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+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 44405 ***
+
+ +------------------------------------------------------------------+
+ | Anmerkungen zur Transkription |
+ | |
+ | Kursiver Text ist als _kursiv_ markiert, gesperrter Text als |
+ | ~gesperrt~. Brüche sind als 1/2 dargestellt, bei Zahlenangaben |
+ | bedeutet 2-1/2 soviel wie 2,5 (und nicht 1,5). |
+ | |
+ | Die Fußnoten sind fortlaufend nummeriert worden und befinden |
+ | sich am jeweiligen Ende der 3 Buchteile, abgetrennt durch eine |
+ | Zeile "----------". Hinweise zu Korrekturen und Inkonsistenzen |
+ | befinden sich am Ende des Buchs. |
+ +------------------------------------------------------------------+
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+
+
+
+ SINGAPORE MALACCA
+ JAVA.
+
+ ~REISESKIZZEN~
+
+ VON
+
+ F. JAGOR.
+
+ MIT VIERUNDZWANZIG FEDERZEICHNUNGEN.
+
+ [Illustration]
+
+ BERLIN 1866.
+
+ VERLAG VON JULIUS SPRINGER.
+
+ MONBIJOU-PLATZ 3
+
+
+
+
+Das Recht der Uebersetzung ist vorbehalten.
+
+
+
+
+VORWORT.
+
+
+Die Absicht des Verfassers ist, in den vorliegenden Reiseskizzen,
+welche achtzehn Monate einer fast fünfjährigen Reise umfassen, kurze
+Schilderungen der hervorragendsten Gegenstände zu geben; die rein
+persönlichen Erlebnisse und rein wissenschaftlichen Einzelnheiten sind
+daher in der Regel fortgelassen worden, während Dinge, die für einen
+grösseren Leserkreis von Interesse schienen, etwas ausführlicher
+behandelt worden sind. -- Die Angaben über den Kaffee- und Reisbau in
+Java sind zum grossen Theil aus zwei von der Maatschappij tot nut van
+'t algemeen herausgegebenen Schriften „de Koffij” und „de Rijst”
+entnommen, viele Angaben über die Cinchonen aus: Travels in Peru and
+India von Markham, der die Pflanzen nach Indien übersiedelte. Ferner
+sind benutzt worden: Journal of the Indian Archipelago, Crawfurd
+Dictionary, Singapore Free Press, Singapore Straits Times, Royle
+fibrous plants of India, Porter Tropical agriculturist, Nassau-Lees
+Tea Cultivation in India, Tijdschrift voor Nederlandsch Indie,
+Tijdschrift voor taal-, land- en volkenkunde, Junghuhn's Java.
+
+Die Bilder sind nach Originalzeichnungen und Photographien des
+Verfassers ausgeführt, zum Theil von ihm befreundeten bedeutenden
+Künstlern, die ihm mit der liebenswürdigsten, uneigennützigsten
+Bereitwilligkeit entgegengekommen sind; die Bilder zu S. 35, 36, 50, 54,
+101 nach Photographien, die zu 129, 138, 215, 218, 226 nach
+Camera-lucida-Aufnahmen, so dass sie fast die Genauigkeit von
+Photographien haben. Die Schiffe zu S. 7 und 50 sind Dumont d'Urville's
+Atlas entnommen, die Vögel S. 198 und die Fledermaus 216 nach
+ausgestopften Exemplaren gezeichnet.
+
+ * * * * *
+
+Die malayischen Namen sind nach der deutschen Aussprache geschrieben;
+_s_ muss aber = _ss_ gesprochen werden.
+
+1 Seemeile, 60 auf den Grad, = 1/4 deutsche Meile. 1 Mile (engl.) = 2/9
+deutsche Meilen.
+
+Bei Singapore und Malacca sind englische, bei Java folgende Maasse
+gebraucht: Pariser Fuss = 0,325 M. = 1,035' rh., Paal = 1/5 preuss.
+Meile = 4800' rh., Bau = 71 ares = 500 Quadratruthen.
+
+In Singapore und Malacca wird der Pikul (= 100 Katti), wie in
+China, = 133-1/3 ℔ engl. a. d. p. = 120,96 Zoll ℔, in Java = 125
+℔ = 136 ℔ engl. = 123,4 Zoll ℔ gerechnet. 1 Ton = 20 Cwts. =
+2240 ℔ engl. = 2032 Zoll ℔. 1 Dollar = 42,4 Sgr., 1 Rupie = 20 Sgr.
+
+[Illustration]
+
+In der Unterschrift zur Zeichnung S. 210 lese man Bandjar-negara statt
+Wonosobo.
+
+
+
+
+Inhalt.
+
+
+ Singapore.
+
+ ~Erstes Kapitel.~ Seereise. -- Flaggensprache. -- Feuer an Bord.
+ -- Gefärbte See. -- Ankunft in Singapore 3.
+
+ ~Zweites Kapitel.~ Rhede von Singapore. -- Junken. -- Prauen. --
+ Nipa-Palme. -- Rhizophoren. -- Palankinfahrt. -- Hindufest 9.
+
+ ~Drittes Kapitel.~ Landhaus. -- Klima. -- Muskatnuss-Pflanzung.
+ -- Europäer. -- Früchte. -- Nahrungsmittel. -- Diener 17.
+
+ ~Viertes Kapitel.~ Ueberblick der Stadt. -- Strassenleben. --
+ Reis. -- Chinesen. -- Malayen. -- Malayische Sprache 33.
+
+ ~Fünftes Kapitel.~ Fischen mit Toba. -- Tiger. -- Termiten. --
+ Pfeffer. -- Gambir. -- Sago 54.
+
+ ~Sechstes Kapitel.~ Opium 70.
+
+ ~Siebentes Kapitel.~ Gründung und schnelles Aufblühen
+ Singapores. -- Rhiow. -- Seeräuberei. -- Malayische Kronik. --
+ Uebersicht der Verkehrsverhältnisse, sonst und jetzt. --
+ Ausbreitung der Chinesen. -- Dampfschiffe 81.
+
+
+ Malacca.
+
+ Anblick von Malacca. -- Portugiesen. -- Chinesen. -- Melaleuca.
+ -- Mission unter den Mintras und Jakuns. -- Guttapercha. --
+ Neuer Pungulu in Allor-gadja. -- Rückkehr zu den Mintras. --
+ Ehepärchen. -- Blasrohr. -- Pfeilgift. -- Fahrt nach Lingi. --
+ Der Dato von Lingi. -- Zustände in den kleinen Malayenstaaten.
+ -- Zinn. -- Leben im Walde. -- Zweckmässige Kleidung. --
+ Insektenpulver. -- Chinesischer Leichenzug. -- Geschichte von
+ Malacca. -- Tapioka. -- Djaggeri 99.
+
+
+ Java.
+
+ ~Erstes Kapitel.~ Batavia. -- Buitenzorg. -- Botanischer Garten.
+ -- Gunong Salak. -- Reisbau. -- Kultursystem. -- Warongs. --
+ Erdnüsse. -- Megamendong-Pass. -- Telaga warna. -- Pasanggrahans
+ und Gasthäuser. -- Preanger Regentschaften. -- Bandong. --
+ Junghuhn 127.
+
+ ~Zweites Kapitel.~ Reise nach Trogon. -- Strassen. --
+ Waringibäume. -- Bogenschiessen. -- Religion der Javanen. --
+ Vulkan Guntur. -- Erdtransport durch Wasser. -- Solfataren. --
+ Theebau. -- Vulkan Papandayan. -- Telaga bodas. -- Kaffeebau.
+ -- Schattenspiel. -- Hirschjagd. -- Malayische Küche. --
+ Tänzerinnen in Sumedang. -- Gamelang-Musik 142.
+
+ ~Drittes Kapitel.~ Reise nach dem Malabar. --
+ Cinchonenpflanzungen daselbst. -- Cinchonenbau in Java und
+ Vorderindien. -- Tischchen deck' dich. -- Bambus. -- Gärtnerei.
+ -- Pangerango 167.
+
+ ~Viertes Kapitel.~ Vulkan Tankubang-prau. -- Kostbare Waffen. --
+ Tiger. -- Kawali. -- Schirme. -- Fest in Pandjalu. -- Ausbruch
+ des Gelungung. -- Büffelkarren. -- Teakholz. -- Kindersee. --
+ Universalmittel. -- Pfahldorf. -- Zimmet. Loro-Kidul. -- Essbare
+ Vogelnester und abergläubische Gebräuche beim Einsammeln
+ derselben. -- Kampf zwischen Tiger und Büffel. -- Tigerstechen.
+ -- Reise nach dem Slamat. -- Rhinozerosse 182.
+
+ ~Fünftes Kapitel.~ Hochebene von Dïeng. Vulkane. Solfataren.
+ Tempel. -- Vogelscheuchen. -- Tempel Perot. -- Affengemeinde.
+ -- Bad. - Fliegende Hunde. -- Borobudor. Pavon. Mundut. --
+ Sultan von Jokjokarta und seine Familie. -- Salzgewinnung. --
+ Karang-tritis. -- Getäuschter Gastfreund. -- Landpächter. --
+ Indigofabriken. -- Begräbnissplatz Imogiri. -- Tempel bei
+ Kalasan und Prambanan. -- Surakarta. -- Der Kaiser und sein
+ Hofstaat. -- Betelkauen. -- Pangerans. -- Tanz. -- Der alte
+ Blücher. -- Batek. -- Berg Lawu. Raden Rio. -- Neujahrsfest in
+ Surakarta 209.
+
+ ~Sechstes Kapitel.~ Festung Ambarawa. -- Samarang. Schule.
+ Waisenhaus. -- Surabaya. Maschinenfabrik. -- Tempel um Malang.
+ -- Ardjuno. Legende. -- Semeru. -- Lamongan. Gewitter. --
+ Rückkehr nach Batavia 234.
+
+
+
+
+Singapore.
+
+
+
+
+Erstes Kapitel.
+
+ Seereise. -- Flaggensprache. -- Feuer an Bord. -- Gefärbte See. --
+ Ankunft in Singapore.
+
+
+Im Juni 1857 verliess ich Hamburg und landete nach 105 Tagen in
+Singapore. Für unser Schiff, das selbst bei dem besten Winde selten mehr
+als sechs Seemeilen in der Stunde machte, war es eine sehr schnelle
+Reise, die ohne die besondere Gunst des Wetters und den rastlosen Eifer
+des Kapitäns nicht möglich gewesen wäre. Klipperschiffe fahren oft mit
+mehr als doppelter Geschwindigkeit und dennoch pflegen sie den Weg kaum
+in kürzerer Zeit zurückzulegen, da sie bei Windstillen, deren fünf Zonen
+zu passiren sind, leicht wieder einbüssen, was sie bei gutem Winde
+gewonnen haben. So kam es auf hoher See mehrere Male vor, dass bessere
+Segler uns überholten, und dennoch fand sich bei Vergleichung unserer
+Daten, dass sie Europa vor uns verlassen hatten, also länger unterwegs
+waren, als wir.
+
+Ausgenommen zwei kleine wüste Felsen, Martin Vas und Trinidad, die in
+20-1/2° südlicher Breite vor der Küste von Brasilien liegen, sahen wir
+auf der ganzen Reise kein Land; zwar hätten wir den 12,172 Fuss hohen
+Pik von Teneriffa erblicken müssen, da wir nur 30 Seemeilen davon
+vorüberfuhren, der Nebel verhüllte ihn aber.[1]
+
+Als wir Ende Juli bei Tagesanbruch mit dem leisesten Luftzug an jenen
+Felsen vorübertrieben, waren vom Mast aus dreizehn Schiffe in Sicht,
+deren Wege sich hier kreuzten. Mit Hülfe der Marryat'schen
+Flaggensignale entstand bald eine lebhafte Unterhaltung; jeder fragt und
+versteht die Antwort in seiner eigenen Sprache, unbekümmert um das Idiom
+seines Korrespondenten, man tauscht die Namen aus, erkundigt sich,
+woher, wohin, und schliesst nach einigen Spezialfragen gewöhnlich mit
+einem freundlichen Gruss. Ein schönes Schiff, nach seiner Reisedauer
+gefragt, erwiderte aber barsch: das geht Niemand etwas an;
+wahrscheinlich war es lange unterwegs und ärgerte sich darüber.[2]
+
+Maury hat so anschaulich geschildert, wie das scheinbar pfadlose Meer in
+Wirklichkeit von grossen Handelsstrassen durchschnitten wird, auf
+welchen sich alle Schiffe bewegen, wie die Karawanen in der Wüste, und
+hier befanden wir uns offenbar an einem Kreuzpunkt: Schiffe, die um das
+Kap Horn, andere, die um das Kap der guten Hoffnung gekommen waren, und
+solche, die von Europa kamen und nach den östlichen oder westlichen
+Gestaden des stillen Meeres wollten, begegneten sich hier. Bei gutem
+Winde eilen die Schiffe schnell an einander vorüber; eine so zahlreiche
+Versammlung ist nur bei Windstillen auf solchen Hauptstrassen möglich.
+
+Wir befanden uns zwischen der südlichen Grenze des SO.-Passats und der
+nördlichen des westlichen Gegenstromes. Am Nachmittag begannen wir
+allmälig den Einfluss des letzteren zu fühlen und schon am folgenden
+Tage empfanden wir seine volle Wirksamkeit. Diese westlichen Winde sind
+viel kräftiger und konstanter, als der SO.-Passat, sie brachten uns
+schnell um's Kap; wir fuhren aber 5° südlich daran vorbei, sowohl um die
+Agulhas-Strömung zu vermeiden, die, aus dem indischen Ozean kommend,
+sich dicht um's Kap herum drängt und dann im südatlantischen Ozean
+fächerförmig ausbreitet (sie wird von den heimkehrenden Schiffen
+benutzt), als auch, um den Weg abzukürzen, indem wir nicht einem
+Parallel-, sondern einem grössten Kreise folgten. Auf der Mercators
+Projection scheint unser Kurs ein Umweg zu sein, auf dem Globus ergiebt
+sich der Vortheil sogleich.
+
+So lange wir uns in diesen Breiten befanden, waren, da der August unserm
+Februar entspricht, Sturmvögel, Sturzwellen, Schnee und kaltes Wetter
+unsere beständigen Begleiter, freilich hatten wir auch immer frische
+Brisen, die sich zuweilen bis zum Sturm steigerten. Das Schiff war aber
+schon seit Wochen darauf vorbereitet; alles, was nicht fortgestaut
+werden konnte, war festgemacht, alle nicht ganz zuverlässigen Segel und
+Taue durch neue ersetzt und, da gegen die Tüchtigkeit des Schiffes wie
+des Kapitäns kein Zweifel bestand, so war es ein grosses Vergnügen,
+pfeilschnell durch die hohen Wellen getrieben zu werden.[3]
+
+Als wir uns schon wieder in wärmeren Breiten im indischen Ozean
+befanden, brach Nachts Feuer aus. Es schlief Alles, ausgenommen der
+Steuermann und vielleicht die wachthabenden Matrosen, die sich auf dem
+Vorderdeck aufhielten. Durch einen Zufall wurde die Gefahr bemerkt, als
+schon der ganze Salon mit dichtem Rauch erfüllt war. Die Wand einer
+Kajüte brannte in hellen Flammen, und wenig fehlte, so wäre der daneben
+liegende Raum, in welchem Theer, Firniss und andere Brennstoffe
+aufbewahrt wurden, von der Flamme ergriffen worden und jede Rettung
+unmöglich gewesen. Wir hatten 1000 Centner Pulver an Bord, die der
+Rheder bis zum Tage vor der Abfahrt klug verschwiegen hatte. Das Feuer
+wurde schnell gelöscht. Wie so häufig bei wirklich grosser Gefahr,
+verlor Niemand den Kopf; eine gewisse Aufregung war nur an dem
+Schiffsjungen zu bemerken, der als Urheber des Brandes eine Tracht
+Prügel erhielt.
+
+Am 20. September mussten wir nach der Schiffsrechnung ganz nahe bei der
+Sunda-Strasse sein. 52 Tage waren vergangen, seitdem wir jene Felsen
+gesehen, deren astronomisch bestimmte Lage uns zum letzten male
+Gelegenheit gegeben hatte, den Gang unseres Chronometers zu prüfen.[4]
+Es war ein sehr trüber Tag, alle Augen suchten den Horizont ab, um
+zuerst Land zu entdecken. Endlich schien an einer Stelle der Nebel etwas
+dichter zu werden; es war keine Wolke, die Form zeichnete sich immer
+bestimmter, mehr und mehr Einzelheiten traten hervor, wie bei dem
+Entwickeln einer Photographie, und bald lag Javahoofd deutlich vor uns
+in der Gegend, wo es liegen sollte. Das Tageslicht reichte noch aus, um
+uns den Felsen, die Brandung und die üppige Vegetation der Südostspitze
+Java's deutlich erkennen zu lassen; da es aber nicht rathsam schien, uns
+Nachts in die enge Sunda-Strasse zu wagen, so wurde beigedreht, um den
+Tag abzuwarten. Javahoofd bildet den östlichen Pfeiler des einen
+Hauptthores zur indischen Inselwelt. Es ist im Besitz der Holländer. Als
+das zweite Hauptthor muss man die Strasse von Malacca betrachten, durch
+welche der ganze Handel zwischen China und Indien geht. Es ist durch die
+Niederlassungen von Pulo-Pinang, Malacca und Singapore in den Händen
+der Engländer; das südliche Ufer, die Küste von Sumatra, gehört zwar den
+Holländern, doch ist es für die Schifffahrt nicht geeignet, so dass die
+Engländer in ungestörtem Besitze dieser Strasse sind.
+
+[Illustration]
+
+Von hier an war die Fahrt höchst angenehm; wie ein grosses bewegliches
+Panorama zogen lange Küstenstriche von Java, Sumatra, Banca und viele
+kleine Inseln, bis an den Meeresspiegel dicht bewaldet, an uns vorüber.
+Gleich an der Eingangspforte ragte der Vulkan Krokotan aus dem Meere
+hervor, stark rauchend, während der dahinter liegende Vulkan Pulo-Besi
+nur seinen Umriss durch den Nebelschleier erkennen liess. An Anjer, wo
+die Sundanesen den Schiffen gewöhnlich das erste Willkommen in der
+Tropenwelt darbringen, kamen wir leider Nachts vorüber, so dass wir von
+den köstlichen Früchten und anderen Erfrischungen nichts erhielten. Das
+Meer wurde immer belebter, in ganzen Geschwadern erschienen die
+sonderbarsten kleinen Schiffe, zwischen deren hohen Mattensegeln fast
+nackte Eingeborne wie Katzen herumkletterten. Die letzten Sturmvögel
+hatten uns in 26° südl. Br. verlassen, jetzt schwebten Tropikvögel hoch
+über uns hin, mehrere kleine bunte Sänger kamen an Bord, um auszuruhen,
+und die Matrosen litten nicht, dass die Schiffsjungen das Gastrecht
+gegen sie verletzten. Auch einen Schmetterling trug uns der Wind zu und
+einige glänzende Käfer.
+
+In diesem von Inseln eingeschlossenen Meere regte sich nur ein sanfter
+Luftzug, wir brauchten eine Woche bis Singapore, obgleich die Entfernung
+von Javahead wenig über 500 Seemeilen beträgt. Doch war dies immerhin
+noch kein ungünstiges Verhältniss. Ein Klipper, der einige Monate nach
+uns in Singapore eintraf, hatte die Reise von Australien bis zu jenem
+Kap in ungewöhnlich kurzer Zeit zurückgelegt, und brauchte von dort
+sechs Wochen, um den Hafen zu erreichen. Die Segelschiffe sind hier so
+häufigen Windstillen ausgesetzt, dass man die wahrscheinliche Reisedauer
+nach Europa gehender Schiffe gewöhnlich erst von dem Tage an rechnet, wo
+sie die Sunda-Strasse passirt haben. In Anjer werden alle aus- und
+einfahrenden Schiffe verzeichnet und in besonderen Listen bekannt
+gemacht; die Betheiligten suchen mit Ungeduld den Namen ihres Schiffes
+darin, weil erst ausserhalb der Sunda-Strasse auf beständige Winde zu
+rechnen ist.
+
+Am 21. September war das Meer mit einer Substanz bedeckt, die vom Schiff
+aus täuschend wie Sägespähne aussah (wahrscheinlich Cook's sea
+saw-dust); sie war nicht gleichmässig über die Oberfläche vertheilt,
+sondern in parallele Streifen geordnet, die 1 bis 10 Fuss breit waren
+und in sehr verschiedenen Zwischenräumen einander folgten. Zuweilen
+fuhren wir stundenlang durch Bänder, die nur wenige Fuss von einander
+getrennt waren, dann kamen Zwischenräume von 10 bis 20 Minuten vor, die
+bei unserer langsamen Fahrt Entfernungen von 1/2 bis 1-1/2 Seemeilen
+entsprachen. Selbst vom Mast aus gesehen, reichten die Streifen bis an
+den Horizont. Fast drei Tage lang fuhren wir durch diese Substanz, am
+Nachmittag des dritten Tages wurde das Meer bewegter, die Streifen
+vermischten sich, die ganze Oberfläche nahm eine gleichmässige
+schmutzige Färbung an, am nächsten Morgen war die Erscheinung
+verschwunden. Unter dem Mikroskop erschienen die einzelnen Partikelchen
+als zierlich verflochtene Fäden; jeder Faden bestand aus einer Reihe von
+Zellen, deren Scheidewände in der Mitte des Fadens flach, nach beiden
+Enden hin gewölbter wurden und an den Enden selbst halbkugelförmig
+waren; jede dieser Zellen war noch durch eine gerade Querwand getheilt,
+längs der Mittellinie lagen Chlorophyllkügelchen. Bei dem Filtriren des
+Wassers, in welchem die Substanz schwebte, röthete sich das Filtrum, wie
+von Jod, die Färbung verschwand bald wieder. Es ist die von Professor
+Ehrenberg im rothen Meer entdeckte, später von vielen Reisenden
+beobachtete Pflanze Trichodesmium erythraeum. Wo sie vorkommt, findet
+sie sich immer in ungeheurer Menge beisammen. Vielleicht entstehen diese
+Pflanzen in geschützten Buchten, die durch Treibholz oder ähnliche
+Hindernisse zeitweise geschlossene Becken bilden, und wuchern darin so
+lange fort, bis durch einen Zufall der schützende Damm zerbrochen wird.
+Dann würde der äussere Rand der Einwirkung der Wellen blossgelegt
+werden, die bei so ruhiger See vielleicht gerade die rechte Kraft
+besässen, um je einen schmalen Streifen vom Rande zu lösen und
+fortzuschwemmen. Da dies nur bei Ebbe stattfinden könnte, indem die
+Fluth die Substanz zurückdrängen würde, so entsprechen vielleicht die
+grossen Zwischenräume, die wir zuweilen unter den Streifen wahrnahmen,
+den Fluthzeiten.
+
+Am Sonntag, nachdem wir zuerst das Land erblickt, kam ein leichter
+Sampan auf uns zu und brachte einen malayischen Lootsen an Bord, der uns
+durch die Rhiow-Strasse führte; es war ein ruhiger, intelligenter
+Mensch, doch verstand er, mit Ausnahme der Schiffs-Ausdrücke, fast kein
+Wort englisch. Mit Sonnenuntergang liessen wir auf der Rhede von
+Singapore den Anker fallen. Natürlich gingen wir noch an's Land,
+obgleich es schon Nacht war, es war entzückend wieder festen Boden unter
+den Füssen zu haben, den würzigen Duft der Bäume einzuathmen, unter
+Palmen zu wandeln. Einen eigenthümlichen Reiz, mit einem Anklang von
+Bangigkeit, hatte es auch, die Eingeborenen vorübergleiten zu sehen, die
+in der Dunkelheit so wild aussahen. Alles war so fremdartig, nicht
+~eine~ europäische Kleidung war zu sehen, bevor wir das Gasthaus
+erreichten, wo wir den Abend mit Champagner, Chesterkäse und englischen
+Zeitungen beschlossen.
+
+
+
+
+Zweites Kapitel.
+
+ Rhede von Singapore. -- Junken. -- Prauen. -- Nipa-Palme. --
+ Rhizophoren. -- Palankinfahrt. -- Hindufest.
+
+
+Als wir am andern Morgen an Bord erwachten, war das Schiff von einem
+Kranz von Booten umgeben, die Geschäfte mit uns machen wollten. Am
+willkommensten war uns eine grosse Mannichfaltigkeit tropischer Früchte,
+von denen ich nur Ananas, Cocos und Bananen kannte. Es kamen Schneider,
+Schuhmacher, Wäscher, Klempner, Händler mit Getränken, Fleisch,
+Geflügel, Glaswaaren, Steingut, Kuriositäten; ein wahrer schwimmender
+Markt, als hätte die Stadt eine Probe geschickt von Allem, was sie zu
+leisten vermag, und unser Steuermann, der nach einer Fahrt von mehr als
+100 Tagen noch nicht Lust hatte, an's Land zu gehen, konnte sich hier
+wenigstens einen allgemeinen Ueberblick verschaffen. Die meisten Leute
+sprachen ein paar Worte englisch, alle waren von einem ungeheuren
+Schachergeist besessen, am eifrigsten, lautesten und zudringlichsten
+gebahrten sich die Chinesen, wie sie auch die zahlreichsten waren.
+
+Um uns auf der Rhede lag eine grosse Anzahl stattlicher europäischer
+und amerikanischer Schiffe, und hinter ihnen eine solche Musterkarte
+der allersonderbarsten Fahrzeuge und Flaggen, wie sie vielleicht kein
+anderer Hafen der Welt aufzuweisen haben möchte. Doch waren keine
+chinesischen Junken darunter, diese fangen erst im December an, ihre
+Heimath zu verlassen, wenn der NO.-Monsun in Kraft ist, und kommen
+frühestens gegen Neujahr hier an.[5] Sind sie einmal hier, so richten
+sie sich ganz häuslich ein, da sie vor dem Monat Juni, wenn der
+SW.-Monsun beständig ist, selten zurückkehren. Obgleich ihre Zahl mit
+jedem Jahre abnimmt und von europäischen Schiffen ersetzt wird, sah
+ich doch einige Monate später ihrer viele hier liegen. Die Gestalt der
+Junken ist aus chinesischen Bildern allgemein bekannt. Interessant ist
+aber das Treiben an Bord und rings umher. Das Schiff wird gleich nach
+Ankunft abgetakelt und in ein schwimmendes Waaren-Magazin verwandelt,
+oder vielmehr in einen Bazar; denn die Ladung ist nicht einem
+Superkargo anvertraut, sondern jeder handeltreibende Passagier (und
+jeder Chinese treibt Handel) hat sein Geld in denjenigen Waaren
+angelegt, die ihm den meisten Gewinn versprechen, und feilscht mit
+seinen Kunden auf eigene Hand. Lange rothe Papierstreifen, mit grossen
+Buchstaben bemalt, vertreten die Handelsschilder, Proben der
+verkäuflichen Waaren werden an den Seiten der Junke ausgehängt. Durch
+eben so viele Käufer und Verkäufer wird auch die Rückfracht beschafft,
+und da die nie müssigen Chinesen, wenn sie sonst nichts zu thun haben,
+die bösen Geister durch Gong-Musik und Knall-Feuerwerk vertreiben, so
+herrscht immer um die Junken ein wüster Lärm. Jetzt wimmelte der Hafen
+von „Prauen” aller Art, die sich aber nun bald in Bewegung setzen, um
+nach den östlich gelegenen Inseln und Küsten zurückzukehren. Diese
+Fahrzeuge sind nur klein, aber sehr malerisch, manche reich mit
+Schnitzwerk verziert, bunt bemalt und vergoldet. Die Mattensegel und
+groben Stricke aus Rotang (spanisch Rohr) oder Palmenfasern, die
+hölzernen Anker und die Bewaffnung vermehren das eigenthümliche
+Ansehen. Die Kabel und Taue dieser Prauen bestehen zuweilen aus
+dünngespaltenem, zusammengedrehtem Stuhlrohr, häufiger aus der
+schwarzen Faser, die bei der Gomutipalme (Arenga saccharifera) den
+Ursprung der Blattstiele am Stamm bekleidet (daher sie bei den
+Spaniern Cabo negro heisst), oder aus Coir, der Faser, welche den Kern
+der Cocosnuss umgiebt, derselben, die jetzt so viel zu Fussdecken
+verarbeitet wird. Beide letztere sind zwar weniger stark, als
+Hanfstricke, aber leichter und elastischer. Vor Erfindung der
+Ankerketten hatten viele Schiffe in den indischen Gewässern
+dergleichen Kabel, und hielten vor Anker Stürme aus, bei denen
+stärkere, aber weniger elastische Hanfkabel zerrissen. Zu
+Passagierbooten benutzt man die weitberühmten Sampans, leichte,
+bequeme, schnelle Kähne mit einem Sonnendach für den Passagier. Sie
+sollen nicht europäischen Booten nachgebildet sein, sondern diesen zum
+Theil als Muster gedient haben. Obgleich die Mannschaft aus vier
+Ruderern und einem Steuermann besteht, sind sie sehr billig. Eine
+Fahrt in solchem Boot, namentlich in der Gegend, wo die Schiffe der
+Eingeborenen am dichtesten liegen, gehört zu den angenehmsten
+Ausflügen und liefert eine Unzahl interessanter Genrebilder. Noch
+billiger, sicherer, freilich auch viel langsamer, fährt man auf dem
+Schuhboot der Chinesen; es ist fast so breit als lang, und wenn ein
+schneller Raubfisch das Modell zum Sampan geliefert hat, so ist das
+Schuhboot wohl der Schildkröte nachgebildet. Vorn hat es einen
+Schnabel, wie andere Boote auch, an seinem abgestutzten Hintertheil
+aber zwei kurze Schwänze, vorn ist natürlich auch auf jeder Seite ein
+grosses, in die Tiefe schauendes Auge angebracht, sie fehlen keinem
+chinesischen Fahrzeuge („no got eye, how can see?”). Gegen das Land
+hin nimmt das Gewimmel der kleinen Boote und Leichter immer mehr zu,
+und an der Mündung des kurzen Flusses ist ein Gedränge und Gesumme,
+wie am Eingang eines Bienenkorbes.
+
+[Illustration]
+
+Wie bedeutend der Schiffsverkehr in Singapore, und wie sehr die deutsche
+Rhederei daran betheiligt ist, zeigt folgender Auszug aus der Singapore
+Free Press vom 6. Mai 1865: „Abgesehen von inländischen (d. h. nicht
+europäischen und amerikanischen) Schiffen, liegen jetzt 154 grössere
+Schiffe mit Raaen (square rigged vessels) im Hafen, wovon 3 britische
+und 2 Kolonial-Kriegsdampfer, 2 englische, 2 amerikanische
+Handelsdampfer, 2 holländische Postdampfer, 78 englische Kauffahrer, 19
+hamburger, 9 bremer, 8 französische, 5 dänische, 5 preussische, 4
+amerikanische, 4 holländische, 3 oldenburger, 2 hannoveraner, 2
+schwedische, 2 siamesische, 1 norwegisches, 1 belgisches. Von den
+Kauffahrern verhalten sich die unter deutscher Flagge (38) zu den
+englischen wie 1 zu 2 und zu denen aller übrigen Nationen wie 2 zu 1
+(dies würde stimmen, wenn die unter dänischer Flagge fahrenden Schiffe,
+wie es früher meist der Fall war, holsteiner wären). Vor acht Jahren
+lagen um dieselbe Zeit nur 60 Kauffahrer im Hafen; das Verhältniss der
+deutschen zu den englischen Schiffen war damals wie 1 zu 11, und das der
+deutschen zu denen aller übrigen Nationen, wie 1 zu 8. So weit haben es
+Freihandel und deutscher Unternehmungsgeist gebracht. Wir würden uns
+durchaus nicht wundern, wenn in wenigen Jahren das Verhältniss noch mehr
+zu ihren Gunsten wäre.”
+
+Vom Hafen aus gesehen zeigt die Insel Singapore einen langgestreckten,
+stellenweis steilen Küstensaum, über den sich einige sanfte Hügelwellen
+erheben. Von der Stadt ist nur ein Theil sichtbar, in der Nähe derselben
+liegen viele einzelne Häusergruppen, weiterhin ist Alles mit dichtem
+Wald bedeckt, der einen zusammenhängenden einförmigen immergrünen
+Teppich bildet, nur in der Nähe des Strandes mit einigen Landhäusern
+geschmückt. Der Anblick ist lieblich, aber nicht besonders schön, da es
+an Kontrasten und hervorragenden Gegenständen fehlt. Die schöne grosse
+Kirche, die künftig die Hauptzierde der Stadt sein wird, ist noch im Bau
+begriffen. Die Insel liegt bekanntlich unmittelbar vor der südlichen
+Spitze der malayischen Halbinsel, des südlichsten Punktes von Asien, und
+ist nur durch eine Meerenge getrennt, die im Allgemeinen eine Meile, an
+einer Stelle aber nur 2000 Fuss breit ist. Früher ging der ganze Handel
+nach China durch diese schmale Gasse, jetzt fahren die Schiffe um die
+Südseite der Insel unmittelbar an der Stadt Singapore vorbei. Die Insel
+besteht, wie das gegenüberliegende Festland selbst, aus Granit und
+älteren geschichteten Gesteinen, letztere nehmen den grössten Theil des
+Flächenraumes ein, es ist noch nie ein Fossil darin gefunden worden;
+auch fehlen alle Anhaltspunkte, um ihr relatives Alter genauer bestimmen
+zu können. Uebrigens haben sie ganz den Habitus unserer ältesten
+Gesteine und gehören auch wohl den ältesten Gebilden an; es sind
+Sandsteine, Thone, Letten; an vielen Stellen tritt ein sehr
+eisenhaltiger Thoneisenstein auf, meist in Nestern, seltener in Bänken;
+bis jetzt wird er ausschliesslich zum Strassenbau benutzt, obgleich er
+sich wegen seiner geringen Festigkeit wenig dazu eignet. Der Granit, der
+einen viel kleineren Flächenraum einnimmt, tritt nie an die Küste, er
+bildet den Centralkern der Insel; aus ihm besteht auch der höchste Punkt
+derselben, Bukit-tima. Der Boden ist nicht fruchtbar, in den Niederungen
+häufig versumpft; die dem Meere näher gelegenen Sümpfe sind brakisch, in
+ihnen wuchert die stammlose Nipa-Palme und ein Dickicht von Mangelbäumen
+(Rhizophoren), das an flachen Stellen weit in's Meer hinein reicht und
+die ganze Insel, ausser wo die Ufer steil sind, mit einem Sumpfgürtel
+umgiebt. Aus den Wurzeln der Nipa-Palme (Nipa fruticans) wird in Borneo
+Salz gewonnen; die Blüthe liefert in den Philippinen und in Siam Zucker
+und Branntwein, wie viele andere Palmen, und nach demselben später zu
+beschreibenden Verfahren. In Singapore werden nur die Blätter zum Behuf
+der Dachdeckung zu „Atap” verarbeitet und die ganz jungen, noch gelben
+unentfalteten zur Herstellung von Cigaretten, indem man Tabak darin
+einrollt. Die Ataps sind eine wesentliche Vervollkommnung ihres
+Prototyps, des längs des Blattstiels gespaltenen Palmenwedels. Man
+erhält sie, indem man die Seitenblätter im Drittel ihrer Länge, von der
+Basis an gerechnet, umknickt, sie auf einen mehrere Fuss langen Stock
+dachziegelförmig aneinander reiht und durch einen Rotang-Splitt in
+dieser Lage befestigt. Die einzelnen Ataps werden beim Dachdecken wie
+Dachschiefer übereinander gelegt. Ein solches Dach ist sehr leicht,
+völlig regendicht, nur muss es häufiger ausgebessert werden, als ein
+Ziegeldach.
+
+Die Mangelsümpfe (mangrove swamps) werden durch die merkwürdige Ordnung
+der Rhizophoraceen gebildet, die in tropischen Meeren alle flachen
+Küsten umsäumen. Es sind fast die einzigen Bäume, die im Meere wachsen
+und auf Kosten desselben das Land vergrössern, indem sie immer weiter
+darin vordringen und mit dem dichten Faserwerk ihrer Wurzeln das durch
+die atmosphärischen Wasser in das Meer geschwemmte Erdreich
+zurückhalten, so dass man oft nicht weiss, ob man schon am Lande oder
+noch im Meere ist. Bei keiner Pflanze tritt die Fortpflanzungsfähigkeit
+so schlagend vor die Augen, als bei dieser, wo die Früchte, noch an den
+Zweigen der Mutterpflanze hängend, sich schon in junge Bäume verwandeln
+mit langer spindelförmiger Wurzel. Beim Abfallen bleiben sie senkrecht
+im Sumpf stecken und wachsen sogleich weiter, oben Blätter, unten
+Wurzeln entwickelnd, während die an den niedrigeren Zweigen hängenden,
+ohne sich abzulösen, den Sumpf erreichen und darin fortwachsen. So
+sendet der Wald immer einen Gürtel junger Pflanzen vor sich her, indem
+er weiter in's Meer rückt. Sind die Bäumchen etwas grösser geworden, so
+entspringen am Umfange des Stammes Luftwurzeln, die in einem Bogen den
+Sumpf erreichen. Diese Wurzeln senden seitlich wieder Wurzeln aus, und
+schliesslich steht der Stamm, der 30 bis 40 Fuss hoch wird, auf einem
+domartigen Geflecht von Luftwurzeln, das bei Ebbe entblösst, bei Fluth
+gewöhnlich bis an den Stamm bedeckt ist, dann hat man einen Wald im
+Meer. Auch von den Aesten senken sich Luftwurzeln herab, die, wenn sie
+den Boden erreichen, darin weiter wachsen als Stützen der Aeste, aber zu
+selbstständigen Bäumen werden, wenn die Verbindung mit der Mutterpflanze
+aufgehoben wird. Das Holz wird hauptsächlich zur Feuerung benutzt, die
+Rinde zum Gerben (sie enthält mehr Tannin als die Eichenrinde), auch
+zum Färben dient sie den Eingebornen. Die Rizophorenwälder sind ein
+Lieblingsaufenthalt für Krokodile, Krabben, Einsiedlerkrebse und viele
+Gastropoden; auch Austern sitzen an den Stämmen; mit der Behendigkeit
+einer Eidechse kriecht und hüpft mittelst der Brustflossen ein
+sonderbarer Fisch auf dem Schlamme umher (Periophthalmus sp. div.).
+Dergleichen Sümpfe sind ein sicherer Zufluchtsort für Seeräuber,
+und gewöhnlich wegen ihres dichten, für die Sonnenstrahlen
+undurchdringlichen Laubdaches eine Quelle böser Miasmen. In Singapore
+aber, wo sie nur einen schmalen Gürtel bilden, werden sie durch die
+beständig mit einander wechselnden Land- und Seebrisen hinreichend
+gelüftet.
+
+Wie gefährlich dergleichen Sumpfwaldungen zuweilen sind, zeigt folgende
+Notiz aus meinem Tagebuch: „14. Juni 1858. Als wir uns bei der dicht vor
+der NW.-Küste von Borneo (5° 04' N' 115° 12' O.-Gr.) liegenden Insel
+Moarro befinden, kommt ein Boot auf uns zu und meldet, dass das vor uns
+vor Anker liegende Schiff, die englische Barke Anna Maclean, in Noth
+sei. Unser Kapitän begiebt sich an Bord, bald darauf nehmen wir das
+Schiff in's Schlepptau und bugsiren es in den Hafen von Labuan. Das
+Schiff hatte, um Kohlen zu laden, auf Moarro, der Mündung eines Flusses
+gegenüber, angelegt, der viele Meilen weit durch die Sumpfwälder
+fliesst, aus denen hier die Küste von Borneo besteht. Der Nachts wehende
+Landwind hatte ihm die giftigen Miasmen wie aus der Mündung eines
+Trichters zugeführt; in wenigen (2?) Tagen war die ganze Mannschaft
+theils erkrankt, theils gestorben. Der Kapitän, der Steuermann, 3
+Matrosen waren todt, nur ein Mann war noch dienstfähig.”
+
+Unser Lootse, der uns gestern durch die Rhiow-Strasse gebracht, führte
+uns heut durch das Gewirr der Gassen von Singapore nach dem Handelshaus,
+dem unser Schiff konsignirt war. Man hatte uns frühestens 14 Tage später
+erwartet, ich fand die liebenswürdigste Aufnahme.
+
+Zunächst wollte ich eine Fahrt durch die Stadt machen, und nahm deshalb
+einen Palankin, so heissen die hiesigen Miethswagen; es sind länglich
+viereckige, vierrädrige Kasten, mit Vorder- und Rücksitz, ringsum von
+Jalousien umgeben und mit einem kleinen Pony bespannt, beispiellos
+billig (1 Dollar pro Tag) und sehr zweckmässig, bis auf den Anstrich,
+der weiss statt schwarz sein sollte. Der Kutscher war ein Kling (Telinga
+von der Küste Koromandel), fast schwarz, mit einem grossen Turban und
+einem Lendentuch, sonst unbekleidet, doch sah er nicht unanständig aus,
+da die dunkle Farbe den Eindruck des Nackten fast aufhebt. Mitten auf
+der Stirn trug er einen Fleck von rothem Ocker, so gross wie eine
+Oblate. Alle Hindus haben dergleichen Abzeichen von verschiedener Form
+an der Stirn, und bezeichnen dadurch die religiöse Sekte, der sie
+angehören.
+
+Ich liess mir die Tour, die ich machen wollte, ins Malayische
+übersetzen, lernte die Worte nach dem Klang auswendig, und hatte die
+Genugthuung, sogleich vom Kutscher verstanden zu werden, was er durch
+einen Salam (Anlegen der Hände an die Stirn und Verneigung) ausdrückte.
+Er ergriff das Pferd am Zügel und lief in kurzem Trabe mit ihm davon.
+Einige Male setzte er sich während der Fahrt auf das vorn angebrachte
+Brett und versuchte, das Pferdchen von dort aus zu lenken. Dies gelingt
+aber selten auf die Dauer, da die meisten hiesigen Ponies zu eigenwillig
+sind, dann muss der arme Bursche wieder absteigen und nebenher laufen.
+So kamen wir bald vor die Stadt, die Landstrasse wurde immer einsamer.
+Ich liess halten und stellte den Kutscher zur Rede, er vertheidigte sich
+sehr fliessend, doch konnten wir gegenseitig kein Wort verstehen.
+Endlich kehrte er aber um und führte den Wagen an die Stelle zurück, wo
+ich eingestiegen war. Hier brachte ein vorübergehender Kling, der
+Englisch verstand, Alles in Ordnung. Es ergab sich, dass der Kutscher
+fast ebenso fremd war, als ich, kein Wort Malayisch verstand und nur auf
+meine Ortskenntniss gerechnet hatte. Ich habe dies so ausführlich
+erzählt, weil ganz ähnliche Auftritte täglich vorkommen und sie so
+bezeichnend für die Art der Eingebornen sind, die auf die Frage, ob sie
+Dies oder Jenes wissen oder können, immer Ja antworten, wenn sie
+glauben, dass solche Kenntniss oder Fähigkeit ihnen Vortheil bringen
+werde; sehen sie aber mehr Mühe als Lohn voraus, so machen sie es
+natürlich umgekehrt.
+
+Nachmittags begegnete mir eine grosse Kling-Prozession, der ich folgte.
+Den Zug eröffnete eine Musikbande, dann kamen einige Paare, die lange
+Stecken trugen, mit denen sie gegenseitig Schein-Angriffe machten und
+parirten; sie besassen grosse Gewandtheit und Sicherheit. Ihnen folgte
+paarweis ein Zug von Hindus, deren nur um die Hüften verhüllter, sonst
+nackter Körper mit gelbem Turmerikpulver[6] eingerieben war. Die Meisten
+trugen Hals- und Armbänder aus aufgefädelten kleinen weissen Blüthen.
+Einige dieser Leute hatten sich einen etwa fusslangen Spiess durch
+Lippen und Zunge, einen zweiten Spiess durch Backen und Zunge gestossen.
+Andere hatten sich auf jeder Seite des Körpers in der Gegend der Hüften
+zwei zwei Zoll lange Einschnitte gemacht, und durch die so entstandenen
+Oesen lange Stricke gesteckt, die von davor- und dahintergehenden
+Männern beständig hin- und hergezogen wurden. Unmittelbar auf sie
+folgten die Götter, deren Gunst durch diese Verstümmelungen erlangt
+werden sollte, theils auf Schultern getragen, theils auf Ochsenkarren
+gezogen. Es waren schöne Gruppen darunter: vor den reich drapirten
+Nischen, in welchen sich die Bilder der Gottheiten, von Gold und Silber
+glitzernd, befanden, standen je zwei junge Hindu-Mädchen in sehr
+glänzender Kleidung von Gold- und Silberbrokat, die auffallend an die
+Festkleider der Mutter Gottes in katholischen Kirchen erinnerte. Sie
+trugen langgestielte Wedel von weissen Federn, die sie feierlich hin-
+und herbewegten. Später überzeugte ich mich, dass es keine wirklichen
+Mädchen waren, sondern Knaben, die ihre Rollen so täuschend spielten.
+Auf einem freien Platz vor der Stadt machte der Zug Halt. Es waren viele
+Zuschauer anwesend, vorwiegend Klings, Chinesen, Malayen, fast kein
+Europäer. Die Meisten kauerten, hockten, sassen auf dem Boden, nur die
+hintersten Reihen standen. Jeder hatte gewiss die ihm behaglichste
+Stellung eingenommen, die aber zum Theil der Art war, dass sie bei uns
+kaum ein Turner auf die Dauer ausgehalten hätte. Diese Leute, die von
+Jugend auf nie einen Stuhl oder Tisch benutzen, weder enge Kleider, noch
+Schuhe tragen, wissen aus ihren unteren Gliedmassen viel mehr Nutzen zu
+ziehen, als wir. Die Beine müssen häufig als Arme aushelfen, wobei die
+Füsse die Stelle der Hände vertreten; so heben sie Sachen vom Boden auf,
+ohne sich zu bücken, halten das eine Ende eines Gegenstandes mit den
+Füssen fest, während sie das andere Ende mit den Händen bearbeiten.
+Besonders verstehen sie sich durch die grosse Gelenkigkeit ihrer Beine
+eine Auswahl bequemer Stellungen zu verschaffen und die Last des
+Oberkörpers so geschickt zu balanciren, dass sie nicht ermüden können.
+Selbst wenn man ihnen einen Stuhl anbietet, ziehen sie die Beine in die
+Höhe und richten sich auf dem Sitz ein, als ob sie am Boden sässen.
+Diese beneidenswerthe Fertigkeit ist aber leider nur in der ersten
+Jugend zu erlernen, in Kinderstuben, wo es keine Stühle giebt, und nur,
+wenn die Ausbildung der Füsse nicht durch Schuhe gehemmt wird.
+
+Mitten auf dem Platz war ein grosses Feuer angezündet. Als es
+ausgebrannt war, lag die Gluth fast fusshoch und hatte gegen 20 Fuss
+Umfang. Die freiwilligen Märtyrer wurden bis an den Rand geführt,
+sprangen hinein, gingen langsam hindurch und taumelten in einen mit
+Wasser gefüllten Graben am jenseitigen Rande. Ihre Freunde liefen
+herbei, ermunterten, unterstützten sie und führten sie nach einer kurzen
+Erholungspause einzeln in einen grossen Kreis, den die Zuschauer offen
+gelassen hatten. Hier wurden sie mit einer gewaltigen Peitsche
+gegeisselt, bis sie vor Schmerz hinstürzten, worauf sie von ihren
+Freunden mit triumphirendem Gemurmel durch die Reihen getragen wurden.
+Es war ein ekelhaftes Schauspiel, das diese Leute von schönster
+kaukasischer Rasse hier vor den Malayen und Mongolen aufführten.
+
+[Illustration]
+
+Ueber die Bedeutung des Festes konnte ich in Singapore nichts
+Zuverlässiges erfahren, später aber fand ich in den Blaubüchern der
+Präsidentschaft Madras, dass auch dort das Naruppuh-terunaul oder
+Feuerfest immer noch besteht, die Theilnahme sich jedoch, ebenso wie
+hier, auf die untersten Volksklassen beschränkt und überall im Abnehmen
+begriffen ist. Es ist keine von der Hindu-Religion vorgeschriebene
+Feierlichkeit. Nach einigen Berichten hat sie insofern eine religiöse
+Bedeutung, als sie mit der Verehrung der Gottheit Durmarasawney der
+Tamil, oder Veerbudrasawney der Telegu, in Beziehung steht, deren Zorn
+dadurch abgewendet werden soll; nach den meisten Berichten aber hat die
+Religion gar nichts damit zu schaffen, es ist nur ein alter Brauch, dem
+die niederen Klassen aus roher Schaulust zugethan sind, während die
+Gebildeteren fern bleiben. An manchen Orten sind es dieselben
+Individuen, die alljährlich die Feuerprobe bestehen und dafür bezahlt
+werden, wie andere Gaukler. Häufig aber sind es beschränkte Menschen aus
+den niedrigsten Kasten und Parias, die sich zur Erfüllung eines Gelübdes
+die Peinigung auferlegen. Es sollen fast nie üble Folgen eintreten,
+namentlich keine Todesfälle (zwei in den Berichten erwähnte waren
+jedenfalls nur mittelbar durch die Feuerprobe veranlasst), und
+wahrscheinlich ist ein grosser Theil des Eindrucks der guten Aufführung
+zuzuschreiben. Die indische Regierung beschloss in Folge jener Berichte,
+das Fest nicht amtlich zu verbieten, da sie ihr Ziel sicherer zu
+erreichen glaubte, indem sie ihren Beamten empfahl, für das allmählige
+Aufhören unter der Hand nach Kräften zu wirken.
+
+
+
+
+Drittes Kapitel.
+
+ Landhaus. -- Klima. -- Muskatnuss-Pflanzung. -- Europäer. --
+ Früchte. -- Nahrungsmittel. -- Diener.
+
+
+Der preussische Konsul, dem ich während meines Aufenthalts in Singapore
+sehr viel verdankte und der mir auch noch später, so weit der Einfluss
+seiner Empfehlungen reichte, mit der freundschaftlichsten,
+angelegentlichsten Fürsorge den Weg ebnete, hatte mir auf seinem
+Landhause eine Wohnung einrichten lassen, die ich wenige Tage nach
+meiner Ankunft bezog. Es war wohl die schönste Besitzung auf der Insel,
+jetzt dient sie dem Guvernör zum Aufenthalt. Fast alle grossen Kaufleute
+haben ein Haus vor der Stadt, gewöhnlich auf dem Gipfel eines Hügels, wo
+die Seebrise alle Räume durchweht und abkühlt. Die hiesigen Landhäuser
+sind die angenehmsten und zweckmässigsten, die ich in heissen Ländern
+kennen gelernt habe, fast alle nach demselben Typus gebaut. Der leitende
+Gedanke dabei ist, die bewohnten Räume allseitig von Luft umkreisen und
+durchdringen zu lassen und sie gegen die Sonnengluth zu schützen. Das
+Haus ruht auf steinernen Pfeilern, gegen 15 Fuss hoch, der Raum zwischen
+den Pfeilern ist meist offen, nur wo es an Platz gebricht, werden
+einzelne Räume zwischen den Pfeilern durch leichte Holzwände oder Gitter
+abgetheilt. Der obere Stock, die eigentliche Wohnung, ist rings von
+einer breiten Gallerie, Veranda, umgeben, die vom Dach weit genug
+überragt wird, um gegen den Regen geschützt zu sein. An der äusseren
+Seite der offenen Veranda sind dunkelgrüne Rouleaux aus feingespaltenem
+Bambus angebracht, ein chinesisches Substitut für Jalousien; sie lassen
+die Luft durch, schliessen aber das blendende Licht aus. Durch
+rechtzeitiges Aufziehen und Herablassen derselben wird die Veranda und
+die von ihr umgebene Wohnung stets angenehm kühl erhalten. Die Zimmer
+haben nur Jalousien statt Glasfenster und massiver Thüren und öffnen
+sich alle nach der Veranda. So ist der ganze bewohnte Kern des Hauses
+ringsum von einer isolirenden Luftschicht umgeben. Von jedem
+Schlafzimmer führt eine kleine Treppe in ein zur ebenen Erde
+befindliches Badezimmer. Küche, Stallung, Remise, sowie die Wohnungen
+der Dienerschaft befinden sich in kleinen Nebenhäusern, durch einen
+bedeckten Gang mit dem Haupthause verbunden, wodurch aller widerwärtiger
+Geruch und Lärm ferngehalten wird. Im Speisesaal und in den
+Gesellschaftszimmern fehlt nie die Punka, ein grosser Fächer, bestehend
+aus einem mit Zeug bespannten Rahmen, der von der Decke herabhängt und
+durch ein Loch in der Wand mittelst einer Schnur von Aussen in Bewegung
+gesetzt wird.[7] Rings um das Haus des Konsuls war ein Garten, der eine
+Auswahl der schönsten Pflanzen des Archipels und neben anderen
+ausländischen Zierpflanzen auch europäische Rosen enthielt, denen man
+aber ansah, dass sie hier nicht heimisch sind. Der frühere Besitzer, der
+auch als Botaniker bekannte Arzt Oxley, hatte durch eifriges Sammeln und
+Tauschen den schönen Garten geschaffen. Da stand die Amherstia nobilis,
+das einzige grössere Exemplar auf der ganzen Insel, neben der Poinciana
+regia und dem Prachtstrauch Duranta Plumieri, umgeben von Ixoren in
+allen Farben und ebenso mannigfaltigen Hibiscusarten, darunter die Rose
+der Chinesen, von den Bedienten Schuhblume genannt, weil sie die
+lackirten Schuhe ihrer Herren damit putzen, Bauhinien, Passifloren und
+unter dem dichten, von sonderbar verschlungenen Luftwurzeln gestützten
+Schattendach eines Ficus die herrlichsten Orchideen und epiphytischen
+Farne. Fast Alles war in Blüthe, wie denn die meisten Pflanzen hier das
+ganze Jahr hindurch gleichzeitig Blüthe und Frucht tragen.
+
+Da Singapore nur 1° 17' nördlich vom Aequator liegt, so herrscht dort
+ein ewiger Sommer. Der Unterschied zwischen dem längsten und kürzesten
+Tag beträgt nur 7-1/2 Minuten; praktisch genommen sind also alle Tage
+des Jahres durchaus gleich lang. Der Temperaturunterschied zwischen dem
+Mittel des kältesten und des wärmsten Monats beträgt weniger als einen
+halben Grad, die mittlere Jahreswärme 22-1/2° R. Die äussersten
+Thermometerstände sind 17° und 26° R. Die Morgen sind angenehm kühl,
+aber die Sonne steigt schnell so hoch, dass alles mit blendendem Lichte
+und sengender Gluth übergossen sein würde, wenn nicht Wolken, häufige
+Regenschauer und regelmässig wechselnde Land- und Seebrisen Licht und
+Hitze milderten. Es regnet an 180 Tagen etwa 90 Zoll; im Winter etwas
+mehr als im Sommer, doch vergeht selten eine Woche ohne Regen; trockene
+und Regenzeit, die weiter nach den Wendekreisen hin fast ebenso
+deutlich, wenn auch nicht so schroff gesonderte Jahreszeiten bilden, wie
+unsere Sommer und Winter, fehlen hier in der unmittelbaren Nähe des
+Aequators. Der erste Januar ist vom ersten Juli nicht zu unterscheiden.
+Bei einer so beträchtlichen Regenmenge in so hoher Temperatur ist die
+Feuchtigkeit der Luft immer sehr gross. Es ist sehr schwer, Eisengeräthe
+gegen Rost zu schützen. Das Leder verschimmelt, Papier verstockt, der
+Phosphor läuft von den Zündhölzern ab.
+
+Der Garten ging allmälig in eine Muskatnuss-Pflanzung über, die den Rest
+des „Oxley-Hügels” einnahm. Das ganze Grundstück, sowie die Fahrwege
+in demselben, sind von Hecken aus Zwergbambusen umschlossen, so
+gesundheitstrotzend und immergrün, wie keine andere Hecke der Welt. Die
+Hauptstiele sind höchstens fingerdick; die Seitenschösse wie starker
+Draht und ebenso steif, starren nach allen Richtungen hin so
+gleichmässig dicht, dass die immer sorgfältig unter der Scheere
+gehaltenen Hecken wie riesige Bürsten aussehen. Wer die vielen schönen,
+anscheinend so gesunden Muskatbäumchen betrachtete, die mit Bevorzugung
+vor jeder anderen Kulturpflanze die Häuser aller Europäer umgaben,
+konnte nicht ahnen, dass diese mit so vieler Mühe und grossen Kosten
+angesiedelten Fremdlinge bereits den Keim des Todes in sich trugen. Der
+Muskatnussbaum (Myristica moschata) ist so oft und gut beschrieben
+worden, dass ich nur Einiges erwähnen möchte, was sich besonders auf
+seine Kultur in Singapore bezieht. Heimisch ist er nur auf den Molukken
+und den umliegenden Inseln. Sein Produkt, die Muskatnuss und die Macis,
+sind, seitdem die Europäer zuerst in jene Meere kamen, Gegenstände des
+strengsten Monopols gewesen. Die Banda-Inseln, auf welche die Holländer
+der leichteren Kontrolle wegen den Anbau beschränkten, obwohl ihnen dies
+nie ganz gelang, lieferten Jahrhunderte hindurch allein dies Gewürz.
+Nachdem die ursprüngliche Bevölkerung der Inseln, die sich dem Zwange
+nicht fügen wollte, ausgerottet worden, wurde der Anbau durch Sklaven,
+jetzt durch Sträflinge, betrieben, unter der Leitung von Europäern, die
+zwar die Pflanzungen eigenthümlich besitzen, das Produkt aber nur an die
+Regierung zu einem festgesetzten Preise verkaufen dürfen (Perkeniers).
+1798, als die Engländer die Molukken inne hatten, übersiedelten sie die
+Pflanze nach Sumatra, von wo sie 1819 durch Raffles nach Singapore
+gebracht wurde. Ihr Anbau kam hier schnell in Mode, fast alle Landhäuser
+wurden mit dergleichen Pflanzungen umgeben. Der Baum, der in seiner
+Heimath 70 Fuss hoch werden soll (ich fand später in Camarines auf Luzon
+einen fast 100 Fuss hohen, sehr mächtigen, wilden Muskatnussbaum, dessen
+Früchte nicht grösser als kleine Kirschen, aber ganz ohne Aroma waren),
+bleibt hier strauchartig und übersteigt selten 20 Fuss. Sein Habitus
+hält die Mitte zwischen einem Lorbeer und einer Orange. Der einzelne
+Baum ist sehr schön, eine Pflanzung aber hat ein zu einförmiges Ansehen.
+Die Frucht gleicht einer Aprikose, doch läuft das Ende, an welchem der
+Stiel sitzt, spitz zu, wie bei einer Birne. Ist die Frucht reif, so
+springt sie auf. Dann sieht man im Innern hinter einem intensiv
+karminrothen Netzwerk, der sogenannten Muskatblüthe oder Macis des
+Handels, die glänzend schwarze Hülle der Nuss. Die Nuss selbst ist
+schwer herauszuschälen. Erst durch sehr langes Trocknen über schwach
+glimmendem Feuer schrumpft sie allmälig so weit zusammen, dass die
+Hülle, welche die ursprüngliche Grösse behält, durch vorsichtiges
+Klopfen zersprengt und abgelöst werden kann. Die Muskatblüthe wird an
+der Sonne getrocknet und gepresst und erhält dadurch ihre gelbe Farbe.
+Es dauert 9 bis 10 Jahre, bevor die aus Samen gezogenen Bäume Früchte
+tragen. Ein grosser Uebelstand ist, dass die männlichen und weiblichen
+Blüthen auf verschiedenen Bäumen sitzen, so dass später ein Theil der
+unfruchtbaren männlichen Bäume umgehauen und durch neue weibliche
+ersetzt werden muss. Gewöhnlich lässt man auf 10 weibliche Bäume einen
+männlichen stehen. Während die Pflanze in Banda ohne alle Pflege
+wuchert, fordert sie hier unausgesetzt die grösste Sorgfalt. Der
+Uebelstand, dass sie erst nach so langen Jahren den vollen Ertrag giebt,
+tritt um so mehr hervor, wenn man berücksichtigt, dass der hier übliche
+Zinsfuss 12% beträgt. Trotzdem erlangte der Anbau dieses Gewürzes doch
+schnell eine grosse Ausdehnung. Einerseits ist sowohl der Boden als das
+Klima von Singapore für die Erzeugung der meisten andern
+Kolonial-Produkte nicht geeignet. Zucker, Kaffee, Baumwolle, Cacao,
+Arrow-root zu ziehen ist versucht worden, jedoch ohne rechten Erfolg.
+Andererseits konnten die Muskatgärten bequem vom Besitzer übersehen
+werden, da sie keine grosse Ausdehnung haben und unmittelbar sein Haus
+umgeben. Auch der Umstand, dass die Pflanze in anderen tropischen
+Ländern, wo man ihren Anbau versucht hatte, nicht hinreichend gedieh, um
+ihr Produkt zum Handelsartikel zu machen, war nicht übersehen worden;
+man hoffte dem indischen Archipel das Monopol zu bewahren. Die
+Erwartungen der Pflanzer sind aber gänzlich zu Schanden geworden. Schon
+bei meiner letzten Anwesenheit, 1859, begannen viele Bäume zu kränkeln
+und trotz aller Bemühungen der Gärtner abzusterben. In fast allen Stufen
+seiner Entwickelung wurde der Baum von verschiedenen Insekten
+angegriffen. Das Uebel verbreitete sich so schnell, dass jetzt, 1864,
+fast alle Pflanzungen sowohl in Pinang, als in Singapore völlig zerstört
+sind. Der Verlust an Kapital wurde schon 1862 auf mehr als 500,000
+Dollars angeschlagen. Durch das Aussterben der Muskatbäume haben alle
+ländlichen Grundstücke eine bedeutende Entwerthung und die
+Hypothekengläubiger entsprechende Verluste erlitten. Nach einer
+Privatmittheilung hatte beispielsweise ein reicher Chinese 4000 Dollars
+auf eine Pflanzung geliehen, die nach dem Absterben der Bäume nicht für
+300 zu verkaufen war. Wäre aber das Unglück auch nicht eingetreten, so
+würden doch die hochgespannten Erwartungen der Pflanzer nicht in
+Erfüllung gegangen sein, da der Verbrauch und mithin auch der Preis
+aller Gewürze, mit Ausnahme des Pfeffers, fortwährend abnimmt.[8]
+
+Von der Veranda des schönen Landhauses übersah man einen grossen Theil
+der Insel. Zunächst um den Fuss des Hügels und im Thal zwischen den
+nächsten Anhöhen liegen in hübschen Gruppen die kleinen Häuschen der
+Eingebornen, unter Bambusbüschen und Obstbäumen, von Arecapalmen
+überragt, die auf langem, zierlich dünnem Schaft eine Blätterkrone
+tragen, so leicht, wie ein Federbusch. Es ist die eleganteste aller
+ostasiatischen Palmen, Hooker vergleicht sie mit einem vom Himmel
+geschossenen Pfeil; die Eingebornen pflanzen sie aber nicht ihrer
+Schönheit wegen, sondern weil sie die Arecanüsse liefert, die sie mit
+dem Betelpfeffer kauen. Die besseren dieser Häuser sind aus Brettern
+erbaut, viele aber nur aus Bambus, Matten, Palmenblättern und allerlei
+Nothbehelf; sie stehen auf Füssen von Palmenstämmen, einige Fuss hoch
+über der Erde. Der Fussboden besteht aus gespaltenen Bambusen oder
+Nibongpalmen (Caryota urens), die neben einander liegen, ohne sich zu
+berühren, so dass Luftzug von unten durchdringt. Das Ganze überragt wie
+ein Sonnenschirm ein hohes Dach aus Palmenblättern, das auf den
+Seitenwänden nicht fest aufliegt, sondern dem Luftzug eine Oeffnung
+freilässt. Solche Häuschen sind recht kühl.
+
+Nach Süden sieht man die Strasse, die zur Stadt führt, aber bald hinter
+einem Hügel verschwindet, der auch den grössten Theil der Stadt
+verbirgt; im Hintergrund erscheint das Meer mit seinem Inselgürtel. Nach
+dem Innern zu erheben sich eine Menge kleiner Hügel; jeder der näher
+gelegenen trägt auf dem Gipfel ein schönes geräumiges Landhaus, neben
+welchem häufig einzelne Bäume emporragen, deren spärliche Blätterkrone
+in gar keinem Verhältniss zu dem enormen Stamm zu stehen scheint. Es
+sind die letzten Ueberreste des Urwaldes, der vor Kurzem noch Alles
+bedeckte, sie wurden ihrer Grösse wegen als Erinnerungssäulen geschont,
+können sich aber nicht in die neuen Verhältnisse schicken; ihr Stamm, an
+die Feuchtigkeit und den Schatten des dichten Waldes gewöhnt, kann die
+freie Luft und Sonne nicht ertragen und vertrocknet schnell. Weiterhin
+werden die Landhäuser immer seltener, dichter Wald überzieht
+gleichmässig die ganze Landschaft, deren Einförmigkeit nur durch sanfte
+Hügelwellen unterbrochen wird. Ziemlich in der Mitte der Insel hebt sich
+Bukit-tima deutlich über die kleineren Anhöhen hervor, und in äusserster
+Ferne erblickt man bei heiterem Wetter hinter immer zarter abgetönten
+Hügelreihen den Gunong-Pulaï, der dem jenseitigen Festlande angehört.
+
+Zur völligen Behaglichkeit fehlte mir noch ein Diener; denn obgleich
+mein Gastfreund deren über ein Dutzend hielt und den grössten Theil des
+Tages nicht zu Haus war, konnte ich doch nur sehr schwer
+Dienstleistungen von seinen Leuten erlangen, da es die hiesigen Diener
+für eine ungerechte Zumuthung halten, einem Anderen, als ihrem Herrn
+behülflich zu sein. So ist es auch bei Tisch. Ist man eingeladen, so
+bringt man seinen Diener mit, weil man sonst Gefahr läuft, nichts zu
+essen zu bekommen. Hinter dem Stuhl eines jeden Gastes steht dessen
+Bedienter, gewöhnlich ein Chinese mit langem Zopf, oder ein Kling mit
+grossem Turban. Jeder von diesen sorgt ausschliesslich für seinen Herrn
+und sucht ihm die besten Stücke zu verschaffen. Oft sieht man sie sich
+darum balgen, wobei sie aber immer ihr würdevolles Wesen bewahren, wie
+es sich in Gegenwart grosser Herren, für welche hier alle Europäer
+gelten, ziemt. Einem Freunde ihres Herrn erweisen sie auch wohl mitunter
+eine kleine Gunst, verlangt aber ein Fremder etwas von ihnen, so stehen
+sie wie versteinert und in ihrem feierlich-respektvollen Gesicht malt
+sich die tiefste Entrüstung über die ungebührliche Zumuthung.
+
+Alle Europäer, die auf dem Lande wohnen, bringen die Geschäftsstunden
+von 9 bis 4 Uhr in der Stadt zu. Während dieser Zeit steht ihr Haus
+gewöhnlich ganz leer, selbst die Bedienten sind dann meist nicht
+anwesend oder schlafen so fest, dass sie ebenso gut abwesend sein
+könnten. Das Haus steht offen, keine Thür ist verschlossen, man kann
+frei durch alle Räume gehen, die zum Theil mit werthvollen Gegenständen
+ausgestattet sind. Aber sonderbarer Weise wird nichts gestohlen.
+Obgleich unter den Eingebornen Diebstähle, auch Räubereien, häufig
+vorkommen, so war doch kein Fall bekannt, dass je das Haus eines
+Europäers beraubt worden wäre. Die Eingebornen haben eine gewisse Scheu,
+solches Grundstück zu betreten, die sich aus der Furcht vor den Hunden
+nicht genügend erklären lässt; denn Hunde giebt es nicht überall, auch
+würden sie entschlossenen Dieben kein Hinderniss sein. Es scheint daher
+fast, wenigstens schmeicheln sich die Europäer damit, dass ein gewisser
+Nimbus das Haus beschütze.[9]
+
+Die Europäer, deren Zahl sehr gering ist und zum grossen Theil aus
+wohlhabenden Kaufleuten und hoch besoldeten Beamten besteht, geniessen
+in mancher Hinsicht eine bevorzugtere Stellung, als der hohe Adel in
+Europa. Sie sind durch Reichthum, Bildung, Intelligenz,
+Unternehmungsgeist und Ehrenhaftigkeit den anderen hier vertretenen
+Nationen sehr überlegen. Ausserdem bilden Farbe und äussere Haltung eine
+natürliche unübersteigliche Schranke für alle ehrgeizigen Asiaten, deren
+einige ebenfalls grosse Reichthümer ansammeln. Auch der Luxus, in dem
+sie leben, die Freigebigkeit, mit der sie bezahlen, sind Mittel, bei den
+Asiaten Achtung zu erlangen. Einer der angenehmsten Vorzüge, die aus
+diesem Verhältniss entspringen, ist das unbegrenzte Vertrauen, das alle
+Europäer geniessen. Keiner von ihnen trägt Geld bei sich, und kann
+dennoch in jedem Laden kaufen, was er will. Ich hatte einmal in Johore,
+auf dem asiatischen Kontinent, jenseits der kleinen Meerenge, eine
+Anzahl Jungen benutzt, um Thiere und Pflanzen zu sammeln. Da ich kein
+Geld hatte, erhielt jeder für das, was er ablieferte, ein Stückchen
+Papier, auf das ich mit Bleistift die Anzahl Cents schrieb, die er dafür
+empfangen sollte. Als ich Abends abfuhr, rechnete ich die einzelnen
+Zettel zusammen und gab dem ältesten Jungen einen Schein für die ganze
+Summe, zahlbar in Singapore. Keiner hatte das geringste Misstrauen, sie
+schienen alle so befriedigt, als hätte ich sie baar bezahlt, obgleich
+wir einander völlig fremd waren. Als ich Singapore verliess, fuhr mich
+mein Kutscher an den Platz der Einschiffung und setzte meinen letzten
+Koffer ins Boot. Ich schuldete ihm mehrere Monate Fuhrlohn, schrieb mit
+Bleistift einige ihm unverständliche Worte auf einen Zettel, den er bei
+meinem Banquier abgeben sollte, er machte seinen Salam und wünschte mir
+eine glückliche Reise. Sogar die Hunde, die in dergleichen Dingen immer
+eine richtige Witterung haben, erkennen die bevorzugte Stellung an.
+Sobald ein ganz fremder Europäer zum ersten Male das Grundstück eines
+andern betritt, kommen sie ihm bis an die Hecke entgegengelaufen und
+geleiten ihn freundlich bellend und wedelnd ins Haus. Wenn erst die
+europäische Bevölkerung mehr zunimmt, Unbemittelte oder gar
+Industrieritter hierher kommen, wird dieser Zustand natürlich aufhören.
+
+Die Lebensweise der reicheren Europäer ist äusserst angenehm und mit
+Ausnahme der zu kopiösen Mahlzeiten sehr zweckmässig. Die Billigkeit der
+Landhäuser, der Dienerschaft und der Pferde erlaubt ihnen mit
+verhältnissmässig geringen Kosten einen fürstlichen Haushalt zu führen.
+Sie stehen gewöhnlich vor Tagesanbruch auf, nehmen ein Bad und machen
+einen grossen Spaziergang. Nach einem einfachen Frühstück, um 9, fahren
+sie zur Stadt, arbeiten bis um 4 in ihren meist sehr luftigen Kontoren
+und kehren nach Haus zurück. Bei der Ankunft bietet der erste Diener
+seinem Herrn ein Glas Sherry an und berichtet, ob etwas vorgefallen,
+dann folgt Bad, Ausfahrt in eleganter offener Equipage, gegen 7 Uhr
+Diner, nach Tisch wird gelesen, geplaudert, Billard gespielt. Man geht
+früh zu Bett, wenn keine Gäste da sind; sonst dauern die Gesellschaften
+gewöhnlich bis 11 Uhr. Mit Sonnenuntergang wird das ganze Haus
+verschwenderisch beleuchtet, wenn auch kein Besuch da ist.
+
+Frauen sind auch in der europäischen Gesellschaft wenig zahlreich. Sie
+leben meist auf so kostspielige Weise, dass nur wenige Männer reich
+genug sind, Frauen in dem zum herrschenden Ton gewordenen Luxus zu
+erhalten. Auch vertragen dieselben meistens das Klima weniger gut als
+Männer; sie werden bald apathisch, kränkeln und sind genöthigt, zur
+Wiedererlangung ihrer Gesundheit nach Europa zurückzukehren. Tritt
+dieser Fall nicht ein, so zwingt sie bald die Sorge für die Erziehung
+der heranwachsenden Kinder zur Heimreise, während der Mann, wenn er noch
+kein hinreichendes Vermögen erworben, zurückbleibt.
+
+Wie aber fast jedes Uebel auch seine gute Seite hat, so ist der Verkehr
+unter den Männern innerhalb derselben gesellschaftlichen oder eigentlich
+finanziellen Schichten, denn in solche ist die hiesige Gesellschaft
+streng gesondert, um so bequemer und herzlicher; während in fast allen
+kleinen Kolonien, wo es Frauen und gar arme Beamten- und reiche
+Kaufmannsfrauen giebt, das Leben durch die Eifersüchteleien der sonst so
+liebenswürdigen Wesen sehr verbittert wird. Auch sind Frauen als
+Hüterinnen des Anstandes und der Sitte in englischen Kolonien
+entbehrlicher, als in jeder andern. Der starre Schematismus der
+englischen Erziehung hält für das ganze Leben vor. Während kontinentale
+Europäer in fernen Ländern gern jeden lästigen Zwang so bald als möglich
+ablegen, sich vernachlässigen, „ihre Kaste verlieren”, bleiben die
+Engländer überall Engländer -- Insulaner -- Fremde. Daher ist auch ihr
+Einfluss auf die Sitten der Eingebornen ein sehr geringer. Eben so
+gering sind auch die Leistungen ihrer wohl besoldeten, fein gebildeten
+Missionäre im Vergleich zur Mehrzahl der katholischen, die, ungestört
+durch wissenschaftliche Bildung, gesellschaftliche Stellung, häuslichen
+Wohlstand und Familienbande, in besonderen Seminaren mit militärischer
+Disziplin zum Bekehren erzogen, in ein viel näheres und daher
+einflussreicheres Verhältniss zu ihren Täuflingen treten.
+
+Die hiesigen englischen (aber nicht die deutschen) Häuser sind meist nur
+Agenturen grösserer Firmen, deren Hauptsitz in England oder Kalkutta
+ist, und die noch an mehreren andern Plätzen in China und am Archipel
+ihre Kontore haben. Daher finden unter dem Personal häufige Versetzungen
+statt. Als ich nach 6 Monat langer Abwesenheit Singapore wiedersah, traf
+ich die Hälfte meiner Freunde nicht mehr an; sie waren nach allen
+Richtungen zerstoben und durch neue Ankömmlinge ersetzt.
+
+Unter den Europäern herrscht grosse Gastfreundschaft. Fast täglich
+ist man eingeladen. Als ich mich zum ersten Male in einer solchen
+Gesellschaft befand, machten die geographischen Spezialkenntnisse der
+Anwesenden einen grossen Eindruck auf mich. Mein Nachbar rechts war
+10 Jahre auf den Philippinen gewesen, der zur Linken hatte so eben
+einen grossen Theil Borneo's durchreist; der gegenüber hatte fast
+alle grösseren Inseln des Archipels besucht, auch Neu-Guinea und die
+Nordküste Australiens. Ein anderer (Col., jetzt General Mac Leod) war
+zu Fuss durch Birma bis an die Grenze von China gegangen, durch
+Länder, die ausser ihm noch kein Europäer betreten hatte. Wie
+erweiterte sich aber erst der geographische Horizont, als die Damen
+die Kartoffelfrage behandelten! „Sind dies javanische oder
+chinesische Kartoffeln?” -- „Neuseeländische.” -- „Ich ziehe die
+kalifornischen vor.” -- Die eine bezog ihren Bedarf aus Holland, die
+andere aus Neuholland. -- Europäische Gemüse und Früchte gedeihen
+hier nicht. Von den hier gebauten Gemüsen sagen fast nur Bohnen und
+mehrere Gurkenarten unserem Geschmack zu. Dagegen liefern die
+hiesigen Gärten in grosser Fülle die besten Früchte der heissen Zone.
+Am häufigsten ist die Banane oder Pisang (Musa paradisiaca), in sehr
+vielen Varietäten, bei weitem die verbreitetste und nützlichste aller
+tropischen Früchte. Ihr Geschmack hält die Mitte zwischen Birne und
+gekochter Kartoffel; sie dient als Obst und Gemüse, und wird selbst
+von Europäern reichlich gegessen, die sonst die meisten Früchte,
+sogar die köstliche Ananas, aus Gesundheitsrücksichten ängstlich
+vermeiden, was, so weit meine Erfahrung reicht, ein Vorurtheil ist.
+Keine Frucht ist leichter zu kultiviren; sobald die Fruchttraube
+abgenommen, wird der Stamm umgehauen, um für die aus der Wurzel
+aufgeschossenen jüngeren Triebe Platz zu machen; so geht es fort und
+fort. -- Die Ananas, malayisch Nanas (Ananas sativa), von Singapore
+übertreffen an Wohlgeschmack alle in Java, Siam oder auf den
+Philippinen gebauten, und werden selbst von den in europäischen
+Treibhäusern gezogenen an Duft nicht übertroffen. An Süssigkeit und
+Saftfülle bleiben diese aber hinter der Singapore-Ananas zurück. Sie
+ist so billig, dass man sie in Verbindung mit feinem Sand benutzt, um
+das Verdeck der Schiffe zu scheuern. Man isst gewöhnlich nur die
+untere, süssere Hälfte und wirft die obere fort. -- Von Vielen wird
+der Mangustan (Garcinia mangostana) für die Königin aller Früchte
+erklärt. Sein Vorkommen ist auf ein sehr kleines Gebiet beschränkt;
+weder in Ost- noch Westindien gelang es bisher, ihn zu ziehen. (Es
+gilt als einen der grössten Triumphe der Kunstgärtnerei, dass der
+Herzog v. Devonshire einige Mangusten zur Reife gebracht hat.) -- Nur
+in gewissen Jahreszeiten häufig sind die Mangos (Mangifera indica),
+die, wenn sie nicht sehr gut sind, wie Aprikosen mit Terpentin, oft
+aber auch wie Terpentin mit Aprikosen schmecken. Dies ist eine der
+wenigen tropischen Früchte, von denen es viele durch Kultur
+entstandene Varietäten giebt.
+
+Die grösste aller Baumfrüchte ist wohl die Nangka, Jackfruit (Artocarpus
+integrifolia), von denen eine einzige über einen halben Centner schwer
+wird. Obgleich sie sehr angenehm würzig schmeckt, wird sie von Europäern
+fast nie gegessen. Sie ist eine nahe Verwandte der Frucht des Brodbaums
+(A. incisa), die hier nicht geschätzt und nur von den Eingebornen als
+Gemüse genossen wird. Häufiger erscheint die Papaya auf der Tafel, die
+Frucht des Melonenbaumes (Carica papaya), die weder die Grösse, noch den
+Geschmack einer sehr mittelmässigen Melone erreicht. In der inneren
+Höhlung liegen eine grosse Menge dunkelgrüner Kerne; sie sehen aus wie
+Kapern, riechen wie Kresse und schmecken gar nicht. Der Saft der
+unreifen Frucht enthält aber Fibrin, das ausser bei Pilzen noch bei
+keiner Pflanze nachgewiesen wurde. Dieser Saft, ja die blosse
+Ausdünstung der Blätter, mehr noch die Berührung hat die höchst
+auffallende Eigenschaft, die Muskelfaser zu zersetzen, das zäheste
+Fleisch zart zu machen.[10]
+
+Sehr schön modellirt und gefärbt, wie aus Wachs gebildet, sind die
+Jambusen (Eugenia spec. div.), deren einige wie Rosen duften. Sie
+erfrischen, ohne den Geschmack zu befriedigen, da ihr loses, schwammiges
+Zellengewebe nur schwach säuerliches Wasser enthält.
+
+Angenehmer schmecken die Anonen-Arten, die aber in Singapore noch nicht
+die verdiente Verbreitung gefunden haben.
+
+Der Lei-tschi der Chinesen (Nephelium lichi), der in Siam so gut
+fortkommt, scheint in Singapore nicht zu gedeihen; der Rambutan, eine
+ihm verwandte Nephelium-Art (N. lappaceum?), ist häufig und kommt ihm im
+Geschmack sehr nahe. Die fleischige Hülle haftet aber durch unzählige
+Fäserchen so fest am Kern, dass ihr Genuss unbequem ist.
+
+Apfelsinen sind in zahlreichen Varietäten vorhanden, in allen Grössen,
+vom kleinen Kumqwat, nicht grösser als eine Walderdbeere, bis zur
+Pumpelmuse (Citrus decumana), die fast kopfgross wird. Letztere hat zwar
+einen grossen Verbreitungsbezirk, erlangt aber nur an gewissen eng
+begrenzten Lokalitäten ihr volles Aroma. Am besten geräth sie in Batavia
+und in Amoy. Sie ist lange nicht so saftreich, aber würziger, als alle
+andren Oranien. Der Name Pumpelmuse klingt sehr holländisch, kommt aber
+wahrscheinlich vom Tamil-Wort Bambalmas. Die Engländer nennen sie
+gewöhnlich Shaddock nach einem Schiffskapitän, der sie von Batavia nach
+Westindien übersiedelte. Dr. de Vry sagt in einem vor der British Assoc.
+in Birmingham gehaltenen Vortrage, dass die Pumpelmusen in Bandong
+(Java) in 2300' Meereshöhe ungeniessbare Früchte, nicht grösser, als
+gewöhnliche Apfelsinen, tragen, dass er aber von einem einzigen Baum in
+seinem Garten 200 ℔ Blüthen (!) gepflückt habe und dass er von 1000 ℔
+Blüthen 1 ℔ Neroli bester Qualität erhielt (Chemical News. Sept. 29.
+65).
+
+Als Unkraut wuchert die Guajava (Psidium pomiferum und P. pyriferum),
+deren den Holzbirnen und Aepfeln ähnlich aussehende Früchte die Stelle
+unserer Quitten vertreten, ohne ihrem Aroma gleichzukommen; sie werden
+fast nur eingemacht gegessen.
+
+Eine der merkwürdigsten Früchte von allen ist der Durian (Durio
+zibethinus); nach Crawfurd ist er auf dasselbe kleine Gebiet beschränkt,
+wie der Mangustan und wächst auf hohen Bäumen, häufiger im Walde, als
+kultivirt, hat ziemlich die Grösse und Gestalt der Ananas, aber die
+pyramidalen Warzen, die seine holzige Schale bedecken, sind hart und
+spitz. Bei der reifen Frucht springt die Schale an vier Stellen der
+Länge nach bis zum Stiel auf und enthüllt eine weiche, weisslich gelbe,
+creme-artige Substanz, welche die Zwischenräume zwischen den nussgrossen
+Samenkernen ausfüllt. Sie schmeckt besser als der beste Creme, und
+riecht schlechter als Knoblauch. Dieser ungemein penetrante Geruch ist
+anfänglich Jedem zuwider, der Wohlgeschmack aber so gross, dass der
+ursprüngliche Widerwille sich bald in eine wahrhaft leidenschaftliche
+Zuneigung verwandelt. Man zahlt oft einen Dollar für das Stück, während
+Ananas nur einen Cent kosten, so gross ist die Nachfrage ihrer Verehrer.
+-- Hoch bezahlt sind auch steinharte, fade Birnen und Aepfel, die der
+Norden von China liefert; sie sind fast ungeniessbar für neue
+Ankömmlinge, aber länger Ansässige, denen sie das Obst der geliebten
+Heimath versinnlichen, dichten ihnen in frommer Erinnerung einen
+Wohlgeschmack an, den sie durchaus nicht besitzen.
+
+Die Sehnsucht nach der Heimath ist ein stehender Zug bei allen
+Europäern, die in diesen fernen Landen leben. Eine hübsche Sitte, die
+sich darauf gründet, ist der Toast: „Auf die fernen Freunde”, der zum
+Schluss des Mahls im besten Wein mit feierlicher Stille getrunken wird.
+
+Viele hiesige Früchte, wenn auch in Gärten gewachsen, sind kaum als
+veredelt zu betrachten und unterscheiden sich wenig oder gar nicht von
+ihren Stammeltern im Walde. Aber auch diejenigen, die man nicht wild,
+sondern nur um die Wohnungen der Menschen antrifft, haben sich nur wenig
+von dem ursprünglichen Typus entfernt, da fast keine Varietäten
+vorhanden sind (ebenso ist es mit den Zierblumen). Doch ist wohl nicht
+zu zweifeln, dass sich aus den vorhandenen Obstarten eine eben so
+grosse Menge hochedler Sorten erzielen liesse, als man in Europa aus
+fast ungeniessbaren ursprünglichen Arten gezogen hat. Für's Erste ist
+aber keine Aussicht auf dergleichen Versuche vorhanden. Die hiesigen
+Europäer wenden ihre ganze Energie und Intelligenz dem Handel zu und
+kehren, sobald sie können, nach Europa zurück. Die wenigen, die hier
+bleiben, haben meist ihre Strebsamkeit verloren, sie nehmen immer mehr
+von der Gleichgültigkeit der Eingebornen an. Von ihnen sind Versuche,
+die so viel Zeit, Kenntniss und Mühe verlangen, kaum zu erwarten.
+
+Ausser Obst, etwas Gemüse und Geflügel, vielen Fischen und Krebsen
+liefert die Insel keine Nahrungsmittel. Es wird aber Alles in Menge
+eingeführt, ja oft sind manche Artikel hier billiger, als am
+Produktionsort. Hühnerfleisch und Reis isst man täglich wenigstens zwei
+Mal. Hammelfleisch ist sehr theuer und gilt für einen grossen
+Leckerbissen. Die besten Hammel kommen aus Bengalen, darauf folgen die
+vom Peiho, weniger geschätzt sind die von Shanghai und Australien. Puter
+kommen aus Java und kosten 5 bis 6 Dollars das Stück. In Singapore
+können sie nicht gezogen werden, auch die eingeführten sterben bald.
+
+Von europäischen Speisen sind namentlich die national-englischen in
+Blechbüchsen immer vorhanden, sie sind meist aus englischer Fabrik,
+daher weder sehr wohlschmeckend, noch mannigfaltig. In anderen Kolonien
+lässt man sich dergleichen Sachen lieber aus Frankreich kommen und steht
+sich besser dabei. Die gewöhnlichen Getränke sind englisches Bier,
+Bordeaux-, Rheinwein. Geeisten Champagner trinkt man so häufig, dass die
+chinesischen Bedienten das Wort ihrer Aussprache akkommodirt haben,
+indem sie aus Cham-paign sim-kin machen.
+
+Von der Wichtigkeit der Erfindung, Nahrungsmittel in
+hermetisch-verschlossenen Büchsen aufzubewahren, bekommt man erst auf
+Seereisen und mehr noch in den Kolonien, besonders in den abgelegenen
+Stationen, eine richtige Vorstellung.[11] Wenn aber die Zubereitung
+nicht sehr schmackhaft ist, so stellt sich nach fortgesetztem Gebrauch
+allmälig ein solcher Ekel ein, dass selbst die Matrosen Salzfleisch
+vorziehen. Dies tritt namentlich bei englischen Präparaten bald ein, bei
+französischen habe ich es nie empfunden. Hoffentlich ist der Zeitpunkt
+nicht mehr fern wo man wenigstens die für die Passagiere bestimmten
+Nahrungsmittel während der ganzen Reisedauer nur durch Kälte frisch
+erhalten wird. Wenn die Eismaschinen erst den nöthigen Grad von
+Vollkommenheit erreicht haben, dürfte es wohl an der Zeit sein, sie mit
+einem System von Röhren zu verbinden, die, mit einer schwer erstarrenden
+Flüssigkeit gefüllt, einen angemessenen Raum hinreichend kalt erhalten,
+um alle darin niedergelegten Nahrungsmittel völlig frisch zu bewahren.
+Man sollte glauben, dass die Kosten der Einrichtung und des Betriebes,
+besonders auf Dampfschiffen, wo ein kleiner Bruchtheil der vorhandenen
+Kraft zu diesem Zweck abgezweigt werden könnte, beträchtlich geringer
+sein würden, als die des jetzt eingeführten Gebrauchs, lebende Thiere
+sammt Futter und Wärter mitzunehmen. Abgesehen aber vom Kostenpunkt
+würden die Annehmlichkeiten für die Reisenden sehr gross sein. Der
+Zahlmeister könnte auf jeder Station diejenigen Artikel in Fülle
+einkaufen, die gerade dort am vorzüglichsten sind; statt des Fleisches
+von Thieren, die durch die Seereise gelitten haben, könnte man den
+Reisenden mit wahrscheinlich geringeren Kosten stets das beste, gleich
+in geeigneten Stücken eingekaufte Fleisch vorsetzen. Führte man ein
+solches Röhrensystem durch die von den Passagieren bewohnten
+Schiffsräume, wie man Häuser durch warmes Wasser heizt, so könnte die in
+niederen Breiten, besonders an Bord überfüllter Dampfschiffe, so
+unerträgliche Hitze auf ein Minimum herabgedrückt werden. Namentlich
+aber für die Fahrt auf dem rothen Meere, die während einiger Monate so
+verrufen ist, dass die Gesellschaften während dieser Zeit genöthigt
+sind, ihre Preise herabzusetzen, würde eine solche Einrichtung von
+grossem Werthe sein.
+
+Nachdem ich in dem schönen Landhause einige Wochen zugebracht, die unter
+der Masse neuer Eindrücke und Bekanntschaften sehr angenehm verflogen,
+entschloss ich mich, die wahrhaft fürstliche Gastfreundschaft unseres
+Konsuls nicht länger in Anspruch zu nehmen, bezog eine kleine Wohnung in
+der Stadt und wollte anfangen, recht fleissig zu sammeln und zugleich
+Individuen der verschiedenen Rassen, welche die völlige Freiheit des
+Verkehrs hier zusammenführt, zu photographiren. In Europa hatte ich viel
+von der Vortrefflichkeit und Billigkeit der indischen Diener gehört und
+meine Ansprüche, sowie meine Ausrüstung danach zugeschnitten. Einen
+Diener wollte ich zum Sammeln und Präpariren von Thieren, einen zweiten
+auf Pflanzen, einen dritten auf photographische Handleistungen
+abrichten. Auch konnte ich, wenigstens im Anfang, Diener genug bekommen,
+sie fanden aber keinen Geschmack an meinen Liebhabereien und verliessen
+mich gewöhnlich wieder nach einigen Tagen. Durch Vermittelung eines
+gefälligen Freundes wurde mir ein kleines, niedliches Bretterhaus, 100
+Schritt vom Meer, das der Regierung gehörte und zur Zeit unbenutzt
+stand, zur Verfügung gestellt. Ich liess mich mit meinem Gepäck darin
+nieder und verlebte hier einige sehr angenehme Monate. Die
+Liebenswürdigkeit und Herzlichkeit, die ich ohne Ausnahme von allen
+Europäern erfuhr, wird mir immer eine der liebsten Erinnerungen bleiben.
+Einmal zeigte mir Jemand ein Glas voll Schlangen und Eidechsen in
+Spiritus, ohne sie mir anzubieten, und ich erinnere mich noch, dass ich
+von einem so unerwarteten Verfahren ganz betroffen war. Ich wüsste die
+Gefälligkeiten, die mir ununterbrochen von allen Seiten erwiesen wurden,
+nicht schlagender anzudeuten, als durch dies Geständniss. Der Tag
+verging unter den mannigfachsten Beschäftigungen, die Abende brachte ich
+gewöhnlich auf dem Landhaus irgend eines Freundes zu. Freilich fehlte es
+auch nicht an allerlei kleinen Miseren, welche aber gegen die Freuden
+des damaligen Lebens sehr zurücktraten. Eine dauernde Unbequemlichkeit
+war die Schwierigkeit, einen guten Diener zu finden. Als ich in meinem
+Häuschen die grossen Kisten geöffnet hatte und der Bediente den Inhalt
+erblickte, schüttelte er bedenklich den Turban und sprach halb englisch,
+halb malayisch: „Viel, viel Sachen, Herr, nehmt einen andern Diener, zu
+viel Mühe!” und ging ab. Ich wagte nicht auszugehen, da das Haus nicht
+verschliessbar war. Bald kam ein Platzregen, der durch das schadhafte
+Dach drang und die ausgepackten Sachen durchnässte. Nach einigen Tagen
+erbarmte sich meiner eine Dame und verschaffte mir ein wahres Muster von
+Bedienten, der Alles allein zu machen versprach. Auch stattete sie mich
+noch mit allerlei Gegenständen der Bequemlichkeit aus, um mir den
+Aufenthalt in meiner neuen Wohnung angenehm zu machen. Als ich spät
+Abends nach Hause kam, fand ich aber dasselbe offen, der Diener war
+nicht da, weil er, wie er mir am andern Tage sagte, noch keine
+Schlafmatte hatte. Um eine zu suchen, verbrachte er den grössten Theil
+des zweiten Tages ohne Erfolg. Am dritten Tage kam er spät und brachte
+noch einen Landsmann mit, der ihm helfen sollte; dieser schien ein
+Literat zu sein, er las den ganzen Tag, deklamirte und schrieb;
+verlangte ich etwas von ihm, so seufzte er und sprach: „much, much
+trouble.” Nachmittags fand ich ihn in meiner Geldtasche wühlend und
+entliess ihn. Den andern behielt ich noch 6 Tage, davon war er 2 Tage
+krank, einmal musste er vor Gericht, ein andermal hatte er dringende
+Geschäfte in Familienangelegenheiten. Nachdem ich in kurzer Zeit einige
+Malayen und mehrere Klings gehabt, bekam ich einen berühmten, kleinen
+Chinesen. Leider verstand er nicht malayisch und ich nicht chinesisch.
+Er verstand überhaupt nichts, da er noch nicht gedient hatte, besass
+aber grossen Eifer. Meine Schuhe putzte er nicht nur von aussen, sondern
+auch von innen, und als ich ihm auftrug, meinen schwarzen Frack zu
+reinigen, um darin bei einem amtlichen Diner des Guvernörs zu
+erscheinen, wusch er ihn mit Seife und Wasser. Dadurch wurde der kleine
+Bursche so berühmt. Seine angenehmste Eigenschaft aber war, dass er
+immer lief, wenn ich „lakas” rief. Dies hatte für mich einen solchen
+Reiz, nachdem ich mich so lange mit den faulen, mürrischen Klings
+beholfen hatte, dass ich den armen Jungen fast nur in diesem schnellen
+Tempo benutzte. Aber nach 6 Wochen war er's müde. Als auch er mich
+verlassen hatte, blieb ich längere Zeit ohne alle Bedienung. Mein Haus
+war eigentlich nur dem Scheine nach verschlossen, obgleich ich oft den
+ganzen Tag und einen Theil der Nacht abwesend war. Auf meinem Balkon
+hingen mehrere Thermometer ganz frei, mir ist aber nie etwas gestohlen
+worden. Und doch stand das Haus auf einem Grundstück, das nur zum Theil
+durch eine Hecke eingefasst war und an einer wenig frequenten, Abends
+nicht beleuchteten Strasse lag. Den Grund weiss ich mir nicht zu
+erklären.
+
+Wenn aber auch ein hiesiger Diener den Anforderungen, die man in Europa
+an einen solchen stellt, nicht entspricht, so kann man sich doch sehr
+gute Bedienung verschaffen, wenn man für verschiedene Dienstleistungen
+im Hause verschiedene Diener annimmt, was bei ihren bescheidenen
+Ansprüchen nicht sehr theuer ist. Auch verlangt die Gerechtigkeit, zu
+erwähnen, dass ich schliesslich einen vorzüglichen Diener bekam, treu,
+anstellig, fleissig, bescheiden; zu meinem grossen Bedauern zog er sich
+später in den Wäldern von Malacca ein Junglefieber zu, wodurch ich
+gezwungen wurde, ihn in Singapore unter der Pflege eines Arztes
+zurückzulassen.
+
+
+
+
+Viertes Kapitel.
+
+ Ueberblick der Stadt. -- Strassenleben. -- Reis. -- Chinesen. --
+ Malayen. -- Malayische Sprache.
+
+
+Die Stadt bildet ein Kreis-Segment, dessen Sehne, der Strand, von NO.
+nach SW. streicht, während der nach NW. gerichtete Bogen im N. von
+einem Kanal, in seinem weiteren Verlauf durch eine Reihe von Anhöhen
+begrenzt wird. Gegen 20 dieser, im Durchschnitt 100 Fuss hohen Hügel
+treten unmittelbar an den Rand der Stadt und schon beginnen die
+Häuser, sich an den Abhängen in die Höhe zu ziehen. Jeder Gipfel
+gewährt einige hübsche Bilder, die alle aus denselben, aber immer
+anders gruppirten Elementen bestehen. Die schönste Rundsicht hat man
+vom Government-hill, jetzt Fort Canning, das mitten in der Stadt
+liegt. Hart an seinem Fuss fliesst der kleine Fluss, der die Stadt in
+zwei Theile sondert. Die nördliche, räumlich grössere Abtheilung
+enthält die meisten öffentlichen Gebäude, viele Wohnhäuser reicher
+Kaufleute und Beamten, die noch unvollendete Kirche und die
+Esplanade, einen schönen grossen Rasenplatz dicht am Meere, auf
+welchem jeden Abend ein kleiner Korso und Cricket, das nationale
+Ballspiel der Engländer, mehrere Male in der Woche auch Militärmusik
+stattfindet. Auf der Südseite ist das Geschäftsleben konzentrirt.
+Diese vertritt die „City”, jene das „Westend”; letzteres liegt aber
+östlich. Dicht an seiner Mündung hat der Fluss nach Süden zu ein
+quadratisches Stück Land von etwa 1000 Fuss Länge und Breite
+angeschwemmt; Raffles, der Gründer der Stadt, hat die Trümmer eines
+Hügels, der früher an der Mündung stand, darauf geschüttet. Es hängt
+nur auf einer Seite mit dem Lande zusammen, zwei andre Seiten werden
+vom Meere, die vierte vom Fluss gebildet. In diesem Viereck befinden
+sich alle grösseren Geschäftshäuser und Speicher der Europäer sowohl,
+als der Asiaten. Auf den dem Meere zugekehrten Seiten ragen
+Landungsdämme ins Wasser, an welchen die Güter für die verschiedenen
+Firmen unmittelbar in die daran stossenden Speicher gebracht werden.
+In der Mitte des Vierecks liegt der Commercial square, der
+Centralpunkt des Verkehrs für die Europäer, und vertritt fast die
+Stelle einer Börse. Noch lebhafter aber ist das Gewimmel auf und an
+dem kleinen Flusse: an seinen beiden Ufern liegt eine fast
+ununterbrochene Reihe von Leichtern und andern kleinen Booten, welche
+Waaren aus- und einladen, die von stämmigen chinesischen Kulis oder
+durch Ochsenkarren weiter geschafft werden. In der Mitte bewegen sich
+vom frühesten Morgen bis spät Abends dichte Züge ein- und
+ausfahrender Lastboote aller Grössen.
+
+[Illustration:
+
+ MALAYIN (SINGAPORE) CHINESIN (FU-TSCHAU) CHINESE (OPIUMRAUCHER)
+ BATTA (SUMATRA) MALAYE (JOHORE) BATTA (FRAU)
+]
+
+Die Rhede ist umschlossen von dichtbewaldeten Inseln, über die sich die
+Kronen zahlreicher Palmen erheben. Gewöhnlich ist das Meer so ruhig, wie
+ein Binnensee und bedeckt mit Schiffen aller Länder, zwischen denen
+unzählige kleine Boote hin- und herfahren. Eine ganze Kette solcher
+kleinen Eilande und Felsen liegt im Süden der Hauptinsel und setzt in
+SO-Richtung den Umriss der Küste wie in einer punktirten Linie fort.
+Die südlichste derselben, St. John, musste früher von allen grösseren
+Fahrzeugen umschifft werden, bis man unmittelbar an der Südküste von
+Singapore selbst eine Durchfahrt entdeckte, tief genug für die grössten
+Schiffe. Sie wird im Süden von der Insel Blakang-mati begrenzt, welche
+fleissige Bugis in ein Ananasfeld verwandelt haben, und bildet den
+sogenannten neuen Hafen, New harbour, in dem jetzt die grössten
+Dampfschiffe anlegen und ihre Kohlendepots haben. Es sind daselbst Docks
+und Landungsbrücken errichtet, so dass die Schiffe unmittelbar am Lande
+anlegen und löschen können, während in Singapore Alles durch Leichter
+gelandet werden muss. New harbour hat aber so wenig Raum, dass er kaum
+für die Bedürfnisse der Dampfschifffahrt ausreicht.[12]
+
+Das bunte Treiben in den Strassen entspricht dem, was die Schiffe auf
+der Rhede vermuthen liessen. Die Stadt ist der Sammelplatz aller Völker
+des fernen Ostens. Weitaus überwiegend an Zahl und Bedeutung sind die
+Chinesen. Dann folgen der Menge nach die Völker malayischer Rasse,
+Bewohner des Archipels: Bugis, Javanen, Sundanesen, echte Malayen und
+endlich die Klings, wie hier allgemein sämmtliche Bewohner
+Vorder-Indiens ohne Unterschied genannt werden, obgleich das Wort, eine
+Korruption von Telinga, ursprünglich nur die Eingebornen der Ostküste
+der vorderindischen Halbinsel bezeichnet. Diese drei Völkerschaften
+bilden die Hauptmasse; mehr vereinzelt erscheinen zwischen ihnen Araber,
+Perser, Parsis, Armenier, Siamesen, Birmanen, Anamiten, Tagalen und
+Juden in alttestamentarischer Tracht.
+
+In allen Hauptstrassen der Stadt sind die Häuser im Erdgeschoss mit
+fortlaufenden Bogengängen versehen, unter welchen man zwar Schutz gegen
+die Sonne findet, aber nicht gegen die Zudringlichkeit der kleinen
+Handelsleute, die hier als Geldwechsler, öffentliche Schreiber und
+Krämer ihr Wesen treiben. Bei letzteren findet man oft das sonderbarste
+Gemisch von Waaren, namentlich bei den Klings: neben europäischen Eisen-
+und Kurzwaaren sieht man die verschiedensten Produkte des Archipels,
+indische Medikamente, Hülsenfrüchte und mitten unter den
+Nahrungsmitteln grosse Stücke Arsenik in offenen Schalen, das
+namentlich nach Madras zum Einbalsamiren der Leichen, auch nach anderen
+Häfen zum Präpariren der Häute geht. Eine andere in die Augen fallende
+Waare, die man aber nur an den Thüren der Grosshändler trifft, sind
+Kanonen von jedem Kaliber, für die immer ein guter Markt ist, da sich
+hier sowohl die Seeräuber zum Angriff, als die friedlichen Kauffahrer
+zur Vertheidigung ausrüsten.
+
+Besonders auffallend im hiesigen Strassenleben ist die fast gänzliche
+Abwesenheit der Frauen. Chinesen und Klings, die mit der Absicht kommen,
+nachdem sie ein kleines Vermögen erworben, in ihr Vaterland
+zurückzukehren, bringen keine Frauen mit, und ein grosser Theil der
+Bevölkerung ist fluktuirend, kommt mit dem einen Monsun und kehrt mit
+dem andern in die Heimath zurück, die Familie bleibt daheim. Von den
+wenigen Frauen, die hier ansässig sind, werden die meisten, der Sitte
+des Orients gemäss, im Hause gehalten. Nach den statistischen Berichten
+ist das Verhältniss der Frauen zu den Männern ohnehin nur wie 1: 8, aber
+auf der Strasse fehlen erstere fast ganz. Nie geht eine Frau neben ihrem
+Mann, oder gar von ihm geführt, es könnte die Würde des Mannes
+beeinträchtigen, ihn lächerlich machen. Die malayischen Familien gehen
+gewöhnlich Einer hinter dem Andern, zuerst die Kinder, dann die Mutter,
+dann der Vater und die Erwachsenen. Auch Männer gehen immer nur hinter
+einander, der Vornehmste voran, die andern folgen genau nach ihrem
+Range. Sie haben diese Gewohnheit wohl in der Heimath angenommen, wo nur
+schmale Pfade durch den Wald führen, und befolgen sie hier auch auf den
+breitesten Strassen. Derselbe Gebrauch ist unter den Indiern in Amerika
+allgemein: daher der englische Ausdruck: Indian file. Manche können es
+auch nicht unterlassen, wenn sie an Hecken vorbeigehen, einige Zweige
+einzuknicken, wie sie es im Walde gewöhnt sind, zu thun, um den Rückweg
+zu finden.
+
+[Illustration:
+
+ TELINGA. (BAYADERE.) TELINGA. JAVANE.
+ BUGIS. (CELEBES.) MANN. BALINESIN. BUGIS. (CELEBES.) FRAU.
+]
+
+Den buntesten, interessantesten Anblick gewährt die Stadt wohl Abends
+zwischen 8 und 10 Uhr. Die Strassen, in welchen die Geschäftshäuser der
+europäischen Kaufleute liegen, sind dann öde und finster, aber in den
+anderen Stadttheilen, besonders im Viertel der Chinesen, herrscht die
+grösste Lebendigkeit. Hier sind alle Läden offen und mit grossen, bunten
+Papierlaternen, die zugleich als Firmaschilder dienen, beleuchtet,[13]
+alle Werkstätten in voller Thätigkeit. Längs der Häuser haben sich ganze
+Reihen kleiner Geschäftsleute, Hausirer, besonders aber viele Garköche
+mit ihren tragbaren Gestellen eingefunden, welche an dem einen Ende
+eines Bambus die Küche, am andern sämmtliches Geschirr tragen.
+Dazwischen wogt eine dichte Menschenmenge, die hier ihre Abendmahlzeit
+kauft und meist gleich an Ort und Stelle verzehrt.
+
+Die Chinesen bedienen sich zum Essen der bekannten kleinen Stäbchen;
+alle andern hiesigen Asiaten essen mit den Fingern, zuweilen auf sehr
+unappetitliche Weise. Noch unappetitlicher ist die Art, wie die Gäste
+ihrem Wirth nach beendigter Mahlzeit ausdrücken, dass sie völlig satt
+sind. Die Mehrzahl der hiesigen Bevölkerung lebt fast nur von Reis.
+Viele geniessen kaum etwas anderes.[14] Fleisch und sonstige Zuspeisen
+werden von den Aermeren nur in so geringer Menge dazu genossen, als bei
+uns Pickles oder andre Reizmittel. Darauf sind auch die Garköche
+eingerichtet; für ein paar Pfennige kann sich dort Jeder die kleinsten
+Portionen seiner Lieblingsgerichte kaufen, die zuweilen auf römischen
+Wagen, nicht grösser als eine Goldwage, abgewogen werden. Es sieht
+drollig aus, wenn eine Anzahl chinesischer Kulis ihre Mahlzeit
+einnehmen. Sie hocken um einen Eimer voll Reis, um welchen im Kreise
+herum eine Anzahl pikanter Zuspeisen in kleinen Tassen stehen. Jeder
+füllt sich eine geräumige Schale mit dem Nationalgericht, fasst seine
+beiden Essstäbchen, die so dick wie Bleistifte und anderthalb mal so
+lang sind, indem er sie mit Daumen und Mittelfinger gegen den
+Zeigefinger presst, und schaufelt sich mit den beiden Enden, den Athem
+dabei einziehend, eine grosse Anzahl Reiskörner zu, die einzeln, aber in
+enggeschlossener Reihe, in den weit geöffneten Mund fliegen, um auf
+einmal verschlungen zu werden; ab und zu holt er sich mit seinen
+Stäbchen, indem er sie wie eine Zange gebraucht, ein Stück Fleisch oder
+Fisch aus einer der Tassen, beisst ein wenig davon ab, legt den Rest in
+seine Schale und schaufelt von neuem weiter. Es ist auffallend, wie die
+hiesige chinesische Bevölkerung gesund und kräftig bleiben kann bei
+einer Kost, die fast nur aus Stärkemehl besteht und an Stickstoffgehalt
+selbst von der Kartoffel übertroffen wird, wenn man von dieser den 3/4
+des Gewichts betragenden Wassergehalt ausser Rechnung lässt; die
+chinesischen Lastträger, wenigstens die im Dienst der Europäer, essen
+allerdings nicht unbedeutende Mengen Schweinefleisch.
+
+Die Chinesen sind als sehr geschickte Köche bekannt; auch haben sie ein
+grösseres Feld, als die unsrigen, da sie viele Dinge verwenden, die dem
+Europäer als unrein gelten. Die von Max Müller (Science of language S.
+346) nach Farrar erzählte Geschichte, welche ihm Veranlassung giebt,
+eine der Annahmen über den Ursprung der Sprache als die Bau-Bautheorie
+im Gegensatz zur Puh-Puhtheorie zu kennzeichnen, ist noch heute in China
+unter den Europäern gang und gäbe. Ein Engländer nämlich, dem man eine
+Schüssel vorgesetzt hatte, die ihm verdächtig schien und der wissen
+wollte, ob es Ente sei, fragte: Quack-Quack? und erhielt die klare,
+offene Antwort: Bau-Bau! Einige ihrer Leckerbissen sind für uns geradezu
+Ekel erregend, z. B. faule oder angebrütete Eier, deren Schale etwas
+geöffnet wird, damit der Käufer sehe, dass er nicht etwa getäuscht
+werden und statt des begehrten ein frisches Ei erhalten solle.[15] Diese
+Liebhaberei scheint aber doch nicht allgemein zu sein. Sie haben auch
+ein Verfahren, Eier sehr lange frisch zu erhalten. Hier ist das Rezept:
+2 Maas Asche, 1 Maas Salz mit Wasser zu einem Brei gemischt, mit dem die
+aufzubewahrenden frischen Eier bedeckt werden.
+
+Das chinesische Element tritt namentlich in einigen Theilen der Stadt so
+sehr in den Vordergrund, dass man sich in China wähnen könnte. Alle
+Handwerke, besonders solche, die Geschick und Ausdauer verlangen, werden
+fast nur von Chinesen betrieben. Sie mögen wohl das fleissigste Volk auf
+Erden sein, vom frühen Morgen bis spät in die Nacht sieht man sie
+arbeiten. Mit Ausnahme des Neujahrsfestes giebt es für sie keinen
+Feiertag. Neben dem grossen Fleiss bilden auch Sparsamkeit und
+Genügsamkeit sehr hervorragende Züge in ihrem Charakter. Ihr
+Handwerkszeug, ihre Kleidung und ihre Nahrung sind von der einfachsten
+Art, auch sind sie in fast allen ihren Genüssen sehr mässig; ihre
+Tabakspfeife hat kaum die Grösse eines Fingerhuts, von einer Cigarre
+rauchen sie gewöhnlich nur einige Züge hinter einander und heben den
+Rest auf. Sie trinken fast nur dünnen Thee, der sehr billig ist, immer
+ohne Milch und Zucker aus ganz kleinen Tässchen. Die reichsten Chinesen
+gehen kaum besser gekleidet, als die armen; eine kurze, weite Hose, eine
+baumwollene Jacke, und bei den Wohlhabenden Schuhe ohne Strümpfe, bilden
+nebst Zopf und Fächer den ganzen Anzug.
+
+Ein grosser Theil des Handels und der Schifffahrt ist in ihren Händen,
+nur an dem direkten Handel nach Europa und Amerika bleiben sie bis jetzt
+unbetheiligt.[16] Alles aber, was an Produkten des Archipels nach
+Europa kommt, geht erst durch Vermittelung der Chinesen an die
+europäischen Exportöre über, ebenso wie die meisten europäischen Waaren
+erst durch ihre Hände zu den Eingebornen gelangen. Noch ehe ein
+einheimisches Schiff Anker geworfen hat, ist schon ein Chinese an Bord,
+der mit dem Patron Bekanntschaft macht, ihn während der ganzen Dauer
+seines Aufenthalts nicht aus den Augen verliert, ihm Geld vorschiesst,
+seine Schwächen erlauscht und ausbeutet und schliesslich Eigenthümer der
+Ladung wird. Ich versuchte einige Male Muscheln oder Kuriositäten an
+Bord neu angekommener Prauen zu kaufen, es gelang aber nie, da Alles
+immer schon von Chinesen belegt war. Wollte ich aber von diesen einen
+Gegenstand erwerben, so boten sie ihn entweder umsonst als Probe und
+fragten, wie viel Pikul sie mir davon liefern sollten, oder verlangten
+einen enormen Preis dafür, in der Meinung, dass der Gegenstand für mich
+einen ganz besonderen Werth haben müsste.
+
+Die Handwerke werden alle, wie schon erwähnt, in offenen Läden oder auf
+der Gasse selbst betrieben, so dass man im Schlendern durch die Strassen
+bequem zusehen kann. Am auffallendsten ist dabei der geringe Raum, der
+dem Chinesen genügt, und die einfachen Werkzeuge, deren er sich bedient.
+Unglaubliche Sparsamkeit an Zeit, Raum und Stoff, wie sie sich nur unter
+einer so überdichten Bevölkerung, wie China sie besitzt, ausbilden
+konnte, tritt Einem auf immer neue Weise vor Augen. In einem schmalen
+Laden werden häufig zwei verschiedene Handwerke betrieben, auf der einen
+Seite arbeitet ein Schneider mit einem Dutzend Gesellen, auf der andern
+ein Schuster, jeder Einzelne nimmt kaum mehr Raum ein, als der Stuhl,
+auf dem er hockt. Einzelne Handwerke weichen in ihren Manipulationen von
+den unsrigen ab: die Zinngiesser giessen ihre Zinn- und Blei-Legirungen
+auf dickes Bambuspapier, worauf es sich gleichmässig flach ausbreitet,
+und benutzen die so erhaltenen dünnen Kuchen statt der gewalzten Tafeln,
+die man bei uns anwendet. Noch viel dünnere Tafeln erhalten sie nach
+Lockhart, indem der hockende Arbeiter mit geschickter Handbewegung je
+einen Löffel voll geschmolzenen Metalls zwischen zwei auf dem Boden
+liegende mit dergleichen Papier bezogene Steine schleudert, wobei er den
+obersten Stein auf einen Augenblick mit den Fersen lüftet und gleich
+wieder fallen lässt. Ein kleiner tragbarer Thonofen bringt zugleich die
+Legirung in Fluss und erhitzt die Löthkolben. Die Drehbank besteht aus
+einem rohen Gestell, in welchem horizontal eine um ihre Axe drehbare
+Walze liegt. Um diese ist eine Schnur geschlungen, deren Enden an zwei
+unten angebrachten Tretbrettern befestigt sind, durch welche die Walze,
+wie bei uns das Rad eines Scheerenschleifers, in Bewegung gesetzt wird.
+Ein Schwungrad ist nicht vorhanden. An dem, dem Arbeiter zugekehrten
+Ende der Walze, das mit Harz überzogen ist, wird der zu drehende
+Gegenstand, nachdem er vorher erwärmt worden, festgeklebt.
+
+Manche Handwerke, die von Hausirern auf offener Strasse getrieben
+werden, sind den Chinesen eigenthümlich. So werden zerbrochene Gläser
+auf folgende Weise geflickt: Nachdem die Scherben aneinandergefügt sind,
+bohrt man zu beiden Seiten des Sprunges paarweis feine Löcher, dann wird
+ein feiner weicher Draht von der konvexen Seite durch ein Löcherpaar
+gesteckt, an der anderen Seite fest angezogen und so abgeschnitten, dass
+nur zwei kurze Enden hervorragen. Diese werden mit einem Hämmerchen
+platt geschlagen, so dass dadurch zwei Nieten entstehen. Manche alte
+Lampenglocken sind wohl mit 20 solcher kleinen Anker zusammengeflickt.
+Man kann daraus auf den hohen Werth des Glases im Innern Chinas
+schliessen. In Singapore verschwindet dieser Industriezweig immer mehr,
+da hier das Glas fast so billig als in Europa ist.
+
+Die interessanteste Strassen-Industrie ist das Flicken eiserner Pfannen;
+diese Pfannen sind von sehr sprödem, dünnem Gusseisen und springen
+leicht. Der chinesische Pfannenschmied schlägt erst zu beiden Seiten des
+Sprunges einen dünnen Streifen Eisens ab, um die Oeffnung zu erweitern
+und frischen Bruch zu erhalten, dann zündet er einen kleinen tragbaren
+Kohlenofen aus feuerfestem Thon, 10 Zoll hoch, 6 Zoll Durchmesser, an,
+stellt einen Schmelztiegel hinein, der einige Stückchen Eisen enthält,
+und bläst an. Das Gebläse ist das Miniaturmodell eines Cylindergebläses;
+jedoch noch einfacher in seiner Einrichtung, indem der Windbehälter
+nicht zwei, sondern nur ein Ventil hat. Auch steht es nicht aufrecht,
+sondern wird bei dem Gebrauche auf den Boden gelegt. In einem fusslangem
+Bambusrohr von etwa 1-1/2 Zoll innerem Durchmesser bewegt sich als
+Kolben eine am Rande mit Baumwollenwatte umgebene, an einem Stäbchen
+befestigte Scheibe. In jeder Endfläche des Bambuscylinders ist eine sich
+nach innen öffnende Klappe zum Eintritt der Luft angebracht. Während
+durch die Bewegung des Kolbens die eine Klappe Luft einlässt, schliesst
+sich die andere und umgekehrt. Die zusammengepresste Luft strömt
+abwechselnd durch eins von zwei in der Wand des Bambus nahe den
+Endflächen befindlichen Löchern in den Windkasten, einen hölzernen Trog
+von vierseitigem Querschnitt, der mit seiner offenen Seite an dem
+Bambusrohre luftdicht befestigt ist. Aus diesem Behälter entweicht die
+Luft durch ein in der Mitte der dem Cylinder gegenüberliegenden Seite
+befindliches Loch. An diesem nun ist ein trichterförmiges Blechrohr
+befestigt, dessen Spitze in eine unter der Feuerung befindliche Oeffnung
+gesteckt wird. Damit aber der Luftstrom ununterbrochen sei, was zum
+Schmelzen des Eisens durchaus erforderlich ist, hängt in der Mitte des
+Windkastens an der Bambuswand der Austrittsöffnung gerade gegenüber eine
+zungenförmige, in den Trichter hineinragende Klappe, welche, durch den
+komprimirten Luftstrom abwechselnd nach rechts oder links gestossen,
+diesem den Ausgang öffnet und zugleich die Verbindung mit dem Raume
+schliesst, in welchem die Luft verdünnt ist. Ist das Eisen in Fluss, so
+schöpft der Arbeiter ein wenig davon auf einen mit Thon beschmierten,
+mit Kohlenpulver bestäubten Lappen und drückt damit das Metall von unten
+in die Spalte, indem er gleichzeitig mit der Basis eines walzenförmigen
+Stückes Holzkohle auf die oben herausquellende Masse drückt, welche sich
+fest anlegt, einen Theil der Spalte ausfüllt und oben und unten eine
+dünne Ausbreitung bildet. Bei grösseren Sprüngen wird dann dasselbe
+Verfahren so lange wiederholt und werden so viele eiserne Flicken
+aneinander gereiht, bis der ganze Riss ausgefüllt ist.
+
+Die chinesischen Einwanderer kommen fast ausschliesslich aus den beiden
+südlichen Küsten-Provinzen Quang-tong und Fuh-kien und bestehen
+grösstentheils aus dem elendesten Proletariat, auch sollen sich die
+dortigen Behörden der Auswanderer-Schiffe bedienen, um ihre Krüppel und
+Taugenichtse loszuwerden. Die Schiffe setzen sich während des NO.-Monsun
+in Bewegung und treffen in Singapore frühestens um Neujahr ein. Bei der
+Ankunft schuldet der Einwanderer fast immer die Ueberfahrt und
+vermiethet sich auf ein Jahr ohne Lohn gegen Beköstigung und eine kleine
+Geldunterstützung an einen schon ansässigen Chinesen. Dieser bezahlt
+dafür die Ueberfahrt, deren Betrag mit dem Bedürfniss nach
+Arbeitskräften steigt oder fällt. Ein solcher Einwanderer heisst Sinkay,
+der freie Arbeiter dagegen Kuli. Nicht alle, die hier ankommen, bleiben
+in Singapore, mehrere tausend landen hier jährlich auf ihrer Durchreise
+nach anderen Ländern des Archipels. Die meisten kommen mit der Absicht,
+nachdem sie ein kleines Kapital erübrigt, in ihre Heimath
+zurückzukehren. Es scheint aber, dass dies nur der Minderzahl gelingt.
+Sehr Viele ergeben sich dem Opiumgenuss und Spiel und gehen daran zu
+Grunde. Einige bleiben auch im Archipel und verheirathen sich mit
+eingebornen Frauen. Es giebt Familien hier, die schon seit Generationen
+in europäischen Kolonien leben, grosses Ansehen und bedeutende
+Reichthümer besitzen und im Verkehr mit den Europäern viele gute
+Eigenschaften von diesen angenommen haben. Die Zahl der jährlich hier
+ankommenden Chinesen beträgt jetzt schon weit über 10,000. Es ist aber
+wahrscheinlich, dass die Auswanderung aus dem übervölkerten China sehr
+zunehmen wird, da immer mehr die künstlichen Schranken fallen, welche
+ihr einerseits von den chinesischen Behörden, andererseits von den
+europäischen Kolonial-Regierungen entgegengestellt sind. Auch war von
+China aus das Auswandern der Frauen streng verboten, wodurch die
+Mehrzahl der Männer bewogen wurde, wieder in ihre Heimath
+zurückzukehren. In neuester Zeit gehen aber viele Frauen sowohl nach
+Kalifornien als nach dem Archipel, und wenn sie auch nicht zu den
+respektabelsten gehören, so ist es doch immerhin ein Anfang. Die inneren
+Unruhen in ihrem Vaterlande veranlassen seit Kurzem auch viele im
+Archipel als Handwerker oder Kaufleute etablirte Chinesen, ihre Familien
+nachkommen zu lassen. Noch zahlreicher sind die Einwanderungen
+unabhängiger Frauen, die hier ein grosses Feld für ihre Thätigkeit
+finden. Viele von ihnen werden auf Kosten der geheimen Gesellschaften
+hergebracht, die den Einfluss derselben auf die Männer für ihre Zwecke
+ausbeuten (im November 1863 kamen 72 in einem Schiffe an).
+
+In den holländischen und spanischen Kolonien legt man den Chinesen
+allerlei Hindernisse in den Weg, indem man ihre Anwesenheit nur an
+einzelnen Lokalitäten gestattet, ihre Thätigkeit auf gewisse Gewerbe
+beschränkt, sie hohen Steuern und einer lästigen Polizeiaufsicht
+unterwirft: alles in der ausgesprochenen Absicht, die Eingebornen gegen
+die Habsucht, Schlauheit, Gewissenlosigkeit der Chinesen zu schützen.
+Trotz aller gesetzlichen Beschränkungen hat aber die Einwanderung der
+Chinesen stetig zugenommen; in den Philippinen soll sie eine
+beträchtliche Einnahmequelle derjenigen Beamten sein, von deren Ermessen
+die Erlaubniss zum Verbleib im Lande abhängig ist. Jetzt scheinen beide
+Regierungen zu einer freisinnigeren Politik übergehen zu wollen und es
+ist daher zu erwarten, dass sich bald ein stets wachsender Strom von
+Arbeitskräften aus China über die Inseln ergiessen und die grossen
+Hülfsquellen erschliessen wird, die jetzt in den spanischen Kolonien
+fast ganz schlummern und in den holländischen nur sehr unvollkommen
+ausgebeutet werden. Für das chinesische Proletariat wird der Archipel
+daher wohl bald eine noch grössere Bedeutung erhalten, als Amerika für
+das europäische. Die Länder der einheimischen Fürsten kommen immer mehr
+und mehr unter den Einfluss der europäischen Regierungen, wodurch die
+Sicherheit für Person und Eigenthum zunimmt, deren Mangel bisher auch
+ein grosses Hinderniss für die Ausbreitung der Chinesen war. Bis jetzt
+werden noch viele im Gebiet malayischer Fürsten liegende Zinngruben von
+Malacca aus betrieben.
+
+In den englischen Niederlassungen der Meerenge ist die Einwanderung
+der Chinesen immer begünstigt worden. Sie geniessen dort Ansehen und
+Freiheit und Sicherheit gegen Erpressungen, wie wohl in keinem anderen
+Lande der Welt. Dass aus dieser unbeschränkten Freiheit der Kolonie
+ernste Gefahren erwachsen könnten, ist kaum zu befürchten, da in einem
+solchen Falle sich Alles gegen die Chinesen verbinden würde.
+Bedeutende Störungen haben sie freilich schon oft veranlasst; sie
+bilden einen Staat im Staate; fast Alle gehören geheimen
+Gesellschaften an, gegen deren Thätigkeit die Regierung nichts vermag.
+In Bezug auf diese Gesellschaften sagt der Guvernör in seinem
+amtlichen Berichte 1858-59: „Ein anderes grosses Hinderniss bei
+Entdeckung schwerer Verbrechen sind die chinesischen Hoeys, oder
+geheimen Gesellschaften.... Es ist kein Zweifel, dass diese
+Gesellschaften sich dazu hergeben, den Gang der Gerechtigkeit zu
+hemmen. Man nimmt allgemein an, dass sie den Ehrgeiz haben, alle
+Kriminalfälle unter ihren Landsleuten vor ihr eigenes Tribunal zu
+ziehen. In Civilsachen wird ihre Schlichtung von Streitigkeiten eher
+günstig als anders aufgenommen, und nach ihrer Auffassung sind ihre
+Ansprüche, Kriminalfälle zu entscheiden, ebenso wohl begründet. Dass
+dergleichen Tribunale bestehen, unterliegt keinem Zweifel, und es ist
+zu befürchten; dass, um dieselben aufrecht zu erhalten und zu
+verhindern, dass man sich an unsere Gerichtshöfe wende, sowie auch, um
+die Wirksamkeit der letzteren zu lähmen, die Chinesen kein Bedenken
+tragen, zu den gewaltsamsten Maassregeln zu greifen. Mord und
+Menschenraub sollen häufig vorkommen, um lästige Zeugen zu beseitigen,
+vielleicht aber ist einige Uebertreibung in der angeblichen Häufigkeit
+dieser Verbrechen.” Schliesslich zweifelt der Guvernör an der
+Möglichkeit, diese Gesellschaften auf dem Wege des Gesetzes
+auszurotten und glaubt, dass alle Verordnungen dagegen nur den Zweck
+haben würden, die Gesellschaften noch vorsichtiger zu machen und ihren
+Widerstand zu verstärken.
+
+Ich führe aus den Artikeln der einen geheimen Gesellschaft zur Probe
+zwei Paragraphen an (das Original-Dokument wurde von der Polizei in
+Beschlag genommen und befindet sich gegenwärtig in der Berliner
+Bibliothek): „§ 4. Vom Augenblick des Eintritts in die Brüderschaft
+Hung müssen alle Brüder bei jeder Gelegenheit, wo die Brüderschaft
+sich gegen die Regierung erhebt, und die Soldaten ihr Widerstand
+entgegensetzen, nach ihren äussersten Kräften Hülfe leisten; sie
+müssen sich bemühen, alle Gefangenen, die gemacht wurden, zu befreien,
+und dürfen nichts thun, was ihrer Flucht hinderlich sein könnte. Mögen
+Alle, die anders handeln, binnen eines Monats sterben, vom Blitz
+getroffen, und ihre Gliedmaassen zerstreut werden.
+
+§ 5. Vom Augenblick des Eintritts in die Brüderschaft Hung darf Keiner
+gegen Bestechung Emissäre der Regierung führen, um andere Brüder
+gefangen zu nehmen. Sollten Habsüchtige oder lasterhaft Gesinnte also
+handeln, so mögen sie umkommen innerhalb eines Monats unter 10,000
+Schwertern. Werden sie aber entdeckt, so sollen sie sicherlich von den
+Brüdern erschlagen werden.”
+
+Ausser diesen Hoeys, die von China übergesiedelt und zum Theil sehr alt
+sind, werden auch fortwährend geheime Gesellschaften zu besonderen
+Zwecken, namentlich zur Erhöhung der Löhne, gebildet. Ist einmal ein
+Europäer von einer solchen Gesellschaft in die Acht erklärt, so kann er
+keinen chinesischen Bedienten bekommen, kein Handwerker arbeitet mehr
+für ihn. Zwischen den verschiedenen Gesellschaften bestehen alte Fehden,
+die schon häufig zu blutigen Strassenkämpfen Veranlassung gaben,
+namentlich im Jahre 1854; aber auch in der allerneuesten Zeit scheinen
+dergleichen wieder in grösserem Massstabe stattgefunden zu haben, wie
+aus einem interessanten Artikel der Overland Straits Times vom 21.
+November 1863 hervorgeht: „Die unaufhörlichen Unruhen und Fehden der
+Chinesen, die oft in Strassenkämpfe ausarten, haben ihren Ursprung in
+dem gegenseitigen Hass der verschiedenen geheimen Gesellschaften, mehr
+noch in dem Hass der verschiedenen Faktionen oder Clans, in welche die
+Chinesen gespalten sind. Es scheint, dass die Chinesen weniger
+Individualität besitzen, als irgend ein anderes Volk; sich, wie schwache
+Thiere, erst in Heerden wohl fühlen, und von jeher das Bedürfniss
+fühlten, sich auf diese Weise zu schaaren. In China aber bewegt sich
+jede Heerde auf ihrem eigenen Gebiet, während hier Mitglieder der
+verschiedensten Verbindungen nur ein gemeinschaftliches Gebiet haben und
+daher häufig in Kollision kommen. In den holländischen Kolonien ist in
+jedem District, wo über 100 Chinesen wohnen, einer der Angesehensten
+von Amtswegen als Hauptmann angestellt, der mit anderen unter ihm
+Stehenden, auch amtlich ernannten Gehülfen die chinesische Bevölkerung
+in Ordnung zu halten hat und bis zu einem gewissen Grade für sie
+verantwortlich ist.”
+
+In neuester Zeit hat man sich in Singapore damit geholfen, die
+vornehmsten Chinesen nach englischer Sitte zu Spezial-Konstablern zu
+machen, eine Massregel, die den besten Erfolg gehabt hat. Man
+beabsichtigt, künftig bei Unruhen die angesehensten Chinesen, welche
+gewöhnlich die höchsten Aemter in den Gesellschaften bekleiden, nicht
+eher als Konstabler zu entlassen, bis die Unruhen völlig gedämpft sind.
+
+Bisher blieben diese Kämpfe lediglich auf die Chinesen selbst
+beschränkt, natürlich nicht ohne grosse Störungen der öffentlichen
+Ruhe. Erwägt man übrigens, dass die hiesige chinesische Bevölkerung
+nur aus den untersten Klassen und zum Theil aus dem Auswurf der
+südlichen Küstenprovinzen Chinas hervorgegangen ist, dass ihnen die
+Frauen, und also die Mittel zur Begründung einer Familie, gänzlich
+fehlen, dass auch nicht die Spur einer Polizeikontrolle besteht, so
+kann man sich nur wundern, dass so selten ernstliche Unruhen
+vorkommen. Der Grund liegt gewiss in der Leichtigkeit des Erwerbes und
+in dem „Selfgovernment”, das sich unter so freien Institutionen, an
+deren Erhaltung Alle ein gleiches Interesse haben, nothwendig
+entwickeln muss.
+
+Einige Chinesen haben sich grosse Reichthümer erworben und gehören zu
+den geachtetsten Bürgern der Stadt; manche haben bedeutende Summen zu
+öffentlichen Zwecken geschenkt. Einer der hervorragendsten unter ihnen
+ist Tan-kim-tsching. Sein Haus in der Stadt ist ein so schönes Beispiel
+chinesischer Bauart, dass eine kurze Beschreibung von Interesse sein
+dürfte. Durch eine kunstvolle Thür in durchbrochener Arbeit tritt man in
+die Vorhalle. An der rechten, wie an der linken Wand derselben steht
+eine ununterbrochene Reihe geschnitzter Stühle und Tische, je zwei
+Stühle und ein kleiner Tisch aus demselben Holz. Die Tische sind höher
+und schmäler als die Stühle, haben aber dieselbe Tiefe, so dass die
+ganze Reihe wie aus einem Guss erscheint. Durch diese Anordnung hat
+jeder Gast zur Rechten oder Linken die Hälfte eines Tischchens zur
+Verfügung, um den Arm aufzulegen oder seine Theetasse abzusetzen. Die
+Einrichtung ist so hübsch und zweckmässig, dass sie Nachahmung verdient.
+Da hier zu Lande ein harter, kühler Sitz angenehmer ist als ein warmes
+Polster, so sind die Böden der Stühle gewöhnlich aus Holz oder
+spanischem Rohr gefertigt. In diesem Hause aber bestehen sie aus
+eigenthümlichen Steinplatten, einer Art Kalkstein, vom Ansehen des
+Florentiner Ruinenmarmors,[17] dem aber die Kunst nachgeholfen, indem
+sie durch gewisse Beizen an passenden Stellen Infiltrationen erzeugt
+hat. Bei einigen Platten ist die von der Natur gelieferte Zeichnung sehr
+geschickt benutzt und durch Hinzufügung einiger Striche und Drucke ein
+ganz nettes Bildchen zu Stande gebracht worden, während man bei andern
+Platten im Nachhelfen zu weit gegangen, so dass sich sogleich die Hand
+des Menschen verräth. Diese Platten sollen aus Yünan und Szechuen
+kommen, die Kunst, sie zu fertigen, ist aber jetzt verloren gegangen; so
+erfuhr ich wenigstens später in Kanton auf vielfache Nachfrage.
+Vielleicht steht ihre Wiedergeburt in Europa durch Anwendung der
+Kuhlmannschen Entdeckungen bevor. Die Hinterwand der Vorhalle besteht
+aus reich geschnitzter, durchbrochener Holzarbeit mit Perlmutter
+eingelegt; sie wird durch zwei bis zur Decke reichende Pforten in drei
+Theile getheilt. Dahinter befindet sich ein Zimmer in demselben Stil,
+aber reicher dekorirt und möblirt: statt der Hinterwand ist nur eine
+Reihe zierlicher Säulen, durch welche man in den mit Fliesen belegten
+Hof tritt. Zu beiden Seiten desselben bildet ein vorspringendes Dach
+einen gegen den Regen geschützten Gang. Am gegenüberliegenden Ende des
+Hofes befindet sich die Wohnung der Frauen, Fremden nicht zugänglich. In
+den vier Ecken des Hofes sind Regengossen aus gebranntem Thon
+angebracht, grosse Bambusen in Form und Farbe täuschend darstellend. An
+ihrem unteren Ende lehnen sich schön modellirte Nelumbium-Blätter und
+Blüthen aus demselben Material gegen die Wände, und wurzeln scheinbar in
+den grossen Kübeln, die das Regenwasser aufnehmen. Aus gebranntem Thon
+bilden die Chinesen auch sehr schöne Reliefs, die sie mit den reichsten
+Farben verzieren. Die Figuren sind zwar für unsern Geschmack zu barok,
+aber ihre Nachbildungen von Pflanzen, Vögeln u. s. w. sind meisterhaft,
+naturgetreu und mit vollendeter Technik ausgeführt. Sie werden zur
+Verzierung der Wände, Thüren, Dächer und Giebel verwendet; auch der Hof,
+dessen Wände einfach grau gestrichen und mit einer rothen Borte
+eingefasst waren, enthielt eine Anzahl solcher Reliefs; ein ganzer Fries
+davon lief unter dem Dach entlang.
+
+Für Dekorationen und Kostüme zeigen die Chinesen viel Geschmack, ihre
+Theatergewänder sind prachtvoll. Eine der schönsten Prozessionen, die
+mir je vorgekommen, sah ich in Singapore bei Gelegenheit einer
+Feierlichkeit, in welcher gewisse Götzenbilder aus einem Tempel in der
+Stadt wieder nach einem Tempel vor der Stadt, ihrem gewöhnlichen
+Aufenthalte, zurückgebracht wurden. Den Glanzpunkt bildeten die Kinder
+reicher Eltern in Gewändern alter mythischer Helden, zum Theil zu
+Pferde, von vielen Dienern begleitet. Noch reicher und origineller waren
+einzelne Gruppen auf niedrigen Rollwagen, welche letztere aber durch die
+Dekoration so geschickt verhüllt waren, dass man einen grossen,
+künstlichen Felsen vor sich zu haben glaubte. Auf dem Felsen wuchsen
+prachtvolle, phantastische Blumen, und in dem Kelche oder auf dem
+äussersten Zweige sass, wie eine Elfe, ein ganz kleines, reich und
+sonderbar gekleidetes Mädchen, mit einem Fächer oder einer Blume in der
+Hand. Andere Felsen trugen Sträucher oder Rohr, über welchen ein Reiher
+oder grosser Raubvogel schwebte, und auf dem Vogel ritt oder stand ein
+ganz junger Knabe. Auf alten chinesischen Vasen sieht man wohl
+dergleichen Figuren, die uns wegen ihrer Abenteuerlichkeit für eine
+Verirrung der Phantasie des Malers gelten. Hier sah man alle diese
+Bilder leibhaftig vor sich. Dass Drachen und Ungeheuer aller Art nicht
+fehlten, versteht sich von selbst. Jede dieser Hauptgruppen war von
+einem langen Zug von Kulis begleitet, die von den Reichen zu diesem
+Zweck gemiethet und in schöne Livreen gesteckt werden. In den Händen
+trugen sie Fahnen, Laternen, Sonnenschirme, meist von schwerer Seide,
+mit reicher Stickerei, und an den Füssen Schuhe und Strümpfe, was einen
+besonders feierlichen Eindruck machte, da sie sonst immer barfuss, oder
+wenigstens ohne Strümpfe, gehen. Abends ging ich mit einem Freunde durch
+das Chinesen-Viertel, das aber nicht illuminirt war, wie wir erwartet
+hatten. In einem grossen Speicher, gedrängt voll von Zuschauern, wurde
+ein Schattenspiel aufgeführt. Der Puppenspieler sang mit näselnder
+Fistelstimme hinter dem aufgespannten Laken, auf welchem sich der
+Schatten einer Chinesin lebhaft bewegte. Das Publikum bildete den Chor.
+Die Bühne stellte ein Zimmer mit einem grossen Bett dar. Ein Anwesender
+erklärte uns das Stück: Der alte Ehemann der Dame ist verreist, ihr
+junger Freund, den sie von ganzem Herzen liebt, ist ins Haus
+gedrungen.... Wir warteten das Ende des Stücks nicht ab, obgleich unser
+Dolmetscher uns versicherte, das Beste käme noch.
+
+Ein anderes Mal sah ich eine chinesische Leichenfeier. Vor dem Hause des
+Verstorbenen stand ein gedeckter Tisch, auf welchem verzierte Gerichte
+aufgestellt waren, daneben erklang rauschende Musik. Nachdem der Sarg
+auf Böcke gestellt worden, führte man die Kinder des Verstorbenen
+heraus, einen Knaben und zwei Mädchen. Sie waren in Sackleinen
+gekleidet, ganz verhüllt; der Zopf war aufgelöst, zwischen dem losen
+Haar hingen Baststreifen herunter. Nachdem die Mädchen eine Zeit lang am
+Sarge geweint, gingen sie in das Haus zurück. Der Knabe legte sich mit
+untergezogenen Beinen flach auf den Boden, wie ein Schwimmender, und
+blieb so, mit dem Gesicht die Erde berührend, während der ganzen Dauer
+der Feierlichkeit liegen. Ein Mann trat nun an den Tisch und opferte,
+unter verstärkten Gongschlägen, dem Geist des Todten, indem er dabei
+abwechselnd kniete und sich mit weit ausgestreckten Armen erhob. Der
+Sarg war inzwischen mit einem bunten, seidenen Tuch bedeckt und mit
+Blumen bestreut worden. Zum Schluss wurde den Göttern zu Ehren eine
+grosse Menge Goldpapier verbrannt. Aber die verschmitzten Chinesen
+machen sich kein Gewissen daraus, selbst ihre Götter zu betrügen; nur
+das erste Päckchen, dessen Blätter mit Ostentation einzeln ins Feuer
+geworfen wurden, bestand durchweg aus Goldpapier; bei den übrigen
+Päckchen, die ungeöffnet verbrannt wurden, war nur das oberste Blättchen
+vergoldet, das Uebrige gemeines Packpapier. Der Sarg wurde dann von
+Kulis auf die Schultern genommen und nach dem Kirchhof getragen. Die
+Musik schritt voran, neben dem Sarge gingen die Hausgenossen, es folgte
+ein grosser Haufe gemeinen Volks. Die Chinesen halten sehr viel auf ihre
+Gräber und legen dieselben oft schon bei Lebzeiten an, zuweilen mit
+grossen Kosten. Der katholische Provikar erzählte mir, dass ein Chinese,
+der zur Zeit, wo das Hasardspiel noch erlaubt war, als Spielpächter viel
+Geld erworben, sich bei Lebzeiten einen kostbaren Sarg verfertigen und
+ganz mit Dollars ausfüttern liess. Als vorsichtiger Mann hinterliess er
+eine Stiftung zur Besoldung von vier Grabwächtern, aber bald nach seiner
+Beerdigung kam eine Schaar Kulis, vertrieb die Wächter, warf den
+Leichnam aus dem Sarge und theilte sich in die Beute. Die
+Todtenverehrung ist für Viele die einzige religiöse Uebung; sie hängt
+unmittelbar mit der grossen Ehrfurcht zusammen, welche die Kinder ihren
+Eltern erweisen.
+
+Das Familienleben, soweit man es zu sehen bekommt, d. h. das Verhältniss
+zwischen Vater und Kindern, bildet einen der angenehmsten Züge im
+Charakter dieses so selbstsüchtigen Volkes.
+
+ * * * * *
+
+Die Malayen, obwohl sie hier zu Hause sind, nehmen nur eine
+untergeordnete Stellung ein. Unter den Armeniern, Persern, Arabern,
+Juden und Vorderindiern sind viele grosse Kaufleute von beträchtlichem
+Reichthum; die Malayen bleiben arm, sie haben weder Geschick zu
+Gewerben noch zum Handel, und stehen hier an Fleiss, Ausdauer und
+Umsicht den übrigen Asiaten nach. Ihnen haften mehr die ritterlichen
+Tugenden und Untugenden an. Im Verhältniss zu den Andern sind sie stolz,
+zurückhaltend, verschlossen, gleichgültig, ernst, fast traurig, bei
+guter Behandlung aber anhänglicher, zuverlässiger, gegen Beleidigungen
+empfindlicher. Im Verkehr unter einander sind sie sehr rücksichtsvoll,
+sie gebrauchen keine Schimpfwörter; „orang tjelaki, Unglücklicher!”
+vertritt deren Stelle. Sie lügen auch weniger als die Anderen. Während
+die Handlungen des Chinesen nur durch Eigennutz, niemals durch Ehrgefühl
+bestimmt zu werden scheinen, ist bei dem Malayen mit Geld oft nichts
+auszurichten. Liegt er nach genossener Mahlzeit auf seiner Matte
+hingestreckt, so ist es schwer, ihn durch Geldanerbietungen zum
+Aufstehen zu bewegen.
+
+Die Farbe der Malayen ist gelbbraun, bei den Vornehmen heller, bei
+denen, die viel im Freien sind, dunkler. Ihr Kopfhaar ist schwarz,
+schlicht, drähtig; sonst sind sie fast unbehaart. Sie sind klein,
+wohlgebaut, haben zierliche Hände; ihr Gesicht ist breit, flach; die
+kleine Nase hat breite Flügel, der Mund ist gross, die Lippen sind nicht
+aufgeworfen, ragen aber fast so weit vor, als die Nase.
+
+Die Malayen sind überwiegend eine seefahrende Nation; ein Theil
+derselben, die Orang-laut, Seemenschen, auch Seezigeuner genannt, leben
+auf Kähnen vom Einsammeln von Agar-agar, Trepang (essbare Holothurien),
+Muscheln und Schildkröten, vom Fischfang, Tauschhandel und Raub; auch
+die Angesessenen schlagen ihre Wohnsitze am liebsten an oder in
+Flussmündungen auf. Zwei Vorstädte Singapores, Kampong-Malacca und
+Rochor, jene von Malayen, diese von Bugis bewohnt, können als Beispiele
+dienen. Die Häuser stehen auf Pfählen im Wasser oder am sumpfigen Ufer,
+der Fussboden besteht aus Latten von Bambus oder Nibong (Caryota urens)
+mit Zwischenräumen, durch welche aller Unrath entfernt wird. Die Wände
+sind aus gespaltenen Bambusen, Matten oder Palmenblättern, die Dächer
+aus Atap. Vor den Häusern läuft ein Steg hin, schwankend, elastisch,
+voll Lücken. Bei Ebbe steht das ganze Dorf im Schlamm, die Kinder waten
+darin herum, suchen Muscheln, Krabben und Würmer als Köder für die
+Angeln und holen aus den Reusen die Fische, die bei der zurücktretenden
+Fluth hineingeriethen. Während der Fluth steht Alles unter Wasser, dann
+fahren kleine Kähne hin und her, einige kaum gross genug, um einen
+kleinen Jungen zu tragen, der ganz nackt in der Spitze hockt und sich
+mit den Händen fortplätschert, so dass er fast wie eine Seejungfer
+aussieht. Alt und Jung angelt dann unter dem Sonnendach, vor der
+Hausthür liegend.
+
+[Illustration: ROCHOR SINGAPORE]
+
+Die in Singapore ansässigen Malayen sind grösstentheils Bootsleute,
+Fischer, Sammler von Muscheln, Korallen, Agar-agar und Waldprodukten.
+Sie decken die Häuser mit Atap, flechten Körbe und Matten und verrichten
+viele untergeordnete Geschäfte, auch als Gärtner werden sie von
+Europäern den hiesigen Klings und Chinesen vorgezogen. Als Diener sind
+sie fauler und weniger anstellig, aber treuer und bescheidener als jene.
+
+Das wesentliche Kleidungsstück für beide Geschlechter ist der Sarong,
+ein baumwollenes Tuch von der Grösse eines Plaid, aber etwas breiter,
+dessen beide kürzere Ränder übereinandergelegt und zusammengenäht
+werden, so dass eine Art Unterrock entsteht, der vorn in Falten
+zusammengenommen und mittelst eines Knotens, seltener durch einen
+Gürtel, um die Hüften befestigt wird. Die Männer tragen oft unter dem
+Sarong, der dann höher aufgeschürzt ist, eine bis zur Wade reichende
+Hose, fast immer ein Kopftuch und zuweilen eine Jacke. Die Frauen ziehen
+über den bis an die Knöchel reichenden Sarong einen Kattunrock, der,
+vorn offen, nur durch ein Paar Knöpfe zusammengehalten wird und bis ans
+Knie reicht. Im Hause und auf dem Felde tragen beide Geschlechter nur
+den Sarong; Nachts hüllen sie sich darin ein zum Schlafen; sie baden
+sogar darin; nach dem Bade wird er gegen einen reinen vertauscht und
+gewaschen; so legt selbst derjenige, der nur zwei Sarongs besitzt,
+täglich frische Wäsche an.
+
+In Singapore ist das Tragen von Waffen verboten, sonst aber sieht man
+nie einen Malayen ohne Kris oder Waldmesser; die Waffe gehört zum Anzuge
+und ist bei der Unsicherheit der Person in den Malayenländern wohl kaum
+zu entbehren. Die Frauen gehen meist im blossen Kopf, sie haben üppiges,
+schwarzes Haar, schön von Ansehen, aber hässlich anzufühlen, da es
+drähtig ist und dick wie Pferdehaar. Die kleinen Kinder gehen meist ganz
+nackt, doch tragen kleine Mädchen zuweilen ein silbernes Feigenblatt,
+wie unsere Statuen. Zum Putz gehören bei den Frauen gestickte
+Pantoffeln, goldene Haarnadeln, Ringe; zu dem der Männer Sandalen. Auf
+längeren Wegen legen auch die Lastträger Sandalen von Büffelleder an,
+sonst geht gewöhnlich Alles barfuss.
+
+Einen der widerwärtigsten Eindrücke habe ich von einem Besuch bei dem
+Sultan von Johore behalten. Er ist der Sohn des Tuanko-Long, der
+Singapore an die Engländer abgetreten. Sein Palast, von seinem Vater
+aufgeführt, ist ein grosses, steinernes Haus, von aussen ganz
+stattlich, aber unbewohnt und in raschem Verfall begriffen. Der von
+einer steinernen Mauer umgebene Hof ist wüst und schmutzig; auf einer
+Seite desselben befand sich ein langes, niedriges, hölzernes Gebäude mit
+weit vorspringendem Dach aus Palmenblättern, das dem Sultan und seinem
+Hofstaat zur Wohnung dient. Nachdem ich ein Empfehlungsschreiben des
+Guvernörs vorgezeigt, wurde ich vor einen verschlossenen Fensterladen
+geführt, vor dem eine hölzerne Bank stand, auf der ich Platz nahm. Es
+dauerte einige Zeit, bis der Laden geöffnet wurde; nun erblickte ich den
+Sultan, einen noch jungen, sehr fetten Mann. Auf dem Kopf trug er eine
+schmutzige Mütze, um den Unterleib ein Tuch, sonst war er völlig nackt.
+Er schien eben aus dem Schlaf zu erwachen und lag auf einer Matte. Auf
+drei Seiten seines Stalles hingen schmutzige Kattun-Gardinen, um ihn
+kauerten einige gräuliche, alte Weiber. Er brauchte fast eine
+Viertelstunde, um die wenigen Zeilen des Briefes zu lesen. Dann stierte
+er mich mit idiotischem Lächeln an, gähnte und rollte sich auf ein
+Kissen. Essen, Schlafen und Opiumrauchen sollen seine einzigen
+Beschäftigungen sein. Der ganze Auftritt erinnerte an die
+Schaustellungen von fetten Schweinen oder Riesinnen auf Jahrmärkten. In
+Folge der gänzlichen Unfähigkeit des Sultans übertrugen die Engländer
+willkürlich die Souveränität von Johor auf den Tumongong, einen sehr
+fähigen Malayen, der durch den Rath von Europäern geleitet, eine
+geordnete Verwaltung dort eingeführt hat und bedeutende Einkünfte
+bezieht.
+
+Die allgemeine Verkehrssprache hier sowohl, als in allen Küstenstädten
+des Archipels, ist die malayische, die sich zu dem Zweck sehr eignet
+durch leichte Aussprache, einfache Satzbildung, grosse Wortarmuth und
+Unveränderlichkeit der Wörter. Die Sprache ist wohlklingender als alle
+europäischen Sprachen, italienisch nicht ausgenommen, die Satzbildung
+erinnert an die Sprache der Kinder; es giebt weder Deklinationen, noch
+Konjugationen, die Wörter erfahren gar keine Beugung durch Veränderung
+ihres Stammes oder durch Affixe. Während in unsern Sprachen die
+Partikeln meist zu einsilbigen Wörtern oder zu blossen Buchstaben
+eingeschrumpft sind, an denen die ursprüngliche Bedeutung längst nicht
+mehr erkennbar ist, werden im Malayischen fast immer noch die Stämme
+unverkürzt als Formwörter gebraucht. Max Müller (Science of lang. 279)
+vergleicht den Unterschied zwischen den arischen Sprachen, welchen fast
+alle in Europa gesprochenen angehören, und den turanischen, zu denen das
+Malayische gezählt werden muss, mit dem zwischen einer guten und einer
+schlechten Mosaik. Die arischen Wörter scheinen aus einem Guss, die
+turanischen zeigen deutlich die Stellen, wo sie zusammengesetzt sind. Er
+hebt hervor, weshalb die turanischen Sprachen auf dieser Stufe der
+Entwickelung stehen geblieben: sie werden nämlich fast nur von Nomaden
+gesprochen, die keine Literatur besitzen, wenig Verkehr mit einander
+treiben, und so war es durchaus nothwendig, dass die Stammwörter ihr
+deutliches Gepräge behielten und nicht durch phonetische Korruption
+unkenntlich wurden.
+
+Oft kommt im Malayischen dasselbe Wort unverändert als Hauptwort,
+Zeitwort oder Formwort vor, aber auch da, wo die Sprache für das
+Wurzelwort eine Vor- oder Nachsilbe verlangt, entzieht sich das hiesige
+Publikum dieser geringen Mühe und braucht den Stamm meist unverändert in
+den verschiedenen Redetheilen, wie es im Chinesischen geschieht. Diese
+Neuerung muss wohl der überwiegend chinesischen Bevölkerung
+zugeschrieben werden. Unter solchen Umständen sind geschlossene
+Konstruktionen und schwierige Perioden gar nicht möglich. Man zerlegt,
+was man zu sagen hat, in ganz kurze Sätze und darf sich häufige
+Wiederholungen nicht verdriessen lassen. Während in unseren Sprachen
+nicht nur für jeden spezifischen Begriff, sondern auch für die
+Schattirungen desselben besondere Wörter vorhanden sind, hat die
+malayische Sprache oft für eine ganze Gattung von Begriffen nur ein
+Wort. So gering der malayische Wortschatz an und für sich aber auch ist,
+so kursirt doch nur ein Bruchtheil desselben als Verkehrsmünze in
+Singapore. Und wie wenig besitzen die Meisten selbst von dieser! Es ist
+wunderbar, wie geringe sprachliche Mittel den Bedürfnissen eines so
+grossartigen Handels genügen. Einige Beispiele für das Gesagte dürften
+nicht ohne Interesse sein.
+
+_Suda_: schon oder, _abis_: fertig, vollendet, drückt das Präteritum,
+_nanti_: warten, oder _mau_: wollen, das Futurum aus, _di_ bezeichnet
+das Passivum, z.B. _makan_: essen, _di makan_: gefressen werden; _tuwan
+suda makan_: der Herr hat gegessen, _tuwan nanti makan_: der Herr wird
+essen; _suda_: geschehen! antwortet der Bediente, wenn man ihm etwas
+befiehlt; _suda!_ schreit auch der kleine Junge, wenn er Schläge
+bekommt, und wünscht, dass die Gegenwart zur Vergangenheit werde; _makan
+nassi_: Reis essen, überhaupt zu Mittag essen; _api makan ruma_: das
+Feuer verzehrt das Haus; _angin makan layer_: der Wind bläht die Segel;
+_piso makan kayu_: das Messer schneidet Holz; _saratu makan lima_: 100
+frisst 5, d. h. 5% Zinsen; so frisst das Löschpapier Dinte, der Bediente
+Lohn, der Kummer das Herz, und schliesslich _orang-puti makan angin_:
+weisse Männer fressen Wind, d. h. gehen spazieren (den Malayen war
+dieser Gebrauch so neu, dass sie erst einen Ausdruck dafür erfinden
+mussten).
+
+Unter den aus zwei Wörtern zusammengesetzten Begriffen kommen einige
+hübsche Verbindungen vor: _mata_: Auge, _ayer_: Wasser, _mata-ayer_:
+Brunnen, _ayer-mata_: Thräne, _mata-hari_: Sonne (das Auge des Tages),
+_hidop_: leben, _mata-hari-hidop_: Osten, Sonnenaufgang; _mati_: todt,
+_mata-hari-mati_: Westen, Sonnenuntergang, auch _mata-hari-djato_: das
+Auge des Tages gefallen, versunken; _djalan_: gehen, Weg, Reise;
+_mata-djalan_: Vortrab, Späher; _mata-kaki_: der Fussknöchel;
+_mata-mata_ (Augen, Augen): der Spion, der Aufseher, der Polizist;
+_besi_: Eisen, _brani_: tapfer, unternehmend, _besi-brani_: der Magnet;
+_anak_: Kind, _anak-kontji_: Schlosseskind, Schlüssel; _anak-ayer_:
+Bach, _anak-dayong_ (Ruder-Kind): der Ruderer; _anak-prau_: Schiffer;
+_anak-duit_ (duit kommt vom holländischen deut und heisst Geld): Kind des
+Geldes, Rente; _anak-songej_ (Fluss-Kind): Flussarm und viele Andere.
+So sagt man Kuhkind für Kalb, Mannkind für Knabe, Fraukind für Mädchen,
+Schweinekind für Ferkel, und im Kirchenstyl _anak-kambing-wolanda_:
+Kind einer holländischen Ziege für Lamm Gottes; _bunga_: Blüthe,
+_duit_: Geld, _tana_: Erde, und daraus _bunga-duit_: Zinsen,
+_bunga-tana_: Landrente; _obad_: Medizin, _bedil_: Flinte,
+_obad-bedil_: Schiesspulver; _isi_: Inhalt, _isi-negri_: die
+Bevölkerung einer Stadt, _isi-prut_ (Bauch): die Eingeweide;
+_bedil trada_ (nicht) _isi_: die Flinte ist nicht geladen.
+
+
+
+
+Fünftes Kapitel.
+
+ Fischen mit Toba. -- Tiger. -- Termiten. -- Pfeffer. -- Gambir. --
+ Sago.
+
+
+Da von der Stadt aus nach mehreren Richtungen Fahrwege ausgehen, Wagen
+in Fülle vorhanden, und schnelle Sampans für Spazierfahrten immer bereit
+stehen, kann man zu jeder Zeit angenehme Excursionen machen. Sehr
+interessant und für den Sammler ergiebig ist eine Fahrt nach Pulo brani,
+einer kleinen bei New harbour, N-O. von Blakang-mati belegenen Insel, wo
+ein bei niedriger Ebbe fast trockenes Korallenriff eine reiche Ernte von
+Korallen, Seeigeln, Ophiuren, Muscheln und Krebsen liefert. Unter jedem
+Block, den man aufhebt, ist Leben. In jedem Tümpel haben Actinien und
+verwandte Polypen ihre blumengleichen Tentakel entfaltet; in den
+grösseren Becken schwimmen Schwärme kleiner einen oder ein paar Zoll
+langer Fische, die in so prächtigen, intensiven, metallisch glänzenden
+Farben prangen, dass man sie die Kolibris des Meeres nennen könnte. Ich
+hatte oft mit einem Freunde versucht, die behenden Thierchen zu fangen,
+immer vergeblich, bis wir uns endlich entschlossen, es mit Toba zu
+versuchen. -- Toba oder Tuba (Dalbergia sp. div.) ist ein im Jungle
+häufiger kletternder Strauch mit rothen Schmetterlingsblüthen. Wir
+hatten für unsern Versuch auf dem Riff einen ziemlich kreisrunden Raum
+von etwa 100 Fuss Durchmesser gewählt, der durch Zurücktreten des
+Wassers bei der Ebbe ein fast abgeschlossenes Becken, etwa 1/2 Fuss
+tief, bildete. Wurzel und Holz der Toba wurde zwischen Steinen zerklopft
+und an verschiedenen Stellen ins Wasser geworfen. Nach wenigen Minuten
+schwammen die Fische betäubt an der Oberfläche und liessen sich mit der
+Hand greifen; nach 1/4 Stunde krochen Aale und andre in Löchern
+verborgene Thiere hervor, nach 1/2 Stunde lagen fast alle todt auf dem
+Rücken. Die Wirkung des Gifts erstreckte sich weit über unser
+Wasserbecken hinaus. Ringsum waren Malayen beschäftigt, die betäubten
+Fische mit der Hand zu greifen.
+
+[Illustration: BEI NEW HARBOUR. SINGAPORE.]
+
+Blakang-mati ist von Fiebern heimgesucht. Dr. Little schreibt sie, wohl
+ohne genügenden Grund, der Nähe der Korallenbank zu. Eine Bugisfamilie,
+die wir besuchten, schien sehr daran zu leiden. In ihrem praktischen,
+aus Erfahrungen hervorgegangenen Aberglauben meinen sie, dass ein böser
+Geist, der in den hohen Bäumen wohnt, sie hervorbringe. Daher wollten
+sie diese Bäume, die ihre Hütten umgeben und feucht und ungesund machen,
+umhauen.
+
+Eine andere hübsche Excursion war nach dem 519' hohen sogenannten
+Zinnberg (bukit-tima), dem höchsten Punkt der Insel. Man kann bis an
+seinen Fuss im Wagen fahren, und wenn der Pony Lust hätte, bis auf den
+Gipfel, auf welchem einige hohe Damar-Bäume stehen, aus deren Stamm das
+geschätzte Harz reichlich ausquillt. Nach Versicherung eines
+französischen Missionärs sind an seinem Fuss Spuren von Zinn und auch
+von Gold gefunden worden, aber in zu geringer Menge, um zur Ausbeutung
+anzuregen.
+
+Eine kleine Abtheilung Sträflinge war hier beschäftigt, Tigerfallen
+anzulegen und die Strasse von der seitlich eindringenden Vegetation zu
+säubern, ein Geschäft, das oftmals wiederholt werden muss, da der Wald
+sonst bald den ihm abgenommenen Boden wieder besetzt. Von der
+Dichtigkeit und Undurchdringlichkeit einer solchen Waldung geben die
+unsrigen keine Vorstellung. Zwischen den Hochstämmen, die sich meist
+astlos bis an das 60-80' hohe Laubdach erheben, zieht sich nach allen
+Richtungen ein so dichtes Gewirr von Unterholz, Schling- und
+Kletterpflanzen, dass es unmöglich ist, ohne Waldmesser einzudringen.
+Das grösste Hinderniss bilden die Calamusarten, Palmen, deren lange,
+dünne Stämme dicht mit Stacheln besetzt sind. Die Blätter, und
+namentlich deren peitschenförmig verlängerte Mittelrippe, tragen an der
+unteren Seite scharfe Widerhaken, vermittelst welcher sie sich überall
+festhängen, wo sie Halt finden, und so dem Stamm, der viel zu dünn und
+elastisch ist, um sich selbst zu tragen, die nöthige Stütze verschaffen.
+Einige Arten sollen über 1000 Fuss lang werden, nach Rumphius sogar bis
+1800 Fuss;[18] sie ziehen sich wie Stricke nach allen Richtungen quer
+durch den Wald; auch werden sie ja, nachdem die Blätter und Stacheln
+entfernt sind, als Taue, und gespalten als Stricke, benutzt. Zu diesen
+kletternden Palmen gehört auch unser spanisches Rohr oder Stuhlrohr
+(Rotang der Malayen), es ist auf allen Inseln des Archipels sehr häufig
+und für manche ein wichtiger Ausfuhrartikel.
+
+Aber auch wo eine kleine Lichtung oder ein schmaler Pfad erlaubt hätte,
+den Weg zu verlassen und tiefer in den Wald zu dringen, wurde ich durch
+die Sträflinge daran verhindert, weil überall an solchen Stellen
+Tigerfallen angelegt sind, tiefe Gruben mit Reisig und Erde so geschickt
+bedeckt, dass sie selbst den vorsichtigen Tiger zuweilen täuschen. (Am
+Tage vor meinem ersten Besuch waren in einer solchen Grube zwei Tiger
+lebend gefangen worden.) In den Boden derselben sind häufig spitze
+Pfähle eingerammt. Daher sind die Excursionen in diesem Walde, wenn man
+vom Wege abweicht, sowohl durch die Tiger selbst, als auch durch die
+Fallen in hohem Grade gefährlich. Meine Begleiter schienen allerdings
+nur die letzte Gefahr im Auge zu haben. An einen Ueberfall von Tigern
+dachten sie gar nicht, obgleich an mehreren Stellen frische Spuren zu
+sehen waren.
+
+Die Tiger spielen in Singapore eine grosse Rolle. Nach dem Urtheil der
+ältesten Residenten und der am besten darüber unterrichteten Beamten
+werden auf dieser kleinen Insel, die nur ein Drittel grösser ist als die
+Insel Wight, jährlich 350-400 Menschen von Tigern zerrissen,[19] und
+dennoch fürchtet sich Niemand vor ihnen, die Chinesen auf den
+Gambirpflanzungen ausgenommen, die ausschliesslich als Opfer fallen. Ich
+werde später darauf zurückkommen. Alle Versuche, das Thier auszurotten,
+werden wohl fruchtlos bleiben, so lange nicht die ganze Insel von
+Strassen durchschnitten und gleichmässiger bewohnt ist. Für jedes
+gefangene oder getödtete Thier zahlt die Regierung 50 Dollars,[20]
+ebensoviel fügt ein Verein von Privaten hinzu, der die Insel gern von
+dieser Geissel befreien möchte. Aber trotz der hohen Prämie, und
+obgleich ein Theil der Sträflinge zum Anlegen von Fallen verwendet wird,
+scheint die Zahl der Tiger doch eher zu- als abzunehmen. Es unterliegt
+keinem Zweifel, dass sie über die Meerenge schwimmen,[21] angelockt
+durch die bequeme, reichliche Beute. Denn während der ersten Jahre,
+nachdem die Engländer die Insel in Besitz genommen, befand sich kein
+Tiger auf derselben. In einem kleinen Aufsatz des damaligen Guvernörs
+John Crawfurd über den Ackerbau von Singapore, 1824, heisst es: „der
+Tiger und Elephant, die für den Ackerbau in Sumatra und auf der
+malayischen Halbinsel so verderblich sind, kommen in Singapore nicht
+vor.”
+
+Es ist interessant, die wirklich vorhandene Gefahr mit der gänzlichen
+Verachtung derselben zu vergleichen, wie sie hier ganz allgemein
+verbreitet ist. Was für eine wilde Flucht würde in Europa unter den
+Spaziergängern stattfinden, wenn plötzlich in einem zoologischen Garten
+die Tiger aus ihren Käfigen ausbrächen, wie Wenige würden sich wohl in
+den Garten wagen, bevor die Thiere wieder eingefangen! Hier fahren aber
+die Damen mit ihren Kindern ohne allen Schutz und ohne alle Furcht in
+kleinen, offenen Ponywagen noch vor Tagesanbruch und nach der Dämmerung
+spazieren, während zu beiden Seiten der dichte Wald, in dem notorisch
+Tiger vorhanden sind, hart an die Strasse tritt. So fest ist die
+Ueberzeugung von der Feigheit und Menschenfurcht dieser Thiere
+eingewurzelt! Frisch angekommene Fremde sind die einzigen, die, wenn sie
+von ihrer ersten Excursion heimkehren, mitunter „nicht ganz sicher sind,
+aber kaum zweifeln, dass sie im Dickicht ein Paar grosse Augen sahen,
+wahrscheinlich von einem Tiger,” sie werden aber regelmässig dafür
+ausgelacht, weil Jedermann überzeugt ist, dass es nur ein Phantasiebild
+war.
+
+Mehr als die Tiger fürchtet man die Termiten, _rajap_ oder _ani-ani_,
+auch _semut puti_, weisse Ameisen genannt, obgleich sie den Menschen
+unmittelbar höchstens dann etwas belästigen, wenn die zur Paarungszeit
+geflügelten Männchen und Weibchen in dichten Schaaren, Wasserhosen
+vergleichbar, aus der Erde emporsteigen, in die Zimmer fliegen, nach
+kurzem Herumflattern ihre Flügel verlieren und sammt diesen zu Boden
+fallen. Sie kommen in solcher Menge und erscheinen gegen einen dunklen
+Hintergrund so weiss, dass ihre Schwärme an die grossflockigen
+Schneewetter warmer Wintertage erinnern. Nach dem Verlust ihrer Flügel
+laufen sie zwar nicht unbehende, jedoch nicht schnell genug, um sich
+ihren zahlreichen Feinden zu entziehen, denn Menschen (Eingeborene) und
+Thiere betrachten sie als grossen Leckerbissen. Wahrscheinlich geht nach
+diesem kurzen Ausflug der ganze Schwarm mit Ausnahme einiger
+befruchteten Weibchen zu Grunde, die als Stammmütter einer neuen Kolonie
+erzogen werden. Die Männchen kommen wohl alle um, da sie sich nicht
+selbst erhalten können und für ihre Erhaltung durch die andern kein
+Grund vorhanden ist; denn ein einmal befruchtetes Weibchen legt viele
+Millionen Eier[22] (Berlepsch schätzt die Anzahl Eier, die eine
+Bienenkönigin legen kann, auf 1-1/2 Millionen und Dr. Gerstaecker
+schliesst aus der Vergleichung der Ovarien, dass ein Termitenweibchen
+wenigstens 2 bis 3 mal so viel Eier legen könne). Sehr viel zahlreicher,
+als die erwähnten, sind die geschlechtslosen Termiten, die Arbeiter, die
+nie Flügel erhalten, sondern ihr ganzes Leben in einer Art von
+Larvenzustand verbleiben. Sie wissen sich so geschickt vor dem Menschen
+zu verbergen, dass sie ihm fast nie zu Gesicht kommen, wenn sie auch in
+seiner unmittelbaren Nähe beschäftigt sind, ihm Haus und Habe zu
+zerstören. In unterirdischen Gängen nähern sie sich den Häusern, führen
+dann aus an einandergereihten Erdkügelchen einen bedeckten Gang in die
+Höhe, der schnell verhärtet, da ihr Speichel wie Mörtel wirkt. Von
+diesem aus schreiten sie ungesehen in ununterbrochenen Zügen zum
+Angriff. Die fast fingerdicken Gänge sind leicht zu erkennen und zu
+beseitigen, werden aber gewöhnlich sehr geschickt an den dunkelsten
+Stellen des Hauses, in verborgenen Winkeln angelegt. Die Termiten
+vernichten alles Holzwerk, Teak und Kampferholz ausgenommen; eine Kiste
+von weichem Holz, von der Art, in welcher Flaschenweine Dutzendweis nach
+den Kolonien gesandt werden, kann in einer Nacht gänzlich zerstört
+werden, wenn sie im Freien unmittelbar auf dem feuchten Boden steht.
+Metall greifen sie nicht an; in früheren Zeiten, wo man in entfernten
+Kolonien nicht immer über gewissenhafte Beamte verfügen konnte, sollen
+sie zwar oft das in den Regierungskassen vorhandene Geld ohne Rückstand
+verzehrt haben. In den Häusern zerstören sie alle Möbel und Vorräthe,
+doch gehen sie nicht in Baumwolle und fürchten sich vor Reishülsen,
+deren scharfe Spitzen ihren weichen, nackten Körper wohl empfindlich
+verletzen würden. In allen Speichern werden deshalb fusshoch Reishülsen
+auf den Boden ausgeschüttet, bevor man Kaufmannsgüter darauf lagert, die
+Pfosten aller Betten, Schränke und schweren Möbel stehen in
+gusseisernen, mit Wasser oder Oel gefüllten flachen Schalen, zugleich
+zum Schutz gegen Ameisen, die zwar nicht das Holz, aber die Vorräthe
+fressen.
+
+In dem Landhause eines Freundes hatten die Termiten einige mit Oelfarbe
+gestrichene hölzerne Pfeiler, die das Gebäude trugen, fast aufgezehrt,
+jedoch ohne die äussere Farbenschicht zu verletzen, so dass von dem
+angerichteten Schaden nichts bemerkt wurde, bis jemand, der mit seinem
+Stock gegen einen Pfeiler stossen wollte, diesen durchstiess. Durch die
+grosse Gefahr veranlasst, wandte man sich an einen Malayen, dessen
+Gewerbe das Aufsuchen und Vertreiben der Termiten war. Nach längerem,
+sorgfältigem Suchen bezeichnete er eine Stelle im feuchten Rasen, etwa
+30 Schritt vom Hause entfernt als diejenige, unter welcher man das Nest
+finden würde. Für uns war nur eine kleine, kaum merkliche Erhöhung, auf
+welcher bei genauer Untersuchung einige kleine Larven erkannt wurden,
+wahrnehmbar; denn ungleich den meisten Arten, deren Baue oft mehrere
+Fuss hoch über die Erde ragen, baut die fragliche Art, die Hagen als T.
+gilvus beschrieben hat, unterirdisch, anscheinend ohne irgend welche
+Anzeichen an der Erdoberfläche, die auf das Vorhandensein des Nestes
+schliessen lassen. Der Boden, ein sandiger Lehm, wurde in einigen Zollen
+unter der Oberfläche fester und zeigte Spuren von Struktur; in etwa 1
+Fuss Tiefe stiessen wir auf sehr unregelmässige, wabenartige, festere
+Erdmassen, bestehend aus vielfach gewundenen, einen Zoll hohen, eine
+Linie dicken Wänden von oolithartigem Gefüge. Die einige Linien weiten
+Zwischenräume, labyrinthische Gänge, sassen dicht voll kleiner,
+geschlechtsloser Termiten (Arbeiter). Die nach oben ziemlich lockeren
+Zwischenwände wurden nach unten zu fester. Unterhalb der eben
+beschriebenen Erdmassen mit aufrechten Wänden, die aber in ihrem
+unregelmässigen Aussehen mehr an Maeandrinen (Korallen) als an Waben
+erinnerten, lagen dünne, festere, flach gewölbte Erdkrusten von
+ähnlicher oolithischer Struktur, lose neben und über einander, oft an
+den Rändern einander überragend, anscheinend konzentrisch um einen Kern
+geordnet, durch mehrere Linien hohe fast horizontal verlaufende
+Zwischenräume getrennt, die ebenfalls voll Termiten steckten. Sie waren
+radial von engen, runden Quergängen durchbohrt, deren Mündungen von den
+sogenannten Soldaten mit dem von Reisenden oft geschilderten Heldenmuthe
+vertheidigt werden. Die Soldaten, die bei allen Termiten vorkommen, sind
+geschlechtslos, arbeiten nicht; ihnen liegt der Schutz des Staates gegen
+äussere Feinde und nach den Berichten mancher Reisenden auch die Polizei
+ob, indem sie die Arbeiter zur Arbeit antreiben. Sie tragen am Kopfe
+ausserordentlich starke, scharfe, zangenartige Kiefern, schnellen,
+sobald ihnen die Hand unvorsichtig nahe gebracht wird, voll Wuth aus
+ihrer Höhle und können, wie ich aus eigener Erfahrung weiss, mit einem
+Biss die gefaltete Cutis am Gelenk des gebogenen Zeigefingers
+durchschneiden, so dass die Wunde blutet. Der Kern des ganzen Baues
+bestand aus der Wohnkammer der Königin und hatte die Form eines Stückes
+Toilettenseife ohne Ecken, jedoch mit dem Unterschiede, dass sie bei
+etwa gleicher Dicke fast doppelt so lang und breit war. Sie bestand aus
+einer sehr festen Lehmmasse ohne wahrnehmbares Gefüge, von einem
+kleinen, trichterförmigen Loche durchbohrt, dem einzigen Zugang. Als ich
+die Kammer aufschnitt, zeigte sich im Innern ein hohler Raum, der, weil
+die Wände gleich dick waren, der äusseren Form genau entsprach. Er
+enthielt die Königin, ein garstiges, fingerdickes, fast zwei Zoll
+langes, walzenförmiges Thier, das den inneren Raum zum grossen Theil
+ausfüllte und von einer Anzahl kleiner Termiten umgeben war,
+wahrscheinlich ihrer Dienerschaft, denn sie ist unbeholfen bis zur
+Hülflosigkeit, eine wurstartig aufgeschwollene Masse, voll Eierstöcke.
+Der Name einer Königin ist ihr in Folge eines nicht stichhaltigen
+Vergleiches mit der Bienenkönigin gegeben worden, denn sie ist eher eine
+Gefangene, als eine Gebieterin. Ihre Zelle kann sie nie verlassen, sie
+ist völlig wehrlos, so dass sie sich keine Nebenbuhlerin abwehren kann;
+oft trifft man daher in ein und demselben Bau mehrere Königinnen in
+verschiedenen Entwickelungsstufen an. Unter dem Bau der Königin war die
+Erde sehr lose; verschiedene Gänge führten von dort aus nach mehreren
+kleinen Nestern, die keine Königin, wenigstens keinen Königsbau
+besassen, sondern nur aus den oben erwähnten wabenartigen Massen
+bestanden; es waren wohl neu angelegte, bisher nur vom Mutterstaat aus
+bevölkerte Kolonien. In der Absicht, sie härter zu machen, wurden einige
+Stücke des Baues der Sonne ausgesetzt. Die Gänge waren dicht mit
+Termiten, Arbeitern und Soldaten, angefüllt. Bald stellten sich einige
+kleine, schwarze Ameisen ein, rekognoszirten, kehrten um, und nach nicht
+ganz 10 Minuten erschienen lange Züge derselben Art, die im Verlauf
+einiger Stunden sämmtliche Termiten, obgleich sie doppelt so gross waren
+als die Ameisen, aus ihren Schlupfwinkeln holten und davon schleppten.
+Es war erstaunlich, zu sehen, wie diese kleinen Thierchen die ungleich
+grösseren packten und sie davon trugen. Selbst die Soldaten wurden auf
+diese Weise fortgeschleppt, wobei allerdings einige der Kleinen das
+Leben liessen, denn wenn sie einem Soldaten unvorsichtig nahten, schnitt
+er sie mit seiner scharfen Zange mitten durch; während sie noch zuckte,
+kam ein andres Thierchen desselben Stammes und rettete den Leichnam.
+
+Smeathman, dem man die erste ausführliche Schilderung der Termiten
+verdankt, giebt an, dass eine alte Königin die Grösse von 20,000 bis
+30,000 Arbeiterinnen erreichen könne! was aber eine Uebertreibung zu
+sein scheint. Bei Wägungen an Spiritusexemplaren, die ich mit Dr.
+Gerstaecker vornahm, ergab sich für eine Termitenkönigin von T.
+bellicosus (der Spezies, auf die sich Smeathman's Mittheilungen
+beziehen), dem grössten Exemplare der Berliner Sammlung, 16,135 Gramm,
+für ein junges, befruchtetes, aber nicht weiter entwickeltes Weibchen
+0,490, also 1/33 des obigen Gewichts (ein Arbeiter von dieser Species
+war nicht vorhanden). Die Termitenkönigin T. gilvus (Hagen) von
+Singapore wog 5,200 Gramm, ein junges, befruchtetes Weibchen (das aber
+exenterirt war) 0,068 Gr., ein Arbeiter 0,005 Gr., also etwas weniger
+als das Tausendfache der verhältnissmässig grossen Königin.
+
+Die Termiten sind in mehreren Gattungen und vielen Arten über alle
+wärmeren Erdtheile verbreitet, aber nicht überall gleich zahlreich oder
+schädlich. In Rochefort sind sie seit 1797 amtlich bekannt und richten
+dort fortdauernd grosse Zerstörungen an. Wahrscheinlich durch Hölzer von
+San Domingo eingeschleppt, verbreiteten sie sich allmälig über viele
+Städte und Ortschaften der Charente inférieure, so dass sie dort zu
+einer sehr ernsten Plage geworden sind und den Wohlstand des ganzen
+Departements bedrohen, indem sie Gebäude, Dächer, Korn und Mehlvorräthe,
+Bibliotheken, Pflanzungen u. s. w. zerstören; alle vorgeschlagenen
+Schutzmittel erwiesen sich bisher erfolglos.
+
+Eines Tages besuchte ich eine Pfeffer- und Gambir- Pflanzung, die ganz
+in der Nähe von Bukit-tima lag. Ich stieg bei einem französischen
+Missionär ab, der mich überallhin begleitete und mir das Chinesische der
+Pflanzer verdolmetschte. Es war ein Mann, wie ich deren später noch
+öfter unter den katholischen Missionären getroffen habe, der Allem
+entsagt hatte, um sich seinem selbstgewählten Berufe zu opfern. Ein
+kleines Vermögen, das ihm durch Erbschaft zugefallen, hatte er dazu
+verwendet, eine Kirche zu bauen, für sich selbst behielt er nichts
+zurück und lebte, obgleich kränklich und alt, in grosser Dürftigkeit von
+dem elenden Gehalt, das für alle diese würdigen Männer ohne Unterschied
+monatlich 10 Dollars beträgt. Ich besah die Pflanzung und die Fabrik in
+allen Einzelnheiten, doch waren die Angaben der Chinesen so ungenau, zum
+Theil durch die Schuld des Dolmetschers, der die einfachsten technischen
+Fragen nicht richtig zu verstehen schien, so widersprechend, dass ich
+zur Ergänzung des selbst Gesehenen vorziehe, das Uebrige einigen
+gediegenen Aufsätzen zu entlehnen.
+
+Der Pfeffer wird hier immer zusammen mit dem Gambir gebaut. Die
+ausgekochten Blätter der letzteren Pflanze dienen zur Düngung der
+ersteren. Auf je 10 Acres Gambir rechnet man gewöhnlich einen Acre
+Pfeffer. Der Pfeffer wächst sehr leicht und scheint nur sehr geringe
+Pflege zu erfordern. Mit besonderer Sorgfalt wird er jedenfalls nicht
+behandelt. Nicht einmal schattengebende Bäume, die man in anderen
+Ländern für das Gedeihen der Pfefferrebe nothwendig erachtet, werden ihm
+gewährt. Die Hauptsorge ist die Vertilgung des Unkrauts und die
+Entfernung der seitlichen Ausläufer. Er wächst, der grellsten Sonne
+ausgesetzt, an Pfählen aus gespaltenen Waldbäumen, die er, wie Epheu
+kletternd, mit seinen dunkelgrünen herzförmigen Blättern dicht
+bekleidet. Aus dem Laube hängen in grosser Fülle die langen schmalen
+Trauben hervor, mit grünen Beeren, die bei völliger Reife scharlachroth
+werden. Der Anblick der Pflanzen ist sehr schön. Die Vermehrung der
+Reben geschieht durch Stecklinge, nach 4 bis 5 Jahren giebt sie schon
+einen geringen Ertrag, der bis zum 7ten oder 8ten Jahr zunimmt. Wenige
+Jahre, nachdem er sein Maximum erreicht, vermindert sich der Ertrag fast
+ebenso allmälig, als er zunahm, so dass in einer wohlgeordneten
+Pflanzung alle Jahre eine Anzahl junger Pflanzen gezogen werden müssen,
+die der Reihe nach an die Stelle der abgestorbenen treten. Die Rebe
+trägt gleichzeitig Blüthen und Früchte. Vier Monate nach Entfaltung der
+ersteren sind die Beeren zum Pflücken reif, sie sind dann grün mit einem
+Stich ins Rothe und werden in flachen Körben aus Bambussplinten über
+Rauchfeuer getrocknet, wobei sie schwarz werden und einschrumpfen. Das
+Aroma wird grösstentheils durch Lokalität und Boden bedingt, wie beim
+Wein. Uebrigens aber geben die schwersten, vollsten, am wenigsten
+runzligen Körner das beste Gewürz. Lässt man die Beeren völlig reif
+werden, so löst sich die äussere scharlachrothe Hülle durch Mazeration
+in Wasser ab; der zurückbleibende Kern bildet den weissen Pfeffer des
+Handels, der theurer als der schwarze ist, weil bei dieser
+Zubereitungsart immer eine grosse Menge durch Abfallen der völlig reifen
+Beeren verloren geht. Von allen Gewürzen ist Pfeffer das verbreitetste
+und wohl das einzige, dessen Verbrauch auch jetzt noch immer zunimmt,
+während alle übrigen immer mehr aus der Mode kommen. Zur Zeit der
+Entdeckung des Seewegs nach Indien und lange nachher, bevor Zucker,
+Kaffee, Thee, Indigo und die Produkte der indischen Wälder in Europa
+bekannt waren, bildete Pfeffer den Hauptartikel des indischen Handels
+und war Gegenstand der heftigsten Kämpfe zwischen den seefahrenden
+Völkern, sowie der drückendsten Monopole, die mit der herzlosesten
+Zwangsarbeit für die Eingebornen gepaart gingen. Nach Crawfurd war der
+Preis des Pfeffers zu Plinius Zeiten 1 Thlr. 5 Sgr. das Pfund und blieb
+so bis zu Anfang des 16. Jahrhunderts. Durch das Monopol der Portugiesen
+stieg er auf 1 Thlr. 10 Sgr.; als die Holländer die Portugiesen
+verdrängt hatten, etwa 100 Jahre später, trieben sie den Preis auf das
+Doppelte. Durch Konkurrenz der Engländer und Franzosen fiel der Preis
+wieder und schwankte Jahrhunderte lang zwischen 16 und 10 Sgr. Erst in
+diesem Jahrhundert fielen die Monopole, wodurch der Pfeffer auf seinen
+Preis von 2-1/2 bis 3 Sgr. kam. Jetzt liefert die Westküste von Sumatra
+den meisten Pfeffer. Crawfurd schätzt den Gesammtertrag des indischen
+Archipels, mit Inbegriff der geringen Menge, welche Malabar, das
+Vaterland des Pfeffers, jetzt noch produzirt, auf 40 Millionen Pfund.
+Ausser Hinter-Indien erzeugen auch noch Guyana, Liberia, die Antillen
+dies Gewürz. Die Gesammtproduktion dürfte gegenwärtig 50 Millionen Pfund
+wohl nicht übersteigen.
+
+Pfeffer und Gambir, die Haupt-Erzeugnisse des Landbaus in Singapore, das
+ausserdem nur noch Kokosnüsse, Früchte und Gemüse für den eigenen Bedarf
+produzirt, werden ausschliesslich durch Chinesen gewonnen. Es ist ein
+mühsames, bei den gegenwärtigen Preisen der Erzeugnisse nicht sehr
+lohnendes Geschäft voll Entbehrungen und wegen der vielen Tiger voll
+Gefahr. Gewöhnlich sind es neuangekommene Einwanderer, die ihre
+Ueberfahrt nicht zahlen können, welche von ihren reicheren Landsleuten
+zu dieser Kultur verwendet werden. Nach dem Kontrakt müssen sie ein Jahr
+für ihren Gläubiger arbeiten, während welcher Zeit sie nur kärgliche
+Beköstigung und noch kärglicheren Lohn erhalten. Dennoch wissen sie
+bald, häufig schon im ersten Jahre, etwas zu sparen und so viel Kredit
+zu erwerben, dass sie ein kleines Geschäft anfangen oder als
+selbstständige Arbeiter sich vortheilhaft verdingen können. Oft auch
+thun sich mehrere zusammen und bewirthschaften gemeinschaftlich eine
+Pflanzung. Nachdem eine passende Stelle im Walde gelichtet, wird das
+Unterholz verbrannt, die gefällten Bäume bleiben liegen, da sie später
+als Brennholz benutzt werden, ausser der Asche davon erhält der Boden
+keinen Dünger. Man säet den Gambir (Uncaria Gambir) in Beeten, hält die
+Sämlinge schattig und pflanzt aus, wenn sie 5 bis 6 Zoll hoch sind in 5
+bis 6 Zoll Abstand. Hat die Pflanze eine gewisse Höhe erreicht, so wird
+sie abwärts gebogen, so dass sie seitlich fortwächst. Dadurch wird die
+Holzbildung gehemmt, die Blattbildung vermehrt, das Pflücken
+erleichtert[23]. Nach 13 bis 14 Monaten sammelt man die ersten Blätter,
+6 Monate später giebt die Pflanze den vollen Ertrag. Aber schon nach
+wenigen Jahren (ca. 15) ist der Boden so erschöpft, dass die Pflanzung
+aufgegeben und eine neue an einer andren Stelle errichtet werden muss.
+Auf der verlassenen Stätte wuchert das so schwer zu vertilgende
+Lalanggras (Saccharum imperatum), das mühsamer auszurotten ist, als
+Urwald. Die Regierung fängt endlich an, durch eine bessere
+Waldwirthschaft diesem Uebelstande und dem Treiben der chinesischen
+Squatters ein Ende zu machen, indem sie dieselben zwingt, das Land zu
+kaufen, das sie bepflanzen wollen; ein sicheres Mittel, um es in
+Kulturland, statt in Graswildnisse zu verwandeln.
+
+Das Pflücken der Blätter dauert das ganze Jahr über, jeder Strauch kommt
+jährlich 3 bis 4 mal an die Reihe. Die Morgens gesammelten Blätter
+werden am Nachmittag versotten, die Nachmittags gesammelten am folgenden
+Morgen; ein Absud erfordert 5 bis 6 Stunden. Die Fabrikation ist sehr
+einfach. Ein grosser Schuppen aus Stangen und Palmenblättern, mit
+einigen Bänken aus gespaltenem Bambus versehen, die als Tisch und Betten
+dienen, ist zugleich Wohnung und Fabrik. Der Kessel besteht aus einer
+eingemauerten, flachen Pfanne aus Gusseisen, von etwa 3 Fuss
+Durchmesser, auf welcher ein hohler Cylinder von Baumrinde steht, die in
+~einem~ Stück von einem entsprechend grossen Baum abgelöst worden. Die
+Fugen und die ganze Aussenseite sind mit Thon verschmiert, um sie gegen
+das Feuer zu schützen. Man giesst etwas Wasser in die Pfanne, schüttet
+die Blätter ein und wirft sie, nachdem sie etwa eine Stunde gesotten,
+auf eine geräumige, ebenfalls aus einem Stück Baumrinde bestehende,
+schräge Rinne, deren unteres Ende in den Kessel hineinragt. Der Arbeiter
+knetet diese Blätter, damit das ihnen anhaftende Wasser in den Kessel
+zurücklaufe. Der zur Konsistenz von dünnem Syrup eingedampfte Absud wird
+in Eimer geschöpft. Ist er kühl genug, so beginnt eine eigenthümliche
+Hantirung. Bekanntlich enthält der Gambir ausser der in kaltem Wasser
+löslichen Catechugerbsäure auch in kaltem Wasser unlösliches Catechin;
+anstatt nun einfach umzurühren, damit die Flüssigkeit überall
+gleichmässig erstarre, klemmt der Arbeiter in jeden Eimer in schräger
+Richtung einen Stock aus weichem Holz. Er stellt zwei solcher Eimer vor
+sich hin und fährt mit jeder Hand an einem der Stöcke auf und ab. Die
+Flüssigkeit verdickt sich zunächst am Stock, und da sie dort immer
+abgestreift, die Masse überdies in beständiger Bewegung erhalten wird,
+erstarrt sie gleichmässig, was nach Behauptung der Arbeiter durch
+Umrühren nicht zu erreichen sein soll. Gewiss ist hier wieder ein
+Stückchen Aberglauben im Spiel. Die hinreichend verdickte Masse wird in
+flache, viereckige Kasten gefüllt, und wenn sie erhärtet ist, wie Seife
+in Stücke geschnitten und im Schatten getrocknet. Die gekochten Blätter
+werden noch einmal ausgesotten und schliesslich in dem Wasser
+ausgewaschen, das zum Kochen der Blätter verwendet wird.
+
+Eine Pflanzung von 5 Arbeitern enthält im Mittel 70-80,000 Sträuche und
+liefert täglich 40-50 Katti (1 Katti = 1-1/3 ℔ Engl.) Gambir. Die
+Arbeiter behaupten, nur das Holz eines gewissen Baumes besitze die
+Eigenschaft, den Absud im Eimer erstarren zu machen und zeigten mir ihn
+später, es war Artocarpus incisa. Nachher sagte man mir aber, dass jedes
+weiche Holz sich dazu eigne, doch nehme man gewöhnlich einen Zweig des
+eben genannten.
+
+Gambir, besser unter dem Namen Terra japonica in Europa bekannt, wird
+von den Malayen mit dem Betel gekaut, zu welchem Zweck er zuweilen noch
+besonders raffinirt und in kleine, zierliche Kuchen geformt wird. Er
+enthält 50-60% Gerbstoff und wird in steigender Menge nach Europa für
+die Schnellgerbereien und Färbereien exportirt. Die sehr beständige,
+schöne Holzfarbe der französischen Tapeten verdankt man dem Gambir. Die
+Produktion wächst so schnell, als die Nachfrage, denn der Preis steigt
+nicht. In Singapore nehmen die Pflanzungen ab, doch mögen wohl noch nahe
+an 1000 auf der Insel vorhanden sein. Da es aber jetzt den Chinesen
+nicht mehr gestattet wird, ohne alle Abgaben den Boden in Besitz zu
+nehmen und den Wald zu zerstören, so ziehen sie sich mehr nach Johor.
+Die Hauptproduktion ist aber auf den Inseln Bintang, Batam und Linga,
+die unter holländischer Botmässigkeit stehen.
+
+In Europa scheint einige Verwirrung in Bezug auf die Namen Gambir, Terra
+japonica, Cutch, Catechu, Cachou zu herrschen. Abgesehen von den unter
+dem Namen Cachou in Apotheken käuflichen Bonbons, die nur aus Lakritzen
+und Salmiak bestehen, und mit Catechu (Cachou der Franzosen) nichts als
+den Namen gemein haben, versteht man unter Gambir oder Terra japonica
+gewöhnlich das Präparat von der Nauclea Gambir. Das eigentliche Catechu
+(Cutch) dagegen wird von einer Mimose, Acacia Catechu (Willd.), und zwar
+aus dem Herzen des Stammes und den Schoten, durch Auskochen und
+Eindicken des Absuds gewonnen. Man erhält es namentlich aus Birma
+(Pegu), Malabar und dem nördlichen Bengalen. Beide Substanzen sind
+übrigens sowohl chemisch, als in Bezug auf ihre technische Verwendung
+fast identisch. Das aus Arecanüssen bereitete Catechu scheint ganz vom
+Markt verschwunden zu sein.
+
+Die Chinesen auf diesen Plantagen sind es, die so häufig von Tigern
+umgebracht werden. Wann der Kuli fast nackt im dichten Gebüsch hockt,
+um die Blätter zu pflücken, so beschleicht ihn der Tiger von hinten
+und tödtet ihn gewöhnlich mit einem Biss in den Nacken. Finden die
+Kameraden den Leichnam, so verscharren sie ihn so schnell als möglich,
+denn wenn die Polizei es erfährt, so zwingt sie die Leute, die
+vielleicht schon stark verweste Leiche zur Stadt zu tragen, damit sie
+vom Todtenbeschauer besichtigt werde, ohne ihnen dafür irgend eine
+Entschädigung zu gewähren. Erwägt man, wie ungern die Chinesen einen
+Schritt umsonst thun, wie höchst beschwerlich und ekelhaft der ihnen
+aufgezwungene Dienst ist, und dass sie überdies schon aus der Heimath
+eine heilige Scheu vor der Polizei mitbringen und jeden Kontakt mit
+derselben vermeiden, berücksichtigt man ferner, dass weder ein
+Passwesen, noch irgend eine Kontrolle über die sich hier aufhaltenden
+Personen besteht, dass namentlich die Pflanzer in ihren entlegenen
+Schlupfwinkeln im Walde fast nie aufgesucht werden, so darf man sich
+nicht wundern, wenn nur eine sehr geringe Zahl dieser Todesfälle den
+Behörden zu Ohren kommt. Dennoch werden im Jahr durchschnittlich 75
+Fälle gemeldet, und auf der Annahme, dass die wirkliche Zahl der Opfer
+wenigstens das Fünffache betrage, beruht die Angabe, dass jährlich
+300-400 Personen von Tigern umgebracht werden. Ich habe mich an den
+sichersten Quellen häufig über diesen Gegenstand erkundigt und kann
+nur wiederholen, dass die bestunterrichteten Beamten diese Zahl eher
+für zu gering, als zu gross halten. Zum Beweise, dass es auch in der
+neuesten Zeit nicht besser geworden, füge ich einen Auszug aus den
+Straits Times, Overland Journal, 21. Nov. 1863, bei: „Singapore. Die
+Todesfälle durch Tiger sind wieder im Zunehmen. In den letzten 14
+Tagen sind 7 Fälle bei der Polizei angemeldet und die verstümmelten
+Leichen aufgefunden worden, die keinen Zweifel über die Ursache des
+Todes liessen. Alle, die auf diese Weise ihren Tod gefunden, waren
+Arbeiter auf Gambirpflanzungen.... Es ist bemerkenswerth, dass bei
+diesen Leichen immer nur ein kleiner Theil des Körpers verzehrt ist,
+es fehlt nur ein Bein, ein Arm, häufig nur der Kopf.”.. Der Redaktör
+schliesst mit der Betrachtung: „Es ist ein Jammer, dass die Thiere
+nicht ein Opfer ganz verzehren, bevor sie ein anderes angreifen, es
+würde ein grosses Ersparniss an Menschenleben sein.”
+
+Ausser den angeführten landwirthschaftlichen Produkten verdient noch
+ein Industrieerzeugniss besondere Erwähnung: der Sago, welcher in
+beträchtlicher Menge (jährlich für 60-70,000 Dollars) von Singapore
+ausgeführt wird. Der rohe Sago kommt von Sumatra und Borneo, wird in
+Singapore durch Schlämmen gereinigt und dann als Sagomehl,
+grösstentheils aber, nachdem er vorher geperlt worden, als Perlsago
+ausgeführt. Um es zu perlen, wird das noch etwas feuchte Mehl ein wenig
+geknetet, in einem durch einen Kreuzstock weit offen gehaltenen flachen
+Sack in rotirende Bewegung gesetzt, wobei sich kleine Klümpchen bilden,
+die, nachdem sie durch ein grobes und ein feines Sieb gegangen, gleiche
+Grösse haben. Sie werden in einer schräg eingemauerten, flachen, mit Oel
+bestrichenen, eisernen Pfanne über gelindem Feuer mit einem hölzernen
+Spaten vorsichtig umgerührt, wobei durch die an der Oberfläche
+eintretende Kleisterbildung die Kugeln eine gewisse Festigkeit bekommen,
+aber auch zusammenbacken; um sie zu trennen, werden sie noch einmal
+gesiebt und dann abermals gedörrt, bis sie die gehörige Härte erlangt
+haben.
+
+Deutsche Hausfrauen pflegen die Perlform für das Kennzeichen des Sago zu
+halten und unter Sago Perlen von beliebigem Stärkemehl zu verstehen. Der
+eigentliche Sago ist aber das Produkt der Sagopalmen (Sagus laevis und
+S. genuina), die besonders im Osten des Archipels sehr verbreitet sind;
+sie liefern fast allein den Sago des Handels. Die Eingebornen gewinnen
+ihn aber, besonders bei missrathener Reisernte, noch aus mehreren andern
+Palmen- und Cycasarten für ihren eignen Bedarf. In Singapore kommt die
+Sagopalme nur vereinzelt vor und wird nicht ausgebeutet. Die Art, den
+rohen Sago zu gewinnen, habe ich nicht gesehen, sie ist von J. R. Logan
+im Journal of the Ind. Arch. III. 288 ausführlich beschrieben.
+
+Die Sagopalmen sind von sehr grossem Interesse, weil keine Pflanze,
+selbst nicht die Banane und Kokospalme, bei so geringer Mühe eine solche
+Menge Nahrungsstoff liefert. Die Produktion kann bei der
+ausserordentlichen Fülle des Materials unbegrenzt gesteigert werden.
+Wegen der jetzt gebräuchlichen, unvollkommenen Methoden der Bereitung
+und besonders, weil der Sago nicht gleich an Ort und Stelle für die
+Ausfuhr raffinirt wird, ist sein Preis zu hoch.[24] Nach Logan sollte
+ein Pikul nicht mehr als 1/4 Dollar (11 Sgr.) kosten.
+
+Ueber den ausserordentlichen Ertrag der Sagopalme geben folgende,
+Logan's Aufsatz entnommene Angaben eine Vorstellung. In den östlichen
+Inseln des Archipels, in Neu-Guinea, in Borneo und Sumatra ist die
+Sagopalme am häufigsten und bildet in sumpfigen Niederungen grosse
+Wälder. Dort ist Sago das Hauptnahrungsmittel. Eine Ertrag gebende
+Pflanzung ist gar nicht mehr auszurotten, denn unähnlich andern Palmen
+pflanzt sich die Sagopalme nicht nur durch Samen fort, sie treibt auch
+Schösse aus der Wurzel, wie die Banane, und liefert so eine
+ununterbrochene Ernte. Sie blüht terminal und stirbt, wenn die Früchte
+reif sind, allmälig ab. Will man aber den Sago gewinnen, so wird der
+Baum kurz vor der Blüthezeit umgehauen; der Stamm ist dann ein Cylinder
+von 20 Zoll Durchmesser und 15-20 Fuss Länge; die Rinde bildet nur eine
+dünne Schale, das ganze Innere ist mit Mark erfüllt, das aus Cellulose
+und Stärkemehl besteht. Man rechnet, dass ein Baum durchschnittlich 700
+℔ Stärkemehl (Sago) liefert. Nach Logan's Berechnung geben 3 Bäume mehr
+Nahrungsstoff als 1 Acre Weizen und 6 Bäume mehr als 1 Acre Kartoffeln.
+Ein Acre mit Sagobäumen bepflanzt, giebt, wenn er auf einmal umgehauen
+wird, 5220 Bushel (= 3452 Scheffel Preuss.) oder so viel, wie 163 Acres
+Weizen; und je nachdem man 7 oder 15 Jahre als den Zeitraum annimmt, den
+der Baum zu seiner Entwicklung nöthig hat (darüber sind die Angaben
+schwankend), kommt ein Acre Sago in seinem jährlichen Ertrag 10 oder 23
+Acres Weizen gleich. (Da 163 Acres = 258,35 Morgen, so nimmt Logan etwas
+mehr als 13-1/3 Scheffel Weizen pro Morgen an.)
+
+In Berlin kostet durchschnittlich der Zentner „Kartoffel-Sago”, d. h.
+geperlte Kartoffel- oder Weizen-Stärke, 10-11 Thlr., Palmen-Sago 16-17
+Thlr., Tapioka-Sago, d. h. geperltes Manihot-Mehl, 22-23 Thlr. In
+Singapore kostet 1 Ztr. Palmen-Sago durchschnittlich 2 Dollars als Mehl,
+3 Ds. in Perlform; Tapioka-Mehl 3 Ds., Perlen 4 Ds. Die Fracht
+übersteigt selten 1 Dollar per Zentner. Der grosse Unterschied im Preise
+ist die Prämie der Zwischenhändler; sie zeigt, wie unvollkommen, unsere
+Verkehrsverhältnisse noch sind.
+
+
+
+
+Sechstes Kapitel.
+
+ Opium.
+
+
+Die hervorragendste Leidenschaft der Hinterindier, namentlich der
+Chinesen, scheint die Spielsucht. In Canton spielt der hungrige Kuli mit
+dem Garkoch um das Essen; gewinnt er, so speist er gratis, im andern
+Fall verliert er den Einsatz und speist gar nicht. Das Spielen ist aber
+hier sowohl als in Pinang und Malacca streng verboten, und wird deshalb
+heimlich getrieben. Es ist ein öffentliches Geheimniss, dass die
+niederen Polizeibeamten, alle selbst Asiaten, im Sold der
+Spielunternehmer stehen und nicht nur die Spielhäuser nicht verrathen,
+sondern sie gewöhnlich bei Zeiten warnen, wenn einmal von Seiten der
+höheren Beamten ein Ueberfall gegen ein verdächtiges Haus ausgeführt
+werden soll. Im Anfang des Bestehens der Kolonie waren auch Spielhäuser
+gestattet, die Konzession dazu wurde, wie zum Opium- und
+Branntwein-Handel dem Meistbietenden verpachtet und bildete eine der
+bedeutendsten Einnahmen. Der einflussreichere Theil der europäischen
+Bevölkerung fand aber hierin etwas Unsittliches; so ist denn jetzt das
+Spiel seit einer Reihe von Jahren verboten, obgleich jedermann weiss,
+dass die polizeilichen Mittel zur wirklichen Unterdrückung desselben
+nicht vorhanden sind. In neuester Zeit wird daher die Ansicht immer
+allgemeiner, dass es unter den bestehenden Verhältnissen angemessener
+wäre, wieder öffentliche Spielhäuser einzurichten und sie zu einer
+Steuerquelle zu benutzen, wie die Holländer und Spanier thun. -- In
+diesem Sinne hat sich auch die Grand-Jury in ihrem letzten Bericht über
+den Zustand der Kolonie (1865) ausgesprochen. Jedenfalls scheint es eine
+grosse Inkonsequenz, das Spiel aus moralischem Zartgefühl zu verbieten
+und das ~Opium~rauchen zu gestatten, das noch schlimmer ist, als
+Hasardspiel, da es, einmal zur Leidenschaft geworden, den Menschen nicht
+nur eben so sicher, wie jenes, moralisch und finanziell, sondern auch
+physisch zu Grunde richtet. Die Ursache der Inkonsequenz liegt wohl in
+dem grossen Gewinn, den die britische Regierung aus der Bereitung des
+Opiums, die Kolonial-Regierung aus der Accise und die Kaufleute aus dem
+Vertrieb ziehen, an dem sich übrigens nicht nur Engländer, sondern Leute
+von allen Nationen mit gleichem Eifer und mit derselben Unbefangenheit
+betheiligen, wie am Handel mit Tabak oder Spirituosen.
+
+Opium ist bekanntlich der eingetrocknete Milchsaft des Gartenmohns
+(Papaver somniferum) und wird besonders in der Türkei und in Indien
+gewonnen. Das türkische Opium wird in Europa und Java, das indische in
+China und Hinterindien genossen. In Britisch-Indien ist die
+Opiumerzeugung Monopol der Regierung, in den Malwa- und andern Staaten
+unter einheimischen Fürsten steht sie jedem frei; das Fabrikat zahlt
+aber in Bombay einen Transitzoll von 400 Rupien per Kiste. Das Opium von
+Behar, im Handel als Patna bekannt, und das von Benares, beide unter der
+strengen Aufsicht englischer Beamten dargestellt, sind besser als
+Malwa-Opium. Letzteres geht fast ausschliesslich nach Nord-China.[25]
+
+Zum Rauchen ist das Opium, wie es aus Indien kommt, noch nicht geeignet;
+es wird erst durch ein umständliches Verfahren, das 18 Stunden Zeit in
+Anspruch nimmt, im Wesentlichen aber nur im Ausziehen der in Wasser
+löslichen Bestandtheile und Eindicken des Auszugs besteht, in die von
+den Rauchern beliebte Substanz ~Tschandu~ verwandelt, die wie Melasse
+aussieht, aber noch konsistenter ist.[26]
+
+Das Recht, das Tschandu zu bereiten, ist in Singapore Monopol der
+Regierung, die es dem Meistbietenden verpachtet. Diese Pacht bildet ihre
+~Haupt-Einnahme~; der Pächter ist immer ein Chinese, keinem Andern würde
+es möglich sein, unter der hiesigen Bevölkerung eine gewinnbringende
+Kontrolle auszuüben. Der Pächter, der gewöhnlich sehr reich wird,
+verkauft das Tschandu an die Opiumkrämer, von denen es die Raucher in
+einzelnen Dosen entnehmen. Die Wiederverkäufer erhalten gar keinen, oder
+nur sehr geringen Rabatt, der höchstens für solche, die entfernt wohnen,
+bis auf 8% steigt. Die Konsumenten kaufen ihr Tschandu bei dem Pächter
+nicht billiger, als bei dem Kleinhändler; der Gewinn des letzteren
+besteht lediglich in den Abfällen. Das Tschandu hinterlässt nämlich beim
+Rauchen einen Rückstand, bestehend aus Kohle, brenzlichen Oelen, einigen
+Salzen und etwas unverbranntem Opium. Dieser Rückstand heisst Tinko und
+beträgt fast die Hälfte des ursprünglichen Tschandu. Er wird an die
+ärmere Klasse zum halben Preis verkauft; man raucht oder verschluckt
+ihn. Im ersterem Falle lässt er wieder einen Rückstand, Samsching, der
+von noch Aermeren gekauft und verschluckt wird, da er nicht mehr
+brennt. Aus dem Verkauf der Rückstände bestreitet der Opiumkrämer die
+Miethe seines Lokals und den Unterhalt seiner Familie.
+
+Wohlhabende rauchen ihr Opium zu Haus, Aermere bei den Krämern, die zu
+dem Zweck einen besonderen Raum verfügbar halten, in welchem mehrere
+Bambuspritschen angebracht sind. Diese engen, heissen, von Opiumrauch
+erfüllten Räume werden als eine der Sehenswürdigkeiten Singapores
+gewöhnlich von Fremden besucht. Daher sind die „Gräuel dieser Höllen,
+der fürchterliche Qualm und die Entsetzen erregenden Gestalten der
+Unglücklichen, die dem Laster fröhnen”, schon oft mit sehr lebhaften
+Farben beschrieben worden. Ich habe diese Orte mehrere Male besucht,
+fand aber den Qualm nie so unerträglich, als den Tabaksqualm mancher
+deutschen Bierstuben, auch gelang es mir ebenso wenig, die schrecklichen
+Folgen des Lasters gleich auf den Gesichtern der Raucher zu lesen, als
+die Folgen der Trunksucht auf den Gesichtern von Stammgästen, oder die
+des Spielens auf denen, die in Baden den Roulettetisch umgeben. Der
+Raucher liegt auf einer Pritsche ausgestreckt, nimmt mit einer langen
+Nadel eine kleine Menge Tschandu, zündet sie an, wozu einige
+Geschicklichkeit gehört, da die Masse schwer brennt, und bringt sie auf
+die feine Oeffnung eines birnförmig gestalteten Pfeifenkopfs, zieht den
+Rauch mit einem oder einigen langen Athemzügen ein, behält ihn einige
+Zeit bei sich und bläst ihn aus.
+
+Nach Crawfurd wird an keinem Ort der Welt im Verhältniss zur Kopfzahl so
+viel Opium konsumirt als in Singapore. Den Grund dafür sieht er in den
+hohen Löhnen und in der überwiegend chinesischen Bevölkerung. Nach ihm
+soll sich der Opiumverbrauch in Singapore zu dem in China und in Java
+verhalten wie 33 zu 14 zu 4. C. giebt aber die Quellen dieser Zahlen
+nicht an. Ich habe vergeblich versucht, ihre Richtigkeit zu prüfen, da
+die in den mir zugänglichen Schriftstellern und Reports enthaltenen
+einander so widersprechen, dass sie nicht in Einklang zu bringen sind.
+Es wäre aber eine sehr interessante Arbeit für Jemand, dem ausreichendes
+Material zur Verfügung steht, eine auf zuverlässige Zahlen begründete,
+vergleichende Uebersicht der schnellen Zunahme des Opiumverbrauchs nicht
+nur in Asien, sondern auch in Europa und Amerika aufzustellen; besonders
+für ~England~ scheint Gefahr im Anzuge.
+
+Ob die Regierung von Singapore die Macht besässe, das Opiumlaster jetzt
+noch zu unterdrücken, ist eine andre Frage; ist es doch selbst in den
+europäischen Polizeistaaten nicht gelungen, die Ueberhandnahme des
+Tabakrauchens zu verhindern; um wie viel schwieriger wäre es in einem
+Freihafen wie Singapore, wo alle Mittel zum Zwange fehlen, dem mit viel
+grösserer Leidenschaftlichkeit getriebenen Opiumrauchen ein Ende zu
+machen. Geradezu unmöglich wäre es vielleicht nicht, wenn der ernste
+Wille vorhanden wäre und das Bestehen der Kolonie davon abhinge; gelingt
+es doch dem Opiumpächter, dem Schmuggeln der Droge vorzubeugen.
+
+Wie wenig übrigens an eine solche Maasregel gedacht wird, geht aus
+folgenden Auszügen aus dem Chinese Commercial Guide, Hongkong 1863,
+hervor: danach betrug die jährliche Opiumeinfuhr in China während der
+letzten 10 Jahre 70,000 Kisten. Das reichte für den Bedarf nicht aus und
+beförderte die Produktion in China, wo gegenwärtig 20,000 bis 30,000
+Kisten durch einheimische Pflanzer erzeugt werden. Die Nettoeinnahme in
+Indien beträgt ungefähr 4,000,000 £ jährlich, das Produkt kostet der
+Regierung etwa 400 Rupies (40 £) per Kiste. Der Opiumbau soll dort sehr
+ausgedehnt und der Preis herabgesetzt werden, um das chinesische Opium
+vom Markt zu verdrängen, was, wie man glaubt, stattfinden wird, wenn das
+indische zu 450 Ds. per Kiste geliefert werden kann, während sein
+Durchschnittspreis in den letzten 4 Jahren 800 Ds. betrug. Die
+Gesammtausfuhr aus Indien von 1798-1855 betrug 1,197,041 Kisten und
+stieg von 4000 Kisten im ersten Jahre auf 78,454 im letzten Jahre, die
+indische Regierung zog daraus einen Gesammtgewinn von 67,000,000 £ und
+darüber. 180,000 Kisten davon wurden in den malayischen Ländern
+verbraucht.... In China wird das Opium in Schan-si, Schen-si,
+Kwei-tschau, Yun-nan und Sze-tschuen gebaut. Sein Preis schwankt
+zwischen 25 und 30 tael per 8-1/2 ℔ Englisch.[27] Auch in der Mongolei
+und in Nord- China, sowie in Fuh-kien und Hün-nan wird der Mohn gebaut.
+Der Werth des gegenwärtig in China eingeführten Opiums ist dem Werth der
+Ausfuhr von Thee und Seide fast gleich. Als eine Errungenschaft des
+letzten Krieges ist der Opiumhandel jetzt gesetzlich erlaubt. Der
+Gebrauch der Droge hat sich über das ganze Reich verbreitet und seine
+Billigkeit für Raucher, die fern von der Küste wohnen, wird den
+Verbrauch wohl bedeutend steigern, sowie auch die damit verbundenen
+Uebel ... Die Geschichte der Anstrengungen, welche die Beherrscher
+dieses heidnischen Volks gemacht haben, um die Einführung des Opiums
+abzuwehren, weil sie fühlten, dass es für die Einkünfte, die
+Sittlichkeit und den Gewerbfleiss ihres Volkes schädlich war, und das
+gänzliche Misslingen dieser Anstrengungen bildet eines der lehrreichsten
+Kapitel in den chinesischen Annalen ...
+
+Es ist zugleich die Geschichte der Anstrengungen des christlichen Volks
+der Briten, um den „umnachteten Heiden” trotz allem Widerstande, durch
+Schmuggel, Bestechung der Mandarine und offenbare Gewalt, ja sogar durch
+zwei Kriege das Gift aufzuzwingen. Man sieht daraus, was es mit der
+civilisatorischen Mission auf sich hat, wenn sie mit dem Eigennutz
+kollidirt.
+
+Dies hat unter der Ostindischen Kompanie stattgefunden. Jetzt aber steht
+Indien und seine Opiumproduktion unmittelbar unter der englischen Krone,
+die nun für eigene Rechnung Opium produzirt und verkauft, und auf jede
+mögliche Weise das lukrative Gewerbe auszudehnen bemüht ist. Nach der
+Times vom Mai 1865 ist der jüngste Ausfall im indischen Budget
+hauptsächlich der über alle Maassen gesteigerten Opiumproduktion in
+Indien zuzuschreiben (man hatte aus übergrossem Eifer weite Strecken
+Landes, die dafür nicht geeignet waren, mit Mohn bebaut, auch fehlte es
+an geübten Händen für die so sehr vermehrte Produktion).[28] Lockhart
+druckt im „Medical Missionary in China” einen im Verein mit Rev.
+Medhurst für ein Blaubuch geschriebenen Aufsatz über das Opium in China
+ab, der viele interessante Thatsachen enthält; besonders geht daraus die
+schnelle Ausbreitung des Lasters über das ganze chinesische Reich
+hervor, „es hat als ein Bächlein begonnen und wäre jetzt eben so schwer
+zurückzudrängen, als die Meeresfluth.”
+
+Als Mittel der Abhülfe schlägt Lockhart der englischen Regierung vor,
+den Opiumbau in ihrem Gebiet und den Transit durch ihr Gebiet ganz zu
+untersagen; die englische Regierung zieht aber aus dieser Quelle
+4,000,000 £ (nach Lockhart sogar 5,000,000 £)! Ausserdem empfiehlt er
+das Gebet der Missionäre, Ermahnungen an die Chinesen und ähnliche
+Mittel, auch fordert er die Opiumhändler in China auf, der Quelle ihrer
+Reichthümer aus Rücksicht für ihre Nebenmenschen zu entsagen. Von allen
+diesen Mitteln scheint das dritte noch das wirksamste, doch ist auch von
+ihm nicht viel zu erwarten, denn die ungläubigen, genusssüchtigen,
+eingebildeten, die Fremden verachtenden, auf ihre alte Kultur stolzen
+Chinesen sind der schlechteste Rohstoff für christliche Missionäre. In
+gleichem Maasse, wie die Nachfrage, wird auch die Opiumproduktion
+zunehmen. Es wird wohl schwerlich ein anderes Mittel zur Beschränkung
+des Missbrauchs erfunden werden, als das, welches sich in allen
+ähnlichen Fällen bewährt hat: allgemeine Zunahme des Wohlstandes und der
+Bildung und der in gleichem Maasse steigenden Selbstachtung und
+Selbstbeherrschung.
+
+Nach dem Urtheil mancher Aerzte und anderer am Opiumhandel nicht
+Betheiligter soll mässiger Opiumgenuss nicht schädlicher sein als
+mässiger Genuss von Spirituosen. Für diese Ansicht scheinen allerdings
+die Tüchtigkeit und Körperkraft der chinesischen Bevölkerung von
+Singapore zu sprechen, von der nach Dr. Little jeder Dritte ein
+Opiumraucher sein soll. Manche geben sogar dem Genuss des Opiums den
+Vorzug vor dem der Spirituosen. Jedenfalls ist der Opiumraucher für
+seine Umgebung weniger lästig, da er sich während seines Rausches am
+liebsten gegen die ganze Aussenwelt abschliesst, während sich der Säufer
+aufdrängt und Händel sucht. Man sieht in den Ländern, wo Opium geraucht
+wird, nicht die durch Völlerei veranlassten hässlichen Auftritte, ausser
+in der Nähe der von europäischen, namentlich englischen Matrosen
+besuchten Branntwein-Kneipen. Mässig genossen, befähigt es zum Ertragen
+von Strapazen und Entbehrungen, denen der Mensch sonst erliegen müsste,
+worüber Johnston's Chemistry of comm. life sehr schlagende Beispiele
+enthält. Die grosse Gefahr liegt in dem zauberhaften Reiz, den das Opium
+auf seine Verehrer ausübt, in der unwiderstehlichen Gewalt, die es über
+ihre Willenskraft erlangt, in der Nothwendigkeit, die Dosis allmälig zu
+steigern, um gleiche Empfindungen hervorzurufen. Daher ist es besonders
+für reiche Wüstlinge verderblich, die weder durch den hohen Preis der
+Droge noch durch ernste Beschäftigungen verhindert werden, dies immer
+bereite Mittel zum Sinnenrausch anzuwenden.
+
+Die in vielen ärztlichen und andern Büchern beschriebenen
+physiologischen Wirkungen des unmässigen Genusses auf Geist und Körper
+sind vielleicht noch abschreckender als die der Trunksucht.[29]
+Abgesehen von den spezifisch verschiedenen physiologischen Folgen
+nehmen unmässige Opiumraucher ein ähnliches Ende, wie Säufer. Sie
+verlieren ihre gesellschaftliche Stellung, bringen sich und ihre Familie
+in die tiefste Noth und sterben elend auf der Gasse. Darin stimmen Alle
+überein, dass es sehr viel leichter ist, sich den Trunk abzugewöhnen,
+als das Opium, wenn es einmal zur Leidenschaft geworden ist; Viele
+halten es für unmöglich. Auch geschieht es nie ohne grosse Qualen des
+Körpers und Geistes, und nur unter grosser Gefahr für die Gesundheit.
+Lockhart erzählt aber, dass im Hospital von Shanghai Tausende von
+Opiumrauchern behandelt wurden, von denen viele den Gebrauch aufgaben.
+
+Ueber die oben angedeutete schnelle Zunahme des Opiumkonsums in
+~England~ haben die dortigen Zeitungen schon oft berichtet, doch scheint
+man in Deutschland von dem Umfang des Uebels keine Vorstellung zu haben.
+Johnston sagt: „Der Opiumverbrauch in Grossbritannien ist, mit China
+oder Indien verglichen, freilich unbedeutend, die Zunahme aber sehr
+beträchtlich. Die eingeführte Menge betrug 1839, 41,000 ℔;
+1852, 114,000 ℔: nach 15 Jahren fast das Dreifache!”
+
+Johnston giebt leider ebensowenig wie Crawfurd die Quellen seiner Zahlen
+an, und scheint zwischen Einfuhr und Verbrauch keinen Unterschied zu
+machen, was bei steuerbaren Waaren richtig ist, da solche nur, nachdem
+sie für den Verbrauch im Lande versteuert worden, in den Importlisten
+aufgeführt werden, während die unversteuerten, für den Transit
+bestimmten, bei der Wiederausfuhr unter „Transshipment” stehen. Bei
+steuerfreien Gegenständen, wie Opium, trifft aber diese Annahme gewiss
+nicht immer zu, da es keinen erheblichen Unterschied in den Unkosten
+machen kann, ob man eine so theure, wenig voluminöse, steuerfreie Droge
+vom eignen Lager oder von den Docks aus verschifft.
+
+In dem Annual Statement of Trade and Navigation of the United Kingdom
+1864 finden sich über Opium folgende Angaben:
+
+ Import. Export. Transshipment.
+
+ 1859 141,168 ℔ 79,059 ℔ 90,794 ℔
+ 1860 210,867 „ 98,072 „ 91,922 „
+ 1861 284,005 „ 290,120 „ 53,580 „
+ 1862 221,381 „ 146,337 „ 57,820 „
+ 1863 254,314 „ 110,101 „ 104,756 „
+
+Der mittlere Preis ist 1 £ per ℔.[30]
+
+Nimmt man an, dass die Einfuhr nach Abzug der Ausfuhr den Verbrauch in
+England darstellt, so erhielte man als das 5jährige Mittel 1859/63:
+77609,2 ℔. Es ist aber sehr fraglich, ob diese Annahme zutrifft, da 1861
+284,005 ein- und 290,120 ℔ ausgeführt, also 6115 ℔ mehr aus- als
+eingeführt sind, während England doch kein Opium produzirt und viel
+konsumirt. Bei einem Verbrauch von 77609,2 ℔ zu 7000 Gran und einer
+Bevölkerung von 30,000,000 kämen 18,11 Gran jährlich auf den Kopf. Legt
+man Johnston's Zahl 114,000 ℔ für 1852 zu Grunde, so erhält man 26,6
+Gran per Kopf und Jahr. (Es muss aber auch berücksichtigt werden, dass
+ein beträchtlicher Theil des in England verbrauchten Opiums zur
+Darstellung des Morphins auch für das Ausland verwendet wird.)
+
+Nach Crawfurd ist der Verbrauch in Singapore per Kopf und Jahr 330 Gran,
+in China 140 Gran, in Java 40 Gran. Da aber bei der in China und
+Hinterindien üblichen Art, das Opium im Wege des Rauchens zu geniessen,
+die Hälfte seines Nutzeffekts verloren geht, so muss man diese Mengen
+halbiren, um sie mit dem Konsum in England zu vergleichen. Man erhält
+dann 165, 70 und 20 Gran gegen 18, resp. 26,6 Gran in England. Nach der
+Angabe des Commercial Guide, dass China jetzt 100,000 Kisten per Jahr
+verbrauche, erhielte man, die Kiste zu 70 Katti Tschandu (rauchbaren
+Extrakt) = 93-1/3 ℔ engl. gerechnet, 163-1/3 Gran per Kopf und Jahr bei
+einer Bevölkerung von 400 Millionen, d. h. für China so viel, als
+Crawfurd für Singapore annimmt!
+
+Johnston sagt, dass trotz der grossen Zunahme des Opiumverbrauchs in
+England durchaus die statistischen Daten fehlen, auf welchen man die
+Annahme begründen könnte, dass der Opiumgenuss schon jetzt unter der
+Bevölkerung Grossbritanniens ein Nationallaster geworden sei oder bald
+werden würde. Nach ihm soll die ländliche Bevölkerung noch frei davon
+sein.
+
+Eine England eigenthümliche Form des Opiummissbrauchs, dessen
+ausgedehnte Verbreitung nach J. auf unbestreitbarem Zeugniss beruht, ist
+aber die folgende: Die Mütter in den Fabrikstädten geben ihre Kinder an
+Pflegemütter und diese beruhigen die Kinder und bringen sie in Schlaf
+durch Opium. Rev. Clay gab an, dass allein in Preston 1843, 1600
+Familien die Gewohnheit hatten, Godfrey's Cordial oder eine andre ebenso
+schädliche Komposition zu gebrauchen, und dass in einem der
+Begräbnissklubs jener Stadt 64% der Mitglieder vor dem fünften Jahre
+starben.
+
+Seitdem scheint sich aber das Uebel auch in der ländlichen Bevölkerung
+eingebürgert zu haben, wie nachfolgende wörtlich übersetzte Stellen aus
+dem 6^{th.} Report of the Medical Officers to the Privy Council 1863 pg.
+81 zeigen:
+
+ „Es kann, sagt Dr. Hunter, kein Zweifel an der Wahrheit der
+ entsetzlichen Thatsache sein, die fast jeder Arzt in den
+ Marschländern angiebt, dass daselbst keine Tagelöhnerwohnung zu
+ finden sei, in welcher man nicht die Opiatflasche sähe, und kein
+ Kind, das nicht davon auf eine oder andre Weise erhielte. In
+ andern Gegenden, wo Frauen ausser dem Hause arbeiten, wie in den
+ Fabrikstädten, wird es den Kindern von den Pflegemüttern
+ eingegeben, und man braucht sich nicht zu wundern, dasselbe
+ Verfahren hier in Anwendung zu finden; aber andre Umstände treten
+ hinzu, die es zu einer allgemeinen Gewohnheit machen, dieses
+ System des Dokterns in einer Ausdehnung zu betreiben, wie man es
+ nur in dem fraglichen Distrikt kennt.
+
+ Die schmerzhaften Rheumatismen und Neuralgien, die in den Mooren
+ immer noch häufig sind (d. h. unter älteren Leuten, aber
+ wahrscheinlich ohne allen Verdacht, dass kleine Kinder daran
+ leiden), behandelt man allgemein durch reichlichen Gebrauch von
+ Opium, und die ganze Bevölkerung ist mit dieser Droge durchaus
+ vertraut geworden. Die Drogengrosshändler berichten, dass sie
+ ungeheure Mengen nach diesen Gegenden senden, und die Drogenkrämer
+ verkaufen oft bis zu 200 ℔ im Jahr[31]. Sie wird in Pillen und
+ Penny-Stangen verkauft und ein Laden mit guter Kundschaft versieht
+ wohl an einem Samstag Abend 300-400 Kunden mit diesem Artikel. Die
+ Drogisten meinen, dass ihre grössten Konsumenten nicht die
+ Bewohner der Dörfer oder kleinen Städte seien, in welchen sich ihr
+ Laden befand, sondern vielmehr die Bewohner kleiner Weiler oder
+ einzeln gelegener Bauernhöfe in den Mooren.
+
+ Opium wird oft unter irgend einem rothwälschen Namen verlangt, und
+ die damit verbundene Vorstellung ist die einer verbotenen Lust.
+ Die Menge, die ein Opiumesser zu sich nehmen kann, ist oft
+ angeführt worden (etwa eine halbe Unze täglich ist nicht
+ ungewöhnlich), sie findet ihre Grenze eher im Preise, als in der
+ Stärke der Droge. Ein Mann in Süd-Lincolnshire beklagte sich, dass
+ seine Frau 100 £ für Opium ausgegeben habe, seit seiner
+ Verheirathung. Man sieht mitunter auf dem Felde einen Mann im
+ Schlaf, auf seine Hacke gelehnt, -- er fährt auf, wenn man ihm
+ nahe kommt, und arbeitet eine Zeit lang rüstig weiter. Ein Mann,
+ der ein schweres Stück Arbeit vorhat, nimmt seine Pille als eine
+ Vorbereitung, und Viele trinken ihr Bier nie, ohne ein Stück Opium
+ hineinzuwerfen. Um dem volksthümlichen Geschmack zu entsprechen,
+ aber zur höchsten Unbehaglichkeit für Fremde, werden dem Bier
+ narkotische Mittel von den Brauern oder Wiederverkäufern
+ zugesetzt. Vor einem halben Jahrhundert wurde der Bau des
+ Gartenmohns für den Londoner Drogenmarkt in diesem leichten Boden
+ betrieben. Damals nahm der Landmann Mohntrank mit aufs Feld, und
+ jetzt bildet der Mohnkopf, obgleich der Anbau des Artikels für den
+ Handel fast aufgegeben ist, den Hauptbestandtheil der Kräuterthees
+ und Hausmittel der Umgegend. Bei solcher Vertrautheit mit der
+ Droge ist es kein Wunder, dass ein Jeder bereit ist, sie
+ anzuwenden, um ein schreiendes Kind zu beruhigen, obgleich es dann
+ sicher wieder schreit, sobald es erwacht. Opiumesser sollen immer
+ Proselytenmacher sein und einem Kinde wohl Opium hinter dem Rücken
+ der Mutter oder Amme geben. Die beliebteste Form für Kinder ist
+ Godfrey's Cordial, eine Mischung von Opium, Syrup und einer
+ Infusion von Sassafras. Es ist dickflüssig und wird häufig in
+ einer Theetasse geholt. Wenn die Mutter auf Feldarbeit geht und
+ ihr Kind einer Wärterin übergiebt, so hält sie es für das Beste,
+ ihre eigene Flasche Godfrey zurückzulassen, denn die Praeparate in
+ den verschiedenen Läden sind verschieden, und es giebt keinen
+ kleinen Dorfladen, der überhaupt etwas verkauft, welcher nicht
+ auch seinen eigenen Godfrey verkaufte. Den Absatz der Opiate in
+ diesen kleinen Läden zu steigern, ist das eifrige Bestreben
+ einiger unternehmender Grosshändler. Bei den Drogisten gelten sie
+ für den „Haupt-Artikel” und der Gewinn daran ist gering, wenn er
+ im rohen Zustande verkauft wird. Nicht selten ist es vorgekommen,
+ dass eine Pflegeamme ihren eigenen Godfrey statt desjenigen ihrer
+ Clientin gereicht, und über die Wirkung erschrocken, den Wundarzt
+ herbeigerufen hat, der ein halbes Dutzend kleiner Kinder im Zimmer
+ umherliegend antrifft, einige schnarchend, andere schielend, alle
+ bleich mit hohlen Augen, und vergiftet.”
+
+Auch unter den wohlhabenden Klassen soll der Gebrauch immer mehr
+zunehmen, namentlich bei nervösen Frauen und geistig thätigen Männern in
+Form von Medizin. Nach Angabe der Aerzte und Missionäre nehmen auch in
+China die Meisten das Opium zuerst als schmerzstillendes, angenehm
+erregendes Mittel und gewöhnen sich allmälig so an den Genuss, dass sie
+ihm nicht mehr entsagen können. De Quincey's angeblich gegen das
+Opiumlaster geschriebene Buch hat auch gewiss schon manchen Proselyten
+unter müssigen Reichen gemacht.
+
+Bei solchen Verhältnissen wird man unwillkürlich an eine geistreiche
+Aeusserung Huc's erinnert (Chine I, 32). Nachdem er darauf aufmerksam
+gemacht, wie die Engländer durch Konterbande, Bestechung der Beamten und
+offene Gewalt trotz allem Widerstande der Regierung, das Opium in China
+verbreitet haben, führt er an, dass es jetzt schon im Lande selbst
+gebaut wird. In seiner allerdings sehr lebhaften Phantasie sieht er die
+Zeit kommen, wo die Chinesen das Opium am billigsten produziren, dann
+werden die englischen Schiffe, da der Verbrauch in England so schnell
+zunimmt, ihren Bedarf aus China holen. Er schliesst mit der Bemerkung:
+Beim Anblick dieser Schiffe, welche den giftigen Stoff aus dem
+himmlischen Reich heimtragen, um England zu vergiften, wäre es erlaubt,
+auszurufen: „Laissez passer la justice de Dieu!”
+
+Nach der Tydschrift voor Staathuiskunde en Statistiek 1863 pg. 339 war
+der Opiumverbrauch in Java 1854 48,660, 1855 61,602, 1856 70,787, 1857
+84,629, 1858 91,300, 1859 99,807, 1860 105,537 Katti, in 6 Jahren mehr
+als das Doppelte!
+
+Die holländische Regierung ist ernstlich bemüht, den Opium-Konsum in
+Java zu vermindern, hat aber auch noch kein wirksames Mittel ersinnen
+können. Obgleich die Anzahl Opiumläden verringert wurde, stieg der
+Verbrauch. Zu der so schnellen Steigerung in den letzten Jahren haben
+Duymaer van Twist's wohlgemeinte, aber verfehlte Maasregeln beigetragen,
+welche den Verbrauch zu beschränken beabsichtigten. Nach Bleeker betrug
+die Bevölkerung von Java und Madura 1860: 12,718,717 Seelen, darnach
+würde der Opiumverbrauch per Kopf 77,4 Gran für das Jahr 1860 betragen,
+so dass Crawfurd's Annahme, die sich auf eine wenigstens 6 Jahr frühere
+Zeit bezieht, wohl eher zu hoch als zu tief gegriffen ist.
+
+Als die gewöhnliche tägliche Dosis eines Opiumrauchers in China giebt
+Lockhart 1 Drachme an (Little nimmt für Singapore etwa halb so viel an),
+woraus sich bei einer Einfuhr von 67,000 Kisten die Zahl der Raucher in
+ganz China auf wenig über 2 Millionen berechnet (nach meiner Rechnung
+fast doppelt so viel, da eine Kiste 70 Katti = 93-1/2 ℔ x 226 Drachmen
+rauchbaren Extrakts enthält); manche verbrauchen bis 10 Drachmen per
+Tag, dies sind aber nur die Reichen.
+
+Ueber die Dosen, die ein Opiumesser in Europa zu sich nimmt, führt
+Husemann, Toxicologie pg. 595, höchst auffallende Thatsachen an:
+
+ „Eine der merkwürdigsten, dem Opium wohl mehr als irgend einem
+ andern Narkotikum eigenthümliche Eigenschaft ist die
+ ausserordentlich verschiedene Wirkung, die es in verschiedenen
+ Ländern, auf verschiedene Rassen, auf verschiedene Individuen, in
+ verschiedenen Lebensaltern, unter verschiedenen Idiosynkrasien
+ hervorbringt. Auf Kinder ist die Wirkung ausserordentlich intensiv
+ und inkonstant. Abgesehen von 2 vielleicht nicht ganz sicheren
+ Fällen, wo 1/90 und 1/20 Gran tödtlich wirkten, sind viele Fälle
+ bekannt, wo Kinder bis zu 5 Jahren durch 1/6 bis 1/2 Gran getödtet
+ wurden.... Die Quantitäten, an welche sich Erwachsene gewöhnen
+ können, sind wahrhaft erschreckend. Mir ist eine Dame bekannt,
+ welche 1/2 Unze Opiumtinktur pro Dose nahm; Bäcker erzählt von
+ einem Arzt, der täglich 30 Gran Opium in Substanz verzehrte. Die
+ Confessions of an Opiumeater zeigen am besten, wie weit es ein
+ Europäer bringen kann. Christison erzählt von einem alten Weibe,
+ das 40 Jahre lang täglich 1/2 Unze Laudanum nahm; aber dies ist
+ nichts gegen den Verfasser der Confessions, der es bis zu 8000
+ Tropfen des „dread agent of unimaginable pleasure” brachte.[32]
+ Nach Zeviani verzehrte ein Frauenzimmer in 33 Jahren 2 Zentner
+ Opium, nach Krüger Hansen ein Kranker in 1 Jahr 4700 Gran.
+ Christison erzählt sogar von einer Steigerung der Gabe bis zu 17
+ Unzen Laudanum!”
+
+ Als Fälle sonderbarer Idiosynkrasien bei Erwachsenen sind in
+ demselben Werk angeführt: 3 Tage anhaltende Intoxication durch 1/2
+ Gran Opium; Sopor nach 1/3-1/2 Gran Opium; Vergiftung durch 1 Gran
+ Opium per Clysma.
+
+
+
+
+Siebentes Kapitel.
+
+ Gründung und schnelles Aufblühen Singapores. -- Rhiow. --
+ Seeräuberei. -- Malayische Kronik. -- Uebersicht der
+ Verkehrsverhältnisse, sonst und jetzt. -- Ausbreitung der Chinesen.
+ -- Dampfschiffe.
+
+
+Singapore ist sehr neuer Entstehung. Als die Holländer nach dem Frieden
+von 1815 ihre ostindischen Besitzungen zurückerhielten, die ihnen die
+Engländer während der französischen Kriege abgenommen hatten, breiteten
+sie mit Eifer ihren Einfluss immer weiter über jene Meere aus durch
+Besitznahme neuer Territorien und durch Verträge mit einheimischen
+Fürsten, die ihnen grosse Vorrechte vor anderen Nationen einräumten. In
+England sowohl als in Britisch-Indien wurde damals die grosse
+Wichtigkeit des indischen Archipels für den Handel wenig gewürdigt, und
+es möchte vielleicht den Holländern gelungen sein, ihre Nebenbuhler
+zeitweis aus diesen Gewässern ganz zu verdrängen, wenn jene nicht in Sir
+Stamford Raffles einen unüberwindlichen Gegner gefunden hätten. Dieser
+hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das Monopol der Holländer in
+jenen Meeren zum Vortheil seiner Landsleute zu brechen. Mit eben so viel
+Kühnheit als Geschick und Beharrlichkeit schuf er durch die Gründung von
+Singapore einen Stützpunkt für den britischen Handel in demselben
+Augenblick, als die Engländer durch die traktatmässige Rückgabe Malaccas
+an die Holländer den letzten Quadratfuss Landes in jenen Gegenden
+verloren. Der Plan sowohl, als die Ausführung und die spätere
+Vertheidigung seiner Schöpfung gegen die heftigsten Angriffe sind fast
+ausschliesslich sein Werk. Es würde zu weit führen, hier alle
+Hindernisse aufzuzählen, die er zu bekämpfen hatte. Am heftigsten war
+natürlich der Widerstand von Seiten der Holländer, die sich in ihren
+vertragsmässigen Rechten gekränkt hielten. Aber auch bei seinen
+Landsleuten fand Raffles nur geringe Unterstützung, von mehreren Seiten
+grossen Widerstand. Besonders von Pinang aus, das in Singapore einen
+gefährlichen Nebenbuhler erkannte, wurden ihm viele Schwierigkeiten
+bereitet. In England, wo die schwache Regierung der ostindischen
+Kompanie nichts gegen die Beschwerden des holländischen Gesandten
+vermochte, und die Wichtigkeit der neuen Kolonie nicht gewürdigt wurde,
+kam es so weit, dass Lord Bathurst im offenen Parlament Raffles
+desavouirte. Auch von den Direktoren der Kompanie erhielt er einen
+Verweis. Nur bei den Kaufleuten fand er einige Unterstützung.
+
+Schon 1818 hatte Raffles dem damaligen General-Guvernör von
+Britisch-Indien einen Plan vorgelegt, um mitten im Archipel, am Ostende
+der Malaccastrasse, als Gegengewicht gegen den holländischen Einfluss
+ein Emporium zu gründen, und als im Januar 1819 Malacca aufgegeben
+wurde, zauderte Raffles nicht länger mit der Ausführung. Ohne vorher auf
+Instruktionen aus England zu warten, zum Theil auf eigene
+Verantwortlichkeit, da er Gefahr im Verzuge sah, verschaffte er sich
+bereits am 6. Februar 1819 ein Stück Land am südlichen Rande der Insel
+und begann sofort die Gründung einer Stadt. Erst am 2. August 1824
+schloss Crawfurd einen neuen Vertrag, wodurch den Engländern die ganze
+Insel und Alles, was in einem 10 Miles breiten Gürtel darum liegt, mit
+Ausnahme des entsprechenden Streifens auf der Halbinsel Johor,
+überlassen wurde. Es befinden sich in diesem Gürtel 75 kleine Inseln,
+deren Flächeninhalt zusammen 17 □Miles beträgt. Singapore hat
+206 □Miles (ungefähr 10 deutsche Quadratmeilen), die ganze Besitzung
+also 223 □M.
+
+Ich erwähne nicht die diplomatischen Verhandlungen mit den einheimischen
+Häuptlingen, deren Dispositionsfähigkeit die Holländer bestritten, noch
+die Konflikte mit den letzteren, da sie zu verwickelter Art und von zu
+lokalem Interesse sind, führe aber am Schluss dieses Abschnitts einige
+Stellen aus einer von Raffles' malayischem Schreiber verfassten Kronik
+an, welche auch als ein Beispiel der Auffassungsweise eines sehr fähigen
+Eingebornen von Interesse sind.
+
+Damals war Singapore eine von dichtem Urwald bedeckte Insel, ein
+Zufluchtsort der gefürchtetsten Seeräuber. Etwa 700 Jahre früher war von
+Palémbang aus eine Stadt Singa-pura (Löwenstadt) auf der Insel gegründet
+worden, die aber später von den Siamesen (?) zerstört wurde. Seit
+Jahrhunderten war Alles wieder mit dichtem Walde bedeckt. Erst 1811
+hatte sich der Tumongong von Johor, Vater des S. 52 erwähnten, selbst
+einer der verrufensten Seeräuberfürsten, am Südrande der Insel mit einem
+Gefolge von etwa 150 Mann niedergelassen.
+
+Eine der grössten Schwierigkeiten für Raffles war die Beschaffung eines
+~Besitzers~ der Insel, von welchem diese rechtsgültig an die Engländer
+abgetreten werden konnte. Unter den verschiedenen Prätendenten, die nach
+dem Tode des letzten Sultans von Johor um die Erbschaft stritten, wählte
+Raffles den Tuanko-Long, dessen Anrechte durchaus nicht ohne Zweifel
+waren, und selbst diesen musste er den Holländern mit grosser
+Heimlichkeit und List aus Rhiow entführen. Die Holländer hielten darauf
+den Bruder Tuanko-Long's als Gegenkandidaten aufrecht, und Jahre lang
+bekämpften sich die beiden Seemächte hinter diesen vorgeschobenen
+Puppen. Erst 1824 wurde die Besitznahme von Singapore ausdrücklich durch
+die Holländer anerkannt. Aber unter allen diesen Stürmen hatte sich der
+gelegte Keim so schnell und kräftig entwickelt, dass Raffles bei seinem
+letzten Besuch, 1823, die Freude hatte, in der erst 4 Jahre alten
+Kolonie eine Bevölkerung von 10,000 Seelen und einen Handel von 2
+Millionen Pfund Sterling vorzufinden![33] Der Grund des schnellen
+Aufblühens liegt einerseits in den freien Institutionen, die immer dort
+geherrscht haben, andererseits in der günstigen Lage am äussersten Ende
+der malayischen Halbinsel. Da Vorder- Indien und China viel weiter
+nördlich endigen, während die Halbinsel sich fast bis an den Aequator
+erstreckt, das Meer dort überdies frei von Gefahren und Stürmen ist, so
+drängt sich die ganze Schifffahrt zwischen Indien und China unmittelbar
+an Singapore vorbei, so dass die Rhede dieser Stadt einen Theil der
+grossen Handelsstrasse selbst ausmacht.
+
+Die völlige Freiheit von allen Abgaben und aller Kontrolle, den
+drückenden Monopolen gegenüber, die bis dahin immer alle in jenen Meeren
+herrschende europäische Nationen zur Ausschliessung fremder Flaggen
+aufrecht erhalten hatten, andererseits die Sicherheit der Person und des
+Eigenthums gegenüber der Rechtlosigkeit und Lebensgefahr in den Staaten
+der einheimischen Fürsten, machten Singapore bald zum Stapelplatz der
+Produkte des ganzen Archipels sowohl, als zu dem der europäischen,
+namentlich englischen Waaren, die von hier aus ihre Weiterverbreitung
+nach allen Inseln und nahe gelegenen Küstenländern fanden. Der
+Schifffahrt zwischen Indien und China bot Singapore auch grosse
+Bequemlichkeiten als eine gerade in der Mitte gelegene Station. Dazu
+kommen noch sehr günstige klimatische Verhältnisse, eine für die Lage
+milde Temperatur, und trotz des Rhizophorensaumes, der den grössten
+Theil der Insel umgiebt, sehr gesunde Luft. Den Chinesen entgingen die
+Vortheile nicht, welche ihnen die englische Niederlassung darbot. Sie
+strömten massenweis herbei, die Regierung begünstigte ihren Zuzug, da
+sie als fleissige Arbeiter unter den trägen Völkern Hinterindiens
+willkommen waren.
+
+1826/28 erklärten die Holländer das nahe gelegene Rhiow, auf der Insel
+Bintang,[34] zum Freihafen, in der Hoffnung, dadurch einen Theil des
+Handels von Singapore abzuziehen und ihm einen Nebenbuhler zu schaffen.
+Die Maasregel erwies sich aber als eine verfehlte, denn schon war
+Singapore der Mittelpunkt eines grossen Weltverkehrs geworden: es besass
+reiche Handelshäuser, Agenturen, Banken, Versicherungsgesellschaften und
+grosse Waarenmagazine; -- Rhiow hatte nicht Einen Vorzug vor Singapore.
+Selbst in der Lage, worin es ihm noch am meisten nahe kommt, steht es
+ihm nach, da die zwischen Indien und China fahrenden Schiffe, um Rhiow
+zu erreichen, einen Umweg machen müssen, während sie an Singapore
+vorüberfahren, ohne einen Strich aus ihrem Kurs zu weichen. Auf Rhiow
+besteht ~kein~ grosses Handelshaus; mehrere, die sich daselbst
+aufthaten, wurden mit grossem Verlust wieder aufgelöst. Es ist fraglich,
+ob sich die Holländer nicht geschadet haben, indem sie Rhiow zum
+Freihafen erklärten, jedenfalls hat aber Singapore dadurch gewonnen, da
+der Schmuggelhandel, der von dieser Stadt nach den niederländischen
+Besitzungen getrieben wird, dort eine bequeme Station findet.
+
+Ausser Raffles hat Singapore seine schnelle Entwicklung lediglich sich
+selbst zu danken. Man kann sich nicht der Betrachtung entziehen, wie in
+diesen sonst nur den Monopolen und der Willkür verfallenen Ländern die
+Einführung gesunder, freihändlerischer Grundsätze die glänzendsten
+Erfolge herbeigeführt hat: In diesem Hafen giebt es weder Einfuhr-, noch
+Ausfuhrzölle, Schiffe aller Nationen sind frei von jeder Abgabe. Jeder
+kommt und geht, woher und wohin es ihm beliebt.
+
+Anfänglich stand Singapore unter der Regierung von Bencoolen (Sumatra),
+dessen Guvernör Raffles war. 1826, als die Engländer gegen ihre
+Besitzungen in Sumatra Malacca von den Holländern eintauschten, kam es
+mit dieser Kolonie zusammen unter Pinang. 1830 erhielten Singapore,
+Malacca und Pinang unter dem Namen „The Straits Settlements” einen
+gemeinschaftlichen der Regierung von Bengalen untergeordneten Guvernör;
+die Lokalverwaltung in jeder Kolonie führt ein Resident-Councillor.
+Bisher hat aber die Bengalische Regierung auf die Entwicklung
+Singapores eher hemmend, als fördernd gewirkt. Der Guvernör der
+Kolonien in der Meerenge hat sehr wenig Macht und muss sich oft selbst
+in reinen Lokalsachen nach Kalkutta wenden, wo die dringendsten
+Verbesserungsvorschläge häufig unbeachtet liegen bleiben. Wenn einige
+von dort ausgegangene Verordnungen, die für Singapore die schlimmsten
+Folgen gehabt haben würden (Einführung von Tonnengeldern,
+Einfuhrzöllen, einer neuen Geldwährung u. a.), nicht zur Ausführung
+kamen, so ist dies nur der Wachsamkeit und Energie seiner europäischen
+Bevölkerung zuzuschreiben, die gegen dergleichen Beschlüsse lebhaft
+opponirte und sich direkt an das englische Parlament wendete, von dem
+sie rückgängig gemacht wurden. Nicht mit Unrecht warf man der Regierung
+von Kalkutta vor, dass Singapore für sie kein anderes Interesse habe,
+als das einer Station zur Deportation von Sträflingen. Seine grosse
+Wichtigkeit für den Handel scheint dort nie volle Würdigung gefunden zu
+haben. Allem Anscheine nach wird aber binnen Kurzem die Verwaltung
+dieser blühenden Besitzungen von der indischen Regierung unabhängig
+gemacht und unmittelbar unter das Kolonialministerium gestellt werden.
+
+Einer der grössten Uebelstände, die aus der Machtlosigkeit der Regierung
+von Singapore hervorgehen, ist ihre Unfähigkeit die Seeräuberei zu
+unterdrücken, die eher zu- als abzunehmen scheint. Wegen der
+Unsicherheit der dortigen Meere sind alle Schiffe bewaffnet, und wenn
+die Gelegenheit günstig ist, so greift das stärkere das schwächere an;
+nur ein sehr geringer Theil der Räubereien wird bekannt. -- In seinem
+Bericht von 1859 klagt der Guvernör, dass die Seeräuberei im
+verflossenen Jahre sehr zugenommen habe, sowohl in Form von eigens
+ausgerüsteten Unternehmungen in grossem Massstab, als von Strassenraub
+auf offenem Meere, häufig von Mord begleitet; erstere in Junken, die in
+Singapore armirt werden.
+
+Die Spanier und Holländer haben bisher mehr zur Vernichtung des
+Seeraubes im Archipel gethan als die Engländer. Am meisten hat aber wohl
+im Verhältniss zu seinen Mitteln ein englischer Privatmann, Sir James
+Brooke, der Rajah von Sarawak, geleistet. Wenn sich nicht alle vier
+Seemächte, die jetzt in jenen Meeren Kolonien haben, zu
+gemeinschaftlichen Massregeln auf längere Zeit vereinigen, wird es wohl
+nicht gelingen, die Seeräuberei auszurotten, denn viele unbewohnte
+Küsten und kleine Inseln gewähren Zufluchtsstätten, welche häufig mit
+Kokos- und Sago-Palmen versehen, und von einem schützenden Wall von
+Rhizophoren-Wäldern oder Korallenriffen umgürtet sind, die Trepang,
+Muscheln, Schildkröten und Fische liefern, und nur durch schmale, den
+Seeräubern allein bekannte, nur für ihre kleinen Boote zugängliche
+Kanäle unterbrochen sind. Die leichten, flachen, sehr stark mit Ruderern
+bemannten Boote sind so geschwind, dass nur die schnellsten Dampfer
+ihnen folgen können, diese verrathen sich aber schon aus grosser Ferne
+an ihrer Rauchsäule, so dass die nur wenige Fuss über das Wasser
+ragenden, und folglich in sehr geringer Ferne unsichtbaren „Pankos”
+gewöhnlich vollauf Zeit haben, zu entwischen. Auch wechseln die Räuber
+wohl Nachts ihren Aufenthalt, wenn Gefahr in der Nähe ist.
+
+Sehr gegen den Willen der Bevölkerung hat die britisch-indische
+Regierung seit dem letzten chinesischen Kriege in Singapore grosse
+Befestigungen anlegen lassen, und unterhält jetzt daselbst eine
+kostspielige Garnison. Singapore fühlte sich hinreichend sicher in
+seinen freien Institutionen. Als neutrales Gebiet und Jedem offenes Asyl
+hat es einen zu grossen Werth für alle Völker Hinterindiens, als dass
+ernstliche Unruhen zu befürchten wären. Der Plan, die Stadt zu
+befestigen, entstand während der indischen Revolution in Kalkutta; man
+wollte den Europäern im Fall einer Empörung der Chinesen dadurch den
+nöthigen Schutz gewähren. Jene finden aber ihre Sicherheit in der
+Verschiedenheit der Elemente, aus welchen die dortige Bevölkerung
+besteht, in dem damit verbundenen Rassenhass und viel mehr noch in dem
+Interesse, das Alle gemeinschaftlich an der Aufrechthaltung der nöthigen
+Ruhe und Ordnung haben. Ueberdies fürchtet man, dass im Fall eines
+Krieges mit einer europäischen Seemacht Singapore grade jetzt wegen
+seiner Befestigungen der Beschiessung und Zerstörung durch feindliche
+Schiffe ausgesetzt sein würde.
+
+ * * * * *
+
+In der oben (S. 82) erwähnten Kronik (Journ. Ind. Arch. 1854, S. 585)
+heisst es:
+
+ .... Zu jener Zeit wagte kein Sterblicher durch die Strasse von
+ Singapore zu fahren, selbst Djins (Genien) und Teufel fürchteten
+ sich, denn dies war der Ort, den die Seeräuber benutzten, um dort zu
+ schlafen und nach einem glücklichen Angriff auf die Prauen oder
+ Boote eines Schiffes ihre Beute zu theilen. Dort brachten sie auch
+ ihre Gefangenen um, und sie selbst bekämpften und tödteten sich
+ gegenseitig bei ihren Streitigkeiten um Theilung der Beute....
+
+ Was die Seemenschen, Oranglaut, betrifft, welche in Prauen leben, so
+ sind sie wie wilde Thiere; wenn sie irgend Jemandem begegnen, so
+ rudern sie gewöhnlich an's Land; wenn sie aber nicht Gelegenheit
+ haben, auf diese Weise zu entkommen, so springen sie über Bord und
+ tauchen wie Fische. Eine halbe Stunde vielleicht bleiben sie unter
+ Wasser, worauf sie 100 oder 200 Faden entfernt wieder erscheinen.
+ Männer, Weiber und selbst Kinder sind in dieser Beziehung gleich. Es
+ ist unmöglich, ihre Bestürzung zu schildern, wenn sie civilisirte
+ Menschen erblicken. Ihre Gesichter sehen aus, als wären sie einem
+ Tiger begegnet. Mr. Farquhar bemühte sich, sie durch Geschenke von
+ Reis, Geld und Kleidern zu ermuthigen, so dass sie bald zutraulich
+ wurden; aber einige derer, die keine solche Gelegenheit hatten,
+ waren dermaassen von Furcht befangen, dass ihnen unwohl wurde, und
+ ein Bursche ertrank Teluk-ayer gegenüber ...
+
+ Jeden Morgen pflegte Mr. Farquhar (Raffles' Agent) herumzugehen, um
+ das Land zu untersuchen, aber es war mit hohem Walde bedeckt,
+ ausgenommen die Mitte der Ebene, wo nur Karmuntink- und
+ Sikadudu-Büsche mit einigen Kaladbäumen standen, die Seeküste war
+ bedeckt mit Ambong und Malpari und Aeste davon lagen umhergestreut,
+ auf der andern Seite des Flusses stand Mangrove und Seraju mit
+ umherliegenden Aesten. Es war nicht ein Fleck guten Landes
+ vorhanden, ausser einem Stück, 10 Faden breit, das Uebrige war eine
+ Sumpffläche, ausgenommen die Hügel....
+
+ Längs des ganzen Strandes lagen Hunderte menschlicher Schädel,
+ einige alt, andre frisch, deren Haar noch daran sass, einige mit
+ noch scharfen Zähnen und andre ohne Zähne, kurz in verschiedenen
+ Stufen der Verwesung. Die Seemenschen wurden gefragt, wessen Schädel
+ dies seien. Sie antworteten: „Dies sind die Köpfe von Menschen, die
+ von den Seeräubern erschlagen worden sind. Wo immer diese Leute
+ Prauen oder Schiffe angreifen, so kommen sie nach Singapore, um die
+ Beute zu theilen. Hier zanken sie sich und tödten einander bei
+ Vertheilung des Raubes. Einige ihrer Gefangenen binden sie am Rande
+ des Strandes fest und versuchen ihre Waffen an denselben.” ...
+
+Ueber die Unterredung mit Tuanko-Long, der heimlich aus Rhiow geholt
+worden war, heisst es in der Kronik:
+
+ „Mr. Raffles benahm sich mit grosser Höflichkeit und Hochachtung
+ gegen Tuanko-Long. Ersterer begann das Gespräch mit einem Gesicht
+ von Lächeln umkränzt, sehr liebreich und seinen Kopf neigend, kurz,
+ sein Benehmen war süss, wie ein Meer von Honig. Wäre eines Menschen
+ Herz von Stein gewesen, so hätte es schmelzen müssen beim Hören der
+ sanften, süssen Worte des Mr. Raffles. Seine Stimme war wie
+ entzückende Musik und darauf berechnet, Angst und Misstrauen aus den
+ innersten Gedanken zu verscheuchen. Wie die tobende See, die gegen
+ ein Korallenriff anprallt, sich legt, wie auf den herumschweifenden
+ Wind in dunkler, stürmischer Nacht stilles, heiteres Wetter mit
+ milden, duftigen Lüften folgt, im goldenen Licht eines vollen
+ Mondes, so war die Wirkung der Aufrichtigkeit und Offenheit Mr.
+ Raffles' auf Tuanko-Long. Freude verdrängte plötzlich den Kummer und
+ sein Antlitz übergoss sich mit Huld. Sobald Mr. Raffles diese
+ Veränderung wahrnahm, stand er auf, ergriff Tuanko-Long bei der
+ Hand, führte ihn in eine Privat-Kajüte, wo sie bei verschlossenen
+ Thüren zusammen sprachen, so dass Niemand den Gegenstand ihres
+ Gespräches kennt. Nachdem sie also einige Zeit eingeschlossen
+ gewesen, erschienen sie wieder, beide mit lächelndem Antlitz und
+ einander die Hände gebend.”
+
+Darauf landete Raffles mit Tuanko-Long, der immer noch grosse Angst
+hatte, dass man ihn als Gefangenen nach Kalkutta bringen wolle. Tuanko
+musste seine kostbarsten Kleider anlegen, worauf ihn Raffles im Namen
+des General-Guvernörs von Indien zum König von Singapore proklamirte,
+mit dem Titel „Sultan Mohamed Schah von Singapore und den dazu
+gehörenden Buchten, Flüssen und Provinzen.”
+
+Sobald Tuanko-Long Sultan von Singapore geworden war, trat er es an die
+Englische Kompanie ab; er erhielt dafür einen Monatsgehalt von 416-1/4
+Dollars, der Tumongong die Hälfte. Später wurden die Gehalte bezüglich
+auf 1000 und 700 Dollars erhöht.
+
+ * * * * *
+
+Wie glänzend auch die von Raffles für seine Schöpfung gehegten
+Erwartungen sich erfüllten, so scheint doch Alles anzudeuten, dass in
+den nächsten Jahrzehnten der Verkehr in jenen Meeren sich noch in viel
+schnellerem Maasse entwickeln wird als bisher. Und in demselben Maasse
+wird auch die Bedeutung von Singapore als Zentralpunkt der dortigen
+Schifffahrt zunehmen. Es scheint bestimmt, im fernen Osten ein zweites
+Cowes werden zu sollen.[35]
+
+Beim Anblick der bunten, ungewöhnlichen Flaggen, die auf der Rhede von
+Singapore neben einander wehen, wird man unwillkürlich angeregt zur
+Betrachtung der grossen Veränderungen, die in den Ländern des fernen
+Ostens in neuester Zeit stattgefunden haben. In Europa erregen sie,
+ausgenommen bei den am Seehandel Betheiligten, durchaus nicht die
+Aufmerksamkeit, welche ihre der Erschliessung eines neuen Welttheils
+gleichkommende Bedeutung verdient. Ein schneller Ueberblick derselben
+wird daher gewiss von Interesse sein:
+
+Bei der Gründung Singapores bestand in Vorder-Indien noch das
+Privilegium der ostindischen Kompanie, der Handel mit China war ein
+Monopol derselben und fand nur unter grossen Beschränkungen der
+chinesischen Regierung statt. Japan,[36] Cochinchina, Anam, Siam, Birma
+waren gänzlich, die holländischen und spanischen Kolonien, ebenso wie
+die englischen mehr oder weniger gegen fremde Flaggen verschlossen, und
+in den nicht unter europäischer Oberhoheit stehenden Malayenländern
+wurde mehr Seeraub als Handel getrieben.
+
+Gegenwärtig ist Vorderindien frei von allen Privilegien und Monopolen
+(mit Ausnahme des Opiummonopols) und macht Riesenfortschritte. Nach
+Unterdrückung des furchtbaren Militäraufstandes hatten die Engländer zu
+wählen zwischen dem alten brutalen Mittel, ihre Herrschaft durch
+ruinöse Militärgewalt aufrecht zu erhalten, und dem kühneren,
+staatswissenschaftlichen, durch Entwicklung der natürlichen
+Hülfsquellen, milde Verwaltung, Schutz des Eigenthums, die Bevölkerung
+an sich zu fesseln. Sie wählten das letztere, und der Erfolg ist ein
+beispielloser in der Kolonialgeschichte! Eine nach dem Kriege
+aufgenommene Anleihe von 100 Millionen wurde hauptsächlich auf
+grossartige Eisenbahnbauten, Kanalisation, Strassenbau und ähnliche
+produktive Anlagen verwendet; grosse Gebiete unfruchtbaren
+Steppenlandes wurden durch Bewässerung in reichen Kulturboden
+verwandelt. In den letzten Jahren vor der Revolution hatte die
+Ostindische Kompanie trotz allen Monopolen und drückenden Steuern ein
+jährliches Defizit von 14,000,000 £ (fast 100 Millionen Thaler); die
+schweren Steuern wurden ermässigt und geben seitdem einen viel
+grösseren Ertrag, so dass schon 1863 das indische Budget, nachdem 6
+Millionen auf Tilgung der Staatsschuld und 31 Millionen auf öffentliche
+Bauten (namentlich Strassen) verwendet worden, einen ~Ueberschuss~
+ergab!
+
+Nur durch die schnelle Anlage von Verkehrsmitteln war es Indien möglich,
+so grossen Vortheil aus der Baumwollenkrisis zu ziehen. Die Indier
+fühlen sich jetzt mit Stolz als britische Unterthanen und haben alle
+Ursache dazu, da Alle, Weisse und Indier, vor dem Gesetz gleich sind.
+
+Birma, das vor 40 Jahren ein Seegestade von 1200 Miles, von Bengalen bis
+Junk-Ceylon besass, hat durch zwei Kriege (1825 und 1852) seine
+sämmtlichen Küstenprovinzen an die Engländer verloren und ist jetzt ein
+ohnmächtiger Binnenstaat. Seitdem haben sich aber Akyab, Bassein und
+namentlich Rangun unter liberaler englischer Verwaltung zu wichtigen
+Handelsplätzen erhoben, durch welche die grosse Reisproduktion des
+Irawaddideltas erst ihren normalen Werth im Welthandel findet. Durch
+einen 1865 abgeschlossenen Vertrag ist auch der Irawaddi den Europäern
+geöffnet worden, der wohl bald eine der wichtigsten Wasserstrassen der
+Welt werden wird, weil er die südwestlichen Provinzen Chinas direkt mit
+dem Meere verbindet. Der aufgeklärte König von Siam, durch das Schicksal
+Birma's gewarnt, schloss rechtzeitig (1856 und später) mit den
+europäischen Mächten Verträge, die denselben das bisher verschlossene
+Land eröffneten.
+
+In Cochinchina sind die Franzosen auf ihre Weise bemüht, eine Kolonie zu
+gründen; sie haben Festungen und Kasernen erbaut und machen durch ihre
+Militärmacht ihren Einfluss auf Cambodia und Anam geltend. Ob sie neben
+dem Ruhm für die Idee des Christenthums und der Civilisation gekämpft zu
+haben, auch materielle Vortheile erzielen werden, muss die Zukunft
+lehren.[37] Jedenfalls wird die Bedeutung Saigons schnell zunehmen, da
+es ein äusserst fruchtbares Hinterland mit dichter, arbeitsamer
+Bevölkerung hat, die bisher allen Rechtsschutzes entbehrte. Auch hier
+ist bis jetzt Reis fast der einzige Ausfuhrartikel.
+
+In China sind seit dem Vertrag von Tien-tsin 13 Häfen geöffnet (die auf
+Hainan und Formosa einbegriffen) und der Verkehr wächst mit reissender
+Schnelligkeit.[38] Englische, amerikanische und deutsche Rhederei haben
+die Junken fast ganz vom Küstenhandel verdrängt, und tief ins Innere des
+Reichs, den Yantsekiang hinauf, dringt amerikanische und englische
+Dampfschifffahrt. Spanische, französische und holländische Schiffe,
+durch schützende Tarife in ihren eignen Kolonien verwöhnt, scheinen die
+freie Konkurrenz nicht ertragen zu können, und sind bis jetzt
+verhältnissmässig wenig betheiligt. Russland hat an der Mündung des Amur
+eine Kolonie errichtet. Alle Versuche Japans, trotz der eingegangenen
+Verträge wieder in seine alte Abgeschlossenheit zurückzukehren, erzielen
+das Gegentheil dessen, was sie bezwecken, da jede Vertragsverletzung
+neue Zugeständnisse für die Fremden zur Folge hat. Nur Korea ist noch
+ebenso verschlossen wie immer, aber der Unternehmungsgeist der Kaufleute
+in Japan, Niutschwang und Nikolajewsk wird dies gewiss nicht viel länger
+dulden. Die Spanier haben in den Philippinen ihre Tarife ermässigt und
+neben Manila, dem einzigen Hafen, in welchem bisher der Verkehr mit dem
+Auslande gestattet war, vier neue Häfen eröffnet: Sual auf Luzon, Yloylo
+auf Panay, Cebu auf der gleichnamigen Insel, und Zamboanga auf Mindanao,
+Durch die Gründung von Sarawak hat sich auf der N-W.-Küste von Borneo
+mit ihrem Antimon- und Kohlenreichthum und ihren Sagowäldern ein
+beträchtlicher Handel entwickelt und wenn auch Labuan seinen
+ursprünglichen Zweck, die Seeräuber der Nord- und Westküste in Zaum zu
+halten, schlecht erfüllt, so wird es durch seine reichen Kohlenlager,
+die erst jetzt im Grossen ausgebeutet werden, und für 2 £ per ton nach
+Singapore und Hongkong geliefert werden können, sehr zur Vermehrung der
+Dampfschifffahrt beitragen.[39] In Niederländisch-Indien scheint dem
+früher so gepriesenen „Kultur-System”, einem genial ausgedachten mit
+Konsequenz durchgeführten System von Regierungsmonopolen im grössten
+Maasstabe trotz der bedeutenden Ueberschüsse, die es jährlich dem
+Mutterlande lieferte, keine lange Dauer mehr bevorzustehen, da es jetzt
+ausgemacht ist, dass die Ueberschüsse nur durch die seit Jahren immer
+steigenden Kaffeepreise erzielt werden. Fallen die Kaffeepreise, so
+fällt das Kultursystem, durch welches bis jetzt europäischer
+Unternehmungsgeist von dem ausserordentlich reichen Felde, das ihm
+Niederländisch-Indien darbietet, fast gänzlich ausgeschlossen war.
+Australiens Bedeutung wächst mit der nur den Goldländern eigenen
+Schnelligkeit, Queensland hat fast die Nordküste erreicht, eine neue
+Kolonie wird westlich vom Golf von Carpentaria errichtet; bestätigt es
+sich, dass das Klima dort weniger ungünstig ist als an andern Punkten
+dieser Küste, so wird sie gewiss schnell Bedeutung erlangen.
+
+Erwägt man, dass China mit einer Bevölkerung von mehr als 400
+Millionen, Japan mit 50 Millionen, Cochinchina, Anam, Siam, Birma mit
+wenigstens 25 Millionen hermetisch verschlossen waren und erst jetzt in
+den allgemeinen Weltverkehr hineingezogen worden sind, so lässt sich
+wohl voraussehen, dass in jenen Meeren Handel und Schifffahrt einen
+Aufschwung nehmen müssen, wie er in der Geschichte ohne Beispiel ist.
+Kein Wunder, wenn die Seemächte bemüht sind, sich dort neue Stützpunkte
+zu schaffen, um sich einen Antheil an der reichen Ausbeute zu sichern.
+
+Die neue auf gesunden Freihandelsprinzipien gegründete Kolonialpolitik
+hat in jenen Meeren beispiellos glänzende Erfolge erzielt. Statt nach
+dem Kriege grosse Gebietsabtretungen zu verlangen, die nur durch
+kostspielige Militärverwaltung zu behaupten gewesen wären, begnügte man
+sich in China, Japan, Siam mit dem Raum zur Errichtung von Kontoren und
+Speichern, die den Regierungen nichts kosten als die Besoldung der
+Konsulate. Unter solchen Verhältnissen ist Shanghai, an der Mündung des
+Yantsekiang, erst 1844 den Europäern geöffnet, in 20 Jahren der grösste
+Handelsplatz von ganz Asien geworden, -- nur London, Liverpool und
+Neu-York übertreffen es noch an Tonnenzahl.
+
+So schlagenden Beispielen gegenüber kann sich die eifersüchtige Monopol-
+und Exklusionspolitik, wo sie noch als ein Vermächtniss aus früherer
+Zeit besteht, nicht mehr lange halten. Freisinnigere, humanere
+Anschauungen kommen immer mehr zur Geltung, und ihnen gehört die Zukunft
+um so sicherer, als nicht Wohlwollen, sondern Eigennutz zu ihrer Annahme
+zwingt. Die gegenseitige Eifersucht tritt nur noch da zu Tage, wo es
+sich um Gründung neuer Kolonien handelt. Denn obgleich diese in den
+ersten Jahren immer grosse Kosten verursachen und gewöhnlich, wenn sie
+herangewachsen sind, nicht gern die Bevormundung des Mutterstaats
+ertragen, so ist ihre Gründung für diesen dennoch ein grosser Gewinn:
+die eingeborne Bevölkerung wird von Anfang an an die Produkte des
+Mutterlandes gewöhnt; die Schifffahrt des letzteren, seine Industrie,
+sein Handel nehmen einen grossen Aufschwung. Die Ansiedler lernen die
+Hülfsmittel des Landes, die Produkte, den Geschmack der Eingebornen
+kennen und leiten den Handel in eine Bahn, aus welcher fremde Nationen
+gewöhnlich nur einen geringen Theil abzulenken vermögen.[40]
+
+Die Erwartungen für die Zukunft gestalten sich aber noch viel
+glänzender, wenn man einen zweiten Faktor in Betracht zieht: ein grosser
+Theil der Bevölkerung der neu erschlossenen Länder war unter dem Druck
+unbeschränkter Willkürherrschaft besitzlos. In China hatten Vorurtheil
+und die gegen die Auswanderung errichteten Schranken die Arbeitskräfte
+der ungeheuren Volksmenge so aufgestaut, dass sie wie in einem
+abgeschlossenen See stagnirten und einen so geringen Werth hatten, dass
+der angestrengteste Fleiss, verbunden mit der grössten Sparsamkeit und
+Genügsamkeit kaum ausreichende Mittel für das blosse Leben gewährten.
+Wie sehr aber werden Verkehr und Handel zunehmen, wenn diese latenten
+Arbeitskräfte durch Auswanderung auf den günstigsten Boden versetzt,
+unterstützt, von europäischem Kapital, das immer mehr seine Scheu vor
+fernen Unternehmungen verliert, sich dem Anbau von Kolonialprodukten
+widmen; dann werden Millionen von Proletariern zu Konsumenten werden.
+
+Alles scheint darauf hinzuweisen, dass die Ausbreitung der Chinesen
+wenigstens über die heissen Länder der Erde, wo Europäer nicht mit ihnen
+konkurriren können, in den nächsten Jahrzehnten sehr zunehmen wird.
+Ueber die indo-chinesische Halbinsel und den indischen Archipel sind sie
+schon jetzt zahlreich verbreitet; langsam aber stetig dringen sie in
+die Philippinen und in Niederländisch-Indien ein; die Nordküste von
+Australien bietet ihnen ein neues fruchtbares Feld, das ihnen nicht, wie
+in Südaustralien durch europäische Kolonisten streitig gemacht werden
+dürfte. Die Zuckerproduktion von Bourbon ist hauptsächlich in Händen von
+Chinesen, die meist von Bombay aus dahin gingen, in Tahiti bauen sie
+jetzt Kaffee und Baumwolle. In Westindien haben chinesische Kulis schon
+auf vielen Inseln die Negersklaven ersetzt; vielleicht ist ihnen auch in
+den Südstaaten der Union diese wichtige Rolle vorbehalten.
+
+Wie schnell aus einem armen Proletariat ein arbeitsames, wohlhabendes
+Volk werden kann, zeigt die neueste Geschichte Vorderindiens auf
+glänzende Weise. Von den grossen Reichthümern, welche die
+Baumwollenkultur während des amerikanischen Krieges nach Indien gebracht
+hat, ist oft in den Zeitungen die Rede gewesen (1861: Werth der
+Baumwolle: 900,000 £; 1862, obgleich das Quantum kaum grösser war:
+1,500,000 £; 1863: 4,300,000 £ Times, 15. Februar 1864.) Weniger dürfte
+in Deutschland von den glänzenden Ergebnissen der Theekultur bekannt
+geworden sein; sie sind so überraschend, dass ich wenigstens ganz kurz
+einige Daten anführen möchte:
+
+ Nach einem Bericht von Sir Robt. Montgomery (Times, 16. Februar
+ 1865) bedecken auf den westl. Vorbergen des Himalaya, wo vor 4
+ Jahren nicht eine Privatpflanzung bestand, die Theegärten bereits 15
+ Quadratmiles, und dehnen sich immer weiter aus. Zwischen den
+ Eingebornen und den Engländern besteht jetzt das beste Einvernehmen.
+ Erstere, vor wenigen Jahren so arm, dass sie kaum Kleider hatten, um
+ ihre Blösse zu bedecken, zählen jetzt ihre Rupien nach Hunderten.
+ Sie sind aus eigenem Antrieb um Errichtung von Schulen eingekommen,
+ wo sie englisch lernen können, und wollen die Hälfte der Kosten
+ tragen. Allein im Kangsathal bauen 47 Dörfer Thee. Immer mehr
+ verbreitet sich der Theebau auf den Bergen, der Tabaksbau in den
+ Ebenen, in kleinen von den Eingebornen angelegten Gärten und bringt
+ allgemeinen Wohlstand unter die Bevölkerung. Diese Distrikte, die
+ früher der Regierung bedeutende Unkosten machten, gewähren ihr jetzt
+ grosse Einkünfte. Sehr viel bedeutender ist aber die Entwicklung der
+ Theekultur im östlichen Himalaya und in Assam (wo die Pflanze
+ einheimisch ist).
+
+ Nassau Lees sagt in seinem aus amtlichen Quellen hervorgangenen
+ Buch: „Tea Cultivation, Cotton and other agricultural experiments in
+ India”: Im Jahre 1862 vertheilte die Regierung gratis 89 Tons (=
+ 199,360 ℔ Engl.) Theesamen und 2,400,000 Sämlinge, und doch deckte
+ diese ungeheure Menge nicht entfernt die Nachfrage.... Er fügt die
+ Bemerkung hinzu, die in der englischen Verwaltung jetzt als
+ Grundsatz gilt: Sobald der Privatunternehmungsgeist einmal
+ ordentlich von irgend einem Felde kaufmännischer Spekulation Besitz
+ ergriffen, hat die Regierung nichts mehr dort zu schaffen. Das
+ System der Aufmunterung ist sehr gut für den Anfang -- es kann aber
+ zu weit getrieben werden. Würden z. B. durch das Versprechen
+ kostenfreier Lieferung von Theesamen und -Sämlingen zu viele
+ Personen plötzlich zu Theeunternehmungen veranlasst, so könnten sehr
+ ernste Verwickelungen auf dem Arbeitsmarkt im westlichen Indien
+ stattfinden.
+
+Es tauchen oft Pläne auf zur Kolonisation tropischer Länder durch
+Europäer. Für Bemittelte, die Pflanzungen mit Eingebornen
+bewirthschaften und Produkte für den europäischen Markt bauen wollen,
+giebt es in Ostasien noch ein grosses, höchst ergiebiges Feld, um bei
+materiellem Wohlleben ein Vermögen, im glücklichen Falle sogar
+Reichthümer zu erwerben. Ganz besonders lockende Aussichten eröffnet
+ihnen die Kaffee- und Theekultur, die in ziemlicher Meereshöhe betrieben
+wird, ihnen also auch in klimatischer Beziehung zusagt. Für Auswanderer
+im gewöhnlichen Sinne aber ist dort nichts zu machen. Den Ackerbau
+versagt ihnen schon das Klima und als Handwerker oder Kleinhändler
+können sie unmöglich gegen die Chinesen aufkommen, die an Fleiss,
+Mässigkeit, Sparsamkeit, Schlauheit, unermüdlicher Ausdauer und
+rücksichtslosem Streben nach Gewinn die Europäer so sehr übertreffen.
+Fast alle Eigenschaften, die die Juden auszeichnen, besitzen die
+Chinesen in noch höherem Maasse; auch darin sind sie ihnen ähnlich, dass
+sie sich über alle Länder verbreiten, sich unter allen Regierungen wohl
+fühlen, immer zu einander halten und sich überall durch Reichthum eine
+hervorragende Stellung zu erringen wissen. Wie die Juden keinen Staat,
+so können die Chinesen keine Kolonien gründen.
+
+Vor 25 Jahren ging der einzige Weg nach Indien um das Kap der guten
+Hoffnung. Um dieselbe Zeit, wo die erste transatlantische Linie versucht
+wurde (1838), miethete eine Gesellschaft von Privatleuten einige
+Dampfboote, um einen regelmässigen Dienst zwischen England, Lissabon und
+Gibraltar einzurichten. Sie verlor 500 £ an jeder Reise, erhielt 1840,
+als ihre Verluste bereits 30,000 £ betrugen, Korporationsrechte und den
+Postdienst nach Indien und jenseits. Dies ist der Ursprung der mächtigen
+Gesellschaft, deren Schiffe jetzt die Post für die iberische Halbinsel,
+das Mittelmeer, Indien, China, Japan, Australien besorgen. Sie erhalten
+dafür jährlich ungefähr 500,000 £ Subvention von der englischen
+Regierung.[41] Die sehr hohe Subvention hielt bis vor Kurzem alle
+Konkurrenz ab, so dass die Kompanie thatsächlich ein Monopol besass,
+dessen Uebelstände dem Publikum sehr fühlbar waren. Erst vor wenigen
+Jahren eröffnete die französische Gesellschaft der Messageries
+impériales eine Konkurrenzlinie, wodurch die bisher so hohen Preise der
+Peninsular- und Oriental-Company um etwa 20% fielen. Auch sind die
+Schiffe seitdem nicht mehr so überfüllt und die Behandlung der
+Passagiere ist rücksichtsvoller. Allem Anschein nach wird sich die neue
+Linie neben der alten halten können, da die Berichte über ihren Betrieb
+sehr günstig lauten. Nach dem Economist, 10. Juni 1865, hat im letzten
+Jahr ihr Verkehr in China und Indien an Gütern um 26-1/2%, an
+Passagieren 18%, an Kontanten 62% zugenommen.
+
+Jetzt gehen regelmässige Dampferlinien von Singapore direkt nach
+Malacca, Penang, Siam, Cochinchina, China, Borneo, Batavia, Ceylon,
+engl. Birma, Vorderindien, dem rothen Meer und durch Anschluss nach
+Europa, sowie nach den Mascarenen, Niederländisch-Indien, Australien,
+Japan. Eine neue Linie zwischen China, Japan, Sandwichsinseln und
+Californien ist soeben von der Regierung der Vereinigten Staaten
+genehmigt und mit einem bedeutenden jährlichen Zuschuss ausgestattet
+worden. Für Australien besteht bis jetzt nur eine Verbindung zwischen
+seinen südlichen Kolonien und Ceylon, die für Singapore keine Bedeutung
+hat. Aber wohl bald wird eine Linie durch die Torresstrasse im Anschluss
+an die niederländisch-indische, nöthig werden.
+
+----------
+
+[1] Annähernd ist ein Gegenstand so viele Seemeilen über dem
+Horizonte sichtbar, als die Quadratwurzel seiner Höhe in englischen
+Fuss beträgt. (Raper's Navig. pg. 374.)
+
+[2] Der als Romanschriftsteller bekannte Kapitän Marryat ist der
+Erfinder dieser Telegraphie, die trotz ihrer Mängel so grosse
+Dienste leistet, dass bald nach ihrem Bekanntwerden die französische
+Regierung eine Verordnung erlassen hat, kraft welcher die
+Versicherung aller nicht mit diesem Verkehrsmittel versehenen
+Schiffe für ungültig erklärt wird. Jetzt dürfte wohl kaum noch ein
+europäisches Schiff ohne Marryat's Signal-System anzutreffen sein.
+
+Der Apparat besteht aus 15 Flaggen: 10 für die Zahlen bis 9, 5
+Indexflaggen; und dem Signalbuch. Dieses zerfällt in 6 Abtheilungen
+und enthält 1. Liste der englischen Kriegsschiffe; 2. Liste der
+übrigen Kriegsschiffe; 3. Liste der Kauffartheischiffe aller
+Nationen; 4. Leuchtthürme, Häfen, Vorgebirge, Klippen u. s. w.;
+5. Auswahl von gebräuchlichen Sätzen und Gesprächen; 6. Wörterbuch.
+Fünf Abtheilungen werden durch die betreffenden fünf Indexflaggen,
+die sechste durch das Fehlen einer solchen bezeichnet. Der Inhalt
+jeder Abtheilung ist alphabetisch geordnet; jeder einzelne Posten
+hat eine Zahl, deren Reihenfolge jener alphabetischen Anordnung
+entspricht. Zahlen, in denen eine Ziffer doppelt vorkommt, werden in
+diesen Reihen übersprungen, weil man sonst 20 statt 10 Zahlenflaggen
+haben müsste; doch hat man Mittel für besondere Fälle jede Zahl
+auszudrücken.
+
+In den ersten 4 Abtheilungen bleibt die alphabetische Reihenfolge in
+allen Sprachen dieselbe; aber nicht in Abtheilung 5 und 6. Daher
+sind bei Uebertragung in fremde Sprachen in diesen beiden
+Abtheilungen die Sätze einmal dem englischen Signalbuch entsprechend
+numerisch, und einmal alphabetisch nach der fremden Sprache
+geordnet; will man sprechen, so benutzt man diese, empfängt man eine
+Antwort, so benutzt man jene Anordnung. Am interessantesten und
+wichtigsten ist Abtheilung 5. Sie enthält Kompass-Richtungen,
+Signale, deren sich Lootsen und Lloyd's-Agenten bedienen, um
+Schiffen, die in Noth sind, Befehle zu geben, Gespräche zum
+allgemeinen Gebrauch, desgl. für Schiffe, die sich auf See begegnen,
+Convoi- und Eskort-Signale u. s. w. Dies ist wohl das Wesentliche
+dieser Universalsprache.
+
+[3] Einige Male bei sehr hoher See versuchte ich mit dem Kapitän die
+Höhe der Wellen zu schätzen. Wir wussten, dass sie immer höher
+erscheinen als sie sind und nahmen darauf Rücksicht; dennoch
+glaubten wir einmal ihre Höhe nicht unter 22 bis 24' annehmen zu
+dürfen. Als wir aber nachmassen, so weit dies überhaupt möglich ist,
+fanden wir nur 18'. Die Art, die Höhe zu bestimmen, ist in Raper's
+Navig. 5th. edit. pag. 179 angegeben, wo auch mehrere von berühmten
+Seefahrern gemessene Wellenhöhen angeführt sind; die grösste ist die
+von Sir Jas. C. Ross im Nordatlantischen Ozean beobachtete von 36
+Fuss.
+
+[4] Die Geschwindigkeit des Schiffes wird durch das Log bestimmt,
+die Richtung durch den Kompass. Aus dem Abgangsort, der Richtung und
+der Geschwindigkeit ergiebt sich unter Berücksichtigung
+verschiedener Korrektionen der Ort des Schiffs. Das Log besteht aus
+einem beschwerten Brettchen an einer Leine mit Knoten. Es wird
+gewöhnlich alle 2 Stunden ausgeworfen und bleibt auf dem Wasser
+liegen, während die Leine durch die Fortbewegung des Schiffes von
+einer Haspel abrollt. Sobald der Nullpunkt der Leine, ein bunter
+Lappen, das Wasser berührt, wird eine kleine Sanduhr umgedreht; ist
+sie abgelaufen, so zieht man die Logleine ein und zählt die
+abgelaufenen Knoten. Die Länge zwischen 2 Knoten verhält sich zur
+Länge einer Meile, wie die Zeit, in welcher die Sanduhr abläuft zu
+einer Stunde. Setzt man die Seemeile = 6080', und die Sanduhr = 30
+Sek., so hat man: Länge eines Knoten: 6080 = 30:3600 = 50-2/3' und
+so viel Meilen in der Stunde, als Knoten in 30 Sekunden. Obige
+Methode, den Ort eines Schiffes zu bestimmen, heisst Gissung (Dead
+Reckoning), sie ist aus vielen Gründen sehr unvollkommen, weshalb
+zur Berichtigung auch astronomische Ortsbestimmungen gemacht werden
+müssen. Zu dem Zwecke wird die geographische Breite jeden Mittag
+durch eine sehr leichte Beobachtung der Sonnenhöhe und einfache
+Rechnung gefunden. Längenbestimmungen aber sind besonders zur See so
+schwierig und unsicher, dass sie von Handelsschiffen fast nie
+angestellt werden; diese schliessen auf die Länge aus der Differenz
+zwischen der Zeit des Chronometers und der Ortszeit, die auf jedem
+ordentlichen Schiff einmal täglich durch Beobachtung gefunden wird;
+so dass also die annähernde Richtigkeit der Länge ganz von der
+Zuverlässigkeit des Chronometers abhängt. Kriegsschiffe, die immer
+mehrere gute Chronometer mitführen und Mittel zu genaueren
+Beobachtungen haben, pflegen unaufgefordert Länge und Breite auf
+eine Tafel zu schreiben und sie vorüber segelnden Schiffen
+entgegenzuhalten, damit diese ihre eigene Rechnung prüfen und
+berichtigen können.
+
+[5] Der Südwest-Monsun fängt hier gewöhnlich Mitte oder Ende April
+an und dauert bis Mitte Oktober. Am beständigsten ist er im Juni,
+Juli, August. Der Nordost-Monsun beginnt im nördlichen Theil der
+Chinasee Ende September oder Anfang Oktober, aber im südlichen Theil
+dieser See wird er selten vor November beständig. Den grössten Theil
+des Oktobers herrschen leichte wechselnde Winde. Am kräftigsten und
+anhaltendsten ist er im Dezember und Januar.
+
+[6] Vielleicht auch nur mit gelbem Ocker. Gelb ist die festliche,
+die Gallafarbe in ganz Ost-Asien. Javanische Brautleute reiben sich
+den Körper mit gelbem Turmerikpulver ein, die Leibgarde des
+Javanischen Kaisers aus Billigkeitsrücksichten mit gelbem Ocker. In
+China darf ausser der kaiserlichen Familie kein Mensch in seiner
+Wohnung oder in seiner Kleidung Gelb gebrauchen oder auf gelbes
+Papier schreiben. Die kleinen Prinzessinnen von Siam wurden, bevor
+sie sich von mir photographiren liessen, mit Turmerik eingerieben,
+das ebenso wie der Reispuder der Pariserinnen, den Teint verschönert
+und die Haut erfrischt. Es ist auch ein guter Schutz gegen
+Hitzpickel. Die Hauptverwendung findet der Turmerik (Curcuma sp.
+div.) in der Küche zu Kurries; in Europa dient er bekanntlich in der
+Färberei zur Herstellung einer ebenso schönen, als flüchtigen Farbe
+und zur Bereitung von Reagenzpapier.
+
+[7] Die Punka findet man nur in den englischen Kolonien, wo sie als
+sehr zuträglich für die Gesundheit gilt. Die Holländer auf Java
+fürchten den angenehmen Luftzug und behaupten, nur John Bull's
+dicker Schädel könne ihn vertragen. Dagegen sitzen die Holländer,
+Männer wie Frauen, unbedeckten Hauptes im Freien und geniessen die
+kühle Abendluft, die in Singapore so gefürchtet wird, dass man
+selbst nicht gern mit blossem Kopf auf den Balkon hinaustritt. So
+hat jedes Land seinen Aberglauben.
+
+[8] Der englische General-Konsul in Rotterdam sagt in seinem
+Bericht über den Handel von Niederländisch-Indien von 1861 in Bezug
+auf die Gewürze Muskat und Nelken: „Die jährliche Auktion der
+Handels-Gesellschaft ergab niedrigere Preise, als je erhört waren.
+Dies Ergebniss war ein neuer Beweis, dass das jährlich produzirte
+Quantum in gar keinem Verhältniss steht zur stetig abnehmenden
+Nachfrage ... Während der letzten 10 Jahre sind die Preise stetig
+gefallen.”
+
+[9] Kohl führt etwas ganz Aehnliches aus Ungarn an: „Der sehr reiche
+Palast des Fürsten S. in Zinkendorf wird nie verschlossen, trotz des
+bedeutenden Silberschatzes. Wie dies mit der sonst so allgemeinen
+Unsicherheit und den dagegen angewandten Vorsichtsmaasregeln zu
+vereinigen sei, weiss ich nicht.”
+
+[10] Diese interessante Pflanze ist über ganz Indien so verbreitet,
+dass ihre Abstammung aus Amerika erst in neuerer Zeit festgestellt
+worden ist. Ueber ihre oben angeführten auffallenden Eigenschaften
+finden sich interessante Thatsachen in: Browne's Nat. hist. of
+Jamaica p. 360, der zuerst darauf aufmerksam gemacht zu haben
+scheint; Heber's useful plants of India 113, der Wight's
+Illustrations of ind. bot. II 36 und Dr. Holder in Memoirs of the
+Wernerian soc. III citirt; Hooker's bot. Mag. 2898. -- Humboldt hat
+im Thale von Aragua bestätigende Untersuchungen angestellt;
+sonderbarer Weise ist aber gerade in Venezuela, wie mir Prof.
+Karsten mittheilt, von den erwähnten Eigenschaften der Pflanze
+nichts bekannt, während in Barbados und Jamaica nach obigen Angaben
+ebenso wie in Singapore diese Eigenschaften so allgemein gekannt
+sind, dass sie häufig für wirthschaftliche Zwecke benutzt werden.
+
+Die von Vauquelin analysirten Proben (Hooker's bot. Mag.) stammten
+aus Ile de France, die eine war zum Behuf des Transports nach Europa
+durch Abdampfen eingetrocknet, die andere mit einer gleichen Menge
+Rum vermischt worden. „Die Aehnlichkeit des Papaya-Safts mit
+thierischen Substanzen ist so gross, dass man einen Betrug vermuthen
+möchte.” Vauq.
+
+Physiologen, welche die auffallenden Wirkungen auf die Muskelfaser
+näher untersuchen wollen, würden wohl am besten thun, sich genügende
+Mengen des frischen Saftes in hermetisch verschlossenen Flaschen
+oder Büchsen, nach Appert's Methode konservirt, kommen zu lassen;
+die beste Bezugsquelle dürften die westindischen Inseln sein, wo man
+in der Kunst des Konservirens durch das geschäftsmässig betriebene
+Einmachen der Ananas wohl geübt, und die Pflanze allgemein
+verbreitet ist. -- Diese befindet sich übrigens auch in allen
+botanischen Gärten, aber gewöhnlich nur in verkümmerten Exemplaren.
+
+[11] Besonders aber in neu entdeckten Goldländern, wo unzubereitete
+Nahrungsmittel, weil sie voluminöser sind, durch die sehr hohen
+Transportkosten, die oft 1 Dollar per ℔ betragen, viel theurer
+werden als fertig bereitete, und wo es überdies an Händen und
+Einrichtungen zur Zubereitung mangelt. Wenn die Goldgräber keine
+andre Spuren zurückliessen, so könnte man ihre Stationen an den
+umherliegenden leeren Blechbüchsen erkennen.
+
+[12] In New harbour sind immer grosse Niederlagen von englischer,
+australischer und Borneo-Kohle. Die Kohlen von Australien und Borneo
+können bei den jetzigen Heizeinrichtungen nur mit englischer
+gemischt, verbrannt werden. Die Preise sind gegenwärtig (1864):
+englische 8 bis 9 Dollars, Borneo 5 bis 6, australische 4 bis 5
+Dollars per Ton von 20 Ctr. engl, oder ungefähr 2000 Zollpfund. --
+In Berlin kostet die Last = 18 Tonnen = 72 Scheffel = ca. 6000 Pfd.
+15 bis 20 Thaler, also ca. 5 bis 7 Thaler per engl. Ton.
+
+[13] Diese Laternen bestehen aus einem mit sehr feinem festem
+Papiere überzogenen, melonenförmigen Gerüst von sehr feinen
+Bambussplitten. Das Papier ist mit durchsichtiger Gallerte getränkt,
+einem Absud der Alge Agar-agar (Plocaria tenax und P. candida), die
+auf allen felsigen Küsten des Archipels wächst und in grosser Menge
+von den klugen Chinesen importirt wird, während sie in Europa so gut
+wie unbekannt ist. Sie vertritt in mancher Hinsicht die Stelle der
+Hausenblase und des Dextrins, giebt ein schmackhaftes Gelee und
+vorzügliche Appretur für Seidenzeuge und kostet in Singapore selten
+mehr als 1 Dollar per Pikul. -- Schon 1859 importirte Shanghai
+allein 150000 Pikul. Die im atlantischen Ozean sehr häufige
+verwandte Gattung Chondros liefert das offizinelle Karagen.
+
+[14] Der Reis, Oriza, vom arabischen eruz, ist das
+Hauptnahrungsmittel aller zivilisirten Völker Ostasiens. Die weniger
+vorgeschrittenen müssen sich mit einer leichter zu erlangenden, wenn
+auch noch stickstoffärmeren Kost (Sago u. s. w.) begnügen. Man hat
+berechnet, dass der Reis das Hauptnahrungsmittel der Hälfte des
+Menschengeschlechtes sei. In Asien ist er seit den ältesten Zeiten
+bekannt; die Araber brachten ihn nach Spanien und Italien, wo er
+noch jetzt mit Erfolg gebaut wird. In Amerika wurde er erst Ende des
+17ten oder Anfangs des 18ten Jahrhunderts zufällig eingeführt, fand
+aber in den südlichen Staaten der Union Klima und Boden so günstig,
+dass der Reis von Carolina bald für den besten von allen Sorten
+galt. Die dort übliche Art des Reisbaues weicht von der indischen
+besonders darin ab, dass man die Felder abwechselnd trocken und
+überschwemmt hält. Die dadurch erzeugten Miasmen sind so
+lebensgefährlich, dass die zur Arbeit in den Reisfeldern verwendeten
+Sklaven sehr schnell erlagen und durch frische ersetzt werden
+mussten. Singapore baut gar keinen Reis, da es aber im Mittelpunkt
+der Reis erzeugenden und Reis verzehrenden Länder liegt, so ist es
+ein Stapelplatz für diesen wichtigen Handelsartikel geworden, der
+hier häufig billiger als in den Produktionsländern ist.
+
+Dass von einer so lange kultivirten, so weit verbreiteten
+Nutzpflanze viele Abarten entstanden sein müssen, lässt sich
+erwarten. In einer öffentlichen Sammlung in Manila waren 60
+angeblich verschiedene, in den Philippinen gebaute, Abarten
+ausgestellt; fast ebensoviel rechnet man in Java. Nach Porter lassen
+sich aber alle auf 4 Arten zurückführen, die vielleicht selbst nur
+Varietäten einer Art sind: O. sativa und praecox, beide Sumpfreis;
+letzterer reift 2 Monate früher als ersterer, 4 Monate nach dem
+Umpflanzen, steht ihm aber an Güte und Ertrag nach. O. montana,
+Bergreis, der trocken wächst, oft in beträchtlicher Meereshöhe und
+in höheren Breiten, und viel mehr Kälte vertragen kann als der
+Sumpfreis, weshalb man mehrere mal versucht hat, ihn in England
+einzuführen, bisher aber ohne Erfolg, da er zwar reichlich Blätter,
+aber keine Körner giebt; Porter führt zwar einen einzelnen Fall an,
+wo man bei Windsor reife Aehren erhielt. Endlich O. glutinosa,
+Kleber-Reis, der nass und trocken wächst, aber wenig gebaut zu
+werden scheint. Er wird namentlich zu verschiedenen Gebäcken (kweh)
+verwendet.
+
+[15] St. John, Far East II 254 meint, dass die Eingebornen von Bruni
+durchaus keinen Geruchssinn haben, weil sie faules Fleisch, faule
+Eier und faule Fische essen. Die Bewohner von Luzon haben aber einen
+so sehr ausgebildeten Geruchssinn, dass sie z. B. in einer grösseren
+Gesellschaft durch das Beriechen der Taschentücher die Eigenthümer
+derselben zu erkennen vermögen und dennoch essen sie gern faules
+Fleisch u. s. w.; wahrscheinlich, weil es ihnen gut schmeckt, so wie
+viele Europäer stinkenden Käse und stinkendes Wild essen. Der
+Begriff des Gestanks ist relativ: bei einem feinen Diner in
+Singapore wurde mir die Butter ganz besonders angepriesen, „weil sie
+einen sehr starken Fassgeschmack hatte.”
+
+[16] Auch dies hat sich bereits geändert, wenigstens in China. Aus
+dem Bericht des britischen Konsuls Robertson, Canton 1864, ergiebt
+sich, dass nicht nur die Küstenschifffahrt und der Einfuhrhandel
+immer mehr in die Hände der Chinesen übergehen, sondern dass auch
+der Ausfuhrhandel dieselbe Bahn einschlägt. Bereits haben
+chinesische Firmen aus Fu-tschau und andern Orten bedeutende
+Theesendungen direkt nach England gemacht, und sogar im vorigen Jahr
+(1863), während alle andren Firmen auf den europäischen Märkten
+bedeutende Verluste erlitten, Gewinne erzielt, weil sie mit viel
+grösserem Vortheil einkaufen und verkaufen können, ihr Geschäft mit
+geringeren Unkosten betreiben, mit mässigerem Gewinn vorlieb nehmen,
+und für eigene Rechnung statt für Rechnung ihrer Kommittenten
+handeln. „Wenn sie sich auf dieser neuen Bahn erst sicher fühlen,
+und Bankkredite erhalten, so wird es für Europäer hoffnungslos sein,
+gegen sie zu konkurriren.”
+
+[17] So nennt man einen harten Kalkmergel mit Eiseninfiltrationen,
+die auf der helleren Grundmasse allerlei Figuren von Burgen, Ruinen
+u. s. w. darstellen.
+
+[18] Rumph, Kruydboek V. 97: „gewöhnlich 60-100 Faden lang, ja in
+einigen Ländern hat man 200-300 Faden lange gemessen” (1 Faden =
+6').
+
+[19] Die Overl. Free Press, 8. Jan. 1864, giebt nach dem Java
+Courant eine Uebersicht der in Java und den übrigen holländischen
+Besitzungen im Archipel durch andre als natürliche Ursachen
+vorgekommenen Todesfälle. Die Gesammtzahl der durch Tiger Getödteten
+wird darin für Java auf 148 angegeben. Die Richtigkeit der Zahlen
+vorausgesetzt, wäre dies unter Berücksichtigung der beiderseitigen
+Bevölkerungen nur 1/300 so viel als in Singapore. Wären diese
+Unglücksfälle in Java verhältnissmässig so häufig wie in Singapore,
+so müssten jährlich dort 44,000 Menschen den Tigern zur Beute
+fallen. -- Die Tabelle enthält auch noch andre interessante Data:
+
+ Java und Andere
+ Ursache des Todes. Madura. Besitzungen. Total.
+
+ Blitz 356 10 366
+ Ertrinken 948 173 1121
+ Sturz von Bäumen etc. 431 73 504
+ Tiger 148 151 299
+ Rhinozeros 4 -- 4
+ Krokodile 49 125 174
+ Büffel 6 -- 6
+ Schlangen 43 3 46
+ Selbstmord 127 38 165
+ Andre Unfälle 393 136 529
+ 2505 709 3214.
+
+„Nach einer Angabe der Posener Provinzialblätter wurden im
+Regierungsbezirk Posen vom 1. Sept. 1815 bis Ende Februar 1816, 41
+Wölfe erlegt, und noch im Jahre 1819 im Kreise Wongrowitz 16 Kinder
+und 3 Erwachsene von Wölfen gefressen.” (Freytag, neue Bilder aus
+dem Leben des deutschen Volkes 1862, pg. 402.)
+
+Die Einwohnerzahl im Kreise Wongrowitz betrug 1818 nach
+Ortschaftsverzeichnissen des statistischen Bureaus: 26290; für 1819
+kann sie schon wegen der geringen damaligen Volksbewegung nicht sehr
+davon verschieden gewesen sein. Nimmt man an, dass in Singapore
+täglich ein Mensch von Tigern gefressen wird, so giebt dies 180 für
+6 Monat auf eine Bevölkerung von 100,000 oder 47,7 auf eine
+Volksmenge gleich der im Kreise Wongrowitz, selbst wenn man diese
+auf 26,500 schätzt; so dass in letzterem noch 1819 mehr als 2/5 so
+viel Menschen von Wölfen gefressen wurden, als gegenwärtig in
+Singapore von Tigern.
+
+[20] In neuester Zeit angeblich sogar 100 Ds.
+
+[21] Der Beweis ist jetzt geliefert worden; denn nach Cameron (Our
+tropical possessions pg. 96) fand man eines Morgens in Netzen, die
+in der Meerenge längs der Küste von Singapore aufgestellt waren,
+eine Tigerin verstrickt und fast ertrunken. Von Singapore konnte sie
+nicht hergekommen sein, da ganze Reihen dem Lande näher
+aufgestellter Netze unversehrt waren.
+
+[22] Doch ist dieser Punkt noch nicht genügend aufgeklärt. Smeathman
+und andre nach ihm erzählen von einem König in der Kammer der
+Königin.
+
+[23] Das Manché'sche System, das durch Hooibrenk in den letzten
+Jahren in Europa so grosses Aufsehen gemacht, war also bei den
+chinesischen Gambirpflanzern schon lange in Anwendung.
+
+[24] Die Borneo-Kompanie hat neuerdings Sagofabriken unter Leitung
+eines europäischen Ingenieurs in Borneo angelegt, wo das Fabrikat an
+Ort und Stelle zur Ausfuhr nach Europa fertig gemacht wird.
+
+[25] Die Art der Gewinnung ist in Johnston's vortrefflichem Buch
+„Chemistry of common life” nach Dr. Eatwell ausführlich beschrieben
+und mit Abbildungen versehen, ohne Abbildungen auch in v. Bibra:
+„Die narkotischen Genussmittel.” ...
+
+[26] Das Verfahren ist ausführlich beschrieben von Dr. Little,
+Journ. Ind. Arch. II, eine Uebersetzung davon giebt v. Bibra.
+
+[27] 762,5 bis 915 Ds. per Kiste von 140 Katti; 6-1/2 bis 8 Thlr.
+per Zollpfund.
+
+[28] Im Budget Estimate 1864/65 war die Einnahme für Opium auf
+8,200,000 £, die Ausgabe auf 2,254,161 £ veranschlagt; man hatte
+also bei diesem Geschäft einen Reingewinn von 5,945,839 £ (über 40
+Millionen Thaler) erwartet. Der wirkliche Gewinn war: 1861/62
+4,909,804 £, 1862/63 6,199,198 £, 1863/64 4,525,506 £.
+
+[29] „Die Möglichkeit einer chronischen Opiumvergiftung ist eine
+über allem Zweifel erhabene Thatsache. Hammer bezeichnet die
+Liebhaber des Opiums als wankend und schwankend, blass, abgezehrt,
+mit gestrecktem Halse, entscharrten Leichnamen ähnlich ...
+Oppenheim: Die Thätigkeit der Verdauungsorgane liegt ganz darnieder,
+die Stuhlentleerung anfangs ungemein träge, oft in Intervallen von
+8-14 Tagen erfolgend; später macht sie der Diarrhoe und Dysenterie
+Platz. Die körperlichen und geistigen Kräfte und Fähigkeiten gehen
+einem raschen Verfall entgegen. Schwindel, Kopfschmerz, Neuralgien,
+Zittern der Gliedmaassen, Schlaflosigkeit, manchmal eine Art
+Delirium tremens, Blödsinn, allgemeine Paralyse, Impotenz, auch
+Blasen- und Nierenleiden stellen sich ein, und einem allmälig sich
+entwickelnden Leiden der Lunge und des Herzens erliegen die
+Opiumesser früher oder später.” (Husemann, Toxicologie S. 609.)
+
+[30] Dieselben Listen ergeben folgende interessante Thatsachen. Das
+Opium kommt fast ausschliesslich aus der Türkei, aus Britisch-Indien
+nichts. Das meiste geht nach den Vereinigten Staaten und Holland.
+Von 110,101 ℔, die 1863 exportirt wurden, gingen 40,641 nach den
+Vereinigten Staaten, 28,869 ℔ nach Holland, das Transit-Opium,
+104,756 ℔, nahmen diese beiden Länder ausschliesslich, Vereinigte
+Staaten 93,316 und Holland 11,440 ℔. (Das nach Holland verschiffte
+Opium geht nach Java.)
+
+[31] Dr. Thudichum giebt folgenden interessanten Aufschluss über die
+in einer Landstadt von Lincolnshire jährlich verkaufte Menge Opium:
+„Sieben Drogisten in der Stadt Spalding verkaufen 27 Stein 3-1/2
+Pfund Opium (= 436 Zollpfund) zum Theil in der Form von Laudanum.
+Die Stadt nebst dem von den Drogisten versehenen Gebiet hat 21,000
+Einwohner. Dies ergiebt einen Opiumverbrauch von 127 Gran per Kopf
+und Jahr. Eine geringe Menge des Opiums wird für die Schafe während
+des Lämmerns verwendet. Rechnet man 27 Gran von je 127 Gran zur
+Deckung dieses Bedarfs, was wahrscheinlich eine übertriebene Annahme
+ist, so ergiebt sich das erschreckende Verhältniss, dass der
+Opiumverbrauch im Gebiet von Spalding ungefähr 100 Gran jährlich für
+jedes Individuum der Bevölkerung beträgt. Opium wird von den
+Erwachsenen gegessen und den Kindern eingegeben. Die Sterblichkeit
+der Kinder beträgt in diesem Distrikt 21,845, während sie in ganz
+England 17,731 von 100,000 Lebenden betrug. Die Bevölkerung war in
+den letzten 10 Jahren im Abnehmen. Obige Menge Opium enthält nicht
+die von Aerzten verwendete Menge. Die Daten über die in Spalding
+verkauften Quantitäten Opium sind von Dr. Morris aus Spalding
+gesammelt und mir mitgetheilt worden.”
+
+[32] An einer andern Stelle behauptet de Quincey sogar, 12,000
+Tropfen täglich genommen zu haben. Das wäre mehr als ein und ein
+Zehntel Zollpfund! -- Nach dem Formulaire d. P. rechnet man das
+Gewicht von 20 Tropfen Laudanum, 75 bis 110 cgr., nimmt man als
+Mittel 92,5 cgr., so erhält man 555 Gramm!
+
+[33] Das letzte Straits' Blaubuch weist für das Jahr 1864/65
+abermals eine bedeutende Zunahme des Handels von Singapore nach,
+dessen Werth jetzt auf 13,000,000 £ veranschlagt werden kann. Die
+Einfuhr ist auf 66,182,177 Rupien (= 44,121,450 Thaler), die Ausfuhr
+auf 66,339,578 Rupien (= 44,226,385 Thaler) geschätzt worden, ein
+Fortschritt gegen 1863/64 von 2,712,123 Rup. bei der Einfuhr, und
+von 12,363,140 bei der Ausfuhr. Die Anzahl der in Singapore
+eingelaufenen grossen Schiffe (square rigged vessels) betrug
+1864/65: 1697 von 780,794 Tonnengehalt, 250 Schiffe und 152,226
+Tonnen mehr als 1863/64. Die Zahl der von Singapore 1864/65
+ausgelaufenen grossen Schiffe betrug 1629 von 576,527 Tonnengehalt,
+116 Schiffe und 16,453 Tonnen mehr als 1863/64. Die Zahl der die
+Häfen von Singapore, Pinang und Malacca besuchenden britischen
+Schiffe hat kaum zugenommen gegen das vorige Jahr; aber die Zahl der
+unter Hamburger und Bremer Flagge fahrenden hat sich mehr als
+verdoppelt ... „Es ist bemerkenswerth, dass ein Achtel der
+angekommenen und ein Neuntel der ausgelaufenen Schiffe unter
+deutschen Flaggen fuhren.” (Wenn die in den Listen enthaltenen
+Zahlen richtig abgedruckt sind, so berechnet sich die Anzahl der
+eingelaufenen deutschen Schiffe fast auf 1/6 der Gesammtzahl,
+nämlich 271 von 1697, und wenn man 17 östreichische Schiffe nicht
+mitrechnet, auf 1/63/4 ... Ebenso berechnet sich die Zahl der
+ausgelaufenen auf 1/71/2, und wenn man 10 östreichische nicht
+mitrechnet, auf 1/8 der Gesammtzahl, nämlich 216 resp. 206 von
+1629 ... Unter britischer Flagge liefen 860 ein, 873 aus.)
+
+[34] Eine schmale Meerenge trennt Rhiow vom eigentlichen Bintang.
+
+[35] Bekanntlich erfahren viele der nach monatelanger Reise in
+Europa anlangenden Schiffe erst in der engen Strasse zwischen
+England und der Insel Wight ihre schliessliche Bestimmung. Ohne dass
+sie ihre Fahrt zu unterbrechen oder ein Boot an's Land zu senden
+brauchten, theilt ihnen der Agent ihres Rheders gewöhnlich von
+~Cowes~ aus durch Flaggensignale mit, nach welchem Hafen sie steuern
+sollen, um ihre Ladung auf den vortheilhaftesten Markt zu bringen.
+Daher kehren die meisten Schiffe aus Ost-Asien mit der Bestimmung
+„Cowes for orders” heim.
+
+[36] Nur 2 holländische Schiffe durften jährlich zwischen Decima und
+Batavia verkehren.
+
+[37] Es ist auffallend, wie wenig Franzosen bis jetzt als grosse
+Kaufleute in Ostasien vorhanden sind. -- In Singapore befindet sich
+nur ein einziges französisches Haus von einiger Bedeutung.
+Engländer, Amerikaner und Deutsche sind es, die an der Spitze aller
+grossen Handelshäuser stehen. In Saigon ist der Handel hauptsächlich
+in Händen der Chinesen. Die grössten ~europäischen~ Handelshäuser
+daselbst sind deutsche.
+
+[38] 1864 betrug die Zahl der in den 13 Häfen ein- und ausgelaufenen
+nicht chinesischen Schiffe 17,976 von 6,635,505 Tons. Davon gehören
+2,862,234 Tons der englischen, 2,609,390 Tons der amerikanischen und
+380,135 Tons der hamburger Rhederei, der Rest vertheilt sich auf 20
+verschiedene Nationen. Der Einfuhrhandel von Shanghai allein stieg
+(nach dem Bericht des englischen Ministers in Peking) von 41,000,000
+taels in 1860, dem Jahr vor Eröffnung des Yantsekiang und der
+nördlichen Häfen, auf 81,000,000 taels in 1863 (1 tael ist etwa 2
+Thlr.).
+
+[39] Nach dem Prospekt würde die neue Gesellschaft im Stande sein,
+die Kohle für 25 sl. nach Singapore zu liefern, so dass ihr bei 40
+sl. ein hinreichender Gewinn verbliebe.
+
+[40] Die Wichtigkeit, den Geschmack der Eingebornen zu
+berücksichtigen, wird vielleicht in keinem Lande mehr verkannt, als
+in Deutschland. Häufig kommen in den ostasiatischen Handelsplätzen
+grosse Kisten mit Fabrikaten an, die durchaus werthlos sind, weil
+auf den Geschmack der Konsumenten, auf das Format, das Gewicht und
+die Art der Verpackung gar keine Rücksicht genommen ist, wenn auch
+die Waare an und für sich vielleicht die Konkurrenz aushielte. Es
+ist ein sonderbarer Dünkel solcher Fabrikanten, zu glauben, dass die
+Käufer sich in ihre Launen fügen sollen, und zeugt von gänzlicher
+Unkenntniss der bestehenden Verhältnisse. Ueberall, wo es Frauen
+giebt, sind wechselnde Moden -- selbst im Innern von Afrika. Alle
+Völker, die für andere fabriziren wollen, müssen auf das
+Sorgfältigste den Geschmack derselben studiren. Die Engländer haben
+dies längst eingesehen und geben sich grosse Mühe, dennoch wird es
+ihnen schwer, im Innern von China gegen die Konkurrenz der
+amerikanischen Fabriken aufzukommen, denen es gelungen zu sein
+scheint, die nationale Geschmacksrichtung mit solchem Glück zu
+treffen, dass sie in gröberen Baumwollenwaaren den dortigen Markt
+beherrschen.
+
+Die Schweizer, die keinen direkten Seehandel treiben können, haben
+es nur ihrem fleissigen Studium und grossen Takte zuzuschreiben,
+wenn sie ebenbürtig mit den grössten Fabrikstaaten konkurriren. In
+den Philippinen sind manche Artikel ausschliesslich in ihrer Hand.
+Ein befreundetes Schweizerhaus in Manila hielt eine Anzahl
+geschickter Mestizen als Musterzeichner, die der wechselnden Mode
+immer auf der Spur waren und liess nach ihren Zeichnungen in der
+Schweiz, in China und in Italien die Baumwollen- oder Seidenstoffe
+anfertigen, die dann auch immer bei den koketten Mestizinnen den
+grössten Anklang fanden. Den Languti, das in Siam gebräuchliche
+Lendentuch, nachzuahmen, ist noch Keinem gelungen. Schweizer,
+schottische und englische Häuser haben schon Tausende darauf
+verwendet -- bisher vergeblich; die gelieferten Stoffe sind
+vielleicht besser oder billiger als die einheimischen, entsprechen
+aber noch nicht genau dem Geschmack.
+
+[41] Nach dem Geschäftsbericht vom 5. Decbr. 1865 besass sie 63
+Schiffe von 92,353 tons und 18,270 Pferdekraft, die im letzten Jahre
+einen Weg von etwa 1,500,000 Seemeilen zurückgelegt hatten (fast in
+jeder Woche 1-1/2 mal so viel als der Erdumfang beträgt).
+
+
+
+
+Malacca.
+
+ Anblick von Malacca. -- Portugiesen. -- Chinesen. -- Melaleuca. --
+ Mission unter den Mintras und Jakuns. -- Guttapercha. -- Neuer
+ Pungulu in Allor-gadja. -- Rückkehr zu den Mintras. -- Ehepärchen.
+ -- Blasrohr. -- Pfeilgift. -- Fahrt nach Lingi. -- Der Dato von
+ Lingi. -- Zustände in den kleinen Malayenstaaten. -- Zinn. -- Leben
+ im Walde. -- Zweckmässige Kleidung. -- Insektenpulver. --
+ Chinesischer Leichenzug. -- Geschichte von Malacca. -- Tapioka. --
+ Djaggeri.
+
+
+Mitte April, an einem Nachmittag, bestieg ich den ~Hooghly~, ein altes,
+ausrangirtes Dampfboot, welches die ganze Kriegsmarine der „Straits
+Settlements” ausmachte. In seltenen Fällen wurde es gegen Seeräuber
+benutzt, hauptsächlich aber diente es dazu, die Beamten der Regierung
+und die Post zwischen Malacca, Pulo-Pinang und Singapore, welche
+zusammen die Niederlassung der Meerenge (the Straits Settlements)
+bilden, zu befördern. Seine Geschwindigkeit überstieg nicht die einer
+chinesischen Junke; auch Reinlichkeit und Ordnung liessen manches zu
+wünschen übrig und waren ein fortwährender Stoff zu Klagen von Seiten
+der Passagiere, die aber nicht berücksichtigt wurden, da der Kapitän ein
+naher Verwandter des Guvernörs war, und Reisende nur aus Gefälligkeit
+mitgenommen wurden gegen eine im Verhältniss zu den sonst in diesen
+Meeren üblichen Dampfschiffspreisen allerdings sehr unbedeutende
+Vergütigung, Trotz mancher kleinen Mängel war die Fahrt höchst angenehm
+in herrlicher, tropischer Nacht auf spiegelglattem Meere. Am andern Tage
+um 2 Uhr ankerten wir auf der Rhede von Malacca in 2 Seemeilen
+Entfernung vom Lande. Wir hatten 22 Stunden gebraucht, um einen Weg von
+120 Seemeilen zurückzulegen.
+
+Malacca hat eine sehr hübsche Seefront. Dicht hinter einer Reihe von
+Europäern bewohnter steinerner, etwas einförmiger Häuser, deren dem
+Strand zugewendete Seite mit einer Bogenreihe versehen ist, erhebt sich
+ein länglicher, 100 Fuss hoher Hügel, auf dessen Gipfel die malerischen
+Ruinen der von Albuquerque gebauten Kirche Madre de Dios und der Klöster
+S. Paul und Hermanos de leche stehen. Zur Rechten schliesst sich an die
+steinernen Häuser ein Palmenwäldchen, unter dessen Schatten sich eine
+ganze Reihe Wohnungen von Portugiesen[42] und Asiaten behaglich
+ausdehnt; hinter ihnen ragt tiefblau der Berg Ophir (Gunong Ledang), der
+höchste Punkt des südlichen Festlandes (4320') hervor. Zur Linken, am
+westlichen Abhang des Hügels, der hier nochmals zu einer kleinen Anhöhe
+anschwillt, steht das „Stadthuys”, ein stattliches Gebäude aus
+holländischer Zeit, theilweise von einem Angsana-Hain (Pterocarpus
+Indicus) verdeckt, der sich parkartig bis zu den Ruinen auf der Kuppe
+hinzieht. Die Südfront des Gebäudes ist ebenfalls der See zugekehrt,
+seine Westseite begrenzt der kleine Fluss, an dessen jenseitigem Ufer
+die eigentliche Stadt liegt, aus der sich die Thürme einiger Moscheen
+erheben. Das kleine Flüsschen von Malacca und die Meeresströmungen haben
+die Rhede so verschlämmt, dass grosse Schiffe 2 Miles vom Lande ankern
+müssen. An den kleinen Inseln, wo 1511 Albuquerque's Flotte in 5-6 Faden
+Tiefe lag, können jetzt nur Küstenfahrer anlegen, und nur zwei derselben
+sahen wir hier vor Anker. Welch auffallender Unterschied gegen
+Singapore! Und doch war vor ca. 300 Jahren Malacca der wichtigste
+Handelsplatz in diesen Meeren, Hauptstadt eines mächtigen Königreichs
+und auch noch zu Zeiten des holländischen Monopols ein bedeutender
+Stapelplatz.
+
+Nach langem Warten kamen einige Boote, kaum genug, um die wenigen
+Passagiere zu bergen. Wie einsam und still erschien die Stadt nach dem
+Schacherlärm von Singapore! Die wenigen Europäer und ihre Abkömmlinge,
+die hier wohnen, sind meist Beamte oder Grundbesitzer von holländischer
+Abkunft, ich fand bei ihnen eine fast noch liebenswürdigere Aufnahme,
+als in Singapore und lernte einige vortreffliche Menschen kennen. Selbst
+unter den Frauen schien keine Eifersüchtelei zu herrschen, keine
+Ostentation, kein herausfordernder Luxus. In der Abendkühle schlenderte
+man am Strande, oder genoss, auf einem Vorsprung der Küste sitzend, die
+Seebrise, und wenn die jungen Mädchen Pfänderspiele vorschlugen, so
+betheiligten sich alle Anwesenden in harmloser Freude daran. Es giebt
+hier kein Gasthaus; ich erhielt vom Resident-Councillor eine Wohnung in
+dem grossen Stadthause angewiesen, das alle Regierungs-Kanzleien
+enthält, aber immer noch reichlich Raum hat, um Fremde zu beherbergen.
+Eine eiserne Brücke führt über den Fluss, wohl an der Stelle der alten
+Brücke, die vor 3-1/2 Jahrhunderten eine so wichtige Rolle gespielt.
+Nachdem nämlich der erste Angriff der Portugiesen auf die Stadt
+zurückgeschlagen worden war, bemächtigte sich Albuquerque der Brücke,
+hielt sie 9 Tage lang besetzt und schnitt dadurch den Einwohnern alle
+Zufuhr ab. Am folgenden Tage musste sich die Stadt nach tapferer
+Gegenwehr ergeben. -- Die beiliegende Ansicht von Malacca ist von der
+Brücke aufgenommen. Zur Rechten sieht man unter schattigen Bäumen die
+Westfront des Stadthauses; links, am rechten Ufer des Flüsschens, liegt
+die von Asiaten (Chinesen, Malayen, Klings) bewohnte Stadt.
+
+[Illustration: MALACCA.]
+
+Die hiesigen Chinesen stehen in besonders gutem Ruf. Der Wohlstand, den
+sie hier in voller Sicherheit gegen Erpressungen geniessen, hat die bei
+diesem Volk sonst so schroff hervortretende Selbstsucht sehr gemildert.
+Sie sind sehr gastfrei und geben häufig bedeutende Summen für
+gemeinnützige Zwecke her.
+
+Wie sich in der Stadt die Wohnhäuser der Chinesen vor allen andern
+geltend machen, so hat auch die dieser Nation eigenthümliche grosse
+Verehrung der Todten, die sich in der Kostbarkeit und sorgfältigen
+Erhaltung der Gräber ausspricht, der umliegenden Landschaft ihr Gepräge
+aufgedrückt. Während in Singapore die reichen Kaufleute alle hübschen
+Punkte um die Stadt ausgesucht haben, um ihre Wohnhäuser dort
+aufzubauen, sind hier die schönsten Anhöhen in der Umgegend mit
+chinesischen Gräbern bedeckt, deren einige mit grossen Kosten aufgeführt
+sind. Malacca ist ein Lieblingsaufenthalt für die Chinesen. Von hier
+stammen die meisten von denen, die in Singapore eine hervorragende
+Stellung einnehmen, und hierher ziehen sie sich gerne zurück, um ihr
+dort erworbenes Vermögen in behaglicher Ruhe zu geniessen. Viele dieser
+Familien sind schon seit Generationen hier ansässig, sie heirathen nur
+unter einander, so dass das malayische Blut der Stammmutter bei jeder
+neuen Verbindung immer mehr gegen das chinesische zurücktritt. Wegen
+ihrer langen Ansässigkeit unter Europäern und der daraus folgenden
+Bekanntschaft mit dem Wesen derselben, sowie durch Reichthum und
+grössere Bildung haben sie vor denjenigen ihrer Landsleute, welche die
+Masse der Bevölkerung von Singapore ausmachen, Vieles voraus.
+
+Einige Tage nach meiner Ankunft fuhr ich auf bequemer Strasse nach
+Rumbia, einer mitten im Walde gelegenen Mission, 12 Miles NN-W. von
+Malacca. Nachdem man die unmittelbare Umgebung der Stadt verlassen, in
+der allerlei kleine Moscheen, Kapellen, Hindutempel und andre
+„Josshäuser” von Gärten umgeben, malerisch durch einander liegen,[43]
+führt der Weg auf einem Damm unter einer Allee weissblühender Melaleuca
+(M. minor) quer über einen weiten grünen Teppich von Reisfeldern, der
+mit einzelnen Gruppen von Fruchtbäumen, Cocos- und Arecapalmen
+geschmückt ist, unter deren Schatten ein paar malayische Hütten liegen.
+Hin und wieder kommt man noch an einer Moschee oder einem grösseren
+Gehöft vorbei, welche letztere immer Chinesen gehören und oft
+beträchtlichen Wohlstand verrathen. Die Melaleucas haben landschaftlich
+grosse Aehnlichkeit mit unsern Birken durch den allgemeinen Habitus und
+besonders durch die Silberweisse des Stammes. Wie bei diesen lösen sich
+die äusseren Lagen der Korkschicht in dünnen, weissen Blättchen ab, bei
+einigen Arten erreicht diese Schicht fast Zolldicke und besteht aus so
+feinen Blättchen, dass sie zum Kalfatern der Schiffe verwendet wird. Von
+der weissen Farbe des Stammes (kaju: Holz, puti: weiss) hat der Baum
+seinen inländischen Namen; auch das Kajeput-Oel, das aus den
+getrockneten Blättern einer in den Molukken vorkommenden verwandten Art
+(M. leucodendron) gewonnen wird, ist danach benannt. Nach einigen Meilen
+erreicht man den Wald, der sehr anmuthig, schattig und zugänglicher ist
+als der Jungle bei Singapore. In Tsching, auf halbem Wege, wurde das
+Pferd gewechselt; um 9 Uhr Vormittags, 2 Stunden nach der Abfahrt von
+Malacca, war ich in Rumbia, wo mir der freundliche Missionär schon von
+ferne entgegenkam, sobald er nur den Wagen erblickte. Er nahm mich sehr
+gastlich auf, und da er ausser einigen kleinen „Waldmenschen” keine
+Bedienung hatte, so ging er selbst ans Werk, mich und mein Gepäck
+möglichst bequem unterzubringen. Nach einem Schwimmbade in einem von ihm
+selbst gegrabenen Teich wurde gefrühstückt, und alsbald füllte sich das
+Zimmer mit neugierigen ~Mintras~, deren zutrauliche, gutmüthige,
+bescheidene Art den angenehmsten Eindruck machte. Hr. Bory war wiederum
+ein denkwürdiges Beispiel jener katholischen Missionäre, wie man sie
+zuweilen auf abgelegenen Stationen findet. Er stammte aus Paris und
+hatte sich hier vor mehreren Jahren (1848) niedergelassen, ganz allein
+und ohne alle Unterstützung zur Bekehrung der ~Mintras~ und ~Jakuns~,
+die zu den wilden Stämmen gehören, welche die Südspitze der malayischen
+Halbinsel bewohnen. Sie werden gewöhnlich mit dem gemeinschaftlichen
+Namen orang-utan (Waldmenschen),[44] orang-bukit (Bergmenschen) oder
+orang binua (Menschen des Binnenlandes), belegt und waren bis 1847, wo
+J. R. Logan's trefflicher Aufsatz über dieselben erschien, fast
+unbekannt und Gegenstand vieler Fabeln. Dass sie auf Bäumen wohnen und
+Schuppen besässen, wie Fische, hat sich allerdings bestätigt. Die Jakuns
+bauen noch jetzt ihre Hütten gern auf Bäumen, 20-30' über dem Boden, und
+mit den Schuppen hat es insofern seine Richtigkeit, als sehr viele mit
+Ichthyosis behaftet sind. Ich sah diese Hautkrankheit an mehreren
+Jakuns; die meisten aber, und fast alle Mintras waren so reinlich, wie
+Malayen, d. h. reinlicher als die Mehrzahl der Europäer.
+
+Herr Bory theilte mir mit, dass er, als er vor zehn Jahren von Malacca
+aus hierher gekommen war, mit einigen dieser Leute Bekanntschaft machte,
+und sie bald durch seine Leutseligkeit gewann. Er erzählte ihnen
+Geschichten aus der heiligen Schrift; der Kreis aufmerksamer Zuhörer
+wuchs mit jedem Besuch und auch die gegenseitige Zuneigung; endlich
+erbot er sich bei ihnen zu bleiben, um sie zu unterrichten und zu
+Christen zu bekehren. Sein Vorschlag wurde mit Freude angenommen; nur
+Ein Punkt machte grosse Schwierigkeiten. Einige Männer hatten nämlich
+gehört, dass die Christen nur Eine Frau heirathen und nur durch den Tod
+von ihr geschieden werden könnten. Diese Forderung schien ihnen doch gar
+zu hart, aber Herr Bory blieb standhaft, und nach vieler Ueberredung
+wurde sie mit angenommen. Nun lichtete man ein Plätzchen im Walde, baute
+ein Bretterhaus zur Wohnung für den Missionär, ein anderes grösseres zur
+Kirche, auch eine Schule; die Mittel wurden durch Almosen von Seiten der
+Christen aus Malacca und Singapore aufgebracht, denn ausser 10 Dollars
+monatlich erhalten diese Männer keine Unterstützung, freiwillige Almosen
+ausgenommen. Die Jakuns können natürlich nichts geben. Herr Bory ging
+selbstthätig mit seinen Pfleglingen ans Werk; er beschränkt sich
+überhaupt nicht darauf, blosse Scheinchristen aus ihnen zu machen,
+sondern sucht sie allmälig zum Betrieb des Landbaus und nützlicher
+Künste anzuleiten, freilich noch mit geringem Erfolg; doch sind schon
+einige kleine Gärten entstanden, mehrere Cocos- und Obstbäume
+angepflanzt, einige Mintras besitzen sogar schon Büffel oder Schweine;
+doch ist ihr Haupterwerb immer noch das Einsammeln der Produkte des
+Waldes: Rotang, Harze, Guttapercha u. s. w. gegen die sie ihren geringen
+Bedarf an Erzeugnissen eines vorgeschritteneren Gewerbfleisses
+eintauschen. Herr Bory ist immer von einer Anzahl Mintras umringt,
+erzieht sie wie ein Vater seine Kinder und geniesst ihr vollstes
+Vertrauen, so dass sie ihn in allen Angelegenheiten erst um Rath fragen.
+
+Wir machten eine Excursion in den Wald, von vielen Mintras begleitet,
+die eifrig sammeln halfen, die Gesellschaft war übermunter, da die
+Sorgfalt, mit der manche für sie so werthlose Gegenstände etikettirt und
+verpackt wurden, immer neuen Stoff zum Lachen gab.
+
+Nachmittags kam eine Anzahl Jakuns in die Mission und brachte ganze Arme
+voll Zweige, die ich einlegen sollte. Diejenigen, deren Exemplare
+brauchbar waren, zeigten darüber grosse Freude. So vergingen zwei Tage
+auf die angenehmste Weise unter diesen gutmüthigen Menschen. Am Sonntag
+versammelte sich die ganze Gemeinde, Jakuns und Mintras mit Frauen und
+Kindern, um die Messe zu hören. Ihr Gesang klang recht angenehm, sie
+sollen überhaupt viel Sinn für Musik haben. Alle waren sehr sauber nach
+malayischer Art gekleidet, nur etwas dürftiger. Ich hatte einen
+photographischen Apparat mitgebracht und nahm ihre Portraits auf, die
+aber leider später verloren gingen. Das ganze Völkchen machte den
+Eindruck, als fühlte es sich recht glücklich in seiner Abgeschiedenheit
+unter dem Schutz des braven Missionärs.
+
+Früher wurden sie von den piratischen Malayen, die zu ihnen kamen, aufs
+ärgste betrogen, beraubt und misshandelt; sie hatten kaum einen andern
+Schutz als ihren bösen Ruf als Zauberer und Giftmischer, um ihre
+abergläubischen Bedrücker einigermaassen in Schranken zu halten.
+
+Besonders erreichten diese Bedrückungen einen sehr hohen Grad, als die
+Anwendung der Guttapercha zur Isolirung der elektrischen Drähte unter
+Wasser und unter der Erde eine immer stärkere Nachfrage nach dieser
+Substanz veranlasste.[45]
+
+Einer Einladung folgend fuhr ich nach Allor-gadja in Naning, etwa 9
+Miles NNW. von Rumbia, wo am nächsten Tage die feierliche Bestätigung
+des neuen Pungulu durch den Resident-Councillor stattfinden sollte.
+Naning ist ein kleines Gebiet, das landeinwärts an Malacca grenzt und
+immer schmaler werdend sich bis zum Berg Ophir erstreckt. Bis zum Jahr
+1842, wo es mit Malacca auf gleichen Fuss gestellt wurde, stand es zu
+diesem immer in schwankenden Unterthänigkeits-Verhältnissen; statt des
+Zehnten zahlte es nur einen Tribut, und der Pungulu schaltete in dem
+Gebiet wie ein unumschränkter Fürst nicht nur über die Habe, sondern
+auch über das Leben der Einwohner. Im Jahre 1829 beschlossen die
+Engländer diesen Zuständen ein Ende zu machen. Es kostete aber zwei
+Feldzüge, viele Menschenleben und die Summe von 100,000 £ um die gegen
+die beabsichtigten Neuerungen ausgebrochene Empörung zu unterdrücken,
+obgleich die Zahl der erwachsenen Männer in Naning zur Zeit des Krieges
+1500 nicht überstieg, so dass die Unkosten etwa 450 Thaler per Kopf
+betrugen. Der Feldzug endete schliesslich dadurch, dass einer der
+fähigsten Empörer zu den Engländern übertrat. Der aufrührerische Pungulu
+kapitulirte darauf und starb später in Malacca als Pensionär der
+indischen Regierung.
+
+Auf einem angenehmen breiten Waldweg, der dem Kriege seine Entstehung
+verdankt, gelangte ich Abends nach Allor-gadja, wo die nicht
+unharmonische Musik und Todtenklage der Malayen einen grossen Theil der
+Nacht hindurch zu hören war. Wenige hundert Schritt vom
+Regierungs-Bungalow liegen die Grabhügel dreier im Kriege gegen Naning
+gefallenen englischen Offiziere, ein wenig weiter erhebt sich noch eine
+Schanze aus Lehmwällen, in der sich jetzt eine friedliche Polizeistation
+niedergelassen hat. Am folgenden Morgen machten wir einen Spaziergang
+nach dem etwa 3 Meilen entfernten Ayer (Wasser)- panas (heiss), einer
+ziemlich reichlichen Kohlensäure haltigen und einen schwachen Geruch von
+Schwefelwasserstoff verbreitenden Quelle. Ihre Temperatur fand ich 9 Uhr
+Vormittag 137° F. = 46,6 R. In der Nähe steht ein verfallendes Badehaus.
+Die Eingeborenen benutzen das Wasser häufig als Heilmittel. Auf dem
+ganzen Wege herrschte überall der rothe Thoneisenstein von Singapore bis
+kurz vor der Quelle, die in angeschwemmtem Boden aufbricht, in welchem
+sich viele Quarzkörner bis zu Nussgrösse vorfinden. Es ist dieselbe
+Formation, in der hauptsächlich die Zinn- und Goldwäschen betrieben
+werden. Nach dem Frühstück ging die Feierlichkeit ohne besonderes
+Schaugepränge schnell vorüber. Der Resident-Councillor kehrte nach
+Malacca zurück; ich fuhr wieder zu meinen Freunden nach Rumbia, deren
+liebenswürdiges, harmloses Wesen gegen die finstere Gemessenheit der
+Malayen angenehm abstach. Unterwegs sah ich neben einer kleinen Moschee
+im Walde eine Pauke von 20 Fuss Länge und mehr als 2-1/2 Fuss
+Durchmesser. Es war ein ausgehöhlter Baumstamm, an einem Ende offen, am
+andern mit einer Büffelhaut bespannt. Es sollen derartige Pauken von
+noch grösseren Dimensionen vorkommen. Ihr Zweck ist, die weit zerstreut
+lebenden Gläubigen zum Gebet zu rufen. Noch spät Abends kamen die Jakuns
+zur Mission und brachten mehrere Thiere, die sie für mich gesammelt
+hatten.
+
+Am folgenden Morgen überraschte ich im Walde ein junges Ehepärchen in
+seinem Honigmond. Ihr Haus bestand in einem Sonnendach aus lose
+zusammengefügten Palmenblättern. In einem kleinen Töpfchen kochte ihre
+Mahlzeit, und während die Frau die Küche besorgte, sang ihr der Mann ein
+Liedchen und begleitete sich auf einem Saiteninstrument, das aus einem
+fusslangen Bambusrohr bestand, an welchem der Länge nach 3 oder 4 Enden
+des kletternden Stammes einer Orchidee aufgespannt und statt der Stege
+kleine Wachsklümpchen unter den Saiten angebracht waren. Der glückliche
+Ehemann besass auch eine Flöte und Pfeife aus Bambus und musizirte, als
+die erste Schüchternheit vorüber war, auf beiden mit grossem
+Wohlgefallen ganz angenehm, nur etwas zu anhaltend. Beim Abschied drang
+er mir zwei feiste Ratten auf, die er für seine eigene Tafel gemästet
+hatte. Die Jakuns sind nicht wählerisch in ihren Nahrungsmitteln,
+Schlangen und Ratten sind willkommene Leckerbissen. Der französische
+Missionär Lefèvre erzählt: Eine ihrer geschätztesten Speisen ist ein
+Honigwaben, nicht wann die Zellen mit Honig gefüllt, sondern wann die
+jungen Bienen schon ausgebildet, ein Paar Tage bevor sie flügge sind;
+der Waben wird dann in ein Bananenblatt gewickelt, etwas gebraten, und
+das Ganze mit grossem Appetit verzehrt.
+
+Ausser dem Waldmesser, das sie immer bei sich tragen, und das ihnen alle
+Werkzeuge ersetzt, haben die Orang-bukit kaum irgend welche
+Geräthschaften. Zur Jagd bedienen sie sich hauptsächlich der Blasröhre,
+aus welchen sie vergiftete Pfeile schiessen. Kleinere Thiere sterben
+nach einer Minute. Das Blasrohr „Sumpitan” besteht aus zwei in einander
+geschobenen Bambusen, 7 Fuss lang, 3/4 Zoll Durchmesser. Die innere
+Oeffnung hat etwa einen halben Zoll Durchmesser; die Pfeile sind 7 Zoll
+lang und bestehen aus den Seitennerven eines Palmenwedels; an ihrem
+unteren Ende ist ein 3/4 Zoll langer Kegel aus weichem Holz befestigt,
+dessen Basis den hohlen Raum des Blaserohrs beinahe ausfüllt. Die sehr
+scharfe Spitze ist einen halben Zoll tief in Gift getaucht und ringsum
+eingeschnitten, damit sie abbreche und in der Wunde stecken bleibe.
+Jeder einzelne Pfeil steckt in einem Rohrfutteral, und eine Anzahl
+dieser ist durch Baststreifen eines Artocarpus so aneinander geknüpft,
+dass sie sich zu einem Bündel aufrollen wie ein Latten-Rouleau und in
+einer Bambuskapsel, die als Köcher dient, aufbewahrt werden können.
+Genau ebenso verfertigen die Indianer in Guiana ihre Pfeile und bewahren
+sie ebenso auf, mit dem einzigen Unterschied, dass die einzelnen Pfeile
+nicht in besonderen Kapseln stecken, sondern unmittelbar mit einander
+verknüpft und zusammengerollt werden -- ein auffallender Umstand, da
+beide Völker wohl nie in Verkehr gestanden haben. Die Jakuns haben den
+Ruf, geübte Sumpitanbläser zu sein. Um ihre Geschicklichkeit zu prüfen,
+liess ich einen der geübtesten nach einem etwa 100 Schritt entfernten
+Pisangstamm zielen; er traf ihn nachdem er zweimal vorbei geschossen;
+eine 30 Schritt entfernte, 1-1/2 Zoll Durchmesser haltende Oranie zu
+treffen, erklärte er für zu schwierig; auf 15 Schritt traf er sie. Bei
+dem Schiessen wird der Pfeil von unten in das Blasrohr gesteckt, der
+Kegel mit einer zunderartigen Substanz umwickelt, damit seitlich keine
+Luft entweiche, und das Blasrohr mit beiden Händen fest gegen den Mund
+gepresst. Die Luft wird mit solcher Gewalt ausgestossen, dass man einen
+pfeifenden Ton hört.
+
+Auf Veranlassung des Herrn Bory wurde das Pfeilgift in meiner Gegenwart
+bereitet. Man schlug 3 Pflöcke in die Erde, setzte eine eiserne halb mit
+Wasser gefüllte Pfanne darauf, zündete Feuer darunter an, that die
+feingeschabte Rinde folgender Pflanzen hinein: akar-ipo (Giftwurzel)
+oder lada-ipo (Giftpfeffer) eine starke Handvoll; ipo-batang
+(Baumstammgift) und Sabalei je eine kleine Prise. Nach einer Minute
+wurde die Rinde im Wasser mittelst der Hand stark ausgepresst und
+fortgeworfen. Nachdem der Extract 4 Minuten gekocht hatte, wurde er mit
+grosser Vorsicht abgegossen, wobei ein auf den Rand der Pfanne gelegter
+kleiner Ballen geschabter Bambusfasern als Filtrum diente, um die noch
+in der Flüssigkeit schwimmenden Rindenstückchen zurückzuhalten. Nachdem
+die Pfanne sorgfältig mit Sand ausgescheuert, wurde der Absud -- etwa
+1/2 Liter -- in dieselbe zurück gegossen. Man setzte, als er zu kochen
+begann, einen Theelöffel voll Saft des Ipo-batang hinzu. Dieser geringen
+Menge wegen hatte man einen grossen Baum gefällt, aus dessen Querschnitt
+der Saft langsam ausschwitzte. Nach Zusatz dieser Substanz entstand in
+der bisher klaren Flüssigkeit ein Coagulum, das zu Boden sank. Zwei
+Minuten später goss man abermals die klare Flüssigkeit ab, in die man
+vorher ein Stückchen durch Realgar verunreinigten Arseniks von der
+Grösse eines Stecknadelknopfes geworfen hatte. -- Eine so geringe Menge
+kann wohl keine Wirkung haben; auch gilt der Zusatz nach der Aussage des
+Giftkochers nicht für wesentlich und unterbleibt, wenn kein Arsenik
+vorhanden ist, ohne der Wirksamkeit des Pfeilgiftes zu schaden. --
+Nachdem der Bodensatz beseitigt und die Pfanne abermals sehr sorgfältig
+mit Sand ausgescheuert worden war, goss man wieder das Filtrat in
+dieselbe zurück und dampfte es bis zur Syrupdicke ein. Das fertige Gift
+wird entweder gleich auf die Pfeile gebracht, oder in kleinen Bambusen
+verwahrt und soll viele Jahre lang seine Wirksamkeit behalten. -- Früher
+wurden bei dem Giftkochen allerlei Zauberformeln angewendet, die Herrn
+Bory's Einfluss beseitigt hat. Von den verwendeten Pflanzen konnte ich
+keine blühende Exemplare erhalten und auch die eingelegten blüthenlosen
+Zweige gingen später verloren, so dass eine Bestimmung nicht möglich
+war. Ausser dem in meiner Gegenwart bereiteten kaufte ich noch mehrere
+Kapseln voll älteren Pfeilgiftes und Köcher voll vergifteter Pfeile.
+Später im physiologischen Laboratorium zu Berlin damit angestellte
+Versuche ergaben sehr verschiedene Resultate. Das in meiner Gegenwart
+bereitete Gift wirkte herzlähmend wie Anthiar, eben so wirkte der Saft
+des Ipo-batang, den ich selbst vom Stamm eingesammelt hatte. Die
+gekauften Gifte aber wirkten ausserdem noch tetanisirend wie Strychnin.
+Wahrscheinlich ist der Ipo-batang-Baum = Anthiaris toxicaria oder eine
+verwandte Art, und akar-ipo eine Strychnosart (letzteres ist um so
+wahrscheinlicher, da akar nicht nur Wurzel sondern auch Rebe bedeutet).
+Durch das Vorwiegen der einen oder andern Substanz mag wohl die
+vorherrschende Wirkung auf Herz oder Nerven bedingt werden. Die von
+Prof. du Bois-Reymond und Dr. Rosenthal angestellten Versuche, welche
+übrigens auch die verhältnissmässige Immunität der Hühner bestätigen,
+sind ausführlich beschrieben in den Monatsberichten der Berliner
+Akademie 1859. 3. 319 und in Reichert und du Bois-Reymond's Archiv 1865
+S. 601.
+
+In allen Jägerkünsten sind die Waldmenschen wohlerfahren, sie wissen dem
+Wild auch viele Fallen zu stellen; eine recht sinnreiche von
+komplizirtem Bau beschreibt J. R. Logan. Mir zeigten sie an vielen
+Stellen im Dickicht verborgen eine sehr einfache anscheinend von grosser
+Wirksamkeit. Ein junger elastischer Baum war mit der Spitze zur Ende
+gebogen. Bei der leichtesten Berührung eines Schnäppers schnellte er
+wieder in die Höhe und durchbohrte mit der an seiner Spitze in einem
+fast rechten Winkel befestigten Bambuslanze das Thier, das sich der
+Falle unvorsichtig genähert hatte. Einem Aufsatz, den Herr Bory 1861 in
+die Tydschr. voor indische Taal, Land en Volkenkunde einrücken liess,
+entnehme ich noch einige ergänzende Daten:
+
+Die Gesammtzahl aller Wilden auf der malayischen Halbinsel dürfte nach
+H. B.'s Meinung nicht über 8-10,000 betragen; die der Mintras nicht über
+2000. -- Sie halten sich für die Ureinwohner, betrachten die Malayen als
+Eindringlinge und glauben von 2 weissen Affen abzustammen, aus deren
+Nachkommen diejenigen, die in der Ebene blieben, allmälig Menschen
+wurden, während die, welche die Berge nicht verliessen, Affen
+blieben.[46] Jeder lebt für sich, als wäre er allein in der Welt. Sie
+sind gleichgültig, faul, lieben die Ruhe über alles, haben wenig
+Energie. Nur auf der Jagd zeigen sie Muth und Ausdauer. Allein, ohne
+andre Waffen als Blasrohr, Lanze und Kris, bringen sie Tage und Nächte
+im Walde zu. Sie sind friedliebend, streiten selten hartnäckig; der
+geringste Zwist hat Auswanderung zur Folge. Sie hängen wenig am Boden,
+verändern leicht ihren Wohnsitz, oft mehr aus Laune als aus Ueberlegung.
+Der erste Eindruck, den die Mintras auf den Fremden machen, ist ein so
+günstiger, dass man geneigt ist, sie für Menschen im Zustand der
+Unschuld zu halten. (Herr Bory, der anfänglich auch diese Ansicht
+theilte, denkt nach genauerer Bekanntschaft anders über sie).
+
+Die Mintras, wie die andern wilden Stämme der Halbinsel haben ihre
+eigene Sprache; sie hat wenig Klarheit und Bestimmtheit. Die
+Mintra-Christen verlangten daher, dass ihnen der Religionsunterricht in
+malayischer Sprache ertheilt würde. Alle Wilden sprechen malayisch, das
+ihnen auch als Verkehrssprache mit benachbarten Stämmen nöthig ist.
+
+Einige Tage nach meiner Rückkehr nach Malacca hatte ich Gelegenheit,
+in Gesellschaft eines Bergmanns aus Cornwallis, der im Auftrag einer
+englischen Gesellschaft die Ergiebigkeit der hiesigen Zinnlagerstätten
+untersuchen sollte, einen Ausflug nach dem oberen Lingiflusse zu
+machen, von wo wir nach dem berühmten Zinndistrikt, Songei-Udjong,
+wollten. Bis zur Mündung des Lingi konnten wir das Kanonenboot der
+Regierung benutzen. Wir verliessen Malacca Nachmittags um 5 Uhr und
+fuhren in geringer Entfernung von der Küste, die eine ununterbrochene
+Reihe lieblicher Landschaften entfaltete: im Vordergrund eine bebaute
+Ebene, auf welcher sich Hügel und weiter hinten tief blaue Berge in
+scharfen Umrissen erhoben. Der Sonnenuntergang war ausserordentlich
+prächtig und nahm über 150° des Horizontes ein. Wir brachten die warme
+Nacht 23,2° R. auf dem Verdeck zu, um 3 Uhr trat Regen ein und zwang
+uns, in der kleinen, heissen Kajüte Schutz zu suchen. Wir waren der
+Mündung des Lingi nahe, mussten aber noch 3 Stunden lang kreuzen,
+bevor wir landen konnten, da wir Wind und Strömung gegen uns hatten.
+Dieser Fluss bildet die Grenze Malaccas gegen den kleinen Malayenstaat
+~Salangore~. An seiner Mündung, auf der linken (englischen) Seite,
+liegt ein kleines, aus wenigen Hütten bestehendes malayisches Kampong
+und daneben die Umfangsmauer eines während des Krieges mit Naning
+gegründeten Forts. Das Kanonenboot setzte seine Fahrt fort, wir
+blieben und hatten bis 11 Uhr mit habsüchtigen, mürrischen Leuten zu
+feilschen, bevor wir zur Fahrt Fluss aufwärts um hohen Preis ein Boot
+erlangten. Die breiten Mündungen dieser Flüsse sind namentlich in der
+Mittagssonnengluth nicht angenehm zu befahren. Die Fluthwelle reicht
+viele Meilen weit hinauf, und soweit sie das Seewasser trägt, zieht
+sich zu beiden Seiten ein einförmiger Rhizophorensaum hin; erst nach
+stundenlanger Fahrt flussaufwärts erscheinen einige stammlose
+Nipapalmen, die allmälig häufiger werden, sobald der Salzgehalt des
+Wassers hinreichend abnimmt, dann treten Pandanusarten auf, welchen
+sich bald blühende Sträucher und enorme Waldbäume anschliessen, deren
+einige bis auf 100 Fuss Höhe fast astlos, und glatt wie Säulen
+emporragend, nur am Boden mit grossen Strebepfeilern versehen sind,
+während andere vielfach verästelt, durch Luftwurzeln gestützt und nach
+allen Richtungen mit Lianen, Kletterfarnen und Orchideen behangen, ein
+unauflösliches Gewirre bilden. Gegen Abend wurde der Fluss immer
+enger, die Windungen häufiger, endlich bogen wir in einen kleinen
+Bach, unter dessen dichtem, tiefhängendem Laubdach wir ein kleines
+Kampong erreichten. Am Ufer stand ein Schuppen, der als Niederlage für
+das aus der Umgegend kommende Zinn dient, welches von hier aus nach
+Malacca verschifft wird. Der „Dato” (Häuptling) wohnt eine Mile
+landeinwärts; wir begaben uns zu ihm, um den Empfehlungsbrief des
+Guvernörs abzugeben. Zu unserer Ueberraschung führte statt eines engen
+Waldpfades ein Fahrweg nach seiner Wohnung; den Dato hatten bei einem
+Besuche in Singapore die dort gebräuchlichen Wagen so entzückt, dass
+er einen gekauft, und um ihn benutzen zu können, mitten in seinem
+Walde ein Stück Strasse von einer Mile Länge gebaut hatte, auf der er
+täglich spazieren fuhr. Er wohnte in einem sauberen steinernen Hause,
+in dem mehrere europäische Möbel und Luxusgegenstände aufgestellt
+waren. Unsere beabsichtigte Reise nach Songei-Udjong schien ihm nicht
+angenehm zu sein; er machte allerlei Einwendungen dagegen, schilderte
+sehr beredt die Gefahren und Strapazen, die uns bevorständen,
+bedauerte uns in seiner Wohnung kein Quartier geben zu können, und
+entschuldigte sich, dass die Nahrungsmittel sehr knapp seien. Zum
+Glück waren wir in dieser Beziehung gut versehen. Er bat uns ihm zwei
+oder drei Zwieback zu verkaufen, und als wir ihm ein Dutzend geschenkt
+hatten, fragte er nach dem Preise des Bieres; wir schenkten ihm zwei
+Flaschen. Nun wünschte er auch den Preis des Weines zu erfahren; wir
+schenkten ihm eine Flasche und zogen uns nach dem Landungsplatz
+zurück, wo wir in einer Ecke des Zinnsschuppens die Nacht zubrachten.
+Der Dato hatte versprochen, uns am andern Morgen um 6 Uhr Leute zu
+schicken, die uns als Träger und Führer begleiten sollten; er schlief
+aber bis 12, und keiner seiner Leute wagte mit uns zu gehen. Wir
+beschränkten daher unsere Excursionen auf die nächste Umgebung. Als
+wir um 2 Uhr in brennender Sonne wieder zurückkehrten, war unser
+Gastfreund bereits wieder schlafen gegangen; erst gegen fünf stand er
+auf und begleitete uns auf einer Jagdpartie. Er war heut noch
+zudringlicher als gestern und weigerte sich schliesslich geradezu uns
+Träger nach Udjong zu geben. Seine Beweggründe waren uns nicht recht
+klar. Da aber die Haupteinnahme-Quelle dieser kleinen Raubritter in
+der gesetzlosen Ausbeutung der ihr Gebiet betretenden Zinngräber
+besteht, so mag er wohl triftige Gründe gehabt haben um uns einen
+näheren Einblick in sein Treiben zu wehren. Mein Gefährte hatte
+Aussicht die Reise nach Songei-Udjong später mit besserem Erfolg zu
+machen; so beschlossen wir denn am nächsten Morgen umzukehren, um
+nicht länger mit dem unverschämten Burschen und seiner zudringlichen
+Umgebung zu thun zu haben. Doch war es beinahe Mittag, als wir am
+folgenden Tage nach vielen Plackereien und Prellereien die Rückreise
+antreten konnten.
+
+Das Boot, das wir nach langem Zögern endlich erhielten, hatte kaum Raum
+für unser Gepäck, so dass wir auf demselben hocken mussten; es füllte
+sich durch ein Leck und durch strömenden Regen schneller als es
+ausgeschöpft werden konnte. Wir kehrten daher wieder um, setzten eines
+der grossen am Strande liegenden Boote in Stand und fuhren darin bequem
+flussabwärts. Eine Anzahl fauler Kerle, die unter dem Schuppen standen,
+sahen uns müssig und mürrisch zu, doch wagten sie nicht uns zu hindern.
+Bald nach Sonnenuntergang landeten wir in einer kleinen Polizeistation
+auf englischem Gebiet nahe der Mündung. Der Dato von Lingi ist nur ein
+kleiner Häuptling, dessen Einkünfte im Handel und in Erpressungen
+bestehen, dennoch nahm er, obgleich unmittelbarer Nachbar der Engländer,
+keine Notiz von dem ebenso höflichen als angelegentlichen
+Empfehlungsbrief des Guvernörs; so geringen Einfluss haben die Engländer
+auf diese kleinen Staaten, in denen Mord- und Raubanfälle sehr häufig
+sind, ein Uebelstand, der in der Kolonie lebhaft gefühlt wird und ein
+Hauptgrund, weshalb sie eine selbstständigere Regierung zu haben
+wünscht. Grade während meiner Anwesenheit machte ein kleiner
+Bugishäuptling aus Singapore, der angeblich für den Sultan von Johor
+focht, die Umgebung des Berges Ophir unsicher und that sogar räuberische
+Einfälle auf englisches Gebiet, gegen die, wenigstens zur Zeit, nicht
+eingeschritten wurde.[47]
+
+Mein Gefährte setzte am nächsten Tage die Reise bis Ponchor fort, einer
+zwischen Lingi und Malacca an der Küste gelegenen Häusergruppe, ich
+blieb in der Polizeistation zurück, und verbrachte eine sehr unruhige
+Nacht. Denn wir befanden uns in dem Monat, in welchem die Muhamedaner,
+nachdem sie von Morgens 6 bis Abends 6 gefastet, sich Nachts durch
+Schmausen, Musiziren und allerlei Lärm entschädigen. Am andern Morgen
+begab ich mich auch nach Ponchor, in einem kleinen Boot der Küste
+folgend, deren Schönheit mich aber bald einlud, den Weg zu Fuss
+fortzusetzen. Man geht bequem auf ebenem Granitsand, aus welchem grosse
+oft dicht mit blühenden Orchideen bekleidete Granitblöcke hervorragen.
+Meinen Freund traf ich in einem geräumigen verlassenen Schuppen, mit
+freier Aussicht auf das Meer neben einer klaren Felsenquelle recht
+behaglich eingerichtet. Wir durchstreiften die liebliche Gegend mit der
+Vogelflinte, badeten Abends in der Brandung, assen ohne aufgedrungene
+malayische Gesellschaft, und fischten Nachts bei Fackelschein.
+
+Am folgenden Morgen besichtigten wir eine in der Nähe gelegene
+Zinngrube. Zinn kommt im gediegenen Zustande in der Natur nicht vor.[48]
+Alles Zinn wird aus Zinnerz oder Zinnstein, einem reinen, nur durch
+mechanische Beimengungen verunreinigten Zinnoxyd gewonnen. Es tritt in
+schmalen Gängen, sogenannten Stockwerken, im Granit oder andern
+Eruptivgesteinen auf, die es so unregelmässig durchsetzt, dass man
+häufig dadurch veranlasst wird, Tagebau darauf zu treiben; oder es kommt
+in grossen regelmässig abzubauenden Gängen vor. Alles Zinn von
+Cornwallis wird gegenwärtig aus solchen Gängen gewonnen; die früher
+daselbst betriebenen Stockwerke sind erschöpft und liefern nichts oder
+fast nichts mehr. Durch Pochen und Waschen wird das viel schwerere Erz
+(sp. Gew. = 6,8 bis 7) leicht vom Ganggestein getrennt, aber nicht von
+dem es gewöhnlich begleitenden Wolfram und den Arsenik- und andern
+Kiesen, die ungefähr gleich schwer sind; diese entfernt man durch
+Rösten, wobei sie sich zersetzen, und abermaliges Waschen.[49] Der ganze
+eben beschriebene Prozess vollzieht sich in der Natur spontan, indem
+durch die Einwirkung der Atmosphaerilien das Gebirge verwittert, die
+Kiese sich zersetzen, lösliche Verbindungen eingehen, und sammt dem
+verwitterten Gestein durch Regen und Bäche in die Tiefe geführt werden.
+Wenn sich aus dem zur Ruhe gekommenen Wasser die darin schwebenden
+Stoffe absetzen, bildet das Erz wegen seiner Schwere die tiefste
+Schicht, auf welcher sich die Verwitterungsprodukte des Muttergesteins,
+Kaolin, Quarzsand, Grus und Trümmer ablagern. Im Verlauf langer
+Zeiträume bilden sich auf diese Weise Lager von grosser Mächtigkeit. Man
+nennt diese erzführenden Ablagerungen in Deutschland Seifen, in Cornwall
+Streamworks, in beiden Ländern hat aber ihre Ausbeutung jetzt gänzlich
+aufgehört, da sie erschöpft sind. Alles Zinn von Hinterindien (Malacca,
+Junk-Ceylon, Banca, Siam u. s. w.) wird aus Seifen gewonnen, die
+ursprüngliche Lagerstätte ist noch gar nicht bekannt. Das Zinn von Banca
+und Malacca ist fast absolut rein, und überhaupt ist Seifenzinn immer
+reiner als das aus Gangerzen gewonnene.
+
+Nach Crawfurd (Dictionary) ist das Malayische Zinngebiet ohne allen
+Vergleich das ausgedehnteste und reichste der Welt und erstreckt sich
+von Tavoy 14° N. bis Billiton 3° S. d. h. über 17 Breiten- und 10
+Längengrade. Der grösste Theil des Gebiets ist noch mit Urwald bedeckt,
+so dass man erwarten darf das Erz noch an vielen Stellen zu finden. Der
+Vorrath scheint sehr gross, der Ertrag steht im Verhältniss zu den
+aufgewendeten Mitteln an Kapital und Arbeitskräften. Die Gruben von
+Banca werden seit 1710 betrieben, die erste Grube bei Malacca wurde 1793
+eröffnet, aber erst seit 1840 findet daselbst die Ausbeutung mit
+grösserem Nachdruck durch Chinesen statt. Auch in den benachbarten
+Malayenstaaten, namentlich in denen der Ostküste, Kalantan und Tringano,
+so wie in Siam nimmt die Zinnproduktion sehr zu, recht bedeutend ist sie
+auf Junk-Ceylon.[50]
+
+Um das Erz aus dem Seifengebirge zu gewinnen, wiederholt und vollendet
+der Mensch was die Natur im Grossen gethan hat; er schlämmt und wäscht
+die erzführenden Schuttmassen, bis nur das reine Erz zurückbleibt.
+
+Die Grube vor uns wurde von 34 Chinesen bearbeitet, gehörte also zu
+den kleinsten. In manchen Gruben sind mehrere Hundert Arbeiter
+beschäftigt. Da das ganze, gewöhnlich 12' bis 18' mächtige Deckgebirge
+abgetragen werden muss, um auf die Erzschicht zu kommen, so ist es
+nicht lohnend, mit geringen Arbeitskräften die Ausbeutung zu
+betreiben. Unter einer 2' dicken Schicht Ackerkrume lag eine etwa
+doppelt so dicke Schicht grauen Sandes, darunter folgte eine weisse 4
+bis 5 Fuss mächtige aus reinem Kaolin mit Quarzkörnern und
+Glimmerblättchen bestehende Schicht, „Kong” genannt; dann eine
+sechszöllige gelber Erde, die das Zinnerz enthält. Die Unterlage
+bestand wieder aus demselben weissen Kong, wie die Decke. Ein
+ehemaliger Bach hatte sich in dem lockeren Boden in N. S. Richtung
+sein Bett bis auf die zinnführende Schicht ausgewaschen und es dann
+wieder zum Theil mit Thon angefüllt, fast reinem Kaolin, durch
+verkohlte Pflanzenreste schwarz gefärbt. Die Nordwand der Grube zeigte
+die beschriebenen Verhältnisse in einem Profil von einer Deutlichkeit,
+wie man sie sonst gewöhnlich nur in den schematischen Figuren
+geognostischer Monographien findet; die grellen Farben trugen dazu
+nicht wenig bei.
+
+Man hatte zuerst den schwarzen Thon, der das alte Bett des Bachs
+ausfüllte, bis auf die Erzschicht fortgeräumt, dann die östliche
+Uferwand; jetzt war man beschäftigt die westliche Wand abzuräumen, indem
+man sie auf die Ostseite hinübertrug. Zum Fortschaffen der Erde bediente
+man sich kleiner Tragkörbe, als Leitern dienten schräg liegende
+Baumstämme mit eingehauenen Stufen. Das auf dem Boden der Grube sich
+ansammelnde Wasser wurde durch eine Schaufelkunst gehoben, die aus einer
+Reihe flacher an einer Kette ohne Ende befestigter Bretter bestand,
+welche sich in einer schrägen Rinne aufwärts bewegten und das Wasser vor
+sich herfegten. Der Apparat hatte grosse Aehnlichkeit mit einer
+Baggermaschine und wurde durch ein am oberen Ende angebrachtes Wasserrad
+getrieben, an dessen Welle aber auch noch Tretbretter befindlich waren,
+um es bei Wassermangel durch Menschenkraft in Bewegung zu setzen. In
+auffallender Weise war bei der Anlage die gehörige Ausnutzung der
+vorhandenen Wasserkräfte und Niveauverhältnisse übersehen worden, so
+dass nach der Schätzung meines erfahrenen Begleiters wohl 5' Fall
+verloren gingen. Auch war der Kasten, in welchen das Wasser des
+oberschlächtigen Rades sowohl, als das aus der Grube heraufgeförderte
+sich ergoss, so ungeschickt gemacht, dass immer ein sehr beträchtlicher
+Wasserstand darinblieb, wodurch abermals ein erheblicher Kraftverlust
+entstand. Gewöhnlich haben doch reisbauende Völker grosses Geschick in
+allen Wasserbauten und hier war doppelte Veranlassung, es anzuwenden, da
+das Treten des Rades nicht nur sehr anstrengend, sondern auch, falls
+nicht Alle gleichzeitig aufhören, wegen des Rückschlags sehr gefährlich
+ist und Beinbrüche veranlassen kann. Das erzführende Gestein wird auf
+einen Haufen zusammengetragen und erst dann geschlämmt und geschmolzen,
+wenn die ganze Grube leer ist.
+
+Wir durften die Grube nur barfuss, ohne Hut und Sonnenschirm betreten.
+Es finden noch mehrere andere abergläubische Beschränkungen statt, auch
+zahlreiche Opfer an Vieh, Geflügel, Goldpapier, Kerzen und Schwärmern,
+um die Berggeister günstig zu stimmen.
+
+Die Besitzer der grösseren Zinngruben wohnen meist in Malacca; die
+Arbeiter stehen zu diesen in demselben Verhältniss, wie die
+Gambirpflanzer in Singapore zu ihrem Patron. Ein Theil dient um die
+vorgeschossene Passage von China zu tilgen (Sinkay), andere um festen
+Lohn, 4 bis 5 Ds. per Monat und Kost. Alle haben aber einen, wenn auch
+noch so kleinen Antheil am Ertrag. Die Zinngewinnung nimmt mit jedem
+Jahre zu. Einige Gruben sind so ergiebig, dass sie nach Blundell den
+Eindruck machen, als würden harte Thaler aus einer grossen Vertiefung
+ausgeschaufelt. Solche Erfolge veranlassten eine grosse Ausbreitung
+dieses Bergbaues. Nach Blundell, der als ehemaliger Guvernör genau
+unterrichtet ist, deckt aber die Hälfte der Unternehmungen kaum die
+Kosten; eine Hälfte giebt mässigen Gewinn und nur 4 oder 5 sind
+Haupttreffer in dieser Lotterie; denn eine solche ist nach seiner
+Ansicht dieser Erwerbszweig in seinem gegenwärtigen Betrieb. Der Reiz
+des Spiels hat aber die Aufschliessung vieler neuen Gruben zur Folge
+gehabt. Die Erlaubniss zum Bergbau giebt die Regierung gratis, sie
+erhebt aber ein Zehntel des gewonnenen Zinns als Abgabe, und verpachtet
+diese Steuer, wie das Opium und Branntweinmonopol dem Meistbietenden.
+Zur Verhinderung des Schmuggelns wird solches Zinn, von welchem die
+Abgabe entrichtet ist, gestempelt, und steigt dadurch um 8 bis 9% an
+Werth, da ungestempeltes Zinn in England höheren Eingangszoll zahlt.
+
+Nach dem unangenehmen Eindruck, den die Malayen von Lingi auf uns
+gemacht, waren mir einige Ausflüge im Gebiet von Malacca doppelt
+angenehm, weil ich dabei dies Volk von einer ganz andern, sehr
+vortheilhaften Seite kennen lernte. Ich wohnte in kleinen Hütten, mitten
+im Walde, bei armen Leuten, die mir den besten Platz im Hause und die
+besten Matten einräumten, sehr bescheiden, gefällig und höflich waren,
+doch immer ohne jene Zeichen hündischer Unterwürfigkeit, mit denen viele
+andere Asiaten so freigebig sind, wenn sie dadurch eine Gunst zu
+erlangen hoffen. Es scheint, dass zwischen den alten Ansiedlern
+holländischer Abkunft und den auf ihrem Gebiet wohnenden Malayen ein auf
+gegenseitiges Zutrauen gegründeter freundschaftlicher Verkehr
+stattfindet, jedenfalls bestand ein solcher zwischen meinem Freunde W.
+B. und seinen Insassen. Die einfachen Sitten und die Biederkeit dieser
+Ackerbau treibenden Malayen waren mir um so wohlthuender, je weniger ich
+diese Eigenschaften erwartet hatte. In Lingi, dessen Bewohner von mehr
+oder weniger gesetzlichem Handel, Erpressungen und gelegentlichen
+Räubereien leben, traten ihre gehässigsten Eigenschaften hervor, aber
+auch in Singapore werden die besseren Züge ihres Wesens von dem
+Golddurst, der dort Alle ergreift, in den Hintergrund gedrängt.
+
+Die Ausflüge um Malacca sind sehr angenehm und für den Sammler lohnend.
+Zwischen dem ~Lingi~- und ~Kassang~fluss, die das Gebiet begrenzen,
+ergiessen sich ausser mehreren Bächen der ~Malacca~- und der
+~Dujong~fluss (nach letzterem ist die Seekuh Halicore Dugong benannt,
+wobei aber irrthümlich das _j_ in ein _g_ verwandelt worden). Beide
+Flüsse sind für Kähne auf mehrere Miles weit zugänglich. Ihre Ufer
+wimmeln von Krokodilen, in den Bäumen klettern Vögel, Schlangen,
+Eichhörnchen und Affen umher, und man ist sicher, mit reichlicher Beute
+zurückzukehren, wenn man mit einer Vogelflinte versehen, auf einem aus
+einem einzigen Baumstamme gezimmerten Kahne in die Tiefen des Waldes
+eindringt. Ich habe nie so viele Baumschlangen gesehen, als am
+Malaccafluss. In einer halben Stunde hätte ich ein Dutzend schiessen
+können. Sie lagen meist aufgerollt auf das Wasser überragenden Zweigen,
+von welchen sie sich herabfallen liessen und behende weiter schwammen,
+wenn sie Gefahr im Anzuge glaubten. Das Zigeunerleben im Walde, so nahe
+einer Hafenstadt, in der man sich immer wieder mit Vorräthen, sogar mit
+Luxusgegenständen versehen kann, in Begleitung eines gelehrigen,
+bescheidenen Dieners, unter gefälligen, sanften Eingebornen war so
+angenehm, dass ich es jedem Touristen aufs angelegentlichste empfehlen
+möchte. Wir durchstreiften den Wald nach allen Richtungen, im Boot oder
+zu Fuss, und kehrten oft erst spät Abends beim Schein der Dammarfackeln
+nach unserm Lagerplatz zurück, um das Gesammelte zu präpariren.
+
+Der Grund, warum tropische Länder, die jetzt so leicht zu erreichen
+sind, so selten besucht werden, liegt, wie ich glaube, besonders in der
+Furcht vor dem Klima, den Giftschlangen und dem Ungeziefer. Die
+ungesundesten Gegenden sind aber immer den in der Nähe Wohnenden
+bekannt, und können gewöhnlich von dem, der nur zum Vergnügen reist,
+vermieden werden. Uebrigens ist eine gewisse Mässigkeit in allen
+Genüssen, ohne strenge Enthaltung, bei gehöriger Bewegung und angenehmer
+Beschäftigung ein anerkanntes Mittel, Krankheiten fern zu halten; gegen
+die gefürchtetsten, Fieber und Dysenterie, pflegen Chinin und
+Opiumtinktur, zeitig angewandt, zu helfen. Das Leben in den Hafenplätzen
+ist den Europäern freilich weniger zuträglich. Sie arbeiten dort lange
+und oft angestrengt in Kontoren, halten reichliche Mahlzeiten, geniessen
+stark gewürzte, den Durst reizende Speisen und geben sich wohl noch
+andern Excessen hin. Auch die europäische Kleidung, die schon bei uns
+weder schön noch besonders zweckmässig ist, wird hier zu einer wahren
+Plage und der Gesundheit nachtheilig. Im Walde kleidet man sich, wie man
+will. Nach mehreren Versuchen nahm ich später einen Anzug an, den ich
+als besonders zweckmässig empfehlen kann: Hose und lange Jacke von
+blauem Kattun (weiss würde alle Thiere verscheuchen), Schuhe aus
+Segeltuch und einen chinesischen Hut in Form eines Helms. Die Jacke
+vertritt zugleich die Stelle des Hemdes, ist ungefüttert, enthält aber
+mehrere Taschen. Strümpfe sind sehr unbequem, barfuss gehen schwer zu
+lernen, Segeltuchschuhe sind am zweckmässigsten. Reitet man durch einen
+Fluss, so zieht man sie aus und hat dann gleich wieder trockene Füsse.
+So lange man geht, schaden nasse Füsse nicht. Kommt man Abends ins
+Quartier, so wechselt man den ganzen, gewöhnlich von Schweiss oder Regen
+durchnässten Anzug, und wäscht alles, mit Ausnahme des Hutes; am andern
+Tag ist alles wieder trocken. In einer so dünnen Hülle, die so leicht
+gewechselt und gewaschen wird, belästigt die Hitze fast gar nicht. Es
+verschwinden zugleich fast alle Terrainschwierigkeiten; denn es ist
+ziemlich gleichgültig, ob man auf dem Trocknen, im Sumpf oder im Wasser
+geht. Der Hut, der wegen seiner Zweckmässigkeit eine besondere
+Beschreibung verdient, besteht aus dem Mark eines Baumes, angeblich
+Aeschynemone aspera, so porös, leicht, die Wärme schlecht leitend, wie
+Holundermark. Er ist von grösserem Umfang als der Kopf, man trägt ihn
+vermittelst eines zollbreiten, geflochtenen Ringes, der innerhalb des
+Hutes an seinem unteren Rande angebracht, und nur an drei oder vier
+Stellen so mit ihm verbunden ist, dass die Luft ringsum zwischen Hut und
+Kopf zirkuliren kann. An der hinteren Seite hängt eine kurze Gardine, um
+den Nacken gegen die Sonne zu schützen. Der Ueberzug besteht aus hellem
+Seidenbast, der des breiten unteren Randes aus blauem oder grünem Stoff,
+um die Augen zu schützen.
+
+Die grosse Furcht vor Schlangen und reissenden Thieren ist ganz
+ungerechtfertigt. Alle Thiere fürchten sich vor dem Menschen; auch sind
+die meisten Schlangen giftlos, und alle ziehen sich gewöhnlich bei
+Zeiten zurück, wenn sie Menschen kommen hören. Wie schwer sie
+anzutreffen sind, erfährt man am besten, wenn man ihnen eifrig
+nachstellt. Wir suchten immer nach ihnen; ich zahlte für das Stück 6
+pence oder 1 shilling und dennoch habe ich in vier Jahren kaum einige
+hundert zusammengebracht. Ist erst die Furcht vor ihnen verschwunden,
+die wohl jeder, der viele Reisebeschreibungen gelesen hat, empfindet,
+wenn er zum ersten mal den tropischen Wald betritt, so sind sie leicht
+zu fangen: mit einem Schlag tödtet man sie, auch ist es nicht schwer,
+sie lebend zu fangen, wenn man sie mit einem Stock gegen den Boden
+drückt, und sie dann unmittelbar hinter dem Kopf fest anpackt. Die
+Diener, die mit mir waren, hatten anfänglich immer die grösste Furcht
+vor allen, auch den ganz harmlosen Schlangen; besonders gefürchtet war
+die Zunge, die für sehr giftig gilt. Hatten sie aber erst einmal
+gelernt, wo die Giftzähne sitzen, und sich überzeugt, dass das Thier
+sonst wehrlos ist, so trat an die Stelle der früheren Furcht eine solche
+Dummdreistigkeit, dass ich oft Unglück befürchtete. Tritt man
+unversehens auf eine im Kraut verborgene Schlange, so beisst sie wohl
+aus Nothwehr, das ist aber auch fast die einzige Gefahr, der man von
+ihnen ausgesetzt ist, und diese Gefahr ist namentlich für Europäer
+gering, die gewöhnlich mehrere Personen im Gefolge haben, deren Lärmen
+die Thiere früh genug warnt.
+
+Von Insekten wird man in Indien viel weniger geplagt als im Süden
+Europas. Flöhe giebt es nicht, die Läuse der Eingebornen suchen den
+Europäer nicht heim; dies ist besonders sehr auffallend in den
+Philippinen, wo die Eingebornen sehr viel reinlicher als die Spanier
+sind. Jene baden sich täglich und pflegen ihr schönes Haar, während
+diese in beidem nachlässiger sind, doch haben die Tagalen, namentlich
+die Frauen, fast immer Ungeziefer im Haar, die Spanier wohl nie.
+
+Gegen alle lästigen Insekten aber und namentlich auch gegen die
+gefürchteten Moskitos schützt vollkommen das Insektenpulver, wie es auch
+von Sammlungen die Ameisen fernhält. Eine Tinktur aus 1 Theil
+Insektenpulver (Pyrethrum roseum), 2 Theilen Alkohol, 2 Theilen Wasser
+schützt, selbst noch zehnfach mit Wasser verdünnt, alle Körpertheile,
+die damit benetzt werden, absolut gegen jeden Angriff. Auf den wegen der
+Moskitos so sehr verrufenen Flüssen von Siam schlief ich oft ohne
+Moskitonetz ganz nackt in meinem Boot, ohne im Geringsten belästigt zu
+werden; das Summen, welches sonst jeden Schlaf verscheucht, weil es die
+Nähe des zum Angriff bereiten Feindes verräth, wird zu einer harmlosen
+Musik, die einen im Bewusstsein der Sicherheit um so leichter
+einschläfert. So schützt Benetzung des Bartes und der Hände den Jäger
+auf der Wasserjagd gegen Mücken, selbst bei der starken Transpiration im
+dortigen Klima wenigstens 12 Stunden. Besonders interessant ist auch die
+Wirkung auf die in tropischen Ländern so sehr zahlreichen Ameisen. Vor
+den Fenstern meiner Wohnung in Albay, auf Luzon, lief ein 6 Zoll breites
+Brett ringsum das ganze Haus. Auf demselben bewegten sich zwei dicht
+gedrängte Züge einer schwarzen Ameise in entgegengesetzter Richtung
+ununterbrochen dicht neben einander hin, so dass die Oberfläche
+gleichmässig schwarz erschien. Ein handbreiter Streifen dünn gestreuten
+Pulvers oder verdünnter Tinktur genügte, um sie alle zu vertreiben.
+Zuerst stauten sich die Züge am Rande des Streifens, dann überschritten
+ihn die Vordersten, von den Nachfolgenden gedrängt; aber schon wenige
+Zoll weiter zeigten sich die Merkmale der Vergiftung; sie taumelten,
+setzten sich auf die Hinterbeine, bewegten ängstlich die Vorderbeine und
+starben nach einer oder zwei Minuten. Bald darauf verliessen alle das
+Haus.
+
+Auch die in den Philippinen so verbreitete Krätze wird durch Waschen mit
+der konzentrirten Tinktur schnell beseitigt; -- das Jucken hört
+augenblicklich auf. Die fast magische Wirkung des für Menschen ganz
+unschädlichen Mittels scheint noch völlig unaufgeklärt. Es ist gleich
+wirksam als Pulver, als Tinktur und als Räuchermittel. Ein befreundeter
+Chemiker sagt mir, dass es ihm trotz der grössten Sorgfalt nicht
+gelungen sei, ein Alkaloid oder sonst eine eigenthümliche Substanz darin
+zu finden, der man die Wirkung zuschreiben könnte.
+
+Bei meiner Rückkehr nach Malacca hatte ich Gelegenheit, einen grossen
+Leichenzug zu sehen, von dem man schon lange viel gesprochen hatte. Die
+Mutter eines der reichsten Chinesen war vor einigen Monaten gestorben,
+und heute wurde ihr einbalsamirter Körper in die Familiengruft gebracht.
+Fast die ganze Stadt betheiligte sich daran. Der Resident-Councillor und
+alle Magistratspersonen folgten dem Zuge, der indessen hinter den
+hochgespannten Erwartungen zurückblieb. Er bestand aus einer langen
+Reihe Chinesen in weissen und blauen Trauerkleidern; einige ritten auf
+Pferden, die auch mit weissen oder blauen Zeugen behangen waren. Sieben
+geschlachtete Schweine und sieben Ziegen, je von 4 Kulis getragen,
+folgten, um draussen verspeist zu werden. Viel feierlicher als die
+Schweine sahen die Ziegenböcke aus, die bis auf die schwarze Mähne und
+den schwarzen Bart ganz kahl gebrüht waren. Lärmende Musik ging dem
+Sarge voraus, der in einem geräumigen Zelt von äusserst kostbar
+gesticktem Seidenzeug enthalten war, ihm folgte eine grosse Masse Volk,
+meist Chinesen, und zuletzt die nähern Verwandten in Sackleinen und die
+Nachbarinnen im blauen Hauskleide, ein weisses Tuch über die Schulter
+geworfen.
+
+Zögernd und ungern verliess ich Malacca, um einen Dampfer von Singapore
+nach Borneo zu benutzen; es wurde mir schwer, mich von den lieben
+Freunden zu trennen, die ich hier zurückliess und wohl nicht wiedersehen
+werde.
+
+ * * * * *
+
+Malacca, die Hauptstadt des gleichnamigen Gebiets, liegt 2° 14' N, 112°
+O v. Gr., das Klima ist trotz der Nähe des Aequators und der geringen
+Meereshöhe gesund und angenehm. Der Thermometer schwankt zwischen 17 und
+24° R., der Barometer zwischen 29° 8' und 30° 3' Engl. Wie Singapore
+liegt auch Malacca ausserhalb der Monsuns, daher die Sicherheit seiner
+Rhede.
+
+Die Stadt soll im zwölften Jahrhundert gegründet worden sein durch einen
+Fürsten von Singapore, den wahrscheinlich die Siamesen vertrieben
+hatten. Sie erhob sich schnell zu grosser Bedeutung, und war bei Ankunft
+der Portugiesen 1509, der reichste Handelsplatz in jenen Meeren, viel
+besucht von Schiffen aus China, Japan, den Philippinen, den Inseln des
+Archipels, Vorderindien und Arabien. Namentlich hatte sie zu jener Zeit
+grosse Wichtigkeit als Stapelplatz der damals in Europa so geschätzten
+Gewürze. Die Stadt soll über 150,000 Einwohner gehabt haben. Die
+Portugiesen machten bald nach ihrem Erscheinen diesen Zuständen ein
+Ende, indem sie alle Schiffe, deren sie habhaft werden konnten,
+kaperten, und Schifffahrt und Handel verscheuchten. Im Jahre 1511
+eroberte Albuquerque die Stadt, plünderte, verbrannte sie und tödtete
+nach der eigenen Angabe der Portugiesen den grössten Theil der
+Einwohner, auch Frauen und Kinder. Die Portugiesen behielten Malacca 130
+Jahre lang und machten sich unglaublicher Grausamkeiten und
+Treulosigkeiten schuldig. An die Stelle des früher so blühenden Handels
+trat ein drückendes Monopol. Im Jahre 1641 fielen nach mehreren
+vergeblichen Versuchen Stadt und Gebiet den Holländern in die Hände,
+denen es 1795 die Engländer abnahmen, aber 1818 zurückgaben. 1825 kam
+Malacca abermals an die Engländer, in Folge des bereits früher erwähnten
+1824 in London geschlossenen Vertrages, durch welchen die
+Streitigkeiten, die aus der Nebenbuhlerschaft der Engländer und
+Holländer in jenen Meeren entstanden waren, zeitweis ausgeglichen
+wurden. England tauschte Sumatra gegen Malacca aus; die Holländer
+erkannten Singapore definitiv den Engländern zu, und beide Mächte
+verständigten sich dahin, dass die Strasse von Singapore die Grenze
+ihres beiderseitigen Wirkungskreises bilden solle. Dieser Vertrag ist
+aber noch fortwährend eine Quelle von Streitigkeiten. Nach der
+holländischen Auslegung sind die Engländer von allen Inseln des
+Archipels südlich von der Strasse von Singapore ausgeschlossen, nach
+der englischen Deutung nur von den unmittelbar südlich von Singapore
+etwa bis Banca gelegenen Inseln.[51]
+
+In Bezug auf die Handelspolitik machten es die Holländer nicht besser
+als ihre Vorgänger. Nicht nur der Anbau von Kolonialprodukten, sogar der
+des Reises, obgleich er fast das einzige Nahrungsmittel der Bevölkerung
+bildet, war zu Gunsten der Produktion Javas und der Molukken verboten,
+Grund und Boden fast werthlos, Entvölkerung und Verarmung die
+natürlichen Folgen so brutaler Gesetze; dennoch behielt die Stadt
+Malacca immer noch einen ziemlichen Handel, als einziger Stapelplatz für
+die Produkte der umliegenden malayischen Staaten. Durch das Anlegen
+einer englischen Kolonie auf Pulo-pinang 1786, namentlich aber durch die
+Gründung des soviel günstiger gelegenen Freihafens Singapore am Ende der
+östlichen Meerenge hat sich auch dieser Handel von Malacca gänzlich fort
+nach jenen beiden Punkten, besonders nach dem letzteren gezogen.
+
+Auch der Ackerbau obgleich jetzt von allen barbarischen Fesseln
+befreit, macht doch nur sehr geringe Fortschritt und beschränkt sich
+fast auf den Reisbau. Das Land ist zwar ziemlich reichlich bewässert,
+wo dies der Fall ist, nicht unfruchtbar und wenn die einheimischen
+Arbeitskräfte nicht ausreichen, so bietet das nahe Singapore deren in
+Fülle, so wie es auch ein bequemer Markt für die gewonnenen Produkte
+ist. Aber bis zur Einführung der neuen Landakte 1863, wurden Kapital
+und Unternehmungsgeist von Malacca ferngehalten, weil die Regierung den
+Käufern von Ländereien keine endgültigen Besitztitel geben konnte. In
+neuester Zeit hat die Bereitung des Tapioka (Stärkemehl der Jatropa
+Manihot) in Mehl und Perlform solchen Aufschwung genommen, dass sie
+bereits mit Ausnahme des Zinns den Hauptausfuhr-Artikel der Kolonie
+bildet. Dieser Erwerbszweig ist ganz in den Händen der Chinesen, wie
+die Bereitung des Sagos in Singapore. Der Preis des Tapioka ist 3 Doll.
+für Mehl, 4 Doll. für Perlen per Pikul, während Sago durchschnittlich 2
+Doll. als Mehl, 3 Doll. in Perlen kostet. Auch mit Zuckerbau sind
+einige Versuche gemacht worden, jedoch nur im Kleinen.
+
+Von den Inländern wird Palmenzucker (djaggeri) aus Cocospalmen zum
+Verbrauch in Malacca und in Singapore gewonnen; für weiteren Export ist
+er nicht geeignet, da sich bei der rohen Bereitungsart der grösste Theil
+des ursprünglichen Rohrzuckers in Traubenzucker verwandelt. Der bekannte
+holländische Chemiker de Vrij hat gefunden, dass der Saft der in Java so
+verbreiteten Arengpalmen, wenn bei seinem Einsammeln die gehörige
+Vorsicht angewendet wird, um der so schnell eintretenden Gährung
+vorzubeugen, keinen andern als reinen Rohrzucker enthält, der durch
+einfaches Abdampfen krystallisirt erhalten werden kann. Sehr
+wahrscheinlich verhält sich der Saft der Cocos-, Nipa- (s. S. 12),
+Palmyra- (Borassus flabelliformis) und anderer Palmen ebenso. Zur
+Gewinnung des Djaggeri wird die Blüthenscheide der Palme, bevor sie
+aufbricht, zusammengebunden und ihre Spitze abgeschnitten, der
+ausquellende Saft in Bambusen aufgefangen und in flachen, eisernen
+Pfannen eingesotten. Ein- oder zweimal täglich wechselt man die Bambusen
+und schneidet zugleich eine feine Scheibe des Blüthenkolbens ab, da sich
+durch das Verdicken des Saftes an der Luft die Kanäle verstopfen (ein
+Baum liefert jährlich 12-20 ℔ Zucker). Man trinkt den Palmensaft auch
+frisch oder gegohren und bereitet Essig und Branntwein (Arak) daraus.
+Dieser Arak schmeckt in Folge des mangelhaften Destillationsverfahrens
+sehr schlecht und ist nicht zu verwechseln mit dem in Europa beliebten
+Batavia-Arak, dessen Darstellung in Raffles' History of Java beschrieben
+wird. Häufiger als der Saft werden die Früchte der Cocospalme
+ausgebeutet, ihre Hauptverwendung ist zu Oel. -- Man versichert in
+Malacca allgemein, dass eine im vollen Ertrag stehende Pflanzung das
+Anlagekapital jährlich mit 100% verzinst; danach begreift man nicht,
+warum nicht viel mehr Cocospalmen gepflanzt werden, wenn sie auch vor
+dem 4ten oder 5ten Jahr kaum Früchte tragen und erst im 9ten oder 10ten
+Jahre vollen Ertrag geben. Schliesslich verdient Erwähnung, dass man
+sich in Malacca zum Pflücken der Nüsse besonders abgerichteter Affen
+bedient, denen man vermittelst einer Leine, deren eines Ende an ihrem
+Halsband befestigt ist, signalisirt, ob die von ihnen berührte Nuss
+abgerissen werden soll oder nicht. Ich habe dies aber nicht selbst
+gesehen.
+
+----------
+
+[42] Die Portugiesen in Hinterindien und China sind grösstentheils
+so verkommen, dass sie Europäern oder ihren Abkömmlingen nicht
+gleich geachtet werden. Auch haben sie sich in allen Stufen mit
+allerlei fremdem Blut vermischt, so dass Menschen von reinem Weiss
+durch alle Farbentöne von gelb und braun bis zum dunkelsten Schwarz
+unter der allgemeinen Bezeichnung „Pottugih” zusammengefasst werden.
+
+[43] Joss ist aus dem portugiesischen Dios in das eigenthümliche
+Pigeon-Englisch der Chinesen übergegangen. Daher Josshouse =
+Tempel, Josspaper = Goldpapier, Josssticks = Räucherstöcke, wie sie
+vor den Altären verbrannt oder zum Anzünden der Cigarren verwendet
+werden. Aus „tschin-tschin”, guten Tag, Gruss, und Joss wird
+tschin-tschin-joss = beten. Ich hatte in Macao einen Steinmetz
+gedungen, der mir ein unter einen Granitblock gefallenes Instrument
+wiederverschaffen sollte. Am nächsten Morgen sollte er sich mit
+mehreren Gehülfen, mit Stricken, Hebebäumen u. s. w. einstellen. Er
+kam pünktlich, aber allein, zündete seine Josssticks an, verbrannte
+Josspapier, kniete nieder und verneigte sich; ich hielt ihn für
+toll, aber der Bediente erklärte mir: „oh no! dat very cleber ole
+man, he makee chin-chin-devil-joss.” Leider half es nichts.
+
+[44] Der in Europa Orang-utan genannte grosse Affe aus Borneo und
+Sumatra wird von den Malayen nie also, sondern Mias genannt.
+
+[45] Die ersten Proben Guttapercha wurden 1843 von Singapore nach
+London durch Dr. D'Almeida gesandt, doch wird die Ehre der
+Einführung gewöhnlich Dr. Montgomery zugeschrieben, der dafür eine
+Prämie erhielt, obgleich seine Sendung später eintraf. Bei
+gewöhnlicher Temperatur lederartig zähe, bei 56° R. knetbar, in
+Wasser, Alkohol, Säuren, Alkalien u. s. w. unlöslich, fand sie
+schnell grosse Verwendung, namentlich in der Telegraphie, da sie von
+allen bekannten Körpern das grösste Isolationsvermögen besitzt.
+Leider verändert sie sich, der Luft ausgesetzt, in einen sehr
+spröden Körper, der rissig wird, Wasser durchlässt und dann nicht
+mehr isolirt. In Singapore war die Substanz unter dem Namen
+gitta-taban bekannt, und diente zur Anfertigung von Peitschen,
+Eimern und allerlei Hausrath; durch Versehen erhielt sie in Europa
+den Namen Gutta-percha (pertja), womit man in Singapore ursprünglich
+ein ähnliches, aber schlechteres Produkt bezeichnete. Die Tabanbäume
+(Isonandra gutta) waren bei der plötzlich gesteigerten Nachfrage
+nach dem Stoff in den Wäldern von Singapore schnell ausgerottet, da
+man den ganzen Baum fällen muss, um den Saft zu erhalten. Nach
+Singapore wurden die Wälder der Malayischen Halbinsel und der
+benachbarten Inseln Sumatra und Borneo in Angriff genommen. Die
+Vernichtung der Guttabäume muss sehr beträchtlich sein, da ein
+grosser Baum höchstens 10-15 ℔ des Saftes liefert; dennoch ist nur
+vorübergehender Mangel, nicht gänzliche Ausrottung derselben zu
+fürchten, da nach v. Gaffron, Resident in Borneo, (Natuurk. Tydsch.
+XVI. 224) der Baum, den es nicht lohnt, vor dem 30sten Jahre zu
+fällen, schon vom 15ten Jahre an leicht keimenden Samen trägt. Auch
+in Borneo sind die Versuche, den Saft durch Anbohren zu gewinnen,
+misslungen; er verdickt sich in diesem Fall so schnell, dass man
+fast nichts erhält, klopft man die Rinde, so bekommt man etwas mehr
+(etwa 1 Katti), aber der Baum geht dann eben so sicher zu Grunde als
+wäre er gefällt worden. Die in mehreren technologischen Büchern
+enthaltene Angabe, dass gegenwärtig durch Einschreiten der
+„Guttapercha-Kompanie” die Gutta durch blosses Anzapfen gewonnen
+werde, beruht wohl auf einem Irrthum. Selbst wenn der Ertrag der
+angezapften Bäume nicht ganz so ungünstig wäre, würde es schwerlich
+gelingen, die sorglosen Eingebornen zur Schonung der im Walde
+zerstreuten Bäume aus Rücksicht für die Zukunft zu bewegen. In
+Singapore ist übrigens eine solche Kompanie nicht vorhanden, und die
+Londoner Guttapercha-Kompanie beschäftigt sich nur mit Beschaffung
+und Verarbeitung des Rohstoffes. Nach v. Gaffron gewinnt man 5
+verschiedene Sorten, die in den Handel kommen, und 3 schlechtere
+Sorten, mit denen jene verfälscht werden. Der Preis der Guttapercha
+war anfänglich in Singapore 8 Ds. per Pikul, ihr gegenwärtiger in
+London berechnet sich nach dem Mittel der Jahre 1859/63 auf 8,73 £.
+Dass aber der Preis im Verhältniss zur Abnahme der Bäume weiter
+steigen sollte, ist nicht zu erwarten, da der Stoff nicht den
+ursprünglich gehegten Erwartungen entspricht. Ein gefährlicher
+Nebenbuhler ist ihm in Goodyear's Ebonit, oder gehärtetem Kautschuk
+erwachsen; dieser hat ihn bereits aus vielen Verwendungen verdrängt,
+und wird ihn, wenn seine Dauerbarkeit sich bewährt, wohl auch als
+Isolator bei den unterirdischen und unterseeischen Leitungen
+(oberirdische bedürfen keiner Isolation, da trockene Luft schlecht
+leitet) ersetzen. Während die Einfuhr roher Guttapercha in England
+nach dem Durchschnitt der Jahre 1859/63 nicht ganz 20,000 Ztr.
+betrug, werden allein in Amerika jährlich 5,000,000 ℔ Kautschuk zur
+Darstellung von Ebonit verbraucht (Rother's Telegraphie), so dass
+die fertige Masse durch den Zusatz von Schwefel und Magnesia auf
+wenigstens 80,000 Ztr. veranschlagt werden muss.
+
+[46] Hier könnten Professor Huxley's Anhänger ausrufen: Was kein
+Verstand des Verständigen sieht, das ahnet in Einfalt ein kindlich
+Gemüth.
+
+[47] Herr Blundell, Guvernör von Singapore, früher
+Resident-Councillor in Malacca, sagt über diese Zustände:.. „Es
+leidet keinen Zweifel, dass die winzigen, unmittelbar angrenzenden
+Staaten alle zusammen in einem traurigen Zustande von Anarchie und
+Unordnung sind, ohne feste Regierung, und weder Sicherheit des
+Eigenthums noch der Person gewähren.... Die Häuptlinge, gleichviel
+unter welchem Titel, sind raubgierig, bereit, sich jeder Partei zu
+verdingen die ihren Namen kaufen, und ihren Einfluss benutzen
+will.... Wir haben selbst in unserer Weisheit durch Prangen mit
+Uneigennützigkeit sehr zu diesem Ergebniss beigetragen..... Die
+Holländer hatten, wenigstens in den letzten Jahren ihrer Herrschaft
+diese Länder fest im Zaum, und wenn sie auch nicht viel
+zivilisirten, so hielten sie wenigsten Ruhe unter ihnen, und zogen
+nicht unbedeutende Summen aus dem Zinnmonopol. Wir aber haben aus
+einer nicht erklärten Ursache ein genau entgegengesetztes System
+angenommen; nicht nur haben wir jeder Einmischung irgend einer Art
+entsagt, sondern wir haben ihnen auch, mit der ausgesprochenen
+Absicht unsere Uneigennützigkeit darzuthun, und ohne dass ein
+Anspruch oder ein Verlangen danach gestellt worden wäre, einige der
+reichsten Erzgebiete, die früher zu Malacca gehörten, überlassen, wo
+mehrere hundert Menschen nützlich beschäftigt waren die dort
+vorhandenen reichen Zinn- und Goldadern auszubeuten und wo jetzt die
+wenigen diesen Arbeiten Obliegenden in immerwährender Gefahr
+schweben von irgend einem winzigen Häuptling geplündert und ermordet
+zu werden, der es sich in den Kopf setzt, dies Mittel zu ergreifen
+um sich etwas Geld zu verschaffen..... Diese Gebiete sind auf bestem
+Wege, Sammelplätze für Räuber u. s. w. zu werden, die uns
+schliesslich zwingen werden, zum Schutz unserer eigenen Bevölkerung
+das Land zu besetzen, was wir gerade durch unsere Uneigennützigkeit
+zu vermeiden wünschten.”
+
+[48] Als Seltenheit soll es zwar bei den Goldwäschen in Miask und
+auch in Guyana gefunden worden sein. Von Schwefelverbindungen ist
+nur der Zinnkies, ein sehr seltenes Mineral von St. Austle in
+Cornwall bekannt.
+
+[49] Zur gänzlichen Entfernung des Wolframs kennt man noch kein
+bewährtes Mittel.
+
+[50] Die Zinneinfuhr in Singapore, die den grössten Theil des auf
+der Halbinsel gewonnenen Zinns umfasst, betrug 1865: 56098 Pikul =
+3340 Tons (darunter ca. 6000 Pikul von Kalantan und Tringano).
+Cameron giebt den Werth der Zinnausfuhr von Malacca 1863 auf 388357
+£ an, was bei dem damals sehr hohen Durchschnittspreis von 27
+Dollars per Pikul (der gewöhnliche Preis ist 22 Dollars) 3806 Tons
+giebt; man kann also wohl 3500 Tons als Durchschnitt annehmen. Die
+Zinnausfuhr von Pinang nach Europa und Amerika (meist Junk-Ceylon
+Zinn) war für 1859-64: 40188 Pikul per Jahr = 2392 Tons. Banca
+produzirte 1859-64 durchschnittlich: 169374 Blöcke und Billiton
+13139, zusammen 182514 Bl. = 6114 Tons. So erhält man als die Summe
+des in die drei Hauptniederlagen eingelieferten Zinns jährlich 12006
+Tons, wozu noch der Ertrag von Siam und das direkt von den
+Zinnländern nach China und Japan verschiffte zu rechnen ist, eine
+bedeutende Menge, worüber aber genauere Angaben fehlen. Man ersieht
+daraus, dass schon gegenwärtig das malayische Indien das meiste Zinn
+produzirt; denn die Produktion von Cornwallis und Devon beträgt etwa
+10,000 Tons. -- Vom Zollverein erzeugt nur Sachsen ca. 100 Tons,
+auch in Oestreich wird etwas gewonnen. Nach Tschudi soll Bolivia das
+reichste Zinnland der Welt, das Erz aber nicht zu verwerthen sein,
+da es nur durch monatelangen Lamatransport aus den Bergen
+herabgeschafft werden kann.
+
+[51] Folgendes ist der streitige Artikel des Vertrages: „Art. 12.
+Seine Niederl. Majestät nimmt die Einwendungen zurück, welche gegen
+die Besitznahme des Insel Singapore durch die Unterthanen Seiner
+Britischen Majestät gemacht worden sind. Seine Britische Majestät
+verpflichtet sich indessen, dass keine Britische Niederlassung auf
+den Carimon-Inseln oder auf den Inseln Batam, Bintang, Lingin oder
+auf irgend einer der andern Inseln südlich von der Strasse von
+Singapore gegründet, noch ein Vertrag von einer britischen Autorität
+mit den Häuptlingen dieser Inseln geschlossen werden soll.
+
+
+
+
+Java.
+
+
+
+
+Erstes Kapitel.
+
+ Batavia. -- Buitenzorg. -- Botanischer Garten. -- Gunong Salak. --
+ Reisbau. -- Kultursystem. -- Warongs. -- Erdnüsse. --
+ Megamendong-Pass. -- Telaga warna. -- Pasanggrahans und Gasthäuser.
+ -- Preanger Regentschaften. -- Bandong. -- Junghuhn.
+
+
+Anfangs Juli 1858 fuhr ich auf dem kleinen Postdampfer Palémbang, der
+den für die holländischen Besitzungen bestimmten Theil der Ueberlandpost
+abgeholt hatte, von Singapore nach ~Batavia~. Das Schiffchen war
+musterhaft gehalten, aber trotz holländischer Reinlichkeit und
+französischer Küche nicht sehr angenehm, da man sich wegen der Kleinheit
+desselben nirgends der durch die Feuerung sehr erhöhten Temperatur
+entziehen konnte. Uebrigens war die Fahrt zwischen unzähligen schön
+belaubten Inseln sehr anziehend. Wir hielten einen Augenblick vor Rhiow
+auf der Insel Bintang und vor Muntok auf Banka (das die Engländer Lord
+Minto zu Ehren gern Minto nennen), um Post und Passagiere auszutauschen
+und erreichten nach 60 Stunden unser Ziel, dessen Entfernung von
+Singapore etwas mehr als 500 Seemeilen beträgt. Die Rhede von Batavia
+erschien einsam nach der von Singapore. Ein kleiner Privatdampfer kam
+uns entgegen und brachte einige Kaufleute, welche die Ankunft ihrer
+Briefe nicht erwarten konnten. Wir landeten am Zollhaus; die
+Untersuchung des Passagiergepäcks war nur formell und wurde mit der
+grössten Höflichkeit vollzogen. In hübschen, zweispännigen Wagen fuhren
+wir sogleich nach Weltevreden in das Hotel des Indes, dessen glänzend
+erleuchtete Veranden und Gärten an die Conversationshäuser eleganter
+Badeorte erinnerten.
+
+Im eigentlichen Batavia wohnt fast kein Europäer mehr. Die alte, früher
+als ungesund so berüchtigte Stadt enthält aber noch die zum
+Geschäftsbetrieb nöthigen Gebäude, öffentliche sowohl als private.
+Morgens füllt sie sich mit Beamten, Geschäftsleuten, Schiffern, abends
+steht sie leer, -- so sagen wenigstens die Europäer, welche die
+Eingebornen, die dann allein die Strassen beleben, nicht rechnen.
+Ehemals, als Batavia von Mauern und stehenden Gewässern umgeben und die
+nach holländischem Muster gebauten, schlecht gelüfteten Häuser dicht
+bewohnt waren, soll die Sterblichkeit, durch allerlei Excesse, besonders
+im Trinken, vermehrt, furchtbar gewesen sein. Jetzt sind die Mauern
+niedergerissen, die Gräben zum Theil zugeschüttet, und die Bewohner
+haben sich in die südlich von der alten Stadt belegenen Dörfer
+Weltevreden, Molenvliet, Rijswijk zurückgezogen; die ehemaligen
+Kolonisten, die zum grossen Theil aus Glücksjägern bestanden, sind durch
+Männer aus den besten Elementen des holländischen Volks ersetzt worden;
+an Stelle der früheren rohen Genüsse sind Mässigkeit und die
+verfeinerten Vergnügungen einer gebildeten Gesellschaft getreten; daher
+hat sich der Gesundheitszustand ausserordentlich gebessert. Weltevreden
+ist überraschend hübsch, besonders Abends, wenn es in vollem Putz steht;
+dann sind die immer sauber gehaltenen, meist von blühenden Hecken
+eingefassten Wege reichlich besprengt und mit eleganten Equipagen
+bedeckt, unzählige Lichter in matten Glaskugeln glänzen in allen
+Richtungen durch das Laub. Früher war das ganze Gebiet von einem Walde
+eingenommen, jetzt ist es ein schöner, grosser Park, von breiten
+Strassen und Kanälen durchschnitten. Unter den Häusern sind manche
+Prachtgebäude, aber auch die kleinsten schimmern durch die Bäume und
+Sträucher der Vorgärten so zierlich und anspruchsvoll, als wollten sie
+für kleine Paläste gelten. Jedes hat einen reich erleuchteten Portikus,
+der Abends gewöhnlich durch Damen in voller Toilette geschmückt ist.
+Auch die Herren sieht man um diese Zeit nur im Gesellschaftsanzug,
+schwarzem Tuchfrack, Glaçéhandschuhen und schwarzer Tuchhose; die
+leichte, bequeme, weisse Kleidung, mit der man in Singapore in jeder
+Gesellschaft erscheint, ist hier verbannt; Hüte sieht man selten, selbst
+Reiter tragen gewöhnlich keine Kopfbedeckung.
+
+[Illustration: POSTSTATION. JAVA.]
+
+Nach kurzem Aufenthalt fuhr ich mit einem Freunde aus Singapore in
+vierspänniger Extrapost nach Buitenzorg. Das Reisen auf diese Weise ist
+zwar kostspielig, doch billig im Verhältniss zu dem aufgebotenen
+Apparat, wenigstens vier tüchtigen, kleinen Pferden, einem Kutscher und
+zwei Läufern. Die Pferde laufen immer Galopp, alle fünf bis sechs Paal
+hält der Wagen unter einem grossen Schuppen, der die ganze Breite der
+Strasse überdacht. Geschäftige Kulis begiessen die Achsen mit Wasser, um
+sie zu kühlen. Sobald umgespannt ist, laufen die „~Loopers~” so lange
+neben den Pferden her, bis diese durch Schreien und Peitschenhiebe in
+das gehörige Tempo gebracht sind und springen dann auf ein hinten am
+Wagen für sie angebrachtes Brett, von wo aus sie durch Knallen und
+Schreien die Pferde weiter antreiben, bis irgend eine kleine Unordnung,
+die bei den eigensinnigen Pferden selten lange ausbleibt, sie wieder
+zwingt, nebenher zu laufen. In vier Stunden legten wir die Strecke von
+etwa 40 Paal zurück. Die Poststrasse ist vortrefflich; neben ihr läuft
+ein desto schlechterer, in der nassen Jahreszeit unergründlicher, bei
+trockenem Wetter im höchsten Grade holpriger Weg, auf welchem die
+Frachtgüter in Büffelkarren, von denen uns lange Züge begegneten,
+transportirt werden.[52] Weltevreden nebst den übrigen von Europäern
+bewohnten Dörfern dehnt sich fast bis zur ersten Poststation aus, nur
+werden die Häuser immer ländlicher, die Gärten grösser, und gehen
+allmälig in Pflanzungen über. Hinter der zweiten Station sahen wir die
+ersten Reisfelder. Das Land erscheint ganz flach, denn obgleich
+Buitenzorg 850 Fuss höher liegt als Batavia, so ist die Erhebung eine so
+allmälige, dass man nichts davon merkt. Erst wenn man jenem Orte näher
+kommt, wird die Landschaft welliger, im Hintergrunde erscheinen die
+hohen Kegelberge Salak und Pangerango, die von Batavia aus in dieser
+Jahreszeit wegen der trüben Luft selten sichtbar sind.
+
+[Illustration: SALAK VON BATU-TULIS. JAVA.]
+
+Buitenzorg, malayisch Bogor, liegt grade südlich von Batavia und ist die
+gewöhnliche Residenz des General-Guvernörs. Sein glänzender Palast ist
+von einem schönen Park umgeben, an welchen sich der, allen Botanikern
+wenigstens dem Rufe nach, so wohlbekannte Garten anschliesst. Er nimmt
+die schmalste Stelle eines flachen Rückens ein, dessen Ostseite steil
+gegen das Flüsschen Tjiliwung abfällt, während die Westseite in sanften
+Wellen in ein reich bebautes, von dem Tjidani in vielen Windungen
+durchflossenes Thal übergeht. Im Süden, jenseits des Wassers, begrenzen
+den Horizont rechts der Salak, links der Pangerango in schönen Linien,
+wie sie nur Vulkanen eigen sind.[53] Mehr noch als durch seine schöne
+Lage, zeichnet sich der Garten durch seine Pflanzenschätze aus, unter
+denen wohl jetzt schon alle bemerkenswertheren Nutz- und Zierpflanzen
+des Archipels vertreten sind. Besonders reich ist die Sammlung der
+ersteren. Fast alle von der holländischen Regierung in ihre Kolonie neu
+eingeführten Kulturpflanzen haben hier ihre erste Station gemacht, und
+mancher Baum, dessen zahlreich verbreitete Nachkommenschaft jetzt
+wichtige Produkte liefert, steht hier noch als Stammvater seines
+Geschlechts und kulturgeschichtliches Denkmal.
+
+Von besonderem Interesse, als etwas Neues, war damals eine
+Vanillepflanzung (Vanilla planifolia), die mehrere lange Spaliere
+bekleidete und eine bedeutende Ernte versprach. Die Vanille war zwar
+schon lange in Java eingeführt, trug aber keine Früchte, weil das Insekt
+fehlte, das in Amerika die Befruchtung vollzieht. Herr Teysmann, der
+„Hortulanus”, war der erste, der die künstliche Befruchtung bei dieser
+Kultur anwandte, und durch reichlichen Ertrag belohnt wurde. Bei weitem
+die grösste Sehenswürdigkeit war aber eine blühende Rafflesia Arnoldii,
+eine der ersten, die in Java geblüht haben, da die Einführung aus
+Sumatra erst vor Kurzem geglückt war. Diese merkwürdige Pflanze, eines
+der grössten Wunder der Pflanzenwelt, besteht nur aus einer prächtigen
+Blume von 3 - 3-1/2 Fuss Durchmesser und schmarotzt ohne Stiel und
+Blätter pilzartig auf dem Stamm oder der Wurzel einer grossen Liane
+(Cissus scariosa oder serrulata). Das Verdienst, sie aus Sumatra
+eingeführt zu haben, gebührt ebenfalls Herrn Teysmann, aber der Ruhm,
+sie in Europa zur Entfaltung zu bringen, was bei den heut vorhandenen
+Mitteln und bei ernstem Willen wohl sicher gelingen müsste, ist noch zu
+erlangen.
+
+Während meines hiesigen Aufenthalts brachte eine Stafette von Junghuhn
+auf Lembang ein kleines in feuchte Baumwolle verpacktes Pflänzchen, das
+trotz der nächtlichen Stunde sogleich dem General-Guvernör übergeben
+wurde und grosse Freude erregte. Es war der erste auf Java selbst
+gepflückte Same einer Cinchona, der ~gekeimt~ hatte.
+
+Erst in den fieberreichen tropischen Ländern lernt man den Segen des
+Chinins gehörig würdigen. Der Verbrauch dieses köstlichen Heilmittels
+würde noch viel grösser sein, wenn der hohe Preis es nicht Vielen
+unerreichbar machte. In den südamerikanischen Wäldern haben zwar nicht
+die Chinarinden im Allgemeinen, wohl aber die chininreichen
+Calisaya-Rinden in Besorgniss erregender Weise abgenommen[54]. Die
+holländische Regierung hatte daher lange beabsichtigt diese Bäume in
+ihre Kolonien einzuführen, aber erst 1852 gelang dies dem
+General-Guvernör Herrn Pahud zur Zeit als er Kolonialminister war. Die
+durch Herrn Hasskarl aus Peru geholten Samen wurden theils in Java,
+theils in verschiedenen botanischen Gärten in Holland ausgesäet, von
+ersteren gingen unverhältnissmässig wenige auf; aber auch als die
+Sämlinge von Holland in Java eintrafen, schien der Erfolg des
+Unternehmens nicht gesichert; es wurde bezweifelt, ob man Bäumen, die
+eine so beschränkte lokale Verbreitung haben, dass sie nie ausserhalb
+ihrer eigenthümlichen Bezirke angetroffen werden, in Java das zu ihrem
+Gedeihen erforderliche klimatische Medium verschaffen könnte. Die ersten
+Versuche waren nicht ermuthigend, die meisten Pflanzen gingen aus; als
+endlich einige blühten, fielen die Blüthen fast alle ab, ohne Samen
+anzusetzen, und als man schliesslich reife Samen erhielt, wurde ihre
+Keimfähigkeit bezweifelt. Durch die Ankunft des jungen Pflänzchens, dem
+am folgenden Tage im Buitenzorger Garten ein Ehrenplatz angewiesen
+wurde, schien die Akklimatisation dieser wichtigen Pflanzen, von denen
+später noch ausführlicher die Rede ist, gesichert.
+
+Von Seiten des General-Guvernörs fand ich eine überaus entgegenkommende
+Aufnahme; auch hatte ich das Glück seine liebenswürdige Familie kennen
+zu lernen. Durch die Güte meiner Freunde in der Berliner Akademie
+musste ich ihm wohl sehr angelegentlich empfohlen sein; denn er bot mir
+sogar den kostenfreien Gebrauch der Regierungspostpferde an, eine
+Gunst, die sonst nur hohen, in Angelegenheiten der Regierung reisenden
+Beamten zu Theil wird. Alle meine Einwendungen gegen eine so
+ausserordentliche Begünstigung und meine Versicherung, dass ich nur zu
+meiner Belehrung und zu meinem Vergnügen reise, wurden den amtlichen
+Empfehlungsdokumenten gegenüber für Aeusserungen der Bescheidenheit
+aufgenommen. Als ich am folgenden Abend aus dem Palast nach Hause kam,
+fand ich nicht nur den Befehl, mir auf meiner Reise durch Java die
+Regierungspostpferde unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, sondern
+auch einen Empfehlungsbrief an alle Beamte in Java und den andern
+holländischen Besitzungen. Wie sehr ich auch von einem so unverdienten
+Wohlwollen überrascht war, so ahnte ich doch nicht, dass das
+Empfehlungsschreiben des General-Guvernörs ein Talisman war, der den
+glücklichen Besitzer für die Dauer seines Aufenthalts in Java in eine
+Art von Prinzen verwandelt, wie es sonst nur im Mährchen geschieht.
+
+Einige Tage später trat ich auf einem bescheidenen Pony meine Reise an,
+da ich mich nicht für berechtigt hielt, wie ein hoher Beamter zu reisen.
+Ein junger Mann, der Land und Leute genau zu kennen behauptete, schloss
+sich mir an, er war sehr zuvorkommend, hatte, während ich in Buitenzorg
+Ausflüge machte, meine Sachen gepackt und expedirt und begleitete mich
+auf der ersten Tagereise. Unterwegs sprach er mehreremal den Wunsch aus,
+dass ich ein gutes Wort für ihn bei den „Herren Residenten” einlegen
+möchte, da ihm dies von grossem Nutzen sein könnte. Dies war die erste
+Wirkung meines Talisman, ich war plötzlich in einen grossen Herrn
+verwandelt, um dessen Gunst man sich bewarb. Das Ziel meiner Reise war
+Lembang, wo Junghuhn, der Verfasser des vortrefflichen Werkes über Java,
+seinen Wohnsitz aufgeschlagen hatte.
+
+Von Batavia bis Bogor führt die Strasse fast genau nach Süd bis an den
+Fuss des ~Gunong Salak~, der sich zu 6760' erhebt, dann läuft sie an
+seinem Nordostrand entlang bis Gadok, wo ein Sanatarium unter Leitung
+eines deutschen Arztes, des auch in Europa wohlbekannten Ornithologen
+Dr. Bernstein besteht.[55] Bis Gadok hat man den Salak immer zur
+Rechten, der ganze untere Theil seines Abhanges ist durch Menschenhand
+in breite Terrassen gegliedert, die sich wie eine Riesentreppe bis zu
+2000 Fuss Höhe hinaufziehen; es sind die ~Sawas~, Reisfelder mit
+erhöhten Rändern, in denen das Gebirgswasser, bevor es die Tiefe
+erreicht, gezwungen wird einen ausserordentlich vergrösserten
+Flächenraum zu bewässern und dadurch für den Reisbau nutzbar zu machen.
+Der Salak erscheint von hier wie eine enorme Pyramide auf einem Unterbau
+von Sawas. Von der oberen Grenze der Reisfelder bis zum Gipfel ist alles
+mit dichtem Wald bedeckt. Die terrassenförmigen Sawas (sawa darat)
+scheinen den Berglandschaften Java's eigenthümlich zu sein; in der
+grossen nördlichen Alluvialebene und auf den zentralen Tafelländern wird
+der Reis in flachen mit kleinen Dämmen umgebenen Feldern (sawa dalam)
+gebaut, wie in vielen andern Reisländern; sie unterscheiden sich, aus
+der Ferne gesehen, vielleicht nur durch das lebhaftere Grün von unseren
+Kornfeldern. In Java werden aber auch die Abhänge der Berge zum Reisbau
+benutzt, indem man sie bis zu grosser Höhe mit künstlichen Teichen
+umgiebt, die wie die Bänke eines Amphitheaters hinter einander
+aufsteigen. Sie folgen den Konturen der Berge und bringen dadurch etwas
+Architektur in die Landschaft, ein Element das sonst in tropischen
+Bildern fast immer fehlt, wo das Wirken des Menschen so winzig und das
+der Natur so gewaltig ist. Der Boden eines jeden dieser Teiche ist
+völlig eben und an der Aussenseite von einem etwa fusshohen Damm
+eingefasst, der an mehreren Stellen kleine Einschnitte hat, durch welche
+das Wasser in unzähligen in der Sonne glitzernden Streifen aus den
+höheren Becken in die tieferen fliesst, wodurch zugleich das Stagniren
+verhindert wird. Die Art den Boden dieser Becken zu ebnen ist sehr
+zweckentsprechend: die nach dem Berg zu schräg ansteigende Erde wird mit
+spitzen Stöcken aufgelockert, dann lässt man den Teich bis an den Rand
+voll Wasser strömen, die lockere Erde wird zu Schlamm, der sich allmälig
+absetzt und einen völlig ebenen Boden bildet. Das Berieselungswasser
+wird entweder unmittelbar von höher liegenden Rinnsalen, oder von
+seitlich oft ziemlich fern gelegenen Bächen durch künstliche Kanäle
+(Solokan) auf die Sawas geleitet. Das Wasser führt alljährlich neues
+fruchtbares Erdreich aus dem Gebirge zu, eine andere Düngung erhalten
+die Sawas nicht, von denen manche Jahrhunderte lang in ununterbrochener
+Reihenfolge Ernten liefern sollen.
+
+In der Broschüre Het Rijst[56] ist ein Reisbau-Kalender angeführt, nach
+welchem der Javane das Jahr in zwölf sehr ungleiche, den verschiedenen
+Phasen des Reisbaus entsprechende Zeiträume theilt. Danach findet das
+Verpflanzen der bereits fusshohen, 40-50 Tage alten, in besonderen
+Beeten gezogenen Sämlinge im März, die Erndte im Juli statt. Da aber in
+Java die Jahreszeiten nur in Bezug auf die Regenmenge wesentlich von
+einander abweichen, so sind künstlich bewässerte Sawas von der
+Jahreszeit fast unabhängig. Daher finden an verschiedenen Orten fast
+alle auf den Reisbau bezüglichen Verrichtungen gleichzeitig
+nebeneinander statt; namentlich empfängt der Reisende den Eindruck, als
+wären die einzelnen Verrichtungen an keine bestimmte Jahreszeit
+gebunden, da er bald auf grüne, bald auf gelbe Reisfelder blickt, heute
+pflanzen, morgen ernten sieht. Sawas haben deshalb einen vielfach (nach
+Crawfurd 5 bis 10fach) höheren Werth als Land, das nicht zu bewässern
+ist. Ausser in Sawas wird in Java auch Reis (Bergreis) in Gagas und
+Tegals gebaut. Gagas sind neue Lichtungen, in denen die Bäume nur
+theilweis gefällt und verbrannt sind. Man stösst an den geeigneten
+Stellen mittelst eines spitzen Stockes Löcher in den Boden, in welche
+man je einige Reiskörner wirft und erhält so ohne alle weitere
+Vorarbeiten nach 4 bis 5 Monaten eine mässige Ernte. Durch weiteres
+Aufräumen und Verbrennen der Baumstämme und Urbarmachen des Bodens
+verwandelt man die Gaga in ein Tegal oder Tipar auf dem regelmässig
+Bergreis gebaut wird, oder in eine Sawa falls die Stelle fortdauernd
+bewässert werden kann. Gagas sind daher der Anfang aller Reiskultur. Die
+roheren Völker des Archipels haben es kaum bis zu den Gagas gebracht.
+Von allen Inseln des Archipels hat in Java der Reisbau die höchste Stufe
+der Vollkommenheit erreicht. Noch jetzt erzeugen nur die fruchtbarsten,
+zivilisirtesten Inseln -- Java, Bali, Lombok und einige der Philippinen
+-- mehr Reis, als sie verzehren. Auf den Molukken fehlt der Reisbau
+ganz; in Borneo, Celebes, Sumatra und manchen der Philippinen ist er
+noch äusserst unvollkommen und in demselben Verhältniss stehen auch die
+Bewohner auf einer tieferen Kulturstufe. Einige bauen Bergreis, doch
+selten in ausreichender Menge und ersetzen den Ausfall durch bequemer zu
+erlangende aber noch stickstoffärmere Nahrungsmittel, besonders
+Knollengewächse und Früchte und Mark von Palmen.
+
+Bei der Reis-Ernte, die auf trockenem Felde stattfindet, da das Wasser
+schon Wochen vorher abgelassen worden, wird jeder Halm einzeln
+geschnitten; es wäre ein Frevel eine so köstliche Gabe Gottes weniger
+rücksichtsvoll zu behandeln. (Eine ähnliche abergläubische Verehrung hat
+sich in Deutschland in Bezug auf „das liebe Brod” erhalten, während es
+nicht gerade für sündlich gilt bessere und theurere Nahrungsmittel zu
+vergeuden.) Der grösste Theil des Halms bleibt auf dem Felde stehen, man
+lässt nur einen kurzen Stiel an der Aehre. Bei einer so zeitraubenden
+Art zu ernten ist es nöthig, die ganze Bevölkerung des Dorfs, alt und
+jung aufzubieten. Der Schnitterlohn ist hoch, er beträgt 1/5 bis 1/10
+der Ernte. So empfängt jeder einen Antheil auch wer kein Feld besitzt.
+
+Trotz seiner grossen Fruchtbarkeit erzeugt Java nach dem Verfasser von
+„Het Rijst” nicht hinreichend Reis, um seine Bevölkerung angemessen zu
+ernähren. Ein grosser Theil, fast 1/10 geht durch die fehlerhafte Art
+des Enthülsens mittelst Stampfens in Holzmörsern verloren, wobei sehr
+viel Körner zerbrochen, die Bruchstücke zermalmt und beim Waschen
+fortgeführt werden. Die Hauptursachen des Uebels findet er aber in dem
+gemeinschaftlichen Grundbesitz der Dorfbewohner, im „Kultursystem” und
+in dem Ausschliessen der europäischen Privatindustrie: drei grosse
+Uebelstände, und als solche von allen liberalen Beamten anerkannt, aber
+schwer zu beseitigen, da mit ihnen das ganze jetzt herrschende System
+fallen würde. Da noch oft vom „Kulturssytem” die Rede sein wird, so
+dürfte gleich hier eine kurze Beschreibung desselben am Platz sein.
+
+Nach einer kleinen Schrift des ehemaligen General-Guvernörs Duymaer van
+Twist, betitelt „Artikel 56” war die Grundlage des vom General van den
+Bosch eingeführten Kultursystems: Ein Dorf, welches den fünften Theil
+seiner Reisfelder zum Bau von Produkten für den europäischen Markt
+hergab, die nicht mehr Arbeit erforderten als der Reisbau, sollte von
+der Grundsteuer befreit sein. Der durch Taxe festzustellende Mehrwerth
+des Produkts über die schuldige Grundsteuer sollte einem solchen Dorf zu
+gut kommen; die Missernten sollten für Rechnung der Regierung sein, in
+sofern sie nicht durch Mangel an Eifer und Fleiss seitens der Javanen
+veranlasst waren. Die Bestellung von einem Fünftel des Bodens mit
+Gewächsen für den europäischen Markt befreite den Javanen von der
+schuldigen Grundsteuer und der Bauer war seinen Verpflichtungen
+nachgekommen, wenn er das Gewächs bis zur Reife gebracht hatte; die
+Arbeit in der Fabrik sollte so viel als möglich durch freie Arbeiter
+verrichtet werden, v. d. Bosch betrachtete sein System nur als ein
+Mittel, um die nach dem belgischen Krieg (1830) grosse Finanznoth seines
+Vaterlandes zu lindern, indem er den Anbau von Kolonialprodukten in Java
+durch künstliche Mittel ausserordentlich schnell ausbreitete, viel
+schneller als er sich spontan unter völliger Freiheit, besonders zu
+einer Zeit entwickelt haben würde, wo der Unternehmungsgeist viel
+geringer war als gegenwärtig. Aus seinen Schriften geht hervor, dass er
+seine geniale Schöpfung nur als eine Uebergangsstufe zur Privatindustrie
+mit freier Arbeit betrachtete; und die Absicht hatte allmälig die einmal
+eingerichteten Pflanzungen an Privatleute zu verpachten; -- und auch
+dies sollte nur ein Uebergang zum individuellen Grundbesitz und zur
+Kolonisation durch Europäer sein. Wäre das System genau nach den obigen
+Grundsätzen durchgeführt worden, so hätte die inländische Bevölkerung
+wohl zufrieden sein können, denn sie war gewöhnt der an die Stelle der
+einheimischen Fürsten getretenen, und daher für die Besitzerin des
+Bodens geltenden Regierung 1/5 ihrer Ernte und 1/5 ihrer Zeit als Abgabe
+für den Niessbrauch des Bodens zu zahlen. Das ursprüngliche System wurde
+aber allmälig so verändert, dass jetzt noch, nach Duymaer van Twist,
+die Regierung einfach den Inländern den Boden fortnimmt den sie zur
+Erzielung von Produkten für den europäischen Markt bedarf, und die
+ansässige Bevölkerung zwingt, gegen einen von ihr festgesetzten
+Lohn denselben nach ihren Anordnung zu bebauen. Bei einigen
+Kulturgegenständen die grössere Sorgfalt in der Bereitung erfordern,
+nimmt sie die Vermittelung europäischer Privatleute zu Hülfe, denen sie
+zum Theil Kapital zinsfrei vorschiesst, Frohnarbeiter stellt u. s. w.
+
+Eine natürliche Folge des Kultursystems war, dass alle Privatindustrie
+wegen der Konkurrenz, die sie dem Regierungsmonopol gemacht haben
+würde, in der Regel nicht gestattet war, und wo sie ausnahmsweise
+gestattet wurde, meist nur unter Beschränkungen aller Art und
+eifersüchtiger Kontrolle der Regierungsbeamten, die mit grosser
+diskretionärer Gewalt bekleidet, nicht gern unabhängige Europäer neben
+sich duldeten. -- Ein so grossartiges und konsequent durchgeführtes
+Monopolsystem hat wohl noch nie und nirgends bestanden; um so glänzender
+ist der Triumph der Freihandelsprinzipien, wenn auch seine praktischen
+Folgen bisher noch gering waren; denn es hat sich die Thatsache ergeben,
+dass das System, „das einst bestimmt schien, ganz Java in ein grosses
+Kulturland zu verwandeln, in dem die ganze Bevölkerung für Rechnung der
+Regierung gewinnbringende Produkte für den europäischen baute (D. v.
+T.)”, auf die Erzeugung der meisten derselben nicht mehr Anwendung
+findet, weil es nicht lohnend war, dieselben mit Frohnarbeit auf von der
+Bevölkerung urbar gemachtem Boden selbst unter Aufsicht ebenso fähiger
+und eifriger als rechtlicher Beamten zu bauen; während gleichzeitig
+Privatleute, in so weit ihnen überhaupt der Landbau gestattet war, auf
+gepachtetem Boden mit nach dem Marktpreis bezahlter Arbeit in denselben
+Zweigen des Ackerbaues, welche sich die Regierung aufzugeben veranlasst
+sah, glänzende Ergebnisse erzielten. Die Zuckerfabrikanten, die in Folge
+ihrer Kontrakte Anspruch auf sehr billige Zwangsarbeit hatten,
+verzichteten in manchen Fällen darauf, weil sie freie Arbeit billiger
+fanden. Ja die Regierung selbst fand es zuweilen vortheilhaft, diesen
+Weg einzuschlagen: bei den Wasserbauten in Surabaya kosteten die
+Erdarbeiten 1 fl. 50 d. per Kubikmeter, bei Zwangsarbeit zu 20 d.
+Tagelohn, und als man freiwillige Arbeiter zu 30 d. Tagelohn annahm,
+0,60 d.; 2 freiwillige Arbeiter leisteten also so viel als 7,5
+Zwangsarbeiter (Tijdsch. v. Nederl. Indie 1858, II. 294). Gegenwärtig
+liegt den holländischen Kammern ein Gesetzentwurf vor, wonach alle
+Regierungskulturen, mit Ausnahme jedoch des Kaffeebaues, aufgegeben
+werden sollen. --
+
+[Illustration: WARONGS. JAVA.]
+
+Hinter Gadok wird die Gegend immer schöner: einzelne Gruppen
+Fruchtbäume, von Palmen überragt, erheben sich aus den Reisfeldern und
+verbergen unter ihrem Laubdach die Desas (Dörfchen), deren aus Bambus
+zierlich geflochtene Hütten zwischen einem Wohnhaus und einem Korbe die
+Mitte halten. Jetzt hatten wir das Gedehgebirge, dessen höchster Gipfel
+9326' erreicht, gerade vor uns. Es begann zu regnen, wir suchten Schutz
+in einem ~Warong~; so heissen die Garküchen unter Bambusschuppen, welche
+man auf allen Landstrassen Javas findet. Die in ihnen feilgebotenen
+Speisen sind schmackhaft, mannichfaltig und unglaublich billig. Die
+Zeche mancher Gäste beträgt nicht über 1 bis 2 Deuten, deren 160 erst
+einen Gulden ausmachen. Arecanüsse, Betelpfeffer und Tabak fehlen nie im
+Warong. An Speisen findet man namentlich Reis in den verschiedensten
+Zubereitungen, getrocknete Fische und Ding-ding d. h. Fleisch von Hirsch
+oder Büffel, das entfettet, in äusserst dünne Scheiben quer gegen die
+Muskelfaser geschnitten, mit Salz und Pfeffer bestreut, an der Sonne
+getrocknet und wie Zwieback gegessen wird; ferner Sambals, sehr pikante,
+stark gepfefferte Salate. Ausser Thee und Palmensyrup sind zur
+Erfrischung häufig Kokosnüsse, Bananen, Oranien u. s. w. vorhanden.
+Ein eigenthümliches Gericht bestand aus 1/2 Zoll dicken Kuchen von
+Erdnüssen, katjang-tana, (Arachis hypogaea), auf denen ein zollhoher
+oranienrother Schimmel wuchs. Die Erdnüsse werden zur Grösse von Gries
+zermahlen und die daraus gebackenen Kuchen wie die Roquefortkäse so
+lange in dunkeln, feuchten Räumen aufbewahrt, bis sich der Schimmel
+gebildet hat, der ihnen erst den so geschätzten Geschmack giebt.[57]
+
+Um die Warongs entfaltet sich fast immer ein buntes Volksleben. Da
+erholen sich die müden Lastträger unter dem Schatten eines breiten
+Waringibaumes und tauschen mit den Nachbarn Neuigkeiten aus. Eine
+besonders willkommene Staffage nach dem langen Aufenthalt in Singapore
+waren die vielen Frauen. Sie tragen ihre kleinen nackten Kinder
+rittlings auf der linken Hüfte, unterstützt durch ein über die
+entgegengesetzte Schulter geschlungenes Tuch, Slendang; bei längeren
+Märschen hüllen sie dieselben in ein Stück Zeug, das sie tornisterartig
+auf den Rücken binden, so dass nur Kopf, Arm und Beine herausragen, wie
+die Glieder einer Schildkröte aus ihrer Schale; naht ein Fremder, so
+zieht das Kleine auch gleich sein Köpfchen unter das Tuch zurück. Die
+ärmeren Weiber tragen hier gewöhnlich kein anderes Kleidungsstück als
+einen einfachen Sarong, der entweder unmittelbar über oder unter der
+Brust zusammengebunden wird und von da herabhängt. -- Starke Brüste
+werden hier nicht geschätzt. Im Gegensatz zur europäischen Kleidung ist
+die malayische mehr auf das Beseitigen als das Hervorheben derselben
+berechnet.
+
+[Illustration: PANGERANGO VOM MEGAMENDONG. JAVA.]
+
+Hinter Levimalam gelangt man an den Fuss des Megamendong, der die Grenze
+zwischen der Residentschaft Buitenzorg und den Preanger Landen bildet.
+Die Strasse überschreitet ihn mit Verschmähung fast aller Zickzacklinien
+auf einem Pass von 4620 Fuss. Daher ist dies Joch für Lastwagen nicht
+übersteigbar; leichte Postchaisen gebrauchen einen Vorspann von 6
+Büffeln; der Güter-Transport geschieht durch Lastträger, und wird
+dadurch so vertheuert, dass er sich auf unentbehrliche Gegenstände
+beschränken muss. Nur auf grossem Umwege und nicht zu allen Jahreszeiten
+können die reichen Erzeugnisse des Ackerbaues aus den Preanger Landen
+Batavia erreichen. Auf schwierigen Gebirgswegen werden sie in
+Büffelkarren nach Tjikao, an die Grenze der grossen nördlichen Ebene,
+geschafft, und setzen von dort auf dem durch Aufnahme mehrerer Bäche für
+Prauen schiffbar gewordenen Tjitarum in einem grossen Bogen und vielen
+Windungen die Reise bis ins Meer, und dann zur See nach Batavia fort.
+Da die Transportmittel so unvollkommen und der Boden in den Preanger
+Regentschaften sehr fruchtbar ist, so sind dort alle Lebensbedürfnisse
+sehr billig; der Pikul Reis kostet selten mehr als 1-1/2 bis 2 fl.; es
+herrscht keine sichtbare Noth, aber auch kein Wohlstand, und grosse
+Einfachheit der Sitten.[58] Ein schmaler kühler Waldweg führt nach
+einem nahe gelegenen kleinen See, Telaga-warna, einem alten
+Kraterbecken. Die steilen Wände sind mit dichtem Wald bekleidet,
+zwischen den Hochstämmen viele Baumfarne, wilde Musen und Scitamineen.
+Die alten Bäume sind mit kletternden Farnen, Moosen und blühenden
+Orchideen bedeckt. Das Wasser ist spiegelglatt, nicht ein Laut ertönt,
+um das Gefühl der Waldeinsamkeit zu stören. Die Strasse steigt an der
+Südostseite des Jochs hinab: tiefe Schluchten erlauben häufig einen
+Einblick in die Struktur des Berges. Es wurde dunkel, bevor wir
+~Tjipanas~ erreichten, nach einer heissen Quelle benannt, die hier in
+3390 Fuss Höhe am nördlichen Abhang des ~Pangerango~ oder Gedeh-Gebirges
+hervorbricht. Hier steht ein einfaches Landhaus mit einem grossen Garten
+für den General-Guvernör, der zwar nur selten Zeit hat, die Besitzung zu
+besuchen; der Garten liefert ihm aber in dieser Meereshöhe unter Leitung
+eines europäischen Gärtners eine solche Fülle der feinsten europäischen
+Gemüse für die Tafel, dass immer noch sehr viel für etwa Durchreisende
+übrig bleibt, die das Glück haben, in der Wohnung des Gärtners Aufnahme
+zu finden. Heute gelang es nicht. Wir ritten nach dem einen Paal weiter
+entfernten Padjit, wo ein ~Pasanggrahan~ steht, d. h. ein geräumiges
+Haus mit Nebengebäuden zur Aufnahme der im Dienste der Regierung
+reisenden Beamten. In allen grösseren Orten giebt es Gasthäuser, in
+denen nicht mehr als 5 Gulden für den Tag und die Person gefordert
+werden darf. An solchen Orten, wo die Frequenz der Reisenden zu gering
+ist, um die Kosten zu decken, macht die Regierung die nöthigen
+Zuschüsse; an weniger besuchten Orten, besonders in den
+Kaffeedistrikten, sind für die kontrolirenden Beamten Pasanggrahans
+angelegt. Hier traf ich einen mir schon dem Namen nach bekannten
+deutschen Arzt, der mir für den folgenden Tag einen Platz in seinem
+Wagen zur Reise nach Tjandjur und Bandong anbot, was dankbar angenommen
+wurde.
+
+Am folgenden Morgen fuhr ich mit meinem neuen Bekannten, welcher
+„Officier van Gezondheid” für die Preanger Regentschaften war, vor
+Tagesanbruch in offenem Wagen vierspännig und von drei Vorreitern
+begleitet weiter. In Folge des Geräusches, das ein über den Wagen als
+Sonnendach ausgespanntes Zinkblech verursachte, wurden die Pferde so
+unlenksam, dass wir, um Zeit zu gewinnen zwei davon ausspannten und
+zurücksandten. Das Mittel hatte den gewünschten Erfolg. Tjandjur war
+bald erreicht, wir stiegen im Bungalow des Doktors ab. Während des
+Frühstücks vertrieben uns zwei zahme Hirsche und zwei Affen die Zeit.
+Einer der letzteren, ein behender Hylobat, war äusserst drollig und
+unerschöpflich in Neckereien gegen einen Lotong (Semnopithecus maurus),
+dem er an Gewandheit sehr überlegen war.
+
+Tjandjur ist die Hauptstadt der Preanger Regentschaften, welche die
+grösste Provinz Java's bilden und an interessanten geologischen,
+namentlich vulkanischen Erscheinungen, malerischer Schönheit und
+schnellem Wechsel zwischen hochkultivirten Ländereien und wilden
+Gebirgs- und Waldlandschaften von keiner Provinz übertroffen werden. Das
+ausserordentlich sanfte, liebenswürdige, einfache, biedere Wesen der
+Bewohner verleiht ihr noch einen ganz besonderen Reiz. Das Verbot des
+Opiums in dieser Provinz und die Ausschliessung der Chinesen -- nur
+einige sind in den Hauptorten unter der unmittelbaren Aufsicht der
+europäischen Beamten zugelassen -- tragen gewiss wesentlich dazu bei die
+Sitteneinfachheit aufrecht zu erhalten. Die Provinz fiel den Holländern
+nicht durch Eroberung, sondern durch Verträge mit den einheimischen
+Fürsten zu. Als eine Folge davon haben die von ihnen abstammenden
+Regenten eine etwas unabhängigere Stellung als die in den andern
+Provinzen, und da sie meistens auch grosse Einkünfte beziehen, so
+führen sie einen glänzenden Hofstaat, der viele interessante
+Eigenthümlichkeiten darbietet. Die Bewohner dieser Provinz und des
+ganzen westlichen Theils von Java sind Sundanesen und haben ihre eigene
+Sprache. Im östlichen Java wird javanisch gesprochen, an den Küsten
+malayisch, welches aber auch im Innern so verbreitet ist, dass der
+Reisende damit ausreicht. Wir machten dem Residenten und übrigen Beamten
+unsern Besuch. Nachmittags sollte die Umgegend besichtigt werden, was
+aber wegen heftigen Regens auf den folgenden Tag verschoben wurde.
+
+15. Juli. Morgens 4 Uhr erschien zur Spazierfahrt ein vom Regenten
+gesandter schöner vierspänniger Wagen mit zwei Livréebedienten vor
+unserer Thür. Nachmittags machten wir, von mehreren holländischen
+Beamten begleitet, einen Ritt durch Stadt und Umgegend. Die Häuser der
+Europäer sind von Stein, einstöckig, geräumig, meist mit einer
+Säulenhalle versehen, das Erdgeschoss ist nur wenige Fuss über dem Boden
+erhaben, schöne Gärten umgeben sie. In den von den Eingebornen bewohnten
+Stadttheilen herrscht nicht nur grosse Sauberkeit, auch Zierlichkeit
+macht sich überall bemerkbar. Die Wände der Häuschen aus gespaltenen,
+plattgedrückten, theils weissen, theils schwarz gefärbten Bambusen sind
+nach hübschen Mustern geflochten. Ein gut im Stande gehaltener
+Bambuszaun oder eine Hecke von blühenden Sträuchern fasst jedes Gehöft
+ein.
+
+Die Eingebornen, Männer und Weiber, kauern ehrerbietig nieder, nehmen
+den Hut ab und verhüllen ihr Gesicht, sobald der Zug naht. Als wir
+vorgestern von Buitenzorg heraufritten, wichen uns die schwerbeladenen
+Kulis aus, verliessen den schmalen glattgetretenen Pfad und gingen auf
+dem kleinen vulkanischen Gerölle, womit die Strasse beschüttet ist bis
+sie an uns vorüber waren. Wenn einige es nicht gleich von selbst thaten,
+so verfehlte mein Reisegefährte nicht, ihnen gebieterisch „~pinggir~”
+(auf die Seite) entgegenzurufen. Auch schwer beladene Wagen wichen uns
+aus.
+
+16. Juli, 5 Uhr früh von Tjandjur abgefahren. Die Strasse nach Bandong
+ist sehr bergig; wo es steil bergauf geht, werden drei Gespann Büffel
+vorgelegt. Ueber den Tjitarum setzten wir in einer Fähre; der
+diesseitige Bergabhang war so steil, dass die Pferde ausgespannt werden
+mussten, der Wagen rollte durch seine eigene Schwere abwärts. Vier und
+vierzig Menschen, die uns hier erwartet hatten, hemmten ihn vermittels
+eines langen aus Büffelfell geflochtenen Strickes. Es ging sehr laut
+dabei zu; den meisten Lärm machten natürlich die kleinen Jungen, die
+unaufhörlich kommandirten. Um 10 Uhr Vormittags erreichten wir Bandong,
+wo ich in dem gastlichen Hause des Assistent-Residenten die
+liebenswürdigste Aufnahme fand. Nachmittags wurde ein geognostisch
+interessanter und landschaftlich schöner Wasserfall besucht.
+
+Bandong liegt im westlichen Theile der grossen nach ihm benannten, rings
+von vulkanischen Gebirgen eingeschlossenen 2100-2200 Fuss hohen Ebene,
+einem der schönsten Gebiete dieser schönen Insel. Der fruchtbare
+vulkanische Tuff, aus dem der Boden besteht, von den umgebenden
+Waldbergen reichlich mit Wasser versehen, welches der Fleiss der
+Bewohner in unzählige Rinnen verbreitet hat, liefert jährlich zwei
+Reisernten. Hier herrscht ein ewiger Frühling. Am nächsten Morgen ritt
+ich zu Junghuhn hinauf, der 1400' höher in Lembang am Fuss des
+Tankubang-prau noch kühler, aber auch feuchter wohnte. Ein Brief von
+Humboldt verschaffte mir sogleich die herzlichste Aufnahme in dieser
+sonst nur Wenigen zugänglichen Einsiedelei.[59] Die Thätigkeit des
+berühmten Naturforschers war jetzt fast ausschliesslich auf die
+Vermehrung und Akklimatisation der Cinchonapflanzen gerichtet.
+Hier erneuerte ich auch die Bekanntschaft mit Dr. de Vrij, der als
+Regierungschemiker sein Laboratorium in Bandong hatte und namentlich mit
+der Bestimmung der Alkaloide der neu eingeführten Cinchonen und mit der
+Untersuchung und Ermittelung der den Kulturpflanzen günstigsten
+Bodenarten beauftragt war.
+
+
+
+
+Zweites Kapitel.
+
+ Reise nach Trogon. -- Strassen. -- Waringibäume. -- Bogenschiessen.
+ -- Religion der Javanen. -- Vulkan Guntur. -- Erdtransport durch
+ Wasser. -- Solfataren. -- Theebau. -- Vulkan Papandayan. -- Telaga
+ bodas. -- Kaffeebau. -- Schattenspiel. -- Hirschjagd. -- Malayische
+ Küche. -- Tänzerinnen in Sumedang. -- Gamelang-Musik.
+
+
+Da der gefällige Arzt, der seit Padjet seinen Wagen mit mir getheilt,
+grade eine Dienstreise nach Garut vor hatte und mir anbot ihn zu
+begleiten, so arbeitete Junghuhn für mich einen Reiseplan aus, der sich
+möglichst an jene Reise anschloss und mir Gelegenheit gab, einige
+interessante geognostische Excursionen zu machen. Nachmittags kehrten
+wir nach Bandong zurück.
+
+Unterwegs gingen vor uns einige Frauen mit Sonnenschirmen. Als der uns
+begleitende Amtsdiener sie gewahrte, rief er „payong!” (Schirm), worauf
+sie alsbald die Schirme zumachten und in voller Sonne an der Seite des
+Weges niederkauerten, indem sie ihr Gesicht abwandten. Die Frauen
+begnügen sich nämlich nicht, wie die Männer mit dem Niederkauern,
+sondern wenden als einen gesteigerten Ausdruck der Unterwürfigkeit den
+Europäern den Rücken zu. Die kleinen Jungen machen es wie ihre Mütter
+und nehmen aus Ehrerbietung eine Stellung an, die, da sie keine Hosen
+tragen in Europa eher für den Ausdruck des Gegentheils gelten würde.
+
+Abends war in Bandong „Receptie”, wobei mir, wie später noch oft bei
+ähnlichen Gelegenheiten, das elegante Französisch auffiel, welches in
+den gebildeten Kreisen sehr allgemein zu sein scheint. Deutsch verstehen
+auch die Meisten, englisch nur sehr Wenige. Auch sind die Engländer
+wenig beliebt, das Volk nennt sie eine „Natie (spr. nazie) van
+Zeeroovers”, doch scheint trotzdem eine grosse gegenseitige Hochachtung
+zu bestehen, wie sie sich wohl bei so langer zäher Nebenbuhlerschaft
+entwickeln musste.
+
+18. Juli. Der Blitz hat die Brücke über den Tjigaro zerstört; eine
+Depesche meldet, dass sie vor eilf nicht hergestellt sein kann; so
+fahren wir denn erst um 9 Uhr ab. Unsere Reise geht nach Trogon über die
+ganze Ebene von Bandong. Links treten die sie nördlich einfassenden
+Berge dicht an die Strasse, rechts breitet sich die grüne Fläche aus,
+ein ungeheures Reisfeld. In dem Pasanggrahan einer jeden Distriktsstadt
+stehen Erfrischungen für uns bereit: Thee, Wein, Obst und Gebäck. Der
+Bedana (Distriktshäuptling) macht die Honneurs des Hauses, darf aber
+nicht das Zimmer betreten ohne besondere Einladung der Reisenden und
+darf sich nur setzen, wenn ihm ein Stuhl angeboten wird; sein Gefolge
+kauert am Boden.
+
+Durch das ganze Land führen schöne fahrbare Strassen, deren erste Anlage
+man dem Marschal Daendels verdankt, der 1808-11, als Holland eine
+französische Provinz war, hier schaltete. Sein Gedächtniss wird noch
+lange in Java fortleben wegen der Energie, Willkür und Grausamkeit, die
+ihn auszeichneten. Die Javanen nennen ihn tuwan- (Herr) besar- (gross)
+guntur (Donner).[60] Die Flüsse werden theils auf Fähren, theils auf
+Brücken überschritten. Letztere sind auf belebten Strassen aus Holz und
+überdacht, gewöhnlich aber aus Bambus und, wenn auch nicht sehr
+dauerhaft, doch schnell wiederherzustellen. Reist ein hoher Beamter in
+wenig besuchten Gegenden, so sind oft Tage vorher hunderte von Menschen
+thätig, um Wege durch den Wald zu bahnen und Brücken zu schlagen. Ausser
+der Art wie ein König zu reisen kann man nur noch zu Fuss oder zu Pferde
+fortkommen. Eilwagen und Omnibus sind mit Ausnahme einiger ganz kurzen
+Strecken nicht vorhanden.
+
+Mittags erreichten wir Trogon, am SO. Abhang des noch thätigen Vulkanes
+~Guntur~. Wir stiegen bei dem Kontrolör ab, dessen Haus am Alun-alun
+liegt, einem grossen viereckigen schön gehaltenen Rasenplatz, wie ihn
+jeder grössere Ort in Java besitzt. Gewöhnlich stehen auf demselben
+einige Waringibäume (Ficus benjamina und F. indica), unter deren weitem
+Schattendach oft ein Trupp Reiter Platz hat. Diese herrlichen Bäume
+können mit ihrem dichten Laubdach einen ausserordentlich grossen Raum
+überspannen. Von den horizontalen Aesten gehen Luftwurzeln aus, die wenn
+sie den Boden erreichen, darin Wurzel schlagen und dann die Funktion
+selbstständiger Stämme verrichten, obgleich sie immer noch mit der
+Mutterpflanze zusammenhängen (vergl. S. 13 Rhizophoren); oft
+verschlingen und verstricken sich viele solcher Luftwurzeln in der Nähe
+ihres Ursprungs, während sie noch dünn sind und wachsen dann zu einer
+einzigen sonderbar gewundenen Säule zusammen; auf dieselbe Weise bilden
+sich zwischen den Säulen Bögen, die um so flacher sind, je entfernter
+von einander die zu einer solchen Säule verwachsenen Luftwurzeln
+entsprangen. So entstehen herrliche natürliche Tempel mit Säulengängen,
+grossen und kleinen Hallen, von einer gewöhnlich sehr regelmässig
+geformten flachen Laubkuppel überwölbt. Es ist kein Wunder, wenn die
+Phantasie der Menschen sie überall zu Wohnungen überirdischer Wesen
+erkor. Der grösste Waringibaum auf Java soll sich in Bantam befinden;
+noch viel grössere kommen in Indien vor, wo sie häufig von den Brahmanen
+als Tempel benutzt werden; überall werden sie in hohen Ehren
+gehalten.[61] Forbes, Oriental Memoirs I 25 erzählt von einer solchen
+Feige (F. microcarpa?) an den Ufern des Nerbudda: ... „Hohe Fluthen
+haben zu verschiedenen Zeiten einen beträchtlichen Theil dieses
+ausserordentlichen Baumes fortgerissen, aber das was noch steht hat, um
+die Hauptstämme gemessen, fast 2000 Fuss Umfang. Die überhängenden
+Zweige, die noch nicht Wurzel geschlagen haben, bedecken einen viel
+grösseren Raum, darunter wachsen Anonen und andre Fruchtbäume. Es sind
+an 350 grössere und über 3000 kleinere Stämme vorhanden; ein jeder
+sendet fortwährend Aeste und herabhängende Wurzeln aus, um neue Stämme
+zu bilden.... Der Häuptling von Putnah pflegte unter diesem Baum mit
+grosser Pracht zu lagern; er hatte einen Empfangssaal, Speisesaal,
+Gesellschaftssaal, Schlafzimmer, Bäder, Küche und alle übrigen
+Räumlichkeiten, jede in einem besonderen Zelte; dennoch bedeckte dieser
+herrliche Baum das Ganze zusammen mit den Wagen, Pferden, Kamelen,
+Wächtern und Dienern; während seine weitreichenden Aeste schattige
+Stellen boten für die Zelte seiner Freunde mit ihren Dienern und ihrem
+Vieh; und es ist bekannt, dass der Baum bei dem Marsche eines Heeres
+7000 Mann Obdach gewährt hat.”
+
+Am Alun-alun liegen fast immer die Moschee und die Häuser der ersten
+inländischen Beamten. Auf einer Seite steht der Bobantjong, eine um
+mehrere Stufen erhöhte Plattform, unter einem von Säulen getragenen
+Ziegeldache. Auf dieser Tribüne pflegen die Regenten den Festen und
+Volksversammlungen beizuwohnen, die in Folge des javanischen
+Gemeinwesens periodisch auf diesen Plätzen stattfinden. Heute war die
+Tribüne von einem Musikcorps eingenommen. Von Zeit zu Zeit wechselte die
+wohlklingende, obgleich etwas einförmige Gamelangmusik mit einem
+Sängercorps ab, das auf der andern Seite des Platzes im Schatten eines
+Waringibaumes lagerte. In einiger Entfernung vor unserm Hause sassen
+einige Häuptlinge behaglich auf dem Rasen, umgeben von ihren Dienern und
+schossen mit Pfeil und Bogen nach einem sechzig Schritt entfernten Ziel.
+Die Bogen sind kaum 3-1/2 Fuss lang und werden horizontal gehalten.
+Viele schiessen gleichzeitig, so dass immer eine Menge Pfeile in der
+Luft schweben, nur wenige trafen die Scheibe. Sind alle Pfeile
+verschossen, so laufen kleine Jungen herbei und bringen ihren Herren die
+an der verschiedenen Farbe der Federn kenntlichen Geschosse zurück.
+Frauen waren bei dem Feste nicht anwesend.
+
+Gegen Abend besuchten wir eine drei Paal entfernte, in einer Schlucht
+des Guntur gelegene warme Quelle. Sie ist rings von hohen üppig
+bewachsenen Felsen umgeben; ein Riesenbaum beschattet sie so wie zwei
+sehr zierliche Bambus-Tempel, in denen ein Paar fromme Eingeborne ihre
+Andacht verrichteten. Die Javanen sind sehr oberflächliche Muhamedaner,
+etwa so wie die Indianer der spanischen Kolonien Christen sind. Der
+Islam hat bei ihnen keine tiefen Wurzeln geschlagen, neben ihm aber sind
+grossartige Naturerscheinungen, die einen tiefen Eindruck auf ihr Gemüth
+machen, Vulkane, warme Quellen, auch Waringibäume, Gegenstände
+religiöser Verehrung. Sie glauben sie von Geistern bewohnt und bringen
+ihnen Opfer. Mit wirklicher Innigkeit verehren sie auch Alterthümer aus
+der Hinduzeit, besonders solche, deren Kunstwerth die Leistungen der
+heutigen Javanen so unendlich übertrifft, dass sie von ihnen für die
+Werke höherer Wesen gehalten werden. Von den strengen Muhamedanern
+unterscheiden sie sich besonders sehr vortheilhaft durch völlige
+Duldsamkeit; die Frauen gehen unverschleiert und verkehren mit den
+Fremden so frei wie in Europa.
+
+19. Juli. Um 5 Uhr früh ritt ich von Trogon an der gestern besuchten
+heissen Quelle vorbei, dann durch ein Bambuswäldchen und noch eine kurze
+Strecke den Abhang des Guntur hinauf. Der eigentliche Kegel, ein grosser
+Schutthaufen, kann nur zu Fuss erklommen werden. Der Doktor und der
+Kontrolör begleiteten mich eine Strecke weit. Eine Schaar Reiter hatte
+sich angeschlossen und eine noch grössere Menge von Begleitern zu Fuss.
+Jeder wollte etwas tragen; Einer hatte die Karte, Andere die Hämmer
+genommen; brauchte man etwas, so war nichts zur Hand. Das sind die
+Unbequemlichkeiten der Vornehmen.
+
+Mit nur wenigen Begleitern erreichte ich um 9-1/2 Uhr den Gipfel, dessen
+flach gewölbte Decke aus Sand und Rapilli besteht, und von einem grossen
+Krater durchbohrt ist. Sehr auffallend trat hier die von Junghuhn so
+deutlich hervorgehobene Erscheinung der mit dem Kraterrande
+konzentrischen Risse hervor. Die dem Rande nächsten bildeten bereits
+eine tiefe senkrechte Kluft, das durch sie abgetrennte Stück Bergwand
+war nahe daran in den Abgrund zu stürzen. Durch solche Einstürze wird
+der Krater regelmässig erweitert. Seine Wände sind oben senkrecht,
+weiter unten durch die hinab stürzenden Schuttmassen trichterförmig. In
+dem ganzen weiten Kessel ist nicht ein Dike[62] wahrzunehmen, und aus
+der Abwesenheit derselben, die andere Vulkane wie ein Gerüst durchsetzen
+und ihnen Festigkeit geben, erklärt sich die hier so prägnant
+hervortretende Erscheinung des regelmässigen Einstürzens der Wände. Aus
+allen Spalten, die mit der Entfernung vom Rande immer schmäler werden,
+drangen heisse Wasserdämpfe mit Chlorwasserstoff hervor; ich schätzte
+ihre Temperatur auf 40° R. Der Abhang hat 22 bis 24° Neigung; das
+Hinabsteigen ging schnell und bequem: wir kamen auf einen Streifen losen
+Gerölles, auf dem man stehend durch seine eigene Schwere hinabrutschte,
+indem man allmälig tiefer darin einsank; man hatte sich dann nur wieder
+oben aufzustellen, um auf dieselbe Weise ohne alle Bemühung eine grosse
+Strecke weiter befördert zu werden.
+
+Nachmittags fuhr ich mit dem Doktor nach ~Garut~, der Residenz des
+Regenten, und da dieser in Folge eines Missverständnisses nicht anwesend
+war, Abends nach Trogon zurück. Unterwegs sahen wir eine sinnreiche
+Verwendung der Wasserkraft, um einen Erdhügel nach einer mehrere tausend
+Fuss entfernten Stelle zu schaffen. Man hatte einen in der Nähe
+vorbeifliessenden Bach gegen den Hügel gelenkt, so dass er denselben
+unterspülte: Büffel traten die überhängende Erde in das Wasser, welches
+sie weiter führte bis zu der Stelle, wo eine kleine Mulde damit
+ausgefüllt werden sollte. Dort war ein grosses Gitter von Bambus und
+Reisig angebracht, welches die Erde wie in einem Sieb zurückhielt, das
+Wasser durchliess.
+
+20. Juli. Von Trogon ritten wir über Pasir-kiamis, wo in der Nähe des
+Pasanggrahans eine heisse Schwefelquelle hervorbricht, in südwestlicher
+Richtung durch herrlichen Hochwald auf einem neugebahnten Pfade nach
+Kawa-manuk, einer Solfatara in trachytischem Gebirge mitten im üppigsten
+dichten Walde. Sie soll erst 1772 bei dem Ausbruch des Papandayan
+entstanden sein. Der ganze Boden ist im Umkreis von ein paar tausend
+Fuss Durchmesser durch Wasser und heisse Dämpfe unterwühlt. Stösst man
+ein Loch durch das zersetzte Gestein, so brechen beide mit Gewalt
+hervor. Man muss durch vorsichtiges Tasten die Stellen aufsuchen, die
+noch aus hartem Gestein bestehen; denn wer durch die dünne Kruste
+bräche, würde in dem heissen Schlamm seinen Tod finden. Ich sah vier
+grössere Becken von 20 bis 30 Fuss Durchmesser, in welchen der dünne,
+dunkelgraue Schlamm hoch aufbrodelte; zuweilen spritzte er zwei Fuss
+hoch. In andern Tümpeln war das Wasser bereits verdampft und hatte eine
+feingeschlämmte Thonmasse zurückgelassen. An unzähligen Stellen brachen
+Wasser und Wasserdämpfe hervor. Das Wasser enthielt viel
+Schwefelwasserstoff. Ausser Schwefel, der sich ziemlich reichlich in
+kleinen Krystallen gebildet hatte, fanden sich nur noch Gyps und Alaun
+in geringer Menge. Der Trachyt kommt in allen Stufen der Zersetzung bis
+zum reinen Kaolin vor. Mitten zwischen den kochenden Schlammsprudeln und
+giftigen Gasen grünten und blühten noch einige Sträucher, darunter
+einige schöne rothe Rhododendren, während enorme Bäume von Laub und
+Rinde entkleidet, verdorrt und gebleicht am Boden lagen und ihre Aeste
+emporstreckten. Den grellsten Kontrast mit dieser Scene der Verwüstung
+bildete der üppige Wald, der sie dicht umgab.[63]
+
+Als wir in den Pasanggrahan von Pasir-kiamis zurückkehrten, fanden wir
+ein vortreffliches Mittagessen für uns aufgetragen, eine Aufmerksamkeit
+des Regenten von Garut, die um so überraschender war, als das Haus tief
+im Walde liegt. Von hier ritten wir südöstlich bis ~Tjisirupan~, auf
+neuen Bambusbrücken viele Bäche überschreitend, die in westöstlicher
+Richtung aus dem vulkanischen Waldgebirge in den Tjimanuk eilen, welcher
+das herrliche Thal von Trogon und Garut bewässert. Der letzte Theil des
+Weges führt über das untere Ende der Schuttmassen, die sich in einem
+grossen Bogen bis zum Krater des Papandayan verfolgen lassen. Dieser
+Vulkan hat in historischer Zeit nur einen, aber einen furchtbaren
+Ausbruch gehabt. Im Juli 1772 wurde plötzlich ein grosser Theil des
+bisher kegelförmigen Berges zertrümmert und ungeheure Steinmassen, der
+Neigung des Bodens folgend, schoben sich bis in das Thal von Garut,
+vierzig Dörfer verwüstend, und fast 3000 Menschen begrabend.
+
+In Tjisirupan standen muthige Bergpferde bereit, die uns nach
+~Tjikatjang~ brachten, einer 3770 Fuss hoch, in fast gleicher Entfernung
+vom Gunong Papandayan und Tjikorai, am südlichen Abhang des sie
+verbindenden Sattels gelegenen Theepflanzung, wo uns der Vorsteher, ein
+junger Holländer, auf das zuvorkommendste aufnahm. Von dem Betriebe
+derselben sahen wir nur wenig, da wir am andern Morgen in Begleitung
+unseres freundlichen Wirthes den Papandayan besuchten. Der Theestrauch
+war ganz niedrig und kugelig gehalten, so dass die Pflanzung aus einiger
+Entfernung wie ein grosses Kohlfeld aussah. Tjikatjang ist eine der
+grössten Theeplantagen auf Java und beschäftigt gegen 1000 freie
+Arbeiter, deren Fleiss der Vorsteher sehr lobte.
+
+Die Theekultur ist, ebenso wie die Erzeugung der meisten andern Produkte
+für den europäischen Markt, von der holländischen Regierung in Java
+eingeführt worden, und zwar erst seit 1835. Sie bildete einen Zweig des
+„Kultur-Systems” und der Thee gehörte zu der Klasse von Erzeugnissen,
+bei welchen, weil seine Herstellung bedeutende Sorgfalt erfordert, die
+Vermittelung intelligenter Europäer für nöthig erachtet wurde. Die
+Regierung, die zwar auch selbst Thee baute, wies geeigneten Personen das
+nöthige Land an, stellte ihnen die erforderlichen Frohnarbeiter zur
+Verfügung, schoss ihnen Kapital zinsfrei vor, verpflichtete dagegen die
+Kontrahenten, ihr die Hälfte der Ernte zu einem bestimmten Preis zu
+liefern, während ihnen über die andre Hälfte freie Verfügung zustand.
+Die ersten Versuche fielen sehr ungünstig aus, der Thee war von
+schlechter Beschaffenheit, die Regierung hatte grosse Verluste; die
+Unternehmer richteten sich meist zu Grunde. 1849 wurden neue Verträge
+abgeschlossen; die Kontrahenten übernahmen es, den Thee ohne
+Zwangsarbeiter oder sonstige Hülfe der Regierung zu bauen, wogegen diese
+sich verpflichtete, das Fabrikat zu einem etwas höheren Preise
+abzunehmen. Sie glaubte wohl, dass ohne Zwangsarbeit wenig geliefert
+werden würde, es fand aber das Gegentheil statt; die Kontrahenten, die
+inzwischen den Betrieb genau kennen gelernt hatten, wussten die
+Bedingungen gut auszunützen und machten glänzende Geschäfte, so dass
+eine Theepflanzung zu den gewinnbringendsten Unternehmungen auf Java
+gehörte. Wie gross der Gewinn gewesen sein muss, lässt sich unter anderm
+daraus schliessen, dass der Vorsteher der Theepflanzung Tji-katjang,
+unser Gastfreund, als einige Jahre später, nach dem Tode des Besitzers,
+der Kontrakt meistbietend versteigert wurde, 600,000 Gulden bot, und
+dennoch überboten wurde, obgleich der Vertrag nur noch 3 Jahre gültig
+war. Zur Zeit, als die Kontrakte umgeändert wurden (1849?), erhielt man
+319 ℔ Thee per Bau (1 Bau = 500 □Ruthen) zum Bruttowerth von 0,572
+Gulden per ℔, 1854 dagegen 548 ℔ zum Werth von 0,821 Gulden d. h. 80%
+mehr Produkt von 40% höherem Werth.[64] Die Regierung hatte von dem
+grossen Fortschritt freilich keinen Vortheil, denn da der Preis, den sie
+dem Fabrikanten in Java zahlte, höher war, als der Marktpreis in Europa,
+trotz der hinzugekommenen Spesen, so wurde ihr das ganze Fabrikat
+abgeliefert, und ihr Verlust war um so grösser, je besser die Ernte
+ausfiel. Die vor Kurzem erloschenen Verträge sind daher nicht wieder
+erneuert worden.[65]
+
+Der anfänglich sehr schlechte Javathee hat sich durch Verbesserung der
+Kultur und Fabrikation sehr gehoben, sein Hauptmarkt ist Holland und
+Ostfriesland, er ist herber und stärker als Chinathee und steht in
+dieser Beziehung dem Assamthee näher, ohne ihm jedoch an Wohlgeschmack
+gleichzukommen. Nach dem Urtheil Sachverständiger wird er wohl im Stande
+sein, nach Aufhören der Kontrakte seinen Platz auf dem Markt zu
+behaupten und wahrscheinlich an Güte gewinnen, da das Publikum nur nach
+dem wirklichen Werth, nicht nach einem mehr oder weniger genau
+umschriebenen Schema zahlt.
+
+Obgleich ich von der Bereitung des Thees nur einzelne Hantirungen mit
+ansah, so möchte ich dennoch eine kurze Beschreibung des ganzen
+Verfahrens geben, da es wohl nur wenig bekannt und das Produkt von so
+grosser Wichtigkeit ist. Ich folge dabei einem ausführlichen Aufsatze in
+der Natuurkundg. Tydsch, VII. 296.
+
+Bei der Theefabrikation sind nur wenige Chinesen beschäftigt, in manchen
+Fabriken gar keine, in den meisten zwei bis drei Individuen, die aber
+dann nur in der Fabrik, nicht in der Pflanzung, thätig sind. Etwa 35
+Tage nach dem Beschneiden der Sträuche, früher oder später, je nach dem
+Klima, beginnt das Pflücken der Blätter, von denen sich 6-7 an den
+jungen Trieben befinden. Die Pflücker der Spitzen kneifen die Spitze des
+Zweiges, die Blattknospe sammt dem äussersten kaum hervorgetretenen
+Blättchen ab; ihnen folgen die Pflücker der „Feinblätter”, die den
+grünen Zweig unter dem dritten Blatt abkneifen, also das zweite und
+dritte Blatt sammt Blattstiel sammeln; dann folgen die Pflücker der
+Mittelblätter, die unter dem fünften Blatt abkneifen, mithin das vierte
+und fünfte Blatt sammt Blattstiel nehmen; ist das sechste und siebente
+Blatt zart genug, um verwendet zu werden, so werden sie dergestalt
+abgerissen, dass ein kleines Stückchen davon am Zweig sitzen bleibt;
+dies geschieht, um die in den Achseln sitzenden Knospen zu schonen, aus
+denen sich Zweige für die nächste Ernte entwickeln sollen. Die eben
+beschriebene Art des Pflückens gilt nur für schwarzen Thee. Zum grünen
+Thee wird die Blattspitze wie zum schwarzen Thee abgekniffen, die
+übrigen Blätter aber werden ohne Blattstiel abgenommen, wie oben bei dem
+sechsten Blatt; der grüne Thee enthält also keine Blattstiele.[66]
+
+Zur Bereitung des schwarzen Thees werden die eben gepflückten Blätter in
+ziemlich dünnen Schichten der Sonne ausgesetzt; sehr günstig ist es,
+wenn dabei ein leiser Wind weht. Die Blätter werden mehrere Male
+umgewendet und durch einander geschüttet. Nach höchstens 30 Minuten, je
+nach dem Wetter und der Temperatur, sind die Blätter ganz weich und
+bräunlich von Farbe, sie werden dann unter Dach gebracht; säumt man
+damit, so färben sie sich röthlich, ein Zeichen, dass sie an Güte
+verloren haben. In dem von einem Bambusgitter umgebenen Schuppen werden
+die Blätter in Haufen aufgeschüttet, es tritt Erhitzung und Gährung ein;
+sobald diese einen gewissen Grad erreicht haben, gewöhnlich nach 1/2-3/4
+Stunden, werden die Blätter ausgebreitet und dann von neuem gehäufelt,
+dies wird vier- bis sechsmal wiederholt; sie müssen dann eine
+gleichmässige bräunliche Farbe haben; an Stelle des früheren Grasgeruchs
+zeigt sich schon Theegeruch.
+
+In kleinen Mengen bringt man nun die Blätter in eingemauerte eiserne
+Pfannen, die so erhitzt werden, dass nur durch Gewohnheit abgehärtete
+Arbeiter im Stande sind, sie fortwährend mit der Hand darin umzurühren,
+um das Versengen zu verhindern. Die durch Entwickelung von Wasserdampf
+allmälig ganz feucht und weich gewordenen Blätter werden dann auf einen
+Tisch geworfen und geknetet: man nimmt deren so viel, als man mit beiden
+Händen fassen kann, und rollt sie zu einer Kugel zusammen, die aber
+mehrere male wieder aus einander gerüttelt wird, damit die Blätter sich
+nicht zu fest zusammenballen. Nach diesem ersten Kneten bleiben sie 1/2
+Stunde in dünnen Lagen ausgebreitet liegen, worauf sie abermals in der
+Pfanne erwärmt und wiederum geknetet werden. Diesmal werden sie aber
+nicht wieder auseinander geschüttet, sondern zu Kugeln zusammengeballt,
+die sich mit zwei Händen bequem umfassen lassen, und in Körben über
+Kohlenfeuer getrocknet. Der Grasgeruch ist nun völlig durch das
+eigentliche Theearoma ersetzt worden; der schwarze Thee ist fertig bis
+auf das Sortiren, Sieben, Trocknen, Verpacken u. s. w.
+
+Zur Bereitung des grünen Thees werden die frisch gepflückten Blätter
+unmittelbar und so schnell als möglich in die angeheizten Pfannen
+gebracht. Man lässt die Arbeiter nicht zu viel auf einmal pflücken, weil
+die Blätter sonst leicht eine bräunliche Färbung annehmen. Nachdem sie
+2-3 Minuten in der Pfanne umgerührt worden, wobei sie knistern und
+knattern, werden sie schnell, damit sie nicht anbrennen, auf den Tisch
+gebracht und geknetet; da sie nicht vorher an der Luft getrocknet waren,
+so werden sie dabei so nass, dass die Feuchtigkeit abläuft. Die Menge
+der Blätter, die man auf einmal kneten, aber nicht auf einmal mit den
+Händen umfassen kann, wird gedrittheilt, um sie auszupressen; aus jedem
+Drittheil formt man eine Kugel, die so fest ausgedrückt wird, dass der
+grüne Saft in einem Strahl herausspritzt. Manche spülen auch diese
+Kugeln in kaltem Wasser ab und pressen sie nochmals aus, um die
+adstringirenden Eigenschaften zu mildern. Im Uebrigen weicht die
+Bereitung des grünen Thees nur noch darin von der des schwarzen ab, dass
+man jenen statt zweimal, fünfmal in die heisse Pfanne bringt und nach
+jedemmal von neuem knetet, aber nicht mehr auspresst; er wird also viel
+langsamer trocken, als der schwarze; andern Falls würde er seine
+frische, grüne Farbe verlieren. Nach dem vierten Erhitzen in der Pfanne
+enthält er nur noch wenig Feuchtigkeit und hat eine etwas schwärzliche
+Farbe; die schöne bläulich grüne Farbe nimmt er bei der fünften
+Erhitzung in einer nicht horizontal, sondern schräg eingemauerten Pfanne
+an, wobei er 1/2 Stunde lang kräftig und schnell umgerührt wird. Er ist
+dann völlig trocken. Die Spitzen der Zweige, welche auch bei dem grünen
+Thee die feinste Sorte geben, werden stärker ausgepresst als die andern
+Blätter, gewöhnlich auch mehrere male in reinem Wasser abgespült. Sie
+werden auch, wenn sie zart und klebrig genug sind, zwischen Daum und
+Zeigefinger zusammengerollt, und geben dann den „Gunpowderthee”. Das
+Adstringirende, das den frischen Blättern zum Theil entzogen werden
+muss, um sie geniessbar zu machen, wird also bei der Bereitung des
+schwarzen Thees durch Gährung, bei der des grünen Thees durch Auspressen
+und Auswaschen entfernt.
+
+Am nächsten Morgen ritten wir den sanften Abhang des gestern erwähnten
+Schuttberges hinauf bis in den Krater des Papandayan. An einer Stelle,
+die die Inländer Luput nennen, konnten wir eine grosse Strecke weit eine
+natürliche Treppe benutzen. Es fliesst an dieser Stelle über die
+Schuttmassen ein inkrustirender sehr eisenhaltiger Bach. Die von dem
+angrenzenden Wald herabfallenden Blätter und Zweige werden von dem
+Wasser eine kurze Strecke weiter bewegt, wobei sie wegen der vielen
+Hindernisse immer eine Richtung quer gegen den Strom annehmen; so
+entsteht eine Reihenfolge kleiner Dämme, die von dem darüber
+hinfliessenden Wasser durch eine Sinterkruste zu einer Treppe verbunden
+werden. Schon ehe man die grosse Kraterkluft erreicht, brechen an vielen
+Stellen heisse Quellen hervor, die chemische Thätigkeit nimmt immer mehr
+zu und oben befindet man sich in einer Solfatara von wahrhaft riesigen
+Dimensionen, eingefasst von mehrere hundert Fuss hohen senkrechten
+Wänden weissgebleichten Gesteines, das in deutliche Bänke gesondert ist.
+Der Boden der ungeheuren Kraterschlucht ist überall mit sublimirtem
+Schwefel überzogen. An vielen Stellen sind grosse Massen desselben in
+kleinen Krystallen angehäuft, an andern Stellen sind sie zu braungelben
+Krusten zusammengeschmolzen, die zuweilen einen Fuss Dicke erreichen.
+Auch die grossen Trachytblöcke, die jetzt frei auf dem Boden liegen,
+sind mehr oder weniger zersetzt, auf allen Kluftflächen mit kleinen
+Schwefelkrystallen bekleidet und lassen vermuthen, dass sie früher
+relativ tiefer lagen, und dass ein grosser Theil der zu feinem Schlamm
+zersetzten Kratersohle durch den Regen fortgeschwemmt worden ist.
+
+Ein grosser Schuttwall zieht sich im Hintergrund quer von einer Seite
+zur andern; man glaubt am Ende der Kraterschlucht zu stehen; hat man
+aber den oberen Rand des Walles erstiegen, so sieht man jenseits alle
+bereits angeführten Erscheinungen sich in noch grösserem Maasstabe
+wiederholen. Im Hintergrunde erblickt man wieder einen Schuttwall, der
+diesen Theil der Kluft begrenzt und hinter diesem wieder andere, und in
+jedem höher liegenden Felde der ungeheuren Solfatara nimmt die chemische
+Thätigkeit zu. Gegen das Ende der Kluft sah ich eine Erscheinung, die
+mir noch in keiner Solfatara vorgekommen war. Der Boden war mehrere
+hundert Fuss im Quadrat mit maulwurfartigen Hügeln bedeckt, die durch
+gewölbte Rippen zu einem ziemlich regelmässigen Netz mit einander
+verbunden waren. Beim Aufschlagen einer solchen Rippe fand sich die etwa
+1/2 Zoll dicke Decke mit Schwefelkrystallen dicht bekleidet.
+Wahrscheinlich war die Kruste der Kratersohle an vielen Stellen durch
+die Gewalt komprimirter Dämpfe sternförmig zerborsten, so dass eine Art
+von Netz entstand; wenn sich dann eine Schlammmasse darüber ausbreitete,
+und durch Verdampfen allmälig plastisch wurde, so können die aus den
+Spalten heraufdringenden Wasser- und Schwefelwasserstoff-Dämpfe wohl im
+Stande gewesen sein dergleichen hohle Rippen zu bilden und sie mit
+Schwefelkrystallen auszufüttern. An manchen Stellen brach der
+Wasserdampf mit solcher Gewalt aus dem Boden hervor, dass nussgrosse
+Steine im Dampfstrahle auf- und abtanzten. Kochende Schlammpfützen wie
+in der Kawa-manuk waren in Menge vorhanden und der Boden in ihrer Nähe
+ebenso gefährlich zu betreten. Nach Junghuhn liegt der oberste Theil der
+Kraterkluft 6600' hoch und wird im Halbkreis von 700-800' hohen Wänden
+überragt. Vor dem grossen Ausbruch, durch welchen die Schlucht entstand,
+bildete der Berg einen geschlossenen flachen Kegel.
+
+Wir ritten nach Tjisirupan zurück, wo wir uns von unserm Begleiter
+verabschiedeten und fuhren über Trogon nach Garut, überall von
+Gamelangmusik begrüsst. Der Regent war schon nach Wanaradja
+vorausgegangen, wo er uns nach dem ursprünglichen Reiseplan erwartete.
+Da der Doktor aber heute noch in Garut zu thun hatte, so blieben wir die
+Nacht im Pasanggrahan. Während wir in der Veranda Thee tranken, tanzten
+vor uns auf dem Alun-alun einige Rongengs. Der Tanz war nicht ungraziös,
+aber der begleitende Gesang zu gellend. Eine grosse Schaar inländischer
+Zuschauer hatte sich eingefunden; sie sahen mit lebhaftem Interesse zu;
+zuweilen nahmen auch Einige an dem Tanze Theil, wofür sie einige Deuten
+an die Tänzerin zu entrichten hatten. Als wir zu Bette gingen, liess der
+Bedana Tanz und Musik plötzlich aufhören, und Alles musste nach Hause
+gehen.[67]
+
+22. Juli. Wir fuhren auf der linken Seite des Tjimanuk durch das reiche
+Thal von Trogon-Garut nach Wanaradja, wo uns der inländische Fürst mit
+einem Frühstück im Pasanggrahan erwartete. Dies war das niedlichste
+Dörfchen, das ich bisher gesehen. Es besteht ganz aus Bambus, die
+einzelnen Häuschen sind nach den zierlichsten Mustern aus schwarzen und
+weissen Bambusstreifen geflochten; die Scheunen, Einzäunungen und
+Aussenhäuschen so klein und so gefällig, dass das Ganze fast wie
+hübsches Spielzeug aussieht. Nach dem Frühstück ritten wir auf schönen
+muthigen Pferden des Regenten, die viel arabisches Blut enthielten,
+nach dem auf dem Kamm der östlichen Thalwand gelegenen „Weissen See”
+(telaga bodas.) Auf bequemer Strasse, die abwechselnd durch Wald- und
+Kaffeegärten führte, erreichten wir das westliche Ufer des fast
+kreisrunden Wasserbeckens. Das perlweisse Wasser sticht eigenthümlich
+gegen den üppigen Wald ab, der es umsäumt. Die Farbe erhält es von dem
+darin suspendirten feinen Thonschlamm, den die Thätigkeit der
+Solfataren am Seeboden und am jenseitigen Ufer durch Zersetzung des
+Gesteins ihm zuführt. Auf einer mit einem Sonnendach versehenen, bereit
+stehenden Fähre gelangten wir an das jenseitige Ufer. An vielen Stellen
+des Sees brodelte das Wasser auf und verrieth durch den
+Schwefelwasserstoffgeruch die vulkanische Thätigkeit auf seinem Boden.
+Ich übergehe hier die vulkanischen Phänomene, die im Wesentlichen eine,
+obgleich viel schwächere, Wiederholung der in der Kawa-manuk und am
+Papandayan beschriebenen sind und für die meisten der Leser kein
+Interesse haben. Noch schöner als der Ritt, der uns in den Wald
+hineingeführt hatte, war der Rückweg, der bei jeder Wendung eine andere
+Aussicht über das vom Guntur, Papandayan und Tjikorai begrenzte Thal
+des Tjimanuk gewährt. Es ist ungemein fruchtbar und reich bebaut. Auf
+den Reisfeldern heben sich zahlreiche Haine von Fruchtbäumen, die je
+ein Dörfchen verbergen, dunkelgrün ab. Viele Paal weit ritten wir durch
+Kaffeegärten, welche in dieser Meereshöhe (2000 bis 4000') besonders
+gedeihen. Diese Höhenzone ist auf Java für den Europäer ein ungemein
+reizvoller Aufenthalt, das Klima ein ewiger Frühling. Der Wald zeigt
+sich hier in seiner ganzen tropischen Pracht, mehr noch als in der
+tieferen Zone. Zwar treten die Palmen schon merklich zurück; von den
+kultivirten ist nur noch die Arengpalme (Saguerus saccharifer Bl.)
+häufig, aber die Calamusarten kommen hier erst recht zur Entfaltung
+und durchziehen zugleich mit riesigen Lianen, deren einige schenkeldick
+werden, nach allen Richtungen den Wald, die höchsten Stämme umwickelnd,
+oder wie grosse Taue von Baum zu Baum gespannt. Zierliche kleine Areca-
+und Pinangapalmen, oft mit schön gefärbtem Stamm und glänzend rother
+Fruchttraube und Baumfarne, die bis 40' Höhe erreichen, treten hier
+zuerst auf und verleihen dem Walde einen neuen Reiz. In dieser Zone
+wachsen auch die Rasamala (Altingia liquidambar), Riesenbäume, deren
+Höhe nach Junghuhn's, an gefällten, unter den höchsten ausgewählten,
+Individuen angestellten Messungen bis 180' erreicht, während ihre
+durchschnittliche Höhe 150' beträgt. Der Waldboden ist mit einem
+Teppich von Lycopodien, Farnen und Kräutern bedeckt, auf welchem sich
+wilde Musen, Scitamineen, Alsophilen und Ardisien erheben. Wohl keine
+Zone reizt den Sammeleifer des Gärtners in höherem Maasse; die Aeste
+sitzen voll Orchideen, epiphytischer Farne und Schmarotzer; hier findet
+sich Alles, was den Treibhäusern schon einzeln zum höchsten Schmuck
+gereicht, in grösster Fülle beisammen.
+
+Wo der Wald zur Anlegung von Kaffeepflanzungen gelichtet, ist es nicht
+minder schön. Breite, mit dichtem Grase bewachsene Strassen führen
+durch dieselben und sind zu beiden Seiten mit Hecken blüthenreicher
+Sträucher eingefasst. Heute ritten wir wohl eine deutsche Meile weit
+durch eine solche Pflanzung, deren Saum zu beiden Seiten des Weges aus
+üppig blühenden Rosenhecken bestand. Die Kaffeesträucher tragen zwar
+das ganze Jahr hindurch Blüthen und Früchte, die eigentliche Blüthezeit
+fällt aber in den Herbst. Jetzt sassen Knospen in den Blattachseln, in
+kleinen Büscheln zusammen, so dass die schlanken, herabhängenden, mit
+glänzend dunkelgrünen, gegenständigen Blättern dicht besetzten Zweige,
+wenn sie blühen, längs der Mittellinie mit einem weissen Streifen
+wohlriechender Blümchen besetzt sein müssen. Ueber den Kaffeesträuchern
+schwebt in 30-40 Fuss Höhe ein leichtes, durchsichtiges Laubdach von
+Erythrinen, die mit den jungen Kaffeesträuchern zugleich gepflanzt
+werden, um ihnen Schatten zu geben, aber viel schneller wachsen. So hat
+man zur Blüthezeit ein von scharlachrothen Blumen durchwirktes Laubdach
+über einem weissen Blüthenwald. Wenige Tage nach der Blüthe setzt die
+Frucht an, in sechs Monaten ist sie reif, sie gleicht dann einer
+dunkelrothen Kirsche, ist aber etwas länglicher. Innerhalb der
+süsslichen, fleischigen Hülle sitzen 2 Kaffeebohnen,[68] jede von einer
+dünnen, zähen, pergamentartigen Haut fest umschlossen, mit den flachen
+Seiten gegen einander; es sind die Samen, die längliche Vertiefung in
+der Mitte der flachen Seite enthält den Keim. Nach der Ernte werden
+zuerst die eingesammelten Beeren auf flachen Hürden an der Sonne
+getrocknet. Um sie gegen Regen und den nächtlichen Thau zu schützen,
+müssen sie unter Dach gebracht werden; oft geht den Bauern bei lange
+anhaltendem Regenwetter die ganze Ernte verloren, da Bohnen, die durch
+Nässe schwarz oder unansehnlich geworden, im Packhaus nicht angenommen
+werden. Ist nach 5-6 Wochen die Hülle trocken, so wird sie durch
+Stampfen in mit Büffelfell ausgefütterten Gruben oder in hölzernen
+Mörsern abgelöst. Durch abermaliges Stampfen werden die aufs neue
+getrockneten Bohnen von der Pergamenthaut befreit, eine Arbeit, die
+viel Vorsicht verlangt, da zerstossene Bohnen einen grossen Theil ihres
+Werthes verlieren.
+
+Zur Anlage einer Kaffeepflanzung wird zuerst der Wald gelichtet; da
+der Kaffeestrauch aber Schatten liebt, so lässt man zuweilen eine
+genügende Anzahl Bäume stehen und pflanzt zwischen den grossen auf dem
+Boden liegenden Stämmen, die zu schwer für den Transport, dem
+Vermodern preisgegeben werden. Das Erzeugniss dieser etwas rohen
+Kulturmethode, die mit dem Reisbau in Gagas (S. 133) verglichen werden
+kann, ist in Java als Waldkaffee bekannt. Gewöhnlich aber wird der
+ganze Wald gefällt; die Stämme werden fortgeschafft oder verbrannt,
+die Wurzeln ausgegraben, eine schwere Arbeit, die viele Hände und die
+Anwendung des Büffels erfordert. Steiniger Untergrund muss vermieden
+werden, weil die Pfahlwurzeln sonst nicht in die Tiefe dringen können,
+und schon ganze Pflanzungen aus dieser Ursache zu Grunde gegangen
+sind. In den gesäuberten Boden pflanzt man in 8-12 Fuss Abstand die in
+besonderen Saatbeeten erzogenen oder aus abgefallenen Früchten
+entsprossenen 12-15 Zoll hohen Sämlinge. Die besten Pflanzen sollen
+aus dem vom Musang (Paradoxurus musanga) ausgeworfenen Samen
+spriessen.[69] In der Regel, namentlich in weniger als 2500' hoch
+gelegenen Pflanzungen, werden die gefällten Waldbäume durch besondere
+Schatten gebende Bäume, gewöhnlich Dadap (Erythrina sp. div.),
+ersetzt, die so gepflanzt werden, dass jeder Kaffeestrauch zwischen
+4 Schattenbäumen steht, daher der Name Dadapkaffee zum Unterschied
+von Waldkaffee. Die Pflanzungen müssen besonders in den beiden
+ersten Jahren sorgfältig gejätet, die Bäume von schädlichen
+Schmarotzerpflanzen und Thieren gesäubert werden. Auch Erdarbeiten
+sind nöthig, um das Fortschwemmen des fruchtbaren Bodens durch die
+heftigen tropischen Regen an den Bergabhängen zu verhindern.
+Kunstgemässes Beschneiden der Zweige, worauf in Westindien so viel
+Sorgfalt verwendet wird, weil es den Ertrag sehr vermehrt, findet in
+Java bei den Regierungspflanzungen nicht statt. Im dritten Jahre trägt
+der Baum die ersten Früchte, im vierten giebt er eine volle Ernte,
+nach 12-14 Jahren ist der Ertrag so gering, dass er die Mühe des
+Pflückens nicht mehr lohnt; der Boden ist erschöpft, die Pflanzung
+wird verlassen und „abgeschrieben”. Um den Ausfall zu decken, müssen
+daher die Beamten Sorge tragen, fortwährend neue Pflanzungen
+anzulegen; ein Zuwachs derselben hat aber in den letzten 20 Jahren
+nicht stattgefunden.[70] Früher wurden die abgeschriebenen
+Kaffeegärten der inländischen Bevölkerung überlassen, die Regierung
+fürchtete aber, dass es mit der Zeit an passenden Ländereien mangeln
+würde, und lässt jetzt die verlassenen Pflanzungen brachliegen, damit
+sie sich wieder erholen, d. h. damit durch allmälige Verwitterung des
+Bodens wieder zur Erzeugung von Kaffeebohnen erforderliche Salze in
+hinreichender Menge löslich werden. Man nimmt dazu im günstigsten
+Falle 10 Jahre an, so dass nach dem jetzt bestehenden System ein
+wenigstens 10 mal so grosser Flächenraum, als wirklich in Produktion
+ist, zur Verfügung gehalten werden muss. Für Privatpflanzer, die nicht
+unumschränkt über Arbeitskräfte und Grund und Boden verfügen können,
+ist ein solcher fortwährender Wechsel unausführbar. Sie düngen daher
+den Boden, wie in vielen andern Kolonien, und ernten durchschnittlich
+von alten und jungen Bäumen zusammen je 1 ℔, während die Regierung
+trotz des Wechselns nur 1/2 ℔ erhält.[71] Der mittlere Ertrag steht
+aber in Java weit unter demjenigen anderer Kaffeeländer, wo man 2, ja
+3 und 4 ℔ trockener, gereinigter Bohnen von jedem Baum erntet. Um so
+auffallender erscheint es, dass gerade in Java der Kaffeebaum so
+ausserordentlich vermehrt worden ist, dass auf dieser Insel, wenn man
+die abgeschriebenen mitrechnet, vielleicht mehr Kaffeebäume vorhanden
+sind, als in allen übrigen Kaffeeländern zusammen.
+
+Nächst dem Reis, der das Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung ausmacht,
+hat keine andre Pflanze für Java eine so grosse Wichtigkeit, als der
+Kaffeestrauch, dessen Kultur mit den dortigen Zuständen in inniger
+Wechselbeziehung steht. Java war eine der ersten Kolonien, in welche die
+in Mittel-Afrika einheimische, obgleich Coffea arabica genannte Pflanze
+eingeführt wurde (1696); von Java verbreitete sich der Kaffeestrauch
+über Amsterdam (1706) nach Surinam (1719), Westindien (1722), und von
+dort nach Bourbon.[72] -- 1795 lieferte Java 18,600,000 ℔ Kaffee und der
+Gewinn an diesem Artikel war schon damals die Haupteinnahme der alten
+Kompanie. Als Marschal Daendels Guvernör war (1808-11), dehnte er, um
+die Einkünfte der Kolonie schnell zu vermehren, den Kaffeebau mit der
+ihm eigenen Energie aus, und pflanzte 45,700,000 Sträucher, wodurch er
+ihre Gesammtzahl auf 72,669,860 brachte. Der gehoffte finanzielle Erfolg
+trat aber nicht ein: 1811 eroberten die Engländer Java, dessen durch die
+Kontinentalsperre vom europäischen Festland ausgeschlossener Kaffee
+fast werthlos wurde, so dass viele Pflanzungen wieder eingingen.
+Raffles, der englische Guvernör und derselbe der später Singapore
+gründete, hob die Zwangsarbeit und die gezwungenen Lieferungen auf und
+setzte eine Grundsteuer an die Stelle, was er vielleicht nicht gethan
+haben würde, wenn die gezwungenen Kaffeelieferungen eine bedeutende
+Einnahmequelle für die Regierung gewesen wären. Als 1816 die Holländer
+zurückkehrten, „verpachteten” sie die vorhandenen Kaffeegärten an die
+Dorfgemeinden gegen eine Abgabe, die 36-53-1/3 % vom mittleren Ertrag
+der Pflanzung gleichkam; über den Rest durfte der Bauer frei verfügen,
+und konnte ihn auch für einen feststehenden Preis der Regierung
+überlassen. Da letztere aber auf diese Weise nicht genug Kaffee erhielt,
+so verbot sie später allen Europäern, Kaffee zu kaufen, und liess es
+geschehen, dass ihre Beamten, um die Produktion zu vermehren, allerlei
+Zwangsmassregeln anwendeten, so dass allmälig von der freien Arbeit und
+freien Verfügung nichts übrig blieb als der Name. -- 1832 wurde das
+Kultursystem eingeführt, wodurch die Kaffeeproduktion schnell vermehrt
+und gänzlich in die Hände der Regierung gebracht wurde. Jede Familie
+eines Bergdorfes musste binnen 4 Jahren 600 Kaffeebäume pflanzen und
+unterhalten und 2/5 der Ernte an die Regierung als Grundsteuer, 3/5 „zum
+Marktpreis” liefern. Da es gewiss sehr schwierig ist, bei gezwungenen
+Lieferungen einen Marktpreis zu ermitteln, so machte die Regierung im
+Februar 1833 bekannt, dass sie selbst den Marktpreis jährlich bestimmen
+würde. Der von ihr festgesetzte Preis wurde bis 1844 beibehalten, 1845
+ermässigt und 1858 in eine „Belohnung” verwandelt, die nach dem
+Beschluss der holländischen Kammern (Gesetz vom 2. Sept. 1854, Art. 56)
+„dem bei den Regierungskulturen beschäftigten Eingebornen bei gleicher
+Arbeit wenigstens gleichen Gewinn, als bei freier Kultur, gewähren
+sollte.” In Folge dieser offenbar im Interesse der inländischen
+Bevölkerung erlassenen Bestimmung und trotz des höheren Werthes des
+Kaffee erhielt der Bauer nun 9,20 Gulden per Pikul, d. h. 0,80 Gulden
+weniger als 1833 und 0,87 Gulden mehr als seit 1844. Der mittlere
+Marktpreis betrug damals in Java 28,73 Gulden per Pikul, so dass dem
+Bauer bei freiem Verfügungsrecht nach Abzug von 2/5 Grundsteuer noch
+immer 17,23 Gulden geblieben wären, wovon er indessen den Transport bis
+zum Hafen zu zahlen gehabt hätte. Dafür muss die inländische
+Bevölkerung die Kaffeepflanzungen nach Anweisung der Regierungsbeamten,
+die gewöhnlich keine praktische landwirthschaftliche Kenntnisse
+besitzen, oft sehr fern von ihren Dörfern anlegen und unterhalten. Sie
+müssen sich auf eigene Kosten verpflegen, ihr Haus und Feld steht
+während der Zeit verlassen. Das Risiko, ob die schwere Arbeit nach 4
+Jahren durch volle Ernten lohnen wird, ist nicht für Rechnung der
+Regierung, welche die Befehle ertheilt, sondern für Rechnung der
+Bevölkerung, welche sie ausführt. -- Kein Kaffee, keine Bezahlung; die
+Arbeit war dann vergeblich; der Regierung entgeht nur der Gewinn, den
+sie am Kaffee gemacht haben würde. Es werden jährlich Hunderttausende
+von Bäumen gepflanzt, die nie Früchte tragen und der Bevölkerung nicht
+den geringsten Lohn einbringen. Kein Wunder, wenn der Eifer bei diesen
+Arbeiten nicht gross ist.
+
+Es leidet wohl keinen Zweifel, dass die Zwangsarbeit, der im Verhältniss
+zur Mühe ungenügende Lohn, die Hauptursache des geringen Ertrages der
+Regierungspflanzungen ist, besonders bei der Unmöglichkeit einer
+ausreichenden Beaufsichtigung. Die Zahl der europäischen Kontrolöre ist
+so gering, dass sie trotz dem besten Willen und Eifer nicht den zehnten
+Theil der ihnen anvertrauten Pflanzungen gehörig verwalten können. Ihre
+Zahl beträgt etwa 200; jeder einzelne hat daher, abgesehen von den
+vielen andern ihm obliegenden Geschäften, die Aufsicht zu führen über
+1-1/2 Million Kaffeebäume und über die zuweilen gleichzeitige Arbeit von
+mehr als 2000 Menschen, in Pflanzungen, die oft meilenweit von einander
+entfernt liegen. Trotz aller Mängel, die diesem von der Regierung selbst
+betriebenen Gewerbzweig anhaften, liefert derselbe jährlich so
+bedeutende Ueberschüsse, dass man sich nicht wundern darf, wenn das
+tiefgreifende, die Grundlage der Verwaltung ausmachende System nicht
+ohne Weiteres zu Gunsten liberalerer Theorien aufgegeben wird. Es ist
+freilich berechnet worden, dass diese Ueberschüsse nur einen scheinbaren
+Gewinn darstellen, und dass die Regierung durch Verpachtung und Verkauf
+ihrer Pflanzungen an Privatleute, selbst wenn der Ertrag derselben
+dadurch nicht vermehrt würde, an Steuern und Ersparnissen viel grösseren
+Vortheil ziehen würde, als gegenwärtig, besonders wenn auch das Monopol
+der Handelsmaatschappij aufgehoben würde. Wenn die gewöhnliche Annahme,
+dass die Pflanzungen in Händen von Privatleuten den doppelten Ertrag,
+d. h. 1 ℔ per Baum liefern würden, wirklich in Erfüllung ginge, so
+wäre der Gewinn einer solchen Maassregel in die Augen springend; denn
+die 2/5, welche die Regierung als Steuer erhebt, wären = 4/5 des
+Quantums, das sie jetzt erhält, und der Gewinn an dem fehlenden
+Fünftel würde vielfach aufgewogen durch die Ersparung der gesammten
+Kulturkosten und durch die Pacht der vorhandenen Pflanzungen oder die
+Zinsen des Verkaufskapitals. Bevor aber nicht in andern Kaffeeländern
+die Produktion hinreichend gestiegen sein wird, um die Preise
+herabzudrücken und der Regierung Verlust statt Gewinn zu bereiten, ist
+eine durchgreifende Aenderung des Systems wohl nicht zu erwarten.
+
+Nach Tisch überraschte uns der gefällige Regent von Garut mit einem
+Wayang (javanisches Schattenspiel, das die Stelle des Theaters
+vertritt). Gespielt wurde in einem um wenige Stufen erhöhten, an einer
+Seite offenen Bretterhause. Auf einem darin aufgespannten grossen
+weissen Tuche erscheinen die Schatten der dramatischen Figuren, die
+äusserst zierlich aus Leder ausgeschnitten, und obgleich dem Zuschauer
+nur als Schatten sichtbar, reich bemalt und vergoldet sind. Die Gelenke
+sind beweglich. Das Stück fing vor Sonnenuntergang an und dauerte bis
+Sonnenaufgang, also ziemlich genau zwölf Stunden. Ein und derselbe Mann
+spricht die ganze Nacht hindurch den Dialog, wobei er nur zuweilen durch
+Gesang und Musik unterbrochen wird. Allein durch Genuss von Opium soll
+es ihm möglich sein, diese grosse Anstrengung auszuhalten. Das
+Schauspiel ist der javanischen Mythe entlehnt. Der Dialog wurde
+javanisch rezitirt, obgleich die Zuhörer Sundanesen waren. Da wir den
+Text nicht verstanden, so zogen wir uns bald zurück. Mehrere hundert
+Zuhörer hatten sich eingefunden und folgten der Aufführung in regster
+Spannung; trotz gelegentlicher Regenschauer hielten fast alle, auf dem
+Boden vor der Bühne kauernd, bis zum Ende aus; in dem geräumigen Hause
+standen nur drei Stühle für den Regenten und seine beiden Gäste.
+
+Als wir uns am folgenden Morgen von dem gastfreien Fürsten trennten, lud
+er uns zu einer jener berühmten Hirschjagden ein, die gegen Ende der
+trockenen Jahreszeit, nachdem die grossen mit Alang-alang-Gras
+(Saccharum Koenigii Retz.) bedeckten Flächen abgebrannt worden, in den
+Preanger Regentschaften stattfinden. Das Alang-alang erreicht eine Höhe
+von 3-5 Fuss. Grosse Strecken Landes sind namentlich im Süden der
+Preanger Regentschaften von solchen Graswüsten bedeckt, die an die
+Stelle ausgerodeter Wälder treten, sobald die Kultur in den Lichtungen
+wieder aufhört. Es sind undurchdringliche Gebiete, die zahlreichen
+Hirschen, Wildschweinen und Tigern zum Aufenthalte dienen. Gegen Ende
+der trockenen Jahreszeit pflegt man die Graswüsten zu verbrennen; dann
+finden auf dem nun zugänglichen Boden jene berühmten Hirschjagden statt,
+denen ich leider nicht beigewohnt habe, die aber der Beschreibung nach
+so interessant sind, dass sie wohl Erwähnung verdienen. Die inländischen
+Fürsten begeben sich mit zahlreichem Gefolge auf das Jagdgebiet und
+verfolgen den Hirsch auf sehr edlen, zu dem Zweck besonders
+abgerichteten Pferden, welche wegen ihrer Flüchtigkeit „Kuda-burong”
+(Vogelpferde) genannt werden; sie sind ungesattelt; der Reiter trägt
+ausser Hut und Jagdmesser nur eine kurze Hose, die so ausgeschnitten
+ist, dass er nackt auf dem nackten Pferde sitzt. Sobald ein Hirsch
+sichtbar wird, verfolgt ihn das Pferd mit dem Eifer eines Jagdhundes und
+sucht, wenn es ihn erreicht, dicht an seine Seite zu springen, worauf
+der Reiter mit einem Hiebe des Jagdmessers, der die Rippen
+durchschneidet, das Thier erlegt. In Batavia sah ich später eine solche
+Jagd auf einem grossen Oelbilde von dem talentvollen inländischen
+Künstler Raden Saleh dargestellt, der seine Kunst auf Kosten der
+holländischen Regierung bei den besten Meistern in Europa erlernt und
+nebenbei Eugène Sue das Modell zum Prinzen Djalma geliefert hat. Unser
+Regent rühmte sich, auf solche Weise bereits 127 Hirsche erlegt zu
+haben.
+
+Bei dieser Gelegenheit hörte ich auch zum erstenmal eine Geschichte,
+die mir später noch öfter von sehr glaubwürdigen Männern wiederholt
+wurde. Ein General-Guvernör fragte bei seiner Durchreise Herrn L. B.,
+einen reichen Pflanzer und grossen Tigerjäger in Salatiga, wieviel
+Tiger er schon getödtet habe? Antwort: 144. Als sich der Guvernör bei
+seiner Rückkehr nach einigen Tagen die Zahl schriftlich erbat, gab L.
+B. 148 an. „Nun wundere ich mich nicht mehr über die grosse Summe”,
+antwortete der Guvernör; „neulich waren es nur 144, und heut sind es
+148.” „Allerdings,” antwortete Herr L. B., „denn gestern habe ich
+vier Tiger erlegt.”
+
+23. Juli. Von Wanaradja setzten wir in nördlicher Richtung die Reise
+durch das Manukthal fort bis Tjihorrai, wo das Gebiet von Sumedang
+beginnt, das gleichfalls zu den Preanger Regentschaften gehört. Junghuhn
+hatte dem Assistent-Residenten unsern Reiseplan mitgetheilt und für uns
+seine Unterstützung erbeten, wie dies bei reisenden Regierungsbeamten
+üblich ist, bevor sie eine neue Provinz betreten. Danach waren alle
+Anordnungen getroffen mit einem Aufwand von Ehrenbezeugungen, von dem
+man sich in Europa keine Vorstellung macht. An der Grenze erwartete uns
+ein Trupp von dreissig uniformirten Reitern mit Fahnen. Sobald wir die
+für uns bereit gehaltenen Pferde bestiegen hatten, setzte sich der Zug
+in Bewegung. Es war ein schöner Anblick, als die bunt kostümirten Reiter
+auf den schmalen Zickzackpfaden der Bergabhänge hinter Felsen und
+Baumgruppen abwechselnd erschienen und verschwanden. An mehreren Stellen
+waren neue Brücken über die Bäche geworfen. Der Weg führte östlich in
+das Gebirge hinein. Als wir Malembong erreichten, empfing uns ausser der
+Gamelangmusik, an die wir nun schon gewöhnt waren, auch noch ein
+Sängerchor. Während der Abendmahlzeit entfalteten vor unserer Veranda
+ein Paar tanzende Rongengs ihre Reize beim Scheine des Mondes und
+einiger Dammarfackeln, von einem zahlreichen Zuschauerkreise umgeben,
+während im Hintergrunde mehrere hohe vulkanische Gipfel in die klare
+Luft emporragten. Die Tänzerinnen singen beim Tanzen javanische,
+gewöhnlich improvisirte Strophen. Zuweilen kommt im Gesang etwas
+ergreifend Wildes vor, das auch für europäische Ohren Reiz hat.
+
+24. Juli. Von Malembong nördlich nach Pawenáng. Hier hält der Wagen
+still. Ein Trupp Reiter wartet auf uns, um uns ins Gebirge zu begleiten,
+worauf wir im Wagen den Weg nach Sumedang, der Hauptstadt des Distrikts,
+fortsetzen. Auf allen Stationen steht für uns der Tisch gedeckt, das
+Mittagessen fertig. Wir entscheiden uns endlich für Derma-radja, wo
+wilder Pfau, appetitliche malayische Karis und mannigfaltige Sambals uns
+anlockten.[73] Der Bedana, der hier die Honneurs machte, ein hübscher
+junger Mann, war der Sohn und muthmassliche Nachfolger des Fürsten von
+Garut. Seine Höflichkeit war zwar eben so gross, als die der übrigen
+Bedanas, doch sprach sich dabei gleichzeitig unverkennbar eine gewisse
+Vornehmheit aus. In Sumedang schickte der Regent seinen Wagen mit einer
+Einladung zu einem malayischen Ballet, die mit Vergnügen angenommen
+wurde, da seine Bedajas (Privattänzerinnen) die berühmtesten im ganzen
+westlichen Java sind. Der Fürst, ein mit 36 Kindern gesegneter
+Familienvater, von denen zehn oder zwölf der Jüngsten in reichen,
+goldgestickten Kostümen anwesend waren, empfing uns in seinem Palast an
+dem Ende eines langen Saales; er war äusserst liebenswürdig gegen seine
+Gäste, und entwickelte dabei eine gewisse Frivolität, wie ich sie selbst
+bei einem ~javanischen~ Muhamedaner nicht vermuthet hätte. Es fanden
+sich noch mehrere Europäer ein, und als die Gäste vollzählig waren, gab
+er das Zeichen zum Anfange.
+
+Vier Tänzerinnen mit goldenem, helmartigem Kopfputz, oranienrother Jacke
+ohne Aermel und einem blau und weiss gestreiften Sarong, der bis zum
+Boden reicht, traten in zwei Paaren am andern Ende des Saales ein. Sie
+hatten Lanzen in den Händen und gingen mit niedergeschlagenen Augen
+feierlich um den ganzen Saal. Bei jedem Schritt machten sie Halt und
+verneigten sich nach der einen und andern Seite. Sobald dieser Umgang
+vorüber, schlug die Musik eine muntere Weise an, der ein lebhafterer
+Abschnitt des Tanzes folgte. Der dritte Abschnitt stellte eine
+Herausforderung dar. Die Tänzerinnen trugen dabei Pfauenwedel, mit denen
+sie einander verächtlich berührten. Darauf folgte der Kampf, wobei Kris,
+Pfeil und Bogen angewendet wurden; er schloss damit, dass zwei
+Tänzerinnen, als die Besiegten, niedersanken. Der letzte Akt schien
+Trauer und Reue über das Vorgefallene auszudrücken. Leider konnte keiner
+der Anwesenden die Bedeutung des Tanzes genauer erklären. Jeder
+Abschnitt hatte seine besondere Musik, die zuweilen sehr ergreifend und
+hinreissend war, einige male fiel auch ein Sängerchor ein.[74] Der ganze
+Tanz war ungemein feierlich und ist gewiss religiösen Ursprungs. Alle
+Bewegungen waren graziös und ausdrucksvoll, aber gemessen; der Ausdruck
+des Gesichts blieb immer schwermüthig und sehr ehrerbietig, drückte aber
+eben so wenig die wirkliche Stimmung der muthwilligen Mädchen aus, als
+das stereotype Lächeln unserer Ballettänzerinnen nach anstrengenden
+Sprüngen dies thut. Die nackten Füsse waren sehr schön geformt, klein
+und so wohl gepflegt, wie die Hände eleganter Damen. Zwei Mädchen hatten
+recht hübsche Gesichter, alle waren wohl gewachsen. Wahrscheinlich
+stammen diese Bedajas noch aus der Hinduzeit, auch erinnert der Kopfputz
+sehr an die Wayangfiguren.
+
+Bei dem Assistent-Residenten sah ich eine Sammlung auf Java gefundener
+Alterthümer: Bronzen von zum Theil vorzüglicher Arbeit, die einen hohen
+Zustand der Kunst verriethen (die aber vielleicht von ausserhalb
+eingeführt waren), und eine Sammlung von Waffen, Geräthschaften und
+Schmucksachen aus Kiesel, welche, wie ich erfahren habe, jetzt nach
+Leyden gekommen sind, und als Proben eines unserer Steinzeit parallelen
+Zeitalters auf Java von hohem Interesse für Archäologen sein dürften.
+
+
+
+
+Drittes Kapitel.
+
+ Reise nach dem Malabar. -- Cinchonenpflanzungen daselbst. --
+ Cinchonenbau in Java und Vorderindien. -- Tischchen deck dich. --
+ Bambus. -- Gärtnerei. -- Pangerango.
+
+
+In Sumedang trennte ich mich von meinem bisherigen so gefälligen
+Reisegefährten, kehrte nach Bandong zurück und schloss mich Herrn de
+Vrij an, der eine Dienstreise nach Gedong-banteng, einer mitten im
+Urwalde auf dem Malabar (nach Junghuhn: Malawar) angelegten
+Chinapflanzung machte, die er aus Gefälligkeit bis zu meiner Ankunft
+verschoben hatte. Die Ebene von Bandong wird im Süden zum grossen Theile
+von den Vorbergen des Malabar begrenzt, der sich von einer sehr breiten,
+fast quadratischen Basis in sanfter Neigung über 7000 Fuss erhebt. Im
+Osten scheidet ihn das enge, gewundene Thal des Tjitarum von dem
+Gebirgszug, auf dessen östlichem Abhang die früher besuchte Kawa-manuk
+liegt, und dessen südliches Ende der Papandayan und sein grosser
+Trümmerberg bildet. Der an der südöstlichen Ecke des Malabar im tiefsten
+Urwald entsprungene Tjitarum wächst durch Aufnahme vieler Bergwässer so
+schnell, dass wir vor der nordwestlichen Ecke desselben Berges auf einer
+Fähre übersetzen mussten. Im Galopp ging es dem Berge zu. Ein kleiner
+Schaden am Wagen war unterwegs schnell ausgebessert; Bambusen stehen
+überall zur Hand, sie lieferten Schienen und Hebebäume; ein
+gelbblühender Hibiscusbaum, den man auch gewöhnlich an der Strasse
+findet, gab seinen zähen Bast zu Stricken. Der Javane trägt auf Reisen
+stets sein Haumesser an der Seite; es ist in seinen Händen ein
+Universalinstrument, vermittelst dessen er den Bambus allen seinen
+Bedürfnissen anzupassen weiss. Den letzten Theil des Weges legten wir zu
+Pferde zurück. Zuerst durch Kaffeegärten, dann durch Urwald reitend,
+erreichten wir Tjiníruan, wo in 4820' Höhe eine Chinapflanzung angelegt
+ist, deren nähere Besichtigung auf morgen verschoben wurde, da wir noch
+vor Sonnenuntergang den Gipfel des Berges erreichen wollten. Die
+Eingebornen nennen ihn Puntjak tuwan besar: „Gipfel des grossen Herrn”,
+weil ihn der General-Guvernör im Jahre vorher gelegentlich eines Besuchs
+der Chinapflanzungen erstiegen hatte. Dies ist auch der Grund, warum ein
+bequemer Reitweg mitten durch den Urwald bis auf die Spitze führt, deren
+Höhe nach einer oben aufgestellten Tafel 7200 Fuss beträgt und einen
+grossartigen Rundblick gewährt: aus dichten, zum Theil nie betretenen
+Wäldern, deren dunkles Grün im Norden durch die Kulturebene von Bandong
+unterbrochen wird, steigt ein ganzer Kranz von Vulkanen empor.
+Gunong-guntur und -papandayan sind mit Dampfsäulen geschmückt; eine
+andere, die südwestlich aus dunklem Walde hervorbricht, bezeichnet die
+Solfatara des Gunong-wayang; in grösserer Ferne erblickt man die Vulkane
+Tjikorai, Gelungung, Gedeh, Tjerimai und Slamat. Mit einbrechender
+Dunkelheit kehrten wir nach Gedong-banteng zurück, wo ein gemüthliches
+Haus mitten im Walde für die Inspektoren der Chinapflanzungen steht. Wir
+brachten einen höchst angenehmen Abend inmitten der grossartigen
+Einsamkeit zu, die erst spät durch vier alte Rongengs gestört wurde,
+welche der Distrikthäuptling aus besonderer Aufmerksamkeit gegen seine
+fremden Gäste von weither herbeigeschafft hatte.
+
+Am folgenden Tage besichtigten wir die Cinchonapflanzungen, die in
+verschiedenen Höhen auf dem Malabar angelegt sind, sowie die
+Gewächshäuser, in denen lange Reihen von Töpfen mit Stecklingen und noch
+viel grössere Mengen von Bambusgefässen mit je einem Samen zum Keimen
+aufgestellt waren. Ueberall war musterhafte Ordnung, Sorgfalt, ohne
+Rücksicht auf Kosten, und das ernste Streben sichtbar, alle Hindernisse
+zu überwinden, die sich bisher der Akklimatisation dieser werthvollen
+Bäume entgegengestellt hatten. Das Ergebniss hat aber den aufgewendeten
+Mitteln nicht entsprochen. Die Ursache wird mit Recht der Kulturmethode
+zugeschrieben, doch liegt sie noch weit mehr im „Kultursystem”, durch
+welches der Fehler, auf den man bei einem ersten Versuch gefasst sein
+musste, so ausserordentlich vergrössert wurde. Die Engländer, die
+mehrere Jahre später Cinchonen von Südamerika nach Indien brachten in
+der Absicht, den Anbau derselben Privatleuten zu überlassen, hatten
+einen überaus glänzenden Erfolg, der in diesem Maasse freilich nur durch
+Zusammentreffen nicht vorherzusehender Umstände herbeigeführt werden
+konnte. Ihre Aussichten waren aber gleich von vornherein viel günstiger:
+denn im Fall des Misslingens hätte es sich nur um einen verfehlten
+Versuch im Kleinen gehandelt, und für das Gelingen desselben war die
+Wahrscheinlichkeit weit grösser als in Java; denn unter den vielen, über
+die verschiedensten Lokalitäten vertheilten intelligenten Privatleuten,
+denen man im Falle eines ersten Misslingens die Pflanzen zu weiteren
+Versuchen überlassen haben würde, wäre es doch wohl dem Einen oder dem
+Andern geglückt, eine passende Kulturmethode zu finden -- (genau so ist
+es mit dem Theebau in Indien gegangen, der zuerst fehlschlug und jetzt
+so glänzende Resultate giebt) -- und ebenso war die fortschreitende
+Verbesserung der Methoden durch die Strebsamkeit vieler an der Kultur
+Betheiligten gesichert. Die fast gleichzeitige Einführung der
+interessanten Pflanzen in beide Länder, und die Verschiedenheit der
+Ergebnisse, in Folge der verschiedenen befolgten Systeme sind
+selbstredend. Als im December 1854 die ersten Cinchonen aus Holland in
+Java eintrafen,[75] wurden sie von den Herren Hasskarl und Teysmann in
+einer Lichtung auf dem Gedeh in 4400' Höhe gepflanzt. Die Wahl des Orts
+war, wie spätere Erfahrung lehrte, eine sehr unglückliche. Die grosse
+Trockenheit und grelle Sonne in so geringer Meereshöhe und der
+felsharte, nur von einer dünnen Erdschicht bedeckte Untergrund wirkten
+so verderblich, dass nach 18 Monaten nur noch 300 kränkelnde Pflanzen
+übrig waren. Im Dezember 1855 brachte Junghuhn 139 im botanischen Garten
+von Leyden gezogene junge Pflanzen nach Java und übergab sie Herrn
+Hasskarl; sechs Monate später waren 76 davon todt. Im Juni 1856 nahm Hr.
+Hasskarl wegen Krankheit seinen Abschied; Junghuhn erhielt selbst die
+Leitung, zugleich kam Dr. de Vrij als Chemiker nach Java und wurde mit
+bei der Chinakultur angestellt.[76] Nun begann ein neues System; Geld
+wurde nicht geschont, und es wurde befohlen, dass die Kultur bis zum
+völligen Gelingen unter der Leitung wissenschaftlicher Männer bleiben,
+dann aber in den gewöhnlichen Betrieb der Provinzialregierungen
+übergehen sollte. 1857 blühten einige C. Calisaya und C. Pahudiana, 1858
+trugen sie Samen. Die Samen von C. Calisaya, einer anerkannt
+vorzüglichen Art, reiften aber nicht in so geringer Meereshöhe, während
+C. Pahudiana reichlich Samen lieferte und auch viel üppiger wuchs als
+jene. Diese Umstände verleiteten Junghuhn, dem es darum zu thun war,
+schnell eine grosse Menge Pflanzen zu erhalten, letztere fast
+ausschliesslich zu kultiviren und die guten Arten zu vernachlässigen,
+obgleich die C. Pahudiana jedenfalls von zweifelhaftem Werth war.
+Hasskarl hatte sie als C. ovata bestimmt, Junghuhn, der den Fehler
+entdeckte, nannte sie C. lacumaefolia, nach einer eingebildeten
+Aehnlichkeit mit dieser Spezies von Pavon; erst Howard, der berühmte
+Monograph der Cinchonen, erkannte sie als eine neue, unbeschriebene Art
+und nannte sie dem General-Guvernör zu Ehren C. Pahudiana. Das
+Hauptversehen in Java war die ungeheure Vermehrung dieser Art, die von
+Markham durchaus werthlos genannt wird: auch wollte kein Händler ihre
+1862 auf die Londoner Ausstellung gesandte Rinde kaufen. De Vrij's
+Urtheil ist nicht ganz so ungünstig.[77]
+
+Folgendes war Junghuhn's Kulturmethode: Blumentöpfe, aus
+Bambusinternodien bestehend, wurden mit fein gesiebter Erde gefüllt und
+im Innern des Waldes in Beete von aufgeschütteter Erde eingesetzt, die
+an den Abhängen der Gebirge terrassenförmig angelegt waren. Ein Dach von
+trockenem Grase, von Stangen getragen, hoch genug, um Seitenlicht
+einzulassen, schützte die Töpfe gegen herabfallende Regentropfen. Diese
+Saatbeete waren von 200-500 Fuss Länge und zogen sich in parallelen
+Reihen, wie Stufen eines Amphitheaters, zwischen den Bäumen hin. Jeder
+Topf enthielt nur einen Samen. Die Erde wurde immer feucht gehalten,
+indem sie zweimal täglich durch Ausdrücken eines Schwammes angewässert
+wurde. Die Töpfe blieben in den Saatbeeten stehen, bis die Pflanzen etwa
+einen halben Fuss hoch waren, was ungefähr 8 Monate erforderte, und
+wurden während dieser Zeit alle 5 oder 8 Tage gewendet, um das
+Krummwachsen der Pflanzen zu verhüten.
+
+Zum Zweck des Anpflanzens wurden einige schöne, gerade Hauptwege längs
+der Bergkämme durch den Wald geschlagen und in Entfernungen von 25 Fuss
+durch Querpfade verbunden. An den Seiten dieser Fusswege waren tiefe
+Gräben gezogen und mit gesäuberter Erde gefüllt, so dass etwas erhabene
+Bänke mit Rinnen zur Ableitung des Regenwassers entstanden. Die jungen
+Pflanzen wurden in die lose Erde dieser Bänke gesetzt, worauf 4 starke
+Pfähle in den Boden getrieben und 4 oder 5 Fuss über der Spitze der
+Pflanze fest verbunden wurden. Dies sollte sie ein paar Jahre lang gegen
+herabfallende Zweige, tropfendes Wasser und wilde Thiere schützen. Auf
+diese Weise hatte man Tausende von Fusswegen durch die Wälder geschlagen
+und mit Cinchonabäumen bepflanzt.
+
+Junghuhn hatte den entgegengesetzten Fehler von Hasskarl begangen; man
+weiss jetzt, dass sein Verfahren, die Pflanzen in den dichten Schatten
+der Wälder zu setzen, ganz falsch war, da sie Luft und Licht bedürfen,
+um reichlich Alkaloide zu bilden. Ebenso ist es jetzt ausgemacht, dass
+die Behandlung der Samen der Grund war, warum so wenige keimten. Der
+Versuch, die Pflanzen durch Stecklinge zu vermehren, gab in Java sehr
+ungünstige Resultate, weil die Stecklinge viel zu gross waren. Wäre man
+in Java auf die später von Mac Jvor in Ootacamund mit grossem Erfolg
+angewandte Methode verfallen, zur Vermehrung sehr kleine Ableger und
+Knospen zu benutzen, so könnte man dort jetzt Millionen von Calisayas
+statt werthloser Pahudianas besitzen.
+
+Der Cinchonabau begann in Java im Dezbr. 1854; im Dezbr. 1860 besass
+man: 8346 C. Calisaya, 108 C. lancifolia, 939,827 C. Pahudiana, zusammen
+948,281; ausserdem waren 700,264 Samen ausgesäet. Während die Holländer
+nach 6 Jahren mit Ausnahme der fast werthlosen C. Pahudiana nur 8454
+Pflanzen besassen, erzog Herr Mac Jvor, der Dirigent der Pflanzungen in
+Ootacamund (Neilgherries) in wenig mehr als einem Jahr 9732 Pflanzen,
+ohne mehrere Hundert zu rechnen, die nach Java, Kalkutta, Trovancore
+gesandt wurden. Mac Jvor erlangte seine Erfolge durch eine der
+beschriebenen gerade entgegengesetzte Methode; er hielt den keimenden
+Samen sehr trocken, pflanzte die Sämlinge in grosser Meereshöhe und
+vermied namentlich den tiefen Schatten der Wälder.
+
+An offenen Stellen wachsen die Pflanzen gut, geben reichlich Samen,
+bilden eine dicke Rinde, reich an Arzneistoffen, während sie im Schatten
+von Waldbäumen dünn und schwach in die Höhe schiessen und wenig Chinin
+entwickeln.[78] Es ist eine anerkannte Thatsache, dass alle
+Cinchonaarten den höchsten Prozentgehalt an Alkaloiden liefern, wenn sie
+in der grössten Meereshöhe wachsen, in der sie überhaupt noch gedeihen.
+Die strauchartigen Pflanzen sind besonders ergiebig, wenn ihr
+verkrüppelter Wuchs durch die grosse Meereshöhe des Standorts veranlasst
+ist. Die Engländer haben sich daher entschlossen, die Cinchonen als
+Sträucher zu kultiviren, etwa wie Zimmet, so dass jährlich geerntet
+werden kann. Die holländische Methode, im Schatten hoher Waldbäume zu
+pflanzen, weil die Bäume angeblich in ihrer Heimath so gefunden werden,
+ist schon deshalb verwerflich, weil es 30 Jahre dauert, bis die Rinde
+benutzt werden kann und sie immer sehr dünn und arm bleibt. Aber selbst
+wenn sie dann reich an Alkaloiden wäre, so würde der Nutzen der
+Einführung ein sehr fraglicher sein, denn die entfernte Möglichkeit
+einer reichen Ernte nach 30 Jahren würde in gar keinem Verhältniss
+stehen zu den enormen Ausgaben der ersten Anlage, und welcher Privatmann
+möchte wohl jemals ein Produkt bauen wollen, das nur alle 30 oder 40
+Jahre einen einmaligen Ertrag verspricht!
+
+Ueber den Fortschritt der Chinakultur in Indien meldet das Athenaeum vom
+6. Juni 1863: „Herr Mac Jvor hat im Vermehren und Aufziehen der
+Cinchonen solchen Erfolg gehabt, dass die unter seiner Leitung stehenden
+Pflanzungen jetzt in der Lage sind, Tausende von jungen aus Stecklingen
+gezogenen Pflanzen[79] an öffentliche Gesellschaften abzulassen, die
+sich gebildet haben, um sie für den Handel anzubauen”. Herr Howard
+erklärt, dass alle von kleinmüthigen Botanikern gehegten Befürchtungen,
+als würden in Ostindien künstlich gezogene Cinchonen nicht dieselben
+Alkaloide enthalten, wie die in Südamerika natürlich gewachsenen, ohne
+Grund sind;[80] er findet nicht den geringsten Unterschied. Herrn
+Markham's Bemühungen sind also mit vollem Erfolg gekrönt worden.
+
+Ausser auf mehreren Gebirgen Ostindiens schreitet der Anbau auch auf
+Ceylon schnell fort und wird immer mehr Gegenstand der Privatindustrie,
+da er grösseren Vortheil verspricht als der Kaffeebau. -- Herr de Vrij,
+der die Cinchonapflanzungen in den Neilgherries im Nov. 1863 gründlich
+untersuchte, theilt über Herrn Mac Jvor's Erfolge noch Nachstehendes
+mit: Im April 1861 hatte M. J. 463 junge Pflanzen und 172 einen Monat
+alte Sämlinge, zusammen 635. Durch Stecklinge und Knospen vermehrte er
+sie so, dass ihre Anzahl am 31. Dec. 1863 277,083 betrug. Eine einzige
+5' hohe Pflanze von C. Uritusinga, die Hr. Howard der englischen
+Regierung geschenkt hatte, kam kränkelnd im April 1862 in Ootacamund an,
+sie erholte sich Ende Mai und hatte Ende Decbr. 1863 bereits 6350 junge
+Pflanzen geliefert. Mac Jvor fand ein Mittel, die Samen durchschnittlich
+in 14 Tagen zum Keimen zu bringen. -- Derselbe hat Herrn de Vrij
+brieflich mitgetheilt, dass er vor Ende Dec. 1865 im Stande sein werde,
+zwischen 3000 und 5000 ℔ Chinarinde als Ertrag der Neddiwultum-Pflanzung
+zu liefern, in welche im Herbst 1862 16000 Pflanzen ausgepflanzt wurden.
+Nach dem englischen System, die Pflanzen als Sträucher auszubeuten,
+verzinst sich das Anlagekapital nach höchstens 4 Jahren und giebt dann
+zunehmenden Ertrag, so dass bereits viele Privatleute veranlasst worden
+sind, diese Kultur für eigene Rechnung zu versuchen. Im Herbst 1861
+wurde die weitere Vermehrung der C. Pahudiana auf Java durch
+Regierungsbeschluss untersagt. Nach einem Bericht des jetzigen
+Vorstehers der Chinakultur (Tijd. v. N. I. Febr. 1866) ist gegenwärtig
+unter den Pahudianas grosse Sterblichkeit eingerissen, man scheint aber
+nicht Lust zu haben, den Ausfall zu ersetzen; dagegen schlägt man
+Oeffnungen in die Wälder, um den Calisayas Luft und Licht zu geben, und
+ist bestrebt, diese zu vermehren; ihre Anzahl ist aber immer noch sehr
+gering.
+
+Nach Dr. Hooker's Berichte (Athenaeum 17. März 1866) sind von Ceylon
+reife Cinchonensamen über Kew nach Jamaica, Trinidad, Mauritius, dem Kap
+der guten Hoffnung, Queensland gesandt worden. In Trinidad und
+Queensland werden die Calisayas schon mit vollständigem Erfolg
+kultivirt. Den Holländern gebührt zwar das Verdienst, die Cinchonen
+zuerst auf die östliche Halbkugel übersiedelt zu haben (ein früherer
+Versuch der Franzosen, sie in Algier einzuführen, war misslungen), die
+Engländer haben aber diese werthvollen Pflanzen eigentlich erst zu einem
+Gegenstande des Landbaus gemacht und sie über fast alle Länder
+verbreitet, in denen sie gedeihen können.
+
+Bei einer Reise, die wir vom Malabar aus südlich unternahmen, war durch
+ein Versehen des betreffenden Beamten keine Meldung vorausgegangen. Wir
+fanden daher die Waldwege in ihrem gewöhnlichen Zustande. Acht Stunden
+lang kletterten wir über schlüpfrige Thonrücken und erreichten
+Pamorotan, das zur Frühstückstation bestimmt war, erst so spät
+Nachmittags, dass die Weiterreise für heut aufgegeben werden musste.
+Hier stand ein geräumiger, aber ganz verödeter Pasanggrahan, da
+dergleichen Gebäude an so abgelegenen Orten nur, wenn ein Kulturbeamter
+die Station besucht, für ihn eingerichtet werden. Weil wir nicht
+angemeldet waren, stand alles leer. Einige Reiter, die uns begleitet
+hatten, sprengten nach verschiedenen Richtungen, um etwas für unsere
+Mahlzeit herbeizuschaffen; wir stiegen inzwischen das steile Ufer des
+Tjilaki hinab und kletterten durch sein felsiges Bett unter riesigen
+Waldbäumen umher. Diese Gegend ist sehr spärlich bevölkert. Dichter Wald
+fasst den Fluss ein, der zwischen grossen Felsblöcken dahinrauscht. Es
+herrschte grosse Einsamkeit, aber keine Stille. Wer plötzlich mit
+verbundenen Augen dahin versetzt würde, könnte sich in der Nähe einer
+grossen Fabrik glauben; so laut und gellend klang das Geräusch der
+Insekten. Besonders unangenehm und alles übertönend war ein schriller
+Laut, der täuschend wie das Geräusch einer Schleifmühle klang. Andere
+Insekten schienen das Schnurren vieler hundert gezahnter Räder in
+schneller Bewegung nachzuahmen. Das Tosen des Wassers vervollständigte
+die Illusion. Nie wieder habe ich ähnlichen Lärm in einem Walde gehört.
+
+Als wir nach kaum zwei Stunden den Pasanggrahan wieder betraten, fanden
+wir Alles wie durch Zauber verändert. Das vorher so stille Gehöft war
+jetzt voll Leben und Thätigkeit, und noch immer kamen neue Züge von
+Kulis und trugen allerlei Gegenstände der Bequemlichkeit herbei. In den
+Schuppen waren die Pferde der Häuptlinge untergebracht; auf dem Hofe
+brannten mehrere Feuer, an denen emsig gekocht und gebraten wurde. Eine
+grosse Anzahl Arbeiter waren beschäftigt, frisch gefällte Bambusen
+vermittelst ihrer Haumesser in allerlei Möbel, Haus- und Küchengeräth zu
+verwandeln. Zwei grosse bequeme Lehnstühle waren bereits vollendet, und
+eben wurde die letzte Hand an einen Tisch gelegt, dessen Platte aus
+Bambussplissen bestand. Als Leuchter dienten Bambusen von entsprechendem
+Durchmesser, die einen Zoll hoch über einem Knoten abgeschnitten waren,
+während das entgegengesetzte längere Ende in drei Theile gespalten,
+auseinandergespreizt, durch Querstäbe verbunden und mit einem Stein
+beschwert, den Fuss bildete. Andere Arbeiter waren beschäftigt, das Dach
+auszubessern. In dem länglich viereckigen, vorher so unwohnlichen Raum,
+der uns zum Aufenthalt dienen sollte, waren an beiden Enden durch bunte
+Vorhänge zwei kleine Gemächer abgetrennt worden; in jedem stand bereits
+ein Bett aufgeschlagen; der ganze mittlere Theil, unser Salon, war mit
+weichen Pandanusmatten belegt, und sobald wir gebadet, wurde auf dem nun
+vollendeten Tische ein vortreffliches Essen aufgetragen mit sehr
+mannigfaltigem Dessert, worauf Kaffee mit Cognac folgte. Es war fast wie
+das „Tischchen deck' dich” im Mährchen.
+
+Je länger man in diesen Ländern verweilt, um so mehr wächst das
+Erstaunen über die unzähligen nützlichen Verwendungen einiger Pflanzen,
+unter denen der Cocospalme und dem Bambus wohl die erste Stelle gebührt.
+Aus Bambus baut der Javane sein Haus, aus Bambus bestehen alle seine
+Möbel; in einer Bambusröhre, die dabei zwar verkohlt, aber nicht
+verbrennt, kocht er auf Reisen seinen Reis an einem Bambusfeuer, wenn er
+nicht etwa vorzieht, junge Bambustriebe, die ein sehr schmackhaftes
+Gemüse geben, darin zu kochen.
+
+Wie schon mehrmals angedeutet, besteht oft das ganze Gerüst des Hauses
+aus Bambus; die Wände aus plattgedrückten geflochtenen Halmen; die
+Dächer werden zwar gewöhnlich mit Palmenblättern oder Gras gedeckt, aber
+auch mit Bambusschindeln, die wie Hohlziegel gelegt werden. Einige mit
+Wasser gefüllte, von der Dachfirste paarweise herabhängende geräumige
+Internodien bilden einen stets bereiten Löschapparat. Schuppen, Ställe,
+Scheunen, fast sämmtliches Ackergeräth, sowie der Zaun um das Gehöft,
+bestehen aus Bambus.
+
+In einem unter dem Dach horizontal aufgehängten, an einem Ende mit einem
+Loch versehenen Halm siedelt sich die kleine stachellose Biene an, die
+dem Javanen das Wachs liefert, das er, wie später beschrieben werden
+soll, bei dem Färben seiner Sarongs gebraucht. Zuweilen ist in einem
+ganzen Dörfchen kaum ein anderes Material verwendet; der zierliche Zaun,
+der es umgiebt, die Thore an beiden Enden, mit erhöhten Bänken, auf
+welchen die Wache lagert, alles ist aus Bambus; neben letzterer hängt in
+mehreren Exemplaren ein eigenthümliches Instrument zum Fangen der Diebe
+und Bösewichte; es besteht aus zwei armdicken Bündeln dünner
+Seitenzweige des dornigen Bambus, die gabelförmig an einer Stange
+befestigt sind und dazu dienen, den Verfolgten am Halse zu packen.
+
+In vielen malayischen Ländern, wo der Fluss die einzige Strasse durch
+den dichten Wald bildet, erheben sich am Ufer und namentlich an den
+schlammigen Mündungen Gruppen von Hütten auf Pfählen (vergl. die Ansicht
+von Rochor). Wie bei den alten Pfahlbauten sind sie häufig durch eine
+gemeinschaftliche Gallerie verbunden. Wenn nicht zu den Pfählen
+Palmenstämme (gewöhnlich Caryota urens) verwendet sind, so besteht Alles
+aus Bambus. Nirgends springt einem die Bequemlichkeit des Lebens der
+Tropenbewohner mehr in die Augen, als in dergleichen Ansiedelungen.
+(vergl. S. 50 unten.)
+
+Fast die ganze mehrere hunderttausend Seelen betragende Bevölkerung der
+Hauptstadt von Siam lebt in Häusern, die auf Bambusflössen schwimmen,
+und in meilenlangen Reihen zu beiden Seiten des Flusses und der Kanäle
+am Ufer festgemacht sind. Gefällt Einem seine Nachbarschaft nicht, so
+schwimmt er mit der Ebbe oder Fluth stromab- oder aufwärts.
+
+Für alle Arten von Gestellen, Gerüsten, Gittern, Rahmen ist der Bambus
+unübertrefflich; ausser der gewöhnlichen Leiter erhält man eine etwas
+weniger bequeme, aber viel tragbarere durch blosses Einhauen von Löchern
+in den Halm. Er liefert ebensowohl die zierlichen Käfige für kleine
+Singvögel oder Prachtkäfer, als auch die grossen, in denen bei
+Festlichkeiten Tiger und Büffel kämpfen. Soll in Hongkong ein grosses
+steinernes Haus gebaut werden, so führt man erst ein den äusseren
+Umrissen ähnliches grösseres Gebäude aus Bambus auf, und deckt es mit
+Bambus- oder Palmenblättern, unter deren schützendem Dache dann die
+Arbeit, unbehindert durch Regen oder Sonnengluth, um so schneller
+fortschreitet. Steinerne Theater sind, wie ich glaube, in ganz China
+nicht vorhanden; selbst das Theater in Canton, das eine grosse
+Zuschauermenge fasst, bestand nur aus Bambus.
+
+Allerlei Hausrath, Stühle, Tische, Webestühle, Betten sind von Bambus;
+das lange krause Geschabsel dient zum Polstern; kühlere und elastischere
+Kissen erhält man, indem man eine feine Bambus- oder Rotangmatte über
+zwei in ihren Mittelpunkten an den Enden eines Stabes befestigte
+Scheiben straff spannt. Nicht nur die Hütte der Armen ist mit Bambus
+möblirt, auch in der Wohnung des Reichen findet man ihn in Form bequemer
+Schlummerstühle und in allerlei zierlichen Geräthschaften wieder. Vor
+der Veranda hängen Rollvorhänge aus feingespaltenen, durch Seidenfäden
+an einandergeknüpften Stäbchen, die zwar die Luft durchlassen, aber,
+namentlich wenn sie dunkelgrün gefärbt sind, das Licht angenehm dämpfen.
+Dort findet man auch die zierlichsten Körbchen und künstlich geschnitzte
+Becher. Die lackirten Bambusdosen von Birma sind berühmt und in
+Palémbang überzieht man Körbe aus dünnen Bambusspähnen mit einem Lack,
+der so elastisch ist, dass man sie völlig umstülpen kann, ohne dass
+Sprünge entstehen.
+
+Ein Span von keilförmigem Querschnitt, dessen scharfe Kante von der
+kieselreichen äusseren Schicht gebildet wird, giebt ein sehr scharfes
+Messer; bei den feinen Piña-Webereien benutzt man nie ein anderes. Auch
+zu chirurgischen Operationen wird es verwendet. Dieselbe äussere Schicht
+liefert aber nicht nur ein scharfes Messer, sondern auch einen sehr
+wirksamen Wetzstein, um eiserne Messer zu schärfen.
+
+In China wird das meiste Papier aus Bambus erzeugt, auch das in Europa
+für Kunstdrucke so geschätzte. Bei den Pinseln, die in China die
+Schreibfedern vertreten, bestehen die Schäfte aus Bambus; gröbere Pinsel
+macht man sich leicht, indem man das eine Ende eines Bambussplints so
+lange mit dem Hammer klopft, bis sich die einzelnen Längsfasern
+trennen.[81]
+
+Für die Jagd und den Krieg liefert der Bambus Blasröhre, aus denen
+vergiftete Pfeile geschossen werden, Pfeilschäfte und Pfeilspitzen,
+Lanzen, Palissaden, spanische Reiter, auch Fusslanzen (6'' bis 2' lange,
+zugeschärfte Bambusspiesse, die so in den Boden gesteckt werden, dass
+nur die Spitzen hervorragen, welche mit Spreu oder lockerer Erde
+bedeckt, dem barfüssigen Feinde gefährliche Wunden beibringen). Der
+Dornenbambus, eine bis 40' hohe, sehr dickbuschige, vielverzweigte,
+überall mit scharfen Stacheln bewehrte Art, bildet einen
+undurchdringlichen Wall, gegen den selbst Artillerie kaum etwas vermag,
+so dass die Holländer, durch ihre Erfahrungen im Kriege gegen die Padrys
+auf Sumatra belehrt, ihn jetzt immer um ihre eigenen Festungen pflanzen.
+
+[Illustration: BAMBUSBRÜCKE. JAVA.]
+
+Dem Fischer liefert der Bambus unübertreffliche Flösse, Masten,
+Segelstangen, Spreitzen für Mattensegel, Reusen, Fangkörbe, Speere zum
+Spiessen grosser Fische und „Ausleger”, um sein schmales Boot gegen
+Umschlagen zu schützen. Zu diesem Zwecke wählt man etwas bogenförmige
+Halme, die dem Boot parallel, die konvexe Seite nach unten, in
+Entfernung einiger Ellen vermittelst zweier Querstangen befestigt
+werden. Je nach der Stärke des Windes taucht das Rohr auf der Leeseite
+mehr oder weniger tief ein und stützt das Fahrzeug. Die Verwendung des
+Bambus zu Brücken geht am besten aus den Zeichnungen hervor,[82]
+ausserdem aber baut man auch solche, die flossartig im Wasser liegen. In
+Bambusen, deren Enden in einander gefügt sind, leitet man das Wasser
+grosse Strecken weit über Berg und Thal.
+
+Eine kletternde, sehr zähe, dünne Art liefert gespalten, allerlei feines
+Flechtwerk, auch Stricke, sogar Säcke. Ja selbst Jacken machen die
+Chinesen aus einer kleinen Art, indem sie die Seitentriebe von der Dicke
+eines Rabenkiels in halbzoll lange Stücke schneiden, wie Schmelzperlen
+auf Fäden ziehen und zu quadratischen Maschen verknüpfen. Chinesische
+Stutzer tragen gern dergleichen Jacken auf dem blossen Körper, um ihr
+weisses baumwollenes Gewand gegen Schweiss zu schützen. Aus
+Bambusblättern bestehen die Regenmäntel der Armen und die groben
+Regenschirme der Höker. Die unter dem Namen Pfefferrohr in Deutschland
+bekannten Stöcke und Regenschirmstiele sind Bambus. Bei den chinesischen
+und japanischen Schirmen besteht das ganze Gestell aus Bambussplissen,
+und der Ueberzug aus gefirnisstem Papier.
+
+Geht man in den Wald auf eine Exkursion, so sind die Kulis schwer zu
+bewegen, Tragkörbe mitzunehmen, da eine Bambuse alles Nöthige liefert,
+um Körbe, Kiepen, Tragen u. s. w. in kürzester Zeit zu flechten. Zur
+Bewahrung kleiner oder flüssiger Gegenstände dienen unmittelbar die
+Internodien. Auch die amtlich geaichten Maasse für Flüssigkeiten und
+Körner bestehen daraus.
+
+In einem Bambusbusch stecken Musikinstrumente für ein ganzes Orchester.
+Am naheliegendsten ist die Verwendung zu Flöten und Pfeifen, Wie die
+Mintras Gitarren daraus machen, ist bereits erwähnt. Auch die
+abscheuliche chinesische Fidel „hii-ïeng” besteht aus Bambus. (In ein
+3-4'' langes, 2'' dickes, an einem Ende mit einer Schlangenhaut
+trommelartig bespanntes Rohr, welches den Körper der Geige bildet, ist
+seitlich ein etwa 2' langer Bambusstock eingelassen, an dessen oberem
+Ende die Wirbel für zwei Saiten angebracht sind; der Steg steht auf der
+Schlangenhaut.) Ein sehr angenehmes Instrument dagegen ist das Anklong,
+bestehend aus einer Anzahl Rohre von graduirter Länge, die an einem
+Gestell hängen und durch Aneinanderstossen in tönende Schwingungen
+versetzt werden. Logan erwähnt einer Art Aeolsharfe, die er in Naning
+sah und den Triumph der malayischen Kunst nennt: „Denn was könnte
+kühner und sinnreicher sein als der Gedanke, einen ganzen Bambus frisch
+aus dem Walde 30-40' lang durch einfaches Einschneiden einiger Löcher
+in ein musikalisches Instrument zu verwandeln.”
+
+Für religiöse Zwecke liefert der Bambus auf den Philippinen Kirchen,
+Kapellen und Kreuze. (Für die Erziehung ist der Rotang beliebter und
+wird stark benutzt. Das Sprichwort sagt: für jeden Indier, der geboren
+wird, spriessen im Walde tausend Rotangs auf.) Die Chinesen schneiden
+aus seinen knorrigen, struppigen Wurzeln phantastische Figuren für den
+Tempel und den Hausaltar. Aus Bambuswurzeln bestehen auch die
+eigenthümlichen Wurfhölzer in den Tempeln, durch welche die Chinesen das
+Schicksal befragen, um aus der Art des Fallens auf den Erfolg einer
+Unternehmung zu schliessen; in ihrer Zudringlichkeit werfen sie aber die
+Hölzer so lange, bis sie endlich eine günstige Antwort erhalten.
+
+Auch als Feuerzeug ist der Bambus in Gebrauch, und wohl allen andern bei
+den Wilden üblichen Feuerzeugen vorzuziehen. Man spaltet einen recht
+trockenen Halm von 2-3' der Länge nach in der Mitte, schabt aus den
+inneren Wandungen die silberglänzende weiche Haut und das weiche Holz so
+fein als möglich und rollt das Geschabsel zu einer losen Kugel zusammen,
+die auf den Boden gelegt und mit der einen Hälfte des Halms bedeckt
+wird, so dass sie oben gegen die Wölbung drückt. Von der andern Hälfte
+spaltet man dann noch einen Streifen ab, so dass ein fast flaches
+lattenförmiges Stück zurückbleibt, dessen eine Seite zugeschärft wird.
+Mit dieser Seite geigt man auf dem Bambus, der von einem Begleiter oder
+durch Pflöcke festgehalten wird, gerade über der Stelle, wo das feine
+Geschabsel liegt, hin und her, indem man allmälig den Druck und die
+Geschwindigkeit steigert. So entsteht ein Einschnitt quer durch die
+Längsfasern, die Wärme wächst bei der starken Reibung sehr schnell, und
+in dem Augenblick, wo das Gewölbe durchschnitten ist, entzündet sich das
+verkohlte Holzpulver zu Funken, die in den darunter liegenden
+Faserballen fallen und durch vorsichtiges Blasen allmälig zu einem
+Flämmchen genährt werden. Der Versuch ist leicht anzustellen und gelingt
+jedesmal, wenn alle Vorbereitungen richtig getroffen sind.
+
+Endlich möchte ich noch einer schrecklichen Todesstrafe erwähnen, die
+früher auf Bali in Gebrauch gewesen sein soll. Die Bambusen wachsen
+ausserordentlich schnell und dringen mit sehr harten kieselreichen
+Trieben, die wie Spitzkugeln geformt sind, aus dem Boden. Es wird
+erzählt, dass man, nachdem die längeren Halme entfernt worden, den
+Verbrecher horizontal über den Stumpfen aufspannte, um ihn von den
+jungen Trieben durchwachsen zu lassen.
+
+Manche Bambusarten haben sehr dicke Wände im Verhältniss zu ihrem
+Durchmesser, andere sehr dünne, bei grossem Umfang. Auf dem Abhang des
+Semeru (Ost-Java) mass ich sehr dünnwandige Bambusen von 70' Länge und
+26'' Umfang an der Basis (Junghuhn giebt deren von 1' Durchmesser an),
+die bis zur Spitze mit Wasser gefüllt waren. Diesem Wasser wird eine
+besondere Heilkraft zugeschrieben. In demselben lebt ein kleines
+krebsartiges Thier, das die Javanen Ikanwadr nennen, ich aber leider
+nicht auffinden konnte. Noch grössere Heilkraft schreibt man den
+Kieselkonkretionen zu, die sich in manchen Bambusen bilden und unter dem
+Namen Tabaschir oder Bambuskampfer in den Handel kommen. Die grosse
+Rolle, die der Tabaschir in der chinesischen Medizin spielt, verdankt er
+wohl, wie die Bezoarsteine, seiner spontanen Entstehung. Auch als
+Polirmittel wird der Tabaschir gebraucht; grosse Quantitäten gehen nach
+Arabien, ihre dortige Verwendung konnte ich aber nicht ermitteln.
+
+Von der Schönheit einer auf offenem Felde oder auf einer Anhöhe
+freistehenden Bambuse, deren oben reich befiederte Halme sich bei
+Windstille nach allen Seiten gleichmässig zur Erde neigen, wie die
+Wassergarbe eines Springbrunnens, kann man sich nach den verkümmerten
+Exemplaren in den Ecken unserer engen Treibhäuser unmöglich einen
+Begriff machen. Sie übertrifft sowohl die Palme als den Baumfarn an
+landschaftlicher Schönheit. Es wäre ein würdiger Versuch für einen
+reichen Gartenfreund, seinen Rasenplatz mit einer Bambusgruppe zu
+schmücken. Ein gemauertes, durch Röhren heizbares Becken, mit einem im
+Sommer abzunehmenden Glashause würde genügen; vielleicht wären selbst
+einfachere Vorrichtungen ausreichend. (Im Garten der Fürstin Butera bei
+Palermo sah ich Bambusen im freien Lande, es war aber keine schöne Art.)
+Rings um die Mittelgruppe könnte man niedrigere Arten mit goldgelben und
+gelb und grün gestreiften Halmen setzen, deren es äusserst zierliche
+giebt. Die Auswahl ist endlos; die Dicke schwankt zwischen 1 Fuss und
+wenigen Millimetern, die Höhe erreicht 70-80', abgesehen von den
+kletternden, welche viel länger werden; die Farbe umfasst sehr
+verschiedene Töne von grün und gelb; es giebt auch gestreifte, gefleckte
+und schwarze; und es trifft sich glücklich, dass gerade die schönste
+aller Bambusarten im nördlichen China in einem Klima wächst, das von dem
+Süd-Europas nicht allzu verschieden ist. R. Fortune, der in diesem Punkt
+gewiss kompetent ist, glaubt wenigstens, dass sie in Süd-Frankreich,
+Italien und ähnlichen Gegenden im Freien gedeihen möchte. Er sagt von
+ihr (Residence among the Chinese pg. 189): „Die Mau-tschok ist die
+schönste Bambuse der Welt -- 60-80' hoch, Stamm gerade, glatt, astlos
+bis auf 20 oder 30' vom Boden, der obere, belaubte Theil so leicht und
+gefiedert, dass er die Reinheit des Stammes nicht beeinträchtigt.” Wie
+alle andre Arten dieser Gruppe wachsen sie sehr schnell und erreichen
+ihre volle Höhe in wenigen Monaten; man sieht sie fast wachsen, wie man
+zu sagen pflegt. Fortune, der häufige Messungen in den chinesischen
+Bambuswäldern anstellte, fand, dass eine gesunde Pflanze 2 - 2-1/2' in
+24 Stunden wächst, und zwar Nachts am schnellsten. Selbst im Treibhause
+ist ihr Wachsthum enorm. Hr. Inspektor Bouché berichtet, dass eine im
+freien Grunde des Palmenhauses im Berliner botanischen Garten stehende
+Bambusa verticillata vom 22. Juni bis Anfang Oktober 38' emporschoss.
+Vom 28. Juni bis 4. August wurde sie täglich gemessen und wuchs 10' in
+38 Tagen, also durchschnittlich 3-1/2 Zoll, an einzelnen sehr warmen
+Tagen aber 7, ja sogar 9 Zoll.
+
+Bald nach unserer ersten Reise hatte ich das Vergnügen, Hrn. de Vrij
+nach Tjibodas am Gedeh zu begleiten, wo die bereits mehrmals erwähnte
+erste Cinchonapflanzung auf Java in 4400' Höhe von Hasskarl und Teysmann
+angelegt worden war. Bei dem Gärtner in Tjipanas, das an demselben
+Abhang 1100' tiefer liegt, fanden wir diesmal gute Aufnahme und
+angenehme Gesellschaft aus Batavia, die sich in der hiesigen
+Frühlingsluft von den Strapazen der heissen Hafenstadt erholte. Man kann
+sich kaum einen angenehmem Aufenthalt denken, um Geist und Körper zu
+erfrischen. Daher würde der Ort von den Bataviern noch viel zahlreicher
+besucht werden, wenn nicht die sehr hohen Reisekosten und das strenge,
+lästige Passwesen für sie ein Hinderniss wären.[83]
+
+Die Gärtnerei ist nicht auf die unmittelbare Umgebung von Tjipanas
+beschränkt, sondern zieht sich mehrere tausend Fuss höher den Berg
+hinan, wodurch es möglich wird, viele Kultur- und Zierpflanzen aus
+kälteren Breiten zu bauen. Artischocken, Spargel, Tomaten und andere
+feine europäische Gemüse, die in Singapore nur als Leckerbissen aus
+Blechbüchsen auf die Tafel kommen, bildeten den Hauptbestandtheil der
+Mahlzeiten; Erdbeeren waren in grösster Fülle vorhanden und wurden nach
+andalusischer Sitte mit Apfelsinensaft gegessen. Europäische Fruchtbäume
+sind zwar auch höher oben am Berge gepflanzt und tragen das ganze Jahr
+Blüthen und Früchte, doch bleiben letztere meist ungeniessbar, weil den
+Bäumen die unsern Wintern entsprechende Ruhezeit fehlt. Am
+schmackhaftesten sind noch die Aepfel, am ergiebigsten die Pfirsiche,
+die aber nur gekocht zu geniessen sind; Erdbeeren wachsen so üppig, dass
+weiter oben grosse Flächen damit bedeckt sind. Nach ihnen ist ein Gehöft
+in etwa 4000' Höhe Arrebe benannt; so sprechen die Malayen das
+holländische „Aardbei” aus. Man kommt an mehreren Cinchonapflanzen
+vorbei, die Junghuhn von Tjibodas aus hierher versetzte, nicht nach dem
+Malabar, wie Markham irrthümlich angiebt. Schöne, bequeme Reitwege
+führen nach verschiedenen Richtungen, -- auch bis zum Gipfel des ganzen
+Gebirges, nach Junghuhn Mandellawangi, gewöhnlich aber wohl Pangerango
+genannt, auf welchem jetzt ein geräumiges, heizbares Bretterhaus steht,
+wo man die Nacht zubringen kann. Die Reitpferde sind billig und gut und
+können unterwegs gewechselt werden, so dass selbst Damen diesen 9230'
+hohen Gipfel fast ohne alle Anstrengung erreichen können. Gruppen
+riesiger Rasamalas, Baumfarne und Orchideen (die köstliche Vanda
+suaveolens findet sich nirgends in grösserer Fülle) folgen auf einander,
+und höher hinauf leuchten schon aus der Ferne die grossen rothen oder
+gelben Blüthenbüschel des Rhododendron Javanicum, das hier gewöhnlich
+epiphytisch vorkommt. Vor Kandang-badak überschreitet man auf einer
+Brücke einen heissen Sturzbach, der dampfend in den Abgrund fällt. Bald
+darauf kommt man an einem grossen Erdsturz, einer Scene wilder
+Verwüstung, vorüber: auf einem weiten Raum wächst keine Pflanze, enorme
+Felsblöcke und Schutt bedecken die Oberfläche, dazwischen liegen grosse
+zertrümmerte Baumstämme und eine hohe, senkrechte Wand, ohne eine Spur
+von Pflanzenwuchs, zeigt den Ort, wo sich die Erde abgelöst und dass das
+Ereigniss vor Kurzem stattgefunden hat. Vom Gipfel des Berges hat man
+einen ausgezeichnet schönen und weiten Umblick, dessen interessantesten
+Theil der grosse Gedehkrater bildet, der mit seinen terrassenförmigen
+Gesteinsbänken wie ein ungeheures antikes Theater vor dem Beschauer
+liegt.
+
+
+
+
+Viertes Kapitel.
+
+ Vulkan Tankubang-prau. -- Kostbare Waffen. -- Tiger. -- Kawali. --
+ Schirme. -- Fest in Pandjalu. -- Ausbruch des Gelungung. --
+ Büffelkarren. -- Teakholz. -- Kindersee. -- Universalmittel. --
+ Pfahldorf. -- Zimmet. -- Loro-kidul. -- Essbare Vogelnester und
+ abergläubische Gebräuche beim Einsammeln derselben. -- Kampf
+ zwischen Tiger und Büffel. -- Tigerstechen. -- Reise nach dem
+ Slamat. -- Rhinozerosse.
+
+
+Ich kann nicht läugnen, dass die bisherige Art zu reisen mir
+ausserordentlich gefallen hatte, und als mir im Verkehr mit den
+liebenswürdigen Männern, deren Gesellschaft ich genoss, jeden Tag die
+Aussicht auf neue Wunder eröffnet wurde, die das Innere der Insel bergen
+sollte, wurde mein Entschluss, mich auf einen Ponyritt durch die
+Preanger Lande zu beschränken, allmälig wankend. Ich liess mich ohne
+grosse Schwierigkeiten bereden, die reichen Mittel zu benutzen, die mir
+der General-Guvernör mit so glänzender Liberalität zur Verfügung
+gestellt hatte. Junghuhn, der mir namentlich sehr zuredete, arbeitete
+für mich einen Reiseplan aus, der alle Gegenstände einschloss, die mir
+von besonderem Interesse waren. Die Punkte der bemerkenswerthesten
+geologischen Erscheinungen bildeten darin die Hauptmomente und waren
+durch solche, welche ethnologische Eigenthümlichkeiten, malerische
+Landschaften, kulturhistorische Monumente, charakteristische
+Vegetationsbilder, interessantes Volksleben darboten, zu einer Kette
+verknüpft, die von Lembang ausgehend, sich durch den südlichen,
+gebirgigen Theil der Insel zog und dann durch das flache, nördliche
+Gestadeland zurücklief. Alle hervorragenden Erscheinungen, die Junghuhn
+während seiner 20jährigen, oft unter grossen Entbehrungen und Strapazen
+ausgeführten Wanderungen kennen gelernt, sollte ich nun, mit allen
+Bequemlichkeiten versehen, an mir vorübergleiten lassen. Jedem Tag hatte
+er ein besonderes Blatt gewidmet, auf dem alles Interessante der
+betreffenden Strecke verzeichnet war, immer mit Hinweis auf die
+entsprechende Stelle in seinem Handbuch und Anführung der Seitenzahl. Ja
+sogar Erholungsstationen an schönen Kraterseen oder in hoch gelegenen
+Pasanggrahans waren hinter den anstrengenderen Exkursionen
+eingeschaltet. Rechne ich dazu noch die selbst für Indien fast
+unglaubliche Gastfreundschaft und Liebenswürdigkeit, die mir ohne
+Ausnahme während der ganzen Reise zu Theil wurde, so glaube ich wohl
+annehmen zu dürfen, dass noch Niemand diese schöne Insel unter
+angenehmeren Verhältnissen durchstreift hat. Mit jedem Tage wuchs meine
+aufrichtige Verehrung für Junghuhn. Wer nicht an Ort und Stelle, sein
+Buch in der Hand, das Geschriebene geprüft, wird sich keine Vorstellung
+machen können von der Genauigkeit der Beschreibung und der Klarheit, mit
+der die Verhältnisse aufgefasst sind. Als er die Materialien zu diesem
+Werk sammelte, fand er nur geringe Unterstützung. Mit hoher,
+wissenschaftlicher Befähigung, seltenem Fleiss und eiserner Ausdauer
+ausgerüstet, gab ihm seine leidenschaftliche Liebe zur Natur die Kraft,
+Schwierigkeiten zu überwinden, die für die meisten unübersteiglich
+gewesen wären. Mein eigenes Urtheil über ihn kann wohl nicht
+unparteiisch sein, darum habe ich in Obigem nur die allgemeine Ansicht
+über seine Leistungen wiederholt.
+
+Zum Abschied machte ich mit Junghuhn noch eine Exkursion auf den
+Tankubang-prau, den berühmten von zwei grossen Kratern durchbohrten
+Vulkan, an dessen Fuss Lembang liegt. Nach einigen Stunden erreichten
+wir unsere Hütte, die an der Stelle aufgeschlagen war, wo die beide
+Krater trennende Wand im Süden die gemeinschaftliche Ringmauer trifft.
+Von hier hätten wir einen Einblick in beide Schlünde haben müssen; aber
+dichte Nebel verbargen jede Aussicht und liessen nur einige in unserer
+Nähe stehende vermodernde Thibaudienstämme mit knorrigen phantastisch
+ausgereckten Aesten erkennen. Aus dem Boden des Kraters, in mehr als
+1000' Tiefe, hörte man das Sausen der aus den Spalten hervordringenden
+Wasserdämpfe. Der links im Westen gelegene Kessel heisst Kawa-upas
+(Gifthöhle), der im Osten gelegene Kawa-ratu. Der Boden des letzteren
+liegt viel tiefer als der der Kawa-upas und war früher einmal von einer
+grossen Menge kleiner Seen bedeckt, daher sein Name „ratu” = tausend
+(Seen?). Bis auf einige kleine Schlammpfützen ist er jetzt trocken und
+flach, mit einer erhärteten feinen Thonschlammkruste bedeckt, die über
+ihren Ursprung durch Absetzen aus stehendem Wasser keinen Zweifel lässt.
+An vielen Stellen hat der hervorbrechende Wasserdampf kleine
+Schlammkegel von anderthalb Fuss Höhe gebildet, aus welchen er zischend,
+wie aus einer Dampfmaschine, in einem weissen Strahle hervorbricht.
+Ueberall, wo man mit dem Stock durch die dünne Kruste stösst, brechen
+Dämpfe mit Gewalt hervor. An einem Wasserriss der Nordwand sieht man
+eine interessante Erscheinung: die aus grobem Schutt gebildete Wand
+enthält in unregelmässigen Zwischenräumen, horizontal über einander
+gelagerte, aus feinen Schichten bestehende Thonkrusten, genau von
+derselben Beschaffenheit wie die, welche jetzt den Boden des Kraters
+bedecken. Sie zeigen die früheren Höhen des Seebodens an und auch sein
+periodisches Verschwinden und Entstehen. Der gegenwärtige Kraterboden
+war von dieser Stelle nicht sichtbar, mochte aber wohl 200' tiefer
+liegen. Auf dem Grunde des westlichen Kessels, Kawa-upas, der über die
+Zwischenwand leicht zu erreichen ist, hatte sich in der Südostecke,
+gerade am Fuss des steilen Zwischenrückens, ein kleiner von oben nicht
+sichtbarer See gebildet, der bei Junghuhn's letztem Besuch nicht
+vorhanden war. Seine Länge betrug 135', die Breite etwa 50', er
+unterspülte den Fuss der Gebirgswand; aus der dicht mit grossen
+Schwefelzapfen ausgekleideten Höhle am jenseitigen Ufer brach mit
+starker Entwickelung von Schwefelwasserstoff, hoch aufsprudelnd, das von
+Thonschlamm und Schwefelblumen gelbgrau gefärbte Wasser hervor. Das
+Metallikpapier meines Notizbuchs und das Silbergeld in meiner Tasche
+bräunte sich schnell. Im westlichen Theil dieses Kraters liegt ein
+zweiter von oben sichtbarer grösserer See, dessen blaugraues, stilles
+Wasser durch den Kontrast mit jenem ganz lieblich erscheint. Kaum hatte
+ich die Hütte auf dem Gipfel wieder erreicht, als es heftig zu regnen
+begann. Junghuhn hatte unterdessen von dort aus einige photographische
+Bilder beider Krater aufgenommen. --
+
+Inzwischen war aus Batavia eine grosse Karosse mit Klapptritt und Wappen
+für mich angekommen, sehr geeignet zum Visitefahren für eine alte
+Generalin, aber nicht für meine Zwecke. Ich kaufte daher einen leichten
+Reisewagen und verabschiedete mich nach mehreren kleineren Exkursionen
+von Lembang, wo ich einige mir unvergessliche Tage zugebracht hatte, um
+am folgenden Morgen selbstständig meine Reise nach Osten anzutreten.
+
+[Illustration: BEDAJAS VON BANDONG. JAVA.]
+
+Abends liess der Regent von Bandong seine Bedajas vor uns tanzen und
+zeigte uns seine kostbaren Waffen. Die goldene Scheide des einen Kris
+war ganz mit Diamanten besetzt; aber ausser dem sichtbaren besassen
+manche Klingen einen noch höheren verborgenen Werth durch die ihnen vom
+Aberglauben beigelegten Eigenschaften; es giebt Klingen, die ihren
+Besitzer unverwundbar und unüberwindlich machen, andere sind hoch
+geschätzt, weil sie vor Alters irgend eine berühmte That vollbracht
+haben. Der obere Theil der Scheiden bestand bei fast allen aus dem
+kostbaren Holze, das sich beim Absterben eines in Bantam wachsenden
+Baumes, ~Tankollo~,[84] im Innern des vermodernden Stammes, auf dieselbe
+Weise, wie das duftende Agalloche, bildet; es war gelb mit braunen oder
+schwarzen Flecken, sogenannten Flammen, deren Gestalt und Farbe seinen
+Werth bedingen. Für ein kaum handgrosses Stück, welches die Mündung
+einer Krisscheide bildete, hatte der Vater des Regenten 200 Gulden
+bezahlt. Einfacher, aber wegen ihrer Leistungen von dem aufgeklärten
+Fürsten allen andern vorgezogen, waren zwei Jagdmesser, von der Art, wie
+sie bei den bereits erwähnten Hirschjagden gebraucht werden. Diese
+Klingen, welche die Rippen eines Hirsches wie dünnes Holz
+durchschneiden, kommen aus dem Lande Ssalingri, dessen Eingeborne
+ausserordentlich geschickt in Bearbeitung des Eisens sind. Ich fragte
+den Regenten, in welchem Winkel des Archipels das Land läge? „Oh weit,
+weit!” antwortete er, indem er mir das Messer reichte, das den Stempel
+„Solingen” trug.
+
+Am folgenden Tage reiste ich ab, zunächst nach dem Vulkan Tampomas. Fast
+alle Tage hatten wir jetzt heftigen, lange anhaltenden Regen, obwohl wir
+uns eigentlich mitten in dem trockenen Monsun befanden. Vom Tampomas
+ging es nach Malembong, von bewaffneten Reitern begleitet, da es hier
+viele Tiger giebt. An einer Kaffeeplantage kam uns ein Zug von 600 Kulis
+entgegen, deren jeder zwei Körbe voll Kaffee trug, zusammen 75 Pfund
+wiegend; die Enden der Traghölzer waren mit kleinen Fähnchen geschmückt,
+manche auch mit hölzernen Glocken, deren Klang auf den schmalen
+Bergpfaden an den Kuhreigen erinnerte. Nach Besichtigung einiger von
+Junghuhn beschriebenen Kalksprudel und einer kleinen Kieselquelle
+beschlossen wir den heissen Tag mit einem herrlichen Ritt über die mit
+kurzem Gras bewachsenen Hügel, die sich hier im Westen des Tjitandui
+ausbreiten. Auf muntern Bergpferden ging es im Galopp, von einer Schaar
+Reiter mit Lanzen begleitet, bergauf, bergab. Unterwegs sprang ein
+junger Tiger auf, und eilte lange vor uns dahin, bevor er einen Busch
+fand, um sich zu verbergen. Bei Putjaran durchfurtheten wir im Angesicht
+des Sawalberges den Tjitandui, in welchem die zahlreichen, nach allen
+Himmelsrichtungen auseinander fliessenden Bäche dieses Berges
+schliesslich ein gemeinsames Bett finden, so dass das hier bei seinem
+ersten Zusammentreffen mit dem Sawal noch so unbedeutende Flüsschen,
+bald nachdem es die SO-Ecke desselben Berges verlassen, schon schiffbar
+wird. Wir ritten um die NW-Ecke, dann östlich bis zum schönen See
+Pandjalu, der sehr fischreich und frei von Krokodilen ist, so dass man
+nach Herzenslust darin schwimmen kann; in seiner Mitte liegt eine kleine
+wie ein Garten gehaltene Insel.
+
+Am folgenden Morgen schickte der Regent von Galu einen Wagen nebst
+seinem „Pati,” einem alten würdigen Herrn, der nur meinetwegen das
+Ungemach der Reise ertragen musste. Der Opziener (Aufseher) von Pari kam
+zu Pferde an, stellte sich zur Verfügung und gab mir viele Auskunft über
+die Kaffeepflanzungen, die wir zusammen besichtigten. Neun Paal von hier
+liegt Kawali, ein wegen seiner Alterthümer bei den Inländern in grossem
+Ansehen stehender Ort. Das Dorf enthält einen kleinen Tempel, zu dessen
+sehr engem Eingange ein paar Stufen führten; das Innere war mit Matten
+und Teppichen geschmückt, zwei Priester hockten darin und holten die
+Gegenstände zu unserer Besichtigung einzeln hervor. Bei jedem Stück
+machten sie einen tiefen Salam; mit derselben Ehrerbietung wurden die
+Reliquien zurückgelegt, nachdem sie vorher in viele Tücher eingewickelt
+worden. Es waren alte Hellebarden, Glocken, Räuchergefässe, Becher mit
+erhabenen Figuren, den Thierkreis darstellend, und allerlei zerbrochenes
+Gerümpel. Auch in Pandjalu werden dergleichen Alterthümer aufbewahrt.
+Nicht weit vom Dorfe, in einem sorgfältig gepflegten Hain, liegen einige
+Steine mit alten Inschriften (batu-tulis), die eben so wie die Reliquien
+schon kopirt und beschrieben sind; und etwas weiter, im Walde, sprudelt
+eine heilige Quelle, die dem Orte den Namen giebt.
+
+Der Pati lud mich ein, Abends an einem Feste Theil zu nehmen, das
+mehrere Tage dauern sollte, und liess mich beim schönsten Mondschein mit
+seinem grossen Schirm abholen. Die Sonnenschirme zeigen in den
+malayischen Ländern den Rang des Besitzers an, wie in Europa die
+Epauletten den Rang der Offiziere. In Java werden 27 verschiedene
+Rangstufen durch die Schirme bezeichnet, deren Farben durch den
+General-Guvernör im Rath ebenso genau festgestellt sind, wie die
+Uniformen in Europa. Die vornehmsten sind weiss mit goldenen Rändern,
+dann folgt dem Range nach grün, blau, braun, in verschiedenen
+Anordnungen. Nur bei den ersten 6 Stufen sind die Ränder von Gold, bei
+den übrigen gelb. Auch in Siam spielt der Schirm eine grosse Rolle: der
+Sonnenschirm von vielen Stockwerken über einander ist ein Attribut des
+Königs und figurirt auf dem grossen Staatssiegel zu beiden Seiten der
+pyramidalen Krone. -- Das Fest fand in einem grossen Bambusschuppen
+statt, der durch bunte Behänge, Laub und Blumen geschmückt war. Vier das
+Dach tragende Säulenreihen bildeten fünf Abtheilungen, in deren
+mittlerer eine lange, mit Blumen verzierte Tafel stand. Auch hier zeigte
+sich wieder viel Geschmack in der Dekoration. Die aus dicken Bambusen
+bestehenden Säulen waren mit buntem Zeug bekleidet, mit Sockel und
+Kapitäl aus Blättern und Blumen versehen, durch Bögen aus gespaltenen
+jungen Palmwedeln verbunden, deren noch gelbe Seitenblätter wie Franzen
+herabhingen. Der Zwischenraum bis zum Dach bestand aus leichtem
+Gitterwerk, in welchem einzelne Blumen angebracht waren. An einem Ende
+des Saals erhob sich ein um mehrere Stufen erhöhter, mit Matten belegter
+Raum, seine Hinterwand war mit einem Teppich behangen, davor stand
+vielleicht alles, was sich im Distrikt an kostbaren europäischen Möbeln
+befand: eine altmodische Kommode, ein Glasschrank und ein paar verzierte
+Spiegel; zu jeder Seite erhoben sich zwei grosse, mit rothem Stoff
+bedeckte Paradebetten, an deren Kopfende eine solche Menge verzierter
+Kissen aufgethürmt waren, dass sie bis zur Decke reichten. Als wir uns
+zu Tische gesetzt hatten, begannen dreizehn Rongengs zu tanzen, --
+soviel hatte ich noch nie beisammen gesehen. Hier hörte ich auch zum
+erstenmal das Anklong (S. 178), dessen Klang so angenehm ist. Es wurde
+bis spät geschmaust, und dies war der beste Theil des Festes. Die armen
+Kinder, denen zu Ehren es gegeben wird, kommen weniger gut dabei fort;
+denn nachdem sie am nächsten Tage im Fluss gebadet sind, werden am
+dritten Tage den kleinen Mädchen die Zähne abgefeilt, am vierten Tag
+findet die Beschneidung der Knaben statt. Das Feilen der Zähne und
+Beschneiden geschieht auf den Paradebetten. Lange weisse Zähne können
+die Malayen nicht leiden, sie vergleichen sie mit denen des Tigers.
+
+Am folgenden Tage verliess ich den See von Pandjalu und fuhr im Wagen
+des Regenten am östlichen Ufer des Tjitandui bis Indehiang, wo ich mich
+von dem würdigen Pati verabschiedete, auf das westliche Ufer überging,
+Abends einen Pasanggrahan erreichte und am folgenden Morgen den
+Gelungung erstieg. Man reitet fünf Paal, steigt zwei Paal zu Fuss und
+befindet sich am obersten Ende der grossen Schuttmasse, die sich im
+Oktober 1822 in die früher hier vorhandene reiche Ebene wälzte.
+Ein tiefes kesselförmiges Thal trennt diesen Punkt von der
+gegenüberliegenden Bergwand, die sich fast senkrecht, wenigstens in sehr
+steilem Winkel in WNW. erhebt. Mehrere Sturzbäche an derselben
+erschienen in dieser Ferne, wie dünne Fäden. Das tiefe Kesselthal ist
+jetzt schon wieder dicht bewachsen, namentlich machten sich hunderte
+von Baumfarnen geltend. Dieser schöne ruhige, mit einigen Wasserbecken
+geschmückte Grund ist der Krater des Gelungung, der 1822 die furchtbare
+Verwüstung anrichtete.
+
+Ich kann mir nicht versagen, Junghuhns Schilderung des Ausbruchs hier
+folgen zu lassen (Hasskarl's Uebersetzung Bd. II, S. 111.), die zugleich
+ein eben so schönes als treues Bild des javanischen Lebens giebt.
+
+„In den Gegenden südostwärts von demjenigen Theile der Bergkette,
+welche unter dem Namen G.-Gelungung bekannt ist, zwischen den beiden
+Flüssen Tji-Wulan und Tji-Tandui, die beide, der erstere fast in
+südlicher, der andere mehr in südöstlicher Richtung, der Südküste
+zuströmen, lag ein reich bebautes und bevölkertes Land, das, eigentlich
+eine Fortsetzung des Berggehänges, jedoch so sanft nach den niedrigen
+neptunischen Hügelreihen des Südgebirges zu fällt, dass es füglich eine
+~Fläche~ genannt werden kann. -- Es waren die fruchtbaren Ebenen und
+Berggehänge der Provinz Tasikmalaja, Indehiang und Singaparna. -- Sie
+waren weit und breit mit Reisfeldern bedeckt und mit Hunderten von
+Dörfchen, die sich mit den Gruppen ihrer Kokospalmen zerstreut zwischen
+den Feldern erhoben. Sie waren in allen Richtungen von Wegen
+durchschnitten, bis zum Fusse der Bergkette hin und noch weit an den
+Berggehängen hinauf, wo man zwischen blühenden Kaffeegärten wandelte.
+--
+
+Ueber die reichbegabten Fluren dieses ewig grünen Landes ergoss am 8.
+Oktober 1822 die Mittagssonne ihren durch kein Wölkchen, durch keine
+Nebel geschwächten Strahl. Das ganze Land schien verstummt, die
+animalische Schöpfung lag in tiefer Ruhe, im schattigsten Dickicht sass
+die Vögelschaar verborgen, und kaum ein Insektchen zirpte noch; die
+Pflanzenwelt hatte alle ihre Blüthen aufgethan und dampfte ihre
+ungerochenen Aromata empor in die Luft, welche, von aufsteigenden
+Strömen bewegt, am Horizonte wellenförmig zitterte. Kein Blatt regte
+sich, und kaum rauschte zuweilen der höchste Wedel einer Palme; wenn
+dann und wann ein leises Lüftchen von der Küste her sich erhob.
+
+Auch die Menschenwelt ruhte. Die Arbeiter hatten ihre Felder verlassen,
+deren künstliche Wasserspiegel unter dem Sonnenstrahle dampften. Sorglos
+lagen sie auf den Bali-balis ihrer kleinen Hütten ausgestreckt. In den
+Vorhallen (Pendopo's) der Häuptlinge verstummten allmälig die Schläge
+des Gamelan, unter deren sanftem, melodischem Getön die javaschen
+Grossen gewohnt sind, einzuschlummern; auch der Gesang der Tanzmädchen
+(Ronggengs) wurde bald nicht mehr vernommen, und nur das sanfte Girren
+der Turteltauben, die in zahlreichen Käfigen vor den ländlichen
+Wohnungen hängen, war mit dem Rufe eines Priesters, der von seiner
+baumumgrünten Moschee herab die Herrlichkeiten Allah's und seines
+Propheten verkündigte, oder mit dem Knarren einer verspäteten Pedati,
+deren scheibenförmige Räder sich langsam auf der staubigen Strasse
+umwälzten, gezogen von trägen Karbauen, deren Führer längst
+eingeschlummert war, vielleicht das einzige Geräusch, das in den weiten
+Dörfern Tasikmalaja und Singaparna erscholl. Das ganze Land lag in
+tiefer Ruhe und Frieden. Die Bevölkerung hielt ihren Mittagsschlaf,
+nicht ahnend, nicht träumend, dass einige Augenblicke später aus dem
+Innern des G.-Gelungung „dumpf und bang” ihr -- ~Grabgesang~ ertönen
+würde. Er aber ertönte. -- Es war 1 Uhr. -- Durch plötzliche Erdstösse
+aus dem Schlafe geweckt, entflohen die Bewohner ihren Hütten. Ein
+donnerndes, brüllendes Getöse traf ihr Ohr und Entsetzen bemächtigte
+sich ihrer, als sie ihre Blicke zum G.-Gelungung wandten und eine
+schwarze Rauchsäule von ungeheurem Umfange emporschiessen, sich mit
+Blitzesschnelle ausbreiten, den ganzen Himmel überziehen und im Nu den
+noch eben hellsten Sonnenschein in die finsterste Nacht verwandeln
+sahen. -- Jetzt flohen sie bestürzt durch einander, nicht wissend,
+wohin, und ungewiss ihres nächsten Looses. Noch einige Sekunden später
+und ein Paar Tausend von ihnen waren begraben. Sie wurden theils bedeckt
+von Schlamm, der vom Krater ausgeschleudert, in ungeheuren Massen aus
+der Luft herabfiel, theils kamen sie in den Fluthen von heissem Wasser
+um, das mit Schlamm und Steintrümmern vermengt, dem Krater in ungeheurer
+Menge entquoll, das (als drohe eine zweite Sündfluth) zehn Minuten weit
+im Umkreise Alles überströmte, alle Dörfer, Felder und Wälder
+vernichtete und in einen dampfenden Pfuhl von bläulich-grauer Farbe
+verwandelte, der mit Cadavern von Menschen und Thieren, mit
+Häusertrümmern und zerbrochenen Baumstämmen übersäet war. Wild brachen
+durch diese Schlamm- und Trümmermassen die Bäche Tji-Kunir und Tji-Wulan
+hindurch; sie waren zu tobenden Fluthen angeschwollen, die Alles auf
+ihrer Bahn zerstörten, alle Brücken wegspülten und weite
+Ueberschwemmungen verursachten, in denen noch eine grosse Menge armer
+Flüchtlinge, die sich schon gerettet glaubten, ihr Leben verloren; --
+mit Menschen- und Thierleichen aller Art bedeckt, wälzten sie dann ihr
+schlammiges, kochend heisses Wasser der Südküste zu, deren Bewohner, vor
+diesem Anblicke entsetzt, die Flucht zu den nächsten Hügeln ergriffen.
+In das Brausen der Bäche, in das Brüllen des Kraters, in das Krachen
+zersplitterter Wälder, in das Knacken fortgewälzter Felsenmassen, die an
+einander stiessen, und in das verzweiflungsvolle Jammergeschrei der
+Tausende von Menschen, die hülflos ihren Tod vor Augen sahen, -- dröhnte
+laut von oben der Donner herab, und Blitze fuhren unaufhörlich nach
+allen Richtungen aus dem dichten Gewölk, das sich weit und breit über
+dem Gebirge durch die schnelle Verdichtung der Dämpfe gebildet hatte.
+
+Erst nach drei Stunden, nämlich um 4 Uhr Nachmittags, liess die
+Heftigkeit des Ausbruchs nach, die sich fortwährend auf eine doppelte
+Weise offenbart hatte, nämlich durch das Hervorquellen von Schlammmassen
+aus dem Krater und das Herabströmen derselben und durch das
+Emporschleudern in höhere Luftschichten von Schlamm, Asche und
+Steinmassen, die dann als ein Alles verwüstender Regen wieder
+niederfielen und auch die entfernteren Pflanzungen und Wälder, die in
+etwas grösserer Entfernung lagen und dadurch auch noch verschont
+geblieben waren, zerstörten. Um 5 Uhr aber war Alles vorbei. --
+
+Zahlreiche Dörfer mit allen ihren Bewohnern, die sich drei Stunden zuvor
+noch im Kreise der Ihrigen sorglos der Ruhe überliessen, oder ihre
+Kinder wiegten, lagen nun begraben unter vulkanischem Schlamm und
+Steintrümmern, so dass man keine Spur mehr von den Dörfern sah, und das
+Terrain südöstlich vom Berge um 40-50' hoch durch die Auswurfmassen
+erhöht war. Wie erschöpft von ihren Anstrengungen (gegen 5 Uhr), versank
+nun die Natur in Ruhe; es wurde todtstill, und der Himmel heiter, und
+der Abendstrahl derselben Sonne, die des Mittags über alle Pracht der
+tropischen Vegetation, über Glück und Luxus geschienen hatte, -- jetzt
+schien sie, fast spottend, über einen Schauplatz von Verwüstung, aus dem
+alles Grün verschwunden war, über meilenlange, schwärzlich-graue Felder
+von Schlamm und Lava, gleichsam über Schlachtfelder, welche besäet waren
+mit zerknickten Baumstämmen und Cadavern von Menschen und Thieren, die
+theils verstümmelt und verbrannt aus dem Schlamm hervorragten, theils in
+den tobenden Fluthen des Tji-Wulan und Tji-Tandui dem Meere zutrieben.”
+
+Das Wasser, das von den steilen Wänden des Kraters aus der Schlucht
+herabfällt, fliesst in zwei tiefen Rinnen zu beiden Seiten des die
+letztere ausfüllenden Schuttrückens und vereinigt sich am Ende desselben
+zu einem wasserreichen Bach, Tjikunir, der in vielen Windungen durch die
+Ebene fliesst und einige Meilen weiter in den Tjiwulan mündet. Der
+Schuttberg ist ebenfalls reich bewachsen, namentlich mit vielen
+Baumfarnen und blühenden Sträuchern; wo er aber sein Ende in der Ebene
+erreicht, hört diese Vegetation plötzlich auf; nichts als Glagarohr
+bedeckt die Fläche und die unzähligen kleinen Hügel, die sich aus
+derselben erheben, deren durch den Ausbruch veranlasste Entstehung noch
+nicht genügend erklärt ist und verschiedene Hypothesen hervorgerufen
+hat. Die vulkanische Thätigkeit am Gelungung ist jetzt auf einige
+Solfataren und Fumarolen beschränkt, in denen Gyps, Schwefel, Faseralaun
+und Eisenchlorid gebildet wird. Auch eine Kalksinterquelle ist
+vorhanden.
+
+Wo die Glagawildniss an die fruchtbare Ebene grenzt, erwartete mich der
+Bedana von Singaparna. Ich brachte die Nacht bei ihm zu, besichtigte am
+folgenden Tage, durch strömenden Regen sehr behindert, das interessante
+Hügelterrain und erreichte die Fahrstrasse wieder bei Tasikmalaja. Von
+hier läuft der Tjitandui nach Osten, am Südrande des grossen Sawalberges
+hin, mehrere Gewässer aufnehmend, bei Bandjar führt ihm der Tjimundur,
+der alle vom Ostabhang desselben Berges abfliessenden Bäche, gegen 20,
+aufnimmt, so grossen Wasserreichthum zu, dass er für flache Boote schon
+von hier aus den grössten Theil des Jahres schiffbar ist. Wenige Paal
+weiter, bei Sindang-adji, nimmt er eine südöstliche Richtung an und
+schleicht in trägen Windungen durch ein niedriges Sumpfland (Rawa) bis
+Kaliputjang, wo er durch die Kalkberge, die hier den Südrand Javas
+einfassen und nur von einer sehr schmalen Meerenge unterbrochen in der
+Insel Nusa-kumbangan fortsetzen, zu einer mehr östlichen Richtung
+gezwungen wird. Etwas weiter erreicht er den kleinen, seichten Meerbusen
+Segoro-anakan, „die Kindersee”, ein hässliches, seichtes, heisses, von
+Mangelsümpfen eingefasstes Wasserbecken, durch die quer davor liegende
+Insel Nusa-kumbangan fast ein Binnensee. Von Tasikmalaja folgt die
+Strasse dem südlichen Ufer des Tjitandui bis Bandjar. Die Gegend ist
+flachhüglich, weniger bebaut und bewohnt, als die bisher besuchten
+reichen Distrikte; es fehlen die Sawas, weil kein Berieselungswasser von
+höher gelegenen Bergen vorhanden ist. Von Bandjar, wo die Landstrasse
+ihr Ende erreicht, muss die Reise zu Wasser oder zu Pferde fortgesetzt
+werden; daher fanden wir hier eine grosse Menge von Büffelkarren, welche
+die Produkte der Preanger Regentschaften an die Regierungspackhäuser
+abgeliefert hatten, von wo aus sie in eigens dazu erbauten, sehr flach
+gehenden, eisernen Frachtschiffen stromabwärts an Bantengmati vorbei,
+über die fast zugeschlämmte „Kindersee”, welche Java von der Insel
+Nusa-kumbangan trennt, nach Tjelatjap verschifft werden, wo jährlich
+gegen 50 grosse europäische Schiffe einlaufen, um diese Produkte nach
+Europa zu bringen. Bandjar hat als Stapelplatz für den südlichen Theil
+der Preanger Lande dieselbe Bedeutung, wie Tjikao (S. 138) für den
+nördlichen. Was oben über die mangelhaften Verkehrsmittel der Provinz
+im Allgemeinen gesagt worden, gilt in erhöhtem Grade für deren südlichen
+Theil, der nicht, wie der nördliche, durch eine Kulturebene, sondern
+durch eine Felsenmauer begrenzt wird, welcher kein Schiff zu nahen wagt.
+
+Die Büffelkarren (pedati) nehmen eine hervorragende Stelle in der
+Staffage javanischer Landschaften ein. Es sind viereckige Körbe mit
+einem Dach, wie die Wohnhäuser der Inländer, nur viel kleiner und
+zierlicher. An der vom Dach überragten vorderen Giebelseite ist eine Art
+Vestibulum, in welchem der Fuhrmann sitzt, man könnte fast sagen, --
+wohnt, so häuslich richtet er sich bei langen Reisen ein. Oft hockt
+seine Frau neben ihm, sein Regenhut, Kochtopf und sonstige kleine
+Bedürfnisse hängen unter dem Dach, an den Seitenwänden. Oben am Giebel
+ist immer ein Fähnchen oder eine geschnitzte Verzierung angebracht,
+häufig ein Pfauenkopf; dann ist die hintere Giebelspitze mit einem
+wirklichen Pfauenschwanz geschmückt. Die an der Achse festsitzenden
+Räder sind Holzscheiben und bestehen gewöhnlich aus den
+strebepfeilerartigen schmalen Vorsprüngen, die den am höchsten
+aufstrebenden Waldbäumen als Stütze dienen. Man begegnet Zügen von mehr
+als 100 Wagen hinter einander, die unter unaufhörlichem, einförmigem
+Quieken langsam fortrollen und die Fuhrleute in angenehmen Schlaf
+lullen. Die Büffel bewegen sich nur langsam vorwärts und müssen häufig
+gebadet werden. Deshalb wählt man zu Lagerplätzen gern Stellen, an denen
+sich die Thiere im Wasser oder noch lieber im Schlamm erholen können,
+während die Menschen an zahlreichen kleinen Feuern ihren Reis kochen.
+
+[Illustration: BÜFFELKARREN. JAVA.]
+
+Von Bandjar wurde mein Wagen über die Kindersee nach Tjelatjap gesandt,
+während ich die Reise zu Pferde auf schattigen Waldwegen am Rande des
+niedrigen Höhenzuges fortsetzte, der die einförmige Rawa in SW.
+einfasst. Der Ritt durch diese wenig besuchten Wälder war
+ausserordentlich angenehm. Einen bemerkenswerthen Kontrast mit der
+allgemeinen Ueppigkeit bildeten einige allein stehende 50' hohe dicke
+Säulen, von denen einzelne grosse vergilbte Fächer herabhingen, während
+sich über ihnen ein Riesen-Kandelaber erhob, auf dessen sparrigen,
+horizontal ausgereckten Armen zuweilen ein grosser Nashornvogel sass,
+der die daran sitzenden reifen Früchte verzehrte. Es waren die an der
+Südküste so häufigen Fächerpalmen (Corypha gebanga), die nur einmal
+Früchte tragen und dann, wie wahrscheinlich alle terminal blühende
+Palmen, absterben. Die Menge der wilden Pfauen verkündete die Nähe von
+Tigern; eine Gemeinschaft, deren Ursache noch nicht genügend
+festgestellt ist. Auch Rhinozerosse und wilde Stiere (banteng) sind
+hier häufig. Auf weiten Strecken fanden wir die Strasse mit
+Teakbäumen (spr. Tiek), Tectona grandis L., bepflanzt. Sie wachsen
+Anfangs schnell, später aber sehr langsam und sind erst nach 60 oder 80
+Jahren für den Schiffbau zu gebrauchen, in welcher Verwendung sie alle
+bekannten Hölzer übertreffen. Das Holz schadet dem Eisen nicht, wirft
+sich nicht, ist kieselreich und ausserordentlich dauerhaft; Termiten
+greifen es nicht an und es kann grün verwendet werden. Während
+Telegraphenstangen in Preussen im günstigsten Falle 5 Jahre halten, sind
+Teakstangen selbst in Indien unverwüstlich. Der ausgewachsene Baum ist
+einer der mächtigsten Waldbäume. Im Westen von Java ist das Teak selten,
+in Mittel- und Ost-Java bildet es grosse Wälder und leidet keine andern
+Bäume neben sich, die ihm gern den Platz überlassen, da ihm der
+schlechteste Boden gefällt.[85] Auch Gummibäume sind hier angepflanzt
+worden, um später ausgebeutet zu werden. So ist die holländische
+Regierung unablässig bemüht, durch den Anbau neuer Kulturpflanzen den
+Werth ihrer Kolonie zu erhöhen.
+
+[Illustration: HÄUSERGRUPPE IN EINEM GEBIRGSDÖRFCHEN. JAVA.]
+
+Die Nacht brachte ich in einem ganz kleinen selten besuchten Dörfchen in
+der Nähe des Gunong-gamping, bei armen sehr gefälligen Leuten zu. Einen
+Theil desselben stellt die beiliegende Zeichnung dar; das grössere Haus
+links im Vorgrund ist eine Reisscheune (lombong), sie steht auf vier
+Steinen zum Schutz gegen heimliche Angriffe der Termiten, frei und hoch
+genug über dem Boden, um der Luft den Durchzug durch die aus Bambus
+geflochtenen Wände zu gestatten; diese laufen spitz nach unten zu,
+wodurch der Regen unschädlich gemacht und das Hinaufklettern der Ratten
+und Mäuse sehr erschwert wird. Am folgenden Morgen besuchte ich mehrere
+geognostisch-interessante Punkte, den prächtigen Wasserfall Tjipipisan,
+und gelangte Abends nach Kaliputjang, wo der Tjitandui auf den die Rawa
+in SW. begrenzenden Höhenzug stösst. Von hier fährt man im Kahn nach
+Bantengmati, einem kleinen, auf der NW.-Spitze der Insel Nusa-kumbangan
+gelegenen Fort, dessen Kommandant, ein alter, lange in Indien dienender
+Soldat, mich sehr freundlich aufnahm. Unter den wenigen Soldaten, aus
+denen die Garnison bestand, waren auch mehrere Neger, die sich
+anfänglich häufig krank meldeten, wodurch der Dienst sehr litt. Zum
+Glück besass der alte Herr ein Universalmittel, das nie versagte. Jeder
+Patient musste, bevor er nur überhaupt die näheren Umstände seiner
+Krankheit vortragen durfte, ein Weinglas voll Ricinusöl unter den Augen
+seines Vorgesetzten austrinken. Die Leute sträubten sich oft gewaltig,
+genasen aber immer nach der ersten Dosis, wenigstens verlangten sie nie
+eine zweite.
+
+Nach dem langen Aufenthalt im Hochlande fand ich es hier erschlaffend
+heiss; Moskitos waren so zahlreich, dass um alle Häuser Rauchfeuer
+brannten. Ich folgte dem Nordrand der Insel, deren westliches Ende aus
+Kalkklippen besteht, an denen bis zu beträchtlicher Höhe die Einwirkung
+des Meeres sichtbar ist, obgleich es jetzt nur noch ihren Fuss bespült.
+In diesen Kalkfelsen sind viele kleine Tropfsteinhöhlen, in denen aber
+trotz allen Suchens keine Knochen aufzufinden waren. Da, wo die
+Kalkfelsen aufhören, die Küste flach wird, treten Mangelsümpfe auf, die,
+wenige felsige Stellen des Südrandes ausgenommen, das ganze übrige
+Gestade der Kindersee mit einem breiten Gürtel einfassen und die Rawa
+von Jahr zu Jahr vergrössern. Bevor wir bei Manundjaja, einer ärmlichen,
+kleinen Häusergruppe im sumpfigen Walde, das Land betraten, besuchten
+wir Paniteng, eines der merkwürdigen Dörfer, deren sich mehrere mitten
+aus dem seichten Meere erheben. Es war nur im Kahn zu erreichen und
+ruhte ganz auf Pfählen. Die Hütten bildeten ein Viereck und waren nach
+Aussen durch eine Gallerie, nach Innen durch einen Hof von Bambuslatten
+verbunden, wodurch in diesem Venedig eine Art Markusplatz entstand, auf
+welchem Fische getrocknet wurden. Es war ein ärmliches, schmutziges
+Dörfchen, aber interessant als ein Beispiel moderner Pfahlbauten.
+
+Nach vielen vergeblichen Bemühungen von Manundjaja aus Karang-andjar zu
+erreichen, wo die Rafflesia Padma auf den Wurzeln eines Cissus in
+solcher Menge wächst, dass Junghuhn „keinen Schritt thun konnte, ohne
+eine zu zertreten”, schifften wir uns nach Tjelatjap ein.
+Nusa-kumbangan tritt mit der östlichen Hälfte seines Nordrandes so hart
+an das Festland, dass der Meeresarm, durch welchen die Kindersee mit
+dem indischen Meer in Verbindung steht, kaum die Breite eines
+mittelmässigen Flusses hat. Die östliche Spitze biegt sich hornartig
+nach Norden und schützt dadurch den am jenseitigen Ufer gelegenen
+Hafen von Tjelatjap. Von hier bis zur Mündung des Kali-Seraju gen
+Osten, bildet die Küste einen nach NW. gerichteten Bogen, und streicht
+dann als flaches Gestadeland in fast gerader Richtung, die Provinzen
+Banjumas und Bagelen im Süden begrenzend, bis Karang-tritis, im Gebiet
+des Sultans von Jokjokarta. Dort hört der Strand plötzlich auf;
+schroffe Felsenwände, die im Allgemeinen dasselbe Streichen
+beibehalten, aber sehr zerrissen und vielfach ausgezackt sind, fassen
+nun den Südrand der Insel bis zur östlichsten Spitze ein, nur einmal
+durch eine sumpfige Ebene unterbrochen. Auf der ganzen Strecke giebt es
+keinen Hafen mehr, kaum einen Zufluchtsort für Fischer. Die
+Schifffahrtsbücher beschreiben die Südküste von Java als
+„eisenumgürtet” (ironbound); kein Schiff wagt ihr zu nahen.
+
+Zwischen Tjelatjap und Karang-tritis erhebt sich aus dem Flachland, etwa
+im Drittel der Erstreckung, ein ins Meer hineinragender Felsenberg
+Karang-bollong, der in seiner, dem Meere zugekehrten steilen Wand die
+berühmten Höhlen enthält, welche die essbaren Vogelnester liefern. Ihnen
+galt mein erster Besuch.
+
+Eine sehr gute Strasse läuft dem Strande parallel nach dem isolirt
+liegenden Gebirg. Vom Meer trennt sie nur ein wenige tausend Fuss
+breiter Saum von dichtem grünem Rasen, auf dem Büffel weiden, oder im
+Schatten von Bambusbüschen wiederkäuen. Links von der Strasse,
+landeinwärts, liegen wenige Dörfer, von kleinen Feldern umgeben; der
+grösste Theil des Flächenraumes wird aber von Morästen eingenommen, in
+deren Pfützen und Gräben weisse, unbedeutende Nymphaeen und
+kleinblättrige Limnanthemum blühen. Auch hier waren Teakbäume
+angepflanzt. Im Pasanggrahan von Adiredjo traf ich drei Landsleute von
+der topographischen Abtheilung, die mit Aufnahme der Provinz Banjumas
+beschäftigt war. Die Aufnahmen fanden im Maassstabe von 1:10,000 statt.
+Die Triangulationen waren über ganz Java beendigt, das Ausfüllen geschah
+ohne Messtisch, mit Schmalkalderscher Bussole. Ich kam an mehreren
+Zimmetpflanzungen vorüber und fand auch Baumwolle in kleinen Feldern
+angebaut, die aber nicht recht gedeihen will, angeblich wegen der
+grossen Feuchtigkeit. In Gumpangpasir sah ich das Zimmet für den Handel
+bereiten. Die Pflanze (Cinnamomum zeilanicum) wird als Strauch
+kultivirt. Man schneidet die Triebe, wenn sie etwa die Grösse eines
+gewöhnlichen Spazierstocks haben; jeder Baum wird jährlich acht- bis
+neunmal geschnitten und liefert je 2 oder 3, im Jahre also ungefähr 2
+Dutzend Stöcke. Nachdem sie gleich auf der Pflanzung von Laub und
+Seitenzweigen entblösst sind, werden sie bündelweis in einen Schuppen
+gebracht, wo ein Arbeiter die Rinde der ganzen Länge nach aufschlitzt
+und vom Stock löst. Er sitzt dabei auf dem Boden, hält das eine Ende des
+Stocks mit der Hand, das andere mit den Zehen fest; eine Frau schabt mit
+einem sichelförmigen, an beiden Enden mit Handgriffen versehenen Messer
+die Korkschicht von der abgelösten Rinde. Die zurückbleibende
+Bastschicht, welche den Zimmet des Handels giebt, wird dann in mehreren
+Lagen über einander zu 3 Fuss langen Streifen an einander gelegt, die
+sich beim Trocknen von beiden Rändern aus nach der Mittellinie hin
+zusammenrollen. In der Sonne werden sie vollständig getrocknet.
+Zweihundert solcher Rollen bilden ein Bündel.
+
+Der Zimmetbau ist 1825 durch die Kolonial-Regierung in Java eingeführt
+und später als ein Zweig des Kultursystems in grösserer Ausdehnung
+betrieben worden, hat aber statt des erwarteten Gewinns immer nur
+Verlust ergeben, so dass man demnächst wohl die Pflanzungen an
+Privatunternehmer verpachten wird. Die Qualität ist durch sorgfältige
+Kultur sehr gehoben worden, ohne jedoch der des Zimmets von Ceylon
+gleichzukommen. Nach dem Durchschnitt der letzten Jahre betrug die
+Ausfuhr im Mittel etwa 200,000 ℔, beinahe ein Drittel so viel als von
+der „Zimmetinsel” Ceylon. Wie der Verbrauch fast aller andern Gewürze
+nimmt auch der des Zimmets eher ab als zu. Die künstliche
+Vertheuerung[86] dieses ursprünglich auf Ceylon und Malabar beschränkten
+Gewürzes durch das erst 1833 aufgehobene Monopol hat viel zur
+Verbreitung der Cassiarinde (Cassia lignea) als Surrogat
+beigetragen.[87]
+
+Ueber den breiten, aber kurzen Kali-adiredjo führt eine Bambusbrücke,
+die, auf Bambusflössen ruhend, mit der Ebbe und Fluth fällt und steigt.
+Zu beiden Seiten derselben standen lange Reihen eigenthümlicher
+Fischapparate: kleine Häuschen auf 15' hohen Gestellen, jedes mit einem
+grossen Senknetz versehen, das vermittelst einer rohen Welle und eines
+Rotangstricks aufgeholt werden kann. Gegen 5 Uhr erreichte ich Djetis,
+wo ein schlechter Pasanggrahan in hübscher Umgebung am westlichen Ufer
+des gleichnamigen Flusses liegt, der hier in das indische Meer fällt. Am
+jenseitigen Ufer erheben sich die hohen Felskuppen von Karang-bollong.
+
+Am folgenden Morgen fuhr ich über den Fluss, der die westliche Grenze
+von Ambal des südlichen Theils der Provinz Bagelen bildet; ich traf den
+Assistent-Residenten und setzte in seiner angenehmen Gesellschaft den
+Weg über den Felsrücken fort, der hier die flache, fast geradlinige
+Küste plötzlich unterbrechend, mehrere Paal weit ins Meer ragt. Nach
+wenigen Stunden erreichten wir am jenseitigen Fuss des Berges den Ort
+Karang-bollong, welcher die Beamtenwohnungen und das Magazin für die
+Vogelnester enthält. In der Mitte des letzteren erhob sich ein reich
+geschmücktes, der Geisterkönigin Loro-kidul, Schutzpatronin der
+Nestersammler, geweihtes Bett, vor welchem Früchte, Blumensträusse,
+Räuchergefässe standen; eine verzierte Kiste enthielt ihre Garderobe,
+die von Zeit zu Zeit auf Kosten der Regierung erneuert wird. Loro-kidul
+hat eine eigene Kammerjungfer, die zur Zeit der Lese die Göttin befragt,
+ob die Nester gepflückt werden dürfen oder nicht. Die Antwort lautet
+gewöhnlich bejahend, zuweilen aber auch verneinend; dann wird nach
+einigen Tagen wieder angefragt, und immer noch hat Loro-kidul zur
+günstigen Zeit die Erlaubniss ertheilt, vielleicht aus Furcht, durch
+Eigensinn ihre Kammerjungfer zu verlieren. Die Nester werden dreimal
+jährlich eingesammelt. Es war jetzt gerade die Zeit, wo mit der zweiten
+Lese begonnen werden sollte. Die Leute waren beschäftigt, Bambus- und
+Rotangleitern in Stand zu setzen, um vom oberen Rande der Felsenmauer
+aus in die Höhlen zu steigen. Vom Meere her sind sie nicht zu erreichen.
+Für die grosse Höhle Gua-gedeh sollten die Vorbereitungen den nächsten
+Tag fertig sein; so hatte ich denn Gelegenheit, eine dieser berühmten
+Höhlen zu besuchen, wozu ein Fremder wohl nicht leicht Erlaubniss
+erhält. Die Beamten, denen der Besuch freisteht, haben ihrerseits wenig
+Lust, sich dem beschwerlichen und als halsbrecherisch geschilderten Gang
+auszusetzen, da sie nicht die Neugier eines Reisenden besitzen.
+
+Auf dem Gipfel des Bergrückens, der die Thalmulde, in welcher das
+Packhaus liegt, vom Meer trennt, stehen drei kleine Flaggenstöcke, von
+denen, wenn die See ruhig ist, so dass man gefahrlos den Eingang der
+Höhle erreichen kann, weisse, im andern Falle schwarze Flaggen wehen.
+Loro-kidul war liebenswürdig, 3 weisse Fähnchen winkten von der Höhe.
+
+Hat man den gegen 1000' hohen Bergrücken erstiegen, so geniesst man eine
+herrliche Aussicht. Jenseits der jähen Felsen, die wie grosse
+Strebepfeiler die senkrechte Bergwand an der Seeseite stützen, breitet
+sich das indische Meer, im Osten die Ebene von Bagelen, im Westen die
+von Banjumas aus. Ein bequemer Pfad führt zur Meeresküste hinab, bis zu
+einer Stelle, wo derselbe plötzlich an einer senkrechten Wand aufhört.
+Von hier steigt man auf einer Leiter hinab, deren Seiten aus Rotang,
+deren Sprossen aber aus Bambus bestehen, und von der nur das oberste um
+einen Baum geschlungene Ende sichtbar ist, der übrige 90' lange Theil
+der Leiter hängt frei in der Luft vor der Wand, die an dieser Stelle
+nach Innen einspringt. Der Sicherheit wegen muss man barfuss gehen. Von
+der untersten Sprosse tritt man auf einen kaum 1-1/2' breiten
+Felsenvorsprung, in dessen Spalten einige Pflöcke eingekeilt und noch
+ausserdem durch kleine Stricke an den Unebenheiten des Gesteins
+befestigt sind. An diesen Pflöcken sind die beiden Enden eines
+dreifachen Rotang fest gemacht, der von hier in die Tiefe hinabhängt,
+und dessen unten entstehende Biegung (sogenannte doppelte Bucht) eine
+27' lange Bambusleiter trägt, deren oberes Ende auch noch an den
+Pflöcken des Felsenvorsprunges mit kleinen Stricken festgebunden ist.
+Der ganze Apparat flösst dem Neuling wenig Zutrauen ein. Auf dem kleinen
+Vorsprunge muss man sich umdrehen, um die Bambusleiter, die man nicht
+sieht, mit den Füssen zu erreichen und weiter in die Tiefe zu steigen.
+Auf der untersten Sprosse angelangt, befindet man sich etwa 10' über dem
+Meeresspiegel. Um diese Sprosse und die die Leiter tragende
+Rotangschleife ist das Ende eines mehrere 100' langen Rotangs
+geschlungen, das in die Höhle führt, wo es an den Unebenheiten der Decke
+vermittelst Arengstricken befestigt ist. Man geht auf diesem Rotang und
+hält sich mit den Händen an einem zweiten, einige Fuss darüber
+angebrachten. Es waren nur erst diese beiden Rotangs festgemacht; später
+zieht man deren mehrere nach allen Richtungen. Die Nester sitzen in
+Reihen an den Felswänden, werden mit der Hand gesammelt, und wenn sie
+nicht erreichbar sind, mit einer Stange, deren Ende eine Schaufel mit
+Netzbeutel trägt. Das Geschäft ist wohl nicht so gefährlich, als es
+aussieht, denn seit 1830, wo der Besitz der Höhle an die Holländer
+überging, soll nur ein Mann dabei verunglückt sein. Früher pflückte man
+die Nester je einen Monat früher, wenn noch die jungen Vögel darin
+lagen, die herausgeworfen und vernichtet wurden; jetzt sammelt man sie
+erst, nachdem die Jungen flügge geworden sind und sichert sich dadurch
+einen beständigen Ertrag. Dagegen sind die um so viel älteren Nester
+nicht durchgängig von so guter Beschaffenheit. Diese Höhlen, deren 19 im
+Gebirge von Karang-bollong liegen, gingen erst nach Unterdrückung des
+Aufstandes von Dipo-negoro (1830) in den Besitz der holländischen
+Regierung über, welche alle seit den ältesten Zeiten bei dem Sammeln
+üblichen abergläubischen Gebräuche, an denen die Eingebornen so fest
+hängen, beibehalten hat. Sie geben einen interessanten Einblick in die
+Sitten der Javanen, weshalb ich eine kurze Beschreibung derselben theils
+nach Mittheilungen, die ich an Ort und Stelle erhielt, theils nach einer
+Abhandlung eines früheren Assistent-Residenten von Ambal hier beifüge.
+--[88]
+
+[Illustration: HÖHLE (GUA) GEDEH.]
+
+Das Sammeln der Vogelnester findet dreimal im Jahre statt, die erste
+Ernte, Unduan-kesongo, Ende April, die zweite, Tellor, Ende August, die
+dritte, Kapat, im Dezember; der Gesammtertrag beläuft sich auf 44-45
+Pikul. Vor dem Beginn der Lese erhalten die Häuptlinge der verschiedenen
+Klippen Geld zur Beschaffung von 9 Büffeln, 2 Ziegenböcken, Rotangs,
+Bambus, Fackeln, Opium und Weihrauch, dann werden aus der zugänglichsten
+Höhle Nogasari bei recht stiller See einige Probenester geholt. Sind die
+Vögel hinreichend entwickelt, so findet das Opferfest mit Wayang
+(Schattenspiel) und Toppeng (Maskenspiel) statt. Nach dem Adat[89]
+beginnt das Fest an einem Donnerstag Abend. Freitag früh werden die
+Büffel geschlachtet und Stückchen Fleisch an dem Bollong und den
+Wachthäusern geopfert, an der Klippe Madjingklak aber wird ein Geisbock
+geopfert und geräuchert; diese Festlichkeiten heissen ~Ngadiran~.
+Nachmittags ist Wayangspiel im Bollong. Nach Beendigung desselben bringt
+die bereits erwähnte Kammerjungfer das Bett der Loro-kidul (das
+„Teufelsbett”) in Ordnung, der Spiegel am Kopfende desselben wird dann
+mit seidenen Kleidern behängt. Ausser dieser Frau, Tukang-gedong, darf
+es Niemand berühren. Nachdem das Bett festlich geschmückt und Lampen
+angezündet sind, tritt die Frau mit grossen Ehrenbezeugungen vor
+dasselbe und spricht auf hochjavanisch: „Auf Befehl meines Herrn (des
+Aufsehers) bringe ich Euch hier zu essen”, worauf sie sich gleich selbst
+die Antwort giebt: „Ya, Mak tukang-gedong: sage dem Vater, meinem Herrn,
+dass ich ihm für das mir gesandte Essen meinen Dank bezeuge.” Dann fragt
+Tukang-gedong, ob Njai Kidul erlaubt, dass Nester gepflückt werden, und
+ob es ohne Unglücksfall geschehen werde, worauf gewöhnlich „ja”
+geantwortet wird. Während der ganzen Nacht spielt der Toppeng in der
+Nähe des Packhauses bis zum folgenden Morgen. Samstag früh bringen die
+Häuptlinge mit ihren Leuten die bereits verfertigten Leitern nach den
+verschiedenen Klippen und treffen weitere Vorbereitungen. Den ganzen Tag
+über ist Toppeng, Abends Gamelang und Tanz, wobei die Tänzerinnen zu
+Ehren Loro-kiduls das Gesicht nach dem Packhause wenden. Inzwischen wird
+das Essen aufgetragen. Alles setzt sich im Kreise: Schreiber, Bedana,
+Mantris, die Häuptlinge der Klippen und ihre Leute; der Schreiber führt
+den Vorsitz und bringt Toaste auf einen guten Erfolg aus. Jeder
+Anwesende erhält eine Gabe Opium; der Tanz währt bis Mitternacht, womit
+das Fest sein Ende erreicht. Sonntags gehen die Häuptlinge wieder nach
+ihren Klippen, verlängern, wenn die See ruhig ist, die Leitern bis an
+die Höhlen und holen einige Probenester herauf; sind diese hinreichend
+ausgebildet, so werden die Leitern an den Gestellen befestigt, was
+gewöhnlich 5-6 Tage erfordert. Ist Alles bereit, so wählt man, um zu
+beginnen, einen Tag, der für besonders glücklich gilt. Die Zahl der
+Sammler beträgt zuweilen am ersten Tage 80-90, verringert sich aber
+schnell mit der Abnahme der Nester. Beim Abliefern ins Packhaus findet
+wieder ein kleines Festmahl mit rothem und weissem Reis statt. Die Lese
+dauert 3 Wochen bis 2 Monate, dies hängt vom Zustand der See, aber auch
+von abergläubischen Rücksichten ab. Die Lese im August oder Anfangs
+September ist gewöhnlich die ergiebigste. Die Zugänglichkeit der Höhlen
+ist sehr verschieden; ebenso verschieden ist auch ihr Ertrag: während
+die Höhle Muliran nur 1-3 Nester lieferte, gab die grosse Höhle Nogosari
+im Jahre 1857 3229 ℔; der Gesammtertrag aller Höhlen in den
+verschiedenen Jahren bleibt aber bis auf ganz kleine Schwankungen
+derselbe, weshalb der amtlichen Büchern entnommene Ertrag von 1857 als
+Norm hier angeführt werden mag. Die Nester werden sortirt in ganze,
+zerbrochene und Grus. Für den Markt hat dies aber keine Bedeutung, da
+die ganzen Nester mit den Bruchstücken vermengt, nach dem Gewicht
+verkauft werden. Man sortirt aber auch nach drei Qualitäten: 1) weisse,
+2) weniger weisse, 3) braune und schwarze. Totalertrag sämmtlicher
+Höhlen 1857: ganze Nester: 196,583 Stück, zerbrochene: 109,528, Grus:
+1106 ℔, Totalertrag in Pfunden: 5354. Im Durchschnitt werden die Nester
+auf den öffentlichen Auktionen in Batavia 1. Qual. mit 6200 fl., die 2.
+mit 5000, die 3. mit 2800 fl. per Pikul von 125 ℔ bezahlt. Ueber den
+Stoff, aus dem die Nester bestehen, herrschten bis vor Kurzem sehr
+abweichende Vorstellungen. Erst Dr. Bernstein beschrieb nach
+wiederholten sorgfältigen Beobachtungen ihre Entstehung, sowie er auch
+der Gattung Collocalia Gr., die Bonaparte wieder zu den Schwalben
+gestellt hatte, in Folge genauer anatomischer Untersuchungen ihre
+richtige Stellung im System in der Familie der Cypseliden anwies und
+dadurch Gray's frühere Klassifikation, ohne sie zu kennen, bestätigte.
+
+Nach Bernstein[90] kennt man von der Gattung Collocalia bis jetzt
+nur 4 Arten: C. esculenta Lath., G. nidifica Lath., beide auf Java
+einheimisch, C. troglodytes Gr. & Mitch., den Molukken und Philippinen
+und C. francica, allein der Insel Mauritius angehörend. Die Nester von
+C. esculenta, seit Jahrhunderten bekannt und oft beschrieben, haben im
+Allgemeinen die Form einer der Länge nach geviertelten Eischale, die mit
+einer Seite am Felsen klebt, welcher die Rückwand des Nestes bildet. Von
+beiden Enden gehen flügelartige Ausbreitungen aus, die mit ihrer flachen
+Basis am Gestein festsitzend, die Hauptstütze des Nestes bilden, das aus
+einer sehr dünnen, durchscheinenden, weissen oder bräunlichen Masse
+besteht, die am meisten Aehnlichkeit mit Hausenblase hat und wellige
+Querstreifen zeigt. C. nidifica, die auf Java wohl noch häufiger ist,
+als die andre Art, wohnt in weniger unzugänglichen Höhlen und baut ihre
+Nester, die den andern sehr ähnlich sehen, zum grossen Theil aus
+Pflanzenbestandtheilen, welche durch die leimartige Substanz an einander
+geklebt werden, während die Nester von C. esculenta ausschliesslich aus
+dieser Substanz bestehen. Einige hielten diesen Stoff für den
+verhärteten Saft eines Baumes, Calambone,[91] andere für Seetang, vom
+Vogel verzehrt und wieder ausgespieen; doch hat man in seinem Magen nie
+Spuren von Pflanzenstoff, sondern nur Insekten gefunden. Einen Kropf, in
+dem die Metamorphose vor sich gehen könnte, besitzt der Vogel nicht.
+Bernstein fand aber an ihm ungewöhnlich entwickelte Speicheldrüsen,
+besonders glandulae sublinguales, die zur Zeit des Nestbaues
+ausserordentlich anschwellen, dann wieder kleiner werden und später die
+gewöhnliche Grösse dieses Organs bei verwandten Vögeln nicht
+übertreffen. Sie sondern einen dicken, zähen Schleim ab, der sich in
+grosser Menge an der Oeffnung der Ausführungsgänge dieser Drüsen, vorn
+unter der Zunge, anhäuft. Die Masse hat, oberflächlich betrachtet,
+grosse Aehnlichkeit mit einer sehr dicken Lösung von Gummi Arabicum,
+trocknet schnell an der Luft und stimmt auch, unter dem Mikroskop
+betrachtet, vollständig mit der Substanz der Nester überein. Bernstein
+beobachtete mehreremale diese Vögel beim Nestbau. Sie fliegen wiederholt
+an die gewählte Stelle und drücken mit der Zungenspitze einen Tropfen
+des Speichels gegen die Felswand. Dies wiederholen sie zehn- bis
+zwanzigmal, ohne sich mehr als eine Elle weit vom Platz zu entfernen,
+sie müssen also das Material, das sich schnell wiedererzeugt, in
+grösserer oder geringerer Menge bei sich führen. So entsteht als
+Grundlage des Nestes eine hufeisenförmige Erhöhung, der Vogel klammert
+sich daran und vergrössert, indem er mit dem Schnabel hin- und herfährt
+und den Schleim am Rande aufsetzt, das Nest, wodurch auch die oben
+erwähnten Streifen entstehen. Alle diese Angaben beruhen nicht auf
+Vermuthungen, sondern sind die Ergebnisse von Dr. Bernstein's
+wiederholten, mit grosser Umsicht angestellten Beobachtungen.
+
+Von Karang-bollong kehrte ich nach Tjelatjap zurück. Schon in Adiredjo
+sah ich grosse Vorbereitungen für den auf den folgenden Tag
+festgesetzten Empfang des neuen Residenten von Banjumas treffen. Es
+erhoben sich ganze Reihen von Ehrenpforten aus Bambus, und gegen Abend
+fanden sich die holländischen und inländischen Beamten mit ihrem
+zahlreichen Gefolge ein, um dem Residenten von hier aus das Geleit zu
+geben. Die Strasse nach Tjelatjap war mit Zügen von Lanzenträgern
+bedeckt, die zu einem Rompok (Tigerstechen) entboten waren. Am folgenden
+Morgen hatten sich die vornehmsten Beamten mit dem Residenten im Pendopo
+des Regenten zur Erledigung der amtlichen Geschäfte versammelt. Neben
+dem Residenten in einfacher Uniform sass der Tumongong (Regent) in
+vollem Schmuck, den Sarong in künstliche Falten gelegt, 2 Krise an der
+Seite, eine fast fusshohe cylindrische Mütze auf dem Kopf; daneben auf
+dem Boden kauernd, dem Range nach geordnet, die höheren inländischen
+Beamten; vor der Halle im Freien hockten mit ihrem Gefolge die Bedanas
+und Aeltesten der verschiedenen Dorfschaften, um die Vertheilung der
+ihre Gemeinden treffenden Steuern und Lasten mit den Regierungsbeamten
+zu vereinbaren, wie es alljährlich geschieht. Nachdem die Geschäfte
+abgemacht, hielt der Resident dem Tumongong eine kurze Ansprache, worauf
+dieser vor die Versammlung trat und sie anredete. Darauf begaben sich
+der Resident nebst dem Regenten, von fast allen in Tjelatjap anwesenden
+Europäern gefolgt, nach einem Pavillon, um einen Kampf zwischen
+Königstiger und Büffel mit anzusehen. Ein wohl 20' hoher cylindrischer
+Bambuskäfig enthielt einen bekränzten Büffel; auf ein gegebenes Zeichen
+wurde eine kleine Thür geöffnet, die zu einem daran stossenden,
+kleineren, den Tiger enthaltenden Käfig führte. Alles wartete mit
+Spannung, der Tiger erschien aber nicht. Erst nachdem er ziemlich lange
+durch brennende Fackeln gepeinigt worden, schlüpfte er aus dem kleinen
+in den grossen Käfig, zeigte aber durchaus keine Kampflust. Er lief
+einigemal ängstlich im Kreise herum, bis ihm der Büffel, der ihn
+anscheinend mit dem Gleichmuth eines Unbetheiligten betrachtet hatte,
+einen Stoss gab, worauf der Tiger vor Angst an den Stäben in die Höhe
+kletterte. Durch kochendes Wasser, Absud von Pfeffer und Lanzenstiche
+wurde er von dort vertrieben. Beide Thiere wurden unaufhörlich von den
+oben auf dem Käfig stehenden Leuten gereizt, bis der Tiger endlich einen
+Sprung that und sich fest in das rechte Ohr des Büffels einbiss, indem
+er seine Tatze zugleich in den Nacken seines Gegners tief einschlug. Der
+Büffel versuchte vergeblich, ihn abzuschütteln, heulte vor Schmerz und
+schleifte den Tiger mehrmals auf dem Boden rings herum. Endlich liess
+dieser los und erhielt ein paar so kräftige Stösse, dass er wie todt
+liegen blieb. Der Büffel beroch ihn; als aber der Tiger den Versuch
+machte, nach ihm zu schnappen, erhielt er einen solchen Stoss, dass er
+wieder alle Viere von sich streckte. Das Publikum war zwar noch lange
+nicht befriedigt und wendete Pfeffer- und Stinkbrühen, Lanzenstiche und
+brennende Fackeln an, um die erschöpften Thiere noch einmal an einander
+zu bringen; aber vergeblich; die kleine Thür wurde endlich wieder
+geöffnet, der Tiger durch Feuer zum Aufstehen genöthigt, schlüpfte
+behend in seinen Käfig zurück.
+
+[Illustration: FEST IN TJILATJAP. JAVA.]
+
+Nachmittags um 5 Uhr fand auf dem Alun-alun, vor dem Hause des Regenten,
+ein ~Rompok~ statt. Der grosse viereckige Platz war mit mehreren Reihen
+von Lanzenträgern umgeben, es mochten ihrer wohl über 2000 sein. In der
+Mitte des Vierecks standen zwei kleine, mit Stroh überschüttete Käfige
+und ein dritter, höherer, in Form eines Daches. Die beiden ersten Käfige
+enthalten je einen Tiger. Ein dichter Kranz von Zuschauern umgiebt die
+Lanzenträger. Auf ein gegebenes Zeichen wird ein Käfig in Brand
+gesteckt, der Tiger will aber durchaus nicht erscheinen. Es ist dieselbe
+arme Bestie, die schon heut morgen vom Büffel so übel zugerichtet wurde;
+schon fürchtet man, dass er verbrannt oder erstickt sei, als er endlich
+mit dem Hintertheil zuerst zum Vorschein kommt. Kaum aber hat er sich
+umgesehen, so läuft er in den brennenden Käfig zurück, und es dauert
+abermals geraume Zeit, bis er zum zweitenmal heraustritt. Ohne sich vom
+Platz zu rühren, mustert er genau das Terrain und späht ängstlich nach
+einem Schlupfwinkel. Da er keinen Schritt thut, setzt sich das mit
+Bewaffneten angefüllte dachförmige Gestell in Bewegung, aus dessen
+Oeffnungen ihre langen Lanzen hervorragen. Sie zwingen endlich das
+Thier, sich zu bewegen. Da der Tiger fast immer gegen die Richtung des
+Windes läuft, so war die Windseite am stärksten bemannt worden. Diesmal
+aber wich er mit richtigem Takt von seiner Gewohnheit ab, stürzte sich
+plötzlich auf eine schwach bemannte Stelle in der Nähe unseres
+Pavillons, und machte einen verzweifelten Versuch, durchzubrechen. Kaum
+aber hatte er die Stelle erreicht, als er von zwanzig Lanzen durchbohrt
+zu Boden sank. Man steckte den zweiten Käfig in Brand. Das muthige Thier
+springt mit einem Satz heraus, stutzt, mustert seine Feinde, setzt sich
+in Lauf und versucht an der Windseite einen Durchbruch, dort
+zurückgedrängt, wiederholt er einige Schritte weiter denselben Versuch,
+wird aber sogleich durchbohrt, indem alle Nahestehenden, unfähig, ihre
+Leidenschaft zu zügeln, ihm ihre Lanzen in den Leib stossen. Der Regent
+bot mir die Tiger an, da aber die Felle zerfetzt waren, und ich deren
+bereits fünf besass, so begnügte ich mich damit, die Eingeweidewürmer
+meiner Sammlung einzuverleiben und liess mir einige Tigerkoteletten
+braten, die gegen Erwarten gut, fast wie Rindfleisch schmeckten, was die
+übrigen Gäste nicht glauben wollten, die vor dem Fleisch einen gewissen
+Ekel empfanden. Der Resident bestätigte aber mein Urtheil. Er hatte
+früher in Banjuwangi, wo Rindfleisch nur selten vorkam, den Rücken eines
+jungen Tigers in Form von Rinderbraten bereiten und einige in der
+Provinz ansässige Pflanzer zum Diner einladen lassen. Das Fleisch
+schmeckte ihnen vorzüglich, und sie entdeckten den Verrath erst, als sie
+den Rest des Thieres in der Speisekammer hängen sahen.
+
+Nachdem ich meine naturwissenschaftlichen und ethnographischen
+Sammlungen, die auf der Reise so angewachsen waren, dass sie fast den
+ganzen Platz im Wagen und einen auf dem Verdeck eingerichteten Raum
+einnahmen, wohl verpackt dem Assistent-Residenten übergeben, der sie
+pünktlich, wie er versprochen hatte, mit dem ersten Schiffe an unsere
+Museen absandte, verliess ich Tjelatjap und begab mich nach Banjumas,
+Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, wo ich einige Tage im Hause des
+Residenten zubrachte. Neben der sehr geräumigen „Residenz” lag ein
+zweites Haus mit breiter Veranda, eine ganze Reihe Fremdenzimmer
+enthaltend, in welchen die fünf oder sechs gleichzeitig anwesenden Gäste
+so unabhängig und behaglich, wie in einem guten Hotel wohnten.
+
+In Adjibarang, einem SW. vom Slamat gelegenen Dorfe, traf ich eine
+Abtheilung Topographen (Mestizen) unter Leitung eines holländischen
+Hauptmanns, und war erstaunt über ihre Leistungen. Die in aequidistanten
+Horizontalen aufgenommenen Messtischblätter eines reich bewässerten,
+verwickelten Hügelterrains konnten sowohl in Bezug auf Genauigkeit als
+auf schöne klare, reliefartige Darstellung den besten europäischen an
+die Seite gestellt werden. Der Maasstab war 1: 10,000. Seit 1848 besteht
+in Gombong eine Schule für Europäer und Mischlinge, zur Heranbildung von
+Unteroffizieren; die besseren Schüler werden zu Topographen ausgebildet.
+Ganz in der Nähe von Adjibarang ist ~Batubala~, eine wenige Fuss breite,
+über hundert Fuss lange, tiefe Spalte, nahe dem Rande einer gegen 200'
+hohen, senkrechten Lavawand, in welche früher die Sultane von Jokjokarta
+ihnen unbequeme Personen ohne alle Form von Prozess mit auf den Rücken
+gebundenen Händen werfen und elend verschmachten liessen. Von Adjibarang
+bis Purwolingo, um den SO.-Fuss des Slamat herum, breitet sich zu beiden
+Seiten reiches Kulturland aus, ungemein ergiebig durch fruchtbaren
+Boden, reichliche Bewässerung und den Fleiss einer dichten Bevölkerung.
+Während aber in den meisten Ländern die fruchtbarsten Auen sehr
+einförmig sind, und nur mittelbar durch die Betrachtungen über ihren
+Nutzen erfreuen, gehören die Sawas in diesen malerischen
+Berglandschaften zu den schönsten Bildern, die man sehen kann. Jeder
+Hügel ist fast bis zum Gipfel von Terrassen umgeben, die seinen Umrissen
+folgen und diesen Denkmälern menschlichen Fleisses die Gestalt
+gegliederter Baudenkmäler geben, während tausend kleine Kaskaden die
+starre Form beleben.
+
+In Purwolingo erwartete mich der Assistent-Resident. Wir legten die
+erste Strecke im Wagen zurück, ritten dann bis Bobotsári und am
+folgenden Tage nach Priatin. Nicht weit von der Strasse bricht die
+Quelle des Kali-arus mit solcher Wasserfülle aus horizontalen Lavabänken
+hervor, dass ein schnell fliessender, 5' breiter Bach daraus entsteht.
+Aus einigen Löchern sprudelte das Wasser 1/2 Fuss hoch.
+
+Etwas weiter, in der Nähe des Dorfes Seraju, liegt der malerischste
+Wasserfall, den ich je gesehen (Tjipotut): vom Rande der dicht
+bewachsenen Hinterwand fällt ein reichlicher Bach in ein erstes, fast
+kreisrundes, flaches Becken, in dessen mittlerem Theil das Wasser einen
+Teich bildet, worin mehrere Frauen badeten, während andere auf dem
+ringförmigen Rande im Schatten schlanker Bambusen mit ihnen scherzten.
+Aus einer Rinne stürzte das Wasser in ein zweites Becken und von da in
+einen tiefen, runden Kessel, dessen finstere mit Farnen bekleideten
+Tuffwände einen schönen Gegensatz zu den oberen sonnigen Becken
+bildeten. Als ich vom Wasserfall zurückkehrte, sah ich meinen Begleiter
+beschäftigt, Anstalten gegen den Regen zu treffen, der uns bevorstand,
+d. h. er wickelte seine Uhr und Brieftasche geschickt in ein
+Bananenblatt, so dass das Wasser davon, wie von einem Dache ablaufen
+musste. Kaum waren die Vorbereitungen vollendet, als ein heftiger Regen
+eintrat, der ununterbrochen bis Priatin anhielt, das wir nach einigen
+Stunden erreichten. Herr B. war wieder ein Beispiel für die Richtigkeit
+der Behauptung, die ich in Indien so oft von Aerzten und alten
+Praktikern hörte, dass nämlich ein sonst gesunder Körper sich am besten
+akklimatisirt, wenn er kein Wetter und keine Strapazen scheut. Obgleich
+mein Gefährte schon 28 Jahre in ostindischen Diensten stand, und
+namentlich als Kontrolör grosse Beschwerden erduldet hatte, war er noch
+so rüstig, dass er in seiner dünnen Kattunjacke den in 3-4000' Höhe doch
+ziemlich kalten Regen anscheinend ohne alle Belästigung ertrug. Der
+Abend in Priatin war sehr schön. Die Kulis lagerten sich um ein
+gewaltiges Wachtfeuer und erfreuten sich am Gamelang und Tanz der
+Ronggengs, der bis spät in die Nacht dauerte.
+
+Am folgenden Morgen, nachdem ich mich von meinem freundlichen Begleiter,
+der nach Purwolingo zurückkehrte, verabschiedet hatte, bestieg ich den
+Slamat, auf dessen östlichem Abhang Priatin in 4000' Höhe liegt. Einen
+Paal weiter stehen die letzten von einigen Kaffeebauern zeitweis
+bewohnten Hütten. Das Steigen wäre viel beschwerlicher gewesen, hätten
+wir nicht bald Rhinozerospfade getroffen, die in bequemen Windungen bis
+an den Schuttkegel führen, aus dem die Spitze des Berges besteht. Diese
+Thiere müssen hier sehr häufig sein, wir trafen vielfach ihre Spuren. Im
+ganzen Westen von Java kommen sie vor; der Slamat bildet aber die
+östlichste Grenze ihres Verbreitungsbezirks. Das Nashorn ist so scheu,
+dass man es fast nie zu Gesicht bekommt; doch werden einzelne Fälle
+angeführt, wo es, wahrscheinlich in der Brunstzeit, Menschen angegriffen
+hat. Die plumpen Thiere ersteigen die höchsten Berge, wo sie ihr
+Lieblingsgras in Menge finden, und sind unübertrefflich im Anlegen von
+Strassen: indem sie immer derselben Spur folgen, schleifen sie mit ihrem
+tief herabhängenden, faltigen Lederpanzer und dem daran haftenden Sande
+allmälig tiefe Rinnen mit völlig glatten Wänden selbst in das härteste
+Gestein. Nicht minder wunderbar erscheint der ausgezeichnete
+topographische Takt, mit welchem alle Terrainschwierigkeiten umgangen,
+steile Stellen durch Zickzacklinien überwunden werden; das Wunder
+erklärt sich aus der Unbeholfenheit des Thieres, dem schwierige Stellen
+unzugänglich sind. -- Das Fell des Rhinozeros dient zu verschiedenen
+Zwecken; als Schild lässt es keine Musketenkugel durch; die Chinesen
+gebrauchen es in der Medizin. Das Horn gilt in Java als ein sicheres
+Mittel gegen Schlangengift, nicht nur bei den Eingebornen, auch viele
+gebildete Europäer sind von seiner Wirksamkeit so fest überzeugt, dass
+sie auf Reisen gewöhnlich eine dünne Scheibe davon bei sich tragen, in
+der Meinung, dass durch Auflegen der porösen Masse auf die Wunde das
+Gift unfehlbar ausgezogen wird. Eine Dame, die auf diese Weise einen von
+einer Schlange Gebissenen „geheilt”, hatte sogar die Hornscheibe vorher
+in Essig gelegt, um sie noch wirksamer zu machen!
+
+Nachdem wir die Waldgrenze überschritten und die Region betreten hatten,
+in welcher nur einzelne Bäume aus einige Fuss hohem Grase hervorragten,
+genossen wir einen prächtigen Anblick. Hinter den Vorbergen des Slamat
+sah man das nördliche Flachland und hinter diesem die Java-See sich
+ausbreiten, im Westen überragte der Tjerimai die kleineren Berge, im
+Osten thürmte sich ein hoher Vulkan hinter dem andern auf, dahinter die
+9-10,000' hohen Sindoro, Sumbing, Merapi, Merbabu; im Süden lag die
+reiche Provinz Banjumas und der indische Ozean. Die beiden Meere sind
+von hier fast gleichweit entfernt. Mehrere tausend Fuss unter uns
+schwebte in einer horizontalen Ebene die Wolkenschicht, unzählige Cumuli
+bildend, und warf auf den Erdboden scharf begrenzte Schatten, die durch
+die Zwischenräume deutlich zu erkennen waren. Der schöne Anblick dauerte
+nicht lange, die Cumuli verschwammen zu einer dichten, jede Aussicht
+verhüllenden Nebeldecke, noch ehe wir den oberen Rand der Grasregion
+erreicht hatten, die scharf, wie abgeschnitten, an den Schutthaufen
+grenzt, auf dem man die letzten paar tausend Fuss zum Kraterrande
+emporsteigt. Als ich mit 2-3 Begleitern oben ankam, stellte sich ein
+feiner, kalter Regen ein, der uns in unserer sehr dünnen Kleidung vor
+Kälte zittern machte. Allmälig kamen einige Leute mit Gepäck, es wurde
+ein Wachtfeuer angezündet; gegen Abend glich der Berggipfel einem
+grossen Lagerplatz. Herr B. hatte in liebenswürdigster Zuvorkommenheit
+20 Kulis zu meiner Begleitung bestimmt, und dieselben mit allerlei
+Geräthen der Bequemlichkeit ausgerüstet, um diese Exkursion zu einer
+wahren Vergnügungsreise für mich zu machen. Als ich aber gegen Abend die
+Menschen an den verschiedenen Feuern zählte, waren ihrer über 80, von
+denen die grosse Mehrzahl doch nur zu ihrem Vergnügen sich betheiligt
+haben konnte, da nicht anzunehmen ist, dass jeder Kuli noch drei
+Unter-Kulis habe.
+
+Aus drei Matten und ein paar Bambusen war schnell eine kleine Zelle für
+mich erbaut, deren eine Seite die Felswand bildete. Allmälig füllte sie
+sich mit allerlei Luxusgegenständen: ein Träger brachte eine
+Lampenglocke, andre ein Waschbecken, Teller, Theetassen. Ein trockener
+Rock und etwas zu essen wäre mir lieber gewesen; die Aussichten für die
+Nacht waren etwas ungemüthlich, als zu meiner Freude noch spät Abends
+der Koch erschien, der schon auf einem Halt unterwegs das Essen
+zubereitet hatte. Mit ihm zugleich kam eine mit Baumwolle gestopfte
+Matratze, worin ich eine unerwartet angenehme Nacht zubrachte, indem ich
+ihr oberes Ende aufschnitt und bis an den Hals hineinkroch.
+
+Bei ihrem Aufgang warf die Sonne den langen Schatten des Slamatkegels
+auf die über der Ebene schwebende Wolkenschicht, aber bald wurde es
+völlig trübe und die Aussicht beschränkte sich auf die nächsten Punkte.
+Am nördlichen Abhang erblickt man einige kleine Seitenkrater, wie man
+deren so viele am Aetna wahrnimmt. Gegen Mittag verliessen wir den
+Gipfel. Am unteren Rande des Schuttkegels begegneten wir noch mehreren
+Kulis mit Gegenständen, die uns gestern Abend sehr angenehm gewesen
+wären. Sie hatten die Nacht im weichen Grase gelagert und kehrten nun
+mit uns um. Als wir kaum die Rhinozerospfade betreten hatten, begann es
+so heftig zu regnen, dass diese schmalen, Laufgräben ähnlichen Wege sich
+in Bäche verwandelten. Um 4 Uhr Nachmittags waren wir wieder in Priatin.
+
+Bei der Rückkehr nach Banjumas hatte ich das Vergnügen, unsern
+Landsmann, den Oberst v. S., kennen zu lernen, der als Chef des
+Geniewesens auf einer Inspektionsreise begriffen war und mir bis zu dem
+Augenblick, wo ich Java verliess, unzählige Gefälligkeiten erzeigte.
+Mein Bedienter war von den Strapazen der letzten Reise krank geworden;
+der Resident von Banjumas nöthigte mir, als ich nach einigen Tagen
+abreiste, einen der zuverlässigsten und intelligentesten seiner eigenen
+Diener auf, der mich während meines ganzen ferneren Aufenthalts in Java
+begleitete und überhäufte mich überdies mit Aufmerksamkeiten, deren ich
+zum Theil erst nach meiner Abreise inne wurde.
+
+Ich kann nicht unterlassen, bei dieser Gelegenheit nochmals der grossen
+Gastfreundschaft in Java und der Art ihrer Ausübung zu gedenken, denn
+sie bildet einen der hervorragendsten Züge im dortigen Reiseleben, der
+in der Erinnerung um so deutlicher hervortritt, je mehr sich die andern
+Eindrücke verwischen. -- Bei den Völkern lateinischer Abstammung wird
+Einem im ersten Auflodern der Gefälligkeit so viel mehr versprochen, als
+gehalten werden kann, dass Alles nothwendig auf eine höfliche Formel
+hinauslaufen muss, die aber gerade, weil sie nichts kostet, so allgemein
+ist, dass der oberflächliche Verkehr mit ihnen dadurch eine angenehme
+Färbung erhält. Die Engländer, die das, was sie versprechen, auch
+wirklich zu halten meinen, zaudern vorsichtig mit ihrem Entgegenkommen
+und stossen expansive Ausländer durch ihre kalte Gemessenheit ab. In
+Java wird die Formel der Spanier: „Sie sind in Ihrem Hause, dies Haus
+ist das Ihrige”, zur Wahrheit, ohne je ausgesprochen zu werden; wie
+überhaupt die unzähligen, dem Fremden erwiesenen Dienste, aus Furcht,
+dass er sie ablehnen könnte, nie vorher angeboten werden. Dass der
+Bediente nach den kleinen Gewohnheiten, den Lieblingsgerichten, den
+Speisestunden seines Herrn ausgefragt, und dass danach die Hausordnung
+abgeändert wird, ist durchaus nichts seltenes; aber nicht nur auf die
+Dauer des Besuchs beschränkt sich die liebenswürdige Fürsorge;
+mehreremale, wenn ich auf einem Berggipfel oder in einem abgelegenen
+Pasanggrahan das tägliche Huhn mit Reis essen wollte, fand ich den Tisch
+mit allerlei Leckerbissen besetzt, welche die Frau des Hauses, in dem
+ich zuletzt eingekehrt war, dem Diener heimlich zugesteckt hatte.
+
+
+
+
+Fünftes Kapitel.
+
+ Hochebene von Dïeng. Vulkane. Solfataren. Tempel. -- Vogelscheuchen.
+ -- Tempel Perot. -- Affengemeinde. -- Bad. -- Fliegende Hunde. --
+ Borobudor. Pavon. Mundut. -- Sultan von Jokjokarta und seine
+ Familie. -- Salzgewinnung. -- Karang-tritis. -- Getäuschter
+ Gastfreund. Landpächter. -- Indigofabriken. -- Begräbnissplatz
+ Imogiri. -- Tempel bei Kalasan und Prambanan. -- Surakarta. -- Der
+ Kaiser und sein Hofstaat. -- Betelkauen. -- Pangerans. -- Tanz. --
+ Der alte Blücher. -- Batek. -- Berg Lawu. Raden Rio. -- Neujahrsfest
+ in Surakarta.
+
+
+Von Banjumas führt eine schöne Strasse im Serajuthal auf der linken
+(südl.) Seite des Flusses nach Bandjar-negara. Der Ort hat eine sehr
+hübsche Lage. Den Hintergrund bildet eine Berglandschaft mit schönen
+vulkanischen Profilen, überragt vom Sindoro und Sumbing, den beiden
+Brüdern, wie sie die Schiffer nennen, die sie von der Rhede von Samarang
+erblicken; im Vorgrund ziehen sich die Terrassen der Reisfelder an den
+Seiten der steilsten Hügel hinan. Eine Wasserleitung, die Bandjar-negara
+mit gutem Trinkwasser versorgt, überschreitet in doppelter Bogenreihe
+den Fluss und sieht fast wie ein Römerwerk aus. Der Fahrweg folgt dem
+Laufe des Flusses bis Wonosobo; ich setzte aber die Reise zu Pferde über
+Karang-kobar und Batur nach dem berühmten Plateau von Dïeng fort. Gleich
+bei Bandjar-negara führt eine malerische Bambusbrücke über den
+Fluss.[92] In einem kleinen Warong daneben sah ich Yams (Dioscorea sp.)
+von intensiv violetter Farbe feil bieten.
+
+Hier beginnt die Strasse, die in Bezug auf grossartige Landschaften wohl
+jede andre in Java übertrifft: zwischen Hügeln, die ganz mit Sawas
+bedeckt sind, erheben sich kühne Felsen; einer derselben, der
+Gunong-labet, besteht aus dem Rest einer einzigen riesigen, konzentrisch
+schaligen Trachytkugel. In weiterer Ferne thürmen sich durch tiefe
+Schluchten zerrissene Gebirge immer höher auf bis zum Slamat, dessen
+10,630' hoher Gipfel alles überragt. Hinter Karang-kobar wird die
+Landschaft noch ernster, die fast kahlen Berge zeigen ihre Modellirung
+um so deutlicher. Für Reisfelder ist es hier oben zu kalt; Mais, Tabak,
+Weizen und Gemüse treten an ihre Stelle. Auch Bambusen sieht man wenig
+in dieser Höhe, deshalb führen hölzerne Brücken über die Bäche. Von den
+Häusern sind die besseren aus Holz, die ärmeren aus Glaga, dem mehrfach
+erwähnten Rohr, die Wände bestehen aus den Halmen, die Dächer aus den
+Blättern.
+
+Bei Batur (5000') betritt man im NW. die Hochebene von Dïeng, Javas
+phlegräische Felder. Der Weg führt zuerst durch braune Tuffschluchten,
+ganz wie bei Rom, und das Plateau ist kahl wie die Campagna. Links von
+der Hauptstrasse liegt ~Kawa-dringu~, eine Vertiefung in einem
+Bergabhang, der aus abwechselnden Lagen von Rapilli und Trachytblöcken
+besteht, ein graubrauner Schlammsee, etwa 20' lang und 50' breit bedeckt
+den Boden; die Dampfentwickelung ist so heftig, dass der Schlamm
+stellenweise 4 Fuss in die Höhe geworfen wird. In geringer Entfernung,
+NzO., liegt ~Telaga-dringu~, ein Wasserbecken im Boden eines alten
+Kraters mit etwa 120' hohen, sanft ansteigenden Wänden. Das Wasser ist
+nicht tief, selbst aus der Mitte ragen Binsen hervor. Der westliche
+Abhang ist mit Gras, der östliche mit Gesträuch und Bäumen bewachsen,
+die sich in Gruppen bis auf eine etwas erhabenere Felsbank in den See
+hineinziehen, auf welchem viele Tauchenten den Fischen nachstellten.
+
+[Illustration: BRÜCKE AUS BAMBUS U. ROTANG. WONOSOBO, JAVA.]
+
+~Sumor-djalatunda~, Junghuhn nicht bekannt, daher auf seiner Karte von
+Dïeng nicht angegeben, liegt ca. 1-1/2 Paal in gerader Linie östlich von
+Batur, SSW. von Kaputschuan. Dicht dabei schneidet die Strasse
+Batur-Dïeng am Kali-puti (weissen Bach), der aus der Kawa-dringu kommt
+und hier am äusseren Abhang des Sumor vorbeifliesst; hier hat er schon
+alles Sediment unterwegs abgesetzt, ist völlig klar, kalt und geruchlos.
+Sumor (Brunnen) wird dieser Kratersee genannt, der ringsum von fast
+senkrechten, üppig bewaldeten Wänden eingefasst ist. Der See, der den
+Boden einnimmt, ist oval, seine grösste Länge in der Richtung von N.
+nach S. beträgt gegen 100', sein Wasser ist dunkelgrün. Das ganze Becken
+erinnert sehr an Telaga-warna am Megamendong, nur betritt man dies
+letztere im Niveau des Wassers durch eine Spalte in der Kraterwand,
+während hier das Seebecken unzugänglich ist. Die Wände sind 130-150'
+hoch und ringsum geschlossen, wie der Kessel eines Brunnens. Die
+äusseren Abhänge dieses Kraters bestehen an der einzigen Stelle, wo ich
+sie entblösst fand, aus sehr feinen weissen Tuffen, in welchen einige
+Schichten trachytischer Rapilli vorkommen.
+
+Vierhundert Schritt östlich ist das ~Todtenthal~. Im Boden eines Kraters
+mit sanft geneigten Wänden, die mit Gras und Bäumen bewachsen oder mit
+Kohl und Tabak bepflanzt sind, liegt halb vergraben in der
+Rapillischicht, die den Boden bildet, ein grosser, flacher Stein, der
+schönste Trachytporphyr, den ich bis jetzt auf Java getroffen; dies ist
+die Stelle, wo früher die Mofette (siehe S. 147, Anmerkung) am
+heftigsten war. Ein paar Kulis erwarteten uns hier mit einem Hund und
+einem Huhn, um zu versuchen, ob die Ausströmung des Gases hinreichen
+würde, die Thiere zu betäuben; diese empfanden aber gar keine Wirkung.
+Der Auftritt erinnerte lebhaft an die neapolitanischen, zum Prellen der
+Fremden ersonnenen Kunststückchen in der Hundegrotte; hier war es
+indessen eine uneigennützige Aufmerksamkeit des Häuptlings. Die
+Ausströmungen scheinen fast ganz aufgehört zu haben, nur periodisch
+bemerkt man noch Spuren, wie sich aus einigen am Boden liegenden
+gebleichten Skeletten, sämmtlich kleinen Thieren angehörend, schliessen
+liess. Der schönste Sonnenschein beleuchtete die Kohlfelder dieses nach
+den Schilderungen des älteren Darwin so grausigen Ortes.
+
+~Telaga-leri.~ Von üppigem Wald umschlossen, mit schön bewachsenen
+Inseln geschmückt, breitet sich ein grosser Schlammsee aus, mit graugrün
+schimmerndem, heftig wallendem Wasser, aus welchem hohe Dampfwolken
+aufwirbeln. Durch die ringsum thätigen, das Gestein zersetzenden
+Solfataren sind unzählige Buchten, Inseln und Landzungen entstanden. Der
+Mittelpunkt der vulkanischen Thätigkeit liegt gegenwärtig am Ostufer,
+aus dessen Sprudeln und Pfützen mehrere siedend heisse Bäche abfliessen,
+so dass wir die Eier und Kartoffeln zu unserer Mahlzeit durch Eintauchen
+darin kochen konnten. Mitten in dieser Verwüstung steht ein Schuppen,
+zwischen dessen Dielen eine dichte Vegetation von Faseralaun
+effloreszirt, der auch um denselben einen Teppich bildet. Dicht am
+Ostrande, unmittelbar neben den kochenden Wassern fliesst ein klarer,
+kalter, reiner Bach vorbei. Gegen Abend erreichten wir das eigentliche
+Plateau von Dïeng, ein ovales, ringsum von Bergen eingeschlossenes Thal.
+Indem wir über seine Fläche nach dem am jenseitigen Abhang (im Osten)
+gelegenen Pasanggrahan ritten, zeigten sich in geringer Entfernung von
+uns, zur Rechten, 4 kleine 20-25' hohe Tempel in einer Reihe, und ein
+fünfter, kleinerer, etwas seitwärts.[93]
+
+Auf der Südseite des Plateaus erhebt sich am Abhang eines kleinen Hügels
+der mit schöner Skulptur reich verzierte Tempel Werkodoro und hinter ihm
+eine trotz ihrer Entstehung durch Solfataren liebliche Landschaft:
+kleine türkisblau und smaragdgrün glänzende Seen in blendend weissem
+Tuffboden von einer zackigen Bergwand umschlossen. Die Sohle des Thales
+von Dïeng ist an vielen Stellen versumpft, man kann aber grosse Strecken
+weit auf Lavafliesen gehen, überall liegen Trümmer behauener Steine
+umher. Auf den Abhängen stehen noch mehrere kleine mit Gesträuch
+bewachsene Tempel, die meisten sind aber umgestürzt und bilden nur noch
+Schutthaufen. Die gewaltigen Naturerscheinungen, die hier in seltener
+Fülle als Vulkane, Solfataren, kochende Seen auftreten, scheinen dem
+religiösen Aberglauben grossen Vorschub geleistet, die Bildung einer
+mächtigen Priesterkaste begünstigt und die Gründung zahlreicher Tempel
+veranlasst zu haben. Junghuhn entdeckte hier eine merkwürdige Inschrift,
+von der bis jetzt nicht ausgemacht ist, welchem Volk und welcher Zeit
+sie zugeschrieben werden muss. -- Ein mit dem Brahma- und Buddhakultus
+und seinen Monumenten vertrauter Forscher würde gewiss hier sowohl als
+weiter östlich in Java ein reiches Feld für seine Thätigkeit finden.
+
+Die ganze Nacht hindurch wüthete ein heftiger Sturm aus Ost, der einen
+Theil des Pasanggrahans abdeckte; er hielt den ganzen Tag über an und
+legte sich erst gegen Abend. Der Wind war kalt und unbequem in dieser
+Höhe (über 6000') und noch unangenehmer auf den Bergen, die sich aus dem
+Plateau erheben und wie dieses baumlos sind. Die aus der heissen Ebene
+mit heraufgekommenen Leute froren den ganzen Tag trotz der reichlichen
+Bewegung; die hier oben Ansässigen aber ertrugen die Kälte sehr gut, und
+völlig nackte kleine Jungen kauerten müssig vor den Häusern in
+anscheinender Behaglichkeit. Wir verliessen das Kesselthal von Dïeng im
+Süden und ritten an dem schönen Tempel Werkodoro und dem tiefblauen See
+Telaga-warna vorbei, der etwas nach Schwefelwasserstoff roch. Bevor wir
+den Vulkan Pakuodjo erreichten, sahen wir rechts von der Strasse einen
+hohen Felspfeiler, Gunong-batu, von wo aus man eine schöne Uebersicht
+des Pakuodjo hat, der aus einem geschlossenen Krater und einer grossen
+Schlucht besteht. Der Sturm war jetzt so heftig, dass wir den Gipfel
+nicht besteigen konnten. Der Boden des Kraters ist ganz flach, mit einer
+hohen Erdschicht ausgefüllt, auf dem das herrliche rothe Rhododendron
+Javanicum in ziemlicher Menge unter andern Sträuchern wächst. Eine
+niedrige Zwischenwand führt in die daneben liegende Schlucht. Diese
+streicht von S. nach N. mit steilem Fall; in der Mittellinie derselben
+zieht sich ein grosser gewölbter Schuttberg herab und stürzt sich im N.
+über den flachen Rand. Er sieht von ferne täuschend wie ein erstarrter
+Lavastrom aus, ist aber nur das Ergebniss der höher oben an den
+Bergwänden thätigen Solfataren, die das Gestein zersetzen und in grossen
+Blöcken oder als Schuttmassen hinabstürzen; so entsteht ein langer,
+schmaler Rücken von Bergtrümmern, der durch die Wirkung des
+herabrieselnden Wassers auf der stark geneigten Sohle allmälig weiter
+geschoben wird. Der Boden des daneben liegenden Kraters ist viel höher
+und wird durch das an seinen Wänden zersetzte Gestein immer mehr
+aufgehöht, da sein Rand völlig geschlossen ist. (Mittags im Schatten
+12,8°R.)
+
+Von hier besuchten wir die am Fuss des Berges Pangonan gelegene
+Solfatara Tjondro di muka, wo im Jahre 1834 ein Kontrolör in den
+heissen Schlamm einsank und, obgleich schnell herausgezogen, an den
+Brandwunden starb. Die Stelle ist durch einen Stock bezeichnet, der von
+Zeit zu Zeit erneuert wird; die Eingebornen nennen auch wohl die ganze
+Solfatara „tuwan Kontrolör punja tjelaka” (das Unglück des Herrn
+Kontrolör). Sie nimmt den Grund eines alten Kraters ein, dessen Wände
+fast zerstört sind und dessen Boden mit grünem Rasen bedeckt ist, mit
+Ausnahme derjenigen Stellen, wo die Fumarolen thätig sind. Am Abhange
+des Berges Pangonan, dicht bei Tjondro di muka, ist eine ähnliche
+Solfatara, aus welcher ein grosser Schlammstrom herabgeflossen ist, der
+jetzt im verhärteten Zustande auf den ersten Anblick wie ein Lavastrom
+aussieht. Auch zeigt er an den Stellen, wo der Abhang steiler ist, die
+eigenthümliche strickförmige Textur schnellgeflossener Laven. Verfolgt
+man den Strom nach oben, so findet man auf einem flachen Absatz des
+Bergabhanges neben mehreren noch kochenden Schlammseen ein entleertes
+Becken mit zerborstener Wand als Ursprung des erwähnten Schlammstromes.
+Der Berg Pangonan enthält zwei Krater; in den südöstlichen kann man
+hineinreiten, sein Boden ist sehr versumpft, weshalb ein gleichnamiges
+Dorf, das früher darin stand, verlassen wurde. Auf den flachen
+Terrassen, die den Kessel fast in seinem ganzen Umfange umgeben, wurde
+Mais, Tabak und Kohl gebaut, der Boden war mit Binsen und grobem Gras,
+die Pfützen mit Brunnenkresse bedeckt. Von zehn kleinen Tempelchen,
+welche Junghuhn's Karte auf dem äusseren Abhang angiebt, fand ich nur
+noch drei aufrecht, und den Schutthaufen eines vierten. Sie sind im
+Grundriss quadratisch, jede Seite von 2,25 Meter Breite und 5,34 M.
+Höhe, die Eingänge 0,85 M. breit, 1,83 M. hoch. Ringsum ist der Boden
+mit behauenen Steinen und zertrümmerten Skulpturen bedeckt. Der Boden
+des Nebenkraters wird fast ganz von einem See ausgefüllt,
+Telaga-werdoto der Junghuhn'schen Karte, die Eingebornen nannten ihn
+aber Merredada. Vom Zwischenrücken übersah man die Topographie des
+Berges mit einem Blick. Der Abhang des Pangonan fasst die W.-Seite des
+Plateaus von Dïeng ein und grenzt im N. an die Strasse Batur-Dïeng;
+jenseit derselben und des Baches Dolog, im N., erhebt sich ein anderer
+erloschener Vulkan, der Pager-kendeng. Am SW.-Abhange dieses Berges
+liegt das früher beschriebene Telaga-leri; ein bequemer Reitweg führt
+über die Kratermauer auf den Boden des Pager-kendeng-Kraters, in
+welchem sich einige Menschen in elenden Hütten aus Farnstämmen und
+Glaga angesiedelt hatten. Sie leben vom Anbau und der Bereitung des
+Ricinusöls und Tabaks. Die Tabakbereitung ist sehr einfach. Die grünen
+Blätter werden zusammengerollt, viele Rollen über einander zwischen
+zwei senkrecht neben einander befestigte Bretter gelegt, fest gedrückt
+und nach und nach vorgeschoben, wobei der die Bretter überragende
+Theil mit einem scharfen Messer abgeschnitten wird, wie beim
+Häckselschneiden. Die Streifen sind nicht dicker als ein Zwirnfaden.
+Man trocknet sie zuerst an der Sonne, später über Feuer. Eine weitere
+Behandlung erfährt der Tabak nicht; er wird hauptsächlich zum Kauen
+verwendet, für sich allein oder mit Betel vermischt, auch macht man
+Cigaretten daraus, indem man ihn in junge Seitenblätter der Nipapalme
+wickelt. Am Nordostabhang liegt die Solfatara Panduh oder Sepanduh, die
+wir erst bei völliger Dunkelheit erreichten. Die schwierigsten Stellen
+der Strasse nach Dïeng wurden beim Schein der Fackeln zurückgelegt, die
+schnell improvisirt waren, indem die Kulis im Vortrab ohne Weiteres
+grosse Bündel Glaga aus den Umzäunungen rissen und anzündeten.
+
+[Illustration: TEMPEL PEROT. JAVA.]
+
+Leider konnte ich in Dïeng nicht länger verbleiben, da meine Ankunft in
+Wonosobo bereits angemeldet war. Wir ritten in SSO.-Richtung zuerst
+durch tief eingeschnittene Tuffwände nach Badak-banteng, kamen Abends
+nach Telaga-mendjer, einem den Eifeler Maaren ganz ähnlichen
+Wasserbecken in weissem Tuff, und am folgenden Tage nach Wonosobo. Auf
+einem Maisfelde sah ich ein eigenthümliches System von Vogelscheuchen:
+senkrecht gegen die Richtung eines schnellen Baches waren lange Reihen
+schlanker Bambushalme in den Boden gesteckt, von deren übergebogenen
+Spitzen lange in der Sonne stark glänzende Pisangblattstreifen
+herabhingen. Die Spitzen der Bambusen jeder Reihe waren durch eine
+straffe Schnur verbunden, die aber, wo sie den Bach überschritt, sich
+bis in das Wasser hinabsenkte und ein dünnes Brett trug, das von dem
+Wasser hin- und hergeschleudert wurde, und die ganze Reihe
+Vogelscheuchen in Bewegung setzte.
+
+Von Wonosobo aus bestieg ich den wegen seiner schönen regelmässigen
+Kegelform ausgezeichneten Gunong-sindoro. Am Nordost-Abhang
+hinabsteigend, erreichte ich spät Abends Adiredjo, wo ich bei dem Bedana
+nach langem Zögern nicht sehr freundliche Aufnahme fand, da mein Besuch
+nicht amtlich angemeldet war.
+
+Ganz in der Nähe liegen zwei kleine zierliche Tempel, Perot und
+Prengapus. Den Tempel Perot hat ein Feigenbaum zu seinem Postament
+erwählt und mit einem Netz von Luftwurzeln umstrickt; er erhebt sich
+darauf als eine dicke cylindrische Säule, die erst in 100' Höhe eine
+mächtige Blätterkrone trägt. Da er bisher nie abgebildet worden, so
+nahm ich eine sehr genaue Zeichnung davon auf. Am Nachmittag besuchte
+ich die Quelle des Progo, der die Provinz Kadu, „den Garten von Java”,
+bewässert und am Fuss von Borobudor vorbei, in den indischen Ozean
+fliesst. Die schöne Quelle, die klar und sehr wasserreich aus einer mit
+Farnen dicht bewachsenen Lavahöhle hervorbricht, geniesst bei den
+Javanen hohe Verehrung. Kaum waren wir angekommen, als von den
+umliegenden Bäumen eine Anzahl Affen (Semnopithecus maurus) herabstieg
+und zutraulich dreist uns umringte. Wir fütterten sie mit Mais. Diese
+Kolonie halbzahmer Affen existirt nach der später noch mehrfach
+bestätigten Aussage des mich begleitenden Häuptlings schon seit alter
+Zeit und überschreitet nie die Zahl 15; heute waren ihrer zwar
+eigentlich 16, da eine garstige alte Aeffin ein Junges trug, das unter
+dem Bauch der Mutter hing und den Kopf ängstlich hervorstreckte. Ist
+das Junge aber herangewachsen, so wird es gezwungen, die Kolonie zu
+verlassen, wenn es nicht ein anderes schwächeres Individuum zum
+Austritt zwingen kann; es werden nie mehr als 15 geduldet, so
+wenigstens erzählte man mir allgemein. Die Nacht brachte ich bei einem
+vornehmen Javanen, dem Regenten von Temangung, zu, und begleitete ihn
+am andern Tage zu einem ächt javanischen Bade. Wir ritten 1-1/2 Paal
+weit nach einem krystallhellen Quell inmitten eines Haines. Den Boden
+des geräumigen Beckens, in welchem Gold- und Silberfischchen
+umherschwammen, bedeckte glänzend weisser Sand. Die Aeste eines daneben
+stehenden Baumes hingen ganz voll Kalongs, während Schaaren derselben,
+durch einige Schüsse aus dem Tagesschlaf geweckt, in der Luft
+schwirrten. Diese Kalongs, auch fliegende Hunde oder Füchse genannt,
+Pteropus edulis, sind grosse obstfressende,[94] über den ganzen
+Archipel verbreitete Fledermäuse. Bei Tage hängen sie oft zu vielen
+Hunderten in einem grossen Baum mit der Kralle des Daumens reihenförmig
+an den Aesten, den Kopf nach unten, in ihre Flügel, die 4-5 Fuss
+Spannweite erreichen, wie in einen Mantel fest eingehüllt, so dass sie
+aus der Ferne wie riesige Birnen erscheinen. Werden sie nicht gestört,
+so setzen sie sich erst Abends in Bewegung und richten wegen ihrer
+grossen Menge beträchtlichen Schaden an, wenn sie statt über die
+Früchte des Waldes über die Obstgärten des Dorfes herfallen. Dr. Oxley
+erzählt (Journ. Ind. Arch. 1849), dass, als er in der Strasse von
+Malacca vor Anker lag, ein Schwarm dieser Thiere mehrere Stunden
+brauchte, um über ihn fortzuziehen, und Logan sah sie zu Millionen in
+den Mangrove-Sümpfen am Nordrand der Insel Singapore hängen. Es ist
+kaum möglich durch Netze das Obst gegen ihre Verheerungen zu schützen,
+denn bekanntlich ist bei den Fledermäusen der Gehör-, Geruch- und
+namentlich der Fühlsinn auf eine für uns so wunderbare Weise
+entwickelt, dass sie im Stande sind gewissermaassen in die Ferne zu
+fühlen, und bei völliger Dunkelheit im schnellsten Fluge jedem
+Hinderniss mit der grössten Sicherheit auszuweichen. Spallanzani und
+mehrere Andre nach ihm, überzeugten sich davon, indem sie geblendete
+Fledermäuse in hellen Räumen, in welchen nach allen Richtungen Drähte
+und Fäden gezogen waren, hin- und herfliegen liessen. Man nimmt an,
+dass, abgesehen von den besonderen Apparaten, mit welchen die Nasen und
+Ohren vieler Gattungen zur Verschärfung des Geruch- und Gehörsinns
+versehen sind, die dünne, nackte, nervenreiche Flughaut dazu dient, den
+Thieren die feinsten Unterschiede in der Temperatur, der Dichtigkeit,
+dem Druck, der Bewegung, den Schwingungen der Luft wahrnehmbar zu
+machen, und ihnen dadurch die Nähe fester Körper zu verrathen. -- In
+Java wird der P. edulis, wie mir versichert wurde, selbst von den
+Eingebornen nicht gegessen, in den Philippinen scheinen ihn die
+~Europäer~ zu verschmähen, obgleich sein Fleisch sehr wohlschmeckend
+ist, ähnlich dem Rebhuhn.
+
+In wenigen Stunden erreicht man Magelang, Hauptstadt der Provinz Kadu.
+Der Garten des Residenten hat eine sehr schöne Lage und enthält eine
+Anzahl in der Umgebung gefundener Skulpturen, darunter einen mit
+kunstvollen Basreliefs bedeckten Stein in Form eines Sarkophags.
+
+[Illustration: KALONGS. (FLIEGENDE HUNDE.) JAVA.]
+
+Von Magelang aus besuchte ich das 10-12 Paal gen Süden am Progofluss
+gelegene ~Borobudor~, von allen Monumenten Javas das grösste, schönste,
+am besten erhaltene, weit berühmt nicht nur durch die Beschreibungen von
+Raffles, Crawfurd und anderen, sondern auch durch die darauf gegründeten
+Arbeiten von W. v. Humboldt und Burnouf. Aus der Ferne macht es keinen
+bedeutenden Eindruck; es erscheint als eine flache, breite Pyramide mit
+etwas verschwommenen Umrissen und fesselt das Auge nicht durch gefällige
+Gliederung der Masse. Sobald man aber näher herankommt und die grosse
+Fülle schöner Skulpturen gewahrt, für welche das Gebäude gewissermassen
+nur den Träger bildet, begreift man wohl den Enthusiasmus, mit dem fast
+Alle, die Borobudor gesehen, davon sprechen. Folgendes ist im
+Wesentlichen der Plan des Gebäudes: auf einem Hügel, dessen Seiten
+terrassirt sind, und der somit ein Postament für dasselbe bildet,
+erheben sich stufenförmig über einander 6 Terrassen, die mit Ausnahme
+der obersten und untersten an ihrem äusseren Rande von einer Mauer
+umgeben sind, so dass 4 ringsum laufende oben offene Gallerien von 2
+Meter Breite entstehen, deren innere Wände doppelt so hoch als die
+äusseren sind. Der Grundriss der Terrassen ist, wenn man die in der
+Mitte jeder Front nach Aussen rechtwinklig vorspringenden Ausladungen
+nicht berücksichtigt, quadratisch. Auf der oberen Plattform erheben sich
+3 kreisrunde Terrassen über einander von je 1,68 Meter Höhe, welche 34 +
+24 + 14 zusammen 72 durchbrochene glockenförmige kleine Tempel tragen,
+in denen je ein Buddha sitzt. Auf der obersten Stufe erhebt sich eine
+Kuppel von 20' Höhe, 50' Durchmesser. Ausser derselben enthält der ganze
+Bau keinen hohlen Raum, und dieser jetzt zum Theil eingefallene, früher
+geschlossene Raum war leer. In der Mitte jeder Front ist ein Thor, durch
+welches eine Treppe bis zur Kuppel führt. Das ganze Gebäude besteht aus
+künstlich in einander gefügten Trachytquadern. Die grösste Breite des
+Monuments liegt wegen der bereits erwähnten Vorsprünge in den
+Mittellinien und beträgt nach Wilsen's Messungen 114 Meter, die
+Gesammthöhe mit Einschluss des Kegels, der früher auf der Kuppel stand,
+30 Meter. Crawfurd giebt etwas grössere Dimensionen an, aber Wilsen's
+Maasse dürften wohl die richtigen sein.[95] Nach ihm enthält die äussere
+unterste Wand 480 Reliefs. Die schönsten Skulpturen befinden sich an der
+inneren Wand der ersten Gallerie; sie ist horizontal in zwei Theile
+getheilt und ganz bedeckt mit Reliefs von 2,70 Meter Breite, 0,90 M.
+Höhe. Aber alle senkrechten Wände sind mit Reliefs, Arabesken und
+Girlanden bekleidet. Wilsen giebt die Zahl der grossen Basreliefs auf
+2000, die Gesammtzahl der Figuren überhaupt in den 5 Gallerien auf
+20,000 an. Sämmtliche Mauern der Gallerien tragen reich verzierte
+Nischen, in denen überlebensgrosse Buddhas thronen. Die Zahl der
+Buddha-Figuren in den Nischen beträgt nach W. 500. Weit mehr als über
+den Reichthum der Skulpturen erstaunt man über die mannigfaltigen,
+sinnigen Kompositionen und die bis in die kleinsten Einzelnheiten
+sorgfältige Ausführung. Die beiliegende Zeichnung giebt eines der Bilder
+der ersten Gallerie wieder, das ich aufs Gerathewohl, und weil es etwas
+im Schatten lag, zu einer Skizze wählte. Diese Reliefs bewahren einen
+Schatz von Erinnerungen aus dem Leben der damaligen Zeit auf; eine
+Inschrift oder Jahreszahl enthält das Monument aber nicht. Crawfurd
+sagt, dass man aus einem räthselhaften Vers die Jahreszahl 1344 als die
+Zeit der Vollendung des Baues herausgedeutet habe, die ihm nicht
+unwahrscheinlich vorkommt. Andere, darunter Raffles und van Hoevell,
+halten das Monument für viel älter. Nach der allgemeinsten Ansicht wurde
+der Bau von buddhistischen Künstlern aus Vorderindien unter Mithülfe der
+Eingebornen errichtet. Die Javanen selbst haben wohl nie eine so hohe
+Kunststufe erreicht. Wie die Buddhisten nach Java gekommen, ist nicht
+genügend festgestellt; Friederich glaubt, Bekehrungseifer sei die
+Veranlassung gewesen; vielleicht kamen sie auch als Flüchtlinge nach den
+Glaubenskämpfen mit den Brahmanen, die mit der Vertreibung der
+Buddhisten aus Indien endigten (gegen 1000 n. Chr.). Das Monument ist
+noch sehr wohl erhalten und kann allem Anschein nach, wenn nicht Krieg
+oder Erdbeben es zerstören, noch viele Jahrhunderte bestehen. Im Kriege
+gegen Dipo-negoro (1825-30) hat es etwas gelitten, da es, wie das
+Grabmal der Caecilia Metella bei Rom, als fester Punkt benutzt wurde,
+wozu es sich wegen seiner Lage sowohl als wegen seiner Gliederung und
+Grösse sehr eignete. Sein gefährlichster Feind ist vielleicht ein
+kleines Lichen, das sich langsam, aber unaufhaltsam weiter verbreitet
+und schon manches schöne Bild unkenntlich gemacht hat.
+
+[Illustration: RELIEF VON BOROBUDOR. JAVA.]
+
+In geringer Entfernung von Borobudor liegt ein kleiner Tempel, Pavon
+oder Dapor genannt, auf dessen Seite ein riesiger Feigenbaum
+emporgeschossen ist, ohne dem Monument sehr zu schaden. Nach Wilsen
+beträgt seine Höhe ungefähr 15 M., die Breite 10 M. Auf dem Rückweg nach
+Magelang in etwa 2 Paal Entfernung von Borobudor gelangt man an den
+Tempel ~Mundut~, der früher vom vulkanischen Sand des Merapi
+verschüttet, erst 1834 durch den damaligen Residenten der Provinz wieder
+ausgegraben wurde. An seiner Aussenseite ist er mit schönen Figuren,
+Friesen und Arabesken bedeckt, welche letztere mich an die besten Sachen
+erinnerten, die ich in Italien gesehen. Herr Wilsen soll auch von diesem
+Tempel, dem allgemein dasselbe Alter und derselbe Kultus wie Borobudor
+zugeschrieben wird, die genauesten Zeichnungen angefertigt haben. Das
+Innere, dessen Decke aus einander überragenden Quadern gebildet wird, so
+dass eine hohle Pyramide entsteht, enthielt drei kolossale Figuren; den
+Boden bedeckte eine tiefe, fast betäubenden Moschusgeruch verbreitende
+Schicht von Fledermausmist.
+
+Um einer Verabredung zu genügen, musste ich leider noch an demselben
+Abend nach Magelang zurückeilen, wo ich den Oberst v. S. traf, mit dem
+ich am folgenden Tage nach Jokjokarta reiste, der Hauptstadt des
+Sultans, eines der unabhängigen Fürsten auf Java. Seine Unabhängigkeit
+ist freilich nur eine beschränkte, da er von der holländischen
+Regierung, die einen Residenten an seinem Hofe hält, einen Gehalt
+empfängt. Das Waterkastell von Jokjokarta gilt für eine grosse
+Sehenswürdigkeit. Es ist der fast zerfallene Badeplatz eines früheren
+Sultans, in holländisch-chinesischem Zopfstil mit javanischen
+Schnörkeln. Abends hatte ich Gelegenheit, mit dem Residenten und
+Obersten dem Sultan einen Besuch zu machen. Wir fuhren in den von einer
+hohen Mauer umgebenen „Kraton”, der den Palast und die zum Theil sehr
+ärmlichen Häuser des Hofstaates enthält, und mit seinen Höfen und Gärten
+die Grösse einer kleinen Stadt hat, und gelangten durch zwei grosse von
+Waringibäumen beschattete Vorhöfe in den inneren Hof. Am Thor
+präsentirte die Wache, zerlumpte Kerle mit schwarzen cylindrischen
+Mützen. Der Sultan erwartete uns, auf einem europäischen Sopha sitzend,
+in einer offenen Halle. An den Wänden standen Stühle, ein Teppich lag
+auf dem Boden. Die Möbel waren von der Art, wie man sie in Gasthäusern
+zweiter Klasse in Europa findet. Der Fürst trug ein kattunenes Kopftuch,
+aus dessen Falten, seitlich vom Scheitel, ein kleiner Blumenstrauss
+hervorragte. Eine mit einem hohen holländischen Orden geschmückte Jacke,
+Sarong und europäische Pantoffeln vollendeten den Anzug.
+Gesichtsausdruck und Haltung des Sultans waren würdig und verbindlich;
+der Resident nahm zur Linken, der Oberst zur Rechten Platz. Die
+Unterhaltung wurde kaum hörbar leise geführt, so will es der Hofton. Auf
+eine Andeutung des Residenten, dass ich gern etwas von den Gebräuchen
+des Hofes sehen möchte, war der Fürst so artig, uns zu seiner Familie zu
+führen. Wir gingen über den Hof nach einem grossen Pendopo, dessen sehr
+hohes Dach von vielen niedrigen Holzsäulen getragen wird, zwischen denen
+Lampen und Vogelkäfige von der Decke herabhingen. Auf einer Estrade
+lagen grosse seidene, mit frischen Blumen bestreute Kissen, auf denen
+wir Platz nahmen. Bald erschien die Gemahlin (ratu = Königin) und drei
+Prinzessinnen, die den sonderbaren Titel tuwan = Herr führen. Jene
+setzte sich auf ein Kissen neben den Sultan, die Herren Prinzessinnen
+nahmen mit untergeschlagenen Beinen auf dem Boden, dem Sultan gegenüber,
+Platz. Eine Reihe alter Weiber mit nacktem Oberkörper und einem über die
+Brust gebundenen Tuche hockten in ehrerbietiger Entfernung. Nach einer
+kurzen Unterhaltung führten wir die Fürstinnen, die nur mit einem
+Sarong und einer dünnen Kattunjacke bekleidet und mit einigen Diamanten
+geschmückt waren, in die Empfangshalle zurück, indem wir ihnen den Arm
+gaben. Der Resident hatte die Ehre, die alte Fürstin zu führen, mir,
+ohne offiziellen Rang, fiel die jüngste Prinzessin zu, ein hübsches
+fünfzehnjähriges Mädchen mit grossen Augen, lebhaft und kokett und, was
+ich ihr besonders hoch anrechnete, mit ganz weissen Zähnen, da sie, die
+einzige in der ganzen Familie, nicht Betel kaute. In diesen vornehmen
+Familien ist wahrscheinlich viel arabisches Blut; sie haben nicht die
+kleinen Nasen mit breiten Flügeln der gemeinen Malayen. Nach kurzer
+Unterhaltung verliessen wir den Kraton in derselben Weise, wie wir
+gekommen waren. -- Abends in einer Gesellschaft beim Residenten
+erschienen mehrere Pangerans (javanische Prinzen), die Obersten-Rang
+hatten und holländische Uniform trugen. Ihr langes Haar war in ein
+Bündel gesammelt und mit einem Kopftuch bedeckt. Einer derselben hatte
+einen kleinen, garstigen Zwerg als Pagen bei sich, dem er seine
+Militärmütze übergab; dieser setzte sie verkehrt auf den Kopf und
+spazierte damit unter den Gästen umher.
+
+Am folgenden Morgen fuhr ich mit einem Tumongong durch die heisse Ebene
+bis Imogiri, von wo wir nach der Südküste ritten, an der sich eine
+niedrige Dünenreihe hinzieht. Die heisse vom schwarzen vulkanischen Sand
+des Merapi bedeckte Fläche wird von mehreren parallelen Bächen
+durchströmt, die sich in den Kali-opak ergiessen, welcher dicht am Fuss
+des die Ebene in Osten begrenzenden Kalkgebirges fliesst, und mit ihm
+zusammen bei Karang-tritis das Meer erreicht. Wir sahen eine Falle, um
+Wildschweine, deren es hier viele giebt, zu fangen: zwei mehrere hundert
+Fuss lange, mit Reisig verkleidete Bambusgitter bildeten einen sehr
+stumpfen Winkel und führten durch eine Oeffnung in einen langen Gang,
+von dessen Decke einige starke Thüren wie Klappventile schräg von vorn
+nach hinten hingen. Am flachen Strande waren viele Menschen beschäftigt,
+aus dem Meerwasser Salz zu gewinnen. So weit man nach Westen sehen
+konnte, war die Küste mit ihnen wie bestreut, im Osten setzten die in
+hohen, sonderbaren Formen ins Meer ragenden Felsen von Karang-tritis den
+Arbeiten eine Grenze. Das Verfahren war sehr umständlich: anstatt das
+Seewasser in einem System von Gräben, sogenannten Salzgärten, verdunsten
+zu lassen, wurde es mit Eimern, die je aus einem Blatt der Fächerpalme,
+Corypha gebanga, bestanden,[96] geschöpft und auf den aus schwarzem
+Sande bestehenden heissen Strand geschüttet, wo es verdampft. Ist die
+obere Erdschicht hinreichend mit Salz gesättigt, so wird sie
+oberflächlich aufgenommen, auf ein in Tischhöhe aufgestelltes Bambussieb
+gebracht und durch Aufgüsse von Seewasser unter fortwährendem Kneten
+ausgelaugt. Man lässt die abgelaufene Sole in einem Trog in der Sonne
+verdampfen und konzentrirt sie im nächsten Dorf durch Sieden in irdenen
+Töpfen. Das Salz ist sehr zerfliesslich, da es nicht einmal vom
+Chlormagnesium gereinigt wird. Zu jedem Gestell gehörten zwei bis drei
+Leute: einer trägt Wasser, der andere knetet, der dritte ruht aus, um
+den Wasserträger abzulösen. Bei Sonnenschein machen 2 Mann in 5 Tagen 80
+Katti Salz nach Angabe des Tumongong. Die Salzgewinnung ist in den
+Fürstenländern eine Privatindustrie, im übrigen Java Regierungsmonopol.
+
+In der Klippe Karang-tritis ist eine Tropfsteinhöhle, deren hohe
+senkrechte, dem Meere zugekehrte Wand dicht mit grauen und gelben
+Flechten überzogen ist. Das von oben herabsickernde kalkhaltige Wasser
+durchdringt diese wie einen Schwamm und inkrustirt sie mit Kalk; die
+feuchte zu Stein gewordene Kruste giebt einer neuen Vegetation von
+Flechten eine willkommene Unterlage, und so erhält die Felswand einen
+eigenthümlichen reich gefärbten Ueberzug, halb Stein, halb Pflanze.
+
+Jenseits Karang-tritis ragen viele einzelne Kalkfelsen aus dem Meere
+hervor, die durch die Wirkung der Brandung so phantastische Gestalten
+erhalten haben, dass sie auch wohl bei aufgeklärteren Leuten als den
+Javanen, Veranlassung zu Aberglauben geworden wären. Hier ist es, wo
+nach Hagemann (Tijd. v. L. T. en V. 1853) die Geisterkönigin Loro-kidul,
+deren Gebiet sich längs der ganzen Südküste vom Semeru bis nach
+Nusa-kumbangan erstreckt und deren prächtiger Palast im Grunde des
+Meeres ist, sich ihren Vertrauten in Träumen offenbart.
+
+Gegen Mittag kam eine stattliche Reiterschaar, Herren vom inländischen
+Adel mit ihrem Gefolge, zum Besuch und führten uns nach einem
+Pasanggrahan, der hübsch möblirt war, weil er oft von den einheimischen
+Fürsten benutzt wird, die hier das wegen der sehr starken Brandung
+geschätzte Seebad benutzen. Wir hatten ein vorzügliches malayisches
+Diner, bei welchem auch Büffelfell vorkam, welches wie Biskuit gegessen
+wird und sehr angenehm schmeckt. Das Fell wird zu dem Zweck in sehr
+feine Stücke geschnitten, in heissem Wasser eingeweicht und in Fett
+gebacken, wobei es zu einer sehr porösen, spröden Masse aufschwillt.
+
+Als wir gegen Abend, von der starken Sonnengluth sehr ermüdet, nach
+Imogiri zurückritten, kamen wir an einer Indigofabrik vorbei. Schon
+lange, ehe wir sie erreichten, sah ich den Besitzer, einen stattlichen
+jungen Mann in leichtem Pflanzerkostüm sein Haus verlassen und durch die
+Felder grade auf uns zueilen. Als er uns erreicht hatte, fasste er
+zuerst der Sicherheit wegen mein Pferd am Zügel, dann grüsste er sehr
+freundlich und lud uns ein, die Nacht in seinem Hause zuzubringen, indem
+er zugleich das Pferd dahinführte mit dem zufriedenen Lächeln eines
+Mannes, der einen guten Fang gethan hat. Ein Freund aus Jokjokarta hatte
+ihm durch einen Boten gemeldet, dass wir hier vorbeikommen würden, und
+er hatte uns aufgelauert. An Loskommen war nicht zu denken, auch hatte
+ich keine Lust dazu; doch machte ich absichtlich einige Einwendungen,
+die indessen alle triumphirend beseitigt wurden. Mein Gastfreund, sehr
+gebildet und, wie ich später hörte, aus sehr guter holländischer
+Familie, lebte hier ganz isolirt auf der vor Kurzem von ihm gegründeten
+Fabrik, fern von allem Umgang mit Europäern. Er hatte gewiss eine
+angenehme Unterhaltung für den Abend gehofft, und alles aufgeboten um
+seinen Gast zu ehren, leider war ich so entsetzlich müde, dass ich über
+Tisch einschlief und so schnell als möglich ins Bett schlich.
+
+In den Fürstenländern, wo die holländische Regierung keine Produkte
+baut, da der Grund und Boden dem Fürsten gehört, ist es Europäern
+gestattet Ländereien zu pachten und auszubeuten: jedoch ist ihre Zahl
+eine beschränkte, die Erlaubniss hängt vom Ermessen der
+Kolonial-Regierung ab. Nach dem Reglement für 1857 betrug sie 68 für
+Jokjo, 207 für Surakarta. Der Pächter tritt der Bevölkerung gegenüber in
+die dem Landesfürsten nach dem Adat zustehenden Rechte. 2/5 des Bodens
+darf er mit Produkten für den europäischen Markt bebauen, jede Familie
+leistet ihm 104 Tage Frohndienst, dafür zahlt er die Grundsteuer für die
+ganzen 5/5 des Bodens. Der Ertrag der übrigen 3/5 so wie die Verfügung
+über die nach Abzug von 104 Tagen verbleibenden 261 Tage gehört der
+Bevölkerung ohne weitere Abzüge oder Lasten.
+
+Nach den Grundsätzen des Kultursystems sollten die Bauern in den
+Regierungsländern besser gestellt sein als in den Fürstenländern; in
+Wirklichkeit ist dies aber nicht der Fall, da ihre Arbeitskraft (vergl.
+Kaffeekultur) bei der mangelhaften Leitung durch Beamte zum grossen
+Theil verschwendet wird.
+
+Vor allen hat sich in Jokjokarta als besonders gewinnbringend, schnell
+rentirend und wenig Anlagekapital erfordernd, die Indigokultur
+entfaltet, während sie in den unmittelbar unter holländischer
+Botmässigkeit stehenden Provinzen, wo sie einen Theil des Kultursystems
+bildet, so schlechte Resultate giebt, dass sich die Regierung veranlasst
+sah die Ursachen der so verschiedenen Ergebnisse von einem fähigen
+Beamten untersuchen zu lassen. Aus den Auszügen des amtlichen Berichts
+(Tydsch N. I. 1860) ergeben sich ganz ähnliche Thatsachen wie bei der
+Kaffee- und Theekultur (vergl. oben), die wohl allmälig die Regierung
+zwingen werden aus Eigeninteresse den Ackerbau der Privatindustrie zu
+überlassen. Schon jetzt hat sich die Regierung genöthigt gesehen den
+Indigobau immer mehr einzuschränken.
+
+ 1840 produzirte sie auf 40844 Bau 2032097 Amstrd ℔
+ 1858 „ „ auf 18314 Bau 614784 „ ℔
+
+Wie bei der Kaffeekultur bestimmt die Regierung die Lokalität auf
+welcher die Eingebornen Indigo bauen müssen, das Risiko ist für Rechnung
+der letzteren; erst für das fertige Produkt erhalten sie einen Preis,
+der im Verhältniss zur gelieferten Arbeit so gering ist, dass der
+Kolonialminister v. Rochussen es sich den Kammern gegenüber zum
+Verdienste anrechnete, den Indigobau als zu drückend für die Bevölkerung
+und zu unvortheilhaft für den Staat, sehr eingeschränkt zu haben. Es ist
+höchst interessant und erfreulich, dass während derselben Zeit, wo die
+Zwangskultur so traurige Ergebnisse lieferte, der Indigobau in Jokjo auf
+gepachtetem Grund und Boden, durch freie Arbeit unter unmittelbarer
+Leitung von Unternehmern die für eigene Rechnung arbeiteten, die
+glänzendsten Resultate ergab.[97] Auch hierbei stellte sich wieder die
+so oft bestrittene Thatsache heraus, dass der Javane bei angemessenem
+Lohn gern arbeitet, und dass der Pächter über so viele Hände verfügen
+kann als er braucht. Die Regierung schreibt ihren schlechten Erfolg dem
+Umstand zu, dass die Pflanze den Boden aussaugt (wie bei dem Kaffeebau),
+die Privatunternehmer finden aber jeden Boden geeignet, behandeln ihn je
+nach seiner Beschaffenheit, melioriren und düngen ihn entsprechend.
+
+Am folgenden Morgen begleitete mich mein lieber Gastfreund nach
+Imogiri, dem nahegelegenen Begräbnissplatz der fürstlichen Familien von
+Jokjokarta und Surakarta. Auf angeblich 360 unbequem hohen
+Backsteinstufen steigt man in gerader Richtung den steilen Abhang eines
+Hügels hinan, dessen von mehreren Umfangsmauern umschlossene Kuppe die
+schmucklosen Grabsteine einer Anzahl bis auf ein oder zwei Ausnahmen
+unbedeutender Personen aus fürstlichem Geblüt enthält -- theils im
+Freien, theils in hölzernen Schuppen. In etwa 3/4 der Höhe sendet die
+Treppe rechtwinklig zwei Seitenarme aus, und wiederholt dies, nachdem
+sie unter dichtem Laubdach ein kleines künstliches Wasserbecken
+überschritten, in kurzen Zwischenräumen. Diese Seitengänge werden durch
+mehrere der Haupttreppe parallel laufende Gänge geschnitten, die den
+Unebenheiten des Terrains entsprechend, bald flach, bald durch Reihen
+von Stufen unterbrochen, verlaufen, und eine Anzahl viereckiger Räume
+von verschiedener Grösse, in verschiedenen Niveaus umschliessen, in
+denen Ziersträucher und viele Gewürzbäume und Oranien mit Sorgfalt
+kultivirt werden.[98] Das schon 100 Jahr alte Mauerwerk ist an vielen
+Stellen zerfallen; dicht belaubte Feigenbäume haben sich darauf
+angesiedelt. So entstehen eine Menge allerliebster Plätzchen. Man kann
+sich kaum eine passendere Lokalität für eine Picknickpartie wünschen.
+
+Nach einem herzlichen Abschied von dem Residenten, der mich mit
+Liebenswürdigkeit und Güte überhäufte, setzte ich Nachmittags meine
+Reise nach Surakarta, der Hauptstadt des Kaisers oder Susuhanan fort.
+
+Bei Kalasan, der zweiten Poststation, steht unweit der Strasse zur
+Rechten ein schöner Tempel, ~Tjandi-kali-bening~. Es ist der erste, und
+wohl auch der schönste einer grösseren Anzahl, die bis jenseits der
+nächsten Station Prambanan zu beiden Seiten der Strasse zerstreut oder
+in Gruppen beisammen liegen. Sein Grundriss ist ein aus fünf gleichen
+Quadraten bestehendes Kreuz mit je einem ein Viertel so grossen Quadrat
+in den vier Winkeln; er ist gegen 70' hoch, schlank, schön gegliedert
+durch Pfeiler, Gesimse, Thüren und Nischen, zwischen denen sich in
+harmonischer Anordnung breite Bänder von Arabesken hinziehen. Das obere
+Gesims wird von einer Reihe von Figuren in Hochrelief getragen. In
+einigen Nischen sitzen noch Götterbilder auf ihrem Lotussessel. Die der
+Strasse zugekehrte Seite ist sehr zerfallen, ihr gegenüber liegt die
+Hauptfront mit einer hohen Eingangspforte. Das sehr zerstörte Innere
+enthält einen grossen Raum, an welchen vier kleinere stossen. Sie sind,
+wie die Tempel von Mundut und Dïeng, durch treppenartig vorspringende
+Steine überdacht. Um die schöne Ruine war ein so dichter Pisanggarten
+angelegt, dass es unmöglich war, sie zu zeichnen. Hoffentlich wird man
+bald von allen den herrlichen Monumenten gelungene Photographien
+besitzen.
+
+Etwa 2000 Schritt weiter auf der andern Seite der Strasse, liegt der
+Tempel Tjandi-sari, welcher mehr kubisch als der vorige, gegen 50' hoch,
+reich ornamentirt, mit Nischen und hohen Reliefs, an unsere schönsten
+Renaissancebauten erinnert. Weniger elegant in seiner ganzen Anlage, als
+Kali-bening, ist er noch reicher als jener mit Skulpturen bedeckt, die
+ebenso sinnig entworfen, als kunstvoll ausgeführt sind. Man wird in
+Europa erstaunen, wenn man von den Java'schen Kunstdenkmälern aus der
+Zeit des Brahmakultus genaue Photographien in genügendem Maasstab
+besitzen wird; da man sich bis jetzt nicht von der Vorstellung lossagen
+mag, dass die Kunstwerke in jenen Ländern wohl den Beweis einer sehr
+gewandten Technik und grossen Fleisses, aber nicht reicher
+künstlerischer Phantasie zu liefern vermögen.
+
+Bei der nächsten Station liegen die Ruinen von zehn oder zwölf Tempeln,
+Tjandi-prambanan oder Tjandi-loro-djongrang. Es sind nur noch hohe
+Trümmerhaufen quadratischer Prismen aus grauer Lava; bei manchen ist
+kaum noch die ursprüngliche Form zu erkennen. Das Ganze bildet eine
+grosse Ruine, die man am besten von der Mitte übersieht. Von einigen
+Tempeln fielen bei ihrem Einsturz die Steine einander zu und bildeten
+so Verbindungsrücken, die zum Theil mit hohen Bäumen bewachsen sind.
+Der Maler sowohl als der Alterthumsforscher findet hier viel schönen
+Stoff. Ueberall ragt, wenn man etwas genauer zusieht, ein Stück
+Skulptur hervor, weit umher liegen die Quadern über die Ebene
+zerstreut; wahrscheinlich hat ein Ausbruch des nahen Merapi den
+Einsturz bewirkt. -- Etwa einen Paal weiter liegt ~Tjandi-lombok~, neun
+kleinere Tempel einfach von Form, wenig verziert, ziemlich wohl
+erhalten, und nordwestlich davon, in etwa gleicher Entfernung, und
+ebensoweit von Tj.-loro-djongrang als von Tj.-lombok, die Ruinen von
+Tj.-sewu, (die tausend Tempel), eine wahre Stadt von Ruinen. Von keinem
+Punkt kann man das Ganze auf einmal übersehen, die Skizze giebt nur den
+Anblick von einem willkürlich gewählten Punkt aus. Wie gern wäre ich
+hier länger geblieben! und welche reiche Erndte steht auf Java dem
+Alterthumsforscher und Kunstkenner bevor, der durch gründliche Studien
+vorbereitet, die in so grosser Fülle vorhandenen Herrlichkeiten zum
+Gegenstand seiner Forschungen machen kann.
+
+[Illustration: TJANDI SEWU. JAVA.]
+
+Eine herrliche Tamarinden-Allee führt auf die Hauptstadt des Susuhanan,
+„das erhabene Surakarta”, oder Solo. Hier giebt es kein Gasthaus, eben
+so wenig wie in Jokjo; ich fand aber die zuvorkommendste Aufnahme bei
+einem schon viele Jahre hier ansässigen deutschen Arzt. Bei ihm traf ich
+Oberst v. S. und bedauerte sehr, mich mit der Reise so übereilt zu
+haben, da die Vorstellung bei dem „Kaiser” erst morgen stattfinden
+sollte. Der Kraton ist wie in Jokjokarta von einer Mauer umschlossen und
+enthält eine eben so zahlreiche Bevölkerung von Abhängigen des
+Susuhanan. Sie wohnen in langen Reihen ärmlicher Hütten; schmutzige
+Weiber und Kinder laufen in Menge umher. Im Vorhof des Palasts kauerten
+einige Gruppen seiner Leibwache, ihr Oberkörper war nackt bis an den
+Ledergürtel, der den künstlich gefalteten Sarong festhielt. Das
+wohlgekämmte Haar hing lose über den Nacken; statt des Kopftuchs trugen
+sie einen schmalen Kranz aus buntem Kattun, an welchem hinten zwei
+grosse Flügel befestigt waren, vielleicht um die Schnelligkeit der
+kaiserlichen Boten anzudeuten. Zerlumpte Soldaten präsentirten in
+theatralischer Stellung Fahnen, Piken und sehr kurze Gewehre. Vor dem
+Pendopo, der Empfangshalle, stand ein Musikcorps, das Fanfaren blies.
+Der Kaiser, ein noch gut aussehender Greis von 72 Jahren, fast in
+demselben Kostüm wie der Sultan von Jokjokarta, nur mit mehr Diamanten
+geschmückt, erhob sich aus seinem Lehnstuhl und ging dem Residenten bis
+an die Stufen der Halle entgegen. Um ihn kauerten Gruppen von alten
+Weibern, Zwergen, Verwachsenen, Albinos, alle mit nacktem Oberkörper,
+das ist Hoftracht. Je zwei oder drei hatten eine grosse messingene
+Speichelurne zwischen sich. Hinter dem Kaiser sass ein recht hübsches
+Mädchen, das eifrig mit ihrem Betel beschäftigt war, sie nahm ihn
+mehreremale aus dem Munde, ballte mit ihren zierlichen Händchen die
+Masse zu einer Kugel von der Grösse einer Pflaume zusammen, tupfte den
+am Umfang ihrer Lippen haftenden Speichel damit auf und schob alles
+anmuthig lächelnd in den Mund zurück.
+
+Die Gewohnheit des Betelkauens ist bekanntlich über alle Malayenländer,
+Hinterindien, einen grossen Theil von Vorderindien und China verbreitet,
+färbt Lippen, Zahnfleisch, Speichel blutroth, die Zähne schwarz, was im
+Lande für schön gilt. Die Chinesinnen und Mestizinnen der Philippinen,
+die andere Begriffe von Schönheit haben, wissen aber ihre Zähne durch
+häufiges Putzen mit der faserigen Hülle der Betelnuss weiss zu erhalten.
+Der Betel besteht aus dem mit etwas kaustischem Kalk bestrichenen sehr
+aromatischen Blatt des Betelpfeffers (Piper Betel oder Chavica Betel),
+einer zu dem Zweck in grosser Menge gebauten Schlingpflanze, und einem
+Stück des gerbestoffreichen Kernes der Arecapalme; häufig wird auch noch
+Gambir und Tabak dazu genommen. Der Anblick ist anfänglich wegen des
+reichlichen Speiens sehr hässlich; hat man sich einmal daran gewöhnt, so
+möchte man wünschen, dass die Sitte auch in Europa bestände, da
+Betelkauer nie schlecht riechenden Athem haben, während das Uebel bei
+uns namentlich unter älteren Leuten so häufig ist. Das Betelkauen wird
+wohl noch leidenschaftlicher getrieben als Tabakrauchen; seine
+spezifische Wirkung auf den Organismus scheint bis jetzt völlig
+unbekannt zu sein. Sir Emerson Tennent's Angabe (Ceylon I. pg. 112),
+dass keine ärztliche Verordnung besser als der Betel im Stande wäre die
+fast stickstofflose Nahrung der Eingebornen heilsam zu ergänzen, da er
+zugleich antacid, tonisch und karminativ wirken soll, entbehrt nach dem
+Urtheil mir befreundeter Physiologen jeder Begründung; der Betelgenuss
+muss aber entweder eine nützliche oder eine angenehme Wirkung auf den
+Organismus haben, sonst könnte unmöglich der Gebrauch so allgemein
+sein.[99]
+
+Nach einem kurzem Besuch verliessen wir den Kraton mit denselben
+Zeremonien, wie bei der Ankunft und besuchten den unabhängigen Fürsten
+Mangko-negoro, einen hübschen Mann in rüstigem Alter. Das Zeremoniell
+war hier viel einfacher als bei dem Kaiser, als Ordonnanz hatte er ein
+einziges, aber schönes junges Mädchen. Ich durchsuchte mit meinem
+gefälligen Gastfreund fast alle Leihhäuser der Stadt in der Hoffnung
+unter den verfallenen Pfändern einige schöne Waffen und andere
+Kuriositäten kaufen zu können, fand aber nur wenig; noch unbefriedigter
+war ich von den Kaufläden (tokos); es war fast nichts zu haben, und das
+Wenige schlecht und theuer. Ein Bogen geringen Zeichenpapiers, der in
+Deutschland einen Silbergroschen kostet, gilt im Innern von Java einen
+Gulden, ein Bleistift schlechtester Qualität, -- gute sind nicht zu
+haben, -- einen Gulden, ein Bogen Packpapier grosses Format, 1/2 Gulden
+und so im Verhältniss. Hier lernte ich einen prächtigen alten Oberst
+kennen, „der alte Blücher” genannt, der, die Kriegsjahre doppelt
+gerechnet, 92 Jahre und fast in allen Welttheilen gedient hatte. Er
+wollte mir einen sehr werthvollen Kris für unser Museum schenken, da der
+Werth aber nur in der Zauberkraft liegt, die ihm der inländische
+Aberglaube beilegt, -- wer ihn trägt, soll unverwundbar sein -- und sich
+für den alten Herrn, der die ganze Geschichte des Zauberkris' auswendig
+weiss, ruhmvolle Kriegserinnerungen an den Besitz desselben knüpfen, so
+wäre es sehr unrecht gewesen, zu Gunsten der ungläubigen Berliner die
+scheinlose Waffe von ihm anzunehmen.
+
+Wir besuchten noch einen javanischen Prinzen, den Pangeran Mangko-bumi,
+einen sehr lebhaften, thätigen alten Herrn, der in seinem Kraton alle
+möglichen Gegenstände fabrizirt, Flinten, Büchsen, Geschirre, selbst
+vollständige Gallawagen. Seine verstorbene Frau, eine Tochter oder
+Schwester des vorigen Kaisers, liebte ihn so sehr und besass so viel
+Selbstverläugnung, dass sie immer die schönsten jungen Mädchen ins Haus
+nahm, um sie für ihn zu erziehen, ein Gebrauch der nach ihrem Tode
+fortgesetzt wurde, so dass der alte Herr immer von einer Anzahl blühend
+junger Frauen umgeben ist. Er war sehr liebenswürdig und lud mich ein,
+einer Tanzstunde beizuwohnen, die er einer ausgewählten Zahl seiner
+weiblichen Familienglieder ertheilte. Sechs Paare junger Mädchen,
+darunter die schöne Prinzess Trinel (Bachstelze), sassen hintereinander
+mit untergeschlagenen Beinen auf dem Boden. Nach einigen Gamelangklängen
+erhoben sie sich langsam zu einem Tanz, der sehr anmuthig und
+schwungvoller als der der Bedajas war, und sowohl durch seine Wendungen,
+als durch das Kostüm: dünne, enganliegende Kleider, entblösste
+Schultern, flatternde Schärpen und nackte Füsse, an die Tänzerinnen auf
+antiken Wandgemälden erinnerte.
+
+Vor Sonnenuntergang hatte ich noch das Vergnügen den Kaiser mit seinem
+ganzen Hofstaat eine Spazierfahrt machen zu sehen. Es war ein hübscher,
+etwas wilder, höchst pittoresker Zug: voran der Kaiser mit einigen
+kleinen Kindern in einem grossen offenen Wagen, dem eine lange Reihe
+anderer von allerlei verschollenen europäischen Moden folgte; in den
+vordersten sassen Frauen und einige sehr schöne Kinder, die folgenden
+enthielten die männlichen Hofbeamten und Verwandten des Kaisers. Jeden
+Wagen umgab ein bunter Trupp Reiter mit blossen Beinen, flatternden
+Sarongs, und enganliegenden Jacken. Der Zug bewegte sich in schnellem
+Trab.
+
+Surakarta ist der Hauptsitz einer eigenthümlichen Kunst farbige Muster
+auf Kattun zu übertragen (Batek). Die Stellen des Zeuges, die beim
+Eintauchen in die Farbe weiss bleiben sollen, werden auf beiden Seiten
+durch einen Wachsüberzug geschützt. Zu dem Ende füllt die Zeichnerin
+über Kohlenfeuer flüssig gehaltenes Wachs in ein kleines Gefäss aus
+dünnstem Kupferblech und folgt mit der Spitze der wie ein Giftzahn
+geformten feinen Ausflussröhre den Umrissen eines unter dem
+durchscheinenden Zeuge liegenden Musters; vermittelst eines ähnlichen
+Instruments mit weiterer Oeffnung werden die Zwischenräume ausgefüllt,
+dieselbe Arbeit wird auf der andern Seite des Zeuges wiederholt, so dass
+sich die Figuren genau decken. Ist das Zeug durch Eintauchen gefärbt, so
+wird das Wachs ausgesotten. Soll noch eine Farbe aufgetragen werden, so
+wird das ganze umständliche Verfahren wiederholt. Nach Eintauchung in
+die zweite Farbe und Entfernung des Wachses erhält man ausser weiss,
+drei Farben: zwei reine, und eine aus diesen gemischte. Das Auftragen
+mancher Muster auf einen Sarong, der kaum die Grösse eines schottischen
+Plaids übersteigt, erfordert 40 bis 50 Tage anhaltender Arbeit. Das
+Batekmachen wird zwar auch von Lohnarbeiterinnen (monatl. für 2 fl. und
+Reis) ausgeübt, die geschicktesten Zeichnerinnen sind aber vornehme
+Frauen und diese Kunst bildet einen Theil ihrer Erziehung. Jedes Muster
+hat seinen besonderen Namen, manches darf nur in gewissen vornehmen
+Familien getragen werden und inländische Uebertreter verfallen,
+wenigstens in den Fürstenländern, einer Strafe; Männer und Frauen haben
+ihre besonderen Bateks. Das Muster, welches den Umschlag dieses Buches
+bildet, Batek-udan-iris, das zweitvornehmste in der Familie des
+Susuhanan, ist von einer Tochter des Prinzen Mangko-bumi gezeichnet, die
+für eine der geschicktesten Künstlerinnen gilt.
+
+Von Solo (Surakarta) aus besuchte ich den in gerader Richtung etwa 25
+Paal östlich von hier gelegenen Gunong-lawu, der auf dem Gebiete des
+Pangeran Mangko-negoro liegt. Mit javanischer Zuvorkommenheit hatte mir
+dieser zu meiner Reise seinen Postzug und die Begleitung seines eigenen
+Schwagers zur Verfügung gestellt. Wir überschritten den Solofluss auf
+einer Fähre und setzten die Fahrt auf guter ebener Strasse bis
+Karang-pandan fort. Nachdem die jungen muthwilligen Pferde allerlei
+kleineren Unfug getrieben, machte das Vorderste, auf welchem ein
+Postillon ritt, kehrt, die anderen folgten der Anregung, der ganze Zug
+wickelte sich zu einem Knäuel zusammen, das nur sehr schwer und nicht
+ohne Schaden für das Geschirr zu entwirren war.[100] In Karang pandan
+besass der Fürst ein geräumiges Landhaus auf dem Gipfel eines Hügels,
+mit herrlicher Aussicht auf die reich bebaute Ebene, und die immer
+malerischen Sawaterrassen; im Osten begrenzte das Bild der Gunong-lawu,
+im Westen der Merbabu und Merapi.
+
+Mein Begleiter wünschte sehr, hier Halt zu machen, um von der bereits
+gehabten Strapaze auszuruhen. Seine Ueberredungskünste bestanden weniger
+in Worten als in Thaten und waren eines malayischen Kavaliers würdig:
+nach einem verschwenderischen Frühstück, bei dem sich die malayische
+Kochkunst in vollem Glanze gezeigt, erschienen, als ich mich eben auf
+mein Zimmer zurückgezogen hatte, zwei junge Mädchen auf Befehl ihres
+Herrn, um mich durch ihre Künste zum Bleiben zu bewegen; aber das
+drähtige Haar und das übersanfte Lächeln des durch Feilen fast zahnlosen
+Mundes vernichtete die Wirkung der einladenden Worte. Ich ritt nach
+Pablingan, wo mehrere warme und kalte Mineralquellen hervorbrechen,
+darunter ein angenehmer Sauerbrunnen, Ayer-wolanda, holländisches Wasser
+genannt, weil das über Holland eingeführte Selterwasser in Java unter
+diesem Namen bekannt ist. Als ich nach Karang-pandan zurückkam, hatte
+sich mein vornehmer Begleiter hinreichend erholt, um nach dem am Fuss
+des Lawu gelegenen Suku zu reiten, das wir gegen Sonnenuntergang
+erreichten. Der Pasanggrahan stand mitten unter den interessanten von
+Raffles abgebildeten und beschriebenen Tempelresten.
+
+Am folgenden Morgen brachen wir auf, nachdem jeder vergeblich alle
+Ueberredungskunst aufgeboten hatte, um den andern von der Besteigung des
+Berges abzuhalten. Bis Tumba, einem kaum 2000 Schritt entfernten Dorf,
+konnte man reiten und der arme „Raden Rio” verschmähte selbst diese
+kleine Erleichterung nicht. Von dort aber ging es nur zu Fuss weiter.
+Kaum waren wir einige hundert Schritt gestiegen, als sich mein
+Begleiter, anscheinend ganz erschöpft, zu Boden warf, um etwas
+auszuruhen; ich verabschiedete mich daher von ihm bis zum folgenden
+Tage. Wir waren mit zahlreichem Gefolge aufgebrochen, nach einigen
+Stunden Steigens waren nur noch mein Diener und zwei Kulis bei mir, mit
+denen ich bald nach ein Uhr den Gipfel erreichte. An einer geschützten
+Stelle waren drei Hütten aus Grasmatten, eine für den Raden, eine für
+mich, eine für die Häuptlinge aufgeschlagen. Als eben die Dunkelheit
+einbrach, kam zu meiner grössten Ueberraschung Raden Rio an, ausser sich
+vor Ermüdung und rief mir zu: Um Gottes Willen, Herr, was suchen Sie
+hier oben! liess sich in eine wollene Decke wickeln und warf sich auf
+sein Lager. Der arme Teufel that mir sehr leid; es war mir gar nicht
+eingefallen, dass er den Berg besteigen würde, da ich seine am frühen
+Morgen zur Schau gestellte Ermüdung für eine List gehalten hatte, um
+unter einem anständigen Vorwand zurückbleiben zu können; aber der
+Gehorsam gegen Befehle von Höherstehenden ist in Java so absolut, dass
+er nicht gewagt hatte, unten zu bleiben, obgleich es sein eigener
+Schwager war, der ihm den Auftrag ertheilt hatte, mich zu begleiten. Er
+brachte einen Tross von 70 bis 80 Mann mit, von denen ein Theil Gepäck
+und Proviant trugen, während die anderen beschäftigt gewesen waren,
+ihren Herrn mit Tragesesseln, Stricken, Hebebäumen auf den Gipfel zu
+schaffen. Sein vortrefflicher Koch war auch mitgekommen und bald stand
+ein schmackhaftes malayisches Diner auf einer Matte ausgebreitet.
+
+Von einem so absoluten Gehorsam gegen Befehle Höherer, wie er in Java
+besteht, hat man in Europa gar keinen Begriff. Raffles sagt an einer
+Stelle (History of Java): Ebenso wie in einem ungebildeten Volk wenig
+Theilung der Arbeit besteht, so auch keine Theilung der Macht im
+Despotismus; der Despot ist Besitzer, alles andere ist Besitz, dieselbe
+Vereinigung richterlicher, finanzieller, und exekutiver Gewalt, die im
+Souverän ruht, geht an die Guvernöre der Provinzen, und von diesen
+stufenweise auf die unteren Beamten über, so dass jeder Häuptling,
+welches auch sein Rang sei, fast unumschränkte Gewalt hat über die
+welche unter ihm stehen.
+
+Den künstlich geebneten höchsten Punkt des Berges (10066'), den man auf
+rohen Stufen ersteigt, fand Junghuhn (1838) von einer viereckigen 3'
+hohen Mauer umgeben und innerhalb derselben ein hölzernes Haus, das
+wohlriechende Blumen und angebrannte Kohlen enthielt. Von dem Häuschen
+stand nur noch das Gerüst aufrecht, die Umfangsmauern waren unversehrt,
+einige hundert Fuss weiter unten, in der Höhe unseres Lagerplatzes,
+stand aber jetzt ein wohl erhaltenes Haus, das gleichfalls mit Blumen
+geschmückt und von einer Umfangsmauer umgeben war.
+
+Der Morgen war wieder ganz trübe, wir kehrten nach Suku zurück, wo Raden
+Rio erst gegen Abend ankam, und ritten sogleich nach Karang-pandan, um
+am andern Morgen mit Tagesanbruch nach Solo zurückkehren zu können. Auf
+der reichen Kulturlandschaft erhoben sich viele steinerne geräumige
+Häuser, Etablissements grosser Landpächter, die auf ihren Feldern
+Produkte für den europäischen Markt, besonders Zucker und Indigo bauen.
+
+Am 20. Oktober wurde in Solo das javanische Neujahrsfest Grebek
+gefeiert. Schon früh Morgens waren alle Strassen, die zur Hauptstadt
+führten, mit Zügen inländischer Häuptlinge bedeckt, die sich in ihrem
+besten Schmuck, von zahlreichen Dienern begleitet, zum Fest begaben. Um
+10 Uhr versammelten sich alle Europäer in der grossen Halle des
+Residenzgebäudes. Gegen 11 Uhr erschienen zwei Abgesandte des Kaisers,
+um den Residenten nach Hofetikette, mit kaum hörbarer Stimme zum Besuch
+im Kraton einzuladen. Eine halbe Stunde später fuhr der Resident,
+gefolgt von den Europäern und mehreren Pangerans in europäischer
+Uniform, nach dem Kraton. Auf dem Alun-alun war ein grosser
+Menschenhaufen versammelt. Durch eine Menge kleiner inländischer Beamten
+und die kaiserlichen Leibwachen hindurch gelangten wir an die grosse
+Empfangshalle: der Kaiser ging dem Residenten bis an die Stufen
+entgegen; und sobald sich beide niedergesetzt, nahmen die Europäer und
+Pangerans auf Stühlen zur Seite Platz. Dies war die Anordnung:
+
+ R S
+ 9 1 10
+ 2 3 4 5 6 7 8
+
+R Resident, S Susuhanan (Kaiser), 1 Speicheldosenträgerin (eine Alte),
+2-8 sieben junge Mädchen mit nackten Schultern, ein goldenes Band um den
+Hals, Blumen und eine Feder im Haar, die Reichsinsignien haltend und
+zwar: 2 das Schwert, 3 die Pfeile, 4 den Bogen, 5 den Sonnenschirm, 6
+den Schild, 7 den Säbel, 8 den Fächer. -- 9 und 10 Zwerge, alte Weiber,
+Verwachsene, Albinos. Nach kurzem Verweilen begaben sich Kaiser und
+Resident, unter einem vergoldeten Sonnenschirm einherschreitend, von den
+Gästen gefolgt, nach der grossen Halle des Vorhofs, in welcher bereits
+die übrigen kaiserlichen Gäste versammelt waren. Jetzt war, nachdem alle
+Platz genommen, die Gruppirung folgende:
+
+ S R
+ +---+ +-+ +---+ +-+ +---+
+ | | | | | | | | | |
+ B E V E B
+
+S Susuhanan, R Resident, V Verwandte und vornehmste Beamte in Reihen
+geordnet, B Beamte und Häuptlinge, alle nach ihrem Range in Reihen
+geordnet, E Europäer auf Stühlen. Alle Inländer mit alleiniger Ausnahme
+des Kaisers und der Pangerans kauerten am Boden. Der Kaiser trug eine
+cylindrische Mütze aus weissem Glanzleinen, im Uebrigen das schon
+beschriebene Kostüm. Auch die vornehmen Beamten (V) hatten cylindrische
+Mützen und Jacken, meist von dunkler Farbe. In den Reihen B waren alle
+bis zum Gürtel nackt; das Haar war nicht zusammengebunden, sondern
+einmal gedreht über den Kopf gelegt und mit einem Kamme befestigt. Rings
+um die offene Halle standen die kaiserlichen Leibwachen in bunten
+Kostümen und theatralischer Haltung, die gut zum Ganzen passte. Zwei
+vornehme Boten drängten sich kriechend in der Mittellinie durch die
+hohen Würdenträger (V), machten in grosser Entfernung vor dem regungslos
+sitzenden Kaiser Halt, und berichteten, als sie nach langer Pause einen
+Wink empfangen, dass die dem Volk bestimmten Geschenke bereitständen;
+dies geschah aber mit so leiser Stimme, dass der Schall wohl kaum bis
+zum Kaiser dringen konnte. Nach abermaligem langem ehrerbietigem Harren,
+erhielten sie einen zweiten Wink, und zogen sich rückwärts kriechend
+zurück. Nun wurden die kaiserlichen Geschenke, denen ein Musikcorps
+voranging, vorübergetragen; sie bestanden aus allerlei Esswaren und
+Näschereien auf kolossalen verzierten Körben, jeder von 12 Kulis
+getragen: bald hörte man aus dem Jauchzen des Volks auf dem Alun-alun,
+dass es sich in Besitz gesetzt hatte. Inzwischen waren an die Gäste
+Verzeichnisse der zu trinkenden Toaste vertheilt worden: 1. das neue
+Jahr, 2. der General Guvernör, 3. der Kaiser, 4. der Resident, 5. der
+Pangeran Adipati-anom (Kronprinz), 6. die kaiserliche Familie, 7. die
+Blüthe und Wohlfahrt der Insel Java. Zu jedem Toast erhielt man ein
+kleines Glas Madeira oder wenn man es vorzog, Thee von gleicher Farbe,
+eine anzuerkennende Vergünstigung, da das Glas jedesmal ausgeleert
+werden muss. Die Leibwache war in Schlachtordnung aufmarschirt und
+begleitete jeden Toast mit einer Gewehrsalve. Schliesslich geleiteten
+die Europäer den Kaiser in den inneren Kraton zurück, und gingen nach
+Hause. Das Schauspiel war nicht ohne Interesse und erinnerte
+unwillkürlich an die grossen Kirchenfeste in Rom, sowohl durch die aus
+einer vergangenen Zeit geretteten malerischen aber fadenscheinigen
+Kostüme, als durch die fast zur Anbetung gesteigerten Formeln der
+Ehrerbietung gegen zwei dem Grabe nahen Greise, die bezeichnend die
+Hauptrollen spielten; hier wie in Sankt Peter hatten die ungläubigen
+Fremden, für welche das Ganze nur ein buntes Schauspiel ist, die
+Ehrenplätze, während das gläubige Volk draussen steht.
+
+
+
+
+Sechstes Kapitel.
+
+ Festung Ambarawa. -- Samarang. Schule. Waisenhaus. -- Surabaya.
+ Maschinenfabrik. -- Tempel um Malang. -- Ardjuno. Legende. --
+ Semeru. -- Lamongan. Gewitter. -- Rückkehr nach Batavia.
+
+
+Von Solo reiste ich über Bojolali und Salatiga, wo ein Regiment
+Kavallerie liegt, nach Ambarawa, traf daselbst wieder den Oberst, den
+seine Dienstgeschäfte dort einige Tage aufhielten, und hatte dadurch
+Gelegenheit die bedeutende, erst vor wenigen Jahren begonnene, aber
+beinahe vollendete Festung zu sehen. Sie soll sehr zweckmässig angelegt
+sein; jedenfalls liegt sie sehr schön. Wir gingen bis zur Dunkelheit auf
+den langen Reihen flacher Dächer spazieren und erfreuten uns an der
+herrlichen Aussicht auf die den weiten Thalkessel rings umschliessenden
+Berge. Der Merapi, Merbabu, Lawu, Sumbing, Sindoro, traten in der
+durchsichtigen feuchten Abendluft so klar hervor, dass man alle
+Schluchten dieser schönen Kegelberge deutlich erkennen konnte. Der
+Ungaru liegt in unmittelbarer Nähe und begrenzt den Kessel von Ambarawa
+im Norden durch seine flachen Vorberge. Auf diesen sieht man eine Menge
+weiss getünchter Stein-Häuser durch die Bäume schimmern, ein im Innern
+Javas seltener Anblick. Gegen Osten lehnt sich die Festung an die Rawa,
+einen grossen Sumpf, dem sie ihre Stärke verdankt. Die Festungsgräben
+sind an der inneren Seite mit dornigen Bambusen bepflanzt, die eine
+undurchdringliche Hecke bilden. Ambarawa soll der Hauptwaffenplatz für
+Niederländisch-Ostindien werden. Es laufen von hier drei Hauptstrassen
+auseinander; die eine nördlich nach dem grossen Handelsplatz Samarang,
+eine SW. über Kadu nach den westlichen, die dritte SO. über Surakarta
+nach den östlichen Provinzen. Die früheren Bewohner des Thales sind auf
+loyale Weise expropriirt worden, und haben ihre Desas auf den
+umliegenden Hügeln erbaut. Rings um Ambarawa sieht man nichts als
+Soldaten und Leute, die von ihnen leben. Zu den Erdarbeiten, die der
+Festungsbau nöthig machte, ist das bereits früher erwähnte
+Schwemmverfahren in sehr ausgedehntem Maasse angewendet worden (pg.
+146). Die Javanen sind Meister im Wasserbau. Auch wissen sie nach
+blossem Augenmaas geringe Niveauunterschiede zwischen entfernten Punkten
+richtig aufzufassen, die ein Europäer nur mit Hülfe von Instrumenten zu
+ermitteln vermag.
+
+Am folgenden Morgen besichtigten wir die noch unvollendeten Gebäude zu
+einem „Militärkampement” von 12000 Mann. Die Kasernen einiger
+Regimenter waren bereits fertig und bewohnt. Sie sind sehr geräumig,
+reinlich, luftig. An beiden Seiten laufen der ganzen Länge nach breite
+Veranden hin. In den Schlafsälen fielen mir die fast quadratischen
+Betten auf; der Soldat schläft hier nicht allein, jeder hat eine
+Soldatin; ich sah diesen interessanten Truppentheil aber nur aus der
+Ferne, da sie um 7 Uhr früh, wo die Offiziere Musterung halten, die
+Schlafsäle verlassen haben müssen; sie ziehen sich dann in ein
+abgesondertes Kampong zurück. Die Inländerinnen, die mit den Soldaten
+wie treue Ehefrauen leben, werden von den Offizieren nicht als ein
+störendes Element, sondern als ein nützliches Komplement betrachtet.
+Auf dem Marsch sollen sie wichtige Dienste leisten, ohne besondere
+Mühe oder Kosten zu verursachen, da sie von der reichlichen Ration des
+Soldaten leben. Sie putzen diesem, wenn er vom Marsch ermüdet im
+Bivuak ankommt, Waffen und Zeug, besorgen seine Wäsche, kochen das
+Essen und erhalten ihn bei guter Laune, da sie selbst immer
+unverdrossen sind. Der afrikanische Reisende Galton macht in seinem
+„Art of travel” die Reisenden ebenfalls auf den grossen Nutzen
+aufmerksam, den eine Expedition aus der Begleitung inländischer Weiber
+zieht, und giebt dieselben Gründe an.
+
+Trotz der Rawa und der vielen Gräben soll die Lage von Ambarawa nicht
+ungesund sein; wahrscheinlich wegen der starken Ventilation, die sich in
+einzelnen Fällen aber bis zu gefährlichen Wirbelwinden steigert. „Da wo
+in niedrigen Zwischenräumen zwischen hohen Bergen z. B. auf dem Gunung
+Djambu, über welchen der Weg von Ambarawa nach Kadu führt, die beiden
+entgegengesetzten Luftströme (Land- und Seewind), die von N. und S.
+kommen, einander in der Mitte der Insel begegnen, da entstehen zuweilen,
+aber selten Wirbelwinde, höchst gefährliche Stürme, wodurch Bäume und
+Häuser vom Boden gehoben, eine Zeitlang in der Luft herumbewegt und auf
+weite Abstände mit fortgerissen werden.” (Jungh. I. 164.) Der Oberst
+erzählte mir von einem solchen Sturm, den er hier erlebt hatte. Sein
+Haus wurde völlig zertrümmert, Cocospalmen unter der Blätterkrone
+abgedreht, Bäume entwurzelt und nebst Steinen durch die Luft geführt.
+Gerade als dieser Sturm ausbrach, lagen sämmtliche eben erst vollendete
+Pläne zur Festung, behufs einer nochmaligen Durchsicht auf einem grossen
+Tische nebeneinander ausgebreitet; der Wind ergriff sie und vernichtete
+fast alle, so dass die Arbeit noch einmal begonnen werden musste.
+
+Schon lange bevor man Samarang erblickt, verkündet der immer lebhafter
+werdende Verkehr die Nähe der grossen Handelsstadt. Beladene
+Büffelkarren, Lastträger und Saumthiere beleben die Strasse; die Warongs
+werden immer zahlreicher. Plötzlich sieht man von einer Anhöhe hinter
+einer wohlbebauten Ebene die grosse Stadt mit dichtgedrängten Häusern,
+und im Hintergrunde das Meer und die belebte Rhede. Ein dunkelgrüner
+Saum von Cocospalmen zieht sich am Gestade hin und lässt nur
+stellenweise einen weissen Sandstreifen dahinter erkennen. Im
+Vordergrund liegen mehrere mit Waringis bestandene Hügel, die sich
+reiche Chinesen mit vielem Geschmack, und wahrscheinlich auch mit vielem
+Geld zu Begräbnissplätzen erkoren haben. Die Aussicht verschwindet bald
+wieder; aber der Verkehr wird immer reger. In einer prächtigen
+Tamarinden-Allee legt man die letzte Station zurück.[101] Beim
+Schlendern durch die Stadt fielen mir Gruppen von Frauenzimmern auf, die
+inmitten der belebten Strassen niedergekauert, im Kartenspiel vertieft
+waren.
+
+Am folgenden Morgen hatte der Resident die Güte mich an der Besichtigung
+mehrerer öffentlichen Anstalten Theil nehmen zu lassen. Wir sahen zuerst
+das Hospital der Gefangenen, es stand fast leer. Darauf besuchten wir
+einige Schulen, in denen Kinder von Europäern und diesen gleichgestellte
+Mischlinge Elementarunterricht empfingen. Sie wurden in meiner Gegenwart
+im Rechnen und in der Geographie examinirt -- man hatte uns die Wahl der
+Unterrichtsgegenstände überlassen -- es ging recht gut. Ueberraschend
+waren die Leistungen einiger Schüler in der Geographie. Ein 16 jähriger
+Knabe zeichnete in einem Zug ein gutes Bild von Asien auf die Tafel und
+fügte beiläufig Europa hinzu. Auf Verlangen trug ein anderer den Lauf
+der Hauptströme ein und gab die Lage der grössten Städte richtig an. Ein
+Dritter zeichnete die Grenzen der grossen Reiche. Hierauf besichtigten
+wir das protestantische Waisenhaus, das 64 Knaben, 128 Mädchen enthielt.
+Jene bleiben bis zum 18., diese bis zum 23. Jahr in der Anstalt, wenn
+sie nicht früher versorgt werden. Viele Knaben gehen in die
+Militärschule von Gombong über (vgl. S. 205), andere werden bei
+Privatleuten und als Subalternbeamte untergebracht. Nur wenige Kinder
+sind von europäischer Abkunft; die meisten sind Mischlinge, besonders
+Soldatenkinder, und nicht Waisen im eigentlichen Sinne. Die Verwaltung
+der Anstalt scheint musterhaft. Ueberall herrschte untadelhafte Ordnung
+und Reinlichkeit, ausser in den Kammern der ganz neu eingetretenen, die
+gewöhnlich so jung sind, dass sie noch der inländischen Mutter bedürfen.
+Man sollte kaum glauben, dass die netten jungen Mädchen, die in der
+grossen kühlen Veranda weibliche Handarbeiten machten, aus so
+schmutzigen kleinen Wilden hervorgegangen waren. Die Mädchen verlassen
+die Anstalt häufig als Bräute; denn sie stehen in solchem Ruf der
+Sittlichkeit und Wirthschaftlichkeit, dass namentlich Unteroffiziere und
+Subalternbeamte sich gern aus ihnen eine Ehefrau wählen. So gross ist
+das Zutrauen zum Vorstand, dass mancher Bräutigam, der es eilig hat,
+oder die Reise nach Samarang nicht machen kann, sich wegen der Wahl
+einer seinen Bedürfnissen und Neigungen entsprechenden Frau
+vertrauensvoll an diesen wendet, und in fast allen Fällen soll das
+Ergebniss das Zutrauen des Heirathskandidaten gerechtfertigt haben. Auch
+jetzt waren zwei Bräute in der Anstalt, die uns ihre kleine durch Fleiss
+und Sparsamkeit erworbene Ausstattung zeigten. Den Knaben sowohl als den
+Mädchen werden, sobald sie arbeiten können, ihre Leistungen bezahlt. Die
+Knaben arbeiten in Werkstätten ausser dem Hause, die Mädchen machen
+Handarbeiten. Das erworbene Geld wird den Zöglingen aufbewahrt, bis sie
+die Anstalt verlassen. Jede der beiden Bräute hatte auf diese Weise ein
+Kapitälchen von 150 Gulden erspart. Die meisten Mädchen waren nicht
+hübsch von Gesicht, die malayische Rasse scheint sich schlecht mit der
+Europäischen zu vermischen (bessere Resultate giebt die Mischung von
+Chinesen und Malayen). Wir besahen die Schlafsäle, die sehr luftig und
+reinlich sind; jedes Mädchen hat eine eiserne Bettstelle und darüber an
+der Wand ein Schränkchen, deren einige geöffnet wurden; sie enthielten
+wohl geordnete, blendend weisse Wäsche, und allerlei kleine
+Habseligkeiten. Zum Schluss erfreute uns die gesammte männliche und
+weibliche Jugend mit einem grossen Vokal-Konzert, ich fand es sehr
+hübsch, aber Oberst von S., der sich darauf zu verstehen scheint, sagte
+mir später, es hätte ihm fast die Ohren zerrissen.
+
+Das katholische Waisenhaus, das wir darauf besuchten, war im Vergleich
+zu jenem schlecht gehalten, die Anzahl der Zöglinge etwa ebenso gross.
+Nachmittags durchstreifte ich die Stadt mit einem gefälligen Landsmann,
+der mir aber wenig Auskunft geben konnte. Eine der Sehenswürdigkeiten
+Samarangs, Haus und Garten des „Major” der Chinesen entging uns, da der
+Hausherr, der als Opiumpächter ein Vermögen von 5 Millionen Gulden
+erworben hatte, nicht anwesend war. Wir begegneten einem Brautzug von
+Arabern. Ueber dem mit Blumenschnüren behangenen Bräutigam wurde ein
+grosser Sonnenschirm getragen. Alle waren reich in Seidengewänder
+gekleidet, den Zug schloss eine Musikbande. -- In Samarang druckt man
+Batekmuster vermittelst kupferner Formen auf die Zeuge, das übrige
+Verfahren gleicht dem (S. 229) beschriebenen. Auch werden hier
+golddurchwirkte seidene Sarongs gewebt, die hoch im Preise stehen.
+
+Von Samarang fuhr ich in einem alten schlecht gehaltenen Dampfboot,
+„Koningin der Nederlande” nach Surabaya. Die langsame Fahrt dauert 24
+bis 28 Stunden und kostet 100 Gulden. Auf dem Vorderdecke sah es
+ziemlich bunt aus; es enthielt Malayen, Klings, Araber und Mischlinge.
+Angetrunkene Soldaten sangen Abends ein wildes lautes Lied; dicht neben,
+fast zwischen ihnen, verrichteten zwei Araber ihre Andacht mit vielen
+Prosternationen so ungestört als wären sie allein. Das Boot war so voll,
+dass keine Kabine mehr zu haben war. Die beiden einzigen Sophas, die auf
+dem Verdeck standen, wurden mir wiederholt von den glücklichen Besitzern
+dringend und anscheinend aufrichtig angeboten; soweit geht hier die
+Höflichkeit gegen Fremde.
+
+[Illustration: AM KALI-MAS. SURABAYA.]
+
+~Surabaya~. -- In einem Sampan fuhr ich den langen Kalimas hinauf, an
+vielen malerischen sonderbaren Küstenfahrern vorbei. Am rechten Ufer
+liegt eine Reihe von Offizierswohnungen, dann folgte ein Kampong, in dem
+viele auffallend geschminkte Mädchen am Ufer spazieren gingen oder
+badeten. Am folgenden Morgen besichtigte ich eine Fabrik, die namentlich
+Maschinen für Zuckerfabriken liefert. Der Besitzer, ein geborner
+Aachener, beschäftigt nur inländische Arbeiter, ist sehr mit ihnen
+zufrieden, und mag von Europäern nichts wissen, obwohl er zugiebt, dass
+ein solcher in Europa unter Umständen viermal so viel zu leisten vermag
+als ein Javane. In Java aber wollen alle Europäer die grossen Herren
+spielen und sind daher nicht gut zu brauchen. Herr B. beschäftigt gegen
+500 Arbeiter und hat sie alle selbst aus gewöhnlichen Kulis
+herangebildet. In vier Jahren wird aus einem solchen ein guter Former,
+oder Schmied; in sechs Jahren ein Modellmacher. Die Löhne betragen für
+Knaben 30 bis 40 Cents, Erwachsene verdienen 40 bis 120 c. (120 c = 1
+fl. holl.), die Mandore (Aufseher) erhalten 240 c. per Tag. Die
+Arbeitszeit dauert von 6 bis 12 Uhr und von 1/2-1 bis 1/2-5. Fast jeden
+Morgen fehlen einige Arbeiter bei dem Appell. Sie werden dann aus ihrer
+Wohnung geholt und kommen auch ohne Widerrede; holt man sie aber nicht,
+so bleiben sie ruhig zu Hause liegen. Strafe erhalten sie für diese
+kleinen Anwandlungen von Arbeitsscheu niemals. Alle Arbeiter empfangen
+Vorschüsse, sonst würden Unregelmässigkeiten im Dienst wohl viel
+häufiger sein. Kleine Diebstähle von Nägeln, Schrauben u. s. w. kommen
+zuweilen vor. Wird ein Dieb ertappt, so erhält er eine Ehrenstrafe; mit
+einer Art von Halsband, an dem die gestohlenen Sachen hängen, und einem
+Zettel am Kopf, welcher seinen Namen und sein Vergehen anzeigt, wird der
+Dieb an die Thür den Vorübergehenden zur Schau gestellt. Diese Strafe
+soll ausserordentlich wirksam sein, wie bei dem starken Ehrgefühl der
+Javanen nicht anders zu erwarten ist. -- Von hier besuchten wir ein
+Hospital, das keinen günstigen Eindruck machte; es fehlte an Raum,
+Ventilation und Kühlung. Dysenterie, Fieber, Typhus sind die
+Hauptkrankheiten.
+
+Da wegen der vorgerückten Jahreszeit keine Zeit zu verlieren war, so
+fuhr ich am folgenden Tage im Omnibus nach Pasuruan durch das Deltaland
+des Kali-Brantes, welcher sich bei Modjo-kerto in zwei Arme theilt,
+deren einer unter dem Namen Kalimas bei Surabaya mündet, während der
+andere, wasserreichere, in östlicher Richtung weiterfliesst. Zwischen
+diesen beiden Armen und der Küste, die von Surabaya bis zur Mündung des
+Brantes fast genau dem Meridian folgt, liegt ein durch viele natürliche
+und künstliche Kanäle reich bewässertes, sehr fruchtbares Schwemmland,
+ein fast gleichseitiges Dreieck von etwa 6 Meilen Seite. Die Chaussee
+läuft der Küste ungefähr parallel und ist die schönste von allen, die
+ich bisher hier oder in Europa gesehen, breit, fest, eben, gut
+unterhalten, von hohen, alten Tamarinden beschattet. Unter diesen liegen
+zahlreiche Wachthäuser von Stein, zu beiden Seiten der Strasse Reis-,
+Indigo-, Zuckerfelder. Ausgedehnte Fabriken mit Dampfschornsteinen
+deuten auf die grosse Entwickelung der Zuckerindustrie, die hier ihren
+Hauptsitz hat und Fleiss und Wohlstand unter der Bevölkerung verbreitet.
+
+Nach kurzem Aufenthalt in Pasuruan ritt ich südlich nach Malang, in
+einem sanften Bogen zwischen den im Westen gelegenen Vulkanen Ardjuno
+und Kawi und den im Osten liegenden Tengger und Semeru, jener durch die
+ungewöhnliche Grösse seines Kraters (der Sandsee), dieser als der
+höchste Berg Javas (11,480') ausgezeichnet.
+
+In Malang waren Resident und Regent wegen einer Inspektionsreise
+abwesend; ich traf aber einen ebenso herzlichen als wissenschaftlich
+gebildeten deutschen Arzt, der hier ein grosses Hospital gegründet, das,
+ähnlich wie Gadok im westlichen Java, ein Sanatarium für die Bewohner
+des östlichen werden soll. Ausser der gesunden, kühlen Lage machen
+herrliche Umgebungen, vortreffliche Strassen und viele in der
+Nachbarschaft vorhandene Kunstdenkmäler den Aufenthalt zu einem der
+angenehmsten in Java.
+
+Da die Reise, die ich nach dem Semeru vorhatte, vor Rückkehr des
+Regenten nicht unternommen werden konnte, gab mir Dr. G. seinen
+Verbandmeister, einen ehemaligen Barbier aus Leipzig mit, der mich nach
+den schönen Tempelruinen von Tumbang und Pakis begleitete. Am nächsten
+Tage ritt ich nach Singosari, wo einige malerische Tempelruinen und auf
+einem Rasenplatz aufgestellte Skulpturen, die ihre Erhaltung ihrer
+Schwere verdanken,[102] an die Hauptstadt eines ehemals mächtigen
+Reiches erinnern. Singosari soll schon im 3ten Jahrhundert erwähnt, im
+13ten seine höchste Blüthe erreicht, die erste Gründung der Tempel im
+Jahre 656 stattgefunden haben. (Hagemann Schetsen omtrent Malang). Am
+folgenden Morgen stieg ich auf den Ardjuno, gegen 1 Uhr erreichten wir
+die südöstliche Kuppe, die nach Junghuhn Widodaren, nach Versicherung
+des Regenten von Malang aber Indrogeni heisst; die zweite, in NW.
+gelegene Kuppe, die höchste des ganzen Berges, auf der auch das
+trigonometrische Signal steht, heisst Pedodarén, und besteht aus
+grossen, über einander gehäuften Trachytblöcken. In einer natürlichen
+Höhle, gross genug, um zwei oder drei Menschen als Schlafplatz zu
+dienen, lag wahrscheinlich seit vielen Monaten völlig trockenes Heu, das
+für die geringe Feuchtigkeit zeugte, welche hier, oberhalb der
+Monsunwinde herrscht. Auf diesem Gipfel standen, wie auf dem des Lawu,
+einige jener merkwürdigen aus Steinquadern aufgeführten Baue, an die
+sich eine Legende knüpft, die mir der in der altjavanischen Literatur
+wohl belesene Regent von Malang bei meiner Rückkehr erzählte.
+
+Vor langer, langer Zeit lebten fünf Brüder, Pendówo, Königssöhne von
+gewaltiger Körperkraft. Um noch stärker zu werden, zogen sie sich auf
+den Gipfel des Ardjuno zurück und bauten sich auf der Kuppe Indrogeni
+fünf Häuser, in welchen sie als Einsiedler lebten. Sie beteten täglich
+um Vermehrung ihrer Körperkraft, und da sie Allah so viel näher waren,
+drang ihr Gebet um so deutlicher zu ihm. Zu derselben Zeit lag auf dem
+Südabhang des Semerugipfels eine grosse von Geistern bewohnte Stadt, die
+einem mächtigen König gehorchte. Der Geisterkönig hatte viele Töchter
+von ausserordentlicher Schönheit. Um eine derselben bewarb sich der
+mächtige Radjah von Melusina; sein Gesuch wurde aber mit Hohn
+zurückgewiesen. Da wandte er sich um Hülfe an einen der fünf starken
+Brüder auf dem Ardjuno. Dieser begab sich nach der Geisterstadt, kämpfte
+lange mit dem stolzen König, ward aber endlich überwunden und zog sich
+nun auf den höchsten Gipfel (Pedodaren) des Ardjuno zurück, wo er noch
+inbrünstiger betete, als zuvor. Bald fühlte er sich auch so gestärkt,
+dass er zu neuem Kampf gegen den Geisterkönig aufbrach. Noch ehe er die
+Geisterstadt erreichte, kamen ihm die schönen Prinzessinnen (Widodari =
+Genien), die sich in den starken Helden verliebt hatten, bis zu einer
+Bergkuppe am Südabhang des Semeru entgegen, der in Folge davon noch bis
+auf den heutigen Tag Widodaren heisst. Diesmal erschlug der Held den
+Geisterkönig, welcher Usu hiess, gab seinem Freunde, dem Radjah von
+Melusina, die schöne Prinzessin, und heirathete alle ihre Schwestern.
+
+Ein Versuch, Javas höchsten Vulkan, den Semeru zu ersteigen, scheiterte
+an der Zaghaftigkeit und Böswilligkeit des Bedana von Madjang-tenga. Ich
+kam aber bis zur Kuppe von Widodaren, und hatte somit Gelegenheit, eine
+der eigenthümlichsten, wildesten und grossartigsten Landschaften zu
+sehen, die Java enthält. Von Malang läuft die Strasse SO., fast
+rechtwinklig fünf wasserreiche Bäche durchschneidend, die vom Westabhang
+des Berges Semeru her in den dicht am Ostabhang des Berges Kawi
+hinfliessenden Kali-Brantes fallen. Dieser umfliesst die Vulkanengruppe
+des Kawi, Kelut und Ardjuno in einem Bogen und mündet nicht weit von
+seiner Quelle an der Grenze von Surabaya und Pasuruan. Südlich von
+Malang kamen wir durch einen ganzen Wald von merkwürdigen, dem Waringi
+verwandten Feigenbäumen. Zwischen Madjang-tenga und Widodaren am
+Südwest-Abhang des Semeru, ist alles mit dichtem, feuchtem Wald bedeckt,
+in welchem riesige Bambusen auftreten und bald vorherrschend werden. Ich
+mass einige von 26 Zoll Umfang, es sollen noch dickere vorkommen; ihre
+Höhe beträgt 60-70', sie haben sehr dünne Wände und sind bis zur Spitze
+mit Wasser gefüllt, das krystallhell hervorsprudelt, wenn man die Halme
+anschneidet. Die Kulis kochten ihren Reis in diesem Wasser und zogen es
+dem der Bäche vor. Die hohen, dünnen, mit Wasser gefüllten Halme brechen
+leicht ab und bilden auf dem Boden ein viele Fuss hohes Durcheinander
+von mehr oder weniger morschen Röhren, auf denen man zuweilen wie auf
+einem Gerüst geht, häufig aber auch einbricht und dann tief in den
+morschen Boden einsinkt. Die Feuchtigkeit war sehr gross, selbst
+Nachmittags wehte jeder Luftzug einen Thauregen von den Blättern. Ein
+prachtvolles Stück Landschaft entfaltete sich am Bach Mandjing. Man
+überschreitet ihn kurz vor der Stelle, wo die flache Lavabank, auf der
+er bisher geflossen, plötzlich abbricht. Da der damals wasserarme Bach
+nur einige flache Rinnen in der Bank ausfüllte, so konnte man trockenen
+Fusses auf festem Gestein bis an den Rand des Abgrundes treten. Steht
+man in der Richtung des Wasserlaufes, so erhebt sich vor Einem eine
+beträchtlich höhere Tuffwand, in welche der Bach eine mehrere hundert
+Fuss tiefe Kluft mit senkrechten Wänden ausgewaschen hatte, so schmal,
+dass die hohen Bambusen, die auf den beiden oberen Rändern wachsen, sich
+darüber kreuzen. Auf der Kuppe Widodaren, wo wir übernachteten, war es
+so feucht, dass wir nur mit grosser Mühe Feuer anzünden konnten. Der
+innerste Kern des trockensten Holzes, das zu finden war, wurde in dünne
+Stäbchen, so fein wie Zahnstocher, geschnitten, ein anderer Theil wurde
+fein geschabt und in den Händen zu Pulver zerrieben; nachdem erst
+dieses, dann die Stäbchen in Brand gebracht, wurden immer grössere
+Stückchen angelegt, bis zuletzt ein munteres Feuer entstand. Der Bedana
+traf erst eine Stunde später im Bivuak ein und fuhr fort, seine Zweifel
+gegen die Möglichkeit der Besteigung des Semeru auszusprechen. Gegen
+Abend hörten wir deutlich starke Schläge, wahrscheinlich Ausbrüche des
+Kraters, konnten aber wegen des dichten Nebels nichts sehen. Früh um 3
+donnerte der Semeru abermals. Es war eine klare, sternhelle Nacht, der
+Gipfel deutlich sichtbar, ein Feuerschein aber nicht wahrzunehmen. Um
+6-1/2 Uhr früh waren wir endlich marschfertig, der Bedana stellte sich
+so müde, dass er schon nach 200 Schritten zusammensank und sich erst
+nach langem Zureden wieder ermannte. Nachdem wir auf Banteng- (wilde
+Büffel) Wegen eine Strecke weiter gestiegen, gelangten wir an eine
+Stelle, wo der Bedana das Weitergehen hartnäckig verweigerte. Quer vor
+uns lag eine tiefe Schlucht, deren beide Seitenwände aber durch einen
+Zwischenrücken aus Rapilli verbunden waren, es war derselbe Rücken, auf
+welchem Junghuhn früher die Schlucht überschritten, die einzige
+schwierige Stelle auf dem ganzen Wege. Er mag damals vielleicht etwas
+leichter zugänglich gewesen sein; denn jetzt erhoben sich auf dem
+scharfen Grat einzelne Pfeiler aus Rapillimasse, zu lose und zu steil,
+um darüber fortklettern zu können, aber leicht zu beseitigen. Der Bedana
+hielt es für zu gefährlich, den Rücken zu betreten, und verweigerte auch
+den Leuten die Erlaubniss. Ich bot meine ganze Beredsamkeit auf, räumte
+mit einem langen Bambus die ersten beiden Pfeiler so weit ab, dass man
+hinüber konnte; aber mein Beispiel war eben so unwirksam, als meine
+Bitten, keiner verliess den Rand der Schlucht. Nachdem ich so eine
+Stunde gearbeitet hatte, während der Bedana und seine Leute, Betel
+kauend, ruhig zusahen, überlegte ich, was zu thun sei. In einer Stunde
+hätten die Leute das Hinderniss beseitigen können, in 4-5 Stunden hätten
+wir dann den Gipfel erreicht. Wäre der Bedana nicht dabei gewesen, so
+wären mir die Leute gewiss gefolgt, wie schon so häufig auf schwierigen
+Stellen; sein Befehl hielt sie zurück. Ich musste mich zur Umkehr
+entschliessen. Ohne ein Wort zu sprechen, kehrten wir nach Madjang-tenga
+zurück, das wir an demselben Abend erreichten. Während ich gestern in
+gespannter Erwartung und fröhlichster Stimmung nur für die Pracht des
+Waldes Augen hatte, sah ich heut, niedergeschlagen durch das verfehlte
+Unternehmen, nur die Hindernisse, die die üppige Vegetation dem
+Reisenden in den Weg legt, und roch überall nur den Moder der faulenden
+Pflanzen. Die Einförmigkeit der Heimreise wurde nur durch die Ausbrüche
+des Semeru unterbrochen. Ein erster lauter Knall erfolgte um 11, dem
+andre um 12, 12-1/4, 1, 2 Uhr folgten. Von 4 Uhr an donnerte es fast
+eine Stunde lang mit ganz kurzen Unterbrechungen, jeder Ausbruch dauerte
+etwas weniger als eine Minute, die Pausen waren gewöhnlich nicht viel
+länger. Welch prachtvolles Schauspiel müssten wir auf der Gipfelplatte
+gehabt haben!
+
+Auf dem Wege nach Malang begegnete uns ein eigenthümliches Brautpaar,
+der Bräutigam über 20, die Braut kaum 9 Jahre alt. Beide sassen mit
+Blumen geschmückt, gelb bemalt, in einem offenen Wagen neben einander;
+die Braut sah schüchtern und gelangweilt, der Bräutigam sehr albern aus.
+Ueber sie hielt man einen grossen Sonnenschirm. Ein Zug geputzter Leute
+mit Gamelang-Musik folgte dem Wagen. Ich erfuhr, dass sich häufig
+erwachsene Männer Kinder antrauen lassen, die dann bis zu ihrer
+Mannbarkeit bei den Eltern bleiben. Einen Paal östlich von der Strasse,
+die von Malang nach Pasuruan führt, liegt der Wasserfall Kali-Baong, ein
+von Reisenden oft besuchter schöner Punkt. Vor etwa 8 Tagen besichtigte
+ihn ein Engländer, den ich in Malang kennen lernte, mit seiner Frau. Als
+sie wieder nach ihrem Wagen zurückgingen, sprang ihnen plötzlich ein
+grosser Tiger in den Weg, glotzte sie an und lief weiter, ohne sie
+anzugreifen.
+
+Ohne mich in Pasuruan aufzuhalten, reiste ich nach der etwa 20 Paal
+weiter östlich an der Küste gelegenen Hafenstadt Probolingo, um von dort
+aus noch das Tengger-Gebirge und den Lamongan zu besuchen. Das
+Küstenland behält denselben Charakter, wie zwischen Surabaya und
+Pasuruan, die Zuckerfelder bedecken einen sehr grossen Raum; die
+Einförmigkeit der flachen Reisfelder wird angenehm unterbrochen durch
+einzelne Fächerpalmen und sehr zierliche Wächterhäuschen auf hohen
+Gestellen, die mitten aus den Feldern hervorragen. Häufig gehen von
+ihnen nach allen Richtungen lange Stricke aus, an denen Bambusklappern
+hängen. Ein kleiner Junge setzt sie in Bewegung und vermehrt den Lärm
+nach Kräften, um die Vögel zu verscheuchen. Von Probolingo führt eine
+fahrbare Strasse bis Paras-goang an der Südküste; die Entfernung beträgt
+in gerader Linie 45 Paal (9 deutsche Meilen), das ist die schmalste
+Stelle der ganzen Insel. Westlich von der Strasse erheben sich das
+Tengger- und Semeru-Gebirge, östlich der fast immer thätige Lamongan.
+Nur in der Mitte wird die sonst ebene Strasse von einer kleinen Erhebung
+unterbrochen; südlich davon breitet sich eine weite Fläche aus, die
+weiter nach Osten versumpft und an der südlichen Küste durch eine
+niedrige Dünenwand eingefasst wird. In der Mitte dieser Ebene bei
+Lemadjang fand ich einen pensionirten deutschen Arzt, der damit umging,
+für eine Gesellschaft europäischer Kapitalisten eine Cocospflanzung von
+100,000 Bäumen anzulegen. Er erwartete den Landvermesser, der ihm das
+von der Regierung bereits bewilligte Pachtland überweisen sollte, um
+dann gleich an die Arbeit gehen zu können. Die Pläne schienen wohl
+erwogen. Zwischen den Cocos, die vor dem 9ten Jahr kaum einen
+nennenswerthen Ertrag geben, sollten Cacao, die schon nach 4 Jahren, und
+Erdnüsse gezogen werden, die gleich im ersten Jahre eine Ernte gewähren.
+Die Erwartung, dass eine solche Pflanzung, wenn sie erst einmal in
+vollem Betriebe ist, jährlich einen Nutzen von 1 Dollar per Baum, also
+100,000 Ds. abwerfen werde, so übertrieben sie auch denen scheinen mag,
+die nur mit den Erträgen europäischer Kulturen bekannt sind, stimmten
+genau mit den Notizen überein, die ich in Malacca darüber gesammelt
+hatte; nur rechnet man hier die Kosten der Anlage auf einen D. per Baum,
+in Malacca auf einen halben, so dass hier jemand, nachdem er 8-9 Jahre
+gewartet, jährlich 100%, dort 200% Zinsen von seinem Kapital pflücken
+würde.
+
+Das grosse Geschick der Javanen in der Beurtheilung geringer
+Höhenunterschiede habe ich bereits früher gerühmt; dass sie mit grosser
+Genauigkeit nach dem Stand der Sonne die Zeit zu bestimmen vermögen, ist
+kein Wunder; im östlichen Java aber fand ich die Leute so ausgezeichnet
+orientirt, dass sie selbst im Hause statt der Ausdrücke rechts, links,
+vorn, hinten u. s. w. gewöhnlich die Himmelsrichtungen gebrauchten, z.
+B, gieb mir die nordwestliche Schüssel, stelle Dich südl., komm nach
+Osten u. s. w.
+
+Nach einem mehrtägigen Aufenthalt im Tengger-Gebirge, dessen rein
+geognostische Ergebnisse hier nicht am Platz sind, besuchte ich noch den
+Lamongan. In angenehmer Gesellschaft verlebte ich den Abend am stillen
+Ufer des waldumsäumten von Tigern umschlichenen Klakasees und brach am
+folgenden Morgen mit dem Adjudanten des Obersten v. S. auf, um den so
+selten ruhenden Lamongan zu ersteigen, dessen Gipfel sich in unserm See
+spiegelte. Man zweifelte sehr an der Ausführbarkeit unseres
+Unternehmens. Junghuhn hatte bei seinen verschiedenen Besuchen nicht
+einmal den Versuch machen können, da der Vulkan dann immer in voller
+Thätigkeit war. Wir ritten zuerst SW. um den Rand des Sees herum, durch
+Kaffeegärten, dann Ost, geradeaus durch dichten Wald, in welchem nur
+zwei Stellen zur Anlage neuer Desas frisch gelichtet waren. Nach
+zweistündigem Ritt erreichten wir mit der Grenze des Waldes ein ebenes
+Lavafeld von etwa 9° Neigung, durch tiefe Sprünge vertikal zerklüftet
+und mit einem dichten Teppich von schönen Flechten bekleidet, auf dem
+wir bequem an den Fuss des Auswurfskegels gelangten. Er bestand an
+dieser, der Südseite, aus ziemlich festem Sand, der stellenweis mit
+Auswürflingen überschüttet war, die der Regen vom oberen Gehänge
+herabgespült hatte. Das Aufsteigen auf diesem Boden war äusserst
+beschwerlich, weshalb denn auch unsere Kulis nach ostjavascher Sitte
+allmälig zurückblieben und einer nach dem andern hinter grossen Steinen
+untertauchten. Alles Zureden, Schelten, Drohen brachte sie nicht wieder
+zum Vorschein, so dass wir schliesslich mit unsichtbaren Zuhörern
+sprachen. Mit ihnen verschwanden auch unsere Instrumente, darunter ein
+Barometer. Nach einigen Stunden mühsamen Kletterns erreichten wir im
+obersten Drittel des Kegels eine feste Lavabank, ohne Schlackendecke,
+welche letztere wohl längst durch Regen und Wind in die Tiefe gestürzt
+worden. Das Vorkommen einer solchen festen Bank an einem Abhang von mehr
+als 30° Neigung war gewiss interessant! Sie gewährte uns ein ziemlich
+sicheres Auftreten und reichte fast bis an den Gipfel. Nur die letzten
+40' etwa bestanden aus gelbem Sand. Aus allen Spalten der Kuppe, bis auf
+100' abwärts, drangen sehr heisse Wasserdämpfe; schweflige und salzsaure
+waren durch den Geruch nicht wahrzunehmen. Links von uns, im W. zog sich
+in NO.-SW.-Richtung eine gegen 100' breite, flache, muldenförmige,
+bolusrothe Rinne auf 2/3 des Kegels hinab, an ihrem oberen Ende war die
+Dampfentwickelung besonders stark. Die Spitze des Kegels war schon seit
+einer Stunde in dichten Nebel gehüllt, der ganze Krater mit kondensirten
+Dämpfen erfüllt; ich sah nichts als das Segment des Randes, auf welchem
+ich stand. Nur einmal schimmerten zwei Felsenpfeiler durch den dicken
+Nebel, deren Entfernung und Richtung auf eine grosse Dimension und
+senkrechte Wände des Kraters schliessen liessen. Nachdem wir vergeblich
+eine kurze Zeit auf etwas Aussicht gewartet, verkündete ein
+Donnerschlag, von einigen grossen Regentropfen begleitet, den Anfang
+eines Gewitters. Wir entschlossen uns zum Rückzug und verliessen ohne
+Ergebniss den mühsam erklommenen Gipfel. Der Regen wurde zu einem wahren
+Sturzbad; vorsichtig rutschten wir die nun glatte Lavabank hinab, wobei
+uns beiden die Stöcke entfielen, die in gerader Richtung in die Tiefe
+glitten. Der Sand, durch den Regen in einen schweren, schwarzen Brei
+verwandelt, floss in breiten, flachen Massen träge abwärts. Die Steine,
+durch das Wasser wie belebt, stürzten mit reissender Schnelle die neu
+entstandenen Rinnen entlang, wie Sturzbäche, deren grösseres Volumen aus
+Steinen bestand. In einer solchen, die ich wegen ihrer stufenförmigen
+Sohle zum Hinabsteigen gewählt hatte, wurde ich mehrere Klafter weit
+aufrecht stehend fortgerissen, ehe ich mich auf das Ufer retten konnte.
+Die elektrischen Entladungen waren sehr stark; ein Schlag, der den Berg
+traf, warf meinen Begleiter und mich gleichzeitig zu Boden, was aber
+wohl hauptsächlich unserer unsicheren Basis zuzuschreiben war. Wir
+hatten nun etwa die Hälfte des Abhangs zurückgelegt und folgten einer
+flachen Rinne. Die durch den Regen und Wind vom oberen Gehänge gelösten
+Steine hatten hier schon solche Fallkraft erlangt, dass sie in mehr als
+haushohen Bögen den Berg hinabsprangen. Von beiden Seiten gelangten sie
+in unsere Mulde und bildeten ein wahres Kreuzfeuer. Zeitweis flogen sie
+so dicht, dass wir darauf gefasst sein mussten, zerschmettert zu werden.
+Einige wenige hatten reichlich 1' Durchmesser, die meisten waren kaum
+5-6'' gross. Aber selbst den grossen vorsätzlich auszuweichen, war nicht
+möglich, da sie bei jedesmaligem Aufschlagen ihre Richtung änderten. Wir
+waren hier hülflos dem blinden Zufall preisgegeben, retteten uns aber
+endlich auf den höher gelegenen Rand, wo wir nur selten in Gefahr kamen.
+Den Umständen nach befanden wir uns wohl, mein Begleiter hatte einige
+schmerzhafte Quetschungen erhalten, die ihm das Athmen sehr erschwerten,
+ich war mit einer starken Kontusion und einem Loch im Bein
+davongekommen. Indem wir hier einige Augenblicke ausruhten, musste ich
+mir gestehen, kaum jemals ein prachtvolleres, grossartigeres
+Naturschauspiel in grösserer Nähe beobachtet zu haben; der peitschende
+Regen trat neben den übrigen Erscheinungen ganz in den Hintergrund. Als
+wir den Fuss des Kegels erreichten, hörte der Regen auf. Mein Begleiter
+hatte sich auf der ganzen Tour sehr wacker gehalten, wie es sich für
+einen jungen Krieger ziemt, erklärte aber zum Schluss, dass er sich das
+Studium der Geologie ganz anders vorgestellt habe und keine besondere
+Neigung dafür empfinde. Gegen Sonnenuntergang erreichten wir den
+Pasanggrahan, gleichzeitig mit dem Oberst, der in einem Nachen von einer
+Jagdpartie zurückkehrte und uns ungläubig auslachte, als wir
+behaupteten, den Gipfel des Berges erstiegen zu haben.
+
+Beinwunden heilen in heissen Ländern ausserordentlich schwer, der Arzt
+in Probolingo sagte zwar, ich habe gutes „Geneesvleesch”, unterwegs
+verschlimmerte sich aber die Wunde wieder und heilte erst, nachdem ich
+eine Woche in völliger Ruhe unter der Pflege eines vortrefflichen
+deutschen Arztes in Plantungan zugebracht hatte. Ueberdies trat auch
+jetzt die Regenzeit mit solcher Entschiedenheit ein, und mein Aufenthalt
+in Java hatte so sehr die ursprünglich dafür bestimmte Zeit
+überschritten, dass ich theils im Dampfboot, theils zu Lande der flachen
+nördlichen Küste folgend, nach Batavia zurückeilte. Besonders bedauerte
+ich, von Surabaya und seiner Umgebung bei meiner ersten Anwesenheit so
+wenig gesehen zu haben, da die interessanten Exkursionen nach den vielen
+Regierungs- und Privatetablissements dieser in hohem Grade
+gewerbthätigen Stadt nun unterbleiben mussten. Surabaya hat bei weitem
+den besten Hafen von Java; hier mündet auch der bedeutendste Fluss der
+Insel und die Regierung hat dort grosse Schiffswerften und
+Maschinenbauanstalten, in denen unter Leitung weniger europäischer
+Offiziere alle Arbeiten von Inländern ausgeführt werden.
+
+Es war Anfang Dezember geworden, alle Tage hatten wir starke Regen; bei
+Tagal, einer kleinen Hafenstadt zwischen Cheribon und Samarang, war der
+Fluss so angeschwollen, dass er kaum in seinem Bett Platz hatte. Zu
+beiden Seiten der durch 1 - 1-1/2 Fuss hohe Dämme geschützten
+Landstrasse waren die flachen Reisfelder (nicht künstlich bewässerte
+Sawas) in Seen verwandelt, aus denen einzelne Häuser wie Schiffe
+hervorragten. Der Eintritt der Regenzeit hatte grosse Thätigkeit
+hervorgerufen, überall wateten hoch aufgeschürzte Frauen im Sumpf und
+pflanzten Reis, Männer betheiligen sich nicht an dieser Arbeit. --
+Korrespondenz, Verpacken und Versenden von Sammlungen, nahmen die
+wenigen Tage bis zum Abgange des Dampfers nach Singapore fast gänzlich
+in Anspruch, so dass ich von Batavia und seinen interessanten Museen nur
+wenig sah.
+
+Eine Geschichte von Java, so kurz, wie die am Schluss von Singapore und
+Malacca gegebenen, würde wenig mehr enthalten, als sich in jeder
+grösseren Geographie findet; eine ausführlichere liegt nicht im Plan des
+Buchs. So schliesse ich denn die flüchtigen Skizzen dieses
+Reiseabschnitts mit dem Wunsch, dass der Spruch: „Wer Vieles bringt,
+wird Manchem etwas bringen”, sich auch hier bewähren möge.
+
+----------
+
+[52] Es scheint eine grosse Härte, den armen Frachtfuhrleuten die
+schöne Strasse zu verbieten; doch ist es nicht wohl zu ändern, da
+ihre aus massiven Holzscheiben bestehenden, ursprünglich runden,
+durch Abnutzung aber bald vieleckig gewordenen Räder die beste
+Strasse in kurzer Zeit zu Grunde richten würden. Karren mit
+ordentlichen Rädern ist die Benutzung der Poststrasse gestattet.
+
+[53] Die Zeichnung ist von Batu-tulis, etwas südlich von Buitenzorg,
+aufgenommen.
+
+[54] Trotz aller Befürchtungen steht gegenwärtig der Preis des
+Chinins sehr niedrig und ist seit dem Krimkrieg fortwährend
+gefallen. -- Auch hat man nach einer Mittheilung, die Prof. Karsten
+erhielt, jetzt bei Loxa Cinchonapflanzungen angelegt, deren Rinde
+man alle 6 Jahre zu verwerthen erwartet.
+
+[55] Am 19. April 1865 ist er, erst 36 Jahre alt, in Balanta, an der
+Ostküste von Celebes, den Strapazen und Wirkungen des Klimas
+erlegen, die er als Leiter einer mehrjährigen, mit grossem Erfolg
+ausgeführten Entdeckungsreise in Neu-Guinea und Gilolo erduldet
+hatte.
+
+[56] Herausgegeben von der Gesellschaft zur Verbreitung
+gemeinnütziger Kenntnisse in Amsterdam.
+
+[57] Die Arachis ist ein unscheinbares, auf dem Boden kriechendes,
+krautartiges Gewächs mit langgestielten Schmetterlingsblüthen. Die
+Blüthen über dem Boden bleiben unfruchtbar, gewöhnlich senkt sich
+aber die Schote in die Erde und reift dort 2 bis 3 Kerne von
+Haselnussgrösse. Daher der Name Grundnuss. Die Pflanze gedeiht in
+allen tropischen und subtropischen Ländern und wird auch im
+südlichen Europa, besonders in Spanien, gebaut, wo ihre Früchte,
+geröstet, als Mandeln gegessen werden. Der Anbau dieser Pflanze
+nimmt seit einigen Jahrzehnten ausserordentlich zu, veranlasst
+durch die Nachfrage in Europa. Fast der ganze Export aller
+Produktionsländer geht nach Südfrankreich, hauptsächlich nach
+Marseille, von wo aus das daraus gewonnene Oel unter dem Namen
+Olivenöl über die ganze Welt verbreitet wird. Die Fabrikation hat
+dort solche Vollkommenheit erreicht, dass selbst Kenner kaum im
+Stande sind, einen Unterschied zwischen dem Olivenöl und dem
+Katjang-Oel zu finden. Letzteres vertritt daher das Oliven- und
+Mandelöl in allen seinen Anwendungen.
+
+Bereits am 12. Juni 1852 sagte Dumas in der Société d'Encouragement:
+„Olivenöl ist gegenwärtig auf einen ausserordentlich hohen Preis
+gestiegen, nicht nur im südlichen Frankreich, sondern auch an den
+Küsten von Italien, wo die Olivenbäume ganz verschwunden sind. Das
+Oel der Arachis, deren Name fast noch ganz unbekannt, ist ohne
+Zweifel eins der wichtigsten Produkte. Vor 8 oder 10 Jahren kam ein
+Marseiller Haus auf den glücklichen Einfall, 4 oder 5 ℔ Katjang-Oel
+nach Frankreich zu bringen, und seitdem hat die Einfuhr so
+zugenommen, dass sie jetzt eine Höhe von 70 Millionen Kilogr.
+erreicht. Dieser grosse Verbrauch lässt sich leicht begreifen, wenn
+man in Betracht zieht, dass das Katjang-Oel fast alle Eigenschaften
+des Olivenöls besitzt.” Im Journal des Débats vom 12. Oct. 1863
+heisst es: Vor 20 Jahren war die Arachis von Senegambien nicht
+einmal in unsern Zolllisten aufgeführt; heut werden in Frankreich
+allein 500,000 Kilogr. eingeführt. Der Anbau hat so zugenommen, dass
+er den Sklavenhandel auf jener Küste verdrängt hat.” Als Surrogat
+für die geringen Speiseöle, an die man in Berlin gewöhnt ist, wird
+aber nicht sowohl Arachis-, als das viel billigere Sesamum-Oel,
+welches in noch viel grösserer Menge, namentlich von Kurratschi
+eingeführt wird, verwendet.
+
+[58] Bei Gelegenheit der Vorarbeiten für die Eisenbahn hat man einen
+viel niedrigeren Pass gefunden, über welchen jetzt eine neue Strasse
+mit Umgehung des Megamendong angelegt wird. Sie ist bereits bis auf
+die Brücken vollendet (1865).
+
+[59] Auch er ist bereits am 24. April 1864 in Lembang gestorben;
+doch hat er sich ein bleibendes Denkmal errichtet durch sein von
+Hasskarl auch ins Deutsche übersetzte Werk: Java, seine Gestalt,
+Pflanzendecke und innerer Bau.
+
+[60] Daendels hatte einen Regenten abgesetzt, weil er eine Strasse
+zu steil über ein Bergjoch geführt hatte; -- aus Furcht vor einem
+ähnlichen Schicksal baute ein andrer Fürst die Strasse im Zickzack
+durch die Ebene.
+
+[61] Man muss sie aber nicht, wie häufig geschieht, mit einem andern
+Feigenbaum, F. religiosa, dem heiligen Baum der Buddhisten
+verwechseln, der im Ganzen viel Aehnlichkeit mit unserer
+Silberpappel hat und keine Seitenstämme bildet. Seine an ihrer sehr
+lang ausgezogenen schwanzartigen Spitze kennbaren herzförmigen
+Blätter bestehen aus einem so dichten Netzwerk fester dünner Fasern,
+dass nach Entfernung der Blattsubstanz durch Mazeration und Bleichen
+ein filigranartiges Skelett zurückbleibt, welches gefirnisst und
+miniaturartig bemalt, jetzt häufig als Kuriosität von China
+mitgebracht wird.
+
+[62] Dike (spr.: Deik) nennt man die im flüssigen Zustand in die
+Spalten der Kegelberge eingedrungene, nach dem Erkalten fest
+gewordene Lava.
+
+[63] Wie schon bei Gelegenheit der Zinnablagerungen angedeutet,
+werden mit der Zeit durch Einwirkung von Wasser und Luft die
+härtesten Gesteine zersetzt. Die Hauptgemengtheile der meisten
+krystallinischen Gebirgsarten (nicht-krystallinische sind schon
+Zersetzungsprodukte) bestehen aus Doppelverbindungen von
+Thonerde-Silikaten und Alkali- (oder Kalk-) Silikaten. Erstere sind
+als Thon (in reinem Zustand Kaolin) wohl bekannt. Zur Versinnlichung
+der letzteren kann das künstlich dargestellte, in der Technik jetzt
+vielfach angewendete Wasserglas (kieselsaures Kali oder Natron)
+dienen. Erstere sind unlöslich und bleiben bei dem Verwittern des
+Gesteins übrig, während die löslichen Alkali- und Kalk-Silikate
+theils als solche, theils nach Einwirkung von Kohlensäure als
+kohlensaure Salze durch die Gewässer fortgeschafft werden.
+
+Was durch Luft und Wasser bei gewöhnlicher Temperatur sehr langsam,
+wenn auch ununterbrochen, stattfindet, wird viel schneller bewirkt
+durch heisses Wasser, heisse Dämpfe und Gase, wie sie aus hier nicht
+näher zu erörternden Ursachen namentlich häufig in Vulkanen und
+ihrer Nachbarschaft auftreten. Ausströmungen von heissen Gasen und
+Dämpfen nennt man Fumarolen, Ausströmungen von Kohlensäure Mofetten;
+da dieses Gas 1-1/2 mal so schwer ist als atmosphärische Luft, so
+breitet es sich am Boden aus und bildet zuweilen, an Stellen, die
+gegen den Luftzug geschützt sind, so hohe Schichten, dass Thiere,
+die hineingerathen, darin ersticken. Solfataren heissen die Punkte,
+in deren Dampfausströmungen die schwefelhaltigen Gase vorwiegen:
+Schwefelwasserstoff, durch dessen Zersetzung der die Wände
+bekleidende Schwefel gebildet wird, und schweflige Säure, die sich
+beide durch Zutritt feuchter Luft in Schwefelsäure verwandeln,
+endlich Schwefel in Dampfform. Während Wasser und Luft in der Art
+auf die Gesteine einwirken, dass unlösliche Thonerde-Silikate übrig
+bleiben, vermögen die in den Solfataren sich fortwährend bildenden
+starken Säuren des Schwefels die Doppel-Silikate vollständig zu
+zersetzen. So entsteht aus alkalihaltigen Doppel-Silikaten Alaun
+(schwefelsaure Thonerde verbunden mit schwefelsaurem Alkali), aus
+kalkhaltigen Doppelsilikaten Gyps (schwefelsaurer Kalk). Alaun und
+Gyps bleiben mit dem halb zersetzten Gestein und dem stets neben
+ihnen gebildeten Thone gemengt, oder werden vom Wasser gelöst und an
+Nebenpunkten wieder abgesetzt. Es würde zu weit führen, die Vorgänge
+in den Solfataren näher in Betracht zu ziehen; daher mögen auch die
+Wirkungen der häufig auftretenden Salzsäure hier unberücksichtigt
+bleiben. Zum oberflächlichen Verständniss der beschriebenen
+Erscheinungen in Kawa-manuk wird das Gesagte genügen. Wesentlich
+dieselben Erscheinungen wiederholen sich, wenn auch in sehr
+verschiedener Intensität, in allen Solfataren; ich werde daher
+später nicht wieder darauf zurückkommen.
+
+[64] Zum Verständniss dieser Werthsteigerung bei feststehenden
+Preisen muss erwähnt werden, dass der Thee in 8 Sorten, 4 schwarzen,
+4 grünen, von verschiedenem Werth, abgeliefert wurde, und dass die
+Fabriken gelernt hatten, die theuren Sorten in grösserer Menge zu
+produziren.
+
+[65] Der Unterschied zwischen den Ergebnissen der Theekultur durch
+freie Arbeiter unter Unternehmern, die für eigene Rechnung
+wirthschafteten und den Resultaten, welche die Regierung durch
+Zwangsarbeit unter Aufsicht von Beamten erlangte, sind so schlagend
+und volkswirthschaftlich so interessant, dass ich einen kleinen
+Auszug aus Dr. W. Bosch, Vrije en gedwongen Arbeid, Tydschr. v. Ned.
+Ind. 1858 II 297 anführe, in welchem folgende, amtlichen Berichten
+entnommene Thatsachen gegenübergestellt sind:
+
+ 667 Arbeiter (freiwillige) produziren 1855 auf 560 Bau:
+ 344,849 ℔ Thee,
+ also 1-1/5 Arbeiter per Bau,
+ 517 ℔ per Arbeiter,
+ 615 ℔ per Bau.
+
+ Der Arbeitslohn ist unbekannt. Angenommen, sie hätten das ganze
+ Jahr hindurch 360 Tage, à 20 Deuten, gearbeitet, dann hätte die
+ Bebauung gekostet 72 fl. per Bau d. h. 80% mehr als die
+ Regierung dafür zahlte; und gleichwohl kosten die 615 ℔ Thee,
+ die dafür erhalten werden, nicht mehr als 12 cents pro ℔, d. h.
+ nur 40 % von dem, was die Regierung dafür bezahlte; und dennoch
+ hat der Arbeiter bei dem Privatmann 3mal so viel per Tag
+ verdient, als der Arbeiter in Bagelen, selbst wenn dieser nicht
+ mehr als 100 Tage per Jahr zu arbeiten hätte.
+
+ 4,375 Arbeiter (gezwungene) produziren 1855 auf 660 Bau:
+ 87,312 ℔ Thee,
+ 6-1/2 Arbeiter per Bau,
+ 22 ℔ per Arbeiter,
+ 132-1/2 ℔ per Bau.
+
+ 6 Arbeiter per Bau angenommen, die zusammen 40 fl. 72 c.
+ erhalten, giebt 6,79 fl. per Arbeiter. Angenommen, dass Jeder
+ nicht mehr als 100 Tage gearbeitet hätte, so würde der Tagelohn
+ 6-3/4 cents betragen, und das ℔ Thee auf 30 cents zu stehen
+ kommen.
+
+Aus diesen amtlichen Angaben geht hervor, dass freie Arbeit 25mal
+produktiver war als Zwangsarbeit, dass der Boden 5mal so viel trug,
+dass das Produkt der Privatleute noch nicht die Hälfte kostete,
+während ihre Arbeiter 3mal so viel verdienten.
+
+[66] Nicht sowohl die Varietät des Theestrauches, als vielmehr
+Boden, Lage und Klima bedingen die Qualität (ähnlich wie beim
+Wein). In China giebt es Gegenden, wo nur grüner Thee fabrizirt
+wird, nicht, weil man aus den Sträuchern keinen schwarzen Thee
+machen kann, sondern weil der dort gewonnene grüne Thee besser
+ausfällt, als der schwarze. In Java finden solche Unterschiede
+noch nicht statt; man bereitet grünen und schwarzen Thee auf
+derselben Plantage.
+
+[67] Die Rongengs sind öffentliche Tänzerinnen, sie fehlen bei
+keinem grösseren Feste; ihr Tanz versetzt die Eingebornen oft in
+Entzücken und reisst zuweilen selbst die Vornehmsten hin, sich
+daran zu betheiligen. Ihre Kunst besteht mehr im Biegen und
+Wenden der Glieder als in graziöser Fortbewegung. -- „Die
+Rongeng gehört dem Staat, der Oeffentlichkeit. Ueber eine Frau,
+die sich als Rongeng einschreiben lässt, verliert der Ehemann
+sein Recht, sowie auch ihre Eltern.” (Brumund, Indiana.) Sie
+sind völlig frei bis auf die polizeiliche und ärztliche
+Kontrolle.
+
+[68] Eigentlich Kerne.
+
+[69] Der Musang ist ein kleines Raubthier, das nur die reifsten
+Früchte nascht und nur ihre fleischige Hülle verdaut. Die nur
+aus Kaffeebohnen bestehenden, vom Musang ausgeworfenen, vom
+Regen abgewaschenen Häufchen werden besonders gesammelt und von
+den Packhausmeistern für begünstigte Kunden aufgehoben, da sie
+den wohlschmeckendsten Kaffee geben. -- Der Musang befindet sich
+fast in jedem zoologischen Garten.
+
+[70] Trotz der sehr vermehrten Bevölkerung nimmt die Zahl der
+Bäume ab. 1851 zählte man: 231,693,843 und 1861: 223,301,000
+fruchttragende Bäume. In dem viel kleineren, besonders aber an
+Arbeitskräften so viel ärmeren Ceylon hat sich die Kaffeeproduktion,
+die 1850 kaum 1/4 derjenigen von Java betrug, so gehoben, dass sie
+1862 schon mehr als 2/3 derselben gleichkam. Den meisten Kaffee
+liefert gegenwärtig Brasilien, das allein so viel erzeugt, als alle
+übrige Kaffeeländer zusammen ... 1858/59: Brasilien 346, Java 135,
+Ceylon 70, alle übrigen Kaffeeländer zusammen 155 Millionen
+Zollpfund, im Ganzen also 696 Millionen Zollpfund.
+
+[71] In den Regierungspflanzungen betrug 1854/57 die Zahl der
+Kaffeebäume durchschnittlich: 295,276,073, wovon 221,295,764
+fruchttragende; die Ernte 962,876 Pikul oder etwas über 1/2 ℔
+per Baum. -- 1828, vor Einführung des Kultursystems, erntete man
+416,000 Pikul von etwa 50,000,000 Bäumen, d. h. über 1 ℔ per
+Baum, im günstigsten Jahre nach Einführung des Systems (1855)
+1,264,000 Pikul von 300,000,000 Bäumen, d. h. etwas über 1/2 ℔
+per Baum, so dass sich die Zahl der Bäume seit 1832 zwar
+versechsfacht, der Gesammtertrag aber nur verdreifacht hatte.
+Seit 1840 ist die Kaffeeproduktion auf Java, einige besonders
+günstige Jahre ausgenommen, stationär geblieben. Das auf Zwang
+beruhende künstliche System hatte also schon nach 8 Jahren seine
+Kraft erschöpft.
+
+[72] In Arabien war der Kaffee als Getränk wohl schon Ende des 15.
+Jahrhunderts bekannt; 1556 wurde das erste Kaffeehaus in
+Konstantinopel, 1652 in London, 1671 in Marseille, 1672 in Paris,
+1683 in Wien errichtet. Wie man darauf gekommen sein mag, die
+harten, unschmackhaften Samen zu rösten und ein Getränk daraus zu
+bereiten, ist durchaus unbekannt. Es ist höchst merkwürdig, dass das
+Kaffeïn, das eigentlich Wirksame im Kaffee, chemisch identisch ist
+mit Theïn und beliebig aus Kaffeebohnen oder Theeblättern
+dargestellt werden kann, dass es ebenfalls im Paraguaythee oder Mate
+enthalten ist, und dass die Pflanzen, die es liefern, ganz
+verschiedenen natürlichen Familien angehören. Noch auffallender ist
+es, dass gerade diese Pflanzen von halbzivilisirten, weit von
+einander entfernt wohnenden Völkern zum Getränk erkoren wurden. Die
+daraus bereiteten Aufgüsse regen an, ohne zu berauschen, und haben
+deshalb einen höchst wohlthätigen Umschwung in der Lebensweise der
+zivilisirten Völker hervorgebracht. Ihre schnelle, immer wachsende
+Verbreitung ist ein erfreuliches Zeichen zunehmender Gesittung.
+Nicht erfreulich, aber recht interessant ist auch „die plumpe
+Selbsttäuschung der Cichorientrinker, die aus Armuth und
+Unwissenheit einen Absud geniessen, der vom Kaffee nichts weiter
+hat, als die Farbe. Es dürfte kaum zweifelhaft sein, dass mit der
+Aufklärung des Publikums über den wahren Werth des Kaffees die
+Cichorienfabriken alsbald eingehen müssten.” (Knapp's Technologie II
+83.)
+
+[73] Folgende Rezepte stammen aus sehr guten Quellen:
+
+1. ~Allgemeines Kari-Pulver~, 2 verschiedene Sorten. Man mische
+zum Pulver No. 1 die uneingeklammerten, zum Pulver No. 2 die
+eingeklammerten Gewichtstheile folgender Gewürze: Koriander 48
+(8), schwarzer Pfeffer 24 (8), Curcuma 19 (8), Kümmel 12 (2),
+Capsicum 6 (1), Reismehl 4 (2), Cardamom 2 (1), Nelken 1 (0),
+Ingwer 0 (4), Trigonella foenum graecum 0 (6).
+
+2. ~Krebs-Sambal:~ Zu 2 Stück feingeschnittenen Zwiebeln und 2
+Stück Knoblauch setze man 3 Theelöffel Balatschong (siehe
+unten), 1/2 Theelöffel Curcumapulver, 1/2 Quart Krabben- oder
+Krebsschwänze, lasse alles etwas braten, füge Tomaten oder
+Tamarinden, Capsicum, 1/2 Tasse Kokosmilch (siehe unten) hinzu
+und lasse es schmoren.
+
+3. ~Bengal-Kari:~ Zu 3 grossen, feingeschnittenen, in Butter
+gebratenen Zwiebeln setze man folgende in einem steinernen
+Mörser sehr fein gestossene mit etwas Wasser angefeuchtete
+Gewürze: 2 Nelken, 1 Capsicum, 2 Theelöffel Koriander, 2 Prisen
+Anis, 1 desgl. Kümmel, 2 Stück Knoblauch, 1/2 Theelöffel Zimmet
+und etwas Ingwer, 1 Theelöffel Curcuma. Nachdem alles etwas
+gebraten, setze man 1 ℔ in kleine Stücke geschnittenes Fleisch
+dazu (Rind, Kalb, Hammel, Wild, Geflügel oder Fisch), und eine
+Tasse voll Kokosmilch oder guter Brühe und lasse es schmoren.
+
+4. ~Madras-Kari:~ Man brate 2 kleine fein geschnittene Zwiebeln in 2
+Unzen Butter, setze vom Karipulver No. 2 dazu und verfahre übrigens
+wie bei dem Bengal-Kari, man kann auch etwas Zitronensaft
+hinzufügen.
+
+5. ~Malayische Karis~ unterscheiden sich von den indischen
+wesentlich nur durch einen viel bedeutenderen Zusatz von
+Cocosmilch; sie sind daher gelblich statt braun, flüssiger,
+weniger gewürzt und werden Europäern, die an starke Würzen nicht
+gewöhnt sind, wohl besser schmecken. -- Zu allen Karis isst man
+das 3- oder 4fache Volumen Reis, in Dampf gekocht.
+
+6. ~Balatschong~ ist eine mehr oder weniger feste Paste, aus
+gestossenen Krabben bereitet, die vorher etwas eingesalzen und
+an der Sonne getrocknet worden; sie lässt sich sehr annähernd
+durch ein Gemisch von Shrimp- und Anchovy-Sauce ersetzen.
+
+7. ~Cocosmilch,~ nicht zu verwechseln mit der aromatischen,
+angenehm süsslichen Flüssigkeit, die den inneren Raum junger
+Kokosnüsse ausfüllt, und Allen, die tropische Küstenländer
+bereist haben, in dankbarer Erinnerung bleibt, erhält man, indem
+man die mandelartige Substanz, mit welcher die holzige Schale
+der reifen Nuss inwendig gefüttert ist, fein raspelt, mit Wasser
+vermengt und unter starkem Druck auspresst. Die erhaltene
+Flüssigkeit ist eine Emulsion, ähnlich der Mandelmilch. Ist
+Kokosmilch nicht zu haben, so lässt sie sich am besten durch
+Thiermilch ersetzen.
+
+[74] Der Gamelang, das javanische Orchester, ist in Raffles und
+Crawfurd beschrieben und abgebildet. Die Instrumente bestehen
+hauptsächlich aus sehr wohlklingenden metallischen Becken und
+metallischen und hölzernen Stäben, die mit Ausnahme der grössten
+Becken (Gongs), welche an Gestellen aufgehängt sind, auf
+Resonanzböden oder auf straffen Stricken liegen, und wie Lauten
+geschlagen werden. Pauke, Flöten und eine Art Violine sind auch
+dabei. Ueber die Musik der Javanen sagt Crawfurd: „Die Musik ist
+wahrscheinlich die Kunst, in welcher die Javanen im Vergleich zu den
+meisten asiatischen Völkern den grössten Fortschritt gemacht haben.
+Die javanischen Melodien sind wild, klagend und mehr als alle andre
+asiatische Musik, vielleicht die der Perser nicht ausgenommen, dem
+europäischen Ohr wohlgefällig..... Der verstorbene Dr. Crotch, ein
+sehr kompetenter Richter, gab mir, nachdem er die schöne Sammlung
+von Instrumenten, die Sir Stamford Raffles nach England gebracht,
+besichtigt hatte, seine Meinung über dieselben sowohl, als über den
+allgemeinen Charakter der javanischen Musik. Ueber die einfachen
+Gongs sagte er, der Ton dieses Instrumentes sei zugleich mächtig und
+süss, seine Intonation klar und vollkommen; und über die
+Perkussions-Instrumente im Allgemeinen bemerkte er, dass er erstaunt
+und entzückt wäre über ihre sinnreiche Anfertigung, ihre Pracht,
+Schönheit und vollendete Intonation. In Bezug auf den Charakter der
+javanischen Musik im Allgemeinen machte er folgende Bemerkungen:
+„Die Instrumente haben alle dieselbe Skala wie die, welche durch die
+schwarzen Tasten des Pianos hervorgebracht wird, in welcher so viele
+der schottischen und irischen, alle chinesischen und einige der
+besten indischen und nordamerikanischen Melodien komponirt sind.”
+
+[75] Eine in Paris erworbene echte Calisaya war schon April 1852
+in Batavia angekommen; sie starb, aber 2 Ableger derselben waren
+1862 zu 20 Fuss hohen Bäumen herangewachsen.
+
+[76] Am 20. Juli 1856 waren vorhanden 99 C. Calisaya, 140 C.
+Pahudiana, 7 C. lanceolata, 1 C. succirubra, 3 C. lancifolia, 1
+C. pubescens. (de Vrij Cultivation of Quinine in Java and
+British-India.)
+
+[77] Seine Untersuchungen ergaben sehr günstige Resultate
+für die Calisaya-Rinden, nur waren, wegen der fehlerhaften
+Kulturmethode im tiefen Schatten, die Rinden viel dünner als die
+südamerikanischen. In der Pahudiana- Rinde fand er aber nur Spuren
+von Arzneistoffen; erst 1861 entdeckte er in der Wurzelrinde einer
+8jährigen Pflanze eine grössere Menge (3%) und fand später sowohl in
+Java als in Britisch-Indien ~junge~ Wurzelrinde nimmer reicher an
+Alkaloiden als Stammrinde. Nach einem Bericht der Tyd. N. I. Febr.
+1866 scheint es, dass man jetzt in Java die jungen Wurzelrinden
+ausbeuten will.
+
+[78] Nach Professor Karsten's langjährigen an Ort und Stelle
+gemachten Erfahrungen verlangen die alkaloidreichen Arten einen
+relativ kalten, nebelreichen und mit Sonnenblicken wechselnden
+Standort.
+
+[79] Mac Jvor zieht gar keine Sämlinge mehr, ausser etwa von
+neuen Arten -- er vermehrt nur noch durch Ableger und Knospen
+(cuttings and buds). de Vrij.
+
+[80] Herr de Vrij theilt mir mit, dass er im August 1865 in
+einer Rinde von C. succirubra, aus den Neilgherries, 11% (!)
+Alkaloide fand, wovon der grösste Theil aus Chinin bestand,
+während die besten Perurinden selten mehr als 5% geben; und nach
+Prof. Karsten fand Howard sogar in den Blättern der in Ostindien
+gewachsenen C. rubra, Chinin in genügender Menge, um es
+darzustellen.
+
+[81] Andere endogene Pflanzen, besonders Pandaneen, liefern aber
+auf diese Weise noch bessere Pinsel; in den Philippinen dienen
+diese allgemein zum Tünchen der Wände.
+
+[82] Siehe auch: Brücke bei Wonosobo.
+
+[83] Die Passvorschriften sind jetzt aufgehoben.
+
+[84] Wahrscheinlich Kleinhoffia hospita, vergl. Hasskarl
+Anteekeningen over het nut ... 835.
+
+[85] Die grössten Teakwälder kommen in den gebirgigen Theilen von
+Malabar, Birma und Siam vor, sie waren eine der Hauptursachen für
+die Besitznahme von Tenasserim durch die Engländer, und werden auch
+wohl die Veranlassung zur allmäligen Erschliessung der nördlich von
+Siam und Birma gelegenen Laosländer werden. Die regelmässige
+Beschaffung einer zureichenden Menge Teakholz für die englische
+Marine ist so wichtig geworden, dass wahrscheinlich demnächst die
+Gründung eines Vice-Consulats in Chang-mai, der Hauptstadt von
+Süd-Laos bevorsteht. -- „Malabar ausgenommen, liefert Java das beste
+Teak, jenes wird für Kiele, dieses für Planken vorgezogen.
+Teakschiffe sind durch gewöhnliche Abnutzung fast unzerstörbar;
+Beispiele, dass sie 80 und 100 Jahre gedauert haben, sind nicht
+selten.” (Mac Culloch 1859.)
+
+[86] Selbst noch als Ceylon an die britische Krone überging,
+verpflichtete sich die ostindische Kompanie, jährlich 60,000 £
+für 400,000 ℔ Zimmet zu zahlen, und es wurde festgesetzt, dass
+der etwaige Mehrertrag verbrannt werden sollte. (Capper Port and
+trade of London 371.)
+
+[87] Der Zimmet stammt aus Ceylon; er war schon im Alterthum
+bekannt und hoch geschätzt, mehr wegen seines Wohlgeruchs, denn
+als Gewürz. Man erhielt ihn über Arabien. Erst durch Entdeckung
+des Seewegs nach Indien wurde sein Vaterland den Portugiesen
+bekannt. Von diesen ging der Zimmethandel an die Holländer über,
+die ihn nach den damals herrschenden handelspolitischen
+Ansichten zum Gegenstand des strengsten Monopols machten.
+Regelmässige Pflanzungen wurden zuerst 1765 angelegt, bis dahin
+benutzte man nur wilde Pflanzen. Als 1796 die Engländer Ceylon
+nahmen, war Zimmet das Hauptprodukt der Insel. Sie setzten das
+Monopol und das damit verbundene System der Zwangsarbeit mit
+unglaublicher Strenge fort. -- Wenn in irgend einem Garten eine
+Zimmetpflanze aufging, so durfte sie der Besitzer des Gartens
+nicht als sein Eigenthum betrachten, eben so wenig durfte er sie
+vertilgen, sondern er war gezwungen, sie für die Regierung zu
+pflegen und aufzuziehen; und nach dem alten holländischen Gesetz
+wurde dem, der einen Zimmetbaum fällte, die rechte Hand
+abgehauen (Porter). Erst 1833 wurde der Zimmetbau und -Handel
+auf Ceylon freigegeben, nahm aber nicht sehr zu, weil die
+englische Regierung einen Ausfuhrzoll von 200-300% ad valorem
+darauf legte. Nächst Ceylon liefert Cochinchina den meisten
+Zimmet. Letzterer geht nach China, wo er dem von Ceylon
+vorgezogen wird.
+
+[88] Tijdschrift voor taal-land-en. volkenkunde. 1853, I, 304.
+
+[89] ~Adat~ heisst: alter Brauch, alte Sitte, und hat für den
+Inländer Gesetzeskraft.
+
+[90] Over de zoogenoemde eetbare Vogelnesten. -- Beiträge zur
+näheren Kenntniss der Gattung Collocalia Gr.
+
+[91] Demselben, der das duftende Agallocheholz liefert, in Java
+aber nicht vorkommt.
+
+[92] Vergl. Zeichnung: die Bündel bestehen aus Bambusen, die
+Seile aus Rotang.
+
+[93] Der mich begleitende Javane erklärte sie folgendermassen:
+der grösste, ruma radja (Haus des Königs), die übrigen: Häuser
+der Frauen und Verwandten, der fünfte, ruma dija punja jonge
+(das Haus für den Diener). Das holländische Wort, das zur
+Bezeichnung eines Dieners ins Malayische übergegangen, machte
+sich sonderbar genug in dieser antiquarischen Erläuterung.
+
+[94] Nach einer neueren Beobachtung (Proc. Zool. Soc. 1863, pag.
+439) fangen sie auch Fische. Dr. Schott beobachtete in Conleeveram,
+wie die Kalongs über den Teichen schwebten, die Fische mit den
+Klauen packten und dann auf Tamarindenbäume flogen, um sie zu
+verzehren. Er hielt sie erst für Vögel, schoss aber am andern Abend
+mehrere im Akt des Fischens und wiederholte die Beobachtung
+mehreremal.
+
+[95] 1849 beauftragte der damalige General-Guvernör zwei
+geschickte Zeichner, die Herren Wilsen und Schomberg, sämmtliche
+Reliefs und Statuen von Borobudor für den Steindruck zu
+zeichnen. Die Arbeit hat mehrere Jahre in Anspruch genommen und
+soll sehr gut ausgefallen sein. -- Obgleich ich schon bei meiner
+Anwesenheit in Java einige Probedrucke gesehen, scheint das
+Werk, das mit erläuterndem Text erscheinen soll, noch nicht
+herausgegeben zu sein. Herr W. hat auch in der Tijds. v. T. L.
+en V. einen Aufsatz über Borobudor bekannt gemacht, dem obige
+Maasse und noch einige der folgenden Angaben entnommen sind, nur
+ist statt niederl. Ellen der gleichwerthige, bekanntere Ausdruck
+Meter gesetzt.
+
+[96] Um einen solchen Eimer zu machen, faltet man das grosse,
+fächerförmige Blatt wie einen aus Papier geknifften Fächer zusammen,
+näht die sich berührenden Ränder je zweier Blattspitzen, von da
+an, wo sie sich theilen, zusammen, und biegt das Blatt ringförmig,
+die Rippen nach Aussen, so dass die Blattspitzen und der Ansatz
+des Blattstiels über einander greifen; diese werden fest
+zusammengebunden und bilden die Handhabe des Eimers, der nur noch
+wie das Verdeck eines Wagens oder der Ugly einer Engländerin
+entfaltet zu werden braucht und die Form eines in der Richtung der
+Axe durchgeschnittenen sehr flachen Kürbis hat.
+
+[97] Nach den neuesten Nachrichten (1865) ist diese blühende
+Industrie in Jokjokarta fast gänzlich zu Grunde gegangen, indem
+die Pflanzen durch Insekten zerstört wurden.
+
+[98] Dicht am Stamm vieler Bäumchen war ein mit Wasser gefüllter
+poröser Topf bis an den Rand in den Boden eingegraben; das
+langsam durchsickernde Wasser erhält die Wurzeln feucht, die ein
+dickes Geflecht um den Topf bilden sollen. Vielleicht ist dies
+Verfahren, das ich in Europa nie gesehen, in wasserarmen Gärten
+oder für besondere Zwecke in der Gärtnerei anwendbar.
+
+[99] In Mexico kauen zwar Männer und Weiber, letztere mit wahrer
+Leidenschaft, ein Gummi, Cicle genannt, den verdickten Milchsaft
+einer an der Westküste wild wachsenden Sapota (Zapote chico),
+das in Speichel völlig unlöslich, geschmack- und geruchlos ist.
+Die Substanz hat grosse Aehnlichkeit mit Guttapercha, die man
+von einer ebenfalls zu den Sapotaceen gehörenden Pflanze
+(Isonandra) gewinnt und wird etwa bei derselben Temperatur
+plastisch; man formt Blumen und allerlei Spielereien daraus; in
+der Technik findet sie noch keine Verwendung, da ihr hoher
+Preis, 1 Dollar per ℔, es verhindert.
+
+[100] Was ich für Muthwillen gehalten, hatte vielleicht einen
+andern Grund. Van Dooren erzählt, dass ihn sein Kutscher bei
+einer ganz ähnlichen Gelegenheit mit den Worten beruhigte:
+„Fürchten Sie sich nicht, Herr, der Tiger will sich ein Pferd
+holen.”
+
+[101] Gegenwärtig (1865) ist eine Eisenbahn zwischen Samarang und
+Surakarta in vollem Bau; das Samarang zunächst gelegene Stück ist
+bereits mit der Lokomotive befahren worden. Dieselbe Gesellschaft
+baut eine andre Bahn zwischen Batavia und Buitenzorg. Mit diesen
+beiden kurzen Strecken wird sich zunächst wohl der Verkehr begnügen
+müssen. Eine andre Gesellschaft, welche über ganz Java ein
+Eisenbahnnetz legen wollte, kam leider mit ihren Anträgen zu spät
+und erhielt keine Konzession, weil eine solche die jener ersten
+Gesellschaft gemachten Zugeständnisse verletzt haben würde.
+
+[102] Von 3 Schiffsladungen voll javanischer Kunstdenkmäler, die
+Prof. Reinwardt nach Holland sandte, versank eine im Schiff Ida
+en Adelaide, eine zweite im Kriegsschiff Amsterdam, die dritte
+im Schiff Evereus, welches verbrannte. (Brumund Indiana.)
+
+
+
+
+Register.
+
+_Berge unter Gunong, Tempel unter Tjandi zu suchen. J = Java, M =
+Malacca, S = Singapore._
+
+
+ Aberglaube, 55, 116, 134, 184, 198, 222, 229.
+
+ Ackerbau M., 117, S. 21.
+
+ Affen, 110, 124, 139, 216.
+
+ Agar-agar, 36, 50.
+
+ Alang-alang, 162.
+
+ Albuquerque, 99, 100.
+
+ Allor-gadja, 105.
+
+ Alterthümer, 166, 186, 241.
+
+ Alun-alun, 143.
+
+ Ambarawa, 235.
+
+ Ameisen, 61, 121.
+
+ Anam, 89.
+
+ Ananas, 27.
+
+ Anjer, 7.
+
+ Anonen, 28.
+
+ Apfelsinen, 28.
+
+ Araber, 239.
+
+ Arachis, 137.
+
+ Arak, 124.
+
+ Arecapalme, 22, 228.
+
+ Arenga saccharifera, 10, 124.
+
+ Arsenik, 36, 108.
+
+ Artocarpus, 27.
+
+ Atap, 12
+
+ Aufbewahrung von Nahrungsmitteln, 30.
+
+ Ausbruch des Gelungung, 187.
+
+ Ausbr. d. Papandayan, 148.
+
+ Australien, 91.
+
+ Auswanderer, chines. 95.
+
+ Auswanderer, europäische, nach trop Ländern, 94.
+
+
+ Bad, 216.
+
+ Balatschong, 165.
+
+ Bambus, 167, 174, 242.
+ Verwendungen des B., 174.
+ Schönheit des B., 180.
+
+ Bambusbrücke, 197, 210.
+
+ Bambushecken, 19.
+
+ Bandjar, 191.
+
+ Bandjar-negara, 209.
+
+ Banane, 26.
+
+ Bandong, 29, 140, 141.
+
+ Batavia, 127, 248.
+
+ Batek, 229.
+
+ Batubala, 205.
+
+ Batur, 210.
+
+ Bau-Bau, 38.
+
+ Baumschlangen, 118.
+
+ Baumwolle, 94.
+
+ Bedajas, 165, 184.
+
+ Begräbnisse Imogiri, 225.
+
+ Bergmenschen, 103.
+
+ Bergreis, 37, 133.
+
+ Bernstein, Dr., 132, 199.
+
+ Betelkauen, 227.
+
+ Bewässerung, eigenthümliche, 225.
+
+ Biene, stachellose, 175.
+
+ Billigkeit in Singapore, 25.
+
+ Birma, 89, 90, 92.
+
+ Blasebalg, 41.
+
+ Blasrohr, 107.
+
+ Blechbüchsen, 30.
+
+ Blücher, 229.
+
+ Bogenschiessen, 144.
+
+ Borneo, 14, 91.
+
+ Borobudor, 217, 219.
+
+ Bosch, van den, 135.
+
+ Botanischer Garten, 129.
+
+ Brautzug, 239, 244.
+
+ Bronzen, 166.
+
+ Büffelkarren, 129, 138, 192.
+
+ Büffel und Tiger, 203.
+
+ Buitenzorg, 128, 129.
+
+ Bukit-tima, 23, 55.
+
+ Calamus, 56, 178.
+
+ Carica papaya, 27.
+
+ Ceylon, 158, 196.
+
+ Chaussee, schöne, 240.
+
+ China, 90, 92.
+
+ Chines. Auswanderer, 42, 95.
+
+ Ch. Fehden, 45.
+
+ Ch. geheime Gesellschaften, 44.
+
+ Ch. Genügsamkeit, 39.
+
+ Ch. Gräber, 101, 237.
+
+ Ch. Handwerke, 39.
+
+ Ch. Hoeys, 44.
+
+ Ch. Kaufleute, 39.
+
+ Ch. Kochkunst, 38.
+
+ Ch. Kostüme, 47.
+
+ Ch. Leichenfeier, 48, 121.
+
+ Ch. Prozession, 47.
+
+ Ch. Reisesser, 38.
+
+ Ch. Schattenspiel, 48.
+
+ Ch. Todtenverehrung, 101.
+
+ Ch., Verbreitung der, 93.
+
+ Ch. Wohnung, 45.
+
+ Chronometer, 6.
+
+ Cicle, 228.
+
+ Cinchonen, 130, 141, 167, 169, 172, 173, 181.
+
+ Citrus, 28.
+
+ Cocos, 10, 126, 245.
+
+ Cocosfaser, 10.
+
+ Cocosmilch, 165.
+
+ Cocosöl, 126.
+
+ Cochinchina, 89, 90, 92.
+
+ Cooks sea-sawdust, 7.
+
+ Corypha gebanga, 192, 221.
+
+ „Cowes for Orders”, 88.
+
+ Curcuma, 15.
+
+
+ Dachdecken, 12.
+
+ Dadapkaffee, 157.
+
+ Daendels, 143, 159.
+
+ Dampfboot nach Surabaya, 239.
+
+ Dampfschiffverkehr, 35, 95, 96.
+
+ Dead reckoning, 6.
+
+ Deutsche Rhederei, 11.
+
+ Diener, 18, 28, 32.
+
+ Dïeng, 210.
+
+ Dike, 146.
+
+ Ding-ding, 137.
+
+ Djaggeri, 124.
+
+ Drehbank C., 41.
+
+ Durian, 29.
+
+ Duymaer van Twist, 80, 134, 136.
+
+
+ Ehepärchen, 107.
+
+ Ehrenstrafe, 240.
+
+ Eier einsalzen, 39.
+
+ Einwanderung von China, 42.
+
+ Eisenbahnen J., 237.
+
+ Eismaschinen, 31.
+
+ Engländer, 25, 79, 89, 142, 209.
+
+ Erdbeeren, 181.
+
+ Erdnüsse, 137, 245.
+
+ Erdsturz, 181.
+
+ Erdtransport durch Wasser, 146, 235.
+
+ Erythrinen, 157.
+
+ Essbare Vogelnester, 198.
+
+ Essstäbchen, 36.
+
+ Eugenia, 28.
+
+ Europäer in Singapore, 23.
+
+ Europ. Auswanderung nach tropischen Ländern, 94.
+
+ Europ. Frauen, 25.
+
+ Europ. Lebensweise der, 25.
+
+ Europ., Stellung der, 24, 140, 142.
+
+
+ Fahrt nach dem Lingi, 110.
+
+ Fallen für Thiere, 109, 221.
+
+ Fehden der Chin., 45.
+
+ Ferne Osten, sonst u. jetzt, 89.
+
+ Fest in Pandjalu, 187.
+
+ Festung Ambarawa, 235.
+
+ Feuchtigkeit, 19, 243.
+
+ Feuer an Bord, 5.
+
+ Feuer-Fest, 16.
+
+ Feuerzeug von Bambus, 179.
+
+ Fibrin, 27.
+
+ Ficus indica, 138, 143.
+
+ Ficus religiosa, 144.
+
+ Fieber, 14, 118.
+
+ Fischfang mit Toba, 55.
+
+ Flaggensprache, 4, 88.
+
+ Fledermäuse, 216.
+
+ Fliegende Hunde, 216.
+
+ Flussmündungen, 14, 50, 111.
+
+ Franzosen in Saigon, 90.
+
+ Frauen der Eingebornen, 36.
+
+ Fr. in Java, 138.
+
+ Fr. in Singapore, 25.
+
+ Früchte S., 26.
+ J., 181.
+
+ Fumarole, 147.
+
+
+ Gadok, 132, 136.
+
+ Galton's Art of travel, 236.
+
+ Gambir, 62, 65.
+
+ Gamelang, 144, 166.
+
+ Garküchen S., 36.
+ J., 136.
+
+ Garten von Buitenzorg, 129.
+
+ G. des preuss. Konsuls, 18.
+
+ G. am Gedeh, 181.
+
+ Garut, 146.
+
+ Gasthäuser, 139.
+
+ Gastfreundschaft, 26, 183, 209, 223.
+
+ Gedong banteng, 167.
+
+ Gefärbte See, 7.
+
+ Geheime Gesellsch., 44.
+
+ Gehorsam in Java, 232.
+
+ Geisseln, 16.
+
+ Geisterkönigin, 197, 222.
+
+ Gelb, 15.
+
+ Gemüse, 26, 181.
+
+ General-Guvernör, 129, 131.
+
+ Geogr. Spezialkenntnisse, 26.
+
+ Geruchssinn, 39, 217.
+
+ Geschichte von Malacca, 122.
+
+ Geschmack d. Eingebornen, 92.
+
+ Gewitter auf dem Lamongan, 247.
+
+ Gewürzhandel-Abnahme, 22.
+
+ Giftbereitung, 108.
+
+ Gissung, 6.
+
+ Glasflicker, Chin., 40.
+
+ Goldgräber, 30.
+
+ Gomutipalme, 10, 124.
+
+ Gräber der Chin., 101, 237.
+
+ Grebek, 232.
+
+ Grösster Kreis, Segeln, 5.
+
+ Grundbesitz J., 134,
+ M., 123.
+
+ Grüner Thee, 151.
+
+ Guajava, 29.
+
+ Gunong Ardjuno, 241.
+
+ G. Gedeh, 136, 139.
+
+ G. Gelungung, 187.
+
+ G. Guntur, 143, 145.
+
+ G. Lamongan, 247.
+
+ G. Lawu, 230.
+
+ Gunong Malabar, 167.
+
+ G. Megamendong, 138.
+
+ G. Pakuodjo, 213.
+
+ G. Pangerango, 129, 139, 181.
+
+ G. Pangonan, 213.
+
+ G. Salak, 129.
+
+ G. Slamat, 206, 207.
+
+ G. Semeru, 240, 242.
+
+ Guttapercha, 104.
+
+
+ Häuser der Eingebornen, 22, 136, 140, 155, 174.
+
+ Hecken von Bambus, 19.
+
+ Heirathen, 238, 244.
+
+ Hibiscus, 19, 167.
+
+ Hindufest, 15.
+
+ Hirschjagden, 162.
+
+ Hitzpickel, 15.
+
+ Hochebene von Bandong, 141, 167.
+
+ Hochebene von Dïeng, 212.
+
+ Hocken, 16.
+
+ Hoeys, 44.
+
+ Hof von Surakarta, 227, 238.
+
+ Höflichkeit gegen Fremde, 239.
+
+ Höhlen mit essbaren Nestern, 198.
+
+ Holländer, 18, 20, 64, 80, 84, 86, 91, 113, 122.
+
+ Honigwaben, 107.
+
+ Hooker über Cinchonen, 173.
+
+ Hunde, 25.
+
+ Hunde, fliegende, 216.
+
+ Hut, chines., 119.
+
+
+ Ichthyosis, 103.
+
+ Imogiri, 225.
+
+ Indian file, 36.
+
+ Indigokultur, 224.
+
+ Insektenpulver, 120.
+
+ Irawaddi, 90.
+
+ Islam, 145.
+
+
+ Jackfrucht, 27.
+
+ Jahreszeiten, 19.
+
+ Jakuns, 103, 107.
+
+ Jambusen, 28.
+
+ Japan, 89, 91.
+
+ Java, 125.
+
+ Javahoofd, 6.
+
+ J. Strassen, 129, 143, 240.
+
+ J. Reisen, 128, 140, 142, 163.
+
+ Javanen, gut orientirt, 246.
+
+ J. Maschinenarbeiter, 239.
+
+ J. Religion, 145.
+
+ J. Schattenspiel, 162.
+
+ J. Unterwürfigkeit, 140, 142.
+
+ John Bull, 18.
+
+ Johor, 24.
+
+ Jokjokarta, 220.
+
+ Junghuhn, 140, 169, 182.
+
+ Junken, 7.
+
+
+ Kabel, 10.
+
+ Kadu, 215, 217.
+
+ Kälte zum Aufbewahren von Nahrungsmitteln, 31.
+
+ Kaffeepflanzung, Anblick, 155.
+
+ Kaffee, Anlage, 157.
+
+ Kaffee, Geschichte des, 159.
+
+ Kaffeeproduktion, 158.
+
+ Kaiser von Surakarta, 227, 238.
+
+ Kajeputoel, 102.
+
+ Kalibrantes, 240.
+
+ Kalimas, 239.
+
+ Kampf zwischen Tiger und Büffel, 203.
+
+ Karang-bollong, 197.
+
+ Karang-tritis, 222.
+
+ Kari, 164.
+
+ Kartoffelfrage, 26.
+
+ Kaserne, 235.
+
+ Kauern, 16.
+
+ Kawa-manuk, 146.
+
+ Kawa-dringu, 210.
+
+ Kawali, 185.
+
+ Kindersee, 192, 194.
+
+ Kleiner Chinese, 33.
+
+ Klima, tropisches, 118.
+
+ Klima von Singapore, 19.
+
+ Kling, 14, 35.
+
+ Klingprozession, 15.
+
+ Klipperschiffe, 3.
+
+ Kochkunst, malayische, 164.
+
+ Kohlen, 14, 35, 91.
+
+ Kolonialpolitik, 92, 123.
+
+ Kolonisation trop. Länder, 94.
+
+ Kompass, 6.
+
+ Kong, 116.
+
+ Konsul, preuss., 17.
+
+ Konsularbericht über Handel der Chinesen, 39.
+
+ Korallenbank, 54.
+
+ Korea, 91.
+
+ Kostüme der Chinesen, 47.
+
+ Kostüm zum Reisen, 119.
+
+ Kraton, 220, 228.
+
+ Kris, 51, 184, 229.
+
+ Krokotan, 7.
+
+ Kronik von Singapore, 87.
+
+ Kultursystem, 91, 135, 148, 160, 196, 223.
+
+ Kutscher, 14, 230.
+
+
+ Labuan, 91, 14.
+
+ Lamongan, 246.
+
+ Landakte M., 123.
+
+ Landhaus S., 18.
+
+ Landpächter J., 223.
+
+ Landung S., 8.
+
+ Leben im Walde, 117.
+
+ Legende, 241.
+
+ Leichenfeier, Ch., 48, 121.
+
+ Leihhäuser, 228.
+
+ Lei-tschi, 28.
+
+ Lingifluss, 111.
+
+ Log, 6.
+
+ Loopers, 128.
+
+ Loro-kidul, 197, 198, 222.
+
+
+ Macis, 20.
+
+ Mac Ivor, 171.
+
+ Malacca, 99.
+
+ M., Ausflüge um, 116.
+
+ M. Chinesen, 101.
+
+ M. Einwohner, 101.
+
+ M. Geschichte, 122.
+
+ M. Rhede, 100.
+
+ M.-Strasse, 6.
+
+ Malang, 240.
+
+ Malayen, 49, 117.
+
+ Mal. Kochkunst, 164.
+
+ Mal. Kronik, 87.
+
+ Mal. Sprache, 52.
+
+ Mal. Staaten, 112.
+
+ Mangelsümpfe, 13, 111, 194.
+
+ Mangko-bumi, 229.
+
+ Mangko-negoro, 228.
+
+ Mango, 27.
+
+ Mangrove, 12, 111, 194.
+
+ Mangustan, 27.
+
+ Marryat's Signale, 3.
+
+ Martin Vas, 3.
+
+ Maschinenfabrik, 239.
+
+ Melaleuca, 102.
+
+ Melonenbaum, 27.
+
+ Messageries impér., 95.
+
+ Miasmen, 14.
+
+ Mintras, 103, 107, 110.
+
+ Mischlinge, 205, 238.
+
+ Mission Rumbia, 101.
+
+ Missionäre, 26, 62, 103.
+
+ Mofette, 147.
+
+ Montgomery über Thee, 94.
+
+ Monsun, 9.
+
+ Musang, 157.
+
+ Musik, J., 166.
+
+ Muskatnusspflanzung, 19.
+
+ Muster, 92.
+
+ Myristica moschata, 20.
+
+
+ Nahrungsmittel, Aufbewahrung, 30.
+
+ Naning, 106.
+
+ Nangka, 27.
+
+ Nephelium, 28.
+
+ Nerbudda, 144.
+
+ Neroli, 29.
+
+ Neujahrsfest, 232.
+
+ Nipapalme, 12, 111.
+
+ Nusa-kumbangan, 191.
+
+
+ Oel von Arachis, Sesam, Oliven, 137.
+
+ Opium, 70.
+
+ Opiumpacht, 71.
+
+ Opiumpächter in Samarang, 239.
+
+ Opiumrauchen, 72.
+
+ Opium in Singapore, 72, 77.
+
+ Opiumproduktion, 73.
+
+ Opium, Gewinn daran, 74.
+
+ Opium in England, 76.
+
+ Opium in Java, 80.
+
+ Orang-laut, 50, 87.
+
+ Orang-utan, 103.
+
+ Oranien, 28.
+
+ Ortsbestimmung, 6.
+
+ Ostind. Kompanie, 89, 196.
+
+
+ Palankinfahrt, 14.
+
+ Palmenzucker, 126.
+
+ Pandjalu, Fest in, 187.
+
+ Pangerango, 129, 139, 181.
+
+ Papandayan, 148, 152.
+
+ Papaya, 27.
+
+ Papierlaternen, 36.
+
+ Paradoxurus musanga, 157.
+
+ Pasanggrahan, 139, 142, 174.
+
+ Pasir-kiamis, 146.
+
+ Passatwinde, 4.
+
+ Pauke, grosse, 196.
+
+ Perkeniers, 20.
+
+ Pfahldorf, 50, 194.
+
+ Pfannenschmied, 41.
+
+ Pfauen, 192.
+
+ Pfeffer, 62.
+
+ Pfeilgift, 107.
+
+ Philippinen, 90.
+
+ Pik von Teneriffa, 3.
+
+ Pisang, 26.
+
+ Plocaria, 36.
+
+ Ponchor, 113.
+
+ Portugiesen, 100, 122.
+
+ Postreisen, J., 128, 129.
+
+ Prauen, 10.
+
+ Preanger, 138, 140.
+
+ Preuss. Konsul, 17.
+
+ Priester, 186.
+
+ Prinz Djalma, 163.
+
+ Prinzess Bachstelze, 229.
+
+ Prinzess. von Jokjo, 220.
+
+ Prinzess von Siam, 15.
+
+ Prozession, Ch., 47.
+
+ Prozession, Klings, 15.
+
+ Psidium, 29.
+
+ P. u. O. Kompanie, 95.
+
+ Pulo-besi, 7.
+
+ Pulo-brani, 54.
+
+ Pulo-Pinang, 6, 21.
+
+ Pumpelmuse, 28.
+
+ Pungulu von Naning, 105.
+
+ Punka, 18.
+
+ Puter, 30.
+
+
+ Quak-quak, 38.
+
+
+ Raden Rio, 231.
+
+ Raffles, 20, 34, 81, 87, 88, 232.
+
+ Rafflesia Arnoldii, 130.
+
+ R. Padma, 194.
+
+ Rangun, 90.
+
+ Ratten, 107, 193.
+
+ Rawa, 191, 236.
+
+ Receptie, 142.
+
+ Regenten, Preanger, 140.
+
+ Regent von Bandong, 184.
+
+ R. von Garut, 154, 162.
+
+ R. von Malang, 241.
+
+ R. von Sumedang, 165.
+
+ Regenzeit, 19, 248.
+
+ Reis, 37, 132.
+
+ R. in Amerika, 37.
+
+ Reisbau, 132, 133.
+
+ Reisernte, 134.
+
+ R., Geschichte des, 37.
+
+ R., Hauptnahrungsmittel, 36.
+
+ R. in Java, 132.
+
+ Reisscheune, 193.
+
+ Reisewagen, 184.
+
+ Reiseplan von Junghuhn, 142, 182.
+
+ Reisen in Java, 128, 129, 140, 142.
+
+ Religion der Mintras, 110.
+
+ R. der Javanen, 145.
+
+ Rezepte, mal., 137, 164, 223.
+
+ Rhederei, deutsche, 11.
+
+ Rhinozeros, 206.
+
+ Rhiow, 84, 127.
+
+ Rhiow-Strasse, 108.
+
+ Rhizophoren, 12, 111, 194.
+
+ Ricinusöl, 194, 214.
+
+ Rochor, 50.
+
+ Rom, Kirchenfeste, 234.
+
+ Rompok, 203.
+
+ Rongengs, 154, 168.
+
+ Rosen, 19, 156.
+
+ Rotang, 56, 178, 198, 210.
+
+ Rothes Meer, 31.
+
+ Rumbia, 101.
+
+
+ Sago, 37, 68, 123.
+
+ Salangore, 111.
+
+ Salzgewinnung, 221.
+
+ Samarang, 236.
+
+ Sambal, 137, 164.
+
+ Samsching, 71.
+
+ Sapota, 228.
+
+ Sarg mit Dollars gefüttert, 49.
+
+ Sawa, 132.
+
+ Sawal, 185.
+
+ Schattenspiel J., 162.
+
+ Schattenspiel, S. 48.
+
+ Schiffe der Eingebornen, 7, 9.
+
+ Schiffsrechnung, 6.
+
+ Schlangen, 118, 119.
+
+ Schuhblume, 19.
+
+ Schuhboot, 11.
+
+ Schule f. Mischlinge, 205, 237.
+
+ Schwarzer Thee, 150.
+
+ Schweizer, 93.
+
+ Seemenschen, 50, 87, 103.
+
+ See Pandjalu, 186.
+
+ Seeraub, 89.
+
+ Seeräuber, 13, 36, 86.
+
+ Sektenabzeichen, 14.
+
+ Selterwasser, 231.
+
+ Semeru, 240, 242.
+
+ Sesamöl, 137.
+
+ Siam, 89, 90, 92.
+
+ Sichtbarkeit entfernter Gegenstände, 4.
+
+ Singapore, 9.
+
+ S., Anblick, 11.
+
+ S., Billigkeit des Lebens, 25.
+
+ S., Europäer, 29.
+
+ S., Gastfreundschaft, 26.
+
+ S., Gesellschaft, 26.
+
+ S., Gründung von, 81.
+
+ S., Lage und Boden, 12.
+
+ S., Landung, 8.
+
+ S., Rhede, 9, 34.
+
+ S., Schiffsverkehr, 83.
+
+ S., schnelles Aufblühen, 88.
+
+ S., Strassen von, 12.
+
+ S., Strassenkämpfe, 45.
+
+ S., Strassenleben, 35.
+
+ Singosari, 241.
+
+ Sinkays, 42.
+
+ Soldatinnen, 235.
+
+ Solfatara, 147, 213.
+
+ Solingen, 185.
+
+ Sonnenschirm, 116, 142, 186.
+
+ Sonst und jetzt im fernen Osten, 89.
+
+ Spanier, 86.
+
+ Span. Rohr, 56, 178, 198, 210.
+
+ Spielsucht, 70.
+
+ Steinplatten, verzierte, 46.
+
+ Straits Settlements, 85, 99.
+
+ Strassen, J., 143.
+
+ Stürme, 236.
+
+ Südküste J., 195, 221. 245.
+
+ Sultan von Johore, 51.
+
+ S. von Jokjo, 220.
+
+ Sumedang Bedajas, 165.
+
+ Sumpitan, 107.
+
+ Sundastrasse, 6.
+
+ Surabaya, 239, 248.
+
+ Surakarta, 227, 238.
+
+ Susuhanan, 227, 238.
+
+
+ Tabakkauen, 227.
+
+ Tabakbereitung, 214.
+
+ Tabaschir, 175.
+
+ Tanz, Bandong, 184.
+
+ T. der Rongengs, 184.
+
+ T. Sumedang, 165.
+
+ T. Surakarta, 229.
+
+ Tapioka, 69, 123.
+
+ Teakholz, 193.
+
+ Telaga bodas, 155.
+
+ T. dringu, 210.
+
+ T. leri, 211.
+
+ T. mendjer, 215.
+
+ T. werno, 139.
+
+ Telinga, 14.
+
+ Teneriffa, 3.
+
+ Termiten, 58.
+
+ Teufelsbett, 199.
+
+ Thee, 148.
+
+ T., grüner, 151.
+
+ Theekontrakte, 149.
+
+ Theekultur, 148.
+
+ Thee, schwarzer, 150.
+
+ T., Vorderindien, 94.
+
+ Theure Preise, 229.
+
+ Tiger, 56, 64, 67, 163, 185, 192, 203, 230, 244.
+
+ Tiger und Büffel, 203.
+
+ Tigerfallen, 55.
+
+ Tigerjäger, 163.
+
+ Tigerstechen, 203.
+
+ Tinko, 71.
+
+ Tischchen deck' dich, 174.
+
+ Tischgespräche, 26.
+
+ Tjandi Borobudor, 217.
+
+ T. Kali-bening, 225.
+
+ T. Lombok, 226.
+
+ T. Loro djongran, 226.
+
+ T. Mundut, 219.
+
+ T. Pakis, 241.
+
+ T. Pavon, 219.
+
+ T. Perot, 215.
+
+ T. Prambanan, 225.
+
+ T. Sari, 226.
+
+ T. Sewu, 226.
+
+ T. Singosari, 241.
+
+ T. Suku, 231.
+
+ T. Tumbang, 241.
+
+ T. Werkodoro, 212.
+
+ Tjandjur, 139, 140.
+
+ Tjelatjap, 195.
+
+ Tjikao, 138.
+
+ Tjipanas, 139, 181.
+
+ Tjondro di Muka, 213.
+
+ Toaste, 29, 233.
+
+ Toba zum Fischen, 55.
+
+ Tod durch Unglücksfälle, 56.
+
+ Todesstrafe, entsetzliche, 179.
+
+ Todtenthal, 211.
+
+ Todtenverehrung, 101.
+
+ Topographen, 195, 205.
+
+ Trichodesmium, 7.
+
+ Trinidad, 3.
+
+ Trogon, 144.
+
+ Tropikvögel, 7.
+
+ Tschandu, 71.
+
+ Turmerik, 15.
+
+
+ Ungeziefer, 120.
+
+ Unglück des Herrn Kontrolör, 213.
+
+ Unglücksfälle, 56.
+
+ Universalmittel, 194.
+
+
+ Vanille, 130.
+
+ Veranda, 18, 22.
+
+ Verstümmelung, 16.
+
+ Vertrag von, 1824 123.
+
+ Vertrauen, 24.
+
+ Vogelnester, essbare, 198.
+
+ Vogelpferde, 162.
+
+ Vogelscheuchen, 215, 245.
+
+ Vokalkonzert, 238.
+
+ Vorderindien, 89, 94, 168, 171, 172.
+
+ Vrij, de, 28, 124, 141, 169, 172.
+
+
+ Waffen, kostbare, 184.
+
+ Waisenhaus, 237.
+
+ Wald, Lärm im, 174.
+
+ Waldkaffee, 157.
+
+ Waldmenschen, 102, 103.
+
+ Wanaradja, 154.
+
+ Waringi, 138, 143.
+
+ Warong, 136.
+
+ Wasser zum Erdtransport,146, 235.
+
+ Wasserfall Tjipotut, 206.
+
+ Wayang, 48, 162.
+
+ Wellenhöhen, 5.
+
+ Weltevreden, 127.
+
+ Windstillen, 3, 7.
+
+ Wirbelwind, 236.
+
+ Wölfe, 57.
+
+ Wonosobo, 210.
+
+
+ Yams, 210.
+
+
+ Zimmet, 195.
+
+ Zinn, 114, 117.
+
+ Zinngiesser, 40.
+
+ Zwangsarbeit, 136, 149, 161.
+
+ Zweckmässige Kleidung, 119.
+
+ Zwergbambus, 19.
+
+
+Buchdruckerei von Gustav Lange in Berlin, Friedrichsstrasse, 103.
+
+
+ +------------------------------------------------------------------+
+ | Anmerkungen zur Transkription |
+ | |
+ | Folgende Inkonsistenzen wurden belassen, da beide Schreibweisen |
+ | üblich waren: |
+ | |
+ | anderen -- andren -- andern |
+ | aussen -- Aussen |
+ | bremer -- Bremer |
+ | cents -- Cents |
+ | Cocos -- Kokos |
+ | Daum -- Daumen |
+ | December -- Dezember |
+ | District -- Distrikt |
+ | djaggeri -- Djaggeri |
+ | Doppelsilikate -- Doppel-Silikate |
+ | eigene -- eigne |
+ | Eingeborene -- Eingeborne |
+ | Entwickelung -- Entwicklung |
+ | Erndte -- Ernte |
+ | Extract -- Extrakt |
+ | Feuerfest -- Feuer-Fest |
+ | Gamelan -- Gamelang |
+ | Gebirg -- Gebirge |
+ | Gedehgebirge -- Gedeh-Gebirge |
+ | Gerbstoff -- gerbestoffreichen |
+ | Gesteines -- Gesteins |
+ | gewissermassen -- gewissermaassen |
+ | Gliedmassen -- Gliedmaassen |
+ | Gutta-percha -- Guttapercha |
+ | Guiana -- Guyana |
+ | Haupt-Artikel -- Hauptartikel |
+ | Haupt-Einnahme -- Haupteinnahme |
+ | heut -- heute |
+ | Hinter-Indien -- Hinterindien |
+ | ipo-batang -- Ipo-batang |
+ | javaschen -- javanischen |
+ | jenseit -- jenseits |
+ | Johor -- Johore |
+ | Junghuhns -- Junghuhn's |
+ | Kajeput-Oel -- Kajeputoel |
+ | Kari-Pulver -- Karipulver |
+ | Kling-Prozession -- Klingprozession |
+ | Kolonial-Produkte -- Kolonialprodukte |
+ | Kultur-System -- Kultursystem |
+ | Küsten-Provinzen -- Küstenprovinzen |
+ | Livree -- Livrée |
+ | Loro-Kidul -- Loro-kidul |
+ | Maasregel -- Maassregel |
+ | Maassstab -- Massstab |
+ | Mal -- mal |
+ | mannichfaltig -- mannigfaltig |
+ | Muskatnuss-Pflanzung -- Muskatnusspflanzung |
+ | Nipa-Palme -- Nipapalme |
+ | NN-W -- NNW |
+ | Opium-Konsum -- Opiumkonsum |
+ | Orang-utan -- orang-utan |
+ | Ost-Asien -- Ostasien |
+ | paarweis -- paarweise |
+ | Padjet -- Padjit |
+ | Pedodarén -- Pedodaren |
+ | Prinzessin -- Prinzess |
+ | Pulo-Besi -- Pulo-besi |
+ | Pulo-Pinang -- Pulo-pinang |
+ | Quack-Quack -- Quak-quak |
+ | Quell -- Quelle |
+ | Radjah -- radja -- Rajah |
+ | Reis-Ernte -- Reisernte |
+ | Rupies -- Rupien |
+ | Sago-Palmen -- Sagopalmen |
+ | schmäler -- schmaler |
+ | stellenweis -- stellenweise |
+ | Sträuche -- Sträucher |
+ | Sunda-Strasse -- Sundastrasse |
+ | Sze-tschuen -- Szechuen |
+ | theilweis -- theilweise |
+ | Vokal-Konzert -- Vokalkonzert |
+ | Vorder-Indien -- Vorderindien |
+ | Waaren-Magazin -- Waarenmagazin |
+ | Yünan -- Yun-nan |
+ | zeitweis -- zeitweise |
+ | |
+ | Im Text wurden folgende eigentümliche Schreibweisen nicht |
+ | geändert, da es keine einheitliche Schreibweise gab: |
+ | |
+ | Adjudanten |
+ | Bivuak |
+ | Frohnarbeiter |
+ | Gallawagen |
+ | geborner |
+ | Geisbock |
+ | Gewandheit |
+ | Kontrolör |
+ | Marschal |
+ | Palissaden |
+ | Pumpelmuse |
+ | Spähne |
+ | |
+ | Im Text wurden folgende Änderungen vorgenommen: |
+ | |
+ | S. --- Seite "248" in "234" geändert (Inhalt). |
+ | S. --- "Sinpapore" in "Singapore" geändert (Vorwort). |
+ | S. 3 "Strait's Times" in "Straits Times" geändert. |
+ | S. 3 "van't algemeen" in "van 't algemeen" geändert. |
+ | S. 4 "allmählig" in "allmälig" geändert. |
+ | S. 8 "blosgelegt" in "blossgelegt" geändert. |
+ | S. 9 "euroäipscher" in "europäischer" geändert. |
+ | S. 12 "Stockz dachiegelförmig" in "Stock dachziegelförmig" |
+ | geändert. |
+ | S. 14 "O-.Gr." in "O.-Gr." geändert. |
+ | S. 14 "Jalusien" in "Jalousien" geändert. |
+ | S. 16 "untern" in "unteren" geändert. |
+ | S. 17 "allmählige" in "allmälige" geändert. |
+ | S. 18 "Jalusien" in "Jalousien" geändert. |
+ | S. 21 "allmählig" in "allmälig" geändert. |
+ | S. 21 "ziehn" in "ziehen" geändert. |
+ | S. 27 "jüngern" in "jüngeren" geändert. |
+ | S. 27 "ziehn" in "ziehen" geändert. |
+ | S. 28 "Hookers" in "Hooker's" geändert (Fußnote). |
+ | S. 35 "Newharbour" in "New harbour" geändert (Fußnote). |
+ | S. 38 "stehn" in "stehen" geändert. |
+ | S. 41 "Pfannenschmidt" in "Pfannenschmied" geändert. |
+ | S. 46 "hervorrragendsten" in "hervorragendsten" geändert. |
+ | S. 51 "Ansehn" in "Ansehen" geändert. |
+ | S. 51 "gehn" in "gehen" geändert. |
+ | S. 51 "Tuanko long" in "Tuanko-Long" geändert. |
+ | S. 51 "seltner" in "seltener" geändert. |
+ | S. 52 "Suveränität" in "Souveränität" geändert. |
+ | S. 53 ":" hinter piso entfernt. |
+ | S. 54 "stehn" in "stehen" geändert. |
+ | S. 54 "Sonnenaufang" in "Sonnenaufgang" geändert. |
+ | S. 54 "Newharbour" in "New harbour" geändert. |
+ | S. 54 "trocknes" in "trockenes" geändert. |
+ | S. 56 "Ausfuhr-Artikel" in "Ausfuhrartikel" geändert. |
+ | S. 57 "Krokodille" in "Krokodile" geändert (Fußnote). |
+ | S. 57 Summe Todesfälle in Java und Madura von 2565 in 2505 in |
+ | der Fußnote geändert (mit dieser Anzahl sind Spalten- |
+ | und Zeilensumme korrekt). |
+ | S. 57 Anzahl Selbstmorde in anderen Besitzungen von 28 auf 38 |
+ | in der Fußnote geändert (mit dieser Anzahl sind Spalten- |
+ | und Zeilensumme korrekt). |
+ | S. 59 "Gerstäcker" in "Gerstaecker" geändert. |
+ | S. 59 "stehn" in "stehen" geändert. |
+ | S. 59 "ununterbrochnen" in "ununterbrochenen" geändert. |
+ | S. 60 "eigner" in "eigener" geändert. |
+ | S. 61 "äussern" in "äusseren" geändert. |
+ | S. 61 "innern" in "inneren" geändert. |
+ | S. 64 "neuaugekommene" in "neuangekommene" geändert. |
+ | S. 67 "best unterrichteten" in "bestunterrichteten" geändert. |
+ | S. 71 "brenzlichten" in "brenzlichen" geändert. |
+ | S. 71 "heist" in "heisst" geändert. |
+ | S. 72 "besondern" in "besonderen" geändert. |
+ | S. 73 "Opinmpächter" in "Opiumpächter" geändert. |
+ | S. 75 "je der" in "jeder" geändert. |
+ | S. 75 "Anfangs" in "anfangs" geändert (Fußnote). |
+ | S. 75 "Paralysie" in "Paralyse" geändert (Fußnote). |
+ | S. 76 "Grossbritanien" in "Grossbritannien" geändert. |
+ | S. 76 "Lockhardt" in "Lockhart" geändert. |
+ | S. 77 "Grossbritaniens" in "Grossbritanniens" geändert. |
+ | S. 78 "Nevralgien" in "Neuralgien" geändert. |
+ | S. 78 "Landanum" in "Laudanum" geändert (Fußnote). |
+ | S. 81 "Entsehung" in "Entstehung" geändert. |
+ | S. 82 "eigne" in "eigene" geändert. |
+ | S. 83 ")" in Fußnote eingefügt. |
+ | S. 86 "versehn" in "versehen" geändert. |
+ | S. 89 "grössern" in "grösseren" geändert. |
+ | S. 92 "versursachen" in "verursachen" geändert. |
+ | S. 94 "eignem" in "eigenem" geändert. |
+ | S. 94 "Montgommery" in "Montgomery" geändert. |
+ | S. 100 "herausfordender" in "herausfordernder" geändert. |
+ | S. 100 "do" in "so" geändert (Fußnote). |
+ | S. 102 "äussern" in "äusseren" geändert. |
+ | S. 102 "grössern" in "grösseren" geändert. |
+ | S. 102 "Molucken" in "Molukken" geändert. |
+ | S. 104 "Montgommery" in "Montgomery" geändert. |
+ | S. 104 "trockne" in "trockene" geändert. |
+ | S. 106 "Moscheh" in "Moschee" geändert. |
+ | S. 107 "Erde" in "Ende" geändert. |
+ | S. 107 "untern" in "unteren" geändert. |
+ | S. 108 "Bambuskapfel" in "Bambuskapsel" geändert. |
+ | S. 108 "besondern" in "besonderen" geändert. |
+ | S. 108 "ein" bei "Ballen ein geschabter" entfernt. |
+ | S. 110 "obern" in "oberen" geändert. |
+ | S. 111 "saubern" in "sauberen" geändert. |
+ | S. 114 "glänzlich" in "gänzlich" geändert. |
+ | S. 114 "seltnes" in "seltenes" geändert (Fußnote). |
+ | S. 116 "lockern" in "lockeren" geändert. |
+ | S. 118 "auf's" in "aufs" geändert. |
+ | S. 118 "bessern" in "besseren" geändert. |
+ | S. 118 "letzterm" in "letzterem" geändert. |
+ | S. 118 "Turisten" in "Touristen" geändert. |
+ | S. 119 "hintern" in "hinteren" geändert. |
+ | S. 119 "untern" in "unteren" geändert. |
+ | S. 119 "trockne" in "trockene" geändert. |
+ | S. 120 "frühern" in "früheren" geändert. |
+ | S. 118 "letztern" in "letzteren" geändert. |
+ | S. 124 "arak" in "Arak" geändert. |
+ | S. 127 "Abends" in "abends" geändert. |
+ | S. 128 "Moelenvliet" in "Molenvliet" geändert. |
+ | S. 129 "trocknem" in "trockenem" geändert. |
+ | S. 130 "Generalguvernör" in "General-Guvernör" geändert. |
+ | S. 130 "Mitheilung" in "Mittheilung" geändert (Fußnote). |
+ | S. 133 "Gágas" in "Gagas" geändert. |
+ | S. 133 "Tegáls" in "Tegals" geändert. |
+ | S. 133 "Crawford" in "Crawfurd" geändert. |
+ | S. 134 "stehn" in "stehen" geändert. |
+ | S. 134 "Bergreiss" in "Bergreis" geändert. |
+ | S. 134 "trocknem" in "trockenem" geändert. |
+ | S. 135 "Niesbrauch" in "Niessbrauch" geändert. |
+ | S. 139 "Bungalo" in "Bungalow" geändert. |
+ | S. 139 "letztern" in "letzteren" geändert. |
+ | S. 139 "Mosen" in "Moosen" geändert. |
+ | S. 140 "besondern" in "besonderen" geändert. |
+ | S. 141 "Assistentresidenten" in "Assistent-Residenten" geändert. |
+ | S. 142 "nazje" in "nazie" geändert. |
+ | S. 143 "entstehn" in "entstehen" geändert. |
+ | S. 143 "stehn" in "stehen" geändert. |
+ | S. 143 "gehn" in "gehen" geändert. |
+ | S. 143 "Honeurs" in "Honneurs" geändert. |
+ | S. 144 "gewahrt" in "gewährt" geändert. |
+ | S. 144 "Moscheh" in "Moschee" geändert. |
+ | S. 145 "Vulcane" in "Vulkane" geändert. |
+ | S. 146 "überhangende" in "überhängende" geändert. |
+ | S. 149 "Bagelén" in "Bagelen" geändert. |
+ | S. 151 "Blattsiel" in "Blattstiel" geändert. |
+ | S. 151 "male" in "Male" geändert. |
+ | S. 153 "grösserm" in "grösserem" geändert. |
+ | S. 153 "obern" in "oberen" geändert. |
+ | S. 155 "Kawah-manuk" in "Kawa-manuk" geändert. |
+ | S. 155 "tiefern" in "tieferen" geändert. |
+ | S. 157 doppeltes "zu" entfernt. |
+ | S. 159 doppeltes "in" entfernt (Fußnote). |
+ | S. 159 "Máte" in "Mate" geändert (Fußnote). |
+ | S. 159 "trockner" in "trockener" geändert. |
+ | S. 163 "Súmedang" in "Sumedang" geändert. |
+ | S. 163 "Wana-radja" in "Wanaradja" geändert. |
+ | S. 164 "Honeurs" in "Honneurs" geändert. |
+ | S. 164 "Malémbong" in "Malembong" geändert. |
+ | S. 165 "innern" in "inneren" geändert. |
+ | S. 167 "besár" in "besar" geändert. |
+ | S. 168 "papandayan" in "-papandayan" geändert. |
+ | S. 168 "Gelungúng" in "Gelungung" geändert. |
+ | S. 168 "Slámat" in "Slamat" geändert. |
+ | S. 171 "Ootocamund" in "Ootacamund" geändert. |
+ | S. 172 ” eingefügt. |
+ | S. 176 "äussern" in "äusseren" geändert. |
+ | S. 176 "Palembang" in "Palémbang" geändert. |
+ | S. 177 "Bambusspliessen" in "Bambussplissen" geändert. |
+ | S. 178 "bestehn" in "bestehen" geändert. |
+ | S. 178 "innern" in "inneren" geändert. |
+ | S. 179 "verkümmetren" in "verkümmerten" geändert. |
+ | S. 179 "Seméru" in "Semeru" geändert. |
+ | S. 180 "Teysman" in "Teysmann" geändert. |
+ | S. 183 "eignes" in "eigenes" geändert. |
+ | S. 184 "nnd" in "und" geändert. |
+ | S. 185 "Tampomás" in "Tampomas" geändert. |
+ | S. 185 "trocknen" in "trockenen" geändert. |
+ | S. 186 "Ansehn" in "Ansehen" geändert. |
+ | S. 186 "Krokodillen" in "Krokodilen" geändert. |
+ | S. 187 "Glassschrank" in "Glasschrank" geändert. |
+ | S. 188 "Aromata's" in "Aromata" geändert. |
+ | S. 188 "Schöpfrng" in "Schöpfung" geändert. |
+ | S. 188 "Tasikmalaju" in "Tasikmalaja" geändert. |
+ | S. 189 "beedckt" in "bedeckt" geändert. |
+ | S. 189 "Tasik-malaju" in "Tasikmalaja" geändert. |
+ | S. 191 "Banteng-mati" in "Bantengmati" geändert. |
+ | S. 189 "Tasik-malaju" in "Tasikmalaja" geändert. |
+ | S. 189 "Tasik-malayu" in "Tasikmalaja" geändert. |
+ | S. 191 "Kaliputjan" in "Kaliputjang" geändert. |
+ | S. 193 "Regieruug" in "Regierung" geändert. |
+ | S. 193 "unschädich" in "unschädlich" geändert. |
+ | S. 194 "Muskitos" in "Moskitos" geändert. |
+ | S. 195 "Jocjokarta" in "Jokjokarta" geändert. |
+ | S. 197 "Bagelén" in "Bagelen" geändert. |
+ | S. 197 "letztern" in "letzteren" geändert. |
+ | S. 197 "obern" in "oberen" geändert. |
+ | S. 201 "Molucken" in "Molukken" geändert. |
+ | S. 202 "Pendoppo" in "Pendopo" geändert. |
+ | S. 205 "Adjibárang" in "Adjibarang" geändert. |
+ | S. 205 "Terassen" in "Terrassen" geändert. |
+ | S. 207 "obern" in "oberen" geändert. |
+ | S. 208 "trockner" in "trockener" geändert. |
+ | S. 208 "untern" in "unteren" geändert. |
+ | S. 209 "Bandjar-negára" in "Bandjar-negara" geändert. |
+ | S. 209 "Serájuthal" in "Serajuthal" geändert. |
+ | S. 210 "Samárang" in "Samarang" geändert. |
+ | S. 211 "äussern" in "äusseren" geändert. |
+ | S. 211 "Telaga-werna" in "Telaga-warna" geändert. |
+ | S. 213 "Telaga-werno" in "Telaga-warna" geändert. |
+ | S. 217 "abgesehn" in "abgesehen" geändert. |
+ | S. 218 "Basleriefs" in "Basreliefs" geändert. |
+ | S. 219 "dssselbe" in "dasselbe" geändert. |
+ | S. 220 "innern" in "inneren" geändert. |
+ | S. 220 "Kratòn" in "Kraton" geändert. |
+ | S. 221 "Corypha Gebanga" in "Corypha gebanga" geändert. |
+ | S. 225 "Kalásan" in "Kalasan" geändert. |
+ | S. 226 "Bramakultus" in "Brahmakultus" geändert. |
+ | S. 227 "herliche" in "herrliche" geändert. |
+ | S. 227 "Jocjokarta" in "Jokjokarta" geändert. |
+ | S. 227 "Musikkorps" in "Musikcorps" geändert. |
+ | S. 228 "Tennant's" in "Tennent's" geändert. |
+ | S. 229 "entblöste" in "entblösste" geändert. |
+ | S. 230 "besondern" in "besonderen" geändert. |
+ | S. 230 "grader" in "gerader" geändert. |
+ | S. 232 "garnicht" in "gar nicht" geändert. |
+ | S. 232 "Grebék" in "Grebek" geändert. |
+ | S. 232 "stehn" in "stehen" geändert. |
+ | S. 232 "Suverän" in "Souverän" geändert. |
+ | S. 233 "dunckler" in "dunkler" geändert. |
+ | S. 233 "goldnes" in "goldenes" geändert. |
+ | S. 234 "hört" in "hörte" geändert. |
+ | S. 234 "Schule." in Abschnittsüberschrift eingefügt. |
+ | S. 235 "ewähnte" in "erwähnte" geändert. |
+ | S. 237 "Cocuspalmen" in "Cocospalmen" geändert. |
+ | S. 238 "Samárang" in "Samarang" geändert. |
+ | S. 238 "stehn" in "stehen" geändert. |
+ | S. 240 "Pasúruan" in "Pasuruan" geändert. |
+ | S. 240 "Seméru" in "Semeru" geändert. |
+ | S. 241 "Indrógeni" in "Indrogeni" geändert. |
+ | S. 242 "trocknen" in "trockenen" geändert. |
+ | S. 244/245 "Tenger-Gebirge" in "Tengger-Gebirge" geändert. |
+ | S. 249 "Agar-Agar" in "Agar-agar" geändert. |
+ | S. 249 "Bau-bau" in "Bau-Bau" geändert. |
+ | S. 249 "Chaussée" in "Chaussee" geändert. |
+ | S. 249 "Eismachinen" in "Eismaschinen" geändert. |
+ | S. 250 "Gelungun" in "Gelungung" geändert. |
+ | S. 250 "Geruchsinn" in "Geruchssinn" geändert. |
+ | S. 251 "Montgommery" in "Montgomery" geändert. |
+ | S. 252 "Kalibening" in "Kali-bening" geändert. |
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+End of Project Gutenberg's Singapore, Malacca, Java., by Fedor Jagor
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+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 44405 ***