschen unter großen philosophischen Gesichtspunkten historisch -darlegte und damit anfing, die genetische Betrachtung auch auf die -Zellen, Gewebe, Organe und Funktionen auszudehnen, er besaß auch die in -den Augen der »Exakten« unerhörte Kühnheit, den spröden Stoff -gemeinverständlich zu fassen, die wissenschaftlichen Geheimnisse der -Embryologie einem größeren Leserkreise auszuliefern und den gebildeten -Zeitgenossen schonungslos ihren tierischen Ursprung klarzumachen. Bis -dahin hatte man sich begnügt, die sicheren, weil direkt wahrnehmbaren -Tatsachen möglichst genau zu beschreiben; nun kam da wieder der -popularisationswütige Jenenser Professor und verknüpfte auch auf dem -Gebiet der menschlichen Entwicklungsgeschichte mit Tatsachen kühne -genealogische Hypothesen! Die »Würde der Wissenschaft« war in Gefahr, -und die Angriffe fielen abermals, wie nach dem Erscheinen der -»Schöpfungsgeschichte«, schneeflockendicht auf das neue Werk. In -Wirklichkeit hat die Würde der Wissenschaft in den vier Jahrzehnten, die -seit dem Erscheinen der »Anthropogenie« jetzt verflossen sind, so wenig -darunter gelitten, wie das Werk selbst an Bedeutung verloren hat. Die -beiden reich illustrierten Prachtbände, die fortgesetzt neue -Auflagen erleben, gelten immer noch unbestritten als die beste -zusammenhängende Darstellung des großen Wundergebiets der menschlichen -Entwicklungsgeschichte, die in der gesamten naturwissenschaftlichen -Literatur existiert. - -Auch in der Folgezeit hat Haeckel fast unausgesetzt im schärfsten -Kreuzfeuer der durch die Entwicklungslehre erzeugten Debatten gestanden. -Besonders wiederum nach dem 18. September 1877, wo er in München auf der -50. Versammlung der deutschen Naturforscher und Ärzte über »_Die heutige -Entwicklungslehre im Verhältnis zur Gesamtwissenschaft_« sprach und -unter anderem forderte, die Deszendenztheorie müsse als wichtiges -Bildungsmittel auch in der Schule ihren berechtigten Einfluß geltend -machen -- eine Rede, die Rudolf Virchow zu seinem vielbesprochenen -Gegenvortrage über »Die Freiheit der Wissenschaft im modernen Staate« -Veranlassung gab. Im Jahre vor jener Münchener Naturforscherversammlung -hatte Haeckel in seiner Schrift: »_Die Perigenesis der Plastidule_ oder -die Wellenzeugung der Lebensteilchen« bereits zu erweisen versucht, daß -das »unbewußte Gedächtnis« eine allgemeine Funktion nicht bloß der -Zelle, sondern auch aller Protoplasma-Moleküle der Zelle (Plastidule) -sei, mit anderen Worten: daß die Zellseele, die Grundlage der -erfahrungsmäßigen Psychologie, selbst wieder zusammengesetzt sei aus den -psychischen Tätigkeiten der kleinsten Teilchen des Protoplasmas: »die -Plastidule ist demnach der letzte Faktor des organischen Seelenlebens«. -Das zog er auch jetzt, in der Münchener Rede, mit Nachdruck heran bei -der Besprechung des bedeutungsvollen Umschwungs in der Beurteilung der -»Seelenfrage«; ist doch die Annahme der Beseelung aller Materie ein -notwendiges Postulat für die folgerichtige Durchführung der monistischen -Entwicklungslehre und damit der monistischen Weltanschauung. Virchow war -aber auch damit nicht einverstanden. Die Theorie der Zellseele erklärte -er für ein »bloßes Spiel mit Worten«, und ganz entschieden bestritt er -das wissenschaftliche Bedürfnis, das Gebiet der geistigen Vorgänge über -den Kreis derjenigen Körper hinaus auszudehnen, in und an denen wir sie -wirklich sich darstellen sehen. »Wir haben keinen Grund, jetzt schon -davon zu sprechen, daß die niedrigsten Tiere psychische Eigenschaften -besitzen; wir finden dieselben nur bei den höheren, ganz sicher nur bei -den höchsten« usw. Und dann kam im Anschluß an die Bekämpfung der -Zellseelentheorie die Bekämpfung der Deszendenztheorie überhaupt, nicht -mit Gründen der Wissenschaft, sondern -- im Staatsinteresse! »Nun -stellen Sie sich einmal vor,« rief der Redner emphatisch aus, »wie sich -die Deszendenztheorie heute schon im Kopfe eines Sozialisten darstellt! -Ja, meine Herren, das mag manchem lächerlich erscheinen, und ich will -hoffen, daß die Deszendenztheorie für uns nicht alle die Schrecken -bringen möge, die ähnliche Theorien wirklich im Nachbarlande angerichtet -haben. Immerhin hat auch diese Theorie, wenn sie konsequent durchgeführt -wird, eine ungemein bedenkliche Seite, und daß der Sozialismus mit ihr -Fühlung genommen hat, wird Ihnen hoffentlich nicht entgangen sein.« -Zuletzt resumierte sich Virchow dahin, daß man _nicht_ lehren und es -_nicht_ als eine Errungenschaft der Wissenschaft bezeichnen könne, »daß -der Mensch vom Affen oder von irgendeinem anderen Tier abstamme«. Heute -schütteln wir lächelnd den Kopf über all diese Velleitäten. Damals -jedoch galt die Virchowsche Rede für eine »moralische Tat« -sondergleichen, die auf Jahrzehnte hinaus allen grundsätzlichen Gegnern -der Abstammungslehre ein Ansporn zu doppeltem Eifer in ihrer Bekämpfung -wurde. - -Haeckel hat im Jahre 1878 in seiner Schrift »_Freie Wissenschaft und -freie Lehre_« ausführlich auf Virchows Münchener Rede geantwortet, im -übrigen aber auch die Entscheidung dieses Streites der Zukunft -anheimgegeben. Nur ganz gelegentlich ist er später auf die Debatten -zurückgekommen, vor allem in seinen Berliner Vorträgen; »_Der Kampf um -den Entwicklungsgedanken_« (1905). Ihn lockten zunächst wieder -wichtigere und fruchtbarere Aufgaben. - -Schon 1864 und 1865 waren im Anschluß an die »Monographie der -Radiolarien« die ersten Teile eines umfangreichen Prachtwerkes über die -Medusen erschienen, deren Studium Haeckel seit den Tagen von Helgoland -immer von neuem entzückt hatte. Jetzt galt es nicht bloß den Abschluß -_dieses_ Werkes, dessen erster Band 1879 unter dem Titel »_Das System -der Medusen_« (mit 40 Tafeln in Farbendruck) und dessen zweiter (mit 32 -Tafeln) 1881 unter dem Titel »_Die Tiefsee-Medusen der Challengerreise_ -und der Organismus der Medusen« herauskam, jetzt galt es auch die -mikroskopische Durchforschung der riesigen Radiolarienschätze und weiter -der Siphonophoren und Tiefsee-Hornschwämme, die die berühmte -wissenschaftliche Expedition der englischen Korvette »Challenger« in den -Jahren 1873 bis 1876 gesammelt und deren Bearbeitung die englische -Regierung Haeckel anvertraut hatte. Zehn Jahre mühsamer Arbeit -verflossen, bis das neue große _Radiolarienwerk_ (2750 Seiten Text und -140 Tafeln) zum Abschluß gebracht war, zwei weitere Jahre, bis auch das -»_System der Siphonophoren_« (mit 50 Farbendrucktafeln) und die -»_Tiefsee-Hornschwämme_« (mit 8 Tafeln) erscheinen konnten. Besonders -das Radiolarienwerk ist bewundernswert. 810 Arten waren bekannt, als -Haeckel 1877 die Arbeit in Angriff nahm; als er zehn Jahre später den -Abschlußstrich machte, hatte er 3508 neue Arten hinzuentdeckt! Alle -diese zauberhaft schönen, mikroskopisch kleinen Meeresgeschöpfe hatte -sein Ordnungssinn nicht nur benannt und beschrieben, sondern nach -wissenschaftlichen Grundsätzen auch übersichtlich gruppiert und nach -Verwandtschaftsgraden in ein System von 85 Familien, 20 Ordnungen, 4 -Legionen und 2 Unterklassen gebracht. Welch beispielloses Gedächtnis, -welch kritisches Unterscheidungsvermögen war dazu nötig! Und welch ein -künstlerisch geschulter Blick war erforderlich, um die subtilen und -schwierigen Formen dann auch im Bilde noch festzuhalten! Nur einmal noch -in seinem späteren Leben gelang ihm ein gleich phänomenales Werk, wenn -auch anderer Art: die dreibändige »_Systematische Phylogenie_«, der -Entwurf eines natürlichen Systems der Organismen auf Grund ihrer -Stammesgeschichte, der 1896 vollendet wurde. »Man mag im einzelnen, ja -in Hauptpunkten verschiedener Ansicht sein,« sagt darüber der Züricher -Zoologe Professor Arnold Lang, »aber staunend und bewundernd müssen wir -stehen vor diesem Werke, staunend über die ungeheure Fülle des Wissens, -die sich in diesem Umfange vielleicht nie mehr in einem Kopfe vereinigen -wird, bewundernd vor der geistigen Arbeit, mit welcher einerseits die -unzähligen Einzelerscheinungen verknüpft werden und anderseits der ganze -riesige Stoff in formal vollendeter Weise übersichtlich gegliedert -wird.« - -Von allen diesen hervorragenden Gaben des unermüdlichen Spezialforschers -und Detailarbeiters Haeckel weiß in der Regel der Laie nichts oder so -gut wie nichts. Für ihn kommt zunächst nur der »populäre« Verfasser der -»Natürlichen Schöpfungsgeschichte«, der »_Welträtsel_« und -»_Lebenswunder_« in Frage. Zumal der Verfasser der »Welträtsel«, der -sich vermaß, über irdische und himmlische Dinge so temperamentvoll sein -Urteil abzugeben. Höchstens daß dieser und jener auch noch das -verdienstvolle Tafelwerk der »_Kunstformen der Natur_« kennt, in dem vom -Standpunkt des Ästhetikers die wundersamen Kunstgebilde der Radiolarien, -Schwämme, Siphonophoren usw., aber auch die aus der höheren Tier- und -Pflanzenwelt als vorbildlicher Ornamentenschatz für das moderne -Kunstgewerbe zusammengestellt sind. Kein Wunder deshalb, daß man auch -unter Gebildeten vielfach den schiefsten und ungerechtesten Urteilen -begegnet, sobald einmal auf Haeckel und dessen Wirken und Schaffen die -Rede kommt. - -Allein schon die rein quantitative Arbeitsleistung dieses Mannes muß mit -Bewunderung erfüllen. Wenn man erwägt, daß außer den genannten populären -und wissenschaftlichen Werken, die er von Auflage zu Auflage stets neu -zu bearbeiten und zu verbessern bestrebt war, noch eine Menge kleinerer -Aufsätze und Abhandlungen seiner Feder entflossen sind, und daß neben -all diesem noch seine Lehrtätigkeit an der Jenaer Hochschule und seine -alljährlichen Forschungsreisen einhergingen, so muß angesichts solcher -Schaffenskraft selbst den Arbeitsfreudigsten ein gelindes Gruseln -anwehen. Hinzu kommt aber noch, daß Haeckel auch die Originale seiner -wundervollen Farbendrucktafeln, von denen allein die großen Monographien -rund 360 an der Zahl aufweisen, großenteils selbst aquarelliert hat, -wobei ihm sein hochentwickeltes Zeichen- und Maltalent sehr zustatten -kam. - -Wie sehr übrigens Haeckel stets Forscher und Künstler in einer Person -war, das zeigen am besten seine weit über tausend farbenprächtigen -»_Wanderbilder_«, von denen ein kleiner Teil unter diesem Titel -erschienen ist. Wohin seine Forschungsreisen ihn immer auch führten -- -und er hat mehr als dreißig in seinem Leben gemacht -- immer und überall -war das Malzeug sein Weggefährte. Hatte die Feder ihr Pensum vollendet -oder fühlte der Forscher sich abgespannt von der mühsamen zoologischen -Facharbeit, so dürstete die Seele des Künstlers, des Ästhetikers dann um -so glühender nach einem Trunk aus dem sprudelnden Quell der Gesamtnatur, -und er ruhte nicht eher, als bis er ihr irgendein Stück ihrer Schönheit -mit Stift oder Pinsel entwunden hatte. Auf dem blauen Meer wie auf -ragenden Berggipfeln, unter den sengenden Strahlen der Tropensonne wie -im Schatten des Urwalddickichts, in den russischen Steppen wie im -nordischen Fjord -- allüberall war der nimmersatte Schönheitssucher in -Haeckel dem Forscher ein steter Begleiter. Seine mit Hildebrandtscher -Farbenglut gemalten Wanderbilder muß man gesehen, seine formvollendeten -reichillustrierten Reisebücher »_Arabische Korallen_«, »_Indische -Reisebriefe_« und »_Aus Insulinde_« muß man gelesen haben, um seinen -heiligen Enthusiasmus für alles Wahre, Schöne und Gute dem ganzen -Umfange nach zu begreifen. - -In wundervoller Geschlossenheit liegt heute das arbeits- und -früchtereiche Lebenswerk Haeckels vor unseren Augen, das Lebenswerk -eines Forschers, Künstlers und Philosophen. Und das eines Kämpfers, wie -man hinzufügen darf. Niemand kann leugnen, daß er bei all seiner -Genialität recht oft auch gefehlt hat wie ein ganz sterblicher Mensch, -daß ihm sein heißes Temperament oft die Sehweite kürzte und daß seine -Philosophie, seine Weltanschauung an Lücken und Schwächen nicht arm ist. -Jeder hat die Philosophie, die in ihm ist. Er hat die seine, die aus dem -fruchtbaren Boden der Erfahrungswissenschaften hervorgewachsen und -deshalb allen rein spekulativen Erkenntnistheorien wenig hold ist. Er -hat sie zum Abschluß gebracht und ist glücklich darin. Ihm ist es genug, -das Unerforschte so in die Enge getrieben zu haben, daß es sich wie von -selbst ihm ergeben muß. Aber niemand, der wirklich sein Lebenswerk -kennt, kann auch leugnen, daß Haeckels ganze fünfzigjährige -Beschäftigung mit der Natur und Hingebung an die Natur, daß sein ganzes -Forschen und Denken nichts anderes war als ein Ausfluß religiösen -Sehnens, als Herzenssache, Gemütssache. Ihm, der der Wahrheit um ihrer -selbst willen nachspürte, war ganz notwendig das Wahre identisch mit dem -Göttlichen. - -Ernst Haeckel kann, wenn er die Inventur seines Lebens macht, wohl -zufrieden sein. Das höchste Glück der Erdenkinder hat er erreicht und -gewährt: das Glück der Persönlichkeit, und seinen Namen hat er mit -unvergänglichen Lettern tief eingegraben in die Annalen der -Menschheitsgeschichte. »Spätere Generationen«, sagt Wilhelm Bölsche, auf -dessen ausgezeichnete Biographie des Gelehrten der Leser ausdrücklich -verwiesen sei, »werden uns um einen Mann wie Haeckel beneiden. Von -anderen wird man Folianten wälzen, zum Nachschlagen, ohne auf das -Titelblatt mit dem Namen zu achten. Bei ihm wird man den Namen suchen. -Von seiner geistigen Persönlichkeit wird man sich erzählen. Daß man mit -ihm streiten konnte, wird man verstehen. Daß Zeitgenossen seine Größe -nicht sahen -- dafür wird man nur ein Achselzucken haben.« - - * * * * * - -Die sechs kurzen Abschnitte aus einigen der bedeutendsten -gemeinverständlichen Werke Ernst Haeckels, die dieses Sammelbändchen -vereinigt, vermögen natürlich nur einen schwachen Begriff von der -wissenschaftlichen Gesamtleistung des berühmten Naturforschers zu -vermitteln. Wenn sie dem einen oder anderen Welträtsel-Leser, dem einen -oder anderen für Fragen der Naturwissenschaft Interessierten zum Anlaß -werden, die Werke selbst in die Hand zu nehmen, ist ihr Hauptzweck -erreicht. Nichtsdestoweniger ist zu erwarten, daß die Lektüre der -einzelnen Kapitel auch an und für sich jedem Leser genußreiche und -anregende Stunden bescheren wird. - -Die ersten beiden Abschnitte »Inhalt und Bedeutung der Abstammungslehre« -und »Schöpfungsperioden und Schöpfungsurkunden« sind der »Natürlichen -Schöpfungsgeschichte« (11. Auflage, 1911, Verlag von Georg Reimer in -Berlin) entnommen. Es sind zwei von den dreißig darin vereinigten -Vorträgen über die Entwicklungslehre im allgemeinen und die von Darwin, -Goethe und Lamarck im besonderen, Vorträge, die selbst dem ohne jede -wissenschaftliche Vorbildung an sie herantretenden Laien verständlich -sind. Der dritte Abschnitt über »Die Gasträatheorie« dagegen will schon -ein bißchen »studiert« sein, wie klar und anschaulich Haeckel das -schwierige Thema auch zu behandeln verstanden hat. Wenn wir unter den -dreißig Vorträgen der »Anthropogenie oder Entwicklungsgeschichte des -Menschen« (6. Auflage, 1911. Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig) -gerade diesen zum Abdruck erwählten, so geschah es, weil er im Rahmen -des zweibändigen Werkes noch wiederum ein Stück besonderen Eigenwerks -darstellt, insofern Ernst Haeckel selbst, wie schon ausgeführt wurde, -der Entdecker der bedeutsamen Gasträatheorie ist. Der Abschnitt -»Erfahrung und Erkenntnis«, in dem der Verfasser im Anschluß an -Schleiden und Johannes Müller ein für allemal programmatisch seinen -Standpunkt zur Naturphilosophie festlegte, entstammt der 1866 -erschienenen »Generellen Morphologie« (von der ein teilweiser, -unveränderter Abdruck unter dem Titel »Prinzipien der Generellen -Morphologie der Organismen« 1906 bei Georg Reimer herausgekommen ist), -der Abschnitt »Arabische Korallen« dem kleinen, durch zahlreiche -Abbildungen und farbenfreudige Aquarell-Reproduktionen geschmückten -Prachtbande gleichen Titels, in dem Ernst Haeckel 1875 seinen Ausflug -nach den Korallenbänken des Roten Meeres beschrieb, zugleich einen Blick -in das Leben der Korallentiere erschließend (Verlag von Georg Reimer). -In dieser unübertrefflich lebendigen Schilderung, nicht minder in der -ihr folgenden über »Brussa und den asiatischen Olymp«, kommt neben dem -Naturforscher in Haeckel vor allem der feinempfindende Ästhetiker zur -Geltung, der schönheitsuchende Künstler wie der Meister des Worts. - -Für die Erlaubnis zur Wiedergabe des Aufsatzes über »Brussa«, der 1875 -in der Deutschen Rundschau erschien und seitdem nicht wieder abgedruckt -wurde, bin ich Sr. Exzellenz Herrn Geheimrat Haeckel zu besonderem Danke -verpflichtet, für die Genehmigung zum Nachdruck der übrigen Abschnitte -außerdem den Herren Verlagsbuchhändlern Dr. de Gruyter (i. Fa.: Georg -Reimer) und Wilhelm Engelmann. - -_Leipzig_, Ostern 1912. - - Carl W. Neumann. - - - - - Natur und Mensch. - - - - - - I. - Inhalt und Bedeutung der - Abstammungslehre. - - -Die geistige Bewegung, zu welcher der englische Naturforscher Charles -Darwin im Jahre 1859 durch sein berühmtes Werk »Über die Entstehung der -Arten«[1] den Anstoß gab, hat während des seitdem verflossenen kurzen -Zeitraums eine beispiellose Tiefe und Ausdehnung gewonnen. Allerdings -ist die in jenem Werke dargestellte naturwissenschaftliche Theorie -(gewöhnlich kurzweg die Darwinsche Theorie oder der Darwinismus genannt) -nur ein Bruchteil einer viel umfassenderen Wissenschaft, nämlich der -universalen Entwicklungslehre, welche ihre unermeßliche Bedeutung über -das ganze Gebiet aller menschlichen Erkenntnis erstreckt. Allein die Art -und Weise, in welcher Darwin die letztere durch die erstere fest -begründet hat, ist so überzeugend, und die entscheidende Wendung, welche -durch die notwendigen Folgeschlüsse jener Theorie in der gesamten -Weltanschauung der Menschheit angebahnt worden ist, muß jedem tiefer -denkenden Menschen so gewaltig erscheinen, daß man ihre allgemeine -Bedeutung nicht hoch genug anschlagen kann. Ohne Zweifel muß diese -ungeheure Erweiterung unseres menschlichen Gesichtskreises unter allen -den zahlreichen und großartigen wissenschaftlichen Fortschritten unserer -Zeit als der bei weitem folgenschwerste und wichtigste angesehen werden. - -[Fußnote 1: Universal-Bibliothek Nr. 3071-76.] - -Wenn man das 19. Jahrhundert mit Recht das Zeitalter der -Naturwissenschaften nennt, wenn man mit Stolz auf die unermeßlich -bedeutenden Fortschritte in allen Zweigen derselben blickt, so pflegt -man dabei gewöhnlich weniger an die Erweiterung unserer allgemeinen -Naturerkenntnis, als vielmehr an die unmittelbaren praktischen Erfolge -jener Fortschritte zu denken. Man erwägt dabei die völlige und unendlich -folgenreiche Umgestaltung des menschlichen Verkehrs, welche durch das -entwickelte Maschinenwesen, durch die Eisenbahnen, Dampfschiffe, -Telegraphen, Telephone und andere Erfindungen der Physik hervorgebracht -worden ist. Oder man denkt an den mächtigen Einfluß, welchen die Chemie -in der Heilkunst, in der Landwirtschaft, in allen Künsten und Gewerben -gewonnen hat. Wie hoch Sie aber auch diese Einwirkung der neueren -Naturwissenschaft auf das praktische Leben anschlagen mögen, so muß -dieselbe, von einem höheren und allgemeineren Standpunkt aus gewürdigt, -doch hinter dem ungeheuren Einfluß zurückstehen, welchen die -theoretischen Fortschritte der heutigen Naturwissenschaft auf das -gesamte Erkenntnisgebiet des Menschen, auf seine ganze Weltanschauung -und Geistesbildung notwendig ausüben. Denken Sie nur an den -unermeßlichen Umschwung aller unserer theoretischen Anschauungen, -welchen wir der allgemeinen Anwendung des Mikroskops verdanken. Denken -Sie allein an die Zellentheorie, die uns die scheinbare Einheit des -menschlichen Organismus als das zusammengesetzte Resultat aus der -staatlichen Verbindung von Milliarden elementarer Lebenseinheiten, der -Zellen, nachweist. Oder erwägen Sie die ungeheure Erweiterung unseres -theoretischen Gesichtskreises, welche wir der Spektralanalyse, der Lehre -von der Wärmemechanik und von der Erhaltung der Kraft verdanken. Unter -allen diesen bewunderungswürdigen theoretischen Fortschritten nimmt aber -jedenfalls unsere heutige Entwicklungslehre bei weitem den höchsten Rang -ein. - -Jeder von Ihnen wird den Namen Darwin gehört haben, aber die meisten -werden wahrscheinlich nur unvollkommene Vorstellungen von dem -eigentlichen Werte seiner Lehre besitzen. Denn wenn man alles -vergleicht, was seit dem Erscheinen seines epochemachenden Hauptwerks -über dasselbe geschrieben worden ist, so muß demjenigen, der sich nicht -näher mit den organischen Naturwissenschaften befaßt hat, der nicht in -die inneren Geheimnisse der Zoologie und Botanik eingedrungen ist, der -Wert jener Theorie doch zweifelhaft erscheinen. Die Beurteilung -derselben ist voll von Widersprüchen und Mißverständnissen. Daher hat -selbst jetzt, fünfzig Jahre nach dem Erscheinen von Darwins Werk, -dasselbe noch nicht allgemein diejenige volle Bedeutung erlangt, welche -ihm von Rechts wegen gebührt, und welche es jedenfalls früher oder -später erlangen wird. Die meisten von den zahllosen Schriften, welche -für und gegen den Darwinismus während dieses Zeitraums veröffentlicht -wurden, lassen den erforderlichen Grad von biologischer, und besonders -von zoologischer Bildung vermissen. Obwohl jetzt alle bedeutenden -Naturforscher der Gegenwart zu den Anhängern jener Theorie gehören, -haben doch nur wenige derselben Geltung und Verständnis in weiteren -Kreisen zu verschaffen gesucht. Daher rühren die befremdenden -Widersprüche und die seltsamen Urteile, die man noch heute vielfach über -den Darwinismus hören kann. Gerade dieser Umstand hat mich vorzugsweise -bestimmt, die Darwinsche Theorie und die damit zusammenhängenden -weiteren Lehren zum Gegenstand allgemein verständlicher Vorträge zu -machen. Ich halte es für die Pflicht der Naturforscher, daß sie nicht -allein in dem engeren Kreise ihrer Fachwissenschaft auf Verbesserungen -und Entdeckungen sinnen, daß sie sich nicht allein in das Studium des -Einzelnen mit Liebe und Sorgfalt vertiefen, sondern daß sie auch die -wichtigen, allgemeinen Ergebnisse ihrer besonderen Studien für das Ganze -nutzbar machen, und daß sie naturwissenschaftliche Bildung in weiten -Kreisen verbreiten helfen. Der höchste Triumph des menschlichen Geistes, -die wahre Erkenntnis der allgemeinsten Naturgesetze, darf nicht das -Privateigentum einer privilegierten Gelehrtenkaste bleiben, sondern muß -segensreiches Gemeingut der ganzen gebildeten Menschheit werden. - -Die Theorie, welche durch Darwin an die Spitze unserer Naturerkenntnis -gestellt worden ist, pflegt man gewöhnlich als Abstammungslehre oder -Deszendenztheorie zu bezeichnen. Andere nennen sie Umbildungslehre oder -Transmutationstheorie oder auch kurz: Transformismus. Beide -Bezeichnungen sind richtig. Denn diese Lehre behauptet, daß alle -verschiedenen Organismen (d. h. alle Tierarten und Pflanzenarten, welche -jemals auf der Erde gelebt haben, und noch jetzt leben) von einer -einzigen oder von wenigen höchst einfachen Stammformen abstammen, und -daß sie sich aus diesen auf dem natürlichen Wege allmählicher Umbildung -langsam entwickelt haben. Obwohl diese Entwicklungstheorie schon im -Anfange unseres Jahrhunderts von verschiedenen großen Naturforschern, -insbesondere von Lamarck und Goethe, aufgestellt und verteidigt wurde, -hat sie doch erst im Jahre 1859 durch Darwin ihre vollständige -Ausbildung und ihre ursächliche Begründung erfahren. Dies ist der Grund, -weshalb sie oft ausschließlich (obwohl nicht ganz richtig) als Darwins -Theorie bezeichnet wird. - -Der unschätzbare Wert der Abstammungslehre erscheint in verschiedenem -Lichte, je nachdem Sie bloß deren nähere Bedeutung für die organische -Naturwissenschaft, oder aber ihren weiteren Einfluß auf die gesamte -Welterkenntnis des Menschen in Betracht ziehen. Die organische -Naturwissenschaft oder die Biologie, welche als Zoologie die Tiere, als -Botanik die Pflanzen zum Gegenstand ihrer Erkenntnis hat, wird durch die -Abstammungslehre von Grund aus umgestaltet. Denn durch die -Deszendenztheorie lernen wir die wahren wirkenden Ursachen der -organischen Formerscheinungen erkennen, während die bisherige Tier- und -Pflanzenkunde sich überwiegend mit der Kenntnis ihrer Tatsachen -beschäftigte. Man kann daher auch die Abstammungslehre als die -mechanische Erklärung der organischen Form-Erscheinungen oder als »die -Lehre von den wahren Ursachen in der organischen Natur« bezeichnen. - -Da ich nicht voraussetzen kann, daß Ihnen allen die Ausdrücke -»organische und anorganische Natur« geläufig sind, und da uns die -Gegenüberstellung dieser beiderlei Naturkörper in der Folge noch -vielfach beschäftigen wird, so muß ich ein paar Worte zur Verständigung -darüber vorausschicken. Organismen oder organische Naturkörper nennen -wir alle Lebewesen oder belebten Körper, also alle Pflanzen und Tiere, -den Menschen mit inbegriffen, weil bei ihnen fast immer eine -Zusammensetzung aus verschiedenartigen Teilen (Werkzeugen oder -»Organen«) nachzuweisen ist; diese Organe müssen zusammenwirken, um die -Lebenserscheinungen hervorzubringen. Eine solche Zusammensetzung -vermissen wir dagegen bei den Anorganen oder anorganischen Naturkörpern, -den sogenannten toten oder unbelebten Körpern, den Mineralien oder -Gesteinen, dem Wasser, der atmosphärischen Luft usw. Die Organismen -enthalten stets eiweißartige Kohlenstoffverbindungen in weichem oder -»festflüssigem« Zustande, während diese den Anorganen stets fehlen. Auf -diesem wichtigen Unterschiede beruht die Einteilung der gesamten -Naturwissenschaft in zwei große Hauptabteilungen, in die Biologie oder -Wissenschaft von den Organismen (Anthropologie, Zoologie und Botanik) -und die Anorgologie oder Abiologie, die Wissenschaft von den Anorganen -(Mineralogie, Geologie, Hydrographie, Meteorologie usw.). - -Die unvergleichliche Bedeutung der Abstammungslehre für die Biologie -liegt also vorzugsweise darin, daß sie uns die Entstehung der -organischen Formen auf mechanischem Wege erklärt und deren wirkende -Ursachen nachweist. So hoch man aber auch mit Recht dieses Verdienst der -Deszendenztheorie anschlagen mag, so tritt dasselbe doch fast zurück vor -der unermeßlichen Wichtigkeit, welche eine einzige notwendige Folgerung -derselben für sich allein in Anspruch nimmt. Diese unvermeidliche -Folgerung ist die Lehre von der tierischen Abstammung des -Menschengeschlechts. - -Die Bestimmung der Stellung des Menschen in der Natur und seiner -Beziehungen zur Gesamtheit der Dinge, diese Frage aller Fragen für die -Menschheit, wie sie Huxley mit Recht genannt hat, wird durch jene -Erkenntnis der tierischen Abstammung des Menschengeschlechts endgültig -gelöst. Wir gelangen also durch den Transformismus oder die -Deszendenztheorie zum erstenmal in die Lage, eine natürliche -Entwicklungsgeschichte des Menschengeschlechts wissenschaftlich -begründen zu können. Sowohl alle Verteidiger als alle denkenden Gegner -Darwins haben anerkannt, daß die Abstammung des Menschengeschlechts -zunächst von affenartigen Säugetieren, weiterhin aber von niederen -Wirbeltieren, mit Notwendigkeit aus seiner Theorie folgt. - -Allerdings hat Darwin diese wichtigste von allen Folgerungen seiner -Lehre nicht sofort selbst ausgesprochen. In seinem Werke von der -»Entstehung der Arten« ist die tierische Abstammung des Menschen nicht -erörtert. Der ebenso vorsichtige als kühne Naturforscher ging damals -absichtlich mit Stillschweigen darüber hinweg, weil er voraussah, daß -dieser bedeutendste von allen Folgeschlüssen der Abstammungslehre -zugleich das größte Hindernis für die Verbreitung und Anerkennung -derselben sein werde. Gewiß hätte Darwins Buch von Anfang an noch weit -mehr Widerspruch und Ärgernis erregt, wenn sogleich diese wichtigste -Konsequenz darin klar ausgesprochen worden wäre. Erst zwölf Jahre -später, in dem 1871 erschienenen Werke über »Die Abstammung des Menschen -und die geschlechtliche Zuchtwahl«[2] hat Darwin jenen weitreichendsten -Folgeschluß offen anerkannt, und ausdrücklich seine volle -Übereinstimmung mit den Naturforschern erklärt, welche denselben -inzwischen schon selbst gezogen hatten. Offenbar ist die Tragweite -dieser Folgerung ganz unermeßlich, und keine Wissenschaft wird sich den -Konsequenzen derselben entziehen können. Die Anthropologie oder die -Wissenschaft vom Menschen, und infolgedessen auch die ganze Philosophie, -wird in allen einzelnen Zweigen dadurch von Grund aus umgestaltet. - -[Fußnote 2: Universal-Bibliothek Nr. 3216-25.] - -Um es mit einem Satze auszudrücken, so ist jene bedeutungsvolle, aber -die meisten Menschen von vornherein abstoßende Folgerung nichts weiter -als ein besonderer Deduktionsschluß, den wir aus dem sicher begründeten -allgemeinen Induktionsgesetze der Deszendenztheorie nach den strengen -Geboten der unerbittlichen Logik notwendig ziehen müssen. - -Vielleicht ist nichts geeigneter, Ihnen die ganze und volle Bedeutung -der Abstammungslehre mit zwei Worten klarzumachen, als die Bezeichnung -derselben mit dem Ausdruck: »Natürliche Schöpfungsgeschichte«. Jedoch -ist dieselbe nur in einem gewissen Sinne richtig; denn streng genommen -schließt der Ausdruck »natürliche Schöpfungsgeschichte« einen inneren -Widerspruch, eine ^contradictio in adjecto^ ein. Lassen Sie uns, um dies -zu verstehen, einen Augenblick den zweideutigen Begriff der Schöpfung -etwas näher ins Auge fassen. Wenn man unter Schöpfung die Entstehung -eines Körpers durch eine schaffende Gewalt oder Kraft versteht, so kann -man dabei entweder an die Entstehung seines Stoffes (der körperlichen -Materie) oder an die Entstehung seiner Form (der körperlichen Gestalt) -denken. - -Die Schöpfung im ersteren Sinne, als die Entstehung der Materie, geht -uns hier gar nichts an. Dieser Vorgang, wenn er überhaupt jemals -stattgefunden hat, ist gänzlich der menschlichen Erkenntnis entzogen, er -kann daher auch niemals Gegenstand naturwissenschaftlicher Erforschung -sein. Die Naturwissenschaft hält die Materie für ewig und unvergänglich, -weil durch die Erfahrung noch niemals das Entstehen oder Vergehen auch -nur des kleinsten Teilchens der Materie nachgewiesen worden ist. Da wo -ein Naturkörper zu verschwinden scheint, wie z. B. beim Verbrennen, beim -Verwesen, beim Verdunsten usw., da ändert er nur seine Form, seinen -physikalischen Aggregatzustand oder seine chemische Verbindungsweise. -Ebenso beruht die Entstehung eines neuen Naturkörpers, z. B. eines -Kristalles, eines Pilzes, eines Infusoriums nur darauf, daß -verschiedene Stoffteilchen, welche vorher in einer gewissen Form -oder Verbindungsweise existierten, infolge von veränderten -Existenzbedingungen eine neue Form oder Verbindungsweise annehmen. Aber -noch niemals ist der Fall beobachtet worden, daß auch nur das kleinste -Stoffteilchen aus der Welt verschwunden, oder nur ein Atom zu der -bereits vorhandenen Masse hinzugekommen wäre. Der Naturforscher kann -sich daher ein Entstehen der Materie ebensowenig als ein Vergehen -derselben vorstellen; er betrachtet die in der Welt bestehende Quantität -der Materie als eine gegebene feste Tatsache. Fühlt jemand das -Bedürfnis, sich die Entstehung dieser Materie als die Wirkung einer -übernatürlichen Schöpfungstätigkeit, einer außerhalb der Materie -stehenden schöpferischen Kraft vorzustellen, so haben wir nichts -dagegen. Aber wir müssen bemerken, daß damit auch nicht das geringste -für eine wissenschaftliche Naturkenntnis gewonnen ist. Eine solche -Vorstellung von einer immateriellen Kraft, welche die Materie erst -schafft, ist ein Glaubensartikel, welcher mit der menschlichen -Wissenschaft gar nichts zu tun hat. Wo der mystische Glaube anfängt, -hört die echte Wissenschaft auf. Beide Tätigkeiten des menschlichen -Geistes sind scharf voneinander zu halten. Der Glaube an übernatürliche -Vorgänge hat seinen Ursprung in der dichtenden Einbildungskraft, das -klare Wissen dagegen in dem erkennenden Verstande des Menschen. Die -Wissenschaft hat die segenbringenden Früchte von dem Baume der -Erkenntnis zu pflücken, unbekümmert darum, ob dadurch die dichterischen -Einbildungen der Glaubenschaft beeinträchtigt werden oder nicht. - -Wenn also die Naturwissenschaft sich die »natürliche -Schöpfungsgeschichte« zu ihrer höchsten, schwersten und lohnendsten -Aufgabe macht, so kann sie den Begriff der Schöpfung nur in der zweiten, -oben angeführten Bedeutung verstehen, als die Entstehung der Form -der Naturkörper. In diesem Sinne kann man die Geologie die -Schöpfungsgeschichte der Erde nennen; denn sie sucht die Entstehung der -geformten anorganischen Erdoberfläche und die mannigfaltigen -geschichtlichen Veränderungen in der Gestalt der festen Erdrinde zu -erforschen. Ebenso kann man die Entwicklungsgeschichte der Tiere und -Pflanzen, welche die Entstehung der belebten Formen und den -mannigfaltigen historischen Wechsel der tierischen und pflanzlichen -Gestalten untersucht, die Schöpfungsgeschichte der Organismen nennen. Da -jedoch in den Begriff der Schöpfung sich immer leicht die -unwissenschaftliche Vorstellung von einem außerhalb der Materie -stehenden und dieselbe umbildenden Schöpfer einschleicht, so wird es in -Zukunft wohl besser sein, denselben durch die strengere Bezeichnung der -Entwicklung zu ersetzen. - -Der hohe Wert, welchen die Entwicklungsgeschichte für das -wissenschaftliche Verständnis der Tier- und Pflanzenformen besitzt, ist -seit einem halben Jahrhundert allgemein anerkannt; man kann ohne sie in -der organischen Morphologie oder Formenlehre keinen sicheren Schritt -mehr tun. Jedoch hat man vor 1866 unter Entwicklungsgeschichte nur einen -Teil dieser Wissenschaft, nämlich diejenige der organischen Individuen -oder Einzelwesen verstanden, die sogenannte Embryologie, richtiger und -umfassender _Ontogenie_ genannt. Außer dieser gibt es aber auch noch -eine Entwicklungsgeschichte der organischen Arten, Klassen und Stämme -(Phylen); und diese steht zu der ersteren in den wichtigsten -Beziehungen. Das Material dafür liefert die Versteinerungskunde oder -Paläontologie. Diese lehrt uns, daß jedes organische Phylum, jeder Stamm -des Tier- und Pflanzenreichs, während der verschiedenen Perioden der -Erdgeschichte durch eine Reihe von ganz verschiedenen Klassen und Arten -vertreten wird. So ist z. B. der Stamm der Wirbeltiere durch die Klassen -der Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere vertreten und -jede dieser Klassen zu verschiedenen Zeiten durch ganz verschiedene -Arten. Diese paläontologische Entwicklungsgeschichte der Organismen kann -man als Stammesgeschichte oder _Phylogenie_ bezeichnen; sie steht in den -wichtigsten und merkwürdigsten Beziehungen zu dem anderen Zweige der -organischen Entwicklungsgeschichte, zur Keimesgeschichte oder Ontogenie. -Die letztere läuft der ersteren im großen und ganzen parallel. Um -es kurz mit einem Satze zu sagen, so ist die individuelle -Entwicklungsgeschichte eine schnelle, durch die Gesetze der Vererbung -und Anpassung bedingte Wiederholung der langsamen paläontologischen -Entwicklungsgeschichte; die Ontogenie ist ein kurzer Auszug oder eine -Rekapitulation der Phylogenie. Das ist unser _biogenetisches -Grundgesetz_ (1866), das einzig und allein durch die Abstammungslehre -erklärt und in seinen Ursachen verstanden werden kann; ohne dieselbe -bleibt es ganz unverständlich und unerklärlich. - -Die Deszendenztheorie zeigt uns zugleich, _warum_ überhaupt die -einzelnen Tiere und Pflanzen sich entwickeln müssen, _warum_ dieselben -nicht gleich in fertiger und entwickelter Form ins Leben treten. Keine -übernatürliche Schöpfungsgeschichte vermag uns das große Rätsel der -organischen Entwicklung irgendwie zu erklären. Ebenso wie auf diese -hochwichtige Frage gibt uns der Transformismus auch auf alle anderen -allgemeinen biologischen Fragen befriedigende Antworten, und zwar sind -diese Antworten rein mechanisch-kausaler Natur; sie weisen lediglich -natürliche, physikalisch-chemische Kräfte als die Ursachen von -Erscheinungen nach, die man früher gewohnt war, der unmittelbaren -Einwirkung übernatürlicher, schöpferischer Kräfte zuzuschreiben. Mithin -entfernt der Transformismus aus allen Gebietsteilen der Botanik und -Zoologie, und namentlich auch aus dem wichtigsten Teile der letzteren, -aus der Anthropologie, den Wunderglauben; er lüftet den mystischen -Schleier des Wunderbaren und Übernatürlichen, mit welchem man bisher die -verwickelten Erscheinungen dieser natürlichen Erkenntnisgebiete zu -verhüllen liebte. Das unklare Nebelbild mythologischer Dichtung kann vor -dem klaren Sonnenlicht naturwissenschaftlicher Erkenntnis nicht länger -bestehen. - -Von ganz besonderem Interesse sind unter jenen biologischen -Erscheinungen diejenigen, welche die gewöhnliche Annahme von der -Entstehung eines jeden Organismus durch eine zweckmäßig bauende -Schöpferkraft widerlegen. Nichts hat in dieser Beziehung der früheren -Naturforschung so große Schwierigkeiten verursacht, als die Deutung der -sogenannten »_rudimentären Organe_«, derjenigen Teile im Tier- und -Pflanzenkörper, welche eigentlich ohne Leistung, ohne physiologische -Bedeutung, und dennoch formell vorhanden sind. Diese Teile verdienen das -allerhöchste Interesse, obwohl die meisten Leute wenig oder nichts davon -wissen. Fast jeder höher entwickelte Organismus, fast jedes Tier und -jede Pflanze, besitzt neben den scheinbar zweckmäßigen Einrichtungen -seiner Organisation andere Einrichtungen, die durchaus keinen Zweck, -keine Funktion in dessen Leben haben können. - -Beispiele davon finden sich überall. Bei den Embryonen mancher -Wiederkäuer, unter anderen bei unserem gewöhnlichen Rindvieh, stehen -Schneidezähne im Zwischenkiefer der oberen Kinnlade, welche niemals zum -Durchbruch gelangen, also auch keinen Zweck haben. Die Embryonen mancher -Walfische, welche späterhin die bekannten Barten statt der Zähne -besitzen, tragen, solange sie noch nicht geboren sind und keine Nahrung -zu sich nehmen, dennoch zahlreiche Zähne in ihren Kiefern; auch dieses -Gebiß tritt niemals in Tätigkeit. Ferner besitzen die meisten höheren -Tiere Muskeln, die nie zur Anwendung kommen; selbst der Mensch besitzt -solche rudimentäre Muskeln. Die meisten von uns sind nicht fähig, ihre -Ohren willkürlich zu bewegen, obwohl die Muskeln für diese Bewegung -vorhanden sind; aber einzelnen Personen, die sich andauernd Mühe geben, -diese Muskeln zu üben, ist es in der Tat gelungen, ihre Ohren wieder in -Bewegung zu setzen. In diesen noch jetzt vorhandenen, aber verkümmerten -Organen, welche dem vollständigen Verschwinden entgegengehen, ist es -noch möglich, durch besondere Übung, durch andauernden Einfluß der -Willenstätigkeit des Nervensystems, die beinahe erloschene Tätigkeit -wieder zu beleben. Dagegen vermögen wir dies nicht mehr in den kleinen -rudimentären Ohrmuskeln, welche noch am Knorpel unserer Ohrmuschel -vorkommen; diese bleiben immer völlig wirkungslos. Bei unseren -langohrigen Vorfahren aus der Tertiärzeit, Affen, Halbaffen und -Beuteltieren, welche gleich den meisten anderen Säugetieren ihre große -Ohrmuschel frei und lebhaft bewegten, waren jene Muskeln viel stärker -entwickelt und von großer Bedeutung. So haben in gleicher Weise auch -viele Spielarten der Hunde und Kaninchen, deren wilde Vorfahren ihre -steifen Ohren vielseitig bewegten, unter dem Einflusse des Kulturlebens -sich jenes »Ohrenspitzen« abgewöhnt; sie haben dadurch verkümmerte -Ohrmuskeln und schlaff herabhängende Ohren bekommen. - -Auch noch an anderen Stellen seines Körpers besitzt der Mensch solche -rudimentäre Organe, welche durchaus von keiner Bedeutung für das Leben -sind und niemals funktionieren. Eines der merkwürdigsten, obwohl -unscheinbarsten Organe der Art ist die kleine halbmondförmige Falte, -welche wir am inneren Winkel unseres Auges, nahe der Nasenwurzel -besitzen, die sogenannte ^Plica semilunaris^. Diese unbedeutende -Hautfalte bietet für unser Auge gar keinen Nutzen; sie ist nur der ganz -verkümmerte Rest eines dritten, inneren Augenlides, welches neben dem -oberen und unteren Augenlide bei anderen Säugetieren, bei Vögeln und -Reptilien sehr entwickelt ist. Ja sogar schon unsere uralten Vorfahren -aus der Silurzeit, die Urfische, scheinen dies dritte Augenlid, die -sogenannte Nickhaut, besessen zu haben. Denn viele von ihren nächsten -Verwandten, die in wenig veränderter Form noch heute fortleben, viele -Haifische nämlich, besitzen eine sehr starke Nickhaut, und diese kann -vom inneren Augenwinkel her über den ganzen Augapfel hinübergezogen -werden. - -Zu den schlagendsten Beispielen von rudimentären Organen gehören die -Augen, welche nicht sehen. Solche finden sich bei sehr vielen Tieren, -welche im Dunkeln, z. B. in Höhlen, unter der Erde leben. Die Augen sind -hier oft wirklich in ausgebildetem Zustande vorhanden; aber sie sind von -dicker, undurchsichtiger Haut bedeckt, so daß kein Lichtstrahl in sie -hineinfallen kann, mithin können sie auch niemals sehen. Solche Augen -ohne Gesichtsfunktion besitzen z. B. mehrere Arten von unterirdisch -lebenden Maulwürfen und Blindmäusen, von Schlangen und Eidechsen, von -Amphibien und Fischen; ferner zahlreiche wirbellose Tiere, die im -Dunkeln ihr Leben zubringen: viele Käfer, Krebstiere, Schnecken, Würmer -usw. - -Eine Fülle der interessantesten Beispiele von rudimentären Organen -liefert die vergleichende Osteologie oder Skelettlehre der Wirbeltiere, -einer der anziehendsten Zweige der vergleichenden Anatomie. Bei den -allermeisten Wirbeltieren finden wir zwei Paar Gliedmaßen am Rumpf, ein -Paar Vorderbeine und ein Paar Hinterbeine. Sehr häufig ist jedoch das -eine oder das andere Paar derselben verkümmert, seltener beide, wie bei -den Schlangen und einigen aalartigen Fischen. Aber einige Schlangen, z. -B. die Riesenschlangen (^Boa^, ^Python^), haben hinten noch einige -unnütze Knochenstückchen im Leibe, welche die Reste der verloren -gegangenen Hinterbeine sind. Ebenso haben die walfischartigen Säugetiere -(^Cetaceen^), welche nur entwickelte Vorderbeine (Brustflossen) -besitzen, hinten im Fleische noch ein Paar ganz überflüssige Knochen, -die Überbleibsel der verkümmerten Hinterbeine. Dasselbe gilt von vielen -echten Fischen, bei denen in gleicher Weise die Hinterbeine -(Bauchflossen) verloren gegangen sind. Umgekehrt besitzen unsere -Blindschleichen (^Anguis^) und einige andere Eidechsen inwendig ein -vollständiges Schultergerüst, obwohl die Vorderbeine, zu deren -Befestigung dasselbe dient, nicht mehr vorhanden sind. Ferner finden -sich bei verschiedenen Wirbeltieren die einzelnen Knochen der beiden -Beinpaare in allen verschiedenen Stufen der Verkümmerung, und oft die -rückgebildeten Knochen und die zugehörigen Muskeln stückweise erhalten, -ohne doch irgendwie eine Verrichtung ausführen zu können. Das Instrument -ist wohl noch da, aber es kann nicht mehr spielen. - -Fast ganz allgemein finden Sie ferner rudimentäre Organe in den -Pflanzenblüten vor, indem der eine oder der andere Teil der männlichen -Fortpflanzungsorgane (der Staubfäden und Staubbeutel), oder der -weiblichen Fortpflanzungsorgane (Griffel, Fruchtknoten usw.) mehr oder -weniger verkümmert oder »fehlgeschlagen« (abortiert) ist. Auch hier -können Sie bei verschiedenen, nahe verwandten Pflanzenarten das Organ in -allen Graden der Rückbildung verfolgen. So z. B. ist die große -natürliche Familie der lippenblütigen Pflanzen (^Labiaten^), zu welcher -Melisse, Pfefferminze, Majoran, Gundelrebe, Thymian usw. gehören, -dadurch ausgezeichnet, daß die rachenförmige zweilippige Blumenkrone -zwei lange und zwei kurze Staubfäden enthält. Allein bei vielen -einzelnen Pflanzen dieser Familie, z. B. bei verschiedenen Salbeiarten -und beim Rosmarin, ist nur das eine Paar der Staubfäden ausgebildet, und -das andere Paar ist mehr oder weniger verkümmert, oft ganz verschwunden. -Bisweilen sind die Staubfäden vorhanden, aber ohne Staubbeutel, so daß -sie keinen Nutzen haben können. Seltener findet sich sogar noch das -Rudiment oder der verkümmerte Rest eines fünften Staubfadens, ein -physiologisch (für die Lebensverrichtung) ganz nutzloses, aber -morphologisch (für die Erkenntnis der Form und der natürlichen -Verwandtschaft) äußerst wertvolles Organ. In meiner »Generellen -Morphologie der Organismen« habe ich in dem Abschnitt von der -»Unzweckmäßigkeitslehre oder Dysteleologie« noch eine große Anzahl von -anderen Beispielen angeführt. - -Keine biologische Erscheinung hat wohl jemals die Zoologen und Botaniker -in größere Verlegenheit versetzt als diese rudimentären oder abortiven -(verkümmerten) Organe. Es sind Werkzeuge außer Dienst, Körperteile, -welche da sind, ohne etwas zu leisten, zweckmäßig eingerichtet, ohne -ihren Zweck in Wirklichkeit zu erfüllen. Wenn man die Versuche früherer -Naturforscher zur Erklärung dieses Rätsels betrachtet, kann man sich in -der Tat kaum eines Lächelns über ihre seltsamen Vorstellungen erwehren. -Außerstande, eine wirkliche Erklärung zu finden, kamen einige z. B. zu -dem Endresultate, daß der Schöpfer »der Symmetrie wegen« diese Organe -angelegt habe. Nach der Meinung anderer mußte es dem Schöpfer unpassend -oder unanständig erscheinen, daß diese Organe bei denjenigen Organismen, -bei denen sie nicht leistungsfähig sind und ihrer ganzen Lebensweise -nach nicht sein können, völlig fehlten, während die nächsten Verwandten -sie besäßen; und zum Ersatz für die mangelnde Funktion verlieh er ihnen -wenigstens die äußere Ausstattung der leeren Form. Sind doch auch die -uniformierten Zivilbeamten bei Hofe oft mit einem unschuldigen Degen -ausgestattet, den sie niemals aus der Scheide ziehen. Ich glaube aber -kaum, daß Sie von einer solchen dekorativen Erklärung befriedigt sein -werden. - -Nun wird gerade diese allgemein verbreitete und rätselhafte Erscheinung -der rudimentären Organe, an welcher alle übrigen Erklärungsversuche -scheitern, vollkommen erklärt, und zwar in der einfachsten und -einleuchtendsten Weise erklärt durch Darwins Theorie von der _Vererbung_ -und von der _Anpassung_. Wir können die wichtigen Gesetze der Vererbung -und Anpassung an den Haustieren und Kulturpflanzen, welche wir künstlich -züchten, empirisch verfolgen, und es ist bereits eine Reihe solcher -Gesetze festgestellt worden. Ohne jetzt auf diese einzugehen, will ich -nur sagen, daß einige davon auf mechanischem Wege die Entstehung der -rudimentären Organe vollkommen erklären, so daß wir das Auftreten -derselben als einen ganz natürlichen Prozeß ansehen müssen, bedingt -durch den Nichtgebrauch der Organe. Durch Anpassung an besondere -Lebensbedingungen sind die früher tätigen und wirklich arbeitenden -Organe allmählich nicht mehr gebraucht worden und außer Dienst getreten. -Infolge der mangelnden Übung sind sie mehr und mehr verkümmert, trotzdem -aber immer noch durch Vererbung von einer Generation auf die andere -übertragen worden, bis sie endlich größtenteils verschwanden. Wenn wir -nun annehmen, daß alle oben angeführten Wirbeltiere von einem einzigen -gemeinsamen Stammvater abstammen, welcher zwei sehende Augen und zwei -wohlentwickelte Beinpaare besaß, so erklärt sich ganz einfach der -verschiedene Grad der Verkümmerung und Rückbildung dieser Organe bei -solchen Nachkommen desselben, welche diese Teile nicht mehr gebrauchen -konnten. Ebenso erklärt sich vollständig der verschiedene -Ausbildungsgrad der ursprünglich (in der Blütenknospe) angelegten fünf -Staubfäden bei den Lippenblütern, wenn wir annehmen, daß alle Pflanzen -dieser Familie von einem gemeinsamen, mit fünf Staubfäden ausgestatteten -Stammvater abstammen. - -Ich habe Ihnen die Erscheinung der rudimentären Organe etwas -ausführlicher vorgeführt, weil dieselbe von der allergrößten allgemeinen -Bedeutung ist; denn sie führt uns auf die großen, allgemeinen, -tiefliegenden Grundlagen der Philosophie und der Naturwissenschaft hin, -für deren Lösung die Deszendenztheorie nunmehr der unentbehrliche -Leitstern geworden ist. Sobald wir nämlich, dieser Theorie entsprechend, -die ausschließliche Wirksamkeit physikalisch-chemischer Ursachen ebenso -in der lebenden (organischen) Körperwelt, wie in der sogenannten -leblosen (anorganischen) Natur anerkennen, so räumen wir damit jener -Weltanschauung die ausschließliche Herrschaft ein, welche man mit dem -Namen der mechanischen bezeichnen kann, im Gegensatze zu der -hergebrachten teleologischen Auffassung. Wenn Sie die Weltanschauungen -der verschiedenen Völker und Zeiten miteinander vergleichend -zusammenstellen, können Sie dieselben schließlich alle in zwei -gegenüberstehende Gruppen bringen: eine kausale oder mechanische und -eine teleologische oder vitalistische. Die letztere war in der Biologie -früher fast allgemein herrschend. Man sah danach das Tierreich und das -Pflanzenreich als Produkte einer zweckmäßig wirkenden schöpferischen -Tätigkeit an. Bei dem Anblick jedes Organismus schien sich zunächst -unabweislich die Überzeugung aufzudrängen, daß eine so künstliche -Maschine, ein so verwickelter Bewegungsapparat, wie es der Organismus -ist, nur durch eine zwecktätige Schöpferkraft hervorgebracht werden -könne; durch eine Tätigkeit, welche analog, obwohl unendlich viel -vollkommener ist, als die Tätigkeit des Menschen bei der Konstruktion -seiner Maschinen. Wie erhaben man auch die früheren Vorstellungen des -Schöpfers und seiner schöpferischen Tätigkeit steigern, wie sehr man sie -aller menschlichen Analogie entkleiden mag, so bleibt doch im letzten -Grunde bei der teleologischen Naturauffassung dieser Vergleich -unabweislich und notwendig. Man muß sich im Grunde dann immer den -Schöpfer selbst als einen Organismus vorstellen, als ein Wesen, welches -ähnlich dem Menschen, wenn auch in unendlich vollkommenerer Form, über -seine bildende Tätigkeit nachdenkt, den Plan der Maschinen entwirft, und -dann mittels Anwendung geeigneter Materialien diese Maschinen -zweckentsprechend ausführt. Alle diese Vorstellungen leiden notwendig an -der Grundschwäche des Anthropomorphismus oder der Vermenschlichung. -Stets werden dabei, wie hoch man sich auch den Schöpfer vorstellen mag, -demselben die menschlichen Eigenschaften beigelegt, einen Plan zu -entwerfen und danach den Organismus zweckmäßig zu konstruieren. Das wird -auch von derjenigen Schule, welche Darwins Lehre am schroffsten -gegenübersteht, und welche unter den Naturforschern ihren bedeutendsten -Vertreter in Louis Agassiz gefunden hat, ganz klar ausgesprochen. Das -berühmte Werk von Agassiz (^Essay on classification^), welches dem -Darwinschen Werke vollkommen entgegengesetzt ist und fast gleichzeitig -erschien (1858), hat ganz folgerichtig jene absurden anthropomorphischen -Vorstellungen vom Schöpfer bis zum höchsten Grade ausgebildet. - -Was nun überhaupt jene vielgerühmte _Zweckmäßigkeit in der Natur_ -betrifft, so ist sie nur für denjenigen vorhanden, welcher die -Erscheinungen im Tier- und Pflanzenleben durchaus oberflächlich -betrachtet. Schon die rudimentären Organe mußten dieser beliebten Lehre -einen harten Stoß versetzen. Jeder aber, der tiefer in die Organisation -und Lebensweise der verschiedenen Tiere und Pflanzen eindringt, der sich -mit der Wechselwirkung der Lebenserscheinungen und der sogenannten -»Ökonomie der Natur« vertrauter macht, muß sie notwendig fallen lassen. -Die vielgrepriesene Weisheit und Zweckmäßigkeit existiert ebensowenig -als die vielgerühmte »Allgüte des Schöpfers«. Diese optimistischen -Anschauungen haben leider ebensowenig wirkliche Begründung als die -beliebte Redensart von der »sittlichen Weltordnung«, welche durch die -ganze Völkergeschichte in ironischer Weise illustriert wird. Im -Mittelalter ist dafür die »sittliche« Herrschaft der christlichen Päpste -und ihrer frommen, vom Blute zahlloser Menschenopfer dampfenden -Inquisition nicht weniger bezeichnend, als in der Gegenwart der -herrschende Militarismus mit seinem »sittlichen« Apparate von Zündnadeln -und anderen raffinierten Mordwaffen; oder der Pauperismus als -untrennbarer Anhang unserer verfeinerten Kultur. - -Wenn Sie das Zusammenleben und die gegenseitigen Beziehungen der -Pflanzen und der Tiere (mit Inbegriff der Menschen) näher betrachten, so -finden Sie überall und zu jeder Zeit das Gegenteil von jenem gemütlichen -und friedlichen Beisammensein, welches die Güte des Schöpfers den -Geschöpfen hätte bereiten müssen; vielmehr sehen Sie überall einen -schonungslosen, höchst erbitterten _Kampf aller gegen alle_. Nirgends in -der Natur, wohin Sie auch Ihre Blicke lenken mögen, ist jener -idyllische, von den Dichtern besungene Friede vorhanden -- vielmehr -überall Kampf, Streben nach Selbsterhaltung, nach Vernichtung der -direkten Gegner und nach Vernichtung des Nächsten. Leidenschaft und -Selbstsucht, bewußt oder unbewußt, bleibt überall die Triebfeder des -Lebens. Das bekannte Dichterwort: - - »Die Natur ist vollkommen überall, - Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual« - -ist schön, aber leider nicht wahr. Vielmehr bildet auch in dieser -Beziehung der Mensch keine Ausnahme von der übrigen Tierwelt. Darwin hat -gerade dieses wichtige Verhältnis in seiner hohen und allgemeinen -Bedeutung uns erst recht klar vor Augen gestellt, und derjenige -Abschnitt seiner Lehre, welchen er selbst den »Kampf ums Dasein« nennt, -ist einer ihrer wichtigsten Teile. - -Wir müssen also jener vitalistischen oder teleologischen Betrachtung der -lebendigen Natur, welche die Tier- und Pflanzenformen als Produkte eines -gütigen und weisen Schöpfers oder einer zweckmäßig tätigen -schöpferischen Naturkraft ansieht, durchaus entgegentreten; dagegen sind -wir gezwungen, uns entschieden jene Weltanschauung anzueignen, welche -man die mechanische oder kausale nennt. Man kann sie auch als die -monistische oder einheitliche bezeichnen, im Gegensatze zu der -zwiespältigen oder dualistischen Anschauung, welche in jener -teleologischen Weltauffassung notwendig enthalten ist. Die mechanische -Naturbetrachtung ist seit Jahrzehnten auf gewissen Gebieten der -Naturwissenschaft so sehr eingebürgert, daß hier über die -entgegengesetzte kein Wort mehr verloren wird. Es fällt keinem Physiker -oder Chemiker, keinem Mineralogen oder Astronomen mehr ein, in den -Erscheinungen, welche ihm auf seinem wissenschaftlichen Gebiete -fortwährend vor Augen kommen, die Wirksamkeit eines zweckmäßig tätigen -Schöpfers zu erblicken oder aufzusuchen. Man betrachtet jene -Erscheinungen vielmehr allgemein und ohne Widerspruch als die -notwendigen und unabänderlichen Wirkungen der physikalischen und -chemischen Kräfte, welche an dem Stoffe oder der Materie haften; und -insofern ist diese Anschauung rein »materialistisch«, in einem gewissen -Sinne dieses vieldeutigen Wortes. Wenn der Physiker die -Bewegungserscheinungen der Elektrizität oder des Magnetismus, den Fall -eines Körpers oder die Schwingungen der Lichtwellen zu erklären sucht, -so ist er bei dieser Arbeit durchaus davon entfernt, das Eingreifen -einer übernatürlichen schöpferischen Kraft anzunehmen. In dieser -Beziehung befand sich bisher die Biologie, als die Wissenschaft von den -sogenannten »belebten« Naturkörpern, in vollem Gegensatze zu jenen -vorher genannten anorganischen Naturwissenschaften (der -Anorgologie). Zwar hat die neuere Physiologie, die Lehre von den -Bewegungserscheinungen im Tier- und Pflanzenkörper, den mechanischen -Standpunkt der letzteren vollkommen angenommen; allein die Morphologie, -die Wissenschaft von der Gestaltung der Tiere und Pflanzen, schien -dadurch gar nicht berührt zu werden. Die Morphologen behandeln nach wie -vor, im Gegensatze zu jener mechanischen Betrachtung der Leistungen, die -Formen der Tiere und Pflanzen als Erscheinungen, die durchaus nicht -mechanisch erklärbar seien, die vielmehr notwendig einer höheren, -übernatürlichen, zweckmäßig tätigen Schöpferkraft ihren Ursprung -verdanken müßten. Dabei war es ganz gleichgültig, ob man diese -Schöpferkraft als persönlichen Gott anbetete, oder ob man sie -Lebenskraft (^vis vitalis^) oder Endursache (^causa finalis^) nannte. In -allen Fallen flüchtete man hier, um es mit einem Worte zu sagen, zum -Wunder als der Erklärung. Man warf sich einer mystischen -Glaubensdichtung in die Arme und verließ somit das sichere Gebiet -naturwissenschaftlicher Erkenntnis. - -Alles nun, was vor Darwin geschehen ist, um eine natürliche, mechanische -Auffassung von der Entstehung der Tier- und Pflanzenformen zu begründen, -vermochte diese nicht zum Durchbruch und zu allgemeiner Anerkennung zu -bringen. Dies gelang erst Darwins Lehre, und hierin liegt ein -unermeßliches Verdienst derselben. Denn wir werden dadurch zu der -Überzeugung von der Einheit der organischen und der anorganischen Natur -geführt. Auch derjenige Teil der Naturwissenschaft, welcher bisher am -längsten und am hartnäckigsten sich einer mechanischen Auffassung und -Erklärung widersetzte, die Lehre vom zweckmäßigen Bau der lebendigen -Formen, von der Bedeutung und Entstehung derselben, wird dadurch mit -allen übrigen naturwissenschaftlichen Lehren auf einen und denselben Weg -der Vollendung gebracht. Die Einheit _aller_ Naturerscheinungen wird -dadurch endgültig festgestellt. - -Diese Einheit der ganzen Natur, die Beseelung aller Materie, die -Untrennbarkeit der geistigen Kraft und des körperlichen Stoffes hat -Goethe mit den Worten behauptet: »Die Materie kann nie ohne Geist, der -Geist nie ohne Materie existieren und wirksam sein.« Von den großen -monistischen Philosophen aller Zeiten sind diese obersten Grundsätze der -mechanischen Weltanschauung vertreten worden. Schon Demokritos von -Abdera, der unsterbliche Begründer der Atomenlehre, sprach dieselben -fast ein halbes Jahrtausend vor Christus klar aus, ganz vorzüglich aber -der erhabene Spinoza und der große Dominikanermönch Giordano Bruno. Der -letztere wurde dafür am 17. Februar 1600 in Rom von der christlichen -Inquisition auf dem Scheiterhaufen verbrannt, an demselben Tage, an -welchem 36 Jahre früher sein großer Landsmann und Kampfgenosse Galilei -geboren wurde. Auf dem Campo di Fiori in Rom, wo jener Scheiterhaufen -stand, hat jetzt das freie neuerstandene Italien dem großen monistischen -Märtyrer ein Denkmal errichtet (am 9. Juni 1889), ein beredtes Zeichen -des gewaltigen Umschwungs der Zeit. - -Durch die Deszendenztheorie wird es uns zum erstenmal möglich, die -monistische Lehre von der Einheit der Natur fest zu begründen; danach -bietet eine mechanisch-kausale Erklärung auch der verwickeltsten -organischen Erscheinungen, z. B. der Entstehung und Einrichtung der -Sinnesorgane, in der Tat nicht mehr prinzipielle Schwierigkeiten für das -allgemeine Verständnis, als die mechanische Erklärung irgendwelcher -physikalischen Prozesse, wie z. B. der Erdbeben, des Erdmagnetismus, der -Meeresströmungen usw. Wir gelangen dadurch zu der äußerst wichtigen -Überzeugung, daß _alle Naturkörper_, die wir kennen, _gleichmäßig -belebt_ sind, daß der Gegensatz, welchen man zwischen lebendiger und -toter Körperwelt aufstellte, im Grunde nicht existiert. Wenn ein Stein, -frei in die Luft geworfen, nach bestimmten Gesetzen zur Erde fällt, oder -wenn in einer Salzlösung sich ein Kristall bildet, oder wenn Schwefel -und Quecksilber sich zu Zinnober verbinden, so sind diese Erscheinungen -nicht mehr und nicht minder mechanische Lebenserscheinungen, als das -Wachstum und das Blühen der Pflanzen, als die Fortpflanzung und die -Sinnestätigkeit der Tiere, als die Empfindung und die Gedankenbildung -des Menschen. Insbesondere ist auch das Bewußtsein des Menschen und der -höheren Tiere keineswegs ein besonderes übernatürliches »Welträtsel«, -wie Du Bois-Reymond 1872 in seiner »Ignorabimus«-Rede irrtümlich -behauptet hatte. Vielmehr beruht dasselbe ebenso auf der mechanischen -Arbeit der Ganglienzellen im Gehirn, wie die übrigen Seelentätigkeiten; -den Beweis dafür habe ich im zehnten Kapitel meines Buches über die -»Welträtsel« geführt. Die Naturkräfte treten auch im Seelenleben nur in -verschiedenen Verbindungen und Formen auf, bald einfacher, bald -zusammengesetzter; aber immer sind sie auch hier dem allgemeinen -Substanzgesetz unterworfen. Gebundene Spannkräfte werden frei und gehen -in lebendige Kräfte über, oder umgekehrt. Das große Gesetz von der -Erhaltung der Kraft oder Energie (Robert Mayer 1842) und das damit -verknüpfte Gesetz von der Erhaltung des Stoffes oder der Materie -(Lavoisier 1789) gelten beide in gleicher Weise für alle organischen wie -für alle anorganischen Naturkörper. In dieser Herstellung der -einheitlichen oder monistischen Naturauffassung liegt das höchste und -allgemeinste Verdienst unserer neuen, die Krone der heutigen -Naturwissenschaft bildenden Entwicklungslehre. - - (Aus »Natürliche Schöpfungsgeschichte«.) - - - - - II. - Schöpfungsperioden und Schöpfungsurkunden. - - -Die geschichtliche Auffassung des organischen Lebens, welche die -Abstammungslehre in die biologischen Wissenschaften eingeführt hat, -fördert nächst der Anthropologie keinen anderen Wissenschaftszweig so -sehr, als den beschreibenden Teil der Naturgeschichte, die systematische -Zoologie und Botanik. Die meisten Naturforscher, die sich bisher mit der -Systematik der Tiere und Pflanzen beschäftigten, sammelten, benannten -und ordneten die verschiedenen Arten dieser Naturkörper mit einem -ähnlichen Interesse, wie die Altertumsforscher und Ethnographen die -Waffen und Gerätschaften der verschiedenen Völker sammeln. Viele erhoben -sich selbst nicht über denjenigen Grad der Wißbegierde, mit dem man -Wappen, Briefmarken und ähnliche Kuriositäten zu sammeln, zu -etikettieren und zu ordnen pflegt. In ähnlicher Weise wie diese Sammler -an der Formenmannigfaltigkeit, Schönheit oder Seltsamkeit der Wappen, -Briefmarken usw. ihre Freude finden, und dabei die erfinderische -Bildungskunst des Menschen bewundern, in ähnlicher Weise ergötzten sich -die meisten Naturforscher an den mannigfaltigen Formen der Tiere und -Pflanzen und erstaunten über die reiche Phantasie des Schöpfers, über -seine unermüdliche Schöpfungstätigkeit und über die seltsame Laune, in -welcher er neben so vielen schönen und nützlichen Organismen auch eine -Anzahl häßlicher und unnützer Formen gebildet habe. - -Diese kindliche Behandlung der systematischen Zoologie und Botanik wird -durch die Abstammungslehre gründlich vernichtet. An die Stelle des -oberflächlichen und spielenden Interesses, mit welchem die meisten -bisher die organischen Gestalten betrachteten, tritt das weit -höhere Interesse des erkennenden Verstandes, welcher in der -_Formverwandtschaft_ der Organismen ihre wahre _Stammverwandtschaft_ -erblickt. Das natürliche System der Tiere und Pflanzen, welches man -früher entweder nur als Namenregister zur übersichtlichen Ordnung der -verschiedenen Formen oder als Sachregister zum kurzen Ausdruck ihres -Ähnlichkeitsgrades schätzte, erhält durch die Abstammungslehre den -ungleich höheren Wert eines wahren Stammbaumes der Organismen. Diese -Stammtafel soll uns den genealogischen Zusammenhang der kleineren und -größeren Gruppen enthüllen. Sie soll zu zeigen versuchen, in welcher -Weise die verschiedenen Klassen, Ordnungen, Familien, Gattungen und -Arten des Tier- und Pflanzenreichs den verschiedenen Zweigen, Ästen und -Astgruppen ihres Stammbaums entsprechen. Jede weitere und höherstehende -Kategorie oder Gruppenstufe des Systems (z. B. Klasse, Ordnung) umfaßt -eine Anzahl von größeren und stärkeren Zweigen des Stammbaums, jede -engere und tieferstehende Kategorie (z. B. Gattung, Art) nur eine -kleinere und schwächere Gruppe von Ästchen. Nur wenn wir in dieser Weise -das natürliche System als Stammbaum betrachten, können wir den wahren -Wert desselben erkennen. Dieser genealogischen Auffassung des -organischen Systems gehört ohne Zweifel allein die Zukunft. - -Wie können wir uns aber den wirklichen Stammbaum der tierischen und -pflanzlichen Formengruppen aus den dürftigen und fragmentarischen, bis -jetzt darüber gewonnenen Erfahrungen konstruieren? Die Antwort hierauf -liegt schon zum Teil in demjenigen, was wir früher über den -Parallelismus der drei Entwicklungsreihen bemerkt haben, über den -wichtigen ursächlichen Zusammenhang, welcher die paläontologische -Entwicklung der ganzen organischen Stämme mit der embryologischen -Entwicklung der Individuen und mit der systematischen Entwicklung der -Gruppenstufen verbindet. - -Zunächst werden wir uns zur Lösung dieser schwierigen Aufgabe an die -_Paläontologie_ oder Versteinerungskunde zu wenden haben. Denn wenn -wirklich die Deszendenztheorie wahr ist, wenn wirklich die versteinerten -Reste der vormals lebenden Tiere und Pflanzen von den ausgestorbenen -Urahnen und Vorfahren der jetzigen Organismen herrühren, so müßte uns -eigentlich ohne weiteres die Kenntnis und Vergleichung der -Versteinerungen den Stammbaum der Organismen aufdecken. So einfach und -einleuchtend dies nach dem theoretisch entwickelten Prinzip erscheint, -so außerordentlich schwierig und verwickelt gestaltet sich die Aufgabe, -wenn man sie wirklich in Angriff nimmt. Ihre praktische Lösung würde -schon sehr schwierig sein, wenn die Versteinerungen einigermaßen -vollständig erhalten wären. Das ist aber keineswegs der Fall. Vielmehr -ist die handgreifliche Schöpfungsurkunde, welche in den Versteinerungen -begraben liegt, über alle Maßen unvollständig. Daher erscheint es jetzt -vor allem notwendig, diese Urkunde kritisch zu prüfen und den Wert, -welchen die Versteinerungen für die Entwicklungsgeschichte der -organischen Stämme besitzen, zu bestimmen. - -In der Regel finden wir Versteinerungen oder Petrefakten nur in -denjenigen Gesteinen eingeschlossen, welche schichtenweise als Schlamm -im Wasser abgelagert wurden, und welche man deshalb neptunische, -geschichtete oder sedimentäre Gesteine nennt. Die Ablagerung solcher -Schichten konnte natürlich erst beginnen, nachdem im Verlaufe der -Erdgeschichte die Verdichtung des Wasserdampfes zu tropfbar-flüssigem -Wasser erfolgt war. Seit diesem Zeitpunkt begann nicht allein das -organische Leben auf der Erde, sondern auch eine ununterbrochene und -höchst wichtige Umgestaltung der erstarrten anorganischen Erdrinde. Das -Wasser begann seitdem jene außerordentlich wichtige mechanische -Wirksamkeit, durch welche die Erdoberfläche fortwährend, wenn auch -langsam, umgestaltet wird. Ich darf wohl als bekannt voraussetzen, -welchen außerordentlich bedeutenden Einfluß in dieser Beziehung noch -jetzt das Wasser in jedem Augenblick ausübt. Indem es als Regen -niederfällt, die obersten Schichten der Erdrinde durchsickert und von -den Erhöhungen in die Vertiefungen herabfließt, löst es verschiedene -mineralische Bestandteile des Bodens chemisch auf und spült mechanisch -die locker zusammenhängenden Teilchen ab. An den Bergen herabfließend -führt das Wasser den Schutt derselben in die Ebene und lagert ihn als -Schlamm im stehenden Wasser ab. So arbeitet es beständig an einer -Erniedrigung der Berge und Ausfüllung der Täler. Ebenso arbeitet die -Brandung des Meeres ununterbrochen an der Zerstörung der Küsten und an -der Auffüllung des Meerbodens durch die herabgeschlämmten Trümmer. So -würde schon die Tätigkeit des Wassers allein, wenn sie nicht durch -andere Umstände wieder aufgewogen würde, mit der Zeit die ganze Erde -nivellieren. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Gebirgsmassen, -welche alljährlich als Schlamm dem Meere zugeführt werden und sich auf -dessen Boden absetzen, so bedeutend sind, daß im Verlauf einer längeren -oder kürzeren Periode, vielleicht von wenigen Millionen Jahren, die -Erdoberfläche vollkommen geebnet und von einer zusammenhängenden -Wasserschale umschlossen werden würde. Daß dies nicht geschieht, -verdanken wir der fortdauernden Schrumpfung und Faltung der erhärteten -Erdrinde und der vulkanischen Gegenwirkung des feurigflüssigen -Erdinneren. Diese Reaktion des geschmolzenen Kerns gegen die feste Rinde -bedingt ununterbrochen wechselnde Hebungen und Senkungen an den -verschiedensten Stellen der Erdoberfläche. Meistens geschehen dieselben -sehr langsam; allein indem sie Jahrtausende hindurch fortdauern, bringen -sie durch Summierung der kleinen Einzelwirkungen nicht minder großartige -Resultate hervor, wie die entgegenwirkende und nivellierende Tätigkeit -des Wassers. - -Indem die Hebungen und Senkungen verschiedener Gegenden im Laufe von -Jahrmillionen vielfach miteinander wechseln, kommt bald dieser bald -jener Teil der Erdoberfläche über oder unter den Spiegel des Meeres. Es -gibt vielleicht keinen Oberflächenteil der Erdrinde, der nicht -infolgedessen schon wiederholt über oder unter dem Meeresspiegel gewesen -wäre. Durch diesen vielfachen Wechsel erklärt sich die Mannigfaltigkeit -und die verschiedenartige Zusammensetzung der zahlreichen neptunischen -Gesteinschichten, welche sich an den meisten Stellen in beträchtlicher -Dicke übereinander abgelagert haben. In den verschiedenen -Geschichtsperioden, während deren die Ablagerung stattfand, lebte eine -mannigfach verschiedene Bevölkerung von Tieren und Pflanzen. Wenn die -Leichen derselben auf den Boden der Gewässer herabsanken, drückten sie -ihre Körperform in dem weichen Schlamme ab, und unverwesliche Teile, -harte Knochen, Zähne, Schalen usw. wurden unzerstört in demselben -eingeschlossen. Sie blieben in dem Schlamm, der sich zu neptunischem -Gestein verdichtete, erhalten, und dienen nun als Versteinerungen zur -Charakteristik der betreffenden Schichten. Durch sorgfältige -Vergleichung der verschiedenen übereinander gelagerten Schichten und der -in ihnen erhaltenen Versteinerungen ist es so möglich geworden, sowohl -das relative Alter der Schichten und Schichtengruppen zu bestimmen, als -auch gewisse Hauptmomente der Phylogenie oder der Entwicklungsgeschichte -der Tier- und Pflanzenstämme empirisch festzustellen. - -Die verschiedenen übereinander abgelagerten Schichten der neptunischen -Gesteine, welche in sehr mannigfaltiger Weise aus Kalk, Ton und Sand -zusammengesetzt sind, haben die Geologen gruppenweise in ein ideales -System zusammengestellt, welches dem ganzen Zusammenhange der -_organischen Erdgeschichte_ entspricht, d. h. desjenigen Teiles der -Erdgeschichte, während dessen organisches Leben existierte. Wie die -sogenannte »Weltgeschichte« in größere oder kleinere Perioden zerfällt, -welche durch den zeitweiligen Entwicklungszustand der bedeutendsten -Völker charakterisiert und durch hervorragende Ereignisse voneinander -abgegrenzt werden, so teilen wir auch die unendlich längere organische -Erdgeschichte in eine Reihe von größeren oder kleineren Perioden ein. -Jede dieser Perioden ist durch eine charakteristische Flora und Fauna, -durch die besonders starke Entwicklung bestimmter Pflanzen- oder -Tiergruppen ausgezeichnet, und jede ist von der vorhergehenden und -folgenden Periode durch einen auffallenden teilweisen Wechsel in der -Zusammensetzung der Tier- und Pflanzenbevölkerung getrennt. - -Für die nachfolgende Übersicht des historischen Entwicklungsganges, den -die großen Tier- und Pflanzenstämme genommen haben, ist es notwendig, -zunächst hier die systematische Klassifikation der neptunischen -Schichtengruppen und der denselben entsprechenden größeren und kleineren -Geschichtsperioden anzugeben. Wie Sie sogleich sehen werden, sind wir -imstande, die ganze Masse der übereinanderliegenden Sedimentgesteine in -fünf oberste Hauptgruppen oder _Terrains_, jedes Terrain in mehrere -untergeordnete Schichtengruppen oder _Systeme_, und jedes System von -Schichten wiederum in noch kleinere Gruppen oder _Formationen_ -einzuteilen; endlich kann auch jede Formation wieder in Etagen oder -Unterformationen, und jede von diesen wiederum in noch kleinere Lagen, -Bänke usw. geschieden werden. Jedes der fünf großen Terrains wurde -während eines großen Hauptabschnittes der Erdgeschichte, während eines -_Zeitalters_, abgelagert; jedes System während einer kürzeren _Periode_, -jede Formation während einer noch kürzeren Epoche usw. Indem wir so die -Zeiträume der organischen Erdgeschichte und die während derselben -abgelagerten neptunischen und versteinerungsführenden Erdschichten in -ein gegliedertes System bringen, verfahren wir genau wie die Historiker, -welche die Völkergeschichte in die drei Hauptabschnitte des Altertums, -des Mittelalters und der Neuzeit, und jeden dieser Abschnitte wieder in -untergeordnete Perioden und Epochen einteilen. Wie aber der Historiker -durch diese scharfe systematische Einteilung und durch die bestimmte -Abgrenzung der Perioden durch einzelne Jahreszahlen nur die Übersicht -erleichtern und keineswegs den ununterbrochenen Zusammenhang der -Ereignisse und der Völkerentwicklung leugnen will, so gilt ganz dasselbe -auch von unserer systematischen Einteilung, Spezifikation oder -Klassifikation der organischen Erdgeschichte. Auch hier geht der rote -Faden der zusammenhängenden Entwicklung überall ununterbrochen hindurch. -Wir verwahren uns also ausdrücklich gegen die Anschauung, als wollten -wir durch unsere scharfe Abgrenzung der größeren und kleineren -Schichtengruppen und der ihnen entsprechenden Zeiträume irgendwie an -Cuviers irrige Lehre von den Erdrevolutionen und von den wiederholten -Neuschöpfungen der organischen Bevölkerung anknüpfen. - -Die fünf großen Hauptabschnitte der organischen Erdgeschichte oder der -paläontologischen Entwicklungsgeschichte bezeichnen wir als -primordiales, primäres, sekundäres, tertiäres und quartäres Zeitalter. -Jedes ist durch die vorwiegende Entwicklung bestimmter Tier- und -Pflanzengruppen in demselben bestimmt charakterisiert, und wir könnten -demnach auch die fünf Zeitalter einerseits durch die natürlichen -Hauptgruppen des Pflanzenreichs, andererseits durch die verschiedenen -Klassen des Wirbeltierstammes anschaulich bezeichnen. Dann wäre das -erste oder primordiale Zeitalter dasjenige der Tange und Schädellosen, -das zweite oder primäre Zeitalter das der Farne und Fische, das dritte -oder sekundäre Zeitalter das der Nadelwälder und Reptilien, das vierte -oder tertiäre Zeitalter das der Laubwälder und Säugetiere, endlich das -fünfte oder quartäre Zeitalter dasjenige des Menschen und seiner Kultur. -Die Abschnitte oder Perioden, welche wir in jedem der fünf Zeitalter -unterscheiden, werden durch die verschiedenen Systeme von Schichten -bestimmt, in die jedes der fünf großen Terrains zerfällt. Lassen Sie uns -jetzt noch einen flüchtigen Blick auf die Reihe dieser Systeme und -zugleich auf die Bevölkerung der fünf großen Zeitalter werfen. - -Den ersten und längsten Hauptabschnitt der organischen Erdgeschichte -bildet die _Primordialzeit_ oder das Zeitalter der Tangwälder, das auch -das archäische, archolithische oder archozoische Zeitalter genannt wird. -Es umfaßt den ungeheuren Zeitraum von der ersten Urzeugung, von der -Entstehung des ersten irdischen Organismus, bis zum Ende der silurischen -Schichtenbildung. Während dieses unermeßlichen Zeitraums, welcher -wahrscheinlich länger war, als alle übrigen vier Zeiträume -zusammengenommen, lagerten sich die drei mächtigsten von allen -neptunischen Schichtensystemen ab, nämlich zu unterst das laurentische, -darüber das kambrische und darüber das silurische System. Von den -meisten Geologen wird das silurische System, und von vielen auch noch -das kambrische System zu den paläolithischen Terrains gestellt; indessen -erscheint es aus biologisch-historischen Gesichtspunkten zweckmäßiger, -sie mit den archozoischen zu vereinigen. Die ungefähre Dicke oder -Mächtigkeit dieser drei Systeme zusammengenommen beträgt 70000 Fuß. -Davon kommen ungefähr 30000 auf das laurentische, 18000 auf das -kambrische und 22000 auf das silurische System. Die durchschnittliche -Mächtigkeit aller vier übrigen Terrains, des primären, sekundären, -tertiären und quartären zusammengenommen, mag dagegen etwa höchstens -60000 Fuß betragen, und schon hieraus, abgesehen von vielen anderen -Gründen, ergibt sich, daß die Dauer der Primordialzeit wahrscheinlich -viel länger war, als die Dauer der folgenden Zeitalter bis zur Gegenwart -zusammengenommen. Viele Millionen von Jahren müssen zur Ablagerung -solcher Schichtenmassen erforderlich gewesen sein. Leider befindet sich -der bei weitem größte Teil der primordialen Schichtengruppen in dem -sogleich zu erörternden metamorphischen Zustande, und dadurch sind die -in ihnen enthaltenen Versteinerungen, die ältesten und wichtigsten von -allen, größtenteils zerstört und unkenntlich geworden. Nur in einem -Teile der kambrischen und silurischen Schichten sind Petrefakten in -größerer Menge und in kenntlichem Zustande erhalten worden. - -Trotzdem die primordialen oder archozoischen Versteinerungen uns nur zum -bei weitem kleinsten Teile in kenntlichem Zustande erhalten sind, -besitzen dieselben dennoch den Wert unschätzbarer Dokumente für diese -älteste und dunkelste Zeit der organischen Erdgeschichte. Zunächst -scheint daraus hervorzugehen, daß während dieses ganzen ungeheuren -Zeitraums fast nur Wasserbewohner existierten. Wenigstens sind bis jetzt -unter allen archozoischen Petrefakten nur sehr wenige gefunden worden, -welche man mit Sicherheit auf landbewohnende Organismen beziehen kann: -die ältesten von diesen sind einige silurische Farne und Skorpione. Fast -alle Pflanzenreste, die wir aus der Primordialzeit besitzen, gehören zu -der niedrigsten von allen Pflanzengruppen, zu der im Wasser lebenden -Klasse der Tange oder Algen. Diese bildeten in dem warmen Urmeere der -Primordialzeit mächtige Wälder, von deren Formenreichtum und Dichtigkeit -uns noch heutigen Tages ihre Epigonen, die Tangwälder des atlantischen -Sargassomeeres, eine ungefähre Vorstellung geben mögen. Die kolossalen -Tangwälder der archozoischen Zeit ersetzten damals die noch fehlende -Waldvegetation des Festlandes. Gleich den Pflanzen lebten auch fast alle -Tiere, von denen man Reste in den archozoischen Schichten gefunden hat, -im Wasser. Von den Gliedertieren finden sich nur Krebstiere und einzelne -Skorpione, noch keine Insekten. Von den Wirbeltieren sind nur sehr -wenige Fischreste bekannt, welche sich in den jüngsten von allen -primordialen Schichten, in der oberen Silurformation, vorfinden. Dagegen -müssen wir annehmen, daß Würmer und schädellose Wirbeltiere (Akranier), -die Ahnen der Fische, massenhaft während der Primordialzeit gelebt -haben. Daher können wir sie sowohl nach den Schädellosen als nach den -Tangen benennen. - -Die _Primärzeit_ oder das Zeitalter der Farnwälder, der zweite -Hauptabschnitt der organischen Erdgeschichte, welchen man auch das -paläolithische oder paläozoische Zeitalter nennt, dauerte vom Ende der -silurischen Schichtenbildung bis zum Ende der permischen -Schichtenbildung. Auch dieser Zeitraum war von sehr langer Dauer und -zerfällt wiederum in drei Perioden, während deren sich drei mächtige -Schichtensysteme ablagerten, nämlich zu unterst das devonische System -oder der alte rote Sandstein, darüber das karbonische oder -Steinkohlensystem, und darüber das permische System oder der neue rote -Sandstein und der Zechstein. Die durchschnittliche Dicke dieser drei -Systeme zusammengenommen mag etwa 42000 Fuß betragen, woraus sich schon -die ungeheure Länge der für ihre Bildung erforderlichen Zeiträume -ergibt. Die meisten Geologen rechnen zur Paläozoischen Ära noch die -silurische und viele auch die kambrische Periode. - -Die devonischen und permischen Formationen sind vorzüglich reich an -Fischresten, sowohl an Urfischen als an Schmelzfischen. Aber noch fehlen -in der primären Zeit gänzlich die Knochenfische. In der Steinkohle -finden sich schon verschiedene Reste von landbewohnenden Tieren, und -zwar sowohl Gliedertieren (Spinnen und Insekten) als Wirbeltieren -(Amphibien). Im permischen System kommen zu den Amphibien noch die höher -entwickelten Schleicher oder Reptilien, und zwar unseren Eidechsen -nahverwandte Formen (^Proterosaurus^ usw.). Trotzdem können wir das -primäre Zeitalter das der Fische nennen, weil diese wenigen Amphibien -und Reptilien ganz gegen die ungeheure Menge der paläozoischen Fische -zurücktreten. Ebenso wie die Fische unter den Wirbeltieren, so -herrschten unter den Pflanzen während dieses Zeitraums die Farnpflanzen -oder Filicinen vor, und zwar sowohl echte Farnkräuter und Farnbäume -(Laubfarne oder Filikarien) als Schaftfarne (Kalamarien) und -Schuppenfarne (Selagineen). Diese landbewohnenden Farne oder Filizinen -bildeten die Hauptmasse der dichten paläozoischen Inselwälder, deren -fossile Reste uns in den ungeheuer mächtigen Steinkohlenlagern des -karbonischen Systems und in den schwächeren Kohlenlagern des devonischen -und permischen Systems erhalten sind. Sie berechtigen uns, die -Primärzeit ebensowohl das Zeitalter der Farne als das der Fische zu -nennen. - -Der dritte große Hauptabschnitt der paläontologischen -Entwicklungsgeschichte wird durch die _Sekundärzeit_ oder das Zeitalter -der Nadelwälder gebildet, welches auch das mesolithische oder -mesozoische Zeitalter genannt wird. Es reicht vom Ende der permischen -Schichtenbildung bis zum Ende der Kreideschichtenbildung und zerfällt -abermals in drei große Perioden. Die währenddessen abgelagerten -Schichtensysteme sind zu unterst das Triassystem, in der Mitte das -Jurasystem und zu oberst das Kreidesystem. Die durchschnittliche Dicke -dieser drei Systeme zusammengenommen bleibt schon weit hinter derjenigen -der primären Systeme zurück und beträgt im ganzen nur ungefähr 15000 -Fuß. Die Sekundärzeit wird demnach wahrscheinlich nicht halb so lang als -die Primärzeit gewesen sein. - -Wie in der Primärzeit die Fische, so herrschen in der Sekundärzeit die -Schleicher oder Reptilien über alle übrigen Wirbeltiere vor. Zwar -entstanden während dieses Zeitraums die ersten Vögel und Säugetiere; -auch lebten damals die riesigen Labyrinthodonten; und zu den zahlreich -vorhandenen Urfischen und Schmelzfischen der älteren Zeit gesellten sich -die ersten echten Knochenfische. Aber die charakteristische und -überwiegende Wirbeltierklasse der Sekundärzeit bildeten die höchst -mannigfaltig entwickelten Reptilien. Neben solchen Schleichern, welche -den heute noch lebenden Eidechsen, Krokodilen und Schildkröten -nahestanden, wimmelte es in der mesozoischen Zeit überall von -abenteuerlich gestalteten Drachen. Insbesondere sind die merkwürdigen -fliegenden Eidechsen oder Pterosaurier, die schwimmenden Seedrachen oder -Halisaurier und die kolossalen Landdrachen oder Dinosaurier der -Sekundärzeit eigentümlich, da sie weder vorher noch nachher lebten. Man -kann demgemäß die Sekundärzeit das Zeitalter der Schleicher oder -Reptilien nennen. Andere bezeichnen sie als das Zeitalter -der Nadelwälder, genauer eigentlich der Gymnospermen oder -Nacktsamenpflanzen. Diese Pflanzen, vorzugsweise durch die beiden -wichtigen Klassen der Nadelhölzer oder Koniferen und der Farnpalmen oder -Zycadeen vertreten, setzten während der Sekundärzeit ganz überwiegend -den Bestand der Wälder zusammen. Die farnartigen Pflanzen traten dagegen -zurück und die Laubhölzer entwickelten sich erst gegen Ende des -Zeitalters, in der Kreidezeit. - -Viel kürzer und weniger eigentümlich als diese drei ersten Zeitalter war -der vierte Hauptabschnitt der organischen Erdgeschichte, die -_Tertiärzeit_ oder das Zeitalter der Laubwälder. Dieser Zeitraum, -welcher auch zänolithisches oder zänozoisches Zeitalter heißt, -erstreckte sich vom Ende der Kreideschichtenbildung bis zum Ende der -pliozänen Schichtenbildung. Die währenddessen abgelagerten Schichten -erreichen nur ungefähr eine mittlere Mächtigkeit von 3000 Fuß und -bleiben demnach weit hinter den drei ersten Terrains zurück. Auch sind -die drei Systeme, welche man in dem tertiären Terrain unterscheidet, nur -schwer voneinander zu trennen. Das älteste derselben heißt eozänes oder -alttertiäres, das mittlere miozänes oder mitteltertiäres und das jüngste -pliozänes oder neutertiäres System. - -Die gesamte Bevölkerung der Tertiärzeit nähert sich im ganzen und im -einzelnen schon viel mehr derjenigen der Gegenwart, als es in den -vorhergehenden Zeitaltern der Fall war. Unter den Wirbeltieren überwiegt -von nun an die Klasse der Säugetiere bei weitem alle übrigen. Ebenso -herrscht in der Pflanzenwelt die formenreiche Gruppe der -Decksamen-Pflanzen oder Angiospermen vor; ihre Laubhölzer bilden die -charakteristischen Laubwälder der Tertiärzeit. Die Abteilung der -Angiospermen besteht aus den beiden Klassen der Einkeimblättrigen oder -Monokotylen und der Zweikeimblättrigen oder Dikotylen. Zwar hatten sich -Angiospermen aus beiden Klassen schon in der Kreidezeit gezeigt, und -Säugetiere traten schon im letzten Abschnitt der Triaszeit auf. Allein -beide Gruppen, Säugetiere und Decksamenpflanzen, erreichen ihre -eigentliche Entwicklung und Oberherrschaft erst in der Tertiärzeit, so -daß man diese mit vollem Rechte danach benennen kann. - -Den fünften und letzten Hauptabschnitt der organischen Erdgeschichte -bildet die _Quartärzeit_ oder Kulturzeit, derjenige, gegen die Länge der -vier übrigen Zeitalter verschwindend kurze Zeitraum, den wir gewöhnlich -in komischer Selbstüberhebung die »Weltgeschichte« zu nennen pflegen. Da -die Ausbildung des Menschen und seiner Kultur mächtiger als alle -früheren Vorgänge auf die organische Welt umgestaltend einwirkte, und da -sie vor allem dieses jüngste Zeitalter charakterisiert, so könnte man -dasselbe auch die Menschenzeit, das anthropolithische oder -anthropozoische Zeitalter nennen. Es könnte allenfalls auch das -Zeitalter der Kulturwälder heißen, weil selbst auf den niederen Stufen -der menschlichen Kultur ihr umgestaltender Einfluß sich bereits in der -Benutzung der Wälder und ihrer Erzeugnisse, und somit auch in der -Physiognomie der Landschaft bemerkbar macht. Geologisch wird der Beginn -dieses Zeitalters, welches bis zur Gegenwart reicht, durch das Ende der -pliozänen Schichtenablagerung begrenzt. - -Die neptunischen Schichten, welche während des verhältnismäßig kurzen -quartären Zeitraums abgelagert wurden, sind an den verschiedenen Stellen -der Erde von sehr verschiedener, meist aber von sehr geringer Dicke. Man -bringt dieselben in zwei verschiedene Systeme, von denen man das ältere -als diluvial oder pleistozän, das neuere als alluvial oder rezent -bezeichnet. Das Diluvialsystem zerfällt selbst wieder in zwei -Formationen, in die älteren glazialen und die neueren postglazialen -Bildungen. Während der älteren Diluvialzeit nämlich fand jene -außerordentlich merkwürdige Erniedrigung der Erdtemperatur statt, welche -zu einer ausgedehnten Vergletscherung der gemäßigten Zonen führte. Diese -»Eiszeit« oder Glazialperiode hat für die geographische und -topographische Verbreitung der Organismen hohe Bedeutung gewonnen. Auch -die auf die Eiszeit folgende »Nacheiszeit«, die postglaziale Periode -oder die neuere Diluvialzeit, während welcher die Temperatur wiederum -stieg und das Eis sich nach den Polen zurückzog, war für die -gegenwärtige Gestaltung der chorologischen Verhältnisse höchst -bedeutungsvoll. - -Der biologische Charakter der Quartärzeit liegt wesentlich in der -Entwicklung und Ausbreitung des menschlichen Organismus und seiner -Kultur. Weit mehr als jeder andere Organismus hat der Mensch -umgestaltend, zerstörend und neubildend auf die Tier- und -Pflanzenbevölkerung der Erde eingewirkt. Aus diesem Grunde -- nicht weil -wir dem Menschen im übrigen eine privilegierte Ausnahmestellung in der -Natur einräumen -- können wir mit vollem Rechte die Ausbreitung des -Menschen und seiner Kultur als Beginn eines besonderen letzten -Hauptabschnitts der organischen Erdgeschichte bezeichnen. Wahrscheinlich -fand allerdings die körperliche Entwicklung des Urmenschen aus -menschenähnlichen Affen bereits in der jüngeren oder pliozänen, -vielleicht sogar schon in der mittleren oder miozänen Tertiärzeit statt. -Allein die eigentliche Entwicklung der menschlichen Sprache, welche wir -als den wichtigsten Hebel für die Ausbildung der eigentümlichen Vorzüge -des Menschen und seiner Herrschaft über die übrigen Organismen -betrachten, fällt wahrscheinlich erst in jenen Zeitraum, welchen man aus -geologischen Gründen als pleistozäne oder diluviale Zeit von der -vorhergehenden Pliozänperiode trennt. Jedenfalls ist derjenige Zeitraum, -welcher seit der Entwicklung der menschlichen Sprache bis zur Gegenwart -verfloß, mag derselbe auch viele Jahrtausende und vielleicht -Hunderttausende von Jahren in Anspruch genommen haben, verschwindend -gering gegen die unermeßliche Länge der Zeiträume, welche vom Beginn -des organischen Lebens auf der Erde bis zur Entstehung des -Menschengeschlechts verflossen. - -Die tabellarische Übersicht Seite 69 zeigt die Reihenfolge der -paläontologischen Terrains, Systeme und Formationen, d. h. der größeren -und kleineren neptunischen Schichtengruppen, welche Versteinerungen -einschließen, von den obersten oder alluvialen bis zu den untersten oder -laurentischen Ablagerungen hinab. Die Tabelle Seite 68 führt die -historische Einteilung der entsprechenden Zeiträume vor, der größeren -und kleineren paläontologischen Perioden, und zwar in umgekehrter -Reihenfolge. - - Übersicht - der paläontologischen Perioden oder der größeren - Zeitabschnitte - der organischen Erdgeschichte. - - Erster Zeitraum: Archozoisches Zeitalter. - Primordial-Zeit. - (Zeitalter der Schädellosen und der Tangwälder.) - - 1. Ältere Archolithzeit oder Laurentische Periode. - 2. Mittlere Archolithzeit " Kambrische Periode. - 3. Neuere Archolithzeit " Silurische Periode. - - Zweiter Zeitraum: Paläozoisches Zeitalter. - Primär-Zeit. - (Zeitalter der Fische und Farnwälder.) - - 4. Ältere Paläolithzeit oder Devonische Periode. - 5. Mittlere Paläolithzeit " Steinkohlen-Periode. - 6. Neuere Paläolithzeit " Permische Periode. - - Dritter Zeitraum: Mesozoisches Zeitalter. - Sekundär-Zeit. - (Zeitalter der Reptilien und der Nadelwälder.) - - 7. Ältere Mesolithzeit oder Trias-Periode. - 8. Mittlere Mesolithzeit " Jura-Periode. - 9. Neuere Mesolithzeit " Kreide-Periode. - - Vierter Zeitraum: Zänozoisches Zeitalter. - Tertiär-Zeit. - (Zeitalter der Säugetiere und der Laubwälder.) - - 10. Ältere Zänolithzeit oder Eozäne Periode. - 11. Mittlere Zänolithzeit " Miozäne Periode. - 12. Neuere Zänolithzeit " Pliozäne Periode. - - Fünfter Zeitraum: Anthropozoisches Zeitalter. - Quartär-Zeit. - (Zeitalter der Menschen und der Kulturwälder.) - - 13. Ältere Anthropolithzeit oder Eiszeit. Glaziale Periode. - 14. Mittlere Anthropolithzeit " Postglaziale Periode. - 15. Neuere Anthropolithzeit " Kultur-Periode. - - (Die Kultur-Periode ist die historische Zeit oder die Periode der - Überlieferungen.) - - Übersicht - der paläontologischen Formationen oder der - versteinerungsführenden - Schichten der Erdrinde. - - ============================================================================= - Terrains | Systeme | Formation | Synonyme der - | | | Formationen - ----------------------------------------------------------------------------- - V. Anthropolithische { XIV. Rezent { 36. Präsent Oberalluviale - Terrains oder { (Alluvium) { 35. Rezent Unteralluviale - anthropozoische { - (quartäre) { XIII. Pleistozän { 34. Postglazial Oberdiluviale - Schichtengruppen { (Diluvium) { 33. Glazial Unterdiluviale - - IV. Zänolithische { XII. Pliozän { 32. Arvern Oberpliozäne - Terrains oder { (Neutertiär) { 31. Subapennin Unterpliozäne - zänozoische { - (tertiäre) { XI. Miozän { 30. Falun Obermiozäne - Schichtengruppen { (Mitteltertiär) { 29. Limburg Untermiozäne - { - { X. Eozän { 28. Gips Obereozäne - { (Alttertiär) { 27. Grobkalk Mitteleozäne - { { 26. Londonton Untereozäne - - III. Mesolithische { IX. Kreide { 25. Weißkreide Oberkreide - Terrains oder { { 24. Grünsand Mittelkreide - mesozoische { { 23. Neokom Unterkreide - (sekundäre) { { 22. Wealden Wälderformation - Schichtengruppen { - { VIII. Jura { 21. Portland Oberoolith - { { 20. Oxford Mitteloolith - { { 19. Bath Unteroolith - { { 18. Lias Liasformation - { - { VII. Trias { 17. Keuper Obertrias - { { 16. Muschelkalk Mitteltrias - { { 15. Buntsand Untertrias - - II. Paläolithische { VI. Permisches { 14. Zechstein Oberpermische - Terrains oder { (Dyas) { 13. Neurotsand Unterpermische - paläozoische { - (primäre) { V. Karbonisches { 12. Kohlensand Oberkarbonische - Schichtengruppen { (Steinkohle) { 11. Kohlenkalk Unterkarbonische - { - { IV. Devonisches { 10. Pilton Oberdevonische - { (Altrotsand) { 9. Ilfracombe Mitteldevonische - { { 8. Linton Unterdevonische - - I. Archolithische { III. Silurisches { 7. Ludlow Obersilurische - Terrains oder { { 6. Landovery Mittelsilurische - archozoische { { 5. Landeilo Untersilurische - (primordiale) { - Schichtengruppen { II. Kambrisches { 4. Potsdam Oberkambrische - { { 3. Longmynd Unterkambrische - { - { I. Laurentisches { 2. Labrador Oberlaurentische - { { 1. Ottawa Unterlaurentische - - --------------------------------------------------------------------- - | Tabelle | - | | - | zur Übersicht der neptunischen versteinerungsführenden Schichten- | - | Systeme der Erdrinde mit Bezug auf ihre verhältnismäßige | - | durchschnittliche Dicke. (130000 Fuß zirka.) | - |=====================================================================| - | IV. Zänozoische Schichten-Systeme. | Eozän, Miozän, | - | Zirka 3000 Fuß. | Pliozän. | - |-----------------------------------------+---------------------------| - | | IX. Kreide-System. | - | III. Mesozoische Schichten-Systeme. |---------------------------| - | Ablagerungen der Sekundärzeit. | VIII. Jura-System. | - | Zirka 15000 Fuß. |---------------------------| - | | VII. Trias-System. | - |-----------------------------------------+---------------------------| - | | VI. Permisches | - | II. Paläozoische Schichten-Systeme. | System. | - | |---------------------------| - | Ablagerungen der Primär-Zeit. | V. Steinkohlen- | - | | System. | - | Zirka 42000 Fuß. |---------------------------| - | | IV. Devonisches | - | | System. | - |-----------------------------------------+---------------------------| - | | III. Silurisches | - | | System. | - | I. Archozoische Schichten-Systeme. | Zirka 22000 Fuß. | - | |---------------------------| - | Ablagerungen der Primordial-Zeit. | II. Kambrisches | - | | System. | - | Zirka 70000 Fuß. | Zirka 18000 Fuß. | - | |---------------------------| - | | I. Laurentisches | - | | System. | - | | Zirka 30000 Fuß. | - --------------------------------------------------------------------- - -Man hat viele Versuche angestellt, die Zahl der Jahrtausende, welche -diese Zeiträume zusammensetzen, annähernd zu berechnen. Man verglich die -Dicke der Schlammschichten, welche erfahrungsgemäß während eines -Jahrhunderts sich absetzen, und welche nur wenige Linien oder Zolle -betragen, mit der gesamten Dicke der geschichteten Gesteinsmassen, deren -ideales System wir soeben überblickt haben. Diese Dicke mag im ganzen -durchschnittlich ungefähr 130000 Fuß betragen, und hiervon kommen 70000 -auf das primordiale oder archozoische, 42000 auf das primäre oder -paläozoische, 15000 auf das sekundäre oder mesozoische und endlich nur -3000 auf das tertiäre oder zänozoische Terrain. Die sehr geringe und -nicht annähernd bestimmbare durchschnittliche Dicke des quartären oder -anthropozoischen Terrains kommt dabei gar nicht in Betracht. Man kann -sie höchstens durchschnittlich auf 500-700 Fuß anschlagen. -Selbstverständlich haben aber alle diese Maßangaben nur einen ganz -durchschnittlichen und annähernden Wert und sollen nur dazu dienen, das -_relative_ Maßverhältnis der Schichtensysteme und der ihnen -entsprechenden Zeitabschnitte ganz _ungefähr_ zu überblicken. Auch -werden die Maße sehr verschieden abgeschätzt. - -Wenn man nun die gesamte Zeit der organischen Erdgeschichte, d. h. den -ganzen Zeitraum seit Beginn des Lebens auf der Erde bis auf den heutigen -Tag, in hundert gleiche Teile teilt, und wenn man dann, dem angegebenen -durchschnittlichen Dickenverhältnis der Schichtensysteme entsprechend, -die relative Zeitdauer der fünf Hauptabschnitte oder Zeitalter nach -Prozenten berechnet, so ergibt sich folgendes Resultat. (Vergl. Seite -70.) - - I. Archozoische oder Primordialzeit 53,6 - II. Paläozoische oder Primärzeit 32,1 - III. Mesozoische oder Sekundärzeit 11,5 - IV. Zänozoische oder Tertiärzeit 2,3 - V. Anthropozoische oder Quartärzeit 0,5 - ------ - Summa: 100,0 - -Es beträgt demnach die Länge des archozoischen Zeitraums, währenddessen -fast noch keine landbewohnenden Tiere und Pflanzen existierten, mehr als -die Hälfte, mehr als 53 Prozent, dagegen die Länge des anthropozoischen -Zeitraums, währenddessen der Mensch existierte, kaum ein halbes Prozent -von der ganzen Länge der organischen Erdgeschichte. Es ist aber ganz -unmöglich, die Länge dieser Zeiträume auch nur annähernd nach Jahren zu -berechnen. - -Die Dicke der Schlammschichten, welche während eines Jahrhunderts sich -in der Gegenwart ablagern, und welche man als Basis für diese Berechnung -benutzen wollte, ist an den verschiedenen Stellen der Erde unter den -ganz verschiedenen Bedingungen, unter denen überall die Ablagerung -stattfindet, natürlich ganz verschieden. Sie ist sehr gering auf dem -Boden des hohen Meeres, in den Betten breiter Flüsse mit kurzem Laufe -und in Landseen, welche sehr dürftige Zuflüsse erhalten. Sie ist -verhältnismäßig bedeutend an Meeresküsten mit starker Brandung, am -Ausfluß großer Ströme mit langem Lauf und in Landseen mit starken -Zuflüssen. An der Mündung des Mississippi, welcher sehr bedeutende -Schlammassen mit sich fortführt, würden in 100000 Jahren wohl etwa 600 -Fuß abgelagert werden. Auf dem Grunde des offenen Meeres, weit von den -Küsten entfernt, werden sich während dieses langen Zeitraums nur wenige -Fuß Schlamm absetzen. Selbst an den Küsten, wo verhältnismäßig viel -Schlamm abgelagert wird, mag die Dicke der dadurch während eines -Jahrhunderts gebildeten Schichten, wenn sie nachher sich zu festem -Gesteine verdichtet haben, doch nur wenige Zoll oder Linien betragen. -Jedenfalls aber bleiben alle auf diese Verhältnisse gegründeten -Berechnungen ganz unsicher, und wir können uns auch nicht einmal -annähernd die ungeheure Länge der Zeiträume vorstellen, welche zur -Bildung jener neptunischen Schichtensysteme erforderlich waren. Nur -relative, nicht absolute Zeitmaße sind hier mit Vorsicht anwendbar. - -Man würde übrigens auch vollkommen fehlgehen, wenn man die Mächtigkeit -jener Schichtensysteme allein als Maßstab für die inzwischen wirklich -verflossene Zeit der Erdgeschichte betrachten wollte. Denn Hebungen und -Senkungen der Erdrinde haben beständig miteinander gewechselt, und aller -Wahrscheinlichkeit nach entspricht oft der mineralogische und -paläontologische Unterschied, den man zwischen je zwei aufeinander -folgenden Schichtensystemen und zwischen je zwei Formationen derselben -wahrnimmt, einem beträchtlichen Zwischenraum von mehreren Jahrtausenden, -währenddessen die betreffende Stelle der Erdrinde über das Wasser -gehoben war. Erst nach Ablauf dieser Zwischenzeit, als eine neue Senkung -diese Stelle wieder unter Wasser brachte, fand die Ablagerung einer -neuen Bodenschicht statt. Da aber inzwischen die anorganischen und -organischen Verhältnisse an diesem Orte eine beträchtliche Umbildung -erfahren hatten, mußte die neugebildete Schlammschicht aus verschiedenen -Bodenbestandteilen zusammengesetzt sein und ganz verschiedene -Versteinerungen einschließen. - -Die auffallenden Unterschiede, die zwischen den Versteinerungen zweier -übereinander liegenden Schichten so häufig stattfinden, sind einfach und -leicht nur durch die Annahme zu erklären, daß derselbe Punkt der -Erdoberfläche _wiederholten Senkungen und Hebungen_ ausgesetzt wurde. -Noch gegenwärtig finden solche Hebungen und Senkungen, welche man teils -der Faltung der schrumpfenden Erdrinde, teils der Reaktion des -feuerflüssigen Erdkerns gegen die erstarrte Rinde zuschreibt, in weiter -Ausdehnung statt. So steigt z. B. die Küste von Schweden und ein Teil -von der Westküste Südamerikas beständig langsam empor, während die Küste -von Holland und ein Teil von der Ostküste Südamerikas allmählich -untersinkt. Das Steigen wie das Sinken geschieht nur sehr langsam und -beträgt im Jahrhundert bald nur einige Linien, bald einige Zoll oder -höchstens einige Fuß. Wenn aber diese Bewegung Hunderte von -Jahrtausenden hindurch ununterbrochen andauert, kann sie die höchsten -Gebirge bilden. - -Offenbar haben ähnliche Hebungen und Senkungen während des ganzen -Verlaufes der organischen Erdgeschichte ununterbrochen an verschiedenen -Stellen miteinander gewechselt. Das ergibt sich mit Sicherheit aus der -geographischen Verbreitung der Organismen. Nun ist es aber für die -Beurteilung unserer paläontologischen Schöpfungsurkunde außerordentlich -wichtig, sich klarzumachen, daß bleibende Schichten sich bloß während -langsamer Senkung des Bodens unter Wasser ablagern können, nicht aber -während andauernder Hebung. Wenn der Boden langsam mehr und mehr unter -den Meeresspiegel versinkt, so gelangen die abgelagerten -Schlammschichten in immer tieferes und ruhigeres Wasser, wo sie sich -ungestört zu Gestein verdichten können. Wenn sich dagegen umgekehrt der -Boden langsam hebt, so kommen die soeben abgelagerten Schlammschichten, -welche Reste von Pflanzen und Tieren umschließen, sogleich wieder in den -Bereich des Wogenspiels und werden durch die Kraft der Brandung alsbald -nebst den eingeschlossenen organischen Resten zerstört. Aus diesem -einfachen, aber sehr gewichtigen Grunde können also nur während einer -andauernden Senkung des Bodens sich reichlichere Schichten ablagern, in -denen die organischen Reste erhalten bleiben. Wenn je zwei verschiedene -übereinander liegende Formationen oder Schichten mithin zwei -verschiedenen Senkungsperioden entsprechen, so müssen wir zwischen -diesen letzteren einen langen Zeitraum der Hebung annehmen, von dem wir -gar nichts wissen, weil uns keine fossilen Reste von den damals lebenden -Tieren und Pflanzen aufbewahrt werden konnten. Offenbar verdienen aber -diese spurlos dahingegangenen Hebungszeiträume nicht geringere -Berücksichtigung als die damit abwechselnden Senkungszeiträume, von -deren organischer Bevölkerung uns die versteinerungsführenden Schichten -eine ungefähre Vorstellung geben. Wahrscheinlich waren die ersteren -durchschnittlich von nicht geringerer Dauer als die letzteren; für diese -Annahme sprechen viele gewichtige Gründe. - -Schon hieraus ergibt sich, wie unvollständig unsere Urkunde notwendig -sein muß, um so mehr, da sich theoretisch erweisen läßt, daß gerade -während der Hebungszeiträume das Tier- und Pflanzenleben an -Mannigfaltigkeit zunehmen mußte. Denn indem neue Strecken Landes über -das Wasser gehoben werden, bilden sich neue Inseln. Jede neue Insel ist -aber ein neuer Schöpfungsmittelpunkt, weil die zufällig dorthin -verschlagenen Tiere und Pflanzen aus dem neuen Boden im Kampf ums Dasein -reiche Gelegenheit finden, sich eigentümlich zu entwickeln und neue -Arten zu bilden. Die Bildung neuer Arten hat offenbar während dieser -Zwischenzeiten, aus denen uns leider keine Versteinerungen erhalten -bleiben konnten, vorzugsweise stattgefunden; umgekehrt gab die langsame -Senkung des Bodens eher Gelegenheit zum Aussterben zahlreicher Arten und -zu einem Rückschritt in der Artenbildung. Auch die Zwischenformen -zwischen den alten und den neu sich bildenden Spezies werden -vorzugsweise während jener Hebungszeiträume gelebt haben und konnten -daher ebenfalls keine fossilen Reste hinterlassen. - -Zu den sehr bedeutenden und empfindlichen Lücken der paläontologischen -Schöpfungsurkunde, welche durch die Hebungszeiträume bedingt werden, -kommen nun leider noch viele andere Umstände hinzu, welche den hohen -Wert derselben außerordentlich verringern. Dahin gehört vor allen der -metamorphische Zustand der ältesten Schichtengruppen, gerade derjenigen, -welche die Reste der ältesten Flora und Fauna, der Stammformen aller -folgenden Organismen enthalten, und dadurch von ganz besonderem -Interesse sein würden. Gerade diese Gesteine, und zwar der größere Teil -der primordialen oder archolithischen Schichten, fast das ganze -laurentische und ein großer Teil des kambrischen Systems, enthalten gar -keine kenntlichen Reste mehr, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil -diese Schichten durch den Einfluß des feuerflüssigen Erdinnern -nachträglich wieder verändert oder metamorphosiert wurden. Durch die -Hitze des glühenden Erdkerns sind diese tiefsten neptunischen -Rindenschichten in ihrer ursprünglichen Schichtenstruktur gänzlich -umgewandelt und in einen kristallinischen Zustand übergeführt worden. -Dabei ging aber die Form der darin eingeschlossen organischen Reste ganz -verloren. Nur hier und da wurde sie durch einen glücklichen Zufall -erhalten, wie es bei manchen der ältesten bekannten Petrefakten aus den -untersten kambrischen Schichten der Fall ist. Jedoch können wir aus den -Lagern von kristallinischer Kohle (Graphit) und kristallinischem Kalk -(Marmor), welche sich in den metamorphischen Gesteinen eingelagert -finden, mit Sicherheit auf die frühere Anwesenheit von versteinerten -Pflanzen- und Tierresten in denselben schließen. Neuerdings sind fossile -Radiolarien auch in präkambrischen Schichten entdeckt. - -Außerordentlich unvollständig wird unsere Schöpfungsurkunde durch den -Umstand, daß erst ein sehr kleiner Teil der Erdoberfläche genauer -geologisch untersucht ist, vorzugsweise Europa und Nordamerika; auch von -Südamerika und Ostindien sind einzelne Stellen der Erdrinde -aufgeschlossen; der größte Teil derselben ist uns aber unbekannt. -Dasselbe gilt vom größten Teil Asiens, des umfangreichsten aller -Weltteile, auch von Afrika (ausgenommen das Kap der Guten Hoffnung und -die Mittelmeerküste) und von Australien wissen wir nur sehr wenig. Im -ganzen ist wohl kaum der hundertste Teil der gesamten Erdoberfläche -gründlich paläontologisch erforscht. Wir können daher wohl hoffen, bei -weiterer Ausbreitung der geologischen Untersuchungen, denen namentlich -die Anlage von Eisenbahnen und Bergwerken sehr zu Hilfe kommen wird, -noch einen großen Teil wichtiger Versteinerungen aufzufinden. Ein -Fingerzeig dafür ist uns durch die merkwürdigen Versteinerungen gegeben, -die man an den wenigen genauer untersuchten Punkten von Afrika und -Asien, in den Kapgegenden und am Himalaja, sowie neuerdings in -Patagonien aufgefunden hat. Eine Reihe von ganz neuen und sehr -eigentümlichen Tierformen ist uns dadurch bekannt geworden. Freilich -müssen wir anderseits erwägen, daß der ausgedehnte Boden der jetzigen -Meere vorläufig für die paläontologischen Forschungen fast unzugänglich -ist; den größten Teil der hier seit uralten Zeiten begrabenen -Versteinerungen werden wir entweder niemals oder erst nach Verlauf -vieler Jahrtausende kennen lernen, wenn durch allmähliche Hebungen der -gegenwärtige Meeresboden mehr zutage getreten sein wird. Wenn Sie -bedenken, daß die ganze Erdoberfläche zu ungefähr drei Fünfteilen aus -Wasser und nur zu zwei Fünfteilen aus Festland besteht, so können Sie -ermessen, daß auch in dieser Beziehung die paläontologische Urkunde eine -ungeheure Lücke enthalten muß. - -Nun kommen aber noch eine Reihe von Schwierigkeiten für die -Paläontologie hinzu, welche in der Natur der Organismen selbst begründet -sind. Vor allem ist hier hervorzuheben, daß in der Regel nur harte und -feste Körperteile der Organismen auf den Boden des Meeres und der süßen -Gewässer gelangen und hier in Schlamm eingeschlossen und versteinert -werden können. Es sind also namentlich die Knochen und Zähne der -Wirbeltiere, die Kalkschalen der Weichtiere, die Chitinskelette der -Gliedertiere, die Kalkskelette der Sterntiere und Korallen, ferner die -holzigen, festen Teile der Pflanzen, die einer solchen Versteinerung -fähig sind. Die weichen und zarten Teile dagegen, welche bei den -allermeisten Organismen den bei weitem größten Teil des Körpers bilden, -gelangen nur sehr selten unter so günstigen Verhältnissen in den -Schlamm, daß sie versteinern, oder daß ihre äußere Form deutlich in dem -erhärteten Schlamme sich abdrückt. Nun bedenken Sie, daß ganze große -Klassen von Organismen, wie z. B. die Medusen, die Platoden, die nackten -Mollusken, welche keine Schale haben, ein großer Teil der Gliedertiere, -die meisten Würmer und selbst die niedersten Wirbeltiere gar keine -festen und harten, versteinerungsfähigen Körperteile besitzen. Ebenso -sind gerade die wichtigsten Pflanzenteile, die Blüten, meistens so weich -und zart, daß sie sich nicht in kenntlicher Form konservieren können. -Von allen diesen wichtigen Lebensformen werden wir naturgemäß auch gar -keine versteinerten Reste zu finden erwarten können. Ferner sind die -Embryonen und Jugendzustände fast aller Organismen so weich und zart, -daß sie gar nicht versteinerungsfähig sind. Was wir also von -Versteinerungen in den neptunischen Schichtensystemen der Erdrinde -vorfinden, das sind im Verhältnis zum Ganzen nur wenige Formen, und -meistens nur einzelne Bruchstücke. - -Sodann ist zu berücksichtigen, daß die Meerbewohner in einem viel -höheren Grade Aussicht haben, ihre toten Körper in den abgelagerten -Schlammschichten versteinert zu erhalten, als die Bewohner der süßen -Gewässer und des Festlandes. Die das Land bewohnenden Organismen können -in der Regel nur dann versteinert werden, wenn ihre Leichen zufällig ins -Wasser fallen und auf dem Boden in erhärtenden Schlammschichten begraben -werden, was von mancherlei Bedingungen abhängig ist. Daher kann es uns -nicht wundernehmen, daß die bei weitem größte Mehrzahl der -Versteinerungen Organismen angehört, die im Meere lebten, und daß von -den Landbewohnern verhältnismäßig nur sehr wenige im fossilen Zustande -erhalten sind. Welche Zufälligkeiten hierbei ins Spiel kommen, mag Ihnen -allein der Umstand beweisen, daß man von vielen fossilen Säugetieren, -insbesondere von den meisten Säugetieren der Sekundärzeit, weiter nichts -kennt als den Unterkiefer. Dieser Knochen ist erstens verhältnismäßig -fest und löst sich zweitens sehr leicht von dem toten Körper, der auf -dem Wasser schwimmt, ab. Während die Leiche vom Wasser fortgetrieben und -zerstört wird, fällt der Unterkiefer auf den Grund des Wassers hinab und -wird hier vom Schlamm umschlossen. Daraus erklärt sich allein die -merkwürdige Tatsache, daß in einer Kalkschicht des Jurasystems bei -Oxford in England, in den Schiefern von Stonesfield, bis jetzt fast nur -die Unterkiefer von zahlreichen Beuteltieren gefunden worden sind; sie -gehören zu den ältesten Säugetieren, welche wir kennen. Von dem ganzen -übrigen Körper derselben war auch nicht ein Knochen mehr vorhanden. Die -»exakten« Gegner der Entwicklungstheorie würden nach der bei ihnen -gebräuchlichen Logik hieraus den Schluß ziehen müssen, daß der -Unterkiefer der einzige Knochen im Leibe jener merkwürdigen Tiere war. - -Für die kritische Würdigung der vielen unbedeutenden Zufälle, die unsere -Kenntnis der Versteinerungen in der bedeutendsten Weise beeinflussen, -sind ferner auch die Fußspuren sehr lehrreich, welche sich in großer -Menge in verschiedenen ausgedehnten Sandsteinlagern, z. B. in dem roten -Sandstein von Connecticut in Nordamerika, finden. Diese Fußtritte rühren -offenbar von Wirbeltieren, wahrscheinlich von Reptilien her, von deren -Körper selbst uns nicht die geringste Spur erhalten geblieben ist. Die -Abdrücke, welche ihre Füße im Schlamm hinterlassen haben, verraten uns -allein die vormalige Existenz von diesen uns sonst ganz unbekannten -Tieren. - -Welche Zufälligkeiten außerdem noch die Grenzen unserer -paläontologischen Kenntnisse bestimmen, können Sie daraus ermessen, daß -man von sehr vielen wichtigen Versteinerungen nur ein einziges oder nur -ein paar Exemplare kennt. Im Jahre 1861 wurde im lithographischen -Schiefer von Solnhofen das unvollständige Skelett des ältesten bis jetzt -bekannten Vogels entdeckt; ^Archaeopteryx lithographica^; 1877 wurde -ebendaselbst ein zweites Exemplar gefunden, welches das erste in -glücklichster Weise ergänzt. Die Kenntnis dieses einzigen Vogels aus dem -Jurasystem besitzt für die Phylogenie der ganzen Vogelklasse die -allergrößte Wichtigkeit. Alle bisher bekannten Vögel stellten eine sehr -einförmig organisierte Gruppe dar, und zeigten keine auffallenden -Übergangsbildungen zu anderen Wirbeltierklassen, auch nicht zu den -nächstverwandten Reptilien. Jener fossile Vogel aus dem Jura dagegen -besaß keinen gewöhnlichen Vogelschwanz, sondern einen Eidechsenschwanz, -und bestätigte dadurch die aus anderen Gründen vermutete Abstammung der -Vögel von den Eidechsen. Durch dieses Petrefakt wurde also nicht nur -unsere Vorstellung von dem Alter der Vogelklasse, sondern auch von ihrer -Blutsverwandtschaft mit den Reptilien wesentlich erweitert. Ebenso sind -unsere Kenntnisse von anderen Tiergruppen oft durch die zufällige -Entdeckung einer einzigen Versteinerung wesentlich umgestaltet worden. -Da wir aber wirklich von vielen wichtigen Petrefakten nur sehr wenige -Exemplare oder nur Bruchstücke kennen, so muß auch aus diesem Grunde die -paläontologische Urkunde höchst unvollständig sein. - -Eine weitere und sehr empfindliche Lücke derselben ist durch den Umstand -bedingt, daß die _Zwischenformen_, welche die verschiedenen Arten -verbinden, in der Regel nicht erhalten sind, und zwar aus dem einfachen -Grunde, weil dieselben (nach dem Prinzip der Divergenz des Charakters) -im Kampfe ums Dasein ungünstiger gestellt waren als die am meisten -divergierenden Varietäten, die sich aus einer und derselben Stammform -entwickelten. Die Zwischenglieder sind im ganzen immer rasch -ausgestorben und haben sich nur selten vollständig erhalten. Die am -stärksten divergierenden Formen dagegen konnten sich längere Zeit -hindurch als selbständige Arten am Leben erhalten, sich in zahlreichen -Individuen ausbreiten und demnach auch leichter versteinert werden. -Dadurch ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß nicht in vielen Fällen auch -die verbindenden Zwischenformen der Arten sich so vollständig -versteinert erhielten, daß sie noch gegenwärtig die systematischen -Paläontologen in die größte Verlegenheit versetzen und endlose -Streitigkeiten über die ganz willkürlichen Grenzen der Spezies -hervorrufen. - -Ein ausgezeichnetes Beispiel der Art liefert die berühmte vielgestaltige -Süßwasserschnecke aus dem Stubental bei Steinheim in Württemberg, welche -bald als ^Paludina^, bald als ^Valvata^, bald als ^Planorbis -multiformis^ beschrieben worden ist. Die schneeweißen Schalen dieser -kleinen Schnecke setzen mehr als die Hälfte von der ganzen Masse eines -tertiären Kalkhügels zusammen und offenbaren dabei an dieser einen -Lokalität eine solche wunderbare Formenmannigfaltigkeit, daß man die am -meisten divergierenden Extreme als wenigstens zwanzig ganz verschiedene -Arten beschreiben und diese sogar in vier ganz verschiedene Gattungen -versetzen könnte. Aber alle diese extremen Formen sind durch so -massenhafte verbindende Zwischenformen verknüpft, und diese liegen so -gesetzmäßig über- und nebeneinander, daß Hilgendorf daraus auf das -klarste den Stammbaum der ganzen Formengruppe entwickeln konnte. Ebenso -finden sich bei sehr vielen anderen fossilen Arten (z. B. vielen -Ammoniten, Terebrateln, Seeigeln, Seelilien usw.) die verknüpfenden -Zwischenformen in solcher Masse, daß sie die »fossilen Spezieskrämer« -zur Verzweiflung bringen. - -Wenn Sie nun alle vorher angeführten Verhältnisse erwägen, so werden Sie -sich nicht darüber wundern, daß die paläontologische Schöpfungsurkunde -ganz außerordentlich lückenhaft und unvollständig ist. Aber dennoch -haben die wirklich gefundenen Versteinerungen den größten Wert. Ihre -Bedeutung für die natürliche Schöpfungsgeschichte ist nicht geringer als -die Bedeutung, welche die berühmte Inschrift von Rosette und das Dekret -von Kanopus für die Völkergeschichte, für die Archäologie und Philologie -besitzen. Wie es durch diese beiden uralten Inschriften möglich wurde, -die Geschichte des alten Ägyptens außerordentlich zu erweitern und die -ganze Hieroglyphenschrift zu entziffern, so genügen uns in vielen Fällen -einzelne Knochen eines Tieres oder unvollständige Abdrücke einer -niederen Tier- oder Pflanzenform, um die wichtigsten Anhaltspunkte für -die Geschichte einer ganzen Gruppe und die Erkenntnis ihres Stammbaums -zu gewinnen. Ein paar kleine Backzähne, die in der Keuperformation der -Trias gefunden wurden, waren lange Zeit hindurch der einzige Beweis -dafür, daß schon in der Triaszeit Säugetiere wirklich existiert haben. - -Von der Unvollkommenheit des geologischen Schöpfungsberichtes sagt -Darwin, in Übereinstimmung mit Lyell, dem berühmten Geologen: »Der -natürliche Schöpfungsbericht, wie ihn die Paläontologie liefert, ist -eine Geschichte der Erde, unvollständig erhalten und in wechselnden -Dialekten geschrieben, wovon aber nur der letzte, bloß auf einige Teile -der Erdoberfläche sich beziehende Band bis auf uns gekommen ist. Doch -auch von diesem Bande ist nur hier und da ein kurzes Kapitel erhalten, -und von jeder Seite sind nur da und dort einige Zeilen übrig. Jedes Wort -der langsam wechselnden Sprache dieser Beschreibung, mehr oder weniger -verschieden in der ununterbrochenen Reihenfolge der einzelnen -Abschnitte, mag den anscheinend plötzlich wechselnden Lebensformen -entsprechen, welche in den unmittelbar aufeinander liegenden Schichten -unserer weit voneinander getrennten Formationen begraben liegen.« - -Wenn Sie diese außerordentliche Unvollständigkeit der paläontologischen -Urkunde sich beständig vor Augen halten, so wird es Ihnen nicht -wunderbar erscheinen, daß wir noch auf so viele unsichere Hypothesen -angewiesen sind, indem wir wirklich den Stammbaum der verschiedenen -organischen Gruppen entwerfen wollen. Jedoch besitzen wir -glücklicherweise außer den Versteinerungen auch noch andere historische -Urkunden; und diese sind in vielen Fällen von nicht geringerem und in -den meisten sogar von viel höherem Werte als die Petrefakten. Die bei -weitem wichtigste von diesen anderen Schöpfungsurkunden ist ohne Zweifel -die _Ontogenie_ oder Keimesgeschichte; denn sie wiederholt uns kurz in -großen, markigen Zügen das Bild der Stammesgeschichte oder _Phylogenie_. - -Allerdings ist die Skizze, welche uns die Ontogenie der Organismen von -ihrer Phylogenie gibt, in den meisten Fällen mehr oder weniger -verwischt, und zwar um so mehr, je mehr die Anpassung im Laufe der Zeit -das Übergewicht über die Vererbung erlangt hat, und je mächtiger das -Gesetz der abgekürzten Vererbung und das Gesetz der wechselbezüglichen -Anpassung eingewirkt haben. Allein dadurch wird der hohe Wert nicht -vermindert, welchen die wirklich treu erhaltenen Züge jener Skizze -besitzen. Besonders für die Erkenntnis der frühesten paläontologischen -Entwicklungszustände ist die Ontogenie von ganz unschätzbaren Werte, -weil gerade von den ältesten Entwicklungsstufen der Stämme und Klassen -uns gar keine versteinerten Reste erhalten worden sind und auch schon -wegen der weichen und zarten Körperbeschaffenheit derselben nicht -erhalten bleiben konnten. Keine Versteinerung könnte uns von der -unschätzbar wichtigen Tatsache berichten, welche die Ontogenie uns -erzählt, daß die ältesten gemeinsamen Vorfahren aller verschiedenen -Tier- und Pflanzenarten ganz einfache Zellen, gleich den Eiern waren. -Keine Versteinerung könnte uns die unendlich wertvolle, durch die -Ontogenie festgestellte Tatsache beweisen, daß durch einfache -Vermehrung, Gemeindebildung und Arbeitsteilung jener Zellen die -unendlich mannigfaltigen Körperformen der vielzelligen Organismen -entstanden. Allein schon die Gastrulation ist eine der wichtigsten -Stammesurkunden. So hilft uns die Ontogenie über viele und große Lücken -der Paläontologie hinweg. - -[Illustration: Hand von neun verschiedenen Säugetieren. 1. Mensch. 2. -Gorilla. 3. Orang. 4. Hund. 5. Seehund. 6. Delphin. 7. Fledermaus. 8. -Maulwurf. 9. Schnabeltier.] - -Zu den unschätzbaren Schöpfungsurkunden der Paläontologie und Ontogenie -gesellen sich nun drittens die nicht minder wichtigen Zeugnisse für die -Blutsverwandtschaft der Organismen, welche uns die _vergleichende -Anatomie_ liefert. Wenn äußerlich sehr verschiedene Organismen in ihrem -inneren Bau nahezu übereinstimmen, so können wir daraus mit voller -Sicherheit schließen, daß diese Übereinstimmung ihren Grund in der -Vererbung, jene Ungleichheit dagegen ihren Grund in der Anpassung hat. -Betrachten Sie z. B. vergleichend die Hände oder Vorderpfoten der neun -verschiedenen Säugetiere, welche auf Seite 87 abgebildet sind, und bei -denen das knöcherne Skelettgerüst im Innern der Hand und der fünf Finger -sichtbar ist. Überall finden sich bei der verschiedensten äußeren Form -dieselben Knochen in derselben Zahl, Lagerung und Verbindung wieder. Daß -die Hand des Menschen (Fig. 1) von derjenigen seiner nächsten -Verwandten, des Gorilla (Fig. 2) und des Orang (Fig. 3), sehr wenig -verschieden ist, wird vielleicht sehr natürlich erscheinen. Wenn aber -auch die Vorderpfote des Hundes (Fig. 4), sowie die Brustflosse (die -Hand) des Seehundes (Fig. 5) und des Delphins (Fig. 6) ganz denselben -wesentlichen Bau zeigt, so wird dies schon mehr überraschen. Und noch -wunderbarer wird es Ihnen vorkommen, daß auch der Flügel der Fledermaus -(Fig. 7), die Grabschaufel des Maulwurfs (Fig. 8) und der Vorderfuß des -unvollkommensten aller Säugetiere, des Schnabeltieres (Fig. 9) ganz aus -denselben Knochen zusammengesetzt ist. Nur die Größe und Form der -Knochen ist vielfach geändert. Die Zahl und die Art ihrer Anordnung und -Verbindung ist dieselbe geblieben. Es ist ganz undenkbar, daß irgendeine -andere Ursache als die gemeinschaftliche Vererbung von gemeinsamen -Stammeltern diese wunderbare Homologie oder Gleichheit im wesentlichen -inneren Bau bei so verschiedener äußerer Form verursacht habe. Und wenn -Sie nun im System von den Säugetieren weiter hinuntersteigen und finden, -daß sogar bei den Vögeln die Flügel, bei den Reptilien und Amphibien die -Vorderfüße wesentlich in derselben Weise aus denselben Knochen -zusammengesetzt sind, wie die Arme des Menschen und die Vorderbeine der -übrigen Säugetiere, so können Sie schon daraus auf die gemeinsame -Abstammung aller dieser Wirbeltiere mit voller Sicherheit schließen. Der -Grad der inneren Formverwandtschaft enthüllt Ihnen hier, wie überall, -den Grad der wahren Stammverwandtschaft. - - (Aus »Natürliche Schöpfungsgeschichte«.) - - - - - III. - Die Gasträatheorie. - - -Die ersten Vorgänge der individuellen Entwicklung, welche nach erfolgter -Befruchtung der Eizelle und Bildung der Stammzelle eintreten, sind im -ganzen Tierreiche wesentlich dieselben; sie beginnen überall mit der -sogenannten Eifurchung und Keimblätterbildung. Nur die niedersten und -einfachsten Tiere, die Urtiere oder Protozoen, machen davon eine -Ausnahme; denn sie bleiben zeitlebens einzellig. Zu diesen Urtieren -gehören die Amöben, Gregarinen, Rhizopoden, Infusorien usw. Da ihr -ganzer Organismus nur durch eine einzige Zelle repräsentiert wird, -können sie niemals »Keimblätter«, d. h. bestimmt geformte -Zellenschichten bilden. Alle übrigen Tiere dagegen, alle Gewebetiere -oder Metazoen (wie wir sie im Gegensatz zu jenen Protozoen nennen) -bilden durch wiederholte Teilung der befruchteten Eizelle echte -Keimblätter. Das gilt ebensowohl von den niederen Nesseltieren und -Wurmtieren, wie von den höher entwickelten Weichtieren, Sterntieren, -Gliedertieren und Wirbeltieren. - -Bei allen diesen Metazoen oder vielzelligen Tieren sind die wichtigsten -Vorgänge der Keimung im wesentlichen gleich, obwohl sie, äußerlich -betrachtet, oft sehr verschieden erscheinen. Überall zerfällt die -Stammzelle, welche aus der befruchteten Eizelle hervorgegangen ist, -zunächst durch wiederholte Teilung in eine große Anzahl von einfachen -Zellen. Diese Zellen sind alle direkte Nachkommen der Stammzelle und -werden aus später zu erörternden Gründen als Furchungszellen oder -»Furchungskugeln« bezeichnet (^Blastomera^ oder ^Segmentella^). Der -wiederholte Teilungsprozeß der Stammzelle, durch welchen die -Furchungszellen entstehen, ist schon lange unter dem Namen der -_Eifurchung_ oder schlechtweg »Furchung« (^Segmentatio^) bekannt. Früher -oder später treten die Furchungszellen zur Bildung einer runden -(ursprünglich kugeligen) _Keimblase_ (^Blastula^) zusammen; dann aber -sondern sie sich in zwei wesentlich verschiedene Gruppen und ordnen sich -in zwei getrennte Zellenschichten: die beiden _primären Keimblätter_. -Diese umschließen eine Verdauungshöhle, den _Urdarm_, mit einer Öffnung, -dem _Urmund_. Die bedeutungsvolle Keimform, welche diese ältesten -Primitivorgane besitzt, nennen wir _Gastrula_, den Vorgang ihrer -Entstehung _Gastrulation_. Dieser ontogenetische Vorgang besitzt die -höchste Bedeutung und ist der eigentliche Ausgangspunkt für die -Gestaltung des vielzelligen Tierkörpers. - -Die fundamentalen Keimungsprozesse der Eifurchung und der -Keimblätterbildung sind erst in den letzten dreißig Jahren vollkommen -klar erkannt und in ihrer wahren Bedeutung richtig gewürdigt worden. Sie -bieten in den verschiedenen Tiergruppen mancherlei auffallende -Verschiedenheiten dar, und es war nicht leicht, die wesentliche -Gleichheit oder Identität derselben im ganzen Tierreiche nachzuweisen. -Erst nachdem ich 1872 die Gasträatheorie aufgestellt und später (1875) -alle die einzelnen Formen der Eifurchung und Gastrulabildung auf eine -und dieselbe Grundform zurückgeführt hatte, konnte jene wichtige -Identität als wirklich bewiesen angesehen werden. Es ist damit ein -_einheitliches Gesetz_ gewonnen, welches die ersten Vorgänge der Keimung -bei sämtlichen Tieren beherrscht. - -Der Mensch verhält sich in bezug auf diese ersten und wichtigsten -Vorgänge jedenfalls durchaus gleich den übrigen höheren Säugetieren, und -zunächst den Affen. Da der menschliche Keim oder Embryo selbst noch in -einem viel späteren Stadium der Ausbildung, wo bereits Gehirnblasen, -Augen, Gehörorgane, Kiemenbogen usw. angelegt sind, nicht wesentlich von -dem gleichgeformten Keime der übrigen höheren Säugetiere verschieden -ist, so dürfen wir mit voller Sicherheit annehmen, daß auch die ersten -Vorgänge der Keimung, der Eifurchung und Keimblätterbildung dieselben -sind. Wirklich beobachtet sind diese Verhältnisse allerdings bisher noch -nicht. Da aber sowohl die jüngsten wirklich beobachteten menschlichen -Embryonen (in Form von Keimblasen), als auch die darauf folgenden weiter -entwickelten Keimformen mit denjenigen des Kaninchens, des Hundes und -anderer höherer Säugetiere wesentlich übereinstimmen, so wird kein -vernünftiger Mensch daran zweifeln, daß auch die Eifurchung und -Keimblätterbildung hier geradeso wie dort verläuft. - -Nun ist aber die besondere Form, welche die Eifurchung und -Keimblätterbildung bei den Säugetieren besitzt, keineswegs die -ursprüngliche, einfache und palingenetische Form der Keimung. Vielmehr -ist dieselbe infolge von zahlreichen embryonalen Anpassungen sehr stark -abgeändert, gestört oder cenogenetisch modifiziert. Wir können dieselbe -daher unmöglich an und für sich allein verstehen. Vielmehr müssen wir, -um zu diesem Verständnis zu gelangen, die verschiedenen Formen der -Eifurchung und Keimblätterbildung im Tierreiche vergleichend betrachten; -und vor allem müssen wir die ursprüngliche, _palingenetische_ Form -derselben aufsuchen, aus welcher die abgeänderte, _cenogenetische_ Form -der Säugetierkeimung erst viel später allmählich entstanden ist. - -Diese ursprüngliche, palingenetische Form der Eifurchung und -Keimblätterbildung besteht im Stamme der Wirbeltiere, zu welchem der -Mensch gehört, heutzutage einzig und allein noch beim niedersten und -ältesten Gliede dieses Stammes, bei dem wunderbaren Lanzettierchen oder -Amphioxus. Dieselbe palingenetische Form der Keimung finden wir aber in -ganz gleicher Weise auch noch bei vielen niederen, wirbellosen Tieren -vor, so z. B. bei der merkwürdigen Seescheide (^Ascidia^), bei der -Teichschnecke (^Limnaeus^), beim Pfeilwurm (^Sagitta^), ferner bei sehr -vielen Sterntieren und Nesseltieren, so z. B. beim gewöhnlichen Seestern -und Seeigel, bei vielen Medusen und Korallen und bei den einfachsten -Schwämmen (^Olynthus^). Wir wollen hier als Beispiel die palingenetische -Eifurchung und Keimblätterbildung einer achtzähligen Einzelkoralle -betrachten, welche ich 1873 im Roten Meere entdeckt und in meinen -»Arabischen Korallen« als ^Monoxenia Darwinii^ beschrieben habe. - -[Illustration: Fig. 1. Gastrulation einer Koralle (^Monoxenia -Darwinii^).] - -Die befruchtete Eizelle dieser Koralle (siehe die Abbildungen S. 93) -zerfällt zunächst durch Teilung in zwei gleiche Zellen (C). Zuerst teilt -sich der Kern der Stammzelle und das anhängende Centrosoma in zwei -gleiche Hälften, diese stoßen sich ab, weichen auseinander und wirken -als Anziehungsmittelpunkte auf das umgebende Protoplasma; infolgedessen -schnürt sich das letztere durch eine Ringfurche ringsherum ein und geht -ebenfalls in zwei gleiche Hälften auseinander. Jede der beiden so -entstandenen »Furchungszellen« zerfällt auf dieselbe Weise wiederum in -zwei gleiche Zellen, und zwar liegt die Trennungsebene dieser beiden -letzteren senkrecht auf derjenigen der beiden ersteren (Fig. D). Die -vier gleichen Furchungszellen (die Enkelinnen der Stammzelle) liegen in -einer Ebene. Jetzt teilt sich jede derselben abermals in zwei gleiche -Hälften, und wiederum geht die Teilung des Zellkernes derjenigen des -umhüllenden Protoplasma voraus. Die so entstandenen acht Furchungszellen -zerfallen auf die gleiche Weise wieder in sechzehn. Aus diesen werden -durch abermalige Teilung 32 Furchungszellen. Indem jede von diesen sich -halbiert, entstehen 64, weiterhin 128 Zellen usw. Das Endresultat dieser -wiederholten gleichmäßigen Zweiteilung ist die Bildung eines kugeligen -Haufens von gleichartigen Furchungszellen, und diesen nennen wir -_Maulbeerkeim_ (^Morula^). Die Zellen liegen so dicht gedrängt -aneinander, wie die Körner einer Maulbeere oder Brombeere, und daher -erscheint die Oberfläche der Kugel im ganzen höckerig. - -Nachdem die Eifurchung dergestalt beendigt ist, verwandelt sich der -dichte Maulbeerkeim in eine hohle kugelige Blase. Wässerige Flüssigkeit -oder Gallerte sammelt sich in der Mitte der dichten Kugel an; die -Furchungszellen weichen auseinander und begeben sich alle an die -Oberfläche derselben. Hier platten sie sich durch gegenseitigen Druck -vielflächig ab, nehmen die Gestalt von abgestutzten Pyramiden an und -ordnen sich in eine einzige Schicht regelmäßig nebeneinander (Fig. F, -G). Diese Zellenschicht heißt die _Keimhaut_ (^Blastoderma^); die -gleichartigen Zellen, welche dieselbe in einfacher Lage zusammensetzen, -nennen wir _Keimhautzellen_, und die ganze hohle Kugel, deren Wand die -letzteren bilden, heißt _Keimhautblase_, auch kurz »Keimblase« oder -»Blasenkeim« (^Blastula^). Der innere Hohlraum der Kugel, der mit klarer -Flüssigkeit oder Gallerte gefüllt ist, heißt »Furchungshöhle« oder -_Keimhöhle_. - -Bei unserer Koralle, wie bei vielen anderen niederen Tieren, beginnt -schon jetzt der junge Tierkeim sich selbständig zu bewegen und im Wasser -umherzuschwimmen. Es wächst nämlich aus jeder Keimhautzelle ein dünner -und langer, fadenförmiger Fortsatz hervor, eine Peitsche oder Geißel; -und diese führt selbständig langsame, später raschere Schwingungen aus -(Fig. F). Jede Keimhautzelle wird so zu einer schwingenden -»Geißelzelle«. Durch die vereinigte Kraft aller dieser schwingenden -Geißeln wird die ganze kugelige Keimhautblase drehend oder rotierend im -Wasser umhergetrieben. Bei vielen anderen Tieren, insbesondere bei -solchen, wo sich der Keim innerhalb geschlossener Eihüllen entwickelt, -bilden sich die schwingenden Geißelfäden an den Keimhautzellen erst -später oder kommen überhaupt nicht zur Ausbildung. Die Keimhautblase -kann wachsen und sich ausdehnen, indem sich die Keimhautzellen durch -fortgesetzte Teilung (in der Kugelfläche!) vermehren und im inneren -Hohlraum noch mehr Flüssigkeit ausgeschieden wird. Es gibt noch heute -einige Organismen, welche auf der Bildungsstufe der Blastula zeitlebens -stehenbleiben, Hohlkugeln, welche durch Flimmerbewegung im Wasser -umherschwimmen und deren Wand aus einer einzigen Zellenschicht besteht: -die Kugeltierchen (^Volvox^), die Flimmerkugeln (^Magosphaera^, -^Synura^) und andere. - -Jetzt tritt ein sehr wichtiger und merkwürdiger Vorgang ein, nämlich die -_Einstülpung der Keimblase_ (Fig. H). Aus der Kugel mit einschichtiger -Zellenwand wird ein Becher mit zweischichtiger Zellenwand (Fig. G, H, -I). An einer bestimmten Stelle der Kugeloberfläche bildet sich eine -Abplattung, die sich zu einer Grube vertieft. Diese Grube wird tiefer -und tiefer; sie wächst auf Kosten der inneren Keimhöhle oder -Furchungshöhle. Die letztere nimmt immer mehr ab, je mehr sich die -erstere ausdehnt. Endlich verschwindet die innere Keimhöhle ganz, indem -sich der innere, eingestülpte Teil der Keimhaut (oder die Wand der -Grube) an den äußeren, nicht eingestülpten Teil derselben innig anlegt. -Zugleich nehmen die Zellen der beiden Teile verschiedene Gestalt und -Größe an; die inneren Zellen werden mehr rundlich, die äußeren mehr -länglich (Fig. I). So bekommt der Keim die Gestalt eines becherförmigen -oder krugförmigen Körpers, dessen Wand aus zwei verschiedenen -Zellenschichten besteht, und dessen innere Höhlung sich am einen Ende -(an der ursprünglichen Einstülpungsstelle) nach außen öffnet. Diese -höchst wichtige und interessante Keimform nennen wir Becherkeim oder -_Becherlarve_ (^Gastrula^, Fig. 1 I im Längsschnitt, K von außen). - -_Die Gastrula halte ich für die wichtigste und bedeutungsvollste -Keimform des Tierreichs._ Denn bei allen echten Tieren (nach Ausschluß -der einzelligen Protozoen) geht aus der Eifurchung entweder eine reine, -ursprüngliche, palingenetische Gastrula hervor, oder doch eine -gleichbedeutende cenogenetische Keimform, die sekundär aus der ersteren -entstanden ist und sich unmittelbar darauf zurückführen läßt. Sicher ist -es eine Tatsache von höchstem Interesse und von der größten Bedeutung, -daß Tiere der verschiedensten Stämme: Wirbeltiere und Manteltiere, -Weichtiere und Gliedertiere, Sterntiere und Wurmtiere, Nesseltiere und -Schwammtiere sich aus einer und derselben Keimform entwickeln. Als -redende Beispiele stelle ich hier einige reine Gastrulaformen aus -verschiedenen Tierstämmen nebeneinander: - -[Illustration: Fig. 2 (B). Gastrula eines Wurmes (Pfeilwurm, ^Sagitta^) -nach Kowalevsky. -- Fig. 3 (C). Gastrula eines Echinodermen (Seestern, -^Uraster^), nicht völlig eingestülpt (^Depula^), nach Alexander Agassiz. --- Fig. 4 (D). Gastrula eines Arthropoden (Urkrebs, ^Nauplius^) (wie 3). --- Fig. 5. (E). Gastrula eines Mollusken (Teichschnecke, ^Limnaeus^), -nach Karl Rabl. -- Fig. 6 (A). Gastrula eines einfachsten Urdarmtieres, -einer Gasträade (^Gastrophysema^), Haeckel. -- Fig. 7 (F). Gastrula -eines Wirbeltieres (Lanzettierchen, ^Amphioxus^), nach Kowalevsky. -(Frontal-Ansicht.) -- Überall bedeutet: d Urdarmhöhle. o Urmund. s -Furchungshöhle. i Entoderm (Darmblatt). e Ektoderm (Hautblatt).] - -Bei dieser außerordentlichen Bedeutung der Gastrula müssen wir die -Zusammensetzung ihrer ursprünglichen Körperform auf das genaueste -untersuchen. Gewöhnlich ist die typische reine Gastrula sehr klein, mit -bloßem Auge nicht sichtbar oder höchstens unter günstigen Umständen als -ein feiner Punkt erkennbar, meistens von 1/20-1/10, seltener von 1/5-1/2 -mm Durchmesser (bisweilen mehr). Ihre Gestalt gleicht meistens einem -rundlichen Becher, bald ist sie mehr eiförmig, bald mehr ellipsoid oder -spindelförmig; bei einigen mehr halbkugelig oder fast kugelig, bei -anderen wiederum mehr in die Länge gestreckt oder fast zylindrisch. Sehr -charakteristisch ist die geometrische Grundform des Körpers, welche -durch eine einzige Achse mit zwei verschiedenen Polen bestimmt wird. -Diese Achse ist die Hauptachse oder Längsachse des späteren Tierkörpers; -der eine Pol ist der Mundpol; der entgegengesetzte der Gegenmundpol. Bei -den Bilaterien oder den höheren Tieren mit zweiseitiger Grundform nimmt -die cenogenetisch abgeänderte Gastrula gewöhnlich schon frühzeitig -ebenfalls die bilaterale (dreiachsige) Grundform an. Durch die -einachsige Grundform unterscheidet sich die Gastrula sehr wesentlich von -der kugeligen Blastula und Morula, bei denen alle Körperachsen gleich -sind. Der Querschnitt der primären Gastrula ist kreisrund. - -Die innere Höhle des Gastrulakörpers bezeichne ich als _Urdarm_ -(^Progaster^) und seine Öffnung als _Urmund_ (^Prostoma^). Denn jene -Höhle ist die ursprüngliche Ernährungshöhle oder Darmhöhle des Körpers, -und diese Öffnung hat anfänglich zur Nahrungsaufnahme in denselben -gedient. Später allerdings verhalten sich Urdarm und Urmund in den -verschiedenen Tierstämmen sehr verschieden. Bei den meisten Nesseltieren -und vielen Wurmtieren bleiben sie zeitlebens bestehen. Bei den meisten -höheren Tieren hingegen, und so auch bei den Wirbeltieren, geht nur der -größere mittlere Teil des späteren Darmrohrs aus dem Urdarme hervor; die -spätere Mundöffnung bildet sich neu, während der Urmund zuwächst oder -sich in den After umwandelt. Wir müssen also wohl unterscheiden zwischen -dem Urmund und Urdarm der Gastrula einerseits und zwischen dem Nachdarm -und Nachmund des ausgebildeten Wirbeltieres anderseits. - -Von der größten Bedeutung sind die beiden Zellenschichten, welche die -Urdarmhöhle umschließen und deren Wand allein zusammensetzen. Denn diese -beiden Zellenschichten, die einzig und allein den ganzen Körper bilden, -sind nichts anderes als die beiden primären Keimblätter oder die -_Urkeimblätter_ (^Blastophylla^). Die äußere Zellenschicht ist das -_Hautblatt_ oder ^Ektoderma^ (Fig. 2-7 e); die innere Zellenschicht ist -das _Darmblatt_ oder ^Entoderma^ (i). Ersteres wird auch oft als -Ektoblast oder Epiblast, letzteres als Endoblast oder Hypoblast -bezeichnet. _Aus diesen beiden primären Keimblättern allein baut sich -der ganze Körper bei allen Metazoen oder vielzelligen Tieren auf._ Das -Hautblatt liefert die äußere Oberhaut, das Darmblatt hingegen die innere -Darmhaut. Zwischen beiden Keimblättern bildet sich später das mittlere -Keimblatt (^Mesoderma^) und die mit Blut oder Lymphe erfüllte -Leibeshöhle (^Coeloma^). - -Die beiden primären Keimblätter wurden zuerst im Jahre 1817 von Pander -beim bebrüteten Hühnchen klar unterschieden, das äußere als seröses, das -innere als muköses Blatt oder Schleimblatt. Aber ihre volle Bedeutung -wurde erst von Baer erkannt, welcher in seiner klassischen -Entwicklungsgeschichte (1828) das äußere als animales, das innere als -vegetatives bezeichnete. Diese Bezeichnung ist insofern passend, als aus -dem äußeren Blatte vorzugsweise (wenn auch nicht ausschließlich) die -animalen Organe der Empfindung: Haut, Nerven und Sinnesorgane entstehen; -hingegen aus dem inneren Blatte vorzugsweise die vegetativen Organe der -Ernährung und Fortpflanzung, namentlich der Darm und das -Blutgefäßsystem. Zwanzig Jahre später (1849) wies dann Huxley darauf -hin, daß bei vielen niederen Pflanzentieren, namentlich Medusen, der -ganze Körper eigentlich zeitlebens nur aus diesen beiden primären -Keimblättern besteht. Bald darauf führte Allman (1853) für dieselben die -Benennung ein, die bald allgemein angenommen wurde; er nannte das äußere -Ektoderm (Außenblatt), das innere Entoderm (Innenblatt). Aber erst seit -dem Jahre 1867 wurde (vorzugsweise von Kowalevsky) durch vergleichende -Beobachtung der Nachweis geführt, daß auch bei wirbellosen Tieren der -verschiedensten Klassen, bei Wurmtieren, Weichtieren, Sterntieren und -Gliedertieren, der Körper sich aus denselben beiden primären -Keimblättern aufbaut. Endlich habe ich selbst auch bei den niedersten -Gewebetieren, bei den Schwämmen oder Spongien, dieselben (1872) -nachgewiesen und zugleich in meiner Gasträatheorie den Beweis zu führen -gesucht, daß diese »Grenzblätter« überall, von den Schwämmen und -Korallen bis zu den Insekten und Wirbeltieren hinauf (also auch beim -Menschen) als gleichbedeutend oder homolog aufzufassen sind. Diese -fundamentale »Homologie der primären Keimblätter und des Urdarms« ist im -Laufe der letzten dreißig Jahre durch die sorgfältigen Untersuchungen -zahlreicher vortrefflicher Beobachter bestätigt und jetzt für sämtliche -Metazoen fast allgemein anerkannt worden. - -[Illustration: Fig. 8. Gastrula eines niederen Schwammes (^Olynthus^). A -von außen, B im Längsschnitte durch die Achse. g Urdarm (primitive -Darmhöhle). o Urmund (primitive Mundöffnung). i innere Zellenschicht der -Körperwand (inneres Keimblatt, Entoderm, Endoblast oder Darmblatt). c -äußere Zellenschicht (äußeres Keimblatt, Ektoderm, Ektoblast oder -Hautblatt).] - -Gewöhnlich bieten auch schon am Gastrulakeim die Zellen, welche die -beiden primären Keimblätter zusammensetzen, erkennbare Verschiedenheiten -dar. Meistens (wenn auch nicht immer) sind die Zellen des Hautblattes -oder Ektoderms (Fig. 8c, 9e) kleiner, zahlreicher, heller, hingegen die -Zellen des Darmblattes oder Entoderms (i) größer, weniger zahlreich und -dunkler. Das Protoplasma der Ektodermzellen ist klarer und fester als -die trübere und weichere Zellsubstanz der Entodermzellen, letztere sind -meist viel reicher an Dotterkörnern (Eiweiß- und Fettkörnchen) als -erstere. Auch besitzen die Darmblattzellen gewöhnlich eine stärkere -Verwandtschaft zu Farbstoffen und färben sich in Karminlösung, Anilin -usw. rascher und lebhafter als die Hautblattzellen. Die Kerne der -Entodermzellen sind meistens rundlich, diejenigen der Ektodermzellen -hingegen länglich. - -Diese physikalischen, chemischen und morphologischen Unterschiede der -beiden Keimblätter, welche ihrem physiologischen Gegensatze entsprechen, -sind auch insofern von hohem Interesse, als sie uns den ersten und -ältesten Vorgang der Sonderung oder Differenzierung im Tierkörper vor -Augen führen. Die Keimhaut (^Blastoderma^), welche die Wand der -kugeligen Keimhautblase oder Blastula bildet, besteht bloß aus einer -einzigen Schicht von gleichartigen Zellen. Diese Keimhautzellen oder -Blastodermzellen sind ursprünglich sehr regelmäßig und gleichartig -gebildet, von ganz gleicher Größe, Form und Beschaffenheit. Meistens -sind sie durch gegenseitigen Druck abgeplattet, sehr oft regelmäßig -sechseckig. Sie bilden das _erste Gewebe_ des Metazoen-Organismus, ein -einfaches Zellenpflaster oder Epithelium. Die Gleichmäßigkeit dieser -Zellen verschwindet früher oder später während der Einstülpung der -Keimhautblase. Die Zellen, welche den eingestülpten, inneren Teil -derselben (das spätere Entoderm) zusammensetzen, nehmen gewöhnlich schon -während des Einstülpungs-Vorganges selbst eine andere Beschaffenheit an -als die Zellen, welche den äußeren, nicht eingestülpten Teil (das -spätere Ektoderm) konstituieren. Wenn der Einstülpungs-Prozeß vollendet -ist, treten die histologischen Verschiedenheiten in den Zellen der -beiden primären Keimblätter meist sehr auffallend hervor. - -Wir haben bisher nur diejenige Form der Eifurchung und der Gastrula ins -Auge gefaßt, welche wir aus vielen und gewichtigen Gründen als die -_ursprüngliche_, die primordiale oder palingenetische aufzufassen -berechtigt sind. Wir können sie die äquale oder gleichmäßige Furchung -nennen, weil die Furchungszellen zunächst gleich bleiben. Die daraus -hervorgehende Gastrula bezeichnen wir als _Glocken_-Gastrula oder -^Archigastrula^. In ganz gleicher Form, wie bei unserer Koralle treffen -wir dieselbe auch bei den niedersten Pflanzentieren an, bei -Gastrophysema (Fig. 6) und bei den einfachsten Schwämmen (^Olynthus^, -Fig. 8); ferner bei vielen Medusen und Hydrapolypen, bei niederen -Würmern verschiedener Klassen (Brachiopoden, ^Sagitta^, Fig. 2), bei -Manteltieren (^Ascidia^); sodann bei vielen Sterntieren (Fig. 3), -niederen Gliedertieren (Fig. 4) und Weichtieren (Fig. 5); endlich ein -wenig modifiziert auch beim niedersten Wirbeltiere (^Amphioxus^). - -[Illustration: Fig. 9. Zellen aus den beiden primären Keimblättern d. -Säugetieres (aus den beiden Schichten der Keimhaut). i größere dunklere -Zellen der inneren Schicht, des vegetativen Keimblattes od. Entoderms. e -kleinere hellere Zellen der äußeren Schicht, des animalen Keimblattes -oder Ektoderms.] - -Die _Gastrulation des Amphioxus_ ist deshalb von besonderem Interesse, -weil dieses niederste und älteste aller Wirbeltiere die größte Bedeutung -für die Phylogenie dieses Stammes, also auch für unsere Anthropogenie -besitzt. Wie die vergleichende Anatomie der Wirbeltiere die verwickelten -Verhältnisse im Körperbau der verschiedenen Klassen durch divergente -Entwicklung aus jenem einfachsten »Urwirbeltier« ableitet, so führt die -vergleichende Ontogenie die verschiedenen sekundären Gastrulationsformen -der Wirbeltiere auf die einfache, primäre Keimblätterbildung des -Amphioxus zurück. Obwohl diese letztere, im Gegensatze zu den -cenogenetischen Modifikationen der ersteren, im ganzen als -palingenetisch zu betrachten ist, so unterscheidet sie sich doch schon -in einigen Punkten von der ganz ursprünglichen Gastrulation, wie sie z. -B. bei Monoxenia und bei Sagitta vorliegt. Aus der mustergültigen -Darstellung von Hatschek (1881) geht hervor, daß die beiderlei -Zellenarten der Keimblätter beim Amphioxus, wie bei vielen anderen -Tieren, schon frühzeitig während des Furchungsprozesses ungleiche -Beschaffenheit annehmen. Nur die vier ersten Furchungszellen, welche -durch zwei vertikale, sich rechtwinklig schneidende Teilungsebenen -getrennt werden, sind vollkommen gleich. Die dritte horizontale -Furchungsebene liegt nicht im Äquator des Eies, sondern ein wenig -oberhalb desselben, so daß sie jene vier Blastomeren in ungleiche -Hälften teilt: vier obere kleinere und vier untere größere; jene bilden -die animale, diese die vegetale Hemisphäre. Hatschek sagt daher mit -Recht, daß die Eifurchung des Amphioxus keine streng äquale, sondern -eine adäquale oder »fastgleiche« sei und sich der inäqualen nähere. Auch -im weiteren Verlaufe des Furchungsprozesses bleibt der Größenunterschied -der beiderlei Zellgruppen bemerkbar; die kleineren, animalen Zellen der -oberen Halbkugel teilen sich rascher als die größeren vegetalen Zellen -der unteren Hemisphäre (Fig. 10 A, B). Daher besteht denn auch die -Keimhaut, welche am Ende des Furchungsprozesses die einschichtige Wand -der kugeligen Keimblase bildet, nicht aus lauter gleichartigen und -gleich großen Zellen, wie bei Sagitta und Monoxenia; sondern die Zellen -der oberen Blastodermhälfte sind zahlreicher und kleiner (Mutterzellen -des Ektoderms), die Zellen der unteren Hälfte weniger zahlreich, aber -größer (Mutterzellen des Entoderms); mithin ist auch die Furchungshöhle -der Keimblase (Fig 10 C, h) nicht vollkommen kugelig, sondern ein -abgeplattetes Sphäroid, mit ungleichen Polen der vertikalen Achse. -Während am Vegetalpole der Achse die Blastula eingestülpt wird, nimmt -der Größenunterschied der Keimhautzellen beständig zu (Fig. 10 D, E); er -ist am auffallendsten, nachdem die Invagination vollendet und die -Furchungshöhle verschwunden ist (Fig. 10 F). Die größeren vegetalen -Zellen des Entoderms sind reicher an eingelagerten Körnern und daher -trüber als die kleineren und helleren animalen Zellen des Ektoderms. - -[Illustration: Fig. 10. Gastrulation des Amphioxus, nach Hatschek -(vertikale Durchschnitte durch die Eiachse). A, B, C drei Stadien der -Blastulabildung; D, E Einstülpung der Blastula; F fertige Gastrula. h -Furchungshöhle. g Urdarmhöhle.] - -[Illustration: Fig. 11. Gastrula des Amphioxus in der Seitenansicht von -links (optischer Medianschnitt). Nach Hatschek. g Urdarm, u Urmund, p -peristomale Polzellen, i Entoderm, e Ektoderm, d Rückenseite, v -Bauchseite.] - -Aber nicht nur durch diese frühzeitige (oder cenogenetisch vorzeitige!) -Sonderung der beiderlei Keimblattzellen, sondern auch noch durch eine -andere wichtige Eigentümlichkeit entfernt sich die adäquale Gastrulation -des Amphioxus von der typischen äqualen Eifurchung der Sagitta, der -Monoxenia und des Olynthus. Die reine Archigastrula dieser letzteren ist -einachsig, ihr Querschnitt in der ganzen Länge kreisrund. Der Vegetalpol -der vertikalen Achse liegt genau in der Mitte des Urmundes. Bei der -Gastrula des Amphioxus ist das nicht der Fall. Schon während der -Einstülpung seiner Keimblase wird die ideale Achse nach einer Seite -gekrümmt, indem das Wachstum des Blastoderms (oder die Vermehrung seiner -Zellen) an einer Seite lebhafter ist als an der entgegengesetzten; die -rascher wachsende und daher stärker gekrümmte Seite (Fig. 11 v) ist die -künftige Bauchseite, die entgegengesetzte flachere ist die Rückenseite -(d). Der Urmund, welcher ursprünglich, bei der typischen Archigastrula, -am Vegetalpole der Hauptachse lag, ist aus diesem auf die Rückenseite -verschoben; und während seine beiden Lippen ursprünglich in einer auf -der Hauptachse senkrechten Ebene lagen, sind sie jetzt so verschoben, -daß diese Ebene (die Urmundebene) die Achse unter einem schiefen Winkel -schneidet. Die dorsale Lippe liegt daher mehr oben und vorn, die -ventrale Lippe mehr unten und hinten. In dieser letzteren, am ventralen -Übergang des Entoderms in das Ektoderm, liegen nebeneinander ein paar -auffallend große Zellen, eine rechte und eine linke (Fig. 11p); das sind -die bedeutungsvollen Urmundpolzellen, oder die »Urzellen des Mesoderms«. - -Durch diese wichtigen, schon im Laufe der Gastrulation auftretenden -Sonderungen ist die ursprüngliche einachsige Grundform der Archigastrula -bei Amphioxus bereits in die _dreiachsige_ übergegangen und somit schon -die _zweiseitige_ oder »bilateralsymmetrische« Grundform des -Wirbeltieres bestimmt. Die senkrechte Mittelebene oder Sagittalebene -geht zwischen den beiden Urmundpolzellen der Länge nach durch den Körper -hindurch und teilt ihn in zwei gleiche Hälften, rechte und linke. Der -Urmund liegt am späteren Hinterende, etwas oberhalb des Aboralpols der -Längsachse. Senkrecht auf dieser Hauptachse steht in der Medianebene die -Pfeilachse (Sagittalachse) oder »Dorsoventralachse«, welche die -Mittellinien der flachen Rückenseite und der gewölbten Bauchseite -verbindet. Die horizontale Querachse oder Lateralachse, senkrecht auf -den beiden (ungleichpoligen) Achsen, ist gleichpolig und geht quer -herüber von rechts nach links. Somit zeigt bereits die Gastrula des -Amphioxus die charakteristische bilaterale oder zweiseitige Grundform -des Wirbeltierkörpers, und diese hat sich von ihr aus auf alle anderen -modifizierten Gastrulaformen dieses Stammes übertragen. - -Abgesehen von dieser zweiseitigen Grundform gleicht die Gastrula des -Amphioxus darin der typischen Archigastrula der niederen Tiere (Fig. -2-8), daß beide primäre Keimblätter noch aus einer einzigen einfachen -Zellenschicht bestehen. Offenbar ist das die älteste und ursprünglichste -Form des Metazoenkeims. Obgleich die vorhergenannten Tiere den -verschiedensten Klassen angehören, so stimmen sie doch untereinander und -mit vielen anderen niederen Tieren darin überein, daß sie diese von -ihren ältesten gemeinsamen Vorfahren überkommene palingenetische Form -der Gastrulabildung durch konservative _Vererbung_ bis auf den heutigen -Tag beibehalten haben. Bei der großen Mehrzahl der Tiere ist das aber -nicht der Fall. Vielmehr ist bei diesen der ursprüngliche Vorgang der -Keimung im Laufe vieler Millionen Jahre allmählich mehr oder minder -abgeändert, durch _Anpassung_ an neue Entwicklungsbedingungen gestört -und modifiziert worden. Sowohl die Eifurchung als auch die darauf -folgende Gastrulation haben infolgedessen ein mannigfach verschiedenes -Aussehen gewonnen. Ja, die Verschiedenheiten sind im Laufe der Zeit so -bedeutend geworden, daß man bei den meisten Tieren die Furchung nicht -richtig gedeutet und die Gastrula überhaupt nicht erkannt hat. Erst -durch ausgedehnte vergleichende Untersuchungen, welche ich in den Jahren -1866-1875 bei Tieren der verschiedensten Klassen angestellt habe, ist es -mir gelungen, in jenen anscheinend so abweichenden Keimungsprozessen -denselben gemeinsamen Grundvorgang nachzuweisen und alle verschiedenden -Keimungsformen auf die eine, bereits beschriebene, ursprüngliche Form -der Keimung zurückzuführen. Im Gegensatze zu dieser primären -palingenetischen Keimungsform betrachte ich alle übrigen, davon -abweichenden Formen als sekundäre, abgeänderte oder cenogenetische. Die -mehr oder minder abweichende Gastrulaform, welche daraus hervorgeht, -kann man allgemein als sekundäre, modifizierte Gastrula oder -Metagastrula bezeichnen. - -Unter den zahlreichen und mannigfaltigen cenogenetischen Formen der -Eifurchung und Gastrulation unterscheide ich wieder drei verschiedene -Hauptformen: 1. die ungleichmäßige Furchung; 2. die scheibenförmige -Furchung und 3. die oberflächliche Furchung. Aus der ungleichmäßigen -Furchung entsteht die _Hauben_gastrula; aus der scheibenförmigen -Furchung geht die _Scheiben_gastrula hervor; aus der oberflächlichen -Furchung entwickelt sich die _Blasen_gastrula. Bei den Wirbeltieren -kommt die letztere Form gar nicht vor; diese ist dagegen die -gewöhnlichste bei den Gliedertieren (Krebsen, Spinnen, Insekten usw.). -Die Säugetiere und Amphibien besitzen die ungleichmäßige Furchung und -die Haubengastrula; ebenso die Schmelzfische (Ganoiden) und die -Rundmäuler (Pricken und Inger). Hingegen finden wir bei den meisten -Fischen und bei allen Reptilien und Vögeln die scheibenförmige Furchung -und die Scheibengastrula. - -Der weitaus wichtigste Vorgang, welcher die verschiedenen -cenogenetischen Formen der Gastrulation bedingt, ist die _veränderte -Ernährung des Eies_ und die Anhäufung von _Nahrungsdotter_ in der -Eizelle. Unter diesem Begriffe fassen wir verschiedene chemische -Substanzen zusammen (hauptsächlich Körner von Eiweiß- und Fettkörpern), -welche ausschließlich als Reservestoff oder Nahrungsmaterial für den -Keim dienen. Da der Keim der Metazoen in der ersten Zeit seiner -Entwicklung noch nicht imstande ist, selbständig sich Nahrung zu -verschaffen und daraus den Tierkörper aufzubauen, muß das nötige -Material dazu bereits in der Eizelle aufgespeichert sein. Wir -unterscheiden daher in den Eiern allgemein als zwei Hauptbestandteile -den aktiven _Bildungsdotter_ (^Protoplasma^) und den passiven -_Nahrungsdotter_ (^Deutoplasma^) auch schlechtweg »Dotter« genannt. Bei -den kleinen palingenetischen Eiern sind die Dotterkörnchen so klein und -so gleichmäßig im Protoplasma der Eizelle verteilt, daß die regelmäßige -wiederholte Teilung derselben dadurch nicht beeinflußt wird. Bei der -großen Mehrzahl der Tiereier hingegen ist die Masse des Dottervorrats -mehr oder weniger ansehnlich, und derselbe ist in einem bestimmten Teile -der Eizelle angehäuft, so daß man schon am unbefruchteten Ei diese -»Proviantkammer« von dem Bildungsdotter deutlich unterscheiden kann. -Gewöhnlich tritt dann eine polare Differenzierung der Eizelle in der -Weise ein, daß eine Hauptachse an derselben sichtbar wird und daß der -Bildungsdotter (mit dem Keimbläschen) an einem Pole, der Nahrungsdotter -hingegen am entgegengesetzten Pole dieser Eiachse sich anhäuft; ersterer -heißt dann der _animale Pol_, letzterer der _vegetale_ Pol der -vertikalen Eiachse. - -Bei solchen »telolecithalen Eiern« erfolgt dann allgemein die -Gastrulation in der Weise, daß bei der wiederholten Teilung des -befruchteten Eies die animale (gewöhnlich obere) Hälfte sich rascher -teilt als die vegetale (untere). Die Kontraktionen des aktiven -Protoplasma, welche die fortgesetzte Zellteilung bewirken, finden in der -unteren vegetalen Hälfte größeren Widerstand des passiven Deutoplasma -als in der oberen animalen Hälfte. Daher finden wir in der letzteren -zahlreichere, aber kleinere, in der ersteren weniger zahlreiche, aber -größere Zellen. Die animalen Zellen liefern das äußere, die vegetalen -das innere Keimblatt. - -Obgleich diese »ungleichmäßige Furchung« der Rundmäuler, Ganoiden und -Amphibien von der ursprünglichen »gleichmäßigen Furchung« (z. B. der -Monoxenia) sich auf den ersten Blick unterscheidet, haben doch beide -Arten der Gastrulation das gemein, daß der Teilungsprozeß fortdauernd -die ganze Eizelle betrifft. Remak nannte sie daher totale Eifurchung und -die betreffenden Eier _holoblastisch_. Anders verhält es sich bei der -zweiten Hauptgruppe der Eier, welche er jenen als meroblastische -gegenüberstellte; dazu gehören die bekannten großen Eier der Vögel und -Reptilien, sowie der meisten Fische. Die träge Masse des passiven -Nahrungsdotters wird hier so groß, daß die Protoplasma-Kontraktionen des -aktiven Bildungsdotters ihre Teilung nicht mehr zu bewältigen vermögen. -Es erfolgt daher nur eine _partielle Eifurchung_. Während das -Protoplasma im animalen Bezirk der Eizelle sich unter lebhafter -Vermehrung der Kerne fortdauernd teilt, bleibt das Deutoplasma im -vegetalen Bezirk mehr oder weniger ungeteilt, es wird einfach als -Nahrungsmaterial von den sich bildenden Zellen aufgezehrt. Je größer die -Masse des angehäuften Proviants, desto mehr erscheint der -Furchungsprozeß lokal beschränkt. Jedoch kann derselbe noch lange Zeit -(selbst nachdem schon die Gastrulation mehr oder weniger vollendet ist) -in der Weise fortdauern, daß die im Deutoplasma verteilten vegetalen -Zellkerne sich durch Teilung langsam vermehren; da jeder derselben von -einer geringen Menge Protoplasma umhüllt ist, kann er sich später eine -Portion des Nahrungsdotters aneignen und so eine wahre »_Dotterzelle_« -bilden. Wenn diese vegetale Zellbildung sich noch längere Zeit -fortsetzt, nachdem bereits die beiden primären Keimblätter gesondert -sind, bezeichnet man den Prozeß als _Nachfurchung_ (Waldeyer). - -Die meroblastischen Eier finden sich bloß bei größeren und höher -entwickelten Tieren, und nur bei solchen, deren Embryo längerer Zeit und -reichlicher Ernährung zu seiner Entwicklung innerhalb der Eihüllen -bedarf. Je nachdem der Nahrungsdotter zentral im Innern der Eizelle oder -exzentrisch, an einer Seite derselben, angehäuft ist, unterscheiden wir -zwei Gruppen von teilfurchenden Eiern, periblastische und -diskoblastische. Bei den ersteren, den _periblastischen_ Eiern, ist der -Nahrungsdotter zentral, im Innern der Eizelle eingeschlossen; der -Bildungsdotter umgibt ersteren blasenförmig, und daher erfährt derselbe -eine oberflächliche Furchung; eine solche findet sich im Stamme der -Gliedertiere, bei den Krebsen, Spinnen, Insekten usw. Bei den -_diskoblastischen_ Eiern hingegen häuft sich der Nahrungsdotter -einseitig, am vegetalen oder unteren Pole der senkrechten Eiachse an, -während am oberen oder animalen Pole der Eikern und die Hauptmasse des -Bildungsdotters liegt. Die Eifurchung beginnt hier am oberen Pole und -führt zur Bildung einer dorsalen Keimscheibe. Das ist der Fall bei allen -meroblastischen Wirbeltieren, bei den meisten Fischen, den Reptilien und -Vögeln, und den eierlegenden Säugetieren (Schnabeltieren). - -Die Gastrulation der diskoblastischen Eier bietet der mikroskopischen -Untersuchung und der einheitlichen Erkenntnis außerordentliche -Schwierigkeiten dar. Diese zu überwinden ist erst den -_vergleichend_-ontogenetischen Untersuchungen gelungen, welche -zahlreiche ausgezeichnete Beobachter während der letzten Dezennien -angestellt haben; vor allen die Gebrüder Hertwig, Rabl, Kupffer, -Selenka, Rückert, Goette, Rauber u. a. Diese eingehenden und -sorgfältigen, mit Hilfe der vervollkommneten modernen Technik (Färbungs- -und Schnittmethoden) ausgeführten Untersuchungen haben in erfreulichster -Weise die Anschauungen bestätigt, welche ich zuerst 1875 in meiner -Abhandlung über die »Gastrula und die Eifurchung der Tiere« ausgeführt -hatte. Da das klare Verständnis dieser phylogenetisch begründeten -Anschauungen nicht allein für die Entwicklungsgeschichte im allgemeinen, -sondern auch für die Anthropogenie im besonderen von fundamentaler -Bedeutung ist, gestatte ich mir, dieselben hier nochmals kurz mit -Beziehung auf den Wirbeltierstamm zusammenzufassen. - -1. Alle Wirbeltiere, mit Inbegriff des Menschen, sind phylogenetisch -verwandt, Glieder eines einzigen natürlichen Stammes. 2. Daher müssen -auch die ontogenetischen Grundzüge ihrer individuellen Entwicklung -phylogenetisch zusammenhängen. 3. Da die Gastrulation des Amphioxus die -einfachsten Verhältnisse in der ursprünglichen palingenetischen Form -zeigt, muß diejenige der übrigen Wirbeltiere sich von der ersteren -ableiten lassen. 4. Die cenogenetischen Abänderungen der letzteren -werden um so bedeutender, je mehr Nahrungsdotter sich im Ei ansammelt. -5. Obgleich die Masse des Nahrungsdotters in den Eiern der -diskoblastischen Wirbeltiere sehr groß werden kann, geht doch in allen -Fällen aus der Morula ebenso eine Keimblase oder Blastula hervor, wie -bei den holoblastischen Eiern. 6. Ebenso entsteht in allen Fällen aus -der Keimblase durch Einstülpung oder Invagination die Gastrula. 7. Die -Höhle, welche durch diese Einstülpung im Keim entsteht, ist in allen -Fällen der Urdarm und seine Öffnung der Urmund. 8. Der Nahrungsdotter, -gleichviel ob groß oder klein, liegt stets in der Bauchwand des Urdarms, -die Zellen, welche nachträglich (durch »Nachfurchung«) in demselben -entstehen können, gehören ebenso dem inneren Keimblatt oder Endoblast -an, wie die Zellen, welche die Urdarmhöhle unmittelbar einschließen. 9. -Der Urmund welcher ursprünglich unten am Basalpol der vertikalen Achse -liegt, wird durch das Dotterwachstum nach hinten und dann nach oben, auf -die Dorsalseite des Keimes gedrängt; die vertikale Achse des Urdarms -wird dadurch allmählich in horizontale Lage gedrängt. 10. Der Urmund -kommt bei allen Wirbeltieren früher oder später zum Verschlusse und geht -nicht in die bleibende Mundöffnung über; vielmehr entspricht der -Urmundrand der späteren Aftergegend. Von dieser bedeutungsvollen Stelle -geht weiterhin die Bildung des mittleren Keimblattes aus, das von hier -aus zwischen die beiden primären Keimblätter hineinwächst. - -Die ausgedehnten vergleichenden Untersuchungen der vorher erwähnten -Forscher haben ferner ergeben, daß bei den diskoblastischen höheren -Wirbeltieren (Reptilien, Vögel, Säugetiere) der lange vergeblich -gesuchte »_Urmund_« der Keimscheibe überall an deren Hinterende sich -findet und nichts anderes ist als die längst bekannte »_Primitivrinne_«. -Das ist eine in der hinteren Rückenfläche der scheibenförmigen Gastrula -gelegene Rinne, die früher irrtümlich mit dem Hinterteil des -Medullarrohrs verwechselt wurde. Allerdings steht sie mit diesem eine -Zeitlang in direktem Zusammenhang; allein ursprünglich ist sie nach -Anlage und Bedeutung ganz davon verschieden. Die beiden parallelen -Längswülste, welche diese schmale, in der Mittellinie gelegene -»Primitivrinne« einschließen, sind die beiden _Urmundlippen_, rechte und -linke. Der Urmund, der ursprünglich (bei den holoblastischen -Wirbeltieren) eine kleine kreisrunde Öffnung ist, ändert also (infolge -der wachsenden Anhäufung des Nahrungsdotters und der dadurch bedingten -Ausdehnung der Bauchwand des Urdarms) nicht allein seine Lage und -Richtung, sondern auch seine Gestalt und Ausdehnung. Er verwandelt sich -zunächst in eine sichelförmige Querspalte (»Sichelrinne«), an der wir -eine untere und eine obere Urmundlippe unterscheiden. Die breite -Querspalte wird aber bald schmäler und verwandelt sich in eine -Längsspalte (ähnlich einer »Hasenscharte«), indem rechte und linke -Hälfte der »Sichelrinne« sich verkürzen, der Mittelteil sich nach vorn -verlängert und die beiden Hälften der dorsalen Oberlippe nach vorn -auswachsen. Letztere berühren sich später in der Medianlinie und bilden -den wichtigen sogenannten »Primitivstreif«. - -Die Gastrulation läßt sich somit bei allen Wirbeltieren auf einen und -denselben Vorgang zurückführen. Ebenso lassen sich auch die -verschiedenen Formen derselben bei den wirbellosen Metazoen immer auf -eine von jenen vier Hauptformen der Eifurchung reduzieren. Mit Bezug auf -die Unterscheidung der totalen und partiellen Eifurchung stellt sich das -Verhältnis der vier Eifurchungsformen zueinander folgendermaßen: - - I. Palingenetische { 1. Gleichmäßige Furchung } - (ursprüngliche) { (Glockengastrula). } - Furchung { } - } A. Totale Furchung - } (ohne selbständigen - } Nahrungsdotter). - { 2. Ungleichmäßige Furchung } - { (Haubengastrula). } - { - II. Cenogenetische { - (durch { - Anpassung { 3. Scheibenartige Furchung } - abgeänderte) { (Scheibengastrula). } B. Partielle Furchung - Furchung. { } (mit selbständigem - { 4. Oberflächliche Furchung } Nahrungsdotter). - { (Blasengastrula). } - -Die niedersten Metazoen, welche wir kennen, nämlich die niederen -Pflanzentiere (Schwämme, einfachste Polypen usw.), bleiben zeitlebens -auf einer Bildungsstufe stehen, welche von der Gastrula nur sehr wenig -verschieden ist; ihr ganzer Körper ist nur aus zwei Zellenschichten oder -Blättern zusammengesetzt. Diese Tatsache ist von außerordentlicher -Bedeutung. Denn wir sehen, daß der Mensch, und überhaupt jedes -Wirbeltier, rasch vorübergehend ein zweiblätteriges Bildungsstadium -durchläuft, welches bei jenen niedersten Pflanzentieren zeitlebens -erhalten bleibt. Wenn wir hier wieder unser Biogenetisches Grundgesetz -(Seite 35) anwenden, so gelangen wir sofort zu folgendem hochwichtigen -Schlusse: »_Der Mensch und alle anderen Tiere, welche in ihrer ersten -individuellen Entwicklungsperiode eine zweiblätterige Bildungsstufe oder -eine Gastrulaform durchlaufen, müssen von einer uralten einfachen -Stammform abstammen, deren ganzer Körper zeitlebens (wie bei den -niedersten Pflanzentieren noch heute) nur aus zwei verschiedenen -Zellenschichten oder Keimblättern bestanden hat._« Wir wollen diese -bedeutungsvolle uralte Stammform _Gasträa_ (d. h. Urdarmtier) nennen. - -Nach dieser Gasträatheorie ist ein Organ bei allen vielzelligen Tieren -ursprünglich von derselben morphologischen und physiologischen -Bedeutung: der _Urdarm_, und ebenso müssen auch die beiden primären -Keimblätter, welche die Wand des Urdarms bilden, überall als -gleichbedeutend oder »homolog« angesehen werden. Diese wichtige -»_Homologie der beiden primären Keimblätter_« wird einerseits dadurch -bewiesen, daß überall die Gastrula ursprünglich auf dieselbe Weise -entsteht, nämlich durch Einstülpung der Blastula; und anderseits -dadurch, daß überall dieselben fundamentalen Organe aus den beiden -Keimblättern hervorgehen. Überall bildet das äußere Keimblatt, das -Hautblatt oder Ektoderm, die wichtigsten Organe des animalen Lebens: -Hautdecke, Nervensystem, Sinnesorgane usw. Hingegen entstehen aus dem -inneren Keimblatt, aus dem Darmblatt oder Entoderm, die wichtigsten -Organe des vegetativen Lebens: die Organe der Ernährung, Verdauung, -Blutbildung usw. - -Bei denjenigen niederen Pflanzentieren, deren ganzer Körper zeitlebens -auf der zweiblätterigen Bildungsstufe stehenbleibt, bei den Gasträaden, -den einfachsten Schwämmen (^Olynthus^) und Polypen (^Hydra^), bleiben -auch diese beiden Funktionsgruppen, animale und vegetative Leistungen, -scharf auf die beiden einfachen primären Keimblätter verteilt. -Zeitlebens behält hier das äußere Keimblatt die einfache Bedeutung einer -umhüllenden Decke (einer Oberhaut) und vollzieht zugleich die Bewegungen -und Empfindungen des Körpers. Hingegen das innere Keimblatt besitzt -zeitlebens die einfache Bedeutung einer ernährenden Darmzellenschicht -und liefert außerdem häufig noch die Fortpflanzungszellen. - -Das bekannteste von diesen Gasträaden oder »gastrulaähnlichen Tieren« -ist der gemeine Süßwasserpolyp (^Hydra^). Allerdings besitzt dieses -einfachste aller Nesseltiere noch einen Kranz von Tentakeln oder -Fangfäden, welcher den Mund umgibt. Auch ist das äußere Keimblatt -bereits etwas histologisch differenziert. Aber diese Zutaten sind erst -sekundär entstanden, und das innere Keimblatt ist eine ganz einfache -Zellenschicht geblieben. In der Hauptsache hat auch die Hydra den -einfachen Körperbau unserer uralten Stammutter Gasträa bis auf den -heutigen Tag durch zähe Vererbung getreu konserviert. - -Bei allen übrigen Tieren, und namentlich bei allen Wirbeltieren, -erscheint die Gastrula nur als ein rasch vorübergehender Keimzustand. -Hier verwandelt sich vielmehr bald das zweiblätterige Stadium der -Keimanlage zunächst in ein dreiblätteriges und dann in ein -vierblätteriges Stadium. Mit dem Zustandekommen von vier übereinander -liegenden Keimblättern haben wir wieder einen festen und sicheren -Standpunkt gewonnen, von welchem aus wir die weiteren, viel -schwierigeren und verwickelteren Vorgänge der Ausbildung beurteilen und -verfolgen können. - - (Aus »Anthropogenie oder Entwicklungsgeschichte des Menschen«.) - - - - - IV. - Erfahrung und Erkenntnis. - - -»Die wichtigsten Wahrheiten in den Naturwissenschaften sind weder allein -durch Zergliederung der Begriffe der Philosophie, noch allein durch -bloßes Erfahren gefunden worden, sondern durch eine denkende Erfahrung, -welche das Wesentliche von dem Zufälligen in der Erfahrung unterscheidet -und dadurch Grundsätze findet, aus welchen viele Erfahrungen abgeleitet -werden. Dies ist mehr als bloßes Erfahren, und wenn man will, eine -philosophische Erfahrung.« (Johannes Müller, Handbuch der Physiologie -des Menschen.) - -»Vergleichen wir die morphologischen Wissenschaften mit den -physikalischen Theorien, so müssen wir uns gestehen, daß erstere in -jeder Hinsicht unendlich weit zurück sind. Die Ursache dieser -Erscheinung liegt nun allerdings zum Teil in dem Gegenstande, dessen -verwickeltere Verhältnisse sich noch am meisten der mathematischen -Behandlung entziehen, aber großenteils ist auch die große Nichtachtung -methodologischer Verständigung daran schuld, indem man sich einerseits -durchaus nicht um scharfe Fassung der leitenden Prinzipien bekümmert, -anderseits selbst die allgemeinsten und bekanntesten Anforderungen der -Philosophie hintangesetzt hat, weil bei dem weiten Abstande ihrer -allgemeinen Aussprüche von den Einzelheiten, mit denen sich die -empirischen Naturwissenschaften beschäftigen, die Notwendigkeit ihrer -Anwendung sich der unmittelbaren Auffassung entzog. So sind gar viele -Arbeiter in dieser Beziehung durchaus nicht mit ihrer Aufgabe -verständigt, und die Fortschritte in der Wissenschaft hängen oft rein -vom Zufall ab.« (Schleiden, Grundzüge der wissenschaftlichen Botanik.) - -Wir erlauben uns, dieses methodologische Kapitel,[3] welches die Mittel -und Wege zur Lösung unserer morphologischen Aufgaben zeigen soll, mit -zwei vortrefflichen Aussprüchen von den beiden größten Morphologen -einzuleiten, welche im fünften Dezennium des neunzehnten Jahrhunderts -die organische Naturwissenschaft in Deutschland beherrschten. Wie -Johannes Müller für die Zoologie, so hat Schleiden damals für die -Botanik mit der klarsten Bestimmtheit den Weg gewiesen, welcher uns -allein auf dem Gebiete der Biologie, und insbesondere auf dem der -Morphologie, zu dem Ziele unserer Wissenschaft hinzuführen vermag. -Dieser einzig mögliche Weg kann natürlich kein anderer sein als -derjenige, welcher für alle Naturwissenschaften -- oder, was dasselbe -ist, für alle wahren Wissenschaften -- ausschließliche Gültigkeit hat. -Es ist dies der Weg der denkenden Erfahrung, der Weg der philosophischen -Empirie. Wir könnten ihn ebensogut als den Weg des erfahrungsmäßigen -Denkens, den Weg der empirischen Philosophie bezeichnen. - -[Fußnote 3: Im vierten Kapitel seiner 1866 erschienenen »generellen -Morphologie« behandelt Haeckel kritisch die »naturwissenschaftlichen -Methoden, welche sich gegenseitig notwendig ergänzen müssen«. Es sind -dies 1. Empirie und Philosophie (Erfahrung und Erkenntnis), 2. Analyse -und Synthese und 3. Induktion und Deduktion. Wir geben hier den ersten -Abschnitt dieser »Methodik der Morphologie der Organismen« wieder, weil -die darin niedergelegten »unerschütterlichen Überzeugungen« für das -gesamte spätere Lebenswerk des Jenaer Naturforschers maßgebend geblieben -sind. Aus der innigen Verbindung von empirischer Beobachtung und -philosophischer Theorie beruhen seine sämtlichen wissenschaftlichen -Werke. (Anm. d. H.)] - -Absichtlich stellen wir die bedeutenden Aussprüche dieser beiden großen -»empirischen und exakten« Naturforscher an die Spitze dieses -methodologischen Kapitels, weil wir dadurch hoffen, die Aufmerksamkeit -der heutigen Morphologen und der Biologen überhaupt intensiver auf einen -Punkt zu lenken, der nach unserer innigsten Überzeugung für den -Fortschritt der gesamten Biologie, und der Morphologie insbesondere, von -der allergrößten Bedeutung ist, der aber gerade im gegenwärtigen -Zeitpunkte in demselben Maße von den allermeisten Naturforschern völlig -vernachlässigt wird, als er vor allen anderen hervorgehoben zu werden -verdiente. Es ist dies die gegenseitige Ergänzung von Beobachtung und -Gedanken, der innige Zusammenhang von Naturbeschreibung und -Naturphilosophie, die notwendige Wechselwirkung zwischen Empirie und -Theorie. - -Einer der größten Morphologen, den unser deutsches Vaterland erzeugt -hat, Karl Ernst v. Bär, hat dem klassischen Werke, durch welches er die -tierische Ontogenie, eine sogenannte »rein empirische und deskriptive -Wissenschaft«, neu begründete, den Titel vorangesetzt: »Über -Entwicklungsgeschichte der Tiere. _Beobachtung und Reflexion._« Wenn -seine Nachfolger diese drei Worte stets bei ihren Arbeiten im Auge -behalten hätten, würde es besser um unsere Wissenschaft aussehen, als es -jetzt leider aussieht. »Beobachtung und Reflexion« sollte die -Überschrift jeder wahrhaft _naturwissenschaftlichen_ Arbeit lauten -können. Bei wie vielen aber ist dies möglich? Wenn wir ehrlich sein -wollen, können wir ihre Zahl kaum gering genug anschlagen und finden -unter Hunderten kaum eine. Und dennoch können nur durch die innigste -Wechselwirkung von Beobachtung und Reflexion wirkliche Fortschritte in -jeder Naturwissenschaft, und also auch in der Morphologie, gemacht -werden. Hören wir weiter, was K. E. v. Bär, der »empirische und exakte« -Naturforscher, in dieser Beziehung sagt: - -»Zwei Wege sind es, aus denen die Naturwissenschaft gefördert werden -kann: Beobachtung und Reflexion. Die Forscher ergreifen meistens für den -einen von beiden Partei. Einige verlangen nach _Tatsachen_, andere nach -Resultaten und allgemeinen _Gesetzen_, jene nach _Kenntnis_, diese nach -_Erkenntnis_, jene möchten für besonnen, diese für tiefblickend gelten. -Glücklicherweise ist der Geist des Menschen selten so einseitig -ausgebildet, daß es ihm möglich wird, nur den einen Weg der Forschung zu -gehen, ohne auf den anderen Rücksicht zu nehmen. Unwillkürlich wird der -Verächter der Abstraktion sich von Gedanken bei seiner Beobachtung -beschleichen lassen; und nur in kurzen Perioden der Fieberhitze ist sein -Gegner vermögend, sich der Spekulation im Felde der Naturwissenschaft -mit völliger Hintansetzung der Erfahrung hinzugeben. Indessen bleibt -immer, für die Individuen sowohl als für ganze Perioden der -Wissenschaft, die eine Tendenz die vorherrschende, der man mit -Bewußtsein des Zwecks sich hingibt, wenn auch die andere nicht ganz -fehlt.« - -Mit diesen wenigen Worten ist das gegenseitige Wechselverhältnis von -Beobachtung und Reflexion, die notwendige Verbindung von empirischer -Tatsachenkenntnis und von philosophischer Gesetzeserkenntnis treffend -bezeichnet. Aber auch die Tatsache, daß in den einzelnen Naturforschern -sowohl als in den einzelnen Perioden der Naturwissenschaft selten beide -Richtungen in harmonischer Eintracht und gegenseitiger Durchdringung -zusammenwirken, vielmehr eine von beiden fast immer bedeutend über die -andere überwiegt, ist von Bär sehr richtig hervorgehoben worden, und -gerade dieser Punkt ist es, auf den wir hier zunächst die besondere -Aufmerksamkeit lenken möchten. Denn wenn wir einerseits überzeugt sind, -daß wir nur durch die gemeinsame Tätigkeit beider Richtungen dem Ziele -unserer Wissenschaft uns nähern können, und wenn wir anderseits zu der -Einsicht gelangen, welche von beiden Richtungen im gegenwärtigen Stadium -unserer wissenschaftlichen Entwicklung die einseitig überwiegende ist, -so werden wir auch die Mittel zur Hebung dieser Einseitigkeit angeben -und die Methode bestimmen können, welche die Morphologie gegenwärtig -zunächst und vorzugsweise einzuschlagen hat. - -Es bedarf nun keines allzu tiefen Scharfblicks und keines allzu weiten -Überblicks, um alsbald zu der Überzeugung zu gelangen, daß in dem ganzen -zweiten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts und darüber hinaus bis -jetzt, und zwar vorzüglich vom Jahre 1840-1860, die rein empirische und -»exakte« Richtung ganz überwiegend in der Biologie und vor allem in der -Morphologie geherrscht, und daß sie diese Alleinherrschaft in -fortschreitendem Maße dergestalt ausgedehnt hat, daß die spekulative -oder philosopische Richtung im fünften Dezennium vorigen Jahrhunderts -fast vollständig von ihr verdrängt war. Auf allen Gebieten der Biologie, -sowohl in der Zoologie als in der Botanik, galt während dieses Zeitraums -allgemein die Naturbeobachtung und die Naturbeschreibung als »die -eigentliche Naturwissenschaft«, und die »Naturphilosophie« wurde als -eine Verirrung betrachtet, als ein Phantasiespiel, welches nicht nur -nichts mit der Beobachtung und Beschreibung zu tun habe, sondern auch -gänzlich aus dem Gebiete der »eigentlichen Naturwissenschaft« zu -verbannen sei. Freilich war diese einseitige Verkennung der Philosophie -nur zu sehr gefördert und gerechtfertigt durch das verkehrte und -willkürliche Verfahren der sogenannten »Naturphilosophie«, welche im -ersten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts die Naturwissenschaft zu -unterwerfen suchte, und welche, statt von empirischer Basis auszugehen, -in der ungemessensten Weise ihrer wilden und erfahrungslosen Phantasie -die Zügel schießen ließ. Die namentlich von Oken, Schelling usw. -ausgehende Naturphantasterei mußte ganz natürlich als anderes Extrem den -krassesten Empirismus hervorrufen. Der natürliche Rückschlag gegen diese -letztere in demselben Grade einseitige Richtung trat erst im Jahre 1859 -ein, als Charles Darwin seine großartige Entdeckung der »natürlichen -Züchtung« veröffentlichte und damit den Anstoß zu einem allgemeinen -Umschwung der gesamten Biologie und namentlich der Morphologie gab. Die -gedankenvolle Naturbetrachtung, der im besten Sinne philosophische, d. -h. naturgemäß denkende Geist, welcher sein epochemachendes Werk -durchzieht, wird der vergessenen und verlassenen Naturphilosophie wieder -zu dem ihr gebührenden Platze verhelfen und den Beginn einer neuen -Periode der Wissenschaft bezeichnen. Freilich ist dieser gewaltige -Umschwung bei weitem noch nicht zu allgemeinem Durchbruch gelangt; die -Mehrzahl der Biologen ist noch zu sehr und zu allgemein in den Folgen -der vorher überall herrschenden einseitig empirischen Richtung befangen, -als daß wir die Rückkehr zur denkenden Naturbetrachtung als eine bewußte -und allgemeine bezeichnen könnten. Indes hat dieselbe doch bereits in -einigen Kreisen begonnen, an vielen Stellen feste Wurzel geschlagen, und -wird voraussichtlich nicht allein in den nächsten Jahren schon das -verlorene Terrain wieder erobern, sondern in wenigen Dezennien sich so -allgemeine Geltung verschafft haben, daß man (wohl noch vor Ablauf des -neunzehnten Jahrhunderts) verwundert auf die Beschränktheit und -Verblendung zahlreicher Naturforscher zurückblicken wird, die heute noch -die Philosophie von dem Gebiete der Biologie ausschließen wollen. Wir -unsererseits sind unerschütterlich davon überzeugt, daß man in der -wahrhaft »erkennenden« Wissenschaft die Empirie und die Philosophie gar -nicht voneinander trennen kann. Jene ist nur die erste und niederste, -diese die letzte und höchste Stufe der Erkenntnis. _Alle wahre -Naturwissenschaft ist Philosophie und alle wahre Philosophie ist -Naturwissenschaft._ _Alle wahre Wissenschaft aber ist in diesem Sinne -Naturphilosophie._ - -In der Tat könnte heute schon die allgemein übliche einseitige -Ausschließung der Philosophie aus der Naturwissenschaft jedem objektiv -dies Verhältnis betrachtenden Gebildeten als ein befremdendes Rätsel -erscheinen, wenn nicht der Entwicklungsgang der Biologie selbst ihm die -Lösung dieses Rätsels sehr nahe legte. Wenn wir die Geschichte unserer -Wissenschaft in den allgemeinsten Zügen überblicken, so bemerken wir -alsbald, daß die beiden scheinbar entgegengesetzten, in der Tat aber -innig verbundenen Forschungsrichtungen in der Naturwissenschaft, die -beobachtende oder empirische und die denkende oder philosophische, zwar -stets mehr oder minder eng verbunden nebeneinander herlaufen, daß aber -doch, wie es Bär sehr richtig ausdrückt, immer die eine der beiden -Richtungen über die andere bedeutend überwiegt, und zwar »sowohl für die -Individuen, als für ganze Perioden der Wissenschaft«. So finden wir ein -beständiges Oszillieren, einen Wechsel der beiden Richtungen, der uns -zeigt, daß niemals in gleichmäßigem Fortschritt, sondern stets in -wechselnder Wellenbewegung die Biologie ihrem Ziele sich nähert. Die -Exzesse, welche jede der beiden Forschungsrichtungen begeht, sobald sie -das Übergewicht über die andere gewonnen hat, die Ausschließlichkeit, -durch welche jede in der Regel sich als die allein richtige, als die -»eigentliche« Methode der Naturwissenschaft betrachtet, führen nach -längerer oder kürzerer Dauer wieder zu einem Umschwung, welcher der -überlegenen Gegnerin abermals zur Herrschaft verhilft. - -Wie dieser regelmäßige Regierungswechsel von empirischer und -philosophischer Naturforschung auf dem gesamten Gebiete der Biologie uns -überall entgegentritt, so sehen wir ganz besonders bei einem allgemeinen -Überblick des Entwicklungsganges, den die Morphologie vom Anfang des -achtzehnten Jahrhunderts an genommen, daß die beiden feindlichen -Schwestern, die doch im Grunde nicht ohne einander leben können, stets -abwechselnd die Herrschaft behauptet haben. Nachdem Linné die -Morphologie der Organismen zum ersten Male in feste wissenschaftliche -Form gebracht und ihr das systematische Gewand angezogen hatte, wurde -zunächst der allgemeine Strom der neubelebten Naturforschung auf die -rein empirische Beobachtung und Beschreibung der zahllosen neuen Formen -hingelenkt, welche unterschieden, benannt und in das Fachwerk des -Systems eingeordnet werden mußten. Die systematische Beschreibung und -Benennung, als Mittel des geordneten Überblicks der zahllosen -Einzelformen, wurde aber bald Selbstzweck, und damit verlor sich die -Formbeobachtung der Tiere und Pflanzen in der gedankenlosesten Empirie. -Das massenhaft sich anhäufende Rohmaterial forderte mehr und mehr zu -einer denkenden Verwertung desselben auf, und so entstand die Schule der -Naturphilosophen, als deren bedeutendsten Forscher, wenn auch nicht -(wegen mangelnder Anerkennung) als deren eigentlichen Begründer wir -Lamarck bezeichnen müssen.[4] In Deutschland vorzüglich durch _Oken_ und -_Goethe_, in Frankreich durch _Lamarck_ und Etienne _Geoffroy S. -Hilaire_ vertreten, war diese ältere Naturphilosophie eifrigst bemüht, -aus dem Chaos der zahllosen Einzelbeobachtungen, die sich immer mehr zu -einem unübersehbaren Berge häuften, allgemeine Gesetze abzuleiten und -den Zusammenhang der Erscheinungen zu ermitteln. Wie weit sie schon -damals auf diesem Wege gelangte, zeigt die klassische ^Philosophie -zoologique^ von Lamarck (1809) und die bewunderungswürdige Metamorphose -der Pflanzen von _Goethe_ (1790). Doch war die empirische Basis, auf -welcher diese Heroen der Naturforschung ihre genialen Gedankengebäude -errichteten, noch zu schmal und unvollkommen, die ganze damalige -Kenntnis der Organismen noch zu sehr bloß auf die äußeren -Formverhältnisse beschränkt, als daß ihre denkende Naturbetrachtung die -festesten Anhaltspunkte hätte gewinnen und die darauf gegründeten -allgemeinen Gesetze schon damals eine weitere Geltung hätten erringen -können. Entwicklungsgeschichte und Paläontologie existierten noch nicht, -und die vergleichende Anatomie hatte kaum noch Wurzeln geschlagen. Wie -weit aber diese Genien trotzdem ihrer Zeit vorauseilten, bezeugt vor -allem die (in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast allgemein -ignorierte) Tatsache, daß beide, sowohl Lamarck als Goethe, die -wichtigsten Sätze der Deszendenztheorie bereits mit voller Klarheit und -Bestimmtheit aussprachen. Erst ein volles halbes Jahrhundert später -sollte _Darwin_ dafür die Beweise liefern. - -[Fußnote 4: Selten ist wohl das Verdienst eines der bedeutendsten Männer -so völlig von seinen Zeitgenossen verkannt und gar nicht gewürdigt -worden, wie es mit Lamarck ein halbes Jahrhundert hindurch der Fall war. -Nichts beweist dies vielleicht so schlagend als der Umstand, daß Cuvier -in seinem Bericht über die Fortschritte der Naturwissenschaften, in -welchem auch die unbedeutendsten Bereicherungen des empirischen -Materials aufgeführt werden, des bedeutendsten aller biologischen Werke -jenes Zeitraums, der ^Philosophie zoologique^ von Lamarck, mit keinem -Worte Erwähnung tut!] - -Die eigentliche Blütezeit der älteren Naturphilosophie fällt in die -ersten Dezennien des neunzehnten Jahrhunderts. Aber schon im zweiten und -noch schneller im dritten näherte sie sich ihrem jähen Untergange, teils -durch eigene Verblendung und Ausartung, teils durch Mangel an -Verständnis bei der Mehrzahl der Zeitgenossen, teils durch das rasche -und glänzende Emporblühen der empirischen Richtung, welche in _Cuvier_ -einen neuen und gewaltigen Reformator fand. Gegenüber der willkürlichen -und verkehrten Phantasterei, in welche die Naturphilosophie bald sowohl -in Frankreich als in Deutschland damals ausartete, war es dem exakten, -strengen und auf der breitesten empirischen Basis stehenden Cuvier ein -leichtes, die verwilderten und undisziplinierten Gegner aus dem Felde zu -schlagen. Bekanntlich war es der 22. Februar 1830, an welchem der -Konflikt zwischen den beiden entgegengesetzten Richtungen in der Pariser -Akademie zum öffentlichen Austrage kam und damit definitiv geendigt zu -sein schien, daß Cuvier seinen Hauptgegner E. Geoffroy S. Hilaire mit -Hilfe seiner überwiegenden empirischen Beweismittel in den Augen der -großen Mehrheit vollständig besiegte. Dieser merkwürdige öffentliche -Konflikt, durch welchen die Niederlage der älteren Naturphilosophie -besiegelt wurde, ist in mehrfacher Beziehung von höchstem Interesse, -vorzüglich auch deshalb, weil er von _Goethe_ in der meisterhaftesten -Form in einem kritischen Aufsatze dargestellt wurde, welchen derselbe -wenige Tage vor seinem Tode (im März 1832) vollendete. Dieser höchst -lesenswerte Aufsatz, das letzte schriftliche Vermächtnis, welches der -deutsche Dichterfürst uns hinterlassen, enthält nicht allein eine -vortreffliche Charakteristik von Cuvier und Geoffroy S. Hilaire, sondern -auch eine ausgezeichnete Darstellung der beiden entgegengesetzten von -ihnen vertretenen Richtungen, »des immerwährenden Konfliktes zwischen -den Denkweisen, in die sich die wissenschaftliche Welt schon lange -trennt; zwei Denkweisen, welche sich in dem menschlichen Geschlechte -meistens getrennt und dergestalt verteilt finden, daß sie, wie überall, -so auch im Wissenschaftlichen, schwer zusammen verbunden angetroffen -werden, und wie sie getrennt sind, sich nicht wohl vereinigen mögen. -Haben wir die Geschichte der Wissenschaften und eine eigene lange -Erfahrung vor Augen, so möchte man befürchten, die menschliche Natur -werde sich von diesem Zwiespalt kaum jemals retten können.« - -Die Niederlage der älteren Naturphilosophie, welche Cuvier als der -Heerführer der neu erstehenden »exakten Empirie« herbeigeführt und in -jenem Konflikt offenbar gemacht hatte, war so vollständig, daß in den -folgenden drei Dezennien, von 1830-1860, unter der nun allgemein sich -ausbreitenden empirischen Schule von Philosophie gar keine Rede mehr -war. Mit den Träumereien und Phantasiespielen jener ausgearteten -Naturphantasterei wurden auch die wahren und großen Verdienste der alten -Naturphilosophie vergessen, aus der jene hervorgegangen war, und man -gewöhnte sich sehr allgemein an die Vorstellung, daß Naturwissenschaft -und Philosophie in einem unversöhnlichen Gegensatze zueinander ständen. -Dieser Irrtum wurde dadurch insbesondere begünstigt, daß die -verbesserten Instrumente und Beobachtungsmethoden der Neuzeit, und vor -allem die sehr verbesserten Mikroskope, der empirischen Naturbeobachtung -ein unendlich weites Feld der Forschung eröffneten, aus welchem es ein -leichtes war, mit wenig Mühe und ohne große Gedankenanstrengung -Entdeckungen neuer Formverhältnisse in Hülle und Fülle zu machen. -Während die Beobachtungen der ersten empirischen Periode, welche sich -aus _Linnés_ Schule entwickelte, vorzugsweise nur auf die _äußeren_ -Formverhältnisse der Organismen gerichtet gewesen waren, wandte sich nun -die zweite empirische Periode, welche aus _Cuviers_ Schule hervorging, -vorwiegend der Beobachtung des _inneren_ Baues der Tiere und Pflanzen -zu. Und in der Tat gab es hier, nachdem Cuvier durch Begründung der -vergleichenden Anatomie und der Paläontologie ein weites neues Feld der -Beobachtung geöffnet, nachdem _Bär_ durch Reformation der -Entwicklungsgeschichte und _Schwann_ durch Begründung der Gewebelehre -auf dem tierischen, _Schleiden_ auf dem pflanzlichen Gebiete neue und -große Ziele gesteckt, nachdem _Johannes Müller_ die gesamte Biologie mit -gewaltiger Hand in die neugeöffneten Bahnen der exakten Beobachtung -hineingewiesen hatte, überall so unendlich viel zu beobachten und zu -beschreiben, es wurde so leicht, mit nur wenig Geduld, Fleiß und -Beobachtungsgabe neue Tatsachen zu entdecken, daß wir uns nicht wundern -können, wenn darüber die leitenden Prinzipien der Naturforschung -gänzlich vernachlässigt und die erklärende Gedankenarbeit von den -meisten völlig vergessen wurde. Da noch im gegenwärtigen Augenblick -diese »rein empirische« Richtung die allgemein überwiegende ist, da -die Bezeichnung der Naturphilosophie noch in den weitesten -naturwissenschaftlichen Kreisen nur als Schimpfwort gilt und selbst von -den hervorragendsten Biologen nur in diesem Sinne gebraucht wird, so -haben wir nicht nötig, die grenzenlose Einseitigkeit dieser Richtung -noch näher zu erläutern und werden nur noch insofern näher darauf -eingehen, als wir gezwungen sind, unseren Zeitgenossen ihr -»exakt-empirisches«, d. h. gedankenloses und beschränktes Spiegelbild -vorzuhalten. Wir wollen hier nur noch auf die seltsame Selbsttäuschung -hinweisen, in welcher die neuere Biologie befangen ist, wenn sie die -nackte gedankenlose Beschreibung _innerer_ und feinerer, insbesondere -_mikroskopischer_ Formverhältnisse als »_wissenschaftliche Zoologie_« -und »_wissenschaftliche Botanik_« preist und mit nicht geringem Stolze -der früher ausschließlich herrschenden reinen Beschreibung der _äußeren_ -und gröberen Formverhältnisse gegenüberstellt, welche die sogenannten -»Systematiker« beschäftigt. Sobald bei diesen beiden Richtungen, die -sich so scharf gegenüberzustellen belieben, die Beschreibung an sich das -Ziel ist (gleichviel ob der inneren oder äußeren, der feineren oder -gröberen Formen), so ist die eine genau so viel wert als die andere. -Beide werden erst zur Wissenschaft, wenn sie die Form zu erklären und -auf Gesetze zurückzuführen streben. - -Nach unserer eigenen innigsten Überzeugung ist der Rückschlag, der gegen -diese ganze einseitige und daher beschränkte Empirie notwendig früher -oder später erfolgen mußte, bereits tatsächlich erfolgt, wenn auch -zunächst nur in wenigen engen Kreisen. Die 1859 von _Charles Darwin_ -veröffentlichte Entdeckung der natürlichen Zuchtwahl im Kampfe -ums Dasein, eine der größten Entdeckungen des menschlichen -Forschungstriebes, hat mit einem Male ein so gewaltiges und klärendes -Licht in das dunkle Chaos der haufenweis gesammelten biologischen -Tatsachen geworfen, daß es auch den krassesten Empirikern fernerhin, -wenn sie überhaupt mit der Wissenschaft fortschreiten wollen, nicht mehr -möglich sein wird, sich der daraus emporwachsenden neuen -Naturphilosophie zu entziehen. Indem die von Darwin neu begründete -Deszendenztheorie die ganze gewaltige Fülle der seither empirisch -angehäuften Tatsachenmassen durch einen einzigen genialen Gedanken -erleuchtet, die schwierigsten Probleme der Biologie aus dem einen -obersten Gesetze der »wirkenden Ursachen« vollständig erklärt, die -unzusammenhängende Masse aller biologischen Erscheinungen auf dieses -eine einfache große Naturgesetz zurückführt, hat sie bereits tatsächlich -die bisher ausschließlich herrschende Empirie völlig überflügelt und -einer neuen und gesunden Philosophie die weiteste und fruchtbarste Bahn -geöffnet. Es ist eine Hauptaufgabe der »generellen Morphologie« zu -zeigen, wie die wichtigsten Erscheinungsreihen der Morphologie sich mit -Hilfe derselben vollständig erklären und auf große und allgemeine -Naturgesetze zurückführen lassen. - -Wenn wir das Resultat dieses flüchtigen Überblickes über den inneren -Entwicklungsgang der Morphologie in wenigen Worten zusammenfassen, so -können wir füglich von Beginn des achtzehnten Jahrhunderts an bis jetzt -vier abwechselnd empirische und philosophische Perioden der Morphologie -unterscheiden, welche durch die Namen von Linné, Lamarck, Cuvier, Darwin -bezeichnet sind, nämlich: I. Periode: _Linné_, (geb. 1707). _Erste -empirische Periode_ (achtzehntes Jahrhundert). Herrschaft der -empirischen äußeren Morphologie (Systematik). II. Periode: _Lamarck_ -(geb. 1744) und _Goethe_ (geb. 1749).[5] _Erste philosophische Periode_ -(erstes Drittel des neunzehnten Jahrhunderts). Herrschaft der -phantastisch-philosophischen Morphologie (ältere Naturphilosophie). III. -Periode: _Cuvier_ (geb. 1769).[6] _Zweite empirische Periode_ (zweites -Drittel des neunzehnten Jahrhunderts). Herrschaft der empirischen -inneren Morphologie (Anatomie). IV. Periode: _Darwin_ (geb. 1809). -_Zweite philosophische Periode_. Begonnen 1859. Herrschaft der -empirisch-philosophischen Morphologie (neuere Naturphilosophie). - -[Fußnote 5: Wir nennen hier absichtlich Lamarck und Goethe als die -geistvollsten Repräsentanten der älteren Naturphilosophie, wenngleich -sie sich entfernt nicht desselben Einflusses und derselben Anerkennung -zu erfreuen hatten, wie Etienne Geoffroy S. Hilaire (geb. 1771) und -Lorenz Oken (geb. 1779), die gewöhnlich als die Koryphäen dieser -Richtung vorangestellt werden.] - -[Fußnote 6: Als hervorragende Koryphäen dieser Periode würden wir hier -noch Johannes Müller, Schleiden und einige andere hervorzuheben haben, -wenn nicht gerade diese bedeutendsten Männer, als wahrhaft -philosophische Naturforscher, sich von der großen Einseitigkeit -freigehalten hätten, welche Cuviers Schule und der große Troß der -Zeitgenossen zum extremsten Empirismus ausbildete.] - -Indem wir die beiden Richtungen der organischen Morphologie, die -empirische und philosophische, so schroff einander gegenüberstellen, -müssen wir ausdrücklich bemerken, daß nur die große Masse der -beschränkteren und gröber organisierten Naturforscher es war, welche -diesen Gegensatz in seiner ganzen Schärfe ausbildete und entweder die -eine oder die andere Methode als die allein seligmachende pries und für -die »eigentliche« Naturwissenschaft hielt. Die umfassenderen und seiner -organisierten Naturforscher, und vor allen die großen Koryphäen, deren -Namen wir an die Spitze der von ihnen beherrschten Perioden gestellt -haben, waren stets mehr oder minder überzeugt, daß nur eine innige -Verbindung von Beobachtung und Theorie, von Empirie und Philosophie, den -Fortschritt der Naturwissenschaft wahrhaft fördern könnte. Man pflegt -gewöhnlich Cuvier als den strengsten und exklusivsten Empiriker, als den -abgesagtesten Feind jeder Naturphilosophie hinzustellen. Und sind nicht -seine besten Arbeiten, seine wertvollsten Entdeckungen, wie z. B. die -Aufstellung der vier tierischen Typen (Stämme), die Begründung des -Gesetzes von der Korrelation der Teile, von den »^Causes finales^«, -Ausflüsse der reinsten Naturphilosophie? Ist nicht die von ihm neu -begründete »vergleichende Anatomie« ihrem ganzen Wesen nach eine rein -philosophische Wissenschaft, welche das empirische Material der Zootomie -bloß als Basis braucht? Ist es nicht lediglich der _Gedanke_, die -Theorie, welche auf der rein empirischen Zootomie als notwendiger -Grundlage das philosophische Lehrgebäude der vergleichenden Anatomie -errichten? Und wenn _Cuvier_ aus einem einzigen Zahne oder Knochen eines -fossilen Tieres die ganze Natur und systematische Stellung desselben mit -Sicherheit erkannte, war dies Beobachtung oder war es Reflexion? -Betrachten wir anderseits den Stifter der älteren Naturphilosophie, -_Lamarck_, so brauchen wir, um den Vorwurf der Einseitigkeit zu -widerlegen, bloß darauf hinzuweisen, daß dieser eminente Mann seinen Ruf -als großer Naturforscher größtenteils einem vorwiegend deskriptiven -Werke, der berühmten »^Histoire naturelle des animaux sans vertèbres^« -verdankte. Seine »^Philosophie zoologique^«, welche die Deszendenzlehre -zum ersten Male als vollkommen abgerundete Theorie aufstellte, eilte mit -ihrem prophetischen Gedankenfluge seiner Zeit so voraus, daß sie von -seinen Zeitgenossen gar nicht verstanden und ein volles halbes -Jahrhundert hindurch (1809-1859) totgeschwiegen wurde. _Johannes -Müller_, den wir Deutschen mit gerechtem Stolz als den größten Biologen -der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts unser eigen nennen, und -der in den Augen der meisten jetzt lebenden Biologen als der strengste -Empiriker und Gegner der Naturphilosophie gilt, verdankt die Fülle -seiner zahlreichen und großen Entdeckungen viel weniger seinem -ausgezeichneten sinnlichen Beobachtungstalent, als seinem kombinierenden -Gedankenreichtum und der natürlichen Philosophie seiner wahrhaft -denkenden Beobachtungsmethode. _Charles Darwin_, der größte aller jetzt -lebenden Naturforscher, überragt uns alle nicht allein durch -Ideenreichtum und Gedankenfülle seines die ganze organische Natur -umfassenden Geistes, sondern ebensosehr durch die intensiv und extensiv -gleichbedeutende und fruchtbare Methode seiner empirischen -Naturbeobachtung. - -Nach unserer festesten Überzeugung können nur diejenigen Naturforscher -wahrhaft fördernd und schaffend in den Gang der Wissenschaft eingreifen, -welche, bewußt oder unbewußt, ebenso scharfe Denker als sorgfältige -Beobachter sind. Niemals kann die bloße Entdeckung einer nackten -_Tatsache_, und wäre sie noch so merkwürdig, einen wahrhaften -Fortschritt in der Naturwissenschaft herbeiführen, sondern stets nur der -Gedanke, die _Theorie_, welche diese Tatsache erklärt, sie mit den -verwandten Tatsachen vergleichend verbindet und daraus ein _Gesetz_ -ableitet. Betrachten wir die größten Naturforscher, welche zu allen -Zeiten auf dem biologischen Gebiete tätig gewesen sind, von Aristoteles -an, Linné und Cuvier, Lamarck und Goethe, Bär und Johannes Müller und -wie die Reihe der glänzenden Sterne erster Größe, bis auf Charles Darwin -herab, weiter heißt -- sie alle sind ebenso große Denker, als Beobachter -gewesen, und sie alle verdanken ihren unsterblichen Ruhm nicht der Summe -der einzelnen von ihnen entdeckten Tatsachen, sondern ihrem denkenden -Geiste, der diese Tatsachen in Zusammenhang zu bringen und daraus -Gesetze abzuleiten verstand. Die rein empirischen Naturforscher, welche -nur durch Entdeckung neuer Tatsachen die Wissenschaft zu fördern -glauben, können in derselben ebensowenig etwas leisten, als die rein -spekulativen Philosophen, welche der Tatsachen entbehren zu können -glauben und die Natur aus ihren Gedanken konstruieren wollen. Diese -werden zu phantastischen Träumern, jene im besten Falle zu genauen -Kopiermaschinen der Natur. Im Grunde freilich gestaltet sich das -tatsächliche Verhältnis überall so, daß die reinen Empiriker sich mit -einer unvollständigen und unklaren, ihnen selbst nicht bewußten -Philosophie, die reinen Philosophen dagegen mit einer ebensolchen, -unreinen und mangelhaften Empirie begnügen. Das Ziel der -Naturwissenschaft ist die Herstellung eines vollkommen architektonisch -geordneten Lehrgebäudes. Der reine Empiriker bringt statt dessen einen -ungeordneten Steinhaufen zusammen; der reine Philosoph auf der andern -Seite baut Luftschlösser, welche der erste empirische Windstoß über den -Haufen wirft. Jener begnügt sich mit dem Rohmaterial, dieser mit dem -Plan des Gebäudes. Aber nur durch die innigste Wechselwirkung von -empirischer Beobachtung und philosophischer Theorie kann das Lehrgebäude -der Naturwissenschaft wirklich zustande kommen. - -Wir schließen diesen Abschnitt, wie wir ihn begonnen, mit einem -Ausspruch von Johannes Müller: »Die Phantasie ist ein unentbehrliches -Gut, denn sie ist es, durch welche neue Kombinationen zur Veranlassung -wichtiger Entdeckungen gemacht werden. Die Kraft der Unterscheidung des -isolierenden Verstandes sowohl, als der erweiternden und zum Allgemeinen -strebenden Phantasie sind dem Naturforscher in einem harmonischen -Wechselwirken notwendig. Durch Störung dieses Gleichgewichts wird der -Naturforscher von der Phantasie zu Träumereien hingerissen, während -diese Gabe den talentvollen Naturforscher von hinreichender -Verstandesstärke zu den wichtigsten Entdeckungen führt.« - - (Aus »Generelle Morphologie der Organismen«. 1866.) - - - - - V. - Arabische Korallen. - - -Die zauberhaften Korallenbänke des Roten Meeres aus eigener Anschauung -kennen zu lernen, war schon seit langer Zeit mein lebhafter Wunsch. Als -daher im März 1873 eine lange gehegte Hoffnung in Erfüllung ging und ich -eine zweimonatige Reise in den Orient antreten konnte, lag es in meinem -Plane, wenn irgend möglich, von Suez aus einen Abstecher nach den -nächstgelegenen Korallenriffen zu machen. Ein solcher Ausflug erscheint -auf der Landkarte sehr leicht, ist aber für einen einzelnen Reisenden -mit vielen und großen Schwierigkeiten verknüpft. Denn die Zahl der -bewohnten Orte an den langgestreckten, öden und unwirtlichen Küsten des -Roten Meeres ist sehr gering, und diese wenigen Orte selbst sind -meistens nur von armen, halbwilden Mohammedanern bewohnt. Man muß Zelte, -Diener, Lebensmittel und Trinkwasser selbst mitbringen, um -dort existieren zu können. Auch gibt es keine regelmäßige -Dampfschiffverbindung zwischen Suez und diesen elenden Küstenorten. -Keiner derselben wird von den großen europäischen Dampfern berührt, die -allwöchentlich durch das Rote Meer fahren und die Überlandpost nach -Indien befördern. - -In der nächsten Umgebung von Suez und überhaupt im nördlichsten Teile -des Roten Meeres fehlen die Korallenbänke, die sonst über den größten -Teil beider Küsten desselben sich ausdehnen. Der nächstgelegene Ort, an -welchem man schöne Korallenriffe beobachten und den man in kürzester -Zeit erreichen kann, ist das arabische Dörfchen Tor oder Tur, an der -Westküste der Sinaihalbinsel gelegen. Hier hatten früher schon -Ehrenberg, Ransonnet, Frauenfeld und andere Naturforscher der Korallen -wegen sich längere oder kürzere Zeit aufgehalten. Um von Suez aus nach -Tur zu gelangen, muß man entweder ein eigenes Segelschiff mieten, oder -zu Kamel durch die arabische Wüste reiten. Zu diesem Landweg auf dem -Wüstenschiff, der 55 Reitstunden beträgt, sind mindestens vier bis fünf -Tage erforderlich. Dazu reichte aber meine Zeit nicht aus; auch wäre der -Transport der Korallen, die ich zu sammeln wünschte, auf dem Kamel sehr -mißlich gewesen. Es blieb also nichts übrig, als ein Segelschiff zu -mieten. Aber auch das erwies sich als untunlich. Denn die gewöhnlichen, -halbgedeckten arabischen Segelboote sind böse Fahrzeuge, im höchsten -Grade unbequem und unreinlich, überfüllt mit parasitischen Insekten -aller Art; und dabei war der geforderte Preis unerschwinglich hoch. -Außerdem hätte ich mich der Gefahr ausgesetzt, bei widrigem Winde acht -Tage und länger in einem solchen erbärmlichen Fahrzeug auf dem Roten -Meere zu kreuzen, ohne mein Ziel erreichen zu können. - -So wäre denn mein sehnlicher Wunsch, die Korallenbänke von Tur zu -besuchen, schwerlich in Erfüllung gegangen, wenn nicht der -österreichische Generalkonsul in Kairo, Herr von Cischini, der mich -während meines dortigen Aufenthaltes mit Freundlichkeiten aller Art -überhäufte, mir ein Fahrzeug verschafft hätte, das zu erlangen ich mir -früher nie hatte träumen lassen. Er bewog nämlich den Vizekönig von -Ägypten, Ismail Pascha, für den beabsichtigten Ausflug nach Tur die -Benutzung eines in Suez stationierten Dampfschiffes der ägyptischen -Kriegsflotte zu gestatten. Zugleich wurden meine Freunde und -Reisegefährten, Professor Straßburger aus Jena und Professor Panceri aus -Neapel, eingeladen, als Gäste des Khedive an der Expedition -teilzunehmen. - -Am 22. März verließen wir Kairo, die wunderbare Metropole des Nillandes, -in der wir die Märchen aus Tausend und einer Nacht lebendig vor uns -gesehen hatten. Die Eisenbahn führte uns von dort in elf Stunden nach -Suez. Unsere interessante Reisegesellschaft bestand zum größten Teile -aus einer bunten Karawane von Mekkapilgern. Namentlich bot ein -Haremwaggon dritter Klasse, in welchen ein glücklicher Zufall uns einen -Einblick gewährte, ein merkwürdiges Bild. Die Bahnfahrt selbst ist -höchst originell. Wir durchschneiden zuerst in nordöstlicher Richtung -den östlichen Rand des üppig fruchtbaren Nildelta und passieren -zahlreiche Fellah-Dörfer. Da bieten uns die niederen braunen Lehmhütten, -von Dattelpalmen umgeben, mit ihrer charakteristischen Staffage von -verschleierten Weibern, nackten Kindern, Büffeln, die Schöpfräder -treiben, Kamelen usw. eine Fülle von malerischen Motiven. In Benha -wendet sich die Bahn nach Osten, vereinigt sich mit dem von Alexandrien -nach Suez gehenden Schienenweg, der die ostindische Überlandpost -befördert, und geht nun eine Strecke weit mitten durch die Wüste. -Ringsum erblicken wir eine Zeitlang nichts als gelben Sand und blauen -Himmel. Um uns den vollen Eindruck einer Wüstenreise zu geben, wehte den -ganzen Tag hindurch ein heftiger Chamsin, jener erstickend heiße -Wüstenwind, der als Samum der Schrecken der Karawanen ist. Sein -glühender Odem warf ganze Regenschauer feinen Wüstensandes gegen die -Fenster unseres Coupés, und wir wünschten uns Glück, im geschlossenen -Waggon und nicht draußen auf dem Rücken der Kamele zu sitzen. - -Abends um sieben Uhr in Suez angelangt, wurden wir von dem dortigen -österreichischen Konsul, Herrn von Remy-Berzenkovich, freundlichst -empfangen und sogleich zum Gouverneur Hassan-Bey geführt. Hier erfuhren -wir zu unserer Freude, daß unser Kriegsschiff, die Dampferkorvette -»Khartoum«, zur Fahrt bereit draußen auf der Reede liege. Der Kommandant -derselben, Kapitän Ali Schukri, ein stattlicher brauner Araber in -ägyptischer Marineuniform, wurde uns vorgestellt und bot uns mit -orientalischer Unterwürfigkeit seine Dienste an. In dem großartigen -englischen Peninsular-Hotel, das noch vor wenigen Jahren von den -Engländern als das üppigste und komfortabelste Hotel der Welt gepriesen -wurde, war für uns Quartier bereitet. Wir wurden als Gäste des Khedive -mit größter Aufmerksamkeit bedient und fürstlich verpflegt. - -Am anderen Morgen wollten wir unsere Seereise antreten. Leider steigerte -sich aber der heftige Chamsin in der Nacht zu einem förmlichen Sturme, -so daß wir den ganzen Tag in Suez bleiben mußten. Obgleich diese Stadt -weder durch Naturschönheiten, noch durch besondere Sehenswürdigkeiten -ausgezeichnet ist, so ist ein kurzer Aufenthalt in derselben interessant -genug. Denn als Knotenpunkt des lebendigsten Verkehrs zwischen drei -Weltteilen und als Hafenort der Mekkapilger bietet es in dem bunten -Leben seiner Straßen und Basare eine reiche ethnographische Musterkarte. -Mit europäischen Reisenden und Matrosen aller Nationen mischen sich -Neger aus dem Osten und Süden Afrikas, Berber und Ägypter, Araber und -Levantiner aller Klassen, Mekkapilger aus allen Ländern des Ostens, -persische und indische Kaufleute. Dazwischen drängen sich verschleierte -braune Weiber und unverschleierte Früchteverkäuferinnen, Kamele und -Pferde, schöne orientalische Esel und zahllose Hunde. - -Nicht minder interessant als dieser bunte Völkermarkt war für uns -Naturforscher der Fischmarkt von Suez. Denn obwohl derselbe weder -besonders groß noch reichhaltig ist, so erkannten wir doch auf den -ersten Blick, daß wir uns in einem völlig neuen Gebiete der marinen -Fauna, ja schon mitten in der wunderbaren Tierwelt des Indischen Ozeans -befanden. Die schmale Landenge von Suez trennt nämlich zwei gewaltige -Seereiche, die schon seit vielen Jahrtausenden außer allem Zusammenhange -stehen und in denen sich demgemäß, der Darwinschen Theorie entsprechend, -eine völlig verschiedene Tier- und Pflanzenwelt entwickelt hat. Die -Fauna und Flora des Mittelmeeres, die zum großen Gebiete des -Atlantischen Ozeans gehört, ist gänzlich verschieden von der Tier- und -Pflanzenbevölkerung des Roten Meeres, das eine Provinz des Indischen -Ozeans bildet. Unter hundert Korallenarten des Roten Meeres findet sich -nicht eine einzige Art, die auch im Mittelmeere vorkäme. Nur ein ganz -kleiner Bruchteil von Tierarten ist beiden benachbarten Meeren -gemeinsam. Wenn wir daher gestern früh den Fischmarkt von Alexandrien -und heute morgen, kaum vierundzwanzig Stunden später, denjenigen von -Suez besuchen, so finden wir den auffallenden Gegensatz zwischen beiden -ebenso groß, als ob wir gestern den Fischmarkt von Barcelona oder -Marseille und heute denjenigen von Kalkutta oder Singapore gesehen -hätten. Diese merkwürdige Erscheinung erklärt sich ganz einfach aus den -Konsequenzen der Deszendenztheorie und der damit verbundenen -Migrationstheorie. - -Der Sturm, der uns diesen interessanten, obwohl unerwünschten Aufenthalt -in Suez verursachte, legte sich erst am Morgen des zweiten Tages, und -gegen Mittag erschien der Gouverneur, um uns in seiner Dampfjolle nach -dem fast eine Stunde von der Stadt entfernt auf der Reede ankernden -Kriegsschiffe »Khartoum« hinüberzufahren. Die Wellen gingen immer noch -so hoch, daß sie das ganze Verdeck überfluteten, und brachten beim -Anlegen beide Dampfschiffe in so unsanfte Berührung, daß das Bugspriet -und die Schanzkleidung des kleineren Dampfers vollständig -zersplitterten. Auch das Hinüberklettern vom einen zum anderen war -ebenso wie der Transport unserer Gläserkisten, Netze und Instrumente, -mit ziemlichen Schwierigkeiten verbunden und wurde unter heillosem -Geschrei der Matrosen bewerkstelligt, welches das Toben von Wind und -Wellen übertönte. Das höllische Konzert wurde vollständig durch das -ohrenzerreißende Trommeln, Pfeifen und Klappern des Musikkorps von -Khartoum. Die ganze Mannschaft desselben, 126 Köpfe stark, war nämlich -zu unserem feierlichen Empfange unter Gewehr getreten und salutierte. -Der Kapitän empfing uns mit größter Unterwürfigkeit und stellte uns das -Offizierkorps vor. Jedoch blieb die Unterhaltung ziemlich mangelhaft, da -wir kaum ein Dutzend arabischer Worte und unsere neuen Freunde ungefähr -ebensoviel englische Vokabeln kannten. Die eigentliche Unterhaltung -wurde durch den österreichischen Konsul von Remy vermittelt, der -geläufig Arabisch sprach. Er hatte die Güte, uns zu begleiten und auf -der ganzen Fahrt die Rolle des Dolmetschers zu spielen. - -Wegen des fortdauernden hohen Wellenganges, der erst gegen Abend -schwächer wurde, konnte unser Dampfer erst um Mitternacht die Anker -lichten und gen Süden steuern. Den ganzen folgenden Tag fuhren wir -zwischen Asien und Afrika durch den Golf von Suez, zu unserer Rechten -die ägyptische, zur Linken die arabische Küste; malerische -langgestreckte öde Gebirgsketten auf beiden Seiten im Hintergrunde. - -Da wir erst spät in der Nacht unser Reiseziel erreicht haben würden, -wegen der gefährlichen Korallenriffe aber doch in den Hafen von Tur -nicht hätten einlaufen können, ging unsere Korvette um vier Uhr -nachmittags, etwa 20 Seemeilen von Tur entfernt, in einer geschützten -kleinen Bucht der arabischen Küste vor Anker. Wir ließen uns sofort im -Boote ans Land setzen, und voll Ehrfurcht betraten wir zum erstenmal den -heiligen Boden der alten Asia. Die Küste war völlig öde und einsam, aber -großartig wild. Mächtige, 3000 bis 4000 Fuß hohe Berge der Sinaikette -erhoben sich steil über dem schmalen sandigen Küstensaum. - -Alle überragt der gewaltige »Djebel Serbal«, dessen wildzerklüftete rote -Granitwälle, von zahlreichen Diorit- und Porphyrgängen durchsetzt, sich -bis über 6000 Fuß erheben. Durch die zahlreichen zerrissenen Spitzen, -die steilen Abstürze, die phantastischen Kluftbildungen erhebt sich -dieser malerische »Djebel Serbal« zu dem großartigsten und prächtigsten -unter allen den gewaltigen Berghäuptern der Sinaihalbinsel. Auch hat er -lange Zeit als Nebenbuhler der eigentlichen Sinaikuppe, des Mosesberges -(Djebel Musa) dagestanden; und viele frommen Seelen glauben noch heute, -daß auf ersterem, nicht auf letzterem die Gesetztafeln der zehn Gebote -publiziert und der »alte Bund« zwischen Jehova und seiner auserwählten -Semitenrasse geschlossen wurde. In den ersten Jahrhunderten des -Christentums war diese Ansicht herrschend, und zahlreiche Einsiedler, -Mönche und Nonnen, wohnten damals in den Grotten und Felsenhöhlen des -zerklüfteten »Berges der Gesetzgebung«. Zahlreiche Prozessionen -pilgerten zu seinen Höhen und erfreuten sich der mannigfachen Genüsse, -welche die dichtbelaubten und quellenreichen Fruchtgärten des -»Wadi-Feiran« darboten. Letzteres ist ein herrliches Tal am Fuße des -»Djebel Serbal«, das wegen seiner üppigen Fruchtbarkeit als »Perle der -Sinaihalbinsel« gepriesen wird, ein greller Gegensatz zu der umgebenden -öden Steinwüste. - -Als wir aus dem Boote ans Land sprangen, berührte unser Fuß zuerst -reinen Korallenfelsen. Überall im Sande des Strandes lagen tote, -gebleichte Korallenblöcke umher, pilzförmige Fungien, sternbedeckte -Asträen, labyrinthische Mäandrinen, verästelte Madreporen, dunkelrote -Orgelkorallen oder Tubiporen. Mit Ausnahme einiger niederer -Strandpflanzen mit fleischigen Blättern und eines zwischen den Felsen -wachsenden Kappernstrauches war nichts von Vegetation zu sehen. Lautlose -Stille rings umher; von menschlicher Existenz keine Spur weit und breit. -Küste und Gebirge sahen aus, als ob sie nie ein Menschenfuß betreten -hätte. - -Der Sonnenuntergang war prächtig und übergoß die gewaltigen roten -Granitmauern mit den glühendsten Farben. Rasch brach die Dunkelheit ein -und der wolkenlose Himmel bedeckte sich mit einem Sternengewand, das wir -nie zuvor in solchem Glanze hatten funkeln sehen. Wir ließen uns durch -unseren indischen Koch unsere Abendmahlzeit vom Schiffe an den Strand -holen und genossen sie auf Korallenblöcken sitzend in gehobenster -Stimmung. Unser edler Gastfreund, der Khedive, hatte unsere Küche aufs -beste versorgt, und unter anderem auch mit einer Champagnerkiste -ausgestattet. Dieses schäumende Getränk ist bei den Orientalen sehr -beliebt und wird, da der Koran nur den Genuß des Weines verbietet, als -eine Art Bier angesehen. So konnte denn auch der arabische -Schiffsleutnant, der unsere Schaluppe führte, unbeschadet seiner -Frömmigkeit, uns helfen, den ersten Abend auf asiatischem Boden in -Champagnerbier zu feiern. Erst spät abends kehrten wir in heiterster -Stimmung an Bord des »Khartoum« zurück, wo uns ein herrliches Lager auf -den über Verdeck gelegten Polstern unter dem funkelnden Sternenzelt -erwartete. Um Mitternacht lichtete das Schiff die Anker und lief am -anderen Morgen kurz nach Sonnenaufgang im Hafen von Tur ein. - -Die Küstenlandschaft von Tur ist ein echtes Charakterbild vom Strande -des steinigen Arabiens. Die gelbe Sandwüste, die sich längs des -dunkelblauen Meeres hinzieht, ist von Vegetation völlig entblößt; mit -Ausnahme einzelner Dhumpalmen und einiger kleiner Gruppen von -Dattelpalmen, die teils in der unmittelbaren Umgebung von Tur ein wenig -dürftigen Schatten spenden, teils eine entfernte Oase bezeichnen. In -imposanter Majestät erhebt sich aber im Hintergrunde der Wüste das -gewaltige Gebirge des Sinai, mit seinen kühn geformten Gipfeln und -zerklüfteten Felsrücken. Tur selbst ist ein dürftiges Dörfchen mit kaum -zwei Dutzend Hütten und wenig über hundert Einwohnern. Ein kleines -Zeltlager, von einer eben jetzt am Strande lagernden Karawane errichtet, -steigerte den orientalischen Charakter des originellen Bildes. Das -Dörfchen Tur liegt an der Umrandung eines kleinen, flachen, -hufeisenförmigen Hafenbeckens. Die Felsenriffe, welche dieses Becken -umfassen und nur eine schmale Einfahrt freilassen, sind Korallenbänke. -Der ganze Hafen ist ein reizender Korallengarten. Als wir in der -Schaluppe über die flachen Bänke hinglitten und in zehn bis zwanzig Fuß -Tiefe durch die kristallklare Flut hindurch den Boden betrachteten, -entzückten uns die prächtigsten, nie zuvor lebend gesehenen -Korallenbüsche, auf dem gelben Sande überall in bunter Mannigfaltigkeit -zerstreut, wie exotische Ziersträucher in einem schönen Blumengarten. -Der Hafendamm, an dem unser Boot anlegt, ist ganz aus Korrallenblöcken -erbaut, und als wir uns den niederen würfelförmigen Hütten nähern, -werden wir durch die Wahrnehmung überrascht, daß auch diese fast ganz -aus Korallenstein bestehen. Als ob es gewöhnliche Sandsteine wären, -liegen da die herrlichsten schneeweißen Blöcke von Sternkorallen, -Mäandrinen, Madreporen usw. übereinander gehäuft. Manche von diesen -elenden Hütten birgt in einer einzigen Wand eine größere Sammlung von -schönen Korallenblöcken, als in vielen europäischen Museen zu finden -ist. Am liebsten hätten wir das ganze Dorf aufgekauft, zusammengepackt -und in die Heimat geschickt. - -Augenblicklich sind jedoch die herrlichen lebenden Korallentiere im -Hafen für uns von größerem Interesse als die toten Steingerüste in den -Hüttenwänden, und begierig besteigen wir die flachen arabischen Boote, -die inzwischen für unsere Korallenjagd ausgerüstet und mit Tauchern -bemannt worden sind. Die bei weitem zweckmäßigste Methode nämlich, -lebende Korallen vom Meeresgrunde zu erhalten, ist die Anwendung von -Tauchern. Unser gewöhnliches Schleppnetz, mit dem wir sonst die -zoologischen Schätze vom Meeresboden heraufholen, ist hier ganz -unbrauchbar. Die kleinen und zierlichen Korallenstöcke werden durch das -Schleppnetz zerbrochen und verdorben; die großen und schweren Blöcke -zerreißen selbst das Netz und sind nicht damit heraufzuheben. Hingegen -bewährten sich die arabischen Taucher, deren wir uns in Tur bedienten -und die durch den Betrieb der Perlenfischerei im längeren Verweilen -unter Wasser sehr geübt waren, als äußerst geschickte Korallenfänger. -Sie waren weder mit Taucherglocken noch mit Skaphandern oder anderen -Tauchapparaten ausgerüstet; sie schwammen aber so ausgezeichnet, konnten -so lange unter Wasser bleiben und wußten so geschickt selbst größere -Korallen von ihren Ansatzpunkten abzulösen, daß sie niemals wieder -emportauchten, ohne uns mit neuen prächtigen Korallengeschenken zu -überraschen. - -Die Korallenfischerei mit diesen Tauchern, die uns während unseres -Aufenthaltes in Tur fast den ganzen Tag beschäftigte, war höchst -anziehend und unterhaltend. Das Wasser in dem seichten und stillen, -durch das vorliegende Korallenriff gegen die Brandung geschützten Hafen -ist so kristallhell, daß wir bis auf zehn und zwanzig Fuß Tiefe jeden -kleinen Krebs und Seestern, jede Muschel und Schnecke auf dem Boden -zwischen den Korallenbüschen erkennen können. Sobald wir unseren -Tauchern den gewünschten Gegenstand bezeichnet haben, springen sie -hinab. Vorsichtig die spitzen Ecken und scharfen Kanten der -Korallenstöcke vermeidend, huschen die schlanken braunen Jünglinge wie -Fische zwischen denselben umher und lösen die gewünschten Stücke vom -Boden ab. Bloß mit den Füßen rudernd, die Beute mit beiden Armen -umschlungen haltend, tauchen sie wieder empor. In wenigen Stunden sind -unsere Boote mit den kostbarsten Schätzen gefüllt. - -Die großen Glasgefäße, die wir in Fächerkisten aus Triest mitgebracht -haben, sind bald ganz voll von lebenden Korallen. Vorsichtig aus dem -Meere genommen und in das ruhige Wasser der Gefäße versetzt, entfalten -sie allmählich ihre zarten, zurückgezogenen Blumenleiber. Da schauen wir -zum erstenmal in nächster Nähe das unbeschreiblich schöne Schauspiel, -welches diese herrlichen, scheinbar aus dem Korallenstein -hervorwachsenden Blumentiere mit ihren wundervollen Farben, zierlichen -Formen und graziösen Bewegungen gewähren. Die prächtigen bunten Aktinien -des Roten Meeres, die blauen Xenien, die grünen Ammotheen und die gelben -Sarkophyten wetteifern an leuchtender Farbenpracht mit den in allen -Irisfarben strahlenden Blumenkelchen, die wie durch Zauber aus den -scheinbar toten Kalkgerüsten der Steinkorallen hervorsprossen. Besonders -fallen uns unter diesen die glänzenden Sternkorallen oder Asträen und -die merkwürdigen Orgelkorallen oder Tubiporen auf. Aus den purpurroten -Kalkröhren der letzteren, die gleich Orgelpfeifen dicht nebeneinander -gereiht stehen, stecken zierliche grasgrüne Personen ihre acht -gefiederten Fangarme aus. - -Wir beschränken uns aber nicht auf den Hafen von Tur, sondern segeln -weiter hinaus, wo an den größeren Korallenriffen längs der Küste neue -Überraschungen unserer harren und wo wir die vielgerühmte Pracht der -indischen Korallenbänke in ihrem vollen Farbenglanze schauen. Das -kristallklare Wasser ist hier unmittelbar an der Küste fast immer so -ruhig und bewegungslos, daß man die ganze wunderbare Korallendecke des -Bodens mit ihrer mannigfaltigen Bevölkerung von allerlei Seetieren -deutlich erkennen kann. Hier, wie im größten Teile des Roten Meeres, -zieht parallel der Küste ein langer Damm von Korallenriffen hin, -ungefähr eine Viertelstunde vom Lande entfernt. Diese Wallriffe oder -Barrierenriffe sind wahre Wellenbrecher. Der Wogenandrang zerschellt an -ihrer unebenen zackigen Oberfläche, welche bis nahe unter den -Wasserspiegel ragt; und ein weißer Schaumkamm kennzeichnet so deutlich -ihren Verlauf. Auch wenn draußen auf dem Meere der Sturm tobt, ist hier -in dem durch das Riff geschützten Kanale oder Graben das Wasser -verhältnismäßig ruhig, und kleinere Schiffe können darin ungestört ihre -Fahrt längs der Küste fortsetzen. Nach außen gegen das hohe Meer fällt -das Korallenriff steil hinunter. Nach innen gegen die Küste dagegen -flacht es sich allmählich ab, und meist bleibt die Tiefe des Kanals so -gering, daß man die ganze Farbenpracht der Korallengärten auf seinem -Boden erblicken kann. - -Diese Pracht zu schildern vermag keine Feder und kein Pinsel. Die -begeisterten Schilderungen von Darwin, Ehrenberg, Ransonnet und anderen -Naturforschern, die ich früher gelesen, hatten meine Erwartungen sehr -hoch gespannt; sie wurden aber durch die Wirklichkeit übertroffen. Ein -Vergleich dieser formenreichen und farbenglänzenden Meerschaften mit den -blumenreichsten Landschaften gibt keine richtige Vorstellung. Denn hier -unten in der blauen Tiefe ist eigentlich alles mit bunten Blumen -überhäuft und alle diese zierlichen Blumen sind lebendige Korallentiere. -Die Oberfläche der größeren Korallenblöcke, von sechs bis acht Fuß -Durchmesser, ist mit Tausenden von lieblichen Blumensternen bedeckt. Auf -den verzweigten Bäumen und Sträuchern sitzt Blüte an Blüte. Die großen -bunten Blumenkelche zu deren Füßen sind ebenfalls Korallen. Ja sogar das -bunte Moos, das die Zwischenräume zwischen den größeren Stöcken -ausfüllt, zeigt sich bei genauerer Betrachtung aus Millionen winziger -Korallentierchen gebildet. Und alle diese Blütenpracht übergießt die -leuchtende arabische Sonne in dem kristallhellen Wasser mit einem -unsagbaren Glanze! - -In diesen wunderbaren Korallengärten, welche die sagenhafte Pracht der -zauberischen Hesperidengärten übertreffen, wimmelt außerdem ein -vielgestaltiges Tierleben der mannigfaltigsten Art. Metallglänzende -Fische von den sonderbarsten Formen und Farben spielen in Scharen um die -Korallenkelche, gleich den Kolibris, die um die Blumenkelche der -Tropenpflanzen schweben. Unter ihnen fällt uns vor allen der sonderbare -Halbmondfisch auf (^Platax Ehrenbergii^). Sein platt zusammengedrückter, -sichelförmiger Körper, der je nach dem Lichtfalle bald in gelbgrünlichem -Bronzeglanz, bald in prachtvollem Blau strahlt, ist oben in eine lange -dreieckige gekrümmte Rückenflosse, unten in eine gleiche Analflosse -ausgezogen. So erscheint der ganze Fisch als leuchtende Sichel im -Halbdunkel der Korallenwälder, als das Symbol des türkischen Halbmondes, -der jetzt noch diese arabischen Küsten beherrscht. Gleich einem -leuchtenden Kometenschweife zieht durch die blaue Tiefe ein silberweißer -Bandfisch von der Gestalt eines silbernen Schuppengürtels -(^Trichiurus^). Ein rotbrauner, mit seltsamem Helmschmuck an dem -gepanzerten Haupte ausgestatteter Drachenkopf (^Scorpaena^) jagt eine -ganze Schar von kleinen goldgelben Lippfischen vor sich her -(^Labroiden^). Aber auch der grimme Menschenhai, der Schrecken des -Meeres, fehlt nicht, und bisweilen erscheinen im Hafen von Tur solche -Haifische von zehn bis zwanzig Fuß Länge. - -Noch viel mannigfaltiger und interessanter als die Fische sind die -wirbellosen Tiere der verschiedensten Klassen, welche auf den -Korallenbänken ihr Wesen treiben. Zierliche durchsichtige Krebse aus der -Garnelengruppe schnellen haufenweise vorüber und bunte Krabben klettern -zwischen den Korallenzweigen. Auch rote Seesterne, violette -Schlangensterne und schwarze Seeigel klettern in Menge auf den Ästen der -Korallensträucher; der Scharen bunter Muscheln und Schnecken nicht zu -gedenken. Reizende Würmer mit bunten Kiemenfederbüschen schauen aus -ihren Röhren hervor. Da kommt auch ein dichter Schwarm von zarten -violetten Medusen geschwommen, und zu unserer Überraschung erkennen wir -in der zierlichen Glocke eine alte Bekannte aus der Ostsee und Nordsee, -die Aurelia. - -Man könnte glauben, daß in diesen bezaubernden Korallenhainen, wo jedes -Tier zur Blume wird, der glückselige Friede der elysischen Gefilde -herrsche. Aber ein näherer Blick in ihr buntes Getriebe lehrt uns bald, -daß auch hier, wie im Menschenleben, beständig der wilde Kampf ums -Dasein tobt, oft zwar still und lautlos, aber darum nicht minder -furchtbar und unerbittlich. Die große Mehrzahl des Lebendigen, das hier -in üppigster Fülle sich entwickelt, wird beständig vernichtet, um die -Existenz einer bevorzugten Minderzahl zu ermöglichen. Überall lauert -Schrecken und Gefahr. Um uns davon zu überzeugen, brauchen wir bloß -selbst einmal unterzutauchen. Rasch entschlossen springen wir über Bord -und schauen nun erst, von wunderbarem, grünem und blauem Glanze -umgossen, die Farbenpracht der Korallenbänke ganz in der Nähe. Aber bald -erfahren wir, daß der Mensch ungestraft so wenig unter Korallen als -unter Palmen wandelt. Die spitzen Zacken der Steinkorallen erlauben uns -nirgends festen Fuß zu fassen. Wir suchen uns einen freien Sandfleck zum -Standpunkt aus. Aber ein im Sande verborgener Seeigel (^Diadema^) bohrt -seine fußlangen, mit seinen Widerhaken bewaffneten Stacheln in unseren -Fuß; äußerst spröde zersplittern sie in der Wunde und können nur durch -vorsichtiges Ausschneiden entfernt werden. Wir bücken uns, um eine -prächtige smaragdgrüne Aktinie vom Boden aufzuheben, die zwischen den -Schalenklappen einer toten Riesenmuschel zu sitzen scheint. Jedoch zur -rechten Zeit noch erkennen wir, daß der grüne Körper keine Aktinie, -sondern der Leib des lebenden Muscheltieres selbst ist; hätten wir es -unvorsichtig angefaßt, so wäre unsere Hand durch den kräftigen Schluß -der beiden Schalenklappen elend zerquetscht worden. Nun suchen wir einen -schönen violetten Madreporenzweig abzubrechen, ziehen aber rasch die -Hand zurück; denn eine mutige kleine Krabbe (^Trapezia^), die -scharenweise zwischen den Ästen wohnt, zwickt uns empfindlich mit den -Scheren. Noch schlimmere Erfahrungen machen wir bei dem Versuche, die -daneben stehende Feuerkoralle (^Millepora^) abzubrechen. Millionen -mikroskopischer Giftbläschen entleeren bei der oberflächlichen Berührung -ihren ätzenden Saft auf unsere Haut, und unsere Hand brennt, als ob wir -ein glühendes Eisen angefaßt hätten. Ebenso heftig brennt ein zierlicher -kleiner Hydrapolyp, der höchst unschuldig aussieht. Um nicht auch noch -mit einem brennenden Medusenschwarme in unliebsame Berührung zu kommen -oder gar einem der nicht seltenen Haifische zur Beute zu fallen, tauchen -wir wieder empor und schwingen uns in die Barke. - -Welche fabelhafte Fülle des buntesten Tierlebens auf diesen -Korallenbänken durcheinander wimmelt und miteinander ums Dasein kämpft, -davon kann man sich erst bei genauerem Studium ein annäherndes Bild -machen. Jeder einzelne Korallenstock ist eigentlich ein kleines -zoologisches Museum. Wir setzen z. B. einen schönen Madreporenstock -(^Stylopora^), den eben unser Taucher emporgebracht hat, vorsichtig in -ein großes, mit Seewasser gefülltes Glasgesäß, damit seine Korallentiere -ruhig ihren zierlichen Blumenkörper entfalten. Als wir eine Stunde -später wieder nachsehen, ist nicht nur der vielverzweigte Stock mit den -schönsten Korallenblüten bedeckt, sondern auch Hunderte von größeren und -Tausende von kleineren Tierchen kriechen und schwimmen im Glase herum: -Krebse und Würmer, Kraken und Schnecken, Tascheln und Muscheln, -Seesterne und Seeigel, Medusen und Fischchen; alle vorher im Geäste des -Stockes verborgen. Und selbst wenn wir den Korallenstock herausnehmen -und mit dem Hammer in Stücke zerschlagen, finden wir in seinem Inneren -noch eine Menge verschiedener Tierchen, namentlich bohrende Muscheln, -Krebse und Würmer verborgen. Und welche Fülle unsichtbaren Lebens -enthüllt uns erst das Mikroskop! Welcher Reichtum merkwürdiger -Entdeckungen harrt hier noch zukünftiger Zoologen, denen das Glück -beschieden ist, Monate und Jahre hindurch an diesen Korallenküsten zu -verweilen. - -Uns war leider nur ein paar kurze Tage lang der Genuß dieser feenhaften -Korallengärten beschieden. Glücklicherweise begünstigte uns das -herrlichste Frühlingswetter, so daß wir unsere Korallenfischerei mit dem -glänzendsten Erfolg betreiben konnten. Die mitgenommenen Kisten mit -Gläsern und Weingeist waren in kurzer Zeit völlig mit Korallen und -anderen Seetieren gefüllt. Unsere Boote schleppten ganze Ladungen von -Korallenblöcken zur Korvette, deren Verdeck bald vollständig damit -überhäuft war. Schwerlich ist wohl noch ein Kriegsschiff, und sicher -niemals ein ägyptisches, so über und über mit Korallen bedeckt gewesen. -Wir konnten später von Suez aus nur zwölf Kisten damit füllen und nach -Hause schicken; der bei weitem größte Teil mußte zurückbleiben und ziert -jetzt den Garten unseres dort wohnenden Freundes, des Konsuls Remy. - -Ein letzter Besuch am Lande schloß unseren kurzen Aufenthalt in Tur. Mit -dankbarem und gerührtem Herzen nahmen wir Abschied von Land und Leuten, -von Meer und Korallenbänken. Die Bewohner von Tur, halb griechischen, -halb arabischen Ursprungs, sind arme Fischer; gute unverdorbene -Menschen, die selten mit Fremden in Berührung kommen. Der günstige -Eindruck, den sie uns gleich beim ersten Besuch gemacht hatten, wurde -durch nähere Bekanntschaft nur verstärkt, und wir erinnern uns mit -lebhaftem Vergnügen der herzlichen Gastfreundschaft, die wir in ihren -niederen Korallenhütten genossen. - -Ganz besonderen Dank schulden wir dem braven Hennaen, dem eingeborenen -»Naturforscher von Tur«; einem Fischer, der schon den früher hier -anwesenden deutschen Naturforschern die wesentlichsten Dienste geleistet -hatte und sich auch bei unserer Korallenfischerei vorzüglich bewährte. -Mit den Lokalitäten der Korallenbänke von Tur und mit ihren zahlreichen -Bewohnern genau vertraut, vermochte er uns in kürzester Zeit die -reichste zoologische Ernte zu verschaffen. Er besitzt ein Dokument, in -welchem von den früheren Besuchern seine vortrefflichen Dienstleistungen -dankbarst anerkannt sind, und auch ich konnte nur ein gleich ehrenvolles -Zeugnis hinzufügen. Auf Hennaens ausdrückliche Bitte mußten wir am -letzten Nachmittag vor unserer Abreise nochmals in seine niedere -Korallenhütte kommen, wo er uns, umgeben von den angesehensten -Einwohnern des Ortes, mit Kaffee und Datteln bewirtete. Auch -verschiedene hübsche Korallen, Sterntiere und Mollusken, die wir nicht -selbst erbeutet hatten, machte er uns hier noch zum Geschenk. Dann -machten wir noch einen gemeinsamen Spaziergang nach dem kleinen, eine -halbe Stunde vom Dorfe entfernten Palmenhain, wo neben prächtig -entwickelten Dattelpalmen (^Phoenix^) auch einzelne Exemplare von der -schönen, gabelig verzweigten Dhumpalme Oberägyptens sich finden -(^Hyphaene^). Bei der Rückkehr an den Strand besuchten wir noch die -Ruine eines kleinen alten Forts, in der Nähe des Dorfes. - -Wie gerne hätten wir noch länger bei unseren neuen arabischen Freunden -verweilt und hätten mit der kleinen, vor dem Dorfe liegenden -Kamelkarawane eine Wüstenreise angetreten! Wie gerne hätten wir die so -nahe vor uns liegenden gewaltigen Bergkuppen des Sinai und des Serbal -erklommen; und in dem Mosestal das uralte berühmte Sinaikloster oder in -dem Feirantal die wundervollen Fruchtgärten der »Sinaiperle« besucht! -Aber unsere Uhr ist leider abgelaufen! Schon raucht der Schornstein -unseres Dampfers. Die blauen Schatten der Palmen im gelben Sande neigen -sich stark nach Osten und die Gebirgskuppen des Sinai beginnen sich in -magischen Purpurglanz zu hüllen. Noch erquicken wir uns nach des Tages -schwerer Arbeit durch ein letztes, herrliches Bad in der blauen, jetzt -aber im Abendglanze wirklich purpurschimmernden Flut des »Roten Meeres«. -Nach herzlichstem Abschiede von den guten Turbewohnern und besonders von -Hennaen und von unseren braven Tauchern besteigen wir zum letztenmal die -Schaluppe und rudern zum »Khartoum« hinüber. - -Während unsere Korvette die Anker lichtet und sich nach Norden wendet, -genießen wir den unvergeßlichen Anblick eines Sonnenunterganges, wie man -ihn nur in diesen Breiten und nur in dieser Luft sehen kann. Gleich dem -Zauberbilde einer Fata Morgana strahlt die ganze Sinaikette mit ihren -zackigen Gipfeln in glühendem Purpur; die Schatten ihrer Klüfte -schimmern in magischem Blau. Am Fuße des Gebirges gehen diese herrlichen -Farbentöne in ein zartes Violett über, das durch eine gesättigte Lage -von tiefem Braun sich vom gelben Wüstensande abhebt. Die glühenden -Farben werden durch das tiefe, fast schwarze Blau des Meeres kraftvoll -gehoben. Die Kronen der Palmen am Strande, leise im lauen Abendwinde -schwankend, senden uns einen letzten Gruß, und die rasch hereinsinkende -Nacht entzieht das märchenhafte Bild unseren scheidenden Blicken. Addio -Arabia! - - (Aus »Arabische Korallen«.) - - - - - VI. - Brussa und der asiatische Olymp. - - -Wenn man auf dem Seewege nach Konstantinopel den Hellespontos passiert -hat und das Marmarameer ostwärts durchschneidet, erblickt man am -südlichen Gestade des letzteren in blauer Ferne langgestreckte Bergzüge. -In mehrfach unterbrochenen, edelgeformten Linien stufenweise ansteigend, -finden dieselben in einer majestätischen, mit ewigem Schnee bedeckten -Kuppel ihren malerischen Abschluß. Diese stolze Gebirgskuppel ist der -Olympos der asiatischen Griechen, der musische Olymp des Herodot, der -bithynische Olmyp anderer klassischer Autoren. Allerdings erfreut sich -dieser asiatische Olympos nicht des hohen Rufes wie sein europäischer -Namensbruder, der auf der Grenze von Mazedonien und Thessalien liegt und -auf den die altgriechischen Sagen den Sitz der Götter verlegen. Aber -dennoch wird der abendländische Wanderer durch den Besuch des ersteren -weit mehr als durch die Besteigung des letzteren befriedigt werden. Denn -der wenig besuchte asiatische Olymp und seine nähere Umgebung ist mit -einer Fülle von Naturschönheiten geschmückt, welche dem europäischen -Götterberge abgehen, und die historischen Erinnerungen, welche sich an -die von ersterem beherrschte Schaubühne weltgeschichtlicher Dramen -knüpfen, verleihen ihm einen besonderen Reiz. Unmittelbar am Fuße des -asiatischen Olymps liegt Brussa, die von Hannibal gegründete Hauptstadt -Bithyniens, die Wiege der osmanischen Dynastie, eine von türkischen -Dichtern vielbesungene Perle des Orients, welche an hohem Reiz der Lage -mit Damaskus und mit Granada wetteifert. - -Im Abendlande ist Brussa heutzutage ein wenig bekannter und wenig -genannter Ort. Für den Geschichtsforscher knüpfen sich freilich an -diesen Namen hochwichtige Begebenheiten; dem Arzt ist Brussa durch seine -heilkräftigen, weitberühmten heißen Quellen bekannt, das »Baden« des -Orients, und für den Kaufmann ist diese ansehnlichste Handelsstadt -Anatoliens durch ihre Seidenwaren und Samtfabriken von großer Bedeutung. -Aber von den hohen Naturschönheiten Brussas, von den malerischen Reizen -seiner Lage, von dem üppigen Schmucke seiner südlichen Vegetation, von -der Fülle rauschender Quellen in seinen kühlen Felsentälern ist in -Europa wenig bekannt; unter Tausenden von Touristen, die jetzt -alljährlich nach Konstantinopel reisen, gelangen nur sehr wenige nach -dem kaum eine Tagereise davon entfernten Brussa. Und doch ist sicher ein -Besuch dieses herrlichen Ortes weit lohnender, als viele berühmte -»Sehenswürdigkeiten« des Orients. - -Der Besuch, den ich selbst im April 1873 dem asiatischen Olymp und -Brussa abstattete, ist mir unter den vielen anmutigen Erinnerungen, die -ich von meiner damals unternommenen Orientreise mit nach Hause brachte, -eine der wertvollsten geblieben; und wenn ich hier eine flüchtige Skizze -davon mitteile, so hoffe ich, dadurch manchen Leser, den sein -Glücksstern nach den reizenden Ufern des Bosporus führt, zu veranlassen, -von der türkischen Hauptstadt aus diesen höchst lohnenden Ausflug nach -der Residenz der ersten Sultane des Osmanenreiches zu unternehmen. -Insbesondere möchte ich aber dadurch diesen oder jenen Landschaftsmaler -auf die ungehobenen Schätze aufmerksam machen, die sein Auge in Brussa -und seiner Umgebung reicher als in den ausgebeuteten Gefilden von -Neapel, Palermo oder Granada finden wird. - -Wenige Wochen, bevor ich nach Brussa kam, hatte ich in Kairo die Märchen -von Tausend und einer Nacht lebendig an mir vorüberziehen sehen, hatte -von der Pyramide des Cheops einen Blick in die Libysche Wüste getan und -von Suez auf einem Kriegsschiffe des Khedive einen höchst interessanten -Ausflug zu den Korallenbänken des Roten Meeres am Fuße des Sinai -unternommen. Von Alexandrien war ich darauf nach Smyrna gefahren, von wo -ich in Gesellschaft liebenswürdiger deutscher Landsleute Exkursionen -nach dem klassischen Trümmerstätten von Magnesia und Ephesus unternahm, -in ersterem das uralte, in den Felsen gehauene Riesenbild der Niobe, in -letzterem die kürzlich ausgegrabenen Substruktionen des weltberühmten -Dianatempels bewundernd. Wenige Tage später genoß ich auf der Akropolis -von Athen und auf den Tempelruinen von Eleusis unvergeßliche Stunden -lebendiger Erinnerung an die Blüte des klassischen Altertums; und -abermals nach wenigen Tagen erfreute ich mich an den Ufern des Bosporus -und am Goldenen Horn von Konstantinopel der Fülle von Natur- und -Kunstgenüssen, von historischen Reminiszenzen und ethnographischen -Bildern, mit denen die gewaltige Hauptstadt des Türkenreiches noch heute -geschmückt ist. Und doch, nachdem alle diese wunderbaren Gemälde des -Orients in der raschen Folge weniger Wochen an meinem Auge -vorübergegangen waren, nachdem die Phantasie durch das Übermaß der -genossenen großartigen und mannigfaltigen Bilder übersättigt erschien, -vermochte zuletzt noch das herrliche Brussa einen so tiefen Eindruck zu -hinterlassen, daß ich mir keinen schöneren und harmonischeren Abschluß -zu der langen Reihe der bunten vorhergegangenen Orientbilder wünschen -könnte. - -Es war ein heiterer, wolkenloser Frühlingsmorgen, als ich am 25. April -1873 in Gesellschaft des bekannten Landschaftsmalers Ernst Körner aus -Berlin die Fahrt nach Brussa antrat. Der Kanzler am deutschen -Generalkonsulat in Konstantinopel, Herr Rohnstock, welcher der -türkischen Sprache vollkommen mächtig ist, begleitete uns und hatte die -Güte, die Rolle eines Dolmetschers zu übernehmen. Während die -aufsteigende Morgensonne mit ihren ersten Strahlen die Fenster von -Skutari und von den kleineren Ortschaften am asiatischen Ufer des -Bosporus vergoldete, stiegen wir nach der großen Brücke hinunter, welche -an der Ausmündung des Goldenen Horns das fränkische Pera mit dem -alttürkischen Stambul verbindet. In der Nähe dieser Brücke ankern die -kleinen Dampfboote, welche mehrmals wöchentlich von Konstantinopel nach -dem Golfe von Mudania fahren. Die kleine Stadt Mudania liegt am -südlichen Gestade des Marmarameeres, in gerader Linie etwa sechs -deutsche Meilen südwärts von Stambul entfernt. Sie ist der Hafenort von -Brussa und steht durch eine gute, vier Meilen lange Fahrstraße mit ihm -in Verbindung. - -Ein leichter Kaik, einer venezianischen Gondel ähnlich, führt uns von -der Perabrücke zu dem kleinen Dampfer hinüber; wir finden sein Verdeck -bereits dicht besetzt mit türkischen Landleuten in buntfarbiger Tracht, -mit zerlumpten Fischern und verschleierten Weibern. Um acht Uhr lichtet -unser Schiff die Anker und bahnt sich mühsam seinen Weg durch das dichte -Gewühl von Fahrzeugen aller Nationen, welche den größten Hafen des -Orients erfüllen. Rasch durchkreuzen wir das südliche Ende des Bosporus, -lassen die malerische, mit Zypressen bedeckte Serailspitze von Stambul -zu unserer Rechten, den alten Leanderturm und den riesigen -Begräbnisplatz von Skutari mit seinem berühmten Zypressenwald zu unserer -Linken liegen, und ergötzen uns an dem wundervollen Bilde, welches das -alte Stambul hier von der Südseite gewährt. Je weiter wir uns von ihm -entfernen, desto imposanter tritt die gewaltige Häusermasse der -türkischen Hauptstadt auf ihren Hügeln hervor; die Kuppeln ihrer -zahlreichen Moscheen und die schlanken Minarette daneben schimmern -golden im Glanze der Morgensonne. Unten am Strande zieht sich der Rest -der alten Stadtmauer hin, deren westliches Ende mit dem malerischen -Schlosse der sieben Türme abschließt. Dieses mächtige alte Kastell -spielte lange Zeit als Zitadelle der Hauptstadt eine wichtige Rolle bei -den Belagerungen und erinnert uns mit seinen mittelalterlichen -Mauerkränzen und Turmzinnen an die gewaltigen Ereignisse, die hier im -Laufe von zwei Jahrtausenden vorübergezogen sind. Doch werden wir in -diesen historischen Betrachtungen bald durch den modernen Pfiff der -Lokomotive gestört, die längs der Mauern hindampft; sie befährt den -neuen Schienenweg nach Adrianopel, welcher wenige Monate nach unserer -Anwesenheit dem Verkehr übergeben wurde; ein wichtiger Fortschritt zur -abendländischen Kultur und somit zur Auflösung des altersschwachen -Osmanenreiches. - -Während wir südwärts steuern, entschwindet das glänzende Bild der -Konstantins-Stadt allmählich unseren Blicken. Wir fahren ziemlich nahe -an den Prinzeninseln vorüber, den lieblichen, mit Villen und Gärten -bedeckten Eilanden, auf denen im heißen Sommer die vornehmen Bewohner -von Pera und Stambul sich vom staubigen Gewühl des Alltagstreibens -erholen. Scharen von Delphinen umspielen unser Schiff und tauchen mit -ihren Rückenflossen sich tummelnd empor. Unser Kurs geht gerade auf eine -steile, links weit vorspringende Landspitze zu, das »Bos burun« oder das -»Vorgebirge des Eises«. Zwischen diesen und den Prinzeninseln öffnet -sich zu unserer Linken ein tief einschneidender, von bewaldeten Bergen -umgebener Meerbusen, der Golf von Nikomedia, der »Sinus Astacenus« der -alten Römer. Tief im Grunde desselben liegt das unbedeutende Städtchen -Isnikmid, der letzte Rest des mächtigen alten Nikomedia, jener früheren -Residenz der bithynischen Könige, die durch zahlreiche Erdbeben -verwüstet wurde. - -Zu unserer Rechten taucht jetzt aus der blauen Flut das schöne Eiland -Kalolimni auf; wir fahren zwischen ihm und dem Eiskap hindurch und -werden durch den herrlichen Anblick des Golfs von Mudania überrascht. -Rings von langgestreckten, schöngeformten Bergketten umschlossen, deren -Füße kulissenartig vorspringen, gleicht dieser Golf, der »Sinus Cianus« -der Alten, einem großen, stillen Landsee. An seinen Gestaden landete -Jason auf der Argonautenfahrt. Am südlichen Ufer des Golfs, wo er sich -in das Marmarameer öffnet, liegt das Städtchen Mudania, eine Doppelreihe -ärmlicher Holzhäuser, von vielen pyramidenförmigen Lebensbäumen -(^Thuja^) überragt. Ihre Bewohner sind zum größten Teile griechische -Gärtner und Weinbauer. Die Tochter eines solchen war die hier geborene -Sophia Witt, die später durch ihre Schönheit und ihren Geist berühmt -gewordene Gräfin Potocka. - -Um zwölf Uhr mittags legt unser Boot an der Landungsbrücke von Mudania -an. Nachdem wir uns bei den Polizeibeamten mittels unseres türkischen -Passes legitimiert haben, besteigen wir einen der bereitstehenden -offenen Wagen, der mit zwei schmucken Schimmeln bespannt ist, und im -munteren Trab fahren wir auf der Landstraße nach Brussa. - -Die Mittagssonne entsendete jetzt glühende Strahlen vom wolkenlosen -Aprilhimmel Kleinasiens herab, und zu unserer Linken schlugen die -plätschernden Wellen des spiegelklaren Meeres so verführerisch auf den -weichen Sand des schmalen Strandes, daß wir der Versuchung nicht -widerstehen konnten, unsere Fahrt nach kurzer Dauer zu unterbrechen und -ein improvisiertes Bad zu nehmen. Köstlich erfrischt von den kühlen -Wellen und von einem frischen Trunk aus einer Felsenquelle, die nach -kurzem Lauf sich ins Meer ergießt, gingen wir jetzt eine Strecke neben -dem Wagen aufwärts. Die Straße steigt zwischen Olivengärten und -Weinbergen in vielen Windungen bergan. Je höher wir hinaufkommen, desto -schöner gestaltet sich der Blick auf den blauen Golf zu unseren Füßen -und auf die edelgeformten, teils bebauten, teils bewaldeten Berge, die -denselben in stattlichem Kranze umschließen. Besonders werden unsere -Blicke durch den hohen, südöstlich gelegenen Berg Usuntschar gefesselt, -seine ungemein schöne Form erinnert auffallend an den berühmten »Monte -Pellegrino« bei Palermo. - -Nachdem wir anderthalb Stunden gestiegen, haben wir den Sattel des -langgestreckten Bergrückens erreicht, welcher den Golf von Mudania und -die Ebene von Brussa trennt, und wir fahren nun, nach einem letzten -Rückblick auf das Marmarameer, hinter dem türkischen Dorfe Tschakirchan -durch eine felsige Schlucht bergab. Am Ausgange der letzteren überrascht -uns plötzlich die großartige Aussicht auf den weiten grünen Talkessel -von Brussa, überragt von der gewaltigen, den ganzen südlichen -Hintergrund ausfüllenden Granitpyramide des schneegekrönten Olympos. Das -frischeste Frühlingsgrün schmückt die lachende Ebene zu unseren Füßen, -mitten hindurch windet sich in weitem S-förmigen Doppelbogen der -anmutige Fluß Nilufer. Er umgürtet den Fuß des Olymps und nimmt in sein -Bett die zahllosen Bergbäche und Quellen auf, die den westlichen und -nördlichen Abhängen des Berges entströmen. Den schönen Namen Nilufer -- -d. h. »Lotosblume« (^Lotos Nenufar^) -- verdankt der Fluß einer -griechischen Prinzessin, die durch ihre Schönheit und Anmut weit berühmt -war. Diese unglückliche Fürstin wurde während ihres Hochzeitsfestes auf -dem festen Schlosse Biledschik von dem Sultan Osman, dem Gründer der -Osmanendynastie, überfallen, räuberisch entführt und in den Harem seines -Sohnes Orchan eingesperrt. Hier wurde sie später die Mutter des -kriegerischen Sultan Murad I. - -Nach halbstündiger heißer Fahrt durch die Ebene, deren Wiesen -stellenweise ganz blau von Irisblüten waren, hatten wir das Gestade des -Nilufer erreicht und hielten Rast im Schatten eines anmutigen -Eichenhaines; ein türkisches Kaffeehaus erquickte uns mit köstlichem -Mokkatrank. Hier zog auf der Straße eine lange Karawane von schweren -anatolischen Lastkameelen an uns vorüber, wie man sie in den Straßen von -Smyrna so oft sieht. Mit Ballen von kostbarer Brussaseide belastet, -gingen die schwerfälligen Tiere gravitätisch hintereinander her, durch -Stricke zu einer langen Kette verbunden. Den Kopf der langen Kolonne -bildete ein kleiner kluger Esel, wie er hier gewöhnlich als Führer der -Kamelzüge auftritt. Denn das Langohr vertritt hier im Morgenlande die -leitende Intelligenz der Huftiere, im Gegensatze zu den im Abendlande -herrschenden Anschauungen. - -Je mehr wir uns auf unserer weiteren Fahrt dem Olympgebirge näherten, -desto mehr entfalteten sich die landschaftlichen Reize der Gegend. In -freundlichem Gegensatze zu den dunkeln, waldigen Schluchten des Gebirges -zeigte sich die üppige Fruchtbarkeit des Tales in lachendem -Frühlingsgrün. Plätschernde Brunnen und mächtige Platanen an den Seiten -des Weges verbreiteten Kühlung und Schatten. - -Die Sonne neigte sich schon stark gen Westen, als wir in die Stadt -einfuhren. Unsere Ankunft gestaltete sich dadurch besonders festlich, -daß gerade ein griechischer Feiertag war. Die ganze griechische -Bevölkerung, in die buntesten Festgewänder gekleidet, lustwandelte vor -der Stadt und erfreute sich des schönen warmen Frühlingsabends. In -heiteren Gruppen lagerten viele Familien auf den blumigen Hügeln vor den -Mauern und ergötzten sich mit Musik, Spiel und Tanz. Keine schönere -Staffage hätte den Vordergrund des herrlichen Bildes zieren können, das -die prächtige Stadt mit ihren zahllosen Minaretten und Kuppeln, im -Glanze der Abendsonne funkelnd, unseren entzückten Augen darbot. - -In dem schön gelegenen »Hotel du Mont Olymp«, dem einzigen europäischen -Gasthofe von Brussa, fanden wir freundlichste Aufnahme und beste -Verpflegung. Der treffliche Wirt desselben, Don Franzesco Franchi aus -Florenz, war in jeder Weise bemüht, uns unseren Aufenthalt so angenehm -als möglich zu machen. Seine köstlichen Orangen und Feigen, die -vorzüglichen ^Maccaroni con pomi d'oro^ und die leckeren Forellen aus -den Olymposbächen, gewürzt durch den edlen, rosenroten, am Fuße des -Götterberges gewachsenen Wein, mundeten uns so vortrefflich, als ob es -Nektar und Ambrosia von der olympischen Göttertafel selbst gewesen wäre. -Dabei ergötzten sich unsere Geruchsnerven an den aromatischen -Blumendüften der zahlreichen benachbarten Gärten, in denen Rosen und -Lilien, Jasmin und Nelken, Daphne und Balsamine in üppigster Fülle -blühten; und als ob Vater Zeus am Tore seiner Götterwohnung alle Sinne -gleichmäßig entzücken wolle, wurden wir noch am späten Abend durch ein -unerwartetes Konzert überrascht. Denn als wir das Verlangen nach Speise -und Trank gesättigt hatten, unsere Schlafzimmer aufsuchten und auf deren -Balkon hinaustraten, um die würzige Abendluft zu atmen, tönte uns aus -der benachbarten Waldschlucht der melodische Gesang zahlreicher -Nachtigallen entgegen. Während diese liebliche Sängerin bei uns meistens -die Einsamkeit aufsucht, wohnt sie in Kleinasien scharenweis in den -Gärten und scheint im Wettgesange besondere Kunst zu entfalten. Jeden -Abend, wenn wir in Brussa unser Lager aufgesucht hatten, lauschten wir -noch lange ihren entzückenden Liedern und wurden erst spät dadurch in -den süßesten Schlaf gesungen. - -Waren so schon die ersten Eindrücke, die wir am Abend unserer Ankunft in -Brussa empfingen, höchst angenehm, so überzeugten uns unsere Wanderungen -in der Stadt und in der näheren Umgebung bald, daß eine lieblichere -Sommerfrische im Orient wohl nicht gefunden werden kann. Fürwahr, die -türkischen Dichter haben recht, wenn sie diese Stadt als ein irdisches -Paradies besingen. Reizend schön, lieblich und großartig zugleich ist -die ganze Lage und Umgebung der Stadt, in vieler Beziehung derjenigen -von Granada ähnlich. Als ich auf der alten Schloßruine von Brussa, auf -steilem Felsen hoch über der Stadt stand, und als mein Blick über die -Häusermassen, Kuppeln und Gärten zu meinen Füßen schweifte, und weiter -hinaus über die ausgedehnte, üppige grüne Ebene und in blauer Ferne über -den umschließenden Kranz von malerischen Höhenzügen, da tauchte lebendig -die Erinnerung an das herrliche Panorama in mir auf, das ich vor Jahren -auf der Alhambra und über der berühmten Vega von Granada genossen hatte. -Wie die andalusische Hauptstadt von den schneegekrönten Höhen der Sierra -Nevada, so wird Brussa von dem gewaltigen Schneehaupte des Olymp -überragt. Hier wie dort erhält die Lage der Stadt ihren besonderen Reiz -durch die Anlehnung an das wilde und großartige Gebirge, durch den -Quellenreichtum der buschigen Felsenschluchten und durch die üppige -Vegetation der von vielen Bächen bewässerten Ebene. Auch bieten die -beiden Städte viele Vergleichungspunkte in den zahlreichen und -prächtigen Denkmälern islamitischer Kunst und Geschichte, mit denen sie -noch heute geschmückt sind. Aber die Verhältnisse sind in Brussa -großartiger und gewaltiger als in Granada. Die anatolische -Osmanenresidenz mit ihren vielen hundert glänzenden Kuppeln, weißen -Minaretten und schwarzen Zypressen daneben ist weit malerischer als die -berühmte andalusische Kalifenresidenz, und auch in bezug auf die -sprudelnde Wasserfülle und die Üppigkeit der südlichen Vegetation ist -die erstere der letzteren weit überlegen. Im übrigen aber hat doch der -landschaftliche Charakter beider Gegenden sehr viel Ähnlichkeit, und es -legt ein gutes Zeugnis für den Schönheitssinn und das feine Naturgefühl -der mohammedanischen Fürsten ab, daß sie ebenso in Kleinasien wie in -Spanien die mit den höchsten Naturreizen geschmückte Stadt zum -bleibenden Herrschersitz wählten. Das Gegenteil gilt von den -christlichen Königen Spaniens, den Gönnern der heiligen Inquisition; -denn diese erwählten zu ihrer Residenz das traurige Madrid, mitten auf -der öden Hochebene von Kastilien, ohne Wald und ohne Wasser. - -Die üppige Ebene von Brussa, die südlich vom Olympgebirge, nördlich von -den Höhenzügen des Arganthonios (jetzt Katirli) umschlossen wird, ist -ungefähr vier deutsche Meilen lang, eine Meile breit, und fast in ihrer -ganzen Ausdehnung teils mit fruchtbaren Wiesen, teils mit -Maulbeerpflanzungen bedeckt. Dieser Maulbeerwald ist das große -Proviantmagazin für die Seidenraupen, welche Brussas wichtigsten -Handelsartikel, die kostbare Brussaseide, spinnen. Zahlreiche, aus dem -Olymp hervorquellende Bäche sorgen für beständige Bewässerung der Ebene. -Während die Hauptmasse des Olymp nach Süden steil abfällt, strahlen nach -Norden von seinem Fuße zwölf gewaltige Bergrücken aus, zwischen denen -ebensoviele Schluchten liegen. In jeder Schlucht rauscht ein Bergstrom, -der aus tausend Quellen das schmelzende Schneewasser des Olympgipfels -sammelt. Diese Bergströme führen auch im heißesten Sommer eine nie -versiegende Wasserfülle in das Tal, und darin liegt bei dem köstlichen -Klima die Hauptursache der üppigen Vegetationsfülle, wie des poetischen -Reizes der herrlichen Gegend. Überall rieseln kalte und warme Quellen -aus den Schluchten des Götterberges, Wasserfälle stürzen von seinen -jähen Felswänden, plätschernde Brunnen versorgen alle Teile der Stadt, -und hier wird der Koranspruch zur Wahrheit: - - »Das Wasser hat Leben - Allen Dingen gegeben.« - (^Min el -- mai^ - ^Küllun schejun hai.^) - -Eine von den erwähnten Schluchten, wegen ihrer himmelhohen Felswände das -Himmelstal (Gökdereh) genannt, geht durch den östlichen Teil der Stadt -mitten hindurch und ist von einer kühnen Brücke überspannt. Im Grunde -rauscht der wilde Bergstrom über Felsentrümmer, während die Felsenmauern -an beiden Seiten, unterhalb der Häuser, mit Buschwerk und -Schlingpflanzen behangen sind. Eine andere, kleinere, aber ebenfalls -sehr malerische Schlucht (Kodocha Naib) durchschneidet den westlichen -Teil der Stadt. Zwischen diesen beiden Schluchten erheben sich, mitten -über Brussa, auf einer gewaltigen, fast senkrecht abfallenden -Felsenterrasse, die Ruinen der Zitadelle und der ältesten osmanischen -Herrscherpaläste, derjenigen von Muhammed I. und Murad I., daneben die -Moschee Sultan Orchans und die Grabkapellen von Orchan und Osman. Auch -vom Marmorbade des Harems sind noch bedeutende Reste vorhanden. Von der -alten Festung, der ältesten des osmanischen Reiches, sind nur noch ein -paar Mauern und Turmruinen übrig, und im Grase versteckt liegen vier -uralte, verrostete, eiserne Kanonenläufe. Wilder Wein und Efeu -überziehen wuchernd das zerfallene Trümmerwerk. Gleich hinter der -Zitadelle liegt Bunarbaschi, das »Quellenhaupt«, einer der beliebtesten -öffentlichen Spaziergänge Brussas. Hier trifft man jederzeit, besonders -aber gegen Abend, lustwandelnde oder auf den Rasenplätzen gelagerte -Gruppen, die im Schatten alter Platanen ihren Tschibuk rauchen, Kaffee -schlürfen und dem Gemurmel der vorübereilenden Bergbäche lauschen. - -Unmittelbar an diese reizende Promenade stößt ein Friedhof mit mächtigen -alten Zypressen, und wenn wir diesen durchschreiten und dann auf einem -anmutigen Felsenpfade den Berg eine Viertelstunde hinansteigen, so -kommen wir zu den berühmten Wallfahrtsorten zweier mohammedanischer -Heiligen, Murad Abdal und Seid Nassir. Von hier genießen wir bei -Abendbeleuchtung eine der schönsten Aussichten über die ganze, zu -unseren Füßen liegende Stadt, über die weite grüne Ebene und über die -fernen Arganthoniosberge, die im Glanze der Abendsonne sich in das -zarteste rosige Gewand hüllen. - -Nicht weniger als 365 malerische Aussichtspunkte und anmutige -Spaziergänge zählen die Bewohner von Brussa mit Stolz in ihrer -herrlichen Umgebung auf, und ebenso groß soll auch die Zahl der -glänzenden Kuppeln, der Moscheen und Gruftkirchen sein, die aus dem -bunten Häusermeer der Stadt und aus den überall eingestreuten grünen -Gärten hervorragen. Doch ist wohl die Mehrzahl derselben jetzt halb -verfallen oder ganz zerstört. Immerhin dürften noch gegen 200 Kuppeln -vorhanden sein, und diese gehören nebst den schlanken Minaretten und den -uralten Zypressen zu den charakteristischen Zierden der Stadt. Die -weißen Minarette, die gleich hohen Marmorsäulen über die -metallglänzenden Kuppeln der Moscheen emporstreben, stehen in -lichtvollem Kontrast zu den düstern, schwarzgrünen Zypressen, welche -überall einzeln und gruppenweise in der Stadt und ihrer nächsten -Umgebung zerstreut sind. Nie habe ich gewaltigere und ehrwürdigere -Zypressen gesehen als hier in Brussa. Verglichen mit diesen mächtigen, -uralten Riesen, erschienen mir die berühmten Zypressen der Villa d'Este -in Tivoli bei Rom als schlanke Jünglinge. Überaus wirkungsvoll heben -sich ihre dichten, schwarzen Nadelpyramiden auf der lichtvollen und -farbenprächtigen Landschaft von Brussa ab, besonders wenn die -untergehende Sonne diese mit einem zauberhaften roten Glanze überzieht. - -Gleich allen anderen Städten des Orients ist auch Brussa im Innern viel -weniger anziehend als von außen. Doch zeichnen sich die engen Straßen -durch verhältnismäßige Reinlichkeit aus, und die blumenreichen Gärten -hinter den Häusern geben ihnen einen freundlichen Charakter. Die Stadt -zieht sich über eine Stunde lang am Olympabhange hin, ist aber kaum eine -Viertelstunde breit. Die Einwohnerzahl, früher weit über hunderttausend, -beträgt jetzt kaum 70000, darunter ungefähr 10000 Armenier, 6000 -Griechen und 3000 Juden. Auch einige deutsche Kaufleute leben in Brussa, -darunter ein Badenser, namens Schwab, der zugleich das Amt eines -deutschen Vizekonsuls vertritt. Wir lernten in ihm einen ebenso -liebenswürdigen als fein gebildeten und poetisch begabten Landsmann -kennen und denken mit Vergnügen an die höchst angenehmen Abende zurück, -die wir in seinem gastfreien Hause verlebten. Ganz besonders erfreut war -ich, in Herrn Schwab einen warmen Freund der »Natürlichen -Schöpfungsgeschichte« zu entdecken und zu hören, daß er dem -»Darwinismus« unter den Anwohnern des asiatischen Olympos schon manchen -Anhänger geworben hat. - -Unter den öffentlichen Gebäuden von Brussa sind vor allen die von den -ältesten Osmanen-Sultanen gegründeten Moscheen und Grabdenkmäler von -Interesse, sowohl durch ihren architektonischen Schmuck als durch die -daran geknüpften historischen Erinnerungen. Alle die älteren Herrscher -der Osmanen-Dynastie haben sich hier durch schöne Kuppeldome verewigt: -voran Osman, Ertoghruls Sohn, der als Gründer des Osmanenreichs sich -welthistorische Bedeutung erwarb; dann Orchan, der nach langer -hartnäckiger Belagerung im Jahre 1326 Brussa eroberte, kurz vor dem Tode -seines Vaters Osman; darauf Murad I., welcher den Schrecken der -türkischen Waffen nach Europa trug und 1389 in der siegreichen Schlacht -auf dem Amselfeld in Serbien fiel. Murads Sohn war Childrim Bajasid, der -»Blitzstrahl«, der gewaltige Krieger, der bis in das westliche Ungarn -vordrang, 1396 bei Nikopolis den deutschen Kaiser Sigismund schlug, -selbst aber 1402 in der furchtbaren Schlacht bei Angora von dem Mongolen -Timur geschlagen und gefangengenommen wurde. Auf Bajasid folgte sein -Sohn Mohammed I., auf diesem Murad II. und dann Mohammed II., der 1453 -Konstantinopel eroberte. Alle diese mächtigen Sultane des -Osmanenreiches, die das ganze Abendland mit ihrer furchtbar wachsenden -Macht in Schrecken setzten, haben in Brussa eine Zeitlang residiert und -Moscheen gestiftet; die meisten sind auch dort begraben. - -Auf der Ostseite der Stadt hat Childrim Bajasid seine Moschee erbaut, -durch edle Einfachheit ausgezeichnet. Daneben steht sein Grabmal, im -ältesten und einfachsten Stil der osmanischen Baukunst. Nicht weit davon -erhebt sich auf einem Hügel mit herrlicher Aussicht die prachtvolle -Moschee Mohammeds I., die für die schönste des ganzen osmanischen -Reiches gilt. Polierte Platten von buntfarbigem Marmor schmücken die -Außenwände, so daß der Dom schon von fern wie ein Edelstein glänzt. Ein -wundervolles Tor, mit den zierlichsten Marmorarabesken, führt in das -Innere, das mit blauen und grünen Porzellanplatten getäfelt ist; darauf -prangen Koraninschriften in weißem Schmelz. Der Mirab (die Nische, worin -der Koran liegt) ist von rotem Marmor, mit Gold verziert. Auch die -Kuppeln und Minarettes dieser wundervollen Moschee waren ehedem ganz mit -grünem persischen Porzellan bekleidet, weshalb sie den Namen der »grünen -Moschee« erhielt. - -Am anderen Ende von Brussa, nahe dem westlichen Eingang, liegt an einem -höchst malerischen Platze, von hohen Platanen und Zypressen umgeben, die -»^Muradieh^«, die Moschee und Gruftkirche Murads II., daran stoßend ein -Dutzend Mausoleen, Kapellen und Schulen. In den Gruftkirchen hängen noch -Kleider und Waffen der Sultane und ihrer Familien. Auf den Sarkophagen -liegen schwarze Samtdecken, mit Silber und Gold gestickt, davor der -Koran und Gebetbücher in prächtigen alten Pergamentbänden mit feiner -Malerei. Reizend ist der Garten vor dieser Moschee, in welchem jetzt -eben Rosen, Lilien und Jasmin ihre Wohlgerüche ausströmen. - -Die größte Moschee von Brussa, auf dem höchsten Punkte der Stadt -gelegen, ist vom Sultan Murad I. angefangen, von seinem Sohn Bajasid I. -fortgeführt und erst von seinem Enkel Mohammed I. vollendet. Sie bildet -ein Quadrat von 200 Fuß Seitenlänge, und ihr Dach ist aus 19 Kuppeln -zusammengesetzt. An Stelle der zwanzigsten befindet sich ein mächtiges -kreisrundes Fenster und darunter ein großes viereckiges Wasserbecken, in -dem Forellen spielen; eine Eigentümlichkeit dieser Moschee. Mirab und -Estrade sind mit Marmorarabesken, Pfeiler und Wände mit seltsamen -Schriftzügen, Sprüchen aus dem Koran geschmückt. Früher wurde diese -Moschee in den Ramasannächten mit 700 Lampen erleuchtet. - -Viele von den Moscheen und den andern merkwürdigen Gebäuden Brussas, die -Hammer in seinem »Umblick auf einer Reise von Konstantinopel nach -Brussa« (1818) genau beschrieben hat, sind gelegentlich der wiederholten -Verheerungen der schönen Stadt durch Krieg, Feuersbrünste und Erdbeben, -insbesondere durch das letzte große Erdbeben von 1855, zerstört worden. -Unter den wohlerhaltenen Gebäuden sind besonders noch die warmen Bäder -zu erwähnen, schön gewölbte Kuppeldome, in denen mächtige warme Quellen -sprudeln. Diese Thermalquellen, sieben an der Zahl, brechen aus den -Tiefen des Olymp hervor; sie waren schon im Altertum wegen ihrer -Heilkraft berühmt und wurden vielleicht für Hannibal die Veranlassung, -hier die Stadt zu gründen, die er seinem Gastfreunde und Gönner, dem -Könige Prusias von Bithynien zu Ehren »Prusa« nannte. Noch jetzt werden -die Heilquellen Brussas alljährlich von mehreren tausend Patienten aus -allen Teilen des Orients besucht. In manche der Bäder werden heiße und -kalte Quellen nebeneinander geleitet und nach Bedürfnis in den -Marmorbassins gemischt. Die Temperatur ist teilweise ausnehmend hoch und -beträgt bei den vier mächtigen Hauptquellen 66 Grad R. - -Unter den Ausflügen, die wir von Brussa aus unternahmen, war der -weiteste und interessanteste die Ersteigung des Olymp. Am 26. April um 5 -Uhr morgens bestiegen wir die starken türkischen Bergpferde, welche uns -auf den ungefähr 8000 Fuß hohen Götterberg hinauftragen sollten. Zwei -berittene und bewaffnete Türken dienten uns als Führer und als Eskorte. -Der klare wolkenlose Himmel und die empfindlich kalte Morgenluft -versprachen uns einen schönen Tag, und sie hielten Wort. Nachdem wir die -Stadt am östlichen Ende verlassen und eine kurze Strecke durch -Weingärten geritten waren, führte uns ein steiler und steiniger Pfad in -dem Walde aufwärts, der als dichter grüner Mantel den ganzen unteren -Teil des gewaltigen Berges einhüllt. Der nördliche Abhang des Olymp -gliedert sich in drei verschiedene Terrassen, von denen die unterste -gegen 2000, jede der beiden oberen ungefähr 3000 Fuß hoch ist. Die -oberste Terrasse ist fast ohne Baumwuchs, die mittlere mit Nadelholz, -die untere mit Laubholz bedeckt; hier unten bestand auf unserem Wege der -Laubwald größtenteils aus edlen Kastanien und Nußbäumen, weiter oben -gesellten sich dazu viele Buchen und Eichen. Wilder Wein, Waldreben, -Brombeeren und andere Schlingpflanzen winden sich in zierlichen -Girlanden von Baum zu Baum und dichtes Efeugewand umschließt die -altersgrauen Stämme. Der Boden zwischen den Baumwurzeln ist mit einem -lachenden Teppich bunter Frühlingsblumen geziert: roten Anemonen, -violetten Hyazinthen, blauen Veilchen, gelben Ranunkeln und weißen -Narzissen. Der gelbe Jasminstrauch verbreitet mit seinen zierlichen -Blütentrauben ringsum balsamischen Duft. Der Weg führt eine lange -Strecke an dem steilen östlichen Rande des Gökdereh oder Himmelstales -empor, dessen gewaltiger Felsenkessel mit senkrecht abfallenden Wänden -in schwindelnder Tiefe zu unseren Füßen liegt. Die granitische -Felsenmasse des Olymp ist auf dieser ersten Terrasse zum größten Teile -von einem Gürtel von schiefrigem Gneiß umgeben, jedoch ist derselbe an -vielen Stellen von weißem Marmor durchsetzt. Auf der zweiten Terrasse -tritt fast überall der Granit zutage. Auf der dritten Terrasse ist der -rote Granit wieder vielfach von grauem und weißem Marmor bedeckt, der -auch den Gipfel bildet. - -Nachdem wir etwa eine Stunde lang an der oberen Kante der -Himmelsschlucht emporgestiegen waren, erreichten wir an der Grenze der -ersten und zweiten Terrasse einen sehr anmutigen Platz. Der Wald ist -hier auf eine ausgedehnte Strecke gelichtet und der quellenreiche -Felsboden mit üppigem Rasen bedeckt. Das Gebell großer zottiger -Wolfshunde, die uns entgegensprangen, lenkte unsere Blicke auf eine -Ziegenherde, die in einiger Entfernung am Felsenhang weidete, und -daneben wurden wir einige sonderbare Zelte von halbtonnenförmiger -Gestalt gewahr. Es waren die Sennhütten turkomanischer Hirten, die den -Sommer über auf den Abhängen des Olymp Alpenwirtschaft treiben. Im -Winter ziehen sie als unstete, halbwilde Nomaden in der Ebene umher. -Ihre Schafe und Ziegen sollen von den Herden Sultan Osmans abstammen, -der an 40000 Lämmer auf dem Olymp weiden ließ. - -Auf dieser Turkmenenplatte genossen wir einen herrlichen Rückblick über -die ganze grüne Ebene von Brussa, tief unten im Grunde der blaue See von -Jenischehr, rechts im Hintergrunde die schöne Bergkette des -Arganthonios, links jäh zu unserer Seite das großartige Gökdereh. Von -der Turkmenenplatte aufwärts führte uns der Weg fast drei Stunden lang -über die Granitgehänge der zweiten Terrasse, deren Walddecke meist aus -Nadelholz, größtenteils Edeltannen und Lärchenfichten, besteht. -Namentlich unter ersteren finden sich prachtvolle alte Stämme von -gewaltiger Höhe und Stärke, mit langen, grauen Bartflechten behangen. -Große Strecken des Forstes waren durch Waldbrände zerstört, und wie -riesige Gespenster ragten die nackten, gebleichten Stämme der hohen -Edeltannen mit ihren halbverkohlten Zweigen aus den üppigen -Farnkrautbüschen hervor, die sich auf der Brandstätte angesiedelt -hatten. Zwischen den Aschenhaufen und den umherliegenden verkohlten -Baumtrümmern sproßte neues reiches Pflanzenleben aus den Ruinen der -vorhergegangenen Generation empor. Hunderte von kleinen Bächen, von dem -schmelzenden Olymposschnee gespeist, rieselten zwischen den -Felsentrümmern, und mehrmals mußten unsere Pferde durch reißende -Bergwasser schreiten, deren schäumende Wellen bis zu unserem Sattel -emporreichten. - -Der gewaltige Bergspalt des Himmelstales, auf dessen östlichem Rande -sich unser Pfad bisher meistens hielt, findet jetzt seinen Abschluß -durch eine kolossale Mauer von himmelhohen Felswänden, die von dem -untern Rande der dritten Olympterrasse fast senkrecht abstürzen. - -Prächtige Wasserfälle schäumen donnernd zwischen den zerklüfteten -Granitpfeilern in die furchtbare Tiefe hinab und lösen sich unten in -feinen Wasserstaub auf. Üppige weiche Moospolster bekleiden die -hervorragenden Köpfe des triefenden Gesteins. Unser beschwerlicher Pfad -weicht der unersteiglichen Felsenmauer, die südwärts von uns liegt, aus -und wendet sich mehr gegen Osten, über einen zerklüfteten Abhang hinweg, -der über und über mit den großartigsten Felsentrümmern bedeckt ist. Die -riesigen Granitblöcke, die hier chaotisch durcheinander und übereinander -liegen, sind von früheren Reisenden treffend mit den Wurfgeschossen -verglichen, deren sich die Giganten bei ihrem mißlungenen Sturme auf die -Götterburg bedienten; oder auch mit den zerrissenen Gliedern der -Giganten selbst, die Jupiter mit seinem Blitzstrahl zerschmetterte und -in Stein verwandelte. - -Mühsam zwischen diesem Granitgetrümmer uns hindurchwindend, gelangen wir -zu einer steilen Felsentreppe, über welche unsere wackeren Rosse mit -bewunderungswürdiger Geschicklichkeit und Vorsicht hinanklettern. Nur an -wenigen Stellen müssen wir absteigen und den guten Tieren selbst mit -heraufhelfen. Nachdem wir die steilen, zum Teil in eine senkrechte -Felswand gehauenen Stufen glücklich erklommen haben, stehen wir -plötzlich vor einem neuen überraschenden Bilde. Vor uns liegt die dritte -Terrasse, eine ausgedehnte Hochebene, mit Tausenden von riesigen -Granitblöcken bedeckt, hier und da auch mit einigen niederen, ganz -verkümmerten Tannen. Über denselben aber steigt in erhabener Majestät -der gewaltige Dom des Olympgipfels auf, eine schön gewölbte Kuppe, von -oben bis unten in einen schimmernden Schneemantel gehüllt. Zu unserer -Rechten liegt am oberen Waldrande vorn ein kleiner, von Gebüsch -umgebener, Forellen enthaltender Alpensee. Mein Freund Körner hat diese -großartige Szenerie in einem prächtigen Ölbilde verewigt, das jetzt mein -Studierzimmer schmückt. - -In munterem Galopp reiten wir nun auf dem weichen Moosboden gerade auf -unser Ziel los. Doch nimmt der Wasserreichtum des von tausend Quellen -getränkten Hochmoores bald so sehr zu, daß unsere Rosse bei jedem -Schritte tief in den Schlamm sinken. Wir müssen absteigen und sie -vorsichtig hinter uns herziehen, bis wir wieder festen Granitboden unter -den Füßen haben. Wir begegnen hier einer langen Karawane von Eseln, die -in Zwerchsäcken Olymposschnee herabholen, in Brussa und Konstantinopel -die Hauptquelle für das schöne Fruchteis, das die Bewohner im heißen -Sommer erquickt. - -Langsam über eine fast geneigte, teilweise mit Schnee bedeckte Berglehne -aufsteigend, haben wir endlich um 10 Uhr den nördlichen Fuß des -kegelförmigen Gipfels erreicht. Hier liegt eine halb verfallene -steinerne Hütte, die im Sommer von turkmenischen Hirten bewohnt wird. -Sie erinnerte mich an die ^Casa inglese^ am Fuße des obersten -Aschenkegels des Ätna, in der ich im Oktober 1859 übernachtete, und an -die ähnliche Steinhütte, in der ich im November 1866 oben auf dem Pik -von Teneriffa rastete, bevor ich die Besteigung des obersten, damals -ebenfalls ganz mit Schnee bedeckten Kegels begann. Obgleich die elende -Turkmenenhütte uns wenig mehr als ein trockenes Plätzchen inmitten der -umgebenden Schneelandschaft gewährte, so war uns doch eine halbstündige -Rast in derselben nach dem ununterbrochenen, anstrengenden, -fünfstündigen Reiten und Klettern sehr willkommen. - -Wir zäumten unsere Pferde ab, breiteten die Satteldecken auf dem -zerfallenen Gemäuer aus und zündeten aus umherliegendem Wurzelwerk und -mitgebrachten Kohlen ein wohltuendes Feuer an. Bald kochte über -demselben ein kräftiger Kaffee, und mit ausgezeichnetem Appetit -verzehrten wir den Inhalt unserer Satteltaschen: olympischen Käse und -anatolische Hühnereier, Smyrnafeigen und zyprische Orangen. Der -treffliche rosenrote Feuerwein aus dem Olymphotel goß neue Kraft in -unsere ermüdeten Glieder. Während dieses herzerfreuenden Mahles -bewunderten wir den großartigen Ernst der Alpenlandschaft, die uns -umgab, und beratschlagten, ob und wie wir die Ersteigung des unmittelbar -vor uns liegenden Schneekegels bewerkstelligen könnten. Unsere Freunde -unten in Brussa hatten uns zwar vorher schon versichert, daß in dieser -Jahreszeit an eine Besteigung des Gipfels nicht zu denken sei und daß -wir des Schnees wegen höchstens bis zur dritten Terrasse kommen würden. -Auch wollten unsere Führer davon nichts wissen und verweigerten jeden -Versuch zur Mitwirkung; ja sie prophezeiten uns sogar sicheren Untergang -im Schnee, wenn wir unbegreiflicherweise auf den Gipfel klettern -wollten. Indessen lag der schneeblinkende Doppelgipfel so verlockend vor -uns, daß wir wenigstens den Versuch einer Ersteigung beschlossen, zumal -ein glücklicher Erfolg ähnlicher früherer Wagnisse uns ermutigte. War -ich den höheren und steileren Schneekegel des Pik von Teneriffa vor -sieben Jahren allein und gegen den Willen der Führer glücklich -hinaufgekommen, so mußte auch dieses, offenbar viel weniger schwierige -Unternehmen glücken; und so traten wir denn wohlgemut nach halbstündiger -Rast unsere Wanderung an. - -Das glückliche Gelingen mußte davon abhängen, ob die vor uns liegende -steile Schneewand, die in ununterbrochener Flucht von der Turkmenenhütte -bis zum Doppelgipfel aufstieg, zugänglich war; ob der Schnee weich genug -war, um darin festen Fuß zu fassen, hart genug, um nicht zu tief -einzusinken. In der Tat war dies der Fall, und wir konnten ohne Gefahr, -wenn auch nur langsam und beschwerlich, im Zickzack über die glänzende -Lehne emporsteigen. Unsere kleine Gesellschaft kam jedoch bald -auseinander, da sich jeder seinen eigenen Weg suchte. Ich hielt mich am -weitesten östlich, zog die kürzeste und steilste Richtung vor und hatte -nach anderthalbstündigem anstrengenden Klettern glücklich den höchsten -Gipfel erreicht; es war gerade 12 Uhr mittags. Eine halbe Stunde später -traf auch der Maler Körner oben ein, der sich seinen Pfad auf einer -etwas flacher geneigten Schneelehne gesucht und dadurch einen Umweg -gemacht hatte. Unsere anderen Reisegefährten, die eine ungünstigere, zu -sehr von der Sonne aufgeweichte Schneehalde betreten hatten, erreichten -die Höhe nicht und kehrten nach vergeblichen Versuchen zur -Turkmenenhütte zurück, wo unsere Führer bei den Pferden geblieben waren. - -Eigentümlich erhebend und großartig war die gewaltige Rundsicht, die wir -nun auf dem Gipfel des asiatischen Olymp, in ungefähr 8000 Fuß Höhe über -dem Meere, genossen, und die durch das herrlichste, klarste Sonnenlicht -begünstigt wurde. Wir standen auf einem anatolischen »Dreiherrenspitz«, -denn der Gipfel des Olympos bezeichnet die Grenze dreier Provinzen des -alten römischen Weltreiches. Bithynien im Norden und Osten, Phrygien im -Süden, Mysien im Westen. Vor allem großartig und prächtig ist der Blick -nach Norden, wo unser Auge über die grüne Ebene von Brussa und den -blauen Golf von Mudania hinüber auf das Marmarameer schweift, auf die -Prinzeninseln und weiter bis zum Bosporus, ja bis zu dem Häusermeer und -dem Kuppelwald von Konstantinopel, das wir eben noch erkennen können. -Westwärts erfreut sich das Auge an den herrlichen grünen Gefilden des -fruchtbaren und früher reich bevölkerten mysischen Küstenlandes, aus -denen die beiden großen Landseen von Apollonia und Manija wie zwei -blinkende Augen glanzvoll hervorschauen. Im Süden hingegen erblicken wir -weit und breit nur dunkles Waldgebirge, Kuppen über Kuppen gehäuft, die -Gipfel noch mit Schnee bedeckt, ohne eine Spur von menschlichen -Wohnsitzen. Ostwärts ist die Rundsicht großenteils durch die -benachbarten niederen Höhen des Olymprückens verdeckt. - -Welche Ereignisse vollzogen sich auf der welthistorischen Schaubühne, -welche unser Auge hier mit einem Blicke meilenweit überfliegt! Welche -Fülle der größten historischen Erinnerungen knüpft sich allein an die -Wasserstraße zu unseren Füßen, die gleich einem Zauberbande zwei -Weltteile trennt und verbindet! Hier führten Xerxes und Darius ihre -persischen Heeresmassen nach Griechenland hinüber; hier traten die -römischen Legionen von Europa nach Asien über, um die Königreiche von -Bithynien und Mysien der Universalherrschaft Roms zu unterwerfen; aus -demselben Boden sammelten die ersten Osmanensultane, deren Wiege in -Brussa stand, ihre Türkenheere, die in kurzer Zeit der Schrecken Europas -wurden; und ebenda strömten wiederum die bunten Scharen der Kreuzfahrer -aus allen Landen Europas nach dem »Heiligen Lande«, um das leere Phantom -der Grabeskirche zu erobern! - -Nachdem wir uns an dem wunderbaren Panorama gesättigt und die daran sich -knüpfenden Erinnerungen in raschem Phantasiefluge an uns hatten -vorüberziehen lassen, warfen wir noch einen Blick auf die nächste -Umgebung, auf die weißen Marmorblöcke, die den Gipfel des Olymp -bedecken, und auf die winzige Alpenflora, die zwischen denselben den -Boden bekleidet. Da erkannten wir, unter der Schneedecke versteckt, -zierliche kleine Saxifragen und Gentianen, niedliche Kruziferen und -Primeln, Alpenpflanzen, deren schöne, farbenreiche Blüten im Hochsommer -den Gipfel des Götterberges mit buntem Schmucke zieren. Gegenwärtig -waren nur das im Winterschlaf versunkene Kraut der Zwergflora sichtbar -und trockene Früchte aus dem vorigen Jahre. Aber ein Schwarm von -niedlichen roten, schwarz getüpfelten Marienkäferchen (^Coccionella^) -tummelte sich im Sonnenschein auf dem schneebedeckten Rasen. Auch eine -der beliebtesten und am meisten charakteristischen Pflanzen unserer -Hochalpen fehlte nicht: das Edelweiß, oder doch eine diesem nahe -verwandte, mit weitem Filz bedeckte ^Gnaphalium^-Art. - -Als bleibendes Andenken an die gelungene Olympbesteigung schlug ich mir -die Spitze des am höchsten vorragenden Marmorblockes ab und steckte sie -zu den Alpenpflanzen in die Wandertasche; vertrauend, daß Vater Zeus -darüber nicht zürnen werde, wenn sein Götterberg um einen halben Fuß -niedriger ist. Dann trat ich mit meinem Gefährten Körner wohlgemut den -Rückweg an. Über die glatte Schneewand herabrutschend, waren wir in -kurzer Zeit wieder bei der Turkmenen-Hütte und banden uns hier noch -einen schönen Strauß von den bunten Blumen, die unmittelbar am Rande des -schmelzenden Schnees blühten: gelber und violetter Safran (^Crocus^), -blaue Meerzwiebel (^Scilla^) und rote Aurikeln (^Primula^). Dann setzten -wir uns wieder zu Pferde, genossen auf dem Rückwege, der mit mehr Muße -zurückgelegt wurde, noch eine prachtvolle Abendbeleuchtung und waren um -8 Uhr abends wieder in Brussa. - - Ende. - - - - - Natur und Mensch. - Inhalt. - - - Seite - Einleitung: Ernst Haeckel 3 - Natur und Mensch: 23 - I. Inhalt und Bedeutung der Abstammungslehre 25 - II. Schöpfungsperioden und Schöpfungsurkunden 51 - III. Die Gasträatheorie 89 - IV. Erfahrung und Erkenntnis 119 - V. Arabische Korallen 138 - VI. Brussa und der asiatische Olymp 159 - - - - - - - Georg Reimer, Berlin W. 35. - - Ernst Haeckel - - Natürliche Schöpfungsgeschichte. - - Gemeinverständliche wissenschaftliche Vorträge über die - Entwicklungsgeschichte. - - Ausgabe in einem Bande. Mit 30 Tafeln. Geb. 8 M. - - Prinzipien der Generellen Morphologie der Organismen. - - Wörtlicher Abdruck eines Teiles der 1866 erschienenen Generellen - Morphologie. (Allg. Grundzüge der organischen Formen-Wissenschaft - mechanisch begründet durch die von Charles Darwin reformierte - Deszendenz-Theorie.) - - Mit einem Porträt. Geheftet 12 M. Halbfranz geb. 14 M - - Systematische Phylogenie. - - Entwurf eines natürlichen Systems der Organismen auf Grund - ihrer Stammesgeschichte. - - 1. Teil: Protisten und Pflanzen. 10 M. - 2. Teil: Wirbellose Tiere (Invertebrata). 17 M. - 3. Teil: Wirbeltiere (Vertebrata). 16 M. - - Drei Halbfranzbände gebunden 49 M. - - Arabische Korallen. - - Ein Ausflug nach den Korallenbänken des Roten Meeres und ein - Blick in das Leben der Korallentiere. Populäre Vorlesung mit - wissenschaftlichen Erläuterungen. - - Mit 6 Tafeln in Farbendruck und 20 Holzschnitten. Geheftet - 15 M. - - Selektionsprinzip - und Probleme der Artbildung. - - Ein Handbuch des Darwinismus - von - Dr. Ludwig Plate - Professor der Zoologie an der Landw. Hochschule und an der - Universität Berlin. - - Dritte, sehr vermehrte Auflage. - - Mit 60 Figuren im Text. - - VIII u. 493 S. Gr. 8. Geh. M 12.--, in Leinen geb. M 13.-- - - Von allen neueren Arbeiten über die Selektionstheorie ist - vorliegende unstreitig die bedeutendste ... Zum Schlusse möchten - wir noch auf den Gegensatz dieser im besten Sinne - wissenschaftlichen Kritik zu den tendenziösen Entstellungen - Fleischmanns, Dennerts usw. hinweisen, ein Gegensatz, der so - auffallend ist, daß selbst der Laie sofort sehen wird, zu wessen - Führung er am meisten Vertrauen haben darf. - - Die Umschau. - - Einführung - in die Vererbungswissenschaft. - - In zwanzig Vorlesungen für Studierende, - Ärzte, Züchter von - Dr. Richard Goldschmidt - a. o. Professor der Zoologie an der Universität München. - - Mit 161 Abbildungen im Text. - - IX u. 502 S. gr. 8. Geh. M 11.--; in Leinen geb. M 12.25. - - Das fesselnd und klar geschriebene Buch muß dringend allen denen - empfohlen werden, welche in die moderne Ausgestaltung der - Vererbungslehre, ihre Methoden, Ergebnisse und theoretischen - Vorstellungen eindringen wollen. - - Zentralbl. f. Physiologie. - - Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder direkt vom Verlage - Wilhelm Engelmann in Leipzig. - - Anthropogenie - oder Entwickelungsgeschichte - des Menschen. - - Keimes- und Stammesgeschichte - von - Ernst Haeckel. - - Sechste, verbesserte Auflage. - - Zwei Teile: - - Erster Teil: - Keimesgeschichte oder Ontogenie. - - Zweiter Teil: - Stammesgeschichte oder Phylogenie. - - Mit 30 Tafeln, 512 Textfiguren und 60 genetischen Tabellen. - In zwei Leinenbänden M 20.--; in zwei Halbfranzbänden M - 24.--. - - Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder direkt vom Verlage - Wilhelm Engelmann in Leipzig. - - Reclams Universal-Bibliothek. - - Preis jeder Nummer 20 Pfennig. - - Bücher der Naturwissenschaft - herausgegeben von Prof. Dr. Siegmund Günther. - - 1. Band. Grundriß der Naturphilosophie v. Prof. Dr. Wilh. - Ostwald. Mit dem Bildnis des Verfassers. Nr. 4992/93. Geb. 80 Pf. - In Leder- od. Pergamentbd. M. 1.50. - - 2. Band. Geschichte d. Naturwissenschaften v. Prof. Dr. Siegm. - Günther. Erster Teil. Mit dem Bildnis des Verfassers, 2 farbigen - u. 4 schwarzen Tafeln. Nr. 5069/70. - - 3. Band. Geschichte d. Naturwissenschaften v. Prof. Dr. Siegm. - Günther. Zweiter Teil. Mit 2 farbigen und 8 schwarzen Tafeln. Nr. - 5071-74. (1. u. 2. Teil zus. in 1 Band geb. M. 1.50. In Lederbd. - M. 2.50.) - - 4. Band. Strahlungserscheinungen, Ionen, Elektronen und - Radioaktivität von Dr. G. Bugge. Mit 4 Tafeln und 20 Zeichnungen - im Text. Nr. 5151/52. Geb. 80 Pf. In Lederband M. 1.50. - - 5. Band. Licht und Farbe v. Prof. Dr. Rob. Geigel. Mit 1 Porträt, - 4 bunten Tafeln u. 75 Zeichnungen im Text. Nr. 5188-90. Geb. 1 M. - In Lederband M. 1.75. - - 6. Band. Der Sternenhimmel v. Prof. Dr. I. B. Messerschmitt. Mit - dem Bildnis des Verfassers, 4 farbigen, 9 schwarzen Tafeln und 24 - Zeichnungen im Text. Nr. 5228-30. Geb. M. 1.--. In Lederband M. - 1.75. - - 7. Band. Die Abstammungslehre v. Prof. Dr. Kurt Lampert. Mit dem - Bildnis des Verfassers, 4 bunten, 7 schwarzen Tafeln und 9 - Abbildungen im Text. Nr. 5241-43. Geb. M. 1.--. In Lederband M. - 1.75. - - 8. Band. Die chemischen Grundstoffe v. Dr. Max Speter. Mit 4 - bunten, 6 schwarzen Tafeln und 10 Figuren im Text. Nr. 5269/70. - Geb. 80 Pf. - - 9. Band. Die Elektrizität von Prof. Franz Adami. Erster Teil. Mit - einem Porträt, 4 schwarzen Tafeln und 29 Textfiguren. Nr. - 5298/99. - - 10. Band. Die Wärme v. Robert Geigel. Mit 4 Tafeln und 32 - Zeichnungen im Text. Nr. 5321-23. Geb. M. 1.--. In Leder- oder - Pergamentband M. 1.75. - - 11. Band. Chemie u. Technik v. Dr. Günther Bugge. Mit 7 Tafeln - und 14 Zeichnungen im Text. Nr. 5348-50. Geb. M. 1.--. In Leder- - oder Pergamentband M. 1.75. - - Miniatur-Ausgaben - in modernen Leinenbänden aus Reclams - Universal-Bibliothek - - Pf. - - Abaelard u. Heloise, Briefwechsel 100 - Achleitner, Eisenbahnstreik 80 - Adami, Die Elektrizität 150 - Adlersfeld-Ballestrem, Violet 80 - Aeschylos, Sämtliche Dramen 150 - Albrecht, Abriß der römischen Literaturgeschichte 120 - Albumblätter 60 - Alt, Das Klima 80 - Alexis, Cabanis. 2 Bände 220 - --, Hosen d. Herrn v. Bredow 100 - --, Der Roland von Berlin 175 - --, Der Werwolf 120 - --, Der falsche Woldemar. 2 Bde. je 100 - Andersen, Bilderbuch ohne Bilder 60 - --, Glückspeter 60 - --, Der Improvisator 120 - --, Nur ein Geiger 120 - --, Sämtliche Märchen. 2 Lnbde. 250 - --, O. Z. 100 - -- Sein oder Nichtsein 100 - Anschütz, Erinnerung. aus dessen Leben und Wirken 100 - Anthologie, Griechische 120 - Apel u. Laun, Gespensterbuch 150 - Archenholtz, Gesch. d. 7 jähr Krieg. 120 - Ariosto, Rasender Roland. 2 Bde. 225 - Aristoteles, Die Poetik 60 - --, Verfassung von Athen 60 - Arndt, Erinnerungen 100 - --, Gedichte 80 - --, Wanderungen mit Stein 80 - Arnim, Bettina von, Goethes Briefwechsel mit einem Kinde 150 - Arnim-Brentano, Des Knaben Wunderhorn 175 - Arnold, Die Leuchte Asiens 80 - Auerbach, Barfüßele 100 - --, Die Frau Professorin 80 - --, Diethelm von Buchenberg 100 - --, Joseph im Schnee 80 - Augustinus, Bekenntnisse 120 - - Balzac, Die Chouans 120 - --, Die Frau von 30 Jahren 80 - Bandlow, Stratenfegels. 5 Bände zus. in 1 Band 150 - --, Lustig Tügs. 5 Bde. zus. in 1 Bd. 150 - Bartels, Hebbel-Biographie 60 - Basedows Vorstellung an Menschenfreunde 60 - Baudelaire, Gedichte u. Skizzen 60 - Beecher-Stowe, Onkel Toms Hütte 150 - Beetschen, Flegeljahre der Liebe 60 - Beitzke, Geschichte des Russischen Krieges im Jahre 1812 120 - Bell, Jane Eyre 150 - Bellamy, Ein Rückblick 80 - --, Dr. Heidenhoffs Wunderkur 60 - --, Miß Ludingtons Schwester 80 - Benzmann, Mod. deutsche Lyrik 150 - Bérangers Lieder 80 - Berges, Amerikana. Bd. 1-5 zus. 150 - Bern, Deklamatorium 150 - Bernhard, Die Glücklichen 60 - Bierbaum, Reife Früchte 80 - Bier-Komment (Tascheneinband) 40 - Biernatzki, Die Hallig 80 - Bismarck, Goldene Worte 60 - --, Reden. 13 Bände je 100 - Bismarcks Humor 60 - Björnson, Erzählungen 175 - --, Schauspiele 225 - Bleibtreu, Bei Jena u. a. Nov. 60 - --, Friedrich d. Große bei Kolin 80 - Blumauer, Aeneis 80 - Blumenthal, Scherzgedichte 60 - Blüthgen, Aus gärender Zeit 120 - Bock, Meßfahrt u. and. Novellen 60 - Boëtius, Tröstungen d. Philos. 80 - Bojardo, Verliebt. Roland. 2 Bde. 225 - Boner, Der Edelstein 80 - Börne, Skizzen u. Erzählungen 100 - Börner, Raimund-Biographie 60 - Bötticher, Alfanzereien 60 - --, Allerlei Schnick-Schnack 60 - --, Allotria 60 - --, Neue Allotria. (Illustr.) 60 - --, Weiteres Heiteres 60 - --, Leichte Ware 60 - --, Humoristisches Allerlei. Zus. geb. in 2 Bänden je 120 - Bourget, Der Luxus der Andern 80 - Boy-Ed, Aus Tantalus Geschlecht 120 - Boyesen, Faust-Kommentar 80 - Brachvogel, Friedem. Bach. 2 Bde. je 100 - Brant, Narrenschiff 80 - Bremer, Die Nachbarn 120 - --, Friedrich, Musiklexikon 175 - Brendicke, Bilder aus der Geschichte der Leibesübungen 80 - Brentano, Heitere Geschichten. Bd. 1-5 zus. in 1 Band 150 - Bret Harte, Gabriel Conroy 150 - --, Kalifornische Erzählungen. 2 Bände je 120 - --, Geschichte einer Mine 80 - --, Thankful Blossom 60 - Briesen, Gemütsmenschen. 1. u. 2. Band zus. in 1 Band 80 - Brillat-Savarin, Physiologie des Geschmacks 120 - Brinckman, Kasper-Ohm un ick 80 - Brücke, Säugetierorganismus 175 - Brugsch, Aus dem Morgenlande 80 - Brümmer, Lexikon deutsch. Dichter bis Ende des 18. Jahrh. 150 - --, Lexikon der deutschen Dichter des 19. Jahrh. 8 Bde. je 150 - Bruno, Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen 80 - Buchanan, Der Deserteur 120 - Bücher der Naturwissenschaft. Hrsg. v. Prof. Dr. S. Günther: - Bd. 1. Ostwald, Naturphilosophie 80 - " 2/3. Günther, Geschichte der Naturwissenschaft 150 - " 4. Bugge, Strahlungserschein. 80 - " 5. Geigel, Licht und Farbe 100 - " 6. Messerschmitt, Sternenhimmel 100 - " 7. Lampert, Abstammungslehre 100 - " 8. Speter, Chem. Grundstoffe 80 - " 9. u. 14. Adami, Elektrizität 150 - " 10. Geigel, Wärme 100 - " 11. Bugge, Chemie u. Technik 100 - " 12. Alt, Klima 80 - " 13. Messerschmitt, Physik der Gestirne 100 - " 14. s. Bd. 9. - " 15. Lampert, Vom Keim zum Leben 100 - " 16. Wieleitner, Schnee und Eis der Erde 100 - " 17. Speter, Chem. Verwandtsch. 80 - " 18/19. Hempelmann, Wirbeltierkörper 150 - " 20. Pahde, Meereskunde 100 - " 21. Leiser, Welt der Kolloide 80 - " 22/23. Brücke, Säugetierorg. 175 - " 24. Halbfaß, Süßwass. d. Erde 100 - Buddhas Leben und Wirken 100 - Bugge, Chemie und Technik 100 - --, Strahlungserscheinungen (Radioaktivität) 80 - Bülows Reden. 4 Bde. je 100 - Bulwer, Eugen Aram 150 - --, Nacht und Morgen 150 - --, Pelham 150 - --, Rienzi 150 - --, Die letzten Tage von Pompeji 150 - Bürger, Gedichte 100 - --, Münchhausens Abenteuer 60 - Burnett, Lord Fauntleroy 80 - Burns' Lieder und Balladen 60 - Busch, Gedichte 60 - Busse, Der dankb. Heilige u. a. Nov. 60 - Byron, Briefe 100 - --, Gesang. v. Chillon. -- Mazeppa 60 - --, Der Gjaur 60 - --, Der Korsar 60 - --, Manfred 60 - --, Ritter Harold 80 - - Calderon, Das Leben ein Traum 60 - Camoes, Die Lusiaden 100 - Carlyle, Über Helden, Heldenverehrung und das Heldentümliche 100 - in der Geschichte - Carmen Sylva, Aus dem Leben 60 - Cäsar, Der Bürgerkrieg 80 - --, Der Gallische Krieg 100 - Cervantes, Don Quijote. 2 Bde. 250 - Chamisso, Gedichte 120 - --, Peter Schlemihl 60 - Chateaubriand, Atala. -- René. -- Der letzte Abencerrage 80 - Cherbuliez, Reich geworden 100 - Chiavacci, Wiener Bilder 80 - Cholmondeley, Diana 120 - Chop, Richard Wagners Tondramen. Komplett in 2 Bänden 300 - --, Beethovens Symphonien 100 - Cicero, Gespräche in Tuskulum 100 - Claudius' Ausgewählte Werke 150 - Cölestin, Forsthausgeschichten 80 - Collius, Ohne Namen 150 - Cooper, Der letzte Mohikan 100 - --, Der Spion 100 - Cornelius, Peter, Gedichte 60 - Cremer, Holländische Novellen 150 - Çûdraka, Vasantasênâ 80 - - Dadone, Wie ich z. mein. Frau kam 80 - Damm, Arthur Schopenhauer 100 - Dante, Göttliche Komödie 150 - --, Das Neue Leben 60 - Darwin, Die Abstammung des Menschen. 2 Bde. je 150 - --, Entstehung der Arten 175 - Daudet, A., Briefe a. mein. Mühle 80 - --, Fromont jun. & Risler sen. 100 - --, Jack 175 - --, Künstler-Ehen 60 - --, Tartarin aus Tarascon 60 - --, E., Die Frau des Botschafters 120 - Daumer, Hafis 80 - David, Der Bettelvogt u. a. Erz. 60 - --, Ein Poet u. a. Erzählungen 60 - Davids, Der Buddhismus 80 - Defoe, Robinson Crusoe 100 - Denison, So'n Mann wie mein Mann 80 - Descartes, Methode des richtigen Vernunftgebrauchs 60 - Dessauer, Götzendienst 100 - Detmold, Randzeichnungen. -- Anleitung zur Kunstkennerschaft 60 - Deutscher Minnesang 80 - Dickens, Copperfield. 2 Leinenbde. 225 - --, Dombey & Sohn. 2 Bde. je 150 - --, Harte Zeiten 100 - --, Heimchen am Herde 60 - --, Der Kampf des Lebens 60 - --, Klein Dorrit. 2 Leinenbände 250 - --, Londoner Skizzen 120 - --, Martin Chuzzlewit. 2 Leinbde. 225 - --, Nikolas Nickelby. 2 Leinenbde. 225 - --, Oliver Twist 120 - --, Die Pickwickier. 2 Lnbde. 200 - --, Zwei Städte 120 - --, Die Silvester-Glocken 60 - --, Der Verwünschte 60 - --, Der Weihnachtsabend 60 - --, Weihnachtsgeschichten in 1 Bd. 150 - Diers, Frau Elsbeth 80 - Dittrich, Tages-Chronik v. 1870/71 80 - Dokumente zur Geschichte des Krieges 1914/15. 3 Bände je 60 - Dombrowski, Grüne Brüche. 2 Bde. je 60 - Donnelly, Cäsars Denksäule 100 - Dostojewskij, Erzählungen 60 - --, Memoiren aus einem Totenhaus 100 - --, Schuld und Sühne 150 - Doyle, Onkel Bernac 80 - Droste-Hülshoff, Gedichte 120 - Dufresne, Damespiel 80 - --, Schachaufgaben. 5 Teile je 80 - --, Schachmeisterpartien. 1. Teil (2.-4. s. Mieses) 80 - --, Schachspiel 150 - Dumas, Die drei Musketiere 175 - --, Zwanzig Jahre später. 2 Bde. 250 - - Eberhard, Hannchen und die Küchlein 60 - Eckermann, Gespräche m. Goethe 175 - Eckstein, Der Besuch im Karzer 60 - Edda. Deutsch von Wolzogen 120 - v. Eichendorff, Gedichte 100 - --, Aus d. Leben e. Taugenichts 60 - --, Marmorbild. -- Schloß Dürande 60 - Ekkehard von St. Gallen, Das Waltharilied 60 - Eliot, Adam Bede 175 - --, Die Mühle am Floß 175 - --, Silas Marner 80 - Emerson, Essays 80 - --, Repräsentanten des Menschengeschlechts 80 - Enking, Heine Stölting u. a. Erz. 60 - Eötvös, Der Dorfnotar 150 - Epiktets Handbüchlein d. Moral 60 - Erckmann-Chatrian, Freund Fritz 80 - --, Geschichte eines Anno 1813 Konskribierten 80 - --, Waterloo 80 - --, Geschichte e. Anno 1813 Konskribierten u. Waterloo in 1 120 - Bd. - Ernst, Vom Strande des Lebens 60 - Etlar, Vendetta 80 - Eulenspiegel 80 - Euler, Algebra 120 - Ewald, Bilder aus dem Tier- und Pflanzenleben 60 - --, Streiflichter 60 - Eyth, Berufstragik 80 - - Felder, Liebeszeichen 60 - Ferry, Der Waldläufer. 2 Bde. 225 - Feth, Gedichte 60 - Feuchtersleben, Diätetik d. Seele 60 - Feuerbach, Wesen d. Christentums 150 - Feuerwehrliederb. (Tascheneinbd.) 40 - Fichte, Bestimmung d. Menschen 80 - --, Reden an die deutsche Nation 80 - Fielding, Tom Jones. 2 Bde. 225 - Fischart, Die Flohhatz 60 - Flaubert, Madame Bovary 150 - --, Salambo 120 - Fleming, Ausgewählte Dichtungen 80 - Flygare-Carlen, Rose von Tistelö 150 - Fofanow, Gedichte 60 - Forster, Ansichten vom Niederrhein. 3 Teile. Zus. geb. 175 - Fouqué, Undine 60 - France, Prof. Bonnards Schuld 80 - Franklins Leben 80 - Französische Lyrik 150 - Faungruber, Ausseer G'schichten 80 - Freidanks Bescheidenheit 80 - Freiligrath, Gedichte 80 - Frenzel, Das Abenteuer 60 - --, Die Berliner Märztage und andere Erinnerungen 60 - --, Der Hausfreund 60 - --, Die Uhr 60 - Freund, Rätselschatz 150 - Fried, Lexikon deutscher Zitate 100 - --, Lexikon fremdsprachl. Zitate 100 - Friedrichs des Großen ausgewählte Briefe 120 - Fritze, Indische Sprüche 60 - - Gaedertz, Fritz Reuter-Biogr. 80 - Gallet, Kapitän Satan 120 - Gaudy, Schneidergesell 60 - --, Venezianische Novellen 100 - Geibel, Gedichte 100 - Geigel, Licht und Farbe 100 - --, Die Wärme 100 - Geiger, A., Der Blitz -- Die Trommel 80 - --, L., Chamisso-Biographie 60 - Geijer, Gedichte 60 - Gellert, Fabeln u. Erzählungen 80 - --, Oden und Lieder 60 - Gensichen, Zu den Sternen! 80 - George, Fortschritt und Armut 150 - Gerhard, Die Stangenjäger u. andere Erzählungen 60 - Gerhardts geistliche Lieder 100 - Gerstäcker, Unter dem Äquator 150 - --, Flußpiraten des Mississippi 150 - --, Der Kunstreiter 120 - --, Die Regulatoren in Arkansas 150 - Gerstmann, Der Mühlhofbauer 60 - Gesetze: s. unter Reichsgesetze, Preußische, Österreichische - und Schweizerische Gesetze. - Gilm, Gedichte 120 - Girschner, Musikal. Aphorismen 60 - Gleim, Ausgewählte Werke 80 - Glümer, Schröder-Devrient 80 - Gobineau, Asiatische Novellen 80 - --, Reisefrüchte 80 - --, Die Renaissance 150 - --, Das Siebengestirn 120 - --, Die Tänzerin von Schemacha 60 - Gogol, Phantasien u. Geschichten 120 - Goldsmith, Der Landprediger von Wakefield 80 - Gorjkij, Erzählungen 175 - Goethe, Egmont 60 - --, Faust. 2 Teile in 1 Band 80 - --, Gedichte. In Leinen, 2 Bde. je 150 - --, Götz von Berlichingen 60 - --, Hermann und Dorothea 60 - --, Iphigenie auf Tauris 60 - --, Dramatische Meisterwerke (Götz von Berlichingen. Egmont. 100 - Iphigenie auf Tauris. Tasso) - --, Reineke Fuchs 60 - --, Torquato Tasso 60 - --, Werthers Leiden 60 - --, Briefe an Frau Charlotte von Stein 175 - Goethe u. Zelter, Briefwechsel. 3 Bände je 150 - Goethe-Schiller Xenien 80 - Goethes Mutter, Briefe 100 - Gottfried v. Straßburg, Tristan und Isolde 175 - Gotthelf, Uli der Knecht 100 - --, Uli der Pächter 120 - Gottschall, H. Schachaufg. 2 Teile je 80 - --, R., Deutsche Lyrik d. 19. Jahrhdts. bis zur modernen Ära 150 - --, Grabbe-Biographie 60 - --, Lenau-Biographie 60 - --, Schiller-Biographie 80 - --, Die Rose vom Kaukasus 60 - Grabein, Der tolle Hans 80 - --, Wildwasser 60 - Gracians Handorakel 80 - Greinz, Lust. Tiroler Geschichten 60 - Grillparzer, Gedichte 80 - Grimm, Brüder, 50 Märchen (mit 12 Bildern) 80 - --, Sämtl. Märchen 1. u. 2. Bd. 175 - --, -- 3. Bd. 150 - --, M., Aus der Kinderstube 60 - Grimmelshausen, Der abenteuerliche Simplizissimus 150 - Groller, Detektiv Dagoberts Taten und Abenteuer. 2 Bände je 100 - --, Vom kleinen Rudi 60 - Grosse, Novellen des Architekten 60 - Grossi, Marco Visconti 120 - Grün, Anastasius, Gedichte 80 - --, Spaziergänge e. Wiener Poeten 60 - Gruppe, O. F., Gedichte 80 - Gudrun. Deutsch von Junghans 80 - Gundlach, Französische Lyrik 150 - --, 1000 Schnadahüpfln 80 - Gunkel, Ohne Heim 80 - Günther, Joh. Chr., Gedichte 80 - --, Sigm., Geschichte der Naturwissenschaften 150 - Gussew und Spiro, Gespräche mit Graf Leo Tolstoi 60 - Gutzkow, Ausgewählte Novellen 80 - --, Der Königsleutnant 60 - --, Urbild des Tartüffe 60 - --, Uriel Acosta 60 - --, Zopf und Schwert 60 - - Haarhaus, Goethe-Biographie 100 - Habberton, Allerhand Leute 80 - --, Frau Marburgs Zwillinge 60 - --, Andrer Leute Kinder 100 - --, Helenes Kinderchen 80 - --, Helenes Kinderchen u. Andrer Leute Kinder in 1 Band 150 - Hackländer, Augenblick d. Glücks 100 - --, Handel und Wandel 100 - --, Soldatenleben im Frieden 80 - Haeckel, Natur und Mensch 80 - Haek, Phantasie- u. Lebensbilder 60 - Hagedorn, Poetische Werke 100 - Hagen, Norika 80 - Halbfaß, Süßwasser der Erde 100 - Hals oder Peinliche Gerichtsordnung 60 - Hamm, Wilhelm, Gedichte 60 - Hammer, Schau um dich 60 - Hansjakob, Der Theodor 60 - Hartmann, Krieg um den Wald 80 - Hartmann v. Aue, Gregorius 60 - --, Der arme Heinrich 60 - Hauff, Die Bettlerin 60 - --, Lichtenstein 100 - --, Der Mann im Monde 80 - --, Märchen 100 - --, Memoiren des Satan 100 - --, Phantasien 60 - Haug, Sinngedichte 60 - Haushofer, Der Floßmeister. -- Scharka 60 - Häusser, Freiheitskriege. 1. Band 120 - --, -- 2. Band 175 - --, Völkerschlacht b. Leipzig 1813 60 - Hebbel, Gedichte 120 - --, Die Nibelungen 80 - Hebel, Allemannische Gedichte 60 - --, Schatzkästlein 80 - Hegel, Philosophie der Geschichte 150 - Heiberg, Die Andere. -- Einmal im Himmel 80 - Hein, Adalbert Stifter 60 - Heine, Atta Troll -- Deutschland 60 - --, Buch der Lieder 80 - --, Neue Gedichte 60 - --, Die Harzreise 60 - --, Romanzero 80 - Heliand 80 - Helmer, Prinz Rosa-Stramin 60 - Hempelmann, Der Wirbeltierkörper. 1. u. 2. Teil zus. in 1 Bd. 150 - Herbart, Allgemeine Pädagogik 80 - --, Pädagogische Vorlesungen 80 - Herder, Der Eid 60 - --, Schulreden 80 - --, Stimmen der Völker 100 - Hermannsthal, Ghaselen 60 - Herodotos Geschichten. 2 Bände 200 - Herold, Zenab 80 - Herrig, Gesamm. Aufsätze über Schopenhauer 60 - Hertz, König Renés Tochter 60 - Hertzka, Reise nach Freiland 80 - Herwegh, Gedichte eines Lebendigen 80 - Herzog, Komödien des Lebens 80 - Hesekiel, Das Buch vom Fürsten Bismarck. 2 Bände 200 - Heyden, Das Wort der Frau 60 - Heyse, Paul, Zwei Gefangene 60 - --, König Saul 60 - Hilfsbuch, engl.-franz.-deutsches 150 - Hille, Aus d. Heiligtum d. Schönh. 60 - Hiob, Das Buch 100 - Hippel, Über die Ehe 80 - Hitopadesa 100 - Hocking, Im Kampfe m. d. Schicksal 100 - Hoefer, Erzählgn. e. alt. Tambours 60 - Hoffmann, Elixiere des Teufels 100 - --, Kater Murr 120 - --, Klein Zaches 60 - --, Kreisleriana 80 - Hoffmann v. Fallersleben, Ausgewählte Gedichte 80 - --, Kinderlieder 60 - Hölderlin, Gedichte 60 - Hollaender, Der Pflegesohn und zwei andere Novellen 60 - Holtei, Der letzte Komödiant 175 - --, Schlesische Gedichte 120 - --, Die Vagabunden. 2 Bände 240 - Hölty, Gedichte 60 - Holzamer, Der Held u. a. Nov. 60 - Homer, Werke. Von Voß (Ilias, Odyssee) 150 - --, Ilias 100 - --, Odyssee 100 - Hopfen, Der Böswirt 60 - --, Mein Onkel Don Juan 120 - Horaz Werke. Von Voß 80 - Hufeland, Makrobiotik 120 - Hugo, Victor, Notre-Dame 175 - Humboldt, A. v., Ansicht d. Natur 100 - --, W. v., Briefe an eine Freundin 150 - Hume, Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand 80 - Hunt, Leigh, Liebesmär von Rimini. Deutsch v. Meerheimb 60 - Hutten, Gesprächsbüchlein 80 - - Jacobsen, Niels Lyhne 80 - --, Sechs Novellen 60 - Jahn, Deutsches Volkstum 80 - --, Kleine Schriften 80 - --, u. Eiselen, Deutsche Turnkunst 80 - Japanische Novellen u. Gedichte 60 - Ibsen, Brand 80 - --, Gedichte 60 - --, Gesammelte Werke. 4 Lbd. je 150 - Iden-Zeller, 12000 Kilometer durch Sibirien 60 - Jean Paul, Flegeljahre 120 - --, Hesperus. 2 Leinenbde. 200 - --, Immergrün &c. 60 - --, Der Jubelsenior 80 - --, Dr. Katzberger 80 - --, Der Komet 120 - --, Levana 100 - --, Quintus Fixlein 80 - --, Siebenkäs 120 - --, Titan. 2 Leinenbände 225 - Jensen, H., Schatten d. Schlachtfeldes 80 - --, Wilh., Erbin von Helmstede 100 - --, Hunnenblut 60 - Jerome, Die müßigen Gedanken eines Müßigen 80 - Jerrold, Frau Kaudels Gardinenpredigten 80 - Jesaja, Buch vom Propheten 100 - Ifflands Briefwechsel 100 - Immermann, Die Epigonen 150 - --, Münchhausen 175 - --, Der Oberhof 100 - --, Tristan u. Isolde 100 - --, Tulifäntchen 60 - Joëls Kochbuch 120 - Jókai, Dame mit den Meeraugen 100 - --, Schwarze Diamanten 150 - --, Ein Goldmensch 150 - --, Ein ungarischer Nabob 150 - --, Gold. Zeit in Siebenbürgen 100 - --, Die Táblabirós 120 - --, Traurige Tage 100 - --, Die unsichtb. Sängerin. -- Das Faustpfand 60 - --, Zoltán Karpáthi 150 - Irving, Alhambra 100 - --, Skizzenbuch 120 - Jugenderinnerungen eines alten Mannes 150 - Jugendliederbuch (Tascheneinband) 40 - Junggesellenbrevier 60 - Jung-Stillings Lebensgeschichte 150 - - Kalidasa, Sakuntala 60 - Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten 60 - --, Zum ewigen Frieden 60 - --, Kritik der Urteilskraft 120 - --, Kritik der prakt. Vernunft 80 - --, Kritik der reinen Vernunft 150 - --, Von der Macht des Gemüts 60 - --, Allgemeine Naturgeschichte &c. 80 - --, Prolegomena 80 - --, Die Religion 80 - --, Streit der Fakultäten 60 - --, Träume eines Geistersehers 60 - Kartenspiele. 3 Bände je 60 - Kellen, Bienenbuch 60 - Keller, Helen, Auswahl 60 - Kennan, Russische Gefängnisse 60 - --, Sibirien. 3 Teile 150 - --, Zeltleben in Sibirien 100 - Kerner, Gedichte 80 - --, Die Seherin von Prevorst 150 - Kiesgen, Kleist-Biographie 60 - Kinkel, Otto der Schütz 60 - Kleist, E. Chr. v., Werke 60 - Klepp, Lehrbuch d. Photographie 80 - Klopstock, Messias 120 - --, Oden und Epigramme 100 - Knigge, Umgang mit Menschen 100 - Kobell, Gedichte in oberbayrischer Mundart 80 - --, Gedichte in pfälz. Mundart 60 - Köhler, Fr., s. Taschenwörterbücher. - --, Fremdwörterbuch 100 - --, Br., Trachtenkunde. 2 Bde. 400 - Kolzow, Gedichte 60 - Kommersbuch (Tascheneinband) 40 - Kommers- u. Studentenliederbuch in 1 Band 60 - Konrad, Das Rolandslied 120 - Kopisch, Gedichte 100 - Koran, Der 150 - Körner, Leier und Schwert 60 - --, Zriny 60 - Korolenko, Der blinde Musiker 60 - --, Sibirische Novellen 80 - Kortum, Die Jobsiade 100 - Kosegarten, Jucunde 60 - Kriegslieder (Tascheneinband) 40 - Kröger, Wohnung des Glücks 60 - Krummacher, Parabeln 100 - Kugler, Geschichte Friedrichs d. Großen 150 - Kühns, Unter Napoleons Joch 100 - Kürnberger, Der Amerikamüde 150 - - Lafontaines Fabeln 100 - Lagerlöf, Gösta Berling 120 - --, Eine Gutsgeschichte 80 - Lamartine, Dichtungen 60 - --, Graziella 60 - Lambeck, Engl.-franz.-deutsches Hilfsbuch 150 - Lampert, Abstammungslehre 100 - --, vom Keim zum Leben 100 - Lamprecht, Porträtgalerie aus der Deutschen Geschichte 80 - Land, Ja -- die Liebe 60 - Lange, Geschichte des Materialismus. 2 Bde. je 175 - Lavater, Worte des Herzens 60 - Le Braz, Sirenenblut 80 - Leffler, Sonja Kovalevsky 80 - Lehmann, Fludyer in Cambridge 80 - Leibniz, Kleinere philos. Schriften 100 - --, Die Theodizee. 2 Bde. 225 - Leiser, Die Welt der Kolloide 80 - Leitner, Gedichte 100 - Lenau, Die Albigenser 60 - --, Faust 60 - --, Gedichte 100 - --, Savonarola 60 - Lenk, Gesch. d. Buren (1652-1899) 150 - Lennig, Etwas zum Lachen 60 - Lenz, Militärische Humoresken 120 - Lermontow, Gedichte 60 - --, Ein Held unsrer Zeit 80 - Lesage, Gil Blas 175 - --, Der hinkende Teufel 80 - Lessing, Dramat. Meisterwerke (Nathan der Weise. Emilia 80 - Galotti. Minna von Barnhelm) - --, Emilia Galotti 60 - --, Laokoon 80 - --, Minna von Barnhelm 60 - --, Nathan der Weise 60 - Leuthold, Gedichte 100 - Lichtenberg, Ausgew. Schriften 120 - Lichtstrahlen aus dem Talmud 60 - Lie, Die Familie auf Gilje 80 - --, Ein Mahlstrom 80 - --, Der Dreimaster »Zukunft« 80 - Liebesbrevier 60 - Liebmann, Christliche Symbolik 80 - Lingg, Byzantinische Novellen 60 - Linguet, Die Bastille 150 - Livius, Röm. Geschichte, 4 Bde. je 150 - Locke, Über den menschlichen Verstand, 2 Bde. je 150 - Lohengrin, Deutsch v. Junghans 80 - Lombroso, Genie und Irrsinn 120 - --, Handbuch der Graphologie 150 - --, Studien üb. Genie u. Entart. 100 - --, P., Kodak 80 - Longfellow, Evangeline 60 - --, Gedichte 60 - --, Hiawatha 80 - --, Miles Standish 60 - Loti, Die Islandfischer 80 - Lucrez, Von der Natur der Dinge 100 - Ludwig, Die Heiterethei 100 - --, Zwischen Himmel und Erde 80 - Ludwig I. von Bayern, Gedichte 80 - Luther, Sendbrief v. Dolmetschen 60 - --, Tischreden 120 - Lux, Kunst im eigenen Heim 60 - Lyrik, Deutsche, des 19. Jahrh. bis zur modernen Ära 150 - --, Moderne Deutsche 150 - - Macchiavelli, Buch vom Fürsten 80 - Mackay, Letzte Pflicht 80 - Madách, Tragödie des Menschen 80 - Mahlmann, Gedichte 60 - Maikow, Gedichte 60 - Manzoni, Die Verlobten. 2 Bde. 200 - Marc Aurels Selbstbetrachtungen 80 - Margueritte, Weltkinder 100 - Mark Twain, Ausgew. Skizzen 175 - Marryat, Japhet 120 - --, Peter Simpel 150 - Martials Gedichte 60 - Mathesius, Luthers Leben 120 - Matthisson, Gedichte 60 - Maupassant, Novellen 150 - Meerheimb, Psychodram. 2 Bde. je 60 - Mehring, Deutsche Verslehre 100 - --, Ungebundenes in geb. Form 60 - Meißner, Aus d. Papieren eines Polizeikommissärs 150 - Mendelssohn, Phädon 60 - Mendheim, Uhland-Biographie 60 - Merbach, Bismarck 60 - Merker, Wieland-Biographie 60 - Messerschmitt, Physik d. Gestirne 100 - --, Sternenhimmel 100 - Meyer, Auf der Sternwarte 60 - Michelet, Die Frau 100 - --, Die Liebe 100 - Mickiewicz, Balladen 60 - Mieses, Schachmeisterpartien. Teil 2-4 (Teil 1 f. Dufresne) je 80 - Mignet, Geschichte der französischen Revolution 150 - Mikszáth, Der wundertätige Regenschirm 80 - Mill, Über Freiheit 80 - Milow, Stephan, Drei Novellen 60 - Milton, Das verlorene Paradies 80 - Minnesang, Deutscher 80 - Möbius, Das Nervensystem 60 - Molo, Totes Sein 60 - Moltke, Die beiden Freunde 60 - Montesquieu, Persische Briefe 120 - Moore, Irische Melodien 60 - --, Lalla Rukh 80 - Moreto, Donna Diana 60 - Mörike, Gedichte 80 - --, Mozart auf d. Reise nach Prag 60 - Moritz, Anton Reiser 120 - --, Götterlehre 120 - Mosen, Bilder vom Moose 100 - Möser, Patriotische Phantasien 80 - Mügge, Afraja. 2 Bde. 220 - --, Der Vogt von Sylt 100 - Muellenbach, Waldmann und Zampa und andere Novellen 60 - Müller, Curt, Hexenaberglaube 80 - --, Wilh., Gedichte 120 - Müllner, Dramatische Werke 150 - Murger, Zigeunerleben 120 - Murner, Narrenbeschwörung 100 - Musäos, Hero und Leander 60 - Mutterherz, Das 60 - Mylius, Die Türken vor Wien 80 - - Nadler, Fröhlich Palz, Gott erhalts! 80 - Nadson, Gedichte 60 - Namenbuch 80 - Nathusius, Elisabeth 150 - --, Tagebuch eines armen Fräuleins 60 - Nekrassow, Gedichte 60 - --, Wer lebt glücklicher in Rußland? 100 - Nepos' Biographien 80 - Nettelbecks Lebensbeschreibung 150 - Neumann, H. K., Nur Jehan 60 - --, C. W., Wunder d. Urwelt. 2 Bde. je 60 - Neumann-Hofer, Familie Rizzoni 120 - Nibelungenlied 120 - Niese, Der verrückte Flinsheim und zwei andere Novellen 60 - Nikitin, Gedichte 60 - Nirwana 60 - Noël, Kleines Volk 60 - Nohl, Musikgeschichte 100 - Novalis, Gedichte 60 - - Ohnet, Sergius Panin 100 - Ossig, Spanisches Taschen-Wörterbuch 150 - Österreichische Börsenschiedsgerichtsordnungen 80 - --, Bürgerliches Gesetzbuch 150 - --, Exekutionsordnung 150 - --, Gerichtsorganisationsgesetz 80 - --, Personalsteuergesetz 100 - --, Vollzugsvorschrift z. Personalsteuergesetz. 1. Hauptstück 120 - 2. u. 3. Hauptstück 100 - 4.-6. Hauptstück 100 - 1.-6. Hauptstück zusammen in 1 Band 250 - --, Zivilprozeßordnung 150 - Ostwald, H., Landstreichergeschichten 60 - --, W., Grundriß der Naturphilosophie 80 - Oswald von Wolkenstein, Dichtungen 80 - Ouida, Fürstin Zouroff 80 - Ovid, Heroiden 80 - --, Verwandlungen 80 - - Pahde, Meereskunde 100 - Parreidt, Zähne u. ihre Pflege 60 - Pascal, Gedanken 100 - Pauli, Schimpf und Ernst 80 - Perfall, Dämon Ruhm 120 - --, Trudenstein. -- Prüglmensch 80 - Pestalozzi, Lienhard u. Gertrud 120 - --, Wie Gertrud ihre Kinder lehrt 80 - Peter, Das Aquarium 60 - Petersen, Die Irrlichter 60 - --, Prinzessin Ilse 60 - Petöfi, Gedichte 80 - --, Prosaische Schriften 80 - Petrarca, Sonette 80 - Pfarrer vom Kalenberg und Peter Leu 60 - Pfeffel, Poetische Werke 120 - Platen Gedichte 80 - Platon, Phädon 60 - Plutarch, Vergleichende Lebensbeschreibungen. 4 Bände je 150 - Poe, Novellen. 3 Bde. zus. in 1 Bd. 100 - Pol de Mont, Zeiten und Zonen 60 - Pollock, Gesch. der Staatslehre 60 - Polonskij, Gedichte 60 - Pötzl, Der Herr von Nigerl 80 - --, Hoch vom Kahlenberg. I-III 100 - --, Kriminal-Humoresken 100 - --, Die Leute von Wien 80 - --, Rund um den Stephansturm 80 - Presber, Das Eichhorn u. a. Sat. 60 - --, Untermensch u. and. Satiren 60 - Preußische Gesetze: - Verfassungsurkunde für den preußischen Staat 60 - Wahl-Reglement d. Preußischen Abgeordneten-Hauses 60 - Properz, Elegieen 60 - Prophet Jesaja 100 - Psalter, Der 60 - Pferhofer, Aus jungen Tagen 60 - Puschkin, Gedichte 80 - --, Der Gefangene im Kaukasus 60 - --, Die Hauptmannstochter 80 - --, Novellen 80 - --, Onegin 80 - - Raabe, Zum wilden Mann 60 - Rameau, Die Hexe 100 - Rangabé, Kriegserinnerungen aus 1870-71 60 - Ranke, Die Erhebung Preußens im Jahre 1813 80 - Räuber, Literarische Salzkörner 100 - Reclam, Prof. Dr. Carl, Gesundheits-Schlüssel 60 - Rehfues, Scipio Cicala. 2 Lbde. 225 - Reichenau, Bilder aus dem Kinderleben 60 - Reichsgesetze, Deutsche: - Bankwesen 80 - Binnenschiffahrts- u. Flößereigesetz 60 - Bürgerliches Gesetzbuch 150 - -- -- Tascheneinbd. 125 - Freiwillige Gerichtsbarkeit 60 - Gerichtskostenwesen 60 - Gerichtsverfassungsgesetz 60 - Geschäftsordnung f. d. Reichstag 60 - Gewerbegerichtsgesetz 60 - Gewerbeordnung 80 - Grundbuchordnung 60 - Handelsgesetzbuch 80 - -- u. Wechselordnung zus. geb. 100 - Impfgesetz f. d. Deutsche Reich 60 - Kaufmannsgerichte 60 - Konkursordnung 60 - Kriegsgesetze 100 - -- Ergänzungsband 80 - Militärversorgungsgesetze für das Deutsche Reich 80 - Patentgesetz 60 - Preßgesetz und Verlagsrecht 60 - Rechtsanwaltsordnung 80 - Reichs- und Staatsangehörigkeit 60 - Reichsverfassung 60 - Stempelgesetz 80 - Strafgesetzbuch 60 - Strafprozeßordnung 80 - Unlauterer Wettbewerb 60 - Urheberrechtsgesetze 60 - Vereinsgesetz 80 - Verfass. des Deutschen Reiches 60 - Versicherungsgesetze: - Angestelltenversicherung 100 - Reichsversicherungsordnung 150 - -- Tascheneinband 125 - Versicherungsbehörden [Gewerbeunfallversicherung 2623/24 -- 60 - Invalidenversicherung 2571 -- Krankenversicherung 3564/65 - -- Unfallversicherung 4531-33: jetzt in - Reichsversicherungsordnung, s. oben.] - Wehrbeitrag u. Besitzsteuergesetz 60 - Wechselordnung 60 - Zivilprozeßordnung 100 - Zuwachssteuergesetz 80 - Zwangsversteigerungsgesetz 60 - Reinick, Geschichten und Lieder für die Jugend 80 - Renan, Die Apostel 100 - --, Das Leben Jesu 100 - Renard, Ist der Mensch frei? 80 - Resa, Weihnachtsgeschichten 60 - Reuß, Doktors Bescherung u. a. N. 60 - Reuter, Christian, Schelmuffskys Reisebeschreibung 60 - Reuter, Fritz, Dörchläuchting 80 - --, Eine heitere Episode aus einer traurigen Zeit 60 - --, Hanne Nüte un de lütte Pudel 80 - --, Julklapp! Polterabendgedichte 60 - --, Kein Hüsung 80 - --, Läuschen un Rimels 100 - --, De meckelnbörgschen Montecchi un Capuletti 100 - --, Meine Vaterst. Stavenhagen 80 - --, Ut mine Festungstid 80 - --, Ut de Franzosentid 80 - --, De Reis' nah Belligen 80 - --, Ut mine Stromtid 175 - Reuter, Gabriele, Eines Toten Wiederkehr u. andere Novellen 60 - Ricek-Gerolding, Gelehrt. Zecher goldnes Alphabet 60 - Riehl, Burg Reibeck 60 - --, Die 14 Nothelfer 60 - Riemann, Bürger-Biographie 60 - --, Lessing-Biographie 60 - Roberts, Um den Namen 80 - Rodenbach, Die Eiche am Kreuzweg. -- Berufung 80 - --, Das tote Brügge 60 - Rosegger, Geschichten und Gestalten aus den Alpen 60 - Rosenberger, König der Diebe 60 - Roswitha von Gandersheim 80 - Rousseau, Bekenntnisse. 2 Bde. 225 - --, Emil. 2 Bde. 225 - --, Gesellschaftsvertrag 80 - --, Die neue Heloise 2 Bde. 225 - Rückert, Gedichte 80 - --, Gedichte für die Jugend 80 - --, Liebesfrühling 80 - --, Weisheit des Brahmanen 150 - Rumohr, Geist der Kochkunst 120 - Runeberg, Fähnrich Stahl 80 - Ruppius, Der Pedlar 100 - --, Vermächtnis des Pedlars 100 - Ruskin, Vorlesungen über Kunst 80 - Russische Dichterinnen 60 - Ruth, Das Buch 60 - Rützebeck, Dänischer Sommer 80 - Rydberg, Venus von Milo 60 - - Saar, Ginevra. -- Die Troglodytin 60 - Sach, Hans, Poet. Werke. 2 Bde. je 80 - --, Dramatische Werke. 2 Bde. je 80 - Sachsen-Spiegel 80 - St. Pierre, Paul und Virginie 60 - Salis-Seewis, Gedichte 60 - Sallet, Gedichte 100 - --, Laien-Evangelium 100 - Sallust, Der Jugurthinische Krieg 60 - Sallwürk, Mörike-Biographie 60 - Salus, Nachdenkliche Geschichten 60 - Salzmann, Ameisenbüchlein 60 - --, Der Himmel auf Erden 80 - --, Krebsbüchlein 80 - Saphir, Deklamationsgedichte 100 - Sarcey, Belagerung von Paris 100 - Schanz, Wolken 80 - Scharling, Zur Neujahrszeit im Pfarrhof von Röddebo 100 - Schaumberger, Im Hirtenhaus 80 - --, Bergheimer Musikanten-Gesch. 100 - Schefer, Laienbrevier 100 - Schelling, Clara 80 - --, Die Weltalter 100 - Schenkendorf, Gedichte 100 - Schermann, Firma Murks. Band 1-3 zusammen gebunden 100 - Scherr, Das rote Quartal 60 - Schiller, Braut von Messina 60 - --, Don Karlos 60 - --, Gedichte. Leinen 80 - --, Jungfrau von Orleans 60 - --, Dram. Meisterwerke. 2 Bde. je 120 - --, Maria Stuart 60 - --, Die Räuber 60 - --, Wilhelm Tell 60 - --, Wallenstein. 2 Teile 80 - Schiller u. Goethe, Briefwechsel. 3 Bände je 100 - Schlaf, Tantchen Mohnhaupt 80 - Schleiermacher, Monologen 60 - --, Weihnachtsfeier 60 - Schmid, Almenrausch u. Edelweiß 80 - Schmidt, Zeitgenössische Berichte über die Leipziger Schlacht 60 - Schmied-Kufahl, Fechtbüchlein. (Illustriert) 100 - Schnadahüpfln, Tausend 80 - Schöne, Lehr- und Flegeljahre eines alten Schauspielers 80 - Schönthan, F. v., Der General 60 - --, P. v., Kindermund 60 - --, Der Kuß 60 - Schopenhauer, A., Sämtliche Werke. 6 Bände je 150 - --, Aphorismen z. Lebensweisheit 80 - --, Briefe 150 - --, Einleitung in die Philosophie nebst Abhandlungen &c. 80 - --, Gracians Handorakel 80 - --, Neue Paralipomena 150 - --, Philosophische Anmerkungen 80 - Schreiner, Hohe Fahrt 60 - Schubart, Gedichte 120 - Schücking, Eine dunkle Tat 80 - --, Die Rheider Burg 100 - --, Der Kampf im Spessart 80 - Schulze, Die bezauberte Rose 60 - Schumann, Ges. Schriften über Musik u. Musiker. 3 Bde. in 1 175 - Bd. - Schwab, Gedichte 150 - --, Die deutschen Volksbücher 200 - Schwegler, Gesch. d. Philosophie 150 - Schweizerische Bundesverfassung 60 - -- Kranken- u. Unfallversicherung 60 - -- Obligationenrecht 100 - -- Zivilgesetzbuch 100 - -- -- u. Obligationenrecht in 1 Bd. 175 - -- -- -- Tascheneinband 150 - Scott, Braut von Lammermoor 100 - --, Der Herr der Inseln 60 - --, Ivanhoe 120 - --, Die Jungfrau vom See 80 - --, Kenilworth 120 - --, Letzten Minnesängers Sang 60 - --, Quentin Durward 150 - --, Waverley 150 - Sealsfield, Das Kajütenbuch 100 - Seidl, Ausgewählte Dichtungen Band 1-3 zusammen 100 - Seneca, Ausgewählte Schriften 100 - --, Fünfzig ausgewählte Briefe 80 - Seume, Gedichte 100 - --, Spaziergang nach Syrakus 100 - Shakespeare, Hamlet 60 - --, Der Kaufmann von Venedig 60 - --, Othello 60 - --, Romeo und Julia 60 - Shelley, Entfesselte Prometheus 80 - --, Feenkönigin 60 - Sienkiewicz, Familie Polaniecki 2 Bände 240 - --, Quo vadis? 175 - --, Zersplittert 80 - Silberstein, Trutz-Nachtigall 60 - Smiles, Der Charakter 100 - --, Die Pflicht 120 - --, Selbsthilfe 100 - --, Sparsamkeit 120 - Soldatenliederbuch (Tascheneinbd.) 40 - Sophokles, Sämtliche Dramen 150 - Souvestre, Am Kamin 80 - --, Ein Philosoph 80 - Spee, Trutznachtigall 100 - Speter, Die chemisch. Grundstoffe 80 - --, Die chemische Verwandtschaft 80 - Spielhagen, Alles fließt 60 - --, Dorfkokette 60 - --, Was die Schwalbe sang 100 - Spindler, Der Jesuit 120 - --, Der Jude 175 - Spinoza, Briefwechsel 100 - --, Die Ethik 120 - --, Der politische Traktat 80 - --, Der theologisch-politische Traktat 120 - --, Vervollkommnung d. Verstandes 60 - Spitta, Psalter und Harfe 60 - Spurgeon, Geistesstrahlen 200 - Staël, Corinna oder Italien 150 - --, Über Deutschland. 2 Bde 225 - Stanley, Wie ich Livingstone fand 150 - Stein, v., Goethe und Schiller 60 - Steinmüller, Baron Kahlebutz. 1. und 2. Bd. zus. in 1 Bd. 80 - Stelzhamer, Ausgew. Dichtungen 80 - Stendhal, Novellen 100 - Steputat, Deutsches Reimlexikon 80 - Stern, Gluck in Versailles. -- Nanon 60 - Sterne, Empfindsame Reise 60 - --, Tristram Shandy 150 - Stevenson, Die Schatzinsel 100 - --, u. Osbourne, Schiffbruch 120 - Stifter, Bergkristall. -- Brigitta 60 - --, Der Hochwald 60 - Stirner, Der Einzige und sein Eigentum 120 - Strachwitz, Gedichte 80 - Streicher, Schillers Flucht 80 - Striegler, Das deutsche Turnen 80 - Strindberg, Die Leute auf Hemsö 80 - Strodtmann, Gedichte. Mit Goldschn. 120 - Studentenliederbuch (Tascheneinbd.) 40 - Swift, Gullivers Reisen 120 - - Tacitus, Die Annalen 120 - --, Die Germania 60 - --, Die Historien 100 - Tagebuch eines bösen Buben 80 - Taschen-Wörterbücher: - --, Englisches 150 - Engl.-deutsch. Teil einzeln 100 - Deutsch-engl. Teil einzeln 100 - --, Französisches 150 - Franz.-deutsch. Teil einzeln 100 - Deutsch-franz. Teil einzeln 100 - --, Italienisches 150 - Ital.-deutsch. Teil einzeln 100 - Deutsch-ital. Teil einzeln 100 - --, Spanisches 150 - --, Englisch-französisch-deutsches Hilfsbuch 150 - --, Fremdwörterbuch 100 - --, Deutsches Wörterbuch 100 - Tasso, Befreites Jerusalem 120 - Tausend und eine Nacht. 8 Bde. je 150 - Tegnér, Abendmahlskinder 60 - --, Axel 60 - --, Frithjofs-Sage 80 - Telmann, In Reichenhall 60 - Tennyson, Enoch Arden 60 - --, Königsidyllen, 80 - Testament, Neues. [Übersetzt von E. Stage.], 150 - Tetzner, Deutsche Geschichte in Liedern, 150 - --, Namenbuch, 80 - --, Deutsches Sprichwörterbuch, 150 - --, Deutsches Wörterbuch, 100 - --, Wörterbuch sinnverwandter Ausdrücke, 150 - --, Wörterverzeichnis zur deutschen Rechtschreibung. 40 - (Tascheneinband), - Thackeray, Der Jahrmarkt des Lebens. 2 Bde., 225 - --, Das Snobsbuch, 100 - Theokrits Gedichte. Von Boß, 60 - Thukydides, Der Peloponnesische Krieg, 175 - Thümmel, Wilhelmine, 60 - Thiedge, Urania, 60 - Tillier, Belle-Plante u. Kornelius, 80 - --, Mein Onkel Benjamin, 80 - Tintschew, Gedichte, 60 - Tolstoj Alexej, Gedichte, 60 - --, Leo, Anna Karenina. 2 Bde., 250 - --, Auferstehung. 1. u. 2. Bd. zus., 150 - --, Chadshi Murat, 80 - --, Evangelium, 80 - --, Zwei Husaren, 60 - --, Kindheit, 80 - --, Die Kosake, 80 - --, Krieg und Frieden 2 Bde., 250 - --, Volkserzählungen, 80 - Torn, Offiziersgeschichten, 150 - Torrund, Sein Herzenskind, 60 - Trenck, Friedr. von der, Lebensgeschichte, 80 - Tschabuschnigg, Sonnenwende, 60 - Tschechow, Humoresken und Satiren. Band 1-3 zus., 100 - Tschudi, Kaiserin Elisabeth, 80 - --, Kaiserin Eugenie, 80 - --, König Ludwig II. v. Bayern, 100 - --, Königin Maria Sophia von Neapel, 80 - --, Marie Antoinettes Jugend, 80 - --, Marie Antoinette und die Revolution, 120 - --, Napoleons Mutter, 80 - --, Napoleons Sohn, 100 - Turgenjew, Dunst, 80 - --, Frühlingswogen, 80 - --, Gedichte in Prosa, 60 - --, Die neue Generation, 120 - --, Erste Liebe, 60 - --, Memoiren eines Jägers, 100 - --, Väter und Söhne, 100 - Turnerliederbuch (Tascheneinband), 40 - - Uhland, Dramatische Dichtungen, 60 - --, Gedichte, 80 - Usteri, De Vikari, 80 - - Vaka, Harem, 80 - Varnhagen, Fürst Leopold, 80 - Vely, Mente, 80 - Vergils Aeneide. Von Boß, 80 - --, Ländliche Gedichte, 60 - Villinger, Die Sünde des heiligen Johannes und andre 60 - Novellen, - Vix, Die Totenbestattung, 80 - Vogl, Ausgewählte Dichtungen, 80 - Volney, Die Aninen, 100 - Voltaire, Geschichte Karls XII., 100 - --, Zeitalter Ludwig XIV. 2 Bde., 225 - Voneisen, Albumblätter, 60 - --, Junggesellenbrevier, 60 - --, Kunterbunt, 60 - --, Liebesbrevier, 60 - --, Das Mutterherz, 60 - --, Nirwana, 60 - Voß, Idyllen und Lieder, 60 - --, Luise, 60 - --, d. J., Goethe und Schiller in Briefen, 80 - --, R., Amata. -- Liebeopfer, 60 - --, Die Auferstandenen. 2 Bde. zus. in 1 Bandm 175 - --, Kentaurenliebe. -- Die Toteninsel, 60 - --, Narzissenzauber. -- Das Wunderbare, 60 - --, Rolla, 120 - Vrchlicky, Gedichte, 80 - - Wagner, Rich., Autobiogr. Skizze. Mitteilung an meine 80 - Freunde, - --, Bayreuth, 60 - --, Ein deutscher Musiker in Paris, 80 - --, Erinnerungen, 60 - --, Über das Dirigieren. -- Bericht über eine deutsche 80 - Musikschule, - --, Tondramen. 2 Bde. je, 150 - Wahlreglement des preußischen Abgeordnetenhauses, 60 - Waiblinger, Gedichte aus Italien, 100 - Waldmüller, Walpra, 60 - Waldow, Wera, 80 - Wallace, Ben Hur. 2 Bände je, 100 - Walther von der Vogelweide, Sämtliche Gedichte, 80 - Weber, C. M. v., Ausgew. Schriften, 80 - --, L., Shakespeare-Biographie, 60 - Weddigen, Geistliche Oden, 60 - Weiser, Jesus. Teil 1-4 zus., 120 - Weißbuch, Deutsch. (Dokumente I), 60 - Westkirch, Der Bürgermeister von Immelheim u. and. Nov., 60 - --, Diebe 60 - --, Die Gletschermühle, 60 - --, Der Knecht von Wörpedamm, 60 - --, Recht der Liebe u. 2 and. Nov., 60 - --, Timm Bredenkamps Glück, 80 - --, Urschels Fundgut, 60 - --, Erzählungen. Zus. geb. in 2 Bdn. je, 150 - Whitman, Grashalme, 80 - Wichert, Am Strande, 60 - --, Für tot erklärt, 60 - --, Eine Geige. -- Drei Weihnachten, 60 - --, Nur Wahrheit. -- Sie verlangt ihre Strafe, 60 - --, Die gnädige Frau von Paretz, 60 - Wickenburg, Franz Mooshammer, 80 - Wieland, Die Abderiten, 100 - --, Oberon, 80 - Wieleitner, Schnee u. Eis der Erde, 100 - Wilbrandt, König Teja, 60 - Wildberg, Dunkle Geschichten, 60 - --, Neben der Welt u. a. Erzähl., 80 - Wilde, Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading, 60 - --, Dorian Gray, 100 - Wildermuth, Hagestolze, 60 - --, Schwäbische Pfarrhäuser, 60 - Wilhelm II. Reden. 4 Bände je, 100 - Willomitzer, Nacht im Mittelalter, 60 - Winter, Ohne Fehl, 100 - Wiseman, Fabiola, 120 - Witschel, Morgen- und Abendopfer, 80 - Wolf, Prolegomena zu Homer, 100 - Wolff, Allgemeine Musiklehre, 60 - --, Elementar-Gesanglehre, 60 - Wolfram von Eschenbach, Parzival. 2 Bde., 225 - Wörterbücher s. Taschenwörterbücher. - Woude, Traudel und ich, 80 - Wundt, Zur Psychologie u. Ethik, 80 - Württemberg, Alex. Graf von, Sämtliche Gedichte, 100 - - Xenophon, Anabasis, 80 - --, Erinnerungen an Sokrates, 80 - --, Griechische Geschichte, 100 - --, Kyrupädie, 120 - - Zaleski, Die heilige Familie, 60 - Zangerle, Meraner Geschichte, 60 - Zedlitz, Gedichte, 80 - --, Waldfräulein, 60 - Zipper, Grillparzer-Biographie, 60 - --, Körner-Biographie, 60 - Zittel, Entstehung der Bibel, 80 - Zobeltitz, H. v., König Pharaos Tochter, 60 - Zola, Das Fest in Coqueville und andere Novellen, 80 - --, Germinal, 150 - --, Herrn Chabres Kur u. a. N., 80 - --, Sturm auf die Mühle u. a. N., 80 - Zschokke, Alamontade, 80 - - Durch jede Buchhandlung oder direkt vom Verleger Philipp Reclam - jun. in Leipzig unberechnet zu beziehen - - Prospekte der Universal-Bibliothek: - - Vollständiges Verzeichnis nach Autoren geordnet. - - Vollständiges Verzeichnis nach Materien geordnet. - - Verzeichnis der dramatischen Werke mit Angabe der Personenzahl - und des Theatervertriebes. - - Verzeichnis von 100 einaktigen Lustspielen mit Angabe des Inhalts - und der Besetzung. - - Verzeichnung von Reise- und Unterhaltungslektüre. - - Ausführliches Verzeichnis der Neuerscheinungen. - - Die Helios-Klassiker - - sind von bedeutenden Literarhistorikern herausgegeben und mit - künstlerisch ausgeführten Porträt-Beilagen geschmückt. Die Werke - sind in geschmackvollen biegsamen Leinen- und in prächtigen - Ganzleder-Bänden mit echtem Goldschnitt vorrätig. -- Durch - erstaunliche Wohlfeilheit bei modern-geschmackvoller Ausstattung - werden sie die Freude an den Büchern der Klassiker immer mehr - verbreiten. - - Verzeichnis der Helios-Klassiker: - - Börne. Gesammelte Schriften. 3 Bände mit Bildnis. In Leinen M. - 5.--. - - Byron. Sämtl. Werke. 3 Bde. mit Bildn. In Lein. M. 5.--. - - Chamisso. Sämtliche Werke. 2 Bde. mit 2 Bildn. In Lein. M. - 2.50, in Leder M. 6.--. - - Chamisso. Auswahl. 1 Band mit Bildn. In Lein. M. 1.25. - - Eichendorff. Gesamm. Werke. 2 Bde. mit 2 Bildn. In Lein. M. - 3.--, in Leder M. 6.--. - - Gaudy. Ausgew. Werke. 2 Bde. mit Bildn. In Lein. M. 3.50. - - Goethe. Sämtl. Werke. 10 Bde. mit 3 Bildnissen. In Leinen M. - 15.--, in Leder M. 30.--. - - Goethes Werke in 4 Hauptbdn. u. einer Folge v. Ergänzungsbdn. - M. Abb., Portr., Faksim. Preis der 4 Hauptbde. in Lein. M. - 5.--, in Leder M. 12.--. 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M. 1.50, in - Leder M. 3.25. - - Lessing. Sämtl. Werke 3 Bde. mit 2 Bildnissen. In Leinen M. - 5.--, in Leder M. 9.--. - - Lessing. Auswahl. 1 Bd. mit Bildnis. In Leinen M. 1.75. - - Longfellow. Sämtl. poetische Werke. 2 Bände mit 2 Bildnissen. - In Leinen M. 3.50. - - Ludwig. Ausgewählte Werke. 1 Bd. mit Bildn. In Leinen M. 1.75, - in Leder M. 3.50. - - Milton. Poetische Werke. 1 Bd. mit Bildn. In Lein. M. 2.--. - - Molière. Sämtl. Werke. 2 Bde. mit Bildn. In Lein. M. 3.50. - - Möricke. Sämtl. Werke. 2 Bde. mit 2 Bildnissen. In Leinen M. - 3.50, in Leder M. 6.--. - - Reuter. Sämtl. Werke. 4 Bde. mit zahlreich. Abb. In Lein. M. - 6.--, in Leder M. 12.--. - - Reuter. Auswahl. 2 Bde. mit zahlreich. Abbildgn. In Lein. M. - 3.50, in Leder M. 7.--. - - Rückert. Ausgewählte Werke. 3 Bde. mit 2 Bildn. In Lein. M. - 5.--, in Leder M. 9.--. - - Schiller. Sämtliche Werke in 4 Hauptbdn. u. 2 Ergänzungsbänden. - Mit Abb., Portr., Faksim. Preis d. 4 Hauptbde. in Lein. M. - 5.--, in Led. M. 12.--, der Gesamtausgabe in Leinen M. 7.50, - in Leder M. 18.--. - - Shakespeare. Dramat. Werke. 4 Bde. mit Abbild. In Leinen M. - 5.--, in Leder M. 12.--. - - Stifter. Ausgewählte Werke. 2 Bde. mit Bildn. In Lein. M. - 3.50, in Leder M. 6.--. - - Uhland. Gesammelte Werke. 2 Bde. mit Bildn. In Lein. M. 2.50, - in Leder M. 6.--. - - Sonderausgaben aus Reclams Klassikern: - - Goethe. Aus meinem Leben. Geh. 90 Pf., Halblein. M. 1.20. - - Goethe. Gedichte. 2 Bde. Geh. je M. 1.--, in Lein. je M. 1.50, - in Leder m. Goldschn. je M. 2.50. - - Goethe. Italien. Reise. Geh. 90 Pf., in Halbleinen M. 1.20. - - Goethe. Die Wahlverwandtschaften. Geh. 30 Pf., in Halbleinen - 60 Pf. - - Goethe. West-östl. Diwan. Geh. 70 Pf., in Leinen M. 1.--. - - Goethe. Wilhelm Meisters Lehrjahre. Geh. 90 Pf., in Halbleinen - M. 1.20. - - Goethe. Wilhelm Meisters Wanderjahre. Geh. 60 Pf., in - Halbleinen 90 Pf. - - Lessing. Hamburgische Dramaturgie. Geh. 90 Pf., in Halbleinen - M. 1.20. - - Schiller. Gedichte. Geh. 50 Pf., in Leinen 80 Pf., in Leder - mit Goldschnitt M. 2.--. - - Schiller. Geschichte des 30jährigen Krieges. Geh. 70 Pf., in - Leinen M. 1.--. - - Schiller. Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande. - Geh. 30 Pf., in Halblein. 60 Pf. - - - - -Anmerkungen zur Transkription - - -Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im Original -g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_ -gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt waren, -wurden ^so^ markiert. - -Offensichtliche Fehler wurden berichtigt wie hier aufgeführt -(vorher/nachher): - - [S. 73]: - ... miteinander gewechselt, und aller Wahrscheilichkeit nach ... - ... miteinander gewechselt, und aller Wahrscheinlichkeit nach ... - - [S. 106]: - ... verschwunden ist (Fig. 40 F). Die größeren vegetalen ... - ... verschwunden ist (Fig. 10 F). Die größeren vegetalen ... - - [S. 182]: - ... jeden Versuch zur Mitwirkung; ja sie prohezeiten uns ... - ... jeden Versuch zur Mitwirkung; ja sie prophezeiten uns ... - - [S. 185]: - ... in raschem Phatasiefluge an uns hatten vorüberziehen ... - ... in raschem Phantasiefluge an uns hatten vorüberziehen ... - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Natur und Mensch, by Ernst Haeckel - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK NATUR UND MENSCH *** - -***** This file should be named 50081-8.txt or 50081-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/0/0/8/50081/ - -Produced by Ralph Janke, Marilynda Fraser-Cunliffe, Jens -Sadowski,and the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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