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+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 43335 ***
+
+ NEUE REIHE
+ BAND 19
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+ 1.--5.TAUSEND
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+ HEINRICH MANN
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+ DIE EHRGEIZIGE
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+ NOVELLE
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+ 1920
+ MÜNCHEN
+ ROLAND-VERLAG DR. ALBERT MUNDT
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+Daß er der Frau des Gemeindesekretärs die schöne Alba Nardini vorzog, mußte
+der junge Tenor Nello Gennari mit dem Leben büßen. Frau Camuzzi hatte
+geschickt gehandelt; niemand ahnte, sie sei es gewesen, die Alba auf die
+Frau des Schneiders eifersüchtig gemacht und sie in solchen Wahnsinn
+getrieben hatte, daß sie den Geliebten und sich erstach. Ungefährdet hätte
+sie weiterleben können. Vier Wochen später aber verschwand sie aus der
+kleinen Stadt.
+
+Von Florenz schrieb sie ihrem Gatten, daß sie den Gedanken nicht länger
+habe ertragen können, sie solle an seiner Seite altern. Denn er habe keinen
+Ehrgeiz. Statt sich in die Politik zu werfen, zu handeln, zu steigen, statt
+seiner Frau, die nach ihnen lechze, die Höhen der Welt zu erschließen,
+halte er sie nieder, lasse sie verkümmern im Dunstkreis seiner trägen
+Skepsis; und die Macht in der Stadt behalte ein Marktheld wie der Advokat
+Belotti. Noch sei sie jung; und so habe sie denn auf eigene Verantwortung
+den Schritt getan, den er sie nicht habe führen wollen. Als Geliebte des
+berühmten Künstlers Cavaliere Giordano trete sie in die große Welt ein, der
+sie sich gewachsen fühle. Mit vollem Bewußtsein habe sie sich ihr Schicksal
+geschaffen. Camuzzi solle nicht versuchen, sie zu hindern, es wäre unnütz.
+
+Die Wahrheit war, daß sie sich dem alten Giordano nicht aus Ehrgeiz
+hingegeben hatte, sondern im Dienst ihrer Rache an Nello Gennari, und daß
+sie es schon getan hatte, als er in der kleinen Stadt weilte. Ein
+ahnungsloses Wort des alten Sängers hätte das Mißverständnis zerreißen
+können, dem der junge erliegen sollte. Darum behielt Frau Camuzzi ihn bei
+sich im Zimmer, bis endlich die ganze Operntruppe von dannen war und Nello
+sich im Hause des Schneiders verborgen hatte, unwissend, daß er nicht
+bestimmt sei, mit Alba zu fliehen, vielmehr mit ihr zu sterben . . . Nun
+aber waren sie fort, die Komödianten. Die kleine Stadt, die dank ihnen
+kurze Zeit ein gesteigertes Lebensgefühl gekannt hatte, fiel zurück in um
+so grauere Nüchternheit, und Frau Camuzzi hinter ihren verschlossenen
+Fensterläden litt die Qualen der lebendig Begrabenen. Sie hatte sich
+gezeigt, wer sie war und was sie vermochte. Dort oben in der steinigen Erde
+des Friedhofes lagen zwei, deren Verhängnis, allen unbekannt, sie gewesen
+war. Im Bewußtsein ihrer entsetzlichen Macht saß sie stundenlang reglos auf
+ihrem Bett, die Augen in den großen schwarzen Augen, die aus dem Spiegel
+starrten. Plötzlich aber drückte sie sie ins Kissen, krümmte sich ganz
+zusammen und erstickte ihr Stöhnen. Denn ihre Macht war Ohnmacht gewesen:
+sie hatte nicht machen können, daß Nello sie liebte! Jene beiden verhöhnten
+sie noch aus dem Grabe. Nachts hörte sie ihre Stimmen; sie sprachen von
+Umarmungen, die sie ihr stahlen. »Nello, ich töte dich!« -- »Das hast du
+schon getan. Was kannst du noch! Ich liebe Alba.« Dann, Gesicht und Hals
+naß von Tränen, erwachte sie, und neben ihr atmete wohlig dieser Mann, dem
+es gut ging, da er sein Leben lang Gemeindesekretär und ihr Gatte zu sein
+dachte. Das nicht, das nicht! -- und eines Morgens in der Dämmerung bestieg
+sie drunten am Stadttor ein Wägelchen, weil für solch eine kleine Stadt
+beides zu groß gewesen war, ihre Tat und ihre Liebe.
+
+Der Gemeindesekretär in seiner tiefen Ueberzeugung, daß die Welt trotz
+aller menschlichen Anstrengungen doch immer am selben Fleck bleibe und
+eigentlich nichts geschehe, war sehr erstaunt, als ihm seine Frau
+durchging. Er machte die Reise nach Florenz, bestellte sie in ein Café, und
+sie kam auch, denn sie kannte ihn. Er sagte ihr nichts, was ein maßvoller
+und klarsichtiger Mann nicht sagen konnte. Er wollte sie an keine
+Empfindung erinnern, die sie daheim zurückhalten könne. Kinder seien nun
+einmal nicht da, und für sich selbst bitte er nicht. Aber sie sollte ihre
+eigenen Chancen erwägen. Die seien nicht groß, denn sie kenne die Welt
+nicht, sei, was sie sich auch einbilde, eine Kleinstädterin und auch nicht
+schön genug für das, was sie vorhabe, nicht von der verführerischen, den
+Mann herabziehenden Schönheit, die solchen Frauen zum Erfolg verhelfe.
+
+»Aber jene haben keinen Verstand, und ich weiß, was ich will. Uebrigens
+bleibt mir keine Wahl, denn bei dir kann ich nicht länger leben.«
+
+Der Gatte gab zu, daß man mit dieser Tatsache rechnen müsse. Er halte sie
+für krank, werde dies zu Hause angeben und ihre Rückkehr innerhalb der
+nächsten acht Wochen in Aussicht stellen. Sie sei ihm stets willkommen;
+Gewalt und Skandal lägen nicht in seiner Absicht. Romantische Einflüsse
+trügen wohl die Schuld an allem, wiederholte er mehrmals; und er nannte
+sogar den Namen Nello Gennari, wenn auch ohne unvorsichtige Folgerungen. Er
+war ein kluger Gatte. Frau Camuzzi, die seiner Einladung nur gefolgt war,
+weil es nichts zu befürchten gab, haßte ihn, wie er nun fortging, ohne sich
+aufgeregt zu haben, noch heftiger.
+
+Andererseits war das Zusammenleben mit dem Cavaliere Giordano nicht reich
+an Reizen. In seinem Hause war der Aufenthalt einer Frau nicht vorgesehen.
+Die Zimmer glichen Ausstellungen von Porzellan und Goldwaren; unter jeder
+Vase, jedem Schrein eine Tafel: »Von Seiner Majestät dem Kaiser von
+Rußland«, »Von der Stadt Buenos Aires«; und in seinem Schlafzimmer hingen
+die alten goldenen Kränze, »Vom Maestro Rossini«, »Von Madame Ratazzi«,
+über allen Wänden und bis auf das Bett des alten Sängers; dies Prunkbett,
+mit rotem Damast zwischen den vergoldeten Schnitzereien, war ein Geschenk
+der Kaiserin Eugénie. Frau Camuzzi saß des Abends mit ihm im Café, als
+einzige Frau unter seinen Freunden. Wenn alle anderen fort waren, blieben
+sie beide noch sitzen; der Alte wartete auf den Schlaf, und sie spielten
+Domino.
+
+Er blies sich auf, so oft er mit ihr durch die Straßen ging. Die Grüße nahm
+er mit bedeutsamem Lächeln an, und auf Glückwünsche entgegnete er:
+
+»Man sieht wohl, der Ruhm ist nicht eitel. Wir berühmten Männer haben vor
+euch andern dennoch etwas voraus; denn in einem Alter, wo Schönheit und
+Kraft nicht mehr für uns werben, ist es unser großer Name, der eine Frau
+von weitem herbeizieht. Dies Geschöpf wäre zugrunde gegangen ohne mich.«
+
+Sie hatte es ihm gesagt, und er war überzeugt davon. Geschmeichelt durch
+die Macht, die ihm, so spät noch, über ein Leben gegeben war, faßte er eine
+wahre Zuneigung für die junge Frau. Vor dem Schlafengehen, wenn er sie
+schon auf die Stirn geküßt hatte, behielt er manchmal noch väterlich und
+gedemütigt zugleich, ihre Hand in der seinen. Warum hatte er sie nicht
+früher gekannt, als er einer Frau mehr zu sein vermochte als heute!
+Freilich würde er damals den Wert einer Liebe wie der ihren vielleicht
+nicht verstanden haben. Das Leben war grausam, man mußte auf Gott hoffen
+. . . Um so freigebiger kam er allen Wünschen seiner Freundin zuvor. Man
+begann, wo sie vorüberfuhr, nach dem Namen dieser eleganten Frau zu fragen.
+Der alte Sänger sah sich nach einer Villa um, die er ihr zu schenken
+dachte. Denn sein Haus hatte er als Museum seines Ruhmes der Stadt
+vermacht.
+
+Dies alles aber war nicht geeignet, dem jungen Gino zu gefallen, einem
+liebenswürdigen Bummler, der neben dem Spiel und den kleinen Geschenken der
+Frauen mit nichts so sehr rechnete wie mit der offenen Hand seines Onkels,
+des Cavaliere Giordano. Die hübsche Intrigantin, die sich bei dem armen
+Alten eingenistet hatte, mochte ihm, Gino, immerhin süße Augen machen, das
+hinderte nicht, daß er sich bedroht fühlte. Was wollte sie? Den Alten
+heiraten? Oder ihn selbst, den gesetzlichen Erben? Manchmal verliebte er
+sich für einen Abend; und manchmal verfolgte er das Ziel, sie zu verführen
+und sich von seinem Onkel mit ihr erwischen zu lassen. Frau Camuzzi selbst
+erlöste ihn aus seinen Zweifeln. Die Erbschaft des Sängers schien ihr nicht
+bedeutend genug, um ihretwegen die Laufbahn, der sie sich bestimmte, mit
+einem Skandal zu eröffnen. Eines Nachmittags, als der Alte schlief, rief
+sie den Neffen in ihr Zimmer. Die roten Vorhänge belebten ihre Haut, ihre
+Matinee war kleidsam; der junge Mann zeigte sich angeregt, sie hatte Mühe,
+ihn an den Ernst des Lebens zu erinnern. Ihre Interessen widersprechen sich
+gar nicht. -- Nein, erwiderte er, denn er werde glücklich sein, sie
+zufrieden zu sehen, sogar auf seine Kosten.
+
+»Das ist eine unvorsichtige Aeußerung. Aber es ist, als sei sie nicht
+getan, denn von mir haben Sie nichts zu fürchten, ich werde Florenz bald
+verlassen haben.«
+
+Und auf seine enttäuschten Ausrufe:
+
+»Warum sollten wir nicht offen miteinander reden? Wir kennen uns, weder Sie
+noch ich halten uns hier im Hause zu unserm Vergnügen auf. Ich bin
+hergekommen, um durch den Cavaliere mit Leuten bekannt zu werden, die mir
+nützen könnten; denn ich habe höhere Zwecke, als sie glauben.«
+
+Indes er die Augen aufriß, setzte sie ihm auseinander, daß sie sich
+überzeugt habe, in Florenz sei weder viel Geld noch große Macht zu
+erwerben. Die Gesellschaft sei vorurteilsvoll, das politische Treiben
+belanglos. Er rühme sich doch seiner Bekannten in Rom, aller dieser
+Journalisten, dieser Deputierten.
+
+»Das bewegte Leben, der weitverzweigte Einfluß, die Intrigen, das ist's,
+was mich anzieht. Welches Spiel mit Menschen treibt ein Mann wie der Conte
+Malfigi, und welches Spiel würde erst eine Frau treiben, die ihn in der
+Hand hätte!«
+
+Der junge Gino lächelte überlegen zu den abenteuerlichen Vorstellungen
+dieser kleinen Provinzlerin; er öffnete den Mund, um über den Conte Malfigi
+etwas zu erzählen, besann sich aber rechtzeitig. Er wollte ihr helfen, bei
+seinen Verbindungen sei es leicht. Sie möge auf ihn zählen. Und er nahm
+Abschied, beruhigt über die Zukunft seines Erbes, aber übelwollend
+gestimmt, weil in den Plänen der interessanten Frau ihm selbst eine so
+untergeordnete Rolle zugeteilt war.
+
+Schon tags darauf kam er wieder zur selben Stunde und in Begleitung eines
+schönen, bedeutenden Mannes gegen vierzig. Er stellte vor: Conte Malfigi.
+Denn es traf sich außerordentlich, der berühmte Politiker und Lebemann war
+vorübergehend in Florenz. Er erklärte, die Einladung seines jungen Freundes
+sei ihm ein längst gesuchter Anlaß gewesen, die schöne und ungewöhnliche
+Frau kennen zu lernen, von der man auch in Rom schon spreche. Er blieb bis
+kurz vor dem Erwachen des Cavaliere Giordano. Dieselbe Stunde führte ihn
+das zweitemal zu Frau Camuzzi, und Gino fehlte. Ihre dritte Zusammenkunft
+aber verlegten sie bereits in ein möbliertes Hotel außerhalb des Zentrums
+der Stadt. Der mächtige Mann zeigte sich begeistert von seiner Eroberung;
+er sei entschlossen, Florenz nur mit ihr zu verlassen. Sie sagte einfach:
+»Ich liebe dich, ich folge dir.« Garantien zu verlangen, verschmähte sie,
+sie vertraute ihrer Kunst. In Rom bezogen sie nicht den Palazzo Malfigi,
+sondern wählten, um sich einige Tage ungestört zu lieben, ein kleines
+Hotel, wo der Conte unbekannt war. Erst des Abends gingen sie aus,
+beschränkten sich im Theater auf die Rückplätze der Logen, in den
+Restaurants auf die separierten Salons, und hatten wirklich das Glück,
+unbeachtet zu bleiben. Der Conte vermied es sogar, sich Geld zu holen. Als
+er keins mehr hatte, gab Frau Camuzzi das ihrige her. Endlich erklärte er,
+den Sitzungen der Kammer nicht länger fernbleiben zu können; er wolle sie
+nun in sein Haus führen. Sie widerstand nur zum Schein; der Liebestraum
+währte ihr schon zu lange. Wie sie beim Bahnhof vorüberkamen, wunderte er
+sich, daß sein Wagen nicht da sei. Sie nahmen eine Droschke. Er war bleich
+und seufzte oft. Plötzlich sagte er:
+
+»Nun ist das Unglück geschehen, ich liebe dich wirklich.«
+
+»Ist das ein Unglück?« fragte sie.
+
+Er sagte: »Unter diesen Umständen wohl. Denn ich sollte dich nur zum Scherz
+lieben, da ich ja gar nicht der Conte Malfigi bin.«
+
+Sie sank hart auf das Polster, ihre Augen waren schwarz wie nie, und ihre
+Lippen lagen weiß aufeinander. Er hatte vollauf Zeit zu berichten. Er war
+ein Versicherungsbeamter und mit dem jungen Gino befreundet, der ihn
+angestiftet und ihn mit Geld versehen hatte.
+
+»Aber jetzt liebe ich dich. Verzeihe mir und bleibe bei mir!«
+
+Sie ließ den Wagen halten und sagte:
+
+»Steigen Sie aus!«
+
+Dann fuhr sie weiter, ohne zu wissen, wohin. Nach Florenz konnte sie nicht
+zurückkehren; in ihrem Abschiedsbrief an den Cavaliere Giordano stand ein
+unvorsichtiger Satz mit Bezug auf die Prahlereien des Alten, die sie so oft
+gedemütigt hatten. Wie sollte sie auch nur den Kutscher bezahlen?
+Schließlich ließ sie sich zu einem Juwelier fahren und verkaufte einen
+Ring.
+
+Sie mietete ein Zimmer, das ärmste, billigste, das zu finden war, und in
+dem Augenblick, da sie es betrat, schwur sie sich, nur gegen den Palazzo
+Malfigi werde sie es vertauschen. Sie stellte sich diese Aufgabe als Buße
+ihrer Einfalt, je schwerer sie war, desto schauerlicher die Wollust der
+Anspannung. Eine mittellose Frau, nicht mehr ganz neu angezogen, ohne einen
+einzigen Bekannten in dem gierigen Gewimmel der Hauptstadt -- und nahm sich
+vor, bis in ihre begehrteste Mitte vorzudringen und eine ihrer Herrinnen zu
+werden. Sie besuchte das Parlament und ließ sich den Abgeordneten Malfigi
+zeigen. Es war ein halber Greis von fünfundfünfzig, etwas lächerlich
+zurechtgestutzt. Er redete auch und machte ein paar Witze über die
+Priester. Frau Camuzzi mußte an den Advokaten Belotti denken, den großen
+Freigeist ihrer kleinen Stadt, der den Pfarrer Don Taddeo bekämpfte, aber
+gleich dem letzten alten Weib an die Evangelina Mancafede glaubte, die
+Unsichtbare, die aus ihrem dunklen Winkel hinter dem Turm nie hervorkam und
+dennoch alle Schicksale der Stadt kannte, noch bevor sie eintraten. Die
+Kammer und ihre Redeschlachten schienen ihr ein vergrößertes Abbild des
+heimischen Marktplatzes. Wenn zu Hause der Baron Torroni durchaus nicht
+wollte, daß der Wirt Malandrini zum Stadtverordneten gewählt werde, so
+fürchtete er von ihm einen Streich, weil er mit seiner Frau etwas gehabt
+hatte. Und Frau Camuzzi sah sich auf der Tribüne des Parlaments die Damen
+an, die den Reden der Abgeordneten zuhörten. Welche von ihnen stak hinter
+dem, was jetzt gesagt wurde? Später einmal würde es hier gewichtige Herren
+geben, durch deren Mund sie selbst ihren Einfluß spielen ließ und ihre
+Geschäfte besorgte!
+
+Dann ging sie ins Café Aragno, um von den Journalisten die
+Kulissengeheimnisse zu erlauschen. Sie saß da mit ihrer Zigarette,
+unbeteiligt und unnahbar. Die jungen Leute taten vergeblich wichtig
+voneinander, damit sie hinsähe. Als eines Tages mitten aus dem Rudel hervor
+ihr Landsmann Savezzo auf sie zukam, begrüßte sie ihn kühl, obwohl sie die
+ganze Zeit auf ihn gewartet hatte. Er sah noch abgeschabter aus als daheim,
+aber auch noch verbissener. Er war auf dem Marsch! Die Gesellschaft
+korrupter Mittelmäßigkeiten hier hielt zusammen gegen ihn und sein Talent,
+wie zu Hause die Clique der Herren. Aber er würde eindringen und hindurch,
+hinan! Er erzwang sich Achtung mit Artikeln in den kleinen Revuen, wo die
+Kommenden drängten und bohrten. Schon war, beim Krach der Allgemeinen
+Kreditbank, da die Entrüstung im Publikum überhand nahm, eine große Zeitung
+genötigt gewesen, ihm ihre Spalten zu öffnen, als der Stimme der Jugend.
+
+Er erlangte mit Mühe die Erlaubnis, ihr seine Freunde vorzustellen, mußte
+aber sofort bemerken, daß mehrere, die schon über Verbindungen verfügten,
+besser behandelt wurden als er. Eines Abends erschien sie nicht, und auch
+einer der jungen Leute blieb fort. Am nächsten Tage erwartete Savezzo sie
+auf der Straße, um ihr eine Szene zu machen. Sie antwortete, sie sei
+gestern nicht gekommen, weil sie Gelegenheit gehabt habe, eine ihr wichtige
+Persönlichkeit kennen zu lernen: den Sekretär des Abgeordneten Malfigi.
+Auch eine Ehre, meinte Savezzo: der Sekretär eines ausgesogenen Lebemannes
+und erledigten Politikers, den schon keine Frau mehr plündere und kein
+Finanzmann mehr besteche. Er selbst, Savezzo, habe ihn längst gebrandmarkt.
+Eine überlebte Figur, nur noch vorhanden, weil die Provinz fortfahre, an
+die alten Größen zu glauben. Frau Camuzzi antwortete darauf nicht, und
+Savezzo, der ihr nachspürte, hatte noch oft die schlimmste Eifersucht zu
+leiden. Denn sie erhörte ihre jungen Kameraden dafür, daß sie sie in eine
+Gesellschaft einführten, oder nur für eine nützliche Auskunft, an Tagen der
+Not sogar, um essen zu können. Sie machte ihre härteste Zeit durch. Savezzo
+knirschte, weil nur er davon nichts hatte. Welch ein Sieg über die
+hochmütige Sippe daheim, hätte er eine ihrer Frauen in seine Gewalt
+bekommen! Frau Camuzzi scheute gerade seine Indiskretion. Wenn er ihr
+sagte: »Wir werden zusammen steigen! Allen diesen Leuten werden wir den Fuß
+in den Nacken setzen!« so lächelte sie nur. Sie war überzeugt, er werde
+nicht durchdringen, mit brutaler Empörung sei nichts zu machen. Sich
+anschmiegen, sich hineinstehlen in die Welt der großen Diebe, hassen,
+verführen und betrügen: das war der Weg.
+
+Auch dem Sekretär des Conte Malfigi schlug endlich die Stunde, da Frau
+Camuzzi ihn glücklich machte; und sie schlug keinen Augenblick früher, als
+bis er die Bedingung erfüllt und Frau Camuzzi eine Stellung bei seinem
+Herrn verschafft hatte. Jetzt wohnte sie also im Palazzo Malfigi, und der
+Abgeordnete diktierte ihr seine Reden, die sie geistreicher niederschrieb,
+als sie waren. Freudig erstaunt über seine Erfolge in der Kammer, ward er
+aufmerksam auf seine Mitarbeiterin, für deren Eifer es offenbar nur die
+Erklärung gab, daß sie ihn liebte. So oft er ihr nun diktierte, ließ er
+jedem andern die Tür verbieten. Er bekundete ihr sein Interesse; und sie
+widerstand. Sie zeigte sich ihm als Frau von Erziehung und
+Menschenkenntnis, erworben durch schwere Schicksale; gab ihm Winke über
+Leute, die ins Haus kamen, und Ratschläge, die sich bewährten. Seine
+Begriffe von ihr veränderten sich schnell so weit, daß er sie zur Tafel
+hinzuzog, auch wenn Senatoren und Minister da waren. Die Hausgenossen
+bekamen Befehl, ihr als einer Dame von Rang zu begegnen. Sie würden
+ohnedies nichts anderes gewagt haben, denn Frau Camuzzi hatte längst jeden
+von ihnen in der Hand. Sie kannte die Diebereien der Diener, machte dem
+Kaplan Komplimente über sein blühendes Aussehen, wenn er die ganze Nacht
+dort oben im vierten Stock seinen kleinen Freunden ein Gelage gegeben
+hatte; und was den Haushofmeister betraf, hatte Frau Camuzzi die Vorsicht
+geübt, Briefe zu öffnen, die er von der bisherigen Geliebten des Conte
+Malfigi bekam; sonst hätten die beiden ungestört dem armen Conte die
+Vaterschaft zuschieben können an dem Kind, das erwartet wurde. Am meisten
+betroffen aber war der Sekretär. Er hielt es kaum mehr für wahr, daß er
+einmal vertrauliche Beziehungen gehabt haben sollte zu der Frau, die nun
+das Haus und den Herrn beherrschte und ihm selbst die Mitwisserschaft an
+dem, was vorging, schon vollständig abgenommen hatte. Er tröstete sich
+damit, daß die ganze Herrlichkeit auch sonst nicht mehr lange gedauert
+haben würde; denn so viel konnte er sich sagen, daß das neuerdings so
+zerfahrene Wesen seines Prinzipals mit dem bevorstehenden Prozeß der
+Kreditbank zusammenhänge. Sein Name war auf der Liste der Bestochenen, das
+wußte im Café jeder; und morgen oder übermorgen konnte es in den Zeitungen
+stehen.
+
+Frau Camuzzi, die noch mehr wußte, ließ den Conte schon seit acht Tagen
+keine Minute aus dem Auge. Zu seinen Verabredungen folgte sie ihm heimlich
+in einem Mietswagen. Zog er sich in sein Arbeitszimmer zurück, blieb sie an
+der Tür und lauschte. Einmal stöhnte er ungewöhnlich viel, sie hörte ihn
+Schiebladen öffnen und zustoßen, dann ein merkwürdiges Knacken: da trat sie
+ein. Malfigi hielt einen Revolver in der Hand. Sie nahm ihn ihm fort und
+sagte:
+
+»Glauben sie denn wirklich, daß es so schlimm steht?«
+
+Er deutet nur nach dem Schreibtisch, auf ein neidgelbes Heft des
+»Morisators.« Sie kenne den Artikel, sagte Frau Camuzzi; schon vor seinem
+Erscheinen habe sie ihn gekannt. Der Verfasser, dieser Savezzo, sei ihr
+Freund.
+
+»Und sie haben mir nichts gesagt! Sie sind also auch meine Feindin?«
+
+Sie setzte ihm auseinander, daß dieser Savezzo ein Fanatiker sei, vielmehr
+ein Mensch, der seinen Erfolg auf der Wahrheit zu begründen hoffe, wie die
+andern auf dem -- Entgegenkommen. Mit Geld sei er nicht aus dem Wege zu
+räumen, Malfigi habe schon genug Geld ausgeteilt.
+
+»Fast mein letztes,« und er raufte sich das spärliche Haar. »Auch dem
+Senator Russo habe ich Geld gegeben, damit seine Zeitung schweigt. Und
+jetzt klagt uns dieser Mensch gemeinsam an!«
+
+»Aber das ist das Beste, was geschehen konnte, und es hat mich unendlich
+Mühe gekostet, das Material gegen Russo zu beschaffen.«
+
+»Wie? Sie? Sie sind es, die mich umbringt?«
+
+Es dauerte lange, bis sie ihn so weit hatte, daß er ihr zuhörte. Eine
+Anklage von seiten des Savezzo sei die sicherste Rehabilitierung, die einem
+Verdächtigen widerfahren könne. Die Presse, die für sein Geld vielleicht
+nicht immer nach Wunsch gearbeitet haben würde -- ihr sei darüber einiges
+bekannt geworden --, jetzt werde sie eine Phalanx des Schweigens bilden
+gegen den Verräter, der sie selber fortwährend besudle und auch in diesen
+Angriff einen der ihren verwickle. Kein Zeuge werde sich noch finden
+lassen, der vor Gericht die Echtheit der den Abgeordneten und Exminister
+Malfigi belastenden Schriftstücke zugebe. Sogar die Mühe des Leugnens werde
+er sich sparen können, denn auch das Gericht werde seinen Namen mit
+Schweigen verdecken. Schließlich sagte er tiefgerührt.
+
+»Dann wären sie meine Retterin.«
+
+»Nicht ich«, erwiderte sie langsam. »Ich habe viel zur Madonna gebetet.
+Auch sie sollen es tun.«
+
+»Sie sind also fromm?« Er wollte lachen. Aber sie fragte ihn, ob er sicher
+sei, daß dies alles nicht eine Strafe der Madonna sei, die er so oft
+verleugnet habe. Sie erhob die gefalteten Hände.
+
+»Die schöne alte Madonna Ihres berühmten Geschlechts, das sie immer
+beschützt hat! Wie lange schon wartet sie vergebens auf sie in der Kapelle
+dieses Hauses! Sie müssen zu ihr zurückkehren, versprechen sie es mir, noch
+heute Nacht!«
+
+Er gestand, daß er daran gedacht habe. Denn man könne nie wissen. Auch sein
+Kaplan habe ihm davon gesprochen.
+
+Das wußte Frau Camuzzi, denn sie selbst hatte es bewirkt.
+
+»Aber erst Ihre schönen Augen bestimmen mich.« Und als alle schliefen,
+schlich er hinunter. Die Tür der Kapelle kreischte; Malfigi hielt an, er
+schämte sich, und er ward eigentümlich bedrückt von diesen lange gemiedenen
+Schatten, aus deren Tiefe es unsicher flimmerte. Vor der Madonna brannte
+die silberne Lampe wie in seiner Kindheit. Malfigi wollte schon hinknien
+wie einst, besann sich aber und breitete zuerst sein Taschentuch über die
+Altarstufe. Dann sah er unschlüssig hinauf in die Augen der Madonna, die
+groß, schwarz und voll geheimnisvollen Lebens waren. Sie schienen zu
+wissen, daß sie ihn ansahen, ja, sie schienen Erlaubnis zu nicken . . . und
+da betete der Abgeordnete. Er betete, daß die Zeitungen schweigen und das
+Gericht sich nicht mit ihm beschäftigen möge. Die Madonna sah ihn an, als
+sei sie mit allem einverstanden. Hoffnung überflutete sein Herz, er weinte.
+Wie er sich aber die Augen trocknete, gewahrte er, daß auch im Auge der
+Madonna ein Tropfen hing: nun fiel er auf den Altar! Malfigi sprang auf,
+besinnungslos, zum Schreien bereit. Die Wand entlang schlich er nochmals
+hin. Hatte er sich nicht getäuscht? Nein! Jesus! Die Augen des Bildes waren
+ihm gefolgt. Da floh er, stolperte hinaus und hielt sich das Herz. Er
+beruhigte sich; Malfigi empfand Zorn, weil er sich hatte verjagen lassen,
+und einen fast jugendlichen Drang, den Rausch dieses Wunders weiter zu
+erleben, ihm auf den Grund zu kommen, sei es mit Gefahr des Lebens. Er
+lauschte noch im Dunkel des Vestibüls: da schwebte eine Gestalt im langen
+Mantel aus der Kapelle hervor, an ihm vorbei und die Treppe hinan. Er
+hastete hinterdrein, verlor sie in den Korridoren, irrte umher und suchte.
+Wie er dann sein Zimmer betrat und Licht machte, sahen aus dem Vorhang am
+Bett die Augen der Madonna! Er stürzte darauf los, der Vorhang öffnete sich
+. . .
+
+»Du hast mir mein Jugendfeuer zurückgegeben«, sagte eine Stunde später der
+Conte Malfigi. »Jetzt liebe ich dich wirklich.«
+
+»Dann verstehst du auch,« erwiderte Frau Camuzzi, »warum ich früher noch
+nicht gewollt habe. Fürchtest du dich jetzt noch vor dem Prozeß?«
+
+»Nein. Durch dich bekommt man Mut.«
+
+»Und bedenke, daß du morgen deinem Kaplan von einem Wunder zu berichten
+hast. Er wird damit in den Vatikan laufen, jetzt schützt die Kirche dich.
+Wollen die freimaurerischen Gerichte dir etwas anhaben, wird es heißen, es
+sei nur die Rache für deine Bekehrung.«
+
+»Daran dachte ich gar nicht. Wie du rechnen kannst!«
+
+Ihm blieb noch eine Sorge.
+
+»Ich verstehe schon, du hast dem Bilde die Augen ausgeschnitten. Aber wird
+man es nicht sehen?«
+
+»Wie kannst du denken?« sagte Frau Camuzzi, »Dem kostbaren alten Bild!
+Natürlich habe ich eine Kopie genommen.«
+
+Der Abgeordnete Malfigi ward im Prozeß der Kreditbank nicht genannt,
+vielmehr berief man ihn an die Spitze dieses Finanzinstituts. Im Parlament
+war er fortan eine Stütze des patriotischen Klerikalismus. Frau Camuzzi,
+von Würdenträgern der Kirche belobt, mit Hochachtung behandelt von den
+hochstehenden Persönlichkeiten, die ins Haus kamen, sah ihre politische
+Laufbahn glänzend eröffnet. Da das Gesetz über die Ehescheidung ernstlich
+bevorzustehen schien, leistete sie die nützlichsten Dienste dadurch, daß
+sie liberale Parlamentarier umstimmte. Bei dem einflußreichsten dieser
+Herren gelangte sie ans Ziel vermittels eines Schäferstündchens, das sie
+ihm versprach, und von dem sie gleichzeitig seine Gattin benachrichtigte.
+Die Frau drohte, sie werde die erste sein, die sich scheiden lasse; und da
+sie das Geld hatte, war der Mann gehalten, das Zustandekommen des Gesetzes
+zu verhindern.
+
+Dies geschah in Neapel. In der Nacht, bevor Frau Camuzzi wieder abzureisen
+gedachte, bebte die Erde. Ermüdet von ihrer anstrengenden Mission, schlief
+Frau Camuzzi noch, als im Hotel schon alles in Aufruhr war. Wie sie endlich
+hervorkam, fand sie im Gang nur eine hilflos umherhuschende alte Dame, im
+Nachtkostüm wie sie. Frau Camuzzi ergriff sie und zog sie fort. Aber die
+Treppe brannte, und aus dem Abgrund zwischen eingestürzten Mauern schlug
+Qualm. Da kniete Frau Camuzzi hin und betete. Sie betete laut und mit einer
+Inbrunst, die sie schüttelte. Plötzlich senkte der Boden sich schräg und
+die beiden Damen glitten hinab. Sie langten unten an wie auf Flügeln und
+unversehrt. Die alte Dame fuhr mit Frau Camuzzi nach Rom; sie war eine
+unermeßlich reiche Lady. Sie behauptete, nur das Gebet dieser Heiligen habe
+sie gerettet. »Ja«, sagte sie vor dem Conte Malfigi, »als sie betete, ging
+ein Schein von ihr aus.« Und sie schrieb ihrer Retterin einen Scheck über
+eine Million.
+
+Kurz darauf starb der Gemeindesekretär Camuzzi. Der Abgeordnete Malfigi
+ward nochmals Minister und heiratete Frau Camuzzi. Der Salon der Contessa
+Malfigi gehörte ein Jahrzehnt lang und auch noch nach dem Tode des Conte zu
+den einflußreichsten unter den politischen Salons der Hauptstadt. Den
+jungen Leuten, die regelmäßig bei ihr dinierten, prophezeite man die
+Laufbahn des Abgeordneten, denen, die noch weiter bei ihr vordrangen, einen
+Ministerposten; ihre Herkunft war nicht ganz vergessen; Legenden umrankten
+sie, und man fand es pikant, ja satanistisch, daß eine ehemalige Kurtisane
+die neue Generation zur Reaktion und zum Klerikalismus erziehe. Sie hatte
+Anhänger, ehrgeizige Liebhaber, Verbündete oder Gegner: einen ihr
+gewachsenen Freund hatte sie nicht. Einmal versuchte sie, sich dem Savezzo
+zu nähern, der damals auf der Höhe seiner Macht war und in seinem »Jüngsten
+Gericht« jede Woche die fürchterlichste Musterung unter seinen Zeitgenossen
+abhielt. Sie erinnerte ihn daran, daß sie eine verwandte Geschichte hätten
+und zusammen gestiegen seien. Aber er lehnte schroff ab; er wollte mit
+niemandem gestiegen sein. Sie erreichte nur, daß er in der nächsten Nummer
+seiner Zeitschrift ihre Vergangenheit entschleierte, einen verjährten Mord
+durchblicken ließ und sie als Kaffeehausdirnchen erklärte, das sich die
+Rolle des Weibes von Babylon anmaße. Ihre Frömmigkeit sei erst in zweiter
+Linie politisches Mittel; vor allem sei sie Betschwester, weil sie vorher
+den damit korrespondierenden Beruf ausgeübt habe . . . Sie zog Vorteil aus
+dem einmal begangenen Fehler, indem sie, ohne daß er es ahnte,
+Persönlichkeiten mit ihm in Verbindung setzte, deren Feindschaft sie
+brauchte. Enttäuschungen wechselten mit Erfolgen. Kaum, daß das Herz noch
+stärker klopfte bei einem Sieg oder einer Niederlage. Am raschesten verging
+ein Tag, an dem man sich rächen konnte! Dieser unbedeutende Fiorio, als
+Unterpräfekt daheim in der kleinen Stadt auf ewig vergessen, wenn es nicht
+der Contessa Malfigi eingefallen wäre, ihn zum Präfekten zu machen: er
+hatte sich erlaubt, sie verraten zu wollen. Sie hatte ihm den Abgeordneten
+geschickt, den er wählen zu lassen hatte; sie hatte sogar sichere Leute
+geschickt, die in ein Fenster der Präfektur schossen, so daß Fiorio die
+Wahlversammlungen verbieten, den Munzipalrat auflösen und ohne jede
+Opposition seinen Kandidaten durchbringen konnte. Da, ein Telegramm ihres
+Schützlings an die Contessa: der Präfekt hatte nicht ihn, sondern seinen
+einzigen Bruder als Regierungskandidaten aufgestellt. Sie sorgte sofort
+dafür, daß eine Zeitung, offenbar durch Vertrauensbruch, eine Depesche des
+Ministers an den Präfekten Fiorio wiedergeben konnte, worin der Minister es
+mißbilligte, daß der Präfekt aus wahltaktischen Gründen von gedungenen
+Attentätern in seine Fenster schießen lasse. Angesichts des allgemeinen
+Entrüstungssturmes wagte der Minister die Depesche, die er nie geschrieben
+hatte, nicht abzuleugnen; der Präfekt Fiorio ward abgesetzt.
+
+Sie ließ ihre Macht noch höher hinauf fühlen. Der Graf von Benevent, der
+elegante Vetter des Königs, hatte ein verächtliches Wort über sie
+gesprochen, und es war ihr zu Ohren gekommen. Sie gab ihm Gelegenheit, sich
+zu rechtfertigen; obwohl sie ihn albern fand, zeigte sie ihm, daß er ihr
+gefalle. Er beging die Torheit, ihr offene Feindschaft zu erklären. Ein
+Jahr später sah sich seine Geliebte, die russische Tänzerin Lorida, in ein
+weitläufiges, kaum entwirrbares Netz von Verdächtigungen verstrickt, und
+der Tag kam, da sie als Spionin verhaftet ward. Nach langen Ängsten, die
+den Prinzen nicht weniger trafen als sie, und bloßgestellt von der ganzen
+Presse, war sie noch froh, in ihre Heimat abgeschoben zu werden. Der Graf
+von Benevent ging nach Afrika. Unter den Mitgliedern der Aristokratie, die
+sich im Bahnhof eingefunden hatten, war die Contessa Malfigi. Sie sagte:
+»Ich habe ihm das Billet gekauft, ich muß ihn auch einschiffen.«
+
+Aber es war bestimmt, daß auch ihr ein Billet gekauft werde. Zum zweiten
+Mal in ihrem Leben verfiel sie der Liebe. Ein junger Mann ward ihr
+zugeführt: sie erschrak, denn sie glaubte, Nello Gennari wiederzusehen, den
+Geliebten von einst, der durch sie gestorben war. Auch dieser hob so die
+umflorte Stirn und ließ das weichgelockte Haar so schwanken über seinen
+Augen, seinem beschatteten Lächeln, als betrauere er die eigene Schönheit.
+Die Contessa Malfigi zeigte sich sofort und vor aller Welt hingerissen,
+eifersüchtig, voll unbedachter Triebe. Man sah eine Frau, die keiner
+kannte. Sie behielt den jungen Mann im Hause, ließ ihn, wenn Leute kamen,
+nicht von ihrer Seite, nahm ihn in ihrem Wagen mit, aber nicht zum Korso,
+wo man gesehen wird, sondern auf die alten Straßen der Trümmer und Einöden.
+Sie schwor ihm, daß sie ihn groß machen werde, zum Deputierten, zum
+Minister, zum Ritter des Annunziaten-Ordens. Er solle sie lieben, er solle
+sie lieben! Und er: »Ich danke dir so sehr, und ich liebe dich.« Aber sie
+hörte wohl, es sei nicht wahr und nichts, nichts vermöge sie über ihn; denn
+er war nicht ehrgeizig. Sie enthüllte ihm ihre Geschäfte, ihre gefährlichen
+Geheimnisse; ganz ohne Mühe fiel ihm in den Schoß, was sie selbst, als sie
+zuerst in dies Haus eingedrungen war, mit List und Gewalt an sich gebracht
+hatte. Er konnte hier der Herr werden, wie sie die Herrin geworden war.
+Totò, ich verschaffe dir den Namen eines Conte Malfigi! Ach! er glich nicht
+ihr, er glich jenem Nello. Weich, schwach und träge lag er da, stumm
+klagend, weil sie ihn nicht mit Geld versah und hinausließ zu seinen jungen
+Freunden, damit er spiele, lache und sie betrüge, sie, die nur ihn hatte,
+nur ihn auf der Welt! »Totò, mein Liebling, du bist Sekretär des Ministers
+Afrano. Liebst du mich?« Nun sank er ihr wohl in die Arme; aber sie wußte,
+es war nur, weil er hinaus durfte. Um so fester schloß sie ihn ein. Die
+Stunden kamen, da sie ihn mißhandelte, und die, in denen sie ihn floh, um
+zu weinen. Sie beweinte vor dem Spiegel ihr Bild von einst, die Reize, die
+ungenützt verfallen waren. »Was habe ich gehabt? Ich habe Glück und Unglück
+verteilt. Ich habe das Zittern von Menschen gefühlt. Man hat mich geliebt,
+weil ich mächtig war. Das alles war nichts. Man hat mich betrogen!« Der
+Nello von einst hatte sie leiden lassen und jene Alba geliebt; und nun lag
+dieser dort drinnen, blaß, mit dem hilflosen Blick gefangener Tiere, und
+ahnte nicht einmal ihr Elend.
+
+»Totò!« rief sie durch die Tür. »Sekretär eines Ministers, das wäre zu
+wenig für dich. Warte noch, mein süßes Herz, du wirst noch mehr werden.«
+
+Er antwortete nicht. Sie ging hinein -- und fuhr erstickend zurück. Totò
+hing an der Decke.
+
+Sie war von Sinnen, sie wollte mit ihm ins Grab. Als sie wieder weinen
+konnte und gerettet war, sagte sie:
+
+»Ich hätte es wissen sollen. Dieser Typus bringt mir Unglück.«
+
+Sie wollte fort, aus allem fort und zurück in ihre kleine Stadt. »Nie hätte
+ich mich entwurzeln lassen dürfen!« Man hielt ihr vor, daß damit ihren
+Feinden gedient, ihren Freunden das Verderben bereitet wäre.
+
+»Wer sind meine Freunde? Der Savezzo hat recht, in dieser harten Welt muß
+jeder allein und gegen alle stehen. Ich war zu gut. Weh' dem, der ein Herz
+hat!«
+
+
+
+
+DIE NEUE REIHE
+
+
+DICHTUNG DER JUNGEN GENERATION
+
+Jede Nr. kart. 2.--, Doppel-Nr. 3.--, Geb. in Künstler-Buntpapier
+3.25, Doppel-Nr. 4.25, Sign. u. numer. Liebhaberausgaben
+auf Bütten in Halbperg. 25.--, in Halbled. 50.--
+
+ Nr. 1 HERMANN KASACK, Der Mensch. Gedichte
+ 2 HEINR. ED. JACOB, Das Geschenk der schönen Erde. Idyllen
+ 3 RICHARD HUELSENBECK, Verwandlungen. Prosa
+ 4 IWAN GOLL, Der Torso. Stanzen und Dithyramben
+ 5|5a ARNOLD ZWEIG, Bennarône. Erzählung
+ 6 GOTTFRIED KOELWEL, Erhebung. Gedichte
+ 7 ALFRED WOLFENSTEIN, Der Lebendige. Novellen
+ 8|8a RUDOLF LEONHARD, Beate und der große Pan. Roman
+ 9 KURT HEYNICKE, Gottes Geigen. Gedichte
+ 10 u. 11 ALFRED LEMM, Mord Novellen. 2 Bände. _Einzeln käuflich_
+ 12 HENRIETTE HARDENBERG, Neigungen. Gedichte
+ 13 PAUL ZECH, Gelandet. Ein dramatischen Spiel
+ 14 ROBERT MUELLER, Das Inselmädchen. Novelle
+ 15 GEORG KAISER, Juana. Einakter
+ 16 OSKAR SCHUERER, Drohender Frühling. Gedichte
+ 17 CLAIRE STUDER, Der gläserne Garten. Novellen
+ 18 MAX HERRMANN, Die Preisgabe. Gedichte
+ 19 HEINRICH MANN, Die Ehrgeizige. Novelle
+ 20 OSKAR LOERKE, Die Chimärenreiter. Novellen
+ 21 FRIEDRICH BURSCHELL, Die Einfalt des Herzens. Prosa
+ 22 PAULA LUDWIG, Die selige Spur. Gedichte
+ 23 ERHARD BUSCHBECK, Georg Trakl. Ein Requiem
+ 24 MANFRED GEORG, Der Rebell. Novelle
+ 25 ALFRED VAGTS, Gedichte
+
+
+In Vorbereitung:
+
+
+VERKÜNDIGUNG
+
+Anthologie jüngster Lyrik. Herausg, v. Dr. M. Sommerfeld. Preis ca. 10.--
+
+
+DER ANBRUCH
+
+EIN JAHRBUCH NEUER JUGEND
+
+Mit Beiträgen von P. Adler, A. Ehrenstein, A. v. Hatzfeld, P. v. Gütersloh,
+P. Kornfeld, R. Müller, R. Pannwitz, E. Weiß, A. Wolfenstein u. a.
+K. 6.--, gb. 8.--
+
+
+DIE FÜNF HEFTE
+
+Eine von OTTO FLAKE geschriebene Zeitschrift
+
+Jedes Heft Mk. 3.--, im Abonn. Mk. 12.50. Prospekt kostenlos.
+
+
+DIE DICHTUNG
+
+PROGRAMMHEFT VOR DER II. FOLGE
+
+Mit zum Teil unveröffentl. Beiträgen aller Mitarbeiter.
+Verlagskatalog kostenlos. Kart. Mk. 2.--, in Buntpapier geb. Mk. 4.--
+
+
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+Anmerkungen zur Transkription
+
+
+Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.
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+End of the Project Gutenberg EBook of Die Ehrgeizige, by Heinrich Mann
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+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 43335 ***
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-The Project Gutenberg EBook of Die Ehrgeizige, by Heinrich Mann
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-
-
-Title: Die Ehrgeizige
-
-Author: Heinrich Mann
-
-Release Date: July 28, 2013 [EBook #43335]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE EHRGEIZIGE ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski
-
-
-
-
-
-
- NEUE REIHE
- BAND 19
-
-
-
-
- 1.--5.TAUSEND
-
-
-
-
- HEINRICH MANN
-
- DIE EHRGEIZIGE
-
- NOVELLE
-
-
-
-
- 1920
- MÜNCHEN
- ROLAND-VERLAG DR. ALBERT MUNDT
-
-
-
-
-
-Daß er der Frau des Gemeindesekretärs die schöne Alba Nardini vorzog, mußte
-der junge Tenor Nello Gennari mit dem Leben büßen. Frau Camuzzi hatte
-geschickt gehandelt; niemand ahnte, sie sei es gewesen, die Alba auf die
-Frau des Schneiders eifersüchtig gemacht und sie in solchen Wahnsinn
-getrieben hatte, daß sie den Geliebten und sich erstach. Ungefährdet hätte
-sie weiterleben können. Vier Wochen später aber verschwand sie aus der
-kleinen Stadt.
-
-Von Florenz schrieb sie ihrem Gatten, daß sie den Gedanken nicht länger
-habe ertragen können, sie solle an seiner Seite altern. Denn er habe keinen
-Ehrgeiz. Statt sich in die Politik zu werfen, zu handeln, zu steigen, statt
-seiner Frau, die nach ihnen lechze, die Höhen der Welt zu erschließen,
-halte er sie nieder, lasse sie verkümmern im Dunstkreis seiner trägen
-Skepsis; und die Macht in der Stadt behalte ein Marktheld wie der Advokat
-Belotti. Noch sei sie jung; und so habe sie denn auf eigene Verantwortung
-den Schritt getan, den er sie nicht habe führen wollen. Als Geliebte des
-berühmten Künstlers Cavaliere Giordano trete sie in die große Welt ein, der
-sie sich gewachsen fühle. Mit vollem Bewußtsein habe sie sich ihr Schicksal
-geschaffen. Camuzzi solle nicht versuchen, sie zu hindern, es wäre unnütz.
-
-Die Wahrheit war, daß sie sich dem alten Giordano nicht aus Ehrgeiz
-hingegeben hatte, sondern im Dienst ihrer Rache an Nello Gennari, und daß
-sie es schon getan hatte, als er in der kleinen Stadt weilte. Ein
-ahnungsloses Wort des alten Sängers hätte das Mißverständnis zerreißen
-können, dem der junge erliegen sollte. Darum behielt Frau Camuzzi ihn bei
-sich im Zimmer, bis endlich die ganze Operntruppe von dannen war und Nello
-sich im Hause des Schneiders verborgen hatte, unwissend, daß er nicht
-bestimmt sei, mit Alba zu fliehen, vielmehr mit ihr zu sterben . . . Nun
-aber waren sie fort, die Komödianten. Die kleine Stadt, die dank ihnen
-kurze Zeit ein gesteigertes Lebensgefühl gekannt hatte, fiel zurück in um
-so grauere Nüchternheit, und Frau Camuzzi hinter ihren verschlossenen
-Fensterläden litt die Qualen der lebendig Begrabenen. Sie hatte sich
-gezeigt, wer sie war und was sie vermochte. Dort oben in der steinigen Erde
-des Friedhofes lagen zwei, deren Verhängnis, allen unbekannt, sie gewesen
-war. Im Bewußtsein ihrer entsetzlichen Macht saß sie stundenlang reglos auf
-ihrem Bett, die Augen in den großen schwarzen Augen, die aus dem Spiegel
-starrten. Plötzlich aber drückte sie sie ins Kissen, krümmte sich ganz
-zusammen und erstickte ihr Stöhnen. Denn ihre Macht war Ohnmacht gewesen:
-sie hatte nicht machen können, daß Nello sie liebte! Jene beiden verhöhnten
-sie noch aus dem Grabe. Nachts hörte sie ihre Stimmen; sie sprachen von
-Umarmungen, die sie ihr stahlen. »Nello, ich töte dich!« -- »Das hast du
-schon getan. Was kannst du noch! Ich liebe Alba.« Dann, Gesicht und Hals
-naß von Tränen, erwachte sie, und neben ihr atmete wohlig dieser Mann, dem
-es gut ging, da er sein Leben lang Gemeindesekretär und ihr Gatte zu sein
-dachte. Das nicht, das nicht! -- und eines Morgens in der Dämmerung bestieg
-sie drunten am Stadttor ein Wägelchen, weil für solch eine kleine Stadt
-beides zu groß gewesen war, ihre Tat und ihre Liebe.
-
-Der Gemeindesekretär in seiner tiefen Ueberzeugung, daß die Welt trotz
-aller menschlichen Anstrengungen doch immer am selben Fleck bleibe und
-eigentlich nichts geschehe, war sehr erstaunt, als ihm seine Frau
-durchging. Er machte die Reise nach Florenz, bestellte sie in ein Café, und
-sie kam auch, denn sie kannte ihn. Er sagte ihr nichts, was ein maßvoller
-und klarsichtiger Mann nicht sagen konnte. Er wollte sie an keine
-Empfindung erinnern, die sie daheim zurückhalten könne. Kinder seien nun
-einmal nicht da, und für sich selbst bitte er nicht. Aber sie sollte ihre
-eigenen Chancen erwägen. Die seien nicht groß, denn sie kenne die Welt
-nicht, sei, was sie sich auch einbilde, eine Kleinstädterin und auch nicht
-schön genug für das, was sie vorhabe, nicht von der verführerischen, den
-Mann herabziehenden Schönheit, die solchen Frauen zum Erfolg verhelfe.
-
-»Aber jene haben keinen Verstand, und ich weiß, was ich will. Uebrigens
-bleibt mir keine Wahl, denn bei dir kann ich nicht länger leben.«
-
-Der Gatte gab zu, daß man mit dieser Tatsache rechnen müsse. Er halte sie
-für krank, werde dies zu Hause angeben und ihre Rückkehr innerhalb der
-nächsten acht Wochen in Aussicht stellen. Sie sei ihm stets willkommen;
-Gewalt und Skandal lägen nicht in seiner Absicht. Romantische Einflüsse
-trügen wohl die Schuld an allem, wiederholte er mehrmals; und er nannte
-sogar den Namen Nello Gennari, wenn auch ohne unvorsichtige Folgerungen. Er
-war ein kluger Gatte. Frau Camuzzi, die seiner Einladung nur gefolgt war,
-weil es nichts zu befürchten gab, haßte ihn, wie er nun fortging, ohne sich
-aufgeregt zu haben, noch heftiger.
-
-Andererseits war das Zusammenleben mit dem Cavaliere Giordano nicht reich
-an Reizen. In seinem Hause war der Aufenthalt einer Frau nicht vorgesehen.
-Die Zimmer glichen Ausstellungen von Porzellan und Goldwaren; unter jeder
-Vase, jedem Schrein eine Tafel: »Von Seiner Majestät dem Kaiser von
-Rußland«, »Von der Stadt Buenos Aires«; und in seinem Schlafzimmer hingen
-die alten goldenen Kränze, »Vom Maestro Rossini«, »Von Madame Ratazzi«,
-über allen Wänden und bis auf das Bett des alten Sängers; dies Prunkbett,
-mit rotem Damast zwischen den vergoldeten Schnitzereien, war ein Geschenk
-der Kaiserin Eugénie. Frau Camuzzi saß des Abends mit ihm im Café, als
-einzige Frau unter seinen Freunden. Wenn alle anderen fort waren, blieben
-sie beide noch sitzen; der Alte wartete auf den Schlaf, und sie spielten
-Domino.
-
-Er blies sich auf, so oft er mit ihr durch die Straßen ging. Die Grüße nahm
-er mit bedeutsamem Lächeln an, und auf Glückwünsche entgegnete er:
-
-»Man sieht wohl, der Ruhm ist nicht eitel. Wir berühmten Männer haben vor
-euch andern dennoch etwas voraus; denn in einem Alter, wo Schönheit und
-Kraft nicht mehr für uns werben, ist es unser großer Name, der eine Frau
-von weitem herbeizieht. Dies Geschöpf wäre zugrunde gegangen ohne mich.«
-
-Sie hatte es ihm gesagt, und er war überzeugt davon. Geschmeichelt durch
-die Macht, die ihm, so spät noch, über ein Leben gegeben war, faßte er eine
-wahre Zuneigung für die junge Frau. Vor dem Schlafengehen, wenn er sie
-schon auf die Stirn geküßt hatte, behielt er manchmal noch väterlich und
-gedemütigt zugleich, ihre Hand in der seinen. Warum hatte er sie nicht
-früher gekannt, als er einer Frau mehr zu sein vermochte als heute!
-Freilich würde er damals den Wert einer Liebe wie der ihren vielleicht
-nicht verstanden haben. Das Leben war grausam, man mußte auf Gott hoffen
-. . . Um so freigebiger kam er allen Wünschen seiner Freundin zuvor. Man
-begann, wo sie vorüberfuhr, nach dem Namen dieser eleganten Frau zu fragen.
-Der alte Sänger sah sich nach einer Villa um, die er ihr zu schenken
-dachte. Denn sein Haus hatte er als Museum seines Ruhmes der Stadt
-vermacht.
-
-Dies alles aber war nicht geeignet, dem jungen Gino zu gefallen, einem
-liebenswürdigen Bummler, der neben dem Spiel und den kleinen Geschenken der
-Frauen mit nichts so sehr rechnete wie mit der offenen Hand seines Onkels,
-des Cavaliere Giordano. Die hübsche Intrigantin, die sich bei dem armen
-Alten eingenistet hatte, mochte ihm, Gino, immerhin süße Augen machen, das
-hinderte nicht, daß er sich bedroht fühlte. Was wollte sie? Den Alten
-heiraten? Oder ihn selbst, den gesetzlichen Erben? Manchmal verliebte er
-sich für einen Abend; und manchmal verfolgte er das Ziel, sie zu verführen
-und sich von seinem Onkel mit ihr erwischen zu lassen. Frau Camuzzi selbst
-erlöste ihn aus seinen Zweifeln. Die Erbschaft des Sängers schien ihr nicht
-bedeutend genug, um ihretwegen die Laufbahn, der sie sich bestimmte, mit
-einem Skandal zu eröffnen. Eines Nachmittags, als der Alte schlief, rief
-sie den Neffen in ihr Zimmer. Die roten Vorhänge belebten ihre Haut, ihre
-Matinee war kleidsam; der junge Mann zeigte sich angeregt, sie hatte Mühe,
-ihn an den Ernst des Lebens zu erinnern. Ihre Interessen widersprechen sich
-gar nicht. -- Nein, erwiderte er, denn er werde glücklich sein, sie
-zufrieden zu sehen, sogar auf seine Kosten.
-
-»Das ist eine unvorsichtige Aeußerung. Aber es ist, als sei sie nicht
-getan, denn von mir haben Sie nichts zu fürchten, ich werde Florenz bald
-verlassen haben.«
-
-Und auf seine enttäuschten Ausrufe:
-
-»Warum sollten wir nicht offen miteinander reden? Wir kennen uns, weder Sie
-noch ich halten uns hier im Hause zu unserm Vergnügen auf. Ich bin
-hergekommen, um durch den Cavaliere mit Leuten bekannt zu werden, die mir
-nützen könnten; denn ich habe höhere Zwecke, als sie glauben.«
-
-Indes er die Augen aufriß, setzte sie ihm auseinander, daß sie sich
-überzeugt habe, in Florenz sei weder viel Geld noch große Macht zu
-erwerben. Die Gesellschaft sei vorurteilsvoll, das politische Treiben
-belanglos. Er rühme sich doch seiner Bekannten in Rom, aller dieser
-Journalisten, dieser Deputierten.
-
-»Das bewegte Leben, der weitverzweigte Einfluß, die Intrigen, das ist's,
-was mich anzieht. Welches Spiel mit Menschen treibt ein Mann wie der Conte
-Malfigi, und welches Spiel würde erst eine Frau treiben, die ihn in der
-Hand hätte!«
-
-Der junge Gino lächelte überlegen zu den abenteuerlichen Vorstellungen
-dieser kleinen Provinzlerin; er öffnete den Mund, um über den Conte Malfigi
-etwas zu erzählen, besann sich aber rechtzeitig. Er wollte ihr helfen, bei
-seinen Verbindungen sei es leicht. Sie möge auf ihn zählen. Und er nahm
-Abschied, beruhigt über die Zukunft seines Erbes, aber übelwollend
-gestimmt, weil in den Plänen der interessanten Frau ihm selbst eine so
-untergeordnete Rolle zugeteilt war.
-
-Schon tags darauf kam er wieder zur selben Stunde und in Begleitung eines
-schönen, bedeutenden Mannes gegen vierzig. Er stellte vor: Conte Malfigi.
-Denn es traf sich außerordentlich, der berühmte Politiker und Lebemann war
-vorübergehend in Florenz. Er erklärte, die Einladung seines jungen Freundes
-sei ihm ein längst gesuchter Anlaß gewesen, die schöne und ungewöhnliche
-Frau kennen zu lernen, von der man auch in Rom schon spreche. Er blieb bis
-kurz vor dem Erwachen des Cavaliere Giordano. Dieselbe Stunde führte ihn
-das zweitemal zu Frau Camuzzi, und Gino fehlte. Ihre dritte Zusammenkunft
-aber verlegten sie bereits in ein möbliertes Hotel außerhalb des Zentrums
-der Stadt. Der mächtige Mann zeigte sich begeistert von seiner Eroberung;
-er sei entschlossen, Florenz nur mit ihr zu verlassen. Sie sagte einfach:
-»Ich liebe dich, ich folge dir.« Garantien zu verlangen, verschmähte sie,
-sie vertraute ihrer Kunst. In Rom bezogen sie nicht den Palazzo Malfigi,
-sondern wählten, um sich einige Tage ungestört zu lieben, ein kleines
-Hotel, wo der Conte unbekannt war. Erst des Abends gingen sie aus,
-beschränkten sich im Theater auf die Rückplätze der Logen, in den
-Restaurants auf die separierten Salons, und hatten wirklich das Glück,
-unbeachtet zu bleiben. Der Conte vermied es sogar, sich Geld zu holen. Als
-er keins mehr hatte, gab Frau Camuzzi das ihrige her. Endlich erklärte er,
-den Sitzungen der Kammer nicht länger fernbleiben zu können; er wolle sie
-nun in sein Haus führen. Sie widerstand nur zum Schein; der Liebestraum
-währte ihr schon zu lange. Wie sie beim Bahnhof vorüberkamen, wunderte er
-sich, daß sein Wagen nicht da sei. Sie nahmen eine Droschke. Er war bleich
-und seufzte oft. Plötzlich sagte er:
-
-»Nun ist das Unglück geschehen, ich liebe dich wirklich.«
-
-»Ist das ein Unglück?« fragte sie.
-
-Er sagte: »Unter diesen Umständen wohl. Denn ich sollte dich nur zum Scherz
-lieben, da ich ja gar nicht der Conte Malfigi bin.«
-
-Sie sank hart auf das Polster, ihre Augen waren schwarz wie nie, und ihre
-Lippen lagen weiß aufeinander. Er hatte vollauf Zeit zu berichten. Er war
-ein Versicherungsbeamter und mit dem jungen Gino befreundet, der ihn
-angestiftet und ihn mit Geld versehen hatte.
-
-»Aber jetzt liebe ich dich. Verzeihe mir und bleibe bei mir!«
-
-Sie ließ den Wagen halten und sagte:
-
-»Steigen Sie aus!«
-
-Dann fuhr sie weiter, ohne zu wissen, wohin. Nach Florenz konnte sie nicht
-zurückkehren; in ihrem Abschiedsbrief an den Cavaliere Giordano stand ein
-unvorsichtiger Satz mit Bezug auf die Prahlereien des Alten, die sie so oft
-gedemütigt hatten. Wie sollte sie auch nur den Kutscher bezahlen?
-Schließlich ließ sie sich zu einem Juwelier fahren und verkaufte einen
-Ring.
-
-Sie mietete ein Zimmer, das ärmste, billigste, das zu finden war, und in
-dem Augenblick, da sie es betrat, schwur sie sich, nur gegen den Palazzo
-Malfigi werde sie es vertauschen. Sie stellte sich diese Aufgabe als Buße
-ihrer Einfalt, je schwerer sie war, desto schauerlicher die Wollust der
-Anspannung. Eine mittellose Frau, nicht mehr ganz neu angezogen, ohne einen
-einzigen Bekannten in dem gierigen Gewimmel der Hauptstadt -- und nahm sich
-vor, bis in ihre begehrteste Mitte vorzudringen und eine ihrer Herrinnen zu
-werden. Sie besuchte das Parlament und ließ sich den Abgeordneten Malfigi
-zeigen. Es war ein halber Greis von fünfundfünfzig, etwas lächerlich
-zurechtgestutzt. Er redete auch und machte ein paar Witze über die
-Priester. Frau Camuzzi mußte an den Advokaten Belotti denken, den großen
-Freigeist ihrer kleinen Stadt, der den Pfarrer Don Taddeo bekämpfte, aber
-gleich dem letzten alten Weib an die Evangelina Mancafede glaubte, die
-Unsichtbare, die aus ihrem dunklen Winkel hinter dem Turm nie hervorkam und
-dennoch alle Schicksale der Stadt kannte, noch bevor sie eintraten. Die
-Kammer und ihre Redeschlachten schienen ihr ein vergrößertes Abbild des
-heimischen Marktplatzes. Wenn zu Hause der Baron Torroni durchaus nicht
-wollte, daß der Wirt Malandrini zum Stadtverordneten gewählt werde, so
-fürchtete er von ihm einen Streich, weil er mit seiner Frau etwas gehabt
-hatte. Und Frau Camuzzi sah sich auf der Tribüne des Parlaments die Damen
-an, die den Reden der Abgeordneten zuhörten. Welche von ihnen stak hinter
-dem, was jetzt gesagt wurde? Später einmal würde es hier gewichtige Herren
-geben, durch deren Mund sie selbst ihren Einfluß spielen ließ und ihre
-Geschäfte besorgte!
-
-Dann ging sie ins Café Aragno, um von den Journalisten die
-Kulissengeheimnisse zu erlauschen. Sie saß da mit ihrer Zigarette,
-unbeteiligt und unnahbar. Die jungen Leute taten vergeblich wichtig
-voneinander, damit sie hinsähe. Als eines Tages mitten aus dem Rudel hervor
-ihr Landsmann Savezzo auf sie zukam, begrüßte sie ihn kühl, obwohl sie die
-ganze Zeit auf ihn gewartet hatte. Er sah noch abgeschabter aus als daheim,
-aber auch noch verbissener. Er war auf dem Marsch! Die Gesellschaft
-korrupter Mittelmäßigkeiten hier hielt zusammen gegen ihn und sein Talent,
-wie zu Hause die Clique der Herren. Aber er würde eindringen und hindurch,
-hinan! Er erzwang sich Achtung mit Artikeln in den kleinen Revuen, wo die
-Kommenden drängten und bohrten. Schon war, beim Krach der Allgemeinen
-Kreditbank, da die Entrüstung im Publikum überhand nahm, eine große Zeitung
-genötigt gewesen, ihm ihre Spalten zu öffnen, als der Stimme der Jugend.
-
-Er erlangte mit Mühe die Erlaubnis, ihr seine Freunde vorzustellen, mußte
-aber sofort bemerken, daß mehrere, die schon über Verbindungen verfügten,
-besser behandelt wurden als er. Eines Abends erschien sie nicht, und auch
-einer der jungen Leute blieb fort. Am nächsten Tage erwartete Savezzo sie
-auf der Straße, um ihr eine Szene zu machen. Sie antwortete, sie sei
-gestern nicht gekommen, weil sie Gelegenheit gehabt habe, eine ihr wichtige
-Persönlichkeit kennen zu lernen: den Sekretär des Abgeordneten Malfigi.
-Auch eine Ehre, meinte Savezzo: der Sekretär eines ausgesogenen Lebemannes
-und erledigten Politikers, den schon keine Frau mehr plündere und kein
-Finanzmann mehr besteche. Er selbst, Savezzo, habe ihn längst gebrandmarkt.
-Eine überlebte Figur, nur noch vorhanden, weil die Provinz fortfahre, an
-die alten Größen zu glauben. Frau Camuzzi antwortete darauf nicht, und
-Savezzo, der ihr nachspürte, hatte noch oft die schlimmste Eifersucht zu
-leiden. Denn sie erhörte ihre jungen Kameraden dafür, daß sie sie in eine
-Gesellschaft einführten, oder nur für eine nützliche Auskunft, an Tagen der
-Not sogar, um essen zu können. Sie machte ihre härteste Zeit durch. Savezzo
-knirschte, weil nur er davon nichts hatte. Welch ein Sieg über die
-hochmütige Sippe daheim, hätte er eine ihrer Frauen in seine Gewalt
-bekommen! Frau Camuzzi scheute gerade seine Indiskretion. Wenn er ihr
-sagte: »Wir werden zusammen steigen! Allen diesen Leuten werden wir den Fuß
-in den Nacken setzen!« so lächelte sie nur. Sie war überzeugt, er werde
-nicht durchdringen, mit brutaler Empörung sei nichts zu machen. Sich
-anschmiegen, sich hineinstehlen in die Welt der großen Diebe, hassen,
-verführen und betrügen: das war der Weg.
-
-Auch dem Sekretär des Conte Malfigi schlug endlich die Stunde, da Frau
-Camuzzi ihn glücklich machte; und sie schlug keinen Augenblick früher, als
-bis er die Bedingung erfüllt und Frau Camuzzi eine Stellung bei seinem
-Herrn verschafft hatte. Jetzt wohnte sie also im Palazzo Malfigi, und der
-Abgeordnete diktierte ihr seine Reden, die sie geistreicher niederschrieb,
-als sie waren. Freudig erstaunt über seine Erfolge in der Kammer, ward er
-aufmerksam auf seine Mitarbeiterin, für deren Eifer es offenbar nur die
-Erklärung gab, daß sie ihn liebte. So oft er ihr nun diktierte, ließ er
-jedem andern die Tür verbieten. Er bekundete ihr sein Interesse; und sie
-widerstand. Sie zeigte sich ihm als Frau von Erziehung und
-Menschenkenntnis, erworben durch schwere Schicksale; gab ihm Winke über
-Leute, die ins Haus kamen, und Ratschläge, die sich bewährten. Seine
-Begriffe von ihr veränderten sich schnell so weit, daß er sie zur Tafel
-hinzuzog, auch wenn Senatoren und Minister da waren. Die Hausgenossen
-bekamen Befehl, ihr als einer Dame von Rang zu begegnen. Sie würden
-ohnedies nichts anderes gewagt haben, denn Frau Camuzzi hatte längst jeden
-von ihnen in der Hand. Sie kannte die Diebereien der Diener, machte dem
-Kaplan Komplimente über sein blühendes Aussehen, wenn er die ganze Nacht
-dort oben im vierten Stock seinen kleinen Freunden ein Gelage gegeben
-hatte; und was den Haushofmeister betraf, hatte Frau Camuzzi die Vorsicht
-geübt, Briefe zu öffnen, die er von der bisherigen Geliebten des Conte
-Malfigi bekam; sonst hätten die beiden ungestört dem armen Conte die
-Vaterschaft zuschieben können an dem Kind, das erwartet wurde. Am meisten
-betroffen aber war der Sekretär. Er hielt es kaum mehr für wahr, daß er
-einmal vertrauliche Beziehungen gehabt haben sollte zu der Frau, die nun
-das Haus und den Herrn beherrschte und ihm selbst die Mitwisserschaft an
-dem, was vorging, schon vollständig abgenommen hatte. Er tröstete sich
-damit, daß die ganze Herrlichkeit auch sonst nicht mehr lange gedauert
-haben würde; denn so viel konnte er sich sagen, daß das neuerdings so
-zerfahrene Wesen seines Prinzipals mit dem bevorstehenden Prozeß der
-Kreditbank zusammenhänge. Sein Name war auf der Liste der Bestochenen, das
-wußte im Café jeder; und morgen oder übermorgen konnte es in den Zeitungen
-stehen.
-
-Frau Camuzzi, die noch mehr wußte, ließ den Conte schon seit acht Tagen
-keine Minute aus dem Auge. Zu seinen Verabredungen folgte sie ihm heimlich
-in einem Mietswagen. Zog er sich in sein Arbeitszimmer zurück, blieb sie an
-der Tür und lauschte. Einmal stöhnte er ungewöhnlich viel, sie hörte ihn
-Schiebladen öffnen und zustoßen, dann ein merkwürdiges Knacken: da trat sie
-ein. Malfigi hielt einen Revolver in der Hand. Sie nahm ihn ihm fort und
-sagte:
-
-»Glauben sie denn wirklich, daß es so schlimm steht?«
-
-Er deutet nur nach dem Schreibtisch, auf ein neidgelbes Heft des
-»Morisators.« Sie kenne den Artikel, sagte Frau Camuzzi; schon vor seinem
-Erscheinen habe sie ihn gekannt. Der Verfasser, dieser Savezzo, sei ihr
-Freund.
-
-»Und sie haben mir nichts gesagt! Sie sind also auch meine Feindin?«
-
-Sie setzte ihm auseinander, daß dieser Savezzo ein Fanatiker sei, vielmehr
-ein Mensch, der seinen Erfolg auf der Wahrheit zu begründen hoffe, wie die
-andern auf dem -- Entgegenkommen. Mit Geld sei er nicht aus dem Wege zu
-räumen, Malfigi habe schon genug Geld ausgeteilt.
-
-»Fast mein letztes,« und er raufte sich das spärliche Haar. »Auch dem
-Senator Russo habe ich Geld gegeben, damit seine Zeitung schweigt. Und
-jetzt klagt uns dieser Mensch gemeinsam an!«
-
-»Aber das ist das Beste, was geschehen konnte, und es hat mich unendlich
-Mühe gekostet, das Material gegen Russo zu beschaffen.«
-
-»Wie? Sie? Sie sind es, die mich umbringt?«
-
-Es dauerte lange, bis sie ihn so weit hatte, daß er ihr zuhörte. Eine
-Anklage von seiten des Savezzo sei die sicherste Rehabilitierung, die einem
-Verdächtigen widerfahren könne. Die Presse, die für sein Geld vielleicht
-nicht immer nach Wunsch gearbeitet haben würde -- ihr sei darüber einiges
-bekannt geworden --, jetzt werde sie eine Phalanx des Schweigens bilden
-gegen den Verräter, der sie selber fortwährend besudle und auch in diesen
-Angriff einen der ihren verwickle. Kein Zeuge werde sich noch finden
-lassen, der vor Gericht die Echtheit der den Abgeordneten und Exminister
-Malfigi belastenden Schriftstücke zugebe. Sogar die Mühe des Leugnens werde
-er sich sparen können, denn auch das Gericht werde seinen Namen mit
-Schweigen verdecken. Schließlich sagte er tiefgerührt.
-
-»Dann wären sie meine Retterin.«
-
-»Nicht ich«, erwiderte sie langsam. »Ich habe viel zur Madonna gebetet.
-Auch sie sollen es tun.«
-
-»Sie sind also fromm?« Er wollte lachen. Aber sie fragte ihn, ob er sicher
-sei, daß dies alles nicht eine Strafe der Madonna sei, die er so oft
-verleugnet habe. Sie erhob die gefalteten Hände.
-
-»Die schöne alte Madonna Ihres berühmten Geschlechts, das sie immer
-beschützt hat! Wie lange schon wartet sie vergebens auf sie in der Kapelle
-dieses Hauses! Sie müssen zu ihr zurückkehren, versprechen sie es mir, noch
-heute Nacht!«
-
-Er gestand, daß er daran gedacht habe. Denn man könne nie wissen. Auch sein
-Kaplan habe ihm davon gesprochen.
-
-Das wußte Frau Camuzzi, denn sie selbst hatte es bewirkt.
-
-»Aber erst Ihre schönen Augen bestimmen mich.« Und als alle schliefen,
-schlich er hinunter. Die Tür der Kapelle kreischte; Malfigi hielt an, er
-schämte sich, und er ward eigentümlich bedrückt von diesen lange gemiedenen
-Schatten, aus deren Tiefe es unsicher flimmerte. Vor der Madonna brannte
-die silberne Lampe wie in seiner Kindheit. Malfigi wollte schon hinknien
-wie einst, besann sich aber und breitete zuerst sein Taschentuch über die
-Altarstufe. Dann sah er unschlüssig hinauf in die Augen der Madonna, die
-groß, schwarz und voll geheimnisvollen Lebens waren. Sie schienen zu
-wissen, daß sie ihn ansahen, ja, sie schienen Erlaubnis zu nicken . . . und
-da betete der Abgeordnete. Er betete, daß die Zeitungen schweigen und das
-Gericht sich nicht mit ihm beschäftigen möge. Die Madonna sah ihn an, als
-sei sie mit allem einverstanden. Hoffnung überflutete sein Herz, er weinte.
-Wie er sich aber die Augen trocknete, gewahrte er, daß auch im Auge der
-Madonna ein Tropfen hing: nun fiel er auf den Altar! Malfigi sprang auf,
-besinnungslos, zum Schreien bereit. Die Wand entlang schlich er nochmals
-hin. Hatte er sich nicht getäuscht? Nein! Jesus! Die Augen des Bildes waren
-ihm gefolgt. Da floh er, stolperte hinaus und hielt sich das Herz. Er
-beruhigte sich; Malfigi empfand Zorn, weil er sich hatte verjagen lassen,
-und einen fast jugendlichen Drang, den Rausch dieses Wunders weiter zu
-erleben, ihm auf den Grund zu kommen, sei es mit Gefahr des Lebens. Er
-lauschte noch im Dunkel des Vestibüls: da schwebte eine Gestalt im langen
-Mantel aus der Kapelle hervor, an ihm vorbei und die Treppe hinan. Er
-hastete hinterdrein, verlor sie in den Korridoren, irrte umher und suchte.
-Wie er dann sein Zimmer betrat und Licht machte, sahen aus dem Vorhang am
-Bett die Augen der Madonna! Er stürzte darauf los, der Vorhang öffnete sich
-. . .
-
-»Du hast mir mein Jugendfeuer zurückgegeben«, sagte eine Stunde später der
-Conte Malfigi. »Jetzt liebe ich dich wirklich.«
-
-»Dann verstehst du auch,« erwiderte Frau Camuzzi, »warum ich früher noch
-nicht gewollt habe. Fürchtest du dich jetzt noch vor dem Prozeß?«
-
-»Nein. Durch dich bekommt man Mut.«
-
-»Und bedenke, daß du morgen deinem Kaplan von einem Wunder zu berichten
-hast. Er wird damit in den Vatikan laufen, jetzt schützt die Kirche dich.
-Wollen die freimaurerischen Gerichte dir etwas anhaben, wird es heißen, es
-sei nur die Rache für deine Bekehrung.«
-
-»Daran dachte ich gar nicht. Wie du rechnen kannst!«
-
-Ihm blieb noch eine Sorge.
-
-»Ich verstehe schon, du hast dem Bilde die Augen ausgeschnitten. Aber wird
-man es nicht sehen?«
-
-»Wie kannst du denken?« sagte Frau Camuzzi, »Dem kostbaren alten Bild!
-Natürlich habe ich eine Kopie genommen.«
-
-Der Abgeordnete Malfigi ward im Prozeß der Kreditbank nicht genannt,
-vielmehr berief man ihn an die Spitze dieses Finanzinstituts. Im Parlament
-war er fortan eine Stütze des patriotischen Klerikalismus. Frau Camuzzi,
-von Würdenträgern der Kirche belobt, mit Hochachtung behandelt von den
-hochstehenden Persönlichkeiten, die ins Haus kamen, sah ihre politische
-Laufbahn glänzend eröffnet. Da das Gesetz über die Ehescheidung ernstlich
-bevorzustehen schien, leistete sie die nützlichsten Dienste dadurch, daß
-sie liberale Parlamentarier umstimmte. Bei dem einflußreichsten dieser
-Herren gelangte sie ans Ziel vermittels eines Schäferstündchens, das sie
-ihm versprach, und von dem sie gleichzeitig seine Gattin benachrichtigte.
-Die Frau drohte, sie werde die erste sein, die sich scheiden lasse; und da
-sie das Geld hatte, war der Mann gehalten, das Zustandekommen des Gesetzes
-zu verhindern.
-
-Dies geschah in Neapel. In der Nacht, bevor Frau Camuzzi wieder abzureisen
-gedachte, bebte die Erde. Ermüdet von ihrer anstrengenden Mission, schlief
-Frau Camuzzi noch, als im Hotel schon alles in Aufruhr war. Wie sie endlich
-hervorkam, fand sie im Gang nur eine hilflos umherhuschende alte Dame, im
-Nachtkostüm wie sie. Frau Camuzzi ergriff sie und zog sie fort. Aber die
-Treppe brannte, und aus dem Abgrund zwischen eingestürzten Mauern schlug
-Qualm. Da kniete Frau Camuzzi hin und betete. Sie betete laut und mit einer
-Inbrunst, die sie schüttelte. Plötzlich senkte der Boden sich schräg und
-die beiden Damen glitten hinab. Sie langten unten an wie auf Flügeln und
-unversehrt. Die alte Dame fuhr mit Frau Camuzzi nach Rom; sie war eine
-unermeßlich reiche Lady. Sie behauptete, nur das Gebet dieser Heiligen habe
-sie gerettet. »Ja«, sagte sie vor dem Conte Malfigi, »als sie betete, ging
-ein Schein von ihr aus.« Und sie schrieb ihrer Retterin einen Scheck über
-eine Million.
-
-Kurz darauf starb der Gemeindesekretär Camuzzi. Der Abgeordnete Malfigi
-ward nochmals Minister und heiratete Frau Camuzzi. Der Salon der Contessa
-Malfigi gehörte ein Jahrzehnt lang und auch noch nach dem Tode des Conte zu
-den einflußreichsten unter den politischen Salons der Hauptstadt. Den
-jungen Leuten, die regelmäßig bei ihr dinierten, prophezeite man die
-Laufbahn des Abgeordneten, denen, die noch weiter bei ihr vordrangen, einen
-Ministerposten; ihre Herkunft war nicht ganz vergessen; Legenden umrankten
-sie, und man fand es pikant, ja satanistisch, daß eine ehemalige Kurtisane
-die neue Generation zur Reaktion und zum Klerikalismus erziehe. Sie hatte
-Anhänger, ehrgeizige Liebhaber, Verbündete oder Gegner: einen ihr
-gewachsenen Freund hatte sie nicht. Einmal versuchte sie, sich dem Savezzo
-zu nähern, der damals auf der Höhe seiner Macht war und in seinem »Jüngsten
-Gericht« jede Woche die fürchterlichste Musterung unter seinen Zeitgenossen
-abhielt. Sie erinnerte ihn daran, daß sie eine verwandte Geschichte hätten
-und zusammen gestiegen seien. Aber er lehnte schroff ab; er wollte mit
-niemandem gestiegen sein. Sie erreichte nur, daß er in der nächsten Nummer
-seiner Zeitschrift ihre Vergangenheit entschleierte, einen verjährten Mord
-durchblicken ließ und sie als Kaffeehausdirnchen erklärte, das sich die
-Rolle des Weibes von Babylon anmaße. Ihre Frömmigkeit sei erst in zweiter
-Linie politisches Mittel; vor allem sei sie Betschwester, weil sie vorher
-den damit korrespondierenden Beruf ausgeübt habe . . . Sie zog Vorteil aus
-dem einmal begangenen Fehler, indem sie, ohne daß er es ahnte,
-Persönlichkeiten mit ihm in Verbindung setzte, deren Feindschaft sie
-brauchte. Enttäuschungen wechselten mit Erfolgen. Kaum, daß das Herz noch
-stärker klopfte bei einem Sieg oder einer Niederlage. Am raschesten verging
-ein Tag, an dem man sich rächen konnte! Dieser unbedeutende Fiorio, als
-Unterpräfekt daheim in der kleinen Stadt auf ewig vergessen, wenn es nicht
-der Contessa Malfigi eingefallen wäre, ihn zum Präfekten zu machen: er
-hatte sich erlaubt, sie verraten zu wollen. Sie hatte ihm den Abgeordneten
-geschickt, den er wählen zu lassen hatte; sie hatte sogar sichere Leute
-geschickt, die in ein Fenster der Präfektur schossen, so daß Fiorio die
-Wahlversammlungen verbieten, den Munzipalrat auflösen und ohne jede
-Opposition seinen Kandidaten durchbringen konnte. Da, ein Telegramm ihres
-Schützlings an die Contessa: der Präfekt hatte nicht ihn, sondern seinen
-einzigen Bruder als Regierungskandidaten aufgestellt. Sie sorgte sofort
-dafür, daß eine Zeitung, offenbar durch Vertrauensbruch, eine Depesche des
-Ministers an den Präfekten Fiorio wiedergeben konnte, worin der Minister es
-mißbilligte, daß der Präfekt aus wahltaktischen Gründen von gedungenen
-Attentätern in seine Fenster schießen lasse. Angesichts des allgemeinen
-Entrüstungssturmes wagte der Minister die Depesche, die er nie geschrieben
-hatte, nicht abzuleugnen; der Präfekt Fiorio ward abgesetzt.
-
-Sie ließ ihre Macht noch höher hinauf fühlen. Der Graf von Benevent, der
-elegante Vetter des Königs, hatte ein verächtliches Wort über sie
-gesprochen, und es war ihr zu Ohren gekommen. Sie gab ihm Gelegenheit, sich
-zu rechtfertigen; obwohl sie ihn albern fand, zeigte sie ihm, daß er ihr
-gefalle. Er beging die Torheit, ihr offene Feindschaft zu erklären. Ein
-Jahr später sah sich seine Geliebte, die russische Tänzerin Lorida, in ein
-weitläufiges, kaum entwirrbares Netz von Verdächtigungen verstrickt, und
-der Tag kam, da sie als Spionin verhaftet ward. Nach langen Ängsten, die
-den Prinzen nicht weniger trafen als sie, und bloßgestellt von der ganzen
-Presse, war sie noch froh, in ihre Heimat abgeschoben zu werden. Der Graf
-von Benevent ging nach Afrika. Unter den Mitgliedern der Aristokratie, die
-sich im Bahnhof eingefunden hatten, war die Contessa Malfigi. Sie sagte:
-»Ich habe ihm das Billet gekauft, ich muß ihn auch einschiffen.«
-
-Aber es war bestimmt, daß auch ihr ein Billet gekauft werde. Zum zweiten
-Mal in ihrem Leben verfiel sie der Liebe. Ein junger Mann ward ihr
-zugeführt: sie erschrak, denn sie glaubte, Nello Gennari wiederzusehen, den
-Geliebten von einst, der durch sie gestorben war. Auch dieser hob so die
-umflorte Stirn und ließ das weichgelockte Haar so schwanken über seinen
-Augen, seinem beschatteten Lächeln, als betrauere er die eigene Schönheit.
-Die Contessa Malfigi zeigte sich sofort und vor aller Welt hingerissen,
-eifersüchtig, voll unbedachter Triebe. Man sah eine Frau, die keiner
-kannte. Sie behielt den jungen Mann im Hause, ließ ihn, wenn Leute kamen,
-nicht von ihrer Seite, nahm ihn in ihrem Wagen mit, aber nicht zum Korso,
-wo man gesehen wird, sondern auf die alten Straßen der Trümmer und Einöden.
-Sie schwor ihm, daß sie ihn groß machen werde, zum Deputierten, zum
-Minister, zum Ritter des Annunziaten-Ordens. Er solle sie lieben, er solle
-sie lieben! Und er: »Ich danke dir so sehr, und ich liebe dich.« Aber sie
-hörte wohl, es sei nicht wahr und nichts, nichts vermöge sie über ihn; denn
-er war nicht ehrgeizig. Sie enthüllte ihm ihre Geschäfte, ihre gefährlichen
-Geheimnisse; ganz ohne Mühe fiel ihm in den Schoß, was sie selbst, als sie
-zuerst in dies Haus eingedrungen war, mit List und Gewalt an sich gebracht
-hatte. Er konnte hier der Herr werden, wie sie die Herrin geworden war.
-Totò, ich verschaffe dir den Namen eines Conte Malfigi! Ach! er glich nicht
-ihr, er glich jenem Nello. Weich, schwach und träge lag er da, stumm
-klagend, weil sie ihn nicht mit Geld versah und hinausließ zu seinen jungen
-Freunden, damit er spiele, lache und sie betrüge, sie, die nur ihn hatte,
-nur ihn auf der Welt! »Totò, mein Liebling, du bist Sekretär des Ministers
-Afrano. Liebst du mich?« Nun sank er ihr wohl in die Arme; aber sie wußte,
-es war nur, weil er hinaus durfte. Um so fester schloß sie ihn ein. Die
-Stunden kamen, da sie ihn mißhandelte, und die, in denen sie ihn floh, um
-zu weinen. Sie beweinte vor dem Spiegel ihr Bild von einst, die Reize, die
-ungenützt verfallen waren. »Was habe ich gehabt? Ich habe Glück und Unglück
-verteilt. Ich habe das Zittern von Menschen gefühlt. Man hat mich geliebt,
-weil ich mächtig war. Das alles war nichts. Man hat mich betrogen!« Der
-Nello von einst hatte sie leiden lassen und jene Alba geliebt; und nun lag
-dieser dort drinnen, blaß, mit dem hilflosen Blick gefangener Tiere, und
-ahnte nicht einmal ihr Elend.
-
-»Totò!« rief sie durch die Tür. »Sekretär eines Ministers, das wäre zu
-wenig für dich. Warte noch, mein süßes Herz, du wirst noch mehr werden.«
-
-Er antwortete nicht. Sie ging hinein -- und fuhr erstickend zurück. Totò
-hing an der Decke.
-
-Sie war von Sinnen, sie wollte mit ihm ins Grab. Als sie wieder weinen
-konnte und gerettet war, sagte sie:
-
-»Ich hätte es wissen sollen. Dieser Typus bringt mir Unglück.«
-
-Sie wollte fort, aus allem fort und zurück in ihre kleine Stadt. »Nie hätte
-ich mich entwurzeln lassen dürfen!« Man hielt ihr vor, daß damit ihren
-Feinden gedient, ihren Freunden das Verderben bereitet wäre.
-
-»Wer sind meine Freunde? Der Savezzo hat recht, in dieser harten Welt muß
-jeder allein und gegen alle stehen. Ich war zu gut. Weh' dem, der ein Herz
-hat!«
-
-
-
-
-DIE NEUE REIHE
-
-
-DICHTUNG DER JUNGEN GENERATION
-
-Jede Nr. kart. 2.--, Doppel-Nr. 3.--, Geb. in Künstler-Buntpapier
-3.25, Doppel-Nr. 4.25, Sign. u. numer. Liebhaberausgaben
-auf Bütten in Halbperg. 25.--, in Halbled. 50.--
-
- Nr. 1 HERMANN KASACK, Der Mensch. Gedichte
- 2 HEINR. ED. JACOB, Das Geschenk der schönen Erde. Idyllen
- 3 RICHARD HUELSENBECK, Verwandlungen. Prosa
- 4 IWAN GOLL, Der Torso. Stanzen und Dithyramben
- 5|5a ARNOLD ZWEIG, Bennarône. Erzählung
- 6 GOTTFRIED KOELWEL, Erhebung. Gedichte
- 7 ALFRED WOLFENSTEIN, Der Lebendige. Novellen
- 8|8a RUDOLF LEONHARD, Beate und der große Pan. Roman
- 9 KURT HEYNICKE, Gottes Geigen. Gedichte
- 10 u. 11 ALFRED LEMM, Mord Novellen. 2 Bände. _Einzeln käuflich_
- 12 HENRIETTE HARDENBERG, Neigungen. Gedichte
- 13 PAUL ZECH, Gelandet. Ein dramatischen Spiel
- 14 ROBERT MUELLER, Das Inselmädchen. Novelle
- 15 GEORG KAISER, Juana. Einakter
- 16 OSKAR SCHUERER, Drohender Frühling. Gedichte
- 17 CLAIRE STUDER, Der gläserne Garten. Novellen
- 18 MAX HERRMANN, Die Preisgabe. Gedichte
- 19 HEINRICH MANN, Die Ehrgeizige. Novelle
- 20 OSKAR LOERKE, Die Chimärenreiter. Novellen
- 21 FRIEDRICH BURSCHELL, Die Einfalt des Herzens. Prosa
- 22 PAULA LUDWIG, Die selige Spur. Gedichte
- 23 ERHARD BUSCHBECK, Georg Trakl. Ein Requiem
- 24 MANFRED GEORG, Der Rebell. Novelle
- 25 ALFRED VAGTS, Gedichte
-
-
-In Vorbereitung:
-
-
-VERKÜNDIGUNG
-
-Anthologie jüngster Lyrik. Herausg, v. Dr. M. Sommerfeld. Preis ca. 10.--
-
-
-DER ANBRUCH
-
-EIN JAHRBUCH NEUER JUGEND
-
-Mit Beiträgen von P. Adler, A. Ehrenstein, A. v. Hatzfeld, P. v. Gütersloh,
-P. Kornfeld, R. Müller, R. Pannwitz, E. Weiß, A. Wolfenstein u. a.
-K. 6.--, gb. 8.--
-
-
-DIE FÜNF HEFTE
-
-Eine von OTTO FLAKE geschriebene Zeitschrift
-
-Jedes Heft Mk. 3.--, im Abonn. Mk. 12.50. Prospekt kostenlos.
-
-
-DIE DICHTUNG
-
-PROGRAMMHEFT VOR DER II. FOLGE
-
-Mit zum Teil unveröffentl. Beiträgen aller Mitarbeiter.
-Verlagskatalog kostenlos. Kart. Mk. 2.--, in Buntpapier geb. Mk. 4.--
-
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription
-
-
-Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.
-
-
-
-
-
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-
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-access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
-that
-
-- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
- owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
- has agreed to donate royalties under this paragraph to the
- Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
- must be paid within 60 days following each date on which you
- prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
- returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
- sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
- address specified in Section 4, "Information about donations to
- the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
-
-- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or
- destroy all copies of the works possessed in a physical medium
- and discontinue all use of and all access to other copies of
- Project Gutenberg-tm works.
-
-- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
- money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days
- of receipt of the work.
-
-- You comply with all other terms of this agreement for free
- distribution of Project Gutenberg-tm works.
-
-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
-electronic work or group of works on different terms than are set
-forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
-both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
-Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
-Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
-collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
-works, and the medium on which they may be stored, may contain
-"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
-corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
-property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
-computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
-your equipment.
-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
-liability to you for damages, costs and expenses, including legal
-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
-TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
-INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
-DAMAGE.
-
-1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium with
-your written explanation. The person or entity that provided you with
-the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
-refund. If you received the work electronically, the person or entity
-providing it to you may choose to give you a second opportunity to
-receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
-is also defective, you may demand a refund in writing without further
-opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
-WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
-WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
-If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
-law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
-interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
-the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
-provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
-with this agreement, and any volunteers associated with the production,
-promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
-harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
-that arise directly or indirectly from any of the following which you do
-or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
-work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
-Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
-
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of computers
-including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
-because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
-people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
-http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
-permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
-Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
-throughout numerous locations. Its business office is located at
-809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
-business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
-information can be found at the Foundation's web site and official
-page at http://pglaf.org
-
-For additional contact information:
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To
-SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
-particular state visit http://pglaf.org
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations.
-To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
-
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
-works.
-
-Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
-concept of a library of electronic works that could be freely shared
-with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
-Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
-
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
-unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
-keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
-
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
-
- http://www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
diff --git a/43335-8.zip b/43335-8.zip
deleted file mode 100644
index 478ed1b..0000000
--- a/43335-8.zip
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/43335-h.zip b/43335-h.zip
deleted file mode 100644
index 78a4344..0000000
--- a/43335-h.zip
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/43335-h/43335-h.htm b/43335-h/43335-h.htm
index b21f71d..4bf15f7 100644
--- a/43335-h/43335-h.htm
+++ b/43335-h/43335-h.htm
@@ -67,40 +67,9 @@ li { text-align:left; margin-bottom:0.5em; margin-left:1em; }
</head>
<body>
+<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 43335 ***</div>
-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Die Ehrgeizige, by Heinrich Mann
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
-
-
-Title: Die Ehrgeizige
-
-Author: Heinrich Mann
-
-Release Date: July 28, 2013 [EBook #43335]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE EHRGEIZIGE ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski
-
-
-
-
-
-</pre>
<div class="centerpic">
@@ -1185,376 +1154,7 @@ Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachhe
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Die Ehrgeizige, by Heinrich Mann
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE EHRGEIZIGE ***
-
-***** This file should be named 43335-h.htm or 43335-h.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
- http://www.gutenberg.org/4/3/3/3/43335/
-
-Produced by Jens Sadowski
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions
-will be renamed.
-
-Creating the works from public domain print editions means that no
-one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
-(and you!) can copy and distribute it in the United States without
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-set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
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-Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
-charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
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-such as creation of derivative works, reports, performances and
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-practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
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-redistribution.
-
-
-
-*** START: FULL LICENSE ***
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
-PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
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-distribution of electronic works, by using or distributing this work
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-Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
-Gutenberg-tm License (available with this file or online at
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-If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
-Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
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-
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-used on or associated in any way with an electronic work by people who
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-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
-and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
-works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
-or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
-Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
-collection are in the public domain in the United States. If an
-individual work is in the public domain in the United States and you are
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-works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
-are removed. Of course, we hope that you will support the Project
-Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
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-Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
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-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
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-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
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-1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
-License terms from this work, or any files containing a part of this
-work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
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-1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
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-1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
-word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
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-1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
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-- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
- owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
- has agreed to donate royalties under this paragraph to the
- Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
- must be paid within 60 days following each date on which you
- prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
- returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
- sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
- address specified in Section 4, "Information about donations to
- the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
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-- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or
- destroy all copies of the works possessed in a physical medium
- and discontinue all use of and all access to other copies of
- Project Gutenberg-tm works.
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- money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days
- of receipt of the work.
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- distribution of Project Gutenberg-tm works.
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-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
-electronic work or group of works on different terms than are set
-forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
-both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
-Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
-Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
-collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
-works, and the medium on which they may be stored, may contain
-"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
-corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
-property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
-computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
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-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
-liability to you for damages, costs and expenses, including legal
-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
-TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
-INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
-DAMAGE.
-
-1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium with
-your written explanation. The person or entity that provided you with
-the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
-refund. If you received the work electronically, the person or entity
-providing it to you may choose to give you a second opportunity to
-receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
-is also defective, you may demand a refund in writing without further
-opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
-WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
-WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
-If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
-law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
-interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
-the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
-provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
-with this agreement, and any volunteers associated with the production,
-promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
-harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
-that arise directly or indirectly from any of the following which you do
-or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
-work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
-Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
-
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of computers
-including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
-because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
-people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
-http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
-permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
-Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
-throughout numerous locations. Its business office is located at
-809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
-business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
-information can be found at the Foundation's web site and official
-page at http://pglaf.org
-
-For additional contact information:
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To
-SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
-particular state visit http://pglaf.org
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations.
-To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
-
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
-works.
-
-Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
-concept of a library of electronic works that could be freely shared
-with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
-Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
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