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@@ -0,0 +1,3857 @@
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 42406 ***
+
+ Honoré-Gabriel Riquetti, comte de Mirabeau
+
+
+
+
+ Der gelüftete Vorhang
+ oder Lauras Erziehung
+
+
+ Nachdruck der Originalausgabe von 1907
+ nach einem Exemplar aus Privatbesitz.
+
+
+
+ Zieht euch zurück, ihr eifernden Zensoren,
+ Schließt, Frömmler, Moralisten, Narren eure Ohren!
+ Nicht sollt ihr eifernden Megären mit uns rechten,
+ Hinweg mit euch, ihr Stolzen, Selbstgerechten,
+ Denn dieser Blätter süße Heimlichkeit
+ Ist nie und nimmer euch geweiht.
+
+
+
+
+Laura an Eugenie
+
+
+Weicht von mir, ihr einfältigen Vorurteile! Ihr seid nur etwas für
+furchtsame Seelen. Eugenie fordert, ihrer Einsamkeit überdrüssig, von ihrer
+Laura diesen kleinen Liebesdienst. Nichts kann mich zurückhalten, ihn ihr
+zu leisten, ja, meine liebste Eugenie, diese kostbaren Augenblicke, die ich
+in Deinen Armen erfahren durfte, diese Leidenschaft der Sinne, die jede von
+uns dazu getrieben hat, in den Armen der anderen ihr Vergnügen zu suchen,
+diese Gemälde unserer Jugend, aus denen wir den Rauschtrunk unserer Wollust
+keltern wollten, ich werde sie, um Dich zufrieden zu stellen, alle vor Dir
+ausbreiten. Du solltest alles erfahren, was ich seit den Tagen meiner
+zartesten Kindheit gedacht und erfahren habe. Alles, was ich je empfunden
+habe, wird vor Deinen Augen wieder lebendig werden. Ich werde vor Dir diese
+lebhaften Gefühle wiedererstehen lassen, die kostbare Bewegtheit, diese
+reizvolle Trunkenheit. Und jedes Wort, das ich Dir sage, wird aus den
+Quellen der Wahrhaftigkeit und Natürlichkeit gespeist werden. Ich werde
+meine Hand alle jene Ornamente meines Lebens nachzeichnen lassen, die
+Deiner entflammten Begierde würdig sind. Ich fürchte nicht, daß es mir an
+Kraft dazu mangeln wird. Denn Du selbst inspirierst und begeisterst mich
+ja. Du bist mir Venus und Apoll in einem.
+
+Doch hüte Dich wohl, mein Herz, daß dieses Geständnis meines Lebens je
+Deinen Händen entgleite! Bedenke, Du befindest Dich in einem Heiligtum des
+Aberwitzes und der Torheit. Diese Nonnen sind alle zu fürchten, jene, die
+guten Glaubens sind, wie jene, die unter einem Schleier von
+Scheinheiligkeit die exquisitesten und raffiniertesten Lüste verbergen. Die
+Frauen lieben ganz allgemein den Schatten des Geheimnisvollen. Doch geben
+sie nur zu oft Furcht und Anstand ihrem Vergnügen preis. Dieses Werk darf
+niemals das Tageslicht sehen. Es ist nicht für die Augen des Pöbels
+gemacht, der die Aufrichtigkeit einer Frau nicht begreifen kann und den
+seine nichtswürdige Leichtgläubigkeit vor der nackten Natur zurückschrecken
+läßt.
+
+Du glaubst nicht, meine teure Eugenie, wie uns die Männer -- sogar die
+freizügigsten unter ihnen -- um die Freiheit unserer Einbildungskraft
+beneiden. Sie wollen uns nur jene Freuden zubilligen, die ihnen selbst
+dienen. Wir sind in ihren Augen nichts als Sklavinnen, die es nicht wagen
+dürfen, die Hand der mächtigen Herren zu halten, die uns unterdrücken.
+Alles gehört ihnen, sie sind die Tyrannen, deren Vergnügen wir dienen
+müssen. Sie sind eifersüchtig, wenn wir unsererseits jemanden anschauen.
+Egoisten sind sie, die immer nur ihr eigenes Selbst im Auge haben. Am
+besten sollte niemand außer ihnen existieren.
+
+Nur wenige von ihnen denken daran, uns an den Vergnügungen, die wir ihnen
+bereiten, teilnehmen zu lassen, ja, sie versuchen sich sogar Vergnügungen
+zu schaffen, indem sie uns quälen und den schmerzhaftesten Prozeduren
+unterziehen.
+
+Welche bizarren Spielereien hat ihre Extravaganz nicht erfunden! Ihre
+Einbildungskraft, die nie zur Ruhe kommt, erlischt ebenso rasch, wie sie
+sich entzündet. Ihre Anstrengungen, ihre Perfidie und ihre unbeständigen
+Begierden irren von einem Objekt zum nächsten. Durch eine seltsame
+Perversion der Gefühle gestehen sie uns keinen der Genüsse zu, die sie sich
+anmaßen. Und das uns, deren Empfindsamkeit um so viel größer, deren
+Phantasie um so viel lebhafter und leichter entflammbar ist als die ihre.
+
+Ah, diese grausamen Ungeheuer! Sie wollen unsere Sinnenfreudigkeit
+vernichten, und doch wäre unsere Kälte ihre Marter und ihr Unglück. Nur
+wenige spielen, um der Wahrheit die Ehre zu geben, mit offenen Karten. Aber
+es wäre selbst ihnen gegenüber unklug, wenn wir uns ihnen ganz enthüllen
+wollten.
+
+Indessen wäre dieses Werk in den Händen jener Unglücklichen nicht weniger
+deplaziert, die nicht einmal die Liebe wärmen kann. Ich spreche von jenen
+phlegmatischen Frauen, die selbst die Aufmerksamkeit liebenswürdiger Männer
+nicht erregen kann, und von jenen schwerblütigen Männern, die nicht einmal
+die Schönheit zu begeistern vermag. Es gibt viele dieser unentschlossenen
+und trägen Tiere, die sich mit dem hochtrabenden Titel eines Künstlers oder
+Philosophen schmücken und deren geistige Ergüsse doch nur das Resultat
+einer Gallenkolik, eines melancholischen Anfalls und anderer Mißgeschicke
+sind. Kein Wunder, daß sie der Welt entfliehen, in der sie sich so wenig
+wohlbefinden.
+
+Diese Leute verdammen natürlich ebenso wie das nutzlose Alter alle
+Vergnügungen, die ihnen verwehrt sind.
+
+Es gibt andere, die von leidenschaftlichem Temperament sind. Doch die
+Vorurteile ihrer Erziehung und ihre Schüchternheit haben sie für eine
+Tugend begeistert, deren Wesen ihnen doch gänzlich unbekannt ist. Sie
+unterdrücken die natürlichen Ergüsse des Menschen und laufen einem Phantom
+nach. Die Liebe ist ihnen eine profane Gottheit, die es nicht verdient, daß
+sie ihr ihren Weihrauch streuen. Höchstens, daß sie ihr in Gestalt des
+Hymen etliche Male opfern. Ferner gibt es Fanatiker, die unter dem Vorwand
+der Ehre ihre Eifersucht verbergen. Das ist ein Verrat an der Liebe und
+eine Blasphemie gegen die liebenswürdigste aller Gottheiten.
+
+Doch, meine liebe Eugenie, wir wollen doch niemanden schockieren. Bewahren
+wir unsere freimütigen Geständnisse deshalb so gut wie möglich. Nur für
+Dich öffne ich mein Herz. Es ist nur Deinetwegen, daß ich alle Schleier von
+dem Gemälde hinwegziehe, das vor Deinen Augen auszubreiten ich im Begriff
+bin. Möge es für die anderen verborgen bleiben, genauso wie die Freiheiten,
+die wir uns genommen haben.
+
+Und so seien die folgenden Blätter nur der Freundschaft und der Liebe
+gewidmet. Mögen diese mit Wohlgefallen auf die schlüpfrigen Bilder blicken,
+die meine Feder nur zögernd enthüllt.
+
+
+
+
+1. Kapitel
+
+
+Ich beginne meine Geschichte mit meinem zehnten Lebensjahr. Meine Mutter
+starb an einer langwierigen Krankheit, die sie nach acht Monaten des
+Leidens zu Grabe brachte. Mein Vater tröstete mich über einen Verlust, den
+ich täglich mit bitteren Tränen beweinte. Seine Zuneigung, seine Gefühle,
+die mir so teuer waren, wurden ihm von meiner Seite auf das lebhafteste
+vergolten.
+
+Ich war stets der Gegenstand seiner zärtlichsten Liebkosungen gewesen. Es
+verging kein Tag, an dem er mich nicht in seine Arme schloß und mich mit
+den süßesten Küssen überhäufte.
+
+Ich erinnere mich noch daran, wie meine Mutter ihm eines Tages Vorhaltungen
+machte, daß er mich auf diese Weise verwöhnte. Er gab ihr eine Antwort, die
+mir später noch viel zu denken gab, obwohl seither bereits einige Zeit
+vergangen war.
+
+»Worüber beklagen Sie sich, Madame? Ich habe keinen Grund zu erröten. Wenn
+sie meine Tochter wäre, so wären diese Vorwürfe vielleicht begründet, aber
+so fühle ich mich nicht in der Situation, das Beispiel Lots nachzuahmen.
+Ich bin glücklich, diese Zärtlichkeit für sie zu empfinden, die Sie so
+tadelnswert finden. Das, was Konvention und Gesetze bestimmen, ist keine
+Forderung der Natur. Es fällt daher dem denkenden Menschen leicht, sich
+darüber hinwegzusetzen.«
+
+Diese Antwort habe ich nie wieder aus dem Gedächtnis verloren. Das
+Schweigen meiner Mutter, das darauf folgte, ließ sie mir noch
+bedeutungsvoller erscheinen, ja, ich glaube, daß dieses Gespräch, das ich
+zufällig belauschte, und die Gedanken, die ich mir darüber machte, mich
+noch fester an meinen Vater banden. Ich begriff wohl, daß ich alles in
+meinem Leben seiner Freundschaft verdankte. Dieser Mann, der so
+liebenswürdig, geistvoll und weise war, vermochte wahrhaftig die
+zärtlichsten Gefühle zu erwecken. Die Natur hatte mich begünstigt, als ob
+die Liebe selbst mich geformt hätte. Du weißt, meine liebe Eugenie, daß ich
+in diesem Punkt nicht übertreibe. Von Kindheit an hatte ich eine hübsche
+und ebenmäßige Figur, eine schlanke Taille und einen ausgezeichneten Teint.
+Die Lebhaftigkeit meiner braunen Augen wurde durch einen sanften und
+zärtlichen Blick gemäßigt, und mein Haar fiel in schönen Locken auf meine
+Schultern. Ich hatte ein fröhliches Gemüt, wenn ich auch ein wenig zur
+Nachdenklichkeit neigte.
+
+Mein Vater studierte meine Neigungen und meinen Geschmack, und er
+kultivierte meine Anlagen mit der größten Sorgfalt. Die größte Mühe
+verwandte er darauf, mich zur Wahrheitsliebe anzuhalten. Er wollte, daß ich
+nichts vor ihm verberge, und er erreichte dies auch mit Leichtigkeit. Denn
+es war unmöglich, ihm etwas zu verschweigen. Seine strengste Strafe bestand
+darin, mir seine Zärtlichkeit zu verweigern. Ah, wie habe ich die wenigen
+Male, da dies geschah, darunter gelitten!
+
+Einige Zeit nach dem Tod meiner Mutter schloß mich dieser hervorragende
+Mann eines Tages besonders innig in seine Arme.
+
+»Laurette, mein liebes Kind«, sagte er, »Du bist nun beinahe elf Jahre alt,
+und Deine Tränen über den Verlust deiner Mutter sollten nun aufhören. Ich
+habe Dir genügend Zeit zur Trauer gelassen. Nun wollen wir durch
+vernünftige Beschäftigung für Deine Zerstreuung sorgen.«
+
+Tatsächlich habe ich eine brillante Erziehung genossen. Ich hatte nur einen
+einzigen Lehrmeister: Meinen Vater. Aber er unterrichtete mich in allem. In
+Malerei, Tanz, Musik und allen Wissenschaften war er gleicherweise ein
+Meister. Es war ihm nicht schwer gefallen, sich über den Tod meiner Mutter
+hinweg zu trösten. Ich wunderte mich darüber, und eines Tages konnte ich
+mich nicht enthalten, mit ihm darüber zu sprechen.
+
+»Du mußt wissen, daß in einer Gemeinschaft, in der sich Charaktere und
+Temperamente ähneln, der Augenblick, in dem diese Übereinstimmung
+zerbricht, die Herzen der Einzelwesen zerreißt, die sich auf solche Weise
+miteinander verbunden fühlten. Weder Charakterstärke noch irgendeine Art
+von Philosophie helfen einem sensiblen Menschen, dieses Übel ohne Kummer zu
+ertragen. Auch die Zeit, von der es heißt, daß sie alle Wunden heilt, kann
+da nur wenig Linderung verschaffen. Wenn wir nicht durch die Bande der
+Sympathie mit einigen unserer Mitmenschen verbunden wären, gäbe es auf
+dieser Welt keine Trennung außer der, die durch die unvermeidlichen
+Naturgesetze verursacht wird, denen alles Leben unterworfen erscheint. Ein
+vernünftiger Mensch wird sich deshalb früher oder später mit dem Schmerz
+abfinden müssen, der keinem menschlichen Wesen erspart bleibt. Doch soll
+ich Dich in einem so wichtigen Punkt etwa täuschen, mein Kind? Gewiß nicht.
+Dies ist vielmehr ein Gegenstand, um darüber zu reden. Du kannst Dir selbst
+ein Urteil bilden. Stell dir also zwei Wesen vor, die in ihrer Veranlagung
+ganz verschieden sind, sich aber durch eine fragwürdige äußere Macht, sei
+es nun durch Konvention oder auch durch materielle Erwägungen, auf das
+intimste miteinander verbunden haben. Nimm an, diese Menschen haben durch
+eine flüchtige Täuschung ihrer Sinne zueinandergefunden. Oh, sie brauchen
+nur kurze Zeit, um zu erkennen, daß sie einer Illusion zum Opfer gefallen
+sind. Es dauert nicht lange, so lassen beide die Masken sinken, durch die
+sie einander getäuscht haben, jene Masken also, die ihren natürlichen
+Charakter verdecken. Wie glücklich werden diese beiden sein, sich wieder zu
+trennen!
+
+Welch ein Glück bedeutet es, eine Kette zu sprengen, die durch die
+Gewohnheit zur Tortur wurde. Welch ein Glück, sich dann mit jemandem zu
+vereinen, der dem eigenen Charakter entspricht! Denn, meine Laurette,
+während zwei Menschen, deren Neigungen und Charaktere ganz und gar nicht
+zusammenpassen, ihre gegenseitige Gesellschaft fliehen, fühlen sie sich zu
+einem Wesen, das dem ihren kongenial ist, um so heftiger hingezogen. Glaube
+mir, die Übereinstimmung des Geschmacks und des Geistes ist für den
+Menschen ungleich wichtiger als der flüchtige Rausch der Sinne. Und ein
+Wort, eine gewisse Gedankenassoziation, ja selbst eine Gebärde kann die
+Übereinstimmung der Gefühle wie der Gedanken bezeugen. Überlege Dir nun,
+welche Qualen zwei Menschen leiden müssen, die durch die Ketten der
+Konvention und des gesellschaftlichen Scheins aneinander gefesselt sind,
+während doch alles in ihnen nach Trennung schreit. Welch eine Verstellung,
+welch schmerzliche Selbstbeherrschung!«
+
+»Mein teurer Papa, Du nimmst mir alle Lust darauf, je zu heiraten. Ist das
+Deine Absicht?« warf ich zutiefst betroffen ein. »Ah nein, mein Kind. Ich
+wollte Dir nur eine Situation vor Augen führen, die mir nur zu gut bekannt
+ist. Und damit Du die Natürlichkeit und Vernunft meiner Ansichten besser
+verstehst, empfehle ich Dir zu lesen, was der Präsident von Montesquieu in
+seinen »Nachdenklichen Briefen« darüber geschrieben, hat. Wenn Alter und
+Vernunft Dich in die Lage versetzen, gegen unwürdige Vorurteile
+anzukämpfen, wird es Dir ein Leichtes sein, das richtig zu erkennen. Ich
+könnte Dir leicht Rechenschaft ablegen über alle Gedanken, die ich mir zu
+diesem Thema gemacht habe. Aber Deine Jugend erlaubt es mir nicht, mehr
+darüber zu sagen.«
+
+Damit beendete mein Vater dieses Gespräch.
+
+Und nun, meine teure Eugenie, siehst Du die Szene sich verwandeln. Eugenie,
+liebste Eugenie, was soll ich Dir sagen? Die Schreie, die ich um mich zu
+hören glaube, der Zwiespalt unter den Menschen, den die Worte meines Vaters
+vor mir heraufbeschworen, lassen meine Feder sich sträuben. Aber die
+sanften Stimmen der Liebe und Freundschaft beruhigen mich wieder. Ich fahre
+also mit meiner Geschichte fort.
+
+Wiewohl mein Vater ausschließlich mit meiner Erziehung beschäftigt schien,
+entdeckte ich doch nach etlichen Monaten eine gewisse Verwandlung an ihm.
+Er schien zerstreut und unruhig. Irgendetwas, von dem ich nicht wußte, was
+es war, schien ihn zu beschäftigen. Nach dem Tod meiner Mutter hatte er
+jeden gesellschaftlichen Verkehr abgebrochen, um sich ganz der Sorge um
+mich zu widmen. Wir lebten in einem großen und sehr bequemen Landhaus
+völlig für uns. Ich hatte wenig Ablenkung, und so nahm ich seine Ideen mit
+großem Eifer entgegen. Die Liebkosungen, die er mir zuteil werden ließ,
+verdoppelten sich mit der Zeit und schienen ihn zu beleben. Seine Augen
+bekamen dann einen lebhaften Glanz, seine Wangen röteten sich, seine Lippen
+brannten auf den meinen. Er liebkoste meinen Hintern, er legte seine Hand
+zwischen meine Schenkel und küßte meine Lippen und meinen Busen. Einmal
+tauchte er mich splitternackt in ein Bad. Ah, es war köstlich! Nachdem er
+mich am ganzen Körper mit einer duftenden Essenz eingerieben hatte,
+überhäufte er mich mit seinen Küssen. Sein Busen bebte, und seine Hände
+taten desgleichen. Niemals zuvor hatte ich ein so köstliches Bad gehabt.
+Diese himmlische Unordnung hinter uns! Aber mitten in den lebhaftesten
+Zärtlichkeiten verließ er mich und schloß sich in seinem Zimmer ein.
+
+Wenige Tage später hatte ich plötzlich unter seinen brennenden Küssen ein
+Gefühl, wie ich es noch nie gehabt hatte. Unsere Lippen hatten einander
+wohl unzählige Male berührt, ja selbst seine Zunge berührte meinen in
+Zärtlichkeit hinschmelzenden Mund. Da fühlte ich das Feuer dieser Küsse in
+meine Adern dringen. Aber wieder löste sich mein Vater aus meinen Armen und
+enteilte. Ich blieb verstört und neugierig zurück. Auf jeden Fall wollte
+ich entdecken, was meinen Vater dazu veranlaßte, just nach einem Augenblick
+solcher Zärtlichkeiten in sein Zimmer zu eilen und sich dort
+einzuschließen. Ich versuchte hinter das Geheimnis zu kommen, indem ich
+durch die Fensterscheiben spähte. Aber der Vorhang, der auf der Innenseite
+der Fenster angebracht war, verhinderte die Sicht, so daß ich nicht
+entdecken konnte, was sich dort abspielte.
+
+Wenige Tage darauf bekam er einen Brief der ihn zu erfreuen schien. Nachdem
+er ihn gelesen hatte, zog er mich beiseite und sagte: »Meine liebe Laura,
+Du kannst nicht ohne Gouvernante bleiben, und nun teilt man mir mit, daß
+morgen eine kommen wird. Sie soll ausgezeichnete Qualitäten haben, man
+widmet ihr förmlich Elogen. Wir werden sie uns ansehen, um uns selbst ein
+Urteil zu bilden.«
+
+Das war eine Neuigkeit, die mir nicht im Geringsten gefiel. Ich muß Dir
+gestehen, meine liebe Eugenie, daß mich ihre Ankunft jetzt schon störte,
+ohne daß ich hätte sagen können, warum. Diese in Aussicht gestellte
+Gouvernante mißfiel mir schon, obwohl ich sie noch gar nicht gesehen hatte.
+
+Doch zurück zu den Tatsachen. Lucette kam an dem Tag, den sie angekündigt
+hatte. Sie war ein großes, sehr hübsches Mädchen, neunzehn oder zwanzig
+Jahre alt. Ihre Vorzüge waren ganz offensichtlich: Ein schöner,
+schneeweißer Busen, eine wundervolle Figur, an der nichts niedlich war.
+
+Unregelmäßige, aber höchst pikante Züge. Ein schöner Mund, hinreißende
+Lippen, kleine Zähne von einem schimmernden Emailweiß. Ich war überrascht.
+Mein Vater hatte mich gelehrt, einen hübschen Mund zu erkennen, indem er
+unzählige Male den meinen gelobt hatte.
+
+Lucette fügte übrigens all diesen Vorzügen einen ausgezeichneten Charakter
+hinzu, in dem sich Sanftmut, Güte und ein charmantes Wesen mischten. Ich
+wurde ungeachtet des Unbehagens, mit dem ich ihrer Ankunft entgegengesehen
+hatte, fast augenblicklich gut freund mit ihr. Und das, obwohl ich begriff,
+daß mein Vater ihre Erscheinung mit einer Befriedigung zur Kenntnis nahm,
+die offensichtlich war.
+
+Ach, meine Liebe, wie gut, daß Neid und Eifersucht meinem Herzen fremd
+sind! Überdies ist es weder unsere Schönheit noch unser Verdienst, was das
+Begehren der Männer entfacht. Ihre Unbeständigkeit entzündet vielmehr einen
+flüchtigen Funken, der in Sekundenschnelle zu einem alles verzehrenden
+Brand anwachsen kann. Wenn sie darüber nachdächten, wie eilends kehrten sie
+zu einer Frau zurück, deren Sanftmut und Anpassungsfähigkeit es ihnen einst
+unmöglich erscheinen ließ, ohne sie zu leben. Wenn sie indessen nicht
+denken, was meist der Fall ist, geraten sie schnell auf Abwege. Ah -- wie
+unsinnig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen!
+
+Natürlich dachte ich damals noch nicht mit so viel Scharfsinn über diese
+Dinge nach. Ich bemerkte wohl, daß mein Vater sich intensiver mit meiner
+neuen Gouvernante beschäftigte, als dies im Allgemeinen üblich sein mochte.
+Trotzdem empfand ich keine Eifersucht gegen Lucette. Ihre Zärtlichkeiten,
+die sich denen meines Vaters zugesellten, hielten jede unerfreuliche Regung
+von mir fern.
+
+Mein Vater zeigte sich mir gegenüber unverändert, und heute schreibe ich
+dieses Betragen seiner Klugheit zu. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis ich
+bemerkte, daß er sich keine Gelegenheit entgehen ließ, um in Lucettes Nähe
+zu sein. Doch traf sich meine Vorliebe für Lucette mit der seinen, und so
+hatte ich daran nichts auszusetzen. Lucette schlief in meinem Zimmer, das
+unmittelbar neben dem meines Vaters lag. Doch am Morgen, gleich nach dem
+Erwachen, kam er meistens herüber, um uns zu umarmen und mit uns ein wenig
+zu scherzen. Wir lagen in einem riesigen Bett nebeneinander. So hatte er
+genügend Möglichkeit, sich nach Belieben mit uns zu amüsieren. Ich weiß
+heute, daß er Lucette eine ganze Reihe von Avancen machte, und natürlich
+wies sie diese nicht gerade zurück. Aber sie ermutigte ihn auch nie in
+meiner Gegenwart, wie ich es gerne gesehen hätte. Ich wunderte mich im
+Stillen über ihre Zurückhaltung. Da ich nach mir selbst urteilte, dachte
+ich, daß alle Welt diesem so liebenswürdigen Mann gegenüber, den ich so
+leidenschaftlich liebte, ganz ähnlich wie ich empfinden müsse. Ich brachte
+es niemals fertig, ihm etwas zu verwehren oder ihm Vorwürfe zu machen.
+Eines Tages fragte ich Lucette: »Warum, meine Teure, lieben Sie Papa nicht,
+wo er doch so von Freundschaft zu Ihnen erfüllt scheint? Wirklich, Sie sind
+sehr undankbar.«
+
+Sie lachte zu diesen Vorwürfen und versicherte mir, daß sie ungerecht
+seien. Doch es sollte anders kommen, als ich es erwartet hatte.
+
+Eines Abends nach dem Souper zogen wir uns in mein Zimmer zurück. Mein
+Vater schenkte uns noch einen Liqueur ein, der offenbar die Eigenschaft
+hatte, den Schlummer zu begünstigen. Ich fühlte mich bald schlaftrunken,
+obwohl ich nur wenig davon genommen hatte, und kaum daß eine halbe Stunde
+vergangen war, so schien auch Lucette eingeschlafen zu sein. Mein Vater
+nahm mich nach einer Weile in seine Arme, trug mich in sein Zimmer und
+legte mich dort auf sein Bett. Darauf verließ er mich wieder. Ich wunderte
+mich über dieses neue Arrangement und war im Nu wieder wach. Mit einem
+raschen Schritt eilte ich zu der Glastür, die unsere Zimmer trennte, und
+lüftete das Ende des Vorhangs ein wenig, der mir den Blick nach drüben
+verwehrte.
+
+Ich war sehr erstaunt, geradewegs auf Lucettes völlig entblößten Busen zu
+sehen. Welch schöne Brüste! Zwei Halbkugeln von schneeigem Weiß, auf denen
+sich zwei reizende, rosig schimmernde Erdbeeren erhoben, bewegten sich im
+Rhythmus ihrer Atemzüge. Mein Vater betrachtete sie, nahm sie in die Hand,
+küßte sie leidenschaftlich und begann daran zu saugen.
+
+Umsonst, nichts weckte Lucette. Schließlich zog er sie an den Rand des
+Bettes, und zwar so, daß sie mir zugewandt war. Er schob ihr Hemd nach
+oben, und ich sah zwei alabasterweiße Schenkel, rund und wohlgeformt. Er
+zog sie behutsam auseinander, so daß ich ihr hübsches Kraushaar und die
+rosenfarbene Furche dazwischen sehen konnte. Sanft zog er die rosigen
+Lippen auseinander und legte die Finger dazwischen. Aber trotz aller
+Bemühungen seiner Hand blieb sie unbeweglich. Erregt durch den Anblick, der
+sich mir bot, und durch sein Beispiel belehrt, imitierte meine Hand die
+Bewegungen, die ich ihn vollziehen sah. Das Resultat war eine Empfindung,
+die mir bis dahin völlig unbekannt war.
+
+Mein Vater legte Lucette nun auf das Bett zurück und ging dann zur Tür, um
+sich zu vergewissern, daß sie verschlossen sei. Ich floh ins Bett zurück
+und stellte mich schlafend. Er kehrte zurück, und ich probierte mein neues
+Wissen aus, indem ich meine Hand wieder in jene verborgenen Regionen
+führte. Ich geriet in Glut, und es dauerte nicht lange, so empfand ich ein
+so leidenschaftliches Vergnügen, daß meine Seele darin hinzuschwinden
+drohte. Ich versank in einen Zustand, der mir bisher völlig unbekannt
+gewesen war und den ich deshalb umso eifriger genoß.
+
+Als ich aus meiner süßen Betäubung wieder erwachte, stellte ich mit
+Erstaunen fest, daß ich an einem gewissen Ort ganz feucht geworden war. Das
+beunruhigte mich für einen Augenblick sehr, doch bald fiel ich in einen
+erquickenden Schlaf, der durch die angenehmsten Träume versüßt wurde. Das
+Bild meines Vaters, wie er Lucette liebkost hatte, stand mir noch immer vor
+Augen, und als ich am anderen Morgen selbst unter seinen Liebkosungen
+erwachte, gab ich sie ihm mit doppeltem Eifer zurück.
+
+Ich bewunderte die Klugheit dieser beiden schönen Menschen, die sich
+untertags so außerordentlich zu beherrschen wußten, eine unzweifelhafte
+Gemeinsamkeit zu verbergen. Ich malte mir aus, wie sie das wiederholten,
+was ich gestern durch einen Zufall gesehen hatte. Es war mir unmöglich,
+mich von diesem Gedanken loszureißen. Ich starb vor Begierde, Zeuge dieses
+Schauspiels zu werden. Du kannst Dir das leidenschaftliche Verlangen, das
+mich beseelte, wohl ausmalen, meine Liebe. Doch gemach! Der Augenblick, in
+dem ich alles erfahren sollte, kam unweigerlich näher.
+
+Einige Tage nach diesem Ereignis fand ich eine Gelegenheit, meine Begierde
+zu stillen. Mein Vater war ausgegangen, Lucette beschäftigt. Das gab mir
+Zeit genug, in Papas Zimmer zu schlüpfen und den bewußten Vorhang so zu
+befestigen, daß er eine Ecke freiließ. Von diesem Arrangement wollte ich
+profitieren. Am nächsten Morgen geschah es dann. Mein Vater, der nur einen
+leichten seidenen Hausmantel trug, zog die gleichfalls nur nachlässig
+bekleidete Lucette mit sich. Sie waren vorsichtig genug, die Tür zu
+schließen und den Vorhang zuzuziehen. Doch meine kleine Vorsichtsmaßnahme
+war erfolgreich. Der bewußte Winkel blieb frei. Ich eilte an die Tür und
+spähte hindurch. Ich entdeckte Lucette. Ihre Brüste waren völlig entblößt.
+Mein Vater hielt sie in seinen Armen und bedeckte sie mit Küssen. Dann
+schienen die beiden von ihrem Verlangen überwältigt. Unterröcke, Korsett,
+Hemd, alles flog auf den Boden. Oh, wie schön erschien mir Lucette in
+diesem Zustand, in dem ich sie niemals zuvor gesehen hatte. Sie strahlte
+die Frische und Anmut der Jugend wider.
+
+Liebe Eugenie, die Schönheit der Frauen ist doch eine wundersame Macht, der
+sogar wir Frauen uns nicht ganz entziehen können, ja, meine Liebe, sie ist
+lockend selbst für unser eigenes Geschlecht. Diese sanft gerundeten Formen,
+der Samt und die reizenden Farben einer gepflegten Haut sind schlechthin
+unwiderstehlich. Du hast mich in den Armen gehalten und weißt das. Es ist
+Dir nicht viel anders als mir ergangen.
+
+Mein Vater befand sich übrigens in einem ganz ähnlichen Zustand wie jenem,
+in den er Lucette gebracht hatte, und das war für mich ein völlig neuer
+Anblick. Er trug sie auf sein Bett, und ich unternahm alle Anstrengungen,
+die beiden weiter zu beobachten, obwohl das gar nicht so einfach war, weil
+der Vorhang meine Sicht behinderte.
+
+Da sie sich ungestört glaubten, erlegten sie sich nicht die geringste
+Hemmung auf. Lucette lag auf ihm, ihr hübsches Hinterteil ragte in die
+Luft, ihre Schenkel waren gespreizt. So ließ sie mich, ohne es zu wollen,
+die ganze Öffnung ihrer Spalte sehen, die sich dunkel zwischen zwei
+hübschen Schamlippen hinzog. Diese Situation schien ganz geeignet, meine
+Neugier zu befriedigen. Mein Vater, dessen Kniee nach oben ragten,
+präsentierte meinen Blicken ein erstaunliches Objekt: Ein mächtiges Glied,
+das prall und steif aus dem Haarwald hervorstach, der seine Wurzel umgab.
+Der Kopf dieses Instruments war rötlich gefärbt und zur Hälfte mit einer
+Haut bedeckt, die sich anscheinend mühelos zur Seite schieben ließ. Ich sah
+diesen erstaunlichen Gegenstand in Lucettes Spalte verschwinden und wieder
+auftauchen. Sie küßten sich, und die Seufzer, die ihren Lippen entflohen,
+bewiesen, daß sie dabei ein überaus großes Vergnügen empfanden. Schließlich
+sah ich dieses prächtige Instrument wieder auftauchen. Karmesinrot und ganz
+feucht von einer weißlich schäumenden Flüssigkeit, die sich ungestüm auf
+Lucettes Schenkel ergoß. Du kannst dir vorstellen, meine liebe Eugenie, in
+welcher Situation ich mich befand, mit einem solch eindrucksvollen Gebilde
+vor Augen.
+
+Leidenschaftlich erregt und von bisher unbekannten Gefühlen durchdrungen,
+bediente ich mich meiner vorwitzigen Finger, um wenigstens auf diese Weise
+an einer Lust teilzunehmen, die ich so leidenschaftlich gern in ihrem
+vollen Umfang erfahren hätte.
+
+Es kam, wie es kommen mußte: Meine Unklugheit verriet mich. Mein Vater, der
+während der verflossenen halben Stunde bestimmt keinen Gedanken an mich
+verschwendet hatte, entdeckte plötzlich den gelüfteten Vorhangzipfel. Er
+löste sich aus Lucettes Armen, legte seinen Morgenrock an und näherte sich
+der Tür. Ich versuchte mich vorsichtig zurückzuziehen. Er untersuchte den
+Vorhang und entdeckte natürlich mein kleines Manöver. Doch wartete er, bis
+Lucette sich angezogen hatte. Ich wunderte, mich, wo er blieb, und kehrte,
+von Neugier getrieben, auf meinen Beobachtungsposten zurück.
+
+Wie erschrak ich doch, als ich das Gesicht meines Vaters unmittelbar vor
+mir auf der anderen Seite des gelüfteten Vorhangs entdeckte. Der Schreck
+nagelte mich beinahe auf der Stelle fest. Ich wußte nicht, sollte ich
+bleiben oder fliehen. Ich bemerkte wohl, daß Lucette mit ihrer Toilette
+fast fertig war. Er kehrte zu ihr zurück und gab ihr Anweisungen für den
+Haushalt. Sie verließ das Zimmer durch die entgegengesetzte Tür, und ich
+fand mich mit ihm allein.
+
+Ah, in welchem Zustand befand ich mich! Zitternd und bleich konnte ich
+nicht verbergen, was mit mir vorgegangen war. Doch mein teurer Vater nahm
+mich, anstatt zu schelten, in die Arme und überhäufte mich mit hundert
+Küssen. »Beruhige Dich, meine teure Laura«, sagte er. »Wie könntest Du auch
+bei meinem Anblick erschrecken. Fürchte nichts, meine geliebte Tochter! Du
+weißt wohl, was ich Dir immer gesagt habe. Ich fordere von Dir nichts als
+die Wahrheit. Ich möchte, daß Du in mir mehr Deinen Freund siehst als
+Deinen Vater. Wirklich, ich bin nichts als Dein Freund, und ich möchte, daß
+Du Dir dessen allzeit bewußt bleibst. Darum bitte ich Dich, mein Kind,
+verschweige mir nichts. Sag mir, was Du durch diesen Vorhang gesehen hast,
+während ich mit Lucette zusammen war. Ich beschwöre Dich, sag mir die
+Wahrheit! Du hast keinen Grund, etwas zu befürchten. Doch wenn Du es nicht
+tust, wirst Du damit rechnen müssen, daß ich Deine Erziehung in einem
+Konvent beenden lasse.«
+
+Diese Institutionen haben für mich von jeher einen intensiven Schrecken
+gehabt. Dabei wußte ich doch wenig genug davon. Doch es mußte ein
+schrecklicher Unterschied bestehen zwischen dem Leben einer solch
+unglücklichen Eingeschlossenen und dem erfreulichen Dasein, das ich bei
+meinem Vater führte. Im Übrigen zweifelte ich nicht daran, daß er überzeugt
+war, ich hätte alles gesehen. Und schließlich -- hatte ich denn je ein
+Geheimnis vor ihm gehabt?
+
+Ich erzählte ihm also von Anfang an alles, und er schien darüber gar nicht
+böse zu werden. Wirklich, er geriet nicht im Geringsten in Zorn, so genau
+ich ihm auch die Bilder, die ich gesehen hatte, ausmalte. Vielmehr
+ermutigte er mich durch seine Zärtlichkeiten, und ich verlor schließlich
+alle Scheu und sprach ganz offen über jene Dinge, die meine Phantasie so
+sehr beschäftigten.
+
+»Meine teure Laurette«, sagte er schließlich, »Du hast mir noch nicht alles
+gesagt.« Seine Hand ruhte auf meinen Lenden, und seine Lippen berührten die
+meinen. »Komm, sag mir alles, versuch nicht, mir etwas zu verbergen.«
+
+Ich gestand ihm, daß ich durch eine gewisse Reibung an meinem Körper
+versucht hatte, dasselbe zu tun, was ich ihn mit Lucette hatte tun sehen,
+und daß ich dabei eine Art von Vergnügen empfunden habe, das mir bisher
+ganz fremd gewesen sei. Auch verschwieg ich ihm nicht, daß ich davon ganz
+feucht geworden war und daß ich dieses aufregende Spiel seither etliche
+Male wiederholt hatte.
+
+»Aber, mein teures Kind, als Du gesehen hast, wie ich in Lucette eindrang,
+bist Du da nicht auf die Idee gekommen, Deinen Finger auf eine ähnliche
+Weise zu verwenden?«
+
+»Nein, liebster Vater, dieser Gedanke ist mir wirklich nicht gekommen«,
+versicherte ich ihm. »Nimm Dich in Acht, Laura, täusche mich nicht, denn Du
+kannst dies nicht vor mir verbergen. Es ist dies eine sehr ernste
+Angelegenheit.«
+
+Ich versicherte ihm wahrheitsgemäß und mit allem Nachdruck, daß ich nichts
+dergleichen getan hätte. Er schien beruhigt und umarmte mich auf das
+herzlichste. Wir gingen in sein Zimmer, und er legte mich auf sein Bett,
+zog mich aus und betrachtete mich mit großer Aufmerksamkeit. Seine Hände
+öffneten die zwei fleischigen Lippen zwischen meinen Schenkeln, und er
+versuchte mit seinem kleinen Finger dazwischen einzudringen. Ein heftiger
+Schmerz erfaßte mich, und ich brach in Tränen aus. Er hielt augenblicklich
+inne.
+
+»Sie ist ganz entzündet, meine teure Kleine. Ich sehe wohl, daß Du mich
+nicht getäuscht hast. Diese Rötung kommt ohne Zweifel von der Reibung, mit
+der Du Dich vergnügt hast, während Du mich bei Lucette gesehen hast.«
+
+Ich gestand ihm, daß es mir nicht gelungen sei, dieses Vergnügen zu
+vervollständigen. Meine Wahrhaftigkeit wird durch einen Kuß an einer höchst
+merkwürdigen Stelle belohnt. Seine Zunge beginnt mich zu liebkosen und
+verursacht mir eine köstliche Sensation. Solche Zärtlichkeiten sind für
+mich neu, und um ihn dafür zu belohnen, tasten meine Hände nach diesem
+wundervollen Instrument, das ich vorhin gesehen hatte und das sich nun
+unter seinem Morgenrock bemerkbar macht. Ich nehme es unwillkürlich in die
+Hand und öffne mit der anderen seinen Hausmantel, so daß ich es sehen kann.
+Er läßt mich gewähren, und ich habe nun das Vergnügen, dieses kostbare
+Instrument aus der Nähe zu besichtigen. Oh, wie liebenswürdig und
+einzigartig erscheint es mir! Ich dachte in diesem Augenblick, daß dies die
+wahre Triebfeder allen Vergnügens sei. Oh, diese Haut, die sich mit meinen
+Bewegungen hob und senkte und den Kopf dieses köstlichen Gliedes einmal
+auftauchen und dann wieder verschwinden ließ!
+
+Doch wie groß war mein Erstaunen, als ich mich nach etlichen Augenblicken,
+in denen ich dieses heiß pulsierende Instrument in meinen Händen liebkost
+hatte, von demselben brennenden Tau besprengt fühlte, der die blendenden
+Schenkel meiner schönen Gouvernante besprüht hatte!
+
+Ich schmolz in leidenschaftlichen Seufzern hin, und er verdoppelte die
+Zärtlichkeiten, die er mir entgegenbrachte. Das Vergnügen zeitigte in mir
+die lebhaftesten Empfindungen. Schließlich bereitete er mir eine unerhört
+köstliche Sensation: Seine Zunge vollführte die Übungen, die sein Finger
+schon so virtuos durchgeführt hatte. Ich fühlte mich erschöpft.
+
+»Ah . . . mon cher papa. Ich fühle mich sterben . . .«
+
+Halb ohnmächtig lag ich in seinen Armen.
+
+Von diesem Tage an wurde alles für mich zu einer Quelle der Erkenntnis. War
+ich vorher unwissend gewesen, so wuchs mein Wissen nun mit jedem Tag. Es
+schien, als sei das Instrument, das ich berührt hatte, der wunderbare
+Schlüssel zu allen Weisheiten der Welt. Mein teurer Vater erschien mir noch
+einmal so liebenswert, und meine Zärtlichkeit für ihn kannte keine Grenzen.
+Sein ganzer Körper fand sich bald meinen liebkosenden Händen ausgeliefert.
+Meine Küsse und Zärtlichkeiten duldeten keine Unterbrechung, und das Feuer,
+das sie in ihm entfachten, verdoppelte meine Leidenschaft für ihn.
+
+Doch zurück zu jenem denkwürdigen Tag! Er führte mich in mein Zimmer, wohin
+meine Gouvernante wenige Augenblicke später nachfolgte. Ich wunderte mich,
+daß er ihr unser Einverständnis sogleich eröffnete.
+
+»Lucette«, sagte er, »es ist unnötig, daß wir uns wegen Laura genieren. Sie
+weiß alles über uns.«
+
+Er wiederholte ihr, was ich ihm gesagt hatte, und zeigte ihr, was ich mit
+dem Vorhang gemacht hatte. Sie schien betroffen. Aber ich setzte mich auf
+ihren Schoß, und meine Zärtlichkeiten beruhigten sie rasch und fegten den
+kleinen Ärger hinweg, den sie darüber empfand, daß sie so entdeckt worden
+war. Mein Vater umarmte uns beide und verließ uns. Etwa eine Stunde später
+kam er wieder, mit einer Frau, die mich völlig entkleiden ließ und von mir
+gewisse Maße für einen Gegenstand nahm, den ich mir nicht vorstellen
+konnte.
+
+Als es Zeit zum Schlafen war, legte ich mich wie gewöhnlich neben Lucette
+zur Ruhe. Aber eine gewisse Unruhe hinderte meinen Vater, seinerseits sein
+Schlafzimmer aufzusuchen, und schließlich legte er sich zu uns ins Bett.
+Ich befand mich also zwischen den beiden. Er hielt mich in seinen Armen,
+legte seine Hand zwischen meine Schenkel und duldete es nicht, daß ich auch
+meine dorthin führte. Da ergriff ich sein Instrument und war sehr erstaunt,
+es in einem ganz anderen Zustand zu finden, als ich es zuvor gesehen hatte.
+Ich wußte natürlich noch nichts von den merkwürdigen Veränderungen, welchen
+dieses wundervolle Werkzeug unterworfen ist, sondern ich dachte, es bliebe
+immer gleich groß, stark und schwellend. Es dauerte auch nicht lange, so
+nahm es unter der Berührung meiner Hand wieder jene Festigkeit und jenen
+Umfang an, den ich so gut kannte. Lucette, die uns beobachtete, wunderte
+sich über sein Benehmen und konnte schließlich gewisse Vorhaltungen nicht
+mehr zurückhalten.
+
+»Wirklich, Monsieur, die Art, wie Sie mit Laurette umgehen, setzt mich in
+Erstaunen. Sie behandeln das Kind, wie Sie es mit mir zu tun pflegen.
+Bedenken Sie doch, es ist Ihre eigene Tochter!«
+
+Doch mein Vater ließ sich dadurch nicht aus der Fassung bringen.
+
+»Sie ist es, und sie ist es auch wieder nicht«, gab er zur Antwort. »Dies
+ist ein Geheimnis, das ich ihrer Diskretion und der unserer kleinen
+Laurette anvertraue, in deren Interesse es bewahrt werden soll. Aber die
+Umstände machen es notwendig, daß ihr darüber Bescheid wißt.
+
+Ich kannte ihre Mutter ganze vierzehn Tage, als ich sie heiratete. Schon am
+ersten Tag entdeckte ich, daß sie schwanger war. Ich sagte mir aber, daß
+es, nachdem diese Heirat einmal vollzogen war, klüger sei, nichts darüber
+verlauten zu lassen. Also entführte ich sie in ein kleines, entlegenes
+Provinznest, wo uns keiner kannte. Nach vier Monaten kam Laura zur Welt und
+bewies durch ihr gesundes Aussehen und ihre Lebhaftigkeit nur zu deutlich,
+daß sie keine Frühgeburt war. Ich blieb danach noch sechs Monate in der
+Provinz und sorgte dafür, daß niemand von dem Mißgeschick meiner jungen Ehe
+erfuhr. Ihr seht wohl, daß dieses Kind, das mir so teuer ist, eben doch
+nicht meine leibliche Tochter ist. Sie ist mir dem Blut nach völlig fremd,
+doch umso teurer wurde sie meinem Herzen. Kein innerer Zweifel kann mich
+hindern, sie zu lieben, und alle anderen Erwägungen lassen sich nicht mit
+der Vernunft vereinen, der ich ein Leben lang gedient habe.«
+
+Ich erinnerte mich in diesem Augenblick der Antwort, die er einst auf die
+Vorwürfe meiner Mutter gefunden hatte. Das also war des Rätsels Lösung! Nun
+verstand ich auch, daß meine Mutter darauf geschwiegen hatte. Auch Lucette
+schien von der Tragweite dieser Eröffnung betroffen.
+
+»Aber wie haben Sie mit Ihrer Gattin gelebt, nachdem dies zutage gekommen
+war?« wollte sie wissen.
+
+»Ganz einfach, wir waren uns völlig gleichgültig, und bis auf das eine Mal,
+von dem Laura eben berichtete, haben wir niemals über diesen Vorfall
+gesprochen. Der Comte de Norval, der leibliche Vater Laurettes, ist ein
+liebenswürdiger Kavalier, interessant, eine hervorragende Erscheinung und
+mit allen jenen Eigenschaften begabt, die ihn einer Frau begehrenswert
+erscheinen lassen müssen. Ich konnte unmöglich erstaunt sein, daß ein
+junges Mädchen sich von ihm verführen ließ. Andererseits konnte sie ihn
+nicht heiraten, denn er war ihrer Familie weder wohlhabend noch
+einflußreich genug. Wenn nun auch Laura nicht meine natürliche Tochter ist,
+so steht sie meinem Herzen doch so nahe, als ob sie es wäre, ja, vielleicht
+bringe ich ihr ohne diese natürliche, durch Blut und Herkommen bestimmte
+Bindung sogar noch eine zärtlichere Zuneigung entgegen. Aber
+nichtsdestoweniger machte es dieses Ereignis unmöglich, mich ihrer Mutter
+jemals zu nähern. Ich empfand gegen sie eine sehr starke Abneigung und
+hätte sie ohne Zweifel verlassen, wenn ich es nicht gescheut hätte,
+Laurette diesen Schmerz zuzufügen. Ihr Charakter und ihr Temperament waren
+für mich eine ständige Herausforderung zum Streit, und ich bedurfte oft
+großer Selbstbeherrschung, dies zu verbergen.«
+
+Meine schöne Gouvernante war von dieser Erzählung fast ebenso betroffen wie
+ich. Sie umarmte mich zärtlich und erwies mir tausend Artigkeiten, die mir
+bewiesen, daß sie ihre Bedenken überwunden hatte. Ich erwiderte ihre
+Liebkosungen auf das lebhafteste, indem ich nach ihren reizenden Brüsten
+faßte, sie küßte, wie ich es bei meinem Vater gesehen hatte, und an ihren
+Spitzen zu saugen begann.
+
+Mein Vater -- ich nenne ihn noch immer so, obwohl er es ja nicht ist --
+legte seine Hand auf die meine und ergriff sie, um sie auf dem schönen,
+sanft gerundeten Leib Lucettes spazieren zu führen. Behutsam glitten meine
+Finger über Lucettes Schoß und die Innenseite ihrer Schenkel entlang. Ihre
+Haut war samtig weich. Die starke Hand, die mich führte, lenkte meine
+Finger, bis sie sich in der Furche zwischen ihren Schenkeln befanden. Ich
+bemerkte wohl, daß ich ihr Vergnügen bereitete, wenn ich einen bestimmten
+Punkt berührte, der sich schwellend und hart aus dieser Furche erhob.
+
+»Gut, ausgezeichnet! Laurette, laß Deine Hand da, wo sie ist, und hör nicht
+auf mit ihrer Klitoris zu spielen, während ich meinen Finger in ihrer
+hübschen kleinen Grotte spazieren gehen lasse«, ermutigte mich mein Vater.
+
+Lucette zog mich in ihre Arme und liebkoste meinen Hintern. Sie nahm das
+Glied des Mannes, der uns beiden so teuer war, und führte es zwischen meine
+Schenkel. Aber er versuchte nicht einzudringen, wie ich es bei Lucette
+gesehen hatte, sondern verharrte da, warm, groß und schwellend, doch ohne
+sich zu bewegen. Lucette stieß währenddessen die leidenschaftlichsten
+Bezeugungen ihrer Wollust aus. Ihre Küsse vervielfachten sich, ihr Atem
+begann zu fliegen:
+
+»Hola . . . hola! Schnell, Laurette, schnell! Teure Freundin, noch . . .
+noch! Ah, es kommt mir . . . ich sterbe!«
+
+Oh, wie schmeichelhaft waren diese kleinen Entzückungsschreie der Wollust
+für mich! Ich spürte, wie sich ihr kleines Tal vom Tau der Lust
+befeuchtete. Auch die Finger meines Vaters waren ganz feucht von dieser
+magischen Flüssigkeit. Ah, teure Eugenie, wie erregt ich war! Ich ergriff
+Lucettes Hand und führte sie zwischen meine Schenkel, in dem
+leidenschaftlichen Begehren, sie möge mit mir dasselbe tun, was ich zuvor
+mit ihr getan hatte. Aber mein Vater, der mit seiner Hand meine kleine
+Grotte bedeckte, hinderte ihre Bewegungen und durchkreuzte so meine
+Absicht. So wollüstig er auch war, wollte er meine Vergnügungen doch
+sparsam dosiert wissen. Er mäßigte sein Verlangen und besänftigte meine
+Ungeduld. So lagen wir lange Zeit ganz still einer im Arm des andern und
+gaben uns den Nachwirkungen einer angenehmen Trunkenheit hin.
+
+Ah, niemals habe ich mehr eine Nacht wie diese erlebt!
+
+
+
+
+2. Kapitel
+
+
+Wir erwachten und begrüßten einander zärtlich. Da wurde die Frau gemeldet,
+die am Vormittag bei mir auf so seltsame Weise Maß genommen hatte. Sie
+legte mir zu meinem nicht geringen Erstaunen eine Art von Seidenhose an,
+die sich nur bis zur Mitte der Schenkel abstreifen ließ. Sie war gut
+gearbeitet und genierte mich nicht. Nur, der Gürtel, der sie in der Taille
+zusammenhielt und von dem eine Art Riemenzeug zwischen meinen Schenkeln
+hindurchführte, war ein wenig knapp. Dieses Riemenzeug hatte vorn und
+hinten je eine Öffnung, und in dieser befestigte mein Vater zu meinem
+Unbehagen mittels eines kunstvoll gearbeiteten Kettchens eine samtbezogene
+Metallplatte, die an zwei Stellen durchbrochen war, um den natürlichen
+Bedürfnissen Genüge zu tun. Er verschloß das Ganze mittels eines kleinen,
+sehr kostbar gearbeiteten Schlüssels.
+
+»Meine teure Laura, geliebtes Kind«, sagte mein Vater und schloß mich in
+seine Arme, »glaube nicht, daß andere Regungen als die meiner Liebe zu Dir
+mich leiten. Der Zufall hat Dich Dinge gelehrt, die Du vor deinem
+achtzehnten Lebensjahr gar nicht kennen solltest. Ich muß deshalb darüber
+wachen, daß Dir daraus kein Schaden erwächst. Noch bist Du nicht imstande,
+die Regungen der Natur richtig einzuschätzen. Ich werde Dich von Zeit zu
+Zeit mehr darüber lehren, doch wirst Du kein Mittel finden, meine Ansichten
+zu durchkreuzen.«
+
+Ich war recht verärgert und vermochte meine üble Laune nicht zu verbergen.
+Und ich hatte wirklich allen Grund, unzufrieden zu sein. Meine kleine
+Grotte war gänzlich eingeschlossen. Zwar hinderte mich dieser unerfreuliche
+Gegenstand, den mir die Fürsorge meines Vaters aufgezwungen hatte, nicht,
+die Bedürfnisse der Natur zu verrichten, doch es war ganz und gar
+unmöglich, einen Finger in die kleine Furche zwischen meinen Schenkeln
+einzuführen oder sie gar durch Reibung zu erhitzen. Gerade dies hatte mein
+Vater ja auch zu verhindern beabsichtigt. Du kannst Dir wohl vorstellen,
+daß mir die so aufgezwungene Entbehrung wenig behagte. Ich habe mir später
+oft gedacht, es wäre ganz nützlich, auch den jungen Burschen solch ein
+Geschirr umzuhängen, um sie daran zu hindern, daß sie ihre Kräfte
+vergeuden, ehe sie das richtige Alter erreicht haben. Auf diese Weise
+könnte man eine vorzeitige Erschöpfung ihrer Kräfte leicht verhindern. Doch
+läßt unsere Gesellschaft ihnen alle Freiheiten, während sie unsere nach
+Kräften unterdrückt.
+
+Während der nächsten fünf Jahre trug ich dieses Geschirr jeden Tag. Mein
+Vater entfernte es jeden Abend, und Lucette wusch es sorgfältig. Er
+untersuchte, ob ich mich nicht wundgescheuert hätte, und legte es mir
+darauf wieder an. So habe ich diesen höchst unerfreulichen Gegenstand bis
+ich sechzehn Jahre alt war ununterbrochen getragen.
+
+Während dieser Zeit entwickelte sich mein Verstand, und ich lernte alle
+möglichen nützlichen Dinge. Meine natürliche Neugier ließ mich unaufhörlich
+nach dem Grund alles dessen forschen, was war. Mein Vater konnte mit mir
+zufrieden sein. Von Jahr zu Jahr vergrößerte sich mein Wissen, und ich
+wurde nicht müde zu lernen. Ich gewöhnte mich an das körperliche Gefängnis,
+in dem ich mich befand, und als man mich schließlich daraus befreite, war
+ich so weit gekommen, daß ich es für ganz natürlich hielt. Ich war von der
+Nützlichkeit dieser Einrichtung überzeugt.
+
+Vermutlich hätte ich ohne dieses Instrument meine Kräfte vorzeitig
+vergeudet, denn das Beispiel, das mein Vater und Lucette mir gaben, hätte
+mich angespornt. Diese beiden genierten sich nämlich nicht im Geringsten
+vor mir. Doch je erwachsener ich wurde, desto mehr beschäftigte mich die
+Frage, warum mein Vater solche Vorsichtsmaßnahmen mir gegenüber gebrauchte.
+Ich war in meinem sechzehnten Lebensjahr, als er mir die Antwort auf meine
+immer dringenderen Fragen schließlich gab. Als er mir das quälende
+Instrument schließlich für immer abnahm, sagte ich zu ihm:
+
+»Nach all diesem, mon cher papa, sagen Sie mir doch, was hat Sie dazu
+veranlaßt, mich dieses ärgerliche Instrument tragen zu lassen, obwohl Sie
+mir doch immer beteuert haben, wie zärtlich Sie mich lieben? Meine
+Gouvernante ist viel besser daran als ich. Bedeutet Ihnen diese etwa mehr
+als ich? Erklären Sie mir doch heute, was Sie dazu bewogen hat, so zu
+handeln, wie Sie es taten!«
+
+Mein Vater zog mich in seine Arme.
+
+»Meine Zärtlichkeit und Fürsorge für Dich, mein Kind, erlauben es mir nicht
+mehr, Dich als ein Kind zu betrachten. Du bist heute in einem Alter, da man
+Dir so gut wie alles sagen kann, und das will ich nun tun.
+
+Die Natur fördert bis zum fünfzehnten oder sechzehnten Lebensjahr eines
+Menschen dessen Wachstum. Sie braucht dazu einmal länger, einmal kürzer, je
+nach den Anlagen des Individuums. Doch im Allgemeinen reicht dieses Alter
+für Dein Geschlecht aus. Im Alter von siebzehn oder achtzehn Jahren kann
+man eine Frau als erwachsen ansehen. Bei den Männern braucht die Natur
+länger, um ihre Vervollkommnung zu erreichen. Wenn man diese Zeit des
+Reifens mißbraucht und Empfindungen und Handlungen vorwegnimmt, die einer
+späteren Epoche angemessen sind, kann daraus ein beachtlicher Schaden
+entstehen.
+
+Die Frauen zum Beispiel, die allzu frühe Erfahrungen gemacht haben, die
+ihrem Reifegrad nicht entsprechen, sterben früh oder bleiben klein,
+schwächlich und anfällig, oder sie leiden an einer Schwindsucht, die vor
+allem ihre Brust befällt und deren Opfer sie in Kürze werden. Manchmal
+hindert sie auch eine Erkrankung des Blutes, ihre monatliche Regel
+pünktlich und ausreichend zu bekommen. Daraus resultieren dann Vapeurs,
+Hysterie und Nervenzufälle sowie die Qualen einer unersättlichen
+Geschlechtsbegierde. All das beeinträchtigt die Tage eines solchen
+unglücklichen Geschöpfes. Bei den jungen Männern ist es ganz ähnlich. Sie
+erleiden die unglücklichsten Tage, wenn sie nicht gar vor der Zeit
+sterben.«
+
+Meine teure Eugenie, Du kannst dir wohl vorstellen, wie mich diese
+Eröffnung erschreckte. Ich wurde mir in diesem Augenblick seiner
+Freundschaft und der Sorge, die er um mein Wohlergehen trug, doppelt
+bewußt. Es war nur seine Güte gewesen, die mir das verwehrt hatte, was ich
+als ein hervorragendes Vergnügen zu betrachten geneigt war. Das Leben
+erschien mir wieder recht angenehm, und wenn ich künftig ein Verlangen nach
+einer gewissen Art von Vergnügen verspürte, würde ich aus Rücksicht auf
+meine Gesundheit und mein Leben gern darauf verzichten.
+
+»Ich habe diese Neigung in Dir wohl erkannt«, fuhr mein Vater fort, »und
+bei Deiner Jugend hätten dich alle Gründe der Welt nicht davon zurückhalten
+können. Deshalb habe ich diese Vorsichtsmaßregel getroffen, die Dir so
+wenig gefallen hat. Doch nun werde ich darauf verzichten. Es wäre gut, wenn
+man solche Schutzmaßnahmen bei allen jungen Leuten anwenden würde, die
+durch unvorhergesehene Zufälle oder durch unkluge Personen zu früh über
+Dinge unterrichtet wurden, die nicht für ihr jugendliches Alter bestimmt
+sind.«
+
+Die Furcht vor einer zerrütteten Gesundheit oder gar vor einem frühen Tod
+war von nun an zwar in meiner Phantasie sehr lebendig. Doch andererseits
+hatte ich gesehen, was mein Vater mit Lucette tat, und die Art, wie er mit
+ihr lebte, hob die Wirkung dieser Furcht wieder auf. Ich konnte mich nicht
+zurückhalten, ihm eines Tages meine Zweifel zu eröffnen.
+
+»Warum, mein teurer Vater, haben Sie bei Lucette nicht dieselben
+Vorkehrungen getroffen? ja, noch mehr: Warum tun Sie mit ihr laufend, was
+Sie mir verweigern?«
+
+»Aber mein liebes Kind, bedenke doch, Lucette ist völlig erwachsen. Sieh
+nur den Überfluß der Natur in ihrem Körper. Sie ist schon imstande, andere
+Lebewesen zu ernähren. Dieser Zustand, mein liebes Kind, kündigt sich durch
+das pünktliche Auftreten, der monatlichen Regel an. Ich kann Dir nicht
+verschweigen, daß es in ihrem Alter gefährlich wäre, wenn ein gewisser
+Überfluß von Samen aufgestaut und in ihr zurückgehalten würde und so in
+ihre Blutbahnen geriete. Dadurch würde in ihr ein gefährliches Feuer, eine
+Art von sinnlicher Raserei entfacht werden.
+
+Ihre Stimmungen und ihr Temperament würden darunter leiden, ja selbst die
+Zirkulation der Säfte in ihrem Körper könnte dadurch ernsthaft gestört
+werden. Das könnte ihre Gesundheit untergraben, Vapeurs und frenetische
+Anfälle sowie viele andere Übel verursachen. Haben wir nicht genügend
+Beispiele dafür in den Klöstern, wo die Frömmelei zum Despotismus wird und
+wo es nichts gibt, was den unglücklichen Eingeschlossenen ihre Lage
+erleichtern könnte? Man mischt Lotosabsud und Salpeter in ihre Getränke, um
+die Anlagen eines lebhaften Temperaments zu unterdrücken. Doch nach einiger
+Zeit bleiben diese Mittel ohne Wirkung oder sie zerstören den Magen, so daß
+diese Gefangenen des Aberglaubens, die wie weiße Blumen dahinwelken, für
+den Rest ihres Lebens von Verdauungsstörungen und inneren Schmerzen geplagt
+sind, ja, an manchen dieser Schreckensorte werden sogar die Pensionärinnen
+auf diese Weise behandelt, so daß sie schließlich alle möglichen Leiden und
+Nervenanfälle davontragen, die eine Folge der gewaltsamen Unterdrückung
+ihrer natürlichen Vitalität sind. Selbst Eltern, die ihre Kinder lieben,
+beachten diesen Punkt viel zu wenig.
+
+Du mußt wissen, meine liebe Laurette, daß sich das natürliche Temperament
+in einem gewissen Alter bemerkbar macht. Das geschieht bei den einen früher
+als bei den andern, und zwar durch die Verschiedenheit der natürlichen
+Anlagen und der Qualität der Säfte, die in uns sind, aber auch durch eine
+Veränderung in den Organen. Wenn diese Körpersäfte nicht rechtzeitig zum
+Fließen kommen, strömen sie in die Blutbahn zurück. Manchmal verursachen
+sie dann eine vollkommene Unterdrückung der natürlichen Impulse und damit
+ein geradezu monströses Anschwellen des Leibes. Personen, die keine
+natürliche Geschlechtsvereinigung kennengelernt haben, werden unter solchen
+Umständen völlig gleichgültig und sind meist empfängnis- und
+zeugungsunfähig.
+
+Aber, mein teures Kind, in dem Alter, in dem die Säfte des Lebens zu
+strömen beginnen, in dem das Feuer des Temperaments sich bemerkbar macht,
+soll man diesem auch Genüge tun, und zwar sowohl, weil es für die
+Gesundheit nützlich und notwendig ist, als auch, weil es die Schönheit und
+Frische eines solchen glücklichen jungen Geschöpfes steigert. Es gibt
+verschiedene Mittel dazu.
+
+Stell Dir eine Frau in den Armen eines leidenschaftlichen Mannes vor. Wie
+erregt ist sie allein vom Gegensatz der Geschlechter! Was bedeutet ihr mehr
+als die Leidenschaft, die er für sie empfindet und die auch sie in sich
+verspürt? Schon die bloße Gegenwart des Mannes wird für sie erregend.
+Phantasie und Natur weisen ihr den Weg zu den wollüstigsten Empfindungen.
+Daraus kannst Du ermessen, warum ich mich gegen Lucette anders verhalte als
+gegen Dich.«
+
+»Ah ja, mon cher papa! Weil ich Sie immer bei diesem Namen genannt habe,
+werde ich mich auch jetzt Ihrer Erfahrung und Weisheit unterordnen. Aber
+sagen Sie mir, in welchem Alter werden Sie mit mir tun, was Sie mit Lucette
+so häufig getan haben? Ach, dieser Augenblick fehlt noch zu meinem Glück,
+denn ich empfinde es schmerzlich, daß ich nicht all Ihr Verlangen zu
+stillen imstande bin, daß ich Ihre Wünsche nicht in jeder Hinsicht
+befriedigen kann.«
+
+»Mein reizendes Kind, die Natur selbst spricht zu uns in einer leicht
+verständlichen Sprache. Noch sind Deine Brüste nicht voll entwickelt, und
+das Pelzchen, das Deine hübsche kleine Grotte bedeckt, ist noch recht
+schütter. Kaum, daß Du die ersten Blüten Deiner Reife hervorgebracht hast.
+Laß uns also noch etwas warten. Dann, geliebte Laurette, Du Kind meines
+Herzens, werde ich dieses Geschenk von Deiner Zärtlichkeit empfangen. Du
+wirst mich die Blüte pflücken lassen, die ich so sorgsam gepflegt habe.
+Doch laß uns diesen glücklichen Augenblick nicht durch unsere Ungeduld
+zerstören. Glaube nicht, daß ich Dich bis zu diesem Zeitpunkt Dir selbst
+überlasse. Bei einer robusten Natur ist es nicht notwendig, diesem
+Augenblick besondere Aufmerksamkeit zu schenken oder mit den Kräften des
+Körpers besonders haushälterisch umzugehen. Aber bei einem sensiblen
+Temperament muß man vorsichtig sein und bis zum siebzehnten oder
+achtzehnten Jahr warten. Das ist der Zeitpunkt, an dem eine Frau völlig
+erwachsen ist und sich ohne Schaden ihren Begierden überliefern kann.«
+
+Alles, was er mir bei dieser Gelegenheit sagte, meine liebe Eugenie, hat
+sich meinem Gedächtnis unauslöschlich eingeprägt. Du kannst Dir das wohl
+denken. Seine Gründe erschienen mir sehr vernünftig und einleuchtend, und
+seine Bereitwilligkeit, auf meine Fragen einzugehen, ermutigte mich,
+weitere an ihn zu stellen.
+
+Ich erinnerte mich, daß Lucette bei jenem ersten Mal, als ich die beiden
+entdeckt hatte, in einem tiefen Schlaf zu liegen schien, und das war ein
+Rätsel, das ich nur zu gern enthüllt gesehen hätte.
+
+»Aber warum, teurer Papa, war Lucette an dem Abend, da ich euch zuerst
+beobachtet habe, so tief entschlummert, daß sie nichts von dem zu bemerken
+schien, was Sie mit ihr taten? Schlief sie wirklich oder spielte sie nur
+die Schlafende?« wollte ich wissen.
+
+»Ganz und gar nicht, meine Liebe«, versicherte mein Vater. »Sie hat
+wirklich geschlafen. Aber das ist mein kleines Geheimnis. Soll ich es Dir
+sagen? Ja, denn dieses Beispiel kann für dich nützlich sein. Ich muß dir
+gestehen, daß mich mein Verlangen damals heftig quälte. Ich sah Lucette,
+sie gefiel mir, und ich versprach mir ein gewisses Vergnügen von ihr. Doch
+als ich bemerkte, daß sie zögerte, sich meinem Begehren auszuliefern,
+ergriff ich die Initiative. Ich habe etwas Schlafpulver in ihren Liqueur
+gemischt. Du hast die Wirkung gesehen. Doch habe ich mich nicht damit
+begnügt. Denn ich fürchtete, daß sie erwachen und zornig werden könnte,
+sich von mir in eine derartige Lage gebracht zu sehen. Um das zu
+verhindern, habe ich ein gutes Mittel gefunden, das die Natur erregt und in
+einen Zustand versetzt, in dem ihr die Zärtlichkeiten eines Mannes höchst
+erwünscht erscheinen.
+
+Das ist eine Art Zaubertrank. Nachdem ich sie also auf das Bett gelegt
+hatte, rieb ich damit ihre Liebesgrotte, ihre Klitoris und ihre Schamlippen
+ein. Diese Flüssigkeit hat die Eigenschaft, sogar einen impotenten Mann zu
+leidenschaftlichem Leben zu erwecken, wenn man gewisse Partien seines
+Körpers damit einreibt. Lucette schlief etwa eine Stunde lang, ehe sie
+erwachte. Dann aber zeigte sie eine Leidenschaft und ein Feuer, das sich
+kaum löschen ließ. Sie war ganz und gar nicht erstaunt, sich in meinen
+Armen zu finden, sondern umschlang mich im Gegenteil zärtlich mit den
+ihren. Weit davon entfernt, meiner Begierde Widerstand zu leisten, öffnete
+sie -- angespornt von ihrem eigenen Verlangen -- ihre Schenkel und
+bereitete mir so das lebhafteste Vergnügen, an welchem ich sie -- ganz und
+gar nicht egoistisch -- teilnehmen ließ. Doch als vorsichtiger Mann dachte
+ich daran, was geschehen könnte, wenn ich mich meiner Wollust völlig und
+bedenkenlos hingab. Also zog ich mich in dem Augenblick, in dem ich das
+Nahen der Lust spürte, ein wenig zurück und ergoß das lebenspendende Naß in
+die Oberfläche ihrer Grotte und auf ihren Leib. Von diesem Tag an hat
+Lucette sich immer meinen Wünschen überlassen, und ich habe nur meine
+Unvorsichtigkeit und Deine Neugier zu beklagen, die Dich ein Geheimnis
+enthüllen ließ, daß ganz und gar nicht für Dich bestimmt war. Sie weiß
+übrigens nicht, daß ich Dir alles darüber gesagt habe, und Du mußt
+Stillschweigen bewahren. Nicht wahr, Du wirst mein Vertrauen nicht
+enttäuschen?«
+
+»Bestimmt nicht, mein teurer Vater. Aber sagen Sie mir alles darüber.
+Fürchten Sie nicht, ein Kind zu zeugen, wenn Sie sich einmal nicht früh
+genug zurückziehen? Ist es möglich, daß Sie sich in diesem Punkt völlig auf
+Ihre Selbstbeherrschung verlassen, können? Könnte es nicht sein, daß die
+Macht der Begierde die Furcht, eine Unvorsichtigkeit zu begehen, auslöscht
+und Sie weitergehen läßt, als Sie dies eigentlich möchten?«
+
+»Ah, meine Kleine, wohin sich Deine neugierige Phantasie versteigt! Ich
+sehe wohl, ich kann Dir nichts verbergen. Wenn ich Dir nicht die ganze
+Wahrheit enthülle, werde ich bald die Torheit beklagen müssen, überhaupt
+etwas gesagt zu haben. Aber ich glaube, damit nichts zu riskieren, denn
+Deine Vernunft ist Deinem Alter weit voraus.
+
+Wisse also, daß dieser Samen, wenn er nicht in die Matrix gelangt, an und
+für sich gar nichts ausrichten kann. Auch kann er sich dort nicht
+festsetzen, wenn man seinen natürlichen Fluß hemmt. Aus diesem Grund
+versuchen manche Frauen, durch eine innere Bewegung den Samen in dem Moment
+zurückzustoßen, in dem sie ihren Liebhaber in der Wonne des Genusses
+glauben.
+
+Doch das bedeutet für sie selbst eine arge Verkürzung des Vergnügens und
+ist ganz und gar kein sicheres Mittel. Manche Männer haben geglaubt, sie
+hätten nichts zu fürchten, wenn sie sich nahe an den Eingang zurückziehen.
+Doch sie täuschen sich darin. Denn die Matrix ist eine recht lebhafte Pumpe
+und versucht, sich auch des Samens zu bemächtigen, der nicht unmittelbar zu
+ihrer Öffnung gelangte. Hinzu kommt noch, daß viele Männer sich im
+Augenblick der Wollust über ihre eigene Selbstbeherrschung täuschen und so
+den richtigen Moment versäumen. Ungewißheit und Furcht vor den möglichen
+Folgen behindern also häufig das Vergnügen. Doch das Mittel, das ich bei
+Lucette anwende, ist ziemlich sicher. Es gibt einem die Freiheit, sich ohne
+alle Furcht dem Feuer seiner Leidenschaft überlassen zu können. Ich habe
+deine hübsche Gouvernante am Tag, nachdem Du uns bemerkt hast, gebeten,
+sich für unsere Liebesgefechte mit einem Schwamm zu bewaffnen, der in eine
+bestimmte Flüssigkeit getaucht wurde. Dieser wird unmittelbar vor der
+Matrix am Muttermund angebracht. Mittels einer dünnen Seidenschnur kann man
+ihn ohne Schwierigkeiten wieder hervorholen. Selbst wenn die
+Samenflüssigkeit in diesen Schwamm einzudringen vermag, würde doch die
+Flüssigkeit, mit der er getränkt ist, seine Zeugungsfähigkeit vernichten.
+Man weiß ja, daß selbst die Luft genügt, seine Kraft zu vernichten. Also
+ist es ganz unmöglich, daß Lucette in unserer Verbindung je ein Kind
+empfangen könnte.«
+
+Ich habe nichts von diesen nützlichen Gesprächen je vergessen, meine liebe
+Eugenie, und ich habe Dich zu deinem Nutzen davon unterrichtet, so daß auch
+Du Dich ohne Furcht den Umarmungen Deines Liebsten überlassen kannst. Im
+Übrigen machte meine Bildung gute Fortschritte. Ich bekam alle möglichen
+Bücher in die Hand. Es gab in dieser Hinsicht nichts, was für mich verboten
+gewesen wäre. Doch mein Vater lenkte meinen Geschmack besonders auf jene,
+die der Wissenschaft dienten und somit weit von allem entfernt waren, woran
+unser Geschlecht im Allgemeinen Gefallen findet. Ich will Dir nur ein
+kleines Beispiel dafür berichten.
+
+Er fragte mich eines Tages: »Kannst Du, meine geliebte Laura, in der
+Unendlichkeit des Universums, das unseren Erdball umgibt, einen festen
+Punkt finden? Zu welch unermeßlichen Dimensionen wird Deine Phantasie dabei
+gelangen? Die Elemente der Natur und ihre Zahl sind noch immer unbekannt,
+und es ist unmöglich zu erkennen, ob unsere Vorstellungen von der Welt und
+vom Universum auch nur im Entferntesten der Wirklichkeit entsprechen. Wir
+wissen nicht einmal, ob diese Elemente, welche die Bausteine der Welt und
+des Lebens zu sein scheinen, absolut unveränderlich sind oder ob es möglich
+ist, ihnen eine andere Form der Existenz zu geben und sie dadurch zu
+verändern.
+
+Inmitten dieser allgemeinen Unwissenheit erscheint es höchst lächerlich,
+daß der Mensch es versuchen sollte, die Zahl dieser Elemente festzulegen.
+Diese Wahrheit verdient es, daß man über sie nachdenkt, um in allem den
+Willen der ewigen Ordnung zu erkennen. Gleichgültig, ob es sich nun um
+eines oder um mehrere Elemente handelt, so bildet ihre Gesamtheit die
+Körper, und sie finden sich im Feuer wie in der Materie vereint, welche die
+törichten und voreingenommenen Geister unbewegt nennen.
+
+Was hältst Du denn von jenen strahlenden Feuern, die wir Sterne nennen?
+Weißt Du nicht, mein Kind, daß sie nichts sind als wüste feurige
+Himmelskörper? Nimm nur die Sonne her, diesen gewaltigen Feuerball, der
+dazu da zu sein scheint, einer Vielzahl von erdenklichen Himmelskörpern
+Licht und Wärme und damit das Leben zu geben. Es ist gut möglich, daß viele
+dieser entfernten Welten so wie unsere eigene bevölkert sind. Früher hat
+man geglaubt, daß die Sterne nur dazu dienten, uns die Nacht zu erhellen.
+Die Eigenliebe des Menschen hat ihn glauben lassen, er sei der Mittelpunkt
+des Universums. Doch wozu sollten uns diese Himmelskörper dienen, wenn
+Nebel und Wolken sie vor unserem Blick verbergen? Der Mond ist noch am
+ehesten imstande, die hindernde Wolkendecke mit seinem Strahl zu
+durchbrechen. Er erhellt uns das Dunkel der Nacht, aber das ist nicht seine
+einzige Bestimmung. Man kann bis heute nicht feststellen, ob er nicht
+selbst eine Welt für sich darstellt, eine Welt, deren Bewohner ebenso an
+unserer Existenz zweifeln wie wir an ihrer, und die im Grunde ebenso
+töricht sind wie wir zu glauben, daß sie allein alle Herrlichkeit des
+Himmels bedeuten. Vielleicht sind sie ebenso anmaßend, vielleicht sind sie
+aber auch erfinderischer als wir und haben ein gesünderes Urteil über die
+Probleme des Lebens.
+
+Die Planeten sind Welten wie die unsere und ohne Zweifel von Pflanzen und
+Tieren belebt, die wir nicht kennen. Denn in der Natur scheint alles
+möglich. Doch welche Rolle spielt, von diesem Gesichtspunkt aus gesehen, in
+diesem unermeßlichen Universum unsere Welt? Ist sie etwa mehr als ein
+belebter Punkt unter anderen belebten Punkten? Und wir selbst? Wie wäre es
+möglich, daß wir angesichts unserer Bedeutungslosigkeit inmitten der
+Unendlichkeit des Universums uns für Anfang und Ziel der Schöpfung halten
+könnten?«
+
+Auf diese Weise versuchte mein Vater Tag um Tag, Gedanken der Philosophie
+in mich hineinzulegen und mich zum Denken anzuregen.
+
+Ich fragte ihn eines Tages: »Was ist das schöpferische Sein, aus dem alles
+hervorgegangen ist?«
+
+Denn ich dachte bei mir, daß ich allzuwenig über dieses wunderbare, alles
+belebende Wesen wisse. Mein Vater antwortete mir: »Dieses wunderbare
+höchste Wesen ist unfaßbar! Man fühlt es, aber man kann es nicht erkennen.
+Es entzieht sich unseren Spekulationen. Wenn es die verschiedenartigsten
+Elemente gibt, so ist es seine Hand, aus der sie hervorgegangen sind. Er
+hat sie durch seinen Willen und seine Kraft geschaffen. Es ist die Seele
+des Universums, ohne die nichts von all dem bestehen könnte, was ist.
+Kennen wir etwa die Quelle seiner Macht? Sehen wir nicht tagtäglich, wie
+sich die Materie unter seinem Einfluß verändert, ohne daß wir die Ursache
+dieser Veränderungen erkennen könnten? Und kann etwa das, was für eine
+beschränkte Zeit geschaffen ist, nicht noch viel wunderbarer für die
+Ewigkeit geschaffen sein? Doch genug für heute, mein Kind. Wenn Du etwas
+älter geworden bist, werde ich versuchen, soweit ich es kann, dir die ewige
+Wahrheit zu enthüllen, die sich für uns Menschen immer unter dem Schleier
+des Geheimnisvollen verbirgt.«
+
+Mein Vater gab mir häufig moralische Schriften zu lesen, welche die Dinge
+nicht unter den gewöhnlichen Gesichtspunkten behandelten, sondern sie
+vielmehr vom Standpunkt ihrer natürlichen Existenz aus betrachteten. So
+lernte ich in allem die Gesetze der Natur zu erkennen, die dem menschlichen
+Herzen unauslöschlich eingeprägt sind. Er lehrte mich in diesen Gesetzen
+die einzige Norm des menschlichen Handelns zu erkennen. Denn alle anderen
+Gesetze sind nur Verfremdungen von diesen. Die Regeln, die er mir gab,
+waren ebenso einfach wie verständlich: »Tu für die anderen das«, sagte er,
+»was Du möchtest, daß sie für Dich tun, und füge ihnen niemals etwas zu,
+das Dir selbst unerwünscht wäre. Du siehst, meine Teure, daß diese
+Wissenschaft, von der alle Welt in so hohen Tönen spricht, eigentlich ganz
+einfach zu beherrschen ist. Und wenn jedermann sich an diese sittlichen
+Grundsätze hielte, wäre das Glück aller Menschen auf dieser Welt
+gesichert.«
+
+Romane verbannte mein Vater fast gänzlich aus meinem Gesichtskreis. Ich
+lernte es, dank seiner Bemühungen, in ihnen eine Ansammlung von
+Gemeinplätzen und menschlicher Dummheit zu sehen. Es gab nur ganz wenige
+Ausnahmen von dieser Regel. Zumeist erlaubte mir mein Vater jene, die einen
+moralischen Hintergrund hatten. Nur wenige von ihnen zeichneten die
+Menschen in ihren natürlichen Farben, mit ihren Fehlern und Vorzügen. Die
+meisten Romanautoren scheinen pausenlos damit beschäftigt, ihre Helden in
+den anziehendsten Farben zu malen.
+
+Ach, meine Liebe, wie weit sind sie von der Wirklichkeit entfernt!
+Betrachtet man die einen und die anderen, wie viel Unwirklichkeit entdeckt
+man in diesen Darstellungen. Ich finde viel mehr Gefallen an den Büchern
+der großen Weltreisenden, denn in ihnen lerne ich den Charakter und die
+Sitten anderer Völker kennen. Ich begriff bald, daß sie im Grund nur ein
+Spiegel unserer eigenen sind. Ich fing an, die Menschheit in ihrer
+Gesamtheit zu verstehen, aber auch die Rolle zu begreifen, welche die
+Gesellschaft bei der Bildung der einzelnen Charaktere spielt. Sodann
+beschäftigte ich mich auch mit historischen Schriften. Indem diese die
+Sitten und Gebräuche der Antike wiedergaben, erkannte ich aus ihnen, wie
+nach und nach ein bestimmtes Weltbild entstanden ist, um nach einer Weile
+neuen Erkenntnissen zu weichen. Am meisten liebte ich allerdings die Werke
+unserer Poeten. Diese erschienen mir sehr amüsant, und einige von ihnen
+sind für ewige Zeiten in meinem Gedächtnis haften geblieben.
+
+Dann eines Tages gab mir mein Vater ein Buch, das seine besondere
+Aufmerksamkeit erregt zu haben schien. »Lies es, meine liebe Laura«, sagte
+er. »Ein Genie, wie unsere Zeit nur wenige hervorbringt, hat es
+geschrieben. Es wird leicht in Deinem Gedächtnis haften. Seine Philosophie
+und elegante Sprache wird Dir gefallen. Der Mann, der es geschrieben hat,
+ist ein Meister seines Fachs, und die Ideen, die er unter dem Vorwand einer
+Fabel zu Papier gebracht hat, werden Dich faszinieren.«
+
+Zu welchem Irrtum führt uns unsere Eigenliebe und Eitelkeit doch oft! Dies
+kann nur ein aufmerksamer und gedankenvoller Beobachter erkennen. Dabei ist
+es doch eine ebenso einfache wie unveränderliche Wahrheit, daß sich alles
+in diesem Leben zu einer Kette fügt, um einer gewissen Ordnung zu folgen,
+die sowohl für die Gesamtheit des Seins als auch für den einzelnen gilt.
+Unvorhergesehene Umstände zwingen die Ideen und Handlungen der Menschen.
+Entfernte und daher kaum bemerkbare Ursachen führen zu einer Kette von
+Beziehungen, die fast immer willkürlich erscheinen. Der einzelne meint, daß
+alles von seiner Entscheidung abhänge, von der Wahl, die er für sich oder
+andere trifft, doch in Wirklichkeit entwickelt sich alles fast ohne sein
+Zutun. Natur, Charakter und Temperament sind nur das Material, aus dem der
+Ewige Beweger die Rollen formt, die er jedem einzelnen von uns zugedacht
+hat.
+
+Wenn man manche unerfreulichen Ereignisse verhindern kann, so ist das
+nichts anderes als ein gewisser Weitblick, eine Klugheit, die den Blick für
+diese Kette von Umständen schärft, die man doch nicht ändern kann und die
+selbst für jene eine unwiderstehliche Macht ist, die das Übel schaffen. Am
+weisesten ist jener, der sich dem natürlichen Lauf der Dinge überläßt. Dir,
+meine liebe Eugenie, läßt Dein Geist alles leicht erscheinen. Deine
+Sanftheit wird Dich glücklich erhalten, und Du verstehst es, Deine Freiheit
+zu bewahren, trotz der Fesseln, die man Dir auferlegt. Du genießt die
+Vergnügungen, die Du Dir erfindest und beklagst Dich nicht über jene, die
+Dir fehlen. Doch höre meine Geschichte weiter!
+
+Ich wurde älter, und gegen Ende meines sechzehnten Jahres veränderte sich
+meine Situation. Ich sah damals schon recht erwachsen aus. Meine Formen
+waren voller geworden, meine Brüste hatten an Umfang zugenommen, und ich
+bewunderte ihre reizenden Rundungen jeden Tag. Auch Lucette und meinen
+Vater ließ ich diese wundervolle Entwicklung bestaunen. Sie küßten die
+knospenden Hügel um die Wette, ich nahm ihre Hände und führte sie an meinen
+Busen, damit sie sich von der schwellenden Herrlichkeit überzeugen könnten.
+So gab ich ihnen tausend Zeichen meiner Ungeduld.
+
+Ohne jedes Vorurteil aufgewachsen, hörte ich nichts anderes als die Stimme
+der Natur. Sie allein lehrte mich. Selbst wenn ich in Lucettes Gegenwart
+badete, fühlte ich mich erregt. Ich lebte in einer sehr intimen
+Gemeinschaft mit ihr. Meistens schlief ich mit ihr; immer tat ich dies,
+wenn mein Vater abwesend war. Dann übernahm ich bei ihr seine Rolle, so gut
+dies eben möglich war. Ich umarmte sie, saugte an ihrer Zunge und ihren
+Brustspitzen, ich küßte ihre Lenden und ihren Schoß, ich liebkoste und
+kraulte ihre Liebesgrotte. Meine Finger nahmen die Stelle jenes wunderbaren
+Werkzeugs ein, mit dem ich ihr nicht dienen konnte. Dennoch gelang es mir,
+sie durch diese Bemühungen in jene lange währende wollüstige Agonie zu
+stürzen, in der sie mir so schön erschien.
+
+Meine Liebenswürdigkeit und die Zärtlichkeiten, die ich ihr erwies,
+erfüllten sie mit einer lebhaften Zuneigung für mich, die ich nur mit jener
+vergleichen kann, die Du für mich empfindest. Sie hat mich während dieser
+Zärtlichkeiten oft auf das leidenschaftlichste erregt gesehen und
+versicherte mir immer wieder, daß sie brennend gern für mich dasselbe tun
+würde, wenn es nur möglich wäre, mich ohne Gefahr für mich selbst an diesen
+Vergnügungen teilnehmen zu lassen. Sie wünschte leidenschaftlich, daß mein
+Vater sich endlich entschließen würde, mich zu nehmen, und sie malte mir
+diesen köstlichen Augenblick in den glühendsten Farben aus.
+
+»Oh, meine liebe Laurette«, sagte sie, »wenn dieser Augenblick gekommen
+ist, werden wir ein Fest feiern. Ich erwarte ihn mit Ungeduld, aber ich
+glaube, es wird nicht mehr lange dauern. Deine Brüste sind schon gerundet,
+und Deine Kleine ist hübsch behaart und von einem schönen Rot. Ich sehe es
+an Deinen Augen, die Natur wird bald eine Frau aus Dir machen.«
+
+Es dauerte tatsächlich nicht lange, so fühlte ich mich reichlich
+unbehaglich. Mein Kopf war benommen, meine Augen hatten ihre Lebhaftigkeit
+verloren, und ich litt an heftigen Krämpfen, die mir etwas völlig Neues
+waren. Endlich, nach acht oder neun Tagen, war alles vorbei, und ich fühlte
+mich so heiter wie zuvor und strahlte vor Gesundheit.
+
+Wie freute ich mich über dieses Ereignis. Ich war ganz verrückt und umarmte
+Lucette.
+
+»Meine Liebe, wie glücklich werde ich sein!« Ich fiel meinem Vater um den
+Hals und bedeckte ihn mit Küssen:
+
+»Ach, endlich«, rief ich, »befinde ich mich in dem Zustand, in dem Du mich
+so gerne sehen wolltest. Wie glücklich bin ich, daß ich Dein Verlangen
+endlich befriedigen kann! Mein einziges Glück wird es sein, Dir ganz zu
+gehören. Deine Liebe und deine Zärtlichkeit werden meine Seligkeit sein.«
+
+Er nahm mich in seine Arme und zog mich auf seine Knie, um mir die
+Zärtlichkeiten, die ich ihm erwies, wiederzugeben. Er preßte meine Brüste
+und küßte sie. Er sog an meinen blühenden Lippen, seine Zunge vermählte
+sich mit der meinen. Meine Schenkel, mein Hinterteil, ja selbst meine
+kleine Spalte, alles war der brennenden Berührung seiner Hände
+ausgeliefert.
+
+»So ist er endlich gekommen, meine reizende Laura, jener beglückende
+Augenblick, in dem Deine Zärtlichkeit und die meine sich im Strom der
+Begierde vereinen werden. Noch heute werde ich Deine Jungfernschaft nehmen
+und die Blume pflücken, die sich so herrlich entfaltet hat. Ich schulde es
+Deiner Liebe. Du mußt allerdings wissen, daß die Wonnen, die unserer
+Umarmung folgen werden, durch einige Augenblicke des Schmerzes erkauft
+werden müssen. Ich werde Dir wehtun, wenn ich Deine Rose breche, mein
+reizendes Kind.«
+
+»Was macht das schon aus? Laß mich bluten, wenn Du willst, kein Opfer wird
+mir zu groß sein. Ich begehre nichts so sehr, als Deine Lust und Deine
+Befriedigung.«
+
+Das Feuer der Leidenschaft brannte in seinen Augen wie in den meinen. Die
+liebenswürdige Lucette, die an dem wunderbaren Opfer mitwirken wollte,
+zeigte nicht weniger Rührung, als wenn sie das Opfer selbst an mir hätte
+vollziehen sollen.
+
+Sie führte mich in ein Gemach, das für den erhebenden Anlaß schon
+vorbereitet worden war. Alles Tageslicht war daraus verbannt. Ein riesiges
+Himmelbett, das ganz mit blauem Satin bezogen war, prangte inmitten der
+Spiegel, von denen es umgeben war. In der Mitte des Bettes befand sich auf
+den blauseidenen Decken ein Kissen, das gewissermaßen den Opferstein
+darstellte.
+
+Lucette verstand es ausgezeichnet, all die Vorzüge herauszustreichen,
+welche die Natur mir gegeben hatte. Sie schmückte dieses freiwillige Opfer
+mit feuerroten Strumpfbändern und einem Gürtel, der wie bei einer zweiten
+Venus meine schlanke Taille zur Geltung brachte. Meine üppig fließenden
+braunen Locken wurden gleichfalls durch ein rotes Band zusammengehalten. So
+blieb ich ganz allein in dem Raum, in dem bald das köstlichste Opfer
+stattfinden sollte. Ich betrachtete mich mit einer unbeschreiblichen
+Zufriedenheit in den Spiegeln, die den blauseidenen Bettaltar umgaben. Mein
+entblößter Körper schimmerte wie mattes Elfenbein. Meine jungen, zarten
+Brüste erhoben sich wie strahlende Früchte, die von zwei Knospen in der
+zartesten Rosenfarbe gekrönt wurden. Ein reizender goldfarbener Flaum
+bedeckte den Ansatz meiner Schenkel und warf einen köstlichen Schatten auf
+meine Liebesgrotte, die zwischen den beiden rosigen Lippen ein winziges
+Ende der Klitoris erkennen ließ. Es war, als ob sich eine Zunge begehrlich
+zwischen den beiden Lippen vorstreckte. Dazu meine schlanke Taille, meine
+zierlichen Füße, meine schön geschwungenen Beine und wohl gerundeten
+Schenkel, sowie ein Hinterteil, dessen rosige Rundungen zur Freude wie
+geschaffen schienen!
+
+Wirklich, selbst Amor hätte sich mit mir nicht messen können, wenn er mein
+Geschlecht gehabt hätte. Das war in etwa der Tenor der Elogen, mit denen
+Lucette meinem Vater gegenüber meine Schönheit pries. Ich fühlte mich
+emporgetragen von einer Woge der Trunkenheit, von einem Liebesrausch
+ohnegleichen. Wie glücklich war ich, den Mann, der mir so viel bedeutete,
+mit meinem Überfluß zu beglücken.
+
+Er prüfte und bewunderte all die Schätze, die vor ihm ausgebreitet waren.
+Seine Hände, seine Lippen brannten auf meinem Körper. In uns beiden flammte
+die Leidenschaft einer jungen Liebe auf, für die es keine Hindernisse gibt
+und die endlich den Lohn ihrer Geduld und Sehnsucht zu pflücken hofft. Ich
+hatte mir diesen Augenblick so lebhaft gewünscht und preßte den Urheber
+künftiger Freuden mit einer Leidenschaft an mich, als wollte ich ihn nie
+wieder aus meinen Armen entlassen.
+
+Lucette entkleidete ihn vollständig. Er legte mich auf das Bett, so daß
+mein Hinterteil auf dem Kissen zu liegen kam. Ich nahm die wundersame Waffe
+in die Hand, durch die meine Jungfernschaft zerstört werden sollte. Oh, wie
+liebkoste ich dieses schwellende Schwert, das nun bald gewaltsam meine Rose
+durchbohren sollte, die mit solcher Sorgfalt viele Jahre hindurch gepflegt
+worden war. Meine Phantasie brannte vor Verlangen nach diesem bedeutsamen
+Augenblick. Meine Liebesgrotte verzehrte sich nach dem holden Eindringling,
+dessen Nähe allein mich mit einem wundervollen Feuer der Begeisterung
+erfüllte. Wir hielten uns umschlungen und lagen einer auf dem anderen.
+Unsere Lippen, unsere Zungen vermählten sich. Ich wußte nicht mehr, was ich
+tat, sondern schlang meine Beine um seine Lenden, und während ich ihm
+entgegenkam, durchbohrte er mich mit einem einzigen schnellen Stoß. Der
+heftige Schmerz, den ich in diesem Augenblick empfand, entriß mir einen
+Schrei, der ihn von seinem Sieg überzeugte.
+
+Lucette, die ihre Hand geschickt zwischen uns schob, begann mich zu
+liebkosen, während ihre andere Hand meine Lenden streichelte. Der Schmerz
+mischte sich mit Wollust, so wie sich der holde Tau der Lust mit meinen
+Blutstropfen mischte. Ich fühlte eine zarte und unaussprechliche Wonne in
+mir aufsteigen und versank in einen Abgrund der Lust. Kraftlos lag ich in
+den Armen des Geliebten und fühlte mich sterben, während ich die
+unaussprechlichsten Wonnen, eine subtile Art von Qual erlitt, die mir heute
+noch unbeschreiblich erscheint.
+
+Welch wundervoller Zustand! Neue Zärtlichkeiten riefen mich wieder ins
+Leben zurück. Er küßte mich, seine Hand liebkoste meine Brüste und meine
+Liebesgrotte, er spreizte meine Beine in die Luft, um sein Werk zu
+besichtigen. Ich faßte währenddessen nach seinem Instrument, das unter
+meinen Liebkosungen sofort seine ursprüngliche Festigkeit wieder annahm.
+Und alsbald ging er wieder an meine Eroberung. Noch war das schmale
+Pförtchen nicht leicht zu durchbrechen, doch die immer liebenswürdige
+Lucette besänftigte mich durch ihre Liebkosungen, und ich versank von neuem
+in jene wollüstige Apathie, die ich eben kennen gelernt hatte.
+
+Der Mann, der mein Vater gewesen und nun mein Liebhaber war, nahm voller
+Stolz über seine Eroberung und bezaubert von dem Opfer, das ich ihm
+dargebracht hatte, das Kissen, auf dem dieses Opfer vollzogen worden war --
+es zeigte die Spuren des vergossenen Blutes und betrachtete diese Trophäe
+seines Sieges liebevoll.
+
+»Meine Laura, geliebtes und liebenswürdiges Kind«, sagte er schließlich,
+»Lucette hat Deine Lust gesteigert. Erscheint es Dir da nicht gerecht, daß
+wir sie nun daran teilnehmen lassen?«
+
+Ich umschlang ihren Hals und zog sie auf das Bett. Er nahm sie in die Arme
+und zog mich an ihre Seite. Ich schürzte ihre Röcke und fand sie darunter
+ganz feucht. »Ah, wie feucht Du bist, meine Liebe! Ich werde Dein Vergnügen
+erhöhen, wenn ich es kann.« Ich nahm seine Hand und ließ ihn einen Finger
+in ihre Grotte stecken, wo er Kommen und Gehen spielte, während ich sie
+kitzelte. Sie zögerte nicht, in dieselbe wollüstige Ekstase zu verfallen,
+die ich vorhin so glücklich an mir erfahren hatte.
+
+O meine geliebte Eugenie, wie wundervoll war dieser Tag für mich! Ich
+gestehe Dir, meine teure Freundin, es war der schönste Tag meines Lebens
+und zugleich der erste, an dem ich die Wonnen der Liebe in ihrem vollen
+Umfang erfahren habe. Selbst wenn ich heute daran denke, überkommt mich ein
+wollüstiger Schauer, den ich Dir nicht beschreiben kann.
+
+In dem Raum herrschte eine angenehme Wärme. Ich fühlte mich so, wie ich
+war, unendlich wohl, und hatte kein Bedürfnis, mich wieder anzuziehen. Ich
+befand mich in einer Art von süßem Wahnsinn und wollte, nackt wie ich war,
+mit meinen beiden Lieben soupieren. Die wachsame Lucette hielt die
+Dienerschaft fern. Sie war liebenswürdig genug, uns ganz allein zu
+bedienen, nachdem sie die Türen sorgfältig verschlossen hatte. Ich wollte,
+daß auch sie sich in diesem Zustand sehen ließ, und entkleidete sie
+eigenhändig. Ah, wie reizend erschien sie mir. Wir setzten uns zu Tisch.
+Mein Geliebter saß zwischen uns und wurde von uns beiden mit Zärtlichkeiten
+verwöhnt, die er uns bereitwillig wiedergab.
+
+Bald waren wir aufs Neue entflammt. In einem so erregten Zustand war es nur
+verständlich, daß sich die geliebte Waffe, der ich mich vorhin so tapfer
+unterworfen hatte, wieder in ihrer vollen Stärke aufrichtete. Die
+Tafelfreuden verloren bald alles Interesse für uns, und wir eilten zu
+unserem geliebten Bett. An diesem Tag, der einzig und allein mir gewidmet
+war, empfand ich noch einmal die vollen Wonnen der Liebe.
+
+Mein Geliebter legte sich an meine linke Seite, seine Schenkel unter den
+meinen, die ich geöffnet hielt. Kräftig pochte seine Lanze an meinen
+Eingang. Lucette nahm meinen Kopf zwischen ihre Knie. Ihre reizende Kleine
+war direkt vor meinen Augen. Ich streichelte und kitzelte sie und liebkoste
+ihr Hinterteil, das munter in die Luft ragte. Ihr Leib berührte meine
+Brüste, ihre Schenkel waren zwischen meinen Armen. Wir glühten alle drei
+vor Begierde. Sie öffnete meine Schamlippen, die von einem lebhaften Rot
+waren, und versah mich mit jenem köstlichen Schwamm, der meinen Geliebten
+in die Lage versetzen sollte, sich ohne alle Scheu in mich zu ergießen. Es
+schmerzte mich ein wenig, als ihn Lucette mit behutsamen Fingern in mich
+einführte, ich litt. Doch ertrug ich diesen Schmerz in der Hoffnung auf
+eine höchst erfreuliche Sensation. Lucette selbst bahnte dem köstlichen
+Instrument den Weg. Es drang mühelos ein, während sie mich kitzelte. Ich
+leistete ihr währenddessen einen ähnlichen Dienst, während die Finger
+meines Geliebten in Lucettes Grotte spielten. Er wiederholte dabei die
+Bewegungen, die sein Instrument in mir vollführte. Ah -- all diese
+Variationen, diese Stellungen, diese Vielfalt von Sensationen! Wir fühlten,
+wie die Lust über uns zusammenschlug. Halb ohnmächtig vor Lust verströmten
+wir uns beinahe gleichzeitig. Danach waren wir wohlig ermattet. Lucette
+stand auf, um Ordnung zu machen, und als sie damit fertig war, legten wir
+uns alle in ein Bett und schliefen aneinandergeschmiegt ein. Diese Nacht
+war in meiner Vorstellung mehr als der festlichste Tag.
+
+Ach, liebe Eugenie, warum übertrifft die Einbildungskraft die Wirklichkeit
+immer wieder, wo diese allein doch unser Glück ausmachen kann? Ich glaubte
+natürlich, daß nun alle Tage wie dieser eine sein würden, doch mein
+väterlicher Geliebter, der weiterhin über meine Gesundheit wachte, machte
+mir anderntags folgende fatale Eröffnung: »Meine teure Laurette, ich kann
+Dir nicht verbergen, daß ich etwas tun muß, das uns allen schmerzlich sein,
+wird. Dein Temperament ist noch nicht gefestigt genug, als daß ich Dich ihm
+überlassen könnte, und Du bist mir viel zu teuer, als daß ich Dir nicht
+alle Aufmerksamkeit widmen würde, deren ich fähig bin. Währenddessen wirst
+Du nur unsere Zärtlichkeiten genießen. Du wirst in gewisser Weise an
+unseren Vergnügungen teilnehmen, aber nur ab und zu wird Dir eine Nacht wie
+diese vorbehalten sein; Du wirst sie ebenso angenehm finden wie die heutige
+und wirst sie natürlich mit Ungeduld erwarten. Wenn Du mir gefallen willst,
+wirst Du Dich diesen Entschlüssen widerstandslos und mit Freuden fügen.«
+
+Diese Worte waren ein sicheres Mittel, zu erreichen, daß ich mich mit
+meiner Lage ohne Murren abfand. Glaube nicht, meine Liebe, daß ich dabei
+Eifersucht empfunden hätte.
+
+
+
+
+4. Kapitel
+
+
+Ich fügte mich also dem Willen meines väterlichen Geliebten. Ah, teure
+Eugenie, wie gut habe ich daran getan! Nach der neunzehnten oder
+zwanzigsten derartigen Soiree verließ uns zu unserem Kummer unsere teure
+Lucette. Ihr Vater, der in der Provinz weilte, rief sie zu sich. Eine
+gefährliche Krankheit ließ ihn ihre Rückkehr vor seinem Tod ersehnen. Ihre
+Abreise verursachte uns einen leidenschaftlichen Schmerz, und unsere Tränen
+mischten sich mit den ihren. Ich für meinen Teil konnte mein Schluchzen
+nicht zurückhalten. Nur die Hoffnung, sie bald wieder zu sehen, konnte mich
+trösten. Aber kurz nach dem Tod ihres Vaters verfiel sie selbst in eine
+langwierige Krankheit, die ihr viele Schmerzen verursachte. Ihr Vater hatte
+gewisse Heiratspläne mit ihr gehabt, und auch ihre Verwandtschaft redete
+ihr zu, doch sie wollte nichts davon hören. Sie schrieb, der Unterschied
+zwischen meinem Vater und den Männern, die ihr den Hof machten, sei zu
+groß. Sie wollte nicht in eine Hochzeit willigen und sehnte sich danach, zu
+uns zurückzukehren. Doch ihre Mutter und ihre Verwandtschaft überredeten
+sie schließlich, und sie stimmte zu, nachdem sie meinen Vater, dem sie in
+allen Dingen ihr Vertrauen schenkte, um Rat gefragt hatte. Er riet ihr zu,
+eine an sich günstige Partie nicht auszuschlagen. Mein Vater fühlte sich
+immer verpflichtet, den Vorteil derer im Auge zu haben, die ihm vertrauten.
+Er hätte es ohne Zweifel für ein Zeichen der Schwäche gehalten, wenn er
+anders gehandelt hätte. Doch diesmal brachte sein Rat Unheil. Lucette starb
+an den Folgen ihrer ersten Niederkunft.
+
+Indes, ich greife den Ereignissen voraus. Lucettes Abreise hatte mich
+melancholisch gestimmt, doch tröstete ich mich rasch in den Armen meines
+väterlichen Geliebten. Die Krankheit, in die Lucette verfiel, brachte ihn
+dazu, meine Gesundheit mit der größten Aufmerksamkeit zu überwachen. Ich
+hielt mich in allem an seine Ratschläge, denn ich setzte das allergrößte
+Vertrauen in ihn. Er entfernte sich kaum je von mir und überwachte mich
+dauernd, weil er wußte, daß mir mein leidenschaftliches Temperament zu
+schaffen machte.
+
+Bald nach Lucettes Abreise traf er einige Veränderungen in seinem
+Appartement. Man konnte nur noch in mein Zimmer gelangen, indem man das
+seine durchquerte. Er hatte der Dienerschaft ernsthaft eingeprägt, daß sie
+keinen anderen Eingang benutzen durfte. Unsere Betten standen an derselben
+Wand, die er durchbrechen und durch eine Art von Paravent hatte ersetzen
+lassen. Dieser konnte jederzeit entfernt werden, doch das war unser kleines
+Geheimnis, und nur wir kannten den Trick, der die scheinbare Wand,
+zurückweichen ließ. Den Schlüssel zu meinem Zimmer hatte eine Frau, die er
+an Lucettes Stelle aufgenommen hatte, die uns aber in allem nur eine
+Dienerin war.
+
+Wenn wir sicher sein konnten, nicht mehr gestört zu werden, schob ich die
+Spanische Wand zurück und eilte in seine Arme. Dann verbrachte ich eine
+süße und glückliche Nacht mit ihm, die von einem zumeist erfreulichen Tag
+abgelöst wurde.
+
+Während einer dieser bezaubernden Nächte lehrte er mich eine neue Art des
+Vergnügens kennen, von der ich bisher keine Ahnung gehabt hatte.
+
+»Meine liebe Laura«, sagte er, »Du hast mir Deine Erstlingsblüte geschenkt,
+aber Du hast noch eine andere Jungfernschaft, und die wirst Du mir nicht
+verweigern, wenn Du mich noch immer liebst.«
+
+»Ah, und wie ich Dich liebe! Was ist es, mon cher? Laß es mich wissen! Wie
+glücklich bin ich, daß ich Dir noch etwas geben kann!«
+
+»Mein reizendes Kind -- wie sehr du mich glücklich machst. Die Natur und
+die Liebe selbst haben all Deine Grazie geschaffen und Dich mit den
+wollüstigen Empfindungen erfüllt, die uns beiden so teuer sind. Sie haben
+Deinem Körper die liebenswürdigsten Reize verliehen und all seine Teile zum
+Gegenstand unseres Begehrens gemacht. Glaube mir, für einen Mann, der eine
+schöne Frau anbetet und sich von ihr wieder geliebt weiß, wird ihr Mund,
+werden ihre Hände, ihre Brüste, ja selbst ihre Achselhöhlen und ihr Hintern
+genauso wie ihre Vagina zum Sitz der Wollust.«
+
+»Ah, ich verstehe. Nun, wohl. Du bist mein Meister, und ich folge in allem
+deinen Begierden. Wähle also!«
+
+Er ließ mich auf meiner linken Seite liegen, und zwar so, daß ich ihm meine
+Lenden zuwandte. Dann führte er den Kopf seines erigierten Gliedes
+vorsichtig an die kleine Öffnung und begann ganz sanft einzudringen. Der
+Weg war eng, aber die ungewohnte Berührung verursachte mir doch ein
+Vergnügen besonderer Art.
+
+Ich stützte mein rechtes Bein auf sein Knie, und er kitzelte mich und ließ
+seinen Finger von Zeit zu Zeit in meiner Liebesgrotte spielen. So empfand
+ich einen höchst leidenschaftlichen und wirkungsvollen Kitzel. Als er
+merkte, daß ich mich dem Gipfel der Lust näherte, beschleunigte er seine
+Anstrengungen, und ich tat desgleichen. Ich fühlte mich tief in meinem
+Innern von einer heißen Quelle benetzt, und dies verursachte mir eine
+leidenschaftliche Wollust. Ich empfand ein köstliches und unbeschreibliches
+Gefühl, das allen empfindsamen Teilen meines Körpers zu entquellen schien.
+Ah, all diese Wonnen verdankte ich diesem herrlichen, starken und doch
+vorsichtigen Instrument, das dem Mann gehörte, den ich so leidenschaftlich
+liebte.
+
+Er teilte meine Wonnen.
+
+»Welch ein wundersames Vergnügen, meine liebste Laurette! Und Du -- sag,
+wie fühlst Du dich? Wenn ich der Leidenschaft glauben darf, die Du mir eben
+bewiesen hast, hast Du nicht weniger als ich empfunden.«
+
+»Gewiß nicht, mon cher. Welch unendliche, unaussprechliche und neue Wonnen
+habe ich eben kennen gelernt! Nie habe ich geglaubt, daß sich die
+wollüstigen Empfindungen so vervielfältigen lassen.«
+
+»Gut, mein Kind. Beim nächsten Mal werde ich Dir noch mehr Wonnen bereiten
+und mich gleichzeitig eines Godmiche bedienen.«
+
+»Was ist ein Godmiche?« fragte ich neugierig.
+
+»Das wirst Du sehen, mein Kind. Aber wir müssen damit bis zum nächsten Mal
+warten. Für heute ist es genug.«
+
+Am folgenden Tag sprach ich von nichts anderem. Ich wollte diesen
+rätselhaften Gegenstand gar zu gern sehen. Ich drängte ihn, mir diesen zu
+zeigen, und schließlich stimmte er zu. Ich war recht verwundert, denn ich
+hatte gehofft, daß er ihn noch am selben Abend ausprobieren und mir so eine
+neue Lektion der Lust erteilen würde.
+
+Meine liebe Eugenie, ich werde eines Tages mit dir dasselbe tun, was mein
+väterlicher Geliebter schließlich mit mir getan hat. Doch ich kann Dir das
+nicht beschreiben, ohne daß ich wieder eine unserer intimen Szenen vor
+Deinen Augen ausbreite. Ich bedaure, daß ich dieses prächtige Instrument
+bisher nicht für unsere Zärtlichkeiten verwendet habe. Ich würde dann mit
+großem Vergnügen die Rolle eines zärtlichen Liebhabers bei Dir gespielt
+haben. Aber ich werde nicht vergessen, eines mitzubringen, wenn ich wieder
+in Deine Arme eilen kann.
+
+Trotz der langen Pausen, die mein Vater zwischen unsere Vergnügungen legte,
+gab es keine Variation der Wollust, die er mir nicht gezeigt hätte. Er
+hatte es dabei leicht, denn ich liebte ihn mit aller Leidenschaft, deren
+ich fähig war, und ich war bereit, auf all seine Wünsche einzugehen.
+Manchmal legte er sich auf mich, seinen Kopf zwischen meinen Schenkeln und
+meinen zwischen seinen Knien.
+
+Seine heißen Lippen liebkosten meine Liebesgrotte, sie saugten an meiner
+Klitoris, und dann ließ er auch seine Zunge auf dem Weg unserer Wollust ein
+wenig vordringen. Er kitzelte meine Klitoris, bis ich vor Wonne halb
+bewußtlos war, und führte gleichzeitig seinen Finger oder den bewußten
+Godmiche in meiner Lustgrotte spazieren, während ich den Kopf seines
+Gliedes mit Zunge und Lippen liebkoste. Ich umschloß dieses herrliche
+Instrument mit meinem Mund, ich kitzelte es mit meiner Zungenspitze und
+nahm es im nächsten Moment so tief in mich auf, als ob ich es verschlingen
+wollte. Ich kitzelte und preßte seine Hoden, seine Schenkel, sein
+Hinterteil. Alles das ist höchst beglückend und wollüstig, vorausgesetzt,
+daß es von einer so zärtlichen Liebe diktiert wird wie von der, die ich für
+meinen Geliebten empfand.
+
+So war also das Leben, das wir nach Lucettes Abreise zusammen führten.
+Schon waren acht oder neun Monate seither vergangen. Die Erinnerung und der
+unglückliche Zustand, in dem sich das liebenswürdige Mädchen befand, war
+der einzige Schatten, der auf diese glücklichen Tage fiel, die angefüllt,
+waren mit der Seligkeit einer ersten Liebe. Ich lebte von den kostbaren
+Augenblicken, in denen ich in den Armen dieses zärtlichen und
+liebenswürdigen Mannes lag und ihn unter meinen Küssen und Liebkosungen
+hinschmelzen fühlte. Er liebte mich unbeschreiblich. Meine Seele war mit
+der seinen vereint. Es ist mir unmöglich, die vollkommene Harmonie unserer
+Gefühle auch nur annähernd zu beschreiben.
+
+Aber, meine teure Eugenie, was wirst Du von Deiner Freundin denken, wenn Du
+ihr folgendes Geständnis hörst? Welch neue Szenen wirst Du zu sehen
+bekommen? Bis zu welchem Grad von Extravaganz vermag nicht die Phantasie
+vorzudringen? Was sollte sich ihren Launen und Kaprizen in den Weg stellen?
+
+Wenn das Herz immer dasselbe ist, wenn es von den beständigsten Gefühlen
+belebt und erfüllt wird, wie ist es dann möglich, daß die
+leidenschaftlichsten Begierden einem Phantom nachjagen, das wir uns selbst
+geschaffen haben? Ist es möglich, daß unser Verlangen uns vorwärts treibt,
+einem unbekannten Ziel entgegen, ohne daß wir uns zurückzuhalten
+vermöchten? Ich bin ein erstaunliches Beispiel dafür. Soll ich Dir dieses
+Geständnis überhaupt machen? Ja, ich will es tun, denn es gibt nichts, was
+ich der Freundin meines Herzens verbergen möchte.
+
+Zwar erröte ich dabei, doch immerhin! Du wirst daraus die tiefe Güte und
+das lebhafte Verständnis ersehen können, das mein väterlicher Liebster für
+mich hegte. Die Gerechtigkeit seines Geistes und seine Seelenstärke sind in
+gleicher Weise bewundernswert. Ich habe erst damals begriffen, wie sehr
+dieser wundervolle Mann meine Liebe und Zuneigung verdiente. In demselben
+Haus, in dem wir lebten, vegetierte eine alte, verwitwete Betschwester, die
+glaubte, sie könne ihre Tage nicht besser verbringen, als wenn sie
+sämtliche Kirchen im Umkreis besuchte.
+
+Sie hatte drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. Der älteste war in der
+schlechten Gesellschaft, in der er zu verkehren pflegte, ganz entartet. Wir
+kannten ihn kaum vom Sehen. Er spielte mit dem, was er von seinem Vater
+geerbt hatte, den Verschwender. Sein Bruder, der viel jünger war, hatte
+sein sechzehntes Lebensjahr gerade vollendet, als er die Schule verließ, um
+bei seiner Mutter zu leben. Er war ein hübscher Junge, frisch wie Amor
+persönlich, dazu immer heiter und von einem liebenswürdigen Charakter. Die
+beiden hatten eine reizende Schwester, die damals etwa fünfzehn Jahre alt
+war.
+
+Teure Eugenie, stell Dir eine hübsche kleine Brünette vor, von lebhaftem
+Teint und mit strahlenden Augen. Ein reizendes Näschen, ein lieblicher Mund
+und eine schlanke Taille vervollständigen ihre Reize. Sie war, wie gesagt,
+klein von Wuchs, aber von einer überquellenden Lebendigkeit, ein wenig
+närrisch und unter einer sanften Oberfläche den Leidenschaften der Liebe
+zugetan. Dazu war sie höchst diskret in allem, was ihr Vergnügen anging.
+
+Sie machte sich jeden Tag über die Belehrungen lustig, die ihre
+frömmlerische Mutter ihr gab. Ich hatte mich bald nach Lucettes Abreise mit
+ihr angefreundet und dadurch auch die Bekanntschaft des jüngeren ihrer
+Brüder gemacht. Die beiden begannen mich ziemlich regelmäßig zu besuchen,
+und bald verging kein Tag, an dem wir nicht zusammen waren. Ihre Mutter
+schien darüber recht zufrieden. Ich weiß, daß sie mich -- in Verkennung der
+Tatsachen ihrer Tochter beständig als ein Beispiel hinstellte.
+
+Es stimmt allerdings, daß ich dank der ausgezeichneten Erziehung, die ich
+genossen hatte, einen recht gesetzten Eindruck machte. Es ist schon sehr
+merkwürdig, meine teure Eugenie, aber unsere Leidenschaften vermindern
+unsere Reputation, wenn die Unklugheit sie erraten läßt. Nichts schadet dem
+guten Ruf einer Frau mehr als ihre Koketterie und Freizügigkeit. Hingegen
+kann sich eine vorsichtige Frau, die nach außen hin die Fromme und Gesetzte
+spielt, so gut wie alles erlauben. Sie wird ihren guten Ruf ohne jeden
+Makel behalten, wenn sie ihre Liebesabenteuer mit dem Schleier des
+Geheimnisses bedeckt. Noch besser, wenn sie ihrer Zunge einen Zaum anlegt
+und sich über das Benehmen ihrer Mitschwestern ausschweigt. Kurz und gut,
+nicht die Taten, sondern die Manieren einer Frau entscheiden darüber, ob
+sie als ehrbar gilt oder nicht.
+
+Ich bemerkte natürlich, daß mein Vater meine neuen Freunde mit
+Aufmerksamkeit beobachtete, und zwar sowohl den jungen Vernol als auch
+dessen Schwester.
+
+Er sagte mir, daß Rose für ihr Alter viel zu wissen scheine. Wenn sie auch
+unzweifelhaft noch keine Gelegenheit gehabt hatte, die Genüsse voll
+auszukosten, die ich kennen gelernt hatte, so würde sie doch höchst
+begierig sein, sie kennen zu lernen. Davon konnte ich mich leicht
+überzeugen. Wir scherzten von da an häufig zusammen und trieben allerlei
+Neckereien. Ich kam zu derselben Erkenntnis wie mein Vater, soweit es Rose
+betraf. Über Vernol sagte er wenig.
+
+Meine Talente hatten sich inzwischen immer mehr vervollkommnet. Ich war
+musikalisch und verstand ausgezeichnet auf der Harfe zu spielen, ich sang
+mit Geschmack, deklamierte mit Intelligenz und hatte einen geselligen Kreis
+um mich, in den ich Rose und Vernol aufnahm. Der Junge fand
+bezeichnenderweise zahlreiche Gelegenheiten, mir seine Vorliebe für mich zu
+beweisen. Er suchte mich und folgte mir unablässig. Wir spielten Theater,
+und er brachte seine Rolle mit Leidenschaft zu Gehör. Ich sprach mit meinem
+Vater darüber, und ich machte mich ein wenig über ihn lustig, aber in einem
+Ton und mit einem Lächeln, welches diesem großen Menschenkenner deutlich
+verraten mußte, daß ich an meinem neuen Verehrer Gefallen fand.
+
+»Das habe ich vom ersten Augenblick an bemerkt«, sagte mein Vater, als ich
+wieder einmal davon sprach. »Seine Augen, seine geröteten Wangen verraten
+ihn, wenn er in Deiner Nähe ist. Nun, meine Liebe, aber wie steht es mit
+Dir? Da Du weißt, daß er in Dich verliebt ist, welches Gefühl hegst Du für
+ihn?«
+
+Ich war mir darüber nicht ganz im Klaren und glaubte, daß ich für Vernol
+keine anderen Gefühle hegte als jene, die für gewöhnlich mit dem hübschen
+Namen Freundschaft bezeichnet werden. Doch die Frage meines Vaters machte
+mich nachdenklich, und ich beobachtete mich schärfer. Bald fand ich heraus,
+daß Vernols Gegenwart mich erregte und daß ich ihn vermißte, wenn er nicht
+mit seiner Schwester gekommen war. Ich fragte dann Rose ganz unschuldig, wo
+ihr Bruder geblieben sei. Ich wunderte mich selbst über diese Vorliebe, die
+meinem Herzen so gar nicht entsprach.
+
+Allerdings gefiel mir sein Äußeres, und ich muß gestehen, auch seine
+Sanftheit und die Standhaftigkeit, mit der er mich bewunderte, schmeichelte
+mir nicht wenig.
+
+Aus der Miene meines Vaters hätte ich leicht bemerken können, daß er etwas
+in mir entdeckt hatte, daß ich mir selbst nicht einzugestehen wagte. Er
+sprach nicht darüber, und ich liebte ihn mehr denn je. Meine Leidenschaft
+und meine Vorliebe für ihn verminderten sich nicht im Geringsten. Von
+Kindheit an zur Wahrhaftigkeit erzogen, kannte ich nicht die mindeste
+Verstellung.
+
+Man sagt, daß die Frauen von ihrer Natur her falsch seien. Aber ich glaube,
+daß diese vermeintliche Falschheit nur eine Folge ihrer Erziehung ist. Zu
+guter Letzt entschloß ich mich, alles für diesen liebenswürdigen und
+zärtlichen Freund zu opfern und die Nachstellungen dieses hübschen Jungen
+in Zukunft zu vermeiden. Ich hatte die Übereinstimmung der Gefühle, die ich
+für meinen Vater und auch für Vernol hegte, noch nicht begriffen. Doch die
+zwiespältige Verfassung, in der ich mich befand, verriet mir wohl, daß
+etwas in mir im Gange war. Du kannst Dir diesen inneren Zwiespalt schwer
+vorstellen, meine Liebe. Man muß ihn fühlen, um ihn zu kennen. Mein Vater,
+der meine Verfassung wohl bemerkt hatte und sich darüber Gewißheit
+verschaffen wollte, stellte mich auf eine Probe, ohne daß ich es bemerkt
+hätte.
+
+»Laura, einige Deiner Freunde verursachen mir Unbehagen«, eröffnete er mir
+eines Tages. »Ich möchte, daß Du Rose und ihren Bruder nicht wiedersiehst.«
+Ich zögerte keinen Augenblick, sondern warf mich in seine Arme: »Ich stimme
+dem gerne zu, mein Liebster. Komm, wir wollen dieses Haus aufgeben und auf
+das Land ziehen, dann werden wir den beiden nicht mehr begegnen. Laß uns
+morgen schon aufbrechen, Du wirst mich bereit finden!«
+
+Ich beeilte mich tatsächlich, meine Koffer zu packen, und ich blieb damit
+beschäftigt, bis er mich rief. Er nahm mich auf seinen Schoß und sagte,
+während er mich umarmt hielt: »Meine liebe Laurette, ich bin von Deiner
+Zärtlichkeit und Zuneigung sehr angetan. Deine trockenen Augen verraten
+mir, daß Du sie ohne Schmerzen verlassen wirst. Doch gestehe mir, macht es
+Dir wirklich nichts aus? Öffne mir Dein Herz, denn ganz bestimmt ist es
+nicht die Furcht, die Deine Entschlüsse beeinflußt. Du hast keinen Grund,
+mich zu fürchten.«
+
+Immer wahrhaft und ehrlich gegen meinen Vater, verbarg ich auch diesmal
+nichts vor ihm.
+
+»Nein, ganz bestimmt ist es nicht die Furcht, die mich lenkt. Seit langem
+schon empfinde ich keine Furcht vor Dir. Nur das Gefühl allein leitet mich.
+Dieser Vernol hat es verstanden, mir eine gewisse Vorliebe für ihn
+einzuflößen, deren Ursache ich mir nicht erklären kann. Doch mein Herz, das
+dir allein gehört, zögert keinen Augenblick, sich zu entscheiden. Ich will
+ihn nicht wiedersehen!«
+
+»Mein geliebtes Kind, ich kenne die Aufrichtigkeit Deiner Gefühle für mich,
+und ich bin darüber sehr glücklich. Vernol erweckt in Dir gewisse
+Vorstellungen, die Deine Phantasie bewegen. Du findest ihn deshalb
+angenehm. Aber Du kennst meine Zärtlichkeit für Dich und weißt, daß Du
+nicht aufhören kannst, mich zu lieben. Das ist alles, was ich von dir
+erhoffe. Geh nur, ich bin nicht eifersüchtig auf dieses Herz, dessen Besitz
+mir so sicher ist.«
+
+Diese Worte beruhigten mich, und ich fühlte mich überströmen vor
+Zärtlichkeit für diesen wundervollen Mann, der all meine Besorgnisse zu
+zerstreuen verstand. Ich warf mich vor ihm auf die Knie und küßte seine
+Hände, die ich mit meinen Tränen benetzte. Mein Schluchzen machte es mir
+beinahe unmöglich, die rechten Worte zu finden.
+
+»Mein Liebster, ich liebe Dich, ich bete Dich an, nichts und niemanden
+liebe ich so wie Dich! Meine Seele, mein Herz, alles ist von Dir erfüllt!«
+
+Er war von meinem leidenschaftlichen Ausbruch gerührt, hob mich auf, preßte
+mich an sein Herz und bedeckte mich mit seinen Küssen.
+
+»Beruhige Dich, mein allerliebstes Kind. Glaubst Du wirklich, daß ich die
+Natur und ihre unabänderlichen. Gesetze so wenig kenne? O nein, ich bin
+nicht so ungerecht. Erfahrung und Vergleichsmöglichkeiten haben in mir erst
+diese zärtliche Zuneigung ermöglicht, die ich für Dich empfinde. Es ist
+Zeit, daß auch Du es lernst, dir ein Urteil zu bilden. Ich verspreche Dir,
+Du wirst die Gesellschaft dieses Vernol genießen. In meinen Grundsätzen
+gefestigt und erfüllt von meinen Ideen, wirst Du auch nach meinen
+Erkenntnissen handeln. Übrigens ist er hübsch und liebenswürdig, wie ich
+zugeben muß. Und wenn Du diese gewissen Gefühle nicht für ihn empfändest,
+nun, so wäre es irgendein anderer. Ich werde mich also dreinfügen.«
+
+Doch nach diesem Gespräch war meine Vorliebe für Vernol abgeschwächt. Wenn
+ich ehrlich sein will und Dir alles sagen soll, so war es mehr die
+Zustimmung meines Vaters, die Neugier und mein leicht erregbares
+Temperament, was meine begehrliche Phantasie lebendig hielt.
+
+Diese wurde von meinem Vater übrigens noch begünstigt. Wenige Abende
+später, als ich in seinen Armen lag, sagte er zu mir: »Liebe Laurette,
+morgen wirst Du Roses Mutter besuchen und sie bitten, daß sie ihrer Tochter
+erlaubt, den Tag mit Dir zu verbringen. Sag ihr, sie soll nicht beunruhigt
+sein, wenn sie des Abends ausbleibt, ihr würdet einen Landausflug machen
+und erst morgen zurückkehren.
+
+In Wirklichkeit werdet ihr den Tag und den Abend hier verbringen. Du wirst
+den ganzen Tag mit ihr allein sein und kannst Dir dann leicht ein Urteil
+über die Ehrlichkeit ihrer Gedanken und über ihren Charakter machen. Sie
+scheint zu Dir Vertrauen zu haben und Freundschaft für Dich zu empfinden.
+Du wirst bald mehr darüber wissen und mir alles sagen.«
+
+Ich glaubte in diesem Moment, daß er mit diesem Plan einen gewissen Zweck
+verfolgte, doch ich hatte es gelernt, in allem seinen Ideen zu folgen und
+mich allem, was er je plante, zu unterwerfen. Ich glaubte, daß Rose
+ebensoviel wußte wie ich selbst.
+
+Im Übrigen wurde alles so gemacht, wie wir es abgesprochen hatten. Sie kam,
+und wir schlossen uns ganz und gar von der Welt ab. Wir verbrachten den Tag
+mit all den reizenden kleinen Torheiten, welche zwei junge Mädchen, deren
+Herz voll ist von unklaren Gefühlen, sich nur ausdenken können. Ich neckte
+sie, und sie tat mit mir desgleichen. Ich enthüllte ihren Busen und ließ
+meinen Vater ihre hübschen Brüste küssen. Ihr niedliches Hinterteil, ja
+selbst ihre kleine Spalte wurde Gegenstand meiner Neckereien. Wir hielten
+einander umschlungen. Sie kicherte und lachte, und jedes Mal, wenn ich mir
+etwas Neues ausdachte, wehrt sie sich zunächst, aber ihre geröteten Wangen
+und ihre lebhaft funkelnden Augen verrieten, wie erregt sie war.
+
+Wir soupierten, und selbst während des Essens schonte ich sie nicht. Ich
+schürte das Feuer, das schon in ihr brannte, kräftig. Nachher setzten wir
+unser Geplänkel fort. Ich bat sie, sich mit dem Gesicht nach unten auf
+einen Diwan zu legen, und dann schob ich ihre Röcke nach oben. Ihr
+entblößter Hintern bot uns einen höchst erfreulichen Anblick.
+
+Mein Vater versetzte ihr einige leichte Schläge mit der Hand und ermutigte
+mich, mich für die Neckereien zu rächen, die sie vorhin mit mir getrieben
+hatte. Ich wollte mich von der Wirkung unseres Treibens überzeugen und fand
+sie ganz feucht. Sie mußte ein heftiges Vergnügen empfunden haben.
+Schließlich gingen wir in mein Zimmer, um uns für die Nacht vorzubereiten.
+
+Kaum erblickte sie mich im Hemd, da zog sie es mir auch schon aus. Ich tat
+mit ihr desgleichen, und lachend stürzten wir uns ins Bett. Sie küßte mich,
+faßte nach meinen Brüsten und liebkoste meine Spalte. Ich begann ein höchst
+reizvolles Fingerspiel, als ich merkte, wie sehr sie sich danach sehnte,
+und ich täuschte mich nicht. Sie spreizte die Beine, und ihre Bewegungen
+verrieten mir die Heftigkeit ihrer Empfindungen. Schließlich ließ ich
+meinen Finger tiefer in sie gleiten, und die Leichtigkeit, mit der dies
+geschah, überzeugte mich davon, daß sie -- in diesem zarten Alter! -- keine
+Jungfrau mehr war.
+
+Ich brannte natürlich vor Begierde zu erfahren, wie sie ihre Jungfernschaft
+verloren hatte. Ich wollte sie gerade fragen, als mein Vater ins Zimmer
+kam, um uns zu umarmen, ehe er seinerseits zur Ruhe ging. Rose warf mit
+einer raschen Bewegung die Decken beiseite, die uns verhüllten. Er hatte
+offenbar nicht erwartet, uns beide nackt zu sehen. Unsere Hände befanden
+sich noch immer am Sitz aller Wollust. Sie schlang ihre Arme um seinen
+Hals, hielt ihn fest und veranlaßte ihn, meinen Busen zu küssen. Ich blieb
+meinerseits nicht untätig und sorgte dafür, daß er bei ihr dasselbe tat.
+Ich faßte nach seiner Hand und ließ sie auf ihrem hübschen, entblößten
+Körper spazieren gehen. Ich hielt diese liebenswürdige Hand in ihrer Grotte
+fest, er geriet in Erregung, doch dann verließ er uns rasch und wünschte
+uns viel Vergnügen.
+
+Es ging schon gegen zehn, als er am anderen Morgen in unser Zimmer kam. Er
+weckte uns mit Küssen und Zärtlichkeiten und fragte uns, ob wir eine
+angenehme Nacht verbracht hätten. »Wir sind noch lange, nachdem Du uns
+verlassen hast, wach geblieben. Du hast ja gesehen, in welcher Stimmung wir
+uns befanden«, gab ich zur Antwort.
+
+Rose, deren Wangen noch rosig vom Schlummer waren, errötete und legte mir
+den Finger auf den Mund. Doch ich wehrte sie ab: »Nein, nein, meine Liebe,
+Du kannst mich nicht hindern, meinem Vater alles zu erzählen, was wir
+zusammen getan haben. Denn ich verberge niemals etwas vor ihm. Mein
+Vertrauen zu ihm ist vollkommen, und das Deine sollte nicht weniger groß
+sein.«
+
+Sie schlang ihre Arme und Beine um mich und ließ mich gewähren.
+
+»Nachdem du uns verlassen hattest«, berichtete ich meinem Vater, »fuhr die
+lebhaft erregte Rose damit fort, meinen Mund zu küssen und an meinen
+Brüsten zu saugen. Sie zog mich an sich, und unsere Schenkel und selbst
+unsere intimsten Teile rieben sich gegeneinander. Meine Brüste drückten die
+ihren, mein Leib lag auf dem ihren. Ihre Zunge liebkoste die meine, eine
+ihrer Hände streichelte meinen Hintern, die andere kitzelte meine Klitoris,
+und ich tat mit ihr desgleichen. Wir kosteten die Wonnen dieses Vergnügens
+in ihrem vollen Ausmaß. Sie duldete es nicht, daß meine Hand sie verließ,
+ehe sie viermal die unglaublichste Lust empfunden hatte.«
+
+Während ich dies erzählte, schob Rose, durch meine Erzählung erhitzt, ihre
+Hand zwischen meine Schenkel und wiederholte, was ich erzählte. Ich begriff
+sogleich, was sie ersehnte. Wir waren beide nackt. Ich schob also unsere
+Decken zurück und nahm die Hand meines Vaters, die sich flugs all ihrer
+Reize bemächtigte. Er hatte nur seinen Morgenrock an, und dieser verschob
+sich durch die Bewegung. Ich bemerkte dank meines Instinkts und infolge der
+Ausbuchtung seines Hemdes, welchen Erfolg diese Liebkosungen bei ihm
+hatten, und machte Rose darauf aufmerksam.
+
+Ja, ich riet ihr sogar, ihm seinen Morgenrock auszuziehen und ihn dazu zu
+bringen, daß er sich zu uns lege. Sie sprang sofort auf klammerte sich an
+seinen Hals und nahm ihm unter vielen Neckereien seinen Morgenmantel weg.
+Dann zog sie ihn auf das Lager nieder und fiel ihrerseits mit
+ausgebreiteten Beinen auf ihren Rücken. Ich legte eines ihrer Beine auf
+seine Schulter, und er tat mit dem anderen desgleichen. In dieser Stellung
+fand sich sein prächtig schwellendes Instrument naturgemäß genau gegenüber
+ihrer Grotte. Ich bereitete ihm den Weg, und als er eindrang, kam sie ihm
+mit einer schnellen Bewegung entgegen. Ich kitzelte sie, und sie gab seine
+Bewegungen lebhaft zurück. Gleichzeitig liebkoste sie mich, wie ich es mit
+ihr tat, und seine leidenschaftlichen Anstrengungen, vereint mit den
+unsrigen, ließen uns schließlich eine heftige Wonne erfahren.
+
+Mein Vater vermochte sich kaum zurückzuhalten. Er beeilte sich, und ich
+vollendete mit meinen Händen das Trankopfer seiner Lust, das er nicht in
+sie zu ergießen gewagt hatte. Sie gestand mir später, daß es ihr
+währenddessen fünfmal gekommen sei. Ihr Leib war besprüht vom Tau der
+Wollust, mit dem er sie besprengt hatte, und selbst ihre Brüste waren noch
+feucht davon.
+
+Und doch hatte sie noch nicht genug. Sie beschäftigte sich leidenschaftlich
+mit meiner Spalte, sie kitzelte und liebkoste mich, und diese reizenden
+Spielereien setzten mich gleichfalls in eine heftige Begierde. Gar zu gern
+hätte ich die Flammen, die mich durchzuckten, gelöscht. Sie schien meine
+Wünsche zu erraten, denn sie ergriff die Hand meines Vaters und ließ seine
+Finger in mich eindringen. Dann ließ sie mich durch ein ähnliches Spiel,
+wie ich es mit ihr gespielt hatte, an den süßen Entzückungen teilhaben, die
+ich ihr bereitet hatte.
+
+Es dauerte eine Weile, bis wir uns beruhigten. Dann sagte ich zu meinem
+Vater: »Du wirst vielleicht erstaunt sein über Roses Betragen. Ich selbst
+war nicht weniger verwundert. Ich habe sie gebeten, mir zu erzählen, woher
+sie ihr Wissen hat, und ich werde Dir alles darüber sagen. Oder nein, noch
+besser sollst Du es aus ihrem Mund erfahren. Die Vertraulichkeit, die ihr
+einander erwiesen habt, wird es ihr unmöglich machen, Dir etwas von dem zu
+verbergen, was sie mir gestanden hat.«
+
+Wir beruhigten ihre aufkeimenden Proteste durch Küsse und Liebkosungen.
+
+»Nun gut«, sagte sie schließlich, »ich willige ein. Nachdem ich Laurette
+schon alles gesagt habe, riskiere ich nichts durch meine Offenheit.
+Schließlich habt ihr ein Recht darauf, alles zu erfahren. Mein Vertrauen
+ist nicht kleiner als jenes, das ihr mir bewiesen habt. Wirklich, es ist
+nur angemessen, daß ich euch alles erzähle.«
+
+
+
+
+5. Kapitel
+
+
+Rose begann ihre Geschichte folgendermaßen:
+
+»Ich war etwa zehn Jahre alt, als mich meine Mutter zu ihrer Schwester
+schickte, die damals in der Provinz lebte. Ich blieb über sechs Monate
+dort. Meine Tante hatte nur eine einzige Tochter, die etwa sechs Jahre
+älter als ich selbst war. Bis dahin hatte ich immer bei meiner Mutter
+gelebt, deren Frömmigkeit es mir nicht erlaubt hatte, mich irgendjemandem
+anzuschließen. Meine Brüder waren damals auf der Schule, und so war ich
+immer allein, wenn ich meine Mutter nicht in irgendeine Kirche begleitete.
+Ich kannte mich selbst nicht mehr und langweilte mich entsetzlich. Die
+Kirche erschien mir damals noch als das kleinere Übel. Da gab es wenigstens
+das eine oder andere menschliche Wesen, das ich beobachten konnte.
+
+Es dauerte lange, bis sich meine Mutter entschloß, den Wünschen meiner
+Tante, die mich gerne bei sich haben wollte, zu entsprechen und mich zu ihr
+zu schicken. Ich sehnte diese Reise mit einer Ungeduld herbei, die ich
+meiner Mutter nicht verbergen konnte. Und schließlich kam meine Zeit.
+
+Mein Bruder hatte die Windpocken bekommen, und Mama beeilte sich
+demzufolge, mich aufs Land zu schicken, damit ich nicht ebenfalls
+angesteckt würde. Meine Tante und meine Cousine empfingen mich mit tausend
+Beweisen ihrer Freundschaft. Vom ersten Augenblick an verlangte Isabelle,
+daß ich bei ihr schlafen sollte.
+
+Am Abend, wenn wir uns zur Ruhe begaben, umarmte sie mich jedes Mal innig,
+und ich erwiderte ihre Zärtlichkeiten ebenso. Nach vierzehn Tagen waren wir
+schon so vertraut, daß wir nicht die geringste Scheu mehr voreinander
+hatten.
+
+Eines Abends verfiel sie auf den tollen Einfall, unsere Hemden zu schürzen,
+so daß wir vor dem Spiegel unsere Hinterteile vergleichen konnten, die in
+der Tat recht anmutig gerundet und lieblich anzusehen waren. Sie fiel mir
+vor lauter Wohlgefallen um den Hals und küßte mich, wie es vier Schwestern
+gleichzeitig nicht getan haben würden. Ich meinerseits konnte darauf lange
+nicht einschlafen. Doch da sie mich entschlummert glaubte -- ich verhielt
+mich nämlich ganz ruhig --, bemerkte ich, wie sie ihren rechten Arm ein
+wenig bewegte. Ihre linke Hand lag auf meinem Schenkel. Ich spürte, wie sie
+heftig atmete. Sie hob und senkte ihren Hintern ganz sacht. Endlich stieß
+sie einen leidenschaftlichen Seufzer aus und versank dann in einen tiefen,
+ruhigen Schlummer.
+
+Ich war erstaunt über etwas, daß ich nicht zu verstehen vermochte, und
+fürchtete, daß ihr etwas Ungewöhnliches zugestoßen sei. Doch als ich sie am
+anderen Tag ganz frisch und munter sah, beruhigte ich mich rasch wieder.
+Meine Neugierde war geweckt, und ich beobachtete sie von nun an jeden
+Abend, indem ich mich schlafend stellte. Dabei bemerkte ich, daß sie jedes
+Mal wartete, bis sie glaubte, daß ich eingeschlafen sei. Dann wiederholte
+sie dieses merkwürdige Ritual, um bald danach selbst einzuschlafen. Ich
+konnte mich darüber nicht genug wundern und beschloß also, den Dingen auf
+die Spur zu kommen. Meine Tante hatte eine sehr hübsche Zofe, die etwa
+zwanzig Jahre alt war. Isabelle verbrachte jeden Tag mehrere Stunden bei
+ihr, angeblich um Sticken zu lernen. Justine -- so hieß das Mädchen --
+stickte hervorragend, und meine Cousine nahm bei ihr Unterricht. Man wollte
+nicht, daß ich daran teilnahm. Ich wäre noch zu jung, und meine Neugierde
+würde ihre Fortschritte gehindert haben. So verbrachte ich täglich etliche
+Stunden ganz für mich und bewunderte im Übrigen die Fortschritte ihrer
+geschickten Nadel. Ich fühlte mich ausgeschlossen und ärgerte mich, daß ich
+an ihrer Gemeinsamkeit nicht teilnehmen durfte. Auch war meine Neugierde
+lebhaft erwacht. Diese Neugierde eines Mädchens ist ein Dämon, der sein
+Opfer auf das heftigste quält und sich durch nichts beruhigen läßt.
+
+Eines Tages, als ich allein im Hause weilte -- meine Tante war mit Isabelle
+und Justine ausgegangen --, schlüpfte ich unbemerkt in deren Gemach, um
+zusehen, ob ich nicht entdecken konnte, was diese beiden den ganzen
+Nachmittag trieben. Ich entdeckte in dem Alkoven, in dem Justine schlief
+eine geheime Tür, die sich nur mit Mühe öffnen ließ und die in eine dunkle
+Kammer führte, die mit alten Möbeln aller Art vollgestopft war. Es führte
+nur ein schmales Gäßchen hindurch und zu einer gegenüberliegenden Tür, die
+sich auf eine schmale Treppe öffnete. Neugierig wie ich war, folgte ich
+dieser und befand mich alsbald auf einem kleinen Hof, von wo aus man in
+eine menschenleere Gasse gelangen konnte.
+
+Meine Tante glaubte natürlich, daß ihre Wohnung fest verschlossen sei. Doch
+während sie die Schlüssel in Händen hatte, war es der klugen Justine
+gelungen, ein Mittel zu finden, nach Belieben zu kommen und zu gehen.
+Neugierig wie ich war, benützte ich die Gelegenheit, um eine Lücke in der
+Wand, eine Ritze oder etwas dergleichen ausfindig zu machen, durch die ich
+Justines Zimmer und vor allem den Alkoven im Auge behalten konnte. Doch so
+sehr ich mich anstrengte, ich fand keine geeignete Öffnung. Da holte ich
+ein kleines Messer und bohrte ein Loch in die Tür, das groß genug war,
+meine Neugierde zu befriedigen. Ich war mit meiner Tat sehr zufrieden und
+zog mich in mein Zimmer zurück. Ich hatte wohl bemerkt, daß Isabelle
+zumeist nach dem Essen in Justines Zimmer verschwand.
+
+An einem der nächsten Tage, als meine Tante den Nachmittag bei einer
+Freundin verbrachte, wo sie sich in irgendeiner Angelegenheit länger
+aufhalten wollte, sagte mir Isabelle, daß sie etliche neue Stiche lernen
+wolle. Ich könne mich in der Zwischenzeit mit den Nachbarkindern
+unterhalten oder mich sonst nach meinem Gutdünken beschäftigen. Ich
+benützte die Gelegenheit und tat so, als wollte ich wirklich in der
+Nachbarschaft einen Besuch machen. Doch ich schlich mich leise in Justines
+Zimmer, als diese meiner Tante bei der Toilette half, und verbarg mich in
+der dunklen Möbelkammer. Meine Augen hielt ich auf die Öffnung gerichtet,
+die ich mit so viel Sorgfalt vorbereitet hatte. Es dauerte nicht lange, so
+kam meine Cousine herein und nahm eine Stickerei zur Hand. Ich dachte
+schon, daß ich einen höchst langweiligen Nachmittag verbringen würde, und
+bereute meine Neugierde, die mich in diese unerfreuliche Situation gebracht
+hatte. Nach einiger Zeit kam Justine, und ich hörte meine Tante noch
+fragen, wo ich wäre. Ich spürte mein Herz bis zum Hals klopfen, doch
+Isabelle antwortete ganz ruhig, daß ich hinuntergegangen sei, um mich mit
+den Nachbarkindern zu vergnügen. Die Tante fragte nicht weiter, und da sie
+ihre Tochter so nützlich beschäftigt sah, verließ sie beruhigt das Haus.
+
+Ich beobachtete durch meine Öffnung, wie die beiden sich vom Fenster aus
+überzeugten, daß meine Tante wirklich fort ging. Darauf schob Justine den
+Riegel vor, öffnete die Tür zu meiner Kammer, und während ich mich zitternd
+vor einer möglichen Entdeckung tiefer zwischen die Möbelstücke verkroch,
+vergewisserte sie sich, daß diese Kammer leer war. Sie öffnete noch den
+Riegel an der gegenüberliegenden Tür und kehrte dann beruhigt in ihr Zimmer
+zurück. Isabelle legte ihr Meisterwerk zur Seite und beschäftigte sich
+ausführlich mit ihrem Spiegelbild. Sie ordnete ihre Frisur und ließ sich
+von Justine ein Schönheitspflästerchen anlegen. Dann öffnete sie ihr
+Mieder, und Justine nahm ihre Brüste in die Hand und bewunderte deren
+Festigkeit und pralle Rundungen. Nach einer Weile tat Isabelle dasselbe mit
+Justine. Während sie noch mitten in diesen Vergnügungen waren, hörte ich
+Schritte auf der Treppe. Irgendjemand öffnete das kleine Pförtchen und
+betrat die dunkle Kammer. Wieder überkam mich die Angst vor einer
+Entdeckung, doch dieser Jemand durchquerte den Raum ganz ruhig und öffnete
+die Tür zu Justines Zimmer. Justine ließ ihn ein und schloß die Tür hinter
+ihm sorgfältig.
+
+Im hellen Tageslicht konnte ich ihn erkennen. Es war ein hübscher junger
+Mann aus der Nachbarschaft. Er hatte meiner Tante etliche Male seine
+Aufwartung gemacht. Isabelles Brüste waren noch entblößt. Courbelan -- so
+hieß der junge Mann drückte ohne viele Umstände einen Kuß darauf und
+umfaßte eine ihrer Brüste mit der rechten Hand, während die andere unter
+ihren Unterröcken verschwand. Auch Justine wurde nach einer gewissen Zeit
+auf dieselbe Weise behandelt. Das war recht vielversprechend. Wirklich, die
+Zeit würde mir in meinem Versteck nicht lang werden. Courbelan nahm
+schließlich Isabelle in die Arme und legte sie auf das Bett, wo er sie
+völlig entblößte. Ich sah ihren Leib, ihre Schenkel und sogar ihre kleine
+Spalte. Sie war noch kaum behaart, doch war der wenige Haarflaum, den sie
+dort hatte, ganz schwarz. Courbelan küßte sie und ließ einen Finger seiner
+rechten Hand in dieser hübschen rosigen Spalte verschwinden. Justine zog
+ihm die Hosen aus und enthüllte so ein langes und mächtiges Instrument,
+dessen Anblick mich erschauern ließ. Er wollte dieses prächtige Stück an
+Stelle seines Fingers verwenden, doch da hörte ich Justine sagen: »Nein,
+Courbelan, das erlaube ich Dir nicht. Wenn ich schwanger würde, verstünde
+ich mich aus der Affäre zu ziehen. Aber was, wenn mit Isabelle etwas
+dergleichen geschähe? Wie könntest Du Dir da wohl helfen? Aber Du kannst
+sie immerhin liebkosen und ihr Vergnügen bereiten. Doch ich erlaube Dir
+nicht, sie zu besitzen.«
+
+Ich verstand zum Glück jedes Wort, das gesprochen wurde. Courbelan
+gehorchte der umsichtigen Zofe widerwillig und setzte seine Fingerspiele
+fort. Er kitzelte Isabelle heftig, während sie mit ihrer bloßen Hand sein
+riesiges Instrument umfaßte, das Justine in Freiheit gesetzt hatte. Wenige
+Minuten später sah ich, wie Isabelle dieselben Bewegungen machte, die ich
+des Nachts schon an ihr beobachtet hatte, und auch ihre Seufzer klangen
+ganz ähnlich. Folgerichtig schloß ich daraus, daß sie in ihrem Bett
+wiederholte, was Courbelan mit ihr tat.
+
+Sie erhob sich bald darauf und überließ Justine ihren Platz. Diese hatte
+schon darauf gelauert wie ein Hund auf den Knochen. Sie warf sich auf das
+Bett, umfaßte die Lenden des Mannes und packte mit der einen Hand sein
+Instrument, das nichts von seiner Größe und Festigkeit verloren hatte. Es
+schien, als ob ihr Schoß es zur Gänze verschlingen wollte, so heftig kam
+sie ihm entgegen, als er schließlich in sie eindrang. Er stürzte sich über
+ihren Leib, seine Hände hielten ihre Brüste umfaßt, die er mit Leidenschaft
+küßte, und die Bewegungen seines Hinterteils ließen mich die Heftigkeit
+seiner Empfindungen ahnen. Meine Cousine schob ihre Hand von hinten
+zwischen die Schenkel von Courbelan, um ihn zu liebkosen und festzustellen,
+wie tief sein Instrument eingedrungen, war. Ich sah, wie sie sich alle
+erhitzten, bis sich Courbelan, von seinen Anstrengungen überwältigt,
+schließlich gehen ließ. Nach einem heftigen Schauer, der seinen ganzen
+Körper erschütterte, kam statt eines langen und kraftstrotzenden
+Instruments ein demütiges und kleingewordenes wieder zum Vorschein. Für
+etliche Momente blieb er erschöpft auf dem Bett ruhen. Doch der Küsse und
+Zärtlichkeiten war noch kein Ende. Diese erste Szene wurde bald von einer
+weiteren abgelöst, die mich nicht weniger erstaunte.
+
+Courbelan fühlte sich durch die Kleider, die sie immer noch anhatten,
+gehindert, und brachte sie dazu, sich auszuziehen. Es dauerte nicht lange,
+so waren alle ganz nackt, Justine war allerdings nicht ganz so hübsch wie
+Isabelle. Doch sie gewann in dieser Situation. Ihr Körper war weiß,
+ziemlich rund und drall. Der doppelte Liebhaber gab der einen wie der
+anderen seiner Liebsten unzählige Küsse. Er liebkoste ihre Hinterteile,
+ihre Brüste und auch ihre intimsten Stellen. Alles war für ihn bereit. Das,
+was ich während der nächsten halben Stunde sah, entfachte in mir ein
+leidenschaftliches Feuer. Ihre Zärtlichkeiten begannen aufs Neue und wurden
+noch heftiger. Er ließ sie sich beide auf den Bauch legen und bat sie, ihre
+Schenkel geöffnet zu halten. Ich konnte alles sehen, was Courbelan tat. Er
+bewunderte sie, küßte ihren Hintern und steckte einen Finger jeder Hand
+zwischen ihre Schenkel. Sein Instrument befand sich wieder in jenem
+schwellenden Zustand, in dem ich es zuerst gesehen hatte. Und weil Justine,
+die das Gesicht in den Kissen verborgen hielt, es nicht bemerken konnte,
+begann er vorsichtig Isabelle damit zu behandeln, bis plötzlich Justine
+wütend aufsprang, ihn an den Beinen packte und von seinem hübschen Opfer
+fortzog. Ich ärgerte mich über diesen Zwischenfall, denn ich hätte gern
+gesehen, was weiter passierte. »Nein«, rief sie, »ich sage Dir, das wird
+nicht geschehen! Ich habe Dir ein dutzend Mal meine Gründe dafür
+auseinandergesetzt. Es ist einfach notwendig, daß Du Dich daran hältst.«
+
+Ich sagte schon, daß ich durch mein mit soviel Geschick angebrachtes Loch
+alles hören und sehen konnte, was sich in dem Nachbarzimmer tat.
+
+»Komm nur, mein Lieber«, sagte Justine und faßte von neuem nach seinem
+Instrument. »Gib ihn mir. Ich kenne mich aus, und Du riskierst nicht das
+Geringste dabei.«
+
+Doch sie hatte die Rechnung ohne ihn gemacht. Sie hielt ihn immer noch
+gefaßt und versetzte ihm etliche Püffe. Da beugte er sich über sie, und
+während er die eine ihrer Brüste festhielt und sie küßte, verströmte er
+unter heftigen Zuckungen, die mir die Stärke seiner Lust verrieten, eine
+weiße Flüssigkeit, die ich noch nie zuvor gesehen hatte.
+
+Ich selbst befand mich in einem unbeschreiblichen Zustand. Überwältigt von
+Begierden, die ich bisher nicht einmal geahnt hatte, begann ich meine
+Kleine zu reiben, so wie Courbelan es bei Isabelle und Justine getan hatte.
+Diese angenehme Beschäftigung verursachte mir ein süßes Vergnügen, während
+ich mit Eifer beobachtete, was im Nachbarzimmer vorging. Die beiden Mädchen
+bewunderten einander in dem Zustand, in den Courbelan sie versetzt hatte.
+Sie hatten von Kopf bis zu den Knien nicht das geringste Stückchen Stoff am
+Leibe. Dieser Anblick versetzte auch mich in einen leidenschaftlichen
+Zustand der Begierde. Es schien, als ob ihre Lust mit meinen geheimsten
+Wünschen zusammenflösse. Alle beide küßten und liebkosten ihn, nahmen sein
+Glied in die Hand, kitzelten seine Hoden und streichelten seine Lenden. Und
+er vergalt ihnen diese Aufmerksamkeiten seinerseits durch seine Küsse und
+die Liebkosungen, die er ihren Brüsten zuteil werden ließ. Er faßte sie an
+ihren Brüsten, er saugte daran und bewunderte sie. Schließlich begann er
+ihre geheimsten Stellen zu kitzeln, und ich sah seine Finger dort Kommen
+und Gehen spielen. Sein Instrument erstand aufs Neue zu stattlicher Größe,
+und die beiden Mädchen liebkosten es um die Wette. Es erinnerte an einen
+Speer, den man einer schönen Bestie in den Leib gepflanzt hat. Ich bemerkte
+deutlich, daß Courbelan meine Cousine haben wollte, aber Justine wußte dies
+auch. Schließlich, weil er jene nicht haben konnte, warf er sich auf
+Justine, und ich glaubte, daß er sie bis zu ihren Eingeweiden durchbohrte.
+Nichts konnte ihn zurückhalten.
+
+»Laß uns unser Vergnügen vermehren, indem wir zusammen genießen«, rief er
+schließlich. Er bat Isabelle, sich mit gespreizten Schenkeln auf das Bett
+zu legen, während Justine ihre Beine dazwischen schob. Weil nichts meinen
+Blick hindern konnte, bemerkte ich genau, wie Courbelans Instrument in
+Justines Spalte verschwand. Es schien mir unbegreiflich, wie dies möglich
+war. Ich fragte mich ernsthaft, wie eine so mächtige Waffe wohl in mich
+eindringen könnte, wo ich doch nicht einmal meinen Finger dort eindringen
+zu lassen wagte, weil mir diese Versuche einen heftigen Schmerz
+verursachten.
+
+Aber das Beispiel, das ich vor Augen hatte, entfachte meinen Mut, und ich
+versuchte meinerseits mit aller Kraft, meinen Finger vordringen zu lassen.
+Ich verstand mich um so leichter dazu, als ich sah, daß Courbelans Finger
+Isabelle auf eine ähnliche Art behandelte, während sein Instrument mit
+Justine beschäftigt war. Er sagte ihr, sie habe die hübscheste kleine
+Spalte der Welt, und riet ihr, gleichzeitig ihre Klitoris zu kitzeln. Sie
+befolgte diesen Rat, während sein Finger in ihrem Örtchen Kommen und Gehen
+spielte, ganz so wie sein Glied es in Justines Grotte tat. Ich versuchte
+dieses höchst eindrucksvolle Beispiel nachzuahmen, indem ich den
+Zeigefinger meiner linken Hand mit aller Kraft vordringen ließ, während
+meine rechte mich kitzelte, so wie ich es Isabelle tun sah. Sofort spürte
+ich eine heftige Wollust. Ich wunderte mich nicht, daß Isabelle diese
+Empfindung bei ihren abendlichen Spielen zu wiederholen suchte. Es dauerte
+auch nicht lange, so befanden alle drei sich in einer leidenschaftlichen
+Aufregung. Isabelle ließ sich auf den Rücken fallen und vollführte von Zeit
+zu Zeit etliche Stöße mit ihrem Hinterteil. Courbelan, der mit Entzücken
+Zeuge ihrer Lust war, rief: »Ah, meine Liebe, es kommt Dir!«
+
+Er hatte Mühe, diese Worte hervorzubringen, denn just in diesem Moment fiel
+er selbst nahezu regungslos auf Justine. Ich hörte ihn etliche Seufzer
+ausstoßen, welche die Lebhaftigkeit seiner Empfindungen bewiesen, Justine
+selbst blieb nach etlichen heftigen Zuckungen wie ohnmächtig und aller
+Kräfte beraubt liegen, und ihre Seufzer mischten sich mit denen Courbelans.
+
+Diese Beweise einer so heftigen Lust steigerten auch meine Empfindungen zu
+einem Grad, daß ich mich erschöpft auf ein beliebiges Möbelstück sinken
+ließ, um diese Wonnen bis zur Neige zu genießen. Ah, welch ein Übermaß der
+Empfindung diese erste wollüstige Erfahrung in einem Herzen hervorzurufen
+vermag! Man ist nicht mehr, was man ist, man existiert nur noch in diesem
+Gefühl, man denkt und empfindet nichts mehr als dieses. Die Zeit, die ich
+brauchte, um mich davon zu erholen, benützten die anderen dazu, sich wieder
+anzuziehen. Danach verabschiedete sich Courbelan, indem er beide umarmte,
+dann zog er sich auf demselben Weg zurück, auf dem er gekommen war.
+Isabelle und Justine verließen das Zimmer. Ich wartete noch eine Weile,
+dann nahm ich denselben Weg, den Courbelan genommen hatte, und kehrte nach
+einer kleinen Weile so unbefangen in die Wohnung meiner Tante zurück, als
+wäre nicht das Geringste geschehen.
+
+Von diesem Augenblick an dachte und träumte ich von nichts anderem als von
+dem, was ich gesehen hatte. All ihre Worte hallten in meinen Ohren wider,
+jede ihrer Handlungen war mir unvergeßlich. Ich rief sie mir immer wieder
+in Erinnerung. Als ich mich am nächsten Abend neben Isabelle zur Ruhe
+begeben hatte, stellte ich mich, als sei ich in einen tiefen Schlaf
+gefallen. Es dauerte nicht lange, so begann sie zu seufzen. Am Abend darauf
+wiederholte sich dasselbe Spiel. Kaum glaubte meine Cousine, daß ich
+eingeschlafen sei, begann sie ihre kleinen Manipulationen. Ich war auf der
+Hut, und indem ich meinen rechten Schenkel zwischen ihre beiden schob,
+legte ich meine Hand an die Stelle, wo sich ihr Finger bewegte. Ich glitt
+darunter und fühlte alsbald ihre ganze Spalte unter meiner Hand. Ich
+umarmte sie, küßte ihre Brüste und führte meinen Finger vorwitzig in ihre
+Grotte. Dann begann ich sie zu kitzeln, wie ich es an jenem denkwürdigen
+Nachmittag gesehen hatte. Sie breitete ihre Schenkel aus und ließ mich
+machen. Es dauerte nicht lange, so hörte ich sie jene wollüstigen Seufzer
+ausstoßen. Ich bemerkte, daß sie dort unten ganz feucht geworden war. Mich
+quälte dasselbe Verlangen, das sie offensichtlich erhitzt hatte, und ich
+ergriff ihre Hand, damit auch sie in meiner Grotte zu Werke gehe.
+
+Sie zögerte, doch dann versah sie ihr Amt so gut, daß sich nach wenigen
+Augenblicken meine Seufzer mit den ihren mischten.
+
+Isabelle war nicht wenig überrascht von allem, was ich getan hatte.
+Schließlich hatte sie mich immer für ein unwissendes Kind gehalten. Sie
+hatte nicht gewagt, mir etwas von ihrem Geheimnis zu sagen, weil sie
+fürchtete, daß ich kindisch genug sein würde, meiner Mutter oder meiner
+Tante etwas davon zu sagen. »Aber Rose«, fragte sie mich immer wieder,
+»woher weißt Du bloß dies alles? In Deinem Alter habe ich nicht halb so
+viel gewußt.«
+
+»Das glaube ich Dir, meine Liebe. Ich werde es Dir verraten, wenn Du mir
+versprichst, daß Du mir nicht böse sein, sondern mich immer lieben wirst.«
+
+Ich hielt einen Augenblick inne, und Isabelle beteuerte mir unter tausend
+Zärtlichkeiten, daß sie kein Wort verraten würde, wenn ich ihr nur alles
+sagte. »Du traust mir nicht, mein Engel? Wirklich, ich verspreche Dir
+ewiges Stillschweigen. Niemals wird ein Wort von dem, was Du mir sagst,
+über meine Lippen kommen. Laß uns daher Vertrauen gegen Vertrauen setzen.«
+
+Also gestand ich ihr, wie ich sie belauscht hatte. Sie erschrak nicht
+wenig. »Ah, meine liebe Freundin, ich beschwöre Dich, bewahre dieses
+Geheimnis! Verrate mich nicht, ich wäre sonst verloren!«
+
+Ich schwor ihr bei allem, was mir heilig war, ewiges Stillschweigen, und
+wir kamen darin überein, nicht einmal Justine einzuweihen. Isabelle gab mir
+unzählige Küsse und fragte mich immer wieder, welche Wirkung das, was ich
+gesehen hatte, auf mich gehabt habe? Ich erzählte ihr bereitwillig alles.
+»Aber sag mir doch, Isabelle«, bat ich sie schließlich, »durch welchen
+Zufall hast Du denn diese Geschichte zwischen Courbelan und Justine
+entdeckt?«
+
+»Das will ich Dir sagen«, versprach sie eifrig. »Glaube mir, es gibt
+nichts, was ich Dir verbergen möchte, so sehr baue ich auf Dein
+Versprechen. Also höre zu! Ungefähr fünf Wochen vor Deiner Ankunft war ich
+mit meiner Mutter ausgegangen. Doch waren wir noch nicht weit vom Haus
+entfernt, da entdeckte sie, daß sie etwas vergessen hatte, und sie bat
+mich, es zu holen. Ich kehrte also ins Haus zurück. Nachdem ich gefunden
+hatte, was ich suchte, ging ich aus irgendeinem Grund in Justines Zimmer.
+Die Tür war unverschlossen, vermutlich hatte sie an keine Störung gedacht.
+Ich öffnete sie, und Du kannst mir glauben, nie zuvor in meinem Leben bin
+ich so überrascht gewesen. Ich blieb wie angewurzelt stehen und konnte es
+gar nicht fassen, Courbelan auf ihr zu finden. Er erschrak mindestens
+ebenso und verließ sie sogleich, während er sich beeilte, sein Werkzeug vor
+mir zu verstecken und ihre Unterröcke in Ordnung zu bringen. Sie hatte
+Glück gehabt, daß nicht meine Mutter an meiner Stelle war. Ich wollte mich
+augenblicklich zurückziehen, doch Justine hielt mich fest. Sie fürchtete
+wohl, daß ich meiner Mutter etwas von dem sagen würde, was ich gesehen
+hatte. Sie zog mich auf ihren Schoß und beschwor mich, nichts zu sagen. Ich
+versprach ihr alles, was sie nur wollte, während sie mich an sich drückte
+und meine Hände küßte. Ich muß Dir gestehen, liebste Rose, daß mir dieses
+Abenteuer einigen Stoff zum Nachdenken gab. Einige Tage darauf nahm mich
+Justine in ihre Kammer mit unter dem Vorwand, daß sie mir einige neue
+Stickstiche beibringen würde. Doch sie unterrichtete mich über ungleich
+amüsantere Dinge und brachte mir Sachen bei, die mir ganz neu waren. Sie
+entblößte meinen Busen und nahm meine Brüste in ihre Hände. So malte sie
+mir die Vergnügungen der Wollust in den lebhaftesten Farben aus. Meine
+Aufmerksamkeit war gefesselt. Schließlich, nachdem sie mich durch ihre
+Gespräche heftig erregt hatte und meine Neugierde genügend entflammt war,
+fühlte ich ein heftiges Feuer in meinen Adern brennen. Die Fragen, die ich
+stellte, verrieten Justine, daß der Augenblick günstig war. Sie nahm mich
+in die Arme, hob mich auf und legte mich auf ihr Bett. Dort entblößte sie
+mich, und ich verteidigte mich nur schwach. Sie liebkoste mich und
+versicherte mir, wie glücklich ein junger und liebenswürdiger Kavalier sein
+würde, an ihrer Stelle diese lieblichen Reize zu sehen und zu berühren, die
+ich mein eigen nenne. Wie seine Maschine anschwellen und er vor Lust
+ersterben würde! Ihre Schmeicheleien und die lebhaften Farben, in denen sie
+diese Bilder vor mir ausbreitete, brachten mich dahin, sie alles tun zu
+lassen, was sie wollte. Sie legte ihre Fingerspitzen zwischen meine
+Schamlippen und kitzelte und liebkoste mich aus Leibeskräften. Es dauerte
+nicht lange, und ich empfand das Vergnügen, das sie mir so lebhaft
+ausgemalt hatte. Doch sie versicherte mir unentwegt, daß ich mit einem
+hübschen jungen Mann noch viel mehr Wollust haben würde. Von da an
+wiederholte sie dieses Spiel des öfteren, und eines Tages führte sie ihren
+Finger sogar in meine Spalte ein. Ich empfand einen gewissen Schmerz dabei,
+aber das war nicht weiter schlimm. Ich bemühte mich nach Kräften, ihr das
+Vergnügen, das sie mir bereitete, zurückzugeben. Acht oder zehn Tage vor
+Deiner Ankunft geschah dann etwas Besonderes. Meine Mutter war allein
+ausgegangen und hatte uns, ohne es zu wissen, unseren Spielen überlassen.
+Justine erfand irgendeinen Vorwand, und bald waren wir beide splitternackt.
+Courbelan, der sich hinter einem Vorhang versteckt hielt, wurde so zum
+Zeugen all unserer Torheiten. Das war zwischen den beiden abgesprochen
+worden, ohne daß ich etwas davon wußte. Sie lachte herzlich über diese
+List. Ich wunderte mich über ihr Gelächter und wollte den Grund wissen.
+Schließlich gestand sie mir, daß uns Courbelan die ganze Zeit beobachtete.
+Er kam nackt wie wir selbst hinter einem Vorhang hervor, mit einem ragenden
+Speer bewaffnet, dessen Länge und Umfang mich nicht wenig erschreckte. Ich
+zitterte vor Scham und Furcht und wollte mich selbst verstecken. Doch die
+beiden hielten mich zurück, und Courbelan nahm mich in seine Arme und
+liebkoste mich mit seinen Händen und Lippen überall, wo er mich nur
+erreichen konnte. Er nahm sich alle Freiheiten, und Justine half ihm noch
+dabei. Schließlich wich meine Scheu dem Verlangen. Er drückte mir seine
+Rute in die Hand, und ich zögerte nicht, sie zu packen. Das Feuer seiner
+Küsse und seiner Berührungen, sowie das Beispiel Justines, die ihn ohne
+alle Bedenken liebkoste, ließ all meine Glieder vor Vergnügen zittern. Ich
+befand mich in einer Situation, in der ich nichts verweigern konnte. Die
+Empfindungen, die er mir verursachte, waren viel stärker als jene, die
+Justine mir bereitet hatte. Ich wünschte brennend, daß er mit ihr dasselbe
+täte. Doch er ging viel weiter, indem er sie auf das Bett legte. Während er
+mich mit einer Hand festhielt, gab er mir Gelegenheit zu sehen, wie er in
+ihr verschwand.
+
+Die Heftigkeit ihrer Bewegungen ließ mich die Intensität ihrer Gefühle
+ahnen. Heute war es das sechste Mal, daß ich mit den beiden auf diese Weise
+zusammen war. Ich habe mich sehr auf Deine Ankunft gefreut, meine Liebe,
+weil ich gehofft habe, dadurch mehr Freiheiten zu, bekommen. Denn ich habe
+ein unaussprechliches Verlangen danach, daß Courbelan mit mir dasselbe
+mache wie mit Justine. Ich habe natürlich Angst, daß ich dadurch ein Kind
+bekommen könnte, und auch seine Größe macht mir Bedenken. Aber nachdem sie
+ihn mit so großer Begeisterung aufnimmt, kann ich mir vorstellen, daß diese
+Furcht unsinnig ist und der Schmerz, den man dabei empfindet, bei weitem
+durch die Lust aufgewogen wird, von der Courbelan mir erzählt hat. Justine
+widersetzt sich meinem Verlangen immer, doch ihre verschiedenen Gründe
+scheinen mir recht fadenscheinig.
+
+Ich habe sie bedrängt, mir diesen meinen Herzenswunsch zu erfüllen. Ich
+habe ihre Gründe mit all den Einfällen bekämpft, die mir gerade in den Kopf
+kamen, und sie hat mir schließlich versprochen, daß sie meinen Wünschen
+folgen würde. Aber bis heute hat sie ihr Wort nicht gehalten.«
+
+Wenige Tage danach wurden wir von Justines Verwandten zu einer Hochzeit
+eingeladen. Diese Einladungen sind in kleinen Provinzstädten üblich.
+Isabelle meinte lachend, das sei endlich eine günstige Gelegenheit, sie zu
+täuschen. Ich wußte natürlich, was ihre Phantasie so lebhaft beschäftigte,
+und ich beschloß, ihr zu helfen. Ohne Zweifel würde Courbelan zum Tanz
+kommen, denn das taten die jungen Leute bei solchen Anlässen immer, auch
+wenn sie nicht eingeladen waren. Die Hoffnung, Justine und Isabelle zu
+treffen, würde ihn sicher dorthin führen. Ich würde zunächst allein
+erscheinen und sagen, daß Isabelle mit ihrer Mutter unterwegs sei und
+später nachkommen würde. Ohne Zweifel würde ich ihn sehen und Gelegenheit
+haben ihm zu sagen, daß Isabelle ihn zu sprechen wünsche und in Justines
+Zimmer warte. »Nein, nein, das ist unmöglich«, sagte sie errötend. Aber ich
+drängte sie und erstickte ihren Widerspruch in meinen Zärtlichkeiten.
+
+Es war ganz leicht, ihr Verlangen zu wecken, und schließlich stimmte sie
+dem zu, was ich ihr vorgeschlagen hatte. Ich hatte mich noch nicht völlig
+angezogen, als meine Tante das Haus verließ. Kaum war ich bei Justines
+Verwandten angekommen, traf ich auch schon Courbelan. Ich zog ihn beiseite
+und sagte ihm ganz ruhig, was ich mir vorgenommen hatte. Er verschwand
+augenblicklich. Ich bedauerte nur, nicht auf meinem Wachposten zu sein.
+Doch ohne Zweifel würde Isabelle mir nachher alles sagen. Also nahm ich
+ohne Bedenken an dem festlichen Treiben teil, nachdem ich bei dem Fest
+meiner lieben Cousine schon nicht anwesend sein konnte.
+
+Justine fragte mich, kaum daß ich den festlich geschmückten Raum betreten
+hatte, warum Isabelle nicht mit mir gekommen sei. Ich sagte
+vereinbarungsgemäß, daß sie mit ihrer Tante gegangen sei, doch daß wir uns
+hier verabredet hätten. Sie nahm meine Ausrede als die natürlichste Sache
+der Welt. Doch als sie sah, daß auch Courbelan nach kurzer Zeit verschwand
+und meine Cousine immer noch nicht kam, schöpfte sie Verdacht. Ohne sich
+mir näher zu erklären, konnte sie sich nicht enthalten, zu bemerken, daß
+das Verschwinden des einen und das Ausbleiben der andern doch recht
+eigenartig sei. Ihre Unruhe nahm zu, doch nicht lange danach tauchte
+Courbelan wieder auf und bald darauf auch meine Cousine. Justine verschwand
+an ihrer Stelle, und ich erzählte Isabelle von dem Verdacht, den ihre
+Gouvernante geschöpft hatte. Sie vermutete gleich, daß jene in die Wohnung
+zurückgekehrt sei, und das beunruhigte sie nicht wenig. Doch Justine kam
+wieder, und diesmal blieb sie. Doch hatte sie gewisse Nachforschungen
+angestellt und erfahren, was sie wissen wollte. Kaum waren wir wieder zu
+Hause, zogen Isabelle und ich uns in unser Zimmer zurück, indem wir
+Müdigkeit vorschützten. In Wirklichkeit wollte ich die erstbeste
+Gelegenheit benützen, um mit ihr allein zu sein und alles zu erfahren, was
+ich wissen wollte. Ich sagte, daß ich vom Tanz erschöpft sei, und Isabelle
+sagte dasselbe, obwohl sie gar nicht getanzt hatte. Sie hatte immer einen
+Vorwand gefunden, um die Aufforderungen, die an sie ergingen,
+auszuschlagen. Wir legten uns also zu Bett. Ich schloß sie in meine Arme,
+und ich wollte meine Hand dorthin legen, wo sie unzweifelhaft jenes riesige
+Instrument empfangen hatte. Aber sie stieß meine Hand zurück und sagte, sie
+habe heftige Schmerzen.
+
+»Ah«, seufzte sie, »meine geliebte Rose, wie wenig hat meine Neugierde mich
+zufrieden gestellt. Courbelan kam, wie er dies immer zu tun pflegte. Ich
+öffnete ihm. Er flog in meine Arme und trug mich auf das Bett. Seine Hände
+liebkosten mich, wie sie es schon oft getan hatten. Ich leistete ihm keinen
+Widerstand, doch dann hat er mich mit seinem riesigen Instrument
+durchbohrt, wie ich es erwartet habe. Aber welchen Schmerz hat mir dies
+verursacht! Ach, dieses riesige Werkzeug hat mich förmlich zerrissen. Ich
+wagte nicht zu schreien und brach in Tränen aus. Er versuchte mich zu
+trösten, indem er mich umarmte und mir versicherte, daß ich Sekunden später
+nur noch Lust empfinden würde. Er täuschte mich. Als er es wieder
+versuchte, war mein Schmerz genau so heftig. Er tat es ein drittes Mal, und
+ich sträubte mich dagegen. Aber er erstickte meinen Widerstand. Auch tat er
+es diesmal mit sehr viel Vorsicht und Zartheit, daß ich glaubte, diesmal
+keinen so heftigen Schmerz zu empfinden. Doch es war beinahe dasselbe wie
+zuvor. Diese furchtbaren Schmerzen mischten sich mit meiner Angst, ein Kind
+zu bekommen. Du weißt ja, wie Justine mir diesen Gedanken eingeimpft hat.
+Courbelan hat ein so heftiges Brennen an jenem gewissen Örtchen verursacht,
+daß ich es nicht einmal zu berühren wagte. Ich habe deshalb auch nicht
+tanzen können.«
+
+Es fiel mir nicht schwer, Isabelles Mißgeschick zu erklären. »Ohne Zweifel
+bist Du enger gebaut als Justine, die etliche Jahre älter ist«, warf ich
+ein.
+
+»Das sagte Courbelan auch. Er meinte, mit der Zeit und durch eine gewisse
+Übung würde ich schon weiter werden. Aber in der Zwischenzeit werde ich es
+nicht mehr dulden.«
+
+Es blieb uns also nichts anderes übrig, als uns für den Rest des Abends
+ruhig zu verhalten, und so schliefen wir schließlich ein.
+
+Am nächsten Tag rief Justine Isabelle in ihr Zimmer und eröffnete ihr, daß
+sie Courbelans unerwünschten Besuch bemerkt habe. Er habe vergessen, die
+Pforte ordnungsgemäß zu schließen, auch habe sie bemerkt, daß ihr Bett in
+Unordnung geraten sei. Sie sagte Isabelle auf den Kopf zu, daß sie, anstatt
+mit ihrer Mutter fortzugehen, im Haus geblieben sei und die Wohnung erst
+zwei Stunden später verlassen habe. Sie verlangte von ihr ein offenes
+Geständnis und versicherte ihr, daß sie sich auch ohne dieses jederzeit
+davon überzeugen könne, was in der fraglichen Zeit geschehen sei.
+
+Isabelle versuchte sich zu verteidigen, doch die Spuren dessen, was
+geschehen war, waren so offensichtlich, daß sie schließlich die halbe
+Wahrheit gestand, ja, Courbelan sei gekommen, und er habe ihr dieselben
+Aufmerksamkeiten wie früher erwiesen, Justine versicherte ihr, daß sie dies
+nicht glaube. Sie sei überzeugt, daß Courbelan sie genommen habe, umso
+mehr, als alle Anzeichen dafür sprächen. Meine Cousine leugnete, aber
+dieses Mädchen gab sich damit nicht zufrieden. Sie war viel stärker als
+Isabelle. Ohne weiteres hob sie sie in ihren Armen auf und legte sie auf
+das Bett. Isabelle vermochte keinen Widerstand zu leisten, und weil sie
+fürchtete, daß ihr neue Schmerzen bevorstünden, gestand sie schließlich
+alles, was ihre Gouvernante wissen wollte. Justine, die die Folgen dieses
+Abenteuers fürchtete, war wütend auf Courbelan, und sie brachte es fertig,
+seinen künftigen Besuchen so viele Hindernisse in den Weg zu legen, daß es
+meiner Cousine beinahe unmöglich wurde, ihn zu sehen.
+
+Justine benutzte künftig alle Möglichkeiten, die ihr zu Gebote standen, um
+eine weitere Verbindung zwischen Courbelan und Isabelle zu verhindern.
+Courbelan zerstritt sich deshalb mit ihr und zog wenig später in eine
+andere Stadt. Wahrscheinlich hat er inzwischen sowohl Isabelle als auch
+Justine vergessen. Diese verließ übrigens meine Tante bald danach.
+Möglicherweise ist sie ihm nachgereist, um ihn wieder für sich zu gewinnen.
+
+Während der ersten Zeit vermochte Isabelle ihren Ärger darüber, daß sie ihn
+nicht sehen konnte, nicht zu verbergen. Ich litt unter ihren Launen, aber
+ich verstand und tröstete sie, so gut mir das möglich war. Schließlich
+gelang es mir, die Erinnerung an diesen liebenswürdigen jungen Mann in ihr
+verblassen zu lassen. Ich liebte meine Cousine herzlich, umso mehr, als
+auch sie eine leidenschaftliche Zuneigung für mich hegte und diese nicht
+wenig dazu beitrug, daß sie ihren Kummer schließlich vergaß.
+
+Wir blieben noch vier Monate zusammen, und während dieser Zeit lehrte sie
+mich alles, was sie von Courbelan und Justine erfahren hatte.
+
+Ich entnahm daraus unschwer, daß Courbelan vom ersten Augenblick an seine
+Augen auf Isabelle geworfen hatte. Unter dem Vorwand, daß Isabelle ein
+Geheimnis, an dem sie beteiligt war, am besten bewahren würde, hatte er
+Justine überredet, sie an ihren Spielen teilnehmen zu lassen. Wäre Justines
+Eifersucht nicht ein so ernsthaftes Hindernis gewesen, er hätte von
+Isabelle ohne Zweifel früher Besitz ergriffen.
+
+Die Zeit, die ich bei meiner Tante verbrachte, ging zu Ende. Meine Mutter
+rief mich zu sich zurück. Wir mußten uns trennen und taten es nicht ohne
+Bedauern. Meine Tante war ganz gerührt über meine Tränen und versprach mir,
+daß sie alles tun würde, um mich bald wieder bei sich zu haben.
+
+Auch ich bedauerte meine Abreise sehr. Ach, nach all der Freizügigkeit, die
+ich im Hause meiner Tante genossen hatte, bedrückte mich die Langeweile bei
+meiner frömmlerischen Mutter, die keinen Menschen bei sich sehen wollte,
+umso mehr.
+
+Doch es wurde nicht ganz so schlimm, wie erwartet. Denn ich vermochte im
+Haus meiner Mutter Nutzen aus allem zu ziehen, was mich der Zufall und
+Isabelle gelehrt hatten. Ich bereitete mir tagtäglich die wollüstigsten
+Sensationen, so wie Isabelle dies getan hatte, ja, ich verdoppelte meine
+Lust noch durch die reizvollen Bilder meiner Einbildungskraft. Ich dachte
+nur an Männer. Meine Gedanken und Begierden waren nur mit ihnen
+beschäftigt. Wenn ich sie sah, heftete ich meine Augen auf jene Gegend, wo
+ich das Idol ruhen wußte, das meine Phantasie so sehr entflammte. Ah,
+welches Feuer verbreitete sich in meinem Körper, wenn ich nur daran dachte!
+
+Und just, als ich mich in dieser Verfassung befand, kehrte Vernol von
+seiner Schule zurück. Wie schön erschien er mir! Ich war fasziniert von
+ihm. Bis dahin war mir sein Charme entgangen. Zwar hatten wir von unserer
+frühesten Kindheit an eine lebhafte Freundschaft füreinander empfunden.
+Doch nun änderte sich unsere Situation. Er schien alle meine Begierden auf
+sich zu ziehen. Ein leidenschaftliches Feuer belebte meine Sinne, wenn ich
+ihn nur ansah. All meine Gedanken kreisten um ihn. Ich wünschte mir
+leidenschaftlich, an ihm jene Region aus der Nähe besichtigen zu dürfen,
+die zu sehen mir bei Courbelan vergönnt gewesen war. Ich wußte natürlich,
+daß ich zu jung war, die Begierden eines Mannes zu erwecken. Die Leiden,
+die Isabelle ertragen hatte, erschreckten mich. Und im Übrigen kannte ich
+niemanden, der seine Augen auf mich geworfen hätte. So ist es kein Wunder,
+daß Vernol, mit dem mich eine innige Freundschaft verband, schließlich das
+Ziel all meiner Wünsche wurde. Sein Zimmer war neben dem meiner Mutter, wo
+ich schlief. Wenn diese fromme Seele zur Kirche gegangen war, wo sie jeden
+Morgen zwei oder drei Stunden verbrachte, schloß ich die Tür hinter ihr ab.
+
+Sie glaubte, wir schliefen, und ließ uns in Frieden. Doch angestachelt von
+meinen Begierden, eilte ich im Nachthemd, so wie ich war, in das Zimmer
+meines Bruders und trieb mit ihm tausend Mutwilligkeiten, während er im
+Bett lag. Ich neckte ihn, ich umarmte und küßte ihn und versetzte ihm
+leichte Schläge auf seinen festen Hintern. Er hielt wacker mit, zog mich
+auf sein Bett, küßte mich und bearbeitete mein Hinterteil mit der Hand,
+indem er mir die Schläge heimzahlte, die er von mir bekommen hatte. Dieses
+Spiel wiederholten wir jeden Morgen. Als er mich wieder einmal auf sein
+Bett warf, verschob sich mein Hemd, und ich strampelte mit meinen Beinen in
+der Luft. Er konnte geradewegs in meine kleine Grotte sehen. Da spreizte er
+meine Schenkel und legte seine Hand dazwischen. Er konnte gar nicht genug
+bekommen, mich zu betrachten und zu berühren. Ich ließ es ihn tun. »Ah,
+Rose«, sagte er, »wie verschieden wir beide doch sind«.
+
+»Wie das?« fragte ich scheinheilig. »Was meinst Du damit, daß wir
+verschieden sind?« Ich machte meine unschuldigste Miene, während ich ihn
+dies fragte.
+
+»Nun, sieh selbst«, sagte er ganz unbefangen und hob sein Hemd, so daß ich
+sein kleines Werkzeug sehen konnte, das augenblicklich groß und stark
+wurde. Ich hatte es niemals zuvor gesehen.
+
+Scheinbar ganz harmlos, nahm ich die kleine Lanze in die Hände und
+betrachtete sie von allen Seiten. Ich liebkoste sie, zog ihre Spitze ein
+wenig aus ihrer Umgebung hervor und hatte schließlich die Genugtuung, ihn
+in eine heftige Erregung geraten zu sehen.
+
+Schließlich wurde er ungeduldig, mit mir dergleichen zu tun, und bat mich:
+»Rose, laß mich Dich noch einmal anschauen.«
+
+Ich tat ihm den Gefallen und legte mich wieder hin. Er zog meine Beine in
+die Höhe und spreizte sie. Mit großer Aufmerksamkeit betrachtete und
+berührte er alle Teile meiner Liebesgrotte. Aber er wußte nicht, wie er sie
+behandeln sollte. Er kniete über mich gebeugt auf dem Bett. Ich schob meine
+Hand zwischen seinen Schenkeln hindurch, um sein hübsches Kleinod aufs Neue
+zu liebkosen. Es belustigte mich, den roten Kopf desselben auftauchen und
+wieder verschwinden, zu sehen. Das Vergnügen, das ich ihm bereitete,
+verdoppelte das meine. Ich ruhte nicht eher, als bis ich mich seiner ganz
+bemächtigt hatte. Ich küßte ihn, ich verschlang ihn beinahe, ich liebkoste
+seinen ganzen Körper. Das Auf und Ab, das meine Hände an seinem reizvollen
+Spielzeug vollführten, zeitigte schließlich den gewünschten Erfolg. Es
+versprühte dieselbe weiß schäumende Flüssigkeit, die Courbelan in Justines
+Hände versprüht hatte.
+
+Diese Situation, die für ihn ganz neu war, sein Erstaunen und seine
+unzweifelhafte Lust waren für mich ein köstliches Schauspiel. Seine Hand
+glitt zwischen meine Schenkel und ruhte dort ohne alle Bewegung. Ich legte
+mich wieder auf das Bett und erteilte ihm eine Lektion, die ihm völlig neu
+war. Alles erschien ihm außergewöhnlich und wundervoll. Ich führte ihn von
+einem Erstaunen zum nächsten. Ich nahm sein Instrument, ich küßte es, ich
+saugte daran und ließ es zur Gänze in meinem Mund verschwinden.
+Augenblicklich kam es wieder in jenen liebenswürdigen Zustand, in dem es
+zuvor gewesen war.
+
+Bis jetzt hatte ich nicht gewagt ihm zu zeigen, was ich wirklich wünschte.
+Aber schließlich beraubte ich ihn im Übermaß der Erregung seines Hemdes und
+entledigte mich auch des meinen. Nichts verbarg mir die Reize, die die
+Natur ihm verliehen hatte, ich liebkoste sie alle, und er vergalt mir meine
+Zärtlichkeiten auf dieselbe Weise. Sein reizendes kleines Werkzeug war
+wieder ganz steif. Schließlich warf ich mich, von Begierde überwältigt, auf
+ihn und drängte es selbst in meinen Leib. Ah, wie gut mir das tat! Ich war
+natürlich noch eng, aber er war nicht groß. Wir stießen einander aus
+Leibeskräften. Schließlich ließ ich mich völlig auf ihn sinken und spürte,
+wie er ganz in mich eindrang. Augenblicklich erfüllte mich eine
+leidenschaftliche Befriedigung. Auf diese Weise verloren wir beide zugleich
+unsere Jungfernschaft. Ah, welche Wollust erfüllte uns dabei! Vernol wußte
+nicht, wie ihm geschah. Wir genossen diese reine Seligkeit bis zum Exzeß.
+
+Die Ekstase überkam ihn. Seine Arme, die mich umklammert hielten, sanken
+herab. Ich verhielt meine Bewegungen und ließ mich auf ihn sinken. Ach, er
+ahnte wohl, daß ich in diesem Augenblick dasselbe wie er empfand.
+
+Eng umschlungen versanken wir in jene wohltätige Ermattung, die fast so
+wollüstig wie die Wollust selbst ist. Doch da ich viel früher zu mir selbst
+zurückfand als er, sah ich mich gezwungen, ihn dazu zu bringen, daß seine
+Hand sich noch einmal auf eine höchst erfreuliche Weise mit mir
+beschäftigte.
+
+Wir unterzogen uns in der Folge jeden Tag diesen angenehmen Übungen.
+Entweder kam ich in sein Bett oder er in meines. Wenn wir es ohne Gefahr
+der Entdeckung tun konnten, vereinten wir uns sogar im Laufe des Tages.
+Während der Nacht konnten wir nicht zusammenkommen, aber meine Träume waren
+ganz und gar von wollüstigen Bildern erfüllt, und ich opferte die
+Vergnügungen, die ich mir verschaffte, seinem Gedenken. Er tat in seinem
+Zimmer desgleichen, und am Morgen fanden wir uns zusammen, um unsere
+nächtlichen Phantasien Wirklichkeit werden zu lassen. Natürlich wollte er
+wissen, aus welchen Quellen mein Wissen stammte. Doch ich wagte ihm dies
+nicht einzugestehen, und so verloren sich meine intimen Geständnisse in
+Allgemeinheiten. Erst als ich seiner Diskretion völlig sicher sein konnte,
+erzählte ich ihm alles. Doch ach, inmitten unserer Vergnügungen mußten wir
+uns trennen. Es galt Abschied zu nehmen, weil Vernol an seine Schule
+zurückkehren mußte. Mein Schmerz war unendlich, ich kann ihn auch nicht
+beschreiben. Ach, wie lang ist mir die Zeit ohne ihn geworden!
+
+Doch nun ist er endlich zurückgekehrt.«
+
+
+
+
+6. Kapitel
+
+
+Nachdem Rose ihre Geschichte, die mich, soweit sie Vernol betraf sehr
+berührte, beendet hatte, ergriff ich das Wort.
+
+»Du weißt nicht, mein teurer Vater«, sagte ich, »was Rose mir noch erzählt
+hat. Sie hat nicht gewagt, Dir dies zu eröffnen. »Liebste Laura«, sagte sie
+mir, »ich weiß, daß Vernol eine heftige Leidenschaft für Dich ergriffen
+hat. Er selbst hat es mir gestanden. Trotzdem bin ich nicht im Geringsten
+eifersüchtig, denn ich liebe Dich aufrichtig. Du bist schön, er ist
+liebenswürdig, ich werde mich freuen, Dich in seinen Armen zu sehen, ja,
+meine Liebe, ich werde euch selbst zusammenführen, und mein Glück wird
+seine Seligkeit sein!« Ist sie nicht närrisch, die gute Rose?
+
+Natürlich stellten wir mit Leichtigkeit fest, daß Rose das Vergnügen
+leidenschaftlich liebte. Wir sagten ihr das, und sie gab es zu. Die
+wollüstigen Bilder, die sie vor unseren Augen hatte erstehen lassen, hatten
+ihr Temperament enthüllt. Sie hatten aber auch ihre Wirkung auf uns nicht
+verfehlt. Mein Vater gab einen überzeugenden Beweis davon. Sie bemächtigte
+sich seiner Lanze, und um uns die Macht der Verführung ganz zu beweisen,
+wies sie diesem liebenswürdigen Objekt selbst den Weg. Sie ruhte nicht
+eher, als bis sich die Seufzer unserer Lust vermischten. Sie erreichte
+dieses reizvolle Ziel als erste, und während sie meinen Vater festhielt,
+rief sie: »Bezeuge mir dasselbe Vertrauen, das ich euch entgegenbrachte.
+Was wir drei hier getan haben, hat mir die Augen geöffnet und mir die
+Freiheit gegeben, euch alles zu schildern, was ich mit Vernol getan habe.«
+
+Mein Vater stimmte zu.
+
+»Schön, meine Liebe. Rose, Du wirst eine neue Rolle spielen, damit ich Dich
+prüfen kann«, sagte er und stand auf, um den Godmiche zu holen. Er
+befestigte ihn an Roses Gürtel, und sie war von diesem nützlichen
+Instrument, das sie noch nicht kannte, begeistert. Er ließ mich auf ihr
+liegen und führte das Instrument in mein Inneres. Dann befahl er ihr, mich
+wie einen Mann zu behandeln, mich aber gleichzeitig zu kitzeln. Als ich
+meinen Gipfelpunkt nahen fühlte, riet er ihr, kräftiger zu stoßen.
+Währenddessen beugte er sich über mich und stieß seinerseits seine Rute in
+meinen Hintern. Rose hielt sich vortrefflich. Ich hielt ihre Brüste
+umklammert, sie liebkoste die meinen, unsere Zungen vermählten sich, ich
+fühlte mich sterben. In dem Augenblick, in dem ich nahe daran war, mein
+Bewußtsein zu verlieren, entlud sie den Godmiche. Meine Grotte war im Nu
+überflutet, und zur gleichen Zeit fühlte ich, wie mein Geliebter sich tief
+in meinem Innern verströmte. Seine Zuckungen mischten sich mit meiner
+Wollust, an der Rose durch die Reibung des Godmiche an ihrer Klitoris
+ihrerseits teilnahm. Schließlich sank ich, in Wonne ersterbend, auf sie.
+Mein Vater erhob sich, und schließlich, als es schon gegen Mittag ging und
+wir uns etwas erholt hatten, standen wir auf.
+
+Bis jetzt habe ich Dir noch nicht erklärt, was ein Godmiche ist. Höre also!
+Es handelt sich um eine Nachbildung des männlichen Gliedes. Der einzige
+Unterschied besteht in den Einkerbungen an seiner Spitze, die dazu dienen,
+die Empfindungen lebhafter werden zu lassen. Es ist aus Silber, doch mit
+einer Art Lack in den natürlichen Farben überzogen und blank poliert, dazu
+fest und leicht. In der Mitte hat es einen Hohlraum, in den man eine
+Flüssigkeit einfüllen kann. Diese wird durch eine Art von Düse
+ausgespritzt, um die Aktion des natürlichen Gliedes zu imitieren. Man kann
+dieses famose Instrument am Gürtel befestigen, und dann ist es selbst einer
+Frau möglich, als Mann zu agieren.
+
+Rose war begeistert von diesem Instrument. Ich füllte es vor ihren Augen
+mit lauwarmer Milch und zeigte ihr dann, wie man es zum Spritzen bringen
+konnte. Im Übrigen verwendet man häufig auch lauwarmes Wasser, das mit
+Fischleim vermischt wird. Diese Mischung ist nämlich dem männlichen Samen
+am ähnlichsten.
+
+Als ich Rose alles gezeigt hatte, streifte sie augenblicklich ihr Hemd
+zurück und bestand darauf, sich dieses reizvollen Instruments zu bedienen.
+Ich begann herzlich zu lachen, als ich sie in dieser Situation sah. Mein
+Vater, der inzwischen hinausgegangen war, kam wieder und wollte sehen, was
+es gäbe. Auch er begann zu lachen und sagte zu Rose: »Laß es für jetzt
+damit genug sein, meine Liebe. Wir haben für den Augenblick etwas Besseres
+vor!«
+
+Doch sie fuhr fort mit ihrem närrischen Betragen, und so führte er mich
+schließlich aus dem Zimmer. »Meine liebe Laura«, sagte er zu mir, »Rose
+wird ohne Zweifel eines Tages das Opfer ihrer Begierden und ihres
+Temperaments werden. Nichts kann sie zurückhalten. Sie überläßt sich ihrem
+Verlangen mit einer Glut, die kein Maß kennt. Sei versichert, sie wird für
+ihre Unklugheit bitter bezahlen, und vielleicht auch der arme Vernol, der
+durch sie solchen übertriebenen Exzessen unterworfen wird. Doch ich werde
+sie für meine Zwecke benützen.«
+
+Er kehrte zu Rose zurück, und ich hörte ihn sagen:
+
+»Meine Liebe, was Du uns da über Deinen Bruder gesagt hast, beweist Deine
+Freundschaft für ihn wie für Laura. Aber kann man auch auf euer beider
+Diskretion rechnen? Diese ist absolut notwendig, wenn aus einer
+erfreulichen Freundschaft nicht großes Unheil entstehen soll.«
+
+»Ich habe euch nicht getäuscht«, versicherte Rose, »und alles, was ich euch
+gesagt habe, ist nur die Frucht meines Vertrauens, nicht einer sträflichen
+Indiskretion. Ach, ich ahne wohl, daß Sie für mich dasselbe sein könnten
+wie Laurette für Vernol. Er hat mir gestanden, daß er in Laura vernarrt
+ist, und ich hoffe sehr, daß ich selbst Ihnen nicht völlig gleichgültig
+bin. Wäre es möglich, daß Sie uns etwas verweigern könnten, was für uns
+alle eine Quelle der Lust sein wird? Ah, wie werde ich vor Freude springen,
+wenn Sie sich uns nicht widersetzen, und wenn auch Laurette, wie ich dies
+hoffe, zustimmt.«
+
+»Ich gebe meine Zustimmung«, sagte mein Vater, »doch sage Vernol noch
+nichts von unserer Übereinkunft. Es erschiene mir schädlich, ihn jetzt
+schon einzuweihen. Sag ihm nur, daß er sich bereithalten soll.«
+
+»Ah, das verspreche ich für mich selbst wie auch für ihn«, versicherte Rose
+eifrig.
+
+»Ich muß euch noch etwas Wichtiges sagen, Dir und ihm«, fuhr mein Vater
+fort, »Laura ist nur in der Öffentlichkeit meine Tochter, nicht aber dem
+Blut nach. Doch siehst Du wohl, sie ist mir deshalb nicht weniger lieb. Im
+Übrigen soll kein Mensch in dieses Geheimnis eingeweiht werden außer euch
+beiden. Sag Deiner Mutter, daß wir Vernol und Dich gern auf eine Landpartie
+mitnehmen würden, und bitte sie um ihre Einwilligung. Aber ihr müßt über
+alles, was geschehen wird, Stillschweigen bewahren.«
+
+Keines von all diesen Worten war mir entgangen. Rose erreichte natürlich
+mit Leichtigkeit, daß sie und Vernol sich uns anderntags anschließen
+konnten. Ich selbst verbrachte den Rest des Tages in größter Aufregung bei
+einer Bekannten, während mein Vater jene Vorbereitungen traf, die ihm
+notwendig erschienen.
+
+Am anderen Nachmittag fanden wir einen geschlossenen Wagen vor unserem
+Haus. Er führte uns zu einem sehr hübschen Landsitz, der in einiger
+Entfernung von der Stadt gelegen war. Das Haus war mir bis dahin unbekannt
+gewesen. Vermutlich gehörte es einem Freund meines Vaters, der es diesem
+zur Verfügung gestellt hatte. Vernol hatte seine natürlichen Vorzüge noch
+zu erhöhen versucht, Rose und ich trugen beide sehr elegante Deshabilliés.
+Wir kamen gegen vier Uhr an.
+
+Welch eine wundervolle Zeit! Eine Weile ergingen wir uns in dem Garten, der
+in den prächtigsten Farben des Herbstes prangte. Sein phantastischer
+Schmuck hob sich bunt aus dem grünen Rasen. Das war nicht einer jener
+Gärten, in denen Regelmäßigkeit und Symmetrie alle Natur ersticken.
+Vielmehr war er großzügig angelegt und brachte so den Reiz der Natur auf
+das vollendetste zur Geltung. Wir genossen die liebliche Landschaft, die so
+recht mit unserer festlichen Stimmung harmonierte. Waren wir nicht dabei,
+ein Fest zu feiern, wie es die Natur nur den glücklichsten ihrer Geschöpfe
+gewährt?
+
+Nach diesem Spaziergang, den unsere Küsse und Vertraulichkeiten doppelt
+reizvoll gemacht hatten, betraten wir das Haus. Mein Vater führte uns in
+einen schönen Salon, wo für uns eine leichte Mahlzeit angerichtet war. Wir
+sprachen dem köstlichen Wein und den Früchten zu, und sei es nun durch das
+natürliche Feuer des Weines oder durch ein Mittel, das mein Vater
+hineingemischt hatte -- er kannte ja deren genug --, fühlten wir uns darauf
+merkwürdig erregt. Wir warfen uns spielerisch die Blumenkränze zu, mit
+denen wir uns geschmückt hatten. Ach, es gab noch andere Blumen zu
+pflücken! Wir befanden uns in einem reizenden Gemach, das mit prächtigen
+Girlanden bekränzt und von Kerzen erleuchtet war. Kostbare
+Venezianerspiegel warfen das Bild dieses festlichen Raumes in unzähligen
+Varianten zurück. Wir bewunderten die ausschweifenden Gemälde, welche die
+Wände schmückten.
+
+O Himmel, was für Gemälde! Der göttliche Aretino hätte keine wollüstigeren
+erfinden können. Außer diesen war der Raum noch von etlichen wundervollen
+Skulpturen geschmückt, die ebenso wie die Bilder der Inspiration der Lust
+dienten.
+
+Es dauerte auch nicht lange, so befanden wir uns in einem Delirium der
+Begierde. Bacchus und Amor hatten sich verbündet, ihre Triumphe zu feiern.
+Rose, die sich von diesen beiden reizenden Gottheiten am lebhaftesten
+angeregt fühlte, eröffnete den Reigen der Lust. Sie warf sich meinem Vater
+an den Hals, sie umarmte Vernol. Ah, wie leidenschaftlich küßte sie mich
+und verführte mich dadurch dazu, dasselbe zu tun. Sie raubte mir mein
+Taschentuch, das sie ihrem Bruder zuwarf, während sie ihr eigenes meinem
+Vater gab. Sie hieß ihn ihre Brüste küssen und brachte Vernol dazu, daß er
+dasselbe mit den meinen tat. Unsere Lippen verschmolzen schließlich
+miteinander. Diese Spiele, die sich in den Spiegeln vervielfältigten,
+erhitzten unsere Leidenschaften. Unsere Wangen glühten, unsere Augen
+sprühten, und unser Atem ging heftig. Vernol befand sich schon im Zustand
+halber Auflösung, seine Augen waren voll Feuer. Er erschien mir schön wie
+der helle Tag. Ich betrachtete ihn in diesem Augenblick mit einem
+göttlichen Vergnügen, und sein Anblick verdoppelte meine Begierden. Er war
+seiner selbst kaum mächtig. Rose wollte, daß ich mich auf eine Bergère
+legte, und ich tat es. Sie rief Vernol zur Hilfe. Zusammen schürzten sie
+meine Röcke, und dann versetzte Rose mir etliche leichte Schläge. Kurz, sie
+tat alles, damit Vernol zu sehen bekam, wonach er seufzte. Ich wollte mich
+rächen, aber sie ließ mich gar nicht erst in diese Lage kommen.
+Augenblicklich warf sie sich auf einen Diwan und reckte bereitwillig ihre
+Beine in die Höhe, so daß all ihre natürlichen Reize sich meinem Blick
+boten. Natürlich benutzten wir die Gelegenheit, sie zu liebkosen, doch kaum
+daß wir sie berührten, begannen schon die Fontänen der Lust zu sprühen. Wir
+waren im Nu überströmt, denn sowohl Vernol als auch mein Vater erwiesen
+sich als höchst freigebig, ohne daß ihr Verlangen dadurch gemildert worden
+wäre, wie wir uns bald überzeugen konnten.
+
+Rose sprang auf die Beine und warf sich auf meinen Vater.
+
+»Mein Lieber, ich habe Dir das Taschentuch zugeworfen. Du wirst mein Gatte
+sein, ich Deine Frau. Komm, gib mir die Hand!«
+
+»Recht gern, Rose. Aber das wird die letzte Zeremonie sein!«
+
+»Ah ja! Sieh nur, Vernol hat sein Taschentuch Laurette zugeworfen. Wir
+müssen sie vereinen. Du bist doch bestimmt damit einverstanden?«
+
+»Natürlich, meine Liebe, ganz wie Du willst.«
+
+Sie nahm unsere Hände und fügte sie zusammen. Vernol und ich umarmten uns,
+unsere Lippen trafen sich. Sie legte seine Hand auf meine Brüste und nannte
+uns Mann und Frau. Wir waren alle vier sehr erhitzt. Vor allem Rose brannte
+förmlich. »Wie hübsch wäre es«, rief sie plötzlich, »wenn wir ein Bad haben
+könnten, um uns zu erfrischen. Die Glut erstickt mich noch!«
+
+Mein Vater erhob sich und zog an einer Schnur, mittels der er einen Vorhang
+von einer Nische wegzog. Zu meinem Erstaunen entdeckten wir dahinter ein
+Badebecken, in das sich abwechselnd kaltes und warmes Wasser, vermischt mit
+allerlei Wohlgerüchen, ergoß.
+
+Rose war begeistert. »Ist das nicht herrlich? Fast wie in einem
+verzauberten Schloß! Ich werde mich in eine Nymphe verwandeln, aber ich
+werde nicht die einzige sein.«
+
+In wenigen Augenblicken hatte sie sich mit dem einzigen Abzeichen der
+Nymphen geschmückt. Sie bemächtigte sich meiner und verlangte von Vernol
+und meinem Vater, daß sie helfen sollten, mich in denselben Zustand zu
+versetzen. Die beiden ließen sich das nicht zweimal sagen. In
+Sekundenschnelle verschwanden alle meine Dessous. Rose gab ihrem Bruder ein
+Zeichen, und auch er verwandelte sich schnell in einen Faun, während wir
+meinem Vater unseren Beistand liehen.
+
+Meine Augen verschlangen Vernol. Ah, wie hübsch er war und wie sehr gefiel
+er mir im Glanz seiner Jugendfrische! Er war weiß und rosig wie ein junges
+Mädchen, und doch bewaffnet mit dem Speer, der das Kennzeichen des Mannes
+ist.
+
+Wir tauchten alle vier in das duftende Naß, um darin die Glut zu löschen,
+die uns zu verzehren drohte. Fortwährend waren wir zwei Nymphen von den
+männlichen Lanzen bedroht, aber sie erschreckten uns nicht. Wir waren die
+Beute der vorwitzigen und leidenschaftlichen Hände, der verwegensten Küsse
+unserer Tritonen und konnten uns nicht genug daran tun, ihnen diese
+Liebkosungen durch die unsrigen zu vergelten. Wir scherzten mit ihren
+Pfeilen, und sie wollten sich unser bemächtigen. In diesem Augenblick hatte
+mein Vater die Klugheit, durch einen schnellen Handgriff das bewußte
+Schwämmchen bei mir unterzubringen.
+
+Vernol faßte nach mir, doch einem ebenso natürlichen wie wirksamen Instinkt
+zufolge hinderte ich ihn und flüchtete aus dem Bassin. Flucht ist das
+sicherste Mittel, das Verlangen der Männer anzustacheln. Rose folgte mir,
+und sofort waren die beiden hinter uns her. Aber die momentane Abkühlung
+hatte sie ernüchtert, und so waren sie für den Augenblick keine ernsthafte
+Gefahr. Wir hüllten uns spielerisch in leichte Schleiergewänder, die nichts
+verbargen, und machten es uns auf dem Diwan bequem. Mein Vater zog an einer
+anderen Schnur, und wie durch Zauberei senkte sich ein mit Leckerbissen
+aller Art, köstlichen Weinen und Früchten beladener Tisch zwischen uns. Wir
+aßen und tranken, und die Hitze, die uns vorhin verzehrt hatte, begann
+augenblicklich wieder aufzuflammen. Vernol vor allem war ungeduldig. Ich
+befand mich in einem Taumel von Lust und genoß mit Augen und Händen, doch
+hatte ich es nicht eilig, ans Ziel zu kommen. Vielmehr wollte ich langsam
+genießen und befand mich darin in schönster Übereinstimmung mit meinem
+Vater, der sich gleichfalls Zeit ließ. Vernol und Rose waren daher
+gezwungen, ihre Ungeduld zu zähmen. Rose fiel dies leicht, weil unsere
+Zärtlichkeiten und Liebkosungen sie ihrem eigenen Eingeständnis zufolge
+schon dreimal dem Gipfel der Lust entgegengetragen hatten. Sie genoß also
+die Mahlzeit, die sie unser Hochzeitssouper nannte. Aber es war nicht
+Hymen, der dieses Mahl regierte, dessen Königin allein die Wollust war. Sie
+allein konnte uns erfreuen und Genüge tun. Deshalb erhob sich in der Mitte
+der festlich geschmückten Tafel auch triumphierend Priap, der Gartengott,
+der sein mächtiges Szepter in Händen hielt. Das Tischtuch war an den vier
+Ecken mit Stickereien geschmückt, welche die wollüstigsten Gruppen
+darstellten. Unter ihnen gab es alte Satyrn, die hinter blühenden jungen
+Nymphen herjagten. Alles inspirierte und erregte uns. Rose war wie eine
+trunkene Bacchantin. Weinglas und Flasche in Händen, bot sie uns den
+Anblick all ihrer Reize.
+
+Auch ich fühlte nun eine gewisse Ungeduld in mir. Nichts konnte uns mehr
+erschrecken. Unsere Helden waren bereit. Die Embleme ihrer männlichen Kraft
+ragten steil in die Luft. Rose vermochte nicht mehr an sich zu halten und
+rief: »Vernol, nimm Deine Frau! Ich will meinen Mann nehmen.«
+
+Sie warf sich meinem Vater in die Arme und wurde augenblicklich von seiner
+Lanze durchbohrt. Vernol nahm mich in die Arme und wollte sich schon meiner
+bemächtigen, da hielt ihn mein Vater auf.
+
+»Nicht so, mein Lieber. Hört, meine Kinder, ich stelle eine Bedingung. Eure
+Vereinigung hat einen Preis. Es ist nur gerecht, daß ich mich dafür bezahlt
+mache, wenn Vernol und Laurette sich vereinen. Deshalb werde ich jenen
+Hofmann nachahmen, der seine Frau mit einem Pagen schlafen sah, den diese
+liebte. Er erwies dem Hintern des Pagen dieselben Wohltaten, die jener der
+Dame erwies. Wir wollen es genauso machen. Während Vernol Laura vögelt,
+soll sein Hintern mir zur Verfügung stehen.«
+
+Ich vermutete, daß ihn die Reize Vernols ebenso mit Begierde erfüllt hatten
+wie mich, und ich war darüber entzückt, denn so würde ich mich umso freier
+der Lust hingeben können. Also spornte ich unser wollüstiges Spiel durch
+meine Freudenrufe an. Ich faßte Vernol, beraubte ihn des letzten Stückchens
+Stoff das ihn bedeckte, ich präsentierte seine Hinterseite und spreizte
+seine hübschen Lenden, während sein Speer gegen mein Pförtchen pochte.
+
+»Nein, Vernol, nein, schmeichle Dir nicht, daß ich mich Dir geben werde,
+ehe Du diese Bedingung erfüllt hast!«
+
+Rose, die nicht untätig zusehen wollte, protestierte und verlangte, meinen
+Vater noch einmal zu bekommen.
+
+»Wie«, rief Vernol, in Hitze gebracht. »Welches Hindernis sollte mich
+zurückhalten? Seit langem bin ich auf die Folter gespannt. Was, schönste
+Laura, würde ich nicht tun, um Dich zu besitzen und in deinen Armen zu
+sterben?«
+
+»In diesem Fall«, sagte mein Vater, »wird Rose mit von der Partie sein.«
+
+In einem Augenblick verschwand der Tisch nach oben, und das Badebassin ward
+wieder von seinem Vorhang bedeckt. Ein anderer Vorhang öffnete sich und gab
+den Blick auf eine Nische frei, die von einem riesigen mit Seide bezogenen
+Himmelbett ausgefüllt wurde. Diese Nische erschien uns als das wahre
+Heiligtum der Lust. Wir bezogen diesen Altar der Wonne nur im Schmuck
+unserer natürlichen Vorzüge. Von allen Seiten gaben glitzernde Spiegel
+unsere Reize wieder. Ich bewunderte vor allem Vernol. Dieser schöne
+Jüngling nahm mich in die Arme und bedeckte mich mit Küssen und
+Zärtlichkeiten. Er war leidenschaftlich gespannt. Ich nahm seine Lanze,
+mein Vater preßte mit einer Hand seine Lenden, mit der anderen Rosens
+Brüste, die uns alle drei liebkoste. Vernol lag vor mir auf den Knien, er
+spreizte meine Schenkel, küßte mein Kraushaar, meine Liebesgrotte, er ließ
+seine Zunge darin spielen und saugte an meiner Klitoris. Schließlich
+bettete er sich auf mich, und sein Speer durchbohrte mich. Sogleich warf
+sich mein Vater über ihn. Rose lag auf den Knien, sie öffnete die
+Hinterbacken Vernols und befeuchtete den Eingang, durch den die Lanze
+meines Vaters eindringen sollte. Sie bereitete ihr eigenhändig den Weg.
+Währenddessen streichelte ich ihre Spalte und brachte sie durch meine
+Fingerspiele zum Glühen. Nach wenigen Augenblicken schon fühlte ich meine
+Finger sich befeuchten, und ihre heftigen Atemzüge kündigten uns an, daß
+sie sich auf dem Gipfel der Lust befand. Vernol war der nächste, der sich
+verströmte. Mein Vater beschleunigte seine Bewegungen, und so fielen wir
+bald alle drei in eine wohltuende Ekstase. Nachdem wir wieder zu uns selbst
+zurückgefunden hatten, ersetzten unsere Zärtlichkeiten die
+leidenschaftlichen Anstrengungen, die uns vorhin vereinigt hatten. Vernol
+gestand, daß er niemals etwas Ähnliches empfunden habe.
+
+»Man muß es kennen, um es schätzen zu können«, sagte mein Vater. »Komm,
+liebe Laurette, laß es ihn nun von Deiner Seite aus kosten. Vernol ist
+weniger gut gerüstet als ich, er wird Dir also nur Süßigkeit bereiten.
+Schön wie Du bist, verliert er nichts, wenn Du ihm diesmal Deine
+Hinterseite bietest. Komm in meine Arme. Rose wird dasselbe für Dich tun,
+was sie vorhin für mich getan hat, und währenddessen Deine Klitoris
+kitzeln.«
+
+Ich warf mich auf ihn und überschüttete ihn mit Zärtlichkeiten. Rose
+bereitete seinem Instrument den Weg und öffnete meine Lenden für Vernol.
+Sie benetzte die Spitze seiner Lanze und die Öffnung, durch die diese
+eindringen sollte. Dann nahm sie dieselbe Stellung wie vorhin ein und
+liebkoste die Schenkel und Hoden von Vernol, während sie gleichzeitig meine
+Klitoris kitzelte. Ihr wurde ein ganz ähnlicher Dienst von meinem Vater
+erwiesen. Die unaussprechlichsten Wonnen kündigten sich an, wir flogen
+ihnen entgegen.
+
+Ah, dieses Gefühl! Es kam uns allen, wir waren überflutet, der süße Saft
+der Wollust verströmte. Den lebhaftesten Sensationen ausgeliefert, verfiel
+ich in konvulsivische Zuckungen.
+
+Doch bald darauf herrschte ein nicht minder wollüstiger Zustand der Ruhe.
+Auf die Reizung, die ich an all meinen empfindsamen Teilen erfahren hatte,
+folgte ein Zustand unbeschreiblicher Wonne. Ich kann diesen Tag nur mit
+jenem vergleichen, an dem ich meine Jungfernschaft verloren hatte.
+
+Endlich begaben wir uns zur Ruhe. Erschöpft sanken wir auf das Lager, um
+uns zu erholen. Ah, welch ein Tag, welch eine Nacht!
+
+
+
+
+7. Kapitel
+
+
+Nachdem wir wieder in die Stadt zurückgekehrt waren, bedrängte Rose mich
+mehrere Tage lang, diese Szene zu wiederholen. Doch ich wollte nichts davon
+hören. Einmal paßte mir ihre Selbstgefälligkeit nicht, zum andern erschien
+es mir geschmacklos, etwas Derartiges zu tun, wenn mein Vater nicht dabei
+war. Meine Vorliebe für Vernol, die nur von meinen Augen und meinen Sinnen
+ausgegangen war, ohne daß das Herz daran beteiligt gewesen wäre, minderte
+sich von Tag zu Tag. Schließlich konnte ich nur noch mit Bedauern an diese
+Vorliebe denken. Leidenschaftlicher denn je kehrte ich zum Gegenstand
+meiner ersten Liebe zurück. Meine Bindung an ihn nahm -- weit entfernt
+davon, sich zu verringern -- neue Formen an. Ich betrachtete meinen
+väterlichen Geliebten als einen außergewöhnlichen und einmaligen Mann, als
+einen wahren Philosophen, dessen Liebenswürdigkeit aber gleichzeitig
+imstande war, jedes Herz zu erobern. Ich liebte ihn, ich betete ihn an.
+
+Ah, teure Eugenie, wie wundervoll sind diese Eigenschaften der Seele, die
+uns einen Menschen liebenswert erscheinen lassen, die uns unabhängig vom
+Schrei der Sinne an ihn fesseln! Wieder war ich der einzige Gegenstand
+seiner Neigung, so wie er der Mittelpunkt meines Herzens war. Die folgenden
+Ereignisse ließen alle anderen Bindungen, die ich damals schon lösen
+wollte, vollends vergehen.
+
+Ein Abenteuer, bei dem Rose mit viel Unklugheit und Keckheit mehrere Lanzen
+brach, entfremdete mich ihr und Vernol zusehends. Ich entdeckte bei dieser
+Gelegenheit, daß in ihren Herzen kein Raum für delikate Gefühle war. Weder
+er noch sie hatten etwas anderes als die gewöhnlichsten Leidenschaften im
+Kopf und das auf eine höchst indiskrete Weise. Diese Eigenschaften, die
+sich mit den meinen so wenig vertrugen, entfremdeten mich ihnen weitgehend.
+Ich sah sie in der Folge nicht mehr so häufig. Sie suchten ihrerseits alle
+Vergnügungen, deren sie habhaft werden konnten. Sie pflegten täglich
+zusammen zu promenieren, und bei dieser Gelegenheit führte Vernol Rose
+eines Tages in einen öffentlichen Garten. Dort traf er vier seiner Freunde.
+Der älteste war kaum zwanzig. Man neckte sich, jubelte, und Umarmungen und
+neugierige Fragen wurden getauscht. »Wo kommst Du her?« »Was machst Du?«
+»Wohin gehst Du?« »Wer ist denn diese Schöne?«
+
+Die Antwort auf diese letzte Frage gab den jungen Leuten Gelegenheit, eine
+Unzahl von Komplimenten auf Rose loszulassen, die davon sichtlich
+beeindruckt war.
+
+Der älteste der Gesellschaft beschloß alsbald, Vernol zu einem Ausflug zu
+gewinnen. Vernol machte keine Einwendungen und noch weniger Rose. Sie
+brachen also auf.
+
+Im ersten Freudentaumel schon vergaßen die jungen Leute völlig, eine
+Abmachung zu beachten, der sie sich unterwerfen wollten. Nur der älteste
+von ihnen, der zugleich der schlaueste war, hatte sie nicht völlig aus den
+Augen verloren. Er nahm Rose zusammen mit einem seiner Freunde in die
+Mitte. Sie protestierte ein wenig, doch dann ging sie auf die Neckereien
+der jungen Leute ein. Es war noch mitten in der schönen Jahreszeit. Man
+wanderte ziemlich rasch. Am Ziel angekommen, begab man sich in ein kühles
+Zimmer. Rose war erhitzt, sie warf sich auf einen Diwan, öffnete ihr
+Mieder, und ihre in Unordnung geratenen Röcke ließen ein außerordentlich
+hübsch geformtes Bein sehen, das wahre Lobeshymnen unserer jungen Leute
+herausforderte. Man ließ Wein und Likör bringen, die Köpfe begannen sich zu
+erhitzen und die Sinne nicht minder. Ein freches Liedchen klang auf, das
+Benehmen wurde freier, etliche Küsse wurden getauscht. Der älteste von den
+vier Burschen, der natürlich am meisten Erfahrung hatte, umarmte Vernol und
+verriet ihm schließlich, unter welcher Bedingung die vier diesen Ausflug
+unternommen hätten. Vernol lachte Tränen darüber, und Rose, die wie
+gewöhnlich neugierig war, wollte wissen, was es damit auf sich habe. Als
+die vier Freunde mit der Wahrheit nicht recht herausrücken wollten,
+bedrängte sie diese umso lebhafter. Schließlich gestand ihr der Älteste,
+man habe beschlossen, daß derjenige, der die kleinste Rute sein eigen
+nenne, die Zeche für die übrigen zahlen solle.
+
+Diese Worte und das Gelächter, das darüber ausbrach, ergötzten Rose. Sie
+wurde lebhaft, hob ein Bein so hoch, daß man beinahe alles sehen konnte,
+und rief: »Ei, wer wird denn wohl der Schiedsrichter sein?«
+
+»Sie selbst, meine Schöne«, sagte der Älteste unverblümt.
+
+Rose, die vom Wein erhitzt war, fühlte sich von dieser Rolle geschmeichelt
+und erregt und antwortete, daß sie ohne jeden Zweifel für jeden das beste
+Zeugnis ablegen würde. Von diesem Augenblick an genierte sich niemand mehr.
+Die obszönsten Ausdrücke mischten sich mit den gewagtesten Zärtlichkeiten,
+die von Mund zu Mund gewechselt wurden. Rose erwies sich bald als ein
+erfahrener Champion und nahm unerschrocken an allem teil. Sie war noch auf
+ganz andere Angriffe gefaßt gewesen, die sie mehr interessierten und die
+sie daher förmlich herausforderte. Sie rief Vernol zu sich, und indem sie
+ihm einen Arm um den Hals legte, drückte sie ihn an ihren Busen und
+verlangte, daß er diesen küsse. Dann ließ sie ihre Hand tiefer gleiten und
+bemächtigte sich seiner Lanze, während er ihr ganz ungeniert unter die
+Röcke griff, die nach oben gestülpt wurden und nun so gut wie alles sehen
+ließen. Dieser Anblick erregte die Freunde so sehr, daß sie alle
+Selbstbeherrschung vergaßen. Der eine faßte ihr Hinterteil, der andere
+einen Schenkel, der dritte ihre Brüste. Kurz, jeder packte ein anderes
+Stück von ihr. Rose befahl Vernol wieder aufzustehen, und sie zeigte ihnen
+seine Rute.
+
+»Könnt ihr mit etwas ähnlichem aufwarten?« fragte sie herausfordernd.
+
+Darauf nahm jeder seine Waffe in die Hand, und sie hatte das Vergnügen,
+fünf nackte und bedrohlich aussehende Ruten auf einmal zu sehen. Sie alle
+sagten ihr den Kampf an, und einige von ihnen würden mit Sicherheit besiegt
+werden. Rose setzte sich mit ausgebreiteten Schenkeln auf das Bett. Der
+Ort, an dem das allgemeine Lanzenstechen stattfinden sollte, war völlig
+unbedeckt.
+
+»Ich könnte nach dem Augenschein urteilen«, sagte sie. »Aber ich will die
+Sache genau nehmen, so daß keiner sich über mich zu beklagen hat. Deshalb
+will ich ein Maß anwenden, das dem meinen gerecht wird. Los, fangen wir
+an!«
+
+Sie ließ alle fünf vor sich antreten und nahm mit großer Genauigkeit Maß,
+und zwar sowohl was die Länge als auch die Stärke betraf.
+
+Der Anblick und die Berührung dieser kampfbereiten Lanzen erregte sie
+derart, daß sie auf den Rücken fiel und sich nach zwei oder drei Bewegungen
+den Zuckungen ihrer Wollust überließ. In diesem Augenblick wollten alle
+zugleich über sie herfallen, doch sie hielt sie zurück.
+
+»Zuerst will ich mein Urteil verkünden«, sagte sie. Der Älteste mußte
+demzufolge den Wein und die übrigen Getränke zahlen, während Vernol den
+Rest zu übernehmen gehabt hätte, wenn er nicht schon dazu eingeladen worden
+wäre. So kam der zweitälteste zu dieser Ehre. Er war kaum weniger gut
+gerüstet als Vernol. Er hatte eine recht ansehnliche Figur, und Rose
+tröstete ihn über seinen Ärger, indem sie ihm versprach, daß er der erste
+sein werde, seine Kräfte an ihr zu erproben.
+
+Sie erwartete diesen Augenblick mit Leidenschaft. Alle diese entblößten
+Lanzen hatten ihre Glut geweckt, und sie brannte nun danach, sie
+aufzunehmen. Sie ließ sich auf das Bett zurücksinken und zog jenen mit
+sich, dem sie diese Bewährungsprobe als erstem versprochen hatte. Vernol
+und die drei anderen folgten in der Reihenfolge, in der sie gemessen und
+für gut befunden worden waren. Rose ließ sich auf einer Woge von Lust
+treiben. Es kam ihr ohne Unterlaß. Kaum, daß ihr genügend Zeit blieb, sich
+zu erholen. Der eine hatte den Ort seines Entzückens kaum verlassen, als
+der andere schon eindrang. Endlich trat ein Augenblick der Ruhe ein. Man
+war erschöpft.
+
+Wein, Gelächter und Zärtlichkeiten ersetzten die leidenschaftlichen
+Eroberungen. Rose fand sich den lasziven Lippen und Händen dieser fünf
+Faune völlig ausgeliefert. Sie duldeten nicht das mindeste Stückchen Stoff
+an ihr. So blieb sie in dem anbetungswürdigen Zustand, in dem die drei
+Göttinnen einst dem Paris erschienen. Da sie alle jung und stark waren,
+dauerte es nicht lange, bis ihre Begierden wieder neu entflammt waren und
+zu neuen Heldentaten im Dienste der Venus drängten.
+
+Rose hätte gern den Gürtel der Venus gehabt, ja selbst eine ganze Girlande
+von wollüstigen Öffnungen hätte ihren Begierden kaum Genüge tun können.
+
+Da sie deren nur zwei besaß, wechselte sie die Szenerie. Der größte und
+stärkste unter ihren Eroberern mußte sich auf das Bett legen. Sie legte
+sich über ihn, während der mit einer weniger wirksamen Waffe versehene
+Freund sich hinter ihr in Positur stellte. Jeder nahm den Weg, der sich ihm
+bot, während sich jede ihrer Hände einer der übrig gebliebenen Waffen
+bemächtigte. Vernols Lanze hingegen fand sich bevorzugt, da sie dieselbe
+zwischen ihre Lippen aufnahm und ihn mit ihrer Zunge liebkoste und
+kitzelte.
+
+Es dauerte lange, bis die siegreiche Rose, die sich solcherart von fünf
+Liebhabern auf einmal in jeder erdenklichen Weise erobert fand, in ein
+Übermaß der Lust versank, das ihr fast die Besinnung raubte.
+
+Ich sah sie am nächsten Morgen. Sie war erschöpft, ihre Augen blickten
+ermattet. Ich war erstaunt, sie in diesem Zustand zu finden, und fragte sie
+nach der Ursache. Es dauerte eine Weile, bis sie und Vernol mir dieses
+Abenteuer gestanden. Ich nahm mir nicht die Mühe, ihr einen guten Rat zu
+geben, denn ich sah wohl, daß dies nutzlos gewesen wäre. Doch von diesem
+Augenblick an vermied ich es, die beiden zu treffen. Rose, die sich ohne
+jede Achtsamkeit den wildesten Leidenschaften auslieferte, erlag ihrer
+ausschweifenden Lebensweise schließlich. Ihre Regel kam nicht mehr, sie
+befand sich in einem Zustand schrecklicher Erschöpfung, dem die wildesten
+Krämpfe folgten. Nach einiger Zeit war sie nur noch ein Schatten ihrer
+selbst. Ihre Heiterkeit war völlig verschwunden, und ein schleichendes
+Fieber raffte sie hinweg.
+
+Auch Vernol wurde von einer fiebrigen Krankheit befallen, und er brauchte
+lange, um sich davon zu erholen. Eine Geschlechtskrankheit machte ihm viel
+zu schaffen und entstellte ihn völlig. Er blieb noch monatelang schwer
+krank und konnte sich lange nicht erholen. Mein Vater hatte alle diese
+Ereignisse vorausgesehen. Ich begriff wohl, was die Sorgfalt, mit der er
+über mir wachte, mir erspart hatte, und ich konnte meine Dankbarkeit für
+ihn nicht zurückhalten. Da ich das Übermaß der Begierde fürchten gelernt
+hatte, schonten wir einander mehr und mehr. Wir waren mehr zärtlich, mehr
+wollüstig als leidenschaftlich und empfingen unsere Lust aus den
+Zärtlichkeiten, die wir miteinander tauschten.
+
+Manchmal, wenn ich mich an das erinnerte, was damals auf dem Lande
+geschehen war, bereitete mir diese Erinnerung einen heftigen Kummer. Und in
+einer unserer glücklichen Nächte brach ich in plötzliche Tränen aus.
+
+»Was hast Du, meine liebste Laurette«, fragte mein Freund ernstlich
+besorgt. »Warum weinst Du?«
+
+»Ah, mein Liebster! Unmöglich kannst Du mich länger lieben, Du kannst Dein
+kleines Mädchen nicht länger achten nach allem, was ich getan habe . . .«
+
+»Bist Du verrückt, mein liebes Kind? Glaubst Du wirklich, daß meine Achtung
+und meine Freundschaft von irgendwelchen Vorurteilen abhängen könnten? Was
+macht es schon aus, eine geliebte Frau in den Armen eines anderen
+Liebhabers zu sehen, wenn die Qualitäten ihres Herzens, wenn ihr Geist und
+Charakter und all die Vorzüge ihrer Person sich nicht im Mindesten geändert
+haben, und wenn sie noch immer empfänglich ist für eine zärtliche Bindung?
+Höre meine Grundsätze, meine Liebste. Ich werde glücklich sein, wenn sie
+Dich beruhigen und überzeugen können, daß ich Dich nach wie vor zärtlich
+liebe und daß ich Dich nicht im Mindesten weniger schätze als zuvor. Nichts
+kann mich so wenig beunruhigen, als Dich untreu zu sehen. Denn das ist bei
+einem Menschen, der aufrichtig und zärtlich liebt, nicht möglich. Ich will
+Dir ein einfaches Beispiel geben. Ich liebe Dich, meine Laurette, und meine
+Liebe ist beinahe mit Dir aufgewachsen. Ich glaube, ich habe Dich schon
+geliebt, als Du kaum sieben Jahre alt warst. Du füllst mein ganzes Herz
+aus. Und doch -- war ich Dir etwa nicht untreu mit Lucette, mit Rose und
+selbst mit Vernol?
+
+Glaube mir, diese Handlung, die von der Konstitution unserer Organe
+abhängt, ist zu natürlich, um nicht verzeihlich zu sein. Dem Gegenstand
+unserer Begierden gilt nur diese. Doch dem unseres Herzens sind wir darüber
+hinaus auch mit unserer Achtung, mit unserem guten Glauben und unzähligen
+zärtlichen Gefühlen verbunden. Natürlich gibt es Menschen, die zu ernsthaft
+sind, um diese Unterscheidung vorzunehmen. Aber ich habe eine glücklichere
+Wahl getroffen. Die Unbeständigkeit enthüllt ein leichtes Herz, das
+undankbar und treulos ist. Ich machte sie mir niemals zum Freund. Denn ich
+glaube, daß jeder Mann, der im Herzen unbeständig und treulos gegenüber
+einer Frau ist, die delikat in ihren Gefühlen ist, einen kultivierten Geist
+hat und sich aus Liebe seiner Diskretion ausgeliefert hat, daß jeder solche
+Mann auch gegenüber seinen Freunden unbeständig und treulos sein wird. Doch
+die vorübergehende Treulosigkeit der Sinne ist nichts weiter als die Frucht
+eines leicht beeinflußbaren Temperaments. Verlockt von Begierde,
+Gelegenheit und allen möglichen unvorhergesehenen Ereignissen, nützt es die
+Möglichkeiten, die sich ihm bieten. Der Mensch ist aus Widersprüchen
+zusammengesetzt, mein Kind. Nicht immer stimmt der Wille mit unseren
+Handlungen überein, und diese hängen nicht immer von ihm ab. Jene Leute,
+die von einem sechsten Sinn im Menschen sprechen, haben die Natur recht
+scharf beobachtet. Hängt es etwa von unserem Willen ab, ob wir ihn in
+Tätigkeit setzen oder nicht? Nein, er selbst ist nicht im Geringsten seinen
+eigenen Gesetzen unterworfen. Alles an uns ist vielmehr von unserer
+Konstitution und der Zusammensetzung und Bewegung unserer Säfte abhängig.
+Nichts kann sich diesen widersetzen, nichts sie ändern als die Zeit, die
+alles zerstört. Meine Sinne wachsen in der Vereinigung des Geschlechts. Sie
+wachsen an Eindrücken, deren wir nicht Herr werden können. Warum berührt,
+verführt und inspiriert der eine Sinneseindruck das Begehren eines
+bestimmten Menschen, während er auf einen anderen überhaupt nicht wirkt?
+Wir sind einer Person besonders zugeneigt?
+
+Wohlan, so erscheinen uns sogar ihre Fehler liebenswert. Sowohl solide
+Bindungen als auch vorübergehende Leidenschaften finden sich in dem
+Lebenskreis, den wir zu durchschreiten haben. Wenn wir bei unseren
+Bestrebungen auf Widerstand stoßen, wird sich die Eigenliebe erheben und
+all ihre Kräfte einsetzen, um diesen Widerstand zu überwinden und jene, die
+wir am meisten schätzen und lieben, an uns zu fesseln. Schließlich werden
+Begierde, Ehrgeiz und Habsucht -- Eigenschaften, die alle Menschen während
+ihres Lebens verfolgen -- unsere Handlungen bestimmen und sie
+notwendigerweise in eine Kette von Umständen zwingen, die das Muster
+ausmachen, das unser Leben formt. Diese drei Beweggründe, die man mit den
+schmeichelhaftesten Namen zu umschreiben und auf das vollkommenste zu
+verschleiern sucht, sind die einzigen, die den Menschen in Bewegung halten
+und ihn regieren. Bei einem Individuum wird nur eines dieser Motive bei
+seinen Handlungen im Vordergrund stehen, bei einem anderen vielleicht zwei
+oder auch alle drei, je nach den Anlagen und ihrer Entwicklung. Wenn man
+von der Natur ein Herz bekommen hat, das für starke und dauernde
+Leidenschaften, für eine zarte und innige Bindung empfänglich ist, wird die
+Ähnlichkeit des Temperaments und der Charaktere eine Vereinigung bewirken.
+Man ist weniger von der Wonne leiblicher Vereinigung erfüllt als vielmehr
+von der süßen Zufriedenheit, welche aus der Harmonie von Geist und
+Geschmack entspringt. Es ist verächtlich, aus eigener Schuld das Blumenband
+der Freundschaft zu zerstören. Mag diese zarte Kette auch noch so leicht zu
+brechen sein, so ist der Verlust, der aus dieser törichten Handlung folgt,
+doch unersetzlich. Es ist allerdings richtig, daß man die Sensationen der
+Lust in diese intimen Bindungen der Menschen gemischt hat. Doch glaube mir,
+ihr Ursprung ist völlig anderer Natur.
+
+Es gab eine Zeit, meine liebste Laurette, wo man alles, was ich Dir über
+diese Dinge sagen kann, für eine Fabel gehalten hat, während es doch der
+Gesetzmäßigkeit der Natur entspringt. Früher oder später kommt die
+Gewohnheit, welche, ohne die liebenswürdigen Bindungen der Gefühle zu
+zerstören, doch die Lebhaftigkeit der Begierden, die Feinheit der Wollust
+erlahmen läßt, so daß diese nur durch ein neues Objekt wieder zum Leben
+erweckt werden können. Diese Begierden aber scheinen mit unserer Existenz
+unlösbar verbunden und lassen uns den Reiz und Wert des Lebens erst richtig
+bemerken. Doch hier gilt es eine schwierige Entscheidung zu treffen.
+
+Hat man genügend Vernunft und Festigkeit, um ein Gebilde der Phantasie zu
+opfern, eine Laune, einen augenblicklichen Einfall, der die Harmonie einer
+innigeren Bindung zerstören könnte, so soll man nicht zögern, dies zu tun.
+Aber zerstört die Eifersucht nicht noch viel mehr als eine vorübergehende
+Untreue? Ist es nicht viel klüger, sich ohne Groll und Widerwillen den
+Gesetzen der Natur zu überlassen, deren Macht doch unbesiegbar ist? Hören
+wir ihre Stimme, die aus allem spricht! Schließen wir unsere Augen nicht
+vor ihr, haben wir Verständnis für das, was sie uns zeigen und sagen will!
+Sie verkündet in allem den Wandel, ja noch mehr, das Ende.
+
+Warum sollten wir uns über ein Gesetz beklagen, das wir nicht ändern
+können, dem wir absolut unterworfen sind, und das nicht weniger mächtig ist
+als das der Zerstörung, dem alles Sein ausgeliefert ist? Unsere Eigenliebe
+und unser Egoismus sträuben sich dagegen, und doch entspricht diese
+Erkenntnis den Gesetzen der Natur.
+
+Betrachten wir nur die Tiere, meine liebe Laurette. Sieht man etwa die
+Weibchen mit jenen Männchen verbunden, die sie im Vorjahr gehabt haben?
+Selbst die Turteltaube, von der wir ein ebenso rührendes wie grundfalsches
+Bild gezeichnet haben, bleibt nur so lange im gleichen Nest, als ihre Brut
+ihrer bedarf. Und noch im selben Sommer sucht sie sich einen anderen
+Liebsten. Suche nach anderen Beispielen in der Natur, Du findest ihrer
+genug. Denn was ist der oberste Zweck der Natur? Die Vermehrung des Seins.
+Nur um die Geschöpfe dadurch zur Vermehrung anzuregen, hat sie so viel Lust
+in die Geschlechtsvereinigung gelegt. Diese Lust ist so groß, daß sie uns
+sogar gegen unseren Willen zu Handlungen treibt, welche sie hervorrufen.
+Wenn wir beide dieses Ziel der Natur umgangen haben, so sind es unsere
+Sitten und Vorurteile, die uns dazu gezwungen haben. Grundsätzlich jedoch
+ist dieser Plan der Natur so offensichtlich, daß ein Mann von guter
+Konstitution sogar mit einer Frau zu fruchtbarer Vereinigung kommen kann,
+die er überhaupt nicht kennt.
+
+Wenn es zuweilen unter beiden Geschlechtern Leute gibt, die dem Willen der
+Natur gegenüber unempfindlich erscheinen, so ist das nur ein Fehler in der
+Veranlagung, der die allgemeinen Gesetze nicht zu zerstören vermag.
+
+Ich muß allerdings gestehen, daß der Vorzug der Fruchtbarkeit, den die
+Männer genießen, den Frauen nicht gegeben ist. Zumeist können sie nur ein
+einziges Lebewesen hervorbringen. Es gibt Männer, die daraus einen Vorteil
+ziehen, ohne die bedauerlichen Wirkungen einer Mischung der
+Samenflüssigkeit zu bedenken. Wenn sich nämlich ein Keim in den Tiefen der
+Matrix festgesetzt hat und nach einiger Zeit derselbe Mann oder auch ein
+anderer einen neuen Keim befruchtet und ins Leben ruft, kann die Matrix
+eine zweite Frucht hervorbringen und selbst eine dritte. Doch liegt dies
+nicht im Sinne der Natur.
+
+Hat die Natur die Männer mit allen möglichen Vorzügen ausgestattet, so hat
+sie sich doch auch den Frauen gegenüber nicht ganz und gar als Rabenmutter
+erwiesen. Diese tragen nämlich ein lebhaftes und immerwährendes Verlangen,
+einen unersättlichen Appetit in sich, eine Frucht des Lebens zu empfangen
+und zu tragen. Wenn der eine Mann dieses Verlangen nicht stillen kann oder
+will, so führt sie ein Gefühl, das stärker ist als alle Vorurteile, zum
+nächsten. Doch die Wahl hängt von ihrem Geschmack ab. Warum sollten sie
+auch die Umarmungen und Liebkosungen eines Mannes dulden, den sie
+verabscheuen? Was könnte aus einer Verbindung Gutes hervorgehen, gegen die
+sie sich auflehnen? Wie viele Beispiele hat man dafür gesehen? Solche
+unglücklichen Bindungen, die leider nur zu häufig sind, haben die
+Möglichkeit einer völligen Trennung bitter notwendig.
+
+Die menschliche Existenz, die natürliche Konstitution des Menschen, gibt
+ihm das Recht zu wählen und selbst zu wechseln, wenn er sich getäuscht
+sieht. Nun wohl, wer täuschte sich nicht? Schließlich ist es dieses Recht
+zu wählen, das die Frau unbeständiger und treuloser macht als die Männer,
+die sich eher an die allgemeinen Gesetze halten. Wenn nun in den Frauen
+wegen der Beschaffenheit ihres Geschlechts ein größerer Grad von Wollust,
+ein lebhafteres und dauerhafteres Vergnügen als in uns Männern lebendig
+ist, so werden sie in gewisser Weise für die Beschwerden und Schmerzen
+entschädigt, denen sie unterworfen sind. Welche Ungerechtigkeit, aus diesen
+natürlichen Eigenschaften ein Verbrechen zu machen! Sind die Frauen etwa
+die Urheberinnen ihres Temperaments? Von wem haben sie es empfangen? Ihre
+Einbildungskraft, die auf Grund der Feinheit und Sensibilität ihrer Organe
+so leicht erweckt wird, ihre exzessive Neugierde und ihr leicht erregbares
+Temperament gaukeln ihnen Bilder vor, die sie heftig bewegen und die sie
+der Realität ihrer Begierden um so leichter zugänglich machen.
+
+Betrachten wir doch die Unannehmlichkeiten, die durch die Eifersucht,
+dieses Lieblingskind unserer Eigenliebe und unseres Egoismus, verursacht
+werden! Sind die Frauen diesem Übel nicht ungleich stärker unterworfen als
+die Männer? Finden wir uns doch mit den Eigenarten des weiblichen
+Charakters ab! Machen wir ihnen das Joch leicht, das die Natur ihnen
+aufgebürdet hat! Binden wir sie mit losen Ketten, um ihren Geist zu
+fesseln, ihr Herz zu unterjochen und die Unbeständigkeit zu bändigen, die
+ihnen die Natur verliehen hat! Halten wir ihnen ihre Schwächen zugute, um
+sie uns nicht zu entfremden, was ohne Zweifel geschehen würde, wenn sie die
+Bürde der Ketten, mit denen die Liebe sie beladen möchte, zu drückend
+empfänden. Ohne diese unsere Großzügigkeit wäre die schönere Hälfte des
+Menschengeschlechts recht unglücklich. Doch wie bedauerlich ist es, daß
+diese Grundsätze von dem weitaus größten Teil unserer zivilisierten Welt
+nicht befolgt werden. Es ist vor allem die Unduldsamkeit, welche die
+Untreue der Frau zu einem solch beklagenswerten Verhängnis werden läßt. Und
+doch, glaube mir, liegt es vor allem an uns Männern, durch Klugheit und
+Weitblick die Frauen vor den furchtbaren Folgen zu bewahren, welche ihre
+Unabhängigkeit für sie haben kann. Denn so natürlich diese Unbeständigkeit
+auch Deinem Geschlecht erscheinen mag, so entsteht daraus doch zuweilen das
+größte Unheil. Bedenken wir nur die unglücklichen Resultate, die diese
+fatale Neigung bei den Frauen häufig zeitigt, während die Untreue der
+Männer zumeist keine solchen Folgen nach sich zieht!
+
+Ich werde Dir den Grund dafür an einem einfachen Beispiel beweisen. Wenn
+man in zwanzig verschiedene Gefäße denselben Wein füllt und diesen dann in
+einem Gefäß mischt, so wird er in seinem Geschmack und seiner Qualität
+unverändert sein. Doch wenn man in einem einzigen Gefäß zwanzig
+verschiedene Flüssigkeiten zusammengießt, so wird sich daraus eine Mischung
+ergeben, welche die natürlichen Eigenschaften jeder dieser Flüssigkeiten
+verändert. Und wenn man auch nur einen Tropfen davon in ein Gefäß schüttet,
+in dem sich eine unvermischte Flüssigkeit befindet, so wird diese dadurch
+verdorben werden.
+
+Aus diesem Beispiel kannst Du leicht Deine Folgerungen ziehen. Wenn sich
+ein Mann mit mehreren Frauen vereint, kann daraus kein Übel entstehen. Sein
+Verhalten ist vielmehr dasselbe, wie wenn man ein und dieselbe Flüssigkeit
+in mehrere Gefäße füllte. Aber wenn eine Frau, selbst eine gesunde Frau,
+sich hintereinander mit mehreren Männern verbindet, so wird diese
+Vermischung der Samenflüssigkeit in ihr, selbst wenn die Männer ihrerseits
+ganz gesund sein sollten, doch die gefährlichsten Folgen zeitigen.
+
+Wenn ein Mädchen, eine junge, reizende, freie und unabhängige Frau, die dem
+Pöbel entstammt und daher keine Erziehung genossen hat und keine
+hinreichenden Vorkehrungen trifft, infolge ihrer eigenen Arglosigkeit oder
+aus Nachgiebigkeit gegenüber der Lockung jener alten Hähne, die auf ihre
+Reize scharf sind, sich in diesen schrecklichen Zustand versetzt, so werden
+die Folgen unausbleiblich sein. Hat sie sich nun infolge ihres Temperaments
+oder weil sie den Charakter einer Libertine hat, verführen lassen, mehrere
+Männer in rascher Reihenfolge zu empfangen, wird sie dies zu ihrem eigenen
+Schaden tun, und sie wird ohne Zweifel ein Opfer der Ansteckung sein, auch
+wenn diese Männer an und für sich gesund sein mögen. Die Mischung der
+Samenflüssigkeit in ihrem Innern hat die schädlichsten Folgen. Sie wird an
+weißem Ausfluß und Geschwüren der Gebärmutter zu leiden haben, wenn ihr
+nicht noch Schlimmeres bevorsteht. Die Samenflüssigkeit dieser
+verschiedenen Männer, die einander infolge der Verschiedenheit des
+Temperaments oder infolge der Verschiedenheit ihres Gesundheitszustandes
+widersprechen, zerstört die Gesundheit der Frau, die sie in sich
+aufgenommen hat. Vor allem jene, die an Hautkrankheiten leiden, übertragen
+diese häufig auf die Frauen, mit denen sie sich verbinden. Gar nicht zu
+reden von jenen anderen, die an chronischen Geschlechtskrankheiten leiden,
+ohne daß deshalb ihre Potenz zerstört wäre. Alle diese Stoffe, die sich an
+ein und demselben Ort treffen, verursachen mit beinahe absoluter Sicherheit
+ein Gift, das viel wirksamer ist als jeder einzelne Krankheitsstoff für
+sich allein. Das beweist, daß die Frauen nicht für die physische Untreue
+gemacht sind und noch weniger für die Prostitution, der sich so viele von
+ihnen ergeben.
+
+Du ersiehst aus dem Gesagten wohl, daß die physikalischen Erkenntnisse
+sowie Vernunft und Erfahrung es gewiß erscheinen lassen, daß von dem
+Augenblick an, da sich die Frauen der Freizügigkeit ihres Temperaments
+auslieferten, die venerische Ansteckung sich an den Quellen des Lebens
+verbreiten mußte. Unglücklicherweise ist sie aus den niedrigsten
+Volksschichten, wo sie vielleicht ihren Ausgang genommen hat, bis zu den
+Spitzen der Gesellschaft emporgestiegen.
+
+Doch da dies nun einmal geschehen ist, erscheint es ohne Zweifel notwendig,
+daß erleuchtete und kluge Männer, die durch eine lange Erfahrung weise
+geworden sind, versuchen, ein Mittel zu finden, das die verheerenden Folgen
+dieser geschlechtlichen Vergiftung aufhebt. Es gab genügend solche Männer,
+die, mögen sie auch dem Spott und dem Geschrei des Pöbels ausgesetzt sein,
+doch ihren Zeitgenossen ebenso nützlich sind wie künftigen Generationen,
+indem sie die Schäden zu beseitigen suchen, die aus der Prostitution der
+Frauen für alle Welt entstanden sind.
+
+Das ist übrigens auch ein Vorteil dieses Schwämmchens, das ich Dich
+benützen lehrte. Aber die Anwendung desselben allein genügt nicht. Die
+Flüssigkeit, mit der es präpariert ist, zerstört zwar die Kraft des
+männlichen Samens, aber das Gift, das durch die Vermischung der Säfte auf
+den weiblichen Körper einzuwirken vermag, ist oft stärker. Immerhin reicht
+diese Vorsichtsmaßnahme in vielen Fällen, die verheerenden Folgen einer
+Infektion zu verhindern.
+
+Es gibt indessen noch eine stärker wirkende Flüssigkeit. Eine Frau, die
+ihren Gebärmuttermund durch ein mit dieser Flüssigkeit durchtränktes
+Schwämmchen verschließt, kann sich ohne Risiko mit mehreren Männern paaren,
+ja, sie kann sogar einen kranken Mann empfangen. Kommt ihr der Verdacht,
+daß ein Mann krank sein könnte, zu spät, so kann sie das Schwämmchen
+hinterher mittels der seidenen Schnur entfernen und sich durch eine
+Waschung mit derselben Flüssigkeit reinigen, um danach ein anderes
+Schwämmchen, das auf dieselbe Weise getränkt ist, wieder einzuführen. Man
+kann diese Schwämmchen auch in eine starke Lösung einer solchen Flüssigkeit
+tauchen und sie hernach wieder in Gebrauch nehmen.
+
+Auch ein gesunder Mann kann sich im Verkehr mit einer Frau, die er im
+Verdacht einer venerischen Erkrankung hat, schützen, indem er ein mit
+vorbeugender Flüssigkeit getränktes Schwämmchen in ihre Vagina einführt.
+Doch sollte er nach dem Verkehr sein Glied in dieser Flüssigkeit waschen.
+Dazu kann man ein Glas oder Porzellangefäß verwenden. Noch sicherer ist es,
+wenn man in den Harnkanal etwas von dieser Flüssigkeit einführt. Dazu kann
+man eine kleine Elfenbeinröhre -- doch niemals einen Metallgegenstand
+verwenden. Will der Mann eine sehr köstliche Sensation erleben, soll er
+diese Flüssigkeit zur Hälfte mit Rosenwasser mischen. Ich würde Dir das
+nicht sagen, meine Liebe, wenn ich nicht die entsprechende Erfahrung
+gemacht hätte.
+
+Auch könnte ich Dir, meine liebe Laura, noch eine Reihe von anderen
+Beweisen dafür geben, daß die Natur den Frauen nicht dasselbe Recht auf
+Untreue gegeben hat wie den Männern. Doch anderseits ist es sicher, daß sie
+in ihr Herz und ihren Charakter mehr Unbeständigkeit gelegt hat als in
+unser Geschlecht. Ah, wie glücklich sind wir, wenn ein Liebesobjekt unser
+wahres Gefühl erweckt! Sollten wir da nicht ein kleines Opfer bringen, um
+einen großen Verlust zu vermeiden?«
+
+Gerechter Himmel, wie tief war doch seine Erkenntnis des menschlichen
+Herzens! Du wirst mir das ohne Zweifel zugestehen. Durch dieses Gespräch
+nahm er mir eine Last von der Seele. Er gab mir meine Ruhe wieder und
+erfüllte mich mit vollkommener Freude.
+
+Ich wollte allerdings noch einen gewissen Verdacht klären, den unsere
+ländliche Orgie damals in mir erweckt hatte. Zwar zögerte ich anfangs, ihn
+danach zu fragen, aber schließlich wagte ich es doch.
+
+»Ich möchte Dich noch etwas fragen, mon cher, und ich bitte Dich, mir offen
+darauf zu antworten.«
+
+»Wie? Meine Laurette, könnte ich Dir das unwürdige Beispiel der Verstellung
+geben, nachdem ich mich immer bemüht habe, in aller Aufrichtigkeit mit Dir
+zu reden? Sprich offen, und ich werde Dir offen antworten.«
+
+Ich rückte also unbefangen mit meinen Zweifeln heraus.
+
+»Als wir damals jenen Landausflug machten und Du eine gewisse Bedingung
+stelltest, um meiner Torheit Vorschub zu leisten, habe ich mir eingeredet,
+daß die Reize dieses hübschen Jungen dein Verlangen ebenso erweckt hätten
+wie meines und daß Du, um Dich daran zu ersättigen, diese Bedingung
+gestellt habest. Habe ich mit dieser Vermutung recht gehabt?«
+
+»Ah nein, wie Du Dich täuschst, meine Liebste! Ich war begehrlich, das
+stimmt. Du hast das untrügliche Zeichen dieses Verlangens ja gesehen. Wer
+hätte in einer Situation wie dieser nicht ähnlich empfunden? Aber in erster
+Linie waren die Vorzüge Deiner eigenen Person die Ursache dieser
+Empfindungen. Ich muß Dir gestehen, daß mir die Vorliebe mancher Männer für
+ihr eigenes Geschlecht immer bizarr erschien, wenn man sie auch bei allen
+Nationen finden mag. Diese merkwürdige Leidenschaft erscheint mir vor allem
+deshalb extravagant, weil sie alle Gesetze der Natur verletzt, es sei denn,
+daß ein akuter Mangel an Frauen uns unsere Zuflucht zu unserem eigenen
+Geschlecht nehmen läßt. Man kann dies in Schulen, Klöstern, Gefängnissen
+und überall dort, beobachten, wo die Frauen aus dem Leben der Männer
+ausgeschlossen sind. Doch werden diese Unglücklichen, welche die Reize der
+Frauen entbehren müssen, immer wieder zu diesen zurückkehren, wenn sie die
+Möglichkeit dazu haben.
+
+Etwas anderes ist es mit der Neigung der Frauen für ihr eigenes Geschlecht.
+Diese scheint mir nicht so unnatürlich. Ich glaube vielmehr, daß die
+Zärtlichkeit ihres Betragens untereinander sie sehr leicht verführt, mit
+ihren Geschlechtsgenossinnen eine intime Bindung einzugehen. Auch stört
+diese Neigung zumeist ihre Vorliebe für unser Geschlecht nicht im
+Geringsten. Tatsächlich werden diese armen Geschöpfe doch zeitlebens einem
+gewissen Zwang unterworfen. Man sperrt sie in Klöster ein, bei nahezu allen
+Nationen macht man aus ihrem Heim ein Gefängnis.
+
+Diese Abgeschlossenheit erzeugt in ihnen die Illusion, daß sie wenigstens
+in den Armen ihrer Geschlechtsgenossinnen jene Wonne suchen und finden
+könnten, nach der ihre Natur verlangt, wenn ihnen schon der natürlichere
+Umgang mit Männern verwehrt ist. Und da dieses unzweifelhafte Vergnügen, in
+dem sich Schönheit, Grazie und Jugendfrische mischen, für sie völlig
+ungefährlich ist, geben sie sich ihm nach den ersten schüchternen
+Versuchungen mit einer gewissen Leidenschaft hin. Sie riskieren nichts und
+sie gewinnen viel in einer solchen zärtlichen Bindung.
+
+Bei den Männern ist das etwas anderes. Im Allgemeinen mangelt es ihnen
+nicht an Frauen, und es ist für sie nicht halb so gefährlich wie für jene,
+ihren Wünschen nachzugehen. Sie haben also recht wenig Grund, sich mit
+ihresgleichen einzulassen. Übrigens scheint es mir im Ganzen als pervers,
+und Du darfst mir glauben, daß es damals mit Vernol das einzige Mal war,
+daß ich etwas dergleichen getan habe. Doch wenn mir diese Methode der Lust
+auch bei den Männern höchst bizarr erscheint, so finde ich es doch ganz
+natürlich, eine Frau gelegentlich von hinten zu nehmen. Ja, ein schlecht
+ausgerüsteter Mann ist in einer weiten Vagina so gut wie verloren und daher
+beinahe gezwungen, es mit einem engeren Weg zu versuchen, um auf dem Feld,
+das er beackert, die Lust zu empfangen, nach der er strebt. Und übrigens
+gibt es sogar eine ganze Anzahl von Frauen, die nicht anders erregt werden
+können als auf diesem Weg.
+
+Doch um auf die Gründe zurückzukommen, die mich damals veranlaßten, Vernol
+zu nehmen: Meine Liebe und mein Begehren galten Dir, und nur dir allein.
+Aber ich habe, wie Du weißt, keine Vorurteile. Dazu kam ein lebhaftes
+Verlangen, Dich von allen Seiten zu befriedigen und all Deine Gefühle zu
+wecken. Auch wollte ich, daß Du die Verschiedenheit des Genusses kennen
+lernen solltest. Dazu kam, daß ich Vernol seinen Genuß nicht allein zu
+gönnen vermochte, ich wollte daran teilnehmen. Auf welch andere Weise hätte
+ich dies erreichen können, ohne in Deinem Herzen als ein eifersüchtiger
+Tyrann zu gelten? Hätte ich mich Deinem Verlangen nach Vernol widersetzt,
+würde ich vielleicht Deine Zärtlichkeit und Dein absolutes Vertrauen
+verloren haben. Das konnte ich nicht riskieren, umso weniger, als ich nur
+auf Dein Herz eifersüchtig bin. Anderseits konnte ich Dich nicht in den
+Armen Vernols sehen, der sich meine Gefühle für Dich anmaßte, nur um eine
+Eroberung, die mir so viel bedeutete, dann als ein hübsches Abenteuer zu
+betrachten. Ich wollte, daß er sich, ebenso wie Rose, nicht dieser Lust
+erinnern könne, die er in deinen Armen empfing, ohne zur selben Zeit daran
+zu denken, daß er dafür mit seiner eigenen Person hatte bezahlen müssen.
+Und ich hoffte, daß diese Erinnerung seinen Gedanken und seiner Zunge einen
+Zaum auferlegen würde. Ich habe ihn mit umso mehr Grund in der Art der
+Frauen benutzt, weil Männer kaum je klug und diskret genug sind, das Gute,
+das ihnen widerfahren mag, für sich zu behalten. Um Dir die Ehrlichkeit
+meiner Gründe zu beweisen, erinnere ich Dich daran, daß Rose von mir nicht
+auf diese Weise behandelt wurde, obwohl das bei einer Frau doch um vieles
+natürlicher erschiene als bei einem Mann. Doch sie war mir dazu nicht
+wichtig genug. Und obwohl dies das erste Mal gewesen wäre, sie auf diese
+Weise zu besitzen, habe ich es doch Vernol überlassen, ihre zweite
+Jungfernschaft zu brechen. Urteile nun selbst, ob ich Dich täusche.«
+
+Seine Antwort überzeugte mich. Ich umschlang ihn mit meinen Armen, ich
+drückte ihn an mein Herz, ich erstickte ihn beinahe mit den Beweisen meiner
+Liebe.
+
+»Mein Liebster, nie, nie wieder werde ich Deine Güte und Deine Liebe für
+Deine Laurette bezweifeln. Glaube mir, von nun an soll jeder Atemzug meines
+Lebens Dir geweiht sein. Ich will Dich zum Gefährten meiner Lust wie meiner
+Sorgen, ja selbst meiner geheimsten Gedanken machen. Die Beständigkeit und
+Treue meines Herzens sollen Dir die Innigkeit eines Herzens beweisen, das
+nur für Dich schlägt.«
+
+Ich genoß in der Folge vier köstliche Jahre, die erfüllt waren von Frieden
+und süßem Glück. Er war all meine Seligkeit. Behütet und behütend, liebend
+und wiedergeliebt genoß ich das Glück seiner innigen Zuneigung jeden Tag
+aufs neue. Nichts trübte mein Glück außer dem Tod unserer lieben Lucette.
+Ihr Andenken ist mir für immer teuer. Dies ist die Frucht der tiefen
+Zuneigung, die wir für einander empfanden. War nicht ihr ganzes Verhalten
+von der zärtlichen Liebe erfüllt gewesen, die sie meinem Vater und mir
+entgegengebracht hatte? Ich hatte den Unterschied zwischen ihr und Rose
+wohl erkannt und die Verbindung mit ihr viel höher eingeschätzt als jene
+mit der flatterhaften Rose. Doch ach, der Verlust, den ich durch sie
+erlitt, war nur ein schwacher Vorgeschmack jener Qualen, jener
+nachtschwarzen Kümmernisse, die gar bald über mich hereinbrechen sollten.
+Ach, meine Eugenie, wozu diese Wunde aufs Neue aufreißen? Wozu meinen
+Schmerz erneuern?
+
+Die Erinnerung an mein Unglück zerreißt mein Herz. Nein, ich will nicht
+noch einmal darüber sprechen . . .
+
+
+
+
+9. Kapitel
+
+
+Und doch, meine teure Freundin, muß ich dieses schreckliche Gemälde des
+Schmerzes vor Dir ausbreiten. Ah, Deine Laurette ist nicht mehr sie selbst,
+mein Herz blutet, erschüttert läßt meine Hand die Feder sinken, ein wildes
+Schluchzen schnürt mir die Kehle zu. Meine Augen sind eine Quelle der
+Tränen geworden. Vielleicht hätte Deine Freundschaft sie trocknen können,
+wenn ich bei Dir gewesen wäre. Endlich, nach einem neuen Ausbruch der
+Verzweiflung finde ich die Kraft, mein Unglück vor Deinen Augen
+auszubreiten.
+
+Du weißt, daß ich gerade zwanzig Jahre alt geworden war, als mein Vater,
+der zärtlichste und liebenswürdigste aller Väter und zugleich der
+wundervollste und anbetungswürdigste Liebhaber, dessen Leben ich nur zu
+gern mit meinem eigenen erkauft hätte, dessen Verlust für mich unersetzlich
+ist, durch eine Lungenkrankheit hinweggerafft wurde.
+
+Ach, alle Kunst der Ärzte war an ihm vergeblich. Ich verließ ihn niemals,
+ich weilte Tag und Nacht an seinem Bett, das ich heimlich mit meinen Tränen
+benetzte. Ich versuchte sie vor ihm zu verbergen, doch mein bebender Mund
+verriet ihm meine Verfassung. Er war gerührt und wollte mir seinen Zustand
+verbergen. Er bat mich, ihn für etliche Stunden zu verlassen, um
+auszuruhen, aber ich brachte es nicht übers Herz. Kaum, daß ich auf die
+Ratschläge hörte, die er mir gab. Denn er erkannte die Situation und
+begegnete ihr mit Entschlossenheit. Schließlich traf mich der entsetzliche
+Schlag. Ach, meine Lippen empfingen seine letzten Seufzer.
+
+Welch ein Verlust für mich, Eugenie, meine liebe Eugenie! Meine Augen
+starren blicklos auf das Papier, auf dem ich darüber berichte. Ich war ihm
+tausendmal mehr zugetan, als wenn er mein wirklicher Vater gewesen wäre. Er
+hatte mich einst mit dem Comte de Norval bekannt gemacht, dessen
+Vergnügungen ich mein Leben verdanke. Ich habe ihn ohne die geringste
+Bewegung, ohne ein anderes Interesse als dem einer gewissen Neugier
+betrachtet.
+
+Wo ist nur diese innere Stimme, habe ich mich gefragt, die uns denen in die
+Arme führt, die uns das Leben gegeben haben? Welch eine nutzlose Chimäre!
+Unser Herz spricht aber nur für jene, die unser Glück und unsere
+Zufriedenheit geschaffen haben.
+
+Der Schatten des Schmerzes, der auf mir lag, die Verzweiflung und
+Zerrissenheit meines Herzens machten es mir unmöglich zu schlafen.
+Schließlich wurde ich selbst schwer krank. Ich wollte sterben. Doch meine
+Stunde war noch nicht gekommen, und meine Jugend fand Mittel und Wege, um
+mich zu retten. Doch selbst als ich meine Kräfte wiedergewonnen hatte, fand
+ich nur einen Gedanken: Den, mich lebendig zu begraben. Ich hatte alles
+verloren. Das Leben war mir hassenswert geworden. So schien nun das Kloster
+das einzige Ziel meines Verlangens. Ach, wie hatte ich jemals glauben
+können, dort meine Leiden zu enden?
+
+Mein Schmerz wäre heute noch so stark wie je zuvor, wenn Du ihn nicht
+gelindert hättest. Erlaube mir, meine schöne und zärtliche Freundin, daß
+ich zu meiner eigenen Genugtuung vor Deinen Augen das Bild jener süßen
+Augenblicke ausbreite, die ich bei Dir verbrachte und durch die Du einen
+heilsamen Balsam in mein wundes Herz gegossen hast. Diese starke Erregung,
+die man Sympathie nennt, dieses Interesse, das man am Unglück eines anderen
+nimmt, dem man sich verwandt weiß, ließ Dich für mich fast vom ersten
+Augenblick an Freundschaft empfinden. Du durchschautest den Zustand meines
+Herzens, ohne die Gründe zu kennen. Du ließest meinen Tränen freien Lauf,
+Du hast deine Zelle verlassen, um meinen Schmerz zu lindern. Deine Jugend,
+Deine Grazie, Deine Reize und dein Geist verliehen Deinen Gesprächen
+Gewicht. Du hast meinen Kummer und mein Bett geteilt.
+
+Wie erstaunt war ich über die Schätze, die Dein Nonnengewand und Dein
+Schleier mir verbargen! Dieser Anblick rührte ein lebhaftes Gefühl, und
+damit auch die Erinnerung an meine Leiden wieder auf. Du hast meine Tränen
+fließen sehen, Du warst darüber erstaunt. Du wolltest die Ursache meines
+Kummers kennen lernen und ein Geheimnis enthüllen, das ich vor aller Welt
+verborgen sehen wollte. Ich reagierte kaum auf Deine Fragen, so sehr befand
+ich mich in einem Zustand innerer Abgestumpftheit. Ohne die Empfindung des
+Schmerzes, die mich ganz ausfüllte, wäre ich tot gewesen. Doch da empfing
+ich die Zuneigung einer Freundin. Ich hatte nicht geglaubt, daß ich
+überhaupt noch für ein menschliches Gefühl empfänglich sein würde. In
+diesem Augenblick merkte ich wohl, wie sehr Lucette mir fehlte. Ich glaubte
+nicht, daß jemals irgendjemand sie ersetzen könnte. Wie hätte ich annehmen
+können, daß ich diese Freundin just unter der Maske finden würde, die Du
+trägst? Doch Dein Charakter, Dein Temperament, Deine Seele offenbarten sich
+mir bald in all ihren Reizen. Ich begann Dich zu beobachten, und diese
+Beobachtungen fielen sehr zu Deinen Gunsten aus. Deine Freundschaft und
+Dein Vertrauen weckten schließlich auch meine Gefühle für Dich. Dein
+Geständnis ließ auch mich Dir gegenüber Offenheit üben, und so fand ich in
+Deinen Armen den Trost, dessen ich so sehr bedurfte.
+
+Mit welcher Genugtuung erinnere ich mich an jene Nacht, da Du mir sagtest:
+»Meine liebe Laurette, ich habe Grund zu vermuten, daß Du einen schweren
+Kummer mit Dir herumträgst. Doch vielleicht kann ich Dir helfen, indem ich
+Dir die Ursache des meinen enthülle. So habe ich vielleicht die Genugtuung,
+Deinen Schmerz durch den meinen zu heilen.«
+
+Du dachtest mit Recht, daß ich, die ich das Geheimnis meines Herzens so
+strikt zu bewahren vermochte, auch Deines so hüten würde. Und Du hast Dich
+nicht getäuscht. Ich glaube Dich noch reden zu hören, als Du mir sagtest:
+»Hör zu, mein Herz! ja, auch ich liebe, so zärtlich wie eine Frau nur zu
+lieben vermag. Aber ach, ich habe das grausame Unglück, dem Leben einer
+Nonne ausgeliefert zu sein. Diese honigsüßen, betrügerischen Beguinen haben
+meine unerfahrene Jugend hier eingemauert und meine Hoffnungen in diesem
+elenden Gefängnis begraben. Meine Unwissenheit ließ mich die ewigen
+Gelöbnisse ablegen. Ach, seither foltern mich meine Begierden, deren Opfer
+ich bin. In der Nacht flieht der Schlaf meine Augen, und während des Tages
+ödet alles mich an. Meine Seele ist wie abgestorben. Urteile selbst über
+meinen Zustand. Frei wie Du bist, kannst Du Dich wenigstens einem Liebhaber
+überlassen, der Deine Reize zu schätzen wissen wird, die ich sehe und
+berühre.«
+
+Deine Hand, die sich bei diesen Worten auf meine Brust gelegt hatte, ließ
+mich zusammenschauern. »Ah, liebste Eugenie«, rief ich mit Leidenschaft,
+»das ist ja der Grund meines Kummers. Ich habe einen Geliebten verloren,
+den ich anbetete, und der Tod hat mich selbst verschont. O Himmel, warum
+bin ich nicht statt seiner gestorben?«
+
+Aber da ist er . . . ja, er ist es, den ich halte . . . Ich reiße Dich in
+meine Arme. Du hast mir eine süße Illusion gegeben. Doch ach, der Teil
+Deiner Reize, den meine Hände erfassen, bringt mich zu mir selbst zurück.
+Das, was Dir fehlt, zerstört das holde Phantom, das meine Phantasie sich
+geschaffen hat. Dabei sollten Deine Reize meine Zunge doch zu wahren Elogen
+anspornen. Deine Brüste, Deine Schenkel, Dein Haar, Deine Liebesgrotte,
+alles bot sich meinen bewundernden Augen. Schließlich erlöste mich der
+Anblick so vieler Vorzüge von meinem Schmerz.
+
+»Ah, welche Wonne für Dich und Deinen Liebhaber«, rief ich, »wenn er Dich
+in seinen Armen hielte wie ich Dich jetzt halte.«
+
+Du möchtest etwas wissen, Du schwankst, Du versuchst mich zu fragen und
+wagst es nicht. Schließlich nimmst Du Deinen Mut zusammen und fragst mich,
+ob ich diese Vergnügen denn kenne und ob sie wirklich so groß seien, wie Du
+gehört habest. Ich gestehe Dir das ein und zeichne Dir ein reizendes Bild
+davon, das Dich entzückt, ohne Dich zu überzeugen.
+
+»Du mußt diese Wonnen kennen lernen«, rief ich. »Wie? Du bist siebzehn
+Jahre alt und kennst sie nicht? Wenn Du willst, werde ich Dich wenigstens
+einige davon kosten lassen.«
+
+Deine Neugier und Dein Verlangen, das meine Zärtlichkeiten in Dir erweckt
+hatten, ließen Dich zustimmen. Der Eifer, Dich meinerseits zu trösten und
+Dich von den Schatten Deiner Unwissenheit zu befreien, linderte meinen
+Schmerz. Du warst für meine Lockungen bereit. Ich breitete Deine Schenkel
+aus, ich liebkoste die Lippen Deiner kleinen Grotte, die wie frische Rosen
+waren. Doch noch wagte ich meinen Finger nicht vordringen zu lassen. Du
+warst noch nicht genügend eingeweiht, um in dem ersten flüchtigen Schmerz
+eine Ahnung der Lust zu entdecken. Schließlich gewann ich den Preis der
+Begierde, und Deine reizende kleine Klitoris, die ich liebkoste, brachte
+Dich in eine leidenschaftliche Ekstase.
+
+Ah, ihr Götter! Welch wundersame Wonne! Augenblicklich hast du mich zu
+Deinem Liebhaber gemacht. Du hast mich mit Küssen überhäuft. Deine Hände
+irrten über meinen Körper. Gar zu gern wolltest Du mir denselben Dienst
+erweisen, den ich Dir eben erwiesen hatte, aber mein Körper war noch zu
+sehr vom Schmerz überschattet. So widerstand ich den Bemühungen Deiner
+zärtlichen Hände. Doch nahm ich Dich in die Arme und wiederholte meine
+Zärtlichkeiten. Es dauerte nicht lange, so warst Du wieder in jenem Zustand
+der Erregung. Ich konnte Dich mühelos überreden.
+
+»Nun gut«, sagtest Du mir mit dieser reizenden Lebhaftigkeit, die ich so an
+Dir schätze. »Mach mit mir, was Du willst.«
+
+Ich liebkoste Deine kleine Grotte aufs neue und ließ dann meinen Finger
+behutsam eindringen, während ich Dich mit der anderen Hand kitzelte. Das
+Vergnügen erschien Dir, da es mit einem süßen Schmerz vermischt war, noch
+einmal so lebhaft. So bin ich also jene glückliche Sterbliche geworden, die
+Deine Jungfernschaft, diese kostbare und seltene Blüte der Frauen,
+gepflückt hat.
+
+Nachdem ich mit Dir so vertraut geworden war, zögerte ich nicht, Dir mein
+Herz ganz zu öffnen, um Dich Schritt um Schritt auf jenem Weg der Wollust
+weiterzuführen. Meine Hand war es, die dich von den Hemmnissen Deiner
+Unwissenheit und den Vorurteilen eines Kindes befreite. Die Furcht vor
+einer Schwangerschaft konnte Dir nichts mehr anhaben, ich habe Dich durch
+meine Erfahrung belehrt. So verdankt mir Dein Liebhaber den ersten Schritt
+zu seinem und Deinem Glück.
+
+»Aber ach«, klagtest Du mir, »all diese Dogmen, die man mir in meiner
+Kindheit eingeimpft hat, die Gelöbnisse, die man mir diktierte, dieser
+Schleier, den man mir aufgezwungen hat, alles widersetzt sich meinem
+Glück.« Aber meine Liebe, meine Vorbereitungen und mein Beistand haben
+diese Vorurteile abgeschwächt und alle Hindernisse beseitigt.
+
+Du verdankst mir den Frieden Deines Geistes und die Gesellschaft, derer Du
+Dich erfreust: Vor allem aber verdankt mir Dein Liebhaber seinen Sieg.
+Meine Freundschaft hat euch beiden gedient. Doch zuvor mußte ich mich
+überzeugen, daß Valsay, der Deinem Herzen so teuer war, Deine Liebe auch
+verdiente. Du weißt, daß diese Fürsorge nicht einem einzigen Tag
+entsprungen ist. Eine kultivierte Frau mit Taktgefühl wird immer imstande
+sein, das Herz eines Mannes zu durchdringen, trotz aller Täuschungsmanöver
+und aller Doppelzüngigkeit, hinter denen er sich zu verbergen suchen mag.
+Aber ich war mit Valsay zufrieden. Er gefiel mir gut genug, so daß ich es
+wagte, alles auf mich zu nehmen, um Dein Verlangen nach ihm zu befriedigen.
+Ohne meinen Beistand würden Deine Schwäche und Schüchternheit die
+Hindernisse, die euch trennten, nie überwunden haben. Erinnere Dich an
+jenen Tag, da Dein Geliebter Dich auf das leidenschaftlichste bedrängte,
+ihn glücklich zu machen. Ich sekundierte ihm mit all meiner Kraft. Du hast
+Dich verteidigt, während Du ihn doch begehrtest. Du hast ihm Gründe
+entgegengesetzt, die Dir stark genug erschienen. Du hast ihm Hindernisse
+vor Augen geführt, die in Deinen Augen unwiderstehlich waren. Ich hatte
+Mitleid mit ihm. Ich sah das Feuer der Begierde in ihm und Dir glühen. Der
+Augenblick erschien mir günstig, und so beschloß ich, zu Deinem Glück
+beizutragen.
+
+»Nun gut«, sagte ich Dir, »ich werde alles überwinden. Valsay, man wird
+Dich als undankbar tadeln, wenn Du meine Bemühungen nicht zu würdigen
+weißt.«
+
+Ich schloß die Türen des Sprechzimmers auf unserer Seite, ohne auf Deine
+Einwände zu achten. Dein Liebhaber tat auf seiner Seite dasselbe. Ich nahm
+Dich in meine Arme und preßte Dich gegen das Gitter. Ich lüftete Deinen
+Schleier. Er nahm Deine Brüste in die Hand, er küßte Dich und liebkoste
+Deine Zunge mit der seinen, als Deine Lippen sich schließlich öffneten.
+Doch sein leidenschaftlicher Durst nach Deiner Schönheit führte seine
+Hände, die wie von selbst unter Deine Röcke glitten, um Deine verborgensten
+Reize zu liebkosen. Ich preßte Dich gegen ihn, und auch ich küßte Dich.
+Schließlich gelang es ihm, sich dieser liebenswürdigen kleinen Grotte zu
+bemächtigen, die in all dem Glanz Deiner Jugendfrische erstrahlte. Seine
+Zärtlichkeiten entfachten in Dir eine leidenschaftliche Begierde. Er
+verwünschte dieses unerbittliche Gitter, das euch trennte und das sich
+seiner Lust widersetzte. Ich war nahezu außer mir.
+
+»Wie«, sagte ich zu Deinem Liebhaber, »haben Sie so wenig Selbstvertrauen?
+Ach, Valsay, dem, der liebt, ist alles möglich. Ich liebe meine teure
+Eugenie viel mehr, als Sie es tun, und ich werde Ihnen beweisen, daß dieses
+Gefühl mir alles ermöglicht. Nichts kann mich zurückhalten, sie zu
+befriedigen. Denn wenn wir jetzt aufgeben, ist alles verloren.«
+
+Du hast Dich uns schließlich ergeben. Ich veranlaßte Dich, auf die Brüstung
+des Gitters zu steigen und Deine Hände auf meine Schulter zu stützen. Ich
+hielt Dich. Valsay schürzte Deine schwarzen Röcke, welche das blendende
+Weiß Deiner Schenkel noch einmal so strahlend erscheinen ließen. Er
+liebkoste und küßte sie und schenkte ihnen alle Aufmerksamkeit, die sie
+verdienten. Deine kleine Grotte, die sich durch die Gitterstäbe so reizvoll
+zur Schau stellte, bot ein bezauberndes Bild. Ich gab ihr unzählige Küsse,
+doch weil sich Valsay beeilen mußte, wenn er sein Glück gewinnen wollte,
+nahm er Dich schließlich, während ich, meine Hand zwischen Deinen
+Schenkeln, Dich liebkoste. Das Vergnügen, dem wir uns überließen, überwand
+schließlich Deine Bedenken. Du nimmst meine Brüste in die Hand, Du küßt
+mich, Du verschlingst mich beinahe, es kommt Dir. Valsay hat die Klugheit,
+sich zurückzuziehen. Seine Wollust verströmt zwischen meinen Fingern und
+ergießt sich auf meine Hand wie die Lava eines Vulkans. Da kommt ihr beiden
+wieder zu euch selbst zurück. Du beschaust und liebkost dieses Kleinod, das
+ich Dir in so lebhaften Farben geschildert habe.
+
+Doch Du kannst Dich seiner ohne meine Hilfe nicht mehr bedienen. Deine
+Augen sprechen von einer unterdrückten Leidenschaft. Du wagst nicht, mich
+zu bitten, daß ich Deiner Leidenschaft noch einmal diene, aber ich errate
+auch so, was Du begehrst. Schließlich bedrängst Du mich und beschwörst
+mich, Dich nicht zu verlassen. Wie, grausame Freundin, Du willst, daß ich
+Zeugin Deiner Wonnen und Deiner Seligkeit werde, während die meinen für
+immer verloren sind? Doch die Freundschaft, die ich für Dich empfinde,
+verweigert Dir nichts. Ich biete Dir aufs Neue meinen Beistand, und dieses
+Anerbieten entzückt Dich. Du erstickst mich in Deinen Küssen. Ich erinnere
+Dich in diesem Augenblick daran, daß Du Dich mit jenem gewissen heilsamen
+Schwämmchen bewaffnest. Du läßt mich die Gottheit sehen, der Du so eifrig
+dienst, mit der Du scherztest, die Du von Tag zu Tag mehr begehrst. Deine
+Tollheiten nehmen immer mehr zu. Du hast ihm meine Brüste enthüllt und
+alles, was ich sonst zu verbergen habe. Ich habe mich Deinen Neckereien
+überlassen. In welchen Zustand der Erregung habt ihr beide mich versetzt!
+Ich habe es Dir gestanden, und das treulose Mitleid hat mein Geheimnis
+verraten. Du willst, daß ich mit Deinem Geliebten spiele, du gönnst ihm
+meine Reize. Du bedrängst mich, seinen Wünschen zuzustimmen. Deine
+Geständnisse, Deine Bitten und seine Begierden, deren unübersehbares
+Zeugnis Du wieder und wieder in meine Hand gibst, sollen mich umstimmen.
+
+Ich widerstehe täglich. Deine Bitten, sein Flehen, selbst das Feuer in
+meinen Adern kann mich nicht zu einem solchen Entschluß bringen. Nein,
+meine teure Eugenie, nein.
+
+Vergeblich machst Du mir Vorwürfe über meine Gleichgültigkeit, wirfst mir
+sogar vor, ihn zu hassen. Aber Valsay ist nicht imstande, die eine zu
+durchdringen oder den anderen zu erwecken. Unsere Freundschaft allein
+genügt mir.
+
+Nach dem übergroßen Verlust, den ich erlitten habe, werde ich niemals
+wieder eine intime Liaison mit einem Mann eingehen, und nichts kann mich in
+diesem Entschluß wankend machen. Du kannst davon überzeugt sein, daß weder
+eure Lust noch die Zärtlichkeiten, die ihr euch erweist, auch nicht der
+Anblick und die Berührung dessen, was Dir an ihm am liebenswürdigsten
+erscheint, mich je dazu bringen werden, gegen diesen unerschütterlichen
+Vorsatz zu verstoßen. Die Nacht, die ich zufrieden in Deinen Armen
+verbringe, genügt mir völlig, um das Feuer zu löschen, das noch immer in
+meinen Adern brennt.
+
+Einige widrige Umstände haben diese sanfte Ruhe, die ich durch Dich
+wiedergefunden habe, gestört. Die Heirat meiner Cousine sowie die
+Notwendigkeit, meine wirtschaftlichen Verhältnisse zu ordnen, haben meine
+Abreise nötig gemacht. Wir haben uns also für einige Zeit trennen müssen.
+Du hast mich beschworen, Dich nicht zu verlassen, und als Beweis meiner
+aufrichtigen Zuneigung habe ich Dir versprochen, Dir in allen Einzelheiten
+zu berichten, was ich Dir in kurzen Zügen schon eröffnet habe. Ah, welches
+Opfer an Klugheit habe ich da gebracht! Aber Du kennst Deine Macht über
+mich. Du weißt, wie sehr ich Dich liebe. Dir gehören heute alle
+Empfindungen meines Herzens. Während sie unter anderen Umständen der Welt
+und der Gesellschaft gehören würden, erntest nur Du allein sie.
+
+Nimm zur Versicherung dessen tausend Küsse, die ich Dir schicke. Sie werden
+Dir sagen, wie sehr ich dem süßen Augenblick entgegenseufze, da ich Dich
+wieder in meinen Armen halten werde. Ah, meine Liebste, warum ist dieser
+Augenblick noch nicht gekommen? Ich hoffe wenigstens, daß er bald da sein
+wird. Ich werde Dir ein Kleinod mitbringen, das jenem Valsays ganz ähnlich
+ist, aber viel weniger Gefahren in sich birgt. Es ist zwar nicht ganz so
+natürlich, doch sind seine Vorteile desto größer, und es ist ganz ohne
+jedes Risiko. Wenn es Dir gefällt, wird unsere Freundschaft durch seinen
+Gebrauch noch reizvoller werden. Und wenn Valsay sich eines Tages von Dir
+trennen sollte, nun, meine liebste Freundin, so verzichte doch auf diese
+gefährlichen Liebschaften, die eines Tages fatale Folgen haben könnten.
+Begnüge Dich mit dem, was ich dir geben kann. Oh, meine Liebste, vergessen
+wir alles, um einander umso inniger zu halten!
+
+Erwarte mich bald, ich will in Deine Arme.
+
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+End of the Project Gutenberg EBook of Der gelüftete Vorhang oder Lauras
+Erziehung, by Honoré-Gabriel Riquetti Mirabeau
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 42406 ***