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+Wolken, von dem Verfasser der Wolken, by Jakob Michael Reinhold Lenz,
+Edited by Erich Schmidt
+
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+This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
+other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
+whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
+the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
+www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
+to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
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+
+
+
+Title: Vertheidigung des Herrn Wieland gegen die Wolken, von dem Verfasser der Wolken
+ Deutsche Litteraturdenkmale des 18. und 19. Jahrhunderts, No. 121, Dritte Folge No. 1
+
+
+Author: Jakob Michael Reinhold Lenz
+
+Editor: Erich Schmidt
+
+Release Date: March 23, 2015 [eBook #48567]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
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+
+***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK VERTHEIDIGUNG DES HERRN WIELAND
+GEGEN DIE WOLKEN, VON DEM VERFASSER DER WOLKEN***
+
+
+E-text prepared by Peter Becker, Taavi Kalju, and the Online Distributed
+Proofreading Team (http://www.pgdp.net) from page images generously made
+available by the Google Books Library Project (http://books.google.com)
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+ | Gesperrter Text und kursiver Text ist mit _Unterstrichen_ |
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+ | Fußnoten sind mit Großbuchstaben ([A], [B], [C] usw.) |
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+
+ No. 121. Dritte Folge No. 1.
+
+ _Deutsche Litteraturdenkmale_
+ des 18. und 19. Jahrhunderts
+ _herausgegeben von August Sauer_
+
+ * * * * *
+
+
+
+
+ VERTHEIDIGUNG DES HERRN WIELAND
+ GEGEN DIE WOLKEN
+ VON DEM VERFASSER DER WOLKEN
+
+ (1776)
+
+ VON
+ J. M. R. LENZ
+
+ HERAUSGEGEBEN
+ VON
+ ERICH SCHMIDT
+
+ [Illustration]
+
+ BERLIN W. 35
+ B. BEHR'S VERLAG
+
+ 1902
+
+
+
+
+_Inhalt_.
+
+
+ Seite
+
+ Vorbemerkung V
+
+ Vertheidigung des Herrn W. gegen die Wolken von dem
+ Verfasser der Wolken 1
+
+ _Beilagen_.
+
+ I. Aus der Handschrift des »Pandämonium Germanicum« 29
+
+ II. Aus den »Meynungen eines Layen« 32
+
+
+
+
+Vorbemerkung.
+
+
+Der Kampf der Geniezeit gegen Wieland, im göttingischen Kreise von
+»Nonsensesängern« gegen »Wollustsänger« (Lichtenberg), zumal durch Voss
+sittenrichterlich geschürt, im rheinischen durch Goethes »Götter, Helden
+und Wieland« entfacht, bedarf einer umfassenden Darstellung, die wir von
+Seuffert nach seinem trefflichen Aufsatz (Zs. für deutsches Altertum 26,
+252 ff.) erwarten. Im April 1774 hatte Jacob M. R. Lenz in Kehl Goethes
+übermütige Satire drucken lassen, und so war ein von Wieland am 29.
+Januar 1773 Gottern zugeraunter Wunsch ganz anders erfüllt worden:
+»Könnten Sie sich entschliessen eine kleine Parodie, etliche
+Aristophanische Scenen zu machen, worin Sie nicht den Bacchus, sondern
+den Apollo ... zu den Schatten herabsteigen liessen, um Opitzens,
+Canitzens, Hagedorn's, Liscows etc. Seelen wiederzuhohlen. Unsre
+Liederdichter könnten das Chor der Frösche dabey vorstellen. Ich möchte
+gar zu gerne dass diesem Geschmeisse auf ein oder die andere Art ein
+Ende gemacht, und die guten Köpfe erweckt würden, was anders als Lieder
+zu machen.«
+
+Goethe wurde durch Wielands überaus kluge und geistreiche Haltung, die
+im Juniheft des Teutschen Merkur 1774 den schalen Götz-Recensenten
+eingehend desavouierte, doch auch jene Farce heiter hinnahm, und durch
+die erste persönliche Anknüpfung mit Weimar dem Kampfplatz entzogen. Wir
+hören sein lebendiges Wort unmittelbar aus dem köstlichen von Johanna
+Fahlmer niedergeschriebenen Gespräch (Goethe-Jahrbuch 2, 379), aber
+trotzdem noch 1775 mehr als eine kriegerische Drohung, und es ist Lenz,
+den Goethe damals für den gefährlichsten Widersacher des »Nachbar
+Gorgias« hält. Bei Lenz wirkten ethische Grillen mit dem Zorn über
+Recensionen im Teutschen Merkur zusammen. Zwar muss er selbst gestehen,
+es sei ihm glimpflich begegnet worden: die Anzeige der »Lustspiele nach
+dem Plautus« (September 1774, S. 355 f.) und des »Hofmeisters« (ebenda
+S. 356-8) sind vorwiegend sehr günstig; auch »Der neue Menoza« (November
+1774) könnte leicht viel übler fahren, und in der scharfen Recension des
+göttingischen Almanachs (Januar 1776, S. 86) finden die »kleinsten
+Schnitzen« aus Goethes oder Lenzens Brieftasche neben Klopstock und
+Claudius ihr Platzrecht. Der Verfasser des »Leidenden Weibes«, Klinger,
+wird freilich (August 1775, S. 177) ein Nachahmer Lenzens genannt mit
+dem Zusatz: »Der Nachahmungssucht schreibe ich auch die unartigen
+Ausfälle zu, die der rüstige Knabe auf Wieland gethan.« Die
+»Unterredungen zwischen W** und dem Pfarrer zu ***«, deren Abwehr des
+Vorwurfs, Wieland stelle gewisse Laster verführerisch reizend dar, Lenz
+selbst später anerkennt, erschienen vom April 1775 an, also gerad in der
+Zeit, wo Lenz den mörderischen Kampf betrieb. Ihre überlegnen Worte
+gegen den »redlichen, die Tugend mit Enthusiasmus liebenden Jüngling
+Voss« (S. 82), Aussprüche wie dieser: dass »ein junger unerfahrner
+Neuling in der Welt unmöglich ein Sokrates seyn kann« (S. 83) samt der
+Wendung von »unreifen muthwilligen Jungen, die sich zu Richtern
+aufwerfen« waren nicht danach angethan, den Ehrgeiz und die
+Neusüchtigkeit eines Herolds der vorrückenden Generation alsbald zu
+dämpfen.
+
+Lenz fühlte sich schwer gekränkt durch den Hohn, den Wieland einer
+ausdrücklich Lenz, nicht Goethe als Verfasser nennenden leeren
+Recension der »Anmerkungen übers Theater« (Januar 1775, S. 94 f.;
+Schmid) beigefügt hatte, obwohl diese dramaturgischen Rhapsodien gegen
+Aristoteles und die Franzosen ihn aus dem Spiele lassen, ja seine
+Übersetzung des »Julius Caesar« ruhig citieren. Der »W.« unterzeichnete
+»Zusatz des Herausgebers« lautet (S. 95 f.):
+
+ Der Verfasser der A. ü. Th. mag heissen wie er will, traun! der
+ Kerl ist 'n Genie, und hat blos für Genien, wie er ist geschrieben,
+ wiewohl Genien nichts solches nöthig haben. Sollt ihm dies aber
+ nicht erlaubt gewesen seyn? Durft er doch schreiben, was gar
+ niemand, was er selbst nicht verstunde! Wer konnt's ihm wehren?
+ Fürs Publikum ist so was freylich nicht. Denn was soll dies damit
+ machen? Wie soll es dem Genie seine Räthsel _errathen_? oder
+ _ergänzen_, was der geheimnissreiche Mann nur halb sagt? oder ihm
+ in seinen Gemssprüngen von Klippe zu Klippe nachsetzen? -- Sein Ton
+ ist ein so fremder Ton, seine Sprache ein so wunderbares
+ Rothwelsch, dass die Leute dastehn, und 's Maul aufsperren, und
+ recken die Ohren, und wissen nicht ob sie süss oder sauer dazu
+ sehen sollen; -- sehen also Höflichkeits halben, und _um sicher zu
+ gehen_, lieber _süss_, wie die meisten Zeitungsschreiber und
+ Recensenten. -- Sein Ton ist nicht der Ton der Welt; es ist auch
+ nicht der Ton der _Untersuchung_; _Schulton_ ist's auch nicht;
+ _Kenner_ haben sonst auch noch nie so gesprochen. Was ist's denn?
+ Es ist der Ton eines _Sehers_, der Gesichte sieht, und mit unter
+ der Ton eines _Quomebaccherapistuiplenum_, der seinen Mund weit
+ aufthut, um etwas _herrliches, funkelneues, noch von keinem
+ Menschensohn gesagtes_, zu sagen, und dann gleichwohl (wie Horaz in
+ seinem Rausche) gerade nichts sagt, das sich der Müh verlohnte, das
+ Maul so weit aufzureissen. Mag seyn, dass ein solcher begeisterter
+ Seher oder Genie allerley Dinge sieht, die wir andern Leute, die
+ ihrer Sinnen mächtig sind, nicht sehen -- auch wohl _zwoo Sonnen,
+ zwoo Theben_ für eine -- aber das Unglück ist, dass der Leser
+ selten gewiss werden kann, _was_ der Mann gesehen hat, und ob er
+ auch _recht_ gesehen hat. Ein solch Büchlein, so klein es ist, den
+ Lesern, die keine Genien sind, verständlich zu machen, zu prüfen,
+ das Korn von der Spreu zu scheiden, und zu zeigen, was darinn
+ gesunde Kritik, und was eitel schaales Persiflage ist, was würklich
+ neugedacht, und was nur durch die Affectation seltsamer Wendungen,
+ Wortfiguren und Nothzüchtigung der Sprache den Schein einer
+ unerhörten Entdeckung bekommen hat, wiewohl Andre das lange vorher
+ kürzer, deutlicher und richtiger gesagt haben, -- Alles dies zu
+ thun, müsste man ein Buch in Folio schreiben; und wer soll's
+ schreiben? oder, wenn's geschrieben wäre, wer soll's lesen?
+
+ Uebrigens, wenn unsre Leser sich mit ihren sehenden Augen
+ überzeugen wollen, dass es auch schon im Jahre 1773, und also
+ wenigstens ein Jahr vorher, eh der Verfasser der Anmerkungen der
+ Welt sein Lichtlein leuchten liess, Leute gab, welche wussten,
+ worinn _Shakespears_ grosser Vorzug besteht: so ersuchen wir sie
+ nur im 3ten Band des T. Merkurs die 184 und 185ste Seite zu lesen
+ [August 1773 S. 183-188 Wielands enthusiastischer Aufsatz »Der
+ Geist Shakespears«], und dann -- das Buch wieder zuzumachen.
+
+Lenz wollte diesen dem jungen Geschlecht, seinen Göttern und Götzen
+vermeintlich unholden Inhaber der einflussreichen bellettristischen
+Recensieranstalt, diesen falschen bethörenden Graziendichter, diesen
+undeutschen Makler fremden Giftes, wie er ihn sich karikierte, in den
+Staub strecken und Wieland nicht bloss mit Schrotschüssen des Epigramms
+(»Der Archiplagiarius«; Weinhold, Gedichte von J. M. R. Lenz 1891, S.
+105) oder kleineren Satiren (»Menalk und Mopsus« ebenda S. 90, »Éloge de
+feu Monsieur **nd« S. 99), nicht bloss mit einer grobwitzigen
+persönlichen Episode des »Pandämonium Germanicum« (s. Beilage I),
+sondern auch mit der vollen Ladung einer modernen Aristophanischen
+Komödie treffen. Warum musst' ich, fragt er in einem Brief, gerad über
+Aristophanes sitzen, als Wieland mich beleidigte? Diese »Wolken« hat
+uns, nach Andeutungen Jegórs v. Sivers (»J. M. R. Lenz. Vier Beiträge zu
+seiner Biographie und zur Litteraturgeschichte seiner Zeit«, Riga 1879),
+Karl Weinhold durch genaue kritische Zusammenstellung der
+Briefnachrichten und den Abdruck spärlicher Reste näher gebracht. Ich
+wiederhole nicht, was in seinem Buche »Dramatischer Nachlass von J. M.
+R. Lenz« 1884, S. 313 ff. zu lesen ist.[A] Die Handschriften vom Sommer
+1775 und vom nächsten Frühjahr sind unwiederbringlich verloren, der bei
+Helwing in Lemgo bis zum März 1776 durch Boies Vermittelung hergestellte
+Druck ist auf Lenzens Wunsch völlig zerstört worden. Den ersten Anstoss
+dazu gab die Rücksicht auf Wielands Jugendgeliebte Sophie v. La Roche
+und die Kunde, Wieland habe ihren Sohn erzogen.
+
+Der Vorgang, dass jemand eine gar nicht erschienene Satire selbst
+öffentlich ablehnt, ist wohl unerhört und sogar dem litterarischen
+Maskenspiel Hamanns fremd. Die »Vertheidigung« muss im Spätjahr 1775
+geschrieben sein; den Plan wird Lenzens Wort an Boie (September?)
+andeuten: »Ich habe ein Mittel, alles das bei Wieland und seinem Publiko
+wieder gut zu machen, das ich aber in petto behalte.«
+
+Briefe an Boie, dem durch Lenz auch eine Polemik Schlossers gegen die
+»Abderiten« und durch Weygand Goethes Wertherische »Anekdote« gegen
+Nicolai (Waldmann, Lenz in Briefen 1894, S. 50) für das Deutsche Museum
+angehängt werden sollte, und an Zimmermann unterrichten uns über den
+äusseren Verlauf. In demselben Brief (empfangen am 12. Febr. 1776), wo
+Lenz die Unterdrückung der »Wolken« oder wenigstens den Ersatz deutscher
+Namen durch griechische bedenkt, bittet er die »Vertheidigung« nicht
+beizugeben, sondern »als Palinodie, nicht als prämeditirte versteckte
+Apologie« für sich zu drucken. Sie soll auch ohne die »Wolken« ausgehen:
+»Desto origineller ist sie. Man kann dazusetzen, der Vf. habe den Druck
+der W. verhindert und weil viele sie im Mskpt gelesen, diess zu seiner
+Vertheidigung geschrieben. Ich will nichts dafür.« Unmittelbar darauf
+betreibt er nach ganz ähnlichen Worten den Druck der »Vertheidigung«,
+die Wielands »Hauptgesinnungen mehr schaden wird als alle
+Anschuldigungen. Ich kenne mein Publikum -- und jetzt ist es Zeit. Wenn
+das Eisen ausgeglüht hat, fällt der Hammer zu spät.« Am 20. Februar
+empfängt Boie von Lenz den S. 2 mit winzigen Abweichungen gedruckten
+Entwurf einer Vorrede des Verlegers Helwing in Lemgo. »Die Wolken sind
+unterdrückt,« beteuert der Herausgeber der »Flüchtigen Aufsätze«,
+Kayser, der im Oktober 1775 die Publikation insgeheim in Ulm hatte
+besorgen wollen, nun am 3. März aus Zürich; »Die Vertheidigung der
+Wolken wird hier unter uns circuliren. Schlosser schrieb darunter: Helas
+tais-toi Jean Jaq [so] ils ne t'entendront pas -- und das ist herrlich
+wahr.« Bald ging ein wunderlicher Bitt- und Mahnbrief Lenzens, der
+sehnsüchtige Blicke nach Weimar warf, an Wieland ab. Diesem sollten ein
+paar Exemplare der »Vertheidigung« anonym zugehn, »damit er sie desto
+eher bekommt und sein Misstrauen gegen uns entwaffnet wird« (an Boie,
+11. März). Boie meldet (8. März), dass bei dem Todesurteil über die
+»Wolken« der erste »angedruckte« Bogen der »Vertheidigung« umgedruckt
+werden musste, wovon auch am 22. März (Waldmann S. 45) wiederum die Rede
+ist; Wieland solle zwei Exemplare kriegen. Wir erfahren, dass Helwing
+noch immer die »Vertheidigung« für ein Werkchen Goethes hielt, der
+übrigens von den »Wolken« gar nichts wusste (Waldmann S. 48). Lenz
+empfing Anfang Mai die »Vertheidigung« gleichzeitig mit der dem
+Buchhändler zum Schadenersatz für die »Wolken« überlassenen Komödie »Die
+Freunde machen den Philosophen« und konnte, begeistert für Weimar und
+für Wieland, die verabredete Sendung an diesen eben noch bei Boie
+widerrufen.
+
+Einen langen sehr interessanten Erguss Lenzens an F. L. Stolberg (April
+oder Mai 1776) über seinen herrlichen Verkehr mit Wieland, »dem einzigen
+Menschen, den ich vorsätzlich und öffentlich beleidigt habe«, hat Dumpf
+1819 im Vorwort des »Pandämonium Germanicum« mitgeteilt. Ich habe ihn
+jüngst aus diesem Versteck hervorgezogen (Lenziana S. 15,
+Sitzungsberichte der kgl. preuss. Akademie der Wissenschaften 41, 993)
+und wiederhole hier nochmals den Bericht, soweit er sich nicht auf das
+Persönliche, sondern Wielands eigenen Worten gemäss auf die
+litterarisch-sittlichen Grundsätze bezieht und damit auch der
+»Vertheidigung« vollends den Garaus macht:
+
+ In der That, bester Freund, ist ein wesentlicher Unterschied unter
+ einem _schlüpfrigen_ und einem _komischen_ Gedicht, wie Wielands
+ Erzählungen und Ritterromane sind. In den ersten werden die
+ Unordnungen der Gesellschaft ohne Zurückhaltung mit bacchantischer
+ Frechheit gefeiert und ihnen, dass ich so sagen mag, Altäre
+ gesetzt, wie Voltaire und Piron thaten; in diesen werden die
+ Schwachheiten und Thorheiten der Menschen mit dem Licht der
+ Wahrheit beleuchtet und (wie könnte ein Philosoph sie würdiger
+ strafen) dem Gelächter weiterer Menschen Preis gegeben. Mich
+ deucht, der Unterschied ist sehr kennbar, und nur Leidenschaft
+ konnte mich bisher blenden, ihn nicht zu sehen.
+
+ Man wirft ihm vor, dass seine komischen Erzählungen zu reitzend,
+ gewisse Scenen darin zu ausgemalt sind. Ein besonderer Vorwurf!
+ Eben darin bestand sein grösstes Verdienst, und der höchste Reiz
+ seiner Gemälde ist der _ächteste Probierstein für die Tugend seiner
+ Leser_. Tugend ohne Widerstand ist keine, so wenig als einer sich
+ rühmen darf, reiten zu können, wenn er nie auf etwas anders, als
+ auf ein Packpferd gekommen. Eine solche furchtsame, träge,
+ ohnmächtige Tugend ist bey der ersten Versuchung geliefert. Will
+ also einer an diesem Eckstein sich den Kopf zerschellen, anstatt
+ sich an ihm aufzurichten, so thut er's auf seine Gefahr. Dasselbe
+ würde ihm bey der ersten schönen Frau begegnet seyn; darf er
+ deswegen den Schöpfer lästern, der sie gemacht hat? Setzen wir
+ diese nun auch in hundert noch reitzendere Verhältnisse, der Reine,
+ dem alles rein ist, und der seinen Entschluss und seine Hoffnungen
+ unwandelbar im Busen fühlt, wird, wenn wir sie zu Hunderten
+ gruppirten, mit der Trunkenheit eines Kunstliebhabers, wie unter
+ Griechischen Statuen vorbeygehn, ohne einen Augenblick zu
+ vergessen, dass nur eine ihn glücklich machen kann. Überhaupt
+ schweigt der thierische Trieb, je höher wir auch die Reitze der
+ körperlichen Schönheit spannen, und verliert sich unvermerkt in die
+ seelige Unruhe und Wonne des Herzens, das alsdann von neuen,
+ menschenwürdigern, entzückendern Gefühlen schwillt, wohin ihn
+ Wieland, an hundert Stellen seiner komischen Gedichte, so geschickt
+ hinaufzubegleiten wusste. Welche Wohlthat er dem menschlichen
+ Geschlechte dadurch erwiesen, wird ihm erst die Nachwelt danken:
+ falls seine Gedichte etwa nicht, unglücklicherweise, anders gelesen
+ werden sollten, als er sie gelesen haben will.
+
+So war Lenzens »ewiger« Hass flugs in die schrankenloseste Bewunderung
+umgeschlagen. Wieland benahm sich mit vollendeter weiser Bonhommie. Der
+Widerruf geschah auch vor allem Volke, denn das Dezemberheft des
+Deutschen Museums brachte 1776 die »Epistel eines Einsiedlers an
+Wieland« (Weinhold S. 205). Sie war in Berka entstanden. Dort hat der
+Waldbruder wohl auch das zuerst im Morgenblatt 1855 S. 782 gedruckte
+rührende Billet an Wieland geschrieben:
+
+ Es scheint, Lieber, du weisst nicht oder willst nicht wissen, wer
+ die Ursache des ganzen literarischen Lärmens gegen dich war. Ich
+ liess Götter, Helden und Wieland drucken, und ohne mich hätten sie
+ das Tageslicht nimmer gesehen.
+
+ Ich hätte dir's in Weymar gesagt; ich fürchtete aber, es würde
+ zuviel auf einmal geben. Einmal aber muss es vom Herzen ab, und so
+ leb' wohl! Lenz.
+
+Ob er auch über die »Wolken« Generalbeichte gethan hat? Jedesfalls
+begreift man seine den zuverlässigen Mittelsmann Boie (Waldmann S. 54)
+beleidigende Angst, der Druck möchte doch nicht spurlos zerstört sein.
+Ende Juni dankt er Zimmermann, auf dessen Rat er die Bekanntmachung
+sowohl der »Wolken« als der »Vertheidigung« sich sehr ernsthaft verbeten
+habe; »Zudem habe ich in der Vertheidigung Druckfehler gefunden, die dem
+ganzen Dinge ein schiefes und hässliches Ansehen geben, 'gefühllos'
+statt 'gefühlig', gewiss ich müsste selbst gefühllos seyn wenn ich die
+Bekanntmachung einer so nachtheiligen Vertheidigung W. ertragen könnte.
+Statt N. ist J. [gedruckt] und andere dergleichen Späsgen die mir den
+ganzen Zweck der Schrift verderben, die überhaupt bey unsrer
+gegenwärtigen Lage wenig Wirkung thun wird.« Später wird noch durch
+Boie dem wackeren Helwing eine Ehrenerklärung gegeben und die
+Zurückziehung der »hoffentlich nicht verkauften Exemplare der
+Vertheidigung« wie das Autodafé der »Wolken« in Zimmermanns Gegenwart
+gefordert. Es war zu spät. Der Leipziger »Almanach der deutschen Musen
+auf das Jahr 1777« S. 9 (nichtssagende Notiz), des herausgeforderten
+Nicolai Allgemeine deutsche Bibliothek (Anhang zu Bd. 25-36, S. 774 f.;
+unterzeichnet A., d. h. nach Parthey: Beckmann), Schubarts Teutsche
+Chronik (18. Juli 1776; 58. Stück, S. 461 f.) bringen Recensionen. Diese
+beiden widersprechenden mögen hier folgen. Das Berliner Organ sagt über
+»Vertheidigung« und »Éloge«:
+
+ Ein Paar elende Scharteken. Hr. _Lenz_, von dem eine Zeitlang
+ einige Leute ein gewaltiges Lärm [so] machten, als ob er, wer weiss
+ was für ein Genie wäre, schreibt auf Herrn _Wieland_ ein Pasquill,
+ die _Wolken_ betitelt. Er nimmt nachher, _aus wichtigen Gründen_,
+ wie er sagt, den heilsamen Entschluss, den _Druck_ dieses Pasquills
+ zu _hintertreiben_. Er weiss aber den Schritt, den er im
+ _Aristophanischen Spleen zu weit_ gethan, nicht anders _gut zu
+ machen_, als dass er eine Vertheidigung _Wielands_ gegen eben diese
+ _Wolken_ schreibt, deren sehr unnöthige Existenz wir sonst gar
+ nicht wusten, und erst hierdurch erfahren. Es ist wohl ein Zeichen
+ der gewaltigen Eitelkeit des Verf. dass er auch der Welt einen
+ solchen ungedruckten Wisch hat ankündigen wollen. Er schwatzt dabey
+ über allerley Sachen ins Gelag hinein, als ob er sie verstände,
+ unter andern auch über die _allgemeine deutsche Bibliothek_,
+ wowider es nicht der Mühe werth ist ein Wort zu verlieren. Dabey
+ ist es sehr possierlich, mit wie vielem Eigendünkel er S. 32 mit
+ Hrn. W. rechtet, und vermeynet, Hr. W. hätte es an ihm verdienet,
+ dass er noch schlimmer mit ihm verführe. »Mit alledem ...
+ gescholten hätte« [hier 20,_{14-32}. Zu dem Wort »Kunstrichter«
+ Fussnote: »Hr. L. muss wohl glauben, er könne beyde Mienen sehr
+ leicht annehmen.«] Als ob, wenn auch alles dieses wahr wäre, seine
+ _verfehlte Schakespearische_ Manier dadurch im geringsten besser
+ würde. Aber solchen Leuten kommt es nur darauf an, das _Fleckchen_
+ zu finden, wo es am wehesten thut.
+
+ Unter dem Titel _Eloge_ stehen drey sehr mittelmässige Gedichte ...
+ womit auch W. soll _wehe gethan_ werden. Es ist aber alles so
+ übertrieben und so platt, dass auch da, wo d. V. einigermassen
+ wider W. recht haben [mag], niemand auf seine Seite treten wird.
+
+Dagegen urteilt Schubart, denn er ist es offenbar selbst:
+
+ Vor einiger Zeit gieng eine Komödie, die Wolken betitelt, im Msct.
+ herum, worinnen Wieland und Nikolai mit Aristophanischer Bosheit
+ misshandelt wurden. Da entschuldigt sich nun dessfalls der
+ Verfasser in einem Bogen und legt sein Glaubensbekänntniss vom
+ Wieland und mit unter auch von Nikolai ab, so, dass der erste damit
+ zufrieden seyn, der leztere aber schreyen muss über den harten
+ schmerzhaften Angrif eines Mannes, der ihm an Genie so weit
+ überlegen ist. So kühn, so steif [so] und gutsinnig, so
+ gedankenvoll und tiefsinnig, so im Feuerstrome ausgegossen, ist
+ noch wenig geschrieben worden, wie hier diese drey Bogen. Am Ende
+ räth er Wielanden zur Strafe für viele seiner sittenverderbenden
+ Schriften -- _in seinem Alter_ Dichterruhe auf Lorbeern an. Sind
+ 40. Jahre schon das Greisenalter des Dichters? -- Nicht doch! Homer
+ schrieb seine Odyssee im fünfzigsten Jahr. Klopstock einige seiner
+ vortreflichsten Stücke vom 40. bis zum 50sten Jahr, und Young seine
+ Nächte gar im 80sten Jahr. Dass Wielands Phantasie noch bey weitem
+ nicht ausgetrocknet sey, beweisen seine neusten poetischen Stücke
+ im Merkur, die gröstentheils voll Lebensfeuer sind.
+
+ Indessen wirds jeder Leser (versteht sichs, wer lesen kann) gar
+ leicht sehen, dass diese Bogen einen unsrer ersten und
+ vortreflichsten Köpfe zum Verfasser haben. Feuer muss da seyn, wo
+ einem die Flamm' ins Gesicht schlägt.
+
+ * * * * *
+
+ Sachlicher Erläuterungen bedarf es im einzelnen nur ganz wenig.
+ 4,_{6} Aristophanes, Ritter V. 637 νυν μοι θρασος και γλωτταν
+ εùπορον δοτε φωνην τ' αναιδη. _{28} Hesiod, Werke u. Tage V. 25 και
+ κεραμευς κεραμει κοτεει και τεκτονι τεκτων και πτωχος πτωχω φθονεει
+ και αοιδος αοιδω. 6,_{32} Vgl. an Sophie v. La Roche o D.
+ (Euphorion 3, 538): »Sie sehen, warum ich Wieland als Menschen
+ lieben, als komischen Dichter bewundern kann, aber als Philosophen
+ hasse und ewig hassen muss.« 10,_{28} ff. Nicolai, 12,_{14} In der
+ »Gelehrtenrepublik« (5. Morgen) sagt ein »Ausrufer«, nach den
+ Gesetzen habe jeder freilich nur Eine Stimme -- »aber, der Wirkung
+ nach, haben wir viele Stimmen; sind wir Richter.« _{35} Wielands
+ sauersüsses Nachwort zu der »Crudität«: »Über das Ideal einer
+ Geschichte«, anonym im T. Merkur Mai 1774, S. 195-213; Nachwort S.
+ 214-217. 13,_{1} Nicolai. _{32} Diels verweist mich
+ freundschaftlich auf Demosthenes, Kranzrede 5 παντων μεν γαρ
+ αποστερεισθαι λυπερον εστι και χαλεπον, μαλιστα δε της παρ' hυμων
+ ευνοιας και φιλανθρωπιας, ὁσωπερ και το τυχειν τουτων μεγιστον
+ εστιν. _{33} Herder. 14,_{10} Der Δικαιος λογος, »Wolken« V. 906.
+ 16,_{1} Nicolai. _{4} Sebaldus Nothanker. 17,_{3} »Das Urtheil des
+ Midas«, T. Merkur Januar 1775. _{16} »Wetterhahn«, s. auch Anm.
+ übers Theater S. 14. _{32} »Uebersetzung einer Stelle aus dem
+ Gastmahl des Xenophons« (6,1), mit heftigem Protest gegen den
+ »bübischen Aristophanes«, verlesen in der Strassburger Gesellschaft
+ am 1. Februar 1776, noch ungedruckt. 20,_{23} Wieland betont
+ namentlich in seiner so unbefangenen Götz-Recension die Forderungen
+ der Schaubühne, T. Merkur Juni 1774 S. 324 ff. _{28} »rüstigen
+ Knaben« wohl Anspielung auf T. Merkur August 1775, S. 177. _{29}
+ Alceste. _{33} Die »Geschichte des Philosophen Danischmende«
+ erschien seit dem Januar 1775 im T. Merkur. 22,_{36} Werthers
+ Leiden. 24,_{30} Vgl. den Schluss der »Soldaten«. 25,_{27} Vgl. »An
+ mein Herz«, Gedichte ed. Weinhold S. 109 ff. (110 V. 58
+ »vertaubt«).
+
+ Zum Text. Die vielen, manchmal sehr starken Anakoluthien wie
+ 18,_{1-17}, 22,_{18}-23,_{1} oder Zerfahrenes wie 21,_{26} ff.
+ bleiben natürlich bestehen; auch allerlei Schwankungen der
+ Orthographie, soweit nicht der Zufall eine vereinzelte Abnormität
+ bietet. 6,_{7} =auf dem fett= 7,_{6} =Endtzwecke=; in den Anm.
+ übers Theater steht =Entzweck= 20 =zeigen=, nicht »zeugen von« ist
+ bei Lessing u.s.w., Goethe u.s.w. nicht selten 8,_{36} =öftern=
+ 9,_{14} =sich= ist wohl aus Versehen, da das obige nachklang,
+ ausgefallen _{32} =Punkt mit dem=, Lenz wollte dann »verbinden«
+ oder »vereinigen« schreiben 10,_{26} =Richtscheid= als Masc. wie
+ Entscheid 11,_{10} =dem= _{37} =Ebenheurer= 12,_{2} =Gesicht, das=
+ _{8} =Las=; Lenz mag ja in der Eile so geschrieben haben, wie er
+ sogar 'Parnas' schreibt _{23} =Fischglocke= _{25} =gleichfals=,
+ sonst hier nie _{31} =daß Wir= _{36} =Skiagraphie= zu ändern ist
+ nicht geboten, da Lenzens Griechisch manchmal inkorrekt erscheint
+ 13,_{23 } =sollten=. -- _{25} =heimsucht= 14,_{33} =wovon= fett
+ 15,_{22} =seyn=: seyen, wie bei Kant, Herder u.s.w. _{34} =sobald=
+ 16,_{1} J. Lenz moniert den Druckfehler, an Zimmermann s. o.
+ 17,_{4} =konnte, die Leben= 18,_{21} Komma fehlt _{32} =Verdienste=
+ nicht fett 19,_{10} =Amadisse, daß= _{18} =und die= 22,_{1} =Wohl
+ dem= _{19} =den= =ersten= 24,_{24} =glaubt= zu ändern? 25,_{16}
+ =ihre V., ihre= _{17} =ihre= _{20} =Sie= _{34} =seit ab= gegen
+ 28,_{2} 26,_{3} =thönen= gegen die Norm (auch Anm. übers Theater S.
+ 8) 27,_{22} =erborgtes= läge näher _{29} =gefühligen= korrigiert
+ Lenz selbst statt des Druckfehlers =gefühllosen=, an Zimmermann
+ s.o. 28,_{6} =ihre= _{17} =ihr=
+
+_Beilagen_. 1. »_Pandämonicum Germanicum_.« Die Scene ist aus der in
+einem zu Weinholds Doktorjubiläum 1896 als Privatdruck von Berliner
+Germanisten mit den Varianten des Dumpfischen Manuskriptes und einem
+Kommentar herausgegebenen Maltzahnischen Handschrift; beides nun in der
+Kgl. Bibliothek vereinigt. Tieck und Sauer wiederholen den Nürnberger
+Druck, an dessen lässigen und willkürlichen Abweichungen nicht Dumpf,
+sondern der Verleger Campe die Schuld trägt. Vgl. zur Überlieferung noch
+Falck, Sterns Litterarisches Bulletin der Schweiz V 1896, No. 1 f.
+
+ 29,_{11} πω und 30,_{23} =danzen= schreibt Lenz auch sonst 31,_{1}
+ Sophie v. La Roche.
+
+2. »_Meynungen eines Layen_ den Geistlichen zugeeignet. Stimmen eines
+Layen auf dem letzten theologischen Reichstage im Jahre 1773. Leipzig in
+der Weygandschen Buchhandlung. 1775« 189 S. Vgl. über diese anonyme
+Schrift, deren Einkleidung auf Klopstocks »Gelehrtenrepublik« weist,
+deren Tendenzen in erster Linie von Herder ausgehen, einstweilen meine
+Notiz, Lenziana 1901, S. 5 f. (Sitzungsberichte der kgl. preuss.
+Akademie der Wissenschaften 41, 983 f.). Die ästhetisch-ethische
+Abschweifung berührt den Gedanken- und Tendenzenkreis der
+»Vertheidigung«.
+
+ 33,_{5.6} =er= nicht in »es« zu ändern, da Lenz für =Kind der
+ Natur= in Gedanken »Mensch« substituiert; auch ist 34,_{2}
+ =dauerhaftern= nicht geboten 34,_{14} vgl. Anm. übers Theater S. 28
+ _{18} im dritten Absatz »Von deutscher Baukunst«.
+
+
+
+
+ Vertheidigung
+ des
+ Herrn W.
+ gegen die Wolken
+
+ von dem
+
+ Verfasser der Wolken.
+
+
+ =Nec sum adeo informis.=
+ =_Virg. Eccl. 2. v. 25 & sq._=
+
+ 1776.
+
+
+
+
+Nachricht des Verlegers.
+
+
+Der Verfasser dieser kleinen Schrift hatte mir eine Handschrift
+zugesandt, deren Druck er nachher aus wichtigen Gründen zu
+hintertreiben für gut fand. Da diese Schrift aber doch durch
+verschiedene Hände gegangen war, fürchtete er, sie könte bei einigen
+seiner Leser nicht nur widrige Eindrücke gegen die darin vorkommenden
+Personen, sondern auch wider den Verfasser selbst, der, als er
+sie schrieb, seiner Einbildungskraft und seinen Leidenschaften
+Zügel anzulegen nicht im Stande war, zurückgelassen haben. Diese
+auszulöschen schrieb er folgende Vertheidigung der in den Wolken
+vorgestellten Personen und seiner selbst, weil er einen Schritt, den
+er im Aristophanischen Spleen zu weit gethan, auf keine andre Art gut
+zu machen wuste, um zugleich durch sein Beispiel allen seinen jungen
+Landesleuten, die in ähnliche Umstände kommen könten, einen Wink der
+Warnung zu hinterlassen.
+
+Da sich sogar in der Katholischen Kirche, die eine Unfehlbarkeit des
+Pabstes zum ersten Grundsatz ihres Glaubens annimmt, von dem übel
+unterrichteten zum besser unterrichteten Pabst appelliren läßt, so
+wird hoffentlich einen großen Theil meiner Leser nicht befremden,
+wenn ein Dichter, der gewiß nicht mit kaltem Blut schrieb, bei
+gelassenerm Nachdenken manche Schritte, die sein Flügelroß gemacht,
+hernach selbst, wo nicht mißbilligt, doch entschuldigt und dafür um
+Nachsicht bittet. Er übersah seinen Weg, und das Ziel, wohin er kommen
+wollte, vorher, hernach setzte er =nulla habita ratione= über Stock
+und Stein, dahin zu gelangen; er sieht sich um, und findt, daß er von
+der Landstraße abgeirret, durch manche Sümpfe gesetzt, sich und andere
+mit Koth bespritzt, und nun zittert er, wohl gar durch sein Beyspiel
+andere Strudelköpfe zu seiner Nachah-[4]mung bewogen, und wieder sein
+Wissen und Willen in die äußerste Gefahr gestürzt zu haben, im Sumpf
+unterzusinken und dem Auge der Sterblichen entzogen zu werden.
+
+Es ist nichts leichter als eine Aristophanische Schmähschrift
+geschrieben, es möchte aber in manchen Fällen ein wenig schwer werden,
+sie zu vertheydigen. Zum ersten gehört weder sehr ausgeschliffener
+Witz, noch sehr kühne und schöpferische Phantasie, noch auch großer
+Scharfsinn, sondern nur ein hoher Grad von Unverschämtheit, alles zu
+sagen, was einem in den Mund kommt, und viel Boßheit und Grobheit sich
+durch keine Rücksichten zurückhalten zu lassen, mögten sie auch noch
+so erheblich und der menschlichen Gesellschaft noch so heilig seyn. Es
+ist dieselbe Kunst, die ein dreister Bube besitzt, dem ersten besten
+wohlgekleideten Mann Koth, Steine, Erdschollen und was ihm zu Handen
+kommt, ins Gesicht zu werfen. Die Vertheidigung aber, die Darlegung der
+Ursachen, die uns nothgedrungen haben, eine so unanständige Handlung zu
+begehen, und wie Aristophanes (aber mit großem Unrecht) an einem Ort
+sagt, alle Schaam bey Seite zu setzen, ist eine so leichte Sache nicht,
+und wenn wir Unrecht haben, unmöglich.
+
+[5] Man wundre sich nicht, daß ich die Vertheidigung des Herrn W. mit
+einer Vertheidigung der Wolken anfange. So scheinbar dieser Widerspruch
+ist, so ist er in der That doch keiner, weil ich mich, wie billig, erst
+vor meinem Vaterlande legitimiren muß, ehe Herr W. oder ein anderer in
+meine Vertheidigung einen Werth setzen können. Sonst könnte der erste
+beste von dem niedrigsten Gelichter aufstehen, und die Ehre eines
+sonst um die Nation verdienten Mannes ungescheut antasten, unter dem
+Vorwande, durch seine Vertheidigung alles wieder gut machen zu wollen.
+
+Wenn bloß jugendlicher Kützel und Leichtsinn mich zu einem solchen
+Schritt gebracht hätten, so wäre er in aller Absicht unverzeyhbar,
+wäre es Rache für empfangene Beleidigungen gewesen (die freylich bey
+den alten Griechen für kein Laster gehalten wurde) so wäre er, ich
+gestehe es, mehr klein als strafbar; beydes ist mein Fall nicht. Herr
+W. hat sich gegen mich gerechter als gegen alle andere angehende
+Schriftsteller bewiesen. Wäre es, was schon Hesiod an den Dichtern
+gerügt hat, Handwerksneid -- erlauben meine Leser, daß ich hier Othem
+hole -- -- Herr W. hat in der That seinen andern Zeitverwandten, denen
+doch die [6] öffentliche Stimme der Nation auch Gaben des Himmels
+zuerkannte, die Luft ziemlich dünne gemacht, und in einer zu subtilen
+Atmosphäre können nur Sylphen leben. So viele sind unter seiner alles
+verzehrenden Influenz ohnmächtig hingesunken, ohne einen Laut von sich
+zu geben, wenn nun die Wolken ein Schrey gegen Unterdrückung gewesen
+wären, welcher Tyrann wollte aufstehen und sie Henkershänden übergeben?
+-- Indessen, das waren sie meines Orts nicht. Herr W. wie gesagt, hat
+sich gegen mich billiger erwiesen, als gegen andere, und der nagende
+Vorwurf einer Unerkenntlichkeit, gänzlichen Unhöflichkeit vielmehr, war
+der schlimmste aller Geyer, die ich zu überwinden hatte.
+
+Indessen, was ich niemals für mich gethan hätte, das that ich für
+andere, deren stillschweigend selbstübernommenes Loos (was die
+galante Welt so gern Schicksal nennt) mir durch die Seele gieng.
+Die Einbildungskraft, meine Leser! ist der Fonds, von dem wir alle
+leben sollen, dieser unter dem blendenden Vorwande des Geschmacks
+alles absprechen wollen, heißt allen Dichtern einer Nation das Leben
+absprechen: sehen Sie da die Ursache des Verfalls _alles Geschmacks_
+bey erloschenen Na-[7]tionen, und damit diesem Uebel bey uns an
+der Wurzel vorgegriffen werde[B], sehen Sie da dringenden Anlaß zu
+einem gewaltsamen und entscheidenden Schlage. Sobald einer allein
+das Geheimniß besitzt, durch gewisse Reize, die sich andere oft
+nicht erlauben können, öfter aber nicht erlauben wollen, den großen
+Haufen Lacher auf seine Seite zu ziehen, und sodann nur das Geschmack
+nennt, was in seinen Kram gehört, das heißt, was seine anderweitigen
+eigennützigen Absichten befördert, so ist dieses Monopolium gerade
+der Untergang alles wahren Geschmacks und ein gräßlicher Rabe, der
+dem nahen Winter entgegen kräht. Mag er alsdenn für seine Person ein
+noch so treflicher Mensch seyn, er ist der Republik gefährlich, und
+um so gefährlicher, je hervorstechender und glänzender seine Talente
+sind, und das erste beste Mittel seinem Geist beyzukommen, _ohne
+seinen Glücksumständen oder der persöhnlichen Hochachtung, die man ihm
+schuldig ist_, zu nahe zu treten, muß jedem wahren Patrioten immer gut
+genug seyn.
+
+Man mache hier, ich bitte, nicht so geschwinde die Anwendung auf
+Herrn W. ich bin [8] nicht da, ihn zu beschuldigen, sondern ihn zu
+rechtfertigen. Die Umstände haben sich vielleicht ohne sein Mitwürken
+so gefügt, und die jedem Menschen anklebenden Schwachheiten haben die
+Augenblicke der Versuchung überrascht, ihm das Ansehen eines _ganz
+allein_ auf dem Parnaß glänzen wollenden Diktators zu geben, auch hat
+er, welches das meiste ist, in unzählig vielen Dingen dieses Ansehen
+zu guten und treflichen Endzwecken angewandt. Absichten zu beurtheilen
+ist keine menschliche Sache, genug der _Erfolg redt für ihn_. Desto
+größer, wenn er ihn sich allein zuzuschreiben hat. Er hat, daß ich so
+sagen mag, auf einer Seite unserer vaterländischen alten Steifigkeit,
+_Langsamkeit_ und Pedanterey, auf der andern der glänzenden
+Unwissenheit vieler nach falschen Mustern gebildeten Gesellschaften
+von sogenanntem guten Ton mit wahrer deutscher Mannhaftigkeit und
+Muth die Stange gehalten, und selbst die Ausschweifungen seiner Muse
+von der äussersten angestrengtesten Schwärmerei zu der zügellosesten
+Leichtfertigkeit waren zu diesen Endzwecken nothwendig. Ja ich möchte
+sagen, dieser große Mann war vielleicht der Einzige unter allen
+Gebohrnen, der Durst nach Erkenntniß, Feinheit der Gefühle und in einem
+gewissen Grad Güte des [9] Herzens unter den allerdisparatesten Ständen
+und Beschaffenheiten seiner Landsleute von den Kabinettern bis zur
+niedrigsten Klasse seiner Leser gäng und gebe machen konnte. Um so viel
+mehr war er zu fürchten -- sobald er um ein Haar aus seinem Geleise
+trat.
+
+Ich schrieb einst einem meiner Freunde, ich habe nichts wider W. aber
+alles gegen die W. die nach ihm kommen werden. Einem andern: ich liebe
+W. als Menschen, ich bewundre ihn als komischen Dichter, aber ich hasse
+ihn als Philosophen, und werde ihn unaufhörlich hassen. Ich führe
+diese Ausdrücke hier darum wieder an, um zu beweisen, daß nicht die
+Nothwendigkeit mich zu vertheidigen, sondern anderweitige Beherzigungen
+diese widrigen Empfindungen gegen ihn schon seit langer Zeit in
+mir veranlaßt. Zugleich bitte ich aber auch meine Leser, mit Geduld
+anzuhören, wie ich diese meine Ausdrücke verstanden wissen will.
+
+So lange das Ansehen, das sich dieser Mann gab, zur Erreichung edler
+Endzwecke nothwendig war, so mußte es jedem andern Erdensohne,
+besonders aber dem, der auch nur [10] einen Schimmer von diesen
+Endzwecken abzusehen im Stande war, heilig bleiben. Sobald er aber --
+man erlaube mir diese dreiste Zumuthung -- die Endzwecke erhalten, zu
+deren Erreichung er von höhern Mächten zum Mittel schien ausersehen zu
+seyn, so trete er in die Reyhe der übrigen um ihre Nation verdienten
+Männer zurück, und erwarte, welch einen Kranz ihm das von seinem Werth
+gerührte Vaterland zuwerfen wird. Ein solches Mißtrauen aber in seine
+Landsleute zu setzen, sich alles zuzueignen, was sie ihm freiwillig
+würden gegeben haben und das mit Vernachtheiligung und subtiler
+Verunglimpfung anderer, die, nachdem sie gehandelt hatten, schwiegen --
+das zeigt, mein Gegner verzeyhe mir, von einer Seele, die ihr erstes
+Gepräge ein wenig auslöschen lassen, und vielleicht durch physische,
+vielleicht durch oekonomische Ursachen zu Mißtrauen und Kleinmuth
+herabgewürdiget worden. Wie glücklich, wenn ich sie ihrem Vaterlande
+wieder schenken, oder vielmehr die gehörige Erkennung zwischen ihr und
+ihrem Vaterlande durch alle meine tölpischen Streiche befördern helfen
+könnte.
+
+Man erlaube mir doch hier, allen künftigen Dichtern oder Nachtretern
+und Nachbetern [11] unserer Dichter, wenn es möglich wäre, mit der
+Stimme des Mars, als er verwundet war, oder wollen sie lieber mit der
+Stimme Silens des Eselreiters zuzurufen, daß _Uneigennützigkeit_ der
+große, der ewige Probierstein aller wahren Dichter gewesen ist, ist
+und bleiben wird. Hier ins Kleine zu gehen, wird man mir erlassen:
+ich weiß, daß auch Dichter Leben und Othem haben müssen, und daß wohl
+niemand mit mehrerem Recht auf Belohnungen der Republik Ansprüche zu
+machen habe, als ein Dichter, der ausgedient hat. Wo sind die Zeiten
+hin, da die Anführer wilder Horden in den Schottischen Gebirgen hundert
+Barden mit sich führten, ihnen bey frölichen Schmäusen ihre Lieder
+vorzusingen? Und was kann wohl erbärmlicher seyn, als einen Dichter,
+der doch, wenn er ächt seyn will, _durch so vieles gegangen seyn muß_,
+am Ende seines Lebens einen Karren ziehen, oder ein Mühlrad umdrehen zu
+sehen wie Plautus. Ach, daß die Liebe zur Unsterblichkeit den Sporn für
+die Fürsten nie verlieren möge, nicht sich Schmeichler zu dingen, wie
+Horatz war, sondern um ihr Vaterland verdiente Männer _zu belohnen_,
+die höchste Schmeichelei, die sie sich selber machen können.
+
+[12] Fern also, Herrn W. sein glückliches Schicksal zu beneiden, fern
+irgend einige Ansprüche auf ein ähnliches zu machen, ehe ich einen
+ähnlichen Grad des Verdienstes oder ein Alter erreicht, in welchem
+Erschöpfung der Kräfte und Hülflofigkeit von selbst, wo nicht zur
+Belohnung, doch zu menschenfreundlichem Beystande einladen werden: so
+wünschte ich vielmehr, durch meine unmanierliche Art von den Sachen zu
+reden seine wahren Verdienste in ein desto helleres Licht zu setzen,
+und sie durch den Schatten, den ich drauf geworfen, daß ich so sagen
+mag, desto besser abstechen zu machen, und den Leuten vor die Augen zu
+bringen, zugleich aber auch Herrn W. durch die gerechten Belohnungen
+seines Vaterlandes ein für allemal die Hände zu binden, daß er durch
+allzulebhafte Anmaßungen nicht Eingriffe in die Rechte anderer thue,
+sondern aufkommen und gedeyhen lassen wolle, was dem Vaterlande gut und
+nütze seyn kann, wenn es gleich nicht durch ihn gepflanzt und gesäet
+worden. Bisweilen ist auch die zu gar große Begierde, von dem Seinigen
+und zwar vor aller Welt Augen was dazu zu thun, die sich so gar zu
+gern in Patriotismus und Menschenliebe einkleidet, den jungen Pflanzen
+schädlich und verderblich, die durch allzu öftere [13] und bisweilen
+rauhe Berührung gern welk werden.
+
+»Wer soll aber den Geschmack ausbreiten und der Verwilderung oder
+Verwahrlosung desselben vorbauen, wenn es nicht die thun, die es schon
+selbst in einer Kunst zu einem Grad der Fürtreflichkeit gebracht?«
+
+Ich fühle das ganze Gewicht dieser Frage, meine Leser! aber erlauben
+Sie mir, Ihnen zu sagen, daß Poeten als Kaufleute anzusehen sind,
+von denen jeder seine Waare, wie natürlich, am meisten anpreist.
+Wie ungerecht, wenn da einer aus ihren Mitteln _entscheiden_, die
+letzte Stimme geben soll! Und wenn er ein Engel wäre, wie ungerecht!
+Alle Plane, die er anlegt, alles Lob, das er austheilt, werden, wie
+natürlich, zu seinem Endzwecke führen, welcher ist, sich allen andern
+vorgezogen zu sehen und die andern aufs höchste nur als Trabanten in
+seiner Atmosphäre [sich] umdrehen zu lassen. Wem soll also das Urtheil
+über uns zustehen, wenn es nicht dem zusteht, für den wir da sind,
+dessen Beyfall uns leben und athmen lässet, ich meyne _dem ganzen
+Volk_. Ich nehme hier das Wort im gemilderten Verstande, so daß ich den
+Pöbel, der weder Dichter noch Gelehrte anders als vom Hörensagen kennt,
+davon aus- [14] schließe. Dagegen zähle ich auch _die Väter des Volks_
+zum Volke, die wie alle _Helden und großen Männer des Alterthums_ auch
+in ihren Vergnügungen sich bis zum Volk herunterlassen, da sie wohl
+wissen, daß dieses von jeher das _einzige und höchste Mittel war, sich
+seiner freywilligen Treue und Ergebenheit in allen auch den schwersten
+Erfordernissen zu versichern_.
+
+Dieses Volk muß aber geführt werden, da es sonst in seinem Geschmack
+eben so unbestimmt und schwankend seyn würde, als es in seinen
+Handlungen zu seyn pflegt, es muß sich _in einem Punkt dem verfeinerten
+und bessern Geschmack der Edlern anschließen können_, das einzige Band
+zwischen Großen und Kleinen, Beherrschern und Unterthanen, das einzige
+Geheimniß aller wahren Staatskunst, ohne welches alle bürgerliche
+Verhältnisse und Beziehungen auseinander fallen, ohne welches der
+Bürger immer den Staat als den Unterdrücker und der Staat den Bürger
+als den Rebellen ansehen wird. Sehen Sie da die Nothwendigkeit _der
+wahren Gelehrten_, am meisten aber derjenigen _Philosophen_, die das
+ganze Reich der Wissenschaften durchwan- [15] dert und von diesen
+Wanderungen mit den schärfsten und reichhaltigsten Einsichten und dem
+feinsten Geschmack, aber auch mit dem unverdorbensten zärtesten Gefühl,
+für alle Rechte der Menschheit und auch für den geringsten Eingriff
+in dieselbigen zurückgekommen sind, etwa wie Herodot, Solon, Lykurg,
+und später Demokrit und Pythagoras im Alterthum waren. Diesen und nur
+der vereinten Stimme dieser überlasse man es, ein _Endurtheil_ über
+den Dichter zu fällen, der mit dem Volk stehen und fallen muß. Diese
+allein sollten den heiligen Namen der Rezensenten tragen, der freylich
+in unserm Jahrhundert an so unzähligen Stirnen schon ein Brandmal
+geworden ist. Auf dieser, und je nachdem sie sich durch anhaltenderes
+Streben und Leiden als bewährtere Freunde des Vaterlandes bewiesen
+haben, auf dieser ihre Stimme allein, harre und zähle die Nation, wenn
+sie über den Werth und Unwerth neuerschienener Produkte _entscheiden
+will_. _Aber auch diese müssen belohnet werden._ Wir haben solche
+Zeiten in Deutschland gehabt. Als noch Abbt, Mendelsohn, Hamann und
+ihres gleichen gehört wurden[C], da war noch [16] sicherer Richtscheid
+des Geschmacks derer, die ihr Gefühl an den aufwachsenden Sängern
+ihres Vaterlandes übten. Was soll man aber zu einem Dichter sagen, der
+mehr Buchhändler als Dichter auf diesen Grund fortbaute, das heißt
+Kunstrichter aus ganz Deutschland zusammenmiethete, um endlich auf
+diesen ungeheuren Obelisk sein Bild mit desto mehrerer Sicherheit
+aufstellen zu können, der alle Offizinen und Druckerpressen auf gewisse
+Art in Anspruch nahm, um nichts in seinem _Vaterlande ans Licht kommen
+zu lassen_, das nicht von ihm und seinem Geschmacksrath vorher war
+gestempelt worden. Denn er hatte die Wahl der Rezensenten, die er nach
+seinen einseitigen Absichten so geschickt zu vertheilen wußte, daß die
+Guten die Schlechten unterstützen, und da _sie alle ohne Nahmen waren_,
+so ganz in der Stille, unwahrgenommen und ungerügt, für einen Mann
+stehen, das heißt -- sein Buchhändlerinteresse befördern mußten. Eine
+herrliche Aussicht für unsere Gelehrsamkeit, eine herrliche freye Luft
+für Gelehrte -- den edelsten Theil der Nation -- darin zu athmen. So
+triumphirten von jeher kaufmännische Kunstgriffe und niedrige kleine
+Streiche über den wahren Adel des Herzens gewisser auf diesen _Punkt
+[17] einfältigen Weisen_, die die Vortheile des Lebens verachteten,
+und aus zuweit getriebener Sorglosigkeit dafür sich _auch die Mittel
+abschneiden ließen_, ihren Brüdern nützlich zu seyn.
+
+Ich verdenke es Herrn W. nicht, daß er, um Ansehen dem Ansehen,
+Kunstgriffe den Kunstgriffen entgegenzusetzen, eine kritische Bude von
+ähnlicher Art, wiewohl doch mit mehrerem Geschmack, errichtete. Er war
+bisher von diesen gemietheten Kritikern, die _nur lobten, weil sie sich
+sonst beym Volk nicht hätten erhalten können_, zu sehr gemißhandelt
+worden, als daß er nicht auf ein Mittel bedacht seyn sollte, sich ihrem
+unleidlichen, ganz und gar nur Merkantilischen Joch zu entziehen.
+Welcher Gelehrte, der die Würde seiner Seele fühlt, könnte auch anders
+als mit Verachtung daran denken? Dieser Ostrazismus von Stimmen aus
+dem Vaterlande, die ein einziger, der zugleich Kunstrichter, Dichter,
+Buchhändler und alles in allem seyn will, einsammelt und in seinem
+geheimen Topf durcheinander schüttelt -- dieses schändliche Gewerbe von
+Lob und Tadel, zu dem ihm einige der Edelsten der Nation die Kräfte
+leihen, um alles, was Freyheit, Tu- [18] gend und Ehre athmet, zu
+unterdrücken, oder wenigstens, so viel an ihm ist, nicht zu Kräften
+kommen zu lassen, es sey denn, daß es zu seinen Privatabsichten diene,
+dieser Ebentheurer, mit den Mienen der Weißheit im Gesicht, der
+Eigensucht und Schalkheit im Herzen trägt, und vermittelst der ersteren
+durch diese zwey verborgenen Triebfedern unser ganzes Vaterland in
+Bewegung setzt, und von niemand abhängig, alles von sich abhängig
+machen will -- das unser Tribunal? -- von dem sich nicht appelliren
+ließe? -- das die bewährten Zeugen unseres Werths? -- Warum nennen sie
+sich nicht? -- Laß sie hervortreten, wenn das Vaterland ihnen glauben
+soll -- und wenn es sie sonst kennt, wird es ihre Stimme ehren, so
+aber sind sie durchs Fenster hineingestiegen und Miethlinge, denen der
+Nutzen des Vaterlandes so fremd ist, als dem darauf lauernden Wolfe.
+
+Wenn nun diese mit den allergrößten Anmaßungen von der Welt, und
+immer, wie Herr Klopstock unbezahlbar erinnert hat, anstatt ihre
+_einseitige_ Stimme zu geben, mit einem Egoismus, der alle Grenzen der
+Schaamhaftigkeit übersteigt, und eben deswegen ungerügt bleibt, als
+Repräsentanten der [19] ganzen Nation sprechen, eine Stimme für die
+Stimme aller ausgeben, um die Blöden zu übertölpeln, die Einfältigen
+fortzureißen, die Weiseren aber, die zu stolz sind, sich mit ihnen in
+Verbindungen oder zu ähnlichen Kunstgriffen herab zu lassen, wie die
+Tischglocke den guten Homer um ihr Auditorium zu bringen: wer kann es
+Herrn W. verdenken, daß er gleichfalls um Ansehen dem Ansehen entgegen
+zu setzen, er, der es gewiß mit mehrerem Rechte thun konnte, sich des
+unleidlichen _Wir_ bediente, das er doch an andern Schriftstellern
+als ein unverzeyhbares Verbrechen verdammte[D]. Da es nun aber so
+weit gekommen ist, daß sein Wir nicht mehr gilt, als jedes andern
+ehrlichen Mannes von seinem Werth, so ist es auch billig, das Wir eines
+prätendirten Ausschusses der Nation, der es aber mit eben dem Recht ist
+als jener, der Karln dem Ersten den Kopf absprach, auf sein erstes Ich
+zurückzubringen: Ich der Buchhändler N. der das Kunststück versteht,
+eine Gesellschaft Gelehrte, die einander nicht kennen und sich gänzlich
+unähnlich sind, [20] einen durch den andern hinters Licht zu führen,
+etwa wie jener geschickte Taschenspieler, der in eine Gesellschaft
+unbekannter Leute hereintrat, von denen jeder glaubte, er sey der
+Freund des andern, und ihm alle mögliche Hochachtung bezeugte, die er
+denn so gut zu nutzen wußte, daß er mit dem ganzen Silberzeuge, auf dem
+sie gegessen, davon gieng.
+
+Wenn nun aber gar dieses drolligte geheime Gericht, Männer, die für
+ihr Vaterland gehandelt, die Ehre, Vortheile, Aussichten, alles,
+für dasselbe aus der Schanze geschlagen, die allgemein anerkannte
+Beweise gegeben, daß sie nicht aus einer wilden brausenden Tugend, die
+keinen Sporn als die Ehre kennt, sondern aus dem innigsten, feinsten
+Geschmack für alles Schöne, Reizende und Gefällige in der Natur, aber
+auch aus eben so schnellkräftigem Gefühl für das Große und Erhabene,
+bloß durch die Wärme fürs Vaterland getrieben, alles aufopferten, und
+sonst nach nicht anders suchten, arbeiteten, strebten, litten, als
+daß Alle, Alle _verhältnißmäßig gleichen_ Antheil an dem durch die
+Künste und Wissenschaften hervorgebrachten allgemeinen Glück nehmen
+sollten -- Wenn solche Leute, mit denen güti- [21] gere Mächte von
+oben eine Nation alle Jahrtausende einmal heimsuchen[E], durch dieses
+drolligte, geheime Gericht nicht bloß in Schatten gestellt, nicht bloß
+durch glänzenden Rauch einer gewissen Art Lobes oder einer gewißen
+Art Stillschweigens vernebelt, sondern wo es ohnbeschadet der guten
+Meynung, die man doch dem Volk von sich lassen will, geschehen kann,
+aufs abwürdigendste gemißhandelt und verkleinert werden, wenn das, was
+nach dem Demosthenes so schwer zu erhalten und ihnen eben deswegen so
+theuer ist, die Hochachtung und Liebe ihrer Nation ihnen wie jenem
+durch subtile und grobe Kunstgriffe zu rauben versucht wird, ohne daß
+man sich jemals in ein förmliches Gefecht mit ihnen einläßt, so daß man
+die Hauptsache, die sie mit soviel Hitze und Eyfer vertheidigten und
+_vertheidigen mußten, unausgemacht läßt_, und durch lauter unnütze und
+unbeträchtliche Scharmützel über _Nebensachen_ sie zu ermüden denkt --
+welchem Patrioten, der nur noch Blut fürs Vaterland fühlt, [22] mußt da
+nicht endlich die Geduld ausreißen und er mit dem δικαιος in den Wolken
+ausrufen:
+
+ τουτι και δη
+ χωρει το κακον δοτε μοι λεκανην.
+
+Es ist hier nicht um Privatvortheilchen, nicht um beleidigte
+Autorempfindlichkeit, nicht um Neckereyen zu thun, sondern um die _Ehre
+unserer Nation_ bey den Nachbaren, und bey der Nachkommenschaft. Daher
+alles Zureden, alle Warnungen, alle Drohungen meiner Freunde diesen
+tobenden Eyfer, mag er immer unzeitig, mag er immer ungestüm seyn, mir
+nicht benehmen konnten, können noch können werden, bis die Ursache
+desselben aufgehoben ist. Wie gesagt, ich bin in diesem geheimen
+Gericht außerordentlich glimpflich behandelt worden, aber es verdreußt
+mich von wegen meines Vaterlandes, und ich will mir lieber Geschmack,
+Einsicht, Güte des Herzens, alles absprechen lassen (Beschuldigungen
+die mir weher thun als körperliche Angriffe auf mein Leben) lieber ein
+Ungeheuer scheinen, als zu den Ungerechtigkeiten meines Vaterlandes
+stillschweigen.
+
+[23] Uebrigens bin ich von dem Nutzen gelehrter Anzeigen zu sehr
+überzeugt, als daß ich auf eine unvernünftige Art mich über Gelehrte
+ereyfern sollte, die mit _Kenntniß der Sache_, wovon sie reden,
+gewafnet, ihrem studierenden Vaterlande von neu herausgekommenen
+Büchern auch nicht einen bloßnackten Schattenriß, sondern von dem,
+was in denselben neu und der Aufmerksamkeit würdig ist, auch ein
+männliches Urtheil geben, das Falsche und Schielende anzeigen, das
+Schlechte aber mit Stillschweigen übergehen oder kurz weg sagen, das
+ist unter _unserer_ Kritik. Ich begreife aber nicht, wie unter diesen
+Voraussetzungen von Privatabsichten freye Gelehrte gezwungen seyn
+sollten, ihren Namen zu verstecken, in einem Lande wie Deutschland,
+das durch soviel besondere Staatssysteme und Verbindungen eben denen
+darinn befindlichen Gelehrten die größte Freyheit, ihre Meynung
+herauszusagen, und keinen weitern Zusammenhang läßt, als der der
+Wahrheit so vortheilhaft ist, den sie als gemeinschaftliche Diener
+einer und derselben Wahrheit haben, sie auszubreiten, und zu befördern.
+Wenn in einem Lande, wo wenig oder gar keine politischen Rücksichten zu
+nehmen sind, wo Luther allein dem Aberglauben einer halben [24] Welt
+die Spitze bieten konnte, da er in jedem andern bald seinen Platz im
+Tollhause oder auf den Galeeren gefunden haben würde, wenn da nicht
+Freyheit zu denken und _zu schreiben_ herrschen soll, wo soll sie denn
+herrschen? -- Ich sage, ich begreife nicht, warum würdige Kunstrichter
+das Publikum nicht in den Stand setzen wollten, einzusehen, ob sie
+auch die Männer seyn, die über diese und jene Schrift zu urtheilen
+befugt sind, ob sie nicht ganz und gar außer ihrem Felde gelegen und
+von welchem Gewicht diesesmal ihre Stimme seyn müsse, seyn könne und
+dürfe. Ich begreife nicht, wie ihr eigenes Gefühl von Ehre ihnen
+gestatten kann, hierüber einen Menschen in Zweifel zu lassen. Denn von
+einigen Seiten Rezension auf die ganze Kenntniß eines Kunstrichters
+Schlüsse zu machen (wie wohl heut zu Tage leyder!!! von jungen Leuten
+geschieht) gerechter Himmel, wie betrüglich! wie gefährlich! wie leicht
+sodann der Weg zum gelehrten Manne! da der Rezensentenstyl, wie der
+stylus curiae, so bald auswendig gelernt ist, und man nur mit der
+Miene der Selbstzufriedenheit seinen Autor (aus dem man doch das in
+der Stelle erst lernen muß, was man wieder ihn sagt) über die Schulter
+[25] herab ansehen darf, wie der Herr N.[F]. Man messe mir hier nicht
+zu viele Wiedrigkeit gegen diesen Mann bey, den ich als Buchhändler
+und anfänglichen Liebhaber und Beförderer der deutschen Litteratur,
+auch in seinem N. als unterhaltenden Romanendichter schätze -- sobald
+er aber Kunstrichter und mehr als das, Impresario und _Direcktor_
+aller Kunstrichter, Herr aller Herren werden will, mit allen seinen
+aufgeblasenen Anmaßungen verspotte und verlache. Mag er mich rezensiren
+lassen!
+
+Da aber einer Nation nichts heiliger als ihr Geschmack seyn kann,
+sobald Geschmack die Summe der Gefühle eines ganzen Volkes ist, so
+sollten gelehrte Zeitungen sich auch bescheiden, von Werken des
+Geschmacks nichts weiter als die Anzeige, aufs höchste die Anzeige
+von den Wirkungen, die sie hier und da gemacht, mit nichten aber
+ein Urtheil zu geben, das nicht ihnen, sondern der Nation [26] und
+denen zusteht, _denen sie es aufträgt_, mögte es auch von noch so
+einem ausgedörrten Professor oder Fresser der schönen Wissenschaften
+niedergeschrieben seyn, dessen ganzes Verdienst darinn besteht, uns
+die Unverdaulichkeiten seiner Lecktüre für güldene Bullen der Kunst zu
+geben, und in einer mehr als Zoiluskühnheit sich jungen Leuten, die so
+eben zu leben anfangen, als den Priester auf dem Dreyfuß anzupreisen,
+durch den das Vaterland seine Orakelsprüche thut. Wer anders, als
+sie selber, hat diesen Herren jemals das zugestanden? Leute, die
+Sylben stechen und an Buchstaben feilen, Milzsüchtige, denen ein
+außerordentlich groß geschriebenes H. Gewissensbisse macht, Leute, die
+so wenig die Zeit und die Welt kennen, in der sie leben, als die, in
+der ehemals Dichter und Weise gelebt und gehandelt haben, daß sie wie
+die ausgedünstete Nymphe Echo nur im Stande sind, die letzten Sylben
+davon nachzustammeln, sonst aber mit allen Geheimnissen der Kunst so
+unbekannt, als der König Midas in Herrn Wielands Singspiel nur immer
+seyn konnte, Leben und Tod über die Werke unserer Dichter aussprechen.
+--
+
+[27] Diese wachsgelben Aristarchen, die mit einem Blick das ganze
+Teutschland und wills Gott alle vergangene und zukünftige Nationen
+übersehen, verdienen also nicht allein verlacht und verspottet, sondern
+auch, wenn sie sich wie Paillasse unter schnellkräftigen Seiltänzern
+unbehelfsam herumtummeln, wie Strohsäcke behandelt zu werden.
+Wiedrigenfalls sie uns unsere jungen Leute irre machen, und durch das
+nirgends schädlichere =jurare in verba magistri= eine ganze Posterität
+verhunzen könnten. Das ist die Meinung über den in den Wolken doch nur
+leichtgestreiften Herrn Wetterhahn und die Herrn Wetterhähne, Collegen
+auf allen unsern deutschen Akademien, deren Ahndung und Züchtigung ich
+mich gleichfalls unterwerfe.
+
+Nachdem ich nun die dringenden Veranlassungen der Wolken dargelegt,
+darf ich mit mehrerem Fug und Recht Herrn W. gegen die Anschuldigungen
+zu rechtfertigen unternehmen, die ihm von seinen Zeitverwandten daraus
+gemacht werden könnten, und die mehr in einer unglücklichen Verbindung
+der Umstände, in denen er sich befunden, als in seinem eigenen Willen
+ihren Grund haben.
+
+[28] Man wird mich hoffentlich nicht für so roh oder so verwegen
+halten, den Namen Sokrates in einer Schrift ist dieser Art über die
+Zunge springen zu lassen, ohne zu wissen oder zu ahnden, mit welcher
+Ehrfurcht ein Name, wie der, ausgesprochen werden müsse. Wenn ich
+auch nichts weiter als das Gastmal Xenophons von ihm gelesen hätte,
+so müßte ich schon, sobald ich diesen Namen, um ihn geringschätziger
+oder verächtlicher zu machen, niederzuschreiben gewagt hätte, von einem
+heiligen Schauer durchdrungen und wie ein Bösewicht in dem Augenblicke
+des Verbrechens von einer göttlichen Erscheinung zurückgehalten worden
+seyn. Dieser Mann, der sein ganzes Leben und alle dessen Vortheile
+der Erforschung der Wahrheit aufopferte, die er sich nie getraute
+ganz gefunden zu haben, dieser Mann, dem nichts unwillkommen war,
+das ihn näher dazu führen konnte, so wenig Schmach als körperliche
+Leiden, dieser Mann, dem nicht, weil er sich gerne hörte, sondern
+weil es ihm darum zu thun war, was wahr und gut ist, unter die Leute
+zu bringen, und in seinen Reden die allerwürdigste Lebensklugheit
+und Behandlungsart anderer nachgelassen hat, durch Nachgeben immer
+über die zu siegen, die ihn besiegen wollten, und dessen [29] Worte
+selbst in seinem freundschaftlichen Umgange und in seinen Scherzen
+immer in dem Betracht wahre goldene Worte sind, an denen unsere
+Philosophen, bey denen freylich _der Stoff, den sie zu behandeln
+haben, sich sehr verändert hat_, lebenslang zu studieren hätten --
+Diesen Mann in unseren Zeiten heruntersetzen oder geringschätzig
+machen zu wollen, hielte ich für eine wahre Gotteslästerung. Nur die
+Sokratidien, die schon zu seiner Zeit Aristophanes Galle rege machten,
+die bey veränderten Umständen, Menschen und Menschengesinnungen in
+seinem Geleise blindzu marschiren für marschiren halten, also immer
+auf einer Stelle bleiben, anstatt daß sie von ihm lernen sollten,
+neue Wege zu treten, Sokratidien in Purpur und köstlicher Leinwand,
+die der Wahrheit, dem armen Lazarus vor ihrer Thür, noch keinen
+kahlen Groschen aufgeopfert, anstatt für sie Hunger, Mangel, Blöße,
+ja selbst dem Tode entgegen zu gehen, wie jener -- -- nur diese
+möchte ich durch Erinnerung an jenen großen Namen in Schröcken setzen
+und bescheidener machen. -- Und warum hat Herr W., der so _große
+anderweitige Verdienste_ hat, die Anzahl dieser vermehren wollen? Etwa
+seine Gedichte dadurch besser in Abgang zu bringen? [30] Freilich
+hat er diesen Zweck dadurch erreicht, und als Dichter kann er auch
+hierinn entschuldiget werden, es war das Bedingniß seiner Zeit und der
+Umstände, in denen er lebte, aber =mihi res=, =non me rebus=, sagt
+er selber. Hat er sich etwa dadurch verleiten lassen, daß Sokrates
+in seiner Jugend Grazien geschnitzelt? -- Aber er schrieb keine
+Philosophie der Grazien, sondern wenn er von der himmlischen Venus
+redte, war er nichts weniger als gefälliger komischer Dichter[G].
+Der Dichter weiset anschauend und sinnlich, wie es ist, aufs höchste
+wie es nach gewissen gegebenen Umständen seyn kann, der _Philosoph
+sagt wie es seyn soll_. Nun hoffe ich doch in aller Welt nicht, daß
+Herr W. verlangen wird, alle junge Amadisse, das heißt, edle junge
+Gemüther, die mehr als eine bloß sinnliche Liebe suchen, sollen und
+müssen durch eben die Klassen gehen, die der Held seines neuesten
+komischen Gedichts durchlaufen ist? So lang er sich also neben
+Fieldingen hinstellt, nehmen wir keinen Anstand, seine Schriften,
+[31] anstatt sie zu verbieten, vielmehr jungen Leuten in die Hände zu
+geben, um die Welt, in der sie zu leben haben, um alle die Gefahren,
+an denen ihre Tugend geübt werden soll, vor ihre Augen zu bringen:
+sobald er sich aber neben Sokratessen stellt, und doch der Hauptheld
+seines Stücks eine lächerliche Rolle spielt, so müssen wir dafür ärger
+warnen, als für das korrosivste und beschleunigendste Gift, das jemals
+von einem Menschenfeinde in den Eingeweiden der Erde ist zubereitet
+worden. Mag man mir immer einwenden, er habe an diesem Charakter nur
+die Schwachheiten lächerlich machen wollen, so sind an einem solchen
+Charakter auch die Schwachheiten verehrungswerth, und verdienen eher
+die Thränen des Menschenfreundes, als das Gelächter von Leuten, die
+solche Schwachheiten zu begehen niemals im Stande waren, weil sie sich
+in Ansehung dieses Lasters nie den geringsten Zwang angethan. Ein
+Sokrates kann freylich über dergleichen Schwachheiten lachen, aber
+wenn er sich als Sokrates nennt und ausgiebt, und doch zugleich mit
+den lebendigsten Farben bis auf das genaueste die Geschichte dieser
+Schwachheiten ausmahlt, werden die _Mitlacher_ mit seinem Sinn und in
+seinem Geiste lachen? Wird nicht vielmehr das Gelächter zu-[32]letzt
+auf diesen Charakter zurückfallen, und ihn, da er ohnehin auf unserer
+Welt so selten ist, sobald er nur die geringsten Kennzeichen von sich
+giebt, zum Gegenstande des allgemeinen Hohns und der allgemeinen
+Verachtung machen? Sollte man einen Weg, der ohnehin mit so vielen
+Dornen besetzt ist, durch allgemeine Schmach und Infamie, daß ich so
+sagen mag, nun völlig ungangbar machen?
+
+Mit alledem bin ich weit säuberlicher mit Herrn W. gefahren, als er
+mit mir, ich habe ihn nicht an dem Flecken anzutasten gesucht, wo es
+ihm am wehesten thun mußte, wie er wohl gegen mich, und das mit aller
+möglichen Feinheit, die Genie und Witz ihm nur an die Hand geben
+konnten, obwohl dennoch vergeblich versucht hat. Er sah, daß ich mich
+durchaus in Shakespears Manier und die Komposition, die aufs Große
+geht, und sich auf Zeit und Ort nicht einschränken kann, hineinstudiert
+hatte, was that er? er suchte diese Manier als kunstloß und ungebunden
+verdächtig zu machen, in dem Augenblick, da sie ohnedem durch unsere
+eingealterten Theaterverträge überall Wiederspruch genug finden mußte.
+Wie, wenn ich nun das Blatt umgekehrt, und nicht mit der [33] Miene
+eines rüstigen Knaben, sondern eines alten, erfahrnen, untrüglichen
+Kunstrichters seine Oper durchzugehen angefangen, sie in den letzten
+Akten langweilig, die Entwickelung nicht übereilt, aber zu schwach
+vorbereitet, zu kalt ausgeführt gescholten hätte? -- Shakespears Manier
+ist nicht ungebunden, mein ehrwürdiger Herr Danischmende, sie ist
+gebundener, als die neuere, für einen, der seine Phantasey nicht will
+gaukeln lassen, sondern fassen, darstellen, lebendig machen, wie er
+that. Die dramatische Behandlung eines großen Gegenstandes ist _nicht
+so leicht_, als Sie es wollen glauben machen; und eben der Mangel
+der sonst _bequemen Stützen der Täuschung_, der _Zeit_ und des _Orts_
+macht die Schwürigkeiten _größer_, und sollte alle die, so in der Kunst
+_des würklich üblichen Theaters nicht alle Schritte durchgemacht_,
+von einem Unternehmen von der _Art zurückschröcken_. Durchaus nicht
+Unbekanntschaft mit dem wirklichen Theater und dessen Erfordernissen,
+sondern Ueberdruß allein kann einen Schritt zu der höheren Gattung
+rechtfertigen. Theater bleibt immer Theater, und Vorstellungs und
+Fassungsart dieselben, so wie dieselben Regeln der Perspecktive für ein
+Kaminstück und für ein Altarblatt gelten, [34] nur daß jeder Gegenstand
+auch eine andere Behandlungsart erfodert. Die Hauptsache wird immer die
+_Wahrheit_ und der _Ausdruck_ des Gemähldes bleiben, von der ein Mensch
+allein nie urtheilen kann, besonders wenn ihm Leidenschaften die Augen
+verdunkeln.
+
+Daß ich aber wieder auf meinen Hauptzweck zurück komme, Herrn W. als
+Dichter gegen die Philosophen seiner Zeit, denen zu Gefallen er sich
+mit hat einkleiden lassen, und die die zaubervollen Pinselstriche
+seiner Phantasey als Weißheitssprüche des Pythagoras ansehen, zu
+rechtfertigen, so muß ich diesen Herren hier öffentlich erklären,
+daß ich ihre Weißheit verachte. Man höre mich aus, und alsdenn, wenn
+man noch das Herz hat, mich zu verdammen, so verdamme man mich, ich
+verlange nichts bessers.
+
+Worinn besteht die ganze Weißheit dieser Herren, mit der sie so
+geheim thun? -- In der Zufriedenheit -- ein süßes Wort -- das aber,
+wenn mans herunter hat, im Magen krümmet -- im Aufgeben aller Rechte
+der Menschheit, Zusammenlegen der Hände in den Schooß, Genuß zweyer
+Wurzeln, die etwa in [35] unserer Nachbarschaft liegen, und zu denen
+man reichen kann, ohne aufzustehen -- mehr als kriechenden Geiz über
+diesen Genuß, auch wol hie und da Schleichhändel und dergleichen,
+um etwas von unsern Nachbaren dazu zu betteln, übrigens gewisse
+Versicherung, daß uns diese Weißheit, diese Mäßigung unsrer Begierden
+und Wünsche im Himmel tausendfach werde belohnt werden, was die
+Herren Religion schimpfen. Den armseligen Genuß, der einer solchen
+Faullenzerey übrig bleiben kann, schmückt man sodann mit tausend
+Bildern aus, die doch immer nur das Zaubergewand einer _ekelhaften
+Armida_ bleiben, und alsdenn, wie glücklich, wie weise, wie groß! --
+Wohl denn, ich will gegen diese großen Leute gern ein Zwerg und ein
+boßhafter, ungesitteter, unartiger Gnome bleiben, nur hören Sie, weil
+doch hören keine Mühe kostet, meine Gründe bis zu Ende.
+
+Wer ist es, den Sie lächerlich zu machen suchen? wer ist der Thor, über
+den Sie sich nicht ereyfern, behüte Gott! den Sie der Aufmerksamkeit,
+des Wiederlegens, des Bestrafens nicht würdig, sondern _nur_ -- o
+welche Großmuth! -- _belachenswerth ihn finden?_ -- [36] Der Jüngling,
+der noch dem ersten Stempel der Natur (ha, gewiß dem Bilde Gottes)
+getreu; für den Trieb, der eben darum der heiligste seyn sollte,
+weil er der süßeste ist; auf den allein alle Güte der Seelen, alle
+Zärtlichkeit für _gesellschaftliche Pflichten_ und Beziehungen, alle
+häußliche, alle bürgerliche, alle politische Tugend und Glückseligkeit
+gepfropft werden kann, weil er für diesen Trieb am Ende seiner
+Laufbahn, die er sich heldenmäßig absticht, die höchste Belohnung _von
+dem Wesen_ erwartet, das ihn ihm anerschaffen hat, der sich diese
+höchste Belohnung, so lange er sie noch nicht kennt, mit allen Farben
+seiner glühenden Phantasey ausschmückt, und endlich, wenn er sie
+findt, diese einzige, die dem geliebten Ideenbilde am nächsten kommt,
+die es vielleicht nach dem Urtheil seiner reiferen Erkenntnißkräfte
+unendlich weit übertrift, sich dem ganzen Taumel seiner Entzückungen
+überläßt, wohin sie ihn reißen wollen, (einen solchen Augenblick
+hat Goethe gehascht, um uns das höchste Tragische, das je in die
+Seele eines vom Gott erfüllten Dichters gekommen ist, anzuschauen
+zu geben) -- einen solchen Jüngling lächerlich machen zu wollen? Ihn
+mit einem halbwahnwitzigen Ritter von der trau- [37] rigen Gestalt
+in eine Klasse zu werfen, und zum Haupthelden eines komischen Romans
+zu formen, so lang dies nichts als Scherz bleiben soll, können wirs
+gestatten; so bald aber der Autor, oder die ihn lesen, eine ernsthafte
+Miene annehmen, und uns ihren Muthwillen, ihre Thorheit für Weißheit
+aufdringen wollen -- wer sollte da nicht wüthen?
+
+Erlauben Sie, meine Herren Sokraten, daß ich Ihnen den Vorhang vor
+unserer gegenwärtigen Welt aufziehe, und denn lachen Sie noch, wenn
+Sie das Herz dazu haben. Sehen Sie da alle gesellschaftlichen Bande
+unangezogen und ungespannt aus einander sinken, sehen Sie da junge
+Leute mit den Mienen der Weißheit und allen Waffen der Leichtfertigkeit
+versehen, in allen Künsten der Galanterie unterrichtet, auf die
+schwachen Augenblicke Ihrer Geliebten und Ihrer Töchter Jagd machen,
+sehen Sie da eben diese jungen Leute mit der größten Verachtung für
+das Geschlecht, das allein aus Männern Menschen machen, und durch die
+Liebe ihren regellosen Kräften und Fähigkeiten eine Gestalt geben
+konnte, mit mehr als thierischer Ungebundenheit sich nicht allein für
+ihre künftigen Gattinnen, nein auch für [38] ihre Freunde, auch für
+den Staat, der sie nähren muß, völlig entnerven und untüchtig machen.
+Wo ist Aufmunterung, wo ist Belohnung, wo ist Ziel? Der wilde Ehrgeitz
+macht Unterdrücker, da aber die äußerlichen Anstalten in unsern Zeiten
+zu einer gewissen Vollkommenheit gediehen sind, so findet auch der
+überall Wiederstand, und artet sodann in einen unthätigen und deswegen
+um desto unleidlichern, unerträglicheren Hochmuth aus. Die Religion,
+so lange sie weiter nichts als eine Anweisung auf den Himmel, auf --
+der menschlichen Natur ganz fremde und undenkbare Güter ist, ist viel
+zu ohnmächtig, in dem entscheidenden Augenblick der Versuchung, den
+in uns stürmenden Leidenschaften die Waage zu halten; und brauchen
+wir sie daher gemeiniglich wie den Deckel, den Brunnen zu zu machen,
+wenn das Kind hinein gefallen ist. Wie nun, daß wir den lezten Keim
+aller Moralität, alles Genusses, den Gott in unsere Natur gelegt,
+herausreissen wollen, den Glauben und die Hofnung auf Entzückungen, die
+eben durch die Leiden, Zweifel und Aengstigungen vorbereitet werden
+müssen, um ihren höchsten Reiz zu erhalten.
+
+[39] Sehen Sie weiter die meisten unserer Ehen an. Verträge sind sie,
+einander gegen gewisse anderweitige Vortheile, die, gleich als ob man
+sich mit seinem ärgsten Feinde verbände, mit der größten Behutsamkeit
+von der Welt obrigkeitlich müssen gesichert seyn, _alles_ zu erlauben.
+_Und was zu erlauben?_ Sachen, wozu Ihnen die Natur die Kräfte schon
+versagt hat: eine Erlaubniß, die keine ist, und die Sie nicht nöthig
+hätten, so theuer zu kaufen, mit Verlust Ihrer häußlichen Ruhe, Ihrer
+Freyheit, Ihrer Ehre, wie oft Ihrer Ehre? -- Sich Liebe zu erlauben,
+die keinen Gegenstand mehr findet, weil alle Gegenstände von eben
+dieser Freyheit zu denken eben so verderbt, eben so entnervet sind.
+Wohin also mit diesem glänzenden Betruge, den man sich alle Tage
+erneuert, alle Tage _neue Plane_ macht, die _am Abend vergessen_
+werden, und so am Ende seines Lebens _immer glaubte genossen zu haben_
+und _nie genossen hat_. -- Nehmen Sie nun aber die Unglückseligen, die
+keine solchen Merkantilischen _Verträge_ aufrichten können. Nehmen Sie
+die blühende Schöne, die keine weiteren Reize hat, als die ihr die
+Natur und ihre Tugend gab, und die jetzt auf ewig ungebrochen an ihrem
+Stock absterben [40] muß. Nehmen Sie die unzähligen _Schlachtopfer der
+Nothwendigkeit_ und die _furchtbaren_ Geschichten, die, so wie sie
+wirklich geschehen, und wie ich deren _hundert_ weiß, keine menschliche
+Feder aufzuzeichnen vermag. Nehmen Sie die _heruntergekommenen_
+Familien, und die andern, denen ein gleiches Schicksal drohet, die
+alle _vereinzelt_ sind, unter denen alle Bänder, die vielleicht machen
+könnten, daß sich eine an der andern wieder aufrichtete, zerhauen
+und zerstückt sind, und für die alle menschliche Klugheit keine
+Hülfsmittel mehr auszusinnen im Stande ist. Die nunmehr alle, anstatt
+einen gemeinschaftlichen Quell der Freuden (und welche Freuden sind
+inniger und wärmer, als die von zwey vereinigten Familien?) ausfindig
+zu machen, eine auf der andern _Ruinen triumphiren_. Man schreiet über
+den Luxus, daß er die Ehen hindere, nein, meine Herren, es ist nicht
+der Luxus, der Luxus ist das einzige Mittel, die _Freuden der Ehe auch
+von außen glänzender und herrlicher zu machen_, es ist, was Sie sich
+alle selbst nicht gestehen wollen, die Pestbeule in Ihrer Brust, die
+Verderbniß der Sitten, die Geringschätzung höherer Wonne für einen
+thierischen Augenblick, der Ihnen freylich heut [41] zu Tage leicht
+genug gemacht wird. Ihre Mütter, Ihre Väter, Ihre Weiber, Ihre Kinder
+-- wenn gleich das dumpfe und unentwickelte Gefühl ihres Elendes sie
+stumm macht -- verwünschen in den Augenblicken, wo die gesammten Folgen
+Ihrer Grundsätze auf sie herein brechen -- ohne es zu wissen, ohne es
+zu wollen, Sie. -- Sie, die jetzt des allgemeinen Elendes lachen.
+
+Wenn nun zu den äußern Bewegungsgründen noch die innern hinzu kommen,
+eines Triebes zu schonen, den uns die Natur gab, um damit zu _wuchern_,
+nicht ihn, eh wir mündig werden, zu verschleudern; wenn die gänzliche
+Vertäubung unsers innern Nerven uns mit einer _furchtbaren Armuth
+an Wonnegefühl für unser ganzes Leben bedroht_: worauf könnten wir
+Jünglinge, die an der Schwelle des Lebens stehen, wohl eifersüchtiger
+seyn, als auf die geringste Verletzung der Grundsätze, die uns
+die richtige Anwendung dieses Triebes auf ewig befestigen? Hier
+Schwärmerey zu rufen, wo der _erste_ Entschluß _alles_ ist -- seitab
+vom Rosengebahnten Wege herzhaft auf Dornen zu treten, die uns zum
+Glück eines Halbgotts führen, von [42] dem unsern Gegnern bis auf die
+Vorempfindung fehlt -- ist, und muß uns wahres Kriegesgeschrey sein,
+daß alle unsere moralischen Gefühle empört, mag auch die Stimme, die
+uns das zurief, noch so süß und Syrenenmäßig tönen. Ja, je zaubrischer
+sie ist, desto mehr verdopple sich unsere Wuth, ihr zu entweichen, nach
+dem Maaß, als die Waffen, die man gegen unsern Entschluß anwendet,
+gefährlicher werden, der wahrhaftig keiner von den leichten ist. Ach
+in einer Welt, wo das geringste Wanken und Zweifeln an seiner Hofnung
+schon Fall und Untergang ist, wo tausend Augen uns entgegen buhlen,
+tausend Busen uns entgegen streben, die oft von der Nothwendigkeit, oft
+von der Falschheit, oft, welches die fürchterlichste aller Versuchungen
+ist, vom Irrthum, mitleidenswürdigen Irrthum, der ihnen nicht benommen
+werden kann, gegen uns bewafnet werden, die, da Liebe und Leiden-
+[43] schaft auf ihrer Seite sind, uns keine andere Wahl als die eines
+Bösewichts oder eines Elenden übrig lassen -- ach meine Freunde,
+der Kranz hängt oben, und der Fels ist glatt. Nur eine kann eure
+_Leidenschaft_ haben, wenn die andern euer Mitleiden, eure Liebkosungen
+vielleicht, eure Dienstleistung (denn wem seyd ihr sie mehr schuldig,
+als dem in unsrer kalten Welt so hülflofen Geschlecht?) kurz allen
+äußerlichen Anschein eurer Leidenschaft haben. Laßt euch das nicht
+reuen, seyd edel, opfert auf, ohne Wiederwillen, alles, was man von
+euch fodert, alles -- nur nicht euer Herz. Dies kann niemand fodern,
+niemand -- auch die behendesten Kokettenkünste nicht -- erschleichen,
+und wenn euer Herz euer ist, wird _eure Tugend gewiß sicher seyn_.
+Bleibt Meister eurer Herzen, und ihr bleibt Meister der Welt. Verachten
+könnt ihr sie mit all ihrem Gewirr äußerer Umstände und Zwangmittel,
+die [44] nur Zwangmittel für Sclaven sind, die den Adel des Funkens
+nicht kennen, der in ihnen lodert, und der die Verheißungen der ganzen
+Erde hat.
+
+Wer kann das Namenlose, ängstige Gefühl, für welches wir doch immer
+nur Zerstreuungen vergeblich aufsuchen, dunkel genug ausmahlen, daß
+alle unsere Fiebern tödlich durch schauert, wenn wir, bey Erschöpfung
+unseres inneren Sinnes, das ganze irrdische und sterbliche unserer
+Substanz inne werden, inne werden die furchtbare Lücke, die sich
+zwischen unserer Anhänglichkeit an die Welt und zwischen allem, was wir
+sonst in ihr schätzbar und genießbar fanden, einstellt. Da also alles
+Glück in der Welt auf unsere innere Beschaffenheit und Empfänglichkeit
+desselben ankommt, welche Drachen sind feurig genug, diesen Eingang
+desselben zu bewahren? sollte auch die Gefahr, [45] womit er bedroht
+wird, durch einen optischen Betrug sich uns größer abbilden, als sie in
+der That ist. Selbst dieser optische Betrug ist ein Verwahrungsmittel
+der Natur, das uns wenigstens in Betracht derer heilig seyn sollte,
+die noch nicht reife Einsichten genug erworben haben, die wirkliche
+Gestalt dieser Gefahren mit ihrem Verstande zu beleuchten. Für diese
+aber Karten aufzuzeichnen und zu illuminiren, ist, wie Herr W. selbst
+eingestehen wird, ein höchst mißliches und gefahrvolles Unternehmen, zu
+dem nicht bloß poetisches Talent und Kenntniß der Welt, sondern auch
+eine große Dosis von Güte des Herzens erfodert wird, die sich lieber in
+ein dunkles Licht stellen, als durch ein verborgtes feyerliches Ansehen
+und Hohngelächter allen Muth in jungen zur Tugend aufstrebenden Herzen
+niederschlagen will.
+
+Wie aber, wenn Herr W. selbst ein [46] Märtyrer der Philosophie seiner
+Zeiten geworden wäre, und durch eine der schönsten und unglücklichsten
+Leidenschaften bis auf einen Grad der Verzweiflung gebracht, den man
+an gefühligen Seelen nicht innig genug bedauren und verehren kann, aus
+Verdruß übers menschliche Geschlecht einer Schwärmerey gespottet hätte,
+die seine Jugend so unglücklich machte. Wenn der Beyfall, mit dem seine
+ohnehin dahin gestimmten Zeitgenossen diese mit allen Waffen seines
+Witzes und seiner aufgebrachten Einbildungskraft gerüsteten Spöttereyen
+aufgenommen, ihn auf dem einmal beschrittenen Wege immer weiter
+fortgerissen, bis er aus dem süßen Taumel des allgemeinen Zujauchzens
+erwachte, inne hielt, die leeren Köpfe, die mit ihm gelaufen waren,
+seitab auf bessere Wege zu führen suchte, wo sie wenigstens nicht
+Ursache hätten, zu bereuen, daß sie die Verirrungen eines feurigen
+Genies für Lehren der Weißheit und Tu- [47] gend gehalten -- -- o mein
+liebenswürdiger Freund! reichen Sie mir Ihre Hand, und ich will Ihr
+Herz so sehr verehren, als ich Ihren Geistesgaben meine Bewunderung nie
+habe entziehen können. Und wie könnte Ihr Vaterland sodann undankbar
+gegen einen Dichter seyn, der selbst durch den zufälligen Schaden, den
+er verursacht, unzählige Jünglinge, _besserer Zeiten_ belehrt hat, die
+Abwege einer zu schnellen Einbildungskraft, eines zu empfindlichen
+und reitzbaren Herzens zu vermeiden und sowohl aus Ihrem Exempel als
+aus den Abdrücken nicht aus der Luft gehaschter, sondern bewährter
+Erfahrungen menschlichen Lebens (dem ächten Probierstein wahrer
+Dichter) weise zu werden. Wie könnte Ihr Vaterland, ohne alles Blut in
+seinen Adern empört zu fühlen, eine Niobe in Ihrem Zimmer vermuthen und
+nicht die Ursache dieser Thränen zu erforschen und wegzuräumen suchen?
+Nein, würdiger Kriegesmann, der [48] noch in seinem Alter dem Feinde
+entgegen gehen und irgend eine Kugel auffangen will, einem Jüngeren
+das Leben zu retten, das sollen Sie nimmer, nimmer, sondern Ruhe --
+Dichterruhe auf Lorbeern Ihre Strafe seyn.
+
+
+
+
+=Beilagen=.
+
+=I. Aus der Handschrift des »Pandämonium
+Germanicum«.=
+
+
+ _Gleim_ tritt herein mit Lorbeern ums Haupt, ganz erhitzt,
+ in Waffen. Als er den neckischen tollen Hauffen sieht, wirft er
+ Rüstung und Lorbeer von sich, setzt sich zu der Leyer und spielt.
+ Der ernsthafte Zirkel wird aufmerksam, Utz tritt aus demselben
+ hervor, und löst _Gleimen_ ab. Der ernsthafte Zirkel tritt näher.
+ _Ein junger Mensch_ folgt _Utzen_, mit verdrehten Augen, die
+ Hände über dem Haupt zusammengeschlagen:
+
+Ω πω ποι, was für ein Unterfangen, was für eine zahmlose und
+schaamlose Frechheit ist dies? Habt ihr sowenig Achtung für diese
+würdige Personen, ihre Augen und Ohren mit solchen Unfläthereyen zu
+verwunden? Erröthet und erblaßt, ihr sollt diese Stelle nicht länger
+mehr schänden, die ihr usurpirt habt, heraus mit euch Bänkelsängern,
+Wollustsängern, Bordellsängern, heraus aus dem Tempel des Ruhms!
+
+ Ein Paar Priester folgen dicht hinter ihm drein, trommeln
+ mit den Fäusten auf die Bänke, zerschlagen die Leyer und jagen
+ sie alle zum Tempel hinaus. _Wieland_ bleibt allein stehen, die
+ Herren und Damen beweisen ihm viel Höflichkeiten, für die
+ Achtung die er ihnen bewiesen.
+
+_Wieland_. Womit kann ich den Damen itzt aufwarten, ich weiß in
+der Geschwindigkeit wahrhaftig nicht -- sind Ihnen Sympathieen
+gefällig -- oder Briefe der Verstorbnen an die Lebendigen -- oder ein
+Heldengedicht, eine Tragödie?
+
+ Kramt all seine Taschen aus. Die Herrn und Damen
+ besehen die Bücher und loben sie höchlich. Endlich weht sich die
+ eine mit dem Fächer, die andere gähnend:
+
+Haben Sie nicht noch mehr Sympathieen?
+
+_Wieland_. Einen Augenblick Geduld, wir wollen gleich was anders finden
+-- nur einen Augenblick, gnädige Frau! lassen Sie sich doch die Zeit
+nur nicht lang werden. (Geht herum und findt die zerbrochene Leyer,
+die er zu stimmen anfängt.) Wir wollen sehn, ob wir nicht darauf was
+herausbringen können.
+
+ Spielt. Alle Damen halten sich die Fächer vor den Gesichtern.
+ Hin und wieder ein Gekreisch:
+
+Um Gottes willen, hören Sie auf!
+
+ Er läßt sich nicht stören, sondern spielt immer feuriger.
+
+_Die Franzosen_. =Oh le gaillard! Les autres s'amusoient avec des
+grisettes, cela debauche les honnetes femmes. Il a bien pris son parti
+au moins.=
+
+_Chaulieu und Chapelle_. =Ah ça, descendons notre petit= (lassen
+_Jakobi_ auf einer Wolke von Nesseltuch nieder, wie einen Amor
+gekleidt), =cela changera bien la machine.=
+
+ _Jakobi_ spielt in den Wolken auf einer deinen Sakvioline.
+ Die ganze Gesellschaft fängt an zu danzen. Auf einmal läßt er
+ eine ungeheure Menge Papillons fliegen.
+
+_Die Damen_ (haschen). Liebesgötterchen! Liebesgötterchen!
+
+_Jakobi_ (steigt aus der Wolke in einer schmachtenden
+Stellung). Ach mit welcher Grazie! --
+
+_Wieland_. Von Grazie hab ich auch noch ein
+Wort zu sagen.
+
+ Spielt ein anderes Stück. Die Dames minaudiren entsetzlich.
+ Die Herren setzen sich einer nach dem andern in des
+ _Jakobi_ Wolke und schaukeln damit. Viele setzen die Papillons
+ unters Vergrösserungsglaß und einige legen den Finger unter
+ die Nase, die Unsterblichkeit der Seele daraus zu beweisen. Eine
+ Menge Offiziers machen sich Kokarden von Papillonsflügeln, andere
+ kratzen mit dem Degen an _Wielands_ Leyer, sobald er zu spielen
+ aufhört. Endlich gähnen sie alle.
+
+ Eine _Dame_, die, um nicht gesehen zu werden, hinter
+ _Wielands_ Rücken gezeichnet hatte, unaufmerksam auf alles was
+ vorgieng, giebt ihm das Bild zum Sehen. Er zuckt die Schultern,
+ lächelt bis an die Ohren hinauf, reicht aber doch das Bild
+ großmüthig herum. Jedermann macht ihm Complimente darüber, er
+ bedankt sich schönstens, steckt das Bild wie halb zerstreut in die
+ Tasche und fängt ein ander Stück zu spielen an. Die Dame erröthet.
+ Er spielt. Die Palatine der Damen kommen in Unordnung,
+ weil die Herrchen zu ungezogen werden. Er winkt ihnen
+ lächelnd zu und Jakobi hüpft wie unsinnig von einer zur andern
+ umher. Alle klatschen wohllüstig gähnend:
+
+=Bravo, bravo, bravo! le moyen d'entendre quelque
+chose de plus ravissant!=
+
+_Goethe_ (stürzt herein in den Tempel, glühend, einen
+Knochen in der Hand). Ihr Deutsche? -- Hier ist eine
+Reliquie eurer Vorfahren. Zu Boden mit euch und angebethet,
+was ihr nicht werden könnt.
+
+ _Wieland_ macht ein höhnisches Gesicht und spielt fort.
+ _Jakobi_ bleibt mit offenem Mund und niederhangenden Händen
+ stehen.
+
+_Goethe_ (auf Wieland zu). Ha daß du Hecktor wärst
+und ich dich so um die Mauren von Troja schleppen könnte!
+(Zieht ihn an den Haaren herum.)
+
+_Die Frauenzimmer_. Um Gotteswilln, Herr
+Goethe, was machen Sie?
+
+_Goethe_. Ich will euch spielen, obschon's ein verstimmtes Instrument
+ist. (Setzt sich, stimmt ein wenig und spielt. Alles weint.)
+
+_Wieland_ (auf den Knieen). Das ist göttlich!
+
+_Jakobi_ (hinter ihm, gleichfalls auf Knieen). Das ist
+eine Grazie, eine Wonnegluth!
+
+_Eine ganze Menge Damen_ (Goethen umarmend).
+O Herr Goethe! Die Chapeaux werden ernsthaft, einige lauffen
+heraus, andere setzen sich die Pistolen an die Köpfe, setzen aber
+gleich wieder ab. Der _Küster_, der das sieht, läuft und stolpert
+aus der Kirche.
+
+
+
+
+=II. Aus den »Meynungen eines Layen«.=
+
+=Leipzig= 1775 S. 113-119.
+
+
+Nun noch ein Wort für die galante Welt. Wir haben itzt das Säkulum der
+schönen Wissenschaften. Paradox und seltsam genug würd' es lassen, zu
+sagen, daß sich aus den Schriften der Apostel so wie überhaupt aus der
+Bibel, eben so [114] gut eine Theorie der schönen Künste abstrahiren
+ließe, wie aus dem großen Buche der Natur. Verstehn Sie mich nicht
+unrecht, ich sage dies nicht grade zu, ich will Ihnen nur einen Wink
+geben, daß die wahre Theologie sich mit dem wahren Schönen in den
+Künsten besser vertrage, als man beym ersten Anblick glauben möchte.
+Diesen Satz weiter auszuführen, würde mich hier zu weitläufig machen,
+erlauben Sie mir nur, ein paar hier nicht her zu gehören scheinende
+Anmerkungen anzuhängen, ehe ich schließe. Man fängt seit einiger Zeit
+in einer gewissen Himmelsgegend sehr viel an, von =Sensibilité= (bey
+den Deutschen Empfindsamkeit) zu diskuriren, zu predigen, zu dichten,
+zu agiren, und ich weiß nicht was. Ich wette, daß der hundertste,
+der dies Wort braucht, nicht weiß was er damit will, und doch wird
+das Wort so oft gebraucht, daß es fast der Grundsatz aller unsrer
+schönen Künste, ohne daß die Künstler es selbst gewahr werden,
+geworden ist. Der Grundsatz unserer schönen Künste ist also noch eine
+=qualitas occulta=, denn wenn ich alle Meynungen derer, die das Wort
+brauchten, auf Zettel geschrieben, in einen Topf zusammen schüttelte,
+wette ich, ein jeder würde dennoch dieses Wort auf seine ihm eigene
+Art verstehen [115] und erklären. Und das ist auch kein Wunder, da
+wir als Individua von einander unterschieden sind, und seyn sollen,
+und also jeder sein individuelles Nervengebäude, und also auch sein
+individuelles Gefühl hat. Was wird aber nun aus der Schönheit werden,
+aus der Schönheit, die wie Gott ewig und unveränderlich, sich an keines
+Menschen Gefühl binden, sondern in sich selbst die Gründe und Ursachen
+ihrer Vortreflichkeit und Vollkommenheit haben soll? Homer ist zu
+allen Zeiten schön gefunden worden, und ich wette, das roheste Kind
+der Natur würde vor einem historischen Stücke von Meisterhand gerührt
+und betroffen stehen bleiben, wenn er nur auf irgend eine Art an diese
+Vorstellungen gewöhnt wäre, daß er gewisse bestimmte Begriffe damit
+zu verbinden wüste. Dessen kann sich aber das Miniaturgemählde und
+das Epigramm nicht rühmen, und jener macht eben so wenig Anspruch auf
+den Titel eines Virtuosen in der Mahlerey, als dieser auf den Titel
+eines Genies κατ εξοχην, eines Poeten, wie Aristoteles und Longin
+dieses Wort brauchten, eines Schöpfers. Das muß doch seine Ursachen
+haben. Ja, und die Ursachen liegen nicht weit, wir wollen nur nicht
+drüber wegschreiten, um sie zu suchen. Sie liegen[116] darinn, daß jene
+Produkte hervorzubringen, mehr Geist, mehr innere Konsistenz, und Gott
+gleich stark fortdaurende Wirksamkeit unserer Kraft erfordert wurde,
+welche bey dem, der sie lieset oder betrachtet, eben die Erschütterung,
+den süßen Tumult, die entzückende Anstrengung und Erhebung aller in uns
+verborgenen Kräfte hervorbringt, als der in dem Augenblicke fühlte, da
+er sie hervorbrachte. Es ist also immer unser Geist, der bewegt wird,
+entflammt, entzückt, über seine Sphäre hinaus gehoben wird -- nicht
+der Körper mit samt seiner =Sensibilité=, mag sie auch so fein und
+subtil seyn als sie wolle. Denn das Wort zeigt nur ein verfeinertes
+körperliches Gefühl an, das ich durchaus nicht verkleinere, verachte,
+noch viel weniger verdamme, behüte mich der Himmel! verfeinert euren
+Körper ins unendliche wenn ihr wollt und wenn ihr könnt, distillirt
+ihn, bratet ihn, kocht ihn, wickelt ihn in Baumwolle, macht Alkoholl
+und Alkahest draus, oder was ihr wollt -- der ehrliche Deutsche,
+der noch seiner alten Sitte getreu, Bier dem Champagner, und Tabak
+dem =eau de mille fleurs= vorzieht, der nur einmal in seinem Leben
+heyrathet, und wenn sein Weib ihm Hörner aufsetzen will, sie erst
+=modice castigat=, dann prügelt, [117] dann zum Haus nausschmeißt,
+hat einen eben so guten Körper als ihr, und noch bessern wann ihr
+wollt, wenigstens dauerhafter, weiß er ihn nicht so schön zu tragen
+als ihr, nicht so artig zu beugen, nicht so gut zu salben und zu
+pudern, er braucht ihn wozu er ihn nöthig hat -- und sucht das Schöne
+-- wenn der Himmel anders unser Vaterland jemals damit zu beglücken,
+beschlossen hat -- nicht in dem, was seine verstimmte Sensibilität
+in dem Augenblicke auf die leichteste Art befriedigt, oder vielmehr
+einschläfert, sondern in dem, was seine männliche Seele aus den
+eisernen Banden seines Körpers losschüttelt, ihr den elastischen Fittig
+spannt, und sie hoch über den niedern Haufen weg in Höhen führet, die
+nicht schwärmerisch erträumt, sondern mit Entschlossenheit und Bedacht
+gewählt sind. =Da mihi figere pedem=, ruft er, nicht mit halbverwelkten
+Blumen zufrieden, die man ihm auf seinen Weg wirft, sondern Grund will
+er haben, felsenvesten Grund und steile Höhen drauf zaubern, wie Göthe
+sagt, die Engel und Menschen in Erstaunen setzen. Ist es Geschichte, so
+dringt er bis in ihre Tiefen, und sucht in nie erkannten Winkeln des
+menschlichen Herzens die Triebfedern zu Thaten, die Epochen machten,
+ist [118] es Urania, die seinen Flug führt, ist es die Gottheit, die
+er singt, so fühlt er das Weltganze in allen seinen Verhältnissen wie
+Klopstock, und steigt von der letzten Stuffe der durchgeschauten und
+empfundenen Schöpfung zu ihrem Schöpfer empor, betet an -- und brennt
+-- ist es Thalia, die ihn begeistert, so sucht er die Freude aus den
+verborgensten Kammern hervor, wo der arbeitsame Handwerker nach vieler
+Mühe viel zu genießen vermag, und der Narr, der euch zu lachen machen
+soll, ein gewaltiger Narr seyn muß, oder er ist gar nichts. Ists
+endlich die Satire selbst, die große Laster erst zur Kunst machten,
+wie große Tugenden und Thaten die Epopee, so schwingt er die Geißel
+muthig und ohne zu schonen, ohne Rücksichten, ohne Ausbeugungen,
+ohne Scharrfüße und Komplimente grad zu wie Juvenal, je größer, je
+würdigerer Gegenstand zur Satire, wenn du ein Schurke bist -- kurz --
+
+Wo gerathe ich hin? Ich habe nur mit zwey Worten anzeigen wollen,
+daß weder Nationalhaß, noch Partheylichkeit, noch Eigensinn und
+Sonderbarkeit mich begeisterten, wenn ich jemals Unzufriedenheit über
+die französische Bellitteratur, die so wie alle ihre Gelehrsamkeit
+[119] mit ihrem Nationalcharakter wenigstens bisher noch immer in
+ziemlich gleichem Verhältniß gestanden, bezeugt habe: doch das ist grad
+zu und ohne Einschränkung noch nie geschehen, und geschicht auch jetzt
+nicht.
+
+
+
+
+Fußnoten
+
+
+[A] Zu Weinholds Angaben und den infamierenden Bruchstücken S. 331 ff.
+füge man etwa noch den Satz auf einem Strassburger Folio: »So lange
+Philosophie restinirter Müssiggang und Beschaulichkeit des Lebens
+anderer ist, so bedank ich mich vor denen Sokraten. Und insofern hat
+Aristophanes immer recht wider sie gehabt.«
+
+[B] Wobey man sich freylich die Hand beschmieren muß.
+
+[C] In den Berlinischen Litteraturbriefen.
+
+[D] Siehe die vom seel. Prof. Hartmann in den Merkur eingerückte
+Skiagraphie einer Weltgeschichte.
+
+[E] Ich verstehe hier den Verfasser der deutschen Philosophie der
+Geschichte und der Ursachen des gesunkenen Geschmacks, die in
+Berlin den Preiß erhalten.
+
+[F] Ich habe mich geirrt, es gehört auch noch eine gewisse Belesenheit
+in andern Journalen und irgend ein Buch, das von einer ähnlichen Materie
+handelte, zur Hand dazu, aus denen man denn allenfalls einige =Citata=
+nachschlägt und ausschreibt. Siehe die neuesten Rezensionen.
+
+[G] Meine Freunde werden wissen, mit welchem Enthusiasmus ich sonst von
+diesem Meisterstück der sanfteren komischen Muse W., ich meyne der
+Musarion zu reden gewohnt bin. Welche ruhige Farbemischung, welche
+herrliche lebendige Schattirung der Characktere!
+
+
+ Herrosé & Ziemsen, Wittenberg.
+
+
+
+
+ +--------------------------------------------------------------+
+ | Anmerkungen zur Transkription |
+ | |
+ | Folgende Änderung wurde vorgenommen: |
+ | |
+ | S.12 Z.28-29 "ver-verdammte" in "verdammte" geändert. |
+ | |
+ +--------------------------------------------------------------+
+
+
+
+***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK VERTHEIDIGUNG DES HERRN WIELAND
+GEGEN DIE WOLKEN, VON DEM VERFASSER DER WOLKEN***
+
+
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+
+
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+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions will
+be renamed.
+
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+so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United
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+1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
+agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
+electronic works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
+Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
+of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
+works in the collection are in the public domain in the United
+States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
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+<body>
+<h1 class="pg">The Project Gutenberg eBook, Vertheidigung des Herrn Wieland gegen die
+Wolken, von dem Verfasser der Wolken, by Jakob Michael Reinhold Lenz,
+Edited by Erich Schmidt</h1>
+<p>This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States
+and most other parts of the world at no cost and with almost no
+restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
+under the terms of the Project Gutenberg License included with this
+eBook or online at <a
+href="http://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you are not
+located in the United States, you'll have to check the laws of the
+country where you are located before using this ebook.</p>
+<p>Title: Vertheidigung des Herrn Wieland gegen die Wolken, von dem Verfasser der Wolken</p>
+<p> Deutsche Litteraturdenkmale des 18. und 19. Jahrhunderts, No. 121, Dritte Folge No. 1</p>
+<p>Author: Jakob Michael Reinhold Lenz</p>
+<p>Editor: Erich Schmidt</p>
+<p>Release Date: March 23, 2015 [eBook #48567]</p>
+<p>Language: German</p>
+<p>Character set encoding: ISO-8859-1</p>
+<p>***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK VERTHEIDIGUNG DES HERRN WIELAND GEGEN DIE WOLKEN, VON DEM VERFASSER DER WOLKEN***</p>
+<p> </p>
+<h4>E-text prepared by Peter Becker, Taavi Kalju,<br />
+ and the Online Distributed Proofreading Team<br />
+ (<a href="http://www.pgdp.net">http://www.pgdp.net</a>)<br />
+ from page images generously made available by<br />
+ the Google Books Library Project<br />
+ (<a href="http://books.google.com">http://books.google.com</a>)</h4>
+<p> </p>
+<table border="0" style="background-color: #ccccff;margin: 0 auto;" cellpadding="10">
+ <tr>
+ <td valign="top">
+ Note:
+ </td>
+ <td>
+ Images of the original pages are available through
+ the Google Books Library Project. See
+ <a href="http://www.google.com/books?id=kdQqAAAAMAAJ">
+ http://www.google.com/books?id=kdQqAAAAMAAJ</a>
+ </td>
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+<hr class="full" />
+<p> </p>
+<p> </p>
+<p> </p>
+
+<div class="antiqua">
+
+<table width="100%" summary="Titel Layout"><tr><td align="left">No. 121.</td><td align="right">Dritte Folge No. 1.</td></tr></table>
+
+<p class="center front1"><span class="gesperrt">Deutsche Litteraturdenkmale</span></p>
+
+<p class="center">des 18. und 19. Jahrhunderts</p>
+
+<p class="center"><span class="gesperrt">herausgegeben von <b>August Sauer</b></span></p>
+
+<hr class="tb" />
+
+<h1><b>VERTHEIDIGUNG DES HERRN WIELAND</b><br />
+GEGEN DIE WOLKEN<br />
+<small>VON DEM VERFASSER DER WOLKEN</small></h1>
+
+<p class="center">(1776)</p>
+
+<p class="center">VON</p>
+
+<p class="center"><big><big>J. M. R. LENZ</big></big></p>
+
+<p class="center">HERAUSGEGEBEN</p>
+
+<p class="center">VON</p>
+
+<p class="center"><big><big>ERICH SCHMIDT</big></big><br /></p>
+
+<div class="figcenter" style="width: 120px;">
+<img src="images/logo.png" width="120" height="92" alt="" />
+</div>
+
+<p class="center">BERLIN W. 35</p>
+<p class="center"><big>B. BEHR'S VERLAG</big></p>
+<p class="center">1902</p>
+
+<hr class="chap" />
+
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Seite_iii" id="Seite_iii">[S. iii]</a></span></p>
+
+
+
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+<h2><a name="Inhalt" id="Inhalt"><em class="gesperrt">Inhalt</em>.</a></h2>
+
+
+
+
+<div class="center">
+<table border="0" cellpadding="4" cellspacing="0" summary="Inhalt">
+<tr><td align="left" colspan="2"></td><td align="right"><small>Seite</small></td></tr>
+<tr><td align="left" colspan="2">Vorbemerkung</td><td align="right"><a href="#Seite_v">V</a></td></tr>
+<tr><td align="left" colspan="2">Vertheidigung des Herrn W. gegen die Wolken von dem
+Verfasser der Wolken</td><td align="right" valign="bottom"><a href="#Seite_1">1</a></td></tr>
+<tr><td align="left" colspan="2"><span class="gesperrt">Beilagen</span>.</td></tr>
+<tr><td align="right"> I.</td><td align="left">Aus der Handschrift des Pandmonium Germanicum</td><td align="right" valign="bottom"><a href="#Seite_29">29</a></td></tr>
+<tr><td align="right">II.</td><td align="left">Aus den Meynungen eines Layen</td><td align="right"><a href="#Seite_32">32</a></td></tr>
+</table></div>
+
+
+
+<span class="pagenum"><a name="Seite_v" id="Seite_v">[S. v]</a></span>
+
+
+
+
+<h2><a name="Vorbemerkung" id="Vorbemerkung">Vorbemerkung.</a></h2>
+
+
+<p>Der Kampf der Geniezeit gegen Wieland, im
+gttingischen Kreise von Nonsensesngern gegen
+Wollustsnger (Lichtenberg), zumal durch Voss sittenrichterlich
+geschrt, im rheinischen durch Goethes
+Gtter, Helden und Wieland entfacht, bedarf einer
+umfassenden Darstellung, die wir von Seuffert nach
+seinem trefflichen Aufsatz (Zs. fr deutsches Altertum
+26, 252 ff.) erwarten. Im April 1774 hatte Jacob M.
+R. Lenz in Kehl Goethes bermtige Satire drucken
+lassen, und so war ein von Wieland am 29. Januar 1773
+Gottern zugeraunter Wunsch ganz anders erfllt worden:
+Knnten Sie sich entschliessen eine kleine Parodie,
+etliche Aristophanische Scenen zu machen, worin Sie
+nicht den Bacchus, sondern den Apollo ... zu den
+Schatten herabsteigen liessen, um Opitzens, Canitzens,
+Hagedorn's, Liscows etc. Seelen wiederzuhohlen. Unsre
+Liederdichter knnten das Chor der Frsche dabey
+vorstellen. Ich mchte gar zu gerne dass diesem Geschmeisse
+auf ein oder die andere Art ein Ende gemacht,
+und die guten Kpfe erweckt wrden, was
+anders als Lieder zu machen.</p>
+
+<p>Goethe wurde durch Wielands beraus kluge und
+geistreiche Haltung, die im Juniheft des Teutschen
+Merkur 1774 den schalen Gtz-Recensenten eingehend
+desavouierte, doch auch jene Farce heiter hinnahm, und
+durch die erste persnliche Anknpfung mit Weimar
+dem Kampfplatz entzogen. Wir hren sein lebendiges<span class="pagenum"><a name="Seite_vi" id="Seite_vi">[S. vi]</a></span>
+Wort unmittelbar aus dem kstlichen von Johanna
+Fahlmer niedergeschriebenen Gesprch (Goethe-Jahrbuch
+2, 379), aber trotzdem noch 1775 mehr als eine
+kriegerische Drohung, und es ist Lenz, den Goethe
+damals fr den gefhrlichsten Widersacher des Nachbar
+Gorgias hlt. Bei Lenz wirkten ethische Grillen
+mit dem Zorn ber Recensionen im Teutschen Merkur
+zusammen. Zwar muss er selbst gestehen, es sei ihm
+glimpflich begegnet worden: die Anzeige der Lustspiele
+nach dem Plautus (September 1774, S. 355 f.)
+und des Hofmeisters (ebenda S. 356–8) sind vorwiegend
+sehr gnstig; auch Der neue Menoza
+(November 1774) knnte leicht viel bler fahren, und
+in der scharfen Recension des gttingischen Almanachs
+(Januar 1776, S. 86) finden die kleinsten Schnitzen
+aus Goethes oder Lenzens Brieftasche neben Klopstock
+und Claudius ihr Platzrecht. Der Verfasser des Leidenden
+Weibes, Klinger, wird freilich (August 1775, S. 177)
+ein Nachahmer Lenzens genannt mit dem Zusatz: Der
+Nachahmungssucht schreibe ich auch die unartigen Ausflle
+zu, die der rstige Knabe auf Wieland gethan.
+Die Unterredungen zwischen W** und dem Pfarrer
+zu ***, deren Abwehr des Vorwurfs, Wieland stelle
+gewisse Laster verfhrerisch reizend dar, Lenz selbst
+spter anerkennt, erschienen vom April 1775 an, also
+gerad in der Zeit, wo Lenz den mrderischen Kampf
+betrieb. Ihre berlegnen Worte gegen den redlichen,
+die Tugend mit Enthusiasmus liebenden Jngling Voss
+(S. 82), Aussprche wie dieser: dass ein junger unerfahrner
+Neuling in der Welt unmglich ein Sokrates
+seyn kann (S. 83) samt der Wendung von unreifen
+muthwilligen Jungen, die sich zu Richtern aufwerfen
+waren nicht danach angethan, den Ehrgeiz und die
+Neuschtigkeit eines Herolds der vorrckenden Generation
+alsbald zu dmpfen.</p>
+
+<p>Lenz fhlte sich schwer gekrnkt durch den Hohn,
+den Wieland einer ausdrcklich Lenz, nicht Goethe<span class="pagenum"><a name="Seite_vii" id="Seite_vii">[S. vii]</a></span>
+als Verfasser nennenden leeren Recension der Anmerkungen
+bers Theater (Januar 1775, S. 94 f.; Schmid)
+beigefgt hatte, obwohl diese dramaturgischen Rhapsodien
+gegen Aristoteles und die Franzosen ihn aus
+dem Spiele lassen, ja seine bersetzung des Julius
+Caesar ruhig citieren. Der W. unterzeichnete
+Zusatz des Herausgebers lautet (S. 95 f.):</p>
+
+<blockquote>
+
+<p>Der Verfasser der A. . Th. mag heissen wie er will,
+traun! der Kerl ist 'n Genie, und hat blos fr Genien, wie
+er ist geschrieben, wiewohl Genien nichts solches nthig
+haben. Sollt ihm dies aber nicht erlaubt gewesen seyn?
+Durft er doch schreiben, was gar niemand, was er selbst
+nicht verstunde! Wer konnt's ihm wehren? Frs Publikum
+ist so was freylich nicht. Denn was soll dies damit machen?
+Wie soll es dem Genie seine Rthsel <em class="gesperrt">errathen</em>? oder <em class="gesperrt">ergnzen</em>,
+was der geheimnissreiche Mann nur halb sagt?
+oder ihm in seinen Gemssprngen von Klippe zu Klippe
+nachsetzen? — Sein Ton ist ein so fremder Ton, seine
+Sprache ein so wunderbares Rothwelsch, dass die Leute
+dastehn, und 's Maul aufsperren, und recken die Ohren, und
+wissen nicht ob sie sss oder sauer dazu sehen sollen; — sehen
+also Hflichkeits halben, und <em class="gesperrt">um sicher zu gehen</em>,
+lieber <em class="gesperrt">sss</em>, wie die meisten Zeitungsschreiber und Recensenten.
+— Sein Ton ist nicht der Ton der Welt; es ist auch
+nicht der Ton der <em class="gesperrt">Untersuchung</em>; <em class="gesperrt">Schulton</em> ist's auch
+nicht; <em class="gesperrt">Kenner</em> haben sonst auch noch nie so gesprochen.
+Was ist's denn? Es ist der Ton eines <em class="gesperrt">Sehers</em>, der Gesichte
+sieht, und mit unter der Ton eines <i>Quomebaccherapistuiplenum</i>,
+der seinen Mund weit aufthut, um etwas <em class="gesperrt">herrliches, funkelneues,
+noch von keinem Menschensohn gesagtes</em>,
+zu sagen, und dann gleichwohl (wie Horaz in seinem Rausche)
+gerade nichts sagt, das sich der Mh verlohnte, das Maul
+so weit aufzureissen. Mag seyn, dass ein solcher begeisterter
+Seher oder Genie allerley Dinge sieht, die wir andern Leute,
+die ihrer Sinnen mchtig sind, nicht sehen — auch wohl
+<em class="gesperrt">zwoo Sonnen, zwoo Theben</em> fr eine — aber das Unglck
+ist, dass der Leser selten gewiss werden kann, <em class="gesperrt">was</em>
+der Mann gesehen hat, und ob er auch <em class="gesperrt">recht</em> gesehen hat.
+Ein solch Bchlein, so klein es ist, den Lesern, die keine
+Genien sind, verstndlich zu machen, zu prfen, das Korn
+von der Spreu zu scheiden, und zu zeigen, was darinn gesunde
+Kritik, und was eitel schaales Persiflage ist, was
+wrklich neugedacht, und was nur durch die Affectation
+seltsamer Wendungen, Wortfiguren und Nothzchtigung der<span class="pagenum pagenumq"><a name="Seite_viii" id="Seite_viii">[S. viii]</a></span>
+Sprache den Schein einer unerhrten Entdeckung bekommen
+hat, wiewohl Andre das lange vorher krzer, deutlicher und
+richtiger gesagt haben, — Alles dies zu thun, msste man
+ein Buch in Folio schreiben; und wer soll's schreiben? oder,
+wenn's geschrieben wre, wer soll's lesen?</p>
+
+<p>Uebrigens, wenn unsre Leser sich mit ihren sehenden
+Augen berzeugen wollen, dass es auch schon im Jahre 1773,
+und also wenigstens ein Jahr vorher, eh der Verfasser der
+Anmerkungen der Welt sein Lichtlein leuchten liess, Leute
+gab, welche wussten, worinn <em class="gesperrt">Shakespears</em> grosser Vorzug
+besteht: so ersuchen wir sie nur im 3ten Band des
+T. Merkurs die 184 und 185ste Seite zu lesen [August 1773
+S. 183–188 Wielands enthusiastischer Aufsatz Der Geist
+Shakespears], und dann — das Buch wieder zuzumachen.</p></blockquote>
+
+<p>Lenz wollte diesen dem jungen Geschlecht, seinen
+Gttern und Gtzen vermeintlich unholden Inhaber der
+einflussreichen bellettristischen Recensieranstalt, diesen
+falschen bethrenden Graziendichter, diesen undeutschen
+Makler fremden Giftes, wie er ihn sich karikierte, in
+den Staub strecken und Wieland nicht bloss mit Schrotschssen
+des Epigramms (Der Archiplagiarius; Weinhold,
+Gedichte von J. M. R. Lenz 1891, S. 105) oder
+kleineren Satiren (Menalk und Mopsus ebenda S. 90,
+loge de feu Monsieur **nd S. 99), nicht bloss mit
+einer grobwitzigen persnlichen Episode des Pandmonium
+Germanicum (s. Beilage I), sondern auch mit
+der vollen Ladung einer modernen Aristophanischen
+Komdie treffen. Warum musst' ich, fragt er in einem
+Brief, gerad ber Aristophanes sitzen, als Wieland
+mich beleidigte? Diese Wolken hat uns, nach Andeutungen
+Jegrs v. Sivers (J. M. R. Lenz. Vier
+Beitrge zu seiner Biographie und zur Litteraturgeschichte
+seiner Zeit, Riga 1879), Karl Weinhold
+durch genaue kritische Zusammenstellung der Briefnachrichten
+und den Abdruck sprlicher Reste nher
+gebracht. Ich wiederhole nicht, was in seinem Buche
+Dramatischer Nachlass von J. M. R. Lenz 1884,
+S. 313 ff. zu lesen ist.<a name="FNAnker_A_1" id="FNAnker_A_1"></a><a href="#Fussnote_A_1" class="fnanchor">[A]</a> Die Handschriften vom Sommer<span class="pagenum"><a name="Seite_ix" id="Seite_ix">[S. ix]</a></span>
+1775 und vom nchsten Frhjahr sind unwiederbringlich
+verloren, der bei Helwing in Lemgo bis zum Mrz
+1776 durch Boies Vermittelung hergestellte Druck ist
+auf Lenzens Wunsch vllig zerstrt worden. Den
+ersten Anstoss dazu gab die Rcksicht auf Wielands
+Jugendgeliebte Sophie v. La Roche und die Kunde,
+Wieland habe ihren Sohn erzogen.</p>
+
+<p>Der Vorgang, dass jemand eine gar nicht erschienene
+Satire selbst ffentlich ablehnt, ist wohl unerhrt
+und sogar dem litterarischen Maskenspiel
+Hamanns fremd. Die Vertheidigung muss im Sptjahr
+1775 geschrieben sein; den Plan wird Lenzens
+Wort an Boie (September?) andeuten: Ich habe ein
+Mittel, alles das bei Wieland und seinem Publiko wieder
+gut zu machen, das ich aber in petto behalte.</p>
+
+<p>Briefe an Boie, dem durch Lenz auch eine Polemik
+Schlossers gegen die Abderiten und durch Weygand
+Goethes Wertherische Anekdote gegen Nicolai (Waldmann,
+Lenz in Briefen 1894, S. 50) fr das Deutsche
+Museum angehngt werden sollte, und an Zimmermann
+unterrichten uns ber den usseren Verlauf. In demselben
+Brief (empfangen am 12. Febr. 1776), wo Lenz
+die Unterdrckung der Wolken oder wenigstens den
+Ersatz deutscher Namen durch griechische bedenkt,
+bittet er die Vertheidigung nicht beizugeben, sondern
+als Palinodie, nicht als prmeditirte versteckte Apologie
+fr sich zu drucken. Sie soll auch ohne die
+Wolken ausgehen: Desto origineller ist sie. Man
+kann dazusetzen, der Vf. habe den Druck der W. verhindert
+und weil viele sie im Mskpt gelesen, diess zu
+seiner Vertheidigung geschrieben. Ich will nichts dafr.
+Unmittelbar darauf betreibt er nach ganz hnlichen
+Worten den Druck der Vertheidigung, die Wielands<span class="pagenum"><a name="Seite_x" id="Seite_x">[S. x]</a></span>
+Hauptgesinnungen mehr schaden wird als alle Anschuldigungen.
+Ich kenne mein Publikum — und jetzt
+ist es Zeit. Wenn das Eisen ausgeglht hat, fllt der
+Hammer zu spt. Am 20. Februar empfngt Boie von
+Lenz den S. 2 mit winzigen Abweichungen gedruckten
+Entwurf einer Vorrede des Verlegers Helwing in Lemgo.
+Die Wolken sind unterdrckt, beteuert der Herausgeber
+der Flchtigen Aufstze, Kayser, der im Oktober
+1775 die Publikation insgeheim in Ulm hatte
+besorgen wollen, nun am 3. Mrz aus Zrich; Die
+Vertheidigung der Wolken wird hier unter uns circuliren.
+Schlosser schrieb darunter: Helas tais-toi Jean Jaq [so]
+ils ne t'entendront pas — und das ist herrlich wahr.
+Bald ging ein wunderlicher Bitt- und Mahnbrief Lenzens,
+der sehnschtige Blicke nach Weimar warf, an Wieland
+ab. Diesem sollten ein paar Exemplare der Vertheidigung
+anonym zugehn, damit er sie desto eher
+bekommt und sein Misstrauen gegen uns entwaffnet
+wird (an Boie, 11. Mrz). Boie meldet (8. Mrz), dass
+bei dem Todesurteil ber die Wolken der erste angedruckte
+Bogen der Vertheidigung umgedruckt
+werden musste, wovon auch am 22. Mrz (Waldmann
+S. 45) wiederum die Rede ist; Wieland solle zwei
+Exemplare kriegen. Wir erfahren, dass Helwing noch
+immer die Vertheidigung fr ein Werkchen Goethes
+hielt, der brigens von den Wolken gar nichts wusste
+(Waldmann S. 48). Lenz empfing Anfang Mai die
+Vertheidigung gleichzeitig mit der dem Buchhndler
+zum Schadenersatz fr die Wolken berlassenen
+Komdie Die Freunde machen den Philosophen und
+konnte, begeistert fr Weimar und fr Wieland, die
+verabredete Sendung an diesen eben noch bei Boie
+widerrufen.</p>
+
+<p>Einen langen sehr interessanten Erguss Lenzens
+an F. L. Stolberg (April oder Mai 1776) ber seinen
+herrlichen Verkehr mit Wieland, dem einzigen Menschen,
+den ich vorstzlich und ffentlich beleidigt habe, hat<span class="pagenum"><a name="Seite_xi" id="Seite_xi">[S. xi]</a></span>
+Dumpf 1819 im Vorwort des Pandmonium Germanicum
+mitgeteilt. Ich habe ihn jngst aus diesem Versteck
+hervorgezogen (Lenziana S. 15, Sitzungsberichte der
+kgl. preuss. Akademie der Wissenschaften 41, 993) und
+wiederhole hier nochmals den Bericht, soweit er sich
+nicht auf das Persnliche, sondern Wielands eigenen
+Worten gemss auf die litterarisch-sittlichen Grundstze
+bezieht und damit auch der Vertheidigung vollends den
+Garaus macht:</p>
+
+<blockquote>
+
+<p>In der That, bester Freund, ist ein wesentlicher Unterschied
+unter einem <em class="gesperrt">schlpfrigen</em> und einem <em class="gesperrt">komischen</em>
+Gedicht, wie Wielands Erzhlungen und Ritterromane sind.
+In den ersten werden die Unordnungen der Gesellschaft ohne
+Zurckhaltung mit bacchantischer Frechheit gefeiert und
+ihnen, dass ich so sagen mag, Altre gesetzt, wie Voltaire
+und Piron thaten; in diesen werden die Schwachheiten und
+Thorheiten der Menschen mit dem Licht der Wahrheit beleuchtet
+und (wie knnte ein Philosoph sie wrdiger strafen)
+dem Gelchter weiterer Menschen Preis gegeben. Mich deucht,
+der Unterschied ist sehr kennbar, und nur Leidenschaft
+konnte mich bisher blenden, ihn nicht zu sehen.</p>
+
+<p>Man wirft ihm vor, dass seine komischen Erzhlungen
+zu reitzend, gewisse Scenen darin zu ausgemalt sind. Ein
+besonderer Vorwurf! Eben darin bestand sein grsstes Verdienst,
+und der hchste Reiz seiner Gemlde ist der
+<em class="gesperrt">chteste Probierstein fr die Tugend seiner Leser</em>.
+Tugend ohne Widerstand ist keine, so wenig als einer sich
+rhmen darf, reiten zu knnen, wenn er nie auf etwas anders,
+als auf ein Packpferd gekommen. Eine solche furchtsame,
+trge, ohnmchtige Tugend ist bey der ersten Versuchung
+geliefert. Will also einer an diesem Eckstein sich den Kopf
+zerschellen, anstatt sich an ihm aufzurichten, so thut er's
+auf seine Gefahr. Dasselbe wrde ihm bey der ersten
+schnen Frau begegnet seyn; darf er deswegen den Schpfer
+lstern, der sie gemacht hat? Setzen wir diese nun auch in
+hundert noch reitzendere Verhltnisse, der Reine, dem alles
+rein ist, und der seinen Entschluss und seine Hoffnungen
+unwandelbar im Busen fhlt, wird, wenn wir sie zu Hunderten
+gruppirten, mit der Trunkenheit eines Kunstliebhabers, wie
+unter Griechischen Statuen vorbeygehn, ohne einen Augenblick
+zu vergessen, dass nur eine ihn glcklich machen kann.
+berhaupt schweigt der thierische Trieb, je hher wir auch
+die Reitze der krperlichen Schnheit spannen, und verliert
+sich unvermerkt in die seelige Unruhe und Wonne des<span class="pagenum pagenumq"><a name="Seite_xii" id="Seite_xii">[S. xii]</a></span>
+Herzens, das alsdann von neuen, menschenwrdigern, entzckendern
+Gefhlen schwillt, wohin ihn Wieland, an hundert
+Stellen seiner komischen Gedichte, so geschickt hinaufzubegleiten
+wusste. Welche Wohlthat er dem menschlichen
+Geschlechte dadurch erwiesen, wird ihm erst die Nachwelt
+danken: falls seine Gedichte etwa nicht, unglcklicherweise,
+anders gelesen werden sollten, als er sie gelesen haben will.</p></blockquote>
+
+<p>So war Lenzens ewiger Hass flugs in die
+schrankenloseste Bewunderung umgeschlagen. Wieland
+benahm sich mit vollendeter weiser Bonhommie. Der
+Widerruf geschah auch vor allem Volke, denn das
+Dezemberheft des Deutschen Museums brachte 1776 die
+Epistel eines Einsiedlers an Wieland (Weinhold S. 205).
+Sie war in Berka entstanden. Dort hat der Waldbruder
+wohl auch das zuerst im Morgenblatt 1855 S. 782
+gedruckte rhrende Billet an Wieland geschrieben:</p>
+
+<blockquote>
+
+<p>Es scheint, Lieber, du weisst nicht oder willst nicht
+wissen, wer die Ursache des ganzen literarischen Lrmens
+gegen dich war. Ich liess Gtter, Helden und Wieland
+drucken, und ohne mich htten sie das Tageslicht nimmer
+gesehen.</p>
+
+<p>Ich htte dir's in Weymar gesagt; ich frchtete aber,
+es wrde zuviel auf einmal geben. Einmal aber muss es
+vom Herzen ab, und so leb' wohl! Lenz.</p></blockquote>
+
+<p>Ob er auch ber die Wolken Generalbeichte
+gethan hat? Jedesfalls begreift man seine den zuverlssigen
+Mittelsmann Boie (Waldmann S. 54) beleidigende
+Angst, der Druck mchte doch nicht spurlos
+zerstrt sein. Ende Juni dankt er Zimmermann, auf
+dessen Rat er die Bekanntmachung sowohl der Wolken
+als der Vertheidigung sich sehr ernsthaft verbeten habe;
+Zudem habe ich in der Vertheidigung Druckfehler
+gefunden, die dem ganzen Dinge ein schiefes und hssliches
+Ansehen geben, 'gefhllos' statt 'gefhlig',
+gewiss ich msste selbst gefhllos seyn wenn ich die
+Bekanntmachung einer so nachtheiligen Vertheidigung
+W. ertragen knnte. Statt N. ist J. [gedruckt] und
+andere dergleichen Spsgen die mir den ganzen Zweck
+der Schrift verderben, die berhaupt bey unsrer gegen<span class="pagenum"><a name="Seite_xiii" id="Seite_xiii">[S. xiii]</a></span>wrtigen
+Lage wenig Wirkung thun wird. Spter
+wird noch durch Boie dem wackeren Helwing eine
+Ehrenerklrung gegeben und die Zurckziehung der
+hoffentlich nicht verkauften Exemplare der Vertheidigung
+wie das Autodaf der Wolken in Zimmermanns
+Gegenwart gefordert. Es war zu spt. Der
+Leipziger Almanach der deutschen Musen auf das
+Jahr 1777 S. 9 (nichtssagende Notiz), des herausgeforderten
+Nicolai Allgemeine deutsche Bibliothek
+(Anhang zu Bd. 25–36, S. 774 f.; unterzeichnet A.,
+d. h. nach Parthey: Beckmann), Schubarts Teutsche
+Chronik (18. Juli 1776; 58. Stck, S. 461 f.) bringen
+Recensionen. Diese beiden widersprechenden mgen
+hier folgen. Das Berliner Organ sagt ber Vertheidigung
+und loge:</p>
+
+<blockquote>
+
+<p>Ein Paar elende Scharteken. Hr. <em class="gesperrt">Lenz</em>, von dem eine
+Zeitlang einige Leute ein gewaltiges Lrm [so] machten,
+als ob er, wer weiss was fr ein Genie wre, schreibt auf
+Herrn <em class="gesperrt">Wieland</em> ein Pasquill, die <em class="gesperrt">Wolken</em> betitelt. Er
+nimmt nachher, <em class="gesperrt">aus wichtigen Grnden</em>, wie er sagt,
+den heilsamen Entschluss, den <em class="gesperrt">Druck</em> dieses Pasquills zu
+<em class="gesperrt">hintertreiben</em>. Er weiss aber den Schritt, den er im
+<em class="gesperrt">Aristophanischen Spleen zu weit</em> gethan, nicht anders
+<em class="gesperrt">gut zu machen</em>, als dass er eine Vertheidigung <em class="gesperrt">Wielands</em>
+gegen eben diese <em class="gesperrt">Wolken</em> schreibt, deren sehr unnthige
+Existenz wir sonst gar nicht wusten, und erst hierdurch
+erfahren. Es ist wohl ein Zeichen der gewaltigen Eitelkeit
+des Verf. dass er auch der Welt einen solchen ungedruckten
+Wisch hat ankndigen wollen. Er schwatzt dabey ber
+allerley Sachen ins Gelag hinein, als ob er sie verstnde,
+unter andern auch ber die <em class="gesperrt">allgemeine deutsche Bibliothek</em>,
+wowider es nicht der Mhe werth ist ein Wort
+zu verlieren. Dabey ist es sehr possierlich, mit wie vielem
+Eigendnkel er S. 32 mit Hrn. W. rechtet, und vermeynet,
+Hr. W. htte es an ihm verdienet, dass er noch schlimmer
+mit ihm verfhre. Mit alledem ... gescholten htte [hier
+20,<sub>14–32</sub>. Zu dem Wort Kunstrichter Fussnote: Hr. L.
+muss wohl glauben, er knne beyde Mienen sehr leicht annehmen.]
+Als ob, wenn auch alles dieses wahr wre, seine
+<em class="gesperrt">verfehlte Schakespearische</em> Manier dadurch im geringsten
+besser wrde. Aber solchen Leuten kommt es nur
+<span class="pagenum pagenumq"><a name="Seite_xiv" id="Seite_xiv">[S. xiv]</a></span>darauf an, das <em class="gesperrt">Fleckchen</em> zu finden, wo es am wehesten thut.</p>
+
+<p>Unter dem Titel <i>Eloge</i> stehen drey sehr mittelmssige
+Gedichte ... womit auch W. soll <em class="gesperrt">wehe gethan</em>
+werden. Es ist aber alles so bertrieben und so platt, dass
+auch da, wo d. V. einigermassen wider W. recht haben [mag],
+niemand auf seine Seite treten wird.</p></blockquote>
+
+<p>Dagegen urteilt Schubart, denn er ist es offenbar
+selbst:</p>
+
+<blockquote>
+
+<p>Vor einiger Zeit gieng eine Komdie, die Wolken betitelt,
+im Msct. herum, worinnen Wieland und Nikolai mit
+Aristophanischer Bosheit misshandelt wurden. Da entschuldigt
+sich nun dessfalls der Verfasser in einem Bogen und
+legt sein Glaubensbeknntniss vom Wieland und mit unter
+auch von Nikolai ab, so, dass der erste damit zufrieden seyn,
+der leztere aber schreyen muss ber den harten schmerzhaften
+Angrif eines Mannes, der ihm an Genie so weit berlegen
+ist. So khn, so steif [so] und gutsinnig, so gedankenvoll
+und tiefsinnig, so im Feuerstrome ausgegossen, ist noch
+wenig geschrieben worden, wie hier diese drey Bogen. Am
+Ende rth er Wielanden zur Strafe fr viele seiner sittenverderbenden
+Schriften — <em class="gesperrt">in seinem Alter</em> Dichterruhe
+auf Lorbeern an. Sind 40. Jahre schon das Greisenalter des
+Dichters? — Nicht doch! Homer schrieb seine Odyssee im
+fnfzigsten Jahr. Klopstock einige seiner vortreflichsten
+Stcke vom 40. bis zum 50sten Jahr, und Young seine
+Nchte gar im 80sten Jahr. Dass Wielands Phantasie noch
+bey weitem nicht ausgetrocknet sey, beweisen seine neusten
+poetischen Stcke im Merkur, die grstentheils voll Lebensfeuer
+sind.</p>
+
+<p>Indessen wirds jeder Leser (versteht sichs, wer lesen
+kann) gar leicht sehen, dass diese Bogen einen unsrer ersten
+und vortreflichsten Kpfe zum Verfasser haben. Feuer muss
+da seyn, wo einem die Flamm' ins Gesicht schlgt.</p></blockquote>
+
+<hr class="tb" />
+
+<blockquote>
+
+<p>Sachlicher Erluterungen bedarf es im einzelnen nur
+ganz wenig. 4,<sub>6</sub> Aristophanes, Ritter V. 637 νυν μοι θρασος
+και γλωτταν επορον δοτε φωνην τ' αναιδη. <sub>28</sub> Hesiod, Werke
+u. Tage V. 25 και κεραμευς κεραμει κοτεει και τεκτονι τεκτων
+και πτωχος πτωχω φθονεει και αοιδος αοιδω. 6,<sub>32</sub> Vgl. an
+Sophie v. La Roche o D. (Euphorion 3, 538): Sie sehen,
+warum ich Wieland als Menschen lieben, als komischen
+Dichter bewundern kann, aber als Philosophen hasse und
+<span class="pagenum pagenumq"><a name="Seite_xv" id="Seite_xv">[S. xv]</a></span>ewig hassen muss. 10,<sub>28</sub> ff. Nicolai, 12,<sub>14</sub> In der Gelehrtenrepublik
+(5. Morgen) sagt ein Ausrufer, nach den Gesetzen
+habe jeder freilich nur Eine Stimme — aber, der
+Wirkung nach, haben wir viele Stimmen; sind wir Richter.
+<sub>35</sub> Wielands sauerssses Nachwort zu der Cruditt: ber
+das Ideal einer Geschichte, anonym im T. Merkur Mai 1774,
+S. 195–213; Nachwort S. 214–217. 13,<sub>1</sub> Nicolai. <sub>32</sub> Diels
+verweist mich freundschaftlich auf Demosthenes, Kranzrede 5
+παντων μεν γαρ αποστερεισθαι λυπερον εστι και χαλεπον,
+μαλιστα δε της παρ' hυμων ευνοιας και φιλανθρωπιας, ὁσωπερ
+και το τυχειν τουτων μεγιστον εστιν. <sub>33</sub> Herder. 14,<sub>10</sub> Der
+Δικαιος λογος, Wolken V. 906. 16,<sub>1</sub> Nicolai. <sub>4</sub> Sebaldus
+Nothanker. 17,<sub>3</sub> Das Urtheil des Midas, T. Merkur
+Januar 1775. <sub>16</sub> Wetterhahn, s. auch Anm. bers Theater
+S. 14. <sub>32</sub> Uebersetzung einer Stelle aus dem Gastmahl des
+Xenophons (6,1), mit heftigem Protest gegen den bbischen
+Aristophanes, verlesen in der Strassburger Gesellschaft am
+1. Februar 1776, noch ungedruckt. 20,<sub>23</sub> Wieland betont
+namentlich in seiner so unbefangenen Gtz-Recension die
+Forderungen der Schaubhne, T. Merkur Juni 1774 S. 324 ff.
+<sub>28</sub> rstigen Knaben wohl Anspielung auf T. Merkur August
+1775, S. 177. <sub>29</sub> Alceste. <sub>33</sub> Die Geschichte des Philosophen
+Danischmende erschien seit dem Januar 1775 im T. Merkur.
+22,<sub>36</sub> Werthers Leiden. 24,<sub>30</sub> Vgl. den Schluss der Soldaten.
+25,<sub>27</sub> Vgl. An mein Herz, Gedichte ed. Weinhold S. 109 ff.
+(110 V. 58 vertaubt).</p>
+
+<p>Zum Text. Die vielen, manchmal sehr starken Anakoluthien
+wie 18,<sub>1–17</sub>, 22,<sub>18</sub>–23,<sub>1</sub> oder Zerfahrenes wie
+21,<sub>26</sub> ff. bleiben natrlich bestehen; auch allerlei Schwankungen
+der Orthographie, soweit nicht der Zufall eine vereinzelte
+Abnormitt bietet. 6,<sub>7</sub> <span class="antiqua">auf dem fett</span> 7,<sub>6</sub> <span class="antiqua">Endtzwecke</span>;
+in den Anm. bers Theater steht <span class="antiqua">Entzweck</span> 20 <span class="antiqua">zeigen</span>,
+nicht zeugen von ist bei Lessing u.s.w., Goethe u.s.w. nicht
+selten 8,<sub>36</sub> <span class="antiqua">ftern</span> 9,<sub>14</sub> <span class="antiqua">sich</span> ist wohl aus Versehen, da
+das obige nachklang, ausgefallen <sub>32</sub> <span class="antiqua">Punkt mit dem</span>,
+Lenz wollte dann verbinden oder vereinigen schreiben
+10,<sub>26</sub> <span class="antiqua">Richtscheid</span> als Masc. wie Entscheid 11,<sub>10</sub> <span class="antiqua">dem</span>
+<sub>37</sub> <span class="antiqua">Ebenheurer</span> 12,<sub>2</sub> <span class="antiqua">Gesicht, das</span> <sub>8</sub> <span class="antiqua">Las</span>; Lenz mag ja in
+der Eile so geschrieben haben, wie er sogar 'Parnas' schreibt
+<sub>23</sub> <span class="antiqua">Fischglocke</span> <sub>25</sub> <span class="antiqua">gleichfals</span>, sonst hier nie <sub>31</sub> <span class="antiqua">da Wir</span>
+<sub>36</sub> <span class="antiqua">Skiagraphie</span> zu ndern ist nicht geboten, da Lenzens
+Griechisch manchmal inkorrekt erscheint 13,<sub>23 </sub> <span class="antiqua">sollten</span>. —
+<sub>25</sub> <span class="antiqua">heimsucht</span> 14,<sub>33</sub> <span class="antiqua">wovon</span> fett 15,<sub>22</sub> <span class="antiqua">seyn</span>: seyen, wie
+bei Kant, Herder u.s.w. <sub>34</sub> <span class="antiqua">sobald</span> 16,<sub>1</sub> J. Lenz moniert
+den Druckfehler, an Zimmermann s. o. 17,<sub>4</sub> <span class="antiqua">konnte, die
+Leben</span> 18,<sub>21</sub> Komma fehlt <sub>32</sub> <span class="antiqua">Verdienste</span> nicht fett
+<span class="pagenum pagenumq"><a name="Seite_xvi" id="Seite_xvi">[S. xvi]</a></span>19,<sub>10</sub> <span class="antiqua">Amadisse, da</span> <sub>18</sub> <span class="antiqua">und die</span> 22,<sub>1</sub> <span class="antiqua">Wohl dem</span> <sub>19</sub> <span class="antiqua">den</span>
+<span class="antiqua">ersten</span> 24,<sub>24</sub> <span class="antiqua">glaubt</span> zu ndern? 25,<sub>16</sub> <span class="antiqua">ihre V., ihre</span>
+<sub>17</sub> <span class="antiqua">ihre</span> <sub>20</sub> <span class="antiqua">Sie</span> <sub>34</sub> <span class="antiqua">seit ab</span> gegen 28,<sub>2</sub> 26,<sub>3</sub> <span class="antiqua">thnen</span> gegen
+die Norm (auch Anm. bers Theater S. 8) 27,<sub>22</sub> <span class="antiqua">erborgtes</span>
+lge nher <sub>29</sub> <span class="antiqua">gefhligen</span> korrigiert Lenz selbst statt des
+Druckfehlers <span class="antiqua">gefhllosen</span>, an Zimmermann s.o. 28,<sub>6</sub> <span class="antiqua">ihre</span> <sub>17</sub> <span class="antiqua">ihr</span></p></blockquote>
+
+<p><em class="gesperrt">Beilagen</em>. 1. <em class="gesperrt">Pandmonicum Germanicum</em>.
+Die Scene ist aus der in einem zu Weinholds Doktorjubilum
+1896 als Privatdruck von Berliner Germanisten
+mit den Varianten des Dumpfischen Manuskriptes und
+einem Kommentar herausgegebenen Maltzahnischen Handschrift;
+beides nun in der Kgl. Bibliothek vereinigt.
+Tieck und Sauer wiederholen den Nrnberger Druck,
+an dessen lssigen und willkrlichen Abweichungen
+nicht Dumpf, sondern der Verleger Campe die Schuld
+trgt. Vgl. zur berlieferung noch Falck, Sterns
+Litterarisches Bulletin der Schweiz V 1896, No. 1 f.</p>
+
+<blockquote>
+
+<p>29,<sub>11</sub> πω und 30,<sub>23</sub> <span class="antiqua">danzen</span> schreibt Lenz auch sonst
+31,<sub>1</sub> Sophie v. La Roche.</p></blockquote>
+
+<p>2. <em class="gesperrt">Meynungen eines Layen</em> den Geistlichen
+zugeeignet. Stimmen eines Layen auf dem letzten
+theologischen Reichstage im Jahre 1773. Leipzig in
+der Weygandschen Buchhandlung. 1775 189 S. Vgl.
+ber diese anonyme Schrift, deren Einkleidung auf
+Klopstocks Gelehrtenrepublik weist, deren Tendenzen
+in erster Linie von Herder ausgehen, einstweilen meine
+Notiz, Lenziana 1901, S. 5 f. (Sitzungsberichte der kgl.
+preuss. Akademie der Wissenschaften 41, 983 f.). Die
+sthetisch-ethische Abschweifung berhrt den Gedanken-
+und Tendenzenkreis der Vertheidigung.</p>
+
+<blockquote>
+
+<p>33,<sub>5.6</sub> <span class="antiqua">er</span> nicht in es zu ndern, da Lenz fr <span class="antiqua">Kind
+der Natur</span> in Gedanken Mensch substituiert; auch ist 34,<sub>2</sub>
+<span class="antiqua">dauerhaftern</span> nicht geboten 34,<sub>14</sub> vgl. Anm. bers Theater
+S. 28 <sub>18</sub> im dritten Absatz Von deutscher Baukunst.</p></blockquote>
+
+</div><!-- antiqua -->
+
+
+
+
+<h2 class="p6"><a name="Seite_1" id="Seite_1"></a>Vertheidigung<br />
+<small><small>des</small></small><br />
+Herrn W.<br />
+gegen die Wolken<br />
+
+<small><small>von dem</small><br />
+
+Verfasser der Wolken</small>.</h2>
+
+
+<p class="center"><span class="antiqua">Nec sum adeo informis.</span></p>
+<p class="center"><span class="antiqua"><i>Virg. Eccl. 2. v. 25 & sq.</i></span></p>
+
+<p class="center"><br /><br />1776.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Seite_2" id="Seite_2">[S. 2]</a></span></p>
+
+
+
+<h2>Nachricht des Verlegers.</h2>
+
+
+<p>Der Verfasser dieser kleinen Schrift hatte mir eine Handschrift
+zugesandt, deren Druck er nachher aus wichtigen Grnden
+zu hintertreiben fr gut fand. Da diese Schrift aber doch durch
+verschiedene Hnde gegangen war, frchtete er, sie knte bei einigen <span class="linenum">5</span>
+seiner Leser nicht nur widrige Eindrcke gegen die darin vorkommenden
+Personen, sondern auch wider den Verfasser selbst,
+der, als er sie schrieb, seiner Einbildungskraft und seinen
+Leidenschaften Zgel anzulegen nicht im Stande war, zurckgelassen
+haben. Diese auszulschen schrieb er folgende Vertheidigung der <span class="linenum">10</span>
+in den Wolken vorgestellten Personen und seiner selbst, weil er
+einen Schritt, den er im Aristophanischen Spleen zu weit gethan,
+auf keine andre Art gut zu machen wuste, um zugleich durch
+sein Beispiel allen seinen jungen Landesleuten, die in hnliche
+Umstnde kommen knten, einen Wink der Warnung zu hinterlassen.<span class="pagenum"><a name="Seite_3" id="Seite_3">[S. 3]</a></span> <span class="linenum">15</span>
+</p>
+
+<p>Da sich sogar in der Katholischen Kirche, die eine
+Unfehlbarkeit des Pabstes zum ersten Grundsatz ihres
+Glaubens annimmt, von dem bel unterrichteten zum
+besser unterrichteten Pabst appelliren lt, so wird hoffentlich
+einen groen Theil meiner Leser nicht befremden, <span class="linenum">5</span>
+wenn ein Dichter, der gewi nicht mit kaltem Blut schrieb,
+bei gelassenerm Nachdenken manche Schritte, die sein
+Flgelro gemacht, hernach selbst, wo nicht mibilligt, doch
+entschuldigt und dafr um Nachsicht bittet. Er bersah
+seinen Weg, und das Ziel, wohin er kommen wollte, <span class="linenum">10</span>
+vorher, hernach setzte er <span class="antiqua">nulla habita ratione</span> ber Stock
+und Stein, dahin zu gelangen; er sieht sich um, und
+findt, da er von der Landstrae abgeirret, durch manche
+Smpfe gesetzt, sich und andere mit Koth bespritzt, und
+nun zittert er, wohl gar durch sein Beyspiel andere <span class="linenum">15</span>
+Strudelkpfe zu seiner Nachah-[4]mung bewogen, und
+wieder sein Wissen und Willen in die uerste Gefahr
+gestrzt zu haben, im Sumpf unterzusinken und dem
+Auge der Sterblichen entzogen zu werden.</p>
+
+<p>Es ist nichts leichter als eine Aristophanische Schmhschrift <span class="linenum">20</span>
+geschrieben, es mchte aber in manchen Fllen ein
+wenig schwer werden, sie zu vertheydigen. Zum ersten
+gehrt weder sehr ausgeschliffener Witz, noch sehr khne
+und schpferische Phantasie, noch auch groer Scharfsinn,
+sondern nur ein hoher Grad von Unverschmtheit, alles <span class="linenum">25</span>
+zu sagen, was einem in den Mund kommt, und viel
+Boheit und Grobheit sich durch keine Rcksichten zurckhalten
+zu lassen, mgten sie auch noch so erheblich und
+der menschlichen Gesellschaft noch so heilig seyn. Es ist<span class="pagenum"><a name="Seite_4" id="Seite_4">[S. 4]</a></span>
+dieselbe Kunst, die ein dreister Bube besitzt, dem ersten
+besten wohlgekleideten Mann Koth, Steine, Erdschollen
+und was ihm zu Handen kommt, ins Gesicht zu werfen.
+Die Vertheidigung aber, die Darlegung der Ursachen, die
+uns nothgedrungen haben, eine so unanstndige Handlung <span class="linenum">5</span>
+zu begehen, und wie Aristophanes (aber mit groem
+Unrecht) an einem Ort sagt, alle Schaam bey Seite zu
+setzen, ist eine so leichte Sache nicht, und wenn wir Unrecht
+haben, unmglich.</p>
+
+<p>[5] Man wundre sich nicht, da ich die Vertheidigung <span class="linenum">10</span>
+des Herrn W. mit einer Vertheidigung der
+Wolken anfange. So scheinbar dieser Widerspruch ist, so
+ist er in der That doch keiner, weil ich mich, wie billig,
+erst vor meinem Vaterlande legitimiren mu, ehe Herr
+W. oder ein anderer in meine Vertheidigung einen Werth <span class="linenum">15</span>
+setzen knnen. Sonst knnte der erste beste von dem
+niedrigsten Gelichter aufstehen, und die Ehre eines sonst
+um die Nation verdienten Mannes ungescheut antasten,
+unter dem Vorwande, durch seine Vertheidigung alles
+wieder gut machen zu wollen. <span class="linenum">20</span>
+</p>
+
+<p>Wenn blo jugendlicher Ktzel und Leichtsinn mich
+zu einem solchen Schritt gebracht htten, so wre er in
+aller Absicht unverzeyhbar, wre es Rache fr empfangene
+Beleidigungen gewesen (die freylich bey den alten Griechen
+fr kein Laster gehalten wurde) so wre er, ich gestehe es, <span class="linenum">25</span>
+mehr klein als strafbar; beydes ist mein Fall nicht.
+Herr W. hat sich gegen mich gerechter als gegen alle andere
+angehende Schriftsteller bewiesen. Wre es, was schon Hesiod
+an den Dichtern gergt hat, Handwerksneid — erlauben
+meine Leser, da ich hier Othem hole — — Herr W. <span class="linenum">30</span>
+hat in der That seinen andern Zeitverwandten, denen doch
+die [6] ffentliche Stimme der Nation auch Gaben des
+Himmels zuerkannte, die Luft ziemlich dnne gemacht, und
+in einer zu subtilen Atmosphre knnen nur Sylphen
+leben. So viele sind unter seiner alles verzehrenden <span class="linenum">35</span>
+Influenz ohnmchtig hingesunken, ohne einen Laut von
+sich zu geben, wenn nun die Wolken ein Schrey gegen<span class="pagenum"><a name="Seite_5" id="Seite_5">[S. 5]</a></span>
+Unterdrckung gewesen wren, welcher Tyrann wollte aufstehen
+und sie Henkershnden bergeben? — Indessen,
+das waren sie meines Orts nicht. Herr W. wie gesagt,
+hat sich gegen mich billiger erwiesen, als gegen andere,
+und der nagende Vorwurf einer Unerkenntlichkeit, gnzlichen <span class="linenum">5</span>
+Unhflichkeit vielmehr, war der schlimmste aller
+Geyer, die ich zu berwinden hatte.</p>
+
+<p>Indessen, was ich niemals fr mich gethan htte,
+das that ich fr andere, deren stillschweigend selbstbernommenes
+Loos (was die galante Welt so gern Schicksal <span class="linenum">10</span>
+nennt) mir durch die Seele gieng. Die Einbildungskraft,
+meine Leser! ist der Fonds, von dem wir alle leben sollen,
+dieser unter dem blendenden Vorwande des Geschmacks
+alles absprechen wollen, heit allen Dichtern einer Nation
+das Leben absprechen: sehen Sie da die Ursache des Verfalls <span class="linenum">15</span>
+<em class="gesperrt">alles Geschmacks</em> bey erloschenen Na-[7]tionen,
+und damit diesem Uebel bey uns an der Wurzel vorgegriffen
+werde<a name="FNAnker_A_2" id="FNAnker_A_2"></a><a href="#Fussnote_A_2" class="fnanchor">[B]</a>, sehen Sie da dringenden Anla zu einem
+gewaltsamen und entscheidenden Schlage. Sobald einer
+allein das Geheimni besitzt, durch gewisse Reize, die sich <span class="linenum">20</span>
+andere oft nicht erlauben knnen, fter aber nicht erlauben
+wollen, den groen Haufen Lacher auf seine Seite zu
+ziehen, und sodann nur das Geschmack nennt, was in
+seinen Kram gehrt, das heit, was seine anderweitigen
+eigenntzigen Absichten befrdert, so ist dieses Monopolium <span class="linenum">25</span>
+gerade der Untergang alles wahren Geschmacks und ein
+grlicher Rabe, der dem nahen Winter entgegen krht.
+Mag er alsdenn fr seine Person ein noch so treflicher
+Mensch seyn, er ist der Republik gefhrlich, und um so
+gefhrlicher, je hervorstechender und glnzender seine Talente <span class="linenum">30</span>
+sind, und das erste beste Mittel seinem Geist beyzukommen,
+<em class="gesperrt">ohne seinen Glcksumstnden oder der pershnlichen
+Hochachtung, die man ihm schuldig
+ist</em>, zu nahe zu treten, mu jedem wahren Patrioten
+immer gut genug seyn. <span class="linenum">35</span>
+</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Seite_6" id="Seite_6">[S. 6]</a></span>
+
+
+Man mache hier, ich bitte, nicht so geschwinde die
+Anwendung auf Herrn W. ich bin [8] nicht da, ihn zu
+beschuldigen, sondern ihn zu rechtfertigen. Die Umstnde
+haben sich vielleicht ohne sein Mitwrken so gefgt, und
+die jedem Menschen anklebenden Schwachheiten haben die <span class="linenum">5</span>
+Augenblicke der Versuchung berrascht, ihm das Ansehen
+eines <em class="gesperrt">ganz allein</em> auf dem Parna glnzen wollenden
+Diktators zu geben, auch hat er, welches das meiste ist,
+in unzhlig vielen Dingen dieses Ansehen zu guten und
+treflichen Endzwecken angewandt. Absichten zu beurtheilen <span class="linenum">10</span>
+ist keine menschliche Sache, genug der <em class="gesperrt">Erfolg redt
+fr ihn</em>. Desto grer, wenn er ihn sich allein zuzuschreiben
+hat. Er hat, da ich so sagen mag, auf einer
+Seite unserer vaterlndischen alten Steifigkeit, <em class="gesperrt">Langsamkeit</em>
+und Pedanterey, auf der andern der glnzenden <span class="linenum">15</span>
+Unwissenheit vieler nach falschen Mustern gebildeten Gesellschaften
+von sogenanntem guten Ton mit wahrer deutscher
+Mannhaftigkeit und Muth die Stange gehalten, und selbst
+die Ausschweifungen seiner Muse von der ussersten angestrengtesten
+Schwrmerei zu der zgellosesten Leichtfertigkeit <span class="linenum">20</span>
+waren zu diesen Endzwecken nothwendig. Ja
+ich mchte sagen, dieser groe Mann war vielleicht der
+Einzige unter allen Gebohrnen, der Durst nach Erkenntni,
+Feinheit der Gefhle und in einem gewissen Grad Gte
+des [9] Herzens unter den allerdisparatesten Stnden und <span class="linenum">25</span>
+Beschaffenheiten seiner Landsleute von den Kabinettern
+bis zur niedrigsten Klasse seiner Leser gng und gebe
+machen konnte. Um so viel mehr war er zu frchten —
+sobald er um ein Haar aus seinem Geleise trat.</p>
+
+<p>Ich schrieb einst einem meiner Freunde, ich habe <span class="linenum">30</span>
+nichts wider W. aber alles gegen die W. die nach ihm
+kommen werden. Einem andern: ich liebe W. als Menschen,
+ich bewundre ihn als komischen Dichter, aber ich hasse ihn
+als Philosophen, und werde ihn unaufhrlich hassen. Ich
+fhre diese Ausdrcke hier darum wieder an, um zu beweisen, <span class="linenum">35</span>
+da nicht die Nothwendigkeit mich zu vertheidigen,
+sondern anderweitige Beherzigungen diese widrigen Em<span class="pagenum"><a name="Seite_7" id="Seite_7">[S. 7]</a></span>pfindungen
+gegen ihn schon seit langer Zeit in mir veranlat.
+Zugleich bitte ich aber auch meine Leser, mit
+Geduld anzuhren, wie ich diese meine Ausdrcke verstanden
+wissen will.</p>
+
+<p>So lange das Ansehen, das sich dieser Mann gab, <span class="linenum">5</span>
+zur Erreichung edler Endzwecke nothwendig war, so
+mute es jedem andern Erdensohne, besonders aber dem,
+der auch nur [10] einen Schimmer von diesen Endzwecken
+abzusehen im Stande war, heilig bleiben. Sobald er
+aber — man erlaube mir diese dreiste Zumuthung — <span class="linenum">10</span>
+die Endzwecke erhalten, zu deren Erreichung er von hhern
+Mchten zum Mittel schien ausersehen zu seyn, so trete
+er in die Reyhe der brigen um ihre Nation verdienten
+Mnner zurck, und erwarte, welch einen Kranz ihm das
+von seinem Werth gerhrte Vaterland zuwerfen wird. <span class="linenum">15</span>
+Ein solches Mitrauen aber in seine Landsleute zu setzen,
+sich alles zuzueignen, was sie ihm freiwillig wrden gegeben
+haben und das mit Vernachtheiligung und subtiler
+Verunglimpfung anderer, die, nachdem sie gehandelt hatten,
+schwiegen — das zeigt, mein Gegner verzeyhe mir, von <span class="linenum">20</span>
+einer Seele, die ihr erstes Geprge ein wenig auslschen
+lassen, und vielleicht durch physische, vielleicht durch
+oekonomische Ursachen zu Mitrauen und Kleinmuth herabgewrdiget
+worden. Wie glcklich, wenn ich sie ihrem
+Vaterlande wieder schenken, oder vielmehr die gehrige <span class="linenum">25</span>
+Erkennung zwischen ihr und ihrem Vaterlande durch alle
+meine tlpischen Streiche befrdern helfen knnte.</p>
+
+<p>Man erlaube mir doch hier, allen knftigen Dichtern
+oder Nachtretern und Nachbetern [11] unserer Dichter,
+wenn es mglich wre, mit der Stimme des Mars, als <span class="linenum">30</span>
+er verwundet war, oder wollen sie lieber mit der Stimme
+Silens des Eselreiters zuzurufen, da <em class="gesperrt">Uneigenntzigkeit</em>
+der groe, der ewige Probierstein aller wahren
+Dichter gewesen ist, ist und bleiben wird. Hier ins Kleine
+zu gehen, wird man mir erlassen: ich wei, da auch <span class="linenum">35</span>
+Dichter Leben und Othem haben mssen, und da wohl
+niemand mit mehrerem Recht auf Belohnungen der Re<span class="pagenum"><a name="Seite_8" id="Seite_8">[S. 8]</a></span>publik
+Ansprche zu machen habe, als ein Dichter, der
+ausgedient hat. Wo sind die Zeiten hin, da die Anfhrer
+wilder Horden in den Schottischen Gebirgen hundert Barden
+mit sich fhrten, ihnen bey frlichen Schmusen ihre
+Lieder vorzusingen? Und was kann wohl erbrmlicher <span class="linenum">5</span>
+seyn, als einen Dichter, der doch, wenn er cht seyn will,
+<em class="gesperrt">durch so vieles gegangen seyn mu</em>, am Ende seines
+Lebens einen Karren ziehen, oder ein Mhlrad umdrehen
+zu sehen wie Plautus. Ach, da die Liebe zur Unsterblichkeit
+den Sporn fr die Frsten nie verlieren mge, <span class="linenum">10</span>
+nicht sich Schmeichler zu dingen, wie Horatz war, sondern
+um ihr Vaterland verdiente Mnner <em class="gesperrt">zu belohnen</em>, die
+hchste Schmeichelei, die sie sich selber machen knnen.</p>
+
+<p>[12] Fern also, Herrn W. sein glckliches Schicksal
+zu beneiden, fern irgend einige Ansprche auf ein hnliches <span class="linenum">15</span>
+zu machen, ehe ich einen hnlichen Grad des Verdienstes
+oder ein Alter erreicht, in welchem Erschpfung
+der Krfte und Hlflofigkeit von selbst, wo nicht zur Belohnung,
+doch zu menschenfreundlichem Beystande einladen
+werden: so wnschte ich vielmehr, durch meine unmanierliche <span class="linenum">20</span>
+Art von den Sachen zu reden seine wahren Verdienste
+in ein desto helleres Licht zu setzen, und sie durch den
+Schatten, den ich drauf geworfen, da ich so sagen mag,
+desto besser abstechen zu machen, und den Leuten vor die
+Augen zu bringen, zugleich aber auch Herrn W. durch <span class="linenum">25</span>
+die gerechten Belohnungen seines Vaterlandes ein fr
+allemal die Hnde zu binden, da er durch allzulebhafte
+Anmaungen nicht Eingriffe in die Rechte anderer thue,
+sondern aufkommen und gedeyhen lassen wolle, was dem
+Vaterlande gut und ntze seyn kann, wenn es gleich nicht <span class="linenum">30</span>
+durch ihn gepflanzt und geset worden. Bisweilen ist
+auch die zu gar groe Begierde, von dem Seinigen und
+zwar vor aller Welt Augen was dazu zu thun, die sich
+so gar zu gern in Patriotismus und Menschenliebe einkleidet,
+den jungen Pflanzen schdlich und verderblich, die <span class="linenum">35</span>
+durch allzu ftere [13] und bisweilen rauhe Berhrung
+gern welk werden.<span class="pagenum"><a name="Seite_9" id="Seite_9">[S. 9]</a></span></p>
+
+<p>Wer soll aber den Geschmack ausbreiten und der
+Verwilderung oder Verwahrlosung desselben vorbauen,
+wenn es nicht die thun, die es schon selbst in einer Kunst
+zu einem Grad der Frtreflichkeit gebracht?</p>
+
+<p>Ich fhle das ganze Gewicht dieser Frage, meine <span class="linenum">5</span>
+Leser! aber erlauben Sie mir, Ihnen zu sagen, da Poeten
+als Kaufleute anzusehen sind, von denen jeder seine Waare,
+wie natrlich, am meisten anpreist. Wie ungerecht, wenn
+da einer aus ihren Mitteln <em class="gesperrt">entscheiden</em>, die letzte Stimme
+geben soll! Und wenn er ein Engel wre, wie ungerecht! <span class="linenum">10</span>
+Alle Plane, die er anlegt, alles Lob, das er austheilt,
+werden, wie natrlich, zu seinem Endzwecke fhren, welcher
+ist, sich allen andern vorgezogen zu sehen und die andern
+aufs hchste nur als Trabanten in seiner Atmosphre [sich]
+umdrehen zu lassen. Wem soll also das Urtheil ber uns <span class="linenum">15</span>
+zustehen, wenn es nicht dem zusteht, fr den wir da sind,
+dessen Beyfall uns leben und athmen lsset, ich meyne
+<em class="gesperrt">dem ganzen Volk</em>. Ich nehme hier das Wort im
+gemilderten Verstande, so da ich den Pbel, der weder
+Dichter noch Gelehrte anders als vom Hrensagen kennt, <span class="linenum">20</span>
+davon aus- [14] schliee. Dagegen zhle ich auch <em class="gesperrt">die
+Vter des Volks</em> zum Volke, die wie alle <em class="gesperrt">Helden
+und groen Mnner des Alterthums</em> auch in
+ihren Vergngungen sich bis zum Volk herunterlassen, da
+sie wohl wissen, da dieses von jeher das <em class="gesperrt">einzige und <span class="linenum">25</span>
+hchste Mittel war, sich seiner freywilligen Treue
+und Ergebenheit in allen auch den schwersten
+Erfordernissen zu versichern</em>.</p>
+
+<p>Dieses Volk mu aber gefhrt werden, da es sonst
+in seinem Geschmack eben so unbestimmt und schwankend <span class="linenum">30</span>
+seyn wrde, als es in seinen Handlungen zu seyn pflegt,
+es mu sich <em class="gesperrt">in einem Punkt dem verfeinerten und
+bessern Geschmack der Edlern anschlieen knnen</em>,
+das einzige Band zwischen Groen und Kleinen, Beherrschern
+und Unterthanen, das einzige Geheimni aller <span class="linenum">35</span>
+wahren Staatskunst, ohne welches alle brgerliche Verhltnisse
+und Beziehungen auseinander fallen, ohne<span class="pagenum"><a name="Seite_10" id="Seite_10">[S. 10]</a></span>
+welches der Brger immer den Staat als den Unterdrcker
+und der Staat den Brger als den Rebellen ansehen
+wird. Sehen Sie da die Nothwendigkeit <em class="gesperrt">der wahren
+Gelehrten</em>, am meisten aber derjenigen <em class="gesperrt">Philosophen</em>,
+die das ganze Reich der Wissenschaften durchwan- [15] dert <span class="linenum">5</span>
+und von diesen Wanderungen mit den schrfsten und
+reichhaltigsten Einsichten und dem feinsten Geschmack, aber
+auch mit dem unverdorbensten zrtesten Gefhl, fr alle
+Rechte der Menschheit und auch fr den geringsten Eingriff
+in dieselbigen zurckgekommen sind, etwa wie Herodot, <span class="linenum">10</span>
+Solon, Lykurg, und spter Demokrit und Pythagoras im
+Alterthum waren. Diesen und nur der vereinten Stimme
+dieser berlasse man es, ein <em class="gesperrt">Endurtheil</em> ber den
+Dichter zu fllen, der mit dem Volk stehen und fallen
+mu. Diese allein sollten den heiligen Namen der Rezensenten <span class="linenum">15</span>
+tragen, der freylich in unserm Jahrhundert an so
+unzhligen Stirnen schon ein Brandmal geworden ist. Auf
+dieser, und je nachdem sie sich durch anhaltenderes Streben
+und Leiden als bewhrtere Freunde des Vaterlandes bewiesen
+haben, auf dieser ihre Stimme allein, harre und <span class="linenum">20</span>
+zhle die Nation, wenn sie ber den Werth und Unwerth
+neuerschienener Produkte <em class="gesperrt">entscheiden will</em>. <em class="gesperrt">Aber auch
+diese mssen belohnet werden.</em> Wir haben solche
+Zeiten in Deutschland gehabt. Als noch Abbt, Mendelsohn,
+Hamann und ihres gleichen gehrt wurden<a name="FNAnker_B_3" id="FNAnker_B_3"></a><a href="#Fussnote_B_3" class="fnanchor">[C]</a>, da <span class="linenum">25</span>
+war noch [16] sicherer Richtscheid des Geschmacks derer,
+die ihr Gefhl an den aufwachsenden Sngern ihres
+Vaterlandes bten. Was soll man aber zu einem Dichter
+sagen, der mehr Buchhndler als Dichter auf diesen Grund
+fortbaute, das heit Kunstrichter aus ganz Deutschland <span class="linenum">30</span>
+zusammenmiethete, um endlich auf diesen ungeheuren
+Obelisk sein Bild mit desto mehrerer Sicherheit aufstellen
+zu knnen, der alle Offizinen und Druckerpressen auf
+gewisse Art in Anspruch nahm, um nichts in seinem
+<span class="pagenum"><a name="Seite_11" id="Seite_11">[S. 11]</a></span><em class="gesperrt">Vaterlande ans Licht kommen zu lassen</em>, das <span class="linenum">35</span>
+nicht von ihm und seinem Geschmacksrath vorher war
+gestempelt worden. Denn er hatte die Wahl der Rezensenten,
+die er nach seinen einseitigen Absichten so geschickt
+zu vertheilen wute, da die Guten die Schlechten untersttzen,
+und da <em class="gesperrt">sie alle ohne Nahmen waren</em>, so <span class="linenum">5</span>
+ganz in der Stille, unwahrgenommen und ungergt, fr
+einen Mann stehen, das heit — sein Buchhndlerinteresse
+befrdern muten. Eine herrliche Aussicht fr unsere
+Gelehrsamkeit, eine herrliche freye Luft fr Gelehrte —
+den edelsten Theil der Nation — darin zu athmen. So <span class="linenum">10</span>
+triumphirten von jeher kaufmnnische Kunstgriffe und
+niedrige kleine Streiche ber den wahren Adel des Herzens
+gewisser auf diesen <em class="gesperrt">Punkt [17] einfltigen Weisen</em>,
+die die Vortheile des Lebens verachteten, und aus zuweit
+getriebener Sorglosigkeit dafr sich <em class="gesperrt">auch die Mittel <span class="linenum">15</span>
+abschneiden lieen</em>, ihren Brdern ntzlich zu seyn.</p>
+
+
+
+<p>Ich verdenke es Herrn W. nicht, da er, um Ansehen
+dem Ansehen, Kunstgriffe den Kunstgriffen entgegenzusetzen,
+eine kritische Bude von hnlicher Art, wiewohl
+doch mit mehrerem Geschmack, errichtete. Er war bisher <span class="linenum">20</span>
+von diesen gemietheten Kritikern, die <em class="gesperrt">nur lobten, weil
+sie sich sonst beym Volk nicht htten erhalten
+knnen</em>, zu sehr gemihandelt worden, als da er nicht
+auf ein Mittel bedacht seyn sollte, sich ihrem unleidlichen,
+ganz und gar nur Merkantilischen Joch zu entziehen. <span class="linenum">25</span>
+Welcher Gelehrte, der die Wrde seiner Seele fhlt, knnte
+auch anders als mit Verachtung daran denken? Dieser
+Ostrazismus von Stimmen aus dem Vaterlande, die ein
+einziger, der zugleich Kunstrichter, Dichter, Buchhndler
+und alles in allem seyn will, einsammelt und in seinem <span class="linenum">30</span>
+geheimen Topf durcheinander schttelt — dieses schndliche
+Gewerbe von Lob und Tadel, zu dem ihm einige der
+Edelsten der Nation die Krfte leihen, um alles, was
+Freyheit, Tu- [18] gend und Ehre athmet, zu unterdrcken,
+oder wenigstens, so viel an ihm ist, nicht zu Krften <span class="linenum">35</span>
+kommen zu lassen, es sey denn, da es zu seinen Privatabsichten
+diene, dieser Ebentheurer, mit den Mienen der<span class="pagenum"><a name="Seite_12" id="Seite_12">[S. 12]</a></span>
+Weiheit im Gesicht, der Eigensucht und Schalkheit im
+Herzen trgt, und vermittelst der ersteren durch diese zwey
+verborgenen Triebfedern unser ganzes Vaterland in Bewegung
+setzt, und von niemand abhngig, alles von sich
+abhngig machen will — das unser Tribunal? — von <span class="linenum">5</span>
+dem sich nicht appelliren liee? — das die bewhrten
+Zeugen unseres Werths? — Warum nennen sie sich nicht?
+— La sie hervortreten, wenn das Vaterland ihnen glauben
+soll — und wenn es sie sonst kennt, wird es ihre Stimme
+ehren, so aber sind sie durchs Fenster hineingestiegen und <span class="linenum">10</span>
+Miethlinge, denen der Nutzen des Vaterlandes so fremd
+ist, als dem darauf lauernden Wolfe.</p>
+
+<p>Wenn nun diese mit den allergrten Anmaungen
+von der Welt, und immer, wie Herr Klopstock unbezahlbar
+erinnert hat, anstatt ihre <em class="gesperrt">einseitige</em> Stimme zu geben, <span class="linenum">15</span>
+mit einem Egoismus, der alle Grenzen der Schaamhaftigkeit
+bersteigt, und eben deswegen ungergt bleibt,
+als Reprsentanten der [19] ganzen Nation sprechen, eine
+Stimme fr die Stimme aller ausgeben, um die Blden
+zu bertlpeln, die Einfltigen fortzureien, die Weiseren <span class="linenum">20</span>
+aber, die zu stolz sind, sich mit ihnen in Verbindungen
+oder zu hnlichen Kunstgriffen herab zu lassen, wie die
+Tischglocke den guten Homer um ihr Auditorium zu
+bringen: wer kann es Herrn W. verdenken, da er
+gleichfalls um Ansehen dem Ansehen entgegen zu setzen, <span class="linenum">25</span>
+er, der es gewi mit mehrerem Rechte thun konnte, sich
+des unleidlichen <em class="gesperrt">Wir</em> bediente, das er doch an andern
+Schriftstellern als ein unverzeyhbares Verbrechen verdammte<a name="FNAnker_C_4" id="FNAnker_C_4"></a><a href="#Fussnote_C_4" class="fnanchor">[D]</a>.
+Da es nun aber so weit gekommen ist,
+da sein Wir nicht mehr gilt, als jedes andern ehrlichen <span class="linenum">30</span>
+Mannes von seinem Werth, so ist es auch billig, das Wir
+eines prtendirten Ausschusses der Nation, der es aber
+mit eben dem Recht ist als jener, der Karln dem Ersten
+den Kopf absprach, auf sein erstes Ich zurckzubringen:</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Seite_13" id="Seite_13">[S. 13]</a></span>
+
+
+Ich der Buchhndler N. der das Kunststck versteht, eine
+Gesellschaft Gelehrte, die einander nicht kennen und sich
+gnzlich unhnlich sind, [20] einen durch den andern
+hinters Licht zu fhren, etwa wie jener geschickte Taschenspieler,
+der in eine Gesellschaft unbekannter Leute hereintrat, <span class="linenum">5</span>
+von denen jeder glaubte, er sey der Freund des
+andern, und ihm alle mgliche Hochachtung bezeugte, die
+er denn so gut zu nutzen wute, da er mit dem ganzen
+Silberzeuge, auf dem sie gegessen, davon gieng.</p>
+
+<p>Wenn nun aber gar dieses drolligte geheime Gericht, <span class="linenum">10</span>
+Mnner, die fr ihr Vaterland gehandelt, die Ehre, Vortheile,
+Aussichten, alles, fr dasselbe aus der Schanze
+geschlagen, die allgemein anerkannte Beweise gegeben, da
+sie nicht aus einer wilden brausenden Tugend, die keinen
+Sporn als die Ehre kennt, sondern aus dem innigsten, <span class="linenum">15</span>
+feinsten Geschmack fr alles Schne, Reizende und Gefllige
+in der Natur, aber auch aus eben so schnellkrftigem
+Gefhl fr das Groe und Erhabene, blo durch die
+Wrme frs Vaterland getrieben, alles aufopferten, und
+sonst nach nicht anders suchten, arbeiteten, strebten, litten, <span class="linenum">20</span>
+als da Alle, Alle <em class="gesperrt">verhltnimig gleichen</em> Antheil
+an dem durch die Knste und Wissenschaften hervorgebrachten
+allgemeinen Glck nehmen sollten — Wenn
+solche Leute, mit denen gti- [21] gere Mchte von oben
+eine Nation alle Jahrtausende einmal heimsuchen<a name="FNAnker_D_5" id="FNAnker_D_5"></a><a href="#Fussnote_D_5" class="fnanchor">[E]</a>, durch <span class="linenum">25</span>
+dieses drolligte, geheime Gericht nicht blo in Schatten
+gestellt, nicht blo durch glnzenden Rauch einer gewissen
+Art Lobes oder einer gewien Art Stillschweigens vernebelt,
+sondern wo es ohnbeschadet der guten Meynung,
+die man doch dem Volk von sich lassen will, geschehen <span class="linenum">30</span>
+kann, aufs abwrdigendste gemihandelt und verkleinert
+werden, wenn das, was nach dem Demosthenes so schwer zu
+erhalten und ihnen eben deswegen so theuer ist, die Hoch<span class="pagenum"><a name="Seite_14" id="Seite_14">[S. 14]</a></span>achtung
+und Liebe ihrer Nation ihnen wie jenem durch subtile
+und grobe Kunstgriffe zu rauben versucht wird, ohne da
+man sich jemals in ein frmliches Gefecht mit ihnen einlt,
+so da man die Hauptsache, die sie mit soviel Hitze
+und Eyfer vertheidigten und <em class="gesperrt">vertheidigen muten, <span class="linenum">5</span>
+unausgemacht lt</em>, und durch lauter unntze und
+unbetrchtliche Scharmtzel ber <em class="gesperrt">Nebensachen</em> sie zu
+ermden denkt — welchem Patrioten, der nur noch Blut
+frs Vaterland fhlt, [22] mut da nicht endlich die
+Geduld ausreien und er mit dem δικαιος in den Wolken <span class="linenum">10</span>
+ausrufen:</p>
+
+<p class="indent4">
+τουτι και δη<br />
+χωρει το κακον δοτε μοι λεκανην.
+</p>
+
+<p>Es ist hier nicht um Privatvortheilchen, nicht um
+beleidigte Autorempfindlichkeit, nicht um Neckereyen zu <span class="linenum">15</span>
+thun, sondern um die <em class="gesperrt">Ehre unserer Nation</em> bey
+den Nachbaren, und bey der Nachkommenschaft. Daher
+alles Zureden, alle Warnungen, alle Drohungen meiner
+Freunde diesen tobenden Eyfer, mag er immer unzeitig,
+mag er immer ungestm seyn, mir nicht benehmen konnten, <span class="linenum">20</span>
+knnen noch knnen werden, bis die Ursache desselben
+aufgehoben ist. Wie gesagt, ich bin in diesem geheimen
+Gericht auerordentlich glimpflich behandelt worden, aber
+es verdreut mich von wegen meines Vaterlandes, und
+ich will mir lieber Geschmack, Einsicht, Gte des Herzens, <span class="linenum">25</span>
+alles absprechen lassen (Beschuldigungen die mir weher
+thun als krperliche Angriffe auf mein Leben) lieber ein
+Ungeheuer scheinen, als zu den Ungerechtigkeiten meines
+Vaterlandes stillschweigen.</p>
+
+
+
+<p>[23] Uebrigens bin ich von dem Nutzen gelehrter <span class="linenum">30</span>
+Anzeigen zu sehr berzeugt, als da ich auf eine unvernnftige
+Art mich ber Gelehrte ereyfern sollte, die mit
+<em class="gesperrt">Kenntni der Sache</em>, wovon sie reden, gewafnet,
+ihrem studierenden Vaterlande von neu herausgekommenen
+Bchern auch nicht einen blonackten Schattenri, sondern <span class="linenum">35</span>
+von dem, was in denselben neu und der Aufmerksamkeit<span class="pagenum"><a name="Seite_15" id="Seite_15">[S. 15]</a></span>
+wrdig ist, auch ein mnnliches Urtheil geben, das Falsche
+und Schielende anzeigen, das Schlechte aber mit Stillschweigen
+bergehen oder kurz weg sagen, das ist unter
+<em class="gesperrt">unserer</em> Kritik. Ich begreife aber nicht, wie unter diesen
+Voraussetzungen von Privatabsichten freye Gelehrte gezwungen <span class="linenum">5</span>
+seyn sollten, ihren Namen zu verstecken, in einem
+Lande wie Deutschland, das durch soviel besondere Staatssysteme
+und Verbindungen eben denen darinn befindlichen
+Gelehrten die grte Freyheit, ihre Meynung herauszusagen,
+und keinen weitern Zusammenhang lt, als der der <span class="linenum">10</span>
+Wahrheit so vortheilhaft ist, den sie als gemeinschaftliche
+Diener einer und derselben Wahrheit haben, sie auszubreiten,
+und zu befrdern. Wenn in einem Lande, wo
+wenig oder gar keine politischen Rcksichten zu nehmen
+sind, wo Luther allein dem Aberglauben einer halben <span class="linenum">15</span>
+[24] Welt die Spitze bieten konnte, da er in jedem andern
+bald seinen Platz im Tollhause oder auf den Galeeren
+gefunden haben wrde, wenn da nicht Freyheit zu denken
+und <em class="gesperrt">zu schreiben</em> herrschen soll, wo soll sie denn
+herrschen? — Ich sage, ich begreife nicht, warum wrdige <span class="linenum">20</span>
+Kunstrichter das Publikum nicht in den Stand setzen
+wollten, einzusehen, ob sie auch die Mnner seyn, die ber
+diese und jene Schrift zu urtheilen befugt sind, ob sie
+nicht ganz und gar auer ihrem Felde gelegen und von
+welchem Gewicht diesesmal ihre Stimme seyn msse, seyn <span class="linenum">25</span>
+knne und drfe. Ich begreife nicht, wie ihr eigenes
+Gefhl von Ehre ihnen gestatten kann, hierber einen
+Menschen in Zweifel zu lassen. Denn von einigen Seiten
+Rezension auf die ganze Kenntni eines Kunstrichters
+Schlsse zu machen (wie wohl heut zu Tage leyder!!! <span class="linenum">30</span>
+von jungen Leuten geschieht) gerechter Himmel, wie betrglich!
+wie gefhrlich! wie leicht sodann der Weg zum
+gelehrten Manne! da der Rezensentenstyl, wie der stylus
+curiae, so bald auswendig gelernt ist, und man nur mit
+der Miene der Selbstzufriedenheit seinen Autor (aus dem <span class="linenum">35</span>
+man doch das in der Stelle erst lernen mu, was man
+wieder ihn sagt) ber die Schulter [25] herab ansehen<span class="pagenum"><a name="Seite_16" id="Seite_16">[S. 16]</a></span>
+darf, wie der Herr N.<a name="FNAnker_E_6" id="FNAnker_E_6"></a><a href="#Fussnote_E_6" class="fnanchor">[F]</a>. Man messe mir hier nicht zu
+viele Wiedrigkeit gegen diesen Mann bey, den ich als
+Buchhndler und anfnglichen Liebhaber und Befrderer
+der deutschen Litteratur, auch in seinem N. als unterhaltenden
+Romanendichter schtze — sobald er aber Kunstrichter <span class="linenum">5</span>
+und mehr als das, Impresario und <em class="gesperrt">Direcktor</em>
+aller Kunstrichter, Herr aller Herren werden will, mit
+allen seinen aufgeblasenen Anmaungen verspotte und
+verlache. Mag er mich rezensiren lassen!</p>
+
+<p>Da aber einer Nation nichts heiliger als ihr Geschmack <span class="linenum">10</span>
+seyn kann, sobald Geschmack die Summe der
+Gefhle eines ganzen Volkes ist, so sollten gelehrte Zeitungen
+sich auch bescheiden, von Werken des Geschmacks
+nichts weiter als die Anzeige, aufs hchste die Anzeige
+von den Wirkungen, die sie hier und da gemacht, mit <span class="linenum">15</span>
+nichten aber ein Urtheil zu geben, das nicht ihnen, sondern
+der Nation [26] und denen zusteht, <em class="gesperrt">denen sie es auftrgt</em>,
+mgte es auch von noch so einem ausgedrrten
+Professor oder Fresser der schnen Wissenschaften niedergeschrieben
+seyn, dessen ganzes Verdienst darinn besteht, <span class="linenum">20</span>
+uns die Unverdaulichkeiten seiner Lecktre fr gldene
+Bullen der Kunst zu geben, und in einer mehr als Zoiluskhnheit
+sich jungen Leuten, die so eben zu leben anfangen,
+als den Priester auf dem Dreyfu anzupreisen, durch den
+das Vaterland seine Orakelsprche thut. Wer anders, als <span class="linenum">25</span>
+sie selber, hat diesen Herren jemals das zugestanden?
+Leute, die Sylben stechen und an Buchstaben feilen, Milzschtige,
+denen ein auerordentlich gro geschriebenes H.
+Gewissensbisse macht, Leute, die so wenig die Zeit und
+die Welt kennen, in der sie leben, als die, in der ehemals <span class="linenum">30</span>
+Dichter und Weise gelebt und gehandelt haben, da sie
+wie die ausgednstete Nymphe Echo nur im Stande sind,<span class="pagenum"><a name="Seite_17" id="Seite_17">[S. 17]</a></span>
+die letzten Sylben davon nachzustammeln, sonst aber mit
+allen Geheimnissen der Kunst so unbekannt, als der Knig
+Midas in Herrn Wielands Singspiel nur immer seyn
+konnte, Leben und Tod ber die Werke unserer Dichter
+aussprechen. — <span class="linenum">5</span>
+</p>
+
+
+<p>
+[27] Diese wachsgelben Aristarchen, die mit einem
+Blick das ganze Teutschland und wills Gott alle vergangene
+und zuknftige Nationen bersehen, verdienen
+also nicht allein verlacht und verspottet, sondern auch,
+wenn sie sich wie Paillasse unter schnellkrftigen Seiltnzern <span class="linenum">10</span>
+unbehelfsam herumtummeln, wie Strohscke behandelt
+zu werden. Wiedrigenfalls sie uns unsere jungen
+Leute irre machen, und durch das nirgends schdlichere
+<span class="antiqua">jurare in verba magistri</span> eine ganze Posteritt verhunzen
+knnten. Das ist die Meinung ber den in den Wolken <span class="linenum">15</span>
+doch nur leichtgestreiften Herrn Wetterhahn und die Herrn
+Wetterhhne, Collegen auf allen unsern deutschen Akademien,
+deren Ahndung und Zchtigung ich mich gleichfalls
+unterwerfe.</p>
+
+<p>Nachdem ich nun die dringenden Veranlassungen <span class="linenum">20</span>
+der Wolken dargelegt, darf ich mit mehrerem Fug und
+Recht Herrn W. gegen die Anschuldigungen zu rechtfertigen
+unternehmen, die ihm von seinen Zeitverwandten daraus
+gemacht werden knnten, und die mehr in einer unglcklichen
+Verbindung der Umstnde, in denen er sich befunden, <span class="linenum">25</span>
+als in seinem eigenen Willen ihren Grund haben.</p>
+
+<p>[28] Man wird mich hoffentlich nicht fr so roh
+oder so verwegen halten, den Namen Sokrates in einer
+Schrift ist dieser Art ber die Zunge springen zu lassen,
+ohne zu wissen oder zu ahnden, mit welcher Ehrfurcht <span class="linenum">30</span>
+ein Name, wie der, ausgesprochen werden msse. Wenn
+ich auch nichts weiter als das Gastmal Xenophons von
+ihm gelesen htte, so mte ich schon, sobald ich diesen
+Namen, um ihn geringschtziger oder verchtlicher zu
+machen, niederzuschreiben gewagt htte, von einem heiligen <span class="linenum">35</span>
+Schauer durchdrungen und wie ein Bsewicht in dem
+Augenblicke des Verbrechens von einer gttlichen Erscheinung<span class="pagenum"><a name="Seite_18" id="Seite_18">[S. 18]</a></span>
+zurckgehalten worden seyn. Dieser Mann, der sein
+ganzes Leben und alle dessen Vortheile der Erforschung
+der Wahrheit aufopferte, die er sich nie getraute ganz
+gefunden zu haben, dieser Mann, dem nichts unwillkommen
+war, das ihn nher dazu fhren konnte, so wenig Schmach <span class="linenum">5</span>
+als krperliche Leiden, dieser Mann, dem nicht, weil er
+sich gerne hrte, sondern weil es ihm darum zu thun
+war, was wahr und gut ist, unter die Leute zu bringen,
+und in seinen Reden die allerwrdigste Lebensklugheit
+und Behandlungsart anderer nachgelassen hat, durch Nachgeben <span class="linenum">10</span>
+immer ber die zu siegen, die ihn besiegen wollten,
+und dessen [29] Worte selbst in seinem freundschaftlichen
+Umgange und in seinen Scherzen immer in dem Betracht
+wahre goldene Worte sind, an denen unsere Philosophen,
+bey denen freylich <em class="gesperrt">der Stoff, den sie zu behandeln <span class="linenum">15</span>
+haben, sich sehr verndert hat</em>, lebenslang zu
+studieren htten — Diesen Mann in unseren Zeiten
+heruntersetzen oder geringschtzig machen zu wollen, hielte
+ich fr eine wahre Gotteslsterung. Nur die Sokratidien,
+die schon zu seiner Zeit Aristophanes Galle rege machten, <span class="linenum">20</span>
+die bey vernderten Umstnden, Menschen und Menschengesinnungen
+in seinem Geleise blindzu marschiren fr
+marschiren halten, also immer auf einer Stelle bleiben,
+anstatt da sie von ihm lernen sollten, neue Wege zu
+treten, Sokratidien in Purpur und kstlicher Leinwand, <span class="linenum">25</span>
+die der Wahrheit, dem armen Lazarus vor ihrer Thr,
+noch keinen kahlen Groschen aufgeopfert, anstatt fr sie
+Hunger, Mangel, Ble, ja selbst dem Tode entgegen zu
+gehen, wie jener — — nur diese mchte ich durch Erinnerung
+an jenen groen Namen in Schrcken setzen und <span class="linenum">30</span>
+bescheidener machen. — Und warum hat Herr W., der so
+<em class="gesperrt">groe anderweitige Verdienste</em> hat, die Anzahl dieser
+vermehren wollen? Etwa seine Gedichte dadurch besser
+in Abgang zu bringen? [30] Freilich hat er diesen Zweck
+dadurch erreicht, und als Dichter kann er auch hierinn <span class="linenum">35</span>
+entschuldiget werden, es war das Bedingni seiner Zeit
+und der Umstnde, in denen er lebte, aber <span class="antiqua">mihi res</span>,<span class="pagenum"><a name="Seite_19" id="Seite_19">[S. 19]</a></span>
+<span class="antiqua">non me rebus</span>, sagt er selber. Hat er sich etwa dadurch
+verleiten lassen, da Sokrates in seiner Jugend Grazien
+geschnitzelt? — Aber er schrieb keine Philosophie der
+Grazien, sondern wenn er von der himmlischen Venus
+redte, war er nichts weniger als geflliger komischer <span class="linenum">5</span>
+Dichter<a name="FNAnker_F_7" id="FNAnker_F_7"></a><a href="#Fussnote_F_7" class="fnanchor">[G]</a>. Der Dichter weiset anschauend und sinnlich,
+wie es ist, aufs hchste wie es nach gewissen gegebenen
+Umstnden seyn kann, der <em class="gesperrt">Philosoph sagt wie es
+seyn soll</em>. Nun hoffe ich doch in aller Welt nicht,
+da Herr W. verlangen wird, alle junge Amadisse, das <span class="linenum">10</span>
+heit, edle junge Gemther, die mehr als eine blo sinnliche
+Liebe suchen, sollen und mssen durch eben die Klassen
+gehen, die der Held seines neuesten komischen Gedichts
+durchlaufen ist? So lang er sich also neben Fieldingen
+hinstellt, nehmen wir keinen Anstand, seine Schriften, [31] <span class="linenum">15</span>
+anstatt sie zu verbieten, vielmehr jungen Leuten in die
+Hnde zu geben, um die Welt, in der sie zu leben haben,
+um alle die Gefahren, an denen ihre Tugend gebt werden
+soll, vor ihre Augen zu bringen: sobald er sich aber
+neben Sokratessen stellt, und doch der Hauptheld seines <span class="linenum">20</span>
+Stcks eine lcherliche Rolle spielt, so mssen wir dafr
+rger warnen, als fr das korrosivste und beschleunigendste
+Gift, das jemals von einem Menschenfeinde in den Eingeweiden
+der Erde ist zubereitet worden. Mag man mir
+immer einwenden, er habe an diesem Charakter nur die <span class="linenum">25</span>
+Schwachheiten lcherlich machen wollen, so sind an einem
+solchen Charakter auch die Schwachheiten verehrungswerth,
+und verdienen eher die Thrnen des Menschenfreundes,
+als das Gelchter von Leuten, die solche Schwachheiten
+zu begehen niemals im Stande waren, weil sie sich in <span class="linenum">30</span>
+Ansehung dieses Lasters nie den geringsten Zwang angethan.
+Ein Sokrates kann freylich ber dergleichen<span class="pagenum"><a name="Seite_20" id="Seite_20">[S. 20]</a></span>
+Schwachheiten lachen, aber wenn er sich als Sokrates
+nennt und ausgiebt, und doch zugleich mit den lebendigsten
+Farben bis auf das genaueste die Geschichte dieser Schwachheiten
+ausmahlt, werden die <em class="gesperrt">Mitlacher</em> mit seinem Sinn
+und in seinem Geiste lachen? Wird nicht vielmehr das <span class="linenum">5</span>
+Gelchter zu-[32]letzt auf diesen Charakter zurckfallen,
+und ihn, da er ohnehin auf unserer Welt so selten ist,
+sobald er nur die geringsten Kennzeichen von sich giebt,
+zum Gegenstande des allgemeinen Hohns und der allgemeinen
+Verachtung machen? Sollte man einen Weg, <span class="linenum">10</span>
+der ohnehin mit so vielen Dornen besetzt ist, durch allgemeine
+Schmach und Infamie, da ich so sagen mag,
+nun vllig ungangbar machen?
+</p>
+
+<p>
+Mit alledem bin ich weit suberlicher mit Herrn W.
+gefahren, als er mit mir, ich habe ihn nicht an dem <span class="linenum">15</span>
+Flecken anzutasten gesucht, wo es ihm am wehesten thun
+mute, wie er wohl gegen mich, und das mit aller mglichen
+Feinheit, die Genie und Witz ihm nur an die Hand
+geben konnten, obwohl dennoch vergeblich versucht hat.
+Er sah, da ich mich durchaus in Shakespears Manier <span class="linenum">20</span>
+und die Komposition, die aufs Groe geht, und sich auf
+Zeit und Ort nicht einschrnken kann, hineinstudiert hatte,
+was that er? er suchte diese Manier als kunstlo und
+ungebunden verdchtig zu machen, in dem Augenblick, da
+sie ohnedem durch unsere eingealterten Theatervertrge <span class="linenum">25</span>
+berall Wiederspruch genug finden mute. Wie, wenn
+ich nun das Blatt umgekehrt, und nicht mit der [33]
+Miene eines rstigen Knaben, sondern eines alten, erfahrnen,
+untrglichen Kunstrichters seine Oper durchzugehen
+angefangen, sie in den letzten Akten langweilig, die Entwickelung <span class="linenum">30</span>
+nicht bereilt, aber zu schwach vorbereitet, zu
+kalt ausgefhrt gescholten htte? — Shakespears Manier
+ist nicht ungebunden, mein ehrwrdiger Herr Danischmende,
+sie ist gebundener, als die neuere, fr einen, der seine
+Phantasey nicht will gaukeln lassen, sondern fassen, darstellen, <span class="linenum">35</span>
+lebendig machen, wie er that. Die dramatische
+<span class="pagenum"><a name="Seite_21" id="Seite_21">[S. 21]</a></span>Behandlung eines groen Gegenstandes ist <em class="gesperrt">nicht so leicht</em>,
+als Sie es wollen glauben machen; und eben der Mangel
+der sonst <em class="gesperrt">bequemen Sttzen der Tuschung</em>, der
+<em class="gesperrt">Zeit</em> und des <em class="gesperrt">Orts</em> macht die Schwrigkeiten <em class="gesperrt">grer</em>,
+und sollte alle die, so in der Kunst <em class="gesperrt">des wrklich
+blichen Theaters nicht alle Schritte durchgemacht</em>, <span class="linenum">5</span>
+von einem Unternehmen von der <em class="gesperrt">Art zurckschrcken</em>.
+Durchaus nicht Unbekanntschaft mit dem
+wirklichen Theater und dessen Erfordernissen, sondern
+Ueberdru allein kann einen Schritt zu der hheren
+Gattung rechtfertigen. Theater bleibt immer Theater, <span class="linenum">10</span>
+und Vorstellungs und Fassungsart dieselben, so wie dieselben
+Regeln der Perspecktive fr ein Kaminstck und fr
+ein Altarblatt gelten, [34] nur da jeder Gegenstand auch
+eine andere Behandlungsart erfodert. Die Hauptsache
+wird immer die <em class="gesperrt">Wahrheit</em> und der <em class="gesperrt">Ausdruck</em> des <span class="linenum">15</span>
+Gemhldes bleiben, von der ein Mensch allein nie urtheilen
+kann, besonders wenn ihm Leidenschaften die Augen verdunkeln.</p>
+
+<p>Da ich aber wieder auf meinen Hauptzweck zurck
+komme, Herrn W. als Dichter gegen die Philosophen <span class="linenum">20</span>
+seiner Zeit, denen zu Gefallen er sich mit hat einkleiden
+lassen, und die die zaubervollen Pinselstriche seiner Phantasey
+als Weiheitssprche des Pythagoras ansehen, zu rechtfertigen,
+so mu ich diesen Herren hier ffentlich erklren,
+da ich ihre Weiheit verachte. Man hre mich aus, und <span class="linenum">25</span>
+alsdenn, wenn man noch das Herz hat, mich zu verdammen,
+so verdamme man mich, ich verlange nichts
+bessers.</p>
+
+<p>Worinn besteht die ganze Weiheit dieser Herren,
+mit der sie so geheim thun? — In der Zufriedenheit <span class="linenum">30</span>
+— ein ses Wort — das aber, wenn mans herunter
+hat, im Magen krmmet — im Aufgeben aller Rechte
+der Menschheit, Zusammenlegen der Hnde in den Schoo,
+Genu zweyer Wurzeln, die etwa in [35] unserer Nachbarschaft
+liegen, und zu denen man reichen kann, ohne <span class="linenum">35</span>
+aufzustehen — mehr als kriechenden Geiz ber diesen
+Genu, auch wol hie und da Schleichhndel und der<span class="pagenum"><a name="Seite_22" id="Seite_22">[S. 22]</a></span>gleichen,
+um etwas von unsern Nachbaren dazu zu betteln,
+brigens gewisse Versicherung, da uns diese Weiheit,
+diese Migung unsrer Begierden und Wnsche im Himmel
+tausendfach werde belohnt werden, was die Herren Religion
+schimpfen. Den armseligen Genu, der einer solchen <span class="linenum">5</span>
+Faullenzerey brig bleiben kann, schmckt man sodann mit
+tausend Bildern aus, die doch immer nur das Zaubergewand
+einer <em class="gesperrt">ekelhaften Armida</em> bleiben, und alsdenn,
+wie glcklich, wie weise, wie gro! — Wohl denn,
+ich will gegen diese groen Leute gern ein Zwerg und <span class="linenum">10</span>
+ein bohafter, ungesitteter, unartiger Gnome bleiben, nur
+hren Sie, weil doch hren keine Mhe kostet, meine
+Grnde bis zu Ende.</p>
+
+<p>Wer ist es, den Sie lcherlich zu machen suchen?
+wer ist der Thor, ber den Sie sich nicht ereyfern, behte <span class="linenum">15</span>
+Gott! den Sie der Aufmerksamkeit, des Wiederlegens, des
+Bestrafens nicht wrdig, sondern <em class="gesperrt">nur</em> — o welche Gromuth!
+— <em class="gesperrt">belachenswerth ihn finden?</em> — [36] Der
+Jngling, der noch dem ersten Stempel der Natur (ha,
+gewi dem Bilde Gottes) getreu; fr den Trieb, der <span class="linenum">20</span>
+eben darum der heiligste seyn sollte, weil er der seste
+ist; auf den allein alle Gte der Seelen, alle Zrtlichkeit
+fr <em class="gesperrt">gesellschaftliche Pflichten</em> und Beziehungen,
+alle huliche, alle brgerliche, alle politische Tugend und
+Glckseligkeit gepfropft werden kann, weil er fr diesen <span class="linenum">25</span>
+Trieb am Ende seiner Laufbahn, die er sich heldenmig
+absticht, die hchste Belohnung <em class="gesperrt">von dem Wesen</em> erwartet,
+das ihn ihm anerschaffen hat, der sich diese hchste
+Belohnung, so lange er sie noch nicht kennt, mit allen
+Farben seiner glhenden Phantasey ausschmckt, und endlich, <span class="linenum">30</span>
+wenn er sie findt, diese einzige, die dem geliebten Ideenbilde
+am nchsten kommt, die es vielleicht nach dem Urtheil
+seiner reiferen Erkenntnikrfte unendlich weit bertrift,
+sich dem ganzen Taumel seiner Entzckungen berlt,
+wohin sie ihn reien wollen, (einen solchen Augenblick hat <span class="linenum">35</span>
+Goethe gehascht, um uns das hchste Tragische, das je in
+die Seele eines vom Gott erfllten Dichters gekommen ist,<span class="pagenum"><a name="Seite_23" id="Seite_23">[S. 23]</a></span>
+anzuschauen zu geben) — einen solchen Jngling lcherlich
+machen zu wollen? Ihn mit einem halbwahnwitzigen
+Ritter von der trau- [37] rigen Gestalt in eine Klasse zu
+werfen, und zum Haupthelden eines komischen Romans zu
+formen, so lang dies nichts als Scherz bleiben soll, knnen <span class="linenum">5</span>
+wirs gestatten; so bald aber der Autor, oder die ihn lesen,
+eine ernsthafte Miene annehmen, und uns ihren Muthwillen,
+ihre Thorheit fr Weiheit aufdringen wollen —
+wer sollte da nicht wthen?</p>
+
+<p>Erlauben Sie, meine Herren Sokraten, da ich <span class="linenum">10</span>
+Ihnen den Vorhang vor unserer gegenwrtigen Welt
+aufziehe, und denn lachen Sie noch, wenn Sie das Herz
+dazu haben. Sehen Sie da alle gesellschaftlichen Bande
+unangezogen und ungespannt aus einander sinken, sehen
+Sie da junge Leute mit den Mienen der Weiheit und <span class="linenum">15</span>
+allen Waffen der Leichtfertigkeit versehen, in allen Knsten
+der Galanterie unterrichtet, auf die schwachen Augenblicke
+Ihrer Geliebten und Ihrer Tchter Jagd machen, sehen Sie
+da eben diese jungen Leute mit der grten Verachtung fr
+das Geschlecht, das allein aus Mnnern Menschen machen, <span class="linenum">20</span>
+und durch die Liebe ihren regellosen Krften und Fhigkeiten
+eine Gestalt geben konnte, mit mehr als thierischer Ungebundenheit
+sich nicht allein fr ihre knftigen Gattinnen,
+nein auch fr [38] ihre Freunde, auch fr den Staat,
+der sie nhren mu, vllig entnerven und untchtig machen. <span class="linenum">25</span>
+Wo ist Aufmunterung, wo ist Belohnung, wo ist Ziel?
+Der wilde Ehrgeitz macht Unterdrcker, da aber die
+uerlichen Anstalten in unsern Zeiten zu einer gewissen
+Vollkommenheit gediehen sind, so findet auch der berall
+Wiederstand, und artet sodann in einen unthtigen und <span class="linenum">30</span>
+deswegen um desto unleidlichern, unertrglicheren Hochmuth
+aus. Die Religion, so lange sie weiter nichts als
+eine Anweisung auf den Himmel, auf — der menschlichen
+Natur ganz fremde und undenkbare Gter ist, ist viel zu
+ohnmchtig, in dem entscheidenden Augenblick der Versuchung, <span class="linenum">35</span>
+den in uns strmenden Leidenschaften die Waage
+zu halten; und brauchen wir sie daher gemeiniglich wie<span class="pagenum"><a name="Seite_24" id="Seite_24">[S. 24]</a></span>
+den Deckel, den Brunnen zu zu machen, wenn das Kind
+hinein gefallen ist. Wie nun, da wir den lezten Keim
+aller Moralitt, alles Genusses, den Gott in unsere Natur
+gelegt, herausreissen wollen, den Glauben und die Hofnung
+auf Entzckungen, die eben durch die Leiden, Zweifel und <span class="linenum">5</span>
+Aengstigungen vorbereitet werden mssen, um ihren hchsten
+Reiz zu erhalten.</p>
+
+<p>[39] Sehen Sie weiter die meisten unserer Ehen an.
+Vertrge sind sie, einander gegen gewisse anderweitige
+Vortheile, die, gleich als ob man sich mit seinem rgsten <span class="linenum">10</span>
+Feinde verbnde, mit der grten Behutsamkeit von der
+Welt obrigkeitlich mssen gesichert seyn, <em class="gesperrt">alles</em> zu erlauben.
+<em class="gesperrt">Und was zu erlauben?</em> Sachen, wozu Ihnen die
+Natur die Krfte schon versagt hat: eine Erlaubni, die
+keine ist, und die Sie nicht nthig htten, so theuer zu <span class="linenum">15</span>
+kaufen, mit Verlust Ihrer hulichen Ruhe, Ihrer Freyheit,
+Ihrer Ehre, wie oft Ihrer Ehre? — Sich Liebe zu
+erlauben, die keinen Gegenstand mehr findet, weil alle
+Gegenstnde von eben dieser Freyheit zu denken eben so
+verderbt, eben so entnervet sind. Wohin also mit diesem <span class="linenum">20</span>
+glnzenden Betruge, den man sich alle Tage erneuert,
+alle Tage <em class="gesperrt">neue Plane</em> macht, die <em class="gesperrt">am Abend vergessen</em>
+werden, und so am Ende seines Lebens <em class="gesperrt">immer
+glaubte genossen zu haben</em> und <em class="gesperrt">nie genossen hat</em>.
+— Nehmen Sie nun aber die Unglckseligen, die keine <span class="linenum">25</span>
+solchen Merkantilischen <em class="gesperrt">Vertrge</em> aufrichten knnen.
+Nehmen Sie die blhende Schne, die keine weiteren Reize
+hat, als die ihr die Natur und ihre Tugend gab, und die
+jetzt auf ewig ungebrochen an ihrem Stock absterben [40]
+mu. Nehmen Sie die unzhligen <em class="gesperrt">Schlachtopfer <span class="linenum">30</span>
+der Nothwendigkeit</em> und die <em class="gesperrt">furchtbaren</em> Geschichten,
+die, so wie sie wirklich geschehen, und wie ich
+deren <em class="gesperrt">hundert</em> wei, keine menschliche Feder aufzuzeichnen
+vermag. Nehmen Sie die <em class="gesperrt">heruntergekommenen</em>
+Familien, und die andern, denen ein gleiches Schicksal <span class="linenum">35</span>
+drohet, die alle <em class="gesperrt">vereinzelt</em> sind, unter denen alle
+Bnder, die vielleicht machen knnten, da sich eine an<span class="pagenum"><a name="Seite_25" id="Seite_25">[S. 25]</a></span>
+der andern wieder aufrichtete, zerhauen und zerstckt sind,
+und fr die alle menschliche Klugheit keine Hlfsmittel
+mehr auszusinnen im Stande ist. Die nunmehr alle,
+anstatt einen gemeinschaftlichen Quell der Freuden (und
+welche Freuden sind inniger und wrmer, als die von <span class="linenum">5</span>
+zwey vereinigten Familien?) ausfindig zu machen, eine
+auf der andern <em class="gesperrt">Ruinen triumphiren</em>. Man schreiet
+ber den Luxus, da er die Ehen hindere, nein, meine
+Herren, es ist nicht der Luxus, der Luxus ist das einzige
+Mittel, die <em class="gesperrt">Freuden der Ehe auch von auen <span class="linenum">10</span>
+glnzender und herrlicher zu machen</em>, es ist,
+was Sie sich alle selbst nicht gestehen wollen, die Pestbeule
+in Ihrer Brust, die Verderbni der Sitten, die
+Geringschtzung hherer Wonne fr einen thierischen Augenblick,
+der Ihnen freylich heut [41] zu Tage leicht genug <span class="linenum">15</span>
+gemacht wird. Ihre Mtter, Ihre Vter, Ihre Weiber,
+Ihre Kinder — wenn gleich das dumpfe und unentwickelte
+Gefhl ihres Elendes sie stumm macht — verwnschen
+in den Augenblicken, wo die gesammten Folgen Ihrer
+Grundstze auf sie herein brechen — ohne es zu wissen, <span class="linenum">20</span>
+ohne es zu wollen, Sie. — Sie, die jetzt des allgemeinen
+Elendes lachen.</p>
+
+<p>Wenn nun zu den uern Bewegungsgrnden noch
+die innern hinzu kommen, eines Triebes zu schonen, den
+uns die Natur gab, um damit zu <em class="gesperrt">wuchern</em>, nicht ihn, <span class="linenum">25</span>
+eh wir mndig werden, zu verschleudern; wenn die gnzliche
+Vertubung unsers innern Nerven uns mit einer
+<em class="gesperrt">furchtbaren Armuth an Wonnegefhl fr
+unser ganzes Leben bedroht</em>: worauf knnten
+wir Jnglinge, die an der Schwelle des Lebens stehen, <span class="linenum">30</span>
+wohl eiferschtiger seyn, als auf die geringste Verletzung
+der Grundstze, die uns die richtige Anwendung dieses
+Triebes auf ewig befestigen? Hier Schwrmerey zu
+rufen, wo der <em class="gesperrt">erste</em> Entschlu <em class="gesperrt">alles</em> ist — seitab vom
+Rosengebahnten Wege herzhaft auf Dornen zu treten, die <span class="linenum">35</span>
+uns zum Glck eines Halbgotts fhren, von [42] dem
+unsern Gegnern bis auf die Vorempfindung fehlt — ist,<span class="pagenum"><a name="Seite_26" id="Seite_26">[S. 26]</a></span>
+und mu uns wahres Kriegesgeschrey sein, da alle
+unsere moralischen Gefhle emprt, mag auch die Stimme,
+die uns das zurief, noch so s und Syrenenmig tnen.
+Ja, je zaubrischer sie ist, desto mehr verdopple sich unsere
+Wuth, ihr zu entweichen, nach dem Maa, als die Waffen, <span class="linenum">5</span>
+die man gegen unsern Entschlu anwendet, gefhrlicher
+werden, der wahrhaftig keiner von den leichten ist. Ach
+in einer Welt, wo das geringste Wanken und Zweifeln
+an seiner Hofnung schon Fall und Untergang ist, wo
+tausend Augen uns entgegen buhlen, tausend Busen uns <span class="linenum">10</span>
+entgegen streben, die oft von der Nothwendigkeit, oft von
+der Falschheit, oft, welches die frchterlichste aller Versuchungen
+ist, vom Irrthum, mitleidenswrdigen Irrthum,
+der ihnen nicht benommen werden kann, gegen uns bewafnet
+werden, die, da Liebe und Leiden- [43] schaft auf <span class="linenum">15</span>
+ihrer Seite sind, uns keine andere Wahl als die eines
+Bsewichts oder eines Elenden brig lassen — ach meine
+Freunde, der Kranz hngt oben, und der Fels ist glatt.
+Nur eine kann eure <em class="gesperrt">Leidenschaft</em> haben, wenn die
+andern euer Mitleiden, eure Liebkosungen vielleicht, eure <span class="linenum">20</span>
+Dienstleistung (denn wem seyd ihr sie mehr schuldig, als
+dem in unsrer kalten Welt so hlflofen Geschlecht?) kurz
+allen uerlichen Anschein eurer Leidenschaft haben. Lat
+euch das nicht reuen, seyd edel, opfert auf, ohne Wiederwillen,
+alles, was man von euch fodert, alles — nur <span class="linenum">25</span>
+nicht euer Herz. Dies kann niemand fodern, niemand —
+auch die behendesten Kokettenknste nicht — erschleichen,
+und wenn euer Herz euer ist, wird <em class="gesperrt">eure Tugend
+gewi sicher seyn</em>. Bleibt Meister eurer Herzen,
+und ihr bleibt Meister der Welt. Verachten knnt ihr sie <span class="linenum">30</span>
+mit all ihrem Gewirr uerer Umstnde und Zwangmittel,
+die [44] nur Zwangmittel fr Sclaven sind, die den Adel
+des Funkens nicht kennen, der in ihnen lodert, und der
+die Verheiungen der ganzen Erde hat.</p>
+
+<p>Wer kann das Namenlose, ngstige Gefhl, fr <span class="linenum">35</span>
+welches wir doch immer nur Zerstreuungen vergeblich
+aufsuchen, dunkel genug ausmahlen, da alle unsere Fiebern<span class="pagenum"><a name="Seite_27" id="Seite_27">[S. 27]</a></span>
+tdlich durch schauert, wenn wir, bey Erschpfung unseres
+inneren Sinnes, das ganze irrdische und sterbliche unserer
+Substanz inne werden, inne werden die furchtbare Lcke,
+die sich zwischen unserer Anhnglichkeit an die Welt und
+zwischen allem, was wir sonst in ihr schtzbar und geniebar <span class="linenum">5</span>
+fanden, einstellt. Da also alles Glck in der Welt auf
+unsere innere Beschaffenheit und Empfnglichkeit desselben
+ankommt, welche Drachen sind feurig genug, diesen Eingang
+desselben zu bewahren? sollte auch die Gefahr, [45]
+womit er bedroht wird, durch einen optischen Betrug sich <span class="linenum">10</span>
+uns grer abbilden, als sie in der That ist. Selbst
+dieser optische Betrug ist ein Verwahrungsmittel der Natur,
+das uns wenigstens in Betracht derer heilig seyn sollte,
+die noch nicht reife Einsichten genug erworben haben, die
+wirkliche Gestalt dieser Gefahren mit ihrem Verstande zu <span class="linenum">15</span>
+beleuchten. Fr diese aber Karten aufzuzeichnen und zu
+illuminiren, ist, wie Herr W. selbst eingestehen wird, ein
+hchst miliches und gefahrvolles Unternehmen, zu dem
+nicht blo poetisches Talent und Kenntni der Welt,
+sondern auch eine groe Dosis von Gte des Herzens <span class="linenum">20</span>
+erfodert wird, die sich lieber in ein dunkles Licht stellen,
+als durch ein verborgtes feyerliches Ansehen und Hohngelchter
+allen Muth in jungen zur Tugend aufstrebenden
+Herzen niederschlagen will.</p>
+
+<p>Wie aber, wenn Herr W. selbst ein [46] Mrtyrer <span class="linenum">25</span>
+der Philosophie seiner Zeiten geworden wre, und durch
+eine der schnsten und unglcklichsten Leidenschaften bis
+auf einen Grad der Verzweiflung gebracht, den man
+an gefhligen Seelen nicht innig genug bedauren und
+verehren kann, aus Verdru bers menschliche Geschlecht <span class="linenum">30</span>
+einer Schwrmerey gespottet htte, die seine Jugend so
+unglcklich machte. Wenn der Beyfall, mit dem seine
+ohnehin dahin gestimmten Zeitgenossen diese mit allen
+Waffen seines Witzes und seiner aufgebrachten Einbildungskraft
+gersteten Spttereyen aufgenommen, ihn auf dem <span class="linenum">35</span>
+einmal beschrittenen Wege immer weiter fortgerissen, bis
+er aus dem sen Taumel des allgemeinen Zujauchzens<span class="pagenum"><a name="Seite_28" id="Seite_28">[S. 28]</a></span>
+erwachte, inne hielt, die leeren Kpfe, die mit ihm gelaufen
+waren, seitab auf bessere Wege zu fhren suchte, wo sie
+wenigstens nicht Ursache htten, zu bereuen, da sie die
+Verirrungen eines feurigen Genies fr Lehren der Weiheit
+und Tu- [47] gend gehalten — — o mein liebenswrdiger <span class="linenum">5</span>
+Freund! reichen Sie mir Ihre Hand, und ich
+will Ihr Herz so sehr verehren, als ich Ihren Geistesgaben
+meine Bewunderung nie habe entziehen knnen.
+Und wie knnte Ihr Vaterland sodann undankbar gegen
+einen Dichter seyn, der selbst durch den zuflligen Schaden, <span class="linenum">10</span>
+den er verursacht, unzhlige Jnglinge, <em class="gesperrt">besserer Zeiten</em>
+belehrt hat, die Abwege einer zu schnellen Einbildungskraft,
+eines zu empfindlichen und reitzbaren Herzens zu
+vermeiden und sowohl aus Ihrem Exempel als aus den
+Abdrcken nicht aus der Luft gehaschter, sondern bewhrter <span class="linenum">15</span>
+Erfahrungen menschlichen Lebens (dem chten Probierstein
+wahrer Dichter) weise zu werden. Wie knnte Ihr
+Vaterland, ohne alles Blut in seinen Adern emprt zu
+fhlen, eine Niobe in Ihrem Zimmer vermuthen und
+nicht die Ursache dieser Thrnen zu erforschen und wegzurumen <span class="linenum">20</span>
+suchen? Nein, wrdiger Kriegesmann, der [48]
+noch in seinem Alter dem Feinde entgegen gehen und
+irgend eine Kugel auffangen will, einem Jngeren das
+Leben zu retten, das sollen Sie nimmer, nimmer, sondern
+Ruhe — Dichterruhe auf Lorbeern Ihre Strafe seyn. <span class="linenum">25</span>
+</p>
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum pagenumh2"><a name="Seite_29" id="Seite_29">[S. 29]</a></span><span class="antiqua">Beilagen</span>.</h2>
+
+<h3><span class="antiqua">I. Aus der Handschrift des Pandmonium
+Germanicum.</span></h3>
+
+
+<p class="directiv">
+<em class="gesperrt">Gleim</em> tritt herein mit Lorbeern ums Haupt, ganz erhitzt,
+in Waffen. Als er den neckischen tollen Hauffen sieht, wirft er <span class="linenum">5</span>
+Rstung und Lorbeer von sich, setzt sich zu der Leyer und spielt.
+Der ernsthafte Zirkel wird aufmerksam, Utz tritt aus demselben
+hervor, und lst <em class="gesperrt">Gleimen</em> ab. Der ernsthafte Zirkel tritt nher.
+<em class="gesperrt">Ein junger Mensch</em> folgt <em class="gesperrt">Utzen</em>, mit verdrehten Augen, die
+Hnde ber dem Haupt zusammengeschlagen: <span class="linenum">10</span>
+</p>
+
+<p>Ω πω ποι, was fr ein Unterfangen, was fr eine
+zahmlose und schaamlose Frechheit ist dies? Habt ihr sowenig
+Achtung fr diese wrdige Personen, ihre Augen
+und Ohren mit solchen Unflthereyen zu verwunden?
+Errthet und erblat, ihr sollt diese Stelle nicht lnger <span class="linenum">15</span>
+mehr schnden, die ihr usurpirt habt, heraus mit euch
+Bnkelsngern, Wollustsngern, Bordellsngern, heraus
+aus dem Tempel des Ruhms!</p>
+
+<p class="directiv">
+Ein Paar Priester folgen dicht hinter ihm drein, trommeln
+mit den Fusten auf die Bnke, zerschlagen die Leyer und jagen <span class="linenum">20</span>
+sie alle zum Tempel hinaus. <em class="gesperrt">Wieland</em> bleibt allein stehen, die
+Herren und Damen beweisen ihm viel Hflichkeiten, fr die
+Achtung die er ihnen bewiesen.
+</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Wieland</em>. Womit kann ich den Damen itzt aufwarten,
+ich wei in der Geschwindigkeit wahrhaftig nicht <span class="linenum">25</span>
+— sind Ihnen Sympathieen gefllig — oder Briefe der
+Verstorbnen an die Lebendigen — oder ein Heldengedicht,
+eine Tragdie?</p>
+
+<p class="directiv">
+<span class="pagenum pagenumq"><a name="Seite_30" id="Seite_30">[S. 30]</a></span>
+Kramt all seine Taschen aus. Die Herrn und Damen
+besehen die Bcher und loben sie hchlich. Endlich weht sich die
+eine mit dem Fcher, die andere ghnend:
+</p>
+
+<p>Haben Sie nicht noch mehr Sympathieen?</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Wieland</em>. Einen Augenblick Geduld, wir wollen <span class="linenum">5</span>
+gleich was anders finden — nur einen Augenblick, gndige
+Frau! lassen Sie sich doch die Zeit nur nicht lang
+werden. (<em class="directiv">Geht herum und findt die zerbrochene Leyer, die er
+zu stimmen anfngt.</em>) Wir wollen sehn, ob wir nicht darauf
+was herausbringen knnen. <span class="linenum">10</span>
+</p>
+
+<p class="directiv">
+Spielt. Alle Damen halten sich die Fcher vor den Gesichtern.
+Hin und wieder ein Gekreisch:
+</p>
+
+<p>Um Gottes willen, hren Sie auf!</p>
+
+<p class="directiv">
+Er lt sich nicht stren, sondern spielt immer feuriger.
+</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Die Franzosen</em>. <span class="antiqua">Oh le gaillard! Les autres <span class="linenum">15</span>
+s'amusoient avec des grisettes, cela debauche les
+honnetes femmes. Il a bien pris son parti au moins.</span></p>
+
+<p><em class="gesperrt">Chaulieu und Chapelle</em>. <span class="antiqua">Ah a, descendons
+notre petit</span> (<em class="directiv">lassen <em class="gesperrt">Jakobi</em> auf einer Wolke von Nesseltuch
+nieder, wie einen Amor gekleidt</em>), <span class="antiqua">cela changera bien la <span class="linenum">20</span>
+machine.</span></p>
+
+<p class="directiv"><em class="gesperrt">Jakobi</em> spielt in den Wolken auf einer deinen Sakvioline.
+Die ganze Gesellschaft fngt an zu danzen. Auf einmal lt er
+eine ungeheure Menge Papillons fliegen.</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Die Damen</em> (<em class="directiv">haschen</em>). Liebesgtterchen! Liebesgtterchen! <span class="linenum">25</span>
+</p>
+
+<p>
+<em class="gesperrt">Jakobi</em> (<em class="directiv">steigt aus der Wolke in einer schmachtenden
+Stellung</em>). Ach mit welcher Grazie! —
+</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Wieland</em>. Von Grazie hab ich auch noch ein
+Wort zu sagen. <span class="linenum">30</span>
+</p>
+
+<p class="directiv">
+Spielt ein anderes Stck. Die Dames minaudiren entsetzlich.
+Die Herren setzen sich einer nach dem andern in des
+<em class="gesperrt">Jakobi</em> Wolke und schaukeln damit. Viele setzen die Papillons
+unters Vergrsserungsgla und einige legen den Finger unter
+die Nase, die Unsterblichkeit der Seele daraus zu beweisen. Eine <span class="linenum">35</span>
+Menge Offiziers machen sich Kokarden von Papillonsflgeln, andere
+kratzen mit dem Degen an <em class="gesperrt">Wielands</em> Leyer, sobald er zu spielen
+aufhrt. Endlich ghnen sie alle.<span class="pagenum pagenumq"><a name="Seite_31" id="Seite_31">[S. 31]</a></span>
+</p>
+
+<p class="directiv">
+Eine <em class="gesperrt">Dame</em>, die, um nicht gesehen zu werden, hinter
+<em class="gesperrt">Wielands</em> Rcken gezeichnet hatte, unaufmerksam auf alles was
+vorgieng, giebt ihm das Bild zum Sehen. Er zuckt die Schultern,
+lchelt bis an die Ohren hinauf, reicht aber doch das Bild gromthig
+herum. Jedermann macht ihm Complimente darber, er <span class="linenum">5</span>
+bedankt sich schnstens, steckt das Bild wie halb zerstreut in die
+Tasche und fngt ein ander Stck zu spielen an. Die Dame errthet.
+Er spielt. Die Palatine der Damen kommen in Unordnung,
+weil die Herrchen zu ungezogen werden. Er winkt ihnen
+lchelnd zu und Jakobi hpft wie unsinnig von einer zur andern <span class="linenum">10</span>
+umher. Alle klatschen wohllstig ghnend:
+</p>
+
+<p><span class="antiqua">Bravo, bravo, bravo! le moyen d'entendre quelque
+chose de plus ravissant!</span></p>
+
+<p><em class="gesperrt">Goethe</em> (<em class="directiv">strzt herein in den Tempel, glhend, einen
+Knochen in der Hand</em>). Ihr Deutsche? — Hier ist eine <span class="linenum">15</span>
+Reliquie eurer Vorfahren. Zu Boden mit euch und angebethet,
+was ihr nicht werden knnt.</p>
+
+<p class="directiv">
+<em class="gesperrt">Wieland</em> macht ein hhnisches Gesicht und spielt fort.
+<em class="gesperrt">Jakobi</em> bleibt mit offenem Mund und niederhangenden Hnden
+stehen. <span class="linenum">20</span>
+</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Goethe</em> (<span class="directiv">auf Wieland zu</span>). Ha da du Hecktor wrst
+und ich dich so um die Mauren von Troja schleppen knnte!
+(<span class="directiv">Zieht ihn an den Haaren herum.</span>)</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Die Frauenzimmer</em>. Um Gotteswilln, Herr
+Goethe, was machen Sie? <span class="linenum">25</span>
+</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Goethe</em>. Ich will euch spielen, obschon's ein verstimmtes
+Instrument ist. (<em class="directiv">Setzt sich, stimmt ein wenig und
+spielt. Alles weint.</em>)</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Wieland</em> (<em class="directiv">auf den Knieen</em>). Das ist gttlich!</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Jakobi</em> (<em class="directiv">hinter ihm, gleichfalls auf Knieen</em>). Das ist <span class="linenum">30</span>
+eine Grazie, eine Wonnegluth!</p>
+
+<p><em class="gesperrt">Eine ganze Menge Damen</em> (<em class="directiv">Goethen umarmend</em>).
+O Herr Goethe! <em class="directiv">Die Chapeaux werden ernsthaft, einige lauffen
+heraus, andere setzen sich die Pistolen an die Kpfe, setzen aber
+gleich wieder ab. Der <em class="gesperrt">Kster</em>, der das sieht, luft und stolpert <span class="linenum">35</span>
+aus der Kirche.</em></p>
+
+
+
+
+
+
+<h3><span class="pagenum"><a name="Seite_32" id="Seite_32">[S. 32]</a></span><span class="antiqua">II. Aus den Meynungen eines Layen.</span></h3>
+
+<p class="center"><span class="antiqua">Leipzig</span> 1775 S. 113–119.</p>
+
+
+<p>Nun noch ein Wort fr die galante Welt. Wir
+haben itzt das Skulum der schnen Wissenschaften.
+Paradox und seltsam genug wrd' es lassen, zu sagen, <span class="linenum">5</span>
+da sich aus den Schriften der Apostel so wie berhaupt
+aus der Bibel, eben so [114] gut eine Theorie der schnen
+Knste abstrahiren liee, wie aus dem groen Buche der
+Natur. Verstehn Sie mich nicht unrecht, ich sage dies
+nicht grade zu, ich will Ihnen nur einen Wink geben, <span class="linenum">10</span>
+da die wahre Theologie sich mit dem wahren Schnen
+in den Knsten besser vertrage, als man beym ersten
+Anblick glauben mchte. Diesen Satz weiter auszufhren,
+wrde mich hier zu weitlufig machen, erlauben Sie mir
+nur, ein paar hier nicht her zu gehren scheinende Anmerkungen <span class="linenum">15</span>
+anzuhngen, ehe ich schliee. Man fngt seit
+einiger Zeit in einer gewissen Himmelsgegend sehr viel an,
+von <span class="antiqua">Sensibilit</span> (bey den Deutschen Empfindsamkeit) zu
+diskuriren, zu predigen, zu dichten, zu agiren, und ich
+wei nicht was. Ich wette, da der hundertste, der dies <span class="linenum">20</span>
+Wort braucht, nicht wei was er damit will, und doch
+wird das Wort so oft gebraucht, da es fast der Grundsatz
+aller unsrer schnen Knste, ohne da die Knstler
+es selbst gewahr werden, geworden ist. Der Grundsatz
+unserer schnen Knste ist also noch eine <span class="antiqua">qualitas occulta</span>, <span class="linenum">25</span>
+denn wenn ich alle Meynungen derer, die das Wort
+brauchten, auf Zettel geschrieben, in einen Topf zusammen
+schttelte, wette ich, ein jeder wrde dennoch dieses Wort
+auf seine ihm eigene Art verstehen [115] und erklren.
+Und das ist auch kein Wunder, da wir als Individua <span class="linenum">30</span>
+von einander unterschieden sind, und seyn sollen, und also
+jeder sein individuelles Nervengebude, und also auch sein
+individuelles Gefhl hat. Was wird aber nun aus der
+Schnheit werden, aus der Schnheit, die wie Gott ewig
+und unvernderlich, sich an keines Menschen Gefhl binden, <span class="linenum">35</span>
+sondern in sich selbst die Grnde und Ursachen ihrer<span class="pagenum"><a name="Seite_33" id="Seite_33">[S. 33]</a></span>
+Vortreflichkeit und Vollkommenheit haben soll? Homer
+ist zu allen Zeiten schn gefunden worden, und ich wette,
+das roheste Kind der Natur wrde vor einem historischen
+Stcke von Meisterhand gerhrt und betroffen stehen
+bleiben, wenn er nur auf irgend eine Art an diese Vorstellungen <span class="linenum">5</span>
+gewhnt wre, da er gewisse bestimmte Begriffe
+damit zu verbinden wste. Dessen kann sich aber das
+Miniaturgemhlde und das Epigramm nicht rhmen, und
+jener macht eben so wenig Anspruch auf den Titel eines
+Virtuosen in der Mahlerey, als dieser auf den Titel eines <span class="linenum">10</span>
+Genies κατ εξοχην, eines Poeten, wie Aristoteles und
+Longin dieses Wort brauchten, eines Schpfers. Das mu
+doch seine Ursachen haben. Ja, und die Ursachen liegen
+nicht weit, wir wollen nur nicht drber wegschreiten, um
+sie zu suchen. Sie liegen[116] darinn, da jene Produkte <span class="linenum">15</span>
+hervorzubringen, mehr Geist, mehr innere Konsistenz,
+und Gott gleich stark fortdaurende Wirksamkeit unserer
+Kraft erfordert wurde, welche bey dem, der sie lieset oder
+betrachtet, eben die Erschtterung, den sen Tumult, die
+entzckende Anstrengung und Erhebung aller in uns verborgenen <span class="linenum">20</span>
+Krfte hervorbringt, als der in dem Augenblicke
+fhlte, da er sie hervorbrachte. Es ist also immer unser
+Geist, der bewegt wird, entflammt, entzckt, ber seine
+Sphre hinaus gehoben wird — nicht der Krper mit
+samt seiner <span class="antiqua">Sensibilit</span>, mag sie auch so fein und subtil <span class="linenum">25</span>
+seyn als sie wolle. Denn das Wort zeigt nur ein verfeinertes
+krperliches Gefhl an, das ich durchaus nicht
+verkleinere, verachte, noch viel weniger verdamme, behte
+mich der Himmel! verfeinert euren Krper ins unendliche
+wenn ihr wollt und wenn ihr knnt, distillirt ihn, bratet <span class="linenum">30</span>
+ihn, kocht ihn, wickelt ihn in Baumwolle, macht Alkoholl
+und Alkahest draus, oder was ihr wollt — der ehrliche
+Deutsche, der noch seiner alten Sitte getreu, Bier dem
+Champagner, und Tabak dem <span class="antiqua">eau de mille fleurs</span> vorzieht,
+der nur einmal in seinem Leben heyrathet, und wenn <span class="linenum">35</span>
+sein Weib ihm Hrner aufsetzen will, sie erst <span class="antiqua">modice
+castigat</span>, dann prgelt, [117] dann zum Haus nausschmeit,<span class="pagenum"><a name="Seite_34" id="Seite_34">[S. 34]</a></span>
+hat einen eben so guten Krper als ihr, und noch bessern
+wann ihr wollt, wenigstens dauerhafter, wei er ihn nicht
+so schn zu tragen als ihr, nicht so artig zu beugen, nicht
+so gut zu salben und zu pudern, er braucht ihn wozu er
+ihn nthig hat — und sucht das Schne — wenn der <span class="linenum">5</span>
+Himmel anders unser Vaterland jemals damit zu beglcken,
+beschlossen hat — nicht in dem, was seine verstimmte
+Sensibilitt in dem Augenblicke auf die leichteste Art befriedigt,
+oder vielmehr einschlfert, sondern in dem, was
+seine mnnliche Seele aus den eisernen Banden seines <span class="linenum">10</span>
+Krpers losschttelt, ihr den elastischen Fittig spannt, und
+sie hoch ber den niedern Haufen weg in Hhen fhret,
+die nicht schwrmerisch ertrumt, sondern mit Entschlossenheit
+und Bedacht gewhlt sind. <span class="antiqua">Da mihi figere pedem</span>,
+ruft er, nicht mit halbverwelkten Blumen zufrieden, die <span class="linenum">15</span>
+man ihm auf seinen Weg wirft, sondern Grund will er
+haben, felsenvesten Grund und steile Hhen drauf zaubern,
+wie Gthe sagt, die Engel und Menschen in Erstaunen
+setzen. Ist es Geschichte, so dringt er bis in ihre Tiefen,
+und sucht in nie erkannten Winkeln des menschlichen <span class="linenum">20</span>
+Herzens die Triebfedern zu Thaten, die Epochen machten,
+ist [118] es Urania, die seinen Flug fhrt, ist es die
+Gottheit, die er singt, so fhlt er das Weltganze in allen
+seinen Verhltnissen wie Klopstock, und steigt von der
+letzten Stuffe der durchgeschauten und empfundenen <span class="linenum">25</span>
+Schpfung zu ihrem Schpfer empor, betet an — und
+brennt — ist es Thalia, die ihn begeistert, so sucht er
+die Freude aus den verborgensten Kammern hervor, wo
+der arbeitsame Handwerker nach vieler Mhe viel zu genieen
+vermag, und der Narr, der euch zu lachen machen <span class="linenum">30</span>
+soll, ein gewaltiger Narr seyn mu, oder er ist gar nichts.
+Ists endlich die Satire selbst, die groe Laster erst zur
+Kunst machten, wie groe Tugenden und Thaten die
+Epopee, so schwingt er die Geiel muthig und ohne zu
+schonen, ohne Rcksichten, ohne Ausbeugungen, ohne <span class="linenum">35</span>
+Scharrfe und Komplimente grad zu wie Juvenal, je
+grer, je wrdigerer Gegenstand zur Satire, wenn du
+ein Schurke bist — kurz —</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Seite_35" id="Seite_35">[S. 35]</a></span>
+
+Wo gerathe ich hin? Ich habe nur mit zwey
+Worten anzeigen wollen, da weder Nationalha, noch
+Partheylichkeit, noch Eigensinn und Sonderbarkeit mich
+begeisterten, wenn ich jemals Unzufriedenheit ber die
+franzsische Bellitteratur, die so wie alle ihre Gelehrsamkeit <span class="linenum">5</span>
+[119] mit ihrem Nationalcharakter wenigstens bisher noch
+immer in ziemlich gleichem Verhltni gestanden, bezeugt
+habe: doch das ist grad zu und ohne Einschrnkung noch
+nie geschehen, und geschicht auch jetzt nicht.
+</p>
+
+
+
+<h2>Funoten</h2>
+
+<div class="footnote">
+
+<p><a name="Fussnote_A_1" id="Fussnote_A_1"></a><a href="#FNAnker_A_1"><span class="label">[A]</span></a> Zu Weinholds Angaben und den infamierenden Bruchstcken
+S. 331 ff. fge man etwa noch den Satz auf einem
+Strassburger Folio: So lange Philosophie restinirter Mssiggang
+und Beschaulichkeit des Lebens anderer ist, so bedank
+ich mich vor denen Sokraten. Und insofern hat Aristophanes
+immer recht wider sie gehabt.</p></div>
+
+<div class="footnote">
+
+<p><a name="Fussnote_A_2" id="Fussnote_A_2"></a><a href="#FNAnker_A_2"><span class="label">[B]</span></a> Wobey man sich freylich die Hand beschmieren mu.</p></div>
+
+<div class="footnote">
+
+<p><a name="Fussnote_B_3" id="Fussnote_B_3"></a><a href="#FNAnker_B_3"><span class="label">[C]</span></a> In den Berlinischen Litteraturbriefen.</p></div>
+
+<div class="footnote">
+
+<p><a name="Fussnote_C_4" id="Fussnote_C_4"></a><a href="#FNAnker_C_4"><span class="label">[D]</span></a> Siehe die vom seel. Prof. Hartmann in den Merkur
+eingerckte Skiagraphie einer Weltgeschichte.</p></div>
+
+<div class="footnote">
+
+<p><a name="Fussnote_D_5" id="Fussnote_D_5"></a><a href="#FNAnker_D_5"><span class="label">[E]</span></a> Ich verstehe hier den Verfasser der deutschen Philosophie
+der Geschichte und der Ursachen des gesunkenen Geschmacks, die
+in Berlin den Prei erhalten.</p></div>
+
+<div class="footnote">
+
+<p><a name="Fussnote_E_6" id="Fussnote_E_6"></a><a href="#FNAnker_E_6"><span class="label">[F]</span></a> Ich habe mich geirrt, es gehrt auch noch eine gewisse
+Belesenheit in andern Journalen und irgend ein Buch, das von
+einer hnlichen Materie handelte, zur Hand dazu, aus denen
+man denn allenfalls einige <span class="antiqua">Citata</span> nachschlgt und ausschreibt.
+Siehe die neuesten Rezensionen.</p></div>
+
+<div class="footnote">
+
+<p><a name="Fussnote_F_7" id="Fussnote_F_7"></a><a href="#FNAnker_F_7"><span class="label">[G]</span></a> Meine Freunde werden wissen, mit welchem Enthusiasmus
+ich sonst von diesem Meisterstck der sanfteren komischen Muse
+W., ich meyne der Musarion zu reden gewohnt bin. Welche
+ruhige Farbemischung, welche herrliche lebendige Schattirung der
+Characktere!</p></div>
+
+
+
+<p class="center">
+<span class="pagenum"><a name="Seite_36" id="Seite_36">[S. 36]</a></span>
+<small>Herros & Ziemsen, Wittenberg.</small><br />
+</p>
+
+
+<div class="transnote pagebreak p6">
+<h2>Anmerkungen zur Transkription</h2>
+Seitenzahlen und Zeilennummern wurden beibehalten, da auf diese verwiesen wird.<br />
+<br />
+Folgende nderung wurde vorgenommen:<br /><br />
+S.12 Z.28-29 ver-verdammte in verdammte gendert.
+</div>
+
+<p> </p>
+<hr class="full" />
+<p>***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK VERTHEIDIGUNG DES HERRN WIELAND GEGEN DIE WOLKEN, VON DEM VERFASSER DER WOLKEN***</p>
+<p>******* This file should be named 48567-h.htm or 48567-h.zip *******</p>
+<p>This and all associated files of various formats will be found in:<br />
+<a href="http://www.gutenberg.org/dirs/4/8/5/6/48567">http://www.gutenberg.org/4/8/5/6/48567</a></p>
+<p>
+Updated editions will replace the previous one--the old editions will
+be renamed.</p>
+
+<p>Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
+law means that no one owns a United States copyright in these works,
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+</p>
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+<br />
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+<p>1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is
+derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not
+contain a notice indicating that it is posted with permission of the
+copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
+the United States without paying any fees or charges. If you are
+redistributing or providing access to a work with the phrase "Project
+Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply
+either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
+obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
+trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.</p>
+
+<p>1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
+additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
+will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
+posted with the permission of the copyright holder found at the
+beginning of this work.</p>
+
+<p>1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.</p>
+
+<p>1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.</p>
+
+<p>1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
+any word processing or hypertext form. However, if you provide access
+to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
+other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official
+version posted on the official Project Gutenberg-tm web site
+(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
+to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
+of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
+Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
+full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.</p>
+
+<p>1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.</p>
+
+<p>1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works
+provided that</p>
+
+<ul>
+<li>You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
+ to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has
+ agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
+ Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
+ within 60 days following each date on which you prepare (or are
+ legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
+ payments should be clearly marked as such and sent to the Project
+ Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
+ Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
+ Literary Archive Foundation."</li>
+
+<li>You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or destroy all
+ copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
+ all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm
+ works.</li>
+
+<li>You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
+ any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
+ receipt of the work.</li>
+
+<li>You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.</li>
+</ul>
+
+<p>1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
+Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
+are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
+from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The
+Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm
+trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.</p>
+
+<p>1.F.</p>
+
+<p>1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
+Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm
+electronic works, and the medium on which they may be stored, may
+contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
+or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
+intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
+other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
+cannot be read by your equipment.</p>
+
+<p>1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.</p>
+
+<p>1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium
+with your written explanation. The person or entity that provided you
+with the defective work may elect to provide a replacement copy in
+lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
+or entity providing it to you may choose to give you a second
+opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
+the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
+without further opportunities to fix the problem.</p>
+
+<p>1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
+OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
+LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.</p>
+
+<p>1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of
+damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
+violates the law of the state applicable to this agreement, the
+agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
+limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
+unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
+remaining provisions.</p>
+
+<p>1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
+accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
+production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
+electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
+including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
+the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
+or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
+additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
+Defect you cause. </p>
+
+<h3 class="pg">Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm</h3>
+
+<p>Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of
+computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
+exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
+from people in all walks of life.</p>
+
+<p>Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
+generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
+Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
+www.gutenberg.org.</p>
+
+<h3 class="pg">Section 3. Information about the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation</h3>
+
+<p>The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
+U.S. federal laws and your state's laws.</p>
+
+<p>The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
+mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
+volunteers and employees are scattered throughout numerous
+locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
+Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
+date contact information can be found at the Foundation's web site and
+official page at www.gutenberg.org/contact</p>
+
+<p>For additional contact information:</p>
+
+<p> Dr. Gregory B. Newby<br />
+ Chief Executive and Director<br />
+ gbnewby@pglaf.org</p>
+
+<h3 class="pg">Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation</h3>
+
+<p>Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.</p>
+
+<p>The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
+DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
+state visit <a href="http://www.gutenberg.org/donate">www.gutenberg.org/donate</a>.</p>
+
+<p>While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.</p>
+
+<p>International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.</p>
+
+<p>Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations. To
+donate, please visit: www.gutenberg.org/donate</p>
+
+<h3 class="pg">Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.</h3>
+
+<p>Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
+Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
+freely shared with anyone. For forty years, he produced and
+distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
+volunteer support.</p>
+
+<p>Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
+the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
+necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
+edition.</p>
+
+<p>Most people start at our Web site which has the main PG search
+facility: www.gutenberg.org</p>
+
+<p>This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.</p>
+
+</body>
+</html>
+
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