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-The Project Gutenberg EBook of Tokio - Berlin, by Jintaro Omura
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Tokio - Berlin
- Von der japanischen zur deutschen Kaiserstadt
-
-Author: Jintaro Omura
-
-Release Date: November 2, 2013 [EBook #44093]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK TOKIO - BERLIN ***
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-
-Produced by Alexander Bauer and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net
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-[ Symbole für Schriftarten: _kursiv_ : =gesperrt= : #fett# ]
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- Tokio--Berlin.
-
- Von der japanischen zur deutschen Kaiserstadt.
-
- Von
- Jintaro Omura,
- Professor an der Kaiserlichen Adelsschule zu Tokio.
-
- _Mit 80 Illustrationen._
-
- Berlin 1903.
- Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung.
-
- Das Recht der Übersetzung in fremde Sprachen ist vorbehalten.
-
-
- Frau
- HELENE VENN
- geb. KRAWEHL
- in #Berlin#
- in aufrichtiger Verehrung
-
- Der Verfasser.
-
-
-
-
-Vorwort.
-
-
-Das Buch eines Japaners, von ihm in deutscher Sprache und, wie man
-hinzusetzen darf, auch in deutscher Art abgefaßt: nichts zeigt uns mehr
-die engen geistigen Verbindungen zwischen dem Lande eines Humboldt und
-Kant und dem fernen Reiche der aufgehenden Sonne! Und dieser Fremdling,
-der mit scharfem Auge Menschen, Landschaften und Dinge prüft und mit
-sicherer Hand schildert, er weilte verhältnismäßig bloß kurze Zeit
-unter uns, um hier seine Anschauungen über deutsches Leben und Weben
-zu vertiefen, die er in seiner Heimat bereits aus Büchern gewonnen.
-Mit erstaunlicher Leichtigkeit bedient er sich unserer Sprache, ein so
-gewandtes Deutsch schreibend, daß dem Unterzeichneten nur hier und da
-eine ganz leichte stilistische Retouche übrig blieb. Ja, die ersten
-Abschnitte waren in deutscher Fassung bereits auf dem Schiff entstanden,
-ehe unser Reisender je deutschen Boden betreten.
-
-Freilich hatte Professor Omura sich schon in Japan viel mit deutschem
-Wissen und den Geheimnissen unseres Sprachschatzes beschäftigt und hat
-als Lehrer an der Kaiserlichen Adelsschule in Tokio, die zum japanischen
-Kaiserhofe gehört, auf diesen Gebieten eine rege und fruchtbringende
-Tätigkeit entfaltet, ebenso an der Deutschen Schule (Doidsugaku
-Kiohaigaku), einem Gymnasium, das an tausend (japanische) Schüler zählt.
-Eine deutsche Grammatik unseres Gelehrten erlebte binnen sechs Jahren
-über 20 Auflagen, woraus am besten die weite Verbreitung unserer Sprache
-im meerumbrausten japanischen Insellande hervorgeht.
-
-Möchte sein Buch: »Tokio--Berlin« uns und unserer Heimat neue Freunde
-erwerben in dem zielbewußt emporstrebenden japanischen Reiche, wie es --
-des darf man gewiß sein -- seinem Verfasser bei uns warme Zuneigung für
-seine liebenswürdige Persönlichkeit und sein ernstes Streben erringen
-wird. Möchte das Buch ein neues Bindeglied bilden zwischen den beiden so
-fernen und doch in manchen Zügen viel Gemeinsames aufweisenden Völkern!
-
-=Berlin=, im Frühjahr 1903.
-
- #Paul Lindenberg.#
-
-
-
-
-Inhalt.
-
-
- Seite
- Vorwort V
- I. Abschied und Abfahrt von Tokio--Yokohama 1
- II. Kobe 9
- III. Nagasaki 11
- IV. Shanghai 17
- V. Hongkong 39
- VI. Singapore 51
- VII. Penang 67
- VIII. Colombo 71
- IX. Aden 93
- X. Suez und der Suez-Kanal 108
- XI. Port Said 118
- XII. Neapel 124
- XIII. Allerlei Heiteres und Ernstes aus dem Leben auf dem Schiffe 131
- XIV. Genua 188
- XV. Mailand 196
- XVI. Fahrt durch die Schweiz 206
- XVII. Die ersten Eindrücke in Berlin 209
- XVIII. Aufruf an unsere Jugend 227
-
-
-
-
-I.
-
-Abschied und Abfahrt von Tokio--Yokohama.
-
-
-[Illustration: Tokio--Berlin.]
-
-Am 6. April des vorvergangenen Jahres trat ich die langersehnte Fahrt
-nach Europa und damit meine erste große Seereise an. Mit Tagesanbruch
-stand ich auf, verabschiedete mich von meiner Familie und fuhr dann in
-Begleitung meiner Verwandten und Freunde nach dem Bahnhof Shinbashi.
-Kopf an Kopf stand dort die Schar meiner Freunde und Schüler. »Gute
-Reise!« »Frohe Fahrt!« »Glückliche Wiederkehr!« -- so umbrauste es mich
-von allen Seiten. Das Verabschieden wollte fast kein Ende nehmen,
-bis ich mich durch die spalierbildenden Reihen meiner lieben Schüler
-durchdrängte und den Waggon bestieg. Da schlug es halb sieben, ein
-schriller Pfiff ertönte, und unter den lebhaften Abschiedsgrüßen der
-Zurückbleibenden setzte sich der Zug in Bewegung. Lange noch lehnte ich
-aus dem Fenster meines Coupés und schwenkte meinen Hut, bis ich niemand
-mehr erkennen konnte.
-
-Nach dreiviertel Stunden kam ich in Yokohama an, wohin mir ein großer
-Teil meiner Tokioer Freunde das Geleit gab. Auch dort auf dem Bahnhof
-dieselben herzlichen Auftritte wie in Shinbashi -- hier wie dort Schüler
-und Freunde versammelt. Und nun ging's in hellen Scharen nach dem Hafen,
-wo der Reichspostdampfer »König Albert« vor Anker lag. Auf der mehrere
-tausend Fuß ins Meer hineingebauten Landungsbrücke stand dichtgedrängt
-eine große Menschenmenge, durchweg Leute, die ihren nach Europa
-reisenden Lieben ein letztes Lebewohl zurufen wollten. Außer mir fuhren
-noch acht Landsleute mit: Herr Dr. Shiratori, Prof. an der Kaiserlichen
-Adelsschule, Herr Dr. Omori, praktischer Arzt vom Japanischen Roten
-Kreuz, Herr Musiklehrer Taki, Herr Takahashi, Prof. an der höheren
-Normalschule, Herr Tanaka, Prof. an der landwirtschaftlichen Fakultät
-der Universität Tokio, die Herren Studenten Saionji, Miyajima und Kato.
-Da alle uns bis in die Kajüte begleiten wollten, so herrschte auf der
-kaum einen Meter breiten Schiffstreppe solches Gedränge, daß schließlich
-der Eingang abgesperrt werden mußte. Ein Offizier mit zwei Matrosen
-stand am Fuße der Treppe Posten und ließ nur die Mitfahrenden durch. Mit
-dem Schlage neun wurden die Anker gelichtet. Rasselnd gingen die Ketten
-in die Höhe, im Tauwerke schwirrte und knarrte es, Kommandorufe der
-Offiziere ertönten, die Matrosen nahmen ihre Plätze ein, und unter den
-Klängen einer deutschen Weise glitt der mächtig dampfende Koloß langsam
-über die Fluten hin.
-
-In diesem Augenblick tönte von der Brücke her das dreimalige brausende
->Banzai<; ich stehe am Geländer und überschaue ernsten Auges und
-bewegten Herzens die rufende Menge. Ich schwinge meinen Hut und grüße
-zum letzten Male. Größer und größer wird die Entfernung zwischen dem
-Schiff und dem Land; noch kann ich die Gesichter unterscheiden, noch
-die Stimmen vernehmen, schon aber klingt das vom Winde herübergetragene
->Hurra< wie das leise Summen der Mücken, schwächer, immer schwächer und
-schwächer wird es, bis es schließlich ganz verschwindet. Die Gestalten
-der Menschen auf dem Gestade verkleinern sich mehr und mehr, ihre
-Umrisse werden nach und nach undeutlicher, bis sie sich in das Blaue des
-Meeres verlieren.
-
-[Illustration: Blick auf den Hafen von Yokohama.]
-
-Alles war nun erledigt, und getrosten Mutes fuhr ich in die weite
-unendliche See hinaus. Befriedigt setzte ich mich auf das Sofa meiner
-Kajüte -- und nun zog ein Bild nach dem andern im Geist an mir vorüber.
-Ich gedachte des heutigen ereignisreichen Tages und ging dann weiter in
-die Vergangenheit zurück, lebhaft stand mir wieder die Stunde vor Augen,
-als ich den Auftrag erhielt, nach Europa zu fahren. Das war am Ende
-des Jahres, am 28. Dezember 1900. Mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts
-sollte ich meine Reise antreten. O, welch ein Freudentag war es, als mir
-der langersehnte Wunsch endlich in Erfüllung ging! Auf zwei Jahre
-nach Deutschland! Ich, der ich so lange mit der deutschen Sprache mich
-beschäftigt, der ich mich mit den deutschen Ideen und Anschauungen
-so vertraut gemacht hatte, ich sollte nun in dem Heimatlande dieser
-Sprache, dem Ausgangspunkte aller Wissenschaften und der modernen
-Zivilisation meine Studien weiter fortsetzen und vertiefen! Deutsche
-Sprache und deutsches Wesen sollte ich nun an der Quelle genauer
-erforschen und untersuchen können! Werden die Vorstellungen, die ich mir
-darüber in Japan machte, bei der unmittelbaren Berührung mit den
-Dingen bleiben oder vergehen? Welche Licht- und Schattenseiten sind dem
-deutschen Volke eigen? Welchen Einfluß wird das Leben in Deutschland
-auf mich ausüben? Mit welchen Kenntnissen und Urteilen werde ich den
-heimatlichen Boden wieder betreten? Alles Fragen, auf die ich Antwort in
-Deutschland selber zu erhalten hoffte. Ist auch die Zeit von zwei Jahren
-viel zu kurz, um obige Fragen erschöpfend zu behandeln, so hoffte ich
-doch, durch eine gute Einteilung und durch ein systematisches Vorgehen
-alles, was von Wichtigkeit ist, zu besichtigen und zu untersuchen.
-Möge es mir -- das war mein inniger Wunsch -- vergönnt sein,
-diejenige Befriedigung zu finden, welche der schönste Lohn für jeden
-ernststrebenden Menschen ist! Möge doch mein Aufenthalt in Deutschland
-unserem Vaterlande zum Nutzen und Segen gereichen! Mögen mir nur Tage
-ungetrübten Glückes und schöner Erinnerungen beschieden sein, auf daß
-ich diese zwei ersten Jahre des neuen Jahrhunderts zu den zwei schönsten
-Perlen meines Lebens zählen kann!
-
-[Illustration: Japanische Landschaft zur Frühlingszeit. (Nach einem
-japanischen Ölgemälde.)]
-
-[Illustration: Blick auf den Fujiyama. (Nach einem japanischen
-Ölgemälde.)]
-
-Und weiter träumte ich, immer weiter. Die Abschiedsaudienz, die höchste
-Auszeichnung, die der allergnädigste Landesherr, S. Majestät der
-Kaiser, mir zuteil werden ließ -- der Besuch des heiligen Tempels
-der kaiserlichen Ahnen und Vorfahren, woselbst mir der heilige Trank
-gereicht wurde -- das Gefühl der höchsten Dankbarkeit und tiefsten
-Ergebenheit, womit ich das kaiserliche Schloß verließ. Ununterbrochen
-reihten sich daran: große und kleine Abschiedsfestlichkeiten,
-Einladungen und Besuche, Erledigung vieler angefangener Arbeiten. Und da
-sehe ich mich mit einemmale wieder in den Vorbereitungen für die Reise.
-Ja, wache oder träume ich... was kommt denn da zur Tür herein? Aha,
-der Schneider mit dem dicken Schmerbauch, der Schuster mit der kahlen
-Platte, der bedächtige Zahlmeister des Agenten, der schlanke Bursche des
-Spediteurs, die sonnenverbräunten Kulis u. a. m.
-
-Das Schiff, das sich durch alle meine Träumereien nicht hatte
-stören lassen, fährt ruhig weiter und macht in einer Stunde
-ca. 15-17 Seemeilen. Ich raffe mich jetzt auf und blicke umher und
-betrachte mir das, was die Liebe mir mit auf die Fahrt gegeben hat. O,
-was bin ich doch für ein reicher Mann! Da liegen meine zwei Handkoffer,
-ein paar Büchsen mit Senbei, eine Kiste mit Konserven, eine Flasche
-Cognak, zwei Flaschen Wein, roter und weißer, eine Flasche ungarischen
-Mineralwassers, drei Körbe mit Äpfeln und Apfelsinen, alles noch wild
-durcheinander. Ich kümmere mich nicht weiter darum, steige auf das
-Promenadendeck und sehe vor mir die wunderschöne Küste der Provinz
-Totomi liegen, von den Strahlen der eben untergehenden Sonne matt
-erleuchtet. Mit Hilfe des Opernglases kann ich noch die Kiefernbäume
-unterscheiden, die wie Zwerglein mit ausgebreiteten Händen längs des
-Strandes stehen. Ein recht malerischer Anblick, den ich einrahmen und
-nach Haus zu meinen Kindern schicken möchte! Unbeweglich verharre ich so
-geraume Zeit. Die Wasserdünste werden immer dicker, dunkler und dunkler
-färbt sich der Horizont, bis alles in Nacht und Nebel verschwindet. Nur
-das Rasseln der Schrauben und das Plätschern der Wogen dringt an mein
-Ohr und am weiten Himmelszelt erblicke ich ein paar leuchtende Sterne.
-
-
-
-
-II.
-
-Kobe.
-
-
-[Illustration: Straße in Kobe.]
-
-Am zweiten Tage vormittags um 9 Uhr lief das Schiff in den Hafen
-von Kobe ein. Ich hatte die Absicht, nach Kioto zu fahren, um
-Sr. Durchlaucht dem Prinzen Konoye, unserm Präsidenten, der sich zur
-Zeit dort aufhielt, einen Besuch abzustatten; da aber der Dampfer wider
-Erwarten nur bis zum Abend vor Anker lag, so mußte ich diesen Plan
-aufgeben. Ich beschränkte mich daher auf Anraten meines Reisegefährten,
-des Herrn Dr. Erdmannsdörffer -- früher Lehrer am Gymnasium in
-Kumamoto und später an der Kadettenschule in Tokio -- einen berühmten
-Porzellanladen Bankinzan zu besichtigen. Ich sah dort viele schöne
-Porzellane, welche sämtlich in der Provinz Satsuma weiß gebrannt und in
-Kobe fein bemalt unter dem Namen Satsumayaki sehr viel verkauft werden.
-Besonders fiel mir ein kleines Tellerchen auf, das mit tausenden von
-Schmetterlingen bemalt war, und zwar so fein, daß man sie nur mit Hilfe
-einer Lupe beobachten konnte, ebenso ein kleiner Becher mit vielen
-hunderten spielender Knaben. Diese in Kobe bemalten Satsumaporzellane
-sollen in Europa einen hohen Liebhaberwert haben, meinem Geschmack sagen
-sie aber wenig zu, denn sie sind, meiner Ansicht nach, zu überladen. Die
-ungeheuer mühevolle Arbeit ist ohne Zweifel daran bewundernswert, aber
-das, was uns gefällt, ist das einfach Vornehme.
-
-Mit der Besichtigung war ich gegen Mittag fertig. Es blieb mir daher
-noch ein halber Tag übrig; ich nutzte die Zeit am besten so aus, daß
-ich einen Abstecher nach Osaka machte. Osaka ist eine sehr belebte
-Fabrikstadt, damit ist aber auch alles gesagt. Dem Auge bietet sie
-nichts Besonderes dar: eine Menge Schornsteine -- enge Gassen -- Gräben
--- Kanäle -- hölzerne Brücken -- großes Leben auf den Straßen... das
-ist Osaka. -- Von dem vielen Umherlaufen müde, langte ich abends in
-Kobe wieder an und ging sofort an Bord, wo sich zu meiner großen Freude
-unsere japanische Kolonie um einen Landsmann vermehrt hatte. Mit dem
-neuen Ankömmling, Herrn E. Otani, dem jüngeren Bruder des gleichnamigen
-Grafen von Higaschihonganji, waren wir also jetzt im ganzen zehn
-Japaner.
-
-
-
-
-III.
-
-Nagasaki.
-
-
-[Illustration]
-
-Das berüchtigte Genkainada oder die schwarze See, der gefährlichste
-Teil des japanischen Meeres, war diesmal glatt wie ein Spiegel. Das
-volkstümlich gewordene Lied, daß selbst Vögel nicht imstande seien, über
-dieses schwarze Meer hinwegzufliegen -- Torimo kayowanu Genkainada --
-traf diesmal Gott sei Dank nicht zu, denn wir kamen schon am 6. April
-früh morgens wohlbehalten in Nagasaki an. Hier sahen wir im Hafen je
-einen deutschen, französischen und russischen Kreuzer liegen; ein paar
-andere Kriegsschiffe ankerten so weit entfernt, daß wir die Flaggen
-nicht erkennen konnten. Fast gleichzeitig mit unserem Dampfer lief
-auch eine englische Fregatte ein, deren eherner Gruß von den im Hafen
-liegenden Schiffen erwidert wurde. Der Donner der Kanonen und der
-aufsteigende Pulverdampf, in dessen Mitte wir uns befanden, galt für uns
-als eine erquickende Unterbrechung der eintönigen Wasserfahrt und wir
-ließen unsere Augen gern an diesem Schauspiel weiden.
-
-In Nagasaki besah ich mit meinen Landsleuten die Schiffswerft des
-Mitzubishikaisha, eine Privatanstalt des Baron Iwasaki. Ein Dampfer
-von 6000 Tonnen, der als Schwesterschiff des Sanukimaru für den
-Nippon-Yusenkaisha bestimmt ist, war gerade im Bau begriffen. Der Kiel
-war schon gelegt und die Hälfte des riesigen Rumpfes stand fertig da. Im
-Dock lag ein französisches Kanonenboot zur Ausbesserung. Nachdem wir die
-Gießerei, Schlosserei, Drechslerei, Tischlerei, kurz, alle Werkstätten
-der Reihe nach angesehen hatten, führte man uns in eine Schule, die
-eigens für die Knaben der zu dieser Schiffswerft gehörenden Beamten
-und Arbeiter errichtet ist. Das steinerne massive Schulgebäude ist
-nach englischem Muster aufgeführt und sah weit schöner aus, als manche
-Staatsschulen in Tokio. Die Ausstattung (Tische, Bänke, physikalische
-und chemische Apparate, Wandkarten u. s. w.) war gut geordnet und
-entsprach im großen und ganzen modernen Anforderungen. Was die
-Personalverhältnisse anbelangt, so konnte ich bei der Kürze der Zeit
-nichts Genaueres erfahren; die Schule selber scheint so gedacht zu sein,
-daß sie außer der Einprägung des allgemeinen Wissens die Heranbildung
-künftiger Fachleute für die Schiffswerft ins Auge faßt. Hoffentlich wird
-die Schule sich noch weiter entwickeln und gedeihen.
-
-[Illustration: Blick auf Nagasaki.]
-
-Zu Mittag aßen wir in einem Teehause Geiyoro mit gutem Humor und gutem
-Appetit die echt japanisch zubereiteten Speisen; diese dürften wohl auf
-zwei Jahre die letzten sein. Wir langten also tüchtig zu und würzten
-das Mahl mit ein paar Fläschchen Sake. Auch das Auge blieb nicht
-unbefriedigt, denn uns zu Füssen dehnte sich die Stadt und weiter hin
-das Meer aus. Vor uns lag stolz und majestätisch auf der Rhede unser
-»König Albert«, der sich in der Umgebung der anderen Schiffe wie ein
-gewaltiger Riese ausnahm. Ob es uns auch so ergehen wird, wenn wir von
-Europa aus unser Vaterland betrachten? Ob unser Vaterland mit anderen
-europäischen Ländern verglichen uns recht groß erscheinen wird und seine
-Schönheiten ihnen gegenüber noch mehr hervortreten werden?
-
-Ehe wir an Bord gingen, stampften wir wie zum letzten Gruße mit festem
-Tritt den heimatlichen Boden, denn Nagasaki ist ja der letzte japanische
-Hafen. Früh morgens, den 10. April, wurde der Anker gelichtet, und bald
-hatten wir das prächtige Panorama hinter uns -- da plötzlich ..... ja,
-was war das? Welch' eine süße Weise dringt an mein Ohr? Ich blicke umher
-und sehe nicht allzuweit von unserem Schiff einen englischen Kreuzer
-vorbeifahren und auf seinem Verdeck spielt die Musik ein Lied:
-
- »Hotaruno Hikari Madono Yuki
- Fumiyomu Tsukihi kasanezuzu.«
-
-Ein japanisches Lied -- auf dem englischen Schiffe? Wie kommt denn das
-aber? Mein Reisegefährte, Herr Musiklehrer Taki, kam mir zu Hilfe und
-sagte mir, daß das wohlbekannte japanische Lied nach der Melodie der
-englischen Nationalhymne komponiert sei. Wie in Andacht versunken stand
-ich auf dem Verdeck und hörte wonnetrunken den holden Klängen zu. O
-tönet fort, ihr süßen Himmelslieder, die ich zu Hause so manchesmal von
-der fröhlichen Jugend habe singen hören! »Musik im besten Sinne bedarf
-weniger der Neuheit, ja vielmehr je älter sie ist, je gewohnter man sie
-ist, desto mehr wirkt sie«, hat Goethe gesagt und er hat recht; denn die
-Melodie, an welche mein Ohr so lange gewöhnt ist, übte jetzt auf mich
-eine so große Wirkung aus -- mag sie auch nach der englischen komponiert
-sein oder nicht, der Erfolg ist und bleibt für mich derselbe. Jetzt,
-wo wir von der lieben Heimat Abschied nehmen -- ein japanisches Lied zu
-hören! Mit Entzücken lauschte ich der mehrmals wiederholten Melodie
-und unwillkürlich kamen mir die Worte in den Sinn, die einst Schiller
-gesungen:
-
- »Was ahnungsvoll den tiefen Busen füllet,
- Es spricht sich nur in meinen Tönen aus;
- Ein holder Zauber spielt um deine Sinnen,
- Ergieß ich meinen Strom von Harmonien;
- In süßer Wehmut will das Herz zerrinnen,
- Und von den Lippen will die Seele fliehen;
- Und setz' ich meine Leiter an von Tönen,
- Ich trage dich hinauf zum höchsten Schönen.«
- (Huldigung der Künste.)
-
-Der Kreuzer war längst meinen Blicken entschwunden, längst war die liebe
-Weise verhallt und nun blickte ich zurück, wo im Osten noch die grünen
-Gipfel der heimatlichen Berge emporragten, als ob sie mit ihrem Grün
-mir die Hoffnung zu einer glücklichen Reise einflößen wollten. In voller
-Begeisterung nahm ich den Hut ab, nahm in Gedanken den letzten Abschied
-von dem Lande, wo meine Wiege stand und wo ich mein Teuerstes gelassen.
-Lange verweilte ich so, bis die Gipfel, von dem Schleier des immer höher
-aufsteigenden Meeres umhüllt, am Horizont verschwanden. Immer und immer
-wieder wandte ich mich um, um mir dieses entzückende Bild und dieses
-Gefühl der Begeisterung unauslöschlich einzuprägen. Vor mir lag wie eine
-unendliche Ebene ausgebreitet das ruhige spiegelglatte Meer und über dem
-ewigen Meer die unendliche Bläue.
-
-
-
-
-IV.
-
-Shanghai.
-
-
-Am 12. April rasselte der Anker herab. Anfangs glaubten wir die große
-chinesische Hafenstadt Shanghai vor uns zu haben, es war aber nur das
-kleine Städtchen Wu-sung, das an der Mündung des Yantsekiang liegt; eine
-halbstündige Dampfbootfahrt auf dem Wusungflusse, einem sehr breiten,
-tiefen Nebenflusse des Yantsekiang, war erforderlich, wenn wir Shanghai
-besehen wollten. Da der Dampfer eine große Ladung einzunehmen hatte
-und es uns infolgedessen vergönnt war, den ganzen folgenden Tag hier zu
-verweilen, so verzichteten wir auf die Bootfahrt für heute und zogen
-es vor, an Bord zu bleiben, um morgen in aller Frühe mit desto
-größerem Genuß einen Streifzug auf dem Land unternehmen zu können. Wir
-betrachteten vom Schiff aus mit Erstaunen den riesengroßen Strom, dessen
-mächtige, sich weit erstreckende Mündung eher den Namen eines Meeres
-zu verdienen scheint. Mehr noch als diese gewaltige Breite setzt den
-Fremdling etwas anderes in Erstaunen: die schmutzig-gelbe Flut. Die
-beiden Ufer, die infolge der großen Entfernung kaum sichtbar sind,
-machen die graue Wasserwüste nur noch grauer. Schon der alte chinesische
-Ausdruck »Shitoku«, d. h. die vier Unsauberkeiten, womit man die vier
-größten Ströme Chinas, den Kasui, Kosui, Waisui und Shisui, bezeichnet,
-beweist, daß ihr Anblick selbst den eingebornen Chinesen seit
-Jahrhunderten her nicht gerade angenehm war. Mit Kasui wird Hoangho oder
-der gelbe Fluß, mit Kosui der Yantsekiang, mit Waisui der Whaiho und mit
-Shisui der Shuho bezeichnet. Das chinesische Sprichwort: »Hundert Jahre
-warten, bis die gelbe Flut klar wird,« womit man die Unmöglichkeit
-einer Sache bezeichnet, läßt uns annehmen, wie außerordentlich trübe
-und unrein die Schlammflut sein muß. Daß die Chinesen in den Strömen
-das Symbol des Unsauberen und Widerwärtigen, des Schmutzes und Abscheus
-sehen, ist sehr charakteristisch.
-
-Wenn es richtig ist, daß der Charakter der Menschen von der ihn
-umgebenden Natur beeinflußt wird, so kann man sich nicht wundern, daß
-sehr viele Söhne des Reiches der Mitte so schmutzig sind. Sollten die
-beiden hervorstechenden Züge im Charakter der Chinesen: Unsauberkeit
-und Gewinnsucht, welche beide untereinander wieder in einem engeren
-Zusammenhang stehen, nicht in dem grauen, den Schmutz und Staub aller
-Jahrhunderte aufwühlenden Wasser ihren Ursprung haben? Wie der Strom --
-so das Volk! Und welch ein erhebendes Gefühl nun, wenn wir damit
-unsere heimischen Gewässer vergleichen, wo jeder Bach, Fluß oder See
-durchsichtig wie ein Krystall ist und so rein und ungetrübt sich hält,
-daß man bis auf den Grund sehen kann. Und so sind auch die Menschen. Bei
-uns ist die Reinlichkeit und Sauberkeit eine der größten Tugenden, die
-den Bürger zieren, und mit dieser Tugend verknüpft sich auch eine Reihe
-von schönen Eigenschaften, wie z. B. jene unsrem Volke so eigentümliche
-Freigebigkeit, die kein Opfer scheut und die schnöde Gewinnsucht
-verachtet.
-
-[Illustration: Pagode bei Shanghai.]
-
-Während wir so im Freundeskreise unsere Meinungen austauschten, wurde
-uns ein Besuch gemeldet: Ein Herr N. vom Kajimayoko in Shanghai. Dieser
-Herr war eigens an Bord gekommen, um uns zu einer Besichtigung von
-Shanghai abzuholen. Da wir aber, wie bereits erwähnt, den Besuch der
-Stadt auf morgen verschoben hatten, so blieb er die Nacht bei uns an
-Bord zu Gast.
-
-Am nächsten Morgen früh fuhren wir mit einem Dampfer stromaufwärts; bald
-tauchten die beiden flachen Ufer des Wusungflusses als schmale Streifen
-am Horizont auf. Allmählich kamen wir näher und nun konnten wir die
-Umgebung genauer ins Auge fassen. Auch hier ein ödes trostloses Grau,
-das mit dem Flusse zu wetteifern scheint. Das einzig Grüne, das sich
-grell von dem Grau abhebt und unsere Augen einigermaßen erfreut, ist die
-Flußweide, die hier zwar nicht kräftig, doch hinlänglich gedeiht. Weiter
-oben lassen sich hier und da regellose Gebäudemassen erkennen, aus denen
-einige hohe Häuser mit ihren freundlichen Fenstern uns entgegenleuchten.
-
-Nach dreiviertelstündiger Fahrt kamen wir endlich in Shanghai an. Der
-Wusungfluß ist hier 400 bis 500 Meter breit und so tief, daß er imstande
-ist, Schiffe von bedeutendem Tonnengehalt zu tragen, so sahen wir hier
-zu unsrer großen Freude das japanische Kriegsschiff »Maya« und weiter
-hinten einen Dampfer »Hakuaimaru«, der in Diensten des japanischen
-Roten Kreuzes steht und zur Zeit des japanisch-chinesischen Krieges als
-Hospitalschiff gute Dienste geleistet haben soll, vor Anker liegen.
-Noch einige Kriegsschiffe und mehrere Postdampfer, welche zum Teil
-den Engländern gehörten, waren sichtbar und gewährten einen imposanten
-Anblick. Hoch auf dem Mast des »Maya« flatterte die Toppflagge mit der
-lieblichen Sonne uns entgegen. Das Gefühl, fern der Heimat in einer
-fremden Welt unsere Flagge zu erblicken, ist in der Tat etwas, was das
-Herz erhebt; der edle Stolz, der uns innewohnt, ein Angehöriger des
-schönen Landes zu sein, der nationale Gedanke, von welchem jeder
-Patriot so sehr beseelt ist, begeisterten uns, wir schwangen die Hüte,
-schwenkten die Tücher und begrüßten so unsere Flagge, und unser lautes
-Hurra wurde von den auf den Rahen stehenden Matrosen freudig erwidert.
-Unsere Marine, die sich in den letzten fünf Jahren außerordentlich
-schnell entwickelt hat, weiß sich in ihrer jetzigen Gestalt fern und nah
-Achtung und Geltung zu verschaffen, was aber diejenigen, die zu Hause
-kauern und der Ruhe pflegen, leider nicht gewahr werden. Auch ich
-gehörte einst zu jenen, auch ich war der Meinung, daß es töricht sei,
-gerade für das unproduktivste Glied eines staatlichen Körpers -- für
-Militär und Marine -- die meisten Mittel zu bewilligen; bei diesem
-Anblick fühlte ich mich aber nicht wenig betroffen und aus der Kehle
-drang mir unwillkürlich der Ruf: »Unsere Marine lebe hoch! hoch! hoch!«
-in den meine Gefährten fröhlich einstimmten.
-
-[Illustration: Der »Bund« in Shanghai.]
-
-Oberhalb des kaiserlich japanischen Konsulatgebäudes landeten wir und
-bestiegen drei elegante Equipagen. Der erste Besuch galt dem Kajimayoko.
-Bald wurden wir mit den bei dieser Firma angestellten Landsleuten
-bekannt, schrieben Briefe, Ansichtskarten u. s. w. und fuhren dann
-mit unserem Begleiter in die Stadt. Diese bedeutendste Handels- und
-Hafenstadt Chinas, welche durch viele Flüsse und Kanäle mit den Seen im
-Innern, dem Kaiserkanal und dem Yantsekiang in Zusammenhang steht und
-ca. 500 000 Einwohner zählt, wurde vor etwa sechzig Jahren von den
-Engländern erobert und dem Fremdenverkehr übergeben. Bald darauf wurde
-der Hafen auch für den auswärtigen Handel eröffnet, und seitdem ist
-die Stadt in raschem Aufschwunge begriffen. Sie zerfällt in zwei
-verschiedene Teile, nämlich in die Altstadt Shanghai, die eigentliche
-Chinesenstadt, wo das Gouvernement liegt, und in die Neustadt oder die
-Fremdenstadt.
-
-[Illustration: Das »Iltis«-Denkmal in Shanghai.]
-
-Es war dies das erste fremde Land, das ich betrat. Entgegen den
-Vorstellungen, die wir von Haus mitgebracht hatten, machte die
-Neustadt einen außerordentlich einladenden, modernen Eindruck. Sie ist
-verhältnismäßig weitläufig gebaut; die Häuser stehen nach dem Strome zu
-in dichten Reihen nebeneinander, nach der Innenseite zu aber werden sie
-lichter. Sie sind zum Teil aus Steinen hoch aufgebaut, die Straßen
-sind größtenteils gepflastert, ziemlich breit und teils mit Trottoirs
-versehen. Besonders schön ist der sogen. »Bund«, von den Chinesen
-Wan-poutang genannt, eine Straße, welche am Wusungflusse entlang führt
-und größtenteils von Engländern bewohnt wird. Hier erhebt sich eine
-Reihe stattlicher Gebäude: der englische Gerichtshof, der englische
-Klub, mehrere Konsulate, Banken u. s. w. Auch mehrere japanische Firmen,
-wie die Filiale der Yokohama Speciebank, die der Nippon-Yusenkaisha und
-noch einige andere, sind hier zu finden. Der Speciebank gegenüber sehen
-wir auf einem frischgrünen Rasenplatz des Parkes das deutsche
-»Iltis«-Denkmal. Dieses sehr schöne Monument, das zum Andenken an den
-heldenhaften Untergang der »Iltis«-Mannschaft errichtet wurde, besteht
-in der Hauptsache aus einem metallenen abgebrochenen Mast, dem der Rest
-des »Iltis«-Wracks als Modell gedient hat.
-
-[Illustration: Personenkarren in Shanghai.]
-
-Die sogenannte French Town, dann die britische, amerikanische und
-Hang-kou Settlements liegen der Reihe nach nebeneinander. Hohe massive
-Häuser, teils in englisch-indischem Baustil aufgeführt, und prächtig
-ausgestattete Verkaufsläden mit Schaufenstern reihen sich aneinander;
-auch Kirchen mit hohen Türmen ragen empor und laden mit ihrem ernsten
-feierlichen Glockenklang die Andächtigen ein. Die Straße ist äußerst
-belebt: vornehme Damen in modisch feiner Tracht, elegante Herren im
-hohen Cylinder gehen und kommen; zahllose Equipagen und Droschken rollen
-hin und her; dazwischen drängen sich seltsame, von keuchenden Chinesen
-geschobene Personenkarren und leichte Fahrräder; unter Trommelschlag
-und Musik marschieren die Soldaten, japanische, englische, französische,
-alle in den Uniformen ihrer Nation, schwarz, blau, grau etc. angezogen
--- ein buntes Bild, von dem sich die Augen schwer trennen können (wegen
-der Wirren in Nordchina waren Truppen verschiedener Nationen in Shanghai
-einquartiert). Wie wir so dahinfuhren, wähnten wir fast, wir seien
-schon in der uns vorderhand noch fremden Welt einer europäischen Stadt;
-indessen mahnten uns die Chinesen daran, daß wir uns noch nicht weit von
-unserer Heimat entfernt hatten.
-
-[Illustration: Englische Kavallerie in Shanghai.]
-
-[Illustration: Straße in Shanghai.]
-
-Wir fuhren durch einige Straßen der Neustadt, wo zu beiden Seiten
-viele chinesische Verkaufsläden stehen, und hatten Gelegenheit, das
-Straßenleben der Chinesen in Augenschein zu nehmen. Die Straßen
-sind ziemlich schmutzig, voller Lärm und Gedränge. Die Häuser sind
-größtenteils aus Holz gebaut und mit grellen Farben angestrichen; rot,
-die Lieblingsfarbe der Chinesen, wiegt vor, es findet auch grün und gelb
-große Verwendung. Aus den Fenstern sieht man hier und da Wäsche,
-alte Kleider u. dergl. herunterhängen, die, über den Häuptern der
-Vorbeigehenden gemächlich flatternd, zu dem Schmuck der Stadt in
-seltsamer Weise beitragen. Die Verkaufsläden sind meist offen und
-am Eingang hängen Schilder von verschiedener Farbe und Form, worauf
-allerlei Worte, meistens langatmige Erklärungen oder großsprecherische
-Lobpreisungen des zu verkaufenden Gegenstandes, zu lesen sind. Als
-Einfuhrartikel werden Opium, Wolltuche, Metalle, Lampen, Uhren,
-Zündhölzer, Petroleum u. s. w., als Ausfuhrartikel Seide, Tee,
-Baumwolle, Felle, Schweinsborsten, Strohgeflechte, Talg u. s. w.
-gehandelt.
-
-[Illustration: Chinesischer Schuhmacher.]
-
-Unter den Verkaufsläden trifft man auch nicht wenige, in denen Fett-
-und Eßwaren feilgeboten werden; auch getrocknete Fische, Gemüse, Früchte
-u. s. w. liegen lockend ausgebreitet zum Verkauf. Hier drängen sich
-viele Käufer, Städter wie Landleute, grell geschminkte Frauen in
-bunten Gewändern, geputzte Männer mit langen Zöpfen, jeder nach
-seinem Geschmack gekleidet. Ferner findet man auch manch' schöne,
-nach europäischem Muster eingerichtete Häuser mit Schaufenstern, die
-einheimische wie importierte Fabrikate bergen und wo man wirklich
-gute Waren beziehen kann; aber im allgemeinen haben die chinesischen
-Kaufläden und das Straßenleben, wie lebhaft sie auch den neugierigen
-Augen eines Fremden erscheinen mögen, ein düsteres, träges und
-unsauberes Aussehen.
-
-Wir fuhren nun geradenwegs durch die Straße Damaro, auch Nankinro
-genannt, zu deren Seiten sich die meisten eleganten Verkaufsläden,
-europäische und chinesische, vorfinden, und gelangten in den Lustgarten
-Gu-En[1]. Dieser Garten, den der Besitzer vielleicht aus Bescheidenheit
-so genannt, sollte wahrhaft wundervoll angelegt sein, aber leider war er
-nicht imstande, japanische Augen zu erfreuen; da er weder etwas
-Schönes noch Neues bot, so verlohnt es sich nicht, ihn ausführlich
-zu beschreiben. Ein paar Baumgruppen, deren fahles Grün nicht gerade
-anziehend wirkt, ein altes Gebäude chinesischen Stils, das so aussah,
-als wäre es nie mit einem Besen in Berührung gekommen, ein kleiner Teich
-mit trübem Wasser, worin etliche Goldfische ein elendes Dasein
-führten, einige komisch geformte Felsblöcke, die als Zeugen einer rohen
-plastischen Arbeit dastehen, und am Ausgang eine Art von Theater, in
-welchem dann und wann chinesische Operetten aufgeführt werden... das ist
-wohl alles, was man hier zu sehen bekommt. -- Zwei Dinge fielen mir
-hier besonders auf: ein paar Opiumstuben -- sehr einfache, meist nur mit
-einem Sofa ausgestattete Zimmer. Dort legt sich dann der Chinese aufs
-Ruhebett, raucht Opium und verträumt im Zustand der Betäubung den lieben
-langen Tag. Und weiter: ein paar irdene Becken, die im Garten unter
-freiem Himmel standen und eine dunkle trübe Masse enthielten. Ich
-glaubte, die Flüssigkeit sei zum Begießen der Pflanzen da, aber zu
-meinem Erstaunen erfuhr ich, daß sie zum -- Trinken aufbewahrt werde.
-Echt chinesisch!
-
-[Illustration: Im chinesischen Teelokal in Shanghai.]
-
-Nicht weit von Gu-En liegt Cho-En, ein in europäischem Stile
-aufgeführtes Gebäude, woselbst den Gästen Tee serviert wird -- ein
-Teehaus im strengsten Sinne des Wortes; es hat einen geräumigen, mit den
-Farben aller Nationen geschmückten Salon und sieht ganz nett aus; vor
-dem Hause breitet sich ein frischer grüner Rasenstreifen aus und ladet
-den Vorübergehenden zum Besuche ein. In nächster Nachbarschaft sahen wir
-auch eine mit allem Zubehör ausgestattete Kegelbahn.
-
-Die Equipage führte uns nun nach Shumaro oder Fukushuro, die in einer
-gewissen Bedeutung »feinste« Straße Shanghais; ein Karasumori oder
-Yanagibashi in Japan, wo viele tausende jener berühmten Shanghaier
-Sängerinnen wohnen und wo die »feinen« Herrschaften so gerne spazieren
-gehen, um zu sehen und gesehen zu werden. Hier liegt auch das Teehaus
-Kiokaro, in welchem wir zu Mittag aßen. Es ist dies eines der besten
-Wirtshäuser in Shanghai. Die ganze japanische Kolonie »König Alberts«,
-zehn an der Zahl, mit unserm Begleiter und einem Chinesen, der bei
-der Firma Kajimayoko angestellt ist und inzwischen von uns zur Tafel
-eingeladen war, nahmen nun mit knurrendem Magen an dem runden Tische
-Platz und harrten in gespannter Erwartung der Dinge, die da kommen
-sollten. Einen Speisezettel freilich gab es nicht, und wenn es auch
-einen gegeben hätte, würde er uns wenig genützt haben, da uns die Namen
-der Gerichte fremd waren. Die Speisen werden in verschiedene Klassen
-eingeteilt und danach bestellt; aber was jede von ihnen enthält, das
-gehört zu den Geheimnissen des Koches. Nichts blieb uns weiter übrig,
-als diesem die Wahl mit der stillen Hoffnung zu überlassen, daß nicht
-nur das Gute von oben, wie es in der »Glocke« von Schiller heißt,
-sondern auch von unten aus der Küche kommen möge. Zuerst wurde uns eine
-Tasse Tee serviert, nach wenigen Minuten kam die Suppe zum Vorschein
-und nun folgten verschiedene Sorten von Fettspeisen, worunter Speck die
-Hauptrolle spielte, ferner gebratene Fische von zwei, drei verschiedenen
-Arten, Hummer, Muschel, Geflügel, Lammfleisch, fast alles mit Öl und
-Fett zubereitet, Fadennudeln, Gemüse und, was unter anderm auffiel,
-Schwalbennester, Haifischflossen, Walfischbart u. a. m. -- alles
-Erzeugnisse, die zu den Delikatessen der Chinesen gehören. Zum Schluß
-gab es wiederum Suppe und dann gekochten Reis, Gebäck, Früchte u. s. w.
-Diese Speisen werden in einer großen Schüssel mitten auf die Tafel
-gestellt und jeder nimmt sich selbst daraus auf das eigene Tellerchen,
-das bei jedem Gange von dem Servierkellner gewechselt wird.
-
-[Illustration: Chinesischer Koch.]
-
-Mit wahrem Heißhunger machten sich alle daran, aber einigen wollten
-schon nach den ersten Gängen die Speisen nicht in den Gaumen hinein,
-da sie das allzu Ölige und Fette nicht ertragen konnten, wieder einige
-hatten nach acht bis neun Gängen den Magen voll und konnten nicht
-weiter. Ich, der in dem Kampfe mit Leckerbissen bisher den Rücken
-nicht hatte sehen lassen, focht auch hier in aller Tapferkeit mit
-zwei Stäbchen -- denn Gabel und Messer gab es nicht -- gegen die
-hintereinander losrückenden Feinde, aber schon bei dem elften
-Zusammenstoß hatte ich einen harten Kampf zu bestehen. Bei dem zwölften
-Angriff entschwand mir endlich der Mut, und vollgestopft wie ein
-Maltersack konnte ich weder gehen noch stehen, ich schnaufte nur und saß
-unbeweglich da. Selbst wenn alle Schätze des persischen Königs hier
-vor meinen Füßen gelegen hätten, würde ich meine Hand nicht danach
-ausgestreckt haben, um sie aufzuheben, denn auch bei der leisesten
-Bewegung drohte der überspannte Sack zu zerplatzen! Doch zwei von uns
-haben wacker gestritten bis zum 17. und letzten Angriff für die Ehre
-unserer Kolonie; daß dies aber ein Kampf auf Leben und Tod war, verriet
-schon der Schweiß, der von ihren Stirnen herabrollte. Unser langzöpfiger
-Tischgenosse war, als die Haifischflossen aufgetragen wurden,
-fortgeschwommen und ließ sich nicht mehr sehen, was uns sehr leid tat.
-Er schien über unsere Unterhaltung verstimmt zu sein; wir hatten nämlich
-u. a. gesagt, daß die Sauberkeit der Chinesen sehr zu bewundern sei,
-insbesondere beim Essen; denn sie lecken fortwährend ihre Stäbchen ab
-und fahren dann wieder in die gemeinsame Schüssel hinein, so daß die
-darin befindliche künstlich zubereitete Sauce sich mit der natürlichen
-ihres Mundes vermischt und so einen chemischen Prozeß durchzumachen
-scheint. Später hörte ich zu meinem nicht geringen Erstaunen, daß es bei
-den Chinesen Sitte sei, beim Essen die Stäbchen schön abzulecken, und
-daß derjenige, der seinen Tischgenossen eine besondere Aufmerksamkeit
-erweisen will, dies auf chinesische Art nicht besser bezeigen zu können
-glaubt, als daß er seine Stäbchen möglichst gut ableckt. Wirklich eine
-recht feine Sitte, die vom Gesichtspunkt der Bakteriologie sehr zu
-empfehlen ist! Wahrscheinlich verdanken die deutschen Wörter »Lecker«,
-»Leckerei«, »Leckerbissen« u. s. w. ihren Ursprung den Chinesen! -- Eins
-möchte ich hier noch hinzufügen, daß nämlich alle Speisen ohne Ausnahme
-warm aufgetragen werden; kalte und rohe Speisen, wie unser Sasimi,
-kennt man dort überhaupt nicht; daß sogar Wasser nur in heißem Zustande
-getrunken wird, ist bekannt. Besonders fiel mir noch auf, daß während
-des ganzen Mahles die Chinesen in einem fort getrocknete Melonenkerne
-aßen, die sich in einer gemeinsamen Schüssel in der Mitte des
-Tisches befanden. -- Noch eins: wir wurden bei der Tafel leider der
-zweifelhaften Ehre nicht teilhaftig, von jenen reich geschmückten und
-doch so leichten elastischen Gestalten bedient zu werden.
-
-Im großen und ganzen muß ich doch sagen, daß die chinesischen Köche ihre
-Kunst sehr gut verstehen. Von der geschickten Zusammenstellung des so
-viele Gerichte umfassenden Mahles abgesehen, ist auch die Zubereitung
-gut; ja, man wäre versucht, es dem japanischen beinahe vorzuziehen,
-wenn nicht zu viel Fett und Öl verwendet würde. Mit dem europäischen
-und chinesischen Mahl verglichen, ist unser japanisches einfacher. Das
-chinesische ähnelt mehr dem europäischen und ist ebenso nahrhaft und
-gehaltreich. Übrigens war das Essen, das wir an jenem Tage genommen, ein
-kantonsches, was dem europäischen verwandter ist, wie das nankinsche,
-das als ein echt chinesisches dem Gaumen der Eingeborenen wohl bekommen
-soll, aber nicht dem unsrigen. Unsere Köche verstehen zwar das Kochen an
-sich ganz gut, sie sollten aber ihr Augenmerk doch auf die Zubereitung
-und Zusammenstellung recht kräftiger und nahrhafter Kost richten. Ein
-Gericht z. B. wie das Kuchitori -- jene kuchenartige, buntaussehende
-süße Speise -- sollte ganz abgeschafft werden, da es eher den Augen als
-dem Magen zur Erquickung dient.
-
-Das einzige, was bei der chinesischen Mahlzeit abstößt, ist eben die
-Unreinlichkeit, die auch hier, wie überall beim Chinesen, an den Tag
-tritt. Die Überreste von Speisen, wie Gräten, Knochen, Schalen
-u. dergl., werden während des Essens im Wirtshause von allen Gästen ohne
-weiteres unter die Tafel geworfen; die beiden anderthalb Fuß langen
-Stäbchen und überhaupt die Eßgeschirre sollte man selbst mit der
-Serviette vorher sorgfältig reinigen, so unheimlich sehen sie aus; die
-Servietten bieten manchmal ein derart trauriges Aussehen, daß man sie
-lieber unbenutzt läßt. Schlimmer als diese sind aber die heißen Tücher,
-womit man während des Essens den Mund von allem Fett und Öl abwischt;
-sie werden, ohne irgendwie ausgewaschen zu werden, in kochendes Wasser
-getan und in heißem Zustande den Gästen mehrere Male dargereicht; sie
-machen also einen Kreislauf bei vielen Gästen, fühlen sich infolgedessen
-etwas klebrig an und haben gerade keinen angenehmen Geruch.
-
-Etwas möchte ich hier einfügen über jene Klasse der Chinesen, die
-durch ihr elendes Handwerk, vor allem aber durch ihre Schmutzigkeit und
-Dreistigkeit auffallen, ich meine die Kulis. Sie stehen fast überall mit
-ihrem von Japan importierten Rollstuhl, Jinrikisha, auf der Straße und
-fordern jeden Vorübergehenden zum Einsteigen auf; besonders wenn sie
-einen Fremden gewahr werden, machen sie für eine kurze Strecke Weges
-eine unmäßige Forderung und suchen ihn tückisch und hinterlistig zu
-übervorteilen. Ihre Forderung lassen sie auch auf ein Drittel ihrer
-ersten Ansprüche herabhandeln, aber sobald sie ihre Tour gemacht haben,
-bitten sie dreist und zudringlich um Trinkgeld oder fordern, trotz der
-vorhergegangenen Unterhandlung, das Doppelte und Dreifache. Wenn sie
-dann abgewiesen werden, kommen sie noch eine Strecke Weges hinterher
-gelaufen und betteln immer wieder oder schimpfen und schreien, bis man
-am Ende genötigt wird, mit dem Stock ihrer Forderung Genüge zu tun. Daß
-Menschen dieser Art von den dort lebenden Europäern wie Tiere angesehen
-und demgemäß behandelt werden, ist vom allgemeinen menschlichen
-Standpunkte bedauerlich, unter den obwaltenden Verhältnissen aber
-verständlich. Zwar haben wir in Japan auch eine Klasse solcher Kulis,
-diese sind jedoch weit artiger und zuvorkommender als jene. Schon ihr
-Aussehen verrät, daß sie mit ihren Kollegen in China nichts gemein
-haben. In leichten, fest anschließenden schwarzen Jacken, bedeckt bis
-zu den Füßen, stehen sie bei uns an einer Seite der Straße auf dem ihnen
-zugewiesenen Platze und warten bescheiden, bis ein Vorübergehender sie
-anruft. Und wie flink sie ihr Handwerk üben! Wie der Blitz fliegen sie
-mit ihrem Rollwagen die Straße dahin, als ob sie die darauf sitzende
-schwere Last garnicht spürten, während die chinesischen in weiten,
-blau auf grau gestickten, losen Lumpen die Straße dahintappen; daß
-der Knüttel in den Händen der Polizisten mit diesem Gesindel gute
-Bekanntschaft unterhält, ist daher leicht erklärlich.
-
-[Illustration: Indischer Polizist in Shanghai.]
-
-Eine Eigentümlichkeit von Shanghai sind die verschiedenartigen
-Polizisten, die aus Engländern, Franzosen, Amerikanern, Chinesen
-und Indern bestehen. Die indischen Polizisten gewähren einen schönen
-Anblick; sie zeichnen sich durch ihre stattliche Gestalt aus, sind groß,
-kräftig, ganz braun, tragen einen schwarzen Vollbart, sind europäisch
-gekleidet und gehen mit einem Knüttel in der Hand gravitätisch die
-Straße einher. Was den Reiz dieser Erscheinung noch erhöht, ist der
-ungeheuer große Turban. Selbst der kleinste von ihnen scheint zwei Meter
-groß zu sein -- wahrlich, herkulische Gestalten! Ihr muskulöses Aussehen
-verleitet zu der Annahme, daß sie ganz geeignet seien, einen Löwen zu
-bändigen, daß sie also spielend mit einem Verbrecher fertig würden. Aber
-wie ich höre, soll dies in Wirklichkeit nicht der Fall sein, denn so ein
-Herkules soll feige sein und Reißaus nehmen, wenn ihm etwas Ernstes in
-den Weg tritt. Was ihre Verstandeskräfte anlangt, so sollen sie auch
-leider würdige Sprößlinge ihres Stammes sein, denn wenn ihnen irgendwie
-schwierige Aufgaben gestellt werden, so wissen sie sich keinen Rat. Zwar
-können sie unterscheiden, was schön und häßlich, was gut und schlecht
-ist, wenn sie es mit eigenen Augen angeschaut haben, darüber hinaus
-geht jedoch ihre Urteilskraft nicht. Ihr langzöpfiger Kollege, der
-chinesische Polizist, scheint in manchen Stücken geschickter zu sein,
-obwohl er nicht so gut aussieht. Kurz, der indische Polizist ist mehr
-zum Paradieren da. Einen guten Zug hat er aber außerdem doch, und das
-ist seine Unparteilichkeit. Die weißen Polizisten sind, wie man sagt,
-nur zu leicht geneigt, in strittigen Fällen die Partei ihrer engeren
-Landsleute zu ergreifen; das tut aber der indische Polizist nicht,
-sondern hält sich in lobender Weise neutral.
-
-Wie im Fluge war die Zeit dahin geschwunden und darüber war es Abend
-geworden. Unsere Absicht, noch die Altstadt zu besichtigen, wurde leider
-durch einen starken Regen vereitelt, deshalb traten wir die Rückfahrt
-nach dem »König Albert« an, den wir erst spät in der Nacht erreichten.
-Aber wir alle fühlten uns von dem Verlauf des Tages durchaus befriedigt,
-so daß ihn jeder von uns in seinem Tagebuch als einen genußreichen
-aufzeichnen konnte.
-
-
-
-
-V.
-
-Hongkong.
-
-
-Die Hitze, die wir bisher in der frischen Seeluft nicht gespürt hatten,
-machte sich schon recht bemerkbar, als unser stolzer »König Albert« am
-16. April vormittags in den Hafen von Hongkong eindampfte. Hongkong,
-d. h. der »duftende Hafen«, liegt südöstlich von Kanton hart an der
-Grenze der tropischen Zone und ist eine kleine Insel von kaum 15 km
-Länge und 7-8 km Breite, welche durch einen schmalen Meeresarm vom
-Festlande, der Halbinsel Kowloon, getrennt wird. Sie ist seit dem
-Frieden von Nankin im Jahre 1842 an die Engländer abgetreten worden
-und bedeutet jetzt eine Perle der britischen Kolonieen. Die Bewohner,
-ca. 300 000, sind meist Chinesen neben etlichen tausend Indiern; unter
-den Europäern, deren Anzahl nur ein Dreißigstel der Gesamtbevölkerung
-ausmacht, sind die Portugiesen am meisten vertreten, ihnen folgen die
-Engländer mit ein paar tausend Mann Garnison. An der Nordküste der Insel
-liegt die Stadt Viktoria, die amphitheatralisch angelegt ist und im
-Schmuck ihrer hell leuchtenden Häuser und grünen Bäume, namentlich
-vom Meer aus, einen herrlichen Anblick gewährt. Was aber die Augen des
-Reisenden am meisten anzieht, ist das Treiben im Hafen.
-
-[Illustration: Hongkong (Hafen und Europäisches Viertel).]
-
-Fahrzeuge aller Art und aller Nationen erblickt man dort: mächtige
-Kriegsschiffe, insbesondere britische, welche dem chinesischen
-Geschwader angehören, große und kleine Postdampfer, schwerbeladene
-Handelsschiffe, zahllose Dschunken, Boote u. s. w. Hier läuft ein Schiff
-ein, dort sticht ein anderes in See, in dicken Säulen steigt der Rauch
-aus den Schornsteinen empor, überall ein Tuten, Pfeifen, Rasseln,
-Klirren, daß einem von all dem Geräusch fast die Sinne benommen werden.
-Und wie es im Hafen von Menschen wimmelt! Schwere Kisten werden auf-
-und abgeladen, Fässer werden gerollt, Ballen gewälzt, Gepäck geschleppt,
-Karren mit Pferden fahren hin und her, Lastträger mit Tonnen drängen
-sich ächzend durch die Menge -- kurz, alles ist in regster Bewegung.
-Daß Hongkong als Handelsplatz und als Seehafen des Weltverkehrs an der
-ganzen ostasiatischen Küste tatsächlich eine große Rolle spielt, ist
-schon daraus ersichtlich, daß fast alle Handelsstaaten hier Konsulate
-haben; Tee, Seide, Opium, Zucker, Öl, Salz, Baumwolle, Elfenbein,
-Nahrungsmittel der verschiedensten Art sind die wesentlichsten
-Gegenstände des Handels.
-
-Der reiche Mitsui, der auch hier seine Firma besitzt, holte uns mit
-seinem Dampfboot ab, und unter der sicheren Führung eines seiner Beamten
-betraten wir nun die Stadt. Wir besuchten zuerst Queen's Road, die
-schönste und belebteste Straße. An beiden Seiten reihen sich chinesische
-und europäische Verkaufsläden in buntem Gemisch aneinander; das
-Stadthaus, das Theater, mehrere Banken, Konsulatsgebäude u. s. w.
-befinden sich hier. Die nicht eben hohen, aber doch stattlich
-aussehenden Gebäude sind meist in europäischem Stil aufgeführt. Die
-Straßen sind ziemlich sauber, aber leider ein bißchen eng, was jedoch
-die Lebendigkeit des Straßenlebens bedeutend erhöht. Zum Fahren dienen
-zierliche Rollstühle, auch den Chinesen eigentümliche Tragsessel werden
-viel gebraucht; Equipagen und Droschken sieht man verhältnismäßig wenig,
-da die bergige Lage und die enge unregelmäßige Straße es nicht erlauben.
-Das Straßenleben hat mit seiner buntdurcheinandergewürfelten Bevölkerung
-große Ähnlichkeit mit jenem Shanghais.
-
-[Illustration]
-
-Nachdem wir die Straßen durchwandert, die Sehenswürdigkeiten in
-Augenschein genommen und auch einige Einkäufe, wie z. B. Tropenhüte
-u. dgl., gemacht hatten, wollten wir zum Viktoria-Park, von dem die
-Reisenden nicht genug zu erzählen wissen, hinansteigen. Die große Hitze
-jedoch und die spärlich bemessene Zeit nötigten uns von dem Vorhaben
-abzustehen und wir benutzten die Drahtseilbahn, die uns schnell auf den
-Gipfel führte. In ungefähr einer Viertelstunde waren wir am Ziel.
-Aber in diesem Augenblick kam leider der Nebel, eine sehr häufige und
-unangenehme Erscheinung dieser Gegend, heraufgezogen, und ehe wir uns
-versahen, bedeckte er mit seinem Schleier den ganzen Berg. Nicht zehn
-Schritte konnte man vor sich schauen, man hätte ihn mit einem Messer
-durchschneiden können -- so dick war er! Von der großartigen Aussicht
-nach dem Hafen war nun keine Rede mehr und es blieb uns nichts weiter
-übrig, als geduldig die Zeit abzuwarten, bis der Nebel sich gesenkt
-hatte. Wir kehrten deshalb im Wirtshaus Peak-Hotel ein, ließen uns
-die englische Küche gut schmecken und sahen zu, ob nicht durch die
-flatternden Nebelgespinste sich irgend etwas unsern Blicken darböte. Und
-sieh! Nach ungefähr einer Stunde teilte sich der Nebel und auf einmal
-lagen zu unseren Füßen Stadt, Hafen und weiter hinten die Halbinsel
-Kowloon. Wir standen in stiller Bewunderung da, die Operngläser vor den
-Augen haltend. Da unser Standpunkt nicht allzu hoch war, so konnte man
-die Form und Farbe eines jeden Gegenstandes noch deutlich unterscheiden.
-Ein entzückendes Panorama! An den Abhängen sieht man übereinander
-aufsteigende Höfe von tropischen grünen Baumgruppen umgeben und
-prächtige Villen mit herrlichen Gartenanlagen; aus den Straßen der Stadt
-erheben sich große, stattliche, wie Paläste und Schlösser aussehende
-Gebäude, darunter mischen sich die schwarzen Kuppeln und die rötlichen
-Türme der Kirchen und Kapellen. Hinter dem Halbkreis des Hafens dehnt
-sich der unendliche Ocean aus, auf dessen blauem Spiegel hunderte von
-Schiffen wie weiße Schwäne umherschwimmen. Auf der anderen Seite
-des Berges sieht man in einer talförmigen Vertiefung ein großes
-Wasserbecken, das im hellen Sonnenschein wie ein smaragdner See
-leuchtet; hier wird das Regenwasser sorgfältig gesammelt und mittelst
-Röhren in die Stadt geleitet, wo man es zum Trinkwasser verwendet.
-
-[Illustration: Hongkong (Chinesisches Viertel).]
-
-Aus dem einförmigen Leben auf dem Schiff in die Mitte dieses schönen,
-erhebenden Anblickes versetzt, fühlten wir uns so erquickt und blickten
-wie gebannt immer und immer wieder in die weite Natur hinaus, als
-wollten wir alle diese Schönheiten in unsere Brust einsaugen. Da
-fällt aber mit einem Male der Vorhang vor unseren Augen: mit dem
-wiederkehrenden Nebel ändert sich die Szene, und in einem Augenblick ist
-von all dem Gebotenen nichts mehr zu sehen. Mit der Drahtbahn rollten
-wir nun wieder mit haarsträubender Schnelligkeit den steilen Abhang
-hinab bis zu der Station, die am Fuße des Berges liegt, dann folgten wir
-der freundlichen Einladung der Firma Mitsui, stiegen einen gewundenen
-Weg hinauf und gelangten bald in eine schöne Villa, die der Firma
-gehört. Von dem Umherlaufen des langen Tages und von der Hitze im
-unheimlichen Nebelkreise müde, lehnte ich mich an das Geländer der
-Veranda und schaute in den Garten hinab, der mit den prächtigen bunten
-Blumen, wie sie der tropischen Zone eigen sind, geschmückt war; ein
-wenig unterhalb befand sich ein geräumiger Tennisplatz. Hier sah ich ein
-paar kleine japanische Mädchen von sechs bis sieben Jahren, die sich
-mit Spiel und Blumenpflücken vergnügten -- liebliche Erscheinungen
-sondergleichen, die ich schon jahrelang vermißt zu haben glaubte.
-Unverwandt ruhten meine Augen auf ihnen... was für eine Gestalt schwebt
-dir vor und woran denkst Du?...
-
-Bei der Tafel wurden uns einige Herren und Damen von der Firma
-vorgestellt und nun langten wir tüchtig zu; zu unserer großen
-Überraschung und Freude bekamen wir hier japanische Kost vorgesetzt.
-Kein Wunder, daß deshalb bei Tisch die heiterste Laune herrschte; ja,
-man konnte bei der gemütlichen Unterhaltung fast wähnen, daß man sich
-daheim im trauten Kreise der Freunde befände. Nach dem Essen spielte
-Herr Musiklehrer Taki Klavier; er gab manch japanisches Stück zum besten
-und trug dadurch wesentlich zur Erhöhung der Stimmung bei. Vom Fenster
-aus sahen wir tausende von Lichtern, die wie gesäete Sternlein auf dem
-Meere funkelten und feenhaft das Wasser beleuchteten.
-
-Am 17. mittags wurden die Anker gelichtet. Ich stand auf dem
-Verdeck, sah vor mir die schöne Insel und konnte nicht umhin, an die
-geschichtlichen Tatsachen zurückzudenken, wie und warum die Chinesen
-genötigt wurden, den Engländern dieses Eiland abzutreten. Daß der
-chinesische Kaiser Süan die Auslieferung alles in den englischen
-Schiffen und Magazinen befindlichen Opiums, dieses wichtigsten und
-gewinnbringendsten Artikels der englischen Einfuhr, forderte, um
-dem Opiumhandel mit einem Mal ein Ende zu machen und daß er die
-ausgelieferten 20 000 Kisten im Wert von 4 Mill. Pfd. Sterling
-verbrannte, daß Streitigkeiten darauf erfolgten, daß England am Ende den
-Krieg erklärte u. s. w., ist einem jeden zu bekannt, um hier wiederholt
-zu werden. Zwar ist die Insel im Vergleich zu dem ungeheuer großen Reich
-der Mitte ein kleines Stückchen Land, aber ein harter Verlust ist und
-bleibt es doch für die Chinesen, zumal wenn man bedenkt, daß ihnen seit
-der Zeit ein Stückchen Land nach dem andern verloren ging. Wehe ihnen,
-wenn sie am Ende gar noch die Mandschurei einbüßen sollten! Im großen
-und ganzen ist aber die Abtretung Hongkongs für den Weltverkehr ein
-wahrer Segen gewesen, denn in den Händen der Chinesen wäre die Insel
-bei weitem nicht zu ihrer jetzigen Blüte gelangt. Die Menge an Kapital,
-Arbeit und Fleiß, die die Engländer aufgewendet haben, um die Insel zu
-dem zu machen, was sie heute ist, ist der höchsten Anerkennung wert. Die
-großartigen Quai- und Dockanlagen sind ihr Werk, ebenso die mühevolle
-Bepflanzung des Peak, den der Viktoria-Park schmückt.
-
-[Illustration: Chinesische Kaufmannsfamilie in Festtracht.]
-
-Auch Gewerbe und Industrie verdanken ihren Aufschwung wesentlich den
-Engländern. Fabriken und Werkstätten der verschiedensten Art, wie z. B.
-Zuckerfabriken, Sägewerke, Seilereien, Ziegeleien, Zündholzfabriken,
-Fabriken für Maschinen- und Bootsbau, Glasereien, Färbereien u. a. m.,
-sind meist von den Engländern angelegt oder angeregt worden. Kurz,
-ihnen gebührt mit Recht das Verdienst, Hongkong den Namen eines
-ausgezeichneten Stapelplatzes und eines vorzüglichen Freihafens gegeben
-zu haben.
-
-Nach allem, was ich in Shanghai und Hongkong gesehen habe, kann ich
-meinen jungen Landsleuten nur den Rat erteilen: macht euch auf und
-besucht diese Städte! Dort erblickt ihr eine ganze fremde Welt,
-andere Einrichtungen, Sitten und Gebräuche! Wer die beschwerliche und
-kostspielige Reise nach Europa sparen will, findet in diesen beiden
-Städten, die nur zwei Tage Dampferfahrt von Nagasaki entfernt liegen,
-hinreichend Gelegenheit, um seine Kenntnisse zu erweitern. Insbesondere
-seien diese wichtigen Handelsplätze den jungen Japanern empfohlen, die
-kaufmännisch sich vervollkommnen wollen. Es ist entschieden gescheiter,
-die Sommerferien auf diese Weise zu einer Studienreise auszunützen, als
-sie im Gebirge oder in den Seebädern zu verbummeln!
-
-Leider war mein Aufenthalt in Hongkong nicht ungetrübt. Denn als ich
-mich nach einem meiner ehemaligen Schüler und Freunde, Herrn Dr. Okoshi,
-erkundigte, erfuhr ich zu meinem großen Schmerz, daß jener kurz vor
-meiner Ankunft am Typhus gestorben war. Mit wehen Gefühlen betrachtete
-ich das Bild des teuren Toten, der vielen noch als treues und tätiges
-Mitglied des bekannten Vereins an der Adelsakademie, Hojinkai, in
-Erinnerung sein dürfte. Fern von den Seinen und der geliebten Heimat
-ist er in einem Alter dahingeschieden, wo er erst anfangen sollte, seine
-Kenntnisse und Erfahrungen recht ordentlich anzuwenden. Ich bat mir
-die Photographie seines Leichenzuges aus und schickte sie nach Japan an
-unsere Schule; dort soll sie zum bleibenden Andenken an diesen Braven
-aufbewahrt werden.
-
-Noch ein anderes trauriges Ereignis war der Tod eines Passagiers auf
-unserm »König Albert«. Ein Engländer war mit Weib und Kind von
-Yokohama an unser Reisegefährte gewesen. Wie ich hörte, soll er an
-Lungenschwindsucht gelitten und in der guten Hoffnung, die frische
-Seeluft möge heilsam auf ihn wirken, seine Reise angetreten haben. Der
-herzzerreißende Jammer der unglücklichen Hinterbliebenen ist gar nicht
-zu beschreiben; alle Passagiere trauerten mit ihnen, die Schiffskapelle
-stellte die Musik ein. Doch war es ein Trost für die Trostlosen, daß
-die sterblichen Überreste des Dahingeschiedenen in Hongkong beigesetzt
-wurden, sonst hätte er ein nasses Grab gefunden in dem unendlichen Meer,
-wo weder Hügel noch Stein die Ruhestätte anzeigen.
-
-
-
-
-VI.
-
-Singapore.
-
-
-[Illustration: Im Dock zu Singapore.]
-
-Unser »König Albert« eilte nun rastlos nach Süden, so daß wir schon nach
-vier Tagen, den 21. April mittags 1 Uhr, die Insel Singapore erreichten.
-Die Einfahrt in den Hafen ist, wie bekannt, sehr reizend. Schon von
-weitem erblickten wir die von Palmen bedeckte Küste der Halbinsel Malaka
-und je weiter wir kamen, desto reicher entfaltete sich die Natur; hier
-und da tauchten kleine malerische Inseln auf, die Wasserstraße verengte
-sich immer mehr und das Schiff dampfte in den bogenförmigen Hafen ein.
-So schön nun dieser Hafen auch ist, er ist mit jenem von Nagasaki
-nicht zu vergleichen, denn dort hat die Natur mit gütigeren Händen ihre
-prächtigen Gaben ausgestreut. Der romantische Anblick des Strandes, die
-verschiedensten Arten und Gestalten der Vegetation, jene wunderbaren
-Figuren der Felsblöcke des Ufers und dergleichen fehlen hier gänzlich.
-Was uns hier auffiel, ist nur das überaus üppige Wachstum der Palmen;
-wohin das Auge auch schweift, sehen wir nur Palmen, nichts als Palmen,
-diese hochstämmigen Vertreterinnen der echttropischen Natur.
-
-Die Insel Singapore, welche an der Südspitze der Halbinsel Malaka liegt,
-steht wie Hongkong unter britischer Oberhoheit. Als die Engländer sie
-vor etwa 80 Jahren ihrem ehemaligen Besitzer, dem malayischen Sultan,
-abkauften, war sie noch unkultiviert. Dichter Urwald bedeckte sie und
-die Bewohner waren in der Hauptsache Fischer und Seeräuber. Jetzt aber
-bildet ihr Hafen den Hauptstapelplatz für Borneo, Sumatra, Malaka und
-andere Inseln; seit der Eröffnung der japanischen und chinesischen Häfen
-hat er erneute, von Jahr zu Jahr steigende Bedeutung als Zwischenplatz
-gewonnen. Die Bevölkerung, deren Zahl sich auf 250 000 belaufen mag,
-ist in stetem Zuwachs begriffen; sie besteht aus Chinesen, Malayen,
-Javanern, Eurasiern, Tamulen und anderen Mischlingen. Die Chinesen sind
-schon jetzt der Kopfzahl nach am stärksten vertreten und werden es auch
-wohl bleiben, da immerwährend frischer Nachschub vom Mutterlande kommt.
-
-[Illustration: Malayisches Dorf auf Singapore.]
-
-Doch genug von diesen trockenen statistischen Angaben. Nachdem unser
-Dampfer am Quai festgelegt, ging ich mit meinen Freunden an Land und
-zwar voll der größten Erwartung, denn wir hatten erfahren, daß der
-Kronprinz von England auf seiner Rundreise durch die englischen
-Kolonieen in Singapore eingetroffen sei; ihm zu Ehren sollte eine große
-Illumination stattfinden, ein großer pomphafter Aufzug sollte Tags
-darauf folgen und Gott weiß was nicht noch alles. Jetzt wurde es mir
-klar, warum unser »König Albert« beim Einlaufen in den Hafen eine
-englische Fahne gehißt hatte, warum auf allen Masten der vor Anker
-liegenden Schiffe Großbritanniens Wimpel flatterten. Man kann sich
-denken, wie erwünscht mir dieser Zwischenfall war, gab er mir doch
-Gelegenheit, dies bunte Volk in seiner Begeisterung und Freude zu
-beobachten. Also vom Dampfer herunter und in die Stadt hinein. In die
-Stadt? O nein! Von der eigentlichen Stadt war noch nichts zu erblicken,
-die lag noch eine ziemliche Strecke landeinwärts, nur ein malayisches
-Dorf mit ärmlichen, im Wasser erbauten Hütten war zu sehen. Wir mußten
-also einen Wagen nehmen. Und nun begann die Qual für uns. Sogleich
-umringten uns halbnackte malayische und indische Kutscher und kreischten
-uns in ihrer Muttersprache an, die uns nur wie eine Sammlung von
-Keif- und Zischlauten klang. In ihren Bemühungen, uns ihr Gefährt
-aufzunötigen, wurden sie sogar aufdringlich und frech. Was sollten wir
-machen? Unser Bestreben war, so schnell als möglich fortzukommen. Nach
-langer Unterhandlung mieteten wir endlich eine Droschke, bestiegen sie
-und kamen bei Einbruch der Abenddämmerung in die Stadt. Wir stiegen ab,
-gaben dem Kutscher den verabredeten Lohn und wollten schon weiter,
-als dieser unverschämte Bursche lautschreiend das Vierfache des
-Ausbedungenen verlangte. Wieso denn? fragten wir entrüstet, und der alte
-Gauner, der mit einem Mal ganz gut Englisch sprechen konnte, erklärte
-verschmitzt, daß sich der ausgemachte Preis für eine Person, nicht aber
-für vier verstände. Wir wollten uns durchaus nicht schröpfen lassen
-und machten energisch Anstalt, uns fortzubegeben, doch da hub er ein
-so wüstes Geschrei an, daß im Umsehen unsere kleine Gesellschaft von
-drohendem Gesindel umgeben war. Da eine Hilfe nirgends zu erblicken
-war, so blieb uns nichts weiter übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu
-machen und zu zahlen.
-
-Nachdem das Volk sich verlaufen hatte, verließen wir den Platz und
-gingen eine ins Zentrum der Stadt führende Straße hinab. Eben bogen wir
-um die Ecke -- und wie geblendet standen wir da! Soweit das Auge reichte
--- ein Lichtmeer die ganze Stadt. Von Balkonen und Fenstern, von eigens
-für dieses Fest hergerichteten Schaugerüsten, von Mauern und Masten, von
-den Dächern sogar, kurz von überall her, wo sich nur irgendwie Lampen,
-Laternen und Ballons hatten anbringen lassen, glühte es uns in allen
-Farben entgegen. Auch die Bäume hatte man mit ganzen Sträußen farbiger
-Laternen geschmückt, welche wie funkelnde Sternchen im Grünen auf uns
-herableuchteten. Alles schwamm in Licht und es war uns zu Mute, als ob
-wir durch einen Zauber plötzlich in ein lichtes Feenreich, wie wir es
-aus den Märchen kennen, versetzt worden wären. Wirklich eine wahrhaft
-himmlische Illumination!
-
-[Illustration: Straße in Singapore.]
-
-[Illustration: Verkaufsstand in Singapore.]
-
-Und nun die Straße selbst, welch ein Blick nach oben und überallhin!
-Über sie hinweg hatte man in ihrer ganzen Länge und Breite aus roten und
-weißen Tüchern eine sie überwölbende Decke ausgespannt, sodaß gleichsam
-eine ungeheure lange farbige Festhalle gebildet war, die im Widerschein
-von tausenden bunter Lichter erglänzte und prangte. Zu beiden Seiten zog
-sich eine Menge von Schaugerüsten hin, deren Wände und Geländer man
-mit prächtigen Teppichen ausgelegt hatte. Lustige Stücke wurden auf
-den einen aufgeführt, auf anderen sahen feiertäglich geputzte Leute dem
-vorbeiflutenden Menschenstrome zu und dort waren allerlei Gegenstände
-zur Schau und zum Verkauf gestellt. Die Menschenmenge, die hier
-zusammenfloß, war in der Tat bunt genug. Alle Völker Asiens schienen
-sich hier ein Stelldichein gegeben zu haben: Chinesen, Javaner, Eurasier
-u. a. m. Besonders fielen mir die Tamulen und Malayen wegen ihrer
-farbigen Tracht in die Augen. Grelle Tücher hatten sie um ihren Leib
-geschlungen, trugen aber sonst kein Kleidungsstück, sodaß sie halbnackt
-in dem Menschengewirr dahinschritten.
-
-Bald waren wir mitten im Gewühl, aus allen Nebenstraßen und Gäßchen
-strömte neuer Zufluß in die Hauptader, sodaß binnen kurzer Zeit das
-Gedränge geradezu lebensgefährlich wurde. Ein Zurück gab es nicht mehr;
-wohl oder übel mußten wir uns dem Strome überlassen. Wir kamen aber doch
-dabei auf unsere Kosten, da wir reichliche Gelegenheit fanden, das Volk
-in seinem Vergnügen und in seiner Festtagsstimmung zu beobachten.
-Arg genug ging es allerdings dabei her. Hüben und drüben ein
-ohrenzerreißender Lärm! Hier staute sich die Menge vor einer Bude, in
-der komische Tänze aufgeführt wurden, dort umgab sie in dichtem Knäuel
-ein Brettergerüst, auf dem eine bunt ausgeputzte Musikbande ihre
-betäubenden Klänge ertönen ließ, und an anderen Stellen geberdete sie
-sich derart toll, daß es uns schließlich nicht übelzunehmen war, wenn
-wir so schnell als möglich aus diesem Treiben herauszukommen suchten.
-Das gelang uns denn auch, wenn auch erst nach vieler Mühe. Aber wohin
-gerieten wir?! Fast möchte ich sagen: vom Regen in die Traufe. Wir bogen
-in eine Gasse ein und wurden nur zu bald inne, daß wir uns in anrüchiger
-Gegend befanden. Sperrangelweit standen Tür und Fenster der Häuser
-offen, und in allen Sprachen der Welt riefen aufgedonnerte und
-geschminkte Mädchen die Vorbeigehenden an und suchten sie zum
-Nähertreten zu bewegen. Leider, leider sah ich auch unter diesen elenden
-Geschöpfen Kinder unseres Volkes, und so angenehm uns sonst der Anblick
-einer Landsmännin ist, hier ward er zur wehen Qual. Ich erkundigte mich
-nach vielen Einzelheiten dieser häßlichen Einrichtung und stellte vor
-allem die Frage, woher es käme, daß Zugehörige unseres Reiches in
-diesen von der Heimat so fernen Stätten des Lasters zu finden seien, und
-erhielt darauf die bittere Antwort, daß diese Geschöpfe zum großen Teil
-auf dem Wege des abscheulichen Mädchenhandels in diesen Sumpf gelangten.
-Oft zögen sie aus dem Vaterland in gutem Glauben fort, in der Fremde
-bessere und zwar durchaus anständige Stellen zu erhalten. Werden sie
-dann eines Tages gewahr, wo sie sich befinden, so ist es gewöhnlich
-schon zu spät, um dem sicheren Verderben zu entgehen. Was die
-Nationalität anlangt, sollen hier leider unsere Landeskinder am meisten
-vertreten sein, wieweit das zutrifft, weiß ich nicht; ich habe aber bei
-oberflächlicher Betrachtung gesehen, daß so ziemlich alle mir bekannten
-Völker Prostitutionsmaterial stellen. Auch waren alle Altersstufen
-vertreten -- von 13jährigen Mädchen bis hinauf zu 50jährigen Alten.
-
-So hatte denn leider unsere so heitere Festesstimmung einen häßlichen
-Nachgeschmack bekommen; wir hatten zu nichts mehr rechte Lust und
-strebten dem Hafen zu.
-
-Auf dem Rückweg entdeckten wir ein japanisches Restaurant, wie man uns
-sagte, das einzige in Singapore. Es gehört einem Japaner, der es in
-Gemeinschaft mit seiner, gleichfalls aus Japan gebürtigen Frau leitet,
-und gut leitet, wie uns die kurze Einkehr, die wir dort hielten, aufs
-beste bewies. Wir tranken ein paar Flaschen Bier, unterhielten uns mit
-den erfreuten Wirtsleuten in unserer Muttersprache und brachen dann zu
-unserm Schiffe auf. An Bord angelangt, bemerkte einer von uns, daß ihm
-sein Portemonnaie abhanden gekommen war, unwillkürlich faßten wir alle
-in unsere Taschen -- und siehe da, auch ein zweiter unserer Kameraden
-hatte einen Verlust zu beklagen, er vermißte seine wertvolle
-Zigarrentasche. Offenbar waren beide Freunde im Gedränge das Opfer
-geschickter Taschendiebe geworden.
-
-[Illustration: Jinrikisha in Singapore.]
-
-Am nächsten Morgen gingen wir wieder an Land, um den berühmten
-»Botanischen Garten« von Singapore zu besichtigen. Er liegt jenseits der
-Stadt und zwar in ziemlicher Entfernung von ihr. Auf dem Wege dorthin
-sprachen wir in der Niederlage des reichen japanischen Kaufmannes
-Mitsui vor, den ich bereits in meinen Reiseschilderungen über Hongkong
-erwähnte. Sein Vertreter, Herr N., der uns von früher her befreundet
-war, bot sich uns als Führer an und stellte uns seine Geschäftskutsche
-zur Verfügung; leider aber war sie nicht groß genug, um uns alle
-aufzunehmen. Wir sahen uns daher nach Mietsdroschken um, wohin wir aber
-auch blickten, nirgends war eine aufzutreiben, sie waren längst bei dem
-gesteigerten Verkehr dieser Festtage mit Beschlag belegt. Wir mußten
-also etwas anderes ausfindig machen und mieteten mit Mühe und Not
-endlich ein paar Rollstühle, setzten uns hinein, und heidi, ging es dem
-Botanischen Garten zu. Schon waren wir eine Strecke gefahren, da
-stellte sich ein neues Hindernis uns entgegen, diesmal in Gestalt von
-Schutzleuten, die uns verboten, weiterzufahren, denn in kürzester
-Zeit sollte Seine Hoheit vorbeikommen. Wir mußten uns also in das
-Unvermeidliche fügen, stiegen aus, und nun verlangten die Kulis, obwohl
-wir nur einen kleinen Teil der Strecke zurückgelegt hatten, den Betrag
-für die ganze Fahrt. Aus Furcht vor einer Szene, wie wir sie bereits
-früher erlebt, wollten wir schon zahlen, als unser mit den dortigen
-Verhältnissen genau vertrauter Herr N. uns zu Hilfe kam. Seinen
-Geldbeutel ziehend und eine Hand voll Münzen unter die Kulis werfend,
-war eins. Gierig stürzten die Leute darüber her, wir aber wollten uns
-dabei aus dem Staube machen, was uns jedoch nicht gelang, denn die Kerle
-kamen uns nach und erhoben von neuem ihr Geschrei. Da aber machte Herr
-N. kurzen Prozeß, nahm seinen Stock und teilte einige so tüchtige Hiebe
-aus, daß das Gesindel endlich zurückblieb. Eine Weile gingen wir nun
-zu Fuß und sahen uns das Treiben näher an. Auf beiden Seiten der Straße
-bildete das Volk dicht gedrängt Spalier, lange Schutzmannsketten standen
-davor, und den Damm hinunter fuhr in stetem Hin und Her die offizielle
-Welt: Equipagen mit Beamten in großer Uniform, Offiziere mit Orden und
-Bändern, festlich gekleidete Damen u. s. w. Die drückende Hitze machte
-das Gehen bald unerträglich, wir nahmen daher von neuem ein paar
-Rollstühle, erlebten aber damit nur eine zweite Auflage unseres
-Reinfalls. Denn bald riefen die Schutzleute wieder: >Halt! Aussteigen!<
--- und das Feilschen um das Fahrgeld mit den Kulis begann wieder. So
-erging es uns noch ein paar Mal, bis wir uns trotz der großen Hitze
-entschlossen, den Botanischen Garten zu Fuß zu erreichen. Und das Ziel
-war noch stundenlang entfernt! Die Sonne brannte senkrecht auf unsere
-Scheitel, der alle Glut förmlich aufsaugende Boden blendete den Blick,
-der bei jedem Schritt hochaufwirbelnde aschenartige Staub vollendete die
-Höllenqual. Zwar standen auf beiden Seiten der Straße Palmen und andere
-tropische Gewächse, sie halfen aber gegen diese Backofenhitze so gut wie
-garnichts. In Schweiß gebadet, die Kleidung von demselben durchtränkt
-bei 45 Grad Celsius, kann man sich vorstellen, in welcher Verfassung wir
-uns befanden. Uns wollten fast die Sinne schwinden, so standen wir eine
-Weile still. Da mit einem Male hieß es: >Der Prinz von Wales kommt!< Und
-wirklich, er kam in prächtigem Aufzuge angefahren, in schöner Kutsche
-und umgeben von glänzendem Gefolge. Und dies Gefolge trug zumeist große
-Uniform. In dieser Hitze schwere, goldgestickte Uniformen! Was mögen die
-Armen gelitten haben, wo uns, die wir doch leicht gekleidet waren, der
-Schweiß wie Wasser vom Körper rann!
-
-Wir ließen den Zug vorüber und machten uns wieder auf den Weg. Wir waren
-ungefähr eine Stunde fortgeschritten und vor Mattigkeit und Abspannung
-mehr tot als lebendig, als uns eine leere Droschke entgegenkam. Das
-belebte unsere Sinne. Wir stürzten uns auf den Rosselenker und wurden
-auch nach vieler Mühe mit ihm handelseinig. Endlich stiegen wir ein und
-fuhren nun noch anderthalb Stunden in der brennenden Sonne dahin, bis
-wir ans Ziel gelangten und mit unseren Freunden, die Dank der Umsicht
-des Herrn N. alle Beschwerlichkeiten der Straßenabsperrung geschickt
-umgangen hatten, wieder zusammentrafen.
-
-[Illustration: Kokospalme.]
-
-Von dem seinen großen Ruf durchaus rechtfertigenden Botanischen Garten,
-der viele tropische Pflanzen enthält, kann ich nichts Besonderes
-mitteilen. Ich bin ja kein Fachmann, und das geringe, was ich zu sagen
-hätte, dürfte zur Genüge bekannt sein. Man weiß hinlänglich, daß sich
-die Flora in den tropischen Ländern durch Schönheit, üppige Fülle und
-Artenreichtum auszeichnet. Das eine nur möchte ich erwähnen, daß hier
-neben den Pflanzen des indischen Kontinents auch die des indischen
-Archipels zahlreich vertreten sind; namentlich fielen mir die vielen
-Arten von Palmen und tropischen Fruchtbäumen auf. Einer von den
-Aufsehern, ein sehr liebenswürdiger Mann, führte uns herum; für ein
-Trinkgeld nicht unempfänglich, ließ er es bei der bloßen Führung nicht
-bewenden, sondern gab uns auch dankenswerte Erläuterungen an der Hand
-von Experimenten. So pflückte er eine Mangofrucht ab, hackte sie mit
-seinem Knüttel in Stücke und erklärte uns die Frucht näher. Sie war noch
-nicht reif, sah noch ganz grün aus und enthielt einen starken ätzenden
-Saft, dessen bloße Berührung gefährlich war. Der Aufseher überreichte
-mir auch einen kleinen Zweig von schönen tropischen Blumen, die ich mit
-aufs Schiff nahm und später in gepreßtem Zustande nach Hause an meine
-Kinder schickte. -- Im Garten sahen wir auch Zwinger, worin sich wilde
-Tiere, z. B. Tiger, Riesenschlangen, Orang Utang u. a. m., befanden.
-
-Der Stolz des Botanischen Gartens ist aber die einzig in ihrer Art
-dastehende Sammlung von Orchideen. Hunderte von seltenen Exemplaren
-sind in ihr vereinigt, und der Gesamteindruck, den diese wunderbare
-Farbenpracht auf das Auge macht, ist überwältigend schön. Unser
-Reisegefährte, Herr Professor Takahashi, der sich hier als Botaniker
-von Fach ganz in seinem Element befand, klärte uns über den hohen
-Wert dieser Sammlung auf; in Japan, meinte er, wäre derartiges nicht
-heranzuziehen und zu erhalten, weil unser Klima diesen Pflanzen
-unzuträglich ist. Damit stand denn auch das in Einklang, was Herr N.
-erzählte. »Aus Japan,« so berichtete er, »kommen oft Bestellungen
-auf Orchideen. Namentlich hat es sich der bekannte Politiker und
-Parteiführer Graf Okuma, der auch als Gartenfreund und Pflanzenzüchter
-einen großen Namen hat, angelegen sein lassen, diese Pflanzen in unserer
-Heimat einzubürgern, bisher aber leider mit nur geringem Erfolg. In den
-weitaus meisten Fällen überdauern sie trotz sorgfältigster Pflege nicht
-einmal den Transport und kommen welk am Bestimmungsort an.«
-
-Etwa zwei Stunden brachten wir im Botanischen Garten zu, ruhten unter
-dem schattigen Dach der Palmen, der Mangos, der Bananen und Ananas eine
-Weile aus und fuhren gegen Abend wieder in die Stadt zurück, wo wir samt
-und sonders im größten Hôtel »Raffles« einkehrten. Die Nacht war schon
-längst hereingebrochen, als wir unsern »König Albert« wieder erreichten.
-Am nächsten Morgen fuhren wir dann ab.
-
-Einer von unserer japanischen Kolonie, Herr Professor Tanaka, blieb
-in Singapore zurück. Als Berufsbotaniker wollte er auf kurze Zeit nach
-Batavia fahren, um den dortigen Botanischen Garten, der jenen Singapores
-noch übertreffen soll, zu besichtigen.
-
-
-
-
-VII.
-
-Penang.
-
-
-Über die Fahrt von Singapore nach Penang, die anderthalb Tage dauerte,
-wüßte ich nichts Besonderes zu erwähnen, es sei denn, daß ich die
-Qualen, die uns die furchtbare Hitze bereitete, näher ausmalte. Doch
-will ich dies lieber unterlassen: soviel sei nur gesagt, daß der
-Aufenthalt in der Kajüte eine Folter war. Viele entschlossen sich daher,
-die Nacht auf Deck zuzubringen. Wir folgten indessen diesem Beispiel
-nicht, weil der Temperaturunterschied während der Nacht so groß war, daß
-die, die sich der kühlen Seeluft ausgesetzt hatten, empfindlich an ihrer
-Gesundheit gestraft wurden.
-
-Anfänglich sollte der Aufenthalt in Penang nur sechs Stunden dauern;
-da indessen unvorhergesehene große Ladung zu nehmen war, dehnte er sich
-länger aus. Sobald wir in den Hafen einliefen, nahten sich schon von
-allen Seiten die verschiedensten Frachtschiffe, um so schnell als
-möglich ihre Ladung an Bord zu bringen. Hauptsächlich bestand diese
-aus Tabakblättern. Wohl Hunderttausende von zusammengeschnürten Bündeln
-wurden verladen. Mitten in der Ladung mußte aber eine Pause eintreten,
-denn ein heftiges Gewitter entlud sich über uns. Unaufhörlich zuckte der
-Blitz, rollte der Donner, und in Strömen goß der Regen nieder. Nachdem
-sich das Gewitter verzogen hatte, wurde die Arbeit wieder aufgenommen
-und fast die ganze Nacht hindurch fortgesetzt. Unglücklicherweise
-befanden sich unsere Kajüten in unmittelbarer Nähe des Ladekrahns. Man
-kann sich kaum eine Vorstellung von diesem Lärm machen. In einem fort
-rollten die Fässer dahin, die Ketten rasselten mit lautem Getöse auf und
-nieder, dazwischen das Hin- und Hergelaufe der Arbeiter, das Fluchen und
-Kommandieren der Aufseher -- kurzum, ein ohrenbetäubender Lärm, der an
-ein Schlafen, wenn auch nur auf ein Stündchen, nicht denken ließ.
-
-Am nächsten Tag, dem 24., war die Ladung beendigt und zur Mittagsstunde
-konnten die Anker wieder gelichtet werden. Aller Gesichter heiterten
-sich auf -- doch leider, leider nur auf kurze Zeit. Denn bald begann für
-uns eine neue Qual. Es machte sich nämlich in allen Schiffsräumen ein
-ganz eigentümlicher Geruch bemerkbar, der vermutlich von den zum Teil
-durchnäßt verstauten Tabaksballen herrührte. Überall schlug einem
-süßliche, widerliche Stockluft entgegen. Am Ärgsten war es im Eßsalon;
-die Speisen wurden denn auch in vielen Fällen in Stich gelassen. Alles
-flüchtete sich an Deck, aber auch nach dort verfolgte uns der Geruch.
-Einigermaßen erträglich war der Aufenthalt nur auf dem Promenadendeck.
-So verbrachten wir denn dort, auf Rohrstühlen lagernd, diesen und die
-folgenden Tage.
-
-Der verlängerte Aufenthalt in Penang bot die Möglichkeit, an Land zu
-gehen und die Stadt in Augenschein zu nehmen. Viele nahmen auch diese
-Gelegenheit wahr. Wir Japaner aber zogen es nach der großen Abspannung,
-die uns die schlaflos verbrachte Nacht bereitet hatte, vor, an Bord zu
-bleiben. Und wir taten recht daran. Denn als unsere Mitreisenden von
-ihrem Abstecher heimkehrten, bedauerten sie lebhaft, daß sie nicht
-unserem Beispiel gefolgt wären. So hatten sie beispielsweise den großen
-Wasserfall, der eine Sehenswürdigkeit Penangs bildet, nicht in Tätigkeit
-sehen können, weil ihn die anhaltende Dürre der letzten Zeit fast ganz
-ausgetrocknet hatte; was über die Katarakte hinunter rieselte, war nicht
-der Rede wert gewesen.
-
-Soweit wäre der Aufenthalt in Penang nichts als eine Kette von
-Unerquicklichkeiten gewesen -- doch halt! Nein, es war nicht ganz so
-schlimm. Es gab auch lichte Seiten. Und dazu rechne ich das Fest, das
-der Kapitän des »König Albert« zu Ehren des Königs gab, dessen Namen
-unser Schiff trug. König Albert von Sachsen hatte am 23. seinen
-Geburtstag, der festlich begangen werden sollte. Schon am frühen Morgen
-wurde die sächsische Fahne gehißt. Am Abend sollte dann ein großes
-Festmahl sein, darauf Illumination und Tanz auf dem Promenadendeck.
-Das heraufziehende Gewitter machte indessen einen Strich durch dies
-Programm; die Illumination sowie der Tanz mußten ganz ausfallen. Das
-Festmahl fand aber statt und verlief in würdiger Weise. Küche und Keller
-gaben ihr Bestes her, und in fröhlicher Stimmung sprachen alle den
-Kunststücken unseres Hans Küchenmeisters zu.
-
-
-
-
-VIII.
-
-Colombo.
-
-
-[Illustration: Der Hafen von Colombo.]
-
-Die Fahrt von Penang bis Colombo war die bisher zweitlängste. Vom 24.
-mittags bis zum 28., also dreieinhalb Tage, waren wir auf offener See.
-Die Hitze hatte eher zu- als abgenommen, wozu dann noch die sich von Tag
-zu Tag steigernde Unruhe des Meeres kam. Auch konnten wir nicht sofort
-in den Hafen einlaufen, sei es, daß der Lotse nicht zeitig genug für uns
-frei wurde, sei es, daß irgend ein anderer Grund vorlag -- genug, wir
-mußten vor der Einfahrt vor Anker gehen und dort zwei Stunden liegen
-bleiben. Wir ließen uns diese Verzögerung nicht verdrießen, sondern
-betrachteten aufmerksamen Auges unsere Umgebung. Von allen Häfen des
-chinesischen und indischen Meeres, die ich bisher gesehen habe, ist der
-von Colombo unstreitig der schönste. Von Natur ist er nicht allzu gut
-gelegen, deshalb hat Menschenhand nachhelfen müssen; und so sind denn
-großartige Schutzanlagen geschaffen worden. Gewaltige Molen -- große
-steinerne Dämme bekanntlich -- laufen eine weite Strecke ins Meer
-hinein, und es ist ein herrlicher Anblick, wenn man sieht, wie Welle auf
-Welle gegen den Damm hochaufspritzend anprallt oder mitunter auch wohl
-über die blitzblanken Steine gischend dahinfegt.
-
-Der Blick auf Hafen und Stadt bietet ein wunderbares Panorama. Wie
-mit Schiffen vollgepfropft breitet der Hafen sich aus. Kriegsschiffe,
-Passagierdampfer, Kauffahrteischiffe aller Art und aller Nationen
-ankern in buntem Durcheinander. Dazwischen schießen, den Hafenverkehr
-vermittelnd, die einheimischen Dschunken. Und dahinter liegt dann
-die Stadt! So malerisch gelegen ist wohl keine im indischen Archipel.
-Terrassenartig steigt sie auf und wird von prächtigen Wäldern
-eingesäumt. Es war wohl nicht zuviel gesagt, wenn man von Ceylon als dem
-Paradies der Welt gesprochen hatte.
-
-[Illustration: Rathaus in Colombo mit Holländischem Turm.]
-
-[Illustration: Dagoba in Colombo.]
-
-Als nun unser Schiff endlich in den Hafen einlief, wiederholte sich das
-nämliche Schauspiel wie bisher: von allen Seiten stießen unaufhörlich
-kleinere Küstenschiffe auf uns zu, die eine schreiende Schar von
-Händlern an Bord brachten. Jeder wollte den andern im Geschäftemachen
-überbieten, und man braucht nicht erst auszumalen, welch' Konzert daraus
-entstand. Auch an uns Japaner machten sich die Leute heran; wir ließen
-uns aber nicht viel auf ihre Unterhandlungen ein. »Wir hätten keine
-Zeit« sagten wir, »wir haben heute noch viel vor und wollen an Land!«
-»An Land?« rief es da aus der Menge -- und siehe, ein Inder trat hervor
-und bot sich uns als Führer an. Er radebrechte besser englisch als die
-andern und betonte, daß er für uns wie geschaffen sei, da er selber
-längere Zeit in Japan gewesen und schon des öfteren die Ehre gehabt
-hätte, japanische Herren führen zu dürfen. »So?« fragten wir. »Gewiß!«
-erwiderte er, »bitte, meine Herren, sehen Sie sich meine Papiere an,«
-und damit überreichte er uns einen Stoß von losen Blättern.
-Neugierig blickten wir hinein, fanden auch manch von japanischer Hand
-geschriebenes Wort der Anerkennung darin, doch fehlten auch Warnungen
-vor ihm nicht. Da uns aber der Mann keinen unüblen Eindruck machte, so
-verpflichteten wir ihn nach einer Weile Feilschens für den ganzen Tag
-und zwar für einen ziemlich hohen Preis.
-
-[Illustration: In der Altstadt von Colombo.]
-
-Wir fuhren also mit unserem Führer dem Lande zu, das wir in ungefähr
-zehn Minuten erreichten. Sofort mieteten wir uns zwei elegante Wagen
-und begaben uns zuerst in die innerhalb der Festungswerke gelegene
-»Europäische Stadt«, die, wie der Name sagt, von Europäern und zwar
-besonders von holländischen Abkömmlingen bewohnt wird. Die Häuser sind
-in europäischem Stil erbaut, jedoch mit den Abänderungen, die das Klima
-bedingt. Hier befinden sich die Regierungsgebäude, eine protestantische
-und eine katholische Kirche, ein Militärhospital u. s. w. Dieser
-europäische neue Stadtteil sowie die Festungswerke sollen von den
-Holländern errichtet worden sein, welche sich seit der Mitte des
-17. Jahrhunderts hier niederließen, nachdem sie die Portugiesen
-vertrieben hatten. Nach ca. anderthalbhundert Jahren mußten aber die
-Holländer den Engländern weichen. Jetzt wird die Insel Ceylon von einem
-englischen Gouverneur verwaltet.
-
-[Illustration: »Japan!« »Japan«!]
-
-Wir fuhren aus den Festungswerken heraus und kamen damit in die
-Altstadt, wo sich die portugiesischen und holländischen Mischlinge --
-die sogenannten Eurasier -- Singhalesen, Tamilen, Mohren, Malayen, Neger
-u. a., niedergelassen haben. Die Straße, die wir hinabfuhren, war
-zu beiden Seiten mit den hier wild wachsenden Brot-, Mango- und
-Zimmetbäumen besetzt, auch an zu imposanter Höhe aufsteigenden Palmen
-fehlte es nicht. Ebenso verschieden wie die Flora war aber auch das, was
-der Mensch hier hingebaut hatte: die Häuser. Da gab es eine ganze Reihe
-von Gebäuden, auf die der Name >Haus< wohl kaum paßte, Hütten waren's
-und zwar oft der ärmlichsten Art. Daneben erhoben sich aber ansehnliche,
-ja bisweilen prächtige Gebäude in europäischer Stilart. Die Besitzer
-können sich den Luxus recht gut leisten. In der Mehrzahl sind es reiche
-Engländer, die sich vom Geschäft zurückgezogen haben und nun ganz ihrer
-Ruhe und Bequemlichkeit leben. Und sie haben entschieden einen guten
-Geschmack. Ringsum nichts als Wiese, wogende Felder und Wald. Weiter und
-weiter fuhren wir ins Land hinein, überall neue Pracht und neue Wunder.
-Wie betäubt von all dem Herrlichen waren wir und wir glaubten, daß
-dieses köstliche Fleckchen Erde frei von menschlicher Armut, von
-menschlichem Elend sein müßte. Doch dem war nicht so. Die Eingeborenen,
-die in dem schlechten Ruf stehen, Müßiggänger zu sein, schienen uns
-davon einen Beweis geben zu wollen. Allenthalben kamen halbnackte
-Kinder uns in den Weg gelaufen, hielten die Hand auf und schrieen
-ununterbrochen: »Japan! Japan!« Einige von ihnen hielten auch Blumen
-feil, aber selbst diesen kleinen Schelmen gegenüber war Vorsicht nötig.
-Kaum hatten sie nämlich das Geld in Empfang genommen, als sie sich auch
-aus dem Staube machten und zwar ohne uns die Blumen zurückzulassen.
-
-[Illustration]
-
-Die Eingeborenen sollen auch, wie dies ja von den Bewohnern der
-heißen Zone bekannt ist, leidenschaftlich und genußsüchtig bis zur
-Ausschweifung sein. Unsere Fahrt führte uns dann zum Buddhatempel, den
-wir unter Führung eines Priesters besichtigen durften. Unsere ziemlich
-hochgespannten Erwartungen wurden indessen wenig befriedigt. Der Tempel
-bietet trotz seiner oft gerühmten Schönheit nichts Besonderes. Er soll
-der Hauptsitz des Buddhismus sein; wir hatten uns daher auf ein Bauwerk
-von hohem kulturhistorischen Interesse gefaßt gemacht, hatten gehofft,
-einen von Kunstschätzen nur so strotzenden Tempelbau zu Gesicht zu
-bekommen -- und statt dessen, was sahen wir? Ein Bauwerk in neuem und
-nicht gerade schönem Stil. Die Wände im Innern waren mit grellbunten
-Farben angestrichen und mit allerhand komischwirkenden Figuren bemalt.
-Die Beleuchtung war schlecht; übelriechende und viel Rauch entwickelnde
-Kerzen hellten bloß schwach das Dunkel auf. In der Hauptpagode befindet
-sich das in Holz geschnitzte Bildnis des Buddha in liegender Stellung,
-in den Seitenräumen sind allerlei Götzenbilder aufgestellt. Die Gemälde
-an den Wänden stellen das Leben nach dem Tode vor, die Seelenwanderung,
-wie die Buddhisten sie nach ihrer Lehre annehmen. Da sahen wir auf der
-einen Seite die Hölle mit ihren teuflischen Gestalten, auf der andern
-das Paradies mit den guten, frommen Menschen, die hier nach dem Tode ein
-herrliches neues Leben führen dürfen. Hinter der Pagode, außerhalb des
-Gebäudes, befindet sich ein Grabmal -- eine Dagoba -- worin Buddhas
-Zähne oder sonstige Andenken an ihn begraben liegen sollen. Es ist
-recht stimmungsvoll angelegt. Von einem wundervollen Blumenflor ist
-es umgeben, und große Vasen, denen Weihrauch entströmt, stehen davor;
-besonders fiel mir ein Tisch ins Auge, auf dem sich kleine, weiße und
-äußerst wohlriechende Blüten in künstlerischer Anordnung befanden. Mein
-Führer bedeutete mir, daß dies Blüten eines dem Buddha geweihten Baumes
-seien, und glaubte seiner Hochachtung vor mir keinen besseren Ausdruck
-geben zu können, als daß er mir eine dieser Blüten als Geschenk
-überreichte. Mit Dank nahm ich dies Andenken an und habe es zusammen mit
-anderen dieser Art meinen Lieben zugesandt.
-
-Rechts am Eingang zum Tempel stehen kleinere Gebäude, in welchen die
-Bonzen wohnen; in ihrer Tracht gleichen sie ihren Brüdern in Japan,
-nur tragen sie mit Vorliebe Gelb. Wo man sie sieht, halten sie einen
-Rosenkranz in der Hand, auch sonst scheinen sie es mit ihrer Aufgabe
-recht ernst zu nehmen; Beten und Fasten ist augenscheinlich ihre
-Hauptbeschäftigung. Einen wohlgenährten Bonzen habe ich nicht bemerkt,
-hingegen viele bleiche, hagere und hohläugige Gestalten.
-
-[Illustration: Fruchtladen in Colombo.]
-
-Daß aber dieser Ort nicht durchaus ernsten und weltabgewandten Dingen
-geweiht ist, beweist das Vorhandensein einer ganz modernen Einrichtung:
-es liegt nämlich ein Fremdenbuch aus. Selbstverständlich verewigten auch
-wir uns darin und befolgten damit nur das, was vor uns viele Landsleute
-getan hatten. Ein flüchtiges Durchblättern zeigte mir manchen Namen aus
-meinem heimatlichen Freundeskreise. Das Fremdenbuch war denn auch für
-mich das Interessanteste, alles übrige blieb weit hinter den Erwartungen
-zurück. Ich hatte mir den Ort, der für die Lehre des Buddha soviel
-bedeutet, denn doch etwas imposanter ausgemalt. In den Ländern,
-die Buddhas Lehre weiter entwickelt und vervollkommnet haben, wie
-beispielsweise bei uns in Japan, sind zweifelsohne großartigere Anlagen
-dieser Art, als hier in Colombo. Allerdings muß ich hinzufügen, daß
-das eigentliche buddistische Heiligtum Ceylons sich in Candy, der alten
-Hauptstadt, befindet. Die Möglichkeit, dorthin zu gelangen, war uns
-gegeben worden; unter den Reisenden hatte man nämlich eine Umfrage
-gehalten, wer Candy besichtigen wolle. Da die Beteiligung groß war, so
-ließ die Eisenbahnverwaltung einen Sonderzug abgehen; wir Japaner hatten
-aber unsere Zeit bereits eingeteilt und standen deshalb zu gunsten
-anderer Besichtigungen davon ab. Nachher hat uns aber diese
-Nichtbeteiligung gereut. Denn das Heiligtum in Candy soll wirklich
-von großer Bedeutung sein. Einer meiner Reisegefährten entwarf eine
-begeisterte Schilderung davon. Auch befände sich dort die Ruine eines
-alten, zerfallenen Buddhatempels und Palastes. Die Fahrt zu diesen
-Heiligtümern soll unbeschreiblich schön sein, Mutter Natur soll hier
-ihr Meisterwerk getan haben. Mein Berichterstatter, der sonst ziemlich
-nüchtern war, war in Erinnerung an diese landschaftlichen Schönheiten
-wie umgewandelt und Ausrufe wie »Wunderbar!« »Hochromantisch!«
-unterbrachen in einem fort seine lebhafte Erzählung.
-
-[Illustration: Singhalese mit Bananen.]
-
-Die Besichtigung des Tempels hatte uns recht müde gemacht; wir hielten
-es aber nicht mit den Bonzen: Fasten war für uns nichts! Wir begaben uns
-vielmehr in ein Hôtel, das am Strand gelegen und europäisch eingerichtet
-war. Wir hatten die salzigen Gerichte an Bord herzlich satt bekommen und
-freuten uns, nun wieder etwas Frisches zu erhalten, sodaß wir uns daher
-das Vorgesetzte doppelt gut schmecken ließen und tüchtig zulangten.
-Hummern, Fische und Muscheln wurden mit vielem Appetit verzehrt; am
-meisten sprachen wir aber den Früchten zu. Was für Früchte waren das
-aber auch! In so üppiger Fülle und Form dürften sie wohl nur hier an
-der Quelle gedeihen. Da wir diese Früchte zum ersten Male genossen, so
-legten wir uns anfangs eine wohl begreifliche Vorsicht auf, doch mundete
-uns diese Götterspeise so ausgezeichnet, daß wir bald unsere Vorsicht
-sein ließen -- und es ist uns auch alles gut bekommen. Besonders
-angenehm schmeckte eine Melonenart. Sie war groß wie ein ausgewachsener
-Menschenkopf und ihr frisches, saftiges, gelbes Fleisch war wirklich
-etwas für Feinschmecker. Es war daher kein Wunder, daß wie aus einem
-Munde das Gelöbnis kam: »Wenn wir auf der Rückreise nirgends einkehren
-sollten, hier, wo so edle Gewächse reifen, tun wir es gewiß!« Auch
-die Bedienung war gut. Braune eingeborene Kellner verrichteten sie
-zur vollsten Zufriedenheit; sie sahen in ihrem sauberen weißen Linnen
-appetitlich aus, waren die Aufmerksamkeit selber und servierten flink
-und geschickt. Aber es mußte dafür auch ein hohes Trinkgeld gegeben
-werden, dessen Höhe auf der Speisekarte pro Person genau festgesetzt
-war. Wir zahlten denn auch willig und begaben uns auf die Veranda, die
-einen herrlichen Ausblick auf die See gewährte. Auf bequemen Lehnstühlen
-pflegten wir dort der Ruhe. Was das Auge sah, war von Anfang bis zu
-Ende eine entzückende Pracht. Bis an die See dehnte sich ein üppiger
-Blumengarten aus, der hier und da von prächtigen Rasenflächen
-unterbrochen wurde. Die Strandlandschaft gemahnte uns mit ihren
-mächtigen Felsen, grünen Wäldern und all dem andern Schönen an die
-japanische Küste, und so schweifte denn der freudetrunkene Blick des
-Europafahrers weit hinüber über die Fluten, die soeben durchfurcht
-worden waren, und sah die Heimat in sonnenhellem Glanze schimmern, sah
-die Lieben daheim, und sacht schloß sich das Auge in seligem Traum. Doch
-währte derselbe leider nicht lange, die Zeit mahnte zum Aufbruch.
-
-[Illustration: Landschaft bei Colombo.]
-
-Als wir aus dem Hôtel traten, kam uns ein Inder mit einem großen Korbe
-voller Schlangen entgegen; er ließ seine Reptile zischen und nach der
-Musik einer Flöte sich aus ihrem Korbe erheben, indem er sich erbot
-uns für Geld weitere Kunststücke vorzuführen. Uns war aber der Anblick
-dieser Tiere widerlich, wir wehrten deshalb entschieden ab, bestiegen
-unsere Wagen und wandten uns der zweiten Nummer unseres Pensums zu:
-Besichtigung des Hindutempels. Das Schönste an ihm ist sein Eingang,
-der reich mit Holzschnitzerei verziert und in allen möglichen Farben
-angestrichen ist. Leider entspricht das Innere nicht den Erwartungen.
-Besonders Sehenswürdiges wüßte ich darin nicht anzuführen. Auch soll
-dieser Bau mehr ein bloßer Versammlungsort als eigentlicher Tempel sein.
-An den Besuch des Hindutempels schloß sich derjenige der Moschee, in der
-die dem Mohamedanismus anhängenden Eingeborenen ihre Andacht abhalten.
-Es ist ein erst in neuerer Zeit aufgeführtes Gebäude; das Äußere war so
-einfach und schlicht wie nur möglich gehalten, und wir hatten wohl
-nicht viel verloren, wenn uns, den Bekennern eines anderen Glaubens, die
-Besichtigung des Innern vorenthalten wurde.
-
-[Illustration: Schlangenbeschwörer.]
-
-Wir fuhren daher weiter und kamen an dem sehr schönen sogenannten
-»goldenen Garten« vorbei und sahen auf der rechten Seite einen reizenden
-kleinen See liegen, welcher uns lebhaft an den Shinobazu no Ike in
-Tokio erinnerte. Unterwegs fielen uns ganz sonderbare Gestalten auf.
-Eingeborene, die auf das bunteste aufgeputzt waren und auf dem Kopf
-gewaltige Hörner trugen. Wahre Teufelsfratzen! Sie stellten in der Tat
-auch etwas Ähnliches dar. Nach Angabe unseres Führers waren es Leute,
-die sich so für ein Fest, bei dem sie als »Teufelstänzer« mitwirken
-sollten, zugerichtet hatten.
-
-[Illustration: Am See von Colombo.]
-
-[Illustration: Teufelstänzer in Colombo.]
-
-Bevor wir uns wieder zum Hafen zurückbegaben, berührten wir noch einmal
-die Stadt und machten dort Einkäufe. Diese Gelegenheit gab uns einen
-ungefähren Begriff von der großen wirtschaftlichen Produktivität
-Ceylons. Was war da nicht alles zu sehen! Von den Edelsteinen werden
-Rubine, Saphire, Topase etc. hier gewonnen; auch Bergkrystalle,
-wasserhelle und rosenrote, Granaten, rote und braune, finden sich
-hier. Dazu gesellen sich verschiedene Metalle wie Eisen, Zinn, Nickel,
-Arsenik, Gold (zwar in geringer Menge) u. s. w. Ferner ist Colombo ein
-Hauptstapelplatz für Hölzer, die nicht nur für den Bau von Häusern und
-Schiffen, sondern auch, namentlich in ihren zarteren Arten, für feinere
-Tischler- und Schnitzerarbeit sehr gesucht sind. Der Reichtum der Insel
-an Gewürz, namentlich an Pfeffer und Zimmt, ist von altersher bekannt.
-Sodann gehören der berühmte Ceylontee, Kaffeebohnen, Kokosöl und aus den
-Fasern von Palmen gewonnenes Tauwerk zu den wichtigsten Ausfuhrartikeln;
-auch kunstvolle Schnitzereien aus Elfenbein und Ebenholz, von denen
-wir einige Stücke einkauften, findet man. Alle diese Waren sahen wir
-in Hülle und Fülle in den vielen Läden aufgespeichert. Da sich indessen
-unter den wertvollen Sachen, insbesondere unter den Edelsteinen, viele
-Fälschungen befinden, so muß der Käufer sehr auf der Hut sein; auch
-tut er gut, von vornherein mit einem hohen Aufschlag zu rechnen und die
-unangenehme Kunst des Handelns tüchtig in Anwendung zu bringen.
-
-[Illustration: Tamule.]
-
-Das Straßenbild in Colombo ist äußerst bunt; da sieht man die Bonzen in
-ihrem gelben Gewande, die Araber und Türken mit roter Kopfbedeckung, die
-Eingeborenen, halbnackt, ein rotes, weißes oder anderes farbiges Tuch
-um ihre Lenden gewickelt; dazu kommen noch die elegant angekleideten
-Engländer, die Nachkommen der Holländer, der Portugiesen u. s. w. --
-Von den verschiedenen Klassen der Bevölkerung sind die Singhalesen
-hauptsächlich Handwerker und Bediente, die Parsen fast ohne Ausnahme
-Kaufleute, die Mohren Kleinhändler, die Malayen Soldaten, die Tamulen
-Feld- und Gartenarbeiter. -- Ebenso mannigfaltig wie die Bevölkerung ist
-auch die Verschiedenartigkeit der Mundarten; doch sind Singhalesisch und
-Tamulisch die beiden herrschenden Sprachen. Holländisch ist schon
-ganz ausgestorben, Englisch aber nimmt immer mehr zu und wird als
-Umgangssprache von den meisten gebraucht und verstanden.
-
-[Illustration: Tamulin.]
-
-So waren wir nun mit der Besichtigung der Stadt fertig. Am Abend ruhten
-wir im »Indischen Hôtel« dicht am Hafen aus und konnten von hier aus
-das ganze weite Becken übersehen. Die soeben untergehende goldene Sonne
-färbte mit ihrem Purpur die eine Hälfte des tiefblauen Himmels und des
-weitausgestreckten Meeres. Wir erfrischten uns an einem Glase Exportbier
-und kehrten erst spät in der Nacht zum »König Albert« zurück.
-
-Was uns in Colombo noch besonders interessierte, waren die von den
-Engländern gefangenen Buren, welche in armseligen Hütten untergebracht
-waren. Beim Vorüberfahren bemerkten wir, daß viele von diesen
-Schwergeprüften in dürftiger Kleidung umhergingen. Ein wahres Bild des
-Elends! Ein wehes, ach so unendlich wehes Gefühl beschlich uns.
-Diese Helden, die an Tapferkeit, Vaterlandsliebe und Entsagung das
-Menschenmöglichste geleistet hatten, nun hier, fern von der über alles
-geliebten Heimat, in der Verbannung, in der Fremde, im Elend! In regem
-Mitgefühl grüßten wir hinüber und unser stiller Wunsch war, daß ihrer
-Sache doch noch der Sieg beschieden sein möge, ein Wunsch, der, wie die
-weiteren Ereignisse gelehrt haben, leider ein frommer geblieben ist.
-
-Doch waren die Buren nicht allein. Sie hatten noch einen
-Schicksalsgefährten: den Egypter Arabi Pascha, den bekannten Führer des
-von den Engländern unterdrückten Aufstandes von 1881. Wir hörten jedoch,
-daß man die Absicht habe, ihn in kurzer Zeit freizulassen, da er bei den
-inzwischen veränderten Verhältnissen der Regierung nicht mehr gefährlich
-sein würde.
-
-Leider war unsere Zeit für die weitere Besichtigung von Ceylon zu
-kurz bemessen, doch hatten wir von diesem einen Tag genug, denn die
-erstickend heiße Luft wirkte so erschlaffend auf uns, daß wir froh
-waren, diesen Tag endlich glücklich überstanden zu haben. Auch die
-elend aussehenden Eingeborenen, die Art und Weise ihres Lebens u. s. w.
-wollten uns nicht besonders imponieren. Zwar hatten wir hier manche
-Naturschönheiten gesehen, aber die Ansicht derjenigen, welche uns gesagt
-hatten, daß diese Insel als Paradies der Welt zu betrachten sei, konnte
-ich leider nicht teilen, zur Bewahrheitung eines solchen Ausspruches
-gehört doch noch etwas mehr!
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-IX.
-
-Aden.
-
-
-Nachdem wir noch eine Nacht vor Colombo gelegen hatten, verließ unser
-»König Albert« den Hafen und setzte die Reise fort. Jetzt kam die
-längste Tour. Unsere Freude war daher groß, als am sechsten Tage der Ruf
-erscholl: »Land in Sicht!« Schon beim Verlassen des Hafens am 29. April
-vormittags 9 Uhr war das Meer unruhig und zeigte einen ziemlich hohen
-Wellengang; bei wolkenlosem Himmel blies der Wind so stark, daß das
-Schiff bald auf die rechte, bald auf die linke Seite geschleudert wurde.
-Am folgenden Tage war es noch schlimmer; der Dampfer ging abwechselnd
-vorn und hinten hoch wie ein Schaukelbrett, ab und zu schlug eine Welle
-über das Vorderdeck hinweg. Der Gischt sprang weit über unsere Köpfe und
-das unheimliche dumpfe Dröhnen und Klirren der Schiffsschrauben mischte
-sich in das Tosen der Elemente. Mit bedenklichen Gesichtern standen
-die Offiziere auf dem Deck. Eine Zeit schwerer Arbeiten begann für
-die Mannschaften. Wir nahmen Zuflucht in unsere Kajüte. Manche
-Reisegefährten zeigten recht blasse Gesichter, und die Unterhaltung
-wollte nicht recht in Fluß geraten. Die Mittagstafel im Speisesaal wies
-bedenkliche Lücken auf; von unserer Kolonie waren nur zwei vertreten.
-Wie uns der Offizier mitteilte, war das Unwetter auf einen heftigen
-Sturm zurückzuführen, der einige Tage vorher hier gewütet hatte. Doch
-unser seetüchtiger »König Albert« arbeitete rastlos weiter, durchschnitt
-stampfend mit unwiderstehlicher Kraft die drohenden Wogen, bis wir
-endlich am 3. Mai die Insel Sokotra erreichten, an der wir nördlich
-vorüberfuhren. Noch immer stürzten die Wogen mit hohen Kämmen über
-die Wasserfläche dahin, aber die eigentliche Kraft des Sturmes war
-gebrochen. Die Hitze hatte bedeutend nachgelassen, ja, es herrschte eine
-ganz angenehme Temperatur. Fliegende Fische schnellten aus dem Wasser
-empor und durchschnitten in schönem Bogen die Luft; einige von ihnen
-fielen auf das Verdeck nieder, und der dicke Hans Küchenmeister fing sie
-als willkommene Beute schmunzelnd auf.
-
-Im Laufe des Tages beruhigte sich die See vollständig und nur kleine
-Wellen kräuselten ihre Oberfläche. Es wurde Abend. Die Sonne neigte sich
-zum Untergang und warf ihre Strahlen glühend ins Meer. Weit und breit
-herrschte die tiefste Stille; nur das leise Geräusch der Wogen, die vom
-Winde spielend hin und her bewegt wurden, war hörbar. Da -- welch ein
-großartiges Schauspiel! -- steigt aus den feuchten Dünsten, gerade der
-Sonne gegenüber, leise der liebliche Vollmond herauf. Anfangs erblickt
-man nur den oberen Rand der Mondscheibe, dann wächst sie langsam,
-fortwährend ihre Gestalt verändernd und immer neue Schönheiten
-entfaltend, zu einem ungeheuer groß erscheinenden Halbkreis an. Jetzt
-wird sie in ihrer ganzen Größe, in ihrem vollen Glanze sichtbar und
-sendet ihre Strahlen auf die krystallenen Wellen, sodaß diese von einer
-Seite wie mit Silber überschüttet schienen, während sie auf der andern
-Seite von den purpurnen Strahlen der untergehenden Sonne wie fließendes
-Gold glitzerten. Die ungeheure Wasserfläche, in deren Mitte wir uns
-befanden, erscheint, so weit das Auge reicht, in einer Breite von
-tausend und abertausend Meilen mit Millionen und Millionen funkelnder
-Brillanten und Perlen übersäet. Und auf beiden Seiten des so wunderbar
-beleuchteten, unendlich breiten Meeres die beiden herrlichen, teils
-auf-, teils niedersteigenden Kugeln -- was hätte uns ergreifender sein
-können als diese Offenbarung der wunderwirkenden Kraft der Natur!
-Bald senkt sich die Sonne auf das Meer herab, um schließlich ganz
-unterzutauchen. Nur einzelne ihrer Strahlen und die herrliche
-Beleuchtung des Himmels zeigen an, wo sie sich befindet. Eine Zeitlang
-liegt der Wasserspiegel noch in stillem Dämmerlicht, bis auch dieses
-verschwindet und die Nacht ihre dunklen Schatten ausbreitet.
-
-Es ist unmöglich, dieses erhabene Schauspiel der Natur in Worten
-erschöpfend auszudrücken und ich hätte in diesem Augenblick gewünscht,
-Dichter und Maler zugleich zu sein. In seliger Wonne ließ ich meine
-Blicke bald auf das unendliche Meer, bald auf das weite Firmament
-schweifen und konnte mich nicht satt sehen an diesem Bilde herrlicher
-Gottesnatur -- lange, lange stand ich träumend noch an Bord. -- Damals
-hatte ich auch das Glück, das Südliche Kreuz bewundern zu können,
-welches an dem nächtlichen Himmel der Tropen allgemein als eins der
-schönsten Sternenbilder bekannt ist. Wegen der hohen Durchsichtigkeit
-der Tropenluft erscheint es viel größer und heller mit ruhigem
-planetarischem Licht.
-
-[Illustration: Am Hafen von Aden.]
-
-Unser Schiff arbeitete sich weiter und weiter und brachte uns am 5. Mai
-nach Aden. Wir sahen schon von weitem den gigantischen Leuchtturm, der,
-mitten im Meere stehend, den brandenden Fluten und den Angriffen von
-Wind und Wetter Trotz bietet -- ein Triumph der Baukunst! Nichts ist
-erquickender, als der Anblick eines solchen Turmes, wenn man nach
-mehrtägiger Fahrt über eine salzige Meereswüste, wo man nichts weiter
-sieht als Wasser, endlich den Hafen erblickt und des freundlichen weit
-hinaus strahlenden Lichtes gewahr wird. Der Hafen liegt am Südostende
-der Halbinsel und ist geräumig genug, um ganze Flotten zu bergen. Unser
-»König Albert« lief geradenwegs in ihn ein, und so konnten wir nun von
-Bord aus die englische Seestadt und Festung in Augenschein nehmen. Sie
-liegt auf einem ziemlich hohen, kahlen und wild zerklüfteten Felsblock,
-dessen obere Kante wie ein Zickzack ausgeschnitten erscheint. In seiner
-rötlich braunen Farbe bietet er aber dem Auge nichts Erquickendes
-dar; kein Baum, kein Strauch ist zu sehen, welcher diesem öden Felsen
-Schatten geben könnte. Nur in einzelnen Felsspalten ein spärlicher,
-halbdürrer Graswuchs -- sonst keine Spur einer Pflanzen-, noch weniger
-einer Tierwelt. Um so reicher ist das Meer damit ausgestattet. Die
-ganze Küste ist dicht bewachsen mit langen Schlingalgen, die von der
-Oberfläche des Wassers bis in eine enorme Tiefe hinabreichen. Diese
-Pflanze, die für die herannahenden Fahrzeuge natürlich eine große Gefahr
-bildet, ist für das arme Land eine Wohltat infolge der zahllosen Tiere,
-besonders Fischarten, die zwischen den Blättern dieser Schlinggewächse
-leben. Auf diese Weise hat die Natur in reichlichem Maße das ersetzt,
-was dem Lande gänzlich abgeht. Sonst wäre es kaum begreiflich, wie
-dieses Fleckchen Erde seit altersher in sich hat menschliches Leben
-bergen können.
-
-[Illustration: Cisternen von Aden.]
-
-Von den Passagieren begaben sich nur wenige an Land; auch wir zogen es
-vor, an Bord zu bleiben. Von einigen der ersteren hörten wir später, daß
-wirklich nichts Sehenswürdiges auf dem Felsblock zu finden sei, es gäbe
-dort nur einige Kohlenmagazine, Werften und Faktoreien. Das einzige, das
-ihr Interesse erregt hätte, seien die Wasserbehälter. Man hat nämlich,
-da es sehr schwer ist, auf dem Felsen Brunnenbauten vorzunehmen -- es
-soll allerdings ca. fünfzig Brunnen geben, die sehr tief in den Fels
-eingehauen sind -- mehrere große Wasserreservoirs angelegt, um das vom
-Gebirge herabströmende Regenwasser aufzufangen. Dies wird dann durch
-Röhrenleitungen an die Verbrauchsstelle befördert und somit ist dem
-großen Übelstand, dem Mangel an Trinkwasser, hinreichend Abhilfe getan.
-Der Regen tritt hier zwar nicht sehr oft auf, jedoch wenn er kommt,
-fällt er in ungeheuren Mengen und großen Tropfen nieder.
-
-Wenngleich hier keine Landesprodukte gewonnen werden und demgemäß von
-Handel überhaupt kaum gesprochen werden kann, so ist diese Stadt doch
-wegen ihrer günstigen Lage von altersher kein unwichtiger Punkt gewesen.
-Aber erst in neuerer Zeit, seitdem die Engländer sie durch Gewalt
-in ihre Hände gebracht und den ohnehin von der Natur zu einer
-uneinnehmbaren Feste geschaffenen Fels noch stärker befestigt und die
-Stadt zum Freihafen erklärt haben, ist sie sowohl in kommerzieller als
-auch in politischer Hinsicht von großer Bedeutung geworden. Sie bildet
-jetzt für England ein Bindeglied mit Ostasien und Ostafrika. Seit der
-Eröffnung des Suezkanals hat sie noch mehr an Bedeutung gewonnen. Der
-ungeheure Bedarf an Steinkohlen für die hier passierenden Schiffe wird
-allein von dieser Stadt gedeckt. So beherrscht jetzt England durch
-Aden die Einfahrt vom Indischen Ozean in das Rote und hiermit in
-das Mittelländische Meer, wie es durch Gibraltar die Einfahrt vom
-Atlantischen Ozean in das Mittelländische Meer beherrscht. Mit Recht
-nennt man daher Aden das Gibraltar des Orients.
-
-[Illustration: Vor Aden.]
-
-Unter den Bewohnern -- überwiegend mohamedanische Hindus -- herrschen
-sehr viele ansteckende Krankheiten, weshalb man uns vorher schon davor
-gewarnt hatte, von den an Bord kommenden Kaufleuten Zigarren, Kuchen
-u. dergl. zu kaufen. Selbst durch diese sollen, wie ich hörte,
-Krankheitskeime verbreitet werden; inwieweit hier eine Ansteckungsgefahr
-vorliegt, kann ich aber nicht beurteilen. Jedenfalls hatten die in
-Aden ansässigen Hindus und Araber, die an Bord kamen, zum Teil ein
-schrecklich elendes Aussehen; nicht wenige waren mit Narben, Beulen und
-Geschwüren behaftet, so daß wir den größten Ekel vor ihnen empfanden
-und schon aus diesem Grunde auf die von ihnen angebotenen Waren
-verzichteten. Drollig war es, die dunkelhäutigen Knaben zu beobachten,
-die in winzigen Kähnen unser Schiff umkreisten und nach Silbermünzen im
-Wasser tauchten. An diesem nicht gerade sehr genußreichen Ort hielt
-sich unser Schiff Gott sei Dank nur etwa fünf bis sechs Stunden auf; die
-Abfahrt in das Rote Meer erfolgte den 5. Mai mittags.
-
-Ich muß hier bemerken, daß ich in Aden einen Brief von meinem lieben
-Freunde, Herrn Professor Jamaguchi, aus Leipzig erhielt. Er war ein
-halbes Jahr vor mir nach Deutschland abgereist und hatte öfters über
-seine Reise Interessantes nach Japan berichtet, auch hatte er mir für
-meine Reiseausrüstung verschiedene Winke gegeben, aus denen ich viel
-praktischen Nutzen gezogen habe. Ebenso hatte er mir in betreff
-der Reise und der während der Fahrt zu besichtigenden Städte und
-Sehenswürdigkeiten vieles geschrieben, was mir sehr nützlich geworden
-ist, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Der Brief war vom 17. April datiert
-und der erste, den ich während meiner Fahrt erhielt. Wie groß meine
-Freude über denselben war, kann man sich leicht denken. Als mein
-Stubensteward ihn mir auf einem Tablett in die Kajüte brachte, streckte
-ich schnell meine Hand nach ihm aus, erbrach ihn in Hast und verschlang
-förmlich seinen Inhalt, welcher im wesentlichen folgender war:
-
-»Deinen letzten Brief vom 10. März habe ich richtig erhalten. Ich ersehe
-daraus, daß Du am 6. April von Japan abgefahren bist und freue
-mich ungemein, daß uns endlich ein fröhliches Wiedersehen in nicht
-allzulanger Zeit vergönnt ist. Diesen Brief schicke ich Dir durch den
-deutschen Postdampfer »Sachsen« nach Aden, adressiert an Dich an Bord
-des »König Albert«. Du wirst wohl Langeweile auf dem Indischen Ozean
-gehabt haben, ebenso wie ich. Hoffentlich ist die Fahrt eine ruhige
-gewesen und Dir nichts passiert. Wir hatten eine schwere Überfahrt, denn
-schon in der Nähe von Hongkong war das Meer sehr bewegt. Ein Gewitter
-mit Sturm und Regen hatte sich erhoben, sodaß der Tisch beim Essen einen
-Holzrahmen erhalten mußte, um durch diesen das Herunterfallen der Teller
-zu verhüten. Sonst ging mir's auf dem Meere gut. In Aden wirst Du wohl
-nicht lange bleiben; auch ich hatte dort keine Zeit, an Land zu gehen.
-Von Aden wirst Du am Babelmandeb vorbei ins Rote Meer hineinfahren; da
-werden die Wogen höher gehen und das Schiff stark hin und her werfen,
-doch was können sie einem Schiffe wie »König Albert« anhaben? Im Roten
-Meere wirst Du Schwärme von Delphinen und Springfischen bewundern
-können. Jene wälzen sich wie dicke Fleischklumpen auf dem Wasser,
-während diese wie weiße Pfeile darüber hinschnellen. Am 8. Mai etwa
-wirst Du in Suez ankommen. Dieser Hafen ist, wie Du wohl weißt, der
-Eingang nach Europa. Als ich in Suez anlangte, kamen zwei Ärzte an Bord,
-darunter eine Dame, die von den Passagieren mit unverhohlenem Interesse
-betrachtet wurde. Sämtliche Passagiere ohne Ausnahme mußten sich einer
-Untersuchung unterziehen.
-
-»Nun will ich Dir mitteilen, wie ich und meine Landsleute uns hier
-eingerichtet haben. Ich hatte mich, wie ich Dir schon schrieb, seit
-November vorigen Jahres in Berlin niedergelassen. Da ich aber dem Leben
-in einer Großstadt die Stille und Ruhe vorziehe, war ich bald nach
-Eberswalde übergesiedelt, einem von schönen Wäldern umrahmten Ort, der
-von Berlin per Bahn in 45 Minuten zu erreichen ist. Jede Woche fuhr ich
-viermal nach Berlin, um Colleg zu hören. Im Februar dieses Jahres jedoch
-erhielt ich das Verzeichnis aller deutschen Universitäten und ersah
-daraus, daß die Universität Leipzig Berlin an Lehrkräften -- besonders
-was meine Fächer anbetrifft -- überflügelt, und so habe ich mich nach
-vorangegangener Einholung der Erlaubnis unseres Kultusministeriums in
-Leipzig niedergelassen. Wie ich aus Deinem Briefe ersehen habe, willst
-Du vorläufig in Berlin bleiben und dort die Lehranstalten besichtigen.
-Ich möchte Dir aber hiermit gleich im voraus mitteilen, daß diese
-Besichtigung mit manchen Schwierigkeiten verknüpft ist. Du mußt nämlich
-bei dem Kaiserlich Japanischen Gesandten in Berlin ein Schreiben
-einreichen, mit Angabe der zu besichtigenden Schulen und der Bitte um
-einen Erlaubnisschein. Dieses Schreiben wird von unserm Gesandten an
-den preußischen Minister des Äußern gesandt und von diesem zum
-Kultusminister. Die Genehmigung wird von diesem durch ein Dokument
-erteilt, welches wieder denselben Weg rückwärts macht, um in Deine
-Hände zu gelangen. Dieses umständliche Verfahren nimmt mehrere Wochen
-in Anspruch; bei mir hat es sogar acht Wochen gedauert. Ich konnte diese
-allzulange Zeit nicht abwarten und bat daher direkt den Kultusminister
-um Erlaubnis, erhielt jedoch die Antwort, daß ich den vorgeschriebenen
-Weg durch die Gesandtschaft innehalten müsse. Wenn Du also die Schulen
-in Preußen besichtigen willst, so schlage diesen vorgezeichneten Weg
-gleich nach Deiner Ankunft in Berlin ein. Die Zwischenzeit kannst Du
-der Besichtigung der Sehenswürdigkeiten Berlins widmen oder bei mir in
-Sachsen zubringen. In Sachsen ist der Besuch der Schulen ebenso wie in
-Bayern und Österreich ohne weitere Umstände gestattet.
-
-»Was die Universitäten anbetrifft, so ist meiner Ansicht nach die
-hiesige auch für Dich viel geeigneter. Die uns interessierenden Fächer
-sind hier besser vertreten und die Einrichtung des hiesigen
-Seminars scheint mir den Vorzug zu verdienen. Auch hat Leipzig eine
-Handelsakademie und spielt überhaupt als Industriestadt und als Zentrale
-des Buchhandels eine große Rolle. Das Studium der fremden Sprachen wird
-hier sehr eifrig betrieben und Du kannst hier auch auf diesem Gebiet
-Deinen Erfahrungskreis vergrößern. Komm also doch zu mir herüber nach
-Leipzig!
-
-»Herrn Legationskanzler Ro, Deinen alten Bekannten aus Deiner Schule,
-habe ich gebeten, daß er sich für Dich, sobald Du in Berlin angekommen
-bist, um Wohnung u. s. w. bemühen und Dir mit Rat und Tat zur Seite
-stehen möchte. Von Genua, wo Du Dein Schiff verlassen wirst, depeschiere
-doch gleich an ihn; er wird Dich dann in Berlin auf dem Anhalter Bahnhof
-erwarten und abholen. Alles andere findet sich dann von selbst und Du
-kannst Dich getrost seiner Führung überlassen.
-
-»Nun zum Schluß habe ich Dir noch etwas recht Trauriges mitzuteilen,
-nämlich, daß unser verehrungswürdiger Freund, Herr Professor Tachibana,
-am 23. März von Berlin nach Japan abgereist ist, leider aber wegen
-Krankheit. Er hat sich nämlich im Dezember vorigen Jahres eine Erkältung
-zugezogen und seitdem fieberte er sehr stark. Es stellte sich heraus,
-daß er an Lungenschwindsucht leidet, und da gerade zwei Landsleute,
-beide Ärzte, nach Japan zurückkehrten, so schloß er sich diesen an und
-schiffte sich mit ihnen in Antwerpen auf einem japanischen Dampfer ein.
-Diesem Dampfer »Hitachimaru« wirst Du wohl in Colombo oder in der Nähe
-davon auf dem Meere begegnet sein. Was Professor Tachibana in England,
-Frankreich, Deutschland und Österreich besichtigt hat, habe ich in
-seinem Auftrage für Dich notiert und werde es Dir später mitteilen.
-
-»Herr Professor Haga hat sich seit Anfang April ebenfalls eine
-starke Erkältung zugezogen; wir wollen wünschen, daß es nur etwas
-Vorübergehendes ist. Herrn Professor Fujishiro geht es sehr gut.
-
-»In Leipzig sind augenblicklich viele Deiner Freunde zu Studienzwecken
-anwesend; das Leben ist hier wirklich sehr interessant. Den nächsten
-Brief von mir wirst Du wohl in Suez oder Port Said erhalten.«
-
-Die Freude über diesen Brief war groß, nur barg er einen Wermutstropfen
-in sich: die Nachricht von der schlimmen Erkrankung meines teuren
-Freundes und Kollegen Tachibana. Es war zwischen uns ausgemacht worden,
-daß er mich in Deutschland erwarten sollte, um von mir gewissermaßen
-abgelöst zu werden. Diese Nachricht war daher eine große Enttäuschung
-und ein harter Schlag für mich. Eine dunkle Ahnung stieg in mir auf,
-daß wir uns vielleicht nicht mehr wiedersehen würden. Hätte ich doch in
-Colombo oder auf dem Meere auf einen japanischen Dampfer geachtet, ich
-hätte ihn dann vielleicht noch sehen oder sprechen können! Ich hegte
-damals den innigen Wunsch, daß Gott ihm seine Gesundheit wiedergeben
-möchte, auf daß er, von der Fahrt gekräftigt, seine Lieben in der Heimat
-umarmen könnte, ein Wunsch, der, wie ich später erfuhr, leider nicht in
-Erfüllung gehen sollte.
-
-
-
-
-X.
-
-Suez und der Suez-Kanal.
-
-
-[Illustration]
-
-Das Rote Meer! Der Name schon hatte uns ein Grauen eingeflößt, und
-mit seltsamen Erwartungen waren wir dieser unheimlichen Fahrt
-entgegengegangen. Man hatte uns nämlich gesagt, daß die Hitze
-hier außerordentlich groß sei, daß das Wasser dieses Meeres in den
-Wintermonaten über 26° C. habe und daß in der heißesten Periode die
-Temperatur des Meeres und der Luft die Blutwärme übersteige, sodaß
-die Postdampfer zur Umkehr genötigt seien u. s. w. u. s. w., alles
-Nachrichten, die unserm Ohr nicht gerade angenehm klangen. Ich hatte
-anfangs geglaubt, daß die Hitze hier nicht größer als in Penang und
-Singapore sein könnte, zumal das Meer viel weiter vom Äquator entfernt
-ist. Da es aber in der Mitte der beiden Feuerbecken, der arabischen und
-der afrikanischen Wüste liegt, so scheint die Entfernung vom Äquator
-keine besondere Rolle zu spielen. Wir waren also auf einen harten Kampf
-mit nassen wie mit sengenden Elementen gefaßt und fuhren beklommenen
-Mutes durch die breite Meerenge des Babelmandeb oder des Tores der
-Tränen -- »O, sie führt ihren Namen mit Recht,« dachten wir bei unserer
-jetzigen Stimmung -- in das Rote Meer hinein.
-
-Wir konnten daher von Glück sagen, daß wir während der ganzen Fahrt, die
-volle vier Tage in Anspruch nahm, immer schönes Wetter hatten, daß das
-Meer infolgedessen so ruhig und spiegelglatt war, wie es nur selten der
-Fall sein soll. Die so sehr gefürchtete Hitze war auch erträglicher
-als sonst und lange nicht so schlimm, wie man vermutet hatte. Zuerst
-passierten wir einige Felseninseln, welche einen schönen Anblick
-darboten und eine angenehme Abwechselung auf der eintönigen Wasserfahrt
-bildeten. Sonst gab es nichts besonders Erwähnenswertes; es war immer
-die alte Langeweile und die gewohnte Tagesordnung: essen, trinken,
-Mittagsschläfchen halten, auf dem Deck auf- und niedergehen, der
-Wellenbewegung zusehen und ins Meer hinausschauen, plaudern, gähnen
-u. s. w. Eine von den Unterhaltungen möchte ich hier anführen, die sich
-von den mancherlei unsinnigen und albernen vorteilhaft unterschied,
-nämlich die Frage, woher der Name des »roten« Meeres stamme. Einige
-meinten in dem Worte »rot« die Bedeutung des Unheimlichen, drückend
-Heißen zu finden; andere suchten den Namen historisch zu erklären, indem
-sie sagten, die mit Blut getränkten Krieger der Pharaonen hätten sich
-hier gebadet, sodaß das ganze Meer davon rot geworden sei; wieder andere
-meinten, daß das Wasser des Meeres von dem rötlichen heißen Sande der
-Ufer eine rötliche Färbung erhalte und daß der Name daher stamme. Wie
-uns aber von den vielgereisten Schiffsoffizieren mitgeteilt wurde, hat
-das Meer selbst eine sehr reine blaue Farbe, die aber des salzreichen
-Küstenwassers wegen bei tiefem Stand der Sonne gelbrot erschiene.
-Überdies sollen hier auch die aus rötlichen Fäden bestehenden Algen
-so massenhaft auftreten, daß sie oft die oberen Schichten des Wassers
-bedecken und zur Ebbezeit als schleimige blutrote Masse am Ufer einen
-breiten roten Saum bilden. Wir alle stimmten dieser Auslegung als der
-wahrscheinlichsten bei -- vielleicht könnte in der Tat das Meer davon
-seinen Namen erhalten haben.
-
-Um die Langeweile zu vertreiben, wurde während der Fahrt ein großes
-Tanzvergnügen veranstaltet. Zu diesem Zweck wurde das Promenadendeck mit
-Fahnen aller Nationen ausgeschmückt und mit bunten elektrischen Lampen
-schön erleuchtet. Nach dem Abendessen fanden sich alle Herren und Damen
-in Balltoilette in diesem improvisierten Tanzsaale ein und nach den
-Klängen der Schiffskapelle wurde bis spät in die Nacht hinein getanzt.
-
-Am 7. Mai, also kurz nach diesem Fest, fand ein anderes statt und zwar
-ein Wohltätigkeitsfest, dessen Reinertrag für verunglückte Seeleute des
->Norddeutschen Lloyd< oder deren Hinterbliebene bestimmt war. Auf jeder
-Fahrt wird ein solches Fest veranstaltet, und die Einnahmen sollen nicht
-unbedeutend sein. An diesem Abend wurden von verschiedenen Passagieren,
-Damen und Herren, Vorträge aller Art gehalten, womit sie die Anwesenden
-prächtig unterhielten, sodaß beim Einsammeln die freiwilligen Gaben
-reichlich flossen. Auch dieses Fest währte bis spät in die Nacht hinein
-und es war schon früher Morgen, als sich die Teilnehmer ermüdet in ihre
-Kajüten zurückzogen.
-
-Mit der Fahrt auf dem Roten Meer war Gott sei Dank das schlimmste
-überstanden und wir kamen am 9. Mai vormittags um 3 Uhr wohlbehalten in
-Suez an, wo gleich mit Anbruch des Tages Ärzte an Bord stiegen, um die
-Passagiere zu untersuchen; es sollten nämlich während unserer Fahrt
-in Ostasien Seuchen ausgebrochen sein. Die Untersuchung geschah auf
-folgende Weise: wir Passagiere mußten uns alle zunächst im Eßsalon
-versammeln; dann mußten wir, nachdem die Namen einzeln aufgerufen
-worden waren, an den Ärzten, die sich an einer Seite aufgestellt hatten,
-vorbeigehen. Soviel ich davon verstehe, hatte diese ganze Besichtigung
-wenig Wert; denn wie kann ein Arzt durch einen Blick beurteilen, ob
-jemand ansteckende Krankheitskeime in sich trägt oder nicht. Nur
-ein Passagier, der ein bißchen blaß aussah und seit einigen Tagen an
-Dysenterie litt, wurde gefragt, was ihm fehle, sonst niemand. In wenigen
-Minuten war die ganze Angelegenheit erledigt. Da uns das Landen wegen
-des kurzen Aufenthaltes nicht gestattet wurde, so konnten wir eine
-Besichtigung des Ortes nicht vornehmen und mußten uns damit begnügen,
-von Bord aus Umschau zu halten. Wir blieben bis 11 Uhr hier liegen und
-setzten um ¼12 Uhr unsere Fahrt durch den Suezkanal fort.
-
-[Illustration: Eingeborenen-Barke vor Suez.]
-
-Die Hafenstadt Suez liegt bekanntlich am Ausgang des berühmten Kanals,
-den der große Franzose Lesseps mit unendlichen Mühen zustande gebracht
-hat. Der Blick auf diesen Kanal gehört mit zu dem Interessantesten, was
-wir auf der ganzen Fahrt erlebt haben. Der Kanal ist 160 km lang und
-durchschneidet den Isthmus von Suez, welcher Afrika mit Asien verbindet,
-und bringt so die beiden Meere, das Mittelländische und das Rote, in
-Verbindung. Er ist nach zehnjähriger mühevoller Arbeit im Jahre 1869
-eröffnet worden. Seine Breite ist verschieden, an manchen Stellen ist
-er so schmal, daß unser »König Albert« fast die ganze Breite einnahm;
-an einigen Stellen jedoch ist er ziemlich breit, besonders an den
-Ausweichestellen für die sich begegnenden Dampfer. Die Natur, die der
-Kanal und seine Umgebung bietet, ist wenig rühmenswert, denn an beiden
-Seiten sieht man nichts als öde Sandwüsten, nur hie und da unterbrochen
-von Oasen mit ihrem frischen Grün. Einige der Seen, welche durch
-den Kanal mit einander in Verbindung gesetzt werden und zugleich als
-Ausweichestellen dienen, gewähren jedoch einen imposanten Anblick, so
-z. B. der Bittersee, der größte von allen. Ein schlanker Leuchtturm, der
-sich an dem Ein- und Ausgang dieses Sees befindet, trägt viel zu seiner
-Verschönerung bei. Im allgemeinen kamen mir die Ansichten des linken
-Ufers interessanter vor als die des rechten, obgleich man auch nichts
-weiter als halbverdorrtes Gras und unförmliche Sandhügel zu Gesicht
-bekam. Doch der menschliche Verstand hat diese heiße Sandwüste zu
-nützlichen Zwecken zu verwerten gewußt: man hat hier -- wie mir erzählt
-wurde -- natürliche Salzsiedereien angelegt. Man gießt nämlich das hier
-bedeutend salzhaltige Küstenwasser auf den glühend heißen Sand, läßt
-es verdunsten und gewinnt so auf einfache Weise das Salz. Diese
-Veranstaltungen konnten wir von Bord aus nicht sehen, aber einige
-schwerbeladene Kamele mit ihren arabischen Treibern, die wohl zu den
-Salinen wandern mochten, zeigten uns den Ort und die Stelle an, wo sie
-lagen. Was der Mensch nicht alles auszunutzen versteht!
-
-[Illustration: Beduinen am Suez-Kanal.]
-
-Die beiden Ufer des Kanals sind aus künstlich aufgeworfenen Sanddämmen
-hergestellt, und man konnte beim Passieren unseres Schiffes deutlich das
-Auf- und Absteigen des Wassers erkennen und auch wie der Sand von den
-Dämmen dabei abgespült ward. Es versteht sich daher von selbst, daß
-Dampfbagger ständig in Tätigkeit bleiben müssen, damit der Kanal nicht
-versandet.
-
-[Illustration: Signalstation am Suez-Kanal.]
-
-Unser Dampfer bewegte sich nur ganz langsam vorwärts, als wir plötzlich
-verspürten, wie derselbe mit einem Krach auf Sand geriet. Das Wasser
-wurde trübe, und das Schiff schien sich ein klein wenig auf die eine
-Seite zu legen. Mit einem Male geriet alles an Bord in Bewegung; es war
-jedoch nichts zu befürchten, denn ein Blick auf die beiden Ufer, auf die
-man im Notfalle ganz bequem hinüberspringen konnte, gab jedem sofort das
-Gefühl der Sicherheit zurück. Endlich erlangte das Schiff seine richtige
-Lage wieder und wir vermochten mit ein paar Stunden Zeitverlust unsere
-Reise langsam fortzusetzen. Wie wir später von unserem Schiffskapitän
-hörten, hat »König Albert« solchen Tiefgang, daß der Boden des Schiffes
-kaum einen Fuß von der Kanalsohle entfernt bleibt, und der Lotse, der
-für die Fahrt durch den Kanal an Bord gekommen war, hatte aus Versehen
-ein wenig zur Seite gelenkt und so etwas Boden mitgenommen. Eigentlich
-ist der Suezkanal für Schiffe von so großem Tiefgang, wie das unsrige,
-viel zu klein angelegt. Wie langsam sich der Dampfer in diesem Kanal
-bewegte, kann man schon daraus ersehen, daß kleine Knaben, welche, bald
-»Money, Money« rufend, bald die ihnen zugeworfenen Münzen aufhebend,
-halb nackt und barfuß auf dem Sande des Ufers mitliefen, lange Strecken
-mit dem Schiffe gleichen Schritt halten konnten, ferner erblickten wir
-einige Beduinen auf schönverzierten Kamelen. Am Ufer sahen wir auch hier
-und da bescheidene Häuser, in welchen die Kanalwächter wohnen und von
-denen aus Signale gegeben werden, da streng darauf geachtet werden muß,
-daß jedes Schiff seine Zeit innehält, die zu jeder Durchfahrt genau
-berechnet und angegeben werden muß. Nach den Signalen ziehen an den
-breiten Ausweichestellen die entgegenkommenden Schiffe vorüber; aber da
-wir, wie vorher berichtet, etwa zwei bis drei Stunden Verspätung hatten,
-sammelten sich vor und hinter uns vier bis fünf Postdampfer an, sodaß
-wir an einer dieser Ausweichestellen einige Zeit lang bleiben mußten, um
-dieselben vorbeipassieren zu lassen. Bei dieser Gelegenheit wurden wir
-unseres japanischen Postdampfers mit der bekannten lieben Flagge gewahr.
-Die Hitze, die so wie so schon groß genug war, wirkte durch dieses
-mehrstündige Halten und die langsame Fahrt geradezu furchtbar, und
-einige meiner Landsleute behaupteten, hier die größte Hitze während der
-ganzen Fahrt verspürt zu haben. Spät, sehr spät, erst gegen Mitternacht,
-konnte die Abfahrt vor sich gehen, aber recht langsam, sodaß
-eine Schnecke unser Vorreiter hätte sein können. -- Die Nacht war
-glücklicherweise sehr kühl, was um so angenehmer empfunden wurde, je
-größer die Hitze des vorangegangenen Tages gewesen. An dem Leuchtturm,
-welcher mit wechselndem Licht versehen war, fuhren wir vorbei und
-setzten unsern Weg fort.
-
-
-
-
-XI.
-
-Port Said.
-
-
-[Illustration: Vor Port Said.]
-
-[Illustration: Straße in Port Said.]
-
-[Illustration: Araber.]
-
-Am 10. Mai vormittags um 9 Uhr kamen wir in Port Said an. In dieser
-Hafenstadt, die ca. 50 000 Einwohner hat, ging es sehr lebhaft zu.
-Handel und Verkehr schienen hier ziemlich bedeutend zu sein. Als
-unser Schiff in den Hafen einlief, drängte sich sogleich eine Menge
-Handelsleute an Bord, um mit den Fahrgästen Geschäfte zu machen, auch
-viele Führer kamen herauf, um uns ihre Begleitung durch die Stadt
-anzubieten. Diese umringten uns von allen Seiten und lugten mit ihren
-hinterlistigen, habgierigen Augen umher, Geiern ähnlich, die auf ihr
-Opfer losstürzen wollen. Sie machten, wie die meisten Einwohner dieses
-Ortes, einen recht unangenehmen Eindruck auf uns. Da die Stadt nur klein
-ist, verzichteten wir gern auf so wenig vertrauenerweckende Begleiter
-und hatten es auch nicht zu bereuen, denn in zwei Stunden waren wir mit
-der ganzen Besichtigung zu Ende. Sehenswertes war gar nicht vorhanden.
-Die Straßen sind ziemlich unsauber, ebenso die Häuser. Den Stadtteil, in
-dem die Araber wohnen, konnten wir leider nicht in Augenschein nehmen,
-denn bevor wir an Land gingen, war von unserm Kapitän bekannt gemacht
-worden, daß in Port Said und zwar im Araberviertel die schwarzen Pocken
-wüten sollten und daß man sich vor diesen sehr in acht nehmen müsse.
-In einer der Hauptstraßen sahen wir außer einigen japanischen Läden,
-in denen von unseren Landsleuten echte japanische Waren feilgehalten
-wurden, eine Menge Tabaksläden. Der Tabak bildet hier das Hauptprodukt,
-ist sehr billig und gut. Wegen des italienischen hohen Zolles --
-denn wir mußten ja später über Italien reisen -- durften wir jedoch
-allzugroße Einkäufe nicht machen. Besonders empfehlenswert sind hier
-einige Cafés, in deren einem wir auch einen Mocca tranken und uns
-etwas ausruhten. Nur muß man sich hier in acht nehmen, daß man nicht
-überteuert wird, wie es einem unserer Passagiere erging, der für ein
-Glas Bier, das er in einer Bierhalle nahm, den unerhörten Preis von
-einem Schilling bezahlen mußte. -- Die Straßenjungen, die auf Schritt
-und Tritt hinterher gelaufen kamen und »gib Money, gib Money«
-schrien oder uns ihre Esel zum Reiten anpriesen, waren so dreist und
-unverschämt, daß wir mitunter unsern Stock zu Hilfe nehmen mußten. Wir
-waren froh, als wir mit heiler Haut aus diesem Sumpfnest wieder an Bord
-unseres guten Schiffes gelangten.
-
-[Illustration: Ägyptischer Eseljunge in Port Said.]
-
-Bei der Besichtigung von Port Said darf man aber nicht unterlassen,
-das Denkmal Ferdinand von Lesseps', des Erbauers des Suezkanals, zu
-erwähnen. Das stattliche Monument ist aus Bronze gegossen und stellt die
-ganze Figur dieses großen Mannes dar, der in zehn Jahren mit eiserner
-Energie und unsäglicher Mühe unter angestrengter Tätigkeit die
-Durchstechung und Kanalisierung des Isthmus von Suez zustande gebracht
-hat. Auf einem Granitsockel erhebt sich eine hohe Säule und auf dieser
-steht das Standbild. Den Blick auf den Kanal gerichtet, hält er in der
-einen Hand, halb aufgerollt, die Karte desselben. Das Denkmal selbst ist
-auf einem Ende eines aus Quadersteinen hergestellten Dammes errichtet,
-welcher ziemlich weit ins Meer hineinläuft, so daß es von weitem den
-Anschein hat, als erhebe sich das Denkmal direkt aus dem Wasser heraus.
-Ein herrlicher Anblick! Der Gesichtsausdruck dieses Mannes zeigt einen
-unbeugsamen Mut, verbunden mit Energie und Arbeitsamkeit. Ich schrieb am
-Fuße dieses Denkmals Ansichtspostkarten und zwar eine an meinen Freund
-in der Heimat, die folgendermaßen lautete: »Vom Suezkanal und von
-Lesseps hört man oft, aber wenn man selber den Kanal passiert und
-vor dem Denkmal dieses großen Mannes steht, kann man nicht umhin,
-mit Hochachtung an ihn zu denken und seine großartige Willenskraft
-zu bewundern. Bedenken und Hindernisse verschiedener Art: politischen
-Widerstand, diplomatische Schwierigkeiten, heftige Beschuldigungen
-seiner Gegner, argwöhnische Vermutungen der Pforte, Eifersucht der
-englischen Regierung und Gott weiß was nicht noch alles hat der Mann
-zu bekämpfen gehabt! Und der Segen erst, den die den Kanal passierenden
-Reisenden und Schiffe heutzutage genießen! Mit Recht gilt der Mann als
-ein Held des Friedens!«
-
-Eine zweite Karte sandte ich an meinen Jungen:
-
-»Von Lesseps kannst Du was lernen! In ihm findest Du wieder, was
-Dir Zeit Deines Lebens nottut und vielen Menschen so sehr mangelt:
-Beharrlichkeit und Unbeugsamkeit. Willst Du Sieger bleiben im harten
-Wettstreit Deines Lebens, sieh Dir dieses Bild an und behalte fest im
-Kopfe das eine Wort: Willensstärke!«
-
-Noch nach tausenden von Jahren wird dieses Denkmal hier stehen, werden
-die Taten dieses Mannes der ganzen Menschheit zum Segen gereichen, man
-wird ihn ewig preisen und nie vergessen. --
-
-Nachdem wir uns wieder an Bord begeben hatten, kam ein Trupp
-italienischer Musikanten, ein paar Männer und Frauen, auf das Schiff,
-welche die Passagiere teils mit Mandolinenspiel, teils mit Gesang
-belustigten. Auch wir hörten einige Zeit zu und fanden, daß sie ihre
-Sache gut machten, wie auch, daß die italienischen Mädchen hübsche
-Gestalten hatten.
-
-Nicht lange danach begrüßte unser »König Albert« das Mittelländische
-Meer, das uns nunmehr unserem weiteren Ziele zuführen sollte.
-
-
-
-
-XII.
-
-Neapel.
-
-
-[Illustration: Golf von Neapel.]
-
-Bei der Abfahrt von Port Said wurden wir von einer höchst erfreulichen
-Nachricht überrascht, die uns alle unangenehmen Eindrücke schnell
-vergessen ließ. Von neu hinzukommenden Passagieren erfuhren wir nämlich,
-daß unserem japanischen Kronprinzen ein Erbe geboren worden sei. Auch in
-den Zeitungen, die wir in Port Said erhalten hatten, war zu lesen, daß
-das japanische Kaiserhaus am 5. Mai durch die Geburt eines Enkels und
-Sohnes erfreut worden war, daß also unserm Reiche ein weiterer Thronerbe
-erstanden sei. Infolgedessen versammelte sich am Abend die ganze
-japanische Kolonie zu einem Fest, bei dem wir auf das Wohl unseres
-Kaiserhauses tranken und bei welcher Gelegenheit ich meiner Freude mit
-folgenden Worten Ausdruck gab:
-
-»Meine Reisegefährten und Freunde! Heute ist uns unerwartet die
-erfreuliche Nachricht zugegangen von dem Glück, welches unserm
-Kaiserlichen Hause zu teil geworden ist, nämlich daß unserm Kaiser
-ein Enkel, unserem Kronprinzen ein Sohn geboren sei. Diese Nachricht
-gereicht uns umsomehr zur Freude, als sie uns noch während der
-Fahrt erreicht hat, so daß es uns noch an Bord, wo wir uns alle
-zusammenbefinden, vergönnt ist, das Glas zu Ehren unseres Kaiserlichen
-Hauses zu erheben. Wir können uns alle wohl vorstellen, wie groß
-die Freude unseres Volkes in diesen Tagen gewesen sein mag. Unserem
-Kaiserhause, das seit 2½ Jahrtausenden glücklich und weise das Land
-regiert, möge mit diesem Prinzen ein weiteres bedeutsames Glied in der
-langen Kette der Regenten hinzugefügt sein, auf daß auch ihm, wenn
-er dereinst dazu berufen wird, eine lange und segensreiche Regierung
-beschieden sein möge!«
-
-Ich bat meine Reisegefährten, sich mit mir zu erheben und einzustimmen
-in den Ruf: »Unsere Kaiserliche Familie lebe hoch! hoch! hoch!«
-welcher Aufforderung alle Anwesenden freudig nachkamen. So wurde unter
-allgemeiner Freude fern der Heimat auf dem Mittelländischen Meere an
-Bord eines deutschen Dampfers die Geburt unseres Kaiserlichen Enkels
-gefeiert. Der Tag wird uns stets in lieber Erinnerung bleiben.
-
-Am 10. Mai nachmittags zwei Uhr hatten wir Port Said verlassen und
-passierten am folgenden Tage die Insel Kreta. Die Hitze, welche wir
-lange Zeit zu erdulden gehabt, war nicht mehr zu spüren. Wir mußten
-unsere leichten Kleider einpacken und wärmere hervorholen, so daß der
-Gepäckraum viel in Anspruch genommen ward. Außerdem waren nicht wenige
-mit Vorbereitungen für die nahe bevorstehende Landung beschäftigt, da
-sie schon in Neapel das Schiff verlassen wollten. Auch wir freuten uns,
-daß wir nicht lange mehr an Bord zu bleiben brauchten, denn auch unsere
-Reise zur See sollte in einigen Tagen ihr Ende erreichen.
-
-Am 13. Mai mittags um ¼1 Uhr kamen wir in Neapel an. Das Wetter war
-recht kühl, fast kalt zu nennen -- wir fühlten uns jedoch sehr wohl
-dabei. Es kam uns nur so komisch vor, innerhalb sechs Wochen Sommer und
-Winter durchmachen zu müssen.
-
-Unser Schiff hielt sich hier nur einen halben Tag auf, so daß uns
-keine Zeit verblieb, Neapel eingehend zu besichtigen. Jedoch hatten
-wir gehört, daß es dort viele Sehenswürdigkeiten gäbe, insbesondere das
-weltberühmte Aquarium -- von deutschen Gelehrten ins Leben gerufen und
-von ihnen musterhaft verwaltet -- die Königlichen Paläste, Gallerien,
-Museen, Kirchen, Konservatorien, Oper, Theater u. a. m. Es ist natürlich
-rein unmöglich, dieses alles in einem halben Tage in Augenschein
-zu nehmen. Außerdem verloren wir durch ein gerade zu dieser Zeit
-heraufziehendes Gewitter eine gute Stunde Zeit, so daß wir es vorzogen,
-auf dem Schiff zu bleiben und von Bord aus die schöne Stadt zu
-betrachten.
-
-[Illustration: Straße in Neapel.]
-
-Von den Passagieren unseres »König Albert« waren viele in die Stadt
-gegangen, vor allem diejenigen, welche unser Schiff für immer verließen,
-um von hier aus ihre Reise zu Land durch Italien fortzusetzen. Aber auch
-an Bord wurde uns die Zeit nicht lang, denn wir hatten Muße, uns gehörig
-umzusehen. Vor uns lag ein wunderbares Panorama: die majestätische Bai
-von Neapel, in deren Hintergrund sich terrassenförmig die Stadt mit
-ihren weißen, leuchtenden Gebäuden erhebt; dazwischen herrliche Partien
-mit immergrünen Bäumen und dunklen Cypressen, welche dem Bilde eine
-schöne Harmonie verleihen, dann weiter hinten der feuerspeiende Berg,
-der Vesuv, in seiner prächtigen, malerischen, einfachen Form, seine
-schwarzen Rauchwolken gen Himmel sendend. Daß Neapel, das alte Napolis,
-die Hauptstadt des ehemaligen Königreichs beider Sicilien, sich durch
-seine reizvolle Lage vor allen andern Seestädten Italiens auszeichnet,
-konnten wir also gleich beim ersten Anblick erkennen. Was uns an Bord
-zuerst in die Augen fiel, war die ungeheuer große Zollmauer und die fünf-
-bis sechsstöckigen Häuser mit Balkonen und platten Dächern. Die Häuser
-am Strande sind, mit Ausnahme einzelner neuer Gebäude, älteren Datums
-und erinnern uns an die italienische Bauart, wie wir sie zu Hause
-durch Bilder kennen gelernt haben. Die Stadt selbst sieht wie ein
-gleichmäßiges Häusermeer aus, nur unterbrochen durch die grünen Bäume
-oder andere Naturschönheiten. An Kirchen besitzt Neapel mehr als genug,
-aber ihre Türme ragen nirgends hervor, auch die Paläste verlieren sich
-in dem unendlichen Häusermeer. Am meisten machten sich die reizenden
-Villen und Kasinos auf den Hügeln, die Arsenale und Hafenbauten, das
-königliche Schloß und vor allem die drei großen Kastelle bemerkbar. Wir
-hatten geglaubt, unser Schiff würde sich hier wenigstens 10-12 Stunden
-aufhalten und hatten uns vorgenommen, in diesem Falle die seiner Zeit
-durch den Ausbruch des Vesuv verschüttete und vernichtete, jetzt aber
-zum Teil wieder freigelegte Stadt Pompeji anzusehen, mußten den Plan
-jedoch zu unserm Leidwesen aufgeben, da wir, wie schon gesagt, nur einen
-halben Tag Zeit hatten.
-
-Wie die Menschen hier aussehen, wie sie leben, was sie treiben u. s. w.,
-konnten wir natürlich von Bord aus nicht gewahr werden; aber erzählt
-wurde uns, daß das Volk hier im allgemeinen ernsten Beschäftigungen
-nicht gerne nachgeht, dafür aber umso lieber Belustigungen Auge und
-Ohr leiht, daß es auch allzuviel Zeit in den unzähligen Kaffeehäusern
-zubringt -- mit einem Wort, daß es seiner Neigung und Laune mit
-südlicher Leidenschaftlichkeit gehorcht und daß, als traurige Folge
-davon, die Bevölkerung, zumal die niederen Klassen, sich in ziemlich
-großer Armut und Unwissenheit befindet.
-
-Auch viele Händler kamen an Bord, um die verschiedensten italienischen
-Gegenstände anzubieten, wobei uns insbesondere die aus Lava gefertigten
-Kunstwaren, ferner geschnittene Gemmen, marmorne Frauenköpfe u. a. m.
-auffielen -- alles sehr kunstvoll gearbeitete, zierliche Gegenstände.
-Empfehlenswert sind besonders die aus Marmor gefertigten Sachen;
-dieselben sind jedoch sehr teuer und man wird auf jeden Fall besser
-daran tun, sie an Land und nicht auf dem Schiffe zu kaufen, da man dort
-reeller bedient wird. Besonders vorsichtig muß man bei Gegenständen aus
-Lava sein, weil diese meistens verfälscht sind.
-
-So wurde unsere Zeit an Bord gut ausgefüllt, bis wir abends acht Uhr --
-wir schrieben den 13. Mai -- diese herrliche Bucht von Neapel verließen
-und nach Genua fuhren.
-
-[Illustration: Längs der italienischen Küste.]
-
-
-
-
-XIII.
-
-Allerlei Heiteres und Ernstes aus dem Leben auf dem Schiffe.
-
-
-In einem deutschen Liede heißt es: »Wenn jemand eine Reise tut, dann
-kann er was erzählen.« So geht es auch mir. Ehe ich Abschied nehme vom
-»König Albert«, der uns so lange eine treue Unterkunft geboten, will
-ich in Folgendem versuchen, meine Erlebnisse und Beobachtungen während
-meines Aufenthaltes auf dem Schiffe niederzuschreiben; aber nur als
-treuer Berichterstatter, ohne jede weitere Ausschmückung.
-
-[Illustration: Reichspostdampfer des »Norddeutschen Lloyd«:
-»König Albert«.]
-
-
-Spiele auf dem Promenadendeck und im Rauchsalon.
-
-Da wir auf dem Schiffe nichts zu tun hatten und die Langeweile uns
-plagte, wurde alles hervorgesucht, was irgend einen Zeitvertreib oder
-eine kleine Zerstreuung bot: Gesellschaftsspiele, wie z. B. Schach,
-Domino, Dame, Kartenspiel, Würfelspiel etc., möglichst harmlose Sachen,
-nur um uns die Zeit zu vertreiben.
-
-Bei gutem Wetter zog man selbstverständlich Spiele im Freien vor, von
-denen ich besonders das Reifenspiel und das Beutelchenwerfen erwähnen
-möchte. Bei dem ersteren wird nach einem senkrecht aufgestellten Stab
-mit Reifen aus strammem Seil geworfen und zwar so, daß diese beim
-Niederfallen den Stab einschließen; bei den letzteren wird eine in
-mehrere numerierte Felder geteilte Holztafel auf den Boden gelegt, nach
-der man mit kleinen, gewöhnlich mit Sand gefüllten Beutelchen wirft --
-derjenige, der am meisten Zahlen trifft, ist Sieger.
-
-[Illustration: Spiele an Bord.]
-
-Ein anderes Spiel ist dasjenige, bei dem man runde Holzplatten mit einem
-Holzschieber -- das ist ein an einem Stabe in T-form befestigtes Brett
--- etwa 15 Meter weit nach einem mit Kreide gezeichneten Platz stößt.
-Bei diesem Spiel werden die Mitspieler in zwei Parteien geteilt und dann
-wird gewettet. Diejenige Partei hat gewonnen, welche die meisten Platten
-in den abgegrenzten Raum gebracht hat.
-
-Im Rauchsalon wurden Karten- und Würfelspiele, Schach und anderes
-gespielt. Was uns jedoch besonders auffiel, das waren die Glücksspiele
-mit Karten und Würfeln, bei denen sich besonders Engländer hervortaten.
-Die Spieler setzten sich um den Tisch und dann wurde leidenschaftlich
-und erregt das Spiel verfolgt. Da wir von Hause aus mit dieser Art
-von Spielen nicht vertraut waren (bei uns sind dieselben gesetzlich
-verboten) und uns dieselben recht unangenehm berührten, so lehnten wir
-stets die Aufforderung zur Beteiligung ab. Wir bemerkten, daß nicht
-selten diese Spiele einen ernsten Ausgang nahmen; denn manche verloren
-dabei nicht wenig Geld, und in solchem Falle ging es nicht immer ohne
-Schimpfen und grobe Bemerkungen ab. -- Am Dominospiel dagegen, welches
-wir von einem an Bord befindlichen Deutschen erlernten, beteiligten wir
-uns gern und zwar spielten wir dieses der Belebung halber um ein Glas
-Bier. Bei dieser Gelegenheit fragte ich einige deutsche Passagiere, was
-sie von dem Spielen um Geld hielten und wie es in Deutschland und
-in andern Ländern Europas gehandhabt würde, und da hörte ich denn so
-mancherlei. In Deutschland sowie fast in ganz Europa sind Spiele um Geld
-gesetzlich erlaubt. Glücksspiele jedoch, wie das Hazard, wobei es dem
-Zufall überlassen bleibt, ob der Spieler gewinnt oder verliert, sind
-streng verboten -- speziell in den öffentlichen Lokalen -- und
-werden bestraft, besonders scharf die Spieler, bei denen es sich
-um gewerbsmäßiges Spielen handelt. So vernahm ich von einem großen
-Spielerprozeß in Deutschland, in den hochadlige junge Leute und
-Offiziere verwickelt gewesen. Dieselben hatten einen Klub gegründet mit
-dem Namen »Klub der Harmlosen«, in welchem man fast nur Glücksspielen
-gefröhnt. Ferner wurde mir erzählt, daß in einem der feinsten Klubs in
-Wien hoch gespielt worden wäre und daß bei einem Spiel zwischen einem
-ungarischen Baron und einem polnischen Grafen letzterer ungefähr zwei
-Millionen Mark verloren habe. Aber auch öffentlich darf an einigen
-Punkten Europas gespielt werden, und der bedeutendste Zufluchtsort der
-Spieler soll Monte Carlo in dem kleinen Fürstentum Monaco, unweit der
-wegen ihrer Schönheit bekannten Stadt Nizza, sein. Hier wird in einem
-nur für diesen Zweck gebauten Kasino gespielt, das märchenhaft schön
-eingerichtet sein soll. Das Kasino gehört einer Aktiengesellschaft,
-durch deren Abgaben sogar das kleine Fürstentum unterhalten wird und der
-Fürst des Landes große Einnahmen bezieht.
-
-Ferner werden in Europa bei Pferderennen große Wetten abgeschlossen
-und an eigens hierfür errichteten Wettmaschinen, Totalisator genannt,
-Einsätze in Geld für den Sieger oder den Platz gemacht. Von diesen
-Geldern, die dort angelegt werden, nimmt jeder Staat eine Steuer
-für sich in Anspruch. -- Aber auch selbst harmlose Spiele können zum
-verwerflichen Glücksspiel werden, wenn die Betreffenden um Einsätze
-spielen, welche ihrem Vermögen oder Einkommen nicht entsprechen.
-
-
-Echt deutsches Bier.
-
-Aus lauter Langeweile und vor Durst wird an Bord ziemlich viel getrunken
-und oft genug hörte man den Ruf: »Spatz!« -- so hieß nämlich der
-kleine Servierkellner im Rauchsalon. Wein, Schnaps, Brunnenwasser,
-Citronenwasser, mitunter auch Champagner, wurden getrunken, am meisten
-jedoch Bier. Von letzterem wurde jeden Tag eine Zahl Fässer geleert.
-Bier trinken am meisten die Deutschen, die Franzosen lieben den Wein
-und die Engländer ziehen allem andern den Schnaps oder Likör vor. Das
-deutsche Bier wurde von sämtlichen Passagieren hochgepriesen. Ich
-habe mir zu Haus erzählen lassen, daß das Bier als Nationalgetränk der
-Deutschen in ihrem eigenen Lande vorzüglich gebraut werde, und glaubte
-auch in diesem Bier an Bord eine ausgezeichnete Braukunst zu erkennen.
-Nun befand sich auf dem Schiff ein deutscher Braumeister, der seit
-Jahren an einer japanischen Brauerei angestellt war und jetzt auf Urlaub
-nach Deutschland fuhr. Auf meine Frage, ob er ein eben so gutes Bier in
-Japan brauen könnte, sah er mich mit großen Augen an und sagte: »Glauben
-Sie, daß dieses Bier, welches Sie hier jeden Tag trinken, ein echt
-deutsches Bier ist?« Auf meine bejahende Antwort erklärte er mir aber zu
-meiner großen Verwunderung, daß das Bier echt japanisch sei, worauf
-mir der Ausruf entschlüpfte: »Sehr komisch!« So erfuhr ich, daß bei der
-Fahrt von Deutschland nach Japan selbstverständlich deutsches Bier, aber
-bei der von Japan nach Deutschland japanisches Bier in deutschen Fässern
-von den Schiffen mitgeführt wird. Ich glaubte auf einem deutschen
-Schiffe ein echt deutsches Bier, von dem man so viel Rühmens macht,
-zu trinken und mußte nun von einem Deutschen erfahren, daß ich Bier
-getrunken habe, welches in meinem eignen Heimatlande gebraut war. Die
-Unwissenheit, welche ich hierbei an den Tag gelegt habe, bitte ich mir
-zu gute zu halten, aber man ersieht daraus wieder, daß das Fremde
-von den Menschen, die nicht genau Bescheid wissen, blindlings höher
-geschätzt wird, als das Heimatliche. »Kein Prophet wird in seinem
-Vaterlande geehrt.« Seit dieser Geschichte bestellte ich nur noch:
-»Spatz, bringen Sie mir ein Glas »sogenanntes« deutsches Bier!« worauf
-er mir mit verständnisvollem, verschmitzten Lächeln ein Glas echt
-japanischen, goldklaren, schäumenden Gerstensaftes reichte.
-
-
-Ein unfreiwilliges Bad.
-
-Die Badeeinrichtung auf dem Schiffe ist ganz anders, als man sie zu
-Hause hat. Durch ein Rohr wird das Meerwasser in die Wanne geleitet und
-je nachdem man heiß oder kalt wünscht, hat man den einen oder den andern
-Verschluß aufzudrehen. Für Süßwasser befindet sich ein Behälter, woraus
-für jeden Badnehmer ein kleines Becken voll geführt wird. Da das salzige
-Meerwasser sich unangenehm an dem Körper bemerkbar macht, so benutzt
-man dieses Süßwasser zum Nachspülen und Nachwaschen. Übrigens ist
-letzteres sehr kostbar auf den Schiffen und wird mit demselben äußerst
-sparsam umgegangen. Ich kannte die Einrichtung mit dem Auf- und Zudrehen
-der Hähne nicht recht, und als das Schiff in der Mündung jenes trüben
-Flusses, des Jangtsekiang, vor Anker lag, ging ich zum ersten Male aus
-Langeweile in die Badestube und drehte ahnungslos an dem einen Hahn. Da
-erhielt ich auf einmal von der Decke einen Sprühregen des trüben Wassers
-über meinen Kopf und die ganze Kleidung. Ich hatte unglücklicherweise
-den Hahn der Brause gefaßt. Bevor ich noch recht zur Besinnung kam,
-hörte ich mit Donnerstimme den Ruf: »Was machen Sie da!« und der
-Badesteward trat herein. Er sah mich mit böser Miene an, sagte, daß das
-Rohr von dem trüben Wasser des gelben Flusses verstopft werde, wenn man
-ihn jetzt öffnete, daß überhaupt das Baden nur während der Fahrt auf
-offenem Meere erlaubt sei, aber nicht, wenn das Schiff stille läge
-wie jetzt. Durchnäßt wie ein Pudel, von dem trüben gelben Wasser des
-Jangtsekiang von oben bis unten beschmutzt, von dem Donnerwetter des
-Badestewards noch ganz niedergeschmettert, schlich ich davon in meine
-Kajüte, um wieder einen ordentlichen Menschen aus mir zu machen. Diese
-Begebenheit ist unter meinen Landsleuten als mein »unfreiwilliges Bad«
-bekannt geworden.
-
-
-Beim Barbier.
-
-Auf dem »König Albert« gab es auch einen Barbier und von diesem wollte
-ich meine Haare schneiden lassen. Ich begab mich eines Tags zu ihm; er
-war ein netter kleiner Kerl, und es entspann sich zwischen uns folgendes
-Gespräch. Ich werde mich mit A. und den Barbier mit B. bezeichnen.
-
-B. »Mein Herr, sind Sie nicht krank gewesen?«
-
-A. »Wieso denn?«
-
-B. »Sie lassen ja Ihren Bart so wild wachsen. Wenn ich Sie so in den
-Saal treten sah, habe ich immer geglaubt, Sie wollen Ihren Bart wegen
-Krankheit nicht schneiden lassen.«
-
-A. »Bewahre! Bin im Gegenteil so gesund und munter wie ein Fisch im
-Wasser und auch immer gewesen. Aber wenn Sie meinen, daß mein Bart
-mir nicht gut steht, schneiden Sie ihn nach deutscher Mode, so gut Sie
-können, damit ich recht ordentlich und chik aussehe.«
-
-B. »Gut! Ich werde meine Kunst versuchen, aber es ist nicht so leicht,
-aus einem wild gewachsenen Bart eine gute Form zu schneiden.«
-
-Nun begann der Barbier mir meinen Bart zu verschneiden, sprach
-dabei über dieses und jenes, fragte mich, wie es in Japan in einer
-Barbierstube aussehe, was ein Barbier dort verdiene, wie groß der
-Lohn eines Gehilfen sei u. s. w. u. s. w. Zuletzt zeigte er mir seine
-Haarschneidemaschine und fragte mich:
-
-B. »Können Sie mir vielleicht angeben, wo diese Maschine gemacht worden
-ist?«
-
-A. »Keine Ahnung! Wie sollte ich so etwas wissen, ich verstehe ja von
-Ihrem Fache nichts.«
-
-B. »Das glaube ich gern, aber da diese gerade in Ihrer Heimat gemacht
-ist, möchte ich Sie darauf aufmerksam machen. Die Maschine, die ich von
-Hause mitgebracht hatte, ging entzwei und so mußte ich diese in Yokohama
-kaufen. Offen gestanden hatte ich anfangs zu ihr kein großes Vertrauen,
-aber nun sehe ich zu meinem Erstaunen, daß sie vorzüglich ist. Schade,
-daß ich nicht noch mehr davon gekauft habe! Sie ist weit billiger als
-die unsrige, aber trotzdem ist sie besser und bequemer zur Handhabung.
-In der Tat sind die Herren Japaner ein wunderbares Volk! Alles können
-sie leisten, nichts ist ihnen unmöglich!«
-
-Dabei arbeitete er unentwegt weiter; der Bart ward kürzer und kürzer, er
-besah ihn mit verständnisvollem Gesicht von der Seite und von vorn, von
-fern und nah, schnitt weiter, besah ihn wieder und so ging es eine Weile
-fort, bis ich fast keinen Bart mehr mein eigen nennen konnte. Jetzt
-rühmte er mir die Schnurrbarttracht: »Es ist erreicht!«
-
-B. »Nun müssen Sie aber Ihren Schnurrbart in die Höhe gewöhnen.«
-
-A. »Da ich mich einmal Ihren Meisterhänden anvertraut habe, so machen
-Sie nur, wie es Ihnen gefällt! Die Verantwortlichkeit liegt ganz bei
-Ihnen.«
-
-B. »Sehr gut, mein Herr! Sie brauchen nicht im geringsten besorgt zu
-sein! Mit diesem Brenneisen werde ich nun Ihren Schnurrbart ausziehen.
-So...., ach wie schneidig Sie nun aussehen! Sie sehen wie ein echter
-Deutscher aus! Aber zu einem eleganten Herrn ist ein Parfüm wohl
-unentbehrlich. Kaufen Sie doch ein Fläschchen, ich habe alle Sorten in
-meinem Schrank vorrätig -- hier, das ist Veilchen... o, wie schön das
-riecht!... dies hier ist Heliotrop, auch was Feines... Das Kostbarste
-ist aber dieses Fläschchen, Herr! Das ist Rosenöl... der edelste Tropfen
-überhaupt, den es gibt!«
-
-A. »Sie verstehen Ihre Sachen gut anzupreisen, Herr Barbier! Sie sind
-ein tüchtiger Geschäftsmann, vor dem man auf seiner Hut sein muß. Doch
-werde ich Ihnen zu Liebe ein Fläschchen abkaufen, es sei denn, daß Sie
-Ihre Sachen nicht so teuer losschlagen.«
-
-B. »I, Gott bewahre! Daß ich der reellste Mensch bin, das wissen ja alle
-Mannschaften und Passagiere des »König Albert.« Außerdem sind alle
-meine Sachen zollfrei und Sie werden sie ebenso billig kriegen wie
-in Deutschland... Ist Ihnen denn sonst nichts gefällig? Hier, diese
-Schnurrbartbinde? Kämme? Pomade?«
-
-Da aber seine Aufmunterungen zu weiteren Ankäufen bei mir nicht
-verfangen wollten, so schlug er ein anderes Thema an, indem er sagte:
-
-B. »Hören Sie, mein Herr! Die Haare der Herren Japaner sind doppelt so
-stark wie die der Europäer. Meine Werkzeuge werden demnach doppelt so
-schnell stumpf. Außerdem fliegen die struppigen Haare im Zimmer umher
-und ich muß meine Augen wohl in Acht nehmen.«
-
-Ich merkte aus seinen Reden heraus, daß er auf ein tüchtiges Trinkgeld
-reflektierte und sagte ganz verschmitzt:
-
-A. »Ganz recht! Die Arbeit eines Barbiers mag wohl eine recht schwere
-sein, besonders wenn er einen unserer Landsleute unter seiner Schere
-hat. Aber ein geschickter Meister wie Sie weiß in allem Bescheid. Ihnen
-macht wohl ein so eigenartiges Haar wie das unsrige viel Spaß beim
-Schneiden, nicht wahr?«
-
-In der Tat hatte aber der Barbier recht. Denn durch den Luftzug des
-Ventilators, der sehr gut funktionierte und die drückend heiße Luft der
-Barbierstube bedeutend herabsetzte, flogen unsere struppigen Haare in
-dem Raum umher, daß die Insassen nicht wenig davon belästigt wurden. Im
-großen und ganzen habe ich gesehen, daß der deutsche Barbier bei
-weitem ungeschickter ist als der unsrige. Außerdem ist letzterer viel
-peinlicher und vorsichtiger. -- In Schweiß gebadet, mit Haaren bedeckt,
-kam ich, eine kleine Flasche Parfüm in der Hand und unter dem Kinn den
-winzigen Schnurrbart, den letzten Rest meines ehemaligen Vollbartes,
-zurück. Einmal und nicht wieder! -- Später erfuhr ich, daß es allen
-meinen Landsleuten ebenso ergangen war und daß jeder eine Flasche Parfüm
-erstanden hatte.
-
-
-Der japanisch-russische Krieg.
-
-Unter den Passagieren befanden sich Engländer, Franzosen und Deutsche in
-ziemlich gleicher Zahl und so oft diese auf dem Verdeck zusammenkamen,
-wurden Gespräche über allerhand politische Gegenstände geführt. Wovon
-man uns besonders oft erzählte, das war der japanisch-chinesische Krieg
-und die große Tapferkeit der japanischen Soldaten, welche, wie man
-meinte, in jeder Beziehung die chinesischen bedeutend übertreffen,
-speziell im Punkte der Mannszucht und Disziplin. Es wurde auch viel
-von der großen Beute erzählt, welche die verbündeten Soldaten bei
-den letzten Unruhen in Nordchina gemacht hätten. Einige französische
-Kaufleute, welche sich auf der Rückreise von China befanden, berichteten
-uns genaue Einzelheiten und behaupteten, daß bei diesen Wirren ein
-ungeheurer Reichtum von China nach Europa transportiert worden sei: so
-zeigte einer von ihnen eine sehr schöne Uhr, eine goldene mit mehreren
-Kapseln versehene Taschenuhr, verschwenderisch mit Edelsteinen und
-Brillanten übersäet, und erzählte hierbei, daß dieselbe aus dem
-kaiserlichen Palast in Peking stammen solle. -- Ein anderer, erst in
-Singapore an Bord gekommener Passagier bemerkte mit ernster Miene, daß
-er bei seiner Abfahrt ein Gerücht vernommen hätte, daß zwischen Japan
-und Rußland ein Krieg ausgebrochen sei. Wir glaubten dies zwar nicht,
-immerhin aber war ein neues Thema angeregt und von allen Seiten wurde
-über dasselbe lebhaft debattiert. Der Brennpunkt war die Frage: welche
-der beiden Nationen Sieger bleiben werde? Wir hörten ruhig mit zu und
-nach längerem Hin- und Herraten stellte sich als Resultat heraus,
-daß Japan bei einem kürzeren Kriege die meisten Chancen hätte! Jedoch
-würden, falls der Krieg sich längere Zeit hinziehen würde, die Russen
-wohl imstande sein, die Oberhand zu gewinnen, da sie bei der Größe
-ihres Reiches im Verhältnis zu dem kleinen Japan dieses an Menschenzahl
-übertreffen. Wir enthielten uns jeder Äußerung, da trat ein
-hochgewachsener Mann mit großem Vollbart ungeduldig in den Kreis und
-sagte mit ernster, dröhnender Stimme: »Was kann denn Rußland gegen
-Japan ausrichten? Japan besitzt ja bei strengster Disziplin eine
-ausgezeichnete Kriegsmacht und eine wohlgerüstete Flotte von 25 000
-Tonnen. Die russischen Barbaren, die nur zum Sengen und Brennen, Rauben
-und Morden geeignet sind, können gegen ein so vorzüglich organisiertes
-Heer nichts tun. Wenn einige behaupten, daß die Japaner im Körperbau
-kleiner sind als die Russen, und infolgedessen im Kampfe Mann gegen Mann
-nicht standhalten könnten, so muß ich dies entschieden bestreiten, denn
-im Kriege ist der Körperbau der einzelnen Soldaten nicht maßgebend,
-sondern der in ihnen wohnende Geist, die Opferfreudigkeit, die
-Ausdauer, der unerschütterliche Mut, der den Tod nicht scheut, das
-Nationalbewußtsein, welches sie, treu ergeben bis zum letzten Atemzuge,
-ihr Leben hingeben läßt. Alle diese Tugenden sind den japanischen
-Soldaten eigen. Daß übrigens der moderne Krieg kein Kampf der einzelnen
-Menschen gegeneinander, sondern ein Wettstreit der materiellen wie der
-geistigen Kräfte ist, ist jedem wohl bekannt. Der Umstand, daß Rußland
-infolge der Größe seines Landes viel mehr Menschen ins Feld stellen
-könnte, hat auch nicht viel zu sagen; denn bei einem Kriege ist die
-Beweglichkeit der Truppen ausschlaggebend und nicht ihre Zahl. Daß die
-Japaner die flinksten Soldaten waren, das haben sie bei den letzten
-Unruhen in Nordchina vor den Augen der verbündeten Soldaten Europas und
-Amerikas vortrefflich bewiesen. Bei einer noch so langen Lanze kann
-nur die Spitze töten und die Ochsen können nicht mit Hasen um die
-Wette laufen. Die Russen haben auch unser Land vernichtet, unser Volk
-ermordet; ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, wie sie meine
-Eltern und Geschwister getötet haben. Wir haben Rache geschworen gegen
-diese Unmenschen. Wir haben noch zwei Millionen kriegstüchtige Männer,
-die stets bereit sind, die Waffen gegen Rußland zu kehren. Wenn also
-Japan mit Rußland in Krieg gerät, so würden wir die Russen von hinten
-anfallen, auch wenn wir dieses Unterfangen mit dem Leben bezahlen
-müßten. Wir würden alles opfern und Japan zur Seite stehen!«
-
-Wer ist denn der? fragten wir uns verwundert, worauf der Unbekannte
-unter lautem Seufzer erwiderte, daß er einer der unglücklichen,
-mißhandelten, heimatlosen Polen sei. Ob seine Reden Beifall fanden oder
-nicht, wissen wir nicht; aber wir bemerkten, daß, als er die Grausamkeit
-der Russen erwähnte, seine Augen funkelten, seine Glieder zitterten, und
-in dem Augenblick, als er seine geballte Faust erhob, konnte man wohl
-ermessen, welch glühender Haß ihn gegen die Russen beseelte. Durch das
-Feuer seiner Rede hingerissen, dachten wir unwillkürlich an das traurige
-Ende seines Reiches und fühlten mit ihm. Wir konnten nicht umhin, uns im
-Stillen zu sagen, daß manches von dem Vorgebrachten wahr sei, wenn wir
-auch nicht alles glaubten, was uns dieser Pole mit Feuereifer vortrug.
-
-
-Die Mahlzeiten auf dem Schiffe.
-
-Hans Küchenmeister, dem wir unsern leiblichen Teil anvertraut hatten,
-verstand seine Sache vortrefflich, sodaß wir unter seiner Obhut gut
-aufgehoben waren. Zudem war er sehr freigebig. Denn jeden Mittag und
-Abend bestand die Speisenfolge aus vielen Gängen, sodaß man trotz des
-gutes Appetites, den die frische Seeluft bei sämtlichen Passagieren
-erregte, nicht alles verzehren konnte. Morgens früh um 6 Uhr gab es das
-erste Frühstück mit Kaffee oder Tee, Brödchen, Früchten u. s. w., um
-8 Uhr das zweite, dazu eine warme Fleischspeise, um 11 Uhr Kaffee mit
-einem kleinen Imbiß, mittags gegen 1 Uhr das große Mittagessen mit
-vielen Gängen, dann nachmittags um 4 Uhr wieder Kaffee und um 7 Uhr das
-Abendessen, dem um 9 Uhr noch einmal Kaffee, Tee, Zitronenwasser oder
-sonstige erfrischende Getränke folgten. Ich muß wirklich gestehen, daß
-die Verpflegung auf dem Schiffe gut, sehr gut war, und doch hatte ich
-eins zu tadeln und das waren die salzigen Speisen. Als ich am ersten
-Tage meines Aufenthaltes an Bord den ersten Löffel Suppe zu Munde
-führte, glaubte ich reines Salzwasser getrunken zu haben, sodaß ich
-den Löffel sofort fortlegte, und so wie mir erging es meinen sämtlichen
-Landsleuten. Einige Tage konnten wir nichts essen, bis uns der Hunger
-quälte und wir uns nach und nach an die salzige Kost gewöhnen lernten.
-Daß der Hunger der beste Koch sei, gilt also erst recht auf dem
-Schiffe! Zwar hatte ich schon in der Heimat gehört, daß die Gerichte der
-Deutschen viel schärfer als die unsrigen wären, aber wir hatten nicht
-geahnt, daß die Speisen bei ihnen so salzig genossen würden. Daß wir
-nach dem Essen immer ungeheuren Durst empfanden, ist selbstverständlich
-und wir konnten uns nun erklären, weshalb täglich soviel Bier verzapft
-wurde und weshalb die Deutschen so große Mengen dieses Gebräues
-vertilgen.
-
-[Illustration: Ein Schiff in Sicht.]
-
-
-Charakterskizzen einzelner Nationen.
-
-Unter den vielen Nationalitäten, die sich an Bord befanden, traten die
-verschiedensten Gebräuche und Gewohnheiten hervor. So fiel es mir auf,
-daß die Engländer -- Damen wie Herren -- besonderes Gewicht auf die
-Toilette legten. Beim Abendessen z. B. erschienen die Engländer stets in
-schwarzer Kleidung, während die andern Passagiere sich so zeigten, wie
-sie gerade angezogen waren, und sich nicht erst besonders
-umkleideten. Ebenso erschienen die englischen Damen dekolletiert in
-Gesellschaftstoilette. Am Sonntag zum Gottesdienst waren fast immer nur
-Engländer zugegen, die der Predigt ihres landsmännischen Predigers,
-der lange als Missionar in China tätig gewesen sein sollte, andächtig
-zuhörten. Andere Nationen erschienen zu dieser Feier höchst selten. Auch
-waren es ausnahmsweise Engländer, die sich mit großer Beweglichkeit an
-den Spielen beteiligten und sich dabei selbst alte Leute mit den Kindern
-vergnügten. Daß die Engländer auch im Kartenspiel groß sind, habe
-ich bereits oben erwähnt. -- In Colombo war eine englische
-Schauspielertruppe an Bord gekommen. Das Benehmen derselben aber war
-nicht gerade lobenswert zu nennen. Sie waren zwar lebhaft, hatten aber
-wenig feine Manieren, wie sie bei andern ihrer Landsleute oft zu finden
-sind; besonders war das Singen, Schreien, Trinken u. s. w. der Damen
-recht unschön, sodaß wir ordentlich aufatmeten, als diese Gesellschaft
-das Schiff verließ.
-
-Die Deutschen sind stillerer Natur; sie sitzen gewöhnlich bei einem
-Glase Bier, rauchen Zigarren oder lesen irgend etwas, was sie auf
-dem Schiff bekommen, wie Novellen, Reisebeschreibungen u. s. w., die
-Bibliothek des Schiffes steht zwar jedem jederzeit zur Verfügung, wird
-aber am meisten von Deutschen in Anspruch genommen. Die interessantesten
-Bücher gehen stets von einem Deutschen zum andern, sodaß wir diese kaum
-zum Lesen erhielten. Einige von ihnen sitzen im Winkel des Rauchsalons
-und sind so in ihre Lektüre vertieft, daß sie kaum merken, was um sie
-vorgeht. Um ihr Äußeres bekümmern sich die Deutschen bedeutend weniger
-als die Engländer, sie geben sich ganz ungezwungen. Von ihnen kann man
-sagen: wahrlich ein leselustiges Volk.
-
-Die Franzosen sind immer aufgeweckt, fröhlich und gesprächig, sie
-gehen meistens in laut geführter Unterhaltung auf dem Promenadendeck
-spazieren, mischen sich in jedes Gespräch, spielen Karten, trinken,
-rauchen Cigaretten und sind immer vergnügt und guter Dinge. Ich sprach
-mit einem Franzosen und sagte, daß seine Landsleute zwar sehr leutselig,
-gewandt im Verkehr und witzig seien, aber daß sie in mancher Beziehung
-zu leichtlebig und ihrer Regierung allzuoft Sorgen bereiten, sodaß
-diese stets darauf bedacht sein müsse, neue Ablenkungen für das Volk zu
-finden, wenn es sich nicht allzuviel mit den politischen Angelegenheiten
-beschäftigen sollte. Da sagte mir der Franzose, daß diese Ansichten fast
-von allen Menschen geteilt, aber in Wirklichkeit nicht zutreffend seien.
-Er meinte, man könne wohl die Pariser so beurteilen, aber wenn man von
-dem ganzen französischen Volke spräche, so sei dies etwas übertrieben.
-Paris ist eine Weltstadt, in der alle Nationen in großer Anzahl
-vertreten sind; will man daher echte Franzosen kennen lernen, so darf
-man diese nicht in Paris suchen. Wenn man einmal ins Innere des Landes
-kommt, wird man ein Volk mit stillerem, ruhigerem Charakter antreffen,
-das von den sogenannten Parisern sehr absticht. Schlicht, einfach und
-gehorsam, sanft wie ein Lämmchen, kümmern sich diese Leute wenig oder
-garnicht um Politik. Als ein Beispiel dafür könnte man jene merkwürdige
-Begebenheit mit Dreyfus anführen, über den in Paris so viel geschrieben
-und gesprochen wurde. Man nahm an, daß dies die Stimme ganz Frankreichs
-wäre, in Wirklichkeit aber wußte man außerhalb von Paris nur wenig
-von ihm. Während die ganze Stadt in großer Aufregung war, als der
-Verurteilte nach seinem Verbannungsorte geschickt werden sollte,
-stand man dieser Sache im Lande ziemlich kühl gegenüber. Um den echten
-Franzosen kennen zu lernen, sollte man also ins Innere gehen, nur dort
-kann man Land und Leute richtig beurteilen. Ich gab seinen Ausführungen
-Recht und versicherte ihm, daß dieselben viel Überzeugendes hätten.
-
-Wie sich nun unsere Landsleute auf dem Schiffe bewegten, was sie
-trieben und wie sie lebten, brauche ich hier nicht zu erörtern, denn
-der japanische Charakter ist ja uns allen bekannt. Sollte jedoch irgend
-jemand sein, der es wissen möchte, nun gut, der mag selbst die Reise
-antreten.
-
-
-Die Seekrankheit.
-
-Ja, die Seekrankheit ist eine wunderbare Krankheit! Gottlob, daß sie
-auf unserer Fahrt nicht so schlimm auftrat, trotzdem wir von Colombo bis
-Aden fast fünf Tage lang ziemlich hohen Wellengang hatten. Es ist ein
-unheimliches Gefühl, wenn das Schiff so stark schaukelt, sich jetzt
-auf diese, nun auf jene Seite legt; bald glaubt man in einen Abgrund zu
-versinken, bald zu den Wolken emporgetragen zu werden. Und dann, wenn
-sich das Hinterschiff aus dem Wasser erhebt, das dumpfe Getöse der
-Schrauben, das man noch lange nach beendigter Fahrt zu vernehmen glaubt.
-An einem besonders stürmischen Tage konnten die meisten den Speisesaal
-nicht betreten. Eine Dame war vom Anfang der Fahrt bis zum Ende
-seekrank, sodaß sie fortwährend auf dem Verdeck liegen mußte und weder
-essen noch schlafen konnte; sie sah wirklich mitleiderregend aus. Ein
-junger Deutscher pflegte sie sehr aufopfernd, sodaß man glauben konnte,
-die beiden ständen sich auch im sonstigen Leben näher. Beide verließen
-das Schiff in Neapel, um ihre Reise von dort aus zu Land fortzusetzen.
-Unsere besten Wünsche begleiteten sie, und wir hofften, daß sie
-glücklich und gesund ihre Heimat erreicht haben.
-
-Gegen die Seekrankheit gibt es meiner Erfahrung nach zwei
-Verhaltungsweisen, entweder man liegt ganz still oder man bewegt sich
-fortwährend so viel wie nur irgend möglich. Ich habe bemerkt, daß
-korpulente Personen mehr von dieser Krankheit geplagt wurden, als andere
-Menschen. Unter meinen Landsleuten befand sich auch einer, der sehr
-leicht seekrank wurde, er blieb die meiste Zeit in der Kajüte und ließ
-sich selten sehen. Beim Essen erschien er -- da der Hunger ihn plagte --
-aß sehr schnell, fast ohne zu kauen und -- verschwand. Gingen wir jedoch
-an Land, so war unsere Kolonie stets vollzählig, sodaß wir es hinnehmen
-mußten, als ein Deutscher zu uns sagte: »Eigentümlich, wenn Sie an Land
-gehen, sind Sie vollzählig, sonst nicht.«
-
-Ich habe stets mit meiner Seetüchtigkeit geprahlt und sie auch auf
-der ganzen Fahrt bewahrt, ausgenommen an einem Tage. An diesem Tage,
-glücklicherweise dem einzigen während der ganzen Seereise, bin auch
-ich ein Opfer dieser heimtückischen Krankheit geworden. Das wollte ich
-eigentlich geheim halten, aber da ich versprochen habe, meine Erlebnisse
-treu mitzuteilen, so fühle ich mich verpflichtet, der Wahrheit zu Ehren
-auch dieses zu berichten. Die Seekrankheit verursacht ein geradezu
-unbeschreibliches Gefühl, zumal wenn man, wie ich, beim Bade von ihr
-überrascht wird. Eine große Welle stürmte heran, der ganze Schiffbau hob
-und senkte sich in schaukelnder Bewegung; es hob und senkte sich auch
-mir im Innern, sodaß ich das Gleichgewicht verlor und vergebens nach
-einem Halt suchte... Der Angstschweiß trat mir auf die Stirn... es
-schwindelte mir vor den Augen... der Magen krampfte sich zusammen... ein
-Pressen im ganzen Körper... »und es wallet und brauset und siedet« und
--- ich war seekrank, ich, der ich sonst mit mitleidigem Lächeln auf die
-seeschwachen Passagiere herabschaute! Gottlob, daß diese Krankheit sonst
-keine nachteiligen Folgen hat! Glücklich derjenige, dem es vergönnt ist,
-von einer solchen Reiseerinnerung verschont zu bleiben!
-
-[Illustration: Auf dem Vorderdeck des »König Albert«.]
-
-
-Der Nebel.
-
-Eine der gefährlichsten Erscheinungen während der Fahrt ist der Nebel,
-und zwar am gefährlichsten, wenn das Schiff sich in der Nähe eines
-Strandes oder gar einer Klippe oder Sandbank befindet. Ein Sturm ist
-zwar für Schiffe ebenfalls gefährlich, jedoch kann man bei der festen,
-soliden Bauart der heutigen großen Dampfer und der theoretisch wie
-praktisch hochstehenden Ausbildung der Führer einem Sturm mit Ruhe
-entgegensehen, zumal wenn sich das Schiff auf hoher See befindet. Etwas
-anderes ist es aber mit dem Nebel, da nützt sowohl die Festigkeit des
-Schiffes als auch die kunstgerechte Führung fast garnichts, denn bei
-dichtem Nebel kann man ja kaum zwei Schritte weit sehen. Zwar werden
-allerlei Mittel angewendet, um die Gefahr zu verringern; man hat auch
-die verschiedensten Apparate erfunden, um die augenblickliche Lage des
-Schiffes möglichst genau zu bestimmen, aber trotz alledem ist bei einem
-Nebel die Gefahr für Schiff und Besatzung bei weitem größer als bei
-einem Sturm. Als wir von Hongkong nach Singapore fuhren und uns nicht
-weit von der Insel Formosa befanden, wurden wir eines Morgens von
-einem dichten Nebel überrascht. Dieser Teil des Meeres ist wegen der
-zahlreichen Klippen, welche jene Insel umgeben, den Schiffern als
-einer der gefährlichsten bekannt. Es verursacht ein unheimliches und
-angstvolles Gefühl, wenn auf dem Schiffe allerlei Anstalten getroffen
-werden, die auf eine ernste Gefahr hindeuten. Die Fahrgeschwindigkeit
-wird auf ein Minimum herabgesetzt, nur langsam bewegt sich das Schiff
-vorwärts; von Zeit zu Zeit liegt es ganz still. Die Glocken werden in
-einem fort geläutet; die Dampfpfeife und das Nebelhorn ertönen, um
-bei etwaiger Annäherung eines anderen Schiffes einen Zusammenstoß zu
-vermeiden, dazwischen hört man das Kommando der Offiziere. Zwar sind
-die stärksten elektrischen Lichter angezündet; da man sich jedoch
-gegenseitig auf ein paar Schritte kaum erkennen kann, so ist klar, daß
-auch dies wenig hilft. In solch einer ernsten Stunde hört alles lebhafte
-Treiben an Bord auf; es wird totenstill und jeder hat mit sich selbst
-zu tun. Er denkt an das, was ihm im Leben am nächsten steht, läßt so
-manches an sich im Geiste vorüberziehen, sein fernes Heim, seine lieben
-Angehörigen, die von dem furchtbaren Ernst der Stunde keine Ahnung
-haben. Dieser angstvolle Zustand währte etwa drei Stunden, und als dann
-der dichte Nebelschleier zerriß, sahen wir auf der einen Seite, nicht
-allzuweit von uns, einen Postdampfer vorüberfahren. Bei diesem Anblick
-befiel uns unwillkürlich ein Grausen. Was hätte uns zustoßen können,
-wenn sich der Nebel nicht aufgeklärt hätte! Durch Gottes Hilfe war
-diesmal ein Unglück vermieden, sonst hätten wir vielleicht hier ein
-nasses Grab in dem unendlichen Meere gefunden. Das schöne Lied von
-Goethe möchte ich hier anführen, worin er »die glückliche Fahrt« --
-freilich weniger nach gefährlichem Nebel als nach lang anhaltender
-Windstille -- besingt:
-
- »Die Nebel zerreißen,
- Der Himmel ist helle
- Und Äolus löset
- Das ängstliche Band.
- Es säuseln die Winde,
- Es rührt sich der Schiffer.
- Geschwinde! Geschwinde!
- Es teilt sich die Welle,
- Es naht sich die Ferne;
- Schon seh' ich das Land!«
-
-
-Die Schiffsbegleiter.
-
-Wirklich interessante Erscheinungen sind die verschiedenen Tierarten,
-welche dem Schiffe unterwegs begegnen oder dasselbe ein Stück begleiten.
-Zunächst sind es die Möven, jene schöne Art von Seevögeln, welche in
-großer Anzahl das Schiff umkreisen. Wenn sich letzteres dem Strande oder
-dem Hafen nähert, sieht man viele hunderte von diesen Vögeln, die auf
-den Augenblick warten, wo alle Überbleibsel der Speisen, wie Brot,
-Fleisch u. dergl., über Bord geworfen werden. Es ist ein sehr
-anziehendes Schauspiel, wenn diese Seevögel, nachdem sie eine Zeitlang
-durch die Luft geschwebt sind, mit einem Male zum Wasser hinabschießen,
-um kleine Fische zu fangen. Einige tauchen unter, andere bleiben so
-recht vergnügt auf der Oberfläche der Wellen. Wenn man von Bord aus
-dieses lustige, harmlose Treiben zwischen dem blauen Himmel und dem
-grünen Meere betrachtet, so könnte man diese zierlichen Tiere beinahe
-beneiden und meinen, man möchte wohl auch solch ein Vogel sein, um so
-recht vergnügt und froher Dinge in der freien Luft zu schweben und sich
-ohne Sorgen in Gesellschaft der Kameraden zu tummeln. Aber auch diese
-Vögel haben ein Leben voller Gefahren. So sahen wir eines Abends einige
-Möven, welche unserem Schiffe folgten und vor Mattigkeit kaum noch
-zu fliegen vermochten. Diese hatten sich wahrscheinlich von ihrem
-heimatlichen Strande zu weit entfernt und konnten ihn nicht
-mehr erreichen. Sie waren so matt, daß sie sich, ohne vor uns
-zurückzuschrecken, am Schiffsgeländer niederließen und sich mit bloßen
-Händen fangen ließen. Am nächsten Morgen gaben wir unsere kleinen
-Gefangenen, nachdem wir sie tüchtig gefüttert hatten, wieder frei, in
-der Hoffnung, daß sie den Weg zum heimatlichen Strande zurückfinden
-würden.
-
-Die eintönige Fahrt wird ferner durch die fliegenden Fische
-unterbrochen. Diese sind jedoch nicht überall anzutreffen; sie scheinen
-bestimmte Strecken im Meere zu verschiedenen Zeiten aufzusuchen. So
-sahen wir sie tagelang garnicht, an anderen Tagen dagegen konnten wir
-sie in bedeutender Zahl beobachten. Sie schnellen mittels ihrer großen
-langen Flossen über die Oberfläche des Wassers wie ein abgeschossener
-Pfeil dahin. Von weitem hat ihre Fortbewegung viel Ähnlichkeit mit dem
-Fluge einer Schwalbe.
-
-Das Interessanteste von allem aber war unsere Begegnung mit einem
-Walfisch. Ca. 400-500 m vom Schiffe entfernt, entdeckten wir eines Tages
-ein schwarzes Etwas. Wir glaubten ein Wrack oder eine Klippe vor uns zu
-haben, aber als wir einige Zeit aufmerksam hingesehen hatten, bemerkten
-wir, daß diese schwarze Masse sich immer mehr hob und dann plötzlich
-verschwand. Dieses wiederholte sich mehrmals. Da auf einmal ragte ein
-Riesenkörper empor, und nun erkannten wir einen mächtigen Walfisch.
-Weil er sich von dem Meere fast senkrecht abhob, konnten wir die ganze
-Gestalt sehr gut erkennen. Wenn wir auch bei der Entfernung die Länge
-des Tieres nicht genau nach Metern zu bemessen vermochten, so war uns
-doch das eine klar, daß wir einen mächtigen Riesen des Meeres vor uns
-hatten. Es war ein imposanter Anblick, dieses Auf- und Untertauchen des
-gewaltigen Tieres, und wir verfolgten dasselbe mit unseren Augen, so
-lange es irgend möglich war. Ich hätte gewünscht, die Fahrt des
-Schiffes auf einige Augenblicke hemmen zu können, damit auch alle andern
-Passagiere an diesem Schauspiel sich hätten weiden können, aber leider
-war es unmöglich, und so mußten die, die es nicht gesehen, mit unserer
-Erzählung fürlieb nehmen.
-
-Nicht so imposant wie diese Riesen sind die Delphine, aber auch sie
-tragen zur Unterhaltung viel bei und bringen einige Abwechslung in das
-Leben an Bord. Wir haben viele Delphine in einzelnen Gruppen beobachten
-können, einmal sogar zu mehreren Hunderten. Sie scheinen ein bis zwei
-Meter groß zu sein, tauchen mit ihrem plumpen Körper kopfüber unter
-oder schnellen aus dem Wasser heraus, um über dem Meeresspiegel ihre
-Kunststücke zu üben. -- So hat auch das Meer durch seine Bewohner seinen
-Tribut zur Unterhaltung der Passagiere dargebracht.
-
-
-Das Leben an Bord.
-
-Demjenigen, der zum ersten Male zu Schiff reist und nun mehrere Wochen
-an Bord zubringen muß, wird eigentümlich zu Mute, wenn er sich sein
-neues Heim näher ansieht. So will ich denn hier versuchen, meinen Lesern
-und besonders meinen jungen Freunden in der Heimat einen flüchtigen
-Einblick in dieses neue Leben zu verschaffen, damit sie bei einer
-späteren Reise besser Bescheid wissen. Zunächst die Kajüte. Man denke
-sich einen Raum von 2½ bis 3 m im Quadrat, auf der einen Seite zwei
-Bettstellen übereinander und neben diesen einen Kleiderschrank von etwa
-½ m Breite und ½ m Tiefe, auf der andern ein Sofa. Zwischen Sofa
-und Betten befinden sich zwei große Spiegel mit Waschtoilette schräg
-gegenüberliegend, sodaß zwischen diesen noch ein freier, allerdings
-nicht großer Raum übrig bleibt. Hier stehen die kleineren Koffer, das
-sogenannte Handgepäck, während die großen Koffer in dem Magazin für
-Passagiergepäck aufbewahrt werden, das täglich zu einer bestimmten Zeit
-den Reisenden zugänglich ist. Eine Leiter für den Inhaber des oberen
-Bettes ist selbstverständlich auch vorhanden, damit sich derselbe in
-seine in der ersten Etage liegenden Gemächer zurückziehen kann. Die
-Waschtoilette besteht aus Waschschüssel, Wasserkaraffe, Gläsern,
-Nachtgeschirr, Seife und Handtüchern und ist äußerst praktisch
-eingerichtet; man braucht sie nur herunterzuklappen, dann hat man eine
-hübsche große Fläche mit dem Nötigen vor sich. Nach Benutzung klappt man
-alles wieder hoch und spart auf diese Weise viel Raum. Auf dem Schiffe
-muß man sich überhaupt daran gewöhnen, mit wenig Raum auszukommen, da
-dieser das Kostbarste in der schwimmenden Wohnung ist. Zum Zudecken
-des Körpers während des Schlafes benutzt man wollene Decken, welche vom
-Schiffe geliefert werden. Das ist die ganze »komfortable« Einrichtung
-einer Kajüte. Anfangs schien es mir, als ob ich mich in dieser engen
-Behausung nicht frei bewegen könnte, ohne irgendwo anzustoßen, vermochte
-ich doch mit ausgestreckten Armen die Decke zu berühren! Obwohl wir
-Japaner so zierlich gebaut sind, kam mir meine neue Welt doch so winzig
-vor, daß ich glaubte, ich hätte selbst für meine kleine Person keinen
-Platz darin. Aber wie der Mensch sich an alles gewöhnt, so gewöhnten
-auch wir uns bald an unsere Kajüte und meinten später ein großes Reich
-zu besitzen. Man bedenke, ein Handausstrecken genügt, und alles was
-man haben will, kann man erreichen und fassen: kann es etwas bequemeres
-geben? So fühlten wir uns in diesem engen Raum am Ende ganz wohl, vor
-allen Dingen fanden wir ihn sehr praktisch. Wenn man an die vielen
-Zimmer denkt, die man sonst zu Hause zu bewohnen pflegt, dann muß man
-sich unwillkürlich sagen: Welch' eine Verschwendung, welch ein großer
-Luxus ist eine so große Wohnung! Kann man doch mit bedeutend weniger
-auskommen! So dachten wir oft verständnisvoll an den Griechen Diogenes,
-der in einer Tonne gelebt haben soll, an Sokrates, der gesagt hat,
-daß Nichts bedürfen göttlich sei, daß demnach derjenige, welcher am
-wenigsten bedürfe, der Gottheit am nächsten sei.
-
-Die Einrichtung der Kajüten der ersten und zweiten Klasse ist so
-ziemlich gleich, nur sind sie in der ersten Klasse etwas geräumiger und
-haben eine bessere Ausstattung. Meine Kajüte hatte einen Vorzug, das
-waren zwei Luken, durch die sie frische Luft und Licht erhielt; bei
-schönem Wetter blickte auch wohl die Sonne herein und verlieh dem
-Raum ein freundliches Aussehen. Die Kajüten aber, die in der Mitte
-des Schiffes liegen, sind dunkel und ohne Luken, sodaß man stets
-elektrisches Licht anzünden muß, um einigermaßen sehen zu können;
-außerdem sind sie mit einem Ventilator versehen, welcher elektrisch
-betrieben wird und für frische Luft sorgt. Aber leider ist seine
-Tätigkeit nur in einer bestimmten Höhe fühlbar, denn ober- und unterhalb
-derselben entsteht kein Luftzug, sodaß im ganzen in einer solchen Kabine
-keine angenehme Luft herrscht. Noch einen andern Übelstand bringt der
-Ventilator mit sich, das ist sein Geräusch, welches recht unangenehm auf
-die Nerven wirkt.
-
-Nachdem man des Nachts in der Kajüte der Ruhe gepflegt hat, fängt
-mit Anbruch des Tages das Leben auf dem Verdeck an. Sobald die Glocke
-läutet, steht man auf, geht eine Zeitlang auf dem Verdeck spazieren und
-nimmt dann, wenn die Glocke zum zweiten Male ertönt, das erste Frühstück
-ein. Einige jedoch standen schon vor dem ersten Glockenschlag auf
-und wanderten auf dem Verdeck umher, denn es ist unstreitig von allem
-Schönen das Schönste, wenn man sich früh morgens erhebt und die weite
-unendliche See mit dem wunderbaren Aufgang der Sonne betrachtet. Die
-erhabene Unendlichkeit des Meeres, von dem in mattem Rot gefärbten
-Dunstschleier am Horizont begrenzt -- welche Herrlichkeit! Ich mußte
-dabei öfters an ein Gespräch unseres verstorbenen Kultusministers
-Vicomte Mori mit dem chinesischen Staatsmann Li-Hung-Tschang denken, als
-jener noch als Gesandter von Japan am Pekinger Hofe weilte. Li fragte
-ihn nämlich einmal, was er in der Welt für das Schönste und Erhabenste
-halte, worauf jener zur Antwort gab, daß es für ihn nichts Schöneres und
-Erhabeneres gäbe, als wenn er sich mitten auf dem endlosen Meere befinde
-und das Auge über die weite, weite Fläche schweifen ließe. Nur in diesem
-Augenblick fühle man, entrückt von allem irdischen Staube, das wahrhaft
-Schönste und Erhabenste! Li-Hung-Tschang, der auf seine scheinbar
-einfache Frage vielleicht eine politische Antwort zu erhalten geglaubt
-hatte, war ob dieser unerwarteten gefühlvollen Entgegnung nicht wenig
-erstaunt und konnte nicht umhin, sein Gegenüber als einen ebenso
-empfindungsreichen wie geschickten Diplomaten anzuerkennen.
-
-Auf das erste Frühstück folgt, wie schon oben erwähnt, in langem Abstand
-das zweite. Nach diesem wird durch Lesen oder Unterhaltung die Zeit auf
-dem Promenadendeck vertrieben, bis die Glocke zum Mittagessen ruft und
-auch diese Beschäftigung unterbricht. Nach dem Essen folgt die Siesta
-bis zur Vesperzeit. Da sieht man fast alle Passagiere langgestreckt auf
-den Rohrstühlen liegen und schlafen. Erst am Abend, wenn es kühler wird,
-beginnt ein regeres Leben. Da wird der Rauchsalon stark besetzt, auf dem
-Promenadendeck spaziert man paarweise plaudernd umher oder bildet hier
-und da Gruppen, von denen Witzworte hin- und herfliegen. So geht es bis
-spät in die Nacht hinein, um endlich ermüdet seine enge Behausung
-wieder aufzusuchen und, des glücklich überstandenen Tages froh, durch
-erquickenden Schlaf sich zum nächsten Tage zu stärken. Ein Tag gleicht
-dem andern, nur das Ziel rückt immer näher und neugierigen Auges
-betrachtet man den Ort, wo sich das Schiff befindet, auf der an Bord
-befindlichen Landkarte. Jeden Tag einmal wird nämlich auf dieser
-Karte angezeigt, wieviel Meilen das Schiff in den letzten 24 Stunden
-zurückgelegt hat und welche Stelle es augenblicklich einnimmt.
-
-Im allgemeinen kann man sagen, daß nächst dem Essen und Trinken das
-Schlafen die Hauptbeschäftigung der Passagiere ausmacht und daß Morpheus
-vor allen andern Göttern hier sein Szepter schwingt:
-
- »Hoch vor allen
- Gaben des Himmlischen
- Sei mir gepriesen
- Du, der Seele
- Lebendes Wasser,
- Gliederlösender
- Heiliger Schlaf.
- -- -- -- -- -- -- --
- -- -- -- -- -- -- --
- Ein heilig Bad
- Bist Du, o Schlummer,
- Würziger Kraft voll.
- Mut und Erneuung
- Atmet die Psyche,
- Wenn Deine Woge
- Sanft die bewußtlos
- Schwimmende trägt
- Von Leben zu Leben,
- Von Strand zu Strand.«
-
-So priesen wir mit Geibel den süßen erquickenden Schlaf. Er
-hauptsächlich verscheucht die furchtbare Langeweile während der öden,
-eintönigen Wasserfahrt, sei es, daß er den Schläfer in die Heimat zu
-seinen Lieben entführt, sei es, daß er vor ihm in den prächtigsten
-Farben Zukunftsbilder von dem Lande entrollt, wohin er fährt, die aber
-leider von ebenso kurzer Dauer sind, wie sie der rauhen Wirklichkeit
-wenig entsprechen. Aber auch andere Bilder ziehen vor dem Geiste des
-Träumers vorbei, und nur das Rasseln der Schrauben und das Plätschern
-der Wellen erinnern ihn von Zeit zu Zeit an die Wirklichkeit, an das
-rastlose Vorwärtsstreben des Dampfers.
-
-
-Handel an Bord.
-
-Jedesmal, wenn das Schiff in einen Hafen einläuft, wird es von den
-Landbewohnern besucht, die, mit den verschiedensten Produkten ihres
-Landes reichlich beladen, auf das Deck kommen, um mit den Insassen
-Handel zu treiben. Manchmal ist die Zahl dieser Geschäftsleute so
-ungeheuer und das Gedränge an Bord so groß, daß man sich kaum frei
-bewegen kann. Sie verursachen auch gelegentlich so großen Lärm, daß man
-nicht imstande ist, sein eigenes Wort zu verstehen. Hierbei kann man
-jedoch die verschiedensten Charaktere der Völker sehr gut kennen lernen
-und auch die Art und Weise studieren, wie sie ihre Waren feilbieten.
-
-[Illustration: Ausladen der Fracht in einem Hafen.]
-
-In Hongkong und Shanghai kommen die Chinesen. Gestickte Seide, Tusche,
-Pinsel, Geldstücke, meistenteils alte Kupfermünzen, Schnitzereien aus
-Ebenholz und Elfenbein, goldene und silberne Ringe, Knöpfe, Nadeln,
-Gürtelschlösser u. s. w. sind ihre Spezialitäten. In Penang bringen
-ebenfalls die Chinesen Schmuckgegenstände und insbesondere wunderhübsche
-Kunstkistchen in verschiedenen Größen, aus schönem Holz verfertigt,
-zum Verkauf. In Colombo erscheinen die braunen Eingeborenen mit den
-verschiedensten Sachen aus Elfenbein, mit allerlei Arten von Edelsteinen
-wie Rubinen, Saphiren, Topasen u. s. w., worunter natürlich auch
-viele falsche sind, die aber die Verkäufer mit ernster Miene als
-echte Edelsteine anpreisen. Auch Bergkristalle und Granaten, metallene
-Gegenstände, ferner Gewürz, Tee, Kaffeebohnen, alle möglichen Früchte,
-eigentümliche Waffen aus langen scharfen Knochen von Tieren und Fischen
-u. s. w. werden hier angepriesen. In Port Said werden besonders Brokat,
-goldgestickte Teppiche und Tischdecken in herrlichster Ausführung,
-Korallen, kurze Uhrketten aus Metall mit Geldstücken, Straußenfedern,
-Straußeneierschalen, buntgeflochtene Körbe und anderes angeboten; ferner
-gute und sehr billige Cigaretten, aber man darf leider nicht zu viel
-davon kaufen, denn wenn man nach Italien kommt, werden sie verzollt und
-der Zoll beträgt ungefähr das Doppelte von dem, was man dafür bezahlt
-hat. In Neapel kann man außer verschiedenen feinen Schmuckgegenständen
-geschnitzte Figuren, Knöpfe, Gemmen u. s. w. aus Lava und Marmor als
-Spezialitäten erwerben. Erwähnen möchte ich noch, daß an jedem Orte
-Photographien und Ansichtspostkarten zu haben sind. Die Verkäufer sind
-fast überall zudringliche, mitunter unsaubere Leute, so daß sie Jedem
-Abscheu einflößen und man froh ist, wenn sie das Schiff verlassen haben.
-In einzelnen Häfen kommt man diesen Händlern sogar mit größtem Mißtrauen
-entgegen, da sie als unehrliche Leute bekannt sind, und vorsichtshalber
-werden sämtliche Behälter und Türen verschlossen. In Port Said z. B.
-wurde mit ihnen sehr derb verfahren. Hier erwarteten die Matrosen,
-an der Schiffstreppe mit Knütteln Posten stehend, die Ankömmlinge und
-ließen niemanden herauf. Aber obwohl es Hiebe hagelte, wichen diese
-Kerle nicht von dannen und schließlich gelang es doch einigen von ihnen,
-hindurchzuschlüpfen oder die Matrosen mit Geld oder Waren zu bestechen.
-Gerade in Port Said, wo die Kaufleute den verschiedensten Völkern
-angehören, wie Indern, Arabern, Italienern u. a. m., widert einen die
-Gesellschaft besonders an, so daß man mit Ekel die angebotenen Sachen
-zurückstößt. Zudem sprechen diese Händler eine eigentümliche, man
-könnte sagen, eigene Weltsprache, d. h. ein Gemisch von allen Sprachen,
-Englisch, Italienisch, Französisch, Deutsch, Arabisch u. s. w., von
-jeder Sprache etwas. Im allgemeinen wird sonst Englisch gesprochen,
-oder richtiger gesagt, geschrien. Doch geht der Handel mitunter auch
-sprachlos mittelst Gestikulationen, Achselzucken u. s. w. gut von
-statten. Wie unehrlich dieses Gesindel ist, mußte einer von uns bei
-folgender Gelegenheit erkennen: derselbe kaufte eine Photographie und
-bezahlte mit einem Goldstück, worauf der Verkäufer herausgeben sollte;
-aber kaum hatte dieser das Goldstück in der Hand, so verschwand er in
-der großen Menge und kam nicht wieder zum Vorschein. Aber auch, wenn
-diese Kerle herausgeben, muß man vorsichtig sein und aufpassen, da sie
-nicht selten falsches Geld bei sich führen. Auch Wechsler erscheinen mit
-großen Beuteln voll Gold und Silbermünzen an Bord. Diese erhalten zwar
-wegen der hohen Prozente, die sie für sich beanspruchen, wenig
-Aufträge, verdienen aber doch immerhin ganz beträchtlich, da man in den
-verschiedenen Gewässern mit verschiedenen Geldsorten zahlen muß. Auch
-Schneider erscheinen mit Kleidungsstücken, die sie verhältnismäßig
-billig ablassen. Sie kaufen auch von den Passagieren und Mannschaften
-alte Kleider, Wäsche u. s. w. Im allgemeinen sind die Preise der an Bord
-feilgebotenen Gegenstände außerordentlich hoch; man muß deshalb sehr
-handeln und kann gewiß sein, das betreffende Stück schon für die Hälfte
-des geforderten Preises zu erhalten. Die meisten Sachen sind auch
-minderwertig. Die Verkäufer preisen sie jedoch ungeheuer an und wissen
-stets einige davon los zu werden. Natürlich kaufen die Passagiere in
-vielen Fällen für teures Geld Sachen, die keinen Pfennig wert sind --
-ich, der ich imitierte gefärbte Glaskugeln für echte Korallen hielt und
-kaufte, gehörte auch leider zu diesen -- aber man befindet sich einmal
-auf der Reise und da macht es doch Vergnügen, etwas mitzubringen oder
-seinen Lieben aus der Ferne Kleinigkeiten zu senden, auch wenn man diese
-Freude teuer bezahlen muß.
-
-In Singapore, Port Said und Colombo kommen auch viele kleine
-Eingeborene, Knaben, unbekleidet, fast wie Affen aussehend, mit ihren
-Kähnen zum Schiff heran. In Colombo haben dieselben aus Baumstämmen
-ausgehöhlte, langgestreckte Fahrzeuge, welche sie geschickt bewegen.
-Natürlich treiben diese Kinder keinen Handel mit den Schiffsinsassen,
-machen aber ebenso wie die andern Kaufleute gute Geschäfte. Sobald
-sie die Passagiere am Schiffsgeländer erblicken, schreien sie mit
-krächzender Stimme oder zeigen mit der Hand, daß man Geldstücke ins
-Wasser werfen möchte, wonach sie mit unglaublicher Geschicklichkeit
-hinabtauchen. Einzelne von ihnen, die besonders gewandt sind, verdienen
-hierdurch viel Geld. Da sie unbekleidet sind, infolgedessen keine
-Taschen haben, stecken sie die aufgefischten Geldstücke in den Mund. --
-In Neapel sahen wir gleichfalls derartige Taucher, doch waren es hier
-erwachsene Männer in hellen Badeanzügen, ganz fein aussehend. In dieser
-Verschiedenartigkeit prägte sich recht deutlich der Gegensatz zwischen
-den Naturvölkern und der zivilisierten Welt aus.
-
-
-Tanzvergnügen an Bord.
-
-Auf unserer Fahrt fand für die erste und zweite Klasse je ein großes
-Tanzvergnügen statt. Hierzu wurde das Promenadendeck mit farbigen
-Tüchern und Fahnen schön ausgeschmückt und abgegrenzt. Viele farbige
-elektrische Lampen wurden angezündet, so daß man glauben konnte, sich
-nicht auf einem Schiffe, sondern in einem festlich geschmückten Saale zu
-befinden. Sämtliche Herren und Damen erschienen festlich gekleidet: die
-Damen fast ohne Ausnahme in heller Toilette, die Herren in schwarzen
-Gesellschaftsanzügen oder in hellen Sommerkostümen. Nach dem Abendessen
-nahm die Schiffskapelle ihre Plätze ein und begann zu spielen. Als
-Einleitung kam ein Promenadenstück, dann folgten die verschiedenen
-Tänze wie Walzer, Polka, Rheinländer, Quadrille und wie sie alle heißen,
-welche bis tief in die Nacht hinein getanzt wurden. Wir Japaner waren
-auch dazu eingeladen und sahen diesem Treiben mit Vergnügen zu, wenn
-wir denselben auch kein allzugroßes Interesse entgegenbrachten. Die
-elastischen Gestalten drehten sich, einander mit dem Arm umschlingend,
-oder bewegten sich nach dem Kommando eines Herrn von einer Seite zur
-andern durcheinander. Bald glichen sie Schmetterlingen, die paarweis von
-Blume zu Blume flattern, bald sich drehenden Kreiseln. Wie ich hörte,
-sollen alle diese Tänze fast über ganz Europa verbreitet sein, doch soll
-fast ein jedes Land außerdem noch eigene Nationaltänze haben. Überhaupt
-wird in Europa das Tanzen sehr gepflegt und schon in frühester
-Jugend erlernen Knaben und Mädchen diese Kunst entweder im geselligen
-Zusammensein der einzelnen Familien oder bei einem Tanzlehrer, welchem
-selbst Schulen, besonders Mädchenschulen sehr entgegenkommen, so daß sie
-ihm mitunter für seine Tanzstunden die Turnhalle überlassen. So wird
-in Europa fast jede Gelegenheit ausgenutzt, um ein Tanzvergnügen zu
-veranstalten, ungerechnet jene, die in vielen öffentlichen Lokalen
-stattfinden. Ein guter Tänzer wird in Europa sehr gern gesehen und
-eingeladen; er kommt dadurch leichter in die Gesellschaft hinein und
-erhält einen großen Bekanntenkreis, der ihm in mancher Beziehung von
-Nutzen ist.
-
-Im Zusammenhang mit Obigem erzählte mir ein Deutscher, daß in größeren
-Städten große, prachtvoll ausgestattete Säle seien, wo täglich getanzt
-wird, die sogenannten öffentlichen Tanzhallen. Hier jedoch seien
-fast nur Mädchen zu finden, die keinen guten Lebenswandel führen und
-leichtlebige Herren, die auf nicht gerade anständige Art ihr Geld
-verprassen. Die besseren Tanzvergnügungen, d. h. diejenigen, die von
-Familien, Vereinen oder aus einem bestimmten Anlaß für engere Kreise
-veranstaltet werden, haben jedoch -- wenn man so sagen darf -- einen
-Vorteil, und das sind die vielen Ehen, die durch diese gestiftet werden,
-insofern sie es ermöglichen, daß die jungen Leute sich kennen lernen.
-Ich weiß nicht, ob die Eheschließung dem Tanzen wirklich so viel zu
-verdanken hat, auf jeden Fall ist es aber klar, daß der Mensch dadurch
-aufgeheitert und angeregt wird, daß bei manchem ein wirkliches Bedürfnis
-befriedigt und ihm nach anstrengender Arbeit eine wohltuende Erfrischung
-gewährt wird. Gegen diese Lichtseiten hat der Tanz natürlich auch seine
-Schattenseiten, nämlich die, daß gerade dadurch viele Menschen, Männer
-wie Frauen, leichtsinnig werden, die Arbeit im Stich lassen, nur dem
-Vergnügen huldigen, wie denn auch wohl manche moralische Untugenden und
-Laster hier ihre Brutstätte haben.
-
-Auf dem Schiffe bemerkte ich, daß sogar ältere Leute, besonders
-Engländer, viel und gern tanzten, ein Beweis, wie rüstig und gelenkig
-man sich selbst bis ins hohe Alter hinein erhalten kann. Auch bei uns in
-Japan haben wir bereits vor mehreren Jahren versucht, europäische Tänze
-einzuführen, aber da dieselben unserem Geschmack nicht entsprachen, so
-werden sie jetzt nur wenig getanzt. Einzelne Kreise haben seiner Zeit
-sogar einen Maskenball nach europäischem Muster veranstaltet, jedoch ist
-es auch hier bei diesem einen Versuch geblieben. Der Hauptgrund, daß
-wir uns an diese Tänze nicht gewöhnen können, liegt wohl in der
-Verschiedenheit unserer Kleidung, Wohnung und vor allen Dingen unserer
-althergebrachten Musik, welche zum Tanze ungeeignet ist.
-
-Im Zusammenhang hierzu möchte ich einiges über die
-
-
-Schiffskapelle
-
-mitteilen. Auf dem Schiffe wird an jedem Tage mehrere Male konzertiert,
-regelmäßig morgens und abends. Die Kapelle besteht aus Stewards, die
-ihre Sache vortrefflich verstehen und sehr gut spielen. Nachdem sie beim
-Essen aufgewartet und ihre Kellnerpflichten erfüllt haben, begeben sie
-sich auf das Verdeck und beginnen hier ihr Konzert, welches gewöhnlich
-mehrere Stücke umfaßt, jedoch werden vorwiegend lustige Sachen gespielt.
-Ich hatte geglaubt, daß die Kapelle nur aus Berufsmusikern bestände,
-habe mich jedoch davon überzeugt, daß diese nur von den Stewards
-gebildet wurde und konnte mir danach wohl vorstellen, wie weit
-verbreitet und wie hochentwickelt die Musik in Europa sein mag. In
-Europa scheint fast jeder Musiktreibender zu sein und besonders in
-Deutschland, wo die meisten ohne Unterschied des Geschlechtes mindestens
-ein Musikinstrument gut spielen sollen. Bei uns befassen sich fast nur
-Frauen mit Musik, während Männer bloß unter den Berufsmusikern zu finden
-sind. Außerdem fehlt unsern althergebrachten Instrumenten meistenteils
-die Harmonie; sie klingen teils melancholisch, teils eintönig. Auch sind
-sie wegen ihrer leisen Töne nur in einem kleinen Zimmer zu hören, in
-einem großen Raum oder im Freien würden sie einfach verhallen. Daß nach
-dem oben Gesagten unsere althergebrachte Musik nicht zum Tanze geeignet
-ist, versteht sich von selbst.
-
-[Illustration: Musik an Bord.]
-
-In der Tat ist es eine Lücke in der Kultur unseres Landes, daß man
-bisher auf das ästhetisch so bedeutsame Mittel der Musik keine
-besondere Sorgfalt verwendet hat. Es werden jedoch jetzt in den Schulen
-Gesangstunden abgehalten; in der Musikschule, in welcher ein deutscher
-Kapellmeister angestellt ist, werden alle europäischen Musikinstrumente
-gelehrt; die Militär- und Marinekapellen sind ganz nach europäischem
-Muster eingerichtet, auch gibt es eine Hofkapelle und mehrere
-Privatkapellen, die echt europäische Musik vortragen. Aber da die Musik
-ebenso wie die Malerei, ja wie jede Kunst, mit dem Charakter des Volkes
-aufs innigste zusammenhängt, so werden noch Jahre vergehen, bevor sich
-diese Musik in ihrer modernen Technik in unserm Heimatlande eingebürgert
-haben wird. Von einem jungaufblühenden Lande kann man ja nicht
-verlangen, daß es mit einem Schlage in allen Dingen gleich die höchste
-Stufe erreicht; man muß ihm vielmehr Zeit lassen und allmählich wird
-unser Volk sicher auch diese ihm bisher noch fehlenden Talente zur
-Entwickelung bringen, um dann auch hier einen ehrenvollen Platz
-einzunehmen. In materiellen Dingen kann man ja schnell Riesenschritte
-machen, aber in Kunst und Wissenschaft, die dem Volke in Fleisch und
-Blut übergehen sollen, da muß man sich schon in Geduld fassen; doch
-die Zukunft wird auch hierin Wandel schaffen, ja vielleicht Wunder
-vollbringen.
-
-
-Wohltätigkeitskonzerte,
-
-deren Reinertrag für verunglückte Angestellte des >Norddeutschen Lloyd<
-oder deren Witwen und Waisen verwendet werden sollen, werden auf jeder
-Fahrt einmal arrangiert und daran beteiligen sich sämtliche Passagiere.
-Für das unsrige war ein vielseitiges Programm aufgestellt, von dem ich
-hier einige Nummern anführen möchte. Eingeleitet wurde das Fest durch
-Ansprache des Kapitäns und des für dieses Fest gebildeten Komitees,
-worin besonders der Zweck betont und schon im Voraus der Dank für die
-Mildtätigkeit der Teilnehmer und Spender ausgesprochen wurde. Hierauf
-folgten die heiteren Vorträge: ein Herr spielte vorzüglich Klavier, eine
-Dame trug einige Stücke auf der Zither vor, von mehreren Passagieren
-wurden verschiedene kleine Possen aufgeführt, eine junge Dame
-erfreute die Zuhörer durch den Gesang einiger schöner Lieder u. s. w.
-Hervorzuheben war die Leistung eines amerikanischen Offiziers, der als
-Dame verkleidet und schön geschminkt, die drolligsten Sachen vortrug und
-bei sämtlichen Zuhörern wahre Lachsalven erweckte. Hierauf wurden von
-mehreren Damen die Gaben eingesammelt und jeder gab soviel er geben
-konnte. Wie man uns beim Schluß des Festes mitteilte, war eine ziemlich
-bedeutende Summe zusammengekommen.
-
-
-Die entgegengesetzten Gefühle der Hin- und Herreise.
-
-Welch' ein bedeutender Unterschied liegt in den Gefühlen, mit welchen
-man die Hinreise macht und denen, die die Rückreise erweckt, und doch
-wohnen diese beiden Gegensätze auf einem und demselben Schiffe friedlich
-nebeneinander. Ein eifriger Beobachter könnte hier die schönsten Studien
-machen. Um bei uns, die wir uns auf der Fahrt von der Heimat befanden,
-anzufangen, so fühlten wir mit jedem Tage die Entfernung, welche uns von
-unsern Lieben trennte, größer werden. In den ersten Nächten blieb uns
-erquickender Schlummer fern. Denn ein eigentümliches Gefühl, gemischt
-aus der freudigen Aussicht, viel Schönes zu sehen und zu lernen, und
-aus dem Unbehagen, das Vaterland und die Seinigen so lange zu verlassen,
-hielt uns wach. Ja, es war, als ob eine Leere im Herzen entstünde, und
-in gleichem Maße, wie die Entfernung wuchs, glaubte man von Tag zu Tag
-ein Fortschreiten dieser Empfindung wahrzunehmen. Es ist uns dabei zu
-Mute, als ob jemand hinter unserem Rücken stände und uns fortwährend
-nach hinten zöge.
-
-Wie anders dagegen ist das Gefühl derjenigen, die sich auf der Rückreise
-befinden. Mit jedem Tage nähert man sich mehr und mehr der heimatlichen
-Küste und man kann wohl sagen, mit jeder Meile wächst die Freude und die
-Sehnsucht, die Lieben wieder vor sich zu haben, sie sprechen zu hören
-und sie in die Arme schließen zu können. Schon auf dem Schiff erzählten
-die auf der Rückreise Befindlichen gern und viel von der Heimat und man
-fühlt hier so recht die Wahrheit des Wortes: »Weß das Herz voll ist,
-deß läuft der Mund über,« während die Dahinfahrenden -- besonders in
-den ersten Tagen -- meist stumm und nachdenklich den Kopf hängen
-lassen oder, die Hände aufs Schiffsgeländer gestützt, in das weite Meer
-hinausstarren. Man könnte diese beiden Arten, die ich eben geschildert
-habe, als die normalen bezeichnen, denn ein jeder, welcher eine Heimat
-besitzt, wird beim Abschied Schmerz, beim Wiedersehen Freude empfinden.
-
-Nun gibt es aber noch Menschen, die sozusagen keine Heimat haben,
-d. h. die nach einem neuen Ziele streben und die Brücke hinter sich
-vollständig abgebrochen haben, oder solche, die aus reiner Reiselust
-von einem Weltteil zum andern fahren, bald hier, bald dort ihr Heim
-aufschlagen und überall zu Hause sind. Die Gefühle dieser Menschen sind
-selbstverständlich andere, oder vielleicht könnte man von ihnen sagen,
-sie fühlen überhaupt nichts Besonderes, da sie ja nichts zu verlieren
-und nichts zu gewinnen haben.
-
-
-Unser Schiff.
-
-[Illustration: Staatskabine des »König Albert«.]
-
-Wie schon mehrfach erwähnt, hatten wir uns auf dem deutschen
-Reichspostdampfer »König Albert«, dem >Norddeutschen Lloyd< gehörig,
-eingeschifft, und da uns dieser Dampfer bei der Überfahrt so gute
-Dienste geleistet hat, so fühle ich mich verpflichtet, über ihn zu
-schreiben und ihn meinen Landsleuten, die nach mir die Fahrt nach
-Deutschland unternehmen werden, zu empfehlen. Der Dampfer ist ca. 150 m
-lang und 20 m breit und ist der größte Dampfer des >Norddeutschen
-Lloyd<, welcher von Japan nach Deutschland verkehrt. Er kann außer einer
-ungeheuren Ladung noch etwa 2400 Passagiere (davon 2000 dritter Klasse)
-beherbergen. Auf unserer Fahrt wurden an Kajütenpassagieren erster
-und zweiter Klasse aufgenommen 54 Personen in Japan, 40 Personen in
-Shanghai, 40 in Hongkong, 45 in Singapore, 13 in Penang und 15 in
-Colombo. Wie viele Passagiere sich außerdem noch in der dritten
-Klasse befanden, ist mir nicht bekannt. Auch eine ziemlich bedeutende
-Schiffsbesatzung -- ungefähr 200 Köpfe -- war an Bord.
-
-[Illustration: Promenadendeck des »König Albert«.]
-
-Auf dem Dampfer unterscheidet man das Hauptdeck, über diesem das
-Oberdeck, hierüber das untere, dann das obere Promenadendeck und
-ganz oben das kleine Sonnendeck. Vorzüglich eingerichtet und wahrhaft
-künstlerisch ausgestattet ist der Speisesaal, welcher auf dem unteren
-Promenadendeck liegt; ferner das sehr große Musikzimmer, beide für
-Passagiere erster Klasse. Aber auch Speisesaal und Damenzimmer für die
-Passagiere zweiter Klasse, welche sich auf dem Oberdeck befinden, sind
-äußerst geräumig und schön eingerichtet. Für die Passagiere erster
-sowohl wie zweiter Klasse ist je ein Rauchsalon vorhanden. Sämtliche
-Räume werden mittels unzähliger elektrischer Glühlampen erleuchtet.
-Einer besonders luxuriösen Ausstattung erfreut sich die Staatskabine,
-die ihrerseits wieder aus Wohn-, Schlaf- und Badezimmer besteht. Aber
-auch die Kajüten erster und zweiter Klasse sind gut und praktisch
-eingerichtet und man kann in ihnen die lange Überfahrt, auch wenn sie
-sechs Wochen oder noch länger dauert, bequem überstehen. Wir haben uns
-darin jedenfalls sehr wohl gefühlt und ich glaube dasselbe von jedem
-andern Passagier annehmen zu dürfen. Auch die Verpflegung auf dem Schiff
-ist -- wie ich schon einmal erwähnt habe -- geradezu ausgezeichnet,
-ich will nicht verfehlen, auch an dieser Stelle meiner Zufriedenheit
-Ausdruck zu geben. Es ist dies ja nur eine Bestätigung dessen, was
-man öfters sagen hört, daß der >Norddeutsche Lloyd< und
-die >Hamburg-Amerika-Linie<, diese beiden größten deutschen
-Schiffsgesellschaften, alles aufbieten, um die schnellsten und
-größten, zugleich aber auch die bequemsten und mit den neuesten
-Sicherheitsmaßregeln versehenen Schiffe in Dienst zu stellen. Hoffen
-wir, daß es ihnen noch lange gelingen wird, in diesem edlen Wettstreit
-an der Spitze zu bleiben, denn davon würden wir als Passagiere den
-größten Vorteil haben; das Reisen würde immer sicherer und angenehmer
-werden.
-
-[Illustration: Damensalon des »König Albert«.]
-
-
-Trauriges während der Fahrt.
-
-Wie uns auf unserer Fahrt viel Interessantes und Erfreuliches passiert
-ist, so hat es uns aber auch am Gegenteil nicht gefehlt.
-
-Bei einer langen Fahrt, die anderthalb Monate dauert, und bei der großen
-Menge von Fahrgästen, die sich auf unserm Schiff befand, kann es nicht
-vermieden werden, daß manch' unangenehme Ereignisse vorkommen. So
-erzählte man mir, daß fast jede Fahrt Unglücksfälle, ja sogar nicht
-selten Todesfälle aufzuweisen hat. Leider traten diese beiden bei
-unserer Fahrt in verstärktem Maße vor, denn sie fingen bereits nach
-einer Fahrt von acht Tagen an. Zuerst überraschte uns der bereits
-erwähnte Todesfall eines Passagiers, eines Engländers, der mit seiner
-Familie von Japan nach Hause reiste. Der Verstorbene soll lungenleidend
-gewesen sein und hatte wohl von der Seefahrt Stärkung und Besserung
-seiner Krankheit erwartet. Aber der Mensch denkt und Gott lenkt! Der
-Leichnam des Verstorbenen wurde in Hongkong beigesetzt. In wie großer
-Trauer seine Hinterlassenen zurückblieben, läßt sich denken.
-
-Bei der betreffenden Stelle meines Reiseberichts habe ich schon erwähnt,
-wie unerwartet und erschreckend mich die Nachricht getroffen hatte, daß
-in Hongkong mein Freund und früherer Schüler Dr. Okoshi, den ich
-dort aufsuchen wollte, verstorben war, und daß einen Tag vorher sein
-Leichenbegängnis stattgefunden hatte.
-
-Im Indischen Ozean hörten wir plötzlich, daß ein Matrose verschwunden
-sei. Es wurde überall nach ihm gesucht, aber vergebens; er konnte nicht
-aufgefunden werden. Da entdeckte man nach etwa vier Tagen seine Leiche
-im Kohlenlager auf dem Boden des Schiffes. Man nahm an, daß er entweder
-von der ungeheuren Höhe herabgestürzt oder daß er durch Kohlengase
-erstickt sei. Der Leichnam wurde nach Seemannsart in das Meer gesenkt.
-Wohin man einen Leichnam zur Ruhe bestattet -- ob in die dunkle Erde
-oder in das tiefe Meer -- scheint ziemlich gleich zu sein, und doch ist
-es ein unheimliches Gefühl, wenn man sieht, wie in stiller Nacht beim
-Mondschein der Überrest eines unserer Mitmenschen in die Tiefe der
-unendlichen weiten See versenkt wird. Die Erde hat den Menschen geboren
-und es ist naturgemäß, daß er wieder in die Erde hineingesenkt wird.
-Heißt es doch: »Von Erde bist Du geworden, zur Erde sollst Du wieder
-werden!« Nur in der Erde findet man die rechte Ruhe, nur auf der Erde
-kann man einen Grabhügel errichten, mit Denkmal und Blumen zieren, nur
-vor dem Grabhügel haben die Hinterbliebenen das Gefühl, dem Toten immer
-noch nahe zu sein. In dem ewig bewegten Meere, in dem wild stürmenden
-Element scheint uns ein sanftes Ruhen nicht möglich. Doch des Seemanns
-Los ist es, daß er fern von der Heimat in der Tiefe der See sein Grab
-findet, wo kein Hügel, kein Stein später an ihn erinnert. Aber trotzdem
-wünscht sich jeder Seemann gerade den Tod auf der See und dort sein
-Begräbnis.
-
-In Aden mußte ich erfahren, daß mein Kollege, Prof. Tachibana, welcher
-mich in Deutschland erwarten sollte, von einer schweren Krankheit
-befallen, seine Rückreise nach Japan angetreten habe. Ich wollte diesen
-Herrn auf seinem Posten in Deutschland ablösen und hatte geglaubt, ihn
-in voller Gesundheit anzutreffen. In meiner auf dem Schiffe verfaßten
-Reisebeschreibung hatte ich der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß mein
-Kollege, wenn auch nicht ganz gesund, so doch gestärkt und gekräftigt
-sein Heimatland wieder erreichen und seine Lieben umarmen möge. Aber als
-ich in Berlin ankam, erhielt ich die tief erschütternde Nachricht, daß
-er unterwegs auf dem Schiffe dahingeschieden sei -- eine Kunde, die mich
-in große Trauer versetzte. Aus den Briefen meiner Freunde, die ich zu
-gleicher Zeit aus meiner Heimat erhielt, ersah ich, daß mein Kollege
-noch das japanische Meer erreicht und noch vor seinem letzten Atemzuge
-am Horizont die blauen Gipfel seines teuren Vaterlandes emportauchen
-gesehen hat. In stiller Wehmut soll er die Heimat mit seinen Blicken
-verschlungen haben, als wollte er sie tief in sein Herz versenken. Mit
-den Worten, daß es ihm doch noch vergönnt gewesen, die heimatlichen
-Berge zu schauen, soll er verschieden sein. Würde er nur noch wenige
-Stunden gelebt haben, so hätte er noch den Heimatboden betreten und
-seine Familie begrüßen können. Allein, wie der deutsche Dichter sagt:
-»Mit des Geschickes Mächten ist kein ew'ger Bund zu flechten,« das
-Unglück kommt unerwartet und »rasch tritt der Tod den Menschen an.«
-
-Die Frau und Kinder des Heimgegangenen, die ihn an der Landungsbrücke
-mit Sehnsucht erwarteten, um ihn nach langer Abwesenheit in ihrer Mitte
-zu bewillkommnen, konnten nur noch seine leblose Hülle umarmen.
-Diese herzzerreißende, qualvolle Szene, welche sich entwickelte,
-soll unbeschreiblich gewesen sein. Mein Freund, der mich hiervon
-benachrichtigte, schrieb mir, daß ihn selbst der Anblick dieser Trauer
-so ergriffen habe, daß er mir, statt einer eingehenden Beschreibung,
-nur noch Tränen hätte senden können. Dieses läßt sich aber auch leicht
-denken! Ein trostloseres und erschütternderes Bild kann man sich schwer
-vorstellen. Auch ich kann nicht schildern, wie sehr mein Gemüt bei der
-Nachricht vom Tode meines Kollegen in Mitleidenschaft gezogen wurde.
-Als ich meine diesbezüglichen Aufzeichnungen in meinem Tagebuch
-niederschrieb, war jede Silbe eine Träne!
-
-So hat das unerbittliche Schicksal dafür gesorgt, daß mir auf meiner
-Reise auch das Traurige nicht erspart geblieben ist.
-
-
-Die englischen Kolonien.
-
-Daß England die größte Seemacht ist und große Kolonien besitzt, ist
-allgemein bekannt. Wenn man aber eine Weltreise macht, so kann man sich
-davon überzeugen, daß die englischen Besitzungen tatsächlich über die
-ganze Erde zerstreut liegen.
-
-Der größte Teil meiner langen Fahrt ging auch an der Küste der
-englischen Kolonien entlang. Die ganze Strecke, von Hongkong aus längs
-der indischen Küste, also Singapore, Penang, Colombo, Aden bis in das
-Mittelländische Meer, gehört den Engländern und so beherrschen sie den
-ganzen Ozean. Wie die Engländer zu allen diesen Besitzungen gekommen
-sind, ist zu bekannt, als daß es hier wiederholt zu werden brauchte.
-Ebenso braucht nicht erzählt zu werden, welch' große Reichtümer England
-aus all seinen Kolonien zieht.
-
-Sehe ich aber mit meinen eigenen Augen die Völkerschaften längs der
-ganzen Küste, so kann ich nicht umhin, an ihren früheren Zustand
-zurückzudenken, an die Zeiten, in welchen diese Nationen noch ihre
-Freiheit und Selbständigkeit besaßen. Jetzt liegen sie da, von der
-gewaltigen Macht niedergedrückt und zerquetscht, so daß sie nur noch
-als Tributpflichtige dem Gewaltherrscher zu Füßen liegen. Nicht selten
-findet man jedoch unter diesen Völkern Männer, welche ihr Los beklagen
-und ihre Freiheit mit Wehmut zurücksehnen. Allein damit ist es wohl
-für immer vorbei, denn die Ketten, welche der Starke um sie geschlungen
-hält, sind felsenfest und können nicht mehr abgeschüttelt werden.
-Wenn es in der Welt so bleibt, wenn der Stärkere immer den Schwächeren
-niederzwingt, wenn stets nur Macht und Recht des Stärkeren Geltung
-finden: dann wird der Friede der Welt wohl immer gestört werden, und dem
-Schwachen wird nichts weiter übrig bleiben, als sein Unglück in Demut zu
-ertragen und dem Starken Handlangerdienste zu leisten. Wenn der Stärkere
-nur aus Egoismus handelt, wenn dieser der ausgesprochenste maß- und
-rücksichtsloseste ist, verbunden mit Brutalität und Barbarei, dann
-werden alle Grundsätze der Humanität mit Füßen getreten. Wie die
-entsetzlichen Barbareien des jüngsten südafrikanischen Krieges, der sich
-aus dem räuberischen Einfall des Jameson entwickelt hat, die Empörung
-aller Parteien der zivilisierten Länder wachgerufen haben, und bei
-allen, die ein Herz in der Brust fühlen und denen die Grundsätze
-der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit teuer sind, gerechten Zorn
-entflammten, so wird auch jeder andere Übergriff immer beurteilt werden,
-und dem Schwächeren wird Beistand nicht fehlen.
-
-
-
-
-XIV.
-
-Genua.
-
-
-[Illustration: Hafen von Genua.]
-
-Die Fahrt zwischen Neapel und Genua war sehr schön, das Meer wie
-gewöhnlich sehr ruhig. Auf dieser Fahrt habe ich auch die Schönheit des
-italienischen Himmels bewundern können mit seinem wunderbaren Blau, wie
-man es nur hier sieht. Am 14. Mai abends ½6 Uhr kamen wir endlich in
-dem von uns langersehnten Hafen von Genua an. Hier verließen die meisten
-Passagiere das Schiff, so daß ein beträchtliches Gedränge entstand. Noch
-größer ward es dadurch, daß jeder Reisende seine Koffer mit sich ans
-Land nehmen mußte; nachdem auch wir beinahe zwei Stunden gewartet
-hatten, konnten wir endlich eine Gondel bekommen, in der die ganze
-japanische Kolonie »König Alberts« Platz nahm, um zum europäischen
-Festland zu fahren und zum ersten Male den Boden Europas zu betreten.
-Von unseren Landsleuten blieb Herr Kato an Bord, da er die Absicht
-hatte, bis nach England weiter zu fahren, wo er mehrere Jahre Studien
-halber zu verweilen gedenkt. Uns allen ward es schwer, diesen netten
-Reisegefährten mutterseelenallein an Bord zu lassen; doch wir konnten
-nicht anders und so reichten wir uns, auf ein fröhliches Wiedersehen
-hoffend, die Hand zum Abschiede.
-
-Wir wurden nun sogleich zum Zollamt geführt, wo man uns nach den zu
-verzollenden Sachen fragte. Wir hatten nur unser Handgepäck bei uns,
-denn die größeren Gepäckstücke waren an Bord geblieben, um die Reise bis
-Hamburg per Schiff zu machen und von dort nach Berlin weiter befördert
-zu werden. So wurden wir sehr schnell abgefertigt, denn auf unsere
-Erklärung hin, daß alles nur Reiseeffekten seien, wurde bloß ein
-Blick in unsere Koffer getan, und die Zollangelegenheit war somit bald
-erledigt. Aber nicht bei allen ging es so glatt ab. So wurden bei einem
-unserer Reisegefährten, der ebenfalls auf die Frage, ob er verzollbare
-Gegenstände bei sich führe, mit »Nein« geantwortet hatte, Zigarren
-entdeckt, und die Strafe folgte hier sofort -- er mußte als Zoll das
-Mehrfache dessen erlegen, was die Zigarren gekostet hatten. Wie groß
-das Gedränge und Gewühl war, das bei der Landung und bei dem Zollamte
-herrschte, kann man aus nachstehendem Erlebnis ersehen: ein x'scher
-Professor, ebenfalls ein Reisegefährte von uns, hatte mehrere Monate
-in Ceylon als Naturforscher geweilt. Die Resultate seines langen
-Aufenthaltes: photographische Aufnahmen, Sammlungen u. s. w., befanden
-sich in einem Koffer, den er als ein unschätzbares Gut mit sich
-führte. Aber in dem großen Gedränge war mit einem Male der große Koffer
-verschwunden. Der sonst so gemütliche Herr war wie rasend, er bot eine
-hohe Summe für die Wiedererlangung des verschwundenen Gepäckstücks,
-doch umsonst. Der Koffer ist, soviel ich weiß, auch während unseres
-dreitägigen Aufenthaltes in Genua nicht wieder aufgefunden worden. Den
-Schmerz und Jammer des Gelehrten über diesen unersetzbaren Verlust kann
-man sich wohl vorstellen.
-
-Wir kehrten im Hôtel de la Ville, einem der größten Hôtels in Genua,
-ein. Dieses Hôtel soll früher ein Palast gewesen sein, in dem auch
-Vasco de Gama logiert haben soll. Die Zimmer waren alle sehr groß, sie
-erschienen uns sogar unheimlich groß, da wir direkt vom Schiff, aus
-unserer früheren engen Kajütenwohnung, in diese Räume versetzt wurden.
-Die Decke und Wände waren mit prächtigen Malereien geschmückt, die
-Säulen von Marmor, über den Betten waren Baldachine angebracht,
-die größer waren als die Kajüte unseres Schiffes. Der vierzigtägige
-Aufenthalt in der kleinen Kabine, wo man so eng wohnen mußte, wo man mit
-den Händen die Decke berühren konnte, war nun vorüber, und uns kam es
-vor wie ein gepreßter Gummiball, der sich mit einem Male ausdehnen
-kann, so weit er will. Beim Abendessen ließen wir uns den italienischen
-Chianti gut schmecken, um mit dem Gedanken, in ein paar Tagen unser
-Ziel, Berlin, erreichen zu können, in fröhlicher Stimmung zu Bett zu
-gehen. Im Schlaf wähnten wir noch immer an Bord zu sein, fortwährend
-glaubte das Ohr das Stampfen der Maschinen und das Plätschern der Wellen
-zu vernehmen.
-
-Die Stadt Genua besitzt viele Sehenswürdigkeiten, wie das berühmte Campo
-Santo, den königlichen Palast, den Rigiberg, die Gallerien, Parkanlagen
-u. s. w., deren Besichtigung aber ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt.
-Glücklicherweise erwartete uns in Genua ein deutscher Herr, Namens
-Erdmannsdörffer, der Bruder unseres bereits einmal erwähnten deutschen
-Reisegefährten. Unter der sicheren Führung dieses Herrn, der sich schon
-mehrere Jahre in Italien aufhielt und mit den dortigen Verhältnissen
-vollkommen vertraut war, konnten wir einige der genannten
-Sehenswürdigkeiten mit Ruhe in Augenschein nehmen. Zuerst besuchten wir
-das Campo Santo. Es ist wohl der schönste Kirchhof in Europa, sowohl was
-seine paradiesische Anlage wie die herrlichen Grabdenkmäler betrifft.
-Diese reihen sich zu mehreren Hunderten in einem viereckig laufenden
-marmornen Säulengang aneinander und sind fast alle in graziösen
-Formen aus Marmor gemeißelt. Einige von ihnen gewährten zwar einen
-grausenerweckenden Anblick, aber im allgemeinen kann man sagen, daß
-sie auf uns einen ungemein beruhigenden Eindruck machten und in uns ein
-versöhnendes Gefühl gegenüber dem furchtbaren Tode, dem alle Menschen
-einmal anheim fallen müssen, wachriefen. Eine dieser Figuren hat mich
-bis in das innerste Mark erfaßt: am Sarge des geliebten Mannes ein
-junges Weib und neben ihr ein zartes Knäblein mit langem Lockenhaar. Wie
-sie den schönen Kopf so wehmütig hängen läßt! Wie sie mit ihrem sanften
-Auge so tieftraurig auf den Leichnam des Geliebten blickt! Nichts
-Grelles, nichts Übertriebenes ist in ihren Zügen und doch so grenzenlos
-der Schmerz, so sprachlos die innere Bewegung!.... Wie man in stiller
-Andacht zum Grabe eines Freundes tritt, so trat ich vor all diese
-Grabdenkmäler und mit ähnlichen Gefühlen verließ ich sie. Im Hintergrund
-des Kirchhofs erhebt sich ein Hügel mit der Aussicht auf das herrliche
-Panorama der Stadt und auf den Golf von Genua.
-
-[Illustration: Marktplatz in Genua.]
-
-Vom Campo Santo fuhren wir mit der Drahtseilbahn den Rigi hinauf, um
-von oben die großartigste Aussicht über die Stadt Genua mit dem Hafen zu
-genießen. Die Fahrt bis zur Höhe des Berges dauerte ungefähr 20 Minuten.
-Die Lage von Genua ist nach der von Neapel, mit der sie eine auffallende
-Ähnlichkeit hat, gewiß eine der schönsten in Italien. Neapel hat
-freilich die Inseln und den Vesuv voraus, sonst dürfte Genua ihm
-wohl den Rang streitig machen. Ein herrliches Amphitheater von
-übereinanderliegenden Straßen und Berghöhen, liegt die Stadt Genua
-mit ihren prächtigen Gebäuden vor uns. Dazu die beiden großartigen
-Hafendämme, welche wie zwei riesige Arme ins Meer hinausgreifen, mit dem
-berühmten malerischen Leuchtturm an ihren Enden, der frei und stolz
-wie eine Säule emporragt. Den Hafen füllen alle nur möglichen Arten von
-Fahrzeugen, die ziemlich regelmäßig nebeneinander gereiht daliegen, in
-der Mitte eine breite Wasserstraße übrig lassend. Auch die den Hafen
-umschließende Verteidigungsmauer bemerkt man. Diese hängt mit der von
-der Landseite die Stadt umgebenden Mauer zusammen, zieht sich bis
-hinauf zu den Höhen, auf denen wir standen, und bildet ein mächtiges
-Befestigungswerk, das aber jetzt bloß als Zeuge vergangener Schanzkunst
-dient. Über die Stadt und den Hafen hinweg schweift das Auge auf
-das weite blaue Meer, auf dem hie und da weiße Segel oder schwarze
-Rauchwölkchen bemerkbar sind. Eine herrliche Aussicht, die in der Tat
-über jede Beschreibung erhaben ist!
-
-Nach kurzem hatten wir die halbe Stadt durchwandert und bald dieses,
-bald jenes -- Paläste, Denkmäler, Parkanlagen, Kirchen u. s. w. --
-gesehen. An Palästen ist Genua wirklich reich; sie gleichen marmornen
-Schmuckkästchen mit ihren prunkhaften Vorhallen und Säulenhöfen, die
-reich mit Bildhauerarbeit verziert sind; die Straßen oder vielmehr
-Gassen sind meist eng und unscheinbar. An ihren beiden Seiten reihen
-sich hohe Häuser von 6 bis 8 Stockwerken aneinander, welche zum Teil alt
-sind und keinen schönen Anblick gewähren. Infolge ihrer ungeheuren
-Höhe machen die Häuser die Straße dunkler, was auch nicht wenig
-dazu beiträgt, dem ganzen Straßenbild ein düsteres, unsauberes,
-unfreundliches Aussehen zu verleihen. Viele Straßen sind treppenartig
-gebaut und führen zu den höher liegenden Stadtteilen hinauf -- natürlich
-sind sie unfahrbar. Überall aber herrscht ein ungeheures Leben, ein
-buntes Durcheinander von Menschen, ein Gedränge, ein Wirrwarr, daß es
-schon eine gewisse Geschicklichkeit und Kunst erfordert, durch dasselbe
-seinen Weg zu finden. Die Lastträger mit einem kurzen Beinkleid von
-gestreiftem Segeltuch, die Matrosen mit blauen Hemden und breiten
-Kragen, die Verkäufer mit allerhand Waren, die sie laut ausrufen, die
-Frauen mit schwarzem üppigem Haar und dunklen leuchtenden Augen, ihre
-Schönheit durch weiße wallende Schleier noch mehr erhöhend, nebenher
-die schneidigen, diensteifrigen Kavaliere und hie und da die recht
-unschneidigen, unbeholfenen Reisenden in ihren grauen Jacken, die dieses
-Straßenbild ansehen und zu denen wir vielleicht auch gehörten... alle
-diese Gestalten bilden zusammen ein großes Menschengewühl, welches gegen
-Abend sogar noch größer wird.
-
-Es hatte bereits Mitternacht geschlagen, als wir wieder nach unserm
-Hôtel zurückkehrten, aber die Straßen waren noch immer mit Menschen
-gefüllt.
-
-
-
-
-XV.
-
-Mailand.
-
-
-Am 16. Mai früh 8 Uhr brachen wir von Genua auf und kamen nach einer
-prächtigen Fahrt von vier Stunden, auf der wir mehrere große und kleine
-Tunnel passierten, in Mailand an. In unserer Gesellschaft befand sich
-der oben erwähnte deutsche Herr, sodaß wir auch hier die Stadt unter
-sachkundiger Führung besichtigen konnten. Wir waren im Hôtel du Nord
-abgestiegen und gingen dann sogleich in die Stadt hinein. Vor allem
-andern sahen wir uns den berühmten Dom an, ein Meisterwerk der Baukunst,
-ja, das wunderbarste, das ich je gesehen habe. Die schönen Glasmalereien
-an den Fenstern, die Marmorschnitzereien in und außerhalb des Gebäudes,
-ein ganzes Heer von Bildsäulen, der prächtige Marmorboden der weiten
-Hallen, hunderte von schlanken Türmchen auf dem Dache u. s. w., dies
-Werk von Menschenhand übertrifft an Pracht, Großartigkeit und Kunst
-wirklich alles bisher Gesehene. Wir stiegen bis auf die höchste Spitze
-des Turmes und sahen zu unseren Füßen die ganze Stadt und die blühende
-lombardische Ebene liegen. Gar manches ist bereits über diesen Dom
-geschrieben worden, aber nachdem ich ihn mit meinen eigenen Augen
-gesehen, muß ich doch sagen, daß es keinem gelungen ist, die wahre
-Pracht und majestätische Größe dieses Wunderwerkes treffend zu
-schildern. Lassen wir hier einige kurze Skizzen namhafter Autoren
-folgen, die zeigen werden, was für Mühe sich mancher gegeben hat, um
-dieses Wunder aus Marmor zu beschreiben:
-
-Ȇber den Domplatz kamen wir zum Dom; langsam stiegen wir die schmalen
-Stufen des Domes hinauf, um zur Höhe des Schiffes zu gelangen. Dann
-hatten wir noch 900 Stufen, von denen allein 150 Stufen für die Türme
-sind. Die Treppen winden sich in den einzelnen Seitentürmen hinauf,
-während die Türme durch offene Galerien miteinander verbunden sind. Auch
-die Türme sind nach allen Seiten durchbrochen, von jeder Treppenstufe
-hat man die freie Aussicht über die lombardische Ebene, welche sich,
-je höher man hinaufsteigt, in einem immer unvergleichlicheren Bilde
-aufrollt. Die großartigen Einzelheiten des Baues selbst, den die
-Mailänder mit Recht »das achte Wunder« der Welt nennen, kann man nur im
-Hinaufsteigen betrachten und bewundern. Nächst der Peterskirche in
-Rom und dem Dom zu Sevilla ist der Mailänder Dom die größte Kirche
-in Europa; an Pracht und Reichtum, in ihren äußeren Verzierungen und
-Statuenschmuck keine von beiden mit ihr zu vergleichen. Der Dom zu
-Mailand ist mit nicht weniger als 4500 Statuen an seiner Außenseite
-geschmückt, über dem Dach erheben sich, alle durch in den zierlichsten
-Arabesken gewundene Galerien mit einander verbunden, 98 gotische
-Spitzsäulen, jede Säule ist auf ihren einzelnen Pfeilern und auf der
-Spitze mit einer Statue geschmückt. Ganz oben auf der Spitze des Turmes,
-der eine Höhe von 335 Fuß hat, thront die kollossale vergoldete Statue
-der heiligen Jungfrau, der die Kirche geweiht ist. Der ganze Bau in
-allen seinen Einzelheiten ist von weißem Marmor und unbedingt der
-großartigste neugotischen Stils, welchen Italien besitzt. Endlich
-standen wir oben, auf der obersten Galerie, über der durchsichtigen
-Guglia. Gerade über uns thronte die goldene Statue, deren Fußgestalt wir
-mit der Hand berühren konnten. Ich blickte zuerst hinab. Ich habe schon
-manchen hohen Berggipfel erstiegen, denn ich kenne die Alpen in ihrer
-ganzen Ausdehnung durch Mitteleuropa. Auf wie viele Wälder habe ich von
-all diesen Höhen herabgeschaut, auf dunkle schwarze Tannenwälder,
-auf breite rauschende Tannenkronen, auf grüne Buchengipfel, auf
-breitblättrige Platanen und auf Lorbeer- und Cypressenwälder; von
-dieser Höhe blicke ich zum ersten Male in meinem Leben auf einen weißen
-Marmorwald. Hunderte von gotischen Türmen und Spitzsäulen und Tausende
-von Statuen erhoben rings um mich ihre schneeweißen Häupter...« (Gustav
-Rasch »Frei bis zur Adria.«)
-
-»Wenn man auf dem Marmordache des Doms von Mailand, etwa 300 Fuß über
-der lombardischen Ebene, bei heiterem Himmel sich umschaut, welch' ein
-unvergeßliches Panorama öffnet sich den Blicken! Im gewaltigen Halbbogen
-umsäumen von Westen nach Norden und Osten die langgestreckten Ketten
-bedeutsamer Alpenglieder einen Garten, einem Walde gleich, aus dessen
-Lichtungen tausende und abertausende von Ansiedlungen herabschimmern,
-die dem Ganzen das Gepräge eines Parkes verleihen... Welch' ein Blick
-auf die Alpen, welche umfassende Alpenansicht! Schwerlich dürfte ein
-Punkt der Erde, selbst nicht der indischen Ebene auf die Riesenzinnen
-des Himalaya, einen ähnlichen umfassenden Überblick, ähnliche Schönheit
-der Begrenzungslinien darbieten, als dieser ungeheure Halbbogen der
-südlichen Alpen von diesem eigentümlich schönen Standpunkte. Trunken
-hängt der Blick an den Linien der Ferne, von welcher sich eine Menge
-lebensspendender Wasseradern gleich silbernen Fäden durch den grünen
-Teppich der gesegneten Aue, der Po an ihrer Spitze, hindurchschlängelt.
-Rings um uns aber ein Wald von Marmortürmchen mit den Tausenden ihrer
-Bildsäulen, und unter uns das Gewirr der von 180 000 Menschen bewohnten
-4000 Häuser, über deren flache Ziegeldächer eine Menge vielgestaltiger
-Türme emporsteigt, mitten im Brennpunkte eines unvergleichlichen
-Landschaftsbildes und Völkerlebens.« (K. Müller, »Am Südabhang der
-rhätischen Alpen.«)
-
-»Der ganze zauberische Bau ist wie ein Gebet, wie ein Opfer, das
-alle Zungen und alle Herzen der ganzen Stadt dem Allerhöchsten hier
-dargebracht haben: ein solch Werk der Begeisterung und der Schönheit tut
-wohl in der jetzt so vernüchterten Welt. Wie verklärt und veredelt es
-alles rund um: wie die Flammen der Abendröte auch die geringste Hütte
-ebenso wie die riesigen Gletscher mit ihrem Purpur bekleiden, so adelt
-er mit seinem Schwung und seiner Schönheit die ganze Stadt, hält sie
-zusammen, ist ihr König, auf den sich alles bezieht, auf den man immer
-wieder die Blicke zu richten sich gezwungen sieht (Fried. Pecht u.
-Andere)...«
-
-[Illustration: Italienerin.]
-
-Nachdem wir den Dom eingehend besichtigt hatten, sahen wir uns die Stadt
-mit ihrem bunten Straßenleben an. Es fand gerade eine Korsofahrt statt
-und so hatten wir Gelegenheit, die schönen Mailänderinnen in ihren
-eleganten Equipagen, gezogen von stattlichen, wohlgenährten Pferden,
-bewundern zu können. Alles in allem erschien uns Mailand weit
-gemütlicher als Genua, und man wird sich daher nicht wundern, daß wir
-bis spät in die Nacht hinein durch die Stadt und den Park, in welchem
-eine Militärkapelle durch ihre außerordentlich lebhafte Weise unsere
-Ohren entzückte, spazieren gingen. Daß die Italienerinnen sehr schön und
-graziös seien, hatten wir schon vorher gehört, hier aber konnten wir uns
-davon mit unseren eigenen Augen überzeugen. Besonders gefielen sie durch
-ihren ungezwungenen leichten Gang und ihr liebliches anmutiges Wesen,
-noch mehr aber durch ihre feurigen, funkelnden schwarzen Augen, die
-zusammen mit den schwarzen wallenden Haaren und der milchweißen Haut
-einen reizenden Anblick darboten. Wenn auch Salomo gesagt hat: »Lieblich
-und schön ist Nichts« und Claudius: »Ein Ding, das in sich keinen Wert
-hat, das nur kurz währet, das im Hause nicht sonderlich nützt und nicht
-eigentlich Liebe macht, so ein Ding ist die Schönheit, mehr ist sie
-nicht, und Ihr müßt mir nicht böse sein, Ihr schönen Mädchen, daß sie
-nicht mehr ist« -- so stimmte ich doch beim Anblick dieser schönen
-Gestalten mehr den Worten Schillers bei, der da sang:
-
- »Zürne der Schönheit nicht, daß sie schön ist, daß sie verdienstlos
- Wie der Lilie Kelch prangt durch der Venus Geschenk;
- Laß sie die Göttliche sein, du schaust sie, du bist der Beglückte,
- Wie sie ohne Verdienst glänzt, so entzücket sie dich.«
-
-So sehr Italien einerseits durch seine herrliche Natur und Kunst unser
-Gefallen erregte, so sehr hat uns leider andrerseits ein Teil seiner
-Landeskinder durch ihre allzugroße Gewinnsucht und geschäftliche
-Verschmitztheit Verdruß bereitet. Ich hätte davon am liebsten
-geschwiegen, jedoch mit Rücksicht auf die vielen Landsleute, die noch
-nach uns dieses schöne Land besuchen und durchreisen werden, halte ich
-es für meine Pflicht, diesen unerfreulichen Punkt hier zur Sprache zu
-bringen. Um ein Beispiel anzuführen, so wurden wir fast überall, wenn
-wir Einkäufe machten, Sehenswürdigkeiten besuchten oder sonst etwas
-unternahmen, ungeheuer übervorteilt, und da die meisten der Italiener
-außer ihrer Muttersprache kein Wort verstanden oder verstehen wollten,
-mußten wir, weil wir ihrer Sprache nicht mächtig waren, immer den
-Kürzeren ziehen. Einmal mußten wir z. B. für zehn Stück Zigarren, die
-wir im Hôtel durch den Kellner bringen ließen, den geradezu enormen
-Preis von 30 Franks erlegen; ähnlich war es überall, sodaß wir fast
-immer Unannehmlichkeiten hatten, wenn es ans Bezahlen ging. Nichts von
-warmer Gastfreundlichkeit und wohltuender Liebenswürdigkeit, welche die
-unkundigen, von dem äußersten Zipfel der Erde kommenden Fremdlinge so
-sehr erfreut haben würden! Italien, dieses an Natur und Kunst so schöne
-und reiche Land, wäre doch im wahren Sinne des Wortes nur dann schön
-und reich zu nennen, wenn auch der Charakter vieler seiner Landeskinder
-etwas von diesen Eigenschaften offenbarte... meinten wir. Und doch
-sollte man glauben, daß eben dieses Volk am meisten Ursache hätte,
-den Fremden, die das Land besuchen, freundlich und rücksichtsvoll
-entgegenzukommen, denn diese bringen bei ihrer großen Zahl jährlich
-recht ansehnliche Summen Geldes in das Land. Die Freude am Schönen wird
-jedem sehr leicht verdorben, wenn ihm fortwährend Unannehmlichkeiten in
-den Weg kommen; nur da, wo freundliche Menschen anderen ein fröhliches
-und aufrichtiges Entgegenkommen bezeigen, wird man sich wohl und
-glücklich fühlen. Hoffen wir, daß sich auch dieses Volk im Laufe der
-Zeit zu seinem Vorteil verändern werde, daß es seine unveräußerlichen
-Güter, die Schönheiten der Natur und der Kunst, durch eigene seelische
-Vorzüge erst wirkungs- und wertvoller machen lerne! Da auch unser Land
-den Ruf hat, ein herrliches Land der Künste wie der Natur zu sein und da
-es auch von so vielen Reisenden aus aller Herren Länder besucht wird,
-so mögen die Japaner das italienische Volk nicht zum Vorbilde nehmen,
-sondern im Gegenteil danach streben, ihre edlen Tugenden, wie die
-Gastfreundlichkeit, Höflichkeit, Opferfreudigkeit u. s. w., die ihnen
-ja eigen sind, noch weiter zu entwickeln, damit jeder, dessen Fuß einmal
-ihr Land betritt, in frohem Entzücken ausrufen möge: »Ach, wie ist es
-hier doch so schön!«
-
-Wir wollten uns von Mailand noch nach Venedig begeben, aber da wir dem
-italienischen Volke nach dem eben Gesagten kein allzu großes Interesse
-mehr entgegenbrachten, so zogen wir es vor, direkt nach Berlin zu
-fahren. Am 17. Mai früh ½8 Uhr waren wir also auf dem Bahnhof, um den
-Zug zu besteigen. Dieser war jedoch schon überfüllt, wenigstens die eine
-Hälfte desselben, die direkt nach Deutschland durchfährt, sodaß wir
-nur mit Mühe ein Unterkommen darin finden konnten. Da bemerkte ich auf
-einmal, daß einige von uns in der anderen Hälfte des Zuges, die nicht
-nach Deutschland fuhr, Platz genommen hatten; ich erschrak, stieg hurtig
-aus, rannte hin und her, fand sie endlich heraus und nur mit knapper Not
-kamen wir, eng aneinander gedrückt, in einem Coupé unter. Aber o weh!
-In diesem großen Gedränge und in der Aufregung hatten wir unsere Koffer
-vollständig außer acht gelassen und da wir keine Zeit mehr hatten,
-mußten wir sie alle stehen lassen. Was tun? In dieser schlimmen
-Verlegenheit fiel glücklicherweise mein Blick auf Herrn Erdmannsdörffer,
-der uns freundlichst bis nach dem Bahnhof begleitet hatte. Ich
-hatte kaum Zeit, ihm durch das Fenster schnell von dem Vorgefallenen
-Mitteilung zu machen, worauf er mir versprach, daß er die Koffer direkt
-nach Berlin nachsenden werde. Diesem Herrn waren wir schon für seine
-Begleitung und Führung in Genua und Mailand zu großem Dank verpflichtet,
-und nun erwies er uns noch diesen Dienst! Sicherlich ein besonderes
-Glück für uns, denn ohne ihn wäre unser Gepäck wahrscheinlich verloren
-gegangen.
-
-Der kurze Aufenthalt in Italien war somit ein recht mühsamer und die
-Abfahrt von Mailand der aufregendste Teil der ganzen Reise von Japan
-nach Deutschland gewesen, namentlich für mich, der ich sämtliche
-Besorgungen für all meine Landsleute allein übernommen hatte und daher
-auch die geschäftlichen Unannehmlichkeiten am meisten empfinden mußte.
-Aber in der frohen Hoffnung, daß wir nach ca. dreißig Stunden Berlin,
-unser letztes Ziel, erreichen würden, fuhren wir, eng gepreßt zwar --
-es war ja auch ein Ex-Preßzug! -- aber doch getrost ab. An der Grenze
-Italiens und der Schweiz hatten wir abermals eine Zollrevision, jedoch
-verlief dieselbe sehr schnell, weil ja unser Gepäck in Mailand stehen
-geblieben war.
-
-
-
-
-XVI.
-
-Fahrt durch die Schweiz.
-
-
-Auf der Reise von Mailand nach Berlin kamen wir durch die schöne
-Schweiz. Das Wetter war herrlich und vom Fenster unseres Coupés
-erblickten wir zu beiden Seiten die herrlichen Alpenlandschaften. Bald
-ging die Fahrt über Höhen, bald durch Täler, oben sahen wir auf
-dem Gipfel die schneebedeckten Häupter der Bergriesen, unten die
-weitgestreckten Wiesen mit den Obstbäumen im zauberhaften Blütenschmuck.
-Die grünen Matten unten am Fuße und die weißen Gipfel oben in den Höhen
-machten einen geradezu imposanten Eindruck auf uns. Der Zug fährt
-immer weiter. Mit jeder Minute verändert sich die Landschaft: große
-Felsblöcke, die über unseren Häuptern herunterhingen, reißende Flüsse
-und Bäche, Wasserfälle, große und kleine Seen, von Sennerinnen bewohnte
-Alpenhütten, die vereinzelt auf ziemlicher Höhe liegen, wohlgenährte
-Kühe mit ihren Glocken, die zahlreich auf den Matten weideten und deren
-Geläut unseren Ohren wie liebliche Musik ertönte -- alles dieses machte
-auf uns einen unvergeßlichen Eindruck. Von der großen Naturschönheit der
-Schweiz hatten wir schon oft viel Rühmenswertes gehört, nun sahen wir
-diese Schönheiten vor unseren Augen ausgebreitet und überzeugten uns,
-daß sie mit Recht zu den größten Europas gezählt werden. Ich hatte
-manchmal daran gedacht, einen Vergleich zwischen der Natur dieses Landes
-und der unserer Heimat anzustellen, aber jetzt, nachdem ich alles
-selber angeschaut habe, bin ich zu dem Schluß gekommen, daß beide Länder
-eigentlich gar nicht mit einander verglichen werden können, denn im
-großen Ganzen sind unsere Naturschönheiten idyllischer und lieblicher
-Art, während diejenigen der Schweiz romantischer und großartiger
-sind. Natürlich kann ich noch kein richtiges und abschließendes Urteil
-abgeben, da ich die Schweiz nur vom Fenster des Zuges aus während der
-Fahrt gesehen habe. Im stillen aber gelobte ich mir, später einmal, wenn
-es die Zeit irgend erlaubt, eine Schweizerreise zu unternehmen, um die
-Natur dieses Landes genauer zu studieren, und meine damaligen Pläne
-verwirklichten sich denn auch.
-
-[Illustration: Felspartie am St. Gotthard.]
-
-Im Coupé war es sehr angenehm, es war selbstverständlich noch geheizt.
-Als wir den berühmten St. Gotthard-Tunnel passierten -- die Durchfahrt
-dauerte ungefähr 15 Minuten -- aßen wir gerade im Speisewagen zu Mittag,
-wobei wir nicht versäumten, uns den bekannten Schweizer Wein und Käse
-vorsetzen zu lassen. Gegen Abend schon langten wir in Stuttgart an. Hier
-nahmen wir im Schlafwagen Platz, in welchem wir eine ganz behagliche
-Nacht verbrachten.
-
-Am 18. Mai vormittags ½10 Uhr trafen wir wohlbehalten in Berlin
-auf dem Anhalter Bahnhof ein, wo wir von mehreren Landsleuten erwartet
-wurden. Als wir unter den herzlichsten Glückwünschen unserer Landsleute
-einander die Hände drückten, überkam uns ein recht angenehmes, freudiges
-Gefühl bei dem Gedanken, endlich die Hauptstadt des Deutschen Reiches
-betreten zu haben, wo wir nun für längere Zeit unser Heim aufschlagen
-sollten. Wir nahmen eine Droschke und fuhren in das Hôtel Bellevue am
-Potsdamer Platz, in dem wir einstweilen absteigen wollten. So war die
-lange große Reise glücklich überstanden und unser Ziel erreicht!
-
-
-
-
-XVII.
-
-Die ersten Eindrücke in Berlin.
-
-
-[Illustration]
-
-In Folgendem will ich versuchen, einiges von dem niederzuschreiben,
-was mir in den ersten Tagen meines Berliner Aufenthaltes besonders
-aufgefallen ist. Selbstverständlich mußte vieles meinen an europäische
-Verhältnisse nicht gewöhnten Augen fremd erscheinen, wodurch vielleicht
-meine Auffassung beeinflußt wurde. Es darf dies jedoch nicht in Frage
-kommen, da mir eben daran liegt, eine individuelle Schilderung meiner
-ersten Eindrücke und Empfindungen wiederzugeben. Einem Fremdling, der
-mehrere tausend Meilen von Osten hierher kommt und vom Schiff aus durch
-die Bahn direkt in die Mitte der großen Weltstadt getragen wird, muß
-vieles wie ein Wunder vorkommen und er wird Dinge und Menschen ganz
-anders betrachten, als ein Einheimischer.
-
-Wie jedem Fremden, erging es auch mir, der das westeuropäische Leben und
-Treiben nur vom Hörensagen und aus Büchern kannte. Meine Spannung hatte
-natürlich den höchsten Grad erreicht, als ich nach der langen Reise
-in Berlin auf dem Anhalter Bahnhof ankam, empfangen von mehreren
-landsmännischen Freunden. Eine innere Genugtuung erfüllte mich nach der
-unendlichen Fahrt. Die zehntausend tapferen Griechen können das Meer
-mit ihrem »Thalassa«-Rufe nicht freudiger begrüßt haben, als ich mein
-Endziel: die Kaiserstadt Berlin! Hier sollte ich endlich zur Ruhe
-kommen, denn Berlin sollte für längere Zeit meinen Aufenthalt bilden.
-Ich war freudig überrascht, daß ich vom ersten Augenblick an dasjenige,
-was ich von dem deutschen Volk schon in Japan gehört, gedacht und
-gelesen hatte, vollkommen bestätigt fand, worüber ich später eingehend
-zu schildern gedenke.
-
-Vom Anhalter Bahnhof fuhr ich zum naheliegenden Potsdamer Platz, an
-dem das Hôtel Bellevue liegt, woselbst ich Wohnung nahm. Der Potsdamer
-Platz, in dem sich einige mächtige Arterien des Berliner Lebens einigen,
-bietet mit seinem riesigen Verkehr -- wie ich mir erzählen ließ, soll
-er ein Kreuzpunkt von vielen Dutzenden elektrischer Straßenbahnlinien,
-sowie von kolossalen Menschenmengen sein -- einen wahrhaft verblüffenden
-Anblick.
-
-[Illustration: Reinigungsmannschaften.]
-
-Was mir zuerst auffiel und mich angenehm überraschte, war die peinliche
-Sauberkeit und Gleichmäßigkeit der Straßen, die aus dem Fahrdamm und
-den zu beiden Seiten laufenden Bürgersteigen (Trottoirs) bestehen. Die
-Straßen sind ohne Ausnahme gepflastert oder asphaltiert und sehr breit,
-an beiden Seiten mit Bäumen geschmückt und mit Gasbeleuchtung oder
-elektrischem Licht versehen. Die Straßen werden so sauber gehalten, wie
-ein Hausflur oder eine Stubendiele; überall, wohin man blickt, sieht man
-die uniformierten Straßenreiniger ihrer Beschäftigung nachgehen und
-mit Gummischiebern den Asphalt abwaschen, mit Besen und Schippe
-den Straßendamm reinigen. Große Sprengwagen liefern das Wasser zur
-Reinigung, kleine Handwagen beseitigen den Kehrricht, und so greift
-eines ins andere, um eine wirklich ideale Straßensäuberung mit
-unglaublicher Geschwindigkeit herbeizuführen. Es kann daher kein Wunder
-nehmen, daß diese Reinlichkeit auch auf die Luft in sanitärer Beziehung
-vorzügliche Wirkungen ausübt und zum Gesundheitszustand Berlins viel
-beiträgt.
-
-Andererseits war es mir ein wahrer Genuß, in den sauberen Straßen
-spazieren zu gehen, ohne fürchten zu müssen, sich schmutzige Kleider
-oder Stiefel zu holen. Unwillkürlich stellte ich einen Vergleich
-zwischen meiner Heimat und Berlin an, der sehr zu Ungunsten der ersteren
-ausfiel, wenn ich an den Zustand unserer heimatlichen Straßen und Wege
-dachte, von denen sich manche noch im Naturzustand befinden, so daß man
-bei Regenwetter nicht ohne gehörigen Schmutz wegkommt. Und dabei drängte
-sich mir auch der Gedanke an die oft in letzter Zeit in Japan auf die
-Tagesordnung gebrachte Frage der Reform unserer Frauenkleidung auf.
-Nach dem, was ich hier gesehen habe, möchte ich nur meine Ansicht
-wiederholen, daß die Straßen in gewissem Zusammenhang mit der Reform
-der Kleidungstücke stehen, daß zuerst unsere Straßen und Wege verbessert
-werden müßten, bevor an die Kleiderreform gegangen werden kann. Also
-in allererster Linie die Straßenreform, ohne die eine Kleiderreform,
-speziell hinsichtlich der Damenkleidung, illusorisch sein würde.
-
-[Illustration: Berlinerin.]
-
-Zu beiden Seiten der Berliner Straßen reihen sich die regelmäßig
-aufgebauten Häuser aneinander, alle ohne Ausnahme massiv aus Stein
-erbaut und fast sämtlich 4-5 stöckige Neubauten in modernem Stil. Ein
-Beweis, daß Berlin im Vergleich zu anderen Großstädten, wie London,
-Paris oder Wien, noch eine jungaufblühende, im Wachstum begriffene Stadt
-ist. Während bei uns die Häuser sich in mannigfaltiger Aufführung und
-Gestalt zeigen und manche noch ihren villenartigen Charakter bewahren,
-sind die Bauten in Berlin ziemlich gleichförmig, wie nach einer
-Schablone errichtet. Ein Haus ähnelt im Großen und Ganzen dem andern und
-fast an allen sieht man Balkone und Verzierungen aller Art, ohne daß
-sie dadurch in ihrer Einförmigkeit beeinträchtigt werden. Was mir an
-den Gebäuden ganz besonders in die Augen fiel, war der Umstand, daß
-fast alle Häuser nur nach der Vorder- und Hinterfront Fenster
-besitzen, während an den Giebelseiten -- sofern zwei Häuser nicht dicht
-zusammengebaut sind -- bloß glatte Mauerwände zu sehen sind. Es könnte
-dies einerseits damit zusammenhängen, daß infolge des unmittelbaren
-Nebeneinanderstehens der Häuser keine Fenster angebracht werden können;
-andererseits würde die Ursache darin zu suchen sein, daß man hier bei
-Bauten an den Winter denkt, wie es ja bei uns den Anschein hat, als ob
-unsere Häuser für den Sommer errichtet wären, weil sie -- wenn irgend
-möglich -- nach allen Seiten mit vielen Fenstern ausgestattet sind und
-dadurch viel luftiger und heller erscheinen. Jede dieser Bauarten dürfte
-ihre Vorteile und Nachteile haben. Sind die Gebäude bei uns heller,
-so sind dieselben hier wärmer, erscheinen die unsrigen luftiger und
-leichter, so sind die hiesigen solider und massiver.
-
-Beim Durchwandern der Berliner Straßen, die Kleidung der Passanten
-betrachtend, machte ich die Wahrnehmung, daß Männer und Frauen fast
-durchweg schwarze oder graue Kleidung tragen, sodaß man wohl behaupten
-könnte, diese beiden Farben seien vorherrschend Straßenfarben. Bunte
-Gewänder werden meistens vermißt; die Farbenpracht auf der Straße, wie
-man sie bei uns findet, scheint hier fast gänzlich zu fehlen. Vielleicht
-sind sie doch im Sommer anzutreffen. Was ich noch vielfach bemerkt habe,
-ist, daß die Berliner Damen lange Schleppen lieben und mit ihnen die
-Straßen durchschreiten. Ich wünschte, daß die Schleppen ein bischen
-kürzer oder die Beine ihrer Besitzerinnen ein bischen länger wären! Am
-Ende habe ich doch anerkennen müssen, daß die langen Schleppen nebenbei
-zur Polierung der Straßen geschaffen sind. Jedenfalls haben sie mir
-nach dem Regenwetter auf den Straßen einen recht appetitlichen Eindruck
-gemacht.
-
-[Illustration: Jung-Berlin.]
-
-Männer wie Frauen durcheilen hier die Straßen sehr geschäftig und
-scheinen keine Zeit übrig zu haben, um an die Ausschmückung mit
-farbenprächtigen Toiletten zu denken. Jeder strebt seinem Ziele zu. Nur
-selten sieht man Leute, die ziellos die Straßen durchschlendern; jeder
-geht festen Schrittes einher, und einer eilt -- mit Ausnahme von einigen
-Straßen wie die Friedrichstraße und Unter den Linden -- an dem andern
-vorüber, ohne sich um ihn zu kümmern. Bei allen macht sich der Grundsatz
-bemerklich: »Zeit ist Geld«. Sogar die Jugend hastet oft rasch dahin;
-bewundernswert ist die Frühreife und Selbständigkeit der Berliner
-Kinder, die, wie ein Volkswort sagt, sich nicht die Butter vom Brot
-nehmen lassen. Sechs- wie siebenjährige Knaben und Mädchen schwingen
-sich gewandt auf die Waggons der Straßenbahnen, überschreiten mit
-merkwürdiger Ruhe die schlimmsten Straßenpassagen und benehmen sich
-in der Stadtbahn genau so wie die Großen, die Türen der Wagen im
-Fluge öffnend und schließend. In gewissem Sinne berühmt wegen ihrer
-schlagfertigen Antworten, die sie Niemandem schuldig bleiben, sind die
-Berliner Lehrlinge, namentlich des Schusterhandwerks; aber ihnen mag
-auch mancher Witz in die Schuhe geschoben werden, der auf das Conto von
-Angehörigen anderer Berufszweige zu setzen ist.
-
-[Illustration: Berliner Schusterjunge.]
-
-Eine besonders bemerkenswerte Erscheinung ist, daß man auf den Berliner
-Straßen weit mehr Frauen sieht, als bei uns, ja, man könnte wohl sagen,
-man begegnet hier mehr Frauen als Männern, es ist also gerade das
-Gegenteil von unserem Straßenbilde. Daß die Männer außerhalb des Hauses,
-die Frauen im Hause ihren Pflichten und Arbeiten nachgehen, scheint hier
-im allgemeinen nicht der Fall zu sein. Ich hatte schon in Japan gehört,
-daß es hier viele selbständige Frauen gibt, d. h. solche, die sich
-selbst ernähren und regelmäßige Beschäftigungen haben wie Männer. Davon
-habe ich mich wirklich überzeugt. Das Arbeitsgebiet der Frauen scheint
-hier ein ziemlich großes zu sein, und offenbar hat man hier dem zarten
-Geschlecht viele Berufszweige geöffnet, sodaß sich ihre Zugehörigen ihre
-Selbständigkeit bewahren können. Allerdings scheint die Selbsthilfe der
-Frauen, wie mir mitgeteilt wurde, auf die Zahl der Ehen in verminderndem
-Sinne einzuwirken. Ob dieser Umstand die Menschheit zur Seligkeit führt,
-ob sie dadurch ihre Ideale verwirklicht sieht, lasse ich dahingestellt
-sein. Die Frauenfrage und Frauenbewegung, die auch bei uns bereits
-ihre Wurzeln geschlagen haben, ist hier, wie ja überall, eine der
-brennendsten sozialen Fragen, auf die ich an dieser Stelle nicht näher
-eingehen kann.
-
-Daß die Frauen hier viel mehr arbeiten, als bei uns, ist eine durchaus
-lobenswerte Tatsache, die schon an ihrem Äußeren, in ihrem Gang und
-Wesen und in ihrem starken Körperbau ersichtlich ist. Nicht selten hörte
-ich auf der Straße hinter mir feste Schritte und glaubte anfangs, sie
-rührten von einem Soldaten her; zu meinem nicht geringen Erstaunen mußte
-ich jedoch bemerken, daß dieser vermeintliche Soldat, als er an mir
-vorüberschritt, eine Dame war! Man kann hieraus entnehmen, mit welchen
-derben Füßen die Damen hier auftreten. Im allgemeinen habe ich gefunden,
-daß die deutschen Damen alle ziemlich fest einherschreiten.
-
-Wie ich mir sagen ließ und selbst bemerkt habe, legt man in Deutschland
-auf die körperliche Erziehung beider Geschlechter sehr viel Wert.
-Tatsache ist es, daß die Menschen hier im allgemeinen größer sind, als
-unsere Landsleute. Es liegt allerdings wohl schon in der Rasse, aber
-auch die körperliche Pflege dürfte zweifellos nicht wenig zur Erzielung
-einer kräftigen, gut entwickelten Menschengattung beitragen. Die
-durchschnittliche Größe der Deutschen ist aber Gott sei Dank nicht so
-bedeutend, wie ich sie mir daheim vorgestellt hatte. Ich hatte nämlich
-geglaubt, daß ich in Deutschland als ein Zwerg unter Riesen erscheinen
-müsse. Dem war jedoch glücklicherweise nicht so: als ich sah, daß es
-hier auch kleinere Menschen gibt wie ich und als ich dann bemerkte, daß
-ich noch nicht zu den kleinsten gehörte, fühlte ich mich sehr beruhigt.
-Die Deutschen sind auch im Großen und Ganzen korpulenter als die
-Japaner. Ich wurde wirklich manchmal durch kolossale Exemplare
-überrascht, die nicht selten wandelnden Bierfässern gleichen. Besonders
-sind mir unter der Damenwelt viele »gewichtige« Figuren aufgefallen;
-einzelne von ihnen hatten eine solche Mächtigkeit, daß sie sich kaum
-fortbewegen konnten. Wie mir zu Mute ward, als ich zum ersten Mal mit
-der Straßenbahn fuhr und unglücklicherweise an der Seite eines
-solchen Kolosses in die Ecke gedrückt sitzen mußte, kann man sich wohl
-vorstellen.
-
-Aus unseren neuesten schulhygienischen Mitteilungen ist ersichtlich,
-daß die Körperlänge unseres jüngeren Geschlechtes, namentlich beim
-weiblichen, im Zunehmen begriffen ist, seitdem man für die körperlichen
-Übungen, besonders in den Schulen, mehr Sorge getragen hat und im
-modernen Leben Tische und Stühle verwendet. Ich empfehle meinen
-Landsleuten körperliche Pflege und Bewegung auf das energischste und
-rate ihnen entschieden das Hocken auf den Matten ab.
-
-[Illustration: Schutzmann.]
-
-Von allem, was ich hier in den ersten Tagen meiner Ankunft gesehen habe,
-hat mir der riesige Verkehr am meisten Bewunderung abgerungen. Die
-neuen Verkehrsmittel in Berlin sind geradezu phänomenal. Straßenbahnen,
-Stadtbahnen, Hoch- und Untergrundbahn, Omnibusse, Droschken, Automobile,
-Fahrräder und noch vieles andere, all diese Fahrgelegenheiten
-durchkreuzen die Stadt nach sämtlichen Richtungen und machen das
-Straßenleben ungeheuer lebhaft.
-
-[Illustration: Viel Zeit.]
-
-In den unter sorgsamster polizeilicher Aufsicht stehenden
-verkehrsreichsten Straßen, wie z. B. der Friedrichstraße, war es mir
-oft kaum möglich, meinen Weg durch die Menschenmenge zu finden. Anfangs
-glaubte ich, diese Menschen strömten aus irgend einem besonderen Anlaß
-herbei, aber dem war nicht so, denn bis spät in die Nacht ging es hier
-so zu. Es könnte fast scheinen, als ob die meisten dieser Passanten
-keinen besonderen Lebenszweck hätten, aber man muß berücksichtigen,
-daß ein großer Teil davon -- wie man mir mitteilte -- nicht Berliner,
-sondern Fremde sind, die sich des Vergnügens wegen hier aufhalten.
-Wie in einem Kaleidoskop sind hier alle Arten von Menschen
-zusammengewürfelt: geschniegelte und gebügelte Männer mit Cylinder,
-geschminkte Weiber in auffallender Kleidung, schneidige Offiziere,
-vornehme Damen, Studenten in ihren Couleurmützen, Landleute mit
-ihren kerngesunden, geröteten Gesichtern, Provinzler, Straßenhändler,
-Zeitungs- und Blumenverkäufer u. a. m., alles strömt hier bunt
-durcheinander und macht auf uns Ausländer einen ganz eigenartigen
-Eindruck.
-
-Eins von den eigentümlichsten Straßenbildern, das man bei uns nie zu
-sehen bekommt und uns viel Spaß macht, ist auch der Hundehändler. Sie
-stehen an der Seite der Straße, halten ein paar junge Hündchen auf
-den Händen oder führen größere Hunde an der Leine und bieten sie
-den Vorübergehenden feil. Ich weiß nicht, ob sie mit diesem neuen
-Berufszweige gute Geschäfte machen oder nicht, kurz und gut, sie üben
-auf uns eine drollige Wirkung aus. Noch eine andere eigentümliche
-Erscheinung auf der Straße bilden die Soldaten mit ihren
-»Herzallerliebsten« an der Seite -- auch ein possierlicher Anblick,
-den man bei uns nicht hat. Ich habe oft beobachtet, wie ein solcher
-Vaterlandsverteidiger Hand in Hand oder Arm in Arm mit seinem Schatz
-durch die Straßen wandelte oder dem Tanzboden zusteuerte. Ich hatte
-immer geglaubt, die deutschen Soldaten, die durch ihre Tapferkeit und
-Disziplin so weltberühmt sind, würden sich solche Dinge nicht erlauben,
-aber vielleicht tut es ihrem Ansehen keinen Abbruch. Jedenfalls
-mutete es mich in der ersten Zeit seltsam an, weil, wie gesagt, solch'
-öffentliche Liebeleien bei unseren Marssöhnen nicht Mode sind.
-
-[Illustration: Ein Hund gefällig?]
-
-[Illustration: Militärische Annäherung.]
-
-Was dann meine Augen besonders in den Hauptstraßen Berlins entzückte,
-das sind die großartigen Schaufenster der Geschäfte. Die Dekoration, die
-Zusammenstellung und der Aufbau der Waren verraten wirklich eine große
-Kunst. Die Schaufenster gewähren einen äußerst einladenden Anblick, wie
-sie überhaupt ein großartiges Aushängeschild für das Kaufhaus selbst
-bedeuten. Wenn ich vor einem solchen schöndekorierten Schaufenster
-stand, wandelte mich stets die Versuchung an, in das Geschäft zu gehen
-und mir irgendwelche schöne Sachen zu kaufen. Sämtliche Gegenstände
-sind so bequem und gut zurechtgelegt, daß man mit einem Blick sofort
-übersehen kann, was in dem betreffenden Laden zu haben ist. Bei uns
-liegen die Verhältnisse ganz anders. Da werden die Waren der größeren
-Geschäfte gewöhnlich im Magazin aufbewahrt und werden erst mühsam
-einzeln auf Verlangen des Käufers hervorgeholt. Entschieden ist die
-hiesige Art und Weise unseren Geschäftsleuten sehr zu empfehlen; ich bin
-fest überzeugt, daß sowohl das Publikum, wie die Geschäftsinhaber bei
-der neuen, auf Berliner Art eingeführten Ordnung ihre Rechnung finden
-werden.
-
-[Illustration: In einem Restaurant Unter den Linden.]
-
-Der größte Teil der hiesigen offenen Läden besteht aus Restaurants,
-Gastwirtschaften und Destillationen, in denen kolossale Mengen geistiger
-Getränke, am meisten Bier, vertilgt werden. In zweiter Linie folgen
-die Cigarrenhandlungen, die fast jede Ecke besetzt halten. Aus dem
-Übergewicht dieser beiden Geschäftsbranchen läßt sich leicht der Schluß
-ziehen, daß der Genuß von Bier und Tabak den Deutschen dringendes
-Bedürfnis ist.
-
-Angenehme Empfindungen erweckten in mir dann die vielen Blumengeschäfte:
-vor diesen blieb ich mit besonderer Freude regelmäßig stehen, weil sie
-mich so lebhaft an meine Heimat mit ihrer wunderbaren Natur erinnerten
-und mich ihr gleichsam näherten.
-
-Was ich dann in jeder Straße zu Dutzenden antraf, sind die Verkaufsläden
-für Ansichtspostkarten. Ihr Verbrauch soll sich hier auf Millionen
-beziffern, sodaß sich infolgedessen ein besonderer Industriezweig
-ausgebildet haben soll, der sich lediglich mit der Anfertigung von
-Ansichtspostkarten befaßt. Anstatt einen Brief zu schreiben, kauft
-man hier eine solche Karte, schreibt die Adresse und sendet sie als
-Lebenszeichen in die Welt. Eine vortreffliche Einrichtung, von
-welcher ich auch manchen Gebrauch zu machen gedenke, aber nicht aus --
-Schreibfaulheitsgründen!
-
-Noch eins! Was mir in Berlin in den ersten Tagen recht imponierte, sind
-die vielen kunstvollen Denkmäler, Statuen, Büsten u. s. w., meist aus
-Marmor oder Bronze. Überall, wohin man kommt, auf den sogen. Plätzen,
-in den Parkanlagen, auf den Brücken u. s. w. wird man dieser schönen
-Verzierungen gewahr, dieser edlen, feinen Kunstprodukte, die wir zu
-Hause leider noch so sehr vermissen!
-
-Soviel in Kürze! Die ersten Eindrücke, die ich oben im Vorbeigehen
-geschildert habe, waren für mich als Ausländer aus einer fremden
-Kulturwelt so überwältigend, daß ich tatsächlich in den ersten Tagen
-meines Hierseins nicht im stande war, alles richtig zu erfassen; erst
-später vermochte ich mich mit den verschiedenen Gegenständen eingehend
-zu beschäftigen. In meinem nur Berlin gewidmeten Buche werde ich auf die
-zahlreichen Einzelheiten näher eingehen und versuchen, sie der Wahrheit
-gemäß zu schildern.
-
-
-
-
-XVIII.
-
-Aufruf an unsere Jugend.
-
-
-Indem ich nunmehr zum Schluß meiner Reisebeschreibung schreite, möchte
-ich als Resultat meiner Erfahrungen unserer Jugend die Mahnung dringend
-ans Herz legen: Möge jeder, der es mit seinen Verhältnissen irgend
-vereinbaren kann, Reisen ins Ausland unternehmen! Ich meine damit
-natürlich nicht, daß die jungen Japaner ihre Studien aufgeben und ihren
-Vergnügungen nachgehen sollen -- durchaus nicht! Allein unserer
-Jugend, der männlichen nämlich, mangelt bis jetzt noch immer der
-Unternehmungsgeist und frische Wagemut, hinauszugehen und fremde Länder
-und Leute mit ihren Sitten und Gebräuchen aus eigener Anschauung kennen
-zu lernen. Immer war unser Land seit alter Zeit ein abgeschlossenes
-Inselreich und erst seit drei Jahrzehnten hat es den Verkehr mit fremden
-Völkern angebahnt, aber der Riesenfortschritt, den wir in dieser kurzen
-Zeit gemacht haben, und die dadurch geschaffenen Verhältnisse erlauben
-nicht mehr, länger zu Hause zu sitzen und angenehm der Ruhe zu pflegen.
-
-Von allem Nutzen abgesehen, den eine Studienreise auf wissenschaftlichen
-Gebieten gewährt, ist es für junge Geschlechter von großem Wert, wenn
-sich ihr Blick für alles erweitert und sie sich daran gewöhnen, Gefahren
-und Zufälligkeiten aller Art zu begegnen. Kommt einem nicht schon
-durch das Lesen einer Beschreibung aus dem Innern Afrikas oder einer
-Nordpolfahrt der Gedanke, den kühnen Forschern nachzuahmen und nicht
-tatenlos zuzuschauen? Ich will selbstverständlich damit unserer
-Jugend nicht das Wort zu Abenteuern reden, ihr auch nicht dazu raten,
-blindlings in die Ferne zu ziehen; ich möchte sie nur dringend
-mahnen, nicht zu Hause müßig sitzen zu bleiben, sondern auf dem großen
-Schauplatz der Welt ihre Kraft auf die Probe zu stellen.
-
-In Europa ist es etwas ganz Gewöhnliches, daß selbst königliche Prinzen
-weite Reisen unternehmen, um einerseits den Wissenschaften zu dienen,
-andererseits aber ihre Erfahrungen und Kenntnisse zu bereichern. Die
-Europäer sind überhaupt zu Unternehmungen viel leichter geneigt als wir.
-Auf meiner Reise durch Europa habe ich nicht selten gefunden, daß sogar
-junge Damen, ihre geschnürten Bündel und Ränzel selbst tragend, allein
-in die weite Welt hinausreisten. Oben auf der Höhe der Jungfrau, die ich
-erstieg, im Reiche des ewigen Eises und Schnees versetzte mich eins noch
-mehr in Bewunderung als die kolossale Alpenlandschaft, nämlich, daß
-ich unter den Bergsteigern nicht wenig Vertreterinnen des zarten
-Geschlechtes erblickte. In dieser schwindelnden Höhe, wohin man nur
-mit Hilfe von Bergstöcken, Haken und Seilen, sowie an der Hand sicherer
-Führer gelangen kann, waren Frauen zugegen! Bei uns zu Hause würde dem
-schönen Geschlecht nie in den Sinn kommen, sich den Strapazen
-einer derartigen Bergtour auszusetzen. Ob Damen überhaupt derartige
-Anstrengungen zu empfehlen und zuträglich sind, will ich dahingestellt
-sein lassen. Aber jedenfalls sprechen solche Vorkommnisse für meine
-Behauptung, daß Europas Bewohner mehr von einem großen, vor keiner
-Gefahr zurückschreckenden Unternehmungsgeist beseelt sind als wir.
-
-Darum, japanische Jugend, erwache und gehe kraftvoll und hoffnungsfreudig
-an die Arbeit! Die Konkurrenz im großen Völkerwettstreit leidet keine
-Ruhe -- und nur dem Mutigen gehört die Welt!
-
-[Illustration]
-
-
-Druck von G. Bernstein in Berlin.
-
-
-
-
-Fußnote
-
-
-[1]: Gu = dumm, En = Garten.
-
-
-
-
-[Hinweise zur Transkription
-
-
-Offensichtliche Satzfehler wurden korrigiert, sonst der Originaltext
-beibehalten. Änderungen sind in der nachstehenden Liste ausgewiesen.
-
-
-Änderungen
-
- Seitenangabe
- originaler Text
- geänderter Text
-
- Seite 4
- Alles war nun erledigt, und gestrosten Mutes
- Alles war nun erledigt, und getrosten Mutes
-
- Seite 12
- Bänke, physikalische und chemische Apparate, Wandkarten u. s w.
- Bänke, physikalische und chemische Apparate, Wandkarten u. s. w.
-
- Seite 24
- mehrere Konsulate, Banken usw.
- mehrere Konsulate, Banken u. s. w.
-
- Seite 42
- Straßenleben hat mit seiner buntdurcheindergewürfelten Bevölkerung
- Straßenleben hat mit seiner buntdurcheinandergewürfelten Bevölkerung
-
- Seite 47
- gewinnbringendsten Artikels der englichen Einfuhr
- gewinnbringendsten Artikels der englischen Einfuhr
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- Seite 79
- wie beipielsweise bei uns in Japan
- wie beispielsweise bei uns in Japan
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- Seite 110
- Färbung erhalte nnd daß der Name daherstamme
- Färbung erhalte und daß der Name daher stamme
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- Seite 127
- die Hauptstadt des ehemaligen Königsreichs beider Sicilien
- die Hauptstadt des ehemaligen Königreichs beider Sicilien
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- und die fünf bis sechsstöckigen Häuser
- und die fünf- bis sechsstöckigen Häuser
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- Seite 133
- mit kleinen, gewöhnlich mit Sand gefüllen Beutelchen wirft
- mit kleinen, gewöhnlich mit Sand gefüllten Beutelchen wirft
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- Seite 137
- und mußte nun von einem Deutchen erfahren
- und mußte nun von einem Deutschen erfahren
-
- Seite 138
- so benutzt man man dieses Süßwasser zum Nachspülen
- so benutzt man dieses Süßwasser zum Nachspülen
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- Seite 144
- daß die Japaner im Körperbau kleiner sind, als die Russen
- daß die Japaner im Körperbau kleiner sind als die Russen,
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- Seite 152
- und sie auch auf der ganzen Fahrt bewährt
- und sie auch auf der ganzen Fahrt bewahrt
-
- Seite 157
- man möchte wohl anch solch ein Vogel sein
- man möchte wohl auch solch ein Vogel sein
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- Seite 166
- Rubinen, Saphieren, Topasen
- Rubinen, Saphiren, Topasen
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- Seite 179
- an Kajütenpassagieren erster nnd zweiter Klasse
- an Kajütenpassagieren erster und zweiter Klasse
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- Seite 182
- mein Freund und früherer Schüler Dr. Okoski
- mein Freund und früherer Schüler Dr. Okoshi
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- Seite 190
- ein x scher Professor, ebenfalls ein Reisegefährte
- ein x'scher Professor, ebenfalls ein Reisegefährte
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- Seite 196
- brachen wir von Genua auf und und kamen
- brachen wir von Genua auf und kamen
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- Seite 216
- In gegewissem Sinne berühmt wegen ihrer
- In gewissem Sinne berühmt wegen ihrer]
-
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-
-End of the Project Gutenberg EBook of Tokio - Berlin, by Jintaro Omura
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK TOKIO - BERLIN ***
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