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+The Project Gutenberg EBook of Die Last, by Annette Kolb
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Die Last
+
+Author: Annette Kolb
+
+Release Date: November 23, 2013 [EBook #44258]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LAST ***
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+Produced by Jens Sadowski
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+ ANNETTE KOLB
+ DIE LAST
+
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+ Max Rascher Verlag A.-G. in Zürich 1918
+
+ 1. bis 3. Tausend
+
+ Copyright by Max Rascher Verlag A. G., in Zürich 1918
+
+ Buchdruckerei zur Alten Universität, Zürich
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+Epilog zu den Briefen an einen Toten.
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+Es gibt Leute, welche die Worte: »Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu
+bringen, sondern das Schwert« mit besonderer Vorliebe herausgreifen, andere
+wieder, welche meinen, Christus könne sich unmöglich so geäussert haben.
+Ich zweifle keinen Augenblick, dass er so sprach, so wenig ich glaube, dass
+er dabei an unsere heutigen Stickgase, Flatterminen und Sprengbomben
+dachte. Aber ich weiss eine Schlacht, zu der ich noch als ein Schatten
+jubelnd hinstürmen würde, tagte er endlich, der grosse europäische Bruch
+mit unseren Trollen, unseren Ab- und Unterarten und dem Tross der
+Seelenlosen, deren Triumph das heutige Chaos besiegelt. Denn eines Tages
+werden wir es vor uns herjagen, das Heer der böswilligen Toren wie der
+Unterworfenen, nicht länger gewillt, ihre Übermacht zu ertragen. Von langer
+Hand ist der Rache vorzuarbeiten, von jetzt ab schon und inmitten der
+unerhörten Niederlage noch, welche die Kinder des Lichts von den Söhnen der
+Finsternis erdulden. Ist das, was sich heute ereignet, etwas anderes als
+das erweiterte Bild desjenigen Krieges, der unablässig auf der Erde wütet,
+das Glück der Familien untergräbt und die Häuser niederreisst? Haben die
+Knechtischen jemals aufgehört, den Besonnenen zu verfolgen? Ist je ein
+Waffenstillstand zwischen ihnen gewesen? Liessen sie je ab, den Edlen zu
+bedrängen, auf dass er stürze oder sein Wirken wieder vereitelt werde? Kein
+Gesetz, nichts auf Erden störte sie je, das goldene Saitenspiel seines
+Herzens zu zerschlagen. Wir wissen genug. Wer brennenden Auges in diese
+Welt hineinsah, dem ist dieser Krieg kein Rätsel, noch die Worte
+desjenigen, dessen Kommen der Engelsruf verkündete: »Friede den Menschen,
+die guten Willens sind,« und der doch gesagt hat: »Ich bin nicht gekommen,
+den Frieden zu bringen, sondern das Schwert.« Die weit verstreuten
+_Menschen_ sind heute überall die Unterlegenen, die ihre Einigung noch
+nicht festlegten, um als das auserwählte Volk -- furchtbar genug -- den
+Fuss auf den Nacken der Schlechten, der Unentwickelten, der Unterarten zu
+setzen, nicht mehr willens, mit ihnen, die nichts so sehr scheuen wie ihre
+Namen, die Herrschaft über diesen Planeten zu teilen. Durch alle Nationen,
+alle ihre Schichten hindurch ist der Genius dieses Krieges, seinem
+Charakter entsprechend, der Würgengel der Besten gewesen, der besten Söhne
+überall, und der ungeborenen Söhne dieser Söhne. Fragt einen Arbeitgeber,
+wo immer Ihr wollt: seine besten Leute sind es, die er beklagt. Rache für
+sie, für alle Prediger in der Wüste, für alle jene Staatsmänner auch, die
+-- hier und drüben -- mit reinen Händen in diesen Krieg gerissen wurden,
+Rache für sie und ihren Gram. _Ihre_ Erhebung und _ihr_ Zusammenschluss ist
+die grosse Notwendigkeit. Man sage mir nicht, dass es unmöglich sei. Ein
+Ruf dringt schon durch das Getöse. Wie mit Feuerzungen ist schon die Luft
+von den Stimmen der Dichter erfüllt. Inmitten welcher Drangsal, welcher
+Todesnot, aus ihren Gräben, ihren Gräbern ach! haben sie nach der
+Herrschaft des guten Menschen gerufen.
+
+»Sein ist die Kraft, das Regiment der Sterne.«
+
+Und es gilt nicht von Utopien zu reden. _Es gibt keine Utopien._ Er wäre
+denn nur ein Utopist gewesen, der nicht gekommen ist, den Frieden zu
+bringen, sondern das Schwert, und der gesagt hat: »Selig sind die
+Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.«
+
+
+
+
+Ausblick.
+
+
+In einem Essay über die Markgräfin von Bayreuth schrieb ich vor einigen
+Jahren, der Frau fehle es zwar nicht an literarischer Begabung, wohl aber
+an literarischer Perspektive, und für die Realität des geschriebenen Wortes
+wohne ihr auch nicht entfernt dasselbe scharfe Gefühl inne wie dem Manne.
+Heute füge ich hinzu, ihr Interesse und ihr Verständnis für Presse wie für
+Parteiwesen sei in der Regel gering, und auf jene allerletzten Endes so
+gedankenlose Parole: right or wrong my country (an welche sich übrigens die
+überlegteren Engländer während des Burenkrieges nicht hielten), wäre die
+Frau nicht verfallen.
+
+So wird sie denn nur wenig von bisheriger Politik verstehen, dafür um so
+mehr von der kommenden. Denn es ist ganz gewiss falsch, zu behaupten, man
+dürfe Politik nicht mit dem Gefühle treiben. Wie veraltet die ohne Gefühl
+betriebene sogenannte Realpolitik im Grunde schon war, hatten die zuletzt
+auf dem Plan erschienenen jungslavischen Völker sehr wohl erkannt, als sie
+jenen brüderlichen Balkanbund zu gründen beschlossen, welcher dann am
+Widerstand der europäischen Kabinette scheiterte. So dringen Schneeglocken
+verfrüht an die schneidende Luft und werden von der Härte des Winters
+getötet, aber die Ahnung des Frühlings lassen sie zurück.
+
+Es klingt ja angesichts der Tatsachen so grotesk, dass man es kaum zu sagen
+wagt, aber die Welt ist besser geworden. Denn rohe Gewaltmittel, mögen sie
+sich noch so radikal durchsetzen, haben jedes Ansehen verloren. Es waren
+auch in der Tat schon Ansätze vorhanden zu der Erkenntnis, dass die Politik
+nicht mehr wie auf dem Schachbrett zwischen _Spielern_ betrieben werden
+dürfte, und es dämmerte die Erkenntnis von der Unhaltbarkeit des Satzes:
+»In der Politik gibt es keine Moral.« Mit richtigem Instinkt waren die
+Nationen durch überlebensgrosse Menschengestalten versinnbildlicht worden:
+Marianne, John Bull, Michel, Uncle Sam . . . Von hier aus zog sich mit
+vollkommener Deutlichkeit ein Weg zur Einsicht, dass den Beziehungen
+zwischen hochstehenden Völkern billigerweise genau dieselben Grundsätze
+unterliegen sollten wie zwischen hochstehenden Menschen. Diese, statt sich
+zu überlisten und brutal zu übervorteilen, suchen sich im Gegenteil an
+Schonung, Grossmut und Rücksicht _gegenseitig_ zu überbieten. Der Wetteifer
+um den Rücksitz hat als Ergebnis, dass man sich darin teilt; statt einander
+zu berauben, hilft man einander aus. Man gesteht sein Unrecht und wird
+vernommen statt verdammt.
+
+Ich hätte mir vorstellen können -- ich weiss nicht, ob ich es noch kann --,
+dass auf einer solchen Grundlage hin ein Dialog zustande gekommen wäre
+zwischen Michel und der unversöhnlich von ihm abgewandten Marianne. Ich
+könnte mir wahrhaftigen Gottes vorstellen, dass er -- nach Art der
+Liebhaber -- zu ihren Füssen hingerissen, in leidenschaftlicher
+Selbstanklage die elsässische Frage vor ihr zur Sprache brächte; ich könnte
+mir vorstellen, dass im Laufe dieses Dialogs endlich ein Wendepunkt sich
+ergäbe, von wo ab beteuert würde, was verneint worden war . . . und in
+dieser Tonart lange hin und wieder so beharrlich! -- bis die wunde Frage
+sich zwischen ihnen isolierte auf einen höheren Plan gehoben, langsam, über
+ihren Häuptern wie eine enthüllte Morgengabe schillerte . . .
+
+Wem dies zu dumm ist, der begebe sich hinaus zu den vordersten Kampflinien,
+wo die gehegten Söhne holder Mütter wie Tiere jämmerlich verenden, und aus
+der Wut und Not ihrer Verlassenheit heraus den . . . Kriegskorrespondenten
+verfluchen, dessen Bericht (o würdiger Trumpf einer realpolitischen
+Presse!) mit ekler Schönfärberei ihre unnennbaren Martern unterschlägt.
+Bald nach Friedensschluss wird man sich zwar an den Kopf greifen über die
+heutige Welt; und dann wird vermutlich das andere Schlagwort aufkommen vom
+Antagonismus der weissen und der gelben Rasse; und dann wird sich der
+Himmel verfinstern von all den Schrecknissen; und dann werden die
+Überlebenden nicht mehr bestreiten, dass die europäische Psyche durch die
+Assimilierung der asiatischen eine unendliche Bereicherung, ja geradezu
+ihre letzte Vollendung erführe.
+
+Und die grauenvollen Erfahrungen, die geopferten Generationen, die
+vergeudeten Jahrzehnte, Jahrhunderte werden notwendig gewesen sein, um
+diese Welt zu Anschauungen zu bekehren, welche sich der elementarsten
+Nachdenklichkeit aufdrängen. In so verzweifelt weiten Schleifen rückt die
+Menschheit ihrem Ziel entgegen. Warum? Welch ein Geheimnis!
+
+Aber all diese Kriege, und die gewesenen sind ja nur Vorstufen zu einem
+letzten Kampf, dessen Stunde zugleich mit der Stunde der Vergeltung
+schlagen wird für jene Elemente, welche von jeher Kriege verursacht und die
+schlechte Sache in der Welt betrieben oder die gute verdorben haben. Die
+Leute also, welche auf den ewigen Krieg schwören, mögen zufrieden mit mir
+sein; denn bevor jene Elemente (und es sind stets überall dieselben) nicht
+gekennzeichnet und untergeordnet werden, glaube auch ich an keinen
+dauernden Frieden.
+
+
+
+
+Zum Aufruf an die Frauen.
+
+
+Andreas Latzko hat einen Aufruf an die Frauen veröffentlicht, welcher
+ebenso berechtigte wie unberechtigte Vorwürfe enthält.
+
+Ich gebe vollkommen zu, dass heute ein Plädoyer zu ihren Gunsten schwer
+fiele. Nachdem in den ersten Augusttagen die Männer das Zeichen des grossen
+Umfalles mit einer Promptheit gegeben haben, die man noch tags zuvor für
+unmöglich hielt, wurden die Frauen von der Schwere dieses Sturzes
+mitfortgerissen.
+
+Fast alle Zeitungen arbeiteten damals Tag und Nacht an der Herstellung
+vergifteter Pfeile in Form von Lügen und Verleumdungen und sandten sie mit
+fieberhafter Eile nach allen Richtungen aus. In Millionen von Aushängebogen
+wurden »die Feinde« täglich neu als eine schlechtere Abart von Menschen
+dahingestellt.
+
+Männer mit neun Gymnasialklassen und vier Universitätsjahren hinter sich,
+zur Unabhängigkeit des Denkens systematisch geschulte Männer waren es,
+welche solche Märchen verkündeten und kolportierten; es ist demnach
+anzunehmen, dass sie sie auch glaubten. Welche Gelegenheit für die Frauen
+zu beweisen, dass sie einsichtiger und besser seien, und wie gründlich
+wurde sie verscherzt!
+
+»Anderthalb Jahrtausende, schreibt Latzko aber, haben an dem Bild der
+christlichen Frau gemodelt; jedes Jahrhundert hatte das Antlitz mit neuen
+Zügen vertieft, veredelt, verfeinert« . . . sehr wahr und sehr schön. Aber
+der Verfasser des Aufrufs ist ein Dichter und hat als solcher Illusionen
+über die Menschheit.
+
+Die _Norm_ der Frauen taugt nicht viel mehr und nicht viel weniger als die
+Norm der Männer. Warum auch? Stammen sie nicht ebensowohl auch von ihren
+Vätern wie die Söhne auch von ihren Müttern ab? Wer war es nur, der einmal
+behauptete (ich glaube, ich bin es selbst gewesen!), dass wenn die Männer
+so leicht bei der Hand seien, um zwischen den Frauen und einer gewissen
+Abart schnatternder Vögel Vergleiche anzustellen, es ebensosehr das
+Wesentliche trifft, wenn zwischen den Männern und einem gewissen
+langohrigen Haustier eine Analogie gefunden wurde. Ich vermute, auf die
+erstere verfiel zuerst ein Mann, auf die letztere eine Frau. In Wahrheit
+sind beide Analogien sehr glücklich.
+
+Latzko zitiert erbitterten Gemütes eine dumme Person, welche ihren
+zurückgekehrten Gatten mit unglaublich gefühlsrohen Fragen anwidert. Aber
+jener selbe Mann, oder jedenfalls _sehr_ viele andere Männer waren ja zu
+Anfang vor Kriegsbegeisterung ganz ausser sich und hatten sich das
+Entsetzen und die Tränen ihrer Gattinnen ungeduldig verbeten. Ihrer Angst
+und Sorge überlassen, waren diese einzig auf ihre neu eingetrichterte
+Mentalität gestellt, die in der Tat in diesem Falle nichts anderes sein
+konnte als eine ungeheure Verdrängung mit all ihren Folgeerscheinungen. O
+der Fahnen, o der Siege, an denen die Armen sich so geschwätzig weideten, o
+der entsetzlich vielen Worte, mit denen sie ihre Bangigkeit zu betäuben
+suchten -- den ganzen Tag -- und als einzige Ablenkung für ihre tägliche
+Ungewissheit hatten sie dabei nur die täglichen Schauergeschichten der
+Zeitungen, diese Musterbilder der Roheit.
+
+_Also angeleitet_ und bei dem Gedanken an die Grausamkeit des Feindes und
+dem Schicksal ihrer Männer erstarrten und verrohten die Gemüter der Frauen.
+Heute ruft man ihnen zu: »Ach! seid wie früher! Gut und tränenreich! »Lüge,
+alles Lüge.« Es ist nicht wahr! die Menschen zerfallen überall in gute,
+mittelmässige und schlechte! die Welt ist überall gleich!«
+
+Ja, aber warum hätten die seit Jahrtausenden zur Unselbständigkeit des
+Denkens systematisch angehaltenen armen Dinger glauben sollen, dass Ihr sie
+belogt? Dass die Männer, zu welchen sie aufblicken sollten, Lügner waren,
+die noch dazu wussten, dass sie logen, oder nicht einmal wussten, dass sie
+logen?
+
+»Lüge, alles Lüge?« ja, aber wer hat denn gelogen? Und ist es an dem Lügner
+den Belogenen abzukanzeln? Nein ihr Herren! Wenn die Frauen versagten, so
+habt Ihr an ihnen die Saaten eurer Lügen geerntet. Wenn Latzko den Frauen
+zuruft: »Ich weiss, Ihr seid nicht alle so. Vielleicht sind Viele, ich
+glaube die meisten von Euch sind anders. Aber, wo seid ihr? Man hört Euch
+nicht!« . . . so könnten sie ihm erwidern: »Wir sind da. Wo seid Ihr, dass
+Ihr uns nicht vernehmt, wenn wir unsere Stimme erheben? Aber wir sind noch
+ohnmächtiger wie ihr!«
+
+Wer hat vielen von ihnen die Pässe verweigert, als sie in Holland tagen
+wollten, lang bevor Ihr an Stockholm dachtet. Wer hat vor diesem Kriege
+gewarnt, ein Lebensalter hindurch nichts anderes getan und wurde dafür von
+den Männern verhöhnt und zur lächerlichen Figur gestempelt? Wer hat die
+»dicke Berta« der »Friedensberta« vorgezogen, wenn nicht die allmächtigen
+Männer?
+
+Denn das grosse Verbrechen der Menschheit, das ihr durch diesen Krieg ein
+Denkmal ewiger Schande setzte, bestand schon vorher. Gedankenlosigkeit,
+Trägheit des Geistes wie des Herzens, Sünde wider den Geist hat uns in den
+Abgrund gestürzt.
+
+Menschen (würdig des Namens!), ob Männer oder Frauen, verbündet Euch!
+Schliesst Euch zusammen, und knechtet den geistigen Mob. Er ist es, der zur
+Herrschaft gelangte und sich triumphierend behauptet. Setzt ihn ab. Er ist
+der Feind. Erkenntnis ist Güte. Der Verfasser des Aufrufes gehört, seinem
+Werk wie seiner Gesinnung nach, zur auserwählten Klasse derer, welche den
+Kampf um die Vorherrschaft »bis zum siegreichen Ende« führen müssen. So
+wenig zahlreich sie sind, wären sie, durch die ganze Welt hindurch
+geeinigt, mächtig genug, um ihr Tribunal zu eröffnen, das die Schlechten
+unterjochen würde und alle Mittelmässigen wie alle Esel und alle Gänse an
+den richtigen Platz verwiese. Gelingt es den Auserwählten nicht, durch alle
+Länder und über alle Grenzpfähle hin ihre Macht durch ihre Einigung zu
+sichern, so wird der Friede ohnmächtig und mit leeren Händen vorüberziehen.
+
+
+
+
+Letzte Folgerungen.
+
+
+Nicht die so brennenden und viel erörterten Probleme der Rassen und der
+grossen Interessen, nicht Sieg oder Niederlage, selbst die fernerliegenden
+oder die unmittelbaren Ursachen des Krieges nicht, sondern was er
+_bedeutet_, das ist's, was heute die Aufmerksamkeit der Nachdenklichen in
+immer steigendem Masse beschäftigt. Immer deutlicher geht für sie aus dem
+ungeheuren Trugwerk dieses Krieges, seiner Einsätze und seiner Schlagworte
+-- der Triumph des Sklaven über den Freien hervor, und immer drohender die
+Forderung, dass dieser Triumph uns nicht nur eine Lehre und eine Warnung
+sei (denn dies genügt schon lange nicht mehr!), sondern dass wir uns selbst
+aus der gemachten Erfahrung jenes letzte Gericht erstehen lassen, von dem
+geschrieben steht, dass es auf immer die Scheidung zwischen den Menschen,
+die guten Willens sind -- und den anderen -- entscheidet, ja! nicht die
+grosse Einigung, den grossen _Bruch_ gilt es, als Lohn für alle die Opfer
+zu erzielen. Es muss die unlösliche, herrische und heilige Allianz der
+menschenwürdigen Menschen zustande kommen, um jene »Untermenschen«, welche
+schon Villiers de l'Isle Adam mit so grossem Nachdruck beim Namen nannte,
+an die rechte Stelle zu weisen.
+
+Nicht nur Europa, die Menschheit selbst steht heute vor ihrem
+gefährlichsten Wendepunkt. Ihr Niedergang ist unaufhaltsam, wenn jenen
+untergeordneten, allzu lange geduldeten Elementen, dasselbe Stimmrecht wie
+bisher verbleibt. Denn ihnen danken wir es, dass noch alle grossen und
+bahnbrechenden Ideen in Verwirrung ausarteten, und dass eine Sache um so
+sicherer verdarb, je edler sie war. Das Christentum selbst ist unter die
+Räder geraten, weil _Unzulänglichkeit_, und weil _Niedertracht_ das grosse
+Wort zu führen in der Lage sind. Die Welt hat nichts zu hoffen, solange
+diese Gattung ihr Herrenrecht behält. Solange nicht ein neuer Korpgeist
+entsteht, wird die Menschheit wie ein Kranker sein, der sein Übel zu
+betäuben sucht, indem er sich auf seinem Schmerzenslager dreht und wendet,
+oder, hoch aufgerichtet, nach Atem ringt, um doch nur eine illusorische
+Erleichterung zu finden. -- So wird sie alle Regierungsformen, eine nach
+der andern, erproben, und ob sie auch ihre Könige gegen Republiken
+eintauscht -- oder umgekehrt --, es werden doch nur falsche Monarchien und
+falsche Republiken sein, und auch die Anarchie wird sich als nichts anderes
+herausstellen als einen Missbrauch der Macht.
+
+Es gibt ja Leute, ich weiss, welche ganz ehrlich der Meinung sind, dieser
+Krieg sollte von Rechts wegen noch recht lange dauern. Die moralischen
+Ansichten, die sich dabei geltend machen, sind auch nur deshalb so heillos
+falsch, weil dieser Krieg eine auf _Zurückentwicklung_ gerichtete Zuchtwahl
+ist und jede Schlacht die Zahl der Tauglichen herabsetzt zugunsten der
+Untauglichen wie der Schuldigen und der Profiteure. Letztere sind ja so
+fest entschlossen, dem Abgrund zu entrinnen, den sie offen halten oder
+bereiteten, dass ihre Spitzfindigkeit auch die strengste Kontrolle
+überlisten wird. Nichts scheuen ja diese Leute so sehr wie das Ende des
+Krieges, da sie wissen, dass seine Verlängerung sehr wohl mit ihrer
+Gnadenfrist zusammenfallen dürfte, und dass die Untersuchung gegen die
+Verantwortlichen so lange unterbleiben wird, als das Gemetzel der
+Unschuldigen anhält. Ach! Dies sollten jene Moralisten wohl bedenken,
+welche diesen Krieg bis ans letzte Ende geführt sehen möchten, auf dass er
+seinen endgültigen Garaus fände. Ach, was glauben sie denn? Glauben sie
+wirklich an einen Rückfall in diesen Zustand? Glauben sie allen Ernstes,
+dass nach einer solchen Erfahrung die Völker sich noch einmal narren
+liessen? Haben sie so wenig die Geschichte der menschlichen Irrtümer
+ergründet, und erkannten sie noch nicht, dass ihr normaler Verlauf (wie die
+Ärzte sagen) dem der Epidemien gleichkommt und darin besteht, dass ihre
+Keime anfänglich unter trügerischen Symptomen um sich greifen, um toll und
+mörderisch auszubrechen und endlich zu ersticken, indem sie triumphieren.
+
+So erreichten die Religionskriege ihren Paroxysmus und verschwanden.
+
+So ist durch die eklatante Torheit und Schmach dieses rückständigen Krieges
+die Rechnung der Kriege, wenigstens für die europäischen Völker, gemacht.
+Ich fürchte von der Zukunft kein Dementi für diese Behauptung. Nein! Die
+Welt fällt nicht zweimal in dieselben Irrtümer zurück. Aber wehe den Neuen!
+Wenn die rohen und bösartigen Elemente in diesen Tagen ihre Betriebsamkeit
+unendlich erhöhten und sich überall unendlich bösartiger und roher
+erwiesen, so sind dafür die Guten überall unendlich besser geworden. Ihre
+Einigung und infolgedessen ihre Machtstellung durch alle Länder hin hat der
+Welt noch immer gefehlt. Es gilt, ihre Reihen zu schliessen und ihre
+_Solidarität_ zu organisieren im Hinblick einer letzten und unerbittlichen
+Fehde; -- und es gilt den Frieden, weil der Kampf um die wahre
+Vorherrschaft nicht entbrennen kann, solange dieser Krieg noch besteht.
+
+Und die Freiheit?
+
+Wie aber könnte die einzig wirkliche Freiheit entstehen, wenn nicht durch
+die Knechtung desjenigen Pöbels, der allerorts alle Klassen der
+menschlichen Gesellschaft, von den höchsten bis zu den sogenannten
+niedrigsten Schichten verheert. Hierarchien aber sind es ja gerade --
+weniger rudimentär und kindisch nur als diejenigen, welche man sich bisher
+aufoktroyieren liess. _Hierarchien_ sind es, die auf neuer und
+gerechtfertigter Basis zu errichten sind. Geben wir uns keinen Täuschungen
+hin: die Klasse der Könige, der Fürsten und der Herren, ja der ganze Tross
+der kleinen Gentry sogar, er ist vorhanden (nur so anders!) und alle wahren
+Adelsbriefe, die sich in unendlichen Fluktuationen aus der menschlichen
+Würde ergeben, existieren auch sie. In allen »Kreisen« aber und durch alle
+Zeiten hin wurde die wahre Elite gepeinigt, geopfert oder zu wahrer
+Ohnmacht verdammt, weil urteilslose oder niedrig gesinnte Elemente, die
+sich weder in Gleichheit noch in Brüderlichkeit zu ihr verhalten, dasselbe
+Stimmrecht geniessen.
+
+Echte Demokratien sind die Notwendigkeit: sie sind aber nur insofern nicht
+illusorisch, als sie aristokratisch sind. Man rede also für die Zukunft
+nicht von Utopien, sondern von neuen Gesetzbüchern und neuen Statuten.
+
+
+
+
+»Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.«
+
+
+ »Je songe à une guerre de droit
+ ou de force, de logique bien imprévue.
+ C'est aussi simple qu'une
+ phrase musicale.«
+
+_(Rimbaud.)_
+
+Jedes Innehalten ist heute vermehrte Unrast. Wir sind halbwegs Gebliebene,
+sofern wir Zeit unseres Lebens stillestehen. So ist es über uns verhängt,
+weil unsere Existenz mit so gewaltigen Umwälzungen zusammenfällt, dass
+Fragen, die gestern noch in ihren Anfängen steckten, plötzlich zu
+überhitzter Reife ans Licht gerissen wurden. Es sind aber Fragen,
+Erkenntnisse und Entdeckungen so schwieriger Natur, dass der einzelne, wie
+stark er immer sei, niemals imstande sein könnte, ihre Geltung
+durchzusetzen. Sie wäre nur möglich durch das kollektive Wirken ganz
+bestimmter, durch Erfahrungen aufmerksam gewordener Menschen, welche das
+Schicksal zusammenführte, damit sie die Tabelle ihrer Erlebnisse
+vergleichen. So bedurfte es der Konstellation einer Konstellation, um der
+Sinnfälligkeit einer Wahrheit so vorzuarbeiten, dass sie wie ein von jeher
+dagewesenes, aber noch nie vorher gesichtetes Sternbild zu voller
+Deutlichkeit gelangt.
+
+Aber noch schwebt sie nicht über uns, diese heute schon nicht mehr
+wegzudenkende Wahrheit, sondern sie harrt noch unerlöst am Wegesrand, so
+alt sie ist. Von Natur aus gerät ja keiner auf sie, Erfahrung allein kann
+den Menschen darauf bringen, und noch immer stürzte er, ohne sie zu
+erkennen, über sie hin. Weil aber der Zeitpunkt gekommen ist, an dem sie
+ein Gesicht erhalten soll und Augen, uns anzustarren, ergab sich eben jener
+Komplex von Erfahrungen, mit dem sich das grosse 2 × 2 = 5 dieser Welt so
+gründlich vornehmen lässt wie eine Haussuchung mit Hilfe richtiger
+Schlüssel.
+
+Dass sich jene weit verstreuten paar Menschen mit den analogen
+Wahrnehmungen, den analogen Erlebnissen und der analogen Geistesart eines
+Tages begegneten, gehört zu den grossen sogenannten Zufällen des Lebens.
+Auf jeden Fall obliegt es ihnen, die Dinge, um welche es heute geht, in
+allen Tonarten und den weitausgreifendsten Steigerungen zu formulieren.
+
+Erkenntnismässig ist ja ihr Weg vollkommen deutlich ausgestreckt, und schon
+sind alle Hochgefühle irgendwie von der Bewältigung seiner Fährnisse
+abhängig. -- O Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit! wie bezeichnend ist
+es, dass euer göttlicher Impuls euch nicht davor bewahren konnte, zum
+Kompendium aller Irrtümer zu werden! Die Menschen sind _nicht_ gleich. Ihre
+schief aufgerichtete Gleichheit wird vornüber stürzen, mit ihrer
+Brüderlichkeit wird es so eine Sache sein wie bisher, und die auf krummer
+Axe gehobene Welt läuft Gefahr, endgültig ihren falschen Dreh zu nehmen,
+wenn nicht alle Anstrengungen geschehen, die missverstandene Brüderlichkeit
+und die misshandelte Freiheit nach einer anderen Himmelsrichtung und unter
+veränderten Gesichtspunkten neu aufzurichten. Wie aus einer brennenden
+Stadt müssen wir heute diese Begriffe retten und aus dem zerfallenen Tor
+unserer Zeit mit ihnen fliehen. Wer die menschliche Gesellschaft in allen
+ihren Schichten kennen lernte, hat keine Illusionen mehr. Dass es einen
+Plebs im Adel gibt, macht den Pöbel um nichts schöner! Tausendfältige
+Ungleichheit ist eben das Prinzip, auf dem die Menschheit wie auf Sprossen
+anhebt. Ein Feststellen, ein Unterordnen der wahren, bis in die tiefsten
+Ursprünge zurückzuleitenden Ungleichheiten könnte allein die wahre
+Gleichheit zu ihrem Rechte bringen und nur in Wahrung der (ach so
+vorhandenen!) Distanzen könnte die Brüderlichkeit unverletzt aufleben. Hier
+liegt das Problem der künftigen Jahrzehnte, Jahrhunderte. Es ist der Sinn
+der Leiter, von welcher Jakob träumte, und wir leben heute wirklich nur
+noch um der Erläuterungen willen, welche diese Dinge verlangen.
+
+
+
+
+Wiederholungen.
+
+
+So hätten wir heute alles von der Methode jener glücklichen Spekulanten zu
+lernen, welche sich offenkundig als die weitaus schärfsten Psychologen
+erwiesen, indem sie irgend ein Präparat, eine Zahntinktur oder ein Extrakt
+dadurch zu allgemeinster Geltung verhelfen, dass sie deren Bezeichnungen in
+grellen Riesenbuchstaben an Mauern, Säulen und Schlöten anschlagen, sich
+gleichsam an die Fersen des Vorübergehenden heften, selbst auf Bergeshöhen
+sich zwischen ihm und der Aussicht schieben, ja von Felswänden herab ihm
+unerwartet Odol! Haarlin! oder Bovril! entgegenschreien.
+
+Wäre heute nicht die Beachtung gewisser Zustände mit einer so vorbildlichen
+Hartnäckigkeit zu erzwingen? Durch ein ungeheures Preisausschreiben etwa,
+das an alle Maler, der ältesten wie der neuesten Schule erginge, um auf
+Bildern oder Plakaten, mit beliebigem Raumverbrauch die Wirklichkeit zu
+illustrieren und zu illuminieren; allen Brücken und Wegen entlang sie
+immerzu neu einer Allgemeinheit zu veranschaulichen, deren geistigen
+Stumpfsinn nur jene Menschenkenner von Spekulanten voll ergründeten. Dass
+es keine intellektuelle Notwehr, dagegen einen hemmungslosen Mangel an
+Logik gibt, und dass wir lieber untergehen, als dass wir dächten, hielten
+wir ja nicht für möglich, bevor wir es erlebten. Wie hätte sonst über
+unsere Köpfe hinweg jene Phalanx der Niedrigen zustande kommen können, die
+sich heute mit so bewundernswerter Regie über alle Grenzen hin in die Hände
+arbeiten? Dass sie dabei sehr ausdrücklich in Freunde und Feinde zerfallen,
+macht ihren stummen Pakt nur um so fester. Wir anderen aber, welche den
+entsetzlichen Humbug dieser »Feindschaft« durchschauen, auf uns, die ihn
+gewähren lassen, auf uns fällt der Fluch dieser Zeit zurück. Nicht auf die
+Schlechten, deren Tun im Einklang steht mit ihrem Wollen; auf uns, nicht
+auf die Knechte, welche sich zu unsern Herren machten, sondern auf uns, die
+wir uns von ihnen knechten liessen! Sollte der Tag hereinbrechen, an dem es
+zu spät sein wird für unser Zusammengehen, so werden wir, die guten Willens
+sind, als die Schuldigen stehen, weil uns der Mut unseres besseren Wissens
+gebrach, dem Genius des Krieges, die Siegermaske von der gedankenlosen
+Stirn zu reissen. Ah! wir bedachten nicht den tiefen Sinn jener Sage,
+welche dem Drachentöter die Sprache der Vögel verstehen liess, als er vom
+Blut des erlegten Ungeheuers genoss.
+
+So läge es in unserer Macht, das Elend des Weltkrieges zum Segen zu wenden,
+wenn wir aus den Trümmern, die er häufte, das _Weltgericht_ mit letzter
+Anstrengung und letzter Entschlossenheit heben; mit ihm die grosse
+reinliche Scheidung, das Ende der Verkehrtheit, der falschen
+Gleichstellungen und des Gewühls; den Anfang jener neuen Hierarchie, nach
+der wir lechzen.
+
+Uns aber, der kleinen, geschlagenen Avantgarde, welche der Krieg um ihre
+letzte Neugier brachte, wir, die seine Verwerflichkeit und Stupidität von
+jeher, lang bevor es ein Wort wie Defaitismus gab, kennzeichneten, uns
+steht heute das traurige Vorrecht zu, die neue Scheidung und den neuen
+Kampf hinauszurufen, bevor der Schutt der alten Zeit uns begräbt.
+
+
+
+
+Schlusswort.
+
+
+Die Heftigkeit, mit welcher wir unsere Notsignale abgeben, hindert nicht,
+dass sie schon unter dem Druck einer geradezu monströs gewordenen
+Langeweile aufziehen, und dass unser eigener Pathos mit der ganzen Öde
+eines Frohndienstes auf uns lastet.
+
+Es kann jedoch sein, dass unser Gewissen oder unsere innere Stimme (wie man
+es nennen will) laut und unerbittlich die Forderung an uns stellt dies oder
+jenes _noch zu sagen_, bevor wir schweigen. Wer von uns wird nach dem
+Kriege noch von ihm reden? heute aber will ein désintéressement von den
+Dingen, die geschehen, erst erworben sein, denn unsere Zeugenschaft hat uns
+zu ihren Teilhabern gemacht, und auch wir haben verspielt.
+
+Von allen, die heute leben, wird keiner den Bau betreten, zu dessen
+Grundlegung ich Steine herbeischleppe -- so eilfertig und unter
+Hohngelächter gewiss! -- denn wo fände ich Glauben? -- Das Gerüst allein
+dürfte die Arbeit von Generationen sein, sein Ausbau die von Jahrhunderten
+vielleicht, ja, vielleicht sind die ewig unvollendet gebliebenen
+Kathedralen sein Symbol. Aber worauf es ankommt: bei allen Opfern, die er
+erheischen wird, allen Kämpfen, die ihm bevorstehen, ist er _möglich_.
+
+Bis zum heutigen Wendepunkt unserer Geschichte gehörte es zu ihren
+integralen Beständen, dass unseren vielgenannten »heiligsten Gütern«
+niemals auch nur von ferne ein schützendes Patent zuteil wurde, je
+erhabener eine Idee, um so grauenhafter die Verbrechen, die in ihrem Namen
+geschahen, je tiefer eine Erkenntnis, desto grösser der Unsinn, der daraus
+entstand.
+
+Die richtige Einsicht, dass es (merkwürdigerweise) niedrige und hohe
+Menschen gibt, führte folgerichtig zu Rang- und Standesunterschieden. Bei
+ihrer Aufrechthaltung aber gerieten jene Ungleichheiten, welche doch erst
+die Berechtigung solcher Klassifikationen bilden, immer mehr ausser acht,
+und bei dem Schrittmachen, das im Schwunge blieb, mischte sich in immer
+gemeinerer Weise das Bestreben jene Distanzen, welche der Wert zwischen den
+einzelnen liegt zu ignorieren. Das Missverständnis artete immer wilder aus:
+der königliche Mozart speiste mit dem Gesinde, und ein lakaienhafter
+Kavalier warf ihn mit einem Fusstritt ohne weiteres vor die Tür. In der
+Tat, wir wissen alle, was wir der französischen Revolution verdanken. Doch,
+als sie das falsche Spiegelbild in edler Empörung zerschlug, wurde mit
+diesem drastischen Vorgehen leider erst recht nur eine halbe Massnahme
+getroffen.
+
+Kein Missbrauch wurde an der Wurzel gefasst, vielmehr entrann der
+Missetäter froh durch die Tür. So brach die französische Revolution wie das
+Christentum, dem sie entsprang, in sich selber zusammen und wir sind heute
+wie bankrotte Leute, die von vorn anfangen müssen. Wir stehen wieder am
+Anfang aller Tage. Das heisst am Ende. Denn für das erkennende Auge sind ja
+die Menschen längst in jene zwei Lager zerfallen, von welchen geschrieben
+steht. Freilich ist vorläufig erst der Aufmarsch der Böcke geglückt, und
+unsere Absicht, ihrem Konsortium entgegenzutreten, dürfte auch fernerhin
+ein frommer Wunsch verbleiben, solange wir jene dunkle und geheimnisvolle
+Tatsache nicht ergründeten, dass die von schlechten Instinkten Gemeisterten
+so viel deutlicher die Hochgesinnten herausspüren, als diese sich unter
+sich erkennen. Wahrlich diese dunkle und rätselvolle Tatsache birgt
+Perspektiven von lockender Tiefe, und sie ziehen sich wie weite
+Zimmerflüchte nach allen Richtungen, reich an Verborgenheiten, hin. --
+
+Es heisst vom Himmelreich, es litte Gewalt. Indessen sehen wir zu, wie die
+Hölle immer mehr das Erdreich verschlingt. Dass allerorts so und so viele
+darüber jammern, ja auch vernünftig darüber raisonieren, hilft uns keinen
+Schritt vorwärts. Denn wo bleibt unser Zustrom, wo insbesondere bleibt
+unsere Sichtung?
+
+Um Machtfragen werden sich nach wie vor die Dinge drehen, und nach wie vor
+wird sich herausstellen, dass es nichts Neues unter der Sonne gibt. Macht
+wird vor Recht gehen, denn Macht geht vor Recht. Es ist Sache des Rechts,
+die Macht an sich zu reissen, eine neue Realpolitik zu ermöglichen, nicht
+ausdrückbar durch Lüge, Feuer und Mord; eine Exekutive zu befestigen,
+welche die aus Lüge, Feuer und Mord errungenen Vorteile verschmähen, und
+Lüge, Feuer und Mord nicht ausspielen würde gegen Lüge, Feuer und Mord.
+Sache des Rechts ist es, die Bahn solcher Gewalthaber zu bereiten, und was
+mich angeht, so musste ich, um meiner eigenen Grabesruhe willen, diese
+zukünftigen, für ein feineres Ohr heute schon ödesten Gemeinplätze noch
+äussern, bevor ich schweige oder von etwas anderem rede.
+
+
+
+
+INHALT.
+
+
+ Seite
+ Epilog zu den Briefen an einen Toten 3--4
+ August 1916 »Weisse Blätter«
+
+ Ausblick 4--6
+ Mai 1917 »Friedenswarte«
+
+ Zum Aufruf an die Frauen 6--8
+ 26. August 1917 »Neue Zürcher Zeitung«
+
+ Letzte Folgerungen 8--11
+ 22. Oktober 1917 »Neue Zürcher Zeitung«
+
+ Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit 11--12
+ März 1918 »Friedenswarte«
+
+ Wiederholungen 12--14
+ Juli 1918 »Friedenswarte«
+
+ Schlusswort 14--15
+
+
+
+
+Anmerkungen zur Transkription
+
+
+Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt
+(vorher/nachher):
+
+ [p. 4]:
+ ... besitzen. ...
+ ... besitzen.« ...
+
+ [p. 6]:
+ ... Aber all diese Kriege und die gewesenen sind ja nur Vorstufen ...
+ ... Aber all diese Kriege, und die gewesenen sind ja nur Vorstufen ...
+
+ [p. 7]:
+ ... ihrer Gattinen ungeduldig verbeten. Ihrer Angst und Sorge
+ überlassen, ...
+ ... ihrer Gattinnen ungeduldig verbeten. Ihrer Angst und Sorge
+ überlassen, ...
+
+ [p. 8]:
+ ... die ganze Welt hindurch geeinigt, mächtig genug, um ihr Tribmal ...
+ ... die ganze Welt hindurch geeinigt, mächtig genug, um ihr Tribunal ...
+
+ [p. 9]:
+ ... l'Ile Adam mit so grossem Nachdruck beim Namen nannte, an ...
+ ... l'Isle Adam mit so grossem Nachdruck beim Namen nannte, an ...
+
+ [p. 12]:
+ ... veränderten Gesichtspunken neu aufzurichten. Wie aus einer ...
+ ... veränderten Gesichtspunkten neu aufzurichten. Wie aus einer ...
+
+ [p. 13]:
+ ... des Gewühls; den Anfang jener neuen Hierarche, nach der ...
+ ... des Gewühls; den Anfang jener neuen Hierarchie, nach der ...
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Die Last, by Annette Kolb
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LAST ***
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+Produced by Jens Sadowski
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+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
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+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
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+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
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+ of receipt of the work.
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+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
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+is also defective, you may demand a refund in writing without further
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+
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+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
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+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
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+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
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+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation information page at www.gutenberg.org
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at 809
+North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email
+contact links and up to date contact information can be found at the
+Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit www.gutenberg.org/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For forty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
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+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
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+ www.gutenberg.org
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+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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