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-The Project Gutenberg EBook of Höherzüchtung des Menschen auf biologischer
-Grundlage., by Paul C. Franze
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Höherzüchtung des Menschen auf biologischer Grundlage.
- Vortrag
-
-Author: Paul C. Franze
-
-Release Date: October 9, 2013 [EBook #43920]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HÖHERZÜCHTUNG DES MENSCHEN ***
-
-
-
-
-Produced by Norbert H. Langkau, Sandra Eder and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
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-Anmerkungen zur Transkription:
-
-Fett gedruckter Text wurde mit dem Gleichheitszeichen = markiert,
-gesperrt gedruckter Text mit Unterstrich _, unterstrichener Text mit
-Tilde ~. Für einfache Anführungszeichen wurden > und < verwendet.
-Inkonsistente und altertümliche Schreibweisen wurden beibehalten,
-lediglich einige offensichtliche Fehler wurden korrigiert (z.B. Moriz,
-Ausdrnck, Satzzeichenfehler). Die 0 des angegebenen Preises auf der
-Titelseite war auf dem Scan nicht lesbar, aufgrund der darauf folgenden
-Buchvorstellungen kann aber von einem Preis von M. 0,80 ausgegangen
-werden.
-
-
-
-
- Höherzüchtung des
- Menschen auf biologischer
- Grundlage.
-
- Vortrag, gehalten auf der 81. Versammlung
- Deutscher Naturforscher
- und Ärzte in Salzburg, 1909, bedeutend
- erweitert und umgearbeitet. [4 Quadrat-Symbole]
-
- Von
- Dr. med. PAUL C. FRANZE.
- Bad Nauheim.
-
- Leipzig.
- Hof-Verlagsbuchhandlung Edmund Demme.
-
- Preis: M. 0,80.
-
-
-
-
-~Edmund Demme, Hof-Verlagsbuchhandlung, Leipzig.~
-
-
-~»=Reformgedanken.=«~ Von Dr. Meyer. Heft I. 1. Die =Umwertung des
-bisherigen Krankheitsbegriffes=. 2. Säurenaturen. 3. Wetterlage und
-Gesundheit. 4. Wissenschaftliche Bedenken bezügl. der Geldreinigung an
-den Kassen. (0,60 Mark.) Die kleine Broschüre enthält so viel
-Wissenswertes und zum Teil Neues, daß die Lektüre jedermann empfohlen
-werden kann.
-
-~»=Reformgedanken.=«~ Von Dr. M. Meyer. Heft II. 1. =Besuch bei
-einem Hundertdreijährigen.= 2. Wesen und Behandlung der
-=Gallensteinkrankheit=. 3. Das Rätsel der =Genickstarre=. (Preis 0,80
-Mark.) Interessant ist die Schilderung des Besuches bei einem
-Hundertdreijährigen. Wir erfahren, wie der Mann gelebt, um dieses hohe
-Alter erlangen zu können, ferner gibt der Verfasser ein klares Bild von
-der Behandlung der Gallensteinkrankheit und löst endlich das Rätsel
-über Entstehung, Ursachen und Behandlung der Genickstarre, einer
-Krankheit, die in letzter Zeit so vielfach bei uns auftrat.
-
-~»=Reformgedanken.=«~ Von Dr. M. Meyer. Heft III. Ist der Typhus eine
-Infektionskrankheit? (0,60 Mark.) In dem Wandel der Anschauungen,
-welcher sich auf pathologischem Gebiete in letzter Zeit zu vollziehen
-beginnt, hat man sich dazu verstanden, manches Krankheitsbild von einem
-völlig anderen Standpunkte aus anzusehen. Dieses gilt auch für den
-Typhus, der bisher für eine Ansteckungskrankheit angesehen wurde.
-Verfasser übt an dieser Anschauung Kritik und sucht Gegenbeweise
-anzuführen, wobei er wiederum das Hauptgewicht auf die Anregung der
-Darmtätigkeit legt, die Ursache in =Selbstvergiftung= und die Heilung
-resp. Verhütung in Beseitigung der Schlacken oder Reinigung des Blutes
-erblickt.
-
-~»=Reformgedanken.=«~ Heft IV. 1. =Die Darmreinigung als Heilfaktor.=
-2. Die Beziehungen zwischen Darmtätigkeit und lokaler Krankheit. 3. Ein
-Beitrag zur Behandlung der =Lungenentzündung=. Von Dr. med. Max Meyer.
-(Preis 0,80 Mark.) Die Erkenntnis, daß der krankhafte Zustand des
-Körpers häufiger das Endergebnis fortgesetzter Schädlichkeiten ist,
-beginnt in letzter Zeit immer mehr Anhänger zu gewinnen. Was man bisher
-als Ursache ansah, die vermutete bakterielle Ansteckung, kann in vielen
-Fällen nicht mehr als ausreichende Ursache gelten. Ärztliche Forscher,
-wie: Dr. Bunge, Dr. Lahmann, Dr. Borchard, Dr. Hueppe, Dr. Haig, Dr.
-Paczkowski, Dr. Walser etc. klären uns darüber auf, daß die meisten
-Krankheiten in Darmgiftbildung, Kohlensäurebildung und Stauung im
-menschlichen Körper ihre Ursache haben. Den Vorgang dieser
-Selbstvergiftung, sowie deren Einfluß auf den gesamten Organismus sucht
-uns die obengenannte Broschüre zu erklären, sie ist deshalb sehr
-lesenswert.
-
-~»=Reformgedanken.=«~ Von Dr. M. Meyer. Heft V. 1. Die Bedeutung der
-=Abkühlung und der Feuchtigkeit= für die Entstehung von Krankheiten. 2.
-Über das =Wesen der Erkältung=. (Preis 0,50 Mark.) Gemeiniglich wird
-mit dem Ausdruck »ungesundes Wetter« das naßkalte Wetter bezeichnet,
-das wohl eigentlich den Inbegriff klimatischer Schädlichkeiten
-darstellt, während man Perioden von andersartigem oder direkt
-entgegengesetztem Charakter für gesundheitlich günstig oder zum
-mindesten nicht krankmachend hält. Ob und inwiefern das zutrifft,
-darüber gibt uns der Verfasser Aufschluß. Ebenso klärt er uns in kurzer
-interessanter Weise auf über das Wesen der Erkältung, worüber noch
-recht unklare Begriffe herrschen. Da nun aber die genannten Faktoren:
-Abkühlung, Feuchtigkeit und Erkältung für die Entstehung von
-Krankheiten eine sehr große und wichtige Rolle spielen, so ist die
-Lektüre der billigen Schrift zu empfehlen.
-
-~»=Reformgedanken.=«~ Von Dr. M. Meyer. Heft VIII. =Wie entsteht der
-Krebs und wie ist er zu behandeln?= (0,30 Mark.) Die schlimmste
-Krankheit ist der _Krebs_, aber das Allerschlimmste ist, daß sich die
-Gelehrten über Entstehung und Behandlung noch gar nicht einig sind,
-deshalb ist es mit Freuden zu begrüßen, wenn -- wie in vorliegender
-Broschüre -- von ärztlichen Denkern der Versuch gemacht wird, Klarheit
-zu schaffen.
-
-
-
-
- Höherzüchtung des Menschen auf
- biologischer Grundlage.
-
- Vortrag,
-
- gehalten auf der 81. Versammlung Deutscher Naturforscher
- und Ärzte, 1909, bedeutend erweitert und
- umgearbeitet.
-
- Von
- Dr. med. Paul C. Franze
- Arzt in Bad Nauheim.
-
- 1910
- EDMUND DEMME, Hofverlagsbuchhandlung
- Leipzig.
-
-
-
-
-Nachdruck verboten.
-
-
-
-
-Inhalts-Verzeichnis.
-
-
- Seite
-
- Vorwort 5
-
- I. =Aufstieg= 6
-
- II. =Biologische Grundlegung= 12
-
- 1. Das Material der Artbildung, die spontanen
- Variationen, und ihre Erblichkeit 12
-
- 2. Überschüssige Fruchtbarkeit 14
-
- 3. Natürliche Auslese und Kampf ums Dasein 14
-
- 4. »Das Prinzip der natürlichen Prädestination« 15
-
- 5. Keimauslese 17
-
- 6. Geschlechtliche Zuchtwahl 17
-
- 7. Isolation 18
-
- 8. Zusammenhang vorstehender Grundsätze mit der
- Fortentwicklung der Menschheit 19
-
- III. =Anwendung der Grundsätze auf die Rassenzucht
- beim Menschen= 24
-
- 1. Das Material 25
-
- a. =Die geistigen Eigenschaften= 25
-
- b. =Die körperlichen Eigenschaften= 34
-
- c. =Die Auserlesenen= 44
-
- d. =Das Organ des Geistes= 47
-
- 2. Die Erblichkeit 62
-
- 3. Genügende Fruchtbarkeit 64
-
- 4. Auslese und Reinzucht 65
-
- a. =Mittel, durch welche die Auserlesenen
- einander als solche erkennen können= 65
-
- b. =Die formale Seite der Auslese= 68
-
- c. =Die Reinzucht= 71
-
- 5. Blutmischung und Herkunft der Varianten 72
-
- 6. Der Instinkt 75
-
- IV. =Das System des Geistes= 75
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Vorwort.
-
-
-Auf der 81. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte in Salzburg,
-1909, hielt ich unter dem gleichen Titel, den diese Broschüre trägt,
-einen Vortrag. Der Aufforderung meines Herrn Verlegers, die
-Ausführungen der Allgemeinheit zugänglich zu machen, bin ich gern
-nachgekommen. Freilich mußte dabei über den Umfang des ursprünglichen
-Vortrags, für den nur etwa 20 Minuten zur Verfügung standen, bedeutend
-hinausgegangen werden.
-
-Einerseits erhielt demnach das dort Gesagte hier in der Broschüre eine
-gründlichere Bearbeitung; anderseits kam in dieser vieles Neue hinzu,
-das mit dem Inhalt des Themas eng zusammenhängt. So sind z. B. die
-Abschnitte über die körperlichen Eigenschaften, das Organ des Geistes,
-die Ehereform, das System des Geistes hier zum ersten Male
-veröffentlicht worden.
-
-Möge die Schrift der Verbreitung der Erkenntnis dienen, daß der Mensch
-ein noch durchaus unvollständig durchorganisiertes Wesen ist, und daß
-er daher seinen bewußten Willen zur Erlangung höherer Organisation im
-Sinne des entwicklungstheoretischen Fortschrittes verwenden sollte!
-
- _Bad Nauheim_, 19. Januar 1910.
-
- =Dr. Paul C. Franze.=
-
-
-
-
-I. Aufstieg.
-
-
-Äonenhafte Zeitläufe blicken herab auf das Aufstreben lebendiger
-Materie auf unserm Planeten nach edleren und höheren Formen des
-Daseins: das ist die Entwicklungsgeschichte der Organismen. Und mitten
-drin in diesem gewaltigen Ringen steht der Mensch, der Schöpfung Krone,
--- doch dies nur auf Zeit, und nimmermehr ihr Ende, vielmehr die bloße
-Vorstufe eines Geschlechts von Halbgöttern auf Erden!
-
-Oder vielleicht richtiger: der jetzige Mensch ist nur ein unfertiges
-Produkt auf dem Weg zu wahrem Menschentum. Der »Mensch« als ein in
-seiner Art vollendeter Organismus muß erst noch kommen. Der _wahre_
-Mensch wird dann eben jener Halbgott sein.
-
-Dann aber haben wir mit Unrecht unser Augenmerk bisher fast nur auf die
-Vergangenheit der Entwicklung gerichtet statt auf die Zukunft des
-Menschen.
-
-Möchte doch daher das Licht eines neuen Tages über die Menschheit
-aufgehen, ja, möchte sogar diese Stunde schon seine Morgenröte
-sein! -- -- --
-
-Dieser Wunsch hat aber nur dann Aussicht auf Erfüllung, wenn die
-höchsten und heiligsten menschlichen Erkenntnismittel den Pfad
-erleuchten, der gewandelt werden muß, und wenn reiner Wille die
-Menschheit beseelt.
-
-Dreifach nämlich ist der Hauptweg der Erkenntnis.
-
-_Erstens: Eingebung aus den Tiefen des Unbewußten_, Intuition, die von
-selber kommt und ihr Licht vorauswirft. Auch Verlaß auf diese
-selbsttätige Spürkraft des Geistes bei der Deutung der Eindrücke: denn
-Deuten immerhin, und beileibe nicht ideenlose Aufschichtung von
-Tatsachen, wie die Moderne es oft wohl möchte.
-
-Die Ideen und Eingebungen kommen dem genialen Denker unwillkürlich
-zumeist bei der Beobachtung von Tatsachen, und anderseits geht er
-absichtlich von diesen aus, um zu Ideen zu gelangen, um den Sinn des
-Daseins zu erfassen und den rechten Weg zu finden.
-
-_Zweitens: Naivität_, so weit als möglich, in der unmittelbaren
-Auffassung der Tatsachen. Naivität ist nichts anders als vollkommene
-Aufrichtigkeit. Bei der Wahrnehmung ist sie daher das Hinnehmen der
-unverfälschten, durch kein eigenes Hinzudenken veränderten Erfahrung,
-einerseits also das impressionistische Einwirkenlassen der
-Sinneseindrücke aus der Außenwelt und anderseits die Erfassung der
-reinen Seelenvorgänge, wie sie gerade im Menscheninnern von selbst
-verlaufen: gleichwie ein Kind, klug, mit seelenvollen Augen den bunten
-Wechsel der Natur aufnimmt, rein von eigenen Beimengungen des
-Verstandes, also tut es auch derjenige, der von Irrtümern frei bleiben
-will.
-
-_Drittens: Logisches Schließen_ ebenfalls bei der Deutung der
-Erscheinungen und zur Herstellung des vernünftigen Zusammenhangs
-zwischen ihnen.
-
-Intuition, Naivität und Logik, das ist das Heiligtum unter den
-Erkenntnismitteln.
-
-Und wir bedürfen des Besten auf dem jetzt zu betretenden Wege: denn
-steil sind zwar immer der Vollendung Pfade; doch diese, die hier
-begangen werden, sind _furchtbar_ in ihrer Steilheit und Höhe! -- -- --
-
-Seit den kosmogonischen Theorien von _Kant_ und _Laplace_ und seit den
-Lehren von _Lamarck_ und _Darwin_ betrachtet die Wissenschaft, ja, man
-darf sagen die gebildete Menschheit, Entwicklung als ein
-allgemeingültiges Gesetz, dem alles, was wir kennen, unterliegt: sowohl
-die in ihrer Pracht am Himmel glänzenden Sterne, als auch die Gefäße
-des Lebens einschließlich des Menschen.
-
-Mögen jene Theorien auch noch so unzulänglich sein -- gleichviel: sie
-haben unsere Erkenntnis unzweifelhaft erweitert.
-
-Der Inhalt der Deszendenztheorie im engeren Sinne ist dieser: Von den
-niedersten Lebewesen bis hinauf zum Menschen hat eine allmähliche
-Entwicklung stattgefunden. Es werden die Bedingungen dieser
-Entwicklungsrichtung aufgesucht und eben dadurch, daß sie gefunden
-werden, wird der Weg zur organischen Vervollkommnung des Menschen
-gewiesen. Zunächst geschieht das für die Vergangenheit, dann aber auch
-für die Zukunft. Denn die Kenntnis der zurückgelegten Strecke gestattet
-gewisse Schlüsse für die bevorstehende.
-
-Demnach stellen wir fest, daß die Entwicklung eine bestimmte Richtung
-hat; sie geht von einfachsten und unvollkommensten zu immer
-zusammengesetzteren und vollendeteren Formen des Lebens. Innerhalb
-dieser allgemeinsten Richtung treten aber beim Menschen noch besondere
-Merkmale als auffallende hervor. Das sind einerseits die Steigerung des
-Bewußtseins, des Geistes oder der Vernunft und die Ausbildung des
-Charakters, des ästhetischen Gefühls und der künstlerischen
-Gestaltungskraft, anderseits die Entfaltung der dem Menschen
-eigentümlichen Körperschönheit.
-
-Das aber ist innerhalb des Reiches der Lebewesen der _Lauf der Natur,
-die Stromesrichtung des Weltgeschehens_: Aufstieg, Vervollkommnung,
-Steigerung und Bejahung des Daseins, Tätigkeit, Umformung von Energien,
-welch letzteres mit Lust betont ist, wenn es fließend und leicht von
-statten geht, mit Unlust dagegen, wenn es gehemmt wird oder schwer
-verläuft.
-
-Rein naiv und impressionistisch können wir sogar das eben Gesagte als
-das _Gesetz des Lebens_ aussprechen.
-
-Erst ein Zurückgehen im Denken hinter die reine Erfahrung läßt Aussagen
-machen über den Wert der Welt hinsichtlich ihres innersten Prinzips und
-wirklichen Wesens. Der Naive fällt keine solchen Werturteile darüber:
-er nimmt vielmehr im Erkenntnisakt die Wirklichkeit hin, wie sie
-erscheint, und gelangt so zur Formulierung des Gesetzes des Lebens, in
-dem allerdings noch kein utopistischer irdischer Optimismus
-ausgesprochen ist, sondern lediglich die Lebensbejahung, die
-Notwendigkeit tätiger und freudiger Mitarbeit an allen Problemen der
-Vervollkommnung, mit andern Worten die fröhliche Kampfesstimmung des
-mutigen Streiters. Denn Kampf ist das Erdenleben. Aber es kann und
-soll sein ein freudiger, siegesgewisser Kampf, in dem es Friedenspausen
-und Ruhmestage gibt, dann nämlich, wenn jeweils der Lorbeer um die
-Schläfen des Siegers sich windet.[1] -- -- --
-
-Wenden wir dann den Blick ab von der Außenwelt und nach innen, so
-finden wir in unserm Seelenleben mächtige Auftriebe, Impulse nach der
-Höhe, gleichsam als drängte uns etwas über unsere ererbte Organisation
-hinaus: es ist ein Streben nach Vervollkommnung, das wir da in unserer
-eigenen Tiefe erleben.
-
-Diese Feststellung beruht auf der »_Psychologie der unmittelbaren
-Erfahrung_«: der Mensch ist einfach so eingerichtet, daß er in seinen
-besseren Individuen dem Willen zur Vollkommenheit nimmer zu entrinnen
-vermag. Hier haben wir an einem Punkte das Seelenleben rein erfaßt:
-unmittelbar und ohne alle Überlegung steigt in dem Tüchtigen die
-Sehnsucht nach höherem Dasein empor bis an die Oberfläche des
-Bewußtseins!
-
-Das sind zwei völlig stichhaltige Gründe dafür, daß das
-Vervollkommnungsstreben auch _betätigt_ werden muß, und beiden wohnt
-eine innerlich ihnen anhaftende Beziehung auf die Allgemeinheit inne.
-Ich wiederhole die Gründe und setze die genannte Beziehung hinzu: 1.
-_Das Gesetz des Lebens_, das von der Beobachtung des Naturlaufs
-unmittelbar abgeleitet wurde, besagt, daß die Hauptrichtung der
-Entwicklung auf Steigerung der Organisation geht. Für den Menschen geht
-daraus hervor, daß es in der Richtung der Entwicklung liegt, wenn er
-seine vornehmsten Eigenschaften weiter entfaltet. Diese aber sind die
-spezifisch menschlichen. Daß die Gesamtheit und nicht etwa nur ein
-einzelner davon betroffen wird, versteht sich von selbst. 2. Die
-Erscheinungen der inneren Wahrnehmung bei höher stehenden Menschen
-bestätigen durchaus das, was von derjenigen der Außenwelt abgeleitet
-wurde: der Mensch findet in sich einen zwingenden Wunsch nach
-Vervollkommnung vor. Das bezieht sich zunächst auf sein Selbst, aber
-zugleich auch auf die Gesamtheit und äußert sich in idealen
-Bestrebungen der Wissenschaft, Philosophie, Kunst, Religion und
-Nächstenliebe, in der Verteidigung des Vaterlands und Mehrung seiner
-Macht, in dem Nachjagen nach Ruhm, Ehre und Reichtum. All dem liegt
-mehr oder weniger bewußt in erster Linie das Verlangen zugrunde, sich
-selber als Persönlichkeit höherer Ordnung, als Vollmenschen auszubilden
-und zu betätigen: die Wege der Vollendung des Selbstes und der
-Gesamtheit fallen in ihrem Verlaufe zusammen.
-
-_Nach allem_: Es dürstet der Mensch nach Vervollkommnung, und er blickt
-hinaus in das Getriebe des Weltgeschehens und liest von der Natur den
-gleichen Willen ab.
-
-Was aber bedeutet Vervollkommnung? _Ich definiere: Vervollkommnung ist
-weitere Entfaltung der höchsten Eigenschaften._ Denn das gehört zum
-Begriff der Vervollkommnung.
-
-Jetzt aber entsteht _das Problem des Weges_: Wie kann am sichersten,
-wirksamsten und schnellsten das Vervollkommnungsstreben des Menschen in
-die Tat umgesetzt werden?
-
-_Die Analysis der Vervollkommnung ergibt, daß sie in traditionelle und
-erblich-organische zerfällt._
-
-Wie die Überschrift aussagt, ist es die Aufgabe dieser Schrift, die
-letztere zu behandeln. Nur ein flüchtiger Blick sei daher der
-Vollständigkeit halber auf das Wesen der Tradition geworfen.
-
-Durch sein hochentwickeltes Bewußtsein, sowie kraft seiner Fähigkeiten
-der Sprache und der Schrift vermag der Mensch die Erfahrungen seines
-ganzen Geschlechts aufzubewahren, zu sichten, zu ordnen, zu vermehren
-und auf seine Nachkommen übergehen zu lassen. So bildet sich ein in
-stetem Fluß und fortdauernder Änderung begriffener Niederschlag der
-Erfahrung der gesamten Menschheit. Diesen Niederschlag nennen wir die
-_Tradition oder Überlieferung der Menschheit_. Sie umfaßt Sitten und
-Gebräuche, die naive Überlieferung des Volkes (folklore), Natur- und
-Geisteswissenschaften.
-
-Insbesondere sind es einzelne hervorragende Männer, die von Zeit zu
-Zeit entstehen, welche die Tradition sprungweise auf eine höhere Stufe
-heben und dadurch die Menschheit veredeln. Solche Männer heißen
-_Genien_: sie sind die Lichtbringer und Führer der Menschheit.
-
-Einigermaßen steigert ja auch die Wissenschaft als solche ohne die
-direkte Arbeit der Genien die geistigen, sittlichen und körperlichen
-Werte der Gesamtheit. Denn sie mehrt unsere Erkenntnis von der
-Wirklichkeit; Gewinn aber an Wissen und an Einsicht in die wahren
-Vorgänge der Natur gereichen natürlich den Menschen zum sittlichen und
-körperlichen Wohle. Das darf man nicht zu gering veranschlagen. Die
-Vorteile, die unserer Gesundheit aus der Wissenschaft erwachsen, liegen
-allen klar vor Augen. Weniger Verständnis jedoch haben viele dafür, daß
-auch die Sittlichkeit durch Wissen gewinnt; deshalb seien zwei
-Beispiele dafür angeführt: die humane Gestaltung der Rechtspflege und
-Irrenfürsorge ist sicherlich mehr ein Ergebnis wissenschaftlicher
-Aufklärung als etwa der kirchlichen Religion.
-
-Freilich scheint es mir, ein noch mehr in die Tiefe dringender Blick zu
-sein, wenn man einsieht, daß die genannten Erscheinungen mit dem von
-innen heraus wirkenden Vervollkommnungstrieb in Zusammenhang stehen.
-Diese Kraft befindet sich natürlich in steter Wechselwirkung mit der
-äußeren Erfahrung und offenbart sich an ihr.
-
-Doch kann bei aller Gerechtigkeit gegen die allgemeine
-wissenschaftliche Tätigkeit nicht eindringlich genug vor ihrer
-Überschätzung gewarnt werden. Es ist unmöglich, hier eine exakte
-Rechnung vorzulegen: aber viel ist es jedenfalls nicht, was alle die
-Nicht-Genien zusammen der Menschheit an wirklichen und bleibenden
-Werten gegeben haben. Sicherlich ruht jeder bedeutende Fortschritt auf
-den Schultern der Genien! -- -- --
-
-_Der Gegenstand dieser Abhandlung aber ist die Steigerung der erblichen
-Organisation des Menschen, seine generative Höherentwicklung. Es soll
-die Richtung der Entwicklung dadurch fortgesetzt werden, daß wir
-Menschen mit Hilfe unseres Bewußtseins den Weg zu neuen und höheren
-Formen der Kreatur einschlagen, als es deren eine bisher überhaupt auf
-der Erde gegeben hat!_
-
-Wie wir sahen, steht diesbezüglich das Gebot der inneren Stimme im
-Einklang mit demjenigen, das die Naturbeobachtung ergibt.
-
-Ich wende mich nunmehr zu unserm soeben nochmals klar definierten
-Thema.
-
-
-
-
-II. Biologische Grundlegung.
-
-
-1. Das Material der Artbildung, die spontanen Variationen, und ihre
-Erblichkeit.
-
-Das Material der Bildung von Rassen, Varietäten und Arten sind sowohl
-in der Natur, als auch bei der künstlichen Züchtung und beim Menschen
-die spontanen Variationen. Die Voraussetzung dafür, daß aus ihnen
-Dauerformen hervorgehen können, ist ihre Erblichkeit. Dies gilt für
-spontane Variationen größeren und kleineren Betrags. Erstere nennt man
-nach _de Vries_ Sprungvariationen und Mutationen. Inwiefern sie zur
-Artbildung beitragen, bleibe dahingestellt. Letztere sind die spontanen
-Variationen im engeren Sinne des Wortes. Auf ihnen beruht sicherlich
-der größte Teil der Artbildung. Es verhält sich mit ihnen
-folgendermaßen:
-
-Jedes Lebewesen kommt mit gewissen Abweichungen seines Baues von
-demjenigen seiner Artgenossen auf die Welt. Dies betrifft nicht nur den
-ganzen Organismus, sondern sogar auch seine einzelnen Teile: keine zwei
-Blätter an einem Baume sind einander ganz gleich, und so ist es bei
-allen Organen.
-
-Diese Grundtatsache bildet den Ausgangspunkt und die Voraussetzung des
-_Darwinismus_. Darwin nennt eben jene individuellen Verschiedenheiten
-an Pflanzen und Tieren »spontane Variationen«, d. h. von selbst
-entstehende Abänderungen. Er untersucht nicht die Ursache ihrer
-Entstehung, sondern fängt bei ihnen an. Sie sind erbliche
-Eigenschaften, da es sich bei ihnen um Angeborenes und nicht um
-Erworbenes handelt.
-
-Es besteht nämlich in der Wissenschaft eine Kontroverse darüber, ob nur
-angeborene oder auch erworbene Merkmale erblich seien. Sie ist bis
-jetzt dahin entschieden worden, daß erstere es sicher, letztere im
-allgemeinen es nicht sind. Jedoch bezieht sich das nur auf Erworbenes
-im engeren Sinne des Wortes, z. B. auf Verstümmelungen, Resultate der
-Übung und Vernachlässigung von Organen, z. B. der Muskeln usw.
-Zweifellos prägen sich aber die Eindrücke des Lebens mehr oder weniger
-auch den Keimzellen auf und sind dann erblich, wie alle Veränderungen
-an den Keimzellen. Das ist eine Voraussetzung der Variabilität selbst,
-die Darwin eben ununtersucht läßt. Darüber haben andere, insbesondere
-_Semon_[2] gearbeitet. Darnach können die Reize aus der Außenwelt eine
-dauernde Veränderung im Organismus hinterlassen, was Semon
-»_Engraphie_« nennt. Die Veränderung selbst ist das »_Engramm_«. Die
-Reizwirkungen strahlen nun im ganzen Organismus aus, und zwar nicht nur
-im Nervensystem. Denn sie spielen gerade bei Pflanzen eine wichtige
-Rolle. Forel sagt: »Auf diesem Wege kann eine, wenn auch kolossal
-abgeschwächte Engraphie schließlich auch die Keimzellen treffen.« .....
-»Und so läßt sich die Möglichkeit einer kolossal langsamen Vererbung
-erworbener Eigenschaften, nach unzähligen [? Verf.] Wiederholungen
-durch das mnemische Prinzip erklären, ohne daß die von _Weismann_
-betonten Tatsachen ihre Richtigkeit einbüßen. Denn die Einflüsse der
-_Kreuzungen_ (Konjunktionen) und der Zuchtwahl wirken natürlich
-ungeheuer viel rascher und intensiver verändernd als individuell
-vererbte mnemische Engraphien.«[3]
-
-Die engraphische Wirkung braucht aber nicht immer die gleiche
-»kolossale« Langsamkeit zu besitzen. Bei Pflanzen geht die Umwandlung
-oft recht schnell von statten. Auch bei Tieren und Menschen wird es
-sich verschieden verhalten, je nach der Art des Reizes und der
-Wichtigkeit der Erfahrung: das Lebendige kann vielleicht in elektiver
-Weise reagieren.
-
-
-2. Überschüssige Fruchtbarkeit.
-
-Ein großer Geburtenüberschuß ist natürlich der Entstehung
-verschiedenartiger Variationen günstig.
-
-
-3. Natürliche Auslese und Kampf ums Dasein.
-
-Unter dem Kampf ums Dasein versteht man die Gesamtheit der Einwirkungen
-der Außenwelt, sowohl diejenigen der anorganischen Natur, als auch die
-aus der Konkurrenz mit andern Lebewesen entstehenden. Man kann ihn in
-den aktiven und passiven Kampf ums Dasein einteilen. Unter ersterem
-verstehe ich dann gewalttätige Einwirkungen aller Art, sofern sie
-überhaupt Auslesewert (positiven oder negativen) besitzen, also vor
-allem den echten Kampf als solchen mit andern Geschöpfen. Unter
-letzterem fasse ich die Einflüsse der toten Umgebung und die des mehr
-friedlichen Wettbewerbs um die Existenzmittel zusammen.
-
-Darwin nimmt nun an, daß von den spontanen Variationen die einen im
-Kampf ums Dasein nützlich, die andern hinderlich seien. Die Träger der
-ersteren haben daher mehr Aussicht, in ihm zu siegen, als diejenigen
-der letzteren. Jene werden daher im Gegensatz zu diesen bis zum
-fortpflanzungsfähigen Alter erhalten bleiben und Nachkommen erzeugen,
-somit ihre Eigenart weitergeben, während die andern aussterben. Das ist
-die _natürliche Zuchtwahl_ im Kampf ums Dasein. Demnach sind die
-Voraussetzungen für die natürliche Zuchtwahl: 1. Der Kampf ums Dasein,
-2. Erblichkeit der Merkmale, 3. Variabilität, 4. große Fruchtbarkeit.
-
-Auf die Kritik der Darwinschen Theorie will ich hier nicht näher
-eingehen, sondern nur bemerken, daß der Kampf ums Dasein sich als
-unzulänglich zur Herbeiführung von Auslese und Reinzucht erwiesen
-hat.[4]
-
-Mögen aber die Eindrücke, die das Individuum im Laufe seines Lebens
-empfängt, auch in geringem Maße durch Engraphie die Keimzellen
-beeinflussen und dadurch erblich werden, mögen andere besondere
-Prinzipien eingeführt werden müssen, um die Auslese und Reinzucht in
-der Natur zu deuten -- gleichviel: in jedem Fall ist es sicher, daß
-durch dauernde Auslese besonderer angeborener Merkmale und die
-Reinzucht der sie besitzenden Individuen neue Rassen und Varietäten
-sich hervorbringen lassen. Das ist durch die Erfolge der künstlichen
-Züchtung bei Tieren und Pflanzen bewiesen. Ferner sind diese
-angeborenen Eigenschaften in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle
-sicher erblich. Daher bilden sie ein zuverlässiges Material für die
-Reinzucht und Bildung von Dauerformen. Darin besteht also ein
-bleibendes Verdienst _Darwins_ und seines Mitarbeiters _Wallace_,
-gezeigt zu haben, daß die angeborenen spontanen Variationen das
-hauptsächlichste, zuverlässigste und daher wertvollste Material für die
-Bildung neuer Formen darstellen.
-
-Jedenfalls gilt das für die Tierwelt, während es bei Pflanzen den
-Anschein hat, als ob die sogenannte »unmittelbare Bewirkung« durch
-Reaktion auf die Umgebung nach dem Prinzip der Engraphie eine
-bedeutsame, vielleicht wichtigere Rolle spiele. Damit stimmt es denn
-auch überein, daß die Zoologen heute meistens Darwinianer, die
-Botaniker vielfach Neu-Lamarckianer, d. h. Anhänger der letztgenannten
-Theorie, sind.
-
-
-4. »Das Prinzip der natürlichen Prädestination.«
-
-Die spontane Variation, die ein Individuum mit auf die Welt bringt,
-bedingt in erster Linie seine Eigenart. Das aber ist gleichbedeutend
-mit einer Art natürlicher Vorausbestimmung. Im wesentlichen ist es
-schon bei der Geburt eines Geschöpfes ausgesprochen, ob es einen
-Beitrag zur Veredelung oder Verschlechterung seines Geschlechts
-bedeutet.
-
-Das gilt auch für den Menschen: seine Abstammung von einem bestimmten
-Elternpaare bedingt seine Tüchtigkeit oder Minderwertigkeit vor allen
-nachträglichen Einflüssen, die später auf ihn durch Umgang und
-Erziehung einwirken. Wir sehen das tatsächlich auf allen Gebieten,
-vornehmlich auf denen der Erziehung, der Rechtspflege, des genialen
-Schaffens, der Beibringung neuer Werte in Wissenschaft, Ethik, Kunst
-usw., dann aber auch im Alltagsleben: auch hierin offenbaren sich nur
-allzu deutlich die besonderen angeborenen Gaben und Mängel der
-Einzelnen. Alle, die eine größere Anzahl Untergebener unter sich haben,
-werden das bestätigen können, vor allem also Offiziere und Leiter
-großer industrieller Betriebe. Selbstverständlich trifft das auch für
-die körperlichen Eigenschaften im engeren Sinne ebenso zu, für
-Gesundheit und Schönheit. Nichts ist bezüglich ihrer wertvoller für ein
-Individuum als die Abstammung von einem kerngesunden Elternpaare. Denn,
-wenn nicht sehr ungünstige Umstände später auf es einwirken -- z. B.
-mutwillige Untergrabung der Gesundheit --, so wird es dann die größte
-Aussicht auf eigene dauernde Gesundheit und Langlebigkeit haben und
-selbst nachteiligen Einflüssen gegenüber sich widerstandsfähiger
-erweisen als andere. Umgekehrt können auch die besten hygienischen
-Maßnahmen schlechte Erbwerte der Gesundheit und Widerstandskraft nur
-mangelhaft ausgleichen, gerade wie die Schönheitspflege keine Resultate
-zu liefern vermag, die angeborener Schönheit gegenüber in die Wagschale
-fallen.
-
-Freilich läßt sich die natürliche Anlage des Menschen modifizieren. So
-können ungünstige Umstände die Ausbildung guter Eigenschaften
-hintanhalten. Anderseits vermögen eine sorgfältige Erziehung von Jugend
-auf und eine geeignete Umgebung einen von Natur Minderwertigen oft so
-zu bessern, daß er nicht direkt auf Abwege gerät. Aber _im
-wesentlichen_ schlagen die angeborenen Eigenschaften durch. Ebensowenig
-kann die beste Erziehung aus einem dummen und unbegabten Menschen einen
-Entdecker, Erfinder oder Künstler, aus einem charakterlosen einen
-Propheten und Besserer des Menschenlooses machen, als umgekehrt ein
-hartes Geschick im allgemeinen den Genius zu unterdrücken oder am
-Durchbrechen zu hindern vermag.
-
-So hängt denn auch die Zukunft der Rasse von den Erbwerten der Eltern
-ab, da sie mehr oder weniger auf die Kinder übergehen. Wir gelangen
-also auch für den Menschen auf Grund des sicher zutreffenden Teiles des
-Darwinismus und der Erfahrung innerhalb der Menschheit selbst zur
-These, daß jedes Individuum schon bei seiner Geburt die Grundlagen
-seines späteren Wertes in sich trägt. Ich nenne das »_Das Prinzip der
-natürlichen Prädestination_«.
-
-Es gilt, wie schon bemerkt, hinsichtlich der Haupteigenschaften des
-Geistes und Körpers. Beeinflußbarkeit bleibt dennoch bestehen, tritt
-aber an Bedeutung sehr in den Hintergrund.
-
-
-5. Keimauslese.
-
-Um gewissen Schwierigkeiten, in die der Darwinismus gerät, zu begegnen,
-hat _Weismann_ die Theorie der Keimauslese aufgestellt, nach der schon
-die Keime des Lebens im Organismus einen Kampf zu bestehen haben. Davon
-ist jedenfalls so viel richtig, daß nur ein verschwindend kleiner Teil
-aller entstehenden Keimzellen zur Hervorbringung neuen Lebens verwertet
-wird und die andern wieder untergehen, und daß Ursachen für das
-verschiedene Geschick derselben vorhanden sein müssen. Vielleicht sind
-es auch hier die kräftigeren Keime, die erhalten bleiben. Im übrigen
-besagt Weismanns Theorie anderes als dieses. Doch liegt das außerhalb
-des Rahmens dieser Abhandlung.
-
-
-6. Geschlechtliche Zuchtwahl.
-
-Darwin führte das Prinzip der geschlechtlichen Zuchtwahl ein, um
-gewisse Eigentümlichkeiten der männlichen Tiere zu deuten. So sollen
-der Gesang und das schöne Gefieder vieler männlicher Vögel durch
-Bevorzugung seitens der Weibchen entstanden sein. Dafür spricht der
-Umstand, daß beides zur Zeit der Paarung die höchste Entfaltung
-erreicht. Ferner sind die Waffen mancher männlichen Tiere wie der
-Hirsche vorwiegend zum Kampf um die Weibchen da. Der besser Bewaffnete
-siegt und wird dann zur Fortpflanzung zugelassen. Die Schwäche dieser
-Theorie ist jedoch handgreiflich, sofern sie die _Entstehung_ der
-genannten Eigenschaften erklären soll. Wenn diese aber einmal auf einer
-gewissen Ausbildungsstufe vorhanden sind, dann mögen sie gewiß zur
-Bevorzugung bei der Gattenwahl beitragen und dadurch erhalten und
-weiter entwickelt werden.
-
-Die Auslese findet also nach Darwin teils durch den Kampf ums Dasein,
-teils durch die geschlechtliche Zuchtwahl statt.
-
-
-7. Isolation.
-
-Vielleicht hat geographische Absonderung von dem Standort der
-Artgenossen, bezw. beim Menschen von dem gemeinsamen Wohnsitze, in der
-Vergangenheit einen beträchtlichen Anteil an der Bildung von Rassen,
-Varietäten und Arten genommen. Für den Menschen ist dies besonders
-wahrscheinlich, wenn nicht sicher. _Moritz Wagner_ hat die Theorie der
-Isolation vertreten. Er sagt u. a.: »Die Bildung einer wirklichen
-Varietät, welche Herr Darwin bekanntlich als >beginnende Art<
-betrachtet, wird der Natur immer nur da gelingen, _wo einzelne
-Individuen_ die begrenzenden Schranken ihres Standorts überschreitend
-sich von ihren Artgenossen auf Zeit räumlich absondern können.«[5]
-
-»Arten, welche nicht wanderten, sich also nicht veränderten, starben
-allmählich aus.«[6]
-
-»Die tätigeren und intelligenteren Menschenpaare isolierten sich ....,
-schwächliche und dumme Menschenexemplare gingen damals wohl meist
-zugrunde.[7]
-
-»Neue Menschenrassen werden [heute und in Zukunft. Verf.] nicht mehr
-entstehen, nur Bastardrassen durch häufige Mischung der jetzt
-bestehenden Hauptrassen. Völlige Isolierung einzelner Familien und
-Stämme durch eine lange Reihe von Generationen ist bei den jetzigen
-Verkehrsverhältnissen nicht mehr möglich. Damit fehlt aber die
-Grundbedingung der Rassenbildung.«[8]
-
-Die geographische Absonderung hätte demnach eine doppelte Bedeutung: 1.
-Durch sie würde Reinzucht innerhalb einer Sippe durchgeführt werden. 2.
-Die veränderten Lebensbedingungen würden die Organisation der
-Individuen, die sich ihnen durch die Aufsuchung der neuen Wohnstätten
-ausgesetzt haben, modifizieren: »Veränderte Lebensbedingungen,« sagt
-Wagner, »geben den Anstoß zu einer Steigerung der individuellen
-Variabilität. Isolierung von den Artgenossen beginnt dann den Anfang
-einer Rasse.«[9]
-
-
-8. Zusammenhang vorstehender Grundsätze mit der Fortentwicklung der
-Menschheit.
-
-Für den Aufbau meines Plans zur generativen Höherentwicklung des
-Menschen ist nun alles, was in den besprochenen Thesen der
-Deszendenztheorie zweifelhaft ist, belanglos. Ich bedarf vielmehr nur
-der feststehenden von ihnen. Dadurch gewinnen meine Voraussetzungen
-Gewißheit.
-
-Die Grundsätze[10] der Bildung einer tüchtigen Rasse, Varietät oder Art
-sind demnach:
-
-1. Das Vorhandensein des notwendigen Materials in Gestalt brauchbarer
-spontaner Variationen.
-
-2. Die Erblichkeit dieser Variationen.
-
-3. Genügende Fruchtbarkeit.
-
-4. Auslese.
-
-5. Reinzucht.
-
-6. Blutmischung (hierauf wird später bei der Behandlung der
-menschlichen Rassenbildung eingegangen werden).
-
-Beim _Menschen_ sind nun, wie sofort ersichtlich, alle diese
-Erfordernisse ohne weiteres gegeben mit Ausnahme der Auslese und der
-Reinzucht. (Von der Blutmischung sehen wir vorläufig ab, da die Frage
-später erledigt wird).
-
-_Das Problem lautet also_: Welche Prinzipien führen Auslese und
-Reinzucht herbei? Zunächst unterscheide ich bei dem Angehen dieses
-Problems nicht zwischen Menschen und Tieren. Es gibt folgende mögliche
-Prinzipien der Auslese und Reinzucht:
-
-1. _Den Kampf ums Dasein._ Er züchtet rein mechanisch von dem
-Zeitpunkte an, wo die Eigentümlichkeiten der Einzelindividuen eine so
-hohe Ausbildung erlangt haben, daß sie tatsächlich von Vorteil oder
-Nachteil im Leben sind. Wahrscheinlich ist dabei die negative Seite die
-Hauptleistung des ganzen Kampfes ums Dasein, d. h. die Ausmerzung der
-Unfähigen.
-
-2. _Geographische Absonderung._ Dieses Prinzip wurde von Moritz Wagner
-eingeführt, um zu deuten, wie die Auslese und Reinzucht zustandekommen
-können, ohne allein auf den unzulänglichen Kampf ums Dasein angewiesen
-zu sein.
-
-3. _Keimauslese._
-
-4. _Instinkt._ Es ist durchaus denkbar, daß die Individuen, die vermöge
-ihrer erblichen Eigenschaften zur Bildung neuer Formen besonders
-geeignet sind, den Instinkt besitzen, sich untereinander zu paaren und
-Reinzucht durchzuführen. Letzten Endes kommt man keinesfalls um eine
-derartige Annahme herum. So haben denn Naturforscher auch in der Tat
-von einem »Rasseninstinkt« der Tiere gesprochen.
-
-5. _Geschlechtliche Zuchtwahl_, die solchen Instinkt schon voraussetzt.
-
-Das sind die Mittel, die für die Herbeiführung der Auslese und der
-Reinzucht denkbar sind; zugleich machen sie das Strittige im
-Darwinismus, bezw. in seiner Fortbildung seitens anderer aus.
-
-Von jenen kommen zwei für die _menschliche_ Rassenzucht nicht in
-Betracht, nämlich der Kampf ums Dasein und die Isolation.
-
-_Der Kampf ums Dasein_ tritt als auslesender Faktor im Kulturzustand
-immer mehr zurück. Unsere humanen Tendenzen gehen im Einklang mit dem
-Sittengesetz dahin, ihn mehr und mehr auszuschalten. Es kann vom
-sittlichen Standpunkt aus keine Rede davon sein, etwa absichtlich in
-Zukunft die Härte des Kampfes ums Dasein aufrecht erhalten oder gar
-wieder vermehren zu wollen. Vielmehr muß jeder humane und sittliche
-Mensch sein Zurückgehen im Kulturzustand freudigst begrüßen. Dazu kommt
-noch, daß es hier gerade hinsichtlich seiner zu einer _Umwertung der
-Werte kommt_: _Unsere_ höchsten Werte sind neben Gesundheit und
-Schönheit vor allem die wissenschaftlichen, sittlichen und ästhetischen
-sowie ihre Beziehungen zum Leben. Wie schon erwähnt, sind es
-insbesondere die Genien, die uns diese vermitteln. Nun sind diese
-keineswegs immer -- oder auch nur häufig -- gerade diejenigen Menschen,
-die in einem rücksichtslosen Kampf ums Dasein am besten bestehen
-würden. Von Körperschwäche will ich ganz absehen. Schon ihre
-Charaktereigenschaften hemmen sie in einem solchen Kampfe: gerade weil
-sie nicht skrupellose, sondern gewissenhafte, die Kapital- und
-Geldwirtschaft aus angeborenem Idealismus hassende und daher wenig von
-ihr verstehende Menschen sind, sind sie für den brutalen Daseinskampf
-schlechter ausgerüstet. Sie aber zu pflegen als das wertvollste alles
-Menschenmaterials ist unsere Hauptaufgabe. Die Genien sind Menschen,
-die in eine weit fortgeschrittenere, vollkommenere Umgebung passen, und
-die daher der Stufe der Unvollkommenheit, in der sie jeweils leben,
-nicht adaptiert sind. Nun ist es aber das Hauptgesetz des Kampfes ums
-Dasein, daß diejenigen, die sich nicht der Umgebung anzupassen
-vermögen, untergehen. Der Genius jedoch ist deswegen seiner Umgebung
-nicht angemessen, weil er vollkommener als sie ist. Die _Schuld_ liegt
-also an der Umgebung und nicht an ihm. Durch seine Vollkommenheit
-nimmt er die Tradition der Zukunft vorweg, wodurch er gerade seine
-Mitmenschen späteren höheren und edleren Formen des Daseins
-entgegenführt. Er macht ferner die wissenschaftlichen Entdeckungen, die
-in der Technik verwertet die äußeren Grundlagen der Kultur bilden. Er
-gibt den Menschen die herrlichen Werke der Kunst, an denen sie sich
-erfreuen.
-
-Der Kampf ums Dasein kann demnach als züchtender Faktor von irgendwie
-erheblichem Belang im Kulturzustand nicht in Betracht kommen, weil: 1.
-er ohnehin abnimmt, 2. Sittengesetz und Humanität uns verpflichten,
-dies zu unterstützen, 3. eine Umwertung der Werte stattfindet
-dahingehend, daß im Kulturzustand der Völker der Kampf ums Dasein
-geradezu negativen Auslesewert erhält.
-
-Freilich ist auch das sinngemäß zu verstehen. Der passive Kampf ums
-Dasein scheidet auch innerhalb des Kulturzustandes ununterbrochen
-die _Minderwertigsten_ aus, insbesondere die Abkömmlinge von
-Alkoholikern, Tuberkulösen, Syphilitischen. Tot-, Fehlgeburten und
-Kindersterblichkeit räumen hier mit furchtbarer Strenge auf. Der Kampf
-ums Dasein verhindert so das Festwerden von Degenerationsmerkmalen. Er
-zeigt sich also auch hier in seiner Wirkung als einen ausmerzenden
-Faktor.[11]
-
-Übrigens kam Darwin selber zur Überzeugung des rückläufigen Wegs des
-Kampfes ums Dasein bei den Kulturvölkern. Nach _Ploetz_ berichtet
-Wallace über des alten Darwin Meinung: »In einer meiner letzten
-Unterhaltungen mit Darwin sprach er sich wenig hoffnungsvoll über die
-Zukunft der Menschheit aus, und zwar auf Grund der Beobachtung, daß in
-unserer modernen Zivilisation eine natürliche Auslese nicht zustande
-komme und die Tüchtigsten nicht überlebten. Die Sieger im Kampf um das
-Geld sind keineswegs die Besten oder die Klügsten, und bekanntlich
-erneuert sich unsere Bevölkerung in jeder Generation in stärkerem Maße
-aus den unteren als aus den mittleren und oberen Klassen.«[12]
-
-_Daß Isolation_ ausscheidet, hat schon Wagner selber betont: die
-heutigen Verkehrs- und Industrieverhältnisse, die zunehmende
-Internationalisierung aller menschlichen Interessen in Wissenschaft,
-Ethik, Kunst und Handel machen den Gedanken an Absonderung einfach
-absurd. Dazu kommen wieder besondere sittliche Gründe: 1. Die für die
-Absonderung behufs Reinzucht zur Bildung einer neuen höheren Rasse in
-Betracht kommenden Individuen müßten die edelsten und besten sein:
-gerade sie sollen aber zur Hebung der Tradition unter der Masse
-bleiben; denn diese braucht das Beispiel und die Lehre der
-Vollkommeneren. Diejenigen Menschen, welche bloß die _Fähigkeit_ zum
-intellektuell-sittlichen Aufstreben mit auf die Welt bringen, aber des
-_Anreizes_ zur _Entfaltung_ dieser Eigenschaften bedürfen, brauchen die
-Vollkommensten, die eben solche Anreize geben. 2. Die sich Isolierenden
-und ihre Nachkommen würden selbst der Kulturwerte, die in der Tradition
-der höheren Völker aufgespeichert sind, verlustig gehen, was allein
-schon den Gedanken an solche Absonderung von der übrigen Menschheit zu
-einem unsinnigen macht. 3. Die höchste irdische Idee überhaupt ist die
-der künftigen Einheit und Verbrüderung der ganzen Menschheit. Das ist
-der _Humanitätsgedanke_ oder _die Idee der Menschheit_ schlechthin. Ihr
-durch Absonderung entgegenzuarbeiten, würde also der Ethik und der
-Vernunft widersprechen. Vielmehr muß es uns auch von ihrem Standpunkt
-aus mit aufrichtiger Freude erfüllen, daß wir in der Tat jetzt schon
-die Menschheit in Handel, Verkehr, Wissenschaft, ja sogar auch schon in
-der Politik auf einander sich nähernden Pfaden dahineilen sehen.
-
-_Ich fasse das zusammen_: Räumliche Absonderung der tüchtigsten
-Menschen behufs Reinzucht kann heute aus folgenden Gründen nicht mehr
-in Frage kommen: 1. Handel, Verkehr und die Notwendigkeit der Teilnahme
-an den Kulturgütern machen es unmöglich. 2. Sittengesetz und
-insbesondere der Humanitätsgedanke verbieten es.
-
-_Geschlechtliche Zuchtwahl und Instinkt_, nämlich der für den
-geeigneten Gatten, worauf ich später zu sprechen komme, sind aber beim
-Menschen völlig gesicherte Mittel zur Herbeiführung von Auslese und
-Reinzucht. Ferner unterstehen auch die _Keime_ in gewissem Grade dem
-Einfluß des bewußten Willens.
-
-_Kurz_: Diejenigen Prinzipien der Deszendenztheorie, die anfechtbar
-sind, scheiden hinsichtlich der menschlichen Rassenzucht entweder aus
-oder verlieren hier ihre Ungewißheit und erlangen bezüglich des
-menschlichen Problems Zuverlässigkeit.
-
-Es werden also hierbei diejenigen Faktoren verwertet, die entweder
-_überhaupt_ feststehen, oder es doch wenigstens _bezüglich des
-Menschen_ tun.
-
-_Demnach erhalten wir folgende =Tafel von=_ =Grundsätzen= _für die
-menschliche Rassenzucht_:
-
-1. Das gute Material in Gestalt tüchtiger spontaner Variationen.
-
-2. Ihre Erblichkeit.
-
-3. Genügende Fruchtbarkeit.
-
-4. Geschlechtliche Auslese der geeigneten spontanen Variationen.
-
-5. Ihre Reinzucht.
-
-6. Blutmischung.
-
-7. Instinkt.
-
-
-
-
-III. Anwendung der Grundsätze auf die Rassenzucht beim Menschen.
-
-
-Der folgende Teil der Schrift widmet sich nunmehr der Lösung des
-Problems der _Vervollkommnung der erblichen Organisation des Menschen_.
-Die Lösung liegt in der Befolgung der Grundsätze der Rassenzucht, die
-soeben aufgestellt worden sind. Wir haben diese also jetzt in ihren
-_besonderen_ Beziehungen auf den Menschen zu betrachten.
-
-Zunächst sei die _Hauptthese_ ins Gedächtnis zurückgerufen; sie lautet:
-_Der Mensch muß nach Vervollkommnung streben, was durch Entfaltung
-seiner höchsten Eigenschaften verwirklicht wird. Diese sind
-Erkenntnisfähigkeit, Charakter und höhere Gefühle, sowie die dem
-Menschen eigentümliche Körperschönheit._
-
-_Diese Eigenschaften stellen also das Zuchtziel dar._
-
-Auch will ich gleich vorausschicken, daß ich _keine Voraussetzungen
-hinsichtlich der Güte bestehender Rassen_ für den Zweck der Auffindung
-der zu züchtenden Merkmale des Vollkommenheitsideals mache.
-Nachträglich wird es bisweilen nötig sein, Hinweise auf Rassen und
-Völker zu geben, von denen die ganze _Erfahrung_ in der Geschichte und
-der Völkerpsychologie einfach die _Tatsache_ feststellt, daß sie
-gewisse höchste menschliche Eigenschaften in vollkommenster Ausbildung
-besitzen. Auf die Erleichterung jedoch, von diesen Tatsachen als
-Voraussetzungen auszugehen, verzichte ich und suche die Kennzeichen
-geistiger und körperlicher menschlicher Vollkommenheit auf _ohne_ die
-_Voraussetzung_, daß es noch Höhenunterschiede innerhalb der
-Kulturvölker gebe.
-
-
-1. Das Material.
-
-Das Material bilden diejenigen spontanen Variationen von Männern und
-Frauen, welche die besten Merkmale des Geistes und des Körpers tragen.
-
-
-a) Die geistigen Eigenschaften.
-
-Hier wird zunächst eine terminologische Klarstellung dem Leser für das
-leichtere Verständnis alles nachfolgenden erwünscht sein.
-
-1. »Geist«, »geistig« bedeuten gegenüber »Körper«, »körperlich« den
-Inbegriff _alles_ Geistigen, Seelischen, Psychischen überhaupt.
-
-2. »Geist«, »geistig« gegenüber dem _Rest_ des Seelischen, Psychischen
-bedeuten die _höhere_ geistige Sphäre, das Vernünftige, Logische.
-
-3. Das Geistige überhaupt zerfällt in die Sphären der Erkenntnis, des
-Willens und des Gefühls.
-
-4. Innerhalb _jeder_ dieser drei Sphären gibt es eine höhere und eine
-niedere Stufe. Die höhere Stufe auf allen drei Sphären heißt Vernunft
-(oder Geist im Sinne von No. 2), also Vernunft in der Erkenntnis,
-vernünftiger Wille und vernünftiges Gefühl. Damit ist das rein
-Logische, Unbedingte gemeint. Die niedere Stufe auf _jeder_ Sphäre
-umfaßt demgegenüber das Psychologische. Auf der Erkenntnissphäre
-besteht das Psychologische aus Intellekt, Verstand, Überlegung,
-Reflexion, Wahrnehmung, Vorstellung. Auf der Willenssphäre besteht es
-aus allen Trieben, allem Streben, Wünschen, Sehnen und allem Wollen
-überhaupt, sofern sie nicht auf das rein Logische, Allgemeingültige
-gehen. Auf der Gefühlssphäre umfaßt die psychologische Stufe die
-sinnlichen Gefühle der Lust und Unlust, sowie Lust an mangelhafter
-Erkenntnis oder an der Lüge, am mangelhaft Guten oder am Bösen, am
-mangelhaft Schönen oder am Häßlichen.
-
-Im nachfolgenden werde ich nun »Geist« im Sinne von No. 1 gebrauchen
-und »Vernunft«, »vernünftig« für den Sinn von No. 2. -- -- --
-
-_Die geistigen Merkmale, die der Auslese und Reinzucht unterliegen
-sollen, sind: 1. Eine hochentwickelte Fähigkeit der Erkenntnis und des
-wahren Urteilens, des Denkens, des Verstandes oder der Intelligenz; 2.
-Güte des Charakters, Stärke des Willens, Energie, Entschlossenheit; 3.
-ästhetisches Gefühl und Benehmen, künstlerische Gestaltungskraft._
-
-Darin ist das Ideal begriffen. Wir werden später sehen, daß das Ideal
-natürlich nicht als unerläßliche Mindestforderung im praktischen Leben
-aufrechterhalten werden kann.
-
-Es gibt _besondere Merkmale_ der geistigen Vollkommenheit, die zu
-kennen wichtig ist, weil es die Möglichkeit der rechten Gattenwahl
-erleichtert. Ich führe sie daher an, jedoch ohne allen Anspruch auf
-Vollständigkeit.
-
-Solche »_Kennzeichen der Geistes- und Seelengröße_« sind:
-
-1. =Idealismus.= Die Betätigung von Idealismus ist gleich dem Streben
-nach Vollkommenheit. Denn, wer Idealen nachjagt, bekundet dadurch, daß
-er -- annähernd -- erreichbare Vollkommenheit voraussetzt, nach der er
-strebt. Er ist also in der allgemeinen Grundrichtung seiner Gesinnung
-vollkommen. Er bedarf rechter Erkenntnis, um die Ideale zu erfassen,
-der Intelligenz für die Kleinarbeit auf dem Wege, der Energie und
-Charakterfestigkeit, um unentwegt recht zu wollen und das Gewollte
-durchzusetzen. Endlich ist ihm auch Formgebungskraft unerläßlich, wenn
-er _bleibende Werte_ für die Menschheit schaffen soll. Denn die Ideale
-haften nur dann in den Seelen der Mitmenschen, wenn sie in eine
-anschauliche Form gegossen worden sind.
-
-2. =Altruismus.= Er ist ein Bestandteil des Idealismus und betrifft die
-höchste Eigenschaft des Charakters, Güte. Denn unter Altruismus
-versteht man Nächstenliebe. Sein psychologischer Untergrund ist das
-unwillkürliche Mitgefühl mit fremder Freude und fremdem Weh. Er ist des
-weiteren ein praktisch sehr wichtiges Kennzeichen der Seelengröße, weil
-er leicht auffindbar ist: niemand kann lange seinen Altruismus oder
-Egoismus verbergen.
-
-Da im nachfolgenden viel von Selbstverleugnung die Rede sein wird, so
-muß ich, um nicht mißverstanden zu werden, meinen diesbezüglichen
-Standpunkt klarlegen. Das kann jetzt so gut geschehen als später. Im
-Mittelpunkt aller Vervollkommnungslehre steht die Persönlichkeit, das
-Individuum. Nichts, was den wirklichen Persönlichkeitswert steigert,
-gehört zum Begriff des Egoismus. Dies Wort bezieht sich nur auf die
-Befriedigung des Selbstes mit materiellen Gütern und in seinen niederen
-Begehrungen. Aber auch die Gesamtheit soll vervollkommnet werden. Dies
-geschieht, wenn sie aus einer möglichst großen Zahl vollkommener
-Individuen besteht. Ferner ist Selbstverleugnung sowohl das wirksamste
-Mittel zur Steigerung des wahren eigenen Persönlichkeitswerts -- »es
-wächst der Mensch mit seinen Zielen!« --, als auch zur Hebung der
-Gesamtheit. So fällt der Weg zu den wahren Werten des Individuums und
-zu denen der Gesamtheit zusammen. Selbstverleugnung bedeutet also nicht
-Aufgebung des _wahren_ Selbstes, sondern nur diejenige seiner Behaftung
-mit niedrigem Wollen.[13]
-
-3. =Ein melancholisch-ernster Grundzug des Wesens gepaart mit
-Lebhaftigkeit.= Schon den Alten war der schwermütige Ausdruck der
-Geistesgewaltigen bekannt. Denn _Cicero_ läßt _Aristoteles_ sagen:
-»Omnes ingeniosos melancholicos esse.«[14] Das heißt auf deutsch: Alle
-Genien sind Melancholiker. Weitere Belege für dieses merkwürdige
-psychologische Phänomen führt _E. v. Hartmann_ an. _Platon_ und _Kant_
-haben sich entsprechend geäußert. »Schelling,« schreibt von Hartmann,
-»sagt (Werke I. 7. S. 399): >Daher der Schleier der Schwermut, der über
-die ganze Natur ausgebreitet ist, die tiefe unzerstörbare Melancholie
-alles Lebens.< Ferner hat er (Werke I. 10. S. 266-268) eine sehr schöne
-Stelle, welche ich ganz durchzulesen empfehle; hier kann ich nur einige
-Bruchstücke anführen: >Freilich ist es ein Schmerzensweg, den jenes
-Wesen, ... das in der Natur lebt, auf seinem Hindurchgehen durch diese
-zurücklegt, davon zeugt der Zug des Schmerzes, der auf dem Antlitz der
-ganzen Natur, auf dem Angesicht der Tiere liegt ...<« u. s. w.[15]
-
-Weitere Stellen, welche die Tatsache der Melancholie der Genien
-bestätigen, finden sich bei _Schopenhauer_. _Woher_ sie stammt, brauche
-ich hier nicht zu erläutern, da es nur auf den Nachweis ihres
-Vorhandenseins ankommt. Sie _muß_ als ein Kennzeichen der Geistesgröße
-angeführt werden, weil es einfach Wahrheit ist, daß die Genien es
-besitzen. Damit will ich natürlich nicht die Hervorbringung eines
-Geschlechts von Melancholikern befürworten. Vielmehr ist jener
-schwermütige Ernst der Geisteshelden sehr verschieden von der
-krankhaften Melancholie, wie sie Gegenstand der Nervenheilkunde ist.
-Es ist nichts anderes als die Erkenntnis der Wahrheit und das Gefühl
-der Einsamkeit in einer ihnen unterlegenen Welt, was sich im Antlitz
-jener widerspiegelt. Deswegen ist der Zug der Schwermut auch mit jenem
-andern vergesellschaftet, der ihre Geistesfrische ausdrückt, demjenigen
-der Lebhaftigkeit. Auf diesen letzteren hat _Schopenhauer_ aufmerksam
-gemacht.[16]
-
-4. =Objektivität.= Auch dies hat Schopenhauer mit den Worten
-hervorgehoben: »So ist denn Genialität nichts anders als die
-vollkommenste Objektivität.«[17]
-
-Bei allem Erkennen ist nämlich stets Interesse mit im Spiel: schon die
-bloße Bestätigung einer Wahrnehmung als einer richtigen enthält einen
-kleinen Willensakt, der mit Lust betont ist. Es ist unbewußte Freude
-dabei, und daher auch der unbewußte Wunsch, daß sich kein
-nachträglicher Irrtum herausstellen möge. Weit mehr noch ist dies
-jedoch bei Erkenntnissen höherer Art der Fall, die durch das
-eigentliche Denken zutage gefördert werden. Außerdem hat der Mensch
-ohnehin ein Interesse an der Tatsächlichkeit gewisser Dinge und an dem
-Nichtvorhandensein anderer. Deswegen besteht denn auch bei ihm die
-weitverbreitete Neigung, selber seine Urteile zu fälschen. Es ist daher
-die höchste Stufe der Erkenntnisfähigkeit, unabhängig von den genannten
-psychologischen Erscheinungen nach reiner Wahrheit zu streben und das
-Erkannte im gleichen Sinne weiterzugeben. Das aber versteht man unter
-Objektivität. Deswegen hat Schopenhauer recht, wenn er Objektivität des
-Urteilens als Merkmal der Geistesgröße anführt.
-
-5. =Selbstbeherrschung.= Auf höheren Stufen der menschlichen
-Entwickelung wird der Mensch zum Herrn über seine Gemütsbewegungen, ist
-nicht mehr ihr willenloser Spielball. Er ist stark im Schmerz, besonnen
-in der Freude, ein Beherrscher des Zornes, der Liebe und des Hasses und
-aller Leidenschaften.
-
-6. =Begeisterungsfähigkeit.= Gleichwohl aber ist die Fähigkeit tiefer,
-bis auf den Grund der Seele reichender Erregbarkeit ein
-unveräußerliches Erbstück wahrer Geistesgröße. Es ist die Fähigkeit der
-Begeisterung für die Ideale, für das Wahre, Gute und Schöne, sowie die
-der Entrüstung über deren Gegenteile, über Lüge, Bosheit, ja sogar
-schon über das bloß Niedrige und Philiströse, sowie über das
-Unästhetische. Nicht zu verwechseln mit jener Begeisterung für die
-wirklichen Werte sind gewisse hysterische Entladungen in der
-Massenpsychologie des Volkes oder sentimentale Schwärmerei, beides
-durchaus minderwertige Erscheinungen. Echte Begeisterung und Entrüstung
-sind kraftvoll, gehen entschlossen alsbald in Taten über, stehen unter
-der Herrschaft der Vernunft.
-
-Die Entstehungsursache der Begeisterung und Entrüstung gerade bei
-hochwertigen Individuen ist in dem Umstand zu suchen, daß das ganze
-Nervensystem einem Resonanzboden gleicht, der _im ganzen_ bei jedem
-neuen Bewußtseinszustand mitschwingt.
-
-_James_ sagt: »Der ganze Organismus kann als ein Resonanzboden
-aufgefaßt werden, den jede noch so geringe Änderung des Bewußtseins im
-ganzen zum Mitschwingen veranlassen kann.«[18]
-
-7. =Impulsivität.= Forel führt diese unter den psychischen
-Erscheinungen der Minderwertigen an.[19] Der sachverständige
-Irrenarzt hat auch zweifellos zunächst recht darin: impulsives, von
-der Vernunft nicht beherrschtes Handeln ist sicherlich ein
-Minderwertigkeitssymptom und oft die Ursache von Unglück. Anders
-aber in Menschen, bei denen die Vernunft beim Impuls zugegen ist:
-bei ihnen ist Impulsivität ein Merkmal von Seelengröße. Gerade die
-Geistesgewaltigen fassen ihre Entschlüsse rasch, augenblicklich. Bei
-ihnen ist der Blick so klar, der Instinkt so gut entwickelt, daß sie
-kaum der Überlegung bedürfen, um das Rechte zu sehen und zu tun. So
-sind _die Ideen_ unter den Ideen und _die Taten_ unter den Taten
-Kinder des Impulses und der Eingebung: nimmermehr wird das
-Welterschütternde aus dem grübelnden Verstande herausgequält! Aus
-den Tiefen des Unbewußten zuckt ein Blitzstrahl durch das Bewußtsein
-eines Genius: die Idee ist geboren, die Tat beschlossen, der Weg
-beleuchtet!
-
-8. =Besonnenheit= ist nicht minder ein Kennzeichen der Geistesgröße.
-Gerade sie gestaltet die Impulsivität zu einer Segenspenderin, was
-diese ohne jene nicht ist.
-
-9. =Naive Genialität.= Naivität kommt ähnlich wie Impulsivität auf zwei
-verschieden hohen Stufen vor: einmal auf der kindlichen: dann beruht
-sie auf Mangel an Erfahrung und Überlegung; das andere Mal auf der der
-Geistesgröße: dann ist sie ein Zeichen geläuterter Erkenntnisfähigkeit.
-»Naivität,« sagt Eisler, »gehört zu jedem wahren Genie.«[20]
-
-10. =Instinkt.= Zunächst die Definition: Eisler sagt: »Instinkt ist
-eine Art des Triebes, eine Regsamkeit des psychophysischen Organismus,
-die, ohne Bewußtsein (Wissen) des Endzieles eine zweckmäßige Handlung
-(Bewegung) einleitet. Der Instinkt beruht auf einer Anlage des
-Organismus, die als Produkt von Willens- und Triebbetätigungen früherer
-Generationen und der Vererbung jener aufzufassen ist.«
-
-»Die Instinkte gelten bald als unbewußte Intellekt- und
-Willenshandlungen, bald als bloße Reflexbewegungen, sie werden bald
-einer universalen Vernunft zugeschrieben, bald als Produkte
-individueller Erfahrung und Gewohnheit, bald endlich als vererbte
-mechanische Triebe und Dispositionen betrachtet. Im weiteren Sinne
-heißt >Instinkt< die >Spürkraft< des Geistes.«[21]
-
-_Ich unterscheide »freie« und »feste« Instinkte._ Erstere bestehen in
-der unmittelbaren Eingebung und Leitung durch das Unbewußte, letztere
-zerfallen wieder in primäre und sekundäre: primäre Instinkte sind
-angeborene »zufällige« spontane Variationen, die im Laufe der
-Geschlechter erhalten geblieben und fest geworden sind. Sekundäre
-Instinkte entstehen durch Engraphie, wenn im Laufe vieler Generationen
-gewohnheitsmäßige Reaktionen, welche die Lebensverhältnisse in stets
-gleicher Weise auszuführen zwangen, organisch einverleibt worden sind.
-
-In diesem Zusammenhang meine ich mit Instinkt beim Menschen als
-Kennzeichen der Geistesgröße das unmittelbare Wissen um die Wahrheit,
-das Rechte und Schöne.
-
-11. =Religiosität.= Es ist eine Tatsache, daß die größten Männer fast
-alle ein religiöses Bewußtsein irgendwelcher Art gehabt haben. Darum
-muß Religiosität als ein Merkmal der Geistesgröße verzeichnet werden,
-weil die Erfahrung sie als solches aufzeigt.
-
-So wird denn auch der Mensch der Zukunft nicht weniger, sondern mehr
-religiös sein als derjenige der Gegenwart.
-
-12. _Schüchternheit._ Ebenso ist es eine Tatsache, daß dreistes,
-sicheres Auftreten zwar oft den Handlungsreisenden, keineswegs aber
-gewöhnlich den Geistesgewaltigen auszeichnet. Freilich wird diese
-anfängliche Schüchternheit und Zurückhaltung, die er mit auf die Welt
-bringt, späterhin dann überwunden und macht unbeugsamem
-Selbstbewußtsein Platz. Denn die Größe seiner Ideen senkt ihm nach
-ihrem Durchbruch alsbald Selbstvertrauen in seine Seele nebst der Kraft
-des Willens zu ihrer Ausführung.
-
-13. _Überschwenglichkeit._ Goethe sagte: »Allein das Überschwengliche
-macht die Größe.«
-
-14. _Geniale Schöpferkraft._ Das ist die höchste Fähigkeit des Menschen
-überhaupt und rein auf den Mann beschränkt. Das ist die Sprache der
-Erfahrung der gesamten Menschheit. Daß Frauen nur deswegen von der
-Genialität ausgeschlossen seien, weil sie bisher nicht genügende
-Gelegenheit zur Bildung und Entfaltung ihrer geistigen Gaben gehabt
-hätten, ist leeres Gerede. Denn die Musik und Dichtkunst waren ihnen
-von jeher zugänglich, und sie haben darin _nichts_ von Bedeutung
-geleistet. Ferner hat man in den Vereinigten Staaten von Nordamerika
-das gewaltige Experiment gemacht, den Frauen die gleichen
-Voraussetzungen der Bildung und der geistigen Entfaltung zu verleihen
-wie den Männern, ja, noch bessere, weil der Mann schon sehr früh vom
-Geschäftsleben absorbiert wird. Das Resultat aber hinsichtlich
-geistiger Leistungen des Weibes in Amerika ist ein _Nichts_, eine
-glatte Null! Ja, noch weit weniger: es zeigt sich eine bedeutende
-Schwankung _unter die Nullinie_: die echte Amerikanerin ist klügelnder
-Verstandesmensch geworden und hat dabei ihre spezifisch weiblichen
-Tugenden, die der Selbstlosigkeit und Aufopferung für Gatte und Kind,
-des Mitgefühls, eingebüßt. Der Verstand aber ist ideenleer, kalt
-berechnend, ohne jegliche Größe, auf den eigenen Vorteil bedacht. Man
-vergleiche die Terminologie auf S. 26, um sich den Unterschied zwischen
-Verstand und Vernunft, um welch letztere es sich also hier _nicht_
-handelt, nochmals klar zu machen. Ferner empfehle ich die Lektüre von
-_Herricks_ neuem Roman »Together«,[22] in dem der scharf beobachtende
-Verfasser eine sinnfällige Schilderung der modernen Amerikanerin gibt.
-
-Dieses Experiment, das die Amerikaner am Menschen selber angestellt
-haben, kann mit Recht als die Krönung der experimentellen
-Forschungsmethode bezeichnet werden. Bereits ist der Zeitpunkt
-herangekommen, wo das Experiment so weit gediehen ist, daß der Forscher
-dessen Resultate ablesen kann. Sie sind die eben erwähnten! -- -- --
-
-_Ich definiere: Genie ist die Fähigkeit, große neue Ideen von
-bleibendem Werte zu finden und ihnen Form zu geben._ Dies ist die
-allgemeinste und zugleich die bestimmteste Definition des Begriffs
-Genie. Sie bezieht sich auf alle Arten von Genien. Immer handelt es
-sich bei echtem Genie um jenes Zusammentreffen: Erfassung des
-wertvollen Neuen und seine Gestaltung.
-
-Die gestaltende Kraft ist einerseits das besondere Merkmal des
-Künstlers und anderseits etwas sehr Charakteristisches am Genie
-überhaupt. Doch gehört bei ihm die bedeutende neue Idee dazu und muß
-vorangehen. Demnach ist jeder Genius seinem Wesen nach auch Künstler:
-die Gestaltungskraft _ist_ eben das Künstlerische an ihm. Doch ist
-nicht jeder Künstler ein Genie: Gestaltungskraft macht den Künstler;
-jedoch nur, wenn es Großes und Neues ist, das er formt, ist er ein
-Genie. Wir müssen also hiernach Künstler im engeren und weiteren Sinne
-unterscheiden: erstere werden ausgemacht von den Künstlern auf dem
-Gebiete der eigentlichen Kunst, letztere von den Genien.
-
-15. =Treue.=
-
-16. =Aufrichtigkeit, Offenheit, Wahrheitsliebe.=
-
-17. =Moralischer Mut.=
-
-18. =Innere Freiheit.=
-
-
-b) Die körperlichen Eigenschaften.
-
-_Die körperlichen Merkmale, die der Auslese und Reinzucht unterworfen
-werden sollen, sind Gesundheit und Schönheit._
-
-Dabei bedeutet »gesund« nicht etwa »robust« und äußerlich von Kraft
-strotzend. Vielmehr ist eine gewisse Feinheit des Baues ein Zeichen der
-Vollkommenheit. Gesundheit ist also hier im reinen Sinne des Wortes zu
-nehmen, als Freiheit von Krankheiten und erblichen Nachteilen,
-insbesondere hinsichtlich des letzteren Punktes von Tuberkulose,
-Syphilis und Gehirnanomalien. Gesundheit muß in körperlicher Hinsicht
-die Grundlage der Rassenzucht bilden.
-
-Hinsichtlich der Schönheit des Körpers können in weitgehendem Maße die
-Skulpturen der Griechen Anerkennung finden. Doch muß darauf aufmerksam
-gemacht werden, daß in den Gesichtern jener Statuen die Abwesenheit von
-Charakterausdruck auffällt: die Griechen stellten die _reine_ Schönheit
-als solche dar. Das erklärt jene Erscheinung. Demnach werden wir die
-Gesichter ihrer Statuen nicht in allem als maßgebend ansehen können.
-Die griechische Kunst ist ein _absoluter Idealismus_,[23] also
-Idealismus des Schönen. Wir dagegen verlangen mit Recht im Gesicht des
-Mannes auch den _Ausdruck_ des Charakters und der Geistesgröße, wie ihn
-ein scharfes Profil, feste Züge, hohe Stirn zuwege bringen, und wie er
-sich tatsächlich bei den großen Männern findet.[24]
-
-Bei den Statuen von Frauen finden wir bei den Griechen, ebenso wie bei
-denjenigen von Männern, das wohlbekannte »griechische Profil«: gerade
-Nase, die sich unmittelbar in die gerade Stirnlinie fortsetzt. Zugleich
-ist aber die _gerade_ Stirne nicht auch eine ganz _senkrechte_, sondern
-neigt sich leicht zurück. In der Tat könnte das »griechische Profil«
-nicht mit Schönheit in Einklang gebracht werden, wenn dies nicht so
-wäre. Denn bei _senkrechter_ Stirne würde die Nase, wenn sie _nicht_
-aus der Fortsetzung der Stirnlinie hervortreten soll, zu weit in das
-Gesicht eingerückt werden müssen und daher dieses unschön erscheinen.
-Betrachtet man aber moderne Frauen und Mädchen der weißen Rassen, so
-findet man fast allgemein, daß sie eine ganz senkrecht emporsteigende
-Stirne haben. Dabei tritt die Nase etwas hervor und verläuft, auch wenn
-sie selbst gerade ist, nicht genau in der Fortsetzung der Stirnlinie
-wie bei den Skulpturen der Griechen. Diese _senkrechte_ Stirne aber
-verleiht dem weiblichen Gesicht etwas Hoheitsvolles und Edles: sie ist
-nichts anders als der ästhetische Ausdruck des sittlich Reinen.
-Biologisch wird sie zurückgeführt auf das Stehenbleiben des weiblichen
-Kopfes auf kindlicher Entwicklungsstufe.[25]
-
-Beim Weibe werden wir also abweichend von den Griechen, zwar nicht wie
-beim Manne scharfe Gesichtszüge, wohl aber die senkrechte Stirn unter
-Verzicht auf das rein griechische Profil verlangen. Denn die senkrechte
-Stirnlinie deutet Charakter an, und zwar den mehr passiven Teil
-desselben, die edle Gesinnung und Reinheit, während die scharfen
-Gesichtszüge beim Manne mehr die aktive Seite des Charakters, die
-Energie und Willenskraft ausdrücken.
-
-Wie einerseits die Erfahrung uns gezeigt hat, daß die _größte geistige_
-Höhe, das Genie, _nur_ beim Manne vorkommt, so lehrt sie nunmehr
-anderseits, daß die maximale Entfaltung von Körperschönheit auf das
-Weib beschränkt ist. Die Richtigkeit davon wird durch eine Reihe von
-Tatsachen bestätigt. So achten Männer gegenseitig aneinander
-Genialität, Frauen aneinander Schönheit als die höchste Gabe ihres
-eigenen Geschlechts. Umgekehrt fühlt sich der Mann am meisten von
-Frauenschönheit, das Weib hauptsächlich von hoher geistiger Begabung
-des Mannes angezogen. Wenigstens gilt das Letztere für höhere
-Kulturvölker, während auf primitiveren Stufen körperliche Stärke und
-physischer Mut ihr am meisten imponieren. Übrigens entspricht auf
-höherer Stufe die Kraft des Geistes derjenigen des Körpers auf
-niederer.
-
-Ferner kommt es allenthalben in Poesie, Kunst, Literatur und dem naiven
-Bewußtsein des Volkes zum Ausdruck, daß die Menschen zu allen Zeiten
-und an allen Orten das Weib als das Symbol der Schönheit schlechthin
-betrachtet haben und es noch tun.
-
-_Ploß_ sagt, über diesen Gegenstand: »In _einer_ Hinsicht ist nun aber
-allerdings das Weib dem Manne überlegen, nämlich in der _Schönheit der
-äußeren Körperform_. Nur wenige gibt es, die das bestreiten, z. B.
-Schopenhauer, ... allein, auch dieser Vorzug des Geschlechts ist
-ungemein ungleich auf die Weiber verteilt. Eine Annäherung an das Ideal
-weiblicher Schönheit, das wir uns unter dem Einflusse einer geläuterten
-Ästhetik gebildet haben, ist nur unter höchst günstigen Verhältnissen
-möglich.«[26] Vom Genie beim Manne gilt das Entsprechende ja ebenso
-sehr, oder noch mehr.
-
-Unter Anführung von Arbeiten _Cordiers_ und _Ecksteins_ widerspricht
-nun Ploß der Annahme des Vorhandenseins allgemeiner Schönheitsgesetze.
-Anders _Delauney_, den er dann nennt. Dieser behauptet, »daß es
-allerdings allgemeine Schönheitsregeln gibt, sowohl für die Menschen,
-wie für die Tiere; sie begründen sich durch die von _Claude Bernard_
-aufgestellten sogenannten organotropischen Gesetze, die in der
-Entwicklung der Form eines jeden Organs gefunden werden; es gibt für
-jedes Organ ein Maximum der Entwicklung, welches die ihm eigene
-Schönheit darstellt; und in betreff der Schönheit des ganzen
-Individuums müssen die verschiedenen Organe in einer bestimmten
-Beziehung und in einem gewissen Verhältnisse zueinander stehen.«[27]
-
-Die Schönheit des Weibes hängt außer von der Rasse auch etwas von ihrer
-sozialen Stellung ab. Bei niederen Völkern und in den unteren Schichten
-der zivilisierten Nationen findet man sie seltener, bezw. weniger
-entwickelt: »In den >besseren< Teilen,« sagt Ploß, »unter den gut
-situierten Klassen der Bevölkerung erblicken wir fast überall auch
-schönere edlere Gestaltung, nicht bloß bei Männern, sondern namentlich
-bei Frauen.«[28] ... »und so setzt sich oft in den mit Glücksgütern
-hinreichend ausgestatteten Familien als Erbstück ein schönes und edles
-Aussehen von Generation zu Generation fort.«[29] Der Einfluß der
-Erblichkeit dürfte hierbei zu gering veranschlagt sein. Doch haben
-sicherlich die äußeren Bedingungen, unter denen Menschen leben, einen
-etwas umgestaltenden Einfluß auf ihr Aussehen, wie es _Ranke_
-hinsichtlich des Längenwachstums für die Nordamerikaner nachgewiesen
-hat.[30]
-
-Darwin führt die überlegene Frauenschönheit auf den Einfluß der
-geschlechtlichen Zuchtwahl zurück. Da die Frauen während langer
-Perioden ihrer Schönheit wegen gewählt worden seien, meint er, so sei
-es nicht auffallend, daß das Weib ihre Schönheit auch in größerem Maße
-auf ihre weiblichen Nachkommen vererbt habe als auf die männlichen. So
-seien denn die Frauen schöner geworden als die Männer.[31]
-
-Die Mängel dieser Begründung liegen auf der Hand. _Aus welchem Grunde_
-zogen, um die Hauptsache zu erwähnen, die Männer von jeher die
-schöneren Frauen vor? Wenn es wahr ist, was Eckstein sagt, nämlich daß
-Schönheit einfach ein Ausdruck von Zweckmäßigkeit und Gesundheit ist,
-dann beantwortet sich die Frage von selbst, wie folgt: Die Männer
-kannten durch Instinkt und Erfahrung die Merkmale der Gesundheit und
-der Zweckmäßigkeit für die Ausübung des natürlichen Berufs der Frau.
-Diese wären also identisch mit Schönheit. Ihnen entsprechend trafen
-jene nun die Gattenwahl im Hinblick auf die bevorstehende Mutterschaft.
-
-Auch _Stratz_ setzt Gesundheit und Schönheit einander gleich.[32]
-
-Jedoch ist diese ebenso oberflächliche als gangbare Behauptung leicht
-widerlegbar. Denn dasjenige an der spezifisch weiblichen Schönheit, was
-zugleich für die Leistungen der Frau als Mutter zweckmäßig ist,
-beschränkt sich auf die gute Entwicklung der Brüste und des Beckens.
-Nun werden freilich Männer durch diese Körperteile, insbesondere durch
-den Busen, sexuell angezogen. Jedoch zeigen sich darin immerhin nur die
-primitivsten Triebe der Liebe.
-
-Die höchsten Äußerungen weiblicher Schönheit haben nicht den geringsten
-Zusammenhang mit Zweckmäßigkeit. Als solche verstehe ich: die Schönheit
-und den Liebreiz des Gesichts, das prachtvolle Haar, die Zartheit der
-Glieder, die Kleinheit der Hände und Füße, die Rundung der Körperformen
-durch die stärkere Entwicklung des Unterhautfettgewebes als beim Mann,
-das eigentümlich feine Inkarnat, die Schönheit der Bewegungen und der
-Stimme. Dennoch ist all das zweifellos auch unter dem Einfluß der
-Zuchtwahl entwickelt worden.
-
-Ebensowenig wie Zweckmäßigkeit ist Gesundheit die alleinige Grundlage
-der Schönheit: Chinesen und Neger können hervorragend gesund sein.
-Dennoch mangeln ihnen alle Merkmale fortgeschrittener Schönheit.
-Demnach: Schönheit umfaßt Gesundheit dem _Begriffe_ nach -- nicht
-immer im Einzelfall --, Gesundheit aber nicht umgekehrt Schönheit,
-nicht nur nicht in der Erfahrung, sondern auch nicht dem Begriffe nach.
-
-Es bleibt also nur die Annahme übrig, daß die Männer von vornherein im
-Geiste das Ideal weiblicher Schönheit, wenn auch zum größten Teil
-zunächst unbewußt, besaßen und ihm gemäß ihre Wahl, getrieben durch den
-Instinkt, trafen. _Dann aber ist Schönheit etwas durchaus Objektives,
-eine Idee an sich._ Zur Stützung dieses Resultats meiner Überlegung
-führe ich einige Ansichten von Philosophen an[33]:
-
-»Nach Chr. Krause ist Schönheit die >reine, klare und lebensvolle
-Gottähnlichkeit endlicher Naturen an ihrer Endlichkeit<. >Die Urquelle
-aller Schönheit ist Gott selbst und seine Kraft, in der alle Dinge sich
-regen.< (Urb. d. Menschheit, 3, S. 41). Nach Zeising ist die Schönheit
-oder die Idee der Anschauung >die als _erscheinend_ aufgefaßte
-Vollkommenheit<. (Ästhet. Forsch. S. 181.) J. H. Fichte erklärt:
->Alles Schöne beruht ... auf der _inneren Zusammenstimmung_
-(>Harmonie<) einer Mannigfaltigkeit von Teilen, durch welche
-die Teile zu einem geschlossenen _Ganzen_ werden.< (Psychol. I,
-S. 697). V. Cousin bemerkt: >Le sentiment du beau est sa propre
-satisfaction à lui-même< (Du Vrai, p. 141 ff.). Die Schönheit ist ein
-Ausdruck der geistigen und sittlichen Vollkommenheit (vergl. d.
-Arbeiten von Chaignet und L'Evêque).«
-
-Das Wesen des Schönen liegt in der Harmonie, und zwar in einer Harmonie
-zweifacher Art: 1. in der Harmonie des Wahrnehmbaren unter sich, also
-Harmonie in Formen, Farben, Tönen und Bewegungen, und 2. in der
-Harmonie zwischen Form und Inhalt, also der harmonischen Abstimmung des
-Wahrnehmbaren auf seinen (geistigen) Inhalt. Die Schönheit des Menschen
-ist also die harmonische Abstimmung der Körperteile (hinsichtlich
-Formen und Farben) aufeinander und auf den Geist. Vollständige
-Harmonie zwischen Geist und Körper ist Vollkommenheit -- doch nur unter
-der Voraussetzung, daß der _Geist_ als solcher schon vollkommen ist.
-Die Lust an solcher Harmonie ist Lust an der Vollkommenheit. Streben
-nach Vollkommenheit bedeutet demnach Streben nach Harmonie zwischen
-Geist und Körper als Inhalt und Form. Der höchste Inhalt des Menschen,
-sein Geist, gegossen in die ihm angemessenste Form des Körpers: das ist
-das vollkommene Menschheitsideal. Der sichtbare Teil davon ist die dem
-Inhalt entsprechende Form, der Leib, der eben bei solcher Erfüllung
-seiner Bestimmung ästhetische Lust erzeugt. _Das_ ist in wenigen Worten
-die Wahrheit über die Schönheit des Menschen, und nicht jene flache
-Auffassung, die sie als bloßes Nützlichkeitsprodukt aus dem Kampf ums
-Dasein hinstellen möchte! -- -- --
-
-Das Weib ist es nun, wie wir schon sahen, welche die maximale Schönheit
-vertritt. Das schöne Weib erregt in geistig hochentwickelten Männern
-uninteressiertes Wohlgefallen an ihrer Schönheit als solcher. Dies ist
-insbesondere auch beim Künstler der Fall. -- -- --
-
-Stratz gelangt zu einem Kanon der Schönheit durch Abzug alles ihr
-Widersprechenden. Er sagt: »Um lebende weibliche Schönheit objektiv zu
-beurteilen, muß man auf negativem Wege vorgehen: die Fehler
-ausmerzen.«[34] Jedoch ist es klar, daß das zum mindesten den
-unbewußten geistigen Besitz des Schönheitsideals seitens des
-Urteilenden schon voraussetzt. Denn, wie hätte er sonst ein Kriterium
-für das Fehlerhafte?
-
-Doch hier interessiert uns nur die Tatsache, daß Stratz auf diesem Wege
-zu einem Kanon objektiver Schönheitsmerkmale gelangt, die er am
-Schlusse seines Werkes in einer Tabelle zusammenfaßt.[35] -- -- --
-
-Die _Übereinstimmung der verschiedenen Völker_ in ihrer Beurteilung
-idealer Frauenschönheit scheint vorwiegend die _Farbe_ zu betreffen.
-
-Wir müssen zwei Arten von ästhetischen Wirkungen unterscheiden: solche
-durch Harmonie und solche durch Kontrast. Schönheit durch Harmonie wird
-am vollendetsten von der _Blondine_ dargestellt. In ihr erblickt auch
-Stratz, wenn ich ihn recht verstehe, den Typus maximaler
-Frauenschönheit; denn er sagt: »Da starke Pigmentanhäufung ein
-gemeinschaftliches Merkmal niedrig stehender Rassen ist, so kann man im
-allgemeinen blondes Haupthaar als einen Vorzug betrachten, und
-namentlich bei der Frau, bei der durch den schwächeren Gegensatz von
-Blond und Weiß die Harmonie der zarten Bildung erhöht wird.«[36] »Der
-Reiz der hellen Farben, Weiß, Rosig, Hellblau und Blond, dem zarteren
-Körper des Weibes eigen, wirkt an und für sich schon so mächtig, daß er
-vielen gleichbedeutend mit Schönheit ist.«[37]
-
-In der englischen Sprache ist »fair«, blond, für Frauen gleichbedeutend
-mit schön.
-
-Die Kontrastwirkung kommt zustande durch helle Haut und dunkle Haar-
-und Augenfarbe: »Eine brünette Haut,« sagt Stratz, »ist mit den dunklen
-Augen und Haaren zusammengestimmt und wirkt durch Abtönung ebenso
-harmonisch wie die weiße Haut mit blondem Haar und hellen Augen. Bei
-Zusammenstellung der weißen Haut mit schwarzem Haar werden aber durch
-den Kontrast die Vorzüge beider Teile noch lebhafter sprechen.«[38]
-
-Wie wir oben fanden, _ist_ Schönheit Harmonie schlechthin, unter der
-_Voraussetzung_ eines an sich vollkommenen Inhalts, der die Abstimmung
-des Äußern auf ihn zu einem »Wert« erhebt! Ohne diese Voraussetzung
-macht Harmonie noch keine Schönheit aus. Der Kontrast ist also mit der
-Harmonie nicht als etwas Ebenbürtiges meßbar, sondern nur eine Methode
-der Erzielung von Wirkung auf das ästhetische Gefühl. Auch handelt es
-sich nicht um schöne Haut, Augen, Haare als Einzeldinge, sondern um die
-Schönheit des ganzen menschlichen Körpers. Es ist also unstatthaft zu
-sagen, daß eine helle Haut nebst dunklen Haaren die Schönheit der
-einzelnen Teile hervorhebe: denn nach diesem Grundsatz müßte eine
-blonde Negerin ebenso schön sein (hinsichtlich Farbenwirkung) als eine
-schwarzhaarige Europäerin mit weißer Haut: der Kontrast wäre in beiden
-Fällen der gleiche und würde »die Vorzüge beider Teile« hervortreten
-lassen, nämlich in diesem Beispiel der blonden Haare und der schwarzen
-Haut der so vorgestellten Negerin.
-
-Ferner müßte nach dem andern Beispiel von Stratz betreffend die
-Harmonie bei der Brünetten eine Frau von vollkommenen Formen, aber mit
-schwarzer Haut, schwarzen Haaren und Augen ebenfalls schön sein. Denn
-Harmonie wäre auch hier vorhanden. Offenbar würden wir jene aber der
-Blondine mit der _ihr_ eigentümlichen Harmonie nicht an die Seite
-setzen. Warum nicht? Erstens, weil die hellen Farben der Blondine auf
-den Inhalt des Menschen, seinen Geist, der als »Lichtgestalt«
-vorgestellt wird, wenn man an einen wirklich edlen und hoheitsvollen
-Charakter und Helden denkt, harmonisch abgestimmt sind. Zweitens, weil
-die bei der Blondine in Frage kommenden Farben weiß, blau und golden an
-sich schöner sind als die Farben braun und schwarz. Drittens, weil blau
-und gelb annähernd sogenannte Komplementärfarben sind, die immer
-Wohlgefallen erregen, weil sie zusammen passen (psychologisch: sich zu
-weiß ergänzen). Viertens, weil die genannten drei Farben außerdem noch
-harmonisch zueinander passen. Der blonde Typ ist also als solcher
-derjenige größter menschlicher Vollkommenheit, den wir kennen,
-vielleicht, den es überhaupt geben _kann_.
-
-Einige Stellen aus _Havelock Ellis_ mögen nun das noch weiter
-bekräftigen. Auch sie beziehen sich vorwiegend auf die Proklamierung
-der Blondheit als des am meisten auffallenden objektiven
-Schönheitskennzeichens. Ellis schreibt:[39]
-
-»Renier hat das Frauenideal der provençalischen Troubadoure untersucht:
->Sie vermeiden jede Beschreibung der weiblichen Form; ihre
-Beobachtungen beziehen sich zumeist auf die schlanke, gerade, frische
-Erscheinung des Körpers, auf weiße und rosige Farbe. Auch die Augen
-werden viel gepriesen; sie sind süß, liebevoll, hell, lächelnd und
-heiter. Ihre Farbe wird nie erwähnt. Der Mund lacht, ist karminrot, und
-wenn er bei süßem Lächeln die weißen Zähne zeigt, lockt er zur Wonne
-des Kusses. Das Gesicht ist klar und frisch, die Haut weiß, das Haar
-stets blond. Vom übrigen Körper ist selten die Rede.<«
-
-Ebenso sei nach _Rowbothams_ Schilderung des konventionellen Ideals der
-Troubadoure die Dame stets von milchweißer Haut »weißer und frischer
-als frischgefallener Schnee, von einer besonderen Reinheit des Weißen«.
-»Ihr fast immer mit Blumen geschmücktes Haar ist stets flachsfarben,
-seidenweich, vom Glanze feinsten Goldes schimmernd.«
-
-In den ältesten spanischen (!) Romanzen ist nach Ellis das Haar »>von
-reinem Golde< oder einfach blond ..., das Gesicht weiß und rosig, die
-Hände weiß ....«
-
-Er gibt ferner an, daß Alwin Schultz das Ideal der deutschen Dichter
-des XII. und XIII. Jahrhunderts folgendermaßen schildert: »Sie muß
-mittelgroß und schlank sein, ihr Haar blond wie Gold ...« Dunkles Haar
-finde keine Bewunderung. Die Augen müßten hell, gewöhnlich blau, die
-Haut solle weiß, bezw. zart rosig sein.
-
-Adam de la Halle aus Artois schildert nach unserm Gewährsmann in einem
-Gedicht aus dem XIII. Jahrhundert seine Geliebte als goldhaarig,
-schwarzäugig. Das sind nur einige der in der genannten Quelle
-angeführten Schilderungen, die auf die Hervorhebung der Blondheit und
-ihrer Attribute als des Ideals der Frauenschönheit ausgehen.
-
-Ferner betonen nach Ellis die _italienischen_ Dichter den Vorzug des
-blonden Haares.
-
-Johanna von Aragonien, die schönste Frau des 16. Jahrhunderts, hatte
-nach der Beschreibung ihres Arztes Niphus, des Philosophen am
-päpstlichen Hofe und Freundes Leos X., langes goldiges Haar und blaue
-Augen, rosig-weißen Teint.
-
-Gabriel de Minuts Geliebte hatte »trotz ihrer südlichen Heimat blondes
-Haar und blaue Augen«. Die Beschreibung stammt aus dem Jahre 1587.
-
-Die griechischen Künstler vergoldeten das Haar ihrer Statuen. Götter
-und Menschen sind bei Homer oft blond: Venus ist es fast immer.
-
-Ellis fährt dann fort: »Es ist interessant, daß die Musterung der
-weiblichen Schönheitsideale in vielen verschiedenen Ländern zeigt, daß
-sie alle Merkmale enthalten, welche dem ästhetischen Gefühle des
-modernen Europäers entsprechen, und viele dieser Ideale enthalten kein
-Merkmal, das mit unserm Geschmacke ganz unvereinbar wäre.«
-
-»Daß die Schönheit ein Element der Objektivität enthält, ergibt sich
-auch daraus, daß Männer niederer Rasse manchmal europäische Frauen
-schöner finden als die ihres eigenen Stammes. Wahrscheinlich ist unter
-den geistig und somit auch ästhetisch am meisten entwickelten
-Individuen niederer Rasse diese Vorliebe für weiße Frauen zumeist zu
-finden.«
-
-_Nach allem: Menschliche Schönheit, gemessen am Weibe, weil diese sie
-in maximalem Betrage besitzt, ist objektiv. Das allgemeinste Merkmal
-dieser Objektivität der Schönheit ist die Blondheit mit ihren
-Attributen der weißen Haut und blauen Augen._
-
-
-c) Die Auserlesenen.
-
-Nach diesem Überblick über die wertvollsten geistigen und körperlichen
-Eigenschaften des Menschen bleibt es mir noch übrig, im Zusammenhang
-kurz den Gesamthabitus des für die Auslese und Reinzucht tauglichen
-Mannes und Weibes zu schildern. Das kann natürlich nur in großen
-allgemeinen Umrissen geschehen und unter Leitung folgender
-Gesichtspunkte, die im Vorhergehenden aufgefunden worden sind:
-
-Die _höchsten geistigen_ Eigenschaften sind dem Manne zugeteilt worden.
-Bei der Beurteilung der geistigen Merkmale werde ich daher vom Manne
-ausgehen; denn ich kann sie nur bei ihm in vollkommenster Entfaltung
-sehen.
-
-Die _höchste körperliche_ Eigenschaft dagegen, Schönheit, ist dem Weibe
-zugefallen. Hinsichtlich des Schönheitsideals werde ich also aus dem
-entsprechenden Grunde wie oben mich am Weibe orientieren.
-
-Wir werden also auch bei der _Auslese_ der Tüchtigsten natürlich vom
-Manne die höchsten geistigen Eigenschaften und von der Frau die größte
-Schönheit verlangen.
-
-Allein, sowohl in geistiger, als auch in leiblicher Beziehung gibt es
-je einen Faktor, der an praktischer Bedeutung alle andern überragt. Auf
-diese beiden Faktoren werde ich daher bei _beiden_ Geschlechtern den
-gleichen Wert legen und außerdem ihr Vorhandensein als eine der
-Mindestforderungen aussprechen, die erfüllt sein müssen, um einen
-Menschen noch als zur Auslese geeignet erscheinen zu lassen.
-
-Dieser _geistige_ Faktor ist der _Charakter_ (Wille, Gesinnung): er
-_ist der Kern des Menschen überhaupt, seine Seele_. Es unterliegt zwar
-keinem Zweifel, daß er in vollendetster Ausprägung beim Manne vorkommt;
-doch ist der Unterschied gegenüber dem Weibe bedeutend geringer als
-derjenige hinsichtlich der übrigen Geistesgaben. Es gibt
-erfahrungsgemäß auch Frauen von außerordentlicher Seelengröße.
-Deswegen, und weil der Charakter den Kern _jedes_ Menschen bildet, ist
-es besser, über jenen kleinen Unterschied hinwegzusehen und bei beiden
-Geschlechtern die höchsten Anforderungen an den Charakter zu stellen.
-
-Jener oben genannte _körperliche_ Faktor ist Gesundheit. Sie ist die
-leibliche Grundlage aller menschlichen Vervollkommnung.
-
-_Vorzüglichkeit des Charakters und Gesundheit sind also unerläßliche
-Bedingungen der Zulassung zur Auslese und Reinzucht._
-
-Im übrigen werden die Merkmale der Geistesgröße, die beim Manne
-gefunden worden sind, auch als Maßstab für das Weib genommen; jedoch
-wird bei ihr nicht das Höchste hierin verlangt. Ebenso werden die
-Kennzeichen der Schönheit des Weibes für den Mann zugrunde gelegt, doch
-auch wieder in untergeordneter Weise.
-
-_Demnach_: Bei Mann und Weib stehen Charakter und Gesundheit im
-Mittelpunkt; beim Mann kommt dann zunächst noch sonstige Geistesgröße,
-beim Weib Schönheit in Betracht.
-
-Die Übertragung der Merkmale des einen Geschlechts auf das andere gilt
-nach allem Vorausgegangenen sinngemäß und nur bedingt und allgemein,
-nicht im besondern.
-
-_Das Idealbild des Mannes_ wäre etwa folgendes: Schlanke, ziemlich
-hochgewachsene Gestalt, hohe Stirn, schmales Gesicht, scharfes Profil,
-ernster Gesichtsausdruck. Haare blond; doch tritt das hier etwas in den
-Hintergrund. Charakterstärke, Güte, Idealismus, Altruismus,
-Wahrheitsliebe, moralischer Mut, Intelligenz, Genialität, ästhetisches
-Gefühl, Gesundheit.
-
-Zur Erläuterung muß ich hier nochmals auf den schon genannten Aufsatz
-von O. Hauser verweisen: »Der physische Typus des Genies des
-Altertums«. Hauser zeigt darin an der Hand der Beschreibung einer
-großen Anzahl berühmter Männer aus dem Altertum, daß die hohe, schlanke
-Gestalt, Blondheit und das scharfe Profil mit der großen, zumeist
-gebogenen Nase das charakteristische Aussehen der Großen bilden.
-
-_Das Idealbild des Weibes_ wäre etwa dieses: Schlanke, ziemlich hohe
-Gestalt, schmales Gesicht, gerade und senkrechte Stirn, deutliches,
-aber regelmäßiges Profil, Anmut, Blondheit oder Annäherung an sie. Güte
-und Reinheit des Charakters, Wahrheitsliebe, Altruismus, Intelligenz,
-moralischer Mut, ästhetisches Gefühl, Gesundheit.
-
-Alle Vervollkommnung findet nicht plötzlich, sondern durch Entwicklung
-statt. Demnach können wir zunächst nicht die _höchsten_ Eigenschaften
-des Geistes und Körpers, also nicht Genie und größte Schönheit, als
-unerläßliche Attribute derjenigen, die der Auslese und Reinzucht als
-Material dienen sollen, verlangen, sondern müssen mit Bescheidenerem
-zufrieden sein. Wie schon erwähnt, sollen daher ein vorzüglicher
-Charakter und Gesundheit das Mindestmaß des Notwendigen sein. Doch muß
-selbstverständlich körperliche Wohlgestalt, wenn auch nicht eigentliche
-Schönheit, ebenfalls dabei sein, also eine schlanke, gut gebaute,
-nicht zu kleine Statur, sowie ein Kopf und Gesicht, welche die im
-Vorstehenden angegebenen Merkmale der Rasse noch deutlich erkennen
-lassen.
-
-
-d) Das Organ des Geistes.
-
-Das Organ des Geistes ist das Gehirn. Von seiner Beschaffenheit hängen
-daher offenbar auch die geistigen und Charaktereigenschaften ab, die
-bei der Reinzucht der Vollkommensten ausgelesen und gesteigert werden
-sollen. Wir müssen daher der Betrachtung des Gehirns noch einen
-besonderen Abschnitt widmen.
-
-Ploetz kommt zu dem Schlusse, daß weder die Zunahme der
-durchschnittlichen Lebensdauer, noch die Vergleichung von Schädeln der
-jetzigen und früheren Geschlechter die Frage entscheiden läßt, ob wir
-uns seit dem Altertum vervollkommnet haben oder nicht. Die Zunahme der
-Lebensdauer ist eine tatsächliche. Aber sie ist für die Beantwortung
-der Frage nicht verwertbar, weil man nicht entscheiden kann, ob sie aus
-gesteigerter konstitutioneller Kraft des Menschen oder aus
-Erleichterung der äußeren Bedingungen des Daseins herzuleiten ist.
-
-Nach den vergleichenden Messungen zu urteilen, scheint eine
-Vergrößerung des Gehirns stattgefunden zu haben. Doch sind die
-Statistiken aus verschiedenen Gründen, namentlich auch wegen des zu
-geringen Zahlenmaterials, nicht endgültig beweisend. Ferner darf man
-Zunahme des Hirngewichts nicht ohne weiteres mit Steigerung der Güte
-gleichsetzen. Doch sprechen viele Tatsachen dafür, daß beides in
-weitgehendem Maße zusammenfällt. So ist das Wachstum des Gehirns durch
-die Tierreihe hindurch bis zum Menschen die auffälligste Erscheinung
-der ganzen Entwicklungsgeschichte. Im höheren Alter nehmen beim
-Menschen Volum und Gewicht des Gehirns ab und Hand in Hand damit auch
-seine geistigen Kräfte. Sehr hervorragende Männer haben oft besonders
-große Gehirne gehabt. Endlich hat man keinen Fall auffinden können, in
-dem ein außergewöhnlich hochstehender Mensch ein besonders kleines
-Gehirn besessen hätte.
-
-Daß die geistige Höhe nicht _nur_ von der Masse des Gehirns, sondern
-auch von seiner sonstigen Beschaffenheit abhängt, ist ja Tatsache.
-Anzahl und Tiefe der Furchen spielen eine große Rolle, weil von ihnen
-die Größe der _Oberfläche_ des Großhirns abhängt, und weil hier der
-Sitz der höchsten geistigen Fähigkeiten ist.
-
-Die vergleichenden Messungen machen nun, wie schon erwähnt, eine
-Zunahme der Hirngröße, namentlich im Stirnteil, wahrscheinlich.[40]
-
-Das weibliche Gehirn ist durchschnittlich etwas kleiner als das des
-Mannes. _Browne_ fand, daß das männliche Gehirn 29,71 Gramm mehr wiegt
-als das weibliche. Dabei hatte er den Anteil in Abzug gebracht, der auf
-den Unterschied der Körpergröße zu setzen ist, wodurch bewiesen wird,
-daß der Unterschied nicht nur ein relativer, sondern ein absoluter
-ist.[41] Dieser Unterschied tritt nach _Rüdinger_ schon während des
-Lebens im Mutterleibe auf. Er sagt: »Alle drei Hauptdurchmesser des
-Gehirns sind bei neugeborenen Knaben größer als bei Mädchen« ...[42]
-Auch die Windungen sind bei weiblichen Gehirnen während des Lebens im
-Mutterleib bedeutend einfacher als bei männlichen; der ganze
-Stirnlappen macht daher bei Mädchen den Eindruck der Glätte oder
-Nacktheit. »Trotz vieler individueller Ausnahmen,« fährt Rüdinger fort,
-»welchen man sorgfältigere Berücksichtigung zuteil werden lassen muß,
-kann man die Tatsache, _daß ganz verschiedene typische Bildungsgesetze
-für die Großhirnwindungen der beiden Geschlechter bestehen und schon im
-fötalen Leben sich geltend machen, nicht bestreiten_.«[43]
-
-Sehr bemerkenswert sind die Resultate, zu denen J. Ranke gelangt. Sie
-beziehen sich auf die altbayerische Landbevölkerung. Nach ihnen ist
-hier das Gehirnvolumen bei den Frauen im Verhältnis zu _ihrer_
-Körpergröße relativ etwas größer als beim Manne bezüglich der seinigen.
-Jedoch kommt es bei Männern häufiger vor, daß die Hirngröße den
-Mittelwert überragt, als daß sie hinter diesem zurückbleibt. Anders bei
-den Frauen: bei ihnen besteht eine Neigung zum Zurückbleiben hinter dem
-Mittelwert. Ranke sagt: »Das psychische Organ der Männer zeigt also
-vorwiegend eine das Mittelmaß übersteigende Entwicklung, und die Zahl
-besonders mächtig entwickelter Gehirne ist relativ viel größer als bei
-Frauen.«[44]
-
-Ranke findet nun einen Zusammenhang zwischen diesen anatomischen
-Unterschieden und den geistigen Leistungen der beiden Geschlechter:
-beim weiblichen Gehirn sind sie »für das Durchschnittsweib etwas höher«
-als diejenigen des männlichen Gehirns »für den Durchschnittsmann«.[45]
-
-Browne untersuchte das _spezifische Gewicht_ der Marksubstanz des
-Gehirns an verschiedenen Stellen und fand es überall bei beiden
-Geschlechtern gleich, nämlich 1044. Das spezifische Gewicht der grauen
-Hirnrinde aber, »in welcher man den Sitz des Bewußtseins zu suchen
-hat«, betrug bei Männern 1036-1037 (letzteres in den Stirnwindungen),
-bei Frauen überall nur 1034.[46]
-
-Ploß schließt mit folgenden Sätzen: »Jedenfalls scheinen uns die bisher
-aufgefundenen Differenzen wichtig und charakteristisch genug, um auch
-den eifrigsten Verfechter der Frauenemanzipation aus dem Felde schlagen
-zu können, besonders da, wie Rüdinger gezeigt hat, diese Unterschiede
-angeborene und nicht erst im späteren Leben erworbene sind.«[47]
-
-In Vorstehendem haben wir die anatomische Erklärung für die
-Erfahrungstatsache, daß die höchsten Geistesgaben nur beim Manne
-vorkommen. -- -- --
-
-_Da es sich für uns um Weiterentwicklung des Menschen handelt, so
-müssen wir unsere Aufmerksamkeit nunmehr der Frage zuwenden, wie
-dieser Fortschritt im Geistesleben und am Gehirn statthaben könnte._
-
-Es muß sich um Höherentwicklung der _Vernunft_ als des Inbegriffs des
-höheren Geisteslebens in allen seinen drei Sphären handeln. (S. die
-terminologische Auseinandersetzung auf S. 26). Anatomisch muß eine
-weitere Entwicklung der Großhirnrinde dem zugrunde gelegt werden. In
-ihr haben wir also die anatomischen Bedingungen für den Fortschritt der
-Menschheit zu höheren und edleren Formen des Daseins zu suchen.
-
-Von diesen Überlegungen ausgehend bin ich zu der Überzeugung gelangt,
-daß einige Bemerkungen, die _Schleich_[48] über die mutmaßliche
-Weiterentwicklung des Großhirns gemacht hat, manches Richtige
-enthalten. Er geht von der Beobachtung aus, daß das Großhirn sowohl für
-das unbewaffnete Auge, als auch unter dem Mikroskop den Eindruck der
-Unfertigkeit und Neuheit hervorruft gegenüber den andern
-stammesgeschichtlich viel älteren Teilen des Zentralnervensystems. Auch
-seiner Beschaffenheit nach ist es viel weicher, breiartiger als
-letztere. Nun sind die Tätigkeiten der älteren, festeren Abschnitte
-automatische, unbewußte: sie gehen mit der Unfehlbarkeit und Sicherheit
-von statten, die uns im allgemeinen alle automatischen Funktionen
-zeigen. Ganz anders verhält es sich mit den Tätigkeiten des
-Bewußtseins, die an die jüngsten, obersten Teile des Großhirns geknüpft
-sind: namentlich in unserm Denken und Erkennen irren wir fortwährend.
-
-Schleich nimmt nun in Anlehnung an den englischen Philosophen H.
-_Spencer_ an, daß es jeweils nur die jüngsten, in der Entwicklungsreihe
-also am weitesten vorgeschobenen Teile des Nervensystems sind, deren
-Tätigkeiten mit _Bewußtsein_ verknüpft sind. Nach dieser Theorie waren
-diejenigen Funktionen, die jetzt in uns und den höheren Tieren
-unbewußt, selbsttätig, geworden sind, einst auch mit Bewußtsein
-verbunden: auch sie mußten mühsam erlernt werden, ebenso wie wir jetzt
-innerhalb der Sphäre der uns bewußten Lebensäußerungen lernend, übend,
-prüfend und tastend vorgehen. Das Riechen, die Atmung, die
-Herztätigkeit, die Verdauung usw. hätten also nach Spencers Ansicht
-einst in der stammesgeschichtlichen Kindheit der Organismenreihe unter
-der Leitung des Bewußtseins erlernt werden müssen.
-
-Dieser Ansicht trete ich nun allerdings nur sehr bedingt bei: im
-allgemeinen stimme ich vielmehr James zu, der annimmt, daß die
-Reflexbewegungen »zufällige« angeborene Idiosynkrasien, die wegen ihrer
-Nützlichkeit im Kampf ums Dasein erhalten blieben, sind. Sie fallen
-unter die Rubrik meiner »primären« Instinkte. Außer diesen mögen in
-geringerem Grade auch Übungsresultate im Laufe langer Zeiten
-automatisch geworden sein. Sie bilden dann meine »sekundären«
-Instinkte. Die Auslese der spontan entstandenen Reflexhandlungen halte
-ich jedoch für das Wichtigere.
-
-Schleich glaubt ferner, daß die Entwicklung des Großhirns in dem Sinne
-fortschreiten wird, daß auch unsere höheren geistigen Tätigkeiten einst
-unbewußt und automatisch sein werden, ebenso wie es jetzt die niederen
-sind, die von den älteren Hirnteilen abhängen. Unser Denken und Handeln
-würde dann mit der Raschheit und Sicherheit selbsttätiger Vorgänge
-stattfinden.
-
-Freilich darf der Schluß nicht gemacht werden, daß das Bewußtsein
-_nichts_ anders ist, »als der in der Entwicklung am weitesten
-vorgeschobene, in Differenzierung begriffene Teil des nervösen
-Apparates überhaupt« ...[49] Wir werden vielmehr unten sehen, daß
-Bewußtsein etwas Besonderes ist.
-
-Abgesehen von diesen Punkten aber scheint mir Schleichs Ansicht richtig
-zu sein und mit dem übereinzustimmen, was wir nach dem bisherigen Gang
-der Entwicklung erwarten müßten. Das ist folgendes: 1. Die Entwicklung
-wird vorwiegend nach der geistigen Seite fortschreiten. 2. Dies muß von
-der Organisation der Hirnrinde abhängig sein, in der also eine
-Verbesserung zu erwarten ist. 3. Der Fortschritt muß seinen Ausdruck
-finden in der Gewinnung größerer Sicherheit und Leichtigkeit im Denken
-und Handeln seitens der Menschen.
-
-Bringen wir nun diese anatomischen Überlegungen mit der _Psychologie_
-in Einklang, so ergibt sich etwa folgendes: Unser Bewußtsein besteht
-aus einem ununterbrochenen Fluß von Vorstellungen, Gefühlen und
-Strebungen, welch letztere beide den Vorstellungen angegliedert sind.
-Da jede Hauptvorstellung stets durch Verschmelzungen und Assoziationen
-von einem Kranz anderer Vorstellungen umgeben ist, der _ganze_ Komplex
-jeweils das Bewußtsein ausmacht und dieser ganze Komplex ein
-fortwährend sich verändernder ist, so gleicht unser Bewußtsein von der
-Wiege bis zum Grabe einem ununterbrochenen Flusse, in dem das einmal
-Vorübergeströmte niemals zurückkehrt. Denn nie ist der Komplex als
-Ganzes wieder der gleiche, der er früher einmal war; der _ganze_
-Komplex aber macht das Bewußtsein aus. Niemals treten einzelne
-Vorstellungen, z. B. bei der Erinnerung, ins Bewußtsein; sie haben
-immer ihren Kranz zugeordneter Vorstellungen um sich, und dieser
-wechselt ununterbrochen.[50]
-
-Vorstellungen bilden die _Unterlage der Erkenntnis_: _sie_ sind also
-das _Material_ des Erkenntnisaktes. Die Außenwelt ist uns ebenso wie
-die Erinnerung zunächst als Vorstellung gegeben. Vorstellungen sind
-aber noch keine Erkenntnis. Erst durch ihre Verarbeitung entsteht
-letztere. Ein _Interesse_ besitzen wir jedoch nur an der Erkenntnis
-selbst, während die Vorstellungen als solche nichts anders bedeuten als
-eine Belästigung unseres Bewußtseins.
-
-Bei der Wahrnehmung von Gegenständen zeigt sich nun der Idealvorgang
-der Gewinnung von Erkenntnis: denn in demselben Augenblick, in dem uns
-unsere Sinnesorgane die Empfindungen oder Vorstellungen übergeben,
-haben wir auch schon die _Erkenntnis_ des Gegenstands. Die
-_Vorstellung_ der Außenwelt und das _Wahrnehmungsurteil_ fallen also
-zusammen; die _Erkenntnis_ aber liegt in letzterem. Daher
-definiert auch _Höfler_, dem ich mich anschließe: »Wahrnehmung =
-Wahrnehmungsvorstellung + Wahrnehmungsurteil.«[51] Auf der niedersten
-Stufe der Denktätigkeit ist also der _vollkommene_ Vorgang bereits
-erreicht: niemandem bereitet die Beurteilung und Erkenntnis der
-Gegenstände irgendwelche Schwierigkeit, sobald ihm einmal die
-zugehörigen Empfindungen, bezw. Vorstellungen gegeben sind. Zum
-Verständnis trage ich hier nach, daß ich auch diesbezüglich die
-Terminologie Höflers annehme, der definiert: »Empfindungen sind
-Wahrnehmungsvorstellungen von möglichst einfachem, physischem
-Inhalte.«[52] Deswegen setze ich also auch statt Empfindungen
-Vorstellungen.
-
-Bei den _höheren_ Graden des Denkens ist aber der Idealvorgang des
-Erkennens noch lange nicht erreicht. Hierbei _stören_ uns vielmehr
-folgende zwei Umstände: 1. Nicht nur _der_ Vorstellungskomplex befindet
-sich in unserm Bewußtsein, der für die zu gewinnende Erkenntnis
-wertvoll ist, sondern außerdem sind uns noch eine größere oder
-geringere Menge _anderer_ Vorstellungen bewußt, welche jenem assoziiert
-sind, aber mit dem Erkenntnisakt nicht zusammenhängen, sondern ihn
-erschweren. Bei Neurasthenikern kann das außerordentlich hohe Grade
-erreichen und sie zum Denken nahezu unfähig machen. 2. Es liegt ein
-_Widerstand_ zwischen Vorstellung und Erkenntnis, der erst überwunden
-werden muß. Beim höheren und fortgeschritteneren Denken folgt die
-Erkenntnis, das Urteil, nicht sofort, blitzartig, automatisch auf das
-Denkmaterial, die Vorstellungen, wie es bei der Wahrnehmung der Fall
-ist. Dort bedarf es vielmehr einer gewissen Anstrengung. Die _geniale
-Intuition_, die ja ebenso automatisch und blitzartig erfolgt wie das
-Wahrnehmungsurteil, ist nichts anders als dieselbe Vollkommenheit auf
-der Stufe der höheren Denktätigkeit. Während aber bei der Wahrnehmung
-Sicherheit und Verlaß besteht, ist dies bei der genialen Intuition
-nicht der Fall: sie kommt bisweilen und ein andermal wieder nicht und
-ist überhaupt nur bei einzelnen besonders hoch konstruierten Gehirnen
-vorhanden. Im übrigen quält sich der Mensch mühsam von Erkenntnis zu
-Erkenntnis durch.
-
-Zu allem kommt noch die Qual, den der _Unlustanteil_ des im Bewußtsein
-befindlichen Vorstellungskomplexes bedingt: im Anschluß an eine
-richtige Erkenntnis steigt ein ganzer Komplex von durch Assoziation
-damit zusammenhängenden Vorstellungen in unser Bewußtsein auf. Ein Teil
-davon ist mit Lust -- ein anderer mit Unlust betont. Durch letzteren
-entstehen teils nützliche Warnungen; aber teils bringt er auch
-unnötigen Kummer und unberechtigte Sorge. Wiederum ist es der
-Neurastheniker, bei dem das die höchsten Grade erreicht. Aber beim
-Gesunden ist es mehr oder weniger auch vorhanden. Alle unsere
-Lebenserinnerungen bestehen, wie _Wundt_ sagt, aus Dichtung und
-Wahrheit: »Unsere Erinnerungsbilder wandeln sich unter dem Einfluß
-unserer Gefühle und unseres Willens in Phantasiebilder um, über deren
-Ähnlichkeit mit der erlebten Wirklichkeit wir meist uns selbst
-täuschen.«[53] -- -- --
-
-Wir müssen zwischen Bewußtsein schlechthin und dem Sich-Bewußtwerden
-eines Vorgangs unterscheiden. Das letztere macht das dem Menschen
-eigentümliche Bewußtsein aus, wie ich zum Verständnis vorweg betonen
-will. Daher will ich zum Unterschied das _erstere_ mit dem
-Kunstausdruck »_Bewußtsein an sich_« und das spezifisch menschliche
-Bewußtsein mit demjenigen »_empirisches Bewußtsein_« belegen.
-
-Empirisches Bewußtsein scheint nun nur dort vorzukommen, wo sich ein
-_Widerstand_ geltend macht. Wir haben »Bewußtsein« von einem Baume, den
-wir sehen, aber wir »werden uns seiner nicht bewußt«, solange nicht
-etwas Besonderes an ihm unsere _Aufmerksamkeit_ erregt, weil der
-Vorgang glatt und widerstandslos verläuft.[54] Beim Reden oder Lesen
-des weiteren ist man sich seiner Tätigkeit nicht bewußt, bis ein
-Widerstand eintritt oder sonst etwas die Aufmerksamkeit erregt.
-Deswegen hat James wiederum recht, wenn er sagt: »Alles Bewußtsein
-scheint von einer gewissen Langsamkeit des Prozesses in den
-Gehirnzellen abzuhängen. Je rascher die Ströme sind, desto weniger
-Gefühl scheinen sie zu erwecken.«[55]
-
-Trotzdem aber entspricht es zweifellos dem tatsächlichen
-psychologischen Erfahrungsbestand, auch bei solchen schnell und glatt
-verlaufenden Vorgängen von »Bewußtsein« zu reden. Daraus folgt nun ein
-_qualitativer_ Unterschied unserer Bewußtseinszustände: _Das_
-Bewußtsein, das wir beim fließenden Vorgang besitzen, ist identisch mit
-dem Bewußtsein an sich, das eben in unserer Hirnrinde zum Durchbruch
-kommt. _Dasjenige_ Bewußtsein dagegen, das wir dann haben, wenn
-Aufmerksamkeit oder sonstiger Widerstand im Spiele ist, ist empirisches
-Bewußtsein. Trotz seiner qualitativen Verschiedenheit kann es natürlich
-nur eine Modifikation des ersteren sein.
-
-Demnach gibt es Erkenntnis mit und ohne empirisches Bewußtsein.
-Ersteres nennen wir »_Aufmerksamkeit_«. Dasselbe wäre es zu sagen: Es
-gibt Erkenntnis mit und ohne Aufmerksamkeit. Ersteres ist dann der
-Fall, wenn ein Widerstand damit verbunden ist. Dies aber macht
-empirisches Bewußtsein.
-
-_Nach allem_: Es gibt ein Bewußtsein an sich. Wo es nicht gehemmt wird,
-ist es auch im menschlichen Gehirn sich selber gleich (oder ähnlich).
-Wo es aber auf seinem Weg durch das Gehirn auf einen Widerstand trifft,
-da wird es eben dadurch verändert und bildet dann das empirische
-Bewußtsein. Demnach ist Bewußtsein an sich vergleichbar einem glatt
-dahinfließenden Strome. Im Bette dieses Stromes aber befinden sich
-Unebenheiten, wie sie in einem wirklichen Flusse durch Felsen und
-Steine dargestellt werden. Diese Rauhigkeiten bietet die
-Unvollkommenheit der Gehirnkonstruktion dar: auch an ihnen entstehen
-daher Wirbel im Strome des Bewußtseins an sich, wie sie im wirklichen
-Wasser an entsprechenden Stellen vorkommen. Die Wirbel im
-Bewußtseinsstrome heben sich von dem glatten Strome ab und werden als
-Besonderheiten kenntlich. Der Inbegriff dieser Besonderheiten, also der
-Rauhigkeiten an Stellen des Widerstands, ist das empirische Bewußtsein.
-Wo aber der Bewußtseinsstrom ohne Hemmungen durch das menschliche
-Gehirn hindurchfließt, da erleidet er natürlich keine wesentliche
-Veränderung: in diesem Teil ist demnach unser empirisches oder
-menschliches Bewußtsein nicht verschieden von dem Bewußtsein an sich,
-sondern bildet nur einen Ausschnitt aus ihm. Wo aber Wirbel entstehen,
-da _werden wir uns_ des Bewußtseins an sich _bewußt_. Hier also ist
-unser empirisches Bewußtsein verschieden von dem Bewußtsein an sich:
-denn in diesem als solchem sind Hemmungen unbekannt.
-
-Das ergibt die unverfälschte Psychologie der unmittelbaren
-Erfahrung! -- -- --
-
-Bei der Wahrnehmung von Gegenständen treten die Lust- und Unlustgefühle
-auch in das Bewußtsein ein.
-
-Letztere entsprechen gefährlichen oder unangenehmen Stellen in der
-Außenwelt, denen wir daher zu entgehen suchen. Es stehe z. B. ein schön
-blühender Baum am Rande eines Abgrundes: was wird bei der Wahrnehmung
-stattfinden? Der Baum wird uns mit einem Lustgefühl erfüllen, von dem
-Abgrund aber werden wir uns fernzuhalten trachten. Hier begegnet uns
-der Wille in seiner primitiven und ursprünglichen Form, nämlich als
-Bewegung. In der Tat _ist Bewegung_ überhaupt das _Wesen_ des
-Wollens. Denn bei Phantasievorstellungen (im Gegensatz zu
-Wahrnehmungsvorstellungen) ist es analog: wir nehmen die lustbetonten
-Vorstellungen dankbar an und wünschen, von den unlustbetonten
-loszukommen. In beiden Fällen, dem der äußeren Wahrnehmung und dem des
-Phantasiebildes, hat der _Wille_ die Merkmale der Bewegung an sich,
-nämlich _Richtung_. Allein, innerhalb des Umkreises der
-Phantasietätigkeit gelingt die _Tat_, d. h. die Ausführung der Bewegung
-oder die Einschlagung der Richtung, nicht so leicht als bei der
-wirklichen Bewegung im äußeren Raume, die, wie wir sahen, die
-ursprüngliche Willensäußerung ist: mit unfehlbarer Sicherheit und ohne
-merkbare Anstrengung vermögen wir, von dem Abgrund zurückzugehen,
-sobald wir es »wollen«. Jedoch können wir nicht mit auch nur annähernd
-ähnlicher Sicherheit eine unangenehme Vorstellung unterdrücken, »uns im
-Geiste von ihr hinwegbewegen«.
-
-Wenn wir aber die äußere Bewegung, den Willen auf primitiver Stufe,
-vollständig beherrschen, so ist nicht einzusehen, warum das auf höheren
-Stufen nicht auch der Fall sein _sollte_: die höhere Willenssphäre ist
-eben nur noch zu unvollständig in unserm Zentralorgan ausgebildet. Wir
-sollten demnach beim _Erkenntnisakte_ im Gebiet der Phantasie annehmen
-und behalten können: 1. die der Erkenntnis unmittelbar zugrunde
-liegenden Vorstellungen, und 2. die begleitenden Lustvorstellungen;
-dagegen sollten wir die Unlustvorstellungen, nachdem sie uns einmal
-bewußt geworden sind und zur Warnung gedient haben, verlassen können.
-Der Zusammenhang mit dem Beispiele vom Baume bei der äußeren
-Wahrnehmung ist ja klar: das unter 1 Angeführte entspricht den
-Empfindungen des Baumes, das unter 2 Genannte denjenigen der schönen
-Blüte und das zuletzt Gesagte dem Abgrund. -- -- --
-
-Die _Aufmerksamkeit_ ist mit einem Mischgefühl aus Lust und Unlust
-verbunden: insofern, als sie uns nützt, und als alle Steigerung der
-Erfahrung von ihr abhängt, ist sie entschieden lustbetont; insofern
-aber, als sie einen Widerstand im glatten Bewußtseinsstrome bedeutet,
-ist sie unlustbetont, wie solche Stellen es immer sind. Dieses
-Mischgefühl kann man bei einiger Übung in der Selbstbeobachtung
-deutlich wahrnehmen. Wir können die Aufmerksamkeit der Stelle des
-Bewußtseins gleichsetzen, an der die Vorstellungen mit der Heftigkeit
-von Geschossen einschlagen und das Wasser (im Beispiele des Stromes)
-aufspritzen machen.
-
-_Ich fasse zusammen_: In jedem Erkenntnisakt gibt es folgende angenehme
-Faktoren, die wir daher beizubehalten wünschen: 1. den glatten Fluß der
-Erkenntnis, 2. die begleitenden Lustanteile, 3. die nützliche
-Aufmerksamkeit, und folgende unangenehme, die wir daher aus dem
-Bewußtsein lieber ausschalten möchten: 1. die Hemmungen der Erkenntnis,
-das zeitliche Auseinanderfallen von Vorstellungskomplex und zugehörigem
-Urteil, 2. die Unlustanteile, die Unfähigkeit, den Willen nach Belieben
-von gewissen Vorstellungen loszureißen.
-
-Daraus folgen nachstehende Forderungen für die Vervollkommnung unseres
-Bewußtseins: Der nützliche und angenehme Anteil sollte ihm als sicherer
-Besitz gegeben, der unnütze und unlustbetonte ausgeschaltet werden.
-
-Beseitigung der Widerstände würde beiden Forderungen entsprechen; _nur
-der_ Widerstand, den die _nützliche_ Aufmerksamkeit bildet, muß auf
-allen Stufen der Entwicklung beibehalten werden, weil er für ihren
-Fortschritt nötig ist. Denken wir uns das Ende der Entwicklung
-erreicht, so würde natürlich auch dieser Teil der Aufmerksamkeit, als
-der letzte Widerstand im Bewußtsein, wegfallen: das Bewußtsein eines
-vollkommenen Wesens wäre identisch mit dem Bewußtsein an sich.
-
-Die Erfüllung jener beiden Forderungen, bezw. die Ausschaltung der
-Widerstände (mit Ausnahme der _nützlichen_ Aufmerksamkeit), würde uns
-die Vorzüge des _automatischen_ Denkens ohne dessen Nachteil sichern!
-Als Nachteil wäre zu denken die Festlegung der Erkenntnisfähigkeit auf
-einer gewissen Entwicklungsstufe oder für eine bestimmte Umgebung. Das
-darf aber nicht geschehen: denn, wie James sagt, ist es das Fehlen von
-festen Reaktionen in Gestalt von Instinkten, das die Überlegenheit des
-Menschen über das Tier, ebenso wie diejenige des Mannes über das Weib
-ausmacht.[56] Doch sind natürlich gewisse instinktive Reaktionen
-möglich, die _allgemeingültigen Werten_ entsprechen, z. B. denen der
-Nächstenliebe und des »Mitleidens«, und die daher sehr wohl _fest_
-werden dürfen und werden. _Wir können also definieren: Ein vollkommenes
-Vernunftwesen würde teils durch die Feinheit seiner Hirnrinde, teils
-durch Fixierung allgemeingültiger Willensantriebe und Gefühlsregungen
-die Reaktionen auf die Werte des Wahren, Guten und Schönen als
-Instinkte besitzen._ Ersteres würde wiederum den freien, letzteres den
-festen Instinkten entsprechen.
-
-Doch _diese_ Art annähernder Automatie, die ich dargestellt habe, wäre
-nur in einem sehr bildungsfähigen und feinen Gehirn denkbar: denn nur
-ein solches könnte so widerstandslos auf die Vorstellungen und
-Willensantriebe reagieren, als es im Vorstehenden verlangt wurde: nur
-durch ein so fein reagierendes Gehirn könnte das Bewußtsein an sich so
-glatt hindurchfließen, wie es ein Strom durch ein weiches, felsenloses
-Bett tut. -- -- --
-
-In weitgehendem Maße zeigt es sich nun bei näherem Zusehen, daß die
-Widerstände durch Furcht und Besorgnis hervorgerufen werden, die ein
-Ausdruck der Selbstsucht sind: Selbstverleugnung ist daher eins der
-wertvollsten Mittel zur Ausschaltung der Widerstände. Unlustgefühle und
-die Beschäftigung mit den eigenen Vorstellungen zerstieben vor der
-Hinwendung des Wollens auf das Absolute und Allgemeine wie Spreu vor
-dem Winde. So entsteht auch eine Art Passivität des Bewußtseins, die
-das Denken und Erkennen sehr erleichtert. Demnach besitzen wir in
-rückhaltloser Selbstverleugnung eine mächtige Handhabe zur Ausschaltung
-der das empirische Bewußtsein ausmachenden »Wirbel« im Strome des
-Bewußtseins an sich. Muß aber die Selbstverleugnung, um wirksam zu
-sein, _rückhaltlos_ sein, so darf sie dennoch nicht _grenzenlos_ sein:
-die Persönlichkeit soll bewahrt und erhöht werden, das empirische
-Bewußtsein als nützlicher Teil der Aufmerksamkeit erhalten bleiben;
-denn der Mensch muß Erfahrung sammeln, wozu die Aufmerksamkeit dient.
-
-Somit stehen die Resultate unserer psychologischen Überlegung der
-Hauptsache nach im Einklang mit denjenigen, zu denen Schleich auf Grund
-seiner anatomischen und entwicklungstheoretischen Betrachtung gelangt
-war: nämlich, daß es auf Höherentwicklung der Hirnrinde und des von ihr
-abhängigen Geisteslebens geht, und daß sie zur Automatie des Denkens,
-Wollens und Fühlens führen wird -- wenigstens in hohem Grade. -- -- --
-
-Die Menschen fühlen das empirische Bewußtsein als etwas Qualvolles. Die
-Ursache für diese merkwürdige Tatsache erhellt aus Vorstehendem: es ist
-ja der Inbegriff der Widerstände im Gehirn. _Daß_ es Tatsache ist, geht
-daraus hervor, daß die Menschen aller Zeiten mit seltener Einmütigkeit
-die verschiedensten Mittel zu seiner Unterdrückung angewendet haben:
-der indische Jogi hypnotisiert sich selbst, der Buddhist übt sich in
-den höchsten Graden der Willensverneinung, alle Völker benützen
-berauschende Mittel irgendwelcher Art. -- -- --
-
-Nach _Eimers_ »_Gesetz der männlichen Präponderanz_« treten bei Tieren
-die neuen Merkmale zuerst bei älteren Männchen auf. Da _Genialität_ den
-fortgeschrittensten Zustand des Menschen bedeutet und sie rein auf den
-Mann beschränkt ist, so findet dieses Prinzip, wie man von vornherein
-erwarten müßte, beim Menschen eine glänzende Bestätigung.[57]
-
-Nach Vorstehendem muß jene in Zusammenhang gebracht werden mit der
-Entfaltung des Gehirns in der Richtung nach Ermöglichung einer mehr
-automatischen Seelentätigkeit.
-
-Für den Fortschritt des Menschen zu höherer Organisationsstufe käme
-dann sehr viel darauf an, daß die bedeutendsten Männer eine möglichst
-große Anzahl von Kindern erzeugten.
-
-Wie stimmt unsere gegenwärtige Ordnung der Dinge mit der Erfüllung
-dieser Forderung überein? -- -- --
-
-Ein Überblick über diese ganze psychologische Auseinandersetzung sei
-noch zum Schlusse hinzugefügt:
-
-I. _Unser Bewußtsein hat Mängel; es sind das folgende_:
-
-1. Die Langsamkeit des Denkens.
-
-2. Die Unfähigkeit, den Willen nach Belieben von Vorstellungen
-loszureißen:
-
-a) Von den Gedanken und Vorstellungen überhaupt, die einem zur Zeit
-unerwünscht sind.
-
-b) Von den eigentlichen Unlustgefühlen.
-
-c) Von unnötigem Achten auf sich selbst.
-
-d) Von Vorstellungen, denen überhaupt kein Äquivalent in der
-Wirklichkeit entspricht (die z. B. _unbegründete_ Sorgen ausmachen).
-
-II. _Diese Mängel sind gleichbedeutend mit Hemmungen oder Widerständen
-im Bewußtseinsstrome._
-
-III. _Diese Widerstände erzeugen das empirische (spezifisch
-menschlich-tierische) Bewußtsein._
-
-IV. _Aber Bewußtsein besitzen wir auch dann, wenn die Hemmungen fehlen.
-Daher unterscheide ich dieses letztere als Bewußtsein an sich von jenem
-empirischen Bewußtsein. Dieses ist ein Spezialfall des Bewußtseins an
-sich, eine Modifikation von ihm._
-
-V. _Den idealen Erkenntnisvorgang besitzen wir in der äußeren
-Wahrnehmung: denn hierbei folgt die Erkenntnis (das Urteil) sofort auf
-die Vorstellungen. Ebenso besitzen wir im Verein damit den idealen
-Willensvorgang in der Bewegung im Raume: denn wir können ihn mit
-unfehlbarer Sicherheit und scheinbar mühelos ausführen. Bei dieser Art
-von Erkenntnis und Willenshandlung fehlen Widerstände._
-
-VI. _Dieses Ideal sollte daher auch im höheren Denken erreicht werden._
-
-VII. _Der Weg dazu besteht einmal in dem Fortschritt der Organisation
-der Hirnrinde. Das andere Mal können wir uns durch Selbstverleugnung
-einigermaßen dem Ziele nähern. Denn durch sie wird in hohem Grade der
-Wille von den unerwünschten Vorstellungen (s. I, 2) losgerissen._
-
-VIII. _Im übrigen ist Auslese das Mittel zur Erreichung des Zieles
-seitens der Menschheit._
-
-IX. _Genialität und Altruismus sind die Merkmale, die offenbar in
-Zusammenhang stehen mit der Erreichung dessen, was unsere
-psychologische Analyse als erwünscht aufgezeigt hat._
-
-X. _Es läßt sich annähernde Automatie der Bewußtseinsvorgänge denken
-ohne Aufgebung der Fähigkeit zur Bearbeitung neuer Erfahrungsdata und
-neuer Probleme._
-
-XI. _Niemals wird es sich handeln um Unbewußtsein überhaupt: denn
-Bewußtsein ist an sich etwas Besonderes. Dagegen wird (wahrscheinlich)
-das empirische Bewußtsein immer mehr eingeschränkt werden, in dem Maße
-nämlich, als die Widerstände im Gehirn mit seiner steigenden
-Organisation abnehmen._
-
-XII. _Die Menschen fühlen das empirische Bewußtsein als etwas
-Qualvolles und streben mit seltener Einmütigkeit nach seiner
-Unterdrückung._
-
-XIII. _Der höhere Mensch wird die Werte als Instinkte besitzen --
-annähernd._
-
-XIV. _Die Weiterentwicklung des Geisteslebens wird in der Richtung
-stattfinden, daß Selbsttätigkeit auch in seinen fortgeschritteneren
-Stufen Platz greift, wie es jetzt bei der Wahrnehmung der Fall ist. Die
-Vorstellungen werden nicht mehr getrennt von und neben den
-Erkenntnissen im Bewußtsein bemerkbar sein._
-
-
-2. Die Erblichkeit.
-
-Zunächst sei auf das früher (S. 13) über die Erblichkeit Gesagte
-hingewiesen. Auch geistige Eigenschaften sind wie andere angeborene
-Merkmale erblich, da ihre Eigenart beim Menschen von der Beschaffenheit
-seines Gehirns abhängt, und diese mit auf die Welt gebracht wird. Das
-stimmt auch mit der Erfahrung überein: nur das Genie scheint eine
-Ausnahme zu machen. Doch sind uns die einzelnen Faktoren, die bei der
-Beurteilung der Frage der Erblichkeit des Genies berücksichtigt werden
-müssen, nicht genügend bekannt. Das Genie ist die höchste Spitze
-menschlicher Entwicklung und ruht als solche auch auf der subtilsten
-anatomischen Unterlage im Körper. Die geringste Inkongruenz in der den
-Samen aufnehmenden Eizelle wird eine Ablenkung herbeiführen können.
-Auch kommt es gar nicht auf die Vererbung derselben genialen Fähigkeit,
-wie sie der Vater hat, an, sondern nur auf diejenige seiner geistigen
-Höhe im allgemeinen. Ferner hat die Menschheit bisher nicht die
-geringste Rücksicht auf eine in geistiger Hinsicht passende Gattenwahl
-genommen. Die herrschenden Anschauungen haben auch die Hervorbringung
-möglichst zahlreicher spontaner Variationen durch den genialen Vater,
-wie es dem Manne ja die Natur ermöglicht hat, und wozu ihn sein
-polygamer Instinkt mit Macht antreibt, verhindert. Endlich wissen wir
-nicht, ob jene Redensart wahr ist, die behauptet, daß das Genie sich
-immer Bahn breche: _vielleicht_ gehen viele Genien -- wenn auch nicht
-die allergrößten -- unter, ohne Gelegenheit gefunden zu haben, sich als
-solche zu offenbaren.
-
-Wie Forel angibt, hat übrigens _Alphonse de Candolle_ »in seiner
->Histoire de la science et des savants< den unzweideutigen
-Beweis geliefert, daß die Nachkommenschaft bedeutender und
-tüchtiger Menschen eine unverhältnismäßig größere Zahl wiederum
-hervorragender und tüchtiger Menschen aufweist als diejenige der
-unbedeutenden, ...«[58] -- -- --
-
-Die Erblichkeit der Merkmale ist natürlich eine unerläßliche Bedingung
-für die Bildung von Dauerformen. Da Milieumerkmale nur in geringem
-Grade erblich sind, so kommt es für die Verbesserung der Rasse weitaus
-am meisten auf die angeborenen Eigenschaften an.
-
-
-3. Genügende Fruchtbarkeit.
-
-Je größer die Fruchtbarkeit ist, desto mehr verschiedene spontane
-Variationen werden entstehen. Je mehr aber dies letztere der Fall ist,
-desto größer wird wiederum die Aussicht für das Vorhandensein von
-wertvollen unter ihnen sein. So hat denn auch wahrscheinlich für die
-Bildung der Menschenrassen und verschiedenen Tierformen ein starker
-Geburtenüberschuß in der Vergangenheit eine bedeutsame Rolle gespielt.
-
-Bei dem hier zur Hervorbringung einer höheren Menschenform vorgelegten
-Plane könnte jedoch die Forderung von überschüssiger Fruchtbarkeit
-weitgehende Einschränkung erfahren, weil die planvoll, dauernd und
-bewußt durchgeführte Gattenwahl allein schon die Entstehung
-hochwertiger Varianten gewährleistet. Dennoch darf man in der
-Herabsetzung der Geburtenziffer selbstredend nicht zu weit gehen: ein
-nicht allzu kleiner Geburtenüberschuß bleibt immerhin wünschenswert.
-Denn _das_ ist ja gerade ein Unglück für die Kulturvölker, daß die
-höheren Klassen so wenig Kinder haben im Vergleich zu den unteren.
-Außerdem findet ein fortwährendes Abströmen der besten Elemente,
-namentlich vom Lande, nach den höheren sozialen Schichten statt, in
-denen sie, bezw. ihre Nachkommen, bald die Gewohnheiten der neuen
-Umgebung annehmen. Darin liegt denn in der Tat ein unleugbarer
-degenerativer Einfluß: es ist eine Art Aufsaugung und Ausscheidung des
-besten Materials. Auch hierin müßte die neue Lebensordnung also
-gründlichen Wandel schaffen. Doch würde sie dann mit der Malthus'schen
-Lehre, selbst bei Annahme der vollen Gültigkeit derselben, nicht in
-Konflikt geraten: denn es sollen sich nur die tüchtigsten Individuen
-stärker fortpflanzen und die minderwertigsten mehr oder weniger davon
-abgehalten werden. Übrigens wird jene Lehre ja neuerdings auch stark
-angefochten. Auch liegt keineswegs im Gesagten eine _übermäßige_
-Inanspruchnahme der Frau.
-
-
-4. Auslese und Reinzucht.
-
-
-a) Mittel, durch welche die Auserlesenen einander als solche erkennen
-können.
-
-Soll der Plan, durch Auslese der Vollkommensten und Reinzucht zwischen
-ihnen eine höhere Form des Menschen hervorzubringen, praktisch
-ausführbar sein, so müssen die geeigneten Partner einander als solche
-erkennen können. Ich deute daher einige Mittel an, die dazu dienlich
-sein dürften, jedoch ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
-
-1. Anlegung von Stammbäumen der geistigen Aristokratie seitens der
-Gemeinden, in welche die Partner Einblick zu ihrer Vergewisserung über
-ihre gegenseitigen erblichen Eigenschaften nehmen könnten. Natürlich
-müßten diese Stammbäume zugleich auch über den körperlichen Zustand der
-Vorfahren Aufschluß geben.
-
-2. Beobachtungen der Leistungen und des Vorlebens des Partners. Daraus
-sind gewisse Schlüsse auf seine geistigen Eigenschaften möglich.
-
-3. Einprägung der Merkmale der Geistesgröße, wie sie in der
-betreffenden Tafel niedergelegt sind.
-
-4. Einprägung der körperlichen Eigenschaften, wie ich sie unter III, 1,
-b und c angegeben habe.
-
-5. Ausbildung der Fähigkeit, den Charakter zu beurteilen. Jeder Mensch
-besitzt sie mehr oder weniger von Natur. Das Interesse an unserem Plane
-würde selbsttätig diese Fähigkeit rasch bedeutend steigern;
-Beschäftigung mit Anthropologie und Psychologie, auch mit der
-Geschichte, würde das noch unterstützen.
-
-6. Der »_Instinkt für den geeigneten Gatten_«. Dieser bildet weitaus
-das wichtigste Mittel zur Erkennung des passenden Partners. Zunächst
-muß ich auf das in der Tafel der Kennzeichen der Geistesgröße über den
-Instinkt im allgemeinen Gesagte verweisen (S. 31). Diesem sei noch
-folgendes Nähere hinzugefügt: Jeder einigermaßen gut organisierte
-Mensch hat ein Bewußtsein von einem bestimmten Typus des andern
-Geschlechts, der zu ihm am besten paßt, und zu dem er sich daher
-geschlechtlich hingezogen fühlt. Selbstredend wird dieser Typus durch
-eine Mehrheit von Individuen dargestellt. Trifft ein Mensch ein solches
-an, so besteht die Gefahr, daß er sich in es »verliebt«. Diese Art von
-Liebe ist identisch mit der in den Romanen geschilderten. Sie ist das,
-was die Menschen im landläufigen Sinne des Wortes »Liebe« oder
-»Verliebtheit« nennen, und was sie für etwas besonders »Heiliges« und
-»Ideales« halten. Darin irren sie aber: jene Liebe beruht auf einer
-Wahnidee, was beweisbar ist: sie erlaubt nämlich nur, das _eine_
-Individuum als geeigneten Gatten anzuerkennen; es ist aber klar, daß
-andere Vertreter desselben Typs ebenso geeignet wären. Es ist diese
-romanhafte Liebe also eine zur Gattung der Paranoia gehörige Wahnidee
-oder Psychose.
-
-Dagegen ist Zuneigung zu dem ganzen betreffenden Typus als solchem
-berechtigt. Ebenso ist eine mehr geistige Liebe berechtigt, die zwar
-auf dem Unterschied von Mann und Weib beruht, auf der gegenseitigen
-Ergänzung, nicht aber auf dem Geschlechtstrieb, oder doch nur in sehr
-lockerem Zusammenhang mit ihm steht.
-
-Je bessere Rasse nun ein Mensch besitzt, desto deutlicher ist sein
-Instinkt für den geeigneten Gatten ausgebildet.[59]
-
-_Nach allem_: Der Gatteninstinkt ist nicht identisch mit »Liebe«,
-sondern leitet den Menschen in objektiver unbewußter Erkenntnis zu den
-für ihn tauglichsten Partnern. Die Liebe dagegen maßregelt oft diesen
-Instinkt und lenkt ihn ab: ein Mensch fängt an irgend einer, oft genug
-nebensächlichen oder minderwertigen Eigenschaft eines Individuums vom
-andern Geschlecht Feuer. Es erregt zum Beispiel irgend ein geistiger
-oder körperlicher Zug an jemandem die fetischistische oder
-masochistische Anlage des andern: rasende Liebe kann die Folge sein,
-die doch dann ganz gewiß mit der Erkenntnis eines geeigneten Gatten
-nichts gemein zu haben braucht. Solch ein Verliebter steht unter dem
-Banne von Auto- oder Fremdsuggestion, welch letztere als eben von dem
-Gegenstand der Liebe ausgehend zu betrachten ist. Daraus erklären sich
-denn auch die merkwürdigen Verirrungen des Gatteninstinkts. Sie kommen
-ja nicht selten auch bei Frauen vor, die doch sonst einen besonders
-feinen und sicheren Gatteninstinkt besitzen; gerade sie sind aber auch
-suggestibler, was die Verirrung leicht verständlich macht.
-
-Normalerweise aber haben die Frauen einen prächtigen Instinkt für den
-geeigneten Gatten: sie merken die hervorragendsten Männer sofort unter
-der Masse heraus und sehnen sich innerlich nach der Vereinigung mit
-ihnen.
-
-Hochorganisierte Männer haben auch einen recht guten Gatteninstinkt,
-sind aber dennoch weniger wählerisch als Frauen.
-
-Dieser eigentümliche Unterschied in der Strenge der Gattenwahl zwischen
-Männern und Frauen findet seine Erklärung in der _natürlichen_
-Verschiedenheit in der Beschaffenheit beider und ihrer Aufgaben für die
-Fortpflanzung. Männer könnten leicht eine große Anzahl von Kindern
-erzeugen und haben nach dem Akte der Zeugung keinen Anteil mehr an der
-Entstehung des Kindes. Mißgriffe in der Gattenwahl könnten sie daher,
-was ihre physische Fähigkeit anlangt, leicht wieder ausgleichen. Frauen
-dagegen gestattet die Natur hinsichtlich der Zahl nur eine
-verhältnismäßig geringe Anteilnahme an der Hervorbringung der
-Nachkommenschaft. Ihre Hauptaufgabe besteht jedoch in der Entwicklung
-des keimenden Lebens. Sie haben daher ein großes Interesse daran,
-möglichst tüchtige Väter für ihre Kinder auszulesen. -- -- --
-
-Die Möglichkeit, daß die geeigneten Gatten einander erkennen können,
-darf also nicht in Abrede gestellt werden. Der Mensch muß nur die, ihm
-dazu verliehenen Mittel mit ernstem Willen anwenden. Freilich werden
-Irrtümer vorkommen. Das ist aber auf allen empirischen Gebieten der
-Fall und bedingt noch keine Undurchführbarkeit ihrer Aufgaben. Wenn in
-einer gewissen Zahl von Fällen das Rechte getroffen wird, so gelingt
-der Fortschritt, wie die allgemeine Erfahrung lehrt. Auch hinsichtlich
-unseres Planes wird es daher nicht anders sein.
-
-
-b) Die formale Seite der Auslese.
-
-Die logischen Konsequenzen aus allem Vorstehenden würden nun die
-Forderung ergeben, daß die wenigen hervorragendsten Männer mit
-möglichst vielen verschiedenen Frauen möglichst viele Kinder zeugen
-sollten. Die praktische Durchführung dieses Postulats brauchte nicht zu
-der beide Geschlechter entwürdigenden Polygamie zu führen. Außerdem
-würde diese gar nicht einmal in idealer Weise den rein theoretischen
-Schlußfolgerungen aus unsern Überlegungen gerecht werden. Vielmehr
-würde dies nur durch Promiskuität geschehen. Die Durchführung der
-Promiskuität wäre nicht etwa ein Rückfall auf niedere Stufen der
-Entwicklung; denn, wie neuere Forschungen zu ergeben scheinen, besteht
-sie nirgends als der anerkannte Zustand der formalen Regelung der
-Fortpflanzung und des Geschlechtsverkehrs beim primitiven Menschen.
-Vielmehr schließt sich dieser an seine nächsten Verwandten in der
-Tierreihe, die menschenähnlichen Affen, an und lebt wie sie in Ehe. Es
-läßt sich daher viel eher vermuten, daß Promiskuität einem ganz weit
-fortgeschrittenen Zustand der Menschheit entspricht. In der Tat läßt
-sich leicht der Gedankengang durchführen, daß die Verwirklichung der
-höchsten sittlichen Idee, die es überhaupt in der Philosophie gibt,
-nämlich derjenigen der _Humanität_, d. h. der Einheit und Verbrüderung
-aller Menschen (nach Erreichung einer äußerst hohen Organisationsstufe)
-einzig und allein die Promiskuität noch zur Regelung der
-geschlechtlichen Beziehungen zuläßt.
-
-_Dennoch liegt es mir vollständig fern, derartige Forderungen jetzt
-schon aufzustellen_: denn, mag dem Gesagten sein, wie es will, so viel
-muß jeder Praktiker auf den ersten Blick sehen: heute ist die
-Menschheit dafür nicht reif. Die _Einehe_ birgt in sich zahlreiche
-Faktoren von äußerstem Wert für die geistige, sittliche und körperliche
-Integrität und für den Fortschritt der Rasse, auf die im einzelnen
-einzugehen, zu weit führen würde. Ich erinnere nur an das Vorhandensein
-der Geschlechtskrankheiten, den Wert der geistigen Gemeinschaft
-zwischen _einem_ Mann und _einer_ Frau, denjenigen der Erziehung durch
-hochwertige Eltern für die Kinder, den notwendigen Schutz, den Ehe und
-Familie sowohl dem Manne, als auch dem Weibe gewähren usw.
-
-_Demnach muß die Einehe als Grundlage der Gesellschaft (jedenfalls
-vorerst noch auf absehbare Zeit) aufrecht erhalten bleiben, und es kann
-sich nur um die Einführung von Reformen handeln, welche sie in dieser
-ihrer zentralen Bedeutung nicht gefährden._
-
-Es liegt mir viel daran, in diesen beiden Punkten nicht mißverstanden
-zu werden: 1. Als Logiker sehe ich die Konsequenzen meiner Resultate
-völlig klar. 2. Als Praktiker aber behaupte ich dennoch auf das
-bestimmteste, daß sie nicht in einseitiger Weise unser Handeln
-beeinflussen dürfen, daß vielmehr die Einehe als Grundlage der
-Gesellschaft bestehen bleiben muß. Der Grund für diese Entscheidung
-liegt in der Tatsache, daß es eben hier wie immer, wo das Praktische in
-Frage kommt, _nicht nur eine, sondern eine Reihe von Schlußketten
-gibt_. Das Übersehen dieser Tatsache ist es, was so oft die
-Reformatoren zu falschen und in ihrer Wirkung schädlichen
-Schlußfolgerungen verleitet: an _einer_ Stelle kommt plötzlich eine
-andere Schlußkette in Betracht, die der ersten Halt gebietet. Es
-handelt sich dabei nicht etwa um Widersprüche, sondern um die
-Mannigfaltigkeit des Gebietes der Tatsachen, des Werdens und Vergehens,
-der Erfahrung, der Natur, des Lebens, die sich nicht in die Zwangsjacke
-eines vereinzelten logischen Gedankengangs einschnüren läßt.
-
-Aber gewisser Reformen sind unsere, auf das Geschlechtsleben und die
-Fortpflanzung sich beziehenden Sitten und Anschauungen freilich
-bedürftig. Ich beschränke mich bei ihrer Anführung streng auf den
-Gesichtspunkt unseres _Zieles_, nämlich der Rassenveredelung. Da fällt
-es zunächst auf, daß die zahlreichen hochwertigen Frauen, die nicht
-heiraten können, dennoch zur Fortpflanzung zugelassen werden sollten,
-damit die hier schlummernden biologischen Werte für die Menschheit
-nicht verloren gehen. Ferner muß die Möglichkeit vorliegen, unpassende
-und unfruchtbare Ehen ohne Nachteil für die Beteiligten lösen zu
-können. Ebenso müssen hochwertige Menschenexemplare freie Bahn zu ihrer
-Verehelichung haben, eventuell durch staatliche Unterstützung.
-
-_Demnach fasse ich kurz die notwendigsten Reformen, die eingeführt
-werden sollten, folgendermaßen zusammen_:
-
-1. _Fürsorge für Mütter und Kinder, zumal außerhalb der Ehe._
-
-2. _Anerkennung der Gleichberechtigung unehelicher Mütter und Kinder._
-
-3. _Erleichterung der Bedingungen für Schließung und Trennung der Ehen,
-sofern dadurch dem Wohl der Rasse gedient wird._
-
-Da immer das Interesse der _Gesamtheit_ vorausgesetzt wird, um den
-Vorschlägen Berechtigung zu verleihen, so muß hervorgehoben werden, daß
-die staatliche Fürsorge auch von Rechts wegen nur dann in Frage kommen
-könnte, wenn es sich um hochwertiges Menschenmaterial handelt. Um aber
-dann Enttäuschungen zu vermeiden, müßte dieser Punkt _vor_ der Zeugung
-entschieden werden. Dies könnte wohl nur etwa so geschehen, daß
-Kommissionen bestehend aus Ärzten und Anthropologen eingesetzt würden,
-an die ein Paar (verheiratet oder ledig), das ein Kind zu zeugen
-wünscht, sich zuvor wenden könnte, um ein Gutachten zu erlangen. Dieses
-wäre selbstredend für den Staat bindend, auch dann, wenn sich nach der
-Geburt das Kind entgegen menschlicher Berechnung als minderwertig
-herausstellen sollte. -- -- --
-
-Es ist durchaus eine Verkennung des Menschen zu behaupten, die
-Einführung solcher gemäßigter und ganz vernünftiger Reformen würde die
-Sittlichkeit gefährden. Es liegt vielmehr die einzige Möglichkeit zur
-Rettung der Menschheit aus ihrem Egoismus und ihrer materialistischen
-Versumpfung, ihrem Nachjagen nach niederer Lust, was alles zum
-Untergang der Menschheit führen muß, wenn ihm nicht gründlich Einhalt
-geboten wird, in der Entfaltung einer großen neuen _Idee_. Nur unter
-der Herrschaft von Ideen vermag sich die Menschheit zu behaupten und
-fortzuschreiten. Unserer Zeit aber fehlen mächtig auf die Seelen der
-Menschen einwirkende Gedanken! Hier ist jetzt eine solche Idee, welche
-die Menschheit bezüglich ihrer höchsten Werte bis ins Mark hinein
-berührt und Allgemeingültigkeit besitzt!
-
-_So wird denn hier meines Wissens zum erstenmal die brennende Frage
-der Ehereform unter dem Gesichtspunkt des Zieles behandelt,
-desjenigen nämlich der Vervollkommnung der Menschheit, ihres
-entwicklungstheoretischen Fortschritts._ -- -- --
-
-Wir dürfen des weiteren die Augen nicht gegenüber der Tatsache
-verschließen, daß die Richtung, in der sich das moderne Weib
-entwickelt, mit der Erhaltung der Rassentüchtigkeit auf die Dauer nicht
-vereinbar ist, geschweige denn mit deren Steigerung. Sie verliert immer
-mehr die Liebe zu ihrem _natürlichen_ Beruf. Nur die Einstellung
-unseres gesamten Lebens unter den Nimbus einer großen neuen Idee kann
-sie wieder zur Besinnung auf ihre natürliche Bestimmung bringen: _sie
-muß einsehen, daß sie bei Erfüllung ihres eigentlichen Berufs an der
-Erreichung eines allgemeinen Endzieles der Menschheit mitwirkt_. Dann
-wird sie die Freude an diesem ihrem Beruf zurückgewinnen. Dabei bleibt
-ihr noch Zeit genug zu einer geistigen Entfaltung, die nicht über das
-hinausstrebt, was das Weib in dieser Hinsicht noch ohne Schaden
-vertragen kann, und die in diesen Grenzen durchaus berechtigt und ein
-Symptom des menschlichen Fortschritts überhaupt ist.
-
-
-c) Die Reinzucht.
-
-Nicht nur Auslese, sondern auch _Reinzucht_ ist für die Entstehung der
-neuen und höheren Menschenform nötig. Sie ist nicht mit Eng- oder
-Inzucht zu verwechseln; darunter versteht man die Paarung zwischen
-Blutsverwandten. Unter der Reinzucht der Vollkommensten verstehe ich
-die Paarung zwischen den vollkommensten Männern und Frauen ohne
-Kreuzung mit niederen Individuen. Dabei ist entfernte Verwandtschaft
-freilich kein Hindernis. Nur darf sich die Gattenwahl nicht andauernd
-auf denselben kleinen Kreis beschränken. Denn »fortgesetzte Inzucht«,
-sagt Chamberlain, »innerhalb eines sehr kleinen Kreises, das, was man
->Engzucht< nennen könnte, führt mit der Zeit zur Entartung und
-namentlich zur Sterilität. Zahllose Erfahrungen der Tierzucht beweisen
-das.«[60]
-
-Es muß sich bei den Vollkommensten ein »Rassegefühl« ausbilden, kraft
-dessen sie die Paarung mit andern ablehnen. Völker und Individuen, ja
-wahrscheinlich schon Tiere, relativ reiner Rasse haben in der Tat ein
-solches Rassegefühl. Für uns sind heute die Engländer das beste
-Beispiel dafür: wie mir ein gelehrter deutscher Weltreisender erzählte,
-heiratet ein Engländer in den Kolonien nur äußerst selten eine
-Nichtengländerin, und dann meistens eine stammesverwandte Deutsche oder
-Skandinavierin.
-
-
-5. Blutmischung und Herkunft der Varianten.
-
-Die Frage der Blutmischung erledigt sich nach unsern bisherigen
-Ausführungen fast von selbst: zu vermeiden ist die Kreuzung mit
-minderwertigen Individuen und mit niedrigen Rassen. Innerhalb der
-europäisch-nordamerikanischen Kulturvölker soll aber dann ein weiterer
-Rassenunterschied nicht mehr maßgebend sein. Denn hier kommt es dann
-nur noch auf die _individuelle_ Tüchtigkeit an: ließen sich doch die
-Merkmale geistiger und körperlicher Vollkommenheit ohne die
-Voraussetzung bevorzugter bestehender Rassen auffinden; wer sie auch
-immer besitzt, soll demnach als ein für die Reinzucht der
-Vollkommensten Auserlesener gelten.
-
-Blutmischungen spielen bei der Entstehung einer vorzüglichen Rasse
-offenbar eine bedeutsame Rolle. Ich folge Chamberlains Ausführungen
-hierüber.[61] Darnach ist Vermischung mit nahe verwandten hohen Typen
-günstig; sie muß aber zeitlich eng begrenzt und dann von strenger
-Reinzucht gefolgt sein. »Mit zeitlicher Beschränkung,« schreibt
-Chamberlain, »will ich sagen, daß die Zufuhr neuen Blutes möglichst
-schnell vor sich gehen und dann aufhören muß; fortdauernde
-Blutmischung richtet die stärkste Rasse zugrunde« (S. 284). Stehen die
-sich vermischenden Formen einander fern, so muß vollends die
-Vermischung eine seltene und von sorgfältigster Reinzucht gefolgte
-sein. Dies sind die allgemeinen Grundsätze, wie sie _bisher_ zur
-Bildung der hochwertigsten Rassen geführt haben. Ihre Anwendung auf
-unser Problem ist natürlich nur unter gewissen sinngemäßen
-Modifikationen möglich.
-
-Wir dürfen nämlich, um Begriffsverwirrung nicht aufkommen zu lassen,
-nie unsern _leitenden_ Gesichtspunkt aus den Augen verlieren. Es soll
-eine neue und höhere Form des Menschen nach besonderen Grundsätzen
-hervorgebracht werden: die Hauptrichtung der Entwicklung soll
-weitergeführt werden. Diese Hauptrichtung besteht in der
-Zunahme der geistigen Fähigkeiten; diese sollen also noch mehr
-vervollkommnet werden. Außerdem kommt dazu die weitere Entfaltung der
-menschlichen Körperschönheit als des sichtbaren Ausdrucks des
-entwicklungstheoretischen Fortschritts. Daraus ergibt sich aber
-naturgemäß ein freierer und unabhängigerer Standpunkt für die Herkunft
-des Auslesematerials, der so formuliert werden kann: _Wer auch immer an
-Geist, Charakter und Körperschönheit hervorragt, bildet die Vorstufe
-der neuen und höheren Form und sei als Auserlesener betrachtet_.
-
-Doch habe ich in dem Abschnitt »Die Auserlesenen« angegeben, daß
-Hoheit des Charakters und körperliche Gesundheit bei guter
-Durchschnittsintelligenz und Annäherung des Körpers an die Merkmale der
-Vollkommenheit praktisch als genügend erachtet werden sollen. Darüber
-bin ich dann im folgenden hinausgegangen, ebenso wie auch die letzte
-Formel die Ansprüche strenger faßt. Ich bin mir des kleinen
-Widerspruchs bewußt; doch löst er sich bei sinngemäßer Auffassung
-dessen, was ich meine, auf. Wir müssen einmal das _Optimum, das Ideal_
-klar zeichnen und das andere Mal das _zunächst Erreichbare_ festhalten:
-das Optimum wäre es, wenn die hervorragendsten Individuen allein als
-Auserlesene gelten würden. Da es aber zu wenige Individuen von solcher
-Vollendung gibt und die Durchführung des Postulats auch eine zu große
-Härte gegen die übrige gesinnungstüchtige Menschheit enthalten würde,
-da schließlich aller biologische Fortschritt eben durch Entwicklung
-geschieht, so sehe ich bei der praktischen Forderung von der
-Durchsetzung des Optimums ab, mache also eine durch die Tatsachen sich
-als nötig erweisende Konzession. Wenn die Menschheit einmal zielbewußt
-den rechten Weg überhaupt einschlägt, dann wird es auf diesem
-allmählich immer mehr der Vollkommenheit und der Erreichung des
-Optimums entgegengehen.
-
-Die Auserlesenen leben nun nicht räumlich auf bestimmten Teilen der
-Erde zusammen, sondern können allenthalben in den höheren Kulturvölkern
-gefunden werden. Demnach erhalten wir folgende _Formel für die Herkunft
-der Varianten: Zerstreut durch die ganze Kulturmenschheit findet sich
-eine Anzahl geistig und körperlich hervorragender Individuen: sie
-bilden das Material für die Reinzucht der Vollkommensten._
-
-Diese Forderungen wahren zugleich die Notwendigkeit der Blutmischung
-und der Reinzucht. Denn nach ihnen werden sich innerhalb der höchsten
-Kulturvölker Angehörige verschiedener biologischer Rassen
-zusammenfinden. Das werden aber einander nahe verwandte hohe Formen im
-Hinblick auf die Merkmale sein, die uns leiten. Diese Eigenschaften
-kennzeichnen sie als eine Art Rasse für sich trotz ihrer geographischen
-Zerstreutheit innerhalb aller Kulturvölker. So haben wir bei
-Innehaltung meiner Grundsätze die Tatsache von Blutmischung in
-biologischer Hinsicht und von Reinzucht bezüglich der Eigenschaften,
-die das wahre Wesen echten und höheren Menschentums ausmachen. -- --
-
-Nicht zu verwechseln sind Intelligenz, Begabung, Weisheit, Genialität
-mit Gelehrtheit, nicht Tugend und Güte des Charakters mit bloßer
-Enthaltsamkeit von Lastern oder gar nur von dem, was zur Zeit
-gesellschaftlich verpönt ist. Die ersteren sind angeborene Erbwerte,
-die anderen anerzogene Eigenschaften. Es liegt mir fern, die Sache des
-Bonzen und des Moralphilisters zu verfechten!
-
-Ebensowenig darf ästhetisches Gefühl mit dem modernen Ästhetentum oder
-mit dem zusammengeworfen werden, was R. _Eucken_ Ȋsthetischen oder
-künstlerischen Subjektivismus« nennt.[62] Wiederum ist jenes vorwiegend
-ein Erbwert, dieser dagegen eine nachträglich angewöhnte Haltung, und
-zwar ein Entartungssymptom. Das Ästhetentum soll nach Preisgabe des
-Idealismus als einer Weltanschauung den unrettbaren Untergang im
-krassen und öden, doch immerhin noch ehrlichen Materialismus decken.
-
-Da nun die Werte, auf die es uns ankommt, erbliche sein müssen, so
-kommen sie auch in allen Klassen der Bevölkerung vor, nicht etwa nur
-bei den sozial höheren Schichten. Doch sind sie innerhalb derjenigen
-Klassen, die Generationen hindurch einer höheren Bildung und
-sorgfältigeren Charakterpflege teilhaftig gewesen sind, etwas häufiger
-vorhanden als in andern. So führen also die Grundsätze der Reinzucht
-der Vollkommensten nicht zur Beschränkung des Auslesematerials auf die
-höheren Bevölkerungsklassen. Vielmehr finden sich die geeigneten
-Varianten in allen Schichten. Deswegen sei hier nochmals der Nachdruck
-auf den Wert des Individuums gelegt. Wer auch immer tüchtige Erbwerte
-besitzt, der sei als ein Auserlesener, als die Vorstufe des Heros
-betrachtet.
-
-
-6. Der Instinkt.
-
-In unserer Tafel der Grundsätze (S. 24) ist als letzter noch der
-Instinkt genannt. Über ihn ist aber nichts Besonderes mehr zu sagen, da
-er bereits an andern Stellen behandelt worden ist.
-
-
-
-
-IV. Das System des Geistes.
-
-
-Im Vorausgehenden habe ich eine reinliche Scheidung zwischen geistigen
-und körperlichen Eigenschaften durchgeführt. Ein solcher _glatter
-Dualismus_ zwischen Geist und Körper ist überall der Standpunkt der
-reinen und unverfälschten _Erfahrung_: als Erfahrung ist er Tatsache:
-darüber, daß unsere Erfahrung uns nirgends Monismus, sondern auf allen
-Gebieten den klar ausgesprochenen Dualismus zwischen Geist und Materie
-gibt, gibt es nichts zu unterhandeln, zu diskutieren. Denn _Tatsachen_
-stehen fest.
-
-Für die Psychologie bestätigt James, der mit ungeheurer Strenge
-beflissen ist, die wirkliche und reine psychologische Erfahrung ohne
-Beimengungen unseres Denkens zu schildern, diesen Dualismus. Er sagt:
-»Die Stellung des Psychologen gegenüber dem Erkennen ... ist ein
-durchgreifender Dualismus. Sie nimmt zwei Elemente an, den erkennenden
-Geist und das erkannte Ding und behandelt sie als nicht aufeinander
-zurückführbar.« ...[63]
-
-Erst wenn man jetzt im Denken hinter die Erfahrung zurückgeht und
-Metaphysik treibt, kommt man auf das Gebiet der Diskussion, nämlich
-darüber, ob man das Urprinzip der Welt noch als eine Zweiheit von Geist
-und Stoff oder als eine Einheit auffassen soll. Im letzteren Fall
-stehen -- allgemein gesprochen -- zwei Lösungen zur Verfügung, der
-materialistische und der idealistische Monismus. Wenn man einmal zur
-Annahme eines idealistischen Prinzips gelangt ist und dann noch
-behauptet, es sei unstatthaft, noch Genaueres über dessen Wesen
-auszusagen, so beruht das auf erkenntnistheoretischer Vornehmtuerei:
-vielmehr muß es dem gesunden Menschenverstand auf den ersten Blick klar
-sein, daß ein idealistisches Prinzip der Welt gleichbedeutend ist mit
-einem geistigen. Das läßt sich auch noch sonst sehr triftig begründen;
-darüber aber kann ich mich hier nicht verbreiten.
-
-Insbesondere erkenntnistheoretische Erwägungen führen nun zur Annahme
-eines einheitlichen Weltgrundes, also des Monismus, und zwar des
-idealistischen oder _Monismus des Geistes_. Denn der _materialistische
-Monismus_ spielt zwar in den unklaren Köpfen der Masse noch eine große
-Rolle, -- _existiert_ in der wissenschaftlichen Philosophie aber
-_überhaupt nicht_ mehr! _Windelband_ z. B. bezeichnet den Versuch, »das
-Bewußtsein als Nebenfunktion der Materie« aufzufassen, »als
-Absurdität.«[64]
-
-Es hängen aber alle geistigen Vorgänge im Menschen von der
-Beschaffenheit des Organs des Geistes in ihm, seines Gehirns ab. _Das_
-ist wiederum Erfahrung, also Tatsache; darum habe ich auch an allen
-Stellen des Vorhergehenden diesen Standpunkt streng festgehalten: er
-ist ja überhaupt die Voraussetzung für die Nützlichkeit von
-Höherzüchtung des Menschen in geistiger und sittlicher Hinsicht. Nicht
-aber _erzeugt_ das Organ des Geistes den Geist: dies ergeben
-philosophische Überlegungen -- und auch Intuition. Diesen Standpunkt
-habe ich besonders in dem Abschnitt: »Das Organ des Geistes« vertreten:
-ja, ich habe ihn hier gewissermaßen von der Erfahrung ausgehend von
-neuem begründet, auf neue Art die alte Wahrheit wieder frisch
-aufgefunden.
-
-_Niemand kann_ leugnen, daß in dieser Abhandlung zwei streng
-wissenschaftliche Standpunkte in reinster Harmonie miteinander
-dastehen: einmal der Standpunkt naturwissenschaftlicher Erfahrung, daß
-alle geistige Betätigung im Menschen von seinem Gehirn abhängt; das
-andere Mal der Standpunkt wissenschaftlicher Philosophie und des
-gesunden Menschenverstandes, daß der Geist und das Bewußtsein an sich
-sind und nicht im Gehirn _erzeugt_ werden können. -- -- --
-
-Ist der Monismus des Geistes Wahrheit, dann muß auch der Mensch sich
-restlos als Geist auffassen lassen, -- und das geht in der Tat
-zwanglos. Doch ist der Gedankengang, der dazu führt, ein unabhängiger
-und beruht nicht auf der Voraussetzung des Monismus des Geistes.
-Vielmehr hilft er ihn begründen.
-
-Ich erinnere zunächst an die terminologische Klarstellung (S. 26). Dort
-sahen wir, daß alles Geistige überhaupt aus den drei Grundklassen
-Denken (Erkennen etc.), Wollen und Fühlen besteht.
-
-Zum Denken gehört das Gebiet der Wahrheit, zum Wollen das des Guten,
-der Sittlichkeit, des Charakters und der Gesinnung, zum Gefühl das der
-Schönheit. Denn das Schöne ist Gegenstand des ästhetischen Gefühls. Des
-näheren ist es das Schöne in Formen, Farben, Tönen und Bewegungen, das
-den Gegenstand der Ästhetik ausmacht. Alles das aber ist _sinnlich_
-wahrnehmbar, nämlich durch unsere zwei höchsten Sinne: Gesicht und
-Gehör. Das liegt schon in dem Wort Ästhetik.[65] Dann aber ist das
-Schöne im Menschen nicht nur sein ästhetisches Gefühl, sondern auch
-seine eigene sinnliche Wahrnehmbarkeit: diese aber wird dargestellt von
-seinem Leib. Demnach ist der Leib des Menschen eine Offenbarung des
-Prinzips der Schönheit, also des Geistes, und _der Mensch ist restlos
-begriffen als eine Funktion der drei ewigen Ideen des Wahren, Guten und
-Schönen_. Denn sein Geist (Erkenntnis, Wille, Gefühl) und sein Körper
-(Schönheit als zum ästhetischen Gefühl gehörig) gehen rein in ihnen
-auf.[66]
-
-Um in der Terminologie keine Unklarheit aufkommen zu lassen, bemerke
-ich, daß hierbei Geist in beiden Bedeutungen gemeint ist: als Gegensatz
-zur Materie und als höheres geistiges Prinzip. Wenn aber die
-Zurückführung alles Körperlichen auf Geist als auf das an sich seiende
-Prinzip der Welt gemeint ist, dann ist die zweite Bedeutung die
-ausschlaggebende: denn der Geist an sich ist der reine Geist im
-unbedingten, absoluten Sinne, gleichbedeutend mit Vernunft und Logik.
-Nach der terminologischen Auseinandersetzung muß es jedem klar sein,
-daß Vernunft nicht Verstand ist: Vernunft umfaßt das ganze
-Geistesleben, auch das Gefühl, nur ist hierbei aus ihm alles Niedere
-und Unberechtigte ausgeschieden: Vernunft, Logik und Geist in seiner
-höheren Bedeutung sind also der Inbegriff des vollkommenen und idealen
-Geisteslebens in _allen_ drei Sphären, derjenigen der Erkenntnis, des
-Willens und des Gefühls. Den Sphären entsprechend unterscheide ich denn
-auch theoretische, praktische und ästhetische Vernunft. -- -- --
-
-Ist nun der Mensch eine Funktion der Ideen der Vernunft oder des
-Geistes (jetzt immer in der zweiten Bedeutung gebraucht), dann geziemt
-es ihm auch, sein Wollen und Handeln mit Geist zu durchdringen, logisch
-zu gestalten. Wir haben das _Ziel_ und den _Weg_ zu diesem zu
-unterscheiden. Das Ziel ist Vollkommenheit. Diese also besteht in der
-völligen Erhebung des Menschen auf die Höhe des Wahren, Guten und
-Schönen, d. h. in der Verkörperung dieser Ideen in ihm.
-
-Demnach kann ich nunmehr die letzte und genaueste Definition des
-Zuchtzieles geben: _Das Zuchtziel ist die Einbettung des Geistes in den
-Menschen._ Ist somit das Ziel alles Lebens auf der Erde die
-Verwirklichung von Geist in der Kreatur, dann besteht das vorhin
-Gesagte zu recht: auch der Weg dazu muß auf die Stufe des Geistes oder
-der Vernunft projiziert werden. Dies geschieht, wenn _der_ Weg gewählt
-wird, den ich angegeben habe. -- -- --
-
-Die _Liebe_ als die schaffende und erhaltende, also dem Gesetz des
-Lebens entsprechende Manifestation des Geistes, wird auch in einer
-durchgeistigten und nach logischen Gründen handelnden Menschheit
-selbstredend bestehen bleiben: sie wird herrlichere Früchte tragen denn
-je zuvor. Aber auch sie wird auf die Stufe des Geistes projiziert sein.
-Dann wird sie sich äußern in ihrer Reinheit, nämlich als
-Selbstverleugnung: Selbstverleugnung der Gatten, überhaupt des Mannes
-und des Weibes, voreinander -- das ist die Liebe zwischen Mann und Weib
-auf die Stufe der Vernunft übertragen: das ist die Logik in der Liebe
-der Geschlechter zueinander. Ein erbärmlicher Wicht, der sie in dieser
-Reinheit für etwas Ärmeres hält als das, was die Menschen jetzt
-gewöhnlich unter »Liebe« verstehen! -- -- --
-
-So ist der Mensch und all sein Treiben, alles, was ihn angeht, als ein
-Ausschnitt aus einem großen System des Geistes restlos begriffen, und
-dies geschah in drei Aussagen:
-
-1. Der Mensch ist selber ganz eine Funktion des Geistes.
-
-2. Deshalb soll auch sein Wollen und Handeln durchgeistigt, vernünftig
-sein.
-
-3. Die Liebe äußert sich auf dieser Stufe als Selbstverleugnung.
-
-Der Mensch soll nach allem einsehen, daß die Preisgabe seiner
-kleinlichen sentimentalen Rücksichten und der Aufschwung auf die Höhe
-reinen Geisteslebens ihn nicht ärmer, sondern weit reicher machen, das
-Dasein erst zu wahrem Leben gestalten. Freilich bedarf es dazu einer
-heroischen Auffassung des Lebens von Mann und Weib und entschlossener
-Abwendung vom Philistertum, der Hinlenkung auch des Willens auf das
-Allgemeine und Absolute, auf die wahren Werte der Persönlichkeit.
-
-So möge denn die Blüte der Menschheit unter dem Banner des Geistes über
-das Philistertum hinwegschreitend den Aufstieg zu größerer Vollendung
-antreten!
-
-[Illustration]
-
-
-FUSSNOTEN:
-
-[1] Den Leser, der sich für meine Weltanschauung interessiert, verweise
-ich auf mein Buch: »Idealistische Sittenlehre und ihre Gründung auf
-Naturwissenschaft«, Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig, 2 M.
-
-[2] _Richard Semon_: Die Mneme als erhaltendes Prinzip im Wechsel des
-organischen Geschehens. Leipzig, 1904, Verlag Wilh. Engelmann. Ich
-benutze Forels Wiedergabe der Lehre in seiner: »Die sexuelle Frage.«
-1907, S. 13-18.
-
-[3] Forel, a. a. O., S. 16 und 17.
-
-[4] Eine kurze Zusammenfassung der Kritik findet sich in meiner
-Idealistischen Sittenlehre auf Seite 25 und 26.
-
-[5] Moritz Wagner: Über die Darwin'sche Theorie in Bezug auf die
-geographische Verbreitung der Organismen (Sitzungsberichte der K.
-Bayer. Akademie der Wissenschaften, 1868, Bd. I, Seite 373).
-
-[6] Seite 385.
-
-[7] Wagner, a. a. O., Seite 386.
-
-[8] Seite 394.
-
-[9] Seite 375.
-
-[10] Vergl.: _H. S. Chamberlain_: Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts,
-1907, Seite 277-289 und _W. Schallmayer_: Vererbung und Auslese im
-Lebenslauf der Völker. III. Bd. von »Natur und Staat«, 1903.
-
-[11] _G. Vacher de Lapouge_: Über die natürl. Minderwertigkeit der
-niederen Bevölkerungsklassen. Politisch-Anthropologische Revue, VIII.
-Jahrgang, No. 9, Seite 462.
-
-[12] _A. Ploetz_: Die Tüchtigkeit unserer Rasse und der Schutz der
-Schwachen, 1895, Seite 128 und 129.
-
-[13] Siehe darüber meine »Idealistische Sittenlehre« Seite 92ff.
-
-[14] Tusc. disp. I. 33, zitiert nach _R. Eisler_: Wörterbuch der
-Philosophischen Begriffe, 1904, I, Seite 372.
-
-[15] _E. v. Hartmann_: Philosophie des Unbewußten, 1872, S. 631.
-
-[16] _A. Schopenhauer_: Die Welt als Wille und Vorstellung, 1877, I.
-Band, Seite 219.
-
-[17] A. a. O., Seite 218.
-
-[18] _James_: The Principles of Psychology, 1891. Im Original heißt es:
-».... the entire organism may be called a sounding-board, which every
-change of consciousness, however slight, may make reverberate.« H.
-Band, Seite 450.
-
-[19] Sexuelle Ethik, Seite 28.
-
-[20] A. a. O., I, Seite 705.
-
-[21] A. a. O., I, Seite 515.
-
-[22] Bei Mac Millan & Co., New-York etc., 1908.
-
-[23] M. Sauerlandt: Griechische Bildwerke, 1908.
-
-[24] Vergl. _O. Hauser_: Der physische Typus des Genies des Altertums;
-Politisch-Anthropolog. Revue, VIII. Jahrgang No. 9, und _H. S.
-Chamberlain_, a. a. O., Seite 486 und 500-501.
-
-[25] _H. Ploss_: Das Weib, 1896, Seite 13.
-
-[26] A. a. O., Seite 52.
-
-[27] A. a. O., Seite 52.
-
-[28] A. a. O., Seite 54.
-
-[29] A. a. O., Seite 55.
-
-[30] _J. Ranke_: Der Mensch, 1889, II. Band.
-
-[31] Ploss, a. a. O., Seite 57.
-
-[32] _C. H. Stratz_: Die Schönheit des weiblichen Körpers, 1908 Seite
-2.
-
-[33] Aus Eisler, a. a. O., II, Seite 299.
-
-[34] A. a. O., Seite XVII.
-
-[35] A. a. O., Seite 360 ff.
-
-[36] A. a. O., Seite 276.
-
-[37] A. a. O., Seite 278.
-
-[38] A. a. O., Seite 280.
-
-[39] _Havelock Ellis_: Die Gattenwahl beim Menschen, deutsch, 1906,
-Seite 181-190.
-
-[40] _Ploetz_, a. a. O., Seite 117-127.
-
-[41] _Ploss_, a. a. O., Seite 22.
-
-[42] _Ploss_, a. a. O., Seite 23.
-
-[43] _Ploss_, a. a. O., Seite 24.
-
-[44] _Ploss_, a. a. O., Seite 25.
-
-[45] _Ploss_, a. a. O., Seite 25.
-
-[46] _Ploss_, a. a. O., Seite 25.
-
-[47] A. a. O., Seite 25.
-
-[48] C. L. _Schleich_: Schmerzlose Operationen, 1906, Seite 88-97.
-
-[49] A. a. O., Seite 97.
-
-[50] _James_, a. a. O.
-
-[51] _A. Höfler_: Grundlehren der Psychologie, 1905, Seite 66.
-
-[52] A. a. O., Seite 9.
-
-[53] _W. Wundt_: Grundriß der Psychologie, 1907, Seite 323.
-
-[54] _James_ sagt: »There is a general principle in Psychology that
-consciousness deserts all processes where it can no longer be of use.«
-(A. a. O., II, Seite 496).
-
-[55] »All consciousness seems to depend on a certain slowness of the
-process in the cortical cells. The rapider the currents are, the less
-feeling they seem to awaken.« (A. a. O., II, Seite 104).
-
-[56] A a. O., II, Seite 367-369.
-
-[57] G. H. Th. _Eimer_: Die Entstehung der Arten auf Grund von Vererben
-erworbener Eigenschaften; 1888, Seite 31, 43, 44, 65, 66. (Ich verwerte
-hier nur die angeführte tatsächliche Beobachtung Eimers als solche).
-
-[58] _Forel_: A. a. O., Seite 29 und 30.
-
-[59] Vergl. meinen Aufsatz: Grundzüge der Rassenveredelung,
-Politisch-Anthropolog. Revue, VIII. Jahrg., No. 9. (Dezember 1909).
-
-[60] A. a. O., Seite 282.
-
-[61] A. a. O., Seite 279-287.
-
-[62] R. _Eucken_: Grundlinien einer neuen Lebensanschauung, 1907.
-
-[63] A. a. O., I, Seite 218: »_The psychologists attitude towards
-cognition .... It is a thoroughgoing dualism._ It supposes two
-elements, mind knowing and thing known, and treats them as
-irreducible.«
-
-[64] W. _Windelband_: Lehrbuch der Geschichte der Philosophie, 1903,
-Seite 527.
-
-[65] Ästhetik kommt von dem Griechischen: aisthanomai:
-ich nehme mit den Sinnen wahr, oder aisthêtos: sinnlich
-wahrnehmbar.
-
-[66] Ich verweise hinsichtlich alles dessen nochmals auf meine
-»Idealistische Sittenlehre und ihre Gründung auf Naturwissenschaft«,
-Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung in Leipzig, 1909, Preis M. 2--.
-
-
-
-
-
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-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
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-works.
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-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
-concept of a library of electronic works that could be freely shared
-with anyone. For forty years, he produced and distributed Project
-Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
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