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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-03-08 01:04:27 -0800 |
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Nichts kann mich zurückhalten, ihn ihr +zu leisten, ja, meine liebste Eugenie, diese kostbaren Augenblicke, die ich +in Deinen Armen erfahren durfte, diese Leidenschaft der Sinne, die jede von +uns dazu getrieben hat, in den Armen der anderen ihr Vergnügen zu suchen, +diese Gemälde unserer Jugend, aus denen wir den Rauschtrunk unserer Wollust +keltern wollten, ich werde sie, um Dich zufrieden zu stellen, alle vor Dir +ausbreiten. Du solltest alles erfahren, was ich seit den Tagen meiner +zartesten Kindheit gedacht und erfahren habe. Alles, was ich je empfunden +habe, wird vor Deinen Augen wieder lebendig werden. Ich werde vor Dir diese +lebhaften Gefühle wiedererstehen lassen, die kostbare Bewegtheit, diese +reizvolle Trunkenheit. Und jedes Wort, das ich Dir sage, wird aus den +Quellen der Wahrhaftigkeit und Natürlichkeit gespeist werden. Ich werde +meine Hand alle jene Ornamente meines Lebens nachzeichnen lassen, die +Deiner entflammten Begierde würdig sind. Ich fürchte nicht, daß es mir an +Kraft dazu mangeln wird. Denn Du selbst inspirierst und begeisterst mich +ja. Du bist mir Venus und Apoll in einem. + +Doch hüte Dich wohl, mein Herz, daß dieses Geständnis meines Lebens je +Deinen Händen entgleite! Bedenke, Du befindest Dich in einem Heiligtum des +Aberwitzes und der Torheit. Diese Nonnen sind alle zu fürchten, jene, die +guten Glaubens sind, wie jene, die unter einem Schleier von +Scheinheiligkeit die exquisitesten und raffiniertesten Lüste verbergen. Die +Frauen lieben ganz allgemein den Schatten des Geheimnisvollen. Doch geben +sie nur zu oft Furcht und Anstand ihrem Vergnügen preis. Dieses Werk darf +niemals das Tageslicht sehen. Es ist nicht für die Augen des Pöbels +gemacht, der die Aufrichtigkeit einer Frau nicht begreifen kann und den +seine nichtswürdige Leichtgläubigkeit vor der nackten Natur zurückschrecken +läßt. + +Du glaubst nicht, meine teure Eugenie, wie uns die Männer -- sogar die +freizügigsten unter ihnen -- um die Freiheit unserer Einbildungskraft +beneiden. Sie wollen uns nur jene Freuden zubilligen, die ihnen selbst +dienen. Wir sind in ihren Augen nichts als Sklavinnen, die es nicht wagen +dürfen, die Hand der mächtigen Herren zu halten, die uns unterdrücken. +Alles gehört ihnen, sie sind die Tyrannen, deren Vergnügen wir dienen +müssen. Sie sind eifersüchtig, wenn wir unsererseits jemanden anschauen. +Egoisten sind sie, die immer nur ihr eigenes Selbst im Auge haben. Am +besten sollte niemand außer ihnen existieren. + +Nur wenige von ihnen denken daran, uns an den Vergnügungen, die wir ihnen +bereiten, teilnehmen zu lassen, ja, sie versuchen sich sogar Vergnügungen +zu schaffen, indem sie uns quälen und den schmerzhaftesten Prozeduren +unterziehen. + +Welche bizarren Spielereien hat ihre Extravaganz nicht erfunden! Ihre +Einbildungskraft, die nie zur Ruhe kommt, erlischt ebenso rasch, wie sie +sich entzündet. Ihre Anstrengungen, ihre Perfidie und ihre unbeständigen +Begierden irren von einem Objekt zum nächsten. Durch eine seltsame +Perversion der Gefühle gestehen sie uns keinen der Genüsse zu, die sie sich +anmaßen. Und das uns, deren Empfindsamkeit um so viel größer, deren +Phantasie um so viel lebhafter und leichter entflammbar ist als die ihre. + +Ah, diese grausamen Ungeheuer! Sie wollen unsere Sinnenfreudigkeit +vernichten, und doch wäre unsere Kälte ihre Marter und ihr Unglück. Nur +wenige spielen, um der Wahrheit die Ehre zu geben, mit offenen Karten. Aber +es wäre selbst ihnen gegenüber unklug, wenn wir uns ihnen ganz enthüllen +wollten. + +Indessen wäre dieses Werk in den Händen jener Unglücklichen nicht weniger +deplaziert, die nicht einmal die Liebe wärmen kann. Ich spreche von jenen +phlegmatischen Frauen, die selbst die Aufmerksamkeit liebenswürdiger Männer +nicht erregen kann, und von jenen schwerblütigen Männern, die nicht einmal +die Schönheit zu begeistern vermag. Es gibt viele dieser unentschlossenen +und trägen Tiere, die sich mit dem hochtrabenden Titel eines Künstlers oder +Philosophen schmücken und deren geistige Ergüsse doch nur das Resultat +einer Gallenkolik, eines melancholischen Anfalls und anderer Mißgeschicke +sind. Kein Wunder, daß sie der Welt entfliehen, in der sie sich so wenig +wohlbefinden. + +Diese Leute verdammen natürlich ebenso wie das nutzlose Alter alle +Vergnügungen, die ihnen verwehrt sind. + +Es gibt andere, die von leidenschaftlichem Temperament sind. Doch die +Vorurteile ihrer Erziehung und ihre Schüchternheit haben sie für eine +Tugend begeistert, deren Wesen ihnen doch gänzlich unbekannt ist. Sie +unterdrücken die natürlichen Ergüsse des Menschen und laufen einem Phantom +nach. Die Liebe ist ihnen eine profane Gottheit, die es nicht verdient, daß +sie ihr ihren Weihrauch streuen. Höchstens, daß sie ihr in Gestalt des +Hymen etliche Male opfern. Ferner gibt es Fanatiker, die unter dem Vorwand +der Ehre ihre Eifersucht verbergen. Das ist ein Verrat an der Liebe und +eine Blasphemie gegen die liebenswürdigste aller Gottheiten. + +Doch, meine liebe Eugenie, wir wollen doch niemanden schockieren. Bewahren +wir unsere freimütigen Geständnisse deshalb so gut wie möglich. Nur für +Dich öffne ich mein Herz. Es ist nur Deinetwegen, daß ich alle Schleier von +dem Gemälde hinwegziehe, das vor Deinen Augen auszubreiten ich im Begriff +bin. Möge es für die anderen verborgen bleiben, genauso wie die Freiheiten, +die wir uns genommen haben. + +Und so seien die folgenden Blätter nur der Freundschaft und der Liebe +gewidmet. Mögen diese mit Wohlgefallen auf die schlüpfrigen Bilder blicken, +die meine Feder nur zögernd enthüllt. + + + + +1. Kapitel + + +Ich beginne meine Geschichte mit meinem zehnten Lebensjahr. Meine Mutter +starb an einer langwierigen Krankheit, die sie nach acht Monaten des +Leidens zu Grabe brachte. Mein Vater tröstete mich über einen Verlust, den +ich täglich mit bitteren Tränen beweinte. Seine Zuneigung, seine Gefühle, +die mir so teuer waren, wurden ihm von meiner Seite auf das lebhafteste +vergolten. + +Ich war stets der Gegenstand seiner zärtlichsten Liebkosungen gewesen. Es +verging kein Tag, an dem er mich nicht in seine Arme schloß und mich mit +den süßesten Küssen überhäufte. + +Ich erinnere mich noch daran, wie meine Mutter ihm eines Tages Vorhaltungen +machte, daß er mich auf diese Weise verwöhnte. Er gab ihr eine Antwort, die +mir später noch viel zu denken gab, obwohl seither bereits einige Zeit +vergangen war. + +»Worüber beklagen Sie sich, Madame? Ich habe keinen Grund zu erröten. Wenn +sie meine Tochter wäre, so wären diese Vorwürfe vielleicht begründet, aber +so fühle ich mich nicht in der Situation, das Beispiel Lots nachzuahmen. +Ich bin glücklich, diese Zärtlichkeit für sie zu empfinden, die Sie so +tadelnswert finden. Das, was Konvention und Gesetze bestimmen, ist keine +Forderung der Natur. Es fällt daher dem denkenden Menschen leicht, sich +darüber hinwegzusetzen.« + +Diese Antwort habe ich nie wieder aus dem Gedächtnis verloren. Das +Schweigen meiner Mutter, das darauf folgte, ließ sie mir noch +bedeutungsvoller erscheinen, ja, ich glaube, daß dieses Gespräch, das ich +zufällig belauschte, und die Gedanken, die ich mir darüber machte, mich +noch fester an meinen Vater banden. Ich begriff wohl, daß ich alles in +meinem Leben seiner Freundschaft verdankte. Dieser Mann, der so +liebenswürdig, geistvoll und weise war, vermochte wahrhaftig die +zärtlichsten Gefühle zu erwecken. Die Natur hatte mich begünstigt, als ob +die Liebe selbst mich geformt hätte. Du weißt, meine liebe Eugenie, daß ich +in diesem Punkt nicht übertreibe. Von Kindheit an hatte ich eine hübsche +und ebenmäßige Figur, eine schlanke Taille und einen ausgezeichneten Teint. +Die Lebhaftigkeit meiner braunen Augen wurde durch einen sanften und +zärtlichen Blick gemäßigt, und mein Haar fiel in schönen Locken auf meine +Schultern. Ich hatte ein fröhliches Gemüt, wenn ich auch ein wenig zur +Nachdenklichkeit neigte. + +Mein Vater studierte meine Neigungen und meinen Geschmack, und er +kultivierte meine Anlagen mit der größten Sorgfalt. Die größte Mühe +verwandte er darauf, mich zur Wahrheitsliebe anzuhalten. Er wollte, daß ich +nichts vor ihm verberge, und er erreichte dies auch mit Leichtigkeit. Denn +es war unmöglich, ihm etwas zu verschweigen. Seine strengste Strafe bestand +darin, mir seine Zärtlichkeit zu verweigern. Ah, wie habe ich die wenigen +Male, da dies geschah, darunter gelitten! + +Einige Zeit nach dem Tod meiner Mutter schloß mich dieser hervorragende +Mann eines Tages besonders innig in seine Arme. + +»Laurette, mein liebes Kind«, sagte er, »Du bist nun beinahe elf Jahre alt, +und Deine Tränen über den Verlust deiner Mutter sollten nun aufhören. Ich +habe Dir genügend Zeit zur Trauer gelassen. Nun wollen wir durch +vernünftige Beschäftigung für Deine Zerstreuung sorgen.« + +Tatsächlich habe ich eine brillante Erziehung genossen. Ich hatte nur einen +einzigen Lehrmeister: Meinen Vater. Aber er unterrichtete mich in allem. In +Malerei, Tanz, Musik und allen Wissenschaften war er gleicherweise ein +Meister. Es war ihm nicht schwer gefallen, sich über den Tod meiner Mutter +hinweg zu trösten. Ich wunderte mich darüber, und eines Tages konnte ich +mich nicht enthalten, mit ihm darüber zu sprechen. + +»Du mußt wissen, daß in einer Gemeinschaft, in der sich Charaktere und +Temperamente ähneln, der Augenblick, in dem diese Übereinstimmung +zerbricht, die Herzen der Einzelwesen zerreißt, die sich auf solche Weise +miteinander verbunden fühlten. Weder Charakterstärke noch irgendeine Art +von Philosophie helfen einem sensiblen Menschen, dieses Übel ohne Kummer zu +ertragen. Auch die Zeit, von der es heißt, daß sie alle Wunden heilt, kann +da nur wenig Linderung verschaffen. Wenn wir nicht durch die Bande der +Sympathie mit einigen unserer Mitmenschen verbunden wären, gäbe es auf +dieser Welt keine Trennung außer der, die durch die unvermeidlichen +Naturgesetze verursacht wird, denen alles Leben unterworfen erscheint. Ein +vernünftiger Mensch wird sich deshalb früher oder später mit dem Schmerz +abfinden müssen, der keinem menschlichen Wesen erspart bleibt. Doch soll +ich Dich in einem so wichtigen Punkt etwa täuschen, mein Kind? Gewiß nicht. +Dies ist vielmehr ein Gegenstand, um darüber zu reden. Du kannst Dir selbst +ein Urteil bilden. Stell dir also zwei Wesen vor, die in ihrer Veranlagung +ganz verschieden sind, sich aber durch eine fragwürdige äußere Macht, sei +es nun durch Konvention oder auch durch materielle Erwägungen, auf das +intimste miteinander verbunden haben. Nimm an, diese Menschen haben durch +eine flüchtige Täuschung ihrer Sinne zueinandergefunden. Oh, sie brauchen +nur kurze Zeit, um zu erkennen, daß sie einer Illusion zum Opfer gefallen +sind. Es dauert nicht lange, so lassen beide die Masken sinken, durch die +sie einander getäuscht haben, jene Masken also, die ihren natürlichen +Charakter verdecken. Wie glücklich werden diese beiden sein, sich wieder zu +trennen! + +Welch ein Glück bedeutet es, eine Kette zu sprengen, die durch die +Gewohnheit zur Tortur wurde. Welch ein Glück, sich dann mit jemandem zu +vereinen, der dem eigenen Charakter entspricht! Denn, meine Laurette, +während zwei Menschen, deren Neigungen und Charaktere ganz und gar nicht +zusammenpassen, ihre gegenseitige Gesellschaft fliehen, fühlen sie sich zu +einem Wesen, das dem ihren kongenial ist, um so heftiger hingezogen. Glaube +mir, die Übereinstimmung des Geschmacks und des Geistes ist für den +Menschen ungleich wichtiger als der flüchtige Rausch der Sinne. Und ein +Wort, eine gewisse Gedankenassoziation, ja selbst eine Gebärde kann die +Übereinstimmung der Gefühle wie der Gedanken bezeugen. Überlege Dir nun, +welche Qualen zwei Menschen leiden müssen, die durch die Ketten der +Konvention und des gesellschaftlichen Scheins aneinander gefesselt sind, +während doch alles in ihnen nach Trennung schreit. Welch eine Verstellung, +welch schmerzliche Selbstbeherrschung!« + +»Mein teurer Papa, Du nimmst mir alle Lust darauf, je zu heiraten. Ist das +Deine Absicht?« warf ich zutiefst betroffen ein. »Ah nein, mein Kind. Ich +wollte Dir nur eine Situation vor Augen führen, die mir nur zu gut bekannt +ist. Und damit Du die Natürlichkeit und Vernunft meiner Ansichten besser +verstehst, empfehle ich Dir zu lesen, was der Präsident von Montesquieu in +seinen »Nachdenklichen Briefen« darüber geschrieben, hat. Wenn Alter und +Vernunft Dich in die Lage versetzen, gegen unwürdige Vorurteile +anzukämpfen, wird es Dir ein Leichtes sein, das richtig zu erkennen. Ich +könnte Dir leicht Rechenschaft ablegen über alle Gedanken, die ich mir zu +diesem Thema gemacht habe. Aber Deine Jugend erlaubt es mir nicht, mehr +darüber zu sagen.« + +Damit beendete mein Vater dieses Gespräch. + +Und nun, meine teure Eugenie, siehst Du die Szene sich verwandeln. Eugenie, +liebste Eugenie, was soll ich Dir sagen? Die Schreie, die ich um mich zu +hören glaube, der Zwiespalt unter den Menschen, den die Worte meines Vaters +vor mir heraufbeschworen, lassen meine Feder sich sträuben. Aber die +sanften Stimmen der Liebe und Freundschaft beruhigen mich wieder. Ich fahre +also mit meiner Geschichte fort. + +Wiewohl mein Vater ausschließlich mit meiner Erziehung beschäftigt schien, +entdeckte ich doch nach etlichen Monaten eine gewisse Verwandlung an ihm. +Er schien zerstreut und unruhig. Irgendetwas, von dem ich nicht wußte, was +es war, schien ihn zu beschäftigen. Nach dem Tod meiner Mutter hatte er +jeden gesellschaftlichen Verkehr abgebrochen, um sich ganz der Sorge um +mich zu widmen. Wir lebten in einem großen und sehr bequemen Landhaus +völlig für uns. Ich hatte wenig Ablenkung, und so nahm ich seine Ideen mit +großem Eifer entgegen. Die Liebkosungen, die er mir zuteil werden ließ, +verdoppelten sich mit der Zeit und schienen ihn zu beleben. Seine Augen +bekamen dann einen lebhaften Glanz, seine Wangen röteten sich, seine Lippen +brannten auf den meinen. Er liebkoste meinen Hintern, er legte seine Hand +zwischen meine Schenkel und küßte meine Lippen und meinen Busen. Einmal +tauchte er mich splitternackt in ein Bad. Ah, es war köstlich! Nachdem er +mich am ganzen Körper mit einer duftenden Essenz eingerieben hatte, +überhäufte er mich mit seinen Küssen. Sein Busen bebte, und seine Hände +taten desgleichen. Niemals zuvor hatte ich ein so köstliches Bad gehabt. +Diese himmlische Unordnung hinter uns! Aber mitten in den lebhaftesten +Zärtlichkeiten verließ er mich und schloß sich in seinem Zimmer ein. + +Wenige Tage später hatte ich plötzlich unter seinen brennenden Küssen ein +Gefühl, wie ich es noch nie gehabt hatte. Unsere Lippen hatten einander +wohl unzählige Male berührt, ja selbst seine Zunge berührte meinen in +Zärtlichkeit hinschmelzenden Mund. Da fühlte ich das Feuer dieser Küsse in +meine Adern dringen. Aber wieder löste sich mein Vater aus meinen Armen und +enteilte. Ich blieb verstört und neugierig zurück. Auf jeden Fall wollte +ich entdecken, was meinen Vater dazu veranlaßte, just nach einem Augenblick +solcher Zärtlichkeiten in sein Zimmer zu eilen und sich dort +einzuschließen. Ich versuchte hinter das Geheimnis zu kommen, indem ich +durch die Fensterscheiben spähte. Aber der Vorhang, der auf der Innenseite +der Fenster angebracht war, verhinderte die Sicht, so daß ich nicht +entdecken konnte, was sich dort abspielte. + +Wenige Tage darauf bekam er einen Brief der ihn zu erfreuen schien. Nachdem +er ihn gelesen hatte, zog er mich beiseite und sagte: »Meine liebe Laura, +Du kannst nicht ohne Gouvernante bleiben, und nun teilt man mir mit, daß +morgen eine kommen wird. Sie soll ausgezeichnete Qualitäten haben, man +widmet ihr förmlich Elogen. Wir werden sie uns ansehen, um uns selbst ein +Urteil zu bilden.« + +Das war eine Neuigkeit, die mir nicht im Geringsten gefiel. Ich muß Dir +gestehen, meine liebe Eugenie, daß mich ihre Ankunft jetzt schon störte, +ohne daß ich hätte sagen können, warum. Diese in Aussicht gestellte +Gouvernante mißfiel mir schon, obwohl ich sie noch gar nicht gesehen hatte. + +Doch zurück zu den Tatsachen. Lucette kam an dem Tag, den sie angekündigt +hatte. Sie war ein großes, sehr hübsches Mädchen, neunzehn oder zwanzig +Jahre alt. Ihre Vorzüge waren ganz offensichtlich: Ein schöner, +schneeweißer Busen, eine wundervolle Figur, an der nichts niedlich war. + +Unregelmäßige, aber höchst pikante Züge. Ein schöner Mund, hinreißende +Lippen, kleine Zähne von einem schimmernden Emailweiß. Ich war überrascht. +Mein Vater hatte mich gelehrt, einen hübschen Mund zu erkennen, indem er +unzählige Male den meinen gelobt hatte. + +Lucette fügte übrigens all diesen Vorzügen einen ausgezeichneten Charakter +hinzu, in dem sich Sanftmut, Güte und ein charmantes Wesen mischten. Ich +wurde ungeachtet des Unbehagens, mit dem ich ihrer Ankunft entgegengesehen +hatte, fast augenblicklich gut freund mit ihr. Und das, obwohl ich begriff, +daß mein Vater ihre Erscheinung mit einer Befriedigung zur Kenntnis nahm, +die offensichtlich war. + +Ach, meine Liebe, wie gut, daß Neid und Eifersucht meinem Herzen fremd +sind! Überdies ist es weder unsere Schönheit noch unser Verdienst, was das +Begehren der Männer entfacht. Ihre Unbeständigkeit entzündet vielmehr einen +flüchtigen Funken, der in Sekundenschnelle zu einem alles verzehrenden +Brand anwachsen kann. Wenn sie darüber nachdächten, wie eilends kehrten sie +zu einer Frau zurück, deren Sanftmut und Anpassungsfähigkeit es ihnen einst +unmöglich erscheinen ließ, ohne sie zu leben. Wenn sie indessen nicht +denken, was meist der Fall ist, geraten sie schnell auf Abwege. Ah -- wie +unsinnig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen! + +Natürlich dachte ich damals noch nicht mit so viel Scharfsinn über diese +Dinge nach. Ich bemerkte wohl, daß mein Vater sich intensiver mit meiner +neuen Gouvernante beschäftigte, als dies im Allgemeinen üblich sein mochte. +Trotzdem empfand ich keine Eifersucht gegen Lucette. Ihre Zärtlichkeiten, +die sich denen meines Vaters zugesellten, hielten jede unerfreuliche Regung +von mir fern. + +Mein Vater zeigte sich mir gegenüber unverändert, und heute schreibe ich +dieses Betragen seiner Klugheit zu. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis ich +bemerkte, daß er sich keine Gelegenheit entgehen ließ, um in Lucettes Nähe +zu sein. Doch traf sich meine Vorliebe für Lucette mit der seinen, und so +hatte ich daran nichts auszusetzen. Lucette schlief in meinem Zimmer, das +unmittelbar neben dem meines Vaters lag. Doch am Morgen, gleich nach dem +Erwachen, kam er meistens herüber, um uns zu umarmen und mit uns ein wenig +zu scherzen. Wir lagen in einem riesigen Bett nebeneinander. So hatte er +genügend Möglichkeit, sich nach Belieben mit uns zu amüsieren. Ich weiß +heute, daß er Lucette eine ganze Reihe von Avancen machte, und natürlich +wies sie diese nicht gerade zurück. Aber sie ermutigte ihn auch nie in +meiner Gegenwart, wie ich es gerne gesehen hätte. Ich wunderte mich im +Stillen über ihre Zurückhaltung. Da ich nach mir selbst urteilte, dachte +ich, daß alle Welt diesem so liebenswürdigen Mann gegenüber, den ich so +leidenschaftlich liebte, ganz ähnlich wie ich empfinden müsse. Ich brachte +es niemals fertig, ihm etwas zu verwehren oder ihm Vorwürfe zu machen. +Eines Tages fragte ich Lucette: »Warum, meine Teure, lieben Sie Papa nicht, +wo er doch so von Freundschaft zu Ihnen erfüllt scheint? Wirklich, Sie sind +sehr undankbar.« + +Sie lachte zu diesen Vorwürfen und versicherte mir, daß sie ungerecht +seien. Doch es sollte anders kommen, als ich es erwartet hatte. + +Eines Abends nach dem Souper zogen wir uns in mein Zimmer zurück. Mein +Vater schenkte uns noch einen Liqueur ein, der offenbar die Eigenschaft +hatte, den Schlummer zu begünstigen. Ich fühlte mich bald schlaftrunken, +obwohl ich nur wenig davon genommen hatte, und kaum daß eine halbe Stunde +vergangen war, so schien auch Lucette eingeschlafen zu sein. Mein Vater +nahm mich nach einer Weile in seine Arme, trug mich in sein Zimmer und +legte mich dort auf sein Bett. Darauf verließ er mich wieder. Ich wunderte +mich über dieses neue Arrangement und war im Nu wieder wach. Mit einem +raschen Schritt eilte ich zu der Glastür, die unsere Zimmer trennte, und +lüftete das Ende des Vorhangs ein wenig, der mir den Blick nach drüben +verwehrte. + +Ich war sehr erstaunt, geradewegs auf Lucettes völlig entblößten Busen zu +sehen. Welch schöne Brüste! Zwei Halbkugeln von schneeigem Weiß, auf denen +sich zwei reizende, rosig schimmernde Erdbeeren erhoben, bewegten sich im +Rhythmus ihrer Atemzüge. Mein Vater betrachtete sie, nahm sie in die Hand, +küßte sie leidenschaftlich und begann daran zu saugen. + +Umsonst, nichts weckte Lucette. Schließlich zog er sie an den Rand des +Bettes, und zwar so, daß sie mir zugewandt war. Er schob ihr Hemd nach +oben, und ich sah zwei alabasterweiße Schenkel, rund und wohlgeformt. Er +zog sie behutsam auseinander, so daß ich ihr hübsches Kraushaar und die +rosenfarbene Furche dazwischen sehen konnte. Sanft zog er die rosigen +Lippen auseinander und legte die Finger dazwischen. Aber trotz aller +Bemühungen seiner Hand blieb sie unbeweglich. Erregt durch den Anblick, der +sich mir bot, und durch sein Beispiel belehrt, imitierte meine Hand die +Bewegungen, die ich ihn vollziehen sah. Das Resultat war eine Empfindung, +die mir bis dahin völlig unbekannt war. + +Mein Vater legte Lucette nun auf das Bett zurück und ging dann zur Tür, um +sich zu vergewissern, daß sie verschlossen sei. Ich floh ins Bett zurück +und stellte mich schlafend. Er kehrte zurück, und ich probierte mein neues +Wissen aus, indem ich meine Hand wieder in jene verborgenen Regionen +führte. Ich geriet in Glut, und es dauerte nicht lange, so empfand ich ein +so leidenschaftliches Vergnügen, daß meine Seele darin hinzuschwinden +drohte. Ich versank in einen Zustand, der mir bisher völlig unbekannt +gewesen war und den ich deshalb umso eifriger genoß. + +Als ich aus meiner süßen Betäubung wieder erwachte, stellte ich mit +Erstaunen fest, daß ich an einem gewissen Ort ganz feucht geworden war. Das +beunruhigte mich für einen Augenblick sehr, doch bald fiel ich in einen +erquickenden Schlaf, der durch die angenehmsten Träume versüßt wurde. Das +Bild meines Vaters, wie er Lucette liebkost hatte, stand mir noch immer vor +Augen, und als ich am anderen Morgen selbst unter seinen Liebkosungen +erwachte, gab ich sie ihm mit doppeltem Eifer zurück. + +Ich bewunderte die Klugheit dieser beiden schönen Menschen, die sich +untertags so außerordentlich zu beherrschen wußten, eine unzweifelhafte +Gemeinsamkeit zu verbergen. Ich malte mir aus, wie sie das wiederholten, +was ich gestern durch einen Zufall gesehen hatte. Es war mir unmöglich, +mich von diesem Gedanken loszureißen. Ich starb vor Begierde, Zeuge dieses +Schauspiels zu werden. Du kannst Dir das leidenschaftliche Verlangen, das +mich beseelte, wohl ausmalen, meine Liebe. Doch gemach! Der Augenblick, in +dem ich alles erfahren sollte, kam unweigerlich näher. + +Einige Tage nach diesem Ereignis fand ich eine Gelegenheit, meine Begierde +zu stillen. Mein Vater war ausgegangen, Lucette beschäftigt. Das gab mir +Zeit genug, in Papas Zimmer zu schlüpfen und den bewußten Vorhang so zu +befestigen, daß er eine Ecke freiließ. Von diesem Arrangement wollte ich +profitieren. Am nächsten Morgen geschah es dann. Mein Vater, der nur einen +leichten seidenen Hausmantel trug, zog die gleichfalls nur nachlässig +bekleidete Lucette mit sich. Sie waren vorsichtig genug, die Tür zu +schließen und den Vorhang zuzuziehen. Doch meine kleine Vorsichtsmaßnahme +war erfolgreich. Der bewußte Winkel blieb frei. Ich eilte an die Tür und +spähte hindurch. Ich entdeckte Lucette. Ihre Brüste waren völlig entblößt. +Mein Vater hielt sie in seinen Armen und bedeckte sie mit Küssen. Dann +schienen die beiden von ihrem Verlangen überwältigt. Unterröcke, Korsett, +Hemd, alles flog auf den Boden. Oh, wie schön erschien mir Lucette in +diesem Zustand, in dem ich sie niemals zuvor gesehen hatte. Sie strahlte +die Frische und Anmut der Jugend wider. + +Liebe Eugenie, die Schönheit der Frauen ist doch eine wundersame Macht, der +sogar wir Frauen uns nicht ganz entziehen können, ja, meine Liebe, sie ist +lockend selbst für unser eigenes Geschlecht. Diese sanft gerundeten Formen, +der Samt und die reizenden Farben einer gepflegten Haut sind schlechthin +unwiderstehlich. Du hast mich in den Armen gehalten und weißt das. Es ist +Dir nicht viel anders als mir ergangen. + +Mein Vater befand sich übrigens in einem ganz ähnlichen Zustand wie jenem, +in den er Lucette gebracht hatte, und das war für mich ein völlig neuer +Anblick. Er trug sie auf sein Bett, und ich unternahm alle Anstrengungen, +die beiden weiter zu beobachten, obwohl das gar nicht so einfach war, weil +der Vorhang meine Sicht behinderte. + +Da sie sich ungestört glaubten, erlegten sie sich nicht die geringste +Hemmung auf. Lucette lag auf ihm, ihr hübsches Hinterteil ragte in die +Luft, ihre Schenkel waren gespreizt. So ließ sie mich, ohne es zu wollen, +die ganze Öffnung ihrer Spalte sehen, die sich dunkel zwischen zwei +hübschen Schamlippen hinzog. Diese Situation schien ganz geeignet, meine +Neugier zu befriedigen. Mein Vater, dessen Kniee nach oben ragten, +präsentierte meinen Blicken ein erstaunliches Objekt: Ein mächtiges Glied, +das prall und steif aus dem Haarwald hervorstach, der seine Wurzel umgab. +Der Kopf dieses Instruments war rötlich gefärbt und zur Hälfte mit einer +Haut bedeckt, die sich anscheinend mühelos zur Seite schieben ließ. Ich sah +diesen erstaunlichen Gegenstand in Lucettes Spalte verschwinden und wieder +auftauchen. Sie küßten sich, und die Seufzer, die ihren Lippen entflohen, +bewiesen, daß sie dabei ein überaus großes Vergnügen empfanden. Schließlich +sah ich dieses prächtige Instrument wieder auftauchen. Karmesinrot und ganz +feucht von einer weißlich schäumenden Flüssigkeit, die sich ungestüm auf +Lucettes Schenkel ergoß. Du kannst dir vorstellen, meine liebe Eugenie, in +welcher Situation ich mich befand, mit einem solch eindrucksvollen Gebilde +vor Augen. + +Leidenschaftlich erregt und von bisher unbekannten Gefühlen durchdrungen, +bediente ich mich meiner vorwitzigen Finger, um wenigstens auf diese Weise +an einer Lust teilzunehmen, die ich so leidenschaftlich gern in ihrem +vollen Umfang erfahren hätte. + +Es kam, wie es kommen mußte: Meine Unklugheit verriet mich. Mein Vater, der +während der verflossenen halben Stunde bestimmt keinen Gedanken an mich +verschwendet hatte, entdeckte plötzlich den gelüfteten Vorhangzipfel. Er +löste sich aus Lucettes Armen, legte seinen Morgenrock an und näherte sich +der Tür. Ich versuchte mich vorsichtig zurückzuziehen. Er untersuchte den +Vorhang und entdeckte natürlich mein kleines Manöver. Doch wartete er, bis +Lucette sich angezogen hatte. Ich wunderte, mich, wo er blieb, und kehrte, +von Neugier getrieben, auf meinen Beobachtungsposten zurück. + +Wie erschrak ich doch, als ich das Gesicht meines Vaters unmittelbar vor +mir auf der anderen Seite des gelüfteten Vorhangs entdeckte. Der Schreck +nagelte mich beinahe auf der Stelle fest. Ich wußte nicht, sollte ich +bleiben oder fliehen. Ich bemerkte wohl, daß Lucette mit ihrer Toilette +fast fertig war. Er kehrte zu ihr zurück und gab ihr Anweisungen für den +Haushalt. Sie verließ das Zimmer durch die entgegengesetzte Tür, und ich +fand mich mit ihm allein. + +Ah, in welchem Zustand befand ich mich! Zitternd und bleich konnte ich +nicht verbergen, was mit mir vorgegangen war. Doch mein teurer Vater nahm +mich, anstatt zu schelten, in die Arme und überhäufte mich mit hundert +Küssen. »Beruhige Dich, meine teure Laura«, sagte er. »Wie könntest Du auch +bei meinem Anblick erschrecken. Fürchte nichts, meine geliebte Tochter! Du +weißt wohl, was ich Dir immer gesagt habe. Ich fordere von Dir nichts als +die Wahrheit. Ich möchte, daß Du in mir mehr Deinen Freund siehst als +Deinen Vater. Wirklich, ich bin nichts als Dein Freund, und ich möchte, daß +Du Dir dessen allzeit bewußt bleibst. Darum bitte ich Dich, mein Kind, +verschweige mir nichts. Sag mir, was Du durch diesen Vorhang gesehen hast, +während ich mit Lucette zusammen war. Ich beschwöre Dich, sag mir die +Wahrheit! Du hast keinen Grund, etwas zu befürchten. Doch wenn Du es nicht +tust, wirst Du damit rechnen müssen, daß ich Deine Erziehung in einem +Konvent beenden lasse.« + +Diese Institutionen haben für mich von jeher einen intensiven Schrecken +gehabt. Dabei wußte ich doch wenig genug davon. Doch es mußte ein +schrecklicher Unterschied bestehen zwischen dem Leben einer solch +unglücklichen Eingeschlossenen und dem erfreulichen Dasein, das ich bei +meinem Vater führte. Im Übrigen zweifelte ich nicht daran, daß er überzeugt +war, ich hätte alles gesehen. Und schließlich -- hatte ich denn je ein +Geheimnis vor ihm gehabt? + +Ich erzählte ihm also von Anfang an alles, und er schien darüber gar nicht +böse zu werden. Wirklich, er geriet nicht im Geringsten in Zorn, so genau +ich ihm auch die Bilder, die ich gesehen hatte, ausmalte. Vielmehr +ermutigte er mich durch seine Zärtlichkeiten, und ich verlor schließlich +alle Scheu und sprach ganz offen über jene Dinge, die meine Phantasie so +sehr beschäftigten. + +»Meine teure Laurette«, sagte er schließlich, »Du hast mir noch nicht alles +gesagt.« Seine Hand ruhte auf meinen Lenden, und seine Lippen berührten die +meinen. »Komm, sag mir alles, versuch nicht, mir etwas zu verbergen.« + +Ich gestand ihm, daß ich durch eine gewisse Reibung an meinem Körper +versucht hatte, dasselbe zu tun, was ich ihn mit Lucette hatte tun sehen, +und daß ich dabei eine Art von Vergnügen empfunden habe, das mir bisher +ganz fremd gewesen sei. Auch verschwieg ich ihm nicht, daß ich davon ganz +feucht geworden war und daß ich dieses aufregende Spiel seither etliche +Male wiederholt hatte. + +»Aber, mein teures Kind, als Du gesehen hast, wie ich in Lucette eindrang, +bist Du da nicht auf die Idee gekommen, Deinen Finger auf eine ähnliche +Weise zu verwenden?« + +»Nein, liebster Vater, dieser Gedanke ist mir wirklich nicht gekommen«, +versicherte ich ihm. »Nimm Dich in Acht, Laura, täusche mich nicht, denn Du +kannst dies nicht vor mir verbergen. Es ist dies eine sehr ernste +Angelegenheit.« + +Ich versicherte ihm wahrheitsgemäß und mit allem Nachdruck, daß ich nichts +dergleichen getan hätte. Er schien beruhigt und umarmte mich auf das +herzlichste. Wir gingen in sein Zimmer, und er legte mich auf sein Bett, +zog mich aus und betrachtete mich mit großer Aufmerksamkeit. Seine Hände +öffneten die zwei fleischigen Lippen zwischen meinen Schenkeln, und er +versuchte mit seinem kleinen Finger dazwischen einzudringen. Ein heftiger +Schmerz erfaßte mich, und ich brach in Tränen aus. Er hielt augenblicklich +inne. + +»Sie ist ganz entzündet, meine teure Kleine. Ich sehe wohl, daß Du mich +nicht getäuscht hast. Diese Rötung kommt ohne Zweifel von der Reibung, mit +der Du Dich vergnügt hast, während Du mich bei Lucette gesehen hast.« + +Ich gestand ihm, daß es mir nicht gelungen sei, dieses Vergnügen zu +vervollständigen. Meine Wahrhaftigkeit wird durch einen Kuß an einer höchst +merkwürdigen Stelle belohnt. Seine Zunge beginnt mich zu liebkosen und +verursacht mir eine köstliche Sensation. Solche Zärtlichkeiten sind für +mich neu, und um ihn dafür zu belohnen, tasten meine Hände nach diesem +wundervollen Instrument, das ich vorhin gesehen hatte und das sich nun +unter seinem Morgenrock bemerkbar macht. Ich nehme es unwillkürlich in die +Hand und öffne mit der anderen seinen Hausmantel, so daß ich es sehen kann. +Er läßt mich gewähren, und ich habe nun das Vergnügen, dieses kostbare +Instrument aus der Nähe zu besichtigen. Oh, wie liebenswürdig und +einzigartig erscheint es mir! Ich dachte in diesem Augenblick, daß dies die +wahre Triebfeder allen Vergnügens sei. Oh, diese Haut, die sich mit meinen +Bewegungen hob und senkte und den Kopf dieses köstlichen Gliedes einmal +auftauchen und dann wieder verschwinden ließ! + +Doch wie groß war mein Erstaunen, als ich mich nach etlichen Augenblicken, +in denen ich dieses heiß pulsierende Instrument in meinen Händen liebkost +hatte, von demselben brennenden Tau besprengt fühlte, der die blendenden +Schenkel meiner schönen Gouvernante besprüht hatte! + +Ich schmolz in leidenschaftlichen Seufzern hin, und er verdoppelte die +Zärtlichkeiten, die er mir entgegenbrachte. Das Vergnügen zeitigte in mir +die lebhaftesten Empfindungen. Schließlich bereitete er mir eine unerhört +köstliche Sensation: Seine Zunge vollführte die Übungen, die sein Finger +schon so virtuos durchgeführt hatte. Ich fühlte mich erschöpft. + +»Ah . . . mon cher papa. Ich fühle mich sterben . . .« + +Halb ohnmächtig lag ich in seinen Armen. + +Von diesem Tage an wurde alles für mich zu einer Quelle der Erkenntnis. War +ich vorher unwissend gewesen, so wuchs mein Wissen nun mit jedem Tag. Es +schien, als sei das Instrument, das ich berührt hatte, der wunderbare +Schlüssel zu allen Weisheiten der Welt. Mein teurer Vater erschien mir noch +einmal so liebenswert, und meine Zärtlichkeit für ihn kannte keine Grenzen. +Sein ganzer Körper fand sich bald meinen liebkosenden Händen ausgeliefert. +Meine Küsse und Zärtlichkeiten duldeten keine Unterbrechung, und das Feuer, +das sie in ihm entfachten, verdoppelte meine Leidenschaft für ihn. + +Doch zurück zu jenem denkwürdigen Tag! Er führte mich in mein Zimmer, wohin +meine Gouvernante wenige Augenblicke später nachfolgte. Ich wunderte mich, +daß er ihr unser Einverständnis sogleich eröffnete. + +»Lucette«, sagte er, »es ist unnötig, daß wir uns wegen Laura genieren. Sie +weiß alles über uns.« + +Er wiederholte ihr, was ich ihm gesagt hatte, und zeigte ihr, was ich mit +dem Vorhang gemacht hatte. Sie schien betroffen. Aber ich setzte mich auf +ihren Schoß, und meine Zärtlichkeiten beruhigten sie rasch und fegten den +kleinen Ärger hinweg, den sie darüber empfand, daß sie so entdeckt worden +war. Mein Vater umarmte uns beide und verließ uns. Etwa eine Stunde später +kam er wieder, mit einer Frau, die mich völlig entkleiden ließ und von mir +gewisse Maße für einen Gegenstand nahm, den ich mir nicht vorstellen +konnte. + +Als es Zeit zum Schlafen war, legte ich mich wie gewöhnlich neben Lucette +zur Ruhe. Aber eine gewisse Unruhe hinderte meinen Vater, seinerseits sein +Schlafzimmer aufzusuchen, und schließlich legte er sich zu uns ins Bett. +Ich befand mich also zwischen den beiden. Er hielt mich in seinen Armen, +legte seine Hand zwischen meine Schenkel und duldete es nicht, daß ich auch +meine dorthin führte. Da ergriff ich sein Instrument und war sehr erstaunt, +es in einem ganz anderen Zustand zu finden, als ich es zuvor gesehen hatte. +Ich wußte natürlich noch nichts von den merkwürdigen Veränderungen, welchen +dieses wundervolle Werkzeug unterworfen ist, sondern ich dachte, es bliebe +immer gleich groß, stark und schwellend. Es dauerte auch nicht lange, so +nahm es unter der Berührung meiner Hand wieder jene Festigkeit und jenen +Umfang an, den ich so gut kannte. Lucette, die uns beobachtete, wunderte +sich über sein Benehmen und konnte schließlich gewisse Vorhaltungen nicht +mehr zurückhalten. + +»Wirklich, Monsieur, die Art, wie Sie mit Laurette umgehen, setzt mich in +Erstaunen. Sie behandeln das Kind, wie Sie es mit mir zu tun pflegen. +Bedenken Sie doch, es ist Ihre eigene Tochter!« + +Doch mein Vater ließ sich dadurch nicht aus der Fassung bringen. + +»Sie ist es, und sie ist es auch wieder nicht«, gab er zur Antwort. »Dies +ist ein Geheimnis, das ich ihrer Diskretion und der unserer kleinen +Laurette anvertraue, in deren Interesse es bewahrt werden soll. Aber die +Umstände machen es notwendig, daß ihr darüber Bescheid wißt. + +Ich kannte ihre Mutter ganze vierzehn Tage, als ich sie heiratete. Schon am +ersten Tag entdeckte ich, daß sie schwanger war. Ich sagte mir aber, daß +es, nachdem diese Heirat einmal vollzogen war, klüger sei, nichts darüber +verlauten zu lassen. Also entführte ich sie in ein kleines, entlegenes +Provinznest, wo uns keiner kannte. Nach vier Monaten kam Laura zur Welt und +bewies durch ihr gesundes Aussehen und ihre Lebhaftigkeit nur zu deutlich, +daß sie keine Frühgeburt war. Ich blieb danach noch sechs Monate in der +Provinz und sorgte dafür, daß niemand von dem Mißgeschick meiner jungen Ehe +erfuhr. Ihr seht wohl, daß dieses Kind, das mir so teuer ist, eben doch +nicht meine leibliche Tochter ist. Sie ist mir dem Blut nach völlig fremd, +doch umso teurer wurde sie meinem Herzen. Kein innerer Zweifel kann mich +hindern, sie zu lieben, und alle anderen Erwägungen lassen sich nicht mit +der Vernunft vereinen, der ich ein Leben lang gedient habe.« + +Ich erinnerte mich in diesem Augenblick der Antwort, die er einst auf die +Vorwürfe meiner Mutter gefunden hatte. Das also war des Rätsels Lösung! Nun +verstand ich auch, daß meine Mutter darauf geschwiegen hatte. Auch Lucette +schien von der Tragweite dieser Eröffnung betroffen. + +»Aber wie haben Sie mit Ihrer Gattin gelebt, nachdem dies zutage gekommen +war?« wollte sie wissen. + +»Ganz einfach, wir waren uns völlig gleichgültig, und bis auf das eine Mal, +von dem Laura eben berichtete, haben wir niemals über diesen Vorfall +gesprochen. Der Comte de Norval, der leibliche Vater Laurettes, ist ein +liebenswürdiger Kavalier, interessant, eine hervorragende Erscheinung und +mit allen jenen Eigenschaften begabt, die ihn einer Frau begehrenswert +erscheinen lassen müssen. Ich konnte unmöglich erstaunt sein, daß ein +junges Mädchen sich von ihm verführen ließ. Andererseits konnte sie ihn +nicht heiraten, denn er war ihrer Familie weder wohlhabend noch +einflußreich genug. Wenn nun auch Laura nicht meine natürliche Tochter ist, +so steht sie meinem Herzen doch so nahe, als ob sie es wäre, ja, vielleicht +bringe ich ihr ohne diese natürliche, durch Blut und Herkommen bestimmte +Bindung sogar noch eine zärtlichere Zuneigung entgegen. Aber +nichtsdestoweniger machte es dieses Ereignis unmöglich, mich ihrer Mutter +jemals zu nähern. Ich empfand gegen sie eine sehr starke Abneigung und +hätte sie ohne Zweifel verlassen, wenn ich es nicht gescheut hätte, +Laurette diesen Schmerz zuzufügen. Ihr Charakter und ihr Temperament waren +für mich eine ständige Herausforderung zum Streit, und ich bedurfte oft +großer Selbstbeherrschung, dies zu verbergen.« + +Meine schöne Gouvernante war von dieser Erzählung fast ebenso betroffen wie +ich. Sie umarmte mich zärtlich und erwies mir tausend Artigkeiten, die mir +bewiesen, daß sie ihre Bedenken überwunden hatte. Ich erwiderte ihre +Liebkosungen auf das lebhafteste, indem ich nach ihren reizenden Brüsten +faßte, sie küßte, wie ich es bei meinem Vater gesehen hatte, und an ihren +Spitzen zu saugen begann. + +Mein Vater -- ich nenne ihn noch immer so, obwohl er es ja nicht ist -- +legte seine Hand auf die meine und ergriff sie, um sie auf dem schönen, +sanft gerundeten Leib Lucettes spazieren zu führen. Behutsam glitten meine +Finger über Lucettes Schoß und die Innenseite ihrer Schenkel entlang. Ihre +Haut war samtig weich. Die starke Hand, die mich führte, lenkte meine +Finger, bis sie sich in der Furche zwischen ihren Schenkeln befanden. Ich +bemerkte wohl, daß ich ihr Vergnügen bereitete, wenn ich einen bestimmten +Punkt berührte, der sich schwellend und hart aus dieser Furche erhob. + +»Gut, ausgezeichnet! Laurette, laß Deine Hand da, wo sie ist, und hör nicht +auf mit ihrer Klitoris zu spielen, während ich meinen Finger in ihrer +hübschen kleinen Grotte spazieren gehen lasse«, ermutigte mich mein Vater. + +Lucette zog mich in ihre Arme und liebkoste meinen Hintern. Sie nahm das +Glied des Mannes, der uns beiden so teuer war, und führte es zwischen meine +Schenkel. Aber er versuchte nicht einzudringen, wie ich es bei Lucette +gesehen hatte, sondern verharrte da, warm, groß und schwellend, doch ohne +sich zu bewegen. Lucette stieß währenddessen die leidenschaftlichsten +Bezeugungen ihrer Wollust aus. Ihre Küsse vervielfachten sich, ihr Atem +begann zu fliegen: + +»Hola . . . hola! Schnell, Laurette, schnell! Teure Freundin, noch . . . +noch! Ah, es kommt mir . . . ich sterbe!« + +Oh, wie schmeichelhaft waren diese kleinen Entzückungsschreie der Wollust +für mich! Ich spürte, wie sich ihr kleines Tal vom Tau der Lust +befeuchtete. Auch die Finger meines Vaters waren ganz feucht von dieser +magischen Flüssigkeit. Ah, teure Eugenie, wie erregt ich war! Ich ergriff +Lucettes Hand und führte sie zwischen meine Schenkel, in dem +leidenschaftlichen Begehren, sie möge mit mir dasselbe tun, was ich zuvor +mit ihr getan hatte. Aber mein Vater, der mit seiner Hand meine kleine +Grotte bedeckte, hinderte ihre Bewegungen und durchkreuzte so meine +Absicht. So wollüstig er auch war, wollte er meine Vergnügungen doch +sparsam dosiert wissen. Er mäßigte sein Verlangen und besänftigte meine +Ungeduld. So lagen wir lange Zeit ganz still einer im Arm des andern und +gaben uns den Nachwirkungen einer angenehmen Trunkenheit hin. + +Ah, niemals habe ich mehr eine Nacht wie diese erlebt! + + + + +2. Kapitel + + +Wir erwachten und begrüßten einander zärtlich. Da wurde die Frau gemeldet, +die am Vormittag bei mir auf so seltsame Weise Maß genommen hatte. Sie +legte mir zu meinem nicht geringen Erstaunen eine Art von Seidenhose an, +die sich nur bis zur Mitte der Schenkel abstreifen ließ. Sie war gut +gearbeitet und genierte mich nicht. Nur, der Gürtel, der sie in der Taille +zusammenhielt und von dem eine Art Riemenzeug zwischen meinen Schenkeln +hindurchführte, war ein wenig knapp. Dieses Riemenzeug hatte vorn und +hinten je eine Öffnung, und in dieser befestigte mein Vater zu meinem +Unbehagen mittels eines kunstvoll gearbeiteten Kettchens eine samtbezogene +Metallplatte, die an zwei Stellen durchbrochen war, um den natürlichen +Bedürfnissen Genüge zu tun. Er verschloß das Ganze mittels eines kleinen, +sehr kostbar gearbeiteten Schlüssels. + +»Meine teure Laura, geliebtes Kind«, sagte mein Vater und schloß mich in +seine Arme, »glaube nicht, daß andere Regungen als die meiner Liebe zu Dir +mich leiten. Der Zufall hat Dich Dinge gelehrt, die Du vor deinem +achtzehnten Lebensjahr gar nicht kennen solltest. Ich muß deshalb darüber +wachen, daß Dir daraus kein Schaden erwächst. Noch bist Du nicht imstande, +die Regungen der Natur richtig einzuschätzen. Ich werde Dich von Zeit zu +Zeit mehr darüber lehren, doch wirst Du kein Mittel finden, meine Ansichten +zu durchkreuzen.« + +Ich war recht verärgert und vermochte meine üble Laune nicht zu verbergen. +Und ich hatte wirklich allen Grund, unzufrieden zu sein. Meine kleine +Grotte war gänzlich eingeschlossen. Zwar hinderte mich dieser unerfreuliche +Gegenstand, den mir die Fürsorge meines Vaters aufgezwungen hatte, nicht, +die Bedürfnisse der Natur zu verrichten, doch es war ganz und gar +unmöglich, einen Finger in die kleine Furche zwischen meinen Schenkeln +einzuführen oder sie gar durch Reibung zu erhitzen. Gerade dies hatte mein +Vater ja auch zu verhindern beabsichtigt. Du kannst Dir wohl vorstellen, +daß mir die so aufgezwungene Entbehrung wenig behagte. Ich habe mir später +oft gedacht, es wäre ganz nützlich, auch den jungen Burschen solch ein +Geschirr umzuhängen, um sie daran zu hindern, daß sie ihre Kräfte +vergeuden, ehe sie das richtige Alter erreicht haben. Auf diese Weise +könnte man eine vorzeitige Erschöpfung ihrer Kräfte leicht verhindern. Doch +läßt unsere Gesellschaft ihnen alle Freiheiten, während sie unsere nach +Kräften unterdrückt. + +Während der nächsten fünf Jahre trug ich dieses Geschirr jeden Tag. Mein +Vater entfernte es jeden Abend, und Lucette wusch es sorgfältig. Er +untersuchte, ob ich mich nicht wundgescheuert hätte, und legte es mir +darauf wieder an. So habe ich diesen höchst unerfreulichen Gegenstand bis +ich sechzehn Jahre alt war ununterbrochen getragen. + +Während dieser Zeit entwickelte sich mein Verstand, und ich lernte alle +möglichen nützlichen Dinge. Meine natürliche Neugier ließ mich unaufhörlich +nach dem Grund alles dessen forschen, was war. Mein Vater konnte mit mir +zufrieden sein. Von Jahr zu Jahr vergrößerte sich mein Wissen, und ich +wurde nicht müde zu lernen. Ich gewöhnte mich an das körperliche Gefängnis, +in dem ich mich befand, und als man mich schließlich daraus befreite, war +ich so weit gekommen, daß ich es für ganz natürlich hielt. Ich war von der +Nützlichkeit dieser Einrichtung überzeugt. + +Vermutlich hätte ich ohne dieses Instrument meine Kräfte vorzeitig +vergeudet, denn das Beispiel, das mein Vater und Lucette mir gaben, hätte +mich angespornt. Diese beiden genierten sich nämlich nicht im Geringsten +vor mir. Doch je erwachsener ich wurde, desto mehr beschäftigte mich die +Frage, warum mein Vater solche Vorsichtsmaßnahmen mir gegenüber gebrauchte. +Ich war in meinem sechzehnten Lebensjahr, als er mir die Antwort auf meine +immer dringenderen Fragen schließlich gab. Als er mir das quälende +Instrument schließlich für immer abnahm, sagte ich zu ihm: + +»Nach all diesem, mon cher papa, sagen Sie mir doch, was hat Sie dazu +veranlaßt, mich dieses ärgerliche Instrument tragen zu lassen, obwohl Sie +mir doch immer beteuert haben, wie zärtlich Sie mich lieben? Meine +Gouvernante ist viel besser daran als ich. Bedeutet Ihnen diese etwa mehr +als ich? Erklären Sie mir doch heute, was Sie dazu bewogen hat, so zu +handeln, wie Sie es taten!« + +Mein Vater zog mich in seine Arme. + +»Meine Zärtlichkeit und Fürsorge für Dich, mein Kind, erlauben es mir nicht +mehr, Dich als ein Kind zu betrachten. Du bist heute in einem Alter, da man +Dir so gut wie alles sagen kann, und das will ich nun tun. + +Die Natur fördert bis zum fünfzehnten oder sechzehnten Lebensjahr eines +Menschen dessen Wachstum. Sie braucht dazu einmal länger, einmal kürzer, je +nach den Anlagen des Individuums. Doch im Allgemeinen reicht dieses Alter +für Dein Geschlecht aus. Im Alter von siebzehn oder achtzehn Jahren kann +man eine Frau als erwachsen ansehen. Bei den Männern braucht die Natur +länger, um ihre Vervollkommnung zu erreichen. Wenn man diese Zeit des +Reifens mißbraucht und Empfindungen und Handlungen vorwegnimmt, die einer +späteren Epoche angemessen sind, kann daraus ein beachtlicher Schaden +entstehen. + +Die Frauen zum Beispiel, die allzu frühe Erfahrungen gemacht haben, die +ihrem Reifegrad nicht entsprechen, sterben früh oder bleiben klein, +schwächlich und anfällig, oder sie leiden an einer Schwindsucht, die vor +allem ihre Brust befällt und deren Opfer sie in Kürze werden. Manchmal +hindert sie auch eine Erkrankung des Blutes, ihre monatliche Regel +pünktlich und ausreichend zu bekommen. Daraus resultieren dann Vapeurs, +Hysterie und Nervenzufälle sowie die Qualen einer unersättlichen +Geschlechtsbegierde. All das beeinträchtigt die Tage eines solchen +unglücklichen Geschöpfes. Bei den jungen Männern ist es ganz ähnlich. Sie +erleiden die unglücklichsten Tage, wenn sie nicht gar vor der Zeit +sterben.« + +Meine teure Eugenie, Du kannst dir wohl vorstellen, wie mich diese +Eröffnung erschreckte. Ich wurde mir in diesem Augenblick seiner +Freundschaft und der Sorge, die er um mein Wohlergehen trug, doppelt +bewußt. Es war nur seine Güte gewesen, die mir das verwehrt hatte, was ich +als ein hervorragendes Vergnügen zu betrachten geneigt war. Das Leben +erschien mir wieder recht angenehm, und wenn ich künftig ein Verlangen nach +einer gewissen Art von Vergnügen verspürte, würde ich aus Rücksicht auf +meine Gesundheit und mein Leben gern darauf verzichten. + +»Ich habe diese Neigung in Dir wohl erkannt«, fuhr mein Vater fort, »und +bei Deiner Jugend hätten dich alle Gründe der Welt nicht davon zurückhalten +können. Deshalb habe ich diese Vorsichtsmaßregel getroffen, die Dir so +wenig gefallen hat. Doch nun werde ich darauf verzichten. Es wäre gut, wenn +man solche Schutzmaßnahmen bei allen jungen Leuten anwenden würde, die +durch unvorhergesehene Zufälle oder durch unkluge Personen zu früh über +Dinge unterrichtet wurden, die nicht für ihr jugendliches Alter bestimmt +sind.« + +Die Furcht vor einer zerrütteten Gesundheit oder gar vor einem frühen Tod +war von nun an zwar in meiner Phantasie sehr lebendig. Doch andererseits +hatte ich gesehen, was mein Vater mit Lucette tat, und die Art, wie er mit +ihr lebte, hob die Wirkung dieser Furcht wieder auf. Ich konnte mich nicht +zurückhalten, ihm eines Tages meine Zweifel zu eröffnen. + +»Warum, mein teurer Vater, haben Sie bei Lucette nicht dieselben +Vorkehrungen getroffen? ja, noch mehr: Warum tun Sie mit ihr laufend, was +Sie mir verweigern?« + +»Aber mein liebes Kind, bedenke doch, Lucette ist völlig erwachsen. Sieh +nur den Überfluß der Natur in ihrem Körper. Sie ist schon imstande, andere +Lebewesen zu ernähren. Dieser Zustand, mein liebes Kind, kündigt sich durch +das pünktliche Auftreten, der monatlichen Regel an. Ich kann Dir nicht +verschweigen, daß es in ihrem Alter gefährlich wäre, wenn ein gewisser +Überfluß von Samen aufgestaut und in ihr zurückgehalten würde und so in +ihre Blutbahnen geriete. Dadurch würde in ihr ein gefährliches Feuer, eine +Art von sinnlicher Raserei entfacht werden. + +Ihre Stimmungen und ihr Temperament würden darunter leiden, ja selbst die +Zirkulation der Säfte in ihrem Körper könnte dadurch ernsthaft gestört +werden. Das könnte ihre Gesundheit untergraben, Vapeurs und frenetische +Anfälle sowie viele andere Übel verursachen. Haben wir nicht genügend +Beispiele dafür in den Klöstern, wo die Frömmelei zum Despotismus wird und +wo es nichts gibt, was den unglücklichen Eingeschlossenen ihre Lage +erleichtern könnte? Man mischt Lotosabsud und Salpeter in ihre Getränke, um +die Anlagen eines lebhaften Temperaments zu unterdrücken. Doch nach einiger +Zeit bleiben diese Mittel ohne Wirkung oder sie zerstören den Magen, so daß +diese Gefangenen des Aberglaubens, die wie weiße Blumen dahinwelken, für +den Rest ihres Lebens von Verdauungsstörungen und inneren Schmerzen geplagt +sind, ja, an manchen dieser Schreckensorte werden sogar die Pensionärinnen +auf diese Weise behandelt, so daß sie schließlich alle möglichen Leiden und +Nervenanfälle davontragen, die eine Folge der gewaltsamen Unterdrückung +ihrer natürlichen Vitalität sind. Selbst Eltern, die ihre Kinder lieben, +beachten diesen Punkt viel zu wenig. + +Du mußt wissen, meine liebe Laurette, daß sich das natürliche Temperament +in einem gewissen Alter bemerkbar macht. Das geschieht bei den einen früher +als bei den andern, und zwar durch die Verschiedenheit der natürlichen +Anlagen und der Qualität der Säfte, die in uns sind, aber auch durch eine +Veränderung in den Organen. Wenn diese Körpersäfte nicht rechtzeitig zum +Fließen kommen, strömen sie in die Blutbahn zurück. Manchmal verursachen +sie dann eine vollkommene Unterdrückung der natürlichen Impulse und damit +ein geradezu monströses Anschwellen des Leibes. Personen, die keine +natürliche Geschlechtsvereinigung kennengelernt haben, werden unter solchen +Umständen völlig gleichgültig und sind meist empfängnis- und +zeugungsunfähig. + +Aber, mein teures Kind, in dem Alter, in dem die Säfte des Lebens zu +strömen beginnen, in dem das Feuer des Temperaments sich bemerkbar macht, +soll man diesem auch Genüge tun, und zwar sowohl, weil es für die +Gesundheit nützlich und notwendig ist, als auch, weil es die Schönheit und +Frische eines solchen glücklichen jungen Geschöpfes steigert. Es gibt +verschiedene Mittel dazu. + +Stell Dir eine Frau in den Armen eines leidenschaftlichen Mannes vor. Wie +erregt ist sie allein vom Gegensatz der Geschlechter! Was bedeutet ihr mehr +als die Leidenschaft, die er für sie empfindet und die auch sie in sich +verspürt? Schon die bloße Gegenwart des Mannes wird für sie erregend. +Phantasie und Natur weisen ihr den Weg zu den wollüstigsten Empfindungen. +Daraus kannst Du ermessen, warum ich mich gegen Lucette anders verhalte als +gegen Dich.« + +»Ah ja, mon cher papa! Weil ich Sie immer bei diesem Namen genannt habe, +werde ich mich auch jetzt Ihrer Erfahrung und Weisheit unterordnen. Aber +sagen Sie mir, in welchem Alter werden Sie mit mir tun, was Sie mit Lucette +so häufig getan haben? Ach, dieser Augenblick fehlt noch zu meinem Glück, +denn ich empfinde es schmerzlich, daß ich nicht all Ihr Verlangen zu +stillen imstande bin, daß ich Ihre Wünsche nicht in jeder Hinsicht +befriedigen kann.« + +»Mein reizendes Kind, die Natur selbst spricht zu uns in einer leicht +verständlichen Sprache. Noch sind Deine Brüste nicht voll entwickelt, und +das Pelzchen, das Deine hübsche kleine Grotte bedeckt, ist noch recht +schütter. Kaum, daß Du die ersten Blüten Deiner Reife hervorgebracht hast. +Laß uns also noch etwas warten. Dann, geliebte Laurette, Du Kind meines +Herzens, werde ich dieses Geschenk von Deiner Zärtlichkeit empfangen. Du +wirst mich die Blüte pflücken lassen, die ich so sorgsam gepflegt habe. +Doch laß uns diesen glücklichen Augenblick nicht durch unsere Ungeduld +zerstören. Glaube nicht, daß ich Dich bis zu diesem Zeitpunkt Dir selbst +überlasse. Bei einer robusten Natur ist es nicht notwendig, diesem +Augenblick besondere Aufmerksamkeit zu schenken oder mit den Kräften des +Körpers besonders haushälterisch umzugehen. Aber bei einem sensiblen +Temperament muß man vorsichtig sein und bis zum siebzehnten oder +achtzehnten Jahr warten. Das ist der Zeitpunkt, an dem eine Frau völlig +erwachsen ist und sich ohne Schaden ihren Begierden überliefern kann.« + +Alles, was er mir bei dieser Gelegenheit sagte, meine liebe Eugenie, hat +sich meinem Gedächtnis unauslöschlich eingeprägt. Du kannst Dir das wohl +denken. Seine Gründe erschienen mir sehr vernünftig und einleuchtend, und +seine Bereitwilligkeit, auf meine Fragen einzugehen, ermutigte mich, +weitere an ihn zu stellen. + +Ich erinnerte mich, daß Lucette bei jenem ersten Mal, als ich die beiden +entdeckt hatte, in einem tiefen Schlaf zu liegen schien, und das war ein +Rätsel, das ich nur zu gern enthüllt gesehen hätte. + +»Aber warum, teurer Papa, war Lucette an dem Abend, da ich euch zuerst +beobachtet habe, so tief entschlummert, daß sie nichts von dem zu bemerken +schien, was Sie mit ihr taten? Schlief sie wirklich oder spielte sie nur +die Schlafende?« wollte ich wissen. + +»Ganz und gar nicht, meine Liebe«, versicherte mein Vater. »Sie hat +wirklich geschlafen. Aber das ist mein kleines Geheimnis. Soll ich es Dir +sagen? Ja, denn dieses Beispiel kann für dich nützlich sein. Ich muß dir +gestehen, daß mich mein Verlangen damals heftig quälte. Ich sah Lucette, +sie gefiel mir, und ich versprach mir ein gewisses Vergnügen von ihr. Doch +als ich bemerkte, daß sie zögerte, sich meinem Begehren auszuliefern, +ergriff ich die Initiative. Ich habe etwas Schlafpulver in ihren Liqueur +gemischt. Du hast die Wirkung gesehen. Doch habe ich mich nicht damit +begnügt. Denn ich fürchtete, daß sie erwachen und zornig werden könnte, +sich von mir in eine derartige Lage gebracht zu sehen. Um das zu +verhindern, habe ich ein gutes Mittel gefunden, das die Natur erregt und in +einen Zustand versetzt, in dem ihr die Zärtlichkeiten eines Mannes höchst +erwünscht erscheinen. + +Das ist eine Art Zaubertrank. Nachdem ich sie also auf das Bett gelegt +hatte, rieb ich damit ihre Liebesgrotte, ihre Klitoris und ihre Schamlippen +ein. Diese Flüssigkeit hat die Eigenschaft, sogar einen impotenten Mann zu +leidenschaftlichem Leben zu erwecken, wenn man gewisse Partien seines +Körpers damit einreibt. Lucette schlief etwa eine Stunde lang, ehe sie +erwachte. Dann aber zeigte sie eine Leidenschaft und ein Feuer, das sich +kaum löschen ließ. Sie war ganz und gar nicht erstaunt, sich in meinen +Armen zu finden, sondern umschlang mich im Gegenteil zärtlich mit den +ihren. Weit davon entfernt, meiner Begierde Widerstand zu leisten, öffnete +sie -- angespornt von ihrem eigenen Verlangen -- ihre Schenkel und +bereitete mir so das lebhafteste Vergnügen, an welchem ich sie -- ganz und +gar nicht egoistisch -- teilnehmen ließ. Doch als vorsichtiger Mann dachte +ich daran, was geschehen könnte, wenn ich mich meiner Wollust völlig und +bedenkenlos hingab. Also zog ich mich in dem Augenblick, in dem ich das +Nahen der Lust spürte, ein wenig zurück und ergoß das lebenspendende Naß in +die Oberfläche ihrer Grotte und auf ihren Leib. Von diesem Tag an hat +Lucette sich immer meinen Wünschen überlassen, und ich habe nur meine +Unvorsichtigkeit und Deine Neugier zu beklagen, die Dich ein Geheimnis +enthüllen ließ, daß ganz und gar nicht für Dich bestimmt war. Sie weiß +übrigens nicht, daß ich Dir alles darüber gesagt habe, und Du mußt +Stillschweigen bewahren. Nicht wahr, Du wirst mein Vertrauen nicht +enttäuschen?« + +»Bestimmt nicht, mein teurer Vater. Aber sagen Sie mir alles darüber. +Fürchten Sie nicht, ein Kind zu zeugen, wenn Sie sich einmal nicht früh +genug zurückziehen? Ist es möglich, daß Sie sich in diesem Punkt völlig auf +Ihre Selbstbeherrschung verlassen, können? Könnte es nicht sein, daß die +Macht der Begierde die Furcht, eine Unvorsichtigkeit zu begehen, auslöscht +und Sie weitergehen läßt, als Sie dies eigentlich möchten?« + +»Ah, meine Kleine, wohin sich Deine neugierige Phantasie versteigt! Ich +sehe wohl, ich kann Dir nichts verbergen. Wenn ich Dir nicht die ganze +Wahrheit enthülle, werde ich bald die Torheit beklagen müssen, überhaupt +etwas gesagt zu haben. Aber ich glaube, damit nichts zu riskieren, denn +Deine Vernunft ist Deinem Alter weit voraus. + +Wisse also, daß dieser Samen, wenn er nicht in die Matrix gelangt, an und +für sich gar nichts ausrichten kann. Auch kann er sich dort nicht +festsetzen, wenn man seinen natürlichen Fluß hemmt. Aus diesem Grund +versuchen manche Frauen, durch eine innere Bewegung den Samen in dem Moment +zurückzustoßen, in dem sie ihren Liebhaber in der Wonne des Genusses +glauben. + +Doch das bedeutet für sie selbst eine arge Verkürzung des Vergnügens und +ist ganz und gar kein sicheres Mittel. Manche Männer haben geglaubt, sie +hätten nichts zu fürchten, wenn sie sich nahe an den Eingang zurückziehen. +Doch sie täuschen sich darin. Denn die Matrix ist eine recht lebhafte Pumpe +und versucht, sich auch des Samens zu bemächtigen, der nicht unmittelbar zu +ihrer Öffnung gelangte. Hinzu kommt noch, daß viele Männer sich im +Augenblick der Wollust über ihre eigene Selbstbeherrschung täuschen und so +den richtigen Moment versäumen. Ungewißheit und Furcht vor den möglichen +Folgen behindern also häufig das Vergnügen. Doch das Mittel, das ich bei +Lucette anwende, ist ziemlich sicher. Es gibt einem die Freiheit, sich ohne +alle Furcht dem Feuer seiner Leidenschaft überlassen zu können. Ich habe +deine hübsche Gouvernante am Tag, nachdem Du uns bemerkt hast, gebeten, +sich für unsere Liebesgefechte mit einem Schwamm zu bewaffnen, der in eine +bestimmte Flüssigkeit getaucht wurde. Dieser wird unmittelbar vor der +Matrix am Muttermund angebracht. Mittels einer dünnen Seidenschnur kann man +ihn ohne Schwierigkeiten wieder hervorholen. Selbst wenn die +Samenflüssigkeit in diesen Schwamm einzudringen vermag, würde doch die +Flüssigkeit, mit der er getränkt ist, seine Zeugungsfähigkeit vernichten. +Man weiß ja, daß selbst die Luft genügt, seine Kraft zu vernichten. Also +ist es ganz unmöglich, daß Lucette in unserer Verbindung je ein Kind +empfangen könnte.« + +Ich habe nichts von diesen nützlichen Gesprächen je vergessen, meine liebe +Eugenie, und ich habe Dich zu deinem Nutzen davon unterrichtet, so daß auch +Du Dich ohne Furcht den Umarmungen Deines Liebsten überlassen kannst. Im +Übrigen machte meine Bildung gute Fortschritte. Ich bekam alle möglichen +Bücher in die Hand. Es gab in dieser Hinsicht nichts, was für mich verboten +gewesen wäre. Doch mein Vater lenkte meinen Geschmack besonders auf jene, +die der Wissenschaft dienten und somit weit von allem entfernt waren, woran +unser Geschlecht im Allgemeinen Gefallen findet. Ich will Dir nur ein +kleines Beispiel dafür berichten. + +Er fragte mich eines Tages: »Kannst Du, meine geliebte Laura, in der +Unendlichkeit des Universums, das unseren Erdball umgibt, einen festen +Punkt finden? Zu welch unermeßlichen Dimensionen wird Deine Phantasie dabei +gelangen? Die Elemente der Natur und ihre Zahl sind noch immer unbekannt, +und es ist unmöglich zu erkennen, ob unsere Vorstellungen von der Welt und +vom Universum auch nur im Entferntesten der Wirklichkeit entsprechen. Wir +wissen nicht einmal, ob diese Elemente, welche die Bausteine der Welt und +des Lebens zu sein scheinen, absolut unveränderlich sind oder ob es möglich +ist, ihnen eine andere Form der Existenz zu geben und sie dadurch zu +verändern. + +Inmitten dieser allgemeinen Unwissenheit erscheint es höchst lächerlich, +daß der Mensch es versuchen sollte, die Zahl dieser Elemente festzulegen. +Diese Wahrheit verdient es, daß man über sie nachdenkt, um in allem den +Willen der ewigen Ordnung zu erkennen. Gleichgültig, ob es sich nun um +eines oder um mehrere Elemente handelt, so bildet ihre Gesamtheit die +Körper, und sie finden sich im Feuer wie in der Materie vereint, welche die +törichten und voreingenommenen Geister unbewegt nennen. + +Was hältst Du denn von jenen strahlenden Feuern, die wir Sterne nennen? +Weißt Du nicht, mein Kind, daß sie nichts sind als wüste feurige +Himmelskörper? Nimm nur die Sonne her, diesen gewaltigen Feuerball, der +dazu da zu sein scheint, einer Vielzahl von erdenklichen Himmelskörpern +Licht und Wärme und damit das Leben zu geben. Es ist gut möglich, daß viele +dieser entfernten Welten so wie unsere eigene bevölkert sind. Früher hat +man geglaubt, daß die Sterne nur dazu dienten, uns die Nacht zu erhellen. +Die Eigenliebe des Menschen hat ihn glauben lassen, er sei der Mittelpunkt +des Universums. Doch wozu sollten uns diese Himmelskörper dienen, wenn +Nebel und Wolken sie vor unserem Blick verbergen? Der Mond ist noch am +ehesten imstande, die hindernde Wolkendecke mit seinem Strahl zu +durchbrechen. Er erhellt uns das Dunkel der Nacht, aber das ist nicht seine +einzige Bestimmung. Man kann bis heute nicht feststellen, ob er nicht +selbst eine Welt für sich darstellt, eine Welt, deren Bewohner ebenso an +unserer Existenz zweifeln wie wir an ihrer, und die im Grunde ebenso +töricht sind wie wir zu glauben, daß sie allein alle Herrlichkeit des +Himmels bedeuten. Vielleicht sind sie ebenso anmaßend, vielleicht sind sie +aber auch erfinderischer als wir und haben ein gesünderes Urteil über die +Probleme des Lebens. + +Die Planeten sind Welten wie die unsere und ohne Zweifel von Pflanzen und +Tieren belebt, die wir nicht kennen. Denn in der Natur scheint alles +möglich. Doch welche Rolle spielt, von diesem Gesichtspunkt aus gesehen, in +diesem unermeßlichen Universum unsere Welt? Ist sie etwa mehr als ein +belebter Punkt unter anderen belebten Punkten? Und wir selbst? Wie wäre es +möglich, daß wir angesichts unserer Bedeutungslosigkeit inmitten der +Unendlichkeit des Universums uns für Anfang und Ziel der Schöpfung halten +könnten?« + +Auf diese Weise versuchte mein Vater Tag um Tag, Gedanken der Philosophie +in mich hineinzulegen und mich zum Denken anzuregen. + +Ich fragte ihn eines Tages: »Was ist das schöpferische Sein, aus dem alles +hervorgegangen ist?« + +Denn ich dachte bei mir, daß ich allzuwenig über dieses wunderbare, alles +belebende Wesen wisse. Mein Vater antwortete mir: »Dieses wunderbare +höchste Wesen ist unfaßbar! Man fühlt es, aber man kann es nicht erkennen. +Es entzieht sich unseren Spekulationen. Wenn es die verschiedenartigsten +Elemente gibt, so ist es seine Hand, aus der sie hervorgegangen sind. Er +hat sie durch seinen Willen und seine Kraft geschaffen. Es ist die Seele +des Universums, ohne die nichts von all dem bestehen könnte, was ist. +Kennen wir etwa die Quelle seiner Macht? Sehen wir nicht tagtäglich, wie +sich die Materie unter seinem Einfluß verändert, ohne daß wir die Ursache +dieser Veränderungen erkennen könnten? Und kann etwa das, was für eine +beschränkte Zeit geschaffen ist, nicht noch viel wunderbarer für die +Ewigkeit geschaffen sein? Doch genug für heute, mein Kind. Wenn Du etwas +älter geworden bist, werde ich versuchen, soweit ich es kann, dir die ewige +Wahrheit zu enthüllen, die sich für uns Menschen immer unter dem Schleier +des Geheimnisvollen verbirgt.« + +Mein Vater gab mir häufig moralische Schriften zu lesen, welche die Dinge +nicht unter den gewöhnlichen Gesichtspunkten behandelten, sondern sie +vielmehr vom Standpunkt ihrer natürlichen Existenz aus betrachteten. So +lernte ich in allem die Gesetze der Natur zu erkennen, die dem menschlichen +Herzen unauslöschlich eingeprägt sind. Er lehrte mich in diesen Gesetzen +die einzige Norm des menschlichen Handelns zu erkennen. Denn alle anderen +Gesetze sind nur Verfremdungen von diesen. Die Regeln, die er mir gab, +waren ebenso einfach wie verständlich: »Tu für die anderen das«, sagte er, +»was Du möchtest, daß sie für Dich tun, und füge ihnen niemals etwas zu, +das Dir selbst unerwünscht wäre. Du siehst, meine Teure, daß diese +Wissenschaft, von der alle Welt in so hohen Tönen spricht, eigentlich ganz +einfach zu beherrschen ist. Und wenn jedermann sich an diese sittlichen +Grundsätze hielte, wäre das Glück aller Menschen auf dieser Welt +gesichert.« + +Romane verbannte mein Vater fast gänzlich aus meinem Gesichtskreis. Ich +lernte es, dank seiner Bemühungen, in ihnen eine Ansammlung von +Gemeinplätzen und menschlicher Dummheit zu sehen. Es gab nur ganz wenige +Ausnahmen von dieser Regel. Zumeist erlaubte mir mein Vater jene, die einen +moralischen Hintergrund hatten. Nur wenige von ihnen zeichneten die +Menschen in ihren natürlichen Farben, mit ihren Fehlern und Vorzügen. Die +meisten Romanautoren scheinen pausenlos damit beschäftigt, ihre Helden in +den anziehendsten Farben zu malen. + +Ach, meine Liebe, wie weit sind sie von der Wirklichkeit entfernt! +Betrachtet man die einen und die anderen, wie viel Unwirklichkeit entdeckt +man in diesen Darstellungen. Ich finde viel mehr Gefallen an den Büchern +der großen Weltreisenden, denn in ihnen lerne ich den Charakter und die +Sitten anderer Völker kennen. Ich begriff bald, daß sie im Grund nur ein +Spiegel unserer eigenen sind. Ich fing an, die Menschheit in ihrer +Gesamtheit zu verstehen, aber auch die Rolle zu begreifen, welche die +Gesellschaft bei der Bildung der einzelnen Charaktere spielt. Sodann +beschäftigte ich mich auch mit historischen Schriften. Indem diese die +Sitten und Gebräuche der Antike wiedergaben, erkannte ich aus ihnen, wie +nach und nach ein bestimmtes Weltbild entstanden ist, um nach einer Weile +neuen Erkenntnissen zu weichen. Am meisten liebte ich allerdings die Werke +unserer Poeten. Diese erschienen mir sehr amüsant, und einige von ihnen +sind für ewige Zeiten in meinem Gedächtnis haften geblieben. + +Dann eines Tages gab mir mein Vater ein Buch, das seine besondere +Aufmerksamkeit erregt zu haben schien. »Lies es, meine liebe Laura«, sagte +er. »Ein Genie, wie unsere Zeit nur wenige hervorbringt, hat es +geschrieben. Es wird leicht in Deinem Gedächtnis haften. Seine Philosophie +und elegante Sprache wird Dir gefallen. Der Mann, der es geschrieben hat, +ist ein Meister seines Fachs, und die Ideen, die er unter dem Vorwand einer +Fabel zu Papier gebracht hat, werden Dich faszinieren.« + +Zu welchem Irrtum führt uns unsere Eigenliebe und Eitelkeit doch oft! Dies +kann nur ein aufmerksamer und gedankenvoller Beobachter erkennen. Dabei ist +es doch eine ebenso einfache wie unveränderliche Wahrheit, daß sich alles +in diesem Leben zu einer Kette fügt, um einer gewissen Ordnung zu folgen, +die sowohl für die Gesamtheit des Seins als auch für den einzelnen gilt. +Unvorhergesehene Umstände zwingen die Ideen und Handlungen der Menschen. +Entfernte und daher kaum bemerkbare Ursachen führen zu einer Kette von +Beziehungen, die fast immer willkürlich erscheinen. Der einzelne meint, daß +alles von seiner Entscheidung abhänge, von der Wahl, die er für sich oder +andere trifft, doch in Wirklichkeit entwickelt sich alles fast ohne sein +Zutun. Natur, Charakter und Temperament sind nur das Material, aus dem der +Ewige Beweger die Rollen formt, die er jedem einzelnen von uns zugedacht +hat. + +Wenn man manche unerfreulichen Ereignisse verhindern kann, so ist das +nichts anderes als ein gewisser Weitblick, eine Klugheit, die den Blick für +diese Kette von Umständen schärft, die man doch nicht ändern kann und die +selbst für jene eine unwiderstehliche Macht ist, die das Übel schaffen. Am +weisesten ist jener, der sich dem natürlichen Lauf der Dinge überläßt. Dir, +meine liebe Eugenie, läßt Dein Geist alles leicht erscheinen. Deine +Sanftheit wird Dich glücklich erhalten, und Du verstehst es, Deine Freiheit +zu bewahren, trotz der Fesseln, die man Dir auferlegt. Du genießt die +Vergnügungen, die Du Dir erfindest und beklagst Dich nicht über jene, die +Dir fehlen. Doch höre meine Geschichte weiter! + +Ich wurde älter, und gegen Ende meines sechzehnten Jahres veränderte sich +meine Situation. Ich sah damals schon recht erwachsen aus. Meine Formen +waren voller geworden, meine Brüste hatten an Umfang zugenommen, und ich +bewunderte ihre reizenden Rundungen jeden Tag. Auch Lucette und meinen +Vater ließ ich diese wundervolle Entwicklung bestaunen. Sie küßten die +knospenden Hügel um die Wette, ich nahm ihre Hände und führte sie an meinen +Busen, damit sie sich von der schwellenden Herrlichkeit überzeugen könnten. +So gab ich ihnen tausend Zeichen meiner Ungeduld. + +Ohne jedes Vorurteil aufgewachsen, hörte ich nichts anderes als die Stimme +der Natur. Sie allein lehrte mich. Selbst wenn ich in Lucettes Gegenwart +badete, fühlte ich mich erregt. Ich lebte in einer sehr intimen +Gemeinschaft mit ihr. Meistens schlief ich mit ihr; immer tat ich dies, +wenn mein Vater abwesend war. Dann übernahm ich bei ihr seine Rolle, so gut +dies eben möglich war. Ich umarmte sie, saugte an ihrer Zunge und ihren +Brustspitzen, ich küßte ihre Lenden und ihren Schoß, ich liebkoste und +kraulte ihre Liebesgrotte. Meine Finger nahmen die Stelle jenes wunderbaren +Werkzeugs ein, mit dem ich ihr nicht dienen konnte. Dennoch gelang es mir, +sie durch diese Bemühungen in jene lange währende wollüstige Agonie zu +stürzen, in der sie mir so schön erschien. + +Meine Liebenswürdigkeit und die Zärtlichkeiten, die ich ihr erwies, +erfüllten sie mit einer lebhaften Zuneigung für mich, die ich nur mit jener +vergleichen kann, die Du für mich empfindest. Sie hat mich während dieser +Zärtlichkeiten oft auf das leidenschaftlichste erregt gesehen und +versicherte mir immer wieder, daß sie brennend gern für mich dasselbe tun +würde, wenn es nur möglich wäre, mich ohne Gefahr für mich selbst an diesen +Vergnügungen teilnehmen zu lassen. Sie wünschte leidenschaftlich, daß mein +Vater sich endlich entschließen würde, mich zu nehmen, und sie malte mir +diesen köstlichen Augenblick in den glühendsten Farben aus. + +»Oh, meine liebe Laurette«, sagte sie, »wenn dieser Augenblick gekommen +ist, werden wir ein Fest feiern. Ich erwarte ihn mit Ungeduld, aber ich +glaube, es wird nicht mehr lange dauern. Deine Brüste sind schon gerundet, +und Deine Kleine ist hübsch behaart und von einem schönen Rot. Ich sehe es +an Deinen Augen, die Natur wird bald eine Frau aus Dir machen.« + +Es dauerte tatsächlich nicht lange, so fühlte ich mich reichlich +unbehaglich. Mein Kopf war benommen, meine Augen hatten ihre Lebhaftigkeit +verloren, und ich litt an heftigen Krämpfen, die mir etwas völlig Neues +waren. Endlich, nach acht oder neun Tagen, war alles vorbei, und ich fühlte +mich so heiter wie zuvor und strahlte vor Gesundheit. + +Wie freute ich mich über dieses Ereignis. Ich war ganz verrückt und umarmte +Lucette. + +»Meine Liebe, wie glücklich werde ich sein!« Ich fiel meinem Vater um den +Hals und bedeckte ihn mit Küssen: + +»Ach, endlich«, rief ich, »befinde ich mich in dem Zustand, in dem Du mich +so gerne sehen wolltest. Wie glücklich bin ich, daß ich Dein Verlangen +endlich befriedigen kann! Mein einziges Glück wird es sein, Dir ganz zu +gehören. Deine Liebe und deine Zärtlichkeit werden meine Seligkeit sein.« + +Er nahm mich in seine Arme und zog mich auf seine Knie, um mir die +Zärtlichkeiten, die ich ihm erwies, wiederzugeben. Er preßte meine Brüste +und küßte sie. Er sog an meinen blühenden Lippen, seine Zunge vermählte +sich mit der meinen. Meine Schenkel, mein Hinterteil, ja selbst meine +kleine Spalte, alles war der brennenden Berührung seiner Hände +ausgeliefert. + +»So ist er endlich gekommen, meine reizende Laura, jener beglückende +Augenblick, in dem Deine Zärtlichkeit und die meine sich im Strom der +Begierde vereinen werden. Noch heute werde ich Deine Jungfernschaft nehmen +und die Blume pflücken, die sich so herrlich entfaltet hat. Ich schulde es +Deiner Liebe. Du mußt allerdings wissen, daß die Wonnen, die unserer +Umarmung folgen werden, durch einige Augenblicke des Schmerzes erkauft +werden müssen. Ich werde Dir wehtun, wenn ich Deine Rose breche, mein +reizendes Kind.« + +»Was macht das schon aus? Laß mich bluten, wenn Du willst, kein Opfer wird +mir zu groß sein. Ich begehre nichts so sehr, als Deine Lust und Deine +Befriedigung.« + +Das Feuer der Leidenschaft brannte in seinen Augen wie in den meinen. Die +liebenswürdige Lucette, die an dem wunderbaren Opfer mitwirken wollte, +zeigte nicht weniger Rührung, als wenn sie das Opfer selbst an mir hätte +vollziehen sollen. + +Sie führte mich in ein Gemach, das für den erhebenden Anlaß schon +vorbereitet worden war. Alles Tageslicht war daraus verbannt. Ein riesiges +Himmelbett, das ganz mit blauem Satin bezogen war, prangte inmitten der +Spiegel, von denen es umgeben war. In der Mitte des Bettes befand sich auf +den blauseidenen Decken ein Kissen, das gewissermaßen den Opferstein +darstellte. + +Lucette verstand es ausgezeichnet, all die Vorzüge herauszustreichen, +welche die Natur mir gegeben hatte. Sie schmückte dieses freiwillige Opfer +mit feuerroten Strumpfbändern und einem Gürtel, der wie bei einer zweiten +Venus meine schlanke Taille zur Geltung brachte. Meine üppig fließenden +braunen Locken wurden gleichfalls durch ein rotes Band zusammengehalten. So +blieb ich ganz allein in dem Raum, in dem bald das köstlichste Opfer +stattfinden sollte. Ich betrachtete mich mit einer unbeschreiblichen +Zufriedenheit in den Spiegeln, die den blauseidenen Bettaltar umgaben. Mein +entblößter Körper schimmerte wie mattes Elfenbein. Meine jungen, zarten +Brüste erhoben sich wie strahlende Früchte, die von zwei Knospen in der +zartesten Rosenfarbe gekrönt wurden. Ein reizender goldfarbener Flaum +bedeckte den Ansatz meiner Schenkel und warf einen köstlichen Schatten auf +meine Liebesgrotte, die zwischen den beiden rosigen Lippen ein winziges +Ende der Klitoris erkennen ließ. Es war, als ob sich eine Zunge begehrlich +zwischen den beiden Lippen vorstreckte. Dazu meine schlanke Taille, meine +zierlichen Füße, meine schön geschwungenen Beine und wohl gerundeten +Schenkel, sowie ein Hinterteil, dessen rosige Rundungen zur Freude wie +geschaffen schienen! + +Wirklich, selbst Amor hätte sich mit mir nicht messen können, wenn er mein +Geschlecht gehabt hätte. Das war in etwa der Tenor der Elogen, mit denen +Lucette meinem Vater gegenüber meine Schönheit pries. Ich fühlte mich +emporgetragen von einer Woge der Trunkenheit, von einem Liebesrausch +ohnegleichen. Wie glücklich war ich, den Mann, der mir so viel bedeutete, +mit meinem Überfluß zu beglücken. + +Er prüfte und bewunderte all die Schätze, die vor ihm ausgebreitet waren. +Seine Hände, seine Lippen brannten auf meinem Körper. In uns beiden flammte +die Leidenschaft einer jungen Liebe auf, für die es keine Hindernisse gibt +und die endlich den Lohn ihrer Geduld und Sehnsucht zu pflücken hofft. Ich +hatte mir diesen Augenblick so lebhaft gewünscht und preßte den Urheber +künftiger Freuden mit einer Leidenschaft an mich, als wollte ich ihn nie +wieder aus meinen Armen entlassen. + +Lucette entkleidete ihn vollständig. Er legte mich auf das Bett, so daß +mein Hinterteil auf dem Kissen zu liegen kam. Ich nahm die wundersame Waffe +in die Hand, durch die meine Jungfernschaft zerstört werden sollte. Oh, wie +liebkoste ich dieses schwellende Schwert, das nun bald gewaltsam meine Rose +durchbohren sollte, die mit solcher Sorgfalt viele Jahre hindurch gepflegt +worden war. Meine Phantasie brannte vor Verlangen nach diesem bedeutsamen +Augenblick. Meine Liebesgrotte verzehrte sich nach dem holden Eindringling, +dessen Nähe allein mich mit einem wundervollen Feuer der Begeisterung +erfüllte. Wir hielten uns umschlungen und lagen einer auf dem anderen. +Unsere Lippen, unsere Zungen vermählten sich. Ich wußte nicht mehr, was ich +tat, sondern schlang meine Beine um seine Lenden, und während ich ihm +entgegenkam, durchbohrte er mich mit einem einzigen schnellen Stoß. Der +heftige Schmerz, den ich in diesem Augenblick empfand, entriß mir einen +Schrei, der ihn von seinem Sieg überzeugte. + +Lucette, die ihre Hand geschickt zwischen uns schob, begann mich zu +liebkosen, während ihre andere Hand meine Lenden streichelte. Der Schmerz +mischte sich mit Wollust, so wie sich der holde Tau der Lust mit meinen +Blutstropfen mischte. Ich fühlte eine zarte und unaussprechliche Wonne in +mir aufsteigen und versank in einen Abgrund der Lust. Kraftlos lag ich in +den Armen des Geliebten und fühlte mich sterben, während ich die +unaussprechlichsten Wonnen, eine subtile Art von Qual erlitt, die mir heute +noch unbeschreiblich erscheint. + +Welch wundervoller Zustand! Neue Zärtlichkeiten riefen mich wieder ins +Leben zurück. Er küßte mich, seine Hand liebkoste meine Brüste und meine +Liebesgrotte, er spreizte meine Beine in die Luft, um sein Werk zu +besichtigen. Ich faßte währenddessen nach seinem Instrument, das unter +meinen Liebkosungen sofort seine ursprüngliche Festigkeit wieder annahm. +Und alsbald ging er wieder an meine Eroberung. Noch war das schmale +Pförtchen nicht leicht zu durchbrechen, doch die immer liebenswürdige +Lucette besänftigte mich durch ihre Liebkosungen, und ich versank von neuem +in jene wollüstige Apathie, die ich eben kennen gelernt hatte. + +Der Mann, der mein Vater gewesen und nun mein Liebhaber war, nahm voller +Stolz über seine Eroberung und bezaubert von dem Opfer, das ich ihm +dargebracht hatte, das Kissen, auf dem dieses Opfer vollzogen worden war -- +es zeigte die Spuren des vergossenen Blutes und betrachtete diese Trophäe +seines Sieges liebevoll. + +»Meine Laura, geliebtes und liebenswürdiges Kind«, sagte er schließlich, +»Lucette hat Deine Lust gesteigert. Erscheint es Dir da nicht gerecht, daß +wir sie nun daran teilnehmen lassen?« + +Ich umschlang ihren Hals und zog sie auf das Bett. Er nahm sie in die Arme +und zog mich an ihre Seite. Ich schürzte ihre Röcke und fand sie darunter +ganz feucht. »Ah, wie feucht Du bist, meine Liebe! Ich werde Dein Vergnügen +erhöhen, wenn ich es kann.« Ich nahm seine Hand und ließ ihn einen Finger +in ihre Grotte stecken, wo er Kommen und Gehen spielte, während ich sie +kitzelte. Sie zögerte nicht, in dieselbe wollüstige Ekstase zu verfallen, +die ich vorhin so glücklich an mir erfahren hatte. + +O meine geliebte Eugenie, wie wundervoll war dieser Tag für mich! Ich +gestehe Dir, meine teure Freundin, es war der schönste Tag meines Lebens +und zugleich der erste, an dem ich die Wonnen der Liebe in ihrem vollen +Umfang erfahren habe. Selbst wenn ich heute daran denke, überkommt mich ein +wollüstiger Schauer, den ich Dir nicht beschreiben kann. + +In dem Raum herrschte eine angenehme Wärme. Ich fühlte mich so, wie ich +war, unendlich wohl, und hatte kein Bedürfnis, mich wieder anzuziehen. Ich +befand mich in einer Art von süßem Wahnsinn und wollte, nackt wie ich war, +mit meinen beiden Lieben soupieren. Die wachsame Lucette hielt die +Dienerschaft fern. Sie war liebenswürdig genug, uns ganz allein zu +bedienen, nachdem sie die Türen sorgfältig verschlossen hatte. Ich wollte, +daß auch sie sich in diesem Zustand sehen ließ, und entkleidete sie +eigenhändig. Ah, wie reizend erschien sie mir. Wir setzten uns zu Tisch. +Mein Geliebter saß zwischen uns und wurde von uns beiden mit Zärtlichkeiten +verwöhnt, die er uns bereitwillig wiedergab. + +Bald waren wir aufs Neue entflammt. In einem so erregten Zustand war es nur +verständlich, daß sich die geliebte Waffe, der ich mich vorhin so tapfer +unterworfen hatte, wieder in ihrer vollen Stärke aufrichtete. Die +Tafelfreuden verloren bald alles Interesse für uns, und wir eilten zu +unserem geliebten Bett. An diesem Tag, der einzig und allein mir gewidmet +war, empfand ich noch einmal die vollen Wonnen der Liebe. + +Mein Geliebter legte sich an meine linke Seite, seine Schenkel unter den +meinen, die ich geöffnet hielt. Kräftig pochte seine Lanze an meinen +Eingang. Lucette nahm meinen Kopf zwischen ihre Knie. Ihre reizende Kleine +war direkt vor meinen Augen. Ich streichelte und kitzelte sie und liebkoste +ihr Hinterteil, das munter in die Luft ragte. Ihr Leib berührte meine +Brüste, ihre Schenkel waren zwischen meinen Armen. Wir glühten alle drei +vor Begierde. Sie öffnete meine Schamlippen, die von einem lebhaften Rot +waren, und versah mich mit jenem köstlichen Schwamm, der meinen Geliebten +in die Lage versetzen sollte, sich ohne alle Scheu in mich zu ergießen. Es +schmerzte mich ein wenig, als ihn Lucette mit behutsamen Fingern in mich +einführte, ich litt. Doch ertrug ich diesen Schmerz in der Hoffnung auf +eine höchst erfreuliche Sensation. Lucette selbst bahnte dem köstlichen +Instrument den Weg. Es drang mühelos ein, während sie mich kitzelte. Ich +leistete ihr währenddessen einen ähnlichen Dienst, während die Finger +meines Geliebten in Lucettes Grotte spielten. Er wiederholte dabei die +Bewegungen, die sein Instrument in mir vollführte. Ah -- all diese +Variationen, diese Stellungen, diese Vielfalt von Sensationen! Wir fühlten, +wie die Lust über uns zusammenschlug. Halb ohnmächtig vor Lust verströmten +wir uns beinahe gleichzeitig. Danach waren wir wohlig ermattet. Lucette +stand auf, um Ordnung zu machen, und als sie damit fertig war, legten wir +uns alle in ein Bett und schliefen aneinandergeschmiegt ein. Diese Nacht +war in meiner Vorstellung mehr als der festlichste Tag. + +Ach, liebe Eugenie, warum übertrifft die Einbildungskraft die Wirklichkeit +immer wieder, wo diese allein doch unser Glück ausmachen kann? Ich glaubte +natürlich, daß nun alle Tage wie dieser eine sein würden, doch mein +väterlicher Geliebter, der weiterhin über meine Gesundheit wachte, machte +mir anderntags folgende fatale Eröffnung: »Meine teure Laurette, ich kann +Dir nicht verbergen, daß ich etwas tun muß, das uns allen schmerzlich sein, +wird. Dein Temperament ist noch nicht gefestigt genug, als daß ich Dich ihm +überlassen könnte, und Du bist mir viel zu teuer, als daß ich Dir nicht +alle Aufmerksamkeit widmen würde, deren ich fähig bin. Währenddessen wirst +Du nur unsere Zärtlichkeiten genießen. Du wirst in gewisser Weise an +unseren Vergnügungen teilnehmen, aber nur ab und zu wird Dir eine Nacht wie +diese vorbehalten sein; Du wirst sie ebenso angenehm finden wie die heutige +und wirst sie natürlich mit Ungeduld erwarten. Wenn Du mir gefallen willst, +wirst Du Dich diesen Entschlüssen widerstandslos und mit Freuden fügen.« + +Diese Worte waren ein sicheres Mittel, zu erreichen, daß ich mich mit +meiner Lage ohne Murren abfand. Glaube nicht, meine Liebe, daß ich dabei +Eifersucht empfunden hätte. + + + + +4. Kapitel + + +Ich fügte mich also dem Willen meines väterlichen Geliebten. Ah, teure +Eugenie, wie gut habe ich daran getan! Nach der neunzehnten oder +zwanzigsten derartigen Soiree verließ uns zu unserem Kummer unsere teure +Lucette. Ihr Vater, der in der Provinz weilte, rief sie zu sich. Eine +gefährliche Krankheit ließ ihn ihre Rückkehr vor seinem Tod ersehnen. Ihre +Abreise verursachte uns einen leidenschaftlichen Schmerz, und unsere Tränen +mischten sich mit den ihren. Ich für meinen Teil konnte mein Schluchzen +nicht zurückhalten. Nur die Hoffnung, sie bald wieder zu sehen, konnte mich +trösten. Aber kurz nach dem Tod ihres Vaters verfiel sie selbst in eine +langwierige Krankheit, die ihr viele Schmerzen verursachte. Ihr Vater hatte +gewisse Heiratspläne mit ihr gehabt, und auch ihre Verwandtschaft redete +ihr zu, doch sie wollte nichts davon hören. Sie schrieb, der Unterschied +zwischen meinem Vater und den Männern, die ihr den Hof machten, sei zu +groß. Sie wollte nicht in eine Hochzeit willigen und sehnte sich danach, zu +uns zurückzukehren. Doch ihre Mutter und ihre Verwandtschaft überredeten +sie schließlich, und sie stimmte zu, nachdem sie meinen Vater, dem sie in +allen Dingen ihr Vertrauen schenkte, um Rat gefragt hatte. Er riet ihr zu, +eine an sich günstige Partie nicht auszuschlagen. Mein Vater fühlte sich +immer verpflichtet, den Vorteil derer im Auge zu haben, die ihm vertrauten. +Er hätte es ohne Zweifel für ein Zeichen der Schwäche gehalten, wenn er +anders gehandelt hätte. Doch diesmal brachte sein Rat Unheil. Lucette starb +an den Folgen ihrer ersten Niederkunft. + +Indes, ich greife den Ereignissen voraus. Lucettes Abreise hatte mich +melancholisch gestimmt, doch tröstete ich mich rasch in den Armen meines +väterlichen Geliebten. Die Krankheit, in die Lucette verfiel, brachte ihn +dazu, meine Gesundheit mit der größten Aufmerksamkeit zu überwachen. Ich +hielt mich in allem an seine Ratschläge, denn ich setzte das allergrößte +Vertrauen in ihn. Er entfernte sich kaum je von mir und überwachte mich +dauernd, weil er wußte, daß mir mein leidenschaftliches Temperament zu +schaffen machte. + +Bald nach Lucettes Abreise traf er einige Veränderungen in seinem +Appartement. Man konnte nur noch in mein Zimmer gelangen, indem man das +seine durchquerte. Er hatte der Dienerschaft ernsthaft eingeprägt, daß sie +keinen anderen Eingang benutzen durfte. Unsere Betten standen an derselben +Wand, die er durchbrechen und durch eine Art von Paravent hatte ersetzen +lassen. Dieser konnte jederzeit entfernt werden, doch das war unser kleines +Geheimnis, und nur wir kannten den Trick, der die scheinbare Wand, +zurückweichen ließ. Den Schlüssel zu meinem Zimmer hatte eine Frau, die er +an Lucettes Stelle aufgenommen hatte, die uns aber in allem nur eine +Dienerin war. + +Wenn wir sicher sein konnten, nicht mehr gestört zu werden, schob ich die +Spanische Wand zurück und eilte in seine Arme. Dann verbrachte ich eine +süße und glückliche Nacht mit ihm, die von einem zumeist erfreulichen Tag +abgelöst wurde. + +Während einer dieser bezaubernden Nächte lehrte er mich eine neue Art des +Vergnügens kennen, von der ich bisher keine Ahnung gehabt hatte. + +»Meine liebe Laura«, sagte er, »Du hast mir Deine Erstlingsblüte geschenkt, +aber Du hast noch eine andere Jungfernschaft, und die wirst Du mir nicht +verweigern, wenn Du mich noch immer liebst.« + +»Ah, und wie ich Dich liebe! Was ist es, mon cher? Laß es mich wissen! Wie +glücklich bin ich, daß ich Dir noch etwas geben kann!« + +»Mein reizendes Kind -- wie sehr du mich glücklich machst. Die Natur und +die Liebe selbst haben all Deine Grazie geschaffen und Dich mit den +wollüstigen Empfindungen erfüllt, die uns beiden so teuer sind. Sie haben +Deinem Körper die liebenswürdigsten Reize verliehen und all seine Teile zum +Gegenstand unseres Begehrens gemacht. Glaube mir, für einen Mann, der eine +schöne Frau anbetet und sich von ihr wieder geliebt weiß, wird ihr Mund, +werden ihre Hände, ihre Brüste, ja selbst ihre Achselhöhlen und ihr Hintern +genauso wie ihre Vagina zum Sitz der Wollust.« + +»Ah, ich verstehe. Nun, wohl. Du bist mein Meister, und ich folge in allem +deinen Begierden. Wähle also!« + +Er ließ mich auf meiner linken Seite liegen, und zwar so, daß ich ihm meine +Lenden zuwandte. Dann führte er den Kopf seines erigierten Gliedes +vorsichtig an die kleine Öffnung und begann ganz sanft einzudringen. Der +Weg war eng, aber die ungewohnte Berührung verursachte mir doch ein +Vergnügen besonderer Art. + +Ich stützte mein rechtes Bein auf sein Knie, und er kitzelte mich und ließ +seinen Finger von Zeit zu Zeit in meiner Liebesgrotte spielen. So empfand +ich einen höchst leidenschaftlichen und wirkungsvollen Kitzel. Als er +merkte, daß ich mich dem Gipfel der Lust näherte, beschleunigte er seine +Anstrengungen, und ich tat desgleichen. Ich fühlte mich tief in meinem +Innern von einer heißen Quelle benetzt, und dies verursachte mir eine +leidenschaftliche Wollust. Ich empfand ein köstliches und unbeschreibliches +Gefühl, das allen empfindsamen Teilen meines Körpers zu entquellen schien. +Ah, all diese Wonnen verdankte ich diesem herrlichen, starken und doch +vorsichtigen Instrument, das dem Mann gehörte, den ich so leidenschaftlich +liebte. + +Er teilte meine Wonnen. + +»Welch ein wundersames Vergnügen, meine liebste Laurette! Und Du -- sag, +wie fühlst Du dich? Wenn ich der Leidenschaft glauben darf, die Du mir eben +bewiesen hast, hast Du nicht weniger als ich empfunden.« + +»Gewiß nicht, mon cher. Welch unendliche, unaussprechliche und neue Wonnen +habe ich eben kennen gelernt! Nie habe ich geglaubt, daß sich die +wollüstigen Empfindungen so vervielfältigen lassen.« + +»Gut, mein Kind. Beim nächsten Mal werde ich Dir noch mehr Wonnen bereiten +und mich gleichzeitig eines Godmiche bedienen.« + +»Was ist ein Godmiche?« fragte ich neugierig. + +»Das wirst Du sehen, mein Kind. Aber wir müssen damit bis zum nächsten Mal +warten. Für heute ist es genug.« + +Am folgenden Tag sprach ich von nichts anderem. Ich wollte diesen +rätselhaften Gegenstand gar zu gern sehen. Ich drängte ihn, mir diesen zu +zeigen, und schließlich stimmte er zu. Ich war recht verwundert, denn ich +hatte gehofft, daß er ihn noch am selben Abend ausprobieren und mir so eine +neue Lektion der Lust erteilen würde. + +Meine liebe Eugenie, ich werde eines Tages mit dir dasselbe tun, was mein +väterlicher Geliebter schließlich mit mir getan hat. Doch ich kann Dir das +nicht beschreiben, ohne daß ich wieder eine unserer intimen Szenen vor +Deinen Augen ausbreite. Ich bedaure, daß ich dieses prächtige Instrument +bisher nicht für unsere Zärtlichkeiten verwendet habe. Ich würde dann mit +großem Vergnügen die Rolle eines zärtlichen Liebhabers bei Dir gespielt +haben. Aber ich werde nicht vergessen, eines mitzubringen, wenn ich wieder +in Deine Arme eilen kann. + +Trotz der langen Pausen, die mein Vater zwischen unsere Vergnügungen legte, +gab es keine Variation der Wollust, die er mir nicht gezeigt hätte. Er +hatte es dabei leicht, denn ich liebte ihn mit aller Leidenschaft, deren +ich fähig war, und ich war bereit, auf all seine Wünsche einzugehen. +Manchmal legte er sich auf mich, seinen Kopf zwischen meinen Schenkeln und +meinen zwischen seinen Knien. + +Seine heißen Lippen liebkosten meine Liebesgrotte, sie saugten an meiner +Klitoris, und dann ließ er auch seine Zunge auf dem Weg unserer Wollust ein +wenig vordringen. Er kitzelte meine Klitoris, bis ich vor Wonne halb +bewußtlos war, und führte gleichzeitig seinen Finger oder den bewußten +Godmiche in meiner Lustgrotte spazieren, während ich den Kopf seines +Gliedes mit Zunge und Lippen liebkoste. Ich umschloß dieses herrliche +Instrument mit meinem Mund, ich kitzelte es mit meiner Zungenspitze und +nahm es im nächsten Moment so tief in mich auf, als ob ich es verschlingen +wollte. Ich kitzelte und preßte seine Hoden, seine Schenkel, sein +Hinterteil. Alles das ist höchst beglückend und wollüstig, vorausgesetzt, +daß es von einer so zärtlichen Liebe diktiert wird wie von der, die ich für +meinen Geliebten empfand. + +So war also das Leben, das wir nach Lucettes Abreise zusammen führten. +Schon waren acht oder neun Monate seither vergangen. Die Erinnerung und der +unglückliche Zustand, in dem sich das liebenswürdige Mädchen befand, war +der einzige Schatten, der auf diese glücklichen Tage fiel, die angefüllt, +waren mit der Seligkeit einer ersten Liebe. Ich lebte von den kostbaren +Augenblicken, in denen ich in den Armen dieses zärtlichen und +liebenswürdigen Mannes lag und ihn unter meinen Küssen und Liebkosungen +hinschmelzen fühlte. Er liebte mich unbeschreiblich. Meine Seele war mit +der seinen vereint. Es ist mir unmöglich, die vollkommene Harmonie unserer +Gefühle auch nur annähernd zu beschreiben. + +Aber, meine teure Eugenie, was wirst Du von Deiner Freundin denken, wenn Du +ihr folgendes Geständnis hörst? Welch neue Szenen wirst Du zu sehen +bekommen? Bis zu welchem Grad von Extravaganz vermag nicht die Phantasie +vorzudringen? Was sollte sich ihren Launen und Kaprizen in den Weg stellen? + +Wenn das Herz immer dasselbe ist, wenn es von den beständigsten Gefühlen +belebt und erfüllt wird, wie ist es dann möglich, daß die +leidenschaftlichsten Begierden einem Phantom nachjagen, das wir uns selbst +geschaffen haben? Ist es möglich, daß unser Verlangen uns vorwärts treibt, +einem unbekannten Ziel entgegen, ohne daß wir uns zurückzuhalten +vermöchten? Ich bin ein erstaunliches Beispiel dafür. Soll ich Dir dieses +Geständnis überhaupt machen? Ja, ich will es tun, denn es gibt nichts, was +ich der Freundin meines Herzens verbergen möchte. + +Zwar erröte ich dabei, doch immerhin! Du wirst daraus die tiefe Güte und +das lebhafte Verständnis ersehen können, das mein väterlicher Liebster für +mich hegte. Die Gerechtigkeit seines Geistes und seine Seelenstärke sind in +gleicher Weise bewundernswert. Ich habe erst damals begriffen, wie sehr +dieser wundervolle Mann meine Liebe und Zuneigung verdiente. In demselben +Haus, in dem wir lebten, vegetierte eine alte, verwitwete Betschwester, die +glaubte, sie könne ihre Tage nicht besser verbringen, als wenn sie +sämtliche Kirchen im Umkreis besuchte. + +Sie hatte drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. Der älteste war in der +schlechten Gesellschaft, in der er zu verkehren pflegte, ganz entartet. Wir +kannten ihn kaum vom Sehen. Er spielte mit dem, was er von seinem Vater +geerbt hatte, den Verschwender. Sein Bruder, der viel jünger war, hatte +sein sechzehntes Lebensjahr gerade vollendet, als er die Schule verließ, um +bei seiner Mutter zu leben. Er war ein hübscher Junge, frisch wie Amor +persönlich, dazu immer heiter und von einem liebenswürdigen Charakter. Die +beiden hatten eine reizende Schwester, die damals etwa fünfzehn Jahre alt +war. + +Teure Eugenie, stell Dir eine hübsche kleine Brünette vor, von lebhaftem +Teint und mit strahlenden Augen. Ein reizendes Näschen, ein lieblicher Mund +und eine schlanke Taille vervollständigen ihre Reize. Sie war, wie gesagt, +klein von Wuchs, aber von einer überquellenden Lebendigkeit, ein wenig +närrisch und unter einer sanften Oberfläche den Leidenschaften der Liebe +zugetan. Dazu war sie höchst diskret in allem, was ihr Vergnügen anging. + +Sie machte sich jeden Tag über die Belehrungen lustig, die ihre +frömmlerische Mutter ihr gab. Ich hatte mich bald nach Lucettes Abreise mit +ihr angefreundet und dadurch auch die Bekanntschaft des jüngeren ihrer +Brüder gemacht. Die beiden begannen mich ziemlich regelmäßig zu besuchen, +und bald verging kein Tag, an dem wir nicht zusammen waren. Ihre Mutter +schien darüber recht zufrieden. Ich weiß, daß sie mich -- in Verkennung der +Tatsachen ihrer Tochter beständig als ein Beispiel hinstellte. + +Es stimmt allerdings, daß ich dank der ausgezeichneten Erziehung, die ich +genossen hatte, einen recht gesetzten Eindruck machte. Es ist schon sehr +merkwürdig, meine teure Eugenie, aber unsere Leidenschaften vermindern +unsere Reputation, wenn die Unklugheit sie erraten läßt. Nichts schadet dem +guten Ruf einer Frau mehr als ihre Koketterie und Freizügigkeit. Hingegen +kann sich eine vorsichtige Frau, die nach außen hin die Fromme und Gesetzte +spielt, so gut wie alles erlauben. Sie wird ihren guten Ruf ohne jeden +Makel behalten, wenn sie ihre Liebesabenteuer mit dem Schleier des +Geheimnisses bedeckt. Noch besser, wenn sie ihrer Zunge einen Zaum anlegt +und sich über das Benehmen ihrer Mitschwestern ausschweigt. Kurz und gut, +nicht die Taten, sondern die Manieren einer Frau entscheiden darüber, ob +sie als ehrbar gilt oder nicht. + +Ich bemerkte natürlich, daß mein Vater meine neuen Freunde mit +Aufmerksamkeit beobachtete, und zwar sowohl den jungen Vernol als auch +dessen Schwester. + +Er sagte mir, daß Rose für ihr Alter viel zu wissen scheine. Wenn sie auch +unzweifelhaft noch keine Gelegenheit gehabt hatte, die Genüsse voll +auszukosten, die ich kennen gelernt hatte, so würde sie doch höchst +begierig sein, sie kennen zu lernen. Davon konnte ich mich leicht +überzeugen. Wir scherzten von da an häufig zusammen und trieben allerlei +Neckereien. Ich kam zu derselben Erkenntnis wie mein Vater, soweit es Rose +betraf. Über Vernol sagte er wenig. + +Meine Talente hatten sich inzwischen immer mehr vervollkommnet. Ich war +musikalisch und verstand ausgezeichnet auf der Harfe zu spielen, ich sang +mit Geschmack, deklamierte mit Intelligenz und hatte einen geselligen Kreis +um mich, in den ich Rose und Vernol aufnahm. Der Junge fand +bezeichnenderweise zahlreiche Gelegenheiten, mir seine Vorliebe für mich zu +beweisen. Er suchte mich und folgte mir unablässig. Wir spielten Theater, +und er brachte seine Rolle mit Leidenschaft zu Gehör. Ich sprach mit meinem +Vater darüber, und ich machte mich ein wenig über ihn lustig, aber in einem +Ton und mit einem Lächeln, welches diesem großen Menschenkenner deutlich +verraten mußte, daß ich an meinem neuen Verehrer Gefallen fand. + +»Das habe ich vom ersten Augenblick an bemerkt«, sagte mein Vater, als ich +wieder einmal davon sprach. »Seine Augen, seine geröteten Wangen verraten +ihn, wenn er in Deiner Nähe ist. Nun, meine Liebe, aber wie steht es mit +Dir? Da Du weißt, daß er in Dich verliebt ist, welches Gefühl hegst Du für +ihn?« + +Ich war mir darüber nicht ganz im Klaren und glaubte, daß ich für Vernol +keine anderen Gefühle hegte als jene, die für gewöhnlich mit dem hübschen +Namen Freundschaft bezeichnet werden. Doch die Frage meines Vaters machte +mich nachdenklich, und ich beobachtete mich schärfer. Bald fand ich heraus, +daß Vernols Gegenwart mich erregte und daß ich ihn vermißte, wenn er nicht +mit seiner Schwester gekommen war. Ich fragte dann Rose ganz unschuldig, wo +ihr Bruder geblieben sei. Ich wunderte mich selbst über diese Vorliebe, die +meinem Herzen so gar nicht entsprach. + +Allerdings gefiel mir sein Äußeres, und ich muß gestehen, auch seine +Sanftheit und die Standhaftigkeit, mit der er mich bewunderte, schmeichelte +mir nicht wenig. + +Aus der Miene meines Vaters hätte ich leicht bemerken können, daß er etwas +in mir entdeckt hatte, daß ich mir selbst nicht einzugestehen wagte. Er +sprach nicht darüber, und ich liebte ihn mehr denn je. Meine Leidenschaft +und meine Vorliebe für ihn verminderten sich nicht im Geringsten. Von +Kindheit an zur Wahrhaftigkeit erzogen, kannte ich nicht die mindeste +Verstellung. + +Man sagt, daß die Frauen von ihrer Natur her falsch seien. Aber ich glaube, +daß diese vermeintliche Falschheit nur eine Folge ihrer Erziehung ist. Zu +guter Letzt entschloß ich mich, alles für diesen liebenswürdigen und +zärtlichen Freund zu opfern und die Nachstellungen dieses hübschen Jungen +in Zukunft zu vermeiden. Ich hatte die Übereinstimmung der Gefühle, die ich +für meinen Vater und auch für Vernol hegte, noch nicht begriffen. Doch die +zwiespältige Verfassung, in der ich mich befand, verriet mir wohl, daß +etwas in mir im Gange war. Du kannst Dir diesen inneren Zwiespalt schwer +vorstellen, meine Liebe. Man muß ihn fühlen, um ihn zu kennen. Mein Vater, +der meine Verfassung wohl bemerkt hatte und sich darüber Gewißheit +verschaffen wollte, stellte mich auf eine Probe, ohne daß ich es bemerkt +hätte. + +»Laura, einige Deiner Freunde verursachen mir Unbehagen«, eröffnete er mir +eines Tages. »Ich möchte, daß Du Rose und ihren Bruder nicht wiedersiehst.« +Ich zögerte keinen Augenblick, sondern warf mich in seine Arme: »Ich stimme +dem gerne zu, mein Liebster. Komm, wir wollen dieses Haus aufgeben und auf +das Land ziehen, dann werden wir den beiden nicht mehr begegnen. Laß uns +morgen schon aufbrechen, Du wirst mich bereit finden!« + +Ich beeilte mich tatsächlich, meine Koffer zu packen, und ich blieb damit +beschäftigt, bis er mich rief. Er nahm mich auf seinen Schoß und sagte, +während er mich umarmt hielt: »Meine liebe Laurette, ich bin von Deiner +Zärtlichkeit und Zuneigung sehr angetan. Deine trockenen Augen verraten +mir, daß Du sie ohne Schmerzen verlassen wirst. Doch gestehe mir, macht es +Dir wirklich nichts aus? Öffne mir Dein Herz, denn ganz bestimmt ist es +nicht die Furcht, die Deine Entschlüsse beeinflußt. Du hast keinen Grund, +mich zu fürchten.« + +Immer wahrhaft und ehrlich gegen meinen Vater, verbarg ich auch diesmal +nichts vor ihm. + +»Nein, ganz bestimmt ist es nicht die Furcht, die mich lenkt. Seit langem +schon empfinde ich keine Furcht vor Dir. Nur das Gefühl allein leitet mich. +Dieser Vernol hat es verstanden, mir eine gewisse Vorliebe für ihn +einzuflößen, deren Ursache ich mir nicht erklären kann. Doch mein Herz, das +dir allein gehört, zögert keinen Augenblick, sich zu entscheiden. Ich will +ihn nicht wiedersehen!« + +»Mein geliebtes Kind, ich kenne die Aufrichtigkeit Deiner Gefühle für mich, +und ich bin darüber sehr glücklich. Vernol erweckt in Dir gewisse +Vorstellungen, die Deine Phantasie bewegen. Du findest ihn deshalb +angenehm. Aber Du kennst meine Zärtlichkeit für Dich und weißt, daß Du +nicht aufhören kannst, mich zu lieben. Das ist alles, was ich von dir +erhoffe. Geh nur, ich bin nicht eifersüchtig auf dieses Herz, dessen Besitz +mir so sicher ist.« + +Diese Worte beruhigten mich, und ich fühlte mich überströmen vor +Zärtlichkeit für diesen wundervollen Mann, der all meine Besorgnisse zu +zerstreuen verstand. Ich warf mich vor ihm auf die Knie und küßte seine +Hände, die ich mit meinen Tränen benetzte. Mein Schluchzen machte es mir +beinahe unmöglich, die rechten Worte zu finden. + +»Mein Liebster, ich liebe Dich, ich bete Dich an, nichts und niemanden +liebe ich so wie Dich! Meine Seele, mein Herz, alles ist von Dir erfüllt!« + +Er war von meinem leidenschaftlichen Ausbruch gerührt, hob mich auf, preßte +mich an sein Herz und bedeckte mich mit seinen Küssen. + +»Beruhige Dich, mein allerliebstes Kind. Glaubst Du wirklich, daß ich die +Natur und ihre unabänderlichen. Gesetze so wenig kenne? O nein, ich bin +nicht so ungerecht. Erfahrung und Vergleichsmöglichkeiten haben in mir erst +diese zärtliche Zuneigung ermöglicht, die ich für Dich empfinde. Es ist +Zeit, daß auch Du es lernst, dir ein Urteil zu bilden. Ich verspreche Dir, +Du wirst die Gesellschaft dieses Vernol genießen. In meinen Grundsätzen +gefestigt und erfüllt von meinen Ideen, wirst Du auch nach meinen +Erkenntnissen handeln. Übrigens ist er hübsch und liebenswürdig, wie ich +zugeben muß. Und wenn Du diese gewissen Gefühle nicht für ihn empfändest, +nun, so wäre es irgendein anderer. Ich werde mich also dreinfügen.« + +Doch nach diesem Gespräch war meine Vorliebe für Vernol abgeschwächt. Wenn +ich ehrlich sein will und Dir alles sagen soll, so war es mehr die +Zustimmung meines Vaters, die Neugier und mein leicht erregbares +Temperament, was meine begehrliche Phantasie lebendig hielt. + +Diese wurde von meinem Vater übrigens noch begünstigt. Wenige Abende +später, als ich in seinen Armen lag, sagte er zu mir: »Liebe Laurette, +morgen wirst Du Roses Mutter besuchen und sie bitten, daß sie ihrer Tochter +erlaubt, den Tag mit Dir zu verbringen. Sag ihr, sie soll nicht beunruhigt +sein, wenn sie des Abends ausbleibt, ihr würdet einen Landausflug machen +und erst morgen zurückkehren. + +In Wirklichkeit werdet ihr den Tag und den Abend hier verbringen. Du wirst +den ganzen Tag mit ihr allein sein und kannst Dir dann leicht ein Urteil +über die Ehrlichkeit ihrer Gedanken und über ihren Charakter machen. Sie +scheint zu Dir Vertrauen zu haben und Freundschaft für Dich zu empfinden. +Du wirst bald mehr darüber wissen und mir alles sagen.« + +Ich glaubte in diesem Moment, daß er mit diesem Plan einen gewissen Zweck +verfolgte, doch ich hatte es gelernt, in allem seinen Ideen zu folgen und +mich allem, was er je plante, zu unterwerfen. Ich glaubte, daß Rose +ebensoviel wußte wie ich selbst. + +Im Übrigen wurde alles so gemacht, wie wir es abgesprochen hatten. Sie kam, +und wir schlossen uns ganz und gar von der Welt ab. Wir verbrachten den Tag +mit all den reizenden kleinen Torheiten, welche zwei junge Mädchen, deren +Herz voll ist von unklaren Gefühlen, sich nur ausdenken können. Ich neckte +sie, und sie tat mit mir desgleichen. Ich enthüllte ihren Busen und ließ +meinen Vater ihre hübschen Brüste küssen. Ihr niedliches Hinterteil, ja +selbst ihre kleine Spalte wurde Gegenstand meiner Neckereien. Wir hielten +einander umschlungen. Sie kicherte und lachte, und jedes Mal, wenn ich mir +etwas Neues ausdachte, wehrt sie sich zunächst, aber ihre geröteten Wangen +und ihre lebhaft funkelnden Augen verrieten, wie erregt sie war. + +Wir soupierten, und selbst während des Essens schonte ich sie nicht. Ich +schürte das Feuer, das schon in ihr brannte, kräftig. Nachher setzten wir +unser Geplänkel fort. Ich bat sie, sich mit dem Gesicht nach unten auf +einen Diwan zu legen, und dann schob ich ihre Röcke nach oben. Ihr +entblößter Hintern bot uns einen höchst erfreulichen Anblick. + +Mein Vater versetzte ihr einige leichte Schläge mit der Hand und ermutigte +mich, mich für die Neckereien zu rächen, die sie vorhin mit mir getrieben +hatte. Ich wollte mich von der Wirkung unseres Treibens überzeugen und fand +sie ganz feucht. Sie mußte ein heftiges Vergnügen empfunden haben. +Schließlich gingen wir in mein Zimmer, um uns für die Nacht vorzubereiten. + +Kaum erblickte sie mich im Hemd, da zog sie es mir auch schon aus. Ich tat +mit ihr desgleichen, und lachend stürzten wir uns ins Bett. Sie küßte mich, +faßte nach meinen Brüsten und liebkoste meine Spalte. Ich begann ein höchst +reizvolles Fingerspiel, als ich merkte, wie sehr sie sich danach sehnte, +und ich täuschte mich nicht. Sie spreizte die Beine, und ihre Bewegungen +verrieten mir die Heftigkeit ihrer Empfindungen. Schließlich ließ ich +meinen Finger tiefer in sie gleiten, und die Leichtigkeit, mit der dies +geschah, überzeugte mich davon, daß sie -- in diesem zarten Alter! -- keine +Jungfrau mehr war. + +Ich brannte natürlich vor Begierde zu erfahren, wie sie ihre Jungfernschaft +verloren hatte. Ich wollte sie gerade fragen, als mein Vater ins Zimmer +kam, um uns zu umarmen, ehe er seinerseits zur Ruhe ging. Rose warf mit +einer raschen Bewegung die Decken beiseite, die uns verhüllten. Er hatte +offenbar nicht erwartet, uns beide nackt zu sehen. Unsere Hände befanden +sich noch immer am Sitz aller Wollust. Sie schlang ihre Arme um seinen +Hals, hielt ihn fest und veranlaßte ihn, meinen Busen zu küssen. Ich blieb +meinerseits nicht untätig und sorgte dafür, daß er bei ihr dasselbe tat. +Ich faßte nach seiner Hand und ließ sie auf ihrem hübschen, entblößten +Körper spazieren gehen. Ich hielt diese liebenswürdige Hand in ihrer Grotte +fest, er geriet in Erregung, doch dann verließ er uns rasch und wünschte +uns viel Vergnügen. + +Es ging schon gegen zehn, als er am anderen Morgen in unser Zimmer kam. Er +weckte uns mit Küssen und Zärtlichkeiten und fragte uns, ob wir eine +angenehme Nacht verbracht hätten. »Wir sind noch lange, nachdem Du uns +verlassen hast, wach geblieben. Du hast ja gesehen, in welcher Stimmung wir +uns befanden«, gab ich zur Antwort. + +Rose, deren Wangen noch rosig vom Schlummer waren, errötete und legte mir +den Finger auf den Mund. Doch ich wehrte sie ab: »Nein, nein, meine Liebe, +Du kannst mich nicht hindern, meinem Vater alles zu erzählen, was wir +zusammen getan haben. Denn ich verberge niemals etwas vor ihm. Mein +Vertrauen zu ihm ist vollkommen, und das Deine sollte nicht weniger groß +sein.« + +Sie schlang ihre Arme und Beine um mich und ließ mich gewähren. + +»Nachdem du uns verlassen hattest«, berichtete ich meinem Vater, »fuhr die +lebhaft erregte Rose damit fort, meinen Mund zu küssen und an meinen +Brüsten zu saugen. Sie zog mich an sich, und unsere Schenkel und selbst +unsere intimsten Teile rieben sich gegeneinander. Meine Brüste drückten die +ihren, mein Leib lag auf dem ihren. Ihre Zunge liebkoste die meine, eine +ihrer Hände streichelte meinen Hintern, die andere kitzelte meine Klitoris, +und ich tat mit ihr desgleichen. Wir kosteten die Wonnen dieses Vergnügens +in ihrem vollen Ausmaß. Sie duldete es nicht, daß meine Hand sie verließ, +ehe sie viermal die unglaublichste Lust empfunden hatte.« + +Während ich dies erzählte, schob Rose, durch meine Erzählung erhitzt, ihre +Hand zwischen meine Schenkel und wiederholte, was ich erzählte. Ich begriff +sogleich, was sie ersehnte. Wir waren beide nackt. Ich schob also unsere +Decken zurück und nahm die Hand meines Vaters, die sich flugs all ihrer +Reize bemächtigte. Er hatte nur seinen Morgenrock an, und dieser verschob +sich durch die Bewegung. Ich bemerkte dank meines Instinkts und infolge der +Ausbuchtung seines Hemdes, welchen Erfolg diese Liebkosungen bei ihm +hatten, und machte Rose darauf aufmerksam. + +Ja, ich riet ihr sogar, ihm seinen Morgenrock auszuziehen und ihn dazu zu +bringen, daß er sich zu uns lege. Sie sprang sofort auf klammerte sich an +seinen Hals und nahm ihm unter vielen Neckereien seinen Morgenmantel weg. +Dann zog sie ihn auf das Lager nieder und fiel ihrerseits mit +ausgebreiteten Beinen auf ihren Rücken. Ich legte eines ihrer Beine auf +seine Schulter, und er tat mit dem anderen desgleichen. In dieser Stellung +fand sich sein prächtig schwellendes Instrument naturgemäß genau gegenüber +ihrer Grotte. Ich bereitete ihm den Weg, und als er eindrang, kam sie ihm +mit einer schnellen Bewegung entgegen. Ich kitzelte sie, und sie gab seine +Bewegungen lebhaft zurück. Gleichzeitig liebkoste sie mich, wie ich es mit +ihr tat, und seine leidenschaftlichen Anstrengungen, vereint mit den +unsrigen, ließen uns schließlich eine heftige Wonne erfahren. + +Mein Vater vermochte sich kaum zurückzuhalten. Er beeilte sich, und ich +vollendete mit meinen Händen das Trankopfer seiner Lust, das er nicht in +sie zu ergießen gewagt hatte. Sie gestand mir später, daß es ihr +währenddessen fünfmal gekommen sei. Ihr Leib war besprüht vom Tau der +Wollust, mit dem er sie besprengt hatte, und selbst ihre Brüste waren noch +feucht davon. + +Und doch hatte sie noch nicht genug. Sie beschäftigte sich leidenschaftlich +mit meiner Spalte, sie kitzelte und liebkoste mich, und diese reizenden +Spielereien setzten mich gleichfalls in eine heftige Begierde. Gar zu gern +hätte ich die Flammen, die mich durchzuckten, gelöscht. Sie schien meine +Wünsche zu erraten, denn sie ergriff die Hand meines Vaters und ließ seine +Finger in mich eindringen. Dann ließ sie mich durch ein ähnliches Spiel, +wie ich es mit ihr gespielt hatte, an den süßen Entzückungen teilhaben, die +ich ihr bereitet hatte. + +Es dauerte eine Weile, bis wir uns beruhigten. Dann sagte ich zu meinem +Vater: »Du wirst vielleicht erstaunt sein über Roses Betragen. Ich selbst +war nicht weniger verwundert. Ich habe sie gebeten, mir zu erzählen, woher +sie ihr Wissen hat, und ich werde Dir alles darüber sagen. Oder nein, noch +besser sollst Du es aus ihrem Mund erfahren. Die Vertraulichkeit, die ihr +einander erwiesen habt, wird es ihr unmöglich machen, Dir etwas von dem zu +verbergen, was sie mir gestanden hat.« + +Wir beruhigten ihre aufkeimenden Proteste durch Küsse und Liebkosungen. + +»Nun gut«, sagte sie schließlich, »ich willige ein. Nachdem ich Laurette +schon alles gesagt habe, riskiere ich nichts durch meine Offenheit. +Schließlich habt ihr ein Recht darauf, alles zu erfahren. Mein Vertrauen +ist nicht kleiner als jenes, das ihr mir bewiesen habt. Wirklich, es ist +nur angemessen, daß ich euch alles erzähle.« + + + + +5. Kapitel + + +Rose begann ihre Geschichte folgendermaßen: + +»Ich war etwa zehn Jahre alt, als mich meine Mutter zu ihrer Schwester +schickte, die damals in der Provinz lebte. Ich blieb über sechs Monate +dort. Meine Tante hatte nur eine einzige Tochter, die etwa sechs Jahre +älter als ich selbst war. Bis dahin hatte ich immer bei meiner Mutter +gelebt, deren Frömmigkeit es mir nicht erlaubt hatte, mich irgendjemandem +anzuschließen. Meine Brüder waren damals auf der Schule, und so war ich +immer allein, wenn ich meine Mutter nicht in irgendeine Kirche begleitete. +Ich kannte mich selbst nicht mehr und langweilte mich entsetzlich. Die +Kirche erschien mir damals noch als das kleinere Übel. Da gab es wenigstens +das eine oder andere menschliche Wesen, das ich beobachten konnte. + +Es dauerte lange, bis sich meine Mutter entschloß, den Wünschen meiner +Tante, die mich gerne bei sich haben wollte, zu entsprechen und mich zu ihr +zu schicken. Ich sehnte diese Reise mit einer Ungeduld herbei, die ich +meiner Mutter nicht verbergen konnte. Und schließlich kam meine Zeit. + +Mein Bruder hatte die Windpocken bekommen, und Mama beeilte sich +demzufolge, mich aufs Land zu schicken, damit ich nicht ebenfalls +angesteckt würde. Meine Tante und meine Cousine empfingen mich mit tausend +Beweisen ihrer Freundschaft. Vom ersten Augenblick an verlangte Isabelle, +daß ich bei ihr schlafen sollte. + +Am Abend, wenn wir uns zur Ruhe begaben, umarmte sie mich jedes Mal innig, +und ich erwiderte ihre Zärtlichkeiten ebenso. Nach vierzehn Tagen waren wir +schon so vertraut, daß wir nicht die geringste Scheu mehr voreinander +hatten. + +Eines Abends verfiel sie auf den tollen Einfall, unsere Hemden zu schürzen, +so daß wir vor dem Spiegel unsere Hinterteile vergleichen konnten, die in +der Tat recht anmutig gerundet und lieblich anzusehen waren. Sie fiel mir +vor lauter Wohlgefallen um den Hals und küßte mich, wie es vier Schwestern +gleichzeitig nicht getan haben würden. Ich meinerseits konnte darauf lange +nicht einschlafen. Doch da sie mich entschlummert glaubte -- ich verhielt +mich nämlich ganz ruhig --, bemerkte ich, wie sie ihren rechten Arm ein +wenig bewegte. Ihre linke Hand lag auf meinem Schenkel. Ich spürte, wie sie +heftig atmete. Sie hob und senkte ihren Hintern ganz sacht. Endlich stieß +sie einen leidenschaftlichen Seufzer aus und versank dann in einen tiefen, +ruhigen Schlummer. + +Ich war erstaunt über etwas, daß ich nicht zu verstehen vermochte, und +fürchtete, daß ihr etwas Ungewöhnliches zugestoßen sei. Doch als ich sie am +anderen Tag ganz frisch und munter sah, beruhigte ich mich rasch wieder. +Meine Neugierde war geweckt, und ich beobachtete sie von nun an jeden +Abend, indem ich mich schlafend stellte. Dabei bemerkte ich, daß sie jedes +Mal wartete, bis sie glaubte, daß ich eingeschlafen sei. Dann wiederholte +sie dieses merkwürdige Ritual, um bald danach selbst einzuschlafen. Ich +konnte mich darüber nicht genug wundern und beschloß also, den Dingen auf +die Spur zu kommen. Meine Tante hatte eine sehr hübsche Zofe, die etwa +zwanzig Jahre alt war. Isabelle verbrachte jeden Tag mehrere Stunden bei +ihr, angeblich um Sticken zu lernen. Justine -- so hieß das Mädchen -- +stickte hervorragend, und meine Cousine nahm bei ihr Unterricht. Man wollte +nicht, daß ich daran teilnahm. Ich wäre noch zu jung, und meine Neugierde +würde ihre Fortschritte gehindert haben. So verbrachte ich täglich etliche +Stunden ganz für mich und bewunderte im Übrigen die Fortschritte ihrer +geschickten Nadel. Ich fühlte mich ausgeschlossen und ärgerte mich, daß ich +an ihrer Gemeinsamkeit nicht teilnehmen durfte. Auch war meine Neugierde +lebhaft erwacht. Diese Neugierde eines Mädchens ist ein Dämon, der sein +Opfer auf das heftigste quält und sich durch nichts beruhigen läßt. + +Eines Tages, als ich allein im Hause weilte -- meine Tante war mit Isabelle +und Justine ausgegangen --, schlüpfte ich unbemerkt in deren Gemach, um +zusehen, ob ich nicht entdecken konnte, was diese beiden den ganzen +Nachmittag trieben. Ich entdeckte in dem Alkoven, in dem Justine schlief +eine geheime Tür, die sich nur mit Mühe öffnen ließ und die in eine dunkle +Kammer führte, die mit alten Möbeln aller Art vollgestopft war. Es führte +nur ein schmales Gäßchen hindurch und zu einer gegenüberliegenden Tür, die +sich auf eine schmale Treppe öffnete. Neugierig wie ich war, folgte ich +dieser und befand mich alsbald auf einem kleinen Hof, von wo aus man in +eine menschenleere Gasse gelangen konnte. + +Meine Tante glaubte natürlich, daß ihre Wohnung fest verschlossen sei. Doch +während sie die Schlüssel in Händen hatte, war es der klugen Justine +gelungen, ein Mittel zu finden, nach Belieben zu kommen und zu gehen. +Neugierig wie ich war, benützte ich die Gelegenheit, um eine Lücke in der +Wand, eine Ritze oder etwas dergleichen ausfindig zu machen, durch die ich +Justines Zimmer und vor allem den Alkoven im Auge behalten konnte. Doch so +sehr ich mich anstrengte, ich fand keine geeignete Öffnung. Da holte ich +ein kleines Messer und bohrte ein Loch in die Tür, das groß genug war, +meine Neugierde zu befriedigen. Ich war mit meiner Tat sehr zufrieden und +zog mich in mein Zimmer zurück. Ich hatte wohl bemerkt, daß Isabelle +zumeist nach dem Essen in Justines Zimmer verschwand. + +An einem der nächsten Tage, als meine Tante den Nachmittag bei einer +Freundin verbrachte, wo sie sich in irgendeiner Angelegenheit länger +aufhalten wollte, sagte mir Isabelle, daß sie etliche neue Stiche lernen +wolle. Ich könne mich in der Zwischenzeit mit den Nachbarkindern +unterhalten oder mich sonst nach meinem Gutdünken beschäftigen. Ich +benützte die Gelegenheit und tat so, als wollte ich wirklich in der +Nachbarschaft einen Besuch machen. Doch ich schlich mich leise in Justines +Zimmer, als diese meiner Tante bei der Toilette half, und verbarg mich in +der dunklen Möbelkammer. Meine Augen hielt ich auf die Öffnung gerichtet, +die ich mit so viel Sorgfalt vorbereitet hatte. Es dauerte nicht lange, so +kam meine Cousine herein und nahm eine Stickerei zur Hand. Ich dachte +schon, daß ich einen höchst langweiligen Nachmittag verbringen würde, und +bereute meine Neugierde, die mich in diese unerfreuliche Situation gebracht +hatte. Nach einiger Zeit kam Justine, und ich hörte meine Tante noch +fragen, wo ich wäre. Ich spürte mein Herz bis zum Hals klopfen, doch +Isabelle antwortete ganz ruhig, daß ich hinuntergegangen sei, um mich mit +den Nachbarkindern zu vergnügen. Die Tante fragte nicht weiter, und da sie +ihre Tochter so nützlich beschäftigt sah, verließ sie beruhigt das Haus. + +Ich beobachtete durch meine Öffnung, wie die beiden sich vom Fenster aus +überzeugten, daß meine Tante wirklich fort ging. Darauf schob Justine den +Riegel vor, öffnete die Tür zu meiner Kammer, und während ich mich zitternd +vor einer möglichen Entdeckung tiefer zwischen die Möbelstücke verkroch, +vergewisserte sie sich, daß diese Kammer leer war. Sie öffnete noch den +Riegel an der gegenüberliegenden Tür und kehrte dann beruhigt in ihr Zimmer +zurück. Isabelle legte ihr Meisterwerk zur Seite und beschäftigte sich +ausführlich mit ihrem Spiegelbild. Sie ordnete ihre Frisur und ließ sich +von Justine ein Schönheitspflästerchen anlegen. Dann öffnete sie ihr +Mieder, und Justine nahm ihre Brüste in die Hand und bewunderte deren +Festigkeit und pralle Rundungen. Nach einer Weile tat Isabelle dasselbe mit +Justine. Während sie noch mitten in diesen Vergnügungen waren, hörte ich +Schritte auf der Treppe. Irgendjemand öffnete das kleine Pförtchen und +betrat die dunkle Kammer. Wieder überkam mich die Angst vor einer +Entdeckung, doch dieser Jemand durchquerte den Raum ganz ruhig und öffnete +die Tür zu Justines Zimmer. Justine ließ ihn ein und schloß die Tür hinter +ihm sorgfältig. + +Im hellen Tageslicht konnte ich ihn erkennen. Es war ein hübscher junger +Mann aus der Nachbarschaft. Er hatte meiner Tante etliche Male seine +Aufwartung gemacht. Isabelles Brüste waren noch entblößt. Courbelan -- so +hieß der junge Mann drückte ohne viele Umstände einen Kuß darauf und +umfaßte eine ihrer Brüste mit der rechten Hand, während die andere unter +ihren Unterröcken verschwand. Auch Justine wurde nach einer gewissen Zeit +auf dieselbe Weise behandelt. Das war recht vielversprechend. Wirklich, die +Zeit würde mir in meinem Versteck nicht lang werden. Courbelan nahm +schließlich Isabelle in die Arme und legte sie auf das Bett, wo er sie +völlig entblößte. Ich sah ihren Leib, ihre Schenkel und sogar ihre kleine +Spalte. Sie war noch kaum behaart, doch war der wenige Haarflaum, den sie +dort hatte, ganz schwarz. Courbelan küßte sie und ließ einen Finger seiner +rechten Hand in dieser hübschen rosigen Spalte verschwinden. Justine zog +ihm die Hosen aus und enthüllte so ein langes und mächtiges Instrument, +dessen Anblick mich erschauern ließ. Er wollte dieses prächtige Stück an +Stelle seines Fingers verwenden, doch da hörte ich Justine sagen: »Nein, +Courbelan, das erlaube ich Dir nicht. Wenn ich schwanger würde, verstünde +ich mich aus der Affäre zu ziehen. Aber was, wenn mit Isabelle etwas +dergleichen geschähe? Wie könntest Du Dir da wohl helfen? Aber Du kannst +sie immerhin liebkosen und ihr Vergnügen bereiten. Doch ich erlaube Dir +nicht, sie zu besitzen.« + +Ich verstand zum Glück jedes Wort, das gesprochen wurde. Courbelan +gehorchte der umsichtigen Zofe widerwillig und setzte seine Fingerspiele +fort. Er kitzelte Isabelle heftig, während sie mit ihrer bloßen Hand sein +riesiges Instrument umfaßte, das Justine in Freiheit gesetzt hatte. Wenige +Minuten später sah ich, wie Isabelle dieselben Bewegungen machte, die ich +des Nachts schon an ihr beobachtet hatte, und auch ihre Seufzer klangen +ganz ähnlich. Folgerichtig schloß ich daraus, daß sie in ihrem Bett +wiederholte, was Courbelan mit ihr tat. + +Sie erhob sich bald darauf und überließ Justine ihren Platz. Diese hatte +schon darauf gelauert wie ein Hund auf den Knochen. Sie warf sich auf das +Bett, umfaßte die Lenden des Mannes und packte mit der einen Hand sein +Instrument, das nichts von seiner Größe und Festigkeit verloren hatte. Es +schien, als ob ihr Schoß es zur Gänze verschlingen wollte, so heftig kam +sie ihm entgegen, als er schließlich in sie eindrang. Er stürzte sich über +ihren Leib, seine Hände hielten ihre Brüste umfaßt, die er mit Leidenschaft +küßte, und die Bewegungen seines Hinterteils ließen mich die Heftigkeit +seiner Empfindungen ahnen. Meine Cousine schob ihre Hand von hinten +zwischen die Schenkel von Courbelan, um ihn zu liebkosen und festzustellen, +wie tief sein Instrument eingedrungen, war. Ich sah, wie sie sich alle +erhitzten, bis sich Courbelan, von seinen Anstrengungen überwältigt, +schließlich gehen ließ. Nach einem heftigen Schauer, der seinen ganzen +Körper erschütterte, kam statt eines langen und kraftstrotzenden +Instruments ein demütiges und kleingewordenes wieder zum Vorschein. Für +etliche Momente blieb er erschöpft auf dem Bett ruhen. Doch der Küsse und +Zärtlichkeiten war noch kein Ende. Diese erste Szene wurde bald von einer +weiteren abgelöst, die mich nicht weniger erstaunte. + +Courbelan fühlte sich durch die Kleider, die sie immer noch anhatten, +gehindert, und brachte sie dazu, sich auszuziehen. Es dauerte nicht lange, +so waren alle ganz nackt, Justine war allerdings nicht ganz so hübsch wie +Isabelle. Doch sie gewann in dieser Situation. Ihr Körper war weiß, +ziemlich rund und drall. Der doppelte Liebhaber gab der einen wie der +anderen seiner Liebsten unzählige Küsse. Er liebkoste ihre Hinterteile, +ihre Brüste und auch ihre intimsten Stellen. Alles war für ihn bereit. Das, +was ich während der nächsten halben Stunde sah, entfachte in mir ein +leidenschaftliches Feuer. Ihre Zärtlichkeiten begannen aufs Neue und wurden +noch heftiger. Er ließ sie sich beide auf den Bauch legen und bat sie, ihre +Schenkel geöffnet zu halten. Ich konnte alles sehen, was Courbelan tat. Er +bewunderte sie, küßte ihren Hintern und steckte einen Finger jeder Hand +zwischen ihre Schenkel. Sein Instrument befand sich wieder in jenem +schwellenden Zustand, in dem ich es zuerst gesehen hatte. Und weil Justine, +die das Gesicht in den Kissen verborgen hielt, es nicht bemerken konnte, +begann er vorsichtig Isabelle damit zu behandeln, bis plötzlich Justine +wütend aufsprang, ihn an den Beinen packte und von seinem hübschen Opfer +fortzog. Ich ärgerte mich über diesen Zwischenfall, denn ich hätte gern +gesehen, was weiter passierte. »Nein«, rief sie, »ich sage Dir, das wird +nicht geschehen! Ich habe Dir ein dutzend Mal meine Gründe dafür +auseinandergesetzt. Es ist einfach notwendig, daß Du Dich daran hältst.« + +Ich sagte schon, daß ich durch mein mit soviel Geschick angebrachtes Loch +alles hören und sehen konnte, was sich in dem Nachbarzimmer tat. + +»Komm nur, mein Lieber«, sagte Justine und faßte von neuem nach seinem +Instrument. »Gib ihn mir. Ich kenne mich aus, und Du riskierst nicht das +Geringste dabei.« + +Doch sie hatte die Rechnung ohne ihn gemacht. Sie hielt ihn immer noch +gefaßt und versetzte ihm etliche Püffe. Da beugte er sich über sie, und +während er die eine ihrer Brüste festhielt und sie küßte, verströmte er +unter heftigen Zuckungen, die mir die Stärke seiner Lust verrieten, eine +weiße Flüssigkeit, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. + +Ich selbst befand mich in einem unbeschreiblichen Zustand. Überwältigt von +Begierden, die ich bisher nicht einmal geahnt hatte, begann ich meine +Kleine zu reiben, so wie Courbelan es bei Isabelle und Justine getan hatte. +Diese angenehme Beschäftigung verursachte mir ein süßes Vergnügen, während +ich mit Eifer beobachtete, was im Nachbarzimmer vorging. Die beiden Mädchen +bewunderten einander in dem Zustand, in den Courbelan sie versetzt hatte. +Sie hatten von Kopf bis zu den Knien nicht das geringste Stückchen Stoff am +Leibe. Dieser Anblick versetzte auch mich in einen leidenschaftlichen +Zustand der Begierde. Es schien, als ob ihre Lust mit meinen geheimsten +Wünschen zusammenflösse. Alle beide küßten und liebkosten ihn, nahmen sein +Glied in die Hand, kitzelten seine Hoden und streichelten seine Lenden. Und +er vergalt ihnen diese Aufmerksamkeiten seinerseits durch seine Küsse und +die Liebkosungen, die er ihren Brüsten zuteil werden ließ. Er faßte sie an +ihren Brüsten, er saugte daran und bewunderte sie. Schließlich begann er +ihre geheimsten Stellen zu kitzeln, und ich sah seine Finger dort Kommen +und Gehen spielen. Sein Instrument erstand aufs Neue zu stattlicher Größe, +und die beiden Mädchen liebkosten es um die Wette. Es erinnerte an einen +Speer, den man einer schönen Bestie in den Leib gepflanzt hat. Ich bemerkte +deutlich, daß Courbelan meine Cousine haben wollte, aber Justine wußte dies +auch. Schließlich, weil er jene nicht haben konnte, warf er sich auf +Justine, und ich glaubte, daß er sie bis zu ihren Eingeweiden durchbohrte. +Nichts konnte ihn zurückhalten. + +»Laß uns unser Vergnügen vermehren, indem wir zusammen genießen«, rief er +schließlich. Er bat Isabelle, sich mit gespreizten Schenkeln auf das Bett +zu legen, während Justine ihre Beine dazwischen schob. Weil nichts meinen +Blick hindern konnte, bemerkte ich genau, wie Courbelans Instrument in +Justines Spalte verschwand. Es schien mir unbegreiflich, wie dies möglich +war. Ich fragte mich ernsthaft, wie eine so mächtige Waffe wohl in mich +eindringen könnte, wo ich doch nicht einmal meinen Finger dort eindringen +zu lassen wagte, weil mir diese Versuche einen heftigen Schmerz +verursachten. + +Aber das Beispiel, das ich vor Augen hatte, entfachte meinen Mut, und ich +versuchte meinerseits mit aller Kraft, meinen Finger vordringen zu lassen. +Ich verstand mich um so leichter dazu, als ich sah, daß Courbelans Finger +Isabelle auf eine ähnliche Art behandelte, während sein Instrument mit +Justine beschäftigt war. Er sagte ihr, sie habe die hübscheste kleine +Spalte der Welt, und riet ihr, gleichzeitig ihre Klitoris zu kitzeln. Sie +befolgte diesen Rat, während sein Finger in ihrem Örtchen Kommen und Gehen +spielte, ganz so wie sein Glied es in Justines Grotte tat. Ich versuchte +dieses höchst eindrucksvolle Beispiel nachzuahmen, indem ich den +Zeigefinger meiner linken Hand mit aller Kraft vordringen ließ, während +meine rechte mich kitzelte, so wie ich es Isabelle tun sah. Sofort spürte +ich eine heftige Wollust. Ich wunderte mich nicht, daß Isabelle diese +Empfindung bei ihren abendlichen Spielen zu wiederholen suchte. Es dauerte +auch nicht lange, so befanden alle drei sich in einer leidenschaftlichen +Aufregung. Isabelle ließ sich auf den Rücken fallen und vollführte von Zeit +zu Zeit etliche Stöße mit ihrem Hinterteil. Courbelan, der mit Entzücken +Zeuge ihrer Lust war, rief: »Ah, meine Liebe, es kommt Dir!« + +Er hatte Mühe, diese Worte hervorzubringen, denn just in diesem Moment fiel +er selbst nahezu regungslos auf Justine. Ich hörte ihn etliche Seufzer +ausstoßen, welche die Lebhaftigkeit seiner Empfindungen bewiesen, Justine +selbst blieb nach etlichen heftigen Zuckungen wie ohnmächtig und aller +Kräfte beraubt liegen, und ihre Seufzer mischten sich mit denen Courbelans. + +Diese Beweise einer so heftigen Lust steigerten auch meine Empfindungen zu +einem Grad, daß ich mich erschöpft auf ein beliebiges Möbelstück sinken +ließ, um diese Wonnen bis zur Neige zu genießen. Ah, welch ein Übermaß der +Empfindung diese erste wollüstige Erfahrung in einem Herzen hervorzurufen +vermag! Man ist nicht mehr, was man ist, man existiert nur noch in diesem +Gefühl, man denkt und empfindet nichts mehr als dieses. Die Zeit, die ich +brauchte, um mich davon zu erholen, benützten die anderen dazu, sich wieder +anzuziehen. Danach verabschiedete sich Courbelan, indem er beide umarmte, +dann zog er sich auf demselben Weg zurück, auf dem er gekommen war. +Isabelle und Justine verließen das Zimmer. Ich wartete noch eine Weile, +dann nahm ich denselben Weg, den Courbelan genommen hatte, und kehrte nach +einer kleinen Weile so unbefangen in die Wohnung meiner Tante zurück, als +wäre nicht das Geringste geschehen. + +Von diesem Augenblick an dachte und träumte ich von nichts anderem als von +dem, was ich gesehen hatte. All ihre Worte hallten in meinen Ohren wider, +jede ihrer Handlungen war mir unvergeßlich. Ich rief sie mir immer wieder +in Erinnerung. Als ich mich am nächsten Abend neben Isabelle zur Ruhe +begeben hatte, stellte ich mich, als sei ich in einen tiefen Schlaf +gefallen. Es dauerte nicht lange, so begann sie zu seufzen. Am Abend darauf +wiederholte sich dasselbe Spiel. Kaum glaubte meine Cousine, daß ich +eingeschlafen sei, begann sie ihre kleinen Manipulationen. Ich war auf der +Hut, und indem ich meinen rechten Schenkel zwischen ihre beiden schob, +legte ich meine Hand an die Stelle, wo sich ihr Finger bewegte. Ich glitt +darunter und fühlte alsbald ihre ganze Spalte unter meiner Hand. Ich +umarmte sie, küßte ihre Brüste und führte meinen Finger vorwitzig in ihre +Grotte. Dann begann ich sie zu kitzeln, wie ich es an jenem denkwürdigen +Nachmittag gesehen hatte. Sie breitete ihre Schenkel aus und ließ mich +machen. Es dauerte nicht lange, so hörte ich sie jene wollüstigen Seufzer +ausstoßen. Ich bemerkte, daß sie dort unten ganz feucht geworden war. Mich +quälte dasselbe Verlangen, das sie offensichtlich erhitzt hatte, und ich +ergriff ihre Hand, damit auch sie in meiner Grotte zu Werke gehe. + +Sie zögerte, doch dann versah sie ihr Amt so gut, daß sich nach wenigen +Augenblicken meine Seufzer mit den ihren mischten. + +Isabelle war nicht wenig überrascht von allem, was ich getan hatte. +Schließlich hatte sie mich immer für ein unwissendes Kind gehalten. Sie +hatte nicht gewagt, mir etwas von ihrem Geheimnis zu sagen, weil sie +fürchtete, daß ich kindisch genug sein würde, meiner Mutter oder meiner +Tante etwas davon zu sagen. »Aber Rose«, fragte sie mich immer wieder, +»woher weißt Du bloß dies alles? In Deinem Alter habe ich nicht halb so +viel gewußt.« + +»Das glaube ich Dir, meine Liebe. Ich werde es Dir verraten, wenn Du mir +versprichst, daß Du mir nicht böse sein, sondern mich immer lieben wirst.« + +Ich hielt einen Augenblick inne, und Isabelle beteuerte mir unter tausend +Zärtlichkeiten, daß sie kein Wort verraten würde, wenn ich ihr nur alles +sagte. »Du traust mir nicht, mein Engel? Wirklich, ich verspreche Dir +ewiges Stillschweigen. Niemals wird ein Wort von dem, was Du mir sagst, +über meine Lippen kommen. Laß uns daher Vertrauen gegen Vertrauen setzen.« + +Also gestand ich ihr, wie ich sie belauscht hatte. Sie erschrak nicht +wenig. »Ah, meine liebe Freundin, ich beschwöre Dich, bewahre dieses +Geheimnis! Verrate mich nicht, ich wäre sonst verloren!« + +Ich schwor ihr bei allem, was mir heilig war, ewiges Stillschweigen, und +wir kamen darin überein, nicht einmal Justine einzuweihen. Isabelle gab mir +unzählige Küsse und fragte mich immer wieder, welche Wirkung das, was ich +gesehen hatte, auf mich gehabt habe? Ich erzählte ihr bereitwillig alles. +»Aber sag mir doch, Isabelle«, bat ich sie schließlich, »durch welchen +Zufall hast Du denn diese Geschichte zwischen Courbelan und Justine +entdeckt?« + +»Das will ich Dir sagen«, versprach sie eifrig. »Glaube mir, es gibt +nichts, was ich Dir verbergen möchte, so sehr baue ich auf Dein +Versprechen. Also höre zu! Ungefähr fünf Wochen vor Deiner Ankunft war ich +mit meiner Mutter ausgegangen. Doch waren wir noch nicht weit vom Haus +entfernt, da entdeckte sie, daß sie etwas vergessen hatte, und sie bat +mich, es zu holen. Ich kehrte also ins Haus zurück. Nachdem ich gefunden +hatte, was ich suchte, ging ich aus irgendeinem Grund in Justines Zimmer. +Die Tür war unverschlossen, vermutlich hatte sie an keine Störung gedacht. +Ich öffnete sie, und Du kannst mir glauben, nie zuvor in meinem Leben bin +ich so überrascht gewesen. Ich blieb wie angewurzelt stehen und konnte es +gar nicht fassen, Courbelan auf ihr zu finden. Er erschrak mindestens +ebenso und verließ sie sogleich, während er sich beeilte, sein Werkzeug vor +mir zu verstecken und ihre Unterröcke in Ordnung zu bringen. Sie hatte +Glück gehabt, daß nicht meine Mutter an meiner Stelle war. Ich wollte mich +augenblicklich zurückziehen, doch Justine hielt mich fest. Sie fürchtete +wohl, daß ich meiner Mutter etwas von dem sagen würde, was ich gesehen +hatte. Sie zog mich auf ihren Schoß und beschwor mich, nichts zu sagen. Ich +versprach ihr alles, was sie nur wollte, während sie mich an sich drückte +und meine Hände küßte. Ich muß Dir gestehen, liebste Rose, daß mir dieses +Abenteuer einigen Stoff zum Nachdenken gab. Einige Tage darauf nahm mich +Justine in ihre Kammer mit unter dem Vorwand, daß sie mir einige neue +Stickstiche beibringen würde. Doch sie unterrichtete mich über ungleich +amüsantere Dinge und brachte mir Sachen bei, die mir ganz neu waren. Sie +entblößte meinen Busen und nahm meine Brüste in ihre Hände. So malte sie +mir die Vergnügungen der Wollust in den lebhaftesten Farben aus. Meine +Aufmerksamkeit war gefesselt. Schließlich, nachdem sie mich durch ihre +Gespräche heftig erregt hatte und meine Neugierde genügend entflammt war, +fühlte ich ein heftiges Feuer in meinen Adern brennen. Die Fragen, die ich +stellte, verrieten Justine, daß der Augenblick günstig war. Sie nahm mich +in die Arme, hob mich auf und legte mich auf ihr Bett. Dort entblößte sie +mich, und ich verteidigte mich nur schwach. Sie liebkoste mich und +versicherte mir, wie glücklich ein junger und liebenswürdiger Kavalier sein +würde, an ihrer Stelle diese lieblichen Reize zu sehen und zu berühren, die +ich mein eigen nenne. Wie seine Maschine anschwellen und er vor Lust +ersterben würde! Ihre Schmeicheleien und die lebhaften Farben, in denen sie +diese Bilder vor mir ausbreitete, brachten mich dahin, sie alles tun zu +lassen, was sie wollte. Sie legte ihre Fingerspitzen zwischen meine +Schamlippen und kitzelte und liebkoste mich aus Leibeskräften. Es dauerte +nicht lange, und ich empfand das Vergnügen, das sie mir so lebhaft +ausgemalt hatte. Doch sie versicherte mir unentwegt, daß ich mit einem +hübschen jungen Mann noch viel mehr Wollust haben würde. Von da an +wiederholte sie dieses Spiel des öfteren, und eines Tages führte sie ihren +Finger sogar in meine Spalte ein. Ich empfand einen gewissen Schmerz dabei, +aber das war nicht weiter schlimm. Ich bemühte mich nach Kräften, ihr das +Vergnügen, das sie mir bereitete, zurückzugeben. Acht oder zehn Tage vor +Deiner Ankunft geschah dann etwas Besonderes. Meine Mutter war allein +ausgegangen und hatte uns, ohne es zu wissen, unseren Spielen überlassen. +Justine erfand irgendeinen Vorwand, und bald waren wir beide splitternackt. +Courbelan, der sich hinter einem Vorhang versteckt hielt, wurde so zum +Zeugen all unserer Torheiten. Das war zwischen den beiden abgesprochen +worden, ohne daß ich etwas davon wußte. Sie lachte herzlich über diese +List. Ich wunderte mich über ihr Gelächter und wollte den Grund wissen. +Schließlich gestand sie mir, daß uns Courbelan die ganze Zeit beobachtete. +Er kam nackt wie wir selbst hinter einem Vorhang hervor, mit einem ragenden +Speer bewaffnet, dessen Länge und Umfang mich nicht wenig erschreckte. Ich +zitterte vor Scham und Furcht und wollte mich selbst verstecken. Doch die +beiden hielten mich zurück, und Courbelan nahm mich in seine Arme und +liebkoste mich mit seinen Händen und Lippen überall, wo er mich nur +erreichen konnte. Er nahm sich alle Freiheiten, und Justine half ihm noch +dabei. Schließlich wich meine Scheu dem Verlangen. Er drückte mir seine +Rute in die Hand, und ich zögerte nicht, sie zu packen. Das Feuer seiner +Küsse und seiner Berührungen, sowie das Beispiel Justines, die ihn ohne +alle Bedenken liebkoste, ließ all meine Glieder vor Vergnügen zittern. Ich +befand mich in einer Situation, in der ich nichts verweigern konnte. Die +Empfindungen, die er mir verursachte, waren viel stärker als jene, die +Justine mir bereitet hatte. Ich wünschte brennend, daß er mit ihr dasselbe +täte. Doch er ging viel weiter, indem er sie auf das Bett legte. Während er +mich mit einer Hand festhielt, gab er mir Gelegenheit zu sehen, wie er in +ihr verschwand. + +Die Heftigkeit ihrer Bewegungen ließ mich die Intensität ihrer Gefühle +ahnen. Heute war es das sechste Mal, daß ich mit den beiden auf diese Weise +zusammen war. Ich habe mich sehr auf Deine Ankunft gefreut, meine Liebe, +weil ich gehofft habe, dadurch mehr Freiheiten zu, bekommen. Denn ich habe +ein unaussprechliches Verlangen danach, daß Courbelan mit mir dasselbe +mache wie mit Justine. Ich habe natürlich Angst, daß ich dadurch ein Kind +bekommen könnte, und auch seine Größe macht mir Bedenken. Aber nachdem sie +ihn mit so großer Begeisterung aufnimmt, kann ich mir vorstellen, daß diese +Furcht unsinnig ist und der Schmerz, den man dabei empfindet, bei weitem +durch die Lust aufgewogen wird, von der Courbelan mir erzählt hat. Justine +widersetzt sich meinem Verlangen immer, doch ihre verschiedenen Gründe +scheinen mir recht fadenscheinig. + +Ich habe sie bedrängt, mir diesen meinen Herzenswunsch zu erfüllen. Ich +habe ihre Gründe mit all den Einfällen bekämpft, die mir gerade in den Kopf +kamen, und sie hat mir schließlich versprochen, daß sie meinen Wünschen +folgen würde. Aber bis heute hat sie ihr Wort nicht gehalten.« + +Wenige Tage danach wurden wir von Justines Verwandten zu einer Hochzeit +eingeladen. Diese Einladungen sind in kleinen Provinzstädten üblich. +Isabelle meinte lachend, das sei endlich eine günstige Gelegenheit, sie zu +täuschen. Ich wußte natürlich, was ihre Phantasie so lebhaft beschäftigte, +und ich beschloß, ihr zu helfen. Ohne Zweifel würde Courbelan zum Tanz +kommen, denn das taten die jungen Leute bei solchen Anlässen immer, auch +wenn sie nicht eingeladen waren. Die Hoffnung, Justine und Isabelle zu +treffen, würde ihn sicher dorthin führen. Ich würde zunächst allein +erscheinen und sagen, daß Isabelle mit ihrer Mutter unterwegs sei und +später nachkommen würde. Ohne Zweifel würde ich ihn sehen und Gelegenheit +haben ihm zu sagen, daß Isabelle ihn zu sprechen wünsche und in Justines +Zimmer warte. »Nein, nein, das ist unmöglich«, sagte sie errötend. Aber ich +drängte sie und erstickte ihren Widerspruch in meinen Zärtlichkeiten. + +Es war ganz leicht, ihr Verlangen zu wecken, und schließlich stimmte sie +dem zu, was ich ihr vorgeschlagen hatte. Ich hatte mich noch nicht völlig +angezogen, als meine Tante das Haus verließ. Kaum war ich bei Justines +Verwandten angekommen, traf ich auch schon Courbelan. Ich zog ihn beiseite +und sagte ihm ganz ruhig, was ich mir vorgenommen hatte. Er verschwand +augenblicklich. Ich bedauerte nur, nicht auf meinem Wachposten zu sein. +Doch ohne Zweifel würde Isabelle mir nachher alles sagen. Also nahm ich +ohne Bedenken an dem festlichen Treiben teil, nachdem ich bei dem Fest +meiner lieben Cousine schon nicht anwesend sein konnte. + +Justine fragte mich, kaum daß ich den festlich geschmückten Raum betreten +hatte, warum Isabelle nicht mit mir gekommen sei. Ich sagte +vereinbarungsgemäß, daß sie mit ihrer Tante gegangen sei, doch daß wir uns +hier verabredet hätten. Sie nahm meine Ausrede als die natürlichste Sache +der Welt. Doch als sie sah, daß auch Courbelan nach kurzer Zeit verschwand +und meine Cousine immer noch nicht kam, schöpfte sie Verdacht. Ohne sich +mir näher zu erklären, konnte sie sich nicht enthalten, zu bemerken, daß +das Verschwinden des einen und das Ausbleiben der andern doch recht +eigenartig sei. Ihre Unruhe nahm zu, doch nicht lange danach tauchte +Courbelan wieder auf und bald darauf auch meine Cousine. Justine verschwand +an ihrer Stelle, und ich erzählte Isabelle von dem Verdacht, den ihre +Gouvernante geschöpft hatte. Sie vermutete gleich, daß jene in die Wohnung +zurückgekehrt sei, und das beunruhigte sie nicht wenig. Doch Justine kam +wieder, und diesmal blieb sie. Doch hatte sie gewisse Nachforschungen +angestellt und erfahren, was sie wissen wollte. Kaum waren wir wieder zu +Hause, zogen Isabelle und ich uns in unser Zimmer zurück, indem wir +Müdigkeit vorschützten. In Wirklichkeit wollte ich die erstbeste +Gelegenheit benützen, um mit ihr allein zu sein und alles zu erfahren, was +ich wissen wollte. Ich sagte, daß ich vom Tanz erschöpft sei, und Isabelle +sagte dasselbe, obwohl sie gar nicht getanzt hatte. Sie hatte immer einen +Vorwand gefunden, um die Aufforderungen, die an sie ergingen, +auszuschlagen. Wir legten uns also zu Bett. Ich schloß sie in meine Arme, +und ich wollte meine Hand dorthin legen, wo sie unzweifelhaft jenes riesige +Instrument empfangen hatte. Aber sie stieß meine Hand zurück und sagte, sie +habe heftige Schmerzen. + +»Ah«, seufzte sie, »meine geliebte Rose, wie wenig hat meine Neugierde mich +zufrieden gestellt. Courbelan kam, wie er dies immer zu tun pflegte. Ich +öffnete ihm. Er flog in meine Arme und trug mich auf das Bett. Seine Hände +liebkosten mich, wie sie es schon oft getan hatten. Ich leistete ihm keinen +Widerstand, doch dann hat er mich mit seinem riesigen Instrument +durchbohrt, wie ich es erwartet habe. Aber welchen Schmerz hat mir dies +verursacht! Ach, dieses riesige Werkzeug hat mich förmlich zerrissen. Ich +wagte nicht zu schreien und brach in Tränen aus. Er versuchte mich zu +trösten, indem er mich umarmte und mir versicherte, daß ich Sekunden später +nur noch Lust empfinden würde. Er täuschte mich. Als er es wieder +versuchte, war mein Schmerz genau so heftig. Er tat es ein drittes Mal, und +ich sträubte mich dagegen. Aber er erstickte meinen Widerstand. Auch tat er +es diesmal mit sehr viel Vorsicht und Zartheit, daß ich glaubte, diesmal +keinen so heftigen Schmerz zu empfinden. Doch es war beinahe dasselbe wie +zuvor. Diese furchtbaren Schmerzen mischten sich mit meiner Angst, ein Kind +zu bekommen. Du weißt ja, wie Justine mir diesen Gedanken eingeimpft hat. +Courbelan hat ein so heftiges Brennen an jenem gewissen Örtchen verursacht, +daß ich es nicht einmal zu berühren wagte. Ich habe deshalb auch nicht +tanzen können.« + +Es fiel mir nicht schwer, Isabelles Mißgeschick zu erklären. »Ohne Zweifel +bist Du enger gebaut als Justine, die etliche Jahre älter ist«, warf ich +ein. + +»Das sagte Courbelan auch. Er meinte, mit der Zeit und durch eine gewisse +Übung würde ich schon weiter werden. Aber in der Zwischenzeit werde ich es +nicht mehr dulden.« + +Es blieb uns also nichts anderes übrig, als uns für den Rest des Abends +ruhig zu verhalten, und so schliefen wir schließlich ein. + +Am nächsten Tag rief Justine Isabelle in ihr Zimmer und eröffnete ihr, daß +sie Courbelans unerwünschten Besuch bemerkt habe. Er habe vergessen, die +Pforte ordnungsgemäß zu schließen, auch habe sie bemerkt, daß ihr Bett in +Unordnung geraten sei. Sie sagte Isabelle auf den Kopf zu, daß sie, anstatt +mit ihrer Mutter fortzugehen, im Haus geblieben sei und die Wohnung erst +zwei Stunden später verlassen habe. Sie verlangte von ihr ein offenes +Geständnis und versicherte ihr, daß sie sich auch ohne dieses jederzeit +davon überzeugen könne, was in der fraglichen Zeit geschehen sei. + +Isabelle versuchte sich zu verteidigen, doch die Spuren dessen, was +geschehen war, waren so offensichtlich, daß sie schließlich die halbe +Wahrheit gestand, ja, Courbelan sei gekommen, und er habe ihr dieselben +Aufmerksamkeiten wie früher erwiesen, Justine versicherte ihr, daß sie dies +nicht glaube. Sie sei überzeugt, daß Courbelan sie genommen habe, umso +mehr, als alle Anzeichen dafür sprächen. Meine Cousine leugnete, aber +dieses Mädchen gab sich damit nicht zufrieden. Sie war viel stärker als +Isabelle. Ohne weiteres hob sie sie in ihren Armen auf und legte sie auf +das Bett. Isabelle vermochte keinen Widerstand zu leisten, und weil sie +fürchtete, daß ihr neue Schmerzen bevorstünden, gestand sie schließlich +alles, was ihre Gouvernante wissen wollte. Justine, die die Folgen dieses +Abenteuers fürchtete, war wütend auf Courbelan, und sie brachte es fertig, +seinen künftigen Besuchen so viele Hindernisse in den Weg zu legen, daß es +meiner Cousine beinahe unmöglich wurde, ihn zu sehen. + +Justine benutzte künftig alle Möglichkeiten, die ihr zu Gebote standen, um +eine weitere Verbindung zwischen Courbelan und Isabelle zu verhindern. +Courbelan zerstritt sich deshalb mit ihr und zog wenig später in eine +andere Stadt. Wahrscheinlich hat er inzwischen sowohl Isabelle als auch +Justine vergessen. Diese verließ übrigens meine Tante bald danach. +Möglicherweise ist sie ihm nachgereist, um ihn wieder für sich zu gewinnen. + +Während der ersten Zeit vermochte Isabelle ihren Ärger darüber, daß sie ihn +nicht sehen konnte, nicht zu verbergen. Ich litt unter ihren Launen, aber +ich verstand und tröstete sie, so gut mir das möglich war. Schließlich +gelang es mir, die Erinnerung an diesen liebenswürdigen jungen Mann in ihr +verblassen zu lassen. Ich liebte meine Cousine herzlich, umso mehr, als +auch sie eine leidenschaftliche Zuneigung für mich hegte und diese nicht +wenig dazu beitrug, daß sie ihren Kummer schließlich vergaß. + +Wir blieben noch vier Monate zusammen, und während dieser Zeit lehrte sie +mich alles, was sie von Courbelan und Justine erfahren hatte. + +Ich entnahm daraus unschwer, daß Courbelan vom ersten Augenblick an seine +Augen auf Isabelle geworfen hatte. Unter dem Vorwand, daß Isabelle ein +Geheimnis, an dem sie beteiligt war, am besten bewahren würde, hatte er +Justine überredet, sie an ihren Spielen teilnehmen zu lassen. Wäre Justines +Eifersucht nicht ein so ernsthaftes Hindernis gewesen, er hätte von +Isabelle ohne Zweifel früher Besitz ergriffen. + +Die Zeit, die ich bei meiner Tante verbrachte, ging zu Ende. Meine Mutter +rief mich zu sich zurück. Wir mußten uns trennen und taten es nicht ohne +Bedauern. Meine Tante war ganz gerührt über meine Tränen und versprach mir, +daß sie alles tun würde, um mich bald wieder bei sich zu haben. + +Auch ich bedauerte meine Abreise sehr. Ach, nach all der Freizügigkeit, die +ich im Hause meiner Tante genossen hatte, bedrückte mich die Langeweile bei +meiner frömmlerischen Mutter, die keinen Menschen bei sich sehen wollte, +umso mehr. + +Doch es wurde nicht ganz so schlimm, wie erwartet. Denn ich vermochte im +Haus meiner Mutter Nutzen aus allem zu ziehen, was mich der Zufall und +Isabelle gelehrt hatten. Ich bereitete mir tagtäglich die wollüstigsten +Sensationen, so wie Isabelle dies getan hatte, ja, ich verdoppelte meine +Lust noch durch die reizvollen Bilder meiner Einbildungskraft. Ich dachte +nur an Männer. Meine Gedanken und Begierden waren nur mit ihnen +beschäftigt. Wenn ich sie sah, heftete ich meine Augen auf jene Gegend, wo +ich das Idol ruhen wußte, das meine Phantasie so sehr entflammte. Ah, +welches Feuer verbreitete sich in meinem Körper, wenn ich nur daran dachte! + +Und just, als ich mich in dieser Verfassung befand, kehrte Vernol von +seiner Schule zurück. Wie schön erschien er mir! Ich war fasziniert von +ihm. Bis dahin war mir sein Charme entgangen. Zwar hatten wir von unserer +frühesten Kindheit an eine lebhafte Freundschaft füreinander empfunden. +Doch nun änderte sich unsere Situation. Er schien alle meine Begierden auf +sich zu ziehen. Ein leidenschaftliches Feuer belebte meine Sinne, wenn ich +ihn nur ansah. All meine Gedanken kreisten um ihn. Ich wünschte mir +leidenschaftlich, an ihm jene Region aus der Nähe besichtigen zu dürfen, +die zu sehen mir bei Courbelan vergönnt gewesen war. Ich wußte natürlich, +daß ich zu jung war, die Begierden eines Mannes zu erwecken. Die Leiden, +die Isabelle ertragen hatte, erschreckten mich. Und im Übrigen kannte ich +niemanden, der seine Augen auf mich geworfen hätte. So ist es kein Wunder, +daß Vernol, mit dem mich eine innige Freundschaft verband, schließlich das +Ziel all meiner Wünsche wurde. Sein Zimmer war neben dem meiner Mutter, wo +ich schlief. Wenn diese fromme Seele zur Kirche gegangen war, wo sie jeden +Morgen zwei oder drei Stunden verbrachte, schloß ich die Tür hinter ihr ab. + +Sie glaubte, wir schliefen, und ließ uns in Frieden. Doch angestachelt von +meinen Begierden, eilte ich im Nachthemd, so wie ich war, in das Zimmer +meines Bruders und trieb mit ihm tausend Mutwilligkeiten, während er im +Bett lag. Ich neckte ihn, ich umarmte und küßte ihn und versetzte ihm +leichte Schläge auf seinen festen Hintern. Er hielt wacker mit, zog mich +auf sein Bett, küßte mich und bearbeitete mein Hinterteil mit der Hand, +indem er mir die Schläge heimzahlte, die er von mir bekommen hatte. Dieses +Spiel wiederholten wir jeden Morgen. Als er mich wieder einmal auf sein +Bett warf, verschob sich mein Hemd, und ich strampelte mit meinen Beinen in +der Luft. Er konnte geradewegs in meine kleine Grotte sehen. Da spreizte er +meine Schenkel und legte seine Hand dazwischen. Er konnte gar nicht genug +bekommen, mich zu betrachten und zu berühren. Ich ließ es ihn tun. »Ah, +Rose«, sagte er, »wie verschieden wir beide doch sind«. + +»Wie das?« fragte ich scheinheilig. »Was meinst Du damit, daß wir +verschieden sind?« Ich machte meine unschuldigste Miene, während ich ihn +dies fragte. + +»Nun, sieh selbst«, sagte er ganz unbefangen und hob sein Hemd, so daß ich +sein kleines Werkzeug sehen konnte, das augenblicklich groß und stark +wurde. Ich hatte es niemals zuvor gesehen. + +Scheinbar ganz harmlos, nahm ich die kleine Lanze in die Hände und +betrachtete sie von allen Seiten. Ich liebkoste sie, zog ihre Spitze ein +wenig aus ihrer Umgebung hervor und hatte schließlich die Genugtuung, ihn +in eine heftige Erregung geraten zu sehen. + +Schließlich wurde er ungeduldig, mit mir dergleichen zu tun, und bat mich: +»Rose, laß mich Dich noch einmal anschauen.« + +Ich tat ihm den Gefallen und legte mich wieder hin. Er zog meine Beine in +die Höhe und spreizte sie. Mit großer Aufmerksamkeit betrachtete und +berührte er alle Teile meiner Liebesgrotte. Aber er wußte nicht, wie er sie +behandeln sollte. Er kniete über mich gebeugt auf dem Bett. Ich schob meine +Hand zwischen seinen Schenkeln hindurch, um sein hübsches Kleinod aufs Neue +zu liebkosen. Es belustigte mich, den roten Kopf desselben auftauchen und +wieder verschwinden, zu sehen. Das Vergnügen, das ich ihm bereitete, +verdoppelte das meine. Ich ruhte nicht eher, als bis ich mich seiner ganz +bemächtigt hatte. Ich küßte ihn, ich verschlang ihn beinahe, ich liebkoste +seinen ganzen Körper. Das Auf und Ab, das meine Hände an seinem reizvollen +Spielzeug vollführten, zeitigte schließlich den gewünschten Erfolg. Es +versprühte dieselbe weiß schäumende Flüssigkeit, die Courbelan in Justines +Hände versprüht hatte. + +Diese Situation, die für ihn ganz neu war, sein Erstaunen und seine +unzweifelhafte Lust waren für mich ein köstliches Schauspiel. Seine Hand +glitt zwischen meine Schenkel und ruhte dort ohne alle Bewegung. Ich legte +mich wieder auf das Bett und erteilte ihm eine Lektion, die ihm völlig neu +war. Alles erschien ihm außergewöhnlich und wundervoll. Ich führte ihn von +einem Erstaunen zum nächsten. Ich nahm sein Instrument, ich küßte es, ich +saugte daran und ließ es zur Gänze in meinem Mund verschwinden. +Augenblicklich kam es wieder in jenen liebenswürdigen Zustand, in dem es +zuvor gewesen war. + +Bis jetzt hatte ich nicht gewagt ihm zu zeigen, was ich wirklich wünschte. +Aber schließlich beraubte ich ihn im Übermaß der Erregung seines Hemdes und +entledigte mich auch des meinen. Nichts verbarg mir die Reize, die die +Natur ihm verliehen hatte, ich liebkoste sie alle, und er vergalt mir meine +Zärtlichkeiten auf dieselbe Weise. Sein reizendes kleines Werkzeug war +wieder ganz steif. Schließlich warf ich mich, von Begierde überwältigt, auf +ihn und drängte es selbst in meinen Leib. Ah, wie gut mir das tat! Ich war +natürlich noch eng, aber er war nicht groß. Wir stießen einander aus +Leibeskräften. Schließlich ließ ich mich völlig auf ihn sinken und spürte, +wie er ganz in mich eindrang. Augenblicklich erfüllte mich eine +leidenschaftliche Befriedigung. Auf diese Weise verloren wir beide zugleich +unsere Jungfernschaft. Ah, welche Wollust erfüllte uns dabei! Vernol wußte +nicht, wie ihm geschah. Wir genossen diese reine Seligkeit bis zum Exzeß. + +Die Ekstase überkam ihn. Seine Arme, die mich umklammert hielten, sanken +herab. Ich verhielt meine Bewegungen und ließ mich auf ihn sinken. Ach, er +ahnte wohl, daß ich in diesem Augenblick dasselbe wie er empfand. + +Eng umschlungen versanken wir in jene wohltätige Ermattung, die fast so +wollüstig wie die Wollust selbst ist. Doch da ich viel früher zu mir selbst +zurückfand als er, sah ich mich gezwungen, ihn dazu zu bringen, daß seine +Hand sich noch einmal auf eine höchst erfreuliche Weise mit mir +beschäftigte. + +Wir unterzogen uns in der Folge jeden Tag diesen angenehmen Übungen. +Entweder kam ich in sein Bett oder er in meines. Wenn wir es ohne Gefahr +der Entdeckung tun konnten, vereinten wir uns sogar im Laufe des Tages. +Während der Nacht konnten wir nicht zusammenkommen, aber meine Träume waren +ganz und gar von wollüstigen Bildern erfüllt, und ich opferte die +Vergnügungen, die ich mir verschaffte, seinem Gedenken. Er tat in seinem +Zimmer desgleichen, und am Morgen fanden wir uns zusammen, um unsere +nächtlichen Phantasien Wirklichkeit werden zu lassen. Natürlich wollte er +wissen, aus welchen Quellen mein Wissen stammte. Doch ich wagte ihm dies +nicht einzugestehen, und so verloren sich meine intimen Geständnisse in +Allgemeinheiten. Erst als ich seiner Diskretion völlig sicher sein konnte, +erzählte ich ihm alles. Doch ach, inmitten unserer Vergnügungen mußten wir +uns trennen. Es galt Abschied zu nehmen, weil Vernol an seine Schule +zurückkehren mußte. Mein Schmerz war unendlich, ich kann ihn auch nicht +beschreiben. Ach, wie lang ist mir die Zeit ohne ihn geworden! + +Doch nun ist er endlich zurückgekehrt.« + + + + +6. Kapitel + + +Nachdem Rose ihre Geschichte, die mich, soweit sie Vernol betraf sehr +berührte, beendet hatte, ergriff ich das Wort. + +»Du weißt nicht, mein teurer Vater«, sagte ich, »was Rose mir noch erzählt +hat. Sie hat nicht gewagt, Dir dies zu eröffnen. »Liebste Laura«, sagte sie +mir, »ich weiß, daß Vernol eine heftige Leidenschaft für Dich ergriffen +hat. Er selbst hat es mir gestanden. Trotzdem bin ich nicht im Geringsten +eifersüchtig, denn ich liebe Dich aufrichtig. Du bist schön, er ist +liebenswürdig, ich werde mich freuen, Dich in seinen Armen zu sehen, ja, +meine Liebe, ich werde euch selbst zusammenführen, und mein Glück wird +seine Seligkeit sein!« Ist sie nicht närrisch, die gute Rose? + +Natürlich stellten wir mit Leichtigkeit fest, daß Rose das Vergnügen +leidenschaftlich liebte. Wir sagten ihr das, und sie gab es zu. Die +wollüstigen Bilder, die sie vor unseren Augen hatte erstehen lassen, hatten +ihr Temperament enthüllt. Sie hatten aber auch ihre Wirkung auf uns nicht +verfehlt. Mein Vater gab einen überzeugenden Beweis davon. Sie bemächtigte +sich seiner Lanze, und um uns die Macht der Verführung ganz zu beweisen, +wies sie diesem liebenswürdigen Objekt selbst den Weg. Sie ruhte nicht +eher, als bis sich die Seufzer unserer Lust vermischten. Sie erreichte +dieses reizvolle Ziel als erste, und während sie meinen Vater festhielt, +rief sie: »Bezeuge mir dasselbe Vertrauen, das ich euch entgegenbrachte. +Was wir drei hier getan haben, hat mir die Augen geöffnet und mir die +Freiheit gegeben, euch alles zu schildern, was ich mit Vernol getan habe.« + +Mein Vater stimmte zu. + +»Schön, meine Liebe. Rose, Du wirst eine neue Rolle spielen, damit ich Dich +prüfen kann«, sagte er und stand auf, um den Godmiche zu holen. Er +befestigte ihn an Roses Gürtel, und sie war von diesem nützlichen +Instrument, das sie noch nicht kannte, begeistert. Er ließ mich auf ihr +liegen und führte das Instrument in mein Inneres. Dann befahl er ihr, mich +wie einen Mann zu behandeln, mich aber gleichzeitig zu kitzeln. Als ich +meinen Gipfelpunkt nahen fühlte, riet er ihr, kräftiger zu stoßen. +Währenddessen beugte er sich über mich und stieß seinerseits seine Rute in +meinen Hintern. Rose hielt sich vortrefflich. Ich hielt ihre Brüste +umklammert, sie liebkoste die meinen, unsere Zungen vermählten sich, ich +fühlte mich sterben. In dem Augenblick, in dem ich nahe daran war, mein +Bewußtsein zu verlieren, entlud sie den Godmiche. Meine Grotte war im Nu +überflutet, und zur gleichen Zeit fühlte ich, wie mein Geliebter sich tief +in meinem Innern verströmte. Seine Zuckungen mischten sich mit meiner +Wollust, an der Rose durch die Reibung des Godmiche an ihrer Klitoris +ihrerseits teilnahm. Schließlich sank ich, in Wonne ersterbend, auf sie. +Mein Vater erhob sich, und schließlich, als es schon gegen Mittag ging und +wir uns etwas erholt hatten, standen wir auf. + +Bis jetzt habe ich Dir noch nicht erklärt, was ein Godmiche ist. Höre also! +Es handelt sich um eine Nachbildung des männlichen Gliedes. Der einzige +Unterschied besteht in den Einkerbungen an seiner Spitze, die dazu dienen, +die Empfindungen lebhafter werden zu lassen. Es ist aus Silber, doch mit +einer Art Lack in den natürlichen Farben überzogen und blank poliert, dazu +fest und leicht. In der Mitte hat es einen Hohlraum, in den man eine +Flüssigkeit einfüllen kann. Diese wird durch eine Art von Düse +ausgespritzt, um die Aktion des natürlichen Gliedes zu imitieren. Man kann +dieses famose Instrument am Gürtel befestigen, und dann ist es selbst einer +Frau möglich, als Mann zu agieren. + +Rose war begeistert von diesem Instrument. Ich füllte es vor ihren Augen +mit lauwarmer Milch und zeigte ihr dann, wie man es zum Spritzen bringen +konnte. Im Übrigen verwendet man häufig auch lauwarmes Wasser, das mit +Fischleim vermischt wird. Diese Mischung ist nämlich dem männlichen Samen +am ähnlichsten. + +Als ich Rose alles gezeigt hatte, streifte sie augenblicklich ihr Hemd +zurück und bestand darauf, sich dieses reizvollen Instruments zu bedienen. +Ich begann herzlich zu lachen, als ich sie in dieser Situation sah. Mein +Vater, der inzwischen hinausgegangen war, kam wieder und wollte sehen, was +es gäbe. Auch er begann zu lachen und sagte zu Rose: »Laß es für jetzt +damit genug sein, meine Liebe. Wir haben für den Augenblick etwas Besseres +vor!« + +Doch sie fuhr fort mit ihrem närrischen Betragen, und so führte er mich +schließlich aus dem Zimmer. »Meine liebe Laura«, sagte er zu mir, »Rose +wird ohne Zweifel eines Tages das Opfer ihrer Begierden und ihres +Temperaments werden. Nichts kann sie zurückhalten. Sie überläßt sich ihrem +Verlangen mit einer Glut, die kein Maß kennt. Sei versichert, sie wird für +ihre Unklugheit bitter bezahlen, und vielleicht auch der arme Vernol, der +durch sie solchen übertriebenen Exzessen unterworfen wird. Doch ich werde +sie für meine Zwecke benützen.« + +Er kehrte zu Rose zurück, und ich hörte ihn sagen: + +»Meine Liebe, was Du uns da über Deinen Bruder gesagt hast, beweist Deine +Freundschaft für ihn wie für Laura. Aber kann man auch auf euer beider +Diskretion rechnen? Diese ist absolut notwendig, wenn aus einer +erfreulichen Freundschaft nicht großes Unheil entstehen soll.« + +»Ich habe euch nicht getäuscht«, versicherte Rose, »und alles, was ich euch +gesagt habe, ist nur die Frucht meines Vertrauens, nicht einer sträflichen +Indiskretion. Ach, ich ahne wohl, daß Sie für mich dasselbe sein könnten +wie Laurette für Vernol. Er hat mir gestanden, daß er in Laura vernarrt +ist, und ich hoffe sehr, daß ich selbst Ihnen nicht völlig gleichgültig +bin. Wäre es möglich, daß Sie uns etwas verweigern könnten, was für uns +alle eine Quelle der Lust sein wird? Ah, wie werde ich vor Freude springen, +wenn Sie sich uns nicht widersetzen, und wenn auch Laurette, wie ich dies +hoffe, zustimmt.« + +»Ich gebe meine Zustimmung«, sagte mein Vater, »doch sage Vernol noch +nichts von unserer Übereinkunft. Es erschiene mir schädlich, ihn jetzt +schon einzuweihen. Sag ihm nur, daß er sich bereithalten soll.« + +»Ah, das verspreche ich für mich selbst wie auch für ihn«, versicherte Rose +eifrig. + +»Ich muß euch noch etwas Wichtiges sagen, Dir und ihm«, fuhr mein Vater +fort, »Laura ist nur in der Öffentlichkeit meine Tochter, nicht aber dem +Blut nach. Doch siehst Du wohl, sie ist mir deshalb nicht weniger lieb. Im +Übrigen soll kein Mensch in dieses Geheimnis eingeweiht werden außer euch +beiden. Sag Deiner Mutter, daß wir Vernol und Dich gern auf eine Landpartie +mitnehmen würden, und bitte sie um ihre Einwilligung. Aber ihr müßt über +alles, was geschehen wird, Stillschweigen bewahren.« + +Keines von all diesen Worten war mir entgangen. Rose erreichte natürlich +mit Leichtigkeit, daß sie und Vernol sich uns anderntags anschließen +konnten. Ich selbst verbrachte den Rest des Tages in größter Aufregung bei +einer Bekannten, während mein Vater jene Vorbereitungen traf, die ihm +notwendig erschienen. + +Am anderen Nachmittag fanden wir einen geschlossenen Wagen vor unserem +Haus. Er führte uns zu einem sehr hübschen Landsitz, der in einiger +Entfernung von der Stadt gelegen war. Das Haus war mir bis dahin unbekannt +gewesen. Vermutlich gehörte es einem Freund meines Vaters, der es diesem +zur Verfügung gestellt hatte. Vernol hatte seine natürlichen Vorzüge noch +zu erhöhen versucht, Rose und ich trugen beide sehr elegante Deshabilliés. +Wir kamen gegen vier Uhr an. + +Welch eine wundervolle Zeit! Eine Weile ergingen wir uns in dem Garten, der +in den prächtigsten Farben des Herbstes prangte. Sein phantastischer +Schmuck hob sich bunt aus dem grünen Rasen. Das war nicht einer jener +Gärten, in denen Regelmäßigkeit und Symmetrie alle Natur ersticken. +Vielmehr war er großzügig angelegt und brachte so den Reiz der Natur auf +das vollendetste zur Geltung. Wir genossen die liebliche Landschaft, die so +recht mit unserer festlichen Stimmung harmonierte. Waren wir nicht dabei, +ein Fest zu feiern, wie es die Natur nur den glücklichsten ihrer Geschöpfe +gewährt? + +Nach diesem Spaziergang, den unsere Küsse und Vertraulichkeiten doppelt +reizvoll gemacht hatten, betraten wir das Haus. Mein Vater führte uns in +einen schönen Salon, wo für uns eine leichte Mahlzeit angerichtet war. Wir +sprachen dem köstlichen Wein und den Früchten zu, und sei es nun durch das +natürliche Feuer des Weines oder durch ein Mittel, das mein Vater +hineingemischt hatte -- er kannte ja deren genug --, fühlten wir uns darauf +merkwürdig erregt. Wir warfen uns spielerisch die Blumenkränze zu, mit +denen wir uns geschmückt hatten. Ach, es gab noch andere Blumen zu +pflücken! Wir befanden uns in einem reizenden Gemach, das mit prächtigen +Girlanden bekränzt und von Kerzen erleuchtet war. Kostbare +Venezianerspiegel warfen das Bild dieses festlichen Raumes in unzähligen +Varianten zurück. Wir bewunderten die ausschweifenden Gemälde, welche die +Wände schmückten. + +O Himmel, was für Gemälde! Der göttliche Aretino hätte keine wollüstigeren +erfinden können. Außer diesen war der Raum noch von etlichen wundervollen +Skulpturen geschmückt, die ebenso wie die Bilder der Inspiration der Lust +dienten. + +Es dauerte auch nicht lange, so befanden wir uns in einem Delirium der +Begierde. Bacchus und Amor hatten sich verbündet, ihre Triumphe zu feiern. +Rose, die sich von diesen beiden reizenden Gottheiten am lebhaftesten +angeregt fühlte, eröffnete den Reigen der Lust. Sie warf sich meinem Vater +an den Hals, sie umarmte Vernol. Ah, wie leidenschaftlich küßte sie mich +und verführte mich dadurch dazu, dasselbe zu tun. Sie raubte mir mein +Taschentuch, das sie ihrem Bruder zuwarf, während sie ihr eigenes meinem +Vater gab. Sie hieß ihn ihre Brüste küssen und brachte Vernol dazu, daß er +dasselbe mit den meinen tat. Unsere Lippen verschmolzen schließlich +miteinander. Diese Spiele, die sich in den Spiegeln vervielfältigten, +erhitzten unsere Leidenschaften. Unsere Wangen glühten, unsere Augen +sprühten, und unser Atem ging heftig. Vernol befand sich schon im Zustand +halber Auflösung, seine Augen waren voll Feuer. Er erschien mir schön wie +der helle Tag. Ich betrachtete ihn in diesem Augenblick mit einem +göttlichen Vergnügen, und sein Anblick verdoppelte meine Begierden. Er war +seiner selbst kaum mächtig. Rose wollte, daß ich mich auf eine Bergère +legte, und ich tat es. Sie rief Vernol zur Hilfe. Zusammen schürzten sie +meine Röcke, und dann versetzte Rose mir etliche leichte Schläge. Kurz, sie +tat alles, damit Vernol zu sehen bekam, wonach er seufzte. Ich wollte mich +rächen, aber sie ließ mich gar nicht erst in diese Lage kommen. +Augenblicklich warf sie sich auf einen Diwan und reckte bereitwillig ihre +Beine in die Höhe, so daß all ihre natürlichen Reize sich meinem Blick +boten. Natürlich benutzten wir die Gelegenheit, sie zu liebkosen, doch kaum +daß wir sie berührten, begannen schon die Fontänen der Lust zu sprühen. Wir +waren im Nu überströmt, denn sowohl Vernol als auch mein Vater erwiesen +sich als höchst freigebig, ohne daß ihr Verlangen dadurch gemildert worden +wäre, wie wir uns bald überzeugen konnten. + +Rose sprang auf die Beine und warf sich auf meinen Vater. + +»Mein Lieber, ich habe Dir das Taschentuch zugeworfen. Du wirst mein Gatte +sein, ich Deine Frau. Komm, gib mir die Hand!« + +»Recht gern, Rose. Aber das wird die letzte Zeremonie sein!« + +»Ah ja! Sieh nur, Vernol hat sein Taschentuch Laurette zugeworfen. Wir +müssen sie vereinen. Du bist doch bestimmt damit einverstanden?« + +»Natürlich, meine Liebe, ganz wie Du willst.« + +Sie nahm unsere Hände und fügte sie zusammen. Vernol und ich umarmten uns, +unsere Lippen trafen sich. Sie legte seine Hand auf meine Brüste und nannte +uns Mann und Frau. Wir waren alle vier sehr erhitzt. Vor allem Rose brannte +förmlich. »Wie hübsch wäre es«, rief sie plötzlich, »wenn wir ein Bad haben +könnten, um uns zu erfrischen. Die Glut erstickt mich noch!« + +Mein Vater erhob sich und zog an einer Schnur, mittels der er einen Vorhang +von einer Nische wegzog. Zu meinem Erstaunen entdeckten wir dahinter ein +Badebecken, in das sich abwechselnd kaltes und warmes Wasser, vermischt mit +allerlei Wohlgerüchen, ergoß. + +Rose war begeistert. »Ist das nicht herrlich? Fast wie in einem +verzauberten Schloß! Ich werde mich in eine Nymphe verwandeln, aber ich +werde nicht die einzige sein.« + +In wenigen Augenblicken hatte sie sich mit dem einzigen Abzeichen der +Nymphen geschmückt. Sie bemächtigte sich meiner und verlangte von Vernol +und meinem Vater, daß sie helfen sollten, mich in denselben Zustand zu +versetzen. Die beiden ließen sich das nicht zweimal sagen. In +Sekundenschnelle verschwanden alle meine Dessous. Rose gab ihrem Bruder ein +Zeichen, und auch er verwandelte sich schnell in einen Faun, während wir +meinem Vater unseren Beistand liehen. + +Meine Augen verschlangen Vernol. Ah, wie hübsch er war und wie sehr gefiel +er mir im Glanz seiner Jugendfrische! Er war weiß und rosig wie ein junges +Mädchen, und doch bewaffnet mit dem Speer, der das Kennzeichen des Mannes +ist. + +Wir tauchten alle vier in das duftende Naß, um darin die Glut zu löschen, +die uns zu verzehren drohte. Fortwährend waren wir zwei Nymphen von den +männlichen Lanzen bedroht, aber sie erschreckten uns nicht. Wir waren die +Beute der vorwitzigen und leidenschaftlichen Hände, der verwegensten Küsse +unserer Tritonen und konnten uns nicht genug daran tun, ihnen diese +Liebkosungen durch die unsrigen zu vergelten. Wir scherzten mit ihren +Pfeilen, und sie wollten sich unser bemächtigen. In diesem Augenblick hatte +mein Vater die Klugheit, durch einen schnellen Handgriff das bewußte +Schwämmchen bei mir unterzubringen. + +Vernol faßte nach mir, doch einem ebenso natürlichen wie wirksamen Instinkt +zufolge hinderte ich ihn und flüchtete aus dem Bassin. Flucht ist das +sicherste Mittel, das Verlangen der Männer anzustacheln. Rose folgte mir, +und sofort waren die beiden hinter uns her. Aber die momentane Abkühlung +hatte sie ernüchtert, und so waren sie für den Augenblick keine ernsthafte +Gefahr. Wir hüllten uns spielerisch in leichte Schleiergewänder, die nichts +verbargen, und machten es uns auf dem Diwan bequem. Mein Vater zog an einer +anderen Schnur, und wie durch Zauberei senkte sich ein mit Leckerbissen +aller Art, köstlichen Weinen und Früchten beladener Tisch zwischen uns. Wir +aßen und tranken, und die Hitze, die uns vorhin verzehrt hatte, begann +augenblicklich wieder aufzuflammen. Vernol vor allem war ungeduldig. Ich +befand mich in einem Taumel von Lust und genoß mit Augen und Händen, doch +hatte ich es nicht eilig, ans Ziel zu kommen. Vielmehr wollte ich langsam +genießen und befand mich darin in schönster Übereinstimmung mit meinem +Vater, der sich gleichfalls Zeit ließ. Vernol und Rose waren daher +gezwungen, ihre Ungeduld zu zähmen. Rose fiel dies leicht, weil unsere +Zärtlichkeiten und Liebkosungen sie ihrem eigenen Eingeständnis zufolge +schon dreimal dem Gipfel der Lust entgegengetragen hatten. Sie genoß also +die Mahlzeit, die sie unser Hochzeitssouper nannte. Aber es war nicht +Hymen, der dieses Mahl regierte, dessen Königin allein die Wollust war. Sie +allein konnte uns erfreuen und Genüge tun. Deshalb erhob sich in der Mitte +der festlich geschmückten Tafel auch triumphierend Priap, der Gartengott, +der sein mächtiges Szepter in Händen hielt. Das Tischtuch war an den vier +Ecken mit Stickereien geschmückt, welche die wollüstigsten Gruppen +darstellten. Unter ihnen gab es alte Satyrn, die hinter blühenden jungen +Nymphen herjagten. Alles inspirierte und erregte uns. Rose war wie eine +trunkene Bacchantin. Weinglas und Flasche in Händen, bot sie uns den +Anblick all ihrer Reize. + +Auch ich fühlte nun eine gewisse Ungeduld in mir. Nichts konnte uns mehr +erschrecken. Unsere Helden waren bereit. Die Embleme ihrer männlichen Kraft +ragten steil in die Luft. Rose vermochte nicht mehr an sich zu halten und +rief: »Vernol, nimm Deine Frau! Ich will meinen Mann nehmen.« + +Sie warf sich meinem Vater in die Arme und wurde augenblicklich von seiner +Lanze durchbohrt. Vernol nahm mich in die Arme und wollte sich schon meiner +bemächtigen, da hielt ihn mein Vater auf. + +»Nicht so, mein Lieber. Hört, meine Kinder, ich stelle eine Bedingung. Eure +Vereinigung hat einen Preis. Es ist nur gerecht, daß ich mich dafür bezahlt +mache, wenn Vernol und Laurette sich vereinen. Deshalb werde ich jenen +Hofmann nachahmen, der seine Frau mit einem Pagen schlafen sah, den diese +liebte. Er erwies dem Hintern des Pagen dieselben Wohltaten, die jener der +Dame erwies. Wir wollen es genauso machen. Während Vernol Laura vögelt, +soll sein Hintern mir zur Verfügung stehen.« + +Ich vermutete, daß ihn die Reize Vernols ebenso mit Begierde erfüllt hatten +wie mich, und ich war darüber entzückt, denn so würde ich mich umso freier +der Lust hingeben können. Also spornte ich unser wollüstiges Spiel durch +meine Freudenrufe an. Ich faßte Vernol, beraubte ihn des letzten Stückchens +Stoff das ihn bedeckte, ich präsentierte seine Hinterseite und spreizte +seine hübschen Lenden, während sein Speer gegen mein Pförtchen pochte. + +»Nein, Vernol, nein, schmeichle Dir nicht, daß ich mich Dir geben werde, +ehe Du diese Bedingung erfüllt hast!« + +Rose, die nicht untätig zusehen wollte, protestierte und verlangte, meinen +Vater noch einmal zu bekommen. + +»Wie«, rief Vernol, in Hitze gebracht. »Welches Hindernis sollte mich +zurückhalten? Seit langem bin ich auf die Folter gespannt. Was, schönste +Laura, würde ich nicht tun, um Dich zu besitzen und in deinen Armen zu +sterben?« + +»In diesem Fall«, sagte mein Vater, »wird Rose mit von der Partie sein.« + +In einem Augenblick verschwand der Tisch nach oben, und das Badebassin ward +wieder von seinem Vorhang bedeckt. Ein anderer Vorhang öffnete sich und gab +den Blick auf eine Nische frei, die von einem riesigen mit Seide bezogenen +Himmelbett ausgefüllt wurde. Diese Nische erschien uns als das wahre +Heiligtum der Lust. Wir bezogen diesen Altar der Wonne nur im Schmuck +unserer natürlichen Vorzüge. Von allen Seiten gaben glitzernde Spiegel +unsere Reize wieder. Ich bewunderte vor allem Vernol. Dieser schöne +Jüngling nahm mich in die Arme und bedeckte mich mit Küssen und +Zärtlichkeiten. Er war leidenschaftlich gespannt. Ich nahm seine Lanze, +mein Vater preßte mit einer Hand seine Lenden, mit der anderen Rosens +Brüste, die uns alle drei liebkoste. Vernol lag vor mir auf den Knien, er +spreizte meine Schenkel, küßte mein Kraushaar, meine Liebesgrotte, er ließ +seine Zunge darin spielen und saugte an meiner Klitoris. Schließlich +bettete er sich auf mich, und sein Speer durchbohrte mich. Sogleich warf +sich mein Vater über ihn. Rose lag auf den Knien, sie öffnete die +Hinterbacken Vernols und befeuchtete den Eingang, durch den die Lanze +meines Vaters eindringen sollte. Sie bereitete ihr eigenhändig den Weg. +Währenddessen streichelte ich ihre Spalte und brachte sie durch meine +Fingerspiele zum Glühen. Nach wenigen Augenblicken schon fühlte ich meine +Finger sich befeuchten, und ihre heftigen Atemzüge kündigten uns an, daß +sie sich auf dem Gipfel der Lust befand. Vernol war der nächste, der sich +verströmte. Mein Vater beschleunigte seine Bewegungen, und so fielen wir +bald alle drei in eine wohltuende Ekstase. Nachdem wir wieder zu uns selbst +zurückgefunden hatten, ersetzten unsere Zärtlichkeiten die +leidenschaftlichen Anstrengungen, die uns vorhin vereinigt hatten. Vernol +gestand, daß er niemals etwas Ähnliches empfunden habe. + +»Man muß es kennen, um es schätzen zu können«, sagte mein Vater. »Komm, +liebe Laurette, laß es ihn nun von Deiner Seite aus kosten. Vernol ist +weniger gut gerüstet als ich, er wird Dir also nur Süßigkeit bereiten. +Schön wie Du bist, verliert er nichts, wenn Du ihm diesmal Deine +Hinterseite bietest. Komm in meine Arme. Rose wird dasselbe für Dich tun, +was sie vorhin für mich getan hat, und währenddessen Deine Klitoris +kitzeln.« + +Ich warf mich auf ihn und überschüttete ihn mit Zärtlichkeiten. Rose +bereitete seinem Instrument den Weg und öffnete meine Lenden für Vernol. +Sie benetzte die Spitze seiner Lanze und die Öffnung, durch die diese +eindringen sollte. Dann nahm sie dieselbe Stellung wie vorhin ein und +liebkoste die Schenkel und Hoden von Vernol, während sie gleichzeitig meine +Klitoris kitzelte. Ihr wurde ein ganz ähnlicher Dienst von meinem Vater +erwiesen. Die unaussprechlichsten Wonnen kündigten sich an, wir flogen +ihnen entgegen. + +Ah, dieses Gefühl! Es kam uns allen, wir waren überflutet, der süße Saft +der Wollust verströmte. Den lebhaftesten Sensationen ausgeliefert, verfiel +ich in konvulsivische Zuckungen. + +Doch bald darauf herrschte ein nicht minder wollüstiger Zustand der Ruhe. +Auf die Reizung, die ich an all meinen empfindsamen Teilen erfahren hatte, +folgte ein Zustand unbeschreiblicher Wonne. Ich kann diesen Tag nur mit +jenem vergleichen, an dem ich meine Jungfernschaft verloren hatte. + +Endlich begaben wir uns zur Ruhe. Erschöpft sanken wir auf das Lager, um +uns zu erholen. Ah, welch ein Tag, welch eine Nacht! + + + + +7. Kapitel + + +Nachdem wir wieder in die Stadt zurückgekehrt waren, bedrängte Rose mich +mehrere Tage lang, diese Szene zu wiederholen. Doch ich wollte nichts davon +hören. Einmal paßte mir ihre Selbstgefälligkeit nicht, zum andern erschien +es mir geschmacklos, etwas Derartiges zu tun, wenn mein Vater nicht dabei +war. Meine Vorliebe für Vernol, die nur von meinen Augen und meinen Sinnen +ausgegangen war, ohne daß das Herz daran beteiligt gewesen wäre, minderte +sich von Tag zu Tag. Schließlich konnte ich nur noch mit Bedauern an diese +Vorliebe denken. Leidenschaftlicher denn je kehrte ich zum Gegenstand +meiner ersten Liebe zurück. Meine Bindung an ihn nahm -- weit entfernt +davon, sich zu verringern -- neue Formen an. Ich betrachtete meinen +väterlichen Geliebten als einen außergewöhnlichen und einmaligen Mann, als +einen wahren Philosophen, dessen Liebenswürdigkeit aber gleichzeitig +imstande war, jedes Herz zu erobern. Ich liebte ihn, ich betete ihn an. + +Ah, teure Eugenie, wie wundervoll sind diese Eigenschaften der Seele, die +uns einen Menschen liebenswert erscheinen lassen, die uns unabhängig vom +Schrei der Sinne an ihn fesseln! Wieder war ich der einzige Gegenstand +seiner Neigung, so wie er der Mittelpunkt meines Herzens war. Die folgenden +Ereignisse ließen alle anderen Bindungen, die ich damals schon lösen +wollte, vollends vergehen. + +Ein Abenteuer, bei dem Rose mit viel Unklugheit und Keckheit mehrere Lanzen +brach, entfremdete mich ihr und Vernol zusehends. Ich entdeckte bei dieser +Gelegenheit, daß in ihren Herzen kein Raum für delikate Gefühle war. Weder +er noch sie hatten etwas anderes als die gewöhnlichsten Leidenschaften im +Kopf und das auf eine höchst indiskrete Weise. Diese Eigenschaften, die +sich mit den meinen so wenig vertrugen, entfremdeten mich ihnen weitgehend. +Ich sah sie in der Folge nicht mehr so häufig. Sie suchten ihrerseits alle +Vergnügungen, deren sie habhaft werden konnten. Sie pflegten täglich +zusammen zu promenieren, und bei dieser Gelegenheit führte Vernol Rose +eines Tages in einen öffentlichen Garten. Dort traf er vier seiner Freunde. +Der älteste war kaum zwanzig. Man neckte sich, jubelte, und Umarmungen und +neugierige Fragen wurden getauscht. »Wo kommst Du her?« »Was machst Du?« +»Wohin gehst Du?« »Wer ist denn diese Schöne?« + +Die Antwort auf diese letzte Frage gab den jungen Leuten Gelegenheit, eine +Unzahl von Komplimenten auf Rose loszulassen, die davon sichtlich +beeindruckt war. + +Der älteste der Gesellschaft beschloß alsbald, Vernol zu einem Ausflug zu +gewinnen. Vernol machte keine Einwendungen und noch weniger Rose. Sie +brachen also auf. + +Im ersten Freudentaumel schon vergaßen die jungen Leute völlig, eine +Abmachung zu beachten, der sie sich unterwerfen wollten. Nur der älteste +von ihnen, der zugleich der schlaueste war, hatte sie nicht völlig aus den +Augen verloren. Er nahm Rose zusammen mit einem seiner Freunde in die +Mitte. Sie protestierte ein wenig, doch dann ging sie auf die Neckereien +der jungen Leute ein. Es war noch mitten in der schönen Jahreszeit. Man +wanderte ziemlich rasch. Am Ziel angekommen, begab man sich in ein kühles +Zimmer. Rose war erhitzt, sie warf sich auf einen Diwan, öffnete ihr +Mieder, und ihre in Unordnung geratenen Röcke ließen ein außerordentlich +hübsch geformtes Bein sehen, das wahre Lobeshymnen unserer jungen Leute +herausforderte. Man ließ Wein und Likör bringen, die Köpfe begannen sich zu +erhitzen und die Sinne nicht minder. Ein freches Liedchen klang auf, das +Benehmen wurde freier, etliche Küsse wurden getauscht. Der älteste von den +vier Burschen, der natürlich am meisten Erfahrung hatte, umarmte Vernol und +verriet ihm schließlich, unter welcher Bedingung die vier diesen Ausflug +unternommen hätten. Vernol lachte Tränen darüber, und Rose, die wie +gewöhnlich neugierig war, wollte wissen, was es damit auf sich habe. Als +die vier Freunde mit der Wahrheit nicht recht herausrücken wollten, +bedrängte sie diese umso lebhafter. Schließlich gestand ihr der Älteste, +man habe beschlossen, daß derjenige, der die kleinste Rute sein eigen +nenne, die Zeche für die übrigen zahlen solle. + +Diese Worte und das Gelächter, das darüber ausbrach, ergötzten Rose. Sie +wurde lebhaft, hob ein Bein so hoch, daß man beinahe alles sehen konnte, +und rief: »Ei, wer wird denn wohl der Schiedsrichter sein?« + +»Sie selbst, meine Schöne«, sagte der Älteste unverblümt. + +Rose, die vom Wein erhitzt war, fühlte sich von dieser Rolle geschmeichelt +und erregt und antwortete, daß sie ohne jeden Zweifel für jeden das beste +Zeugnis ablegen würde. Von diesem Augenblick an genierte sich niemand mehr. +Die obszönsten Ausdrücke mischten sich mit den gewagtesten Zärtlichkeiten, +die von Mund zu Mund gewechselt wurden. Rose erwies sich bald als ein +erfahrener Champion und nahm unerschrocken an allem teil. Sie war noch auf +ganz andere Angriffe gefaßt gewesen, die sie mehr interessierten und die +sie daher förmlich herausforderte. Sie rief Vernol zu sich, und indem sie +ihm einen Arm um den Hals legte, drückte sie ihn an ihren Busen und +verlangte, daß er diesen küsse. Dann ließ sie ihre Hand tiefer gleiten und +bemächtigte sich seiner Lanze, während er ihr ganz ungeniert unter die +Röcke griff, die nach oben gestülpt wurden und nun so gut wie alles sehen +ließen. Dieser Anblick erregte die Freunde so sehr, daß sie alle +Selbstbeherrschung vergaßen. Der eine faßte ihr Hinterteil, der andere +einen Schenkel, der dritte ihre Brüste. Kurz, jeder packte ein anderes +Stück von ihr. Rose befahl Vernol wieder aufzustehen, und sie zeigte ihnen +seine Rute. + +»Könnt ihr mit etwas ähnlichem aufwarten?« fragte sie herausfordernd. + +Darauf nahm jeder seine Waffe in die Hand, und sie hatte das Vergnügen, +fünf nackte und bedrohlich aussehende Ruten auf einmal zu sehen. Sie alle +sagten ihr den Kampf an, und einige von ihnen würden mit Sicherheit besiegt +werden. Rose setzte sich mit ausgebreiteten Schenkeln auf das Bett. Der +Ort, an dem das allgemeine Lanzenstechen stattfinden sollte, war völlig +unbedeckt. + +»Ich könnte nach dem Augenschein urteilen«, sagte sie. »Aber ich will die +Sache genau nehmen, so daß keiner sich über mich zu beklagen hat. Deshalb +will ich ein Maß anwenden, das dem meinen gerecht wird. Los, fangen wir +an!« + +Sie ließ alle fünf vor sich antreten und nahm mit großer Genauigkeit Maß, +und zwar sowohl was die Länge als auch die Stärke betraf. + +Der Anblick und die Berührung dieser kampfbereiten Lanzen erregte sie +derart, daß sie auf den Rücken fiel und sich nach zwei oder drei Bewegungen +den Zuckungen ihrer Wollust überließ. In diesem Augenblick wollten alle +zugleich über sie herfallen, doch sie hielt sie zurück. + +»Zuerst will ich mein Urteil verkünden«, sagte sie. Der Älteste mußte +demzufolge den Wein und die übrigen Getränke zahlen, während Vernol den +Rest zu übernehmen gehabt hätte, wenn er nicht schon dazu eingeladen worden +wäre. So kam der zweitälteste zu dieser Ehre. Er war kaum weniger gut +gerüstet als Vernol. Er hatte eine recht ansehnliche Figur, und Rose +tröstete ihn über seinen Ärger, indem sie ihm versprach, daß er der erste +sein werde, seine Kräfte an ihr zu erproben. + +Sie erwartete diesen Augenblick mit Leidenschaft. Alle diese entblößten +Lanzen hatten ihre Glut geweckt, und sie brannte nun danach, sie +aufzunehmen. Sie ließ sich auf das Bett zurücksinken und zog jenen mit +sich, dem sie diese Bewährungsprobe als erstem versprochen hatte. Vernol +und die drei anderen folgten in der Reihenfolge, in der sie gemessen und +für gut befunden worden waren. Rose ließ sich auf einer Woge von Lust +treiben. Es kam ihr ohne Unterlaß. Kaum, daß ihr genügend Zeit blieb, sich +zu erholen. Der eine hatte den Ort seines Entzückens kaum verlassen, als +der andere schon eindrang. Endlich trat ein Augenblick der Ruhe ein. Man +war erschöpft. + +Wein, Gelächter und Zärtlichkeiten ersetzten die leidenschaftlichen +Eroberungen. Rose fand sich den lasziven Lippen und Händen dieser fünf +Faune völlig ausgeliefert. Sie duldeten nicht das mindeste Stückchen Stoff +an ihr. So blieb sie in dem anbetungswürdigen Zustand, in dem die drei +Göttinnen einst dem Paris erschienen. Da sie alle jung und stark waren, +dauerte es nicht lange, bis ihre Begierden wieder neu entflammt waren und +zu neuen Heldentaten im Dienste der Venus drängten. + +Rose hätte gern den Gürtel der Venus gehabt, ja selbst eine ganze Girlande +von wollüstigen Öffnungen hätte ihren Begierden kaum Genüge tun können. + +Da sie deren nur zwei besaß, wechselte sie die Szenerie. Der größte und +stärkste unter ihren Eroberern mußte sich auf das Bett legen. Sie legte +sich über ihn, während der mit einer weniger wirksamen Waffe versehene +Freund sich hinter ihr in Positur stellte. Jeder nahm den Weg, der sich ihm +bot, während sich jede ihrer Hände einer der übrig gebliebenen Waffen +bemächtigte. Vernols Lanze hingegen fand sich bevorzugt, da sie dieselbe +zwischen ihre Lippen aufnahm und ihn mit ihrer Zunge liebkoste und +kitzelte. + +Es dauerte lange, bis die siegreiche Rose, die sich solcherart von fünf +Liebhabern auf einmal in jeder erdenklichen Weise erobert fand, in ein +Übermaß der Lust versank, das ihr fast die Besinnung raubte. + +Ich sah sie am nächsten Morgen. Sie war erschöpft, ihre Augen blickten +ermattet. Ich war erstaunt, sie in diesem Zustand zu finden, und fragte sie +nach der Ursache. Es dauerte eine Weile, bis sie und Vernol mir dieses +Abenteuer gestanden. Ich nahm mir nicht die Mühe, ihr einen guten Rat zu +geben, denn ich sah wohl, daß dies nutzlos gewesen wäre. Doch von diesem +Augenblick an vermied ich es, die beiden zu treffen. Rose, die sich ohne +jede Achtsamkeit den wildesten Leidenschaften auslieferte, erlag ihrer +ausschweifenden Lebensweise schließlich. Ihre Regel kam nicht mehr, sie +befand sich in einem Zustand schrecklicher Erschöpfung, dem die wildesten +Krämpfe folgten. Nach einiger Zeit war sie nur noch ein Schatten ihrer +selbst. Ihre Heiterkeit war völlig verschwunden, und ein schleichendes +Fieber raffte sie hinweg. + +Auch Vernol wurde von einer fiebrigen Krankheit befallen, und er brauchte +lange, um sich davon zu erholen. Eine Geschlechtskrankheit machte ihm viel +zu schaffen und entstellte ihn völlig. Er blieb noch monatelang schwer +krank und konnte sich lange nicht erholen. Mein Vater hatte alle diese +Ereignisse vorausgesehen. Ich begriff wohl, was die Sorgfalt, mit der er +über mir wachte, mir erspart hatte, und ich konnte meine Dankbarkeit für +ihn nicht zurückhalten. Da ich das Übermaß der Begierde fürchten gelernt +hatte, schonten wir einander mehr und mehr. Wir waren mehr zärtlich, mehr +wollüstig als leidenschaftlich und empfingen unsere Lust aus den +Zärtlichkeiten, die wir miteinander tauschten. + +Manchmal, wenn ich mich an das erinnerte, was damals auf dem Lande +geschehen war, bereitete mir diese Erinnerung einen heftigen Kummer. Und in +einer unserer glücklichen Nächte brach ich in plötzliche Tränen aus. + +»Was hast Du, meine liebste Laurette«, fragte mein Freund ernstlich +besorgt. »Warum weinst Du?« + +»Ah, mein Liebster! Unmöglich kannst Du mich länger lieben, Du kannst Dein +kleines Mädchen nicht länger achten nach allem, was ich getan habe . . .« + +»Bist Du verrückt, mein liebes Kind? Glaubst Du wirklich, daß meine Achtung +und meine Freundschaft von irgendwelchen Vorurteilen abhängen könnten? Was +macht es schon aus, eine geliebte Frau in den Armen eines anderen +Liebhabers zu sehen, wenn die Qualitäten ihres Herzens, wenn ihr Geist und +Charakter und all die Vorzüge ihrer Person sich nicht im Mindesten geändert +haben, und wenn sie noch immer empfänglich ist für eine zärtliche Bindung? +Höre meine Grundsätze, meine Liebste. Ich werde glücklich sein, wenn sie +Dich beruhigen und überzeugen können, daß ich Dich nach wie vor zärtlich +liebe und daß ich Dich nicht im Mindesten weniger schätze als zuvor. Nichts +kann mich so wenig beunruhigen, als Dich untreu zu sehen. Denn das ist bei +einem Menschen, der aufrichtig und zärtlich liebt, nicht möglich. Ich will +Dir ein einfaches Beispiel geben. Ich liebe Dich, meine Laurette, und meine +Liebe ist beinahe mit Dir aufgewachsen. Ich glaube, ich habe Dich schon +geliebt, als Du kaum sieben Jahre alt warst. Du füllst mein ganzes Herz +aus. Und doch -- war ich Dir etwa nicht untreu mit Lucette, mit Rose und +selbst mit Vernol? + +Glaube mir, diese Handlung, die von der Konstitution unserer Organe +abhängt, ist zu natürlich, um nicht verzeihlich zu sein. Dem Gegenstand +unserer Begierden gilt nur diese. Doch dem unseres Herzens sind wir darüber +hinaus auch mit unserer Achtung, mit unserem guten Glauben und unzähligen +zärtlichen Gefühlen verbunden. Natürlich gibt es Menschen, die zu ernsthaft +sind, um diese Unterscheidung vorzunehmen. Aber ich habe eine glücklichere +Wahl getroffen. Die Unbeständigkeit enthüllt ein leichtes Herz, das +undankbar und treulos ist. Ich machte sie mir niemals zum Freund. Denn ich +glaube, daß jeder Mann, der im Herzen unbeständig und treulos gegenüber +einer Frau ist, die delikat in ihren Gefühlen ist, einen kultivierten Geist +hat und sich aus Liebe seiner Diskretion ausgeliefert hat, daß jeder solche +Mann auch gegenüber seinen Freunden unbeständig und treulos sein wird. Doch +die vorübergehende Treulosigkeit der Sinne ist nichts weiter als die Frucht +eines leicht beeinflußbaren Temperaments. Verlockt von Begierde, +Gelegenheit und allen möglichen unvorhergesehenen Ereignissen, nützt es die +Möglichkeiten, die sich ihm bieten. Der Mensch ist aus Widersprüchen +zusammengesetzt, mein Kind. Nicht immer stimmt der Wille mit unseren +Handlungen überein, und diese hängen nicht immer von ihm ab. Jene Leute, +die von einem sechsten Sinn im Menschen sprechen, haben die Natur recht +scharf beobachtet. Hängt es etwa von unserem Willen ab, ob wir ihn in +Tätigkeit setzen oder nicht? Nein, er selbst ist nicht im Geringsten seinen +eigenen Gesetzen unterworfen. Alles an uns ist vielmehr von unserer +Konstitution und der Zusammensetzung und Bewegung unserer Säfte abhängig. +Nichts kann sich diesen widersetzen, nichts sie ändern als die Zeit, die +alles zerstört. Meine Sinne wachsen in der Vereinigung des Geschlechts. Sie +wachsen an Eindrücken, deren wir nicht Herr werden können. Warum berührt, +verführt und inspiriert der eine Sinneseindruck das Begehren eines +bestimmten Menschen, während er auf einen anderen überhaupt nicht wirkt? +Wir sind einer Person besonders zugeneigt? + +Wohlan, so erscheinen uns sogar ihre Fehler liebenswert. Sowohl solide +Bindungen als auch vorübergehende Leidenschaften finden sich in dem +Lebenskreis, den wir zu durchschreiten haben. Wenn wir bei unseren +Bestrebungen auf Widerstand stoßen, wird sich die Eigenliebe erheben und +all ihre Kräfte einsetzen, um diesen Widerstand zu überwinden und jene, die +wir am meisten schätzen und lieben, an uns zu fesseln. Schließlich werden +Begierde, Ehrgeiz und Habsucht -- Eigenschaften, die alle Menschen während +ihres Lebens verfolgen -- unsere Handlungen bestimmen und sie +notwendigerweise in eine Kette von Umständen zwingen, die das Muster +ausmachen, das unser Leben formt. Diese drei Beweggründe, die man mit den +schmeichelhaftesten Namen zu umschreiben und auf das vollkommenste zu +verschleiern sucht, sind die einzigen, die den Menschen in Bewegung halten +und ihn regieren. Bei einem Individuum wird nur eines dieser Motive bei +seinen Handlungen im Vordergrund stehen, bei einem anderen vielleicht zwei +oder auch alle drei, je nach den Anlagen und ihrer Entwicklung. Wenn man +von der Natur ein Herz bekommen hat, das für starke und dauernde +Leidenschaften, für eine zarte und innige Bindung empfänglich ist, wird die +Ähnlichkeit des Temperaments und der Charaktere eine Vereinigung bewirken. +Man ist weniger von der Wonne leiblicher Vereinigung erfüllt als vielmehr +von der süßen Zufriedenheit, welche aus der Harmonie von Geist und +Geschmack entspringt. Es ist verächtlich, aus eigener Schuld das Blumenband +der Freundschaft zu zerstören. Mag diese zarte Kette auch noch so leicht zu +brechen sein, so ist der Verlust, der aus dieser törichten Handlung folgt, +doch unersetzlich. Es ist allerdings richtig, daß man die Sensationen der +Lust in diese intimen Bindungen der Menschen gemischt hat. Doch glaube mir, +ihr Ursprung ist völlig anderer Natur. + +Es gab eine Zeit, meine liebste Laurette, wo man alles, was ich Dir über +diese Dinge sagen kann, für eine Fabel gehalten hat, während es doch der +Gesetzmäßigkeit der Natur entspringt. Früher oder später kommt die +Gewohnheit, welche, ohne die liebenswürdigen Bindungen der Gefühle zu +zerstören, doch die Lebhaftigkeit der Begierden, die Feinheit der Wollust +erlahmen läßt, so daß diese nur durch ein neues Objekt wieder zum Leben +erweckt werden können. Diese Begierden aber scheinen mit unserer Existenz +unlösbar verbunden und lassen uns den Reiz und Wert des Lebens erst richtig +bemerken. Doch hier gilt es eine schwierige Entscheidung zu treffen. + +Hat man genügend Vernunft und Festigkeit, um ein Gebilde der Phantasie zu +opfern, eine Laune, einen augenblicklichen Einfall, der die Harmonie einer +innigeren Bindung zerstören könnte, so soll man nicht zögern, dies zu tun. +Aber zerstört die Eifersucht nicht noch viel mehr als eine vorübergehende +Untreue? Ist es nicht viel klüger, sich ohne Groll und Widerwillen den +Gesetzen der Natur zu überlassen, deren Macht doch unbesiegbar ist? Hören +wir ihre Stimme, die aus allem spricht! Schließen wir unsere Augen nicht +vor ihr, haben wir Verständnis für das, was sie uns zeigen und sagen will! +Sie verkündet in allem den Wandel, ja noch mehr, das Ende. + +Warum sollten wir uns über ein Gesetz beklagen, das wir nicht ändern +können, dem wir absolut unterworfen sind, und das nicht weniger mächtig ist +als das der Zerstörung, dem alles Sein ausgeliefert ist? Unsere Eigenliebe +und unser Egoismus sträuben sich dagegen, und doch entspricht diese +Erkenntnis den Gesetzen der Natur. + +Betrachten wir nur die Tiere, meine liebe Laurette. Sieht man etwa die +Weibchen mit jenen Männchen verbunden, die sie im Vorjahr gehabt haben? +Selbst die Turteltaube, von der wir ein ebenso rührendes wie grundfalsches +Bild gezeichnet haben, bleibt nur so lange im gleichen Nest, als ihre Brut +ihrer bedarf. Und noch im selben Sommer sucht sie sich einen anderen +Liebsten. Suche nach anderen Beispielen in der Natur, Du findest ihrer +genug. Denn was ist der oberste Zweck der Natur? Die Vermehrung des Seins. +Nur um die Geschöpfe dadurch zur Vermehrung anzuregen, hat sie so viel Lust +in die Geschlechtsvereinigung gelegt. Diese Lust ist so groß, daß sie uns +sogar gegen unseren Willen zu Handlungen treibt, welche sie hervorrufen. +Wenn wir beide dieses Ziel der Natur umgangen haben, so sind es unsere +Sitten und Vorurteile, die uns dazu gezwungen haben. Grundsätzlich jedoch +ist dieser Plan der Natur so offensichtlich, daß ein Mann von guter +Konstitution sogar mit einer Frau zu fruchtbarer Vereinigung kommen kann, +die er überhaupt nicht kennt. + +Wenn es zuweilen unter beiden Geschlechtern Leute gibt, die dem Willen der +Natur gegenüber unempfindlich erscheinen, so ist das nur ein Fehler in der +Veranlagung, der die allgemeinen Gesetze nicht zu zerstören vermag. + +Ich muß allerdings gestehen, daß der Vorzug der Fruchtbarkeit, den die +Männer genießen, den Frauen nicht gegeben ist. Zumeist können sie nur ein +einziges Lebewesen hervorbringen. Es gibt Männer, die daraus einen Vorteil +ziehen, ohne die bedauerlichen Wirkungen einer Mischung der +Samenflüssigkeit zu bedenken. Wenn sich nämlich ein Keim in den Tiefen der +Matrix festgesetzt hat und nach einiger Zeit derselbe Mann oder auch ein +anderer einen neuen Keim befruchtet und ins Leben ruft, kann die Matrix +eine zweite Frucht hervorbringen und selbst eine dritte. Doch liegt dies +nicht im Sinne der Natur. + +Hat die Natur die Männer mit allen möglichen Vorzügen ausgestattet, so hat +sie sich doch auch den Frauen gegenüber nicht ganz und gar als Rabenmutter +erwiesen. Diese tragen nämlich ein lebhaftes und immerwährendes Verlangen, +einen unersättlichen Appetit in sich, eine Frucht des Lebens zu empfangen +und zu tragen. Wenn der eine Mann dieses Verlangen nicht stillen kann oder +will, so führt sie ein Gefühl, das stärker ist als alle Vorurteile, zum +nächsten. Doch die Wahl hängt von ihrem Geschmack ab. Warum sollten sie +auch die Umarmungen und Liebkosungen eines Mannes dulden, den sie +verabscheuen? Was könnte aus einer Verbindung Gutes hervorgehen, gegen die +sie sich auflehnen? Wie viele Beispiele hat man dafür gesehen? Solche +unglücklichen Bindungen, die leider nur zu häufig sind, haben die +Möglichkeit einer völligen Trennung bitter notwendig. + +Die menschliche Existenz, die natürliche Konstitution des Menschen, gibt +ihm das Recht zu wählen und selbst zu wechseln, wenn er sich getäuscht +sieht. Nun wohl, wer täuschte sich nicht? Schließlich ist es dieses Recht +zu wählen, das die Frau unbeständiger und treuloser macht als die Männer, +die sich eher an die allgemeinen Gesetze halten. Wenn nun in den Frauen +wegen der Beschaffenheit ihres Geschlechts ein größerer Grad von Wollust, +ein lebhafteres und dauerhafteres Vergnügen als in uns Männern lebendig +ist, so werden sie in gewisser Weise für die Beschwerden und Schmerzen +entschädigt, denen sie unterworfen sind. Welche Ungerechtigkeit, aus diesen +natürlichen Eigenschaften ein Verbrechen zu machen! Sind die Frauen etwa +die Urheberinnen ihres Temperaments? Von wem haben sie es empfangen? Ihre +Einbildungskraft, die auf Grund der Feinheit und Sensibilität ihrer Organe +so leicht erweckt wird, ihre exzessive Neugierde und ihr leicht erregbares +Temperament gaukeln ihnen Bilder vor, die sie heftig bewegen und die sie +der Realität ihrer Begierden um so leichter zugänglich machen. + +Betrachten wir doch die Unannehmlichkeiten, die durch die Eifersucht, +dieses Lieblingskind unserer Eigenliebe und unseres Egoismus, verursacht +werden! Sind die Frauen diesem Übel nicht ungleich stärker unterworfen als +die Männer? Finden wir uns doch mit den Eigenarten des weiblichen +Charakters ab! Machen wir ihnen das Joch leicht, das die Natur ihnen +aufgebürdet hat! Binden wir sie mit losen Ketten, um ihren Geist zu +fesseln, ihr Herz zu unterjochen und die Unbeständigkeit zu bändigen, die +ihnen die Natur verliehen hat! Halten wir ihnen ihre Schwächen zugute, um +sie uns nicht zu entfremden, was ohne Zweifel geschehen würde, wenn sie die +Bürde der Ketten, mit denen die Liebe sie beladen möchte, zu drückend +empfänden. Ohne diese unsere Großzügigkeit wäre die schönere Hälfte des +Menschengeschlechts recht unglücklich. Doch wie bedauerlich ist es, daß +diese Grundsätze von dem weitaus größten Teil unserer zivilisierten Welt +nicht befolgt werden. Es ist vor allem die Unduldsamkeit, welche die +Untreue der Frau zu einem solch beklagenswerten Verhängnis werden läßt. Und +doch, glaube mir, liegt es vor allem an uns Männern, durch Klugheit und +Weitblick die Frauen vor den furchtbaren Folgen zu bewahren, welche ihre +Unabhängigkeit für sie haben kann. Denn so natürlich diese Unbeständigkeit +auch Deinem Geschlecht erscheinen mag, so entsteht daraus doch zuweilen das +größte Unheil. Bedenken wir nur die unglücklichen Resultate, die diese +fatale Neigung bei den Frauen häufig zeitigt, während die Untreue der +Männer zumeist keine solchen Folgen nach sich zieht! + +Ich werde Dir den Grund dafür an einem einfachen Beispiel beweisen. Wenn +man in zwanzig verschiedene Gefäße denselben Wein füllt und diesen dann in +einem Gefäß mischt, so wird er in seinem Geschmack und seiner Qualität +unverändert sein. Doch wenn man in einem einzigen Gefäß zwanzig +verschiedene Flüssigkeiten zusammengießt, so wird sich daraus eine Mischung +ergeben, welche die natürlichen Eigenschaften jeder dieser Flüssigkeiten +verändert. Und wenn man auch nur einen Tropfen davon in ein Gefäß schüttet, +in dem sich eine unvermischte Flüssigkeit befindet, so wird diese dadurch +verdorben werden. + +Aus diesem Beispiel kannst Du leicht Deine Folgerungen ziehen. Wenn sich +ein Mann mit mehreren Frauen vereint, kann daraus kein Übel entstehen. Sein +Verhalten ist vielmehr dasselbe, wie wenn man ein und dieselbe Flüssigkeit +in mehrere Gefäße füllte. Aber wenn eine Frau, selbst eine gesunde Frau, +sich hintereinander mit mehreren Männern verbindet, so wird diese +Vermischung der Samenflüssigkeit in ihr, selbst wenn die Männer ihrerseits +ganz gesund sein sollten, doch die gefährlichsten Folgen zeitigen. + +Wenn ein Mädchen, eine junge, reizende, freie und unabhängige Frau, die dem +Pöbel entstammt und daher keine Erziehung genossen hat und keine +hinreichenden Vorkehrungen trifft, infolge ihrer eigenen Arglosigkeit oder +aus Nachgiebigkeit gegenüber der Lockung jener alten Hähne, die auf ihre +Reize scharf sind, sich in diesen schrecklichen Zustand versetzt, so werden +die Folgen unausbleiblich sein. Hat sie sich nun infolge ihres Temperaments +oder weil sie den Charakter einer Libertine hat, verführen lassen, mehrere +Männer in rascher Reihenfolge zu empfangen, wird sie dies zu ihrem eigenen +Schaden tun, und sie wird ohne Zweifel ein Opfer der Ansteckung sein, auch +wenn diese Männer an und für sich gesund sein mögen. Die Mischung der +Samenflüssigkeit in ihrem Innern hat die schädlichsten Folgen. Sie wird an +weißem Ausfluß und Geschwüren der Gebärmutter zu leiden haben, wenn ihr +nicht noch Schlimmeres bevorsteht. Die Samenflüssigkeit dieser +verschiedenen Männer, die einander infolge der Verschiedenheit des +Temperaments oder infolge der Verschiedenheit ihres Gesundheitszustandes +widersprechen, zerstört die Gesundheit der Frau, die sie in sich +aufgenommen hat. Vor allem jene, die an Hautkrankheiten leiden, übertragen +diese häufig auf die Frauen, mit denen sie sich verbinden. Gar nicht zu +reden von jenen anderen, die an chronischen Geschlechtskrankheiten leiden, +ohne daß deshalb ihre Potenz zerstört wäre. Alle diese Stoffe, die sich an +ein und demselben Ort treffen, verursachen mit beinahe absoluter Sicherheit +ein Gift, das viel wirksamer ist als jeder einzelne Krankheitsstoff für +sich allein. Das beweist, daß die Frauen nicht für die physische Untreue +gemacht sind und noch weniger für die Prostitution, der sich so viele von +ihnen ergeben. + +Du ersiehst aus dem Gesagten wohl, daß die physikalischen Erkenntnisse +sowie Vernunft und Erfahrung es gewiß erscheinen lassen, daß von dem +Augenblick an, da sich die Frauen der Freizügigkeit ihres Temperaments +auslieferten, die venerische Ansteckung sich an den Quellen des Lebens +verbreiten mußte. Unglücklicherweise ist sie aus den niedrigsten +Volksschichten, wo sie vielleicht ihren Ausgang genommen hat, bis zu den +Spitzen der Gesellschaft emporgestiegen. + +Doch da dies nun einmal geschehen ist, erscheint es ohne Zweifel notwendig, +daß erleuchtete und kluge Männer, die durch eine lange Erfahrung weise +geworden sind, versuchen, ein Mittel zu finden, das die verheerenden Folgen +dieser geschlechtlichen Vergiftung aufhebt. Es gab genügend solche Männer, +die, mögen sie auch dem Spott und dem Geschrei des Pöbels ausgesetzt sein, +doch ihren Zeitgenossen ebenso nützlich sind wie künftigen Generationen, +indem sie die Schäden zu beseitigen suchen, die aus der Prostitution der +Frauen für alle Welt entstanden sind. + +Das ist übrigens auch ein Vorteil dieses Schwämmchens, das ich Dich +benützen lehrte. Aber die Anwendung desselben allein genügt nicht. Die +Flüssigkeit, mit der es präpariert ist, zerstört zwar die Kraft des +männlichen Samens, aber das Gift, das durch die Vermischung der Säfte auf +den weiblichen Körper einzuwirken vermag, ist oft stärker. Immerhin reicht +diese Vorsichtsmaßnahme in vielen Fällen, die verheerenden Folgen einer +Infektion zu verhindern. + +Es gibt indessen noch eine stärker wirkende Flüssigkeit. Eine Frau, die +ihren Gebärmuttermund durch ein mit dieser Flüssigkeit durchtränktes +Schwämmchen verschließt, kann sich ohne Risiko mit mehreren Männern paaren, +ja, sie kann sogar einen kranken Mann empfangen. Kommt ihr der Verdacht, +daß ein Mann krank sein könnte, zu spät, so kann sie das Schwämmchen +hinterher mittels der seidenen Schnur entfernen und sich durch eine +Waschung mit derselben Flüssigkeit reinigen, um danach ein anderes +Schwämmchen, das auf dieselbe Weise getränkt ist, wieder einzuführen. Man +kann diese Schwämmchen auch in eine starke Lösung einer solchen Flüssigkeit +tauchen und sie hernach wieder in Gebrauch nehmen. + +Auch ein gesunder Mann kann sich im Verkehr mit einer Frau, die er im +Verdacht einer venerischen Erkrankung hat, schützen, indem er ein mit +vorbeugender Flüssigkeit getränktes Schwämmchen in ihre Vagina einführt. +Doch sollte er nach dem Verkehr sein Glied in dieser Flüssigkeit waschen. +Dazu kann man ein Glas oder Porzellangefäß verwenden. Noch sicherer ist es, +wenn man in den Harnkanal etwas von dieser Flüssigkeit einführt. Dazu kann +man eine kleine Elfenbeinröhre -- doch niemals einen Metallgegenstand +verwenden. Will der Mann eine sehr köstliche Sensation erleben, soll er +diese Flüssigkeit zur Hälfte mit Rosenwasser mischen. Ich würde Dir das +nicht sagen, meine Liebe, wenn ich nicht die entsprechende Erfahrung +gemacht hätte. + +Auch könnte ich Dir, meine liebe Laura, noch eine Reihe von anderen +Beweisen dafür geben, daß die Natur den Frauen nicht dasselbe Recht auf +Untreue gegeben hat wie den Männern. Doch anderseits ist es sicher, daß sie +in ihr Herz und ihren Charakter mehr Unbeständigkeit gelegt hat als in +unser Geschlecht. Ah, wie glücklich sind wir, wenn ein Liebesobjekt unser +wahres Gefühl erweckt! Sollten wir da nicht ein kleines Opfer bringen, um +einen großen Verlust zu vermeiden?« + +Gerechter Himmel, wie tief war doch seine Erkenntnis des menschlichen +Herzens! Du wirst mir das ohne Zweifel zugestehen. Durch dieses Gespräch +nahm er mir eine Last von der Seele. Er gab mir meine Ruhe wieder und +erfüllte mich mit vollkommener Freude. + +Ich wollte allerdings noch einen gewissen Verdacht klären, den unsere +ländliche Orgie damals in mir erweckt hatte. Zwar zögerte ich anfangs, ihn +danach zu fragen, aber schließlich wagte ich es doch. + +»Ich möchte Dich noch etwas fragen, mon cher, und ich bitte Dich, mir offen +darauf zu antworten.« + +»Wie? Meine Laurette, könnte ich Dir das unwürdige Beispiel der Verstellung +geben, nachdem ich mich immer bemüht habe, in aller Aufrichtigkeit mit Dir +zu reden? Sprich offen, und ich werde Dir offen antworten.« + +Ich rückte also unbefangen mit meinen Zweifeln heraus. + +»Als wir damals jenen Landausflug machten und Du eine gewisse Bedingung +stelltest, um meiner Torheit Vorschub zu leisten, habe ich mir eingeredet, +daß die Reize dieses hübschen Jungen dein Verlangen ebenso erweckt hätten +wie meines und daß Du, um Dich daran zu ersättigen, diese Bedingung +gestellt habest. Habe ich mit dieser Vermutung recht gehabt?« + +»Ah nein, wie Du Dich täuschst, meine Liebste! Ich war begehrlich, das +stimmt. Du hast das untrügliche Zeichen dieses Verlangens ja gesehen. Wer +hätte in einer Situation wie dieser nicht ähnlich empfunden? Aber in erster +Linie waren die Vorzüge Deiner eigenen Person die Ursache dieser +Empfindungen. Ich muß Dir gestehen, daß mir die Vorliebe mancher Männer für +ihr eigenes Geschlecht immer bizarr erschien, wenn man sie auch bei allen +Nationen finden mag. Diese merkwürdige Leidenschaft erscheint mir vor allem +deshalb extravagant, weil sie alle Gesetze der Natur verletzt, es sei denn, +daß ein akuter Mangel an Frauen uns unsere Zuflucht zu unserem eigenen +Geschlecht nehmen läßt. Man kann dies in Schulen, Klöstern, Gefängnissen +und überall dort, beobachten, wo die Frauen aus dem Leben der Männer +ausgeschlossen sind. Doch werden diese Unglücklichen, welche die Reize der +Frauen entbehren müssen, immer wieder zu diesen zurückkehren, wenn sie die +Möglichkeit dazu haben. + +Etwas anderes ist es mit der Neigung der Frauen für ihr eigenes Geschlecht. +Diese scheint mir nicht so unnatürlich. Ich glaube vielmehr, daß die +Zärtlichkeit ihres Betragens untereinander sie sehr leicht verführt, mit +ihren Geschlechtsgenossinnen eine intime Bindung einzugehen. Auch stört +diese Neigung zumeist ihre Vorliebe für unser Geschlecht nicht im +Geringsten. Tatsächlich werden diese armen Geschöpfe doch zeitlebens einem +gewissen Zwang unterworfen. Man sperrt sie in Klöster ein, bei nahezu allen +Nationen macht man aus ihrem Heim ein Gefängnis. + +Diese Abgeschlossenheit erzeugt in ihnen die Illusion, daß sie wenigstens +in den Armen ihrer Geschlechtsgenossinnen jene Wonne suchen und finden +könnten, nach der ihre Natur verlangt, wenn ihnen schon der natürlichere +Umgang mit Männern verwehrt ist. Und da dieses unzweifelhafte Vergnügen, in +dem sich Schönheit, Grazie und Jugendfrische mischen, für sie völlig +ungefährlich ist, geben sie sich ihm nach den ersten schüchternen +Versuchungen mit einer gewissen Leidenschaft hin. Sie riskieren nichts und +sie gewinnen viel in einer solchen zärtlichen Bindung. + +Bei den Männern ist das etwas anderes. Im Allgemeinen mangelt es ihnen +nicht an Frauen, und es ist für sie nicht halb so gefährlich wie für jene, +ihren Wünschen nachzugehen. Sie haben also recht wenig Grund, sich mit +ihresgleichen einzulassen. Übrigens scheint es mir im Ganzen als pervers, +und Du darfst mir glauben, daß es damals mit Vernol das einzige Mal war, +daß ich etwas dergleichen getan habe. Doch wenn mir diese Methode der Lust +auch bei den Männern höchst bizarr erscheint, so finde ich es doch ganz +natürlich, eine Frau gelegentlich von hinten zu nehmen. Ja, ein schlecht +ausgerüsteter Mann ist in einer weiten Vagina so gut wie verloren und daher +beinahe gezwungen, es mit einem engeren Weg zu versuchen, um auf dem Feld, +das er beackert, die Lust zu empfangen, nach der er strebt. Und übrigens +gibt es sogar eine ganze Anzahl von Frauen, die nicht anders erregt werden +können als auf diesem Weg. + +Doch um auf die Gründe zurückzukommen, die mich damals veranlaßten, Vernol +zu nehmen: Meine Liebe und mein Begehren galten Dir, und nur dir allein. +Aber ich habe, wie Du weißt, keine Vorurteile. Dazu kam ein lebhaftes +Verlangen, Dich von allen Seiten zu befriedigen und all Deine Gefühle zu +wecken. Auch wollte ich, daß Du die Verschiedenheit des Genusses kennen +lernen solltest. Dazu kam, daß ich Vernol seinen Genuß nicht allein zu +gönnen vermochte, ich wollte daran teilnehmen. Auf welch andere Weise hätte +ich dies erreichen können, ohne in Deinem Herzen als ein eifersüchtiger +Tyrann zu gelten? Hätte ich mich Deinem Verlangen nach Vernol widersetzt, +würde ich vielleicht Deine Zärtlichkeit und Dein absolutes Vertrauen +verloren haben. Das konnte ich nicht riskieren, umso weniger, als ich nur +auf Dein Herz eifersüchtig bin. Anderseits konnte ich Dich nicht in den +Armen Vernols sehen, der sich meine Gefühle für Dich anmaßte, nur um eine +Eroberung, die mir so viel bedeutete, dann als ein hübsches Abenteuer zu +betrachten. Ich wollte, daß er sich, ebenso wie Rose, nicht dieser Lust +erinnern könne, die er in deinen Armen empfing, ohne zur selben Zeit daran +zu denken, daß er dafür mit seiner eigenen Person hatte bezahlen müssen. +Und ich hoffte, daß diese Erinnerung seinen Gedanken und seiner Zunge einen +Zaum auferlegen würde. Ich habe ihn mit umso mehr Grund in der Art der +Frauen benutzt, weil Männer kaum je klug und diskret genug sind, das Gute, +das ihnen widerfahren mag, für sich zu behalten. Um Dir die Ehrlichkeit +meiner Gründe zu beweisen, erinnere ich Dich daran, daß Rose von mir nicht +auf diese Weise behandelt wurde, obwohl das bei einer Frau doch um vieles +natürlicher erschiene als bei einem Mann. Doch sie war mir dazu nicht +wichtig genug. Und obwohl dies das erste Mal gewesen wäre, sie auf diese +Weise zu besitzen, habe ich es doch Vernol überlassen, ihre zweite +Jungfernschaft zu brechen. Urteile nun selbst, ob ich Dich täusche.« + +Seine Antwort überzeugte mich. Ich umschlang ihn mit meinen Armen, ich +drückte ihn an mein Herz, ich erstickte ihn beinahe mit den Beweisen meiner +Liebe. + +»Mein Liebster, nie, nie wieder werde ich Deine Güte und Deine Liebe für +Deine Laurette bezweifeln. Glaube mir, von nun an soll jeder Atemzug meines +Lebens Dir geweiht sein. Ich will Dich zum Gefährten meiner Lust wie meiner +Sorgen, ja selbst meiner geheimsten Gedanken machen. Die Beständigkeit und +Treue meines Herzens sollen Dir die Innigkeit eines Herzens beweisen, das +nur für Dich schlägt.« + +Ich genoß in der Folge vier köstliche Jahre, die erfüllt waren von Frieden +und süßem Glück. Er war all meine Seligkeit. Behütet und behütend, liebend +und wiedergeliebt genoß ich das Glück seiner innigen Zuneigung jeden Tag +aufs neue. Nichts trübte mein Glück außer dem Tod unserer lieben Lucette. +Ihr Andenken ist mir für immer teuer. Dies ist die Frucht der tiefen +Zuneigung, die wir für einander empfanden. War nicht ihr ganzes Verhalten +von der zärtlichen Liebe erfüllt gewesen, die sie meinem Vater und mir +entgegengebracht hatte? Ich hatte den Unterschied zwischen ihr und Rose +wohl erkannt und die Verbindung mit ihr viel höher eingeschätzt als jene +mit der flatterhaften Rose. Doch ach, der Verlust, den ich durch sie +erlitt, war nur ein schwacher Vorgeschmack jener Qualen, jener +nachtschwarzen Kümmernisse, die gar bald über mich hereinbrechen sollten. +Ach, meine Eugenie, wozu diese Wunde aufs Neue aufreißen? Wozu meinen +Schmerz erneuern? + +Die Erinnerung an mein Unglück zerreißt mein Herz. Nein, ich will nicht +noch einmal darüber sprechen . . . + + + + +9. Kapitel + + +Und doch, meine teure Freundin, muß ich dieses schreckliche Gemälde des +Schmerzes vor Dir ausbreiten. Ah, Deine Laurette ist nicht mehr sie selbst, +mein Herz blutet, erschüttert läßt meine Hand die Feder sinken, ein wildes +Schluchzen schnürt mir die Kehle zu. Meine Augen sind eine Quelle der +Tränen geworden. Vielleicht hätte Deine Freundschaft sie trocknen können, +wenn ich bei Dir gewesen wäre. Endlich, nach einem neuen Ausbruch der +Verzweiflung finde ich die Kraft, mein Unglück vor Deinen Augen +auszubreiten. + +Du weißt, daß ich gerade zwanzig Jahre alt geworden war, als mein Vater, +der zärtlichste und liebenswürdigste aller Väter und zugleich der +wundervollste und anbetungswürdigste Liebhaber, dessen Leben ich nur zu +gern mit meinem eigenen erkauft hätte, dessen Verlust für mich unersetzlich +ist, durch eine Lungenkrankheit hinweggerafft wurde. + +Ach, alle Kunst der Ärzte war an ihm vergeblich. Ich verließ ihn niemals, +ich weilte Tag und Nacht an seinem Bett, das ich heimlich mit meinen Tränen +benetzte. Ich versuchte sie vor ihm zu verbergen, doch mein bebender Mund +verriet ihm meine Verfassung. Er war gerührt und wollte mir seinen Zustand +verbergen. Er bat mich, ihn für etliche Stunden zu verlassen, um +auszuruhen, aber ich brachte es nicht übers Herz. Kaum, daß ich auf die +Ratschläge hörte, die er mir gab. Denn er erkannte die Situation und +begegnete ihr mit Entschlossenheit. Schließlich traf mich der entsetzliche +Schlag. Ach, meine Lippen empfingen seine letzten Seufzer. + +Welch ein Verlust für mich, Eugenie, meine liebe Eugenie! Meine Augen +starren blicklos auf das Papier, auf dem ich darüber berichte. Ich war ihm +tausendmal mehr zugetan, als wenn er mein wirklicher Vater gewesen wäre. Er +hatte mich einst mit dem Comte de Norval bekannt gemacht, dessen +Vergnügungen ich mein Leben verdanke. Ich habe ihn ohne die geringste +Bewegung, ohne ein anderes Interesse als dem einer gewissen Neugier +betrachtet. + +Wo ist nur diese innere Stimme, habe ich mich gefragt, die uns denen in die +Arme führt, die uns das Leben gegeben haben? Welch eine nutzlose Chimäre! +Unser Herz spricht aber nur für jene, die unser Glück und unsere +Zufriedenheit geschaffen haben. + +Der Schatten des Schmerzes, der auf mir lag, die Verzweiflung und +Zerrissenheit meines Herzens machten es mir unmöglich zu schlafen. +Schließlich wurde ich selbst schwer krank. Ich wollte sterben. Doch meine +Stunde war noch nicht gekommen, und meine Jugend fand Mittel und Wege, um +mich zu retten. Doch selbst als ich meine Kräfte wiedergewonnen hatte, fand +ich nur einen Gedanken: Den, mich lebendig zu begraben. Ich hatte alles +verloren. Das Leben war mir hassenswert geworden. So schien nun das Kloster +das einzige Ziel meines Verlangens. Ach, wie hatte ich jemals glauben +können, dort meine Leiden zu enden? + +Mein Schmerz wäre heute noch so stark wie je zuvor, wenn Du ihn nicht +gelindert hättest. Erlaube mir, meine schöne und zärtliche Freundin, daß +ich zu meiner eigenen Genugtuung vor Deinen Augen das Bild jener süßen +Augenblicke ausbreite, die ich bei Dir verbrachte und durch die Du einen +heilsamen Balsam in mein wundes Herz gegossen hast. Diese starke Erregung, +die man Sympathie nennt, dieses Interesse, das man am Unglück eines anderen +nimmt, dem man sich verwandt weiß, ließ Dich für mich fast vom ersten +Augenblick an Freundschaft empfinden. Du durchschautest den Zustand meines +Herzens, ohne die Gründe zu kennen. Du ließest meinen Tränen freien Lauf, +Du hast deine Zelle verlassen, um meinen Schmerz zu lindern. Deine Jugend, +Deine Grazie, Deine Reize und dein Geist verliehen Deinen Gesprächen +Gewicht. Du hast meinen Kummer und mein Bett geteilt. + +Wie erstaunt war ich über die Schätze, die Dein Nonnengewand und Dein +Schleier mir verbargen! Dieser Anblick rührte ein lebhaftes Gefühl, und +damit auch die Erinnerung an meine Leiden wieder auf. Du hast meine Tränen +fließen sehen, Du warst darüber erstaunt. Du wolltest die Ursache meines +Kummers kennen lernen und ein Geheimnis enthüllen, das ich vor aller Welt +verborgen sehen wollte. Ich reagierte kaum auf Deine Fragen, so sehr befand +ich mich in einem Zustand innerer Abgestumpftheit. Ohne die Empfindung des +Schmerzes, die mich ganz ausfüllte, wäre ich tot gewesen. Doch da empfing +ich die Zuneigung einer Freundin. Ich hatte nicht geglaubt, daß ich +überhaupt noch für ein menschliches Gefühl empfänglich sein würde. In +diesem Augenblick merkte ich wohl, wie sehr Lucette mir fehlte. Ich glaubte +nicht, daß jemals irgendjemand sie ersetzen könnte. Wie hätte ich annehmen +können, daß ich diese Freundin just unter der Maske finden würde, die Du +trägst? Doch Dein Charakter, Dein Temperament, Deine Seele offenbarten sich +mir bald in all ihren Reizen. Ich begann Dich zu beobachten, und diese +Beobachtungen fielen sehr zu Deinen Gunsten aus. Deine Freundschaft und +Dein Vertrauen weckten schließlich auch meine Gefühle für Dich. Dein +Geständnis ließ auch mich Dir gegenüber Offenheit üben, und so fand ich in +Deinen Armen den Trost, dessen ich so sehr bedurfte. + +Mit welcher Genugtuung erinnere ich mich an jene Nacht, da Du mir sagtest: +»Meine liebe Laurette, ich habe Grund zu vermuten, daß Du einen schweren +Kummer mit Dir herumträgst. Doch vielleicht kann ich Dir helfen, indem ich +Dir die Ursache des meinen enthülle. So habe ich vielleicht die Genugtuung, +Deinen Schmerz durch den meinen zu heilen.« + +Du dachtest mit Recht, daß ich, die ich das Geheimnis meines Herzens so +strikt zu bewahren vermochte, auch Deines so hüten würde. Und Du hast Dich +nicht getäuscht. Ich glaube Dich noch reden zu hören, als Du mir sagtest: +»Hör zu, mein Herz! ja, auch ich liebe, so zärtlich wie eine Frau nur zu +lieben vermag. Aber ach, ich habe das grausame Unglück, dem Leben einer +Nonne ausgeliefert zu sein. Diese honigsüßen, betrügerischen Beguinen haben +meine unerfahrene Jugend hier eingemauert und meine Hoffnungen in diesem +elenden Gefängnis begraben. Meine Unwissenheit ließ mich die ewigen +Gelöbnisse ablegen. Ach, seither foltern mich meine Begierden, deren Opfer +ich bin. In der Nacht flieht der Schlaf meine Augen, und während des Tages +ödet alles mich an. Meine Seele ist wie abgestorben. Urteile selbst über +meinen Zustand. Frei wie Du bist, kannst Du Dich wenigstens einem Liebhaber +überlassen, der Deine Reize zu schätzen wissen wird, die ich sehe und +berühre.« + +Deine Hand, die sich bei diesen Worten auf meine Brust gelegt hatte, ließ +mich zusammenschauern. »Ah, liebste Eugenie«, rief ich mit Leidenschaft, +»das ist ja der Grund meines Kummers. Ich habe einen Geliebten verloren, +den ich anbetete, und der Tod hat mich selbst verschont. O Himmel, warum +bin ich nicht statt seiner gestorben?« + +Aber da ist er . . . ja, er ist es, den ich halte . . . Ich reiße Dich in +meine Arme. Du hast mir eine süße Illusion gegeben. Doch ach, der Teil +Deiner Reize, den meine Hände erfassen, bringt mich zu mir selbst zurück. +Das, was Dir fehlt, zerstört das holde Phantom, das meine Phantasie sich +geschaffen hat. Dabei sollten Deine Reize meine Zunge doch zu wahren Elogen +anspornen. Deine Brüste, Deine Schenkel, Dein Haar, Deine Liebesgrotte, +alles bot sich meinen bewundernden Augen. Schließlich erlöste mich der +Anblick so vieler Vorzüge von meinem Schmerz. + +»Ah, welche Wonne für Dich und Deinen Liebhaber«, rief ich, »wenn er Dich +in seinen Armen hielte wie ich Dich jetzt halte.« + +Du möchtest etwas wissen, Du schwankst, Du versuchst mich zu fragen und +wagst es nicht. Schließlich nimmst Du Deinen Mut zusammen und fragst mich, +ob ich diese Vergnügen denn kenne und ob sie wirklich so groß seien, wie Du +gehört habest. Ich gestehe Dir das ein und zeichne Dir ein reizendes Bild +davon, das Dich entzückt, ohne Dich zu überzeugen. + +»Du mußt diese Wonnen kennen lernen«, rief ich. »Wie? Du bist siebzehn +Jahre alt und kennst sie nicht? Wenn Du willst, werde ich Dich wenigstens +einige davon kosten lassen.« + +Deine Neugier und Dein Verlangen, das meine Zärtlichkeiten in Dir erweckt +hatten, ließen Dich zustimmen. Der Eifer, Dich meinerseits zu trösten und +Dich von den Schatten Deiner Unwissenheit zu befreien, linderte meinen +Schmerz. Du warst für meine Lockungen bereit. Ich breitete Deine Schenkel +aus, ich liebkoste die Lippen Deiner kleinen Grotte, die wie frische Rosen +waren. Doch noch wagte ich meinen Finger nicht vordringen zu lassen. Du +warst noch nicht genügend eingeweiht, um in dem ersten flüchtigen Schmerz +eine Ahnung der Lust zu entdecken. Schließlich gewann ich den Preis der +Begierde, und Deine reizende kleine Klitoris, die ich liebkoste, brachte +Dich in eine leidenschaftliche Ekstase. + +Ah, ihr Götter! Welch wundersame Wonne! Augenblicklich hast du mich zu +Deinem Liebhaber gemacht. Du hast mich mit Küssen überhäuft. Deine Hände +irrten über meinen Körper. Gar zu gern wolltest Du mir denselben Dienst +erweisen, den ich Dir eben erwiesen hatte, aber mein Körper war noch zu +sehr vom Schmerz überschattet. So widerstand ich den Bemühungen Deiner +zärtlichen Hände. Doch nahm ich Dich in die Arme und wiederholte meine +Zärtlichkeiten. Es dauerte nicht lange, so warst Du wieder in jenem Zustand +der Erregung. Ich konnte Dich mühelos überreden. + +»Nun gut«, sagtest Du mir mit dieser reizenden Lebhaftigkeit, die ich so an +Dir schätze. »Mach mit mir, was Du willst.« + +Ich liebkoste Deine kleine Grotte aufs neue und ließ dann meinen Finger +behutsam eindringen, während ich Dich mit der anderen Hand kitzelte. Das +Vergnügen erschien Dir, da es mit einem süßen Schmerz vermischt war, noch +einmal so lebhaft. So bin ich also jene glückliche Sterbliche geworden, die +Deine Jungfernschaft, diese kostbare und seltene Blüte der Frauen, +gepflückt hat. + +Nachdem ich mit Dir so vertraut geworden war, zögerte ich nicht, Dir mein +Herz ganz zu öffnen, um Dich Schritt um Schritt auf jenem Weg der Wollust +weiterzuführen. Meine Hand war es, die dich von den Hemmnissen Deiner +Unwissenheit und den Vorurteilen eines Kindes befreite. Die Furcht vor +einer Schwangerschaft konnte Dir nichts mehr anhaben, ich habe Dich durch +meine Erfahrung belehrt. So verdankt mir Dein Liebhaber den ersten Schritt +zu seinem und Deinem Glück. + +»Aber ach«, klagtest Du mir, »all diese Dogmen, die man mir in meiner +Kindheit eingeimpft hat, die Gelöbnisse, die man mir diktierte, dieser +Schleier, den man mir aufgezwungen hat, alles widersetzt sich meinem +Glück.« Aber meine Liebe, meine Vorbereitungen und mein Beistand haben +diese Vorurteile abgeschwächt und alle Hindernisse beseitigt. + +Du verdankst mir den Frieden Deines Geistes und die Gesellschaft, derer Du +Dich erfreust: Vor allem aber verdankt mir Dein Liebhaber seinen Sieg. +Meine Freundschaft hat euch beiden gedient. Doch zuvor mußte ich mich +überzeugen, daß Valsay, der Deinem Herzen so teuer war, Deine Liebe auch +verdiente. Du weißt, daß diese Fürsorge nicht einem einzigen Tag +entsprungen ist. Eine kultivierte Frau mit Taktgefühl wird immer imstande +sein, das Herz eines Mannes zu durchdringen, trotz aller Täuschungsmanöver +und aller Doppelzüngigkeit, hinter denen er sich zu verbergen suchen mag. +Aber ich war mit Valsay zufrieden. Er gefiel mir gut genug, so daß ich es +wagte, alles auf mich zu nehmen, um Dein Verlangen nach ihm zu befriedigen. +Ohne meinen Beistand würden Deine Schwäche und Schüchternheit die +Hindernisse, die euch trennten, nie überwunden haben. Erinnere Dich an +jenen Tag, da Dein Geliebter Dich auf das leidenschaftlichste bedrängte, +ihn glücklich zu machen. Ich sekundierte ihm mit all meiner Kraft. Du hast +Dich verteidigt, während Du ihn doch begehrtest. Du hast ihm Gründe +entgegengesetzt, die Dir stark genug erschienen. Du hast ihm Hindernisse +vor Augen geführt, die in Deinen Augen unwiderstehlich waren. Ich hatte +Mitleid mit ihm. Ich sah das Feuer der Begierde in ihm und Dir glühen. Der +Augenblick erschien mir günstig, und so beschloß ich, zu Deinem Glück +beizutragen. + +»Nun gut«, sagte ich Dir, »ich werde alles überwinden. Valsay, man wird +Dich als undankbar tadeln, wenn Du meine Bemühungen nicht zu würdigen +weißt.« + +Ich schloß die Türen des Sprechzimmers auf unserer Seite, ohne auf Deine +Einwände zu achten. Dein Liebhaber tat auf seiner Seite dasselbe. Ich nahm +Dich in meine Arme und preßte Dich gegen das Gitter. Ich lüftete Deinen +Schleier. Er nahm Deine Brüste in die Hand, er küßte Dich und liebkoste +Deine Zunge mit der seinen, als Deine Lippen sich schließlich öffneten. +Doch sein leidenschaftlicher Durst nach Deiner Schönheit führte seine +Hände, die wie von selbst unter Deine Röcke glitten, um Deine verborgensten +Reize zu liebkosen. Ich preßte Dich gegen ihn, und auch ich küßte Dich. +Schließlich gelang es ihm, sich dieser liebenswürdigen kleinen Grotte zu +bemächtigen, die in all dem Glanz Deiner Jugendfrische erstrahlte. Seine +Zärtlichkeiten entfachten in Dir eine leidenschaftliche Begierde. Er +verwünschte dieses unerbittliche Gitter, das euch trennte und das sich +seiner Lust widersetzte. Ich war nahezu außer mir. + +»Wie«, sagte ich zu Deinem Liebhaber, »haben Sie so wenig Selbstvertrauen? +Ach, Valsay, dem, der liebt, ist alles möglich. Ich liebe meine teure +Eugenie viel mehr, als Sie es tun, und ich werde Ihnen beweisen, daß dieses +Gefühl mir alles ermöglicht. Nichts kann mich zurückhalten, sie zu +befriedigen. Denn wenn wir jetzt aufgeben, ist alles verloren.« + +Du hast Dich uns schließlich ergeben. Ich veranlaßte Dich, auf die Brüstung +des Gitters zu steigen und Deine Hände auf meine Schulter zu stützen. Ich +hielt Dich. Valsay schürzte Deine schwarzen Röcke, welche das blendende +Weiß Deiner Schenkel noch einmal so strahlend erscheinen ließen. Er +liebkoste und küßte sie und schenkte ihnen alle Aufmerksamkeit, die sie +verdienten. Deine kleine Grotte, die sich durch die Gitterstäbe so reizvoll +zur Schau stellte, bot ein bezauberndes Bild. Ich gab ihr unzählige Küsse, +doch weil sich Valsay beeilen mußte, wenn er sein Glück gewinnen wollte, +nahm er Dich schließlich, während ich, meine Hand zwischen Deinen +Schenkeln, Dich liebkoste. Das Vergnügen, dem wir uns überließen, überwand +schließlich Deine Bedenken. Du nimmst meine Brüste in die Hand, Du küßt +mich, Du verschlingst mich beinahe, es kommt Dir. Valsay hat die Klugheit, +sich zurückzuziehen. Seine Wollust verströmt zwischen meinen Fingern und +ergießt sich auf meine Hand wie die Lava eines Vulkans. Da kommt ihr beiden +wieder zu euch selbst zurück. Du beschaust und liebkost dieses Kleinod, das +ich Dir in so lebhaften Farben geschildert habe. + +Doch Du kannst Dich seiner ohne meine Hilfe nicht mehr bedienen. Deine +Augen sprechen von einer unterdrückten Leidenschaft. Du wagst nicht, mich +zu bitten, daß ich Deiner Leidenschaft noch einmal diene, aber ich errate +auch so, was Du begehrst. Schließlich bedrängst Du mich und beschwörst +mich, Dich nicht zu verlassen. Wie, grausame Freundin, Du willst, daß ich +Zeugin Deiner Wonnen und Deiner Seligkeit werde, während die meinen für +immer verloren sind? Doch die Freundschaft, die ich für Dich empfinde, +verweigert Dir nichts. Ich biete Dir aufs Neue meinen Beistand, und dieses +Anerbieten entzückt Dich. Du erstickst mich in Deinen Küssen. Ich erinnere +Dich in diesem Augenblick daran, daß Du Dich mit jenem gewissen heilsamen +Schwämmchen bewaffnest. Du läßt mich die Gottheit sehen, der Du so eifrig +dienst, mit der Du scherztest, die Du von Tag zu Tag mehr begehrst. Deine +Tollheiten nehmen immer mehr zu. Du hast ihm meine Brüste enthüllt und +alles, was ich sonst zu verbergen habe. Ich habe mich Deinen Neckereien +überlassen. In welchen Zustand der Erregung habt ihr beide mich versetzt! +Ich habe es Dir gestanden, und das treulose Mitleid hat mein Geheimnis +verraten. Du willst, daß ich mit Deinem Geliebten spiele, du gönnst ihm +meine Reize. Du bedrängst mich, seinen Wünschen zuzustimmen. Deine +Geständnisse, Deine Bitten und seine Begierden, deren unübersehbares +Zeugnis Du wieder und wieder in meine Hand gibst, sollen mich umstimmen. + +Ich widerstehe täglich. Deine Bitten, sein Flehen, selbst das Feuer in +meinen Adern kann mich nicht zu einem solchen Entschluß bringen. Nein, +meine teure Eugenie, nein. + +Vergeblich machst Du mir Vorwürfe über meine Gleichgültigkeit, wirfst mir +sogar vor, ihn zu hassen. Aber Valsay ist nicht imstande, die eine zu +durchdringen oder den anderen zu erwecken. Unsere Freundschaft allein +genügt mir. + +Nach dem übergroßen Verlust, den ich erlitten habe, werde ich niemals +wieder eine intime Liaison mit einem Mann eingehen, und nichts kann mich in +diesem Entschluß wankend machen. Du kannst davon überzeugt sein, daß weder +eure Lust noch die Zärtlichkeiten, die ihr euch erweist, auch nicht der +Anblick und die Berührung dessen, was Dir an ihm am liebenswürdigsten +erscheint, mich je dazu bringen werden, gegen diesen unerschütterlichen +Vorsatz zu verstoßen. Die Nacht, die ich zufrieden in Deinen Armen +verbringe, genügt mir völlig, um das Feuer zu löschen, das noch immer in +meinen Adern brennt. + +Einige widrige Umstände haben diese sanfte Ruhe, die ich durch Dich +wiedergefunden habe, gestört. Die Heirat meiner Cousine sowie die +Notwendigkeit, meine wirtschaftlichen Verhältnisse zu ordnen, haben meine +Abreise nötig gemacht. Wir haben uns also für einige Zeit trennen müssen. +Du hast mich beschworen, Dich nicht zu verlassen, und als Beweis meiner +aufrichtigen Zuneigung habe ich Dir versprochen, Dir in allen Einzelheiten +zu berichten, was ich Dir in kurzen Zügen schon eröffnet habe. Ah, welches +Opfer an Klugheit habe ich da gebracht! Aber Du kennst Deine Macht über +mich. Du weißt, wie sehr ich Dich liebe. Dir gehören heute alle +Empfindungen meines Herzens. Während sie unter anderen Umständen der Welt +und der Gesellschaft gehören würden, erntest nur Du allein sie. + +Nimm zur Versicherung dessen tausend Küsse, die ich Dir schicke. Sie werden +Dir sagen, wie sehr ich dem süßen Augenblick entgegenseufze, da ich Dich +wieder in meinen Armen halten werde. Ah, meine Liebste, warum ist dieser +Augenblick noch nicht gekommen? Ich hoffe wenigstens, daß er bald da sein +wird. Ich werde Dir ein Kleinod mitbringen, das jenem Valsays ganz ähnlich +ist, aber viel weniger Gefahren in sich birgt. Es ist zwar nicht ganz so +natürlich, doch sind seine Vorteile desto größer, und es ist ganz ohne +jedes Risiko. Wenn es Dir gefällt, wird unsere Freundschaft durch seinen +Gebrauch noch reizvoller werden. Und wenn Valsay sich eines Tages von Dir +trennen sollte, nun, meine liebste Freundin, so verzichte doch auf diese +gefährlichen Liebschaften, die eines Tages fatale Folgen haben könnten. +Begnüge Dich mit dem, was ich dir geben kann. Oh, meine Liebste, vergessen +wir alles, um einander umso inniger zu halten! + +Erwarte mich bald, ich will in Deine Arme. + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Der gelüftete Vorhang oder Lauras +Erziehung, by Honoré-Gabriel Riquetti Mirabeau + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 42406 *** |
