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--- /dev/null
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@@ -0,0 +1,1402 @@
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 41706 ***
+
+VERBRÜDERUNG
+
+
+GEDICHTE
+VON
+JOHANNES R. BECHER
+
+
+LEIPZIG
+KURT WOLFF VERLAG
+1916
+
+
+Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig-R. Februar 1916
+als fünfundzwanzigster Band der Bücherei »Der jüngste
+Tag«. / Die Gedichte »Verbrüderung« wurden in den
+Jahren 1915 und 1916 in Berlin geschrieben
+Sie sind meinen Freunden gewidmet
+
+
+COPYRIGHT 1916 BY KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
+
+
+
+
+Erster Teil
+
+Kreuzzug / Ekstasen der Zärtlichkeit /
+Abschied von den Frauen
+
+
+Nicht daß wir zärtlich-feig oft in die Lauben uns stahlen --
+Kampf war auch dies. Krieg. Vergewaltigung.
+Versuch: wütigen Vorwärtsstemmens,
+Überallhin zündend Brüderlichkeit zu entfalten,
+_Paradies erarbeiten!_
+Aber, Gott zu säen in die Gefilde des Weibs:
+Wie noch vergebens . . .
+
+
+
+
+Ödipus
+
+
+I
+
+ Der Knabe wartet auf die Mutterblüte,
+ Die unter bauschenden Gewändern thront.
+ Da kommt sie strahlend weich: die Mutterblüte,
+ Von keinem Mann, von ihm nur fern bewohnt.
+
+ Der Vater muß verreisen in den Norden.
+ Niemand herein in unsere Nächte stört.
+ (. . . ach Vater du wie oft um sie gemordet . . .)
+ Der Mutterblüte tief er angehört. --
+
+ Er fuhr dazwischen. Spät. Mit Ofenhacken.
+ Der jagt ihn, Sturm, aus süßem Wiegenbett.
+ Nun wird er gleich, ein Vieh, die Mutter packen.
+ Schnurrbart spritzt rechts und links gleich Bajonett.
+
+ Sie spült herauf. Davon die Fleische klirren.
+ Entfloh ihm taumelnd, als der Zug noch stand.
+ Die Mutterblüte muß ihn arg verwirren.
+ Manchmal auszackt sie wie der Hölle Brand.
+
+
+II
+
+An den Vater
+
+ Schlangenader längs der Stirne rollt.
+ Gabel stößt er pfeifend in Salat.
+ Weißer Suppe krummes Maul träuft voll.
+ Makkaroni würgt aus Nase grad.
+
+ In den Weinberg kroch er, dichtes Laub,
+ Den Kniefällen seiner Kinder taub:
+ Dorther wächst und wächst ein Donnerschnarchen.
+ Die ihn sucht, sich bückt --: sie schreckt die Blöße.
+ Auf den Lippen gischtet Spülichtschlamm.
+ Szepter in der Faust des Patriarchen.
+ Füße Schweiß mit ihren Haaren klamm
+ Wäscht sie. Arme Braut des Bösen.
+
+ Später, da er vor den weiten Plätzen
+ Ängstigend sich preßt in ihren Arm --
+ Seufzer schickt sie den Erbarmungsblicken,
+ So ihr zu oft glänzende Herren nicken . . .
+ (Mancher stößt sich in sie rauschend warm).
+ Die ihm dient als Boot zum Übersetzen.
+ Ausgeleiert. Nur ein Ausstück. Fetzen.
+
+ Finger birgt sie, die erfroren rot
+ Von Stricknadeln (Messerwald) durchlöchert.
+ Aus geschwollener Augen Köcher
+ Spritzeln Tränen auf zerdrehtes Brot.
+
+ Niederstürzt sie, die er täppisch rupft,
+ An die sich heraufwälzt stumpfer Bauch.
+ Zitternd in ihr kleines Bett sie schlupft:
+ Ausgesogen, starr. Ein windiger Schlauch.
+
+ Bei dem Löffel in die Teller Klirren --:
+ Hund am Tisch du! Klaffender Tyrann!
+ Wo dein Sohn, Indianer, dir auflauert
+ Zwischen Zähnen Beil er fiebernd kauert
+ Vor dem Schlafgemach -- bis schwirrend
+ Saust das Beil! Das Beil --: es fällt dich an!
+
+
+
+
+Mädchen
+
+
+I
+
+Franziska
+
+ Du Engel ihm vom Zigarettenladen!
+ Ein Ingenieur pflückt dich als Bräutigam.
+ Wir dürfen nachts im Raum der Gärten baden.
+ Wenn orgeln Sonntags gute Bettler am
+ Geblümten Weg, mit Karussells beladen,
+ Der Isarstrom verzweigt in grünen Bändern --
+ Die Augen sich mit dessen Schein berändern.
+
+ Doch bald --: er explodiert mit Bombenschritten
+ _Ein neuer Vater!_ in dem Schlafgemach!!
+ Der Faust entrasseln paukende Gewitter.
+ Und tausend Väter kollern heulend nach!
+ Gepeitschte aller Welt in uns erzittern.
+ Rückflüchten wir. Es brennt die heimlichste der Lauben.
+ Sie wollte nurmehr -- aus -- dem Browning glauben.
+
+ Dein Jüngling schrie durch jene finsteren Nächte
+ An seine Mutter. Auch sie --: fühllos kalt.
+ Sie wird kein Wort in solche Zuckung sprechen.
+ Doch dess Gehirn durchrauscht soviel an Wald,
+ Gebirg, Veranden: überwölbt von Bächen
+ Azur, inmitten bunt die Sonne platzt.
+ O, Frühjahrsregen an die Fenster kratzt.
+
+ Die läßt ihn nicht. Hoch seine Schulter kriecht
+ Sie wie Gewürm. Du kannst mir nicht entfallen!
+ Da --: in die Brüste ihr die Kugel sticht.
+ Und draußen muß man mit dem Frühstück lallen.
+ Bald löscht auch er. -- Bis groß die Tür ausbricht:
+ Schutzleute stehn enorm mit Riesenbeilen,
+ Behelmte Götter sich im Raum verteilend.
+
+
+II
+
+Dorka
+
+ Sie --: Dorka. Die ein orphischer Erdsturz braust.
+ Ihn aufwarf und bereißt. Entsog. Zerstückte.
+ Ihm Helferin zu seinem ersten Bau.
+
+ Um deren Mund sich Sturm aus Bajonetten zückte.
+ Armeeen sich im Abgrund ihres Nabels schlugen.
+ (-- vor der er sich zum Trank der Gosse bückte --)
+
+ Wie lang schlief er in solchen Leibes Fuge.
+ Nie je war Nacht so fabelhafte Nacht.
+ Mit Engeln, die uns auf der Wolken Samtbett trugen.
+
+ Sie Dorka. Die ein schmetterndes Orchester lacht!
+ Am Horizont aufsteht sie, wachsend ungeheuer.
+ Die Sterne purzeln tönend in den Schacht
+
+ Des Schoßes. Wolkgemäuer
+ Treibt vor und schäumt und klebt sich in die Haut.
+ Von Küsten euch o Lippen sprudelt Feuer! Feuer!!
+
+ Vor dem der Dachstuhl aller Kathedralen taut.
+ Der Haare schwarze Fahn zuhöchst dem Haupt gehißt.
+ . . . und von Morästen braut
+
+ Es, untermischt mit Wiesen, um den Flor
+ Der Wimpern, die gleich Lanzengittern niederschatten.
+ Um Locken Waldung sprießt ein Natternchor.
+
+ An Schläfen Nester triefender Kasematten.
+
+
+III
+
+Mary
+
+ Gefügt aus Kurven, die sich mystisch paaren,
+ Ellipsenscheiben; Pyramidenwald
+ Muß deinem Haupt zu wehendem Turm sich scharen.
+ Der Finger Lilie gen die Sonn gekrallt . . .
+ Café das Beet, aus dem du lächelnd sprießt.
+ Wie oft wir uns um diesen Hals schon rankten!
+ So laß dich tragen! Eisiger Mondschwamm fließt.
+ Und Wind zerrt knisternd deinen Hut, den schwanken.
+ Umstellt dich Reih starrfunkelnder Laternen:
+ Gebogenheit an solchem Leib zu lernen.
+
+ Man wird stets denken: Atem dieser Brüste!
+ Und morgens lösch ich mit der Frühe aus!
+ Die Nacht zerrauscht an deiner Glieder Küste.
+ Man hört hindurch der schwarzen Meere Braus.
+ Ein Rundes schält sich aus ovalen Zeichen,
+ Die wieder drehn in Linien Zickzack unter.
+ Heut aber willst du Tier mit Park uns reichen
+ Im Kelch des Worts --: Millionen Fischlein munter
+
+ Läßt du ein Wirrnis durch die Lüfte strahlen.
+ Der Silberlöwe fährt, ein Tollpatsch, drein.
+ Ein Zebra mußt du auch den Dom anmalen.
+ Eidechsen Ornament dich benedeit.
+ An Gitterästen kleben Spülichtratten,
+ Wie sauberweiß! Von rosenem Flaum betan.
+ Gleich frommen Hündlein hüpfen auf und ab dir Nattern.
+ Sich tönend neigt, jahrtausendalt, der Schwan.
+
+ Die Zauberin ins Paradies. Gefieder
+ Der Schneee wogt durch dampfende Mittagsluft.
+ Da steigst du auf. Kehrst du am Abend wieder?!
+ . . . nur wimmernd ächzet die Matratzengruft . . .
+ Der Stadt Geräusche schrillen ineinander.
+ Kanäleschiffe schnellen rings vorbei
+ Du balanzierst auf des Gebirges Kante,
+ Faltest die Kerker, Heilige, entzwei.
+
+
+IV
+
+Emmy
+
+ Du deren Mund an Horizonte knüpfte
+ Einst düsteren Dichter --: er beträumt dich schwer.
+ Du hausest Engel tief in Unterschlüpfen.
+ Versammlerin an kaum betretenem Ort.
+
+ Fanatisch du gestreckt von Jenes Wort --
+ Hah! Schwingst allein dich drehend schon auf Barrikaden!
+ Im Schrein aller Gehirn Reliquienfetzen.
+
+ Ja --: Satzgefüge tollste meißeln dich:
+ Geschwür. Wirr deinen Körper geißelt
+ Der Menschheit Auf- und Niedersteigen. Jäh der Treppen Schritt . . .
+
+ Und diese Hand so schlug _sprengt!_ deine Brüste.
+ O! Jungfrau von Orleans unsere!
+ Fahnen: Gesänge hüllen dich.
+
+
+
+
+Aus den Sonetten um C.
+
+
+I
+
+ Er hüpfet lächelnd kraus von Schleierwinken
+ Durch Wiese, loh im Scharlachabend brennend.
+ Schlägt von der Marmorberge Postament,
+ Bis rauhe Lippen solcher Süße trinken:
+
+ Ein wenig Mond mit Firmament gemischt,
+ Stöße von Nacht und Träume Intervallen.
+ Daß seine Augen auf die Städte fallen,
+ Gläsern und trunken. Kühl ihr Weißes lischt.
+
+ . . . Ihr Bögen dürftet nicht den Strom mehr drücken
+ Der gleich Palästen aufgestauten Brücken.
+ Alleeen rinnen hoch der Finsternis,
+
+ Kaum flockt zerbrochenen Mondes grüner Firnis.
+ Er aber schläft. Sein blutig Lid es hängt
+ Ein jäher Dorn in Hyazinthenfrühe öd.
+
+
+II
+
+ Sie streift ihn kaum. Doch deinen dunklen Gärten
+ Ward er zum Bräutigam wie unbemerkt.
+ Nun tanzt und wiehert er mit lichten Pferden.
+ Besingt den Mondtag als sein schönstes Werk.
+
+ Voll bunter Knospen stehn in Brand die Haare.
+ In Ohres Muscheln flüstern Samoware.
+ Ein weicher Strom verzückt ums Aug sich streut.
+ Der Stirne Golf im weiten Strahl sich freut.
+
+ Ein Tod er trifft ihn schlafend unverwundet.
+ Zypressentraum herbstlicher Nächte mundet.
+ Von Cymbeln hingerafft ins Blau . . . Noch fand
+
+ An ihren Lippen Ruh die steife Hand.
+ Und Küsse lang wie Nektar ausgeschlürft.
+ Als hieß es heut zum erstenmal: »Ihr dürft . . .«
+
+
+III
+
+ Ihr Angesicht erfüllt von nächtigem Mohne,
+ Drum kräuseln rührend spitze Lilaschatten:
+ Ein Lächeln, das einst fremde Länder hatten,
+ Bevor sie Frauen wurden, Stadt und Ton.
+
+ Die Zedernfüße steigen kaum im Schwung
+ Von Tänzerinnen. Doch der Mund ist schon.
+ Sie pendelt kurz, ein blankes Medaillon.
+ Auf dessen Schildrund rückt die Dämmerung
+
+ Nur manchmal. Horizonte Ungefähres
+ Webt feucht darin. Geborstene Türen klinken.
+ Um ihretwillen müssen Damen schminken,
+
+ Kraß Tuben klexen in ein höhnisch Leeres
+ Zerrissenes Oval. Asyle stinken.
+ Sie _steht!_ Ihr die Verrufenen winken -- --.
+
+
+IV
+
+ Der Räuber Tod ließ dich wie einen Zeiger
+ Auf deinem Blatte vor der Stunde stehn.
+ Der Atem hört ein Schlagwerk auf zu gehn.
+ (. . . Und Menschen rings auf Plätzen wirr gesteigert . . .)
+
+ Ein Pferd will sich vor rosenem Schoß leicht schmiegen.
+ Im laubichten Haar versammeln sich die Fliegen.
+ Aus Augen Waben träuft ein Honigmet.
+ Geborstene Schatten winken noch . . . zu spät.
+
+ Die Sonne strömt. Aus Seliger Revier
+ Spült der Choral (er schmilzt den Kerker) --: Wir!!
+ Dein Triller wie auf höchstem Seile blinkt.
+
+ Schwank über Frühjahrs krummen Regenbogen
+ Er schaukelt, dreht . . . gleitend hinabgezogen.
+ Bis ers Finale der Posaunen bringt.
+
+
+
+
+An C.
+
+
+Manchmal meine ich, Du könntest eine Geschichte aus mir machen und mir ist,
+als ob das Sterben, jetzt oder später, leichter würde, wenn man weiß: ich
+selber konnte wohl nichts tun, aber es geschah irgend etwas durch mich.
+
+C.
+
+ Der Nacht quoll: schief verworren
+ Wölbt sich jetzt Morgen grad.
+ Du kannst ihn schreiten sehen
+ Ganz Wind und Schwebezeit.
+
+ Sein Aug umstreichen Flüsse.
+ Tosender Wälder Schwung
+ Flackt um der Berge Schulter.
+ Des Tages Purpurküsse.
+
+ Du kannst ihn schreiten sehen.
+ Nicht Qual fretzt ihn. Kein Dorn.
+ Der Nacht quoll: schief verworren
+ Ganz Wind und Schwebezeit.
+
+ Aus Lilienfinger geußt dem
+ Gekrümmten Schwangeren Balsam.
+ Säuglingen, den Asylen
+ Träuft er der Lippen Brod.
+
+ (. . . einst stürzten Worte Unflat,
+ Nun schmilzt ein Mond im Tönen.
+ Wie Quell springts aus der Flöte Horn.
+ Jetzt kaum noch Mietskasernen stöhnen . . .)
+
+ Du kannst ihn schreiten sehen
+ -- die goldenen Wagen rauschen --
+ Mit schmetterndem Tempostampfen,
+ Wo sich vor brüchigem Tor
+ Sein Volk in den Azur löst.
+
+
+II
+
+ Mond im Fluten Traums verweht,
+ Nachtigallen dich besuchen.
+ Wickelst dich aus schweißigem Tuche,
+ Tanzest auf Balkonen spät,
+
+ Flackert noch ob dem Staket
+ Morgens klein der bunte Shawl.
+ Purpurküsse ausgesät
+ Schlürft er in den Städten fahl.
+
+ In der Autos Röcheltuten
+ Gluckst ihm dünn dein Husten ganz.
+ Sprengt er laut entzwei die Buden.
+ Zirpt der Karusselle Kranz.
+
+ ». . . Jäh in Huren die hohl kichern
+ Schnappt dein höchster Triller über.
+ Rette uns zu dir hinüber
+ Engel . . .« Herbstlaub wischt der Dichter.
+
+ Unter Türen, Räderspeichen
+ Kauert brüchig das Gebild.
+ Harfenfinger in die Leichen
+ Krallt es schüttelnd, tönend wild.
+
+ »Wiesen streust du aus. Im Gang
+ Kräuseln Wälder. Ströme Falten
+ Zündeln hoch in mystischem Schwang.
+ Kniee stoßen grad basalten.
+ Um die Schläfe schmiegt dein Gang.
+
+ Langsam schmilzt der Stern ins Haar.
+ Flöte summt der Samowar.
+ Weite Weite gräbt sich trüber.
+ Rollt ein Atem -- Nächte Wind.
+ Pferdeaugen blühn im Kind.
+ Engel rette uns hinüber! . . .«
+
+
+III
+
+ Wir möchten uns begreifen
+ Hindurch, ja ganz das Unsere
+ In tauben Küssen fühlen.
+ Das alles: Bett, Fluß, Stühle,
+ Im Haar von Rosa Schleifen . . .
+ Das aber schreit als Unseres:
+ Im Schoß das Haupt zerwühlen,
+ Wie Stürme fetzend durch die Körper schweifen.
+
+ Oft nächtens wir uns tönend schwingen
+ Aus brüchigem Mund zu vollerem Baum.
+ Empor aus Tier und öliger Straße fingen
+ Auf Lüften selig gleitend ein wir Gott und Sternen-Raum.
+ Da stürzten Väter borstig-jähe
+ Herab den Trunkenen aus den Sphären.
+ Schwangere Mütter kreischend scheren
+ Ihm ab der Locken Schnee.
+
+ Das Grab klafft uns bereitet.
+ Flößte uns Gifte ein im Trunk.
+ In Herbst-Laub fahl gekleidet
+ Wir schwieren in der Dämmerung
+ Der großen Städte. Quollen
+ Nicht Fahnen Ruß aus Stein und Schlot.
+ Man Nebel schlürft zum Abend-Brot.
+ Die Därme gleich Fabriken schollen.
+
+ Und Echo brüllte tausendfach.
+ Da rinnen Augen klein. Erwacht
+ Des Engels Daseins-Blüte?!
+ Er geußt die Lilien-Hand. Ein Strich
+ Bog ab der Brust den Messer-Stich.
+ Neu formt er Rock und Hüte.
+
+ Wie Bläue hell durchs Land geweitet
+ Schlug auf in uns er Zelt und Pfühl.
+ Am Firmament heroisch schreiten
+ Wir aus, zu Flöte süßestem Spiel.
+
+
+
+
+Ekstasen der Zärtlichkeit
+
+
+Du Einzige,
+Die mich verstand
+Die meine glühenden Verbrechen
+Selig verwand.
+Die meinen tiefen Schöpfergram
+Ins Heilige gemildert
+In ihren Geist hinübernahm.
+
+Mombert
+
+
+I
+
+ Dein Gang elastisch. Die Gelände wirbeln.
+ Ein roter Dorfturm stach verzückt ins Blau.
+ Die Rinnsal-Straßen mögen dich nie fassen.
+ Turban deines Haupts --: Spirale blumigen Regenbogenflusses.
+
+ So müssen immer Städte dich besingen,
+ Der grünsten Falterwiese zirpende Schalmei,
+ Von Reisauflauf ein Ruch dich ganz bedringen.
+ Da Kinder kehren Wäsche unterm Arm vom Baden heim.
+
+ Du: die Entfaltete. Geblümte Möbel reihen sich dir zum Halsband
+ schlicht.
+ Ists auch kein Sieg der aus den Gewaltmärschen längs der Küste deiner
+ Lippen blüht.
+ Immer aber schon ein Streif Paradies aus dem Tau deiner Haare sich
+ löste.
+ Jener Märtyrer-Brüder Phalanx sucht sich in dir zurück.
+
+ Libellen muntere über dem See im Spiegel deiner Ovalnägel wiederfanden
+ sie sich.
+ Der aber als violettes Zebra im Gitterkäfig, von der Mondschlucht
+ Weich beraunt . . . O geschnitzte Karussellpferdchen dich melodisch
+ umkreiselnd!
+ Du heilige Jungfrau, Mutter unsere! Palast in dem der Mann vergeht zu
+ Urkindwildnis, Jünglinge siedende gossen sich sterbend über die
+ Planke deiner Hüfte.
+ Oft. Und einer um den anderen.
+ Je nachdem . . .
+
+ Viel Ozeandampfer hängen in Korallenzweigen,
+ Mit Fischen ziehend durch das Lochgebiß.
+ Dein Lächeln könnte sie zusammenfügen,
+ Die schwebten wieder groß im Meer gewiß.
+
+ Wie tausend Tote gleich Geliebten kauern,
+ Sie spreitzen sich gens wolkichte Gebild.
+ Wind stutzt die Dornen der Granatenbrände:
+ Atem dein auch glättend den Berserker wild.
+
+ Mütter so dich immer wiederholen:
+ Schreiterin im sprühenden Ornat.
+ Vielecksonnen breiten auf den Wangen,
+ Dem vom Schleier überzogenen Gletscherfeld.
+
+
+II
+
+ . . . und immer muß sie aus Geräuschen brodeln,
+ Hinflutend auch im großen Nächtewind.
+ Symphonisch Klirren der entfachten Fenster
+ Aus derer Augen zuckend bräunstem Rund.
+
+ Die Teiche vor der Stadt sie lächeln dich.
+ Dich meint die Heimkehr tönender Soldaten.
+ Zu deinen Füßen baut sich Strich um Strich,
+ Und Plätze mit der Sonne schwer beladen.
+
+ Wie klar es ist: daß dich der Zug nur will,
+ Der von der Brück ab in den Äther springt.
+ Die Transparente blitzen deinen Namen.
+ Du aller Kinos dröhnendes Plakat.
+
+ Und wenn dich noch die kleinen Dinger rufen,
+ Rot aus dem Bauch in spitzigen Glast geschält.
+ Auf Bänken Strolche sich in dir verankern.
+ Dich jeder ausspricht der ins Dunkel stürzt.
+
+ Erlöste Tiere ruhen in deiner Fächer-Hände Schatten,
+ Weit Menschenvölker spielend miteinand.
+ Die müssen bunte Fahnen um dich flattern.
+ Muster eingewoben dem Gewand.
+
+
+III
+
+ Zinnobere Bäche. Mosaik der Wälder.
+ Gehäuft ob Bergen Trichter Sonne gell.
+ Firnis des Monds. Verschlungener Täler Brausen.
+ Geborstene Städte -- brüllende! -- Schalmei.
+
+ Und Niederknallen blökender Idioten --
+ Und Dächerbalanzieren, sternwärts Taumeln --
+ Und Liebender Geflüster vom Kanal --
+ So buntgeflickte Segel hissen dich!!
+
+ Er wird dich durch die vielen Länder tragen
+ Der junge Dichter, strahlende um ihn.
+ Ein Himalaya muß er tönend ragen,
+ Um den die Schwärme, Stern und Wolken jagen,
+ Zu dessen Füßen neue Städte knien.
+
+ Wie schlingt sich wirr um ihn dein Haargefieder.
+ Der Küsse Knospe reiht sich dicht zum Kranz.
+ Ein zitternd Fragen, Hin und her Erwidern.
+ Das zuckt wie Harfe aus den Lüften gell.
+ Der Geist, der Geist er muß Gewalt beenden,
+ Die stinkicht aufquoll: Krieg an allen Enden!
+
+ Den Geist der Tat, du wirst ihn heftig läutern
+ Beginnen! rufen. Zeigen vor uns wild.
+
+ Hah! Schon zu Hunderten Kasernen meutern.
+ Nun werden sich die alten Staaten häuten.
+ Du trägst dich vor uns gleich ein Palmenschild.
+ Schwebst, Heiland licht, durch tödliche Gewimmer.
+ Sichtbar am Horizont als Rosenschimmer.
+
+
+IV
+
+ Du Hüterin! . . . Da reißt sich schief
+ Grimassenhäuser Front, da packen
+ Der Gäule Hufe ins Gehirn.
+ Ein Dom treibt Widerhaken.
+ Du Hüterin . . . Die ziehst du all
+ Heraus magnetischer Streichelhände.
+ . . . O Haupt im Tabernackelschoß . . .
+ Laß mich, dir gut, vollenden!
+
+ Und Tag! und Tag! Hah grellstes Licht
+ Peitscht an, rings Züge sausen.
+ Ein lilabrauner Himmel schwer
+ Presst tief. Im Pflaster scheint uns wer.
+ Gespenstertote hausen.
+ Man brüllt nach Du. Dein Atem bricht
+ In längsten Samumstößen.
+ Es stockt und ebbt schon der Tumult:
+ Melodisch schwemmen Abendfluren.
+ Wir Fabelschiffe wiegen.
+
+ -- Du fütterst ihn. Du ziehst ihn groß.
+ Wie ist er da entsprossen!
+ Gleich Fahne flackert dessen Hos.
+ Vorbei die Kugeln spritzten.
+ Von dir gedacht er: so gefeit.
+ Gestauter Welt ein Zünder.
+ Die Arme wehen Signale weit.
+ Ekstatischer Verkünder!!!
+
+ O Einsamkeit -- jetzt überwand
+ Dich heißestes Zerdringen.
+ Mein Prisma du, von mir durchbrannt
+ Zu tausend Strahlen schwingend.
+ Du streichest aus der Frauen dumpf
+ Gehock. Kristallenen Klumpen knetend,
+ Jäh meiner Brust: finster geballt.
+ Ein Labyrinth von Schimmelwald,
+ Erfüllt mit Mord der Schul und Väter.
+
+ Wir kehren nicht zurück zum Schoß,
+ Gen Scharlachdämmerungen.
+ Vom Fundament wir bauten los
+ Uns. Tod ward übersprungen.
+ Du Brücke aus der Nacht Revier --
+ Geharnischte Winter schlagen.
+ Wir schweben fest! Der Kragen
+ Dreht sich zum Strick. Du löst ihn mir.
+
+ Du Engel an der Pforte.
+ So bin ich aufgeschält.
+ Es blühen aus Vase meines Munds euch Heimatworte.
+ An deiner Stirn sich reibend auf perlig: ein Lilienfeld.
+ Verhüllte Meere knistern
+ Herein, der Donner breiter Takt.
+ Wir aber landeten an Küsten
+ Mit Gärten, Mond und Freund beflaggt.
+
+ Du klaffst: des Eilands Brunnen,
+ Daraus der reine Mann sich schöpft.
+ Nah Aeroplane knurren.
+ Ein Sterngewimmel tropft.
+ Von schaukelnden Tribünen
+ Gleich Flamm der Dichter loht:
+ Der Völker Psalmenhort,
+ Die rings um ihn wie Herden dehnen.
+
+ Ja --: brüderlich Verschmelzen!
+ Nicht einsam, sondern _jeder_ sein!
+ Abschraubt des Hochmuts Stelze!
+ Fahrt in die Huren ein!
+ (Schraubt euch auch dumm und klein!)
+ Der Mantel wie ein Drahtzaun
+ Schlingt sich um unsere Hüfte.
+ O lasset uns restlos vertrauen!
+ Geschminkte Masken lüften!!
+
+ Du hast es ihm vollbracht:
+ O brüderlich Verschmelzen.
+ Nacht schwillt: Lampione-Nacht.
+ Geteerte Sommer wälzen.
+ Wir blättern strahlend Fächer.
+ Von deiner Augen Süßsee
+ Schlürft oft der Lippe Mal.
+
+Frau Else Hadwiger gewidmet
+
+
+
+
+Gehaßte Frau
+
+
+ ». . . So wiß es --: daß ich nachts die Straßen jage:
+ Die Brust sie geht ein Segel auf nach dir!
+ Die Gründe Firmamente spiegelnd tragend
+ Sie tosen wirr. (Nun triumphier!!!)
+
+ Dein Lachgeheul sich in Laternen ballend.
+ Die Gäule wiehern ironischen Salut.
+ Des Pflasters Schaukelflur sie springt auf knallend.
+ Durch Frühen schwemme ich. Gebirge Schutt.
+
+ Grandioses Vieh . . . wo dick dein Atem webt,
+ Die Stadt zerbeulend. Steigend auf als Säule.
+ Und ich! Und ich! . . . Es schnappen tausend Mäuler:
+ Den der im Sud der trüben Schlämme klebt.
+
+ Grandioses Vieh . . . Ins Kugellager des Gehirns verwachsen.
+ Mein Stampfen schlingert. Die Maschine stoppt.
+ So schreite aus --: den abrasierten Kopf
+ Des Männchens eingespreizt in waldigen Schoß.
+
+ Grandioses Vieh . . . gehetzt wir schleifen durch Lokale.
+ O wie ich greif und greif nach tausend Skalen.
+ Die Stirn sie knittert. Labyrinth es träuft.
+ Dein Bild verzerrt vor alle Welt zu malen.
+ Mannschaft zu werben. Du! In deren Strahlen
+ Granitenes Monument du schmilzt!! Ersäufst!!!«
+
+
+
+
+Abschied von den Frauen
+
+
+I
+
+ Melodische Gärten taucht ihr langsam unter.
+ Tag dreht herauf, von Blitz und Blitz bestellt.
+ Fortläuten Trams sich durch die Straßen munter.
+ Haar der Alleeen, grünster Flor, sich wellt.
+ Melodische Gärten taucht ihr langsam unter.
+
+ Verlerntet ihr es --: bogenes Streicheln kühl?!
+ Auch tobt die Flur, von Explosion durchmessen.
+ Geliebter weit, der euerer Locken Harfe spielt.
+ Pulver Gebraus wird Mond der Lippen fressen.
+ Die ihr verlernt es --: bogenes Streicheln kühl.
+
+ Da lösen Promenaden hoch ab sich vom Schmetterlingenhang der Schultern.
+ Haubitzenloch der Sintflut Arie blies.
+ Zu Gräben Gräben! aber wandelten sich um die Pulte.
+ Die Toten sprechen manchmal im Verließ.
+ Ja --: Promenaden lösten hoch sich ab vom Schmetterlingenhang der
+ Schultern.
+ Faust krallt der Männer. Schwimmet zueinander!
+ Zerschmeißet des Geschlechtes Sklaverei! Die rasend unerhörte
+ Höllenpein!
+ Zu neuen Küsten --: Aufbruch! Zug und Landung!
+ _Es müssen Brüder sein!!!_
+ Vom Chor der Freiheit aufgezückt. Entbrannte.
+ Wo Regenbogen springen kreuzweis mittendurch --:
+ Es schmilzt der Gletscherbrust Gestein.
+
+
+II
+
+ Namenlose alle! Nicht Gesagte!
+ Wo, wo trifft man euer Angesicht?!
+ Euch zu sammeln ist es längst zu spät?!
+ _Klafft_ es heulend --: jenes Angesicht --
+
+ Von der Häuser Löcher übersät.
+ Von Kanälen kreuz und quer gekerbt.
+ Von dem Plätze-Pickel bös zernagt.
+ Übergleist vom Mörtel wallenden Laternenlichts.
+
+ Langsam muß der Dichter euch entgleiten,
+ Viel zu lange schon bei euch verweilt.
+ Donner rast. Ein endlos Messer flicht
+ Sich dem Körper ein. Granate bricht.
+ Hoch den Dolomiten die sich seilen.
+ Euch umrankend hat er übersehn
+ Den Komet, der schweflicht sich am Himmel wand.
+ Was uns bleibt?! Auf Flur der Leichen gehen.
+ Ach, nicht trocknet mehr vom Blut die Hand.
+
+ Fahnen schwebet nach ihm euer Winken.
+ Welche Stunde bringt uns einst zurück?!
+ Auf die Wangen zackichte Sonnen schminkend
+ Bröckelt ihr an Toren: zu gebückt.
+ Ach, wir waren nur uns Opfer beide:
+ Ausgeplündert oder überzückt.
+ Laßt allein uns tilgen aus von jedem Leid.
+ Ohne Schmerzen kehren wir zurück.
+
+ Einst gleich Fächern auseinanderstrahlet
+ Unserer Körper eingefallener Bau.
+ Auf den Plätzen stehn wir: Kathedralen!
+ Ein Gestirn kreist wild ob unserem Haupt.
+ Regenbogen in die Landschaft malend
+ Sich das Aug, ein Periskop, rundschraubt.
+ Unsere Stirnen aller Armen Schild.
+ . . . Wanderung im Seligen-Gefild . . .
+
+
+
+
+Zweiter Teil
+
+Verbrüderung
+
+
+Novus nascitur ordo
+
+Mirabeau, 1. Mai 1789
+
+
+
+
+Getötetem Freund · Vermächtnis
+des sterbenden Soldaten
+
+
+Um den 30. Juli 1915 herum fiel -- gegen Frankreich verschickt -- der
+vierundzwanzigjährige jüdische Handlungsreisende (mir Freund und Dichter)
+Albert Michel aus Allach (oder München). Nicht daß er sich noch kühn selbst
+gelang, aber immerhin der Wenigen einer, die disziplinvoll genug,
+erkämpftestem Führer vertrauend sich anschlossen. 2. bayrisches
+Reserve-Infanterie-Regiment! Soldaten der 3. Kompagnie! Erkennet ihn groß
+--: euerer ewigen Fahne wahrhaften Träger! Ihn -- Geist vom Geist!
+
+
+I
+
+ O Morgen der uns Hyazinthe scheint!
+ Nicht klopfet mehr so der Geschütze Fieber.
+ Zu nah Geduckten gleiten wir hinüber,
+ Auch euch Zerschaufelten im brüchigen Schrein
+
+ Der Grüfte. Brei gehackt im Labyrinth.
+ Ihr bei Loretto . .! Gase Pest
+ Steigt Gloriole grause an dem Hügel.
+ Da -- erdenen Röcken wuchsen Engelsflügel!
+
+ Aufschweben wir umsäumt von rosenem West.
+ Im Nebel hocken Regimenter blind.
+ Wir lüften euch Verwirrten bald die Schleier.
+
+ Und stürzten wir -: der große Tag bleibt euer.
+ Hört: führt herauf -- es strahlt! -- zum Totenfest
+ _Europa!!_ Blut kitt ungeheuerst!!!
+
+
+II
+
+ Soldaten! Brüder! Um Kolben euerer Gewehre blühen Tannen --
+ Wälder, und Räume einer heiligen Saat!
+ Die Sterngefilde blanker Bajonette spannen
+ Sich neigend über dem entsunkenen Staat.
+
+
+III
+
+ Wir Schaukler durch die nächtigen Ozeane.
+ Vor weißer Küste fraß uns der Taifun.
+ In Augs verschlossenem Spiegel kreuzen Fahnen.
+ Vergilbte Schärpen in den Leibern nun.
+
+ Das Haupt zerstrahlen jene breiteren Dämme,
+ Kolonnen überschwellt. Ein Brückenbau.
+ Die Kathedrale, deren Türme stemmen
+ Auf den Azur. Ein Drahtverhau
+
+ Biegt sich als Dornenkrone um der Stirne Rund. Gleißend
+ Das Regiment, elastischer Panzer, zieht
+ Empor die Serpentine um die Brust. Geleise
+ Am Horizont nach dem Gestirne kniet.
+
+ Wie denken wir euch Brüder in den Städten!
+ Dich jungen Dichter, in den Platz gestellt!
+ Ein Monument, um das des Volks Schwarm bellt.
+ Du der sich brüllend aus dem Jahr muß fretten.
+
+ Doch der sich bohrt durch Höllen-Abenteuer.
+ Am End der Heros. Vor Europa führt.
+ Evangelist der Zeit. Ein Jäher. Neuer.
+ Einst Pyramide er. Bengalisch Feuer.
+ Ja --: dess Gesang die Massenlöcher schürt.
+
+
+IV
+
+An den General
+
+ . . . Verreckend schau ich feistes Antlitz dich.
+ Wie spaltest du, elendes Wrack, entzwei!
+ Aus dess Gehirn entsprang uns Stich bei Stich.
+ Anschob die Faust purpurene Bastei.
+ Armeeen stampftest in ein Höllgrab du.
+ Wozu?!
+
+ Schon finstere Haufen sich zusammendrängen.
+ Es malmt zu Brei dich heulender Ballast.
+ Die aber schraubten jubelnd hoch sich, schwängen
+ Wirr tanzend auf der Dächer Silberglast.
+ Dein Sturz der Völker Paradiesgeläut.
+ Antönt es heut.
+
+ Das muß enorm von Raum zu Räumen schwillen.
+ Zersplittert Mauern! Rast! Durchbohre Damm!
+ Da öffnen donnernd sich des Tags Ventile,
+ Verschoß in Blitzazur der Nächte Schlamm.
+ Verfluchte ihr des Todes Lieferanten!
+ Kasernen stranden.
+
+ Die Straßen (Häuserchöre streichen) wallen.
+ Es zückt die Stadt. O weißlich Sommerfest.
+ Ein Vogellüster auf und niederfallen.
+ Zu Rieselhalm verwandelt Bajonett.
+ Umarmt von Tieren Menschen ziehen,
+ Gestreift süß bunter Melodien.
+
+ -- So will ich gern dir deine Falten glätten.
+ Ich fühl mich als des Daseins Untergrund.
+ Der mußte uns in Knochenwirrnis betten.
+ Zur Fahn entknospet sich mein Lippenmund,
+ Daraus elektrisch blättert Strahl um Strahl:
+ Mein General.
+
+
+
+
+Der Entfernte · Georg Trakl
+
+
+ Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt.
+ Wo gar kein Raum ist in der Luft zum Schrein.
+ . . . und würgt und würgt. Da gern es schlafend trägt
+ Ihn, hängt er sich ins Horn des Hirsches ein.
+
+ Betaute Wiege. Doch erwacht er grell
+ Matt gießen Mond und Sterne sich herein.
+ Ein wenig plätschert er im schwarzen Quell.
+ Er schlürft berauscht vom bitteren Abendschein.
+
+ Seltsam durchmischt verblieben die Geräusche
+ Aus jener Stadt, die knospet auf im Blut.
+ Von zweien Kindern ausgebrochenes Kreischen.
+ Wie Blasen steigend Böller Festsalut.
+
+ Auf einmal dann --: gestreckte Schlote zischen.
+ Andante-Baß der Straße bunter Ton.
+ Wo Brüllen . . . Haufen schleifen an. Lang Wischen --
+ Am Ende schlüpft heraus ein Grammophon. --
+
+ Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt.
+ Wo gar kein Raum ist in der Luft zum Schrein.
+ . . . nur manchmal wie umarmend schlägt
+ Den Kopf er brüderlich ins Moosgestein.
+
+
+
+
+An den Tyrannen
+
+
+ Mittelpunkt du rasender Geschwüre!
+ Deine Poren brachen auf, nun blähen
+ Geysirs Blut daraus. Gewölbe knallen
+ Dir zu Häupten. Orkus faucht dich an!
+
+ Völker zogen singend dir zu Füßen
+ (Frauen hackend ein der Väter Arm,
+ Kindlein flattern an Musiken: Fetzen --),
+ Völker brausen in die Gruft der Schlacht.
+
+ Eiter spritzt zu goldener Hüfte Planken.
+ Auch Gestrüpp von Därmen wirrt sich drum.
+ Große heilige schöne buntere Schiffe,
+ Lächelnde Delphine, Prunkpaläste . . . .
+
+ Schiffe menschbesät, o morgenfrische
+ Süßest gleich Geliebten, Schauklerinnen
+ Schwarzer Meere, rinnende Sternenküsten --
+ Ah, dein Atem spießt sie jäh zu Grund.
+
+ Nicht Gewitter-Trommeln dich Erlauchten rühren,
+ Finster rollend ob der Leichen Flur,
+ Nicht daß Weiber, klopfend kaum an Türen . . . .
+ Weichen sie doch, zückst du Messer nur!
+ Grauser: neu gewelkten Brand zu schüren
+ Jüngst dein Wort durch die Gemarke fuhr -- -- --
+ Explodier o Raum!
+ Fern der Menschheit Traum!
+ Ordenspanzerbrust absplittert Dolch und Schwur!!!
+
+ Nein! Tyrann! Nicht würgten Barrikaden
+ Dich zuend. Noch Salven Höllenflug.
+ Pyramiden Liebe auf dein Haupt wir laden.
+ Schmilz o schmilz vor freiester Güte Bug!
+ Sänge überspülend in Kaskaden
+ Monument dich. Auf all Himmel schlug.
+ Nebel zünden, rings Gewölk zerrann.
+ Arme breiten Völker dir Tyrann!
+
+
+
+
+An Zola
+
+
+Hinauf, Menschen! Heraus aus euerem Schmutz, den ich nachmale, euerem Elend
+und euerer Schande, die ich nackt hinstelle. Hinauf mit mir: arbeitend ihr
+und ich. Wir sind Brüder. Nicht viel Worte davon. Es heißt seine Pflicht
+tun.
+
+Zola
+
+ Um dich gruppieren sich die Neuen Städte.
+ Zementene Quadern. Dächer Überfall.
+ Um dich Fabriken klares Frühmeß-Schmettern.
+ Der Donnerzüge steilster Kurvenwall.
+ Um dich gruppieren sich die Neuen Städte.
+
+ Es starren Dickicht rund die finsteren Völker:
+ Dornkranz der wie von Höllen widerscheint.
+ Zerzauste Himmel drauf (Ruinen) welken.
+ Die Riesenpyramide aus Gebein.
+ So starren Dickicht rund die finsteren Völker.
+
+ Zu dir verstrecken sich die jungen Dichter:
+ Koloß der Arbeit. Krachend aufgetürmt.
+ Hah: Massen wälzen! Von Tribünen spricht er
+ Der Hymnische. (-- Du Leite mir und Schirm -- ).
+ Zu dir verstrecken sich die jungen Dichter.
+
+ Da knospet auf aus deinem Inselgarten
+ -- Und strahlt! -- der Menschheit blaue Morgenwelt.
+ Du schwebst ihr vor. Zurück aus Orkus-Fahrten.
+ Ein jeder groß und blühend eingestellt.
+ Wir knospen auf aus deinem Inselgarten.
+
+ Ja leucht und sprieß und schaukel in den Winden
+ Purpurnes Schiff! Die faßt wohl alle sie.
+ Asyle platzen und Kasernen schwinden,
+ Durchdrungene von der Brudermelodie.
+ Purpurnes Schiff! Demokratie!!
+
+ Zola --: es soll uns selbst der kleinste Traum zersplittern!
+ O Trinität des Werks: Erlebnis-Formulierung-Tat!
+ Gehirn ein Block Kristall heiß durchgeschliffen.
+ Fanfare brüll! Schaut: diese Straß biegt grad
+ Hinein in den Tumult und durch! Gewitter
+ Sie hängen drum. Emporgestemmt von ewigen Imperativen.
+
+
+
+
+An den Frieden
+
+
+ O süßeste: Traum der streicht wie Sommer lind!
+ Doch bald mußt du wohl mehr sein als ein Ahnen.
+ Da blüht er auf wie kleinster Duft von Wind.
+ Ein Engel durch der Leichen Schlucht sich bahnend.
+
+ Dein Tag --: er wölbt! Die Stadt birst vor Geläut.
+ Der Sonne Fluß erbraust in jeder Straße.
+ Gemäuer hoch sprießt goldener Strahl-Efeu.
+ Fanfarenmünder Halleluja blasen.
+
+ Das Blutgefild verbaut zu weichem Beet,
+ Zu Wald und See mit Stern und Wolk darein.
+ Millionen Toter schwarze Fahne weht
+ Breit auf vom Grund. Zerpeitschte Lüfte schrein.
+
+ Wird sich ein Blitz zum Mord im Abend zücken!?
+ Nein. Menschen wallen Heilige im Chor.
+ Auf Promenaden mögt ihr Frauen pflücken.
+ Ein Bund von Freunden tritt im Platz hervor.
+
+ Ihr --: laßt uns gern vom ewigen Frieden reden!
+ Ja, wissend sehr, daß er Gestalt gewinnt
+ Noch süßester Traum nur. Unsere Hände jäten
+ Das Unkraut aus, das jenen Weg bespinnt.
+ Ertön o Wort, das gleich zur Tat gerinnt!
+ Das Wort muß wirken! Also laßt uns reden!!
+
+
+
+
+Tod des Fliegers über der Stadt
+
+
+ Da -- ein Meteor sich ab die Bombe löste.
+ Rings blüht, Geschmetter, auf sie in der kleinen Stadt.
+ Er aber brüllte an den Engel, daß er höre . . .
+ Herab floß in Spiralen der. Gewitter töste.
+
+ Bald fliegend neben ihm, bald bog er auf.
+ Verfolgend ihn. Ah, klirrendes Gerenn.
+ Propelleratem streift ihn, Höllensturm.
+ ». . . Ich laß dich nicht, du segnetest mich denn . . .«
+
+ Dann schrieen sie in wirrester Diskussion
+ Einander zu. Da schäumt von Bein und Fetzen
+ Gestrüpp um ihn. Tragflächen schmolzen.
+ Aufkreischt der Motor. Dessen Brust klafft schon
+
+ Entzweigekreuzt. Es kippt der Apparat
+ Und saust und bohrt. Und _eines_ Rauches Säule
+ Steht mitten auf. Durchschnittene Äther heulen.
+ Enorm. Ja --: eines Rauches Säule grad.
+
+ Der Sockel --: Trichter aufgefüllt mit Kehricht.
+ Jehovas Wächterengel aber rauschend schwebt
+ Durch Lüfte quer. Errichtend tausend Säulen
+ Ob heimgesuchter Städte grausem Wundenmal.
+
+
+
+
+Verbrüderung
+
+
+ Wie geschah, daß nicht zusammenfanden
+ Du und du. Daß wir uns einsam-wund
+ Hah! verzweifelt an Nacht-Häuser banden,
+ Kaum erkennend --: Flügel _eines_ Munds.
+ Von erhellten Räumen ausgeschlossen
+ Wir Verdammte zu der Straßen Flur.
+ Lüster (Kelche) Licht aus Fenstern gossen,
+ Uns Glanzschleier, lockend Tränen nur.
+
+ O --: wer hat zuerst dich angesprochen
+ Göttlich Du!? Ein Bruderfirmament
+ Wer erbaute es?! Zerstochener
+ Leib des Freunds, da er sich von uns trennt?!
+ Spieen es die Mäuler der Haubitzen
+ Jenes Urwort belfernden Geschreis?!
+ Scheinwerfer mit schrägem Strahle blitzend?!
+ Rollt es mit den Zügen stets vorbei --?!
+
+ Brüder! Brüder! Kann es längst vergessen
+ Ein sich spinnen in entfernter Bucht?!
+ Dostojewskis Feueraugen fressen.
+ Rasend Tolstoi in der Weite sucht.
+ Haben Mütter euch zum Mord geboren?!
+ Euer Schicksal --: schwank und qualgehetzt,
+ öffnet, öffnet euerer Brust die Tore,
+ Drein Azursee stürzt!!!
+
+ Wallen mögen hier die breiten Scharen
+ Jener Toten. Düsterer Trommelzug.
+ Wald erglänzt von aufgelösten Haaren.
+ Münder strecken sich zu Siegfanfaren,
+ Langsam steuert schimmernder Brüste Bug.
+ Rings die Mädchen flattern gleich Libellen.
+ Droschkengäule tönend eingereiht.
+ Wir Zentrale. Städte, Länder schellen.
+ Welt gerinnt. Harmonisches Geläut.
+
+ Und so wird die blanke Zukunft tagen:
+ Heiliger Staat, der quillt aus unserem Blut.
+ Keine Frauen an den Männern nagen.
+ Freunde schreiten groß und hochgemut.
+ Noch wir durch der Nacht Gewimmel jagen,
+ Auch bespült von stinkichtem Ekelsud.
+ Denn --! die Menschheit ist verrückt,
+ Längs und quer zerstückt:
+ Räuber-, Mörderbrut.
+
+ Trotzdem -- überherrlich aufgelassen
+ Wälzt durch Münder Schleusen -- gleit o Hass! --
+ Der Gesänge Strom.
+ Bajonette schwank wie Halmzeug knicken.
+ Schwarze Vöglein hüpfen Brownings nickend.
+ Fetzen Wolken knittert der Pogrom.
+ O --: anhebt ein Zueinandereilen.
+ Nichtmehr Schründe klaffen tödlich-tief.
+ Harfen wiegen. Zwitschern. Gestern Henkerbeile.
+ Kleine Sonne platzend letzte Bombe stiebt.
+
+ Weiße Dome schweben auch Fabriken.
+ Frühling in ovaler Fensterbogen Lücken.
+ Flöte dehnt der einst so schrille Pfiff.
+ Liebende auf weichen Dachgeländen
+ Sich dem Hostienmond entgegenwenden,
+ Immer höher steigt ihr Schiff.
+ Spät --: sie werden sich noch dumpf erinnern
+ Der Gezeit aus Tod und Rauch und Pfuhl,
+ . . . Dörfer knistern. Angeschossene wimmern.
+ Marterkinder starben an der Schul.
+
+ Ja --: sie müssen sich zusammenfalten
+ In die Lüfte ragend silberner Strauß.
+ Auf und ab als Schaukler Balsamwinde gehen.
+ Monument --: nach Jahren zu bestehen,
+ Wieder wenn aus wütig eingekrallten
+ Menschenknäueln zuckt Gebiß und Faust.
+ Splitternd tanzen um die vielen Plätze
+ Mit der Bürger lautestem Märkteschwall.
+ Brüder! Unser Odem --: Leid zu letzen
+ Streich zurück den noch gewordenen Knall!!
+
+ Hört ihr nicht heraus der Tausend Warten?!
+ Wer ist jener, den die Schuld betrifft,
+ Daß das Reich nicht zu uns kommt?!
+ Aber Lanzen stochern, Hellebarden
+ Pflügen auf phantastischer Wolken Trift.
+ Pferde klappern -- --
+ Brüder! Reisst die Helligkeit hinunter
+ In der Städte ödes Schlachtgefild!
+ Zerrt die Straßen hoch und schmückt sie bunter!!
+ Tausend warten wild -- -- --
+
+ Gott du Zünder, so uns geistwärts führst:
+ Gott aus spitzigstem Gehirn geschöpft.
+ Leuchtturmfeuer innigste Eintracht schürend.
+ Zwiespalt Tücke donnernd abgeschröpft!
+ Morgenküsten nähern sich Spelunken,
+ Schmelzend ein Asyl.
+ Ihr --: Gefängnisse von Abends schattener Gnade trunken
+ Müden Engels sanfter Wiegenpfühl.
+
+ Wo sich Sonne beißt in Wüstenorte
+ Stellt sich Zephir, milderen Hauchs, bereit.
+ Körper im Aussatz verdorrte
+ Gehen auf Landschaften Edens weit.
+ (. . . Körper von der Väter Hieb zerfleischt . . .)
+ Von der Störche dunklen Herdenschwärmen,
+ Der Balkone Rechteck überdacht.
+ Wunder --: finsterer Klumpen der Gedärme
+ Ward zu knospener Schlingung aufgefacht.
+
+ Brüder! Nicht vom Zauberwort Berauschte
+ Weih ein jeder sich der ewigen Tat!
+ Nicht von Orgeln glühend aufgebauscht . . .
+ Unser Psalm befiehlt euch --: heiß und grad.
+ Tretet an den Marsch! Freiheit auf die Fahnen!!
+ Dich antike Welt zertrümmere solcher Schwung!
+ Ein Gestirn enttaucht. Kreuzt ob unserem Plan:
+ Himmel der Verbrüderung.
+
+
+
+
+Die neue Welt
+
+
+I
+
+ Er war hinabgestiegen und er schaute.
+ Da schwankte wie ein Schiff das Fundament.
+ Zum Himalaya hoch ein Blutmeer staute.
+ Land angereiht an Land -- _ein_ Schrei stößt! -- brennt!
+
+ Und welche, die Fontänen auseinanderspritzten --
+ Die Flügelarme flatternd ausgereckt.
+ Und welche hinter Kartenpulten sitzend --
+ An buntem Plan das feiste Antlitz leckt.
+
+ Gekreuzt ob Epauletts die Marschallstäbe.
+ Millionen stapfte solch Gehirn zu Brei.
+ Millionen mußten in den Böden kleben.
+ (. . . O Knall, Dreihunderte zerfetzten eben . . .)
+ Millionen vorgeführt gen die Bastei,
+
+ Wo tackend Läufe die Portale zieren.
+ Granate fort der Dome Blüte scheuert.
+ Scheinwerfer (Stromband) in der Runde schmieren.
+ Da waten Regimenter klein durch Feuer.
+
+ Und stürzen ineinander. Messermauern jäh.
+ Emporgeschweißt bald. Strahlend zugerichtet.
+ Und stürzen ineinander. Kauernde . . .
+ Posaunen rast ihr einst, o Höllentrichter!
+
+ So hängen sie gleich zappelnden Figuren,
+ Exakt an Schnürchen hin und herbewegt.
+ Doch in den Städten hausen schöne Huren.
+ Geschminkt mit Blut die Wangen. Grabwind fegt
+
+ Aus deren Poren. Und die Federn nicken
+ Gleich aufgezücktem, umgebogenem Arm.
+ Hah --: dort anblähen pustend sich Fabriken,
+ Bestien fett im wütigen Alarm.
+
+
+II
+
+ Dann kroch er fröstelnd durch Tumulte Hungers.
+ Gespickt mit Aussatz. Überrauscht von Pest.
+ Um spät zur Früh am Straßeneck zu lungern.
+ In jedem Tier, in jedem Mensch verwest.
+
+ Aus jedem Mensch, aus jedem Tier erstanden!
+ Er riß den Mantel von der Schultern Bug.
+ In dessen Brust, dem Krater, Sonnen brannten,
+ Umschwirrt von der Gestirne Donnerflug.
+
+ Nun trieb, was heulend er oft nachts gedichtet,
+ Heraus --: es scholl: Der Neuen Welt Programm.
+ Du Himmelreich in grauser Schlacht errichtet.
+ Ein Sturm zerschmeißt der Bösen morschen Damm.
+
+ . . . Er baute vor sich. Krallend Fäuste kneten.
+ Durch Finsternisse sticht er, kreisendes Plakat.
+ Ein Männer sammeln. Von Tribünen reden.
+ Er tönt, ein Riesenhorn, den Psalm der Tat.
+
+ Antike Städte unter Dröhnen knittern.
+ Melodisch schwingt schon nächstes Paradies.
+ Aus Tänzerinnen weichstem Mondgeflitter
+ Noch trüber Wallung voll der Tag sich gießt.
+
+ In Elfenbein. Von bunterem Wind gesalbt.
+ Der kämmt zurück der Nächte Schlinghaar falb.
+ Senkt das Gestirn in aufgestemmte Brust.
+ Er hobelt ab verkohlten Leibes Krust.
+ (. . . und Wimmern ebbt und sägendes Gehust . . .)
+
+ Er war hinabgestiegen. Auf er bog
+ Mit Höll im Arm, die süßer Mai bezog.
+ Lang tobte Chaos in dess Angesicht.
+ O neue Welt! An jetzt uns Freiheit bricht!!!
+
+
+III
+
+ Da rollen Züge tönend im Gelände,
+ Das auf sich wölbte, breit und wunderbar.
+ Er schwebt -- ein Fluß verknüpft sich noch vorm Ende,
+ Dran Häuser stehn wie weiße Kinderschar.
+
+ Lichtsäulen schreiten Menschen überall.
+ Kristallene Wälder blitzen in den Räumen,
+ Verzogen der Gewitter Überfall.
+ Gebirge Katarakte Donner säumen.
+
+ Wie tausend Brücken spreizen aus dem Land,
+ Mit Kurvenwirbeln strahlend in den Äther!
+ In Sommerluft, dem Schmetterlings-Gewand
+ Mag steigen ob der Dächer Flur wohl jeder.
+
+ O heilig Paar das wie ein Kelch aufsprießt!
+ Von blauer Lämmer hellstem Flor umläutet.
+ Stern an Stern durchflochtene Wies:
+ Spiegelglätte, Nacht und Meeresweide . . .
+
+ Entreinigt euch der winterlichen Städte,
+ Der Nebelstraße tauichtem Gebrest!
+ Wir grüßen Sonne dich! Erhabenes Schmettern.
+ (. . . einst Blutschwamm übern Himmel ausgepresst . . .)
+ Nun Scharlachlüster sprühenden Geästs.
+
+ Nationen ewige, so ihr befreit
+ Euch -- Tat! -- aus mördrischen Tyrannengriffen!!
+ Wir drehen aus der Kriege Dunkelheit,
+ Emporgeschraubt, wie Morgen rein geschliffen.
+
+ Nicht daß mit Peitschen mehr uns Henker bannen.
+ Rings Völker brausen in die Himmel grad.
+ Sterngefilde blanker Bajonette spannen
+ Sich neigend über dem entsunkenen Staat.
+
+
+
+
+Inhaltsverzeichnis
+
+
+Erster Teil: Kreuzzug · Ekstasen
+der Zärtlichkeit · Abschied von den
+Frauen
+
+ Ödipus. I u. II 5
+ Mädchen I--IV 7
+ Aus den Sonetten um C. I--IV 11
+ An C. I--III 13
+ Ekstasen der Zärtlichkeit I--IV 17
+ Gehaßte Frau 23
+ Abschied von den Frauen I u. II 24
+
+
+Zweiter Teil: Verbrüderung
+
+ Getötetem Freund · Vermächtnis des sterbenden Soldaten I--IV 29
+ Der Entfernte · Georg Trakl 32
+ An den Tyrannen 33
+ An Zola 35
+ An den Frieden 37
+ Tod des Fliegers über der Stadt 38
+ Verbrüderung 39
+ Die neue Welt I--III 43
+
+
+
+
+
+Anmerkungen zur Transkription
+
+
+Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Verbrüderung, by Johannes R. Becher
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 41706 ***