summaryrefslogtreecommitdiff
path: root/48502-h
diff options
context:
space:
mode:
authornfenwick <nfenwick@pglaf.org>2025-02-27 15:51:17 -0800
committernfenwick <nfenwick@pglaf.org>2025-02-27 15:51:17 -0800
commitb9b3cbd32819494f756ee04ec5762a622dca6ed6 (patch)
treeb65094ebe4a700c0e47a40fbc4ec35b867ac275f /48502-h
parent8f5422ea054017f6f462aa312ae030445dee14b8 (diff)
Add 48502 from ibiblio
Diffstat (limited to '48502-h')
-rw-r--r--48502-h/48502-h.htm4068
-rw-r--r--48502-h/images/cover.jpgbin0 -> 64055 bytes
-rw-r--r--48502-h/images/img001.jpgbin0 -> 31410 bytes
-rw-r--r--48502-h/images/img024.jpgbin0 -> 46803 bytes
-rw-r--r--48502-h/images/img036.jpgbin0 -> 55637 bytes
-rw-r--r--48502-h/images/img052.jpgbin0 -> 67834 bytes
-rw-r--r--48502-h/images/img072.jpgbin0 -> 45302 bytes
-rw-r--r--48502-h/images/img086.jpgbin0 -> 65498 bytes
-rw-r--r--48502-h/images/img098.jpgbin0 -> 49538 bytes
-rw-r--r--48502-h/images/img114.jpgbin0 -> 37706 bytes
10 files changed, 4068 insertions, 0 deletions
diff --git a/48502-h/48502-h.htm b/48502-h/48502-h.htm
new file mode 100644
index 0000000..1f56ede
--- /dev/null
+++ b/48502-h/48502-h.htm
@@ -0,0 +1,4068 @@
+
+
+<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN"
+ "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd">
+
+<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" xml:lang="de" lang="de">
+
+<head>
+<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8" />
+<meta http-equiv="Content-Style-Type" content="text/css" />
+
+<title>The Project Gutenberg eBook of
+Der Held von Uganda,
+by Carl Schneider</title>
+
+<link rel="coverpage" href="images/cover.jpg" />
+<style type="text/css">
+
+body {margin-left: 10%; margin-right: 10%;}
+
+h1 {font-size: 250%; text-align: center; font-weight: normal; margin-top: 1em; line-height: 1.5;}
+h2 {font-size: 110%; text-align: center; font-weight: normal; margin-top: 6em; line-height: 1.5;}
+
+p {text-indent: 1em; text-align: justify; margin-top: 0.75em; margin-bottom: 0.75em;}
+
+hr {width: 10%; margin-top: 1.5em; margin-bottom: 1.5em; page-break-before: avoid;}
+
+.ce {text-align: center; text-indent: 0;}
+.ci {margin-left: 5%; margin-right: 5%; text-indent: 0;}
+.ge {font-style: normal; letter-spacing: .12em; padding-left: .12em;}
+.ss {font-size: 95%; font-family: sans-serif; font-style: italic;}
+.in0 {text-indent: 0;}
+.nd {text-decoration: none;}
+.pb {page-break-before: always;}
+.mw32 {max-width: 32em; margin-left: auto; margin-right: auto;}
+.ad {text-align: left; padding-left: 4em; text-indent: -4em; font-size: 90%;}
+
+img {padding: 0;}
+.il {text-align: center; margin-top: 1.5em; margin-bottom: 1.5em; page-break-inside: avoid;}
+.cap {margin-top: .25em; text-align: center; text-indent: 0; font-size: 90%;}
+.bo {border: 1px solid black;}
+
+.fsxl {font-size: 140%;}
+.fsl {font-size: 120%;}
+.fss {font-size: 90%;}
+
+.mt2 {margin-top: 2em;}
+.mt6 {margin-top: 6em;}
+
+.poetry-container {text-align: center; margin-top: 1em;}
+.poetry {display: inline-block; text-align: left;}
+.poetrytitle {text-align: center;}
+@media handheld {.poetry {display: block; margin-left: 2em; text-align: left;}}
+.stanza {line-height: 1.3; font-size: 90%; margin-bottom: 0.7em; page-break-inside: avoid;}
+.verse {text-align: left; text-indent: -2em; padding-left: 2em;}
+.verseright {text-align: right; text-indent: 0; margin-right: 1em;}
+.dotted {border: 2px dotted black; padding: 5px;}
+
+a[title].pagenum {position: absolute; right:3%;}
+
+a[title].pagenum:after {
+ content: attr(title);
+ border: 1px solid silver;
+ display: inline;
+ font-size: x-small;
+ text-align: right;
+ color: #808080;
+ background-color: inherit;
+ font-style: normal;
+ padding: 1px 4px 1px 4px;
+ font-variant: normal;
+ font-weight: normal;
+ text-decoration: none;
+ text-indent: 0;
+ letter-spacing: 0;
+}
+
+</style>
+</head>
+
+
+<body>
+<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 48502 ***</div>
+
+<h1>Der Held von Uganda</h1>
+
+<p class="ce ge fsl">Leben und Wirken des Pioniermissionars<br />
+Alexander Mackay</p>
+
+<p class="ce ge fsxl mt2">Von Carl Schneider</p>
+
+<div class="poetry-container mw32">
+ <div class="poetry dotted mt2">
+ <div class="stanza">
+ <div class="verse">Großer Menschen Werke zu seh'n,</div>
+ <div class="verse">Schlägt einen nieder,</div>
+ <div class="verse">Doch erhebt es auch wieder,</div>
+ <div class="verse">Daß so etwas von Menschen gescheh'n.</div>
+ <div class="verseright"><em class="ge">Rückert.</em></div>
+ </div>
+ </div>
+</div>
+
+<p class="ce mt2">Vierte Auflage</p>
+
+<p class="ce mt2">Cassel 1922<br />
+<span class="fss">Verlag von <em class="ge">J.&nbsp;G. Oncken Nachfolger</em>, G.&nbsp;m.&nbsp;b.&nbsp;H., Cassel</span></p>
+
+
+<p class="pb mt6">&nbsp;</p>
+<div class="il">
+ <img src="images/img001.jpg" alt="" />
+ <p class="cap"><b>Alexander Mackay.</b></p>
+</div>
+
+
+<h2><a class="pagenum" id="page_005" title="5"> </a>
+<b>Vorbericht.</b></h2>
+
+
+<p>Die Londoner Zeitung »Daily Telegraph« brachte
+im November 1875 einen Artikel, der eine elektrisierende
+Wirkung hatte. Es war ein Brief des berühmten
+Weltreisenden Henry M. Stanley, in dem
+mit flammender Begeisterung der Reichtum und die
+Schönheit des Ugandareiches am Nordufer des Viktoria
+Niansa in Ostafrika geschildert und die englische
+Christenheit dringend ersucht wurde, in diesem gesegneten
+Lande eine Mission zu beginnen. Der humane
+König Mtesa, an dessen Hofe Stanley vor seiner
+großen Kongofahrt monatelang fürstliche Gastfreundschaft
+genoß, hatte sich heilsbegierig gezeigt und um
+Missionare und Lehrer für sich und sein Volk gebeten.</p>
+
+<p>Wenige Tage nach Veröffentlichung dieser seltenen
+Botschaft stellte ein unbekannter Missionsfreund der
+Kirchlichen Missionsgesellschaft 10&#8239;0000 Mark für
+die Mission in Uganda zur Verfügung, und das Komitee
+erließ bald darauf einen allgemeinen Aufruf, um
+<a class="pagenum" id="page_006" title="6"> </a>
+die weiteren Mittel und Menschen für das neue Werk
+zu bekommen. Ehe ein Jahr ins Land gegangen war,
+hatten sich zu den auf eine halbe Million Mark angewachsenen
+Missionsmitteln auch eine ganze Anzahl
+fähiger Männer als Missionare angeboten. Einer der
+ersten war Alexander Mackay. Er wurde nach Gottes
+Rat und Willen der Pionier Ugandas und nach Stanleys
+Urteil der größte Missionar seit Livingstone und
+war, wie ein anderer Bewunderer sagt: »Ein Mann
+unter tausend.«</p>
+
+<p>Möge der Geist suchender Liebe, aus dem sein
+Werk erwuchs, zu unseren Herzen reden, damit wir
+die Mission fördern helfen, für welche der Held von
+Uganda sein Leben freudig in die Schanze schlug.</p>
+
+
+
+
+<h2><a class="pagenum" id="page_007" title="7"> </a>
+Erstes Kapitel.<br />
+
+<b>Daheim bei Vater und Mutter.</b></h2>
+
+
+<p>Alexander Mackay wurde am 13.&nbsp;Oktober 1849
+zu Rhynie in Schottland, dem Vaterland so vieler unvergeßlicher
+Missionare, als Sohn eines Geistlichen
+der Freikirche geboren und von den frommen Eltern
+fromm erzogen. Der hochgebildete Prediger widmete
+sich mit unermüdlichem Interesse der Ausbildung seiner
+Kinder und besonders des gutbegabten Alexander,
+der mit drei Jahren schon im Neuen Testamente gelesen
+und als Siebenjähriger Miltons »Verlorenes
+Paradies« gemeistert haben soll. Die biederen Dorfbewohner
+sahen oft auf den Landwegen Vater und
+Sohn gehen oder stehen und beobachteten, wie durch
+mit einem Stock in den Sand gezeichnete Figuren
+dem lernbegierigen Jungen irgend ein geometrischer
+Satz oder der mutmaßliche Lauf eines Planeten erklärt
+wurde. Im Elternhause herrschte ein reger Verkehr
+mit wissenschaftlich tüchtigen Männern, was viel zur
+raschen und guten Geistesentwickelung Alexanders beitrug.
+Den königlichen Geographen Sir Roderick überraschte
+<a class="pagenum" id="page_008" title="8"> </a>
+einst des Kleinen Geschick im Kartenzeichnen und
+im Handhaben einer kleinen Druckerpresse. Er überreichte
+ihm beim Abschied ein nützliches Büchlein:
+»Kleine Anfänge, oder wie man vorwärts kommt«,
+das den Eifer von jung Alexander noch mehr spornte.</p>
+
+<p>Als er elf Jahre zählte, wandte sich seine Neigung
+mehr den Dingen in Feld und Garten und sein Interesse
+daneben auch mechanischen Gegenständen zu.
+Er besuchte mit Vorliebe die Handwerker in ihren
+Werkstätten, um ihnen bei der Arbeit zuzusehen und
+etwas abzugucken. Die nächste Bahnstation war eine
+Stunde weit entfernt, aber Alexander legte diesen Weg
+oft zurück, um sich die Lokomotive anzusehen, wenn der
+Zug auf zwei Minuten hielt. Dem Spiel der Kameraden
+war er abhold, da sein forschender Geist immer
+anderswo beschäftigt war. Trotzdem dürfen wir uns
+Alexander nicht als überklugen und naseweisen Jungen
+vorstellen. Er bewahrte sich vielmehr in diesen Jahren
+ein kindlich fröhliches Gemüt und war sonst bei den
+Altersgenossen gern gelitten.</p>
+
+<p>Die Eltern hatten ihn im stillen schon dem Herrn
+und Seinem Dienste geweiht. Er sollte einmal Prediger
+werden. Sie wurden deshalb etwas bekümmert,
+als sie merkten, daß der Sohn mehr Interesse an Maschinen
+und Werkzeug als an Büchern fand. Der liebe
+Gott macht aber keine Fehler in der Erziehung Seiner
+Boten. Was Alexander jetzt und später in Werkstatt
+und Fabrik lernte, konnte er in Uganda ebensogut
+gebrauchen als das, was er aus Büchern sich angeeignet
+<a class="pagenum" id="page_009" title="9"> </a>
+hatte. Der gesegnete Missionsapostel Paton,
+der auf den Neuen Hebriden wirkte, schrieb einmal:
+»Ich gestehe gern, daß das, was ich am Strumpfwirkerstuhle
+gelernt habe, nicht weggeworfen war. Die
+Handhabung der Werkzeuge und die Behandlung der
+Maschinen, welche ich verstand, waren mir auf dem
+Missionsfelde von größtem Nutzen.«</p>
+
+
+
+
+<h2>Zweites Kapitel.<br />
+
+<b>In Aberdeen und Edinburg.</b></h2>
+
+
+<p>Bis zu seinem vierzehnten Lebensjahre kannte
+Alexander keinen anderen Lehrer als seinen Vater und
+keine andere Schule als das Elternhaus. Der vielbeschäftigte
+Prediger konnte jetzt die Studien seines
+Sohnes nicht mehr überwachen und sandte ihn auf eine
+Schule zu Aberdeen, der Hauptstadt von Nordschottland.
+Dort studierte Alexander mit allem Fleiß zur völligen
+Zufriedenheit der Lehrer. In der freien Zeit besuchte
+er entweder ein photographisches Atelier, um
+Photographieren zu lernen, oder die Schiffswerft, um
+sich in die Kunst des Schiffbaues einführen zu lassen.
+Wer hätte damals geahnt, daß er diese Kenntnisse
+später an dem Riesensee Viktoria Niansa in Ostafrika
+so gut verwerten könne!</p>
+
+<p><a class="pagenum" id="page_010" title="10"> </a>
+Wie die meisten großen Männer in der Welt, so
+hatte auch der Held von Uganda eine tüchtige Mutter.
+Sie erkannte früh nicht nur die großen Vorzüge ihres
+hochbegabten Kindes, sondern auch die damit verbundenen
+Gefahren für das Seelenleben. Ihr war vor
+allem darum zu tun, daß Alexander ein Gotteskind
+werde, und sie betete stets um seine Bewahrung vor
+Stolz und Eitelkeit. Denn den Demütigen gibt Gott
+Gnade, und Hochmut führt zum Fall. Nach Gottes unerforschlichem
+Rat sollte Mackay die betende Mutter
+früh verlieren. Während er in Aberdeen weilte, entschlief
+sie unter heißen Wünschen für die Bekehrung
+ihres lieben Sohnes. Im tiefsten Schmerz stand er
+an der Bahre. Da reichte ihm eine Verwandte, die
+treue Pflegerin der Verklärten, das Vermächtnis der
+Mutter. Es war ihre Lieblingsbibel, das Hochzeitsgeschenk
+ihres Mannes. Eigenhändig hatte die Sterbende
+darin mehrere Stellen zur besonderen Beherzigung
+angemerkt. Sie ließ ihm sagen, er solle nur
+fleißig in der Schrift lesen und forschen, damit sie ihn
+unterweise zur Seligkeit durch den Glauben an Christum
+Jesum. Dann werde er die Mutter wiedersehen
+in der Herrlichkeit. Alexander preßte das teure Andenken
+an die bewegte Brust und weihte sich ganz dem
+Heiland seiner Seele. Die Bibel wurde sein größter
+Schatz und die Richtschnur seines ganzen Lebens. Der
+Held von Uganda empfing das Schwert des Geistes aus
+der Hand seiner sterbenden Mutter.</p>
+
+<p>Im Jahre 1867 nahm der Vater eine Stelle in
+<a class="pagenum" id="page_011" title="11"> </a>
+der schottischen Hauptstadt Edinburg an und siedelte
+mit der Familie über in diese unvergleichlich schöne
+Stadt. Der siebzehnjährige Alexander besuchte hier
+die freikirchliche Hochschule. Dank seiner guten Vorbildung
+errang er sich bei der Aufnahmeprüfung das
+beste Stipendium. Ein Studiengenosse gibt zwanzig
+Jahre später folgende Charakterschilderung von dem
+jungen Studenten: »Sein Benehmen war sehr ruhig
+und zurückhaltend. Er hat wenig Umgang gehabt. Wer
+aber den Vorzug näherer Bekanntschaft mit ihm genoß,
+fand ihn außergewöhnlich belesen und durch sein Wissen
+weit über den Durchschnitt der Studenten hervorragen.
+Er war sehr energisch, sehr eifrig und gründlich in der
+Arbeit und voller Ausdauer, wenn Schwierigkeiten zu
+überwinden waren. Es war keine Spur von Strohfeuer
+oder hohlem Schein in ihm, sondern eine tiefe,
+stille Begeisterung.« Nach zwei Jahren erwarb er
+sich das Diplom durch ein gutes Examen und vier verschiedene
+Preise in Freihand-, Perspektive- und Modellzeichnen.</p>
+
+<p>Die Berufswahl, welche er nun vor dem Weiterstudieren
+treffen mußte, ergab sich ihm von selbst. Er
+wurde mit der Einwilligung des Vaters Ingenieur
+und studierte noch weitere drei Jahre, um in jeder
+Richtung vorwärtszukommen. Was einst ein Lehrer
+über den deutschen Dichter Lessing sagte, kann man
+auch auf den Studenten Mackay anwenden: »Er war
+ein Pferd, das doppelt Futter brauchte.« Ein Jahr
+war noch den alten Sprachen, der Mechanik, der höheren
+<a class="pagenum" id="page_012" title="12"> </a>
+Mathematik, der Naturphilosophie und dem Festungsbau
+gewidmet. Die übrigen beiden Jahre unterrichtete
+er morgens in einer Schule, um sich etwas zu verdienen,
+und nachmittags stand er im Arbeitskittel in
+einer mechanischen Werkstatt, um sich praktisch zu üben.
+Abends besuchte er Vorlesungen über Chemie und Geologie,
+die in der Kunsthalle gehalten wurden. Man
+kann nie zuviel lernen. Als Missionar schrieb er
+später seinem Vater in bezug auf die Ausbildung: »Ich
+bin soweit davon entfernt, meine Erziehung für verfehlt
+zu halten, daß ich mir das doppelte Wissen sowohl
+an Gelehrsamkeit als auch an praktischen Fertigkeiten
+wünsche. Man kann nie genug wissen oder verstehen,
+um ein brauchbarer Missionar zu sein im Inneren
+Afrikas.«</p>
+
+<p>Der Sonntag war aber ganz geistlicher Erquickung
+und Arbeit geweiht. Gewöhnlich saß er morgens unter
+der Predigt des gesalbten Geistlichen Horatius Bonar,
+während der Nachmittag und Abend dem Helferdienst
+in Sonntagschule und einer sogenannten Armenschule
+gehörte. In dieser Arbeit lernte er einen anderen
+jungen Streiter, <span class="ss">Dr.</span>&nbsp;Smith, kennen und lieben. Beide
+Freunde fanden später im Dienste des himmlischen
+Königs am Viktoria Niansa ihr frühes Grab.</p>
+
+
+
+
+<h2><a class="pagenum" id="page_013" title="13"> </a>
+Drittes Kapitel.<br />
+
+<b>Als Ingenieur in Berlin.</b></h2>
+
+
+<p>Im November 1873 reiste Mackay nach Deutschland,
+um hier praktisch tätig zu sein und die deutsche
+Sprache zu lernen. In Berlin-Moabit fand er bald
+eine gute Anstellung in einer Maschinenfabrik, die
+später einging. Die Arbeit machte ihm Vergnügen, aber
+der Umgang mit den ungläubigen Kollegen bereitete
+ihm manche bittere Stunde. Daß auch dies eine Vorbereitung
+für ihn war, erkannte er später mit Dank.
+Der klugen Schwester, die später seine Biographie
+schrieb, schüttete er brieflich das Herz aus: »Ich lebe
+hier unter den reinen Heiden. Fast alle sind Gottesleugner
+und geben das Dasein Gottes nur durch den
+ständigen Ausruf: ›Ach Gott!‹ zu. Da es ihnen nicht
+gelungen ist, mir die Torheit meines Glaubens zu
+beweisen, fangen sie an, sich in den entsetzlichsten Gotteslästerungen
+zu gefallen, um ihren Spott über Religion
+wirksamer an den Mann zu bringen. Man schaudert,
+wenn man sie hört. Das zwingt mich, so wenig als
+möglich mit ihnen zu reden. Ich kann also nicht soviel
+Deutsch sprechen, wie ich möchte.«</p>
+
+<p>In seiner Berufsarbeit hatte er großen Segen. Er
+wurde befördert und als erster Werkführer aus dem
+Zeichensaal in die Abteilung für Lokomotiven berufen,
+wo er unter den Arbeitern einen willkommenen Wirkungskreis
+fand. Der Geist suchender Liebe ließ den
+<a class="pagenum" id="page_014" title="14"> </a>
+Vorgesetzten vor allem an das Seelenheil seiner Untergebenen
+denken. In seinem Tagebuch seufzt er in
+dieser Zeit aber oft über innere Dürre und Kraftlosigkeit.
+Er geht ins Selbstgericht und fragt sich:
+»Bin ich ein Licht? Ich liege im Sündenschlaf und
+bin ein untreuer Haushalter. O Herr, vergib mir!
+O, daß ich die rechten Worte fände, ein Zeugnis abzulegen
+vom Herrn!« In einem Briefe wiederum: »Eins
+ist mir vor allem klar geworden: mein Christentum
+muß lebendig werden.«</p>
+
+<p>An der Förderung seines inneren Lebens haben
+neben den Stürmen im Zeichenbureau noch andere
+Dinge mitgewirkt und schließlich dazu beigetragen, daß
+er sich der Mission widmete. Wie Israel in der
+Wüste ein Elim mit Wasser und Palmen, so fand
+Mackay im Babel an der Spree eine Oase im Hause
+des gottseligen Hofpredigers <span class="ss">Dr.</span>&nbsp;Baur. Die Predigerfamilie
+gewann ihn lieb, nahm ihn auf in ihr Haus
+und hielt ihn wie einen Sohn. Hier pflegte sich allwöchentlich
+ein Kreis ernster Christen und warmer
+Missionsfreunde zu einer Bibelbetrachtung zu versammeln,
+darunter eine Schwester Bismarcks, die Frau
+von Arnim, Gräfin Hake und Graf und Gräfin Egloffstein.
+Die letztere interessierte sich sehr für den jungen,
+frommen Ingenieur und blieb mit ihm später während
+seiner Kämpfe in Afrika auch in regelmäßigem Briefwechsel.
+Als er dort gefallen war, schrieb sie an seine
+Schwester in England: »Bei der unerwarteten, traurigen
+Nachricht von dem Tode Ihres hochherzigen Bruders
+<a class="pagenum" id="page_015" title="15"> </a>
+rufe ich mir die Zeit ins Gedächtnis, in welcher
+wir seine Bekanntschaft machten bei Hofprediger Baur,
+wo wir mit lieben Freunden zusammen die Bibel lasen.
+Da lernten wir Ihres Bruders Bibelkenntnis wie das
+warme Interesse schätzen, mit dem er nach der Weisheit
+trachtete, die Gott denen gibt, die Ihn fürchten und
+lieben. Er war ein echter Christ und erinnerte uns oft
+an Miß Havergals Worte:</p>
+
+<div class="poetry-container">
+ <div class="poetry">
+ <div class="stanza">
+ <div class="verse">»Nimm mein Leben, es sei Dein;</div>
+ <div class="verse">Laß es Dir geheiligt sein!«</div>
+ </div>
+ </div>
+</div>
+
+<p>Als er uns sagte, daß es sein Wunsch sei, seinen Beruf
+mit dem eines Missionars zu verbinden und seinem
+Heiland in dem dunkeln Weltteil zu dienen, waren wir
+nicht überrascht. Es schien uns so natürlich, daß
+dieser junge, ernste, charakterfeste Schotte in dem Weinberg
+des Herrn zu arbeiten begehrte. Ihm war das
+Leben eine Gabe, die er Jesu darbrachte.« Hofprediger
+<span class="ss">Dr.</span>&nbsp;Baur äußert sich ähnlich in der Vorrede zur Biographie,
+die später die Schwester schrieb, wenn er
+sagt: »Einem solchen Glauben an Gottes Gnade in
+Christo, einer solchen Dankbarkeit für die empfangene
+Gnade, einem solchen Erbarmen mit der seufzenden
+Kreatur, einer solchen Sehnsucht nach dem Kommen
+des Gottesreiches, wie Mackay sie hatte, lag die Mission
+unter den Heiden sehr nahe.«</p>
+
+<p>Auch die äußeren Anstrengungen zur Mission fehlten
+in dieser Zeit nicht. <span class="ss">Dr.</span>&nbsp;Baur war gerade daran,
+aus der umfangreichen Lebensbeschreibung des Märtyrerbischofs
+von Melanesien, John Coleridge Patteson,
+<a class="pagenum" id="page_016" title="16"> </a>
+für deutsche Leser ein knapperes Lebensbild zu gestalten.
+Die Arbeit wurde oft besprochen, und die
+Unterredungen sind in Mackays Seele mehr als man
+ahnte, das Samenkorn geworden, aus dem sein Missionsberuf
+erwuchs. Der Aufenthalt bei Baurs war
+also ein sehr wichtiger Ring in der Kette der Ereignisse,
+durch die der Held von Uganda seinem Felde
+zugeführt wurde. Ein Brief der Schwester aus Edinburg
+trug endlich dazu bei, daß ihr Bruder sich sofort
+als Missionar meldete. Sie berichtet ihm darin von
+einer interessanten Missionsversammlung in der Heimat,
+in der die jungen Ärzte dringend gebeten wurden,
+sich der Mission zu widmen. Mackay antwortet: »Ich
+bin freilich kein Arzt...., aber ich bin ein Ingenieur
+und erbiete mich, wenn es Gott gefällt, als Ingenieur-Missionar
+unter die Heiden zu gehen. Verdrehtes Zeug!
+wirst Du wohl sagen. Aber unmittelbar nach Empfang
+Deines Briefes schrieb ich an <span class="ss">Dr.</span>&nbsp;Bonar, bot mich zu
+der Arbeit an und erbat seinen Rat. Er schrieb zurück,
+daß ihm die Ideenverbindung von Missionsarbeit und
+Maschinenwesen etwas schwierig erscheine, er wolle
+aber zusehen, ob sich eine Anstellung für mich finden
+lasse.« Mackay selbst war diese Ideenverbindung nicht
+so schwer. Er war überzeugt, daß die Mechanik und
+das edle Handwerk der Mission gute Dienste leisten
+können. Als Ingenieur könnte er öffentliche Arbeiten,
+z.&nbsp;B. Eisenbahnen, Bergbau usw. unternehmen, in der
+Hauptsache aber Schulen gründen und die jungen Eingeborenen
+ebensowohl in Religion als in Wissenschaften
+<a class="pagenum" id="page_017" title="17"> </a>
+unterrichten. »Mein Wunsch ist der,« schreibt
+er, »die vorhandenen Missionare zu unterstützen, nicht
+einen zu ersetzen. Gern möchte ich den Weg bereiten,
+auf dem andere nachkommen und bleiben können.« Das
+Land, an das er jetzt dachte, war allerdings Madagaskar.
+Dort fand vor nicht langer Zeit eine Verfolgung
+statt, in der etwa zweitausend Christen ermordet
+wurden. Das schreckte ihn nicht ab. »Warum
+sollte ich nicht gehen? Viel bessere Männer wie ich
+sind schon in heidnische Länder gegangen. Das Beste,
+was ein Mensch tun kann, ist demütiges Empfangen
+der Gnade Christi und dann hingehen und es anderen
+austeilen.«</p>
+
+<p>Selbstverständlich hatte Mackay sich in dieser ernsten
+Frage auch an seinen Vater gewandt, wie wir aus
+folgendem Briefe ersehen. »Ich danke Gott und danke
+Dir, lieber Vater, daß Du mir geantwortet hast.
+Stimmst Du meinem Vorhaben zu, bin ich auch des
+Beifalls meines Gottes gewiß. Deine ernste Mahnung,
+mir Weisheit vom Herrn zu erbitten, habe ich treulich
+befolgt. Äußere Umstände können oft unser Leben in
+andere Bahnen lenken. Wenn Gott mich aber ruft,
+muß ich dann nicht antworten: ›Hier bin ich, sende
+mich!‹? Ich habe die Hand an den Pflug gelegt und
+will nicht zurücksehen. Darin wirst Du mit mir einer
+Meinung sein, des bin ich gewiß. Hast Du mich
+doch stets gelehrt, die Hand Gottes ebenso sehr in den
+kleinen als in den großen Dingen des Lebens zu erkennen......
+Daß ich hier in Berlin so hart gegen
+<a class="pagenum" id="page_018" title="18"> </a>
+den Unglauben kämpfen muß, sehe ich als eine mir von
+Gott bestimmte Vorschule an für den guten Kampf,
+den ich später mit einem nicht minder stärkeren Feinde,
+dem Götzendienste, kämpfen will.«</p>
+
+<p>Nachdem Mackay sich vor Gott klar geworden und
+die Zustimmung des Vaters eingeholt hatte, meldete
+er sich bei der Londoner Missionsgesellschaft für Madagaskar.
+Man antwortete ihm, die Insel sei jetzt für
+seine Dienste noch nicht reif, in absehbarer Zeit könne
+man sie aber beanspruchen. Diese Antwort hätte ihn
+entmutigen können, wäre er weniger echt in seiner Begeisterung
+und weniger fest in der Überzeugung gewesen.
+So aber legte er sich aufs geduldige Abwarten
+und machte sich unverzüglich an das Studium der
+Sprache jenes Landes. Daneben suchte er in Berlin
+schon ein Seelengewinner zu sein. Wie eifrig war er,
+andere mit in den Gottesdienst zu nehmen! »Was
+machen wir,« konnte er oft beim Frühstück in frommer
+Sorge fragen, »was machen wir, daß wir die Berliner
+in die Kirche bringen?« Hofprediger Baur gibt ihm
+das Zeugnis, daß er tat, was er konnte, wär's auch
+nur gewesen, daß er für je einen Sonntag einen Jüngling
+warb, ihn in den Gottesdienst zu begleiten. Und
+wie ging ihm die geistliche Not der Großstadt nahe!
+An seinen Vater berichtet er u.&nbsp;a.: »Wollte Gott, ich
+wäre bereits auf dem Arbeitsfeld! Hier habe ich aber
+auch schon ein Arbeitsgebiet. Wenn es irgendwo Heiden
+gibt, dann ist es hier in der in alle Laster versunkenen
+Stadt. Trunksucht und Unzucht sind die Früchte,
+<a class="pagenum" id="page_019" title="19"> </a>
+an der man sie erkennt. Mich jammert des Volks!«
+Und welche Entschiedenheit treffen wir jetzt bei ihm an:
+»Ich habe, Gott sei Dank, erkennen dürfen, daß das
+Christentum, wenn es überhaupt etwas wert ist, alles
+wert ist. Und wenn es einen bestimmten Grad von
+Eifer und Wärme verlangt, kann es nur der höchste
+Grad sein. Es gibt kein haltbares Mittelding zwischen
+dem Glauben, der voll Begeisterung ist, und dem Unglauben,
+der alles verwirft. Ich weiß auch, daß ich
+nur insoweit fähig bin, Seelen für das Lamm zu
+werben, als ich selbst geistliches Leben habe durch Lebens-
+und Liebesgemeinschaft mit dem auferstandenen
+Christus.«</p>
+
+<p>Die Moabiter Firma, bei der Mackay beschäftigt
+war, löste sich 1875 auf. Der erste Direktor, ein
+reicher Jude, welcher die hohe Begabung und unbedingte
+Zuverlässigkeit Mackays wohl erkannt hatte,
+machte ihm den Vorschlag, mit nach Rußland zu kommen
+und in Moskau sein Teilhaber an einer Maschinenfabrik
+zu werden. Das Angebot war verlockend und
+versprach eine glänzende Zukunft im weltlichen Sinne.
+Mackay aber überwand die starke Versuchung, die für
+ihn darin lag, lehnte den Vorschlag ab und nahm in
+der Provinzstadt Kottbus eine ähnliche Stellung an,
+wie er bisher inne hatte. Hier wollte er warten, bis
+der Herr ihn in Seinen Weinberg rufen würde.</p>
+
+<p>In seiner freien Zeit suchte er auch in Kottbus
+Gott zu dienen und beteiligte sich an Arbeiten der inneren
+Mission. Daneben übersetzte er eine Schrift
+<a class="pagenum" id="page_020" title="20"> </a>
+seines verehrten Freundes, des schottischen Dichters
+und Predigers H.&nbsp;Bonar. Das besonders für Diener
+am Wort geschriebene Büchlein ließ Mackay auch auf
+seine Kosten drucken und versandte es an die Geistlichen
+in Deutschland. Inzwischen war in dem Londoner
+Tagesblatte der bekannte Brief Stanleys und bald
+danach der Aufruf der Kirchlichen Missionsgesellschaft
+erschienen. Mackay meldete sich sofort als Missionar
+bei dem Komitee in London und wurde angenommen.
+Mit derselben Post, mit der das Antwortschreiben kam,
+erhielt er auch einen Brief von dem schottischen Missionsmanne
+<span class="ss">Dr.</span>&nbsp;Duff, der ihn im Einverständnis mit
+seinem Vater dringend bat, seine Dienste in die Mission
+der heimatlichen Freikirche zu stellen. Für Alexander
+Mackay aber waren mit der sofortigen Annahme
+seiner Meldung in London bereits die Würfel
+gefallen. Es war ihm innerlich gewiß, daß der Herr
+ihn diesen Weg nach Uganda führen wollte, und er
+bereitete sich zur Rückreise nach England vor. Ehe
+wir ihm bei seiner Ausreise das Geleit geben, wollen
+wir aber das Land und die Leute, denen zu dienen
+Mackay sich geweiht hatte, etwas näher kennen lernen.</p>
+
+<div class="il">
+ <img class="bo" src="images/img024.jpg" alt="" />
+ <p class="cap"><b>Dorfbild in Uganda.</b></p>
+</div>
+
+
+
+
+<h2><a class="pagenum" id="page_021" title="21"> </a>
+Viertes Kapitel.<br />
+
+<b>Der Kampfplatz</b></h2>
+
+
+<p>Vor einem halben Jahrhundert war Ostafrika noch
+ein völlig verschlossenes Land. Man hielt es für eine
+wasserarme Wüste. Die Anregung, dieses Land geographisch
+zu erschließen, haben vornehmlich evangelische
+Missionare gegeben. 1844 eröffnete der sprachenkundige
+deutsche Missionar L.&nbsp;Krapf in Mombas an der
+Ostküste die erste ostafrikanische Missionsstation. Zwei
+Monate später begrub er Weib und Kind. Selbst
+schwer krank schrieb er an die »Christliche Missionsgesellschaft«:
+»Sagen Sie unseren Freunden, daß in
+einem einsamen Grabe an der ostafrikanischen Küste
+ein Glied Ihrer Mission ruht. Das ist ein Zeichen,
+daß Sie den Kampf mit diesem Weltteil begonnen
+haben. Da die Siege der Kirche über die Gräber von
+vielen ihrer Glieder führten, können Sie desto mehr
+überzeugt sein, daß die Stunde naht, in welcher Sie
+berufen sind, Ostafrika von der Ostküste aus zu bekehren.«
+In dem württembergischen Landsmanne Joh.
+Rebmann erhielt Krapf einen heldenhaften Mitarbeiter.
+Beide Männer haben sich um die Mission sehr verdient
+gemacht durch ihre sprachlichen Arbeiten. Außerdem
+haben sie große geographische Verdienste besonders
+durch die Entdeckung der innerafrikanischen Schneeberge
+Kilimandscharo und Kenia.</p>
+
+<p><a class="pagenum" id="page_022" title="22"> </a>
+Ihre Berichte von dem Vorhandensein eines großen
+Binnenmeeres im Inneren Afrikas riefen großes
+Erstaunen wach und führten zur Entsendung einer ganzen
+Reihe von Entdeckungsexpeditionen.</p>
+
+<p>Seit Jahrtausenden barg dieses Landgebiet ein
+viel umstrittenes Rätsel, das uralte Geheimnis der
+Nilquelle. Die Mitteilungen der deutschen Missionare
+regten den Forschergeist aufs neue mächtig an und
+gaben wichtige Winke zur Lösung des harten und alten
+Rätsels.</p>
+
+<p>Die englischen Forscher Speke und Grant wagten
+sich zunächst soweit vor, daß sie die beiden großen
+Binnenseen, den Tanganjika und den Ukerewe, entdeckten.
+Bei einer zweiten Expedition, die Speke allein unternahm,
+blieb er drei Jahre in dem dunkeln Gebiet ohne
+Lebenszeichen an die Außenwelt und überraschte plötzlich
+die ganze Welt mit dem in Ägypten aufgegebenen
+Telegramm: »Die Nilquelle ist entdeckt.« Speke meinte
+in dem Ukerewesee die langgesuchte Nilquelle gefunden
+zu haben. Speke verfolgte den Lauf des Nilstromes
+aufwärts bis in diesen See. Da er aber keine Zuflüsse
+am Viktoria Niansa, wie Speke den See nannte,
+fand, sah er den See selbst als Quelle des großen
+Stromes an. Spätere und genauere Forschungen führten
+aber doch zur Entdeckung eines Zuflusses. Man
+verfolgte denselben und fand seine Quellen in den
+Schnee- und Eisregionen des Mondgebirges im Südwesten
+des Sees. Die Wasser dieser Hochgebirge fließen
+als Alexandranil in den Viktoria Niansa, von
+<a class="pagenum" id="page_023" title="23"> </a>
+diesem durch die Ripponfälle als Somersetnil in
+den Albertsee und von hier als Nil weiter nach Norden
+und Ägypten. Das ist des uralten Rätsels endliche
+Lösung.</p>
+
+<p>Schon durch Spekes treffliche Reisebeschreibungen
+wurde die Aufmersamkeit auf den herrlichen Viktoriasee
+und seine bevölkerten Uferländer gelenkt und Uganda
+am Nordufer als das schönste und mächtigste Reich
+im Inneren bezeichnet. Die Missionsstationen, welche
+heute so zahlreich im Seengebiet der Nilquelle sich
+finden, sind das Denkmal des Missionars Livingstone,
+des Königs unter den Entdeckern, der, von Süden
+kommend, bis zum Nordende des Tanganjika vordrang.
+Den äußeren Anstoß zur Ugandamission aber gab der
+kühne Amerikaner Stanley, der sich aufgemacht hatte,
+den verschollenen Livingstone zu suchen und ihn zur
+Freude der zivilisierten Welt in Udschidschi am Ufer
+des langgestreckten Sees Tanganjika auffand. Der Amerikaner
+wurde durch den Engländer bei dieser Gelegenheit
+für die Interessen der Mission gewonnen.
+Stanley weihte sich der Fortsetzung des Livingstoneschen
+Werkes, Afrika für die christliche Kultur und Predigt
+zu erschließen und den furchtbaren Sklavenhandel abzuschaffen.
+Nach Livingstones Tode &ndash; er starb auf
+den Knien betend 1873 in Tschitambo im Inneren
+Afrikas &ndash; trat Stanley seine erste große Reise durch
+den dunkeln Weltteil an, welche den Lauf des Kongo
+festlegte. Auf dieser Tour hielt er sich einige Monate
+bei dem König Mtesa von Uganda auf und schrieb von
+<a class="pagenum" id="page_024" title="24"> </a>
+hier aus jenen enthusiastischen Brief an die englischen
+Christen, der die bekannte elektrisierende Wirkung ausübte
+und zur Gründung der Mission in Uganda führte.</p>
+
+<p>Das Königreich Uganda, dessen Einwohner auf
+eine Million geschätzt wurden, machte auf alle Entdeckungsreisende
+äußerlich den besten Eindruck. Das
+Land ist bergig und schön gelegen, der Boden fruchtbar
+und birgt Eisen, Kristall und Töpfererde. Die Täler
+werden von Sümpfen und Mooren durchzogen, in
+denen sich Elefanten und Büffel aufhalten. Produkte
+sind Kaffee, Tabak, Zuckerrohr, Mais, Bohnen und
+Bananen von vorzüglicher Qualität. Das ganze Gebiet
+ist ein Bananenwald.</p>
+
+<p>Die Einwohner heißen Waganda. Sie unterscheiden
+sich vorteilhaft von anderen Völkern des Nilquellengebiets
+durch Reinlichkeit, zureichende Bekleidung aus
+Pflanzenstoff oder Fellen und durch den Mangel jeglicher
+Tätowierung oder Verstümmelung des Körpers.
+Sie wohnen in sorgfältig gebauten, kegelförmigen Grashütten,
+die sie sehr schnell herstellen können. Stanley
+sah am Viktoriasee Mtesas Armee in 30&#8239;000 rasch gebauten
+Hütten lagern. Ihre primitiven Hausgeräte,
+ihre Bänder, Schnüre und Werkzeuge verraten industriellen
+Sinn. Die Männer beschäftigen sich mit
+Hüttenbau, Kriegführen und Jagen. Den Frauen überlassen
+sie Ackerbau und Viehzucht. Hauptnahrungsmittel
+sind Bananen und süße Kartoffeln. Der Kaffee
+wird nicht gekocht, sondern als Delikatesse gekaut. Wer
+da weiß, was sich in Uganda schickt, der hat stets Kaffeebohnen
+<a class="pagenum" id="page_025" title="25"> </a>
+bei sich, um sie Freunden anzubieten. Aus den
+Bananen bereiten sie verschiedene Sorten Wein in
+großen Mengen. Die Waganda sind Helden im Saufen
+und Fressen. Einem Reisenden zeigte man einen Mann,
+der eine ganze Ziege auf einen Sitz verzehren konnte.
+Bei Festlichkeiten saufen sie den leichten Wein aus
+Trögen wie das liebe Vieh. Schnupfen und Tabakkauen
+überlassen die Frauen den Männern. Im Rauchen
+aber geben sie ihnen nichts nach.</p>
+
+<p>An Waffen haben sie Schild, Speer, Bogen und
+vergiftete Pfeile. Jeder Mann, der die Waffen führen
+kann, ist Soldat. Ertönt die Kriegstrommel, dann
+<a class="pagenum" id="page_026" title="26"> </a>
+entledigen sie sich der Kleider bis auf ein Lendentuch,
+bemalen das Gesicht und eilen mit den Waffen zum
+Sammelplatz. Die Jugend übt sich in Spiel und
+Wettkampf. Der Geselligkeit dienen Musik, Gesang
+und Tanz. Sie haben ein verhältnismäßig gutes
+Zahlensystem.</p>
+
+<p>Die Regierungsform ist ein eingeschränktes Königtum.
+Dem König stehen drei Oberhäuptlinge zur Seite,
+die einen bedeutenden Einfluß auf die Regierung besitzen.
+Trotzdem verfügt der König noch über eine
+große Macht, z.&nbsp;B. über Leben und Tod sämtlicher
+Untertanen. Für die Masse des Volks ist er unnahbar.
+Seine ständigen Begleiter sind der erste Beamte
+des Reichs (der Katikiro), der Hofkoch und der Hofbräuer.
+Diese drei bilden mit vier anderen Häuptlingen
+den sogenannten Luchiko (Hohen Rat). Am Hofe
+herrscht ein übertriebenes, unwahres Zeremoniell.
+Fremde werden stets mit großem Pomp empfangen.
+Seine Majestät sitzt dann auf seinem Thron, umkauert
+von Hofschranzen und Zauberern aller Art. Als der
+englische Forschungsreisende Speke Audienz hatte, saß er,
+unfähig, sich zu unterhalten, etwa eine Stunde stumm
+vor dem König, gaffend und begafft, bis Mtesa sich
+mit der Frage erhob, ob er ihn nun gesehen habe. Dann
+entfernte er sich mit einem nach außen gespreizten Gang.
+Das soll dem Löwen abgesehen sein und in Uganda
+als majestätisch gelten. An Zauberei ist soviel vorhanden,
+daß der König stets in einer Wolke von abergläubischem
+Unsinn wandelt und handelt.</p>
+
+<p><a class="pagenum" id="page_027" title="27"> </a>
+Die Gerichtsbarkeit üben die Häuptlinge. In
+besonderen Fällen entscheiden die Hofbeamten oder der
+König. Auf Ehebruch steht Todesstrafe. Mord wird
+gewöhnlich durch Geldstrafen, Diebstahl durch Verlust
+der Hände oder Ohren oder Nase gesühnt. Mtesa hält
+ein Heer von Scharfrichtern, die am fantastischen Kopfputz
+erkenntlich und sehr gefürchtet sind. Der Kontrast
+zwischen ihrem grausigen Treiben und der friedlichen
+Natur wird von einem Reisenden auf dem Wege von
+der Hauptstadt Rubaga nach dem Viktoria Niansa
+sehr scharf gezeichnet. »Wie durch einen Garten wandeln
+wir durch Bananenwälder und Hütten dahin. Beständig
+wechseln künstliche und natürliche Gärten. Ein
+schönes und gesegnetes Land mit seinem roten Boden,
+seinen grünen Gärten, seinen luftigen Bergen, seinen
+lauschigen und dunkeln Tälern. Verschwenderisch hat
+die Natur ihre Reize gespendet, und nur der Mensch
+stört die Harmonie des Bildes. Kadaver mitten auf
+dem Wege zwingen uns, auszuweichen. Rauschenden
+Fluges verlassen die Geier eine grausige Mahlzeit.
+Vier Leichen liegen da; alt und jung hat sie der Henker
+hier zusammengerafft, dem einen die Kehle bis zur
+Wirbelsäule durchschneidend, dem anderen mit wuchtigem
+Hiebe den Hinterkopf zerschmetternd. Und täglich
+und stündlich ziehen an ihnen die Leute vorüber,
+vielleicht bald selbst ähnlichem Geschick verfallend.«</p>
+
+<p>Zur Grausamkeit gesellt sich eine große Sittenlosigkeit,
+eine Folge der Vielweiberei. Der König
+hat etwa 7000 sogenannte Frauen. Die Großen seines
+<a class="pagenum" id="page_028" title="28"> </a>
+Reiches tun es ihm nach, und in den niederen
+Klassen herrscht ein empfindlicher Mangel an Frauen.</p>
+
+<p>Über die Religion der Waganda sei zum besseren
+Verständnis der folgenden Kapitel hier auch einiges
+vorausgeschickt. Sie glauben an ein höchstes Wesen,
+das Welt und Menschen schuf und das sie Katonda
+nennen, d.&nbsp;h. Schöpfer. Da er aber zu erhaben ist,
+um sich um Menschen zu kümmern, leisten sie ihm
+keine Verehrung, sondern nur den niederen Göttern
+oder Dämonen, die sie Lubare nennen. Diese Dämonen
+lassen sich an bestimmten Orten nieder und beherrschen
+bestimmte Gegenden und Dinge. Der gefürchtetste
+Lubare ist Mukasa, der Gott des Niansa, der
+wie eine Art Neptun im Wasser lebt, den See beherrscht
+und auf Uganda großen Einfluß hat. Von Zeit zu
+Zeit zieht er aber vor, in irgend einer Person zu wohnen,
+die sein Orakel wird, übernatürliche Kräfte besitzt,
+Kranke heilen, Regen machen, Krieg, Teurung
+und Seuchen bringen und weissagen kann und auf die
+Regierung, sowie auf das Volksgemüt einen furchtbaren
+Einfluß ausübt. Vor Antritt einer Reise wird diesem
+Geist ein Fruchtopfer geweiht und unter Gebet ins
+Wasser geworfen. Die Kriegsgötter Chikwuka und
+Neuda wohnen auf Bäumen. Ihnen bringt man
+schwarze Tiere zum Opfer, ehe es in den Krieg geht.
+Die Flußgötter begnügen sich meistens nur mit Menschenopfer.
+Die verstorbenen Könige werden ebenfalls
+als Götter betrachtet. Die über ihren Gräbern erbauten
+Hütten werden von Häuptlingen bewacht, gelten
+<a class="pagenum" id="page_029" title="29"> </a>
+als Orakelstätten und sehen oft Menschenopfer. Eine
+Schar von Medizinmännern fabrizieren und verkaufen
+dem abergläubischen Volke, dessen Glaube wie überall
+im Heidentum in der Furcht vor bösen Geistern besteht,
+allerlei merkwürdig geformte Talismane gegen
+die bösen Mächte. Die mohammedanischen Händler,
+die sich schon vor sechzig Jahren im Lande angesiedelt
+haben, machten die ersten Bekehrungsversuche. Sie
+haben aber wenig Erfolg. Wohl nennt sich Mtesa
+einen Anhänger des Islam, unterwirft sich aber nicht
+der Beschneidung. Hundert Jünglinge, die sich diesem
+Ritus unterzogen, ließ der König einfach verbrennen.</p>
+
+<p>Durch Handelsbeziehungen mit der Ostküste und
+Sansibar wurde die Suahelisprache eingeführt und viel
+neben der einheimischen angewandt, ein Umstand, der
+für Mackay und seine Kampfgenossen sehr wertvoll war.</p>
+
+<p>Nachdem wir nun mit Uganda etwas bekannt geworden,
+werden wir mit viel größerem Interesse die
+Erstlingsschar der Streiter Christi auf ihrem Marsche
+nach diesem Felde begleiten.</p>
+
+<div class="il">
+ <img class="bo" src="images/img036.jpg" alt="" />
+ <p class="cap"><b>König Mtesa.</b> (Text siehe Seite <a class="nd" href="#page_026">26</a>.)</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h2><a class="pagenum" id="page_030" title="30"> </a>
+Fünftes Kapitel.<br />
+
+<b>Auf dem Marsche.</b></h2>
+
+
+<p>Wir haben Mackay verlassen, als er sich in Kottbus
+zur Rückreise nach England rüstete. Daß er sobald
+von der Missionsgesellschaft angenommen wurde,
+verdankte er u.&nbsp;a. auch der guten Empfehlung, die ihm
+sein väterlicher Freund in Berlin, der Hofprediger
+Baur, gab: »Ein Kind frommer Eltern, unermüdlich
+im Studium der Heiligen Schrift und von einem
+glühenden Verlangen beseelt, das Evangelium, dessen
+Kraft er an sich erfahren hat, auch anderen mitzuteilen,
+erscheint er mir als hervorragend geeignet für
+das Missionsfeld. Er ist selbstverleugnend im Lebensgenuß,
+bereit, anderen zu helfen, und ich kann mir gut
+vorstellen, daß er vermöge seiner selbstlosen Hingabe
+im Verein mit seinem klaren Verstand und entschiedenen
+Willen auch in schwierigen Lagen seinen Weg finden
+und nicht nur durch die Predigt des Wortes, sondern
+auch durch seine ganze Lebenshaltung einen wohltätigen
+Einfluß auf seine Umgebung ausüben wird.«</p>
+
+<p>Im März 1876 ist er schon in London und rüstet
+sich zur Ausreise. Nach seinen persönlichen Angaben
+und unter seiner Aufsicht wird rasch ein zerlegbares
+Boot und ein zerlegbarer Dampfkessel zur Mitnahme
+gebaut. Dann galt es sich noch zu üben in allerlei
+Künsten, die auf dem Felde not sind, z.&nbsp;B. Impfen,
+Photographieren und Handhaben geographischer Instrumente.
+<a class="pagenum" id="page_031" title="31"> </a>
+Dazu noch die tausenderlei Dinge, die eingekauft
+und mitgenommen sein wollten. Kaum nahm
+er sich Zeit, dem Vater und der Schwester Lebewohl
+zu sagen. Für weitere Verwandte oder Freunde war
+er in dieser Zeit überhaupt nicht zu haben.</p>
+
+<p>Die Abordnung und Aussendung der ersten
+Ugandamissionare fand in London am 25.&nbsp;April 1876
+in aller Stille statt. Es waren acht junge, blühende
+Menschenleben, die sich hier auf den Altar Gottes
+legten, ein Pfarrer, ein Architekt, ein Beamter, ein
+Handwerker, ein Arzt, ein Kaufmann, ein Ingenieur
+und als Leiter der Expedition der frühere Leutnant
+Smith, welcher in Afrika gedient, dort die Leute liebgewonnen
+und nun keinen größeren Wunsch hatte, als
+ihnen das Evangelium zu predigen. Der Sitte gemäß
+sagte jeder Missionar bei der Feier ein Abschiedswort.
+Mackay kam als jüngster &ndash; er war jetzt 26 Jahre alt &ndash;
+zuletzt an die Reihe. Er schlug einen ernsten Ton an,
+als er sagte: »Eins haben meine lieben Brüder noch
+nicht gesagt, das möchte ich noch erwähnen. Ich möchte
+das Komitee daran erinnern, daß es binnen eines
+halben Jahres wahrscheinlich hören wird, daß einer von
+uns &ndash; tot ist. Ja, ist es irgend wahrscheinlich, daß
+acht Engländer, die nach Zentralafrika gehen, nach sechs
+Monaten alle noch leben? Wenigstens einer von uns,
+vielleicht bin ich es, wird zuvor fallen. Aber was
+ich sagen möchte, ist dies: Wenn die Nachricht kommt,
+so werdet nicht mutlos, sondern sendet sogleich einen
+anderen für den erledigten Posten.«</p>
+
+<p><a class="pagenum" id="page_032" title="32"> </a>
+Als später im Missionshause in London eine
+Todesnachricht nach der anderen aus Zentralafrika einlief,
+hat man sich dieser Abschiedsworte unseres Helden
+wohl erinnert. Nach Gottes unerforschlichem Ratschluß
+war er nach drei Jahren allein übriggeblieben
+von den Acht, die hoffnungsvoll hinauseilten, um die
+Hölle zu besiegen. Die anderen wurden zum Teil ermordet,
+zum Teil erlagen sie dem ungesunden Klima.</p>
+
+<p>In Southampton, einer bedeutenden Hafenstadt
+an der Südküste Englands, verließ die mutige Streiterschar
+den heimatlichen Boden, begleitet von den heißen
+Gebetswünschen aller, die ein warmes Interesse für
+die Mission und ein Herz für Afrika hatten. Vor der
+Ausreise schrieb Mackay noch einmal seinem Vater.
+Der Brief spricht die Sprache des Mutes, der Zuversicht
+und des demütigen Glaubens: »Es ist ja
+Gottes Werk. Es muß gelingen, ob ich nun seine Vollendung
+erlebe oder nicht. Der Herr möge mir Gesundheit
+und Kraft verleihen und mich zu einer so
+herrlichen Arbeit wie die Ausbreitung Seines Reiches
+geschickt machen. Betet für mich, daß ich Gnade habe,
+dieses große Ziel allezeit vor Augen zu haben.«</p>
+
+<p>Die Fahrt ging durchs Mittelländische und Rote
+Meer nach der Insel Sansibar. Seine Reiseeindrücke
+vertraute Mackay sorgfältig einem Tagebuche an, das
+er später bei dem ersten Unfall an der Ostküste Afrikas
+verlor. Es wurde aber am Strand aufgefunden und
+durch den Sultan von Sansibar wieder seinem Herrn
+zugestellt. Am ersten Sonntag auf dem Schiff empörte
+<a class="pagenum" id="page_033" title="33"> </a>
+ihn das Verhalten einiger blasierter Männer, die
+den Gottesdienst im Salon nicht besuchten, sondern auf
+Deck blieben, um zu rauchen. Beim Anblick Spaniens
+bedauert er das arme Volk in dem herrlichen Land,
+dessen Lebensader durch die Regierung eines heruntergekommenen
+Fürstengeschlechts und durch Roms Einfluß
+ebensosehr unterbunden sei wie in Italien. Die
+Umrisse der Nordküste Afrikas lassen ihn daran gedenken,
+daß dieses Land Jahrhunderte hindurch ein
+dunkler Hort des Aberglaubens und menschlicher Grausamkeit
+ist; im Geiste aber sieht er über dem Lande
+Hams die Sonne der Gerechtigkeit mit Heil unter ihren
+Flügeln aufgehen. Gelobend ruft er aus: »Ich will
+mit der Hilfe und im Namen Gottes an den Ufern des
+Viktoria Niansa meine Druckerpresse aufstellen und
+nicht ruhen noch rasten, bis das Evangelium von Jesu
+in der Karagua- und Ugandasprache gedruckt ist und
+alle gelehrt werden können, die frohe Botschaft zu lesen
+und daran zu glauben!«</p>
+
+<p>Die Insel Sansibar mit ihrer an der Westküste gelegenen
+gleichnamigen Hauptstadt ist der Ostküste Afrikas
+etwa vierzig Kilometer vorgelagert und bildet den
+Hauptstapelplatz und Verkehrsmittelpunkt für Ostafrika.
+Die Bevölkerung, welche etwa eine halbe Million zählt,
+stellt eine Mischung von Suaheli und Arabern dar.
+Der Religion nach gehören sie zum Islam. Der Sultan
+von Sansibar, damals noch unabhängiger Herrscher,
+stellte sich freundlich gegen die Expeditionen, die von
+Sansibar aus ins Innere gingen. Von hier aus brach
+<a class="pagenum" id="page_034" title="34"> </a>
+Stanley mit zweihundert Trägern auf, als er Livingstone
+aufsuchte. 1873 schloß England mit dem Sultan
+einen Vertrag zur Unterdrückung des Sklavenhandels,
+der hier in besonderer Blüte stand. Dieses Abkommen
+wurde zuerst als ein großer Sieg gefeiert,
+erwies sich aber als toter Buchstabe. Der Strom des
+scheußlichen Menschenhandels wurde dadurch nicht verstopft,
+sondern nur in ein anderes Bett gelenkt.</p>
+
+<p>Ende Mai 1876 landete Mackay mit seinen Genossen
+in Sansibar. Die eigentliche Reise sollte aber
+jetzt erst beginnen. Uganda liegt etwa tausend Kilometer
+von der Küste entfernt, etwa so weit wie Paris
+von Berlin oder Hamburg von Venedig. Fahrstraßen
+oder etwas Ähnliches gab es damals noch nicht. Die
+Reise war also ein umständliches Unternehmen. Der
+ganze Weg mußte zu Fuß zurückgelegt und sämtliches
+Gepäck auf den Köpfen oder Schultern eingeborener
+Träger befördert werden. Dazu mußte es in Lasten
+von sechzig bis siebzig Pfund verpackt, wasserdicht verschlossen
+und so fest vernäht und verschnürt sein, daß
+es allen Unbilden des Transportes und der Witterung
+ein Jahr lang und noch länger trotzen konnte. Wie
+viele Lasten aber waren da zu schnüren! Die Missionare
+mußten ja alles mit sich führen, was sie an
+Hilfsmitteln der Kultur auf der Reise gebrauchten oder
+nach Uganda verpflanzen wollten. Da waren Bücher,
+Kleider, Betten, Stühle, Zelte, Kochgeschirre, Konservenbüchsen,
+Eßgeschirre, Gewehre und Munition, Werkzeuge
+aller Gattung vom Schmiedeamboß und Blasebalg
+<a class="pagenum" id="page_035" title="35"> </a>
+bis zum kleinsten Nagel, Pflüge, Gartengeräte,
+Sämereien, allerlei wissenschaftliche Instrumente, eine
+kleine Druckmaschine, ein ganzes Dampfboot mit
+Dampfkessel und allem Zubehör. Und dann das Reisegeld!
+Was wir in einer Brieftasche in einigen Dutzenden
+von Hundertmarkscheinen bequem mitnehmen, müssen
+dort sechzig bis siebzig Träger in Lasten a siebzig
+Pfund fortschaffen. Das ist das schwerfällige Tauschgeld,
+welches in Tauschwaren von Zeug, Kaliko, Glasperlen,
+Messingdraht und Kaurimuscheln besteht. Damit
+werden auch die Träger bezahlt. Eine ganze Zahl
+von ihnen war also schon nötig, um den Lohn derselben
+fortzuschaffen.</p>
+
+<p>Nun werden wir uns nicht wundern, daß zu dieser
+Ugandamissionskarawane vierhundert Träger erforderlich
+waren. Die alle in Zucht und Ordnung zu halten
+und immer genügend Lebensmittel für sie zu besorgen,
+das war keine geringe Aufgabe für unsere Missionare.
+Dazu noch allerlei andere Schwierigkeiten, z.&nbsp;B. das
+böse Klima, die wilden Tiere im Urwald und vor allem
+die wilden Volksstämme, durch deren Gebiete der Weg
+führte. Wahrlich, eine solche Reise ist an sich schon
+eine Heldentat. Wir bewundern darum den tapferen
+Mut, das feste Gottvertrauen und die freudige Liebe
+zum Missionsdienste, welche diese und andere Männer
+vor Not und Gefahr nicht zurückschrecken ließen, um
+Seelen für Christum zu gewinnen.</p>
+
+<p>Der Expedition, die Leutnant Smith leitete, war
+angeraten, auf einem der beiden Küstenflüsse den Wasserweg
+<a class="pagenum" id="page_036" title="36"> </a>
+soweit als möglich zu benutzen. Zu diesem
+Zweck unternahmen Smith und Mackay eine achttägige
+Probefahrt auf dem Wami, der Sansibar gegenüber
+mündet. Die Fahrt war beschwerlich und gefährlich.
+Je weiter sie kamen, desto seichter wurde das Wasser.
+Die Uferbewohner zeigten sich feindlich, und später erfuhr
+Mackay, daß sie zu den Menschenfressern gehören.
+Ihr Nachtlager suchten sich die Missionare im Dickicht
+des Ufers, und Gott schützte sie vor Überfall. Als
+Leutnant Smith dann einen heftigen Fieberanfall bekam
+und still im Boot liegen mußte, wandte Mackay
+um und fuhr stromabwärts. In der Mündung geriet
+das Boot unter Wasser. Nur mit Mühe retteten sie
+sich und ihre Habe. Mackay brachte den kranken Freund
+beim Häuptling zu Sadani unter, mietete ein arabisches
+Boot und ruderte hinüber nach Sansibar, wo er nach
+sechs Stunden ankam. Glücklicherweise war inzwischen
+das Missionsschiff »Lassin« angekommen. Mit diesem
+fuhr Mackay wieder nach Sadani, um das Boot zu
+bergen und den Leutnant Smith zu holen.</p>
+
+<p>Als sie sich der Küste näherten, war es schon
+dunkel geworden. Das Schiff setzte ein Boot aus,
+mit dem Mackay und Robertson an Land ruderten.
+Sie befanden sich auf einer schlammigen Uferpartie.
+Nach einigen Untersuchungen wollten sie in ihr Boot,
+fanden es aber im Dunkel nicht mehr, denn die eingetretene
+Ebbe hatte es zurückgezogen. Durch den Uferschlamm
+wateten sie nun nach dem festen Lande, wo sie
+neben einem großen Holzfeuer einen schlafenden Knaben
+<a class="pagenum" id="page_038" title="38"> </a>
+entdeckten und weckten. Er war hier den ganzen Tag
+mit Holzsammeln beschäftigt gewesen und hatte sich
+das Feuer zum Schutz gegen wilde Tiere angelegt. Die
+Engländer erfuhren von ihm, daß sie sich etwa zwölf
+Kilometer südlich von Sadani befanden. Sie kampierten
+die Nacht über mit dem schwarzen Jungen am
+Feuer und trockneten ihre Kleider. Am Morgen gewahrten
+sie das vermißte Boot, und auch das Schiff
+kam wieder in Sicht. Es hatte sich die Nacht über in
+der Nähe gehalten und auf die beiden mit ihrem Boot
+gewartet. Nachdem sie an Bord gegangen, holten sie
+in Sadani den Kranken ab, bargen das unter Wasser
+liegende Boot und fuhren nach Sansibar zurück.</p>
+
+<p>Der Gedanke an den Wasserweg, den Stanley
+empfohlen, wurde aufgegeben und die gewöhnliche Karawanenstraße
+durch das heutige Deutsch-Ostafrika gewählt.
+Vor Aufbruch erfüllten sie eine traurige Pflicht
+und bestatteten den ersten Gefallenen. Der Kaufmann
+Robertson, welcher sein Geschäft verkauft und Weib und
+Kind daheim gelassen hatte, um auf seine eigenen
+Kosten Missionar zu werden, war der Ruhr erlegen,
+ehe er das afrikanische Festland betrat.</p>
+
+<p>In vier Kolonnen brachen die Missionare auf.
+Mackay führte die dritte, welche mit zweihundert Trägern
+am 26.&nbsp;August den Küstenort Bagamoyo verließ.
+Auf dem Marsche durch Ugogo erkrankte er und mußte
+nach der Küste zurück. Sein Edinburger Freund <span class="ss">Dr.</span>&nbsp;Smith
+hätte ihn gern begleitet, wenn es Mackay erlaubt
+hätte. Er verzichtete im Interesse der Expedition,
+<a class="pagenum" id="page_039" title="39"> </a>
+die den Doktor auch nötig hatte, auf die Hilfe des
+Freundes und trennte sich von ihm in der Hoffnung,
+ihn bald wiederzusehen. Die Hoffnung sollte sich auf
+Erden nicht erfüllen. Als die Karawane schon am
+Viktoria Niansa war, ergriff den gesunden Arzt das
+Fieber und raffte ihn bald dahin &ndash; ein unersetzlicher
+Verlust für die Missionskarawane, die jetzt nur noch
+aus drei Missionaren bestand, denn außer Mackay
+mußten noch zwei andere krank zurückreisen, ehe sie
+den See erreichten.</p>
+
+<p>Von den übrigen blieb O'Neill in Kagai am See,
+um das mitgebrachte Boot »Daisy« instand zu setzen,
+und die anderen beiden, Leutnant Smith und Pastor
+Wilson, fuhren in einem Kanu über den See und erreichten
+glücklich Uganda, nachdem sie ein Jahr, drei
+Monate und neunzehn Tage auf der Reise waren. Der
+König Mtesa empfing sie freundlich und gewährte ihnen
+sofort Lehrfreiheit. Dann kehrte Smith nach dem See
+zu O'Neill zurück und wurde mit diesem vom Häuptling
+Lukonge erschlagen. Von den acht Missionaren,
+die Ende Mai 1876 Sansibar erreichten, waren nun
+noch zwei in Afrika: Pastor Wilson allein am Ziel
+in Uganda und Alexander Mackay an der Küste.</p>
+
+<div class="il">
+ <img class="bo" src="images/img052.jpg" alt="" />
+ <p class="cap"><b>Transport des Gepäcks.</b> (Text siehe Seite <a class="nd" href="#page_035">35</a>.)</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h2><a class="pagenum" id="page_040" title="40"> </a>
+Sechstes Kapitel.<br />
+
+<b>Durchs heutige Deutsch-Ostafrika.</b></h2>
+
+
+<p>Mackay hatte die Gesundheit wiedererlangt, ehe
+er die Küste erreichte, erhielt aber die Weisung, vor
+Verlauf der Regenzeit nicht wieder aufzubrechen und
+bis dahin soweit als möglich eine Fahrstraße für Ochsenwagen
+ins Innere zu bauen. Vorher rüstete er noch
+zwei Unterstützungskolonnen aus und sandte sie den
+vorausgezogenen Brüdern nach. Eine davon fiel unterwegs
+den Ruga-Ruga (Freibeutern) in die Hände,
+welche den Führer, einen Engländer, ermordeten und
+die Karawane ihrer wertvollen Habe beraubten.</p>
+
+<p>Bald kam Mackay mit dem schändlichen Gewerbe
+des Sklavenhandels in unangenehme Berührung.
+Durch Sadani, wo er sich aufhielt, zogen trotz des Verbots
+immer wieder Sklavenzüge. Einmal gelang es
+ihm, den Händler in die Flucht zu jagen und die Sklaven,
+unter denen viele Weiber und Kinder waren, zu
+befreien. Bei einem anderen Befreiungsversuch setzten
+sich die arabischen Händler zur Wehr und erschossen
+einen seiner eingeborenen Leute. Er mußte nun, so
+leid es ihm auch tat, die Menschenhändler ruhig ihre
+teuflischen Pfade ziehen lassen, merkte er doch auch,
+daß der Herr Häuptling und seine Leute heimlich den
+Handel begünstigten. Und das alles trotz des Vertrags,
+den der Sultan von Sansibar mit England geschlossen
+hatte!</p>
+
+<p><a class="pagenum" id="page_041" title="41"> </a>
+Den vom Komitee in London gewünschten, aber
+unzeitgemäßen Wegebau führte er mit vierzig Arbeitern,
+die zu allem erst mühsam angelernt werden
+mußten, in hundert Tagen unter vielen Schwierigkeiten
+aus. »Man stelle sich einen Wald voll hoher,
+schlanker Bäume vor, die durch ein dichtes Gewebe
+dorniger Schlingpflanzen verbunden sind und unten
+solch undurchdringliches Gestrüpp haben, daß kaum
+eine Katze durchkriechen kann; alles verzweigt, zugewachsen
+und verworren.« Durch dieses Gestrüpp
+mußte er sich einen Weg bahnen, überall breit genug,
+daß die größten Ochsenwagen sich ausweichen konnten.
+Die Vorüberziehenden sperrten Mund und Augen weit
+auf ob der »<span class="ss">njia kubwa</span>«, der großen Straße des weißen
+Mannes, und erzählten überall mit negerhafter
+Übertreibung von dem geschauten Wunder. Der Häuptling
+eines Dorfes, in dessen Nähe Mackay eine Brücke
+schlug, erklärte ihm mit soviel Würde, als sein schmutziges
+Gesicht nur zuließ, er wolle hundert Dollar dafür
+haben, daß ihm seine Bäume niedergeschlagen würden.
+Mackay setzte ihm darauf auseinander, daß der Herr
+Häuptling hundert Dollar für die Brücke zahlen solle,
+die er später doch als sein Eigentum betrachten und
+von der er sicher ein hohes Brückengeld von den Karawanen
+erheben würde.</p>
+
+<p>Mit den Häuptlingen im Umkreise schloß er
+Freundschaft, und alle erkannten ihn als »Bruder« an.
+Das will in Afrika viel besagen und ist von großem
+Nutzen für die Sicherheit des Lebens und des Eigentums.
+<a class="pagenum" id="page_042" title="42"> </a>
+Stanley war der »Bruder« von Mtesa und
+Miramba. Das brachte ihm viel Vorteil im ganzen
+Land.</p>
+
+<p>Besondere Schwierigkeiten machten Mackay die
+Ochsenwagen. Vor einen Karren mußten 26 Ochsen
+gespannt werden, um ihn durch alle die Löcher fortzubringen.
+Die Leute verstanden nichts vom Fahren
+und die Ochsen erst recht nicht. Bald waren Bäume
+angefahren, bald lag die Karre in einem Loche. »Es
+ist zum Verzweifeln,« schreibt er, »wenn man einen
+Fluß überschreiten will und ein Ochs legt sich, ein
+anderer reißt sich los und läuft davon, andere kehren
+statt des Schwanzes die Hörner nach dem Wagen&nbsp;&ndash;.«
+Tagebuch und Briefe schrieb er abends auf dem Boden
+beim Schein eines trüben Schiffslaternchens, gequält
+von den Moskitos und umheult von Raubtieren, die
+es auf Ochsenbraten abgesehen hatten. Neben der Feder
+mußte er immer das Repetiergewehr für diesen
+ungebetenen Besuch bereitliegen haben.</p>
+
+<p>Der Straßenbau war 230 englische Meilen weit
+gediehen. Da hörte Mackay, daß Leutnant Smith
+und O'Neill ermordet seien und Mtesa beabsichtige,
+zur Züchtigung des Häuptlings Lukonge eine Flotte
+von tausend Kanus hinzusenden. Diese Rache konnte
+das Unglück nicht ungeschehen machen, aber der Mission
+viel schaden. So schnell als möglich eilte daher
+unser Held vorwärts an die Stätte des Unglücks, um
+alle, die dem Häuptlinge Rache geschworen, zu besänftigen
+und weiteres Blutvergießen zu verhindern.</p>
+
+<p><a class="pagenum" id="page_043" title="43"> </a>
+Der Eilmarsch dauerte ein ganzes Vierteljahr,
+von März bis Juni 1878. Es ging oft durch riesenhafte
+Landstriche, die von erbarmungslosen Sklavenhändlern
+verheert waren. Die Erlebnisse Mackays würden
+Bände füllen, hätte er Zeit und Lust gefunden,
+alles niederzuschreiben. Nur einiges konnte er aufzeichnen
+und nach Hause berichten. Ein großer Häuptling
+verweigert ihm aus Furcht für sein kostbares
+Leben das Nachtquartier, aber ein kleiner teilt mit
+ihm die schmutzige Hütte, die zugleich Kuh- und Schafstall
+ist. Da kommt ein Streifzug der Wahehe, führt
+einen Kriegstanz vor der Hütte auf und verlangt einen
+Ochsen, den sie sofort erhalten. An Mackays Warenbündel
+zeigen sie ein besonderes Interesse, sind aber
+schließlich mit einer Elle Zeug zufrieden. Dann kam
+der Abschiedsgruß. Mackay saß auf dem Boden, neben
+sich die doppelläufige Flinte, die er aber nicht anrühren
+durfte. Er regte kein Glied, als sie mit eingelegten
+Speeren auf ihn losstürzten und hinter den großen bemalten
+Schilden aus Fellen einen Halbkreis um ihn
+schlossen. Einen Augenblick verharrten sie in dieser
+Stellung, dann senkten sie die Schilde und verneigten
+sich höflich. Hätte Mackay nur einmal nach seinem
+Gewehr gegriffen, wäre aus diesem Waffenspiel ein
+grausiger Ernst geworden.</p>
+
+<p>Ein strömender Regen ging in der Nacht nieder,
+drang durchs Dach und machte die Hütte voll flüssigen
+Dunges. Über die Verpflegung während dieses Marsches
+schreibt er: »Ich bekomme jetzt einen dicken Brei
+<a class="pagenum" id="page_044" title="44"> </a>
+von <span class="ss">mwere</span> und manchmal von <span class="ss">mtama</span>, das etwas
+besser ist zu essen, da die Diebe an meinem kleinen
+Vorrat von Zwieback Gefallen fanden. <span class="ss">Mwere</span> schmeckt
+wie Sägemehl und Asche, aber man gewöhnt sich mit
+der Zeit daran und würde es schließlich ganz genießbar
+finden, wenn nicht unter dem Mehl soviel Sand
+wäre. Tag für Tag auf die Nahrung angewiesen, die
+hier zu kaufen ist, lernt man so recht beten: ›Unser
+täglich Brot gib uns heute!‹ Oft bekommt man außer
+dem Korn noch ein Huhn. Aber schlimm ist es doch,
+nach dem ermüdeten Tagesmarsche sich erst etwas zum
+Essen auftreiben und dann warten zu müssen, bis das
+Korn zerstoßen und gekocht ist. Holz zur Feurung
+ist auch nur mit Mühe zu bekommen, und Trinkwasser,
+wenn man es so nennen darf, muß ebenfalls weit hergeholt
+werden. Frühstück und Mittagessen fallen da
+meistens zusammen. Da diese Mahlzeit erst gegen
+Abend zu bekommen ist, dient sie zugleich als Abendbrot.
+Aber wie im Psalm 104 geschrieben steht: ›die
+jungen Löwen, die da brüllen nach Raub und ihre
+Speise suchen von Gott‹, so wahr ist es, daß ich nie
+Mangel hatte und sicher nie haben werde.«</p>
+
+<p>Endlich erblickte er »den silberschimmernden See«
+und rief mit Inbrunst wie einst die Griechen des
+Anabasis: »Das Meer, das Meer!« Am 13.&nbsp;Juni erreichte
+er das Dorf Kagai am Südufer des Niansa,
+aber noch ein halbes Jahr sollte vergehen, ehe er seinen
+Fuß auf das jenseitige Ufer des Riesensees setzen und
+in Uganda Einzug halten konnte.</p>
+
+<p><a class="pagenum" id="page_045" title="45"> </a>
+In einer großen, von dem Häuptling des Orts
+entliehenen Hütte, befand sich alles, was von dem
+wertvollen Eigentum der ihm vorausgegangenen Expeditionen
+noch übrig war. Die fürchterlichste Unordnung
+herrschte hier. Bücher, Muscheln, Gießformen,
+Papier, Angeln, allerlei Handelsartikel, Drucklettern,
+Zeltstangen, Patronen, Karbol, Sägen, Samen,
+Koffer, Konserven, Pumpen, Pflüge, Maschinenteile
+&ndash; alles durcheinander. Verzweifelt starrte Mackay
+nach der anstrengenden Reise auf diese Bescherung.
+Das Boot »Daisy«, welches in einzelnen Teilen auf
+den Köpfen der Träger den Weg von der Küste zum
+See gemacht hatte und von O'Neill zusammengesetzt
+worden war, lag in traurigster Verfassung da. Die
+heißen Strahlen der Tropensonne, die weißen Ameisen
+und Zähne der Flußpferde hatten ihm arg zugesetzt.
+Mehrere Wochen hatte Mackay vollauf zu tun, um
+einigermaßen Ordnung in dies Durcheinander zu bringen
+und das Boot flott zu machen.</p>
+
+<p>Mit den Eingeborenen lebte er bald auf freundschaftlichem
+Fuße. Ihre Sprache ist mit der suahelischen,
+die Mackay bereits erlernt hatte, ziemlich verwandt.
+Er konnte sich also mit ihnen unterhalten und,
+dem Drange seines Herzens folgend, etwas von Gott
+und dem Heiland erzählen. Kam der Sonntag und
+die Arbeit ruhte, so fragten alle: Warum? Dann zeigte
+er seine Bibel, setzte ihnen auseinander, daß dies Buch
+Gottes Wort sei und Gott den Ruhetag eingesetzt hat.
+Viele zeigten Lust, lesen zu lernen, um selbst hören
+<a class="pagenum" id="page_046" title="46"> </a>
+zu können, was Gott in diesem Buche für sie geschrieben
+hat.</p>
+
+<p>Die missionarische Tätigkeit machte Mackay besondere
+Freude, offenbarte ihm aber auch die große
+Schwierigkeit derselben und die Notwendigkeit langer,
+gründlicher Pionierarbeit unter dem tief umnachteten
+Volk.</p>
+
+
+
+
+<h2>Siebentes Kapitel.<br />
+
+<b>Blutsbrüderschaft mit dem Ukerewekönig
+Lukonge.</b></h2>
+
+
+<p>Etwas nördlich von dem Karawanenort Kagai
+liegt die Insel Ukerewe. Ihr König ist der berüchtigte
+Lukonge, welcher vor drei Monaten die beiden Missionare
+erschlagen ließ. Zu einem Rachekrieg der arabischen
+Händler für den ermordeten Songoro war es
+dank ihrer Feigheit noch nicht gekommen. Als Mackay
+den Arabern sagte, er sei nicht als Rächer der Bluttat,
+sondern als ein Bote Christi gekommen, der nicht
+wie Mohammed die Schuld räche, sondern vergebe,
+waren sie aufs höchste überrascht.</p>
+
+<p>Dem Häuptling (oder König) von Ukerewe sandte
+er Botschaft, daß er ihn sehen wolle, aber aus friedlicher
+<a class="pagenum" id="page_047" title="47"> </a>
+Absicht. Die Bewohner von Kagai waren über
+Mackays Vorhaben sehr bestürzt und überzeugt, daß
+er nie wiederkehre. Er aber stärkte sich in seinem Gott
+wie David in Ziklag und bestand darauf, Lukonge zu
+besuchen, wenn derselbe es wünsche.</p>
+
+<p>Nach einer Woche landete ein Kanu mit einer Gesandtschaft
+vom Ukerewefürsten, um Mackay zum Besuch
+ihres Gebieters abzuholen. Er hatte sich entschlossen,
+um jeden Verdacht auszuschalten, allein und
+ohne Waffen mitzufahren. Gleichwohl prüfte er die
+Gesinnung der Gesandtschaft, indem er verlangte, daß
+drei von ihnen als Geiseln in Kagai zurückblieben.
+Nach einigem Zögern willigten sie ein. Nun wußte
+Mackay, daß sie nichts Böses im Schilde führten und
+verzichtete zu aller Erstaunen auf die Geiseln. Mackay
+bestellte sein Haus für alle Fälle, steckte Chinin und
+Pulver gegen Fieber und Ruhr, sowie einige Mittel
+als Gegengift ein, da Lukonge als Giftmischer berüchtigt
+war, und trat nur in Begleitung eines Dolmetschers
+die Reise an.</p>
+
+<p>In zwei Tagen kam das Boot ans Ziel. Nach
+einer kurzen Rast hatte er die erste Audienz. Lukonge
+saß in seiner Baraza, einer nach vorn offenen Hütte.
+Sein Thron bestand aus einem Holzschemel mit einem
+Bein. Um ihn her kauerten die Höflinge im Sand.
+Seine Majestät ging dem Missionar entgegen, gab ihm
+die Hand und setzte sich wieder mit großer Würde.
+Er trug mit sichtbarem Stolze ein Gewehrfutteral,
+das jedenfalls einem der ermordeten Missionare gehörte.
+<a class="pagenum" id="page_048" title="48"> </a>
+Zur Feier des Ereignisses hatte er noch ein
+rotes Taschentuch als Kopfschmuck verwandt. An Armen
+und Beinen glänzten viele Ringe aus Eisen und
+Messing.</p>
+
+<p>Die erste Audienz war der Sitte gemäß sehr kurz.
+Am folgenden Tage machte der König seinen Gegenbesuch
+in Begleitung seiner Häuptlinge. Dabei erzählte
+er Mackay die Geschichte von dem Unglück. Er
+habe nicht die weißen Männer töten, sondern nur den
+Araber Songoro, der ihm aus der Schuldhaft entlaufen
+sei, für seine Verräterei züchtigen wollen. Der
+Araber sei aber zu den Weißen gelaufen, die von ihm
+ein Boot gekauft hatten, und habe sie bewogen, ihn
+mit ihren Waffen zu schützen. O'Neill habe zehn
+seiner Leute erschossen und dreißig schwer verwundet.
+Als dem Araber und den Weißen die Munition ausging,
+hätten sie auf einem Kahn fliehen wollen; der
+Kahn sei aber verschwunden gewesen und ein weiterer
+Ausweg nicht vorhanden. Seine Leute wären sehr erbittert
+gewesen und hätten alle, den Araber mit zwanzig
+seiner Leute und leider auch die beiden Weißen,
+niedergemacht.</p>
+
+<p>Mackay, der die Schwerverwundeten noch sah, erkannte,
+daß die Boten des Kreuzes durch die Rache
+eines Heiden für die Falschheit eines Muselmannes,
+der sich unter ihren Schutz stellte, das Leben verloren
+haben, weil sie leider ihre Waffen gebrauchten, um
+einen anderen zu verteidigen. Er ließ Lukonge wissen,
+daß er ihm glaube und das Vorgefallene bereue.
+<a class="pagenum" id="page_049" title="49"> </a>
+Nun sei er aber gekommen, um Frieden zu machen. Er
+wisse noch nicht, was die mächtige Königin Viktoria,
+die mehr Soldaten habe, als Lukonge zählen könne,
+als Rache für ihre Söhne tun werde, er wolle aber bemüht
+sein, die Sache zu schlichten, wenn Lukonge bereit
+sei, Missionare auf seine Insel zu lassen, damit sie
+sein Volk lehren können.</p>
+
+<p>Der schwarze König lachte über die Idee, als gäbe
+es einen mächtigeren Herrscher als ihn, und erwiderte,
+seine Leute hätten Furcht vor den Weißen. Nun lachte
+Mackay, daß die Leute des großen Königs von Ukerewe
+sich vor drei weißen Männern fürchten, wenn sie als
+Missionare kommen. Schließlich erhielt er die nachgesuchte
+Erlaubnis. Es sollten aber nicht so viele
+Lehrer kommen, fügte Lukonge noch hinzu.</p>
+
+<p>Vor der Abreise trug Lukonge Mackay die Blutsbrüderschaft
+an, was dieser dankbar annahm. Unter
+feierlichem Zeremoniell wurde der Bund geschlossen.
+In einem Kreis von Zuschauern stand eine Ziege.
+Lukonge erfaßte ihre Vorderbeine und Mackay die Hinterbeine.
+Dann erklärte ein Dritter, daß dies das
+Siegel eines ewigen Bruderbundes sei, und schnitt mit
+scharfem Messer die Ziege in zwei Stücke. Hierauf
+erhoben alle Anwesenden unter Johlen ihre Hände gen
+Himmel, und die Sache war beendet. Als Gegengeschenk
+für die königliche Huld überreichte Mackay
+seinem nunmehrigen »Bruder« einen Schlafrock. Unter
+Freundschaftsbeteurungen aller Art wurde der Gast
+<a class="pagenum" id="page_050" title="50"> </a>
+verabschiedet. Nach neuntägiger Abwesenheit landete
+er sicher und fröhlich wieder in Kagai.</p>
+
+<p>Beim Landen wurde er vom wilden Freudengeheul
+der Eingeborenen begrüßt. Die Frauen tanzten
+wie toll auf dem Strande herum. Eine Tochter des
+Häuptlings Kaduma hatte sich dazu mit einer Last von
+Perlen behangen. Der alte Häuptling Kaduma aber
+zeichnete den Tag leider dadurch aus, daß er noch mehr
+Pombe (eine Art Bier) trank als sonst. Zu Mackays
+Leidwesen endete die Freudenfeier &ndash; echt europäisch
+ &ndash; mit total betrunkenen Leuten. Auf seinem bisherigen
+Wege hatte er immer wieder Gelegenheit zu sehen, daß
+die Trunksucht der Fluch Afrikas ist. War genug Bier
+da, sah man nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder
+betrunken stehen und liegen. Mackay wurde dadurch
+ein Abstinent. Er äußerte, daß die Enthaltsamkeit
+das Geheimnis zur Erhaltung der Gesundheit in den
+Tropen sei und die erste Bedingung der Zivilisation in
+Afrika. »Die Westküste ist dem Rum zum Opfer gefallen;
+die Kaffern im Süden leiden ebenfalls daran;
+auf der Ostküste in Sansibar wird aus Zuckerrohr ein
+scheußlicher Trank gebraut, der überall an der Küste
+zum Ruin des Suahelistammes verzapft wird. Die
+Wanika bohren den Kokosnußbaum an und saugen mit
+Strohhalmen den Saft. Fast jedes Dorf gleicht morgens
+schon einem Saufgelage. Im Inneren wird das
+Getreide zu berauschendem Getränk verwandt. Am
+Niansa bereiten sie aus Pisang einen Wein, der König
+und Volk mit den Banden der Trunksucht umschlingt.«</p>
+
+
+
+
+<h2><a class="pagenum" id="page_051" title="51"> </a>
+Achtes Kapitel.<br />
+
+<b>Ankunft in Uganda.</b></h2>
+
+
+<p>Aus der heiligen Geschichte wissen wir, daß der
+Nil durch seine Überschwemmungen mit fettem Tonschlamm
+den Boden Ägyptens befruchtet und so der
+Schöpfer und Erhalter der Fruchtbarkeit jenes Landes
+ist. Wir befinden uns, wie wir früher schon hörten,
+jetzt mit Mackay in dem interessanten Quellgebiet des
+mächtigen Nilstromes oder, wie die Geologen sich ausdrücken:
+»im Seengebiet der Nilquelle«. Das Steigen
+und Fallen des Wassers im Viktoria Niansa entscheidet
+eigentlich über den Verlauf der Ernten in
+Ägypten. Mackay gibt in seinen geistreichen Briefen
+auch eine beachtenswerte Erklärung über die sieben
+fetten und mageren Jahre zur Zeit Josephs. Nach
+seiner Ansicht bildete die im Süden des Niansa liegende
+Landschaft Usukuma mit diesem See zusammen früher
+ein großes Binnenmeer. Da habe sich eines Tages
+das Bett des heutigen Niansa gesenkt, der große See
+floß allmählich aus, und die abfließenden Wasser riefen
+die sieben fetten Jahre in Ägypten hervor. Der riesige
+Wasserbehälter schrumpfte dann in den See zusammen,
+den wir heute Viktoria Niansa nennen. Kein Wunder,
+daß nun die stark verminderten Wasserzuflüsse durch
+die Ripponfälle (Somersetnil) die Hungersnot in dem
+Kornlande zur Folge hatten. Nach und nach wurde
+<a class="pagenum" id="page_052" title="52"> </a>
+das durch den Seeausfluß hervorgetretene Land Usukuma
+von Regengüssen getränkt, der Überfluß an Wasser
+strömte in den See und von da in den Nilstrom.
+Dadurch wurde nach sieben Jahren das Gleichgewicht
+wiederhergestellt, und jetzt steigt und fällt der Nil
+alljährlich wie in alter Zeit.</p>
+
+<p>Als Mackay diese lehrreichen Beobachtungen
+machte, kam der in Rubaga stationierte Pastor Wilson
+nach Kagai, um seinen Mitarbeiter abzuholen. So
+rasch ging es aber noch nicht mit der Abreise. Mackay
+mußte sich erst noch von einem heftigen Fieberanfall
+erholen. Dann wurde das Boot noch einmal nachrepariert.
+Endlich schlug die Stunde der Abfahrt nach
+Uganda. Vier Tage lang hatten sie gute Fahrt. Dann
+warf ein Sturm die »Daisy« an das Gestade von Nsougora.
+Mit Mühe und Not konnten die Missionare
+sich und ihre wertvolle Habe retten. Die herbeigeeilten
+Eingeborenen blickten neidisch auf das Gepäck
+der Schiffbrüchigen, weigerten sich aber hartnäckig,
+ihnen in den Bemühungen um das Boot beizustehen.
+Die unbarmherzigen Wellen rissen schnell das ganze
+Fahrzeug auseinander. Um es einigermaßen wiederherzustellen,
+bedurfte es acht Wochen angestrengter Arbeit.
+Mackay sagt, es sei so gewesen, als wenn man
+aus einem Stiefel einen Pantoffel zu machen sucht.
+Sie rafften die Trümmer zusammen, ließen in der
+Mitte etwa acht Fuß wegfallen, setzten zusammen, was
+vom Vorder- und Hinterteil geblieben war, und flickten
+es mit dem aus der Mitte gefallenen Holze wieder
+<a class="pagenum" id="page_054" title="54"> </a>
+aus. Dann stachen sie aufs neue in See und setzten
+mutig ihre Reise fort.</p>
+
+<p>Aus einer Zeitung erfuhr Mackay, daß Stanley
+früher an demselben Orte gestrandet war und mit
+knapper Not der Niedermetzelung entging. Ein Glück,
+daß er sich nachher nicht rachsüchtig zeigte. Hätte er
+nachträglich auch nur einen Schuß auf sie abgegeben,
+so hätten sie sich jetzt jedenfalls an diesen weißen
+Schiffbrüchigen gerächt. Aber Gott hat in Seiner Güte
+und Vorsehung über Seinen Boten gewacht und sie
+nach vielen Erfahrungen Seiner leitenden Liebe und
+helfenden Treue endlich an das Ziel ihrer Reise gebracht.</p>
+
+<p>Am 6.&nbsp;November 1878 zogen sie in Rubaga,
+der Hauptstadt Ugandas, ein. Nach zweieinhalbjährigem
+Reisen und Harren hatte unser Held seinen Kampfplatz
+erreicht, auf dem er zwölf Jahre ununterbrochen bleiben,
+leiden, streiten und schließlich sterben sollte.</p>
+
+<p>Von Mtesa und seinen Häuptlingen wurde Mackay
+glänzend empfangen. Der König liebte es, sich mit
+dem Pomp und Glanz eines morgenländischen Herrschers
+zu umgeben. Die Missionare wurden von weißgekleideten
+Pagen den Königsberg hinaufgeleitet. Dort
+lag der »Palast«, ein langes, hohes Gebäude aus Rohr
+und Gras. In den Höfen standen Soldaten mit Uniformen,
+in der großen Empfangshalle saßen und standen
+die Großen des Landes. Im Hintergrunde thronte die
+schwarze Majestät auf einem weißen Lehnstuhl. Vor
+ihm war ein Leopardenfell, das Zeichen königlicher
+<a class="pagenum" id="page_055" title="55"> </a>
+Würde, ausgebreitet. Huldvoll wird Mackay begrüßt,
+dankbar werden seine Geschenke entgegengenommen.
+Dann läßt der König einen Freudenwirbel trommeln.
+Alle Häuptlinge nicken taktmäßig mit dem Kopfe, klatschen
+in die Hände und rufen: »<span class="ss">njausig, njausig!</span>«
+(danke, danke!). »Das ist für den Namen Jesu,«
+erklärte der König herablassend, und der erste Empfang
+war beendet. Abends sandte Mtesa seine Gegengeschenke:
+zehn Ochsen, Tabak, Kaffee und Honig.</p>
+
+<p>Von ihrem Lande und ihrer Größe haben König
+und Volk hohe Begriffe. Sie halten sich für das mächtigste
+Reich der Welt. Mtesa versicherte Mackay großmütig:
+»Wenn England nicht mit mir Streit sucht,
+ich werde nie Händel mit ihm anfangen.« Ein König,
+der nichts als die Schmeichelei seiner Höflinge kennt,
+deren Leben er ganz in seiner Gewalt hat, ist selbstverständlich
+schwer zu behandeln. Die Missionare gebrauchten
+hier viel Schlangenklugheit und Taubeneinfalt,
+um das Wort der Wahrheit recht zu teilen.</p>
+
+<p>Aus Unvorsichtigkeit hätte sich Mackay im ersten
+Monat beinahe selbst vergiftet. Er sammelte Rizinussamen
+und aß etwa ein halbes Dutzend der Körner.
+Heimgekehrt, las er in seinem medizinischen Ratgeber,
+daß die Körner Gift enthalten und drei genügen, den
+Tod herbeizuführen. Mackay nahm Gegengift, befahl
+sich, die Seinen und sein Werk dem Herrn und legte
+sich hin zum Sterben. Nach sechs Tagen aber konnte
+er wieder, wenn auch zum Skelett abgemagert, an den
+<a class="pagenum" id="page_056" title="56"> </a>
+königlichen Hof gehen. Der Herr hatte Seinen Diener
+gerettet, wie Er Mark.&nbsp;16 zugesagt hat.</p>
+
+<p>Am Hofe wurde die Suahelisprache fast allgemein
+verstanden. Mackay hatte diese Sprache schon unterwegs
+erlernt und besaß viele Teile der Bibel in Suahelisch.
+So konnte er dem König und seinem Hofe
+oft daraus vorlesen und sonntäglich Gottesdienst halten.
+Durch Stanley war der König ja der Form nach für
+das Christentum gewonnen. Das Volk zeigte regen
+Eifer zum Lernen. Viele drängten sich zum Unterricht,
+lernten lesen und studierten dann die übersetzten
+Teile der Heiligen Schrift. Anfang des Jahres 1879
+erließ der König ein Gesetz, das den Sklavenhandel und
+die Sonntagsarbeit in Uganda verbot. Wenn es auch
+unmöglich war, diese Gesetze durchzuführen, so sind
+sie doch ein Beweis, daß die Missionare bereits in
+hohem Ansehen standen und großen Einfluß ausübten.
+Mackay durfte die Baraza, die Ratsversammlung, besuchen,
+in der die öffentlichen Angelegenheiten besprochen
+wurden, und war bald die wichtigste Persönlichkeit
+in Uganda.</p>
+
+<div class="il">
+ <img class="bo" src="images/img086.jpg" alt="" />
+ <p class="cap"><b>Mackays Empfang beim König Mtesa.</b> (Text siehe Seite <a class="nd" href="#page_054">54</a>.)</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h2><a class="pagenum" id="page_057" title="57"> </a>
+Neuntes Kapitel.<br />
+
+<b>Ein Meister in allerlei Erz- und Eisenwerken.</b></h2>
+
+
+<p>Stanley schreibt irgendwo: »Der praktische Christ
+&ndash; einer, der Gottes Wort lehrt, Krankheiten heilt,
+Häuser baut, den Ackerbau versteht, kurz, alles tun
+kann &ndash; ist hier vonnöten. Wenn ein solcher hierher
+käme, würde er zum Heile Afrikas werden.« Ein
+solcher Christ war Mackay im besten Sinne des Wortes.
+Er sagt selbst einmal, als er enttäuscht den Unstern
+beklagt, der über der Sendung von Handwerkern
+nach Uganda schwebte, und nach einem Gehilfen seufzte:
+»So muß ich denn fortfahren wie bisher: bald mit
+dem Buche in der Hand, bald mit Hammer und Zange.«
+Seine steigende Beliebtheit beim Volke und bei Hofe
+verdankte er zunächst dem Umstande, daß er ein Tausendkünstler
+war. Seine in der Nähe des Palastes
+errichtete Schmiedewerkstatt und Schlosserei mit Esse,
+Amboß, Drehbank, Schraubstock, Schleifstein und allen
+anderen Werkzeugen wurde von Großen und Kleinen
+umlagert und viel bewundert. Mackay war für sie
+ein Mann, der alles konnte. Eine Grenze für sein
+Können gab es nach ihrer Ansicht nur in seinem
+Willen, nicht in seiner Macht und Geschicklichkeit.
+Darum eilten sie mit ihren großen und kleinen Leiden,
+mit ihren kindischen Wünschen und heidnischen Erwartungen
+<a class="pagenum" id="page_058" title="58"> </a>
+zu ihm und waren ärgerlich, wenn er ihnen
+nicht nach Wunsch half.</p>
+
+<p>Vom König und seinem Hofe wurden Mackays
+Talente vielfach und oft ungebührlich in Anspruch genommen.
+Seine Bereitwilligkeit, innerhalb der Grenzen
+des Gewissens sich den königlichen Launen zu
+fügen, Flinten und dergleichen Dinge zu reparieren,
+hat der Mission gute Dienste getan und manchen Sturm
+verhindert. Die Existenz des Werkes hing doch immerhin
+von der Gunst des Hofes ab. Mackay ließ sich's
+nicht verdrießen, den König in die Geheimnisse der
+Eisenbahn, der Elektrizität und der Sternkunde einzuweihen,
+weil ihm dies stets Gelegenheit schaffte, Gunst
+und Vorteile für die Mission zu erzielen. Als Namosali,
+die Königinmutter, starb, mußte Mackay aus zahlreichen
+Geräten, die man ihm lieferte, einen kupfernen
+Sarg herstellen. Das Begräbnis sollte echt königlich
+sein. Der Kupfersarg wurde über und über mit wertvollem
+Tuch umwickelt und dann in eine Gruft gesenkt,
+die verschwenderisch mit Tuch ausgebettet war. Es soll
+für dreißigtausend Mark Zeug und Tuch verbraucht
+worden sein. Später, als Mtesa das Zeitliche gesegnet
+hatte, mußte Mackay für das »Mausoleum«,
+eine kolossale Hütte von vierzig Fuß Höhe, einen Blitzableiter
+liefern. Die Errichtung eines Flaggenmastes
+auf dem »Schloß« des neuen Königs nahm ihn einen
+ganzen Monat in Anspruch. Bald darauf zerstörte
+ihn eine Feuersbrunst. »So ist meine ganze Arbeit
+dahin, aber nicht verloren,« schreibt Mackay, »denn
+<a class="pagenum" id="page_059" title="59"> </a>
+ich glaube, sie ist der Mission zum Nutzen gewesen.
+So unlieb es mir ist, meine Zeit mit solchen Kindereien
+zu vergeuden, sehe ich doch die darauf verwandte Zeit
+nicht für verloren an, wenn es dazu beiträgt, Vorurteile
+zu zerstreuen und die Herren günstig zu
+stimmen.«</p>
+
+<p>Als Schiffsbauer haben wir ihn bereits kennen
+und schätzen gelernt. Die bekannte »Daisy« wurde bald
+in der Tropensonne zerstört. Von England aus wurden
+die Teile zu einem neuen Boote an das Südufer
+des Viktoria Niansa geschickt. Ein nachgesandter Handwerker
+sollte das Schiff zusammensetzen, fand aber die
+Planken ganz verbogen und von der Hitze gespalten.
+Ein Häuptling hatte nämlich das Schutzdach gestohlen,
+unter dem sie lagerten. Der Handwerker erklärte,
+nichts damit anfangen zu können. Da kam Mackay zu
+Hilfe. In seinem Wörterbuch stand das Wort »unmöglich«
+nicht. Monatelang arbeitete er in der brennenden
+Sonne, oft vom Fieber befallen und abends
+stets von Moskitos geplagt. Alles mußte er allein
+tun, jede Planke zurichten, jeden Nagel einschlagen.
+Endlich konnte er die »Eleonore« vom Stapel lassen,
+auftakeln und sie der Ugandamission als Weihnachtsgeschenk
+überbringen.</p>
+
+<p>Von 1888-89 baute er an der Küste des Niansa
+sogar an einem Dampfboot. Ein Ingenieur, der ihn
+unterstützen wollte, konnte eines Aufstandes wegen nicht
+zu ihm stoßen. Mit erfinderischem Scharfsinn und bewundernswerter
+Ausdauer ging er auch hier allein, nur
+<a class="pagenum" id="page_060" title="60"> </a>
+mit Hilfe der Eingeborenen, ans Werk. In einem mehrere
+Stunden entfernten Walde fällte er große Bäume.
+Um sie zur Werft zu schaffen, baute er einen starken,
+vierräderigen Wagen, den ersten, den diese Gegend je
+gesehen. Um das Schiff aus diesem Rohmaterial im
+Schatten bauen zu können, errichtete er einen Schuppen
+aus Backsteinen, von denen er sich mit Hilfe der Schwarzen
+in zehn Tagen zehntausend Stück geformt hatte.
+Die Kesselteile waren schon mit der ersten Expedition
+1876 hergeschafft worden und lagen verrostet da. Ehe
+Mackay sie zusammennieten konnte, mußte er das Eisen
+erwärmen. Dazu stand ihm nur ein kleiner, tragbarer
+Ofen zur Verfügung. Den Stapellauf dieses
+Schiffes hat er nicht mehr erlebt.</p>
+
+<p>In Rubaga machte ein zweiräderiger Ochsenkarren
+großes Aufsehen. Der König sandte zwei Häuptlinge,
+das Ding zu besehen. Sie fanden, daß das Wunder
+ein Werk Mackays war. Der Karren hatte sogar
+Bremsvorrichtung und wurde von Ochsen gezogen, die
+mit vieler Mühe eingelernt und ans Joch gewöhnt
+waren. Dann kam ein neues Wunder. Es war ein
+Pflug, dessen Hauptteile auf der Reise verloren gegangen,
+aber nun von Mackay neu geschmiedet worden
+waren. Als Kuriosum staunte man in der Hauptstadt
+auch des »weißen Mannes Topf zum Kochen
+trockener Speise« an. Es war ein ehrsamer Backofen
+mit hohem Schornstein und eiserner Tür, der aber
+den Fetischhütten zu Ehren des Lubari sehr ähnlich sah.</p>
+
+<p>In der ersten Zeit erlaubte der König nicht, daß
+<a class="pagenum" id="page_061" title="61"> </a>
+die Missionare sich Häuser nach europäischem Muster
+bauten. Sie wohnten mehrere Jahre in den ungesunden
+Grashütten. Dann erhielt Mackay die gütige
+Erlaubnis, ein zweistöckiges Haus zu bauen. Es erhielt
+Türen mit Füllungen, viereckige Fenster mit
+Drahtgaze und hatte eine große Freitreppe, die von
+außen ins oberste Stockwerk führte. Das Gebäude
+wurde im Lande der Grashütten eine Sehenswürdigkeit
+und für die schwarzen Majestäten ein Gegenstand
+des Neides. Mackay zog selbst nicht hinein, sondern
+überließ es den Kameraden. Er selbst blieb vorläufig
+in seiner ärmlichen, baufälligen Hütte, die zugleich
+Klinik, Druckerei, Vorratskammer und Schulstube war.
+Außerdem schliefen noch stets etwa ein Dutzend Knaben
+bei ihm, von denen oft etliche krank waren, so daß
+der Platz einem Hospitale glich. Erst später, als ein
+Missionar abreiste, siedelte er in sein Haus über.</p>
+
+<p>Zum Hause schenkte der König auch einen Garten.
+Mackay grub darin einen Brunnen und legte eine
+Pumpe an, die köstliches Wasser lieferte &ndash; ein wahres
+Wunder für die Eingeborenen! Sie drängten sich
+täglich hunderteweise herzu, um das Wunderwasser zu
+trinken, das von selbst aus der Röhre lief. Einige
+nannten es Lubare, andere ein Werk Gottes. Auch der
+im Dienst des Lubari stehende Häuptling Jumba kam
+und prüfte den Trunk aus der Tiefe. Mackay nützte
+die Gelegenheit, dem Wächter des Götzen zu beweisen,
+daß ein Lubare nichts ist, da er nicht einmal solches
+Wasser beschaffen kann.</p>
+
+<p><a class="pagenum" id="page_062" title="62"> </a>
+»Bliebe das Volk in seinem jetzigen Zustande,«
+berichtet Mackay im Jahre 1881, »so würden sie entweder
+faule oder kriegerische Christen. Die Anleitung,
+die wir ihnen geben, lehrt sie Augen, Verstand und
+Hände zu gebrauchen für die Künste des Friedens, die
+sie von der Trägheit und den kriegerischen Gelüsten
+abziehen und den Gesamtzustand des Landes heben.
+Ich versuche jetzt Ziegel zu machen und zweifle nicht,
+daß diese einfache Kunst, wenn sie im Lande geübt wird,
+eine große Umwälzung bewirkt. Schon jetzt ist der
+Erfolg bedeutend. Die schmutzigen Straßen und Winkel
+werden gereinigt, man bessert den erbärmlichen Fußboden
+der Hütten aus, die Toten werden ordentlich
+begraben und nicht mehr in die pestilenzialischen Sümpfe
+geworfen.«</p>
+
+
+
+
+<h2>Zehntes Kapitel.<br />
+
+<b>Im Kampf mit heidnischem Aberglauben.</b></h2>
+
+
+<p>König Mtesa war, wie sich mit der Zeit offenbarte,
+dem Herzen nach ein Heide geblieben. Wohl hatte er
+erkannt, daß das Christentum vor dem Islam den Vorzug
+verdient und daß Jesus Christus der Weg, die
+Wahrheit und das Leben ist. Er wollte aber sein sündiges
+Leben nicht ändern und seine heidnischen Laster
+<a class="pagenum" id="page_063" title="63"> </a>
+nicht aufgeben. Dasselbe muß leider von seinen ersten
+Beamten und Häuptlingen auch gesagt werden. Der
+ganze Hof sank nach einem kurzen Anlauf der Besserung
+wieder in das dunkelste Heidentum zurück. Die Missionare
+duldete man trotzdem und ließ sie gewähren,
+weil man äußere Vorteile davon hatte. Außerdem
+schmeichelte es der grenzenlosen Eitelkeit des Königs,
+Engländer an seinem Hof zu haben. Die selbstverleugnende
+Arbeit Mackays und seiner Mitarbeiter schien
+umsonst zu sein. Es schien jedoch nur so. In Wirklichkeit
+keimten alle ausgestreuten Samenkörner im
+Verborgenen ruhig fort und gingen später überall auf.
+Gottes Wort kommt nie leer zurück. Es richtete auch
+in Uganda aus, wozu es gesandt ist, wenn es auch
+vorläufig schien, als ob alles umsonst sei.</p>
+
+<p>Mtesa litt infolge seines Lasterlebens an einer
+bösen Krankheit. Mackay tat, was er konnte, um
+ihm Heilung zu verschaffen. Die Krankheit war aber
+unheilbar. Da hörte Mackay eines Tages zu seinem
+größten Schmerz, daß der Hof beschlossen habe, den
+Erzzauberer Mukasa, den großen Geist des Niansa,
+kommen zu lassen, um den König durch ein einziges
+Wort gesund zu machen. Schon war der gefürchtete
+Lubare ganz in der Nähe. Mackay konnte täglich sein
+Trommeln hören. Er wartete nur auf den Neumond,
+um einzuziehen und seine Zauberei vorzunehmen.</p>
+
+<p>Mackay sah voraus, daß dieser Einzug das Wiederaufleben
+des Heidentums und der gänzliche Rückfall
+des Hofes in heidnische Zauberei bedeute. Mit der
+<a class="pagenum" id="page_064" title="64"> </a>
+Kühnheit eines alttestamentlichen Propheten trat er
+dem drohenden Unheil entgegen, um es womöglich noch
+abzuwenden. Eines Sonntags, als der launische Herrscher
+sich in guter Stimmung befand, faßte Mackay
+sich ein Herz, den König zu warnen. Nachdem in
+öffentlicher Versammlung mehrere Regierungsangelegenheiten
+erledigt waren, setzte sich Mackay vor Mtesa
+und bat um die Erlaubnis, eine Frage stellen zu dürfen.</p>
+
+<p>Mtesa antwortete: »Sprich!« Mackay fragte:
+»Was ist ein Lubare?« Die Frage überraschte alle
+Umstehenden. Aber der König nahm sie gut auf und
+versuchte zu erklären, daß ein Lubare der große Geist
+sei, der sich in einem lebenden Menschen aufhalte.
+Darauf erwiderte Mackay, es gäbe doch in Uganda
+viele solche Geister, sie seien aber Lügner, und der
+Rädelsführer sei der Lubare Mukasa. Er wisse auch,
+daß der König selbst kein Vertrauen zu diesen Zauberern
+habe, einige Häuptlinge hätten ihm aber geraten,
+Mukasa kommen zu lassen. »Hier sitze ich nun
+vor dir als dein Diener und der Diener des allein
+wahren und allmächtigen Gottes, und in Seinem Namen
+bitte ich dich: Habe nichts zu schaffen mit dem
+Lubare, wer dir auch dazu raten mag!« Der König
+nickte beifällig und übersetzte die suahelisch gesprochenen
+Worte Mackays dem ganzen Hofe. Mackay fuhr fort,
+auf den König einzudringen und erklärte ihm, wenn
+Mukasa ein Gott sei, müsse es zwei Götter in Uganda
+geben, den allmächtigen Gott und den Gott Mukasa.
+Wäre Mukasa aber nur ein Mensch, dann gäbe es
+<a class="pagenum" id="page_065" title="65"> </a>
+zwei Könige in Uganda, denn Mukasa gebe sich für
+einen König aus, verachte Mtesas Befehle und triebe
+offene Empörung im Lande. Der König kenne doch
+den lebendigen Gott und solle sich nun freimachen
+von den Zauberern und keinen Feind der Wahrheit
+verehren. Die Geschichte bezeuge, daß Gott mit den
+Königen war, die Ihn allein fürchteten, und daß alle,
+die sich von Ihm abwandten, ein böses Ende nahmen.
+Gott habe gesagt: »Wer Mich ehrt, den will Ich wieder
+ehren; wer Mich aber verachtet, den will Ich
+wieder verachten.«</p>
+
+<p>Der König war bewegt, wünschte aber jetzt das
+Thema fallen zu lassen. Er wolle an Mackays Worte
+denken. So endete die erste Unterredung über die
+große Frage, die jetzt in aller Munde war. In den
+folgenden Tagen besuchte Mackay alle einflußreichen
+Häuptlinge, um sie gegen den Lubare zu stimmen und
+für die Wahrheit zu gewinnen. Einige lieferten ihm
+ihre Fetische aus und nahmen ein Evangelienbuch in
+Suaheli an. Andere machten leere Versprechungen.
+Alle aber schienen sich ihres Glaubens an den Götzendienst
+zu schämen, was Mackay mit neuer Hoffnung
+erfüllte.</p>
+
+<p>Bald darauf hörte er aber mit Entsetzen, daß
+Häuptlinge auf Befehl des Königs in aller Eile einige
+Häuser im Hofe für den Mukasa erbaut hätten. Das
+Herz tat ihm bei dieser Botschaft weh. Zehn Tage
+lang hatte er ernstlich mit jedem Häuptling gegen die
+Torheit des Aberglaubens geredet, am letzten Sonntag
+<a class="pagenum" id="page_066" title="66"> </a>
+noch im Gottesdienst am Hofe aus der Bibel das Verdammungswürdige
+der Zauberei bewiesen &ndash; und jetzt
+war für den königlichen Empfang des Erzzauberers
+Mukasa alles vorbereitet!</p>
+
+<p>So schnell ihn seine Füße trugen, lief er noch
+einmal zu einigen Großen. Überall fand er schon
+Fetische an den Hütten und Amulette an den Körpern.
+Die Häuptlinge suchten sich nun herauszulügen und
+behaupteten, nichts von der Sache zu wissen. Mit dem
+Katikiro, dem heuchlerischen Reichskanzler, konnte er
+nicht sprechen. Er befand sich wie gewöhnlich in seinem
+Harem. In einem seiner Höfe sah Mackay viele
+Zaubergegenstände an einem Baum hängen.</p>
+
+<p>Noch einmal bot sich dem unermüdlichen Kämpfer
+Gelegenheit, vor versammeltem Hofe gegen den Götzendienst
+zu Felde zu ziehen. Der König hielt ein Baraza.
+Auf dem Wege zum Hofe lachten die Leute
+schon verächtlich hinter Mackay her. Im Vertrauen
+auf Gott wagte er es dennoch, sich vor den König zu
+setzen, natürlich auf den Boden. In bescheidener, aber
+entschiedener Weise legte er nun Mtesa dar, daß niemand
+zwei Herren dienen könne und daß die Missionare
+aufhören müßten, am Hofe zu lehren, wenn Mukasa
+einziehe, der doch nur käme, um Zauberei zu treiben
+und den wahren Gott zu beleidigen. Wenn er den
+König heilen könne, hätte er es schon längst tun müssen.
+Er, Mackay, wolle dem König ja nicht vorschreiben,
+welche Gäste er empfangen solle. Mukasa aber sei
+kein gewöhnlicher Gast, sondern ein Betrüger, der das
+<a class="pagenum" id="page_067" title="67"> </a>
+Volk verführe und verderbe. Unerschütterlich berief
+sich Mackay auf Gottes Wort, das alle Hexengläubigen
+als Gottes Feinde betrachtet. Mtesa erwiderte, er
+wisse nicht mehr, was er tun solle. Seine Mutter und
+ihr Anhang seien für den Lubare und wünschten dessen
+Besuch. Mackay entgegnete, Achtung vor den Eltern
+sei tugendhaft, Gott aber sei noch mehr zu achten.
+Weiter hatte er ihm nichts mehr zu sagen. Es war
+ihm klar, daß der König auf ihn hörte, daß aber die
+alten Häuptlinge und die Königinmutter gegen ihn
+waren.</p>
+
+<p>In einer weiteren Beratung mit dem Hofe riet
+man dem König, sich nicht mehr auf die Religion des
+weißen Mannes einzulassen, da dies nur der Anfang
+zur Eroberung des Landes sei. Es solle bei Todesstrafe
+verboten sein, etwas von den Weißen zu lernen.</p>
+
+<p>Dann berief Mtesa in dieser Sache die Missionare
+noch einmal an den Hof. Mackay sollte der Königinmutter
+und ihrem Hofe klarmachen, weshalb er verbiete,
+den Mukasa zu empfangen. Mackay erkannte,
+daß ihm hier eine Schlinge gelegt war und erwiderte,
+er habe nichts zu verbieten, sondern als Diener Gottes
+nur zu mahnen und zu warnen.</p>
+
+<p>Dann redeten einige Häuptlinge, besonders der
+Katikiro, heftig auf den König ein. Dieser ließ sich
+wirklich einschüchtern und erklärte schließlich unter lautem
+Beifall des Hofes, sie wollten nunmehr die Religion
+der Araber und der Christen verlassen und zu
+ihrer alten Religion zurückkehren.</p>
+
+<p><a class="pagenum" id="page_068" title="68"> </a>
+Von nun an wurde Mackay mit heidnischer Unverschämtheit
+behandelt. Gefragt, warum er und die
+anderen Missionare überhaupt gekommen seien, erwiderte
+er, daß der König es doch selbst gewünscht habe.
+Mtesa aber warf dazwischen, er habe damit nicht gemeint,
+daß die Weißen ihnen die Lehre von Gott bringen,
+sondern ihnen zeigen sollten, wie man Flinten und
+Pulver macht. Die Missionare dürften hinfort nicht
+mehr lehren, sondern nur noch für ihn arbeiten. Hierauf
+zeigte ihm Mackay seine Hände, die schwielig und
+schwarz waren von der Arbeit für den König und seine
+Häuptlinge, und sagte, er habe sich nie der Arbeit geweigert
+und werde es nie tun, solange er lehren dürfe;
+wenn er nichts mehr über die Lehre von Gott sagen
+könne, müsse er das Land verlassen. Dann bat er
+dringend um Erlaubnis, doch das niedere Volk (Bakopi)
+lehren zu dürfen, wenn der Hof nichts mehr davon
+wissen wolle. Die Bitte wurde aber verneint. In
+der Belehrung und Bekehrung der Bakopi sahen die
+Herren Häuptlinge erst recht eine Gefahr für ihren
+Einfluß und einen Angriff auf ihre Machtstellung.</p>
+
+<p>Die alten Götter hielten also wieder ihren Einzug
+in die Hauptstadt Ugandas. Furchtbarer Trommellärm,
+der näher und näher kam, kündete Mackay eines
+frühen Morgens an, daß der Lubare sich auf dem
+Wege nach dem Hof befinde. Mackay dankte Gott,
+daß der Zug mit dem gellenden Geschrei vieler Hunderte
+von Weibern nicht an seiner Stätte vorbeikam.
+Wer weiß, was das fanatisierte Volk angefangen hätte!
+<a class="pagenum" id="page_069" title="69"> </a>
+Noch an demselben Tage wurde der Lubare vom König
+empfangen. Von den Häuptlingen und den Zauberern
+wurde das Bier in Strömen vertilgt, während Mtesa
+kaum am Becher genippt haben und merklich still gewesen
+sein soll. Die geringen Zauberer spielten und
+tanzten, der Lubare sang und prophezeite Krieg mit
+den Fremdlingen; das war alles, was er konnte.</p>
+
+<p>Mackay wußte, daß die alten Götter das Herz
+des Volkes nicht mehr lange befriedigen würden und
+keine Macht den Sieg des Kreuzes hindern könne.
+»Wir wollen uns ruhig verhalten, wenn Gott uns
+das Leben läßt, bis der Sturm vorüber ist.« Das
+kühne Auftreten Mackays hatte doch den Lubaridienst
+stark erschüttert. Der König schämte sich augenscheinlich
+desselben, und da seine Krankheit nicht hinweggezaubert
+wurde, erklärte er das Ganze für Schwindel,
+mit dem er nichts zu tun haben wolle. Das kühlte
+auch den Eifer der Häuptlinge ab und machte das
+Lehrverbot illusorisch. Mackay und seine Brüder unterrichteten
+vorläufig ungestört weiter.</p>
+
+<p>Die Nichtigkeit des Götzendienstes suchte Mackay
+auch sonst immer handgreiflich zu beweisen. Gelegentlich
+einer Reise über den Niansa sah er, daß der
+Kapitän der kleinen Kanuflotte dem Lubare jeden
+Morgen ein Bananenopfer ins Wasser warf. Mackay
+kaufte von den Ruderern einen großen Fetisch (Schutzzauber)
+und hielt ihnen ernstlich die Ohnmacht der
+Götzen und die Macht und Liebe Gottes vor. Dann
+<a class="pagenum" id="page_070" title="70"> </a>
+fragte er sie, was in dem Fetisch wäre. »Der Lubare,«
+antworteten viele.</p>
+
+<p>»Wird er im Feuer verbrennen?«</p>
+
+<p>»O nein, der Lubare brennt nicht.«</p>
+
+<p>»Gut, wir werden ja sehen!« Am Strande angekommen,
+machte er ein Feuer und warf den Zauber
+hinein. In wenigen Augenblicken war er in Asche
+verwandelt. Entsetzt lief die Hälfte der Umstehenden
+davon; die anderen starrten ihn an und erwarteten,
+daß augenblicklich ein Strafgericht über den weißen
+Mann hereinbrechen würde.</p>
+
+<p>»Nun ist der Teufel tot,« triumphierte Mackay,
+»und ihr seht alle, daß keine rettende Kraft in den
+Fetischen ist und daß Gott allein uns helfen kann.«</p>
+
+<p>Durch solches Verfahren wurde wohl der Glaube
+an die Götzen erschüttert, aber nicht ausgerottet.</p>
+
+<p>»Das erfordert mehr,« schreibt Mackay. »Die alte
+fleischliche Natur des Menschen mit all ihrer Feindschaft
+gegen Gott und das Gute bleibt zurück. Diese
+umzuwandeln liegt nicht in des Menschen Macht; aber
+die Mittel sind dazu da. Wir kommen mit dem Buche
+der Offenbarung der ewigen Liebe Gottes in der Hand
+und suchen die heiligen Lehren den Herzen nahezubringen.
+Heute hören sie uns zu, morgen sagen sie:
+›Wir brauchen eure Lehren nicht. Lehrt uns Pulver
+und Gewehre anfertigen, so wollen wir euch Land und
+Sklaven geben.‹ Heute sind wir Freunde, morgen
+fragen sie die Zauberer, und uns verdammt man als
+die Ursache alles Übels. Sogar unsere Religion wird
+<a class="pagenum" id="page_071" title="71"> </a>
+von vielen als eine Art Zauberei angesehen, und die
+Bibel nennen sie einen Fetisch oder <span class="ss">jembe</span>, d.&nbsp;h. Götzen.
+So fluten die Wogen auf und nieder. Aber immer noch
+leuchtet hell der Morgenstern, das Zeichen des Evangeliums
+des Friedens. Je heftiger eine Zeitlang die
+Gegenwehr ist, desto schneller wird sie ihre Kraft verbrauchen,
+und dann triumphiert die Wahrheit. Unsere
+Feinde sind zahlreich, und außer denen, die wir hier
+vorfanden, die Araber, sind noch die Katholiken in unser
+Feld eingedrungen und machen uns jeden Zoll streitig.«</p>
+
+
+
+
+<h2>Elftes Kapitel.<br />
+
+<b>Zwischengefechte mit Arabern und
+Katholiken.</b></h2>
+
+
+<p>In seinen Reisebriefen hören wir Mackay oft
+über die arabischen Sklavenhändler klagen. Mit flammenden
+Worten haben vor ihm Livingstone und Stanley
+schon die zivilisierte Welt auf das schreckliche Treiben
+der mohammedanischen Menschenhändler aufmerksam
+gemacht. Mackay nennt sie die »getünchten
+Gräber«, welche alle Gebetsvorschriften ihres falschen
+Glaubens genau erfüllen und sich durch den Sklavenhandel
+<a class="pagenum" id="page_072" title="72"> </a>
+täglich der grauenhaftesten Schandtaten schuldig
+machen. Ihre Sklaven schickten sie auf Plünderung
+aus, um Weiber und Kinder als Beute zurückzubringen.
+Ihre Pfade seien Wege der Hölle.</p>
+
+<p>Als Mackay nach Uganda an den Hof kam, waren
+die Halbblutaraber schon lange als Händler im Lande
+seßhaft. Für ihre Waren tauschten sie aber nur Sklaven
+ein. Einige hatten beständig am Hofe Zutritt. Mtesa
+galt eine Zeitlang auch als Anhänger Mohammeds. Er
+war es aber in Wirklichkeit ebensowenig, als er später
+ein überzeugter Christ war. Eines Tages bot ein
+arabischer Händler am Hofe Flinten und Zeug an,
+wofür er »nur« Sklaven haben wollte: für ein Stück
+rotes Zeug einen, für eine Muskete zwei männliche
+Sklaven, für hundert Zündhütchen eine Sklavin.
+Mackay trat sofort gegen ihn auf und wies den König
+auf die Dekrete des Sultans von Sansibar gegen den
+Menschenhandel und auf die Greuel hin, welche mit
+diesem Handel verbunden sind. Dann gab er eine
+Lektion über Physiologie und fragte, warum solch ein
+Organismus wie der menschliche Leib, den keines Menschen
+Hand zu bilden vermöge, für ein Stück Zeug,
+das jeder an einem Tage herstellen könne, verkauft
+werden solle. Das Ergebnis war nicht nur die Ablehnung
+des Angebots des Arabers, sondern auch eine
+königliche Verordnung, nach welcher bei Todesstrafe in
+Uganda niemand einen Sklaven verkaufen dürfe.</p>
+
+<p>Dies Gebot war praktisch damals gar nicht durchführbar,
+wie Mtesa später selbst zugab, da der Sklavenhandel
+<a class="pagenum" id="page_074" title="74"> </a>
+fast der einzige Handel Afrikas war. In Uganda
+selbst wurden jährlich etwa zweitausend Sklaven von
+den Arabern gekauft und zur Küste gebracht. Die
+Araber wurden jetzt zu heftigen Gegnern der Mission,
+nicht aus religiösen Gründen, sondern weil sie den
+Markt in Uganda nicht mit den Weißen teilen und im
+Sklavenhandel ungestört bleiben wollten. Mackay sollte
+bald erfahren, daß er in ihnen am Hofe grimmige und
+listige Gegner hatte. Mehr als einmal brachten sie
+durch Verdächtigungen aller Art sein Werk und Leben
+in die größte Gefahr.</p>
+
+<p>Einmal hinterbrachten sie dem König eine schreckliche
+Lüge über das Vorleben Mackays. Er sei ein
+landflüchtiger Verbrecher, habe zweier Morde wegen
+sein Vaterland verlassen müssen und dann das Schiff,
+auf dem er floh, in die größte Gefahr gebracht; der
+Kapitän hätte ihn in Sansibar ans Land gesetzt. Aber
+auch auf dieser Insel wäre seines Bleibens nicht gewesen.
+Nachdem er wieder einen Doppelmord auf dem
+Gewissen gehabt, sei er nach Uganda gekommen. Einem
+Sklaven, der das alles wisse, hätte er hohes Schweigegeld
+geboten. Ein andermal erzählten sie am Hofe, die
+Königin von England hätte Mtesa eine Spieldose,
+tausend Flinten und viel Zeug gesandt, aber die Missionare
+hätten alles unterschlagen. In der Spieldose
+seien übrigens lauter lebendige Teufel; wenn Mackay
+pfeife, fingen sie an zu spielen; wenn er ihnen »Halt!«
+zuriefe, würden sie still.</p>
+
+<p>Als Mackay am Missionshaus baute, raunten sie
+<a class="pagenum" id="page_075" title="75"> </a>
+dem König und seinen Räten ins Ohr, das sollte eine
+Festung werden und das sei der Anfang zur Eroberung
+des Landes. Fünfzig Sklaven wären schon einexerziert,
+und andere Soldaten kämen von der Küste. Das
+politische Motiv spielten sie übrigens in allen Tonarten,
+um Mißtrauen gegen die Fremden und besonders
+gegen die Missionare zu säen. Diese seien nur politische
+Spione und Agenten. Nach ihnen kämen die Engländer,
+um das Land »aufzuessen«. Im Gottesdienst
+am Hofe erschwerten sie die Lehrtätigkeit durch lästige
+Zwischenbemerkungen, z.&nbsp;B.: die Weißen seien Bilderanbeter,
+hätten eine falsche Religion, äßen Schweinefleisch,
+hielten Hunde und seien schlecht, am schlechtesten
+aber wären die Engländer. Solange Mackay in
+Uganda war, kämpften sie mit allen Mitteln gegen ihn,
+und als er endlich die Hauptstadt verließ, wozu sie
+viel beigetragen hatten, frohlockten sie, freilich zu
+früh, denn ihre Zeit ging damals zu Ende und die des
+Christentums begann erst recht.</p>
+
+<p>Neben den Muselmännern stellten sich aber noch
+andere Gegner ein, denen Mackay zu begegnen hatte
+und zu begegnen wußte.</p>
+
+<p>Am 23.&nbsp;Februar 1879, einem Sonntag, gingen die
+Missionare nach ihrer Gewohnheit an den Hof, um zu
+predigen. Aber dort war große Aufregung, und niemand
+kam zum Gottesdienst. Es sollten zwei Weiße
+als Gäste des Königs angekommen sein. Die Missionare
+hatten keine Ahnung, wer das sein könnte. Es
+waren jesuitische Gegenmissionare, französische Untertanen
+<a class="pagenum" id="page_076" title="76"> </a>
+von den Vätern des Kardinals Lavigerin aus
+Algier. Vergebens erinnerte sie Mackay an ein altes
+Abkommen, daß man Mohammedanern und Heiden
+nicht das bedauerliche Schauspiel einer in sich gespaltenen
+Religion bieten, sondern auf getrennten Feldern
+arbeiten wolle. Die Priester erklärten, sie seien an
+jenes Abkommen von Bagamoyo nicht gebunden, da sie
+einem anderen Orden angehörten.</p>
+
+<p>Dem König, dem die Franzosen sehr wertvolle
+und sorgfältig ausgewählte Geschenke machten, war es
+ganz willkommen, wenn er die beiden Missionen gegeneinander
+ausspielen und aus beiden Vorteile ziehen
+konnte, ohne sich für das eine oder für das andere
+entscheiden zu müssen.</p>
+
+<p>Bald kam es zu häßlichen Auftritten am Hofe.
+An einem Sonntag hielt Mackay Gottesdienst. Lourdel
+und sein Genosse, den Mackay noch nicht kannte, waren
+auch zugegen. Die Grüße des Engländers erwiderten
+sie kaum. Der Gottesdienst begann. Mackay schlug
+sein »Prayerbook« auf, und alle knieten nieder zum
+Gebet. Nur die römischen Priester blieben sitzen und
+schwatzten dabei. Mtesa stellte sie darüber zur Rede
+und fragte, ob sie nicht an Christum glaubten und
+Ihn anbeteten. Lourdel erging sich nun in den beleidigendsten
+Ausdrücken, nannte Mackay einen Lügner
+und die Bibel ein Lügenbuch. Mackay seufzte innerlich
+um Gnade, sich jetzt recht verhalten zu können.
+Der Herr stand ihm bei, so daß er in aller Ruhe und
+Klarheit erzählen konnte, was die Protestanten von
+<a class="pagenum" id="page_077" title="77"> </a>
+Rom trennt. Die Römischen hätten den Papst als
+Oberhaupt, die Evangelischen hätten die Bibel als einzige
+Autorität und verehrten keinen anderen Herrn als
+Jesum Christum. Um die Gemüter zu beruhigen, setzte
+er hinzu, in vielen Dingen stimmten beide Konfessionen
+überein. Der aufgeregte Priester wollte aber nichts
+vom Frieden wissen und wiederholte seine Schmähungen.
+Niemals hörte Mackay so oft das Wort <span class="ss">muongo</span>
+(Lügner) auf sich anwenden als von jenem römischen
+Pater. Die Verwirrung unter den Zuhörern war
+schließlich so groß, daß Mtesa erklärte: »Die Araber
+lehrten mich, an einen Gott zu glauben, Mackay sagte
+mir von zweien (Gott und Christus), und die Franzosen
+haben gar drei (Gott, Jesus und Maria); nun
+glaube ich keinem mehr. Jeder weiße Mann hat ja
+eine andere Religion.«</p>
+
+<p>Vierzehn Tage nach den Jesuiten traf ein Brief
+des englischen Generalkonsuls in Sansibar ein, in dem
+u.&nbsp;a. stand, die englischen Missionare hätten nichts mit
+der Politik zu tun; sie seien aus eigenen Antrieb gekommen
+und nicht direkt von der Königin gesandt. Dadurch
+sollte bei Mtesa der Verdacht zerstreut werden,
+daß die Missionare politische Agenten seien. Mtesa
+befahl den Arabern, den Brief zu übersetzen. In ihrem
+Hasse gegen die Christen übersetzten sie nun falsch und
+lasen, daß »kein Engländer in Uganda von der englischen
+Königin komme oder Briefe von der englischen
+Regierung habe«. Nun hatten aber wenige Wochen
+vorher drei Missionare, die zu Mackays Unterstützung
+<a class="pagenum" id="page_078" title="78"> </a>
+kamen, ein Schreiben vom Premierminister im Namen
+der Königin überreicht.</p>
+
+<p>Es gab einen neuen, schrecklichen Auftritt. Mtesa
+nannte Mackay und seine Mitarbeiter Betrüger und
+erklärte den Brief von England als eine Fälschung.
+Die Einsicht in den Brief des Konsuls wurde ihnen
+vorenthalten. Sie mußten alles über sich ergehen lassen
+und stellten es Gott anheim, der da recht richtet und
+den Wahrhaftigen hilft. Da sie trotzdem noch geduldet
+wurden, fuhren sie desto eifriger in der Ausbreitung der
+Wahrheit fort.</p>
+
+<p>»Es scheint mir,« schreibt Mackay, »daß Gott das
+Eindringen der falschen Lehren zugelassen hat, damit
+wir die Wahrheit um so eifriger verbreiten. O, daß
+wir die kurze uns zur Verfügung stehende Zeit mehr
+zur Verherrlichung Gottes gebrauchen könnten und
+wollten! Wir taten, was wir konnten, zu verhindern,
+daß Unkraut unter den Weizen gesät würde, als die
+ersten Papisten im Anzuge waren, und nun werden
+sie sich neben uns festsetzen. &ndash; Wir müssen alle Kraft
+daransetzen, dem Volke die Heilige Schrift in ihrer
+eigenen Sprache zu geben und sie lehren, dieselbe zu
+lesen und zu glauben.«</p>
+
+<p>Darin sah Mackay mit Recht die beste Waffe und
+das beste Abwehrmittel gegen alle Feinde, auch gegen
+die katholische Propaganda. Bald nach seiner Ankunft
+in Uganda begann er eine beträchtliche Anzahl Lesetafeln
+herzustellen. Er verfertigte große Lettern aus
+hartem Holz und druckte mit Hilfe seiner kleinen Presse
+<a class="pagenum" id="page_079" title="79"> </a>
+Buchstaben, Silben, Wörter und auch ganze Sätze auf
+zugerichtete Tafeln. Die Fibeln gab er den herzuströmenden
+Lernbegierigen und unterrichtete sie dann
+in der Lesekunst. Den Fortgeschrittenen händigte er
+gedruckte Bibelsprüche ein und unterwies sie zugleich in
+den geoffenbarten Wahrheiten.</p>
+
+<p>Das größte Verdienst erwarb sich Mackay aber
+durch seine Übersetzungsarbeiten. Seine Mitarbeiter
+wechselten oft, zu oft, um mit der Landessprache völlig
+vertraut zu werden und zuverlässige sprachliche Arbeiten
+anfertigen zu können. Mackay dagegen war
+neun Jahre ununterbrochen am Orte und stand nach
+seiner Verdrängung noch zweieinhalb Jahre im regen
+Verkehr mit den Waganda, deren Sprache er wie seine
+eigene kannte. Im Januar 1880 begann er mit der
+Übersetzung des Evangeliums Matthäi mit dem Gebete:
+»Möge der Heilige Geist, der das Wort zuerst
+eingab, mir Herz und Hand zu dieser Arbeit reinigen
+und dieselbe heiligen zur Ehre meines hochgelobten
+Herrn und Meisters Jesus Christus!« In diesem Geiste
+und der ihm eigenen Sorgfalt und Gründlichkeit übersetzte
+er im Laufe der Jahre nicht nur das Matthäus-,
+Lukas- und Johannesevangelium, sondern auch ausgewählte
+Psalmen, Gebete und Lieder in die Landessprache.
+Dann druckte er sie auch und band die Bücher,
+wobei ihm seine Mitarbeiter fleißig Handreichung taten.
+Außerdem wurde auch das Suahelitestament in Uganda
+sehr verbreitet, besonders im Anfang, weil viele dieser
+Sprache mächtig waren.</p>
+
+<p><a class="pagenum" id="page_080" title="80"> </a>
+Das Übersetzte wurde wiederholt unter dem Beistand
+seiner Mitarbeiter und geförderter Wagandachristen
+revidiert und korrigiert. Mit ihnen saß er
+auch in der schweren Verfolgungszeit nach Mtesas
+Tode (1884) manchen Tag und manche Nacht über
+dem heiligen Texte. Die meisten Exemplare wurden
+verkauft, nicht verschenkt, und gingen so rasch ab, daß
+immer neue Auflagen gedruckt werden mußten. Das
+bereitete Mackay neben der Freude auch manche Not,
+da die Mittel und Hilfsmittel so dürftig waren, wie
+sie nur sein konnten.</p>
+
+<p>Das Wort Gottes wurde unter dem Volke ein
+Same der Wiedergeburt und die tägliche Seelenspeise
+der Bekehrten. Stanley, der 1889 in der Nähe Ugandas
+war, beobachtete mit Staunen die christlichen Flüchtlinge
+aus Uganda &ndash; es war gerade zur Zeit der
+Verfolgung&nbsp;&ndash;, wie »fast jeder von ihnen ein Buch
+hatte, Gebete und das Evangelium Matthäi, wie sie
+in ihren Hütten sich auf den Boden legten, ihre Bücher
+hervorzogen und darin lasen« und ihm erzählten, sie
+seien alle &ndash; etwa 2500 &ndash; Mackays Schüler und
+gehörten zu Mackays Mission; jeder hätte persönlich
+das Buch von ihm empfangen.</p>
+
+<p>So kämpfte der Held von Uganda mit dem Schwert
+des Geistes unermüdlich gegen die furchtbare Macht
+der Finsternis im dunkelsten Afrika. Zur Bekämpfung
+des abscheulichen Sklavenhandels hat er in seinen Briefen
+an Londoner Zeitungen viel Anregung und wertvolle
+Winke gegeben. Er klagt darin besonders über
+<a class="pagenum" id="page_081" title="81"> </a>
+den Freihandel, durch den es den Arabern gestattet war,
+sich und ihre Helfershelfer mit Pulver und Gewehren
+zur Menschenjagd auszurüsten. Ohne diese Mordwaffen
+könnten weder die Araber noch die Eingeborenen
+die Sklavenjagd betreiben. Die uneingeschränkte Einführung
+von Mordwaffen in Afrika sei die reine Wahnsinnspolitik.
+»Die englischen Schiffe, welche Missionare
+und Bibeln zur Bekehrung Afrikas hierherführen,
+bringen in weit größerer Anzahl Gewehre mit, die
+diesen Weltteil in eine Hölle verwandeln. Immer
+wieder haben mir die Waganda gestanden, daß ihnen nur
+die Gewehre ihre Raubzüge in die Nachbargebiete möglich
+machten. Die schwarzen Könige würden sich bald
+vertragen, wenn ihre Pulverkammern leer wären.«</p>
+
+<div class="il">
+ <img class="bo" src="images/img072.jpg" alt="" />
+ <p class="cap"><b>Afrikanischer Häuptling.</b></p>
+</div>
+
+
+
+
+<h2>Zwölftes Kapitel.<br />
+
+<b>Mtesa, ein Heide durch und durch.</b></h2>
+
+
+<p>Die Afrikaforscher, welche durch ihre günstigen
+Berichte über den »humanen König« von Uganda die
+Missionare in die Höhle dieses Löwen lockten, lernten
+während ihres kurzen Aufenthaltes nur die Außenseite
+kennen, die allerdings einen guten Eindruck machte.
+Die Waganda zeichneten sich durch einen gewissen Grad
+<a class="pagenum" id="page_082" title="82"> </a>
+von Zivilisation von den übrigen Stämmen, die in trostlosem
+Zustande lebten, vorteilhaft aus. Ihr König
+regierte als absoluter Herrscher zeitweilig mit rechtlichem
+Sinn und in fortschrittlichem Geiste. Bei den
+Untertanen genoß er göttliches Ansehen. Sie brachten
+ihm das Beste ihres fruchtbaren Landes als Steuer dar.
+Die Araber waren schon seit Generationen am Hofe
+heimisch. Die Fremden wurden stets freundlich und
+großartig am Hofe empfangen, freilich nicht aus königlicher
+Tugend, sondern aus heidnischer Eitelkeit. Der
+Reisende Speke, welcher den Niansa entdeckte, lernte
+Mtesa noch als Heide kennen. Stanley fand ihn bei
+seinem ersten Besuch als Mohammedaner vor und
+brachte ihn soweit, daß er vor versammeltem Hofe
+eine Art öffentliches Bekenntnis zum Christentume ablegte.
+Ein religiöses Verlangen lag diesem Wechsel aber
+nie zugrunde, sondern die unersättliche Gier nach Ansehen,
+Ehre und Macht. In seiner Eitelkeit verstieg
+er sich soweit, daß er an Mackay das Ansinnen stellte,
+ihm die Tochter der Königin Viktoria von England
+zur Frau zu verschaffen. Diese »Heirat« leuchtete
+ihm um so mehr ein, nachdem man ihm klargemacht
+hatte, daß er, statt tausend Elefantenzähne zu zahlen,
+einen Brautschatz bekommen würde.</p>
+
+<p>»Wenn man länger hier lebt,« berichtet Mackay,
+»dann verschwindet Glanz und Gastfreundschaft schnell.
+Man wird über die barbarischen Zustände am Hofe
+selbst mit Ekel erfüllt. Erhebt man erst die Stimme
+gegen die Treulosigkeit, Verlogenheit und Lasterhaftigkeit,
+<a class="pagenum" id="page_083" title="83"> </a>
+gegen die Mordgier und Grausamkeit, dann wendet
+sich das Blatt, und der wahre Charakter des Volkes
+kommt zum Vorschein. Statt Gastfreundschaft findet
+man Haß, anstatt des täglichen Brotes kann man dem
+Hunger ausgesetzt werden. Man wird nicht mehr als
+willkommener Wohltäter des Volkes, als Lehrer der
+Wahrheit, als Führer zum Licht und Recht, sondern
+als lästiger Spion betrachtet, der neue Sitten einführen
+und das gute Alte stürzen will.«</p>
+
+<p>»Mtesa ist ein Heide durch und durch. Er besitzt
+alle teuflischen Eigenschaften und ist unfähig, seine
+tierischen Leidenschaften zu zügeln. Alles dreht sich
+bei ihm ums liebe Ich.« Mehrjährige Erfahrung und
+Beobachtung lehrte Mackay und seine Mitarbeiter, daß
+alle scheinbaren großmütigen Handlungen des Königs
+darauf berechnet waren, Ruhm zu ernten. Eitelkeit
+war die Mutter seiner Tugenden. Nach seiner Ansicht
+ist Uganda und die ganze Welt nur seinetwegen da.</p>
+
+<p>Im Jahre 1881 sandte er ein Heer nach Osten
+und eins nach Westen, nicht um Krieg zu führen,
+sondern um zu morden, zu rauben und zu plündern.
+Ein Jahr später gab er den Befehl, jeder Mann im
+Lande müsse am Handgelenk eine Perlenschnur tragen;
+wer dem Befehl nicht nachkomme, dem werde die Hand
+abgehackt werden. Jede Frau hingegen solle eine
+Perlenreihe um die Taille tragen, sonst werde an
+dieser Stelle der Körper durchschnitten werden.</p>
+
+<p>Jedes Verbrechen und jede Scheußlichkeit war in
+dem Lande zu Hause. Täglich wurden aus schändlichem
+<a class="pagenum" id="page_084" title="84"> </a>
+Mutwillen viele unschuldige Opfer umgebracht.
+Lange Zeit hindurch wußten die Missionare nichts
+davon. Man tat es aus Rücksicht auf sie nicht so
+öffentlich wie früher. Nach und nach erst durchschauten
+sie das grausige Treiben der zahlreichen königlichen
+Scharfrichter, welche abends auf den einsamen Wegen
+ihren Opfern auflauerten, sie knebelten und am anderen
+Tage ermordeten, nicht weil sie etwas verbrochen hatten
+(danach fragte man nicht), sondern weil der König geruhte
+zu wünschen, daß täglich ein Quantum Menschenblut
+zur Mehrung seiner Ehre und Macht fließe.
+Die Scharfrichter mußten zusehen, wie sie ihre Beute
+finden konnten. Und das niedere Volk, welches keine
+mächtigen Häuptlinge zu Beschützern hatte, mußte diese
+Opfer stellen.</p>
+
+<p>»Es ist dunkel, 10&nbsp;Uhr abends. Alles ist ruhig.
+Auch drüben auf der anderen Seite des kleinen Tales
+ist der letzte Trommelwirbel verklungen, weil dort der
+Scharfrichter seine Opfer für den Tag beisammen hat.
+Ihr Blut wird morgen fließen. Plötzlich ertönt ein
+gräßlicher Schrei vom Wege nach dem Missionsgehöft
+herüber, dann das Geschrei verworrener Stimmen, wiederum
+ein Schrei, der das Blut erstarren macht &ndash;
+und alles ist wieder still. ›Hihihi! &ndash; hast du's gehört?‹
+grinste einer der jungen Burschen, die bei Mackay
+waren, ›sie haben ihm die Kehle durchgeschnitten! Hihihi!‹
+Und er lachte. Es war das teuflische Lachen
+der Waganda aus Freude an der Grausamkeit.« &ndash;
+Der arme Mensch war allein und spät auf dem Wege
+<a class="pagenum" id="page_085" title="85"> </a>
+von den Aufpassern des Königs, welche abends für
+Ruhe und für Sicherheit zu sorgen haben, aufgefunden
+und sofort getötet worden, weil es dem blutgierigen
+Hofe also gefällt und die Aufpasser nur dann höher in
+der Gunst steigen, wenn sie durch solche Aufmerksamkeit
+ihre Tüchtigkeit erweisen. »Wer kann sie alle
+zählen, die am Morgen Gottes Sonne schauen und
+ehe der andere Morgen dämmert, gewaltsam in die
+Ewigkeit befördert sind!«</p>
+
+<p>Daß »der humane König«, wie er oft genannt
+wurde, als er zum Islam übertrat, an einem Tage
+zweihundert Jünglinge lebendig verbrennen ließ, weil
+sie bei Annahme der neuen Religion etwas weiter
+gingen als er selbst und sich noch beschneiden ließen,
+haben wir früher schon angedeutet.</p>
+
+<p>Mit den Einzelhinrichtungen begnügt sich die teuflische
+Mordgier jedoch nicht. Fast alljährlich fanden
+Massenabschlachtungen, sogenannte Kiwendo statt. Mtesas
+Vater pflegte solche öfters anzuordnen, und der
+Sohn durfte nicht hinter dem Beispiel seines Vaters
+zurückbleiben. Zu einem zünftigen Kiwendo gehörten
+zweitausend Opfer, die man vorher mit großer List
+einfing und dann an einem Tage abschlachtete. Solche
+Kiwendos fanden statt, während die Missionare am
+Hofe jahrelang und täglich lehrten.</p>
+
+<p>Im Jahre 1880 ließ der König die Grabstätte
+seines Vaters neu aufbauen. Um dieselbe her sind
+hundert kleine Hütten errichtet worden. Sie dienen
+den vielen Zauberinnen als Wohnort, in die der Geist
+<a class="pagenum" id="page_086" title="86"> </a>
+des verstorbenen Königs gefahren sein soll. Als der
+Umbau sich der Vollendung näherte, wurden die Scharfrichter
+angewiesen, ein Kiwendo vorzubereiten. Am
+Tage der Vollendung wurde dem abgeschiedenen Geiste
+des mordgierigen Suma zweitausend unschuldige Menschen
+als Sühnopfer dargebracht. Überwacht wurde
+der Hüttenbau sowohl wie die Massenhinrichtung von
+drei Häuptlingen, die bei den Missionaren lesen und
+Gottes Wort kennen gelernt hatten.</p>
+
+<p>Ein Jahr später befahl Mtesa abermal ein großes
+Kiwendo. Ein Zauberer hatte es ihm im Interesse
+seiner königlichen Genesung angeraten. Die Häscher
+waren fleißig bei der Sache, und bald hatten sie ihre
+Zahl (zweitausend) beisammen. Fünf Personen ergriff
+man vor dem Tore des Missionshofes. Bei der
+Abschlachtung wurden einigen die Hälse abgeschnitten,
+andere aber zu Tode gefoltert. Man schnitt ihnen
+die Ohren ab, stach ihnen die Augen aus oder schnitt
+ihnen Stücke Fleisch aus Armen und Beinen und briet
+sie vor ihnen. Dann erst verbrannte man die Ärmsten
+bei lebendigem Leibe.</p>
+
+<p>Um diesen Massenmord zu verhindern, schrieben
+Mackay und sein Mitarbeiter Pierson an den König
+einen Brief und erbaten dazu auch die Unterschrift
+der katholischen Missionare. Die Jesuiten aber weigerten
+sich, dieselbe zu geben. Obwohl sie auch täglich
+am Hofe waren, erhoben sie nicht ihre Stimme, um
+dem grauenvollen Treiben zu steuern. In dem Briefe
+erinnerte Mackay den König an das Gebot: »Du sollst
+<a class="pagenum" id="page_088" title="88"> </a>
+nicht töten«, an die Entvölkerung des Landes, die
+durch diese Morde entstand, und an die Sage, Kintu,
+der Begründer des Landes, sei verschwunden, weil
+Uganda mit Blut überschwemmt gewesen sei. Die kühne
+Bitte der edeln Missionare fand kein Gehör. Sie hatten
+aber ihre Pflicht getan und überließen die Folgen
+dem allmächtigen Gott.</p>
+
+<p>Mackays Geschicklichkeit und Dienstwilligkeit wirkten
+oft besänftigend auf den grausamen König und
+stimmten ihn freundlich gegen die Mission. Bei allen
+Schwankungen der Stimmungen im Gemüt dieses Tyrannen
+und am Hofe fügte es Gott doch so, daß die
+Missionare Schutz hatten, wenngleich ihr Leben auch
+einigemal in großer Gefahr stand. Solange Mtesa
+lebte, hatten sie gewisse Rechte und Lehrfreiheit trotz
+der vielen Verbote und Drohungen und trotz der Wühl-
+und Hetzarbeit der Mohammedaner. Gott lenkte auch
+diesem Könige das Herz, daß er wider Willen dem
+Evangelium zum Eingang in seinem Lande verhalf.</p>
+
+<p>Ergreifend ist der Bericht, in welchem Mackay erzählt,
+wie er Mtesa zum letztenmal zur Rettung seiner
+Seele aufforderte. Sie hatten miteinander eine Unterredung
+über Tod und Ewigkeit. Mtesa antwortete
+auf das Zeugnis Mackays mit seinen gewöhnlichen
+Ausreden: »Liest der Araber sein Buch (Koran), so
+sagen die Weißen, das seien Lügen. Lesen die Weißen
+ihr Buch (Bibel), dann rufen die Araber: ›Das sind
+Lügen!‹ Was ist nun wahr?« Mackay stand nun
+auf und trat vor den König an der Matte, auf welcher
+<a class="pagenum" id="page_089" title="89"> </a>
+der Katikiro saß. Dort kniete er nieder und sagte
+mit heiligem Ernste: »O Mtesa, mein Freund, gebrauche
+nicht immer diese Ausreden. Wenn du und
+ich am großen Tage des Gerichts vor Gott stehen werden,
+kannst du dann dem Allmächtigen sagen, du hättest
+nicht gewußt, was du glauben solltest, weil Masudi
+(ein Araber) dir das und Mackay dir etwas anderes
+sagte? Nein! Du hast das Neue Testament, lies
+es doch! Gott wird dich danach richten. Es hat noch
+niemand darin die Wahrheit gesucht, der sie nicht
+gefunden hätte.«</p>
+
+<p>Mtesa blieb, was er war: ein Heide durch und
+durch. Charakteristisch ist eine Erklärung, die er
+Mackay einmal vor versammeltem Hofe gab: »Nehmen
+wir das Christentum an, so dürfen wir nur eine Frau
+haben. Werden wir Mohammedaner, so dürfen wir
+kein Fleisch essen.« Man muß es als eine besondere
+Fügung Gottes betrachten, daß Mackay dennoch der
+erklärte Liebling Mtesas blieb und mit der königlichen
+Gunst auch den königlichen Schutz genoß, solange
+Mtesa lebte. Die Hoffnung, den König für Jesum zu
+gewinnen, mußte der Pionier Ugandas endlich aufgeben.
+Er tat's mit schwerem Herzen, hatte aber die
+Genugtuung, daß sich die Pagen und Diener des Hofes
+immer empfänglicher für die Wahrheit zeigten.</p>
+
+<p>Nach vierjähriger Wirksamkeit konnten im März
+1882 die Erstlinge der Waganda getauft werden. Es
+waren fünf hoffnungsvolle Jünglinge. Der erste unter
+ihnen nannte sich in dankbarer Anerkennung dessen,
+<a class="pagenum" id="page_090" title="90"> </a>
+was sein Lehrer ihm geworden, Sembera Mackay.
+Wir können es verstehen, daß Mackays Herz voll
+Freude und Dank war über diese Erstlingsfrucht und
+daß er auf sie mit derselben zärtlichen Liebe blickte
+wie eine Mutter auf ihr erstgeborenes Kind.</p>
+
+<p>Im gleichen Jahre starb die Königinmutter. Sie
+war der biblischen Lehre stets abhold gewesen und
+verschied unter den Zaubersprüchen der Götzenpriester.
+Mtesa ließ sie mit großem Gepränge beisetzen. Auf
+seinen Wunsch hatte Mackay dazu drei ineinandergehende
+Särge, darunter einen aus Kupfer, angefertigt.
+Diese Arbeit nahm einen ganzen Monat in Anspruch.
+Während dieser Zeit war große Landestrauer vorgeschrieben;
+es durfte keine weitere Arbeit verrichtet,
+keine Reise unternommen, keine Last getragen werden.
+Nach der Beerdigung wurde Mackay reichlich beschenkt.</p>
+
+<p>Im folgenden Jahre baute Mackay am Ufer des
+Niansa das Missionsboot »Eleonore«. Die Arbeit hielt
+ihn monatelang fern. In der Hauptstadt wurde unterdessen
+das Missionswerk unter der treuen Arbeit der
+Missionare O'Flaherty und R.&nbsp;Ashe im Segen fortgesetzt.</p>
+
+<p>In der ersten Hälfte des Jahres 1884 war die
+Zahl der Bekehrten schon auf 68 gestiegen. Dann aber
+zog eine dunkle Wolke herauf und hing schwarz und
+schwer über dem hoffnungsvollen Erntefeld. Die oft
+erwähnte Krankheit des Königs verschlimmerte sich mehr
+und mehr. Man erwartete unter allgemeiner Spannung
+seine baldige Auflösung und damit das Signal
+<a class="pagenum" id="page_091" title="91"> </a>
+zur Christenverfolgung in Uganda. Die junge Gemeinde
+stärkte sich in Gott und bereitete sich täglich
+im Glauben auf schwere Stürme vor.</p>
+
+<p>Am 29.&nbsp;Oktober 1884 flog die Trauerkunde vom
+Königshügel durch die Stadt und die Dörfer des Landes,
+daß der König Mtesa verschieden sei. Unseren
+Helden Mackay erreichte die Botschaft am See, wo er
+das Missionsboot ausbesserte, um es zu einer eventuellen
+Flucht benutzen zu können. Nach Empfang der
+Todesnachricht sandte er vier seiner Leute zur Hauptstadt,
+um Erkundigungen einzuziehen. Sie wurden
+unterwegs schon überfallen und beraubt. Ihr Leben
+retteten sie durch die Flucht. Das waren böse Vorboten.
+Am nächsten Tage erschienen hundert Krieger
+und holten im Auftrage des Kanzlers (Katikiro)
+Mackay nach der Hauptstadt ab, um den Sarg für
+Mtesa zu machen. Er unterzog sich gern diesem
+Auftrage und hoffte sich damit die Gunst der maßgebenden
+Häuptlinge und des noch unbekannten Thronfolgers
+zu erwerben.</p>
+
+
+
+
+<h2><a class="pagenum" id="page_092" title="92"> </a>
+Dreizehntes Kapitel.<br />
+
+<b>Die Feuertaufe.</b></h2>
+
+
+<p>Als Nachfolger auf dem Thron wurde von den
+Großen des Landes Muanga, der siebzehnjährige Sohn
+Mtesas, gewählt. Von seinem Vater hatte Muanga
+wohl die Fehler, aber nicht die Vorzüge geerbt. Er
+besaß dessen grenzenlose Eitelkeit ohne seine Intelligenz
+und war trotz seiner Jugend und seiner Bekanntschaft
+mit der Mission und Gottes Wort schon
+ein Meister in allen heidnischen Lastern. Seinen Brüdern
+und den Ministern des Vaters ließ er gegen die
+Landessitte das Leben, aber den Missionaren machte er
+bald das Leben schwer. Er war ein Spielball der
+fremden- und christusfeindlichen Parteien am Hofe und
+schwankte wie ein Rohr hin und her in seinen Meinungen
+und Handlungen. Eine seiner ersten »königlichen«
+Handlungen war, daß er die katholische Gegenmission,
+welche dem Lande den Rücken gekehrt hatte,
+wieder zurückrief.</p>
+
+<p>Um recht zu verstehen, was nun folgt, müssen
+wir im Auge behalten, daß damals die Zeit der kolonialen
+Erwerbungen an der Ostküste war, wo die
+Deutschen einen Landstrich nach dem anderen in Besitz
+nahmen und die Engländer ebenso taten. Der alte
+Argwohn und die alte Furcht von der Eroberung des
+Landes durch die Weißen lebte dadurch neu auf und
+setzte sich besonders in Muangas engbegrenztem Gehirn
+<a class="pagenum" id="page_093" title="93"> </a>
+mit der Macht einer fixen Idee fest. Und die
+Missionare wurden mehr denn als je als Vorläufer
+und Spione feindlicher Überfälle und Eroberungen beargwöhnt
+und bewacht. Ihr Leben schwebte nun täglich
+in Gefahr.</p>
+
+<p>Im Januar 1885 erbat sich Mackay vom König
+die Erlaubnis, nach Kagai zu reisen. Sie wurde ihm
+gewährt und zugleich angekündigt, daß ihn ein Araber
+begleiten solle. Das war verdächtig. Denn der Muselmann
+galt als Erzfeind Mackays. Trotzdem wurde
+aus der Begleitung nichts, und Mackay reiste mit
+Missionar Ashe und einigen bekehrten Wagandajungen
+ab. Auf dem Wege nach dem Hafen wurden sie in
+einem dichten Walde von einer bewaffneten, von jenem
+Araber befehligten Bande überfallen und zur Rückkehr
+gezwungen. Die Knaben aber wurden gefangen, mißhandelt
+und gefesselt zurücktransportiert. Mackay
+wandte sich in der Hauptstadt beschwerdeführend an
+den Kanzler, erhielt aber statt einer Genugtuung nur
+die Drohung, sie würden am nächsten Tage sämtlich
+aus dem Lande gejagt werden. Das auszuführen hatte
+der heuchlerische Katikiro glücklicherweise nicht den Mut,
+an den armen Wagandaknaben aber ließ er seinen
+ganzen Zorn aus. Die Missionare ahnten das
+Schlimmste und boten alles auf, ihre Lieblinge zu
+retten. Es half nichts. Sie wurden am 31.&nbsp;Januar
+1885 in der Nähe der Stadt unter ausgesuchten Martern
+über langsamem Feuer geröstet und verbrannt.
+Aus den Flammen aber erscholl der Gesang: »<span class="ss">killa siku tansifu!</span>«
+<a class="pagenum" id="page_094" title="94"> </a>
+(täglich, täglich loben wir Dich!). Die
+ersten Märtyrer Ugandas! Sie starben wie Helden
+mit Lobgesängen auf den Lippen und besiegelten ihren
+Glauben mit ihrem Blute. Es waren drei Knaben
+im Alter von zwölf bis fünfzehn Jahren.</p>
+
+<p>Den Missionaren blutete das Herz, als sie hörten,
+was vorgefallen war. Sie stärkten sich aber durch
+den Glauben, daß die Pforten der Hölle die Gemeinde
+Christi nicht überwältigen können und arbeiteten in
+der Stille rüstig weiter. Den Unterricht erteilten
+sie geheim an verschiedenen Orten, um ihre Zöglinge,
+die gar nicht abgeschreckt waren, vor den Häschern zu
+schützen. Einige Zeit erfreuten sie sich der Ruhe, und
+es schien, als sollten bessere Tage wiederkehren. Der
+König versicherte Mackay, daß das Blutbad an den
+Christen nicht von ihm, sondern nur von dem Kanzler
+ausgegangen sei, und forderte den Missionar auf, ihn
+auf seiner üblichen Reise durchs Land zu begleiten.
+Auf dieser Reise befand sich außer Mackay auch der
+Pater Lourdel als Vertreter der katholischen Mission
+im Gefolge des Königs. Ugandas Könige liebten
+es, durch ein aus allerlei Nationalitäten zusammengesetztes
+Gefolge den Untertanen zu imponieren.</p>
+
+<p>Nach einem Volksglauben sollten die schlimmsten
+Feinde Ugandas nicht aus dem Süden, sondern vom
+Osten her zu erwarten sein. Es herrschte deshalb
+eine abergläubische Furcht vor allen Fremden, die
+sich an dieser »Hintertür« des Landes zeigten. Mackay
+und alle seine Mitarbeiter kamen vom Süden über
+<a class="pagenum" id="page_095" title="95"> </a>
+den See ins Land. Unglücklicherweise wählte aber
+in dieser Zeit ein anderer die Route von Mombas
+durch Usoga nach dem Nil, um Uganda auf diesem
+kürzeren Wege zu erreichen. Er mußte also durch die
+gefürchtete Hintertür kommen. Es war der Bischof
+Hannington, der als Missionsbischof sich dem Werke
+widmen wollte. Kurz vorher waren auch die deutschen
+Kriegsschiffe vor Sansibar an der Ostküste zur
+Unterstützung der Besitznahme unserer heutigen Kolonie
+Ostafrika erschienen. Das erregte Muangas Argwohn
+aufs äußerste. Es erschien ihm zweifellos, daß
+nun die Weißen kämen, um auch sein Land zu »essen«,
+und daß der Bischof nur ein Vorbote dazu war. Er
+sandte deshalb heimlich Botschaft an den von ihm
+abhängigen Häuptling Luba in der Landschaft Usoga
+und befahl ihm, den Bischof zu ermorden. Hannigton
+war mittlerweile in Lubas Dorf am Nil angelangt.
+Nur die brausenden Wasser, die sich aus
+dem Viktoriasee durch die Ripponfälle nach Norden
+wälzen, trennten ihn noch von dem Lande seiner Sehnsucht.
+Von brennendem Verlangen getrieben, stieg er
+auf eine Anhöhe, um, wie Moses vom Pisga, das
+ersehnte Land zu schauen. Da überfielen die Häscher
+Lubas den Wehrlosen, banden ihn, stießen ihn vor
+sich her und setzten ihn gefangen.</p>
+
+<p>Mackay hatte von Muangas Blutbefehl gehört
+und versuchte alles, den armen Bischof zu retten.
+Täglich erbat er sich Audienz beim Könige, ohne sie
+zu erlangen. Er klammerte sich dann in seiner Herzensangst
+<a class="pagenum" id="page_096" title="96"> </a>
+an die Hoffnung, daß Gott die Gebete um
+Rettung Hanningtons erhören und ein Wunder zu seiner
+Befreiung tun werde. Vorher hatte er auch heimlich
+einen Warnungsbrief an den Bischof geschickt.
+Der Bote aber kam zu spät. Am 29.&nbsp;Oktober 1885
+wurde Hannington mit fünfzig seiner Leute auf erneuten,
+strengen Befehl Muangas ermordet!</p>
+
+<p>In den Briefen Mackays aus jener Zeit zittert
+die Erregung und das Weh über diesen Mord in
+allen Schwingungen nach. »Unsere Sache steht in
+Gottes Hand; Sein Wille geschehe auch an uns. Es
+ist aber eine peinliche Lage, wenn einem das Schwert
+immer über dem Haupte hängt. Der höchste Minister
+oder Richter (Katikiro) ist unser schlimmster
+Feind. Dieser Brief wird vielleicht aufgefangen, denn
+wir müssen ihn heimlich abschicken.... Wir leben noch
+in großer Angst, aber bisher hat uns der Herr gnädig
+vor diesem gott- und sinnlosen Menschen geschützt.
+Er, der von Anfang an auch das Ende sieht, ist
+unsere einzige Hoffnung und Zuflucht, denn hier kann
+uns jetzt keine Macht der Erde schützen.«</p>
+
+<p>Wir hören aus diesen Mitteilungen, daß seit
+dem Auftreten des Missionsbischofs und der deutschen
+Flotte an der Küste das Leben der Missionare in
+größter Gefahr schwebte. Nach einer geheimen Verabredung
+des Königs und der vornehmsten Häuptlinge
+sollten sie alle umgebracht werden. Sofort rafften
+sie ihre wertvollsten Sachen zusammen, um sie
+Muanga als Geschenke zu überbringen, verrieten aber
+<a class="pagenum" id="page_097" title="97"> </a>
+nicht, wer ihnen den Plan hinterbracht hatte. Der
+König überhäufte sie, nachdem er die Geschenke angenommen,
+mit Droh- und Schimpfreden. Er werde
+alle, die ins Missionshaus gehen, töten und die Missionare
+in den Stock legen lassen. Dann möge ganz
+Europa kommen, um sie zu befreien! Lukonge, der
+Ukerewekönig, hätte doch auch zwei weiße Männer
+getötet, und die Engländer hätten ihm nichts anhaben
+dürfen. Mackay schwieg still und wagte nicht, auf
+den Tod des Bischofs anzuspielen.</p>
+
+<p>Ein Lieblingspage des Königs, der die anderen
+Diener zu befehligen hatte, wagte eines Tages zu
+sagen, daß es nicht recht war, den Bischof zu töten, da
+die Weißen nur dem Wohle des Landes dienen wollten.
+Der kühne Sprecher, ein katholischer Christ, wurde
+sofort dem Scharfrichter übergeben und lebendig verbrannt.</p>
+
+<p>Mackay dachte nun, es sei an der Zeit, sich aus
+Uganda zu entfernen und bessere Tage zur Wiederkehr
+abzuwarten. Er und die anderen Missionare wurden
+aber so beobachtet, daß an eine heimliche Abreise nicht
+mehr zu denken war. Der König erklärte, er ließe
+sie nicht ziehen und wenn siebzig Briefe von England
+kämen. »Ein großer König, wie ich bin,« fügte er
+anmaßend hinzu, »darf auch nie ohne einen Mann
+sein, der ihm seine Gewehre und andere Sachen in
+Ordnung halten kann.«</p>
+
+<p>Unter der Hand konnte der erkrankte Missionar
+O'Flaherty fortgeschafft werden. Mackay und Ashe
+<a class="pagenum" id="page_098" title="98"> </a>
+waren nun allein auf dem Kampfplatz. Sie erfreuten
+sich noch einige Zeit größerer Freiheit und geringerer
+Ungnade. Dann brannte Muangas »Palast« völlig
+nieder. Man beschuldigte die Christen der Brandstiftung,
+fand aber beim König kein Gehör. Am Tage
+nach dem Brande schlug der Blitz dicht neben dem
+Hause ein, das der König bezogen hatte. Halbtoll
+vor Furcht floh Muanga und wählte sich eine andere
+Residenz am See. Dort besuchte ihn Mackay einige
+Male und tröstete ihn durch Geschenke.</p>
+
+<p>Trotz des Verbots, daß bei Todesstrafe sich niemand
+dem Missionsgehöft nähern dürfe, wuchs die
+Zahl der Christen beständig. Die zuvor eingesetzten
+eingeborenen Ältesten taten treu ihre Pflicht, und die
+bekehrten Waganda verbreiteten in ihren Dörfern die
+Botschaft vom Heil in Christo. Unter dem Schutze
+der Nacht wagten heilsbegierige Seelen den Gang zum
+Missionshaus und ließen sich unterweisen und taufen.
+Anfang 1886 bestand die Gemeinde aus 150 Seelen.</p>
+
+<p>Unter den neubekehrten war auch eine Prinzessin
+namens Nalumasie. Sie warf die ihrer Obhut anvertrauten
+Amulette, Zaubersachen und Ahnenreliquien
+ins Feuer. Das wurde dem König hinterbracht, der
+darüber sehr ungehalten war. Kurz darauf mutete
+er einem seiner Pagen eine unnennbare Schandtat zu,
+der sich der christliche Jüngling mutig und entschieden
+widersetzte. Das erregte des Königs heidnischen Zorn
+in hohem Maße. Er schlug den Pagen und den Palastmeister,
+der auch »lesen« konnte, mit seinem Speere
+<a class="pagenum" id="page_099" title="99"> </a>
+blutig und befahl, sofort alle Christen zu fangen und
+niederzumetzeln. Alle Häuptlinge erhielten die strenge
+Weisung, ihre christlichen Untertanen anzuzeigen und
+auszuliefern.</p>
+
+<p>Noch am selben Tage wurden zwölf Jünger Jesu
+auf offener Straße mit Keulen erschlagen oder von
+<a class="pagenum" id="page_100" title="100"> </a>
+Speeren durchbohrt. Viele andere wurden gefangen
+gesetzt. Im Missionshaus war gerade Unterricht, als
+ein Eilbote vom Hofe die drohende Gefahr ansagte.
+Die Schüler hatten eben noch Zeit, sich den Häschern
+durch schnelles Verschwinden durch Seiten- und Hintertüren
+zu entziehen. Der Gemeindeälteste Munjago
+war in seiner Hütte mit anderen zum Gebet versammelt,
+als die Scharfrichtergehilfen erschienen. Die erschreckten
+Christen brachen durch die Rohrwände der Hütte
+und suchten das Weite, aber Munjago blieb. Angesichts
+einer an der Tür stehenden Flinte wagten die
+Häscher nicht, näher zu kommen. »Fürchtet nicht, daß
+ich euch erschieße,« rief ihnen der Älteste zu und ließ
+sich dann ruhig fassen und fesseln.</p>
+
+<p>Die evangelischen Missionare wandten sich an
+die katholische Mission und baten um ihre Mitwirkung
+zu dem Versuch, das Leben der Gefangenen zu retten.
+Der Bischof lehnte es aber mit einer nichtssagenden
+Begründung ab, sich in dieser Angelegenheit mit den
+Evangelischen zu verbinden. Nun trat Mackay allein
+den sauren Gang zum König an. Kurz vorher hatte
+er Muangas Lieblingsflinte repariert. Als Dank dafür
+wurde ihm ein Wunsch freigestellt. Daran erinnerte
+er jetzt den König. »Was willst du denn
+haben?« fragte Muanga. »Ich bitte um das Leben
+derer, die noch verhaftet, aber noch nicht hingerichtet
+sind.« Der König erwiderte: »Sie sind alle tot.«
+Als Mackay dies bezweifelte, gab ihm Muanga das
+Versprechen, daß den Gefangenen kein Leid geschehen
+<a class="pagenum" id="page_101" title="101"> </a>
+solle. Ein Strahl der Freude glitt über das sorgenvolle
+Antlitz unseres Kämpfers. Aber wer konnte dem
+Wort dieses wankelmütigen Blutmenschen trauen? Die
+Christen blieben in Haft, und Mackay erhielt trotz
+wiederholter Anfragen und Bitten keine weitere Audienz
+in dieser Sache.</p>
+
+<p>Unter schrecklicher Spannung, die oft schlimmer
+als die gefürchtete Gewißheit ist, kam der denkwürdige
+5.&nbsp;Juni heran. An diesem Tage wurden 32 von den
+gefangenen Christen lebendig verbrannt. Einigen hackten
+sie zur Mehrung ihrer Qual zuerst Arme und Beine
+ab; dann warf man die verstümmelten Körper in die
+Glut. Die Märtyrer gingen alle freudig in den Tod
+und beteten wie Jesus und Stephanus noch für den
+König, für das Vaterland und für ihre Mörder. Auf
+den obersten Scharfrichter machte dies einen so tiefen
+Eindruck, daß er es dem König berichtete und hinzufügte,
+er hätte noch nie Leute mit solcher Tapferkeit
+und solchem Mut sterben sehen. Der grausame Nero
+aber hatte für dieses Heldentum nur den leichtfertigen,
+vom Hofe mit satanischem Gelächter unterstrichenen
+Spott: »Aber ihr Gott hat sie doch nicht aus
+meiner Hand gerettet!«</p>
+
+<p>Aber »das Blut der Märtyrer ist der Same der
+Kirche«. Diese alte Wahrheit sollte sich auch hier
+aufs neue bestätigen. Obwohl der Besuch des Missionsgehöftes
+jedem Eingeborenen bei Todesstrafe verboten
+war und die Missionare ihr Haus nicht mehr verlassen
+durften, konnten doch in dieser schwersten Zeit
+<a class="pagenum" id="page_102" title="102"> </a>
+noch elf Taufen vollzogen werden. Diese Täuflinge
+wurden tatsächlich in den Tod hineingetauft, wie der
+Apostel Paulus von sich und den Gläubigen in Rom
+zu Neros Zeit aussagt. Mackay war in diesen dunkeln
+Tagen wohl gebeugt und traurig, unsagbar traurig im
+Blick auf die bleichenden Gebeine seiner Brüder, aber
+nicht hoffnungslos, denn er schreibt: »So gewiß wie
+wir wissen, daß morgen die Sonne wieder aufgeht,
+wissen wir auch, daß dies unglückliche Land wieder
+lichtere Tage sehen wird. Und bei alledem haben wir
+noch viel Ursache zur Dankbarkeit.«</p>
+
+<p>Wie oft war seit seinem Wirken in Uganda unserem
+Helden schon das Todesurteil gesprochen! Aber
+der Herr war mit ihm, und Muanga fürchtete sich
+mehr, das Todesurteil vollziehen zu lassen, als Mackay
+sich fürchtete, es zu empfangen. Er hatte jenen Heldenmut,
+der auf die Drohung: »Vor der Menge der
+Pfeile und Lanzen werdet ihr die Sonne nicht sehen!«
+die überraschende Antwort gab: »Also kämpfen wir
+im Schatten!«</p>
+
+<div class="il">
+ <img class="bo" src="images/img098.jpg" alt="" />
+ <p class="cap"><b>König Muanga.</b> (Text siehe Seite <a class="nd" href="#page_092">92</a>.)</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h2><a class="pagenum" id="page_103" title="103"> </a>
+Vierzehntes Kapitel.<br />
+
+<b>Auf einsamem Posten.</b></h2>
+
+
+<p>Als die Lage sich immer schwieriger gestaltete,
+hielten es die beiden Missionare für weise, das Land
+im Interesse der eingeborenen Christen für einige Zeit
+zu verlassen. Aber nur einer erhielt die Erlaubnis
+zur Abreise. Mackay mußte als Geisel im Lande
+zurückbleiben. Der König fürchtete die Rache der Engländer
+für das Blut des Bischofs und die übrigen
+Metzeleien, die er auf dem Gewissen hatte. Am 25.&nbsp;August
+1886 trennten sich die tapferen Männer schweren
+Herzens voneinander, und Ashe kehrte nach England
+zurück in der Hoffnung, die englische Regierung
+werde durch seine Berichte veranlaßt, energische und
+geeignete Maßregeln zu ergreifen, um Muanga zur
+Vernunft zu bringen. »Ich muß mich«, schreibt Mackay,
+»damit zufriedengeben, allein hierzubleiben &ndash; aber
+doch nicht allein. Noch kann ich den wenigen Übriggebliebenen
+unserer jungen Gemeinde durch meine
+Gegenwart dienen, und unser Gott wird bessere Zeiten
+für uns kommen lassen.«</p>
+
+<p>Bisher hatte Mackay immer einen oder mehrere
+Mitarbeiter, von denen einige treue und brave Kampfgenossen
+waren. Wir erinnern uns noch an den ersten,
+der mit dem Leutnant Smith den Boden Ugandas
+betreten hatte, an den Rev. Wilson. Er holte seinerzeit
+Mackay von Kagai ab und führte ihn nach Rubaga.
+Nach zwei Jahren aber mußte dieser mit gebrochener
+<a class="pagenum" id="page_104" title="104"> </a>
+Gesundheit heimkehren. Von den anderen Genossen
+ist besonders O'Flaherty zu erwähnen, der am längsten
+dem Klima widerstehen und vier Jahre an Mackays
+Seite wirken konnte. O'Flaherty stand bei Mtesa
+gut angeschrieben. Seine ausgezeichneten Kenntnisse
+des Koran und seinen treffenden Witz konnte er im
+Kampfe mit den Muselmännern gut verwerten.</p>
+
+<p>Einmal klagte der Araber Suliman die Engländer
+als die gierigsten Länderfresser beim Könige
+an und prophezeite, daß sie ganz Afrika aufessen würden.
+Mtesa ließ darauf O'Flaherty rufen, und dieser
+sagte: »Ja, ja, wir haben ganz Sansibar aufgegessen,
+Menschen, Häuser und Vieh und Bäume und alles.
+Nichts ist dort übrig als die Steine, die am Meeresufer
+liegen, und auch diese werden wir nächstens verschlingen.
+Auch dies Land werden wir verschlingen.
+Aber erst müssen wir etwas stärker werden, und da
+möchte ich den König bitten, mir einen großen Ziegenbock
+zu schenken, daß ich kräftiger werden kann.« Dieser
+Witz löste bei Mtesa ein wohlgefälliges Lachen
+aus. Als Anerkennung ließ er dem freimütigen Missionar
+eine fette Ziege geben.</p>
+
+<p>Bei einer anderen Gelegenheit suchte der Araber
+dem Könige zu imponieren mit dem Hersagen eines
+langen arabischen Glaubensbekenntnisses, von dem niemand
+ein Wort verstand. O'Flaherty aber sang einen
+Vers der englischen Nationalhymne, worauf Mtesa
+meinte, das wäre gerade so schön wie das Arabische,
+er solle nur noch mehr singen.</p>
+
+<p><a class="pagenum" id="page_105" title="105"> </a>
+O'Flaherty hatte Mtesa einmal gesagt, wenn er
+ihm Eisen zu Werkzeugen und Leute zur Arbeit liefere,
+wolle er nach Lehm graben, Ziegel brennen und
+ihm ein schönes Haus bauen. Für das Gelingen setze
+er seinen Kopf ein; vielleicht finde man bei dem Graben
+auch Silber im Boden. Dies Wort wirkte wie
+ein Funke im Pulverfaß. Alle schrien nach Silber,
+der Weiße habe seinen Kopf dafür verpfändet, jetzt
+solle er nach Silber graben. Auch der König stimmte
+schließlich bei und erklärte, am Hause liege ihm nichts,
+aber Silber wolle er haben. Dann ließ er seine
+Scharfrichter kommen und fragte den Missionar feierlich:
+»Willst du jetzt nach Silber graben oder deinen
+Kopf verlieren?« O'Flaherty suchte noch einmal das
+Mißverständnis aufzuklären und sagte dann bestimmt:
+»Da dir am Hause doch nichts gelegen ist, werde ich
+jetzt auch nicht nach Lehm graben; willst du aber
+meinen Kopf &ndash; hier ist er!« Die Araber triumphierten,
+die Häuptlinge riefen: »Recht so!« und ein
+hoher Beamter fing an, den Weißen zu verhöhnen.
+O'Flaherty aber fuhr ihn an: »Wie darfst du es
+wagen, des Königs Gast zu beleidigen?« Nun nahm
+Mtesa wieder das Wort, winkte den Scharfrichtern,
+sich zu entfernen, lobte den Missionar und sagte, nicht
+er, sondern Mackay wäre es, der sich weigere, für sie
+nach Silber zu graben. Alles stimmte natürlich auch
+jetzt wieder dem Könige bei; O'Flaherty aber nahm
+seinen Kollegen kräftig in Schutz und erklärte: »Wenn
+Mackay stirbt, sterbe ich auch. Er und ich sind eins.«
+<a class="pagenum" id="page_106" title="106"> </a>
+Ein Muselmann brachte dann noch andere Anklagen vor,
+aber O'Flahertys Geistesgegenwart und witzige Gegenreden
+imponierten dermaßen, daß ihm kein Leid
+geschah und die Häuptlinge ihm nach der Versammlung
+allerlei Schmeichelhaftes sagten.</p>
+
+<p>O'Flaherty erlebte den Regierungswechsel in
+Uganda nicht mehr. Noch vor Mtesas Tode mußte
+er gesundheitshalber die Arbeit einstellen und heimreisen.
+Unterwegs auf der Fahrt durch das Rote
+Meer erlag dieser wackere Kampfgenosse dem Fieber.
+Er durfte auf der Reise nach der irdischen Heimat
+in die himmlische eingehen.</p>
+
+<p>Mackays trautester und treuester Freund, der die
+trübsten Stunden mit ihm durchwacht hatte, war der
+Missionar P.&nbsp;Ashe. Er stand drei Jahre, von 1883
+bis 1886, an Mackays Seite und kämpfte mit ihm
+für Gottes Reich und Gottes Ehre. Mackay schreibt
+von ihm: »Ashe ist ein prächtiger Kamerad, ein sehr
+ernster Christ und ein treuer Missionar. Er ist mein
+anderes Ich. Wenn er zu euch kommt, so denkt, ich
+käme.«</p>
+
+<p>Nun mußte er auch diesen Trost entbehren und
+auf dem gefährlichen Posten allein noch neun Monate
+aushalten. Daheim lebten die Seinen in beständiger
+Sorge um ihn. Er tröstete sie aber in seinen Gefangenschaftsbriefen
+und versicherte ihnen, daß er sich
+wohlbefinde und solange ausharren wolle, als es möglich
+sei. Heimlich zu fliehen, hätte er wohl Gelegenheit,
+er würde aber sich dazu nur in der äußersten
+<a class="pagenum" id="page_107" title="107"> </a>
+Not entschließen. Mit fieberhafter Eile arbeitete er
+unterdessen an der Vollendung seines Lieblingswerkes,
+an der Übersetzung des Matthäusevangeliums. Die
+zuverlässigsten Wagandachristen halfen ihm tapfer dabei,
+die klarsten Ausdrücke für ihre Sprache zu finden.
+Was fertig war, wurde sofort gedruckt und von der
+Presse weg verkauft. Der Hunger nach Gottes Wort
+war zu dieser Zeit so groß, daß eine große Kiste mit
+Testamenten, die von England geschickt wurden, innerhalb
+zehn Tagen ausverkauft war.</p>
+
+<p>Mackay ahnte, daß bei dem zunehmenden Einfluß
+der Araber am Hofe seines Bleibens nicht allzulange
+mehr sein würde. Nun hatten die Christen
+doch wenigstens ein ganzes Evangelium in ihrer Sprache
+in der Hand, um daraus selbst ihre Seelen nähren
+und stärken zu können, falls sie des Lehrers und Hirten
+beraubt würden.</p>
+
+<p>In all dieser Arbeit und unter den Ängsten seines
+für die eingeborenen Christen so besorgten Herzens
+hatte Mackay noch Zeit und Freudigkeit, sich für andere
+zu verwenden und Gastfreundschaft zu üben. Zwei
+berühmte Forscher in der Nähe Ugandas waren damals
+durch den Mahdistenaufstand völlig von der
+Außenwelt abgeschnitten. Mackay verwandte sich für
+sie beim Könige und erwirkte ihnen in dieser politisch
+überaus aufgeregten Zeit die seltene Erlaubnis, nach
+Uganda kommen zu dürfen. Der erste war der russische
+Reisende <span class="ss">Dr.</span> Junker, den Mackay aus der schwierigsten
+Lage rettete und ihm zum sicheren Geleit nach
+<a class="pagenum" id="page_108" title="108"> </a>
+der Küste verhalf. Der zweite war der in ägyptischen
+Verwaltungsdiensten stehende und um Afrika so außerordentlich
+verdienstvolle Deutsche <span class="ss">Dr.</span> Schnitzer, bekannt
+unter dem Namen Emin Pascha, der später
+(1892) von Arabern ermordet wurde. »Mackay hat«,
+so berichtet Emin Pascha, »in der großartigsten und
+selbstlosesten Weise für mich gesorgt. Er hat uns
+geholfen, obgleich er persönlich dafür büßen mußte,
+und ist mir ein treuer Freund und Berater gewesen.
+Als ich völlig mutlos war, haben mich seine Briefe gestützt
+und aufrecht erhalten und mir frischen Mut zu
+neuem Handeln eingeflößt. Er hat alles, was er besaß,
+mit mir geteilt und sich beraubt, um mich mit
+Geschenken auszurüsten. Möge Gott, in dessen Schutze
+wir alle stehen, es ihm reichlich vergelten. Ich bin
+nicht imstande, es zu tun.«</p>
+
+<p>Der Khedive von Ägypten verlieh Mackay auf
+Emin Paschas Mitteilungen hin den Osmanieorden
+vierter Klasse. Ein Anerbieten des weithin bekannten
+Generals Gordon, eine hohe Stellung in seinem Dienste
+im Sudan anzunehmen, nahm Mackay nicht an. Er
+zog es vor, seine Arbeit in Afrika in bescheidenerer
+Weise zu tun.</p>
+
+
+
+
+<h2><a class="pagenum" id="page_109" title="109"> </a>
+Fünfzehntes Kapitel.<br />
+
+<b>Zurückgeschlagen.</b></h2>
+
+
+<p>Mackays Lage wurde immer unhaltbarer. Es
+war ihm nicht möglich, den unseligen politischen Verdacht,
+der sich auf ihn wälzte, gänzlich abzuschütteln.
+Einmal wallte sein Hochlandsblut über, als der König
+ihm vor versammeltem Hofe zurief: »Oli Mukasa, du
+bist ein Heuchler!«</p>
+
+<p>»Ich bin kein Heuchler!« fuhr er zornig auf und
+erwartete dabei einen blutigen Ausgang. Die Sache
+nahm aber plötzlich eine komische Wendung, als Muanga
+unvermittelt seine Diener anschrie: »Gebt den
+Weißen ein paar Kühe, damit sie sich wieder beruhigen!«</p>
+
+<p>Die wachsende Furcht der Machthaber Ugandas
+vor der Besitznahme ihres Landes durch die weißen
+»Länderfresser« war nicht unberechtigt. Denn heute
+hat die Selbstherrlichkeit der afrikanischen »Könige«
+längst aufgehört. Die Länder, von denen wir in
+diesem Buche hörten, sind seit zwanzig Jahren Kolonialbesitz
+von Deutschland und England. Man darf
+das nicht bedauern, denn die schwarzen Fürsten hatten
+das Maß ihrer Sünde voll gemacht und ihre Unfähigkeit,
+menschlich zu regieren, längst erwiesen.
+Mackay hat sich hierüber mit rücksichtsloser Offenheit
+ausgesprochen und deshalb manchen Tadel in Europa
+erfahren. »Wir fordern für uns und unsere
+<a class="pagenum" id="page_110" title="110"> </a>
+schwarzen Brüder das Recht, Gott zu dienen, ohne dem
+Feuertode als Strafe dafür ausgesetzt zu sein. &ndash; Das
+Recht der Unglücklichen, die in Frieden leben wollen,
+steht höher als das Recht königlicher Räuber und
+Mörder. &ndash; Daraus, daß zu Neros Zeit keine christliche
+Macht da war, die dem Blutmenschen in den
+Arm fallen konnte, um dem Christentum Duldung zu
+verschaffen, folgt nicht, daß die kleinen Könige Afrikas
+in derselben Weise wirtschaften dürfen, ohne zur Rechenschaft
+gezogen zu werden. &ndash; Brutalität und Mord
+müssen in Gottes Weltall aufhören, denn die Welt
+ist Gottes und nicht des Teufels. &ndash; Afrika soll für
+die Afrikaner sein, aber Afrika wird niemals durch
+Afrikaner gerettet werden können. &ndash; Eine starke Hand
+muß gegen Tyrannei und Unterdrückung wirksam werden.
+Das Wort muß freie Bahn bekommen, daß es
+laufen und gepriesen werden kann.«</p>
+
+<p>Unter der »starken Hand« verstand Mackay allerdings
+die sogenannten christlichen Staaten, besonders
+England. Er hielt die christlichen Völker für berufen,
+den menschenunwürdigen Zuständen in Afrika, dem
+Sklavenhandel und der Christenverfolgung, ein Ende
+zu machen und erhob freimütig seine Stimme, nicht
+zur gewaltsamen Ausbreitung des Christentums, wie
+man ihm vorgeworfen, sondern in erster Linie um
+Beistand und Schutz für die Verfolgten und Unterdrückten.
+Sein Herz brannte für sein geliebtes Afrika.</p>
+
+<p>Muangas Argwohn gegen Mackay erhielt durch die
+fortwährenden Einflüsterungen der Araber und durch
+<a class="pagenum" id="page_111" title="111"> </a>
+das Achselzucken eines befragten katholischen Missionars
+immer neue Nahrung. Als endlich noch die
+Meldung kam, daß der große Stanley mit einem zahlreichen
+Gefolge sich Uganda nähere, befürchtete der
+König seine Bestrafung für die Ermordung des Missionsbischofs
+und gab Befehl, Mackay solle sofort das
+Land verlassen. Der Häuptling Nautinde wurde beauftragt,
+den Ausgewiesenen zu begleiten und den Missionar
+Gordon, dessen Name dem Könige sehr gefiel,
+als Ersatz &ndash; eigentlich als Geisel &ndash; mitzubringen.</p>
+
+<p>So war denn die gefürchtete Stunde des unfreiwilligen
+Scheidens von dem geliebten Uganda gekommen.
+Noch einmal versammelte Mackay die Gemeindeältesten
+um sich und legte ihnen die Sorge für
+die Herde Christi auf Herz und Gewissen. Noch einmal
+füllte sich das Haus mit seinen geistlichen Kindern,
+die mit Tränen von ihrem geliebten Vater Abschied
+nahmen. Dann verschloß er das Haus, übertrug
+die Bewachung desselben vier treuen Männern und
+zog schweren Herzens am 21.&nbsp;Juli 1887 von dannen.
+Am Hafen besserte er erst das Boot aus und segelte
+nach Ukumbi am Südende des Sees, wo er Gordon
+vorfand, der den lobenswerten Mut hatte, mit dem
+Häuptling zu gehen und den verlassenen Posten in
+Uganda einzunehmen.</p>
+
+<p>Der vertriebene Held wollte seinem lieben Uganda
+so nahe als möglich bleiben und schlug deshalb sein
+Zelt nach verschiedenen Abenteuern in Usambiro im
+Gebiete eines befreundeten Häuptlings auf. An ein
+<a class="pagenum" id="page_112" title="112"> </a>
+Ausruhen dachte er auch jetzt noch nicht, obwohl er
+hart mitgenommen war, sondern legte sofort eine neue
+Missionsstation an. Da galt es monatelang wieder
+Häuser zu bauen, Gestrüpp auszuroden, Ställe und
+Schuppen zu bauen, kurz gesagt: Pionierdienste zu
+tun. Daneben widmete er sich einer Schar von Christen,
+die aus Uganda zu ihm geflohen waren, und
+führte sie tiefer in die Schrift ein, um sie später als
+Evangelisten zurückzusenden.</p>
+
+<p>Die Missionsgesellschaft, der Mackay angehörte,
+hatte nun mehrere Missionare und einen Bischof in
+den Uferländern des Niansa. Auch Ashe, unseres Helden
+treuester Freund, war wieder unter ihnen. Sie
+versammelten sich denn bei Mackay zu einer Konferenz.
+Die herrlichen Tage christlicher Gemeinschaft
+und brüderlicher Beratung wurden aber jäh unterbrochen
+durch den Tod des Bischofs Parker und des
+Missionars Blackburn, die ein Fieberanfall plötzlich
+aus ihrer Mitte riß. Es war nicht daran zu denken,
+Särge zu machen. Die Gefallenen wurden in Tuch
+gewickelt und von den weinenden Brüdern in die fremde
+Erde Afrikas gebettet. Traurig kehrten die Streiter
+auf ihre einsamen Posten zurück. Einer, Walker, ging
+nach Uganda zu Gordon, und Ashe blieb bei Mackay.
+Bald darauf mußte Ashe aber seiner Gesundheit wegen
+zum zweiten und, ach, zum letzten Male seinen unermüdlichen
+Kampfgenossen allein lassen und nach der
+Heimat zurückkehren.</p>
+
+<p>Die Briefe Mackays, welche er in dieser Zeit
+<a class="pagenum" id="page_113" title="113"> </a>
+an seine verheiratete Schwester schrieb, lassen uns einen
+Blick in seine Gemütsverfassung tun. »Am 21.&nbsp;Juli
+ist Dir nicht nur ein Sohn, sondern auch ein Bruder
+neu geschenkt worden. Denn ich durfte an diesem
+Tage Uganda verlassen, hoffe aber bald wieder dahin
+zurückzukehren. &ndash; Ich hoffe von Herzen, wenn Gott
+dazu die Kraft gibt, Euch alle zu besuchen, ehe ich wieder
+über den See nach Uganda gehe. &ndash; Seit ich Uganda
+verlassen habe, ist mir das Gefühl des Daheimseins
+abhanden gekommen. Doch muß ich wohl eine Weile
+hier aushalten. &ndash; Manchmal übermannen mich Traurigkeit
+und Schwermut, daß ich weinen muß wie ein
+Kind, aber die wunderbar tröstenden Psalmen Asaphs
+machen mein Herz immer wieder froh. &ndash; Die Eroberung
+Afrikas hat schon viele Opfer gekostet, doch
+jeder Tod bedeutet einen Schritt näher dem Himmel.
+Das Ziel, das wir im Auge haben, ist des Einsatzes
+wohl wert. &ndash; Sorge, daß Du jedes Jahr einen Mann
+findest, der sich unserem Werke weiht. Dann können
+wir Fortschritte machen.«</p>
+
+<p>Es folgen nun ununterbrochen hochwichtige Ereignisse
+im Leben Mackays und in der Geschichte der
+ostafrikanischen Mission. Von dem Emin-Entsatzkomitee
+war für Stanley eine große Menge Waren bei
+Mackay angekommen. Das stachelte die Habgier der
+Nachbarhäuptlinge an. Sie erklärten dem Häuptling,
+in dessen Gebiet Mackay wohnte, den Krieg und versuchten
+das Missionshaus zu plündern. Drei Tage
+lang verteidigte Mackay seine kostbaren Besitztümer
+<a class="pagenum" id="page_114" title="114"> </a>
+mit dem Häuptling, der zuletzt seine Feinde in die
+Flucht schlug. Bald darauf kamen die Missionare
+Gordon und Walker von Uganda an. Sie sahen ganz
+zerlumpt und angegriffen aus und erzählten, daß Muanga
+vom Thron gestoßen sei. Durch seine unsinnige
+Herrschaft hatte er sich immer mehr Gegner geschafft,
+selbst die Mohammedaner haßten ihn. Dann faßte er
+den wahnwitzigen Plan, alle Christen und Araber mit
+einem Schlage auszurotten. Dazu wollte er sich vorher
+seiner Leibwache, der er nicht traute, entledigen und
+schickte sie zu einem Kriegszuge nach einer Insel im
+See, von der alle wußten, daß sie unbewohnt war.
+Ihm blind ergebene Fischer sollten der Leibwache nach
+der Landung die Kähne wegnehmen, damit sie dem
+Hungertode preisgegeben wären. Der Plan wurde verraten,
+die Leibwache marschierte zurück und stürzte
+den König, der nach dem Süden des Sees floh. Sein
+Bruder Kiwiwa wurde König, aber nur für kurze Zeit.
+Denn die Mohammedaner kamen ans Ruder, stürzten
+die alte Ordnung und vertrieben alle Christen. Die
+beiden evangelischen Missionare flohen auf einem Kahn,
+erlitten noch Schiffbruch und kamen nach vielen Entbehrungen
+und Gefahren endlich bei Mackay an, um
+sich bei ihm auszuweinen und Rat und neuen Mut zu
+holen.</p>
+
+<p>Nach ihnen konnte Mackay den auch von ihm vielbewunderten
+Afrikaforscher Stanley in seinem Hause
+begrüßen und zwanzig Tage beherbergen. Den Eindruck,
+welchen Stanley von unserem Helden und seinem
+<a class="pagenum" id="page_115" title="115"> </a>
+Werk empfing, hat er im zweiten Bande seines Buches:
+»Im dunkelsten Afrika«, S.&nbsp;386 ff. niedergelegt. Es
+ist ein glänzendes Zeugnis für den Heldencharakter
+Mackays. Stanley beschreibt das gesunde Aussehen
+Mackays, schildert seine Kleidung, seine Werkstätten,
+Werkzeuge und Haustiere. Dann läßt er uns in
+Mackays Zimmer eintreten, das aus Lehm erbaut und
+mit Missionsbildern geschmückt ist, zeigt uns die vollen
+Bücherregale und schildert das Behagen, mit dem er
+zum ersten Male seit dreißig Monaten wieder wirklichen
+Kaffee trank und sich hausbackenes Brot und
+<a class="pagenum" id="page_116" title="116"> </a>
+Butter als Gast wohlschmecken ließ. Dann fährt er
+fort: »Ein bedeutender Schriftsteller hat kürzlich ein
+Buch geschrieben über einen Mann, der sich lange
+in Afrika aufgehalten hat. Das Buch ist von Anfang
+bis zu Ende ein langgezogener Seufzer. Der Verfasser
+sowohl wie sein Held wären von ihrem Seufzen
+geheilt worden, nachdem sie einen Blick in Mackays
+Leben geworfen hätten. Er hatte keine Zeit, unglücklich
+zu sein, zu jammern und zu seufzen. Gott weiß,
+daß, wenn irgend ein Mensch Anlaß hat, beim Gedanken
+an ›Gräber, Würmer und Vergessenheit‹ traurig
+zu sein und sich vereinsamt zu fühlen, so hatte Mackay
+alle Ursache dazu, als sein Bischof ermordet, seine
+Schüler verbrannt, die Christen erwürgt waren und
+nachdem man seine schwarzen Freunde erschlagen hatte
+und Muanga auch ihn mit dem Tode bedrohte. Aber
+der kleine Mann sah mit seinem ruhigen Auge allem
+gefaßt entgegen und zuckte mit keiner Wimper. Solch
+einen Mann zu sehen, der zwölf Jahre lang Tag
+für Tag unermüdlich gearbeitet hat und keine Klage,
+keinen Seufzer über ›öde Wildnis‹ laut werden läßt,
+und zu hören, wie er seiner kleinen Herde Gottes Güte
+am Morgen und Seine Treue am Abend ans Herz
+legt, verdient es, daß man seinetwegen eine lange
+Reise unternimmt und neuen Mut und Zufriedenheit
+aus seiner Nähe schöpft.«</p>
+
+<p>Am herrlichen Ufer des schimmernden Niansa sagten
+sich die beiden großen Männer Stanley und Mackay
+Lebewohl und drückten sich zum letztenmal die Hand.
+<a class="pagenum" id="page_117" title="117"> </a>
+Ein ergreifendes Bild! Jener kehrt zurück und eilt
+europäischen Rednertribünen und königlichen Empfängen
+zu, dieser wendet sich wiederum dem dunkelsten
+Afrika und einem Leben voll Selbstverleugnung zu.
+Während jener als Held des Tages in England begrüßt,
+gefeiert und bewirtet werden wird, trägt dieser
+still des heißen Tages Bürde auf einsamem Pfad unter
+einem wilden Volk! Aber »über ein kleines« und auch
+Mackays Stunde schlägt, und auch er hat seinen Willkomm
+und königlichen Empfang, freilich nicht an Höfen
+und in Palästen und vor Fürsten dieser armen Erde,
+sondern im Thronsaal des Königs aller Könige, um
+dort den unverwelklichen Lorbeerkranz und die Palme
+des Sieges zu empfangen.</p>
+
+<div class="poetry-container">
+ <div class="poetry">
+ <div class="stanza">
+ <div class="verse">Nur noch ein wenig Arbeit, Kampf und Last,</div>
+ <div class="verse">Nur noch ein wenig Tränen, dann die Rast,</div>
+ <div class="verse">Dann Sieg und Herrlichkeit beim lieben Herrn,</div>
+ <div class="verse">O ew'ge Freude, du bist nicht mehr fern!</div>
+ </div>
+ <div class="stanza">
+ <div class="verse">Bald ist das Erdentagewerk getan.</div>
+ <div class="verse">Welch sel'ge Scharen gingen schon voran!</div>
+ <div class="verse">Am goldnen Tore harret Jesus dein,</div>
+ <div class="verse">Wie köstlich wird der Tag der Heimkehr sein!</div>
+ </div>
+ </div>
+</div>
+
+<div class="il">
+ <img src="images/img114.jpg" alt="" />
+ <p class="cap"><b>Negerhütten in Afrika.</b></p>
+</div>
+
+
+
+
+<h2><a class="pagenum" id="page_118" title="118"> </a>
+Sechzehntes Kapitel.<br />
+
+<b>Des Helden Tod.</b></h2>
+
+
+<p>Der Exkönig Muanga wandte sich von seinem
+Verbannungsort im Viktoria Niansa aus brieflich an
+Mackay und bat um Hilfe zur Wiedergewinnung seines
+Thrones. Das bedeutsame Schreiben hat nach dem
+Eingange folgenden Wortlaut: »...&nbsp;ich, Muanga,
+bitte Dich, daß Du mir hilfst. Vergiß alles, was geschehen
+ist. Wir sind jetzt übel daran, aber wenn Ihr,
+meine Väter, zu mir kommen und mir behilflich sein
+wollt, mich wieder in mein Königreich einzusetzen, so
+sollt ihr Freiheit haben, alles zu tun, was ihr wollt.
+&ndash; Früher habe ich Gott nicht gekannt. Jetzt aber
+kenne ich die Religion Jesu Christi. Denkt daran, daß
+Kalema (der jetzige König) alle meine Geschwister (nach
+Landessitte) ermordet hat. Auch meine Kinder hat er
+ermordet. Herr Mackay, hilf mir! Ich habe keine
+Kraft mehr, aber wenn Du bei mir bist, werde ich
+wieder stark sein. Mein Herr, denke nicht, daß, wenn
+Du Muanga wieder nach Uganda führst, er wieder
+schlecht sein wird. Wenn ich böse werde, darfst du
+mich vom Throne werfen. Ich bin aber ganz anders
+geworden und will jetzt nur Deinem Rate folgen. Ich
+bin Dein Freund Muanga.«</p>
+
+<p>Ein Jahr später eroberte Muanga mit Hilfe der
+Christen seinen Thron zurück, schlug die Araber aufs
+Haupt, verteilte die hohen Staatsämter an die eingeborenen
+<a class="pagenum" id="page_119" title="119"> </a>
+Christen beider Konfessionen und stellte sich
+unter britische Oberhoheit, um seiner immer noch sehr
+lose sitzenden Krone mehr Festigkeit zu verleihen. Welche
+Wendung durch Gottes Fügung!</p>
+
+<p>Mackay, der in Usambiro unterdessen emsig weiterbaute,
+das Evangelium Johannis in Luganda übersetzte,
+druckte und versandte, sah dem Umschwung der
+Dinge mit den Gefühlen eines Landmannes zu, der
+nach harter Geduldsarbeit seine Saaten in die Halme
+schießen sieht. Von seiner aufblühenden Station aus
+sandte er einen Aufruf an die Söhne Englands. Nachdem
+er einen kurzen Rückblick auf die wundersamen
+Ereignisse der letzten sechs Jahre gegeben und hervorgehoben
+hat, daß die bedeutendste und bis vor kurzer
+Zeit noch tyrannischste Macht in ganz Ostafrika jetzt
+in Händen von Männern ruht, die sich glücklich preisen,
+Christen zu sein, wirft er die Frage auf: »Aber
+ruht die Macht in den Händen des <em class="ge">Christentums</em>?
+Wird eine Nation an einem Tage geboren? Sie ist
+geboren; aber erst jetzt geboren, befindet sie sich im
+hilflosesten, kritischsten Zustande.« Dann schildert er,
+wie die römische Mission mit ihrer Wolfsmilch diesen
+Säugling nähren und für sich zu erziehen beflissen
+ist und fragt voll Sorge, ob das christliche England
+sich nicht ermannen und das neugeborene Kindlein
+mit reinem Blute nähren und in Zucht und Vermahnung
+zum Herrn großziehen will. »Soll diese herrliche
+Gelegenheit versäumt oder für immer verloren
+sein?«</p>
+
+<p><a class="pagenum" id="page_120" title="120"> </a>
+»Ihr Söhne Englands, hier ist ein Feld für eure
+Tatkraft. Bringt eure beste Bildung und die größten
+Talente, hier findet ihr Raum, mit dem Pfunde zu
+wuchern. Ihr Männer Gottes, die ihr euer Leben
+der Rettung von Menschenseelen weihen wollt, hier
+ist das rechte Feld für euch. Nicht um Zahlen für
+eine Kirche, sondern um verlorene Seelen zu retten
+und für Jesum zu gewinnen, bitte ich euch ... hierherzukommen,
+wo das Feld weiß zur Ernte ist. Rom
+bricht herein mit seinem Seelenfang durch Sakramente,
+seiner Religion voll Menschensatzung. Wir brauchen
+Männer, die Christum, den Gekreuzigten und Auferstandenen,
+predigen. ›Gott ist ein Geist‹, und jeder,
+der das glaubt, werfe alle Bedenken über Bord und
+eile zu uns, um dieses Volk zu lehren, Gott im Geist
+und in der Wahrheit anzubeten.</p>
+
+<div class="poetry-container">
+ <div class="poetry">
+ <div class="stanza">
+ <div class="verse">Vergiß dein Volk und deines Vaters Haus,</div>
+ <div class="verse">Dann sehnt der König sich nach deiner Schöne,</div>
+ <div class="verse">Und an der Väter Statt umjubeln dich die Kinder,</div>
+ <div class="verse">Und werden Fürsten auf der weiten Erde!«</div>
+ </div>
+ </div>
+</div>
+
+<p>Dieser Ausruf voll flammender Begeisterung und
+leidenschaftlicher Liebe für die unsterblichen Seelen in
+Uganda ist die letzte Botschaft unseres Helden. Sie
+trägt das Datum: »Usambiro, 2.&nbsp;Januar 1890« und
+langte am 24.&nbsp;April desselben Jahres in London an.
+Kurz vorher aber lief ein Telegramm aus Sansibar
+ein und meldete den Tod Alexander Mackays. Der
+elektrische Funke hatte mit der Trauerkunde den Postdampfer
+mit dem Aufruf um zehn Tage überflügelt.</p>
+
+<p><a class="pagenum" id="page_121" title="121"> </a>
+Die Post brachte aber noch eine andere charakteristische
+Botschaft Mackays. Von der Missionsgesellschaft
+war ihm in berechtigter Sorge um seine
+Gesundheit dringend nahegelegt, zu einem längeren Erholungsurlaub
+heimzukehren. Mackay erwiderte dem
+Sekretär unter dem 2.&nbsp;Januar: »Aber wie können
+Sie mir schreiben: ›Komme heim!‹ Bei diesem schrecklichen
+Arbeitermangel darf keiner seinen Platz verlassen.
+Schicken Sie mir zuerst zwanzig Männer,
+dann komme ich vielleicht und helfe Ihnen die zweiten
+zwanzig suchen.«</p>
+
+<p>Mackays letzte Tage waren angefüllt mit weitausschauenden
+Plänen zur »Lösung des afrikanischen
+Problems«. Unter diesem Titel veröffentlichte er kurz
+vor seinem Heimgang noch einen meisterhaften Artikel
+voll missionarischer Weisheit und staatsmännischem
+Scharfsinn und schrieb darunter: »Fortsetzung
+folgt.« Es ist aber keine Fortsetzung mehr eingetroffen.
+Der Tod hatte ihm inzwischen die berufene Feder entwandt.</p>
+
+<p>Einige Tage vor seinem Tode hatte sich Mackay
+bei der Arbeit an einem Dampfkessel eine Erkältung
+zugezogen, auf die er aber nicht weiter achtete. Dann
+half er seinem Mitarbeiter Missionar Deekes, der erst
+kurze Zeit bei ihm war, gesundheitshalber aber wieder
+abreisen mußte, eifrig beim Packen. An dem zur Abreise
+bestimmten Tage lag Mackay aber in so hohem
+Fieber, daß Deekes die Träger wieder abbestellte und
+sich vorläufig der Pflege seines Kollegen widmete.
+<a class="pagenum" id="page_122" title="122"> </a>
+Das Malariafieber steigerte sich bedenklich und ließ
+das Schlimmste befürchten, da keine ärztliche Hilfe zu
+haben war. Nach vier Tagen, am 8.&nbsp;Februar 1890,
+abends um 11&nbsp;Uhr, drückte der erschrockene Missionar
+dem Helden von Uganda die Augen zu.</p>
+
+<p>Aus Brettern, die der Heimgegangene selbst geschnitten
+und für ein Boot zugerichtet hatte, wurde ein
+Sarg gezimmert und die Leiche hineingebettet. Am
+folgenden Tage, es war ein Tag des Herrn, senkten
+sie den schmucklosen Sarg am Ufer des Niansa in die
+afrikanische Erde. Wehklagend um den geliebten Lehrer
+und Hirten umringten die Wagandachristen die
+frische Gruft. Missionar Deekes versuchte einen Bibelabschnitt
+zu lesen, brach aber vor Schwäche und Schmerz
+zusammen. Dann ermannten sich die Schüler Mackays
+und sangen: »Laut rühmet Jesu Herrlichkeit!«</p>
+
+<p>Ein weißes Marmorkreuz mit einer arabischen,
+suahelischen und englischen Inschrift, gestiftet von einer
+edeln Gräfin, kündet heute den Eingeborenen, daß
+hier einer ruht, der für sie starb und lieber ein Bote
+des Kreuzes war als ein König auf dem Thron.</p>
+
+<p>»Eine große Persönlichkeit bemerkt man nicht allein,
+wenn sie gegenwärtig ist; man wird ihren Wert
+dann noch mehr inne, wenn die Stelle leer ist, die sie
+einnahm.« In England wurde der Heimgang Alexander
+Mackays als ein nationaler Verlust allgemein empfunden
+und tief betrauert. Die Zeitungen des ganzen
+Landes brachten anerkennende Leitartikel über ihn, ein
+<a class="pagenum" id="page_123" title="123"> </a>
+Beweis, daß die Welt ab und zu doch noch einen Missionar
+zu schätzen weiß, wenn er auch nicht auf außergewöhnliche
+Weise sein Leben verloren hat wie Hannington.
+Privatbriefe voll Trauer liefen bei dem gebeugten
+Vater aus allen Gegenden ein, und viele kirchliche
+Körperschaften sandten besondere Beileidsadressen.
+Der Anzeiger der <span class="ss">Church Missionary Society</span>, der
+Mackay angehörte, schrieb: »Obwohl wir A.&nbsp;Mackay
+sehr hoch schätzten, waren wir doch nicht auf das Maß
+von Teilnahme und Bewunderung gefaßt, welches sein
+Tod hervorrief. Wir gestehen offen, daß wir nicht
+wußten, welche hohe Achtung er in der öffentlichen
+Meinung gewonnen hatte.«</p>
+
+<p>Colonel Grant, einer der beiden Reisenden, die
+Uganda zuerst kennen lernten, bricht in das Lob aus:
+»Der Verlust, welcher die Zivilisation in Zentralafrika
+getroffen, ist nicht leicht wieder wettzumachen.
+Denn aus zwanzig unter uns könnte man noch nicht
+einen Mackay machen.« Ein Begleiter Stanleys, der
+Offizier Jephson, welcher drei Wochen Mackays Gast
+in Usambiro war, sagt in einem ergreifenden Briefe
+an den Vater u.&nbsp;a.: »Als eine Handvoll zusammengebrochener,
+verbitterter Männer kamen wir auf seiner
+Station an, und dank seiner Güte traten wir die Reise
+nach der Küste mit frischem Eifer und neuer Liebe zu
+unserem Werke an. Die einsame Gestalt, die auf
+dem Kamm des Hügels stand und uns noch Grüße
+nachwinkte, wird mir immer in Erinnerung bleiben.
+&ndash; Der Name ihres Sohnes ist auf der Liste der großen
+<a class="pagenum" id="page_124" title="124"> </a>
+Männer, die ihr Leben in der furchtlosen Ausübung
+ihrer Pflicht verloren haben. Die Eingeborenen schienen
+nur ihn zu lieben und nur ihn zu kennen.«</p>
+
+<p>All diese Lobpreisungen haben freilich vorzugsweise
+die kulturelle Seite der Arbeit Alexander Mackays
+im Auge. Es wäre aber ungerecht, seine Missionstat
+so einseitig aufzufassen. »Ein Mann, der heute mit
+den Mohammedanern theologische Streitfragen ausfechten
+muß und furchtlos Christum als Sohn Gottes
+und der Welt Heiland bekennt und morgen sich damit
+zufriedengibt, stundenlang Knaben lesen zu lehren
+und einfache Bibeltexte zu erklären und am dritten
+Tage geduldig die Worte des Lebens in eine Sprache
+übersetzt, die keine Sprachlehre noch Wörterbuch hat
+&ndash; solch ein Mann war kein gewöhnlicher Missionar«,
+ist mehr als ein Industriemissionar, ist ein Apostel
+Jesu Christi! Sein treuster Freund und Waffengefährte,
+der Missionar Ashe, sagt von Mackay, daß er
+zu den Wenigen gehörte, welche furchtlos vorwärtsblicken
+und auf uns den Eindruck machen, als ob sie
+das Antlitz des lebendigen Gottes sähen. Nie sei er
+an einem Menschen oder einer Sache verzweifelt, ein
+Mann, auf den man bauen konnte. Vierzehn Jahre
+hat er in Afrika ausgehalten, vierzehn Jahre voll
+Widerspruch, Gefahr, Fieber, Herzeleid, Enttäuschung
+&ndash; und bei alledem sei er fest und unbeweglich geblieben
+in dem Werk des Herrn. Er habe an seinem
+Leben und seiner geduldigen Liebe gesehen, daß ein
+frommer Mensch eine wunderbare Höhe der Christusähnlichkeit
+<a class="pagenum" id="page_125" title="125"> </a>
+erreichen kann. »Mackay war ein demütiger,
+reiner, hochherziger Mann &ndash; mit einem Wort:
+ein großer Missionar!«</p>
+
+<p>Wir legen diesen Immortellenkranz im Geiste auf
+jenes einsame Grab mit dem kleinen Marmorkreuz
+unter den Palmen Ostafrikas und geloben, uns für
+das Große so zu begeistern und im Kleinen so treu zu
+sein, wie Alexander Mackay, der Held von Uganda,
+es war. Wir wissen, daß er zu denen zählt, die ihre
+Kränze und Kronen vor dem Throne Gottes und des
+Lammes niederlegen, und sprechen: »Herr, Du bist
+würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft. Denn
+Du hast alle Dinge erschaffen, und durch Deinen Willen
+haben sie das Wesen und sind geschaffen.«</p>
+
+<p>Wir dürfen aber von dem einsamen Kreuze nicht
+scheiden, ohne noch einen flüchtigen Blick auf die Hügel
+und Hütten Ugandas zu werfen. Mackay hat nicht
+mehr erlebt den traurigen Bürgerkrieg zwischen katholischen
+und evangelischen Christen, zwischen seinen geistlichen
+Kindern und denen des Pater Lourdel, in dem
+die Römischen als Anstifter unterlagen; nicht mehr erlebt
+die gewaltige Bewegung zum Evangelium, die in
+der Missionsgeschichte beispiellos dasteht. Er sah nicht
+mehr das Gotteshaus in der Hauptstadt mit den viertausend
+Sitzplätzen und die heilshungrigen Scharen
+den Missionaren die Häuser stürmen, wenn eine Kiste
+mit Bibeln angekommen war. Er sah nicht mehr,
+was unsere Augen sehen: das einst so blutgetränkte
+Uganda überzogen mit einem Netz von Missionsstationen,
+<a class="pagenum" id="page_126" title="126"> </a>
+mit Kapellen und Schulen und einer Schar
+eingeborener Evangelisten.</p>
+
+<p>In den letzten fünf Jahren hat die Mission
+Mackays 35&#8239;000 meist erwachsene Heiden in Uganda
+getauft. Die Gemeinde, welche Mackay 1882 mit fünf
+Wagandaknaben gründete, vier Jahre später fast hundert
+Blutzeugen zählte und 1887 einer zerstreuten und
+hirtenlosen Herde glich, in die der Wolf gefahren ist,
+diese Gemeinde umfaßt heute mehr als 60&#8239;000 Glieder,
+hat neben den englischen Missionaren dreißig eingeborene,
+ordinierte Pastoren und 2500 sonstige Lehrer
+und Gehilfen, die, soweit sie besoldet sind, von der
+Wagandakirche unterhalten werden. In den zahlreichen
+Schulen werden jetzt über 32&#8239;000 Kinder unterrichtet,
+und der jährliche Zuwachs beträgt 670 Schüler.</p>
+
+<p>Das hat Mackay alles nicht mehr hören und sehen
+können, und doch ist es der Baum, den er einst im
+Glauben gepflanzt und mit aufopfernder Geduld und
+Hoffnung bis an sein Ende gepflegt hat. Weil er
+den Brunnen so tief grub, springt heute das Wunderwasser
+so hoch. »Er war gesetzt, Frucht zu bringen
+und eine Frucht, die da bleibe« und hat sich den hohen
+Titel, den ihm dankbar die Nachwelt gibt, zur Ehre
+seines Meisters wohl verdient.</p>
+
+<div class="poetry-container">
+ <div class="poetry">
+ <div class="stanza">
+ <div class="verse">Verdrängt, verjagt, besiegt und ausgefegt</div>
+ <div class="verse">Und doch ein Held, der ewig Palmen trägt!</div>
+ </div>
+ </div>
+</div>
+
+<p>Das ist Alexander Mackay. Möge sein Andenken neue
+Gnade auf uns bringen!</p>
+
+<hr />
+
+
+
+
+<h2>Verlag von J.&nbsp;G. Oncken Nachfolger, G.&nbsp;m.&nbsp;b.&nbsp;H., Cassel</h2>
+
+
+<p class="ce fss mt2">Im gleichen Verlage erschienen folgende Bände der</p>
+
+<p class="ce fsxl ge"><span class="ss"><b>Jugendheimbibliothek</b></span></p>
+
+<p class="ce fss">(die mit <span class="ss"><b>K.</b></span> bezeichneten eignen sich für Knaben, die mit <span class="ss"><b>M.</b></span> für Mädchen):</p>
+
+
+<p class="ce mt2"><b>Mk.&nbsp;5.&ndash;. Preise freibleibend.</b></p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 1. <b>Prinz Wilhelm von Oranien.</b> Von <em class="ge">A. Steen.</em> Ein Lebensbild des
+ Begründers der niederländischen Unabhängigkeit. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mt. 5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 2. <b>Arm und doch reich.</b> Eine Erzählung für jung und alt. Mit
+ Illustrationen. Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 3. <b>Das vermißte Boot.</b> Eine Erzählung für die Jugend. Mit einem
+ Bild. 64 Seiten. Besonders für unsere Knaben. Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 4. <b>Der goldene Faden.</b> Mit einem Titelbild. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 5. <b>Gottes Walten auf dem Meere.</b> Ein Festgeschenk für die liebe
+ Jugend. Mit feinen Holzschnitten. Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 7. <b>Kardu, das Hindumädchen.</b> Mit 3 Illustrationen. 104 Seiten. <span class="ss"><b>M.</b></span>
+ Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 8. <b>Silberglöckchen</b> oder: Verloren und wiedergefunden. Mit Illustrationen.
+ Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 9. <b>Die Waldlilien.</b> 17.&nbsp;Auflage. Mit Illustrationen von <em class="ge">Otto
+ Speckter.</em> <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 10. <b>Samenkörner.</b> Enthält 50 kurze, interessante Erzählungen für
+ Kinder. Mit 14 Bildchen. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 11. <b>Daisy</b> oder: Engelsdienst durch Blumen. Von <em class="ge">Anna Steen</em>. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 12. <b>Hans Kohl</b> oder: Im Kleinen getreu. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 13. <b>Verlorene Söhne</b> oder: Ein kleines Kind wird sie führen. Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 15. <b>Morgenstern auf finstre Nacht.</b> Von <em class="ge">Abr. Friesen</em>, Missionar in
+ Indien. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 16. <b>Zwei Kinder im Korbe</b> oder: Daph, die treue Negerin. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 17. <b>Vöglein und ihr Hund</b> und: Meister Kundig und sein Peter. Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 18. <b>Um den Abend wird es licht.</b> Von <em class="ge">Anna Steen</em>. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 21. <b>Durch die Perlentore.</b> Mit 2 Illustrationen. Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 24. <b>Großmutter und Enkelin.</b> Von <em class="ge">Anna Steen</em>. Allerliebste Erzählung
+ einer treuen Zeugin Christi. Für die reifere Jugend. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 27. <b>Dauphin Ludwig <span class="ss">XVII.</span>, König von Frankreich</b> oder: Der kleine
+ Gefangene. Mit 2 Illustrationen. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 29. <b>Teuer erkauft.</b> Mit 2 Illustrationen. Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 31. <b>Samoset, der Indianerhäuptling.</b> Mit 2 Illustrationen. Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 32. <b>Der kleine Graf</b> oder: Weißer als Schnee. Mit 1 Illustration.
+ (Zurzeit vergriffen.) Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 33. <b>Der mißglückte Versuch</b> oder: Aus Gnaden selig. Mit 1 Illustration. Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 34. <b>Der gelöste Bann.</b> Mit 1 Illustration. Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 35. <b>Weltklugheit oder Glaubenseinfalt?</b> Mit 1 Illustration. Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 51. <b>Kees</b> oder: Die Freude, ein Mensch zu sein. Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 52. <b>Stephans und Minnies Weihnachtsfreude</b> und andere Erzählungen.
+ Von Lu <em class="ge">v.&nbsp;Sell</em>. <em class="ge"><span class="ss">M.</span></em> Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 53. <b>Elschens Schützling</b> und andere Erzählungen. Von <em class="ge">A.&nbsp;v.&nbsp;Scholte</em>.
+ <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 54. <b>Jung-Stilling</b> oder: Wie Gott aus einem armen Schneiderlehrling
+ einen berühmten Augenarzt machte. Von <em class="ge">K. Traub</em>. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 61. <b>Jugendliche Helden.</b> <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk.&nbsp;5.&ndash;.</p>
+
+
+<p class="ce mt2"><b>Mk.&nbsp;6.&ndash;.</b></p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 6. <b>Evangeline.</b> Frei nach dem Englischen aus »Onkel Toms Hütte«.
+ Von <em class="ge">Anna Steen</em>. 9.&nbsp;Auflage. 5 Illustrationen. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 14. <b>Benzonis Kinder.</b> Von <em class="ge">Jessie Armstrong</em>. Übersetzung von
+ A.&nbsp;Steen. Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 19. <b>Fritz, der Schiffsjunge</b>, und was aus ihm geworden ist. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 22. <b>Von der Blockhütte zum Palast.</b> Spannende Lebensbeschreibung für
+ die reifere Jugend. Mit 7 Illustrationen. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 23. <b>Vom Weberlehrling zum Afrikaforscher.</b> Das Leben des Missionars
+ <em class="ge">David Livingstone</em>. Mit 9 Illustrationen. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 25. <b>Durch ein Lied gewonnen.</b> Mit 2 Illustrationen. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 26. <b>Tapfere Taten jugendlicher Helden.</b> Mit 18 Illustrationen. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 28. <b>Peter Hink. Gregor mit dem Leierkasten.</b> Mit 3 Illustrationen. <span class="ss"><b>K.</b></span>
+ Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 30. <b>Eine gefangene Nachtigall.</b> Mit 3 Illustrationen. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 36. <b>Hans Friedleins Myrtenstöcklein.</b> Mit 2 Illustr. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 37. <b>Des alten Fischers Fund.</b> Mit 3 Illustrationen. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 38. <b>Adlersfluq.</b> Eine Erzählung für die reifere Jugend. Von <em class="ge">M.&nbsp;v.&nbsp;Panitza</em>. Mit 2 Illustrationen. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 40. <b>Heini von Ganten.</b> Aus dem Leben eines Waisenknaben. Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 41. <b>Erwin, der Missionarssohn.</b> Erzählung für jung und alt. Von
+ <em class="ge">Klara Düsterhoff</em>. Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 42. <b>Lieschens Hauptmann.</b> Eine Erzählung für jung und alt. Von
+ <em class="ge">Emmy v.&nbsp;Feilitzsch</em>. Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 43. <b>Gold und Weihrauch.</b> Zwei Erzählungen für Mädchen. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 44. <b>Einspännerchen.</b> Aus dem Französischen. Eine Geschichte für
+ Mädchen. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 45. <b>In der Sturmflut des Lebens.</b> Von <em class="ge">M.&nbsp;v.&nbsp;Panitza</em>. Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 46. <b>Die Kronenhofjugend.</b> Von <em class="ge">E.&nbsp;v.&nbsp;Feilitzsch</em>. Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 47. <b>Fridtjof Nansen, der kühne Nordpolfahrer.</b> Von <span class="ss">Dr.</span> <em class="ge">J.&nbsp;A. Bain</em>.
+ Mit vielen Bildern. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 48. <b>Carmio, der kleine Mexikaner in indianischer Gefangenschaft.</b> <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 49. <b>Engelein-lieb und ihr Freund von der Gasse.</b> <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 50. <b>Der Pflegebruder.</b> Von <em class="ge">H. Machwürth</em>. Für reifere Knaben.
+ <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 55. <b>Häkchen, welche früh sich krümmen.</b> Zehn Geschichten für die liebe
+ Jugend. Von <em class="ge">Karl Traub</em>. Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 56. <b>Der Zigeunerfriedl</b> und andere Geschichten. Fünf Erzählungen für
+ Kinder. Von <em class="ge">Karl Traub</em>. Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 57. <b>Kinderleben in den Bergen.</b> Zwei Erzählungen von <em class="ge">M. Gerner</em>.
+ Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 58. <b>Klein Hindenburg im Dörfchen.</b> Eine Erzählung für die Jugend.
+ Von <em class="ge">Maria Gerner</em>. Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 59. <b>Heinz Lichtwergs Kriegserlebnisse</b> und: <b>Molly</b>. Zwei Kindergeschichten.
+ Von <em class="ge">Dörthe Kögel</em>. Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 60. <b>Wundersame Wege.</b> Erzählung von <em class="ge">E.&nbsp;v.&nbsp;Feilitzsch</em>. <span class="ss"><b>M.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 62. <b>Ein Sprößling der alten Seekönige.</b> Eine Erzählung von <em class="ge">Anna
+ Steen</em>. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+<p class="ad">
+Nr. 63. <b>Heini und seine Lehrerin.</b> Eine Geschichte aus den Schweizer
+ Bergen. Von <em class="ge">Maria Gerner</em>. <span class="ss"><b>K.</b></span> Mk.&nbsp;6.&ndash;.</p>
+
+
+<p class="ce mt2 fss">Druck von J.&nbsp;G. Oncken Nachfolger, G. m. b. H., Cassel.</p>
+
+<hr />
+
+
+
+
+<h2>Hinweise zur Transkription</h2>
+
+
+<p class="in0">Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.
+Textanteile, die in <span class="ss">Antiqua-Schrift</span> gedruckt wurden, sind jeweils markiert.</p>
+
+<p class="in0">Illustrationen wurden an Kapitelenden verschoben, ein ganzseitiges Portrait hinter die Titelseite.
+Ornamente wurden nicht wiedergegeben.</p>
+
+<p class="in0">Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden Ausnahmen:</p>
+
+<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_039">39</a>:<br />
+"den" geändert in "dem"<br />
+(Dann kehrte Smith nach dem See zu O'Neill zurück)</p>
+
+<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_096">96</a>:<br />
+"." eingefügt<br />
+(ist unser schlimmster Feind. Dieser Brief wird vielleicht aufgefangen)</p>
+
+<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_109">109</a>:<br />
+"be-beruhigen" geändert in "beruhigen"<br />
+(ein paar Kühe, damit sie sich wieder beruhigen)</p>
+
+<hr />
+
+<div>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 48502 ***</div>
+</body>
+</html>
+
+
diff --git a/48502-h/images/cover.jpg b/48502-h/images/cover.jpg
new file mode 100644
index 0000000..6d67a7c
--- /dev/null
+++ b/48502-h/images/cover.jpg
Binary files differ
diff --git a/48502-h/images/img001.jpg b/48502-h/images/img001.jpg
new file mode 100644
index 0000000..f28a188
--- /dev/null
+++ b/48502-h/images/img001.jpg
Binary files differ
diff --git a/48502-h/images/img024.jpg b/48502-h/images/img024.jpg
new file mode 100644
index 0000000..660fb30
--- /dev/null
+++ b/48502-h/images/img024.jpg
Binary files differ
diff --git a/48502-h/images/img036.jpg b/48502-h/images/img036.jpg
new file mode 100644
index 0000000..e34fc2f
--- /dev/null
+++ b/48502-h/images/img036.jpg
Binary files differ
diff --git a/48502-h/images/img052.jpg b/48502-h/images/img052.jpg
new file mode 100644
index 0000000..fdb84cd
--- /dev/null
+++ b/48502-h/images/img052.jpg
Binary files differ
diff --git a/48502-h/images/img072.jpg b/48502-h/images/img072.jpg
new file mode 100644
index 0000000..48f7516
--- /dev/null
+++ b/48502-h/images/img072.jpg
Binary files differ
diff --git a/48502-h/images/img086.jpg b/48502-h/images/img086.jpg
new file mode 100644
index 0000000..a60729d
--- /dev/null
+++ b/48502-h/images/img086.jpg
Binary files differ
diff --git a/48502-h/images/img098.jpg b/48502-h/images/img098.jpg
new file mode 100644
index 0000000..3ff1b39
--- /dev/null
+++ b/48502-h/images/img098.jpg
Binary files differ
diff --git a/48502-h/images/img114.jpg b/48502-h/images/img114.jpg
new file mode 100644
index 0000000..002879e
--- /dev/null
+++ b/48502-h/images/img114.jpg
Binary files differ