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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-27 15:51:17 -0800 |
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G. Oncken Nachfolger</em>, G. m. b. H., Cassel</span></p> + + +<p class="pb mt6"> </p> +<div class="il"> + <img src="images/img001.jpg" alt="" /> + <p class="cap"><b>Alexander Mackay.</b></p> +</div> + + +<h2><a class="pagenum" id="page_005" title="5"> </a> +<b>Vorbericht.</b></h2> + + +<p>Die Londoner Zeitung »Daily Telegraph« brachte +im November 1875 einen Artikel, der eine elektrisierende +Wirkung hatte. Es war ein Brief des berühmten +Weltreisenden Henry M. Stanley, in dem +mit flammender Begeisterung der Reichtum und die +Schönheit des Ugandareiches am Nordufer des Viktoria +Niansa in Ostafrika geschildert und die englische +Christenheit dringend ersucht wurde, in diesem gesegneten +Lande eine Mission zu beginnen. Der humane +König Mtesa, an dessen Hofe Stanley vor seiner +großen Kongofahrt monatelang fürstliche Gastfreundschaft +genoß, hatte sich heilsbegierig gezeigt und um +Missionare und Lehrer für sich und sein Volk gebeten.</p> + +<p>Wenige Tage nach Veröffentlichung dieser seltenen +Botschaft stellte ein unbekannter Missionsfreund der +Kirchlichen Missionsgesellschaft 10 0000 Mark für +die Mission in Uganda zur Verfügung, und das Komitee +erließ bald darauf einen allgemeinen Aufruf, um +<a class="pagenum" id="page_006" title="6"> </a> +die weiteren Mittel und Menschen für das neue Werk +zu bekommen. Ehe ein Jahr ins Land gegangen war, +hatten sich zu den auf eine halbe Million Mark angewachsenen +Missionsmitteln auch eine ganze Anzahl +fähiger Männer als Missionare angeboten. Einer der +ersten war Alexander Mackay. Er wurde nach Gottes +Rat und Willen der Pionier Ugandas und nach Stanleys +Urteil der größte Missionar seit Livingstone und +war, wie ein anderer Bewunderer sagt: »Ein Mann +unter tausend.«</p> + +<p>Möge der Geist suchender Liebe, aus dem sein +Werk erwuchs, zu unseren Herzen reden, damit wir +die Mission fördern helfen, für welche der Held von +Uganda sein Leben freudig in die Schanze schlug.</p> + + + + +<h2><a class="pagenum" id="page_007" title="7"> </a> +Erstes Kapitel.<br /> + +<b>Daheim bei Vater und Mutter.</b></h2> + + +<p>Alexander Mackay wurde am 13. Oktober 1849 +zu Rhynie in Schottland, dem Vaterland so vieler unvergeßlicher +Missionare, als Sohn eines Geistlichen +der Freikirche geboren und von den frommen Eltern +fromm erzogen. Der hochgebildete Prediger widmete +sich mit unermüdlichem Interesse der Ausbildung seiner +Kinder und besonders des gutbegabten Alexander, +der mit drei Jahren schon im Neuen Testamente gelesen +und als Siebenjähriger Miltons »Verlorenes +Paradies« gemeistert haben soll. Die biederen Dorfbewohner +sahen oft auf den Landwegen Vater und +Sohn gehen oder stehen und beobachteten, wie durch +mit einem Stock in den Sand gezeichnete Figuren +dem lernbegierigen Jungen irgend ein geometrischer +Satz oder der mutmaßliche Lauf eines Planeten erklärt +wurde. Im Elternhause herrschte ein reger Verkehr +mit wissenschaftlich tüchtigen Männern, was viel zur +raschen und guten Geistesentwickelung Alexanders beitrug. +Den königlichen Geographen Sir Roderick überraschte +<a class="pagenum" id="page_008" title="8"> </a> +einst des Kleinen Geschick im Kartenzeichnen und +im Handhaben einer kleinen Druckerpresse. Er überreichte +ihm beim Abschied ein nützliches Büchlein: +»Kleine Anfänge, oder wie man vorwärts kommt«, +das den Eifer von jung Alexander noch mehr spornte.</p> + +<p>Als er elf Jahre zählte, wandte sich seine Neigung +mehr den Dingen in Feld und Garten und sein Interesse +daneben auch mechanischen Gegenständen zu. +Er besuchte mit Vorliebe die Handwerker in ihren +Werkstätten, um ihnen bei der Arbeit zuzusehen und +etwas abzugucken. Die nächste Bahnstation war eine +Stunde weit entfernt, aber Alexander legte diesen Weg +oft zurück, um sich die Lokomotive anzusehen, wenn der +Zug auf zwei Minuten hielt. Dem Spiel der Kameraden +war er abhold, da sein forschender Geist immer +anderswo beschäftigt war. Trotzdem dürfen wir uns +Alexander nicht als überklugen und naseweisen Jungen +vorstellen. Er bewahrte sich vielmehr in diesen Jahren +ein kindlich fröhliches Gemüt und war sonst bei den +Altersgenossen gern gelitten.</p> + +<p>Die Eltern hatten ihn im stillen schon dem Herrn +und Seinem Dienste geweiht. Er sollte einmal Prediger +werden. Sie wurden deshalb etwas bekümmert, +als sie merkten, daß der Sohn mehr Interesse an Maschinen +und Werkzeug als an Büchern fand. Der liebe +Gott macht aber keine Fehler in der Erziehung Seiner +Boten. Was Alexander jetzt und später in Werkstatt +und Fabrik lernte, konnte er in Uganda ebensogut +gebrauchen als das, was er aus Büchern sich angeeignet +<a class="pagenum" id="page_009" title="9"> </a> +hatte. Der gesegnete Missionsapostel Paton, +der auf den Neuen Hebriden wirkte, schrieb einmal: +»Ich gestehe gern, daß das, was ich am Strumpfwirkerstuhle +gelernt habe, nicht weggeworfen war. Die +Handhabung der Werkzeuge und die Behandlung der +Maschinen, welche ich verstand, waren mir auf dem +Missionsfelde von größtem Nutzen.«</p> + + + + +<h2>Zweites Kapitel.<br /> + +<b>In Aberdeen und Edinburg.</b></h2> + + +<p>Bis zu seinem vierzehnten Lebensjahre kannte +Alexander keinen anderen Lehrer als seinen Vater und +keine andere Schule als das Elternhaus. Der vielbeschäftigte +Prediger konnte jetzt die Studien seines +Sohnes nicht mehr überwachen und sandte ihn auf eine +Schule zu Aberdeen, der Hauptstadt von Nordschottland. +Dort studierte Alexander mit allem Fleiß zur völligen +Zufriedenheit der Lehrer. In der freien Zeit besuchte +er entweder ein photographisches Atelier, um +Photographieren zu lernen, oder die Schiffswerft, um +sich in die Kunst des Schiffbaues einführen zu lassen. +Wer hätte damals geahnt, daß er diese Kenntnisse +später an dem Riesensee Viktoria Niansa in Ostafrika +so gut verwerten könne!</p> + +<p><a class="pagenum" id="page_010" title="10"> </a> +Wie die meisten großen Männer in der Welt, so +hatte auch der Held von Uganda eine tüchtige Mutter. +Sie erkannte früh nicht nur die großen Vorzüge ihres +hochbegabten Kindes, sondern auch die damit verbundenen +Gefahren für das Seelenleben. Ihr war vor +allem darum zu tun, daß Alexander ein Gotteskind +werde, und sie betete stets um seine Bewahrung vor +Stolz und Eitelkeit. Denn den Demütigen gibt Gott +Gnade, und Hochmut führt zum Fall. Nach Gottes unerforschlichem +Rat sollte Mackay die betende Mutter +früh verlieren. Während er in Aberdeen weilte, entschlief +sie unter heißen Wünschen für die Bekehrung +ihres lieben Sohnes. Im tiefsten Schmerz stand er +an der Bahre. Da reichte ihm eine Verwandte, die +treue Pflegerin der Verklärten, das Vermächtnis der +Mutter. Es war ihre Lieblingsbibel, das Hochzeitsgeschenk +ihres Mannes. Eigenhändig hatte die Sterbende +darin mehrere Stellen zur besonderen Beherzigung +angemerkt. Sie ließ ihm sagen, er solle nur +fleißig in der Schrift lesen und forschen, damit sie ihn +unterweise zur Seligkeit durch den Glauben an Christum +Jesum. Dann werde er die Mutter wiedersehen +in der Herrlichkeit. Alexander preßte das teure Andenken +an die bewegte Brust und weihte sich ganz dem +Heiland seiner Seele. Die Bibel wurde sein größter +Schatz und die Richtschnur seines ganzen Lebens. Der +Held von Uganda empfing das Schwert des Geistes aus +der Hand seiner sterbenden Mutter.</p> + +<p>Im Jahre 1867 nahm der Vater eine Stelle in +<a class="pagenum" id="page_011" title="11"> </a> +der schottischen Hauptstadt Edinburg an und siedelte +mit der Familie über in diese unvergleichlich schöne +Stadt. Der siebzehnjährige Alexander besuchte hier +die freikirchliche Hochschule. Dank seiner guten Vorbildung +errang er sich bei der Aufnahmeprüfung das +beste Stipendium. Ein Studiengenosse gibt zwanzig +Jahre später folgende Charakterschilderung von dem +jungen Studenten: »Sein Benehmen war sehr ruhig +und zurückhaltend. Er hat wenig Umgang gehabt. Wer +aber den Vorzug näherer Bekanntschaft mit ihm genoß, +fand ihn außergewöhnlich belesen und durch sein Wissen +weit über den Durchschnitt der Studenten hervorragen. +Er war sehr energisch, sehr eifrig und gründlich in der +Arbeit und voller Ausdauer, wenn Schwierigkeiten zu +überwinden waren. Es war keine Spur von Strohfeuer +oder hohlem Schein in ihm, sondern eine tiefe, +stille Begeisterung.« Nach zwei Jahren erwarb er +sich das Diplom durch ein gutes Examen und vier verschiedene +Preise in Freihand-, Perspektive- und Modellzeichnen.</p> + +<p>Die Berufswahl, welche er nun vor dem Weiterstudieren +treffen mußte, ergab sich ihm von selbst. Er +wurde mit der Einwilligung des Vaters Ingenieur +und studierte noch weitere drei Jahre, um in jeder +Richtung vorwärtszukommen. Was einst ein Lehrer +über den deutschen Dichter Lessing sagte, kann man +auch auf den Studenten Mackay anwenden: »Er war +ein Pferd, das doppelt Futter brauchte.« Ein Jahr +war noch den alten Sprachen, der Mechanik, der höheren +<a class="pagenum" id="page_012" title="12"> </a> +Mathematik, der Naturphilosophie und dem Festungsbau +gewidmet. Die übrigen beiden Jahre unterrichtete +er morgens in einer Schule, um sich etwas zu verdienen, +und nachmittags stand er im Arbeitskittel in +einer mechanischen Werkstatt, um sich praktisch zu üben. +Abends besuchte er Vorlesungen über Chemie und Geologie, +die in der Kunsthalle gehalten wurden. Man +kann nie zuviel lernen. Als Missionar schrieb er +später seinem Vater in bezug auf die Ausbildung: »Ich +bin soweit davon entfernt, meine Erziehung für verfehlt +zu halten, daß ich mir das doppelte Wissen sowohl +an Gelehrsamkeit als auch an praktischen Fertigkeiten +wünsche. Man kann nie genug wissen oder verstehen, +um ein brauchbarer Missionar zu sein im Inneren +Afrikas.«</p> + +<p>Der Sonntag war aber ganz geistlicher Erquickung +und Arbeit geweiht. Gewöhnlich saß er morgens unter +der Predigt des gesalbten Geistlichen Horatius Bonar, +während der Nachmittag und Abend dem Helferdienst +in Sonntagschule und einer sogenannten Armenschule +gehörte. In dieser Arbeit lernte er einen anderen +jungen Streiter, <span class="ss">Dr.</span> Smith, kennen und lieben. Beide +Freunde fanden später im Dienste des himmlischen +Königs am Viktoria Niansa ihr frühes Grab.</p> + + + + +<h2><a class="pagenum" id="page_013" title="13"> </a> +Drittes Kapitel.<br /> + +<b>Als Ingenieur in Berlin.</b></h2> + + +<p>Im November 1873 reiste Mackay nach Deutschland, +um hier praktisch tätig zu sein und die deutsche +Sprache zu lernen. In Berlin-Moabit fand er bald +eine gute Anstellung in einer Maschinenfabrik, die +später einging. Die Arbeit machte ihm Vergnügen, aber +der Umgang mit den ungläubigen Kollegen bereitete +ihm manche bittere Stunde. Daß auch dies eine Vorbereitung +für ihn war, erkannte er später mit Dank. +Der klugen Schwester, die später seine Biographie +schrieb, schüttete er brieflich das Herz aus: »Ich lebe +hier unter den reinen Heiden. Fast alle sind Gottesleugner +und geben das Dasein Gottes nur durch den +ständigen Ausruf: ›Ach Gott!‹ zu. Da es ihnen nicht +gelungen ist, mir die Torheit meines Glaubens zu +beweisen, fangen sie an, sich in den entsetzlichsten Gotteslästerungen +zu gefallen, um ihren Spott über Religion +wirksamer an den Mann zu bringen. Man schaudert, +wenn man sie hört. Das zwingt mich, so wenig als +möglich mit ihnen zu reden. Ich kann also nicht soviel +Deutsch sprechen, wie ich möchte.«</p> + +<p>In seiner Berufsarbeit hatte er großen Segen. Er +wurde befördert und als erster Werkführer aus dem +Zeichensaal in die Abteilung für Lokomotiven berufen, +wo er unter den Arbeitern einen willkommenen Wirkungskreis +fand. Der Geist suchender Liebe ließ den +<a class="pagenum" id="page_014" title="14"> </a> +Vorgesetzten vor allem an das Seelenheil seiner Untergebenen +denken. In seinem Tagebuch seufzt er in +dieser Zeit aber oft über innere Dürre und Kraftlosigkeit. +Er geht ins Selbstgericht und fragt sich: +»Bin ich ein Licht? Ich liege im Sündenschlaf und +bin ein untreuer Haushalter. O Herr, vergib mir! +O, daß ich die rechten Worte fände, ein Zeugnis abzulegen +vom Herrn!« In einem Briefe wiederum: »Eins +ist mir vor allem klar geworden: mein Christentum +muß lebendig werden.«</p> + +<p>An der Förderung seines inneren Lebens haben +neben den Stürmen im Zeichenbureau noch andere +Dinge mitgewirkt und schließlich dazu beigetragen, daß +er sich der Mission widmete. Wie Israel in der +Wüste ein Elim mit Wasser und Palmen, so fand +Mackay im Babel an der Spree eine Oase im Hause +des gottseligen Hofpredigers <span class="ss">Dr.</span> Baur. Die Predigerfamilie +gewann ihn lieb, nahm ihn auf in ihr Haus +und hielt ihn wie einen Sohn. Hier pflegte sich allwöchentlich +ein Kreis ernster Christen und warmer +Missionsfreunde zu einer Bibelbetrachtung zu versammeln, +darunter eine Schwester Bismarcks, die Frau +von Arnim, Gräfin Hake und Graf und Gräfin Egloffstein. +Die letztere interessierte sich sehr für den jungen, +frommen Ingenieur und blieb mit ihm später während +seiner Kämpfe in Afrika auch in regelmäßigem Briefwechsel. +Als er dort gefallen war, schrieb sie an seine +Schwester in England: »Bei der unerwarteten, traurigen +Nachricht von dem Tode Ihres hochherzigen Bruders +<a class="pagenum" id="page_015" title="15"> </a> +rufe ich mir die Zeit ins Gedächtnis, in welcher +wir seine Bekanntschaft machten bei Hofprediger Baur, +wo wir mit lieben Freunden zusammen die Bibel lasen. +Da lernten wir Ihres Bruders Bibelkenntnis wie das +warme Interesse schätzen, mit dem er nach der Weisheit +trachtete, die Gott denen gibt, die Ihn fürchten und +lieben. Er war ein echter Christ und erinnerte uns oft +an Miß Havergals Worte:</p> + +<div class="poetry-container"> + <div class="poetry"> + <div class="stanza"> + <div class="verse">»Nimm mein Leben, es sei Dein;</div> + <div class="verse">Laß es Dir geheiligt sein!«</div> + </div> + </div> +</div> + +<p>Als er uns sagte, daß es sein Wunsch sei, seinen Beruf +mit dem eines Missionars zu verbinden und seinem +Heiland in dem dunkeln Weltteil zu dienen, waren wir +nicht überrascht. Es schien uns so natürlich, daß +dieser junge, ernste, charakterfeste Schotte in dem Weinberg +des Herrn zu arbeiten begehrte. Ihm war das +Leben eine Gabe, die er Jesu darbrachte.« Hofprediger +<span class="ss">Dr.</span> Baur äußert sich ähnlich in der Vorrede zur Biographie, +die später die Schwester schrieb, wenn er +sagt: »Einem solchen Glauben an Gottes Gnade in +Christo, einer solchen Dankbarkeit für die empfangene +Gnade, einem solchen Erbarmen mit der seufzenden +Kreatur, einer solchen Sehnsucht nach dem Kommen +des Gottesreiches, wie Mackay sie hatte, lag die Mission +unter den Heiden sehr nahe.«</p> + +<p>Auch die äußeren Anstrengungen zur Mission fehlten +in dieser Zeit nicht. <span class="ss">Dr.</span> Baur war gerade daran, +aus der umfangreichen Lebensbeschreibung des Märtyrerbischofs +von Melanesien, John Coleridge Patteson, +<a class="pagenum" id="page_016" title="16"> </a> +für deutsche Leser ein knapperes Lebensbild zu gestalten. +Die Arbeit wurde oft besprochen, und die +Unterredungen sind in Mackays Seele mehr als man +ahnte, das Samenkorn geworden, aus dem sein Missionsberuf +erwuchs. Der Aufenthalt bei Baurs war +also ein sehr wichtiger Ring in der Kette der Ereignisse, +durch die der Held von Uganda seinem Felde +zugeführt wurde. Ein Brief der Schwester aus Edinburg +trug endlich dazu bei, daß ihr Bruder sich sofort +als Missionar meldete. Sie berichtet ihm darin von +einer interessanten Missionsversammlung in der Heimat, +in der die jungen Ärzte dringend gebeten wurden, +sich der Mission zu widmen. Mackay antwortet: »Ich +bin freilich kein Arzt...., aber ich bin ein Ingenieur +und erbiete mich, wenn es Gott gefällt, als Ingenieur-Missionar +unter die Heiden zu gehen. Verdrehtes Zeug! +wirst Du wohl sagen. Aber unmittelbar nach Empfang +Deines Briefes schrieb ich an <span class="ss">Dr.</span> Bonar, bot mich zu +der Arbeit an und erbat seinen Rat. Er schrieb zurück, +daß ihm die Ideenverbindung von Missionsarbeit und +Maschinenwesen etwas schwierig erscheine, er wolle +aber zusehen, ob sich eine Anstellung für mich finden +lasse.« Mackay selbst war diese Ideenverbindung nicht +so schwer. Er war überzeugt, daß die Mechanik und +das edle Handwerk der Mission gute Dienste leisten +können. Als Ingenieur könnte er öffentliche Arbeiten, +z. B. Eisenbahnen, Bergbau usw. unternehmen, in der +Hauptsache aber Schulen gründen und die jungen Eingeborenen +ebensowohl in Religion als in Wissenschaften +<a class="pagenum" id="page_017" title="17"> </a> +unterrichten. »Mein Wunsch ist der,« schreibt +er, »die vorhandenen Missionare zu unterstützen, nicht +einen zu ersetzen. Gern möchte ich den Weg bereiten, +auf dem andere nachkommen und bleiben können.« Das +Land, an das er jetzt dachte, war allerdings Madagaskar. +Dort fand vor nicht langer Zeit eine Verfolgung +statt, in der etwa zweitausend Christen ermordet +wurden. Das schreckte ihn nicht ab. »Warum +sollte ich nicht gehen? Viel bessere Männer wie ich +sind schon in heidnische Länder gegangen. Das Beste, +was ein Mensch tun kann, ist demütiges Empfangen +der Gnade Christi und dann hingehen und es anderen +austeilen.«</p> + +<p>Selbstverständlich hatte Mackay sich in dieser ernsten +Frage auch an seinen Vater gewandt, wie wir aus +folgendem Briefe ersehen. »Ich danke Gott und danke +Dir, lieber Vater, daß Du mir geantwortet hast. +Stimmst Du meinem Vorhaben zu, bin ich auch des +Beifalls meines Gottes gewiß. Deine ernste Mahnung, +mir Weisheit vom Herrn zu erbitten, habe ich treulich +befolgt. Äußere Umstände können oft unser Leben in +andere Bahnen lenken. Wenn Gott mich aber ruft, +muß ich dann nicht antworten: ›Hier bin ich, sende +mich!‹? Ich habe die Hand an den Pflug gelegt und +will nicht zurücksehen. Darin wirst Du mit mir einer +Meinung sein, des bin ich gewiß. Hast Du mich +doch stets gelehrt, die Hand Gottes ebenso sehr in den +kleinen als in den großen Dingen des Lebens zu erkennen...... +Daß ich hier in Berlin so hart gegen +<a class="pagenum" id="page_018" title="18"> </a> +den Unglauben kämpfen muß, sehe ich als eine mir von +Gott bestimmte Vorschule an für den guten Kampf, +den ich später mit einem nicht minder stärkeren Feinde, +dem Götzendienste, kämpfen will.«</p> + +<p>Nachdem Mackay sich vor Gott klar geworden und +die Zustimmung des Vaters eingeholt hatte, meldete +er sich bei der Londoner Missionsgesellschaft für Madagaskar. +Man antwortete ihm, die Insel sei jetzt für +seine Dienste noch nicht reif, in absehbarer Zeit könne +man sie aber beanspruchen. Diese Antwort hätte ihn +entmutigen können, wäre er weniger echt in seiner Begeisterung +und weniger fest in der Überzeugung gewesen. +So aber legte er sich aufs geduldige Abwarten +und machte sich unverzüglich an das Studium der +Sprache jenes Landes. Daneben suchte er in Berlin +schon ein Seelengewinner zu sein. Wie eifrig war er, +andere mit in den Gottesdienst zu nehmen! »Was +machen wir,« konnte er oft beim Frühstück in frommer +Sorge fragen, »was machen wir, daß wir die Berliner +in die Kirche bringen?« Hofprediger Baur gibt ihm +das Zeugnis, daß er tat, was er konnte, wär's auch +nur gewesen, daß er für je einen Sonntag einen Jüngling +warb, ihn in den Gottesdienst zu begleiten. Und +wie ging ihm die geistliche Not der Großstadt nahe! +An seinen Vater berichtet er u. a.: »Wollte Gott, ich +wäre bereits auf dem Arbeitsfeld! Hier habe ich aber +auch schon ein Arbeitsgebiet. Wenn es irgendwo Heiden +gibt, dann ist es hier in der in alle Laster versunkenen +Stadt. Trunksucht und Unzucht sind die Früchte, +<a class="pagenum" id="page_019" title="19"> </a> +an der man sie erkennt. Mich jammert des Volks!« +Und welche Entschiedenheit treffen wir jetzt bei ihm an: +»Ich habe, Gott sei Dank, erkennen dürfen, daß das +Christentum, wenn es überhaupt etwas wert ist, alles +wert ist. Und wenn es einen bestimmten Grad von +Eifer und Wärme verlangt, kann es nur der höchste +Grad sein. Es gibt kein haltbares Mittelding zwischen +dem Glauben, der voll Begeisterung ist, und dem Unglauben, +der alles verwirft. Ich weiß auch, daß ich +nur insoweit fähig bin, Seelen für das Lamm zu +werben, als ich selbst geistliches Leben habe durch Lebens- +und Liebesgemeinschaft mit dem auferstandenen +Christus.«</p> + +<p>Die Moabiter Firma, bei der Mackay beschäftigt +war, löste sich 1875 auf. Der erste Direktor, ein +reicher Jude, welcher die hohe Begabung und unbedingte +Zuverlässigkeit Mackays wohl erkannt hatte, +machte ihm den Vorschlag, mit nach Rußland zu kommen +und in Moskau sein Teilhaber an einer Maschinenfabrik +zu werden. Das Angebot war verlockend und +versprach eine glänzende Zukunft im weltlichen Sinne. +Mackay aber überwand die starke Versuchung, die für +ihn darin lag, lehnte den Vorschlag ab und nahm in +der Provinzstadt Kottbus eine ähnliche Stellung an, +wie er bisher inne hatte. Hier wollte er warten, bis +der Herr ihn in Seinen Weinberg rufen würde.</p> + +<p>In seiner freien Zeit suchte er auch in Kottbus +Gott zu dienen und beteiligte sich an Arbeiten der inneren +Mission. Daneben übersetzte er eine Schrift +<a class="pagenum" id="page_020" title="20"> </a> +seines verehrten Freundes, des schottischen Dichters +und Predigers H. Bonar. Das besonders für Diener +am Wort geschriebene Büchlein ließ Mackay auch auf +seine Kosten drucken und versandte es an die Geistlichen +in Deutschland. Inzwischen war in dem Londoner +Tagesblatte der bekannte Brief Stanleys und bald +danach der Aufruf der Kirchlichen Missionsgesellschaft +erschienen. Mackay meldete sich sofort als Missionar +bei dem Komitee in London und wurde angenommen. +Mit derselben Post, mit der das Antwortschreiben kam, +erhielt er auch einen Brief von dem schottischen Missionsmanne +<span class="ss">Dr.</span> Duff, der ihn im Einverständnis mit +seinem Vater dringend bat, seine Dienste in die Mission +der heimatlichen Freikirche zu stellen. Für Alexander +Mackay aber waren mit der sofortigen Annahme +seiner Meldung in London bereits die Würfel +gefallen. Es war ihm innerlich gewiß, daß der Herr +ihn diesen Weg nach Uganda führen wollte, und er +bereitete sich zur Rückreise nach England vor. Ehe +wir ihm bei seiner Ausreise das Geleit geben, wollen +wir aber das Land und die Leute, denen zu dienen +Mackay sich geweiht hatte, etwas näher kennen lernen.</p> + +<div class="il"> + <img class="bo" src="images/img024.jpg" alt="" /> + <p class="cap"><b>Dorfbild in Uganda.</b></p> +</div> + + + + +<h2><a class="pagenum" id="page_021" title="21"> </a> +Viertes Kapitel.<br /> + +<b>Der Kampfplatz</b></h2> + + +<p>Vor einem halben Jahrhundert war Ostafrika noch +ein völlig verschlossenes Land. Man hielt es für eine +wasserarme Wüste. Die Anregung, dieses Land geographisch +zu erschließen, haben vornehmlich evangelische +Missionare gegeben. 1844 eröffnete der sprachenkundige +deutsche Missionar L. Krapf in Mombas an der +Ostküste die erste ostafrikanische Missionsstation. Zwei +Monate später begrub er Weib und Kind. Selbst +schwer krank schrieb er an die »Christliche Missionsgesellschaft«: +»Sagen Sie unseren Freunden, daß in +einem einsamen Grabe an der ostafrikanischen Küste +ein Glied Ihrer Mission ruht. Das ist ein Zeichen, +daß Sie den Kampf mit diesem Weltteil begonnen +haben. Da die Siege der Kirche über die Gräber von +vielen ihrer Glieder führten, können Sie desto mehr +überzeugt sein, daß die Stunde naht, in welcher Sie +berufen sind, Ostafrika von der Ostküste aus zu bekehren.« +In dem württembergischen Landsmanne Joh. +Rebmann erhielt Krapf einen heldenhaften Mitarbeiter. +Beide Männer haben sich um die Mission sehr verdient +gemacht durch ihre sprachlichen Arbeiten. Außerdem +haben sie große geographische Verdienste besonders +durch die Entdeckung der innerafrikanischen Schneeberge +Kilimandscharo und Kenia.</p> + +<p><a class="pagenum" id="page_022" title="22"> </a> +Ihre Berichte von dem Vorhandensein eines großen +Binnenmeeres im Inneren Afrikas riefen großes +Erstaunen wach und führten zur Entsendung einer ganzen +Reihe von Entdeckungsexpeditionen.</p> + +<p>Seit Jahrtausenden barg dieses Landgebiet ein +viel umstrittenes Rätsel, das uralte Geheimnis der +Nilquelle. Die Mitteilungen der deutschen Missionare +regten den Forschergeist aufs neue mächtig an und +gaben wichtige Winke zur Lösung des harten und alten +Rätsels.</p> + +<p>Die englischen Forscher Speke und Grant wagten +sich zunächst soweit vor, daß sie die beiden großen +Binnenseen, den Tanganjika und den Ukerewe, entdeckten. +Bei einer zweiten Expedition, die Speke allein unternahm, +blieb er drei Jahre in dem dunkeln Gebiet ohne +Lebenszeichen an die Außenwelt und überraschte plötzlich +die ganze Welt mit dem in Ägypten aufgegebenen +Telegramm: »Die Nilquelle ist entdeckt.« Speke meinte +in dem Ukerewesee die langgesuchte Nilquelle gefunden +zu haben. Speke verfolgte den Lauf des Nilstromes +aufwärts bis in diesen See. Da er aber keine Zuflüsse +am Viktoria Niansa, wie Speke den See nannte, +fand, sah er den See selbst als Quelle des großen +Stromes an. Spätere und genauere Forschungen führten +aber doch zur Entdeckung eines Zuflusses. Man +verfolgte denselben und fand seine Quellen in den +Schnee- und Eisregionen des Mondgebirges im Südwesten +des Sees. Die Wasser dieser Hochgebirge fließen +als Alexandranil in den Viktoria Niansa, von +<a class="pagenum" id="page_023" title="23"> </a> +diesem durch die Ripponfälle als Somersetnil in +den Albertsee und von hier als Nil weiter nach Norden +und Ägypten. Das ist des uralten Rätsels endliche +Lösung.</p> + +<p>Schon durch Spekes treffliche Reisebeschreibungen +wurde die Aufmersamkeit auf den herrlichen Viktoriasee +und seine bevölkerten Uferländer gelenkt und Uganda +am Nordufer als das schönste und mächtigste Reich +im Inneren bezeichnet. Die Missionsstationen, welche +heute so zahlreich im Seengebiet der Nilquelle sich +finden, sind das Denkmal des Missionars Livingstone, +des Königs unter den Entdeckern, der, von Süden +kommend, bis zum Nordende des Tanganjika vordrang. +Den äußeren Anstoß zur Ugandamission aber gab der +kühne Amerikaner Stanley, der sich aufgemacht hatte, +den verschollenen Livingstone zu suchen und ihn zur +Freude der zivilisierten Welt in Udschidschi am Ufer +des langgestreckten Sees Tanganjika auffand. Der Amerikaner +wurde durch den Engländer bei dieser Gelegenheit +für die Interessen der Mission gewonnen. +Stanley weihte sich der Fortsetzung des Livingstoneschen +Werkes, Afrika für die christliche Kultur und Predigt +zu erschließen und den furchtbaren Sklavenhandel abzuschaffen. +Nach Livingstones Tode – er starb auf +den Knien betend 1873 in Tschitambo im Inneren +Afrikas – trat Stanley seine erste große Reise durch +den dunkeln Weltteil an, welche den Lauf des Kongo +festlegte. Auf dieser Tour hielt er sich einige Monate +bei dem König Mtesa von Uganda auf und schrieb von +<a class="pagenum" id="page_024" title="24"> </a> +hier aus jenen enthusiastischen Brief an die englischen +Christen, der die bekannte elektrisierende Wirkung ausübte +und zur Gründung der Mission in Uganda führte.</p> + +<p>Das Königreich Uganda, dessen Einwohner auf +eine Million geschätzt wurden, machte auf alle Entdeckungsreisende +äußerlich den besten Eindruck. Das +Land ist bergig und schön gelegen, der Boden fruchtbar +und birgt Eisen, Kristall und Töpfererde. Die Täler +werden von Sümpfen und Mooren durchzogen, in +denen sich Elefanten und Büffel aufhalten. Produkte +sind Kaffee, Tabak, Zuckerrohr, Mais, Bohnen und +Bananen von vorzüglicher Qualität. Das ganze Gebiet +ist ein Bananenwald.</p> + +<p>Die Einwohner heißen Waganda. Sie unterscheiden +sich vorteilhaft von anderen Völkern des Nilquellengebiets +durch Reinlichkeit, zureichende Bekleidung aus +Pflanzenstoff oder Fellen und durch den Mangel jeglicher +Tätowierung oder Verstümmelung des Körpers. +Sie wohnen in sorgfältig gebauten, kegelförmigen Grashütten, +die sie sehr schnell herstellen können. Stanley +sah am Viktoriasee Mtesas Armee in 30 000 rasch gebauten +Hütten lagern. Ihre primitiven Hausgeräte, +ihre Bänder, Schnüre und Werkzeuge verraten industriellen +Sinn. Die Männer beschäftigen sich mit +Hüttenbau, Kriegführen und Jagen. Den Frauen überlassen +sie Ackerbau und Viehzucht. Hauptnahrungsmittel +sind Bananen und süße Kartoffeln. Der Kaffee +wird nicht gekocht, sondern als Delikatesse gekaut. Wer +da weiß, was sich in Uganda schickt, der hat stets Kaffeebohnen +<a class="pagenum" id="page_025" title="25"> </a> +bei sich, um sie Freunden anzubieten. Aus den +Bananen bereiten sie verschiedene Sorten Wein in +großen Mengen. Die Waganda sind Helden im Saufen +und Fressen. Einem Reisenden zeigte man einen Mann, +der eine ganze Ziege auf einen Sitz verzehren konnte. +Bei Festlichkeiten saufen sie den leichten Wein aus +Trögen wie das liebe Vieh. Schnupfen und Tabakkauen +überlassen die Frauen den Männern. Im Rauchen +aber geben sie ihnen nichts nach.</p> + +<p>An Waffen haben sie Schild, Speer, Bogen und +vergiftete Pfeile. Jeder Mann, der die Waffen führen +kann, ist Soldat. Ertönt die Kriegstrommel, dann +<a class="pagenum" id="page_026" title="26"> </a> +entledigen sie sich der Kleider bis auf ein Lendentuch, +bemalen das Gesicht und eilen mit den Waffen zum +Sammelplatz. Die Jugend übt sich in Spiel und +Wettkampf. Der Geselligkeit dienen Musik, Gesang +und Tanz. Sie haben ein verhältnismäßig gutes +Zahlensystem.</p> + +<p>Die Regierungsform ist ein eingeschränktes Königtum. +Dem König stehen drei Oberhäuptlinge zur Seite, +die einen bedeutenden Einfluß auf die Regierung besitzen. +Trotzdem verfügt der König noch über eine +große Macht, z. B. über Leben und Tod sämtlicher +Untertanen. Für die Masse des Volks ist er unnahbar. +Seine ständigen Begleiter sind der erste Beamte +des Reichs (der Katikiro), der Hofkoch und der Hofbräuer. +Diese drei bilden mit vier anderen Häuptlingen +den sogenannten Luchiko (Hohen Rat). Am Hofe +herrscht ein übertriebenes, unwahres Zeremoniell. +Fremde werden stets mit großem Pomp empfangen. +Seine Majestät sitzt dann auf seinem Thron, umkauert +von Hofschranzen und Zauberern aller Art. Als der +englische Forschungsreisende Speke Audienz hatte, saß er, +unfähig, sich zu unterhalten, etwa eine Stunde stumm +vor dem König, gaffend und begafft, bis Mtesa sich +mit der Frage erhob, ob er ihn nun gesehen habe. Dann +entfernte er sich mit einem nach außen gespreizten Gang. +Das soll dem Löwen abgesehen sein und in Uganda +als majestätisch gelten. An Zauberei ist soviel vorhanden, +daß der König stets in einer Wolke von abergläubischem +Unsinn wandelt und handelt.</p> + +<p><a class="pagenum" id="page_027" title="27"> </a> +Die Gerichtsbarkeit üben die Häuptlinge. In +besonderen Fällen entscheiden die Hofbeamten oder der +König. Auf Ehebruch steht Todesstrafe. Mord wird +gewöhnlich durch Geldstrafen, Diebstahl durch Verlust +der Hände oder Ohren oder Nase gesühnt. Mtesa hält +ein Heer von Scharfrichtern, die am fantastischen Kopfputz +erkenntlich und sehr gefürchtet sind. Der Kontrast +zwischen ihrem grausigen Treiben und der friedlichen +Natur wird von einem Reisenden auf dem Wege von +der Hauptstadt Rubaga nach dem Viktoria Niansa +sehr scharf gezeichnet. »Wie durch einen Garten wandeln +wir durch Bananenwälder und Hütten dahin. Beständig +wechseln künstliche und natürliche Gärten. Ein +schönes und gesegnetes Land mit seinem roten Boden, +seinen grünen Gärten, seinen luftigen Bergen, seinen +lauschigen und dunkeln Tälern. Verschwenderisch hat +die Natur ihre Reize gespendet, und nur der Mensch +stört die Harmonie des Bildes. Kadaver mitten auf +dem Wege zwingen uns, auszuweichen. Rauschenden +Fluges verlassen die Geier eine grausige Mahlzeit. +Vier Leichen liegen da; alt und jung hat sie der Henker +hier zusammengerafft, dem einen die Kehle bis zur +Wirbelsäule durchschneidend, dem anderen mit wuchtigem +Hiebe den Hinterkopf zerschmetternd. Und täglich +und stündlich ziehen an ihnen die Leute vorüber, +vielleicht bald selbst ähnlichem Geschick verfallend.«</p> + +<p>Zur Grausamkeit gesellt sich eine große Sittenlosigkeit, +eine Folge der Vielweiberei. Der König +hat etwa 7000 sogenannte Frauen. Die Großen seines +<a class="pagenum" id="page_028" title="28"> </a> +Reiches tun es ihm nach, und in den niederen +Klassen herrscht ein empfindlicher Mangel an Frauen.</p> + +<p>Über die Religion der Waganda sei zum besseren +Verständnis der folgenden Kapitel hier auch einiges +vorausgeschickt. Sie glauben an ein höchstes Wesen, +das Welt und Menschen schuf und das sie Katonda +nennen, d. h. Schöpfer. Da er aber zu erhaben ist, +um sich um Menschen zu kümmern, leisten sie ihm +keine Verehrung, sondern nur den niederen Göttern +oder Dämonen, die sie Lubare nennen. Diese Dämonen +lassen sich an bestimmten Orten nieder und beherrschen +bestimmte Gegenden und Dinge. Der gefürchtetste +Lubare ist Mukasa, der Gott des Niansa, der +wie eine Art Neptun im Wasser lebt, den See beherrscht +und auf Uganda großen Einfluß hat. Von Zeit zu +Zeit zieht er aber vor, in irgend einer Person zu wohnen, +die sein Orakel wird, übernatürliche Kräfte besitzt, +Kranke heilen, Regen machen, Krieg, Teurung +und Seuchen bringen und weissagen kann und auf die +Regierung, sowie auf das Volksgemüt einen furchtbaren +Einfluß ausübt. Vor Antritt einer Reise wird diesem +Geist ein Fruchtopfer geweiht und unter Gebet ins +Wasser geworfen. Die Kriegsgötter Chikwuka und +Neuda wohnen auf Bäumen. Ihnen bringt man +schwarze Tiere zum Opfer, ehe es in den Krieg geht. +Die Flußgötter begnügen sich meistens nur mit Menschenopfer. +Die verstorbenen Könige werden ebenfalls +als Götter betrachtet. Die über ihren Gräbern erbauten +Hütten werden von Häuptlingen bewacht, gelten +<a class="pagenum" id="page_029" title="29"> </a> +als Orakelstätten und sehen oft Menschenopfer. Eine +Schar von Medizinmännern fabrizieren und verkaufen +dem abergläubischen Volke, dessen Glaube wie überall +im Heidentum in der Furcht vor bösen Geistern besteht, +allerlei merkwürdig geformte Talismane gegen +die bösen Mächte. Die mohammedanischen Händler, +die sich schon vor sechzig Jahren im Lande angesiedelt +haben, machten die ersten Bekehrungsversuche. Sie +haben aber wenig Erfolg. Wohl nennt sich Mtesa +einen Anhänger des Islam, unterwirft sich aber nicht +der Beschneidung. Hundert Jünglinge, die sich diesem +Ritus unterzogen, ließ der König einfach verbrennen.</p> + +<p>Durch Handelsbeziehungen mit der Ostküste und +Sansibar wurde die Suahelisprache eingeführt und viel +neben der einheimischen angewandt, ein Umstand, der +für Mackay und seine Kampfgenossen sehr wertvoll war.</p> + +<p>Nachdem wir nun mit Uganda etwas bekannt geworden, +werden wir mit viel größerem Interesse die +Erstlingsschar der Streiter Christi auf ihrem Marsche +nach diesem Felde begleiten.</p> + +<div class="il"> + <img class="bo" src="images/img036.jpg" alt="" /> + <p class="cap"><b>König Mtesa.</b> (Text siehe Seite <a class="nd" href="#page_026">26</a>.)</p> +</div> + + + + +<h2><a class="pagenum" id="page_030" title="30"> </a> +Fünftes Kapitel.<br /> + +<b>Auf dem Marsche.</b></h2> + + +<p>Wir haben Mackay verlassen, als er sich in Kottbus +zur Rückreise nach England rüstete. Daß er sobald +von der Missionsgesellschaft angenommen wurde, +verdankte er u. a. auch der guten Empfehlung, die ihm +sein väterlicher Freund in Berlin, der Hofprediger +Baur, gab: »Ein Kind frommer Eltern, unermüdlich +im Studium der Heiligen Schrift und von einem +glühenden Verlangen beseelt, das Evangelium, dessen +Kraft er an sich erfahren hat, auch anderen mitzuteilen, +erscheint er mir als hervorragend geeignet für +das Missionsfeld. Er ist selbstverleugnend im Lebensgenuß, +bereit, anderen zu helfen, und ich kann mir gut +vorstellen, daß er vermöge seiner selbstlosen Hingabe +im Verein mit seinem klaren Verstand und entschiedenen +Willen auch in schwierigen Lagen seinen Weg finden +und nicht nur durch die Predigt des Wortes, sondern +auch durch seine ganze Lebenshaltung einen wohltätigen +Einfluß auf seine Umgebung ausüben wird.«</p> + +<p>Im März 1876 ist er schon in London und rüstet +sich zur Ausreise. Nach seinen persönlichen Angaben +und unter seiner Aufsicht wird rasch ein zerlegbares +Boot und ein zerlegbarer Dampfkessel zur Mitnahme +gebaut. Dann galt es sich noch zu üben in allerlei +Künsten, die auf dem Felde not sind, z. B. Impfen, +Photographieren und Handhaben geographischer Instrumente. +<a class="pagenum" id="page_031" title="31"> </a> +Dazu noch die tausenderlei Dinge, die eingekauft +und mitgenommen sein wollten. Kaum nahm +er sich Zeit, dem Vater und der Schwester Lebewohl +zu sagen. Für weitere Verwandte oder Freunde war +er in dieser Zeit überhaupt nicht zu haben.</p> + +<p>Die Abordnung und Aussendung der ersten +Ugandamissionare fand in London am 25. April 1876 +in aller Stille statt. Es waren acht junge, blühende +Menschenleben, die sich hier auf den Altar Gottes +legten, ein Pfarrer, ein Architekt, ein Beamter, ein +Handwerker, ein Arzt, ein Kaufmann, ein Ingenieur +und als Leiter der Expedition der frühere Leutnant +Smith, welcher in Afrika gedient, dort die Leute liebgewonnen +und nun keinen größeren Wunsch hatte, als +ihnen das Evangelium zu predigen. Der Sitte gemäß +sagte jeder Missionar bei der Feier ein Abschiedswort. +Mackay kam als jüngster – er war jetzt 26 Jahre alt – +zuletzt an die Reihe. Er schlug einen ernsten Ton an, +als er sagte: »Eins haben meine lieben Brüder noch +nicht gesagt, das möchte ich noch erwähnen. Ich möchte +das Komitee daran erinnern, daß es binnen eines +halben Jahres wahrscheinlich hören wird, daß einer von +uns – tot ist. Ja, ist es irgend wahrscheinlich, daß +acht Engländer, die nach Zentralafrika gehen, nach sechs +Monaten alle noch leben? Wenigstens einer von uns, +vielleicht bin ich es, wird zuvor fallen. Aber was +ich sagen möchte, ist dies: Wenn die Nachricht kommt, +so werdet nicht mutlos, sondern sendet sogleich einen +anderen für den erledigten Posten.«</p> + +<p><a class="pagenum" id="page_032" title="32"> </a> +Als später im Missionshause in London eine +Todesnachricht nach der anderen aus Zentralafrika einlief, +hat man sich dieser Abschiedsworte unseres Helden +wohl erinnert. Nach Gottes unerforschlichem Ratschluß +war er nach drei Jahren allein übriggeblieben +von den Acht, die hoffnungsvoll hinauseilten, um die +Hölle zu besiegen. Die anderen wurden zum Teil ermordet, +zum Teil erlagen sie dem ungesunden Klima.</p> + +<p>In Southampton, einer bedeutenden Hafenstadt +an der Südküste Englands, verließ die mutige Streiterschar +den heimatlichen Boden, begleitet von den heißen +Gebetswünschen aller, die ein warmes Interesse für +die Mission und ein Herz für Afrika hatten. Vor der +Ausreise schrieb Mackay noch einmal seinem Vater. +Der Brief spricht die Sprache des Mutes, der Zuversicht +und des demütigen Glaubens: »Es ist ja +Gottes Werk. Es muß gelingen, ob ich nun seine Vollendung +erlebe oder nicht. Der Herr möge mir Gesundheit +und Kraft verleihen und mich zu einer so +herrlichen Arbeit wie die Ausbreitung Seines Reiches +geschickt machen. Betet für mich, daß ich Gnade habe, +dieses große Ziel allezeit vor Augen zu haben.«</p> + +<p>Die Fahrt ging durchs Mittelländische und Rote +Meer nach der Insel Sansibar. Seine Reiseeindrücke +vertraute Mackay sorgfältig einem Tagebuche an, das +er später bei dem ersten Unfall an der Ostküste Afrikas +verlor. Es wurde aber am Strand aufgefunden und +durch den Sultan von Sansibar wieder seinem Herrn +zugestellt. Am ersten Sonntag auf dem Schiff empörte +<a class="pagenum" id="page_033" title="33"> </a> +ihn das Verhalten einiger blasierter Männer, die +den Gottesdienst im Salon nicht besuchten, sondern auf +Deck blieben, um zu rauchen. Beim Anblick Spaniens +bedauert er das arme Volk in dem herrlichen Land, +dessen Lebensader durch die Regierung eines heruntergekommenen +Fürstengeschlechts und durch Roms Einfluß +ebensosehr unterbunden sei wie in Italien. Die +Umrisse der Nordküste Afrikas lassen ihn daran gedenken, +daß dieses Land Jahrhunderte hindurch ein +dunkler Hort des Aberglaubens und menschlicher Grausamkeit +ist; im Geiste aber sieht er über dem Lande +Hams die Sonne der Gerechtigkeit mit Heil unter ihren +Flügeln aufgehen. Gelobend ruft er aus: »Ich will +mit der Hilfe und im Namen Gottes an den Ufern des +Viktoria Niansa meine Druckerpresse aufstellen und +nicht ruhen noch rasten, bis das Evangelium von Jesu +in der Karagua- und Ugandasprache gedruckt ist und +alle gelehrt werden können, die frohe Botschaft zu lesen +und daran zu glauben!«</p> + +<p>Die Insel Sansibar mit ihrer an der Westküste gelegenen +gleichnamigen Hauptstadt ist der Ostküste Afrikas +etwa vierzig Kilometer vorgelagert und bildet den +Hauptstapelplatz und Verkehrsmittelpunkt für Ostafrika. +Die Bevölkerung, welche etwa eine halbe Million zählt, +stellt eine Mischung von Suaheli und Arabern dar. +Der Religion nach gehören sie zum Islam. Der Sultan +von Sansibar, damals noch unabhängiger Herrscher, +stellte sich freundlich gegen die Expeditionen, die von +Sansibar aus ins Innere gingen. Von hier aus brach +<a class="pagenum" id="page_034" title="34"> </a> +Stanley mit zweihundert Trägern auf, als er Livingstone +aufsuchte. 1873 schloß England mit dem Sultan +einen Vertrag zur Unterdrückung des Sklavenhandels, +der hier in besonderer Blüte stand. Dieses Abkommen +wurde zuerst als ein großer Sieg gefeiert, +erwies sich aber als toter Buchstabe. Der Strom des +scheußlichen Menschenhandels wurde dadurch nicht verstopft, +sondern nur in ein anderes Bett gelenkt.</p> + +<p>Ende Mai 1876 landete Mackay mit seinen Genossen +in Sansibar. Die eigentliche Reise sollte aber +jetzt erst beginnen. Uganda liegt etwa tausend Kilometer +von der Küste entfernt, etwa so weit wie Paris +von Berlin oder Hamburg von Venedig. Fahrstraßen +oder etwas Ähnliches gab es damals noch nicht. Die +Reise war also ein umständliches Unternehmen. Der +ganze Weg mußte zu Fuß zurückgelegt und sämtliches +Gepäck auf den Köpfen oder Schultern eingeborener +Träger befördert werden. Dazu mußte es in Lasten +von sechzig bis siebzig Pfund verpackt, wasserdicht verschlossen +und so fest vernäht und verschnürt sein, daß +es allen Unbilden des Transportes und der Witterung +ein Jahr lang und noch länger trotzen konnte. Wie +viele Lasten aber waren da zu schnüren! Die Missionare +mußten ja alles mit sich führen, was sie an +Hilfsmitteln der Kultur auf der Reise gebrauchten oder +nach Uganda verpflanzen wollten. Da waren Bücher, +Kleider, Betten, Stühle, Zelte, Kochgeschirre, Konservenbüchsen, +Eßgeschirre, Gewehre und Munition, Werkzeuge +aller Gattung vom Schmiedeamboß und Blasebalg +<a class="pagenum" id="page_035" title="35"> </a> +bis zum kleinsten Nagel, Pflüge, Gartengeräte, +Sämereien, allerlei wissenschaftliche Instrumente, eine +kleine Druckmaschine, ein ganzes Dampfboot mit +Dampfkessel und allem Zubehör. Und dann das Reisegeld! +Was wir in einer Brieftasche in einigen Dutzenden +von Hundertmarkscheinen bequem mitnehmen, müssen +dort sechzig bis siebzig Träger in Lasten a siebzig +Pfund fortschaffen. Das ist das schwerfällige Tauschgeld, +welches in Tauschwaren von Zeug, Kaliko, Glasperlen, +Messingdraht und Kaurimuscheln besteht. Damit +werden auch die Träger bezahlt. Eine ganze Zahl +von ihnen war also schon nötig, um den Lohn derselben +fortzuschaffen.</p> + +<p>Nun werden wir uns nicht wundern, daß zu dieser +Ugandamissionskarawane vierhundert Träger erforderlich +waren. Die alle in Zucht und Ordnung zu halten +und immer genügend Lebensmittel für sie zu besorgen, +das war keine geringe Aufgabe für unsere Missionare. +Dazu noch allerlei andere Schwierigkeiten, z. B. das +böse Klima, die wilden Tiere im Urwald und vor allem +die wilden Volksstämme, durch deren Gebiete der Weg +führte. Wahrlich, eine solche Reise ist an sich schon +eine Heldentat. Wir bewundern darum den tapferen +Mut, das feste Gottvertrauen und die freudige Liebe +zum Missionsdienste, welche diese und andere Männer +vor Not und Gefahr nicht zurückschrecken ließen, um +Seelen für Christum zu gewinnen.</p> + +<p>Der Expedition, die Leutnant Smith leitete, war +angeraten, auf einem der beiden Küstenflüsse den Wasserweg +<a class="pagenum" id="page_036" title="36"> </a> +soweit als möglich zu benutzen. Zu diesem +Zweck unternahmen Smith und Mackay eine achttägige +Probefahrt auf dem Wami, der Sansibar gegenüber +mündet. Die Fahrt war beschwerlich und gefährlich. +Je weiter sie kamen, desto seichter wurde das Wasser. +Die Uferbewohner zeigten sich feindlich, und später erfuhr +Mackay, daß sie zu den Menschenfressern gehören. +Ihr Nachtlager suchten sich die Missionare im Dickicht +des Ufers, und Gott schützte sie vor Überfall. Als +Leutnant Smith dann einen heftigen Fieberanfall bekam +und still im Boot liegen mußte, wandte Mackay +um und fuhr stromabwärts. In der Mündung geriet +das Boot unter Wasser. Nur mit Mühe retteten sie +sich und ihre Habe. Mackay brachte den kranken Freund +beim Häuptling zu Sadani unter, mietete ein arabisches +Boot und ruderte hinüber nach Sansibar, wo er nach +sechs Stunden ankam. Glücklicherweise war inzwischen +das Missionsschiff »Lassin« angekommen. Mit diesem +fuhr Mackay wieder nach Sadani, um das Boot zu +bergen und den Leutnant Smith zu holen.</p> + +<p>Als sie sich der Küste näherten, war es schon +dunkel geworden. Das Schiff setzte ein Boot aus, +mit dem Mackay und Robertson an Land ruderten. +Sie befanden sich auf einer schlammigen Uferpartie. +Nach einigen Untersuchungen wollten sie in ihr Boot, +fanden es aber im Dunkel nicht mehr, denn die eingetretene +Ebbe hatte es zurückgezogen. Durch den Uferschlamm +wateten sie nun nach dem festen Lande, wo sie +neben einem großen Holzfeuer einen schlafenden Knaben +<a class="pagenum" id="page_038" title="38"> </a> +entdeckten und weckten. Er war hier den ganzen Tag +mit Holzsammeln beschäftigt gewesen und hatte sich +das Feuer zum Schutz gegen wilde Tiere angelegt. Die +Engländer erfuhren von ihm, daß sie sich etwa zwölf +Kilometer südlich von Sadani befanden. Sie kampierten +die Nacht über mit dem schwarzen Jungen am +Feuer und trockneten ihre Kleider. Am Morgen gewahrten +sie das vermißte Boot, und auch das Schiff +kam wieder in Sicht. Es hatte sich die Nacht über in +der Nähe gehalten und auf die beiden mit ihrem Boot +gewartet. Nachdem sie an Bord gegangen, holten sie +in Sadani den Kranken ab, bargen das unter Wasser +liegende Boot und fuhren nach Sansibar zurück.</p> + +<p>Der Gedanke an den Wasserweg, den Stanley +empfohlen, wurde aufgegeben und die gewöhnliche Karawanenstraße +durch das heutige Deutsch-Ostafrika gewählt. +Vor Aufbruch erfüllten sie eine traurige Pflicht +und bestatteten den ersten Gefallenen. Der Kaufmann +Robertson, welcher sein Geschäft verkauft und Weib und +Kind daheim gelassen hatte, um auf seine eigenen +Kosten Missionar zu werden, war der Ruhr erlegen, +ehe er das afrikanische Festland betrat.</p> + +<p>In vier Kolonnen brachen die Missionare auf. +Mackay führte die dritte, welche mit zweihundert Trägern +am 26. August den Küstenort Bagamoyo verließ. +Auf dem Marsche durch Ugogo erkrankte er und mußte +nach der Küste zurück. Sein Edinburger Freund <span class="ss">Dr.</span> Smith +hätte ihn gern begleitet, wenn es Mackay erlaubt +hätte. Er verzichtete im Interesse der Expedition, +<a class="pagenum" id="page_039" title="39"> </a> +die den Doktor auch nötig hatte, auf die Hilfe des +Freundes und trennte sich von ihm in der Hoffnung, +ihn bald wiederzusehen. Die Hoffnung sollte sich auf +Erden nicht erfüllen. Als die Karawane schon am +Viktoria Niansa war, ergriff den gesunden Arzt das +Fieber und raffte ihn bald dahin – ein unersetzlicher +Verlust für die Missionskarawane, die jetzt nur noch +aus drei Missionaren bestand, denn außer Mackay +mußten noch zwei andere krank zurückreisen, ehe sie +den See erreichten.</p> + +<p>Von den übrigen blieb O'Neill in Kagai am See, +um das mitgebrachte Boot »Daisy« instand zu setzen, +und die anderen beiden, Leutnant Smith und Pastor +Wilson, fuhren in einem Kanu über den See und erreichten +glücklich Uganda, nachdem sie ein Jahr, drei +Monate und neunzehn Tage auf der Reise waren. Der +König Mtesa empfing sie freundlich und gewährte ihnen +sofort Lehrfreiheit. Dann kehrte Smith nach dem See +zu O'Neill zurück und wurde mit diesem vom Häuptling +Lukonge erschlagen. Von den acht Missionaren, +die Ende Mai 1876 Sansibar erreichten, waren nun +noch zwei in Afrika: Pastor Wilson allein am Ziel +in Uganda und Alexander Mackay an der Küste.</p> + +<div class="il"> + <img class="bo" src="images/img052.jpg" alt="" /> + <p class="cap"><b>Transport des Gepäcks.</b> (Text siehe Seite <a class="nd" href="#page_035">35</a>.)</p> +</div> + + + + +<h2><a class="pagenum" id="page_040" title="40"> </a> +Sechstes Kapitel.<br /> + +<b>Durchs heutige Deutsch-Ostafrika.</b></h2> + + +<p>Mackay hatte die Gesundheit wiedererlangt, ehe +er die Küste erreichte, erhielt aber die Weisung, vor +Verlauf der Regenzeit nicht wieder aufzubrechen und +bis dahin soweit als möglich eine Fahrstraße für Ochsenwagen +ins Innere zu bauen. Vorher rüstete er noch +zwei Unterstützungskolonnen aus und sandte sie den +vorausgezogenen Brüdern nach. Eine davon fiel unterwegs +den Ruga-Ruga (Freibeutern) in die Hände, +welche den Führer, einen Engländer, ermordeten und +die Karawane ihrer wertvollen Habe beraubten.</p> + +<p>Bald kam Mackay mit dem schändlichen Gewerbe +des Sklavenhandels in unangenehme Berührung. +Durch Sadani, wo er sich aufhielt, zogen trotz des Verbots +immer wieder Sklavenzüge. Einmal gelang es +ihm, den Händler in die Flucht zu jagen und die Sklaven, +unter denen viele Weiber und Kinder waren, zu +befreien. Bei einem anderen Befreiungsversuch setzten +sich die arabischen Händler zur Wehr und erschossen +einen seiner eingeborenen Leute. Er mußte nun, so +leid es ihm auch tat, die Menschenhändler ruhig ihre +teuflischen Pfade ziehen lassen, merkte er doch auch, +daß der Herr Häuptling und seine Leute heimlich den +Handel begünstigten. Und das alles trotz des Vertrags, +den der Sultan von Sansibar mit England geschlossen +hatte!</p> + +<p><a class="pagenum" id="page_041" title="41"> </a> +Den vom Komitee in London gewünschten, aber +unzeitgemäßen Wegebau führte er mit vierzig Arbeitern, +die zu allem erst mühsam angelernt werden +mußten, in hundert Tagen unter vielen Schwierigkeiten +aus. »Man stelle sich einen Wald voll hoher, +schlanker Bäume vor, die durch ein dichtes Gewebe +dorniger Schlingpflanzen verbunden sind und unten +solch undurchdringliches Gestrüpp haben, daß kaum +eine Katze durchkriechen kann; alles verzweigt, zugewachsen +und verworren.« Durch dieses Gestrüpp +mußte er sich einen Weg bahnen, überall breit genug, +daß die größten Ochsenwagen sich ausweichen konnten. +Die Vorüberziehenden sperrten Mund und Augen weit +auf ob der »<span class="ss">njia kubwa</span>«, der großen Straße des weißen +Mannes, und erzählten überall mit negerhafter +Übertreibung von dem geschauten Wunder. Der Häuptling +eines Dorfes, in dessen Nähe Mackay eine Brücke +schlug, erklärte ihm mit soviel Würde, als sein schmutziges +Gesicht nur zuließ, er wolle hundert Dollar dafür +haben, daß ihm seine Bäume niedergeschlagen würden. +Mackay setzte ihm darauf auseinander, daß der Herr +Häuptling hundert Dollar für die Brücke zahlen solle, +die er später doch als sein Eigentum betrachten und +von der er sicher ein hohes Brückengeld von den Karawanen +erheben würde.</p> + +<p>Mit den Häuptlingen im Umkreise schloß er +Freundschaft, und alle erkannten ihn als »Bruder« an. +Das will in Afrika viel besagen und ist von großem +Nutzen für die Sicherheit des Lebens und des Eigentums. +<a class="pagenum" id="page_042" title="42"> </a> +Stanley war der »Bruder« von Mtesa und +Miramba. Das brachte ihm viel Vorteil im ganzen +Land.</p> + +<p>Besondere Schwierigkeiten machten Mackay die +Ochsenwagen. Vor einen Karren mußten 26 Ochsen +gespannt werden, um ihn durch alle die Löcher fortzubringen. +Die Leute verstanden nichts vom Fahren +und die Ochsen erst recht nicht. Bald waren Bäume +angefahren, bald lag die Karre in einem Loche. »Es +ist zum Verzweifeln,« schreibt er, »wenn man einen +Fluß überschreiten will und ein Ochs legt sich, ein +anderer reißt sich los und läuft davon, andere kehren +statt des Schwanzes die Hörner nach dem Wagen –.« +Tagebuch und Briefe schrieb er abends auf dem Boden +beim Schein eines trüben Schiffslaternchens, gequält +von den Moskitos und umheult von Raubtieren, die +es auf Ochsenbraten abgesehen hatten. Neben der Feder +mußte er immer das Repetiergewehr für diesen +ungebetenen Besuch bereitliegen haben.</p> + +<p>Der Straßenbau war 230 englische Meilen weit +gediehen. Da hörte Mackay, daß Leutnant Smith +und O'Neill ermordet seien und Mtesa beabsichtige, +zur Züchtigung des Häuptlings Lukonge eine Flotte +von tausend Kanus hinzusenden. Diese Rache konnte +das Unglück nicht ungeschehen machen, aber der Mission +viel schaden. So schnell als möglich eilte daher +unser Held vorwärts an die Stätte des Unglücks, um +alle, die dem Häuptlinge Rache geschworen, zu besänftigen +und weiteres Blutvergießen zu verhindern.</p> + +<p><a class="pagenum" id="page_043" title="43"> </a> +Der Eilmarsch dauerte ein ganzes Vierteljahr, +von März bis Juni 1878. Es ging oft durch riesenhafte +Landstriche, die von erbarmungslosen Sklavenhändlern +verheert waren. Die Erlebnisse Mackays würden +Bände füllen, hätte er Zeit und Lust gefunden, +alles niederzuschreiben. Nur einiges konnte er aufzeichnen +und nach Hause berichten. Ein großer Häuptling +verweigert ihm aus Furcht für sein kostbares +Leben das Nachtquartier, aber ein kleiner teilt mit +ihm die schmutzige Hütte, die zugleich Kuh- und Schafstall +ist. Da kommt ein Streifzug der Wahehe, führt +einen Kriegstanz vor der Hütte auf und verlangt einen +Ochsen, den sie sofort erhalten. An Mackays Warenbündel +zeigen sie ein besonderes Interesse, sind aber +schließlich mit einer Elle Zeug zufrieden. Dann kam +der Abschiedsgruß. Mackay saß auf dem Boden, neben +sich die doppelläufige Flinte, die er aber nicht anrühren +durfte. Er regte kein Glied, als sie mit eingelegten +Speeren auf ihn losstürzten und hinter den großen bemalten +Schilden aus Fellen einen Halbkreis um ihn +schlossen. Einen Augenblick verharrten sie in dieser +Stellung, dann senkten sie die Schilde und verneigten +sich höflich. Hätte Mackay nur einmal nach seinem +Gewehr gegriffen, wäre aus diesem Waffenspiel ein +grausiger Ernst geworden.</p> + +<p>Ein strömender Regen ging in der Nacht nieder, +drang durchs Dach und machte die Hütte voll flüssigen +Dunges. Über die Verpflegung während dieses Marsches +schreibt er: »Ich bekomme jetzt einen dicken Brei +<a class="pagenum" id="page_044" title="44"> </a> +von <span class="ss">mwere</span> und manchmal von <span class="ss">mtama</span>, das etwas +besser ist zu essen, da die Diebe an meinem kleinen +Vorrat von Zwieback Gefallen fanden. <span class="ss">Mwere</span> schmeckt +wie Sägemehl und Asche, aber man gewöhnt sich mit +der Zeit daran und würde es schließlich ganz genießbar +finden, wenn nicht unter dem Mehl soviel Sand +wäre. Tag für Tag auf die Nahrung angewiesen, die +hier zu kaufen ist, lernt man so recht beten: ›Unser +täglich Brot gib uns heute!‹ Oft bekommt man außer +dem Korn noch ein Huhn. Aber schlimm ist es doch, +nach dem ermüdeten Tagesmarsche sich erst etwas zum +Essen auftreiben und dann warten zu müssen, bis das +Korn zerstoßen und gekocht ist. Holz zur Feurung +ist auch nur mit Mühe zu bekommen, und Trinkwasser, +wenn man es so nennen darf, muß ebenfalls weit hergeholt +werden. Frühstück und Mittagessen fallen da +meistens zusammen. Da diese Mahlzeit erst gegen +Abend zu bekommen ist, dient sie zugleich als Abendbrot. +Aber wie im Psalm 104 geschrieben steht: ›die +jungen Löwen, die da brüllen nach Raub und ihre +Speise suchen von Gott‹, so wahr ist es, daß ich nie +Mangel hatte und sicher nie haben werde.«</p> + +<p>Endlich erblickte er »den silberschimmernden See« +und rief mit Inbrunst wie einst die Griechen des +Anabasis: »Das Meer, das Meer!« Am 13. Juni erreichte +er das Dorf Kagai am Südufer des Niansa, +aber noch ein halbes Jahr sollte vergehen, ehe er seinen +Fuß auf das jenseitige Ufer des Riesensees setzen und +in Uganda Einzug halten konnte.</p> + +<p><a class="pagenum" id="page_045" title="45"> </a> +In einer großen, von dem Häuptling des Orts +entliehenen Hütte, befand sich alles, was von dem +wertvollen Eigentum der ihm vorausgegangenen Expeditionen +noch übrig war. Die fürchterlichste Unordnung +herrschte hier. Bücher, Muscheln, Gießformen, +Papier, Angeln, allerlei Handelsartikel, Drucklettern, +Zeltstangen, Patronen, Karbol, Sägen, Samen, +Koffer, Konserven, Pumpen, Pflüge, Maschinenteile +– alles durcheinander. Verzweifelt starrte Mackay +nach der anstrengenden Reise auf diese Bescherung. +Das Boot »Daisy«, welches in einzelnen Teilen auf +den Köpfen der Träger den Weg von der Küste zum +See gemacht hatte und von O'Neill zusammengesetzt +worden war, lag in traurigster Verfassung da. Die +heißen Strahlen der Tropensonne, die weißen Ameisen +und Zähne der Flußpferde hatten ihm arg zugesetzt. +Mehrere Wochen hatte Mackay vollauf zu tun, um +einigermaßen Ordnung in dies Durcheinander zu bringen +und das Boot flott zu machen.</p> + +<p>Mit den Eingeborenen lebte er bald auf freundschaftlichem +Fuße. Ihre Sprache ist mit der suahelischen, +die Mackay bereits erlernt hatte, ziemlich verwandt. +Er konnte sich also mit ihnen unterhalten und, +dem Drange seines Herzens folgend, etwas von Gott +und dem Heiland erzählen. Kam der Sonntag und +die Arbeit ruhte, so fragten alle: Warum? Dann zeigte +er seine Bibel, setzte ihnen auseinander, daß dies Buch +Gottes Wort sei und Gott den Ruhetag eingesetzt hat. +Viele zeigten Lust, lesen zu lernen, um selbst hören +<a class="pagenum" id="page_046" title="46"> </a> +zu können, was Gott in diesem Buche für sie geschrieben +hat.</p> + +<p>Die missionarische Tätigkeit machte Mackay besondere +Freude, offenbarte ihm aber auch die große +Schwierigkeit derselben und die Notwendigkeit langer, +gründlicher Pionierarbeit unter dem tief umnachteten +Volk.</p> + + + + +<h2>Siebentes Kapitel.<br /> + +<b>Blutsbrüderschaft mit dem Ukerewekönig +Lukonge.</b></h2> + + +<p>Etwas nördlich von dem Karawanenort Kagai +liegt die Insel Ukerewe. Ihr König ist der berüchtigte +Lukonge, welcher vor drei Monaten die beiden Missionare +erschlagen ließ. Zu einem Rachekrieg der arabischen +Händler für den ermordeten Songoro war es +dank ihrer Feigheit noch nicht gekommen. Als Mackay +den Arabern sagte, er sei nicht als Rächer der Bluttat, +sondern als ein Bote Christi gekommen, der nicht +wie Mohammed die Schuld räche, sondern vergebe, +waren sie aufs höchste überrascht.</p> + +<p>Dem Häuptling (oder König) von Ukerewe sandte +er Botschaft, daß er ihn sehen wolle, aber aus friedlicher +<a class="pagenum" id="page_047" title="47"> </a> +Absicht. Die Bewohner von Kagai waren über +Mackays Vorhaben sehr bestürzt und überzeugt, daß +er nie wiederkehre. Er aber stärkte sich in seinem Gott +wie David in Ziklag und bestand darauf, Lukonge zu +besuchen, wenn derselbe es wünsche.</p> + +<p>Nach einer Woche landete ein Kanu mit einer Gesandtschaft +vom Ukerewefürsten, um Mackay zum Besuch +ihres Gebieters abzuholen. Er hatte sich entschlossen, +um jeden Verdacht auszuschalten, allein und +ohne Waffen mitzufahren. Gleichwohl prüfte er die +Gesinnung der Gesandtschaft, indem er verlangte, daß +drei von ihnen als Geiseln in Kagai zurückblieben. +Nach einigem Zögern willigten sie ein. Nun wußte +Mackay, daß sie nichts Böses im Schilde führten und +verzichtete zu aller Erstaunen auf die Geiseln. Mackay +bestellte sein Haus für alle Fälle, steckte Chinin und +Pulver gegen Fieber und Ruhr, sowie einige Mittel +als Gegengift ein, da Lukonge als Giftmischer berüchtigt +war, und trat nur in Begleitung eines Dolmetschers +die Reise an.</p> + +<p>In zwei Tagen kam das Boot ans Ziel. Nach +einer kurzen Rast hatte er die erste Audienz. Lukonge +saß in seiner Baraza, einer nach vorn offenen Hütte. +Sein Thron bestand aus einem Holzschemel mit einem +Bein. Um ihn her kauerten die Höflinge im Sand. +Seine Majestät ging dem Missionar entgegen, gab ihm +die Hand und setzte sich wieder mit großer Würde. +Er trug mit sichtbarem Stolze ein Gewehrfutteral, +das jedenfalls einem der ermordeten Missionare gehörte. +<a class="pagenum" id="page_048" title="48"> </a> +Zur Feier des Ereignisses hatte er noch ein +rotes Taschentuch als Kopfschmuck verwandt. An Armen +und Beinen glänzten viele Ringe aus Eisen und +Messing.</p> + +<p>Die erste Audienz war der Sitte gemäß sehr kurz. +Am folgenden Tage machte der König seinen Gegenbesuch +in Begleitung seiner Häuptlinge. Dabei erzählte +er Mackay die Geschichte von dem Unglück. Er +habe nicht die weißen Männer töten, sondern nur den +Araber Songoro, der ihm aus der Schuldhaft entlaufen +sei, für seine Verräterei züchtigen wollen. Der +Araber sei aber zu den Weißen gelaufen, die von ihm +ein Boot gekauft hatten, und habe sie bewogen, ihn +mit ihren Waffen zu schützen. O'Neill habe zehn +seiner Leute erschossen und dreißig schwer verwundet. +Als dem Araber und den Weißen die Munition ausging, +hätten sie auf einem Kahn fliehen wollen; der +Kahn sei aber verschwunden gewesen und ein weiterer +Ausweg nicht vorhanden. Seine Leute wären sehr erbittert +gewesen und hätten alle, den Araber mit zwanzig +seiner Leute und leider auch die beiden Weißen, +niedergemacht.</p> + +<p>Mackay, der die Schwerverwundeten noch sah, erkannte, +daß die Boten des Kreuzes durch die Rache +eines Heiden für die Falschheit eines Muselmannes, +der sich unter ihren Schutz stellte, das Leben verloren +haben, weil sie leider ihre Waffen gebrauchten, um +einen anderen zu verteidigen. Er ließ Lukonge wissen, +daß er ihm glaube und das Vorgefallene bereue. +<a class="pagenum" id="page_049" title="49"> </a> +Nun sei er aber gekommen, um Frieden zu machen. Er +wisse noch nicht, was die mächtige Königin Viktoria, +die mehr Soldaten habe, als Lukonge zählen könne, +als Rache für ihre Söhne tun werde, er wolle aber bemüht +sein, die Sache zu schlichten, wenn Lukonge bereit +sei, Missionare auf seine Insel zu lassen, damit sie +sein Volk lehren können.</p> + +<p>Der schwarze König lachte über die Idee, als gäbe +es einen mächtigeren Herrscher als ihn, und erwiderte, +seine Leute hätten Furcht vor den Weißen. Nun lachte +Mackay, daß die Leute des großen Königs von Ukerewe +sich vor drei weißen Männern fürchten, wenn sie als +Missionare kommen. Schließlich erhielt er die nachgesuchte +Erlaubnis. Es sollten aber nicht so viele +Lehrer kommen, fügte Lukonge noch hinzu.</p> + +<p>Vor der Abreise trug Lukonge Mackay die Blutsbrüderschaft +an, was dieser dankbar annahm. Unter +feierlichem Zeremoniell wurde der Bund geschlossen. +In einem Kreis von Zuschauern stand eine Ziege. +Lukonge erfaßte ihre Vorderbeine und Mackay die Hinterbeine. +Dann erklärte ein Dritter, daß dies das +Siegel eines ewigen Bruderbundes sei, und schnitt mit +scharfem Messer die Ziege in zwei Stücke. Hierauf +erhoben alle Anwesenden unter Johlen ihre Hände gen +Himmel, und die Sache war beendet. Als Gegengeschenk +für die königliche Huld überreichte Mackay +seinem nunmehrigen »Bruder« einen Schlafrock. Unter +Freundschaftsbeteurungen aller Art wurde der Gast +<a class="pagenum" id="page_050" title="50"> </a> +verabschiedet. Nach neuntägiger Abwesenheit landete +er sicher und fröhlich wieder in Kagai.</p> + +<p>Beim Landen wurde er vom wilden Freudengeheul +der Eingeborenen begrüßt. Die Frauen tanzten +wie toll auf dem Strande herum. Eine Tochter des +Häuptlings Kaduma hatte sich dazu mit einer Last von +Perlen behangen. Der alte Häuptling Kaduma aber +zeichnete den Tag leider dadurch aus, daß er noch mehr +Pombe (eine Art Bier) trank als sonst. Zu Mackays +Leidwesen endete die Freudenfeier – echt europäisch + – mit total betrunkenen Leuten. Auf seinem bisherigen +Wege hatte er immer wieder Gelegenheit zu sehen, daß +die Trunksucht der Fluch Afrikas ist. War genug Bier +da, sah man nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder +betrunken stehen und liegen. Mackay wurde dadurch +ein Abstinent. Er äußerte, daß die Enthaltsamkeit +das Geheimnis zur Erhaltung der Gesundheit in den +Tropen sei und die erste Bedingung der Zivilisation in +Afrika. »Die Westküste ist dem Rum zum Opfer gefallen; +die Kaffern im Süden leiden ebenfalls daran; +auf der Ostküste in Sansibar wird aus Zuckerrohr ein +scheußlicher Trank gebraut, der überall an der Küste +zum Ruin des Suahelistammes verzapft wird. Die +Wanika bohren den Kokosnußbaum an und saugen mit +Strohhalmen den Saft. Fast jedes Dorf gleicht morgens +schon einem Saufgelage. Im Inneren wird das +Getreide zu berauschendem Getränk verwandt. Am +Niansa bereiten sie aus Pisang einen Wein, der König +und Volk mit den Banden der Trunksucht umschlingt.«</p> + + + + +<h2><a class="pagenum" id="page_051" title="51"> </a> +Achtes Kapitel.<br /> + +<b>Ankunft in Uganda.</b></h2> + + +<p>Aus der heiligen Geschichte wissen wir, daß der +Nil durch seine Überschwemmungen mit fettem Tonschlamm +den Boden Ägyptens befruchtet und so der +Schöpfer und Erhalter der Fruchtbarkeit jenes Landes +ist. Wir befinden uns, wie wir früher schon hörten, +jetzt mit Mackay in dem interessanten Quellgebiet des +mächtigen Nilstromes oder, wie die Geologen sich ausdrücken: +»im Seengebiet der Nilquelle«. Das Steigen +und Fallen des Wassers im Viktoria Niansa entscheidet +eigentlich über den Verlauf der Ernten in +Ägypten. Mackay gibt in seinen geistreichen Briefen +auch eine beachtenswerte Erklärung über die sieben +fetten und mageren Jahre zur Zeit Josephs. Nach +seiner Ansicht bildete die im Süden des Niansa liegende +Landschaft Usukuma mit diesem See zusammen früher +ein großes Binnenmeer. Da habe sich eines Tages +das Bett des heutigen Niansa gesenkt, der große See +floß allmählich aus, und die abfließenden Wasser riefen +die sieben fetten Jahre in Ägypten hervor. Der riesige +Wasserbehälter schrumpfte dann in den See zusammen, +den wir heute Viktoria Niansa nennen. Kein Wunder, +daß nun die stark verminderten Wasserzuflüsse durch +die Ripponfälle (Somersetnil) die Hungersnot in dem +Kornlande zur Folge hatten. Nach und nach wurde +<a class="pagenum" id="page_052" title="52"> </a> +das durch den Seeausfluß hervorgetretene Land Usukuma +von Regengüssen getränkt, der Überfluß an Wasser +strömte in den See und von da in den Nilstrom. +Dadurch wurde nach sieben Jahren das Gleichgewicht +wiederhergestellt, und jetzt steigt und fällt der Nil +alljährlich wie in alter Zeit.</p> + +<p>Als Mackay diese lehrreichen Beobachtungen +machte, kam der in Rubaga stationierte Pastor Wilson +nach Kagai, um seinen Mitarbeiter abzuholen. So +rasch ging es aber noch nicht mit der Abreise. Mackay +mußte sich erst noch von einem heftigen Fieberanfall +erholen. Dann wurde das Boot noch einmal nachrepariert. +Endlich schlug die Stunde der Abfahrt nach +Uganda. Vier Tage lang hatten sie gute Fahrt. Dann +warf ein Sturm die »Daisy« an das Gestade von Nsougora. +Mit Mühe und Not konnten die Missionare +sich und ihre wertvolle Habe retten. Die herbeigeeilten +Eingeborenen blickten neidisch auf das Gepäck +der Schiffbrüchigen, weigerten sich aber hartnäckig, +ihnen in den Bemühungen um das Boot beizustehen. +Die unbarmherzigen Wellen rissen schnell das ganze +Fahrzeug auseinander. Um es einigermaßen wiederherzustellen, +bedurfte es acht Wochen angestrengter Arbeit. +Mackay sagt, es sei so gewesen, als wenn man +aus einem Stiefel einen Pantoffel zu machen sucht. +Sie rafften die Trümmer zusammen, ließen in der +Mitte etwa acht Fuß wegfallen, setzten zusammen, was +vom Vorder- und Hinterteil geblieben war, und flickten +es mit dem aus der Mitte gefallenen Holze wieder +<a class="pagenum" id="page_054" title="54"> </a> +aus. Dann stachen sie aufs neue in See und setzten +mutig ihre Reise fort.</p> + +<p>Aus einer Zeitung erfuhr Mackay, daß Stanley +früher an demselben Orte gestrandet war und mit +knapper Not der Niedermetzelung entging. Ein Glück, +daß er sich nachher nicht rachsüchtig zeigte. Hätte er +nachträglich auch nur einen Schuß auf sie abgegeben, +so hätten sie sich jetzt jedenfalls an diesen weißen +Schiffbrüchigen gerächt. Aber Gott hat in Seiner Güte +und Vorsehung über Seinen Boten gewacht und sie +nach vielen Erfahrungen Seiner leitenden Liebe und +helfenden Treue endlich an das Ziel ihrer Reise gebracht.</p> + +<p>Am 6. November 1878 zogen sie in Rubaga, +der Hauptstadt Ugandas, ein. Nach zweieinhalbjährigem +Reisen und Harren hatte unser Held seinen Kampfplatz +erreicht, auf dem er zwölf Jahre ununterbrochen bleiben, +leiden, streiten und schließlich sterben sollte.</p> + +<p>Von Mtesa und seinen Häuptlingen wurde Mackay +glänzend empfangen. Der König liebte es, sich mit +dem Pomp und Glanz eines morgenländischen Herrschers +zu umgeben. Die Missionare wurden von weißgekleideten +Pagen den Königsberg hinaufgeleitet. Dort +lag der »Palast«, ein langes, hohes Gebäude aus Rohr +und Gras. In den Höfen standen Soldaten mit Uniformen, +in der großen Empfangshalle saßen und standen +die Großen des Landes. Im Hintergrunde thronte die +schwarze Majestät auf einem weißen Lehnstuhl. Vor +ihm war ein Leopardenfell, das Zeichen königlicher +<a class="pagenum" id="page_055" title="55"> </a> +Würde, ausgebreitet. Huldvoll wird Mackay begrüßt, +dankbar werden seine Geschenke entgegengenommen. +Dann läßt der König einen Freudenwirbel trommeln. +Alle Häuptlinge nicken taktmäßig mit dem Kopfe, klatschen +in die Hände und rufen: »<span class="ss">njausig, njausig!</span>« +(danke, danke!). »Das ist für den Namen Jesu,« +erklärte der König herablassend, und der erste Empfang +war beendet. Abends sandte Mtesa seine Gegengeschenke: +zehn Ochsen, Tabak, Kaffee und Honig.</p> + +<p>Von ihrem Lande und ihrer Größe haben König +und Volk hohe Begriffe. Sie halten sich für das mächtigste +Reich der Welt. Mtesa versicherte Mackay großmütig: +»Wenn England nicht mit mir Streit sucht, +ich werde nie Händel mit ihm anfangen.« Ein König, +der nichts als die Schmeichelei seiner Höflinge kennt, +deren Leben er ganz in seiner Gewalt hat, ist selbstverständlich +schwer zu behandeln. Die Missionare gebrauchten +hier viel Schlangenklugheit und Taubeneinfalt, +um das Wort der Wahrheit recht zu teilen.</p> + +<p>Aus Unvorsichtigkeit hätte sich Mackay im ersten +Monat beinahe selbst vergiftet. Er sammelte Rizinussamen +und aß etwa ein halbes Dutzend der Körner. +Heimgekehrt, las er in seinem medizinischen Ratgeber, +daß die Körner Gift enthalten und drei genügen, den +Tod herbeizuführen. Mackay nahm Gegengift, befahl +sich, die Seinen und sein Werk dem Herrn und legte +sich hin zum Sterben. Nach sechs Tagen aber konnte +er wieder, wenn auch zum Skelett abgemagert, an den +<a class="pagenum" id="page_056" title="56"> </a> +königlichen Hof gehen. Der Herr hatte Seinen Diener +gerettet, wie Er Mark. 16 zugesagt hat.</p> + +<p>Am Hofe wurde die Suahelisprache fast allgemein +verstanden. Mackay hatte diese Sprache schon unterwegs +erlernt und besaß viele Teile der Bibel in Suahelisch. +So konnte er dem König und seinem Hofe +oft daraus vorlesen und sonntäglich Gottesdienst halten. +Durch Stanley war der König ja der Form nach für +das Christentum gewonnen. Das Volk zeigte regen +Eifer zum Lernen. Viele drängten sich zum Unterricht, +lernten lesen und studierten dann die übersetzten +Teile der Heiligen Schrift. Anfang des Jahres 1879 +erließ der König ein Gesetz, das den Sklavenhandel und +die Sonntagsarbeit in Uganda verbot. Wenn es auch +unmöglich war, diese Gesetze durchzuführen, so sind +sie doch ein Beweis, daß die Missionare bereits in +hohem Ansehen standen und großen Einfluß ausübten. +Mackay durfte die Baraza, die Ratsversammlung, besuchen, +in der die öffentlichen Angelegenheiten besprochen +wurden, und war bald die wichtigste Persönlichkeit +in Uganda.</p> + +<div class="il"> + <img class="bo" src="images/img086.jpg" alt="" /> + <p class="cap"><b>Mackays Empfang beim König Mtesa.</b> (Text siehe Seite <a class="nd" href="#page_054">54</a>.)</p> +</div> + + + + +<h2><a class="pagenum" id="page_057" title="57"> </a> +Neuntes Kapitel.<br /> + +<b>Ein Meister in allerlei Erz- und Eisenwerken.</b></h2> + + +<p>Stanley schreibt irgendwo: »Der praktische Christ +– einer, der Gottes Wort lehrt, Krankheiten heilt, +Häuser baut, den Ackerbau versteht, kurz, alles tun +kann – ist hier vonnöten. Wenn ein solcher hierher +käme, würde er zum Heile Afrikas werden.« Ein +solcher Christ war Mackay im besten Sinne des Wortes. +Er sagt selbst einmal, als er enttäuscht den Unstern +beklagt, der über der Sendung von Handwerkern +nach Uganda schwebte, und nach einem Gehilfen seufzte: +»So muß ich denn fortfahren wie bisher: bald mit +dem Buche in der Hand, bald mit Hammer und Zange.« +Seine steigende Beliebtheit beim Volke und bei Hofe +verdankte er zunächst dem Umstande, daß er ein Tausendkünstler +war. Seine in der Nähe des Palastes +errichtete Schmiedewerkstatt und Schlosserei mit Esse, +Amboß, Drehbank, Schraubstock, Schleifstein und allen +anderen Werkzeugen wurde von Großen und Kleinen +umlagert und viel bewundert. Mackay war für sie +ein Mann, der alles konnte. Eine Grenze für sein +Können gab es nach ihrer Ansicht nur in seinem +Willen, nicht in seiner Macht und Geschicklichkeit. +Darum eilten sie mit ihren großen und kleinen Leiden, +mit ihren kindischen Wünschen und heidnischen Erwartungen +<a class="pagenum" id="page_058" title="58"> </a> +zu ihm und waren ärgerlich, wenn er ihnen +nicht nach Wunsch half.</p> + +<p>Vom König und seinem Hofe wurden Mackays +Talente vielfach und oft ungebührlich in Anspruch genommen. +Seine Bereitwilligkeit, innerhalb der Grenzen +des Gewissens sich den königlichen Launen zu +fügen, Flinten und dergleichen Dinge zu reparieren, +hat der Mission gute Dienste getan und manchen Sturm +verhindert. Die Existenz des Werkes hing doch immerhin +von der Gunst des Hofes ab. Mackay ließ sich's +nicht verdrießen, den König in die Geheimnisse der +Eisenbahn, der Elektrizität und der Sternkunde einzuweihen, +weil ihm dies stets Gelegenheit schaffte, Gunst +und Vorteile für die Mission zu erzielen. Als Namosali, +die Königinmutter, starb, mußte Mackay aus zahlreichen +Geräten, die man ihm lieferte, einen kupfernen +Sarg herstellen. Das Begräbnis sollte echt königlich +sein. Der Kupfersarg wurde über und über mit wertvollem +Tuch umwickelt und dann in eine Gruft gesenkt, +die verschwenderisch mit Tuch ausgebettet war. Es soll +für dreißigtausend Mark Zeug und Tuch verbraucht +worden sein. Später, als Mtesa das Zeitliche gesegnet +hatte, mußte Mackay für das »Mausoleum«, +eine kolossale Hütte von vierzig Fuß Höhe, einen Blitzableiter +liefern. Die Errichtung eines Flaggenmastes +auf dem »Schloß« des neuen Königs nahm ihn einen +ganzen Monat in Anspruch. Bald darauf zerstörte +ihn eine Feuersbrunst. »So ist meine ganze Arbeit +dahin, aber nicht verloren,« schreibt Mackay, »denn +<a class="pagenum" id="page_059" title="59"> </a> +ich glaube, sie ist der Mission zum Nutzen gewesen. +So unlieb es mir ist, meine Zeit mit solchen Kindereien +zu vergeuden, sehe ich doch die darauf verwandte Zeit +nicht für verloren an, wenn es dazu beiträgt, Vorurteile +zu zerstreuen und die Herren günstig zu +stimmen.«</p> + +<p>Als Schiffsbauer haben wir ihn bereits kennen +und schätzen gelernt. Die bekannte »Daisy« wurde bald +in der Tropensonne zerstört. Von England aus wurden +die Teile zu einem neuen Boote an das Südufer +des Viktoria Niansa geschickt. Ein nachgesandter Handwerker +sollte das Schiff zusammensetzen, fand aber die +Planken ganz verbogen und von der Hitze gespalten. +Ein Häuptling hatte nämlich das Schutzdach gestohlen, +unter dem sie lagerten. Der Handwerker erklärte, +nichts damit anfangen zu können. Da kam Mackay zu +Hilfe. In seinem Wörterbuch stand das Wort »unmöglich« +nicht. Monatelang arbeitete er in der brennenden +Sonne, oft vom Fieber befallen und abends +stets von Moskitos geplagt. Alles mußte er allein +tun, jede Planke zurichten, jeden Nagel einschlagen. +Endlich konnte er die »Eleonore« vom Stapel lassen, +auftakeln und sie der Ugandamission als Weihnachtsgeschenk +überbringen.</p> + +<p>Von 1888-89 baute er an der Küste des Niansa +sogar an einem Dampfboot. Ein Ingenieur, der ihn +unterstützen wollte, konnte eines Aufstandes wegen nicht +zu ihm stoßen. Mit erfinderischem Scharfsinn und bewundernswerter +Ausdauer ging er auch hier allein, nur +<a class="pagenum" id="page_060" title="60"> </a> +mit Hilfe der Eingeborenen, ans Werk. In einem mehrere +Stunden entfernten Walde fällte er große Bäume. +Um sie zur Werft zu schaffen, baute er einen starken, +vierräderigen Wagen, den ersten, den diese Gegend je +gesehen. Um das Schiff aus diesem Rohmaterial im +Schatten bauen zu können, errichtete er einen Schuppen +aus Backsteinen, von denen er sich mit Hilfe der Schwarzen +in zehn Tagen zehntausend Stück geformt hatte. +Die Kesselteile waren schon mit der ersten Expedition +1876 hergeschafft worden und lagen verrostet da. Ehe +Mackay sie zusammennieten konnte, mußte er das Eisen +erwärmen. Dazu stand ihm nur ein kleiner, tragbarer +Ofen zur Verfügung. Den Stapellauf dieses +Schiffes hat er nicht mehr erlebt.</p> + +<p>In Rubaga machte ein zweiräderiger Ochsenkarren +großes Aufsehen. Der König sandte zwei Häuptlinge, +das Ding zu besehen. Sie fanden, daß das Wunder +ein Werk Mackays war. Der Karren hatte sogar +Bremsvorrichtung und wurde von Ochsen gezogen, die +mit vieler Mühe eingelernt und ans Joch gewöhnt +waren. Dann kam ein neues Wunder. Es war ein +Pflug, dessen Hauptteile auf der Reise verloren gegangen, +aber nun von Mackay neu geschmiedet worden +waren. Als Kuriosum staunte man in der Hauptstadt +auch des »weißen Mannes Topf zum Kochen +trockener Speise« an. Es war ein ehrsamer Backofen +mit hohem Schornstein und eiserner Tür, der aber +den Fetischhütten zu Ehren des Lubari sehr ähnlich sah.</p> + +<p>In der ersten Zeit erlaubte der König nicht, daß +<a class="pagenum" id="page_061" title="61"> </a> +die Missionare sich Häuser nach europäischem Muster +bauten. Sie wohnten mehrere Jahre in den ungesunden +Grashütten. Dann erhielt Mackay die gütige +Erlaubnis, ein zweistöckiges Haus zu bauen. Es erhielt +Türen mit Füllungen, viereckige Fenster mit +Drahtgaze und hatte eine große Freitreppe, die von +außen ins oberste Stockwerk führte. Das Gebäude +wurde im Lande der Grashütten eine Sehenswürdigkeit +und für die schwarzen Majestäten ein Gegenstand +des Neides. Mackay zog selbst nicht hinein, sondern +überließ es den Kameraden. Er selbst blieb vorläufig +in seiner ärmlichen, baufälligen Hütte, die zugleich +Klinik, Druckerei, Vorratskammer und Schulstube war. +Außerdem schliefen noch stets etwa ein Dutzend Knaben +bei ihm, von denen oft etliche krank waren, so daß +der Platz einem Hospitale glich. Erst später, als ein +Missionar abreiste, siedelte er in sein Haus über.</p> + +<p>Zum Hause schenkte der König auch einen Garten. +Mackay grub darin einen Brunnen und legte eine +Pumpe an, die köstliches Wasser lieferte – ein wahres +Wunder für die Eingeborenen! Sie drängten sich +täglich hunderteweise herzu, um das Wunderwasser zu +trinken, das von selbst aus der Röhre lief. Einige +nannten es Lubare, andere ein Werk Gottes. Auch der +im Dienst des Lubari stehende Häuptling Jumba kam +und prüfte den Trunk aus der Tiefe. Mackay nützte +die Gelegenheit, dem Wächter des Götzen zu beweisen, +daß ein Lubare nichts ist, da er nicht einmal solches +Wasser beschaffen kann.</p> + +<p><a class="pagenum" id="page_062" title="62"> </a> +»Bliebe das Volk in seinem jetzigen Zustande,« +berichtet Mackay im Jahre 1881, »so würden sie entweder +faule oder kriegerische Christen. Die Anleitung, +die wir ihnen geben, lehrt sie Augen, Verstand und +Hände zu gebrauchen für die Künste des Friedens, die +sie von der Trägheit und den kriegerischen Gelüsten +abziehen und den Gesamtzustand des Landes heben. +Ich versuche jetzt Ziegel zu machen und zweifle nicht, +daß diese einfache Kunst, wenn sie im Lande geübt wird, +eine große Umwälzung bewirkt. Schon jetzt ist der +Erfolg bedeutend. Die schmutzigen Straßen und Winkel +werden gereinigt, man bessert den erbärmlichen Fußboden +der Hütten aus, die Toten werden ordentlich +begraben und nicht mehr in die pestilenzialischen Sümpfe +geworfen.«</p> + + + + +<h2>Zehntes Kapitel.<br /> + +<b>Im Kampf mit heidnischem Aberglauben.</b></h2> + + +<p>König Mtesa war, wie sich mit der Zeit offenbarte, +dem Herzen nach ein Heide geblieben. Wohl hatte er +erkannt, daß das Christentum vor dem Islam den Vorzug +verdient und daß Jesus Christus der Weg, die +Wahrheit und das Leben ist. Er wollte aber sein sündiges +Leben nicht ändern und seine heidnischen Laster +<a class="pagenum" id="page_063" title="63"> </a> +nicht aufgeben. Dasselbe muß leider von seinen ersten +Beamten und Häuptlingen auch gesagt werden. Der +ganze Hof sank nach einem kurzen Anlauf der Besserung +wieder in das dunkelste Heidentum zurück. Die Missionare +duldete man trotzdem und ließ sie gewähren, +weil man äußere Vorteile davon hatte. Außerdem +schmeichelte es der grenzenlosen Eitelkeit des Königs, +Engländer an seinem Hof zu haben. Die selbstverleugnende +Arbeit Mackays und seiner Mitarbeiter schien +umsonst zu sein. Es schien jedoch nur so. In Wirklichkeit +keimten alle ausgestreuten Samenkörner im +Verborgenen ruhig fort und gingen später überall auf. +Gottes Wort kommt nie leer zurück. Es richtete auch +in Uganda aus, wozu es gesandt ist, wenn es auch +vorläufig schien, als ob alles umsonst sei.</p> + +<p>Mtesa litt infolge seines Lasterlebens an einer +bösen Krankheit. Mackay tat, was er konnte, um +ihm Heilung zu verschaffen. Die Krankheit war aber +unheilbar. Da hörte Mackay eines Tages zu seinem +größten Schmerz, daß der Hof beschlossen habe, den +Erzzauberer Mukasa, den großen Geist des Niansa, +kommen zu lassen, um den König durch ein einziges +Wort gesund zu machen. Schon war der gefürchtete +Lubare ganz in der Nähe. Mackay konnte täglich sein +Trommeln hören. Er wartete nur auf den Neumond, +um einzuziehen und seine Zauberei vorzunehmen.</p> + +<p>Mackay sah voraus, daß dieser Einzug das Wiederaufleben +des Heidentums und der gänzliche Rückfall +des Hofes in heidnische Zauberei bedeute. Mit der +<a class="pagenum" id="page_064" title="64"> </a> +Kühnheit eines alttestamentlichen Propheten trat er +dem drohenden Unheil entgegen, um es womöglich noch +abzuwenden. Eines Sonntags, als der launische Herrscher +sich in guter Stimmung befand, faßte Mackay +sich ein Herz, den König zu warnen. Nachdem in +öffentlicher Versammlung mehrere Regierungsangelegenheiten +erledigt waren, setzte sich Mackay vor Mtesa +und bat um die Erlaubnis, eine Frage stellen zu dürfen.</p> + +<p>Mtesa antwortete: »Sprich!« Mackay fragte: +»Was ist ein Lubare?« Die Frage überraschte alle +Umstehenden. Aber der König nahm sie gut auf und +versuchte zu erklären, daß ein Lubare der große Geist +sei, der sich in einem lebenden Menschen aufhalte. +Darauf erwiderte Mackay, es gäbe doch in Uganda +viele solche Geister, sie seien aber Lügner, und der +Rädelsführer sei der Lubare Mukasa. Er wisse auch, +daß der König selbst kein Vertrauen zu diesen Zauberern +habe, einige Häuptlinge hätten ihm aber geraten, +Mukasa kommen zu lassen. »Hier sitze ich nun +vor dir als dein Diener und der Diener des allein +wahren und allmächtigen Gottes, und in Seinem Namen +bitte ich dich: Habe nichts zu schaffen mit dem +Lubare, wer dir auch dazu raten mag!« Der König +nickte beifällig und übersetzte die suahelisch gesprochenen +Worte Mackays dem ganzen Hofe. Mackay fuhr fort, +auf den König einzudringen und erklärte ihm, wenn +Mukasa ein Gott sei, müsse es zwei Götter in Uganda +geben, den allmächtigen Gott und den Gott Mukasa. +Wäre Mukasa aber nur ein Mensch, dann gäbe es +<a class="pagenum" id="page_065" title="65"> </a> +zwei Könige in Uganda, denn Mukasa gebe sich für +einen König aus, verachte Mtesas Befehle und triebe +offene Empörung im Lande. Der König kenne doch +den lebendigen Gott und solle sich nun freimachen +von den Zauberern und keinen Feind der Wahrheit +verehren. Die Geschichte bezeuge, daß Gott mit den +Königen war, die Ihn allein fürchteten, und daß alle, +die sich von Ihm abwandten, ein böses Ende nahmen. +Gott habe gesagt: »Wer Mich ehrt, den will Ich wieder +ehren; wer Mich aber verachtet, den will Ich +wieder verachten.«</p> + +<p>Der König war bewegt, wünschte aber jetzt das +Thema fallen zu lassen. Er wolle an Mackays Worte +denken. So endete die erste Unterredung über die +große Frage, die jetzt in aller Munde war. In den +folgenden Tagen besuchte Mackay alle einflußreichen +Häuptlinge, um sie gegen den Lubare zu stimmen und +für die Wahrheit zu gewinnen. Einige lieferten ihm +ihre Fetische aus und nahmen ein Evangelienbuch in +Suaheli an. Andere machten leere Versprechungen. +Alle aber schienen sich ihres Glaubens an den Götzendienst +zu schämen, was Mackay mit neuer Hoffnung +erfüllte.</p> + +<p>Bald darauf hörte er aber mit Entsetzen, daß +Häuptlinge auf Befehl des Königs in aller Eile einige +Häuser im Hofe für den Mukasa erbaut hätten. Das +Herz tat ihm bei dieser Botschaft weh. Zehn Tage +lang hatte er ernstlich mit jedem Häuptling gegen die +Torheit des Aberglaubens geredet, am letzten Sonntag +<a class="pagenum" id="page_066" title="66"> </a> +noch im Gottesdienst am Hofe aus der Bibel das Verdammungswürdige +der Zauberei bewiesen – und jetzt +war für den königlichen Empfang des Erzzauberers +Mukasa alles vorbereitet!</p> + +<p>So schnell ihn seine Füße trugen, lief er noch +einmal zu einigen Großen. Überall fand er schon +Fetische an den Hütten und Amulette an den Körpern. +Die Häuptlinge suchten sich nun herauszulügen und +behaupteten, nichts von der Sache zu wissen. Mit dem +Katikiro, dem heuchlerischen Reichskanzler, konnte er +nicht sprechen. Er befand sich wie gewöhnlich in seinem +Harem. In einem seiner Höfe sah Mackay viele +Zaubergegenstände an einem Baum hängen.</p> + +<p>Noch einmal bot sich dem unermüdlichen Kämpfer +Gelegenheit, vor versammeltem Hofe gegen den Götzendienst +zu Felde zu ziehen. Der König hielt ein Baraza. +Auf dem Wege zum Hofe lachten die Leute +schon verächtlich hinter Mackay her. Im Vertrauen +auf Gott wagte er es dennoch, sich vor den König zu +setzen, natürlich auf den Boden. In bescheidener, aber +entschiedener Weise legte er nun Mtesa dar, daß niemand +zwei Herren dienen könne und daß die Missionare +aufhören müßten, am Hofe zu lehren, wenn Mukasa +einziehe, der doch nur käme, um Zauberei zu treiben +und den wahren Gott zu beleidigen. Wenn er den +König heilen könne, hätte er es schon längst tun müssen. +Er, Mackay, wolle dem König ja nicht vorschreiben, +welche Gäste er empfangen solle. Mukasa aber sei +kein gewöhnlicher Gast, sondern ein Betrüger, der das +<a class="pagenum" id="page_067" title="67"> </a> +Volk verführe und verderbe. Unerschütterlich berief +sich Mackay auf Gottes Wort, das alle Hexengläubigen +als Gottes Feinde betrachtet. Mtesa erwiderte, er +wisse nicht mehr, was er tun solle. Seine Mutter und +ihr Anhang seien für den Lubare und wünschten dessen +Besuch. Mackay entgegnete, Achtung vor den Eltern +sei tugendhaft, Gott aber sei noch mehr zu achten. +Weiter hatte er ihm nichts mehr zu sagen. Es war +ihm klar, daß der König auf ihn hörte, daß aber die +alten Häuptlinge und die Königinmutter gegen ihn +waren.</p> + +<p>In einer weiteren Beratung mit dem Hofe riet +man dem König, sich nicht mehr auf die Religion des +weißen Mannes einzulassen, da dies nur der Anfang +zur Eroberung des Landes sei. Es solle bei Todesstrafe +verboten sein, etwas von den Weißen zu lernen.</p> + +<p>Dann berief Mtesa in dieser Sache die Missionare +noch einmal an den Hof. Mackay sollte der Königinmutter +und ihrem Hofe klarmachen, weshalb er verbiete, +den Mukasa zu empfangen. Mackay erkannte, +daß ihm hier eine Schlinge gelegt war und erwiderte, +er habe nichts zu verbieten, sondern als Diener Gottes +nur zu mahnen und zu warnen.</p> + +<p>Dann redeten einige Häuptlinge, besonders der +Katikiro, heftig auf den König ein. Dieser ließ sich +wirklich einschüchtern und erklärte schließlich unter lautem +Beifall des Hofes, sie wollten nunmehr die Religion +der Araber und der Christen verlassen und zu +ihrer alten Religion zurückkehren.</p> + +<p><a class="pagenum" id="page_068" title="68"> </a> +Von nun an wurde Mackay mit heidnischer Unverschämtheit +behandelt. Gefragt, warum er und die +anderen Missionare überhaupt gekommen seien, erwiderte +er, daß der König es doch selbst gewünscht habe. +Mtesa aber warf dazwischen, er habe damit nicht gemeint, +daß die Weißen ihnen die Lehre von Gott bringen, +sondern ihnen zeigen sollten, wie man Flinten und +Pulver macht. Die Missionare dürften hinfort nicht +mehr lehren, sondern nur noch für ihn arbeiten. Hierauf +zeigte ihm Mackay seine Hände, die schwielig und +schwarz waren von der Arbeit für den König und seine +Häuptlinge, und sagte, er habe sich nie der Arbeit geweigert +und werde es nie tun, solange er lehren dürfe; +wenn er nichts mehr über die Lehre von Gott sagen +könne, müsse er das Land verlassen. Dann bat er +dringend um Erlaubnis, doch das niedere Volk (Bakopi) +lehren zu dürfen, wenn der Hof nichts mehr davon +wissen wolle. Die Bitte wurde aber verneint. In +der Belehrung und Bekehrung der Bakopi sahen die +Herren Häuptlinge erst recht eine Gefahr für ihren +Einfluß und einen Angriff auf ihre Machtstellung.</p> + +<p>Die alten Götter hielten also wieder ihren Einzug +in die Hauptstadt Ugandas. Furchtbarer Trommellärm, +der näher und näher kam, kündete Mackay eines +frühen Morgens an, daß der Lubare sich auf dem +Wege nach dem Hof befinde. Mackay dankte Gott, +daß der Zug mit dem gellenden Geschrei vieler Hunderte +von Weibern nicht an seiner Stätte vorbeikam. +Wer weiß, was das fanatisierte Volk angefangen hätte! +<a class="pagenum" id="page_069" title="69"> </a> +Noch an demselben Tage wurde der Lubare vom König +empfangen. Von den Häuptlingen und den Zauberern +wurde das Bier in Strömen vertilgt, während Mtesa +kaum am Becher genippt haben und merklich still gewesen +sein soll. Die geringen Zauberer spielten und +tanzten, der Lubare sang und prophezeite Krieg mit +den Fremdlingen; das war alles, was er konnte.</p> + +<p>Mackay wußte, daß die alten Götter das Herz +des Volkes nicht mehr lange befriedigen würden und +keine Macht den Sieg des Kreuzes hindern könne. +»Wir wollen uns ruhig verhalten, wenn Gott uns +das Leben läßt, bis der Sturm vorüber ist.« Das +kühne Auftreten Mackays hatte doch den Lubaridienst +stark erschüttert. Der König schämte sich augenscheinlich +desselben, und da seine Krankheit nicht hinweggezaubert +wurde, erklärte er das Ganze für Schwindel, +mit dem er nichts zu tun haben wolle. Das kühlte +auch den Eifer der Häuptlinge ab und machte das +Lehrverbot illusorisch. Mackay und seine Brüder unterrichteten +vorläufig ungestört weiter.</p> + +<p>Die Nichtigkeit des Götzendienstes suchte Mackay +auch sonst immer handgreiflich zu beweisen. Gelegentlich +einer Reise über den Niansa sah er, daß der +Kapitän der kleinen Kanuflotte dem Lubare jeden +Morgen ein Bananenopfer ins Wasser warf. Mackay +kaufte von den Ruderern einen großen Fetisch (Schutzzauber) +und hielt ihnen ernstlich die Ohnmacht der +Götzen und die Macht und Liebe Gottes vor. Dann +<a class="pagenum" id="page_070" title="70"> </a> +fragte er sie, was in dem Fetisch wäre. »Der Lubare,« +antworteten viele.</p> + +<p>»Wird er im Feuer verbrennen?«</p> + +<p>»O nein, der Lubare brennt nicht.«</p> + +<p>»Gut, wir werden ja sehen!« Am Strande angekommen, +machte er ein Feuer und warf den Zauber +hinein. In wenigen Augenblicken war er in Asche +verwandelt. Entsetzt lief die Hälfte der Umstehenden +davon; die anderen starrten ihn an und erwarteten, +daß augenblicklich ein Strafgericht über den weißen +Mann hereinbrechen würde.</p> + +<p>»Nun ist der Teufel tot,« triumphierte Mackay, +»und ihr seht alle, daß keine rettende Kraft in den +Fetischen ist und daß Gott allein uns helfen kann.«</p> + +<p>Durch solches Verfahren wurde wohl der Glaube +an die Götzen erschüttert, aber nicht ausgerottet.</p> + +<p>»Das erfordert mehr,« schreibt Mackay. »Die alte +fleischliche Natur des Menschen mit all ihrer Feindschaft +gegen Gott und das Gute bleibt zurück. Diese +umzuwandeln liegt nicht in des Menschen Macht; aber +die Mittel sind dazu da. Wir kommen mit dem Buche +der Offenbarung der ewigen Liebe Gottes in der Hand +und suchen die heiligen Lehren den Herzen nahezubringen. +Heute hören sie uns zu, morgen sagen sie: +›Wir brauchen eure Lehren nicht. Lehrt uns Pulver +und Gewehre anfertigen, so wollen wir euch Land und +Sklaven geben.‹ Heute sind wir Freunde, morgen +fragen sie die Zauberer, und uns verdammt man als +die Ursache alles Übels. Sogar unsere Religion wird +<a class="pagenum" id="page_071" title="71"> </a> +von vielen als eine Art Zauberei angesehen, und die +Bibel nennen sie einen Fetisch oder <span class="ss">jembe</span>, d. h. Götzen. +So fluten die Wogen auf und nieder. Aber immer noch +leuchtet hell der Morgenstern, das Zeichen des Evangeliums +des Friedens. Je heftiger eine Zeitlang die +Gegenwehr ist, desto schneller wird sie ihre Kraft verbrauchen, +und dann triumphiert die Wahrheit. Unsere +Feinde sind zahlreich, und außer denen, die wir hier +vorfanden, die Araber, sind noch die Katholiken in unser +Feld eingedrungen und machen uns jeden Zoll streitig.«</p> + + + + +<h2>Elftes Kapitel.<br /> + +<b>Zwischengefechte mit Arabern und +Katholiken.</b></h2> + + +<p>In seinen Reisebriefen hören wir Mackay oft +über die arabischen Sklavenhändler klagen. Mit flammenden +Worten haben vor ihm Livingstone und Stanley +schon die zivilisierte Welt auf das schreckliche Treiben +der mohammedanischen Menschenhändler aufmerksam +gemacht. Mackay nennt sie die »getünchten +Gräber«, welche alle Gebetsvorschriften ihres falschen +Glaubens genau erfüllen und sich durch den Sklavenhandel +<a class="pagenum" id="page_072" title="72"> </a> +täglich der grauenhaftesten Schandtaten schuldig +machen. Ihre Sklaven schickten sie auf Plünderung +aus, um Weiber und Kinder als Beute zurückzubringen. +Ihre Pfade seien Wege der Hölle.</p> + +<p>Als Mackay nach Uganda an den Hof kam, waren +die Halbblutaraber schon lange als Händler im Lande +seßhaft. Für ihre Waren tauschten sie aber nur Sklaven +ein. Einige hatten beständig am Hofe Zutritt. Mtesa +galt eine Zeitlang auch als Anhänger Mohammeds. Er +war es aber in Wirklichkeit ebensowenig, als er später +ein überzeugter Christ war. Eines Tages bot ein +arabischer Händler am Hofe Flinten und Zeug an, +wofür er »nur« Sklaven haben wollte: für ein Stück +rotes Zeug einen, für eine Muskete zwei männliche +Sklaven, für hundert Zündhütchen eine Sklavin. +Mackay trat sofort gegen ihn auf und wies den König +auf die Dekrete des Sultans von Sansibar gegen den +Menschenhandel und auf die Greuel hin, welche mit +diesem Handel verbunden sind. Dann gab er eine +Lektion über Physiologie und fragte, warum solch ein +Organismus wie der menschliche Leib, den keines Menschen +Hand zu bilden vermöge, für ein Stück Zeug, +das jeder an einem Tage herstellen könne, verkauft +werden solle. Das Ergebnis war nicht nur die Ablehnung +des Angebots des Arabers, sondern auch eine +königliche Verordnung, nach welcher bei Todesstrafe in +Uganda niemand einen Sklaven verkaufen dürfe.</p> + +<p>Dies Gebot war praktisch damals gar nicht durchführbar, +wie Mtesa später selbst zugab, da der Sklavenhandel +<a class="pagenum" id="page_074" title="74"> </a> +fast der einzige Handel Afrikas war. In Uganda +selbst wurden jährlich etwa zweitausend Sklaven von +den Arabern gekauft und zur Küste gebracht. Die +Araber wurden jetzt zu heftigen Gegnern der Mission, +nicht aus religiösen Gründen, sondern weil sie den +Markt in Uganda nicht mit den Weißen teilen und im +Sklavenhandel ungestört bleiben wollten. Mackay sollte +bald erfahren, daß er in ihnen am Hofe grimmige und +listige Gegner hatte. Mehr als einmal brachten sie +durch Verdächtigungen aller Art sein Werk und Leben +in die größte Gefahr.</p> + +<p>Einmal hinterbrachten sie dem König eine schreckliche +Lüge über das Vorleben Mackays. Er sei ein +landflüchtiger Verbrecher, habe zweier Morde wegen +sein Vaterland verlassen müssen und dann das Schiff, +auf dem er floh, in die größte Gefahr gebracht; der +Kapitän hätte ihn in Sansibar ans Land gesetzt. Aber +auch auf dieser Insel wäre seines Bleibens nicht gewesen. +Nachdem er wieder einen Doppelmord auf dem +Gewissen gehabt, sei er nach Uganda gekommen. Einem +Sklaven, der das alles wisse, hätte er hohes Schweigegeld +geboten. Ein andermal erzählten sie am Hofe, die +Königin von England hätte Mtesa eine Spieldose, +tausend Flinten und viel Zeug gesandt, aber die Missionare +hätten alles unterschlagen. In der Spieldose +seien übrigens lauter lebendige Teufel; wenn Mackay +pfeife, fingen sie an zu spielen; wenn er ihnen »Halt!« +zuriefe, würden sie still.</p> + +<p>Als Mackay am Missionshaus baute, raunten sie +<a class="pagenum" id="page_075" title="75"> </a> +dem König und seinen Räten ins Ohr, das sollte eine +Festung werden und das sei der Anfang zur Eroberung +des Landes. Fünfzig Sklaven wären schon einexerziert, +und andere Soldaten kämen von der Küste. Das +politische Motiv spielten sie übrigens in allen Tonarten, +um Mißtrauen gegen die Fremden und besonders +gegen die Missionare zu säen. Diese seien nur politische +Spione und Agenten. Nach ihnen kämen die Engländer, +um das Land »aufzuessen«. Im Gottesdienst +am Hofe erschwerten sie die Lehrtätigkeit durch lästige +Zwischenbemerkungen, z. B.: die Weißen seien Bilderanbeter, +hätten eine falsche Religion, äßen Schweinefleisch, +hielten Hunde und seien schlecht, am schlechtesten +aber wären die Engländer. Solange Mackay in +Uganda war, kämpften sie mit allen Mitteln gegen ihn, +und als er endlich die Hauptstadt verließ, wozu sie +viel beigetragen hatten, frohlockten sie, freilich zu +früh, denn ihre Zeit ging damals zu Ende und die des +Christentums begann erst recht.</p> + +<p>Neben den Muselmännern stellten sich aber noch +andere Gegner ein, denen Mackay zu begegnen hatte +und zu begegnen wußte.</p> + +<p>Am 23. Februar 1879, einem Sonntag, gingen die +Missionare nach ihrer Gewohnheit an den Hof, um zu +predigen. Aber dort war große Aufregung, und niemand +kam zum Gottesdienst. Es sollten zwei Weiße +als Gäste des Königs angekommen sein. Die Missionare +hatten keine Ahnung, wer das sein könnte. Es +waren jesuitische Gegenmissionare, französische Untertanen +<a class="pagenum" id="page_076" title="76"> </a> +von den Vätern des Kardinals Lavigerin aus +Algier. Vergebens erinnerte sie Mackay an ein altes +Abkommen, daß man Mohammedanern und Heiden +nicht das bedauerliche Schauspiel einer in sich gespaltenen +Religion bieten, sondern auf getrennten Feldern +arbeiten wolle. Die Priester erklärten, sie seien an +jenes Abkommen von Bagamoyo nicht gebunden, da sie +einem anderen Orden angehörten.</p> + +<p>Dem König, dem die Franzosen sehr wertvolle +und sorgfältig ausgewählte Geschenke machten, war es +ganz willkommen, wenn er die beiden Missionen gegeneinander +ausspielen und aus beiden Vorteile ziehen +konnte, ohne sich für das eine oder für das andere +entscheiden zu müssen.</p> + +<p>Bald kam es zu häßlichen Auftritten am Hofe. +An einem Sonntag hielt Mackay Gottesdienst. Lourdel +und sein Genosse, den Mackay noch nicht kannte, waren +auch zugegen. Die Grüße des Engländers erwiderten +sie kaum. Der Gottesdienst begann. Mackay schlug +sein »Prayerbook« auf, und alle knieten nieder zum +Gebet. Nur die römischen Priester blieben sitzen und +schwatzten dabei. Mtesa stellte sie darüber zur Rede +und fragte, ob sie nicht an Christum glaubten und +Ihn anbeteten. Lourdel erging sich nun in den beleidigendsten +Ausdrücken, nannte Mackay einen Lügner +und die Bibel ein Lügenbuch. Mackay seufzte innerlich +um Gnade, sich jetzt recht verhalten zu können. +Der Herr stand ihm bei, so daß er in aller Ruhe und +Klarheit erzählen konnte, was die Protestanten von +<a class="pagenum" id="page_077" title="77"> </a> +Rom trennt. Die Römischen hätten den Papst als +Oberhaupt, die Evangelischen hätten die Bibel als einzige +Autorität und verehrten keinen anderen Herrn als +Jesum Christum. Um die Gemüter zu beruhigen, setzte +er hinzu, in vielen Dingen stimmten beide Konfessionen +überein. Der aufgeregte Priester wollte aber nichts +vom Frieden wissen und wiederholte seine Schmähungen. +Niemals hörte Mackay so oft das Wort <span class="ss">muongo</span> +(Lügner) auf sich anwenden als von jenem römischen +Pater. Die Verwirrung unter den Zuhörern war +schließlich so groß, daß Mtesa erklärte: »Die Araber +lehrten mich, an einen Gott zu glauben, Mackay sagte +mir von zweien (Gott und Christus), und die Franzosen +haben gar drei (Gott, Jesus und Maria); nun +glaube ich keinem mehr. Jeder weiße Mann hat ja +eine andere Religion.«</p> + +<p>Vierzehn Tage nach den Jesuiten traf ein Brief +des englischen Generalkonsuls in Sansibar ein, in dem +u. a. stand, die englischen Missionare hätten nichts mit +der Politik zu tun; sie seien aus eigenen Antrieb gekommen +und nicht direkt von der Königin gesandt. Dadurch +sollte bei Mtesa der Verdacht zerstreut werden, +daß die Missionare politische Agenten seien. Mtesa +befahl den Arabern, den Brief zu übersetzen. In ihrem +Hasse gegen die Christen übersetzten sie nun falsch und +lasen, daß »kein Engländer in Uganda von der englischen +Königin komme oder Briefe von der englischen +Regierung habe«. Nun hatten aber wenige Wochen +vorher drei Missionare, die zu Mackays Unterstützung +<a class="pagenum" id="page_078" title="78"> </a> +kamen, ein Schreiben vom Premierminister im Namen +der Königin überreicht.</p> + +<p>Es gab einen neuen, schrecklichen Auftritt. Mtesa +nannte Mackay und seine Mitarbeiter Betrüger und +erklärte den Brief von England als eine Fälschung. +Die Einsicht in den Brief des Konsuls wurde ihnen +vorenthalten. Sie mußten alles über sich ergehen lassen +und stellten es Gott anheim, der da recht richtet und +den Wahrhaftigen hilft. Da sie trotzdem noch geduldet +wurden, fuhren sie desto eifriger in der Ausbreitung der +Wahrheit fort.</p> + +<p>»Es scheint mir,« schreibt Mackay, »daß Gott das +Eindringen der falschen Lehren zugelassen hat, damit +wir die Wahrheit um so eifriger verbreiten. O, daß +wir die kurze uns zur Verfügung stehende Zeit mehr +zur Verherrlichung Gottes gebrauchen könnten und +wollten! Wir taten, was wir konnten, zu verhindern, +daß Unkraut unter den Weizen gesät würde, als die +ersten Papisten im Anzuge waren, und nun werden +sie sich neben uns festsetzen. – Wir müssen alle Kraft +daransetzen, dem Volke die Heilige Schrift in ihrer +eigenen Sprache zu geben und sie lehren, dieselbe zu +lesen und zu glauben.«</p> + +<p>Darin sah Mackay mit Recht die beste Waffe und +das beste Abwehrmittel gegen alle Feinde, auch gegen +die katholische Propaganda. Bald nach seiner Ankunft +in Uganda begann er eine beträchtliche Anzahl Lesetafeln +herzustellen. Er verfertigte große Lettern aus +hartem Holz und druckte mit Hilfe seiner kleinen Presse +<a class="pagenum" id="page_079" title="79"> </a> +Buchstaben, Silben, Wörter und auch ganze Sätze auf +zugerichtete Tafeln. Die Fibeln gab er den herzuströmenden +Lernbegierigen und unterrichtete sie dann +in der Lesekunst. Den Fortgeschrittenen händigte er +gedruckte Bibelsprüche ein und unterwies sie zugleich in +den geoffenbarten Wahrheiten.</p> + +<p>Das größte Verdienst erwarb sich Mackay aber +durch seine Übersetzungsarbeiten. Seine Mitarbeiter +wechselten oft, zu oft, um mit der Landessprache völlig +vertraut zu werden und zuverlässige sprachliche Arbeiten +anfertigen zu können. Mackay dagegen war +neun Jahre ununterbrochen am Orte und stand nach +seiner Verdrängung noch zweieinhalb Jahre im regen +Verkehr mit den Waganda, deren Sprache er wie seine +eigene kannte. Im Januar 1880 begann er mit der +Übersetzung des Evangeliums Matthäi mit dem Gebete: +»Möge der Heilige Geist, der das Wort zuerst +eingab, mir Herz und Hand zu dieser Arbeit reinigen +und dieselbe heiligen zur Ehre meines hochgelobten +Herrn und Meisters Jesus Christus!« In diesem Geiste +und der ihm eigenen Sorgfalt und Gründlichkeit übersetzte +er im Laufe der Jahre nicht nur das Matthäus-, +Lukas- und Johannesevangelium, sondern auch ausgewählte +Psalmen, Gebete und Lieder in die Landessprache. +Dann druckte er sie auch und band die Bücher, +wobei ihm seine Mitarbeiter fleißig Handreichung taten. +Außerdem wurde auch das Suahelitestament in Uganda +sehr verbreitet, besonders im Anfang, weil viele dieser +Sprache mächtig waren.</p> + +<p><a class="pagenum" id="page_080" title="80"> </a> +Das Übersetzte wurde wiederholt unter dem Beistand +seiner Mitarbeiter und geförderter Wagandachristen +revidiert und korrigiert. Mit ihnen saß er +auch in der schweren Verfolgungszeit nach Mtesas +Tode (1884) manchen Tag und manche Nacht über +dem heiligen Texte. Die meisten Exemplare wurden +verkauft, nicht verschenkt, und gingen so rasch ab, daß +immer neue Auflagen gedruckt werden mußten. Das +bereitete Mackay neben der Freude auch manche Not, +da die Mittel und Hilfsmittel so dürftig waren, wie +sie nur sein konnten.</p> + +<p>Das Wort Gottes wurde unter dem Volke ein +Same der Wiedergeburt und die tägliche Seelenspeise +der Bekehrten. Stanley, der 1889 in der Nähe Ugandas +war, beobachtete mit Staunen die christlichen Flüchtlinge +aus Uganda – es war gerade zur Zeit der +Verfolgung –, wie »fast jeder von ihnen ein Buch +hatte, Gebete und das Evangelium Matthäi, wie sie +in ihren Hütten sich auf den Boden legten, ihre Bücher +hervorzogen und darin lasen« und ihm erzählten, sie +seien alle – etwa 2500 – Mackays Schüler und +gehörten zu Mackays Mission; jeder hätte persönlich +das Buch von ihm empfangen.</p> + +<p>So kämpfte der Held von Uganda mit dem Schwert +des Geistes unermüdlich gegen die furchtbare Macht +der Finsternis im dunkelsten Afrika. Zur Bekämpfung +des abscheulichen Sklavenhandels hat er in seinen Briefen +an Londoner Zeitungen viel Anregung und wertvolle +Winke gegeben. Er klagt darin besonders über +<a class="pagenum" id="page_081" title="81"> </a> +den Freihandel, durch den es den Arabern gestattet war, +sich und ihre Helfershelfer mit Pulver und Gewehren +zur Menschenjagd auszurüsten. Ohne diese Mordwaffen +könnten weder die Araber noch die Eingeborenen +die Sklavenjagd betreiben. Die uneingeschränkte Einführung +von Mordwaffen in Afrika sei die reine Wahnsinnspolitik. +»Die englischen Schiffe, welche Missionare +und Bibeln zur Bekehrung Afrikas hierherführen, +bringen in weit größerer Anzahl Gewehre mit, die +diesen Weltteil in eine Hölle verwandeln. Immer +wieder haben mir die Waganda gestanden, daß ihnen nur +die Gewehre ihre Raubzüge in die Nachbargebiete möglich +machten. Die schwarzen Könige würden sich bald +vertragen, wenn ihre Pulverkammern leer wären.«</p> + +<div class="il"> + <img class="bo" src="images/img072.jpg" alt="" /> + <p class="cap"><b>Afrikanischer Häuptling.</b></p> +</div> + + + + +<h2>Zwölftes Kapitel.<br /> + +<b>Mtesa, ein Heide durch und durch.</b></h2> + + +<p>Die Afrikaforscher, welche durch ihre günstigen +Berichte über den »humanen König« von Uganda die +Missionare in die Höhle dieses Löwen lockten, lernten +während ihres kurzen Aufenthaltes nur die Außenseite +kennen, die allerdings einen guten Eindruck machte. +Die Waganda zeichneten sich durch einen gewissen Grad +<a class="pagenum" id="page_082" title="82"> </a> +von Zivilisation von den übrigen Stämmen, die in trostlosem +Zustande lebten, vorteilhaft aus. Ihr König +regierte als absoluter Herrscher zeitweilig mit rechtlichem +Sinn und in fortschrittlichem Geiste. Bei den +Untertanen genoß er göttliches Ansehen. Sie brachten +ihm das Beste ihres fruchtbaren Landes als Steuer dar. +Die Araber waren schon seit Generationen am Hofe +heimisch. Die Fremden wurden stets freundlich und +großartig am Hofe empfangen, freilich nicht aus königlicher +Tugend, sondern aus heidnischer Eitelkeit. Der +Reisende Speke, welcher den Niansa entdeckte, lernte +Mtesa noch als Heide kennen. Stanley fand ihn bei +seinem ersten Besuch als Mohammedaner vor und +brachte ihn soweit, daß er vor versammeltem Hofe +eine Art öffentliches Bekenntnis zum Christentume ablegte. +Ein religiöses Verlangen lag diesem Wechsel aber +nie zugrunde, sondern die unersättliche Gier nach Ansehen, +Ehre und Macht. In seiner Eitelkeit verstieg +er sich soweit, daß er an Mackay das Ansinnen stellte, +ihm die Tochter der Königin Viktoria von England +zur Frau zu verschaffen. Diese »Heirat« leuchtete +ihm um so mehr ein, nachdem man ihm klargemacht +hatte, daß er, statt tausend Elefantenzähne zu zahlen, +einen Brautschatz bekommen würde.</p> + +<p>»Wenn man länger hier lebt,« berichtet Mackay, +»dann verschwindet Glanz und Gastfreundschaft schnell. +Man wird über die barbarischen Zustände am Hofe +selbst mit Ekel erfüllt. Erhebt man erst die Stimme +gegen die Treulosigkeit, Verlogenheit und Lasterhaftigkeit, +<a class="pagenum" id="page_083" title="83"> </a> +gegen die Mordgier und Grausamkeit, dann wendet +sich das Blatt, und der wahre Charakter des Volkes +kommt zum Vorschein. Statt Gastfreundschaft findet +man Haß, anstatt des täglichen Brotes kann man dem +Hunger ausgesetzt werden. Man wird nicht mehr als +willkommener Wohltäter des Volkes, als Lehrer der +Wahrheit, als Führer zum Licht und Recht, sondern +als lästiger Spion betrachtet, der neue Sitten einführen +und das gute Alte stürzen will.«</p> + +<p>»Mtesa ist ein Heide durch und durch. Er besitzt +alle teuflischen Eigenschaften und ist unfähig, seine +tierischen Leidenschaften zu zügeln. Alles dreht sich +bei ihm ums liebe Ich.« Mehrjährige Erfahrung und +Beobachtung lehrte Mackay und seine Mitarbeiter, daß +alle scheinbaren großmütigen Handlungen des Königs +darauf berechnet waren, Ruhm zu ernten. Eitelkeit +war die Mutter seiner Tugenden. Nach seiner Ansicht +ist Uganda und die ganze Welt nur seinetwegen da.</p> + +<p>Im Jahre 1881 sandte er ein Heer nach Osten +und eins nach Westen, nicht um Krieg zu führen, +sondern um zu morden, zu rauben und zu plündern. +Ein Jahr später gab er den Befehl, jeder Mann im +Lande müsse am Handgelenk eine Perlenschnur tragen; +wer dem Befehl nicht nachkomme, dem werde die Hand +abgehackt werden. Jede Frau hingegen solle eine +Perlenreihe um die Taille tragen, sonst werde an +dieser Stelle der Körper durchschnitten werden.</p> + +<p>Jedes Verbrechen und jede Scheußlichkeit war in +dem Lande zu Hause. Täglich wurden aus schändlichem +<a class="pagenum" id="page_084" title="84"> </a> +Mutwillen viele unschuldige Opfer umgebracht. +Lange Zeit hindurch wußten die Missionare nichts +davon. Man tat es aus Rücksicht auf sie nicht so +öffentlich wie früher. Nach und nach erst durchschauten +sie das grausige Treiben der zahlreichen königlichen +Scharfrichter, welche abends auf den einsamen Wegen +ihren Opfern auflauerten, sie knebelten und am anderen +Tage ermordeten, nicht weil sie etwas verbrochen hatten +(danach fragte man nicht), sondern weil der König geruhte +zu wünschen, daß täglich ein Quantum Menschenblut +zur Mehrung seiner Ehre und Macht fließe. +Die Scharfrichter mußten zusehen, wie sie ihre Beute +finden konnten. Und das niedere Volk, welches keine +mächtigen Häuptlinge zu Beschützern hatte, mußte diese +Opfer stellen.</p> + +<p>»Es ist dunkel, 10 Uhr abends. Alles ist ruhig. +Auch drüben auf der anderen Seite des kleinen Tales +ist der letzte Trommelwirbel verklungen, weil dort der +Scharfrichter seine Opfer für den Tag beisammen hat. +Ihr Blut wird morgen fließen. Plötzlich ertönt ein +gräßlicher Schrei vom Wege nach dem Missionsgehöft +herüber, dann das Geschrei verworrener Stimmen, wiederum +ein Schrei, der das Blut erstarren macht – +und alles ist wieder still. ›Hihihi! – hast du's gehört?‹ +grinste einer der jungen Burschen, die bei Mackay +waren, ›sie haben ihm die Kehle durchgeschnitten! Hihihi!‹ +Und er lachte. Es war das teuflische Lachen +der Waganda aus Freude an der Grausamkeit.« – +Der arme Mensch war allein und spät auf dem Wege +<a class="pagenum" id="page_085" title="85"> </a> +von den Aufpassern des Königs, welche abends für +Ruhe und für Sicherheit zu sorgen haben, aufgefunden +und sofort getötet worden, weil es dem blutgierigen +Hofe also gefällt und die Aufpasser nur dann höher in +der Gunst steigen, wenn sie durch solche Aufmerksamkeit +ihre Tüchtigkeit erweisen. »Wer kann sie alle +zählen, die am Morgen Gottes Sonne schauen und +ehe der andere Morgen dämmert, gewaltsam in die +Ewigkeit befördert sind!«</p> + +<p>Daß »der humane König«, wie er oft genannt +wurde, als er zum Islam übertrat, an einem Tage +zweihundert Jünglinge lebendig verbrennen ließ, weil +sie bei Annahme der neuen Religion etwas weiter +gingen als er selbst und sich noch beschneiden ließen, +haben wir früher schon angedeutet.</p> + +<p>Mit den Einzelhinrichtungen begnügt sich die teuflische +Mordgier jedoch nicht. Fast alljährlich fanden +Massenabschlachtungen, sogenannte Kiwendo statt. Mtesas +Vater pflegte solche öfters anzuordnen, und der +Sohn durfte nicht hinter dem Beispiel seines Vaters +zurückbleiben. Zu einem zünftigen Kiwendo gehörten +zweitausend Opfer, die man vorher mit großer List +einfing und dann an einem Tage abschlachtete. Solche +Kiwendos fanden statt, während die Missionare am +Hofe jahrelang und täglich lehrten.</p> + +<p>Im Jahre 1880 ließ der König die Grabstätte +seines Vaters neu aufbauen. Um dieselbe her sind +hundert kleine Hütten errichtet worden. Sie dienen +den vielen Zauberinnen als Wohnort, in die der Geist +<a class="pagenum" id="page_086" title="86"> </a> +des verstorbenen Königs gefahren sein soll. Als der +Umbau sich der Vollendung näherte, wurden die Scharfrichter +angewiesen, ein Kiwendo vorzubereiten. Am +Tage der Vollendung wurde dem abgeschiedenen Geiste +des mordgierigen Suma zweitausend unschuldige Menschen +als Sühnopfer dargebracht. Überwacht wurde +der Hüttenbau sowohl wie die Massenhinrichtung von +drei Häuptlingen, die bei den Missionaren lesen und +Gottes Wort kennen gelernt hatten.</p> + +<p>Ein Jahr später befahl Mtesa abermal ein großes +Kiwendo. Ein Zauberer hatte es ihm im Interesse +seiner königlichen Genesung angeraten. Die Häscher +waren fleißig bei der Sache, und bald hatten sie ihre +Zahl (zweitausend) beisammen. Fünf Personen ergriff +man vor dem Tore des Missionshofes. Bei der +Abschlachtung wurden einigen die Hälse abgeschnitten, +andere aber zu Tode gefoltert. Man schnitt ihnen +die Ohren ab, stach ihnen die Augen aus oder schnitt +ihnen Stücke Fleisch aus Armen und Beinen und briet +sie vor ihnen. Dann erst verbrannte man die Ärmsten +bei lebendigem Leibe.</p> + +<p>Um diesen Massenmord zu verhindern, schrieben +Mackay und sein Mitarbeiter Pierson an den König +einen Brief und erbaten dazu auch die Unterschrift +der katholischen Missionare. Die Jesuiten aber weigerten +sich, dieselbe zu geben. Obwohl sie auch täglich +am Hofe waren, erhoben sie nicht ihre Stimme, um +dem grauenvollen Treiben zu steuern. In dem Briefe +erinnerte Mackay den König an das Gebot: »Du sollst +<a class="pagenum" id="page_088" title="88"> </a> +nicht töten«, an die Entvölkerung des Landes, die +durch diese Morde entstand, und an die Sage, Kintu, +der Begründer des Landes, sei verschwunden, weil +Uganda mit Blut überschwemmt gewesen sei. Die kühne +Bitte der edeln Missionare fand kein Gehör. Sie hatten +aber ihre Pflicht getan und überließen die Folgen +dem allmächtigen Gott.</p> + +<p>Mackays Geschicklichkeit und Dienstwilligkeit wirkten +oft besänftigend auf den grausamen König und +stimmten ihn freundlich gegen die Mission. Bei allen +Schwankungen der Stimmungen im Gemüt dieses Tyrannen +und am Hofe fügte es Gott doch so, daß die +Missionare Schutz hatten, wenngleich ihr Leben auch +einigemal in großer Gefahr stand. Solange Mtesa +lebte, hatten sie gewisse Rechte und Lehrfreiheit trotz +der vielen Verbote und Drohungen und trotz der Wühl- +und Hetzarbeit der Mohammedaner. Gott lenkte auch +diesem Könige das Herz, daß er wider Willen dem +Evangelium zum Eingang in seinem Lande verhalf.</p> + +<p>Ergreifend ist der Bericht, in welchem Mackay erzählt, +wie er Mtesa zum letztenmal zur Rettung seiner +Seele aufforderte. Sie hatten miteinander eine Unterredung +über Tod und Ewigkeit. Mtesa antwortete +auf das Zeugnis Mackays mit seinen gewöhnlichen +Ausreden: »Liest der Araber sein Buch (Koran), so +sagen die Weißen, das seien Lügen. Lesen die Weißen +ihr Buch (Bibel), dann rufen die Araber: ›Das sind +Lügen!‹ Was ist nun wahr?« Mackay stand nun +auf und trat vor den König an der Matte, auf welcher +<a class="pagenum" id="page_089" title="89"> </a> +der Katikiro saß. Dort kniete er nieder und sagte +mit heiligem Ernste: »O Mtesa, mein Freund, gebrauche +nicht immer diese Ausreden. Wenn du und +ich am großen Tage des Gerichts vor Gott stehen werden, +kannst du dann dem Allmächtigen sagen, du hättest +nicht gewußt, was du glauben solltest, weil Masudi +(ein Araber) dir das und Mackay dir etwas anderes +sagte? Nein! Du hast das Neue Testament, lies +es doch! Gott wird dich danach richten. Es hat noch +niemand darin die Wahrheit gesucht, der sie nicht +gefunden hätte.«</p> + +<p>Mtesa blieb, was er war: ein Heide durch und +durch. Charakteristisch ist eine Erklärung, die er +Mackay einmal vor versammeltem Hofe gab: »Nehmen +wir das Christentum an, so dürfen wir nur eine Frau +haben. Werden wir Mohammedaner, so dürfen wir +kein Fleisch essen.« Man muß es als eine besondere +Fügung Gottes betrachten, daß Mackay dennoch der +erklärte Liebling Mtesas blieb und mit der königlichen +Gunst auch den königlichen Schutz genoß, solange +Mtesa lebte. Die Hoffnung, den König für Jesum zu +gewinnen, mußte der Pionier Ugandas endlich aufgeben. +Er tat's mit schwerem Herzen, hatte aber die +Genugtuung, daß sich die Pagen und Diener des Hofes +immer empfänglicher für die Wahrheit zeigten.</p> + +<p>Nach vierjähriger Wirksamkeit konnten im März +1882 die Erstlinge der Waganda getauft werden. Es +waren fünf hoffnungsvolle Jünglinge. Der erste unter +ihnen nannte sich in dankbarer Anerkennung dessen, +<a class="pagenum" id="page_090" title="90"> </a> +was sein Lehrer ihm geworden, Sembera Mackay. +Wir können es verstehen, daß Mackays Herz voll +Freude und Dank war über diese Erstlingsfrucht und +daß er auf sie mit derselben zärtlichen Liebe blickte +wie eine Mutter auf ihr erstgeborenes Kind.</p> + +<p>Im gleichen Jahre starb die Königinmutter. Sie +war der biblischen Lehre stets abhold gewesen und +verschied unter den Zaubersprüchen der Götzenpriester. +Mtesa ließ sie mit großem Gepränge beisetzen. Auf +seinen Wunsch hatte Mackay dazu drei ineinandergehende +Särge, darunter einen aus Kupfer, angefertigt. +Diese Arbeit nahm einen ganzen Monat in Anspruch. +Während dieser Zeit war große Landestrauer vorgeschrieben; +es durfte keine weitere Arbeit verrichtet, +keine Reise unternommen, keine Last getragen werden. +Nach der Beerdigung wurde Mackay reichlich beschenkt.</p> + +<p>Im folgenden Jahre baute Mackay am Ufer des +Niansa das Missionsboot »Eleonore«. Die Arbeit hielt +ihn monatelang fern. In der Hauptstadt wurde unterdessen +das Missionswerk unter der treuen Arbeit der +Missionare O'Flaherty und R. Ashe im Segen fortgesetzt.</p> + +<p>In der ersten Hälfte des Jahres 1884 war die +Zahl der Bekehrten schon auf 68 gestiegen. Dann aber +zog eine dunkle Wolke herauf und hing schwarz und +schwer über dem hoffnungsvollen Erntefeld. Die oft +erwähnte Krankheit des Königs verschlimmerte sich mehr +und mehr. Man erwartete unter allgemeiner Spannung +seine baldige Auflösung und damit das Signal +<a class="pagenum" id="page_091" title="91"> </a> +zur Christenverfolgung in Uganda. Die junge Gemeinde +stärkte sich in Gott und bereitete sich täglich +im Glauben auf schwere Stürme vor.</p> + +<p>Am 29. Oktober 1884 flog die Trauerkunde vom +Königshügel durch die Stadt und die Dörfer des Landes, +daß der König Mtesa verschieden sei. Unseren +Helden Mackay erreichte die Botschaft am See, wo er +das Missionsboot ausbesserte, um es zu einer eventuellen +Flucht benutzen zu können. Nach Empfang der +Todesnachricht sandte er vier seiner Leute zur Hauptstadt, +um Erkundigungen einzuziehen. Sie wurden +unterwegs schon überfallen und beraubt. Ihr Leben +retteten sie durch die Flucht. Das waren böse Vorboten. +Am nächsten Tage erschienen hundert Krieger +und holten im Auftrage des Kanzlers (Katikiro) +Mackay nach der Hauptstadt ab, um den Sarg für +Mtesa zu machen. Er unterzog sich gern diesem +Auftrage und hoffte sich damit die Gunst der maßgebenden +Häuptlinge und des noch unbekannten Thronfolgers +zu erwerben.</p> + + + + +<h2><a class="pagenum" id="page_092" title="92"> </a> +Dreizehntes Kapitel.<br /> + +<b>Die Feuertaufe.</b></h2> + + +<p>Als Nachfolger auf dem Thron wurde von den +Großen des Landes Muanga, der siebzehnjährige Sohn +Mtesas, gewählt. Von seinem Vater hatte Muanga +wohl die Fehler, aber nicht die Vorzüge geerbt. Er +besaß dessen grenzenlose Eitelkeit ohne seine Intelligenz +und war trotz seiner Jugend und seiner Bekanntschaft +mit der Mission und Gottes Wort schon +ein Meister in allen heidnischen Lastern. Seinen Brüdern +und den Ministern des Vaters ließ er gegen die +Landessitte das Leben, aber den Missionaren machte er +bald das Leben schwer. Er war ein Spielball der +fremden- und christusfeindlichen Parteien am Hofe und +schwankte wie ein Rohr hin und her in seinen Meinungen +und Handlungen. Eine seiner ersten »königlichen« +Handlungen war, daß er die katholische Gegenmission, +welche dem Lande den Rücken gekehrt hatte, +wieder zurückrief.</p> + +<p>Um recht zu verstehen, was nun folgt, müssen +wir im Auge behalten, daß damals die Zeit der kolonialen +Erwerbungen an der Ostküste war, wo die +Deutschen einen Landstrich nach dem anderen in Besitz +nahmen und die Engländer ebenso taten. Der alte +Argwohn und die alte Furcht von der Eroberung des +Landes durch die Weißen lebte dadurch neu auf und +setzte sich besonders in Muangas engbegrenztem Gehirn +<a class="pagenum" id="page_093" title="93"> </a> +mit der Macht einer fixen Idee fest. Und die +Missionare wurden mehr denn als je als Vorläufer +und Spione feindlicher Überfälle und Eroberungen beargwöhnt +und bewacht. Ihr Leben schwebte nun täglich +in Gefahr.</p> + +<p>Im Januar 1885 erbat sich Mackay vom König +die Erlaubnis, nach Kagai zu reisen. Sie wurde ihm +gewährt und zugleich angekündigt, daß ihn ein Araber +begleiten solle. Das war verdächtig. Denn der Muselmann +galt als Erzfeind Mackays. Trotzdem wurde +aus der Begleitung nichts, und Mackay reiste mit +Missionar Ashe und einigen bekehrten Wagandajungen +ab. Auf dem Wege nach dem Hafen wurden sie in +einem dichten Walde von einer bewaffneten, von jenem +Araber befehligten Bande überfallen und zur Rückkehr +gezwungen. Die Knaben aber wurden gefangen, mißhandelt +und gefesselt zurücktransportiert. Mackay +wandte sich in der Hauptstadt beschwerdeführend an +den Kanzler, erhielt aber statt einer Genugtuung nur +die Drohung, sie würden am nächsten Tage sämtlich +aus dem Lande gejagt werden. Das auszuführen hatte +der heuchlerische Katikiro glücklicherweise nicht den Mut, +an den armen Wagandaknaben aber ließ er seinen +ganzen Zorn aus. Die Missionare ahnten das +Schlimmste und boten alles auf, ihre Lieblinge zu +retten. Es half nichts. Sie wurden am 31. Januar +1885 in der Nähe der Stadt unter ausgesuchten Martern +über langsamem Feuer geröstet und verbrannt. +Aus den Flammen aber erscholl der Gesang: »<span class="ss">killa siku tansifu!</span>« +<a class="pagenum" id="page_094" title="94"> </a> +(täglich, täglich loben wir Dich!). Die +ersten Märtyrer Ugandas! Sie starben wie Helden +mit Lobgesängen auf den Lippen und besiegelten ihren +Glauben mit ihrem Blute. Es waren drei Knaben +im Alter von zwölf bis fünfzehn Jahren.</p> + +<p>Den Missionaren blutete das Herz, als sie hörten, +was vorgefallen war. Sie stärkten sich aber durch +den Glauben, daß die Pforten der Hölle die Gemeinde +Christi nicht überwältigen können und arbeiteten in +der Stille rüstig weiter. Den Unterricht erteilten +sie geheim an verschiedenen Orten, um ihre Zöglinge, +die gar nicht abgeschreckt waren, vor den Häschern zu +schützen. Einige Zeit erfreuten sie sich der Ruhe, und +es schien, als sollten bessere Tage wiederkehren. Der +König versicherte Mackay, daß das Blutbad an den +Christen nicht von ihm, sondern nur von dem Kanzler +ausgegangen sei, und forderte den Missionar auf, ihn +auf seiner üblichen Reise durchs Land zu begleiten. +Auf dieser Reise befand sich außer Mackay auch der +Pater Lourdel als Vertreter der katholischen Mission +im Gefolge des Königs. Ugandas Könige liebten +es, durch ein aus allerlei Nationalitäten zusammengesetztes +Gefolge den Untertanen zu imponieren.</p> + +<p>Nach einem Volksglauben sollten die schlimmsten +Feinde Ugandas nicht aus dem Süden, sondern vom +Osten her zu erwarten sein. Es herrschte deshalb +eine abergläubische Furcht vor allen Fremden, die +sich an dieser »Hintertür« des Landes zeigten. Mackay +und alle seine Mitarbeiter kamen vom Süden über +<a class="pagenum" id="page_095" title="95"> </a> +den See ins Land. Unglücklicherweise wählte aber +in dieser Zeit ein anderer die Route von Mombas +durch Usoga nach dem Nil, um Uganda auf diesem +kürzeren Wege zu erreichen. Er mußte also durch die +gefürchtete Hintertür kommen. Es war der Bischof +Hannington, der als Missionsbischof sich dem Werke +widmen wollte. Kurz vorher waren auch die deutschen +Kriegsschiffe vor Sansibar an der Ostküste zur +Unterstützung der Besitznahme unserer heutigen Kolonie +Ostafrika erschienen. Das erregte Muangas Argwohn +aufs äußerste. Es erschien ihm zweifellos, daß +nun die Weißen kämen, um auch sein Land zu »essen«, +und daß der Bischof nur ein Vorbote dazu war. Er +sandte deshalb heimlich Botschaft an den von ihm +abhängigen Häuptling Luba in der Landschaft Usoga +und befahl ihm, den Bischof zu ermorden. Hannigton +war mittlerweile in Lubas Dorf am Nil angelangt. +Nur die brausenden Wasser, die sich aus +dem Viktoriasee durch die Ripponfälle nach Norden +wälzen, trennten ihn noch von dem Lande seiner Sehnsucht. +Von brennendem Verlangen getrieben, stieg er +auf eine Anhöhe, um, wie Moses vom Pisga, das +ersehnte Land zu schauen. Da überfielen die Häscher +Lubas den Wehrlosen, banden ihn, stießen ihn vor +sich her und setzten ihn gefangen.</p> + +<p>Mackay hatte von Muangas Blutbefehl gehört +und versuchte alles, den armen Bischof zu retten. +Täglich erbat er sich Audienz beim Könige, ohne sie +zu erlangen. Er klammerte sich dann in seiner Herzensangst +<a class="pagenum" id="page_096" title="96"> </a> +an die Hoffnung, daß Gott die Gebete um +Rettung Hanningtons erhören und ein Wunder zu seiner +Befreiung tun werde. Vorher hatte er auch heimlich +einen Warnungsbrief an den Bischof geschickt. +Der Bote aber kam zu spät. Am 29. Oktober 1885 +wurde Hannington mit fünfzig seiner Leute auf erneuten, +strengen Befehl Muangas ermordet!</p> + +<p>In den Briefen Mackays aus jener Zeit zittert +die Erregung und das Weh über diesen Mord in +allen Schwingungen nach. »Unsere Sache steht in +Gottes Hand; Sein Wille geschehe auch an uns. Es +ist aber eine peinliche Lage, wenn einem das Schwert +immer über dem Haupte hängt. Der höchste Minister +oder Richter (Katikiro) ist unser schlimmster +Feind. Dieser Brief wird vielleicht aufgefangen, denn +wir müssen ihn heimlich abschicken.... Wir leben noch +in großer Angst, aber bisher hat uns der Herr gnädig +vor diesem gott- und sinnlosen Menschen geschützt. +Er, der von Anfang an auch das Ende sieht, ist +unsere einzige Hoffnung und Zuflucht, denn hier kann +uns jetzt keine Macht der Erde schützen.«</p> + +<p>Wir hören aus diesen Mitteilungen, daß seit +dem Auftreten des Missionsbischofs und der deutschen +Flotte an der Küste das Leben der Missionare in +größter Gefahr schwebte. Nach einer geheimen Verabredung +des Königs und der vornehmsten Häuptlinge +sollten sie alle umgebracht werden. Sofort rafften +sie ihre wertvollsten Sachen zusammen, um sie +Muanga als Geschenke zu überbringen, verrieten aber +<a class="pagenum" id="page_097" title="97"> </a> +nicht, wer ihnen den Plan hinterbracht hatte. Der +König überhäufte sie, nachdem er die Geschenke angenommen, +mit Droh- und Schimpfreden. Er werde +alle, die ins Missionshaus gehen, töten und die Missionare +in den Stock legen lassen. Dann möge ganz +Europa kommen, um sie zu befreien! Lukonge, der +Ukerewekönig, hätte doch auch zwei weiße Männer +getötet, und die Engländer hätten ihm nichts anhaben +dürfen. Mackay schwieg still und wagte nicht, auf +den Tod des Bischofs anzuspielen.</p> + +<p>Ein Lieblingspage des Königs, der die anderen +Diener zu befehligen hatte, wagte eines Tages zu +sagen, daß es nicht recht war, den Bischof zu töten, da +die Weißen nur dem Wohle des Landes dienen wollten. +Der kühne Sprecher, ein katholischer Christ, wurde +sofort dem Scharfrichter übergeben und lebendig verbrannt.</p> + +<p>Mackay dachte nun, es sei an der Zeit, sich aus +Uganda zu entfernen und bessere Tage zur Wiederkehr +abzuwarten. Er und die anderen Missionare wurden +aber so beobachtet, daß an eine heimliche Abreise nicht +mehr zu denken war. Der König erklärte, er ließe +sie nicht ziehen und wenn siebzig Briefe von England +kämen. »Ein großer König, wie ich bin,« fügte er +anmaßend hinzu, »darf auch nie ohne einen Mann +sein, der ihm seine Gewehre und andere Sachen in +Ordnung halten kann.«</p> + +<p>Unter der Hand konnte der erkrankte Missionar +O'Flaherty fortgeschafft werden. Mackay und Ashe +<a class="pagenum" id="page_098" title="98"> </a> +waren nun allein auf dem Kampfplatz. Sie erfreuten +sich noch einige Zeit größerer Freiheit und geringerer +Ungnade. Dann brannte Muangas »Palast« völlig +nieder. Man beschuldigte die Christen der Brandstiftung, +fand aber beim König kein Gehör. Am Tage +nach dem Brande schlug der Blitz dicht neben dem +Hause ein, das der König bezogen hatte. Halbtoll +vor Furcht floh Muanga und wählte sich eine andere +Residenz am See. Dort besuchte ihn Mackay einige +Male und tröstete ihn durch Geschenke.</p> + +<p>Trotz des Verbots, daß bei Todesstrafe sich niemand +dem Missionsgehöft nähern dürfe, wuchs die +Zahl der Christen beständig. Die zuvor eingesetzten +eingeborenen Ältesten taten treu ihre Pflicht, und die +bekehrten Waganda verbreiteten in ihren Dörfern die +Botschaft vom Heil in Christo. Unter dem Schutze +der Nacht wagten heilsbegierige Seelen den Gang zum +Missionshaus und ließen sich unterweisen und taufen. +Anfang 1886 bestand die Gemeinde aus 150 Seelen.</p> + +<p>Unter den neubekehrten war auch eine Prinzessin +namens Nalumasie. Sie warf die ihrer Obhut anvertrauten +Amulette, Zaubersachen und Ahnenreliquien +ins Feuer. Das wurde dem König hinterbracht, der +darüber sehr ungehalten war. Kurz darauf mutete +er einem seiner Pagen eine unnennbare Schandtat zu, +der sich der christliche Jüngling mutig und entschieden +widersetzte. Das erregte des Königs heidnischen Zorn +in hohem Maße. Er schlug den Pagen und den Palastmeister, +der auch »lesen« konnte, mit seinem Speere +<a class="pagenum" id="page_099" title="99"> </a> +blutig und befahl, sofort alle Christen zu fangen und +niederzumetzeln. Alle Häuptlinge erhielten die strenge +Weisung, ihre christlichen Untertanen anzuzeigen und +auszuliefern.</p> + +<p>Noch am selben Tage wurden zwölf Jünger Jesu +auf offener Straße mit Keulen erschlagen oder von +<a class="pagenum" id="page_100" title="100"> </a> +Speeren durchbohrt. Viele andere wurden gefangen +gesetzt. Im Missionshaus war gerade Unterricht, als +ein Eilbote vom Hofe die drohende Gefahr ansagte. +Die Schüler hatten eben noch Zeit, sich den Häschern +durch schnelles Verschwinden durch Seiten- und Hintertüren +zu entziehen. Der Gemeindeälteste Munjago +war in seiner Hütte mit anderen zum Gebet versammelt, +als die Scharfrichtergehilfen erschienen. Die erschreckten +Christen brachen durch die Rohrwände der Hütte +und suchten das Weite, aber Munjago blieb. Angesichts +einer an der Tür stehenden Flinte wagten die +Häscher nicht, näher zu kommen. »Fürchtet nicht, daß +ich euch erschieße,« rief ihnen der Älteste zu und ließ +sich dann ruhig fassen und fesseln.</p> + +<p>Die evangelischen Missionare wandten sich an +die katholische Mission und baten um ihre Mitwirkung +zu dem Versuch, das Leben der Gefangenen zu retten. +Der Bischof lehnte es aber mit einer nichtssagenden +Begründung ab, sich in dieser Angelegenheit mit den +Evangelischen zu verbinden. Nun trat Mackay allein +den sauren Gang zum König an. Kurz vorher hatte +er Muangas Lieblingsflinte repariert. Als Dank dafür +wurde ihm ein Wunsch freigestellt. Daran erinnerte +er jetzt den König. »Was willst du denn +haben?« fragte Muanga. »Ich bitte um das Leben +derer, die noch verhaftet, aber noch nicht hingerichtet +sind.« Der König erwiderte: »Sie sind alle tot.« +Als Mackay dies bezweifelte, gab ihm Muanga das +Versprechen, daß den Gefangenen kein Leid geschehen +<a class="pagenum" id="page_101" title="101"> </a> +solle. Ein Strahl der Freude glitt über das sorgenvolle +Antlitz unseres Kämpfers. Aber wer konnte dem +Wort dieses wankelmütigen Blutmenschen trauen? Die +Christen blieben in Haft, und Mackay erhielt trotz +wiederholter Anfragen und Bitten keine weitere Audienz +in dieser Sache.</p> + +<p>Unter schrecklicher Spannung, die oft schlimmer +als die gefürchtete Gewißheit ist, kam der denkwürdige +5. Juni heran. An diesem Tage wurden 32 von den +gefangenen Christen lebendig verbrannt. Einigen hackten +sie zur Mehrung ihrer Qual zuerst Arme und Beine +ab; dann warf man die verstümmelten Körper in die +Glut. Die Märtyrer gingen alle freudig in den Tod +und beteten wie Jesus und Stephanus noch für den +König, für das Vaterland und für ihre Mörder. Auf +den obersten Scharfrichter machte dies einen so tiefen +Eindruck, daß er es dem König berichtete und hinzufügte, +er hätte noch nie Leute mit solcher Tapferkeit +und solchem Mut sterben sehen. Der grausame Nero +aber hatte für dieses Heldentum nur den leichtfertigen, +vom Hofe mit satanischem Gelächter unterstrichenen +Spott: »Aber ihr Gott hat sie doch nicht aus +meiner Hand gerettet!«</p> + +<p>Aber »das Blut der Märtyrer ist der Same der +Kirche«. Diese alte Wahrheit sollte sich auch hier +aufs neue bestätigen. Obwohl der Besuch des Missionsgehöftes +jedem Eingeborenen bei Todesstrafe verboten +war und die Missionare ihr Haus nicht mehr verlassen +durften, konnten doch in dieser schwersten Zeit +<a class="pagenum" id="page_102" title="102"> </a> +noch elf Taufen vollzogen werden. Diese Täuflinge +wurden tatsächlich in den Tod hineingetauft, wie der +Apostel Paulus von sich und den Gläubigen in Rom +zu Neros Zeit aussagt. Mackay war in diesen dunkeln +Tagen wohl gebeugt und traurig, unsagbar traurig im +Blick auf die bleichenden Gebeine seiner Brüder, aber +nicht hoffnungslos, denn er schreibt: »So gewiß wie +wir wissen, daß morgen die Sonne wieder aufgeht, +wissen wir auch, daß dies unglückliche Land wieder +lichtere Tage sehen wird. Und bei alledem haben wir +noch viel Ursache zur Dankbarkeit.«</p> + +<p>Wie oft war seit seinem Wirken in Uganda unserem +Helden schon das Todesurteil gesprochen! Aber +der Herr war mit ihm, und Muanga fürchtete sich +mehr, das Todesurteil vollziehen zu lassen, als Mackay +sich fürchtete, es zu empfangen. Er hatte jenen Heldenmut, +der auf die Drohung: »Vor der Menge der +Pfeile und Lanzen werdet ihr die Sonne nicht sehen!« +die überraschende Antwort gab: »Also kämpfen wir +im Schatten!«</p> + +<div class="il"> + <img class="bo" src="images/img098.jpg" alt="" /> + <p class="cap"><b>König Muanga.</b> (Text siehe Seite <a class="nd" href="#page_092">92</a>.)</p> +</div> + + + + +<h2><a class="pagenum" id="page_103" title="103"> </a> +Vierzehntes Kapitel.<br /> + +<b>Auf einsamem Posten.</b></h2> + + +<p>Als die Lage sich immer schwieriger gestaltete, +hielten es die beiden Missionare für weise, das Land +im Interesse der eingeborenen Christen für einige Zeit +zu verlassen. Aber nur einer erhielt die Erlaubnis +zur Abreise. Mackay mußte als Geisel im Lande +zurückbleiben. Der König fürchtete die Rache der Engländer +für das Blut des Bischofs und die übrigen +Metzeleien, die er auf dem Gewissen hatte. Am 25. August +1886 trennten sich die tapferen Männer schweren +Herzens voneinander, und Ashe kehrte nach England +zurück in der Hoffnung, die englische Regierung +werde durch seine Berichte veranlaßt, energische und +geeignete Maßregeln zu ergreifen, um Muanga zur +Vernunft zu bringen. »Ich muß mich«, schreibt Mackay, +»damit zufriedengeben, allein hierzubleiben – aber +doch nicht allein. Noch kann ich den wenigen Übriggebliebenen +unserer jungen Gemeinde durch meine +Gegenwart dienen, und unser Gott wird bessere Zeiten +für uns kommen lassen.«</p> + +<p>Bisher hatte Mackay immer einen oder mehrere +Mitarbeiter, von denen einige treue und brave Kampfgenossen +waren. Wir erinnern uns noch an den ersten, +der mit dem Leutnant Smith den Boden Ugandas +betreten hatte, an den Rev. Wilson. Er holte seinerzeit +Mackay von Kagai ab und führte ihn nach Rubaga. +Nach zwei Jahren aber mußte dieser mit gebrochener +<a class="pagenum" id="page_104" title="104"> </a> +Gesundheit heimkehren. Von den anderen Genossen +ist besonders O'Flaherty zu erwähnen, der am längsten +dem Klima widerstehen und vier Jahre an Mackays +Seite wirken konnte. O'Flaherty stand bei Mtesa +gut angeschrieben. Seine ausgezeichneten Kenntnisse +des Koran und seinen treffenden Witz konnte er im +Kampfe mit den Muselmännern gut verwerten.</p> + +<p>Einmal klagte der Araber Suliman die Engländer +als die gierigsten Länderfresser beim Könige +an und prophezeite, daß sie ganz Afrika aufessen würden. +Mtesa ließ darauf O'Flaherty rufen, und dieser +sagte: »Ja, ja, wir haben ganz Sansibar aufgegessen, +Menschen, Häuser und Vieh und Bäume und alles. +Nichts ist dort übrig als die Steine, die am Meeresufer +liegen, und auch diese werden wir nächstens verschlingen. +Auch dies Land werden wir verschlingen. +Aber erst müssen wir etwas stärker werden, und da +möchte ich den König bitten, mir einen großen Ziegenbock +zu schenken, daß ich kräftiger werden kann.« Dieser +Witz löste bei Mtesa ein wohlgefälliges Lachen +aus. Als Anerkennung ließ er dem freimütigen Missionar +eine fette Ziege geben.</p> + +<p>Bei einer anderen Gelegenheit suchte der Araber +dem Könige zu imponieren mit dem Hersagen eines +langen arabischen Glaubensbekenntnisses, von dem niemand +ein Wort verstand. O'Flaherty aber sang einen +Vers der englischen Nationalhymne, worauf Mtesa +meinte, das wäre gerade so schön wie das Arabische, +er solle nur noch mehr singen.</p> + +<p><a class="pagenum" id="page_105" title="105"> </a> +O'Flaherty hatte Mtesa einmal gesagt, wenn er +ihm Eisen zu Werkzeugen und Leute zur Arbeit liefere, +wolle er nach Lehm graben, Ziegel brennen und +ihm ein schönes Haus bauen. Für das Gelingen setze +er seinen Kopf ein; vielleicht finde man bei dem Graben +auch Silber im Boden. Dies Wort wirkte wie +ein Funke im Pulverfaß. Alle schrien nach Silber, +der Weiße habe seinen Kopf dafür verpfändet, jetzt +solle er nach Silber graben. Auch der König stimmte +schließlich bei und erklärte, am Hause liege ihm nichts, +aber Silber wolle er haben. Dann ließ er seine +Scharfrichter kommen und fragte den Missionar feierlich: +»Willst du jetzt nach Silber graben oder deinen +Kopf verlieren?« O'Flaherty suchte noch einmal das +Mißverständnis aufzuklären und sagte dann bestimmt: +»Da dir am Hause doch nichts gelegen ist, werde ich +jetzt auch nicht nach Lehm graben; willst du aber +meinen Kopf – hier ist er!« Die Araber triumphierten, +die Häuptlinge riefen: »Recht so!« und ein +hoher Beamter fing an, den Weißen zu verhöhnen. +O'Flaherty aber fuhr ihn an: »Wie darfst du es +wagen, des Königs Gast zu beleidigen?« Nun nahm +Mtesa wieder das Wort, winkte den Scharfrichtern, +sich zu entfernen, lobte den Missionar und sagte, nicht +er, sondern Mackay wäre es, der sich weigere, für sie +nach Silber zu graben. Alles stimmte natürlich auch +jetzt wieder dem Könige bei; O'Flaherty aber nahm +seinen Kollegen kräftig in Schutz und erklärte: »Wenn +Mackay stirbt, sterbe ich auch. Er und ich sind eins.« +<a class="pagenum" id="page_106" title="106"> </a> +Ein Muselmann brachte dann noch andere Anklagen vor, +aber O'Flahertys Geistesgegenwart und witzige Gegenreden +imponierten dermaßen, daß ihm kein Leid +geschah und die Häuptlinge ihm nach der Versammlung +allerlei Schmeichelhaftes sagten.</p> + +<p>O'Flaherty erlebte den Regierungswechsel in +Uganda nicht mehr. Noch vor Mtesas Tode mußte +er gesundheitshalber die Arbeit einstellen und heimreisen. +Unterwegs auf der Fahrt durch das Rote +Meer erlag dieser wackere Kampfgenosse dem Fieber. +Er durfte auf der Reise nach der irdischen Heimat +in die himmlische eingehen.</p> + +<p>Mackays trautester und treuester Freund, der die +trübsten Stunden mit ihm durchwacht hatte, war der +Missionar P. Ashe. Er stand drei Jahre, von 1883 +bis 1886, an Mackays Seite und kämpfte mit ihm +für Gottes Reich und Gottes Ehre. Mackay schreibt +von ihm: »Ashe ist ein prächtiger Kamerad, ein sehr +ernster Christ und ein treuer Missionar. Er ist mein +anderes Ich. Wenn er zu euch kommt, so denkt, ich +käme.«</p> + +<p>Nun mußte er auch diesen Trost entbehren und +auf dem gefährlichen Posten allein noch neun Monate +aushalten. Daheim lebten die Seinen in beständiger +Sorge um ihn. Er tröstete sie aber in seinen Gefangenschaftsbriefen +und versicherte ihnen, daß er sich +wohlbefinde und solange ausharren wolle, als es möglich +sei. Heimlich zu fliehen, hätte er wohl Gelegenheit, +er würde aber sich dazu nur in der äußersten +<a class="pagenum" id="page_107" title="107"> </a> +Not entschließen. Mit fieberhafter Eile arbeitete er +unterdessen an der Vollendung seines Lieblingswerkes, +an der Übersetzung des Matthäusevangeliums. Die +zuverlässigsten Wagandachristen halfen ihm tapfer dabei, +die klarsten Ausdrücke für ihre Sprache zu finden. +Was fertig war, wurde sofort gedruckt und von der +Presse weg verkauft. Der Hunger nach Gottes Wort +war zu dieser Zeit so groß, daß eine große Kiste mit +Testamenten, die von England geschickt wurden, innerhalb +zehn Tagen ausverkauft war.</p> + +<p>Mackay ahnte, daß bei dem zunehmenden Einfluß +der Araber am Hofe seines Bleibens nicht allzulange +mehr sein würde. Nun hatten die Christen +doch wenigstens ein ganzes Evangelium in ihrer Sprache +in der Hand, um daraus selbst ihre Seelen nähren +und stärken zu können, falls sie des Lehrers und Hirten +beraubt würden.</p> + +<p>In all dieser Arbeit und unter den Ängsten seines +für die eingeborenen Christen so besorgten Herzens +hatte Mackay noch Zeit und Freudigkeit, sich für andere +zu verwenden und Gastfreundschaft zu üben. Zwei +berühmte Forscher in der Nähe Ugandas waren damals +durch den Mahdistenaufstand völlig von der +Außenwelt abgeschnitten. Mackay verwandte sich für +sie beim Könige und erwirkte ihnen in dieser politisch +überaus aufgeregten Zeit die seltene Erlaubnis, nach +Uganda kommen zu dürfen. Der erste war der russische +Reisende <span class="ss">Dr.</span> Junker, den Mackay aus der schwierigsten +Lage rettete und ihm zum sicheren Geleit nach +<a class="pagenum" id="page_108" title="108"> </a> +der Küste verhalf. Der zweite war der in ägyptischen +Verwaltungsdiensten stehende und um Afrika so außerordentlich +verdienstvolle Deutsche <span class="ss">Dr.</span> Schnitzer, bekannt +unter dem Namen Emin Pascha, der später +(1892) von Arabern ermordet wurde. »Mackay hat«, +so berichtet Emin Pascha, »in der großartigsten und +selbstlosesten Weise für mich gesorgt. Er hat uns +geholfen, obgleich er persönlich dafür büßen mußte, +und ist mir ein treuer Freund und Berater gewesen. +Als ich völlig mutlos war, haben mich seine Briefe gestützt +und aufrecht erhalten und mir frischen Mut zu +neuem Handeln eingeflößt. Er hat alles, was er besaß, +mit mir geteilt und sich beraubt, um mich mit +Geschenken auszurüsten. Möge Gott, in dessen Schutze +wir alle stehen, es ihm reichlich vergelten. Ich bin +nicht imstande, es zu tun.«</p> + +<p>Der Khedive von Ägypten verlieh Mackay auf +Emin Paschas Mitteilungen hin den Osmanieorden +vierter Klasse. Ein Anerbieten des weithin bekannten +Generals Gordon, eine hohe Stellung in seinem Dienste +im Sudan anzunehmen, nahm Mackay nicht an. Er +zog es vor, seine Arbeit in Afrika in bescheidenerer +Weise zu tun.</p> + + + + +<h2><a class="pagenum" id="page_109" title="109"> </a> +Fünfzehntes Kapitel.<br /> + +<b>Zurückgeschlagen.</b></h2> + + +<p>Mackays Lage wurde immer unhaltbarer. Es +war ihm nicht möglich, den unseligen politischen Verdacht, +der sich auf ihn wälzte, gänzlich abzuschütteln. +Einmal wallte sein Hochlandsblut über, als der König +ihm vor versammeltem Hofe zurief: »Oli Mukasa, du +bist ein Heuchler!«</p> + +<p>»Ich bin kein Heuchler!« fuhr er zornig auf und +erwartete dabei einen blutigen Ausgang. Die Sache +nahm aber plötzlich eine komische Wendung, als Muanga +unvermittelt seine Diener anschrie: »Gebt den +Weißen ein paar Kühe, damit sie sich wieder beruhigen!«</p> + +<p>Die wachsende Furcht der Machthaber Ugandas +vor der Besitznahme ihres Landes durch die weißen +»Länderfresser« war nicht unberechtigt. Denn heute +hat die Selbstherrlichkeit der afrikanischen »Könige« +längst aufgehört. Die Länder, von denen wir in +diesem Buche hörten, sind seit zwanzig Jahren Kolonialbesitz +von Deutschland und England. Man darf +das nicht bedauern, denn die schwarzen Fürsten hatten +das Maß ihrer Sünde voll gemacht und ihre Unfähigkeit, +menschlich zu regieren, längst erwiesen. +Mackay hat sich hierüber mit rücksichtsloser Offenheit +ausgesprochen und deshalb manchen Tadel in Europa +erfahren. »Wir fordern für uns und unsere +<a class="pagenum" id="page_110" title="110"> </a> +schwarzen Brüder das Recht, Gott zu dienen, ohne dem +Feuertode als Strafe dafür ausgesetzt zu sein. – Das +Recht der Unglücklichen, die in Frieden leben wollen, +steht höher als das Recht königlicher Räuber und +Mörder. – Daraus, daß zu Neros Zeit keine christliche +Macht da war, die dem Blutmenschen in den +Arm fallen konnte, um dem Christentum Duldung zu +verschaffen, folgt nicht, daß die kleinen Könige Afrikas +in derselben Weise wirtschaften dürfen, ohne zur Rechenschaft +gezogen zu werden. – Brutalität und Mord +müssen in Gottes Weltall aufhören, denn die Welt +ist Gottes und nicht des Teufels. – Afrika soll für +die Afrikaner sein, aber Afrika wird niemals durch +Afrikaner gerettet werden können. – Eine starke Hand +muß gegen Tyrannei und Unterdrückung wirksam werden. +Das Wort muß freie Bahn bekommen, daß es +laufen und gepriesen werden kann.«</p> + +<p>Unter der »starken Hand« verstand Mackay allerdings +die sogenannten christlichen Staaten, besonders +England. Er hielt die christlichen Völker für berufen, +den menschenunwürdigen Zuständen in Afrika, dem +Sklavenhandel und der Christenverfolgung, ein Ende +zu machen und erhob freimütig seine Stimme, nicht +zur gewaltsamen Ausbreitung des Christentums, wie +man ihm vorgeworfen, sondern in erster Linie um +Beistand und Schutz für die Verfolgten und Unterdrückten. +Sein Herz brannte für sein geliebtes Afrika.</p> + +<p>Muangas Argwohn gegen Mackay erhielt durch die +fortwährenden Einflüsterungen der Araber und durch +<a class="pagenum" id="page_111" title="111"> </a> +das Achselzucken eines befragten katholischen Missionars +immer neue Nahrung. Als endlich noch die +Meldung kam, daß der große Stanley mit einem zahlreichen +Gefolge sich Uganda nähere, befürchtete der +König seine Bestrafung für die Ermordung des Missionsbischofs +und gab Befehl, Mackay solle sofort das +Land verlassen. Der Häuptling Nautinde wurde beauftragt, +den Ausgewiesenen zu begleiten und den Missionar +Gordon, dessen Name dem Könige sehr gefiel, +als Ersatz – eigentlich als Geisel – mitzubringen.</p> + +<p>So war denn die gefürchtete Stunde des unfreiwilligen +Scheidens von dem geliebten Uganda gekommen. +Noch einmal versammelte Mackay die Gemeindeältesten +um sich und legte ihnen die Sorge für +die Herde Christi auf Herz und Gewissen. Noch einmal +füllte sich das Haus mit seinen geistlichen Kindern, +die mit Tränen von ihrem geliebten Vater Abschied +nahmen. Dann verschloß er das Haus, übertrug +die Bewachung desselben vier treuen Männern und +zog schweren Herzens am 21. Juli 1887 von dannen. +Am Hafen besserte er erst das Boot aus und segelte +nach Ukumbi am Südende des Sees, wo er Gordon +vorfand, der den lobenswerten Mut hatte, mit dem +Häuptling zu gehen und den verlassenen Posten in +Uganda einzunehmen.</p> + +<p>Der vertriebene Held wollte seinem lieben Uganda +so nahe als möglich bleiben und schlug deshalb sein +Zelt nach verschiedenen Abenteuern in Usambiro im +Gebiete eines befreundeten Häuptlings auf. An ein +<a class="pagenum" id="page_112" title="112"> </a> +Ausruhen dachte er auch jetzt noch nicht, obwohl er +hart mitgenommen war, sondern legte sofort eine neue +Missionsstation an. Da galt es monatelang wieder +Häuser zu bauen, Gestrüpp auszuroden, Ställe und +Schuppen zu bauen, kurz gesagt: Pionierdienste zu +tun. Daneben widmete er sich einer Schar von Christen, +die aus Uganda zu ihm geflohen waren, und +führte sie tiefer in die Schrift ein, um sie später als +Evangelisten zurückzusenden.</p> + +<p>Die Missionsgesellschaft, der Mackay angehörte, +hatte nun mehrere Missionare und einen Bischof in +den Uferländern des Niansa. Auch Ashe, unseres Helden +treuester Freund, war wieder unter ihnen. Sie +versammelten sich denn bei Mackay zu einer Konferenz. +Die herrlichen Tage christlicher Gemeinschaft +und brüderlicher Beratung wurden aber jäh unterbrochen +durch den Tod des Bischofs Parker und des +Missionars Blackburn, die ein Fieberanfall plötzlich +aus ihrer Mitte riß. Es war nicht daran zu denken, +Särge zu machen. Die Gefallenen wurden in Tuch +gewickelt und von den weinenden Brüdern in die fremde +Erde Afrikas gebettet. Traurig kehrten die Streiter +auf ihre einsamen Posten zurück. Einer, Walker, ging +nach Uganda zu Gordon, und Ashe blieb bei Mackay. +Bald darauf mußte Ashe aber seiner Gesundheit wegen +zum zweiten und, ach, zum letzten Male seinen unermüdlichen +Kampfgenossen allein lassen und nach der +Heimat zurückkehren.</p> + +<p>Die Briefe Mackays, welche er in dieser Zeit +<a class="pagenum" id="page_113" title="113"> </a> +an seine verheiratete Schwester schrieb, lassen uns einen +Blick in seine Gemütsverfassung tun. »Am 21. Juli +ist Dir nicht nur ein Sohn, sondern auch ein Bruder +neu geschenkt worden. Denn ich durfte an diesem +Tage Uganda verlassen, hoffe aber bald wieder dahin +zurückzukehren. – Ich hoffe von Herzen, wenn Gott +dazu die Kraft gibt, Euch alle zu besuchen, ehe ich wieder +über den See nach Uganda gehe. – Seit ich Uganda +verlassen habe, ist mir das Gefühl des Daheimseins +abhanden gekommen. Doch muß ich wohl eine Weile +hier aushalten. – Manchmal übermannen mich Traurigkeit +und Schwermut, daß ich weinen muß wie ein +Kind, aber die wunderbar tröstenden Psalmen Asaphs +machen mein Herz immer wieder froh. – Die Eroberung +Afrikas hat schon viele Opfer gekostet, doch +jeder Tod bedeutet einen Schritt näher dem Himmel. +Das Ziel, das wir im Auge haben, ist des Einsatzes +wohl wert. – Sorge, daß Du jedes Jahr einen Mann +findest, der sich unserem Werke weiht. Dann können +wir Fortschritte machen.«</p> + +<p>Es folgen nun ununterbrochen hochwichtige Ereignisse +im Leben Mackays und in der Geschichte der +ostafrikanischen Mission. Von dem Emin-Entsatzkomitee +war für Stanley eine große Menge Waren bei +Mackay angekommen. Das stachelte die Habgier der +Nachbarhäuptlinge an. Sie erklärten dem Häuptling, +in dessen Gebiet Mackay wohnte, den Krieg und versuchten +das Missionshaus zu plündern. Drei Tage +lang verteidigte Mackay seine kostbaren Besitztümer +<a class="pagenum" id="page_114" title="114"> </a> +mit dem Häuptling, der zuletzt seine Feinde in die +Flucht schlug. Bald darauf kamen die Missionare +Gordon und Walker von Uganda an. Sie sahen ganz +zerlumpt und angegriffen aus und erzählten, daß Muanga +vom Thron gestoßen sei. Durch seine unsinnige +Herrschaft hatte er sich immer mehr Gegner geschafft, +selbst die Mohammedaner haßten ihn. Dann faßte er +den wahnwitzigen Plan, alle Christen und Araber mit +einem Schlage auszurotten. Dazu wollte er sich vorher +seiner Leibwache, der er nicht traute, entledigen und +schickte sie zu einem Kriegszuge nach einer Insel im +See, von der alle wußten, daß sie unbewohnt war. +Ihm blind ergebene Fischer sollten der Leibwache nach +der Landung die Kähne wegnehmen, damit sie dem +Hungertode preisgegeben wären. Der Plan wurde verraten, +die Leibwache marschierte zurück und stürzte +den König, der nach dem Süden des Sees floh. Sein +Bruder Kiwiwa wurde König, aber nur für kurze Zeit. +Denn die Mohammedaner kamen ans Ruder, stürzten +die alte Ordnung und vertrieben alle Christen. Die +beiden evangelischen Missionare flohen auf einem Kahn, +erlitten noch Schiffbruch und kamen nach vielen Entbehrungen +und Gefahren endlich bei Mackay an, um +sich bei ihm auszuweinen und Rat und neuen Mut zu +holen.</p> + +<p>Nach ihnen konnte Mackay den auch von ihm vielbewunderten +Afrikaforscher Stanley in seinem Hause +begrüßen und zwanzig Tage beherbergen. Den Eindruck, +welchen Stanley von unserem Helden und seinem +<a class="pagenum" id="page_115" title="115"> </a> +Werk empfing, hat er im zweiten Bande seines Buches: +»Im dunkelsten Afrika«, S. 386 ff. niedergelegt. Es +ist ein glänzendes Zeugnis für den Heldencharakter +Mackays. Stanley beschreibt das gesunde Aussehen +Mackays, schildert seine Kleidung, seine Werkstätten, +Werkzeuge und Haustiere. Dann läßt er uns in +Mackays Zimmer eintreten, das aus Lehm erbaut und +mit Missionsbildern geschmückt ist, zeigt uns die vollen +Bücherregale und schildert das Behagen, mit dem er +zum ersten Male seit dreißig Monaten wieder wirklichen +Kaffee trank und sich hausbackenes Brot und +<a class="pagenum" id="page_116" title="116"> </a> +Butter als Gast wohlschmecken ließ. Dann fährt er +fort: »Ein bedeutender Schriftsteller hat kürzlich ein +Buch geschrieben über einen Mann, der sich lange +in Afrika aufgehalten hat. Das Buch ist von Anfang +bis zu Ende ein langgezogener Seufzer. Der Verfasser +sowohl wie sein Held wären von ihrem Seufzen +geheilt worden, nachdem sie einen Blick in Mackays +Leben geworfen hätten. Er hatte keine Zeit, unglücklich +zu sein, zu jammern und zu seufzen. Gott weiß, +daß, wenn irgend ein Mensch Anlaß hat, beim Gedanken +an ›Gräber, Würmer und Vergessenheit‹ traurig +zu sein und sich vereinsamt zu fühlen, so hatte Mackay +alle Ursache dazu, als sein Bischof ermordet, seine +Schüler verbrannt, die Christen erwürgt waren und +nachdem man seine schwarzen Freunde erschlagen hatte +und Muanga auch ihn mit dem Tode bedrohte. Aber +der kleine Mann sah mit seinem ruhigen Auge allem +gefaßt entgegen und zuckte mit keiner Wimper. Solch +einen Mann zu sehen, der zwölf Jahre lang Tag +für Tag unermüdlich gearbeitet hat und keine Klage, +keinen Seufzer über ›öde Wildnis‹ laut werden läßt, +und zu hören, wie er seiner kleinen Herde Gottes Güte +am Morgen und Seine Treue am Abend ans Herz +legt, verdient es, daß man seinetwegen eine lange +Reise unternimmt und neuen Mut und Zufriedenheit +aus seiner Nähe schöpft.«</p> + +<p>Am herrlichen Ufer des schimmernden Niansa sagten +sich die beiden großen Männer Stanley und Mackay +Lebewohl und drückten sich zum letztenmal die Hand. +<a class="pagenum" id="page_117" title="117"> </a> +Ein ergreifendes Bild! Jener kehrt zurück und eilt +europäischen Rednertribünen und königlichen Empfängen +zu, dieser wendet sich wiederum dem dunkelsten +Afrika und einem Leben voll Selbstverleugnung zu. +Während jener als Held des Tages in England begrüßt, +gefeiert und bewirtet werden wird, trägt dieser +still des heißen Tages Bürde auf einsamem Pfad unter +einem wilden Volk! Aber »über ein kleines« und auch +Mackays Stunde schlägt, und auch er hat seinen Willkomm +und königlichen Empfang, freilich nicht an Höfen +und in Palästen und vor Fürsten dieser armen Erde, +sondern im Thronsaal des Königs aller Könige, um +dort den unverwelklichen Lorbeerkranz und die Palme +des Sieges zu empfangen.</p> + +<div class="poetry-container"> + <div class="poetry"> + <div class="stanza"> + <div class="verse">Nur noch ein wenig Arbeit, Kampf und Last,</div> + <div class="verse">Nur noch ein wenig Tränen, dann die Rast,</div> + <div class="verse">Dann Sieg und Herrlichkeit beim lieben Herrn,</div> + <div class="verse">O ew'ge Freude, du bist nicht mehr fern!</div> + </div> + <div class="stanza"> + <div class="verse">Bald ist das Erdentagewerk getan.</div> + <div class="verse">Welch sel'ge Scharen gingen schon voran!</div> + <div class="verse">Am goldnen Tore harret Jesus dein,</div> + <div class="verse">Wie köstlich wird der Tag der Heimkehr sein!</div> + </div> + </div> +</div> + +<div class="il"> + <img src="images/img114.jpg" alt="" /> + <p class="cap"><b>Negerhütten in Afrika.</b></p> +</div> + + + + +<h2><a class="pagenum" id="page_118" title="118"> </a> +Sechzehntes Kapitel.<br /> + +<b>Des Helden Tod.</b></h2> + + +<p>Der Exkönig Muanga wandte sich von seinem +Verbannungsort im Viktoria Niansa aus brieflich an +Mackay und bat um Hilfe zur Wiedergewinnung seines +Thrones. Das bedeutsame Schreiben hat nach dem +Eingange folgenden Wortlaut: »... ich, Muanga, +bitte Dich, daß Du mir hilfst. Vergiß alles, was geschehen +ist. Wir sind jetzt übel daran, aber wenn Ihr, +meine Väter, zu mir kommen und mir behilflich sein +wollt, mich wieder in mein Königreich einzusetzen, so +sollt ihr Freiheit haben, alles zu tun, was ihr wollt. +– Früher habe ich Gott nicht gekannt. Jetzt aber +kenne ich die Religion Jesu Christi. Denkt daran, daß +Kalema (der jetzige König) alle meine Geschwister (nach +Landessitte) ermordet hat. Auch meine Kinder hat er +ermordet. Herr Mackay, hilf mir! Ich habe keine +Kraft mehr, aber wenn Du bei mir bist, werde ich +wieder stark sein. Mein Herr, denke nicht, daß, wenn +Du Muanga wieder nach Uganda führst, er wieder +schlecht sein wird. Wenn ich böse werde, darfst du +mich vom Throne werfen. Ich bin aber ganz anders +geworden und will jetzt nur Deinem Rate folgen. Ich +bin Dein Freund Muanga.«</p> + +<p>Ein Jahr später eroberte Muanga mit Hilfe der +Christen seinen Thron zurück, schlug die Araber aufs +Haupt, verteilte die hohen Staatsämter an die eingeborenen +<a class="pagenum" id="page_119" title="119"> </a> +Christen beider Konfessionen und stellte sich +unter britische Oberhoheit, um seiner immer noch sehr +lose sitzenden Krone mehr Festigkeit zu verleihen. Welche +Wendung durch Gottes Fügung!</p> + +<p>Mackay, der in Usambiro unterdessen emsig weiterbaute, +das Evangelium Johannis in Luganda übersetzte, +druckte und versandte, sah dem Umschwung der +Dinge mit den Gefühlen eines Landmannes zu, der +nach harter Geduldsarbeit seine Saaten in die Halme +schießen sieht. Von seiner aufblühenden Station aus +sandte er einen Aufruf an die Söhne Englands. Nachdem +er einen kurzen Rückblick auf die wundersamen +Ereignisse der letzten sechs Jahre gegeben und hervorgehoben +hat, daß die bedeutendste und bis vor kurzer +Zeit noch tyrannischste Macht in ganz Ostafrika jetzt +in Händen von Männern ruht, die sich glücklich preisen, +Christen zu sein, wirft er die Frage auf: »Aber +ruht die Macht in den Händen des <em class="ge">Christentums</em>? +Wird eine Nation an einem Tage geboren? Sie ist +geboren; aber erst jetzt geboren, befindet sie sich im +hilflosesten, kritischsten Zustande.« Dann schildert er, +wie die römische Mission mit ihrer Wolfsmilch diesen +Säugling nähren und für sich zu erziehen beflissen +ist und fragt voll Sorge, ob das christliche England +sich nicht ermannen und das neugeborene Kindlein +mit reinem Blute nähren und in Zucht und Vermahnung +zum Herrn großziehen will. »Soll diese herrliche +Gelegenheit versäumt oder für immer verloren +sein?«</p> + +<p><a class="pagenum" id="page_120" title="120"> </a> +»Ihr Söhne Englands, hier ist ein Feld für eure +Tatkraft. Bringt eure beste Bildung und die größten +Talente, hier findet ihr Raum, mit dem Pfunde zu +wuchern. Ihr Männer Gottes, die ihr euer Leben +der Rettung von Menschenseelen weihen wollt, hier +ist das rechte Feld für euch. Nicht um Zahlen für +eine Kirche, sondern um verlorene Seelen zu retten +und für Jesum zu gewinnen, bitte ich euch ... hierherzukommen, +wo das Feld weiß zur Ernte ist. Rom +bricht herein mit seinem Seelenfang durch Sakramente, +seiner Religion voll Menschensatzung. Wir brauchen +Männer, die Christum, den Gekreuzigten und Auferstandenen, +predigen. ›Gott ist ein Geist‹, und jeder, +der das glaubt, werfe alle Bedenken über Bord und +eile zu uns, um dieses Volk zu lehren, Gott im Geist +und in der Wahrheit anzubeten.</p> + +<div class="poetry-container"> + <div class="poetry"> + <div class="stanza"> + <div class="verse">Vergiß dein Volk und deines Vaters Haus,</div> + <div class="verse">Dann sehnt der König sich nach deiner Schöne,</div> + <div class="verse">Und an der Väter Statt umjubeln dich die Kinder,</div> + <div class="verse">Und werden Fürsten auf der weiten Erde!«</div> + </div> + </div> +</div> + +<p>Dieser Ausruf voll flammender Begeisterung und +leidenschaftlicher Liebe für die unsterblichen Seelen in +Uganda ist die letzte Botschaft unseres Helden. Sie +trägt das Datum: »Usambiro, 2. Januar 1890« und +langte am 24. April desselben Jahres in London an. +Kurz vorher aber lief ein Telegramm aus Sansibar +ein und meldete den Tod Alexander Mackays. Der +elektrische Funke hatte mit der Trauerkunde den Postdampfer +mit dem Aufruf um zehn Tage überflügelt.</p> + +<p><a class="pagenum" id="page_121" title="121"> </a> +Die Post brachte aber noch eine andere charakteristische +Botschaft Mackays. Von der Missionsgesellschaft +war ihm in berechtigter Sorge um seine +Gesundheit dringend nahegelegt, zu einem längeren Erholungsurlaub +heimzukehren. Mackay erwiderte dem +Sekretär unter dem 2. Januar: »Aber wie können +Sie mir schreiben: ›Komme heim!‹ Bei diesem schrecklichen +Arbeitermangel darf keiner seinen Platz verlassen. +Schicken Sie mir zuerst zwanzig Männer, +dann komme ich vielleicht und helfe Ihnen die zweiten +zwanzig suchen.«</p> + +<p>Mackays letzte Tage waren angefüllt mit weitausschauenden +Plänen zur »Lösung des afrikanischen +Problems«. Unter diesem Titel veröffentlichte er kurz +vor seinem Heimgang noch einen meisterhaften Artikel +voll missionarischer Weisheit und staatsmännischem +Scharfsinn und schrieb darunter: »Fortsetzung +folgt.« Es ist aber keine Fortsetzung mehr eingetroffen. +Der Tod hatte ihm inzwischen die berufene Feder entwandt.</p> + +<p>Einige Tage vor seinem Tode hatte sich Mackay +bei der Arbeit an einem Dampfkessel eine Erkältung +zugezogen, auf die er aber nicht weiter achtete. Dann +half er seinem Mitarbeiter Missionar Deekes, der erst +kurze Zeit bei ihm war, gesundheitshalber aber wieder +abreisen mußte, eifrig beim Packen. An dem zur Abreise +bestimmten Tage lag Mackay aber in so hohem +Fieber, daß Deekes die Träger wieder abbestellte und +sich vorläufig der Pflege seines Kollegen widmete. +<a class="pagenum" id="page_122" title="122"> </a> +Das Malariafieber steigerte sich bedenklich und ließ +das Schlimmste befürchten, da keine ärztliche Hilfe zu +haben war. Nach vier Tagen, am 8. Februar 1890, +abends um 11 Uhr, drückte der erschrockene Missionar +dem Helden von Uganda die Augen zu.</p> + +<p>Aus Brettern, die der Heimgegangene selbst geschnitten +und für ein Boot zugerichtet hatte, wurde ein +Sarg gezimmert und die Leiche hineingebettet. Am +folgenden Tage, es war ein Tag des Herrn, senkten +sie den schmucklosen Sarg am Ufer des Niansa in die +afrikanische Erde. Wehklagend um den geliebten Lehrer +und Hirten umringten die Wagandachristen die +frische Gruft. Missionar Deekes versuchte einen Bibelabschnitt +zu lesen, brach aber vor Schwäche und Schmerz +zusammen. Dann ermannten sich die Schüler Mackays +und sangen: »Laut rühmet Jesu Herrlichkeit!«</p> + +<p>Ein weißes Marmorkreuz mit einer arabischen, +suahelischen und englischen Inschrift, gestiftet von einer +edeln Gräfin, kündet heute den Eingeborenen, daß +hier einer ruht, der für sie starb und lieber ein Bote +des Kreuzes war als ein König auf dem Thron.</p> + +<p>»Eine große Persönlichkeit bemerkt man nicht allein, +wenn sie gegenwärtig ist; man wird ihren Wert +dann noch mehr inne, wenn die Stelle leer ist, die sie +einnahm.« In England wurde der Heimgang Alexander +Mackays als ein nationaler Verlust allgemein empfunden +und tief betrauert. Die Zeitungen des ganzen +Landes brachten anerkennende Leitartikel über ihn, ein +<a class="pagenum" id="page_123" title="123"> </a> +Beweis, daß die Welt ab und zu doch noch einen Missionar +zu schätzen weiß, wenn er auch nicht auf außergewöhnliche +Weise sein Leben verloren hat wie Hannington. +Privatbriefe voll Trauer liefen bei dem gebeugten +Vater aus allen Gegenden ein, und viele kirchliche +Körperschaften sandten besondere Beileidsadressen. +Der Anzeiger der <span class="ss">Church Missionary Society</span>, der +Mackay angehörte, schrieb: »Obwohl wir A. Mackay +sehr hoch schätzten, waren wir doch nicht auf das Maß +von Teilnahme und Bewunderung gefaßt, welches sein +Tod hervorrief. Wir gestehen offen, daß wir nicht +wußten, welche hohe Achtung er in der öffentlichen +Meinung gewonnen hatte.«</p> + +<p>Colonel Grant, einer der beiden Reisenden, die +Uganda zuerst kennen lernten, bricht in das Lob aus: +»Der Verlust, welcher die Zivilisation in Zentralafrika +getroffen, ist nicht leicht wieder wettzumachen. +Denn aus zwanzig unter uns könnte man noch nicht +einen Mackay machen.« Ein Begleiter Stanleys, der +Offizier Jephson, welcher drei Wochen Mackays Gast +in Usambiro war, sagt in einem ergreifenden Briefe +an den Vater u. a.: »Als eine Handvoll zusammengebrochener, +verbitterter Männer kamen wir auf seiner +Station an, und dank seiner Güte traten wir die Reise +nach der Küste mit frischem Eifer und neuer Liebe zu +unserem Werke an. Die einsame Gestalt, die auf +dem Kamm des Hügels stand und uns noch Grüße +nachwinkte, wird mir immer in Erinnerung bleiben. +– Der Name ihres Sohnes ist auf der Liste der großen +<a class="pagenum" id="page_124" title="124"> </a> +Männer, die ihr Leben in der furchtlosen Ausübung +ihrer Pflicht verloren haben. Die Eingeborenen schienen +nur ihn zu lieben und nur ihn zu kennen.«</p> + +<p>All diese Lobpreisungen haben freilich vorzugsweise +die kulturelle Seite der Arbeit Alexander Mackays +im Auge. Es wäre aber ungerecht, seine Missionstat +so einseitig aufzufassen. »Ein Mann, der heute mit +den Mohammedanern theologische Streitfragen ausfechten +muß und furchtlos Christum als Sohn Gottes +und der Welt Heiland bekennt und morgen sich damit +zufriedengibt, stundenlang Knaben lesen zu lehren +und einfache Bibeltexte zu erklären und am dritten +Tage geduldig die Worte des Lebens in eine Sprache +übersetzt, die keine Sprachlehre noch Wörterbuch hat +– solch ein Mann war kein gewöhnlicher Missionar«, +ist mehr als ein Industriemissionar, ist ein Apostel +Jesu Christi! Sein treuster Freund und Waffengefährte, +der Missionar Ashe, sagt von Mackay, daß er +zu den Wenigen gehörte, welche furchtlos vorwärtsblicken +und auf uns den Eindruck machen, als ob sie +das Antlitz des lebendigen Gottes sähen. Nie sei er +an einem Menschen oder einer Sache verzweifelt, ein +Mann, auf den man bauen konnte. Vierzehn Jahre +hat er in Afrika ausgehalten, vierzehn Jahre voll +Widerspruch, Gefahr, Fieber, Herzeleid, Enttäuschung +– und bei alledem sei er fest und unbeweglich geblieben +in dem Werk des Herrn. Er habe an seinem +Leben und seiner geduldigen Liebe gesehen, daß ein +frommer Mensch eine wunderbare Höhe der Christusähnlichkeit +<a class="pagenum" id="page_125" title="125"> </a> +erreichen kann. »Mackay war ein demütiger, +reiner, hochherziger Mann – mit einem Wort: +ein großer Missionar!«</p> + +<p>Wir legen diesen Immortellenkranz im Geiste auf +jenes einsame Grab mit dem kleinen Marmorkreuz +unter den Palmen Ostafrikas und geloben, uns für +das Große so zu begeistern und im Kleinen so treu zu +sein, wie Alexander Mackay, der Held von Uganda, +es war. Wir wissen, daß er zu denen zählt, die ihre +Kränze und Kronen vor dem Throne Gottes und des +Lammes niederlegen, und sprechen: »Herr, Du bist +würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft. Denn +Du hast alle Dinge erschaffen, und durch Deinen Willen +haben sie das Wesen und sind geschaffen.«</p> + +<p>Wir dürfen aber von dem einsamen Kreuze nicht +scheiden, ohne noch einen flüchtigen Blick auf die Hügel +und Hütten Ugandas zu werfen. Mackay hat nicht +mehr erlebt den traurigen Bürgerkrieg zwischen katholischen +und evangelischen Christen, zwischen seinen geistlichen +Kindern und denen des Pater Lourdel, in dem +die Römischen als Anstifter unterlagen; nicht mehr erlebt +die gewaltige Bewegung zum Evangelium, die in +der Missionsgeschichte beispiellos dasteht. Er sah nicht +mehr das Gotteshaus in der Hauptstadt mit den viertausend +Sitzplätzen und die heilshungrigen Scharen +den Missionaren die Häuser stürmen, wenn eine Kiste +mit Bibeln angekommen war. Er sah nicht mehr, +was unsere Augen sehen: das einst so blutgetränkte +Uganda überzogen mit einem Netz von Missionsstationen, +<a class="pagenum" id="page_126" title="126"> </a> +mit Kapellen und Schulen und einer Schar +eingeborener Evangelisten.</p> + +<p>In den letzten fünf Jahren hat die Mission +Mackays 35 000 meist erwachsene Heiden in Uganda +getauft. Die Gemeinde, welche Mackay 1882 mit fünf +Wagandaknaben gründete, vier Jahre später fast hundert +Blutzeugen zählte und 1887 einer zerstreuten und +hirtenlosen Herde glich, in die der Wolf gefahren ist, +diese Gemeinde umfaßt heute mehr als 60 000 Glieder, +hat neben den englischen Missionaren dreißig eingeborene, +ordinierte Pastoren und 2500 sonstige Lehrer +und Gehilfen, die, soweit sie besoldet sind, von der +Wagandakirche unterhalten werden. In den zahlreichen +Schulen werden jetzt über 32 000 Kinder unterrichtet, +und der jährliche Zuwachs beträgt 670 Schüler.</p> + +<p>Das hat Mackay alles nicht mehr hören und sehen +können, und doch ist es der Baum, den er einst im +Glauben gepflanzt und mit aufopfernder Geduld und +Hoffnung bis an sein Ende gepflegt hat. Weil er +den Brunnen so tief grub, springt heute das Wunderwasser +so hoch. »Er war gesetzt, Frucht zu bringen +und eine Frucht, die da bleibe« und hat sich den hohen +Titel, den ihm dankbar die Nachwelt gibt, zur Ehre +seines Meisters wohl verdient.</p> + +<div class="poetry-container"> + <div class="poetry"> + <div class="stanza"> + <div class="verse">Verdrängt, verjagt, besiegt und ausgefegt</div> + <div class="verse">Und doch ein Held, der ewig Palmen trägt!</div> + </div> + </div> +</div> + +<p>Das ist Alexander Mackay. Möge sein Andenken neue +Gnade auf uns bringen!</p> + +<hr /> + + + + +<h2>Verlag von J. G. Oncken Nachfolger, G. m. b. H., Cassel</h2> + + +<p class="ce fss mt2">Im gleichen Verlage erschienen folgende Bände der</p> + +<p class="ce fsxl ge"><span class="ss"><b>Jugendheimbibliothek</b></span></p> + +<p class="ce fss">(die mit <span class="ss"><b>K.</b></span> bezeichneten eignen sich für Knaben, die mit <span class="ss"><b>M.</b></span> für Mädchen):</p> + + +<p class="ce mt2"><b>Mk. 5.–. Preise freibleibend.</b></p> + +<p class="ad"> +Nr. 1. <b>Prinz Wilhelm von Oranien.</b> Von <em class="ge">A. Steen.</em> Ein Lebensbild des + Begründers der niederländischen Unabhängigkeit. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mt. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 2. <b>Arm und doch reich.</b> Eine Erzählung für jung und alt. Mit + Illustrationen. Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 3. <b>Das vermißte Boot.</b> Eine Erzählung für die Jugend. Mit einem + Bild. 64 Seiten. Besonders für unsere Knaben. Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 4. <b>Der goldene Faden.</b> Mit einem Titelbild. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 5. <b>Gottes Walten auf dem Meere.</b> Ein Festgeschenk für die liebe + Jugend. Mit feinen Holzschnitten. Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 7. <b>Kardu, das Hindumädchen.</b> Mit 3 Illustrationen. 104 Seiten. <span class="ss"><b>M.</b></span> + Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 8. <b>Silberglöckchen</b> oder: Verloren und wiedergefunden. Mit Illustrationen. + Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 9. <b>Die Waldlilien.</b> 17. Auflage. Mit Illustrationen von <em class="ge">Otto + Speckter.</em> <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 10. <b>Samenkörner.</b> Enthält 50 kurze, interessante Erzählungen für + Kinder. Mit 14 Bildchen. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 11. <b>Daisy</b> oder: Engelsdienst durch Blumen. Von <em class="ge">Anna Steen</em>. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 12. <b>Hans Kohl</b> oder: Im Kleinen getreu. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 13. <b>Verlorene Söhne</b> oder: Ein kleines Kind wird sie führen. Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 15. <b>Morgenstern auf finstre Nacht.</b> Von <em class="ge">Abr. Friesen</em>, Missionar in + Indien. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 16. <b>Zwei Kinder im Korbe</b> oder: Daph, die treue Negerin. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 17. <b>Vöglein und ihr Hund</b> und: Meister Kundig und sein Peter. Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 18. <b>Um den Abend wird es licht.</b> Von <em class="ge">Anna Steen</em>. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 21. <b>Durch die Perlentore.</b> Mit 2 Illustrationen. Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 24. <b>Großmutter und Enkelin.</b> Von <em class="ge">Anna Steen</em>. Allerliebste Erzählung + einer treuen Zeugin Christi. Für die reifere Jugend. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 27. <b>Dauphin Ludwig <span class="ss">XVII.</span>, König von Frankreich</b> oder: Der kleine + Gefangene. Mit 2 Illustrationen. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 29. <b>Teuer erkauft.</b> Mit 2 Illustrationen. Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 31. <b>Samoset, der Indianerhäuptling.</b> Mit 2 Illustrationen. Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 32. <b>Der kleine Graf</b> oder: Weißer als Schnee. Mit 1 Illustration. + (Zurzeit vergriffen.) Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 33. <b>Der mißglückte Versuch</b> oder: Aus Gnaden selig. Mit 1 Illustration. Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 34. <b>Der gelöste Bann.</b> Mit 1 Illustration. Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 35. <b>Weltklugheit oder Glaubenseinfalt?</b> Mit 1 Illustration. Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 51. <b>Kees</b> oder: Die Freude, ein Mensch zu sein. Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 52. <b>Stephans und Minnies Weihnachtsfreude</b> und andere Erzählungen. + Von Lu <em class="ge">v. Sell</em>. <em class="ge"><span class="ss">M.</span></em> Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 53. <b>Elschens Schützling</b> und andere Erzählungen. Von <em class="ge">A. v. Scholte</em>. + <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 54. <b>Jung-Stilling</b> oder: Wie Gott aus einem armen Schneiderlehrling + einen berühmten Augenarzt machte. Von <em class="ge">K. Traub</em>. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk. 5.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 61. <b>Jugendliche Helden.</b> <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk. 5.–.</p> + + +<p class="ce mt2"><b>Mk. 6.–.</b></p> + +<p class="ad"> +Nr. 6. <b>Evangeline.</b> Frei nach dem Englischen aus »Onkel Toms Hütte«. + Von <em class="ge">Anna Steen</em>. 9. Auflage. 5 Illustrationen. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 14. <b>Benzonis Kinder.</b> Von <em class="ge">Jessie Armstrong</em>. Übersetzung von + A. Steen. Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 19. <b>Fritz, der Schiffsjunge</b>, und was aus ihm geworden ist. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 22. <b>Von der Blockhütte zum Palast.</b> Spannende Lebensbeschreibung für + die reifere Jugend. Mit 7 Illustrationen. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 23. <b>Vom Weberlehrling zum Afrikaforscher.</b> Das Leben des Missionars + <em class="ge">David Livingstone</em>. Mit 9 Illustrationen. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 25. <b>Durch ein Lied gewonnen.</b> Mit 2 Illustrationen. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 26. <b>Tapfere Taten jugendlicher Helden.</b> Mit 18 Illustrationen. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 28. <b>Peter Hink. Gregor mit dem Leierkasten.</b> Mit 3 Illustrationen. <span class="ss"><b>K.</b></span> + Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 30. <b>Eine gefangene Nachtigall.</b> Mit 3 Illustrationen. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 36. <b>Hans Friedleins Myrtenstöcklein.</b> Mit 2 Illustr. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 37. <b>Des alten Fischers Fund.</b> Mit 3 Illustrationen. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 38. <b>Adlersfluq.</b> Eine Erzählung für die reifere Jugend. Von <em class="ge">M. v. Panitza</em>. Mit 2 Illustrationen. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 40. <b>Heini von Ganten.</b> Aus dem Leben eines Waisenknaben. Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 41. <b>Erwin, der Missionarssohn.</b> Erzählung für jung und alt. Von + <em class="ge">Klara Düsterhoff</em>. Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 42. <b>Lieschens Hauptmann.</b> Eine Erzählung für jung und alt. Von + <em class="ge">Emmy v. Feilitzsch</em>. Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 43. <b>Gold und Weihrauch.</b> Zwei Erzählungen für Mädchen. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 44. <b>Einspännerchen.</b> Aus dem Französischen. Eine Geschichte für + Mädchen. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 45. <b>In der Sturmflut des Lebens.</b> Von <em class="ge">M. v. Panitza</em>. Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 46. <b>Die Kronenhofjugend.</b> Von <em class="ge">E. v. Feilitzsch</em>. Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 47. <b>Fridtjof Nansen, der kühne Nordpolfahrer.</b> Von <span class="ss">Dr.</span> <em class="ge">J. A. Bain</em>. + Mit vielen Bildern. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 48. <b>Carmio, der kleine Mexikaner in indianischer Gefangenschaft.</b> <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 49. <b>Engelein-lieb und ihr Freund von der Gasse.</b> <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 50. <b>Der Pflegebruder.</b> Von <em class="ge">H. Machwürth</em>. Für reifere Knaben. + <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 55. <b>Häkchen, welche früh sich krümmen.</b> Zehn Geschichten für die liebe + Jugend. Von <em class="ge">Karl Traub</em>. Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 56. <b>Der Zigeunerfriedl</b> und andere Geschichten. Fünf Erzählungen für + Kinder. Von <em class="ge">Karl Traub</em>. Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 57. <b>Kinderleben in den Bergen.</b> Zwei Erzählungen von <em class="ge">M. Gerner</em>. + Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 58. <b>Klein Hindenburg im Dörfchen.</b> Eine Erzählung für die Jugend. + Von <em class="ge">Maria Gerner</em>. Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 59. <b>Heinz Lichtwergs Kriegserlebnisse</b> und: <b>Molly</b>. Zwei Kindergeschichten. + Von <em class="ge">Dörthe Kögel</em>. Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 60. <b>Wundersame Wege.</b> Erzählung von <em class="ge">E. v. Feilitzsch</em>. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 62. <b>Ein Sprößling der alten Seekönige.</b> Eine Erzählung von <em class="ge">Anna + Steen</em>. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk. 6.–.</p> + +<p class="ad"> +Nr. 63. <b>Heini und seine Lehrerin.</b> Eine Geschichte aus den Schweizer + Bergen. Von <em class="ge">Maria Gerner</em>. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk. 6.–.</p> + + +<p class="ce mt2 fss">Druck von J. G. Oncken Nachfolger, G. m. b. H., Cassel.</p> + +<hr /> + + + + +<h2>Hinweise zur Transkription</h2> + + +<p class="in0">Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. +Textanteile, die in <span class="ss">Antiqua-Schrift</span> gedruckt wurden, sind jeweils markiert.</p> + +<p class="in0">Illustrationen wurden an Kapitelenden verschoben, ein ganzseitiges Portrait hinter die Titelseite. +Ornamente wurden nicht wiedergegeben.</p> + +<p class="in0">Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden Ausnahmen:</p> + +<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_039">39</a>:<br /> +"den" geändert in "dem"<br /> +(Dann kehrte Smith nach dem See zu O'Neill zurück)</p> + +<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_096">96</a>:<br /> +"." eingefügt<br /> +(ist unser schlimmster Feind. Dieser Brief wird vielleicht aufgefangen)</p> + +<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_109">109</a>:<br /> +"be-beruhigen" geändert in "beruhigen"<br /> +(ein paar Kühe, damit sie sich wieder beruhigen)</p> + +<hr /> + +<div>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 48502 ***</div> +</body> +</html> + + diff --git a/48502-h/images/cover.jpg b/48502-h/images/cover.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..6d67a7c --- /dev/null +++ b/48502-h/images/cover.jpg diff --git a/48502-h/images/img001.jpg b/48502-h/images/img001.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..f28a188 --- /dev/null +++ b/48502-h/images/img001.jpg diff --git a/48502-h/images/img024.jpg b/48502-h/images/img024.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..660fb30 --- /dev/null +++ b/48502-h/images/img024.jpg diff --git a/48502-h/images/img036.jpg b/48502-h/images/img036.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..e34fc2f --- /dev/null +++ b/48502-h/images/img036.jpg diff --git a/48502-h/images/img052.jpg b/48502-h/images/img052.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..fdb84cd --- /dev/null +++ b/48502-h/images/img052.jpg diff --git a/48502-h/images/img072.jpg b/48502-h/images/img072.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..48f7516 --- /dev/null +++ b/48502-h/images/img072.jpg diff --git a/48502-h/images/img086.jpg b/48502-h/images/img086.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..a60729d --- /dev/null +++ b/48502-h/images/img086.jpg diff --git a/48502-h/images/img098.jpg b/48502-h/images/img098.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..3ff1b39 --- /dev/null +++ b/48502-h/images/img098.jpg diff --git a/48502-h/images/img114.jpg b/48502-h/images/img114.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..002879e --- /dev/null +++ b/48502-h/images/img114.jpg |
