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--- a/41883-h/41883-h.htm
+++ b/41883-h/41883-h.htm
@@ -2,9 +2,9 @@
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<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
<head>
-<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" />
-<title>The Project Gutenberg eBook of Gesänge aus den drei Reichen, by Franz Werfel</title>
-<!-- TITLE="Gesänge aus den drei Reichen" -->
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+<title>The Project Gutenberg eBook of Gesänge aus den drei Reichen, by Franz Werfel</title>
+<!-- TITLE="Gesänge aus den drei Reichen" -->
<!-- AUTHOR="Franz Werfel" -->
<!-- LANGUAGE="de" -->
@@ -126,50 +126,16 @@ hr.hr10 { margin-left:45%; width:10%; }
</head>
<body>
-
-
-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Gesänge aus den drei Reichen, by Franz Werfel
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Gesänge aus den drei Reichen
- Ausgewählte Gedichte
-
-Author: Franz Werfel
-
-Release Date: January 20, 2013 [EBook #41883]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESÄNGE AUS DEN DREI REICHEN ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski
-
-
-
-
-
-</pre>
+<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 41883 ***</div>
<h1 style="line-height:1em; font-weight:normal; letter-spacing:0.1em; margin-bottom:1em;">
<span style="font-size:1em;">
-Gesänge<br />
+Gesänge<br />
aus den drei<br />
Reichen
</span>
<br />
-<span style="font-size:0.6em;">Ausgewählte Gedichte<br />
+<span style="font-size:0.6em;">Ausgewählte Gedichte<br />
von</span><br />
<span style="font-size:0.8em;">Franz Werfel</span>
</h1>
@@ -184,8 +150,8 @@ Leipzig
</p>
<p class="center" style="page-break-before:always; font-size:0.8em; margin-top:5em; margin-bottom:5em; margin-left:auto; margin-right:auto; max-width:27em; letter-spacing:0.1em;">
-Bücherei<br />
-Der jüngste Tag <br />
+Bücherei<br />
+Der jüngste Tag <br />
29./30. Band<br />
Zweite Auflage
</p>
@@ -212,37 +178,37 @@ An den Leser
<div class="poem">
<p class="line">Mein einziger Wunsch ist, Dir, o Mensch verwandt zu sein!</p>
<p class="line">Bist Du Neger, Akrobat, oder ruhst Du noch in tiefer Mutterhut,</p>
- <p class="line">Klingt Dein Mädchenlied über den Hof, lenkst Du Dein Floß im Abendschein,</p>
+ <p class="line">Klingt Dein Mädchenlied über den Hof, lenkst Du Dein Floß im Abendschein,</p>
<p class="line">Bist Du Soldat, oder Aviatiker voll Ausdauer und Mut.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Trugst Du als Kind auch ein Gewehr in grüner Armschlinge?</p>
- <p class="line">Wenn es losging, entflog ein angebundener Stöpsel dem Lauf.</p>
+ <p class="line">Trugst Du als Kind auch ein Gewehr in grüner Armschlinge?</p>
+ <p class="line">Wenn es losging, entflog ein angebundener Stöpsel dem Lauf.</p>
<p class="line">Mein Mensch, wenn ich Erinnerung singe,</p>
- <p class="line">Sei nicht hart, und löse Dich mit mir in Tränen auf!</p>
+ <p class="line">Sei nicht hart, und löse Dich mit mir in Tränen auf!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Denn ich habe alle Schicksale durchgemacht. Ich weiß</p>
- <p class="line">Das Gefühl von einsamen Harfenistinnen in Kurkapellen,</p>
- <p class="line">Das Gefühl von schüchternen Gouvernanten im fremden Familienkreis,</p>
- <p class="line">Das Gefühl von Debutanten, die sich zitternd vor den Souffleurkasten stellen.</p>
+ <p class="line">Denn ich habe alle Schicksale durchgemacht. Ich weiß</p>
+ <p class="line">Das Gefühl von einsamen Harfenistinnen in Kurkapellen,</p>
+ <p class="line">Das Gefühl von schüchternen Gouvernanten im fremden Familienkreis,</p>
+ <p class="line">Das Gefühl von Debutanten, die sich zitternd vor den Souffleurkasten stellen.</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-5" class="pagenum" title="5"></a>
<p class="line">Ich lebte im Walde, hatte ein Bahnhofsamt,</p>
- <p class="line">Saß gebeugt über Kassabücher, und bediente ungeduldige Gäste.</p>
- <p class="line">Als Heizer stand ich vor Kesseln, das Antlitz grell überflammt,</p>
- <p class="line">Und als Kuli aß ich Abfall und Küchenreste.</p>
+ <p class="line">Saß gebeugt über Kassabücher, und bediente ungeduldige Gäste.</p>
+ <p class="line">Als Heizer stand ich vor Kesseln, das Antlitz grell überflammt,</p>
+ <p class="line">Und als Kuli aß ich Abfall und Küchenreste.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">So gehöre ich Dir und Allen!</p>
+ <p class="line">So gehöre ich Dir und Allen!</p>
<p class="line">Wolle mir, bitte, nicht widerstehn!</p>
- <p class="line">O, könnte es einmal geschehn,</p>
- <p class="line">Daß wir uns, Bruder, in die Arme fallen!</p>
+ <p class="line">O, könnte es einmal geschehn,</p>
+ <p class="line">Daß wir uns, Bruder, in die Arme fallen!</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-1-2">
@@ -252,8 +218,8 @@ Kindersonntagsausflug
<div class="poem">
<p class="line">Vom Quai steigt eine Treppe zu Dampfschiff und Booten.</p>
<p class="line">Oh, Kindersonntagsausflug! Wie abenteuerlich kam mir das alles vor.</p>
- <p class="line">Strahlender Fluß, Frühlingshimmel, Regattakähne, Eisenbahnbrücke, Gerüste und Piloten,</p>
- <p class="line">Blauer Rauch in der Luft. Oh dünnes Gewebe, oh schwacher Flor!</p>
+ <p class="line">Strahlender Fluß, Frühlingshimmel, Regattakähne, Eisenbahnbrücke, Gerüste und Piloten,</p>
+ <p class="line">Blauer Rauch in der Luft. Oh dünnes Gewebe, oh schwacher Flor!</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -261,37 +227,37 @@ Kindersonntagsausflug
<a id="page-6" class="pagenum" title="6"></a>
<p class="line">Worte wie Backbord, zwei Glas, Wanten, Lee, Marssegel fielen mir ein.</p>
<p class="line">An einen kleinen Schiffsjungen dachte ich, an Matrosengesang und Ankerlichten,</p>
- <p class="line">An gieblige Hafenhäuser und Schenken, in denen betrunkene Holländer und Malayen schrein.</p>
+ <p class="line">An gieblige Hafenhäuser und Schenken, in denen betrunkene Holländer und Malayen schrein.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Auf schmalem Platz saß ich in meine ganz exotischen Phantasien eingefangen.</p>
- <p class="line">Meine Mama löste beim Kassier eine Kinderkarte für mich.</p>
- <p class="line">Ich seh noch, wie einige Nickelstücke wieder in ihr silbernes Täschchen sprangen,</p>
- <p class="line">Dann riß ein Mann an der Glocke &mdash; Die</p>
- <p class="line">Maschinen unter uns stampften und rührten sich.</p>
+ <p class="line">Auf schmalem Platz saß ich in meine ganz exotischen Phantasien eingefangen.</p>
+ <p class="line">Meine Mama löste beim Kassier eine Kinderkarte für mich.</p>
+ <p class="line">Ich seh noch, wie einige Nickelstücke wieder in ihr silbernes Täschchen sprangen,</p>
+ <p class="line">Dann riß ein Mann an der Glocke &mdash; Die</p>
+ <p class="line">Maschinen unter uns stampften und rührten sich.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Was ich alles auf dem rotweißen Dampfer erlebte: Wasserhosen, Zyklone,</p>
- <p class="line">Am Äquator riß uns Champagner, Heimweh und Sternnacht zu lautem Wahnsinn fort,</p>
- <p class="line">Am südlichen Wendekreis aber warf man ohne</p>
- <p class="line">Gebete und Tränen einen steinbeschwerten Leichnam über Bord. &mdash;</p>
+ <p class="line">Was ich alles auf dem rotweißen Dampfer erlebte: Wasserhosen, Zyklone,</p>
+ <p class="line">Am Äquator riß uns Champagner, Heimweh und Sternnacht zu lautem Wahnsinn fort,</p>
+ <p class="line">Am südlichen Wendekreis aber warf man ohne</p>
+ <p class="line">Gebete und Tränen einen steinbeschwerten Leichnam über Bord. &mdash;</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Oft sahn wir Land, Vulkane, weiß zugetürmte,</p>
- <p class="line">Insulaner schossen um unser Schiff und krächzten zu uns empor.</p>
+ <p class="line">Oft sahn wir Land, Vulkane, weiß zugetürmte,</p>
+ <p class="line">Insulaner schossen um unser Schiff und krächzten zu uns empor.</p>
<a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a>
- <p class="line">Und wenn das Meer glatt war, keine Wolke, kein Windvogel stürmte,</p>
- <p class="line">Warf man Geldstücke in die Tiefe, und Kinder tauchten danach und holten sie hervor.</p>
+ <p class="line">Und wenn das Meer glatt war, keine Wolke, kein Windvogel stürmte,</p>
+ <p class="line">Warf man Geldstücke in die Tiefe, und Kinder tauchten danach und holten sie hervor.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und als die Räder langsamer schlugen und wir zum Landungsplatz glitten,</p>
- <p class="line">Da erkannte kaum den einfachen Hügel mein Blick.</p>
+ <p class="line">Und als die Räder langsamer schlugen und wir zum Landungsplatz glitten,</p>
+ <p class="line">Da erkannte kaum den einfachen Hügel mein Blick.</p>
<p class="line">Ich ging ans Ufer mit kleinen, ganz unsicheren Schritten,</p>
- <p class="line">Und hörte wie im Traume vom Restaurationsgarten her die donnernde Militärmusik.</p>
+ <p class="line">Und hörte wie im Traume vom Restaurationsgarten her die donnernde Militärmusik.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-1-3">
@@ -311,36 +277,36 @@ Der dicke Mann im Spiegel
<p class="line">Zu jenes strengverschlossenen Kastens Totenort.</p>
<a id="page-8" class="pagenum" title="8"></a>
<p class="line2">Eben abgelegt,</p>
- <p class="line2">Hängt er unbewegt,</p>
- <p class="line">Klein und müde an der Türe dort.</p>
+ <p class="line2">Hängt er unbewegt,</p>
+ <p class="line">Klein und müde an der Türe dort.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und ward nicht in die Küche nachmittags geblickt,</p>
+ <p class="line">Und ward nicht in die Küche nachmittags geblickt,</p>
<p class="line">Kaffee roch winterlich und Uhr hat laut getickt,</p>
<p class="line2">Lieblich stand verwundert,</p>
<p class="line2">Der vorher getschundert</p>
- <p class="line">Übers Glatteis mit den Brüderchen geschickt.</p>
+ <p class="line">Übers Glatteis mit den Brüderchen geschickt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Auch hat die Frau mir heut wie immer Angst gemacht</p>
- <p class="line">Vor jenem Wächter Kakitz, der den Park bewacht.</p>
- <p class="line2">Oft zu schnöder Zeit,</p>
- <p class="line2">Hör im Traum ich weit</p>
- <p class="line">Diesen Teufel säbelschleppen in der Nacht.</p>
+ <p class="line">Vor jenem Wächter Kakitz, der den Park bewacht.</p>
+ <p class="line2">Oft zu schnöder Zeit,</p>
+ <p class="line2">Hör im Traum ich weit</p>
+ <p class="line">Diesen Teufel säbelschleppen in der Nacht.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Die treue Alte, warum kommt sie denn noch nicht?</p>
- <p class="line">Von Schlafesnähe allzuschwer ist mein Gesicht.</p>
- <p class="line2">Wenn sie doch schon käme</p>
- <p class="line2">Und es mit sich nähme,</p>
+ <p class="line">Von Schlafesnähe allzuschwer ist mein Gesicht.</p>
+ <p class="line2">Wenn sie doch schon käme</p>
+ <p class="line2">Und es mit sich nähme,</p>
<p class="line">Das dort oben leise singt, das Licht!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Ach abendlich besänftigt tönt kein stiller Schritt,</p>
+ <p class="line">Ach abendlich besänftigt tönt kein stiller Schritt,</p>
<p class="line">Und Babi dreht das Licht nicht aus und nimmt es mit.</p>
<p class="line2">Nur der dicke Mann</p>
<p class="line2">Schaut mich hilflos an,</p>
@@ -353,7 +319,7 @@ Im winterlichen Hospital
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Himmel wird sich bald entblättern,</p>
+ <p class="line">Himmel wird sich bald entblättern,</p>
<p class="line">Aber Licht ist noch genug.</p>
<p class="line">Ach, und kleine Stimmen, die ans Fenster klettern</p>
<p class="line">Von Winterwind ein Flug.</p>
@@ -361,42 +327,42 @@ Im winterlichen Hospital
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Draußen gibt es Blumen zu kaufen,</p>
- <p class="line">Da sind Kinder vorübergelaufen.</p>
- <p class="line">Doch der Hof tönt von behutsamen Schritten.</p>
- <p class="line">Die Erwachsenen haben zärtliche Sitten.&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Draußen gibt es Blumen zu kaufen,</p>
+ <p class="line">Da sind Kinder vorübergelaufen.</p>
+ <p class="line">Doch der Hof tönt von behutsamen Schritten.</p>
+ <p class="line">Die Erwachsenen haben zärtliche Sitten.&nbsp;.&nbsp;.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">O Verband, der erlöst! &mdash; Nicht regen, nicht rühren!</p>
- <p class="line">Doch kann ich noch spüren,</p>
- <p class="line">Wie Bewußtsein mit Ruderschlägen</p>
- <p class="line">Vom Lande stößt.</p>
+ <p class="line">O Verband, der erlöst! &mdash; Nicht regen, nicht rühren!</p>
+ <p class="line">Doch kann ich noch spüren,</p>
+ <p class="line">Wie Bewußtsein mit Ruderschlägen</p>
+ <p class="line">Vom Lande stößt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Vorbei &mdash; vorbei</p>
- <p class="line">An Wildnis und Fläche!</p>
- <p class="line">Dort stürzen Bäche,</p>
+ <p class="line">An Wildnis und Fläche!</p>
+ <p class="line">Dort stürzen Bäche,</p>
<p class="line">Schon atmet die Steppe,</p>
<p class="line">Die ewige frei.&nbsp;.&nbsp;.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Was tönt im Haus,</p>
- <p class="line">Gedämpft über die Treppe?</p>
+ <p class="line">Was tönt im Haus,</p>
+ <p class="line">Gedämpft über die Treppe?</p>
<p class="line">Ist die Besuchsstunde schon aus?</p>
<a id="page-10" class="pagenum" title="10"></a>
- <p class="line">Jetzt liegen die kranken Brüder da,</p>
+ <p class="line">Jetzt liegen die kranken Brüder da,</p>
<p class="line">Einen lieben Gegenstand in der Hand,</p>
<p class="line">Von Eau de Cologne ein frischer Flacon,</p>
<p class="line">Und, ach, ein neuer Engelhornband.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Ich will nicht klagen, daß niemand</p>
+ <p class="line">Ich will nicht klagen, daß niemand</p>
<p class="line">Im fremden Land</p>
- <p class="line">Meine Türe aufgetan</p>
+ <p class="line">Meine Türe aufgetan</p>
<p class="line">Freundlich mir zugewandt.</p>
</div>
@@ -409,7 +375,7 @@ Im winterlichen Hospital
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Nun hat es sich doch erfüllt!</p>
+ <p class="line">Nun hat es sich doch erfüllt!</p>
<p class="line">O Erinnerung! O Schlacht auf den katalaunischen Gefilden!</p>
<p class="line">O Geschichtsstunden, wo wir uns einbilden</p>
<p class="line">Erschlagene Krieger zu sein!</p>
@@ -419,14 +385,14 @@ Im winterlichen Hospital
<p class="line">Da kamst Du immer dem treuen,</p>
<p class="line">Dem Knaben Blumen zu streuen.</p>
<p class="line">So ist es wieder geschehn?</p>
- <p class="line">Schon stürzten die Speere und Schilde,</p>
+ <p class="line">Schon stürzten die Speere und Schilde,</p>
<a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a>
<p class="line">Nun darf auch mein armes Gefilde</p>
- <p class="line">In Abend und Tränen stehn.</p>
+ <p class="line">In Abend und Tränen stehn.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">&bdquo;Schwester, so spät ist es schon?&ldquo;</p>
+ <p class="line">&bdquo;Schwester, so spät ist es schon?&ldquo;</p>
<p class="line">&bdquo;Ja, ich bringe die Abendbouillon.&ldquo;</p>
</div>
@@ -439,7 +405,7 @@ Im winterlichen Hospital
<p class="line">Im Dunkeln, im Hellen,</p>
<p class="line">An niedrigen Feuern,</p>
<p class="line">Nach Abenteuern</p>
- <p class="line">Gelagerte Männer</p>
+ <p class="line">Gelagerte Männer</p>
<p class="line">Bereiten ein Mahl.</p>
</div>
@@ -448,33 +414,33 @@ Sterben im Walde
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Im Himmel, Grün, Wind und Baumdunkel verfangen,</p>
- <p class="line">Von Farren und Gräsern umwachsen Glieder und Wangen</p>
+ <p class="line">Im Himmel, Grün, Wind und Baumdunkel verfangen,</p>
+ <p class="line">Von Farren und Gräsern umwachsen Glieder und Wangen</p>
<p class="line">Bin ich im Walde melodisch zu Grunde gegangen.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Nun beginnt die süße Verwesung mich zu verzehren.</p>
- <p class="line">Ameisen und Raupen kriechen über meine Augen.</p>
+ <p class="line">Nun beginnt die süße Verwesung mich zu verzehren.</p>
+ <p class="line">Ameisen und Raupen kriechen über meine Augen.</p>
<a id="page-12" class="pagenum" title="12"></a>
<p class="line">Und kein Wimperzucken will ihnen wehren.</p>
<p class="line">Unten auf der Promenade spaziert ein internationales Publikum.</p>
<p class="line">Entfernter Klang von Sand, Damenkleidern und Kinderstimmen.</p>
- <p class="line">Ich weiß: Viele elegante Leute gehen da herum.</p>
+ <p class="line">Ich weiß: Viele elegante Leute gehen da herum.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Nadeln, Laub, Zweige und Tannenzapfen fallen auf mein Gesicht,</p>
- <p class="line">Und Fliegen, doch auch Bienen und Schmetterlinge verschmähen meine Lippen nicht.</p>
+ <p class="line">Und Fliegen, doch auch Bienen und Schmetterlinge verschmähen meine Lippen nicht.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Oh jetzt! Leise und dennoch mächtig angeschwellt,</p>
+ <p class="line">Oh jetzt! Leise und dennoch mächtig angeschwellt,</p>
<p class="line">Beginnt sich das unvergleichliche Rigolettoquartett auszubreiten.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und meine Seele fällt ein:</p>
+ <p class="line">Und meine Seele fällt ein:</p>
<p class="line2"><span class="em">Du bist auf der Welt!</span></p>
<p class="line">Und verteilt sich jauchzend nach allen Seiten.</p>
</div>
@@ -484,83 +450,83 @@ Das Malheur
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Als das Mädchen die Schüssel fallen ließ, blieben alle Gäste anfangs stumm,</p>
+ <p class="line">Als das Mädchen die Schüssel fallen ließ, blieben alle Gäste anfangs stumm,</p>
<p class="line">Nur die Hausfrau sagte etwas und drehte sich nicht um.</p>
<a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a>
- <p class="line">Das Mädchen aber stand regungslos, wie in unnatürlichen Schlaf gesenkt,</p>
+ <p class="line">Das Mädchen aber stand regungslos, wie in unnatürlichen Schlaf gesenkt,</p>
<p class="line">Krampfhaft die Arme zu einer rettenden Geste verrenkt.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Jedoch dem Mitleid der Gäste hatte sich scheues Erstaunen zugesellt.</p>
- <p class="line">Denn sie sahen plötzlich Eine mitten in ein Schicksal gestellt.</p>
+ <p class="line">Jedoch dem Mitleid der Gäste hatte sich scheues Erstaunen zugesellt.</p>
+ <p class="line">Denn sie sahen plötzlich Eine mitten in ein Schicksal gestellt.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Kamen schon die Stubenmädchen mit Tüchern und</p>
+ <p class="line">Kamen schon die Stubenmädchen mit Tüchern und</p>
<p class="line">Besen, der Diener und selbst der Herr vom Haus.</p>
- <p class="line">Sie aber ging ganz wunderschön von Kindheit und Heimweh hinaus.</p>
+ <p class="line">Sie aber ging ganz wunderschön von Kindheit und Heimweh hinaus.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">In der Küche setzte sie sich auf die Kohlenkiste, legte die Hände in den Schoß</p>
- <p class="line">Und weinte vielfach, in allen Lagen, nach aller Kunst, voll Genuß, laut und grenzenlos.</p>
+ <p class="line">In der Küche setzte sie sich auf die Kohlenkiste, legte die Hände in den Schoß</p>
+ <p class="line">Und weinte vielfach, in allen Lagen, nach aller Kunst, voll Genuß, laut und grenzenlos.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Als man dann spät und geräuschvoll Abschied nahm,</p>
+ <p class="line">Als man dann spät und geräuschvoll Abschied nahm,</p>
<p class="line">War sie es, die wie aus Ehrfurcht das reichste Trinkgeld bekam.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-1-7">
<a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a>
-Erzherzogin und Bürgermeister
+Erzherzogin und Bürgermeister
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Die Erzherzogin hatte eine wunderschöne, hohe und gerade Gestalt,</p>
- <p class="line">Aber ihr Gesicht, wie war das schon enttäuscht, schüchtern und alt.</p>
+ <p class="line">Die Erzherzogin hatte eine wunderschöne, hohe und gerade Gestalt,</p>
+ <p class="line">Aber ihr Gesicht, wie war das schon enttäuscht, schüchtern und alt.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und der dicke Herr, der sie mit wehmütiger Verbeugung empfing,</p>
- <p class="line">War so aufgeregt, daß ihm manche Träne in den Wimpern hing.</p>
+ <p class="line">Und der dicke Herr, der sie mit wehmütiger Verbeugung empfing,</p>
+ <p class="line">War so aufgeregt, daß ihm manche Träne in den Wimpern hing.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Die beiden schauten vorbei, und konnten einander nicht ins Auge sehn.</p>
- <p class="line">Nein! Als wären sie Kinder, die vor Erwachsenen stehn.</p>
+ <p class="line">Nein! Als wären sie Kinder, die vor Erwachsenen stehn.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Die hohe Frau sagte etwas auf, wie einen Geburtstagswunsch, so leise und verzagt.</p>
- <p class="line">Und er antwortete darauf, als würde er in der Schule Vokabeln gefragt.</p>
+ <p class="line">Und er antwortete darauf, als würde er in der Schule Vokabeln gefragt.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und während sie manches sprach, was dachte sie?</p>
- <p class="line">Gott, Gott, Gott! Wie gemütlich ist doch abends meine Bridgepartie.</p>
+ <p class="line">Und während sie manches sprach, was dachte sie?</p>
+ <p class="line">Gott, Gott, Gott! Wie gemütlich ist doch abends meine Bridgepartie.</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a>
- <p class="line">Und er dachte traurig und gebückt, daß er sogar einmal Hoheit zu sagen vergaß,</p>
- <p class="line">Wie schön sichs sommermittags in Hemdärmeln bei Tische saß.</p>
+ <p class="line">Und er dachte traurig und gebückt, daß er sogar einmal Hoheit zu sagen vergaß,</p>
+ <p class="line">Wie schön sichs sommermittags in Hemdärmeln bei Tische saß.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Da wußten sie, daß sie einander müßten quälen und erkannten ihr böses Los,</p>
- <p class="line">Und in diesen beiden Seelen wurde echte Demut groß.</p>
+ <p class="line">Da wußten sie, daß sie einander müßten quälen und erkannten ihr böses Los,</p>
+ <p class="line">Und in diesen beiden Seelen wurde echte Demut groß.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und als der Empfang zu Ende, sagte ich mir: Gott sei Dank,</p>
- <p class="line">Daß es zu keinem Skandal kam und das Paar nicht auf die Kniee sank,</p>
+ <p class="line">Daß es zu keinem Skandal kam und das Paar nicht auf die Kniee sank,</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Die Hände hob, abbittend Müh und Trübsal, die eins dem andern schuf,</p>
- <p class="line">Da doch Einanderfreudemachen schönster Menschenberuf.</p>
+ <p class="line">Die Hände hob, abbittend Müh und Trübsal, die eins dem andern schuf,</p>
+ <p class="line">Da doch Einanderfreudemachen schönster Menschenberuf.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-1-8">
@@ -568,8 +534,8 @@ Der Patriarch
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Die Hütte, Schiffsgebälk, Öllampen, Fisch- und Trangeruch.</p>
- <p class="line">O könnt&rsquo; ich hier &mdash; ein Patriarch &mdash; die atmende Gemeine lehren!</p>
+ <p class="line">Die Hütte, Schiffsgebälk, Öllampen, Fisch- und Trangeruch.</p>
+ <p class="line">O könnt&rsquo; ich hier &mdash; ein Patriarch &mdash; die atmende Gemeine lehren!</p>
<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a>
<p class="line">Die harten Greise, hohen Bursche, all die Dirne und die schweren</p>
<p class="line">Schwieligen Schiffspatrone, kauend Priem und Fluch.</p>
@@ -578,20 +544,20 @@ Der Patriarch
<div class="poem">
<p class="line">Woher und wann ich kam, o Bardenlied, doch mein Besuch</p>
<p class="line">Heilt Kranke, meine Stimme schallt, die Seenot abzuwehren.</p>
- <p class="line">Göttlich erglänzt mir Stirn und Bart. Das Volk wird beide ehren,</p>
+ <p class="line">Göttlich erglänzt mir Stirn und Bart. Das Volk wird beide ehren,</p>
<p class="line">In fernem Angedenken segnend Tat und Spruch.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und wenn ich einst auf meinem Steinsitz, wie in Sinnen stürbe,</p>
- <p class="line">Sie sollten mich begraben in der frostgeprüften Erde,</p>
- <p class="line">Wo über meinem Hügel Renntierherden weiden!</p>
+ <p class="line">Und wenn ich einst auf meinem Steinsitz, wie in Sinnen stürbe,</p>
+ <p class="line">Sie sollten mich begraben in der frostgeprüften Erde,</p>
+ <p class="line">Wo über meinem Hügel Renntierherden weiden!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Nicht Kinderlust, nicht Kräuter würden auf der Böschung mürbe,</p>
- <p class="line">Wehmütter pflückten hier Salbei, zu nahender Beschwerde,</p>
- <p class="line">Sich einen kräftig-heiligen Teetrank zu bereiten</p>
+ <p class="line">Nicht Kinderlust, nicht Kräuter würden auf der Böschung mürbe,</p>
+ <p class="line">Wehmütter pflückten hier Salbei, zu nahender Beschwerde,</p>
+ <p class="line">Sich einen kräftig-heiligen Teetrank zu bereiten</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-1-9">
@@ -602,52 +568,52 @@ Solo des zarten Lumpen
<div class="poem">
<p class="line">Nun wieder eine Nacht durchjohlt</p>
<p class="line">Ist rings der Stadtpark aufgewacht.</p>
- <p class="line">Allee, der Wasserfall, ein Vogelzwitschern ohne Mühe.</p>
- <p class="line">In der durchsichtigen Frühe.</p>
- <p class="line">Nach falschbekränzter Nacht</p>
+ <p class="line">Allee, der Wasserfall, ein Vogelzwitschern ohne Mühe.</p>
+ <p class="line">In der durchsichtigen Frühe.</p>
+ <p class="line">Nach falschbekränzter Nacht</p>
<p class="line">Hast Du mich eingeholt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Wie ich Dich gestern sah.&nbsp;.&nbsp;.</p>
- <p class="line">Bewegte Straße glitt</p>
- <p class="line">Dein Gang. Wer dürfte frevelnd sagen,</p>
- <p class="line">Daß unter Röcken und Jackett, so leicht getragen,</p>
+ <p class="line">Bewegte Straße glitt</p>
+ <p class="line">Dein Gang. Wer dürfte frevelnd sagen,</p>
+ <p class="line">Daß unter Röcken und Jackett, so leicht getragen,</p>
<p class="line">Sich mehr verbarg als Atemzug und Schritt,</p>
<p class="line">Du Schlanke fern und nah!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Gefühl, geheimer Sinn</p>
+ <p class="line">Gefühl, geheimer Sinn</p>
<p class="line">Und ein Gedanke kam.</p>
<p class="line">Elysisch aufgeregt blick ich zum leichten Himmel hin, zur leichten Erden.</p>
<p class="line">Heiraten wirst Du, Du wirst Mutter werden! &mdash;</p>
<p class="line">Warum zerschmilzt mich Scham?</p>
- <p class="line">Was reißt mich Wonne hin?</p>
+ <p class="line">Was reißt mich Wonne hin?</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Noch höher bist Du bald</p>
- <p class="line">Und weiter mir entrückt.</p>
+ <p class="line">Noch höher bist Du bald</p>
+ <p class="line">Und weiter mir entrückt.</p>
<a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a>
- <p class="line">Denn was vergöttlicht? Leiden! Du wirst leiden</p>
- <p class="line">Im Erker sitzen seh ich Dich verständig und bescheiden,</p>
- <p class="line">Von Schmerz und Glück bedrückt,</p>
+ <p class="line">Denn was vergöttlicht? Leiden! Du wirst leiden</p>
+ <p class="line">Im Erker sitzen seh ich Dich verständig und bescheiden,</p>
+ <p class="line">Von Schmerz und Glück bedrückt,</p>
<p class="line">Nun mildere Gestalt!</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">In die Natur und Pflicht</p>
- <p class="line">Wächst lieblich Du hinein.</p>
- <p class="line">Ich aber treibe mich herum in parfümierten Vestibülen,</p>
- <p class="line">In überheizten Zimmern schwelge ich auf Pfühlen;</p>
+ <p class="line">Wächst lieblich Du hinein.</p>
+ <p class="line">Ich aber treibe mich herum in parfümierten Vestibülen,</p>
+ <p class="line">In überheizten Zimmern schwelge ich auf Pfühlen;</p>
<p class="line">Du denkst an Dinge rein,</p>
<p class="line">An Windeln, Kindgewicht.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Drum soll es so geschehn!</p>
- <p class="line">Von Wolken lieb umdrängt,</p>
+ <p class="line">Von Wolken lieb umdrängt,</p>
<p class="line">Zieh mir vorbei in Wind und solchem Morgen oben!</p>
<p class="line">Ich will Dich bebend hochbeloben,</p>
<p class="line">Und Blick und Bart gesenkt</p>
@@ -655,26 +621,26 @@ Solo des zarten Lumpen
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-1-10">
-Der schöne strahlende Mensch
+Der schöne strahlende Mensch
</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Die Freunde, die mit mir sich unterhalten,</p>
- <p class="line">Sonst oft mißmutig, leuchten vor Vergnügen,</p>
- <p class="line">Lustwandeln sie in meinen schönen Zügen</p>
+ <p class="line">Sonst oft mißmutig, leuchten vor Vergnügen,</p>
+ <p class="line">Lustwandeln sie in meinen schönen Zügen</p>
<p class="line">Wohl Arm in Arm, veredelte Gestalten.</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a>
- <p class="line">Ach, mein Gesicht kann niemals Würde halten,</p>
- <p class="line">Und Ernst und Gleichmut will ihm nicht genügen,</p>
- <p class="line">Weil tausend Lächeln in erneuten Flügen</p>
+ <p class="line">Ach, mein Gesicht kann niemals Würde halten,</p>
+ <p class="line">Und Ernst und Gleichmut will ihm nicht genügen,</p>
+ <p class="line">Weil tausend Lächeln in erneuten Flügen</p>
<p class="line">Sich ewig seinem Himmelsbild entfalten.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Ich bin ein Korso auf besonnten Plätzen,</p>
+ <p class="line">Ich bin ein Korso auf besonnten Plätzen,</p>
<p class="line">Ein Sommerfest mit Frauen und Bazaren,</p>
<p class="line">Mein Auge bricht von allzuviel Erhelltsein.</p>
</div>
@@ -682,7 +648,7 @@ Der schöne strahlende Mensch
<div class="poem">
<p class="line">Ich will mich auf den Rasen niedersetzen</p>
<p class="line">Und mit der Erde in den Abend fahren.</p>
- <p class="line">Oh Erde, Abend, Glück, oh auf der Welt sein!!</p>
+ <p class="line">Oh Erde, Abend, Glück, oh auf der Welt sein!!</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-1-11">
@@ -691,17 +657,17 @@ Wanderlied
<div class="poem">
<p class="line">Glaubst Du, Deine Schritte sind vergangen,</p>
- <p class="line">Die einst kies- und straßenüber klangen?</p>
+ <p class="line">Die einst kies- und straßenüber klangen?</p>
<p class="line">Deine schwergesenkten, Deine leichtgelenkten,</p>
- <p class="line">Deine volksvermengten, Deine kindgedrängten,</p>
+ <p class="line">Deine volksvermengten, Deine kindgedrängten,</p>
<p class="line">Deine Schritte laufen oder schleppen</p>
- <p class="line">Ewig weiter über Weg und Treppen.</p>
+ <p class="line">Ewig weiter über Weg und Treppen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Glaubst Du, Deine Worte sind verloren,</p>
- <p class="line">Die Dein wallendes Gemüt geboren?</p>
- <p class="line">Hangend in den Häusern, unter Toren,</p>
+ <p class="line">Die Dein wallendes Gemüt geboren?</p>
+ <p class="line">Hangend in den Häusern, unter Toren,</p>
<p class="line">Sinken sie in vorbestimmte Ohren,</p>
<a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a>
<p class="line">Bilden sich zu wunderlicher Stunde,</p>
@@ -709,12 +675,12 @@ Wanderlied
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Glaubst Du, Sohn, Du könntest Dein sie heißen,</p>
+ <p class="line">Glaubst Du, Sohn, Du könntest Dein sie heißen,</p>
<p class="line">Schritt und Worte, die ins Weite reisen?</p>
- <p class="line">Oder wähnst Du, daß der graue, alte</p>
+ <p class="line">Oder wähnst Du, daß der graue, alte</p>
<p class="line">Ahnherr diese sprach und jene wallte?</p>
<p class="line">Und ist gar aus diesem Lied zu lesen,</p>
- <p class="line">Daß Du selbst der Bärtige gewesen?</p>
+ <p class="line">Daß Du selbst der Bärtige gewesen?</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-1-12">
@@ -724,40 +690,40 @@ Der kriegerische Weltfreund
<div class="poem">
<p class="line">Schon bin ich voll und klar,</p>
<p class="line">Dem noch so arg zu Mut.</p>
- <p class="line">Der bös und bitter war</p>
+ <p class="line">Der bös und bitter war</p>
<p class="line">Nun ist er gut.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Bosheit, die mich zerwirrt,</p>
- <p class="line">Rache und falscher Stoß,</p>
- <p class="line">Ach, meine Güte wird</p>
- <p class="line">An ihnen groß!</p>
+ <p class="line">Rache und falscher Stoß,</p>
+ <p class="line">Ach, meine Güte wird</p>
+ <p class="line">An ihnen groß!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Schäumst Du noch, dunkles Blut,</p>
+ <p class="line">Schäumst Du noch, dunkles Blut,</p>
<p class="line">Wenn Hohn sich feig vermummt,</p>
- <p class="line">Sternaufgebäumte Wut,</p>
+ <p class="line">Sternaufgebäumte Wut,</p>
<p class="line">Bist Du verstummt?</p>
<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a>
- <p class="line">Der sich zu Boden schmiß,</p>
+ <p class="line">Der sich zu Boden schmiß,</p>
<p class="line">Keuchend und krankgehetzt,</p>
- <p class="line">Nachts in die Pölster biß</p>
- <p class="line">Wie tönt er jetzt?</p>
+ <p class="line">Nachts in die Pölster biß</p>
+ <p class="line">Wie tönt er jetzt?</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Bosheit und feigen Hohn,</p>
- <p class="line">Alles, was falsch mich haßt,</p>
+ <p class="line">Alles, was falsch mich haßt,</p>
<p class="line">&mdash; O wie stark bin ich schon &mdash;</p>
<p class="line">Lad ich zu Gast</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Dämonen in Erz und Stahl</p>
+ <p class="line">Dämonen in Erz und Stahl</p>
<p class="line">Wandeln sich, werden rein,</p>
- <p class="line">Stürze mit einem Mal</p>
+ <p class="line">Stürze mit einem Mal</p>
<p class="line">In mich herein.</p>
</div>
@@ -787,37 +753,37 @@ Ich habe eine gute Tat getan
<div class="poem">
<p class="line">Tausend gute Taten will ich tun!</p>
- <p class="line">Ich fühle schon,</p>
+ <p class="line">Ich fühle schon,</p>
<p class="line">Wie mich alles liebt,</p>
<p class="line">Weil ich alles liebe!</p>
- <p class="line">Hinström ich voll Erkenntniswonne!</p>
- <p class="line">Du mein letztes, süßestes,</p>
- <p class="line">Klarstes, reinstes, schlichtestes Gefühl!</p>
+ <p class="line">Hinström ich voll Erkenntniswonne!</p>
+ <p class="line">Du mein letztes, süßestes,</p>
+ <p class="line">Klarstes, reinstes, schlichtestes Gefühl!</p>
<p class="line"><span class="em">Wohlwollen!</span></p>
<p class="line">Tausend gute Taten will ich tun.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Schönste Befriedigung</p>
+ <p class="line">Schönste Befriedigung</p>
<p class="line">Wird mir zu Teil:</p>
<p class="line">Dankbarkeit!</p>
<p class="line">Dankbarkeit der Welt.</p>
- <p class="line">Stille Gegenstände</p>
+ <p class="line">Stille Gegenstände</p>
<p class="line">Werfen sich mir in die Arme.</p>
- <p class="line">Stille Gegenstände,</p>
- <p class="line">Die ich in einer erfüllten Stunde</p>
+ <p class="line">Stille Gegenstände,</p>
+ <p class="line">Die ich in einer erfüllten Stunde</p>
<p class="line">Wie brave Tiere streichelte.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Mein Schreibtisch knarrt,</p>
- <p class="line">Ich weiß, er will mich umarmen.</p>
+ <p class="line">Ich weiß, er will mich umarmen.</p>
<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a>
- <p class="line">Das Klavier versucht mein Lieblingsstück zu tönen,</p>
+ <p class="line">Das Klavier versucht mein Lieblingsstück zu tönen,</p>
<p class="line">Geheimnisvoll und ungeschickt</p>
<p class="line">Klingen alle Saiten zusammen.</p>
<p class="line">Das Buch, das ich lese</p>
- <p class="line">Blättert selbst sich auf.</p>
+ <p class="line">Blättert selbst sich auf.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -826,19 +792,19 @@ Ich habe eine gute Tat getan
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Einst will ich durch die grüne Natur wandern,</p>
- <p class="line">Da werden mich die Bäume</p>
+ <p class="line">Einst will ich durch die grüne Natur wandern,</p>
+ <p class="line">Da werden mich die Bäume</p>
<p class="line">Und Schlingpflanzen verfolgen,</p>
- <p class="line">Die Kräuter und Blumen</p>
+ <p class="line">Die Kräuter und Blumen</p>
<p class="line">Holen mich ein,</p>
<p class="line">Tastende Wurzeln umfassen mich schon,</p>
- <p class="line">Zärtliche Zweige</p>
+ <p class="line">Zärtliche Zweige</p>
<p class="line">Binden mich fest,</p>
- <p class="line">Blätter überrieseln mich,</p>
- <p class="line">Sanft wie ein dünner,</p>
- <p class="line">Schütterer Wassersturz.</p>
- <p class="line">Viele Hände greifen nach mir,</p>
- <p class="line">Viele grüne Hände</p>
+ <p class="line">Blätter überrieseln mich,</p>
+ <p class="line">Sanft wie ein dünner,</p>
+ <p class="line">Schütterer Wassersturz.</p>
+ <p class="line">Viele Hände greifen nach mir,</p>
+ <p class="line">Viele grüne Hände</p>
<p class="line">Ganz umnistet</p>
<p class="line">Von Liebe und Lieblichkeit</p>
<p class="line">Steh ich gefangen.</p>
@@ -872,27 +838,27 @@ Die Unverlassene<br />
<p class="line">Du bist von Ferne aufgewacht,</p>
<p class="line">Und neben Dir ist Schnarchen schwer.</p>
<p class="line">Und ach vom Gitterbettchen her</p>
- <p class="line">Ein Weinen klein und unbewußt.</p>
- <p class="line">Da schlägst Du Deine Decke um,</p>
- <p class="line">Nimmst ohne Glück und stumm</p>
+ <p class="line">Ein Weinen klein und unbewußt.</p>
+ <p class="line">Da schlägst Du Deine Decke um,</p>
+ <p class="line">Nimmst ohne Glück und stumm</p>
<p class="line">Das Kind an Deine Brust.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Wenn mühsam Tag sich näher drängt</p>
- <p class="line">Und Dich in Erdenlos verfängt,</p>
- <p class="line">Wird Schoß und Lippe wissensschwer,</p>
- <p class="line">Und kennt Dein Fuß kein Schweben mehr,</p>
- <p class="line">Wächst Dir ums Aug&rsquo; der dunkle Strich,</p>
+ <p class="line">Wenn mühsam Tag sich näher drängt</p>
+ <p class="line">Und Dich in Erdenlos verfängt,</p>
+ <p class="line">Wird Schoß und Lippe wissensschwer,</p>
+ <p class="line">Und kennt Dein Fuß kein Schweben mehr,</p>
+ <p class="line">Wächst Dir ums Aug&rsquo; der dunkle Strich,</p>
<p class="line">Gedenke und erinnere Dich,</p>
- <p class="line">Daß jener Bot&rsquo; aus besserer Welt</p>
- <p class="line">Dich seltsam in der Seele hält!</p>
+ <p class="line">Daß jener Bot&rsquo; aus besserer Welt</p>
+ <p class="line">Dich seltsam in der Seele hält!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Weißt Du, weißt Du den Abendgang,</p>
+ <p class="line">Weißt Du, weißt Du den Abendgang,</p>
<p class="line">Wo noch Dein Wesen glitt und sprang?</p>
- <p class="line">Wer fühlte einst im Elternhaus,</p>
+ <p class="line">Wer fühlte einst im Elternhaus,</p>
<p class="line">Wer Dich in Ewigkeit voraus?</p>
<p class="line">Wenn Du Dich einsam meinst,</p>
<p class="line">Wer kannte schon den Schmerzenston,</p>
@@ -902,21 +868,21 @@ Die Unverlassene<br />
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-2-2">
-Als mich Dein Wandeln an den Tod verzückte
+Als mich Dein Wandeln an den Tod verzückte
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Als mich Dein Dasein tränenwärts entrückte</p>
- <p class="line">Und ich durch Dich ins Unermeßne schwärmte,</p>
- <p class="line">Erlebten diesen Tag nicht Abgehärmte,</p>
- <p class="line">Mühselig Millionen Unterdrückte?</p>
+ <p class="line">Als mich Dein Dasein tränenwärts entrückte</p>
+ <p class="line">Und ich durch Dich ins Unermeßne schwärmte,</p>
+ <p class="line">Erlebten diesen Tag nicht Abgehärmte,</p>
+ <p class="line">Mühselig Millionen Unterdrückte?</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Als mich Dein Wandeln an den Tod verzückte,</p>
- <p class="line">War Arbeit um uns und die Erde wärmte.</p>
- <p class="line">Und Leere gab es, gottlos Unerwärmte,</p>
- <p class="line">Es lebten und es starben Niebeglückte!</p>
+ <p class="line">Als mich Dein Wandeln an den Tod verzückte,</p>
+ <p class="line">War Arbeit um uns und die Erde wärmte.</p>
+ <p class="line">Und Leere gab es, gottlos Unerwärmte,</p>
+ <p class="line">Es lebten und es starben Niebeglückte!</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -926,9 +892,9 @@ Als mich Dein Wandeln an den Tod verzückte
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Ihr Keuchenden auf Straßen und auf Flüssen!!</p>
+ <p class="line">Ihr Keuchenden auf Straßen und auf Flüssen!!</p>
<p class="line">Gibt es ein Gleichgewicht in Welt und Leben,</p>
- <p class="line">Wie werd&rsquo; ich diese Schuld bezahlen müssen!?</p>
+ <p class="line">Wie werd&rsquo; ich diese Schuld bezahlen müssen!?</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-2-3">
@@ -938,25 +904,25 @@ Vater und Sohn
<div class="poem">
<p class="line">Wie wir einst im grenzenlosen Lieben</p>
- <p class="line">Späße der Unendlichkeit getrieben</p>
+ <p class="line">Späße der Unendlichkeit getrieben</p>
<p class="line">Zu der Seligen Lust &mdash;</p>
- <p class="line">Uranos erschloß des Busens Bläue,</p>
+ <p class="line">Uranos erschloß des Busens Bläue,</p>
<p class="line">Und vereint in lustiger Kindertreue</p>
<p class="line">Schaukelten wir da durch seine Brust.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Aber weh! der Äther ging verloren,</p>
- <p class="line">Welt erbraust und Körper ward geboren,</p>
+ <p class="line">Aber weh! der Äther ging verloren,</p>
+ <p class="line">Welt erbraust und Körper ward geboren,</p>
<p class="line">Nun sind wir entzweit.</p>
- <p class="line">Düster von erbosten Mittagsmählern</p>
- <p class="line">Treffen sich die Blicke stählern,</p>
+ <p class="line">Düster von erbosten Mittagsmählern</p>
+ <p class="line">Treffen sich die Blicke stählern,</p>
<p class="line">Feindlich und bereit.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und in seinem schwarzen Mantelschwunge</p>
- <p class="line">Trägt der Alte wie der Junge</p>
+ <p class="line">Trägt der Alte wie der Junge</p>
<p class="line">Eisen hassenswert.</p>
<p class="line">Die sie reden, Worte, sind von kalter</p>
<p class="line">Feindschaft der geschiedenen Lebensalter,</p>
@@ -964,13 +930,13 @@ Vater und Sohn
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und der Sohn harrt, daß der Alte sterbe</p>
- <p class="line">Und der Greis verhöhnt mich jauchzend: Erbe!</p>
+ <p class="line">Und der Sohn harrt, daß der Alte sterbe</p>
+ <p class="line">Und der Greis verhöhnt mich jauchzend: Erbe!</p>
<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a>
- <p class="line">Daß der Orkus widerhallt.</p>
- <p class="line">Und schon klirrt in unseren wilden Händen</p>
+ <p class="line">Daß der Orkus widerhallt.</p>
+ <p class="line">Und schon klirrt in unseren wilden Händen</p>
<p class="line">Jener Waffen &mdash; kaum noch abzuwenden &mdash;</p>
- <p class="line">Höllische Gewalt.</p>
+ <p class="line">Höllische Gewalt.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -978,17 +944,17 @@ Vater und Sohn
<p class="line">An des Tisches hauserhabenem Frieden,</p>
<p class="line">Wo das Wirre schweigt,</p>
<p class="line">Wo wirs nicht verwehren trauten Mutes,</p>
- <p class="line">Daß, gedrängt von Wallung gleichen Blutes,</p>
- <p class="line">Träne auf- und niedersteigt.</p>
+ <p class="line">Daß, gedrängt von Wallung gleichen Blutes,</p>
+ <p class="line">Träne auf- und niedersteigt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Wie wir einst in grenzenlosem Lieben.</p>
- <p class="line">Späße der Unendlichkeit getrieben,</p>
+ <p class="line">Späße der Unendlichkeit getrieben,</p>
<p class="line">Ahnen wir im Traum.</p>
<p class="line">Und die leichte Hand zuckt nach der greisen</p>
<p class="line">Und in einer wunderbaren, leisen</p>
- <p class="line">Rührung stürzt der Raum.</p>
+ <p class="line">Rührung stürzt der Raum.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-2-4">
@@ -1004,59 +970,59 @@ Die Witwe am Bette ihres Sohnes
<div class="poem">
<a id="page-30" class="pagenum" title="30"></a>
- <p class="line">Daß Du mich gestern verstießest,</p>
+ <p class="line">Daß Du mich gestern verstießest,</p>
<p class="line">Hat nimmer Dich bitter gemacht.</p>
- <p class="line">Daß Du mich alleine ließest</p>
- <p class="line">Die ängstliche Mitternacht.</p>
+ <p class="line">Daß Du mich alleine ließest</p>
+ <p class="line">Die ängstliche Mitternacht.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und doch. Ich will Dich bewegen</p>
- <p class="line">Zu Leben und nächtlichem Mut.</p>
- <p class="line">Dein mächtiges Treiben und Regen</p>
- <p class="line">Durchläuft meinen Schatten mit Blut.</p>
+ <p class="line">Zu Leben und nächtlichem Mut.</p>
+ <p class="line">Dein mächtiges Treiben und Regen</p>
+ <p class="line">Durchläuft meinen Schatten mit Blut.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">O Sohn! Dein Zechen und Speisen</p>
- <p class="line">Nährt Deine Mutter, ich weiß.</p>
- <p class="line">Dein Lärmen und Becherkreisen</p>
+ <p class="line">Nährt Deine Mutter, ich weiß.</p>
+ <p class="line">Dein Lärmen und Becherkreisen</p>
<p class="line">Bewegt meinen Lebenskreis.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und wenn ich sitze und sticke,</p>
- <p class="line">Dies Leben ist in Dich entrückt,</p>
+ <p class="line">Dies Leben ist in Dich entrückt,</p>
<p class="line">Aus meinem vergehenden Blicke</p>
- <p class="line">In Deine Augen gezückt.</p>
+ <p class="line">In Deine Augen gezückt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Wie ich Dich bebend getragen</p>
- <p class="line">Im heilig erkannten Schoß,</p>
+ <p class="line">Im heilig erkannten Schoß,</p>
<p class="line">Du wuchsest an bildenden Tagen</p>
- <p class="line">Und schmerztest und wurdest groß.</p>
+ <p class="line">Und schmerztest und wurdest groß.</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a>
- <p class="line">Und wie Du aus mir gemündet,</p>
+ <p class="line">Und wie Du aus mir gemündet,</p>
<p class="line">In Himmel und Welt und Haus,</p>
- <p class="line">Und wie Du in mir Dich entzündet,</p>
- <p class="line">So lösche ich in Dir aus.</p>
+ <p class="line">Und wie Du in mir Dich entzündet,</p>
+ <p class="line">So lösche ich in Dir aus.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Mein Leben ist ein Sichergießen</p>
+ <p class="line">Mein Leben ist ein Sichergießen</p>
<p class="line">In Dein gerundetes Licht,</p>
- <p class="line">Im leidenden Überfließen</p>
- <p class="line">Erfüll ich die weltliche Pflicht.</p>
+ <p class="line">Im leidenden Überfließen</p>
+ <p class="line">Erfüll ich die weltliche Pflicht.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Bald bin ich nichts als Dein Lachen</p>
<p class="line">Nichts als Deines Mundes Gebot.</p>
- <p class="line">Laß mich Deinen Schlaf bewachen,</p>
+ <p class="line">Laß mich Deinen Schlaf bewachen,</p>
<p class="line">Mein Kind, mein Dasein, mein Tod.</p>
</div>
@@ -1066,7 +1032,7 @@ Balance der Welt
<div class="poem">
<p class="line">Ich klag&rsquo; und klage: Harte Welt!</p>
- <p class="line">Doch fühl&rsquo; ich, wie&rsquo;s mich auch umstellt,</p>
+ <p class="line">Doch fühl&rsquo; ich, wie&rsquo;s mich auch umstellt,</p>
<p class="line">Wie mir hier alles harte Welt,</p>
<p class="line">So bin ich allem harte Welt!</p>
</div>
@@ -1075,12 +1041,12 @@ Balance der Welt
<p class="line">Ja, Schuld ist das gewaltige Wort.</p>
<p class="line">Es dreht die alten Globen fort.</p>
<p class="line">Und eh&rsquo; noch unsre Zeit beginnt,</p>
- <p class="line">Werden wir schuldig, daß wir sind!</p>
+ <p class="line">Werden wir schuldig, daß wir sind!</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a>
- <p class="line">Daß mich, o Freund, Dein Mordstoß traf,</p>
+ <p class="line">Daß mich, o Freund, Dein Mordstoß traf,</p>
<p class="line">Zerbrach ich meiner Mutter Schlaf,</p>
<p class="line">Fluchte der Vater seinem Sohn.</p>
<p class="line">Du Weltgesandter bringst den Lohn.</p>
@@ -1100,24 +1066,24 @@ Der Feind
<div class="poem">
<p class="line">Mein Feind, dem ich entgegenspeie,</p>
<p class="line">In meiner Brust versammelnd kleine Schreie</p>
- <p class="line">Und in den Händen ohne Mut</p>
- <p class="line">Zerkrampfte Ohnmacht, halberlöschte Wut,</p>
+ <p class="line">Und in den Händen ohne Mut</p>
+ <p class="line">Zerkrampfte Ohnmacht, halberlöschte Wut,</p>
<p class="line">Mein Feind, Du trittst auf einen Pflasterstein!</p>
- <p class="line">Und da aus Deinem Auge fällt der Abendschein,</p>
- <p class="line">Der niedertropft in bläulich süßen Flammen.</p>
+ <p class="line">Und da aus Deinem Auge fällt der Abendschein,</p>
+ <p class="line">Der niedertropft in bläulich süßen Flammen.</p>
<p class="line">Und weinend, unter Schwalben, ungeheuer sinke ich zusammen.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">In mir steht der Erzengel groß,</p>
- <p class="line">Versöhnung bricht unendlich los.</p>
- <p class="line">Daß wir uns schlugen und zerrissen,</p>
+ <p class="line">In mir steht der Erzengel groß,</p>
+ <p class="line">Versöhnung bricht unendlich los.</p>
+ <p class="line">Daß wir uns schlugen und zerrissen,</p>
<p class="line">Mit dumpfem Witz und List beschmissen,</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-33" class="pagenum" title="33"></a>
- <p class="line">Daß wir dies trugen, jetzt erst kann ich&rsquo;s fassen,</p>
+ <p class="line">Daß wir dies trugen, jetzt erst kann ich&rsquo;s fassen,</p>
<p class="line">Dies Meucheln, dieses Auf-sich-tanzen-lassen.</p>
<p class="line">Dies schlechte Leiden, alter Rache Trick,</p>
<p class="line">Die Passion zu <span class="em">diesem</span> Augenblick!</p>
@@ -1126,8 +1092,8 @@ Der Feind
<div class="poem">
<p class="line">Nun braust der Himmel als Posaunenmeer,</p>
<p class="line">Triumphtrompeten schnellen drunterher.</p>
- <p class="line">Aus mir stürzt Liebe, Lieb&rsquo;, Weltsinn, der dunkel lag.</p>
- <p class="line">Und golden durch mich donnert jüngster Tag!</p>
+ <p class="line">Aus mir stürzt Liebe, Lieb&rsquo;, Weltsinn, der dunkel lag.</p>
+ <p class="line">Und golden durch mich donnert jüngster Tag!</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-2-7">
@@ -1136,19 +1102,19 @@ Eine alte Frau geht
<div class="poem">
<p class="line">Eine alte Frau geht wie ein runder Turm</p>
- <p class="line">Durch die alte Hauptallee im Blättersturm.</p>
+ <p class="line">Durch die alte Hauptallee im Blättersturm.</p>
<p class="line">Schwindet schon, indem sie keucht,</p>
<p class="line">Wo um Ecken schwarze Nebel wehen.</p>
<p class="line">Wird nun bald in einem Torgang stehen.</p>
- <p class="line">Laute Stufen langsam aufwärts gehen,</p>
- <p class="line">Die vom trägen Treppenlichte feucht.</p>
+ <p class="line">Laute Stufen langsam aufwärts gehen,</p>
+ <p class="line">Die vom trägen Treppenlichte feucht.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Niemand hilft, wie sie ins Zimmer tritt,</p>
<p class="line">Ihr beim Ausziehn ihrer Jacke mit.</p>
- <p class="line">Ach, sie zittert bald an Händ&rsquo; und Bein&rsquo;.</p>
- <p class="line">Schickt sich an mit schwerem Flügelschlagen</p>
+ <p class="line">Ach, sie zittert bald an Händ&rsquo; und Bein&rsquo;.</p>
+ <p class="line">Schickt sich an mit schwerem Flügelschlagen</p>
<p class="line">Aufgehobene Kost von alten Tagen</p>
<a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a>
<p class="line">Auf des Kochherds armes Rot zu tragen.</p>
@@ -1156,12 +1122,12 @@ Eine alte Frau geht
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und sie weiß nicht, wie sie kaut,</p>
- <p class="line">Daß in ihr sich Söhne aufgebaut.</p>
+ <p class="line">Und sie weiß nicht, wie sie kaut,</p>
+ <p class="line">Daß in ihr sich Söhne aufgebaut.</p>
<p class="line">(Nun, sie freut sich ihrer Abendschuh&rsquo;)</p>
<p class="line">Was aus ihr kam, steht in andern Toren,</p>
- <p class="line">Sie vergaß den Schrei, wenn sie geboren,</p>
- <p class="line">Manchmal nur im Straßendrang verloren,</p>
+ <p class="line">Sie vergaß den Schrei, wenn sie geboren,</p>
+ <p class="line">Manchmal nur im Straßendrang verloren,</p>
<p class="line">Nickt ein Mann ihr freundlich &bdquo;Mutter&ldquo; zu.</p>
</div>
@@ -1169,17 +1135,17 @@ Eine alte Frau geht
<p class="line">Aber Mensch, gedenke Du in ihr,</p>
<p class="line">Ungeheuer auf der Welt sind wir,</p>
<p class="line">Da wir brachen in die Zeiten ein.</p>
- <p class="line">Wie wir in dem Unbekannten hängen,</p>
- <p class="line">Wallen Schatten mit gewaltigen Fängen</p>
- <p class="line">Die ins letzte uns zusammendrängen.</p>
+ <p class="line">Wie wir in dem Unbekannten hängen,</p>
+ <p class="line">Wallen Schatten mit gewaltigen Fängen</p>
+ <p class="line">Die ins letzte uns zusammendrängen.</p>
<p class="line">Diese Welt ist nicht die Welt allein.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Wenn die Greisin durch die Stube schleift,</p>
- <p class="line">Ach, vielleicht geschieht&rsquo;s, daß sie begreift.</p>
- <p class="line">Es vergeht ihr brüchiges Gesicht.</p>
- <p class="line">Ja, sie fühlt sich wachsender in allem</p>
+ <p class="line">Ach, vielleicht geschieht&rsquo;s, daß sie begreift.</p>
+ <p class="line">Es vergeht ihr brüchiges Gesicht.</p>
+ <p class="line">Ja, sie fühlt sich wachsender in allem</p>
<p class="line">Und beginnt auf ihre Knie zu fallen,</p>
<p class="line">Wenn aus einem kleinen Lampenwallen</p>
<p class="line">Ungeheuer Gottes Antlitz bricht.</p>
@@ -1192,23 +1158,23 @@ Nacht-Fragment.
<div class="poem">
<p class="line">Bald hat dies, hat dies alles ausgeschlagen.</p>
- <p class="line">Was muß ich noch im machtvoll einsamen Nachtbahnhof stehn</p>
- <p class="line">Und sehn, daß Lichter sind und Träger gehn,</p>
+ <p class="line">Was muß ich noch im machtvoll einsamen Nachtbahnhof stehn</p>
+ <p class="line">Und sehn, daß Lichter sind und Träger gehn,</p>
<p class="line">die Felsen tragen, und sehn die schon verblichenen Wagen?</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">So vieles weiß ich mit mir, Herz- und Atemschreiten.</p>
- <p class="line">&mdash; Ein Pikkolo schläft, ein Schutzmann schaut in den Wind. &mdash;</p>
- <p class="line">Wer weiß es denn, wie sehr wir alle beisammen sind.</p>
- <p class="line">Auch Deine leichten Schlafseufzer, Fernste, fühl&rsquo; ich mit mir gleiten.</p>
+ <p class="line">So vieles weiß ich mit mir, Herz- und Atemschreiten.</p>
+ <p class="line">&mdash; Ein Pikkolo schläft, ein Schutzmann schaut in den Wind. &mdash;</p>
+ <p class="line">Wer weiß es denn, wie sehr wir alle beisammen sind.</p>
+ <p class="line">Auch Deine leichten Schlafseufzer, Fernste, fühl&rsquo; ich mit mir gleiten.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Gestern, wie tauchtest Du in Astern Dein Gesicht!</p>
- <p class="line">Und tanztest mit den Zähnen, tanztest mit den frechen Knien.</p>
- <p class="line">Und ach, Dein Gemsenlachen, das mich zu höhnen schien,</p>
- <p class="line">Nun ist es eingestimmt in mich, o Nacht, und weiß es nicht!</p>
+ <p class="line">Und tanztest mit den Zähnen, tanztest mit den frechen Knien.</p>
+ <p class="line">Und ach, Dein Gemsenlachen, das mich zu höhnen schien,</p>
+ <p class="line">Nun ist es eingestimmt in mich, o Nacht, und weiß es nicht!</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -1218,7 +1184,7 @@ Nacht-Fragment.
<p class="line">Wir seh&rsquo;n uns an und schweigen im gleichen Raum.</p>
<a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a>
<p class="line">Ihr Unerreichbaren all&rsquo;, die wir voneinander wissen!</p>
- <p class="line">Wie sind unsre gleichen Hände uns fremd!!</p>
+ <p class="line">Wie sind unsre gleichen Hände uns fremd!!</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-2-9">
@@ -1227,10 +1193,10 @@ Das erkaltende Herz
<div class="poem">
<p class="line">Geschwisterliebe war einst.</p>
- <p class="line">Ich lief mit dem Mädi über die Wege</p>
+ <p class="line">Ich lief mit dem Mädi über die Wege</p>
<p class="line">Und die Himmel, die vielen waren rege,</p>
- <p class="line">Die unergründlichen Berge standen weit &mdash;</p>
- <p class="line">Und im Zimmer die stündliche Zeit.</p>
+ <p class="line">Die unergründlichen Berge standen weit &mdash;</p>
+ <p class="line">Und im Zimmer die stündliche Zeit.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -1243,64 +1209,64 @@ Das erkaltende Herz
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und tiefe Furcht war da, daß man einander stürbe,</p>
+ <p class="line">Und tiefe Furcht war da, daß man einander stürbe,</p>
<p class="line">Und manchmal weinte man wild in die Finsternis,</p>
<p class="line">Bis treu der andre Atem kam.</p>
- <p class="line">Da war man so gewiß,</p>
- <p class="line">Daß Gott sei und man niemals lahm</p>
- <p class="line">Und niemals anders würde.</p>
+ <p class="line">Da war man so gewiß,</p>
+ <p class="line">Daß Gott sei und man niemals lahm</p>
+ <p class="line">Und niemals anders würde.</p>
<a id="page-37" class="pagenum" title="37"></a>
- <p class="line">das waren Tränen und Brisen der Treue .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">das waren Tränen und Brisen der Treue .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.</p>
<p class="line">Geschwisterliebe war einst.</p>
<p class="line">Jetzt lieg ich oft auf meinem Kanapee.</p>
- <p class="line">Am Abend werden die Fenster groß.</p>
- <p class="line">Da läßt mich mein Atem los,</p>
- <p class="line">Und der Tod ist ganz in der Näh&rsquo;.</p>
+ <p class="line">Am Abend werden die Fenster groß.</p>
+ <p class="line">Da läßt mich mein Atem los,</p>
+ <p class="line">Und der Tod ist ganz in der Näh&rsquo;.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und muß ich vor meinem Spiegel stehn,</p>
- <p class="line">Da hat sich etwas gerächt.</p>
- <p class="line">Ich weiß, wie mir die Haare ausgehn &mdash;</p>
- <p class="line">Und die Zähne sind worden schlecht.</p>
+ <p class="line">Und muß ich vor meinem Spiegel stehn,</p>
+ <p class="line">Da hat sich etwas gerächt.</p>
+ <p class="line">Ich weiß, wie mir die Haare ausgehn &mdash;</p>
+ <p class="line">Und die Zähne sind worden schlecht.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und der Mund, der nichts ließ,</p>
+ <p class="line">Und der Mund, der nichts ließ,</p>
<p class="line">Jetzt kann er euch alle lassen</p>
<p class="line">Und das Herz kann nicht fassen,</p>
- <p class="line">Wie es einst hieß!</p>
- <p class="line">Und wo hängen in den erstarrten Zimmern,</p>
+ <p class="line">Wie es einst hieß!</p>
+ <p class="line">Und wo hängen in den erstarrten Zimmern,</p>
<p class="line">Hinter welkendem Glas,</p>
<p class="line">Die ewigen Photographien?</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-2-10">
-Der göttliche Portier
+Der göttliche Portier
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Da ich an Dir vorüberlief als Knabe,</p>
+ <p class="line">Da ich an Dir vorüberlief als Knabe,</p>
<p class="line">Wuchst Du ins Tor unendlich aufgehoben.</p>
- <p class="line">Dein Dreispitz rührte Wappensterne oben.</p>
- <p class="line">Allmächtig sank Dein Bart. Mann mit dem Stabe!</p>
+ <p class="line">Dein Dreispitz rührte Wappensterne oben.</p>
+ <p class="line">Allmächtig sank Dein Bart. Mann mit dem Stabe!</p>
<a id="page-38" class="pagenum" title="38"></a>
<p class="line">Wie ich mich kindlich auch vergangen habe,</p>
<p class="line">Gestickter Greis, Du tratst herein zu loben,</p>
- <p class="line">Warst sänftlich grausem Kindertraum verwoben,</p>
- <p class="line">Wo ich mich gelb einstürzen sah im Grabe.</p>
+ <p class="line">Warst sänftlich grausem Kindertraum verwoben,</p>
+ <p class="line">Wo ich mich gelb einstürzen sah im Grabe.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Nun wieder, Bibelgott, erscheint Dein Bild!</p>
- <p class="line">Aus Kindernächten wallt Dein breitgelockter</p>
- <p class="line">Erzväterbart, der goldne Brust umquillt.</p>
+ <p class="line">Aus Kindernächten wallt Dein breitgelockter</p>
+ <p class="line">Erzväterbart, der goldne Brust umquillt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Die winterlichen Tressen klingeln mild,</p>
- <p class="line">Und tief beruhigt mich Dein weißbeflockter</p>
- <p class="line">Allgütiger Pelz, der durch die Sphären schwillt.</p>
+ <p class="line">Und tief beruhigt mich Dein weißbeflockter</p>
+ <p class="line">Allgütiger Pelz, der durch die Sphären schwillt.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-2-11">
@@ -1308,9 +1274,9 @@ Ein Lebens-Lied
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Feindschaft ist unzulänglich.</p>
+ <p class="line">Feindschaft ist unzulänglich.</p>
<p class="line">Der Wille und die Taten,</p>
- <p class="line">Ein erdbewußtes Leben</p>
+ <p class="line">Ein erdbewußtes Leben</p>
<p class="line">In sich, was sind sie, Welt?</p>
<p class="line">Es schwebt in jedem Schicksal,</p>
<p class="line">Im Schritt der Lust und Schmerzen,</p>
@@ -1319,49 +1285,49 @@ Ein Lebens-Lied
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Nur das ist unvergänglich!</p>
+ <p class="line">Nur das ist unvergänglich!</p>
<p class="line">Sahst Du die wilden Augen</p>
- <p class="line">Buckliger Bauernmädchen?</p>
+ <p class="line">Buckliger Bauernmädchen?</p>
<a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a>
<p class="line">Sahst Du, wie sie sich langsam</p>
<p class="line">Weltdamenhaft verschleiern,</p>
<p class="line">Sahst Du in ihnen blinken,</p>
- <p class="line">Das Grün von Festestraden,</p>
+ <p class="line">Das Grün von Festestraden,</p>
<p class="line">Musik und Lampennacht?</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Sahst Du den Bart von Kranken,</p>
- <p class="line">Ihr Wolken über Pappeln,</p>
+ <p class="line">Ihr Wolken über Pappeln,</p>
<p class="line">Wie er an Gott erinnert,</p>
<p class="line">Getaucht in einen Sturm?</p>
- <p class="line">Sahst Du die große Güte</p>
+ <p class="line">Sahst Du die große Güte</p>
<p class="line">Im Sterben eines Kindes?</p>
- <p class="line">Wie uns der holde Körper</p>
- <p class="line">Mit Zärtlichkeit entglitt?</p>
+ <p class="line">Wie uns der holde Körper</p>
+ <p class="line">Mit Zärtlichkeit entglitt?</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Sahst Du das Traurigwerden</p>
- <p class="line">Von Mädchen an, am Abend?</p>
- <p class="line">Wie sie die Küchen ordnen</p>
+ <p class="line">Von Mädchen an, am Abend?</p>
+ <p class="line">Wie sie die Küchen ordnen</p>
<p class="line">Und fern, wie Heilige sind.</p>
- <p class="line">Sahst Du die schönen Hände</p>
+ <p class="line">Sahst Du die schönen Hände</p>
<p class="line">Durchfurchter Nachtgendarme,</p>
<p class="line">Wenn sie den Hund liebkosen</p>
<p class="line">Mit grobem Liebeswort?</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Wer handelnd sich empörte,</p>
+ <p class="line">Wer handelnd sich empörte,</p>
<p class="line">Bedenke doch!! Unsagbar</p>
<a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a>
<p class="line">Mit Reden und Gestalten</p>
<p class="line">Sind wir uns fern und nah!</p>
- <p class="line">Daß wir hier stehn und sitzen,</p>
+ <p class="line">Daß wir hier stehn und sitzen,</p>
<p class="line">Wer kann&rsquo;s beklommen fassen?!</p>
- <p class="line">Doch über allen Worten</p>
- <p class="line">Verkünd&rsquo; ich, Mensch, <span class="em">wir sind</span>!!</p>
+ <p class="line">Doch über allen Worten</p>
+ <p class="line">Verkünd&rsquo; ich, Mensch, <span class="em">wir sind</span>!!</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-2-12">
@@ -1369,33 +1335,33 @@ Ein Anderes
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Daß einmal mein dies Leben war,</p>
- <p class="line">Daß in ihm jene Kiefern standen</p>
- <p class="line">Und Ufer schlafend sich vorüberwanden,</p>
- <p class="line">Daß ich in Wäldern aufschrie sonderbar.</p>
- <p class="line">Daß einmal mein dies Leben war!</p>
+ <p class="line">Daß einmal mein dies Leben war,</p>
+ <p class="line">Daß in ihm jene Kiefern standen</p>
+ <p class="line">Und Ufer schlafend sich vorüberwanden,</p>
+ <p class="line">Daß ich in Wäldern aufschrie sonderbar.</p>
+ <p class="line">Daß einmal mein dies Leben war!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Wo Ufer schlafend sich vorüberwanden,</p>
- <p class="line">Was trug der Fluß mit Schilf und Wolk&rsquo; davon?</p>
- <p class="line">Wo bin ich &mdash; und ich höre noch den Ton</p>
+ <p class="line">Wo Ufer schlafend sich vorüberwanden,</p>
+ <p class="line">Was trug der Fluß mit Schilf und Wolk&rsquo; davon?</p>
+ <p class="line">Wo bin ich &mdash; und ich höre noch den Ton</p>
<p class="line">Von Ruderbooten, wie sie lachend landen,</p>
- <p class="line">Wo Ufer schlafend sich vorüberwanden.</p>
+ <p class="line">Wo Ufer schlafend sich vorüberwanden.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Wo bin ich &mdash; und ich höre noch den Ton</p>
+ <p class="line">Wo bin ich &mdash; und ich höre noch den Ton</p>
<p class="line">Von Equipagen, dicht im Kies verfahren,</p>
<p class="line">Kastanien- und Laternensprache waren</p>
<p class="line">Noch da und Worte &mdash; doch wo sind sie schon?</p>
- <p class="line">Wo bin ich &mdash; und ich höre noch den Ton?</p>
+ <p class="line">Wo bin ich &mdash; und ich höre noch den Ton?</p>
<a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a>
<p class="line">Kastanien- und Laternensprache waren</p>
<p class="line">Noch da und? Atem einer breiten Schar.</p>
- <p class="line">Und mein war ein Gefühl von Gang und Haaren.</p>
+ <p class="line">Und mein war ein Gefühl von Gang und Haaren.</p>
<p class="line">O Ewigkeit! &mdash; Und werd&rsquo; ich es bewahren,</p>
- <p class="line">Daß einmal mein dies Leben war!</p>
+ <p class="line">Daß einmal mein dies Leben war!</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-2-13">
@@ -1411,18 +1377,18 @@ Amore
<div class="poem">
<p class="line">Solang Du noch willst stehn</p>
<p class="line">Auf Podien, gesehn,</p>
- <p class="line">Kann Glück&rsquo;s Dir nicht geschehn.</p>
+ <p class="line">Kann Glück&rsquo;s Dir nicht geschehn.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Wer sich noch nicht zerbrach,</p>
- <p class="line">Sich öffnend jeder Schmach,</p>
+ <p class="line">Sich öffnend jeder Schmach,</p>
<p class="line">Ist Gottes noch nicht wach.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Wer noch mit Eifer spitzt,</p>
- <p class="line">Daß er ein Weib besitzt,</p>
+ <p class="line">Daß er ein Weib besitzt,</p>
<p class="line">Ist noch nicht ausgewitzt.</p>
</div>
@@ -1434,8 +1400,8 @@ Amore
<div class="poem">
<a id="page-42" class="pagenum" title="42"></a>
- <p class="line">Erst wer Erfüllung floh,</p>
- <p class="line">Wächst an zum Höchsten so,</p>
+ <p class="line">Erst wer Erfüllung floh,</p>
+ <p class="line">Wächst an zum Höchsten so,</p>
<p class="line">Wird letzter Sehnsucht froh.</p>
</div>
@@ -1453,7 +1419,7 @@ Amore
<div class="poem">
<p class="line">Wohin schwillt er empor!</p>
- <p class="line">Was schwingt er überm Chor</p>
+ <p class="line">Was schwingt er überm Chor</p>
<p class="line">Unendlich sein amor&rsquo;!!</p>
</div>
@@ -1462,7 +1428,7 @@ Ich bin ja noch ein Kind
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">O Herr, zerreiße mich!</p>
+ <p class="line">O Herr, zerreiße mich!</p>
<p class="line">Ich bin ja noch ein Kind.</p>
<p class="line">Und wage doch zu singen.</p>
<p class="line">Und nenne Dich.</p>
@@ -1472,77 +1438,77 @@ Ich bin ja noch ein Kind
<div class="poem">
<a id="page-43" class="pagenum" title="43"></a>
- <p class="line">Ich öffne meinen Mund,</p>
- <p class="line">Eh&rsquo; Du mich ließest Deine Qualen kosten.</p>
+ <p class="line">Ich öffne meinen Mund,</p>
+ <p class="line">Eh&rsquo; Du mich ließest Deine Qualen kosten.</p>
<p class="line">Ich bin gesund,</p>
- <p class="line">Und weiß noch nicht, wie Greise rosten.</p>
+ <p class="line">Und weiß noch nicht, wie Greise rosten.</p>
<p class="line">Ich hielt mich nie an groben Pfosten,</p>
<p class="line">Wie Frauen in der schweren Stund&rsquo;.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Nie müht&rsquo; ich mich durch müde Nacht</p>
- <p class="line">Wie Droschkengäule, treu erhaben,</p>
- <p class="line">Die ihrer Umwelt längst entflohn!</p>
+ <p class="line">Nie müht&rsquo; ich mich durch müde Nacht</p>
+ <p class="line">Wie Droschkengäule, treu erhaben,</p>
+ <p class="line">Die ihrer Umwelt längst entflohn!</p>
<p class="line">(Dem zaubrisch, zerschmetternden Ton</p>
<p class="line">Der Frauenschritte und allem, was lacht.)</p>
- <p class="line">Nie müht&rsquo; ich mich, wie Gäule, die ins Unendliche traben.</p>
+ <p class="line">Nie müht&rsquo; ich mich, wie Gäule, die ins Unendliche traben.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Nie war ich Seemann, wenn das Öl ausgeht,</p>
- <p class="line">Wenn die tausend Wasser die Sonne verhöhnen,</p>
- <p class="line">Wenn die Notschüsse dröhnen,</p>
+ <p class="line">Nie war ich Seemann, wenn das Öl ausgeht,</p>
+ <p class="line">Wenn die tausend Wasser die Sonne verhöhnen,</p>
+ <p class="line">Wenn die Notschüsse dröhnen,</p>
<p class="line">Wenn die Rakete zitternd aufsteht.</p>
- <p class="line">Nie warf ich mich, Dich zu versöhnen,</p>
+ <p class="line">Nie warf ich mich, Dich zu versöhnen,</p>
<p class="line">O Herr, aufs Knie zum letzten Weltgebet.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Nie war ich ein Kind, zermalmt in den Fabriken</p>
- <p class="line">Dieser elenden Zeit, mit Ärmchen, ganz benarbt!</p>
+ <p class="line">Dieser elenden Zeit, mit Ärmchen, ganz benarbt!</p>
<p class="line">Nie hab ich im Asyl gedarbt,</p>
- <p class="line">Weiß nicht, wie sich Mütter die Augen aussticken,</p>
- <p class="line">Weiß nicht die Qual, wenn Kaiserinnen nicken,</p>
- <p class="line">Ihr alle, die ihr starbt, ich weiß nicht, wie ihr starbt!</p>
+ <p class="line">Weiß nicht, wie sich Mütter die Augen aussticken,</p>
+ <p class="line">Weiß nicht die Qual, wenn Kaiserinnen nicken,</p>
+ <p class="line">Ihr alle, die ihr starbt, ich weiß nicht, wie ihr starbt!</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-44" class="pagenum" title="44"></a>
<p class="line">Kenn&rsquo; ich die Lampe denn, kenn&rsquo; ich den Hut,</p>
<p class="line">Die Luft, den Mond, den Herbst und alles Rauschen</p>
- <p class="line">Der Winde, die sich überbauschen,</p>
- <p class="line">Ein Antlitz böse oder gut?</p>
- <p class="line">Kenn&rsquo; ich der Mädchen stolz und falsches Plauschen?</p>
- <p class="line">Und weiß ich, ach, wie weh ein Schmeicheln tut?</p>
+ <p class="line">Der Winde, die sich überbauschen,</p>
+ <p class="line">Ein Antlitz böse oder gut?</p>
+ <p class="line">Kenn&rsquo; ich der Mädchen stolz und falsches Plauschen?</p>
+ <p class="line">Und weiß ich, ach, wie weh ein Schmeicheln tut?</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Du aber, Herr, stiegst nieder, auch zu mir.</p>
<p class="line">Und hast die tausendfache Qual gefunden,</p>
<p class="line">Du hast in jedem Weib entbunden,</p>
- <p class="line">Und starbst im Kot, in jedem Stück Papier,</p>
+ <p class="line">Und starbst im Kot, in jedem Stück Papier,</p>
<p class="line">In jedem Zirkusseehund wurdest Du geschunden,</p>
<p class="line">Und Hure warst Du, manchem Kavalier!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">O Herr, zerreiße mich!</p>
- <p class="line">Was soll dies dumpfe, klägliche Genießen?</p>
- <p class="line">Ich bin nicht wert, daß Deine Wunden fließen.</p>
+ <p class="line">O Herr, zerreiße mich!</p>
+ <p class="line">Was soll dies dumpfe, klägliche Genießen?</p>
+ <p class="line">Ich bin nicht wert, daß Deine Wunden fließen.</p>
<p class="line">Begnade mich mit Martern, Stich um Stich!</p>
- <p class="line">Ich will den Tod der ganzen Welt einschließen.</p>
- <p class="line">O Herr, zerreiße mich!</p>
+ <p class="line">Ich will den Tod der ganzen Welt einschließen.</p>
+ <p class="line">O Herr, zerreiße mich!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Bis daß ich erst in jedem Lumpen starb,</p>
+ <p class="line">Bis daß ich erst in jedem Lumpen starb,</p>
<p class="line">In jeder Katz und jedem Gaul verreckte,</p>
- <p class="line">Und ein Soldat, im Wüstendurst verdarb.</p>
- <p class="line">Bis, grauser Sünder ich, das Sakrament weh auf der Zunge schmeckte,</p>
+ <p class="line">Und ein Soldat, im Wüstendurst verdarb.</p>
+ <p class="line">Bis, grauser Sünder ich, das Sakrament weh auf der Zunge schmeckte,</p>
<a id="page-45" class="pagenum" title="45"></a>
- <p class="line">Bis ich den aufgefreßnen Leib aus bitterm Bette streckte,</p>
- <p class="line">Nach der Gestalt, die ich verhöhnt umwarb!</p>
+ <p class="line">Bis ich den aufgefreßnen Leib aus bitterm Bette streckte,</p>
+ <p class="line">Nach der Gestalt, die ich verhöhnt umwarb!</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -1550,8 +1516,8 @@ Ich bin ja noch ein Kind
<p class="line">In jedem Ding bestehend, ja im Rauche,</p>
<p class="line">Dann lodre auf, Gott, aus dem Dornenstrauche.</p>
<p class="line">(Ich bin Dein Kind.)</p>
- <p class="line">Du auch, Wort, praßle auf, das ich in Ahnung brauche!</p>
- <p class="line">Geuß unverzehrbar Dich durchs All: Wir sind!!</p>
+ <p class="line">Du auch, Wort, praßle auf, das ich in Ahnung brauche!</p>
+ <p class="line">Geuß unverzehrbar Dich durchs All: Wir sind!!</p>
</div>
<h1 class="part" id="part-3">
@@ -1564,66 +1530,66 @@ Oden Lieder Gestalten<br />
<h2 class="chapter" id="chapter-3-1">
<a id="page-48" class="pagenum" title="48"></a>
-Lächeln Atmen Schreiten
+Lächeln Atmen Schreiten
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Schöpfe Du, trage Du, halte</p>
- <p class="line">Tausend Gewässer des Lächelns in Deiner Hand!</p>
- <p class="line">Lächeln, selige Feuchte ist ausgespannt</p>
- <p class="line">All übers Antlitz.</p>
- <p class="line">Lächeln ist keine Falte,</p>
- <p class="line">Lächeln ist Wesen vom Licht.</p>
- <p class="line">Durch die Räume bricht Licht, doch ist es noch nicht.</p>
+ <p class="line">Schöpfe Du, trage Du, halte</p>
+ <p class="line">Tausend Gewässer des Lächelns in Deiner Hand!</p>
+ <p class="line">Lächeln, selige Feuchte ist ausgespannt</p>
+ <p class="line">All übers Antlitz.</p>
+ <p class="line">Lächeln ist keine Falte,</p>
+ <p class="line">Lächeln ist Wesen vom Licht.</p>
+ <p class="line">Durch die Räume bricht Licht, doch ist es noch nicht.</p>
<p class="line">Nicht die Sonne ist Licht,</p>
<p class="line">Erst im Menschengesicht</p>
- <p class="line">Wird das Licht als Lächeln geboren.</p>
- <p class="line">Aus den tönenden, leicht, unsterblichen Toren,</p>
+ <p class="line">Wird das Licht als Lächeln geboren.</p>
+ <p class="line">Aus den tönenden, leicht, unsterblichen Toren,</p>
<p class="line">Aus den Toren der Augen wallte</p>
- <p class="line">Frühling zum erstenmal, Himmelsgischt,</p>
- <p class="line">Lächelns nieglühender Brand.</p>
- <p class="line">Im Regenbrand des Lächelns spüle die alte Hand,</p>
- <p class="line">Schöpfe Du, trage Du, halte!</p>
+ <p class="line">Frühling zum erstenmal, Himmelsgischt,</p>
+ <p class="line">Lächelns nieglühender Brand.</p>
+ <p class="line">Im Regenbrand des Lächelns spüle die alte Hand,</p>
+ <p class="line">Schöpfe Du, trage Du, halte!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Lausche Du, horche Du, höre!</p>
+ <p class="line">Lausche Du, horche Du, höre!</p>
<p class="line">In der Nacht ist der Einklang des Atems los,</p>
- <p class="line">Der Atem, die Eintracht des Busens groß.</p>
+ <p class="line">Der Atem, die Eintracht des Busens groß.</p>
<p class="line">Atem schwebt</p>
- <p class="line">Über Feindschaft finsterer Chöre.</p>
- <p class="line">Atem ist Wesen vom höchsten Hauch.</p>
+ <p class="line">Über Feindschaft finsterer Chöre.</p>
+ <p class="line">Atem ist Wesen vom höchsten Hauch.</p>
<p class="line">Nicht der Wind, der sich taucht</p>
<a id="page-49" class="pagenum" title="49"></a>
<p class="line">In Weid, Wald und Strauch,</p>
- <p class="line">Nicht das Wehn, vor dem die Blätter sich drehn .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Nicht das Wehn, vor dem die Blätter sich drehn .&nbsp;.&nbsp;.</p>
<p class="line">Gottes Hauch wird im Atem der Menschen geboren.</p>
<p class="line">Aus den Lippen, den schweren,</p>
<p class="line">Verhangen, dunkel, unsterblichen Toren,</p>
- <p class="line">Fährt Gottes Hauch, die Welt zu bekehren.</p>
+ <p class="line">Fährt Gottes Hauch, die Welt zu bekehren.</p>
<p class="line">Auf dem Windmeer des Atems hebt an</p>
- <p class="line">Die Segel zu brüsten im Rausche,</p>
- <p class="line">Der unendlichen Worte nächtlich beladener Kahn.</p>
- <p class="line">Horche Du, höre Du, lausche!</p>
+ <p class="line">Die Segel zu brüsten im Rausche,</p>
+ <p class="line">Der unendlichen Worte nächtlich beladener Kahn.</p>
+ <p class="line">Horche Du, höre Du, lausche!</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Sinke hin, kniee hin, weine!</p>
<p class="line">Sieh der Geliebten erdenlos schwindenden Schritt!</p>
<p class="line">Schwinge Dich hin, schwinde ins Schreiten mit!</p>
- <p class="line">Schreiten entführt</p>
+ <p class="line">Schreiten entführt</p>
<p class="line">Alles ins Reine, alles ins Allgemeine.</p>
<p class="line">Schreiten ist mehr als Lauf und Gang,</p>
- <p class="line">Der sternenden Sphäre Hinauf und Entlang,</p>
- <p class="line">Mehr als des Raumes tanzender Überschwang.</p>
+ <p class="line">Der sternenden Sphäre Hinauf und Entlang,</p>
+ <p class="line">Mehr als des Raumes tanzender Überschwang.</p>
<p class="line">Im Schreiten der Menschen wird die Bahn der Freiheit geboren.</p>
<p class="line">Mit dem Schreiten der Menschen tritt</p>
<p class="line">Gottes Anmut und Wandel aus allen Herzen und Toren.</p>
- <p class="line">Lächeln, Atem und Schritt</p>
+ <p class="line">Lächeln, Atem und Schritt</p>
<a id="page-50" class="pagenum" title="50"></a>
<p class="line">Sind mehr als des Lichtes, des Windes, der Sterne Bahn,</p>
- <p class="line">Die Welt fängt im Menschen an.</p>
- <p class="line">Im Lächeln, im Atem, im Schritt der Geliebten ertrinke!</p>
+ <p class="line">Die Welt fängt im Menschen an.</p>
+ <p class="line">Im Lächeln, im Atem, im Schritt der Geliebten ertrinke!</p>
<p class="line">Weine hin, kniee hin, sinke!</p>
</div>
@@ -1634,13 +1600,13 @@ Das Jenseits
<div class="poem">
<p class="line">Wir kommen wieder, wir kehren heim</p>
<p class="line">In Dich, Du gute Mutter unser.</p>
- <p class="line">Schon hängt uns, hängt uns über die Stirn,</p>
- <p class="line">Mild über die Stirne des Todes Flieder.</p>
+ <p class="line">Schon hängt uns, hängt uns über die Stirn,</p>
+ <p class="line">Mild über die Stirne des Todes Flieder.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Wo fahren die feurigen Wolken hin,</p>
- <p class="line">Wo tanzen die mutigen Flüsse her,</p>
+ <p class="line">Wo tanzen die mutigen Flüsse her,</p>
<p class="line">Was will der Meere Spiel,</p>
<p class="line">Das Laub an der Wand des Himmels gerankt?</p>
</div>
@@ -1648,22 +1614,22 @@ Das Jenseits
<div class="poem">
<p class="line">Nun kehren wir heim, nun kehren wir ein,</p>
<p class="line">Mehr ist als Dasein &mdash; Gewesen sein,</p>
- <p class="line">Stark ist der Tod, doch siehe das Stärkste,</p>
- <p class="line">Stärker als Tod ist Musik.</p>
+ <p class="line">Stark ist der Tod, doch siehe das Stärkste,</p>
+ <p class="line">Stärker als Tod ist Musik.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">In unsere Mutter kehren wir ein .&nbsp;.&nbsp;.</p>
- <p class="line">Gott fährt über uns, der gute Mann,</p>
+ <p class="line">Gott fährt über uns, der gute Mann,</p>
<p class="line">Da heben wir an, und heben uns auf,</p>
<p class="line">Arien selige schweben wir hin,</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-51" class="pagenum" title="51"></a>
- <p class="line">Und hängen im Herzen der Sterblichen,</p>
- <p class="line">Und locken die ewigen Tränen.</p>
- <p class="line">Träne, klarer Planet! Hier leben wir,</p>
+ <p class="line">Und hängen im Herzen der Sterblichen,</p>
+ <p class="line">Und locken die ewigen Tränen.</p>
+ <p class="line">Träne, klarer Planet! Hier leben wir,</p>
<p class="line">Leben in Gnade, sind nichts als Lied.</p>
</div>
@@ -1677,7 +1643,7 @@ Warum mein Gott
<p class="line">Und dahin jetzt im Winde meiner Schuld,</p>
<p class="line">Was schufst Du mich, mein Herr und Gott,</p>
<p class="line">Zur Eitelkeit des Worts,</p>
- <p class="line">Und daß ich dies füge,</p>
+ <p class="line">Und daß ich dies füge,</p>
<p class="line">Und trage vermessenen Stolz,</p>
<p class="line">Und in der Ferne meiner selbst</p>
<p class="line">Die Einsamkeit?!</p>
@@ -1686,12 +1652,12 @@ Warum mein Gott
<div class="poem">
<p class="line">Warum, warum nicht gabst Du mir</p>
- <p class="line">Zwei Hände voll Hilfe,</p>
+ <p class="line">Zwei Hände voll Hilfe,</p>
<p class="line">Und Augen, waltend Doppelgestirn des Trostes?</p>
- <p class="line">Und eine Stimm aprilen, regnend Musik der Güte,</p>
- <p class="line">Und Stirne überhangen</p>
- <p class="line">Von süßer Lampe der Demut?</p>
- <p class="line">Und einen Schritt durch tausend Straßen,</p>
+ <p class="line">Und eine Stimm aprilen, regnend Musik der Güte,</p>
+ <p class="line">Und Stirne überhangen</p>
+ <p class="line">Von süßer Lampe der Demut?</p>
+ <p class="line">Und einen Schritt durch tausend Straßen,</p>
<p class="line">Am Abend zu tragen alle</p>
<a id="page-52" class="pagenum" title="52"></a>
<p class="line">Glocken der Erde</p>
@@ -1702,11 +1668,11 @@ Warum mein Gott
<p class="line">Siehe es fiebern</p>
<p class="line">So viele Kindlein jetzt im Abendbett,</p>
<p class="line">Und Niobe ist Stein und kann nicht weinen.</p>
- <p class="line">Und dunkler Sünder starrt</p>
+ <p class="line">Und dunkler Sünder starrt</p>
<p class="line">In seines Himmels Ausgemessenheit.</p>
- <p class="line">Und jede Seele, fällt zur Nacht</p>
+ <p class="line">Und jede Seele, fällt zur Nacht</p>
<p class="line">Vom Baum, ein Blatt im Herbst des Traumes.</p>
- <p class="line">Und alle drängen sich um eine Wärme,</p>
+ <p class="line">Und alle drängen sich um eine Wärme,</p>
<p class="line">Weil Winter ist</p>
<p class="line">Und warme Schmerzenszeit.</p>
</div>
@@ -1714,14 +1680,14 @@ Warum mein Gott
<div class="poem">
<p class="line">Warum, mein Herr und Gott, schufst Du mich nicht,</p>
<p class="line">Zu Deinem Seraph, goldigen, willkommenen,</p>
- <p class="line">Der Hände Kristall auf Fieber zu legen,</p>
- <p class="line">Zu gehn durch Türenseufzer ein und aus?!</p>
- <p class="line">Gegrüßet und geheißen:</p>
- <p class="line">Schlaf, Träne, Stube, Kuß, Gemeinschaft, Kindheit, mütterlich?!</p>
- <p class="line">Und daß ich raste auf den Ofenbänken,</p>
+ <p class="line">Der Hände Kristall auf Fieber zu legen,</p>
+ <p class="line">Zu gehn durch Türenseufzer ein und aus?!</p>
+ <p class="line">Gegrüßet und geheißen:</p>
+ <p class="line">Schlaf, Träne, Stube, Kuß, Gemeinschaft, Kindheit, mütterlich?!</p>
+ <p class="line">Und daß ich raste auf den Ofenbänken,</p>
<p class="line">Und Zuspruch bin, und Balsam Deines Hauses,</p>
- <p class="line">Nur Flug und Botengang, und mein nichts weiß,</p>
- <p class="line">Und im Gelock den Frühtau Deines Angesichts!</p>
+ <p class="line">Nur Flug und Botengang, und mein nichts weiß,</p>
+ <p class="line">Und im Gelock den Frühtau Deines Angesichts!</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-3-4">
@@ -1730,14 +1696,14 @@ Die Tugend
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Die Lüge ist das Weib des Potiphar,</p>
- <p class="line">Mit schleppenträgem Kleide angetan.</p>
+ <p class="line">Die Lüge ist das Weib des Potiphar,</p>
+ <p class="line">Mit schleppenträgem Kleide angetan.</p>
<p class="line">Das ist bemalt mit allem, was da war,</p>
<p class="line">Und ist, und sein wird. Mond und Sternenbahn,</p>
<p class="line">Mit Frucht und Jahreszeit und Hof und Hahn,</p>
<p class="line">Und Stadt und Meer und Schiff und Berg und Schar.</p>
<p class="line">Und alles das, auf dem Gewande kreisend,</p>
- <p class="line">Hältst Du für wahr und für Dich unterweisend!</p>
+ <p class="line">Hältst Du für wahr und für Dich unterweisend!</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -1745,30 +1711,30 @@ Die Tugend
<p class="line">Den Himmelsmantel an, mit Stern und Zeit.</p>
<p class="line">Was durcheinander Ding an Ding bewegt</p>
<p class="line">Ist Todesangst und letzte Eitelkeit.</p>
- <p class="line">Des Bösen Rechnung, Welt, ist stoßgefeit,</p>
- <p class="line">Sie scheint zu sein, weil sie kein Sein zerschlägt.</p>
+ <p class="line">Des Bösen Rechnung, Welt, ist stoßgefeit,</p>
+ <p class="line">Sie scheint zu sein, weil sie kein Sein zerschlägt.</p>
<p class="line">Wo Gottes Wahrheit weicht vor einem Kinde,</p>
<p class="line">Und in die Knie bricht im geringsten Winde.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Doch ist Gesetz dadurch, daß man es bricht!</p>
+ <p class="line">Doch ist Gesetz dadurch, daß man es bricht!</p>
<p class="line">Die Welt ist Bruch und Schuld auf immerdar.</p>
- <p class="line">Allein darin verbürgt sie uns das Licht,</p>
- <p class="line">Und in der Sünde wird es offenbar.</p>
+ <p class="line">Allein darin verbürgt sie uns das Licht,</p>
+ <p class="line">Und in der Sünde wird es offenbar.</p>
<p class="line">Durch unser Leiden werden wir gewahr,</p>
<p class="line">Wie Gott in uns durch eitles Tun zerbricht.</p>
<a id="page-54" class="pagenum" title="54"></a>
- <p class="line">Und Sehnsucht wächst aus überströmten Tagen,</p>
+ <p class="line">Und Sehnsucht wächst aus überströmten Tagen,</p>
<p class="line">Zu opfern uns, uns selbst ans Kreuz zu schlagen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">So ist nur eins, das Opfer, was uns bleibt,</p>
- <p class="line">Im Sturm der Räume, und im Tanz der Uhr!</p>
+ <p class="line">Im Sturm der Räume, und im Tanz der Uhr!</p>
<p class="line">Die Stunde grinst herbei, die uns entleibt,</p>
<p class="line">Und wir sind ohne Lohn und ohne Spur.</p>
- <p class="line">O Liebe, Opfer! Tötend, was uns treibt,</p>
+ <p class="line">O Liebe, Opfer! Tötend, was uns treibt,</p>
<p class="line">Sind wir erst, sind wir gegen die Natur.</p>
<p class="line">Und ich bin Mensch, in meinem Menschenleben,</p>
<p class="line">Dem Schein ein Sein, dem Unsinn Sinn zu geben.</p>
@@ -1779,19 +1745,19 @@ Veni creator spiritus
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Komm heiliger Geist, Du schöpferisch!</p>
+ <p class="line">Komm heiliger Geist, Du schöpferisch!</p>
<p class="line">Den Marmor unsrer Form zerbrich!</p>
- <p class="line">Daß nicht mehr Mauer krank und hart</p>
+ <p class="line">Daß nicht mehr Mauer krank und hart</p>
<p class="line">Den Brunnen dieser Welt umstarrt,</p>
- <p class="line">Daß wir gemeinsam und nach oben</p>
+ <p class="line">Daß wir gemeinsam und nach oben</p>
<p class="line">Wie Flammen ineinander toben!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Tauch auf aus unsern Flächen wund,</p>
+ <p class="line">Tauch auf aus unsern Flächen wund,</p>
<p class="line">Delphin von aller Wesen Grund,</p>
<p class="line">Alt allgemein und heiliger Fisch!</p>
- <p class="line">Komm reiner Geist, Du schöpferisch,</p>
+ <p class="line">Komm reiner Geist, Du schöpferisch,</p>
<p class="line">Nach dem wir ewig uns entfalten,</p>
<p class="line">Kristallgesetz der Weltgestalten!</p>
</div>
@@ -1802,35 +1768,35 @@ Veni creator spiritus
<p class="line">Wie unterm letzten Hemde noch</p>
<p class="line">Die Schattengreise im Spital</p>
<p class="line">Sich hassen bis zum letzten Mal,</p>
- <p class="line">Und jeder, eh&rsquo; er ostwärts mündet,</p>
- <p class="line">Allein sein Abendlicht entzündet,</p>
+ <p class="line">Und jeder, eh&rsquo; er ostwärts mündet,</p>
+ <p class="line">Allein sein Abendlicht entzündet,</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">So sind wir eitel eingespannt,</p>
- <p class="line">Und hocken bös an unserm Rand,</p>
+ <p class="line">Und hocken bös an unserm Rand,</p>
<p class="line">Und morden uns an jedem Tisch.</p>
- <p class="line">Komm heiliger Geist, Du schöpferisch,</p>
- <p class="line">Aus uns empor mit tausend Flügen!</p>
- <p class="line">Zerbrich das Eis in unsern Zügen!</p>
+ <p class="line">Komm heiliger Geist, Du schöpferisch,</p>
+ <p class="line">Aus uns empor mit tausend Flügen!</p>
+ <p class="line">Zerbrich das Eis in unsern Zügen!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Daß tränenhaft und gut und gut</p>
- <p class="line">Aufsiede die entzückte Flut,</p>
- <p class="line">Daß nicht mehr fern und unerreicht</p>
+ <p class="line">Daß tränenhaft und gut und gut</p>
+ <p class="line">Aufsiede die entzückte Flut,</p>
+ <p class="line">Daß nicht mehr fern und unerreicht</p>
<p class="line">Ein Wesen um das andre schleicht,</p>
- <p class="line">Daß jauchzend wir in Blick, Hand, Mund und Haaren,</p>
+ <p class="line">Daß jauchzend wir in Blick, Hand, Mund und Haaren,</p>
<p class="line">Und in uns selbst Dein Attribut erfahren!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Daß, wer dem Bruder in die Arme fällt,</p>
- <p class="line">Dein tiefes Schlagen süß am Herzen hält,</p>
- <p class="line">Daß, wer des armen Hundes Schaun empfängt,</p>
+ <p class="line">Daß, wer dem Bruder in die Arme fällt,</p>
+ <p class="line">Dein tiefes Schlagen süß am Herzen hält,</p>
+ <p class="line">Daß, wer des armen Hundes Schaun empfängt,</p>
<p class="line">Von Deinem weisen Blicke wird beschenkt,</p>
- <p class="line">Daß alle wir in Küssens Überflüssen</p>
- <p class="line">Nur Deine reine heilige Lippe küssen!</p>
+ <p class="line">Daß alle wir in Küssens Überflüssen</p>
+ <p class="line">Nur Deine reine heilige Lippe küssen!</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-3-6">
@@ -1844,20 +1810,20 @@ Stimme
</p>
<div class="poem">
- <p class="line">War Dein Gang in großer Sonne verschwebend,</p>
- <p class="line">War Dein windiges Kleid, mir vorüberlebend,</p>
+ <p class="line">War Dein Gang in großer Sonne verschwebend,</p>
+ <p class="line">War Dein windiges Kleid, mir vorüberlebend,</p>
<p class="line">War der tiefe Atemzug Dein Gesicht,</p>
<p class="line">War das alles ein Letztesmal,</p>
<p class="line">Und ich ahnte den Abschied nicht?</p>
- <p class="line">Die Straße hat Deinen Fuß vergessen,</p>
- <p class="line">Erde und Ätherstrahl gaben Dein verschüttetes Lachen aus.</p>
+ <p class="line">Die Straße hat Deinen Fuß vergessen,</p>
+ <p class="line">Erde und Ätherstrahl gaben Dein verschüttetes Lachen aus.</p>
<p class="line">Die boshafte Treppe im Haus,</p>
- <p class="line">Wo aufwärts das Letztemal Dein Antlitz durch mich brach,</p>
+ <p class="line">Wo aufwärts das Letztemal Dein Antlitz durch mich brach,</p>
<p class="line">Wie das dunkelselige Licht</p>
<p class="line">Durch erhabene Fenster der Tempel bricht,</p>
- <p class="line">Wissend höhnt mir die Treppe, nach.</p>
+ <p class="line">Wissend höhnt mir die Treppe, nach.</p>
<p class="line">Denn ich atmete nicht,</p>
- <p class="line">Daß Dein ferner Atem sich nicht mehr in meinen flicht.</p>
+ <p class="line">Daß Dein ferner Atem sich nicht mehr in meinen flicht.</p>
</div>
<p class="speaker">
@@ -1868,19 +1834,19 @@ Antwort
<p class="line">Es gibt nicht eine Stelle,</p>
<p class="line">Die Du durch Dich nicht abgestellt.</p>
<p class="line">Es gibt nicht eine Helle,</p>
- <p class="line">Die von Dir nicht ins Finster fällt.</p>
+ <p class="line">Die von Dir nicht ins Finster fällt.</p>
<a id="page-57" class="pagenum" title="57"></a>
<p class="line">Alle Welt ist Letztesmal</p>
- <p class="line">Abschied heißt jedes Tal.</p>
+ <p class="line">Abschied heißt jedes Tal.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Mit müden Straßenbäumen bin ich weggeglitten,</p>
- <p class="line">Aus vielen Träumen bin ich abgeschritten.</p>
+ <p class="line">Mit müden Straßenbäumen bin ich weggeglitten,</p>
+ <p class="line">Aus vielen Träumen bin ich abgeschritten.</p>
<p class="line">Und doch, es eint,</p>
- <p class="line">Daß wir uns vorbeigeweint,</p>
- <p class="line">Und daß wir arm sind, ohne Gleichen,</p>
- <p class="line">Niemals zu uns hinüberreichen!</p>
+ <p class="line">Daß wir uns vorbeigeweint,</p>
+ <p class="line">Und daß wir arm sind, ohne Gleichen,</p>
+ <p class="line">Niemals zu uns hinüberreichen!</p>
<p class="line"><span class="em">O Abschied, Brunnen aller Worte!</span></p>
</div>
@@ -1889,23 +1855,23 @@ Der Erkennende
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Menschen lieben uns, und unbeglückt</p>
+ <p class="line">Menschen lieben uns, und unbeglückt</p>
<p class="line">Stehn sie auf vom Tisch, um uns zu weinen.</p>
- <p class="line">Doch wir sitzen übers Tuch gebückt,</p>
- <p class="line">Und sind kalt und können sie verneinen.</p>
+ <p class="line">Doch wir sitzen übers Tuch gebückt,</p>
+ <p class="line">Und sind kalt und können sie verneinen.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Was uns liebt, wie stoßen wir es fort?</p>
+ <p class="line">Was uns liebt, wie stoßen wir es fort?</p>
<p class="line">Und uns Harte kann kein Gram erweichen.</p>
<p class="line">Was wir lieben, das entrafft ein Ort,</p>
<p class="line">Es wird hart und nicht mehr zu erreichen.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und das Wort, das waltet, heißt: Allein!</p>
+ <p class="line">Und das Wort, das waltet, heißt: Allein!</p>
<p class="line">Wenn wir machtlos zueinanderbrennen.</p>
- <p class="line">Eines weiß ich: Nie und nichts wird mein.</p>
+ <p class="line">Eines weiß ich: Nie und nichts wird mein.</p>
<p class="line">Mein Besitz allein: Das zu erkennen.</p>
</div>
@@ -1919,13 +1885,13 @@ Der Erkennende
<div class="poem">
<p class="line">Wenn ich walle durch den Lampenbann,</p>
- <p class="line">Meine Schritte höre, böse Wandrer,</p>
+ <p class="line">Meine Schritte höre, böse Wandrer,</p>
<p class="line">Dann erwach ich, und bin nebenan,</p>
<p class="line">Und mir selbst ein Grinsender und Andrer!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Ja, wer niederfährt zu diesem Stand,</p>
+ <p class="line">Ja, wer niederfährt zu diesem Stand,</p>
<p class="line">Wo das Einsame sich teilt und spaltet</p>
<p class="line">Der zerrinnt sich selbst in seiner Hand,</p>
<p class="line">Und nichts lebt, was ihn zusammenfaltet.</p>
@@ -1933,7 +1899,7 @@ Der Erkennende
<div class="poem">
<p class="line">Keinem Schlaf mehr ist er einverleibt,</p>
- <p class="line">Immer fühlt er, wie wir selbst uns tragen.</p>
+ <p class="line">Immer fühlt er, wie wir selbst uns tragen.</p>
<p class="line">Und die Nacht, die ihm, des Lebens bleibt,</p>
<p class="line">Unabwendlich ist ein Wald zum Klagen.</p>
</div>
@@ -1943,49 +1909,49 @@ Romanze einer Schlange
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Wo von den aufwärtsatmenden Vulkanen</p>
- <p class="line">Erhaben stürzet Gold um Gold,</p>
+ <p class="line">Wo von den aufwärtsatmenden Vulkanen</p>
+ <p class="line">Erhaben stürzet Gold um Gold,</p>
<p class="line">Unter dem Blau, das in Orkanen</p>
- <p class="line">Tiefdröhnend durcheinander rollt,</p>
+ <p class="line">Tiefdröhnend durcheinander rollt,</p>
<a id="page-59" class="pagenum" title="59"></a>
- <p class="line">Roll ich mich im Gerölle,</p>
- <p class="line">In meiner Quader Hölle,</p>
+ <p class="line">Roll ich mich im Gerölle,</p>
+ <p class="line">In meiner Quader Hölle,</p>
<p class="line">Und starre stolz nach den Alleen,</p>
- <p class="line">Wo Bäume wehn, und weiße Füße wehn,</p>
+ <p class="line">Wo Bäume wehn, und weiße Füße wehn,</p>
<p class="line">Und Sonne, Strom und Sommer toben hold.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Weh euch! Ich wurde wach als Schlange,</p>
- <p class="line">Und Feindschaft, Stolz und Haß sind mein Gebot.</p>
+ <p class="line">Und Feindschaft, Stolz und Haß sind mein Gebot.</p>
<p class="line">Die Nachtigall zerbricht sich im Gesange,</p>
- <p class="line">Und stürzet ab in ihren Tod,</p>
+ <p class="line">Und stürzet ab in ihren Tod,</p>
<p class="line">Wenn ich mit meinem Blicke</p>
<p class="line">Sie banne und bestricke.</p>
<p class="line">Das Liebliche entgeht mir nicht!</p>
- <p class="line">Ich bin im Licht der Bösewicht,</p>
+ <p class="line">Ich bin im Licht der Bösewicht,</p>
<p class="line">Vernichtung und Gericht, das euch bedroht.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Unendlich singen Amseln in den Kronen,</p>
- <p class="line">Und an den Quellen tönt die Kreatur.</p>
+ <p class="line">Und an den Quellen tönt die Kreatur.</p>
<p class="line">Es ist mein Teil in Stein und Stolz zu wohnen,</p>
<p class="line">Und die Gestalt zu sein, in die ich fuhr.</p>
<p class="line">Sind alle guten Wesen</p>
- <p class="line">Zu Müttern auserlesen,</p>
- <p class="line">So haßt mit Wut mich meine Brut,</p>
- <p class="line">Und krümmt sich fort in dumpfem Mut,</p>
+ <p class="line">Zu Müttern auserlesen,</p>
+ <p class="line">So haßt mit Wut mich meine Brut,</p>
+ <p class="line">Und krümmt sich fort in dumpfem Mut,</p>
<p class="line">Und ich gewunden auf dem Grunde starre nur.</p>
<a id="page-60" class="pagenum" title="60"></a>
<p class="line">Ich frage nicht, warum bin ich erschaffen</p>
<p class="line">Zum Wurm in dem umblauten Reich?!</p>
<p class="line">Denn keine Sehnsucht lebt, mich hinzuraffen,</p>
<p class="line">Und ich allein will sein mir selber gleich.</p>
- <p class="line">Der Hölle siebentiefste Flammen,</p>
- <p class="line">Sie quälen nicht, den sie verdammen!</p>
+ <p class="line">Der Hölle siebentiefste Flammen,</p>
+ <p class="line">Sie quälen nicht, den sie verdammen!</p>
<p class="line">Mich schmerzt mein Kriechen nicht, wenn durch Alleen</p>
- <p class="line">Sich Bäume wehn und weiße Füße wehn,</p>
+ <p class="line">Sich Bäume wehn und weiße Füße wehn,</p>
<p class="line">Ich kann nicht weinen, liebe keinen, Wehe euch!</p>
</div>
@@ -1995,8 +1961,8 @@ Tempel-Traum
<div class="poem">
<p class="line">Wenn die Stunde saust,</p>
- <p class="line">Und die Frühe säumt,</p>
- <p class="line">Wacht der Schläfer schwer</p>
+ <p class="line">Und die Frühe säumt,</p>
+ <p class="line">Wacht der Schläfer schwer</p>
<p class="line">Wie Ertrunkner auf.</p>
</div>
@@ -2011,15 +1977,15 @@ Tempel-Traum
<p class="line">Und es ist ein Haus</p>
<p class="line">Voll von Sang und Hall.</p>
<p class="line">Lampe lebt in Rauch</p>
- <p class="line">Über Treppen hin.</p>
+ <p class="line">Über Treppen hin.</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-61" class="pagenum" title="61"></a>
<p class="line">Eine Mutter geht.&nbsp;.&nbsp;.</p>
- <p class="line">Und er weiß nicht wo,</p>
+ <p class="line">Und er weiß nicht wo,</p>
<p class="line">Duft und Stimme wird</p>
- <p class="line">In der Höhe süß.</p>
+ <p class="line">In der Höhe süß.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -2033,20 +1999,20 @@ Tempel-Traum
<p class="line">Und Vestalin sitzt</p>
<p class="line">Bei dem Flammentier,</p>
<p class="line">Springt ein Wind herein,</p>
- <p class="line">Hütet sie den Schoß.</p>
+ <p class="line">Hütet sie den Schoß.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Wo der Tempelbau</p>
<p class="line">Oben offen ist,</p>
- <p class="line">Schwebt ein Adler groß</p>
+ <p class="line">Schwebt ein Adler groß</p>
<p class="line">Unterm Morgenmeer.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und die Schläferstirn</p>
- <p class="line">Löset ein Gesang,</p>
- <p class="line">Und das Herze wächst</p>
+ <p class="line">Und die Schläferstirn</p>
+ <p class="line">Löset ein Gesang,</p>
+ <p class="line">Und das Herze wächst</p>
<p class="line">Mit der Flut des Nils.</p>
</div>
@@ -2056,67 +2022,67 @@ Ein Abendgesang
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Nun uns zu Häupten die Fledermäuse und graue Adler streichen,</p>
+ <p class="line">Nun uns zu Häupten die Fledermäuse und graue Adler streichen,</p>
<p class="line">Und wir im Dunste einer vergehenden Wiese stehn,</p>
- <p class="line">Geschiehts, daß atemeins wir uns flüchtige Hände reichen,</p>
- <p class="line">Eh wir ins Gestrüpp und das Licht des Schlafes eingehn.</p>
+ <p class="line">Geschiehts, daß atemeins wir uns flüchtige Hände reichen,</p>
+ <p class="line">Eh wir ins Gestrüpp und das Licht des Schlafes eingehn.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Das ist die Stunde, wo alles erwacht, und Erstaunen</p>
- <p class="line">In unsere wirr überwachsenen Herzen fällt,</p>
- <p class="line">Daß wir sind &mdash; und daß gute und böse Launen</p>
- <p class="line">Des Unverständlichen uns in die Welt gestellt!</p>
+ <p class="line">In unsere wirr überwachsenen Herzen fällt,</p>
+ <p class="line">Daß wir sind &mdash; und daß gute und böse Launen</p>
+ <p class="line">Des Unverständlichen uns in die Welt gestellt!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Wer hat mich gewollt, daß ich Bosheit im Busen wälze,</p>
- <p class="line">Wer hat es gefügt, daß mich Güte, süß überschwemmt,</p>
+ <p class="line">Wer hat mich gewollt, daß ich Bosheit im Busen wälze,</p>
+ <p class="line">Wer hat es gefügt, daß mich Güte, süß überschwemmt,</p>
<p class="line">Wer gab mir die Demut &mdash; und wer mir den Stolz und die Stelze,</p>
- <p class="line">Wer hat es vermocht, daß ich wandle mir selber so fremd?</p>
+ <p class="line">Wer hat es vermocht, daß ich wandle mir selber so fremd?</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-63" class="pagenum" title="63"></a>
- <p class="line">Und wie uns zu Häupten verderbliche Vögel jagen,</p>
- <p class="line">Wir trüben uns alle und werden leichter und klein.</p>
+ <p class="line">Und wie uns zu Häupten verderbliche Vögel jagen,</p>
+ <p class="line">Wir trüben uns alle und werden leichter und klein.</p>
<p class="line">Und sinken wir hin, so regnen von ziehenden Tagen</p>
- <p class="line">Ferne Gefühle unseren Odem ein.</p>
+ <p class="line">Ferne Gefühle unseren Odem ein.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Da schwebt das Schiff im Schaume der Schrauben wieder,</p>
- <p class="line">Eh unser Auge ins Leere hinüberreift.</p>
- <p class="line">Seligkeit naht &mdash; &mdash; wie wenn schon erlöschende Lider</p>
- <p class="line">Süß die unmenschliche Lippe des Dichters streift.</p>
+ <p class="line">Eh unser Auge ins Leere hinüberreift.</p>
+ <p class="line">Seligkeit naht &mdash; &mdash; wie wenn schon erlöschende Lider</p>
+ <p class="line">Süß die unmenschliche Lippe des Dichters streift.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-3-11">
-Mondlied eines Mädchens
+Mondlied eines Mädchens
</h2>
<p class="dedication">
-Für meine Schwester Hanna
+Für meine Schwester Hanna
</p>
<div class="poem">
- <p class="line">Ich liege in gläsernem Wachen,</p>
- <p class="line">Gelöst mein Haar und Gesicht.</p>
+ <p class="line">Ich liege in gläsernem Wachen,</p>
+ <p class="line">Gelöst mein Haar und Gesicht.</p>
<p class="line">Am Boden in langsamen Lachen</p>
<p class="line">Schwebt Mond, das unselige Licht.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und wie mir die tödliche Helle</p>
- <p class="line">Die Stirn und das Auge befühlt,</p>
+ <p class="line">Und wie mir die tödliche Helle</p>
+ <p class="line">Die Stirn und das Auge befühlt,</p>
<p class="line">Zerrinn ich und bin eine Welle,</p>
- <p class="line">Gekräuselt, entführt und gespült.</p>
+ <p class="line">Gekräuselt, entführt und gespült.</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-64" class="pagenum" title="64"></a>
<p class="line">Die Mutter atmet daneben,</p>
- <p class="line">Der Vater schläft auf und ab.</p>
+ <p class="line">Der Vater schläft auf und ab.</p>
<p class="line">Ich habe Attest um das Leben</p>
<p class="line">Von allen, die ich lieb hab.</p>
</div>
@@ -2125,40 +2091,40 @@ Für meine Schwester Hanna
<p class="line">Jetzt gehn durch verwachsene Zimmer</p>
<p class="line">Erzengel mit schrecklichem Schwert.</p>
<p class="line">Ins Ohr weint mir immer, mir immer</p>
- <p class="line">Ein Kind, das mir nicht gehört.</p>
+ <p class="line">Ein Kind, das mir nicht gehört.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Nachtlampe von tausend Betten</p>
<p class="line">Des Leidens, der Mond mir scheint.</p>
- <p class="line">Ich möchte viel Schluchzendes retten,</p>
+ <p class="line">Ich möchte viel Schluchzendes retten,</p>
<p class="line">Und bin es doch selbst, die weint.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">All Ding im Zimmer verlassen,</p>
<p class="line">Der Schuh, und der Tisch, und die Wand.</p>
- <p class="line">Ich möchte das Ferne anfassen,</p>
+ <p class="line">Ich möchte das Ferne anfassen,</p>
<p class="line">Nur sein eine streichelnde Hand!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Ich möchte mit Fröstelnden spielen,</p>
+ <p class="line">Ich möchte mit Fröstelnden spielen,</p>
<p class="line">Und halten die Kalten im Arm!</p>
- <p class="line">Ich fühle, die Reichen und Vielen</p>
+ <p class="line">Ich fühle, die Reichen und Vielen</p>
<p class="line">Sind Kinder vor mir und so arm!</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-65" class="pagenum" title="65"></a>
- <p class="line">Für alle muß ich mich sorgen,</p>
- <p class="line">Mein Schlaf ist gläsern und schwebt .&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Für alle muß ich mich sorgen,</p>
+ <p class="line">Mein Schlaf ist gläsern und schwebt .&nbsp;.</p>
<p class="line">Ich horche, wie in den Morgen</p>
<p class="line">Der Atem von allen sich hebt.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Im Fenster wehn Bäume zerrissen,</p>
+ <p class="line">Im Fenster wehn Bäume zerrissen,</p>
<p class="line">Viel Himmel sind windig in Ruh.</p>
<p class="line">Ich decke mit meinen Kissen</p>
<p class="line">Die frierenden Welten zu.</p>
@@ -2169,47 +2135,47 @@ Eines alten Lehrers Stimme im Traum
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Durch einen Traum der Straße oder gar</p>
- <p class="line">Durch eine Straße im Traum .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Durch einen Traum der Straße oder gar</p>
+ <p class="line">Durch eine Straße im Traum .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.</p>
<p class="line">Von fern kam Deine Stimme wunderbar.</p>
- <p class="line">Ich hörte kaum, groß zogen durch den Raum</p>
- <p class="line">Die goldenen Begräbnisse, Turm und Baum</p>
+ <p class="line">Ich hörte kaum, groß zogen durch den Raum</p>
+ <p class="line">Die goldenen Begräbnisse, Turm und Baum</p>
<p class="line">Traten im Himmel ein &mdash; und tiefer Schaum</p>
<p class="line">Von Winter, Blum&rsquo; und Damen regnete mich ein.</p>
- <p class="line">In einem Traum der Straße hörte ich Dich sein,</p>
- <p class="line">Im Straßentraum die Stimme aus begrabnem Jahr,</p>
+ <p class="line">In einem Traum der Straße hörte ich Dich sein,</p>
+ <p class="line">Im Straßentraum die Stimme aus begrabnem Jahr,</p>
<p class="line">Die Stimme, die einmal in einer alten Wohnung war.</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-66" class="pagenum" title="66"></a>
- <p class="line">Ich hörte Deine Stimm&rsquo; und wie Du heißt,</p>
+ <p class="line">Ich hörte Deine Stimm&rsquo; und wie Du heißt,</p>
<p class="line">Und dachte an des Vaters Gestalt,</p>
<p class="line">Der mit Dir sprach, und dachte an der Ahne Geist.</p>
<p class="line">Die unter Sternen reisen, mild und kalt,</p>
- <p class="line">Und daß auch mich der Wind in Kreise reißt,</p>
- <p class="line">Im Traum der Straße, die mein Vater vor mir wallt,</p>
- <p class="line">Im Straßentraum dacht ich an einen Bart,</p>
+ <p class="line">Und daß auch mich der Wind in Kreise reißt,</p>
+ <p class="line">Im Traum der Straße, die mein Vater vor mir wallt,</p>
+ <p class="line">Im Straßentraum dacht ich an einen Bart,</p>
<p class="line">An eine Hand, vereist und brauner Art.</p>
<p class="line">An ungeheure Worte dacht ich: <span class="em">war</span> und <span class="em">alt</span>.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Im Straßentraum, da Gold vorüberfuhr,</p>
+ <p class="line">Im Straßentraum, da Gold vorüberfuhr,</p>
<p class="line">Und liebend ein Sonntagswind,</p>
<p class="line">Von fern erfuhr ich Deine Spur,</p>
- <p class="line">Und drehte mich nicht um, vom Träumen blind.</p>
- <p class="line">Ich weiß nicht, wo Du wandelst, weiß und nicht geschwind.</p>
+ <p class="line">Und drehte mich nicht um, vom Träumen blind.</p>
+ <p class="line">Ich weiß nicht, wo Du wandelst, weiß und nicht geschwind.</p>
<p class="line">Und ob Du bist, oder im Traume nur.</p>
<p class="line">Doch von den Kerzen lind, die in mir sind,</p>
<p class="line">Hub eine in der Kirche an und ist entbrannt,</p>
- <p class="line">Und ein Gefühl, verloren und noch unbenannt,</p>
- <p class="line">Begann, o Straßentraum, im Wind unterm Azur.</p>
+ <p class="line">Und ein Gefühl, verloren und noch unbenannt,</p>
+ <p class="line">Begann, o Straßentraum, im Wind unterm Azur.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-3-13">
<a id="page-67" class="pagenum" title="67"></a>
-Zwiegespräch an der Mauer des Paradieses
+Zwiegespräch an der Mauer des Paradieses
</h2>
<p class="speaker">
@@ -2217,10 +2183,10 @@ Adam
</p>
<div class="poem">
- <p class="line">Müde in den schmerzensreichen Schuhn,</p>
- <p class="line">Durch den Tag der Straßenqual gegangen .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Müde in den schmerzensreichen Schuhn,</p>
+ <p class="line">Durch den Tag der Straßenqual gegangen .&nbsp;.&nbsp;.</p>
<p class="line">Fang mich, Abend, auf, in Dir zu ruhn,</p>
- <p class="line">Süßer Ort, aus dem ich angefangen!</p>
+ <p class="line">Süßer Ort, aus dem ich angefangen!</p>
<p class="line">Meinen Pack von alten Schultern nun</p>
<p class="line">Werf ich ab mit einem langen, langen</p>
<p class="line">Atem, um mich ganz in Dich zu tun.</p>
@@ -2228,18 +2194,18 @@ Adam
<div class="poem">
<p class="line">Ja ich tauche auf aus allem Staub,</p>
- <p class="line">Süße Mauer, traumwärts hergebaute,</p>
+ <p class="line">Süße Mauer, traumwärts hergebaute,</p>
<p class="line">Tiefer Wind, der sich ins Haar mir staute,</p>
<p class="line">Als der Engel loderte im Laub!</p>
<p class="line">Ja ich komme mit den schweren Rinnen,</p>
- <p class="line">Scharfen Tränenschluchten im Gesicht.</p>
- <p class="line">Gärtner mit dem Bart, verstoß mich nicht,</p>
- <p class="line">Höre auf, mich zu beginnen!</p>
- <p class="line">Laß zum Tor verstürzen das Gemäuer.</p>
+ <p class="line">Scharfen Tränenschluchten im Gesicht.</p>
+ <p class="line">Gärtner mit dem Bart, verstoß mich nicht,</p>
+ <p class="line">Höre auf, mich zu beginnen!</p>
+ <p class="line">Laß zum Tor verstürzen das Gemäuer.</p>
<p class="line">Schlage eine kleine Bresche ein,</p>
- <p class="line">Daß ich sanft in einem Weidenfeuer,</p>
- <p class="line">Oder kräuselnd mich am Bach ein scheuer</p>
- <p class="line">Windgefährte hebe an zu sein.</p>
+ <p class="line">Daß ich sanft in einem Weidenfeuer,</p>
+ <p class="line">Oder kräuselnd mich am Bach ein scheuer</p>
+ <p class="line">Windgefährte hebe an zu sein.</p>
</div>
<p class="speaker">
@@ -2250,23 +2216,23 @@ Stimme aus dem Garten
<div class="poem">
<p class="line">Ich darf Dich nicht lassen ein,</p>
<p class="line">Und darf mich nicht lassen aus,</p>
- <p class="line">Ich muß mich fassen ein,</p>
- <p class="line">Und gieße Dich in Gassen aus.</p>
- <p class="line">Mein Haus ist wüst,</p>
+ <p class="line">Ich muß mich fassen ein,</p>
+ <p class="line">Und gieße Dich in Gassen aus.</p>
+ <p class="line">Mein Haus ist wüst,</p>
<p class="line">Meinen Garten hast Du versandet,</p>
- <p class="line">Ich bins, der für Dich büßt.</p>
+ <p class="line">Ich bins, der für Dich büßt.</p>
<p class="line">Kein Schwan mehr landet</p>
<p class="line">In meinem See, der hohlgeht und brandet.</p>
- <p class="line2">Die alten Bäume sind verbrannt,</p>
- <p class="line">Die schönen Tiere starben in Gesträuchen,</p>
- <p class="line">Und ich vermag die Würmer nicht zu scheuchen,</p>
+ <p class="line2">Die alten Bäume sind verbrannt,</p>
+ <p class="line">Die schönen Tiere starben in Gesträuchen,</p>
+ <p class="line">Und ich vermag die Würmer nicht zu scheuchen,</p>
<p class="line">Aus meinem Beet und Rebenstand.</p>
<p class="line2">Im Herbst, wie eine alte Frau</p>
<p class="line">Wall ich vorbei an eingesunkenen Malen,</p>
<p class="line2">So bettelhaft.</p>
<p class="line2">Dein ist die Kraft.</p>
- <p class="line">Mach, daß ich möge neu erstrahlen,</p>
- <p class="line">Aus dieser Wüste weggeworfener Schalen,</p>
+ <p class="line">Mach, daß ich möge neu erstrahlen,</p>
+ <p class="line">Aus dieser Wüste weggeworfener Schalen,</p>
<p class="line">Den guten Garten wieder auferbau!</p>
</div>
@@ -2287,7 +2253,7 @@ Stimme auf dem Garten
<div class="poem">
<p class="line">Wir sind, mein Sohn, so sehr verbunden,</p>
- <p class="line">Daß Du Dich triffst mit Deinem eigenen Wort.</p>
+ <p class="line">Daß Du Dich triffst mit Deinem eigenen Wort.</p>
</div>
<p class="speaker">
@@ -2311,9 +2277,9 @@ Adam
</p>
<div class="poem">
- <p class="line">Mir Abgebückten mit zerrissenen Füßen,</p>
- <p class="line">Willst Du die Tür des Schlafengehns verschließen?</p>
- <p class="line">Ist Gnade nicht Dein Gut zuhöchst erlaucht?</p>
+ <p class="line">Mir Abgebückten mit zerrissenen Füßen,</p>
+ <p class="line">Willst Du die Tür des Schlafengehns verschließen?</p>
+ <p class="line">Ist Gnade nicht Dein Gut zuhöchst erlaucht?</p>
</div>
<p class="speaker">
@@ -2322,9 +2288,9 @@ Stimme aus dem Garten
<div class="poem">
<p class="line">Ich habe meine Gnade ausgegeben,</p>
- <p class="line">Sie waltet unerschöpft in Deinem Leben,</p>
- <p class="line">Für Dich hab ich sie ganz,</p>
- <p class="line">Du nie für mich gebraucht.</p>
+ <p class="line">Sie waltet unerschöpft in Deinem Leben,</p>
+ <p class="line">Für Dich hab ich sie ganz,</p>
+ <p class="line">Du nie für mich gebraucht.</p>
</div>
<p class="speaker">
@@ -2341,7 +2307,7 @@ Stimme aus dem Garten
</p>
<div class="poem">
- <p class="line">Bestelle mich mit Deinen Händen,</p>
+ <p class="line">Bestelle mich mit Deinen Händen,</p>
<a id="page-70" class="pagenum" title="70"></a>
<p class="line">Und Heimat werden wir uns beide sein,</p>
<p class="line">Und kehren ein!</p>
@@ -2352,8 +2318,8 @@ Adam
</p>
<div class="poem">
- <p class="line">Weh, daß kein andres Wort mich tröste,</p>
- <p class="line">Und dies zurücke mich in Städte stößt!</p>
+ <p class="line">Weh, daß kein andres Wort mich tröste,</p>
+ <p class="line">Und dies zurücke mich in Städte stößt!</p>
</div>
<p class="speaker">
@@ -2361,8 +2327,8 @@ Stimme aus dem Garten
</p>
<div class="poem">
- <p class="line">Kind, wie ich Dich mit meinem Blut erlöste,</p>
- <p class="line">So wart&rsquo; ich weinend, daß Du mich erlöst.</p>
+ <p class="line">Kind, wie ich Dich mit meinem Blut erlöste,</p>
+ <p class="line">So wart&rsquo; ich weinend, daß Du mich erlöst.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-3-14">
@@ -2370,57 +2336,57 @@ Luzifers Abendlied
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Wenn ich über die nächtlichen Städte fahre,</p>
- <p class="line">Flatternder Mantel auf Nebel und Wind, der mich trägt .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Wenn ich über die nächtlichen Städte fahre,</p>
+ <p class="line">Flatternder Mantel auf Nebel und Wind, der mich trägt .&nbsp;.&nbsp;.</p>
<p class="line">Unter mir ist ein Abend der Tage und Jahre,</p>
<p class="line">Stuben sind hell und Fenster von Schatten bewegt.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und den Fluch im Genick muß ich all die Leidenden schauen.</p>
- <p class="line">Wie das lebt, wie das schlägt, und Worte bildet und glaubt.</p>
- <p class="line">Weinen und Sehnsucht zu all diesen Männern und Frauen</p>
- <p class="line">Faßt mich und beugt mein schwarzes, mein ewiges Haupt.</p>
+ <p class="line">Und den Fluch im Genick muß ich all die Leidenden schauen.</p>
+ <p class="line">Wie das lebt, wie das schlägt, und Worte bildet und glaubt.</p>
+ <p class="line">Weinen und Sehnsucht zu all diesen Männern und Frauen</p>
+ <p class="line">Faßt mich und beugt mein schwarzes, mein ewiges Haupt.</p>
<a id="page-71" class="pagenum" title="71"></a>
<p class="line">Und dem furchtbaren Blick erscheint in der alternden Kammer</p>
- <p class="line">Lehrerin, bitter und steif, die sich elend zu Ende führt.</p>
+ <p class="line">Lehrerin, bitter und steif, die sich elend zu Ende führt.</p>
<p class="line">Mutter, das Schwert im Herzen, die all ihren Jammer</p>
- <p class="line">Heilig ertragend im Hause die Hände rührt.</p>
+ <p class="line">Heilig ertragend im Hause die Hände rührt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Jugend geht in den Krieg und schweiget. Geizige Knochen</p>
- <p class="line">Schrecklicher Greife klappern von Haß verzehrt.</p>
+ <p class="line">Schrecklicher Greife klappern von Haß verzehrt.</p>
<p class="line">Selbst die Unschuld, geboren aus blutigen Wochen</p>
<p class="line">Hat den Leib einer lieblichen Frau verheert.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und sie tragen sich selbst mit Worten. Elend ist Glaube!</p>
- <p class="line">Manche ahnen die Lüge, Gefährten von meinem Fluch.</p>
- <p class="line">Doch eine süße Schwester mit weißer, edelster Haube,</p>
- <p class="line">Hütet den Kranken, und ebnet das fiebrische Tuch.</p>
+ <p class="line">Manche ahnen die Lüge, Gefährten von meinem Fluch.</p>
+ <p class="line">Doch eine süße Schwester mit weißer, edelster Haube,</p>
+ <p class="line">Hütet den Kranken, und ebnet das fiebrische Tuch.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Und sie nehmen es hin, daß sie sind, und zum Sterben geboren.</p>
- <p class="line">Manchmal lächeln sie gut, und tragen im Auge das Heil.</p>
+ <p class="line">Und sie nehmen es hin, daß sie sind, und zum Sterben geboren.</p>
+ <p class="line">Manchmal lächeln sie gut, und tragen im Auge das Heil.</p>
<a id="page-72" class="pagenum" title="72"></a>
- <p class="line">Und dann fühle ich weh: Ich bin verloren.</p>
- <p class="line">Stolz und geflügelt und hart, und unbeugsam und steil.</p>
+ <p class="line">Und dann fühle ich weh: Ich bin verloren.</p>
+ <p class="line">Stolz und geflügelt und hart, und unbeugsam und steil.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Ich bin der Geist ihrer Klage, der Gnadenlose und Klare,</p>
- <p class="line">Der sich gegen den Fluch despotischer Gnade bäumt!</p>
- <p class="line">Rein will ich sein und Geist, das ist Schmerz. Und heiße der Wahre,</p>
- <p class="line">Der umsonst an das Tor der Versöhnung und Liebe schäumt.</p>
+ <p class="line">Der sich gegen den Fluch despotischer Gnade bäumt!</p>
+ <p class="line">Rein will ich sein und Geist, das ist Schmerz. Und heiße der Wahre,</p>
+ <p class="line">Der umsonst an das Tor der Versöhnung und Liebe schäumt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Aber seh ich am Abend die so geliebten Gestalten,</p>
- <p class="line">Reißt mich Schluchzen dahin, und es sinket und schwebt</p>
- <p class="line">Aller Tränen die reinste, und ruht als Stern in den Falten</p>
+ <p class="line">Reißt mich Schluchzen dahin, und es sinket und schwebt</p>
+ <p class="line">Aller Tränen die reinste, und ruht als Stern in den Falten</p>
<p class="line">Kalten Himmels, Stern, der meinen unseligen Namen lebt.</p>
</div>
@@ -2437,8 +2403,8 @@ Held
<p class="line">Du Entfachter auf dem Scheiterhaufen,</p>
<p class="line">Dem die Feuer um die Stirne laufen,</p>
<a id="page-73" class="pagenum" title="73"></a>
- <p class="line">Sprich, was drückst Du die gepechten Drachen</p>
- <p class="line">An Dein Antlitz, überschwemmt von Lachen?</p>
+ <p class="line">Sprich, was drückst Du die gepechten Drachen</p>
+ <p class="line">An Dein Antlitz, überschwemmt von Lachen?</p>
</div>
<p class="speaker">
@@ -2449,7 +2415,7 @@ Heiliger
<p class="line">Reiter Du auf dem bebuschten Pferde,</p>
<p class="line">Sieh mich an. Ich bin die Schuld der Erde!</p>
<p class="line">Und ich zahl mich! Wie die Aschen sinken,</p>
- <p class="line">Brüllt schon Gott vor Lust, mich auszutrinken.</p>
+ <p class="line">Brüllt schon Gott vor Lust, mich auszutrinken.</p>
</div>
<p class="speaker">
@@ -2459,8 +2425,8 @@ Held
<div class="poem">
<p class="line">Nennst Du Trank Dich und zerbrichst den Becher,</p>
<p class="line">Sieh mich an! So nenne ich mich Zecher.</p>
- <p class="line">Dieses Da ist da, daß ich es saufe,</p>
- <p class="line">Und wer mich säuft, meiner überlaufe!</p>
+ <p class="line">Dieses Da ist da, daß ich es saufe,</p>
+ <p class="line">Und wer mich säuft, meiner überlaufe!</p>
</div>
<p class="speaker">
@@ -2470,8 +2436,8 @@ Heiliger
<div class="poem">
<p class="line">Eitelster, der auf dem Rosse reitet,</p>
<p class="line">Deinem Pferd ist mehr die Welt bereitet!</p>
- <p class="line">Ohne Opfer soll Dir Gott gehören?</p>
- <p class="line">Wen Gott will, den muß er sich zerstören!</p>
+ <p class="line">Ohne Opfer soll Dir Gott gehören?</p>
+ <p class="line">Wen Gott will, den muß er sich zerstören!</p>
</div>
<p class="speaker">
@@ -2480,7 +2446,7 @@ Held
<div class="poem">
<p class="line">Kann dies Jetzt denn ohne mich geraten?</p>
- <p class="line">Gibt es Leben außer meinen Taten?</p>
+ <p class="line">Gibt es Leben außer meinen Taten?</p>
<p class="line">Du und Er und alle sieben Reiche</p>
<p class="line">Sind, wenn ich sie in die Tasche streiche.</p>
</div>
@@ -2492,7 +2458,7 @@ Heiliger
<div class="poem">
<p class="line">Nennst Du Leben die verruchten Stunden?</p>
- <p class="line">Erst die Stunde, die Dich überwunden,</p>
+ <p class="line">Erst die Stunde, die Dich überwunden,</p>
<p class="line">Erst das Weh, zu dem Er Dich erkoren</p>
<p class="line">Hebt in Gnad Dich an. Du wirst geboren .&nbsp;.&nbsp;.</p>
</div>
@@ -2514,16 +2480,16 @@ Heiliger<br />
</p>
<div class="poem">
- <p class="line">Alexander über tausend Meeren,</p>
- <p class="line">Hör die Flammen an, die sich verzehren!</p>
- <p class="line">Hör den Staub, zu dem ich mich vermische!</p>
+ <p class="line">Alexander über tausend Meeren,</p>
+ <p class="line">Hör die Flammen an, die sich verzehren!</p>
+ <p class="line">Hör den Staub, zu dem ich mich vermische!</p>
<p class="line">Liegt ein Freund bei Dir an Deinem Tische,</p>
<p class="line">Ist sein Blut bestimmt, Dich zu bespritzen.</p>
- <p class="line">Du vergißt, auch Du kannst nur besitzen.</p>
- <p class="line">Schwer in Händen bleibt, was Du errungen,</p>
+ <p class="line">Du vergißt, auch Du kannst nur besitzen.</p>
+ <p class="line">Schwer in Händen bleibt, was Du errungen,</p>
<p class="line">Im Besitz schon hat Dich Gott bezwungen!</p>
- <p class="line">Daß er furchtbar seine Gnade wähle,</p>
- <p class="line">Rüste die noch nicht verdammte Seele!</p>
+ <p class="line">Daß er furchtbar seine Gnade wähle,</p>
+ <p class="line">Rüste die noch nicht verdammte Seele!</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-3-16">
@@ -2532,158 +2498,158 @@ Alte Dienstboten
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">In dem sanften Wallen der alten Frühlinge</p>
+ <p class="line">In dem sanften Wallen der alten Frühlinge</p>
<p class="line">Stehn die alten Dienerinnen von Haus zu Haus.</p>
<p class="line">Der ausgebrannte Himmel schwebt dem Mond entgegen,</p>
- <p class="line">Der Sonntag füllt mit seinem zarten Tod die Straße aus.</p>
- <p class="line">Sein letzter Odem trägt den Schall von Ruderschlägen,</p>
- <p class="line">Von Ufer, Hügelton und Klang von Weggesprächen her.</p>
- <p class="line">Die alten Mägde haben gütige Hüte auf,</p>
- <p class="line">Mild von Vergangenheit und kaum entlächelnd mehr.</p>
- <p class="line">Nur manche Masche oder kühne Rose schlägt zum Flug die Flügel auf.</p>
- <p class="line">Gestrickten Handschuh tun sie ab mit treuem Gruß und altem Nicken,</p>
+ <p class="line">Der Sonntag füllt mit seinem zarten Tod die Straße aus.</p>
+ <p class="line">Sein letzter Odem trägt den Schall von Ruderschlägen,</p>
+ <p class="line">Von Ufer, Hügelton und Klang von Weggesprächen her.</p>
+ <p class="line">Die alten Mägde haben gütige Hüte auf,</p>
+ <p class="line">Mild von Vergangenheit und kaum entlächelnd mehr.</p>
+ <p class="line">Nur manche Masche oder kühne Rose schlägt zum Flug die Flügel auf.</p>
+ <p class="line">Gestrickten Handschuh tun sie ab mit treuem Gruß und altem Nicken,</p>
<p class="line">Eh sie sich in das Dunkel ihrer Tore schicken.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Ach diese alten Frauen tragen ewig auf den alten Händen</p>
- <p class="line">Das erdenlose schluchzende Traumlicht vom frühen Tag.</p>
+ <p class="line">Ach diese alten Frauen tragen ewig auf den alten Händen</p>
+ <p class="line">Das erdenlose schluchzende Traumlicht vom frühen Tag.</p>
<p class="line">Wohin sie auch ihr Gehen wenden,</p>
- <p class="line">Klirrt ein Geschirr, ist Küche um sie, Stiege, alter Uhrenschlag.</p>
+ <p class="line">Klirrt ein Geschirr, ist Küche um sie, Stiege, alter Uhrenschlag.</p>
<a id="page-76" class="pagenum" title="76"></a>
- <p class="line">Im Hof ist Lärm, im Herd die ewige Kohle.</p>
- <p class="line">Sie hören auf dem Gang das Schlürfen ihrer Sohle,</p>
+ <p class="line">Im Hof ist Lärm, im Herd die ewige Kohle.</p>
+ <p class="line">Sie hören auf dem Gang das Schlürfen ihrer Sohle,</p>
<p class="line">Sie haben keinen Sohn und kein Geschick,</p>
<p class="line">Kein Bett zum Sterben breit. Nur kleinen Klatsch im Flur.</p>
- <p class="line">Schon keift die Herrin auf, die aus der Türe fuhr .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.</p>
- <p class="line">Unwandelbar in Ehrfurcht, so mit scheu gebeugtem Rücken</p>
- <p class="line">Sind sie bereit, sich neu zu ewigem Dienst zu bücken.</p>
+ <p class="line">Schon keift die Herrin auf, die aus der Türe fuhr .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Unwandelbar in Ehrfurcht, so mit scheu gebeugtem Rücken</p>
+ <p class="line">Sind sie bereit, sich neu zu ewigem Dienst zu bücken.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Doch ich Verworfener der Lust und Eitler in der Zeit,</p>
- <p class="line">Ich weiß, daß diese alten geisterhaften Leben</p>
- <p class="line">Sich ohne Ende über meins erheben,</p>
+ <p class="line">Ich weiß, daß diese alten geisterhaften Leben</p>
+ <p class="line">Sich ohne Ende über meins erheben,</p>
<p class="line">Das voll von Hoffart Worte machen mag.</p>
- <p class="line">Nur uns zu prüfen gab uns Gott den Tag,</p>
- <p class="line">Allein des Tages Sinn heißt Heiligkeit.</p>
- <p class="line">O heiliger Dienst, o Dienst, der niemals schließt,</p>
- <p class="line">O Einfalt, die nichts weiß und nichts genießt,</p>
- <p class="line">O Licht am Abend überm Tisch gebückt!</p>
- <p class="line">Gepriesenes Leben, Dienst! Mit abgeschundenen Händen,</p>
+ <p class="line">Nur uns zu prüfen gab uns Gott den Tag,</p>
+ <p class="line">Allein des Tages Sinn heißt Heiligkeit.</p>
+ <p class="line">O heiliger Dienst, o Dienst, der niemals schließt,</p>
+ <p class="line">O Einfalt, die nichts weiß und nichts genießt,</p>
+ <p class="line">O Licht am Abend überm Tisch gebückt!</p>
+ <p class="line">Gepriesenes Leben, Dienst! Mit abgeschundenen Händen,</p>
<p class="line">Sich irdisch tilgend, himmlisch zu vollenden!</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-3-17">
<a id="page-77" class="pagenum" title="77"></a>
-Jesus und der Äser-Weg
+Jesus und der Äser-Weg
</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Und als wir gingen von dem toten Hund,</p>
- <p class="line">Von dessen Zähnen mild der Herr gesprochen,</p>
- <p class="line">Entführte, er uns diesem Meeres-Sund</p>
+ <p class="line">Von dessen Zähnen mild der Herr gesprochen,</p>
+ <p class="line">Entführte, er uns diesem Meeres-Sund</p>
<p class="line">Den Berg empor, auf dem wir keuchend krochen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und als der Herr zuerst den Gipfel trat,</p>
<p class="line">Und wir schon standen auf den letzten Sprossen,</p>
- <p class="line">Verwies er uns zu Füßen Pfad an Pfad,</p>
- <p class="line">Und Wege, die im Sturm, zur Fläche schossen.</p>
+ <p class="line">Verwies er uns zu Füßen Pfad an Pfad,</p>
+ <p class="line">Und Wege, die im Sturm, zur Fläche schossen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Doch einer war, den jeder sanft erfand,</p>
- <p class="line">Und leiser jeder sah zu Tale fließen.</p>
- <p class="line">Und wie der Heiland süß sich umgewandt,</p>
- <p class="line">Da riefen wir und schrieen: Wähle diesen!</p>
+ <p class="line">Und leiser jeder sah zu Tale fließen.</p>
+ <p class="line">Und wie der Heiland süß sich umgewandt,</p>
+ <p class="line">Da riefen wir und schrieen: Wähle diesen!</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Er neigte nur das Haupt und ging voran,</p>
- <p class="line">Indes wir uns verzückten, daß wir lebten,</p>
- <p class="line">Von Luft berührt, die Grün in Grün zerrann,</p>
- <p class="line">Von Eich&rsquo; und Mandel, die vorüberschwebten.</p>
+ <p class="line">Indes wir uns verzückten, daß wir lebten,</p>
+ <p class="line">Von Luft berührt, die Grün in Grün zerrann,</p>
+ <p class="line">Von Eich&rsquo; und Mandel, die vorüberschwebten.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Doch plötzlich bäumte sich vor unserem Lauf</p>
- <p class="line">Zerfreßne Mauer und ein Tor inmitten.</p>
- <p class="line">Der Heiland stieß die dumpfe Pforte auf,</p>
+ <p class="line">Doch plötzlich bäumte sich vor unserem Lauf</p>
+ <p class="line">Zerfreßne Mauer und ein Tor inmitten.</p>
+ <p class="line">Der Heiland stieß die dumpfe Pforte auf,</p>
<p class="line">Und wartete bis wir hindurchgeschritten.</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-78" class="pagenum" title="78"></a>
- <p class="line">Und da geschah, was uns die Augen schloß,</p>
- <p class="line">Was uns wie Stämme auf die Schwelle pflanzte,</p>
- <p class="line">Denn greulich vor uns, wildverschlungen floß</p>
+ <p class="line">Und da geschah, was uns die Augen schloß,</p>
+ <p class="line">Was uns wie Stämme auf die Schwelle pflanzte,</p>
+ <p class="line">Denn greulich vor uns, wildverschlungen floß</p>
<p class="line">Ein Strom von Aas, auf dem die Sonne tanzte.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Verbissene Ratten schwammen im Gezücht</p>
- <p class="line">Von Schlangen, halb von Schärfe aufgefressen,</p>
+ <p class="line">Verbissene Ratten schwammen im Gezücht</p>
+ <p class="line">Von Schlangen, halb von Schärfe aufgefressen,</p>
<p class="line">Verweste Reh&rsquo; und Esel und ein Licht</p>
- <p class="line">Von Pest und Fliegen drüber unermessen.</p>
+ <p class="line">Von Pest und Fliegen drüber unermessen.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Ein schweflig Stinken und so ohne Maß</p>
+ <p class="line">Ein schweflig Stinken und so ohne Maß</p>
<p class="line">Aufbrodelte aus den verruchten Lachen,</p>
- <p class="line">Daß wir uns beugten übers gelbe Gras</p>
+ <p class="line">Daß wir uns beugten übers gelbe Gras</p>
<p class="line">Und uns vor uferloser Angst erbrachen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Der Heiland aber hob sich auf und schrie</p>
<p class="line">Und schrie zum Himmel, rasend ohne Ende:</p>
- <p class="line">&bdquo;Mein Gott und Vater, höre mich und wende</p>
+ <p class="line">&bdquo;Mein Gott und Vater, höre mich und wende</p>
<p class="line">Dies Grauen von mir und begnade die!</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Ich nannt&rsquo; mich Liebe, und nun packt mich auch</p>
- <p class="line">Dies Würgen vor dem scheußlichsten Gesetze.</p>
+ <p class="line">Dies Würgen vor dem scheußlichsten Gesetze.</p>
<p class="line">Ach, ich bin eitler, als die kleinste Metze</p>
- <p class="line">Und schnöder bin ich, als der letzte Gauch!</p>
+ <p class="line">Und schnöder bin ich, als der letzte Gauch!</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Mein Vater Du, so Du mein Vater bist,</p>
- <p class="line">Laß mich doch lieben dies verweste Wesen,</p>
- <p class="line">Laß mich im Aase Dein Erbarmen lesen!</p>
+ <p class="line">Laß mich doch lieben dies verweste Wesen,</p>
+ <p class="line">Laß mich im Aase Dein Erbarmen lesen!</p>
<p class="line">Ist das denn Liebe, wo noch Ekel ist?!&ldquo;</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-79" class="pagenum" title="79"></a>
- <p class="line">Und siehe! Plötzlich brauste sein Gesicht</p>
+ <p class="line">Und siehe! Plötzlich brauste sein Gesicht</p>
<p class="line">Von jenen Jagden, die wir alle kannten,</p>
- <p class="line">Und daß wir uns geblendet seitwärts wandten,</p>
+ <p class="line">Und daß wir uns geblendet seitwärts wandten,</p>
<p class="line">Verfing sich seinem Scheitel Licht um Licht!</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Er neigte wild sich nieder und vergrub</p>
- <p class="line">Die Hände ins verderbliche Geziefer,</p>
+ <p class="line">Die Hände ins verderbliche Geziefer,</p>
<p class="line">Und ach, von Rosen ein Geruch, ein tiefer,</p>
- <p class="line">Von seiner Weiße sich erhub.</p>
+ <p class="line">Von seiner Weiße sich erhub.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Er aber füllte seine Haare auf</p>
- <p class="line">Mit kleinem Aus und kränzte sich mit Schleichen,</p>
- <p class="line">Aus seinem Gürtel hingen hundert Leichen,</p>
+ <p class="line">Er aber füllte seine Haare auf</p>
+ <p class="line">Mit kleinem Aus und kränzte sich mit Schleichen,</p>
+ <p class="line">Aus seinem Gürtel hingen hundert Leichen,</p>
<p class="line">Von seiner Schulter Ratt und Fledermaus.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und wie er so im dunklen Tage stand,</p>
- <p class="line">Brachen die Berge auf, und Löwen weinten</p>
+ <p class="line">Brachen die Berge auf, und Löwen weinten</p>
<p class="line">An seinem Knie, und die zum Flug vereinten</p>
- <p class="line">Wildgänse brausten nieder unverwandt.</p>
+ <p class="line">Wildgänse brausten nieder unverwandt.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -2697,7 +2663,7 @@ Jesus und der Äser-Weg
<a id="page-81" class="pagenum" title="81"></a>
Neue Gedichte<br />
1916<br />
-(In Buchform noch nicht veröffentlicht)
+(In Buchform noch nicht veröffentlicht)
</h1>
<h2 class="chapter" id="chapter-4-1">
@@ -2706,62 +2672,62 @@ An den Richter
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Ich habe meine Lampe ausgelöscht und mich zu Bette gelegt in mein fremdes Bette.</p>
- <p class="line">Da wallte mir durchs Fenster die bleiche Welt der Nacht, und der aufgebaute Berg beugte sich über meine Brust und wankte.</p>
- <p class="line">Die reißenden Hunde bellten in den schattenlosen Höfen des mondreichen Dorfes und ich</p>
- <p class="line">Verwarf mich und stand auf und zündete die unwillige Lampe wieder an.</p>
+ <p class="line">Ich habe meine Lampe ausgelöscht und mich zu Bette gelegt in mein fremdes Bette.</p>
+ <p class="line">Da wallte mir durchs Fenster die bleiche Welt der Nacht, und der aufgebaute Berg beugte sich über meine Brust und wankte.</p>
+ <p class="line">Die reißenden Hunde bellten in den schattenlosen Höfen des mondreichen Dorfes und ich</p>
+ <p class="line">Verwarf mich und stand auf und zündete die unwillige Lampe wieder an.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Ich will nichts von den Früchten und Speisen genießen, die noch auf meinem Tische stehn, obgleich es mich gelüstet.</p>
+ <p class="line">Ich will nichts von den Früchten und Speisen genießen, die noch auf meinem Tische stehn, obgleich es mich gelüstet.</p>
<p class="line">Ach die Befriedigung vertritt uns Deinen Weg, und wer weich kniet, betet heiser.</p>
<p class="line">Mit dem Apfel lockt der Arzt das kranke Kind von seinem Weinen ab, um Fieber zu messen;</p>
- <p class="line">Weh uns, verheert von Lockung und Genuß, allzubereit die edle Stätte des ewigen Erkenntnisschmerzes zu verlassen!!</p>
+ <p class="line">Weh uns, verheert von Lockung und Genuß, allzubereit die edle Stätte des ewigen Erkenntnisschmerzes zu verlassen!!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">O mein Richter! Meine Feinde haben mich enträtselt, durchschaut und geschlagen.</p>
- <p class="line">Sie verwarfen mich, und ich mußte mich mit ihnen verbünden.</p>
+ <p class="line">O mein Richter! Meine Feinde haben mich enträtselt, durchschaut und geschlagen.</p>
+ <p class="line">Sie verwarfen mich, und ich mußte mich mit ihnen verbünden.</p>
<a id="page-83" class="pagenum" title="83"></a>
- <p class="line">Sie schalten mich: Scheinmensch, charakterlos, eitel, träge, gleichgültig, zu klein zur Sünde, zu gering zur Wohltat, schwach im Frevel und wertlos in der Reue,</p>
- <p class="line">Und ich hörte sie, und fuhr gegen mich, und gab ihnen Recht &mdash; mein Richter &mdash; und muß mich hassen!</p>
+ <p class="line">Sie schalten mich: Scheinmensch, charakterlos, eitel, träge, gleichgültig, zu klein zur Sünde, zu gering zur Wohltat, schwach im Frevel und wertlos in der Reue,</p>
+ <p class="line">Und ich hörte sie, und fuhr gegen mich, und gab ihnen Recht &mdash; mein Richter &mdash; und muß mich hassen!</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Ich bekenne &mdash; und wenn auch dies Eitelkeit ist, weh, vermag ich nichts dagegen, bekenne dennoch:</p>
- <p class="line">Ich war an diesem einzigen Tage so klein und niedrig, mittelmäßig und schwach, wie nicht einer! an meinem Tisch &mdash;</p>
- <p class="line">Höflich war ich aus Angst, lobsprecherisch aus Feigheit, aus Trägheit zweizüngig und ohne Halt, Liebe vergalt ich mit böser Hoffnung, Sorge mit sorglosem Schwachsinn.</p>
+ <p class="line">Ich war an diesem einzigen Tage so klein und niedrig, mittelmäßig und schwach, wie nicht einer! an meinem Tisch &mdash;</p>
+ <p class="line">Höflich war ich aus Angst, lobsprecherisch aus Feigheit, aus Trägheit zweizüngig und ohne Halt, Liebe vergalt ich mit böser Hoffnung, Sorge mit sorglosem Schwachsinn.</p>
<p class="line">Es ist nicht die Lust der Zerknirschung, wenn ich mich dem weidenden Vieh vergleiche.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Wie köstlich ist der kommende Tag, mein Richter, wie träumt man sich wandeln im Gebirg, wie hoffend auf Größe.</p>
- <p class="line">Aber der abgestorbene Tag ist schrecklich, man sieht sich ungern nach ihm um, wie nach einem Kübel voll Kehricht.</p>
+ <p class="line">Wie köstlich ist der kommende Tag, mein Richter, wie träumt man sich wandeln im Gebirg, wie hoffend auf Größe.</p>
+ <p class="line">Aber der abgestorbene Tag ist schrecklich, man sieht sich ungern nach ihm um, wie nach einem Kübel voll Kehricht.</p>
<a id="page-84" class="pagenum" title="84"></a>
<p class="line">Wird es immer so sein? Mein Tag immer so sein, bis zum letzten Tage?</p>
- <p class="line">Und wird sich im schmutzigen Kranken noch die alte Sturmglocke der Schuld empören?!</p>
+ <p class="line">Und wird sich im schmutzigen Kranken noch die alte Sturmglocke der Schuld empören?!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Mein Richter, ich weiß nichts vom kommenden Tag, von jenem Tag, nicht ob Du wirst zu Gerichte sitzen, mein Richter.</p>
- <p class="line">Aber Deinen Gerichtstag fürchte ich nicht, Deine Erhabenheit nicht, Dich nicht, mein Richter, mich fürchte ich, ich fürchte mich, Mich.</p>
- <p class="line">Meine lahme Seele fürchte ich, mein stummes Herz, den unverzweifelten Blick, den Leichtsinn, das So und So, das leere Achselzucken!</p>
- <p class="line">Ich weiß nicht, ob Du bist, mein Richter, aber ich wünsche, daß Du bist, mein Richter, und will Deine gute Rute besprechen.</p>
+ <p class="line">Mein Richter, ich weiß nichts vom kommenden Tag, von jenem Tag, nicht ob Du wirst zu Gerichte sitzen, mein Richter.</p>
+ <p class="line">Aber Deinen Gerichtstag fürchte ich nicht, Deine Erhabenheit nicht, Dich nicht, mein Richter, mich fürchte ich, ich fürchte mich, Mich.</p>
+ <p class="line">Meine lahme Seele fürchte ich, mein stummes Herz, den unverzweifelten Blick, den Leichtsinn, das So und So, das leere Achselzucken!</p>
+ <p class="line">Ich weiß nicht, ob Du bist, mein Richter, aber ich wünsche, daß Du bist, mein Richter, und will Deine gute Rute besprechen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Ich sitze in diesem kalten Zimmer vor meiner Lampe. Horchst Du an meinem Fenster? Ich kann die Sterne sehn.</p>
<p class="line">Ich wende meinen Kopf scheu zum Fenster, und rufe Dir diesen Gesang zu, und mache diesen Gesang den Schlafenden kund.</p>
- <p class="line">Meine Lampe erfriert. In das Grab des schrecklichsten Todes sehe ich, ich sehe den geistigen Tod, ich fühle das fieberlose Übel, Trägheit des Herzens!</p>
+ <p class="line">Meine Lampe erfriert. In das Grab des schrecklichsten Todes sehe ich, ich sehe den geistigen Tod, ich fühle das fieberlose Übel, Trägheit des Herzens!</p>
<a id="page-85" class="pagenum" title="85"></a>
- <p class="line">Mit kalten Fingern sitze ich da, ohne Hilfe, und völlig ratlos.</p>
+ <p class="line">Mit kalten Fingern sitze ich da, ohne Hilfe, und völlig ratlos.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Bald werde ich mich unter meine Decke legen, meinen Leib dehnen, und ruhig atmen.</p>
- <p class="line">Laß es nicht zu, mein Gott, dieses Stunde um Stunde, dies Heute und Gestern, dies Immer und Ewig!</p>
- <p class="line">Aber vielleicht hast Du keine Macht über mich, wie ich keine Macht über diesen Gesang habe, der in seiner Wahrheit noch gleisnerisch ist.</p>
- <p class="line">Und nicht einmal den Wahnsinn darfst Du mir mit seinen Sperberschwärmen und großen Steppen schenken!</p>
+ <p class="line">Laß es nicht zu, mein Gott, dieses Stunde um Stunde, dies Heute und Gestern, dies Immer und Ewig!</p>
+ <p class="line">Aber vielleicht hast Du keine Macht über mich, wie ich keine Macht über diesen Gesang habe, der in seiner Wahrheit noch gleisnerisch ist.</p>
+ <p class="line">Und nicht einmal den Wahnsinn darfst Du mir mit seinen Sperberschwärmen und großen Steppen schenken!</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-4-2">
@@ -2772,22 +2738,22 @@ Gebet um Reinheit
<p class="line">Nun wieder, mein Vater, ist kommen die Nacht, die alte immergleiche.</p>
<p class="line">Sie durchschreitet all uns die Wunderblinden mitten im Wunder.</p>
<p class="line">Und die Stunde ist da, wo die Menschen, unwissend des tiefen Zeichens,</p>
- <p class="line">Vor ihr Wasser treten, den Kopf eintauchen, und die beschmutzten Hände spülen.</p>
+ <p class="line">Vor ihr Wasser treten, den Kopf eintauchen, und die beschmutzten Hände spülen.</p>
</div>
<div class="poem">
<a id="page-86" class="pagenum" title="86"></a>
- <p class="line">O heilig Wasser der Erde, doppelt bestimmt, zu tränken und zu reinigen!</p>
+ <p class="line">O heilig Wasser der Erde, doppelt bestimmt, zu tränken und zu reinigen!</p>
<p class="line">O mein Gott, o mein Vater, heilig Wasser der Geisterwelt!</p>
- <p class="line">Ist nicht meine Sehnsucht nach Deiner Kühle Gewähr, das Du springst und spülst,</p>
- <p class="line">Ist nicht mein Zweifel noch das Hinlauschen nach Deinem süßen Gefälle?</p>
+ <p class="line">Ist nicht meine Sehnsucht nach Deiner Kühle Gewähr, das Du springst und spülst,</p>
+ <p class="line">Ist nicht mein Zweifel noch das Hinlauschen nach Deinem süßen Gefälle?</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Ich senke meinen Kopf und tauche ihn in die Feuchte des Lampenkreises.</p>
- <p class="line">Ich halte Dir meine beschmutzten Hände hin, wie ein Kind, das am Abend der Waschung wartet.</p>
- <p class="line">Nach einem lügnerischen Tage will ich mich sammeln, um in dieser Spanne wahr zu sein.</p>
- <p class="line">Ich will mich in meiner Hürde zusammendrängen, bis das Geheul meiner Eitelkeit verstummt.</p>
+ <p class="line">Ich halte Dir meine beschmutzten Hände hin, wie ein Kind, das am Abend der Waschung wartet.</p>
+ <p class="line">Nach einem lügnerischen Tage will ich mich sammeln, um in dieser Spanne wahr zu sein.</p>
+ <p class="line">Ich will mich in meiner Hürde zusammendrängen, bis das Geheul meiner Eitelkeit verstummt.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -2799,33 +2765,33 @@ Gebet um Reinheit
<div class="poem">
<a id="page-87" class="pagenum" title="87"></a>
- <p class="line">Ich habe einen Feind, mein Vater, der an meinem Tisch sitzt und Völlerei treibt,</p>
- <p class="line">Während ich meine verdorrten Hände falte und darbe, und sich am Fenster die Hungrigen drängen.</p>
- <p class="line">Ich habe einen Feind, der aufstoßend nach der Mahlzeit seine Zigarre raucht und fett wird,</p>
- <p class="line">Während ich immer geringer werde, und zusehn muß, wie er das Gut meiner Seele verpraßt.</p>
+ <p class="line">Ich habe einen Feind, mein Vater, der an meinem Tisch sitzt und Völlerei treibt,</p>
+ <p class="line">Während ich meine verdorrten Hände falte und darbe, und sich am Fenster die Hungrigen drängen.</p>
+ <p class="line">Ich habe einen Feind, der aufstoßend nach der Mahlzeit seine Zigarre raucht und fett wird,</p>
+ <p class="line">Während ich immer geringer werde, und zusehn muß, wie er das Gut meiner Seele verpraßt.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Ich habe einen Feind, mein Vater, der meine edle Rede in Geschwätz verkehrt und in Selbstbetrug.</p>
- <p class="line">Ich habe einen Feind, der mein Gewissen liebedienerisch macht, und meine Liebe mit Trägheit erstickt,</p>
+ <p class="line">Ich habe einen Feind, mein Vater, der meine edle Rede in Geschwätz verkehrt und in Selbstbetrug.</p>
+ <p class="line">Ich habe einen Feind, der mein Gewissen liebedienerisch macht, und meine Liebe mit Trägheit erstickt,</p>
<p class="line">Ich habe einen Feind, der mich zu jeder Niedrigkeit verleitet, zur Wollust des Sieges an den Spieltischen,</p>
- <p class="line">Der ich doch ein Meister der göttlichen Genüsse bin.</p>
+ <p class="line">Der ich doch ein Meister der göttlichen Genüsse bin.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Warum hast Du mich mit diesem Feind erschaffen, mein Vater, warum mich zu dieser Zwieheit gemacht?</p>
- <p class="line">Warum gabst Du mir nicht Einheit und Reinheit? Reinige, einige mich, o Du Gewässer!</p>
- <p class="line">Siehe, es wehklagen all Deine wissenden Kinder seit eh und je über die Zahl Zwei.</p>
+ <p class="line">Warum gabst Du mir nicht Einheit und Reinheit? Reinige, einige mich, o Du Gewässer!</p>
+ <p class="line">Siehe, es wehklagen all Deine wissenden Kinder seit eh und je über die Zahl Zwei.</p>
<a id="page-88" class="pagenum" title="88"></a>
- <p class="line">Ich tauche meinen Kopf ins Licht und halte Dir meine Hände hin zur Waschung.</p>
+ <p class="line">Ich tauche meinen Kopf ins Licht und halte Dir meine Hände hin zur Waschung.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Befreie mich, reinige mich, mein Vater, töte diesen</p>
- <p class="line">Feind, töte mich, ertränke diesen Mich!</p>
- <p class="line">Wie selig sind die Einfachen, die Unwissenden, selig die einfach Guten, selig die einfach Bösen!</p>
+ <p class="line">Befreie mich, reinige mich, mein Vater, töte diesen</p>
+ <p class="line">Feind, töte mich, ertränke diesen Mich!</p>
+ <p class="line">Wie selig sind die Einfachen, die Unwissenden, selig die einfach Guten, selig die einfach Bösen!</p>
<p class="line">Aber unselig, unselig die Entzweiten, die Zwiefachen, die zu- und abnehmenden Gegenspieler.</p>
- <p class="line">O heilig Gewässer, um Dein und meiner Größe willen, hilf mir!</p>
+ <p class="line">O heilig Gewässer, um Dein und meiner Größe willen, hilf mir!</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-4-3">
@@ -2834,40 +2800,40 @@ Einem Denker
<div class="poem">
<p class="line">Dein Blick, mein Bruder, hat mich erschreckt.</p>
- <p class="line">Ich habe um Deinen Mund und über Deinen Brauen einen bösen Mangel entdeckt.</p>
- <p class="line">Meine Sphäre war traurig,</p>
- <p class="line">Ihr mißfiel Deine Art</p>
+ <p class="line">Ich habe um Deinen Mund und über Deinen Brauen einen bösen Mangel entdeckt.</p>
+ <p class="line">Meine Sphäre war traurig,</p>
+ <p class="line">Ihr mißfiel Deine Art</p>
<p class="line">An der Spitze des Tisches zu sitzen, zierlich geduckt,</p>
- <p class="line">Mit gekreuzten Armen, freundlich, listig, kätzchenhaft.</p>
+ <p class="line">Mit gekreuzten Armen, freundlich, listig, kätzchenhaft.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Tu dieses Ducken aus Deinen, Augen, mein Freund!</p>
- <p class="line">Laß ab von der barbarischen Bereitschaft des Anklägers und Angreifers!</p>
+ <p class="line">Laß ab von der barbarischen Bereitschaft des Anklägers und Angreifers!</p>
<p class="line">Wie deute ich mir,</p>
<a id="page-89" class="pagenum" title="89"></a>
- <p class="line">Wie verstünd ich&rsquo;s,</p>
- <p class="line">Daß Du den feurigen Talar des Richters unverbrannt durch die gleichgültigen Räume trägst,</p>
- <p class="line">Daß Dein Wort Dir gelingt, Dein Schlaf Dir gelingt, Du Schläfer an Dir vorbei, Du nicht Erwachter!?</p>
+ <p class="line">Wie verstünd ich&rsquo;s,</p>
+ <p class="line">Daß Du den feurigen Talar des Richters unverbrannt durch die gleichgültigen Räume trägst,</p>
+ <p class="line">Daß Dein Wort Dir gelingt, Dein Schlaf Dir gelingt, Du Schläfer an Dir vorbei, Du nicht Erwachter!?</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Wie soll ich Dein Gebrechen nennen, Schläfer?</p>
- <p class="line">Ich will Dein Gebrechen Selbstgerechtigkeit nennen, Schläfer!</p>
+ <p class="line">Wie soll ich Dein Gebrechen nennen, Schläfer?</p>
+ <p class="line">Ich will Dein Gebrechen Selbstgerechtigkeit nennen, Schläfer!</p>
<p class="line">Denn wer zu Gericht sitzt,</p>
- <p class="line">Über die Sünder,</p>
+ <p class="line">Über die Sünder,</p>
<p class="line">Sitzt hinterm Kreuz, ist im Recht, braucht seiner Schuld nicht zu gedenken, darf sein Wesen vergessen,</p>
<p class="line">Und der Henker erspart die Pflicht, sich selbst den Kopf abzuhaun.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Ich bitte Dich mit der Hand auf dem Herzen, ich beschwöre Dich, laß ab davon!</p>
- <p class="line">Es ist mir sehr wohl bekannt, was uns alle zur Anklage treibt, zu Urteil, Bannstrahl, Ächtung und zu der Seligkeit des Hohns.</p>
+ <p class="line">Ich bitte Dich mit der Hand auf dem Herzen, ich beschwöre Dich, laß ab davon!</p>
+ <p class="line">Es ist mir sehr wohl bekannt, was uns alle zur Anklage treibt, zu Urteil, Bannstrahl, Ächtung und zu der Seligkeit des Hohns.</p>
<p class="line">Du aber bist wie ein Knabe,</p>
<p class="line">Und scheinst nicht zu wissen,</p>
- <p class="line">Daß Du nur angreifst, um Dich vor Dir zu verteidigen, daß Du mit Deinem Schilde <span class="em">Deine</span> Blöße bedeckst .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Daß Du nur angreifst, um Dich vor Dir zu verteidigen, daß Du mit Deinem Schilde <span class="em">Deine</span> Blöße bedeckst .&nbsp;.&nbsp;.</p>
<a id="page-90" class="pagenum" title="90"></a>
- <p class="line">Aber vergiß nicht, daß Aussatz und Räude dereinst unsern erhabensten Triumphschrei zum Gespött machen.</p>
+ <p class="line">Aber vergiß nicht, daß Aussatz und Räude dereinst unsern erhabensten Triumphschrei zum Gespött machen.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -2876,36 +2842,36 @@ Einem Denker
<p class="line">Kennst Du die starke Waffe</p>
<p class="line">Der wirklichen Sieger?</p>
<p class="line">Sie verachten das Wort, sie ziehn die Niederlage dem Sieg vor, sie ergeben sich, sie lassen sich gefangen nehmen .&nbsp;.&nbsp;.</p>
- <p class="line">Denn furchtbar ist der Demütige, furchtbarer der Reine, der sich erkennt, und ein Tamerlan, wer sich aufgibt!</p>
+ <p class="line">Denn furchtbar ist der Demütige, furchtbarer der Reine, der sich erkennt, und ein Tamerlan, wer sich aufgibt!</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Ich tadle Deine Philosophie, mein Bruder, weil sie die Philosophie der Gerichtshöfe ist.</p>
+ <p class="line">Ich tadle Deine Philosophie, mein Bruder, weil sie die Philosophie der Gerichtshöfe ist.</p>
<p class="line">Sie ist dialektisch, forensisch, sie betet das Wort an und die Unterscheidung der Worte.</p>
<p class="line">Aber die Worte sind</p>
<p class="line">Bedingter noch als die Dinge.</p>
<p class="line">Die Dinge verstellen den Geist, die Worte verstellen die Dinge, und der Geist der Worte</p>
<a id="page-91" class="pagenum" title="91"></a>
- <p class="line">Ist wundersam und angenehm zu fassen in seinen Gefügen und Reimen, aber eitel und trostlos für die Leidenden.</p>
+ <p class="line">Ist wundersam und angenehm zu fassen in seinen Gefügen und Reimen, aber eitel und trostlos für die Leidenden.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Sprich, o sprich mir nicht von all dem Frevel, der Dir widerfährt und Dich vereinsamt.</p>
- <p class="line">Glaube mir, die Unvollkommenheit, die uns trennt, ist lange nicht so groß, wie die Unvollkommenheit, die uns vereint.</p>
+ <p class="line">Sprich, o sprich mir nicht von all dem Frevel, der Dir widerfährt und Dich vereinsamt.</p>
+ <p class="line">Glaube mir, die Unvollkommenheit, die uns trennt, ist lange nicht so groß, wie die Unvollkommenheit, die uns vereint.</p>
<p class="line">In Dir ist aber noch</p>
<p class="line">Der alte Adam allzusehr!</p>
- <p class="line">So hängst Du Dich an Ehre, Mut und Mannheit, an die Tugenden der Bestie und ihre Vollkommenheit,</p>
- <p class="line">Vergissest, daß die Vollkommenheit die Lilie der göttlichen Vernichtung ist.</p>
+ <p class="line">So hängst Du Dich an Ehre, Mut und Mannheit, an die Tugenden der Bestie und ihre Vollkommenheit,</p>
+ <p class="line">Vergissest, daß die Vollkommenheit die Lilie der göttlichen Vernichtung ist.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Du bist zu schnell an den Betten vorübergegangen, auf denen die gelben Sterbenden rasten,</p>
- <p class="line">Du warst, mein Bruder, mit Gerichtsakten beschäftigt, als die Sträflinge ihren einstündigen Marsch im Hof anhuben.</p>
+ <p class="line">Du bist zu schnell an den Betten vorübergegangen, auf denen die gelben Sterbenden rasten,</p>
+ <p class="line">Du warst, mein Bruder, mit Gerichtsakten beschäftigt, als die Sträflinge ihren einstündigen Marsch im Hof anhuben.</p>
<p class="line">Du kennst jene Weisheit nicht,</p>
- <p class="line">Höher als alles Mitleid!</p>
- <p class="line">Du kennst nicht jenes Hindurcherkennen, plötzlichen Aufgang andern Lichts, die Demokratie der Ungleichheit, und das Bewußtsein, daß wir alle Hände haben,</p>
+ <p class="line">Höher als alles Mitleid!</p>
+ <p class="line">Du kennst nicht jenes Hindurcherkennen, plötzlichen Aufgang andern Lichts, die Demokratie der Ungleichheit, und das Bewußtsein, daß wir alle Hände haben,</p>
<a id="page-92" class="pagenum" title="92"></a>
- <p class="line">Du kennst noch nicht jene kostbaren Tränen, deren man wenig in einem Leben vergießt.</p>
+ <p class="line">Du kennst noch nicht jene kostbaren Tränen, deren man wenig in einem Leben vergießt.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-4-4">
@@ -2913,12 +2879,12 @@ Ballade von Wahn und Tod
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Im großen Raum des Tags</p>
+ <p class="line">Im großen Raum des Tags</p>
<p class="line">Die Stadt ging hohl, Novembermeer, und schallte schwer,</p>
<p class="line">Wie Sinai schallt. Vom Turm geballt</p>
<p class="line">Die Wolke fiel. &mdash; Erstickten Schlags</p>
<p class="line">Mein Ohr die Stunde traf,</p>
- <p class="line">Als ich gebeugt saß über mich zu sehr.</p>
+ <p class="line">Als ich gebeugt saß über mich zu sehr.</p>
<p class="line">Und ich entfiel mir, rollte hin, und schwankte da auf einem Schlaf.</p>
</div>
@@ -2934,7 +2900,7 @@ Ballade von Wahn und Tod
<div class="poem">
<a id="page-93" class="pagenum" title="93"></a>
- <p class="line">Nun höret, Freunde, es!</p>
+ <p class="line">Nun höret, Freunde, es!</p>
<p class="line">Als ich im schwarzen Tage stand, schlug mich eine leichte Hand.</p>
<p class="line">Ich stand gebannt an kalter Wand.</p>
<p class="line">O schwarzes, schreckliches</p>
@@ -2944,7 +2910,7 @@ Ballade von Wahn und Tod
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Es fügte sich kein Schein,</p>
+ <p class="line">Es fügte sich kein Schein,</p>
<p class="line">Und selbst das kleine schnelle Licht, das sich in falsche Rosen flicht,</p>
<p class="line">Und unterm Bild vergeht und schwillt,</p>
<p class="line">Das kleine Licht ging ein.</p>
@@ -2959,29 +2925,29 @@ Ballade von Wahn und Tod
<p class="line">Und wie am Eichenort ein Blatt war ich verdorrt.</p>
<p class="line">Weh, trocken, leicht und toll</p>
<a id="page-94" class="pagenum" title="94"></a>
- <p class="line">Fiel ich an mir herab und fuhr in Herbst und großem Stoß.</p>
+ <p class="line">Fiel ich an mir herab und fuhr in Herbst und großem Stoß.</p>
<p class="line">Mich nahm ein Wort und Wind mit fort,</p>
- <p class="line">Das Wort, das durch mich stieß, das Wort mit dreien Silben hieß, das Wort hieß: rettungslos.</p>
+ <p class="line">Das Wort, das durch mich stieß, das Wort mit dreien Silben hieß, das Wort hieß: rettungslos.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">O letzte Angst und Schmerz!</p>
- <p class="line">O Traum vom Flur, o Traum vom Haus, aus dem die Frau mich führte aus!</p>
- <p class="line">O Bett im Dunkel aufgestellt, auf dem sie mich entließ zur Welt.</p>
+ <p class="line">O Traum vom Flur, o Traum vom Haus, aus dem die Frau mich führte aus!</p>
+ <p class="line">O Bett im Dunkel aufgestellt, auf dem sie mich entließ zur Welt.</p>
<p class="line">Ich stand in schwarzem Erz,</p>
<p class="line">Und hielt mein Herz und konnte nicht schrein,</p>
<p class="line">Und sang ein &mdash; Rette mich &mdash; in mich ein.</p>
- <p class="line">Der Raum von Stein baute mich ein. Ich hörte schallen den Fluß und fallen, den Fluß: Allein</p>
+ <p class="line">Der Raum von Stein baute mich ein. Ich hörte schallen den Fluß und fallen, den Fluß: Allein</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und da es war also,</p>
- <p class="line">Tat sich mir kund mein letztes Los, und ich stieg auf aus allem Schoß.</p>
- <p class="line">Im schwarzen Traum vom Flur zerriß und klang die Schnur.</p>
+ <p class="line">Tat sich mir kund mein letztes Los, und ich stieg auf aus allem Schoß.</p>
+ <p class="line">Im schwarzen Traum vom Flur zerriß und klang die Schnur.</p>
<p class="line">Und ich erkannte so,</p>
<p class="line">Warum da leicht und fein die Hand mich schlug,</p>
<p class="line">Die schwach an meine Stirne fuhr,</p>
- <p class="line">Und meinen Gang geheim bezwang, daß ich nicht wankte mehr, und kaum mich selber trug.</p>
+ <p class="line">Und meinen Gang geheim bezwang, daß ich nicht wankte mehr, und kaum mich selber trug.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -2991,39 +2957,39 @@ Ballade von Wahn und Tod
<p class="line">Und der mir hart gebot, ich selber war mein Tod.</p>
<p class="line">Und nahm mir alles unverwandt,</p>
<p class="line">Und wand es fort aus meiner Hand und hielts gepackt &mdash;</p>
- <p class="line">Genuß und Liebe, Macht und Ruhm und jammernd die Dichtkunst zuletzt.</p>
- <p class="line">Und stand entsetzt und ausgesetzt und ohne Wahn und aufgetan und völlig nackt.</p>
+ <p class="line">Genuß und Liebe, Macht und Ruhm und jammernd die Dichtkunst zuletzt.</p>
+ <p class="line">Und stand entsetzt und ausgesetzt und ohne Wahn und aufgetan und völlig nackt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">O Tod, o Tod, ich sah</p>
<p class="line">Zum erstenmal mich wahrhaft sein, mich ohne Willen, Wunsch und Schein,</p>
- <p class="line">Wie Trinker nächtlich spät sich gegenüber steht.</p>
+ <p class="line">Wie Trinker nächtlich spät sich gegenüber steht.</p>
<p class="line">&mdash; &mdash; Er lacht und bleibt sich fern und nah &mdash; &mdash;</p>
<p class="line">Ich stand erstarrt in erster Gegen-Wart allein zu zwein.</p>
- <p class="line">(Ach, was wir sagen lügt schon, weil es spricht)</p>
+ <p class="line">(Ach, was wir sagen lügt schon, weil es spricht)</p>
<p class="line">Ich fand mich, ohne Wahn mich sein, und starb in mein Erwachen ein.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Im großen Raum des Tags</p>
+ <p class="line">Im großen Raum des Tags</p>
<p class="line">Hob ich mein Haupt auf aus dem Traum, und sah auf meinen Fensterbaum.</p>
<a id="page-96" class="pagenum" title="96"></a>
<p class="line">Die Stadt ging hohl, Novembermeer, und schallte schwer,</p>
- <p class="line">Der Himmel glühte noch kaum.</p>
- <p class="line">Ich aber ging hinab mit großem Haupt und Hut,</p>
- <p class="line">Und ging durch Straßen, rötliches Gebirg und Paß .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Der Himmel glühte noch kaum.</p>
+ <p class="line">Ich aber ging hinab mit großem Haupt und Hut,</p>
+ <p class="line">Und ging durch Straßen, rötliches Gebirg und Paß .&nbsp;.&nbsp;.</p>
<p class="line">Mein Haupt vom Traum umlaubt noch. Ging mit dumpfem Blut.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Ich ging, wie Tote gehn,</p>
<p class="line">Ein abgeschiedner Geist, verwaist und ungesehn.</p>
- <p class="line">Ich schwebte fern und kühl durch Heimkehr und Gewühl,</p>
+ <p class="line">Ich schwebte fern und kühl durch Heimkehr und Gewühl,</p>
<p class="line">Sah Kinder rennen und sah Bettler stehn.</p>
<p class="line">Ein Buckliger hielt sich den Bauch, und eine Greisin schwang den Stock und schrie,</p>
- <p class="line">Leicht eine Dame lächelte. Ein Mädchen küßte sich die Hand .&nbsp;.&nbsp;.</p>
- <p class="line">Und ich verstand, was sie verband, und schritt in großer Alchimie.</p>
+ <p class="line">Leicht eine Dame lächelte. Ein Mädchen küßte sich die Hand .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Und ich verstand, was sie verband, und schritt in großer Alchimie.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-4-5">
@@ -3033,24 +2999,24 @@ Der Tempel
<div class="poem">
<p class="line">O Tempel, in die</p>
<p class="line">Zarteste Stunde gebaut,</p>
- <p class="line">Wenn schon die unermüdlichen</p>
+ <p class="line">Wenn schon die unermüdlichen</p>
<p class="line">Schmetterlinge</p>
<p class="line">Die kreisenden welken an</p>
<a id="page-97" class="pagenum" title="97"></a>
<p class="line">Der alten Lampe des Weisen und</p>
- <p class="line">Die Träumer plötzlich das Haupt</p>
+ <p class="line">Die Träumer plötzlich das Haupt</p>
<p class="line">Tauchen aus tausend Fenstern.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Tempel,</p>
<p class="line">In solcher Stunde erschallend,</p>
- <p class="line">Läßt Du uns gehn</p>
- <p class="line">Über die Treppe.</p>
+ <p class="line">Läßt Du uns gehn</p>
+ <p class="line">Über die Treppe.</p>
<p class="line">Aber wenig leuchtet</p>
<p class="line">Die Laterne voran des Priesters,</p>
<p class="line">Wenn tief der Tierkreis</p>
- <p class="line">Brüllet und leis im Schlaf.</p>
+ <p class="line">Brüllet und leis im Schlaf.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -3063,7 +3029,7 @@ Der Tempel
<p class="line">Zum verschwommenen Knaben.</p>
<p class="line">Doch in dem hellen Boden</p>
<p class="line">Findet er sich bemessen</p>
- <p class="line">Zu unseren Füßen wieder</p>
+ <p class="line">Zu unseren Füßen wieder</p>
<p class="line">Genau</p>
<p class="line">Im bildenden Wasserteich.</p>
</div>
@@ -3071,25 +3037,25 @@ Der Tempel
<div class="poem">
<a id="page-98" class="pagenum" title="98"></a>
<p class="line">Wie da ruhen</p>
- <p class="line">Über unseren Schultern</p>
- <p class="line">Die einhaltenden Vögel,</p>
+ <p class="line">Über unseren Schultern</p>
+ <p class="line">Die einhaltenden Vögel,</p>
<p class="line">Die Planeten sich aus.</p>
<p class="line">Sitzen sanft eine Weil&rsquo; nur,</p>
- <p class="line">Geschlossene Flügel</p>
- <p class="line">Auf atemlosen Säulen.</p>
- <p class="line">Trällert einer im Schlaf.</p>
+ <p class="line">Geschlossene Flügel</p>
+ <p class="line">Auf atemlosen Säulen.</p>
+ <p class="line">Trällert einer im Schlaf.</p>
<p class="line">Aber als letzter</p>
<p class="line">Luzifer schwirrend</p>
<p class="line">Hebt sich hinweg</p>
<p class="line">Morgender Stern.</p>
- <p class="line">Mit fernem Gelächter</p>
+ <p class="line">Mit fernem Gelächter</p>
<p class="line">Spiegelnd Gefieder</p>
<p class="line">Im schon helleren Bassin.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Nun aber seh ich</p>
- <p class="line">Wolken grünen im Wasser.</p>
+ <p class="line">Wolken grünen im Wasser.</p>
<p class="line">Sehe dreifach</p>
<p class="line">Das Strandgut treiben</p>
<p class="line">Im kleinen Umkreis</p>
@@ -3097,8 +3063,8 @@ Der Tempel
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Wohl weiß ich,</p>
- <p class="line">Und nimmer täuschet mich wer,</p>
+ <p class="line">Wohl weiß ich,</p>
+ <p class="line">Und nimmer täuschet mich wer,</p>
<p class="line">Mattes und Morsches.</p>
</div>
@@ -3111,25 +3077,25 @@ Der Tempel
<p class="line">Drei Schatten schwimmen</p>
<p class="line">Auf wachsendem Himmel.</p>
<p class="line">Nun aber schreiten &mdash;</p>
- <p class="line">(Da es doch bald mehr Frühe ist)</p>
- <p class="line">Die Männer hinaus,</p>
+ <p class="line">(Da es doch bald mehr Frühe ist)</p>
+ <p class="line">Die Männer hinaus,</p>
<p class="line">Die herrlichen</p>
<p class="line">Nach der Abfertigung.</p>
- <p class="line">Über den Brauen</p>
+ <p class="line">Über den Brauen</p>
<p class="line">Schimmern die Glatzen vor Osten</p>
<p class="line">Sie neigen und schreiten,</p>
<p class="line">Die Heiligen schreiten</p>
<p class="line">Hinter Planeten.</p>
- <p class="line">Frühe Arbeiter</p>
- <p class="line">Und kühl</p>
+ <p class="line">Frühe Arbeiter</p>
+ <p class="line">Und kühl</p>
<p class="line">Von diesem Himmel und Frische.</p>
<p class="line">So schreiten sie,</p>
<p class="line">Ohne zu wecken,</p>
<p class="line">Gesenkte Stirnen,</p>
- <p class="line">Aus allen Türen zugleich</p>
+ <p class="line">Aus allen Türen zugleich</p>
<p class="line">Hinaus aus diesem</p>
<p class="line">Kuppelkreis,</p>
- <p class="line">Die Verschmäher der Speise.</p>
+ <p class="line">Die Verschmäher der Speise.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-4-6">
@@ -3138,76 +3104,76 @@ Die heilige Elisabeth
</h2>
<p class="dedication">
-für Gertrud Spirk
+für Gertrud Spirk
</p>
<div class="poem">
<p class="line">Wie sie geht</p>
- <p class="line">Die Schwester der fünften Stund und der Lerchen,</p>
+ <p class="line">Die Schwester der fünften Stund und der Lerchen,</p>
<p class="line">Unter dem noch versagenden Himmel,</p>
<p class="line">Dem atmenden Osten voraus!</p>
- <p class="line">Über Stufen</p>
+ <p class="line">Über Stufen</p>
<p class="line">Steigend nieder</p>
- <p class="line">Am Klirren vorbei des frühen Frühlings .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Am Klirren vorbei des frühen Frühlings .&nbsp;.&nbsp;.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line2">Aber es wehen noch, es fliegen</p>
- <p class="line2">Die wahrhaft gläubigen Träumer</p>
- <p class="line2">Durch Träume auf schlagenden Fittichen,</p>
- <p class="line2">Über den unzähligen Morgen,</p>
- <p class="line2">Stürzen sich in die Meere,</p>
+ <p class="line2">Die wahrhaft gläubigen Träumer</p>
+ <p class="line2">Durch Träume auf schlagenden Fittichen,</p>
+ <p class="line2">Über den unzähligen Morgen,</p>
+ <p class="line2">Stürzen sich in die Meere,</p>
<p class="line2">Brust und Haar voll Auferstehungswind.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Ihre Füße lächeln</p>
- <p class="line">Über die Steine nieder.</p>
+ <p class="line">Ihre Füße lächeln</p>
+ <p class="line">Über die Steine nieder.</p>
<p class="line">Doch in den harten</p>
- <p class="line">Gebeizten Händen</p>
- <p class="line">Hält sie, die Dienende,</p>
+ <p class="line">Gebeizten Händen</p>
+ <p class="line">Hält sie, die Dienende,</p>
<p class="line">Den gedeckten Korb.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Nun drängen schon</p>
- <p class="line">Hunde und räudige Krüppel,</p>
+ <p class="line">Nun drängen schon</p>
+ <p class="line">Hunde und räudige Krüppel,</p>
<a id="page-101" class="pagenum" title="101"></a>
- <p class="line">Krähende Tolle</p>
+ <p class="line">Krähende Tolle</p>
<p class="line">Sich an das Jenseits ihres Knies.</p>
- <p class="line">Bettler mit Näpfen</p>
+ <p class="line">Bettler mit Näpfen</p>
<p class="line">Heben sich auf,</p>
<p class="line">Gestreifte Kranke,</p>
- <p class="line">Lampe in Händen,</p>
+ <p class="line">Lampe in Händen,</p>
<p class="line">Hustende Kinder,</p>
<p class="line">Betrunkene Greise,</p>
- <p class="line">Huren, Gelichter, sterbende Sünder,</p>
+ <p class="line">Huren, Gelichter, sterbende Sünder,</p>
<p class="line">Wanken geschlossenen Auges ihr nach.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Schon heult die Stadt auf</p>
- <p class="line">Und ächzt in ihren Morgen ein.</p>
+ <p class="line">Und ächzt in ihren Morgen ein.</p>
<p class="line">Durch den Nebel der Kaserne</p>
<p class="line">Bricht die entsetzliche Trompete.</p>
- <p class="line">In den Asylen krächzt</p>
- <p class="line">Der Greis, gewälzt von der Bettstatt.</p>
- <p class="line">Flößerruf!</p>
+ <p class="line">In den Asylen krächzt</p>
+ <p class="line">Der Greis, gewälzt von der Bettstatt.</p>
+ <p class="line">Flößerruf!</p>
<p class="line">Die schweren unseligen Pferde</p>
- <p class="line">Neigen in Höfen ihr Haupt.</p>
+ <p class="line">Neigen in Höfen ihr Haupt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Sie geht noch,</p>
- <p class="line">Eh sie verfließt,</p>
- <p class="line">Eh ihr Aufwärtslächeln</p>
+ <p class="line">Eh sie verfließt,</p>
+ <p class="line">Eh ihr Aufwärtslächeln</p>
<p class="line">Sich einmischt in die Antwort des Himmels,</p>
<p class="line">Sie geht noch die Magd,</p>
<a id="page-102" class="pagenum" title="102"></a>
<p class="line">Sie weht noch die hohe Deutsche .&nbsp;.&nbsp;.</p>
- <p class="line">O Dämmerung ihres Haars,</p>
+ <p class="line">O Dämmerung ihres Haars,</p>
<p class="line">O Schritt, o Blick,</p>
- <p class="line">Wie sie geht, die Schwester der fünften Stunde!</p>
+ <p class="line">Wie sie geht, die Schwester der fünften Stunde!</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-4-7">
@@ -3215,24 +3181,24 @@ Der Ruf
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">So stand sie schon vor dem großen Nachmittagstor,</p>
+ <p class="line">So stand sie schon vor dem großen Nachmittagstor,</p>
<p class="line">Und hielt mit ihrer Hand den Durchblick zu.</p>
<p class="line">Ihr Kleid sang westlich im tiefen Wind.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line2">Dort aber war der Tag,</p>
- <p class="line">Wo Munde abwärts ernster werden,</p>
- <p class="line">Und Hände hart, die nicht mehr streichelnden.</p>
+ <p class="line">Wo Munde abwärts ernster werden,</p>
+ <p class="line">Und Hände hart, die nicht mehr streichelnden.</p>
<p class="line">Des Auges Willen geht dort nicht mehr aus vor Herz.</p>
<p class="line">Nicht rast das Antlitz mehr dort,</p>
- <p class="line">Die süße Fläche ebbet, weh flieht in sich.</p>
+ <p class="line">Die süße Fläche ebbet, weh flieht in sich.</p>
<p class="line">Der Schritt verwaltet keinen Tanz mehr dort.</p>
<p class="line">Schritt schreitet Arbeit, Arbeit, dort und Verlust.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line2">Ihr Fuß so stand auf dem Schwellenstein.</p>
+ <p class="line2">Ihr Fuß so stand auf dem Schwellenstein.</p>
<p class="line2">Doch ihre Hand vor ausblickendem Aug.</p>
<p class="line3">Das Haar im Zephyr leicht .&nbsp;.&nbsp;.</p>
<p class="line3">Ich rief sie an.</p>
@@ -3242,24 +3208,24 @@ Der Ruf
<p class="line">Doch wie sie sich wandte,</p>
<p class="line">Wie sie horchte nach dem Rufenden hin,</p>
<a id="page-103" class="pagenum" title="103"></a>
- <p class="line">Hob in den Lüften um sie ein Kampf an.</p>
- <p class="line">Die ernsten Dämonen des Ausgangs taten sich in Wind,</p>
- <p class="line">Rafften mahnend vorwärts Kleid ihr und Haar.</p>
- <p class="line">Aber die jauchzenden Götter des Ausgangs</p>
+ <p class="line">Hob in den Lüften um sie ein Kampf an.</p>
+ <p class="line">Die ernsten Dämonen des Ausgangs taten sich in Wind,</p>
+ <p class="line">Rafften mahnend vorwärts Kleid ihr und Haar.</p>
+ <p class="line">Aber die jauchzenden Götter des Ausgangs</p>
<p class="line">Warfen sich in die Saiten der Sonne,</p>
- <p class="line">Töneten, sangen die Leichte zurück.</p>
+ <p class="line">Töneten, sangen die Leichte zurück.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Da aber wankte ihr Antlitz unter den Schatten,</p>
<p class="line">Und sie sah mich stehn im rollenden Tag,</p>
- <p class="line">Sah mich unter den brüllenden Festen:</p>
- <p class="line">Ruhm, Mittag, Lüge, Gesang und Blauheit!</p>
- <p class="line">Sie selbst war Wachsen schon der Brüst&rsquo;, Aufbruch des Munds.</p>
+ <p class="line">Sah mich unter den brüllenden Festen:</p>
+ <p class="line">Ruhm, Mittag, Lüge, Gesang und Blauheit!</p>
+ <p class="line">Sie selbst war Wachsen schon der Brüst&rsquo;, Aufbruch des Munds.</p>
<p class="line">Ich rief noch einmal .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.</p>
<p class="line">Wie im leichten Schmerze,</p>
- <p class="line">Zögernd,</p>
- <p class="line">Wehte sie ihre edle Mädchenheit mir zu.</p>
+ <p class="line">Zögernd,</p>
+ <p class="line">Wehte sie ihre edle Mädchenheit mir zu.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-4-8">
@@ -3268,34 +3234,34 @@ Vergessen
<div class="poem">
<p class="line">An dieses Flusses Walten wachend,</p>
- <p class="line">Hinüberruhend</p>
- <p class="line">Nach des Eilands, nach des Schilfes nördlichem Drang,</p>
+ <p class="line">Hinüberruhend</p>
+ <p class="line">Nach des Eilands, nach des Schilfes nördlichem Drang,</p>
<p class="line">Habe ich Dein vergessen.</p>
- <p class="line">Vergaß Dein Antlitz,</p>
+ <p class="line">Vergaß Dein Antlitz,</p>
<a id="page-104" class="pagenum" title="104"></a>
- <p class="line">Deiner Züge Niederwehn</p>
- <p class="line">In die offenen harten armen Händ&rsquo;.</p>
+ <p class="line">Deiner Züge Niederwehn</p>
+ <p class="line">In die offenen harten armen Händ&rsquo;.</p>
<p class="line">Vergessen hab&rsquo; ich Deinen Abendschmerz in diesem Abend .&nbsp;.&nbsp;.</p>
- <p class="line">Niedrige Möven schnellen über Wirbel hin.</p>
+ <p class="line">Niedrige Möven schnellen über Wirbel hin.</p>
<p class="line">Das Gras braust in die Nacht.</p>
- <p class="line">Weh mein Gesicht ist Sünde!</p>
+ <p class="line">Weh mein Gesicht ist Sünde!</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-4-9">
-Müdigkeit
+Müdigkeit
</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Tiefe Schwester der Welt</p>
<p class="line">Weilt auf bewimpeltem Bord,</p>
- <p class="line">Schützt ihren Krug vor dem Glanz,</p>
- <p class="line">Der schon im Westen zerstürzt.</p>
+ <p class="line">Schützt ihren Krug vor dem Glanz,</p>
+ <p class="line">Der schon im Westen zerstürzt.</p>
</div>
<div class="poem">
- <p class="line">Mit dem Gelächter des Volks</p>
- <p class="line">Löst sich das Schifflein und schäumt.</p>
- <p class="line">Aber die Göttin und Gold</p>
+ <p class="line">Mit dem Gelächter des Volks</p>
+ <p class="line">Löst sich das Schifflein und schäumt.</p>
+ <p class="line">Aber die Göttin und Gold</p>
<p class="line">Rollt mit den Wellen noch lang.</p>
</div>
@@ -3310,8 +3276,8 @@ Müdigkeit
<p class="line">Abendgestade und Blick</p>
<p class="line">Schwinden hin. Kiel und Delphin.</p>
<a id="page-105" class="pagenum" title="105"></a>
- <p class="line">Lebt noch über der Bucht</p>
- <p class="line">Maulbeer, Limone und Öl?</p>
+ <p class="line">Lebt noch über der Bucht</p>
+ <p class="line">Maulbeer, Limone und Öl?</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-4-10">
@@ -3319,10 +3285,10 @@ Schrei
</h2>
<div class="poem">
- <p class="line">Es wandeln oben vielleicht die reinen Dämonen,</p>
+ <p class="line">Es wandeln oben vielleicht die reinen Dämonen,</p>
<p class="line">Ernste Frauen,</p>
<p class="line">Weilende Augen ohne Ebbe,</p>
- <p class="line">Mit abwärts schon wachsendem Mund .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Mit abwärts schon wachsendem Mund .&nbsp;.&nbsp;.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -3335,16 +3301,16 @@ Schrei
<p class="line">Und dennoch</p>
<p class="line">Von uns befallen,</p>
<p class="line">Von uns befallen.</p>
- <p class="line">Im Hals den großen Skorpion,</p>
+ <p class="line">Im Hals den großen Skorpion,</p>
<p class="line">Der an den Gaumen juckt.</p>
<p class="line">Den gebundenen Teufel,</p>
<p class="line">Mit Stachel und Scher&rsquo;,</p>
<p class="line">Den mordenden Asmodi,</p>
- <p class="line">Der zum Mund ausführt,</p>
+ <p class="line">Der zum Mund ausführt,</p>
<p class="line">Verbindlich, eitel, wohlgestalt,</p>
<a id="page-106" class="pagenum" title="106"></a>
- <p class="line">Der Lügenvater</p>
- <p class="line">Über unsere</p>
+ <p class="line">Der Lügenvater</p>
+ <p class="line">Über unsere</p>
<p class="line">Edle</p>
<p class="line">Von Wahrheit blutende Lippe.</p>
</div>
@@ -3352,17 +3318,17 @@ Schrei
<div class="poem">
<p class="line">Wir unten, wir,</p>
<p class="line">Hilflos wie Knechte!</p>
- <p class="line">Erstickt von Betrügen</p>
- <p class="line">Erwürgt von Verraten,</p>
+ <p class="line">Erstickt von Betrügen</p>
+ <p class="line">Erwürgt von Verraten,</p>
<p class="line">Gebeugte Auswandrer</p>
<p class="line">Wir aus uns selber,</p>
<p class="line">Verbrecher, verfolgt</p>
<p class="line">Von gemordeten Worten.</p>
- <p class="line">Wettläufer ins Aus,</p>
+ <p class="line">Wettläufer ins Aus,</p>
<p class="line">Preisspringer ins Ende,</p>
- <p class="line">Von den Türmen der Stunden &mdash;</p>
+ <p class="line">Von den Türmen der Stunden &mdash;</p>
<p class="line">Zerekelt, ewiglich, elend, &mdash;</p>
- <p class="line">Träge uns schleudernd in Schlaf.</p>
+ <p class="line">Träge uns schleudernd in Schlaf.</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="chapter-4-11">
@@ -3371,19 +3337,19 @@ Der Dichter
<div class="poem">
<p class="line">Ah! Ich habe mich ausverraten.</p>
- <p class="line">Mein entsetzliches Geheimnis und mein gütiges,</p>
+ <p class="line">Mein entsetzliches Geheimnis und mein gütiges,</p>
<p class="line">Aus den Kasernen der Verstellung ausgebrochen!!</p>
- <p class="line">Das gepflegte Antlitz meiner Lüge,</p>
+ <p class="line">Das gepflegte Antlitz meiner Lüge,</p>
<p class="line">Das blatternarbige Antlitz meiner Wahrheit,</p>
<a id="page-107" class="pagenum" title="107"></a>
- <p class="line">Enträtselt sich zur Wahrheit.</p>
+ <p class="line">Enträtselt sich zur Wahrheit.</p>
<p class="line">Ich schrieb mir unbekannte Chiffernschrift,</p>
<p class="line">Unerbittlich log ich Wahrheit.</p>
<p class="line">Nun beginne ich mich zu bedeuten,</p>
- <p class="line">Nun beginne ich hinter meinem Weiß hervorzukommen,</p>
- <p class="line">Nun baue ich mich auf mit abgehackten Händen .&nbsp;.&nbsp;.</p>
+ <p class="line">Nun beginne ich hinter meinem Weiß hervorzukommen,</p>
+ <p class="line">Nun baue ich mich auf mit abgehackten Händen .&nbsp;.&nbsp;.</p>
<p class="line">Hilflos</p>
- <p class="line">Höhn ich mich Hilflosen von fern an.</p>
+ <p class="line">Höhn ich mich Hilflosen von fern an.</p>
</div>
</div>
@@ -3404,10 +3370,10 @@ Der Dichter
<tr><td class="left">Im winterlichen Hospital</td><td class="right"><a href="#chapter-1-4">9</a></td></tr>
<tr><td class="left">Sterben im Walde</td><td class="right"><a href="#chapter-1-5">11</a></td></tr>
<tr><td class="left">Das Malheur</td><td class="right"><a href="#chapter-1-6">12</a></td></tr>
- <tr><td class="left">Erzherzogin und Bürgermeister</td><td class="right"><a href="#chapter-1-7">14</a></td></tr>
+ <tr><td class="left">Erzherzogin und Bürgermeister</td><td class="right"><a href="#chapter-1-7">14</a></td></tr>
<tr><td class="left">Der Patriarch</td><td class="right"><a href="#chapter-1-8">15</a></td></tr>
<tr><td class="left">Solo des zarten Lumpen</td><td class="right"><a href="#chapter-1-9">17</a></td></tr>
- <tr><td class="left">Der schöne strahlende Mensch</td><td class="right"><a href="#chapter-1-10">18</a></td></tr>
+ <tr><td class="left">Der schöne strahlende Mensch</td><td class="right"><a href="#chapter-1-10">18</a></td></tr>
<tr><td class="left">Wanderlied</td><td class="right"><a href="#chapter-1-11">19</a></td></tr>
<tr><td class="left">Der kriegerische Weltfreund</td><td class="right"><a href="#chapter-1-12">20</a></td></tr>
<tr><td class="left">Ich habe eine gute Tat getan</td><td class="right"><a href="#chapter-1-13">21</a></td></tr>
@@ -3416,7 +3382,7 @@ Der Dichter
<tr><td class="header" colspan="2">Aus: &bdquo;<span class="em">Wir sind</span>&ldquo;</td></tr>
<tr><td class="left">Die Unverlassene</td><td class="right"><a href="#chapter-2-1">26</a></td></tr>
- <tr><td class="left">Als mich Dein Wandeln an den Tod verzückte</td><td class="right"><a href="#chapter-2-2">27</a></td></tr>
+ <tr><td class="left">Als mich Dein Wandeln an den Tod verzückte</td><td class="right"><a href="#chapter-2-2">27</a></td></tr>
<tr><td class="left">Vater und Sohn</td><td class="right"><a href="#chapter-2-3">28</a></td></tr>
<tr><td class="left">Die Witwe am Bette ihres Sohnes</td><td class="right"><a href="#chapter-2-4">29</a></td></tr>
<tr><td class="left">Balance der Welt</td><td class="right"><a href="#chapter-2-5">31</a></td></tr>
@@ -3424,7 +3390,7 @@ Der Dichter
<tr><td class="left">Eine alte Frau geht</td><td class="right"><a href="#chapter-2-7">33</a></td></tr>
<tr><td class="left">Nacht-Fragment</td><td class="right"><a href="#chapter-2-8">35</a></td></tr>
<tr><td class="left">Das erkaltende Herz</td><td class="right"><a href="#chapter-2-9">36</a></td></tr>
- <tr><td class="left">Der göttliche Portier</td><td class="right"><a href="#chapter-2-10">37</a></td></tr>
+ <tr><td class="left">Der göttliche Portier</td><td class="right"><a href="#chapter-2-10">37</a></td></tr>
<tr><td class="left">Ein Lebens-Lied</td><td class="right"><a href="#chapter-2-11">38</a></td></tr>
<tr><td class="left">Ein Anderes</td><td class="right"><a href="#chapter-2-12">40</a></td></tr>
<tr><td class="left">Amore</td><td class="right"><a href="#chapter-2-13">41</a></td></tr>
@@ -3433,7 +3399,7 @@ Der Dichter
<tr><td class="header" colspan="2">Aus: &bdquo;<span class="em">Einander</span>&ldquo;</td></tr>
- <tr><td class="left">Lächeln Atmen Schreiten</td><td class="right"><a href="#chapter-3-1">48</a></td></tr>
+ <tr><td class="left">Lächeln Atmen Schreiten</td><td class="right"><a href="#chapter-3-1">48</a></td></tr>
<tr><td class="left">Das Jenseits</td><td class="right"><a href="#chapter-3-2">50</a></td></tr>
<tr><td class="left">Warum mein Gott</td><td class="right"><a href="#chapter-3-3">51</a></td></tr>
<tr><td class="left">Die Tugend</td><td class="right"><a href="#chapter-3-4">53</a></td></tr>
@@ -3443,13 +3409,13 @@ Der Dichter
<tr><td class="left">Romanze einer Schlange</td><td class="right"><a href="#chapter-3-8">58</a></td></tr>
<tr><td class="left">Tempel-Traum</td><td class="right"><a href="#chapter-3-9">60</a></td></tr>
<tr><td class="left">Ein Abendgesang</td><td class="right"><a href="#chapter-3-10">62</a></td></tr>
- <tr><td class="left">Mondlied eines Mädchens</td><td class="right"><a href="#chapter-3-11">63</a></td></tr>
+ <tr><td class="left">Mondlied eines Mädchens</td><td class="right"><a href="#chapter-3-11">63</a></td></tr>
<tr><td class="left">Eines alten Lehrers Stimme im Traum</td><td class="right"><a href="#chapter-3-12">65</a></td></tr>
- <tr><td class="left">Zwiegespräch an der Mauer des Paradieses</td><td class="right"><a href="#chapter-3-13">67</a></td></tr>
+ <tr><td class="left">Zwiegespräch an der Mauer des Paradieses</td><td class="right"><a href="#chapter-3-13">67</a></td></tr>
<tr><td class="left">Luzifers Abendlied</td><td class="right"><a href="#chapter-3-14">70</a></td></tr>
<tr><td class="left">Held und Heiliger</td><td class="right"><a href="#chapter-3-15">72</a></td></tr>
<tr><td class="left">Alte Dienstboten</td><td class="right"><a href="#chapter-3-16">75</a></td></tr>
- <tr><td class="left">Jesus und der Äser-Weg</td><td class="right"><a href="#chapter-3-17">77</a></td></tr>
+ <tr><td class="left">Jesus und der Äser-Weg</td><td class="right"><a href="#chapter-3-17">77</a></td></tr>
<tr><td class="header" colspan="2"><span class="em">Neue Gedichte</span></td></tr>
@@ -3462,7 +3428,7 @@ Der Dichter
<tr><td class="left">Die heilige Elisabeth</td><td class="right"><a href="#chapter-4-6">100</a></td></tr>
<tr><td class="left">Der Ruf</td><td class="right"><a href="#chapter-4-7">102</a></td></tr>
<tr><td class="left">Vergessen</td><td class="right"><a href="#chapter-4-8">103</a></td></tr>
- <tr><td class="left">Müdigkeit</td><td class="right"><a href="#chapter-4-9">104</a></td></tr>
+ <tr><td class="left">Müdigkeit</td><td class="right"><a href="#chapter-4-9">104</a></td></tr>
<tr><td class="left">Schrei</td><td class="right"><a href="#chapter-4-10">105</a></td></tr>
<tr><td class="left">Der Dichter</td><td class="right"><a href="#chapter-4-11">106</a></td></tr>
@@ -3505,385 +3471,12 @@ M 4.50, in Pappband M 3.50.
</p>
<p>
-<span class="em">Die Versuchung.</span> Ein Gespräch.
+<span class="em">Die Versuchung.</span> Ein Gespräch.
Geheftet M -.80; gebunden M 1.50.
</p>
</div>
-
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-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of Project Gutenberg's Gesänge aus den drei Reichen, by Franz Werfel
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESÄNGE AUS DEN DREI REICHEN ***
-
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+<div>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 41883 ***</div>
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