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-The Project Gutenberg EBook of Das Liebeskonzil, by Oskar Panizza
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Das Liebeskonzil
- Eine Himmels-Tragödie in fünf Aufzügen
-
-Author: Oskar Panizza
-
-Release Date: December 8, 2013 [EBook #44386]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS LIEBESKONZIL ***
-
-
-
-
-Produced by Marc D'Hooghe at http://www.freeliterature.org
-(Images generously made available by the Inernet Archive.)
-
-
-
-
-
-Das Liebeskonzil
-
-Eine Himmelstragödie in fünf Aufzügen
-
-von
-
-Oskar Panizza
-
-Zürich
-
-Verlags-Magazin (T. Schabelth)
-
-1895
-
-
-
-
-Dem Andenken
-
-Gutten's.
-
-
-
-
-"Es ist got gefellig gewesen in unsern tagen kranckheiten zu senden
-(als wol zu achten ist) die unsern vorfaren unbekant seint gewesen. Da
-bey haben gesagt die der heiligen geschrift obligen, das die blatteren
-uß gotz zorn kumen seint, und got damit unsere bösen berden straffe und
-peynige."
-
-Ulrichen von Hutten, eins teutschen Ritters Von den Frantzosen oder
-blatteren 1519.
-
-"Dic Dea, quae causae nobis post saecula tanta Insolitam peperere
-luem?..." Fracastoro, Syphilis sive de morbo Gallico 1509.
-
-
- Personen.
-
- Gott Vater
- Christus
- Maria
- Der Teufel
- Das Weib
- Ein Cherubim
- Erster Engel
- Zweiter Engel
- Dritter Engel
- Helena }
- Phryne }
- Héloise } Gestalten aus dem Totenreich
- Agrippina }
- Salome }
- Rodrigo Borgia, Alexander VI., Papst
- Girolama Borgia, vermählt mit Cesarini (Mutter unbekannt) }
- Isabella Borgia, vermählt mit Matuzzi (Mutter unbekannt) }
- Pier Luigi Borgia, Herzog von Gandia(von der Vanozza) }
- Don Giovanni Borgia, Graf von Celano(v. d. Vanozza) } Kinder des
- Cesare Borgia, Herzog von Romagna(v. d. Vanozza) } Papstes
- Don Gioffre Borgia, Graf von Cariati(v. d. Vanozza) }
- Donna Lucrezia Borgia, Herzogin von Bisaglie (v. d. Vanozza)}
- Laura Borgia, noch minderjährig.
- Giovanni Borgia, noch minderjährig (von Julia Farnese,
- vermählte Orsini).
- Die Vanozza } Mätressen des Papstes
- Julia Farnese, vermählt mit Orsini }
- Alessandro Farnese, ihr Bruder, Kardinal.
- Donna Sancia, Schwiegertochter des Papstes, vermählt mit Don Gioffre.
- Adriana Mila, Vertraute des Papstes, Erzieherin seiner Kinder.
- Francesco Borgia, Erzbischof von Cosenza }
- Luigi Pietro Borgia, Kardinal-Diakon } Neffen des Papstes
- Collerando Borgia, Bischof von Monreale }
- Rodrigo Borgia, Kapitän der päpstlichen Garde }
- Giovanni Lopez, Bischof von Perugia }
- Pietro Caranza, Geheimkämmerer } Vertraute des Papstes
- Juan Marades, Bischof von Toul, Geheimintendant }
- Giovanni Vera da Ercilla, Mitglied des heiligen }
- Kollegiums
- Remolina da Ilerda, Mitglied des heiligen Kollegiums
- Burcard, Zeremonienmeister des Papstes.
- Ein Priester.
- Erster Edelmann.
- Zweiter Edelmann.
- Dritter Edelmann.
- Pulcinello, Schauspieler
- Colombina, Schauspieler
- Eine Courtisane.
-
-Der Heilige Geist, Erzengel, ältere und jüngere Engel, Amoretten;
---Maria Magdalena, Apostel, Märtyrer, Barmherzige Schwestern, ein
-Bote;--Tiere, Fratzen, Gestalten von Toten;--Geistliche Würdenträger,
-päpstliche Hofbeamte, Gesandte, römische Damen, Kavaliere, Courtisanen,
-Schauspieler, Sänger, Kämpfer, Soldaten, Volk.
-
-Zeit: Frühjahr 1495, das erste historisch beglaubigte Datum vom
-Ausbruch der Lustseuche.
-
-
-
-Erster Aufzug
-
-
-
-
-Erste Szene
-
-
-_Der Himmel; ein Thronsaal;_ DREI ENGEL _in schwanenweißen,
-federdaunartigen Anzügen mit enganliegenden, gamaschenähnlichen
-Kniehosen, Wadenstrümpfen, kurzen Amoretten-Flügeln, weißgepuderten,
-kurz geschnittenen Haaren, weißen Atlas-Schuhen; sie haben Flederwische
-in der Hand zum Abstauben._
-
-
-ERSTER ENGEL. Heut steht ER wieder spät auf.
-
-ZWEITER ENGEL. Seid froh! Dieses Gehust', dieses wasserblaue Geglotz',
-dieses Schleimfließen, Fluchen, Spucken den ganzen Tag--man kommt zu
-keinem gesunden Augenblick.
-
-DRITTER ENGEL. Ja, es ist merkwürdig daheroben!
-
-ERSTER ENGEL. Apropos! Ist der Thron festgemacht?
-
-ZWEITER ENGEL. Ja, um Gottes Willen! Ist der Thron festgemacht? Er
-wackelte gestern.
-
-DRITTER ENGEL. Wer wackelte gestern?
-
-ERSTER ENGEL. Der Thron, dummes Gänschen!
-
-DRITTER ENGEL (_verwundert_). Der Thron?--Warum wackelt der Thron?
-
-ERSTER ENGEL. Enfin, er wackelt eben.
-
-DRITTER ENGEL. Wie? Wackelt denn hier heroben überhaupt etwas?
-
-ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_laut auflachend_). Ha, ha, ha, ha!--
-
-DRITTER ENGEL (_immer ernster und erstaunter_). Ja, warum wackelt der
-heilige Thron?
-
-ERSTER ENGEL (_energisch_). Dummes Gänschen! Weil hier sowieso alles
-aus dem Leim geht und lidschäftig wird, Götter und Möbel, Franzen und
-Tapeten.
-
-DRITTER ENGEL (_innerlich erbebend_). Gott, wenn das meine Mutter wüßte!
-
-ZWEITER ENGEL (_stirnrunzelnd und höhnisch_). Deine Mutter?--Was willst
-Du denn mit Deiner Mutter, Fratz?
-
-DRITTER ENGEL. Ach, sie ließ doch heute die sechzigste Seelenmesse für
-mich lesen!
-
-ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_mit wachsender Verwunderung_). Für Dich?!--
-(_Beide laut auflachend_.) Ja wie alt bist denn Du?
-
-DRITTER ENGEL (_sich besinnend und dann mit Pathos zitierend_.) "Vor
-Gott sind tausend Jahre wie ein Tag, und ein Tag wie tausend Jahre!"--
-
-ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_ihr abwinkend und sie zur Raison bringend;
-sehr breit_). Ja, ja, ja--is schon recht; das wissen wir schon!--Aber
-wie alt warst Du denn drunten?
-
-DRITTER ENGEL (_kindlich_). Knapp vierzehn Jahre!
-
-ERSTER ENGEL (_lachend_). Und da brauchst Du Seelenmessen?
-
-DRITTER ENGEL (_zaghaft_). Ach, Ihr wißt ja nicht, ich bin ja gestorben!
-
-ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_noch lauter lachend_). Ha, ha, ha! Hi,
-Hi!--No, natürlich, sonst wärst Du ja nicht hier!--
-
-DRITTER ENGEL (_in unverrückbarem Ernst_). Ach, Ihr wißt ja nicht, ich
-bin ja in Sünden gestorben!
-
-ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_aufs neue lachend_). Das auch noch!--Du
-armer Schlucker, was hast Du denn getan?--
-
-DRITTER ENGEL (_stockt, schaut mit ihren starren Augen ihre Genossinnen
-an und faltet die Hände_).
-
-ZWEITER ENGEL (_höhnisch_). Hast Deine Schulaufgaben nicht
-gelernt?--Hast Kleckse in Dein Schreibheft gemacht?
-
-DRITTER ENGEL (_immer in ängstlich-gespannter Haltung_). Ach, mir wird
-so bang;--nicht wahr, Ihr sagt es nicht weiter?!--
-
-ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_sich ausschüttend vor Lachen_). Was? Da
-heroben; und nichts weiter sagen?!
-
-DRITTER ENGEL (_erstaunt_). Was? Ihr wißt es schon?
-
-ERSTER ENGEL. Nein! Aber sag's nur heraus; wir erfahren's doch!
-
-ZWEITER ENGEL. Also frisch! Was war's?
-
-DRITTER ENGEL. Ach, mich hat ein großer Mann--erdrückt!
-
-ERSTER ENGEL (_betonend_). Erdrückt?
-
-DRITTER ENGEL. Oder vergiftet!
-
-ZWEITER ENGEL (_ebenso betonend_). Vergiftet?
-
-DRITTER ENGEL (_naiv_). Ich weiß nicht mehr, wie die Mutter sagte.
-
-ERSTER ENGEL (_mit wachsendem Erstaunen_). Ja, war denn die Mutter
-dabei?
-
-DRITTER ENGEL (_mit glänzenden Augen erzählend_). Die war im
-Nebenzimmer;--aber die Thüre war halb offen;--da kam ein großer, alter
-Mann herein;--die Mutter hatte gesagt, ich sollte alles geschehen
-lassen; der Mann sei der Rektor der Schule und sei sehr streng;--und
-wenn ich in allem gehorsam sei;--käme ich unter die ersten;--und der
-große, alte Mann--
-
-ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_drängend_). Nun, der große, alte Mann...?
-
-DRITTER ENGEL (_fortfahrend_).... war sehr stark.
-
-ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_sich gegenseitig anschauend und die Kleine
-imitierend_). Der große, alte Mann war sehr stark!
-
-ZWEITER ENGEL. So steht's im Ollendorf[1] auch.
-
-ERSTER ENGEL (_die Kleine aufrüttelnd_). Nun, was tat denn der große,
-alte Mann?
-
-DRITTER ENGEL (_herausbrechend_). Er erdrückte mich und vergiftete
-mich, und bespie mich mit seinem heißen Atem, und wollte in meinen Leib
-eindringen....
-
-ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_die Hände zusammenschlagend, mit verstellter
-Verwunderung_). Was?--Und die Mutter kam Dir nicht zu Hilfe?
-
-DRITTER ENGEL. Die stand an der Thürspalte und sagte immerfort: "Sei
-nur brav, Lilli, sei nur brav, Lilli!"
-
-ZWEITER ENGEL. Nun, und dann?
-
-DRITTER ENGEL. Dann lag ich schluchzend auf dem Bett.
-
-ERSTER ENGEL. Und dann?
-
-DRITTER ENGEL (_sich besinnend_). ... ich hörte dann noch die Mutter
-mit dem Manne reden....
-
-ZWEITER ENGEL. Was sprachen sie?
-
-DRITTER ENGEL (_sich tief besinnend_). ... ich weiß es nicht
-mehr;... sie waren schon im Nebenzimmer ... ich hörte noch die Zahl
-fünfhundert....
-
-ERSTER ENGEL. Und dann?
-
-DRITTER ENGEL (_sich immer länger besinnend_). ... die Mutter kam
-herein ... sie sagte, nun hätten sie viel Geld, und könnten lustig und
-vergnügt für immer leben.... Die Gedanken gehen ihm aus.
-
-ERSTER ENGEL (_drängend_) Und dann?--
-
-ZWEITER ENGEL (_ebenso_). Und dann? Und dann?
-
-DRITTER ENGEL (_fast verklärt_). Dann--bin ich gestorben.
-
-ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_fahren, die Hände über dem Kopf
-zusammenschlagend, mit einem schrillen, lang anhaltenden,
-mädchenhaft-gilfenden Ton, wie um eine innere Erregung ausströmen zu
-lassen, auseinander, und wie zwei Kreisel pfeifend, in der weitesten
-Rundung im Saal herum; der Dritte noch immer in starr verklärter
-Stellung._)
-
-ERSTER ENGEL (_nach längerem Umhersausen, atemlos_). Und da läßt Dir
-jetzt Deine Mutter für das viele Geld Seelenmessen lesen?!
-
-DRITTER ENGEL. (_weinerlich ängstlich_). Ich bin ja in Sünden gestorben!
-
-ZWEITER ENGEL (_eindringlicher_). Für die 500 Mark oder Taler oder
-Franken läßt Dir jetzt Deine Mutter Seelenmessen lesen?!
-
-DRITTER ENGEL (_mißverstehend-naiv_). ... für einen Teil des Geldes.
-
-ZWEI ÄLTERE ENGEL (_kommen schnell hereingestürzt mit dem Ruf_). ER
-kommt!--ER kommt!--Ist alles parat?--(_Die Drei fahren auseinander und
-machen sich an die Arbeit_.)
-
-ERSTER ENGEL. Um Gottes willen, seht, ob der Thron fest ist! (_Einer
-der Engel macht sich am Thron zu schaffen. Andere Engel kommen
-inzwischen, bringen Decken, Polster, Kissen und dergl._)
-
-ZWEITER ENGEL (_hopst auf den Thron und probiert ihn nach allen
-Seiten_). Alles fix!
-
-ERSTER ENGEL (_zum dritten, der noch zu scheu ist, Hand anzulegen und
-verwundert dem ganzen Treiben zuschaut_). Du, davon mußt Du mir noch
-mehr erzählen.--Jetzt stell' Dich zu uns her!
-
-DIE ZWEI ÄLTEREN ENGEL (_die bisher außen an der Thüre Wache gestanden
-haben, kommen jetzt, wie oben, eilfertig zurück, übermäßig mit
-den Armen fuchtelnd, und mit dem gleichen Rufe_). ER kommt!--ER
-kommt!--(_Man hört draußen schlappendes und schleppendes Geräusch_.)
-
-
-[1] Bekannte Schulgrammatik.
-
-
-
-
-Zweite Szene
-
-
-DIE VORIGEN; GOTT VATER, _ein Greis im höchsten Lebensalter mit
-silberweißen Haaren, ebenso Bart, hellblauen wässerigen Glotzaugen,
-tränengefüllten Augensäcken, gebeugten Hauptes, kyphosischen Rückgrats,
-kommt in langem, talarartigem, mißfarbig-weißem Gewände, von zwei
-Cherubim rechts und links gestützt, hustend und brustrasselnd,
-schwerfällig tappend und nach vorn geneigt, hereingeschlappt; zwei
-Engel stehen am Thron und halten ihn: die übrigen stürzen auf die
-Knie, wenden das Gesicht zur Erde und breiten die Arme aus; hinter
-Gott Vater ein endloses Cortège von Engeln, Seraphim, Thürstehern,
-Aufwärtern, alles weiblich, oder geschlechtslos, mit teils
-alltäglich-gelangweilten, teils fürwitzigen, teils ängstlich-besorgten
-Gesichtern; sowie einige nonnenartig gekleidete Barmherzige Schwestern
-mit Medizinflaschen, Decken, Spucknäpfen u. drgl.--Sie geleiten Gott
-Vater langsam vorsichtig zum Thron, helfen ihm die zwei Stufen hinauf,
-indem sie unten seine Beine fassen und hinaufheben, drehen ihn dann
-oben um, und lassen ihn langsam auf den im ältesten byzantinischen
-Stil gehaltenen, mit reichem Mosaik verzierten Sitz nieder, indem zwei
-vorne, zwei hinten und je einer an den beiden Seiten ihn teils stützen,
-teils in Empfang nehmen; ein letzter Engel trägt die Krücken nach._
-
-
-
-GOTT VATER (_sinkt mit einem verzweifelnd von sich stoßenden,
-lebenssatt-rauhen Exspirations-Seufzer auf den Thron nieder_).
-Ach!--(_Glotzt dann starr und bewegungslos, aber schweratmend, vor sich
-hin_.)
-
-(_Alle Engel, auch die bis dahin gekniet gewesenen, in hastig hin- und
-herlaufender Bewegung_.)
-
-CHERUBIM (_in flüsternd-drängendem Befehlston_). Die Fußbank!
-
-EIN ENGEL (_bringt eilig das Gewünschte_). Die Fußbank!
-
-CHERUBIM (_die Fußbank untersetzend; wie oben_). Die Wärmeflasche!
-
-EIN ENGEL (_bringt sie_). Die Wärmeflasche.
-
-CHERUBIM (_wie oben_). Den Fußsack!
-
-EIN ENGEL (_eilig_). Den Fußsack.
-
-CHERUBIM (_wie oben_). Die Steppdecke!
-
-EIN ENGEL (_bringt sie, eilig_). Die Steppdecke.
-
-CHERUBIM (_in drängendem Befehlston_). Die Schlummerrolle!
-
-EIN ENGEL (_bringt sie_). Die Schlummerrolle.
-
-CHERUBIM (_wie oben_). Den Rückenwärmer!
-
-EIN ENGEL (_bringt ein sechsfach zusammengelegtes weiches
-Flanellstück_). Den Rückenwärmer!
-
-CHERUBIM (_immer hastiger befehlend_). Die Armpolster!
-
-EIN ENGEL (_bringt zwei Hohlkissen für die Armlehnen_). Die Armpolster.
-
-CHERUBIM (_wie oben_). Das Foulard!
-
-EIN ENGEL (_bringt ein kirschrotes Seidentuch_). Das Foulard.
-
-(_Während der Cherubim das Tuch um den Hals des Greisen windet, hört
-man_).
-
-GOTT VATER (_unartikuliert-rauh stöhnen und jammern_).
-Ach!--Ach!--Ach!--Ach!--
-
-VERSCHIEDENE ENGEL. Wo fehlt's?--Was ist?--Helft! Helft!--Wo fehlt's?--
-
-GOTT VATER (_mit vorgebeugtem Kopfe weiterstöhnend_).
-Ach!--Ach!--Ach!--Ach!--
-
-ALLE ENGEL (_sammeln sich in großer Bestürzung um den Thron; einige
-knien nieder und schauen ängstlich gespannt auf Gott Vater_.)
-Helft!--Helft!--Wo fehlt's?--Wo fehlt's?--Göttliche Majestät, wo
-fehlt's?--Er stirbt uns!--Holt Maria!--Holt den Mann!--Helft!--Helft!--
-
-GOTT VATER (_weiter stöhnend; wird engobiert im Gesicht; aus
-den Augensäcken rollen große Tränen infolge der Anstrengung_).
-Ach!--Ach!--Schu!--Schpu!--Schpu!--
-
-EIN ENGEL (_springt auf, triumphierend, mit heller, lauter Stimme_).
-Die Spuckschale!
-
-ALLE ENGEL (_aufspringend, in klirrendem Diskant, erlösend_). Die
-Spuckschale!!
-
-(_Sie eilen zu einem Tisch, wo Medizinflaschen, Weinkaraffen,
-Bisquit-Gläser u. drgl. stehen, und bringen eine rosa-rote
-Kristall-Vase_).
-
-GOTT VATER (_räuspernd, kollernd, sich abmühend, erleichtert sich
-endlich_).
-
-_Ein Engel nimmt die Spuckschale zurück, trägt sie, von anderen
-begleitet, feierlich nach hinten; ein anderer Engel wischt dem Alten
-mit einem seidenen Tuch den Bart ab; dann stehen alle Anwesenden, dicht
-gesammelt, erwartungsvoll um Gott Vater herum.--Dieser schaut erst
-lange mit glasig-starren Blicken im Kreise herum, packt dann plötzlich
-mit zitternden Händen die Krücken, die ihm im Schoß liegen, und stößt
-sie mit unerwartetem Ruck und heiserem, fürchtenmachendem, fingierten
-Gebrüll gegen die Engel vor. "Wuh!--Wuh!--" Die Engel fahren kreischend
-auseinander und fliehen zu den Thüren hinaus.--Nur ein Cherubim bleibt
-zurück, der kniend, mit in den Händen vergrabenem Gesicht, sich vor ihm
-niederwirft.--Lange Pause_.--
-
-
-
-
-Dritte Szene
-
-
-GOTT VATER. EIN CHERUBIM; _dieser, ein geschlechtsloser Engel,
-gefitticht weiß, sehr schön von Angesicht, im Charakter des Antinous;
-kniet während der ganzen Szene_.
-
-
-GOTT VATER (_nachdem er lange auf ihn herabgesehen; sehr ruhig; mit
-tief genommenem Bariton_). Rollt die Erde noch in ihren Sphären?--
-
-CHERUBIM (_die Augen aufschlagend, feierlich_). Die Erde rollt in ihren
-Sphären!--Pause.
-
-GOTT VATER (_wie oben_). Ist die Sonne schon aufgegangen?--
-
-CHERUBIM (_zögernd_). Die Sonne steht, heiligster Vater!
-
-GOTT VATER (_ruhig, unbekümmert_). _Steht_ die Sonne?--Ach so, ich hab'
-vergessen.--Ich sehe sie ja fast nicht mehr!--
-
-CHERUBIM. Was machen Deine Augen, ehrwürdiger Vater!--
-
-GOTT VATER. Schlecht!--Schlecht!--Gott, ich bin alt geworden!--
-
-CHERUBIM (_feierlich_). Vor Dir sind tausend Jahre wie ein Tag!--
-
-GOTT VATER. Ja, ja; aber schließlich gehen die auch herum!
-
-CHERUBIM. Du wirst wieder besser werden, göttlicher Greis!
-
-GOTT VATER. Nein, ich werde nicht wieder besser werden! Ausbrechend.
-Gott, ist das schrecklich, alt zu sein!--Gott, wie ist das schrecklich,
-als Alter auch noch ewig leben zu müssen!--Gräßlich, ein blinder Gott
-zu sein!
-
-CHERUBIM. Du wirst wieder sehend werden, göttlichster, heiligster
-Vater!--
-
-GOTT VATER (_bestimmt_). Nein, ich werde nicht wieder sehend
-werden!--Ich werde immer älter, zerbrechlicher und elender! Gott, wenn
-ich sterben könnte!
-
-CHERUBIM (_sanft_). Du wirst nicht sterben!--Du kannst nicht
-sterben!--Du sollst nicht sterben!--
-
-GOTT VATER (_gerührt, leise weinend_). ... Ach, meine Glieder, sie sind
-gekrümmt, verschwollen, wassersüchtig, kontrakt, verdorben.... Streicht
-die Knie hinab.
-
-CHERUBIM (_rutscht ganz nahe zu ihm hin, legt seinen Kopf auf das
-eine Knie und streichelt mit der Hand das andere; leise wimmernd, mit
-tiefer Teilnahme, den Alten kindlich imitierend_). Deine Glieder sind
-gekrümmt,--sind geschwollen,--sind wassersüchtig,--sind kontrakt,--sind
-verdorben.... Ach!--Ach!--
-
-GOTT VATER (_intensiver weinend_). Meine Füße sind vergichtet,
-verknorpelt, brennend vor Schmerzen, zuckend und zerrissen....
-
-CHERUBIM (_rutscht hinunter auf die Füße des Alten, liebkost sie,
-und jammert_). Deine Füße sind vergichtet,--sind verknorpelt,--sind
-brennend vor Schmerzen,--zucken und sind zerrissen.... Ach!--Ach!--
-
-GOTT VATER (_bricht in heftiges, schmerzhaftes Schluchzen aus_).
-Ach!--Ach!-
-
-CHERUBIM (_stürzt sich ganz zu Boden und umschlingt beide Füße, sein
-Gesicht in denselben schluchzend verbergend_). Ach, mein Gott! Mein
-Gott!--
-
-GOTT VATER (_will sich gerührt vorbeugen, streckt beide Arme nach dem
-Knaben aus, kann ihn aber nicht erreichen, während dicke Tränen auf den
-Kopf des Cherubim herabtropfen_.)
-
-CHERUBIM (_dessen gewahr, schnellt empor und bringt sich, in
-halb-kniender Stellung den Körper des Alten umschließend, ihm
-entgegen._)
-
-GOTT VATER (_ergreift in heftiger Leidenschaft den Kopf des Knaben mit
-beiden Händen, drückt sein naß-verschwommenes Gesicht an dessen Wangen,
-und küßt, von Schluchzen unterbrochen, brünstig dessen Stirne, Augen,
-Haare. Beide, in Tränen aufgelöst, ruhen, während der heftige Ausbruch
-des Alten zu versiegen beginnt, in stummer Umarmung aneinander.--In
-diesem Augenblick klopft es draußen_.)
-
-CHERUBIM (_fährt empor_). Es ist jemand draußen!
-
-GOTT VATER (_müd_). Sieh, wer es ist!
-
-CHERUBIM _nachdem er sich an der Thüre flüsternd erkundigt, kommt
-zurück. Ein geflügelter Bote ist draußen, der will Dir Nachricht
-bringen; er thut sehr eilig_.
-
-GOTT VATER (_gleichgültig_). Laß ihn herein!--
-
-
-
-
-Vierte Szene
-
-
-[_Die Vorigen; ein gefittichter, auch an den Füßen geflügelter Bote von
-reiferem Charakter kommt in Begleitung zweier Engel in großer Erregung
-herein._]
-
-BOTE (_sinkt in den Staub und küßt den Boden; richtet sich dann kniend
-auf_). Herr, ich komme aus Italien; aus Neapel; Gräßliches muß ich
-Dir berichten; der Pfuhl der Sünde stinkt bis da herauf; alle Bande
-der Sittlichkeit sind gelöst; man hohnlacht Deiner heiligen, am Berge
-Sinai von Dir selbst gegebenen Gebote; die Stadt, vom Franzosenkönig
-belagert, ergibt sich den entsetzlichsten Greueln; Weiber laufen mit
-entblößtem Busen frech-lüstern durch die Straßen; die Männer funkeln
-wie Böcke; ein Laster folgt dem andern; das Meer brandet bis in ihre
-Gassen; die Sonne hat sich schon verdunkelt; aber sie achten weder
-irdischer noch himmlischer Zeichen; die Unterschiede der Stände sind
-aufgehoben; der König bricht ins Lupanar; und der Facchino dringt zu
-den feilen königlichen Metzen in den Palast; Hunde und Spielhähne
-haben ihre Brunstzeit, aber die Neapolitaner sind das ganze Jahr
-Tiere; die ganze Stadt ein kochender Kessel der Leidenschaft; Italien
-ist das liebes-wahnwitzigste unter den Völkern Europas; aber Neapel
-ist in Italien, was Italien unter den Völkern; die Belagerung hat den
-Rausch der Geschlechter bis zum Wahnsinn gesteigert; kein Alter wird
-geschont, keiner Jugend sich erbarmt; Zeugungs-Glieder in unermeßlicher
-Größe werden als Gottheiten in festlichem Aufzug durch die Straßen
-geführt, von Reigen junger Mädchen begleitet, und wie allmächtige Idole
-angebetet. Und in Deiner Kirche sah ich den Priester vor dem Altar mit
-einer feilen Dirne....
-
-GOTT VATER (_der den Gang der Erzählung mit wachsendem Erstaunen
-zugehört, erhebt sich, seines Zornes nicht mehr mächtig, mit äußerster
-Kraft-Anstrengung vom Thron, und reckt die geballte Faust_). Ich will
-sie zerschmettern!--(_Alles stürzt zu Boden und verbirgt das Antlitz_).
-
-CHERUBIM (_mit flehender Geberde_). Thu' das nicht, lieber heiliger
-Vater;-- -- -- Du hast ja sonst keine Menschen mehr!--
-
-GOTT VATER (_der den Cherubim lange mit offenem Munde angestarrt, sich
-besinnend, zusammenknickend_). Ja, so,--richtig,--ich hab' vergessen;
-(_vollends auf den Thron zurücksinkend_). das Erschaffen ist ja
-vorbei;--ich bin zu alt;--und meine Kinder können es nicht.--
-
-CHERUBIM (_naiv_). Beruhige Dich, göttlicher Greis!--Du wirst Dein
-drohendes Gesicht aus den Wolken zeigen und den Neapolitanern eine
-Zornes-Rede halten; sie werden dann schaudern.
-
-GOTT VATER. Sie werden nicht schaudern!--Sie verlachen mich ja!--Sie
-wissen, daß ich nur reden kann. Sie wissen, daß sie da unten unter
-sich sind; freien, lieben und hassen können, und mich nicht mehr
-brauchen.--(_Auffahrend_). Aber Du (_zum Boten_) rufe mir meine Tochter, die
-allerseligste Jungfrau,--und auch meinen Sohn magst Du rufen,--und
-die Cherubim und Würgengel mögen sich für meinen göttlichen Befehl
-bereit halten;--und auch dem Teufel laß ich vermelden, er möge sich zu
-mir bemühen: wir wollen ein Konzil halten, und beraten, was in dieser
-gräßlichen Sache zu tun ist.
-
-
-BOTE _und alle_ ÜBRIGEN ENGEL _bis auf den_ CHERUBIM _unter großem
-Geräusch ab._--Der CHERUBIM _bemüht sich um den erschöpften Alten,
-bettet ihn aufs neue auf den Thron, rückt Fußschemel und Wärmeflasche
-zurecht, knüpft ihm das Foulard, wischt ihm Gesicht und Bart ab, und
-schmiegt sich zuletzt zu seinen Füßen, während der Alte dessen Hand
-ergreift und in der seinen ruhen läßt._--STUMME SZENE.
-
-
-
-
-Fünfte Szene
-
-
-DIE VORIGEN. MARIA, _von einer Schar jugendlich amorettenhaft
-gekleideter Engel, die ihr vorauseilen und ihr Blumen streuen, sowie
-von erwachsenen Engels-Knaben, die Lilienstengel tragen, gefolgt und
-begleitet, kommt in hochmütig-stolzer Haltung, eine kleine Krone
-auf dem Haupte, in einem blauen, sternbesäten Kleid, welches vorne
-das weiß-seidene Untergewand erblicken läßt, durch die Haupt-Thüre
-herein, macht in Front von Gott Vater, von dessen Thrones-Stufen
-sich der Cherubim inzwischen zurückgezogen, eine steife, hofmäßige
-Verbeugung und begibt sich dann auf einen zweiten, in der Zwischenzeit
-von dienstbaren Engeln, etwas entfernt von Gott Vater, ebenfalls
-an der Wand zurechtgerichteten Thron, der, mit hoher Rücklehne, im
-Stile sich der Zeit der Minnesänger anpaßt. Sie verweilt dort während
-des Folgenden, von ihrem Engels-Chor umgeben, ausschließlich mit
-Herrichtung ihrer Toilette, Benutzung eines kleinen Spiegels sowie
-Selbst-Besprengung mit wohlriechenden Wässern, beschäftigt.--Ein
-weiches Geflüster schalkhafter, augenschmeißender Amoretten macht
-sich um ihn vernehmbar.--Währenddem unterhalten sich auf der
-entgegengesetzten Seite, links im Vordergrund, die drei aus der ersten
-Szene bekannten_ ENGEL.
-
-
-ERSTER ENGEL. DER MANN kommt.
-
-ZWEITER ENGEL (_in die Hände patschend_). Der Mann, der Mann kommt.
-
-DRITTER ENGEL (_aufhorchend ernsthaft_). Der Mann? Wer ist der Mann?--
-
-ZWEITER ENGEL. Ach, der Mann--Du kleines Äffchen--das ist der Mann!
-
-ERSTER ENGEL (_belehrend_). Das ist der schönste, der zarteste, der
-zuckrigste Mann; der einzige Mann im Himmel; das ist der Mann.
-
-DRITTER ENGEL (_neugierig_). Ist er jung?
-
-ERSTER ENGEL. Wie eine Palme.
-
-DRITTER ENGEL (_nach einigem Besinnen_). Ist er jünger wie der alte
-Mann dort?
-
-ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_sich gegenseitig ins Wort fallend_).
-Hunderttausendmal jünger!
-
-DRITTER ENGEL (_nach weiterem Besinnen_). Ist er jünger wie die schöne
-Frau dort?
-
-ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_wie oben_). Tausendmal, tausendmal jünger!
-
-DRITTER ENGEL (_wieder besinnend_). Ist er jünger wie der garstige alte
-Mann drunten auf der Erde?
-
-ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_wie oben_). Unendlich oftmal viel jünger!
-
-DRITTER ENGEL (_sich erwärmend_). Ist er schön?
-
-ZWEITER ENGEL. Weiß wie Elfenbein!
-
-DRITTER ENGEL. Ist er schlank?
-
-ERSTER ENGEL. Wie eine Tanne!
-
-DRITTER ENGEL. Was hat er für Augen?
-
-ZWEITER ENGEL. Wie eine Gazelle!
-
-DRITTER ENGEL. Wie spricht er?
-
-ERSTER ENGEL (_besinnend_). Wie eine Aeolsharfe--Aber traurig, traurig!
-
-DRITTER ENGEL (_teilnahmsvoll_). Warum ist er traurig, der Mann?
-
-ZWEITER ENGEL. Er ist ja verwundet!
-
-DRITTER ENGEL (_stumm-verwundert fragend_).
-
-ERSTER ENGEL. Sie haben ihn ja in die Hände gestochen!
-
-ZWEITER ENGEL. Und durch die Füße!
-
-ERSTER ENGEL. Und in die Seite hinein!
-
-ZWEITER ENGEL. Und von der Stirn unter den Haaren herab fließen
-Blutstropfen!
-
-DRITTER ENGEL (_der mit wachsender Bewunderung zugehört_). Aber er lebt?
-
-ERSTER UND ZWEITER ENGEL. Er lebt!
-
-_Man hört draußen das Sich-Nahen eines Zuges. Eine Schar junger,
-mädchenhafter Engel stürzt voraus._
-
-ERSTER UND ZWEITER ENGEL. Der Mann kommt!
-
-DRITTER ENGEL (_leise repetierend_). Der Mann kommt. (_Sie Treten etwas
-zurück, um Platz zu machen_.)
-
-DIE VORAUSEILENDEN ENGEL (_zwitschernd, kichernd_). Der Mann! Der Mann!
-
-_Christus, mit gestreckten, nach vorn übereinandergeschlagenen Armen
-(Ecce-homo-Stellung), kommt im weißen Talar mit übergeschlagenem
-Purpur-Mantel, als König der Juden, gesenkten Kopfes und mit
-tief-trauriger Miene skandierten Schrittes herein, umgeben von meist
-älteren Engeln, die Kreuz- und Marterwerkzeuge tragen; in seinem
-Gefolge Apostel, Märtyrer, Maria Magdalena, Klageweiber. Er ist
-sehr jugendlich, blaß mit dunklen Haaren, leichtem Flaumbart, eine
-hoch aufgeschossene, ätherische Erscheinung; auch das Gefolge hat
-den Charakter tiefster Niedergeschlagenheit und Hinfälligkeit. Die
-jüngeren Engel drängen sich mit feurigen Blicken um ihn, suchen
-seinen Gewandsaum zu berühren. Er begibt sich, gleichgültig von Gott
-Vater beobachtet und gänzlich unbeachtet von Maria, selbst in seiner
-Passivität von niemandem Notiz nehmend, zu einem für ihn inzwischen
-aufgeschlagenen, etwas abseits von den andern stehenden Thron, der
-die primitive Gestalt eines jüdischen Lehrstuhls hat. Dort läßt er
-sich, seine Ecce-homo-Stellung beibehaltend, in großer Apathie nieder,
-während sich sein Gefolge um ihn gruppiert._
-
-_Nachdem alles sich versammelt und die Engels-Gruppen in der Front von
-den drei Thronen, wo sie den ganzen Vordergrund einnehmen, sich kniend
-niedergelassen._
-
-GOTT VATER (_feierlich mit tiefem Pathos_). Sind Wir alle versammelt?--
-
-_Im nächsten Augenblick fährt ein feuriger Streifen pfeifend wie eine
-Rakete oben am Gewölbe quer durch den Saal, in der Ferne klirrend
-verhallend: der Heilige Geist.--Alles blickt mit feierlicher Geste, die
-Engel die Hände auseinanderspreitend, nach oben; nur Maria schaut, den
-Kopf nachlässig auf die linke Thronlehne gestützt, gleichgültig vor
-sich hin; während Christus, die Arme über der Brust kreuzend, das Haupt
-noch tiefer senkt und so längere Zeit in tiefer Zerknirschung verweilt._
-
-GOTT VATER (_nach einer Pause, während der alle in die frühere Stellung
-zurückkehren_). Wir haben Euch hieher berufen, um Euren Rat in einer
-schweren, entsetzlichen Sache zu vernehmen.--Die Menschen haben sich,
-meine Gebote mißachtend, in götzendienerischer, selbst-zerstörender
-Weise den schrecklichsten Ausschweifungen, den fürchterlichsten Greueln
-hingegeben. In einer Stadt--in Asien--in--in--wo war es nur gleich?...
-
-CHERUBIM (_in nächster Nähe von Gott Vater mit emporgefalteten
-Händen_). In Neapel, heiligster Vater.--
-
-GOTT VATER (_sich erinnernd_). In Neapel haben sie unter gänzlicher
-Verschiebung der die Scham garantierenden Kleider sich wie Tiere,
-mit rücksichtsloser Verachtung der für die fleischlichen Instinkte
-gesetzten Schranken und Vorbehalte, vermischt, und so den göttlichen
-Zorn....
-
-MARIA (_einfallend, leichthin_). Ach ja, ich hab' davon gehört.
-
-GOTT VATER (_erstaunt aufhorchend_). Wie? Was ist das?
-
-MARIA (_wie oben_). Ja, ich kenne die Affäre. Der Bote war zuerst bei
-mir ... (hält sich plötzlich den Mund zu, als wolle sie's zurücknehmen).
-
-GOTT VATER (_blaß vor Zorn, will auffahren, sucht den Boten unter den
-Versammelten, blickt dann wieder schnaubend zu Maria hinüber_).
-
-CHERUBIM (_mit stummer Geberde, bittet den Alten, sich zu bemeistern
-und hält unverwandt in seinem Bitten an_).
-
-GOTT VATER (_schluckt es hinunter, bitter_). ... Dann seid Ihr alle
-orientiert. Kämpft noch längere Zeit mit seiner Erregung.--Die
-schrecklichste Strafe haben Wir bei Uns beschlossen....
-
-MARIA (_dazwischenfahrend_). Das Gesindel wird nie besser.
-
-CHRISTUS (_blickt matt auf, mit schwindsüchtiger Stimme und gläsernem
-Aug', nachlallend_). Nein,--das--Gesindel wird nie besser.
-
-DIE ENGEL (_unter sich, sich anstoßend_). Der Mann! Der Mann!--
-
-MARIA MAGDALENA (_bitter_). Was haben sie denn getan?
-
-MARIA (_kurz_). Ich sag' Dir's nachher! Koschonerien, wie gewöhnlich.
-
-GOTT VATER (_erbost_). Wir wollen sie verderben!
-
-CHRISTUS (_wie oben_). Ja, ja,--wir wollen sie verderben!
-
-CHORUS DER APOSTEL, MÄRTYRER, ENGEL (_bedauernd_). Ah!--Ah!--
-
-CHRISTUS (_nicht orientiert_). Hä?
-
-MARIA (_kurz, imperatorisch_). Nein, nein! Das geht nicht! Wir müssen
-sie doch haben.
-
-CHRISTUS (_nachsprechend_). Ja,--ja,--wir müssen sie haben.
-
-GOTT VATER (_sich in der Minorität fühlend, zornig_). Müssen wir sie
-haben?--Ich will sie ausrotten, diese Scheusale.--Will--will--will
-wieder eine schöne Erde haben mit Tieren im Walde....
-
-MARIA (_spöttisch_). Wenn wir Tiere haben, müssen wir Menschen auch
-haben.
-
-MARIA MAGDALENA (_teilnahmsvoll_). Die Sünde dient zur Läuterung.
-
-GOTT VATER. Sie fressen die Sünde wie süßen Kuchen, bis sie platzen,
-bis sie faulen.
-
-MARIA (_trocken_). Die Begattung müssen wir ihnen schließlich
-lassen.--Ein Stückchen Wollust muß man ihnen gönnen--sonst hängen sie
-sich am nächsten Baum auf. (_Der Alte schaut immer zorniger, sprühender
-herüber_.) Bei der Nacht! Bei der Nacht!--Im Frühjahr!--Zu gewissen
-Zeiten!--Wenn der Mond scheint!--Mit Maß und Ziel!...
-
-GOTT VATER (_immer zorniger_). Ich will sie erschlagen wie zwei
-geile Hunde--in ihrem schönsten Rausch!... (_Große Bewegung in der
-Versammlung. Die jüngeren Engel blicken sich staunend an._)
-
-MARIA (_trocken_). Wer macht dann die Menschen?
-
-_Während die Apostel sich eifrig unterhalten und eine peinliche
-Empfindung durch den ganzen Saal geht, starrt der Alte mit glühendem
-Kopfe schwer keuchend vor sich hin; er wird immer dunkler im Gesicht,
-kollert und rasselt; ein Erstickungsanfall scheint im Anzuge zu
-sein; er fuchtelt mit den Armen herum; wirft Decken und Krücken von
-sich; stöhnt und brüllt; man eilt ihm zu Hilfe; bringt Spuckschale,
-Flaschen und ätherische Flüssigkeit; Maria ist besorgt aufgesprungen;
-Christus, vor Schwäche sitzen bleibend, blickt mit lechzenden, glasigen
-Augen herüber; große Verwirrung. Der Alte weist aber alle Hilfe und
-Unterstützung mit wilder Gebärde von sich, nimmt alle Kraft zusammen
-und brüllt mit furchtbarer Anstrengung._
-
-GOTT VATER. Ich will sie zerschmeißen--zertreten--im Mörser meines
-Zornes--zerschmettern. (_ist im Begriffe, sich zu erheben und zu
-einem allmächtigen, unwiderruflichen, mit der Tat identischen Schlag
-auszuholen_).
-
-CHERUBIM (_stürzt in diesem Moment hervor, wirft sich vor dem Alten
-hin, mit flehender Stimme_). Heiligster, göttlichster Vater, morgen ist
-Ostern!--Drunten essen sie das Passah-Mahl!
-
-CHOR DER APOSTEL, MÄRTYRER, ÄLTEREN ENGEL (_einfallend_). Sie essen das
-Passah-Mahl.
-
-GOTT VATER (_der innegehalten_). Was essen sie?--
-
-CHERUBIM UND DIE ANDERN. Sie essen das Passah-Mahl!
-
-GOTT VATER (_blickt verwundert um sich_). Das Passah-Mahl essen sie?
-
-CHOR DER APOSTEL. Sie essen das Osterlamm!
-
-CHERUBIM. Sie essen das Abendmahl?
-
-GOTT VATER (_sich besinnend_). Das Abendmahl?
-
-CHERUBIM. Sie essen das Fleisch und Blut Christi!
-
-GOTT VATER (_etwas wärmer_). Mein Sohn, sie essen Dich!
-
-CHRISTUS (_mit matter Stimme_). Ja, sie essen mich.
-
-MARIA (_mit gemachter Zärtlichkeit_). Mein lieber Sohn, den ich in
-meinem Leibe getragen habe!
-
-CHRISTUS (_kindlich_). Den Du in Deinem Leibe getragen hast.
-
-GOTT VATER (_mechanisch_). Den sie in ihrem Leibe getragen hat.
-
-DIE JÜNGEREN ENGEL (_unter sich flüsternd_). Der Mann!--Der Mann!--
-
-MARIA (_wie oben_). Dich essen sie!
-
-CHRISTUS (_wie oben_). Mich essen sie.
-
-GOTT VATER (_wie oben_). Ihn essen sie.
-
-CHRISTUS (_auffahrend_). Ja, und trotzdem werden Wir da heroben immer
-elender und schwächer!--Es ist entsetzlich! Hüstelt. Mich essen sie,
-und werden wieder gesund und sündenfrei. Und Wir gehen immer mehr zu
-Grund. Erst fressen sie sich drunten mit Sünden voll, bis zum Platzen,
-und dann genießen sie mich, und gedeihen, und werden sündenfrei, und
-dick und fett; und Wir werden mager und elend. Ah! diese vermaledeite
-Rolle! Ich möchte einmal den Spieß umkehren und mich satt essen, und
-sie darben lassen! (_Bricht in einen schwindsüchtigen Husten aus_).
-
-MARIA (_aufspringend und zu ihm hineilend, besorgt_). Mein Gott, mein
-Sohn, vergiß nicht, Du bist unverletzlich, göttlich, unaufzehrbar, in
-alle Ewigkeit derselbe! Legt sein Haupt an ihre Brust und liebkost ihn.
-
-CHRISTUS (_schluchzt heftig an der Brust Marias_).
-
-DIE JÜNGEREN ENGEL (_unter sich flüsternd_). Der Mann! Der Mann!
-
-GOTT VATER (_nach einer Pause, viel ruhiger geworden, zu Cherubim_).
-Wer feiert denn da drunten jetzt alles Passah-Mahl?
-
-CHERUBIM (_einfallend_). Die Christen, heiliger Vater. Deine Gläubigen,
-göttlicher Meister; Deine Kinder, die auf Dich hoffen; die Frommen,
-die Katholischen, die alleinseligmachende Kirche, Deine Priester, die
-Bischöfe, der Papst!
-
-GOTT VATER (_gernglaubend, freundlich_). So!--Das wollen Wir doch
-einmal ansehen!
-
-MARIA (_glücklich, daß ein Ausweg gefunden_). Ja, das wollen wir uns
-einmal ansehen! Zu Christus. Komm, mein Sohn, wir wollen uns das einmal
-ansehen, das wird Dich zerstreuen!
-
-_Große Erleichterung in der ganzen Versammlung; die kompakten
-Gruppen lösen sich auf; jüngere Engel verlassen den Saal; dienstbare
-Geister machen sich an den Thronen zu schaffen, um alles wieder in
-prächtige, geschmückte Ordnung zu bringen; alles medizinische Gerät
-wird entfernt; dafür werden eigentümliche große Dreifüße während des
-Folgenden hereingebracht; die Gruppen der Apostel, Märtyrer, Engel,
-Barmherzigen Schwestern entfernen sich in feierlicher Ordnung; so daß
-zuletzt nur die drei Gottheiten, der Cherubim und einige ältere Engel
-zurückbleiben._
-
-GOTT VATER (_der bequem auf seinem Thron in halbliegender Stellung
-gebettet ist, in tief-sonorem, feierlichem Ton_). Bringt Uns die
-Räucherbecken und Kohlenpfannen und erzeuget in Uns Allwissenheit und
-Allgegenwärtigkeit!--
-
-_Die Dreifüße werden in die Mitte des Saales gestellt, mit einer
-braunen Droge, gemischt mit Sandelholz, beschickt, und dann angezündet;
-die Thüren werden geschlossen; die dienstbaren Engel entfernen sich,
-als letzter der Cherubim. Man sieht die drei Gottheiten, während
-sich die Dampfwolken verbreiten, langsam zurücksinken und die Augen
-schließen. Während dem fällt der Vorhang._
-
-
-
-
-Zweiter Aufzug[1]
-
-
-
-Erste Szene
-
-
-Ein Prunksaal im päpstlichen Palast in Rom, den im Hintergrunde
-Arkaden mit darüber befindlicher Galerie im Rundbogenstil abschließen;
-der Saal ist rückwärts als an die Privatkapelle des Papstes stoßend
-gedacht, mit der eine Kommunikation von der hohen Galerie aus durch
-Öffnen der daselbst befindlichen Fenster möglich ist, derart, daß die
-Galerie mit dem Sänger-Chor der Kapelle etwa in gleicher Höhe liegend
-ist.--Die ganze linke Seite (von der Bühne aus) nehmen der Papst mit
-seiner Familie, der päpstliche Hofstaat und die tafelnden Gäste ein,
-wo reich-besetzte Tische mit kostbarem Service und hellen, auffallend
-hohen, dreiarmigen Kandelabern zu sehen sind. Die ganze Mitte und
-rechte Seite, mit Ausnahme einiger zu äußerst rechts sich bildender
-unterhaltender Gruppen, bleibt frei für die späteren Evolutionen
-und Maskeraden.--Es ist gegen Abend und der erste Ostertag 1495;
-die Speisen werden eben abgetragen. Der Papst ist in dem bequemen,
-wenig auffälligen Kostüm eines Hausprälaten (violett mit Sammet)
-gekleidet und trägt ein rundes Sammetkäppchen; alle übrigen in reichen
-Kostümen.--Glänzende Dienerschaft; fortwährendes Hin- und Hergehen;
-rege Unterhaltung; wiederholtes Gelächter; im Hintergrund unter den
-Arkaden eine Musik; die Galerie mit Zuschauern, Leuten aus dem Volk
-besetzt; die Gruppen im Saal bilden sich, tauschen Neuigkeiten aus, und
-zerstreuen sich wieder.--Außer dem Papst (RODRIGO BORGIA, Alexander
-VI.), einem Sechziger, seine neun Kinder GIROLAMA, ISABELLA, PIER
-LUIGI, DON GIOVANNI (Graf von Celano), CESARE, DON GIOFFRE, LUCREZIA,
-fünfzehnjährig, blond, heiter und kindlich, LAURA und DON GIOVANNI
-BORGIA, ein Knabe; seine Schwiegertöchter und Schwiegersöhne, darunter
-DONNA SANCIA, Gemahlin Don Gioffres; seine Neffen und Verwandten,
-darunter COLLERANDO BORGIA, Almosenier, Bischof von Coria und Monreale,
-FRANCESCO BORGIA, Erzbischof von Cosenza, Schatzmeister des Papstes,
-LUIGI PIETRO BORGIA, Kardinal-Diakon von Santa Maria, RODRIGO BORGIA,
-Kapitän der päpstlichen Garde; seine Vertrauten, darunter GIOVANNI
-LOPEZ, Bischof von Perugia, PIETRO CARANZA, Geheimkämmerer, GIOVANNI
-VERA DA ERCILLA und REMOLINA DA ILERDA, Mitglieder des heiligen
-Kollegiums, JUAN MARADES, Bischof von Toul, Geheimer Intendant; des
-Papstes zwei Mätressen, die frühere, VANOZZA, 53 jährig; die jetzige,
-JULIA FARNESE, 21 jährig; diese mit ihrem Gemahl ORSINI und ihrem
-Bruder, dem Kardinal ALESSANDRO FARNESE; seine Vertraute ADRIANA
-MILA, Erzieherin seiner Kinder; BURCARD, Zeremonienmeister des
-Papstes; Erzbischöfe, Bischöfe, Kardinäle, päpstliche Würdenträger,
-römische Damen, Soldaten und Dienerschaft, Leute aus dem Volke, später
-Courtisanen und Schauspieler.
-
-
-DON GIOFFRE. Hat dieser Spanier heute nicht wieder langweilig gepredigt?
-
-DER PAPST. Schrecklich, es war nicht zum Anhören.
-
-DONNA SANCIA (_zu Lucrezia_). Ich habe Dir immer Zeichen
-hinübergemacht, aber Du hast mich nicht verstanden.
-
-LUCREZIA (_schläfrig_). Ach, Pietro hat mich doch immer mit dem Fuß
-gestoßen.
-
-DON GIOFFRE. Der Spanier hat Seine Heiligkeit auch nicht verstanden; er
-predigte immer zu; und Seine Heiligkeit gaben doch deutliche Zeichen
-der Unzufriedenheit.
-
-DER PAPST. Er kommt aus Valencia; die Kerle sind dort so bocksteif;
-wenn Einer anfängt, hört er nimmer auf; jede Empfindung wird eine
-Rakete, jedes Wort ein Knüppel. (Gelächter).
-
-FRANCESCO BORGIA, der Bischof. Aber ehrlich Mühe hat er sich gegeben.
-
-DER PAPST. Ehrlichkeit ist immer eine Ungeschicklichkeit.
-
-DON GIOFFRE. Und das Volk glotzte herauf, wie mit Geisteraugen, wütend,
-besessen, verschlingend.
-
-DON GIOVANNI. Weil Donna Sancia immer wisperte und kicherte.
-
-DONNA SANCIA. Nein, weil Lucrezia immer Confetti aß.
-
-LUCREZIA. Nein, weil Laura eingeschlafen war und schnarchte.
-
-DON GIOFFRE. Ich glaube die Perlen der schönen Farnese stachen ihm in
-die Augen.
-
-FRANCESCO BORGIA, der Bischof. Konnte das Volk das alles sehen?
-
-LUCREZIA. Wir saßen doch alle oben im Chor, rechts und links vom Altar.
-
-DER PAPST. Nein, Kinder, das ist es nicht! Ihr dürft lachen und
-scherzen, Perlen tragen und Confetti essen. Aber ich sah einige
-_Dominikaner_ unter ihnen sitzen; es sind Florentiner von San Marco,
-Schüler des Savonarola, dieses Ruhestörers. Sie wiegeln mir das Volk
-auf, und schwatzen, und machen geisterhafte Augen....
-
-DON GIOFFRE. Warum, entfernt man die Tagediebe nicht?
-
-FRANCESCO BORGIA. Sie sind in Mission hier. Sie konferieren mit ihrem
-General.
-
-DON GIOVANNI. Oho, sind wir hier auch schon so weit, daß man den Frauen
-Schmuck vom Körper reißt, auf einen Haufen wirft und verbrennt?
-
-DON GIOFFRE. Wird sich Eure Heiligkeit noch länger von dem Florentiner
-Narren Gesetze diktieren lassen?
-
-DER PAPST (_zwinkernd_). Wir luden ihn ein.--Er kommt nicht.
-
-DON GIOVANNI. Wie, er weigert den Gehorsam?
-
-DER PAPST. Der Medizäer schützt ihn.--Lorenzo ist bußfertig geworden,
-er fragt täglich bei Savonarola an, ob er noch Aussicht habe, in den
-Himmel zu kommen.
-
-LUCREZIA. Wer ist Savonarola, santo papa?
-
-DER PAPST. Er erlaubt Euch nicht, Confetti zu essen und Perlen zu
-tragen. (_Gelächter_.)
-
-DON GIOFFRE. Gibt es kein Mittel...? Haben wir kein Kirchengift mehr?
-
-CESARE (_finster, trocken_). Später!--
-
-_Eine Gruppe Edelleute zu äußerst rechts (von der Bühne aus)_.
-
-ERSTER EDELMANN (_flüsternd_). Ihr wißt, man fand heute nacht den
-Herzog von Bisaglie im Tiber?
-
-ZWEITER EDELMANN. Ja, er ist ertrunken.
-
-DRITTER EDELMANN. Ja, und mit drei schweren Wunden dazu!
-
-ERSTER EDELMANN. Er soll schwer betrunken nachts den Vatikan verlassen
-haben....
-
-DRITTER EDELMANN. Es ist gegenwärtig immer gefährlich, nachts den
-Vatikan zu verlassen, einerlei in welchem Zustand ... besonders, wenn
-man der Gemahl der schönen Lucrezia ist.
-
-ZWEITER EDELMANN. Ihr meint...?
-
-DRITTER EDELMANN. Ich meine, daß der Herzog von Bisaglie gestern abend
-in Gegenwart seiner Gemahlin Lucrezia und ihres Bruders Don Cesar
-erdrosselt wurde.--
-
-_Erster und zweiter Edelmann fahren auseinander_.
-
-ZWEITER EDELMANN. Aber die tiefen Wunden?
-
-DRITTER EDELMANN. Rühren von einem Überfall her, den vor vier Wochen
-eine Bande Maskierter auf ihn am Petersplatz machte, und von denen der
-Herzog die Unverschämtheit hatte, genesen zu wollen.
-
-_Beide erschrecken aufs neue_.
-
-ERSTER EDELMANN. Aber seht Lucrezia; sie ist heiter, wie am
-Hochzeitstag.
-
-DRITTER EDELMANN. Sie ist ein Kind! Seine Heiligkeit machte sie diesen
-Morgen zur Fürstin von Nepi und schickte ihr einen großen Korb mit
-Confetti.
-
-ZWEITER EDELMANN. Und weiß der Papst von dem Sachverhalt?
-
-DRITTER EDELMANN. Alexander VI. weiß nichts; Rodrigo Borgia weiß alles.
-
-ERSTER EDELMANN. Und was wird er tun?
-
-DRITTER EDELMANN. Er wird eine Seelenmesse für den in den Tiber
-gefallenen Herzog lesen, und den Fürsten von Ferrara benachrichtigen,
-daß Lucrezia frei ist.--
-
-_Vom Hintergrund her ertönt eine Tanzweise. Die drei Edelleute gehen
-auseinander. Man sieht im Hintergrunde Paare tanzen. Die Tafel ist
-inzwischen abgeräumt und hinausgetragen worden. Die ganze Gesellschaft
-setzt und lagert sich auf Taburetts und Kissen. Der Platz in der Mitte
-ist nun noch größer geworden. Die Gruppen bleiben nicht unbeweglich.
-Man steht auf, geht zu andern, plauscht, trinkt und nippt von den
-dargebotenen Süßigkeiten, und kehrt auf seinen Platz zurück. Von den
-tanzenden Paaren haben inzwischen einige pausiert. Einige der Damen
-kommen erhitzt und glühend nach vorn. Der Papst nimmt einem der Diener
-einen Korb Confetti ab und wirft von denselben den Damen in den Busen.
-Heiteres Gelächter unten und von der Galerie herab. Das Musikstück hat
-aufgehört._
-
-DER PAPST. Wo stecken unsere Buffoni!--Laßt sie herein!--Und Wir, Wir
-lassen uns hier nieder Nach links weisend, wo die Plätze sich befinden;
-zu Lucrezia. Komm, mein Kindchen!
-
-_Pulcinello tritt auf mit Colombina und seinem Gefolge. Sie führen ein
-mimisches Spiel auf. Pulcinello im weißen Puderkostüm mit Ledergurt,
-Halskrause, Tüten-Mütze und schwarzer Halbmaske, die Pritsche in der
-Hand, apostrophiert erst mit tiefen Verbeugungen, Grimassierungen
-und Verdrehungen das Publikum; währenddem sucht er sich plötzlich zu
-erdrosseln, hält die Hände so, als wenn es fremde wären, ächzt und
-stöhnt und will sterben. Colombina kommt von hinten vor, erschrickt
-scheinbar, kann es nicht sehen und hält die Hände vors Gesicht. Der
-Papst versteht die Anspielung und droht mit dem Finger. Darauf lassen
-sie ab, und das eigentliche Spiel beginnt in dem Sinne, daß Colombina,
-die junge Frau des alten Pantalone, von Pulcinello entführt und der
-Ehemann betrogen wird. Wiederholtes Gelächter während des Spiels und
-lebhafte Unterhaltung._
-
-DER PAPST (_während des Spiels zu Lucrezia, die zu seinen Füßen auf
-einem Kissen Platz genommen, schmeichelnd_). Mein Herzchen, Du hättest
-eigentlich heute einen Trauertag; Dein schöner Herzog ist so plötzlich
-gestorben.
-
-LUCREZIA (_kindlich_). Ach ja, er ist in den Tiber gefallen.
-
-DER PAPST (_bedauernd_). Du hast ihn wohl gern gehabt?
-
-LUCREZIA (_wie oben_). Ach ja, recht sehr!
-
-DER PAPST. Sei nur zufrieden, wir haben schon wieder einen neuen für
-Dich!
-
-LUCREZIA (_lebhaft_). So schön wie mein Herzog?
-
-DER PAPST. Schöner noch, mein Kätzchen.
-
-_Während im Spiel Colombina und Pulcinello sich hinter Pantalone laut
-küssen, und dieser, sich plötzlich umkehrend, eine Ladung weißen Puders
-im Gesicht empfängt, und unbeholfen hin- und hertaumelt, was von allen
-Seiten mit lautem Gelächter begrüßt wird, tritt der Zeremonienmeister._
-
-BURCARD (_auf den Papst zu_). Eure Heiligkeit, die Vesper hat in der
-Kapelle begonnen; die Kirche ist gedrängt voll und das Volk erwartet am
-Ostertag Euren Segen!
-
-DER PAPST. Wir wollen das Spiel sehen; auch hat Uns der Tod Unseres
-lieben Schwiegersohns zu plötzlich erschüttert.--Man öffne (_auf die
-Galerie weisend_) dort die Fenster, und sage dem Volke, daß ich von der
-Loggia dort der Vesper beiwohne. Der Zeremonienmeister ab.
-
-_Gleich darauf sieht man oben die Fenster zwischen den Rundbögen
-der Galerie, wo das Volk steht, rückwärts vom Innern der Kirche aus
-sich öffnen, so daß man einen Einblick auf Fries, Gebälk, Statuen
-und angezündete Kronleuchter erhält.--Während dem nimmt das Spiel
-seinen Fortgang. Wie Pulcinello mit der Pritsche dem verwirrt hin- und
-herlaufenden Pantalone nacheilt und auf ihn losschlägt, und Colombina,
-sich versteckend, hinter Pulcinello drein eilt, hört man plötzlich
-aus den Fenstern über der Galerie in wehmütig-schmerzlichem Ton ein
-mehrstimmiges Graduale singen._
-
-CHOR. De profundis clamavi ad te Domine; Domine exaudi vocem meam;
-Fiant aures tuae intendentes in vocem deprecationis meae; Si
-iniquitates observaveris Domine, quis sustinebit? Speravit anima mea
-in Domino; A custodia matutina usque ad noctem; quia apud Dominum
-misericordia et copiosa apud eum redemptio. Et ipse rediniet nos ex
-omnibus iniquitatibus nostris[2].
-
-_Schon bei den ersten Tönen ist das Volk oben auf der Galerie scheu
-von den Fenstern zurückgewichen, und hat sich, sich bekreuzend, halb
-gegen das Innere der Kirche gewendet. Unten sieht man, mehr gegen den
-Hintergrund, einige Gesichter und verlegene Mienen. Aber der Papst
-mit seiner Familie bleibt heiter und das Spiel nimmt, wenn auch etwas
-gezwungen, seinen Fortgang._
-
-_Kurz nach dem Graduale geht auch das Spiel zu Ende. Der Papst gibt der
-Musik ein Zeichen, und diese beginnt ein neues Musikstück, zu dem im
-Hintergrund die Paare tanzen. Pulcinello und seine Truppe verabschieden
-sich unter tiefen und grotesken Bücklingen. Man wirft ihnen Goldstücke
-zu. Der Papst winkt Colombina zu sich hin, der er die Backen streichelt
-und ihr ein besonderes Geldgeschenk in die Hand drückt, worauf sie sich
-mit einem Handkuß verabschiedet._
-
-DER PAPST (_nachdem die Musik geendet, klatscht in die Hände_). Wo sind
-unsre Schönen?
-
-_Auf dies Zeichen öffnet sich im Hintergrund der Galerie ein Vorhang
-und zwölf Courtisanen von auserlesener Schönheit betreten, durch
-leichte, durchsichtige Gewänder verhüllt, den Saal, und nehmen rechts
-im Vordergrund Aufstellung; der Papst mit den Herren und Damen seiner
-Umgebung gehen auf sie zu, mustern sie, und bewillkommnen sie unter
-scherzenden Redensarten._
-
-DER PAPST (_nachdem er sie alle gemustert, erstaunt_). Wo ist die
-Pignaccia?[3]
-
-EINES DER MÄDCHEN nachdem (_erst alle verlegen geschwiegen_). Sie ist
-zu Karl[4] nach Neapel.
-
-DER PAPST. Wie? Geht Ihr auch zu Unsern Feinden über?
-
-_Der Papst mit seinem Gefolge zieht sich wieder nach links zurück, wo
-es sich, wie früher, auf Taburetts und Kissen gruppiert; Lucrezia auf
-dem Schoß ihres Vaters, von diesem geschmeichelt; Diener stellen die
-großen, dreiarmigen, helles Licht verbreitenden Kandelaber, die früher
-auf der Tafel stunden, in die Mitte des Saales auf den Boden. Auf ein
-Zeichen durch Klatschen in die Hände werfen die Mädchen die Gewänder
-ab; päpstliche Diener, hinter den Herrschaften stehend, werfen aus
-Körben über die Köpfe der Zuschauer hinweg Kastanien in die Mitte des
-Saales, auf die sich die Mädchen stürzen und sich um sie raufen. Helles
-Gelächter. Es bildet sich ein Kreis um die auf dem Boden kämpfenden
-Mädchen. Auch von der Galerie, wo sich inzwischen das Volk wieder
-zusammengedrängt hat, erschallt lautes Gelächter. Sobald eine Ration
-Kastanien aufgelesen ist, welche die Courtisanen nach rechts neben ihre
-Gewänder sorgfältig auf einen Haufen legen, werden neue Kastanien
-aufgeworfen und der gleiche Kampf beginnt von neuem.--Eines der
-Mädchen, dessen Haare alle aufgelöst sind, kommt einem der Kandelaber
-zu nahe und fängt Feuer. Der Papst springt auf--während Lucrezia zu
-Boden gleitet--und erstickt das Feuer mit seinen Gewändern._
-
-DER PAPST (_als sich zeigt, daß die Kleine keinen Schaden gelitten,
-züchtigt sie mit der Hand_). Diesmal, Du Schlingel, konntest Du die
-Reise ins Jenseits antreten! (_Lachen_).
-
-DIE COURTISANE. Du hättest mich im Fegfeuer nicht länger brennen lassen
-als hier, santo papa! Erneutes Gelächter, in das der Papst miteinstimmt.
-
-_Als die Kastanien alle verteilt, wird gezählt, und je nach der Zahl
-der gesammelten an die Mädchen Preise verteilt. Ein neues Musikstück
-beginnt, und die Diener reichen Erfrischungen. Laute Unterhaltung im
-ganzen Saal, vornehmlich über die Qualitäten der Mädchen._.
-
-_Als das Musikstück schweigt:_
-
-DER PAPST (_klatscht aufs neue in die Hände_). Jetzt laßt unsere
-Athleten herein.
-
-_Auf der andern Seite der Galerie treten von hinter einem Vorhang zwei
-nackte kräftige Männer ein, die zu den Mädchen geführt, sich an deren
-Anblick berauschen, um dann, auf ein weiteres Zeichen, den Zweikampf zu
-beginnen[5]. Alles drängt sich um das Schauspiel unter Aufmunterungen
-und Beifalls-Zeichen. Auch die Mädchen verfolgen mit allem Interesse
-den Kampf. Als der Sieger seinen Gegner unter lautem Beifall geworfen,
-tritt er auf die Courtisanen zu, wählt sich unter Scherzreden aller
-Anwesenden die Schönste und verläßt mit ihr den Saal. Der Unterlegene
-geht allein fort. Darauf betritt ein zweites Paar den Saal.--Die
-Aufregung unter den Zuschauenden steigert sich von Minute zu Minute.
-Beifallsworte und aufstachelnde Bemerkungen werden mit immer größerer
-Teilnahme und Leidenschaft dazwischen geworfen.--Als der fünfte seinen
-Gegner unter lautem Geschrei und Beifallsklatschen geworfen, und er
-eben seine Wahl trifft, ertönt in tiefernsten, tragischen Tönen vom
-Innern der Kirche der Schlußgesang der Vesper._
-
-
-VENI SANCTE SPIRITUS[6]
-
- Veni sancte Spiritus
- Et emitte coelitus
- Lucis tuae radium.
- Veni pater pauperum
- Veni dator munerum
- Veni lumen cordium.
- Sine tuo nomine Nihil
- est in homine,
- Nihil est innoxium.
- Lava quod est sordidum,
- Riga quod est aridum,
- Sana quod est saucium.
- O lux beatissima
- Reple cordis intima
- Tuorum fidelium.
-
-
-_Eine peinliche Stille ist nach den ersten Akkorden eingetreten.
-Das Volk auf der Galerie ist wieder entsetzt zurückgewichen, um den
-Platz vor den Fenstern freizumachen. Ein Teil der Anwesenden verläßt
-den Saal.--Indessen ist schon der sechste Kämpfer mit seinem Partner
-eingetreten. Der Papst gibt durch einen Wink den Befehl zur Fortsetzung
-des Spiels, an dem seine Familie und Vertrauten mit ärgerlichen Mienen
-über die eingetretene Störung teilnehmen, und das bis zum siebenten
-Kämpfer unter der Begleitung des Kirchengesangs seinen Fortgang
-nimmt.--Nach Schluß des letzteren wird die Stimmung wieder etwas wärmer
-und das Interesse reger. Der Kreis um die Kämpfenden schließt sich
-wieder. In der Kirche sieht man die Kronleuchter verlöschen und die
-Fenster von innen sich zumachen.--Das Spiel geht weiter._
-
-_Beim neunten Kämpfer stürzt ein Bote in den Saal und flüstert in
-erregter Weise mit den im Hintergrund Stehenden. Die Bewegung setzt
-sich nach vorne fort. Man hört Rufe: Was ist los?--Was gibt's?--_
-
-RODRIGO BORGIA (_Kapitän der päpstlichen Garde_). Der französische König,
-Eure Heiligkeit, ist, von Neapel zurückkehrend, im Anmarsch auf Rom und
-nur noch wenige Meilen entfernt.
-
-DER PAPST (_aufstürzend, erregt_). Zum Teufel!--Auf nach Orvieto!--Die
-Spanier und Katalanen sollen Uns begleiten!--Nehmt Unsere Kassen und
-Kostbarkeiten mit!--Die Damen sollen sich rüsten; auf Gepäck und
-Maultiere verzichten; wir reisen alle zu Pferd! Pallavicini bleibt als
-Gouverneur der Stadt mit einem Teil der Truppen zurück. Er empfange
-den König mit allen Ehren, aber drohe ihm in Unserem Namen, als einem
-ungehorsamen Sohn der Kirche, den Bannfluch an, wenn er länger als
-vierundzwanzig Stunden auf Unserem Gebiet verweilt.--Cesare übernimmt
-die Bedeckung Unseres Zuges.--Vergeßt die goldenen Meßgeräte nicht!
-Fort! Alles in großer Erregung ab.
-
-DIE MÄDCHEN (_ihre Gewänder anlegend, jauchzend_). Carlo kommt!--Carlo
-kommt!--
-
-(_Der Vorhang fällt._)
-
-
-[1] Burcardi, Zeremonienmeister Alexanders VI., "Diarium", nouvelle
-edition par Thuasne, 3 vols., Paris 1885.
-
-[2] Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir; Herr, höre meine Stimme; laß
-Deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens; So Du willst, Herr,
-Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Meine Seele wartet auf den
-Herrn von einer Morgenwache zur andern; Denn bei dem Herrn ist die
-Gnade, und viel Erlösung bei ihm; Er wird uns erlösen von allen unseren
-Sünden.
-
-[3] Eine berühmte Hetäre ihrer Zeit, die später hingerichtet wurde.
-
-[4] Karl VIII. von Frankreich, der kurz vorher Neapel eingenommen hatte.
-
-[5] Battaglie d'amore, Liebeskämpfe, hießen diese Schauspiele am Hofe
-Alexanders VI.
-
-[6] Komm, Heiliger Geist, und entsende himmelher den Strahl Deines
-Lichts. Komm, Vater der Armen, Geber der Güter, Erleuchter unserer
-Herzen. Ohne Deine Klarheit sind wir Menschen leer, nichtig und
-schuldbeladen. Wasche uns rein von Sünden; Erfrische die, die da
-vertrocknet sind; Und heile die Verwundeten. O göttliches Licht,
-erfülle die Herzen Deiner Frommen!
-
-
-
-
-Dritter Aufzug
-
-
-
-
-Erste Szene
-
-
-_Im Himmel; ein vertrauliches Kabinett in Blau. Interimsthron, einfach
-und bequem_. GOTT VATER, MARIA, CHRISTUS, der TEUFEL; _erstere drei
-auf ihren Stühlen; letzterer in schwarzem, enganliegenden Kostüm, sehr
-schlank, mit pointiertem Gesicht, ganz rasiert, mit verwitterten,
-abgelebten, gelb-verärgerten Zügen, in seinen Bewegungen an einen
-feineren Juden erinnernd, auf einen Fuß sich stützend, den andern
-aufziehend, vor ihnen aufrecht._
-
-GOTT VATER (_ernst und kurz_). Freund, Wir haben Dich rufen lassen.--Es
-handelt sich um einen speziellen Auftrag, der ... (_Stockt_)
-... besondere Geschicklichkeit erheischt;--ich weiß, Du denkst
-viel--(Teufel verbeugt sich).--könntest Du nicht ... (_Stockt_)
-... es handelt sich, ä ... ein Wesen, ä ... ein Ding, welches ...
-ä, ein Einfluß,--der imstande wäre,--die--Uns in ihrem Begehren
-anekelnde, gänzlich verwahrloste Menschheit--(_Teufel macht eine
-verständnis-innige, vornehm-bedauernde Bewegung_) ... ä, wieder
-auf den Pfad der Tugend ... ä, und der wahren Sittlichkeit ... in
-empfindlich-strafender Weise zurückzuführen, ... ä, so daß ... ä ...
-(_Zu Christus gewendet_). mein lieber Sohn, sag' Du's ihm;--Ich kann
-mit Worten nicht recht umgehn;--Ich habe immer nur gehandelt,--nie viel
-Worte gemacht.--
-
-CHRISTUS (_sich mühsam aufrichtend, nach einigem Besinnen, fließend._)
-Mein Herr!-- --Wir gedächten Ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen--in
-einer Sache,--die Ihnen ebenso großen Vorteil einbringen soll, wie
-uns selbst,--ich meine,--die Ihnen die Menschheit--hinsichtlich
-ihrer irdischen Sphäre keineswegs entfremden soll,--ich sage dies
-ausdrücklich, um jeden Verdacht bei Ihnen nach dieser Richtung
-hin gleich von vornherein zu zerstreuen--(_Teufel macht eine
-verbindlich-abwehrende Handbewegung, als sei ihm ähnliches nie in
-den Sinn gekommen._)--im Gegenteil, die--Ihnen diese Sphäre in noch
-ausgiebigerer Weise als bisher--unterwerfen soll:--es handelt sich um
-einen Kompromiß,--um ein Übereinkommen hinsichtlich der Verschiebung
-der Grenzen--unserer beiderseitigen, bisherigen Gewalten,--die keinem
-der beiden kontrahierenden Teile zu nahe treten soll,--und wobei Wir
-auf Ihre bewährte Geschicklichkeit, Ihren Scharfsinn, Ihren Takt,
-Ihr--versöhnliches Entgegenkommen, Ihre--Bildung,--Ihre--Ihre-- --
-(_fängt zu hüsteln an, wird kurzatmig, stöhnt und keucht, fällt
-röchelnd zurück, die Augen treten hervor, die Stirne wird schweißig, er
-bekommt einen asthmatischen Anfall_).
-
-MARIA (_herbeispringend, während der Teufel sehr vornehm eine
-reservierte Verlegenheit heuchelt_.) Schon Dich, mein Sohn,--Du
-sollst nie reden,--Du wirst schlechter,--Du bist leidend, (zum Teufel
-gewendet, verbindlich), mein lieber Freund, wir bedürfen Deiner
-Hilfe,--es ist ja nicht nötig, daß man erfährt, daß Du es bist, der
-die Sache inszeniert (der Teufel macht eine abwehrend-beruhigende
-Bewegung).--bitte, steh' uns bei,--es soll Dein Schade nicht sein
-Zwinkert ihn an.--Du verstehst Winkt gegen Gott Vater ab, in dem
-Sinne, daß dieser taub, alt und gebrechlich, und ihr nichts in den
-Weg lege--(der Teufel verbeugt sich).--es handelt sich in Kürze um
-folgendes: Durch eine unglückliche Einflüsterung (zeigt auf den Alten
-hin) bewogen, wohnten wir einer Szene im päpstlichen Palast zu Rom bei,
-in den Gemächern des Papstes ... wie heißt er gleich....
-
-TEUFEL (_verbindend einfallend_). Ah, Alexander, der Sechste seines
-Namens, Rodrigo Borgia-- --
-
-MARIA. Ganz recht, dieser Borgia,--ach, es war skandalös, es war
-gräßlich,--das war ein Passahmahl!...
-
-GOTT VATER (_plötzlich hervorkollernd, in breitester Unflätigkeit_).
-Pfui Daifel!--Pfui Daifel!--Pfui Daifel!--
-
-CHRISTUS (_erwacht aus seiner Schwäche, fällt ein, fast tonlos_).
-Ja,--pfui Daiwel!--pfui Daiwel!...
-
-TEUFEL (_in großer Verwirrung, ärgerlich, unangenehm berührt_). ...
-Ich bitte ... unter diesen Umständen ... darf ich wohl verzichten, ...
-fernerhin hier.... Will sich, nach rückwärts schreitend, zurückziehen.
-
-GOTT VATER (_redressierend zum Teufel gewendet_). Mein
-Gott!--Nein!--Sie waren nicht gemeint....
-
-TEUFEL (pikiert). Ah, doch....
-
-GOTT VATER. Nein, nein!--Also nochmals nein!--Es war nicht so;... es
-fuhr Uns heraus ... die alte Gewohnheit ... Ich vergaß....
-
-TEUFEL (kommt zurück, vornehm-versöhnlich, bitter lächelnd, schnellt
-mit der einen Hand ein Stäubchen vom andern Ärmel). Bitte,... bitte....
-
-MARIA. Nein, nein, mein Freund, Du bist der Unsere; von Verstimmung
-kann keine Rede sein; Wir bedürfen Deiner Hilfe zu notwendig; und
-(_sehr laut zum Alten hinüber, anzüglich_) eine Beleidigung Unseres
-viellieben Vetters, Unseres Alliierten, Unseres freundlich geliebten
-Bruders, werden Wir in keiner Weise zulassen (_Teufel verbeugt sich
-sehr verbindlich_).--mit einem Wort also, die Sache ist die: Von
-einer an höchster Stelle (_hinüberdeutend_). in Aussicht genommenen
-gänzlichen Vernichtung des Menschengeschlechts aus höheren Gründen
-absehend, haben Wir beschlossen, eine empfindliche, sündflutartige
-Rache zu nehmen, und brauchen daher jemand, ein Ding, einen Einfluß,
-eine Gewalt, eine Person, ein Gift, ein Etwas, welches die Unflätigkeit
-der Menschen, besonders der Neapolitaner und Römer, in geschlechtlicher
-Beziehung--ah, fi donc!--(_gießt etwas_ Eau de Cologne _auf ein
-Spitzentuch, und hält es sich vor,--scheint leise zu schnupfen--schielt
-über dem Taschentuch zum Teufel hinüber_)--ah! es wird mir besser
-(_fortfahrend_)--welches die Bestialität der Männer und Weiber in jenen
-lediglich der Fortpflanzung dienenden, und nur in dieser Begrenzung
-ihnen gewährleisteten Beziehungen und nötig erscheinenden Berührungen
-und Vermischungen--ah, c'est terrible! (_schnupft wieder_ Eau de
-Cologne).--enfin--eindämmen soll!--Du verstehst!
-
-TEUFEL (_in sonorem Baß--etwas theatralisch_).--Ich verstehe.--
-
-GOTT VATER (_kollernd_). Ja, ja,--eindämmen soll!--
-
-CHRISTUS (_mit schwindsüchtiger Stimme_). Ja, ja,--eindämmen soll!--
-
-TEUFEL (_nach einigem Besinnen_). Soll es sehr empfindlich sein?--
-
-MARIA (_ihr Spitzentuch dem Teufel entgegenstreckend, heftig
-nickend--sozusagen für die andern mitnickend_). In der Tat, es soll
-sehr empfindlich sein.
-
-GOTT VATER (_guckt glasig herüber; scheint nicht ganz verstanden zu
-haben; ächzt schließlich zustimmend, mit fettem Räusperton_). Ja, ja!--
-
-CHRISTUS (_noch immer im Anfall liegend, sich langsam erholend,
-hauchend_). Ja, ja!--
-
-TEUFEL (_steht die ganze Zeit mit gesenktem Kopf, sich besinnend,
-zwei Finger an die Lippen gelegt_). Soll die Sache direkt auf den Fuß
-folgen?--
-
-MARIA. Freilich, freilich soll sie das!
-
-GOTT VATER (_guckt glasig weiter_). Freilich!--Freilich!--
-
-CHRISTUS (_will seine zwei "freilich" sagen, kommt aber zu spät, und
-kollidiert mit der folgenden Rede der Maria, die nichtsdestoweniger
-fortfährt, mit ihrem Taschentuch beschwichtigend gegen ihren Sohn
-abwehrend, der lechzenden Blicks jeder ihrer Bewegungen folgt._)
-
-MARIA (_zum Teufel_). Du bist auf dem richtigen Weg, mein Freund, Du
-bist Unseres Wohlgefallens sicher!
-
-TEUFEL mit einem kurzen trockenen Blick auf Maria, dann wieder in
-seine Meditation von vorhin versinkend;--nach langer Pause, während
-der man nur das Röcheln von Christus hört, eigentümlich betonend, und
-skandierend.--Dann--müßte man den Stachel,--das Gift,--ä--das Etwas
-(_den Finger wie zum Hindeuten erhebend_).--in die Sache selbst,--in
-die--hm! (sich anzüglich räuspernd).--in die Beziehung selbst legen!--
-
-MARIA (_sehr weltmännisch_). C'est charmant!--C'est charmant!--
-
-GOTT VATER (_versteht nicht recht, schaut mit großen kuglig-fließenden
-Augen herüber, und wiederholt mehr im Tonfall, als im Verständnis,
-Marias Worte_). Ja,--ja, ja.--
-
-CHRISTUS (_will es auch wiederholen, bringt es aber nicht heraus,
-ist selbst darüber erschrocken, schaut sich ängstlich, erst zu Gott
-Vater, dann zu Maria hin um, und produziert endlich ein rhythmisches,
-unartikuliertes_). A,--a,--a!--
-
-TEUFEL (_nachdem er diese Leistung bei Christus mit einem kühlen, seine
-Überlegung nicht weiter störenden Blick verfolgt, fortfahrend, sehr
-betonend._) Man müßte die Sekretion beim Geschlechtsakt vergiften!--
-
-MARIA. Ah, wie das?--Das wird interessant! (_Rückt auf ihrem Stuhl
-zurecht_).
-
-GOTT VATER und CHRISTUS (_die diesmal doch etwas verstanden zu haben
-scheinen, halten ihre Köpfe glotzend auf den Teufel gerichtet_.)
-
-TEUFEL (_den eben geborenen Gedanken wiederholend, wie um ihn sich
-selbst nochmals in den Weg zu legen_). Man müßte die Sekretion beim
-Geschlechtsakt vergiften!
-
-MARIA. Du meinst den Samen? (_Hält sich das Taschentuch einen
-Augenblick vor den Mund, als schlucke sie etwas Unangenehmes hinunter._)
-
-TEUFEL (_einfallend_). Nein, nein!--Nicht den Samen; nicht das
-Ei;--sonst würde die Nachkommenschaft darunter leiden, und,
-verschlechtert und gewitzigt, nicht mehr zu haben sein!--Die soll
-aber auch dran kommen!--Nein, Samen und Ei sollen unberührt bleiben,
-damit die Erzeugung der Menschen ruhig weitergeht.--Aber der Täter,
-der sorglos mit seinem Instinkt drauflos Fahrende, soll durch ein
-kleines Neben-Produkt vergiftet werden, durch ein Etwas, welches
-gleichzeitig mit Samen und Ei produziert wird, und welches, wie bei
-den Schlangen, nicht mehr auf den Besitzer, aber auf seinen Gegenpart,
-auf sein Vis-à-vis in der sexuellen Française--pardon!--wenn ich mich
-so ausdrücken darf,--(_Maria hebt zum Zeichen des Verständnisses
-die Augenbrauen hinauf_) ansteckend wirkt;--so daß der Mann das
-Weib, oder das Weib den Mann, im günstigsten Fall sie sich beide
-infizieren können,--nichts ahnend,--ganz im Taumel verloren,--ja
-in der Täuschung des höchsten Glücks--(_macht eine Handbewegung zu
-Maria, ob er verstanden sei, die diese mit dem Spitzentuch freudig und
-verständnisinnig aufnimmt_).--so daß sie lallend wie Kinder in die
-scheußliche Brühe hineintappen!!!
-
-MARIA. C'est glorieux!--C'est charmant!--C'est diabolique!--Mais
-comment?...
-
-GOTT VATER und CHRISTUS (_glotzen ruhig weiter_).
-
-TEUFEL. Ah, Madame, das lassen Sie meine Sorge sein!--
-
-MARIA. Gut! Aber unter _einer_ Bedingung. Was Du auch mit den Menschen
-anfängst, sie müssen _erlösungs-bedürftig_ bleiben!--
-
-TEUFEL (_mit großer Beherrschung_). _Erlösungs-bedürftig_ bleiben sie.
-
-MARIA. Sie müssen auch erlösungs-fähig bleiben!--
-
-TEUFEL (_mit den Armen, wie ein Verkäufer, bis zur Schulterhöhe
-aufwippend_). Erlösungs-fähig,--nachdem ich sie vergiftet,--auf
-besonderen Wunsch vergiftet,--das dürfte kaum sein.--
-
-MARIA (_von ihrem Thron springend, in die Nähe von Gott Vater und
-Christus eilend_). Ja, dann ist die ganze Sache umsonst!--Wenn wir
-die Menschen nicht mehr erlösen können, was soll denn dann die ganze
-Einrichtung?!--
-
-GOTT VATER und CHRISTUS (_heben verzweifelnd die Hände empor;
-Christus, der sich etwas erholt, folgt von jetzt an wieder mit regerer
-Teilnahme_.)
-
-TEUFEL (_dreht sich mit sardonischem Lächeln auf dem rechten Fuß-Absatz
-herum, und hebt, mit künstlichem Bedauern, wie ein Handelsjude, die
-Achseln hoch._)
-
-_Peinlicher Moment. Das Geschäft scheint nicht zustande kommen zu
-wollen.--Pause._
-
-MARIA (_um alle zu diversieren, geht langsam auf ihren Platz zurück,
-und frägt plötzlich, mit freundlicher Stimme, den Teufel_). Apropos!
-Wie geht's denn mit Deinem Fuß?--
-
-TEUFEL (_auf die Diversion eingehend_). Oh,--so so!--Nicht besser,--aber
-auch nicht gerade schlechter!--Mein Gott (auf sein kurzes Bein
-schlagend).--der wird nicht mehr anders!--Misemaschin'!--
-
-MARIA (_etwas leiser_). Das ist von Deinem Fall?
-
-TEUFEL (_verständnisvoll, lange stumm und ernst nickend._)
-
-MARIA (_sehr freundlich_). Nun, und sonst--was macht die Großmutter?
-
-TEUFEL (_ebenso_). Die Lilith!--Oh, danke,--recht gut!
-
-MARIA. Und die Kleinen?
-
-TEUFEL. Danke! Danke!--Alles wohlauf!--
-
-_Neue Pause.--Maria, unentschlossen, geht endlich auf Gott Vater zu,
-mit dem sie einige Zeit leise spricht.--Darauf_.
-
-GOTT VATER (_ostentativ orientiert_). Voyons! Voyons! mein Freund, Du
-mußt doch etwas machen können, was die Menschheit vergiftet, ohne sie
-ganz zugrunde zu richten!--Wir wollen sie dann wieder erlösen!--Nicht
-wahr, mein Sohn?
-
-CHRISTUS. Wir wollen sie dann wieder erlösen!
-
-MARIA. Wir müssen sie wieder erlösen!
-
-TEUFEL. Der Auftrag ist dann zu kompliziert!--Es soll unflätig und
-liebenswürdig und giftig zu gleicher Zeit sein!--Wenn ich sie in ihren
-geheimen, amorosen Beziehungen sogleich und heftig treffen soll, und
-sie in diesem Moment vergiften soll, dann muß die Seele auch mit!--Denn
-die Seele steckt da mit drin!--
-
-GOTT VATER (_erstaunt_). Die Seele steckt da mit drin?--
-
-CHRISTUS (_ebenso, aber mehr mechanisch repetierend_). Die Seele steckt
-da mit drin?--
-
-MARIA (_affirmativ, und halb für sich selbst, wie sich erinnernd_). Die
-Seele steckt da mit drin!--
-
-TEUFEL (_nach einer Pause zu Gott, etwas spöttisch_). Mein Gott, Du
-bist ja der Schöpfer! Weißt Du nichts?
-
-GOTT VATER (_unwillig_). Wir--ä--erschaffen jetzt nicht mehr.--Wir sind
-müde!--Auch gehört dies Gebiet des Irdischen und der Sinnlichkeit in
-Deine Sphäre.--Also besinne Dich, wie Du es anrichtest; beflecke die
-Seele, aber sie muß wieder herstellbar sein!
-
-CHRISTUS (_noch immer schwach, will das letzte wiederholen, kommt aber
-nur bis_). Beflecke--die--Seele....
-
-TEUFEL (_zu Gott Vater_). Es soll sie zur Liebe anreizen, sagst Du, und
-sie gleichzeitig vergiften?
-
-GOTT VATER. Natürlich, sonst beißen sie ja nicht an!
-
-CHRISTUS (_aufatmend_). In der Wollust sind sie blind, hab' ich gehört.
-
-MARIA. Mit Speck fängt man Mäuse!
-
-GOTT VATER. Suche in Deinem Hexenkessel! Es ist ja allerlei Zeug darin;
-in Deiner Hölle hast Du so manches aufgespeichert; bist doch ein
-Meister in solchen Kompositionen!--Kreiere, braue, zeuge, mische 'was
-zusammen!--
-
-MARIA. Es muß allerdings sehr verlockend sein.--Womöglich was
-Frauenzimmerartiges.
-
-CHRISTUS. Ja, sehr verlockend sein.
-
-TEUFEL (_mit einem Gedanken beschäftigt_). Lüstern und zerstörend
-soll es zugleich sein, sagt Ihr?--Und doch die Seele nicht definitiv
-zerstörend?
-
-ALLE DREI (_zugleich und untereinander_).
-Lüstern--zerstörend--verlockend--giftig--wollüstig--grausam--Hirn und
-Adern verbrennend--.
-
-GOTT VATER. Aber nicht die Seele!--Wegen der Zerknirschung!--Wegen der
-Verzweiflung!--
-
-TEUFEL (_seinen Gedankengang plötzlich beendend_). Halt, da hab' ich
-'was!--Will mal mit der Herodias reden!--Halblaut für sich. Lüstern und
-zerstörend zugleich!--Laut. Ich bring' etwas!--
-
-MARIA. Gott sei Dank!
-
-TEUFEL (_sich zum Gehen wendend_). Ich glaub', ich hab's!
-
-GOTT VATER. Bravo! Bravo!
-
-MARIA. Bravo! Bravo!
-
-CHRISTUS. Bravo! Bravo!
-
-ALLE DREI (_sich freudig erhebend, soweit es geht; leise in die Hände
-schlagend_). Bravo, Teufel, bravo! Bravissimo!
-
-TEUFEL (_sich empfehlend und im Abgehen ein Schnippchen schlagend_).
-Ich komm' bald wieder! (Ab.)-- Draußen, wie er die Thüre öffnet,
-erblickt er einige jüngere Engel, die gelauscht haben. Er packt
-den Nächsten beim Flügel, und zaust ihn tüchtig. Dieser läuft, mit
-den andern, unter schrecklichem Geschrei davon.--Der Teufel, sieht
-man, öffnet draußen eine Falltür, durch die er hinabsteigt, und die
-er hinter sich schließt. (_Die drei Gottheiten verschwinden bei der
-folgenden Verwandlung in die rechten Seiten-Coulissen._)
-
-
-
-
-Zweite Szene (Verwandlung.)
-
-
-_Das Himmels-Kabinett steigt langsam nach oben; die Szene wird dunkler,
-und macht einem tonnenartigen, nach unten sich verlängernden, düsteren,
-mit grauen Quadern ausgemauerten Tunnel Platz, der sich wie das
-Innere eines Turmes oder Ziehbrunnens scheinbar bis ins Unendliche
-nach abwärts erstreckt, und an dessen hinterem Ende eine morsche,
-verbarrikadierte, vielfach ausgebesserte Holzstiege sich befindet. Auf
-dieser sieht man bald darauf den Teufel nicht ohne Mühe, ächzend, sich
-am Geländer fest einhaltend, hinabsteigen, während die gleichzeitig
-nach oben rückende Szene ihn im Auge behalten läßt. Phantastische Vögel
-und Ungeheuer, die teils auf Stangen sitzen, teils in Hohlräumen des
-Mauerwerks lagern, pfauchen und krächzen ihm mit heiserem Ruf ihren
-Gruß entgegen.--Nach einiger Zeit mündet dieser brunnenartige Gang in
-einen größeren, finsteren, kellerartigen Raum, der durch ein traniges
-Öllicht nur teilweise erhellt ist und in dem zunächst nichts weiter zu
-erkennen ist als ein aus Binsen und Flechtwerk roh zurechtgerichtetes
-Lager rechts im Vordergrund. Die Öllampe ist auf der andern Seite und
-mehr im Hintergrund. Der Teufel, der müde und humpelnd angekommen,
-geht einige Schritte seufzend hin und her, geht dann nach hinten; man
-hört eine schwere Truhe aufschlagen; er entledigt sich seines engen,
-schwarzen Gewandes, das er säuberlich in einen der Kasten legt, um
-in einem aus Tierfellen zusammengeflickten, warmhaltenden Flaus bald
-darauf nach vorn zu kommen. Er ächzt wiederum erst einige Schritte
-hin und her, wie nicht wissend, wohin er sich wenden solle, und setzt
-sich endlich quer auf sein Binsenlager, zieht die Füße an und vergräbt
-die Hände tief in das Wollhaar des Kopfes, Stirn und oberen Teil des
-Gesichtes auf diese Weise verdeckend._
-
-TEUFEL (_mit sich redend_). Da hockst du nun, Hund, wieder allein, und
-heimgekehrt zu dir; weltverlassen und verachtet; zurückgekehrt von
-der Audienz; Ahnenloser Geselle ohne Respekt und Reputation; und hast
-wieder einmal gesehen die goldausgelegten Gemächer der Hohen und
-Vornehmen. Und du bist immer und bleibst der Lump, der Spitzbub, der
-krumme Kerl. Und die da droben, die dürfen tun, was sie wollen, es mag
-noch so platt, niedrig oder gemein sein, es ist immer edel und vornehm,
-weil es in den Gemächern des Nobeltums passiert. Und du magst tun,
-was du willst--und wenn du mit dem Kopfe dich bis zum andern Ende der
-Erde wühltest,--es ist immer niedrig und gemein und schuftig.--(Pause;
-überlegt). Wenn du ein Graf wärest, dann wäre auch dein krummes Bein
-gräflich. Und wenn du nur ein Thürsteher da droben wärest, dann wären
-auch dein Kopf und deine Gedanken himmlisch und engelhaft, wie dein
-Kleid, das du dann trügest. Aber so bist und bleibst du ein Hund!--Nur
-wenn du für sie was tun sollst, was sie selbst nicht können, oder was
-für sie zu schmutzig ist, dann lächeln sie dir und sagen: "Mein Freund!
-Mein Freund!" Aber wenn die Audienz vorbei, mußt du wieder herunter
-in Staub und Kot, und dann heißt's "Pfui Deifel! Pfui Deifel!"--Und
-so bist du ein erdgeborener, gebückter und verzerrter Kerl dein Leben
-lang, und humpelst herum mit deinem Fuß, und frissest Ärger und Grimm
-in dich hinein!-- --
-
-_Und doch!_--Und doch bist du mehr! Bist mehr als diese Firlefanz-Leute
-in ihrem Glück und Wolkenbau! Steckst mitten in der Welt; und in deinem
-Kopf stecken die Gedanken der Erde! Und wenn du hier allein bist,
-allein mit deinem Erdgeruch, und dein Kopf sich illuminiert, dann
-entsteht in diesem vergrämten Kopf, mitten in der Verzweiflung, ein
-Funken, ein Gift, eine Kraft, die wie ein Blitz, zündend und wetternd,
-durch die Welt fährt, und die Hülsenköpfe in ihrem Wolken-Heim erbeben
-macht.--Und brauchst keine Tiaren zu tragen, keine Ambrosia noch Sekt
-zu trinken, und scheppernd und glänzend dich zu zeigen, um glücklich
-zu sein. Bist so glücklich; glücklich, wie die andern nicht glücklich
-sein können! Glücklich in diesem Erdenloch, in diesem kostbaren
-Tunnel, diesem Hauch von Irdischkeit und Würze, diesem Welt-Geruch,
-der dich kräftigt und stählt, und Gedanken erzeugt, und zur Arbeit
-zwingt.--Und brauchst keine Ahnen und Vergangenheits-Register; bist
-blank und sauber; darfst von neuem, beginnen; brauchst nicht nichts zu
-tun; die Arbeit sind deine Ahnen! Deine Ahnen produzierst du in die
-Zukunft!--Arbeit! Arbeit!--(_Springt auf_). Also denn auf zur Arbeit!
-
-(_Er geht längere Zeit auf und ab, bleibt wiederholt stehen und sinnt
-nach._)
-
-"Also _verführerisch_ soll es sein, das Ding,--na natürlich,
-sonst beißen sie nicht an";--"etwas Frauenzimmerartiges", sagte
-Maria;--sehr gut!--Die Frauenzimmer kennen ihr Geschlecht immer
-am besten.--Aber _giftig_ soll es auch sein; darin liegt ja die
-Strafe; und sie sollen das Gift nicht merken, es hinunterschlucken
-wie Sirup;--sehr gut!--das läßt sich machen.--Aber es soll dabei
-_Seele_ und _Leib_ vergiftet werden; aber nicht definitiv; nur bis
-zur Verzweiflung, bis zum Wahnsinn; sie wollen also sehen, wie sich
-die Menschheit krümmt und bricht; wie sie ihre Seelen ausleeren, wie
-einen Magen;--ich verstehe;--die Seele soll aber wieder reparierbar
-sein,--"erlösungs-fähig", wie sie sagen;--na, die Freude kann ich ja
-ihnen fürs erste lassen; ihnen und ihnen;--vom _Leib_ haben sie nichts
-gesagt; sehr gut!--Als ob sich das trennen ließe!--Wenn ich den Leib
-toll und voll verseucht habe, und der ganze Kerl zum Teufel fährt--ah
-pardon--kaputt geht, dann möchten sie die Seele, nachdem sie schon auf
-dem Weg zu mir ist, noch erlösen!--Die Barmherzigkeit!--Na, das wird
-sich ja finden.--(Geht wieder schweigend und nachdenklich auf und ab).
-Was soll das nun aber für ein Gift sein? Welches ruiniert, und doch
-wieder nicht ruiniert?--Mit organischen und chemischen Giften komm'
-ich da nicht aus!--Auch kann ich da nicht _quantitativ_ vorgehen. Die
-schluckten ja und schluckten das Zeug hinunter--besonders, da es so
-süß ist--und pardauz lägen sie da! Ich kann da nicht dosieren. Ich
-kann doch kein ellenlanges Rezept an die Bettlade kleben: pro dosi
-soundsoviel!--Das muß also ein feines, neues und ganz besonderes
-Gift sein!--Welches weder den Geber noch den Nehmer sogleich
-vergiftet!--Das muß dann ein feines, schleichendes, langsam wirkendes
-Ding sein, welches sich ruhig weitervererbt, und in einigen lebenden
-Exemplaren immer frisch zu haben ist!--Dann--soll das Gift sich an
-das höchste Entzücken des Menschen anschließen, an den Liebestaumel,
-an das naivste und köstlichste Glück, welches sie besitzen: damit
-es sicher zu allen dringt!--Ja, das heißt, das war eigentlich mein
-Gedanke!--Keine Verschiebung des geistigen Eigentums!--Na ja!--Wie
-nun weiter?--Woher nimmst du das Gift?--(_Überlegt, bleibt stehen_).
-Na, aus dir.--Kühl. Gibt es denn etwas Giftigeres, die Adern
-Durchdringenderes, als du selbst?--Sehr gut!--Was weiter?--Wie wirst
-du's nun anstellen?--(_Überlegend, sehr langsam, mit vorgestrecktem
-Zeigefinger sich vordiktierend_). Du mußt das Gift, welches an sich
-vielleicht zu stark ist und tödlich wäre, erst organisch abschwächen,
-und dann in einer lebenden Person verwirklichen! (_Patscht in die
-Hände_). Hoppla, das ist's--Noch einmal: Du mußt das Ding erst
-organisch so mild machen, daß es ihre Mägen und Leber zunächst gut
-vertragen, und es gleichzeitig in einem Lebewesen, das ihnen gleich
-sei, personifizieren!--Sackerlot!--Und zweitens: dieses Lebewesen
-muß ein Weib sein! Und das Gift muß durch die bekannten Schläuche
-geleitet werden!--Und drittens: dieses Weib muß schön sein; und ich
-ihr Vater!--Sapristi! Reibt sich die Hände. Kommen wir auch einmal
-zum Zeugen!--(_Geht lange erregt auf und ab_). ... Nun, und wenn ich
-dies Kunstwerk fertig bringe, was krieg' ich dann dafür?--Freund, nimm
-dich in acht! Diese Gelegenheit kommt nicht wieder! Jetzt hole die
-lang aufgespeicherten Speisezettel deiner Wünsche hervor!--(besinnt
-sich).--Diese Stiege da (schaut nach oben). muß er mir reparieren.
-Das Gerümpel. Wenn ich da 'mal ausgleite, und breche mir den Fuß,
-dann bin ich ein ganzer Krüppel.--Dann, diese Falltüre da oben, die
-ist meiner unwürdig. Da stoß ich mich schon lange daran. Das soll
-ein schöner, freier Zugang werden, mit einem Geländer daran, und
-ein paar Teppichen.--Dann, diese Audienzmeierei habe ich ebenfalls
-schon lange satt. Wird der Zugang oben frei, muß ich auch freien
-Zugang haben! Ich muß stets unangemeldet kommen können.--Er kann
-ja auch stets unangemeldet zu mir herunter.--Dann (sehr bestimmt)
-muß Er mir meine Bücher frei drucken lassen, und ihre breiteste
-Zirkulation im Himmel und auf Erden erlauben. Das muß ich unbedingt
-haben. Ohne das gehe ich gar nicht an die Arbeit, (ausbrechend). Wenn
-jemand denkt, und darf seine Gedanken nicht mehr andern mitteilen,
-das ist die gräßlichste aller Foltern.--Dieses reinste Entzücken,
-dieser Tropfen Lust, der Fässer voll Bitterkeit genießbar macht,
-daß andere das nachdenken, was du vorgedacht hast,--ist das so
-schwer zu begreifen?!--Also das ist Numero eins!--Dann--muß hier die
-Ventilation besser werden.--(Glotzt lange an der Decke herum)...
-Eigentlich könnt' ich mir das Ding hier mit Goldleisten ausschlagen
-lassen.--Ach,--es wird doch nicht heller.... Wie wär's, wenn Er mich
-zum Graf machte?--Graf Miraviglioso! Oder gleich ganz italienisch Conte
-di Miraviglioso; Signor Conte di Miraviglioso.--Pfui, schäm' dich!
-Hast du nicht gesagt, du willst ein ehrlicher Kerl bleiben?--Nun ja;
-ich wollte ja nur auf ganz kurze Zeit das tolle Empfinden haben, ganz
-ohne Grund etwas zu sein. Nur auf acht Tage.--Ich kann ihn ja dann
-meinem Ausgeher schenken.--... Ein paar Orden könnt' ich mir bei dieser
-Gelegenheit geben lassen!--Dazu ist es wieder nicht hell genug da
-herunten. An der Beleuchtung fehlt es hier überhaupt.--Was noch?--Etwas
-bessere Garderobe! Dieses spanische Kostüm trag' ich nun schon seit
-Philipp II. Es ist unerhört. Und nur meine ganz außerordentliche
-Peinlichkeit erlaubt mir noch, überhaupt oben zu erscheinen.--Dann,
-um Gottes Willen, etwas Mobiliar. Ein paar Pfund Roßhaar werde ich
-doch noch wert sein. Und ein paar warme Decken.--Weiter!--Etliche
-Borten an meine Kleider; wenigstens Leutnants-Rang!--Dann: Einreihen,
-wenigstens in die letzte Hofrangklasse; mein Gott, ich helfe doch den
-Leuten in ganz außerordentlicher Weise.--Femer: ein kleines "von"--,
-und die Möglichkeit einer standesgemäßen Verbindung mit einer der
-Engel-Klassen; Gott, so ein zartes Geschöpfchen, neben mir, 's wär'
-ja zum Entzücken; sie mag so dünn und jung sein, wie sie will; ich
-richt' sie mir schon her!--Was noch?--Ein goldenes Portepee, 'n
-Kammerherrntitel, ein kleines Krönlein, 'n Herzogskragen oder ... (hält
-plötzlich inne, greift sich mit beiden Händen an die Stirn und schreit
-in tierischer Weise hinaus). Äh,--äh!--Bleib' fort! (Er hält die Hände
-weit von sich wie um etwas wegzustoßen, das auf ihn eindringt, und
-weicht zurück). Äh!--Es kommt!--Es hat mich!--Du Hund, hab ich dir
-nicht gesagt, wenn du über die Schnur haust, packt es dich!--Pfui
-Teufel! (spuckt aus, wie um etwas aus seinem Innern zu entfernen).
-Pfui Deifel! Es kommt!--_Der Ekel_,--er hat mich!--Pfui!--Pfui!--Oh,
-es ist zu spät!--Ekel! Ekel! Verdammte Sauce!--Teufel, weißt
-du nicht mehr?--Weißt du nicht, daß du nur in der Entbehrung, im
-Finstern, nur unter der Marter gedeihst?--Und dann will der Kerl stolz
-sein!--Ah,--ah--(_Er macht Würgbewegungen, schleppt sich bis zu seinem
-Lager, wirft sich dort auf den Bauch, wälzt sich in Krämpfen, reißt aus
-der Matratze Stroh heraus, macht einen Knebel und steckt ihn sich mit
-ingrimmigem Behagen in den Mund;--wird dann allmählich etwas ruhiger,
-liegt bewegungslos da, und scheint zu schlafen.--Lange Pause_.)
-
-_Währenddem hat sich im Hintergrund an der Rückwand des Gewölbes die
-Szene wie aufgeklärt; die Schicht wird heller und heller; zuletzt
-durchsichtig; es ergibt sich eine, wie es scheint, unermeßliche
-Perspektive; allmählich schwindet auch der letzte trübe Schleier,
-und man erblickt ein ungeheures Totenfeld, auf dem eine schier
-unfaßbare Zahl, wie es scheint, lauter Weiber, in Leibesgestalt, mit
-fahlen Gewändern, die einen hockend, die andern hingestreckt, teils
-die Arme aufgestützt, teils das Gesicht in den Armfalten vergraben,
-wie schlafend dortliegen; das Ganze übergossen von einem kalten,
-flirrenden, mondlichtähnlichen Schimmer.--Tiefe Stille.--_
-
-TEUFEL (_wacht langsam auf, hebt sich mit den Händen aufstützend
-matt empor; wie er sich umwendet und erblickt die Szene, fahrt er
-plötzlich zum Sitzen auf, reißt sich den Knebel aus dem Mund._)
-Ah!--Ihr seid mir vorausgeeilt, Gedanken! (_Betrachtet lange mit
-Entzücken die Szene._) Ihr habt Euch verwirklicht, meine guten
-Gedanken!--Und die gemeinen sind mir in den Magen gefahren, und
-haben mich krank gemacht;--so ist's recht!--Du hast gebüßt,--und
-bist jetzt wieder ein ehrlicher Kerl!--(Legt sich, noch immer etwas
-erschöpft, wieder in eine mehr ruhende Stellung zurück, aber so, daß
-er die Szene im Auge behält--matt und langsam.) Welche von diesen
-wähl' ich mir jetzt aus als Mutter für mein glorioses Geschöpf?--...
-Schön!--Verführerisch!--Sinnlich!--Giftig!--Hirn und Adern
-verbrennend!--Ahnungslos!--Tollpatschig!--Grausam!--Berechnungslos!
---Seelenschmutzig!--Naiv!--_Lange Pause_.
-
-_Er erhebt sich dann zum Sitzen und ruft mit halblauter, aber klarer
-Stimme, in sanftem Ton._
-
-Helena--von Sparta--des Paris Geliebte--Trojanische Königin!--(_Im
-Hintergrund erhebt sich aus der Reihe der Schlafenden langsam eine
-Gestalt mit langem schleppendem Mantel, der um die Taille durch
-einen Strick gleicher Farbe zusammengehalten, kommt langsam, wie
-schlaftrunken, mit geschlossenen Augen, den Lichtschimmer, der ihr aus
-dem Totenreiche anhaftet, beibehaltend, nach vom und bleibt vor dem
-Teufel stehen._)
-
-TEUFEL. Du bist damals mit dem jungen Laffen, dem Trojaner-Prinzen,
-auf und davon, und hast deinen Mann, den König, zurückgelassen; rein
-aus Verliebtheit?--(_Helena verneint schwerfällig mit dem Kopfe._)
-Was? Nicht einmal verliebt?--Aus Neugierde?--(_Sie scheint sich zu
-besinnen; nickt dann wie schlaftrunken._)--Nur, weil es dir gefallen
-hat?--(_Helena nickt._)--Ohne etwas zu denken?--(_Nickt_.)--Justament?
-(_wartet und nickt dann._)--Und als dann der Krieg ausbrach, da dachtest
-du?--(_nickt mechanisch, besinnt sich aber dann und verneint._)--Dachtest
-dir: Es ist nun einmal so! (_nickt und betont._)--Geh', leg' Dich wieder
-schlafen--armes, dummes Ding!--(_Sie wartet einen Moment, dreht sich
-dann langsam um und geht zurück auf ihren Platz, wie sie gekommen_.)
-
-TEUFEL (_nach einer Pause, mit der gleichen hellen, sanften Stimme._)
-Phryne--aus Athen--glatteste aller Hetären--komm'! (_Von dem Totenfeld
-erhebt sich aus einer andern Reihe ein Weib im gleichen Anzuge wie
-die erste und kommt näher._) Blasseste aller Zauberinnen, du hast
-Tausende von Männern in dein Garn gelockt, sie arm und elend gemacht,
-ihnen Geld und Gedanken geraubt,--hast Philosophen genarrt,--Richter
-bestochen,--Staatsgesetze umgestoßen,--Krieg angezettelt,--Reichtümer
-angehäuft,--hast dich als Göttin geriert,--dich anbeten lassen,--hast
-dein Vaterland verhöhnt,--wolltest deinen Namen wie eine schmutzige
-Reklame auf die Mauern Thebens setzen--und dafür bezahlen,--hast
-dich nackt vor allem Volk gezeigt,--in Korinth die Tempel und
-Statuen bauen lassen,--hast fortgehurt, bis deine Haare weiß
-wurden--und wurdest schließlich in einem Tempel, in den du dich
-geflüchtet, wie ein unreines Tier erschlagen?--(_Nickt stumm
-wiederholt auf alle Fragen_.)--Warum?--Aus Liebe? (_verneint_).--Aus
-Leidenschaft? (_verneint_).--Aus Laune?--(_nickt_).--Weil du schöner
-und blasser warst, als alle andern? (_nickt_).--Hast gar nichts dabei
-gedacht?--(_verneint_).--Ließest den Dingen ihren Lauf?--Bejaht.--Geh',
-du harmloses Kind, du bist unschuldig!--(_Geht langsam und schweigend
-ab, wie die erste._)
-
-TEUFEL (_nach einer Pause, wie oben_). Héloise,--Äbtissin von
-Paraclet--Latinistin des 12. Jahrhunderts!--(_Eine dritte Gestalt
-erhebt sich aus dem Totenfeld und kommt im gleichen Anzug, wie die
-vorigen näher._) Du hast studiert,--und hast geliebt,--und hast
-Kinder gebracht,--und hast deinen Lehrer, ABÄLARD, die Leuchte des
-Jahrhunderts, verführt,--und deine Familie in Spott und Schande
-gejagt,--bis sie dir deinen Geliebten zum Kapaun machten,--und dich zur
-Nonne,--und hast dann deinen verschnittenen ABÄLARD fortgeliebt,--und
-ihm brünstige Briefe geschrieben--bis man dich zur Äbtissin
-machte;--und als Äbtissin hast du weiter studiert, und ihn weiter
-geliebt, und weiter--wenigstens in der Phantasie--Kinder gebracht,
-und mit deinem längst abgekühlten Freund imaginative Scheußlichkeiten
-begangen, die man selbst in der Hölle nicht sagen darf,--und hast
-ihm geschrieben: lieber wollest du des ABÄLARD Hure als des Kaisers
-rechtmäßige Gattin sein;--und als er starb, hast du dir seine Leiche
-kommen lassen, und hast ihn immer noch geliebt, und ihn mit deinen
-eigenen Händen begraben;--und dann hast du ihn noch zwanzig Jahre auf
-Kosten deiner Phantasie weiter geliebt;--bis du selbst starbst?--Hat zu
-allen Fragen stumm genickt.--Warum?--Aus Liebe?--Bejaht heftig.--Aus
-reiner Liebe?--Bejaht intensiv.--Kind, du bist ja schon für den Himmel
-reif!--Halte dich parat, wenn die Posaune ertönt, kommst du zuerst
-dran!--Inzwischen geh', und schlaf weiter!--(_Gestalt geht ab._)
-
-TEUFEL (_für sich_). Ich hab' doch verdammt wenig Grandioses in der
-Hölle; muß mir 'mal 'n Scheusal holen!--(_besinnt sich, dann nach einer
-Pause_). AGRIPPINA,--Mutter, Gemahlin und Mörderin von Kaisern,--und
-Gemordete eines Kaisers,--komm'!--(_Eine Gestalt erhebt sich aus anderer
-Gegend._)--Du hast etwas viel auf dem Kerbholz, Freundin;--mit 14 Jahren
-heiratetest du deinen Mann, und läßt dich herbei, ihm nach neun Jahren
-eines der größten Scheusale, den NERO, zu gebären?--Dafür kannst du
-nichts!--Tröste dich, wir haben jetzt eine Schule, die dir nachweist,
-daß du auch für die anderen Sachen nichts kannst; nur ist diese
-Lehrmeinung noch nicht bis zum Himmel gedrungen.--Du vernachlässigst
-also deinen Mann, und gibst dich dem LEPIDUS hin;--das war damals so
-Sitte!--dann verbindest du dich mit deinem Freier, um deinen Bruder,
-den Kaiser CALIGULA, zu ermorden;--es gelingt nicht!--dafür kannst du
-wieder nichts,--d.h. du warst nicht geschickt genug!--Endlich wird
-aber CALIGULA doch ermordet,--wie das damals so Sitte--und du wirst
-wieder hoffähig;--du versuchst dann vergeblich einige andere vornehme
-Römer zu kapern, bis sich endlich der reiche Advokat PASSIMUS--den ich
-für gescheiter gehalten hätte--herbeiläßt, und mit dir eine zweite
-Ehe eingeht; du vergiftest ihn dann, und beerbst ihn!--doch das haben
-schon andere vor dir gemacht; das war damals so Sitte!--dein folgendes
-Stückchen war dagegen schon viel origineller: du spielst so geschickt
-hinterm Vorhang--von deiner Villa aus--daß du die Kaiserin MESSALINA
-von ihrem Gemahl, dem Kaiser CLAUDIUS, abschlachten lässest, heiratest
-dann selbst den Kaiser CLAUDIUS und wirst Kaiserin!--Was dann folgte,
-der von dir inszenierte Selbstmord des LUCIUS SILANUS, die Verbannung
-seiner Schwester JUNIA und die Verbannung der LOLLIA PAULINA, deren
-Kopf du dir nachträglich aus der Verbannung zurückholen lässest, waren
-mehr Nebenabfälle; du folgtest darin den Sitten deiner Zeit.--Dann
-verschaffst du dir den Beinamen 'Augusta', die Heilige, lässest deinen
-Sohn NERO von deinem neuen Gemahl, Kaiser CLAUDIUS, adoptieren, lässest
-ihn dann mit der Tochter dieses Kaisers CLAUDIUS, OCTAVIA, vermählen,
-vergiftest dann diesen Kaiser, deinen Gemahl, und rufst deinen Sohn
-NERO zum Kaiser aus.--Das war nämlich damals ganz neu!--Du vergiftest
-dann noch ein paar Konsuln, Prokonsuln und Nebenbuhlerinnen, und wirst
-letztlich von deinem eigenen Sohn NERO ermordet!--(Die Gestalt hat
-auf alle Fragen stummnickend geantwortet).--Hör' mal, AGRIPPINA, du
-bist eine ganz scharmante Person, aber ich vermisse in deinem ganzen
-Tun den eigentlich künstlerischen Impuls--die Naivität;--alles hängt
-ab von deinem maßlosen Ehrgeiz!--Das ist krankhaft!--Das wird auf die
-Dauer langweilig!--Wir fassen die Sachen jetzt anders auf!--Nicht ein
-schöner Mord in deiner ganzen Geschichte!--Ich kann dich wirklich nicht
-brauchen!--Geh' nur und leg' dich wieder schlafen!--Schlaf sanft!
-(_Gestalt ab_.)
-
-TEUFEL (_nach einigem Überlegen, für sich_). Jetzt hab' ich noch
-eine Nummer, die HERODIAS;--aber halt, ich nehm' statt der Mutter
-lieber die Tochter! (_ruft_). Salome,--schöne, junge Tänzerin,--komm'
-zu mir!--(_Weit hinten erhebt sich eine schlanke, jugendliche
-Erscheinung, und kommt näher, eine freundliche, heitere Erinnerung
-auf ihrem Gesicht_).--Sag' mir einmal, mein hübsches Kind, du warst
-damals auf dem Bankett bei Herodes zugegen?--(_bejaht_.)--Und da
-tanztest du?--Bejaht.--Warum tanztest du?--(_Sie weiß es nicht_.)--Nun,
-du tanztest eben, weil junge hübsche Mädchen überhaupt gern
-tanzen,--und weil du Tanzstunde gehabt hattest?--(_bejaht_.)--Und
-du fandest Beifall?--(_nickt_.)--Und HERODES sagte dir, du solltest
-dir 'was schenken lassen?--(_nickt_).--Und du ließest dir einen Kopf
-schenken?--(_nickt_.)--Einen Menschenkopf?--(_bejaht_.)--Einen _lebenden_
-Menschenkopf?--(_bejaht_.)--Weshalb?--(_Sie weiß es nicht_.)--Zum
-Spielen?--(_sie zaudert und bejaht schließlich_.)--Und Herodes schickte
-dich mit dem Henker ins Gefängnis, und der schneidet dir dort
-einen Kopf ab?--(_nickt_.)--Das war der Kopf des JOHANNES?--(_bejaht
-gleichgültig_). Der ward dir auf eine Platte gelegt, und du kamst
-dann damit herein in den Bankett-Saal?--(_nickt_).--Das Blut lief
-wohl in der Platte herum,--und machte sie schließlich ganz
-voll?--(_nickt_.)--Es netzte deine Finger?--(_bejaht lebhaft_.)--War
-dir das angenehm, oder unangenehm?--(_bejaht_.)--Ja, was?--Angenehm
-oder unangenehm?--(_Sie reibt die Hände gegen einander._)--Es
-kitzelte dich?--(_bejaht sehr deutlich_.)--Du hast wohl sehr feine
-Finger?--(_keine Antwort_.)--Und dann,--dann schenktest du den Kopf
-deiner Mutter?--(_bejaht_.)--Warum?--(_zuckt mit den Achseln._)--Er war
-eben schon tot?--(_nickt traurig_.)--Und du wolltest doch einen lebenden
-haben?--(_bejaht_.)--Ja, die abgeschnittenen Menschenköpfe halten sich
-nicht lang!--Sag mal, hast du einen von den Leuten gern gehabt, was man
-sagt, lieb?--(_weiß nicht, was sagen, und verneint schließlich_.)--Den
-HERODES?--(_verneint_.)--Den JOHANNES?--(_verneint_.)--Deine
-MUTTER?--(_zuckt mit den Achseln und verneint_.)--Aber deinen
-abgeschnittenen Kopf, den hattest du gern?--(_bejaht sehr deutlich_.)
-
-TEUFEL (_springt plötzlich auf_). Kind, du bist mein Fall!--Geht auf sie
-zu. Aus dir läßt sich noch 'was machen!--Er schließt sie, halb von
-rückwärts kommend, leicht in seine Arme. Du sollst mir heut' in mein
-Schlafgemach folgen!
-
-DIE GESTALT (_hört man tief und vernehmlich stöhnen_).
-
-Während des Folgenden fallen über dem Totenfeld wie im Vordergrund
-schwarze, anfangs noch durchsichtige Flöre und Schatten herab, die die
-ganze Szene immer mehr verdüstern.
-
-TEUFEL (_die Gestalt sanft mit sich nach rechts fortführend_). Wir
-haben große Dinge mit dir vor!--Du sollst die Ahnin eines grandiosen
-Geschlechtes werden, an das kein Aristokrat hinankann!--Deine
-Nachkommen werden weder blaues noch rotes, sondern weit merkwürdigeres
-Blut in ihren Adern führen.--Und du wirst die Mutter sein.--Deine
-Qualitäten sind einzig in meinem großen, ungeheuren Reich!--Selbst
-oben, bei Hof, sieht man unsere Verbindung mit gnädigem Wohlwollen!--Er
-verschwindet mit ihr; die Stimme klingt immer entfernter. Morgen schon
-darfst du zu deinen Schwestern zurück!--Unser heißes Temperament
-läßt Schaffen und Entstehen sich in unglaublich kurzer Zeit
-vollenden!--Zeugen und Gebären rückt durch unsere Gewalten in wenige
-Stunden zusammen!--Komm', mein Kind, komm'!--
-
-_Das Totenfeld ist jetzt verschwunden. Die Flöre fallen nun auch im
-Vordergrund immer dichter; so daß die Szene bald ganz verdunkelt
-ist.--Man hört in der Ferne noch einen gellen weiblichen Schrei.--Dann
-wird es schwarze Nacht, und der Vorhang fällt._
-
-
-
-
-Vierter Aufzug
-
-
-
-
-Erste Szene
-
-
-_Im Himmel. Ein kostbar ausgestattetes Gemach in Rosa. Maria, vornehm
-geschmückt auf ihrem Thron, umgeben von meist jüngeren Engeln in
-lichter, farbiger Tracht, die an den Stufen des Thrones teils
-sitzen, teils in malerischer Stellung liegen. Einer derselben hat
-ein Buch in der Hand und liest aus Boccaccio in monotoner, breiter,
-schulmädchenartiger Stimme vor._
-
-ENGEL (_liest_). "... Agilulf, der König der Longobarden, befestigte,
-gleich seinen Vorgängern in Pavia, der Hauptstadt der Lombardei,
-seinen Thron durch Vermählung mit Teudolinga, der Witwe Auterichs, der
-ebenfalls König der Longobarden gewesen war. Diese Gattin war sehr
-schön, verständig und ehrbar, der aber dennoch ein Liebhaber einst
-einen schlimmen Streich spielte. Als nämlich durch die Tapferkeit
-und den Verstand des Königs Agilulf der lombardische Staat glücklich
-und ruhig geworden war, geschah es, daß ein Reitknecht der genannten
-Königin, ein Mensch, was die Abstammung anbetrifft, von höchst
-ärmlichen Umständen, sonst aber über sein schmähliches Geschäft hoch
-erhoben, und von Person schön und groß wie der König, sich über alle
-Maßen in die Königin verliebte. Da jedoch sein niedriger Stand ihn
-keineswegs verhinderte einzusehen, daß diese seine Liebe außer allen
-Grenzen der Möglichkeit und Schicklichkeit liege, so offenbarte er
-sich als ein verständiger Mann niemandem und wagte nicht einmal, sich
-der Königin selbst nur durch einen Blick zu entdecken. Obgleich er nun
-gänzlich hoffnungslos war, so tat er sich doch bei sich selbst etwas
-darauf zugute, daß er seine Gedanken so hoch hatte steigen lassen und,
-vom Liebesfeuer ganz entzündet, gab er sich Mühe, es allen seinen
-Kameraden in allem, von dem er glaubte, daß es der Königin gefallen
-könnte, zuvor zu tun. Dadurch geschah es, daß die Königin, wenn sie
-ausritt, weit lieber das Pferd ritt, das dieser wartete als ein
-anderes, und dies rechnete sich jener zur höchsten Gnade, ging alsdann
-nicht vom Steigbügel weg, und schätzte sich glücklich, wenn er ihre
-Kleider berühren dürfte.--Aber wie wir dies häufig sehen, daß die Liebe
-um so stärker wird, je mehr sich die Hoffnung verringert...."
-
-MARIA (_unterbrechend_). Ja, kriegen denn die Zwei sich noch nicht?--
-
-LESENDER ENGEL (_stockt_).--Ich weiß nicht, Immerwährende Jungfrau.
-
-MARIA. Sieh' mal, wie viel Seiten die Geschichte noch hat?
-
-LESENDER ENGEL zählt sorgfältig nach. Noch zwanzig, Allerseligste
-Gottesmutter.
-
-MARIA. Das ist schrecklich lang; kann man denn da nichts überschlagen?
-Läßt sich das Buch geben.--Na, ich glaube, jetzt wird's etwas
-lebhafter. Lies 'mal zu! (_Gibt ihm das Buch zurück._)
-
-LESENDER ENGEL (_wie oben_): "... Je mehr sich die Hoffnung verringert,
-so geschah es auch bei diesem armen Reitknecht, der sein verborgenes
-Verlangen, das von keiner Hoffnung gelindert war, kaum mehr ertragen
-konnte, und oft, da er sich von dieser Liebe nicht losmachen konnte,
-den Entschluß faßte, zu sterben...."
-
-_In diesem Augenblick ist_ das Weib, _ein junges, blühendes Wesen in
-schwarzen Haaren, mit schwarzen, tiefliegenden Augen, in denen eine
-verzehrende, aber noch nicht aufgeschlossene Wollust verborgen liegt,
-in ganz weißem Gewand zaghaft auf die Schwelle getreten. Alles ist
-bestürzt und, wie geblendet über den neuen Ankömmling, in die Höhe
-gefahren; die Engel starr und wie unentschlossen, was zu tun, die
-Blicke auf_ das Weib _gerichtet._
-
-MARIA (_die sich erhoben hat, imperatorisch_). Wer ist diese
-Person?--(als keine Antwort erfolgt). Wer hat Dich herein
-gelassen?--Woher kommst Du?--Kommst du von drunten?--Bist Du eine
-Gestorbene?--Oder 'was Besseres?--Eine Heilige?--Was willst Du
-hier?--Mir Konkurrenz machen?--Mit welchem Recht...? (_fängt zu zittern
-an_).
-
-<p>In diesem Augenblick kommt der TEUFEL hinter DEM WEIB herein,
-atemlos, als habe er sich verspätet, macht eine tiefe Reverenz vor
-MARIA.</p>
-
-TEUFEL. Gnädige Frau,--(DAS WEIB vorstellend.)--meine Tochter!
-
-_Die Engel fahren kreischend nach links ab._
-
-MARIA (_die Thronstufen hinabsteigend, mit dem Ausdruck höchster
-Verwunderung_). Ah!--
-
-TEUFEL (_den Eindruck abwartend; dann nach einer Pause_). Ich hoffe,
-sie gefällt Dir?
-
-MARIA (_zögernd, ihre Eindrücke sammelnd_). Gefallen?--Nein, dazu ist
-sie zu schön. Dieses Biest schlägt alles im Himmel und auf Erden.--Ich
-erwartete ein Scheusal.
-
-TEUFEL. Gnädige Frau, damit....
-
-MARIA (_unterbrechend, zornig_). "Gnäd'ge Frau!--Gnäd'ge Frau!" Ich
-bin die Immerwährende Jungfrau und Allerseligste Gottesmutter!--Merk'
-Dir's! (Mit einem Blick auf das Weib.)
-
-TEUFEL (_sehr devot, halblaut_). Diese feinen Unterschiede erfaßt Die
-noch nicht.--Sie ist wie ein Kind.
-
-MARIA. Wie, spricht sie nicht?
-
-TEUFEL. Gott bewahre!
-
-MARIA. Sie spricht keine Sprache?
-
-TEUFEL. Sie spricht die Sprache, die alle Weiber sprechen, die Sprache
-der brennendsten Verführung.
-
-MARIA. Ich meine, Du bist über unser Programm hinausgeschritten.--Was
-soll diese superbe Person...?--
-
-TEUFEL. Ich mußte sie in irgendeiner Art....
-
-MARIA einfallend. Wenn ich das wollte, konnte ich einen meiner Engel,
-ich konnte selbst....
-
-TEUFEL. Oh, schönste Frau, nimmermehr; Ihr habt vergessen....
-
-MARIA. Ja, ja!--Ganz richtig!--Jawohl!--Aber warum so blendend?--Das
-reine Entzücken! (_zum Teufel gewendet halblaut_). Kann man sich hier
-'was vergeben?
-
-TEUFEL. Du kannst sie glatt bewundern; noch weiß sie gar nichts.
-
-MARIA (_verschlingt das Weib mit ihren Blicken, geht dann in einer
-plötzlichen Wallung auf sie zu, und küßt sie_).
-
-DAS WEIB _fährt fast erschrocken zurück_.
-
-MARIA (_überwältigt_). Das volle Entzücken!--Wie ein Kind!--
-
-TEUFEL (_mit komischem Pathos_). "Rein aus der Hand des Schöpfers
-hervorgegangen!"--
-
-MARIA (_empfindet den Stich_). Oh--buffone!--Wo hast Du sie her?
-
-TEUFEL (_sehr gespreizt_). Gewisse Geheimnisse Unserer Fabrikation
-können Wir nicht mitteilen;--indes--die Mutter kann ich Dir nennen.
-
-MARIA. Ah!
-
-TEUFEL. Eine gewisse SALOME,--die schöne Köpferin,--die sich mit einer
-Schnellung ihres Tanzbeins einen warmen Menschenkopf holte.
-
-MARIA (_sich besinnend_). Haben Wir die nicht heroben?
-
-TEUFEL (_trocken_). Nein, nein!--Solche Personen habt Ihr nicht heroben.
-
-MARIA (_versunken in die Gestalt_).... solche Personen habt Ihr nicht
-heroben...! Und so blendend!--
-
-TEUFEL. Was Du siehst, hat sie von der Mutter.
-
-MARIA. Von ihr.
-
-TEUFEL (_sarkastisch_). Und noch einiges, was Du nicht siehst!--
-
-MARIA (_zu ihm hinüberschauend, verständnisvoll_). Jawohl!--Sonst?--
-
-TEUFEL. Die Qualitäten des Vaters kommen erst später zum Vorschein;--
-wenn sie Übung hat....
-
-MARIA. Das glaub' ich!
-
-TEUFEL. Ich war in meiner gloriosen Stimmung!
-
-MARIA (_die sich von der Gestalt nicht trennen kann_). Und dieses
-keusche Entzücken, dieses unvergleichliche Auge, dieser Impuls voll
-überirdischer Lust, dieser Gedanke von übermenschlicher Güte und
-Mitleid soll die Menschen, sagst Du, vergiften und verderben?
-
-TEUFEL (_sehr bestimmt_). Das SOLL es!
-
-MARIA. SOLL es das?--Kann es das?--
-
-TEUFEL (_höhnisch_). KANN es das?--Ich sag Dir, das in ihr
-verschlossene Gift ist so stark: nach vierzehn Tagen soll der, der sie
-berührt, mit Augen wie Glasklicker in die Welt schauen; seine Gedanken
-gerinnen ihm, und er schnappt nach Hoffnungsluft, wie ein trocken
-gewordener Fisch; nach sechs Wochen betrachtet er seinen Körper und
-fragt: Bin das ich? die Haare fallen ihm aus, die Wimpern fallen ihm
-aus, die Zähne fallen ihm aus; Gebiß und Gelenke werden wackelig; nach
-drei Monaten ist er an seiner Menschenoberfläche durchlöchert, wie ein
-Sieb, und er spekuliert an den Schaufenstern herum, ob man etwa eine
-neue Menschenhaut kaufen kann; die Verzweiflung rinnt ihm nicht nur
-im Herzen zusammen, sondern läuft ihm stinkend auch zur Nase heraus;
-die Freunde begucken sich gegenseitig, und wer in der ersten Phase der
-Vergiftung ist, lacht den aus, der sich in der dritten oder vierten
-befindet; nach einem Jahr fällt ihm die Nase in den Suppenteller,
-und er läuft zum Kautschukhändler, um eine neue zu kaufen; dann
-verzieht er, geht an einen andern Ort, wechselt sein Handwerk, wird
-mitleidig und sentimental, tut keinem Tierlein 'was zuleide, entwickelt
-moralische Gesinnungen, spielt mit den Mücklein in der Sonne und
-beneidet die jungen Bäume im Frühling; er wird katholisch,--wenn er
-protestantisch war; und protestantisch,--wenn er katholisch war: nach
-zwei, drei Jahren liegen ihm die Leber und die großen Drüsen wie Mörser
-im Leib und er denkt auf lockere Speisen; dann gimpelt's ihm im einen
-Aug', nach einem weiteren Vierteljahr ist es zu; nach fünf, sechs
-Jahren beginnt ein Zucken und Schießen im Körper auf und ab, wie ein
-Feuerwerk; er geht noch spazieren, und fleißig sieht er nach, ob die
-Füße noch unter dem Leib hervorkommen; noch etwas später zieht er es
-vor, im Bett zu bleiben; er liebt die Wärme; nach acht Jahren etwa
-nimmt er sich eines Tags einen Knochen aus dem eigenen Gebäu, beriecht
-ihn, und schmeißt ihn voll Grausen in die Ecke; er wird dann fromm,
-frömmer, am frömmsten; er liebt die Maroquin-Bände mit Goldschnitt und
-einem Kreuz darauf; und nach zehn Jahren liegt er schlank dort, ein
-verwelktes Skelett, mit gähnend gegen den Plafond aufgesperrtem Maul,
-das "Warum" fragt und stirbt.--Die Seele gehört dann Euch!--
-
-MARIA (_sich voll Abscheu wegwendend_). Äh!
-
-TEUFEL (_verwundert_). Was?--Habe ich meine Sache nicht gut
-gemacht?--War die Arbeit nicht so bestellt?--
-
-MARIA (_die Hände vor dem Gesicht, schluchzend_). Ach, die armen
-Menschen!
-
-TEUFEL (_einfallend_).... bleiben _erlösungs-bedürftig_ und
-_erlösungs-fähig_!--
-
-Maria (_die sich wieder umgewendet, starrt mit offenen Augen das
-Weib an, in deren Anblick sie versunken bleibt. Das Weib in der
-ursprünglichen, naiven, seiner unbewußten, schönheitsvollen Haltung._)
-
-(_Man hört draußen ein Geräusch, wie von Kommenden_).
-
-MARIA (_erwachend, und zur Thüre eilend_). Nein, niemand soll
-herein!--(_nachdem sie vor der Thüre die Kommenden erblickt_.) Nein,
-mein Sohn soll nicht herein, kann nicht herein, darf nicht herein;
-(_zurückkehrend, wild_). Schaff' mir das Weib aus dem Haus!--Thu' mit
-ihr, was Du willst; aber fort, fort!--Augenblicklich!--
-
-TEUFEL (_bittend_). Liebe Maria, Immerwährende Jungfrau, Allerseligste
-Gottesgebärerin, ich hätte noch einige Wünsche, ich denke, ich verdiene
-doch,... Du weißt....
-
-MARIA (_eilfertig_). Ja, ja,--Du sollst Deine _Stiege_ haben;--aber nur
-fort, fort!--
-
-TEUFEL (_larmoyant_). Und _Gedankenfreiheit_!--
-
-MARIA. Freund, Du denkst nur viel zuviel!--Ich will mir's überlegen,
-was ich befürworten kann;--aber jetzt fort!--
-
-TEUFEL (_mit einem schweren Seufzer, verbeugt sich tief vor Maria,
-geleitet dann mit großer Vornehmheit_ DAS WEIB _nach außen, wohin er
-sie vorantreten läßt_).
-
-MARIA (schaut starr mit offenem Munde den Gehenden nach.)
-
-(_Der Vorhang fällt_.)
-
-
-
-
-Fünfter Aufzug
-
-
-
-
-Erste Szene
-
-
-Rom. Ein Saal im päpstlichen Palast; zur Rechten (von der Bühne aus)
-ist an der Wand ein temporärer Altar errichtet, an dem ein Priester
-amtiert; zur Linken bis gegen die Mitte der Bühne reichend, stehen
-Armsessel, zum Teil mit Betpulten davor, auf denen der Papst mit seiner
-Familie, darunter CESARE und LUCREZIA BORGIA, die VANOZZA und JULIA
-FARNESE mit den Mitgliedern des heiligen Kollegiums, Bischöfen und
-Erzbischöfen, Almosenieren, dem Zeremonienmeister BURCARD, dem Kapitän
-der päpstlichen Garde und andern zum unmittelbaren Gefolge des Papstes
-Gehörigen Platz genommen; zu äußerst links, hinter den Stühlen stehen
-dichtgedrängt und ohne das Ende des Saales auf dieser Seite erkennen
-zu lassen, teils Geistliche, teils niedere Beamte des päpstlichen
-Hofstaates und ganz hinten auch etliche von der Dienerschaft, welche
-alle mit größerer oder geringerer Aufmerksamkeit der heiligen Handlung
-folgen. Erleuchtet wird der ganze Raum lediglich von den vier großen
-Kerzen, die am Altar brennen, so daß die entfernter gelegenen Teile
-in Halbdunkel gehüllt sind. Im Hintergrund befindet sich ein einziges
-großes Portal, welches offen steht.
-
-PRIESTER AM Altar, (_den man längere Zeit hantieren gesehen und
-flüstern gehört hat_). Hoc est enim Corpus meum[1].--Das Flüstern
-und Zischeln geht weiter.--Hic est enim Calix Sanguinis mei, novi
-et aeterni testamenti; mysterium fidei; qui pro vobis et pro multis
-effundetur in remissionem peccatorum[2].
-
-_Während mitten unter den Zuhörern, die teils knien, teils stehen,
-der Papst mit überschlagenen Knien und im Schoß gekreuzten Händen,
-wie es scheint, gleichgültig dort sitzt, geht unter den übrigen,
-besonders unter den weiblichen Mitgliedern, ein lebhaftes Plauschen und
-Austauschen von Meinungen einher, welches von den rückwärts Stehenden
-wiederholt durch ein diskretes "Pst!" unterbrochen wird._
-
-PRIESTER (_am Altar_).... Hostiam puram, hostiam sanctam, hostiam
-immaculatum ...[3]
-
-LUCREZIA (_teilt aus einer Tüte Confetti an ihre jüngeren Geschwister
-aus._)
-
-PRIESTER (_am Altar_).... Panem sanctum vitae aeternae, et Calicem
-salutis perpetuae....[4]
-
-Die Jüngeren scheinen sich um die Confetti zu streiten; einiges
-fällt zu Boden; sie eilen sich, es aufzuheben; man hört Raufen und
-Schimpfwörter; Stühle werden gerückt; die Damen benehmen sich um die
-Kleinen; die Herren mahnen zur Ruhe; der Papst schaut hinüber und
-lächelt; von rückwärts wiederholte "Pst--Pst!".
-
-PRIESTER (_am Altar, mit lauter Stimme_).... Per omnia saecula
-saeculorum[5].
-
-DIE ANWESENDEN (_mechanisch murmelnd_). Amen.
-
-CESARE ist von seinem Stuhl aufgestanden und begibt sich hinter die
-Lehnen seines Vaters, des Papstes, zu dem herübergebeugt er sich
-längere Zeit halblaut unterhält; die Damen fangen ebenfalls unter sich
-ein halblautes Gespräch an; die Kleinen, wieder beruhigt, molfern an
-ihren Confetti.
-
-PRIESTER (_am Altar halblaut_). Agnus Dei, qui tollis peccata
-mundi...[6]
-
-Bei diesen Worten ist DAS WEIB plötzlich auf die Schwelle des
-rückwärtigen Portals getreten. Hinter ihr sieht man eine schwarze
-Gestalt verschwinden. Sie ist in der gleichen naiv-zauberhaften
-Attitüde wie oben im Himmel und trägt dasselbe weiße,
-jugendlich-züchtige Gewand wie damals, von dem eine von der Beleuchtung
-der Kerzen unabhängige Helle auszugehen scheint.
-
-PRIESTER (_vollendet_).... miserere nobis![7]
-
-Sofort entsteht eine heftige Erregung und große allgemeine Unruhe unter
-allen Anwesenden, deren Blicke starr gegen die Thüre gerichtet sind,
-und unter denen ein bald unentwirrbares Gemisch von staunenden Ausrufen
-von seiten der Männer, von Verwünschungen von seiten der Frauen hin-
-und hergeht.--
-
-PRIESTER (_am Altar, wie oben_). Agnus Dei, qui tollis peccata mundi,
-miserere nobis!...
-
-_Die Unruhe wächst immer mehr; der Garde-Kapitän ist einige Schritte
-gegen das Portal zu getreten; die Dienerschaft drängt sich von dieser
-Seite immer stärker gegen die Mitte des Saales._
-
-PRIESTER (_am Altar_). Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, dona nobis
-pacem...[8]
-
-_Der Papst ist ebenfalls aufgestanden und schaut starr gegen die Thüre,
-wo das Weib in regungsloser Haltung verharrt; Gruppen bilden sich und
-pflegen in erregter Weise Meinungs-Austausch. Der Zeremonienmeister
-Burcard ist von hinten vorgekommen, um sich mit dem Papst zu benehmen,
-der ihm aber kein Gehör schenkt. Man hört die Kleinen schreien._
-
-PRIESTER (_vollendet und sagt sein_). Dominus vobiscum![9] (_Dessen
-Antwort_: "Et cum spiritu tuo"[10] _nicht mehr vernommen wird_.)
-
-_Man hört jetzt aus der Menge Rufe wie_: "Wer ist die?"--"Woher
-kommt die?"--"Eine Neapolitanerin!"--"Schafft sie 'naus!"--"Halt!
-Halt!"--_Man hört die Stimme des Papstes_: "Schonung! Schonung!"--
-
-PRIESTER (_am Altar, wendet sich um, sieht erschrocken die Verwirrung,
-sagt aber sein_). Ite missa est[11]--(_und erteilt darauf, ohne daß
-sich noch jemand um ihn kümmert, den Segen_.)
-
-_Nunmehr verlassen alle ihre Plätze und drängen gegen die Thüre zu; die
-Männer zunächst, die Frauen wie zurückgeschoben; der Papst, umgeben von
-seinem Sohn Cesare, dem Zeremonienmeister und dem Garde-Kapitän, führt_
-DAS WEIB _vornehm bewillkommnend unter großem Nachdrängen von seiten
-der Männer, unter lauten Ausrufen und Verwünschungen von anderer Seite,
-etwas gegen die Mitte des Saales.--Der Priester hat sich inzwischen am
-Altar verbeugt und ist rechts abgegangen; ein Sakristan ist gekommen
-und löscht vorschriftsmäßig die vier großen Kerzen aus.--In dem so
-entstandenen Halbdunkel, in dem_ DAS WEIB _wie magisch beleuchtet
-herausglänzt, sieht man noch, wie die Männer wie wild gegen die helle
-Gestalt losstürzen, die der Papst jetzt fest unter den Arm genommen
-hat, während der Garde-Kapitän den Degen zieht, Burcard die großen
-mächtigen Arme, wie zur Ruhe mahnend, hoch emporhebt, und Cesare
-wie wütend gegen die Eindringenden um sich schlägt. Die Betstühle
-werden umgeworfen; man sieht vereinzelt Dolche in der Luft blitzen;
-im Hintergrund halb ersticktes Weibergeschrei. "He, Hilfe!"--"Ich
-bin's nicht!"--"Ich bin die Falsche!"--"Waffen!"--"Soldaten!"
-Man hört_ LUCREZIA'S _Stimme: "Cesare!--Cesare!--Mio papa--zu
-Hilfe!"--Schließlich drängt die Gruppe mit dem_ WEIB _und dem_ PAPST
-_in ihrer Mitte zur Thüre hinaus; Alles wie wild nachstürzend; die
-Frauen kreischend zu beiden Seiten ab:--der Vorhang fällt._
-
-
-
-[1] Denn dies ist mein Leib.
-
-[2] Denn dies ist der Kelch meines Blutes, des neuen und ewigen
-Bundes--das Geheimnis des Glaubens--welches für euch und für viele
-vergossen wird zur Vergebung der Sünden.
-
-[3] Die reine Hostie, die heilige Hostie, die makellose Hostie.
-
-[4] Das heilige Brot des ewigen Lebens und den Kelch des immerwährenden
-Heils.
-
-[5] Von Ewigkeit zu Ewigkeit.
-
-[6] Lamm Gottes, das du trägst die Sünden der Welt ...
-
-[7] Erbarme dich unser!--
-
-[8] Lamm Gottes, das du trägst die Sünden der Welt, schenk' uns Frieden.
-
-[9] Der Herr sei mit Euch.
-
-[10] Und mit deinem Geist.
-
-[11] Soviel wie: die Messe ist vorbei.
-
-
-
-
-Zweite Szene. (Verwandlung.)
-
-
-Eine Straße in Rom vor dem päpstlichen Palast. Trübe, naßkalte
-Morgendämmerung; an einer Ecke ein tiefherabgebranntes flackerndes
-Öl-Licht.--Totenstille.
-
-_Eine Thüre am päpstlichen Palast öffnet sich leise und heraus tritt_
-DAS WEIB, _die Röcke knapp zugebunden, die halb entblößte Brust
-vor Kälte schützend, mit verwirrten Haaren und hohläugigen Blicks,
-übernächtigt und abgeschlagen; macht die Thüre leise hinter sich zu;
-schlürft einige Schritte vorwärts; sie hat zweierlei Pantoffel an,
-beide zu groß, in den Ohren und am Hals Brillantschmuck, schaut sich
-scheu und vorsichtig um; da bricht der._
-
-TEUFEL (_der bis dahin ungesehen längs einer Dachrinne im Schatten
-gestanden, hastig hervor, auf sie zu, gebieterisch._) Jetzt zu den
-Kardinälen! Dann zu den Erzbischöfen! Dann zu den Gesandten! Erst zu
-den Gesandten der italienischen Staaten; dann zu den fremdherrlichen
-Gesandten! Dann zum Camerlengo! Dann zu den Neffen des Papstes! Dann
-zu den Bischöfen! Dann durch alle Klöster durch! Dann zu dem übrigen
-Menschenpack!--Tummle dich und halte die Rangordnung ein!--(_Weib
-langsam ab._)
-
-(_Der Vorhang fällt._)
-
-
-(Schluß.)
-
-
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Das Liebeskonzil, by Oskar Panizza
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS LIEBESKONZIL ***
-
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-with this agreement, and any volunteers associated with the production,
-promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
-harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
-that arise directly or indirectly from any of the following which you do
-or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
-work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
-Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
-
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of computers
-including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
-because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
-people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation information page at www.gutenberg.org
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
-permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
-Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
-throughout numerous locations. Its business office is located at 809
-North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email
-contact links and up to date contact information can be found at the
-Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To
-SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
-particular state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations.
-To donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
-works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
-concept of a library of electronic works that could be freely shared
-with anyone. For forty years, he produced and distributed Project
-Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
-unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
-keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
-
- www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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