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diff --git a/43335-0.txt b/43335-0.txt new file mode 100644 index 0000000..de71445 --- /dev/null +++ b/43335-0.txt @@ -0,0 +1,671 @@ +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 43335 *** + + NEUE REIHE + BAND 19 + + + + + 1.--5.TAUSEND + + + + + HEINRICH MANN + + DIE EHRGEIZIGE + + NOVELLE + + + + + 1920 + MÜNCHEN + ROLAND-VERLAG DR. ALBERT MUNDT + + + + + +Daß er der Frau des Gemeindesekretärs die schöne Alba Nardini vorzog, mußte +der junge Tenor Nello Gennari mit dem Leben büßen. Frau Camuzzi hatte +geschickt gehandelt; niemand ahnte, sie sei es gewesen, die Alba auf die +Frau des Schneiders eifersüchtig gemacht und sie in solchen Wahnsinn +getrieben hatte, daß sie den Geliebten und sich erstach. Ungefährdet hätte +sie weiterleben können. Vier Wochen später aber verschwand sie aus der +kleinen Stadt. + +Von Florenz schrieb sie ihrem Gatten, daß sie den Gedanken nicht länger +habe ertragen können, sie solle an seiner Seite altern. Denn er habe keinen +Ehrgeiz. Statt sich in die Politik zu werfen, zu handeln, zu steigen, statt +seiner Frau, die nach ihnen lechze, die Höhen der Welt zu erschließen, +halte er sie nieder, lasse sie verkümmern im Dunstkreis seiner trägen +Skepsis; und die Macht in der Stadt behalte ein Marktheld wie der Advokat +Belotti. Noch sei sie jung; und so habe sie denn auf eigene Verantwortung +den Schritt getan, den er sie nicht habe führen wollen. Als Geliebte des +berühmten Künstlers Cavaliere Giordano trete sie in die große Welt ein, der +sie sich gewachsen fühle. Mit vollem Bewußtsein habe sie sich ihr Schicksal +geschaffen. Camuzzi solle nicht versuchen, sie zu hindern, es wäre unnütz. + +Die Wahrheit war, daß sie sich dem alten Giordano nicht aus Ehrgeiz +hingegeben hatte, sondern im Dienst ihrer Rache an Nello Gennari, und daß +sie es schon getan hatte, als er in der kleinen Stadt weilte. Ein +ahnungsloses Wort des alten Sängers hätte das Mißverständnis zerreißen +können, dem der junge erliegen sollte. Darum behielt Frau Camuzzi ihn bei +sich im Zimmer, bis endlich die ganze Operntruppe von dannen war und Nello +sich im Hause des Schneiders verborgen hatte, unwissend, daß er nicht +bestimmt sei, mit Alba zu fliehen, vielmehr mit ihr zu sterben . . . Nun +aber waren sie fort, die Komödianten. Die kleine Stadt, die dank ihnen +kurze Zeit ein gesteigertes Lebensgefühl gekannt hatte, fiel zurück in um +so grauere Nüchternheit, und Frau Camuzzi hinter ihren verschlossenen +Fensterläden litt die Qualen der lebendig Begrabenen. Sie hatte sich +gezeigt, wer sie war und was sie vermochte. Dort oben in der steinigen Erde +des Friedhofes lagen zwei, deren Verhängnis, allen unbekannt, sie gewesen +war. Im Bewußtsein ihrer entsetzlichen Macht saß sie stundenlang reglos auf +ihrem Bett, die Augen in den großen schwarzen Augen, die aus dem Spiegel +starrten. Plötzlich aber drückte sie sie ins Kissen, krümmte sich ganz +zusammen und erstickte ihr Stöhnen. Denn ihre Macht war Ohnmacht gewesen: +sie hatte nicht machen können, daß Nello sie liebte! Jene beiden verhöhnten +sie noch aus dem Grabe. Nachts hörte sie ihre Stimmen; sie sprachen von +Umarmungen, die sie ihr stahlen. »Nello, ich töte dich!« -- »Das hast du +schon getan. Was kannst du noch! Ich liebe Alba.« Dann, Gesicht und Hals +naß von Tränen, erwachte sie, und neben ihr atmete wohlig dieser Mann, dem +es gut ging, da er sein Leben lang Gemeindesekretär und ihr Gatte zu sein +dachte. Das nicht, das nicht! -- und eines Morgens in der Dämmerung bestieg +sie drunten am Stadttor ein Wägelchen, weil für solch eine kleine Stadt +beides zu groß gewesen war, ihre Tat und ihre Liebe. + +Der Gemeindesekretär in seiner tiefen Ueberzeugung, daß die Welt trotz +aller menschlichen Anstrengungen doch immer am selben Fleck bleibe und +eigentlich nichts geschehe, war sehr erstaunt, als ihm seine Frau +durchging. Er machte die Reise nach Florenz, bestellte sie in ein Café, und +sie kam auch, denn sie kannte ihn. Er sagte ihr nichts, was ein maßvoller +und klarsichtiger Mann nicht sagen konnte. Er wollte sie an keine +Empfindung erinnern, die sie daheim zurückhalten könne. Kinder seien nun +einmal nicht da, und für sich selbst bitte er nicht. Aber sie sollte ihre +eigenen Chancen erwägen. Die seien nicht groß, denn sie kenne die Welt +nicht, sei, was sie sich auch einbilde, eine Kleinstädterin und auch nicht +schön genug für das, was sie vorhabe, nicht von der verführerischen, den +Mann herabziehenden Schönheit, die solchen Frauen zum Erfolg verhelfe. + +»Aber jene haben keinen Verstand, und ich weiß, was ich will. Uebrigens +bleibt mir keine Wahl, denn bei dir kann ich nicht länger leben.« + +Der Gatte gab zu, daß man mit dieser Tatsache rechnen müsse. Er halte sie +für krank, werde dies zu Hause angeben und ihre Rückkehr innerhalb der +nächsten acht Wochen in Aussicht stellen. Sie sei ihm stets willkommen; +Gewalt und Skandal lägen nicht in seiner Absicht. Romantische Einflüsse +trügen wohl die Schuld an allem, wiederholte er mehrmals; und er nannte +sogar den Namen Nello Gennari, wenn auch ohne unvorsichtige Folgerungen. Er +war ein kluger Gatte. Frau Camuzzi, die seiner Einladung nur gefolgt war, +weil es nichts zu befürchten gab, haßte ihn, wie er nun fortging, ohne sich +aufgeregt zu haben, noch heftiger. + +Andererseits war das Zusammenleben mit dem Cavaliere Giordano nicht reich +an Reizen. In seinem Hause war der Aufenthalt einer Frau nicht vorgesehen. +Die Zimmer glichen Ausstellungen von Porzellan und Goldwaren; unter jeder +Vase, jedem Schrein eine Tafel: »Von Seiner Majestät dem Kaiser von +Rußland«, »Von der Stadt Buenos Aires«; und in seinem Schlafzimmer hingen +die alten goldenen Kränze, »Vom Maestro Rossini«, »Von Madame Ratazzi«, +über allen Wänden und bis auf das Bett des alten Sängers; dies Prunkbett, +mit rotem Damast zwischen den vergoldeten Schnitzereien, war ein Geschenk +der Kaiserin Eugénie. Frau Camuzzi saß des Abends mit ihm im Café, als +einzige Frau unter seinen Freunden. Wenn alle anderen fort waren, blieben +sie beide noch sitzen; der Alte wartete auf den Schlaf, und sie spielten +Domino. + +Er blies sich auf, so oft er mit ihr durch die Straßen ging. Die Grüße nahm +er mit bedeutsamem Lächeln an, und auf Glückwünsche entgegnete er: + +»Man sieht wohl, der Ruhm ist nicht eitel. Wir berühmten Männer haben vor +euch andern dennoch etwas voraus; denn in einem Alter, wo Schönheit und +Kraft nicht mehr für uns werben, ist es unser großer Name, der eine Frau +von weitem herbeizieht. Dies Geschöpf wäre zugrunde gegangen ohne mich.« + +Sie hatte es ihm gesagt, und er war überzeugt davon. Geschmeichelt durch +die Macht, die ihm, so spät noch, über ein Leben gegeben war, faßte er eine +wahre Zuneigung für die junge Frau. Vor dem Schlafengehen, wenn er sie +schon auf die Stirn geküßt hatte, behielt er manchmal noch väterlich und +gedemütigt zugleich, ihre Hand in der seinen. Warum hatte er sie nicht +früher gekannt, als er einer Frau mehr zu sein vermochte als heute! +Freilich würde er damals den Wert einer Liebe wie der ihren vielleicht +nicht verstanden haben. Das Leben war grausam, man mußte auf Gott hoffen +. . . Um so freigebiger kam er allen Wünschen seiner Freundin zuvor. Man +begann, wo sie vorüberfuhr, nach dem Namen dieser eleganten Frau zu fragen. +Der alte Sänger sah sich nach einer Villa um, die er ihr zu schenken +dachte. Denn sein Haus hatte er als Museum seines Ruhmes der Stadt +vermacht. + +Dies alles aber war nicht geeignet, dem jungen Gino zu gefallen, einem +liebenswürdigen Bummler, der neben dem Spiel und den kleinen Geschenken der +Frauen mit nichts so sehr rechnete wie mit der offenen Hand seines Onkels, +des Cavaliere Giordano. Die hübsche Intrigantin, die sich bei dem armen +Alten eingenistet hatte, mochte ihm, Gino, immerhin süße Augen machen, das +hinderte nicht, daß er sich bedroht fühlte. Was wollte sie? Den Alten +heiraten? Oder ihn selbst, den gesetzlichen Erben? Manchmal verliebte er +sich für einen Abend; und manchmal verfolgte er das Ziel, sie zu verführen +und sich von seinem Onkel mit ihr erwischen zu lassen. Frau Camuzzi selbst +erlöste ihn aus seinen Zweifeln. Die Erbschaft des Sängers schien ihr nicht +bedeutend genug, um ihretwegen die Laufbahn, der sie sich bestimmte, mit +einem Skandal zu eröffnen. Eines Nachmittags, als der Alte schlief, rief +sie den Neffen in ihr Zimmer. Die roten Vorhänge belebten ihre Haut, ihre +Matinee war kleidsam; der junge Mann zeigte sich angeregt, sie hatte Mühe, +ihn an den Ernst des Lebens zu erinnern. Ihre Interessen widersprechen sich +gar nicht. -- Nein, erwiderte er, denn er werde glücklich sein, sie +zufrieden zu sehen, sogar auf seine Kosten. + +»Das ist eine unvorsichtige Aeußerung. Aber es ist, als sei sie nicht +getan, denn von mir haben Sie nichts zu fürchten, ich werde Florenz bald +verlassen haben.« + +Und auf seine enttäuschten Ausrufe: + +»Warum sollten wir nicht offen miteinander reden? Wir kennen uns, weder Sie +noch ich halten uns hier im Hause zu unserm Vergnügen auf. Ich bin +hergekommen, um durch den Cavaliere mit Leuten bekannt zu werden, die mir +nützen könnten; denn ich habe höhere Zwecke, als sie glauben.« + +Indes er die Augen aufriß, setzte sie ihm auseinander, daß sie sich +überzeugt habe, in Florenz sei weder viel Geld noch große Macht zu +erwerben. Die Gesellschaft sei vorurteilsvoll, das politische Treiben +belanglos. Er rühme sich doch seiner Bekannten in Rom, aller dieser +Journalisten, dieser Deputierten. + +»Das bewegte Leben, der weitverzweigte Einfluß, die Intrigen, das ist's, +was mich anzieht. Welches Spiel mit Menschen treibt ein Mann wie der Conte +Malfigi, und welches Spiel würde erst eine Frau treiben, die ihn in der +Hand hätte!« + +Der junge Gino lächelte überlegen zu den abenteuerlichen Vorstellungen +dieser kleinen Provinzlerin; er öffnete den Mund, um über den Conte Malfigi +etwas zu erzählen, besann sich aber rechtzeitig. Er wollte ihr helfen, bei +seinen Verbindungen sei es leicht. Sie möge auf ihn zählen. Und er nahm +Abschied, beruhigt über die Zukunft seines Erbes, aber übelwollend +gestimmt, weil in den Plänen der interessanten Frau ihm selbst eine so +untergeordnete Rolle zugeteilt war. + +Schon tags darauf kam er wieder zur selben Stunde und in Begleitung eines +schönen, bedeutenden Mannes gegen vierzig. Er stellte vor: Conte Malfigi. +Denn es traf sich außerordentlich, der berühmte Politiker und Lebemann war +vorübergehend in Florenz. Er erklärte, die Einladung seines jungen Freundes +sei ihm ein längst gesuchter Anlaß gewesen, die schöne und ungewöhnliche +Frau kennen zu lernen, von der man auch in Rom schon spreche. Er blieb bis +kurz vor dem Erwachen des Cavaliere Giordano. Dieselbe Stunde führte ihn +das zweitemal zu Frau Camuzzi, und Gino fehlte. Ihre dritte Zusammenkunft +aber verlegten sie bereits in ein möbliertes Hotel außerhalb des Zentrums +der Stadt. Der mächtige Mann zeigte sich begeistert von seiner Eroberung; +er sei entschlossen, Florenz nur mit ihr zu verlassen. Sie sagte einfach: +»Ich liebe dich, ich folge dir.« Garantien zu verlangen, verschmähte sie, +sie vertraute ihrer Kunst. In Rom bezogen sie nicht den Palazzo Malfigi, +sondern wählten, um sich einige Tage ungestört zu lieben, ein kleines +Hotel, wo der Conte unbekannt war. Erst des Abends gingen sie aus, +beschränkten sich im Theater auf die Rückplätze der Logen, in den +Restaurants auf die separierten Salons, und hatten wirklich das Glück, +unbeachtet zu bleiben. Der Conte vermied es sogar, sich Geld zu holen. Als +er keins mehr hatte, gab Frau Camuzzi das ihrige her. Endlich erklärte er, +den Sitzungen der Kammer nicht länger fernbleiben zu können; er wolle sie +nun in sein Haus führen. Sie widerstand nur zum Schein; der Liebestraum +währte ihr schon zu lange. Wie sie beim Bahnhof vorüberkamen, wunderte er +sich, daß sein Wagen nicht da sei. Sie nahmen eine Droschke. Er war bleich +und seufzte oft. Plötzlich sagte er: + +»Nun ist das Unglück geschehen, ich liebe dich wirklich.« + +»Ist das ein Unglück?« fragte sie. + +Er sagte: »Unter diesen Umständen wohl. Denn ich sollte dich nur zum Scherz +lieben, da ich ja gar nicht der Conte Malfigi bin.« + +Sie sank hart auf das Polster, ihre Augen waren schwarz wie nie, und ihre +Lippen lagen weiß aufeinander. Er hatte vollauf Zeit zu berichten. Er war +ein Versicherungsbeamter und mit dem jungen Gino befreundet, der ihn +angestiftet und ihn mit Geld versehen hatte. + +»Aber jetzt liebe ich dich. Verzeihe mir und bleibe bei mir!« + +Sie ließ den Wagen halten und sagte: + +»Steigen Sie aus!« + +Dann fuhr sie weiter, ohne zu wissen, wohin. Nach Florenz konnte sie nicht +zurückkehren; in ihrem Abschiedsbrief an den Cavaliere Giordano stand ein +unvorsichtiger Satz mit Bezug auf die Prahlereien des Alten, die sie so oft +gedemütigt hatten. Wie sollte sie auch nur den Kutscher bezahlen? +Schließlich ließ sie sich zu einem Juwelier fahren und verkaufte einen +Ring. + +Sie mietete ein Zimmer, das ärmste, billigste, das zu finden war, und in +dem Augenblick, da sie es betrat, schwur sie sich, nur gegen den Palazzo +Malfigi werde sie es vertauschen. Sie stellte sich diese Aufgabe als Buße +ihrer Einfalt, je schwerer sie war, desto schauerlicher die Wollust der +Anspannung. Eine mittellose Frau, nicht mehr ganz neu angezogen, ohne einen +einzigen Bekannten in dem gierigen Gewimmel der Hauptstadt -- und nahm sich +vor, bis in ihre begehrteste Mitte vorzudringen und eine ihrer Herrinnen zu +werden. Sie besuchte das Parlament und ließ sich den Abgeordneten Malfigi +zeigen. Es war ein halber Greis von fünfundfünfzig, etwas lächerlich +zurechtgestutzt. Er redete auch und machte ein paar Witze über die +Priester. Frau Camuzzi mußte an den Advokaten Belotti denken, den großen +Freigeist ihrer kleinen Stadt, der den Pfarrer Don Taddeo bekämpfte, aber +gleich dem letzten alten Weib an die Evangelina Mancafede glaubte, die +Unsichtbare, die aus ihrem dunklen Winkel hinter dem Turm nie hervorkam und +dennoch alle Schicksale der Stadt kannte, noch bevor sie eintraten. Die +Kammer und ihre Redeschlachten schienen ihr ein vergrößertes Abbild des +heimischen Marktplatzes. Wenn zu Hause der Baron Torroni durchaus nicht +wollte, daß der Wirt Malandrini zum Stadtverordneten gewählt werde, so +fürchtete er von ihm einen Streich, weil er mit seiner Frau etwas gehabt +hatte. Und Frau Camuzzi sah sich auf der Tribüne des Parlaments die Damen +an, die den Reden der Abgeordneten zuhörten. Welche von ihnen stak hinter +dem, was jetzt gesagt wurde? Später einmal würde es hier gewichtige Herren +geben, durch deren Mund sie selbst ihren Einfluß spielen ließ und ihre +Geschäfte besorgte! + +Dann ging sie ins Café Aragno, um von den Journalisten die +Kulissengeheimnisse zu erlauschen. Sie saß da mit ihrer Zigarette, +unbeteiligt und unnahbar. Die jungen Leute taten vergeblich wichtig +voneinander, damit sie hinsähe. Als eines Tages mitten aus dem Rudel hervor +ihr Landsmann Savezzo auf sie zukam, begrüßte sie ihn kühl, obwohl sie die +ganze Zeit auf ihn gewartet hatte. Er sah noch abgeschabter aus als daheim, +aber auch noch verbissener. Er war auf dem Marsch! Die Gesellschaft +korrupter Mittelmäßigkeiten hier hielt zusammen gegen ihn und sein Talent, +wie zu Hause die Clique der Herren. Aber er würde eindringen und hindurch, +hinan! Er erzwang sich Achtung mit Artikeln in den kleinen Revuen, wo die +Kommenden drängten und bohrten. Schon war, beim Krach der Allgemeinen +Kreditbank, da die Entrüstung im Publikum überhand nahm, eine große Zeitung +genötigt gewesen, ihm ihre Spalten zu öffnen, als der Stimme der Jugend. + +Er erlangte mit Mühe die Erlaubnis, ihr seine Freunde vorzustellen, mußte +aber sofort bemerken, daß mehrere, die schon über Verbindungen verfügten, +besser behandelt wurden als er. Eines Abends erschien sie nicht, und auch +einer der jungen Leute blieb fort. Am nächsten Tage erwartete Savezzo sie +auf der Straße, um ihr eine Szene zu machen. Sie antwortete, sie sei +gestern nicht gekommen, weil sie Gelegenheit gehabt habe, eine ihr wichtige +Persönlichkeit kennen zu lernen: den Sekretär des Abgeordneten Malfigi. +Auch eine Ehre, meinte Savezzo: der Sekretär eines ausgesogenen Lebemannes +und erledigten Politikers, den schon keine Frau mehr plündere und kein +Finanzmann mehr besteche. Er selbst, Savezzo, habe ihn längst gebrandmarkt. +Eine überlebte Figur, nur noch vorhanden, weil die Provinz fortfahre, an +die alten Größen zu glauben. Frau Camuzzi antwortete darauf nicht, und +Savezzo, der ihr nachspürte, hatte noch oft die schlimmste Eifersucht zu +leiden. Denn sie erhörte ihre jungen Kameraden dafür, daß sie sie in eine +Gesellschaft einführten, oder nur für eine nützliche Auskunft, an Tagen der +Not sogar, um essen zu können. Sie machte ihre härteste Zeit durch. Savezzo +knirschte, weil nur er davon nichts hatte. Welch ein Sieg über die +hochmütige Sippe daheim, hätte er eine ihrer Frauen in seine Gewalt +bekommen! Frau Camuzzi scheute gerade seine Indiskretion. Wenn er ihr +sagte: »Wir werden zusammen steigen! Allen diesen Leuten werden wir den Fuß +in den Nacken setzen!« so lächelte sie nur. Sie war überzeugt, er werde +nicht durchdringen, mit brutaler Empörung sei nichts zu machen. Sich +anschmiegen, sich hineinstehlen in die Welt der großen Diebe, hassen, +verführen und betrügen: das war der Weg. + +Auch dem Sekretär des Conte Malfigi schlug endlich die Stunde, da Frau +Camuzzi ihn glücklich machte; und sie schlug keinen Augenblick früher, als +bis er die Bedingung erfüllt und Frau Camuzzi eine Stellung bei seinem +Herrn verschafft hatte. Jetzt wohnte sie also im Palazzo Malfigi, und der +Abgeordnete diktierte ihr seine Reden, die sie geistreicher niederschrieb, +als sie waren. Freudig erstaunt über seine Erfolge in der Kammer, ward er +aufmerksam auf seine Mitarbeiterin, für deren Eifer es offenbar nur die +Erklärung gab, daß sie ihn liebte. So oft er ihr nun diktierte, ließ er +jedem andern die Tür verbieten. Er bekundete ihr sein Interesse; und sie +widerstand. Sie zeigte sich ihm als Frau von Erziehung und +Menschenkenntnis, erworben durch schwere Schicksale; gab ihm Winke über +Leute, die ins Haus kamen, und Ratschläge, die sich bewährten. Seine +Begriffe von ihr veränderten sich schnell so weit, daß er sie zur Tafel +hinzuzog, auch wenn Senatoren und Minister da waren. Die Hausgenossen +bekamen Befehl, ihr als einer Dame von Rang zu begegnen. Sie würden +ohnedies nichts anderes gewagt haben, denn Frau Camuzzi hatte längst jeden +von ihnen in der Hand. Sie kannte die Diebereien der Diener, machte dem +Kaplan Komplimente über sein blühendes Aussehen, wenn er die ganze Nacht +dort oben im vierten Stock seinen kleinen Freunden ein Gelage gegeben +hatte; und was den Haushofmeister betraf, hatte Frau Camuzzi die Vorsicht +geübt, Briefe zu öffnen, die er von der bisherigen Geliebten des Conte +Malfigi bekam; sonst hätten die beiden ungestört dem armen Conte die +Vaterschaft zuschieben können an dem Kind, das erwartet wurde. Am meisten +betroffen aber war der Sekretär. Er hielt es kaum mehr für wahr, daß er +einmal vertrauliche Beziehungen gehabt haben sollte zu der Frau, die nun +das Haus und den Herrn beherrschte und ihm selbst die Mitwisserschaft an +dem, was vorging, schon vollständig abgenommen hatte. Er tröstete sich +damit, daß die ganze Herrlichkeit auch sonst nicht mehr lange gedauert +haben würde; denn so viel konnte er sich sagen, daß das neuerdings so +zerfahrene Wesen seines Prinzipals mit dem bevorstehenden Prozeß der +Kreditbank zusammenhänge. Sein Name war auf der Liste der Bestochenen, das +wußte im Café jeder; und morgen oder übermorgen konnte es in den Zeitungen +stehen. + +Frau Camuzzi, die noch mehr wußte, ließ den Conte schon seit acht Tagen +keine Minute aus dem Auge. Zu seinen Verabredungen folgte sie ihm heimlich +in einem Mietswagen. Zog er sich in sein Arbeitszimmer zurück, blieb sie an +der Tür und lauschte. Einmal stöhnte er ungewöhnlich viel, sie hörte ihn +Schiebladen öffnen und zustoßen, dann ein merkwürdiges Knacken: da trat sie +ein. Malfigi hielt einen Revolver in der Hand. Sie nahm ihn ihm fort und +sagte: + +»Glauben sie denn wirklich, daß es so schlimm steht?« + +Er deutet nur nach dem Schreibtisch, auf ein neidgelbes Heft des +»Morisators.« Sie kenne den Artikel, sagte Frau Camuzzi; schon vor seinem +Erscheinen habe sie ihn gekannt. Der Verfasser, dieser Savezzo, sei ihr +Freund. + +»Und sie haben mir nichts gesagt! Sie sind also auch meine Feindin?« + +Sie setzte ihm auseinander, daß dieser Savezzo ein Fanatiker sei, vielmehr +ein Mensch, der seinen Erfolg auf der Wahrheit zu begründen hoffe, wie die +andern auf dem -- Entgegenkommen. Mit Geld sei er nicht aus dem Wege zu +räumen, Malfigi habe schon genug Geld ausgeteilt. + +»Fast mein letztes,« und er raufte sich das spärliche Haar. »Auch dem +Senator Russo habe ich Geld gegeben, damit seine Zeitung schweigt. Und +jetzt klagt uns dieser Mensch gemeinsam an!« + +»Aber das ist das Beste, was geschehen konnte, und es hat mich unendlich +Mühe gekostet, das Material gegen Russo zu beschaffen.« + +»Wie? Sie? Sie sind es, die mich umbringt?« + +Es dauerte lange, bis sie ihn so weit hatte, daß er ihr zuhörte. Eine +Anklage von seiten des Savezzo sei die sicherste Rehabilitierung, die einem +Verdächtigen widerfahren könne. Die Presse, die für sein Geld vielleicht +nicht immer nach Wunsch gearbeitet haben würde -- ihr sei darüber einiges +bekannt geworden --, jetzt werde sie eine Phalanx des Schweigens bilden +gegen den Verräter, der sie selber fortwährend besudle und auch in diesen +Angriff einen der ihren verwickle. Kein Zeuge werde sich noch finden +lassen, der vor Gericht die Echtheit der den Abgeordneten und Exminister +Malfigi belastenden Schriftstücke zugebe. Sogar die Mühe des Leugnens werde +er sich sparen können, denn auch das Gericht werde seinen Namen mit +Schweigen verdecken. Schließlich sagte er tiefgerührt. + +»Dann wären sie meine Retterin.« + +»Nicht ich«, erwiderte sie langsam. »Ich habe viel zur Madonna gebetet. +Auch sie sollen es tun.« + +»Sie sind also fromm?« Er wollte lachen. Aber sie fragte ihn, ob er sicher +sei, daß dies alles nicht eine Strafe der Madonna sei, die er so oft +verleugnet habe. Sie erhob die gefalteten Hände. + +»Die schöne alte Madonna Ihres berühmten Geschlechts, das sie immer +beschützt hat! Wie lange schon wartet sie vergebens auf sie in der Kapelle +dieses Hauses! Sie müssen zu ihr zurückkehren, versprechen sie es mir, noch +heute Nacht!« + +Er gestand, daß er daran gedacht habe. Denn man könne nie wissen. Auch sein +Kaplan habe ihm davon gesprochen. + +Das wußte Frau Camuzzi, denn sie selbst hatte es bewirkt. + +»Aber erst Ihre schönen Augen bestimmen mich.« Und als alle schliefen, +schlich er hinunter. Die Tür der Kapelle kreischte; Malfigi hielt an, er +schämte sich, und er ward eigentümlich bedrückt von diesen lange gemiedenen +Schatten, aus deren Tiefe es unsicher flimmerte. Vor der Madonna brannte +die silberne Lampe wie in seiner Kindheit. Malfigi wollte schon hinknien +wie einst, besann sich aber und breitete zuerst sein Taschentuch über die +Altarstufe. Dann sah er unschlüssig hinauf in die Augen der Madonna, die +groß, schwarz und voll geheimnisvollen Lebens waren. Sie schienen zu +wissen, daß sie ihn ansahen, ja, sie schienen Erlaubnis zu nicken . . . und +da betete der Abgeordnete. Er betete, daß die Zeitungen schweigen und das +Gericht sich nicht mit ihm beschäftigen möge. Die Madonna sah ihn an, als +sei sie mit allem einverstanden. Hoffnung überflutete sein Herz, er weinte. +Wie er sich aber die Augen trocknete, gewahrte er, daß auch im Auge der +Madonna ein Tropfen hing: nun fiel er auf den Altar! Malfigi sprang auf, +besinnungslos, zum Schreien bereit. Die Wand entlang schlich er nochmals +hin. Hatte er sich nicht getäuscht? Nein! Jesus! Die Augen des Bildes waren +ihm gefolgt. Da floh er, stolperte hinaus und hielt sich das Herz. Er +beruhigte sich; Malfigi empfand Zorn, weil er sich hatte verjagen lassen, +und einen fast jugendlichen Drang, den Rausch dieses Wunders weiter zu +erleben, ihm auf den Grund zu kommen, sei es mit Gefahr des Lebens. Er +lauschte noch im Dunkel des Vestibüls: da schwebte eine Gestalt im langen +Mantel aus der Kapelle hervor, an ihm vorbei und die Treppe hinan. Er +hastete hinterdrein, verlor sie in den Korridoren, irrte umher und suchte. +Wie er dann sein Zimmer betrat und Licht machte, sahen aus dem Vorhang am +Bett die Augen der Madonna! Er stürzte darauf los, der Vorhang öffnete sich +. . . + +»Du hast mir mein Jugendfeuer zurückgegeben«, sagte eine Stunde später der +Conte Malfigi. »Jetzt liebe ich dich wirklich.« + +»Dann verstehst du auch,« erwiderte Frau Camuzzi, »warum ich früher noch +nicht gewollt habe. Fürchtest du dich jetzt noch vor dem Prozeß?« + +»Nein. Durch dich bekommt man Mut.« + +»Und bedenke, daß du morgen deinem Kaplan von einem Wunder zu berichten +hast. Er wird damit in den Vatikan laufen, jetzt schützt die Kirche dich. +Wollen die freimaurerischen Gerichte dir etwas anhaben, wird es heißen, es +sei nur die Rache für deine Bekehrung.« + +»Daran dachte ich gar nicht. Wie du rechnen kannst!« + +Ihm blieb noch eine Sorge. + +»Ich verstehe schon, du hast dem Bilde die Augen ausgeschnitten. Aber wird +man es nicht sehen?« + +»Wie kannst du denken?« sagte Frau Camuzzi, »Dem kostbaren alten Bild! +Natürlich habe ich eine Kopie genommen.« + +Der Abgeordnete Malfigi ward im Prozeß der Kreditbank nicht genannt, +vielmehr berief man ihn an die Spitze dieses Finanzinstituts. Im Parlament +war er fortan eine Stütze des patriotischen Klerikalismus. Frau Camuzzi, +von Würdenträgern der Kirche belobt, mit Hochachtung behandelt von den +hochstehenden Persönlichkeiten, die ins Haus kamen, sah ihre politische +Laufbahn glänzend eröffnet. Da das Gesetz über die Ehescheidung ernstlich +bevorzustehen schien, leistete sie die nützlichsten Dienste dadurch, daß +sie liberale Parlamentarier umstimmte. Bei dem einflußreichsten dieser +Herren gelangte sie ans Ziel vermittels eines Schäferstündchens, das sie +ihm versprach, und von dem sie gleichzeitig seine Gattin benachrichtigte. +Die Frau drohte, sie werde die erste sein, die sich scheiden lasse; und da +sie das Geld hatte, war der Mann gehalten, das Zustandekommen des Gesetzes +zu verhindern. + +Dies geschah in Neapel. In der Nacht, bevor Frau Camuzzi wieder abzureisen +gedachte, bebte die Erde. Ermüdet von ihrer anstrengenden Mission, schlief +Frau Camuzzi noch, als im Hotel schon alles in Aufruhr war. Wie sie endlich +hervorkam, fand sie im Gang nur eine hilflos umherhuschende alte Dame, im +Nachtkostüm wie sie. Frau Camuzzi ergriff sie und zog sie fort. Aber die +Treppe brannte, und aus dem Abgrund zwischen eingestürzten Mauern schlug +Qualm. Da kniete Frau Camuzzi hin und betete. Sie betete laut und mit einer +Inbrunst, die sie schüttelte. Plötzlich senkte der Boden sich schräg und +die beiden Damen glitten hinab. Sie langten unten an wie auf Flügeln und +unversehrt. Die alte Dame fuhr mit Frau Camuzzi nach Rom; sie war eine +unermeßlich reiche Lady. Sie behauptete, nur das Gebet dieser Heiligen habe +sie gerettet. »Ja«, sagte sie vor dem Conte Malfigi, »als sie betete, ging +ein Schein von ihr aus.« Und sie schrieb ihrer Retterin einen Scheck über +eine Million. + +Kurz darauf starb der Gemeindesekretär Camuzzi. Der Abgeordnete Malfigi +ward nochmals Minister und heiratete Frau Camuzzi. Der Salon der Contessa +Malfigi gehörte ein Jahrzehnt lang und auch noch nach dem Tode des Conte zu +den einflußreichsten unter den politischen Salons der Hauptstadt. Den +jungen Leuten, die regelmäßig bei ihr dinierten, prophezeite man die +Laufbahn des Abgeordneten, denen, die noch weiter bei ihr vordrangen, einen +Ministerposten; ihre Herkunft war nicht ganz vergessen; Legenden umrankten +sie, und man fand es pikant, ja satanistisch, daß eine ehemalige Kurtisane +die neue Generation zur Reaktion und zum Klerikalismus erziehe. Sie hatte +Anhänger, ehrgeizige Liebhaber, Verbündete oder Gegner: einen ihr +gewachsenen Freund hatte sie nicht. Einmal versuchte sie, sich dem Savezzo +zu nähern, der damals auf der Höhe seiner Macht war und in seinem »Jüngsten +Gericht« jede Woche die fürchterlichste Musterung unter seinen Zeitgenossen +abhielt. Sie erinnerte ihn daran, daß sie eine verwandte Geschichte hätten +und zusammen gestiegen seien. Aber er lehnte schroff ab; er wollte mit +niemandem gestiegen sein. Sie erreichte nur, daß er in der nächsten Nummer +seiner Zeitschrift ihre Vergangenheit entschleierte, einen verjährten Mord +durchblicken ließ und sie als Kaffeehausdirnchen erklärte, das sich die +Rolle des Weibes von Babylon anmaße. Ihre Frömmigkeit sei erst in zweiter +Linie politisches Mittel; vor allem sei sie Betschwester, weil sie vorher +den damit korrespondierenden Beruf ausgeübt habe . . . Sie zog Vorteil aus +dem einmal begangenen Fehler, indem sie, ohne daß er es ahnte, +Persönlichkeiten mit ihm in Verbindung setzte, deren Feindschaft sie +brauchte. Enttäuschungen wechselten mit Erfolgen. Kaum, daß das Herz noch +stärker klopfte bei einem Sieg oder einer Niederlage. Am raschesten verging +ein Tag, an dem man sich rächen konnte! Dieser unbedeutende Fiorio, als +Unterpräfekt daheim in der kleinen Stadt auf ewig vergessen, wenn es nicht +der Contessa Malfigi eingefallen wäre, ihn zum Präfekten zu machen: er +hatte sich erlaubt, sie verraten zu wollen. Sie hatte ihm den Abgeordneten +geschickt, den er wählen zu lassen hatte; sie hatte sogar sichere Leute +geschickt, die in ein Fenster der Präfektur schossen, so daß Fiorio die +Wahlversammlungen verbieten, den Munzipalrat auflösen und ohne jede +Opposition seinen Kandidaten durchbringen konnte. Da, ein Telegramm ihres +Schützlings an die Contessa: der Präfekt hatte nicht ihn, sondern seinen +einzigen Bruder als Regierungskandidaten aufgestellt. Sie sorgte sofort +dafür, daß eine Zeitung, offenbar durch Vertrauensbruch, eine Depesche des +Ministers an den Präfekten Fiorio wiedergeben konnte, worin der Minister es +mißbilligte, daß der Präfekt aus wahltaktischen Gründen von gedungenen +Attentätern in seine Fenster schießen lasse. Angesichts des allgemeinen +Entrüstungssturmes wagte der Minister die Depesche, die er nie geschrieben +hatte, nicht abzuleugnen; der Präfekt Fiorio ward abgesetzt. + +Sie ließ ihre Macht noch höher hinauf fühlen. Der Graf von Benevent, der +elegante Vetter des Königs, hatte ein verächtliches Wort über sie +gesprochen, und es war ihr zu Ohren gekommen. Sie gab ihm Gelegenheit, sich +zu rechtfertigen; obwohl sie ihn albern fand, zeigte sie ihm, daß er ihr +gefalle. Er beging die Torheit, ihr offene Feindschaft zu erklären. Ein +Jahr später sah sich seine Geliebte, die russische Tänzerin Lorida, in ein +weitläufiges, kaum entwirrbares Netz von Verdächtigungen verstrickt, und +der Tag kam, da sie als Spionin verhaftet ward. Nach langen Ängsten, die +den Prinzen nicht weniger trafen als sie, und bloßgestellt von der ganzen +Presse, war sie noch froh, in ihre Heimat abgeschoben zu werden. Der Graf +von Benevent ging nach Afrika. Unter den Mitgliedern der Aristokratie, die +sich im Bahnhof eingefunden hatten, war die Contessa Malfigi. Sie sagte: +»Ich habe ihm das Billet gekauft, ich muß ihn auch einschiffen.« + +Aber es war bestimmt, daß auch ihr ein Billet gekauft werde. Zum zweiten +Mal in ihrem Leben verfiel sie der Liebe. Ein junger Mann ward ihr +zugeführt: sie erschrak, denn sie glaubte, Nello Gennari wiederzusehen, den +Geliebten von einst, der durch sie gestorben war. Auch dieser hob so die +umflorte Stirn und ließ das weichgelockte Haar so schwanken über seinen +Augen, seinem beschatteten Lächeln, als betrauere er die eigene Schönheit. +Die Contessa Malfigi zeigte sich sofort und vor aller Welt hingerissen, +eifersüchtig, voll unbedachter Triebe. Man sah eine Frau, die keiner +kannte. Sie behielt den jungen Mann im Hause, ließ ihn, wenn Leute kamen, +nicht von ihrer Seite, nahm ihn in ihrem Wagen mit, aber nicht zum Korso, +wo man gesehen wird, sondern auf die alten Straßen der Trümmer und Einöden. +Sie schwor ihm, daß sie ihn groß machen werde, zum Deputierten, zum +Minister, zum Ritter des Annunziaten-Ordens. Er solle sie lieben, er solle +sie lieben! Und er: »Ich danke dir so sehr, und ich liebe dich.« Aber sie +hörte wohl, es sei nicht wahr und nichts, nichts vermöge sie über ihn; denn +er war nicht ehrgeizig. Sie enthüllte ihm ihre Geschäfte, ihre gefährlichen +Geheimnisse; ganz ohne Mühe fiel ihm in den Schoß, was sie selbst, als sie +zuerst in dies Haus eingedrungen war, mit List und Gewalt an sich gebracht +hatte. Er konnte hier der Herr werden, wie sie die Herrin geworden war. +Totò, ich verschaffe dir den Namen eines Conte Malfigi! Ach! er glich nicht +ihr, er glich jenem Nello. Weich, schwach und träge lag er da, stumm +klagend, weil sie ihn nicht mit Geld versah und hinausließ zu seinen jungen +Freunden, damit er spiele, lache und sie betrüge, sie, die nur ihn hatte, +nur ihn auf der Welt! »Totò, mein Liebling, du bist Sekretär des Ministers +Afrano. Liebst du mich?« Nun sank er ihr wohl in die Arme; aber sie wußte, +es war nur, weil er hinaus durfte. Um so fester schloß sie ihn ein. Die +Stunden kamen, da sie ihn mißhandelte, und die, in denen sie ihn floh, um +zu weinen. Sie beweinte vor dem Spiegel ihr Bild von einst, die Reize, die +ungenützt verfallen waren. »Was habe ich gehabt? Ich habe Glück und Unglück +verteilt. Ich habe das Zittern von Menschen gefühlt. Man hat mich geliebt, +weil ich mächtig war. Das alles war nichts. Man hat mich betrogen!« Der +Nello von einst hatte sie leiden lassen und jene Alba geliebt; und nun lag +dieser dort drinnen, blaß, mit dem hilflosen Blick gefangener Tiere, und +ahnte nicht einmal ihr Elend. + +»Totò!« rief sie durch die Tür. »Sekretär eines Ministers, das wäre zu +wenig für dich. Warte noch, mein süßes Herz, du wirst noch mehr werden.« + +Er antwortete nicht. Sie ging hinein -- und fuhr erstickend zurück. Totò +hing an der Decke. + +Sie war von Sinnen, sie wollte mit ihm ins Grab. Als sie wieder weinen +konnte und gerettet war, sagte sie: + +»Ich hätte es wissen sollen. Dieser Typus bringt mir Unglück.« + +Sie wollte fort, aus allem fort und zurück in ihre kleine Stadt. »Nie hätte +ich mich entwurzeln lassen dürfen!« Man hielt ihr vor, daß damit ihren +Feinden gedient, ihren Freunden das Verderben bereitet wäre. + +»Wer sind meine Freunde? Der Savezzo hat recht, in dieser harten Welt muß +jeder allein und gegen alle stehen. Ich war zu gut. Weh' dem, der ein Herz +hat!« + + + + +DIE NEUE REIHE + + +DICHTUNG DER JUNGEN GENERATION + +Jede Nr. kart. 2.--, Doppel-Nr. 3.--, Geb. in Künstler-Buntpapier +3.25, Doppel-Nr. 4.25, Sign. u. numer. Liebhaberausgaben +auf Bütten in Halbperg. 25.--, in Halbled. 50.-- + + Nr. 1 HERMANN KASACK, Der Mensch. Gedichte + 2 HEINR. ED. JACOB, Das Geschenk der schönen Erde. Idyllen + 3 RICHARD HUELSENBECK, Verwandlungen. Prosa + 4 IWAN GOLL, Der Torso. Stanzen und Dithyramben + 5|5a ARNOLD ZWEIG, Bennarône. Erzählung + 6 GOTTFRIED KOELWEL, Erhebung. Gedichte + 7 ALFRED WOLFENSTEIN, Der Lebendige. Novellen + 8|8a RUDOLF LEONHARD, Beate und der große Pan. Roman + 9 KURT HEYNICKE, Gottes Geigen. Gedichte + 10 u. 11 ALFRED LEMM, Mord Novellen. 2 Bände. _Einzeln käuflich_ + 12 HENRIETTE HARDENBERG, Neigungen. Gedichte + 13 PAUL ZECH, Gelandet. Ein dramatischen Spiel + 14 ROBERT MUELLER, Das Inselmädchen. Novelle + 15 GEORG KAISER, Juana. Einakter + 16 OSKAR SCHUERER, Drohender Frühling. Gedichte + 17 CLAIRE STUDER, Der gläserne Garten. Novellen + 18 MAX HERRMANN, Die Preisgabe. Gedichte + 19 HEINRICH MANN, Die Ehrgeizige. Novelle + 20 OSKAR LOERKE, Die Chimärenreiter. Novellen + 21 FRIEDRICH BURSCHELL, Die Einfalt des Herzens. Prosa + 22 PAULA LUDWIG, Die selige Spur. Gedichte + 23 ERHARD BUSCHBECK, Georg Trakl. Ein Requiem + 24 MANFRED GEORG, Der Rebell. Novelle + 25 ALFRED VAGTS, Gedichte + + +In Vorbereitung: + + +VERKÜNDIGUNG + +Anthologie jüngster Lyrik. Herausg, v. Dr. M. Sommerfeld. Preis ca. 10.-- + + +DER ANBRUCH + +EIN JAHRBUCH NEUER JUGEND + +Mit Beiträgen von P. Adler, A. Ehrenstein, A. v. Hatzfeld, P. v. Gütersloh, +P. Kornfeld, R. Müller, R. Pannwitz, E. Weiß, A. Wolfenstein u. a. +K. 6.--, gb. 8.-- + + +DIE FÜNF HEFTE + +Eine von OTTO FLAKE geschriebene Zeitschrift + +Jedes Heft Mk. 3.--, im Abonn. Mk. 12.50. Prospekt kostenlos. + + +DIE DICHTUNG + +PROGRAMMHEFT VOR DER II. FOLGE + +Mit zum Teil unveröffentl. Beiträgen aller Mitarbeiter. +Verlagskatalog kostenlos. Kart. Mk. 2.--, in Buntpapier geb. Mk. 4.-- + + + + + +Anmerkungen zur Transkription + + +Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Die Ehrgeizige, by Heinrich Mann + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 43335 *** diff --git a/43335-8.txt b/43335-8.txt deleted file mode 100644 index b897cab..0000000 --- a/43335-8.txt +++ /dev/null @@ -1,1057 +0,0 @@ -The Project Gutenberg EBook of Die Ehrgeizige, by Heinrich Mann - -This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with -almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Die Ehrgeizige - -Author: Heinrich Mann - -Release Date: July 28, 2013 [EBook #43335] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE EHRGEIZIGE *** - - - - -Produced by Jens Sadowski - - - - - - - NEUE REIHE - BAND 19 - - - - - 1.--5.TAUSEND - - - - - HEINRICH MANN - - DIE EHRGEIZIGE - - NOVELLE - - - - - 1920 - MÜNCHEN - ROLAND-VERLAG DR. ALBERT MUNDT - - - - - -Daß er der Frau des Gemeindesekretärs die schöne Alba Nardini vorzog, mußte -der junge Tenor Nello Gennari mit dem Leben büßen. Frau Camuzzi hatte -geschickt gehandelt; niemand ahnte, sie sei es gewesen, die Alba auf die -Frau des Schneiders eifersüchtig gemacht und sie in solchen Wahnsinn -getrieben hatte, daß sie den Geliebten und sich erstach. Ungefährdet hätte -sie weiterleben können. Vier Wochen später aber verschwand sie aus der -kleinen Stadt. - -Von Florenz schrieb sie ihrem Gatten, daß sie den Gedanken nicht länger -habe ertragen können, sie solle an seiner Seite altern. Denn er habe keinen -Ehrgeiz. Statt sich in die Politik zu werfen, zu handeln, zu steigen, statt -seiner Frau, die nach ihnen lechze, die Höhen der Welt zu erschließen, -halte er sie nieder, lasse sie verkümmern im Dunstkreis seiner trägen -Skepsis; und die Macht in der Stadt behalte ein Marktheld wie der Advokat -Belotti. Noch sei sie jung; und so habe sie denn auf eigene Verantwortung -den Schritt getan, den er sie nicht habe führen wollen. Als Geliebte des -berühmten Künstlers Cavaliere Giordano trete sie in die große Welt ein, der -sie sich gewachsen fühle. Mit vollem Bewußtsein habe sie sich ihr Schicksal -geschaffen. Camuzzi solle nicht versuchen, sie zu hindern, es wäre unnütz. - -Die Wahrheit war, daß sie sich dem alten Giordano nicht aus Ehrgeiz -hingegeben hatte, sondern im Dienst ihrer Rache an Nello Gennari, und daß -sie es schon getan hatte, als er in der kleinen Stadt weilte. Ein -ahnungsloses Wort des alten Sängers hätte das Mißverständnis zerreißen -können, dem der junge erliegen sollte. Darum behielt Frau Camuzzi ihn bei -sich im Zimmer, bis endlich die ganze Operntruppe von dannen war und Nello -sich im Hause des Schneiders verborgen hatte, unwissend, daß er nicht -bestimmt sei, mit Alba zu fliehen, vielmehr mit ihr zu sterben . . . Nun -aber waren sie fort, die Komödianten. Die kleine Stadt, die dank ihnen -kurze Zeit ein gesteigertes Lebensgefühl gekannt hatte, fiel zurück in um -so grauere Nüchternheit, und Frau Camuzzi hinter ihren verschlossenen -Fensterläden litt die Qualen der lebendig Begrabenen. Sie hatte sich -gezeigt, wer sie war und was sie vermochte. Dort oben in der steinigen Erde -des Friedhofes lagen zwei, deren Verhängnis, allen unbekannt, sie gewesen -war. Im Bewußtsein ihrer entsetzlichen Macht saß sie stundenlang reglos auf -ihrem Bett, die Augen in den großen schwarzen Augen, die aus dem Spiegel -starrten. Plötzlich aber drückte sie sie ins Kissen, krümmte sich ganz -zusammen und erstickte ihr Stöhnen. Denn ihre Macht war Ohnmacht gewesen: -sie hatte nicht machen können, daß Nello sie liebte! Jene beiden verhöhnten -sie noch aus dem Grabe. Nachts hörte sie ihre Stimmen; sie sprachen von -Umarmungen, die sie ihr stahlen. »Nello, ich töte dich!« -- »Das hast du -schon getan. Was kannst du noch! Ich liebe Alba.« Dann, Gesicht und Hals -naß von Tränen, erwachte sie, und neben ihr atmete wohlig dieser Mann, dem -es gut ging, da er sein Leben lang Gemeindesekretär und ihr Gatte zu sein -dachte. Das nicht, das nicht! -- und eines Morgens in der Dämmerung bestieg -sie drunten am Stadttor ein Wägelchen, weil für solch eine kleine Stadt -beides zu groß gewesen war, ihre Tat und ihre Liebe. - -Der Gemeindesekretär in seiner tiefen Ueberzeugung, daß die Welt trotz -aller menschlichen Anstrengungen doch immer am selben Fleck bleibe und -eigentlich nichts geschehe, war sehr erstaunt, als ihm seine Frau -durchging. Er machte die Reise nach Florenz, bestellte sie in ein Café, und -sie kam auch, denn sie kannte ihn. Er sagte ihr nichts, was ein maßvoller -und klarsichtiger Mann nicht sagen konnte. Er wollte sie an keine -Empfindung erinnern, die sie daheim zurückhalten könne. Kinder seien nun -einmal nicht da, und für sich selbst bitte er nicht. Aber sie sollte ihre -eigenen Chancen erwägen. Die seien nicht groß, denn sie kenne die Welt -nicht, sei, was sie sich auch einbilde, eine Kleinstädterin und auch nicht -schön genug für das, was sie vorhabe, nicht von der verführerischen, den -Mann herabziehenden Schönheit, die solchen Frauen zum Erfolg verhelfe. - -»Aber jene haben keinen Verstand, und ich weiß, was ich will. Uebrigens -bleibt mir keine Wahl, denn bei dir kann ich nicht länger leben.« - -Der Gatte gab zu, daß man mit dieser Tatsache rechnen müsse. Er halte sie -für krank, werde dies zu Hause angeben und ihre Rückkehr innerhalb der -nächsten acht Wochen in Aussicht stellen. Sie sei ihm stets willkommen; -Gewalt und Skandal lägen nicht in seiner Absicht. Romantische Einflüsse -trügen wohl die Schuld an allem, wiederholte er mehrmals; und er nannte -sogar den Namen Nello Gennari, wenn auch ohne unvorsichtige Folgerungen. Er -war ein kluger Gatte. Frau Camuzzi, die seiner Einladung nur gefolgt war, -weil es nichts zu befürchten gab, haßte ihn, wie er nun fortging, ohne sich -aufgeregt zu haben, noch heftiger. - -Andererseits war das Zusammenleben mit dem Cavaliere Giordano nicht reich -an Reizen. In seinem Hause war der Aufenthalt einer Frau nicht vorgesehen. -Die Zimmer glichen Ausstellungen von Porzellan und Goldwaren; unter jeder -Vase, jedem Schrein eine Tafel: »Von Seiner Majestät dem Kaiser von -Rußland«, »Von der Stadt Buenos Aires«; und in seinem Schlafzimmer hingen -die alten goldenen Kränze, »Vom Maestro Rossini«, »Von Madame Ratazzi«, -über allen Wänden und bis auf das Bett des alten Sängers; dies Prunkbett, -mit rotem Damast zwischen den vergoldeten Schnitzereien, war ein Geschenk -der Kaiserin Eugénie. Frau Camuzzi saß des Abends mit ihm im Café, als -einzige Frau unter seinen Freunden. Wenn alle anderen fort waren, blieben -sie beide noch sitzen; der Alte wartete auf den Schlaf, und sie spielten -Domino. - -Er blies sich auf, so oft er mit ihr durch die Straßen ging. Die Grüße nahm -er mit bedeutsamem Lächeln an, und auf Glückwünsche entgegnete er: - -»Man sieht wohl, der Ruhm ist nicht eitel. Wir berühmten Männer haben vor -euch andern dennoch etwas voraus; denn in einem Alter, wo Schönheit und -Kraft nicht mehr für uns werben, ist es unser großer Name, der eine Frau -von weitem herbeizieht. Dies Geschöpf wäre zugrunde gegangen ohne mich.« - -Sie hatte es ihm gesagt, und er war überzeugt davon. Geschmeichelt durch -die Macht, die ihm, so spät noch, über ein Leben gegeben war, faßte er eine -wahre Zuneigung für die junge Frau. Vor dem Schlafengehen, wenn er sie -schon auf die Stirn geküßt hatte, behielt er manchmal noch väterlich und -gedemütigt zugleich, ihre Hand in der seinen. Warum hatte er sie nicht -früher gekannt, als er einer Frau mehr zu sein vermochte als heute! -Freilich würde er damals den Wert einer Liebe wie der ihren vielleicht -nicht verstanden haben. Das Leben war grausam, man mußte auf Gott hoffen -. . . Um so freigebiger kam er allen Wünschen seiner Freundin zuvor. Man -begann, wo sie vorüberfuhr, nach dem Namen dieser eleganten Frau zu fragen. -Der alte Sänger sah sich nach einer Villa um, die er ihr zu schenken -dachte. Denn sein Haus hatte er als Museum seines Ruhmes der Stadt -vermacht. - -Dies alles aber war nicht geeignet, dem jungen Gino zu gefallen, einem -liebenswürdigen Bummler, der neben dem Spiel und den kleinen Geschenken der -Frauen mit nichts so sehr rechnete wie mit der offenen Hand seines Onkels, -des Cavaliere Giordano. Die hübsche Intrigantin, die sich bei dem armen -Alten eingenistet hatte, mochte ihm, Gino, immerhin süße Augen machen, das -hinderte nicht, daß er sich bedroht fühlte. Was wollte sie? Den Alten -heiraten? Oder ihn selbst, den gesetzlichen Erben? Manchmal verliebte er -sich für einen Abend; und manchmal verfolgte er das Ziel, sie zu verführen -und sich von seinem Onkel mit ihr erwischen zu lassen. Frau Camuzzi selbst -erlöste ihn aus seinen Zweifeln. Die Erbschaft des Sängers schien ihr nicht -bedeutend genug, um ihretwegen die Laufbahn, der sie sich bestimmte, mit -einem Skandal zu eröffnen. Eines Nachmittags, als der Alte schlief, rief -sie den Neffen in ihr Zimmer. Die roten Vorhänge belebten ihre Haut, ihre -Matinee war kleidsam; der junge Mann zeigte sich angeregt, sie hatte Mühe, -ihn an den Ernst des Lebens zu erinnern. Ihre Interessen widersprechen sich -gar nicht. -- Nein, erwiderte er, denn er werde glücklich sein, sie -zufrieden zu sehen, sogar auf seine Kosten. - -»Das ist eine unvorsichtige Aeußerung. Aber es ist, als sei sie nicht -getan, denn von mir haben Sie nichts zu fürchten, ich werde Florenz bald -verlassen haben.« - -Und auf seine enttäuschten Ausrufe: - -»Warum sollten wir nicht offen miteinander reden? Wir kennen uns, weder Sie -noch ich halten uns hier im Hause zu unserm Vergnügen auf. Ich bin -hergekommen, um durch den Cavaliere mit Leuten bekannt zu werden, die mir -nützen könnten; denn ich habe höhere Zwecke, als sie glauben.« - -Indes er die Augen aufriß, setzte sie ihm auseinander, daß sie sich -überzeugt habe, in Florenz sei weder viel Geld noch große Macht zu -erwerben. Die Gesellschaft sei vorurteilsvoll, das politische Treiben -belanglos. Er rühme sich doch seiner Bekannten in Rom, aller dieser -Journalisten, dieser Deputierten. - -»Das bewegte Leben, der weitverzweigte Einfluß, die Intrigen, das ist's, -was mich anzieht. Welches Spiel mit Menschen treibt ein Mann wie der Conte -Malfigi, und welches Spiel würde erst eine Frau treiben, die ihn in der -Hand hätte!« - -Der junge Gino lächelte überlegen zu den abenteuerlichen Vorstellungen -dieser kleinen Provinzlerin; er öffnete den Mund, um über den Conte Malfigi -etwas zu erzählen, besann sich aber rechtzeitig. Er wollte ihr helfen, bei -seinen Verbindungen sei es leicht. Sie möge auf ihn zählen. Und er nahm -Abschied, beruhigt über die Zukunft seines Erbes, aber übelwollend -gestimmt, weil in den Plänen der interessanten Frau ihm selbst eine so -untergeordnete Rolle zugeteilt war. - -Schon tags darauf kam er wieder zur selben Stunde und in Begleitung eines -schönen, bedeutenden Mannes gegen vierzig. Er stellte vor: Conte Malfigi. -Denn es traf sich außerordentlich, der berühmte Politiker und Lebemann war -vorübergehend in Florenz. Er erklärte, die Einladung seines jungen Freundes -sei ihm ein längst gesuchter Anlaß gewesen, die schöne und ungewöhnliche -Frau kennen zu lernen, von der man auch in Rom schon spreche. Er blieb bis -kurz vor dem Erwachen des Cavaliere Giordano. Dieselbe Stunde führte ihn -das zweitemal zu Frau Camuzzi, und Gino fehlte. Ihre dritte Zusammenkunft -aber verlegten sie bereits in ein möbliertes Hotel außerhalb des Zentrums -der Stadt. Der mächtige Mann zeigte sich begeistert von seiner Eroberung; -er sei entschlossen, Florenz nur mit ihr zu verlassen. Sie sagte einfach: -»Ich liebe dich, ich folge dir.« Garantien zu verlangen, verschmähte sie, -sie vertraute ihrer Kunst. In Rom bezogen sie nicht den Palazzo Malfigi, -sondern wählten, um sich einige Tage ungestört zu lieben, ein kleines -Hotel, wo der Conte unbekannt war. Erst des Abends gingen sie aus, -beschränkten sich im Theater auf die Rückplätze der Logen, in den -Restaurants auf die separierten Salons, und hatten wirklich das Glück, -unbeachtet zu bleiben. Der Conte vermied es sogar, sich Geld zu holen. Als -er keins mehr hatte, gab Frau Camuzzi das ihrige her. Endlich erklärte er, -den Sitzungen der Kammer nicht länger fernbleiben zu können; er wolle sie -nun in sein Haus führen. Sie widerstand nur zum Schein; der Liebestraum -währte ihr schon zu lange. Wie sie beim Bahnhof vorüberkamen, wunderte er -sich, daß sein Wagen nicht da sei. Sie nahmen eine Droschke. Er war bleich -und seufzte oft. Plötzlich sagte er: - -»Nun ist das Unglück geschehen, ich liebe dich wirklich.« - -»Ist das ein Unglück?« fragte sie. - -Er sagte: »Unter diesen Umständen wohl. Denn ich sollte dich nur zum Scherz -lieben, da ich ja gar nicht der Conte Malfigi bin.« - -Sie sank hart auf das Polster, ihre Augen waren schwarz wie nie, und ihre -Lippen lagen weiß aufeinander. Er hatte vollauf Zeit zu berichten. Er war -ein Versicherungsbeamter und mit dem jungen Gino befreundet, der ihn -angestiftet und ihn mit Geld versehen hatte. - -»Aber jetzt liebe ich dich. Verzeihe mir und bleibe bei mir!« - -Sie ließ den Wagen halten und sagte: - -»Steigen Sie aus!« - -Dann fuhr sie weiter, ohne zu wissen, wohin. Nach Florenz konnte sie nicht -zurückkehren; in ihrem Abschiedsbrief an den Cavaliere Giordano stand ein -unvorsichtiger Satz mit Bezug auf die Prahlereien des Alten, die sie so oft -gedemütigt hatten. Wie sollte sie auch nur den Kutscher bezahlen? -Schließlich ließ sie sich zu einem Juwelier fahren und verkaufte einen -Ring. - -Sie mietete ein Zimmer, das ärmste, billigste, das zu finden war, und in -dem Augenblick, da sie es betrat, schwur sie sich, nur gegen den Palazzo -Malfigi werde sie es vertauschen. Sie stellte sich diese Aufgabe als Buße -ihrer Einfalt, je schwerer sie war, desto schauerlicher die Wollust der -Anspannung. Eine mittellose Frau, nicht mehr ganz neu angezogen, ohne einen -einzigen Bekannten in dem gierigen Gewimmel der Hauptstadt -- und nahm sich -vor, bis in ihre begehrteste Mitte vorzudringen und eine ihrer Herrinnen zu -werden. Sie besuchte das Parlament und ließ sich den Abgeordneten Malfigi -zeigen. Es war ein halber Greis von fünfundfünfzig, etwas lächerlich -zurechtgestutzt. Er redete auch und machte ein paar Witze über die -Priester. Frau Camuzzi mußte an den Advokaten Belotti denken, den großen -Freigeist ihrer kleinen Stadt, der den Pfarrer Don Taddeo bekämpfte, aber -gleich dem letzten alten Weib an die Evangelina Mancafede glaubte, die -Unsichtbare, die aus ihrem dunklen Winkel hinter dem Turm nie hervorkam und -dennoch alle Schicksale der Stadt kannte, noch bevor sie eintraten. Die -Kammer und ihre Redeschlachten schienen ihr ein vergrößertes Abbild des -heimischen Marktplatzes. Wenn zu Hause der Baron Torroni durchaus nicht -wollte, daß der Wirt Malandrini zum Stadtverordneten gewählt werde, so -fürchtete er von ihm einen Streich, weil er mit seiner Frau etwas gehabt -hatte. Und Frau Camuzzi sah sich auf der Tribüne des Parlaments die Damen -an, die den Reden der Abgeordneten zuhörten. Welche von ihnen stak hinter -dem, was jetzt gesagt wurde? Später einmal würde es hier gewichtige Herren -geben, durch deren Mund sie selbst ihren Einfluß spielen ließ und ihre -Geschäfte besorgte! - -Dann ging sie ins Café Aragno, um von den Journalisten die -Kulissengeheimnisse zu erlauschen. Sie saß da mit ihrer Zigarette, -unbeteiligt und unnahbar. Die jungen Leute taten vergeblich wichtig -voneinander, damit sie hinsähe. Als eines Tages mitten aus dem Rudel hervor -ihr Landsmann Savezzo auf sie zukam, begrüßte sie ihn kühl, obwohl sie die -ganze Zeit auf ihn gewartet hatte. Er sah noch abgeschabter aus als daheim, -aber auch noch verbissener. Er war auf dem Marsch! Die Gesellschaft -korrupter Mittelmäßigkeiten hier hielt zusammen gegen ihn und sein Talent, -wie zu Hause die Clique der Herren. Aber er würde eindringen und hindurch, -hinan! Er erzwang sich Achtung mit Artikeln in den kleinen Revuen, wo die -Kommenden drängten und bohrten. Schon war, beim Krach der Allgemeinen -Kreditbank, da die Entrüstung im Publikum überhand nahm, eine große Zeitung -genötigt gewesen, ihm ihre Spalten zu öffnen, als der Stimme der Jugend. - -Er erlangte mit Mühe die Erlaubnis, ihr seine Freunde vorzustellen, mußte -aber sofort bemerken, daß mehrere, die schon über Verbindungen verfügten, -besser behandelt wurden als er. Eines Abends erschien sie nicht, und auch -einer der jungen Leute blieb fort. Am nächsten Tage erwartete Savezzo sie -auf der Straße, um ihr eine Szene zu machen. Sie antwortete, sie sei -gestern nicht gekommen, weil sie Gelegenheit gehabt habe, eine ihr wichtige -Persönlichkeit kennen zu lernen: den Sekretär des Abgeordneten Malfigi. -Auch eine Ehre, meinte Savezzo: der Sekretär eines ausgesogenen Lebemannes -und erledigten Politikers, den schon keine Frau mehr plündere und kein -Finanzmann mehr besteche. Er selbst, Savezzo, habe ihn längst gebrandmarkt. -Eine überlebte Figur, nur noch vorhanden, weil die Provinz fortfahre, an -die alten Größen zu glauben. Frau Camuzzi antwortete darauf nicht, und -Savezzo, der ihr nachspürte, hatte noch oft die schlimmste Eifersucht zu -leiden. Denn sie erhörte ihre jungen Kameraden dafür, daß sie sie in eine -Gesellschaft einführten, oder nur für eine nützliche Auskunft, an Tagen der -Not sogar, um essen zu können. Sie machte ihre härteste Zeit durch. Savezzo -knirschte, weil nur er davon nichts hatte. Welch ein Sieg über die -hochmütige Sippe daheim, hätte er eine ihrer Frauen in seine Gewalt -bekommen! Frau Camuzzi scheute gerade seine Indiskretion. Wenn er ihr -sagte: »Wir werden zusammen steigen! Allen diesen Leuten werden wir den Fuß -in den Nacken setzen!« so lächelte sie nur. Sie war überzeugt, er werde -nicht durchdringen, mit brutaler Empörung sei nichts zu machen. Sich -anschmiegen, sich hineinstehlen in die Welt der großen Diebe, hassen, -verführen und betrügen: das war der Weg. - -Auch dem Sekretär des Conte Malfigi schlug endlich die Stunde, da Frau -Camuzzi ihn glücklich machte; und sie schlug keinen Augenblick früher, als -bis er die Bedingung erfüllt und Frau Camuzzi eine Stellung bei seinem -Herrn verschafft hatte. Jetzt wohnte sie also im Palazzo Malfigi, und der -Abgeordnete diktierte ihr seine Reden, die sie geistreicher niederschrieb, -als sie waren. Freudig erstaunt über seine Erfolge in der Kammer, ward er -aufmerksam auf seine Mitarbeiterin, für deren Eifer es offenbar nur die -Erklärung gab, daß sie ihn liebte. So oft er ihr nun diktierte, ließ er -jedem andern die Tür verbieten. Er bekundete ihr sein Interesse; und sie -widerstand. Sie zeigte sich ihm als Frau von Erziehung und -Menschenkenntnis, erworben durch schwere Schicksale; gab ihm Winke über -Leute, die ins Haus kamen, und Ratschläge, die sich bewährten. Seine -Begriffe von ihr veränderten sich schnell so weit, daß er sie zur Tafel -hinzuzog, auch wenn Senatoren und Minister da waren. Die Hausgenossen -bekamen Befehl, ihr als einer Dame von Rang zu begegnen. Sie würden -ohnedies nichts anderes gewagt haben, denn Frau Camuzzi hatte längst jeden -von ihnen in der Hand. Sie kannte die Diebereien der Diener, machte dem -Kaplan Komplimente über sein blühendes Aussehen, wenn er die ganze Nacht -dort oben im vierten Stock seinen kleinen Freunden ein Gelage gegeben -hatte; und was den Haushofmeister betraf, hatte Frau Camuzzi die Vorsicht -geübt, Briefe zu öffnen, die er von der bisherigen Geliebten des Conte -Malfigi bekam; sonst hätten die beiden ungestört dem armen Conte die -Vaterschaft zuschieben können an dem Kind, das erwartet wurde. Am meisten -betroffen aber war der Sekretär. Er hielt es kaum mehr für wahr, daß er -einmal vertrauliche Beziehungen gehabt haben sollte zu der Frau, die nun -das Haus und den Herrn beherrschte und ihm selbst die Mitwisserschaft an -dem, was vorging, schon vollständig abgenommen hatte. Er tröstete sich -damit, daß die ganze Herrlichkeit auch sonst nicht mehr lange gedauert -haben würde; denn so viel konnte er sich sagen, daß das neuerdings so -zerfahrene Wesen seines Prinzipals mit dem bevorstehenden Prozeß der -Kreditbank zusammenhänge. Sein Name war auf der Liste der Bestochenen, das -wußte im Café jeder; und morgen oder übermorgen konnte es in den Zeitungen -stehen. - -Frau Camuzzi, die noch mehr wußte, ließ den Conte schon seit acht Tagen -keine Minute aus dem Auge. Zu seinen Verabredungen folgte sie ihm heimlich -in einem Mietswagen. Zog er sich in sein Arbeitszimmer zurück, blieb sie an -der Tür und lauschte. Einmal stöhnte er ungewöhnlich viel, sie hörte ihn -Schiebladen öffnen und zustoßen, dann ein merkwürdiges Knacken: da trat sie -ein. Malfigi hielt einen Revolver in der Hand. Sie nahm ihn ihm fort und -sagte: - -»Glauben sie denn wirklich, daß es so schlimm steht?« - -Er deutet nur nach dem Schreibtisch, auf ein neidgelbes Heft des -»Morisators.« Sie kenne den Artikel, sagte Frau Camuzzi; schon vor seinem -Erscheinen habe sie ihn gekannt. Der Verfasser, dieser Savezzo, sei ihr -Freund. - -»Und sie haben mir nichts gesagt! Sie sind also auch meine Feindin?« - -Sie setzte ihm auseinander, daß dieser Savezzo ein Fanatiker sei, vielmehr -ein Mensch, der seinen Erfolg auf der Wahrheit zu begründen hoffe, wie die -andern auf dem -- Entgegenkommen. Mit Geld sei er nicht aus dem Wege zu -räumen, Malfigi habe schon genug Geld ausgeteilt. - -»Fast mein letztes,« und er raufte sich das spärliche Haar. »Auch dem -Senator Russo habe ich Geld gegeben, damit seine Zeitung schweigt. Und -jetzt klagt uns dieser Mensch gemeinsam an!« - -»Aber das ist das Beste, was geschehen konnte, und es hat mich unendlich -Mühe gekostet, das Material gegen Russo zu beschaffen.« - -»Wie? Sie? Sie sind es, die mich umbringt?« - -Es dauerte lange, bis sie ihn so weit hatte, daß er ihr zuhörte. Eine -Anklage von seiten des Savezzo sei die sicherste Rehabilitierung, die einem -Verdächtigen widerfahren könne. Die Presse, die für sein Geld vielleicht -nicht immer nach Wunsch gearbeitet haben würde -- ihr sei darüber einiges -bekannt geworden --, jetzt werde sie eine Phalanx des Schweigens bilden -gegen den Verräter, der sie selber fortwährend besudle und auch in diesen -Angriff einen der ihren verwickle. Kein Zeuge werde sich noch finden -lassen, der vor Gericht die Echtheit der den Abgeordneten und Exminister -Malfigi belastenden Schriftstücke zugebe. Sogar die Mühe des Leugnens werde -er sich sparen können, denn auch das Gericht werde seinen Namen mit -Schweigen verdecken. Schließlich sagte er tiefgerührt. - -»Dann wären sie meine Retterin.« - -»Nicht ich«, erwiderte sie langsam. »Ich habe viel zur Madonna gebetet. -Auch sie sollen es tun.« - -»Sie sind also fromm?« Er wollte lachen. Aber sie fragte ihn, ob er sicher -sei, daß dies alles nicht eine Strafe der Madonna sei, die er so oft -verleugnet habe. Sie erhob die gefalteten Hände. - -»Die schöne alte Madonna Ihres berühmten Geschlechts, das sie immer -beschützt hat! Wie lange schon wartet sie vergebens auf sie in der Kapelle -dieses Hauses! Sie müssen zu ihr zurückkehren, versprechen sie es mir, noch -heute Nacht!« - -Er gestand, daß er daran gedacht habe. Denn man könne nie wissen. Auch sein -Kaplan habe ihm davon gesprochen. - -Das wußte Frau Camuzzi, denn sie selbst hatte es bewirkt. - -»Aber erst Ihre schönen Augen bestimmen mich.« Und als alle schliefen, -schlich er hinunter. Die Tür der Kapelle kreischte; Malfigi hielt an, er -schämte sich, und er ward eigentümlich bedrückt von diesen lange gemiedenen -Schatten, aus deren Tiefe es unsicher flimmerte. Vor der Madonna brannte -die silberne Lampe wie in seiner Kindheit. Malfigi wollte schon hinknien -wie einst, besann sich aber und breitete zuerst sein Taschentuch über die -Altarstufe. Dann sah er unschlüssig hinauf in die Augen der Madonna, die -groß, schwarz und voll geheimnisvollen Lebens waren. Sie schienen zu -wissen, daß sie ihn ansahen, ja, sie schienen Erlaubnis zu nicken . . . und -da betete der Abgeordnete. Er betete, daß die Zeitungen schweigen und das -Gericht sich nicht mit ihm beschäftigen möge. Die Madonna sah ihn an, als -sei sie mit allem einverstanden. Hoffnung überflutete sein Herz, er weinte. -Wie er sich aber die Augen trocknete, gewahrte er, daß auch im Auge der -Madonna ein Tropfen hing: nun fiel er auf den Altar! Malfigi sprang auf, -besinnungslos, zum Schreien bereit. Die Wand entlang schlich er nochmals -hin. Hatte er sich nicht getäuscht? Nein! Jesus! Die Augen des Bildes waren -ihm gefolgt. Da floh er, stolperte hinaus und hielt sich das Herz. Er -beruhigte sich; Malfigi empfand Zorn, weil er sich hatte verjagen lassen, -und einen fast jugendlichen Drang, den Rausch dieses Wunders weiter zu -erleben, ihm auf den Grund zu kommen, sei es mit Gefahr des Lebens. Er -lauschte noch im Dunkel des Vestibüls: da schwebte eine Gestalt im langen -Mantel aus der Kapelle hervor, an ihm vorbei und die Treppe hinan. Er -hastete hinterdrein, verlor sie in den Korridoren, irrte umher und suchte. -Wie er dann sein Zimmer betrat und Licht machte, sahen aus dem Vorhang am -Bett die Augen der Madonna! Er stürzte darauf los, der Vorhang öffnete sich -. . . - -»Du hast mir mein Jugendfeuer zurückgegeben«, sagte eine Stunde später der -Conte Malfigi. »Jetzt liebe ich dich wirklich.« - -»Dann verstehst du auch,« erwiderte Frau Camuzzi, »warum ich früher noch -nicht gewollt habe. Fürchtest du dich jetzt noch vor dem Prozeß?« - -»Nein. Durch dich bekommt man Mut.« - -»Und bedenke, daß du morgen deinem Kaplan von einem Wunder zu berichten -hast. Er wird damit in den Vatikan laufen, jetzt schützt die Kirche dich. -Wollen die freimaurerischen Gerichte dir etwas anhaben, wird es heißen, es -sei nur die Rache für deine Bekehrung.« - -»Daran dachte ich gar nicht. Wie du rechnen kannst!« - -Ihm blieb noch eine Sorge. - -»Ich verstehe schon, du hast dem Bilde die Augen ausgeschnitten. Aber wird -man es nicht sehen?« - -»Wie kannst du denken?« sagte Frau Camuzzi, »Dem kostbaren alten Bild! -Natürlich habe ich eine Kopie genommen.« - -Der Abgeordnete Malfigi ward im Prozeß der Kreditbank nicht genannt, -vielmehr berief man ihn an die Spitze dieses Finanzinstituts. Im Parlament -war er fortan eine Stütze des patriotischen Klerikalismus. Frau Camuzzi, -von Würdenträgern der Kirche belobt, mit Hochachtung behandelt von den -hochstehenden Persönlichkeiten, die ins Haus kamen, sah ihre politische -Laufbahn glänzend eröffnet. Da das Gesetz über die Ehescheidung ernstlich -bevorzustehen schien, leistete sie die nützlichsten Dienste dadurch, daß -sie liberale Parlamentarier umstimmte. Bei dem einflußreichsten dieser -Herren gelangte sie ans Ziel vermittels eines Schäferstündchens, das sie -ihm versprach, und von dem sie gleichzeitig seine Gattin benachrichtigte. -Die Frau drohte, sie werde die erste sein, die sich scheiden lasse; und da -sie das Geld hatte, war der Mann gehalten, das Zustandekommen des Gesetzes -zu verhindern. - -Dies geschah in Neapel. In der Nacht, bevor Frau Camuzzi wieder abzureisen -gedachte, bebte die Erde. Ermüdet von ihrer anstrengenden Mission, schlief -Frau Camuzzi noch, als im Hotel schon alles in Aufruhr war. Wie sie endlich -hervorkam, fand sie im Gang nur eine hilflos umherhuschende alte Dame, im -Nachtkostüm wie sie. Frau Camuzzi ergriff sie und zog sie fort. Aber die -Treppe brannte, und aus dem Abgrund zwischen eingestürzten Mauern schlug -Qualm. Da kniete Frau Camuzzi hin und betete. Sie betete laut und mit einer -Inbrunst, die sie schüttelte. Plötzlich senkte der Boden sich schräg und -die beiden Damen glitten hinab. Sie langten unten an wie auf Flügeln und -unversehrt. Die alte Dame fuhr mit Frau Camuzzi nach Rom; sie war eine -unermeßlich reiche Lady. Sie behauptete, nur das Gebet dieser Heiligen habe -sie gerettet. »Ja«, sagte sie vor dem Conte Malfigi, »als sie betete, ging -ein Schein von ihr aus.« Und sie schrieb ihrer Retterin einen Scheck über -eine Million. - -Kurz darauf starb der Gemeindesekretär Camuzzi. Der Abgeordnete Malfigi -ward nochmals Minister und heiratete Frau Camuzzi. Der Salon der Contessa -Malfigi gehörte ein Jahrzehnt lang und auch noch nach dem Tode des Conte zu -den einflußreichsten unter den politischen Salons der Hauptstadt. Den -jungen Leuten, die regelmäßig bei ihr dinierten, prophezeite man die -Laufbahn des Abgeordneten, denen, die noch weiter bei ihr vordrangen, einen -Ministerposten; ihre Herkunft war nicht ganz vergessen; Legenden umrankten -sie, und man fand es pikant, ja satanistisch, daß eine ehemalige Kurtisane -die neue Generation zur Reaktion und zum Klerikalismus erziehe. Sie hatte -Anhänger, ehrgeizige Liebhaber, Verbündete oder Gegner: einen ihr -gewachsenen Freund hatte sie nicht. Einmal versuchte sie, sich dem Savezzo -zu nähern, der damals auf der Höhe seiner Macht war und in seinem »Jüngsten -Gericht« jede Woche die fürchterlichste Musterung unter seinen Zeitgenossen -abhielt. Sie erinnerte ihn daran, daß sie eine verwandte Geschichte hätten -und zusammen gestiegen seien. Aber er lehnte schroff ab; er wollte mit -niemandem gestiegen sein. Sie erreichte nur, daß er in der nächsten Nummer -seiner Zeitschrift ihre Vergangenheit entschleierte, einen verjährten Mord -durchblicken ließ und sie als Kaffeehausdirnchen erklärte, das sich die -Rolle des Weibes von Babylon anmaße. Ihre Frömmigkeit sei erst in zweiter -Linie politisches Mittel; vor allem sei sie Betschwester, weil sie vorher -den damit korrespondierenden Beruf ausgeübt habe . . . Sie zog Vorteil aus -dem einmal begangenen Fehler, indem sie, ohne daß er es ahnte, -Persönlichkeiten mit ihm in Verbindung setzte, deren Feindschaft sie -brauchte. Enttäuschungen wechselten mit Erfolgen. Kaum, daß das Herz noch -stärker klopfte bei einem Sieg oder einer Niederlage. Am raschesten verging -ein Tag, an dem man sich rächen konnte! Dieser unbedeutende Fiorio, als -Unterpräfekt daheim in der kleinen Stadt auf ewig vergessen, wenn es nicht -der Contessa Malfigi eingefallen wäre, ihn zum Präfekten zu machen: er -hatte sich erlaubt, sie verraten zu wollen. Sie hatte ihm den Abgeordneten -geschickt, den er wählen zu lassen hatte; sie hatte sogar sichere Leute -geschickt, die in ein Fenster der Präfektur schossen, so daß Fiorio die -Wahlversammlungen verbieten, den Munzipalrat auflösen und ohne jede -Opposition seinen Kandidaten durchbringen konnte. Da, ein Telegramm ihres -Schützlings an die Contessa: der Präfekt hatte nicht ihn, sondern seinen -einzigen Bruder als Regierungskandidaten aufgestellt. Sie sorgte sofort -dafür, daß eine Zeitung, offenbar durch Vertrauensbruch, eine Depesche des -Ministers an den Präfekten Fiorio wiedergeben konnte, worin der Minister es -mißbilligte, daß der Präfekt aus wahltaktischen Gründen von gedungenen -Attentätern in seine Fenster schießen lasse. Angesichts des allgemeinen -Entrüstungssturmes wagte der Minister die Depesche, die er nie geschrieben -hatte, nicht abzuleugnen; der Präfekt Fiorio ward abgesetzt. - -Sie ließ ihre Macht noch höher hinauf fühlen. Der Graf von Benevent, der -elegante Vetter des Königs, hatte ein verächtliches Wort über sie -gesprochen, und es war ihr zu Ohren gekommen. Sie gab ihm Gelegenheit, sich -zu rechtfertigen; obwohl sie ihn albern fand, zeigte sie ihm, daß er ihr -gefalle. Er beging die Torheit, ihr offene Feindschaft zu erklären. Ein -Jahr später sah sich seine Geliebte, die russische Tänzerin Lorida, in ein -weitläufiges, kaum entwirrbares Netz von Verdächtigungen verstrickt, und -der Tag kam, da sie als Spionin verhaftet ward. Nach langen Ängsten, die -den Prinzen nicht weniger trafen als sie, und bloßgestellt von der ganzen -Presse, war sie noch froh, in ihre Heimat abgeschoben zu werden. Der Graf -von Benevent ging nach Afrika. Unter den Mitgliedern der Aristokratie, die -sich im Bahnhof eingefunden hatten, war die Contessa Malfigi. Sie sagte: -»Ich habe ihm das Billet gekauft, ich muß ihn auch einschiffen.« - -Aber es war bestimmt, daß auch ihr ein Billet gekauft werde. Zum zweiten -Mal in ihrem Leben verfiel sie der Liebe. Ein junger Mann ward ihr -zugeführt: sie erschrak, denn sie glaubte, Nello Gennari wiederzusehen, den -Geliebten von einst, der durch sie gestorben war. Auch dieser hob so die -umflorte Stirn und ließ das weichgelockte Haar so schwanken über seinen -Augen, seinem beschatteten Lächeln, als betrauere er die eigene Schönheit. -Die Contessa Malfigi zeigte sich sofort und vor aller Welt hingerissen, -eifersüchtig, voll unbedachter Triebe. Man sah eine Frau, die keiner -kannte. Sie behielt den jungen Mann im Hause, ließ ihn, wenn Leute kamen, -nicht von ihrer Seite, nahm ihn in ihrem Wagen mit, aber nicht zum Korso, -wo man gesehen wird, sondern auf die alten Straßen der Trümmer und Einöden. -Sie schwor ihm, daß sie ihn groß machen werde, zum Deputierten, zum -Minister, zum Ritter des Annunziaten-Ordens. Er solle sie lieben, er solle -sie lieben! Und er: »Ich danke dir so sehr, und ich liebe dich.« Aber sie -hörte wohl, es sei nicht wahr und nichts, nichts vermöge sie über ihn; denn -er war nicht ehrgeizig. Sie enthüllte ihm ihre Geschäfte, ihre gefährlichen -Geheimnisse; ganz ohne Mühe fiel ihm in den Schoß, was sie selbst, als sie -zuerst in dies Haus eingedrungen war, mit List und Gewalt an sich gebracht -hatte. Er konnte hier der Herr werden, wie sie die Herrin geworden war. -Totò, ich verschaffe dir den Namen eines Conte Malfigi! Ach! er glich nicht -ihr, er glich jenem Nello. Weich, schwach und träge lag er da, stumm -klagend, weil sie ihn nicht mit Geld versah und hinausließ zu seinen jungen -Freunden, damit er spiele, lache und sie betrüge, sie, die nur ihn hatte, -nur ihn auf der Welt! »Totò, mein Liebling, du bist Sekretär des Ministers -Afrano. Liebst du mich?« Nun sank er ihr wohl in die Arme; aber sie wußte, -es war nur, weil er hinaus durfte. Um so fester schloß sie ihn ein. Die -Stunden kamen, da sie ihn mißhandelte, und die, in denen sie ihn floh, um -zu weinen. Sie beweinte vor dem Spiegel ihr Bild von einst, die Reize, die -ungenützt verfallen waren. »Was habe ich gehabt? Ich habe Glück und Unglück -verteilt. Ich habe das Zittern von Menschen gefühlt. Man hat mich geliebt, -weil ich mächtig war. Das alles war nichts. Man hat mich betrogen!« Der -Nello von einst hatte sie leiden lassen und jene Alba geliebt; und nun lag -dieser dort drinnen, blaß, mit dem hilflosen Blick gefangener Tiere, und -ahnte nicht einmal ihr Elend. - -»Totò!« rief sie durch die Tür. »Sekretär eines Ministers, das wäre zu -wenig für dich. Warte noch, mein süßes Herz, du wirst noch mehr werden.« - -Er antwortete nicht. Sie ging hinein -- und fuhr erstickend zurück. Totò -hing an der Decke. - -Sie war von Sinnen, sie wollte mit ihm ins Grab. Als sie wieder weinen -konnte und gerettet war, sagte sie: - -»Ich hätte es wissen sollen. Dieser Typus bringt mir Unglück.« - -Sie wollte fort, aus allem fort und zurück in ihre kleine Stadt. »Nie hätte -ich mich entwurzeln lassen dürfen!« Man hielt ihr vor, daß damit ihren -Feinden gedient, ihren Freunden das Verderben bereitet wäre. - -»Wer sind meine Freunde? Der Savezzo hat recht, in dieser harten Welt muß -jeder allein und gegen alle stehen. Ich war zu gut. Weh' dem, der ein Herz -hat!« - - - - -DIE NEUE REIHE - - -DICHTUNG DER JUNGEN GENERATION - -Jede Nr. kart. 2.--, Doppel-Nr. 3.--, Geb. in Künstler-Buntpapier -3.25, Doppel-Nr. 4.25, Sign. u. numer. Liebhaberausgaben -auf Bütten in Halbperg. 25.--, in Halbled. 50.-- - - Nr. 1 HERMANN KASACK, Der Mensch. Gedichte - 2 HEINR. ED. JACOB, Das Geschenk der schönen Erde. Idyllen - 3 RICHARD HUELSENBECK, Verwandlungen. Prosa - 4 IWAN GOLL, Der Torso. Stanzen und Dithyramben - 5|5a ARNOLD ZWEIG, Bennarône. Erzählung - 6 GOTTFRIED KOELWEL, Erhebung. Gedichte - 7 ALFRED WOLFENSTEIN, Der Lebendige. Novellen - 8|8a RUDOLF LEONHARD, Beate und der große Pan. Roman - 9 KURT HEYNICKE, Gottes Geigen. Gedichte - 10 u. 11 ALFRED LEMM, Mord Novellen. 2 Bände. _Einzeln käuflich_ - 12 HENRIETTE HARDENBERG, Neigungen. Gedichte - 13 PAUL ZECH, Gelandet. Ein dramatischen Spiel - 14 ROBERT MUELLER, Das Inselmädchen. Novelle - 15 GEORG KAISER, Juana. Einakter - 16 OSKAR SCHUERER, Drohender Frühling. Gedichte - 17 CLAIRE STUDER, Der gläserne Garten. Novellen - 18 MAX HERRMANN, Die Preisgabe. Gedichte - 19 HEINRICH MANN, Die Ehrgeizige. Novelle - 20 OSKAR LOERKE, Die Chimärenreiter. Novellen - 21 FRIEDRICH BURSCHELL, Die Einfalt des Herzens. Prosa - 22 PAULA LUDWIG, Die selige Spur. Gedichte - 23 ERHARD BUSCHBECK, Georg Trakl. Ein Requiem - 24 MANFRED GEORG, Der Rebell. Novelle - 25 ALFRED VAGTS, Gedichte - - -In Vorbereitung: - - -VERKÜNDIGUNG - -Anthologie jüngster Lyrik. Herausg, v. Dr. M. Sommerfeld. Preis ca. 10.-- - - -DER ANBRUCH - -EIN JAHRBUCH NEUER JUGEND - -Mit Beiträgen von P. Adler, A. Ehrenstein, A. v. Hatzfeld, P. v. Gütersloh, -P. Kornfeld, R. Müller, R. Pannwitz, E. Weiß, A. Wolfenstein u. a. -K. 6.--, gb. 8.-- - - -DIE FÜNF HEFTE - -Eine von OTTO FLAKE geschriebene Zeitschrift - -Jedes Heft Mk. 3.--, im Abonn. Mk. 12.50. Prospekt kostenlos. - - -DIE DICHTUNG - -PROGRAMMHEFT VOR DER II. FOLGE - -Mit zum Teil unveröffentl. Beiträgen aller Mitarbeiter. -Verlagskatalog kostenlos. Kart. Mk. 2.--, in Buntpapier geb. Mk. 4.-- - - - - - -Anmerkungen zur Transkription - - -Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Die Ehrgeizige, by Heinrich Mann - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE EHRGEIZIGE *** - -***** This file should be named 43335-8.txt or 43335-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/3/3/3/43335/ - -Produced by Jens Sadowski - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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It exists -because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from -people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. -To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 -and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive -Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at -http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent -permitted by U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. -Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered -throughout numerous locations. Its business office is located at -809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email -business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact -information can be found at the Foundation's web site and official -page at http://pglaf.org - -For additional contact information: - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To -SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any -particular state visit http://pglaf.org - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. -To donate, please visit: http://pglaf.org/donate - - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic -works. - -Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm -concept of a library of electronic works that could be freely shared -with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project -Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. - - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. -unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily -keep eBooks in compliance with any particular paper edition. - - -Most people start at our Web site which has the main PG search facility: - - http://www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. diff --git a/43335-8.zip b/43335-8.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index 478ed1b..0000000 --- a/43335-8.zip +++ /dev/null diff --git a/43335-h.zip b/43335-h.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index 78a4344..0000000 --- a/43335-h.zip +++ /dev/null diff --git a/43335-h/43335-h.htm b/43335-h/43335-h.htm index b21f71d..4bf15f7 100644 --- a/43335-h/43335-h.htm +++ b/43335-h/43335-h.htm @@ -67,40 +67,9 @@ li { text-align:left; margin-bottom:0.5em; margin-left:1em; } </head> <body> +<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 43335 ***</div> -<pre> - -The Project Gutenberg EBook of Die Ehrgeizige, by Heinrich Mann - -This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with -almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Die Ehrgeizige - -Author: Heinrich Mann - -Release Date: July 28, 2013 [EBook #43335] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE EHRGEIZIGE *** - - - - -Produced by Jens Sadowski - - - - - -</pre> <div class="centerpic"> @@ -1185,376 +1154,7 @@ Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachhe -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Die Ehrgeizige, by Heinrich Mann - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE EHRGEIZIGE *** - -***** This file should be named 43335-h.htm or 43335-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/3/3/3/43335/ - -Produced by Jens Sadowski - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. Special rules, -set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to -copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to -protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project -Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you -charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you -do not charge anything for copies of this eBook, complying with the -rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose -such as creation of derivative works, reports, performances and -research. They may be modified and printed and given away--you may do -practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License (available with this file or online at -http://gutenberg.org/license). - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy -all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession. -If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project -Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the -terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or -entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement -and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic -works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation" -or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project -Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the -collection are in the public domain in the United States. If an -individual work is in the public domain in the United States and you are -located in the United States, we do not claim a right to prevent you from -copying, distributing, performing, displaying or creating derivative -works based on the work as long as all references to Project Gutenberg -are removed. Of course, we hope that you will support the Project -Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by -freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of -this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with -the work. You can easily comply with the terms of this agreement by -keeping this work in the same format with its attached full Project -Gutenberg-tm License when you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in -a constant state of change. If you are outside the United States, check -the laws of your country in addition to the terms of this agreement -before downloading, copying, displaying, performing, distributing or -creating derivative works based on this work or any other Project -Gutenberg-tm work. 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If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived -from the public domain (does not contain a notice indicating that it is -posted with permission of the copyright holder), the work can be copied -and distributed to anyone in the United States without paying any fees -or charges. If you are redistributing or providing access to a work -with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the -work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1 -through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the -Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or -1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional -terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked -to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the -permission of the copyright holder found at the beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any -word processing or hypertext form. 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INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance -with this agreement, and any volunteers associated with the production, -promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works, -harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees, -that arise directly or indirectly from any of the following which you do -or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm -work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any -Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause. - - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of computers -including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists -because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from -people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. -To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 -and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive -Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at -http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent -permitted by U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. -Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered -throughout numerous locations. Its business office is located at -809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email -business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact -information can be found at the Foundation's web site and official -page at http://pglaf.org - -For additional contact information: - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To -SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any -particular state visit http://pglaf.org - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. -To donate, please visit: http://pglaf.org/donate - - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic -works. - -Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm -concept of a library of electronic works that could be freely shared -with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project -Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. - - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. -unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily -keep eBooks in compliance with any particular paper edition. - - -Most people start at our Web site which has the main PG search facility: - - http://www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - - -</pre> +<div>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 43335 ***</div> </body> </html> diff --git a/43335-page-images.zip b/43335-page-images.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index 15a1fae..0000000 --- a/43335-page-images.zip +++ /dev/null |
