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Schabelth) - -1895 - - - - -Dem Andenken - -Gutten's. - - - - -"Es ist got gefellig gewesen in unsern tagen kranckheiten zu senden -(als wol zu achten ist) die unsern vorfaren unbekant seint gewesen. Da -bey haben gesagt die der heiligen geschrift obligen, das die blatteren -uß gotz zorn kumen seint, und got damit unsere bösen berden straffe und -peynige." - -Ulrichen von Hutten, eins teutschen Ritters Von den Frantzosen oder -blatteren 1519. - -"Dic Dea, quae causae nobis post saecula tanta Insolitam peperere -luem?..." Fracastoro, Syphilis sive de morbo Gallico 1509. - - - Personen. - - Gott Vater - Christus - Maria - Der Teufel - Das Weib - Ein Cherubim - Erster Engel - Zweiter Engel - Dritter Engel - Helena } - Phryne } - Héloise } Gestalten aus dem Totenreich - Agrippina } - Salome } - Rodrigo Borgia, Alexander VI., Papst - Girolama Borgia, vermählt mit Cesarini (Mutter unbekannt) } - Isabella Borgia, vermählt mit Matuzzi (Mutter unbekannt) } - Pier Luigi Borgia, Herzog von Gandia(von der Vanozza) } - Don Giovanni Borgia, Graf von Celano(v. d. Vanozza) } Kinder des - Cesare Borgia, Herzog von Romagna(v. d. Vanozza) } Papstes - Don Gioffre Borgia, Graf von Cariati(v. d. Vanozza) } - Donna Lucrezia Borgia, Herzogin von Bisaglie (v. d. Vanozza)} - Laura Borgia, noch minderjährig. - Giovanni Borgia, noch minderjährig (von Julia Farnese, - vermählte Orsini). - Die Vanozza } Mätressen des Papstes - Julia Farnese, vermählt mit Orsini } - Alessandro Farnese, ihr Bruder, Kardinal. - Donna Sancia, Schwiegertochter des Papstes, vermählt mit Don Gioffre. - Adriana Mila, Vertraute des Papstes, Erzieherin seiner Kinder. - Francesco Borgia, Erzbischof von Cosenza } - Luigi Pietro Borgia, Kardinal-Diakon } Neffen des Papstes - Collerando Borgia, Bischof von Monreale } - Rodrigo Borgia, Kapitän der päpstlichen Garde } - Giovanni Lopez, Bischof von Perugia } - Pietro Caranza, Geheimkämmerer } Vertraute des Papstes - Juan Marades, Bischof von Toul, Geheimintendant } - Giovanni Vera da Ercilla, Mitglied des heiligen } - Kollegiums - Remolina da Ilerda, Mitglied des heiligen Kollegiums - Burcard, Zeremonienmeister des Papstes. - Ein Priester. - Erster Edelmann. - Zweiter Edelmann. - Dritter Edelmann. - Pulcinello, Schauspieler - Colombina, Schauspieler - Eine Courtisane. - -Der Heilige Geist, Erzengel, ältere und jüngere Engel, Amoretten; ---Maria Magdalena, Apostel, Märtyrer, Barmherzige Schwestern, ein -Bote;--Tiere, Fratzen, Gestalten von Toten;--Geistliche Würdenträger, -päpstliche Hofbeamte, Gesandte, römische Damen, Kavaliere, Courtisanen, -Schauspieler, Sänger, Kämpfer, Soldaten, Volk. - -Zeit: Frühjahr 1495, das erste historisch beglaubigte Datum vom -Ausbruch der Lustseuche. - - - -Erster Aufzug - - - - -Erste Szene - - -_Der Himmel; ein Thronsaal;_ DREI ENGEL _in schwanenweißen, -federdaunartigen Anzügen mit enganliegenden, gamaschenähnlichen -Kniehosen, Wadenstrümpfen, kurzen Amoretten-Flügeln, weißgepuderten, -kurz geschnittenen Haaren, weißen Atlas-Schuhen; sie haben Flederwische -in der Hand zum Abstauben._ - - -ERSTER ENGEL. Heut steht ER wieder spät auf. - -ZWEITER ENGEL. Seid froh! Dieses Gehust', dieses wasserblaue Geglotz', -dieses Schleimfließen, Fluchen, Spucken den ganzen Tag--man kommt zu -keinem gesunden Augenblick. - -DRITTER ENGEL. Ja, es ist merkwürdig daheroben! - -ERSTER ENGEL. Apropos! Ist der Thron festgemacht? - -ZWEITER ENGEL. Ja, um Gottes Willen! Ist der Thron festgemacht? Er -wackelte gestern. - -DRITTER ENGEL. Wer wackelte gestern? - -ERSTER ENGEL. Der Thron, dummes Gänschen! - -DRITTER ENGEL (_verwundert_). Der Thron?--Warum wackelt der Thron? - -ERSTER ENGEL. Enfin, er wackelt eben. - -DRITTER ENGEL. Wie? Wackelt denn hier heroben überhaupt etwas? - -ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_laut auflachend_). Ha, ha, ha, ha!-- - -DRITTER ENGEL (_immer ernster und erstaunter_). Ja, warum wackelt der -heilige Thron? - -ERSTER ENGEL (_energisch_). Dummes Gänschen! Weil hier sowieso alles -aus dem Leim geht und lidschäftig wird, Götter und Möbel, Franzen und -Tapeten. - -DRITTER ENGEL (_innerlich erbebend_). Gott, wenn das meine Mutter wüßte! - -ZWEITER ENGEL (_stirnrunzelnd und höhnisch_). Deine Mutter?--Was willst -Du denn mit Deiner Mutter, Fratz? - -DRITTER ENGEL. Ach, sie ließ doch heute die sechzigste Seelenmesse für -mich lesen! - -ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_mit wachsender Verwunderung_). Für Dich?!-- -(_Beide laut auflachend_.) Ja wie alt bist denn Du? - -DRITTER ENGEL (_sich besinnend und dann mit Pathos zitierend_.) "Vor -Gott sind tausend Jahre wie ein Tag, und ein Tag wie tausend Jahre!"-- - -ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_ihr abwinkend und sie zur Raison bringend; -sehr breit_). Ja, ja, ja--is schon recht; das wissen wir schon!--Aber -wie alt warst Du denn drunten? - -DRITTER ENGEL (_kindlich_). Knapp vierzehn Jahre! - -ERSTER ENGEL (_lachend_). Und da brauchst Du Seelenmessen? - -DRITTER ENGEL (_zaghaft_). Ach, Ihr wißt ja nicht, ich bin ja gestorben! - -ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_noch lauter lachend_). Ha, ha, ha! Hi, -Hi!--No, natürlich, sonst wärst Du ja nicht hier!-- - -DRITTER ENGEL (_in unverrückbarem Ernst_). Ach, Ihr wißt ja nicht, ich -bin ja in Sünden gestorben! - -ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_aufs neue lachend_). Das auch noch!--Du -armer Schlucker, was hast Du denn getan?-- - -DRITTER ENGEL (_stockt, schaut mit ihren starren Augen ihre Genossinnen -an und faltet die Hände_). - -ZWEITER ENGEL (_höhnisch_). Hast Deine Schulaufgaben nicht -gelernt?--Hast Kleckse in Dein Schreibheft gemacht? - -DRITTER ENGEL (_immer in ängstlich-gespannter Haltung_). Ach, mir wird -so bang;--nicht wahr, Ihr sagt es nicht weiter?!-- - -ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_sich ausschüttend vor Lachen_). Was? Da -heroben; und nichts weiter sagen?! - -DRITTER ENGEL (_erstaunt_). Was? Ihr wißt es schon? - -ERSTER ENGEL. Nein! Aber sag's nur heraus; wir erfahren's doch! - -ZWEITER ENGEL. Also frisch! Was war's? - -DRITTER ENGEL. Ach, mich hat ein großer Mann--erdrückt! - -ERSTER ENGEL (_betonend_). Erdrückt? - -DRITTER ENGEL. Oder vergiftet! - -ZWEITER ENGEL (_ebenso betonend_). Vergiftet? - -DRITTER ENGEL (_naiv_). Ich weiß nicht mehr, wie die Mutter sagte. - -ERSTER ENGEL (_mit wachsendem Erstaunen_). Ja, war denn die Mutter -dabei? - -DRITTER ENGEL (_mit glänzenden Augen erzählend_). Die war im -Nebenzimmer;--aber die Thüre war halb offen;--da kam ein großer, alter -Mann herein;--die Mutter hatte gesagt, ich sollte alles geschehen -lassen; der Mann sei der Rektor der Schule und sei sehr streng;--und -wenn ich in allem gehorsam sei;--käme ich unter die ersten;--und der -große, alte Mann-- - -ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_drängend_). Nun, der große, alte Mann...? - -DRITTER ENGEL (_fortfahrend_).... war sehr stark. - -ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_sich gegenseitig anschauend und die Kleine -imitierend_). Der große, alte Mann war sehr stark! - -ZWEITER ENGEL. So steht's im Ollendorf[1] auch. - -ERSTER ENGEL (_die Kleine aufrüttelnd_). Nun, was tat denn der große, -alte Mann? - -DRITTER ENGEL (_herausbrechend_). Er erdrückte mich und vergiftete -mich, und bespie mich mit seinem heißen Atem, und wollte in meinen Leib -eindringen.... - -ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_die Hände zusammenschlagend, mit verstellter -Verwunderung_). Was?--Und die Mutter kam Dir nicht zu Hilfe? - -DRITTER ENGEL. Die stand an der Thürspalte und sagte immerfort: "Sei -nur brav, Lilli, sei nur brav, Lilli!" - -ZWEITER ENGEL. Nun, und dann? - -DRITTER ENGEL. Dann lag ich schluchzend auf dem Bett. - -ERSTER ENGEL. Und dann? - -DRITTER ENGEL (_sich besinnend_). ... ich hörte dann noch die Mutter -mit dem Manne reden.... - -ZWEITER ENGEL. Was sprachen sie? - -DRITTER ENGEL (_sich tief besinnend_). ... ich weiß es nicht -mehr;... sie waren schon im Nebenzimmer ... ich hörte noch die Zahl -fünfhundert.... - -ERSTER ENGEL. Und dann? - -DRITTER ENGEL (_sich immer länger besinnend_). ... die Mutter kam -herein ... sie sagte, nun hätten sie viel Geld, und könnten lustig und -vergnügt für immer leben.... Die Gedanken gehen ihm aus. - -ERSTER ENGEL (_drängend_) Und dann?-- - -ZWEITER ENGEL (_ebenso_). Und dann? Und dann? - -DRITTER ENGEL (_fast verklärt_). Dann--bin ich gestorben. - -ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_fahren, die Hände über dem Kopf -zusammenschlagend, mit einem schrillen, lang anhaltenden, -mädchenhaft-gilfenden Ton, wie um eine innere Erregung ausströmen zu -lassen, auseinander, und wie zwei Kreisel pfeifend, in der weitesten -Rundung im Saal herum; der Dritte noch immer in starr verklärter -Stellung._) - -ERSTER ENGEL (_nach längerem Umhersausen, atemlos_). Und da läßt Dir -jetzt Deine Mutter für das viele Geld Seelenmessen lesen?! - -DRITTER ENGEL. (_weinerlich ängstlich_). Ich bin ja in Sünden gestorben! - -ZWEITER ENGEL (_eindringlicher_). Für die 500 Mark oder Taler oder -Franken läßt Dir jetzt Deine Mutter Seelenmessen lesen?! - -DRITTER ENGEL (_mißverstehend-naiv_). ... für einen Teil des Geldes. - -ZWEI ÄLTERE ENGEL (_kommen schnell hereingestürzt mit dem Ruf_). ER -kommt!--ER kommt!--Ist alles parat?--(_Die Drei fahren auseinander und -machen sich an die Arbeit_.) - -ERSTER ENGEL. Um Gottes willen, seht, ob der Thron fest ist! (_Einer -der Engel macht sich am Thron zu schaffen. Andere Engel kommen -inzwischen, bringen Decken, Polster, Kissen und dergl._) - -ZWEITER ENGEL (_hopst auf den Thron und probiert ihn nach allen -Seiten_). Alles fix! - -ERSTER ENGEL (_zum dritten, der noch zu scheu ist, Hand anzulegen und -verwundert dem ganzen Treiben zuschaut_). Du, davon mußt Du mir noch -mehr erzählen.--Jetzt stell' Dich zu uns her! - -DIE ZWEI ÄLTEREN ENGEL (_die bisher außen an der Thüre Wache gestanden -haben, kommen jetzt, wie oben, eilfertig zurück, übermäßig mit -den Armen fuchtelnd, und mit dem gleichen Rufe_). ER kommt!--ER -kommt!--(_Man hört draußen schlappendes und schleppendes Geräusch_.) - - -[1] Bekannte Schulgrammatik. - - - - -Zweite Szene - - -DIE VORIGEN; GOTT VATER, _ein Greis im höchsten Lebensalter mit -silberweißen Haaren, ebenso Bart, hellblauen wässerigen Glotzaugen, -tränengefüllten Augensäcken, gebeugten Hauptes, kyphosischen Rückgrats, -kommt in langem, talarartigem, mißfarbig-weißem Gewände, von zwei -Cherubim rechts und links gestützt, hustend und brustrasselnd, -schwerfällig tappend und nach vorn geneigt, hereingeschlappt; zwei -Engel stehen am Thron und halten ihn: die übrigen stürzen auf die -Knie, wenden das Gesicht zur Erde und breiten die Arme aus; hinter -Gott Vater ein endloses Cortège von Engeln, Seraphim, Thürstehern, -Aufwärtern, alles weiblich, oder geschlechtslos, mit teils -alltäglich-gelangweilten, teils fürwitzigen, teils ängstlich-besorgten -Gesichtern; sowie einige nonnenartig gekleidete Barmherzige Schwestern -mit Medizinflaschen, Decken, Spucknäpfen u. drgl.--Sie geleiten Gott -Vater langsam vorsichtig zum Thron, helfen ihm die zwei Stufen hinauf, -indem sie unten seine Beine fassen und hinaufheben, drehen ihn dann -oben um, und lassen ihn langsam auf den im ältesten byzantinischen -Stil gehaltenen, mit reichem Mosaik verzierten Sitz nieder, indem zwei -vorne, zwei hinten und je einer an den beiden Seiten ihn teils stützen, -teils in Empfang nehmen; ein letzter Engel trägt die Krücken nach._ - - - -GOTT VATER (_sinkt mit einem verzweifelnd von sich stoßenden, -lebenssatt-rauhen Exspirations-Seufzer auf den Thron nieder_). -Ach!--(_Glotzt dann starr und bewegungslos, aber schweratmend, vor sich -hin_.) - -(_Alle Engel, auch die bis dahin gekniet gewesenen, in hastig hin- und -herlaufender Bewegung_.) - -CHERUBIM (_in flüsternd-drängendem Befehlston_). Die Fußbank! - -EIN ENGEL (_bringt eilig das Gewünschte_). Die Fußbank! - -CHERUBIM (_die Fußbank untersetzend; wie oben_). Die Wärmeflasche! - -EIN ENGEL (_bringt sie_). Die Wärmeflasche. - -CHERUBIM (_wie oben_). Den Fußsack! - -EIN ENGEL (_eilig_). Den Fußsack. - -CHERUBIM (_wie oben_). Die Steppdecke! - -EIN ENGEL (_bringt sie, eilig_). Die Steppdecke. - -CHERUBIM (_in drängendem Befehlston_). Die Schlummerrolle! - -EIN ENGEL (_bringt sie_). Die Schlummerrolle. - -CHERUBIM (_wie oben_). Den Rückenwärmer! - -EIN ENGEL (_bringt ein sechsfach zusammengelegtes weiches -Flanellstück_). Den Rückenwärmer! - -CHERUBIM (_immer hastiger befehlend_). Die Armpolster! - -EIN ENGEL (_bringt zwei Hohlkissen für die Armlehnen_). Die Armpolster. - -CHERUBIM (_wie oben_). Das Foulard! - -EIN ENGEL (_bringt ein kirschrotes Seidentuch_). Das Foulard. - -(_Während der Cherubim das Tuch um den Hals des Greisen windet, hört -man_). - -GOTT VATER (_unartikuliert-rauh stöhnen und jammern_). -Ach!--Ach!--Ach!--Ach!-- - -VERSCHIEDENE ENGEL. Wo fehlt's?--Was ist?--Helft! Helft!--Wo fehlt's?-- - -GOTT VATER (_mit vorgebeugtem Kopfe weiterstöhnend_). -Ach!--Ach!--Ach!--Ach!-- - -ALLE ENGEL (_sammeln sich in großer Bestürzung um den Thron; einige -knien nieder und schauen ängstlich gespannt auf Gott Vater_.) -Helft!--Helft!--Wo fehlt's?--Wo fehlt's?--Göttliche Majestät, wo -fehlt's?--Er stirbt uns!--Holt Maria!--Holt den Mann!--Helft!--Helft!-- - -GOTT VATER (_weiter stöhnend; wird engobiert im Gesicht; aus -den Augensäcken rollen große Tränen infolge der Anstrengung_). -Ach!--Ach!--Schu!--Schpu!--Schpu!-- - -EIN ENGEL (_springt auf, triumphierend, mit heller, lauter Stimme_). -Die Spuckschale! - -ALLE ENGEL (_aufspringend, in klirrendem Diskant, erlösend_). Die -Spuckschale!! - -(_Sie eilen zu einem Tisch, wo Medizinflaschen, Weinkaraffen, -Bisquit-Gläser u. drgl. stehen, und bringen eine rosa-rote -Kristall-Vase_). - -GOTT VATER (_räuspernd, kollernd, sich abmühend, erleichtert sich -endlich_). - -_Ein Engel nimmt die Spuckschale zurück, trägt sie, von anderen -begleitet, feierlich nach hinten; ein anderer Engel wischt dem Alten -mit einem seidenen Tuch den Bart ab; dann stehen alle Anwesenden, dicht -gesammelt, erwartungsvoll um Gott Vater herum.--Dieser schaut erst -lange mit glasig-starren Blicken im Kreise herum, packt dann plötzlich -mit zitternden Händen die Krücken, die ihm im Schoß liegen, und stößt -sie mit unerwartetem Ruck und heiserem, fürchtenmachendem, fingierten -Gebrüll gegen die Engel vor. "Wuh!--Wuh!--" Die Engel fahren kreischend -auseinander und fliehen zu den Thüren hinaus.--Nur ein Cherubim bleibt -zurück, der kniend, mit in den Händen vergrabenem Gesicht, sich vor ihm -niederwirft.--Lange Pause_.-- - - - - -Dritte Szene - - -GOTT VATER. EIN CHERUBIM; _dieser, ein geschlechtsloser Engel, -gefitticht weiß, sehr schön von Angesicht, im Charakter des Antinous; -kniet während der ganzen Szene_. - - -GOTT VATER (_nachdem er lange auf ihn herabgesehen; sehr ruhig; mit -tief genommenem Bariton_). Rollt die Erde noch in ihren Sphären?-- - -CHERUBIM (_die Augen aufschlagend, feierlich_). Die Erde rollt in ihren -Sphären!--Pause. - -GOTT VATER (_wie oben_). Ist die Sonne schon aufgegangen?-- - -CHERUBIM (_zögernd_). Die Sonne steht, heiligster Vater! - -GOTT VATER (_ruhig, unbekümmert_). _Steht_ die Sonne?--Ach so, ich hab' -vergessen.--Ich sehe sie ja fast nicht mehr!-- - -CHERUBIM. Was machen Deine Augen, ehrwürdiger Vater!-- - -GOTT VATER. Schlecht!--Schlecht!--Gott, ich bin alt geworden!-- - -CHERUBIM (_feierlich_). Vor Dir sind tausend Jahre wie ein Tag!-- - -GOTT VATER. Ja, ja; aber schließlich gehen die auch herum! - -CHERUBIM. Du wirst wieder besser werden, göttlicher Greis! - -GOTT VATER. Nein, ich werde nicht wieder besser werden! Ausbrechend. -Gott, ist das schrecklich, alt zu sein!--Gott, wie ist das schrecklich, -als Alter auch noch ewig leben zu müssen!--Gräßlich, ein blinder Gott -zu sein! - -CHERUBIM. Du wirst wieder sehend werden, göttlichster, heiligster -Vater!-- - -GOTT VATER (_bestimmt_). Nein, ich werde nicht wieder sehend -werden!--Ich werde immer älter, zerbrechlicher und elender! Gott, wenn -ich sterben könnte! - -CHERUBIM (_sanft_). Du wirst nicht sterben!--Du kannst nicht -sterben!--Du sollst nicht sterben!-- - -GOTT VATER (_gerührt, leise weinend_). ... Ach, meine Glieder, sie sind -gekrümmt, verschwollen, wassersüchtig, kontrakt, verdorben.... Streicht -die Knie hinab. - -CHERUBIM (_rutscht ganz nahe zu ihm hin, legt seinen Kopf auf das -eine Knie und streichelt mit der Hand das andere; leise wimmernd, mit -tiefer Teilnahme, den Alten kindlich imitierend_). Deine Glieder sind -gekrümmt,--sind geschwollen,--sind wassersüchtig,--sind kontrakt,--sind -verdorben.... Ach!--Ach!-- - -GOTT VATER (_intensiver weinend_). Meine Füße sind vergichtet, -verknorpelt, brennend vor Schmerzen, zuckend und zerrissen.... - -CHERUBIM (_rutscht hinunter auf die Füße des Alten, liebkost sie, -und jammert_). Deine Füße sind vergichtet,--sind verknorpelt,--sind -brennend vor Schmerzen,--zucken und sind zerrissen.... Ach!--Ach!-- - -GOTT VATER (_bricht in heftiges, schmerzhaftes Schluchzen aus_). -Ach!--Ach!- - -CHERUBIM (_stürzt sich ganz zu Boden und umschlingt beide Füße, sein -Gesicht in denselben schluchzend verbergend_). Ach, mein Gott! Mein -Gott!-- - -GOTT VATER (_will sich gerührt vorbeugen, streckt beide Arme nach dem -Knaben aus, kann ihn aber nicht erreichen, während dicke Tränen auf den -Kopf des Cherubim herabtropfen_.) - -CHERUBIM (_dessen gewahr, schnellt empor und bringt sich, in -halb-kniender Stellung den Körper des Alten umschließend, ihm -entgegen._) - -GOTT VATER (_ergreift in heftiger Leidenschaft den Kopf des Knaben mit -beiden Händen, drückt sein naß-verschwommenes Gesicht an dessen Wangen, -und küßt, von Schluchzen unterbrochen, brünstig dessen Stirne, Augen, -Haare. Beide, in Tränen aufgelöst, ruhen, während der heftige Ausbruch -des Alten zu versiegen beginnt, in stummer Umarmung aneinander.--In -diesem Augenblick klopft es draußen_.) - -CHERUBIM (_fährt empor_). Es ist jemand draußen! - -GOTT VATER (_müd_). Sieh, wer es ist! - -CHERUBIM _nachdem er sich an der Thüre flüsternd erkundigt, kommt -zurück. Ein geflügelter Bote ist draußen, der will Dir Nachricht -bringen; er thut sehr eilig_. - -GOTT VATER (_gleichgültig_). Laß ihn herein!-- - - - - -Vierte Szene - - -[_Die Vorigen; ein gefittichter, auch an den Füßen geflügelter Bote von -reiferem Charakter kommt in Begleitung zweier Engel in großer Erregung -herein._] - -BOTE (_sinkt in den Staub und küßt den Boden; richtet sich dann kniend -auf_). Herr, ich komme aus Italien; aus Neapel; Gräßliches muß ich -Dir berichten; der Pfuhl der Sünde stinkt bis da herauf; alle Bande -der Sittlichkeit sind gelöst; man hohnlacht Deiner heiligen, am Berge -Sinai von Dir selbst gegebenen Gebote; die Stadt, vom Franzosenkönig -belagert, ergibt sich den entsetzlichsten Greueln; Weiber laufen mit -entblößtem Busen frech-lüstern durch die Straßen; die Männer funkeln -wie Böcke; ein Laster folgt dem andern; das Meer brandet bis in ihre -Gassen; die Sonne hat sich schon verdunkelt; aber sie achten weder -irdischer noch himmlischer Zeichen; die Unterschiede der Stände sind -aufgehoben; der König bricht ins Lupanar; und der Facchino dringt zu -den feilen königlichen Metzen in den Palast; Hunde und Spielhähne -haben ihre Brunstzeit, aber die Neapolitaner sind das ganze Jahr -Tiere; die ganze Stadt ein kochender Kessel der Leidenschaft; Italien -ist das liebes-wahnwitzigste unter den Völkern Europas; aber Neapel -ist in Italien, was Italien unter den Völkern; die Belagerung hat den -Rausch der Geschlechter bis zum Wahnsinn gesteigert; kein Alter wird -geschont, keiner Jugend sich erbarmt; Zeugungs-Glieder in unermeßlicher -Größe werden als Gottheiten in festlichem Aufzug durch die Straßen -geführt, von Reigen junger Mädchen begleitet, und wie allmächtige Idole -angebetet. Und in Deiner Kirche sah ich den Priester vor dem Altar mit -einer feilen Dirne.... - -GOTT VATER (_der den Gang der Erzählung mit wachsendem Erstaunen -zugehört, erhebt sich, seines Zornes nicht mehr mächtig, mit äußerster -Kraft-Anstrengung vom Thron, und reckt die geballte Faust_). Ich will -sie zerschmettern!--(_Alles stürzt zu Boden und verbirgt das Antlitz_). - -CHERUBIM (_mit flehender Geberde_). Thu' das nicht, lieber heiliger -Vater;-- -- -- Du hast ja sonst keine Menschen mehr!-- - -GOTT VATER (_der den Cherubim lange mit offenem Munde angestarrt, sich -besinnend, zusammenknickend_). Ja, so,--richtig,--ich hab' vergessen; -(_vollends auf den Thron zurücksinkend_). das Erschaffen ist ja -vorbei;--ich bin zu alt;--und meine Kinder können es nicht.-- - -CHERUBIM (_naiv_). Beruhige Dich, göttlicher Greis!--Du wirst Dein -drohendes Gesicht aus den Wolken zeigen und den Neapolitanern eine -Zornes-Rede halten; sie werden dann schaudern. - -GOTT VATER. Sie werden nicht schaudern!--Sie verlachen mich ja!--Sie -wissen, daß ich nur reden kann. Sie wissen, daß sie da unten unter -sich sind; freien, lieben und hassen können, und mich nicht mehr -brauchen.--(_Auffahrend_). Aber Du (_zum Boten_) rufe mir meine Tochter, die -allerseligste Jungfrau,--und auch meinen Sohn magst Du rufen,--und -die Cherubim und Würgengel mögen sich für meinen göttlichen Befehl -bereit halten;--und auch dem Teufel laß ich vermelden, er möge sich zu -mir bemühen: wir wollen ein Konzil halten, und beraten, was in dieser -gräßlichen Sache zu tun ist. - - -BOTE _und alle_ ÜBRIGEN ENGEL _bis auf den_ CHERUBIM _unter großem -Geräusch ab._--Der CHERUBIM _bemüht sich um den erschöpften Alten, -bettet ihn aufs neue auf den Thron, rückt Fußschemel und Wärmeflasche -zurecht, knüpft ihm das Foulard, wischt ihm Gesicht und Bart ab, und -schmiegt sich zuletzt zu seinen Füßen, während der Alte dessen Hand -ergreift und in der seinen ruhen läßt._--STUMME SZENE. - - - - -Fünfte Szene - - -DIE VORIGEN. MARIA, _von einer Schar jugendlich amorettenhaft -gekleideter Engel, die ihr vorauseilen und ihr Blumen streuen, sowie -von erwachsenen Engels-Knaben, die Lilienstengel tragen, gefolgt und -begleitet, kommt in hochmütig-stolzer Haltung, eine kleine Krone -auf dem Haupte, in einem blauen, sternbesäten Kleid, welches vorne -das weiß-seidene Untergewand erblicken läßt, durch die Haupt-Thüre -herein, macht in Front von Gott Vater, von dessen Thrones-Stufen -sich der Cherubim inzwischen zurückgezogen, eine steife, hofmäßige -Verbeugung und begibt sich dann auf einen zweiten, in der Zwischenzeit -von dienstbaren Engeln, etwas entfernt von Gott Vater, ebenfalls -an der Wand zurechtgerichteten Thron, der, mit hoher Rücklehne, im -Stile sich der Zeit der Minnesänger anpaßt. Sie verweilt dort während -des Folgenden, von ihrem Engels-Chor umgeben, ausschließlich mit -Herrichtung ihrer Toilette, Benutzung eines kleinen Spiegels sowie -Selbst-Besprengung mit wohlriechenden Wässern, beschäftigt.--Ein -weiches Geflüster schalkhafter, augenschmeißender Amoretten macht -sich um ihn vernehmbar.--Währenddem unterhalten sich auf der -entgegengesetzten Seite, links im Vordergrund, die drei aus der ersten -Szene bekannten_ ENGEL. - - -ERSTER ENGEL. DER MANN kommt. - -ZWEITER ENGEL (_in die Hände patschend_). Der Mann, der Mann kommt. - -DRITTER ENGEL (_aufhorchend ernsthaft_). Der Mann? Wer ist der Mann?-- - -ZWEITER ENGEL. Ach, der Mann--Du kleines Äffchen--das ist der Mann! - -ERSTER ENGEL (_belehrend_). Das ist der schönste, der zarteste, der -zuckrigste Mann; der einzige Mann im Himmel; das ist der Mann. - -DRITTER ENGEL (_neugierig_). Ist er jung? - -ERSTER ENGEL. Wie eine Palme. - -DRITTER ENGEL (_nach einigem Besinnen_). Ist er jünger wie der alte -Mann dort? - -ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_sich gegenseitig ins Wort fallend_). -Hunderttausendmal jünger! - -DRITTER ENGEL (_nach weiterem Besinnen_). Ist er jünger wie die schöne -Frau dort? - -ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_wie oben_). Tausendmal, tausendmal jünger! - -DRITTER ENGEL (_wieder besinnend_). Ist er jünger wie der garstige alte -Mann drunten auf der Erde? - -ERSTER UND ZWEITER ENGEL (_wie oben_). Unendlich oftmal viel jünger! - -DRITTER ENGEL (_sich erwärmend_). Ist er schön? - -ZWEITER ENGEL. Weiß wie Elfenbein! - -DRITTER ENGEL. Ist er schlank? - -ERSTER ENGEL. Wie eine Tanne! - -DRITTER ENGEL. Was hat er für Augen? - -ZWEITER ENGEL. Wie eine Gazelle! - -DRITTER ENGEL. Wie spricht er? - -ERSTER ENGEL (_besinnend_). Wie eine Aeolsharfe--Aber traurig, traurig! - -DRITTER ENGEL (_teilnahmsvoll_). Warum ist er traurig, der Mann? - -ZWEITER ENGEL. Er ist ja verwundet! - -DRITTER ENGEL (_stumm-verwundert fragend_). - -ERSTER ENGEL. Sie haben ihn ja in die Hände gestochen! - -ZWEITER ENGEL. Und durch die Füße! - -ERSTER ENGEL. Und in die Seite hinein! - -ZWEITER ENGEL. Und von der Stirn unter den Haaren herab fließen -Blutstropfen! - -DRITTER ENGEL (_der mit wachsender Bewunderung zugehört_). Aber er lebt? - -ERSTER UND ZWEITER ENGEL. Er lebt! - -_Man hört draußen das Sich-Nahen eines Zuges. Eine Schar junger, -mädchenhafter Engel stürzt voraus._ - -ERSTER UND ZWEITER ENGEL. Der Mann kommt! - -DRITTER ENGEL (_leise repetierend_). Der Mann kommt. (_Sie Treten etwas -zurück, um Platz zu machen_.) - -DIE VORAUSEILENDEN ENGEL (_zwitschernd, kichernd_). Der Mann! Der Mann! - -_Christus, mit gestreckten, nach vorn übereinandergeschlagenen Armen -(Ecce-homo-Stellung), kommt im weißen Talar mit übergeschlagenem -Purpur-Mantel, als König der Juden, gesenkten Kopfes und mit -tief-trauriger Miene skandierten Schrittes herein, umgeben von meist -älteren Engeln, die Kreuz- und Marterwerkzeuge tragen; in seinem -Gefolge Apostel, Märtyrer, Maria Magdalena, Klageweiber. Er ist -sehr jugendlich, blaß mit dunklen Haaren, leichtem Flaumbart, eine -hoch aufgeschossene, ätherische Erscheinung; auch das Gefolge hat -den Charakter tiefster Niedergeschlagenheit und Hinfälligkeit. Die -jüngeren Engel drängen sich mit feurigen Blicken um ihn, suchen -seinen Gewandsaum zu berühren. Er begibt sich, gleichgültig von Gott -Vater beobachtet und gänzlich unbeachtet von Maria, selbst in seiner -Passivität von niemandem Notiz nehmend, zu einem für ihn inzwischen -aufgeschlagenen, etwas abseits von den andern stehenden Thron, der -die primitive Gestalt eines jüdischen Lehrstuhls hat. Dort läßt er -sich, seine Ecce-homo-Stellung beibehaltend, in großer Apathie nieder, -während sich sein Gefolge um ihn gruppiert._ - -_Nachdem alles sich versammelt und die Engels-Gruppen in der Front von -den drei Thronen, wo sie den ganzen Vordergrund einnehmen, sich kniend -niedergelassen._ - -GOTT VATER (_feierlich mit tiefem Pathos_). Sind Wir alle versammelt?-- - -_Im nächsten Augenblick fährt ein feuriger Streifen pfeifend wie eine -Rakete oben am Gewölbe quer durch den Saal, in der Ferne klirrend -verhallend: der Heilige Geist.--Alles blickt mit feierlicher Geste, die -Engel die Hände auseinanderspreitend, nach oben; nur Maria schaut, den -Kopf nachlässig auf die linke Thronlehne gestützt, gleichgültig vor -sich hin; während Christus, die Arme über der Brust kreuzend, das Haupt -noch tiefer senkt und so längere Zeit in tiefer Zerknirschung verweilt._ - -GOTT VATER (_nach einer Pause, während der alle in die frühere Stellung -zurückkehren_). Wir haben Euch hieher berufen, um Euren Rat in einer -schweren, entsetzlichen Sache zu vernehmen.--Die Menschen haben sich, -meine Gebote mißachtend, in götzendienerischer, selbst-zerstörender -Weise den schrecklichsten Ausschweifungen, den fürchterlichsten Greueln -hingegeben. In einer Stadt--in Asien--in--in--wo war es nur gleich?... - -CHERUBIM (_in nächster Nähe von Gott Vater mit emporgefalteten -Händen_). In Neapel, heiligster Vater.-- - -GOTT VATER (_sich erinnernd_). In Neapel haben sie unter gänzlicher -Verschiebung der die Scham garantierenden Kleider sich wie Tiere, -mit rücksichtsloser Verachtung der für die fleischlichen Instinkte -gesetzten Schranken und Vorbehalte, vermischt, und so den göttlichen -Zorn.... - -MARIA (_einfallend, leichthin_). Ach ja, ich hab' davon gehört. - -GOTT VATER (_erstaunt aufhorchend_). Wie? Was ist das? - -MARIA (_wie oben_). Ja, ich kenne die Affäre. Der Bote war zuerst bei -mir ... (hält sich plötzlich den Mund zu, als wolle sie's zurücknehmen). - -GOTT VATER (_blaß vor Zorn, will auffahren, sucht den Boten unter den -Versammelten, blickt dann wieder schnaubend zu Maria hinüber_). - -CHERUBIM (_mit stummer Geberde, bittet den Alten, sich zu bemeistern -und hält unverwandt in seinem Bitten an_). - -GOTT VATER (_schluckt es hinunter, bitter_). ... Dann seid Ihr alle -orientiert. Kämpft noch längere Zeit mit seiner Erregung.--Die -schrecklichste Strafe haben Wir bei Uns beschlossen.... - -MARIA (_dazwischenfahrend_). Das Gesindel wird nie besser. - -CHRISTUS (_blickt matt auf, mit schwindsüchtiger Stimme und gläsernem -Aug', nachlallend_). Nein,--das--Gesindel wird nie besser. - -DIE ENGEL (_unter sich, sich anstoßend_). Der Mann! Der Mann!-- - -MARIA MAGDALENA (_bitter_). Was haben sie denn getan? - -MARIA (_kurz_). Ich sag' Dir's nachher! Koschonerien, wie gewöhnlich. - -GOTT VATER (_erbost_). Wir wollen sie verderben! - -CHRISTUS (_wie oben_). Ja, ja,--wir wollen sie verderben! - -CHORUS DER APOSTEL, MÄRTYRER, ENGEL (_bedauernd_). Ah!--Ah!-- - -CHRISTUS (_nicht orientiert_). Hä? - -MARIA (_kurz, imperatorisch_). Nein, nein! Das geht nicht! Wir müssen -sie doch haben. - -CHRISTUS (_nachsprechend_). Ja,--ja,--wir müssen sie haben. - -GOTT VATER (_sich in der Minorität fühlend, zornig_). Müssen wir sie -haben?--Ich will sie ausrotten, diese Scheusale.--Will--will--will -wieder eine schöne Erde haben mit Tieren im Walde.... - -MARIA (_spöttisch_). Wenn wir Tiere haben, müssen wir Menschen auch -haben. - -MARIA MAGDALENA (_teilnahmsvoll_). Die Sünde dient zur Läuterung. - -GOTT VATER. Sie fressen die Sünde wie süßen Kuchen, bis sie platzen, -bis sie faulen. - -MARIA (_trocken_). Die Begattung müssen wir ihnen schließlich -lassen.--Ein Stückchen Wollust muß man ihnen gönnen--sonst hängen sie -sich am nächsten Baum auf. (_Der Alte schaut immer zorniger, sprühender -herüber_.) Bei der Nacht! Bei der Nacht!--Im Frühjahr!--Zu gewissen -Zeiten!--Wenn der Mond scheint!--Mit Maß und Ziel!... - -GOTT VATER (_immer zorniger_). Ich will sie erschlagen wie zwei -geile Hunde--in ihrem schönsten Rausch!... (_Große Bewegung in der -Versammlung. Die jüngeren Engel blicken sich staunend an._) - -MARIA (_trocken_). Wer macht dann die Menschen? - -_Während die Apostel sich eifrig unterhalten und eine peinliche -Empfindung durch den ganzen Saal geht, starrt der Alte mit glühendem -Kopfe schwer keuchend vor sich hin; er wird immer dunkler im Gesicht, -kollert und rasselt; ein Erstickungsanfall scheint im Anzuge zu -sein; er fuchtelt mit den Armen herum; wirft Decken und Krücken von -sich; stöhnt und brüllt; man eilt ihm zu Hilfe; bringt Spuckschale, -Flaschen und ätherische Flüssigkeit; Maria ist besorgt aufgesprungen; -Christus, vor Schwäche sitzen bleibend, blickt mit lechzenden, glasigen -Augen herüber; große Verwirrung. Der Alte weist aber alle Hilfe und -Unterstützung mit wilder Gebärde von sich, nimmt alle Kraft zusammen -und brüllt mit furchtbarer Anstrengung._ - -GOTT VATER. Ich will sie zerschmeißen--zertreten--im Mörser meines -Zornes--zerschmettern. (_ist im Begriffe, sich zu erheben und zu -einem allmächtigen, unwiderruflichen, mit der Tat identischen Schlag -auszuholen_). - -CHERUBIM (_stürzt in diesem Moment hervor, wirft sich vor dem Alten -hin, mit flehender Stimme_). Heiligster, göttlichster Vater, morgen ist -Ostern!--Drunten essen sie das Passah-Mahl! - -CHOR DER APOSTEL, MÄRTYRER, ÄLTEREN ENGEL (_einfallend_). Sie essen das -Passah-Mahl. - -GOTT VATER (_der innegehalten_). Was essen sie?-- - -CHERUBIM UND DIE ANDERN. Sie essen das Passah-Mahl! - -GOTT VATER (_blickt verwundert um sich_). Das Passah-Mahl essen sie? - -CHOR DER APOSTEL. Sie essen das Osterlamm! - -CHERUBIM. Sie essen das Abendmahl? - -GOTT VATER (_sich besinnend_). Das Abendmahl? - -CHERUBIM. Sie essen das Fleisch und Blut Christi! - -GOTT VATER (_etwas wärmer_). Mein Sohn, sie essen Dich! - -CHRISTUS (_mit matter Stimme_). Ja, sie essen mich. - -MARIA (_mit gemachter Zärtlichkeit_). Mein lieber Sohn, den ich in -meinem Leibe getragen habe! - -CHRISTUS (_kindlich_). Den Du in Deinem Leibe getragen hast. - -GOTT VATER (_mechanisch_). Den sie in ihrem Leibe getragen hat. - -DIE JÜNGEREN ENGEL (_unter sich flüsternd_). Der Mann!--Der Mann!-- - -MARIA (_wie oben_). Dich essen sie! - -CHRISTUS (_wie oben_). Mich essen sie. - -GOTT VATER (_wie oben_). Ihn essen sie. - -CHRISTUS (_auffahrend_). Ja, und trotzdem werden Wir da heroben immer -elender und schwächer!--Es ist entsetzlich! Hüstelt. Mich essen sie, -und werden wieder gesund und sündenfrei. Und Wir gehen immer mehr zu -Grund. Erst fressen sie sich drunten mit Sünden voll, bis zum Platzen, -und dann genießen sie mich, und gedeihen, und werden sündenfrei, und -dick und fett; und Wir werden mager und elend. Ah! diese vermaledeite -Rolle! Ich möchte einmal den Spieß umkehren und mich satt essen, und -sie darben lassen! (_Bricht in einen schwindsüchtigen Husten aus_). - -MARIA (_aufspringend und zu ihm hineilend, besorgt_). Mein Gott, mein -Sohn, vergiß nicht, Du bist unverletzlich, göttlich, unaufzehrbar, in -alle Ewigkeit derselbe! Legt sein Haupt an ihre Brust und liebkost ihn. - -CHRISTUS (_schluchzt heftig an der Brust Marias_). - -DIE JÜNGEREN ENGEL (_unter sich flüsternd_). Der Mann! Der Mann! - -GOTT VATER (_nach einer Pause, viel ruhiger geworden, zu Cherubim_). -Wer feiert denn da drunten jetzt alles Passah-Mahl? - -CHERUBIM (_einfallend_). Die Christen, heiliger Vater. Deine Gläubigen, -göttlicher Meister; Deine Kinder, die auf Dich hoffen; die Frommen, -die Katholischen, die alleinseligmachende Kirche, Deine Priester, die -Bischöfe, der Papst! - -GOTT VATER (_gernglaubend, freundlich_). So!--Das wollen Wir doch -einmal ansehen! - -MARIA (_glücklich, daß ein Ausweg gefunden_). Ja, das wollen wir uns -einmal ansehen! Zu Christus. Komm, mein Sohn, wir wollen uns das einmal -ansehen, das wird Dich zerstreuen! - -_Große Erleichterung in der ganzen Versammlung; die kompakten -Gruppen lösen sich auf; jüngere Engel verlassen den Saal; dienstbare -Geister machen sich an den Thronen zu schaffen, um alles wieder in -prächtige, geschmückte Ordnung zu bringen; alles medizinische Gerät -wird entfernt; dafür werden eigentümliche große Dreifüße während des -Folgenden hereingebracht; die Gruppen der Apostel, Märtyrer, Engel, -Barmherzigen Schwestern entfernen sich in feierlicher Ordnung; so daß -zuletzt nur die drei Gottheiten, der Cherubim und einige ältere Engel -zurückbleiben._ - -GOTT VATER (_der bequem auf seinem Thron in halbliegender Stellung -gebettet ist, in tief-sonorem, feierlichem Ton_). Bringt Uns die -Räucherbecken und Kohlenpfannen und erzeuget in Uns Allwissenheit und -Allgegenwärtigkeit!-- - -_Die Dreifüße werden in die Mitte des Saales gestellt, mit einer -braunen Droge, gemischt mit Sandelholz, beschickt, und dann angezündet; -die Thüren werden geschlossen; die dienstbaren Engel entfernen sich, -als letzter der Cherubim. Man sieht die drei Gottheiten, während -sich die Dampfwolken verbreiten, langsam zurücksinken und die Augen -schließen. Während dem fällt der Vorhang._ - - - - -Zweiter Aufzug[1] - - - -Erste Szene - - -Ein Prunksaal im päpstlichen Palast in Rom, den im Hintergrunde -Arkaden mit darüber befindlicher Galerie im Rundbogenstil abschließen; -der Saal ist rückwärts als an die Privatkapelle des Papstes stoßend -gedacht, mit der eine Kommunikation von der hohen Galerie aus durch -Öffnen der daselbst befindlichen Fenster möglich ist, derart, daß die -Galerie mit dem Sänger-Chor der Kapelle etwa in gleicher Höhe liegend -ist.--Die ganze linke Seite (von der Bühne aus) nehmen der Papst mit -seiner Familie, der päpstliche Hofstaat und die tafelnden Gäste ein, -wo reich-besetzte Tische mit kostbarem Service und hellen, auffallend -hohen, dreiarmigen Kandelabern zu sehen sind. Die ganze Mitte und -rechte Seite, mit Ausnahme einiger zu äußerst rechts sich bildender -unterhaltender Gruppen, bleibt frei für die späteren Evolutionen -und Maskeraden.--Es ist gegen Abend und der erste Ostertag 1495; -die Speisen werden eben abgetragen. Der Papst ist in dem bequemen, -wenig auffälligen Kostüm eines Hausprälaten (violett mit Sammet) -gekleidet und trägt ein rundes Sammetkäppchen; alle übrigen in reichen -Kostümen.--Glänzende Dienerschaft; fortwährendes Hin- und Hergehen; -rege Unterhaltung; wiederholtes Gelächter; im Hintergrund unter den -Arkaden eine Musik; die Galerie mit Zuschauern, Leuten aus dem Volk -besetzt; die Gruppen im Saal bilden sich, tauschen Neuigkeiten aus, und -zerstreuen sich wieder.--Außer dem Papst (RODRIGO BORGIA, Alexander -VI.), einem Sechziger, seine neun Kinder GIROLAMA, ISABELLA, PIER -LUIGI, DON GIOVANNI (Graf von Celano), CESARE, DON GIOFFRE, LUCREZIA, -fünfzehnjährig, blond, heiter und kindlich, LAURA und DON GIOVANNI -BORGIA, ein Knabe; seine Schwiegertöchter und Schwiegersöhne, darunter -DONNA SANCIA, Gemahlin Don Gioffres; seine Neffen und Verwandten, -darunter COLLERANDO BORGIA, Almosenier, Bischof von Coria und Monreale, -FRANCESCO BORGIA, Erzbischof von Cosenza, Schatzmeister des Papstes, -LUIGI PIETRO BORGIA, Kardinal-Diakon von Santa Maria, RODRIGO BORGIA, -Kapitän der päpstlichen Garde; seine Vertrauten, darunter GIOVANNI -LOPEZ, Bischof von Perugia, PIETRO CARANZA, Geheimkämmerer, GIOVANNI -VERA DA ERCILLA und REMOLINA DA ILERDA, Mitglieder des heiligen -Kollegiums, JUAN MARADES, Bischof von Toul, Geheimer Intendant; des -Papstes zwei Mätressen, die frühere, VANOZZA, 53 jährig; die jetzige, -JULIA FARNESE, 21 jährig; diese mit ihrem Gemahl ORSINI und ihrem -Bruder, dem Kardinal ALESSANDRO FARNESE; seine Vertraute ADRIANA -MILA, Erzieherin seiner Kinder; BURCARD, Zeremonienmeister des -Papstes; Erzbischöfe, Bischöfe, Kardinäle, päpstliche Würdenträger, -römische Damen, Soldaten und Dienerschaft, Leute aus dem Volke, später -Courtisanen und Schauspieler. - - -DON GIOFFRE. Hat dieser Spanier heute nicht wieder langweilig gepredigt? - -DER PAPST. Schrecklich, es war nicht zum Anhören. - -DONNA SANCIA (_zu Lucrezia_). Ich habe Dir immer Zeichen -hinübergemacht, aber Du hast mich nicht verstanden. - -LUCREZIA (_schläfrig_). Ach, Pietro hat mich doch immer mit dem Fuß -gestoßen. - -DON GIOFFRE. Der Spanier hat Seine Heiligkeit auch nicht verstanden; er -predigte immer zu; und Seine Heiligkeit gaben doch deutliche Zeichen -der Unzufriedenheit. - -DER PAPST. Er kommt aus Valencia; die Kerle sind dort so bocksteif; -wenn Einer anfängt, hört er nimmer auf; jede Empfindung wird eine -Rakete, jedes Wort ein Knüppel. (Gelächter). - -FRANCESCO BORGIA, der Bischof. Aber ehrlich Mühe hat er sich gegeben. - -DER PAPST. Ehrlichkeit ist immer eine Ungeschicklichkeit. - -DON GIOFFRE. Und das Volk glotzte herauf, wie mit Geisteraugen, wütend, -besessen, verschlingend. - -DON GIOVANNI. Weil Donna Sancia immer wisperte und kicherte. - -DONNA SANCIA. Nein, weil Lucrezia immer Confetti aß. - -LUCREZIA. Nein, weil Laura eingeschlafen war und schnarchte. - -DON GIOFFRE. Ich glaube die Perlen der schönen Farnese stachen ihm in -die Augen. - -FRANCESCO BORGIA, der Bischof. Konnte das Volk das alles sehen? - -LUCREZIA. Wir saßen doch alle oben im Chor, rechts und links vom Altar. - -DER PAPST. Nein, Kinder, das ist es nicht! Ihr dürft lachen und -scherzen, Perlen tragen und Confetti essen. Aber ich sah einige -_Dominikaner_ unter ihnen sitzen; es sind Florentiner von San Marco, -Schüler des Savonarola, dieses Ruhestörers. Sie wiegeln mir das Volk -auf, und schwatzen, und machen geisterhafte Augen.... - -DON GIOFFRE. Warum, entfernt man die Tagediebe nicht? - -FRANCESCO BORGIA. Sie sind in Mission hier. Sie konferieren mit ihrem -General. - -DON GIOVANNI. Oho, sind wir hier auch schon so weit, daß man den Frauen -Schmuck vom Körper reißt, auf einen Haufen wirft und verbrennt? - -DON GIOFFRE. Wird sich Eure Heiligkeit noch länger von dem Florentiner -Narren Gesetze diktieren lassen? - -DER PAPST (_zwinkernd_). Wir luden ihn ein.--Er kommt nicht. - -DON GIOVANNI. Wie, er weigert den Gehorsam? - -DER PAPST. Der Medizäer schützt ihn.--Lorenzo ist bußfertig geworden, -er fragt täglich bei Savonarola an, ob er noch Aussicht habe, in den -Himmel zu kommen. - -LUCREZIA. Wer ist Savonarola, santo papa? - -DER PAPST. Er erlaubt Euch nicht, Confetti zu essen und Perlen zu -tragen. (_Gelächter_.) - -DON GIOFFRE. Gibt es kein Mittel...? Haben wir kein Kirchengift mehr? - -CESARE (_finster, trocken_). Später!-- - -_Eine Gruppe Edelleute zu äußerst rechts (von der Bühne aus)_. - -ERSTER EDELMANN (_flüsternd_). Ihr wißt, man fand heute nacht den -Herzog von Bisaglie im Tiber? - -ZWEITER EDELMANN. Ja, er ist ertrunken. - -DRITTER EDELMANN. Ja, und mit drei schweren Wunden dazu! - -ERSTER EDELMANN. Er soll schwer betrunken nachts den Vatikan verlassen -haben.... - -DRITTER EDELMANN. Es ist gegenwärtig immer gefährlich, nachts den -Vatikan zu verlassen, einerlei in welchem Zustand ... besonders, wenn -man der Gemahl der schönen Lucrezia ist. - -ZWEITER EDELMANN. Ihr meint...? - -DRITTER EDELMANN. Ich meine, daß der Herzog von Bisaglie gestern abend -in Gegenwart seiner Gemahlin Lucrezia und ihres Bruders Don Cesar -erdrosselt wurde.-- - -_Erster und zweiter Edelmann fahren auseinander_. - -ZWEITER EDELMANN. Aber die tiefen Wunden? - -DRITTER EDELMANN. Rühren von einem Überfall her, den vor vier Wochen -eine Bande Maskierter auf ihn am Petersplatz machte, und von denen der -Herzog die Unverschämtheit hatte, genesen zu wollen. - -_Beide erschrecken aufs neue_. - -ERSTER EDELMANN. Aber seht Lucrezia; sie ist heiter, wie am -Hochzeitstag. - -DRITTER EDELMANN. Sie ist ein Kind! Seine Heiligkeit machte sie diesen -Morgen zur Fürstin von Nepi und schickte ihr einen großen Korb mit -Confetti. - -ZWEITER EDELMANN. Und weiß der Papst von dem Sachverhalt? - -DRITTER EDELMANN. Alexander VI. weiß nichts; Rodrigo Borgia weiß alles. - -ERSTER EDELMANN. Und was wird er tun? - -DRITTER EDELMANN. Er wird eine Seelenmesse für den in den Tiber -gefallenen Herzog lesen, und den Fürsten von Ferrara benachrichtigen, -daß Lucrezia frei ist.-- - -_Vom Hintergrund her ertönt eine Tanzweise. Die drei Edelleute gehen -auseinander. Man sieht im Hintergrunde Paare tanzen. Die Tafel ist -inzwischen abgeräumt und hinausgetragen worden. Die ganze Gesellschaft -setzt und lagert sich auf Taburetts und Kissen. Der Platz in der Mitte -ist nun noch größer geworden. Die Gruppen bleiben nicht unbeweglich. -Man steht auf, geht zu andern, plauscht, trinkt und nippt von den -dargebotenen Süßigkeiten, und kehrt auf seinen Platz zurück. Von den -tanzenden Paaren haben inzwischen einige pausiert. Einige der Damen -kommen erhitzt und glühend nach vorn. Der Papst nimmt einem der Diener -einen Korb Confetti ab und wirft von denselben den Damen in den Busen. -Heiteres Gelächter unten und von der Galerie herab. Das Musikstück hat -aufgehört._ - -DER PAPST. Wo stecken unsere Buffoni!--Laßt sie herein!--Und Wir, Wir -lassen uns hier nieder Nach links weisend, wo die Plätze sich befinden; -zu Lucrezia. Komm, mein Kindchen! - -_Pulcinello tritt auf mit Colombina und seinem Gefolge. Sie führen ein -mimisches Spiel auf. Pulcinello im weißen Puderkostüm mit Ledergurt, -Halskrause, Tüten-Mütze und schwarzer Halbmaske, die Pritsche in der -Hand, apostrophiert erst mit tiefen Verbeugungen, Grimassierungen -und Verdrehungen das Publikum; währenddem sucht er sich plötzlich zu -erdrosseln, hält die Hände so, als wenn es fremde wären, ächzt und -stöhnt und will sterben. Colombina kommt von hinten vor, erschrickt -scheinbar, kann es nicht sehen und hält die Hände vors Gesicht. Der -Papst versteht die Anspielung und droht mit dem Finger. Darauf lassen -sie ab, und das eigentliche Spiel beginnt in dem Sinne, daß Colombina, -die junge Frau des alten Pantalone, von Pulcinello entführt und der -Ehemann betrogen wird. Wiederholtes Gelächter während des Spiels und -lebhafte Unterhaltung._ - -DER PAPST (_während des Spiels zu Lucrezia, die zu seinen Füßen auf -einem Kissen Platz genommen, schmeichelnd_). Mein Herzchen, Du hättest -eigentlich heute einen Trauertag; Dein schöner Herzog ist so plötzlich -gestorben. - -LUCREZIA (_kindlich_). Ach ja, er ist in den Tiber gefallen. - -DER PAPST (_bedauernd_). Du hast ihn wohl gern gehabt? - -LUCREZIA (_wie oben_). Ach ja, recht sehr! - -DER PAPST. Sei nur zufrieden, wir haben schon wieder einen neuen für -Dich! - -LUCREZIA (_lebhaft_). So schön wie mein Herzog? - -DER PAPST. Schöner noch, mein Kätzchen. - -_Während im Spiel Colombina und Pulcinello sich hinter Pantalone laut -küssen, und dieser, sich plötzlich umkehrend, eine Ladung weißen Puders -im Gesicht empfängt, und unbeholfen hin- und hertaumelt, was von allen -Seiten mit lautem Gelächter begrüßt wird, tritt der Zeremonienmeister._ - -BURCARD (_auf den Papst zu_). Eure Heiligkeit, die Vesper hat in der -Kapelle begonnen; die Kirche ist gedrängt voll und das Volk erwartet am -Ostertag Euren Segen! - -DER PAPST. Wir wollen das Spiel sehen; auch hat Uns der Tod Unseres -lieben Schwiegersohns zu plötzlich erschüttert.--Man öffne (_auf die -Galerie weisend_) dort die Fenster, und sage dem Volke, daß ich von der -Loggia dort der Vesper beiwohne. Der Zeremonienmeister ab. - -_Gleich darauf sieht man oben die Fenster zwischen den Rundbögen -der Galerie, wo das Volk steht, rückwärts vom Innern der Kirche aus -sich öffnen, so daß man einen Einblick auf Fries, Gebälk, Statuen -und angezündete Kronleuchter erhält.--Während dem nimmt das Spiel -seinen Fortgang. Wie Pulcinello mit der Pritsche dem verwirrt hin- und -herlaufenden Pantalone nacheilt und auf ihn losschlägt, und Colombina, -sich versteckend, hinter Pulcinello drein eilt, hört man plötzlich -aus den Fenstern über der Galerie in wehmütig-schmerzlichem Ton ein -mehrstimmiges Graduale singen._ - -CHOR. De profundis clamavi ad te Domine; Domine exaudi vocem meam; -Fiant aures tuae intendentes in vocem deprecationis meae; Si -iniquitates observaveris Domine, quis sustinebit? Speravit anima mea -in Domino; A custodia matutina usque ad noctem; quia apud Dominum -misericordia et copiosa apud eum redemptio. Et ipse rediniet nos ex -omnibus iniquitatibus nostris[2]. - -_Schon bei den ersten Tönen ist das Volk oben auf der Galerie scheu -von den Fenstern zurückgewichen, und hat sich, sich bekreuzend, halb -gegen das Innere der Kirche gewendet. Unten sieht man, mehr gegen den -Hintergrund, einige Gesichter und verlegene Mienen. Aber der Papst -mit seiner Familie bleibt heiter und das Spiel nimmt, wenn auch etwas -gezwungen, seinen Fortgang._ - -_Kurz nach dem Graduale geht auch das Spiel zu Ende. Der Papst gibt der -Musik ein Zeichen, und diese beginnt ein neues Musikstück, zu dem im -Hintergrund die Paare tanzen. Pulcinello und seine Truppe verabschieden -sich unter tiefen und grotesken Bücklingen. Man wirft ihnen Goldstücke -zu. Der Papst winkt Colombina zu sich hin, der er die Backen streichelt -und ihr ein besonderes Geldgeschenk in die Hand drückt, worauf sie sich -mit einem Handkuß verabschiedet._ - -DER PAPST (_nachdem die Musik geendet, klatscht in die Hände_). Wo sind -unsre Schönen? - -_Auf dies Zeichen öffnet sich im Hintergrund der Galerie ein Vorhang -und zwölf Courtisanen von auserlesener Schönheit betreten, durch -leichte, durchsichtige Gewänder verhüllt, den Saal, und nehmen rechts -im Vordergrund Aufstellung; der Papst mit den Herren und Damen seiner -Umgebung gehen auf sie zu, mustern sie, und bewillkommnen sie unter -scherzenden Redensarten._ - -DER PAPST (_nachdem er sie alle gemustert, erstaunt_). Wo ist die -Pignaccia?[3] - -EINES DER MÄDCHEN nachdem (_erst alle verlegen geschwiegen_). Sie ist -zu Karl[4] nach Neapel. - -DER PAPST. Wie? Geht Ihr auch zu Unsern Feinden über? - -_Der Papst mit seinem Gefolge zieht sich wieder nach links zurück, wo -es sich, wie früher, auf Taburetts und Kissen gruppiert; Lucrezia auf -dem Schoß ihres Vaters, von diesem geschmeichelt; Diener stellen die -großen, dreiarmigen, helles Licht verbreitenden Kandelaber, die früher -auf der Tafel stunden, in die Mitte des Saales auf den Boden. Auf ein -Zeichen durch Klatschen in die Hände werfen die Mädchen die Gewänder -ab; päpstliche Diener, hinter den Herrschaften stehend, werfen aus -Körben über die Köpfe der Zuschauer hinweg Kastanien in die Mitte des -Saales, auf die sich die Mädchen stürzen und sich um sie raufen. Helles -Gelächter. Es bildet sich ein Kreis um die auf dem Boden kämpfenden -Mädchen. Auch von der Galerie, wo sich inzwischen das Volk wieder -zusammengedrängt hat, erschallt lautes Gelächter. Sobald eine Ration -Kastanien aufgelesen ist, welche die Courtisanen nach rechts neben ihre -Gewänder sorgfältig auf einen Haufen legen, werden neue Kastanien -aufgeworfen und der gleiche Kampf beginnt von neuem.--Eines der -Mädchen, dessen Haare alle aufgelöst sind, kommt einem der Kandelaber -zu nahe und fängt Feuer. Der Papst springt auf--während Lucrezia zu -Boden gleitet--und erstickt das Feuer mit seinen Gewändern._ - -DER PAPST (_als sich zeigt, daß die Kleine keinen Schaden gelitten, -züchtigt sie mit der Hand_). Diesmal, Du Schlingel, konntest Du die -Reise ins Jenseits antreten! (_Lachen_). - -DIE COURTISANE. Du hättest mich im Fegfeuer nicht länger brennen lassen -als hier, santo papa! Erneutes Gelächter, in das der Papst miteinstimmt. - -_Als die Kastanien alle verteilt, wird gezählt, und je nach der Zahl -der gesammelten an die Mädchen Preise verteilt. Ein neues Musikstück -beginnt, und die Diener reichen Erfrischungen. Laute Unterhaltung im -ganzen Saal, vornehmlich über die Qualitäten der Mädchen._. - -_Als das Musikstück schweigt:_ - -DER PAPST (_klatscht aufs neue in die Hände_). Jetzt laßt unsere -Athleten herein. - -_Auf der andern Seite der Galerie treten von hinter einem Vorhang zwei -nackte kräftige Männer ein, die zu den Mädchen geführt, sich an deren -Anblick berauschen, um dann, auf ein weiteres Zeichen, den Zweikampf zu -beginnen[5]. Alles drängt sich um das Schauspiel unter Aufmunterungen -und Beifalls-Zeichen. Auch die Mädchen verfolgen mit allem Interesse -den Kampf. Als der Sieger seinen Gegner unter lautem Beifall geworfen, -tritt er auf die Courtisanen zu, wählt sich unter Scherzreden aller -Anwesenden die Schönste und verläßt mit ihr den Saal. Der Unterlegene -geht allein fort. Darauf betritt ein zweites Paar den Saal.--Die -Aufregung unter den Zuschauenden steigert sich von Minute zu Minute. -Beifallsworte und aufstachelnde Bemerkungen werden mit immer größerer -Teilnahme und Leidenschaft dazwischen geworfen.--Als der fünfte seinen -Gegner unter lautem Geschrei und Beifallsklatschen geworfen, und er -eben seine Wahl trifft, ertönt in tiefernsten, tragischen Tönen vom -Innern der Kirche der Schlußgesang der Vesper._ - - -VENI SANCTE SPIRITUS[6] - - Veni sancte Spiritus - Et emitte coelitus - Lucis tuae radium. - Veni pater pauperum - Veni dator munerum - Veni lumen cordium. - Sine tuo nomine Nihil - est in homine, - Nihil est innoxium. - Lava quod est sordidum, - Riga quod est aridum, - Sana quod est saucium. - O lux beatissima - Reple cordis intima - Tuorum fidelium. - - -_Eine peinliche Stille ist nach den ersten Akkorden eingetreten. -Das Volk auf der Galerie ist wieder entsetzt zurückgewichen, um den -Platz vor den Fenstern freizumachen. Ein Teil der Anwesenden verläßt -den Saal.--Indessen ist schon der sechste Kämpfer mit seinem Partner -eingetreten. Der Papst gibt durch einen Wink den Befehl zur Fortsetzung -des Spiels, an dem seine Familie und Vertrauten mit ärgerlichen Mienen -über die eingetretene Störung teilnehmen, und das bis zum siebenten -Kämpfer unter der Begleitung des Kirchengesangs seinen Fortgang -nimmt.--Nach Schluß des letzteren wird die Stimmung wieder etwas wärmer -und das Interesse reger. Der Kreis um die Kämpfenden schließt sich -wieder. In der Kirche sieht man die Kronleuchter verlöschen und die -Fenster von innen sich zumachen.--Das Spiel geht weiter._ - -_Beim neunten Kämpfer stürzt ein Bote in den Saal und flüstert in -erregter Weise mit den im Hintergrund Stehenden. Die Bewegung setzt -sich nach vorne fort. Man hört Rufe: Was ist los?--Was gibt's?--_ - -RODRIGO BORGIA (_Kapitän der päpstlichen Garde_). Der französische König, -Eure Heiligkeit, ist, von Neapel zurückkehrend, im Anmarsch auf Rom und -nur noch wenige Meilen entfernt. - -DER PAPST (_aufstürzend, erregt_). Zum Teufel!--Auf nach Orvieto!--Die -Spanier und Katalanen sollen Uns begleiten!--Nehmt Unsere Kassen und -Kostbarkeiten mit!--Die Damen sollen sich rüsten; auf Gepäck und -Maultiere verzichten; wir reisen alle zu Pferd! Pallavicini bleibt als -Gouverneur der Stadt mit einem Teil der Truppen zurück. Er empfange -den König mit allen Ehren, aber drohe ihm in Unserem Namen, als einem -ungehorsamen Sohn der Kirche, den Bannfluch an, wenn er länger als -vierundzwanzig Stunden auf Unserem Gebiet verweilt.--Cesare übernimmt -die Bedeckung Unseres Zuges.--Vergeßt die goldenen Meßgeräte nicht! -Fort! Alles in großer Erregung ab. - -DIE MÄDCHEN (_ihre Gewänder anlegend, jauchzend_). Carlo kommt!--Carlo -kommt!-- - -(_Der Vorhang fällt._) - - -[1] Burcardi, Zeremonienmeister Alexanders VI., "Diarium", nouvelle -edition par Thuasne, 3 vols., Paris 1885. - -[2] Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir; Herr, höre meine Stimme; laß -Deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens; So Du willst, Herr, -Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Meine Seele wartet auf den -Herrn von einer Morgenwache zur andern; Denn bei dem Herrn ist die -Gnade, und viel Erlösung bei ihm; Er wird uns erlösen von allen unseren -Sünden. - -[3] Eine berühmte Hetäre ihrer Zeit, die später hingerichtet wurde. - -[4] Karl VIII. von Frankreich, der kurz vorher Neapel eingenommen hatte. - -[5] Battaglie d'amore, Liebeskämpfe, hießen diese Schauspiele am Hofe -Alexanders VI. - -[6] Komm, Heiliger Geist, und entsende himmelher den Strahl Deines -Lichts. Komm, Vater der Armen, Geber der Güter, Erleuchter unserer -Herzen. Ohne Deine Klarheit sind wir Menschen leer, nichtig und -schuldbeladen. Wasche uns rein von Sünden; Erfrische die, die da -vertrocknet sind; Und heile die Verwundeten. O göttliches Licht, -erfülle die Herzen Deiner Frommen! - - - - -Dritter Aufzug - - - - -Erste Szene - - -_Im Himmel; ein vertrauliches Kabinett in Blau. Interimsthron, einfach -und bequem_. GOTT VATER, MARIA, CHRISTUS, der TEUFEL; _erstere drei -auf ihren Stühlen; letzterer in schwarzem, enganliegenden Kostüm, sehr -schlank, mit pointiertem Gesicht, ganz rasiert, mit verwitterten, -abgelebten, gelb-verärgerten Zügen, in seinen Bewegungen an einen -feineren Juden erinnernd, auf einen Fuß sich stützend, den andern -aufziehend, vor ihnen aufrecht._ - -GOTT VATER (_ernst und kurz_). Freund, Wir haben Dich rufen lassen.--Es -handelt sich um einen speziellen Auftrag, der ... (_Stockt_) -... besondere Geschicklichkeit erheischt;--ich weiß, Du denkst -viel--(Teufel verbeugt sich).--könntest Du nicht ... (_Stockt_) -... es handelt sich, ä ... ein Wesen, ä ... ein Ding, welches ... -ä, ein Einfluß,--der imstande wäre,--die--Uns in ihrem Begehren -anekelnde, gänzlich verwahrloste Menschheit--(_Teufel macht eine -verständnis-innige, vornehm-bedauernde Bewegung_) ... ä, wieder -auf den Pfad der Tugend ... ä, und der wahren Sittlichkeit ... in -empfindlich-strafender Weise zurückzuführen, ... ä, so daß ... ä ... -(_Zu Christus gewendet_). mein lieber Sohn, sag' Du's ihm;--Ich kann -mit Worten nicht recht umgehn;--Ich habe immer nur gehandelt,--nie viel -Worte gemacht.-- - -CHRISTUS (_sich mühsam aufrichtend, nach einigem Besinnen, fließend._) -Mein Herr!-- --Wir gedächten Ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen--in -einer Sache,--die Ihnen ebenso großen Vorteil einbringen soll, wie -uns selbst,--ich meine,--die Ihnen die Menschheit--hinsichtlich -ihrer irdischen Sphäre keineswegs entfremden soll,--ich sage dies -ausdrücklich, um jeden Verdacht bei Ihnen nach dieser Richtung -hin gleich von vornherein zu zerstreuen--(_Teufel macht eine -verbindlich-abwehrende Handbewegung, als sei ihm ähnliches nie in -den Sinn gekommen._)--im Gegenteil, die--Ihnen diese Sphäre in noch -ausgiebigerer Weise als bisher--unterwerfen soll:--es handelt sich um -einen Kompromiß,--um ein Übereinkommen hinsichtlich der Verschiebung -der Grenzen--unserer beiderseitigen, bisherigen Gewalten,--die keinem -der beiden kontrahierenden Teile zu nahe treten soll,--und wobei Wir -auf Ihre bewährte Geschicklichkeit, Ihren Scharfsinn, Ihren Takt, -Ihr--versöhnliches Entgegenkommen, Ihre--Bildung,--Ihre--Ihre-- -- -(_fängt zu hüsteln an, wird kurzatmig, stöhnt und keucht, fällt -röchelnd zurück, die Augen treten hervor, die Stirne wird schweißig, er -bekommt einen asthmatischen Anfall_). - -MARIA (_herbeispringend, während der Teufel sehr vornehm eine -reservierte Verlegenheit heuchelt_.) Schon Dich, mein Sohn,--Du -sollst nie reden,--Du wirst schlechter,--Du bist leidend, (zum Teufel -gewendet, verbindlich), mein lieber Freund, wir bedürfen Deiner -Hilfe,--es ist ja nicht nötig, daß man erfährt, daß Du es bist, der -die Sache inszeniert (der Teufel macht eine abwehrend-beruhigende -Bewegung).--bitte, steh' uns bei,--es soll Dein Schade nicht sein -Zwinkert ihn an.--Du verstehst Winkt gegen Gott Vater ab, in dem -Sinne, daß dieser taub, alt und gebrechlich, und ihr nichts in den -Weg lege--(der Teufel verbeugt sich).--es handelt sich in Kürze um -folgendes: Durch eine unglückliche Einflüsterung (zeigt auf den Alten -hin) bewogen, wohnten wir einer Szene im päpstlichen Palast zu Rom bei, -in den Gemächern des Papstes ... wie heißt er gleich.... - -TEUFEL (_verbindend einfallend_). Ah, Alexander, der Sechste seines -Namens, Rodrigo Borgia-- -- - -MARIA. Ganz recht, dieser Borgia,--ach, es war skandalös, es war -gräßlich,--das war ein Passahmahl!... - -GOTT VATER (_plötzlich hervorkollernd, in breitester Unflätigkeit_). -Pfui Daifel!--Pfui Daifel!--Pfui Daifel!-- - -CHRISTUS (_erwacht aus seiner Schwäche, fällt ein, fast tonlos_). -Ja,--pfui Daiwel!--pfui Daiwel!... - -TEUFEL (_in großer Verwirrung, ärgerlich, unangenehm berührt_). ... -Ich bitte ... unter diesen Umständen ... darf ich wohl verzichten, ... -fernerhin hier.... Will sich, nach rückwärts schreitend, zurückziehen. - -GOTT VATER (_redressierend zum Teufel gewendet_). Mein -Gott!--Nein!--Sie waren nicht gemeint.... - -TEUFEL (pikiert). Ah, doch.... - -GOTT VATER. Nein, nein!--Also nochmals nein!--Es war nicht so;... es -fuhr Uns heraus ... die alte Gewohnheit ... Ich vergaß.... - -TEUFEL (kommt zurück, vornehm-versöhnlich, bitter lächelnd, schnellt -mit der einen Hand ein Stäubchen vom andern Ärmel). Bitte,... bitte.... - -MARIA. Nein, nein, mein Freund, Du bist der Unsere; von Verstimmung -kann keine Rede sein; Wir bedürfen Deiner Hilfe zu notwendig; und -(_sehr laut zum Alten hinüber, anzüglich_) eine Beleidigung Unseres -viellieben Vetters, Unseres Alliierten, Unseres freundlich geliebten -Bruders, werden Wir in keiner Weise zulassen (_Teufel verbeugt sich -sehr verbindlich_).--mit einem Wort also, die Sache ist die: Von -einer an höchster Stelle (_hinüberdeutend_). in Aussicht genommenen -gänzlichen Vernichtung des Menschengeschlechts aus höheren Gründen -absehend, haben Wir beschlossen, eine empfindliche, sündflutartige -Rache zu nehmen, und brauchen daher jemand, ein Ding, einen Einfluß, -eine Gewalt, eine Person, ein Gift, ein Etwas, welches die Unflätigkeit -der Menschen, besonders der Neapolitaner und Römer, in geschlechtlicher -Beziehung--ah, fi donc!--(_gießt etwas_ Eau de Cologne _auf ein -Spitzentuch, und hält es sich vor,--scheint leise zu schnupfen--schielt -über dem Taschentuch zum Teufel hinüber_)--ah! es wird mir besser -(_fortfahrend_)--welches die Bestialität der Männer und Weiber in jenen -lediglich der Fortpflanzung dienenden, und nur in dieser Begrenzung -ihnen gewährleisteten Beziehungen und nötig erscheinenden Berührungen -und Vermischungen--ah, c'est terrible! (_schnupft wieder_ Eau de -Cologne).--enfin--eindämmen soll!--Du verstehst! - -TEUFEL (_in sonorem Baß--etwas theatralisch_).--Ich verstehe.-- - -GOTT VATER (_kollernd_). Ja, ja,--eindämmen soll!-- - -CHRISTUS (_mit schwindsüchtiger Stimme_). Ja, ja,--eindämmen soll!-- - -TEUFEL (_nach einigem Besinnen_). Soll es sehr empfindlich sein?-- - -MARIA (_ihr Spitzentuch dem Teufel entgegenstreckend, heftig -nickend--sozusagen für die andern mitnickend_). In der Tat, es soll -sehr empfindlich sein. - -GOTT VATER (_guckt glasig herüber; scheint nicht ganz verstanden zu -haben; ächzt schließlich zustimmend, mit fettem Räusperton_). Ja, ja!-- - -CHRISTUS (_noch immer im Anfall liegend, sich langsam erholend, -hauchend_). Ja, ja!-- - -TEUFEL (_steht die ganze Zeit mit gesenktem Kopf, sich besinnend, -zwei Finger an die Lippen gelegt_). Soll die Sache direkt auf den Fuß -folgen?-- - -MARIA. Freilich, freilich soll sie das! - -GOTT VATER (_guckt glasig weiter_). Freilich!--Freilich!-- - -CHRISTUS (_will seine zwei "freilich" sagen, kommt aber zu spät, und -kollidiert mit der folgenden Rede der Maria, die nichtsdestoweniger -fortfährt, mit ihrem Taschentuch beschwichtigend gegen ihren Sohn -abwehrend, der lechzenden Blicks jeder ihrer Bewegungen folgt._) - -MARIA (_zum Teufel_). Du bist auf dem richtigen Weg, mein Freund, Du -bist Unseres Wohlgefallens sicher! - -TEUFEL mit einem kurzen trockenen Blick auf Maria, dann wieder in -seine Meditation von vorhin versinkend;--nach langer Pause, während -der man nur das Röcheln von Christus hört, eigentümlich betonend, und -skandierend.--Dann--müßte man den Stachel,--das Gift,--ä--das Etwas -(_den Finger wie zum Hindeuten erhebend_).--in die Sache selbst,--in -die--hm! (sich anzüglich räuspernd).--in die Beziehung selbst legen!-- - -MARIA (_sehr weltmännisch_). C'est charmant!--C'est charmant!-- - -GOTT VATER (_versteht nicht recht, schaut mit großen kuglig-fließenden -Augen herüber, und wiederholt mehr im Tonfall, als im Verständnis, -Marias Worte_). Ja,--ja, ja.-- - -CHRISTUS (_will es auch wiederholen, bringt es aber nicht heraus, -ist selbst darüber erschrocken, schaut sich ängstlich, erst zu Gott -Vater, dann zu Maria hin um, und produziert endlich ein rhythmisches, -unartikuliertes_). A,--a,--a!-- - -TEUFEL (_nachdem er diese Leistung bei Christus mit einem kühlen, seine -Überlegung nicht weiter störenden Blick verfolgt, fortfahrend, sehr -betonend._) Man müßte die Sekretion beim Geschlechtsakt vergiften!-- - -MARIA. Ah, wie das?--Das wird interessant! (_Rückt auf ihrem Stuhl -zurecht_). - -GOTT VATER und CHRISTUS (_die diesmal doch etwas verstanden zu haben -scheinen, halten ihre Köpfe glotzend auf den Teufel gerichtet_.) - -TEUFEL (_den eben geborenen Gedanken wiederholend, wie um ihn sich -selbst nochmals in den Weg zu legen_). Man müßte die Sekretion beim -Geschlechtsakt vergiften! - -MARIA. Du meinst den Samen? (_Hält sich das Taschentuch einen -Augenblick vor den Mund, als schlucke sie etwas Unangenehmes hinunter._) - -TEUFEL (_einfallend_). Nein, nein!--Nicht den Samen; nicht das -Ei;--sonst würde die Nachkommenschaft darunter leiden, und, -verschlechtert und gewitzigt, nicht mehr zu haben sein!--Die soll -aber auch dran kommen!--Nein, Samen und Ei sollen unberührt bleiben, -damit die Erzeugung der Menschen ruhig weitergeht.--Aber der Täter, -der sorglos mit seinem Instinkt drauflos Fahrende, soll durch ein -kleines Neben-Produkt vergiftet werden, durch ein Etwas, welches -gleichzeitig mit Samen und Ei produziert wird, und welches, wie bei -den Schlangen, nicht mehr auf den Besitzer, aber auf seinen Gegenpart, -auf sein Vis-à-vis in der sexuellen Française--pardon!--wenn ich mich -so ausdrücken darf,--(_Maria hebt zum Zeichen des Verständnisses -die Augenbrauen hinauf_) ansteckend wirkt;--so daß der Mann das -Weib, oder das Weib den Mann, im günstigsten Fall sie sich beide -infizieren können,--nichts ahnend,--ganz im Taumel verloren,--ja -in der Täuschung des höchsten Glücks--(_macht eine Handbewegung zu -Maria, ob er verstanden sei, die diese mit dem Spitzentuch freudig und -verständnisinnig aufnimmt_).--so daß sie lallend wie Kinder in die -scheußliche Brühe hineintappen!!! - -MARIA. C'est glorieux!--C'est charmant!--C'est diabolique!--Mais -comment?... - -GOTT VATER und CHRISTUS (_glotzen ruhig weiter_). - -TEUFEL. Ah, Madame, das lassen Sie meine Sorge sein!-- - -MARIA. Gut! Aber unter _einer_ Bedingung. Was Du auch mit den Menschen -anfängst, sie müssen _erlösungs-bedürftig_ bleiben!-- - -TEUFEL (_mit großer Beherrschung_). _Erlösungs-bedürftig_ bleiben sie. - -MARIA. Sie müssen auch erlösungs-fähig bleiben!-- - -TEUFEL (_mit den Armen, wie ein Verkäufer, bis zur Schulterhöhe -aufwippend_). Erlösungs-fähig,--nachdem ich sie vergiftet,--auf -besonderen Wunsch vergiftet,--das dürfte kaum sein.-- - -MARIA (_von ihrem Thron springend, in die Nähe von Gott Vater und -Christus eilend_). Ja, dann ist die ganze Sache umsonst!--Wenn wir -die Menschen nicht mehr erlösen können, was soll denn dann die ganze -Einrichtung?!-- - -GOTT VATER und CHRISTUS (_heben verzweifelnd die Hände empor; -Christus, der sich etwas erholt, folgt von jetzt an wieder mit regerer -Teilnahme_.) - -TEUFEL (_dreht sich mit sardonischem Lächeln auf dem rechten Fuß-Absatz -herum, und hebt, mit künstlichem Bedauern, wie ein Handelsjude, die -Achseln hoch._) - -_Peinlicher Moment. Das Geschäft scheint nicht zustande kommen zu -wollen.--Pause._ - -MARIA (_um alle zu diversieren, geht langsam auf ihren Platz zurück, -und frägt plötzlich, mit freundlicher Stimme, den Teufel_). Apropos! -Wie geht's denn mit Deinem Fuß?-- - -TEUFEL (_auf die Diversion eingehend_). Oh,--so so!--Nicht besser,--aber -auch nicht gerade schlechter!--Mein Gott (auf sein kurzes Bein -schlagend).--der wird nicht mehr anders!--Misemaschin'!-- - -MARIA (_etwas leiser_). Das ist von Deinem Fall? - -TEUFEL (_verständnisvoll, lange stumm und ernst nickend._) - -MARIA (_sehr freundlich_). Nun, und sonst--was macht die Großmutter? - -TEUFEL (_ebenso_). Die Lilith!--Oh, danke,--recht gut! - -MARIA. Und die Kleinen? - -TEUFEL. Danke! Danke!--Alles wohlauf!-- - -_Neue Pause.--Maria, unentschlossen, geht endlich auf Gott Vater zu, -mit dem sie einige Zeit leise spricht.--Darauf_. - -GOTT VATER (_ostentativ orientiert_). Voyons! Voyons! mein Freund, Du -mußt doch etwas machen können, was die Menschheit vergiftet, ohne sie -ganz zugrunde zu richten!--Wir wollen sie dann wieder erlösen!--Nicht -wahr, mein Sohn? - -CHRISTUS. Wir wollen sie dann wieder erlösen! - -MARIA. Wir müssen sie wieder erlösen! - -TEUFEL. Der Auftrag ist dann zu kompliziert!--Es soll unflätig und -liebenswürdig und giftig zu gleicher Zeit sein!--Wenn ich sie in ihren -geheimen, amorosen Beziehungen sogleich und heftig treffen soll, und -sie in diesem Moment vergiften soll, dann muß die Seele auch mit!--Denn -die Seele steckt da mit drin!-- - -GOTT VATER (_erstaunt_). Die Seele steckt da mit drin?-- - -CHRISTUS (_ebenso, aber mehr mechanisch repetierend_). Die Seele steckt -da mit drin?-- - -MARIA (_affirmativ, und halb für sich selbst, wie sich erinnernd_). Die -Seele steckt da mit drin!-- - -TEUFEL (_nach einer Pause zu Gott, etwas spöttisch_). Mein Gott, Du -bist ja der Schöpfer! Weißt Du nichts? - -GOTT VATER (_unwillig_). Wir--ä--erschaffen jetzt nicht mehr.--Wir sind -müde!--Auch gehört dies Gebiet des Irdischen und der Sinnlichkeit in -Deine Sphäre.--Also besinne Dich, wie Du es anrichtest; beflecke die -Seele, aber sie muß wieder herstellbar sein! - -CHRISTUS (_noch immer schwach, will das letzte wiederholen, kommt aber -nur bis_). Beflecke--die--Seele.... - -TEUFEL (_zu Gott Vater_). Es soll sie zur Liebe anreizen, sagst Du, und -sie gleichzeitig vergiften? - -GOTT VATER. Natürlich, sonst beißen sie ja nicht an! - -CHRISTUS (_aufatmend_). In der Wollust sind sie blind, hab' ich gehört. - -MARIA. Mit Speck fängt man Mäuse! - -GOTT VATER. Suche in Deinem Hexenkessel! Es ist ja allerlei Zeug darin; -in Deiner Hölle hast Du so manches aufgespeichert; bist doch ein -Meister in solchen Kompositionen!--Kreiere, braue, zeuge, mische 'was -zusammen!-- - -MARIA. Es muß allerdings sehr verlockend sein.--Womöglich was -Frauenzimmerartiges. - -CHRISTUS. Ja, sehr verlockend sein. - -TEUFEL (_mit einem Gedanken beschäftigt_). Lüstern und zerstörend -soll es zugleich sein, sagt Ihr?--Und doch die Seele nicht definitiv -zerstörend? - -ALLE DREI (_zugleich und untereinander_). -Lüstern--zerstörend--verlockend--giftig--wollüstig--grausam--Hirn und -Adern verbrennend--. - -GOTT VATER. Aber nicht die Seele!--Wegen der Zerknirschung!--Wegen der -Verzweiflung!-- - -TEUFEL (_seinen Gedankengang plötzlich beendend_). Halt, da hab' ich -'was!--Will mal mit der Herodias reden!--Halblaut für sich. Lüstern und -zerstörend zugleich!--Laut. Ich bring' etwas!-- - -MARIA. Gott sei Dank! - -TEUFEL (_sich zum Gehen wendend_). Ich glaub', ich hab's! - -GOTT VATER. Bravo! Bravo! - -MARIA. Bravo! Bravo! - -CHRISTUS. Bravo! Bravo! - -ALLE DREI (_sich freudig erhebend, soweit es geht; leise in die Hände -schlagend_). Bravo, Teufel, bravo! Bravissimo! - -TEUFEL (_sich empfehlend und im Abgehen ein Schnippchen schlagend_). -Ich komm' bald wieder! (Ab.)-- Draußen, wie er die Thüre öffnet, -erblickt er einige jüngere Engel, die gelauscht haben. Er packt -den Nächsten beim Flügel, und zaust ihn tüchtig. Dieser läuft, mit -den andern, unter schrecklichem Geschrei davon.--Der Teufel, sieht -man, öffnet draußen eine Falltür, durch die er hinabsteigt, und die -er hinter sich schließt. (_Die drei Gottheiten verschwinden bei der -folgenden Verwandlung in die rechten Seiten-Coulissen._) - - - - -Zweite Szene (Verwandlung.) - - -_Das Himmels-Kabinett steigt langsam nach oben; die Szene wird dunkler, -und macht einem tonnenartigen, nach unten sich verlängernden, düsteren, -mit grauen Quadern ausgemauerten Tunnel Platz, der sich wie das -Innere eines Turmes oder Ziehbrunnens scheinbar bis ins Unendliche -nach abwärts erstreckt, und an dessen hinterem Ende eine morsche, -verbarrikadierte, vielfach ausgebesserte Holzstiege sich befindet. Auf -dieser sieht man bald darauf den Teufel nicht ohne Mühe, ächzend, sich -am Geländer fest einhaltend, hinabsteigen, während die gleichzeitig -nach oben rückende Szene ihn im Auge behalten läßt. Phantastische Vögel -und Ungeheuer, die teils auf Stangen sitzen, teils in Hohlräumen des -Mauerwerks lagern, pfauchen und krächzen ihm mit heiserem Ruf ihren -Gruß entgegen.--Nach einiger Zeit mündet dieser brunnenartige Gang in -einen größeren, finsteren, kellerartigen Raum, der durch ein traniges -Öllicht nur teilweise erhellt ist und in dem zunächst nichts weiter zu -erkennen ist als ein aus Binsen und Flechtwerk roh zurechtgerichtetes -Lager rechts im Vordergrund. Die Öllampe ist auf der andern Seite und -mehr im Hintergrund. Der Teufel, der müde und humpelnd angekommen, -geht einige Schritte seufzend hin und her, geht dann nach hinten; man -hört eine schwere Truhe aufschlagen; er entledigt sich seines engen, -schwarzen Gewandes, das er säuberlich in einen der Kasten legt, um -in einem aus Tierfellen zusammengeflickten, warmhaltenden Flaus bald -darauf nach vorn zu kommen. Er ächzt wiederum erst einige Schritte -hin und her, wie nicht wissend, wohin er sich wenden solle, und setzt -sich endlich quer auf sein Binsenlager, zieht die Füße an und vergräbt -die Hände tief in das Wollhaar des Kopfes, Stirn und oberen Teil des -Gesichtes auf diese Weise verdeckend._ - -TEUFEL (_mit sich redend_). Da hockst du nun, Hund, wieder allein, und -heimgekehrt zu dir; weltverlassen und verachtet; zurückgekehrt von -der Audienz; Ahnenloser Geselle ohne Respekt und Reputation; und hast -wieder einmal gesehen die goldausgelegten Gemächer der Hohen und -Vornehmen. Und du bist immer und bleibst der Lump, der Spitzbub, der -krumme Kerl. Und die da droben, die dürfen tun, was sie wollen, es mag -noch so platt, niedrig oder gemein sein, es ist immer edel und vornehm, -weil es in den Gemächern des Nobeltums passiert. Und du magst tun, -was du willst--und wenn du mit dem Kopfe dich bis zum andern Ende der -Erde wühltest,--es ist immer niedrig und gemein und schuftig.--(Pause; -überlegt). Wenn du ein Graf wärest, dann wäre auch dein krummes Bein -gräflich. Und wenn du nur ein Thürsteher da droben wärest, dann wären -auch dein Kopf und deine Gedanken himmlisch und engelhaft, wie dein -Kleid, das du dann trügest. Aber so bist und bleibst du ein Hund!--Nur -wenn du für sie was tun sollst, was sie selbst nicht können, oder was -für sie zu schmutzig ist, dann lächeln sie dir und sagen: "Mein Freund! -Mein Freund!" Aber wenn die Audienz vorbei, mußt du wieder herunter -in Staub und Kot, und dann heißt's "Pfui Deifel! Pfui Deifel!"--Und -so bist du ein erdgeborener, gebückter und verzerrter Kerl dein Leben -lang, und humpelst herum mit deinem Fuß, und frissest Ärger und Grimm -in dich hinein!-- -- - -_Und doch!_--Und doch bist du mehr! Bist mehr als diese Firlefanz-Leute -in ihrem Glück und Wolkenbau! Steckst mitten in der Welt; und in deinem -Kopf stecken die Gedanken der Erde! Und wenn du hier allein bist, -allein mit deinem Erdgeruch, und dein Kopf sich illuminiert, dann -entsteht in diesem vergrämten Kopf, mitten in der Verzweiflung, ein -Funken, ein Gift, eine Kraft, die wie ein Blitz, zündend und wetternd, -durch die Welt fährt, und die Hülsenköpfe in ihrem Wolken-Heim erbeben -macht.--Und brauchst keine Tiaren zu tragen, keine Ambrosia noch Sekt -zu trinken, und scheppernd und glänzend dich zu zeigen, um glücklich -zu sein. Bist so glücklich; glücklich, wie die andern nicht glücklich -sein können! Glücklich in diesem Erdenloch, in diesem kostbaren -Tunnel, diesem Hauch von Irdischkeit und Würze, diesem Welt-Geruch, -der dich kräftigt und stählt, und Gedanken erzeugt, und zur Arbeit -zwingt.--Und brauchst keine Ahnen und Vergangenheits-Register; bist -blank und sauber; darfst von neuem, beginnen; brauchst nicht nichts zu -tun; die Arbeit sind deine Ahnen! Deine Ahnen produzierst du in die -Zukunft!--Arbeit! Arbeit!--(_Springt auf_). Also denn auf zur Arbeit! - -(_Er geht längere Zeit auf und ab, bleibt wiederholt stehen und sinnt -nach._) - -"Also _verführerisch_ soll es sein, das Ding,--na natürlich, -sonst beißen sie nicht an";--"etwas Frauenzimmerartiges", sagte -Maria;--sehr gut!--Die Frauenzimmer kennen ihr Geschlecht immer -am besten.--Aber _giftig_ soll es auch sein; darin liegt ja die -Strafe; und sie sollen das Gift nicht merken, es hinunterschlucken -wie Sirup;--sehr gut!--das läßt sich machen.--Aber es soll dabei -_Seele_ und _Leib_ vergiftet werden; aber nicht definitiv; nur bis -zur Verzweiflung, bis zum Wahnsinn; sie wollen also sehen, wie sich -die Menschheit krümmt und bricht; wie sie ihre Seelen ausleeren, wie -einen Magen;--ich verstehe;--die Seele soll aber wieder reparierbar -sein,--"erlösungs-fähig", wie sie sagen;--na, die Freude kann ich ja -ihnen fürs erste lassen; ihnen und ihnen;--vom _Leib_ haben sie nichts -gesagt; sehr gut!--Als ob sich das trennen ließe!--Wenn ich den Leib -toll und voll verseucht habe, und der ganze Kerl zum Teufel fährt--ah -pardon--kaputt geht, dann möchten sie die Seele, nachdem sie schon auf -dem Weg zu mir ist, noch erlösen!--Die Barmherzigkeit!--Na, das wird -sich ja finden.--(Geht wieder schweigend und nachdenklich auf und ab). -Was soll das nun aber für ein Gift sein? Welches ruiniert, und doch -wieder nicht ruiniert?--Mit organischen und chemischen Giften komm' -ich da nicht aus!--Auch kann ich da nicht _quantitativ_ vorgehen. Die -schluckten ja und schluckten das Zeug hinunter--besonders, da es so -süß ist--und pardauz lägen sie da! Ich kann da nicht dosieren. Ich -kann doch kein ellenlanges Rezept an die Bettlade kleben: pro dosi -soundsoviel!--Das muß also ein feines, neues und ganz besonderes -Gift sein!--Welches weder den Geber noch den Nehmer sogleich -vergiftet!--Das muß dann ein feines, schleichendes, langsam wirkendes -Ding sein, welches sich ruhig weitervererbt, und in einigen lebenden -Exemplaren immer frisch zu haben ist!--Dann--soll das Gift sich an -das höchste Entzücken des Menschen anschließen, an den Liebestaumel, -an das naivste und köstlichste Glück, welches sie besitzen: damit -es sicher zu allen dringt!--Ja, das heißt, das war eigentlich mein -Gedanke!--Keine Verschiebung des geistigen Eigentums!--Na ja!--Wie -nun weiter?--Woher nimmst du das Gift?--(_Überlegt, bleibt stehen_). -Na, aus dir.--Kühl. Gibt es denn etwas Giftigeres, die Adern -Durchdringenderes, als du selbst?--Sehr gut!--Was weiter?--Wie wirst -du's nun anstellen?--(_Überlegend, sehr langsam, mit vorgestrecktem -Zeigefinger sich vordiktierend_). Du mußt das Gift, welches an sich -vielleicht zu stark ist und tödlich wäre, erst organisch abschwächen, -und dann in einer lebenden Person verwirklichen! (_Patscht in die -Hände_). Hoppla, das ist's--Noch einmal: Du mußt das Ding erst -organisch so mild machen, daß es ihre Mägen und Leber zunächst gut -vertragen, und es gleichzeitig in einem Lebewesen, das ihnen gleich -sei, personifizieren!--Sackerlot!--Und zweitens: dieses Lebewesen -muß ein Weib sein! Und das Gift muß durch die bekannten Schläuche -geleitet werden!--Und drittens: dieses Weib muß schön sein; und ich -ihr Vater!--Sapristi! Reibt sich die Hände. Kommen wir auch einmal -zum Zeugen!--(_Geht lange erregt auf und ab_). ... Nun, und wenn ich -dies Kunstwerk fertig bringe, was krieg' ich dann dafür?--Freund, nimm -dich in acht! Diese Gelegenheit kommt nicht wieder! Jetzt hole die -lang aufgespeicherten Speisezettel deiner Wünsche hervor!--(besinnt -sich).--Diese Stiege da (schaut nach oben). muß er mir reparieren. -Das Gerümpel. Wenn ich da 'mal ausgleite, und breche mir den Fuß, -dann bin ich ein ganzer Krüppel.--Dann, diese Falltüre da oben, die -ist meiner unwürdig. Da stoß ich mich schon lange daran. Das soll -ein schöner, freier Zugang werden, mit einem Geländer daran, und -ein paar Teppichen.--Dann, diese Audienzmeierei habe ich ebenfalls -schon lange satt. Wird der Zugang oben frei, muß ich auch freien -Zugang haben! Ich muß stets unangemeldet kommen können.--Er kann -ja auch stets unangemeldet zu mir herunter.--Dann (sehr bestimmt) -muß Er mir meine Bücher frei drucken lassen, und ihre breiteste -Zirkulation im Himmel und auf Erden erlauben. Das muß ich unbedingt -haben. Ohne das gehe ich gar nicht an die Arbeit, (ausbrechend). Wenn -jemand denkt, und darf seine Gedanken nicht mehr andern mitteilen, -das ist die gräßlichste aller Foltern.--Dieses reinste Entzücken, -dieser Tropfen Lust, der Fässer voll Bitterkeit genießbar macht, -daß andere das nachdenken, was du vorgedacht hast,--ist das so -schwer zu begreifen?!--Also das ist Numero eins!--Dann--muß hier die -Ventilation besser werden.--(Glotzt lange an der Decke herum)... -Eigentlich könnt' ich mir das Ding hier mit Goldleisten ausschlagen -lassen.--Ach,--es wird doch nicht heller.... Wie wär's, wenn Er mich -zum Graf machte?--Graf Miraviglioso! Oder gleich ganz italienisch Conte -di Miraviglioso; Signor Conte di Miraviglioso.--Pfui, schäm' dich! -Hast du nicht gesagt, du willst ein ehrlicher Kerl bleiben?--Nun ja; -ich wollte ja nur auf ganz kurze Zeit das tolle Empfinden haben, ganz -ohne Grund etwas zu sein. Nur auf acht Tage.--Ich kann ihn ja dann -meinem Ausgeher schenken.--... Ein paar Orden könnt' ich mir bei dieser -Gelegenheit geben lassen!--Dazu ist es wieder nicht hell genug da -herunten. An der Beleuchtung fehlt es hier überhaupt.--Was noch?--Etwas -bessere Garderobe! Dieses spanische Kostüm trag' ich nun schon seit -Philipp II. Es ist unerhört. Und nur meine ganz außerordentliche -Peinlichkeit erlaubt mir noch, überhaupt oben zu erscheinen.--Dann, -um Gottes Willen, etwas Mobiliar. Ein paar Pfund Roßhaar werde ich -doch noch wert sein. Und ein paar warme Decken.--Weiter!--Etliche -Borten an meine Kleider; wenigstens Leutnants-Rang!--Dann: Einreihen, -wenigstens in die letzte Hofrangklasse; mein Gott, ich helfe doch den -Leuten in ganz außerordentlicher Weise.--Femer: ein kleines "von"--, -und die Möglichkeit einer standesgemäßen Verbindung mit einer der -Engel-Klassen; Gott, so ein zartes Geschöpfchen, neben mir, 's wär' -ja zum Entzücken; sie mag so dünn und jung sein, wie sie will; ich -richt' sie mir schon her!--Was noch?--Ein goldenes Portepee, 'n -Kammerherrntitel, ein kleines Krönlein, 'n Herzogskragen oder ... (hält -plötzlich inne, greift sich mit beiden Händen an die Stirn und schreit -in tierischer Weise hinaus). Äh,--äh!--Bleib' fort! (Er hält die Hände -weit von sich wie um etwas wegzustoßen, das auf ihn eindringt, und -weicht zurück). Äh!--Es kommt!--Es hat mich!--Du Hund, hab ich dir -nicht gesagt, wenn du über die Schnur haust, packt es dich!--Pfui -Teufel! (spuckt aus, wie um etwas aus seinem Innern zu entfernen). -Pfui Deifel! Es kommt!--_Der Ekel_,--er hat mich!--Pfui!--Pfui!--Oh, -es ist zu spät!--Ekel! Ekel! Verdammte Sauce!--Teufel, weißt -du nicht mehr?--Weißt du nicht, daß du nur in der Entbehrung, im -Finstern, nur unter der Marter gedeihst?--Und dann will der Kerl stolz -sein!--Ah,--ah--(_Er macht Würgbewegungen, schleppt sich bis zu seinem -Lager, wirft sich dort auf den Bauch, wälzt sich in Krämpfen, reißt aus -der Matratze Stroh heraus, macht einen Knebel und steckt ihn sich mit -ingrimmigem Behagen in den Mund;--wird dann allmählich etwas ruhiger, -liegt bewegungslos da, und scheint zu schlafen.--Lange Pause_.) - -_Währenddem hat sich im Hintergrund an der Rückwand des Gewölbes die -Szene wie aufgeklärt; die Schicht wird heller und heller; zuletzt -durchsichtig; es ergibt sich eine, wie es scheint, unermeßliche -Perspektive; allmählich schwindet auch der letzte trübe Schleier, -und man erblickt ein ungeheures Totenfeld, auf dem eine schier -unfaßbare Zahl, wie es scheint, lauter Weiber, in Leibesgestalt, mit -fahlen Gewändern, die einen hockend, die andern hingestreckt, teils -die Arme aufgestützt, teils das Gesicht in den Armfalten vergraben, -wie schlafend dortliegen; das Ganze übergossen von einem kalten, -flirrenden, mondlichtähnlichen Schimmer.--Tiefe Stille.--_ - -TEUFEL (_wacht langsam auf, hebt sich mit den Händen aufstützend -matt empor; wie er sich umwendet und erblickt die Szene, fahrt er -plötzlich zum Sitzen auf, reißt sich den Knebel aus dem Mund._) -Ah!--Ihr seid mir vorausgeeilt, Gedanken! (_Betrachtet lange mit -Entzücken die Szene._) Ihr habt Euch verwirklicht, meine guten -Gedanken!--Und die gemeinen sind mir in den Magen gefahren, und -haben mich krank gemacht;--so ist's recht!--Du hast gebüßt,--und -bist jetzt wieder ein ehrlicher Kerl!--(Legt sich, noch immer etwas -erschöpft, wieder in eine mehr ruhende Stellung zurück, aber so, daß -er die Szene im Auge behält--matt und langsam.) Welche von diesen -wähl' ich mir jetzt aus als Mutter für mein glorioses Geschöpf?--... -Schön!--Verführerisch!--Sinnlich!--Giftig!--Hirn und Adern -verbrennend!--Ahnungslos!--Tollpatschig!--Grausam!--Berechnungslos! ---Seelenschmutzig!--Naiv!--_Lange Pause_. - -_Er erhebt sich dann zum Sitzen und ruft mit halblauter, aber klarer -Stimme, in sanftem Ton._ - -Helena--von Sparta--des Paris Geliebte--Trojanische Königin!--(_Im -Hintergrund erhebt sich aus der Reihe der Schlafenden langsam eine -Gestalt mit langem schleppendem Mantel, der um die Taille durch -einen Strick gleicher Farbe zusammengehalten, kommt langsam, wie -schlaftrunken, mit geschlossenen Augen, den Lichtschimmer, der ihr aus -dem Totenreiche anhaftet, beibehaltend, nach vom und bleibt vor dem -Teufel stehen._) - -TEUFEL. Du bist damals mit dem jungen Laffen, dem Trojaner-Prinzen, -auf und davon, und hast deinen Mann, den König, zurückgelassen; rein -aus Verliebtheit?--(_Helena verneint schwerfällig mit dem Kopfe._) -Was? Nicht einmal verliebt?--Aus Neugierde?--(_Sie scheint sich zu -besinnen; nickt dann wie schlaftrunken._)--Nur, weil es dir gefallen -hat?--(_Helena nickt._)--Ohne etwas zu denken?--(_Nickt_.)--Justament? -(_wartet und nickt dann._)--Und als dann der Krieg ausbrach, da dachtest -du?--(_nickt mechanisch, besinnt sich aber dann und verneint._)--Dachtest -dir: Es ist nun einmal so! (_nickt und betont._)--Geh', leg' Dich wieder -schlafen--armes, dummes Ding!--(_Sie wartet einen Moment, dreht sich -dann langsam um und geht zurück auf ihren Platz, wie sie gekommen_.) - -TEUFEL (_nach einer Pause, mit der gleichen hellen, sanften Stimme._) -Phryne--aus Athen--glatteste aller Hetären--komm'! (_Von dem Totenfeld -erhebt sich aus einer andern Reihe ein Weib im gleichen Anzuge wie -die erste und kommt näher._) Blasseste aller Zauberinnen, du hast -Tausende von Männern in dein Garn gelockt, sie arm und elend gemacht, -ihnen Geld und Gedanken geraubt,--hast Philosophen genarrt,--Richter -bestochen,--Staatsgesetze umgestoßen,--Krieg angezettelt,--Reichtümer -angehäuft,--hast dich als Göttin geriert,--dich anbeten lassen,--hast -dein Vaterland verhöhnt,--wolltest deinen Namen wie eine schmutzige -Reklame auf die Mauern Thebens setzen--und dafür bezahlen,--hast -dich nackt vor allem Volk gezeigt,--in Korinth die Tempel und -Statuen bauen lassen,--hast fortgehurt, bis deine Haare weiß -wurden--und wurdest schließlich in einem Tempel, in den du dich -geflüchtet, wie ein unreines Tier erschlagen?--(_Nickt stumm -wiederholt auf alle Fragen_.)--Warum?--Aus Liebe? (_verneint_).--Aus -Leidenschaft? (_verneint_).--Aus Laune?--(_nickt_).--Weil du schöner -und blasser warst, als alle andern? (_nickt_).--Hast gar nichts dabei -gedacht?--(_verneint_).--Ließest den Dingen ihren Lauf?--Bejaht.--Geh', -du harmloses Kind, du bist unschuldig!--(_Geht langsam und schweigend -ab, wie die erste._) - -TEUFEL (_nach einer Pause, wie oben_). Héloise,--Äbtissin von -Paraclet--Latinistin des 12. Jahrhunderts!--(_Eine dritte Gestalt -erhebt sich aus dem Totenfeld und kommt im gleichen Anzug, wie die -vorigen näher._) Du hast studiert,--und hast geliebt,--und hast -Kinder gebracht,--und hast deinen Lehrer, ABÄLARD, die Leuchte des -Jahrhunderts, verführt,--und deine Familie in Spott und Schande -gejagt,--bis sie dir deinen Geliebten zum Kapaun machten,--und dich zur -Nonne,--und hast dann deinen verschnittenen ABÄLARD fortgeliebt,--und -ihm brünstige Briefe geschrieben--bis man dich zur Äbtissin -machte;--und als Äbtissin hast du weiter studiert, und ihn weiter -geliebt, und weiter--wenigstens in der Phantasie--Kinder gebracht, -und mit deinem längst abgekühlten Freund imaginative Scheußlichkeiten -begangen, die man selbst in der Hölle nicht sagen darf,--und hast -ihm geschrieben: lieber wollest du des ABÄLARD Hure als des Kaisers -rechtmäßige Gattin sein;--und als er starb, hast du dir seine Leiche -kommen lassen, und hast ihn immer noch geliebt, und ihn mit deinen -eigenen Händen begraben;--und dann hast du ihn noch zwanzig Jahre auf -Kosten deiner Phantasie weiter geliebt;--bis du selbst starbst?--Hat zu -allen Fragen stumm genickt.--Warum?--Aus Liebe?--Bejaht heftig.--Aus -reiner Liebe?--Bejaht intensiv.--Kind, du bist ja schon für den Himmel -reif!--Halte dich parat, wenn die Posaune ertönt, kommst du zuerst -dran!--Inzwischen geh', und schlaf weiter!--(_Gestalt geht ab._) - -TEUFEL (_für sich_). Ich hab' doch verdammt wenig Grandioses in der -Hölle; muß mir 'mal 'n Scheusal holen!--(_besinnt sich, dann nach einer -Pause_). AGRIPPINA,--Mutter, Gemahlin und Mörderin von Kaisern,--und -Gemordete eines Kaisers,--komm'!--(_Eine Gestalt erhebt sich aus anderer -Gegend._)--Du hast etwas viel auf dem Kerbholz, Freundin;--mit 14 Jahren -heiratetest du deinen Mann, und läßt dich herbei, ihm nach neun Jahren -eines der größten Scheusale, den NERO, zu gebären?--Dafür kannst du -nichts!--Tröste dich, wir haben jetzt eine Schule, die dir nachweist, -daß du auch für die anderen Sachen nichts kannst; nur ist diese -Lehrmeinung noch nicht bis zum Himmel gedrungen.--Du vernachlässigst -also deinen Mann, und gibst dich dem LEPIDUS hin;--das war damals so -Sitte!--dann verbindest du dich mit deinem Freier, um deinen Bruder, -den Kaiser CALIGULA, zu ermorden;--es gelingt nicht!--dafür kannst du -wieder nichts,--d.h. du warst nicht geschickt genug!--Endlich wird -aber CALIGULA doch ermordet,--wie das damals so Sitte--und du wirst -wieder hoffähig;--du versuchst dann vergeblich einige andere vornehme -Römer zu kapern, bis sich endlich der reiche Advokat PASSIMUS--den ich -für gescheiter gehalten hätte--herbeiläßt, und mit dir eine zweite -Ehe eingeht; du vergiftest ihn dann, und beerbst ihn!--doch das haben -schon andere vor dir gemacht; das war damals so Sitte!--dein folgendes -Stückchen war dagegen schon viel origineller: du spielst so geschickt -hinterm Vorhang--von deiner Villa aus--daß du die Kaiserin MESSALINA -von ihrem Gemahl, dem Kaiser CLAUDIUS, abschlachten lässest, heiratest -dann selbst den Kaiser CLAUDIUS und wirst Kaiserin!--Was dann folgte, -der von dir inszenierte Selbstmord des LUCIUS SILANUS, die Verbannung -seiner Schwester JUNIA und die Verbannung der LOLLIA PAULINA, deren -Kopf du dir nachträglich aus der Verbannung zurückholen lässest, waren -mehr Nebenabfälle; du folgtest darin den Sitten deiner Zeit.--Dann -verschaffst du dir den Beinamen 'Augusta', die Heilige, lässest deinen -Sohn NERO von deinem neuen Gemahl, Kaiser CLAUDIUS, adoptieren, lässest -ihn dann mit der Tochter dieses Kaisers CLAUDIUS, OCTAVIA, vermählen, -vergiftest dann diesen Kaiser, deinen Gemahl, und rufst deinen Sohn -NERO zum Kaiser aus.--Das war nämlich damals ganz neu!--Du vergiftest -dann noch ein paar Konsuln, Prokonsuln und Nebenbuhlerinnen, und wirst -letztlich von deinem eigenen Sohn NERO ermordet!--(Die Gestalt hat -auf alle Fragen stummnickend geantwortet).--Hör' mal, AGRIPPINA, du -bist eine ganz scharmante Person, aber ich vermisse in deinem ganzen -Tun den eigentlich künstlerischen Impuls--die Naivität;--alles hängt -ab von deinem maßlosen Ehrgeiz!--Das ist krankhaft!--Das wird auf die -Dauer langweilig!--Wir fassen die Sachen jetzt anders auf!--Nicht ein -schöner Mord in deiner ganzen Geschichte!--Ich kann dich wirklich nicht -brauchen!--Geh' nur und leg' dich wieder schlafen!--Schlaf sanft! -(_Gestalt ab_.) - -TEUFEL (_nach einigem Überlegen, für sich_). Jetzt hab' ich noch -eine Nummer, die HERODIAS;--aber halt, ich nehm' statt der Mutter -lieber die Tochter! (_ruft_). Salome,--schöne, junge Tänzerin,--komm' -zu mir!--(_Weit hinten erhebt sich eine schlanke, jugendliche -Erscheinung, und kommt näher, eine freundliche, heitere Erinnerung -auf ihrem Gesicht_).--Sag' mir einmal, mein hübsches Kind, du warst -damals auf dem Bankett bei Herodes zugegen?--(_bejaht_.)--Und da -tanztest du?--Bejaht.--Warum tanztest du?--(_Sie weiß es nicht_.)--Nun, -du tanztest eben, weil junge hübsche Mädchen überhaupt gern -tanzen,--und weil du Tanzstunde gehabt hattest?--(_bejaht_.)--Und -du fandest Beifall?--(_nickt_.)--Und HERODES sagte dir, du solltest -dir 'was schenken lassen?--(_nickt_).--Und du ließest dir einen Kopf -schenken?--(_nickt_.)--Einen Menschenkopf?--(_bejaht_.)--Einen _lebenden_ -Menschenkopf?--(_bejaht_.)--Weshalb?--(_Sie weiß es nicht_.)--Zum -Spielen?--(_sie zaudert und bejaht schließlich_.)--Und Herodes schickte -dich mit dem Henker ins Gefängnis, und der schneidet dir dort -einen Kopf ab?--(_nickt_.)--Das war der Kopf des JOHANNES?--(_bejaht -gleichgültig_). Der ward dir auf eine Platte gelegt, und du kamst -dann damit herein in den Bankett-Saal?--(_nickt_).--Das Blut lief -wohl in der Platte herum,--und machte sie schließlich ganz -voll?--(_nickt_.)--Es netzte deine Finger?--(_bejaht lebhaft_.)--War -dir das angenehm, oder unangenehm?--(_bejaht_.)--Ja, was?--Angenehm -oder unangenehm?--(_Sie reibt die Hände gegen einander._)--Es -kitzelte dich?--(_bejaht sehr deutlich_.)--Du hast wohl sehr feine -Finger?--(_keine Antwort_.)--Und dann,--dann schenktest du den Kopf -deiner Mutter?--(_bejaht_.)--Warum?--(_zuckt mit den Achseln._)--Er war -eben schon tot?--(_nickt traurig_.)--Und du wolltest doch einen lebenden -haben?--(_bejaht_.)--Ja, die abgeschnittenen Menschenköpfe halten sich -nicht lang!--Sag mal, hast du einen von den Leuten gern gehabt, was man -sagt, lieb?--(_weiß nicht, was sagen, und verneint schließlich_.)--Den -HERODES?--(_verneint_.)--Den JOHANNES?--(_verneint_.)--Deine -MUTTER?--(_zuckt mit den Achseln und verneint_.)--Aber deinen -abgeschnittenen Kopf, den hattest du gern?--(_bejaht sehr deutlich_.) - -TEUFEL (_springt plötzlich auf_). Kind, du bist mein Fall!--Geht auf sie -zu. Aus dir läßt sich noch 'was machen!--Er schließt sie, halb von -rückwärts kommend, leicht in seine Arme. Du sollst mir heut' in mein -Schlafgemach folgen! - -DIE GESTALT (_hört man tief und vernehmlich stöhnen_). - -Während des Folgenden fallen über dem Totenfeld wie im Vordergrund -schwarze, anfangs noch durchsichtige Flöre und Schatten herab, die die -ganze Szene immer mehr verdüstern. - -TEUFEL (_die Gestalt sanft mit sich nach rechts fortführend_). Wir -haben große Dinge mit dir vor!--Du sollst die Ahnin eines grandiosen -Geschlechtes werden, an das kein Aristokrat hinankann!--Deine -Nachkommen werden weder blaues noch rotes, sondern weit merkwürdigeres -Blut in ihren Adern führen.--Und du wirst die Mutter sein.--Deine -Qualitäten sind einzig in meinem großen, ungeheuren Reich!--Selbst -oben, bei Hof, sieht man unsere Verbindung mit gnädigem Wohlwollen!--Er -verschwindet mit ihr; die Stimme klingt immer entfernter. Morgen schon -darfst du zu deinen Schwestern zurück!--Unser heißes Temperament -läßt Schaffen und Entstehen sich in unglaublich kurzer Zeit -vollenden!--Zeugen und Gebären rückt durch unsere Gewalten in wenige -Stunden zusammen!--Komm', mein Kind, komm'!-- - -_Das Totenfeld ist jetzt verschwunden. Die Flöre fallen nun auch im -Vordergrund immer dichter; so daß die Szene bald ganz verdunkelt -ist.--Man hört in der Ferne noch einen gellen weiblichen Schrei.--Dann -wird es schwarze Nacht, und der Vorhang fällt._ - - - - -Vierter Aufzug - - - - -Erste Szene - - -_Im Himmel. Ein kostbar ausgestattetes Gemach in Rosa. Maria, vornehm -geschmückt auf ihrem Thron, umgeben von meist jüngeren Engeln in -lichter, farbiger Tracht, die an den Stufen des Thrones teils -sitzen, teils in malerischer Stellung liegen. Einer derselben hat -ein Buch in der Hand und liest aus Boccaccio in monotoner, breiter, -schulmädchenartiger Stimme vor._ - -ENGEL (_liest_). "... Agilulf, der König der Longobarden, befestigte, -gleich seinen Vorgängern in Pavia, der Hauptstadt der Lombardei, -seinen Thron durch Vermählung mit Teudolinga, der Witwe Auterichs, der -ebenfalls König der Longobarden gewesen war. Diese Gattin war sehr -schön, verständig und ehrbar, der aber dennoch ein Liebhaber einst -einen schlimmen Streich spielte. Als nämlich durch die Tapferkeit -und den Verstand des Königs Agilulf der lombardische Staat glücklich -und ruhig geworden war, geschah es, daß ein Reitknecht der genannten -Königin, ein Mensch, was die Abstammung anbetrifft, von höchst -ärmlichen Umständen, sonst aber über sein schmähliches Geschäft hoch -erhoben, und von Person schön und groß wie der König, sich über alle -Maßen in die Königin verliebte. Da jedoch sein niedriger Stand ihn -keineswegs verhinderte einzusehen, daß diese seine Liebe außer allen -Grenzen der Möglichkeit und Schicklichkeit liege, so offenbarte er -sich als ein verständiger Mann niemandem und wagte nicht einmal, sich -der Königin selbst nur durch einen Blick zu entdecken. Obgleich er nun -gänzlich hoffnungslos war, so tat er sich doch bei sich selbst etwas -darauf zugute, daß er seine Gedanken so hoch hatte steigen lassen und, -vom Liebesfeuer ganz entzündet, gab er sich Mühe, es allen seinen -Kameraden in allem, von dem er glaubte, daß es der Königin gefallen -könnte, zuvor zu tun. Dadurch geschah es, daß die Königin, wenn sie -ausritt, weit lieber das Pferd ritt, das dieser wartete als ein -anderes, und dies rechnete sich jener zur höchsten Gnade, ging alsdann -nicht vom Steigbügel weg, und schätzte sich glücklich, wenn er ihre -Kleider berühren dürfte.--Aber wie wir dies häufig sehen, daß die Liebe -um so stärker wird, je mehr sich die Hoffnung verringert...." - -MARIA (_unterbrechend_). Ja, kriegen denn die Zwei sich noch nicht?-- - -LESENDER ENGEL (_stockt_).--Ich weiß nicht, Immerwährende Jungfrau. - -MARIA. Sieh' mal, wie viel Seiten die Geschichte noch hat? - -LESENDER ENGEL zählt sorgfältig nach. Noch zwanzig, Allerseligste -Gottesmutter. - -MARIA. Das ist schrecklich lang; kann man denn da nichts überschlagen? -Läßt sich das Buch geben.--Na, ich glaube, jetzt wird's etwas -lebhafter. Lies 'mal zu! (_Gibt ihm das Buch zurück._) - -LESENDER ENGEL (_wie oben_): "... Je mehr sich die Hoffnung verringert, -so geschah es auch bei diesem armen Reitknecht, der sein verborgenes -Verlangen, das von keiner Hoffnung gelindert war, kaum mehr ertragen -konnte, und oft, da er sich von dieser Liebe nicht losmachen konnte, -den Entschluß faßte, zu sterben...." - -_In diesem Augenblick ist_ das Weib, _ein junges, blühendes Wesen in -schwarzen Haaren, mit schwarzen, tiefliegenden Augen, in denen eine -verzehrende, aber noch nicht aufgeschlossene Wollust verborgen liegt, -in ganz weißem Gewand zaghaft auf die Schwelle getreten. Alles ist -bestürzt und, wie geblendet über den neuen Ankömmling, in die Höhe -gefahren; die Engel starr und wie unentschlossen, was zu tun, die -Blicke auf_ das Weib _gerichtet._ - -MARIA (_die sich erhoben hat, imperatorisch_). Wer ist diese -Person?--(als keine Antwort erfolgt). Wer hat Dich herein -gelassen?--Woher kommst Du?--Kommst du von drunten?--Bist Du eine -Gestorbene?--Oder 'was Besseres?--Eine Heilige?--Was willst Du -hier?--Mir Konkurrenz machen?--Mit welchem Recht...? (_fängt zu zittern -an_). - -<p>In diesem Augenblick kommt der TEUFEL hinter DEM WEIB herein, -atemlos, als habe er sich verspätet, macht eine tiefe Reverenz vor -MARIA.</p> - -TEUFEL. Gnädige Frau,--(DAS WEIB vorstellend.)--meine Tochter! - -_Die Engel fahren kreischend nach links ab._ - -MARIA (_die Thronstufen hinabsteigend, mit dem Ausdruck höchster -Verwunderung_). Ah!-- - -TEUFEL (_den Eindruck abwartend; dann nach einer Pause_). Ich hoffe, -sie gefällt Dir? - -MARIA (_zögernd, ihre Eindrücke sammelnd_). Gefallen?--Nein, dazu ist -sie zu schön. Dieses Biest schlägt alles im Himmel und auf Erden.--Ich -erwartete ein Scheusal. - -TEUFEL. Gnädige Frau, damit.... - -MARIA (_unterbrechend, zornig_). "Gnäd'ge Frau!--Gnäd'ge Frau!" Ich -bin die Immerwährende Jungfrau und Allerseligste Gottesmutter!--Merk' -Dir's! (Mit einem Blick auf das Weib.) - -TEUFEL (_sehr devot, halblaut_). Diese feinen Unterschiede erfaßt Die -noch nicht.--Sie ist wie ein Kind. - -MARIA. Wie, spricht sie nicht? - -TEUFEL. Gott bewahre! - -MARIA. Sie spricht keine Sprache? - -TEUFEL. Sie spricht die Sprache, die alle Weiber sprechen, die Sprache -der brennendsten Verführung. - -MARIA. Ich meine, Du bist über unser Programm hinausgeschritten.--Was -soll diese superbe Person...?-- - -TEUFEL. Ich mußte sie in irgendeiner Art.... - -MARIA einfallend. Wenn ich das wollte, konnte ich einen meiner Engel, -ich konnte selbst.... - -TEUFEL. Oh, schönste Frau, nimmermehr; Ihr habt vergessen.... - -MARIA. Ja, ja!--Ganz richtig!--Jawohl!--Aber warum so blendend?--Das -reine Entzücken! (_zum Teufel gewendet halblaut_). Kann man sich hier -'was vergeben? - -TEUFEL. Du kannst sie glatt bewundern; noch weiß sie gar nichts. - -MARIA (_verschlingt das Weib mit ihren Blicken, geht dann in einer -plötzlichen Wallung auf sie zu, und küßt sie_). - -DAS WEIB _fährt fast erschrocken zurück_. - -MARIA (_überwältigt_). Das volle Entzücken!--Wie ein Kind!-- - -TEUFEL (_mit komischem Pathos_). "Rein aus der Hand des Schöpfers -hervorgegangen!"-- - -MARIA (_empfindet den Stich_). Oh--buffone!--Wo hast Du sie her? - -TEUFEL (_sehr gespreizt_). Gewisse Geheimnisse Unserer Fabrikation -können Wir nicht mitteilen;--indes--die Mutter kann ich Dir nennen. - -MARIA. Ah! - -TEUFEL. Eine gewisse SALOME,--die schöne Köpferin,--die sich mit einer -Schnellung ihres Tanzbeins einen warmen Menschenkopf holte. - -MARIA (_sich besinnend_). Haben Wir die nicht heroben? - -TEUFEL (_trocken_). Nein, nein!--Solche Personen habt Ihr nicht heroben. - -MARIA (_versunken in die Gestalt_).... solche Personen habt Ihr nicht -heroben...! Und so blendend!-- - -TEUFEL. Was Du siehst, hat sie von der Mutter. - -MARIA. Von ihr. - -TEUFEL (_sarkastisch_). Und noch einiges, was Du nicht siehst!-- - -MARIA (_zu ihm hinüberschauend, verständnisvoll_). Jawohl!--Sonst?-- - -TEUFEL. Die Qualitäten des Vaters kommen erst später zum Vorschein;-- -wenn sie Übung hat.... - -MARIA. Das glaub' ich! - -TEUFEL. Ich war in meiner gloriosen Stimmung! - -MARIA (_die sich von der Gestalt nicht trennen kann_). Und dieses -keusche Entzücken, dieses unvergleichliche Auge, dieser Impuls voll -überirdischer Lust, dieser Gedanke von übermenschlicher Güte und -Mitleid soll die Menschen, sagst Du, vergiften und verderben? - -TEUFEL (_sehr bestimmt_). Das SOLL es! - -MARIA. SOLL es das?--Kann es das?-- - -TEUFEL (_höhnisch_). KANN es das?--Ich sag Dir, das in ihr -verschlossene Gift ist so stark: nach vierzehn Tagen soll der, der sie -berührt, mit Augen wie Glasklicker in die Welt schauen; seine Gedanken -gerinnen ihm, und er schnappt nach Hoffnungsluft, wie ein trocken -gewordener Fisch; nach sechs Wochen betrachtet er seinen Körper und -fragt: Bin das ich? die Haare fallen ihm aus, die Wimpern fallen ihm -aus, die Zähne fallen ihm aus; Gebiß und Gelenke werden wackelig; nach -drei Monaten ist er an seiner Menschenoberfläche durchlöchert, wie ein -Sieb, und er spekuliert an den Schaufenstern herum, ob man etwa eine -neue Menschenhaut kaufen kann; die Verzweiflung rinnt ihm nicht nur -im Herzen zusammen, sondern läuft ihm stinkend auch zur Nase heraus; -die Freunde begucken sich gegenseitig, und wer in der ersten Phase der -Vergiftung ist, lacht den aus, der sich in der dritten oder vierten -befindet; nach einem Jahr fällt ihm die Nase in den Suppenteller, -und er läuft zum Kautschukhändler, um eine neue zu kaufen; dann -verzieht er, geht an einen andern Ort, wechselt sein Handwerk, wird -mitleidig und sentimental, tut keinem Tierlein 'was zuleide, entwickelt -moralische Gesinnungen, spielt mit den Mücklein in der Sonne und -beneidet die jungen Bäume im Frühling; er wird katholisch,--wenn er -protestantisch war; und protestantisch,--wenn er katholisch war: nach -zwei, drei Jahren liegen ihm die Leber und die großen Drüsen wie Mörser -im Leib und er denkt auf lockere Speisen; dann gimpelt's ihm im einen -Aug', nach einem weiteren Vierteljahr ist es zu; nach fünf, sechs -Jahren beginnt ein Zucken und Schießen im Körper auf und ab, wie ein -Feuerwerk; er geht noch spazieren, und fleißig sieht er nach, ob die -Füße noch unter dem Leib hervorkommen; noch etwas später zieht er es -vor, im Bett zu bleiben; er liebt die Wärme; nach acht Jahren etwa -nimmt er sich eines Tags einen Knochen aus dem eigenen Gebäu, beriecht -ihn, und schmeißt ihn voll Grausen in die Ecke; er wird dann fromm, -frömmer, am frömmsten; er liebt die Maroquin-Bände mit Goldschnitt und -einem Kreuz darauf; und nach zehn Jahren liegt er schlank dort, ein -verwelktes Skelett, mit gähnend gegen den Plafond aufgesperrtem Maul, -das "Warum" fragt und stirbt.--Die Seele gehört dann Euch!-- - -MARIA (_sich voll Abscheu wegwendend_). Äh! - -TEUFEL (_verwundert_). Was?--Habe ich meine Sache nicht gut -gemacht?--War die Arbeit nicht so bestellt?-- - -MARIA (_die Hände vor dem Gesicht, schluchzend_). Ach, die armen -Menschen! - -TEUFEL (_einfallend_).... bleiben _erlösungs-bedürftig_ und -_erlösungs-fähig_!-- - -Maria (_die sich wieder umgewendet, starrt mit offenen Augen das -Weib an, in deren Anblick sie versunken bleibt. Das Weib in der -ursprünglichen, naiven, seiner unbewußten, schönheitsvollen Haltung._) - -(_Man hört draußen ein Geräusch, wie von Kommenden_). - -MARIA (_erwachend, und zur Thüre eilend_). Nein, niemand soll -herein!--(_nachdem sie vor der Thüre die Kommenden erblickt_.) Nein, -mein Sohn soll nicht herein, kann nicht herein, darf nicht herein; -(_zurückkehrend, wild_). Schaff' mir das Weib aus dem Haus!--Thu' mit -ihr, was Du willst; aber fort, fort!--Augenblicklich!-- - -TEUFEL (_bittend_). Liebe Maria, Immerwährende Jungfrau, Allerseligste -Gottesgebärerin, ich hätte noch einige Wünsche, ich denke, ich verdiene -doch,... Du weißt.... - -MARIA (_eilfertig_). Ja, ja,--Du sollst Deine _Stiege_ haben;--aber nur -fort, fort!-- - -TEUFEL (_larmoyant_). Und _Gedankenfreiheit_!-- - -MARIA. Freund, Du denkst nur viel zuviel!--Ich will mir's überlegen, -was ich befürworten kann;--aber jetzt fort!-- - -TEUFEL (_mit einem schweren Seufzer, verbeugt sich tief vor Maria, -geleitet dann mit großer Vornehmheit_ DAS WEIB _nach außen, wohin er -sie vorantreten läßt_). - -MARIA (schaut starr mit offenem Munde den Gehenden nach.) - -(_Der Vorhang fällt_.) - - - - -Fünfter Aufzug - - - - -Erste Szene - - -Rom. Ein Saal im päpstlichen Palast; zur Rechten (von der Bühne aus) -ist an der Wand ein temporärer Altar errichtet, an dem ein Priester -amtiert; zur Linken bis gegen die Mitte der Bühne reichend, stehen -Armsessel, zum Teil mit Betpulten davor, auf denen der Papst mit seiner -Familie, darunter CESARE und LUCREZIA BORGIA, die VANOZZA und JULIA -FARNESE mit den Mitgliedern des heiligen Kollegiums, Bischöfen und -Erzbischöfen, Almosenieren, dem Zeremonienmeister BURCARD, dem Kapitän -der päpstlichen Garde und andern zum unmittelbaren Gefolge des Papstes -Gehörigen Platz genommen; zu äußerst links, hinter den Stühlen stehen -dichtgedrängt und ohne das Ende des Saales auf dieser Seite erkennen -zu lassen, teils Geistliche, teils niedere Beamte des päpstlichen -Hofstaates und ganz hinten auch etliche von der Dienerschaft, welche -alle mit größerer oder geringerer Aufmerksamkeit der heiligen Handlung -folgen. Erleuchtet wird der ganze Raum lediglich von den vier großen -Kerzen, die am Altar brennen, so daß die entfernter gelegenen Teile -in Halbdunkel gehüllt sind. Im Hintergrund befindet sich ein einziges -großes Portal, welches offen steht. - -PRIESTER AM Altar, (_den man längere Zeit hantieren gesehen und -flüstern gehört hat_). Hoc est enim Corpus meum[1].--Das Flüstern -und Zischeln geht weiter.--Hic est enim Calix Sanguinis mei, novi -et aeterni testamenti; mysterium fidei; qui pro vobis et pro multis -effundetur in remissionem peccatorum[2]. - -_Während mitten unter den Zuhörern, die teils knien, teils stehen, -der Papst mit überschlagenen Knien und im Schoß gekreuzten Händen, -wie es scheint, gleichgültig dort sitzt, geht unter den übrigen, -besonders unter den weiblichen Mitgliedern, ein lebhaftes Plauschen und -Austauschen von Meinungen einher, welches von den rückwärts Stehenden -wiederholt durch ein diskretes "Pst!" unterbrochen wird._ - -PRIESTER (_am Altar_).... Hostiam puram, hostiam sanctam, hostiam -immaculatum ...[3] - -LUCREZIA (_teilt aus einer Tüte Confetti an ihre jüngeren Geschwister -aus._) - -PRIESTER (_am Altar_).... Panem sanctum vitae aeternae, et Calicem -salutis perpetuae....[4] - -Die Jüngeren scheinen sich um die Confetti zu streiten; einiges -fällt zu Boden; sie eilen sich, es aufzuheben; man hört Raufen und -Schimpfwörter; Stühle werden gerückt; die Damen benehmen sich um die -Kleinen; die Herren mahnen zur Ruhe; der Papst schaut hinüber und -lächelt; von rückwärts wiederholte "Pst--Pst!". - -PRIESTER (_am Altar, mit lauter Stimme_).... Per omnia saecula -saeculorum[5]. - -DIE ANWESENDEN (_mechanisch murmelnd_). Amen. - -CESARE ist von seinem Stuhl aufgestanden und begibt sich hinter die -Lehnen seines Vaters, des Papstes, zu dem herübergebeugt er sich -längere Zeit halblaut unterhält; die Damen fangen ebenfalls unter sich -ein halblautes Gespräch an; die Kleinen, wieder beruhigt, molfern an -ihren Confetti. - -PRIESTER (_am Altar halblaut_). Agnus Dei, qui tollis peccata -mundi...[6] - -Bei diesen Worten ist DAS WEIB plötzlich auf die Schwelle des -rückwärtigen Portals getreten. Hinter ihr sieht man eine schwarze -Gestalt verschwinden. Sie ist in der gleichen naiv-zauberhaften -Attitüde wie oben im Himmel und trägt dasselbe weiße, -jugendlich-züchtige Gewand wie damals, von dem eine von der Beleuchtung -der Kerzen unabhängige Helle auszugehen scheint. - -PRIESTER (_vollendet_).... miserere nobis![7] - -Sofort entsteht eine heftige Erregung und große allgemeine Unruhe unter -allen Anwesenden, deren Blicke starr gegen die Thüre gerichtet sind, -und unter denen ein bald unentwirrbares Gemisch von staunenden Ausrufen -von seiten der Männer, von Verwünschungen von seiten der Frauen hin- -und hergeht.-- - -PRIESTER (_am Altar, wie oben_). Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, -miserere nobis!... - -_Die Unruhe wächst immer mehr; der Garde-Kapitän ist einige Schritte -gegen das Portal zu getreten; die Dienerschaft drängt sich von dieser -Seite immer stärker gegen die Mitte des Saales._ - -PRIESTER (_am Altar_). Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, dona nobis -pacem...[8] - -_Der Papst ist ebenfalls aufgestanden und schaut starr gegen die Thüre, -wo das Weib in regungsloser Haltung verharrt; Gruppen bilden sich und -pflegen in erregter Weise Meinungs-Austausch. Der Zeremonienmeister -Burcard ist von hinten vorgekommen, um sich mit dem Papst zu benehmen, -der ihm aber kein Gehör schenkt. Man hört die Kleinen schreien._ - -PRIESTER (_vollendet und sagt sein_). Dominus vobiscum![9] (_Dessen -Antwort_: "Et cum spiritu tuo"[10] _nicht mehr vernommen wird_.) - -_Man hört jetzt aus der Menge Rufe wie_: "Wer ist die?"--"Woher -kommt die?"--"Eine Neapolitanerin!"--"Schafft sie 'naus!"--"Halt! -Halt!"--_Man hört die Stimme des Papstes_: "Schonung! Schonung!"-- - -PRIESTER (_am Altar, wendet sich um, sieht erschrocken die Verwirrung, -sagt aber sein_). Ite missa est[11]--(_und erteilt darauf, ohne daß -sich noch jemand um ihn kümmert, den Segen_.) - -_Nunmehr verlassen alle ihre Plätze und drängen gegen die Thüre zu; die -Männer zunächst, die Frauen wie zurückgeschoben; der Papst, umgeben von -seinem Sohn Cesare, dem Zeremonienmeister und dem Garde-Kapitän, führt_ -DAS WEIB _vornehm bewillkommnend unter großem Nachdrängen von seiten -der Männer, unter lauten Ausrufen und Verwünschungen von anderer Seite, -etwas gegen die Mitte des Saales.--Der Priester hat sich inzwischen am -Altar verbeugt und ist rechts abgegangen; ein Sakristan ist gekommen -und löscht vorschriftsmäßig die vier großen Kerzen aus.--In dem so -entstandenen Halbdunkel, in dem_ DAS WEIB _wie magisch beleuchtet -herausglänzt, sieht man noch, wie die Männer wie wild gegen die helle -Gestalt losstürzen, die der Papst jetzt fest unter den Arm genommen -hat, während der Garde-Kapitän den Degen zieht, Burcard die großen -mächtigen Arme, wie zur Ruhe mahnend, hoch emporhebt, und Cesare -wie wütend gegen die Eindringenden um sich schlägt. Die Betstühle -werden umgeworfen; man sieht vereinzelt Dolche in der Luft blitzen; -im Hintergrund halb ersticktes Weibergeschrei. "He, Hilfe!"--"Ich -bin's nicht!"--"Ich bin die Falsche!"--"Waffen!"--"Soldaten!" -Man hört_ LUCREZIA'S _Stimme: "Cesare!--Cesare!--Mio papa--zu -Hilfe!"--Schließlich drängt die Gruppe mit dem_ WEIB _und dem_ PAPST -_in ihrer Mitte zur Thüre hinaus; Alles wie wild nachstürzend; die -Frauen kreischend zu beiden Seiten ab:--der Vorhang fällt._ - - - -[1] Denn dies ist mein Leib. - -[2] Denn dies ist der Kelch meines Blutes, des neuen und ewigen -Bundes--das Geheimnis des Glaubens--welches für euch und für viele -vergossen wird zur Vergebung der Sünden. - -[3] Die reine Hostie, die heilige Hostie, die makellose Hostie. - -[4] Das heilige Brot des ewigen Lebens und den Kelch des immerwährenden -Heils. - -[5] Von Ewigkeit zu Ewigkeit. - -[6] Lamm Gottes, das du trägst die Sünden der Welt ... - -[7] Erbarme dich unser!-- - -[8] Lamm Gottes, das du trägst die Sünden der Welt, schenk' uns Frieden. - -[9] Der Herr sei mit Euch. - -[10] Und mit deinem Geist. - -[11] Soviel wie: die Messe ist vorbei. - - - - -Zweite Szene. (Verwandlung.) - - -Eine Straße in Rom vor dem päpstlichen Palast. Trübe, naßkalte -Morgendämmerung; an einer Ecke ein tiefherabgebranntes flackerndes -Öl-Licht.--Totenstille. - -_Eine Thüre am päpstlichen Palast öffnet sich leise und heraus tritt_ -DAS WEIB, _die Röcke knapp zugebunden, die halb entblößte Brust -vor Kälte schützend, mit verwirrten Haaren und hohläugigen Blicks, -übernächtigt und abgeschlagen; macht die Thüre leise hinter sich zu; -schlürft einige Schritte vorwärts; sie hat zweierlei Pantoffel an, -beide zu groß, in den Ohren und am Hals Brillantschmuck, schaut sich -scheu und vorsichtig um; da bricht der._ - -TEUFEL (_der bis dahin ungesehen längs einer Dachrinne im Schatten -gestanden, hastig hervor, auf sie zu, gebieterisch._) Jetzt zu den -Kardinälen! Dann zu den Erzbischöfen! Dann zu den Gesandten! Erst zu -den Gesandten der italienischen Staaten; dann zu den fremdherrlichen -Gesandten! Dann zum Camerlengo! Dann zu den Neffen des Papstes! Dann -zu den Bischöfen! Dann durch alle Klöster durch! Dann zu dem übrigen -Menschenpack!--Tummle dich und halte die Rangordnung ein!--(_Weib -langsam ab._) - -(_Der Vorhang fällt._) - - -(Schluß.) - - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Das Liebeskonzil, by Oskar Panizza - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS LIEBESKONZIL *** - -***** This file should be named 44386-8.txt or 44386-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/4/3/8/44386/ - -Produced by Marc D'Hooghe at http://www.freeliterature.org -(Images generously made available by the Inernet Archive.) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License available with this file or online at - www.gutenberg.org/license. - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm -concept of a library of electronic works that could be freely shared -with anyone. For forty years, he produced and distributed Project -Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. -unless a copyright notice is included. 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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org - - -Title: Das Liebeskonzil - Eine Himmels-Tragödie in fünf Aufzügen - -Author: Oskar Panizza - -Release Date: December 8, 2013 [EBook #44386] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS LIEBESKONZIL *** - - - - -Produced by Marc D'Hooghe at http://www.freeliterature.org -(Images generously made available by the Inernet Archive.) - - - - - - -</pre> - - -<h1>Das Liebeskonzil</h1> - -<h2>Eine Himmelstragödie in fünf Aufzügen</h2> - -<h3>von</h3> - -<h2>Oskar Panizza</h2> - -<h5>Zürich</h5> - -<h5>Verlags-Magazin (T. Schabelth)</h5> - -<h5>1895</h5> - - - -<hr class="full" /> -<h5>Dem Andenken</h5> - -<h5>Gutten's.</h5> - - -<hr class="chap" /> -<blockquote> - -<p>"Es ist got gefellig gewesen in unsern tagen kranckheiten zu -senden (als wol zu achten ist) die unsern vorfaren unbekant -seint gewesen. Da bey haben gesagt die der heiligen geschrift -obligen, das die blatteren uß gotz zorn kumen seint, und got -damit unsere bösen berden straffe und peynige."</p> - -<p>Ulrichen von Hutten, eins teutschen Ritters Von den Frantzosen -oder blatteren 1519.</p> - -<p>"Dic Dea, quae causae nobis post saecula tanta Insolitam -peperere luem?..." Fracastoro, Syphilis sive de morbo Gallico -1509.</p></blockquote> - -<hr class="chap" /> - - - -<p style="margin-left: 15%;"> -<span class="caption">Personen.</span> -<br /><br /> -Gott Vater<br /> -Christus<br /> -Maria<br /> -Der Teufel<br /> -Das Weib<br /> -Ein Cherubim<br /> -Erster Engel<br /> -Zweiter Engel<br /> -Dritter Engel<br /> -Helena <span class="acco1">}</span><br /> -Phryne <span class="acco1">}</span><br /> -Héloise <span class="acco1">} Gestalten aus dem Totenreich</span><br /> -Agrippina <span class="acco1">}</span><br /> -Salome <span class="acco1">}</span><br /> -Rodrigo Borgia, Alexander VI., Papst<br /> -Girolama Borgia, vermählt mit Cesarini (Mutter unbekannt) <span class="acco2">}</span><br /> -Isabella Borgia, vermählt mit Matuzzi (Mutter unbekannt) <span class="acco2">}</span><br /> -Pier Luigi Borgia, Herzog von Gandia(von der Vanozza) <span class="acco2">}</span><br /> -Don Giovanni Borgia, Graf von Celano(v. d. Vanozza) <span class="acco2">} Kinder des</span><br /> -Cesare Borgia, Herzog von Romagna(v. d. Vanozza) <span class="acco2">} Papstes</span><br /> -Don Gioffre Borgia, Graf von Cariati(v. d. Vanozza) <span class="acco2">}</span><br /> -Donna Lucrezia Borgia, Herzogin von Bisaglie (v. d. Vanozza)<span class="acco2">}</span><br /> -Laura Borgia, noch minderjährig. <span class="acco2">}</span><br /> -Giovanni Borgia, noch minderjährig . <span class="acco2">}</span><br /> - <span style="margin-left: 1.5em;">(von Julia Farnese, vermählte Orsini)</span><br /> -Die Vanozza <span class="acco3">} Mätressen des Papstes</span><br /> -Julia Farnese, vermählt mit Orsini <span class="acco3">}</span><br /> -Alessandro Farnese, ihr Bruder, Kardinal.<br /> -Donna Sancia, Schwiegertochter des Papstes, vermählt mit Don Gioffre.<br /> -Adriana Mila, Vertraute des Papstes, Erzieherin seiner Kinder.<br /> -Francesco Borgia, Erzbischof von Cosenza <span class="acco4">}</span><br /> -Luigi Pietro Borgia, Kardinal-Diakon <span class="acco4">} Neffen des Papstes</span><br /> -Collerando Borgia, Bischof von Monreale <span class="acco4">}</span><br /> -Rodrigo Borgia, Kapitän der päpstlichen Garde <span class="acco4">}</span><br /><br /> -Giovanni Lopez, Bischof von Perugia <span class="acco4">}</span><br /> -Pietro Caranza, Geheimkämmerer <span class="acco4">} Vertraute des Papstes</span><br /> -Juan Marades, Bischof von Toul, Geheimintendant <span class="acco4">}</span><br /> -Giovanni Vera da Ercilla, Mitglied des heiligen <span class="acco4">}</span><br /> -Remolina da Ilerda, Mitglied des heiligen Kollegiums <span class="acco4">}</span><br /> -Burcard, Zeremonienmeister des Papstes.<br /> -Ein Priester.<br /> -Erster Edelmann.<br /> -Zweiter Edelmann.<br /> -Dritter Edelmann.<br /> -Pulcinello, Schauspieler<br /> -Colombina, Schauspieler<br /> -Eine Courtisane.<br /> -</p> - -<p>Der Heilige Geist, Erzengel, ältere und jüngere Engel, Amoretten; -—Maria Magdalena, Apostel, Märtyrer, Barmherzige Schwestern, ein -Bote; —Tiere, Fratzen, Gestalten von Toten;—Geistliche Würdenträger, -päpstliche Hofbeamte, Gesandte, römische Damen, Kavaliere, Courtisanen, -Schauspieler, Sänger, Kämpfer, Soldaten, Volk.</p> - -<p>Zeit: Frühjahr 1495, das erste historisch beglaubigte Datum vom -Ausbruch der Lustseuche.</p> - -<hr class="tb" /> - -<h3>Erster Aufzug</h3> -<hr class="r5" /> - -<h4>Erste Szene</h4> - - -<p><i>Der Himmel; ein Thronsaal;</i> DREI ENGEL <i>in schwanenweißen, -federdaunartigen Anzügen mit enganliegenden, gamaschenähnlichen -Kniehosen, Wadenstrümpfen, kurzen Amoretten-Flügeln, weißgepuderten, -kurz geschnittenen Haaren, weißen Atlas-Schuhen; sie haben Flederwische -in der Hand zum Abstauben.</i></p> - - -<p><span class="small-c"><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span></span>. Heut steht ER wieder spät auf.</p> - -<p>ZWEITER ENGEL. Seid froh! Dieses Gehust', dieses wasserblaue Geglotz', -dieses Schleimfließen, Fluchen, Spucken den ganzen Tag—man kommt zu -keinem gesunden Augenblick.</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span>. Ja, es ist merkwürdig daheroben!</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span>. Apropos! Ist der Thron festgemacht?</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER ENGEL</span>. Ja, um Gottes Willen! Ist der Thron festgemacht? Er -wackelte gestern.</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span>. Wer wackelte gestern?</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span>. Der Thron, dummes Gänschen!</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>verwundert</i>). Der Thron?—Warum wackelt der Thron?</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span>. Enfin, er wackelt eben.</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span>. Wie? Wackelt denn hier heroben überhaupt etwas?</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER UND ZWEITER ENGEL</span> (<i>laut auflachend</i>). Ha, ha, ha, ha!—</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>immer ernster und erstaunter</i>). Ja, warum wackelt der -heilige Thron?</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span> (<i>energisch</i>). Dummes Gänschen! Weil hier sowieso alles -aus dem Leim geht und lidschäftig wird, Götter und Möbel, Franzen und -Tapeten.</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>innerlich erbebend</i>). Gott, wenn das meine Mutter wüßte!</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER ENGEL</span> (<i>stirnrunzelnd und höhnisch</i>). Deine Mutter?—Was willst -Du denn mit Deiner Mutter, Fratz?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span>. Ach, sie ließ doch heute die sechzigste Seelenmesse für -mich lesen!</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER UND ZWEITER ENGEL</span> (<i>mit wachsender Verwunderung</i>). Für Dich?!— -(<i>Beide laut auflachend</i>.) Ja wie alt bist denn Du?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>sich besinnend und dann mit Pathos zitierend</i>.) "Vor -Gott sind tausend Jahre wie ein Tag, und ein Tag wie tausend Jahre!"—</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER UND ZWEITER ENGEL</span> (<i>ihr abwinkend und sie zur Raison bringend; -sehr breit</i>). Ja, ja, ja—is schon recht; das wissen wir schon!—Aber -wie alt warst Du denn drunten?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>kindlich</i>). Knapp vierzehn Jahre!</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span> (<i>lachend</i>). Und da brauchst Du Seelenmessen?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>zaghaft</i>). Ach, Ihr wißt ja nicht, ich bin ja gestorben!</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER UND ZWEITER ENGEL</span> (<i>noch lauter lachend</i>). Ha, ha, ha! Hi, -Hi!—No, natürlich, sonst wärst Du ja nicht hier!—</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>in unverrückbarem Ernst</i>). Ach, Ihr wißt ja nicht, ich -bin ja in Sünden gestorben!</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER UND ZWEITER ENGEL</span> (<i>aufs neue lachend</i>). Das auch noch!—Du -armer Schlucker, was hast Du denn getan?—</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>stockt, schaut mit ihren starren Augen ihre Genossinnen -an und faltet die Hände</i>).</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER ENGEL</span> (<i>höhnisch</i>). Hast Deine Schulaufgaben nicht -gelernt?—Hast Kleckse in Dein Schreibheft gemacht?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>immer in ängstlich-gespannter Haltung</i>). Ach, mir wird -so bang;—nicht wahr, Ihr sagt es nicht weiter?!—</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER UND ZWEITER ENGEL</span> (<i>sich ausschüttend vor Lachen</i>). Was? Da -heroben; und nichts weiter sagen?!</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>erstaunt</i>). Was? Ihr wißt es schon?</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span>. Nein! Aber sag's nur heraus; wir erfahren's doch!</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER ENGEL</span>. Also frisch! Was war's?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span>. Ach, mich hat ein großer Mann—erdrückt!</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span> (<i>betonend</i>). Erdrückt?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span>. Oder vergiftet!</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER ENGEL</span> (<i>ebenso betonend</i>). Vergiftet?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>naiv</i>). Ich weiß nicht mehr, wie die Mutter sagte.</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span> (<i>mit wachsendem Erstaunen</i>). Ja, war denn die Mutter -dabei?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>mit glänzenden Augen erzählend</i>). Die war im -Nebenzimmer;— aber die Thüre war halb offen;—da kam ein großer, alter -Mann herein; —die Mutter hatte gesagt, ich sollte alles geschehen -lassen; der Mann sei der Rektor der Schule und sei sehr streng;—und -wenn ich in allem gehorsam sei;—käme ich unter die ersten;—und der -große, alte Mann—</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER UND ZWEITER ENGEL</span> (<i>drängend</i>). Nun, der große, alte Mann...?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>fortfahrend</i>).... war sehr stark.</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER UND ZWEITER ENGEL</span> (<i>sich gegenseitig anschauend und die Kleine -imitierend</i>). Der große, alte Mann war sehr stark!</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER ENGEL</span>. So steht's im Ollendorf<a name="FNAnker_1_1" id="FNAnker_1_1"></a><a href="#Fussnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a> auch.</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span> (<i>die Kleine aufrüttelnd</i>). Nun, was tat denn der große, -alte Mann?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>herausbrechend</i>). Er erdrückte mich und vergiftete -mich, und bespie mich mit seinem heißen Atem, und wollte in meinen Leib -eindringen....</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER UND ZWEITER ENGEL</span> (<i>die Hände zusammenschlagend, mit verstellter -Verwunderung</i>). Was?—Und die Mutter kam Dir nicht zu Hilfe?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span>. Die stand an der Thürspalte und sagte immerfort: "Sei -nur brav, Lilli, sei nur brav, Lilli!"</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER ENGEL</span>. Nun, und dann?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span>. Dann lag ich schluchzend auf dem Bett.</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span>. Und dann?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>sich besinnend</i>). ... ich hörte dann noch die Mutter -mit dem Manne reden....</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER ENGEL</span>. Was sprachen sie?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>sich tief besinnend</i>). ... ich weiß es nicht -mehr;... sie waren schon im Nebenzimmer ... ich hörte noch die Zahl -fünfhundert....</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span>. Und dann?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>sich immer länger besinnend</i>). ... die Mutter kam -herein ... sie sagte, nun hätten sie viel Geld, und könnten lustig und -vergnügt für immer leben.... Die Gedanken gehen ihm aus.</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span> (<i>drängend</i>) Und dann?—</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER ENGEL</span> (<i>ebenso</i>). Und dann? Und dann?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>fast verklärt</i>). Dann—bin ich gestorben.</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER UND ZWEITER ENGEL</span> (<i>fahren, die Hände über dem Kopf -zusammenschlagend, mit einem schrillen, lang anhaltenden, mädchenhaft- -gilfenden Ton, wie um eine innere Erregung ausströmen zu lassen, -auseinander, und wie zwei Kreisel pfeifend, in der weitesten Rundung im -Saal herum; der Dritte noch immer in starr verklärter Stellung.</i>)</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span> (<i>nach längerem Umhersausen, atemlos</i>). Und da läßt Dir -jetzt Deine Mutter für das viele Geld Seelenmessen lesen?!</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span>. (<i>weinerlich ängstlich</i>). Ich bin ja in Sünden gestorben!</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER ENGEL</span> (<i>eindringlicher</i>). Für die 500 Mark oder Taler oder -Franken läßt Dir jetzt Deine Mutter Seelenmessen lesen?!</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>mißverstehend-naiv</i>). ... für einen Teil des Geldes.</p> - -<p><span class="small-c">ZWEI ÄLTERE ENGEL</span> (<i>kommen schnell hereingestürzt mit dem Ruf</i>). ER -kommt! —ER kommt!—Ist alles parat?—(<i>Die Drei fahren auseinander und -machen sich an die Arbeit</i>.)</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span>. Um Gottes willen, seht, ob der Thron fest ist! (<i>Einer -der Engel macht sich am Thron zu schaffen. Andere Engel kommen -inzwischen, bringen Decken, Polster, Kissen und dergl.</i>)</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER ENGEL</span> (<i>hopst auf den Thron und probiert ihn nach allen -Seiten</i>). Alles fix!</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span> (<i>zum dritten, der noch zu scheu ist, Hand anzulegen und -verwundert dem ganzen Treiben zuschaut</i>). Du, davon mußt Du mir noch -mehr erzählen.—Jetzt stell' Dich zu uns her!</p> - -<p><span class="small-c">DIE ZWEI ÄLTEREN ENGEL</span> (<i>die bisher außen an der Thüre Wache gestanden -haben, kommen jetzt, wie oben, eilfertig zurück, übermäßig mit -den Armen fuchtelnd, und mit dem gleichen Rufe</i>). ER kommt!—ER -kommt!—(<i>Man hört draußen schlappendes und schleppendes Geräusch</i>.)</p> - - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_1_1" id="Fussnote_1_1"></a><a href="#FNAnker_1_1"><span class="label">[1]</span></a> Bekannte Schulgrammatik.</p></div> - - -<hr class="chap" /> - -<h4>Zweite Szene</h4> - - -<p><span class="small-c">DIE VORIGEN; GOTT VATER</span>, <i>ein Greis im höchsten Lebensalter mit -silberweißen Haaren, ebenso Bart, hellblauen wässerigen Glotzaugen, -tränengefüllten Augensäcken, gebeugten Hauptes, kyphosischen Rückgrats, -kommt in langem, talarartigem, mißfarbig-weißem Gewände, von zwei -Cherubim rechts und links gestützt, hustend und brustrasselnd, -schwerfällig tappend und nach vorn geneigt, hereingeschlappt; zwei -Engel stehen am Thron und halten ihn: die übrigen stürzen auf die -Knie, wenden das Gesicht zur Erde und breiten die Arme aus; hinter -Gott Vater ein endloses Cortège von Engeln, Seraphim, Thürstehern, -Aufwärtern, alles weiblich, oder geschlechtslos, mit teils -alltäglich-gelangweilten, teils fürwitzigen, teils ängstlich-besorgten -Gesichtern; sowie einige nonnenartig gekleidete Barmherzige Schwestern -mit Medizinflaschen, Decken, Spucknäpfen u. drgl.—Sie geleiten Gott -Vater langsam vorsichtig zum Thron, helfen ihm die zwei Stufen hinauf, -indem sie unten seine Beine fassen und hinaufheben, drehen ihn dann -oben um, und lassen ihn langsam auf den im ältesten byzantinischen -Stil gehaltenen, mit reichem Mosaik verzierten Sitz nieder, indem zwei -vorne, zwei hinten und je einer an den beiden Seiten ihn teils stützen, -teils in Empfang nehmen; ein letzter Engel trägt die Krücken nach.</i></p> - - - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>sinkt mit einem verzweifelnd von sich stoßenden, -lebenssatt-rauhen Exspirations-Seufzer auf den Thron nieder</i>). -Ach!—(<i>Glotzt dann starr und bewegungslos, aber schweratmend, vor sich -hin</i>.)</p> - -<p>(<i>Alle Engel, auch die bis dahin gekniet gewesenen, in hastig hin- und -herlaufender Bewegung</i>.)</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>in flüsternd-drängendem Befehlston</i>). Die Fußbank!</p> - -<p><span class="small-c">EIN ENGEL</span> (<i>bringt eilig das Gewünschte</i>). Die Fußbank!</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>die Fußbank untersetzend; wie oben</i>). Die Wärmeflasche!</p> - -<p><span class="small-c">EIN ENGEL</span> (<i>bringt sie</i>). Die Wärmeflasche.</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>wie oben</i>). Den Fußsack!</p> - -<p><span class="small-c">EIN ENGEL</span> (<i>eilig</i>). Den Fußsack.</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>wie oben</i>). Die Steppdecke!</p> - -<p><span class="small-c">EIN ENGEL</span> (<i>bringt sie, eilig</i>). Die Steppdecke.</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>in drängendem Befehlston</i>). Die Schlummerrolle!</p> - -<p><span class="small-c">EIN ENGEL</span> (<i>bringt sie</i>). Die Schlummerrolle.</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>wie oben</i>). Den Rückenwärmer!</p> - -<p><span class="small-c">EIN ENGEL</span> (<i>bringt ein sechsfach zusammengelegtes weiches -Flanellstück</i>). Den Rückenwärmer!</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>immer hastiger befehlend</i>). Die Armpolster!</p> - -<p><span class="small-c">EIN ENGEL</span> (<i>bringt zwei Hohlkissen für die Armlehnen</i>). Die Armpolster.</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>wie oben</i>). Das Foulard!</p> - -<p><span class="small-c">EIN ENGEL</span> (<i>bringt ein kirschrotes Seidentuch</i>). Das Foulard.</p> - -<p>(<i>Während der Cherubim das Tuch um den Hals des Greisen windet, hört -man</i>).</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>unartikuliert-rauh stöhnen und jammern</i>). -Ach!—Ach!—Ach!—Ach!—</p> - -<p><span class="small-c">VERSCHIEDENE ENGEL</span>. Wo fehlt's?—Was ist?—Helft! Helft!—Wo fehlt's?—</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>mit vorgebeugtem Kopfe weiterstöhnend</i>). -Ach!—Ach!—Ach!—Ach!—</p> - -<p><span class="small-c">ALLE ENGEL</span> (<i>sammeln sich in großer Bestürzung um den Thron; einige -knien nieder und schauen ängstlich gespannt auf Gott Vater</i>.) -Helft!—Helft!—Wo fehlt's?—Wo fehlt's?—Göttliche Majestät, wo -fehlt's?—Er stirbt uns!—Holt Maria!—Holt den Mann!—Helft!—Helft!—</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>weiter stöhnend; wird engobiert im Gesicht; aus -den Augensäcken rollen große Tränen infolge der Anstrengung</i>). -Ach!—Ach!—Schu!—Schpu!—Schpu!—</p> - -<p><span class="small-c">EIN ENGEL</span> (<i>springt auf, triumphierend, mit heller, lauter Stimme</i>). -Die Spuckschale!</p> - -<p><span class="small-c">ALLE ENGEL</span> (<i>aufspringend, in klirrendem Diskant, erlösend</i>). Die -Spuckschale!!</p> - -<p>(<i>Sie eilen zu einem Tisch, wo Medizinflaschen, Weinkaraffen, -Bisquit-Gläser u. drgl. stehen, und bringen eine rosa-rote -Kristall-Vase</i>).</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>räuspernd, kollernd, sich abmühend, erleichtert sich -endlich</i>).</p> - -<p><i>Ein Engel nimmt die Spuckschale zurück, trägt sie, von anderen -begleitet, feierlich nach hinten; ein anderer Engel wischt dem Alten -mit einem seidenen Tuch den Bart ab; dann stehen alle Anwesenden, dicht -gesammelt, erwartungsvoll um Gott Vater herum.—Dieser schaut erst -lange mit glasig-starren Blicken im Kreise herum, packt dann plötzlich -mit zitternden Händen die Krücken, die ihm im Schoß liegen, und stößt -sie mit unerwartetem Ruck und heiserem, fürchtenmachendem, fingierten -Gebrüll gegen die Engel vor. "Wuh!—Wuh!—" Die Engel fahren kreischend -auseinander und fliehen zu den Thüren hinaus.—Nur ein Cherubim bleibt -zurück, der kniend, mit in den Händen vergrabenem Gesicht, sich vor ihm -niederwirft.—Lange Pause</i>.—</p> - - - -<hr class="chap" /> -<h4>Dritte Szene</h4> - - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span>. <span class="small-c">EIN CHERUBIM</span>; <i>dieser, ein geschlechtsloser Engel, -gefitticht weiß, sehr schön von Angesicht, im Charakter des Antinous; -kniet während der ganzen Szene</i>.</p> - - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>nachdem er lange auf ihn herabgesehen; sehr ruhig; mit -tief genommenem Bariton</i>). Rollt die Erde noch in ihren Sphären?—</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>die Augen aufschlagend, feierlich</i>). Die Erde rollt in ihren -Sphären!—Pause.</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>wie oben</i>). Ist die Sonne schon aufgegangen?—</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>zögernd</i>). Die Sonne steht, heiligster Vater!</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>ruhig, unbekümmert</i>). <i>Steht</i> die Sonne?—Ach so, ich hab' -vergessen.—Ich sehe sie ja fast nicht mehr!—</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span>. Was machen Deine Augen, ehrwürdiger Vater!—</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span>. Schlecht!—Schlecht!—Gott, ich bin alt geworden!—</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>feierlich</i>). Vor Dir sind tausend Jahre wie ein Tag!—</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span>. Ja, ja; aber schließlich gehen die auch herum!</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span>. Du wirst wieder besser werden, göttlicher Greis!</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span>. Nein, ich werde nicht wieder besser werden! Ausbrechend. -Gott, ist das schrecklich, alt zu sein!—Gott, wie ist das schrecklich, -als Alter auch noch ewig leben zu müssen!—Gräßlich, ein blinder Gott -zu sein!</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span>. Du wirst wieder sehend werden, göttlichster, heiligster -Vater!—</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>bestimmt</i>). Nein, ich werde nicht wieder sehend -werden!—Ich werde immer älter, zerbrechlicher und elender! Gott, wenn -ich sterben könnte!</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>sanft</i>). Du wirst nicht sterben!—Du kannst nicht -sterben!—Du sollst nicht sterben!—</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>gerührt, leise weinend</i>). ... Ach, meine Glieder, sie sind -gekrümmt, verschwollen, wassersüchtig, kontrakt, verdorben.... Streicht -die Knie hinab.</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>rutscht ganz nahe zu ihm hin, legt seinen Kopf auf das -eine Knie und streichelt mit der Hand das andere; leise wimmernd, mit -tiefer Teilnahme, den Alten kindlich imitierend</i>). Deine Glieder sind -gekrümmt,—sind geschwollen,—sind wassersüchtig,—sind kontrakt,—sind -verdorben.... Ach!—Ach!—</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>intensiver weinend</i>). Meine Füße sind vergichtet, -verknorpelt, brennend vor Schmerzen, zuckend und zerrissen....</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>rutscht hinunter auf die Füße des Alten, liebkost sie, -und jammert</i>). Deine Füße sind vergichtet,—sind verknorpelt,—sind -brennend vor Schmerzen,—zucken und sind zerrissen.... Ach!—Ach!—</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>bricht in heftiges, schmerzhaftes Schluchzen aus</i>). -Ach!—Ach!-</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>stürzt sich ganz zu Boden und umschlingt beide Füße, sein -Gesicht in denselben schluchzend verbergend</i>). Ach, mein Gott! Mein -Gott!—</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>will sich gerührt vorbeugen, streckt beide Arme nach dem -Knaben aus, kann ihn aber nicht erreichen, während dicke Tränen auf den -Kopf des Cherubim herabtropfen</i>.)</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>dessen gewahr, schnellt empor und bringt sich, in -halb-kniender Stellung den Körper des Alten umschließend, ihm -entgegen.</i>)</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>ergreift in heftiger Leidenschaft den Kopf des Knaben mit -beiden Händen, drückt sein naß-verschwommenes Gesicht an dessen Wangen, -und küßt, von Schluchzen unterbrochen, brünstig dessen Stirne, Augen, -Haare. Beide, in Tränen aufgelöst, ruhen, während der heftige Ausbruch -des Alten zu versiegen beginnt, in stummer Umarmung aneinander.—In -diesem Augenblick klopft es draußen</i>.)</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>fährt empor</i>). Es ist jemand draußen!</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>müd</i>). Sieh, wer es ist!</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> <i>nachdem er sich an der Thüre flüsternd erkundigt, kommt -zurück. Ein geflügelter Bote ist draußen, der will Dir Nachricht -bringen; er thut sehr eilig</i>.</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>gleichgültig</i>). Laß ihn herein!—</p> - - - -<hr class="chap" /> -<h4>Vierte Szene</h4> - - -<p><i>D<span class="small-c">IE VORIGEN</span>; ein gefittichter, auch an den Füßen geflügelter <span class="small-c">BOTE</span> von -reiferem Charakter kommt in Begleitung zweier Engel in großer Erregung -herein.</i>]</p> - -<p><span class="small-c">BOTE</span> (<i>sinkt in den Staub und küßt den Boden; richtet sich dann kniend -auf</i>). Herr, ich komme aus Italien; aus Neapel; Gräßliches muß ich -Dir berichten; der Pfuhl der Sünde stinkt bis da herauf; alle Bande -der Sittlichkeit sind gelöst; man hohnlacht Deiner heiligen, am Berge -Sinai von Dir selbst gegebenen Gebote; die Stadt, vom Franzosenkönig -belagert, ergibt sich den entsetzlichsten Greueln; Weiber laufen mit -entblößtem Busen frech-lüstern durch die Straßen; die Männer funkeln -wie Böcke; ein Laster folgt dem andern; das Meer brandet bis in ihre -Gassen; die Sonne hat sich schon verdunkelt; aber sie achten weder -irdischer noch himmlischer Zeichen; die Unterschiede der Stände sind -aufgehoben; der König bricht ins Lupanar; und der Facchino dringt zu -den feilen königlichen Metzen in den Palast; Hunde und Spielhähne -haben ihre Brunstzeit, aber die Neapolitaner sind das ganze Jahr -Tiere; die ganze Stadt ein kochender Kessel der Leidenschaft; Italien -ist das liebes-wahnwitzigste unter den Völkern Europas; aber Neapel -ist in Italien, was Italien unter den Völkern; die Belagerung hat den -Rausch der Geschlechter bis zum Wahnsinn gesteigert; kein Alter wird -geschont, keiner Jugend sich erbarmt; Zeugungs-Glieder in unermeßlicher -Größe werden als Gottheiten in festlichem Aufzug durch die Straßen -geführt, von Reigen junger Mädchen begleitet, und wie allmächtige Idole -angebetet. Und in Deiner Kirche sah ich den Priester vor dem Altar mit -einer feilen Dirne....</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>der den Gang der Erzählung mit wachsendem Erstaunen -zugehört, erhebt sich, seines Zornes nicht mehr mächtig, mit äußerster -Kraft-Anstrengung vom Thron, und reckt die geballte Faust</i>). Ich will -sie zerschmettern!—(<i>Alles stürzt zu Boden und verbirgt das Antlitz</i>).</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>mit flehender Geberde</i>). Thu' das nicht, lieber heiliger -Vater;— — — Du hast ja sonst keine Menschen mehr!—</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>der den Cherubim lange mit offenem Munde angestarrt, sich -besinnend, zusammenknickend</i>). Ja, so,—richtig,—ich hab' vergessen; -(<i>vollends auf den Thron zurücksinkend</i>). das Erschaffen ist ja -vorbei;—ich bin zu alt;—und meine Kinder können es nicht.—</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>naiv</i>). Beruhige Dich, göttlicher Greis!—Du wirst Dein -drohendes Gesicht aus den Wolken zeigen und den Neapolitanern eine -Zornes-Rede halten; sie werden dann schaudern.</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span>. Sie werden nicht schaudern!—Sie verlachen mich ja!—Sie -wissen, daß ich nur reden kann. Sie wissen, daß sie da unten unter -sich sind; freien, lieben und hassen können, und mich nicht mehr -brauchen.—(<i>Auffahrend</i>). Aber Du (<i>zum Boten</i>) rufe mir meine Tochter, die -allerseligste Jungfrau,—und auch meinen Sohn magst Du rufen,—und -die Cherubim und Würgengel mögen sich für meinen göttlichen Befehl -bereit halten;—und auch dem Teufel laß ich vermelden, er möge sich zu -mir bemühen: wir wollen ein Konzil halten, und beraten, was in dieser -gräßlichen Sache zu tun ist.</p> - - -<p><span class="small-c">BOTE</span> <i>und alle</i> <span class="small-c">ÜBRIGEN ENGEL</span> <i>bis auf den</i> <span class="small-c">CHERUBIM</span> <i>unter großem -Geräusch ab.</i>—Der <span class="small-c">CHERUBIM</span> <i>bemüht sich um den erschöpften Alten, -bettet ihn aufs neue auf den Thron, rückt Fußschemel und Wärmeflasche -zurecht, knüpft ihm das Foulard, wischt ihm Gesicht und Bart ab, und -schmiegt sich zuletzt zu seinen Füßen, während der Alte dessen Hand -ergreift und in der seinen ruhen läßt.</i>—<span class="small-c">STUMME SZENE</span>.</p> - - - -<hr class="chap" /> -<h4>Fünfte Szene</h4> - - -<p><span class="small-c">DIE VORIGEN. MARIA</span>, <i>von einer Schar jugendlich amorettenhaft -gekleideter Engel, die ihr vorauseilen und ihr Blumen streuen, sowie -von erwachsenen Engels-Knaben, die Lilienstengel tragen, gefolgt und -begleitet, kommt in hochmütig-stolzer Haltung, eine kleine Krone -auf dem Haupte, in einem blauen, sternbesäten Kleid, welches vorne -das weiß-seidene Untergewand erblicken läßt, durch die Haupt-Thüre -herein, macht in Front von Gott Vater, von dessen Thrones-Stufen -sich der Cherubim inzwischen zurückgezogen, eine steife, hofmäßige -Verbeugung und begibt sich dann auf einen zweiten, in der Zwischenzeit -von dienstbaren Engeln, etwas entfernt von Gott Vater, ebenfalls -an der Wand zurechtgerichteten Thron, der, mit hoher Rücklehne, im -Stile sich der Zeit der Minnesänger anpaßt. Sie verweilt dort während -des Folgenden, von ihrem Engels-Chor umgeben, ausschließlich mit -Herrichtung ihrer Toilette, Benutzung eines kleinen Spiegels sowie -Selbst-Besprengung mit wohlriechenden Wässern, beschäftigt.—Ein -weiches Geflüster schalkhafter, augenschmeißender Amoretten macht -sich um ihn vernehmbar.—Währenddem unterhalten sich auf der -entgegengesetzten Seite, links im Vordergrund, die drei aus der ersten -Szene bekannten</i> <span class="small-c">ENGEL</span>.</p> - - - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span>. <span class="small-c">DER MANN</span> kommt.</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER ENGEL</span> (<i>in die Hände patschend</i>). Der Mann, der Mann kommt.</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>aufhorchend ernsthaft</i>). Der Mann? Wer ist der Mann?—</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER ENGEL</span>. Ach, der Mann—Du kleines Äffchen—das ist der Mann!</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span> (<i>belehrend</i>). Das ist der schönste, der zarteste, der -zuckrigste Mann; der einzige Mann im Himmel; das ist der Mann.</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>neugierig</i>). Ist er jung?</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span>. Wie eine Palme.</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>nach einigem Besinnen</i>). Ist er jünger wie der alte -Mann dort?</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER UND ZWEITER ENGEL</span> (<i>sich gegenseitig ins Wort fallend</i>). -Hunderttausendmal jünger!</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>nach weiterem Besinnen</i>). Ist er jünger wie die schöne -Frau dort?</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER UND ZWEITER ENGEL</span> (<i>wie oben</i>). Tausendmal, tausendmal jünger!</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>wieder besinnend</i>). Ist er jünger wie der garstige alte -Mann drunten auf der Erde?</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER UND ZWEITER ENGEL</span> (<i>wie oben</i>). Unendlich oftmal viel jünger!</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>sich erwärmend</i>). Ist er schön?</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER ENGEL</span>. Weiß wie Elfenbein!</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span>. Ist er schlank?</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span>. Wie eine Tanne!</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span>. Was hat er für Augen?</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER ENGEL</span>. Wie eine Gazelle!</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span>. Wie spricht er?</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span> (<i>besinnend</i>). Wie eine Aeolsharfe—Aber traurig, traurig!</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>teilnahmsvoll</i>). Warum ist er traurig, der Mann?</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER ENGEL</span>. Er ist ja verwundet!</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>stumm-verwundert fragend</i>).</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span>. Sie haben ihn ja in die Hände gestochen!</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER ENGEL</span>. Und durch die Füße!</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER ENGEL</span>. Und in die Seite hinein!</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER ENGEL</span>. Und von der Stirn unter den Haaren herab fließen -Blutstropfen!</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>der mit wachsender Bewunderung zugehört</i>). Aber er lebt?</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER UND ZWEITER ENGEL</span>. Er lebt!</p> - -<p><i>Man hört draußen das Sich-Nahen eines Zuges. Eine Schar junger, -mädchenhafter Engel stürzt voraus.</i></p> - -<p><span class="small-c">ERSTER UND ZWEITER ENGEL</span>. Der Mann kommt!</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER ENGEL</span> (<i>leise repetierend</i>). Der Mann kommt. (<i>Sie Treten etwas -zurück, um Platz zu machen</i>.)</p> - -<p><span class="small-c">DIE VORAUSEILENDEN ENGEL</span> (<i>zwitschernd, kichernd</i>). Der Mann! Der Mann!</p> - -<p><i>Christus, mit gestreckten, nach vorn übereinandergeschlagenen Armen -(Ecce-homo-Stellung), kommt im weißen Talar mit übergeschlagenem -Purpur-Mantel, als König der Juden, gesenkten Kopfes und mit -tief-trauriger Miene skandierten Schrittes herein, umgeben von meist -älteren Engeln, die Kreuz- und Marterwerkzeuge tragen; in seinem -Gefolge Apostel, Märtyrer, Maria Magdalena, Klageweiber. Er ist -sehr jugendlich, blaß mit dunklen Haaren, leichtem Flaumbart, eine -hoch aufgeschossene, ätherische Erscheinung; auch das Gefolge hat -den Charakter tiefster Niedergeschlagenheit und Hinfälligkeit. Die -jüngeren Engel drängen sich mit feurigen Blicken um ihn, suchen -seinen Gewandsaum zu berühren. Er begibt sich, gleichgültig von Gott -Vater beobachtet und gänzlich unbeachtet von Maria, selbst in seiner -Passivität von niemandem Notiz nehmend, zu einem für ihn inzwischen -aufgeschlagenen, etwas abseits von den andern stehenden Thron, der -die primitive Gestalt eines jüdischen Lehrstuhls hat. Dort läßt er -sich, seine Ecce-homo-Stellung beibehaltend, in großer Apathie nieder, -während sich sein Gefolge um ihn gruppiert.</i></p> - -<p><i>Nachdem alles sich versammelt und die Engels-Gruppen in der Front von -den drei Thronen, wo sie den ganzen Vordergrund einnehmen, sich kniend -niedergelassen.</i></p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>feierlich mit tiefem Pathos</i>). Sind Wir alle versammelt?—</p> - -<p><i>Im nächsten Augenblick fährt ein feuriger Streifen pfeifend wie eine -Rakete oben am Gewölbe quer durch den Saal, in der Ferne klirrend -verhallend: der Heilige Geist.—Alles blickt mit feierlicher Geste, die -Engel die Hände auseinanderspreitend, nach oben; nur Maria schaut, den -Kopf nachlässig auf die linke Thronlehne gestützt, gleichgültig vor -sich hin; während Christus, die Arme über der Brust kreuzend, das Haupt -noch tiefer senkt und so längere Zeit in tiefer Zerknirschung verweilt.</i></p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>nach einer Pause, während der alle in die frühere Stellung -zurückkehren</i>). Wir haben Euch hieher berufen, um Euren Rat in einer -schweren, entsetzlichen Sache zu vernehmen.—Die Menschen haben sich, -meine Gebote mißachtend, in götzendienerischer, selbst-zerstörender -Weise den schrecklichsten Ausschweifungen, den fürchterlichsten Greueln -hingegeben. In einer Stadt—in Asien—in—in—wo war es nur gleich?...</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>in nächster Nähe von Gott Vater mit emporgefalteten -Händen</i>). In Neapel, heiligster Vater.—</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>sich erinnernd</i>). In Neapel haben sie unter gänzlicher -Verschiebung der die Scham garantierenden Kleider sich wie Tiere, -mit rücksichtsloser Verachtung der für die fleischlichen Instinkte -gesetzten Schranken und Vorbehalte, vermischt, und so den göttlichen -Zorn....</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>einfallend, leichthin</i>). Ach ja, ich hab' davon gehört.</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>erstaunt aufhorchend</i>). Wie? Was ist das?</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>wie oben</i>). Ja, ich kenne die Affäre. Der Bote war zuerst bei -mir ... (hält sich plötzlich den Mund zu, als wolle sie's zurücknehmen).</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>blaß vor Zorn, will auffahren, sucht den Boten unter den -Versammelten, blickt dann wieder schnaubend zu Maria hinüber</i>).</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>mit stummer Geberde, bittet den Alten, sich zu bemeistern -und hält unverwandt in seinem Bitten an</i>).</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>schluckt es hinunter, bitter</i>). ... Dann seid Ihr alle -orientiert. Kämpft noch längere Zeit mit seiner Erregung.—Die -schrecklichste Strafe haben Wir bei Uns beschlossen....</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>dazwischenfahrend</i>). Das Gesindel wird nie besser.</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>blickt matt auf, mit schwindsüchtiger Stimme und gläsernem -Aug', nachlallend</i>). Nein,—das—Gesindel wird nie besser.</p> - -<p><span class="small-c">DIE ENGEL</span> (<i>unter sich, sich anstoßend</i>). Der Mann! Der Mann!—</p> - -<p><span class="small-c">MARIA MAGDALENA</span> (<i>bitter</i>). Was haben sie denn getan?</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>kurz</i>). Ich sag' Dir's nachher! Koschonerien, wie gewöhnlich.</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>erbost</i>). Wir wollen sie verderben!</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>wie oben</i>). Ja, ja,—wir wollen sie verderben!</p> - -<p><span class="small-c">CHORUS DER APOSTEL, MÄRTYRER, ENGEL</span> (<i>bedauernd</i>). Ah!—Ah!—</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>nicht orientiert</i>). Hä?</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>kurz, imperatorisch</i>). Nein, nein! Das geht nicht! Wir müssen -sie doch haben.</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>nachsprechend</i>). Ja,—ja,—wir müssen sie haben.</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>sich in der Minorität fühlend, zornig</i>). Müssen wir sie -haben?—Ich will sie ausrotten, diese Scheusale.—Will—will—will -wieder eine schöne Erde haben mit Tieren im Walde....</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>spöttisch</i>). Wenn wir Tiere haben, müssen wir Menschen auch -haben.</p> - -<p><span class="small-c">MARIA MAGDALENA</span> (<i>teilnahmsvoll</i>). Die Sünde dient zur Läuterung.</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span>. Sie fressen die Sünde wie süßen Kuchen, bis sie platzen, -bis sie faulen.</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>trocken</i>). Die Begattung müssen wir ihnen schließlich -lassen.—Ein Stückchen Wollust muß man ihnen gönnen—sonst hängen sie -sich am nächsten Baum auf. (<i>Der Alte schaut immer zorniger, sprühender -herüber</i>.) Bei der Nacht! Bei der Nacht!—Im Frühjahr!—Zu gewissen -Zeiten!—Wenn der Mond scheint!—Mit Maß und Ziel!...</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>immer zorniger</i>). Ich will sie erschlagen wie zwei -geile Hunde—in ihrem schönsten Rausch!... (<i>Große Bewegung in der -Versammlung. Die jüngeren Engel blicken sich staunend an.</i>)</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>trocken</i>). Wer macht dann die Menschen?</p> - -<p><i>Während die Apostel sich eifrig unterhalten und eine peinliche -Empfindung durch den ganzen Saal geht, starrt der Alte mit glühendem -Kopfe schwer keuchend vor sich hin; er wird immer dunkler im Gesicht, -kollert und rasselt; ein Erstickungsanfall scheint im Anzuge zu -sein; er fuchtelt mit den Armen herum; wirft Decken und Krücken von -sich; stöhnt und brüllt; man eilt ihm zu Hilfe; bringt Spuckschale, -Flaschen und ätherische Flüssigkeit; Maria ist besorgt aufgesprungen; -Christus, vor Schwäche sitzen bleibend, blickt mit lechzenden, glasigen -Augen herüber; große Verwirrung. Der Alte weist aber alle Hilfe und -Unterstützung mit wilder Gebärde von sich, nimmt alle Kraft zusammen -und brüllt mit furchtbarer Anstrengung.</i></p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span>. Ich will sie zerschmeißen—zertreten—im Mörser meines -Zornes—zerschmettern. (<i>ist im Begriffe, sich zu erheben und zu -einem allmächtigen, unwiderruflichen, mit der Tat identischen Schlag -auszuholen</i>).</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>stürzt in diesem Moment hervor, wirft sich vor dem Alten -hin, mit flehender Stimme</i>). Heiligster, göttlichster Vater, morgen ist -Ostern!—Drunten essen sie das Passah-Mahl!</p> - -<p><span class="small-c">CHOR DER APOSTEL, MÄRTYRER, ÄLTEREN ENGEL</span> (<i>einfallend</i>). Sie essen das -Passah-Mahl.</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>der innegehalten</i>). Was essen sie?—</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM UND DIE ANDERN</span>. Sie essen das Passah- Mahl!</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>blickt verwundert um sich</i>). Das Passah-Mahl essen sie?</p> - -<p><span class="small-c">CHOR DER APOSTEL</span>. Sie essen das Osterlamm!</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> -. Sie essen das Abendmahl?</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>sich besinnend</i>). Das Abendmahl?</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span>. Sie essen das Fleisch und Blut Christi!</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>etwas wärmer</i>). Mein Sohn, sie essen Dich!</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>mit matter Stimme</i>). Ja, sie essen mich.</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>mit gemachter Zärtlichkeit</i>). Mein lieber Sohn, den ich in -meinem Leibe getragen habe!</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>kindlich</i>). Den Du in Deinem Leibe getragen hast.</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>mechanisch</i>). Den sie in ihrem Leibe getragen hat.</p> - -<p><span class="small-c">DIE JÜNGEREN ENGEL</span> (<i>unter sich flüsternd</i>). Der Mann!—Der Mann!–</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>wie oben</i>). Dich essen sie!</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>wie oben</i>). Mich essen sie.</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>wie oben</i>). Ihn essen sie.</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>auffahrend</i>). Ja, und trotzdem werden Wir da heroben immer -elender und schwächer!—Es ist entsetzlich! Hüstelt. Mich essen sie, -und werden wieder gesund und sündenfrei. Und Wir gehen immer mehr zu -Grund. Erst fressen sie sich drunten mit Sünden voll, bis zum Platzen, -und dann genießen sie mich, und gedeihen, und werden sündenfrei, und -dick und fett; und Wir werden mager und elend. Ah! diese vermaledeite -Rolle! Ich möchte einmal den Spieß umkehren und mich satt essen, und -sie darben lassen! (<i>Bricht in einen schwindsüchtigen Husten aus</i>).</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>aufspringend und zu ihm hineilend, besorgt</i>). Mein Gott, mein -Sohn, vergiß nicht, Du bist unverletzlich, göttlich, unaufzehrbar, in -alle Ewigkeit derselbe! Legt sein Haupt an ihre Brust und liebkost ihn.</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>schluchzt heftig an der Brust Marias</i>).</p> - -<p><span class="small-c">DIE JÜNGEREN ENGEL</span> (<i>unter sich flüsternd</i>). Der Mann! Der Mann!</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>nach einer Pause, viel ruhiger geworden, zu Cherubim</i>). -Wer feiert denn da drunten jetzt alles Passah-Mahl?</p> - -<p><span class="small-c">CHERUBIM</span> (<i>einfallend</i>). Die Christen, heiliger Vater. Deine Gläubigen, -göttlicher Meister; Deine Kinder, die auf Dich hoffen; die Frommen, -die Katholischen, die alleinseligmachende Kirche, Deine Priester, die -Bischöfe, der Papst!</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>gernglaubend, freundlich</i>). So!—Das wollen Wir doch -einmal ansehen!</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>glücklich, daß ein Ausweg gefunden</i>). Ja, das wollen wir uns -einmal ansehen! Zu Christus. Komm, mein Sohn, wir wollen uns das einmal -ansehen, das wird Dich zerstreuen!</p> - -<p><i>Große Erleichterung in der ganzen Versammlung; die kompakten -Gruppen lösen sich auf; jüngere Engel verlassen den Saal; dienstbare -Geister machen sich an den Thronen zu schaffen, um alles wieder in -prächtige, geschmückte Ordnung zu bringen; alles medizinische Gerät -wird entfernt; dafür werden eigentümliche große Dreifüße während des -Folgenden hereingebracht; die Gruppen der Apostel, Märtyrer, Engel, -Barmherzigen Schwestern entfernen sich in feierlicher Ordnung; so daß -zuletzt nur die drei Gottheiten, der Cherubim und einige ältere Engel -zurückbleiben.</i></p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>der bequem auf seinem Thron in halbliegender Stellung -gebettet ist, in tief-sonorem, feierlichem Ton</i>). Bringt Uns die -Räucherbecken und Kohlenpfannen und erzeuget in Uns Allwissenheit und -Allgegenwärtigkeit!—</p> - -<p><i>Die Dreifüße werden in die Mitte des Saales gestellt, mit einer -braunen Droge, gemischt mit Sandelholz, beschickt, und dann angezündet; -die Thüren werden geschlossen; die dienstbaren Engel entfernen sich, -als letzter der Cherubim. Man sieht die drei Gottheiten, während -sich die Dampfwolken verbreiten, langsam zurücksinken und die Augen -schließen. Während dem fällt der Vorhang.</i></p> - - - -<hr class="chap" /> -<h3>Zweiter Aufzug<a name="FNAnker_1_2" id="FNAnker_1_2"></a> -<a href="#Fussnote_1_2" class="fnanchor" style="font-size: 0.6em; font-weight: normal;">[1]</a></h3> -<hr class="r5" /> -<h4>Erste Szene</h4> - - -<p>Ein Prunksaal im päpstlichen Palast in Rom, den im Hintergrunde -Arkaden mit darüber befindlicher Galerie im Rundbogenstil abschließen; -der Saal ist rückwärts als an die Privatkapelle des Papstes stoßend -gedacht, mit der eine Kommunikation von der hohen Galerie aus durch -Öffnen der daselbst befindlichen Fenster möglich ist, derart, daß die -Galerie mit dem Sänger-Chor der Kapelle etwa in gleicher Höhe liegend -ist.—Die ganze linke Seite (von der Bühne aus) nehmen der Papst mit -seiner Familie, der päpstliche Hofstaat und die tafelnden Gäste ein, -wo reich-besetzte Tische mit kostbarem Service und hellen, auffallend -hohen, dreiarmigen Kandelabern zu sehen sind. Die ganze Mitte und -rechte Seite, mit Ausnahme einiger zu äußerst rechts sich bildender -unterhaltender Gruppen, bleibt frei für die späteren Evolutionen -und Maskeraden.—Es ist gegen Abend und der erste Ostertag 1495; -die Speisen werden eben abgetragen. Der Papst ist in dem bequemen, -wenig auffälligen Kostüm eines Hausprälaten (violett mit Sammet) -gekleidet und trägt ein rundes Sammetkäppchen; alle übrigen in reichen -Kostümen.—Glänzende Dienerschaft; fortwährendes Hin- und Hergehen; -rege Unterhaltung; wiederholtes Gelächter; im Hintergrund unter den -Arkaden eine Musik; die Galerie mit Zuschauern, Leuten aus dem Volk -besetzt; die Gruppen im Saal bilden sich, tauschen Neuigkeiten aus, und -zerstreuen sich wieder.—Außer dem Papst (<span class="small-c">RODRIGO BORGIA</span>, Alexander -VI.), einem Sechziger, seine neun Kinder <span class="small-c">GIROLAMA</span>, <span class="small-c">ISABELLA</span>, <span class="small-c">PIER -LUIGI, DON GIOVANNI</span> (Graf von Celano), <span class="small-c">CESARE, DON GIOFFRE, LUCREZIA</span>, -fünfzehnjährig, blond, heiter und kindlich, <span class="small-c">LAURA</span> und <span class="small-c">DON GIOVANNI -BORGIA</span>, ein Knabe; seine Schwiegertöchter und Schwiegersöhne, darunter -<span class="small-c">DONNA SANCIA</span>, Gemahlin Don Gioffres; seine Neffen und Verwandten, -darunter <span class="small-c">COLLERANDO BORGIA</span>, Almosenier, Bischof von Coria und Monreale, -<span class="small-c">FRANCESCO BORGIA</span>, Erzbischof von Cosenza, Schatzmeister des Papstes, -<span class="small-c">LUIGI PIETRO BORGIA</span>, Kardinal-Diakon von Santa Maria, <span class="small-c">RODRIGO BORGIA</span>, -Kapitän der päpstlichen Garde; seine Vertrauten, darunter <span class="small-c">GIOVANNI -LOPEZ</span>, Bischof von Perugia, <span class="small-c">PIETRO CARANZA</span>, Geheimkämmerer, <span class="small-c">GIOVANNI -VERA DA ERCILLA</span> und <span class="small-c">REMOLINA DA ILERDA</span>, Mitglieder des heiligen -Kollegiums, <span class="small-c">JUAN MARADES</span>, Bischof von Toul, Geheimer Intendant; des -Papstes zwei Mätressen, die frühere, <span class="small-c">VANOZZA</span>, 53 jährig; die jetzige, -<span class="small-c">JULIA FARNESE</span>, 21 jährig; diese mit ihrem Gemahl <span class="small-c">ORSINI</span> und ihrem -Bruder, dem Kardinal <span class="small-c">ALESSANDRO FARNESE</span>; seine Vertraute <span class="small-c"><span class="small-c">ADRIANA -MILA</span></span>, Erzieherin seiner Kinder; <span class="small-c">BURCARD</span>, Zeremonienmeister des -Papstes; Erzbischöfe, Bischöfe, Kardinäle, päpstliche Würdenträger, -römische Damen, Soldaten und Dienerschaft, Leute aus dem Volke, später -Courtisanen und Schauspieler.</p> - - -<p><span class="small-c">DON GIOFFRE</span>. Hat dieser Spanier heute nicht wieder langweilig gepredigt?</p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span>. Schrecklich, es war nicht zum Anhören.</p> - -<p><span class="small-c">DONNA SANCIA</span> (<i>zu Lucrezia</i>). Ich habe Dir immer Zeichen -hinübergemacht, aber Du hast mich nicht verstanden.</p> - -<p><span class="small-c">LUCREZIA</span> (<i>schläfrig</i>). Ach, Pietro hat mich doch immer mit dem Fuß -gestoßen.</p> - -<p><span class="small-c">DON GIOFFRE</span>. Der Spanier hat Seine Heiligkeit auch nicht verstanden; er -predigte immer zu; und Seine Heiligkeit gaben doch deutliche Zeichen -der Unzufriedenheit.</p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span>. Er kommt aus Valencia; die Kerle sind dort so bocksteif; -wenn Einer anfängt, hört er nimmer auf; jede Empfindung wird eine -Rakete, jedes Wort ein Knüppel. (Gelächter).</p> - -<p><span class="small-c">FRANCESCO BORGIA</span>, der Bischof. Aber ehrlich Mühe hat er sich gegeben.</p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span>. Ehrlichkeit ist immer eine Ungeschicklichkeit.</p> - -<p><span class="small-c">DON GIOFFRE</span>. Und das Volk glotzte herauf, wie mit Geisteraugen, wütend, -besessen, verschlingend.</p> - -<p><span class="small-c">DON GIOVANNI</span>. Weil Donna Sancia immer wisperte und kicherte.</p> - -<p><span class="small-c">DONNA SANCIA</span>. Nein, weil Lucrezia immer Confetti aß.</p> - -<p><span class="small-c">LUCREZIA</span>. Nein, weil Laura eingeschlafen war und schnarchte.</p> - -<p><span class="small-c">DON GIOFFRE</span>. Ich glaube die Perlen der schönen Farnese stachen ihm in -die Augen.</p> - -<p><span class="small-c">FRANCESCO BORGIA</span>, der Bischof. Konnte das Volk das alles sehen?</p> - -<p><span class="small-c">LUCREZIA</span>. Wir saßen doch alle oben im Chor, rechts und links vom Altar.</p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span>. Nein, Kinder, das ist es nicht! Ihr dürft lachen und -scherzen, Perlen tragen und Confetti essen. Aber ich sah einige -<i>Dominikaner</i> unter ihnen sitzen; es sind Florentiner von San Marco, -Schüler des Savonarola, dieses Ruhestörers. Sie wiegeln mir das Volk -auf, und schwatzen, und machen geisterhafte Augen....</p> - -<p><span class="small-c">DON GIOFFRE</span>. Warum, entfernt man die Tagediebe nicht?</p> - -<p><span class="small-c">FRANCESCO BORGIA</span>. Sie sind in Mission hier. Sie konferieren mit ihrem -General.</p> - -<p><span class="small-c">DON GIOVANNI</span>. Oho, sind wir hier auch schon so weit, daß man den Frauen -Schmuck vom Körper reißt, auf einen Haufen wirft und verbrennt?</p> - -<p><span class="small-c">DON GIOFFRE</span>. Wird sich Eure Heiligkeit noch länger von dem Florentiner -Narren Gesetze diktieren lassen?</p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span> (<i>zwinkernd</i>). Wir luden ihn ein.—Er kommt nicht.</p> - -<p><span class="small-c">DON GIOVANNI</span>. Wie, er weigert den Gehorsam?</p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span>. Der Medizäer schützt ihn.—Lorenzo ist bußfertig geworden, -er fragt täglich bei Savonarola an, ob er noch Aussicht habe, in den -Himmel zu kommen.</p> - -<p><span class="small-c">LUCREZIA</span>. Wer ist Savonarola, santo papa?</p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span>. Er erlaubt Euch nicht, Confetti zu essen und Perlen zu -tragen. (<i>Gelächter</i>.)</p> - -<p><span class="small-c">DON GIOFFRE</span>. Gibt es kein Mittel...? Haben wir kein Kirchengift mehr?</p> - -<p><span class="small-c">CESARE</span> (<i>finster, trocken</i>). Später!—</p> - -<p><i>Eine Gruppe Edelleute zu äußerst rechts (von der Bühne aus)</i>.</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER EDELMANN</span> (<i>flüsternd</i>). Ihr wißt, man fand heute nacht den -Herzog von Bisaglie im Tiber?</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER EDELMANN</span>. Ja, er ist ertrunken.</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER EDELMANN</span>. Ja, und mit drei schweren Wunden dazu!</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER EDELMANN</span>. Er soll schwer betrunken nachts den Vatikan verlassen -haben....</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER EDELMANN</span>. Es ist gegenwärtig immer gefährlich, nachts den -Vatikan zu verlassen, einerlei in welchem Zustand ... besonders, wenn -man der Gemahl der schönen Lucrezia ist.</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER EDELMANN</span>. Ihr meint...?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER EDELMANN</span>. Ich meine, daß der Herzog von Bisaglie gestern abend -in Gegenwart seiner Gemahlin Lucrezia und ihres Bruders Don Cesar -erdrosselt wurde.—</p> - -<p><i>Erster und zweiter Edelmann fahren auseinander</i>.</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER EDELMANN</span>. Aber die tiefen -Wunden?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER EDELMANN</span>. Rühren von einem -Überfall her, den vor vier Wochen eine Bande Maskierter auf ihn am -Petersplatz machte, und von denen der Herzog die Unverschämtheit hatte, -genesen zu wollen. <i>Beide erschrecken aufs neue</i>.</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER EDELMANN</span>. Aber seht Lucrezia; -sie ist heiter, wie am Hochzeitstag.</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER EDELMANN</span>. Sie ist ein Kind! Seine Heiligkeit machte sie diesen -Morgen zur Fürstin von Nepi und schickte ihr einen großen Korb mit -Confetti.</p> - -<p><span class="small-c">ZWEITER EDELMANN</span>. Und weiß der Papst von dem Sachverhalt?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER EDELMANN</span>. Alexander VI. weiß nichts; Rodrigo Borgia weiß alles.</p> - -<p><span class="small-c">ERSTER EDELMANN</span>. Und was wird er tun?</p> - -<p><span class="small-c">DRITTER EDELMANN</span>. Er wird eine Seelenmesse für den in den Tiber -gefallenen Herzog lesen, und den Fürsten von Ferrara benachrichtigen, -daß Lucrezia frei ist.—</p> - -<p><i>Vom Hintergrund her ertönt eine Tanzweise. Die drei Edelleute gehen -auseinander. Man sieht im Hintergrunde Paare tanzen. Die Tafel ist -inzwischen abgeräumt und hinausgetragen worden. Die ganze Gesellschaft -setzt und lagert sich auf Taburetts und Kissen. Der Platz in der Mitte -ist nun noch größer geworden. Die Gruppen bleiben nicht unbeweglich. -Man steht auf, geht zu andern, plauscht, trinkt und nippt von den -dargebotenen Süßigkeiten, und kehrt auf seinen Platz zurück. Von den -tanzenden Paaren haben inzwischen einige pausiert. Einige der Damen -kommen erhitzt und glühend nach vorn. Der Papst nimmt einem der Diener -einen Korb Confetti ab und wirft von denselben den Damen in den Busen. -Heiteres Gelächter unten und von der Galerie herab. Das Musikstück hat -aufgehört.</i></p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span>. Wo stecken unsere Buffoni!—Laßt sie herein!—Und Wir, Wir -lassen uns hier nieder Nach links weisend, wo die Plätze sich befinden; -zu Lucrezia. Komm, mein Kindchen!</p> - -<p><i>Pulcinello tritt auf mit Colombina und seinem Gefolge. Sie führen ein -mimisches Spiel auf. Pulcinello im weißen Puderkostüm mit Ledergurt, -Halskrause, Tüten-Mütze und schwarzer Halbmaske, die Pritsche in der -Hand, apostrophiert erst mit tiefen Verbeugungen, Grimassierungen -und Verdrehungen das Publikum; währenddem sucht er sich plötzlich zu -erdrosseln, hält die Hände so, als wenn es fremde wären, ächzt und -stöhnt und will sterben. Colombina kommt von hinten vor, erschrickt -scheinbar, kann es nicht sehen und hält die Hände vors Gesicht. Der -Papst versteht die Anspielung und droht mit dem Finger. Darauf lassen -sie ab, und das eigentliche Spiel beginnt in dem Sinne, daß Colombina, -die junge Frau des alten Pantalone, von Pulcinello entführt und der -Ehemann betrogen wird. Wiederholtes Gelächter während des Spiels und -lebhafte Unterhaltung.</i></p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span> (<i>während des Spiels zu Lucrezia, die zu seinen Füßen auf -einem Kissen Platz genommen, schmeichelnd</i>). Mein Herzchen, Du hättest -eigentlich heute einen Trauertag; Dein schöner Herzog ist so plötzlich -gestorben.</p> - -<p><span class="small-c">LUCREZIA</span> (<i>kindlich</i>). Ach ja, er ist in den Tiber gefallen.</p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span> (<i>bedauernd</i>). Du hast ihn wohl gern gehabt?</p> - -<p><span class="small-c">LUCREZIA</span> (<i>wie oben</i>). Ach ja, recht sehr!</p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span>. Sei nur zufrieden, wir haben schon wieder einen neuen für -Dich!</p> - -<p><span class="small-c">LUCREZIA</span> (<i>lebhaft</i>). So schön wie mein Herzog?</p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span>. Schöner noch, mein Kätzchen.</p> - -<p><i>Während im Spiel Colombina und Pulcinello sich hinter Pantalone laut -küssen, und dieser, sich plötzlich umkehrend, eine Ladung weißen Puders -im Gesicht empfängt, und unbeholfen hin- und hertaumelt, was von allen -Seiten mit lautem Gelächter begrüßt wird, tritt der Zeremonienmeister.</i></p> - -<p><span class="small-c">BURCARD</span> (<i>auf den Papst zu</i>). Eure Heiligkeit, die Vesper hat in der -Kapelle begonnen; die Kirche ist gedrängt voll und das Volk erwartet am -Ostertag Euren Segen!</p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span>. Wir wollen das Spiel sehen; auch hat Uns der Tod Unseres -lieben Schwiegersohns zu plötzlich erschüttert.—Man öffne (<i>auf die -Galerie weisend</i>) dort die Fenster, und sage dem Volke, daß ich von der -Loggia dort der Vesper beiwohne. Der Zeremonienmeister ab.</p> - -<p><i>Gleich darauf sieht man oben die Fenster zwischen den Rundbögen -der Galerie, wo das Volk steht, rückwärts vom Innern der Kirche aus -sich öffnen, so daß man einen Einblick auf Fries, Gebälk, Statuen -und angezündete Kronleuchter erhält.—Während dem nimmt das Spiel -seinen Fortgang. Wie Pulcinello mit der Pritsche dem verwirrt hin- und -herlaufenden Pantalone nacheilt und auf ihn losschlägt, und Colombina, -sich versteckend, hinter Pulcinello drein eilt, hört man plötzlich -aus den Fenstern über der Galerie in wehmütig-schmerzlichem Ton ein -mehrstimmiges Graduale singen.</i></p> - -<p><span class="small-c">CHOR</span>. De profundis clamavi ad te Domine; Domine exaudi vocem meam; -Fiant aures tuae intendentes in vocem deprecationis meae; Si -iniquitates observaveris Domine, quis sustinebit? Speravit anima mea -in Domino; A custodia matutina usque ad noctem; quia apud Dominum -misericordia et copiosa apud eum redemptio. Et ipse rediniet nos ex -omnibus iniquitatibus nostris<a name="FNAnker_2_3" id="FNAnker_2_3"></a><a href="#Fussnote_2_3" class="fnanchor">[2]</a>.</p> - -<p><i>Schon bei den ersten Tönen ist das Volk oben auf der Galerie scheu -von den Fenstern zurückgewichen, und hat sich, sich bekreuzend, halb -gegen das Innere der Kirche gewendet. Unten sieht man, mehr gegen den -Hintergrund, einige Gesichter und verlegene Mienen. Aber der Papst -mit seiner Familie bleibt heiter und das Spiel nimmt, wenn auch etwas -gezwungen, seinen Fortgang.</i></p> - -<p><i>Kurz nach dem Graduale geht auch das Spiel zu Ende. Der Papst gibt der -Musik ein Zeichen, und diese beginnt ein neues Musikstück, zu dem im -Hintergrund die Paare tanzen. Pulcinello und seine Truppe verabschieden -sich unter tiefen und grotesken Bücklingen. Man wirft ihnen Goldstücke -zu. Der Papst winkt Colombina zu sich hin, der er die Backen streichelt -und ihr ein besonderes Geldgeschenk in die Hand drückt, worauf sie sich -mit einem Handkuß verabschiedet.</i></p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span> (<i>nachdem die Musik geendet, klatscht in die Hände</i>). Wo sind -unsre Schönen?</p> - -<p><i>Auf dies Zeichen öffnet sich im Hintergrund der Galerie ein Vorhang -und zwölf Courtisanen von auserlesener Schönheit betreten, durch -leichte, durchsichtige Gewänder verhüllt, den Saal, und nehmen rechts -im Vordergrund Aufstellung; der Papst mit den Herren und Damen seiner -Umgebung gehen auf sie zu, mustern sie, und bewillkommnen sie unter -scherzenden Redensarten.</i></p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span> (<i>nachdem er sie alle gemustert, erstaunt</i>). Wo ist die -Pignaccia?<a name="FNAnker_3_4" id="FNAnker_3_4"></a><a href="#Fussnote_3_4" class="fnanchor">[3]</a></p> - -<p><span class="small-c">EINES DER MÄDCHEN</span> nachdem (<i>erst alle verlegen geschwiegen</i>). Sie ist -zu Karl<a name="FNAnker_4_5" id="FNAnker_4_5"></a><a href="#Fussnote_4_5" class="fnanchor">[4]</a> nach Neapel.</p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span>. Wie? Geht Ihr auch zu Unsern Feinden über?</p> - -<p><i>Der Papst mit seinem Gefolge zieht sich wieder nach links zurück, wo -es sich, wie früher, auf Taburetts und Kissen gruppiert; Lucrezia auf -dem Schoß ihres Vaters, von diesem geschmeichelt; Diener stellen die -großen, dreiarmigen, helles Licht verbreitenden Kandelaber, die früher -auf der Tafel stunden, in die Mitte des Saales auf den Boden. Auf ein -Zeichen durch Klatschen in die Hände werfen die Mädchen die Gewänder -ab; päpstliche Diener, hinter den Herrschaften stehend, werfen aus -Körben über die Köpfe der Zuschauer hinweg Kastanien in die Mitte des -Saales, auf die sich die Mädchen stürzen und sich um sie raufen. Helles -Gelächter. Es bildet sich ein Kreis um die auf dem Boden kämpfenden -Mädchen. Auch von der Galerie, wo sich inzwischen das Volk wieder -zusammengedrängt hat, erschallt lautes Gelächter. Sobald eine Ration -Kastanien aufgelesen ist, welche die Courtisanen nach rechts neben ihre -Gewänder sorgfältig auf einen Haufen legen, werden neue Kastanien -aufgeworfen und der gleiche Kampf beginnt von neuem.—Eines der -Mädchen, dessen Haare alle aufgelöst sind, kommt einem der Kandelaber -zu nahe und fängt Feuer. Der Papst springt auf—während Lucrezia zu -Boden gleitet—und erstickt das Feuer mit seinen Gewändern.</i></p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span> (<i>als sich zeigt, daß die Kleine keinen Schaden gelitten, -züchtigt sie mit der Hand</i>). Diesmal, Du Schlingel, konntest Du die -Reise ins Jenseits antreten! (<i>Lachen</i>).</p> - -<p><span class="small-c">DIE COURTISANE</span>. Du hättest mich im Fegfeuer nicht länger brennen lassen -als hier, santo papa! Erneutes Gelächter, in das der Papst miteinstimmt.</p> - -<p><i>Als die Kastanien alle verteilt, wird gezählt, und je nach der Zahl -der gesammelten an die Mädchen Preise verteilt. Ein neues Musikstück -beginnt, und die Diener reichen Erfrischungen. Laute Unterhaltung im -ganzen Saal, vornehmlich über die Qualitäten der Mädchen.</i>.</p> - -<p><i>Als das Musikstück schweigt:</i></p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span> (<i>klatscht aufs neue in die Hände</i>). Jetzt laßt unsere -Athleten herein.</p> - -<p><i>Auf der andern Seite der Galerie treten von hinter einem Vorhang zwei -nackte kräftige Männer ein, die zu den Mädchen geführt, sich an deren -Anblick berauschen, um dann, auf ein weiteres Zeichen, den Zweikampf zu -beginnen<a name="FNAnker_5_6" id="FNAnker_5_6"></a><a href="#Fussnote_5_6" class="fnanchor">[5]</a>. Alles drängt sich um das Schauspiel unter Aufmunterungen -und Beifalls-Zeichen. Auch die Mädchen verfolgen mit allem Interesse -den Kampf. Als der Sieger seinen Gegner unter lautem Beifall geworfen, -tritt er auf die Courtisanen zu, wählt sich unter Scherzreden aller -Anwesenden die Schönste und verläßt mit ihr den Saal. Der Unterlegene -geht allein fort. Darauf betritt ein zweites Paar den Saal.—Die -Aufregung unter den Zuschauenden steigert sich von Minute zu Minute. -Beifallsworte und aufstachelnde Bemerkungen werden mit immer größerer -Teilnahme und Leidenschaft dazwischen geworfen.—Als der fünfte seinen -Gegner unter lautem Geschrei und Beifallsklatschen geworfen, und er -eben seine Wahl trifft, ertönt in tiefernsten, tragischen Tönen vom -Innern der Kirche der Schlußgesang der Vesper.</i></p> - - -<p style="margin-left: 35%;">VENI SANCTE SPIRITUS <a name="FNAnker_6_7" id="FNAnker_6_7"></a><a href="#Fussnote_6_7" class="fnanchor">[6]</a></p> - -<p style="margin-left: 35%;"> -Veni sancte Spiritus<br /> -Et emitte coelitus<br /> -Lucis tuae radium.<br /> -Veni pater pauperum<br /> -Veni dator munerum<br /> -Veni lumen cordium.<br /> -Sine tuo nomine Nihil<br /> -est in homine,<br /> -Nihil est innoxium.<br /> -Lava quod est sordidum,<br /> -Riga quod est aridum,<br /> -Sana quod est saucium.<br /> -O lux beatissima<br /> -Reple cordis intima<br /> -Tuorum fidelium.<br /> -</p> - - -<p><i>Eine peinliche Stille ist nach den ersten Akkorden eingetreten. -Das Volk auf der Galerie ist wieder entsetzt zurückgewichen, um den -Platz vor den Fenstern freizumachen. Ein Teil der Anwesenden verläßt -den Saal.—Indessen ist schon der sechste Kämpfer mit seinem Partner -eingetreten. Der Papst gibt durch einen Wink den Befehl zur Fortsetzung -des Spiels, an dem seine Familie und Vertrauten mit ärgerlichen Mienen -über die eingetretene Störung teilnehmen, und das bis zum siebenten -Kämpfer unter der Begleitung des Kirchengesangs seinen Fortgang -nimmt.—Nach Schluß des letzteren wird die Stimmung wieder etwas wärmer -und das Interesse reger. Der Kreis um die Kämpfenden schließt sich -wieder. In der Kirche sieht man die Kronleuchter verlöschen und die -Fenster von innen sich zumachen.—Das Spiel geht weiter.</i></p> - -<p><i>Beim neunten Kämpfer stürzt ein Bote in den Saal und flüstert in -erregter Weise mit den im Hintergrund Stehenden. Die Bewegung setzt -sich nach vorne fort. Man hört Rufe: Was ist los?—Was gibt's?—</i></p> - -<p><span class="small-c">RODRIGO BORGIA</span> (<i>Kapitän der päpstlichen Garde</i>). Der französische König, -Eure Heiligkeit, ist, von Neapel zurückkehrend, im Anmarsch auf Rom und -nur noch wenige Meilen entfernt.</p> - -<p><span class="small-c">DER PAPST</span> (<i>aufstürzend, erregt</i>). Zum Teufel!—Auf nach Orvieto!—Die -Spanier und Katalanen sollen Uns begleiten!—Nehmt Unsere Kassen und -Kostbarkeiten mit!—Die Damen sollen sich rüsten; auf Gepäck und -Maultiere verzichten; wir reisen alle zu Pferd! Pallavicini bleibt als -Gouverneur der Stadt mit einem Teil der Truppen zurück. Er empfange -den König mit allen Ehren, aber drohe ihm in Unserem Namen, als einem -ungehorsamen Sohn der Kirche, den Bannfluch an, wenn er länger als -vierundzwanzig Stunden auf Unserem Gebiet verweilt.—Cesare übernimmt -die Bedeckung Unseres Zuges.—Vergeßt die goldenen Meßgeräte nicht! -Fort! Alles in großer Erregung ab.</p> - -<p><span class="small-c">DIE MÄDCHEN</span> (<i>ihre Gewänder anlegend, jauchzend</i>). Carlo kommt!—Carlo -kommt!—</p> - -<p class="center">(<i>Der Vorhang fällt.</i>)</p> -<hr class="r5" /> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_1_2" id="Fussnote_1_2"></a><a href="#FNAnker_1_2"><span class="label">[1]</span></a> Burcardi, Zeremonienmeister Alexanders VI., "Diarium", -nouvelle edition par Thuasne, 3 vols., Paris 1885.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_2_3" id="Fussnote_2_3"></a><a href="#FNAnker_2_3"><span class="label">[2]</span></a> Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir; Herr, höre meine -Stimme; laß Deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens; So Du -willst, Herr, Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Meine Seele -wartet auf den Herrn von einer Morgenwache zur andern; Denn bei dem -Herrn ist die Gnade, und viel Erlösung bei ihm; Er wird uns erlösen von -allen unseren Sünden.</p></div> -<hr class="r5" /> -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_3_4" id="Fussnote_3_4"></a><a href="#FNAnker_3_4"><span class="label">[3]</span></a> Eine berühmte Hetäre ihrer Zeit, die später hingerichtet -wurde.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_4_5" id="Fussnote_4_5"></a><a href="#FNAnker_4_5"><span class="label">[4]</span></a> Karl VIII. von Frankreich, der kurz vorher Neapel -eingenommen hatte.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_5_6" id="Fussnote_5_6"></a><a href="#FNAnker_5_6"><span class="label">[5]</span></a> Battaglie d'amore, Liebeskämpfe, hießen diese Schauspiele -am Hofe Alexanders VI.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_6_7" id="Fussnote_6_7"></a><a href="#FNAnker_6_7"><span class="label">[6]</span></a> Komm, Heiliger Geist, und entsende himmelher den Strahl -Deines Lichts. Komm, Vater der Armen, Geber der Güter, Erleuchter -unserer Herzen. Ohne Deine Klarheit sind wir Menschen leer, nichtig -und schuldbeladen. Wasche uns rein von Sünden; Erfrische die, die -da vertrocknet sind; Und heile die Verwundeten. O göttliches Licht, -erfülle die Herzen Deiner Frommen!</p></div> - -<hr class="chap" /> - - -<h3>Dritter Aufzug</h3> -<hr class="r5" /> - - -<h4>Erste Szene</h4> - - -<p><i>Im Himmel; ein vertrauliches Kabinett in Blau. Interimsthron, einfach -und bequem</i>. <span class="small-c">GOTT VATER, MARIA, CHRISTUS</span>, der <span class="small-c">TEUFEL</span>; <i>erstere drei -auf ihren Stühlen; letzterer in schwarzem, enganliegenden Kostüm, sehr -schlank, mit pointiertem Gesicht, ganz rasiert, mit verwitterten, -abgelebten, gelb-verärgerten Zügen, in seinen Bewegungen an einen -feineren Juden erinnernd, auf einen Fuß sich stützend, den andern -aufziehend, vor ihnen aufrecht.</i></p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>ernst und kurz</i>). Freund, Wir haben Dich rufen lassen.—Es -handelt sich um einen speziellen Auftrag, der ... (<i>Stockt</i>) -... besondere Geschicklichkeit erheischt;—ich weiß, Du denkst -viel—(Teufel verbeugt sich).—könntest Du nicht ... (<i>Stockt</i>) -... es handelt sich, ä ... ein Wesen, ä ... ein Ding, welches ... -ä, ein Einfluß,—der imstande wäre,—die—Uns in ihrem Begehren -anekelnde, gänzlich verwahrloste Menschheit—(<i>Teufel macht eine -verständnis-innige, vornehm-bedauernde Bewegung</i>) ... ä, wieder -auf den Pfad der Tugend ... ä, und der wahren Sittlichkeit ... in -empfindlich-strafender Weise zurückzuführen, ... ä, so daß ... ä ... -(<i>Zu Christus gewendet</i>). mein lieber Sohn, sag' Du's ihm;—Ich kann -mit Worten nicht recht umgehn;—Ich habe immer nur gehandelt,—nie viel -Worte gemacht.—</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>sich mühsam aufrichtend, nach einigem Besinnen, fließend.</i>) -Mein Herr!— —Wir gedächten Ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen—in -einer Sache,—die Ihnen ebenso großen Vorteil einbringen soll, wie -uns selbst,—ich meine,—die Ihnen die Menschheit—hinsichtlich -ihrer irdischen Sphäre keineswegs entfremden soll,—ich sage dies -ausdrücklich, um jeden Verdacht bei Ihnen nach dieser Richtung -hin gleich von vornherein zu zerstreuen—(<i>Teufel macht eine -verbindlich-abwehrende Handbewegung, als sei ihm ähnliches nie in -den Sinn gekommen.</i>)—im Gegenteil, die—Ihnen diese Sphäre in noch -ausgiebigerer Weise als bisher—unterwerfen soll:—es handelt sich um -einen Kompromiß,—um ein Übereinkommen hinsichtlich der Verschiebung -der Grenzen—unserer beiderseitigen, bisherigen Gewalten,—die keinem -der beiden kontrahierenden Teile zu nahe treten soll,—und wobei Wir -auf Ihre bewährte Geschicklichkeit, Ihren Scharfsinn, Ihren Takt, -Ihr—versöhnliches Entgegenkommen, Ihre—Bildung,—Ihre—Ihre— — -(<i>fängt zu hüsteln an, wird kurzatmig, stöhnt und keucht, fällt -röchelnd zurück, die Augen treten hervor, die Stirne wird schweißig, er -bekommt einen asthmatischen Anfall</i>).</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>herbeispringend, während der Teufel sehr vornehm eine -reservierte Verlegenheit heuchelt</i>.) Schon Dich, mein Sohn,—Du -sollst nie reden,—Du wirst schlechter,—Du bist leidend, (zum Teufel -gewendet, verbindlich), mein lieber Freund, wir bedürfen Deiner -Hilfe,—es ist ja nicht nötig, daß man erfährt, daß Du es bist, der -die Sache inszeniert (der Teufel macht eine abwehrend-beruhigende -Bewegung).—bitte, steh' uns bei,—es soll Dein Schade nicht sein -Zwinkert ihn an.—Du verstehst Winkt gegen Gott Vater ab, in dem -Sinne, daß dieser taub, alt und gebrechlich, und ihr nichts in den -Weg lege—(der Teufel verbeugt sich).—es handelt sich in Kürze um -folgendes: Durch eine unglückliche Einflüsterung (zeigt auf den Alten -hin) bewogen, wohnten wir einer Szene im päpstlichen Palast zu Rom bei, -in den Gemächern des Papstes ... wie heißt er gleich....</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>verbindend einfallend</i>). Ah, Alexander, der Sechste seines -Namens, Rodrigo Borgia— —</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Ganz recht, dieser Borgia,—ach, es war skandalös, es war -gräßlich,—das war ein Passahmahl!...</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>plötzlich hervorkollernd, in breitester Unflätigkeit</i>). -Pfui Daifel!—Pfui Daifel!—Pfui Daifel!—</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>erwacht aus seiner Schwäche, fällt ein, fast tonlos</i>). -Ja,—pfui Daiwel!—pfui Daiwel!...</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>in großer Verwirrung, ärgerlich, unangenehm berührt</i>). ... -Ich bitte ... unter diesen Umständen ... darf ich wohl verzichten, ... -fernerhin hier.... Will sich, nach rückwärts schreitend, zurückziehen.</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>redressierend zum Teufel gewendet</i>). Mein -Gott!—Nein!—Sie waren nicht gemeint....</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (pikiert). Ah, doch....</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span>. Nein, nein!—Also nochmals nein!—Es war nicht so;... es -fuhr Uns heraus ... die alte Gewohnheit ... Ich vergaß....</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (kommt zurück, vornehm-versöhnlich, bitter lächelnd, schnellt -mit der einen Hand ein Stäubchen vom andern Ärmel). Bitte,... bitte....</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Nein, nein, mein Freund, Du bist der Unsere; von Verstimmung -kann keine Rede sein; Wir bedürfen Deiner Hilfe zu notwendig; und -(<i>sehr laut zum Alten hinüber, anzüglich</i>) eine Beleidigung Unseres -viellieben Vetters, Unseres Alliierten, Unseres freundlich geliebten -Bruders, werden Wir in keiner Weise zulassen (<i>Teufel verbeugt sich -sehr verbindlich</i>).—mit einem Wort also, die Sache ist die: Von -einer an höchster Stelle (<i>hinüberdeutend</i>). in Aussicht genommenen -gänzlichen Vernichtung des Menschengeschlechts aus höheren Gründen -absehend, haben Wir beschlossen, eine empfindliche, sündflutartige -Rache zu nehmen, und brauchen daher jemand, ein Ding, einen Einfluß, -eine Gewalt, eine Person, ein Gift, ein Etwas, welches die Unflätigkeit -der Menschen, besonders der Neapolitaner und Römer, in geschlechtlicher -Beziehung—ah, fi donc!—(<i>gießt etwas</i> Eau de Cologne <i>auf ein -Spitzentuch, und hält es sich vor,—scheint leise zu schnupfen—schielt -über dem Taschentuch zum Teufel hinüber</i>)—ah! es wird mir besser -(<i>fortfahrend</i>)—welches die Bestialität der Männer und Weiber in jenen -lediglich der Fortpflanzung dienenden, und nur in dieser Begrenzung -ihnen gewährleisteten Beziehungen und nötig erscheinenden Berührungen -und Vermischungen—ah, c'est terrible! (<i>schnupft wieder</i> Eau de -Cologne).—enfin—eindämmen soll!—Du verstehst!</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>in sonorem Baß—etwas theatralisch</i>).—Ich verstehe.—</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>kollernd</i>). Ja, ja,—eindämmen soll!—</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>mit schwindsüchtiger Stimme</i>). Ja, ja,—eindämmen soll!—</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>nach einigem Besinnen</i>). Soll es sehr empfindlich sein?—</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>ihr Spitzentuch dem Teufel entgegenstreckend, heftig -nickend—sozusagen für die andern mitnickend</i>). In der Tat, es soll -sehr empfindlich sein.</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>guckt glasig herüber; scheint nicht ganz verstanden zu -haben; ächzt schließlich zustimmend, mit fettem Räusperton</i>). Ja, ja!—</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>noch immer im Anfall liegend, sich langsam erholend, -hauchend</i>). Ja, ja!—</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>steht die ganze Zeit mit gesenktem Kopf, sich besinnend, -zwei Finger an die Lippen gelegt</i>). Soll die Sache direkt auf den Fuß -folgen?—</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Freilich, freilich soll sie das!</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>guckt glasig weiter</i>). Freilich!—Freilich!—</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>will seine zwei "freilich" sagen, kommt aber zu spät, und -kollidiert mit der folgenden Rede der Maria, die nichtsdestoweniger -fortfährt, mit ihrem Taschentuch beschwichtigend gegen ihren Sohn -abwehrend, der lechzenden Blicks jeder ihrer Bewegungen folgt.</i>)</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>zum Teufel</i>). Du bist auf dem richtigen Weg, mein Freund, Du -bist Unseres Wohlgefallens sicher!</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> mit einem kurzen trockenen Blick auf Maria, dann wieder in -seine Meditation von vorhin versinkend;—nach langer Pause, während -der man nur das Röcheln von Christus hört, eigentümlich betonend, und -skandierend).—Dann—müßte man den Stachel,—das Gift,—ä—das Etwas -(<i>den Finger wie zum Hindeuten erhebend</i>).—in die Sache selbst,—in -die—hm! (sich anzüglich räuspernd).—in die Beziehung selbst legen!—</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>sehr weltmännisch</i>). C'est charmant!—C'est charmant!—</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>versteht nicht recht, schaut mit großen kuglig-fließenden -Augen herüber, und wiederholt mehr im Tonfall, als im Verständnis, -Marias Worte</i>). Ja,—ja, ja.—</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>will es auch wiederholen, bringt es aber nicht heraus, -ist selbst darüber erschrocken, schaut sich ängstlich, erst zu Gott -Vater, dann zu Maria hin um, und produziert endlich ein rhythmisches, -unartikuliertes</i>). A,—a,—a!—</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>nachdem er diese Leistung bei Christus mit einem kühlen, seine -Überlegung nicht weiter störenden Blick verfolgt, fortfahrend, sehr -betonend.</i>) Man müßte die Sekretion beim Geschlechtsakt vergiften!—</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Ah, wie das?—Das wird interessant! (<i>Rückt auf ihrem Stuhl -zurecht</i>).</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> und <span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>die diesmal doch etwas verstanden zu haben -scheinen, halten ihre Köpfe glotzend auf den Teufel gerichtet</i>.)</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>den eben geborenen Gedanken wiederholend, wie um ihn sich -selbst nochmals in den Weg zu legen</i>). Man müßte die Sekretion beim -Geschlechtsakt vergiften!</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Du meinst den Samen? (<i>Hält sich das Taschentuch einen -Augenblick vor den Mund, als schlucke sie etwas Unangenehmes hinunter.</i>)</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>einfallend</i>). Nein, nein!—Nicht den Samen; nicht das -Ei;—sonst würde die Nachkommenschaft darunter leiden, und, -verschlechtert und gewitzigt, nicht mehr zu haben sein!—Die soll -aber auch dran kommen!—Nein, Samen und Ei sollen unberührt bleiben, -damit die Erzeugung der Menschen ruhig weitergeht.—Aber der Täter, -der sorglos mit seinem Instinkt drauflos Fahrende, soll durch ein -kleines Neben-Produkt vergiftet werden, durch ein Etwas, welches -gleichzeitig mit Samen und Ei produziert wird, und welches, wie bei -den Schlangen, nicht mehr auf den Besitzer, aber auf seinen Gegenpart, -auf sein Vis-à-vis in der sexuellen Française—pardon!—wenn ich mich -so ausdrücken darf,—(<i>Maria hebt zum Zeichen des Verständnisses -die Augenbrauen hinauf</i>) ansteckend wirkt;—so daß der Mann das -Weib, oder das Weib den Mann, im günstigsten Fall sie sich beide -infizieren können,—nichts ahnend,—ganz im Taumel verloren,—ja -in der Täuschung des höchsten Glücks—(<i>macht eine Handbewegung zu -Maria, ob er verstanden sei, die diese mit dem Spitzentuch freudig und -verständnisinnig aufnimmt</i>).—so daß sie lallend wie Kinder in die -scheußliche Brühe hineintappen!!!</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. C'est glorieux!—C'est charmant!—C'est diabolique!—Mais -comment?...</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> und <span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>glotzen ruhig weiter</i>).</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span>. Ah, Madame, das lassen Sie meine Sorge sein!—</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Gut! Aber unter <i>einer</i> Bedingung. Was Du auch mit den Menschen -anfängst, sie müssen <i>erlösungs-bedürftig</i> bleiben!—</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>mit großer Beherrschung</i>). <i>Erlösungs-bedürftig</i> bleiben sie.</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Sie müssen auch erlösungs-fähig bleiben!—</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>mit den Armen, wie ein Verkäufer, bis zur Schulterhöhe -aufwippend</i>). Erlösungs-fähig,—nachdem ich sie vergiftet,—auf -besonderen Wunsch vergiftet,—das dürfte kaum sein.—</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>von ihrem Thron springend, in die Nähe von Gott Vater und -Christus eilend</i>). Ja, dann ist die ganze Sache umsonst!—Wenn wir -die Menschen nicht mehr erlösen können, was soll denn dann die ganze -Einrichtung?!—</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> und <span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>heben verzweifelnd die Hände empor; -Christus, der sich etwas erholt, folgt von jetzt an wieder mit regerer -Teilnahme</i>.)</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>dreht sich mit sardonischem Lächeln auf dem rechten Fuß-Absatz -herum, und hebt, mit künstlichem Bedauern, wie ein Handelsjude, die -Achseln hoch.</i>)</p> - -<p><i>Peinlicher Moment. Das Geschäft scheint nicht zustande kommen zu -wollen.—Pause.</i></p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>um alle zu diversieren, geht langsam auf ihren Platz zurück, -und frägt plötzlich, mit freundlicher Stimme, den Teufel</i>). Apropos! -Wie geht's denn mit Deinem Fuß?—</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>auf die Diversion eingehend</i>). Oh,—so so!—Nicht besser,—aber -auch nicht gerade schlechter!—Mein Gott (auf sein kurzes Bein -schlagend).—der wird nicht mehr anders!—Misemaschin'!—</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>etwas leiser</i>). Das ist von Deinem Fall?</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>verständnisvoll, lange stumm und ernst nickend.</i>)</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>sehr freundlich</i>). Nun, und sonst—was macht die Großmutter?</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>ebenso</i>). Die Lilith!—Oh, danke,—recht gut!</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Und die Kleinen?</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span>. Danke! Danke!—Alles wohlauf!—</p> - -<p><i>Neue Pause.—Maria, unentschlossen, geht endlich auf Gott Vater zu, -mit dem sie einige Zeit leise spricht.—Darauf</i>.</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>ostentativ orientiert</i>). Voyons! Voyons! mein Freund, Du -mußt doch etwas machen können, was die Menschheit vergiftet, ohne sie -ganz zugrunde zu richten!—Wir wollen sie dann wieder erlösen!—Nicht -wahr, mein Sohn?</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span>. Wir wollen sie dann wieder erlösen!</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Wir müssen sie wieder erlösen!</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span>. Der Auftrag ist dann zu kompliziert!—Es soll unflätig und -liebenswürdig und giftig zu gleicher Zeit sein!—Wenn ich sie in ihren -geheimen, amorosen Beziehungen sogleich und heftig treffen soll, und -sie in diesem Moment vergiften soll, dann muß die Seele auch mit!—Denn -die Seele steckt da mit drin!—</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>erstaunt</i>). Die Seele steckt da mit drin?—</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>ebenso, aber mehr mechanisch repetierend</i>). Die Seele steckt -da mit drin?—</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>affirmativ, und halb für sich selbst, wie sich erinnernd</i>). Die -Seele steckt da mit drin!—</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>nach einer Pause zu Gott, etwas spöttisch</i>). Mein Gott, Du -bist ja der Schöpfer! Weißt Du nichts?</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span> (<i>unwillig</i>). Wir—ä—erschaffen jetzt nicht mehr.—Wir sind -müde!—Auch gehört dies Gebiet des Irdischen und der Sinnlichkeit in -Deine Sphäre.—Also besinne Dich, wie Du es anrichtest; beflecke die -Seele, aber sie muß wieder herstellbar sein!</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>noch immer schwach, will das letzte wiederholen, kommt aber -nur bis</i>). Beflecke—die—Seele....</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>zu Gott Vater</i>). Es soll sie zur Liebe anreizen, sagst Du, und -sie gleichzeitig vergiften?</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span>. Natürlich, sonst beißen sie ja nicht an!</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span> (<i>aufatmend</i>). In der Wollust sind sie blind, hab' ich gehört.</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Mit Speck fängt man Mäuse!</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span>. Suche in Deinem Hexenkessel! Es ist ja allerlei Zeug darin; -in Deiner Hölle hast Du so manches aufgespeichert; bist doch ein -Meister in solchen Kompositionen!—Kreiere, braue, zeuge, mische 'was -zusammen!—</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Es muß allerdings sehr verlockend sein.—Womöglich was -Frauenzimmerartiges.</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span>. Ja, sehr verlockend sein.</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>mit einem Gedanken beschäftigt</i>). Lüstern und zerstörend -soll es zugleich sein, sagt Ihr?—Und doch die Seele nicht definitiv -zerstörend?</p> - -<p><span class="small-c">ALLE DREI</span> (<i>zugleich und untereinander</i>). -Lüstern—zerstörend—verlockend—giftig—wollüstig—grausam—Hirn und -Adern verbrennend—.</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span>. Aber nicht die Seele!—Wegen der Zerknirschung!—Wegen der -Verzweiflung!—</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>seinen Gedankengang plötzlich beendend</i>). Halt, da hab' ich -'was!—Will mal mit der Herodias reden!—Halblaut für sich. Lüstern und -zerstörend zugleich!—Laut. Ich bring' etwas!—</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Gott sei Dank!</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>sich zum Gehen wendend</i>). Ich glaub', ich hab's!</p> - -<p><span class="small-c">GOTT VATER</span>. Bravo! Bravo!</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Bravo! Bravo!</p> - -<p><span class="small-c">CHRISTUS</span>. Bravo! Bravo!</p> - -<p><span class="small-c">ALLE DREI</span> (<i>sich freudig erhebend, soweit es geht; leise in die Hände -schlagend</i>). Bravo, Teufel, bravo! Bravissimo!</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>sich empfehlend und im Abgehen ein Schnippchen schlagend</i>). -Ich komm' bald wieder! (Ab.— Draußen, wie er die Thüre öffnet, -erblickt er einige jüngere Engel, die gelauscht haben. Er packt -den Nächsten beim Flügel, und zaust ihn tüchtig. Dieser läuft, mit -den andern, unter schrecklichem Geschrei davon.—Der Teufel, sieht -man, öffnet draußen eine Falltür, durch die er hinabsteigt, und die -er hinter sich schließt. (<i>Die drei Gottheiten verschwinden bei der -folgenden Verwandlung in die rechten Seiten-Coulissen.</i>)</p> - - - -<hr class="chap" /> -<h4>Zweite Szene (Verwandlung.)</h4> - - -<p><i>Das Himmels-Kabinett steigt langsam nach oben; die Szene wird dunkler, -und macht einem tonnenartigen, nach unten sich verlängernden, düsteren, -mit grauen Quadern ausgemauerten Tunnel Platz, der sich wie das -Innere eines Turmes oder Ziehbrunnens scheinbar bis ins Unendliche -nach abwärts erstreckt, und an dessen hinterem Ende eine morsche, -verbarrikadierte, vielfach ausgebesserte Holzstiege sich befindet. Auf -dieser sieht man bald darauf den Teufel nicht ohne Mühe, ächzend, sich -am Geländer fest einhaltend, hinabsteigen, während die gleichzeitig -nach oben rückende Szene ihn im Auge behalten läßt. Phantastische Vögel -und Ungeheuer, die teils auf Stangen sitzen, teils in Hohlräumen des -Mauerwerks lagern, pfauchen und krächzen ihm mit heiserem Ruf ihren -Gruß entgegen.—Nach einiger Zeit mündet dieser brunnenartige Gang in -einen größeren, finsteren, kellerartigen Raum, der durch ein traniges -Öllicht nur teilweise erhellt ist und in dem zunächst nichts weiter zu -erkennen ist als ein aus Binsen und Flechtwerk roh zurechtgerichtetes -Lager rechts im Vordergrund. Die Öllampe ist auf der andern Seite und -mehr im Hintergrund. Der Teufel, der müde und humpelnd angekommen, -geht einige Schritte seufzend hin und her, geht dann nach hinten; man -hört eine schwere Truhe aufschlagen; er entledigt sich seines engen, -schwarzen Gewandes, das er säuberlich in einen der Kasten legt, um -in einem aus Tierfellen zusammengeflickten, warmhaltenden Flaus bald -darauf nach vorn zu kommen. Er ächzt wiederum erst einige Schritte -hin und her, wie nicht wissend, wohin er sich wenden solle, und setzt -sich endlich quer auf sein Binsenlager, zieht die Füße an und vergräbt -die Hände tief in das Wollhaar des Kopfes, Stirn und oberen Teil des -Gesichtes auf diese Weise verdeckend.</i></p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>mit sich redend</i>). Da hockst du nun, Hund, wieder allein, und -heimgekehrt zu dir; weltverlassen und verachtet; zurückgekehrt von -der Audienz; Ahnenloser Geselle ohne Respekt und Reputation; und hast -wieder einmal gesehen die goldausgelegten Gemächer der Hohen und -Vornehmen. Und du bist immer und bleibst der Lump, der Spitzbub, der -krumme Kerl. Und die da droben, die dürfen tun, was sie wollen, es mag -noch so platt, niedrig oder gemein sein, es ist immer edel und vornehm, -weil es in den Gemächern des Nobeltums passiert. Und du magst tun, -was du willst—und wenn du mit dem Kopfe dich bis zum andern Ende der -Erde wühltest,—es ist immer niedrig und gemein und schuftig.—(Pause; -überlegt). Wenn du ein Graf wärest, dann wäre auch dein krummes Bein -gräflich. Und wenn du nur ein Thürsteher da droben wärest, dann wären -auch dein Kopf und deine Gedanken himmlisch und engelhaft, wie dein -Kleid, das du dann trügest. Aber so bist und bleibst du ein Hund!—Nur -wenn du für sie was tun sollst, was sie selbst nicht können, oder was -für sie zu schmutzig ist, dann lächeln sie dir und sagen: "Mein Freund! -Mein Freund!" Aber wenn die Audienz vorbei, mußt du wieder herunter -in Staub und Kot, und dann heißt's "Pfui Deifel! Pfui Deifel!"—Und -so bist du ein erdgeborener, gebückter und verzerrter Kerl dein Leben -lang, und humpelst herum mit deinem Fuß, und frissest Ärger und Grimm -in dich hinein!— —</p> - -<p><i>Und doch!</i>— Und doch bist du mehr! Bist mehr als diese Firlefanz-Leute -in ihrem Glück und Wolkenbau! Steckst mitten in der Welt; und in deinem -Kopf stecken die Gedanken der Erde! Und wenn du hier allein bist, -allein mit deinem Erdgeruch, und dein Kopf sich illuminiert, dann -entsteht in diesem vergrämten Kopf, mitten in der Verzweiflung, ein -Funken, ein Gift, eine Kraft, die wie ein Blitz, zündend und wetternd, -durch die Welt fährt, und die Hülsenköpfe in ihrem Wolken-Heim erbeben -macht.—Und brauchst keine Tiaren zu tragen, keine Ambrosia noch Sekt -zu trinken, und scheppernd und glänzend dich zu zeigen, um glücklich -zu sein. Bist so glücklich; glücklich, wie die andern nicht glücklich -sein können! Glücklich in diesem Erdenloch, in diesem kostbaren -Tunnel, diesem Hauch von Irdischkeit und Würze, diesem Welt-Geruch, -der dich kräftigt und stählt, und Gedanken erzeugt, und zur Arbeit -zwingt.—Und brauchst keine Ahnen und Vergangenheits-Register; bist -blank und sauber; darfst von neuem, beginnen; brauchst nicht nichts zu -tun; die Arbeit sind deine Ahnen! Deine Ahnen produzierst du in die -Zukunft!—Arbeit! Arbeit!—(<i>Springt auf</i>). Also denn auf zur Arbeit!</p> - -<p>(<i>Er geht längere Zeit auf und ab, bleibt wiederholt stehen und sinnt -nach.</i>)</p> - -<p>"Also <i>verführerisch</i> soll es sein, das Ding,—na natürlich, -sonst beißen sie nicht an";—"etwas Frauenzimmerartiges", sagte -Maria;—sehr gut!—Die Frauenzimmer kennen ihr Geschlecht immer -am besten.—Aber <i>giftig</i> soll es auch sein; darin liegt ja die -Strafe; und sie sollen das Gift nicht merken, es hinunterschlucken -wie Sirup;—sehr gut!—das läßt sich machen.—Aber es soll dabei -<i>Seele</i> und <i>Leib</i> vergiftet werden; aber nicht definitiv; nur bis -zur Verzweiflung, bis zum Wahnsinn; sie wollen also sehen, wie sich -die Menschheit krümmt und bricht; wie sie ihre Seelen ausleeren, wie -einen Magen;—ich verstehe;—die Seele soll aber wieder reparierbar -sein,—"erlösungs-fähig", wie sie sagen;—na, die Freude kann ich ja -ihnen fürs erste lassen; ihnen und ihnen;—vom <i>Leib</i> haben sie nichts -gesagt; sehr gut!—Als ob sich das trennen ließe!—Wenn ich den Leib -toll und voll verseucht habe, und der ganze Kerl zum Teufel fährt—ah -pardon—kaputt geht, dann möchten sie die Seele, nachdem sie schon auf -dem Weg zu mir ist, noch erlösen!—Die Barmherzigkeit!—Na, das wird -sich ja finden.—(Geht wieder schweigend und nachdenklich auf und ab). -Was soll das nun aber für ein Gift sein? Welches ruiniert, und doch -wieder nicht ruiniert?—Mit organischen und chemischen Giften komm' -ich da nicht aus!—Auch kann ich da nicht <i>quantitativ</i> vorgehen. Die -schluckten ja und schluckten das Zeug hinunter—besonders, da es so -süß ist—und pardauz lägen sie da! Ich kann da nicht dosieren. Ich -kann doch kein ellenlanges Rezept an die Bettlade kleben: pro dosi -soundsoviel!—Das muß also ein feines, neues und ganz besonderes -Gift sein!—Welches weder den Geber noch den Nehmer sogleich -vergiftet!—Das muß dann ein feines, schleichendes, langsam wirkendes -Ding sein, welches sich ruhig weitervererbt, und in einigen lebenden -Exemplaren immer frisch zu haben ist!—Dann—soll das Gift sich an -das höchste Entzücken des Menschen anschließen, an den Liebestaumel, -an das naivste und köstlichste Glück, welches sie besitzen: damit -es sicher zu allen dringt!—Ja, das heißt, das war eigentlich mein -Gedanke!—Keine Verschiebung des geistigen Eigentums!—Na ja!—Wie -nun weiter?—Woher nimmst du das Gift?—(<i>Überlegt, bleibt stehen</i>). -Na, aus dir.—Kühl. Gibt es denn etwas Giftigeres, die Adern -Durchdringenderes, als du selbst?—Sehr gut!—Was weiter?—Wie wirst -du's nun anstellen?—(<i>Überlegend, sehr langsam, mit vorgestrecktem -Zeigefinger sich vordiktierend</i>). Du mußt das Gift, welches an sich -vielleicht zu stark ist und tödlich wäre, erst organisch abschwächen, -und dann in einer lebenden Person verwirklichen! (<i>Patscht in die -Hände</i>). Hoppla, das ist's—Noch einmal: Du mußt das Ding erst -organisch so mild machen, daß es ihre Mägen und Leber zunächst gut -vertragen, und es gleichzeitig in einem Lebewesen, das ihnen gleich -sei, personifizieren!—Sackerlot!—Und zweitens: dieses Lebewesen -muß ein Weib sein! Und das Gift muß durch die bekannten Schläuche -geleitet werden!—Und drittens: dieses Weib muß schön sein; und ich -ihr Vater!—Sapristi! Reibt sich die Hände. Kommen wir auch einmal -zum Zeugen!—(<i>Geht lange erregt auf und ab</i>).... Nun, und wenn ich -dies Kunstwerk fertig bringe, was krieg' ich dann dafür?—Freund, nimm -dich in acht! Diese Gelegenheit kommt nicht wieder! Jetzt hole die -lang aufgespeicherten Speisezettel deiner Wünsche hervor!—(besinnt -sich).—– Diese Stiege da (schaut nach oben). muß er mir reparieren. -Das Gerümpel. Wenn ich da 'mal ausgleite, und breche mir den Fuß, -dann bin ich ein ganzer Krüppel.—Dann, diese Falltüre da oben, die -ist meiner unwürdig. Da stoß ich mich schon lange daran. Das soll -ein schöner, freier Zugang werden, mit einem Geländer daran, und -ein paar Teppichen.—Dann, diese Audienzmeierei habe ich ebenfalls -schon lange satt. Wird der Zugang oben frei, muß ich auch freien -Zugang haben! Ich muß stets unangemeldet kommen können.—Er kann -ja auch stets unangemeldet zu mir herunter.—Dann (sehr bestimmt) -muß Er mir meine Bücher frei drucken lassen, und ihre breiteste -Zirkulation im Himmel und auf Erden erlauben. Das muß ich unbedingt -haben. Ohne das gehe ich gar nicht an die Arbeit, (ausbrechend). Wenn -jemand denkt, und darf seine Gedanken nicht mehr andern mitteilen, -das ist die gräßlichste aller Foltern.—Dieses reinste Entzücken, -dieser Tropfen Lust, der Fässer voll Bitterkeit genießbar macht, -daß andere das nachdenken, was du vorgedacht hast,—ist das so -schwer zu begreifen?!—Also das ist Numero eins!—Dann—muß hier die -Ventilation besser werden.—(Glotzt lange an der Decke herum)... -Eigentlich könnt' ich mir das Ding hier mit Goldleisten ausschlagen -lassen.—Ach,—es wird doch nicht heller.... Wie wär's, wenn Er mich -zum Graf machte?—Graf Miraviglioso! Oder gleich ganz italienisch Conte -di Miraviglioso; Signor Conte di Miraviglioso.—Pfui, schäm' dich! -Hast du nicht gesagt, du willst ein ehrlicher Kerl bleiben?—Nun ja; -ich wollte ja nur auf ganz kurze Zeit das tolle Empfinden haben, ganz -ohne Grund etwas zu sein. Nur auf acht Tage.—Ich kann ihn ja dann -meinem Ausgeher schenken.—... Ein paar Orden könnt' ich mir bei dieser -Gelegenheit geben lassen!—Dazu ist es wieder nicht hell genug da -herunten. An der Beleuchtung fehlt es hier überhaupt.—Was noch?—Etwas -bessere Garderobe! Dieses spanische Kostüm trag' ich nun schon seit -Philipp II. Es ist unerhört. Und nur meine ganz außerordentliche -Peinlichkeit erlaubt mir noch, überhaupt oben zu erscheinen.—Dann, -um Gottes Willen, etwas Mobiliar. Ein paar Pfund Roßhaar werde ich -doch noch wert sein. Und ein paar warme Decken.—Weiter!—Etliche -Borten an meine Kleider; wenigstens Leutnants-Rang!—Dann: Einreihen, -wenigstens in die letzte Hofrangklasse; mein Gott, ich helfe doch den -Leuten in ganz außerordentlicher Weise.—Femer: ein kleines "von"—, -und die Möglichkeit einer standesgemäßen Verbindung mit einer der -Engel-Klassen; Gott, so ein zartes Geschöpfchen, neben mir, 's wär' -ja zum Entzücken; sie mag so dünn und jung sein, wie sie will; ich -richt' sie mir schon her!—Was noch?—Ein goldenes Portepee, 'n -Kammerherrntitel, ein kleines Krönlein, 'n Herzogskragen oder ... (hält -plötzlich inne, greift sich mit beiden Händen an die Stirn und schreit -in tierischer Weise hinaus). Äh,—äh!—Bleib' fort! (Er hält die Hände -weit von sich wie um etwas wegzustoßen, das auf ihn eindringt, und -weicht zurück). Äh!—Es kommt!—Es hat mich!—Du Hund, hab ich dir -nicht gesagt, wenn du über die Schnur haust, packt es dich!—Pfui -Teufel! (spuckt aus, wie um etwas aus seinem Innern zu entfernen). -Pfui Deifel! Es kommt!—<i>Der Ekel</i>,—er hat mich!—Pfui!—Pfui!—Oh, -es ist zu spät!—Ekel! Ekel! Verdammte Sauce!—Teufel, weißt -du nicht mehr?—Weißt du nicht, daß du nur in der Entbehrung, im -Finstern, nur unter der Marter gedeihst?—Und dann will der Kerl stolz -sein!—Ah,—ah—(<i>Er macht Würgbewegungen, schleppt sich bis zu seinem -Lager, wirft sich dort auf den Bauch, wälzt sich in Krämpfen, reißt aus -der Matratze Stroh heraus, macht einen Knebel und steckt ihn sich mit -ingrimmigem Behagen in den Mund;—wird dann allmählich etwas ruhiger, -liegt bewegungslos da, und scheint zu schlafen.—Lange Pause</i>.)</p> - -<p><i>Währenddem hat sich im Hintergrund an der Rückwand des Gewölbes die -Szene wie aufgeklärt; die Schicht wird heller und heller; zuletzt -durchsichtig; es ergibt sich eine, wie es scheint, unermeßliche -Perspektive; allmählich schwindet auch der letzte trübe Schleier, -und man erblickt ein ungeheures Totenfeld, auf dem eine schier -unfaßbare Zahl, wie es scheint, lauter Weiber, in Leibesgestalt, mit -fahlen Gewändern, die einen hockend, die andern hingestreckt, teils -die Arme aufgestützt, teils das Gesicht in den Armfalten vergraben, -wie schlafend dortliegen; das Ganze übergossen von einem kalten, -flirrenden, mondlichtähnlichen Schimmer.—Tiefe Stille.—</i></p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>wacht langsam auf, hebt sich mit den Händen aufstützend -matt empor; wie er sich umwendet und erblickt die Szene, fahrt er -plötzlich zum Sitzen auf, reißt sich den Knebel aus dem Mund.</i>) -Ah!—Ihr seid mir vorausgeeilt, Gedanken! (<i>Betrachtet lange mit -Entzücken die Szene.</i>) Ihr habt Euch verwirklicht, meine guten -Gedanken!—Und die gemeinen sind mir in den Magen gefahren, und -haben mich krank gemacht;—so ist's recht!—Du hast gebüßt,—und -bist jetzt wieder ein ehrlicher Kerl!—(Legt sich, noch immer etwas -erschöpft, wieder in eine mehr ruhende Stellung zurück, aber so, daß -er die Szene im Auge behält—matt und langsam.) Welche von diesen -wähl' ich mir jetzt aus als Mutter für mein glorioses Geschöpf?—... -Schön!—Verführerisch!—Sinnlich!—Giftig!—Hirn und Adern -verbrennend!—Ahnungslos!—Tollpatschig!—Grausam!—Berechnungslos! -—Seelenschmutzig!—Naiv!—<i>Lange Pause</i>.</p> - -<p><i>Er erhebt sich dann zum Sitzen und ruft mit halblauter, aber klarer -Stimme, in sanftem Ton.</i></p> - -<p>Helena—von Sparta—des Paris Geliebte—Trojanische Königin!—(<i>Im -Hintergrund erhebt sich aus der Reihe der Schlafenden langsam eine -Gestalt mit langem schleppendem Mantel, der um die Taille durch -einen Strick gleicher Farbe zusammengehalten, kommt langsam, wie -schlaftrunken, mit geschlossenen Augen, den Lichtschimmer, der ihr aus -dem Totenreiche anhaftet, beibehaltend, nach vom und bleibt vor dem -Teufel stehen.</i>)</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span>. Du bist damals mit dem jungen Laffen, dem Trojaner-Prinzen, -auf und davon, und hast deinen Mann, den König, zurückgelassen; rein -aus Verliebtheit?—(<i>Helena verneint schwerfällig mit dem Kopfe.</i>) -Was? Nicht einmal verliebt?—Aus Neugierde?—(<i>Sie scheint sich zu -besinnen; nickt dann wie schlaftrunken.</i>)—Nur, weil es dir gefallen -hat?—(<i>Helena nickt.</i>)—Ohne etwas zu denken?—(<i>Nickt</i>.)—Justament? -(<i>wartet und nickt dann.</i>)—Und als dann der Krieg ausbrach, da dachtest -du?—(<i>nickt mechanisch, besinnt sich aber dann und verneint.</i>)—Dachtest -dir: Es ist nun einmal so! (<i>nickt und betont.</i>)—Geh', leg' Dich wieder -schlafen—armes, dummes Ding!—(<i>Sie wartet einen Moment, dreht sich -dann langsam um und geht zurück auf ihren Platz, wie sie gekommen</i>.)</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>nach einer Pause, mit der gleichen hellen, sanften Stimme.</i>) -Phryne—aus Athen—glatteste aller Hetären—komm'! (<i>Von dem Totenfeld -erhebt sich aus einer andern Reihe ein Weib im gleichen Anzuge wie -die erste und kommt näher.</i>) Blasseste aller Zauberinnen, du hast -Tausende von Männern in dein Garn gelockt, sie arm und elend gemacht, -ihnen Geld und Gedanken geraubt,—hast Philosophen genarrt,—Richter -bestochen,—Staatsgesetze umgestoßen,—Krieg angezettelt,—Reichtümer -angehäuft,—hast dich als Göttin geriert,—dich anbeten lassen,—hast -dein Vaterland verhöhnt,—wolltest deinen Namen wie eine schmutzige -Reklame auf die Mauern Thebens setzen—und dafür bezahlen,—hast -dich nackt vor allem Volk gezeigt,—in Korinth die Tempel und -Statuen bauen lassen,—hast fortgehurt, bis deine Haare weiß -wurden—und wurdest schließlich in einem Tempel, in den du dich -geflüchtet, wie ein unreines Tier erschlagen?—(<i>Nickt stumm -wiederholt auf alle Fragen</i>.)—Warum?—Aus Liebe? (<i>verneint</i>).—Aus -Leidenschaft? (<i>verneint</i>).—Aus Laune?—(<i>nickt</i>).—Weil du schöner -und blasser warst, als alle andern? (<i>nickt</i>).—Hast gar nichts dabei -gedacht?—(<i>verneint</i>).—Ließest den Dingen ihren Lauf?—Bejaht.—Geh', -du harmloses Kind, du bist unschuldig!— (<i>Geht langsam und schweigend -ab, wie die erste.</i>)</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>nach einer Pause, wie oben</i>). Héloise,—Äbtissin von -Paraclet—Latinistin des 12. Jahrhunderts!—(<i>Eine dritte Gestalt -erhebt sich aus dem Totenfeld und kommt im gleichen Anzug, wie die -vorigen näher.</i>) Du hast studiert,—und hast geliebt,—und hast -Kinder gebracht,—und hast deinen Lehrer, <span class="small-c">ABÄLARD</span>, die Leuchte des -Jahrhunderts, verführt,—und deine Familie in Spott und Schande -gejagt,—bis sie dir deinen Geliebten zum Kapaun machten,—und dich zur -Nonne,—und hast dann deinen verschnittenen <span class="small-c">ABÄLARD</span> fortgeliebt,—und -ihm brünstige Briefe geschrieben—bis man dich zur Äbtissin -machte;—und als Äbtissin hast du weiter studiert, und ihn weiter -geliebt, und weiter—wenigstens in der Phantasie—Kinder gebracht, -und mit deinem längst abgekühlten Freund imaginative Scheußlichkeiten -begangen, die man selbst in der Hölle nicht sagen darf,—und hast -ihm geschrieben: lieber wollest du des <span class="small-c">ABÄLARD</span> Hure als des Kaisers -rechtmäßige Gattin sein;—und als er starb, hast du dir seine Leiche -kommen lassen, und hast ihn immer noch geliebt, und ihn mit deinen -eigenen Händen begraben;—und dann hast du ihn noch zwanzig Jahre auf -Kosten deiner Phantasie weiter geliebt;—bis du selbst starbst?—Hat zu -allen Fragen stumm genickt.—Warum?—Aus Liebe?—Bejaht heftig.—Aus -reiner Liebe?—Bejaht intensiv.—Kind, du bist ja schon für den Himmel -reif!—Halte dich parat, wenn die Posaune ertönt, kommst du zuerst -dran!—Inzwischen geh', und schlaf weiter!—(<i>Gestalt geht ab.</i>)</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>für sich</i>). Ich hab' doch verdammt wenig Grandioses in der -Hölle; muß mir 'mal 'n Scheusal holen!—(<i>besinnt sich, dann nach einer -Pause</i>). <span class="small-c">AGRIPPINA</span>,—Mutter, Gemahlin und Mörderin von Kaisern,—und -Gemordete eines Kaisers,—komm'!—(<i>Eine Gestalt erhebt sich aus anderer -Gegend.</i>)—Du hast etwas viel auf dem Kerbholz, Freundin;—mit 14 Jahren -heiratetest du deinen Mann, und läßt dich herbei, ihm nach neun Jahren -eines der größten Scheusale, den <span class="small-c">NERO</span>, zu gebären?—Dafür kannst du -nichts!—Tröste dich, wir haben jetzt eine Schule, die dir nachweist, -daß du auch für die anderen Sachen nichts kannst; nur ist diese -Lehrmeinung noch nicht bis zum Himmel gedrungen.—Du vernachlässigst -also deinen Mann, und gibst dich dem <span class="small-c">LEPIDUS</span> hin;—das war damals so -Sitte!—dann verbindest du dich mit deinem Freier, um deinen Bruder, -den Kaiser <span class="small-c">CALIGULA</span>, zu ermorden;—es gelingt nicht!—dafür kannst du -wieder nichts,—d.h. du warst nicht geschickt genug!—Endlich wird -aber <span class="small-c">CALIGULA</span> doch ermordet,—wie das damals so Sitte—und du wirst -wieder hoffähig;—du versuchst dann vergeblich einige andere vornehme -Römer zu kapern, bis sich endlich der reiche Advokat <span class="small-c">PASSIMUS</span>—den ich -für gescheiter gehalten hätte—herbeiläßt, und mit dir eine zweite -Ehe eingeht; du vergiftest ihn dann, und beerbst ihn!—doch das haben -schon andere vor dir gemacht; das war damals so Sitte!—dein folgendes -Stückchen war dagegen schon viel origineller: du spielst so geschickt -hinterm Vorhang—von deiner Villa aus—daß du die Kaiserin <span class="small-c">MESSALINA</span> -von ihrem Gemahl, dem Kaiser <span class="small-c">CLAUDIUS</span>, abschlachten lässest, heiratest -dann selbst den Kaiser <span class="small-c">CLAUDIUS</span> und wirst Kaiserin!—Was dann folgte, -der von dir inszenierte Selbstmord des <span class="small-c">LUCIUS SILANUS</span>, die Verbannung -seiner Schwester <span class="small-c">JUNIA</span> und die Verbannung der <span class="small-c">LOLLIA PAULINA</span>, deren -Kopf du dir nachträglich aus der Verbannung zurückholen lässest, waren -mehr Nebenabfälle; du folgtest darin den Sitten deiner Zeit.—Dann -verschaffst du dir den Beinamen 'Augusta', die Heilige, lässest deinen -Sohn <span class="small-c">NERO</span> von deinem neuen Gemahl, Kaiser <span class="small-c">CLAUDIUS</span>, adoptieren, lässest -ihn dann mit der Tochter dieses Kaisers <span class="small-c">CLAUDIUS, OCTAVIA</span>, vermählen, -vergiftest dann diesen Kaiser, deinen Gemahl, und rufst deinen Sohn -<span class="small-c">NERO</span> zum Kaiser aus.—Das war nämlich damals ganz neu!—Du vergiftest -dann noch ein paar Konsuln, Prokonsuln und Nebenbuhlerinnen, und wirst -letztlich von deinem eigenen Sohn <span class="small-c">NERO</span> ermordet!—(Die Gestalt hat -auf alle Fragen stummnickend geantwortet).—Hör' mal, <span class="small-c">AGRIPPINA</span>, du -bist eine ganz scharmante Person, aber ich vermisse in deinem ganzen -Tun den eigentlich künstlerischen Impuls—die Naivität;—alles hängt -ab von deinem maßlosen Ehrgeiz!—Das ist krankhaft!—Das wird auf die -Dauer langweilig!—Wir fassen die Sachen jetzt anders auf!—Nicht ein -schöner Mord in deiner ganzen Geschichte!—Ich kann dich wirklich nicht -brauchen!—Geh' nur und leg' dich wieder schlafen!—Schlaf sanft! -(<i>Gestalt ab</i>.)</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>nach einigem Überlegen, für sich</i>). Jetzt hab' ich noch -eine Nummer, die <span class="small-c">HERODIAS</span>;—aber halt, ich nehm' statt der Mutter -lieber die Tochter! (<i>ruft</i>). Salome,—schöne, junge Tänzerin,—komm' -zu mir!—(<i>Weit hinten erhebt sich eine schlanke, jugendliche -Erscheinung, und kommt näher, eine freundliche, heitere Erinnerung -auf ihrem Gesicht</i>).—Sag' mir einmal, mein hübsches Kind, du warst -damals auf dem Bankett bei Herodes zugegen?—(<i>bejaht</i>.)—Und da -tanztest du?—Bejaht.—Warum tanztest du?—(<i>Sie weiß es nicht</i>.)—Nun, -du tanztest eben, weil junge hübsche Mädchen überhaupt gern -tanzen,—und weil du Tanzstunde gehabt hattest?—(<i>bejaht</i>.)—Und -du fandest Beifall?—(<i>nickt</i>.)—Und <span class="small-c">HERODES</span> sagte dir, du solltest -dir 'was schenken lassen?—(<i>nickt</i>).—Und du ließest dir einen Kopf -schenken?—(<i>nickt</i>.)—Einen Menschenkopf?—(<i>bejaht</i>.)—Einen <i>lebenden</i> -Menschenkopf?—(<i>bejaht</i>.)—Weshalb?—(<i>Sie weiß es nicht</i>.)—Zum -Spielen?—(<i>sie zaudert und bejaht schließlich</i>.)—Und Herodes schickte -dich mit dem Henker ins Gefängnis, und der schneidet dir dort -einen Kopf ab?—(<i>nickt</i>.)—Das war der Kopf des <span class="small-c">JOHANNES</span>?—(<i>bejaht -gleichgültig</i>). Der ward dir auf eine Platte gelegt, und du kamst -dann damit herein in den Bankett-Saal?—(<i>nickt</i>).—Das Blut lief -wohl in der Platte herum,—und machte sie schließlich ganz -voll?—(<i>nickt</i>.)—Es netzte deine Finger?—(<i>bejaht lebhaft</i>.)—War -dir das angenehm, oder unangenehm?—(<i>bejaht</i>.)—Ja, was?—Angenehm -oder unangenehm?—(<i>Sie reibt die Hände gegen einander.</i>)—Es -kitzelte dich?—(<i>bejaht sehr deutlich</i>.)—Du hast wohl sehr feine -Finger?—(<i>keine Antwort</i>.)—Und dann,—dann schenktest du den Kopf -deiner Mutter?—(<i>bejaht</i>.)—Warum?—(<i>zuckt mit den Achseln.</i>)—Er war -eben schon tot?—(<i>nickt traurig</i>.)—Und du wolltest doch einen lebenden -haben?—(<i>bejaht</i>.)—Ja, die abgeschnittenen Menschenköpfe halten sich -nicht lang!—Sag mal, hast du einen von den Leuten gern gehabt, was man -sagt, lieb?—(<i>weiß nicht, was sagen, und verneint schließlich</i>.)—Den -<span class="small-c">HERODES</span>?—(<i>verneint</i>.)—Den <span class="small-c">JOHANNES</span>?—(<i>verneint</i>.)—Deine -<span class="small-c">MUTTER</span>?—(<i>zuckt mit den Achseln und verneint</i>.)—Aber deinen -abgeschnittenen Kopf, den hattest du gern?—(<i>bejaht sehr deutlich</i>.)</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>springt plötzlich auf</i>). Kind, du bist mein Fall!—Geht auf sie -zu. Aus dir läßt sich noch 'was machen!—Er schließt sie, halb von -rückwärts kommend, leicht in seine Arme. Du sollst mir heut' in mein -Schlafgemach folgen!</p> - -<p><span class="small-c">DIE GESTALT</span> (<i>hört man tief und vernehmlich stöhnen</i>).</p> - -<p>Während des Folgenden fallen über dem Totenfeld wie im Vordergrund -schwarze, anfangs noch durchsichtige Flöre und Schatten herab, die die -ganze Szene immer mehr verdüstern.</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>die Gestalt sanft mit sich nach rechts fortführend</i>). Wir -haben große Dinge mit dir vor!—Du sollst die Ahnin eines grandiosen -Geschlechtes werden, an das kein Aristokrat hinankann!—Deine -Nachkommen werden weder blaues noch rotes, sondern weit merkwürdigeres -Blut in ihren Adern führen.—Und du wirst die Mutter sein.—Deine -Qualitäten sind einzig in meinem großen, ungeheuren Reich!—Selbst -oben, bei Hof, sieht man unsere Verbindung mit gnädigem Wohlwollen!—Er -verschwindet mit ihr; die Stimme klingt immer entfernter. Morgen schon -darfst du zu deinen Schwestern zurück!—Unser heißes Temperament -läßt Schaffen und Entstehen sich in unglaublich kurzer Zeit -vollenden!—Zeugen und Gebären rückt durch unsere Gewalten in wenige -Stunden zusammen!—Komm', mein Kind, komm'!—</p> - -<p><i>Das Totenfeld ist jetzt verschwunden. Die Flöre fallen nun auch im -Vordergrund immer dichter; so daß die Szene bald ganz verdunkelt -ist.—Man hört in der Ferne noch einen gellen weiblichen</i> Schrei.—<i>Dann -wird es schwarze Nacht, und der Vorhang fällt.</i></p> - - - -<hr class="chap" /> -<h3>Vierter Aufzug</h3> - - -<hr class="r5" /> -<h4>Erste Szene</h4> - - -<p><i>Im Himmel. Ein kostbar ausgestattetes Gemach in Rosa.</i> <span class="small-c">MARIA</span>, <i>vornehm -geschmückt auf ihrem Thron, umgeben von meist jüngeren Engeln in -lichter, farbiger Tracht, die an den Stufen des Thrones teils -sitzen, teils in malerischer Stellung liegen. Einer derselben hat -ein Buch in der Hand und liest aus Boccaccio in monotoner, breiter, -schulmädchenartiger Stimme vor.</i></p> - -<p><span class="small-c">ENGEL</span> (<i>liest</i>). "... Agilulf, der König der Longobarden, befestigte, -gleich seinen Vorgängern in Pavia, der Hauptstadt der Lombardei, -seinen Thron durch Vermählung mit Teudolinga, der Witwe Auterichs, der -ebenfalls König der Longobarden gewesen war. Diese Gattin war sehr -schön, verständig und ehrbar, der aber dennoch ein Liebhaber einst -einen schlimmen Streich spielte. Als nämlich durch die Tapferkeit -und den Verstand des Königs Agilulf der lombardische Staat glücklich -und ruhig geworden war, geschah es, daß ein Reitknecht der genannten -Königin, ein Mensch, was die Abstammung anbetrifft, von höchst -ärmlichen Umständen, sonst aber über sein schmähliches Geschäft hoch -erhoben, und von Person schön und groß wie der König, sich über alle -Maßen in die Königin verliebte. Da jedoch sein niedriger Stand ihn -keineswegs verhinderte einzusehen, daß diese seine Liebe außer allen -Grenzen der Möglichkeit und Schicklichkeit liege, so offenbarte er -sich als ein verständiger Mann niemandem und wagte nicht einmal, sich -der Königin selbst nur durch einen Blick zu entdecken. Obgleich er nun -gänzlich hoffnungslos war, so tat er sich doch bei sich selbst etwas -darauf zugute, daß er seine Gedanken so hoch hatte steigen lassen und, -vom Liebesfeuer ganz entzündet, gab er sich Mühe, es allen seinen -Kameraden in allem, von dem er glaubte, daß es der Königin gefallen -könnte, zuvor zu tun. Dadurch geschah es, daß die Königin, wenn sie -ausritt, weit lieber das Pferd ritt, das dieser wartete als ein -anderes, und dies rechnete sich jener zur höchsten Gnade, ging alsdann -nicht vom Steigbügel weg, und schätzte sich glücklich, wenn er ihre -Kleider berühren dürfte.—Aber wie wir dies häufig sehen, daß die Liebe -um so stärker wird, je mehr sich die Hoffnung verringert...."</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>unterbrechend</i>). Ja, kriegen denn die Zwei sich noch nicht?—</p> - -<p><span class="small-c">LESENDER ENGEL</span> (<i>stockt</i>).—Ich weiß nicht, Immerwährende Jungfrau.</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Sieh' mal, wie viel Seiten die Geschichte noch hat?</p> - -<p><span class="small-c">LESENDER ENGEL</span> zählt sorgfältig nach. Noch zwanzig, Allerseligste -Gottesmutter.</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Das ist schrecklich lang; kann man denn da nichts überschlagen? -Läßt sich das Buch geben.—Na, ich glaube, jetzt wird's etwas -lebhafter. Lies 'mal zu! (<i>Gibt ihm das Buch zurück.</i>)</p> - -<p><span class="small-c">LESENDER ENGEL</span> (<i>wie oben</i>): "... Je mehr sich die Hoffnung verringert, -so geschah es auch bei diesem armen Reitknecht, der sein verborgenes -Verlangen, das von keiner Hoffnung gelindert war, kaum mehr ertragen -konnte, und oft, da er sich von dieser Liebe nicht losmachen konnte, -den Entschluß faßte, zu sterben...."</p> - -<p><i>In diesem Augenblick ist</i> das Weib, <i>ein junges, blühendes Wesen in -schwarzen Haaren, mit schwarzen, tiefliegenden Augen, in denen eine -verzehrende, aber noch nicht aufgeschlossene Wollust verborgen liegt, -in ganz weißem Gewand zaghaft auf die Schwelle getreten. Alles ist -bestürzt und, wie geblendet über den neuen Ankömmling, in die Höhe -gefahren; die Engel starr und wie unentschlossen, was zu tun, die -Blicke auf</i> das Weib <i>gerichtet.</i></p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>die sich erhoben hat, imperatorisch</i>). Wer ist diese -Person?—(als keine Antwort erfolgt). Wer hat Dich herein -gelassen?—Woher kommst Du?—Kommst du von drunten?—Bist Du eine -Gestorbene?—Oder 'was Besseres?—Eine Heilige?—Was willst Du -hier?—Mir Konkurrenz machen?—Mit welchem Recht...? (<i>fängt zu zittern -an</i>).</p> - -<p>In diesem Augenblick kommt der <span class="small-c">TEUFEL</span> hinter <span class="small-c">DEM WEIB</span> herein, -atemlos, als habe er sich verspätet, macht eine tiefe Reverenz vor -<span class="small-c">MARIA</span>.</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span>. Gnädige Frau,—(<span class="small-c">DAS WEIB</span> vorstellend.—meine Tochter!</p> - -<p><i>Die Engel fahren kreischend nach links ab.</i></p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>die Thronstufen hinabsteigend, mit dem Ausdruck höchster -Verwunderung</i>). Ah!—</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>den Eindruck abwartend; dann nach einer Pause</i>). Ich hoffe, -sie gefällt Dir?</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>zögernd, ihre Eindrücke sammelnd</i>). Gefallen?—Nein, dazu ist -sie zu schön. Dieses Biest schlägt alles im Himmel und auf Erden.—Ich -erwartete ein Scheusal.</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span>. Gnädige Frau, damit....</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>unterbrechend, zornig</i>). "Gnäd'ge Frau!—Gnäd'ge Frau!" Ich -bin die Immerwährende Jungfrau und Allerseligste Gottesmutter!—Merk' -Dir's! (Mit einem Blick auf das Weib.)</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>sehr devot, halblaut</i>). Diese feinen Unterschiede erfaßt Die -noch nicht.—Sie ist wie ein Kind.</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Wie, spricht sie nicht?</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span>. Gott bewahre!</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Sie spricht keine Sprache?</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span>. Sie spricht die Sprache, die alle Weiber sprechen, die Sprache -der brennendsten Verführung.</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Ich meine, Du bist über unser Programm hinausgeschritten.—Was -soll diese superbe Person...?—</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span>. Ich mußte sie in irgendeiner Art....</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> einfallend. Wenn ich das wollte, konnte ich einen meiner Engel, -ich konnte selbst....</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span>. Oh, schönste Frau, nimmermehr; Ihr habt vergessen....</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Ja, ja!—Ganz richtig!—Jawohl!—Aber warum so blendend?—Das -reine Entzücken! (<i>zum Teufel gewendet halblaut</i>). Kann man sich hier -'was vergeben?</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span>. Du kannst sie glatt bewundern; noch weiß sie gar nichts.</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>verschlingt das Weib mit ihren Blicken, geht dann in einer -plötzlichen Wallung auf sie zu, und küßt sie</i>).</p> - -<p><span class="small-c">DAS WEIB</span> <i>fährt fast erschrocken zurück</i>.</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>überwältigt</i>). Das volle Entzücken!—Wie ein Kind!—</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>mit komischem Pathos</i>). "Rein aus der Hand des Schöpfers -hervorgegangen!"—</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>empfindet den Stich</i>). Oh—buffone!—Wo hast Du sie her?</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>sehr gespreizt</i>). Gewisse Geheimnisse Unserer Fabrikation -können Wir nicht mitteilen;—indes—die Mutter kann ich Dir nennen.</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Ah!</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span>. Eine gewisse <span class="small-c">SALOME</span>,—die schöne Köpferin,—die sich mit einer -Schnellung ihres Tanzbeins einen warmen Menschenkopf holte.</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>sich besinnend</i>). Haben Wir die nicht heroben?</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>trocken</i>). Nein, nein!—Solche Personen habt Ihr nicht heroben.</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>versunken in die Gestalt</i>).... solche Personen habt Ihr nicht -heroben...! Und so blendend!—</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span>. Was Du siehst, hat sie von der Mutter.</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Von ihr.</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>sarkastisch</i>. Und noch einiges, was Du nicht siehst!—</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>zu ihm hinüberschauend, verständnisvoll</i>). Jawohl!—Sonst?—</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span>. Die Qualitäten des Vaters kommen erst später zum Vorschein;— -wenn sie Übung hat....</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Das glaub' ich!</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span>. Ich war in meiner gloriosen Stimmung!</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>die sich von der Gestalt nicht trennen kann</i>). Und dieses -keusche Entzücken, dieses unvergleichliche Auge, dieser Impuls voll -überirdischer Lust, dieser Gedanke von übermenschlicher Güte und -Mitleid soll die Menschen, sagst Du, vergiften und verderben?</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>sehr bestimmt</i>). Das <span class="small-c">SOLL</span> es!</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. <span class="small-c">SOLL</span> es das?—Kann es das?—</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>höhnisch</i>). <span class="small-c">KANN</span> es das?—Ich sag Dir, das in ihr -verschlossene Gift ist so stark: nach vierzehn Tagen soll der, der sie -berührt, mit Augen wie Glasklicker in die Welt schauen; seine Gedanken -gerinnen ihm, und er schnappt nach Hoffnungsluft, wie ein trocken -gewordener Fisch; nach sechs Wochen betrachtet er seinen Körper und -fragt: Bin das ich? die Haare fallen ihm aus, die Wimpern fallen ihm -aus, die Zähne fallen ihm aus; Gebiß und Gelenke werden wackelig; nach -drei Monaten ist er an seiner Menschenoberfläche durchlöchert, wie ein -Sieb, und er spekuliert an den Schaufenstern herum, ob man etwa eine -neue Menschenhaut kaufen kann; die Verzweiflung rinnt ihm nicht nur -im Herzen zusammen, sondern läuft ihm stinkend auch zur Nase heraus; -die Freunde begucken sich gegenseitig, und wer in der ersten Phase der -Vergiftung ist, lacht den aus, der sich in der dritten oder vierten -befindet; nach einem Jahr fällt ihm die Nase in den Suppenteller, -und er läuft zum Kautschukhändler, um eine neue zu kaufen; dann -verzieht er, geht an einen andern Ort, wechselt sein Handwerk, wird -mitleidig und sentimental, tut keinem Tierlein 'was zuleide, entwickelt -moralische Gesinnungen, spielt mit den Mücklein in der Sonne und -beneidet die jungen Bäume im Frühling; er wird katholisch,—wenn er -protestantisch war; und protestantisch,—wenn er katholisch war: nach -zwei, drei Jahren liegen ihm die Leber und die großen Drüsen wie Mörser -im Leib und er denkt auf lockere Speisen; dann gimpelt's ihm im einen -Aug', nach einem weiteren Vierteljahr ist es zu; nach fünf, sechs -Jahren beginnt ein Zucken und Schießen im Körper auf und ab, wie ein -Feuerwerk; er geht noch spazieren, und fleißig sieht er nach, ob die -Füße noch unter dem Leib hervorkommen; noch etwas später zieht er es -vor, im Bett zu bleiben; er liebt die Wärme; nach acht Jahren etwa -nimmt er sich eines Tags einen Knochen aus dem eigenen Gebäu, beriecht -ihn, und schmeißt ihn voll Grausen in die Ecke; er wird dann fromm, -frömmer, am frömmsten; er liebt die Maroquin-Bände mit Goldschnitt und -einem Kreuz darauf; und nach zehn Jahren liegt er schlank dort, ein -verwelktes Skelett, mit gähnend gegen den Plafond aufgesperrtem Maul, -das "Warum" fragt und stirbt.—Die Seele gehört dann Euch!—</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>sich voll Abscheu wegwendend</i>). Äh!</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>verwundert</i>). Was?—Habe ich meine Sache nicht gut -gemacht?—War die Arbeit nicht so bestellt?—</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>die Hände vor dem Gesicht, schluchzend</i>). Ach, die armen -Menschen!</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>einfallend</i>).... bleiben <i>erlösungs-bedürftig</i> und -<i>erlösungs-fähig</i>!—</p> - -<p>Maria (<i>die sich wieder umgewendet, starrt mit offenen Augen das -Weib an, in deren Anblick sie versunken bleibt. Das Weib in der -ursprünglichen, naiven, seiner unbewußten, schönheitsvollen Haltung.</i>)</p> - -<p><i>Man hört draußen ein Geräusch, wie von Kommenden</i>).</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>erwachend, und zur Thüre eilend</i>). Nein, niemand soll -herein!—(<i>nachdem sie vor der Thüre die Kommenden erblickt</i>.) Nein, -mein Sohn soll nicht herein, kann nicht herein, darf nicht herein; -(<i>zurückkehrend, wild</i>). Schaff' mir das Weib aus dem Haus!—Thu' mit -ihr, was Du willst; aber fort, fort!—Augenblicklich!—</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>bittend</i>). Liebe Maria, Immerwährende Jungfrau, Allerseligste -Gottesgebärerin, ich hätte noch einige Wünsche, ich denke, ich verdiene -doch,... Du weißt....</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (<i>eilfertig</i>). Ja, ja,—Du sollst Deine <i>Stiege</i> haben;—aber nur -fort, fort!—</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>larmoyant</i>). Und <i>Gedankenfreiheit</i>!—</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span>. Freund, Du denkst nur viel zuviel!—Ich will mir's überlegen, -was ich befürworten kann;—aber jetzt fort!—</p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>mit einem schweren Seufzer, verbeugt sich tief vor Maria, -geleitet dann mit großer Vornehmheit</i> <span class="small-c">DAS WEIB</span> <i>nach außen, wohin er -sie vorantreten läßt</i>).</p> - -<p><span class="small-c">MARIA</span> (schaut starr mit offenem Munde den Gehenden nach.)</p> - -<p style="text-align: center;">(<i>Der Vorhang fällt</i>.)</p> - - - -<hr class="chap" /> -<h3>Fünfter Aufzug</h3> - - - -<hr class="r5" /> -<h4>Erste Szene</h4> - - -<p>Rom. Ein Saal im päpstlichen Palast; zur Rechten (von der Bühne aus) -ist an der Wand ein temporärer Altar errichtet, an dem ein Priester -amtiert; zur Linken bis gegen die Mitte der Bühne reichend, stehen -Armsessel, zum Teil mit Betpulten davor, auf denen der Papst mit seiner -Familie, darunter <span class="small-c">CESARE</span> und <span class="small-c">LUCREZIA BORGIA</span>, die <span class="small-c">VANOZZA</span> und <span class="small-c">JULIA -FARNESE</span> mit den Mitgliedern des heiligen Kollegiums, Bischöfen und -Erzbischöfen, Almosenieren, dem Zeremonienmeister <span class="small-c">BURCARD</span>, dem Kapitän -der päpstlichen Garde und andern zum unmittelbaren Gefolge des Papstes -Gehörigen Platz genommen; zu äußerst links, hinter den Stühlen stehen -dichtgedrängt und ohne das Ende des Saales auf dieser Seite erkennen -zu lassen, teils Geistliche, teils niedere Beamte des päpstlichen -Hofstaates und ganz hinten auch etliche von der Dienerschaft, welche -alle mit größerer oder geringerer Aufmerksamkeit der heiligen Handlung -folgen. Erleuchtet wird der ganze Raum lediglich von den vier großen -Kerzen, die am Altar brennen, so daß die entfernter gelegenen Teile -in Halbdunkel gehüllt sind. Im Hintergrund befindet sich ein einziges -großes Portal, welches offen steht.</p> - -<p><span class="small-c">PRIESTER AM ALTAR</span>, (<i>den man längere Zeit hantieren gesehen und -flüstern gehört hat</i>). Hoc est enim Corpus meum<a name="FNAnker_1_8" id="FNAnker_1_8"></a><a href="#Fussnote_1_8" class="fnanchor">[1]</a>.—Das Flüstern -und Zischeln geht weiter.—Hic est enim Calix Sanguinis mei, novi -et aeterni testamenti; mysterium fidei; qui pro vobis et pro multis -effundetur in remissionem peccatorum<a name="FNAnker_2_9" id="FNAnker_2_9"></a><a href="#Fussnote_2_9" class="fnanchor">[2]</a>.</p> - -<p><i>Während mitten unter den Zuhörern, die teils knien, teils stehen, -der Papst mit überschlagenen Knien und im Schoß gekreuzten Händen, -wie es scheint, gleichgültig dort sitzt, geht unter den übrigen, -besonders unter den weiblichen Mitgliedern, ein lebhaftes Plauschen und -Austauschen von Meinungen einher, welches von den rückwärts Stehenden -wiederholt durch ein diskretes "Pst!" unterbrochen wird.</i></p> - -<p><span class="small-c">PRIESTER</span> (<i>am Altar</i>).... Hostiam puram, hostiam sanctam, hostiam -immaculatum ...<a name="FNAnker_3_10" id="FNAnker_3_10"></a><a href="#Fussnote_3_10" class="fnanchor">[3]</a></p> - -<p><span class="small-c">LUCREZIA</span> (<i>teilt aus einer Tüte Confetti an ihre jüngeren Geschwister -aus.</i>)</p> - -<p><span class="small-c">PRIESTER</span> (<i>am Altar</i>).... Panem sanctum vitae aeternae, et Calicem -salutis perpetuae....<a name="FNAnker_4_11" id="FNAnker_4_11"></a><a href="#Fussnote_4_11" class="fnanchor">[4]</a></p> - -<p>Die Jüngeren scheinen sich um die Confetti zu streiten; einiges -fällt zu Boden; sie eilen sich, es aufzuheben; man hört Raufen und -Schimpfwörter; Stühle werden gerückt; die Damen benehmen sich um die -Kleinen; die Herren mahnen zur Ruhe; der Papst schaut hinüber und -lächelt; von rückwärts wiederholte "Pst—Pst!".</p> - -<p><span class="small-c">PRIESTER</span> (<i>am Altar, mit lauter Stimme</i>).... Per omnia saecula -saeculorum<a name="FNAnker_5_12" id="FNAnker_5_12"></a><a href="#Fussnote_5_12" class="fnanchor">[5]</a>.</p> - -<p><span class="small-c">DIE ANWESENDEN</span> (<i>mechanisch murmelnd</i>). Amen.</p> - -<p><span class="small-c">CESARE</span> ist von seinem Stuhl aufgestanden und begibt sich hinter die -Lehnen seines Vaters, des Papstes, zu dem herübergebeugt er sich -längere Zeit halblaut unterhält; die Damen fangen ebenfalls unter sich -ein halblautes Gespräch an; die Kleinen, wieder beruhigt, molfern an -ihren Confetti.</p> - -<p><span class="small-c">PRIESTER</span> (<i>am Altar halblaut</i>). Agnus Dei, qui tollis peccata -mundi...<a name="FNAnker_6_13" id="FNAnker_6_13"></a><a href="#Fussnote_6_13" class="fnanchor">[6]</a></p> - -<p>Bei diesen Worten ist <span class="small-c">DAS WEIB</span> plötzlich auf die Schwelle des -rückwärtigen Portals getreten. Hinter ihr sieht man eine schwarze -Gestalt verschwinden. Sie ist in der gleichen naiv-zauberhaften -Attitüde wie oben im Himmel und trägt dasselbe weiße, -jugendlich-züchtige Gewand wie damals, von dem eine von der Beleuchtung -der Kerzen unabhängige Helle auszugehen scheint.</p> - -<p><span class="small-c">PRIESTER</span> (<i>vollendet</i>).... miserere nobis!<a name="FNAnker_7_14" id="FNAnker_7_14"></a><a href="#Fussnote_7_14" class="fnanchor">[7]</a></p> - -<p>Sofort entsteht eine heftige Erregung und große allgemeine Unruhe unter -allen Anwesenden, deren Blicke starr gegen die Thüre gerichtet sind, -und unter denen ein bald unentwirrbares Gemisch von staunenden Ausrufen -von seiten der Männer, von Verwünschungen von seiten der Frauen hin- -und hergeht.—</p> - -<p><span class="small-c">PRIESTER</span> (<i>am Altar, wie oben</i>). Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, -miserere nobis!...</p> - -<p><i>Die Unruhe wächst immer mehr; der Garde-Kapitän ist einige Schritte -gegen das Portal zu getreten; die Dienerschaft drängt sich von dieser -Seite immer stärker gegen die Mitte des Saales.</i></p> - -<p><span class="small-c">PRIESTER</span> (<i>am Altar</i>). Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, dona nobis -pacem...<a name="FNAnker_8_15" id="FNAnker_8_15"></a><a href="#Fussnote_8_15" class="fnanchor">[8]</a></p> - -<p><i>Der Papst ist ebenfalls aufgestanden und schaut starr gegen die Thüre, -wo das Weib in regungsloser Haltung verharrt; Gruppen bilden sich und -pflegen in erregter Weise Meinungs-Austausch. Der Zeremonienmeister -Burcard ist von hinten vorgekommen, um sich mit dem Papst zu benehmen, -der ihm aber kein Gehör schenkt. Man hört die Kleinen schreien.</i></p> - -<p><span class="small-c">PRIESTER</span> (<i>vollendet und sagt sein</i>). Dominus vobiscum!<a name="FNAnker_9_16" id="FNAnker_9_16"></a><a href="#Fussnote_9_16" class="fnanchor">[9]</a> (<i>Dessen -Antwort</i>: "Et cum spiritu tuo"<a name="FNAnker_10_17" id="FNAnker_10_17"></a><a href="#Fussnote_10_17" class="fnanchor">[10]</a> <i>nicht mehr vernommen wird</i>.)</p> - -<p><i>Man hört jetzt aus der Menge Rufe wie</i>: "Wer ist die?"—"Woher -kommt die?"—"Eine Neapolitanerin!"—"Schafft sie 'naus!"—"Halt! -Halt!"—<i>Man hört die Stimme des Papstes</i>: "Schonung! Schonung!"—</p> - -<p><span class="small-c">PRIESTER</span> (<i>am Altar, wendet sich um, sieht erschrocken die Verwirrung, -sagt aber sein</i>). Ite missa est<a name="FNAnker_11_18" id="FNAnker_11_18"></a><a href="#Fussnote_11_18" class="fnanchor">[11]</a>—(<i>und erteilt darauf, ohne daß -sich noch jemand um ihn kümmert, den Segen</i>.)</p> - -<p><i>Nunmehr verlassen alle ihre Plätze und drängen gegen die Thüre zu; die -Männer zunächst, die Frauen wie zurückgeschoben; der Papst, umgeben von -seinem Sohn Cesare, dem Zeremonienmeister und dem Garde-Kapitän, führt</i> -<span class="small-c">DAS WEIB</span> <i>vornehm bewillkommnend unter großem Nachdrängen von seiten -der Männer, unter lauten Ausrufen und Verwünschungen von anderer Seite, -etwas gegen die Mitte des Saales.—Der Priester hat sich inzwischen am -Altar verbeugt und ist rechts abgegangen; ein Sakristan ist gekommen -und löscht vorschriftsmäßig die vier großen Kerzen aus.—In dem so -entstandenen Halbdunkel, in dem</i> <span class="small-c">DAS WEIB</span> <i>wie magisch beleuchtet -herausglänzt, sieht man noch, wie die Männer wie wild gegen die helle -Gestalt losstürzen, die der Papst jetzt fest unter den Arm genommen -hat, während der Garde-Kapitän den Degen zieht, Burcard die großen -mächtigen Arme, wie zur Ruhe mahnend, hoch emporhebt, und Cesare -wie wütend gegen die Eindringenden um sich schlägt. Die Betstühle -werden umgeworfen; man sieht vereinzelt Dolche in der Luft blitzen; -im Hintergrund halb ersticktes Weibergeschrei. "He, Hilfe!"—"Ich -bin's nicht!"—"Ich bin die Falsche!"—"Waffen!"—"Soldaten!" -Man hört</i> <span class="small-c">LUCREZIA'S</span> <i>Stimme: "Cesare!—Cesare!—Mio papa—zu -Hilfe!"—Schließlich drängt die Gruppe mit dem</i> <span class="small-c">WEIB</span> <i>und dem</i> <span class="small-c">PAPST</span> -<i>in ihrer Mitte zur Thüre hinaus; Alles wie wild nachstürzend; die -Frauen kreischend zu beiden Seiten ab:—der Vorhang fällt.</i></p> - -<hr class="r5" /> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_1_8" id="Fussnote_1_8"></a><a href="#FNAnker_1_8"><span class="label">[1]</span></a> Denn dies ist mein Leib.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_2_9" id="Fussnote_2_9"></a><a href="#FNAnker_2_9"><span class="label">[2]</span></a> Denn dies ist der Kelch meines Blutes, des neuen und ewigen -Bundes—das Geheimnis des Glaubens—welches für euch und für viele -vergossen wird zur Vergebung der Sünden.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_3_10" id="Fussnote_3_10"></a><a href="#FNAnker_3_10"><span class="label">[3]</span></a> Die reine Hostie, die heilige Hostie, die makellose Hostie.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_4_11" id="Fussnote_4_11"></a><a href="#FNAnker_4_11"><span class="label">[4]</span></a> Das heilige Brot des ewigen Lebens und den Kelch des -immerwährenden Heils.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_5_12" id="Fussnote_5_12"></a><a href="#FNAnker_5_12"><span class="label">[5]</span></a> Von Ewigkeit zu Ewigkeit.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_6_13" id="Fussnote_6_13"></a><a href="#FNAnker_6_13"><span class="label">[6]</span></a> Lamm Gottes, das du trägst die Sünden der Welt ...</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_7_14" id="Fussnote_7_14"></a><a href="#FNAnker_7_14"><span class="label">[7]</span></a> Erbarme dich unser!—</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_8_15" id="Fussnote_8_15"></a><a href="#FNAnker_8_15"><span class="label">[8]</span></a> Lamm Gottes, das du trägst die Sünden der Welt, schenk' uns -Frieden.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_9_16" id="Fussnote_9_16"></a><a href="#FNAnker_9_16"><span class="label">[9]</span></a> Der Herr sei mit Euch.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_10_17" id="Fussnote_10_17"></a><a href="#FNAnker_10_17"><span class="label">[10]</span></a> Und mit deinem Geist.</p></div> - -<div class="footnote"> - -<p><a name="Fussnote_11_18" id="Fussnote_11_18"></a><a href="#FNAnker_11_18"><span class="label">[11]</span></a> Soviel wie: die Messe ist vorbei.</p></div> - - -<hr class="chap" /> - -<h4>Zweite Szene. (Verwandlung.)</h4> - - -<p>Eine Straße in Rom vor dem päpstlichen Palast. Trübe, naßkalte -Morgendämmerung; an einer Ecke ein tiefherabgebranntes flackerndes -Öl-Licht.—Totenstille.</p> - -<p><i>Eine Thüre am päpstlichen Palast öffnet sich leise und heraus tritt</i> -<span class="small-c">DAS WEIB</span>, <i>die Röcke knapp zugebunden, die halb entblößte Brust -vor Kälte schützend, mit verwirrten Haaren und hohläugigen Blicks, -übernächtigt und abgeschlagen; macht die Thüre leise hinter sich zu; -schlürft einige Schritte vorwärts; sie hat zweierlei Pantoffel an, -beide zu groß, in den Ohren und am Hals Brillantschmuck, schaut sich -scheu und vorsichtig um; da bricht der.</i></p> - -<p><span class="small-c">TEUFEL</span> (<i>der bis dahin ungesehen längs einer Dachrinne im Schatten -gestanden, hastig hervor, auf sie zu, gebieterisch.</i>) Jetzt zu den -Kardinälen! Dann zu den Erzbischöfen! Dann zu den Gesandten! Erst zu -den Gesandten der italienischen Staaten; dann zu den fremdherrlichen -Gesandten! Dann zum Camerlengo! Dann zu den Neffen des Papstes! Dann -zu den Bischöfen! Dann durch alle Klöster durch! Dann zu dem übrigen -Menschenpack!—Tummle dich und halte die Rangordnung ein!—(<i>Weib -langsam ab.</i>)</p> - -<h5>(<i>Der Vorhang fällt.</i>)</h5> - - -<h4>(Schluß.)</h4> - - - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Das Liebeskonzil, by Oskar Panizza - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS LIEBESKONZIL *** - -***** This file should be named 44386-h.htm or 44386-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/4/3/8/44386/ - -Produced by Marc D'Hooghe at http://www.freeliterature.org -(Images generously made available by the Inernet Archive.) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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